Decision ID: 4128d1a6-75f7-5972-98d5-88078116420a
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ A.E., geboren am 1. Oktober 1960, zurzeit in der Türkei, hatte seinen Wohnsitz vom
4. Mai 1980 bis zum 20. Mai 2006 ununterbrochen in der Schweiz. Am 20. November
1983 zog er seine Ehefrau D.E., geboren am 1. Januar 1965, nach. Die Eheleute haben
drei Töchter, die alle in der Schweiz geboren wurden: K., geboren am 28. April 1985,
B., geboren am 6. Oktober 1987, und F., geboren am 26. Februar 1992. Allen
Familienmitgliedern wurde die Niederlassungsbewilligung erteilt.
Am 20. Juli 2005 heiratete K.E. in der Türkei den türkischen Staatsangehörigen D.T. Am
8. Dezember 2005 beantragte sie für ihren Ehemann den Familiennachzug, welcher
bewilligt wurde. Am 8. April 2006 reiste D.T. in die Schweiz ein.
Dem Ausländeramt wurde zugetragen, dass es sich bei der Ehe zwischen K.E. und D.T.
um eine so genannte Zwangsehe handeln könnte. A.E. habe seine Tochter, K.E., zur
Ehe mit D.T. gezwungen. Das Untersuchungsamt St. Gallen eröffnete ein Strafverfahren
gegen A.E. und D.T. und nahm beide in Untersuchungshaft.
Mit Verfügung vom 18. Mai 2006 wies das Ausländeramt A.E. für die Dauer von zehn
Jahren aus der Schweiz aus. Einem allfälligen Rekurs gegen diese Verfügung entzog es
die aufschiebende Wirkung. Zur Begründung führte das Ausländeramt im wesentlichen
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aus, das Verhalten von A.E. habe zu schweren Klagen Anlass gegeben. Schweizerische
Verhaltensweisen seien ihm "verpönt". So habe er etwa seiner Tochter B. die
Teilnahme an einer obligatorischen Wintersportwoche der Schule verboten, obwohl die
Schulbehörde zuvor ein Dispensationsgesuch abgewiesen habe. Mit Strafbescheid
vom 14. April 2003 sei er deswegen vom Untersuchungsamt St. Gallen zu fünf Tagen
Haft bedingt und einer Busse von Fr. 1'000.-- verurteilt worden. Auch spreche A.E.
trotz 25-jähriger Anwesenheit in der Schweiz immer noch so schlecht deutsch, dass er
anlässlich der Einvernahmen auf die Hilfe eines Dolmetschers angewiesen gewesen
sei. Auch müsse aufgrund des bisherigen Kenntnisstandes des Strafverfahrens davon
ausgegangen werden, dass A.E. seine Tochter K.E. zwangsverheiratet habe.
Zwangsehen würden sowohl der rechtlichen Situation als auch den gesellschaftlichen
Normen der Schweiz widersprechen. A.E. habe klar zu erkennen gegeben, dass er
nicht gewillt sei, sich in der Schweiz zu integrieren. Insbesondere wolle er sich nicht an
die in der Schweiz geltenden Regeln halten. Trotz seines über 25-jährigen Aufenthalts
in der Schweiz sei er immer noch stark in den Traditionen seines Heimatlandes
verhaftet. Eine Rückkehr in die Heimat sei ihm zumutbar. Auf seine
Familienangehörigen könne aufgrund der Schwere seines Verschuldens keine
Rücksicht genommen werden.
B./ Mit Eingabe vom 19. Mai 2006 erhob A.E. beim zuständigen Justiz- und
Polizeidepartement Rekurs gegen die Verfügung des Ausländeramtes vom 18. Mai
2006. Er beantragte unter anderem, dass dem Rekurs superprovisorisch die
aufschiebende Wirkung zu erteilen und das Ausschaffungsverfahren zu stoppen sei.
Zur Begründung wurde im wesentlichen ausgeführt, dass die Voraussetzungen für die
Ausweisung nicht erfüllt seien. Er habe seine Tochter nicht zur Heirat gezwungen,
sondern das Eingehen der Ehe sei ihrem freien Willen entsprungen. Die
entsprechenden Aussagen seien falsch und teilweise auch widersprüchlich. Er habe
sich in der Schweiz wohlverhalten, und eine Rückkehr in die Heimat sei ihm und seiner
Familie, für die er sorge, nach 25 Jahren nicht zumutbar.
Am 20. Mai 2006 wurde A.E. ausgeschafft.
Mit Zwischenverfügung vom 23. Mai 2006 wies das Justiz- und Polizeidepartement ein
Gesuch von A.E. um Wiedererteilung der aufschiebenden Wirkung des Rekurses ab.
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A.E. erneuerte sein Begehren in der Eingabe vom 30. Juni 2006 unter anderem
dahingehend, dass das Rekursverfahren einstweilen zu sistieren und ihm die
unentgeltliche Prozessführung zu gewähren sei.
Am 4. Juli 2006 stellte der Rechtsvertreter von A.E. gegen die Vorsteherin des Justiz-
und Polizeidepartements ein Ausstandsbegehren. Mit Schreiben vom 12. Juli 2006 trat
die Regierungsrätin in den Ausstand und überwies die Rekurssache zur weiteren
Behandlung an das Gesundheitsdepartement als ordentlichen Stellvertreter.
Mit Entscheid vom 12. Februar 2007 wies das Gesundheitsdepartement den Rekurs
von A.E. ab. Die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung wurden
gewährt; der Beschwerde an das Verwaltungsgericht wurde die aufschiebende
Wirkung entzogen. Das Departement erwog im wesentlichen, dass A.E. bereits vor der
Heirat Druck auf seine Tochter K.E. ausgeübt habe. Sodann deute einiges darauf hin,
dass die Eheschliessung von K.E. mit D.T. auf Druck von A.E. erfolgt sei. Die
schlechten Deutschkenntnisse von A.E. bestätigten zudem seinen mangelnden
Integrationswillen bzw. die fehlende Integrationsfähigkeit von A.E.. Sein Verhalten
widerspreche gesellschaftlichen Verhaltensweisen in der Schweiz und verletze die
allgemeinen Gebote der Sittlichkeit in grober Weise. Die Rückkehr in die Heimat sei
A.E. zuzumuten.
C./ Am 27. Februar 2007 erhob A.E. Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den
Anträgen: Der Entscheid des Gesundheitsdepartements vom 12. Februar 2007 sei
aufzuheben (Ziff. 1) und dem Beschwerdeführer sei eine Niederlassungsbewilligung zu
erteilen; A.E. sei die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu
gewähren (Ziff. 2); das Beschwerdeverfahren sei bis zum Abschluss des
Strafverfahrens zu sistieren (Ziff. 3) sowie es sei dem Rechtsbeistand für das
Rekursverfahren eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 6'445.70 (inkl. Barauslagen
und MWST) zuzusprechen (Ziff. 4); unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung wird im wesentlichen geltend gemacht, dass die Vorinstanzen
fälschlicherweise von einer Zwangsverheiratung von K.E. ausgegangen seien. Die
Aussagen von K.E. könnten nicht mit den tatsächlichen und objektiv überprüfbaren
Gegebenheiten in Übereinstimmung gebracht werden. Die Ausweisung erweise sich
insbesondere mit Blick auf die lange Aufenthaltsdauer von A.E. in der Schweiz als
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unverhältnismässig und sei auch für seine Ehefrau und seine jüngste minderjährige
Tochter nicht zumutbar. Weiter sei das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers
verletzt worden, indem sich die Vorinstanz nicht mit der Rekursergänzung vom 30. Juni
2006 und dem Sistierungsbegehren auseinandergesetzt habe. Schliesslich wird
vorgebracht, dass die Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistandes vom
Gesundheitsdepartement zu gering bemessen worden sei.
Mit Verfügung vom 28. Februar 2007 gab der Präsident des Verwaltungsgerichts dem
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung statt.
In der Vernehmlassung vom 20. März 2007 beantragt die Vorinstanz die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung wurde auf den angefochtenen Entscheid sowie die
Akten verwiesen.
Mit Verfügung vom 21. März 2007 wies der Präsident des Verwaltungsgerichts das
Begehren um Sistierung ab.
Am 27. Juni 2007 wandte sich A.E. mit einer nachträglichen Eingabe an das
Verwaltungsgericht. An den Rechtsbegehren in der Eingabe vom 27. Februar 2007 wird
festgehalten. Unter Bezugnahme auf ein Schreiben der Staatsanwaltschaft vom 19.
Juni 2007 an das Ausländeramt stellt sich A.E. auf den Standpunkt, dass die
wesentlichen Punkte des Klagefundaments in der Strafuntersuchung wie ein
Kartenhaus zusammengefallen seien. Insbesondere lasse sich gemäss der vorläufigen
Beurteilung der Staatsanwaltschaft der Vorwurf, die Eltern hätten K.E. zur Heirat
gezwungen, nicht aufrechterhalten.
Das Gesundheitsdepartement nahm mit Eingabe vom 13. Juli 2007 zum Schreiben vom
27. Juni 2007 Stellung. Das Departement stellt sich unter Hinweis auf ein Schreiben
des Ausländeramtes vom 28. Juni 2007 an die Staatsanwaltschaft auf den Standpunkt,
dass die rein strafrechtliche vorläufige Beurteilung an der ausländerrechtlichen
Beurteilung der Streitsache nichts zu ändern vermöge.
Im folgenden wandte sich A.E. mit Eingaben vom 27. Juli und 23. August 2007 an das
Verwaltungsgericht. Die Eingaben wurden dem Gesundheitsdepartement zur Kenntnis
gebracht. Am 24. August 2007 reichte der Rechtsvertreter von A.E. eine Kostennote
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über Fr. 6'445.70 (Verfahren Ausländeramt und Rekursverfahren) und Fr. 4'304.--
(Beschwerdeverfahren) ein.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, sofern wesentlich, in den
folgenden Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 27. Februar 2007
entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Die nachträglichen Eingaben
des Beschwerdeführers vom 27. Juni, 27. Juli sowie 23. August 2007 sind soweit zu
berücksichtigen, als sich ihr Inhalt als rechts- und entscheiderheblich erweist (BGE 133
I 103 ff., 132 I 47 sowie 131 I 311). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Der Beschwerdeführer beanstandet eine Verletzung seines Anspruchs auf
rechtliches Gehör. Einerseits habe sich das Gesundheitsdepartement ohne
Begründung über das gestellte Sistierungsbegehren hinweggesetzt. Anderseits sei die
Rekursergänzung vom 30. Juni 2006 bei der Entscheidfindung zu Unrecht nicht
berücksichtigt worden.
2.1. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101) verankert und beinhaltet das Recht der
Privaten, in einem vor einer Verwaltungs- oder Justizbehörde geführten Verfahren mit
ihren Begehren angehört zu werden, Einblick in die Akten zu erhalten und zu den für
die Entscheidung wesentlichen Punkten Stellung nehmen zu können. Er umfasst auch
das Recht auf Vertretung und Verbeiständung sowie auf Begründung von Verfügungen.
Der Anspruch auf rechtliches Gehör dient einerseits der Sachaufklärung und stellt
anderseits zugleich ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Parteien dar
(Häfelin/Mül¬ler/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufl., Zürich 2006, Rz.
1672 f.). Der Gehörsanspruch ist selbständiger Natur; dies bedeutet, dass eine
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Rechtsmittelinstanz, die eine Verletzung des Anspruchs feststellt, den angefochtenen
Hoheitsakt aufheben muss ohne Rücksicht darauf, ob die Anhörung für den
Verfahrensausgang relevant ist. Die Rechtsprechung nimmt überwiegend an, dass die
Gehörsverweigerung geheilt werden kann, wenn die unterlassene Handlung im
Rechtsmittelverfahren nachgeholt wird, das eine Prüfung im gleichen Umfang wie
durch die Vorinstanz erlaubt. Es soll vermieden werden, dass eine Rückweisung der
Sache zur Gewährleistung des rechtlichen Gehörs bloss zu einem formalistischen
Leerlauf und einer unnötigen Verlängerung des Verfahrens führt (Häfelin/Müller/
Uhlmann, a.a.O., Rz. 1709 f.).
2.2. Der Beschwerdeführer beantragte in der Eingabe vom 30. Juni 2006 an das Justiz-
und Polizeidepartement die Sistierung des Rekursverfahrens bis die im Strafverfahren
gegen A.E. beantragten Zeugen und die vollständige Auswertung des Telefon- und
SMS-Verkehrs zwischen K.E. und D.T. erfolgt sei. In der Folge hat weder das Justiz-
und Polizeidepartement noch das Gesundheitsdepartement über das
Sistierungsgesuch entschieden, sondern das Gesundheitsdepartement hat im
Entscheid vom 12. Februar 2007 den Rekurs abgewiesen, ohne den Ausgang des
Strafverfahrens abzuwarten. In der Nichtbehandlung des Sistierungsantrags ist eine
Verletzung des Anspruchs des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör zu sehen. Der
Rechtsuchende hat einen Anspruch darauf, dass auch seine Verfahrensanträge geprüft
werden. Indes ist die Verletzung des Gehöranspruchs insofern als geheilt zu
betrachten, als der Präsident des Verwaltungsgerichts am 21. März 2007 über den
auch im Beschwerdeverfahren erhobenen Sistierungsantrag des Beschwerdeführers
entschieden hat. Eine Rückweisung an die Vorinstanz wäre unter diesen Umständen
sinnlos. Hingegen ist die festgestellte Gehörsverletzung bei der Kostenverlegung (Erw.
5.) im Beschwerdeverfahren zu berücksichtigen (vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten
nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 90 f.).
2.3. Der Beschwerdeführer beanstandet weiter, die Vorinstanz sei auf seine Eingabe
vom 30. Juni 2006 auch in materieller Hinsicht zu Unrecht nicht eingetreten. Dieser
Vorwurf erweist sich indes als unbegründet. In der Eingabe vom 30. Juni 2006 machte
der Beschwerdeführer im wesentlichen geltend, dass das Aussageverhalten von K.E.
widersprüchlich sei und die behauptete Zwangsverheiratung nicht belege. Die
Vorinstanz ist im angefochtenen Entscheid unter Bezugnahme auf die
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Befragungsprotokolle von K.E. zur Auffassung gelangt, dass der Beschwerdeführer
bereits vor der Heirat Druck auf seine Tochter ausgeübt und auch bezüglich der
Verheiratung mit D.T. Einfluss genommen habe. Vor diesem Hintergrund kann der
Vorinstanz keine Gehörsverletzung im Zusammenhang mit dem materiellen Inhalt der
Rekursergänzung vom 30. Juni 2007 vorgeworfen werden. Die Behörden sind nicht
verpflichtet, sich zu allen Rechtsvorbringen der Parteien zu äussern. Vielmehr können
sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Es
genügt, wenn ersichtlich ist, von welchen Überlegungen sich die Behörde leiten liess
(Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 1706). Diese Voraussetzungen sind vorliegend
erfüllt. Die Beschwerde erweist sich in dieser Hinsicht als unbegründet.
3. Zu prüfen ist im weiteren die Rechtmässigkeit der Ausweisung des
Beschwerdeführers.
3.1. Ein Ausländer kann gestützt auf Art. 10 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über
Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (SR 142.20, abgekürzt ANAG) unter
anderem dann aus der Schweiz ausgewiesen werden, wenn sein Verhalten im
allgemeinen und seine Handlungen darauf schliessen lassen, dass er nicht gewillt oder
fähig ist, sich in die im Gaststaat geltende Ordnung einzufügen. Mit Art. 10 Abs. 1 lit. b
ANAG wollte der Gesetzgeber auch die Ausweisung von Ausländern ermöglichen,
welche die Grenze des strafbaren Verhaltens (vgl. Art. 10 Abs. 1 lit. a ANAG) noch nicht
überschritten haben, aber aufgrund ihrer fehlenden Integrationsbereitschaft oder –
fähigkeit in der Schweiz unerwünscht sind (vgl. M. Spescha, Handbuch zum
Ausländerrecht, Bern 1999, S. 131). Indes stellt Art. 10 Abs. 1 lit. b ANAG keine
Grundlage dafür dar, jeden missliebigen Ausländer aus der Schweiz auszuweisen
(Spescha, a.a.O., S. 131). Der Tatbestand von Art. 10 Abs. 1 lit. b ANAG ist nur erfüllt,
wenn objektive Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Ausländer wiederholt
Verhaltensweisen an den Tag gelegt hat, die für eine fehlende Integration sprechen.
Gemäss dem Wortlaut von Art. 10 Abs. 1 lit. b ANAG sind dabei das "Verhalten im
allgemeinen" und die "Handlungen" des Ausländers zu würdigen. Seine Gesinnung
vermag demnach für sich allein die Ausweisung nicht zu rechtfertigen; sie kann bei der
Anwendung dieser Bestimmung nur insoweit berücksichtigt werden, als sie in seinem
äusseren Verhalten zum Ausdruck kommt (BGE 96 I 272). Art. 16 Abs. 2 der
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Vollziehungsverordnung zum ANAG (SR 142.201, abgekürzt ANAV) verdeutlicht, unter
welchen Voraussetzungen eine Ausweisung gestützt auf Art. 10 Abs. 1 lit. b ANAG
begründet sein kann. Demnach ist eine Ausweisung insbesondere bei schweren oder
wiederholten Verstössen gegen gesetzliche Vorschriften oder behördliche
Verfügungen, grober Verletzung allgemeiner Gebote der Sittlichkeit, fortgesetzter
böswilliger oder liederlicher Nichterfüllung der öffentlichrechtlichen oder
privatrechtlichen Verpflichtungen und sonstiger fortgesetzter Liederlichkeit oder
Arbeitsscheu in Betracht zu ziehen. Allerdings können auch andere Verhaltensweisen
den Schluss rechtfertigen, der Ausländer sei nicht gewillt oder nicht fähig, sich in die im
Gaststaat geltende Ordnung einzufügen. Ob der Tatbestand von Art. 10 Abs. 1 lit. b
ANAG erfüllt ist, stellt keine Ermessensfrage, sondern eine Rechtsfrage dar (BGE 96 I
271), die vom Verwaltungsgericht mit voller Kognition geprüft wird (vgl. Art. 61 Abs. 1
VRP).
3.2. Neben Art. 10 Abs. 1 lit. b ANAG und Art. 16 Abs. 2 ANAV knüpft auch die
Konzeption im Bürgerrecht an die faktische oder vermutete Integration. So wird die
Einbürgerungsbewilligung davon abhängig gemacht, dass der Bewerber "in die
schweizerischen Verhältnisse eingegliedert" (Art. 14 lit. a des Bundesgesetzes über den
Erwerb und Verlust des Schweizer Bürgerrechts, Bürgerrechtsgesetz, SR 141.0,
abgekürzt BüG) und "mit den schweizerischen Lebensgewohnheiten, Sitten und
Gebräuchen vertraut ist" (Art. 14 lit. b BüG). Auch Art. 4 Abs. 4 des künftig geltenden
Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer vom 16. Dezember 2005
(abgekürzt AuG) verlangt, dass sich Ausländer mit den gesellschaftlichen Verhältnissen
und Lebensbedingungen in der Schweiz auseinandersetzen und insbesondere eine
Landessprache erlernen. Im weiteren hat die Integration von Ausländern auch als Ziel
und Aufgabe der staatlichen Ordnung in verschiedener Hinsicht Eingang in die
schweizerische Rechtsordnung gefunden. So ist mit der von der Bundesversammlung
am 26. Juni 1998 beschlossenen Teilrevision des ANAG erstmals ein Integrationsartikel
in das Bundesrecht aufgenommen worden. Gemäss Art. 25a ANAG kann der Bund für
die soziale Integration von Ausländern finanzielle Beiträge ausrichten, sofern sich
Kantone, Gemeinden oder Dritte angemessen daran beteiligen. In Art. 53 ff. AuG wird
die Umsetzung der Integrationspolitik näher definiert. Am 1. Oktober 2000 ist sodann
die Verordnung
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über die Integration von Ausländerinnen und Ausländern (SR 142.205, abgekürzt VIntA)
in Kraft getreten. Die Verordnung geht vom Grundsatz aus, dass Integration sowohl
Bereitschaft der Ausländer zur Eingliederung in die Gesellschaft als auch Offenheit der
schweizerischen Bevölkerung verlangt (vgl. Art. 3 Abs. 3 VIntA). Auch Art. 4 Abs. 1 AuG
definiert als Ziel der Integration das Zusammenleben der einheimischen und
ausländischen Wohnbevölkerung auf der Grundlage der Werte der Bundesverfassung
und gegenseitiger Achtung und Toleranz. Während die Bundesverfassung keine
Bestimmung enthält, die sich zur Integration von Ausländern äussert (vgl. immerhin die
Ausführungen von Pahud de Mortanges/Tanner, Muslime und schweizerische
Rechtsordnung, Freiburg 2002, S. 102 ff. zur Bedeutung der Präambel als Ausdruck
der Nichtdiskriminierung und Auftrag zur Integration), setzt Art. 14 der Verfassung des
Kantons St. Gallen (sGS 111.1) die soziale Integration – die sich im wesentlichen auch
auf ausländische Staatsangehörige erstrecken muss - zum Ziel.
Diese Ausführungen zeigen, dass die Konzeption der Integration der Ausländer einen
wesentlichen Aspekt des Ausländerrechts bildet und namentlich auch in der neueren
Gesetzgebung ihre Verankerung gefunden hat. Gerade vor diesem Hintergrund und mit
Blick auf die Bedeutung des Inte¬grationsgrundsatzes ist es angezeigt, den offen
formulierten Art. 10 Abs. 1 lit. b ANAG, wie bereits vorstehend ausgeführt wurde,
insbesondere auch auf Fälle anzuwenden, wo es objektivermassen an der
Integrationswilligkeit oder
–fähigkeit des Ausländers fehlt.
3.3. Integration, verstanden als friedliche Koexistenz unterschiedlicher
Lebensauffassungen, setzt - wie in Art. 3 Abs. 3 VIntA ausdrücklich festgeschrieben –
die Anerkennung und Respektierung der Andersartigkeit voraus (vgl. M. Caroni, Privat-
und Familienleben zwischen Menschenrecht und Migration, Diss. Bern 1998, S. 439 f.;
vgl. Pahud de Mortanges/Tanner, a.a.O., Freiburg 2002, S. 99 f.). Diese
Integrationskonzeption wird allerdings dann zum Kern einer Rechtsfrage, wenn zu
entscheiden ist, ob und in welchem Masse diese Andersartigkeit von der
Rechtsordnung zu respektieren und zu schützen ist (M. Ph. Wyss, in: Uebersax/Münch/
Geiser/Arnold, Ausländerrecht, Basel 2002, Rz. 23.33). Besonders komplex ist die
Frage nach den Grenzen der Toleranz bei Unterdrückung im familiären Innenverhältnis.
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Die klassisch-liberale Antwort, dass der Staat sich nur in rein private Verhältnisse
einmischen soll, um strafrechtliche Delikte zu ahnden oder privatrechtliche
Streitigkeiten beizulegen, greift angesichts der Gefahr verfe¬stigter Machtstrukturen
und Diskriminierungen im Innenverhältnis zu kurz. Insbesondere dient dieses Konzept
mit seiner strengen Trennung von öffentlichem und privatem Bereich letztlich der
Erhaltung traditioneller Privilegien und Machtstrukturen, welche regelmässig die Frauen
benachteiligen. In der europäischen Grundrechtsdiskussion ist denn auch seit
längerem anerkannt, dass Grundrechte auch im privaten Raum für die Beziehungen
zwischen Individuen relevant sind (W. Kälin, Grundrechte im Kulturkonflikt, Zürich 2000,
S. 182 ff.). Dies bedeutet, dass Toleranz gegenüber anderen kulturellen Praktiken ihre
Grenze auch im familiären Umfeld dort finden muss, wo im Innenverhältnis Zwang
ausgeübt wird und für die betroffene Person keine Möglichkeit besteht, ihre Gruppe
ohne Nachteile zu verlassen (Kälin, a.a.O., S. 203; D. Bianchi: Die Integration der
ausländischen Bevölkerung, Diss. Zürich 2003, S. 113). Auch in einer pluralistischen
Gesellschaft müssen als gemeinsame Basis gewisse Grundwerte - namentlich das
staatliche Gewaltmonopol, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die
demokratische Ordnung, die Unantastbarkeit des Lebens, die Religions- und
Meinungsfreiheit sowie die Selbstbestimmung des Individuums – respektiert werden
(Caroni, a.a.O., S. 440; Bianchi, a.a.O., S. 122; vgl. künftig auch Art. 4 Abs. 1 AuG, der
die Grundlage der Werte der Bundesverfassung als verbindlich erklärt). Personen, die
nicht fähig oder willens sind, das eigene Verhaltensmuster und ihre Sitten und
Gebräuche an diese Grundwerte anzupassen, sind nicht integriert im vorstehend
umschriebenen Sinn und fügen sich nicht in die in der Schweiz geltende Ordnung im
Sinne von Art. 10 Abs. 1 lit. b ANAG ein.
3.3.1. Dem Bericht der Staatsanwaltschaft vom 19. Juni 2007, den der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers zu den Akten gereicht hat, kann entnommen werden, dass die
Familie E. unter Führung des Beschwerdeführers ca. 1995 anfing, nach muslimischen
Regeln zu leben. Das habe sich unter anderem darin geäussert, dass die Töchter statt
der früheren weltlichen Vornamen neue muslimische Vornamen bekommen hätten und
jeweils an Wochenenden in einer Moschee in Hohenems den Religionsunterricht hätten
besuchen müssen (Beilage I, Eingabe des Beschwerdeführers vom 27. Juni 2007). Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers führte sodann in seinem Schreiben vom 1. Mai
2003 an das Untersuchungsrichteramt St. Gallen aus, dass die Familie E. die
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muslimische Religion in sehr strikter Art und Weise lebe und D.E. dem
Beschwerdeführer zu vollständigem Gehorsam verpflichtet sei. Der alte Grundsatz,
dass der Ehemann das Haupt der Familie darstelle, gelte in dieser Familie noch
ungebrochen. Die Familienstruktur führe dazu, dass sich D.E. dem Entscheid des
Beschwerdeführers unterzuordnen habe (Akten Ausländeramt, S. 95 f.). D.E. selbst
äusserte sich anlässlich der untersuchungsrichterlichen Befragung vom 13. Mai 2003
im Strafverfahren betreffend die Nichtteilnahme der Tochter B. am Sportlager
dahingehend, dass der Beschwerdeführer allein entscheide in der Familie und sie
bezüglich der Teilnahme von B. am Lager absolut keinen Einfluss gehabt habe und
unter Druck des Ehemannes gestanden sei. Sie habe auch nicht versucht, sich gegen
den Entscheid ihres Ehemannes zu stellen, da dieser letztendlich bestimme, was in der
Familie zu geschehen habe. Auch in andern Sachen habe sie kein Mitspracherecht, der
Beschwerdeführer entscheide allein in der Familie (Akten Ausländeramt, S. 92-94). K.E.
bestätigte gegenüber der Kantonspolizei St. Gallen anlässlich der Einvernahme vom
21. April 2006, dass sich ihre Eltern trotz des langjährigen Aufenthalts in der Schweiz
nicht anpassen wollten und ausschliesslich die türkische Mentalität pflegten (Akten
Ausländeramt, S. 30).
3.3.2. K.E. sagte verschiedentlich aus, dass ihre Erziehung sehr streng und von der
strikten religiösen Einstellung ihrer Eltern geprägt gewesen sei. Als Kind sei sie
jahrelang von ihrem Vater geschlagen worden und einmal habe er sie gewürgt
(Einvernahmeprotokoll vom 3. Mai 2006, S. 6 f., Einvernahmeprotokoll vom 8. Mai
2006, S. 10). Sie sei gezwungen worden, in die Moschee zu gehen. Ausserdem habe
sie gegen ihren Willen bestätigen müssen, dass sie nicht in die Schullager wolle,
obwohl dies nicht der Fall gewesen sei. Sie sei von ihrem Vater ständig kontrolliert und
psychisch unter Druck gesetzt worden (Akten Ausländeramt S. 81).
Gemäss dem staatsanwaltlichen Bericht vom 19. Juni 2007 konnten zwar die von K.E.
geltend gemachten tätlichen Übergriffe des Beschwerdeführers nicht präzisiert werden.
Indes bestätigte der Primarlehrer, dass K.E. sehr streng erzogen worden ist und ihr
viele Aktivitäten mit Kolleginnen verboten worden sind. Der Reallehrer bezeichnete den
Beschwerdeführer als engstirnig und streng religiös und beobachtete, dass sich K.E. in
der Schule wohler gefühlt habe als zu Hause (Beilage I, Eingabe des
Beschwerdeführers vom 27. Juni 2007). Aktenkundig ist sodann, dass sich der
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Beschwerdeführer aus religiösen Gründen der Teilnahme seiner Töchter K. und B. an
obligatorischen Schullagern widersetzte. Er verwehrte B. die Teilnahme selbst dann
noch, als die Schulverwaltung eine Dispensation ausdrücklich abgelehnt hatte. Die
Schulverwaltung der Stadt St. Gallen belegte den Beschwerdeführer und seine
Ehegattin daraufhin am 26. Februar 2002 mit einer Busse von Fr. 1'000.-- (Akten
Ausländeramt, S. 107-113). Der Beschwerdeführer zeigte sich in der Folge als
uneinsichtig, setzte sich nur ein Jahr später über die Ablehnung eines weiteren
Dispensationsgesuchs hinweg und untersagte B. abermals die Teilnahme an einem
obligatorischen Klassenlager. Der Beschwerdeführer wurde in der Folge von der
Schulverwaltung verzeigt und von den Strafbehörden gebüsst (Akten Ausländeramt, S.
99-106). In der Eingabe vom 27. Juni 2007 wird in diesem Zusammenhang geltend
gemacht, dass die jüngste Tochter F. an allen Schulanlässen habe teilnehmen können.
Der Vorwurf, der Beschwerdeführer habe sich gegenüber den Schulbehörden als
renitent gezeigt, entfalle daher. Diesen Ausführungen ist entgegenzuhalten, dass der
Beschwerdeführer und seine Ehegattin gemäss Schreiben vom 3. April 2003 an das
Untersuchungsrichteramt St. Gallen (Beilage II/4 des Beschwerdeführers vom 27. Juni
2007), es enorm bedauert haben, dass das Dispensationsgesuch nicht bewilligt wurde.
Sie sähen sich dann bereit, F. an den Lagern teilnehmen zu lassen, wenn sie durch ihre
ältere Schwester im Sinne einer familiären Aufsicht begleitet werden könne. Dies zeigt,
dass es nicht Einsicht war, die den Beschwerdeführer dazu bewogen hat, seine jüngste
Tochter an Schulanlässen teilnehmen zu lassen, sondern lediglich der Druck der
strafrechtlichen Sanktionen. Positive Rückschlüsse auf die Integration des
Beschwerdeführers lassen sich daraus jedenfalls nicht ziehen.
3.3.3. Im weiteren ist aktenkundig, dass die ehemaligen Vorgesetzten von K.E. dem
Beschwerdeführer und seiner Ehefrau Hausverbot erteilt haben, nachdem K. von ihrer
Familie an ihrer Arbeitsstelle häufig aufgesucht und bedrängt worden ist. Die damaligen
Vorgesetzten von K.E. gaben gegenüber der Kantonspolizei St. Gallen zur Auskunft, K.
habe im Lauf der Zeit eine negative Veränderung durchgemacht. Sie habe
eingeschüchtert gewirkt, sei immer verstörter geworden und habe gesundheitliche
Probleme bekommen. Man habe sogar Bedenken gehabt, dass sie die
Lehrabschlussprüfung nicht bestehe. K. habe sich auch immer wieder dahingehend
geäussert, dass sie von ihrem Vater unter Druck gesetzt werde, weil sie nicht nach
seinen Wertvorstellungen lebe. Nachdem sie volljährig geworden sei, habe man ihr in
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der Geschäftsliegenschaft eine Wohnung zu einem reduzierten Mietzins zur Verfügung
gestellt und ihr auch etwas mehr Lohn bezahlt. K.E. sei daheim sofort ausgezogen.
Nach der Erteilung des Hausverbotes hätten der Beschwerdeführer und seine
Ehegattin häufig vor dem Geschäft auf K. gewartet (vorinst. act. 4, Schlussbericht der
Kantonspolizei St. Gallen vom 19. Juli 2006, S. 12).
3.3.4. Dass K. wie auch ihre jüngere Schwester F. von ihrem Vater stark unter Druck
gesetzt wurden, wurde auch vom Jugendsekretariat der Stadt St. Gallen gegenüber der
Kantonspolizei St. Gallen bestätigt. Im Juli 2003 habe sich K. beim Jugendsekretariat
erkundigt, wie sie ihre Zusatzlehre zur kaufmännischen Angestellten finanzieren könne,
da sie von ihren Eltern keine Unterstützung erhalten werde. K. sei bei ihrer ersten
Vorsprache in einer sehr schlechten Verfassung gewesen. Während der ganzen
Betreuungszeit, die bis Oktober 2004 gedauert habe, sei von der Familie E. grosser
Druck auf K. ausgeübt worden. Es sei sogar soweit gekommen, dass die Türen
verschlossen worden seien, wenn K. anwesend gewesen sei. F.E. habe sich sehr
aufdringlich und energisch erkundigt, ob K. im Jugendsekretariat verkehre (vorinst. act.
4, Schlussbericht der Kantonspolizei St. Gallen vom 19. Juli 2006, S. 13).
3.3.5. Schliesslich bestätigt auch Z.A., mit der K.E. von Dezember 2003 bis im Sommer
2004 zusammengelebt hat, dass die Eltern auf K. einen grossen Druck ausgeübt, sie
beobachtet und verfolgt hätten. Die Eltern von K. hätten regelrechten Telefonterror
gemacht und die beiden jungen Frauen hätten deshalb auch schon die Polizei rufen
müssen. Der Beschwerdeführer sei bis zu 24 Stunden vor der Wohnung gestanden und
die Eltern hätten K. oft vor der Berufsschule abgefangen (Akten Ausländeramt S. 131).
Auch H.A., der Vater von Z.A., bestätigte gegenüber der Kantonspolizei St. Gallen,
dass K. sehr streng und religiös erzogen worden sei und häufig traurig gewesen sei ob
dem Druck, den die Eltern auf sie ausübten. Die Eltern hätten vor dem Geschäft auf K.
gewartet und sie beobachtet. Sie sei stark eingeschüchtert gewesen, und die Eltern
hätten ihr immer vorgehalten, wo sie gewesen sei und was sie gemacht habe (Akten
Ausländeramt, S. 123-126).
3.3.6. Der Beschwerdeführer macht in der Beschwerdeeingabe vom 27. Februar 2007
und in der Ergänzung vom 27. Juni 2007 geltend, dass die Aussagen von K.E. nicht mit
den tatsächlichen und objektiv überprüfbaren Gegebenheiten in Übereinstimmung
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gebracht werden könnten. Insbesondere lasse sich der Vorwurf der Zwangverheiratung
nicht aufrechterhalten.
Dem Bericht des Staatsanwalts vom 19. Juni 2007 (Beilage I, Eingabe des
Beschwerdeführers vom 27. Juni 2007) kann entnommen werden, dass die vorhandene
Beweislage den Schluss nicht zulässt, dass die Eltern sowie D.T. in subjektiver Hinsicht
davon ausgehen mussten, dass der Eheabschluss gegen den Willen von K.E. erfolgte.
Es sei diesbezüglich eine Aufhebung angezeigt, auch wenn ein gewisser
gesellschaftlicher Druck bei der Heirat wohl eine Rolle gespielt habe. Der Staatsanwalt
führt aus, gegen K.E. ein Strafverfahren wegen Irreführung der Rechtspflege bzw.
falscher Anschuldigung in bezug auf die Behauptung, sie habe nicht gewusst, dass sie
im März 2005 verlobt und im Juli 2005 verheiratet werde, eröffnen zu müssen.
Hingegen sei vorläufig davon auszugehen, dass A.E. in der Zeit vom August 2005 bis
April 2006 Druck auf K.E. ausgeübt habe, dass sie den Familiennachzug für D.T.
beantrage. Er fasse in diesem Zusammenhang einen Schuldspruch wegen Nötigung
ins Auge. Ein Schuldspruch gegen D. und A.E. wegen versuchter Nötigung stehe
sodann in bezug auf den Vorfall vom 21. April 2006 zur Diskussion. Die Eltern hätten
zusammen mit D.T. am 21. April 2006 versucht, K.E. am Arbeitsplatz und später am
Bahnhof abzufangen, um sie zur Rede zu stellen, obwohl sie gewusst hätten, dass sie
nicht mit ihnen sprechen wollte.
Vor diesem Hintergrund teilt das Verwaltungsgericht die Auffassung des
Beschwerdeführers nicht, wonach "aufgrund der signifikanten Wendung in der
Strafuntersuchung" "die wesentlichen Punkte des Klagefundaments
zusammengefallen" seien (Eingabe vom 27. Juni 2007, S. 2). Insbesondere ist für das
Gericht die Frage der Zwangsverheiratung bezüglich der Beurteilung, ob der
Tatbestand von Art. 10 Abs. 1 lit. b ANAG erfüllt ist, nicht alleine ausschlaggebend.
Wesentlich ist im Lichte von Art. 10 Abs. 1 lit. b ANAG vielmehr, dass der
Beschwerdeführer entsprechend der Aktenlage und auch nach Einschätzung der
Staatsanwaltschaft seit seinem Entschluss, streng nach den islamischen
Glaubensregeln zu leben, erheblichen Druck auf K.E., seine beiden anderen Töchter
sowie seine Ehefrau ausgeübt hat. Die strikte Haltung des Beschwerdeführers und
seine Verschlossenheit gegenüber der andersartigen Lebensweise in einem
westeuropäischen Land führten zu schwerwiegenden Konflikten und zu
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familieninternen Freiheitsbeschränkungen, die in einer freiheitlichen Rechtsordnung
nicht hingenommen werden können. Auch wenn traditionellen Vorstellungen der
Familie nicht generell die Berücksichtigung versagt werden darf, ist die Grenze
jedenfalls dort zu ziehen, wo Familienmitglieder einem Spannungsverhältnis ausgesetzt
sind, dem sie nicht gewachsen sind. Letzteres trifft namentlich auf K.E. zu, bei der die
elterlichen Erwartungen, Rechts- und Moralvorstellungen einerseits und die eigenen
Wünsche und Bedürfnisse anderseits eine innere Zerrissenheit bewirkt haben. Es ist
glaubhaft, wenn in den Akten von verschiedener Seite bestätigt wird, dass dieser
schwerwiegende und jahrelange Konflikt eine ernsthafte Gefährdung für das
körperliche und seelische Wohl von K.E. dargestellt haben. Das Verhalten des
Beschwerdeführers ist mit dem Grundsatz der Gleichberechtigung von Mann und Frau,
dem Anspruch auf freie Meinungsäusserung sowie dem Recht auf Selbstbestimmung
des Individuums nicht zu vereinbaren. Diese Aspekte stellen indes, wie dargestellt,
Grundwerte dar, die auch von Migranten vorbehaltlos zu respektieren sind (Caroni,
a.a.O., S. 440).
3.4. Es ist aktenkundig und unwidersprochen, dass der Beschwerdeführer trotz über
25-jährigem Aufenthalt in der Schweiz schlecht Deutsch spricht und bei den
Einvernahmen jeweils einen Dolmetscher benötigte. Die Vorinstanz erblickte auch in
diesem Umstand einen Hinweis für den mangelnden Integrationswillen bzw. die
fehlende Integrationsfähigkeit des Beschwerdeführers.
Es ist nicht zu bestreiten, dass das Beherrschen bzw. die Kenntnis einer
Landessprache – neben anderen Faktoren – eine Voraussetzung für die Integration ist
und somit als Indiz für die Beurteilung taugt, ob jemand gesellschaftlich eingegliedert
ist. Kontakt, Austausch und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erfolgen in der Regel
über die Sprache, die in diesem Zusammenhang als eigentliche Schlüsselkompetenz
zu betrachten ist (VPB 69 (2005), S. 1244 im Zusammenhang mit den Anforderungen
an die erleichterte Einbürgerung). Art. 3 Abs. 1 lit. a VIntA sieht denn auch vor, das
Ausländer namentlich auch durch das Erlernen einer Landessprache zu ihrer
Integration beitragen (vgl. künftig auch Art. 4 Abs. 4 AuG).
Das Verwaltungsgericht schliesst sich der Auffassung der Vorinstanz an, wonach die
schlechten Sprachkenntnisse des Beschwerdeführers ebenfalls als Zeichen seiner
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mangelnden Integration zu werten sind. Insbesondere der Umstand, dass der
Beschwerdeführer auch nach langjähriger Anwesenheit nicht in der Lage ist, sich in
genügendem Mass zu verständigen, stellt seine Integration in Frage (a.M.: Bianchi,
a.a.O., S. 17, wo unter Bezugnahme auf BGE 119 Ib 10 geltend gemacht wird, dass
eine über 20-jährige Aufenthaltsdauer trotz mangelnder Sprachkenntnisse auf eine
Integration schliessen lasse). Hinweise, dass der Beschwerdeführer auf eine andere Art
am sozialen oder kulturellen Leben in der Schweiz teilnimmt, fehlen. Entsprechend den
unbestrittenen Angaben der Staatsanwaltschaft ist er Vizepräsident des Islamischen
Kulturzentrums Stiftung St. Galler Moschee (Beilage I, Eingabe des Beschwerdeführers
vom 27. Juni 2007). Nach eigenen Angaben war der Beschwerdeführer im Zeitpunkt
seiner Ausweisung arbeitslos und von der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert. Die
Familie lebt von der IV-Rente der Ehefrau (Schreiben des Beschwerdeführers vom 14.
August 2006, vorinst. act. 6). Gemäss Art. 3a Abs. 1 lit. c VIntA tragen Ausländer
namentlich auch durch den Willen zur Teilnahme am Wirtschaftsleben zu ihrer
Integration bei. Auch dieser Wille ist beim Beschwerdeführer nicht manifest.
3.5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Verhalten des Beschwerdeführers
gegenüber seiner Tochter K., aber auch gegenüber seinen anderen beiden Töchtern
und seiner Ehefrau mit den in der Schweiz geltenden freiheitsrechtlichen Grundwerten
nicht zu vereinbaren ist. Namentlich der aktenkundige ständige Druck, den der
Beschwerdeführer auf K.E. während ihrer Kindheit, aber auch nach Erreichen des
Erwachsenenalters ausgeübt hat, zeigt seinen mangelnden Respekt und seine fehlende
Toleranz gegenüber anderen Wertvorstellungen und erhellt, dass die in einer offenen
und säkularisierten Gesellschaft üblichen Werte für ihn bedeutungslos sind. Auch der
Staatsanwalt wertet die Konflikte und Probleme, die das Verhalten des
Beschwerdeführers hervorgerufen hat, als schwerwiegend und zieht in verschiedener
Hinsicht gar einen Schuldspruch wegen Nötigung in Betracht. Hinzu kommen die
mangelnden Sprachkenntnisse des Beschwerdeführers und seine langjährige
Arbeitslosigkeit, welche für sich allein zwar nicht genügen würden, den Tatbestand von
Art. 10 Abs. 1 lit. b ANAG zu erfüllen, aber doch ein Indiz für eine mangelnde
Integration darstellen. Auch die lange Anwesenheitsdauer in der Schweiz vermag dem
Beschwerdeführer im vorliegenden Zusammenhang nicht zum Vorteil zu gereichen.
Zum einen zeugt das Verhalten des Beschwerdeführers gerade trotz der langen
Anwesenheit in der Schweiz von seiner mangelnden Integrationswilligkeit bzw. –
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fähigkeit. Zum andern lehnt es das Bundesgericht ab, allein auf der Grundlage langer
Anwesenheit und der damit verbundenen üblichen privaten Kontakte einen Anspruch
auf Gewährleistung eines Anwesenheitsrechts anzuerkennen (BGE 126 II 385). Es
bestehen mithin unabhängig davon, dass sich der strafrechtliche Vorwurf, der
Beschwerdeführer habe seine Tochter K. zur Ehe gezwungen, nicht aufrecht erhalten
lässt, hinreichend objektive Anhaltspunkte dafür, dass er wiederholt Verhaltensweisen
an den Tag gelegt hat, die mit den in der Schweiz geltenden Grundwerten nicht zu
vereinbaren und Beweis für eine fehlende Integration sind. Hinweise dafür, dass der
Beschwerdeführer seine Gesinnung und sein Verhalten künftig ändern könnte, sind
nicht ersichtlich. Vielmehr stellt er sich in sämtlichen Eingaben auf den Standpunkt, der
Vorwurf der mangelnden Integration erweise sich als unbegründet. Die vorstehenden
Erwägungen zeigen indes, dass dem keineswegs so ist. Vor diesem Hintergrund
kommt das Verwaltungsgericht zum Schluss, dass die Voraussetzungen für die
Ausweisung des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 10 Abs. 1 lit. b ANAG erfüllt sind.
3.6. Zu prüfen bleibt, ob sich die für zehn Jahre verfügte Ausweisung des
Beschwerdeführers als verhältnismässig erweist.
3.6.1. Die Ausweisung soll nur angeordnet werden, wenn sie nach den gesamten
Umständen angemessen erscheint (Art. 11 Abs. 3 Satz 1 ANAG). Für die Beurteilung
der Angemessenheit der Ausweisung im Sinn von Art. 11 Abs. 3 ANAG bzw. der
Verhältnismässigkeit sind namentlich die Schwere des Verschuldens, die Dauer der
Anwesenheit in der Schweiz sowie die dem Betroffenen und seiner Familie drohenden
Nachteile zu berücksichtigen (Art. 16 Abs. 3 ANAV). In der Prüfung der Angemessenheit
im Sinn von Art. 11 Abs. 3 ANAG, d.h. der Verhältnismässigkeit, geht auch diejenige
auf, ob die Massnahme im Sinn von Art. 8 Ziff. 2 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (SR 0.l01) verhältnismässig bzw. als in einer
demokratischen Gesellschaft notwendig erscheint (BGE 120 Ib 130 f.).
3.6.2. Der Beschwerdeführer hat sich vor seiner Ausweisung über 25 Jahre und damit
lange in der Schweiz aufgehalten. Immerhin verbrachte er aber seine gesamte Kindheit
und Jugend in der Türkei. Mit Blick auf die vorstehenden Ausführungen ist sodann
ohne weiteres davon auszugehen, dass er mit der heimatlichen Kultur nach wie vor eng
verbunden und vertraut ist. Ausserdem ist zu berücksichtigen, dass der
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Beschwerdeführer in der Türkei seit Jahren ein Haus besitzt, wo er mit seiner Familie
regelmässig die Ferien verbracht hat. Zudem lebt ein Teil seiner Verwandtschaft in der
Türkei, weshalb er auch dort über ein soziales Netz verfügt. Ansonsten fällt bezüglich
der familiären Situation des Beschwerdeführers in Betracht, dass seine Ehefrau 1983
im Alter von 18 Jahren in die Schweiz einreiste. Auch wenn sie die gesamte Kinder-
und Jugendzeit in der Türkei verbracht hat und dorthin in die Ferien reiste, ist es ihr
angesichts ihrer langen Aufenthaltsdauer in der Schweiz nicht ohne weiteres zumutbar,
ihrem Ehemann in die Türkei zu folgen. Sie verfügt über eine Niederlassungsbewilligung
und hat daher ein von ihrem Ehemann unabhängiges Bleiberecht in der Schweiz. Indes
führt allein der Umstand, dass die Ausreise für hier lebende Angehörige nicht zumutbar
ist, nicht zur Unzulässigkeit der Bewilligungsverweigerung. Auch wenn die Trennung
vom Beschwerdeführer für D.E. zweifellos hart wäre, ist immerhin zu berücksichtigen,
dass sie in wirtschaftlicher Hinsicht selbständig ist. Die Familie bestritt schon vor der
Ausweisung des Beschwerdeführers ihr wirtschaftliches Auskommen durch die IV-
Rente von D.E.. Hinzu kommt, dass D.E. zumindest – wie bis anhin – ihre Ferien in der
Türkei bei ihrem Ehemann verbringen könnte. Bezüglich der Kinder ist zu
berücksichtigen, dass K.E. nach wie vor jeden Kontakt mit dem Vater ablehnt. B.K. ist
in Deutschland verheiratet und somit auch nicht mehr vom Vater abhängig. Die jüngste
Tochter F. ist mittlerweile gut 15 Jahre alt; sie wurde hier geboren und verfügt über die
Niederlassungsbewilligung. Eine Ausreise wäre auch ihr kaum zumutbar. Indes lebt sie
mit ihrer Mutter zusammen, und die Betreuung ist gewährleistet. Den Kontakt zum
Vater kann sie über Telefonate oder Ferienbesuche aufrechterhalten.
3.6.3. Bei dieser Ausgangslage kann der Vorinstanz keine Ermessensverletzung
vorgeworfen werden, wenn sie die öffentlichen Interessen an der Ausweisung des
Beschwerdeführers höher gewichtet hat als dessen privates Interesse an einem
Verbleib in der Schweiz. Dies gilt auch mit Blick darauf, dass die Ausweisung auf die
Dauer von zehn Jahren beschränkt ist.
3.7. Die Beschwerde ist als unbegründet abzuweisen, soweit sie die Ausweisung des
Beschwerdeführers zum Gegen¬stand hat.
4. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers rügt, dass die ihm von der Vorinstanz im
Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung zugesprochene Entschädigung zu tief
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sei. Nachdem der Rechtsvertreter im vorinstanzlichen Verfahren keine Kostennote
eingereicht hatte, entschädigte ihn die Vorinstanz gestützt auf Art. 31 Abs. 3 des
Anwaltsgesetzes (sGS 963.70, abgekürzt AnwG) ausgehend von einem Honorar von Fr.
2'000.-- mit Fr. 1'600.-- für das Rekursverfahren. Der Rechtsvertreter moniert, dass
diese ermessensweise Gutsprache seinen Aufwand bei weitem nicht decke. Er
beantragt eine Entschädigung für das Rekursverfahren in der Höhe von Fr. 6'445.70
(inkl. MWSt).
4.1. Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts kann der unentgeltliche
Vertreter die Festsetzung der Entschädigung im eigenen Namen mit dem ordentlichen
Rechtsmittel anfechten (Hirt, a.a.O., S. 265 mit weiterem Hinweis; VerwGE vom 22.
Februar 2006 i.S. E.M. zurzeit veröffentlicht unter www.gerichte.sg.ch). Im Verfahren
vor Verwaltungsbehörden beträgt das Honorar pauschal Fr. 500.-- bis Fr. 5'000.-- (Art.
22 Abs. 1 lit. a der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS
963.75, abgekürzt HonO). Innerhalb des für eine Pauschale gesetzten Rahmens wird
das Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang
der Bemühungen, der Schwierigkeiten des Falls und den wirtschaftlichen Verhältnissen
der Beteiligten bemessen (Art. 19 HonO). Den Behörden und Gerichten kommt bei der
Bemessung der Höhe der Entschädigung des unentgeltlichen Vertreters ein erheblicher
Ermessensspielraum zu (vgl. Hirt, a.a.O., S. 173 mit weiteren Hinweisen). Das
Verwaltungsgericht ändert einen vorinstanzlichen Entscheid betreffend Kostenersatz
nur, wenn eine Ermessensüber- oder Ermessensunterschreitung vorliegt (Hirt, a.a.O., S.
254). Wie der gewillkürte Rechtsvertreter ist auch der unentgeltliche Vertreter nicht
gehalten, einen bestimmten Betrag für die Abgeltung der Aufwendungen geltend zu
machen. Namentlich besteht keine Pflicht zur Einreichung einer Kostennote. Wird keine
Kostennote eingereicht, nehmen Vertreter aber in Kauf, dass die zugesprochene
Entschädigung ihre Honorarforderung nicht deckt. In diesem Fall werden die
Parteikosten unter Berücksichtigung von Art. 6 in Verbindung mit Art. 19 und Art. 22
HonO nach Ermessen zugesprochen. Wird hingegen eine Honorarnote eingereicht,
müssen darin die Berechnungsgrundlage und die angewendeten Bestimmungen der
Honorarordnung angegeben werden (vgl. dazu Hirt, a.a.O., S. 208 und 209; VerwGE
vom 8. Juni 2006 i.S. Y.T., zurzeit unter www.gerichte.sg.ch).
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4.2. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat erst im Beschwerdeverfahren und
somit verspätet eine Kostennote eingereicht. Indes erachtet das Verwaltungsgericht
das Begehren des Rechtsvertreters insofern als begründet, als mit Blick auf die
rechtlichen Schwierigkeiten des Falls und die Interessenlage des Beschwerdeführers
ein Honorar von Fr. 2'000.--, das ausgehend von einem mittleren Honorar von Fr.
200.-- pro Stunde (vgl. Art. 24 Abs. 1 HonO) einem Aufwand von 10 Stunden
entspricht, die glaubhaft entstandenen Aufwendungen nicht zu decken vermag. Es liegt
eine Rechtsverletzung vor, die durch das Verwaltungsgericht zu korrigieren ist.
Angesichts der Komplexität des Falls rechtfertigt sich eine Überschreitung des
maximalen Kostenrahmens von Fr. 5'000.-- (Art. 22 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art.
22 Abs. 2 HonO). Die Entschädigung des Rechtsvertreters ist unter Berücksichtung von
Art. 31 Abs. 3 AnwG antragsgemäss auf Fr. 6'445.70 (inkl. MWSt) festzusetzen. Die
Kostenbeschwerde des Rechtsvertreters ist gutzuheissen.
5. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde von A.E. abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens grundsätzlich zulasten des Beschwerdeführers (Art. 95 Abs. 1
VRP). Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege trägt indes der Staat
vorläufig die amtlichen Kosten (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 288 des
Zivilprozessgesetzes, sGS 961.2). Unter Berücksichtigung der festgestellten
Gehörsverletzung ist eine reduzierte Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- angemessen
(Ziff. 382 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Auf die Erhebung beim Staat ist zu
verzichten.
Die Kostenbeschwerde des unentgeltlichen Vertreter des Beschwerdeführers ist
gutzuheissen. Auf die Erhebung von amtlichen Kosten für die Behandlung der
Kostenbeschwerde, die der Rechtsvertreter in eigenem Namen geführt hat, ist zu
verzichten (Art. 97 VRP).
Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat eine Kostennote über Fr. 4'304.-- (Fr.
4'000.-- Honorar, Fr. 304.-- MWSt) eingereicht. Das geforderte Honorar ist
grundsätzlich angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. c in Verbindung mit Art. 19 HonO). Der
Staat hat den unentgeltlichen Vertreter des Beschwerdeführers für das
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Beschwerdeverfahren ausgehend von einem Honorar von Fr. 4'000.-- unter
Berücksichtigung von Art. 31 Abs. 3 AnwG somit mit Fr. 3'443.20 (Honorar Fr. 3'200.--
+ Fr. 243.20 MWST) zu entschädigen.
Für die Behandlung der Kostenbeschwerde wird dem unentgeltlichen Vertreter des
Beschwerdeführers keine ausseramtliche Entschädigung ausgerichtet, zumal er dafür
auch keine gesonderte Kostennote eingereicht hat (Art. 98ter VRP in Verbindung mit
Art. 266 des Zivilprozessgesetzes, sGS 961.2).