Decision ID: 156e35f0-0b4d-50b7-9881-eecf19944bcd
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
Die B._ AG (ehemals C._) schloss sich mittels Anschlussvertrages vom 10.
Februar bzw. 23. März 2004 zur Durchführung der beruflichen Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenvorsorge per 1. Januar 2004 der A._ (ehemals Pensionskasse D._) an
(act. G 1.2). Der Anschlussvertrag enthielt unter dem Titel "Kündigung des
Anschlussvertrages" eine wie folgend lautende Ziff. 4.3: "Grundsätzlich bleiben die
Rentenbezüger weiterhin bei der Pensionskasse rentenberechtigt. Die Pensionskasse
ist berechtigt für die Zunahme der Lebenserwartung und die Anpassung der Renten an
die Teuerung einen Deckungszuschlag von der austretenden Mitglied._ zu
erheben" (act. G 1.2 S. 2 f.).
A.a.
Mit Schreiben vom 21. Juni 2018 kündigte die B._ AG den Anschlussvertrag per
31. Dezember 2018 (act. G 1.3). Mit einem Brief vom 26. Juni 2018 bestätigte die A._
den Eingang der Kündigung und sicherte eine korrekte und sorgfältige Abwicklung des
Austritts zu (act. G 1.4).
A.b.
Mit Mail vom 10. September 2018 wandte sich ein Mitarbeiter der X._ an die
A._ mit der Frage, ob Rentenverhältnisse vorhanden seien, die durch die X._
übernommen werden müssten. Die A._ antwortete der X._ per Mail am 11.
September 2018, dass lediglich E._ seit diesem Jahr als Altersrentner geführt werde.
Invalidenrenten oder Hinterlassenenrenten bestünden nicht (act. G 1.5).
A.c.
Mit Schreiben vom 14. September 2018 zeigte die X._ der A._ an, dass die
B._ AG sich per 1. Januar 2019 der Stiftung X._ angeschlossen habe. Weiter wies
die X._ darauf hin, dass die Rentenbezüger gemäss Ziff. 4.3 des Anschlussvertrages
A.d.
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bei der A._ verblieben. Zudem forderte die X._ die A._ dazu auf, ihr die gesetzlich
erforderlichen Angaben der aktiven Versicherten zu übermitteln und sämtliche
Deckungskapitalien bzw. Rückerstattungswerte der aktiven Versicherten sowie die
anteilmässigen Guthaben der Arbeitgeberreserven zu überweisen (act. G 1.6).
Mit Mail vom 15. November 2018 übermittelte die A._ der X._ eine
provisorische Aufstellung der per 31. Dezember 2018 vorhandenen
Freizügigkeitsleistungen der versicherten Personen. Weiter bestätigte sie, dass die
Rentnerbestände nach Ziff. 4.3 des Anschlussvertrages bei ihr verblieben und sie somit
die Rente von E._ weiter ausrichten werde. Zudem informierte sie die X._ darüber,
dass der Deckungszuschlag für die Zunahme der Lebenserwartung und die Anpassung
der Renten an die Teuerung von ihrem Pensionskassenexperten noch ausgerechnet
werde. Sobald die Höhe des Deckungszuschlages feststehe, werde diese der X._
mitgeteilt (act. G 1.7, unten). Noch gleichentags bat die A._ einen
Pensionskassenexperten der F._ AG um die Berechnung des in Ziff. 4.3 des
Anschlussvertrages vorgesehenen Deckungszuschlages (act. G 1.9, unten). Am 1.
Dezember 2018 erhielt die A._ vom angefragten Experten die Mitteilung, dass die
Berechnung einen Deckungszuschlag von Fr. 118'487.-- ergeben habe (act. G 1.9,
oben). Mit Mail vom 3. Dezember 2018 informierte die A._ die X._ über die Höhe
des Deckungszuschlages und bat um eine Bestätigung (act. G 1.7, oben). Am 6.
Dezember 2018 übermittelte die A._ der X._ die aktualisierten
Austrittsabrechnungen per 31. Dezember 2018 (act. G 1.12, unten, zur nochmaligen
Zustellung der Austrittsabrechnungen vgl. act G 1.12, oben).
A.e.
Mit einem Schreiben an die X._ (in Kopie an die B._ AG) vom 19. Dezember
2018 schilderte die A._ den Sachverhalt rund um die Übernahme des Rentners
nochmals aus ihrer Sicht und machte erneut geltend, dass sie gemäss Ziff. 4.3 des
Anschlussvertrages dazu berechtigt sei, von der austretenden Arbeitgeberin einen
Deckungszuschlag für den in der A._ verbleibenden Rentner zu verlangen. Weiter
wies sie auf die Möglichkeit hin, dass die X._ den bestehenden Rentner übernehmen
könne. Diesfalls würde der Deckungszuschlag entfallen und für den Rentner ein
Deckungskapital von Fr. 800'124.-- mitgegeben. Für den Fall des Verbleibs des
Rentners bat die A._ um Überweisung des Deckungszuschlages und kündigte an,
A.f.
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dass sie anschliessend die Freizügigkeitsleistungen mit Stand vom 17. Dezember 2018
überweisen werde (act. G 1.13).
Am 20. Dezember 2018 wandte sich die B._ AG mit einem Schreiben an die
A._. Sie bekundete ihr Erstaunen darüber, dass die A._ gedenke, der X._ einen
Deckungszuschlag in der Höhe von Fr. 118'487.-- in Rechnung zu stellen. Die X._
habe sie darüber informiert. Weiter legte die B._ AG dar, warum aus ihrer Sicht ein
solcher Deckungszuschlag nicht geschuldet sei. Schliesslich forderte sie die A._
dazu auf, die Rentenfinanzierung weiterhin vollumfänglich zu übernehmen, von der
Erhebung eines Deckungszuschlages abzusehen und dies umgehend zu bestätigen
(act. G 1.14).
A.g.
Mit Mail vom 28. Dezember 2018 bat die X._ die A._ bezugnehmend auf deren
Schreiben vom 19. Dezember 2018 und unter Hinweis auf eine Gesetzesbestimmung
um eine zeitnahe Überweisung der Freizügigkeitsleistungen. Zudem informierte sie die
A._ darüber, dass sie derzeit die Höhe der notwendigen Einmaleinlage bei einer
Übertragung der Altersrente von E._ berechne und sich diesbezüglich wieder melden
werde (act. G 1.15; vgl. dazu auch act. G 1 S. 4, wonach die X._ am 10. Januar 2019
mitgeteilt haben soll, die Altersrente mit dem mitzugebenden Deckungskapital nicht
übernehmen zu können).
A.h.
Mit Schreiben vom 28. Dezember 2018 antwortete die A._ der B._ AG auf
deren Stellungnahme vom 20. Dezember 2018. Sie hielt daran fest, dass im Falle des
Verbleibs des Rentners bei der A._ ein Deckungszuschlag geschuldet sei, und bat
die B._ AG um Mitteilung innert 14 Tagen, ob der Rentner bei der ehemaligen
Pensionskasse verbleibe oder ob das Deckungskapital des Rentners an die neue
Vorsorgeeinrichtung zu überweisen sei. Für den Fall des Verbleibs des Rentners bei der
A._ sei die Zahlung des Deckungszuschlages innert 30 Tagen vorzunehmen (act. G
1.17).
A.i.
Mit Schreiben vom 24. Januar 2019 gelangte Rechtsanwalt lic. iur. M. Hubatka,
Schindellegi, im Auftrag der A._ an die B._ AG. Er legte der B._ AG dar, warum
die Forderung von Fr. 118'487.-- aus seiner Sicht ausgewiesen sei, und bat die B._
AG, den Betrag in den nächsten Tagen an die A._ zu überweisen (act. G 1.18).
A.j.
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B.

Erwägungen
1.
In einem an Rechtsanwalt Hubatka adressierten Schreiben vom 19. Februar 2019
hielt die B._ AG unter Darlegung ihrer Sichtweise fest, dass sie weder verpflichtet
noch bereit sei, eine Einmalzahlung im Betrag von Fr. 118'487.-- zu leisten (act. G
1.19).
A.k.
Mit Schreiben vom 2. April 2019 setzte Rechtsanwalt Hubatka der B._ AG._
eine letzte Frist zur Überweisung des Betrages von Fr. 118'487.-- bis zum 30. April
2019 (act. G 1.20).
A.l.
Am 5. Juni 2019 erhob die A._ (nachfolgend: Klägerin), vertreten durch
Rechtsanwalt Hubatka, Klage gegen die B._ AG (nachfolgend: Beklagte) (act. G 1).
Sie beantrage, die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von
Fr. 118'487.-- samt Zins zu 5 % seit Anhebung der Klage zu bezahlen unter Kosten-
und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beklagten (act. G 1 S. 1).
B.a.
In ihrer Klageantwort vom 6. August 2019 beantragte die Beklagte die Abweisung
der Klage unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Klägerin (act. G 5).
B.b.
In ihrer Replik vom 10. September 2019 hielt die Klägerin an dem in der Klage
gestellten Rechtsbegehren fest (act. G 8).
B.c.
In ihrer Duplik vom 11. Oktober 2019 hielt die Beklagte an dem in der
Klageantwort gestellten Antrag vollumfänglich fest (act. G 12).
B.d.
Gemäss Art. 73 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40) bezeichnet jeder Kanton als
letzte kantonale Instanz ein Gericht, das über die Streitigkeiten zwischen
Vorsorgeeinrichtungen, Arbeitgebern und Anspruchsberechtigten entscheidet. Im
Kanton St. Gallen ist nach Art. 65 Abs. 1 lit. e des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS 951.1) das Versicherungsgericht zuständig für
Streitigkeiten nach Art. 73 BVG.
1.1.
bis
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2.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist, ob die Beklagte der Klägerin gestützt auf Ziff. 4.3
des per 31. Dezember 2018 gekündigten Anschlussvertrages einen Deckungszuschlag
in der Höhe von Fr. 118'487.-- samt Zins zu 5 % seit Anhebung der Klage zu bezahlen
hat (vgl. act. G 1 S. 1). In einem ersten Schritt gilt es die Frage zu beantworten, ob die
Beklagte der Klägerin im Grundsatz einen Deckungszuschlag schuldet. Im Falle der
Bejahung eines solchen Anspruchs wäre in einem zweiten Schritt die Höhe des
Deckungszuschlages festzulegen. Da der Entscheid über die Höhe eines allfälligen
Anspruchs auf einen Deckungszuschlag zeit- und kostenintensive Beweismassnahmen
nach sich ziehen könnte, zumal die Beklagte gegen das von der Klägerin diesbezüglich
offerierte Beweismittel bereits protestiert hat (vgl. act. G 8 S. 4 i.V.m. G 12 S. 5),
beschränkt sich das angerufene Gericht vorerst auf den Erlass eines
Zwischenentscheides (Feststellungsentscheid) zur Frage, ob grundsätzlich ein
Gemäss Art. 49 Abs. 2 BVG, der bestimmt, welche Vorschriften des BVG auch im
Bereich der weiteren, überobligatorischen beruflichen Vorsorge Geltung haben,
gelangen unter anderem die Bestimmungen über die Rechtspflege und somit auch Art.
73 f. BVG im vorliegenden Verfahren zur Anwendung (vgl. Art. 49 Abs. 2 Ziff. 22 BVG).
Für die Anwendbarkeit eines Verfahrens nach Art. 73 BVG ist in sachlicher Hinsicht
erforderlich, dass die Streitigkeit die berufliche Vorsorge im engeren oder weiteren Sinn
beschlägt. Im Wesentlichen geht es um Streitigkeiten betreffend
Versicherungsleistungen, Eintritts- und Austrittsleistungen und Beiträge bzw. um eine
spezifisch berufsvorsorgerechtliche Frage (Hans-Ulrich Stauffer, Berufliche Vorsorge, 3.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2019, N 2324 f.). Im Verhältnis Arbeitgeber-
Vorsorgeeinrichtung findet das Verfahren nach Art. 73 BVG im Wesentlichen auf
Beitragsstreitigkeiten (Inkasso) und auf Fragen der Unterstellung Anwendung, aber
auch beispielsweise im Streit über die Berechtigung eines Rückbehalts vom
Deckungskapital bei einem Wechsel der Vorsorgeeinrichtung oder die Übertragung des
Dotationskapitals an die Vorsorgestiftung (Stauffer, a.a.O., N 2327). Vorliegend ist die
sachliche Zuständigkeit des Versicherungsgerichts folglich gegeben.
1.2.
Gerichtsstand ist nach Art. 73 Abs. 3 BVG der Sitz oder Wohnsitz des Beklagten
oder der Ort des Betriebes, bei dem der Versicherte angestellt wurde. Die örtliche
Zuständigkeit des angerufenen Versicherungsgerichts ist vorliegend zu bejahen, weil
die Beklagte ihren Sitz in G._ im Kanton St. Gallen hat (act. G1).
1.3.
Da auch sämtliche übrigen prozessualen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die
Klage einzutreten.
1.4.
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Deckungszuschlag geschuldet ist (vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts vom 10.
Juni 2009, 9C_1019/2008, E. 2.2). Erst nach Eintritt der Rechtskraft dieses
Zwischenentscheides werden gegebenenfalls weitergehende Beweismassnahmen
hinsichtlich der Höhe eines allfälligen Deckungszuschlages geprüft. Mit diesem
Vorgehen wird sichergestellt, dass kein unnötiger Aufwand und keine unnötigen Kosten
für Beweismassnahmen anfallen.
3.
Die Klägerin stützt sich für die Geltendmachung ihres Anspruchs auf Ziff. 4.3 des
mit der Beklagten abgeschlossenen Anschlussvertrages. Sie stellt sich auf den
Standpunkt, diese Regelung halte unmissverständlich fest, dass die Beklagte ihr einen
Deckungszuschlag für den Verbleib eines Rentners bei ihrer Vorsorgeeinrichtung zu
bezahlen habe (vgl. act. G 1 S. 5 f.). Demgegenüber macht die Beklagte geltend, dass
Ziff. 4.3 des Anschlussvertrages, welche den Begriff "grundsätzlich" enthalte, sich nicht
klar und unmissverständlich zur Frage des Verbleibs der Rentenbezüger ausspreche.
Die vertragliche Regelung beinhalte keine Umschreibung der Voraussetzungen, unter
welchen Rentenbezüger bei der Klägerin verblieben. Aus diesem Grund komme für die
Frage hinsichtlich des Verbleibs des Rentners die gesetzliche Regelung von Art. 53e
Abs. 4 des BVG zur Anwendung, wonach bei fehlender Regelung im Anschlussvertrag
und fehlender Einigung zwischen der bisherigen und der neuen Vorsorgeeinrichtung
der Rentner bei der alten Vorsorgeeinrichtung verbleibe und zwar ohne jegliche weitere
Voraussetzungen oder Nebenfolgen. Durch den bewussten Verzicht des Gesetzgebers,
eine Auflage wie einen Deckungszuschlag vorzusehen, bleibe auch kein Raum für eine
vertragliche Regelung, welche dem Arbeitgeber eine solche Verpflichtung auferlege.
Einziger zulässiger Regelungsgegenstand bilde im Rahmen von Art. 53e Abs. 4 BVG
die Frage nach dem Verbleib oder Wechsel der Rentenbezüger (vgl. act. G 5 S. 6 f.).
Ausserdem sei Ziff. 4.3 des Anschlussvertrages, welche sich systematisch unter den
Kündigungsbestimmungen finde, auch deshalb nicht anwendbar, da der
Anschlussvertrag des Rentners gemäss der zwingenden Bestimmung von Art. 53e Abs.
6 BVG ungekündigt fortgeführt werde (vgl. act. G 5 S. 10). Die Klägerin stimmt der
Beklagten zwar darin zu, dass der Anschlussvertrag mit dem bei ihr verbleibenden
Rentner ungekündigt weitergeführt werde, schliesst daraus jedoch nicht, dass Ziff. 4.3
des Anschlussvertrages nicht zur Anwendung kommen könne (vgl. act. G 8 S. 5).
Weiter macht sie geltend, Art. 53e Abs. 4 BVG verlange nicht, dass eine von den
Parteien getroffene Regelung die Frage nach dem Verbleib der Rentner ausschliesslich
mit "ja" oder "nein" beantworten dürfe. Vielmehr könne eine Regelung auch so
ausgestaltet sein, dass für den Verbleib von Rentnern Bedingungen erfüllt sein müssten
3.1.
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(act. G 8 S. 4). Das in der Regelung von Ziff. 4.3 des Anschlussvertrages enthaltene
"grundsätzlich" könne nichts Anderes heissen, als dass die Klägerin bereit sei, die
Rentenverpflichtungen beizubehalten, sofern die hierfür statuierten Bedingungen
(Bezahlung eines Deckungszuschlages) erfüllt würden. Würden sie nicht erfüllt, müsse
die Beklagte den Rentner zur neuen Vorsorgeeinrichtung mitnehmen (act. G 1 S. 5 f.).
Zunächst zu prüfen ist somit, ob die gesetzlichen Regelungen von Art. 53e BVG
den Parteien Raum für eine Vereinbarung, wie sie Ziff. 4.3 des Anschlussvertrages
vorsieht, lassen und ob Ziff. 4.3 des Anschlussvertrages somit überhaupt zur
Anwendung kommt.
3.2.
Art. 53e Abs. 4 BVG sieht für den Fall der Auflösung des Anschlussvertrages durch
den Arbeitgeber vor, dass sich die bisherige und die neue Vorsorgeeinrichtung über
den Verbleib der Rentenbezüger bei der bisherigen oder den Wechsel zur neuen
Vorsorgeeinrichtung zu einigen haben, sofern der Anschlussvertrag für diesen Fall
keine Regelung vorsieht. Fehlt eine Reglung im Anschlussvertrag oder kommt zwischen
der bisherigen und der neuen Vorsorgeeinrichtung keine Vereinbarung zustande, so
verbleiben die Rentenbezüger bei der bisherigen Vorsorgeeinrichtung. Art. 53e Abs. 5
BVG statuiert eine Regelung für den Fall der Auflösung des Anschlussvertrages durch
die Vorsorgeeinrichtung. Diesfalls haben sich die bisherige und die neue
Vorsorgeeinrichtung über den Verbleib der Rentenbezüger bei der bisherigen oder den
Wechsel zur neuen Vorsorgeeinrichtung zu einigen. Kommt keine Vereinbarung
zustande, so verbleiben die Rentenbezüger bei der bisherigen Vorsorgeeinrichtung. Für
den Fall, dass die Rentenbezüger bei der bisherigen Vorsorgeeinrichtung verbleiben,
bestimmt Art. 53e Abs. 6 BVG, dass der Anschlussvertag mit Bezug auf die
Rentenbezüger weiter bestehen bleibt.
3.3.
Die gesetzliche Systematik von Art. 53e Abs. 4 und 5 BVG sieht hinsichtlich des
Schicksals der Rentenbezüger bei der Auflösung eines Anschlussvertrages also eine
differenzierte Regelung vor. Abhängig davon, ob der Arbeitgeber oder die
Vorsorgeeinrichtung den Anschlussvertrag kündigen, kommt eine andere Regelung zur
Anwendung. Während die Vorsorgeeinrichtung, wenn sie selber kündigt, nicht die
Anwendbarkeit derjenigen Regelung herbeiführen kann, welche der Anschlussvertrag
für den Fall der Kündigung enthält, kommt bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber
nach dem Wortlaut von Art. 53e Abs. 4 BVG in erster Linie diejenige Regelung, welche
der Anschlussvertrag vorsieht, zur Anwendung (vgl. BGE 135 V 263 f. E. 4.2). So findet
im Falle der Kündigung des Anschlussvertrages durch die Vorsorgeeinrichtung eine im
Anschlussvertrag enthaltene Bestimmung, wonach den Arbeitgeber bei Auflösung des
Anschlussvertrages eine Verpflichtung zur Bezahlung des Barwertes der künftigen
3.4.
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Teuerungszahlungen trifft, beispielsweise keine Anwendung (vgl. BGE 135 V 261 ff.).
Aufgrund der in Art. 53e Abs. 4 und 5 BVG enthaltenen Systematik bezieht sich
gemäss Bundesgericht die Bestimmung von Art. 53e Abs. 6 Satz 1, wonach der
Anschlussvertrag mit der bisherigen Vorsorgeeinrichtung in Bezug auf die
Rentenbezüger weiter bestehen bleibt, nur auf diejenigen Bestimmungen des
Anschlussvertrages, welche die gegenseitigen Rechte und Pflichten während der
Geltungsdauer dieses Vertrages regeln, aber nicht auf diejenigen Bestimmungen,
welche die Rechtsfolgen einer Auflösung des Vertrags regeln. Solche Bestimmungen
sind gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur im Fall einer Kündigung
durch den Arbeitgeber anwendbar (BGE 135 V 264 E. 4.2).
Nach dem Gesagten darf ein Anschlussvertrag entgegen der Ansicht der
Beklagten sich nicht lediglich zur Frage aussprechen, ob die Rentnerbestände im Falle
der Kündigung des Anschlussvertrages bei der bisherigen Vorsorgeeinrichtung
verbleiben oder zur neuen wechseln. Vielmehr geht aus der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung hervor, dass die Parteien im Anschlussvertrag für den Fall der
Kündigung hinsichtlich des Verbleibs oder Wechsels von Rentnerbeständen durchaus
differenzierte Regelungen treffen können, wobei diese aber im Falle der Kündigung
durch die Vorsorgeeinrichtung nicht zur Anwendung kommen. Da die Kündigung im
vorliegenden Fall durch die Beklagte und nicht durch die Vorsorgeeinrichtung erfolgt
ist, gelangen die im Anschlussvertrag der Parteien vereinbarten
Kündigungsbestimmungen und somit auch Ziff. 4.3 des Anschlussvertrages zur
Anwendung.
3.5.
Soweit die Beklagte weiter geltend macht, die Bestimmung von Ziff. 4.3 des
Anschlussvertrages komme auch deshalb nicht zur Anwendung, da sie unklar sei, kann
ihr ebenfalls nicht gefolgt werden. Alleine aufgrund des Umstandes, dass eine
Bestimmung möglicherweise interpretationsbedürftig ist, kann ihr nicht ohne weiteres
die Anwendung versagt werden. Vielmehr wäre diesbezüglich in erster Linie zu prüfen,
ob die Regelung einer Auslegung zugänglich ist. Vorliegend muss jedoch der nach
Ansicht der Beklagten unklare Begriff "grundsätzlich" bzw. der in Ziff. 4.3 des
Anschlussvertrages enthaltene Satz, wonach die Rentenbezüger grundsätzlich
weiterhin bei der Pensionskasse rentenberechtigt bleiben, nicht weiter ausgelegt
werden. Denn es ist unstrittig, dass der einzig vorhandene Rentner bei der Klägerin
verbleiben soll bzw. verblieben ist, was im Grundsatz auch mit der von den Parteien im
Anschlussvertrag getroffenen Regelung übereinstimmt. Sodann sieht Ziff. 4.3 des
Anschlussvertrages für den Fall des Verbleibs von Rentnern klar verständlich vor, dass
die Klägerin ein Recht dazu hat, von der Beklagten für die Zunahme der
3.6.
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4.
Lebenserwartung und die Anpassung der Renten an die Teuerung einen
Deckungszuschlag zu erheben (vgl. act. G 1.2 S. 3). Ob die in Ziff. 4.3 des
Anschlussvertrages vorgesehene Bezahlung eines Deckungszuschlages durch die
Beklagte als Bedingung für den Verbleib der Rentner bei der Klägerin oder als
Rechtsfolge im Falle des Verbleibs von Rentnern zu verstehen ist, spielt sodann keine
Rolle. Aus der Regelung geht jedenfalls hervor, dass beim Verbleib von Rentnern ein
Deckungszuschlag erhoben werden kann. Angesichts der im vorliegenden Fall
anwendbaren Ziff. 4.3 des Anschlussvertrages bleibt somit kein Raum für die
gesetzliche Auffangbestimmung von Art. 53e Abs. 4 BVG, wonach der Rentner von
Gesetzes wegen ohne Bedingungen bei der Klägerin bleiben würde, falls nichts
Anderes geregelt worden wäre und sich die Vorsorgeeinrichtungen nicht geeinigt
hätten. Selbst wenn aber die gesetzliche Auffangregelung hinsichtlich des Verbleibs
des Rentners zur Anwendung käme, wie es die Beklagte behauptet, wäre nicht ohne
Weiteres klar, ob damit sämtliche anderen Regelungen im Anschlussvertrag wie die
Bezahlung eines Deckungszuschlages als Rechtsfolge beim Verbleib eines Rentners
ihre Gültigkeit verlören. Diese Frage kann nach dem Gesagten aber offenbleiben.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in Anwendung der gesetzlichen
Bestimmungen von Art. 53e BVG die in Ziff. 4.3 des Anschlussvertrages enthaltene
Regelung zur Anwendung kommt.
3.7.
Weiter macht die Beklagte geltend, der Klägerin auch deswegen keinen
Deckungszuschlag zu schulden, da es die Klägerin unterlassen habe, sie rechtzeitig
über ihre Forderung zu informieren. Damit habe sie ihr die Möglichkeit zur Prüfung und
Umsetzung von Handlungsoptionen, insbesondere auch einen erneuten Anschluss
bzw. Verbleib bei der Klägerin verunmöglicht (vgl. act. G 5 S. 4). Die Klägerin als
professionelle Akteurin im Bereich der beruflichen Vorsorge hätte sie, die Beklagte, ein
auf diesem Gebiet nicht bewandertes Unternehmen, frühzeitig auf Ziff. 4.3 des
Anschlussvertrages aufmerksam machen müssen. Umso unverständlicher sei es, dass
sich die Klägerin für die Forderung zunächst an die neue Vorsorgeeinrichtung gehalten
habe. Die Forderung gehe somit auf eine Verletzung der Treuepflichten durch die
Klägerin zurück, sodass deren Geltendmachung gegen Treu und Glauben verstosse
(act. G 5 S. 11). Demgegenüber ist die Klägerin der Ansicht, die Beklagte könne sich
nicht darauf berufen, von der in Ziff. 4.3 des Anschlussvertrages enthaltenen Regelung
hinsichtlich des Deckungszuschlages keine Kenntnis gehabt zu haben, zumal sie selber
Dienstleistungen im Bereich des Sozialversicherungsrechts erbringe (act. G 8 S. 2 f.).
Wann sie als Klägerin die Forderung gegenüber der Beklagten erstmals geltend
4.1.
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gemacht habe, sei irrelevant, da ohnehin die vertragliche Regelung massgebend sei
(act. G 8 S. 4). Sodann habe sie auch keine Aufklärungspflicht getroffen. Die Klägerin
habe den Anschlussvertag bereits gekündigt, bevor sie nach den
Auflösungsbestimmungen, welche jedem Anschlussvertrag immanent seien, gefragt
habe (act. G 8 S. 2 f.). Demnach sei ein Verbleib bei ihr, der Klägerin, gar nie als Option
zur Diskussion gestanden (act. G 8 S. 3).
Die Beklagte hat den Anschlussvertrag mit Schreiben vom 21. Juni 2018 per 31.
Dezember 2018 gekündigt (vgl. act. G 1.3). Aus den Akten geht nicht hervor, dass die
Beklagte im Vorfeld der Kündigung die Klägerin kontaktiert hätte, um sich über die
Auswirkungen einer allfälligen Kündigung bzw. die Kündigungsmöglichkeiten zu
informieren. Die Klägerin hat denn auch ausgeführt, dass sich die Beklagte bei ihr nicht
nach den Auflösungsbestimmungen erkundigt habe (act. G 8 S. 2) und die Beklagte
behauptet nichts Gegenteiliges. Indem die Beklagte die Kündigung ausgesprochen hat,
ohne sich vorgängig zu informieren und ohne die Kündigung mit entsprechenden
Vorbehalten zu versehen, hat sie grundsätzlich in Kauf genommen, dass die Kündigung
auch unliebsame Folgen nach sich ziehen kann. Ob die Beklagte im Bereich der
beruflichen Vorsorge besonders bewandert ist oder eben nicht, ist irrelevant. Sie ist im
Bereich der Sozialversicherungen beratend tätig und hätte – bereits bei gewöhnlicher
Vorsicht im Geschäftsverkehr – wissen müssen, dass eine Kündigung eines
Anschlussvertrages weitreichende Folgen nach sich ziehen kann. Zur Beurteilung der
Folgen hätte sie zumindest den Anschlussvertrag durchlesen und bei allfälligen
Unklarheiten auf die Klägerin zugehen können. Mit dem Eintreffen bei der Klägerin hat
die Kündigung bereits ihre Wirkung entfaltet. Eine nachträgliche Aufklärung durch die
Klägerin hätte daran nichts mehr geändert. Selbst wenn die Klägerin also im Schreiben
vom 26. Juni 2018, mit welchem sie die Kündigung bestätigt hat (vgl. act. G 1.4), die
Beklagte sogleich auf Ziff. 4.3 des Anschlussvertrages aufmerksam gemacht hätte,
hätte dies an der Wirksamkeit der Kündigung nichts mehr geändert. Demnach hat nicht
die Klägerin der Beklagten durch unzureichende oder zu späte Auskünfte
Handlungsoptionen genommen, sondern die Beklagte hat sich diese durch die offenbar
nicht durchdachte Kündigung bzw. das ungenügende Einholen von Informationen
selber verbaut. Ob nach der Kündigung noch ein Spielraum für den Verbleib der
Beklagten bei der Klägerin vorhanden gewesen wäre, wie dies die Beklagte in ihrer
Duplik behauptet (vgl. act. G 12 S. 6), wäre vom Willen der Klägerin abhängig gewesen
und begründet somit keine für die Beklagte vorteilhaftere Rechtsposition. Inwiefern für
die Klägerin hätte erkennbar sein sollen, dass für die Beklagte nach bereits erfolgter
Kündigung eine sofortige Information über Ziff. 4.3 des Anschlussvertrages wesentlich
ist, ist nicht ersichtlich, zumal diese Bestimmung nur eine von mehreren
4.2.
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5.
Kündigungsfolgen beinhaltet. Folglich ist unabhängig allfälliger Aufklärungs- oder
Beratungspflichten nicht erkennbar, inwiefern die Geltendmachung des Anspruchs auf
den Deckungszuschlag gegen Treu und Glauben verstossen soll.
Weiter macht die Beklagte geltend, dass die Klägerin in ihrem
Rückstellungsreglement Rückstellungen für die Langlebigkeit vorgesehen habe. Ein
Abzug oder eine Verstärkung durch Deckungszuschläge bei austretenden Arbeitgebern
zur Absicherung des Langlebigkeitsrisikos sei im Reglement nicht vorgesehen. Es gehe
nicht an, dass die Klägerin einerseits von den durch die Beklagte und die Versicherten
geleisteten Beiträgen Rückstellungen für die Langlebigkeit gebildet habe und
andererseits bei der Kündigung des Anschlussvertrages für dasselbe Risiko einen
Deckungszuschlag verlange (act. G 5 S. 8 f.). Die auf die aktiven Versicherten der
Beklagten fallenden Rückstellungen für Langlebigkeit verblieben nämlich bei der
Klägerin (act. G 12 S. 5). Schliesslich weist die Beklagte darauf hin, dass von Gesetzes
wegen die freie Wahl der Pensionskasse vorgesehen sei. Die Wahrnehmung dieses
Rechts werde durch die im Anschlussvertag vorgesehene Verpflichtung zur Bezahlung
eines Deckungszuschlages faktisch verunmöglicht, wenn der Deckungszuschlag
bereits bei einem Rentner so hoch ausfalle (act. G 5 S. 12). Diesbezüglich führt die
Klägerin an, dass es nur fair sei, wenn die Beklagte beim Austritt aus der Solidarität
den Barwert der beiden Rückstellungen für die Zunahme der Lebenserwartung und der
künftigen Teuerung für den Rentner bezahle, sonst müssten alle verbleibenden aktiven
Versicherten der verbleibenden angeschlossenen Firmen diese Kosten künftig tragen.
Denn sie, die Klägerin, verwende zur Berechnung der Deckungskapitalien und der
Rückstellungen die sogenannten Periodentafeln. Es sei das Wesen dieser
Periodentafeln, dass die zukünftige Zunahme der Lebenserwartung und die zukünftige
Anpassung der Renten an die Teuerung darin nicht enthalten und somit nicht gedeckt
seien. Die bisher getätigten Rückstellungen berücksichtigten somit nur die bislang
gegenüber den Tarifgrundlagen aufgelaufene Zunahme der Lebenserwartung, nicht
aber die zukünftige (act. G 8 S. 4 f.). Auch sei es eine Tatsache, dass ein Wechsel von
einer Pensionskasse zur anderen nicht in der vom Gesetzgeber und vom Markt
gewünschten freiheitlichen Form stattfinden könne. Schuld daran seien
unterschiedliche Berechnungssysteme der Pensionskassen und vor allem der in der
Praxis unterschiedlich angewandte technische Zins. Wenn die übernehmende
Pensionskasse mit einem tieferen technischen Zins rechne wie die bisherige
Pensionskasse, werde sie ein weit höheres Deckungskapital zur Übernahme eines
Rentners oder ganzer Rentnerbestände verlangen, was einen Pensionskassenwechsel
5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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St.Galler Gerichte
6.