Decision ID: a59b8eb7-76c9-4843-972a-576d8d3e8fd8
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X. Y., wohnhaft in Q. SG, schloss im Juli 2008 das Gymnasium mit
Schwerpunktfach Wirtschaft und Recht und Ergänzungsfach Geographie ab. Während
zweier Semester (Herbst 2008/Frühjahr 2009) studierte er Geographie an der
mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich. In dieser Zeit
wurden ihm Stipendien ausbezahlt. Im Herbstsemester 2009 und Frühjahrsemester
2010 war er an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich
immatrikuliert. Für diesen Zeitraum reichte er kein Stipendiengesuch ein. Im September
2010 begann er mit der Bachelor-/Masterausbildung zum Lehrer für die Sekundarstufe
I, phil. II, an der pädagogischen Hochschule des Kantons St. Gallen (nachfolgend
PHSG). Am 29. Dezember 2010 reichte er fristgerecht ein Stipendiengesuch für das
Ausbildungsjahr 2010/2011 ein.
B./ Mit Verfügung vom 26. August 2011 teilte die Abteilung Stipendien und
Studiendarlehen des Dienstes für Finanzen und Informatik X. Y. mit, dass er für das
Ausbildungsjahr 2010/2011 keinen Anspruch auf Stipendien habe.
Mit Eingaben vom 12. September 2011 und 1. Oktober 2011 erhob X. Y., vertreten
durch P. Y., Q., Rekurs beim Bildungsdepartement und beantragte, es sei die
Verfügung der Abteilung Stipendien und Studiendarlehen des Dienstes für Finanzen
und Informatik vom 26. August 2011 aufzuheben und die Stipendien seien zu
gewähren.
Die Abteilung Stipendien und Studiendarlehen des Dienstes für Finanzen und
Informatik liess sich mit Schreiben vom 17. Oktober 2011 vernehmen. Sie wies darauf
hin, dass es sich beim Studium an der pädagogischen Hochschule um einen
Neubeginn einer Ausbildung handle. Mit Replik seines zwischenzeitlich beigezogenen
Rechtsvertreters, lic.iur. A. B., vom 23. November 2011 liess X. Y. im Wesentlichen
ausführen, die gesetzlichen Voraussetzungen für ein Stipendium seien gegeben,
weshalb das Stipendiengesuch zu Unrecht abgelehnt worden sei. Am 9. Januar 2012
reichte die Abteilung Stipendien und Studiendarlehen des Dienstes für Finanzen und
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Informatik im Rekursverfahren eine Duplik ein. Sie hielt darin fest, ein einmaliger
Wechsel der Studienrichtung werde einer Bewerberin oder einem Bewerber ohne
Verlust des Stipendienanspruchs zugestanden.
Mit Entscheid vom 20. April 2012 wies das Bildungsdepartement den Rekurs ab. Es
führte im Wesentlichen aus, dass in der Regel an die Erstausbildung Stipendien
gewährt würden. Das Studium an der pädagogischen Hochschule St. Gallen gelte als
drittes Studium nach dem Abbruch der beiden Studien in Zürich. Es gäbe keine
Gründe, die es rechtfertigen würden, weiterhin Stipendien auszuzahlen.
C./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 7. Mai 2012 liess X. Y. Beschwerde beim
Verwaltungsgericht erheben und beantragen, der Rekursentscheid vom 20. April 2012
sowie die Verfügung der Abteilung Stipendien und Studiendarlehen des Dienstes für
Finanzen und Informatik vom 26. August 2011 seien aufzuheben und für die
Erstausbildung des Beschwerdeführers an der pädagogischen Hochschule St. Gallen
sei die Stipendienberechtigung anzuerkennen, unter Kosten und Entschädigungsfolge
zu Lasten des Staates. Am 4. Juni 2012 wurde die Beschwerdeergänzung erstattet.
Das Bildungsdepartement des Kantons St. Gallen beantragte in seiner Vernehmlassung
vom 21. Juni 2012 die Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer liess sich
mit Eingabe vom 9. Juli 2012 zur Vernehmlassung des Bildungsdepartements
ergänzend vernehmen.
Auf die Begründungen der Verfahrensbeteiligten sowie die Ausführungen im
angefochtenen Entscheid wird, soweit notwendig, in den folgenden Erwägungen
eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Abteilung Stipendien und Studiendarlehen
des Dienstes für Finanzen und Informatik das Stipendiengesuch des
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Beschwerdeführers für die Ausbildung zum Lehrer für die Sekundarstufe I, phil. II, an
der pädagogischen Hochschule des Kantons St. Gallen zu Recht abgelehnt hat.
2.1. Die Voraussetzungen für die Gewährung von Stipendien richten sich nach dem
Gesetz über die staatlichen Stipendien und Studiendarlehen (Stipendiengesetz; sGS
211.5, abgekürzt StipG) und der Stipendienverordnung (sGS 211.51, abgekürzt StipV).
Als Auslegungshilfe dient gegebenenfalls die Weisung Stipendien des
Bildungsdepartements vom 1. Juni 2008.
2.2. Gemäss Art. 1 Abs. 1 StipG gewährt der Staat in ausreichendem Mass Stipendien
und Studiendarlehen, soweit die vollen Kosten der Ausbildung oder Weiterbildung
einem Bewerber oder seinen Eltern nicht zugemutet werden können. Soweit eine
Ausbildungsstätte und Ausbildung durch Bund, interkantonale Organe, Kanton St.
Gallen oder Standortkanton anerkannt wurden, werden Beiträge geleistet u.a. für das
Studium an einer Universität oder Fachhochschule (Art. 1 lit. c StipV).
Vorliegend handelt es sich bei der Ausbildung zum Lehrer für die Sekundarstufe I, phil.
II, an der PHSG um eine staatlich anerkannte Ausbildung. Das Lehrerdiplom ist
schweizweit anerkannt. Unbestritten ist, dass diese Ausbildung grundsätzlich
stipendienberechtigt ist.
2.3. Gemäss Art. 2 Abs. 1 StipG werden an die Erstausbildung in der Regel Stipendien
gewährt.
Der Beschwerdeführer vertritt die Ansicht, dass es sich bei seiner Ausbildung zum
Lehrer um eine solche Erstausbildung handle. Die Vorinstanz begründet die
Rekursablehnung mit Verweis auf Art. 2 Abs. 1 StipG, wonach in der Regel nur für die
Erstausbildung Stipendien gewährt werden, und auf Art. 7 Abs. 1 StipV, wonach die
Beitragsberechtigung verliert, wer die Ausbildung vorzeitig abbricht. Nur wenn aus
wichtigen Gründen die Ausbildung abgebrochen werde, könnten nach Abs. 2 der
gleichen Bestimmung ausnahmsweise weitere Beiträge gewährt werden. Wichtige
Gründe seien indes beim Beschwerdeführer nicht ersichtlich.
2.3.1. Als erstes ist zu prüfen, ob es sich bei der begonnenen Lehrerausbildung um
eine Erstausbildung handelt.
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Gemäss Art. 2 Abs. 2 StipG ist eine Erstausbildung: "a) die erste Berufsausbildung oder
Besuch einer Mittelschule im Anschluss an die Volksschule; b) das erste
Hochschulstudium." Gemäss Art. 3 Abs. 2 StipG ist eine Zweitausbildung: "a) eine
zweite Berufsausbildung oder Besuch einer Mittelschule nach abgeschlossener erster
Berufsausbildung; b) ein zweites Hochschulstudium."
Aus Art. 3 Abs. 2 lit. a StipG ergibt sich, dass erst dann eine Zweitausbildung gegeben
sein kann, wenn eine erste Berufsausbildung abgeschlossen ist. Art. 3 Abs. 2 lit. b
StipG bezeichnet ein zweites Studium als eine Zweitausbildung, erwähnt jedoch nicht,
dass dies ein erstes abgeschlossenes Studium voraussetzt. Gemäss der Wegleitung
Stipendien des Kantons St. Gallen zählt zur ersten Berufsausbildung auch das erste
Hochschulstudium. Somit liegt – mit Blick auch auf Art. 3 Abs. 2 lit. a StipG - erst dann
eine Zweitausbildung vor, wenn das erste Hochschulstudium abgeschlossen ist.
Der Beschwerdeführer hat bisher je zwei Semester an der Universität Zürich
Geographie und Wirtschaftswissenschaften studiert. Da kein Studienabschluss vorliegt,
kann es sich bei der Ausbildung an der PHSG nicht um ein Zweitstudium im Sinne des
Stipendiengesetzes handeln, sondern es liegt ein Erststudium im Sinne von Art. 2 StipG
vor.
2.3.2. Nachfolgend ist die Frage zu klären, ob der Beschwerdeführer der
Beitragsberechtigung verlustig ging.
Die Vorinstanzen gehen gestützt auf Art. 7 Abs. 1 StipV davon aus, dass der
Beschwerdeführer seine Beitragsberechtigung für Stipendien verloren habe, weil er
zwei Mal ein Studium abgebrochen habe. Es lägen auch keine wichtigen Gründe für
einen Ausbildungsabbruch vor, so dass auch keine weiteren Beiträge im Sinn von Art. 7
Abs. 2 StipV gewährt werden könnten. Die Vorinstanzen gehen damit von einem
generellen Verlust der Stipendienberechtigung bei einem Studienabbruch aus. In
diesem Fall entfalle nicht nur die aktuelle Beitragsberechtigung, sondern auch für
zukünftige Aus- und Weiterbildungen könnten in der Regel keine Stipendien mehr
gewährt werden.
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Der Beschwerdeführer bestreitet, dass bei einem Studienabbruch die
Beitragsberechtigung auch für neue Ausbildungen entfalle, und verweist dabei auf Art.
7 Abs. 1 StipV und die Ausführungen in der Wegleitung Stipendien. Nach Ansicht des
Beschwerdeführers dürfe davon ausgegangen werden, dass bei einem
Ausbildungsabbruch nur für die gleiche Ausbildung der Stipendienanspruch in der
Regel wegfalle.
Zu beurteilen ist somit, was unter dem Begriff "Beitragsberechtigung" gemäss Art. 7
Abs. 1 StipV zu verstehen ist.
Gemäss Art. 10 Abs. 1 StipG i.V.m. Art. 5 StipV dauert die Beitragsberechtigung für ein
Studium an einer Universität bis zum tatsächlichen Abschluss der Ausbildung, in der
Regel längstens bis zwei Semester nach dem frühestmöglichen Abschluss. Daraus
folgt, dass die Beiträge in Form von Stipendien oder Darlehen stets für eine bestimmte
Aus- oder Weiterbildung gewährt werden.
Der Verlust des Anspruchs auf Stipendien und Studiendarlehen ist allgemein geregelt in
Art. 11 StipG: "Der Anspruch auf Stipendien und Studiendarlehen erlischt, wenn seine
Voraussetzungen nicht mehr erfüllt sind oder wenn sie zweckwidrig verwendet
werden." Die Verfolgung des Ausbildungsziels ist eine Voraussetzung für den Anspruch
auf Stipendien (Art. 10 i.V.m. Art. 11 StipG).
Daher ist Art. 7 Abs. 1 StipV als Konkretisierung der allgemeinen Regel von Art. 11
StipG für den Teilaspekt des vorzeitigen Ausbildungsabbruches zu verstehen: "Die
Beitragsberechtigung verliert, wer die Ausbildung vorzeitig abbricht oder von der
Ausbildungsstätte weggewiesen wird." Der Zweck des Art. 7 Abs. 1 StipV ist, dass der
Staat nicht weiterhin Beiträge an eine Ausbildung entrichtet, obwohl der
Leistungsbezüger das Ausbildungsziel nicht weiter verfolgt. Der Verlust der
Beitragsberechtigung bezieht sich folglich auf eine bestimmte Beitragsberechtigung –
so bspw. bewilligte Stipendien für ein konkretes Studium.
Aus Art. 7 Abs. 2 StipV, welcher gestattet, weitere Beträge zu gewähren, wenn die
Ausbildung aus wichtigen Gründen abgebrochen wurde, können keine weitergehenden
Erkenntnisse gewonnen werden, da der Abs. 2 in Verbindung mit dem Abs. 1
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betrachtet werden muss. Abs. 2 ist die rechtliche Grundlage, um trotz Studienabbruch
noch Leistungen erbringen zu können, welche im Zusammenhang mit der bisherigen
beitragsberechtigten Aus- oder Weiterbildung stehen. Die Leistung von weiteren
Beiträgen kann gerechtfertigt sein, wenn der Auszubildende Vorleistungen erbringen
musste, bspw. Studiengebühren vor Beginn eines Semesters zu entrichten hatte.
Art. 7 Abs. 1 StipV regelt daher nur den Verlust der aktuellen
Beitragsberechtigung. Der Verlust des Anspruchs auf Stipendien oder Studiendarlehen
für eine andere Ausbildung wird von der Bestimmung hingegen nicht erfasst.
2.4. Auf die weiteren Vorbringen wird insoweit eingegangen, als zusätzliche
Erkenntnisse zur Anspruchsbegründung gewonnen werden können:
2.4.1. Die Bologna-Reform und die damit verbundene Möglichkeit der Anrechenbarkeit
von erbrachten Studienleistungen aus einem früheren Studiengang an einen neuen
Studiengang ändert nichts an der Tatsache, dass es sich um eine neue Ausbildung
handelt, denn Voraussetzung zum Abschluss eines Studiums ist die Immatrikulation
zum entsprechenden Studiengang. Anrechenbare Leistungen aus früheren Studien
sind nur insofern von Bedeutung, als sich dadurch allenfalls die Ausbildungszeit und
damit Beitragsberechtigungsdauer reduziert.
2.4.2. Die maximale Dauer der Leistungen ist gemäss Art. 10 StipG auf längstens 12
Jahre begrenzt. Angerechnet werden auch Zeiten für Aus- und Weiterbildungen, für die
keine Stipendien oder Studiendarlehen gewährt wurden (Art. 10 Abs. 2 StipG).
Die zwölfjährige Leistungsdauer ist als Rahmenfrist im Sinn einer maximalen
Gesamtausbildungszeit zu verstehen. Nach Ablauf dieser Rahmenfrist besteht folglich
kein Leistungsanspruch mehr.
Der Beschwerdeführer beanspruchte erstmals Stipendiengelder im Jahr 2004 für den
Besuch der Kantonsschule Wil vom 9. August 2004 bis 8. August 2008. Die
zwölfjährige Rahmenfrist ist offensichtlich noch nicht abgelaufen. Es kann an dieser
Stelle offen gelassen werden, ob die Rahmenfrist ab dem Besuch der Kantonsschule
im Jahr 2004 oder ab dem Geographiestudium an der Universität Zürich im Jahr 2008
zu laufen begann.
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2.4.3. Es stellt sich weiter die Frage, inwieweit ein Ausbildungswechsel Einfluss auf die
Stipendienzahlungen haben kann. Im Gegensatz zu Stipendienregelungen in anderen
Kantonen - im Kanton Zürich ist bspw. der Studienwechsel auf Tertiärstufe in § 24 der
Stipendienverordnung (LS 416.1) geregelt - fehlt im Kanton St. Gallen eine
diesbezügliche Bestimmung. Geregelt ist lediglich, dass gestützt auf Art. 15 StipG eine
ganze oder teilweise Rückforderung von Stipendien möglich ist, unter anderem wenn
die Ausbildung oder Weiterbildung wegen groben Verschuldens des Empfängers
abgebrochen werden musste.
Vorliegend gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass von einem groben Verschulden
seitens des Beschwerdeführers ausgegangen werden muss. Dabei ist zu
berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer bereits mit 18 Jahren das Studium an der
Universität Zürich begann und bereits nach einem Jahr feststellte, dass die Ausbildung
nicht seinen Erwartungen entsprach. Es ist dem Beschwerdeführer zu Gute zu halten,
dass er das Geographiestudium nicht einfach "pro forma" weitergeführt und weiterhin
Stipendiengelder bezogen hat, sondern ein Zwischenjahr ohne Stipendiengelder
eingeschaltet hat. Der Wechsel zum betriebswirtschaftlichen Studium ist insofern
nachvollziehbar, als der Beschwerdeführer die Matura mit Wirtschaft und Recht
abgelegt hat. Der beschrittene Ausbildungsweg seitens des Beschwerdeführers ist
insgesamt vertretbar. Eine Rückforderung von Leistungen kommt vorliegend nicht in
Betracht, da es am groben Verschulden des Beschwerdeführers fehlt.
2.5. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass es sich bei der Ausbildung des
Beschwerdeführers um eine Erstausbildung im Sinne des Stipendiengesetzes handelt,
der Ausbildungsgang anerkannt ist und keine Gründe für den Verlust des Anspruches
auf Stipendien gegeben sind. Somit ist die Beschwerde gutzuheissen.
3. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht