Decision ID: 899edd5d-0cdb-4543-a0b5-09884d1e8cf3
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 1. Mai 2012 bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (IV-
act. 1). Sie war am 20. Januar 2011 als Beifahrerin im Auto ihres Ehemanns unterwegs
gewesen, als das Auto mit einem anderen Personenwagen kollidiert war (IV-act.
111-628, 111-607). Die die Versicherte untersuchende Ärztin Dr. med. B._,
Landeskrankenhaus C._, hatte im Ambulanzprotokoll vom 20. Januar 2011
festgehalten, sowohl die klinische Untersuchung als auch der Röntgenbefund habe
keine Auffälligkeiten gezeigt. Einzig rechts und links prox. der Trapeziusmuskulatur sei
eine Verspannung feststellbar gewesen (IV-act. 111-607). Im ärztlichen
Zwischenbericht vom 25. Februar 2011 hatte die Hausärztin der Versicherten, Dr. med.
D._, eine HWS-Distorsion diagnostiziert und festgehalten, dass der Zeitpunkt der
Wiederaufnahme der Arbeit ungewiss sei (IV-act. 111-593).
A.b Am 10. August 2011 fand in der Rehaklinik Bellikon ein ambulantes Assessment
statt. Im Bericht vom 18. August 2011 hielten die untersuchenden Ärzte eine insgesamt
erhebliche Symptomausweitung fest und empfahlen die Wiederaufnahme der
ambulanten Physiotherapie sowie eine psychosomatisch orientierte Behandlung (IV-
act. 2-3).
A.c Infolge Auftragsrückgangs kündigte die Arbeitgeberin der Versicherten ihre
Anstellung als Reinigungsfrau für Spezialreinigungen/Unterhaltsreinigung per 31.
Oktober 2011 (IV-act. 25-10, vgl. auch IV-act. 25-2).
A.d Im Bericht vom 25. Oktober 2011 diagnostizierte Dr. med. E._, Neurologie FMH,
ein leichtgradiges posttraumatisches, rein sensibles Karpaltunnelsyndrom rechts sowie
einen Status nach Autounfall mit HWS-Distorsion (IV-act. 13-17). Ab 22. November
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2011 unterzog sich die Versicherte einer Schmerztherapie im Spital F._. Diese habe
jedoch nur zu kurzfristiger Beschwerdefreiheit geführt. Dr. med. G._, Leitender Arzt
Anästhesie / Facharzt Interventionelle Schmerztherapie, Spital F._, äusserte den
Eindruck einer gewissen Aggravation, weshalb er bezüglich weiterer minimal-invasiver
Behandlungsmassnahmen grosse Zurückhaltung zeigte (IV-act. 13-29). Am 6. Januar
2012 berichtete Dr. med. H._, Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, die
Versicherte leide unter chronischem Tinnitus links, Hyperakusis und Schwindel bei
Status nach HWS-Distorsion vom 20.01.2011 im Rahmen eines chronischen
Schmerzsyndroms mit reaktiver Depression (IV-act. 13-21f.).
A.e Mit Verfügung vom 10. Februar 2012 stellte die Suva, welche der Versicherten
infolge des Autounfalls Taggelder und Heilbehandlung geleistet hatte, die
Versicherungsleistungen infolge fehlender Adäquanz der noch geklagten Beschwerden
mit dem Unfall per 17. Februar 2012 ein (IV-act. 13-4). Nachdem die Versicherte
dagegen am 16. Februar 2012 und 4. Mai 2012 Einsprache erheben lassen hatte (IV-
act. 111-408 und 349), zog die Suva ihre Verfügung vom 10. Februar 2012 zurück und
erachtete das Einspracheverfahren als formlos erledigt (IV-act. 111-348).
A.f Im Rahmen eines Telefonats vom 29. Mai 2012 berichtete die Hausärztin Dr. D._
dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) über einen Status nach synkopalem Ereignis
am 23. März 2012 mit Sturz vom Sofa und hypertoner Dysregulation. Sie ging davon
aus, dass die Versicherte in einer körperlich leichten Tätigkeit und in einem
konfliktarmen Arbeitsklima über eine volle Arbeitsfähigkeit verfüge (IV-act. 15).
A.g Am 18. September 2012 gab Dr. med. I._, Fachärztin für Psychiatrie,
Psychiatriezentrum J._, gegenüber RAD-Arzt Dr. med. K._ an, die Versicherte leide
unter einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Es bestehe zudem eine
erhebliche Depression mit einem massiven sozialen Rückzug. Die behandelnde Ärztin
rechnete nicht mit einer verwertbaren Arbeitsfähigkeit innerhalb der nächsten vier bis
sechs Monate (IV-act. 39). In der medizinischen Stellungnahme vom 26. September
2012 hielt Dr. med. L._, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, fest, es handle
sich klar um ein syndromales Leiden, das - wenn überhaupt - im Zusammenhang mit
der Rentenfrage einer entsprechenden fachärztlichen Beurteilung bedürfe. Es lägen
aber bisher keine Hinweise für ein zusätzliches Leiden vor und die Versicherte habe
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gute persönliche Ressourcen. Die vom Psychiatriezentrum J._ gestellte Diagnose sei
daher nicht nachvollziehbar (IV-act. 40).
A.h Mit Schreiben vom 23. Oktober 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, es
seien keine Eingliederungsmassnahmen angezeigt, da sie sich gemäss den
Abklärungen des Eingliederungsberaters nicht in der Lage fühle, einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen (IV-act. 42).
A.i Im Bericht vom 24. Januar 2013 hielt Dr. I._ an einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
der Versicherten fest. Sie weise eine deutlich reduzierte Belastbarkeit, ausgeprägte
Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen sowie eine depressive Symptomatik
im Sinne von Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit und
negativen Kognitionen auf (IV-act. 51-5).
A.j Nachdem die IV Kenntnis erhalten hatte, dass der Ehemann der Versicherten durch
den Haftpflichtversicherer observiert und dabei auch die Versicherte gefilmt worden
war (vgl. IV-act. 49), erhielt sie auf Anfrage von der die Überwachung durchgeführten
Detektei Antworten bezüglich des von der Versicherten gezeigten Verhaltens (IV-act.
52). Dr. L._ folgerte daraus mit Stellungnahme vom 12. Februar 2013, dass die
Versicherte gestützt auf das vorliegende Bildmaterial und den Bericht der Observateure
ein überraschend hohes Aktivitätsniveau gezeigt habe. Einschränkungen der
Beweglichkeit der Halswirbelsäule und überhaupt des Nacken-Schulter-Armbereichs
etwa als Folge eines Schleudertraumas könnten nicht einmal vermutet werden (IV-act.
53).
A.k Vom 28. Februar bis 5. März 2013 wurde die Versicherte im Spital F._
hospitalisiert zur Abklärung einer Dysphagie, welche von Brechreiz und Inappetenz
begleitet waren. Da sämtliche Untersuchungen keine pathologischen Befunde brachten
bzw. Auffälligkeiten zeigten, wurde die Versicherte zur psychiatrischen/
psychologischen Betreuung in die Klinik M._ überwiesen (IV-act. 61-77f.). Dort wurde
sie vom 19. März bis 19. April 2013 stationär behandelt. Als Diagnosen hielten die
behandelnden Ärzte eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1), eine
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2) sowie eine
Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0) fest. Wegen auftretender Nebenwirkungen
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scheiterte der Versuch einer antidepressiven Einstellung jedoch wiederholt (IV-act.
61-48ff.).
A.l Mit Vorbescheid vom 10. Dezember 2013 kündigte die IV-Stelle die Abweisung des
Rentengesuchs der Versicherten an. Auf Grund der Akten sei von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten auszugehen, weshalb es ihr möglich
sei, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen (IV-act. 63).
A.m Gegen diesen Vorbescheid liess die Versicherte durch ihren Rechtsvertreter am
31. Januar 2014 Einwand erheben und darauf hinweisen, dass sie sich am 11.
Dezember 2013 einer Operation am Kiefergelenk unterzogen hatte, wobei es zu einer
Schädigung eines Gesichtsnervs gekommen sei (IV-act. 72; vgl. auch
Operationsbericht vom 18. Dezember 2013, IV-act. 75).
A.n Mit Stellungnahme vom 16. April 2014 befand Dr. med. N._, Mitarbeiterin IV-
Stelle, dass der Eingriff am Kiefergelenk an sich keine relevante Einschränkung der
Erwerbsfähigkeit begründe und sich aus den vorliegenden Akten, insbesondere dem
Operationsbericht, keine Schädigung eines Gesichtsnervs ergebe (IV-act. 82).
A.o Im Rahmen der zweiten Anhörung (vgl. IV-act. 83) hielt Rechtsanwalt lic. iur.
F. Németh im Namen der Versicherten mit Schreiben vom 30. Mai 2014 am Antrag auf
eine Rente fest; im Eventualbegehren beantragte er die Vornahme weiterer
Abklärungen. Da auch Dr. N._ die Frage gestellt habe, ob sich durch die Operation
des Kiefergelenks an der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit etwas geändert habe,
bestehe hier noch Abklärungsbedarf. Eine Ablehnung des IV-Gesuchs sei somit klar
verfrüht erfolgt. Zudem gehe auch aus dem Verlaufsbericht von Dr. I._ vom 27. Mai
2014 hervor, dass jene die Versicherte auf Grund der diagnostizierten
posttraumatischen Belastungsstörung und der schweren depressiven Episode ohne
psychotische Symptome sowie einer Somatisierungsstörung als zu 100%
arbeitsunfähig schätze. Sofern an der Arbeitsunfähigkeit tatsächlich Zweifel bestünden,
sei eine polydisziplinäre Begutachtung vorzunehmen (IV-act. 86).
A.p Gestützt auf den Auftrag der IV-Stelle vom 26. Juni 2014 (IV-act. 89) wurde die
Versicherte in der Zeit vom 4. bis 19. August 2014 überwacht. Als Anlass dazu dienten
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Erkenntnisse aus dem Observationsmaterial betreffend den Ehemann der Versicherten
sowie festgestellte Unstimmigkeiten. Im Ermittlungs- und Observationsbericht vom 26.
August 2014 wurde u.a. ausgeführt, dass die Versicherte während dem
Wäscheaufhängen und -abnehmen keinerlei Bewegungseinschränkungen oder
Verlangsamungen gezeigt habe (IV-act. 94).
A.q In der medizinischen Stellungnahme vom 23. September 2014 führte Dr. N._
aus, dass auch die aktuelle Observation eine aktive Frau zeige, die ihren Haushalt
inklusive Überkopftätigkeiten wie Wäsche aufhängen effizient erledige, sodass ihr noch
allerlei Zeit für soziale Aktivitäten bleibe. Die Beobachtungen würden sich mit einer
höhergradigen Depression kaum vereinbaren lassen. Auch sei die Gesichtsinnervation
symmetrisch und ohne Hinweise für eine Schädigung des Nervus facialis
(Gesichtsnerv). Der aktuelle Gesundheitszustand und die Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit seien fachpsychiatrisch mittels eines Gutachtens abzuklären (IV-act.
95).
A.r Mit Schreiben vom 12. Januar 2015 führte der Rechtsvertreter aus, die Versicherte
habe grundsätzlich nichts gegen eine Begutachtung einzuwenden. Jedoch würden die
anlässlich der Überwachung gemachten Beobachtungen keine Rückschlüsse auf ihren
Gesundheitszustand zulassen. So sei sie nur während kurzer Zeit observiert worden
und es handle sich folglich lediglich um Momentaufnahmen, auf Grund derer nicht
gesagt werden könne, wie es ihr im Allgemeinen gehe (IV-act. 109).
A.s Mit Verfügung vom 9. Februar 2015 stellte die Suva die Versicherungsleistungen
per 28. Februar 2015 ein, da die Adäquanz zwischen dem Unfall und den geklagten
Beschwerden zu verneinen sei (IV-act. 112).
A.t Am 15. Mai und 9. Juni 2015 wurde die Versicherte psychiatrisch durch med. pract.
O._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, zertifizierte medizinische Gutachterin SIM,
begutachtet. Die Gutachterin befand die Versicherte aus psychiatrischer Sicht als zu
100% arbeitsfähig und hielt fest, dass retrospektiv auch nie eine andauernde
Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe (IV-act. 115-42). Es liege eine hypochondrische
Störung und eine Dysthymia vor, auf dem Boden von akzentuierten
Persönlichkeitszügen mit histrionischen Anteilen. Des Weiteren bestehe ein Verdacht
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auf eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (IV-act. 115-32). Dr. N._ befand
das Gutachten in ihrer Stellungnahme vom 21. Juli 2015 als nachvollziehbar, so dass
darauf abgestellt werden könne (IV-act. 116).
A.u Mit Vorbescheid vom 16. September 2015 stellte die IV-Stelle der Versicherten
eine Ablehnung des Gesuchs um IV-Rente in Aussicht. Da weiterhin eine volle
Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit
vorliege, sei keine Einkommensbusse und damit keine Invalidität gegeben (IV-act. 117).
A.v Trotz Einwand vom 19. Oktober 2015 (IV-act. 118) und ergänzender
Stellungnahme vom 16. November 2015 (IV-act. 122) verfügte die IV-Stelle am 26.
November 2015 gestützt auf fehlende Invalidität eine Abweisung des Rentengesuchs
(IV-act. 124).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 8. Januar
2016 mit dem Antrag auf deren Aufhebung und auf Zusprache einer Invalidenrente.
Eventualiter sei die Sache zur weiteren (medizinischen) Abklärung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Zudem sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung
zu gewähren und der unterzeichnete Rechtsanwalt als (unentgeltlicher) Rechtsvertreter
zu bestellen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (act. G 1). In der
Beschwerdeergänzung vom 18. April 2016 macht der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass das Gutachten von med. pract.
O._ tendenziös und unvollständig und damit zur Einschätzung der gesundheitlichen
Situation der Beschwerdeführerin sowie zu ihrer Arbeitsfähigkeit nicht tauglich sei.
Daher sei ein neues psychiatrisches Gutachten einzuholen bzw. es sei auf Grund der
weiteren Beschwerden wie der Kieferproblematik, des Tinnitus, dem Schwindel und
weiteren gesundheitlichen Störungen eine polydisziplinäre Begutachtung nachzuholen.
Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdeführerin lediglich psychiatrisch
begutachtet worden sei (act. G 9).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 3. Juni 2016 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Beschwerdeabweisung (act. G 11).
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B.c Am 7. Juni 2016 bewilligt die Verfahrensleitung das Gesuch der
Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den
Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung durch den
Rechtsvertreter; act. G 12).
B.d Mit Replik vom 27. Oktober 2016 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
fest. Sie verweist zudem auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte (EGMR) vom 18. Oktober 2016 no. 61838/10, wonach die
Beschattung durch Privatdetektive im Zuge eines sozialversicherungsrechtlichen
Verfahrens gegen das in Art. 8 EMRK verankerte Recht auf Achtung des Privat- und
Familienlebens verstosse, da es für solche Überwachungen an einer hinreichend
präzisen rechtlichen Grundlage mangle. Damit habe die von der Beschwerdegegnerin
in Auftrag gegebene Observation als widerrechtlich zu gelten und der
Observationsbericht vom 26. August 2014 sei als widerrechtlich erlangtes Beweismittel
aus dem Recht zu weisen. Nachdem das psychiatrische Gutachten von med. pract.
O._ auf Basis des rechtswidrig erhobenen Observationsmaterials erstellt worden sei,
sei auch dieses aus dem Recht zu weisen. Sofern der Beschwerdeführerin keine Rente
zugesprochen werden sollte, müsse auf jeden Fall eine neue Begutachtung durch einen
neutralen und nicht vom Observationsbericht beeinflussten Gutachter erfolgen (act. G
20).
B.e Mit Duplik vom 30. November 2016 hält auch die Beschwerdegegnerin an ihrem
Antrag fest. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass der von der Beschwerdeführerin
zitierte Entscheid des EGMR lediglich Privatversicherungen betreffe, aber nicht auf die
Invalidenversicherung Anwendung finde. Selbst wenn - was bestritten werde - die
gesetzliche Grundlage im Bereich der Invalidenversicherung als nur knapp ausreichend
taxiert würde - hätte dies nicht zur Folge, dass das Observationsmaterial nicht
verwertbar wäre. Der Mangel wäre so geringfügig, dass eine Interessenabwägung klar
zu Gunsten der Verwertbarkeit ausfallen müsste. Damit würden auch die
Bemängelungen am Gutachten von med. pract. O._ in sich zusammenfallen (act. G
22).
B.f Mit Schreiben vom 15. Dezember 2016 ersuchte die Beschwerdegegnerin um
Sistierung des Beschwerdeverfahrens bis das Bundesgericht in einem anderen Fall
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bezüglich der Frage der Rechtmässigkeit von Observationen im IV-Bereich entschieden
habe (act. G 24). Am 20. Dezember 2016 setzte die Verfahrensleitung die
Beschwerdeführerin über das Sistierungsbegehren der Beschwerdegegnerin in
Kenntnis. Im Hinblick auf die zu erwartende Verfahrensdauer bis zum eigenen
Entscheid verzichtete die Verfahrensleitung jedoch auf eine förmliche Sistierung (act. G
25).

Erwägungen
1.
1.1 Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Invalidenrente hat.
1.2 Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird unter Invalidität die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch
massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
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1.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine
zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.
2.1 Vorab ist zu prüfen, ob auf das vorhandene Aktenmaterial vollständig abgestellt
werden kann. Vorliegend wurden erste Beobachtungen über die Beschwerdeführerin
anlässlich der Observation ihres Ehemanns im Auftrag der Generali Allgemeine
Versicherung gemacht. Gestützt auf diese „zufälligen“ Beobachtungen, beauftragte die
Beschwerdegegnerin dieselbe Überwachungsfirma mit der Überwachung der
Beschwerdeführerin. Die Beschwerdeführerin macht nun geltend, die
Observationsunterlagen seien widerrechtlich und für die Sozialversicherung damit
unverwertbar (act. G 20). Die Beschwerdegegnerin ist hingegen der Ansicht, die
Observation sei rechtmässig erfolgt und die Verwertbarkeit zu bejahen (act. G 22).
2.2 Der EGMR entschied am 18. Oktober 2016 (Urteil 61838/10 i. S. Vukota-Bojic
gegen Schweiz) betreffend einer Observation im Anwendungsbereich des UVG, auch
wenn es sich um Observierungen auf öffentlichem Grund handelte, habe der
Unfallversicherer in das Recht auf Achtung des Privatlebens eingegriffen, weil er Daten
in systematischer Weise und für konkrete Zwecke erhoben habe. Es fehle eine
hinsichtlich des Rechts- und Missbrauchsschutzes ausreichend bestimmte gesetzliche
Grundlage, aus welcher hervorgehe, wann und für welche Dauer Observierungen
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vorgenommen oder wie die so erhobenen Daten aufbewahrt und verwendet werden
dürften. Das Bundesgericht erkannte das Fehlen einer ausreichenden gesetzlichen
Grundlage auch im IVG. Mithin sei die Observation an und für sich rechtswidrig, das
heisse in Verletzung von Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) bzw. Art. 13 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) erfolgt (BGE 143 I 384, E. 4; vgl.
auch Urteil vom 18. August 2017, 8C_69/2017, E. 4.1). Es stelle sich daher die von der
Rechtswidrigkeit zu unterscheidende und nach schweizerischem Recht zu beurteilende
Frage nach deren beweismässiger Verwertbarkeit (vgl. BGE 143 I 384, E. 5). Dafür sei
hauptsächlich die Interessenabwägung zwischen privaten und öffentlichen Interessen
massgebend (BGE 143 I 385 f., E. 5.1.1). Das öffentliche Interesse an der
Überwachung liege in der Verhinderung des Versicherungsmissbrauchs (Urteil des
Bundesgerichts vom 14. November 2017, 9C_261/2017, E. 4.1 f. mit Verweisen) bzw.
daran, dass keine nicht geschuldeten Leistungen erbracht würden, um die
Gemeinschaft der Versicherten nicht zu schädigen (BGE 135 I 169, E. 5.5; BGE 137 I
327, E. 5.3). Die Verwertung der Observationsergebnisse sei - in Anbetracht auch der
bald zu schaffenden ausreichenden gesetzlichen Grundlage - grundsätzlich zulässig, es
sei denn, die privaten Interessen würden überwiegen (Urteile vom 14. Mai 2018,
9C_462/2017, E. 2.3, vom 9. Mai 2018, 8C_605/2017, E. 6.3, vom 18. Februar 2018,
8C_2/2018, E. 4.2, vom 25. April 2018, 9C_347/2017, E. 4.3, vom 26. Juli 2017,
8C_45/2017, E. 4.3.2 f.). Als auch aus dem Gebot der Verfahrensfairness abgeleitete
Voraussetzungen der Verwertbarkeit ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
zu prüfen, ob die versicherte Person im öffentlichen Raum überwacht und nicht
beeinflusst wurde, ein hinreichender Anfangsverdacht bestand und die versicherte
Person nicht systematisch oder ständig überwacht wurde (BGE 143 I 385 E. 5.1.1).
Einem absoluten Verwertungsverbot unterliegt Beweismaterial, das im nicht öffentlich
frei einsehbaren Raum zusammengetragen wurde (BGE 143 I 386, E. 5.1.3; Urteile vom
14. Mai 2018, 9C_462/2017, E. 2.3, vom 9. Mai 2018, 8C_605/2017, E. 6.3, vom 18.
Februar 2018, 8C_2/2018, E. 4.2, vom 25. April 2018, 9C_347/2017, E. 4.3, vom 26.
Juli 2017, 8C_45/2017, E. 4.3.2).
2.3 Vorliegend wurde die erste Observation, welche zugleich zum Anfangsverdacht für
die eigene Observation durch die Beschwerdegegnerin führte, durch die Generali
Allgemeine Versicherung als Privatversicherung veranlasst. Diese nimmt keine
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staatlichen Aufgaben wahr, ist demnach nicht an die Grundrechte gebunden (vgl. Art.
35 Abs. 2 BV) und der obgenannte Entscheid des EGMR ist nicht analog auf die
vorliegende Situation anwendbar (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 17. und 27. Juli
2017, 6B_1241/2016, E. 1 und 4A_110/2017, E. 5.2). Allerdings ist eine vom
Privatversicherer rechtskonform durchgeführte Observation im
sozialversicherungsrechtlichen Verfahren ausschliesslich dann zulässig, wenn die in
Art. 36 BV geforderten Voraussetzungen für einen Grundrechtseingriff erfüllt sind (vgl.
BGE 129 V 324, E. 3.3.3). Eine von Privatversicherungen veranlasste Observation kann
die Privatsphäre von Versicherten wie auch deren Recht am eigenen Bild verletzen. Die
Verletzung ist ebenfalls dann nicht widerrechtlich, wenn das öffentliche Interesse an
der Verhinderung eines Versicherungsbetrugs das private Interesse des von der
Observation Betroffenen auf Unversehrtheit seiner Persönlichkeit überwiegt (vgl. Art. 28
Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB; SR 210]). Bezüglich der
Verwertbarkeit von Observationsergebnissen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27.
Juli 2017, 4A_110/2017, E. 5.3 mit Verweis auf BGE 136 III 410, E. 2) hat das
Bundesgericht im Wesentlichen die gleichen Kriterien als entscheidend erachtet, wie
sie für die Zulässigkeit der Überwachung durch Sozialversicherungen massgebend
sind.
2.4 Hinsichtlich des ausreichenden Anfangsverdachts führte das Bundesgericht in
BGE 137 I 327, E. 5.4.2.1 aus, die objektive Gebotenheit der Überwachung erfordere
das Vorliegen konkreter Anhaltspunkte, die Zweifel an den geäusserten
gesundheitlichen Beschwerden oder der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit
aufkommen liessen. Solche Anhaltspunkte könnten beispielsweise gegeben sein bei
widersprüchlichem Verhalten, bei Zweifel an der Redlichkeit (eventuell durch Angaben
und Beobachtungen Dritter), bei Inkonsistenzen anlässlich der medizinischen
Untersuchung, sowie bei Aggravation, Simulation und Selbstschädigung. Diese
Elemente können einzeln oder in Kombination zureichende Hinweise liefern, die zur
objektiven Gebotenheit der Observation führen.
2.5 Anlass für die Observation der Beschwerdeführerin durch die Beschwerdegegnerin
gaben hier die im Rahmen der Observation ihres Ehemannes durch die Generali
Allgemeine Versicherung gewonnenen Beobachtungen. So konnte die
Beschwerdeführerin beim Aufhängen der Wäsche, beim Autofahren und Fensterputzen
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gesehen werden (vgl. IV-act. 52-2f.). Sodann wurden bereits im Bericht der Rehaklinik
Bellikon über das ambulante Assessment vom 18. August 2011 verschiedene
Diskrepanzen festgehalten, so zwischen dem Fehlen einer relevanten klinischen
Problematik im Bereich Hand oder Vorderarm und der schlechten Handkraft rechts,
zwischen dem Ausmass der angegebenen Einschränkungen im Fragebogen zur
Selbsteinschätzung der Leistungsfähigkeit (PACT-Test) und den beobachteten
funktionellen Fähigkeiten (Selbsteinschätzung erheblich zu tief) sowie zwischen den
Handkraftwerten rechts beim einfachen statischen Test und beim Rapid Exchange Test
(deutlich höhere Werte beim Rapid Exchange Test; IV-act. 2-10). Auch Dr. G._ hielt
im Rahmen seiner Verlaufskontrolle am 20. Dezember 2011 fest, er habe den Eindruck
gewonnen, es liege eine gewisse Aggravation vor (IV-act. 13-29). Gestützt auf das
Observationsmaterial der Generali Allgemeine Versicherungen befand Dr. L._ mit
Stellungnahme vom 12. Februar 2013, die Beschwerdeführerin zeige entgegen seinen
Erwartungen ein überraschend hohes Aktivitätsniveau. Dagegen habe er einen sozialen
Rückzug erwartet. Auch könnten Einschränkungen der Beweglichkeit der
Halswirbelsäule und überhaupt des Nacken-Schulter-Armbereichs etwa als Folge eines
Schleudertraumas nicht einmal vermutet werden (IV-act. 53-2). Somit ist ein
ausreichender Anfangsverdacht vorliegend zu bejahen.
2.6 Die Beschwerdeführerin wurde im Zeitraum von 30. Juni bis 19. August 2014
observiert, wobei sie nur an vier Tagen bei rückschlussfähigen Handlungen beobachtet
werden konnte (IV-act. 94). Damit bewegt sich die Observation im Rahmen eines nicht
schweren Grundrechtseingriffs. Es wurden keine Beobachtungen in einem
ausschliesslich privat zugänglichen Raum erhoben oder der Privatsphäre zugehörige
Tätigkeiten observiert. Weder eine Beeinflussung noch eine systematische, ständige
Beobachtung liegen vor. Die Observation bestätigte jedoch die von Dr. L._ in der
Stellungnahme vom 12. Februar 2013 aufgeführten Inkonsistenzen und Diskrepanzen.
Auch Dr. N._ hielt in der Stellungnahme vom 23. September 2014 fest, dass die
aktuelle Observation eine aktive Frau zeige, die ihren Haushalt inklusive
Überkopftätigkeiten wie Wäsche aufhängen effizient erledige, so dass ihr noch
genügend Zeit für allerlei soziale Aktivitäten bleibe. Sie wirke im Umgang mit anderen
kommunikativ, keineswegs antriebsgehemmt, unkonzentriert oder freudlos. Die
Beobachtungen würden sich mit einer höhergradigen Depression kaum vereinbaren
lassen. Bei lebhafter Mimik und Gestik fänden sich keine positiven Anhaltspunkte für
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ein invalidisierendes Schmerzerleben. Die Gesichtsinnervation sei symmetrisch ohne
Hinweise auf eine Schädigung des Gesichtsnervs und die spontane Kopfbeweglichkeit
sei entgegen den geltend gemachten Einschränkungen frei (IV-act. 95). Folglich erweist
sich die Observation als geeignet und erforderlich, mit Bezug auf die geltend
gemachten Einschränkungen weitere Erkenntnisse zu gewinnen, und die Verwertung
von deren Ergebnissen trotz mangelhafter gesetzlicher Grundlage als insgesamt
verhältnismässig.
3.
3.1 Somit ist nachfolgend zu prüfen, ob der medizinische Sachverhalt genügend
abgeklärt und für die Rentenprüfung auf das psychiatrische Gutachten von med. pract.
O._ abgestellt werden kann.
3.2 Das Bundesgericht hat am 3. Juni 2015 mit BGE 141 V 281 seine Rechtsprechung
zu syndromalen bzw. organisch nicht objektivierbaren Beschwerdebildern geändert
und festgehalten, diese seien mittels eines strukturierten Beweisverfahrens anhand
massgeblicher Indikatoren zu beurteilen (BGE 141 V 294, E. 3.5 f.; BGE 143 V 415 f, E.
4.5.1 und BGE 143 V 429 E. 7.2). Die Begutachtung fand am 15. Mai und 9. Juni 2015
statt. Das Gutachten wurde am 6. Juli 2015 erstellt und die Gutachterin nahm darin
bereits im Sinne der neuen Rechtsprechung Stellung (vgl. IV-act. 115-39). Somit steht
einer Prüfung der massgeblichen Indikatoren nichts im Wege und es ist der Beweiswert
des Gutachtens auf seinen Inhalt zu prüfen.
3.3 Die behandelnde Psychiaterin Dr. I._ schilderte die psychiatrischen
Beschwerden der Beschwerdeführerin im Bericht vom 11. November 2015
folgendermassen: Zu Beginn der ambulanten Behandlung am 10. Februar 2012 habe
die Beschwerdeführerin die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung mit
Flashbacks, emotionalem Rückzug, Gefühlsabstumpfung, Anhedonie sowie zeitweise
auftretendem Vermeidungsverhalten (Angst vor dem Autofahren) erfüllt. Hinsichtlich
dieser Symptome habe sie jedoch über eine Verbesserung im Sinne einer Teilremission
berichtet. Gezwungenermassen müsse sie ihre Kinder immer zur Schule fahren, da ihr
Ehemann auf Grund seines eigenen Leidens nicht immer in der Lage sei, die
alltäglichen familiären Aufgaben zu erfüllen. Dennoch bestünden Restsymptome der
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posttraumatischen Belastungsstörung im Sinne von geringem Interesse an sozialen
Aktivitäten, schnelle Reizbarkeit bei geringen Belastungssituationen,
Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit. Vordergründig seien in den letzten
Monaten Symptome im Sinne einer mittelgradigen depressiven Episode mit
ausgeprägter Tagesmüdigkeit, rascher Erschöpfung, Energie- und Kraftlosigkeit,
gedrückter oder gereizter Stimmung, deutliche Appetitverminderung, sozialem
Rückzug, Interessenverlust und Anhedonie, Insuffizienzgefühle im Sinne einer
Überforderung bei den geringsten alltäglichen Aufgaben aufgetreten. Die geschilderten
Symptome würden weit über eine Dysthymia hinaus reichen, mittlerweile bestehe der
Verdacht auf eine rezidivierende depressive Störung. Die Beschwerdeführerin sei
bereits auf Grund einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome
vom 19. März bis 19. April 2013 in stationärer Behandlung in der Klinik M._ gewesen.
Aus Sicht der behandelnden Ärztin sei das Erlangen einer Arbeitsfähigkeit am freien
Arbeitsmarkt auf Grund des bisherigen Verlaufs eher unwahrscheinlich (act. G 1.3).
3.4 Im Rahmen ihrer Begutachtung vom 15. Mai und 9. Juni 2015 hielt die Gutachterin
med. pract. O._ fest, die Beschwerdeführerin habe sehr viel und schnell erzählt,
weshalb sie sie wiederholt habe unterbrechen müssen, um ihre Angaben wortgetreu
aufschreiben zu können. Bei diesen Unterbrechungen habe die Beschwerdeführerin
keinerlei Mühe gehabt, den roten Faden wieder aufzunehmen, d.h. die Schilderungen
exakt an der Stelle fortzusetzen, an der sie zuvor unterbrochen worden sei. Damit habe
sich eine gute Aufmerksamkeit und Konzentration feststellen lassen (IV-act. 115-26).
Sodann habe die Beschwerdeführerin bei Angabe von Müdigkeit und Erschöpfung
nicht müde gewirkt, sondern sei während der gesamten dreistündigen Untersuchung
gleichbleibend energisch und lebendig gewesen. Trotz Angabe von
Konzentrationsstörungen hätten aktuell keine Konzentrationsstörungen festgestellt
werden können. Auch hinsichtlich der angegebenen aktuellen Schmerzen (Kopf-,
Nacken-, Schulter- und Muskelschmerzen) seien keine Anzeichen in Mimik, Gestik und
Verhalten beobachtbar gewesen, welche auf eine aktuelle Schmerzsymptomatik
hingedeutet hätten. Im Gegensatz zur Angabe einer stetigen Gewichtsreduktion habe
aktuell ein normales Körpergewicht (bzw. auch ein höheres Körpergewicht als von ihr
angegeben) festgestellt werden können. Eine Ängstlichkeit und/oder Panikattacken
und/oder vegetative Angstkorrelate hätten ebenfalls aktuell nicht festgestellt werden
können. Zudem habe sie sich gegenüber kritischen Fragen und Konfrontationen mit der
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Aktenlage gut behaupten können. Dabei sei sie resolut und ideenreich erschienen.
Insgesamt habe sich eine deutliche Diskrepanz zwischen den Angaben der
Beschwerdeführerin über ihre aktuellen Beschwerden und dem aktuell festgestellten
weitgehend unauffälligen psychischen Befund ergeben (IV-act. 115-27). Med. pract.
O._ sah gestützt auf ihren Untersuchungsbefund keine Diagnosen als gegeben,
welche eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit bestünden eine hypochondrische Störung (ICD-10: F45.2), eine
Dysthymia (ICD-10: F34.1), ein Verdacht auf eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge mit
histrionischen Anteilen (ICD-10: Z73.1). Widersprüche hätten sich sodann hinsichtlich
der berichteten „Panikattacken“ gezeigt. Während die Beschwerdeführerin am 15. Mai
2015 angegeben habe, diese dank erlernter Atemtechniken weitgehend gut meistern zu
können und inzwischen damit keine Probleme mehr zu haben, habe sie am 9. Juni
2015 neu angegeben, „jeden Tag“ unter Panikattacken zu leiden. Des Weiteren seien
von der Beschwerdeführerin Probleme mit den Augen mit einer Visus-
Verschlechterung, Probleme mit Lärmbelastung bei Ohrgeräuschen sowie eine
schlechte Konzentration und Vergesslichkeit angegeben worden. Diese Beschwerden
hätten sich im Rahmen der aktuellen insgesamt dreieinhalbstündigen psychiatrischen
Untersuchungen nicht verifizieren lassen. Der psychopathologische Befund sei bei ihr
weitgehend unauffällig gewesen. Auch mit dem Observationsbericht der Generali vom
September 2012 und dem Observationsmaterial vom Sommer 2014 hätten sich die
angegebenen Beschwerden nicht vereinbaren lassen. Insbesondere habe bei der
Beschwerdeführerin keine relevante depressive Symptomatik im Sinne einer
depressiven Episode festgestellt werden können. Es hätten auch keine relevanten
Angst-Symptome bzw. keine Symptome einer PTBS festgestellt werden können,
welche sich zu einem eigenständigen psychischen Krankheitsbild subsumieren liessen
(IV-act. 115-31). Es hätten bei ihr allenfalls leichte dysthyme Schwankungen der
psychischen Befindlichkeit vor dem Hintergrund eines neurotischen Konfliktes bei einer
unbefriedigenden beruflichen und finanziellen Situation eruiert und festgestellt werden
können. Bei einem aktuell weitgehend unauffälligen psychischen Befund seien bei der
Beschwerdeführerin vor allem motivationale Faktoren und psychosoziale
Belastungsfaktoren bei einem eigenwilligen subjektiven Krankheitskonzept in den
Vordergrund gerückt. Die Gutachterin hielt zusammenfassend fest, dass bei der
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Beschwerdeführerin in diagnostischer Hinsicht eine hypochondrische Störung und eine
Dysthymia auf dem Boden von akzentuierten Persönlichkeitszügen mit histrionischen
Anteilen vorlägen. Des Weiteren liege der Verdacht auf eine somatoforme
Schmerzstörung vor. Aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht imponiere die
Beschwerdeführerin vor allem mit einem eigenwilligen subjektiven Krankheitskonzept
im Sinne einer Beschäftigung mit bzw. einer Überzeugung davon, an einer schweren
Krankheit bzw. einer schweren körperlichen Schädigung zu leiden, die auf den
Autounfall von 01/2011 zurückzuführen sei. Dabei würden die angegebenen
körperlichen Beschwerden und das daraus resultierende Verhalten der
Beschwerdeführerin einer hypochondrischen Störung nach ICD-10 entsprechen.
Gemäss den diagnostischen Kriterien nach ICD-10 bestehe das vorherrschende
Kennzeichen einer hypochondrischen Störung in „einer beharrlichen Beschäftigung mit
der Möglichkeit, an einer oder mehreren schweren und fortschreitenden körperlichen
Erkrankungen zu leiden, manifestiert durch anhaltende körperliche Beschwerden oder
anhaltende Beschäftigung mit den körperlichen Phänomenen. Normale oder allgemeine
Körperwahrnehmungen und Symptome werden von der betreffenden Person oft als
abnorm und belastend interpretiert.“ Die konkreten diagnostischen Kriterien einer
hypochondrischen Störung gemäss der ICD-10 (Kriterien A, B, C) seien bei der
Beschwerdeführerin erfüllt. Differentialdiagnostisch zog die Gutachterin eine
Somatisierungsstörung in Betracht: Entsprechend den Kriterien nach ICD-10 liege bei
der Beschwerdeführerin der Akzent (wie bei einer hypochondrischen Störung postuliert)
jedoch mehr auf der Krankheit und ihren künftigen Folgen als auf den einzelnen
Symptomen (IV-act. 115-32f.). Gestützt auf die Aktenlage hätten bereits vor dem
Autounfall psychische und psychosomatische Auffälligkeiten bzw. unspezifische
körperliche Beschwerden (laut Hausärztin „Schmerzüberempfindlichkeit, die sie ewig
leiden liess“, auch Tinnitus und „Schwindel“) vorgelegen. Nach Aktenlage habe die
Beschwerdeführerin schon Jahre vor dem Autounfall von 01/2011 wegen eines
„Innenohrschwindels“ das psychopharmakologische Kombinationspräparat Deanxit
eingenommen. Eine fachärztlich psychiatrische Abklärung der damaligen psychisch/
psychosomatischen Auffälligkeiten habe aber vor 2011 nicht stattgefunden. Die
vorliegenden leichten psychischen Beschwerden im Sinne von leichten depressiven
Verstimmungen hätten sich als Dysthymia subsumieren lassen. In diesem
Zusammenhang sei aus gutachterlicher Sicht festzuhalten, dass sich die von der
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Beschwerdeführerin angegebenen „schweren“ psychischen Beschwerden und
Einschränkungen nicht hätten verifizieren lassen. Das wesentliche Kennzeichen einer
Dysthymia gemäss der ICD-10 sei die „langdauernde, depressive Verstimmung, die
niemals oder nur selten ausgeprägt genug sei, um die Kriterien für eine rezidivierende
leichte oder mittelgradige depressive Störung zu erfüllen. Bei Beginn im höheren
Lebensalter trete die Störung häufig nach einer abgrenzbaren depressiven Episode,
nach einem Trauerfall oder nach einer anderen offensichtlichen Belastung auf“. Bei der
Beschwerdeführerin würden sich aktuell keine depressiven Symptome feststellen
lassen, welche die diagnostischen Kriterien einer leichten oder mittelgradigen bzw.
schweren depressiven Episode nach ICD-10 erfüllen würden (IV-act. 115-33).
3.5 Weiter führte med. pract. O._ aus, dass sich die anamnestischen Angaben der
Beschwerdeführerin nicht mit dem Verlauf ihres psychiatrischen Klinikaufenthalts im
Frühjahr 20_ vereinbaren liessen. So lasse sich die in der Klinik M._ diagnostizierte
schwere depressive Episode nicht nachvollziehen. Die Ärzte der Klinik M._ hätten
neben der schweren depressiven Episode eine posttraumatische Belastungsstörung
und eine Somatisierungsstörung diagnostiziert. Vor dem Hintergrund des damals
beschriebenen psychopathologischen Befundes lasse sich die PTBS aber nicht
nachvollziehen, da im psychopathologischen Befund gar keine Symptome einer PTBS
angegeben worden seien (IV-act. 115-35f.). Diese Diagnose sei lediglich auf der ersten
Seite genannt worden. Ansonsten fänden sich weder im psychopathologischen Befund
noch im Verlauf der vierwöchigen Behandlung Hinweise für das Vorliegen von
Symptomen einer PTBS. Im psychopathologischen Befund würden gewisse depressive
Symptome mit explizit zitierten subjektiven Beschwerden der Beschwerdeführerin
vermischt. Dabei sei keine klare Unterscheidung zwischen den subjektiven
Beschwerden und den festgestellten Symptomen erkennbar. Daher lasse sich aus
gutachterlich-psychiatrischer Sicht die Diagnose einer schweren depressiven Episode
nicht nachvollziehen. Die im psychopathologischen Befund genannten depressiven
Symptome würden die Kriterien einer schweren depressiven Episode nicht erfüllen.
Auch der schriftlich festgehaltene Verlauf der stationären Behandlung liefere keine
Hinweise für das Vorliegen einer schweren depressiven Episode nach der ICD-10.
Vielmehr werde bei der Beschwerdeführerin eine hohe Anspruchshaltung an die
behandelnden Ärzte beschrieben. So sei eine hohe Anspruchshaltung an andere und
(ggf.) sich selbst aber kein depressives Symptom, sondern ein Hinweis auf einen
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neurotischen Konflikt und/oder Hinweis für persönlichkeitsstrukturelle Besonderheiten.
Vorliegend gehe es um einen neurotischen Konflikt um Versorgung versus Autarkie, die
von der Beschwerdeführerin externalisiert und somit während der stationären
psychiatrischen Hospitalisation sichtbar geworden sei. Die von den Ärzten
diagnostizierte Somatisierungsstörung lasse sich teilweise nachvollziehen. Sie gehöre
zur Gruppe der somatoformen Störungen nach der ICD-10. Bei der
Beschwerdeführerin lägen eindeutig somatoforme Störungen vor, wobei aus
gutachterlicher Sicht der Akzent - wie dargestellt - weniger auf den einzelnen
Symptomen/Beschwerden, sondern mehr auf der Krankheit bzw. dem subjektiven
Krankheitskonzept und den künftigen Folgen liege, was der Diagnose einer
hypochondrischen Störung nach der ICD-10 entspreche (IV-act. 115-36). Mit Verweis
auf die von Dr. med. G. P._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Konsiliararzt der Suva, verfasste psychiatrische Beurteilung der Aktenlage vom 28.
März 2014 (IV-act. 111-116ff.) zitierte med. pract. O._, der Suva-Arzt habe
festgehalten, dass sich durch das Dossier eine gewisse Schwierigkeit ziehe, die
bestehende dokumentierte Symptomatik und das Verhalten der Beschwerdeführerin zu
erfassen; dies auch auf Grund des zum Teil widersprüchlichen Verhaltens. Dieses
bestätigte die Gutachterin aus ihrer eigenen Untersuchung. Demgegenüber befand sie
die von Dr. P._ im Rahmen seiner Untersuchung vom 11. April 2014 gestellte
Diagnose eines depressiven Syndroms, leichter bis mittelgradiger Ausprägung, aktuell
leichter Ausprägung auf dem Boden einer Anpassungsstörung nach Unfall und auf dem
Boden einer histrionischen Persönlichkeit (ICD-10: F32.0; F43.2, F60.4), als nicht
nachvollziehbar. Dies zumal bei der Beschwerdeführerin sowohl von der früheren
Hausärztin Dr. D._ als auch von den Ärzten der Rehaklinik Bellikon 08/2011 schon
vor dem Unfall von 01/2011 („vorbestehende“) depressive und somatoforme
Beschwerden einschliesslich einer psychopharmakologischen Behandlung (Deanxit)
beschrieben worden seien. Bei den von der Beschwerdeführerin im April 2014
angegebenen somatischen Beschwerden ohne wesentliche somatische Korrelate
fehlten - aus gutachterlicher Sicht bei der Beurteilung von Dr. P._ eine
entsprechende diagnostische Einschätzung bzw. differentialdiagnostische
Überlegungen, dies auch vor dem Hintergrund des von ihm zuvor angegebenen
„widersprüchlichen“ Verhaltens. Nachdem die ambulant behandelnde Psychiaterin Dr.
I._ gegenüber Dr. P._ am 14. April 2014 von der Diagnose einer PTBS Abstand
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genommen habe, sei es nicht nachvollziehbar, dass sie dann doch diese Diagnose in
ihrem Bericht an den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin vom Mai 2014
angegeben habe. Auch sei die von Dr. I._ im Mai 2014 diagnostizierte schwere
depressive Episode nicht nachvollziehbar, zumal wenige Wochen zuvor Dr. P._ „nur“
eine leichte depressive Symptomatik habe feststellen können. Weiter lasse sich auch
die von der Psychiaterin im Mai 2014 anamnestisch aufgeführte deutliche
Verschlechterung der psychischen Verfassung im Frühjahr 20_ als Grund für die erste
psychiatrische Hospitalisation anhand des Austrittsberichts der Klinik M._ von
08/20_ mit der umfassend dargestellten „Problematik bei Eintritt“ retrospektiv nicht
bestätigen. Eine deutliche Verschlechterung der psychischen Verfassung sei von den
Ärzten der Klinik M._ so nicht beschrieben worden. Weiter sei hinsichtlich der von Dr.
I._ angegebenen Probleme in Bezug auf die medikamentöse
psychopharmakologische Behandlung verwunderlich, dass die Beschwerdeführerin auf
die ihr seit 2012 verordneten verschiedenen psychopharmakologischen Präparate mit
raschen Unverträglichkeiten reagiert haben solle, nachdem sie - gemäss Aktenlage -
vor dem Autounfall 2011 bei wesentlich geringeren (?) Beschwerden mehrere Jahre das
Kombinationspräparat Deanxit (bestehend aus einem Antidepressivum und einem
Neuroleptikum) wohl ohne Probleme eingenommen habe. Ebenfalls nicht
nachvollziehbar sei, dass Dr. I._ bei der von ihr neu im Mai 2014 diagnostizierten
schweren depressiven Episode keine Modifikation hinsichtlich einer adäquaten
Medikation und hinsichtlich des Behandlungssettings vorgenommen habe. Die von ihr
weiterhin unverändert durchgeführte niederfrequente ambulante Gesprächstherapie
entspreche nicht den Leitlinien der Fachgesellschaften (SGPP; DGPPN) zur
Behandlung von schweren depressiven Episoden. Bei einer solchen wären zumindest
eine engmaschige ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung und
eine intensive antidepressive Behandlung erforderlich. Es könne (daher) angenommen
werden, dass die Psychiaterin die depressiven Symptome der Beschwerdeführerin
nicht als so schwerwiegend eingeschätzt habe, dass sie bei ihr eine adäquate
Behandlung für erforderlich erachtet und entsprechend umgesetzt hätte. Schliesslich
sei der Bericht von Dr. I._ an die Suva von Oktober 2014 im Wortlaut identisch mit
ihrem Bericht an den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin von Mai 2014. Aus
gutachterlicher Sicht sei es jedoch nicht nachvollziehbar, dass die Ärztin nach weiteren
fünf Monaten ambulanter Behandlung keinerlei neue Aspekte (z.B. zu Beschwerden,
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Symptomen, zum Verlauf und zur Behandlung) zu berichten gehabt habe (IV-act.
115-36ff.).
3.6 Schliesslich führte die Gutachterin mit Bezug auf die Indikatorenprüfung
(Funktioneller Schweregrad/Gesundheitsschädigung, Behandlungserfolg/-resistenzen,
Komplex der Persönlichkeit, Konzept der "komplexen" Ich-Funktionen, Sozialer
Kontakt, Konsistenz der Fähigkeitsstörungen und Inanspruchnahme therapeutischer
Optionen) konkret aus, dass funktionelle Einschränkungen von der Beschwerdeführerin
zwar angegeben würden, sie sich aber in der psychiatrischen Untersuchung nicht
hätten objektivieren lassen. Das ermittelte psychische und psychosoziale
Funktionsniveau sei nicht beeinträchtigt. Eine relevante Gesundheitsschädigung liege
nicht vor. Bei den aufgeführten psychischen Störungen handle es sich aus rein
psychiatrischer Sicht um sehr leichte psychische Störungen ohne Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit. Für einen Behandlungserfolg im Rahmen einer psychiatrisch-
psychotherapeutischen Behandlung seien ein ausreichender Leidensdruck, eine
Behandlungsmotivation (und Compliance) und eine gewisse Introspektionsfähigkeit
bedeutsam. Ein Leidensdruck sei bei der Beschwerdeführerin vor allem in Bezug auf
psychosoziale Faktoren erkennbar. Eine Behandlungsmotivation müsse bei ihr
hinterfragt werden. Die aktuelle Behandlung entspreche - unter Berücksichtigung der
von der behandelnden Psychiaterin angegebenen Diagnosen - nicht den Leitlinien der
Fachgesellschaften (SGPP, DGPPN). Die Psychiaterin habe ein Behandlungssetting für
sehr leichte, psychische Störungen, seit längerer Zeit sogar ohne Medikation gewählt.
Somit habe sie die von der Gutachterin gestellten leichten psychischen Diagnosen
indirekt bestätigt. Hinsichtlich der empfohlenen beruflichen
Eingliederungsmassnahmen seien die Eingliederungsmotivation und Kooperation der
Beschwerdeführerin bereits von den Ärzten der Rehaklinik Bellikon 08/2011 hinterfragt
worden. Somit seien deutliche Behandlungsresistenzen festzustellen. Es bestünden
akzentuierte Persönlichkeitszüge, die jedoch vorbestehend seit spätestens der
Adoleszenz seien und auch bisher die Arbeitsfähigkeit nicht relevant eingeschränkt
hätten. Die komplexen Ich-Funktionen (Selbst-/Fremdwahrnehmung, Realitätsprüfung,
Urteilsbildung, Affektsteuerung, Impulskontrolle und Antrieb) seien nicht relevant
eingeschränkt. Es liessen sich zahlreiche Ressourcen feststellen, wozu auf den
psychischen Befund verwiesen werde. Die Beschwerdeführerin pflege nach wie vor
viele soziale Kontakte, wie dies der Aktenlage einschliesslich des
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Observationsmaterials zu entnehmen sei. Weiter bestehe - wie oben erwähnt - keine
Konsistenz der Fähigkeitsstörungen. Zudem erscheine der tatsächliche Leidensdruck
eher gering und betreffe - wie erwähnt - vor allem psychosoziale Belastungsfaktoren
und den Wunsch nach finanzieller Absicherung. Die Beschwerdeführerin nehme nur
eine niederfrequente ambulante psychiatrische Behandlung wahr. Eine kontinuierliche
und konsequente psychopharmakologische Behandlung habe seit 2012 nicht
stattgefunden. Es könne angenommen werden, dass eine konsequente
psychopharmakologische Behandlung auch nicht erforderlich gewesen sei. Durch die
Diskussion der Standardindikatoren könne keine ausreichende Schwere der
psychischen Symptomatik belegt werden (IV-act. 115-39f.).
3.7 Zusammenfassend kam die Gutachterin zum Schluss, dass bei der
Beschwerdeführerin aus rein psychiatrischer Sicht keine Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit und der Leistungsfähigkeit bestünden. Es würden sich vielmehr gute
Ressourcen in Form von guten kognitiven Fähigkeiten einschliesslich einer guten
Konzentration und Aufmerksamkeit, guten sozialen Fähigkeiten sowie in Form einer
guten Ausdauer und eines guten Durchhaltevermögens bei der Wahrnehmung eigener
Interessen feststellen lassen (IV-act. 115-40).
3.8 Das Gutachten von med. pract. O._ beruht auf eigenständigen Abklärungen und
ist für die streitigen Belange umfassend. Insbesondere verschaffte sich die Gutachterin
ein Bild über die Ressourcen und Einschränkungen der Beschwerdeführerin und hat zu
den massgeblichen Indikatoren gemäss neuer Rechtsprechung nachvollziehbar
Stellung genommen. Die medizinischen Vorakten wurden sodann verwertet und
Abweichungen zu den behandelnden Ärzten sowie zu Dr. P._ diskutiert und
begründet. Ebenso wurden die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden
berücksichtigt und gewürdigt. Auch Dr. N._ beurteilte das Gutachten als sorgfältig
und umfassend aufgearbeitet (vgl. IV-act. 116-2). Es besteht somit kein Anlass, von der
bescheinigten vollen Arbeitsfähigkeit abzuweichen.
3.9 Auch den mit der Beschwerdebegründung eingereichten Berichten von Dr. med.
Q._, Facharzt FMH für Neurologie, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 9. September 2015, von Dr. med. R._, Augenarzt/Ophtalmochirurgie FMH, vom
21. September 2015 und Dr. med. I._, Fachärztin für Psychiatrie, vom 11. November
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2015 (vgl. act. G 9.1.1-3) sind keine Hinweise zu entnehmen, dass sich der
Gesundheitszustand verschlechtert hätte, gewisse Einschränkungen nicht
berücksichtigt worden wären oder sich weitere somatische sowie psychiatrische
Abklärungen aufdrängen würden. Frühere Beurteilungen von Dr. I._ wurden von der
Gutachterin abschliessend einbezogen und gewürdigt. Zudem sind die von Dr. Q._
und Dr. R._ geschilderten Befunde sowie die von der Beschwerdeführerin geltend
gemachten Einschränkungen nicht derart, dass sie eine höhergradige, rentenrelevante
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bedingen könnten. Folglich bleibt es bei der
gutachterlichen Einschätzung.
4.
Gestützt auf die vorliegenden Akten ist somit eine volle Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin selbst in der angestammten Tätigkeit als Hilfsarbeiterin (in der
Reinigung bzw. der Spezialreinigung) nachvollziehbar. Damit ist eine Invalidität zu
verneinen und das Rentengesuch abzuweisen.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 26. November 2015
nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Zufolge
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (vgl. act. G 12) ist sie von der Bezahlung
zu befreien.
5.3 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
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Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin reichte am 20. Juni 2018 eine
Kostennote in Höhe von insgesamt Fr. 5‘382.20 (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) ein (act. G 28). Mit Schreiben vom 26. Juni 2018 teilte er mit, die
ungekürzte Kostennote betrage Fr. 6'727.80 (vgl. act. G 30). Mit Blick auf die in
vergleichbaren Fällen üblicherweise bezahlte Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
erscheint der geltend gemachte Aufwand als übersetzt. In der Verwaltungsrechtspflege
sind sodann keine Entschädigung nach Stunden, sondern Pauschalen vorgesehen. Der
Bedeutung und der Schwierigkeit der Streitsache angemessen erscheint unter
Berücksichtigung des zu beurteilenden mehrjährigen Verlaufs, des
Observationsmaterials und des umfangreichen Aktenmaterials eine
Parteientschädigung von pauschal Fr. 4'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer). Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des
Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat den Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin pauschal mit Fr. 3'600.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
5.4 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).