Decision ID: e76b56e4-4fb1-4c2b-8a4e-ca398d77cf17
Year: 2022
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_004
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A. A1. (geb. 1983) ist serbischer Staatsangehöriger. Er reiste am 16. März 2015 erstmals in die
Schweiz ein (act. 5.6.I./59). Unter Vorlegung einer auf seinen Namen lautenden italienischen
Identitätskarte (act. 5.6.I./57) gab er an, italienischer Staatsangehöriger zu sein, worauf er
zuerst eine Aufenthaltsbewilligung B-EU/EFTA (act. 5.6.I./408 f.) und am 27. Mai 2016 (act.
5.6.I./358) eine Kurzaufenthaltsbewilligung L-EU/EFTA erhielt. Seine serbische Ehefrau A2.
(geb. 1981) und die beiden in Italien bzw. Serbien geborenen Kinder A3. (geb. 2001) und A4.
(geb. 2013) erhielten im Familiennachzug ebenfalls die Kurzaufenthaltsbewilligung L-
EU/EFTA, wobei A1. in den entsprechenden Formularen jeweils angab, italienischer
Staatsangehöriger zu sein, (act. 5.6.II/235 f.; 5.6.III./114 f.; act. 5.6.IV./30 f.). In der Folge
wurden die Kurzaufenthaltsbewilligungen mehrfach verlängert.
B. Am 21. Oktober 2020 stellte A1. das Gesuch um Erteilung der Aufenthaltsbewilligung B (act.
5.6.I./32). Nachdem sich in der Folge herausstellte, dass es sich bei der von A1. vorgelegten
Carta d'Identita nicht um ein italienisches Identitätsdokument, sondern eine Aufenthalts-
bestätigung der italienischen Behörden handelt, wies das Amt für Inneres, Abteilung
Migration (im Folgenden: verfügende Behörde) nach der Gewährung des rechtlichen Gehörs
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mit Verfügung vom 17. Februar 2021 (act. 5.6.I./6) das Gesuch um Erteilung der
Aufenthaltsbewilligung B für A1., A2., A3. und A4. ab. Gleichzeitig widerrief sie die bis
23. Juni 2021 gültigen Kurzaufenthaltsbewilligungen und ordnete an, dass A1. und seine
Familie die Schweiz innert 60 Tagen ab Rechtskraft der Verfügung zu verlassen hätten.
Begründet wurde die Verfügung im Wesentlichen damit, dass A1. seine Aufenthalts- bzw.
Kurzaufenthaltsbewilligungen durch unwahre Angaben bei den Gesuchstellungen erlangt
habe. Damit habe dieser einen Widerrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes
über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (Ausländer- und Inte-
grationsgesetz, AIG, SR 142.20) gesetzt. Als serbischer Staatsangehöriger hätte er mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Aufenthalts- oder Kurzaufenthaltsbe-
willigung erhalten.
C. Gegen diese Verfügung liessen A1., A2., A3. und A4., vertreten durch RA AA., mit Eingabe
vom 8. März 2021 (act. 5.1) Rekurs beim Departement Inneres und Sicherheit erheben. u.a.
mit den Anträgen, die Verfügung aufzuheben und die Gesuche gutzuheissen.
D. Mit Entscheid vom 11. Mai 2021 (act. 2) wies das Departement Inneres und Sicherheit den
Rekurs ab. A1. und seine Familie wurden angewiesen, die Schweiz bis Ende August 2021
zu verlassen.
E. Dagegen liessen A1., A2., A3. und A4. (im Folgenden: Beschwerdeführer 1-4), alle vertreten
durch RA AA., mit Eingabe vom 10. Juni 2021 (act. 1) mit eingangs erwähnten Rechtsbe-
gehren beim Obergericht Beschwerde erheben.
F. Mit Schreiben vom 23. Juni 2021 (act. 4) liess sich das Departement Inneres und Sicherheit
(im Folgenden: Vorinstanz) mit eingangs erwähnten Anträgen zur Beschwerde vernehmen.
G. Am 12. Juli 2021 wurde den Beschwerdeführern die unentgeltliche Rechtspflege und Rechts-
verbeiständung in der Person von RA AA. gewährt (act. 6).
H. Mit Eingabe vom 15. September 2021 (act. 10) reichten die Beschwerdeführer eine Replik
ein. Die Vorinstanz verzichtete auf eine Duplik.
I. Von den Beteiligten wurden dem Gericht neue Unterlagen eingereicht: Von der verfügenden
Behörde Betreibungsregisterauszüge (act. 14) und Rapporte der Kantonspolizei wegen
Widerhandlungen gegen das AIG (act. 18.1 bis 18.3); von den Beschwerdeführern eine
Stellungnahme (act. 16) sowie Arbeitsverträge (act. 24.1 und 24.2) und einen Lehrvertrag
von A3. (act. 26).
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J. Auf die Begründung der gestellten Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
näher eingegangen.

Erwägungen
1.
1.1 Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt, dass
diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der Form- und
Fristerfordernisse erfüllt sind. Die sachliche bzw. funktionale Zuständigkeit des Obergerichts
ergibt sich aus Art. 54 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS
143.1), wonach das Obergericht zur Behandlung von Beschwerden gegen letztinstanzliche
Verfügungen der Verwaltungsbehörden zuständig ist. Die Beschwerdeführer sind als
Adressaten des angefochtenen Rekursentscheids, mit dem ihre Begehren abgewiesen
wurden, formell beschwert. Auf die Beschwerde ist grundsätzlich, aber unter folgendem
Vorbehalt einzutreten:
1.2 Nicht eingetreten werden kann auf die Beschwerde, soweit die Beschwerdeführer den Antrag
stellen, die Verfügung des Amts für Inneres vom 17. Februar 2021 sei aufzuheben. Aufgrund
des Devolutiveffekts der Beschwerde ist diese Verfügung durch den Rekursentscheid ersetzt
worden. Vor dem Obergericht kann einzig dieser Entscheid angefochten werden, womit die
Verfügung vom 17. Februar 2021 kein taugliches Anfechtungsobjekt bildet (vgl. dazu BGE
134 II 142 E. 1.4; Urteil des Bundesgerichts 2C_432/2016 vom 26. Januar 2018 E. 1.1).
2. Bei der Beurteilung der hier vorliegenden Beschwerde ist die Kognition des Obergerichts
gemäss Art. 56 Abs. 1 VRPG darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich
allfälliger Rechtsverletzungen zu überprüfen, wozu auch eine rechtsfehlerhafte Ausübung
des Ermessens zählt. Im Weiteren kann beurteilt werden, ob die Vorinstanzen den Sachver-
halt unrichtig oder unvollständig festgestellt haben. Die Überprüfung der Angemessenheit ist
dem Obergericht jedoch verwehrt (Art. 56 Abs. 1 VRPG e contrario).
3.
3.1 Die Vorinstanz kommt im angefochtenen Entscheid zum Schluss, dass der Beschwerde-
führer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie in den Genuss einer Aufenthalts-
bewilligung gekommen wäre, hätte er korrekte Angaben gemacht oder hätten die zuständi-
gen Behörden 2015 ihren Irrtum bemerkt. Konsequenterweise wäre daher auch der Fami-
liennachzug infolge der fehlenden Voraussetzungen nicht bewilligt worden. Die zuständigen
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Behörden hätten zwar die Unterlagen des Beschwerdeführers nicht mit der nötigen Sorgfalt
geprüft, jedoch sei dieser selber verpflichtet, korrekte Angaben zu seiner Herkunft zu
machen. Der Beschwerdeführer habe nicht nur bei der ersten Anmeldung, sondern auch
nachfolgend bis im Herbst 2020 auf allen Formularen die italienische Staatsangehörigkeit
festgehalten und dies mit seiner Unterschrift bestätigt. Ein Versäumnis oder allenfalls ein
Irrtum einer Behörde gebe dem Beschwerdeführer keinen Anspruch darauf, weiterhin und im
Wissen um diesen Fehler eine falsche Nationalität zu benutzen. Er könne sich deshalb nicht
auf seine fehlenden Deutschkenntnisse oder auf den Schutz seines angeblichen Vertrauens
auf die Behörden berufen. Aus den vorliegenden Akten müsse vielmehr geschlossen werden,
dass der Beschwerdeführer diesen Fehler der Behörden während Jahren, und so auch beim
Gesuch um Familiennachzug bewusst ausgenutzt habe.
3.2 Der Beschwerdeführer 1 wendet dagegen ein, dass er aufgrund seiner mangelnden Kennt-
nisse der deutschen Sprache der zuständigen Behörde die Unterlagen übergeben habe,
damit diese seine Ansprüche überprüfen und beurteilen könnten. Aus diesen ergebe sich
deutlich, dass kein Dokument vorliege, aus dem sich eine italienische Staatsbürgerschaft des
Beschwerdeführers 1 ergeben würde. Es gebe keinen Grund seitens der Behörden, die über
ein qualifiziertes Fachpersonal verfügten, dies erst im November 2020 festzustellen, zumal
die italienische Identitätskarte, die einer Aufenthaltsbewilligung entspreche, dem kriminal-
technischen Dienst der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden zur Überprüfung unterbreitet
worden sei. Die zuständigen Behörden hätten zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit und das
Recht, dies zu verlangen und der Beschwerdeführer wäre einem entsprechenden Verlangen
auch nachgekommen. Der Beschwerdeführer 1 habe "bei aus Italien kommend" immer "aus
Italien einreisend" gemeint. Er sei sich des Fehlers der Behörden nicht bewusst gewesen,
sondern habe auf deren Handeln vertraut. Nachdem in der Zwischenzeit über sechs Jahre
seit der Einreise des Beschwerdeführers 1 und über viereinhalb Jahre seit der Einreise der
Beschwerdeführer 2-4 vergangen sei, dürften sich diese auf den Vertrauensgrundsatz
berufen.
3.3 Gemäss Art. 23 Abs. 1 der Verordnung über den freien Personenverkehr (VFP, SR 142.203)
können Kurzaufenthalts- und Aufenthaltsbewilligungen EU/EFTA widerrufen oder nicht
verlängert werden, wenn die Voraussetzungen für ihre Erteilung nicht mehr erfüllt sind. Diese
Bestimmung bezieht sich nicht nur auf nachträglich, sondern auch auf ursprünglich fehler-
hafte Verfügungen. Wird nachträglich festgestellt, dass von Beginn an die Voraussetzungen
der Bewilligungserteilung nicht erfüllt waren und dass die Bewilligung zu Unrecht erteilt
wurde, so ist diese zu entziehen bzw. zu widerrufen, soweit dies im Einzelfall verhältnis-
mässig erscheint und damit keine schutzwürdigen Vertrauenspositionen beeinträchtigt
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werden (Urteile des Bundesgerichts 2C_732/2018 vom 6. Dezember 2018 E. 4.2.4;
2C_96/2012 vom 18. September 2012 E. 2).
3.4 Vorliegend ist offensichtlich und wird von den Beschwerdeführern auch nicht in Abrede
gestellt, dass die Voraussetzungen für die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA
für den Beschwerdeführer 1 von Anfang an nie gegeben waren, weil dieser als Serbe nicht
Staatsangehöriger eines Vertragsstaats ist. Damit sind die Voraussetzungen für einen
Widerruf nach Art. 23 Abs. 1 VFP bereits gegeben. Zwar wäre zu wünschen gewesen, dass
die verfügende Behörde bereits im Jahr 2015 die Staatsangehörigkeit des Beschwerdefüh-
rers kritischer überprüft hätte. Nicht glaubhaft erscheint es jedoch, dass sich der Beschwer-
deführer 1 des Fehlers der Behörden trotz seiner mittlerweile verbesserten Deutschkennt-
nisse während sechs Jahren nicht bewusst war. Dagegen spricht klar der Umstand, dass
dieser u.a. in den Formularen zum Familiennachzug jeweils eigenhändig angab, italienischer
Staatsangehöriger zu sein oder er die entsprechenden Formulare zumindest selber unter-
zeichnete, (act. 5.6.II/235 f.; 5.6.III./114 f.; act. 5.6.IV./30 f.). Dies war das letzte Mal am
21. Oktober 2020 beim Gesuch um Erteilung der Aufenthaltsbewilligung B-EU/EFTA (act.
5.6.I./32) der Fall, was kaum auf Sprachprobleme zurückgeführt werden kann. Dazu dürfte
dem Beschwerdeführer 1 nicht entgangen sein, dass Serbien nach wie vor weder Mitglied
der EU noch der EFTA ist, was ihn nicht davon abhielt, mehrmals Aufenthaltsbewilligungen
für EU/EFTA-Bürger bzw. für Familienmitglieder eines Bürgers der EU/EFTA einzuholen (vgl.
z.B. (act. 5.6.I.466 f.; 5.6.III.114 f.). Der Beschwerdeführer 1 musste vielmehr in diesem
sechsjährigen Zeitraum den Fehler der Behörden erkannt haben und davon ausgehen, dass
er als serbischer Staatsangehöriger keinen Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung für
EU/EFTA-Bürger haben konnte. Er hatte mit dem Widerruf der Bewilligung zu rechnen,
sobald entdeckt wurde, dass diese fälschlicherweise erteilt worden war. Gestützt auf die aus-
länderrechtlichen Mitwirkungspflichten gemäss Art. 90 AIG wäre es am Beschwerdeführer 1
gewesen, die Behörden auf diese Unstimmigkeiten hinzuweisen und sie nicht einfach zu
seinen Gunsten hinzunehmen. Wer die Fehlerhaftigkeit der Vertrauensgrundlage kennt, kann
sich hernach nicht auf den Vertrauensschutz berufen (Urteil des Bundesgerichts
2C_732/2018 vom 6. Dezember 2018 E. 3.2). Da der Beschwerdeführer 1 die Aufenthalts-
bewilligung nicht erhalten hätte, wenn die verfügende Behörde bei deren Erteilung über seine
wahre Staatsangehörigkeit im Bild gewesen wäre, konnte er keineswegs darauf vertrauen,
dass ihm die Aufenthaltsbewilligung B erteilt wird. Somit erweist sich die behauptete Verlet-
zung des Vertrauensschutzes nicht als stichhaltig. Vielmehr ist mit den Vorinstanzen auf-
grund der Aktenlage darin übereinzugehen, dass die falschen Angaben auf den massgeben-
den Formularen und das Verschweigen der serbischen Staatsangehörigkeit gegenüber den
zuständigen Behörden auch den Widerrufsgrund von Art. 62 Abs. 1 lit. a AIG erfüllen.
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Damit kommt das Obergericht zum Schluss, dass sich die Abweisung des Gesuchs um
Erteilung der Aufenthaltsbewilligung B und der Widerruf der Kurzaufenthaltsbewilligung für
den Beschwerdeführer 1 als bundesrechtskonform erweisen.
3.5 Der Beschwerdeführerin 2 wurde gestützt auf Art. 3 Anhang I des Abkommens vom 21. Juni
1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen
Gemeinschaft (nunmehr Europäische Union [EU]) und ihren Mitgliedstaaten andererseits
über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkommen, FZA, [SR 0.142.112.681]) im Rahmen des
Familiennachzugs die Aufenthaltsbewilligung B-EU/EFTA erteilt. Es handelt sich dabei um
ein abgeleitetes Aufenthaltsrecht des Ehegatten, das dazu bestimmt ist, durch Ermöglichung
des gemeinsamen Familienlebens die Wirksamkeit der Freizügigkeit der EU-Angehörigen
sicherzustellen und das nur so lange dauert, als das originäre Aufenthaltsrecht des EU-
Angehörigen besteht (Urteil des Bundesgerichts 2C_222/2017 vom 29. November 2017 E.
3.1; BGE 139 II 393 E. 2.1). Da nie ein originäres Anwesenheitsrecht des Beschwerdeführers
1 bestand, entfällt somit auch das abgeleitete Anwesenheitsrecht der Beschwerdeführerin 2.
Die Beschwerdeführer 3 und 4 müssen sich das Verhalten ihrer Eltern anrechnen lassen
(Urteil des Bundesgerichts 2C_359/2014 vom 1. Dezember 2014 E. 4.4). Hätten die
Beschwerdeführer 1 und 2 die Kurzaufenthaltsbewilligung L-EU/EFTA nicht erhalten, wäre
diese auch nicht den Beschwerdeführern 3 und 4 erteilt worden. Daran ändert der Umstand
nichts, dass der Beschwerdeführer 3 zwischenzeitlich volljährig ist und mittlerweile einen
Lehrvertrag abgeschlossen hat (act. 26), da dieser die Kurzaufenthaltsbewilligung im
Rahmen des Familiennachzugs als Minderjähriger erhielt, womit der abgeleitete Aufenthalts-
anspruch für ihn ebenfalls dahinfällt (BGE 140 II 129 E. 3.4).
3.6 Daraus ergibt sich, dass der Widerrufsgrund von Art. 23 Abs. 1 VFP i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. a
AIG für alle Beschwerdeführer erfüllt ist. Die vorinstanzlichen Entscheide sind diesbezüglich
nicht zu beanstanden.
4.
4.1 Die Vorinstanz bejaht im Weiteren auch die Verhältnismässigkeit einer Rückkehr der
Beschwerdeführer nach Serbien oder allenfalls nach Italien. Der Beschwerdeführer 1 habe
zwar bis 2019 über 100'000 Franken Sozialhilfe bezogen, werde aber seither nicht mehr
unterstützt. Hingegen habe er noch Schulden und es lägen einige Betreibungen vor. Zudem
lägen einige strafrechtliche Verurteilungen gegen die Beschwerdeführer 1-3 vor. Dabei
handle es sich zwar um kleinere Delikte bzw. Bagatelldelikte, doch zeigten diese auf, dass
einige Schwierigkeiten bei der Integration bestünden.
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4.2 Die Beschwerdeführer machen dagegen geltend, dass es ihnen nicht zumutbar sei, in die
Heimat oder allenfalls nach Italien zurückzukehren. Dort hätten sie alles aufgegeben und
stünden bei einer Ausreise in die Schweiz sozusagen vor dem Nichts. Seit dem Jahr 2019
stünden die Beschwerdeführer auf eigenen Füssen. So werde es ihnen bei einem Weiter-
verbleib in der Schweiz auch allmählich möglich sein, die zuvor aufgelaufenen Verbindlich-
keiten zu reduzieren bzw. abzubauen. Bei den strafrechtlichen Verfehlungen handle es sich
um Bagatelldelikte, die auf anfängliche Anpassungsschwierigkeiten zurückzuführen seien.
Diese seien nun jedoch vorbei und gehörten der Vergangenheit an. Der Beschwerdeführer 3
sei auf der Suche nach einer Lehrstelle. Eine solche könne er in Serbien nicht finden. Damit
würde ihm bei einer Ausreise aus der Schweiz seine ganze Zukunft verbaut werden. Hätte
die Beschwerdeführerin 4 die Schweiz zu verlassen, würde sie in einer sehr bedeutsamen
Entwicklungsphase aus einer sich nicht nur aus dem Elternhaus ergebenden Stabilität
entrissen. Das private Interesse der Beschwerdeführer an einem Weiterverbleib in der
Schweiz würde ein allenfalls vorhandenes öffentliches Interesse bei Weitem überwiegen.
4.3 Der 38-jährige Beschwerdeführer 1 reiste erst im 32. Altersjahr in die Schweiz ein. Er hat in
seiner Heimat die prägenden Lebensjahre verbracht, weshalb keineswegs von einem langen
und lebensprägenden Aufenthalt in der Schweiz gesprochen werden kann. Er ist mit Sprache
und Kultur in seinem Heimatland vertraut. Es mag zwar zutreffen, dass er jetzt erwerbstätig
ist und keine Sozialhilfe mehr bezieht. Allerdings lassen die neusten Betreibungsauszüge
(act. 14/1-3) und Polizeirapporte (act. 18) durchaus den Schluss zu, dass seitens der
Beschwerdeführer 1-3 weiterhin Integrationsdefizite bestehen. Die mittlerweile 7-jährige
Aufenthaltsdauer des Beschwerdeführers 1 in der Schweiz ist zudem insofern zu relativieren,
als dass er sein Anwesenheitsrecht nur aufgrund seiner falschen Angaben und des Irrtums
der Behörden erlangt hat, wobei zudem mehr als ein Aufenthaltsjahr auf die aufschiebende
Wirkung der Rechtsmittel zurückzuführen ist. Anders wäre die langjährige Aufenthaltsdauer
nur zu werten, wenn die Behörden in hinreichender Kenntnis aller Umstände trotzdem die
Bewilligungen jeweils verlängert bzw. erteilt hätten (Urteile des Bundesgerichts 2C_359/2014
vom 1. Dezember 2014 E. 5.3; 2C_303/2011 vom 7. März 2012 E. 4), wofür es vorliegend
jedoch keine Anhaltspunkte gibt. Dass die Wirtschaftslage im Herkunftsland des Beschwer-
deführers 1 schwieriger ist als in der Schweiz, vermag an dieser Sachlage nichts zu ändern
(BGE 137 II 345 E. 3.2.3). Vor diesem Hintergrund ist ihm eine Rückkehr in die Heimat (oder
allenfalls nach Italien) zumutbar. Auch wenn die Wiedereingliederung im Heimatland oder in
Italien mit Schwierigkeiten verbunden ist, kann deshalb die Schlussfolgerung gezogen
werden, dass seiner Rückkehr keine unüberwindlichen Hindernisse entgegenstehen. Diese
Beurteilung gilt ohne Weiteres auch für die 40-jährige Beschwerdeführerin 2 und den
20-jährigen Beschwerdeführer 3.
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4.4 In Bezug auf die 8-jährige Beschwerdeführerin 4 gilt es festzuhalten, dass Minderjährige
grundsätzlich den Inhabern der elterlichen Sorge oder Obhut zu folgen haben. Das auslän-
dische unmündige Kind teilt deshalb schon aus familienrechtlichen Gründen (Art. 25 Abs. 1
ZGB) im Prinzip das ausländerrechtliche Schicksal des sorgeberechtigten Elternteils und hat
gegebenenfalls mit diesem das Land zu verlassen, wenn der Elternteil keine Bewilligung
mehr hat (BGE 139 II 393 E. 4.2.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_1228/2012 vom 20. Juni
2013 E. 6.1). Die Beschwerdeführerin 4 befindet sich noch in einem anpassungsfähigen
Alter. Eine gewisse kulturelle und soziale Entwurzelung ist mit jeder familiären Umgliederung
verbunden. Dies spricht jedoch nicht einmal dann gegen einen Umzug, wenn ein Kind im
Familiennachzug in ein völlig fremdes Land ziehen soll und bildet umso weniger ein Hin-
dernis, wenn es um einen Umzug in das Heimatland geht, mit welchem die Beschwerdefüh-
rerin 4 durch ihre Eltern und ihren Bruder verbunden ist (Urteil des Bundesgerichts
2C_359/2014 vom 1. Dezember 2014 E. 5.4).
4.5 In Anbetracht dieser Umstände ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanzen das öffentli-
che Interesse an der Abweisung des Gesuchs bzw. Widerrufs der Bewilligungen höher als
die privaten Interessen der Beschwerdeführers 1-4 gewichtet haben. Eine rechtsfehlerhafte
Ausübung des vorinstanzlichen Ermessens ist damit keines ersichtlich. Demzufolge erweist
sich der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung für die Beschwerdeführer 1-4 auch als verhält-
nismässig.
5. Zusammenfassend ergibt sich damit, dass der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung der
Beschwerdeführer und ihre Wegweisung aus der Schweiz zu Recht erfolgten. Die
Beschwerde ist damit abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
6. Da die den Beschwerdeführern durch die Vorinstanz angesetzte Frist zum Verlassen der
Schweiz schon lange abgelaufen ist, gilt es, eine angemessene neue Ausreisefrist anzu-
setzen (Art. 64d Abs. 1 AIG). Im vorliegenden Fall erscheint eine Ausreisefrist bis zum 31. Juli
2022 als gerechtfertigt. Sollte ein Weiterzug dieses Urteils an das Bundesgericht erfolgen
und Letzteres dem Rechtsmittel aufschiebende Wirkung verleihen, haben die Beschwerde-
führer sich binnen zweier Monate ab dem Datum eines den Wegweisungspunkt nicht
ändernden bundesgerichtlichen Endentscheids aus der Schweiz zu entfernen.
7.
7.1 Nach Art. 19 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 53 Abs. 1 VRPG ist im Beschwerdeverfahren vor
Obergericht gebühren- und kostenpflichtig, wer ganz oder teilweise unterliegt oder auf
dessen Rechtsmittel nicht eingetreten wird. Das Obergericht erhebt für seine Urteile und
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Beschlüsse Gebühren bis Fr. 5'000.-- (Art. 4a des Gesetzes über die Gebühren in Verwal-
tungssachen, bGS 233.2). Den Beschwerdeführern ist ausgangsgemäss eine Entscheidge-
bühr aufzuerlegen, wobei eine Gebühr von Fr. 2'000.-- als angemessen erscheint. Diese ist
aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege auf die Staatskasse zu nehmen.
7.2 Eine Entschädigung steht den Beschwerdeführern ausgangsgemäss nicht zu (Art. 53 Abs. 3
VRPG). Hingegen ist ihr Anwalt aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtsverbeistän-
dung aus der Staatskasse zu entschädigen. Die von RA AA. eingereichte Kostennote von
Fr. 1'673.25 (act. 20) erweist sich als tarifkonform (Art. 23 f. der Verordnung über den
Anwaltstarif, AT, bGS 145.53).
7.3 Die Beschwerdeführer haben die Gerichtskosten nachzuzahlen und die Auslagen für die
unentgeltliche Rechtspflege zurückzuerstatten, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse
erlauben (Art. 25 Abs. 3 VRPG).
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