Decision ID: cbc29e89-b6c5-5a13-bcb9-b8381a0fc495
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Michael Rutz, Küng Rechtsanwälte,
Haldenstrasse 6/10, 9200 Gossau SG,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich am 12. Dezember 2007 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1).
Die B._AG teilte der IV-Stelle am 15. Februar 2008 mit, sie beschäftige die
Versicherte seit 2001 als Maschinenführerin. Seit dem 9. Mai 2007 sei die Versicherte
nur noch zu 50% tätig. Ohne den Gesundheitsschaden würde die Versicherte Fr.
46'840.- verdienen (IV-act. 14). Dr. med. C._ berichtete der IV-Stelle am 12. Februar
2008, die Versicherte leide an einer mittelgradigen depressiven Episode mit
somatischem Syndrom. Der Zustand sei besserungsfähig. Die Versicherte klage über
eine unüberwindbare Müdigkeit während des ganzen Tages, begleitet von Interesse-
und Lustlosigkeit, Morgentief und Schlafstörungen. Beim Eintritt in das Ambulatorium
am 30. Januar 2007 sei die Versicherte auf Efexor als Antidepressivum eingestellt
worden. Bei den bekannten arthrotischen Veränderungen im linken Knie sei mit der Zeit
eine Zunahme der Schmerzsymptomatik zu beobachten gewesen. Weder die
medikamentöse Optimierung noch die Gesprächstherapie habe zu einer wesentlichen
Aufhellung der Depression geführt. Auf März 2008 sei eine Knieoperation geplant. Bei
einem günstigen somatischen Verlauf (substanzielle Reduktion der Schmerzen und
gutes funktionelles Resultat) würde der Auslöser und aufrechterhaltende Faktor der
Depression behoben, so dass eine Besserung der Depression zu erwarten wäre. Es
hänge stark davon ab, ob es der Versicherten gelingen werde, das körperliche Leiden
und die damit verbundenen funktionellen Einschränkungen und Schmerzen kognitiv
bzw. emotional zu verarbeiten. Aus isoliert psychiatrischer Sicht bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von 50% (IV-act. 15). Dr. med. D._, Allgemeine Medizin FMH,
berichtete am 10. März 2008, die Versicherte leide an einer reaktiven Depression bei
psychosozialer Überlastung, an einer Varusgonarthrose mit Osteonekrose
Femurkondylus, an Kettentendinosen und an Varikosis (St. n. Varizenoperation
26.11.07). Sie klage über Schmerzen im Rücken und im Bein, die sich bei Belastung
verschlechterten. Sie sei zu 50% arbeitsfähig. Der Verlauf sei noch unklar, da eine
Knieoperation vorgesehen sei (IV-act. 17). Gemäss dem beigelegten Bericht der
Rheumatologie im Silberturm vom 24. März 2006 litt die Versicherte insbesondere an
einem chronischen Ganzkörperschmerzsyndrom ohne ausreichend fassbares
klinisches Korrelat (seit über zehn Jahren) und an einem mässigen Cerviko-
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Thorakovertebralsyndrom (muskulär) bei langgezogener BWS-Hyperkyphose (IV-act.
18-3/6 bis 5/6). Dr. med. E._ vom RAD empfahl am 8. April 2008, die Knieoperation
abzuwarten (IV-act. 21-4/4).
B.
Dr. med. F._ vom Kantonsspital St. Gallen berichtete am 18. Juli 2008, es bestehe
ein St. n. zuklappender, valgisierender Umstellungsosteotomie 03/2008 bei
Varusgonarthrose mit Osteonekrose medialer Femurkondylus links. Zur Zeit sei die
Versicherte zu 100% arbeitsunfähig. Dr. F._ gab folgende Befunde an: aktuell
reizlose Narbenverhältnisse ohne Ergussbildung, ROM 0-0-130° bei stabilen
Kapselbandverhältnissen, radiologischer Durchbau des Osteotomiespalts, geplante
Infiltration loco dolenti im Bereich des medialen Gelenkspalts, zudem
Physiotherapieaufbau Quadrizepsmuskulatur. Dr. F._ betrachtete die bisherige
Erwerbstätigkeit als zumutbar, solange sie sitzend ausgeübt werde (IV-act. 26). Die
Psychiatrische Klinik Wil berichtete am 25. August 2008, nach der Knieoperation Ende
März 2008 habe die Versicherte zwei Sitzungen wahrgenommen. Sie sei immer noch
mittelschwer depressiv mit Interesse- und Lustlosigkeit. Die Schmerzen im Knie seien
immer noch im gleichen Ausmass vorhanden. Seit drei Wochen nehme die Versicherte
Cymbalta. Eine Aufhellung der depressiven Stimmung und eine Abschwächung der
angegebenen Symptomatik seien bisher weder subjektiv vorhanden noch objektiv
feststellbar. Der psychische Zustand sei stark vom körperlichen Leiden abhängig, da
sich die Versicherte dadurch stark in der Rolle als Mutter, Hausfrau und Ehefrau
eingeschränkt fühle, was zu Insuffizienzgefühlen führe. Nach wie vor sei aus isoliert
psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 50% zumutbar (IV-act. 30). Am 3.
Oktober 2008 ging eine Kopie eines Berichts des Kantonsspitals St. Gallen vom
24. September 2008 an den Hausarzt bei der IV-Stelle ein. Laut diesem Bericht war der
Versicherten mitgeteilt worden, dass in Bezug auf das linke Knie noch eine deutliche
Verbesserung zu erwarten sei (IV-act. 35). Dr. E._ vom RAD empfahl am 18.
Dezember 2008 eine rheumatologische und psychiatrische Begutachtung der
Versicherten (IV-act. 41).
C.
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C.a Die Klinik Valens berichtete in ihrem Gutachten vom 28. April 2009, die folgenden
Diagnosen seien erhoben worden: Posttraumatische Belastungsstörung, rezidivierende
depressive Episode leichten bis mittleren Ausmasses in den letzten drei Jahren,
gegenwärtig leichte Episode ohne somatisches Syndrom, mediale
Femurkondylusnekrose links mit/bei Zustand nach zuklappender valgisierender
Tibiakopfosteotomie links am 28. März 2008 mit retardiertem Verlauf sowie - ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - Arbeitsunfall mit Thierschung am linken Unterarm
2002, panvertebrales Schmerzsyndrom mit/bei mässigen degenerativen
Veränderungen und Verdacht auf einen kongenitalen, relativ engen knöchernen
Spinalkanal, Impingementsyndrom der rechten Schulter mit/bei beginnender PHS
tendopathica, Verkalkung im Bereich des Tuberculum maior im Sinn einer Tendovitis
calcarea. In ihrer Beurteilung führten die Gutachter aus, im Jahr 2001 sei es erstmals zu
spontanen Knieschmerzen gekommen. Die Versicherte sei auch wegen Schmerzen im
Bereich der HWS und der Schulterregion rheumatologisch untersucht worden, wobei
aber keine nachhaltigen Befunde hätten erhoben werden können. Nach der
zuklappenden valgisierenden Tibiakopfosteotomie links sei es zu einem sehr
retardierten Verlauf gekommen, indem die Versicherte trotz Infiltrationen lokal und
intraartikulär Dauerschmerzen im Bereich des linken Kniegelenks medial und lateral
angegeben habe. Die Infiltrationen hätten jeweils eine recht kurze Besserung gebracht.
Eine Metallentfernung und andere schmerzstillende Massnahmen inklusive eine
psychosomatische Behandlung seien diskutiert worden. Psychiatrischerseits sei die
Versicherte seit 2006 in ambulanter, z.T. in stationärer Behandlung. Sie sei mit
verschiedenen Psychopharmaka behandelt worden. Die Versicherte habe über eine
subjektiv eingeschränkte Beweglichkeit im linken Knie mit Schmerzen beim Stehen und
längeren Sitzen, über Schmerzen im rechten Kniegelenk, vor allem medial, und über
Nackenschmerzen rechtsbetont mit Ausstrahlung in den gesamten rechten Arm mit
Einbezug vor allem der rechten Schulter geklagt. Sie habe angegeben, seit dem Unfall
2002 habe sie im linken Unterarm deutlich weniger Kraft und sie leide an einem
konstanten Brennen. Ausserdem leide sie an tieflumbalen Rückenschmerzen mit
gelegentlichen Ausstrahlungen in das linke Bein. Im Haushalt erledige sie nur noch
leichte Arbeiten.
C.b Die Gutachter gaben an, sie hätten die folgenden Befunde von Wichtigkeit
erhoben: BMI 30,5, Inkonsistenz bei der Handkraftmessung, deutliches Gegenhalten
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bei der Untersuchung der HWS, Verbrennungen und Thierschung im Bereich des linken
Unterarms, deutlich verstärkte und verlängerte Brustkyphose mit Kopf- und
Schulterprotraktion, Kniebeweglichkeit: Flexion und Extension links 112/8/0° mit
leichtem Knieerguss, DVP rechts 34 cm gegenüber 31 cm links mit endphasig
schmerzhafter Schulterelevation und -abduktion. In der psychiatrischen Exploration
habe sich die Versicherte sehr auf die Schmerzen fixiert gezeigt. Aufgrund ihrer
psychischen Grunderkrankung mit psychischer Traumatisierung und Depression sei sie
äusserst eingeschränkt in ihren Ressourcen im Rahmen von
Schmerzbewältigungsmassnahmen. Empfehlenswert sei eine mehrmonatige
teilstationäre Rehabilitation mit Arbeitsintegrationsprogramm in einem geschützten
Arbeitsrahmen und der Möglichkeit, Bewältigungsstrategien zu erlernen. Ein
Arbeitspensum von 50% mit genügenden Pausen in einer therapeutisch begleiteten
Eingliederungssituation sei sinnvoll. Auch in der EFL sei die Versicherte stark auf ihre
Schmerzen fixiert gewesen. Sie habe ein demonstratives Schmerzverhalten gezeigt.
Die Leistungsbereitschaft sei nicht zuverlässig gewesen (z.T. deutliche Selbstlimitierung
bei schlechter Konsistenz). Die tatsächliche körperliche Belastbarkeit sei mit grosser
Wahrscheinlichkeit höher als die demonstrierte maximale Leistung. Insgesamt sei von
einer zumutbaren mindestens leichten Arbeit mindestens halbtags auszugehen. Die
aktuellen konventionellen Röntgenaufnahmen hätten mässige degenerative
Veränderungen im Bereich der HWS und der LWS gezeigt. Im Bereich der rechten
Schulter bestehe eine kleine Verkalkung. Im Bereich des linken Knies sei eine
konsolidierte Osteotomie der Tibia mit reizlosem Sitz des Osteosynthesematerials zu
erkennen.
C.c Zur Frage der Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, die Versicherte sei durch
die posttraumatische Belastungsstörung und durch die rezidivierende depressive,
leicht- bis mittelgradige Episode zu 50%, wechselnd bis zu 70% arbeitsunfähig. Die
Einschränkung bestehe auch im Rückzug, der sich in einer sozialen Isolation und in
einer Vergangenheitsbewältigung zeige, welche die Alltagsbewältigung massgeblich
beeinträchtige. Die Fixierung auf die Schmerzen, vor allem im Knie, sei mit grosser
Wahrscheinlichkeit aufgrund der diskutierten psychiatrischen Diagnosen im Moment
stabilisierend und innerpsychisch hemmend, um eine Aktivität zu entwickeln. Auf der
körperlichen Ebene seien vor allem die postoperativen Beschwerden im Bereich des
linken Kniegelenks ungünstig für die Belastbarkeit bei stehenden, sitzenden und
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gehenden Tätigkeiten. Die somatischen Beschwerden im Bereich der HWS, der LWS
und des Beckens stünden aufgrund der sehr mässigen Strukturveränderungen nicht im
Vordergrund. Am bisherigen Arbeitsplatz bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50%, wobei
die Leistungsfähigkeit zusätzlich um 10-20% vermindert sei. Der effektive
Arbeitsfähigkeitsgrad betrage demnach nur etwa 40%. Mit grosser Wahrscheinlichkeit
bestehe seit Ende 2006 eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 20%. Die
Arbeitsunfähigkeit habe sich seither kontinuierlich erhöht, wobei die Versicherte seit
Ende 2006 keine verwertbare Arbeitsleistung mehr vollbracht habe. Die Arbeitsfähigkeit
könnte dadurch verbessert werden, dass die Versicherte den Umgang mit den
Schmerzen und mit den negativen Vergangenheitserinnerungen lernen würde, um sich
wieder mehr dem Alltag, der Aktualität und der Gegenwart zuwenden zu können. Dies
könnte durch ein mehrmonatiges, teilstationäres Angebot mit
Arbeitsintegrationstherapie und begleitenden psychotherapeutischen Massnahmen
erreicht werden. Damit wäre eine Reintegration an einem Arbeitsplatz mit einem
Arbeitsfähigkeitsgrad von mindestens 50% möglich. Für die letzten vier Jahre sei von
einer wechselnden 50-100%igen Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen
auszugehen. Aktuell sei die Versicherte durch die depressive Episode nur leicht
beeinträchtigt. Daher sei von einer Arbeitsunfähigkeit mit den angegebenen
Einschränkungen auszugehen (IV-act. 62-1/72 bis 34/72).
C.d Die psychiatrische Gutachterin hatte in ihrem Teilgutachten vom 15. April 2009
ausgeführt, die Versicherte habe angegeben, sie habe Schmerzen am ganzen Körper
und sie fühle sich insgesamt schwach. Weder das aktuell eingenommene Cipralex
noch das früher verschriebene Efexor hätten eine heilsame oder helfende Wirkung. Die
Versicherte frage sich ab und zu, wozu sie noch lebe und wie sie weiterleben wolle, da
sie dazu oft gar keine Lust mehr habe. Sie habe auch keine Lust mehr, Besuche zu
machen oder nach draussen zu gehen. Sie habe immer mehr begonnen, sich
zurückzuziehen. Andere Menschen störten sie, sie habe gern ihre Ruhe und sie wolle
möglichst wenig reden. Die verbliebenen Hobbies seien das Fernsehen und das Lesen,
wobei sie aber nicht mehr als eine halbe oder eine ganze Stunde Geduld habe, dem
Programm oder dem Text zu folgen. Sie nähe nicht mehr, obwohl sie das früher gern
gemacht habe, da sie keine Geduld mehr aufbringe. Manchmal stünden Erinnerungen
von früher vor ihr. Das habe zugenommen, seit sie nicht mehr arbeite. Mindestens ein-
bis zweimal täglich tauche das Bild der Misshandlung ihres Bruders durch Militär auf.
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Sie habe damals sehr grosse Ängste ausgestanden und ihre Schwester sei in
Ohnmacht gefallen. Bei diesem Ereignis seien zehn Polizisten gleichzeitig im Haus
gewesen. Wenn dieses Bild auftauche, mache es sie traurig und manchmal habe sie
auch Herzklopfen. Sie träume auch immer wieder von dieser Situation, aber auch von
der Mutter, die drei Jahre lang gelähmt und pflegebedürftig gewesen sei, bevor sie
gestorben sei. Sie könne diese Erinnerungsbilder nicht verdrängen. Sie versuche dann,
sich abzulenken, was aber oft nicht möglich sei. In solchen Momenten ziehe sie sich
zurück. Die Gutachterin hatte weiter ausgeführt, die Konzentration und die
Aufmerksamkeit seien während der zweieinhalb Stunden dauernden Untersuchung
trotz der anstrengenden Übersetzungssituation erst gegen Ende etwas eingeschränkt
gewesen. Es habe nie nachgefragt werden müssen und die Versicherte habe immer
spontan auf die ihr gestellten Fragen geantwortet. Emotional sei eine leichte
Abflachung spürbar gewesen. Während der Schilderung der Bedrohungssituation habe
die Versicherte dann aber das Erzähltempo akzeleriert und auch die Stimmungslage sei
deutlich emotional spürbar gewesen. Die Versicherte habe sehr lebendig berichtet.
Sonst sei die Versicherte im gesamten Erzählduktus wehmütig und
vergangenheitsbezogen gewesen. Im Rahmen der Exploration sei aber keine
depressive Verstimmung festzustellen gewesen. Die Versicherte erfülle die Kriterien
einer posttraumatischen Belastungsstörung (Geschehen von aussergewöhnlicher
Bedrohung, aufdringliche Nachhallerinnerungen und sich wiederholende Träume, Ein-
und Durchschlafstörungen, Reizbarkeit und Wutausbrüche,
Konzentrationsschwierigkeiten, vegetative Überreiztheit), auch wenn der Zeitpunkt des
Auftretens der Kriterien innert sechs Monaten nach dem Belastungsereignis nicht
genau definiert werden könne. Das Auftauchen der Bilder habe sich seit der
Aufgabe der Erwerbstätigkeit verstärkt und vermehrt. Die Versicherte sei aufgrund ihrer
asthenisch veranlagten Grundpersönlichkeit besonders anfällig gewesen auf eine
posttraumatische Belastungsstörung. Aktuell habe eine leichte depressive Episode
vorgelegen. Im Gesamtverlauf bestehe aber eine fluktuierende Situation; die depressive
Stimmung habe in der Vergangenheit teilweise ein massives Ausmass gehabt. In Bezug
auf die Arbeitsfähigkeit hatte die psychiatrische Gutachterin festgehalten, die
Versicherte könne sich nur eine halbe bis eine ganze Stunde konzentrieren. Das
beeinträchtige die Maschinenbedienung über den ganzen Tag hinweg. Bei der
Exploration sei zwar keine Beeinträchtigung zu beobachten gewesen, aber anders als
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bei der monotonen Arbeit als Maschinenbedienerin sei die Aufmerksamkeit dort
ständig interpersonell gefordert gewesen. Die zusätzliche Einbusse an
Leistungsfähigkeit sei darin begründet, dass die Versicherte sich als Folge der
Fixierung auf die Schmerzen nur unkonzentriert in einen Arbeitsprozess einfügen könne
(IV-act. 62-35/72 bis 72/72).
D.
Dr. E._ vom RAD notierte am 16. Juni 2009, aus bidisziplinärer Sicht betrage die
Arbeitsfähigkeit als Maschinenführerin 40%. Auch die Arbeitsfähigkeit adaptiert betrage
40% (körperlich leicht, wechselbelastend, kein Publikumsverkehr). Von den
empfohlenen therapeutischen Massnahmen sei nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit eine namhafte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten (IV-
act. 64). Die Versicherte gab am 9. Juli 2009 an, das Arbeitsverhältnis mit der B._AG
habe vom 28. Januar 2002 bis zum 31. Januar 2009 gedauert. Sie sei von Oktober
2006 bis Januar 2007 zu 100% arbeitsunfähig gewesen, bis März 2008 habe die
Arbeitsunfähigkeit 50% betragen, anschliessend sei sie bis Oktober 2008 wieder zu
100% arbeitsunfähig, dann bis Mitte Januar 2009 zu 70% arbeitsunfähig und seither zu
50% arbeitsunfähig gewesen. Der Bruttolohn habe ohne Schichtarbeit ca. Fr. 3300.-
und mit Schichtarbeit ca. Fr. 3520.- (jeweils x13) betragen. Aktuell sei sie in einem
Arbeitsprogramm des RAV mit einem Beschäftigungsgrad von 50% eingesetzt (IV-act.
67). Die IV-Stelle verglich ein Valideneinkommen von Fr. 48'493.- mit einem
zumutbaren Invalideneinkommen von Fr. 20'367.- (40% von Fr. 50'918.-) und ermittelte
so einen Invaliditätsgrad von 58% (IV-act. 71). Mit einem Vorbescheid vom 7.
September 2009 teilte sie der Versicherten mit, dass sie beabsichtige, rückwirkend ab
November 2007 eine halbe Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 58%
auszurichten (IV-act. 74). Die Versicherte liess am 6. Oktober 2009 einwenden, die
Parallelisierung der Einkommen sei der neusten Rechtsprechung gemäss nicht im
gesamten Umfang von 7,34%, sondern nur im Umfang von 2,34% erfolgt. Damit sei
aber den konkreten Umständen nicht Rechnung getragen. Die Parallelisierung sei im
gesamten Umfang von 7,34% vorzunehmen. Damit belaufe sich der Invaliditätsgrad auf
60%, so dass sie einen Anspruch auf eine Dreiviertelsrente habe. Zudem sei ein
"Leidensabzug" von mindestens 15% vorzunehmen (IV-act. 78). Die IV-Stelle hielt in
einer internen Notiz vom 27. Oktober 2009 fest, es könne kein "Leidensabzug" gewährt
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werden, da ein solcher in der "AUF-Schätzung" bereits berücksichtigt bzw. integriert
sei (IV-act. 83). Am 23./24. Dezember 2009 sprach die IV-Stelle der Versicherten
rückwirkend ab November 2007 eine halbe Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad
von 58% zu. In der Verfügungsbegründung nahm sie lediglich zur Frage eines
allfälligen "Leidensabzugs" Stellung, indem sie den Wortlaut ihrer Aktennotiz vom 27.
Oktober 2009 wiedergab (IV-act. 84,88,89,90).
E.
Die Versicherte liess am 29. Januar 2010 Beschwerde erheben und die Zusprache
mindestens einer Dreiviertelsrente beantragen. Ausserdem ersuchte sie um die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung. Sie machte
geltend, die Verfügungsbegründung sei ungenügend und verletze ihren Anspruch auf
rechtliches Gehör, weil gar nicht auf die Problematik der Einkommensparallelisierung
eingegangen worden sei. In materieller Hinsicht verlangte die Beschwerdeführerin die
vollständige Einkommensparallelisierung und die Gewährung eines "Leidensabzugs"
von mindestens 15% (act. G1). Am 24. Februar 2010 verzichtete der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin auf die ihm eingeräumte Möglichkeit, die Beschwerde zu
ergänzen (act. G3).
F.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 15. März 2010 die Abweisung der
Beschwerde. Sie räumte zwar ein, dass sie nicht auf die Einwände zur Parallelisierung
eingegangen sei. Gleichwohl ging sie davon aus, dass die Mindestanforderungen an
die Begründungspflicht knapp erfüllt seien. In Bezug auf die
Einkommensparallelisierung wies die Beschwerdegegnerin auf die neuste
höchstrichterliche Rechtsprechung hin, laut der eine Parallelisierung nur bei
Abweichungen von über 5% zulässig sei, weil eine deutliche Abweichung erforderlich
sei. Abschliessend stellte die Beschwerdegegnerin fest, mit der Parallelisierung seien
alle invaliditätsfremden Faktoren berücksichtigt, so dass kein zusätzlicher Abzug
gerechtfertigt sei (act. G5).
G.
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Am 14. Juni 2010 bewilligte die Gerichtsleitung die unentgeltliche Prozessführung (act.
G12).
H.
In ihrer Replik vom 22. Juni 2010 liess die Beschwerdeführerin geltend machen, bei
einer Heilung der Gehörsverletzung sei dieser Umstand bei der Verlegung der
amtlichen und ausseramtlichen Kosten zu berücksichtigen. Das Einkommen 2006 habe
Fr. 43'267.- betragen. Es sei also deutlich tiefer als der Tabellenwert gewesen. Diese
Differenz sei von ihr nicht freiwillig in Kauf genommen worden. Die Erheblichkeitsgrenze
von 5% sei erreicht, so dass eine Parallelisierung erforderlich sei. Das
Valideneinkommen sei deshalb auf Fr. 48'459.- zu erhöhen. Das Invalideneinkommen
betrage bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 40% Fr. 20'111.-. Davon sei ein
"Leidensabzug" von 15% zu machen, so dass ein zumutbares Invalideneinkommen
von Fr. 17'094.- verbleibe. Das entspreche einem Invaliditätsgrad von 64,72%. Dieser
"Leidensabzug" sei folgendermassen zu begründen: geringe Schulbildung, fehlende
Berufsausbildung, schlechte Deutschkenntnisse, Alter, nur noch körperlich leichte,
wechselbelastende Arbeit ohne Publikumscharakter, psychische Beschwerden mit
Bedarf nach Rücksichtnahme seitens der Vorgesetzten und der Kolleginnen, erhöhtes
Absenzrisiko, fehlende Flexibilität z.B. betreffend Überstunden (act. G14).
I.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 25. Juni 2010 auf eine Duplik (act. G16).

Erwägungen:
1.
1.1 Die Beschwerdegegnerin hat die rückwirkende Zusprache einer halben
Invalidenrente auf mehrere Verfügungen aufgeteilt. Am 23. Dezember 2009 hat sie den
Rentenanspruch ab September 2008 verfügt und am 24. Dezember 2009 hat sie drei
Verfügungen für die Perioden November 2007 bis März 2008, April 2008 bis Juli 2008
und August 2008 erlassen. Effektiv handelt es sich um eine rückwirkende
Rentenzusprache. Die Aufteilung auf vier Verfügungen hat seinen Grund nur darin, dass
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die Zahl der Kinderrenten im Zeitablauf variiert hat. Sie kann nicht bewirken, dass es
sich um vier getrennt voneinander rechtskraftfähige Rechtsverhältnisse handeln würde.
Die Rentenberechtigung der Beschwerdeführerin stellt ein unteilbares Rechtsverhältnis
dar. "Wird nur die Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefochten, wird
damit die gerichtliche Überprüfungsbefugnis nicht in dem Sinn eingeschränkt, dass
unbestritten gebliebene Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert
bleiben" (BGE 131 V 165 unter Verweis auf BGE 125 V 417 Erw. 2d). Die
Beschwerdeführerin hat deshalb zu Recht beantragt, die Verfügung vom 23./24.
Dezember 2009 aufzuheben.
1.2 Die Beschwerdeführerin hat in ihrer Stellungnahme vom 6. Oktober 2009 zum
Vorbescheid sowohl die Methode der Einkommensparallelisierung als auch das
Unterbleiben eines zusätzlichen Abzugs vom statistischen Durchschnittslohn (in der
Verwaltungspraxis missverständlich als "Leidensabzug" bezeichnet, obwohl er nichts
mit dem Leiden bzw. der daraus resultierenden Arbeitsunfähigkeit zu tun hat) gerügt. In
der Begründung der angefochtenen Verfügung ist die Beschwerdegegnerin explizit nur
auf die Rüge betreffend den fehlenden "Leidensabzug" eingegangen. Zur Begründung
einer Verfügung gehört aus der Sicht der Gewährung des rechtlichen Gehörs nicht nur
der Wortlaut der Begründung, sondern auch das, was der (anwaltlich vertretene)
Verfügungsadressat durch eine Interpretation dieses Wortlauts ermitteln kann. Die
Beschwerdeführerin hat sich in ihrer Stellungnahme zum Vorbescheid explizit mit jener
höchstrichterlichen Rechtsprechung auseinandergesetzt, auf die sich die
Beschwerdegegnerin bei der Wahl ihrer Methode der Einkommensparallelisierung
abgestützt hat. Die Beschwerdeführerin hat die Rechtsauffassung des Bundesgerichts
als gesetzwidrig gerügt. Es könnte die Auffassung vertreten werden, die
Beschwerdegegnerin habe durch das Festhalten an ihrer Parallelisierungsmethode
klargestellt, dass sie die Kritik der Beschwerdeführerin an der höchstrichterlichen
Rechtsprechung nicht teile und sie deshalb nicht zum Anlass nehmen wolle, um von
dieser höchstrichterlichen Rechtsprechung abzuweichen. Ob mit einer derart auf die
Spitze getriebenen Verknappung der Verfügungsbegründung dem Anspruch des
Verfügungsadressaten auf eine ausreichende Begründung noch so weit Rechnung
getragen ist, dass der Verfügungsadressat ausreichend informiert und damit in die
Lage versetzt ist, über eine Anfechtung zu entscheiden und eine allfällige Beschwerde
auch ausreichend zu begründen, ist zu bezweifeln. Die Frage muss offen bleiben, da
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die Beschwerdeführerin offensichtlich - unter Verweis auf ihren Anspruch auf eine
Parteientschädigung auch bei einem materiellen Unterliegen - in die Heilung einer
allfälligen Gehörsverletzung eingewilligt hat. Da die Beschwerdeführerin, wie sich
nachfolgend zeigen wird, aufgrund des Ausgangs des Beschwerdeverfahrens einen
Anspruch auf eine volle Parteientschädigung hat, muss auch die Frage offen bleiben,
ob die (geheilte) Verletzung des rechtlichen Gehörs per se immer die Zusprache einer
vollen Parteientschädigung erfordert.
2.
Die Regelung der Anspruchsentstehung in Art. 29 IVG ist mit der 5. IV-Revision per
1. Januar 2008 geändert worden. Zur Diskussion steht vorliegend aber ein Sachverhalt,
in dem ein vor dem 1. Januar 2008 entstandener Rentenanspruch zur Diskussion steht.
Deshalb stellt sich die Frage, ob auf die von der Beschwerdeführerin im Jahr 2007
eingereichte Anmeldung zum Rentenbezug die geltende Fassung des Art. 29 IVG
anwendbar ist (Rentenbeginn frühestens sechs Monate nach der Anmeldung) oder ob
es eine Übergangsnorm zur 5. IV-Revision gibt, die für "alte" Fälle wie den vorliegenden
die weitere Anwendung der (versichertenfreundlicheren) altrechtlichen Bestimmungen
zur Anspruchsentstehung anordnet. Gemäss der sich auf das IV-Rundschreiben Nr.
253 des Bundesamtes für Sozialversicherung stützenden höchstrichterlichen
Rechtsprechung besteht tatsächlich eine (lückenfüllend geschaffene)
Übergangsbestimmung, welche die weitere Anwendung der aufgehobenen
Bestimmungen betreffend den Zeitpunkt des Rentenbeginns auf Fälle wie den
vorliegenden anordnet (vgl. etwa das Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2011,
8C_233/2010, Erw. 4.2). Anwendungsvoraussetzung dieser Übergangsregelung ist,
dass der Versicherungsfall vor dem 1. Januar 2008 eingetreten ist. Im vorliegenden Fall
ist der Versicherungsfall jedenfalls vor diesem Zeitpunkt eingetreten. Gemäss aArt. 29
Abs. 1 lit. b IVG i.V.m. aArt. 48 Abs. 2 IVG besteht maximal für die zwölf der Anmeldung
vom 12. Dezember 2007 vorangegangenen Monate ein Anspruch auf eine
Invalidenrente.
3.
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Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das eine versicherte Person nach dem
Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
zu setzen zum Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn
sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
3.1 Dieser Einkommensvergleich kann nur durchgeführt werden, wenn alle
massgeblichen Elemente mit dem Beweisgrad der Überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststehen. Die Beschwerdegegnerin ist davon ausgegangen, dass die verbliebene
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aufgrund des bidisziplinären Gutachtens der
Klinik Valens mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststehe. Es ist zu prüfen, ob
diese Annahme zutrifft. Als einzige arbeitsfähigkeitsrelevante somatische Diagnose ist
in diesem Gutachten die mediale Femurkopfnekrose links mit/bei Z. n. zuklappender
valgisierender Tibiakopfosteotomie links am 28.3.08 mit retardiertem Verlauf
angegeben worden. Der rheumatologische Gutachter hat daraus auf eine 50%ige
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bei der bisherigen Tätigkeit als
Maschinenbedienerin geschlossen, weil die Beschwerdeführerin in der Lage sein
müsse, häufig ihre Position zu wechseln, was in einem normalen Arbeitsbereich
durchaus eine Schwierigkeit darstellen könne, und weil die Beschwerdeführerin dabei
Pausen benötige, einerseits um die Körperposition zu ändern und andererseits um
Entspannung zu finden. Der Wechsel der Körperposition erfordert zwar häufige, aber
nur kurze Pausen. Die Intensität der Kniebeschwerden bei einer Tätigkeit mit der
Möglichkeit des häufigen Wechsels der Körperposition ist nicht so erheblich, dass die
Beschwerdeführerin häufige und lange Entspannungspausen benötigen würde.
Deshalb ist es nicht plausibel, dass zwischen der effektiven Arbeitszeit und den Pausen
ein Verhältnis von 1:1 bestehen müsse, wie der rheumatologische Gutachter
angegeben hat. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung aus rein somatischer Sicht bezogen auf
die Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Maschinenbedienerin bei der B._AG ist
deshalb nicht überzeugend, zumal der rheumatologische Gutachter für eine der
körperlichen Beeinträchtigung angepassten Erwerbstätigkeit sinngemäss eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit angegeben hat. Da die Tätigkeit als
Maschinenbedienerin in Bezug auf die Kniebeschwerden keineswegs besonders
nachteilig ist, beeinträchtigt die sehr hohe Differenz in den Angaben des
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rheumatologischen Gutachters zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht nur
die Überzeugungskraft der Arbeitsfähigkeitsschätzung bezogen auf die Tätigkeit als
Maschinenbedienerin, sondern auch die Überzeugungskraft der für eine
behinderungsangepasste Tätigkeit angegebene uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit. In
somatischer Hinsicht fehlt es deshalb an einer überwiegend wahrscheinlich richtigen
Arbeitsfähigkeitsschätzung bezogen auf eine behinderungsadaptierte Erwerbstätigkeit.
3.2 Bei der psychiatrischen Begutachtung bestehen - anders als bei der
rheumatologischen Begutachtung - bereits Zweifel an der Richtigkeit der gestellten
Diagnosen. Die psychiatrische Gutachterin hat als erstes eine posttraumatische
Belastungsstörung angegeben. Auslösendes Geschehnis soll die Misshandlung des
Bruders der Beschwerdeführerin durch eine Gruppe von zehn Soldaten oder Polizisten
gewesen sein. Wann sich das ereignet hat, lässt sich dem psychiatrischen
Teilgutachten nicht entnehmen. Es muss jedenfalls vor 1998 geschehen sein, denn in
jenem Jahr wurde die Herkunftsfamilie der Beschwerdeführerin aus ihrem Haus, in dem
die Misshandlung stattgefunden hatte, vertrieben, worauf die Eltern in die Schweiz
flüchteten. Gemäss den Ausführungen im psychiatrischen Teilgutachten sind die Bilder
der Belastungssituation bei der Beschwerdeführerin nach der Aufgabe der
Erwerbstätigkeit, also im Jahr 2006 vermehrt und verstärkt aufgetreten. Ob und
gegebenenfalls in welchem Ausmass und seit wann die Beschwerdeführerin mit dem
Auftauchen dieser Bilder belastet gewesen ist, hat die Gutachterin nicht ermittelt bzw.
allenfalls nicht ermitteln können. Typisch für die posttraumtische Belastungsstörung ist,
wie auch die Gutachterin ausgeführt hat, dass die Symptome mit einer Latenz von
wenigen Wochen bis Monaten auftreten und dass in der Mehrzahl der Fälle eine
Heilung eintritt. Nur bei wenigen Betroffenen nimmt die Störung einen chronischen
Verlauf und geht dann in eine andauernde Persönlichkeitsänderung über. Bei der
Beschwerdeführerin muss also, wenn die Diagnose einer posttraumatischen
Belastungsstörung richtig ist, entweder eine ausserordentlich lange Latenzzeit von
mindestens acht Jahren bestanden haben oder es muss bereits lange vor der Aufgabe
der Erwerbstätigkeit zu einem chronischen Verlauf gekommen sein. Eine Latenzzeit von
mehr als acht Jahren statt von wenigen Wochen oder Monaten hätte als medizinische
Besonderheit gegenüber den mit der Beurteilung des Rentengesuchs befassten
medizinischen Laien einer ausführlichen Begründung bedurft. Die Gutachterin hat sich
dazu aber überhaupt nicht geäussert, so dass angenommen werden muss, dass sie
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nicht von einer derart langen Latenzzeit ausgegangen ist. Die Gutachterin muss also
von einem chronifizierten Verlauf ausgegangen sein, wofür möglicherweise auch
spricht, dass sie eine Verstärkung des regelmässigen Auftauchens der Bilder des
auslösenden Ereignisses angegeben hat. Allerdings fehlt im psychiatrischen
Teilgutachten eine Aussage der Beschwerdeführerin, dass sie all die Jahre seit dem
Ereignis von regelmässig auftauchenden Bildern geplagt worden wäre. Erst recht fehlt
jeder Hinweis darauf, dass die übrigen Symptome einer posttraumatischen
Belastungsstörung wie die Ein- und Durchschlafstörungen, die Reizbarkeit mit
Wutausbrüchen, die ausgeprägten Konzentrationsschwierigkeiten, die Hypervigilanz
und die vegetative Überreiztheit bereits 1998 vorhanden gewesen wären. Bei der
Beschwerdeführerin müsste es sich also - immer aus der Sicht eines medizinischen
Laien - nicht nur um eine eher seltene chronische Verlaufsform der posttraumatischen
Belastungsstörung, sondern auch um eine sich nach Jahren plötzlich verstärkende
Form der chronifizierten posttraumatischen Belastungsstörung handeln. Im
psychiatrischen Teilgutachten fehlte jede Aussage dazu. Die Diagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung ist deshalb nicht mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt.
3.3 Dasselbe gilt für das hauptsächlich arbeitsfähigkeitsrelevante Symptom der
Konzentrationsschwierigkeiten. Bereits das Fehlen jedes Hinweises darauf, dass die
Beschwerdeführerin bereits vor dem Auftreten der Kniebeschwerden durch
Konzentrationsschwierigkeiten in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt gewesen wäre,
spricht gegen die Existenz einer posttraumatischen Belastungsstörung. Hinzu kommt,
dass die Beschwerdeführerin während der zweieinhalbstündigen psychiatrischen
Exploration hochkonzentriert gewesen ist. Erst gegen das Ende dieser Untersuchung
ist sie leicht in ihrer Konzentrationsfähigkeit eingeschränkt gewesen, was (aus der Sicht
eines medizinischen Laien) wohl auch bei einer gesunden Person der Fall gewesen
wäre. Die psychiatrische Gutachterin hat also nicht direkt
Konzentrationsschwierigkeiten der Beschwerdeführerin beobachten können. Sie hat
sich deshalb ausschliesslich auf die entsprechenden Angaben der Beschwerdeführerin
und des Ehemannes abgestützt. Der Widerspruch zwischen der persönlichen Erfahrung
anlässlich der psychiatrischen Exploration und den Angaben der Beschwerdeführerin
hat die Gutachterin nicht durch eine allzu pessimistische Selbsteinschätzung der
Beschwerdeführerin, sondern dadurch zu erklären versucht, dass sie das Auftreten von
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Konzentrationsschwierigkeiten auf jene Situationen bezogen hat, in denen - wie bei der
Maschinenbedienung in der B._AG - über längere Zeit eine monotone Arbeit sehr
konzentriert ausgeführt werden müsse. Die Gutachterin hat sich nicht zur Frage
geäussert, ob ein derart eingeschränktes Auftreten von Konzentrationsschwierigkeiten
überhaupt geeignet sein kann, als ausschlaggebendes Symptom einer
posttraumatischen Belastungsstörung betrachtet zu werden. Zumindest aus laienhafter
Sicht wäre viel eher zu erwarten gewesen, dass eine posttraumatische
Belastungsstörung eine generelle Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit
ausgelöst hätte. Trotzdem hat die Gutachterin ihre Auffassung, dass allein schon die
Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung eine Arbeitsunfähigkeit von
50% zu bewirken vermöchten, praktisch ausschliesslich mit diesen
Konzentrationsstörungen in monotonen Arbeitssituationen mit hohen Anforderungen an
die Konzentration begründet. Angesichts des von der Gutachterin selbst eingeräumten
eklatanten Widerspruchs zwischen der Konzentrationsleistung der Beschwerdeführerin
in der zweieinhalb Stunden währenden Untersuchungssituation und der angeblichen
stark eingeschränkten Konzentrationsfähigkeit bei monotonen Arbeiten vermag die
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht zu überzeugen, zumal sie sich nur auf
Arbeitstätigkeiten beziehen kann, die derjenigen am letzten Arbeitsplatz der
Beschwerdeführerin (so wie sich die Gutachterin diese Arbeit vorgestellt hat)
entsprechen. Auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt gibt es
ausreichend Hilfsarbeitsplätze, die nicht monoton sind, die keine hohen Anforderungen
an die Konzentrationsfähigkeit stellen und die eine aktivere interpersonelle Betätigung
erlauben. Die übrigen Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung sind
bereits von ihrem Charakter her kaum geeignet, eine Arbeitsunfähigkeit zu bewirken.
Die Gutachterin hat denn auch nicht geltend gemacht, dass die Beschwerdeführerin
aus einem anderen Grund als den - angeblichen - Konzentrationsschwierigkeiten
arbeitsunfähig sei. Das psychiatrische Teilgutachten der Klinik Valens vermag also
auch die angebliche psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50% nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu belegen. Damit steht auch nicht fest, ob aus
medizinischen Gründen, aber allenfalls auch zur IV-spezifischen Schadenminderung,
eine teilstationäre Arbeitsintegrationstherapie mit begleitender Psychotherapie sinnvoll
und nötig ist.
4.
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Steht der massgebende Arbeitsfähigkeitsgrad nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, kann das zumutbare Invalideneinkommen
nicht ermittelt werden. Damit kann der Einkommensvergleich zur Bemessung der
rentenrelevanten Invalidität nicht durchgeführt werden. Die angefochtene Verfügung
beruht also auf einem rechtswidrig ermittelten Invaliditätsgrad von 58%. Sie ist deshalb
aufzuheben und die Sache ist zur weiteren Abklärung und zur anschliessenden neuen
Entscheidung über das Rentenbegehren an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Die Rückweisung zur weiteren Abklärung des Sachverhalts ist praxisgemäss in Bezug
auf die Kosten des Beschwerdeverfahrens als vollumfängliches Unterliegen der
Beschwerdegegnerin zu qualifizieren, d.h. die Beschwerdegegnerin hat die
Gerichtsgebühr (Art. 69 Abs. 1 IVG) und eine volle Parteientschädigung (Art. 61 lit. g
ATSG) zu bezahlen. Da es sich umfangmässig um ein durchschnittliches
Beschwerdeverfahren handelt, sind die Gerichtsgebühr praxisgemäss auf Fr. 600.- und
die Parteientschädigung inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer - ebenfalls
praxisgemäss - auf Fr. 3700.- festzusetzen. Die Honorarforderung vom 22. September
2011 (Fr. 4604.65) ist nämlich unter Berücksichtigung eines angemessenen
Vertretungsaufwandes (trotz einer Auseinandersetzung, die während des
Schriftenwechsels über eine allfällige von der Beschwerdeführerin abgeschlossene
Rechtsschutzversicherung geführt worden ist) als übersetzt zu betrachten. Unter
diesen Umständen ist die der Beschwerdeführerin für den Fall des (Teil-) Unterliegens
bewilligte unentgeltliche Prozessführung als gegenstandslos zu betrachten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP