Decision ID: c3a144e3-e142-4785-bf4f-b25576ff4403
Year: 2017
Language: de
Court: BL_KG
Chamber: BL_KG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Daraufhin klärte die IV-Stelle den medizinischen Sachverhalt weiter ab und gab schliesslich bei
der Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH (ABI) ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag,
welches am 26. Mai 2015 erstellt wurde.
Mit Schreiben vom 9. November 2015 nahm der Versicherte, nun vertreten durch Monica Ar-
mesto, Advokatin, Stellung zum ABI-Gutachten vom 26. Mai 2015 und wies die IV-Stelle insbe-
sondere darauf hin, dass sich aufgrund der Änderung der Schmerzrechtsprechung (BGE 141 V
281) die Erstellung eines neuen Gutachtens aufdränge. Ausserdem habe sich sein Gesund-
heitszustand zwischenzeitlich verschlechtert. Daraufhin tätigte die IV-Stelle weitere Abklärun-
gen und wollte schliesslich eine polydisziplinäre Folgeuntersuchung bei der ABI veranlassen.
Weil der Versicherte jedoch damit nicht einverstanden war, erliess die IV-Stelle am 12. April
2017 eine anfechtbare Zwischenverfügung, in der sie an der Verlaufsbegutachtung bei der ABI
festhielt.
B. Gegen die Zwischenverfügung vom 12. April 2017 erhob A._, vertreten durch Advo-
katin Armesto, am 23. Mai 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung
Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte er, die Zwischenverfügung der
Beschwerdegegnerin vom 12. April 2017, zugestellt am 13. April 2017, sei aufzuheben und die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, den Auftrag für das geplante polydisziplinäre Gutach-
ten über die MED@P-Plattform nach dem Zufallsprinzip zu vergeben. In verfahrensmässiger
Hinsicht beantragte er, es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege mit der Unterzeichneten als
unentgeltlichen Rechtsbeistand zu gewähren; alles unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Be-
schwerdegegnerin. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass der Grund für die Be-
gutachtung die veränderte Rechtsprechung (BGE 141 V 281) sei. Es müsse demnach nicht ein
geänderter Gesundheitszustand beurteilt werden, sondern die Frage, ob der Gesundheitszu-
stand gemäss der neuen Rechtsprechung des Bundesgerichts zu einem anderen Ergebnis in
Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führe, als dies im Gutachten vom 26. Mai 2015 festgehalten wor-
den sei. Das Ergebnis des vorgesehenen Gutachtens sei aber nicht mehr offen, da die ABI be-
reits dargelegt habe, dass sie nicht zu einem anderen Schluss gelangen werde, wenn sie die
neuen Indikatoren prüfe. Die freihändige Vergabe des Gutachtens an die ABI verstosse deshalb
gegen die Grundsätze von BGE 137 V 210.
C. Mit Verfügung vom 29. Mai 2017 bewilligte das Kantonsgericht dem Beschwerdeführer
für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbei-
ständung mit Advokatin Armesto als Rechtsvertreterin.
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 3 http://www.bl.ch/kantonsgericht
D. In ihrer Vernehmlassung vom 22. Juni 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf Ab-
weisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass – entgegen
der Auffassung des Beschwerdeführers – ein verfahrensabschliessender Entscheid in Form
einer anfechtbaren Verfügung noch ausstehend sei. Aus diesem Grund stehe einer Verlaufsbe-
gutachtung nichts im Wege. Ob bei Vorliegen einer Verfügung über den Leistungsanspruch
eine Verlaufsbegutachtung zwingend nach dem Vergabesystem nach Zufallsprinzip durchzufüh-
ren wäre, habe das Kantonsgericht im Urteil vom 16. Mai 2013 (720 2013 28) nicht abschlies-
send beurteilt, sondern nur möglicherweise in Betracht gezogen. Ebenso wenig vermöge der
Beschwerdeführer mit dem Argument durchzudringen, dass das in Auftrag gegebene Gutachten
lediglich dazu diene, eine Prüfung der Standardindikatoren vorzunehmen und nicht dazu, den
veränderten Gesundheitszustand abzuklären. Der Versicherte habe selber auf eine gesundheit-
liche Verschlechterung in kardiologischer Sicht hingewiesen. Ausserdem sei er im März 2016 in
stationärer psychiatrischer Behandlung gewesen.

Die Präsidentin zieht i n E r w ä g u n g:
1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versiche-
rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anfechtungsobjekt des vorliegenden
Verfahrens bildet eine Zwischenverfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche
Zuständigkeit des Kantonsgerichts zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die
Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beurteilt das
Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons Be-
schwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Be-
handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen form- und fristgerecht
erhobene – Beschwerde vom 23. Mai 2017 ist einzutreten.
1.2 Gemäss § 1 Abs. 3 lit. g VPO entscheidet die präsidierende Person der Abteilung durch
Präsidialentscheid über Beschwerden gegen selbständig anfechtbare prozess- und verfahrens-
leitende Verfügungen gemäss Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000. Bei der vorliegend angefochtenen
Zwischenverfügung der IV-Stelle vom 12. April 2017 handelt es sich um eine solche verfahrens-
leitende Verfügung im Sinne der genannten Bestimmung. Die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde fällt somit in die Kompetenz der präsidierenden Person des Kantonsgerichts, Abtei-
lung Sozialversicherungsrecht.
2. Unbestritten sind sowohl die Notwendigkeit einer polydisziplinären Abklärung als auch
die daran beteiligten Fachdisziplinen (Kardiologie, Neurologie und Psychiatrie). Streitig und im
Folgenden zu prüfen ist hingegen, ob die IV-Stelle den Auftrag für die polydisziplinäre Verlaufs-
begutachtung zu Recht freihändig an die ABI vergeben hat.
3.1 Art. 43 Abs. 1 ATSG statuiert die Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen, wobei es im
Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln diese zu
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 4 http://www.bl.ch/kantonsgericht
erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt ihm ein grosser Ermessensspielraum
bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zu.
Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersu-
chungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zu-
mindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann.
Die für die Beurteilung des Leistungsanspruchs von Amtes wegen durchzuführenden Abklärun-
gen im Sinne von Art. 43 ATSG beinhalten indessen rechtsprechungsgemäss nicht das Recht
des Versicherungsträgers, eine „second opinion“ zum bereits in einem Gutachten festgestellten
Sachverhalt einzuholen, wenn ihm dieser nicht passt (Urteil des Bundesgerichts vom 1. April
2011, 8C_957/2010, E. 6.1).
3.2 Auf der Grundlage des auf den 1. März 2012 in Kraft getretenen Art. 72 bis
der Verord-
nung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 etablierte das Bundesamt für
Sozialversicherungen (BSV) das Zuweisungssystem "SuisseMED@P", dem alle Begutach-
tungsinstitute angeschlossen sind, die über eine entsprechende Vereinbarung mit dem BSV
verfügen. Die Vergabe der MEDAS-Begutachtungsaufträge erfolgt nach dem Zufallsprinzip
(Art. 72 bis
Abs. 2 IVV). In Nachachtung des im Kreisschreiben über das Verfahren in der Invali-
denversicherung (KSVI; gültig ab 1. Januar 2010, Stand vom 1. Januar 2017) vorgegebenen
Ablaufs für die Beauftragung und Durchführung einer medizinischen Begutachtung hat die IV-
Stelle den versicherten Personen zunächst die vorgesehenen Fachdisziplinen und den Fragen-
katalog mitzuteilen und ihnen die Möglichkeit einzuräumen, innert 10 Tagen Zusatzfragen zu
stellen. Anschliessend hat sie den Auftrag bei der SuisseMED@P zu deponieren. Bei der Suis-
seMED@P handelt es sich um eine webbasierte Plattform, über deren Statistikservice sich un-
ter anderem auch Qualität und Bearbeitungszeiten messen lassen (vgl. dazu SuisseMED@P:
Handbuch für Gutachter und IV-Stellen, Anhang V zum KSVI, und Auszug aus den Erläuterun-
gen zu den Änderungen der IVV vom 16. November 2011). Das Verfahren der Auftragsvergabe
für polydisziplinäre Gutachten via SuisseMED@P richtet sich nach Anhang V des KSVI.
3.3 Sinn und Zweck von Art. 72 bis
IVV ergibt sich aus BGE 137 V 210. In diesem Entscheid
nahm das Bundesgericht zu den Fragen im Zusammenhang mit den IV-Begutachtungen Stel-
lung, namentlich unter dem Aspekt der Waffengleichheit und der Verfahrensfairness. Es kam
zum Schluss, dass bei einer freien Auftragsvergabe durch die IV-Stellen das Risiko nicht aus-
zuschliessen sei, dass Gutachtern Aufträge vorenthalten werden könnten, weil sie häufiger als
andere Arbeitsunfähigkeiten attestieren würden, die zu Leistungsansprüchen führten. Es habe
sich bestätigt, dass die 18 bestehenden MEDAS tatsächlich von der IV wirtschaftlich abhängig
seien. Auch die vereinbarten Auftragspauschalen bieten die Gefahr eines Fehlanreizes in quali-
tativer Hinsicht, weil eine möglichst einfache Erledigung Kapazitäten für weitere Begutachtun-
gen schaffe. Um der latent vorhandenen Gefährdung entgegenzutreten, stellte das Bundesge-
richt zum Verfahren einer Begutachtung verschiedene Grundsätze auf. So bestimmte es unter
anderem, dass die Zuweisung der Aufträge an die Gutachterstellen auf dem Zufallsprinzip be-
ruhen müsse, um die Unabhängigkeit der Gutachterstellen und die Neutralität der Gutachten zu
gewährleisten (vgl. dazu ELISABETH GLÄTTLI, Das neue Begutachtungsverfahren in der Invali-
denversicherung, in: Jusletter 2. Juli 2012, S. 3).
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 5 http://www.bl.ch/kantonsgericht
3.4 Daraus ergibt sich, dass das Zufallsprinzip die Gewährleistung der Unabhängigkeit der
Gutachterstellen und die Neutralität des Gutachtens bezweckt. Es stellt sich die Frage, ob poly-
disziplinäre Verlaufsgutachten diesem Zweck entsprechend zwingend nach dem Zufallsprinzip
zu vergeben sind. Das Bundesgericht unterscheidet in ständiger Rechtsprechung zwischen ei-
ner erstmaligen Begutachtung und einem Verlaufsgutachten. Dabei betrachtet es die Anord-
nung eines Verlaufsgutachtens dann als sinnvoll, wenn es um die Beurteilung von gesundheitli-
chen Veränderungen geht. Die Aussagekraft einer Verlaufsbegutachtung könne erhöht werden,
wenn die gesundheitliche Entwicklung von den mit dem Fall schon vertrauten medizinischen
Vorgutachtern abgeklärt und beurteilt werde (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. September
2008, 8C_615/2008, E. 4.2). Dabei unterscheidet es nicht zwischen mono- bzw. bi- und poly-
disziplinären Begutachtungen. Dass Art. 72 bis
IVV nicht zwingend auf Verlaufsgutachten An-
wendung finden muss, zeigt sich in den Entscheiden des Bundesgerichts, welche nach Erlass
des wegweisenden BGE 137 V 210 ff. gefällt wurden (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom
1. September 2011, 9C_1032/2010, E. 4.1 und vom 27. September 2012, 8C_446/2012, E.3.2).
Damit ist davon auszugehen, dass das Bundesgericht mit dem hier massgebenden Leitent-
scheid nicht beabsichtigte, dass polydisziplinäre Verlaufsgutachten bei einer Veränderung des
Gesundheitszustandes ausnahmslos nach dem Zufallsprinzip zu vergeben sind. Es muss daher
möglich und zulässig sein, unter bestimmten Voraussetzungen ein interdisziplinäres Verlaufs-
gutachten bei der gleichen Gutachterstelle einzuholen, die bereits das Vorgutachten verfasste.
Dabei sollte – sofern möglich – die Änderung des Gesundheitszustandes durch diejenigen Gut-
achter beurteilt werden, welche die versicherte Person schon untersucht hatten. Aus diesen
Erläuterungen ergibt sich, dass das Bundesgericht bzw. der Bundesrat einen engeren Anwen-
dungsbereich des Art. 72 bis
IVV vor Augen hatte als es der Wortlaut zunächst annehmen lässt.
Es ist daher die Tragweite des Art. 72 bis
IVV über eine teleologische Reduktion in der Auslegung
so zu beschränken, dass nicht alle Verlaufsgutachten von dieser Bestimmung erfasst sind.
3.5 Gestützt auf Art. 72 bis
IVV wurde der Anhang V der KSVI erlassen. Art. 72 bis
Abs. 1 IVV
bestimmt, dass medizinische Gutachten, an denen drei und mehr Fachdisziplinen beteiligt sind,
bei einer Gutachterstelle zu erfolgen haben, mit welcher das Bundesamt eine Vereinbarung
getroffen hat (Abs. 1). Die Vergabe der Aufträge erfolgt nach dem Zufallsprinzip (Abs. 2). In der
Einleitung zum Anhang V des KSVI wird beschrieben, dass die IV-Stelle ab 1. März 2012 ver-
pflichtet ist, alle Aufträge
für polydisziplinäre Gutachten über SuisseMED@P zu vergeben. Ver-
laufsgutachten können aber derselben Gutachterstelle in Auftrag gegeben werden, die bereits
das erste polydisziplinäre Gutachten erstellt hat, vorausgesetzt dieses ist über die Plattform
SuisseMED@P vergeben worden (Rz. 2078 KSVI).
3.6 Nach der Rechtsprechung kann ein Sachverständiger nicht allein deshalb abgelehnt
werden, weil er sich schon einmal mit der Person befasst hat (BGE 132 V 110 E. 7.2.2). Die
Vorbefassung des Arztes, der erneut zur Begutachtung beigezogen wird, begründet folglich
nicht von vornherein den Anschein der Befangenheit. Eine unzulässige Vorbefassung liegt auch
dann nicht vor, wenn er dazumal zu einer für eine der Parteien ungünstigen Schlussfolgerung
gelangt ist. Entscheidend ist, dass das Ergebnis der Begutachtung nach wie vor als offen und
nicht vorbestimmt erscheint. Dies ist zu bejahen, wenn der Sachverständige andere Fragen zu
beantworten oder sein Gutachten lediglich zu ergänzen oder zu erläutern hat, nicht aber, wenn
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 6 http://www.bl.ch/kantonsgericht
er die Schlüssigkeit seiner früheren Expertise überprüfen soll (Urteil des Bundesgerichts vom
20. Juni 2013, 8C_978/2012, E. 5.3.2 mit weiteren Hinweisen). Kann die Offenheit bejaht wer-
den, ist die Besorgnis der Voreingenommenheit trotz Vorbefassung unbegründet (REGINA
KIENER/MELANIE KRÜSI, Die Unabhängigkeit von Gerichtssachverständigen, in: ZSR 2006
S. 506). Der Anschein der Befangenheit oder die Gefahr der Voreingenommenheit ist diesfalls
erst zu bejahen, wenn weitere Umstände hinzutreten, etwa, wenn das erste Gutachten nicht
objektiv und sachlich gehalten ist (BGE 132 V 110 E. 7.2.2 mit weiteren Hinweisen; Urteile des
Bundesgerichts vom 22. August 2013, 8C_227/2013 und vom 20. Juni 2013, 8C_978/2012,
E. 5.3.2).
4.1 Im vorliegenden Fall begutachteten die Experten der ABI den Versicherten erstmals im
März 2015 polydisziplinär. Das Gutachten datiert vom 26. Mai 2015.
In der Gesamtbeurteilung hielten die Gutachter der ABI insbesondere fest, dass der Versicherte
bei den Untersuchungen als Hauptproblem den Diabetes angegeben habe. Der Zucker sei nie
gut und es werde ihm deshalb schwindlig und er bekomme Kopf- und Herzschmerzen. Die Be-
schwerden von Seiten des Bewegungsapparates habe der Versicherte erst in zweiter Linie er-
wähnt. Bei der orthopädischen Untersuchung durch Dr. med. B._, FMH Orthopädische Chi-
rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, seien chronische Beschwerden im Bereich
der Hand, des Arms und der Schulter rechts bei Status nach distaler Radiusfraktur 2009 sowie
chronische Kniebeschwerden beidseits bei Femoropatellararthrosen diagnostiziert worden. Auf-
grund der objektiven Befunde seien dem Beschwerdeführer körperlich schwere und andauernd
mittelschwere Tätigkeiten nicht mehr zumutbar. Für körperlich leichte, wechselbelastende Tä-
tigkeiten sei die Arbeitsfähigkeit aus orthopädischer Sicht nicht eingeschränkt. Bei der allge-
meininternistischen Untersuchung durch Dr. med. C._, FMH Allgemeine Innere Medizin, sei
ein metabolisches Syndrom diagnostiziert worden. Im Vordergrund würden der schlecht einge-
stellte Diabetes mellitus und die Adipositas stehen. Das gesamte Ausmass der vom Versicher-
ten angegebenen Beschwerden könne aber mit diesen Leiden nicht erklärt werden. Eine ver-
besserte Einstellung des Diabetes sei sicher bei optimaler Compliance möglich. Aufgrund der
Adipositas seien dem Exploranden körperlich schwere Tätigkeiten nicht mehr zumutbar. Wegen
der regelmässig notwendigen Insulinbehandlung seien auch zeitlich unregelmässige Tätigkeiten
ungünstig. Für alle übrigen Tätigkeiten sei die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus all-
gemeininternistischer Sicht nicht eingeschränkt. Bei der kardiologischen Untersuchung durch
Dr. med. D._, FMH Kardiologie und Allgemeine Innere Medizin, sei eine Kardiopathie am
ehesten hypertensiv mit Status nach eingeschränkter linksventrikulärer Funktion diagnostiziert
worden. Aktuell sei die linksventrikuläre Funktion normal. Die Belastbarkeit des Herzkreis-
laufsystems sei vermindert. Aus kardiologischer Sicht seien dem Versicherten körperlich schwe-
re Tätigkeiten nicht mehr zumutbar. Für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten bestehe
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Bei der angiologischen Untersuchung durch
Dr. med. E._, FMH Angiologie und Allgemeine Innere Medizin, sei ein sekundäres
Lymphödem bei Status nach rezidivierenden Erysipelen diagnostiziert worden. Eine peripher-
arterielle Verschlusskrankheit habe ausgeschlossen werden können. Die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten sei aus angiologischer Sicht nicht eingeschränkt. Bei der psychiatrischen Untersu-
chung durch Dr. med. F._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, sei eine Angst- und de-
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 7 http://www.bl.ch/kantonsgericht
pressive Störung gemischt diagnostiziert worden. Eine länger andauernde depressive Sympto-
matik bestehe nicht. Durch die Angst- und depressive Störung sei die Arbeitsfähigkeit des Be-
schwerdeführers aus psychiatrischer Sicht um 10% eingeschränkt.
Zusammengefasst sei der Versicherte aus polydisziplinärer Sicht für eine körperlich leichte,
wechselbelastende Tätigkeit zu 90% arbeits- und leistungsfähig. Körperlich schwere und an-
dauernd mittelschwere Tätigkeiten, wie er sie früher auf dem Bau habe ausüben müssen, seien
ihm nicht mehr zumutbar.
4.2 Da der Versicherte mit Schreiben vom 9. November 2015 durch seine Rechtsvertreterin
zum einen verschiedene Kritikpunkte am Gutachten und zum anderen eine zwischenzeitliche
Verschlechterung seines Gesundheitszustandes geltend machen liess, veranlasste die IV-Stelle
weitere medizinische Abklärungen. Gestützt auf diese Abklärungen, insbesondere gestützt auf
den am Ende der Abklärungen verfassten Bericht des Regionalen ärztlichen Dienstes beider
Basel (RAD) vom 22. Dezember 2016, beabsichtigte die IV-Stelle ein polydisziplinäres Ver-
laufsgutachten bei der ABI in Auftrag zu geben.
Im Bericht vom 22. Dezember 2016 hielt pract. med. G._, RAD, fest, dass ein ABI-
Gutachten vom Juni (recte: Mai) 2015 vorliege. Darin habe aus orthopädischer, angiologischer
und kardiologischer (Kardiopathie, Differentialdiagnose am ehesten hypertensive Kardiopathie,
keine Narbe, keine Ischämie, Normalisierung der linksventrikulären Ejektionsfraktion von 40%
auf 54%) Sicht in adaptierter Verweistätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestanden. Aus
psychiatrischer Sicht habe eine 90%ige Arbeitsfähigkeit vorgelegen. Weiter führte
pract. med. G._ aus, dass aus kardiologischer Sicht im August 2015 ein dringender Ver-
dacht auf eine relevante koronare Herzkrankheit geäussert worden sei; die Abklärungen hätten
eine koronare 1-Ast-Erkrankung mit Primary Stenting einer signifikanten Tandemstenose des
mittleren Ramus interventricularis anterior (RIVA) am 25. August 2015 ergeben. Ausserdem
habe sich der Versicherte im Oktober 2015 selbst ins Spital eingewiesen, weil sich sein Allge-
meinzustand verschlechtert habe. Die klinische Untersuchung habe eine verminderte Sensibili-
tät am Unterschenkel rechts gezeigt. Das Vibrationsempfinden über beiden medialen Malleoli
sei aufgehoben gewesen. Weiter sei im endokrinologischen Bericht von Dr. med. H._, FMH
Endokrinologie/Diabetologie und Allgemeine Innere Medizin, vom Oktober 2016 (letzte Konsul-
tation am 11. August 2016) der Diabetes als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
attestiert worden. Unter adäquater Therapie könne der Blutzucker ordentlich eingestellt werden.
Als Komplikationen könnten die Atherosklerose mit koronarer Herzkrankheit und die Polyneuro-
pathie erwähnt werden. Des Weiteren habe der Hausarzt des Versicherten im Bericht vom Ok-
tober 2016 (letzte Konsultation am 29. August 2016) die Depression, das metabolische Syn-
drom mit schlecht eingestelltem Diabetes mellitus Typ 2 und die koronare 1-Gefäss-Erkrankung
mit persistierenden Herzschmerzen als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit at-
testiert. Schliesslich gehe Dr. med. I._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, in seinem Be-
richt vom September 2016 seit Klinikentlassung (Einweisung wegen vorübergehender psychoti-
scher Störung mit optischer Halluzinose) von einer mittelgradigen Depression aus.
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 8 http://www.bl.ch/kantonsgericht
Aus diesen Gründen kam die RAD-Ärztin zum Ergebnis, dass ein Verlaufsgutachten bei der ABI
in Auftrag gegeben werden sollte. Relevant seien die koronare Herzkrankheit, die Polyneuropa-
thie und die mittelgradige Depression. Demnach sollten folgende Disziplinen abgeklärt werden:
Kardiologie, Neurologie und Psychiatrie.
4.3 Der Versicherte stellt sich aber nun auf den Standpunkt, dass die IV-Stelle gestützt auf
Art. 72 bis
Abs. 2 IVV auch das polydisziplinäre Verlaufsgutachten über die Plattform Suisse-
MED@P zu vergeben habe. Ausserdem handle es sich seiner Meinung nach beim Gutachten
im vorliegenden Fall gar nicht um ein typisches Verlaufsgutachten, da es insbesondere auf-
grund der Änderung der Schmerzrechtsprechung angeordnet worden sei und nicht wegen eines
veränderten Gesundheitszustandes.
5.1 Der Beschwerdeführer bringt unter anderem vor, dass das von der IV-Stelle in der ange-
fochtenen Zwischenverfügung zitierte Urteil des Kantonsgerichts vom 16. Mai 2013 (720 13 28)
nicht auf den vorliegenden Sachverhalt angewendet werden könne. Das Kantonsgericht gehe in
E. 4.8 des erwähnten Urteils davon aus, dass die Schlussfolgerung, wonach angeordnete poly-
disziplinäre Verlaufsgutachten zur Beurteilung einer Veränderung des Gesundheitszustandes
nicht zwingend nach dem Vergabesystem nach Zufallsprinzip anzuordnen sind, nur für Ver-
laufsgutachten gelte, welche im Rahmen des Abklärungsverfahrens in Auftrag gegeben würden.
Das Gericht habe ausdrücklich ausgeführt, dass möglicherweise anders zu entscheiden wäre,
wenn das Abklärungsverfahren abgeschlossen sei und eine anfechtbare Verfügung über den
Leistungsanspruch vorliege. Im vorliegenden Fall existiere bereits ein Vorbescheid über den
Leistungsanspruch, gegen welchen Einwände erhoben worden seien. Die Beschwerdegegnerin
habe damit das Abklärungsverfahren bereits abgeschlossen.
Demgegenüber macht die Beschwerdegegnerin geltend, dass das Abklärungsverfahren noch
nicht abgeschlossen sei. Nach Erlass des Vorbescheids habe sie sich veranlasst gesehen, wei-
tere medizinische Akten einzufordern und schliesslich entschieden, aufgrund des veränderten
Gesundheitszustandes umfassende polydisziplinäre Begutachtungen durchführen zu lassen.
Damit stehe fest, dass ein verfahrensabschliessender Entscheid in Form einer anfechtbaren
Verfügung noch ausstehend sei. Aus diesem Grund stehe einer Verlaufsbegutachtung nichts im
Wege. Im Übrigen habe das Kantonsgericht im Urteil vom 16. Mai 2013 nicht abschliessend
beurteilt, ob bei Vorliegen einer Verfügung über den Leistungsanspruch eine Verlaufsbegutach-
tung zwingend nach dem Vergabesystem nach Zufallsprinzip durchzuführen wäre.
Mit der Beschwerdegegnerin ist festzuhalten, dass sich die Prüfung des Rentenanspruchs des
Versicherten noch im Abklärungsstadium befindet. Eine anfechtbare Leistungsverfügung wurde
unbestrittenermassen noch nicht erlassen. Dem Beschwerdeführer ist zwar insofern zuzustim-
men, als bereits ein Vorbescheid erlassen wurde. Im Vorbescheidverfahren bzw. im Einwand-
verfahren tätigte die IV-Stelle jedoch weitere Abklärungen und liess insbesondere auch das
erste polydisziplinäre Gutachten bei der ABI erstellen. Nachdem der Versicherte in seiner Stel-
lungnahme vom 9. November 2015 (vgl. E. 4.2 hiervor) geltend gemacht hatte, dass sich die
Rechtsprechung zur invalidisierenden Wirkung somatoformer Schmerzstörungen und ver-
gleichbarer psychosomatischer Leiden geändert und sich ausserdem sein Gesundheitszustand
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 9 http://www.bl.ch/kantonsgericht
massgeblich verschlechtert habe, veranlasste die IV-Stelle erneut weitere medizinische Abklä-
rungen. Die IV-Stelle erachtete demnach die Abklärung des medizinischen Sachverhalts als
noch nicht vollständig und eine Folgebegutachtung deshalb als notwendig. Die IV-Stelle hätte
die Einwände des Versicherten auch abweisen und den Vorbescheid bestätigen bzw. eine an-
fechtbare Leistungsverfügung erlassen können. Dies hat sie aber noch nicht getan, weil sie sich
im Rahmen ihrer Abklärungspflicht veranlasst sah, den medizinischen Sachverhalt weiter abzu-
klären. Unter diesen Umständen hat die IV-Stelle noch nicht abschliessend über den Leistungs-
anspruch des Versicherten entschieden. Somit befindet sich die Prüfung des Rentenanspruchs
des Versicherten noch im Abklärungsstadium. Anzufügen bleibt an dieser Stelle, dass im Fall
des Kantonsgerichts vom 16. Mai 2013 (720 13 28) ebenfalls bereits ein Vorbescheid erlassen
wurde. Der vorliegende Fall unterscheidet sich demnach in Bezug auf das Verfahrensstadium
nicht von jenem vom 16. Mai 2013. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kann so-
mit die Schlussfolgerung des Urteils vom 16. Mai 2013, wonach im Abklärungsverfahren ange-
ordnete polydisziplinäre Verlaufsgutachten zur Beurteilung einer Veränderung des Gesund-
heitszustandes nicht zwingend nach dem Vergabesystem nach Zufallsprinzip anzuordnen sind,
auch auf den vorliegenden Fall angewendet werden.
5.2 Nach Würdigung des Gutachtens der ABI vom 26. Mai 2015 stellte der RAD mit Schrei-
ben vom 14. Januar 2016 die folgende Rückfrage an die ABI: „Im orthopädischen Teilgutachten
wird darauf hingewiesen, dass die subjektiven Empfindungsstörungen der rechten Hand nicht
ausreichend einem objektiven Korrelat zugeordnet werden konnten. Muss hier von einer zusätz-
lichen somatoformen Schmerzstörung ausgegangen werden? Wenn ja, bitten wir um Beurtei-
lung der Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und allfälliger Prüfung der Standardindikatoren.“
Daraufhin hielten die Gutachter der ABI im Schreiben vom 27. Januar 2016 unter anderem fest,
dass nicht jede somatische Beobachtung und Inkonsistenz zwingend in eine psychiatrische Di-
agnose münden müsse, im Gegenteil sei festzustellen, dass genau dies nicht getan werden
sollte. Da keine somatoforme Schmerzstörung vorliege, seien auch die Standardindikatoren
nicht zu prüfen. Das Beschwerdebild des Versicherten sei in der psychiatrischen Diagnose,
Angst- und depressive Störung gemischt, einer leichtgradigen Störung, enthalten.
Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers bezieht sich das Schreiben der ABI vom
27. Januar 2016 nicht auf seine Stellungnahme zum Gutachten, in welcher er auch auf die kar-
diologische Problematik hinwies, sondern auf die obgenannte Rückfrage des RAD vom
14. Januar 2016. Dementsprechend lautet auch die Überschrift des Schreibens vom 27. Januar
2016 folgendermassen: „Ihre Anfrage vom 14.01.2016...“. Der Beschwerdeführer bringt diesbe-
züglich vor, dass im Schreiben vom 27. Januar 2016 nicht näher auf die kardiologische Proble-
matik eingegangen werde. Daraus sei zu schliessen, dass die ABI davon ausgegangen sei,
dass die Beschwerden am Herzen keine Relevanz aufweisen würden. Dem kann nicht gefolgt
werden. Im Schreiben vom 27. Januar 2016 wird zwar tatsächlich in Bezug auf die kardiologi-
sche Problematik nichts ausgeführt. Dies aber nur, weil in der Rückfrage des RAD vom 14. Ja-
nuar 2016 diesbezüglich nichts erfragt wurde. Demgegenüber hat aber die Stellungnahme vom
9. November 2015, in welcher der Beschwerdeführer das Gutachten der ABI kritisierte und ei-
nen verschlechterten Gesundheitszustand, insbesondere aufgrund der kardiologischen Be-
schwerden, geltend machte, weitere Abklärungen der Beschwerdegegnerin veranlasst. Es wur-
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht
den weitere Arztberichte eingeholt und der RAD wurde wiederholt um Stellungnahmen gebeten.
Schliesslich empfahl die RAD-Ärztin pract. med. G._ am 22. Dezember 2016 eine Verlaufs-
begutachtung bei der ABI. Relevant seien die koronare Herzkrankheit, die Polyneuropathie und
die mittelgradige Depression (vgl. E. 4.2 hiervor). Es ist demnach nicht korrekt, wenn der Be-
schwerdeführer vorbringt, dass die ABI davon ausgegangen sei, dass die kardiologische Prob-
lematik keine Relevanz aufweise. Vor diesem Hintergrund vermag auch das Argument des Be-
schwerdeführers, wonach das Verlaufsgutachten lediglich aufgrund der geänderten Rechtspre-
chung (BGE 141 V 281) erfolge und nicht aufgrund einer geänderten medizinischen Situation,
nicht zu überzeugen. Wie aus dem RAD-Bericht vom 22. Dezember 2016 hervorgeht, müssen
die Fachdisziplinen Kardiologie, Neurologie und Psychiatrie überprüft werden, weil sich der Ge-
sundheitszustand des Versicherten in diesen Bereichen seit der ersten polydisziplinären Begut-
achtung verändert hat.
5.3 Des Weiteren beanstandet der Versicherte, dass das Ergebnis der Begutachtung inso-
fern nicht mehr offen sei, als die ABI in ihrem Schreiben vom 27. Januar 2016 bereits klar dar-
gelegt habe, dass eine Prüfung der Indikatoren nicht notwendig sei. Wenn die ABI nun mit der
Prüfung der Standardindikatoren beauftragt werde, sei das Ergebnis nicht mehr offen. Diesbe-
züglich ist mit der Beschwerdegegnerin festzuhalten, dass die Gutachter zu Recht keine Prü-
fung der Standardindikatoren vorgenommen haben, da zu jenem Zeitpunkt kein entsprechen-
des Beschwerdebild (somatoforme Schmerzstörung) vorgelegen hat (vgl. das ABI-Gutachten
vom 26. Mai 2015, E. 4.1 hiervor). Dementsprechend lautete auch die Begründung der Exper-
ten der ABI im Schreiben vom 27. Januar 2016 wie folgt: „Da keine somatoforme Schmerzstö-
rung vorliegt, sind auch die Standardindikatoren nicht zu prüfen.“ Im Rahmen der vorgesehenen
Verlaufsbegutachtung hätte die ABI aber zunächst den veränderten Gesundheitszustand des
Versicherten zu untersuchen und danach die Frage nach der Prüfung der Indikatoren erneut zu
beantworten. Sofern bei der Verlaufsbegutachtung eine Diagnose gestellt wird, die die Anwen-
dung der neuen Schmerzrechtsprechung erfordert, werden die Gutachter die Indikatoren zu
prüfen haben. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die ABI-Gutachter eine Indikato-
renprüfung auch nach der erneuten Begutachtung ausschliessen oder eine solche grundsätzlich
ablehnen würden. Unter diesen Umständen kann nicht gesagt werden, dass das Ergebnis der
Verlaufsbegutachtung nicht mehr offen ist.
5.4 Schliesslich ist zu beachten, dass die IV-Stelle gestützt auf Art. 43 Abs. 1 ATSG ver-
pflichtet ist, die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen und die erforderli-
chen Auskünfte einzuholen, wenn sich im Rahmen des IV-Abklärungsverfahrens der Gesund-
heitszustand verändert. Dabei obliegt ihr die Leitung des Verfahrens (vgl. SVR IV Nr. 27 E. 5.2),
womit sie auch über ein erhebliches Ermessen verfügt (Urteil des Bundesgerichts vom 20. März
2008, 9C_157/2008). Ein Eingreifen des Gerichts hinsichtlich angeordneter Abklärungsmass-
nahmen rechtfertigt sich nur, wenn die IV-Stelle ihr Ermessen offensichtlich überschritten hat
(Urteil des Bundesgerichts vom 20. März 2007, I 91/07 mit Hinweisen). Dies ist vorliegend nicht
der Fall. Die aufgrund der Rechtsprechungsänderung (BGE 141 V 281) sowie einer Verände-
rung des Gesundheitszustandes erfolgte Anordnung eines Verlaufsgutachtens bei der gleichen
Gutachtenstelle zwecks Überprüfung der Richtigkeit des Erstgutachtens verletzt Art. 72 bis
IVV
nicht. Die Aussagekraft einer Verlaufsbegutachtung kann sogar erhöht werden, wenn die ge-
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht
sundheitliche Entwicklung von den mit dem Fall schon vertrauten Vorgutachtern abgeklärt und
beurteilt wird (vgl. BGE 132 V 110 E. 7.2.2; Urteile des Bundesgerichts vom 1. September
2010, 9C_1032/2010, E. 4.1 und vom 15. September 2008, 8C_615/2008, E. 4.2 mit weiteren
Hinweisen).
Im Rahmen der Verlaufsbegutachtung ist die aktuelle gesundheitliche Situation des Versicher-
ten mit derjenigen zum Zeitpunkt der Erstbegutachtung zu vergleichen. Ausgangspunkt der
Vergleichsuntersuchung bildet dabei das Gutachten der ABI vom 26. Mai 2015. Unter diesen
Umständen ist es sinnvoll, die mit dem Versicherten bereits befassten Gutachter der ABI im
Rahmen eines Verlaufsgutachtens zur Entwicklung des Beschwerdebildes und der Arbeitsfä-
higkeit zu befragen. Der Sinn eines solchen Gutachtens liegt somit darin, dass die Gutachter
prüfen, ob an ihren Feststellungen im Erstgutachten infolge der Veränderung des Gesundheits-
zustandes des Versicherten sowie der Änderung der Schmerzrechtsprechung weiterhin festge-
halten werden kann. Die Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustandes durch eine nach Zu-
fallsprinzip gewählte Gutachtenstelle, welche eine komplette neue Begutachtung des Versicher-
ten erfordert, wird diesem Zweck nicht gerecht.
5.5 Aus den bisherigen Erwägungen folgt zusammenfassend, dass die Auftragsvergabe von
polydisziplinären Verlaufsgutachten nicht zwingend über die SuisseMED@P-Plattform zu erfol-
gen hat. Im vorliegenden Fall ist es nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle den Auftrag für die
polydisziplinäre Verlaufsbegutachtung freihändig an die ABI vergeben hat. Die angefochtene
Zwischenverfügung der IV-Stelle vom 12. April 2017 ist demnach zu bestätigen und die Be-
schwerde des Versicherten abzuweisen.
6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be-
willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Beschwerdeverfahren gegen selbständig anfechtbare Zwischenverfügungen der
IV-Stelle sind nach der Praxis des Kantonsgerichts ebenfalls kostenpflichtig. Die Kosten werden
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
1'000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Verfah-
rensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des
bundesrechtlichen Kostenrahmens auf Fr. 400.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Ver-
fahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem Ausmass auferlegt.
Vorliegend ist der Beschwerdeführer unterliegende Partei, weshalb die Verfahrenskosten ihm
aufzuerlegen sind. Dem Versicherten ist nun allerdings mit Verfügung vom 29. Mai 2017 die
unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden. Aus diesem Grund gehen die Verfahrenskosten
vorläufig zu Lasten der Gerichtskasse.
6.2 Die ausserordentlichen Kosten sind dem Prozessausgang entsprechend wettzuschla-
gen. Da dem Versicherten in der Verfügung vom 29. Mai 2017 die unentgeltliche Verbeistän-
dung mit seiner Rechtsvertreterin bewilligt worden ist, ist diese für ihre Bemühungen aus der
Gerichtskasse zu entschädigen. Gemäss § 3 Abs. 2 der Tarifordnung für die Anwältinnen und
Anwälte vom 17. November 2003 beträgt das Honorar bei unentgeltlicher Verbeiständung
Fr. 200.-- pro Stunde. Die Rechtsvertreterin des Versicherten machte in ihrer Honorarnote vom
http://www.bl.ch/kantonsgericht
Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht
7. Juli 2017 für das vorliegende Verfahren einen Zeitaufwand von 6 Stunden und 40 Minuten
sowie Auslagen von Fr. 48.60 geltend, was sich in Anbetracht der sich stellenden Sachverhalts-
und Rechtsfragen als angemessen erweist. Der Rechtsvertreterin ist deshalb ein Honorar in der
Höhe von Fr. 1‘492.50 (6 Stunden und 40 Minuten à Fr. 200.-- zuzüglich Auslagen von
Fr. 48.60 sowie 8 % Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse auszurichten.
7. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005
ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig
gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide
sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsbe-
gehren (vgl. Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an-
fechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93
Abs. 1 lit. a BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid her-
beiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Be-
weisverfahren ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Beim vorliegenden Entscheid handelt
es sich um einen selbständig eröffneten Zwischenentscheid im Sinne des BGG. Demnach ist
gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht nur
unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. Ob diese erfüllt sind,