Decision ID: ee63474f-383a-4a1a-8056-5bcf9580736c
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend ungetreue Geschäftsbesorgung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 28. Februar 2018 (DG170259)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 29. Sep-
tember 2017 (Urk. 00101029) sowie die Ergänzungen zur Anklageschrift vom
30. Oktober 2017 (Urk. 43) und vom 8. Januar 2018 (Urk. 57) sind diesem Urteil
beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne
von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf der Urkundenfälschung
im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 22 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis
und mit heute 2 Tage durch Haft erstanden sind.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 4
Jahre festgesetzt.
5. Der bedingte Vollzug der mit Entscheid des Eidgenössischen Finanzdepar-
tements Bern vom 4. November 2015 ausgefällten Geldstrafe von 40 Ta-
gessätzen zu CHF 140 wird widerrufen.
6. Der bedingte Vollzug der mit Entscheid des Eidgenössischen Finanzdepar-
tements Bern vom 4. November 2015 ausgefällten Geldstrafe von 15 Ta-
gessätzen zu CHF 140 wird widerrufen.
7. Die B._ AG wird aus dem Rubrum entfernt.
8. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin wird auf den Zivilweg ver-
wiesen soweit darauf einzutreten ist.
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9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom
7. September 2017 beschlagnahmten Akten, Ordner, Hängeregister und
Flip-Chart-Rollen werden C._ ab Eintritt der Rechtskraft bis spätestens
3 Monate danach auf erstes Verlangen hin herausgegeben. Nach ungenutz-
tem Ablauf dieser Frist werden die Sicherstellungen der Kasse des Bezirks-
gerichts Zürich als Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.
10. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 9. Juni
2016 angeordnete Kontosperre bei der D._ AG betreffend IBAN-Nr. 1,
IBAN-Nr. 2 und IBAN-Nr. 3 wird nach Eintritt der Rechtskraft aufgehoben.
11. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom
21. August 2017 angeordnete Kontosperre bei der E._ AG betreffend
IBAN-Nr. 4 wird nach Eintritt der Rechtskraft aufgehoben und die E._
AG wird angewiesen das Konto zu saldieren sowie den Saldo zur teilweisen
Deckung der Verfahrenskosten der Kasse des Bezirksgerichts Zürich zu
überweisen.
12. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 8'000 ; die weiteren Auslagen betragen:
CHF 60'000 Gebühr Vorverfahren
CHF 2'737.50 Auslagen Untersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten zu 9/10 auferlegt und zu 1/10 auf die Staatskasse genom-
men.
14. Dem Beschuldigten wird eine reduzierte Prozessentschädigung von
CHF 4'000 zugesprochen und mit den ihm auferlegten Kosten verrechnet.
15. Der Antrag der Privatklägerin auf Verpflichtung des Beschuldigten zur Zah-
lung einer Prozessentschädigung wird abgewiesen.
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Berufungsanträge:
Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 113 S. 2)
" 1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 28. Februar 2018, 9. Abteilung, in der Geschäftsnummer DG170259-L /UD sei  aufzuheben und der Beschuldigte sei nicht nur vom  der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB, sondern auch von der ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB freizusprechen.
2. Sämtliche beschlagnahmten Gegenstände und auch gesperrten Konti des Angeklagten seien freizugeben.
3. Am bedingten Vollzug der mit Entscheid des Eidgenössischen  Bern vom 4. November 2015 ausgefällten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu CHF 140.- respektive von 15 Tagessätzen zu CHF 140.- sei nach wie vor festzuhalten, der  Vollzug sei also nicht in einen unbedingten umzuwandeln.
4. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin sowie deren  auf Prozessentschädigung seien abzuweisen.
5. Die Kosten für das Untersuchungsverfahren, erstinstanzliche  sowie für das Berufungsverfahren seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen und es sei dem Beschuldigten eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen, alles plus 7.7 % MwST."
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich:
(Urk. 112 S. 3)
" 1. Die Berufung des Beschuldigten A._ sei abzuweisen. 2. Das vorinstanzliche Urteil sei wie folgt anzupassen:
a. Dispositivziffer 1: Der Beschuldigte ist schuldig der  ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 3.
b. Dispositivziffer 2: Der Beschuldigte ist schuldig der  im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 3 StGB.
c. Dispositivziffer 3: Der Beschuldigte wird bestraft mit 24  Freiheitsstrafe [der Rest bleibt identisch].
d. Dispositivziffer 4: Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird  und die Probezeit auf 5 Jahre festgesetzt.
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e. Dispositivziffer 13: Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten  auferlegt.
f. Dispositivziffer 14: Dem Beschuldigte wird keine  zugesprochen.
3. Im Übrigen sei das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich zu bestätigen."
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
A. Vorinstanzliches Urteil
Gegen das eingangs erwähnte Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung,
vom 28. Februar 2018 (Verfahren DG170259; Urk. 81) liess der Verteidiger des
Beschuldigten mit Eingabe vom 9. März 2018 (Urk. 76) rechtzeitig Berufung an-
melden und reichte mit Eingabe vom 14. Mai 2018 (Urk. 83) fristgerecht seine Be-
rufungsbegründung ein. Mit Präsidialverfügung vom 15. Mai 2018 (Urk. 84) wurde
der Privatklägerin sowie der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich (hernach
Anklagebehörde oder Staatsanwaltschaft) unter Hinweis auf die Berufungserklä-
rung des Beschuldigten Frist zur Erhebung einer Anschlussberufung bzw. zum
Antrag auf Nichteintreten auf die Berufung angesetzt (Empfangsbestätigungen:
Urk. 85/1-3). Mit Eingabe vom 23. Mai 2018 (Urk. 86) erhob die Staatsanwalt-
schaft fristgerecht Anschlussberufung, demgegenüber die Privatklägerin auf Er-
hebung einer Anschlussberufung ausdrücklich verzichtete (Urk. 87). Eine Kopie
der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft wurde dem Beschuldigten bzw.
der Privatklägerin mit Präsidialverfügung vom 30. Mai 2018 (Urk. 88) zugestellt
(Empfangsbestätigungen: Urk. 89/1-3).
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B. Weiterer Verfahrensgang
1. Mit Eingaben vom 3. Mai 2019 (Urk. 92; Beilagen Urk. 93/1-8) bzw. 23. Juli
2019 (Urk. 98) ersuchte Rechtsanwalt lic. iur. F._ für seinen Klienten (Herrn
G._) im vorliegenden Strafverfahren um Akteneinsicht gemäss Art. 101 Abs.
3 StPO. Mit Präsidialverfügung vom 2. August 2019 (Urk. 100) wurde ihm Frist
angesetzt (Empfangsbestätigungen: Urk. 101/1-4), um sein Ersuchen zu substan-
tiieren, was in der Folge allerdings ausblieb.
2. Die Vorladungen an die Staatsanwaltschaft, die Privatklägerin und den Be-
schuldigten zur Berufungsverhandlung ergingen am 3. Dezember 2019
(Urk. 102). Das am 12. Mai 2020 gestellte Verschiebungsgesuch des Beschuldig-
ten auf den Herbst 2020 (Urk. 104) wurde – nach Gewährung des rechtlichen Ge-
hörs der weiteren Parteien (Urk. 106; Stellungnahme Anklagebehörde: 108) – mit
Präsidialverfügung vom 26. Mai 2020 (Urk. 109) abgewiesen. Das hernach einge-
hende Dispensationsgesuch des Beschuldigten vom 28. Mai 2020 (Urk. 111)
wurde – nach Gewährung des rechtlichen Gehörs der weiteren Parteien (Urk. 111
S. 2) – demgegenüber mit Präsidialverfügung vom 2. Juni 2020 bewilligt
(Urk. 111 S. 2).
3. Erschienen sind zur heutigen Berufungsverhandlung die erbetene Verteidi-
gung des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. X._ zusammen mit Frau
H._ (aus der gleichen Anwaltskanzlei), und die Vertreterin der Anklagebe-
hörde, Staatsanwältin lic. iur. Heller.
II. Prozessuales
A. Konstituierung Privatklägerschaft
1. Die Verteidigung machte vor Vorinstanz geltend, dass nebst der von der Vo-
rinstanz als Privatklägerin bereits ausgeschlossenen B._ AG (hernach
B._) auch die D._ AG (hernach D._) sich im vorliegenden Verfah-
ren nicht als Privatklägerin konstituieren dürfe (Urk. 72 S. 3 u. 29 f.). Sie beruft
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sich dabei darauf, dass die D._ weder gestützt auf die Anklage noch gestützt
auf tatsächliche Umstände einen Schaden vergegenwärtige.
2. Einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 81 E. IX. D.) wurde
die D._ hinsichtlich des Vorwurfs der ungetreuen Geschäftsbesorgung in ih-
rem Vermögen nicht unmittelbar geschädigt, weil sie lediglich als Gläubigerin der
– demgegenüber unmittelbar geschädigten – B._ AG in Erscheinung trat und
somit nicht Trägerin des geschützten Rechtsguts ist. Gestützt darauf ist sie des-
halb nicht als Privatklägerin zuzulassen. Hinsichtlich des Vorwurfs der Urkunden-
fälschung ist die D._ demgegenüber als unmittelbar Geschädigte im Sinne
von Art. 115 StPO zu behandeln, weil die Verwendung der gefälschten Urkunde
vorliegend laut der Anklage zum Zwecke der Absicherung des bereits gewährten
Kredits bzw. der Auszahlung weiterer Kredite gegenüber ihr gedient habe. Die
entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz erweisen sich als zutreffend, wes-
halb vollumfänglich darauf verwiesen werden kann (Urk. 81 E. 1.3.). Demnach
kann sich die D._ im vorliegenden Verfahren als Privatklägerin gemäss
Art. 118 ff. StPO konstituieren.
B. Anklagegrundsatz
1. Ausserdem bemängelte die Verteidigung im Rahmen der Vorfragen auch vor
Berufungsinstanz, dass vorliegend der Anklagegrundsatz gemäss Art. 325 Abs. 1
lit. f StPO verletzt werde, weil die Informationsfunktion der Anklageschrift fehle,
indem insbesondere keine Zuordnung der Beweismittel zu den diversen Anklage-
vorwürfen erfolge, was es dem Beschuldigten verunmögliche, sich sinnvoll zu ver-
teidigen. Deshalb müsse die Anklage nur schon aus diesem Grund zurückgewie-
sen werden (Urk. 72 S. 2 f.). Sodann fehle es der Anklageschrift an Objektivität.
Sie sei subjektiv und lese sich so, als wäre die Staatsanwaltschaft von Beginn
weg voreingenommen gewesen (Urk. 113 S. 2 ff.).
2. Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand
des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 29
Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK). Das Ge-
richt ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden (Immuta-
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bilitätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebe-
hörde (Art. 350 StPO). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last ge-
legten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe
in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Der Anklage-
grundsatz bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldig-
ten Person und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion;
Urteil 6B_997/2019 vom 8. Januar 2020 E. 2.3.; BGE 141 IV 132 E. 3.4.1; 140 IV
188 E. 1.3; je mit Hinweisen). Unter dem Gesichtspunkt der Informationsfunktion
muss die beschuldigte Person aus der Anklage ersehen können, wessen sie an-
geklagt ist. Dies bedingt eine zureichende Umschreibung der Tat. Entscheidend
ist, dass die beschuldigte Person genau weiss, welcher konkreten Handlungen sie
beschuldigt und wie ihr Verhalten rechtlich qualifiziert wird, damit sie sich in ihrer
Verteidigung richtig vorbereiten kann. Sie darf nicht Gefahr laufen, erst an der Ge-
richtsverhandlung mit neuen Anschuldigungen konfrontiert zu werden (vgl. BGE
103 Ia 6 E. 1b; Urteile 6B_492/2015 vom 2. Dezember 2015 E. 2.2, nicht publi-
ziert in: BGE 141 IV 437; 6B_1151/2015 vom 21. Dezember 2016 E. 2.2; je mit
Hinweisen). Zu den gesetzlichen Merkmalen der strafbaren Handlung gehören
neben den Tatbestandsmerkmalen die Schuldform (sofern vorsätzliches und fahr-
lässiges Verhalten strafbar ist), die Teilnahmeform (Mittäterschaft, Anstiftung, Ge-
hilfenschaft) sowie die Erscheinungsform (Versuch oder vollendetes Delikt) und
allfällige Konkurrenzen. Die tatsächlichen Umstände der Tat – Zeit, Ort, Art der
Begehung und Form der Mitwirkung, angestrebter oder verwirklichter Erfolg (ein-
schliesslich Kausalzusammenhang) – sind anzugeben und die einzelnen rechtli-
chen Elemente des Delikts hervorzuheben. Solange für die beschuldigte Person
klar ist, welcher Sachverhalt ihr vorgeworfen wird, kann auch eine fehlerhafte und
unpräzise Anklage nicht dazu führen, dass es zu keinem Schuldspruch kommen
darf. Entscheidend ist, dass für die beschuldigte Person keine Zweifel darüber
bestehen, welches Verhalten ihr vorgeworfen wird. Die nähere Begründung der
Anklage erfolgt an Schranken; es ist Sache des Gerichts, den Sachverhalt ver-
bindlich festzustellen (Urteil 6B_894/2016 vom 14. März 2017 E. 1.1.1 mit Hinwei-
sen; Urteil 6B_18/2017 vom 17. Mai 2017 E. 1.2.; Urteil 6B_228/2017 vom 4. Juli
2017 E. 2.3.). Gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO hat die Anklageschrift möglichst
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kurz aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Be-
schreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung zu bezeich-
nen. Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO geht von einer auf das absolut Wesentliche be-
schränkten Tatumschreibung aus (SCHMID/JOSITSCH, SCHWEIZERISCHE STRAFPRO-
ZESSORDNUNG, PRAXISKOMMENTAR, 3. A., Zürich 2018, Art. 325 StPO N 7). Die
Formulierung "möglichst kurz, aber genau" soll zum Ausdruck bringen, dass die
Anklageschrift keine längeren Sachverhaltsumschreibungen mit Hinweisen auf die
Beweislage enthalten sollen. Die Anklage hat deshalb nur zu behaupten, nicht in-
dessen zu beweisen. Dem Beweis dienen die Akten und Beweisabnahmen an der
Hauptverhandlung (BSK STPO II-HEIMGARTNER/NIGGLI, Art. 325 StPO N 19;
LANDSHUT/BOSSHARD IN: DONATSCH/HANSKJAKOB/LIEBER (HRSG.), KOMMENTAR ZUR
SCHWEIZERISCHEN STRAFPROZESSORDNUNG, 2. A., Zürich 2014, Art. 325 StPO N 2).
3. Einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 81 E. III. c-e) ist vor-
liegend festzuhalten, dass in der Anklage die Voraussetzungen an den Anklage-
grundsatz rechtgenügend gewahrt werden. Durch den Umstand, dass in der An-
klageschrift keine Beweismittel und keine den Beschuldigten entlastende Um-
stände erwähnt werden, wird das Anklageprinzip nicht verletzt, sondern dies ent-
spricht vielmehr den Vorgaben der Strafprozessordnung. Selbst der von der Ver-
teidigung zitierte Bundesgerichtsentscheid hält abschliessend fest, dass der
eigentliche Beweis des dargestellten Sachverhalts in der Hauptverhandlung zu
führen sei und nicht in der Anklageschrift (BGE 120 IV 348 E. 3.e). Vorliegend
wurde seitens der Anklagebehörde im Rahmen der Schlusseinvernahme vom
17. August 2017 bzw. im entsprechenden bei den Akten liegenden Protokoll
(Urk. 50101167) in den Fussnoten sogar darauf hingewiesen, auf welche Be-
weismittel sie sich jeweils stützt. Vor diesem Hintergrund geht der Einwand der
Verteidigung, dass sich der Beschuldigte nicht gehörig verteidigen könne, so oder
anders fehl. Auch wenn sich die Anklageschrift – erneut einhergehend mit der
Auffassung der Verteidigung (Urk. 81 E.III. e) – vorliegend als durchaus komplex
erweist, spricht dies ebenso wenig gegen die Möglichkeit einer gehörigen Vertei-
digung des rechtsanwaltlich vertretenen Beschuldigten. Was schliesslich ihren
Einwand der fehlenden Objektivität anbelangt, so scheint die Verteidigung zu ver-
kennen, dass die Staatsanwaltschaft nach Abschluss des Untersuchungsverfah-
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rens und mit der Anklageerhebung zur Partei wird (Art. 104 Abs. 1 lit. c StPO). In
diesem Verfahrensstadium ist sie nicht mehr zur Unparteilichkeit, mithin zur Ob-
jektivität, verpflichtet und hat grundsätzlich die Anklage zu vertreten (BGE 141 IV
178 E. 3.2.2).
C. Teilrechtskraft
1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-
sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche
Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Auch wenn das
Berufungsgericht nur die angefochtenen Punkte neu beurteilt, fällt es am Ende ein
insgesamt neues Urteil (Art. 408 StPO), worin es jedoch anzugeben hat, welche
Punkte bereits früher in Rechtskraft erwachsen sind (Urteil des Bundesgerichtes
6B_533/2016 vom 29. November 2016 E. 4.2 mit Hinweisen).
2. Entsprechend den Anträgen des Beschuldigten (Urk. 83; Urk. 113 S. 2) und
der Anklagebehörde (Urk. 86; Urk. 112 S. 3) ist vorab festzustellen, dass das Ur-
teil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 28. Februar 2018 hinsichtlich
der Dispositiv-Ziffern 7 (Entfernung B._ aus Rubrum), 10 (Aufhebung Konto-
sperre D._) und 15 (Abweisung Prozessentschädigung D._) in Rechts-
kraft erwachsen ist, was mittels Beschluss festzustellen ist.
III. Materielles
A. Anklagevorwurf
Der Anklagevorwurf ergibt sich aus der Anklageschrift und ihren Ergänzungen,
auf welche vorab verwiesen wird (Urk. 00101029; Urk. 43; Urk. 57). Die Begrün-
dung der Anklage geht aus den Ausführungen seitens der Staatsanwaltschaft an-
lässlich der Berufungsverhandlung hervor (Urk. 112 S. 4 ff.).
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B. Standpunkt des Beschuldigten
Seitens des Beschuldigten und seiner Verteidigung wird der Anklagesachverhalt –
insoweit strafrechtlich von Relevanz – unverändert bestritten (Urk. 68 S. 5;
Urk. 72; Urk. 113 S. 6 ff.). Soweit einzelne sich aus der Anklageschrift ergebende
Tatsachen anerkannt werden, ist darauf im Rahmen der nachfolgenden Erwägun-
gen einzugehen.
C. Abgrenzung Veruntreuung - Ungetreue Geschäftsbesorgung
1. Eine Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB begeht, wer
ihm anvertraute Vermögenswerte in seinem oder eines anderen Nutzen verwen-
det aneignet, um sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern. Als
anvertraut gilt, was jemand mit der Verpflichtung empfängt, es in bestimmter Wei-
se im Interesse des Treugebers zu verwenden, insbesondere es zu verwahren, zu
verwalten oder einem anderen abzuliefern (BGE 133 IV 21 E. 6.2 mit Hinweisen).
Die Veruntreuung nach Art. 138 Ziff. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf
Jahren oder Geldstrafe geahndet.
2. Den Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung nach Art. 158 Ziff. 1
Abs. 1 StGB erfüllt, wer aufgrund des Gesetzes, eines behördlichen Auftrages
oder eines Rechtsgeschäfts damit betraut ist, Vermögen eines andern zu verwal-
ten oder eine solche Vermögensverwaltung zu beaufsichtigen, und dabei unter
Verletzung seiner Pflichten bewirkt oder zulässt, dass der andere am Vermögen
geschädigt wird. Handelt der Täter in der Absicht, sich oder einen andern un-
rechtmässig zu bereichern, so kann auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf
Jahren erkannt werden (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB).
3. Pflichtwidrige Vermögensdispositionen im Rahmen der Organtätigkeit fallen
nach der Rechtsprechung grundsätzlich unter den Tatbestand der ungetreuen
Geschäftsbesorgung, wenn die Gesellschaft dadurch geschädigt wird. Dies wird
damit begründet, dass das Organ einer Aktiengesellschaft in Bezug auf die Ge-
sellschaft nicht ein Dritter, sondern Teil der Gesellschaft ist. Es empfängt nicht
Gesellschaftsvermögen, um dieses im Interesse der Gesellschaft zu verwalten
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(Urteile 6B_326/2012 vom 14. Januar 2013 E. 2.5.2.; 6B_609/2010 vom 28. Feb-
ruar 2011 E. 4.2.2; 6B_446/2010 vom 14. Oktober 2010 E. 6.3). Das bedeutet in-
des nicht, dass eine Person mit Organstellung am Gesellschaftsvermögen keine
Veruntreuung begehen kann (SCHMID, Zur Frage der Abgrenzung der Veruntreu-
ung [Art. 140 StGB] zur ungetreuen Geschäftsführung [Art. 159 StGB], SJZ 68
[1972], S. 118 ff.). Der Tatbestand der Veruntreuung gemäss Art. 138 StGB geht
nach Rechtsprechung und herrschender Lehre dem Tatbestand der ungetreuen
Geschäftsbesorgung in Bereicherungsabsicht im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1
und Abs. 3 StGB im Falle der Konkurrenz stets vor (Urteile 6B_1161/2013 vom
14. April 2014 E. 2.3.1.; 6B_326/2012 vom 14. Januar 2013 E. 2.5.3;
6B_446/2011 vom 27. Juli 2012 E. 5.4.2; 6B_446/2010 vom 14. Oktober 2010
E. 4.5.1, jeweils mit Hinweisen; BSK STGB II-NIGGLI/RIEDO, Art. 138 StGB N 211
mit Hinweisen). Demnach ist vorliegend zuerst zu prüfen, ob sich der Beschuldig-
te der eventuell angeklagten Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2
StGB strafbar gemacht haben könnte.
D. Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB
Vorliegend ist erwiesen, dass der Beschuldigte gemäss Handelsregisterauszug
seit 6. November 2015 als einzelzeichnungsberechtigter Verwaltungsratspräsi-
dent der B._ fungierte (Urk. 30101023). Als solcher soll er den ihm vorgewor-
fenen Schaden im Rahmen seiner ihm aufgrund Art. 707 ff. OR zukommenden
Organtätigkeit verursacht haben, indem er ohne Gegenleistung/Sicherheit die
Zahlung von EUR 3 Mio. aus dem Vermögen der B._ veranlasst habe. Er soll
damit im Lichte der erwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung und einher-
gehend mit der zutreffenden Auffassung der Vorinstanz (Urk. 81 E. IV. B.c) die
fragliche Transaktion als organisatorischer Teil der B._ – und nicht etwa als
Aussenstehender – vorgenommen haben, weshalb die Prüfung einer Veruntreu-
ung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB bereits deshalb ausser Betracht fällt.
Überdies lässt sich auch keine Bereicherungsabsicht des Beschuldigten erstellen
(s. nachstehend unter E. E.6.; entsprechend die zutreffende Auffassung der Vor-
instanz: Urk. 81 E. III. B.d), weshalb eine Veruntreuung durch den Beschuldigten
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mangels Vorliegens dieses zwingenden Tatbestandselements auch aus diesem
Grund nicht in Frage kommt.
E. Ungetreue Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
1. Vorbemerkung
Demnach ist zu prüfen, ob der Beschuldigte durch sein Verhalten den Tatbestand
der ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 (allenfalls in
Verbindung mit Abs. 3) StGB erfüllt: Wer aufgrund des Gesetzes, eines behördli-
chen Auftrages oder eines Rechtsgeschäfts damit betraut ist, Vermögen eines
andern zu verwalten oder eine solche Vermögensverwaltung zu beaufsichtigen,
und dabei unter Verletzung seiner Pflichten bewirkt oder zulässt, dass der andere
am Vermögen geschädigt wird, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder
Geldstrafe bestraft (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Handelt der Täter in der Absicht,
sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, so kann auf Freiheitsstrafe
von einem Jahr bis zu fünf Jahren erkannt werden (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB).
In subjektiver Hinsicht wird verlangt, dass der Täter vorsätzlich handelt, wobei
Eventualvorsatz genügt.
2. Geschäftsführereigenschaft
2.1. Im Allgemeinen
Hinsichtlich der Prüfung der Geschäftsführereigenschaft sind fünf Voraussetzun-
gen massgebend: Dass der Geschäftsführer fremdes Vermögen verwaltet, dass
er dies in fremdem Interesse tut, dass er bei dieser Tätigkeit über ein hohes Mass
an Selbständigkeit verfügt, dass seine Pflichten gerade auf die Wahrnehmung
fremder Vermögensinteressen gerichtet sind und dass es sich dabei um Vermö-
gensinteressen von einigem Gewicht handelt (vgl. dazu BSK STGB II-NIGGLI,
Art. 158 StGB N 13 ff.).
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2.2. Verwaltung fremden Vermögens
2.2.1. Insoweit und insofern der Täter eigenes Vermögen verwaltet, trifft ihn keine
Treuepflicht, weshalb die Existenz von fremdem Vermögen Tatbestandsvoraus-
setzung bildet (BSK STGB-NIGGLI, Art. 158 StGB N 15).
2.2.2. Dass es sich beim in Frage stehenden Vermögen nicht um das eigene des
Beschuldigten gehandelt hat, ist vorliegend evident, weshalb es sich dabei um ein
dem Beschuldigten fremdes Vermögen handelte.
2.2.3. Angriffspunkt der Verteidigung ist vorliegend indes die Verwaltungsbefug-
nis des Beschuldigten hinsichtlich des fremden Vermögens, welche in Frage ge-
stellt wird, weil der Beschuldigte bzw. die B._ lediglich als "Geldweiterlei-
tungsstelle" fungiert hätten und es sich dabei um Gelder der D._ und nicht
um solches der B._ gehandelt habe (Urk. 72 S. 10, 15, 17 u. 22; Urk. 113
S. 6-8). Insoweit sich die Verteidigung hierbei auf die Rechtsprechung und Lehre
zur Einpersonen-Aktiengesellschaft bezieht (Urk. 72 S. 17; Urk. 113 S. 6 f.; BSK
STGB II-NIGGLI, Art. 158 StGB N 16 m.w. H., sowohl 3. wie 4. Auflage), kann –
einhergehend mit der zutreffenden Auffassung der Vorinstanz (Urk. 81 E. IV. C.d)
– festgehalten werden, dass es dabei um die Grenzziehung zwischen dem Ver-
mögen der Gesellschaft und Vermögen des einzigen Gesellschafters geht, welche
schwieriger zu ziehen ist, als bei einer Mehrpersonen-Aktiengesellschaft wie der
B._. Deren Vermögen beschränkt sich deshalb bereits aus diesem Grund
nicht auf das Grundkapital und die gebundenen Reserven wie es hinsichtlich der
Einpersonen-Aktiengesellschaft diskutiert wird.
2.2.4. Auch die Berufung der Verteidigung auf den Entscheid BGE 97 IV 10 ff.
(insb. E. 4 i.f.) des Bundesgerichts, wonach nicht das Vermögen möglicher Gläu-
biger dem Täter anvertraut sei, sondern bloss dasjenige der Aktiengesellschaft
selbst (Urk. 72 S. 17), ist vorliegend nicht von Relevanz. Diesbezüglich massge-
bend ist nämlich der zwischen der B._ und der D._ abgeschlossene
Kreditrahmenvertrag vom 17. November 2015 (Urk. 50101014). Dieser – schwei-
zerischem materiellem Recht unterstehende (vgl. Ziff. 11 des Kreditrahmenver-
trags) – Rahmenkreditvertrag (hernach Rahmenkreditvertrag) ist zivilrechtlich als
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Darlehensvertrag gemäss Art. 312 ff. OR zu qualifizieren. Daraus folgt, dass die
B._ an den ihr seitens der D._ übertragenen Geldern gestützt auf
Art. 312 OR Eigentum im Sinne von Art. 641 ff. ZGB erwirkte (entsprechend auch
die zutreffende Schlussfolgerung der Vorinstanz: Urk. 81 E. IV. C.3.3.3.z). Etwas
anderes ergibt sich weder aus der Zweckbestimmung der übereigneten Gelder
(vgl. Ziff. 3 des Rahmenkreditvertrags), den übrigen Bestimmungen des Rahmen-
kreditvertrags noch aus dem Umstand, dass die Kreditsumme vorliegend durch
verpfändete Sicherheiten seitens mehrerer Investoren gesichert war. Deshalb
handelte es sich um Gelder der B._ und nicht der D._ oder einer Dritt-
person, über welche der Beschuldigte verfügte, indem er diese der I._ LLC
(J._/USA) (hernach I._) übereignete. Auch wenn in technischer Hinsicht
die Frage nach dem Zweck der Involvierung der B._ in den Investmentpro-
zess durchaus legitim erscheint, ist sie bei der hier zu beurteilenden Frage nach
der Zuordnung der in Frage stehenden Gelder zur B._ und der Fremdheit
dieses Vermögens für den Beschuldigten unerheblich. Massgebend ist, dass der
Beschuldigte vorliegend mit der Verwaltung des Vermögens der B._, und
somit mit ihm fremden Geldern befasst war.
2.3. Handeln in fremdem Interesse
2.3.1. Weiter wird vorausgesetzt, dass der Täter das fremde Vermögen auch in
fremdem Interesse verwaltet (BSK STGB-NIGGLI, Art. 158 StGB N 17).
2.3.2. Der Beschuldigte hatte vorliegend fremde Interessen, und zwar diejenigen
der B._, zu wahren. Deshalb ist auch diese Voraussetzung hinsichtlich der
Prüfung der Geschäftsführereigenschaft des Beschuldigten als erfüllt anzusehen.
2.4. Hohes Mass an Selbständigkeit
2.4.1. Eine weitere Voraussetzung besteht im Kriterium der Selbständigkeit (BGE
120 IV 190 E.2b), weil gerade das Fehlen von Kontrolle und Überwachung den
strafrechtlichen Schutz rechtfertigt (TRECHSEL, PRAXISKOMMENTAR SCHWEIZERI-
SCHES STRAFGESETZBUCH, 3. Auflage, Zürich 2018, Art. 158 StGB N 4 m.w.H. u.
6). Generell kommt den Organen von Handelsgesellschaften Geschäftsführerstel-
lung zu (BGE 100 IV 113).
- 16 -
2.4.2. Der Beschuldigte war in der massgebenden Zeit Verwaltungsratspräsident
der B._ mit Einzelzeichnungsberechtigung (Urk. 30101023). Gemäss Art.
716 Abs. 2 OR führt der Verwaltungsrat die Geschäfte der Gesellschaft, soweit er
die Geschäftsführung nicht ganz oder zum Teil an einzelne Mitglieder oder an
Dritte (Art. 716b Abs. 1 OR) übertragen hat. Eine derartige Übertragung seiner
Kompetenzen ist vorliegend nicht erkennbar (s. dazu insbesondere auch nach-
stehend unter E. 3.2.2.-3.2.3.), weshalb der Beschuldigte als Verwaltungsrat ein
Organ der B._ und mit der Geschäftsführung der B._ beauftragt war.
Angesichts seiner Einzelzeichnungsberechtigung war er zudem zur selbständi-
gen, unkontrollierten Verfügung über wesentliche Vermögenswerte der B._
befugt.
2.4.3. Insoweit die Verteidigung mit der Behauptung, beim Beschuldigten habe es
sich nur um eine Randfigur im gesamten Investmentprozess gehandelt (Urk. 72
S. 9 ff.), darauf zielt, dass dieser deshalb unselbständig gehandelt habe, erweist
sie sich als haltlos. So ist erstellt, dass der Beschuldigte als Verwaltungsratsprä-
sident der B._ – wie bereits erwähnt – über weitreichende Befugnisse verfüg-
te und das Geschäft erheblich mitprägte, auch wenn jenes über weite Strecken
seitens der Verantwortlichen der D._ oder der K._ AG (hernach
K._) aufgegleist wurde. Abgesehen davon erachtete das Bundesgericht den
Strohmann, der sich benutzen lässt und sich von einem Mächtigeren sein Verhal-
ten vorschreiben lässt, nicht von seiner Verantwortung als formeller Geschäftsfüh-
rer befreit (BGE 105 IV 106 E.2.; TRECHSEL, PRAXISKOMMENTAR STGB, a.a.O.,
Art. 158 StGB N 5). Folglich ist auch das erforderliche hohe Mass an Selbständig-
keit bei der Verwaltung des fremden Vermögens beim Beschuldigten – so oder
anders – als gegeben zu erachten.
2.5. Pflicht zur Wahrung fremder Vermögensinteressen
2.5.1. Vorausgesetzt wird ferner, dass der Täter dem Berechtigten gegenüber zu
besonderer Treue verpflichtet ist (BSK STGB II-NIGGLI, Art. 158 StGB N 12).
2.5.2. Der Beschuldigte war aufgrund seiner Stellung bei der B._ klarerweise
verpflichtet, deren Vermögensinteressen zu wahren. Diese Pflicht war gerade ein
- 17 -
typischer und wesentlicher Bestandteil seiner Aufgaben (s. dazu auch nachste-
hend unter E. 3.1.-3.2.). Der unter Berufung auf den Entscheid des Bundesge-
richts BGE 120 IV 190 ff. erfolgte Einwand der Verteidigung, wonach nicht jede
Pflicht zur Wahrung fremder Vermögensinteressen auch eine Vermögensfürsor-
gepflicht darstelle, was sich vorliegend daran zeige, dass der Beschuldigte ledig-
lich gemäss den Absprachen zwischen der D._ und der K._ tätig ge-
worden sei bzw. er in seinem Handeln als Geschäftsführer von mehreren Seiten
so stark beeinflusst worden sei, dass er faktisch keine Geschäftsführerstellung in-
negehabt habe (Urk. 72 S. 16 f.; Urk. 113 S. 9 f., 19 ff.), geht deshalb fehl.
2.6. Vermögensinteressen von einigem Gewicht
2.6.1. Schliesslich wird gefordert, dass es um Vermögensinteressen von einigem
Gewicht geht, was bis zu einem gewissen Grad nichts anderes darstellt als die
Kehrseite seiner selbständigen und nicht gerade untergeordneten Stellung (BSK
STGB II-NIGGLI, Art. 158 StGB N 51).
2.6.2. Vorliegend nahm der Beschuldigte Vermögensinteressen in Millionenhöhe
wahr, weshalb auch dieses letzte Erfordernis für die Annahme einer Geschäfts-
führereigenschaft gegeben ist.
2.7. Wissen und Willen als Geschäftsführer zu handeln
Die Auffassung der Vorinstanz, dass die gesamten Umstände keinen anderen
Schluss zulassen, dass der Beschuldigte um seine Position als geschäftsführen-
der Verwaltungsrat wusste und diese auch wollte (Urk. 81E. IV. C.2.f), erweist
sich als zutreffend. Richtigerweise hob die Vorinstanz in diesem Zusammenhang
hervor, dass der Beschuldigte beruflich seit Jahren für diverse Firmen als Verwal-
tungsrat tätig war und damit über entsprechende Erfahrung verfügte (Urk. 81
E. IV. C.2.f). So bestätigte der Beschuldigte denn auch anlässlich der vorinstanz-
lichen Hauptverhandlung, dass er zwischen 2008 bis 2012 bei rund 36 Gesell-
schaften als Verwaltungsrat fungierte und seinen Lebensunterhalt damals wie
später ausschliesslich durch Verwaltungsratsmandate finanziert habe, auch wenn
er die Anzahl der Mandate im Laufe der Jahre auf etwa 15 bis 20 reduziert habe
(Urk. 68 S. 5 f.). Angesichts der im angeklagten Deliktszeitpunkt bereits beste-
- 18 -
henden jahrelangen Erfahrung als professioneller Verwaltungsrat wusste der Be-
schuldigte um die Tragweite seiner Verantwortung als geschäftsführender Verwal-
tungsrat auch bei der B._.
3. Verletzung einer damit zusammenhängenden Pflicht
3.1. Rechtliche Grundlagen im Allgemeinen
Ferner wird gefordert, dass der Täter gerade die Pflichten verletzt, die ihn generell
als Geschäftsführer und im Besonderen hinsichtlich des fraglichen Geschäfts tref-
fen (BGE 120 IV 190 E.2b ; BSK STGB II-NIGGLI, Art. 158 StGB N 124 ff.). Die
entsprechenden Pflichten ergeben sich aus dem jeweiligen Grundverhältnis (Urteil
des Bundesgerichts 6B_708/2019 vom 12. November 2019 E. 5.3.1.). Massge-
bend sind insbesondere gesetzliche und vertragliche Bestimmungen, Statuten,
Reglemente oder Beschlüsse der Generalversammlungen, der Gesellschafts-
zweck oder branchenspezifische Usanzen (TRECHSEL, PRAXISKOMMENTAR STGB,
a.a.O., Art. 158 StGB N 9 m.w.H.). Tätigkeiten, die sich im Rahmen einer ord-
nungsgemässen Geschäftsführung halten, sind nicht tatbestandsmässig, selbst
wenn die geschäftlichen Dispositionen zu einem Verlust führen (Urteile des Bun-
desgerichts 6B_708/2019 vom 12. November 2019 E. 5.3.1.; 6B_824/2011 vom
17. August 2012 E. 4.2; 6B_446/2010 vom 14. Oktober 2010 E. 8.2 und 8.4
m.w.H.). Pflichtwidrig ist demgegenüber die Geschäftsführung, mittels welcher Ri-
siken eingegangen werden, die ein umsichtiger Geschäftsführer in derselben Si-
tuation nicht eingehen würde (BGer 6B_825/2010 vom 27. April 2011 E. 5.3.).
3.2. Rechtliche Grundlagen im Konkreten
3.2.1. Vorliegend ergeben sich die Pflichten des Beschuldigten gegenüber der
B._ in Ermangelung eines (mündlichen oder schriftlichen) Mandats- oder Ar-
beitsvertrags (vgl. die entsprechenden Aussagen des Beschuldigten:
Urk. 50101096 S. 7) – einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 81
E. IV. C.3.2.) – aus mehreren Gesetzesbestimmungen, nämlich Art. 716a OR;
Art. 717 OR sowie Art. 398 Abs. 2 OR. Seitens der Vorinstanz wurden die sich
aus diesen Gesetzesbestimmungen fliessenden Pflichten unter Berücksichtigung
massgebender Rechtsprechung und Lehrmeinungen ausführlich und zutreffend
- 19 -
wiedergegeben (Urk. 81 E. IV. C.3.2.a-d u. f-g), weshalb vollumfänglich darauf
verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO). Hervorzuheben ist, dass dem Ver-
waltungsrat gemäss Art. 716a Abs. 1 Ziff. 3 OR unter anderem die – gemäss dem
gesetzgeberischen Willen unübertragbare und unentziehbare – Finanzverantwor-
tung des Unternehmens obliegt. Die finanzielle Unternehmensführung umfasst die
gesamte Planung, Gestaltung und Überwachung der finanzwirtschaftlichen Be-
lange im Unternehmen, mit dem Ziel, den Erfolg des Unternehmens nachhaltig zu
sichern. Dabei gehören insbesondere die Sicherung der Liquidität, das Streben
nach Rentabilität, Sicherheit, Unabhängigkeit und Flexibilität zu den Zielsetzun-
gen (ROLAND MÜLLER / LORENZ LIPP / ADRIAN PLÜSS, Der Verwaltungsrat, 4. A., Zü-
rich 2014, S. 178 f.). Auch wenn der Verwaltungsrat die damit zusammenhängen-
den Tätigkeiten nicht selbst zu erledigen hat, trägt er gestützt auf Art. 716a Abs. 1
Ziff. 2 OR die Verantwortung dafür, dass die entsprechenden Aufgaben in der
Gesellschaft wahrgenommen werden, was mit der Festlegung der Organisation
erfolgt, wobei die Verantwortlichkeit für die Finanzkontrolle beim Verwaltungsrat
verbleibt (BSK OR II-WATTER/ROTH PELLANDA, Art. 716a OR N 17). Gestützt auf
den Gesellschaftszweck der B._ wird ferner deutlich, dass der Beschuldigte
insbesondere ihre Vermögensinteressen zu wahren hatte, bestand ihr Zweck ge-
mäss Handelsregisterauszug doch hauptsächlich in der "Verwaltung eigenen
Vermögens, insbesondere aus dem Finanzbereich" (Urk. 30101023). Klarerweise
oblag dem Beschuldigten gegenüber der B._ deshalb eine tatbestandsmäs-
sige Vermögensfürsorgepflicht (vgl. zum Begriff auch: BSK STGB II-NIGGLI, Art.
158 StGB N 12).
3.2.2. Daran vermag auch die in Art. 716b Abs. 1 OR vorgesehene Möglichkeit,
dass die Statuten den Verwaltungsrat ermächtigen können, die Geschäftsführung
nach Massgabe eines Organisationsreglements ganz oder zum Teil an einzelne
Mitglieder oder an Dritte zu übertragen, nichts zu ändern. Die gesellschaftsrechtli-
chen Rechtswirkungen dieser Delegation ergeben sich aus Art. 754 Abs. 2 OR,
wo festgehalten wird, dass der Delegierende bei einer befugten Delegation für
den vom Delegationsempfänger verursachten Schaden haftet, sofern er nicht
nachweist, dass er bei der Auswahl, Unterrichtung und Überwachung die nach
den Umständen gebotene Sorgfalt angewendet hat (BGE 122 III 195 E. 3.a). Die-
- 20 -
se Haftungserleichterung setzt somit eine befugte Delegation voraus, hinsichtlich
welcher die formellen Voraussetzungen (Ermächtigungsklausel in den Statuten,
Organisationsreglement) eingehalten wurden (vgl. ANDREAS DONATSCH, Aspekte
der ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 StGB in der Aktien-
gesellschaft unter besonderer Berücksichtigung der Delegation von Kompetenzen
durch den Verwaltungsrat, in: ZStrR 1/2002, S. 11; ROLAND MÜLLER / LORENZ LIPP /
ADRIAN PLÜSS, a.a.O., S. 174 f. m.w.H.; BSK OR II-WATTER/ROTH PELLANDA,
Art. 716b OR N 4 f. u. 17 jeweils m.w.H.). Mangels Vorliegens von Statuten oder
eines Organisationsreglements der B._ fehlt es vorliegend bereits an funda-
mentalen Voraussetzungen für eine zulässige Delegation der Geschäftsführung
an einzelne Mitglieder des Verwaltungsrates oder Drittpersonen. Deshalb ergibt
sich aus dieser Delegationsnorm keine Begrenzung der Verantwortlichkeit des
Beschuldigten. Auch das Vorbringen der Verteidigung, wonach die Verantwortung
für den Deal bei C._ bzw. der K._ sowie der D._ liege und nicht
beim Beschuldigten, welcher das Geld lediglich weitergeleitet habe und bei der
Planung und Organisation des Investments keine Rolle gespielt habe (Urk. 72 S.
4 ff.: Prot. I S. 9 ff.; Urk. 113 S. 9 ff. u. 19 ff.) und dass der Beschuldigte sich auf
diese Personen habe verlassen dürfen (Prot. I. S. 9 f.; Urk. 113 S. 12 ff. u. 19 ff.),
verfängt nicht. So mangelt es bereits an einer rechtsgültig erfolgten Delegation,
sollte davon ausgegangen werden, dass die entsprechende Kompetenz zur
Durchführung des Deals im Lichte der Unübertragbarkeit und Unentziehbarkeit
der Aufgabe gemäss Art. 716a Abs. 1 OR überhaupt hätte delegiert werden kön-
nen, was angesichts der involvierten Vermögensinteressen stark zu bezweifeln
ist. Lediglich ergänzend ist zu erwähnen, dass auch im Falle einer zulässigen De-
legation von Aufgaben und Kompetenzen der Verwaltungsrat und somit (auch)
der Beschuldigte dafür verantwortlich ist, dass der Delegationsempfänger über die
notwendigen Fähigkeiten zur Erfüllung dieser Aufgabe verfügt. Ihm obliegt des-
halb die Pflicht, die Eignung des Beauftragten für seine Aufgabe zu prüfen und
Aufgaben nur an solche Personen zu übertragen, welche zu deren Ausübung in
jeder Hinsicht geeignet sind (cura in eligendo; s. dazu ANDREAS DONATSCH, a.a.O.,
S. 18). Ferner kommt ihm auch die Pflicht zu, darüber zu wachen, dass der Dele-
- 21 -
gationsempfänger die Aufgaben in pflichtgemässer Weise wahrnimmt (cura in
custodiendo; vgl. auch dazu ANDREAS DONATSCH, a.a.O., S. 19 f.).
3.2.3. Bei der internen Delegation von Pflichten des Verwaltungsrats, d.h. eine
solche an einzelne oder mehrere andere Verwaltungsratsmitglieder, ist ergänzend
darauf hinzuweisen, dass eine blosse Arbeitsteilung, um die kaum ein Verwal-
tungsrat herumkommt, nicht zu einer Beschränkung der gesellschaftsrechtlichen
Haftung führt (ROLAND MÜLLER / LORENZ LIPP / ADRIAN PLÜSS, a.a.O., S. 175 f.). In-
soweit seitens der Verteidigung alternativ vorgebracht wird, die Verantwortung für
den Deal liege unter Ausschluss des Beschuldigten beim ebenfalls als Verwal-
tungsrat der B._ fungierenden L._ (Urk. 72 S. 19 f.; Urk. 113 S. 10, 12 f.,
16 f. u. 19), ist dem entgegenzusetzen, dass es vorliegend keine Anzeichen einer
internen Delegation der Verantwortung gibt, welche über eine blosse Arbeitstei-
lung hinausgeht. In diesem Zusammenhang erscheint denn auch aufschlussreich,
dass der Beschuldigte bei der Durchführung des Deals mehrfach in Erscheinung
trat und nebst der Unterzeichnung des Zahlungsauftrages zu Ungunsten der
B._ und zu Gunsten der I._ (s. nachstehend unter E. 3.3.2.) gemäss ei-
genen Angaben von einer Partnerschaft zwischen L._, C._, M._
und ihm bei der B._ ausging, innerhalb welcher die Anlageentscheide ge-
meinsam getroffen worden seien (Urk. 50101096 S. 6). Die Begründung für die
grösste – 50 prozentige – Beteiligung von L._ sei dabei nicht dessen Domi-
nanz, sondern der Umstand gewesen, dass er die Kontakte gebracht habe, um
die Geschäfte abwickeln zu können (Urk. 50101065 S. 5; Urk. 50101096 S. 5 f.)
bzw. er dies als Bedingung gestellt habe (Urk. 68 S. 7). Weiter war auch dem Be-
schuldigten klar, dass nicht nur L._ sondern auch er selbst Einzelunterschrift
für die B._ hatte (Urk. 50101096 S. 6). Ferner räumte der Beschuldigte ein,
dass er N._ – den Kontaktmann zu O._ – zusammen mit L._ ken-
nengelernt hat (Urk. 50101065 S. 8), Gespräche mit den Investoren führte (Urk.
50101001 S. 19 f.), für die B._ die Pfand-und Kreditrahmenverträge mit der
D._ und den Investoren unterzeichnet hat (Urk. 50101001 S. 17), letztere in
den Tagen vor der Auslösung des Zahlungsauftrags anschrieb (s. nachstehend
unter E. 3.3.7.2.) und gegenüber der D._ am 21. Dezember 2015 bestätigte,
dass die anlässlich der Sitzung vom 14. Dezember 2015 versprochene Bankga-
- 22 -
rantie in Bearbeitung sei (Urk. 50101001 S. 27). Bezeichnend erscheint ausser-
dem der Umstand, dass der Beschuldigte zu Protokoll gab, dass er mit der Zeit
festgestellt habe, dass die D._ das Geschäft nicht verstanden habe
(Urk. 50101001 S. 23). Dies impliziert, dass er selbst das Investment verstanden
hat, was seine entsprechende Involvierung und sein diesbezügliches Engagement
im Investmentprozess nahelegt. Bereits aufgrund dieser Gegebenheiten kann vor-
liegend nicht von einer internen Delegation bei der B._ an L._ (oder ei-
nen anderen Verwaltungsrat) ausgegangen werden, welche die Haftung des Be-
schuldigten begrenzen würde. Der Umstand, dass sowohl der Beschuldigte wie
auch L._ davon ausgingen, dass in erster Linie L._ – und nicht der Be-
schuldigte – für die Durchführung der Investition zuständig war (vgl. dazu die zu-
treffenden Erwägungen der Vorinstanz: Urk. 81 E. IV. C.3.3.3.p), vermag daran
nichts zu ändern. Bemerkenswert ist schliesslich, dass der Beschuldigte – wie
auch C._ - nicht nur Verwaltungsrat der B._ sondern gemäss seiner
Aussage auch der K._ war (Urk. 50101001 S. 3). Der Beschuldigte hätte sich
deshalb umso mehr mit den Details des Investments befassen müssen, hatte er
doch aufgrund seiner Doppelfunktion allfällige unterschiedliche Interessen der
beiden beteiligten juristischen Personen zu prüfen und miteinander zu vereinba-
ren. Unter diesen Gegebenheiten ist auch aus diesem Grund nicht von einer (in-
ternen) Delegation aller mit dem in Frage stehenden Investment im Zusammen-
hang stehenden Entscheidungen an L._ oder einen anderen Verwaltungsrat
auszugehen, welche ferner die Verantwortlichkeit des Beschuldigten zu be-
schränken vermag. Einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 81
E. IV. C.3.3.3.n) ist vorliegend ausserdem erstellt, dass sich der Beschuldigte auf
die Aussagen von L._ verliess, über die MTN-Lizenz zu verfügen, ohne diese
Behauptung zu überprüfen (vgl. Urk. 50101001 S. 9; Urk. 50101065 S. 3 f.), was
ihm aber ohne Weiteres zumutbar und insbesondere angesichts des Volumens
des Investments auch dringend geboten gewesen wäre. Selbst wenn also davon
ausgegangen würde, dass der Beschuldigte die Durchführung des Deals vollstän-
dig an L._ hätte delegieren dürfen, hat er es pflichtwidrig unterlassen, zu prü-
fen, ob der Delegationsempfänger über die notwendigen Fähigkeiten zur Erfüllung
dieser Aufgabe verfügt.
- 23 -
3.2.4. Die allfällige (weitere) Verletzung der Pflichten gegenüber der B._
durch den Beschuldigten ist nachfolgend im Einzelnen zu prüfen.
3.3. Prüfung allfälliger (weiterer) Pflichtverletzungen
3.3.1. Kausalität der Pflichtverletzung
Seitens der Vorinstanz wurde zutreffend erwogen (Urk. 81 E. IV. C.3.3.1.-3.3.2.),
dass dem Beschuldigten in der Anklage letztlich lediglich eine für den Schaden
ursächliche Pflichtverletzung – nämlich die Auslösung des Zahlungstransferauf-
trags im Betrag von EUR 3 Mio. zu Gunsten der I._ und zu Ungunsten der
B._, ohne dass diese gleichzeitig über adäquate Gegen- oder Sicherheits-
leistungen verfügt habe (s. Urk. 43 Rz. 46 u. insb. 51 f.) – vorgeworfen wird.
3.3.2. Auslösung des Zahlungsauftrags
Dass der erwähnte Zahlungsauftrag durch den Beschuldigten ausgelöst wurde, ist
unbestritten (z.B. in Urk. 50101001 S. 20 f. oder Urk. 50101065 S. 15) und des-
halb erstellt.
3.3.3. Auslösung des Zahlungsauftrags als Pflichtverletzung
Die Auslösung dieses Zahlungsauftrags hätte allerdings gemäss der Staatsan-
waltschaft aus diversen Gründen nicht bzw. nicht ohne adäquate Gegen- oder Si-
cherheitsleistungen erfolgen dürfen. Seitens des Beschuldigten bzw. der Verteidi-
gung wird demgegenüber bestritten, dass der Beschuldigte mit der Auslösung
dieser Zahlung eine Pflichtverletzung begangen habe, aufgrund welcher er straf-
rechtlich zur Verantwortung gezogen werden könne. Nachfolgend ist auf diese
eingeklagten pflichtverletzenden Handlungen bzw. (insbesondere) Unterlassun-
gen des Beschuldigten im Einzelnen einzugehen. Vorab kann auf die zutreffenden
umfassenden Erwägungen der Vorinstanz zu den Pflichtverletzungen des Be-
schuldigten, einschliesslich der Erstellung des Sachverhalts hinsichtlich der betei-
ligten natürlichen und juristischen Personen und deren Beziehungs-und Vertrags-
geflecht, verwiesen werden (Urk. 81 E. IV. C.3.3.), insoweit nachstehend nicht
davon abgewichen wird.
- 24 -
3.3.4. Unterlassung sich offensichtlich aufdrängender Abklärungen über das In-
vestment
3.3.4.1. Im Allgemeinen
Seitens der Staatsanwaltschaft wird geltend gemacht, der Beschuldigte habe die
ihn treffende Vermögensfürsorgepflicht ungenügend wahrgenommen (Urk. 43
Rz. 31), indem er bereits sich offensichtlich aufdrängende Abklärungen zum In-
vestment unterlassen habe (Urk. 43 insb. Rz. 32 f. u. 43 f.). In diesem Zusam-
menhang wirft sie dem Beschuldigten diverse – nachstehend zu erörternde – Ver-
säumnisse vor.
3.3.4.2. Fehlende (Aneignung der) Kenntnisse über den MTN-Handel im Gene-
rellen (Urk. 43 Rz. 32 f.)
So habe der Beschuldigte laut der Staatsanwaltschaft weder über die erforderli-
chen Kenntnisse über den MTN-Handel verfügt noch sich diese angeeignet
(Urk. 43 Rz. 32 f.). Der Beschuldigte hat sich laut eigenen Angaben im Rahmen
von intensiven Gesprächen mit L._ informiert, welchem er vertraut habe
(Urk. 50101131 S. 5). Auch habe er sich auf die mündlichen Zusicherungen von
C._ verlassen (Urk. 68 S. 9 f.). Angesichts der extrem hohen in Aussicht ge-
stellten – realitätsfernen – Rendite von bis zu 100% pro Jahr bzw. 6-8% pro Mo-
nat bei fehlendem Verlustrisiko (Urk. 50101001 S. 11; Urk. 50101131 S. 7 ff.) wä-
ren so oder anders eigene vertiefte Abklärungen zum geplanten MTN-Handel
auch aufgrund der sich dadurch erhöhenden anzuwendenden Sorgfalt dringend
geboten gewesen (s. diesbezüglich auch die zutreffenden Erwägungen der Vor-
instanz: Urk. 81 E. IV. C.3.3.3.l). Auch ist augenfällig, dass der Beschuldigte über
die konkreten Erfahrungen von C._ im Zusammenhang mit dem MTN-Handel
keine Auskunft zu erteilen vermochte (vgl. Urk. 68 S. 14). Der Beschuldigte hat
indes lediglich oberflächliche Internetrecherchen zum MTN-Handel durchgeführt
und nicht abgeklärt, ob das von der K._ verkaufte Investment in ein "MTN-
Handelsprogramm" überhaupt existiert (Urk. 68 S. 8 ff.). Durch diese erforderli-
chen, aber unterbliebenen Abklärungen hat der Beschuldigte seine Sorgfalts-
pflichten verletzt.
- 25 -
3.3.4.3. Fehlende (Aneignung der) Kenntnisse über den Inhalt und den Ablauf
des vorliegenden Investments im Speziellen und über die daran Betei-
ligten (insb. I._; O._ und P._) (Urk. 43 Rz. 32 ff. bzw. Rz.
43 f.)
Ferner hat der Beschuldigte auch pflichtwidrig weitere Abklärungen zu den Eck-
werten des Investments, wie nach dem Inhalt, den Basisdaten und den Beteiligten
des (schriftlichen) Vertrags ("Preferred Return Investment Agreement") unterlas-
sen, wie es ihm von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen wird (Urk. 43 Rz. 43 f.).
Dass sich der Beschuldigte einzig auf die mündliche Zusicherung von C._
über die Existenz dieser Investition, die Renditechancen und deren vermeintliche
Sicherheit verlassen und darauf vertraut hat, dass die MTN-Lizenz so geheim sei,
dass sie offiziell verleugnet werde, ergibt sich aus seinen Aussagen
(Urk. 50101064 S. 4; Urk. 68 S. 9 f.; vgl. auch obenstehend unter E. 3.3.4.2.).
Ebenso folgt aus seinen Ausführungen, dass er keine Kenntnis von einem schrift-
lichen Investmentvertrag, dessen Inhalt oder Eckwerten wie beispielsweise, in
welche konkreten MTN-Papiere investiert werden sollte, die dafür anlaufenden
Kosten, die massgebenden Fristen oder Wissen über die Aufteilung erwirtschafte-
ter Gewinne oder Verluste hatte (Urk. 50101001 S. 21; Urk. 50101096 S. 11 ff.;
Urk. 50101114 S. 14; Urk. 68 S. 10). Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptver-
handlung machte der Beschuldigte zwar zuerst geltend, dass er sich bei L._
nach einem schriftlichen Vertrag zwischen der B._ und der I._ erkundigt
gehabt habe bzw. bejahte er die entsprechende Frage des Vorsitzenden (Urk. 68
S. 10). Hernach stiess er diese Aussage dem Sinne nach aber wieder um, indem
er zu Protokoll gab, dass er auch nicht danach fragen könne, wenn er nicht wisse,
dass es einen Vertrag gebe (Urk. 68 S. 10) bzw. gab er bereits im Vorverfahren
an, nicht sagen zu können, dass er explizit nach einem Vertrag gefragt habe
(Urk. 50101096 S. 24). Aus diesem Aussageverhalten des Beschuldigten folgt
ohne Weiteres, dass er sich weder aktiv nach der Existenz eines Vertrages zwi-
schen der B._ und der I._ erkundigte noch sich dafür bzw. für die darin
vorgesehenen Eckwerte des Investments interessierte. Er hat sich demnach auch
diesbezüglich vollumfänglich auf Drittpersonen verlassen. Gestützt auf die Aussa-
gen des Beschuldigten (Urk. 50101068 S. 5; Urk. 50101096 S. 13 f.;
- 26 -
Urk. 50101114 S. 7 u. 18) ist – einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz
(Urk. 81 E. IV. C.3.3.3.o) – auch gestützt auf die weiteren Umstände – so habe
der Beschuldigte erst bei Unterzeichnung des Zahlungsauftrags Kenntnis von der
I._ erhalten (Urk. 50101031 S. 2) – erstellt, dass er in Bezug auf die I._
bzw. P._ keine fundierten Recherchen, sondern lediglich Google bzw. Inter-
net-Abfragen vorgenommen und sich im Übrigen auf L._ verlassen hat. Sei-
tens der Verteidigung wird in diesem Zusammenhang eingewandt, dass die Ver-
antwortung für den Deal bei C._ bzw. der K._ sowie der D._ liege
und nicht beim Beschuldigten, welcher das Geld lediglich weitergeleitet habe und
bei der Planung und Organisation des Investments keine Rolle gespielt habe
(Urk. 72 S. 4 ff.; Prot. I S. 9 ff.; Urk. 113 S. 13 ff. u. 19 ff.) und dass er sich auf
diese Personen habe verlassen dürfen (Prot. I. S. 9 f; Urk. 113 S. 16 f. u. 19 ff.).
Wie bereits eingehend dargestellt (s. vorstehend unter E. 3.2.2.), konnte sich der
Beschuldigte diesbezüglich aufgrund der Unübertragbarkeit und Unentziehbarkeit
der Verantwortung für dieses Geschäft nicht entziehen. Vorliegend waren die Pa-
rameter des in Frage stehenden Geschäfts nämlich dermassen risikobehaftet,
dass ein umsichtiger Geschäftsführer in derselben Situation die Kontrolle über
das in Frage stehende Investment klarerweise nicht Drittpersonen überlassen hät-
te, wie es der Beschuldigte vorliegend indes tat. Vor dem Hintergrund des wenig
transparenten MTN-Handel mit realitätsfernen Renditen von bis zu 100% pro Jahr
bzw. 6-8% pro Monat ohne Verlustrisiken (vgl. E. 3.3.4.2.), das Wissen des Be-
schuldigten um das betrügerische Umfeld des MTN-Handels (vgl. 3.3.4.4.) und
seiner genannten Unkenntnis hinsichtlich des Geschäftsmodells und des Ablaufs
des Investments hätte indes klar Aufklärungsbedarf bestanden. Einhergehend mit
der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 81 E. IV. C.3.3.3.x S. 46) ist bei der Beurtei-
lung, ob sich der Beschuldigte vorliegend auf Drittpersonen verlassen durfte, auch
massgebend, dass L._ plötzlich die I._ ins Spiel brachte, welche nichts
mit der D._ oder der K._ zu tun hatte. Deshalb war ihm sehr wohl be-
wusst, dass allfällige Überprüfungsmöglichkeiten seitens der D._ oder der
K._ bereits deshalb beschränkt waren. Auch ist letztlich – entgegen der An-
sicht der Verteidigung (Urk. 113 S. 14 ff.) – von untergeordneter Bedeutung, wel-
che Rolle der D._ genau zukam. Q._ sagte jedenfalls glaubhaft aus,
- 27 -
dass die D._ lediglich eine passive Custody-Funktion ausgeübt habe, die
komplizierte Vertragsausgestaltung seitens der B._ vorgeschlagen und die
Investmententscheidung von Dritten getätigt worden sei. Er betonte dabei, dass
der Handel das Problem der B._ gewesen sei (Urk. 50301003 S. 3 ff.). Dies
lässt sich denn auch mit dem Inhalt der sich bei den Akten befindlichen E-Mail
vom 18. November 2015 von R._ von der D._ an den Investor S._
in Übereinstimmung bringen, worin er darauf verwies, dass der Verwendungs-
zweck des Kredits, für welches der Investor ein Drittpfand stelle, unabhängig und
ohne Zutun der D._ verwendet werde, weshalb der Verwendungszweck so-
mit auch nicht durch die D._ überprüft oder überwacht werde
(Urk. 20205032). Aus den aufgezeigten Gründen vermag sich der Beschuldigte
deshalb seinen unentziehbaren und unübertragbaren Treue- und Sorgfaltspflich-
ten gegenüber der B._ nicht zu entledigen.
3.3.4.4. Kenntnis des betrügerisches Umfelds (Urk. 43 Rz. 32)
Laut eigener Aussage sei dem Beschuldigten im Rahmen einer oberflächlichen
Internetrecherche aufgefallen, dass im Zusammenhang mit dem MTN-Handel im
Internet "windige Angebote" zu finden gewesen seien (Urk. 50101064 S. 4; vgl.
auch die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz: Urk. 81 E. IV. C.3.3.3.l). Der
Beschuldigte war sich deshalb klarerweise bewusst, dass die Anforderungen an
die von ihm anzuwendende Sorgfalt bei der Durchführung des Investments im
MTN-Handel angesichts des von ihm selbst festgestellten betrügerischen Umfelds
sehr hoch war. Ungeachtet dieses Hintergrunds verliess er sich bei der Durchfüh-
rung des Investments grösstenteils auf Drittpersonen, ohne sich genügend zu in-
formieren oder informieren zu lassen. Auch dadurch kam er der ihm zukommen-
den Verantwortung in strafrechtlich massgeblicher Weise unzureichend nach.
3.3.4.5. Kein Einschreiten in Kenntnis der neuen Ausgangslage per 18. No-
vember 2015 (Urk. 43 Rz. 39)
Laut der Anklage habe sich am 18. November 2015 eine neue Situation ergeben,
weil die D._ durch die Involvierung von L._ und damit auch der I._
die vertragsgemässe Verwendung der Gelder gegenüber den Investoren nicht
- 28 -
mehr habe überwachen bzw. sicherstellen können, worüber sie diese informiert
habe (Urk. 43 Rz. 39). Die Vorinstanz geht davon aus, dass die entsprechende E-
Mail auch an den Beschuldigten ging (Urk. 81 E. IV. C.3.3.3.x), wobei unklar
bleibt, worauf sie sich stützt. So wurde die besagte E-Mail von R._ von der
D._ vom 18. November 2015 (Urk. 20205032) – entgegen der Auffassung
der Vorinstanz – nicht – auch nicht in Kopie – an den Beschuldigten versandt.
Aufgrund der Aktenlage ist aber erwiesen, dass der Beschuldigte spätestens am
24. November 2015 um die seitens der D._ gegenüber den Investoren ge-
schilderte Sachlage wusste, weil er dann seitens der B._ gegenüber der
T._ AG die Zusicherung abgab, dass ohne Sicherheiten keine Transaktionen
durchgeführt werden würden (s. nachstehend unter E. 3.3.7.2.). Vor dem Hinter-
grund der bereits erwähnten Umstände des Investments erweist sich auch dieses
Verhalten des Beschuldigten als pflichtwidrig.
3.3.5. Mangelnde Organisation der B._ (einschliesslich mangelnde bzw.
fehlende Sorgfalt bei der Auswahl des Händlers) (Urk. 43 Rz. 34 ff.)
3.3.5.1. Wie bereits festgestellt, kann sich der Beschuldigte vorliegend seiner
strafrechtlichen Verantwortung nicht entziehen, indem er geltend macht, L._
trage die alleinige Verantwortung für das in Frage stehende Investment, mangelt
es doch bereits an den formellen wie materiellen Voraussetzungen einer gültigen
Delegation der entsprechenden Kompetenz durch den Verwaltungsrat sowie dem
Nachweis, dass eine entsprechende Delegation der massgebenden Kompetenz
überhaupt stattfinden konnte oder stattfand (s. vorstehend unter E.3.2.2.).
3.3.5.2. Selbst wenn davon ausgegangen würde, dass eine Delegation der Durch-
führung des in Frage stehenden Investments an L._ zulässig und dann auch
tatsächlich erfolgt ist, wovon die Anklagebehörde (Urk. 43 Rz. 34 ff.) und die Vor-
instanz (vgl. Urk. 81 E. IV. C.3.3.3.p) auszugehen scheinen, träfen den Beschul-
digten weiterhin strafrechtlich relevante Sorgfaltspflichten hinsichtlich Auswahl
und Überwachung (s. vorstehend unter E.3.2.3.) von L._, ist doch aufgrund
der gesamten Umstände davon auszugehen, dass L._ lediglich zwecks
Durchführung des MTN-Deals seitens der B._ angeheuert und zu ihrem
Verwaltungsrat ernannt wurde. Da das MTN-Investment Beträge in Millionenhöhe
- 29 -
involvierte und keine weiteren Geschäfte der B._ in nur annäherndem Volu-
men ersichtlich sind, waren die Anforderungen an den Beschuldigten bei der
Auswahl und Überwachung von L._ von Beginn an sehr hoch. Bei dieser
Ausgangslage wirken sich das bereits anlässlich ihres ersten Treffens bestehende
Wissen des Beschuldigten um die Tatsache, dass es sich bei L._ um einen
ausgebildeten Arzt handelte (Urk. 50101066 S. 2), der Umstand, dass er sich auf
dessen Aussage, über die FED-Akkreditierung bzw. FED-Handelslizenz zu verfü-
gen, – insbesondere im Wissen darum, dass sich der MTN-Handel in einem be-
trügerischen Umfeld bewegt (s. vorstehend unter E. 3.3.4.4.) – ungeprüft verliess
(Urk. 50101066 S. 3), als krass pflichtverletzendes Verhalten einzustufen, dass er
die Qualifikationen von L._ nicht näher abklärte. Ferner verletzte der Be-
schuldigte in grober Weise seine Aufsichtspflicht, indem er es – gerade unter den
erwähnten Parametern – später unterliess, die Seriosität der von L._ ins
Spiel gebrachten I._ näher zu überprüfen, was gerade auch deshalb nahe-
liegend erschienen wäre, weil der Beschuldigte erst bei Unterzeichnung des Zah-
lungsauftrages von der I._ Kenntnis erhalten hat (Urk. 50101096 S. 14). Am
Bestand dieser Pflichtverletzungen vermögen auch der Einwand der Verteidigung,
dass L._ in erster Linie für die K._ und nicht die B._ tätig gewesen
sei (Urk. 72 S. 20) und die Prüfung und Einsetzung von L._ bei der B._
ferner nicht durch den Beschuldigten, sondern durch C._ bzw. K._ und
Q._ bzw. der D._ erfolgt sei (Urk. 72 S. 19; Urk. 113 S. 16, 21 ff.), nichts
zu ändern.
3.3.5.3. Selbst wenn folglich davon ausgegangen werden würde, dass eine Dele-
gation der Durchführung des in Frage stehenden Investments an L._ zuläs-
sig und dann auch tatsächlich erfolgt ist, hätte der Beschuldigte vorliegend durch
sein grob unsorgfältiges Verhalten bei der Auswahl (vgl. auch vorstehend unter
E. 3.2.3.) und Aufsicht von L._ massgebende Pflichtverletzungen begangen.
- 30 -
3.3.6. Eingang eines Klumpenrisikos (Urk. 43 Rz. 47)
3.3.6.1. Des Weiteren wird seitens der Staatsanwaltschaft geltend gemacht,
dass der Beschuldigte mit der extrem grossen Risikokonzentration des Invest-
ments ein unzulässiges "Klumpenrisiko" eingegangen sei (Urk. 43 Rz. 47).
3.3.6.2. Angesichts des Umstands, dass die Transaktionssumme vorliegend
knapp die Hälfte des der B._ zur Verfügung stehenden Kapitals betrug (s.
dazu die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz: Urk. 81 E. IV. C.3.3.3.b), ist
ohne Weiteres ein "Klumpenrisiko" bei der Vornahme der Investition anzuneh-
men, was mangels Diversifikation eine Erhöhung des Vermögensrisikos der
B._ nach sich zieht. Auch aufgrund dieser Tatsache waren die Anforderun-
gen an die vom Beschuldigten anzuwendende Sorgfalt bei der Durchführung bzw.
Beaufsichtigung der Transaktion sehr hoch.
3.3.7. Unterlassung der Organisation einer Absicherung des Investments
(Urk. 43 Rz. 39 f. u. 45)
3.3.7.1. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten weiter vor, auf eine Absi-
cherung für die Investorengelder – auch im Zeitraum zwischen dem Geldtransfer
und dem Erhalt des SBLC - pflichtwidrig verzichtet zu haben (Urk. 43 Rz. 39 f. u.
45).
3.3.7.2. Seitens der Vorinstanz wurde zutreffend dargelegt, dass der Beschuldigte
angesichts seiner eigenen Zugaben (Urk. 50101096 S. 23) und eben – entgegen
den Ausführungen der Verteidigung (Urk. 113 S. 17 f.) – bereits vor der am 8. De-
zember 2015 erfolgten Überweisung auf eine Sicherheit für das überwiesene Geld
für den Zeitraum zwischen Überweisung und Ausstellung des SBLC verzichtet
hatte. Darauf kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 81 E. IV. C.3.3.3.q).
Diese Verhaltensweise widerspricht zudem seiner gegenüber U._ von der
T._ AG – letztere hat in die Sicherung des Darlehens der D._ an die
B._ investiert – mit Schreiben vom 24. November 2015 (Urk. 71001036) ge-
machten Zusicherung, dass ohne Sicherheiten keine Transaktionen durchgeführt
- 31 -
werden würden. Vor dem Hintergrund der bereits erwähnten Umstände des In-
vestments erweist sich auch dieses Verhalten des Beschuldigten als pflichtwidrig.
3.3.8. Mangelndes Monitoring der erfolgten Transaktion
3.3.8.1. Schliesslich wird dem Beschuldigten von der Anklagebehörde ein man-
gelndes Monitoring der Transaktion vorgeworfen, indem er es auch nach der
Durchführung des Investments unterlassen habe, Belege über die angeblich
durchgeführten MTN-Käufe zu verlangen (Urk. 43 Rz. 49).
3.3.8.2. Einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 81 E. IV. C.3.3.3.s)
kann vorliegend offen bleiben, ob der Beschuldigte nach Durchführung der Trans-
aktion das erforderliche Monitoring durchgeführt hat, da – laut der Anklage – die
Auslösung des Zahlungsauftrags zum Schaden führte (Urk. 43 Rz. 51 f.). Vor die-
sem Hintergrund wäre ein unterbliebenes – chronologisch später einsetzendes –
Monitoring durch den Beschuldigten so oder anders nicht schadenskausal und
erweist sich deshalb als unbeachtlich. Dasselbe gilt für den Vorwurf der Anklage-
behörde, der Beschuldigte habe es pflichtwidrig nicht sichergestellt, dass die Gel-
der zweckgemäss verwendet worden seien (Urk. 43 Rz. 50), insoweit sich diese
angeklagte Unterlassung – was angenommen werden darf – auf den Zeitraum
nach Erfolgen der in Frage stehenden Transaktion bezieht.
3.3.9. Zwischenergebnis hinsichtlich Pflichtverletzung
Der Beschuldigte hat vorliegend seine gestützt auf Art. 716a OR, Art. 717 OR so-
wie Art. 398 Abs. 2 OR gegenüber der B._ im Rahmen der Vermögensfür-
sorgepflicht bestehenden unentziehbaren und unübertragbaren Treue- und Sorg-
faltspflichten verletzt, indem er ungeachtet der nachfolgend erwähnten Umstände
am 8. Dezember 2015 den Zahlungsauftrag über EUR 3 Mio. zu Ungunsten der
B._ auslöste. Der Beschuldigte handelte pflichtwidrig, weil er in Kenntnis des
betrügerischen Umfelds des MTN-Handels sich offensichtlich aufdrängende Ab-
klärungen über das Investment gerade auch ungeachtet der realitätsfernen Rendi-
ten von bis zu 100% pro Jahr bzw. 6-8% pro Monat ohne Verlustrisiken vor dem
Hintergrund des bereits damals herrschenden Nullzins- bzw. Negativzinsumfelds
- 32 -
unterliess, sich keine Kenntnisse über den MTN-Handel und über den Inhalt und
den Ablauf des vorliegenden Investments im Speziellen sowie über die daran Be-
teiligten aneignete und auch nicht eingeschritten ist bzw. den Investmentprozess
stoppte, als klar wurde, dass die D._ den Investoren mitteilte, die vertrags-
gemässe Verwendung der Gelder nicht mehr gewährleisten zu können. Ferner
verletzte der Beschuldigte seine Pflichten, weil er nicht für eine genügende Orga-
nisation der B._ besorgt war und es insbesondere auch unterliess, die Quali-
fikationen von L._ sowie dessen Wirken für die B._ und die von jenem
ins Spiel gebrachte I._ genügend zu prüfen, obschon die Anforderungen an
die vom Beschuldigten anzuwendende Sorgfalt bei der Durchführung bzw. Beauf-
sichtigung der Transaktion angesichts des Umstands, dass die Transaktions-
summe vorliegend knapp die Hälfte des der B._ zur Verfügung stehenden
Kapitals betrug und somit ein "Klumpenrisiko" vorlag, sehr hoch waren. Dazu
kommt, dass der Beschuldigte auf eine Sicherheit für das überwiesene Geld für
den Zeitraum zwischen Überweisung am 8. Dezember 2015 und Ausstellung des
SBLC verzichtet hatte. Damit ging der Beschuldigte insgesamt Risiken ein, die ein
umsichtiger Geschäftsführer in derselben Situation nicht eingehen würde. Demzu-
folge handelte der Beschuldigte im Rahmen der ungetreuen Geschäftsbesorgung
auch in Bezug auf die vorausgesetzte Pflichtverletzung tatbestandsmässig.
4. Vermögensschaden und Kausalzusammenhang
4.1. Ein Schaden besteht in der Verminderung der Aktiven, Vermehrung der
Passiven, Nichtvermehrung der Aktiven oder Nichtverminderung der Passiven
(BGE 121 IV 104). Nicht nur die Verletzung des Rechtsguts Vermögen kann einen
Schaden darstellen, sondern auch schon dessen erhebliche Gefährdung. Eine
solche erhebliche Gefährdung ist immer dann und in dem Umfang mit einem
Vermögensschaden gleichzusetzen, als das Vermögen in seinem Wert effektiv
vermindert erscheint. Davon ist auszugehen, wenn der Gefährdung des betref-
fenden Vermögenspostens im Rahmen der sorgfältigen Bilanzierung durch Wert-
berichtigung oder Rückstellungen Rechnung getragen werden muss (ANDREAS
DONATSCH, a.a.O., S. 22). Erheblich gefährdete Darlehen stellen wirtschaftlich ge-
sehen bereits einen Schaden dar (BGE 122 IV 281 ff.), wobei eine vorübergehen-
- 33 -
de Gefährdung genügt (BGE 129 IV 124 f.). Zwischen der Verletzung der Treue-
pflicht und dem Vermögensschaden muss ein Kausalzusammenhang bestehen
(BGE 142 IV 346 E. 3.2.; BSK STGB II-NIGGLI, Art. 158 StGB N 127 m.w.H.), wo-
bei im Falle einer Handlung grundsätzlich die natürliche, im Falle einer Unterlas-
sung die hypothetische Kausalität genügt (ANDREAS DONATSCH, a.a.O., S. 22).
4.2. Der Beschuldigte macht geltend, dass weder belegt sei, dass ein Schaden
bestehe, noch in welcher Höhe dieser erfolgt sein soll (Urk. 72 S. 24 f.; Urk. 113
S. 24 ff.; Prot. I S. 11 f.). Ferner bestehe auch kein (Eventual-)Vorsatz des Be-
schuldigten hinsichtlich des behaupteten Schaden (Urk. 72 S. 26).
4.3. Da gemäss der zitierten Rechtsprechung bereits eine vorübergehende Ver-
mögensgefährdung genügt und die B._ den der I._ überwiesenen Be-
trag von EUR 3 Mio. bis heute und damit rund viereinhalb Jahre später nicht zu-
rückerhalten hat, ist – einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 81
E. IV. C.4.c) – von einer tatbestandsmässigen erheblichen Gefährdung ihres
Vermögens auszugehen, zumal die V._ Bank die Rückerstattung des bei ihr
befindlichen Geldes bereits vor Jahren ablehnte (vgl. dazu die zutreffend Ausfüh-
rungen der Vorinstanz: Urk. 81 E. IV.C.4.c). Im Rahmen einer sorgfältigen Bilan-
zierung wäre diesem Umstand durch Rückstellungen oder Abschreibungen im
entsprechenden Umfang Rechnung zu tragen. Vor diesem Hintergrund kann auch
dem Argument der Verteidigung nichts abgewonnen werden, wonach es möglich
sei, dass das Geld wieder zurückgeführt werden könne bzw. wonach die Staats-
anwaltschaft – und nicht der Beschuldigte – dafür verantwortlich sei, dass das bis
heute nicht schon erfolgt sei (Urk. 113 S. 24 f.).
4.4. Vorliegend führten die Pflichtverletzungen des Beschuldigten dazu, dass der
B._ finanzielle Mittel in der Höhe von EUR 3 Mio. entzogen wurden, ohne
dass ihr gleichzeitig Mittel in dieser Grössenordnung zugeführt wurden. Deshalb
besteht – vordergründig durch die Auslösung der Zahlung, hintergründig aber
durch die zu dieser Zahlung führenden Unterlassungen – ein natürlicher Kausal-
zusammenhang zwischen Handlung des Beschuldigten und dem eingetretenen
Vermögensschaden, weshalb auch dieses Tatbestandsmerkmal gegeben ist.
- 34 -
5. Vorsatz
5.1. Der erforderliche Vorsatz muss sich auf Tatmittel, Erfolg und Kausalzusam-
menhang richten, wobei Eventualvorsatz genügt (TRECHSEL, PRAXISKOMMENTAR
STGB, a.a.O., Art. 158 StGB N 14 m.w.H.).
5.2. Der Beschuldigte wusste um seine Stellung bei der B._ sowie um die
daraus fliessenden Verpflichtungen (s. dazu auch vorstehend unter E. 2.7.).
Ebenso nahm er mit seinem Verhalten aufgrund der gesamten erörterten Um-
stände in Kauf, dass er der B._ durch die Auslösung der prozessgegenständ-
lichen Zahlung einen Vermögensschaden im Umfang von EUR 3 Mio. bereiten
könnte. Der Beschuldigte handelte damit zumindest eventualvorsätzlich.
6. Absicht unrechtmässiger Bereicherung gemäss Ziff. 1 Abs. 3
6.1. Als Qualifikationsgrund nennt Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB die unrechtmässi-
ge Bereicherungsabsicht. Diese kann darin liegen, dass der Täter aus der treu-
widrigen Geschäftsbesorgung einen Verdienst ziehen will (BGer 6B_447/2011
vom 27. Juli 2012 E. 3.3.; TRECHSEL, PRAXISKOMMENTAR STGB, a.a.O., Art. 158
StGB N 16 m.w.H.). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung genügt dabei
bereits Eventualabsicht (Urteil des Bundesgerichts 6B_940/2019 vom 6. Mai
2020, E. 2.1). Ersatzbereitschaft kann die Absicht unrechtmässiger Bereicherung
ausschliessen (BSK STGB II-NIGGLI, Art. 158 StGB N 140 f. m.w.H.).
6.2. Von der Vorinstanz wurde bereits zutreffend dargelegt (Urk. 81 E. IV.C.6.d),
dass die in der Anklage umschriebene Inkaufnahme einer Bereicherung von
O._, W._ und N._ durch den Beschuldigten (vgl. Urk. 43 Rz. 53
letzter Satz) für eine Subsumption unter Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 u. 3 StGB nicht ge-
nügt.
6.3. Vorliegend lässt sich aber – wie die Verteidigung zu Recht festhält (Urk. 113
S. 28 ff.) – auch nicht erstellen, dass der Beschuldigte in der Absicht oder Even-
tualabsicht gehandelt hat, sich selbst unrechtmässig zu bereichern. Insbesondere
lässt sich die seitens der Anklagebehörde aufgestellte Behauptung, dass der Be-
schuldigte im prozessgegenständlichen Investment einen vermeintlichen Ausweg
- 35 -
aus einer ausweglosen finanziellen Situation gefunden habe (Urk. 43 Rz. 53),
nicht rechtsgenügend erhärten. So ist – einhergehend mit der zutreffenden Auf-
fassung der Vorinstanz (Urk. 81 E. IV. C.6.3.b) – weder erwiesen, dass er sich in
desolaten finanziellen Verhältnissen befunden hat noch erstellt, in welchem Um-
fang er an der Rendite des prozessgegenständlichen Investments hätte beteiligt
werden sollen, auch wenn er mit einer Verbesserung seiner finanziellen Situation
gerechnet haben dürfte. So oder anders ist vorliegend aber entscheidend, dass
die Staatsanwaltschaft davon absah, eine unrechtmässige Bereicherungsabsicht
des Beschuldigten anzuklagen, sondern lediglich eine rechtmässige Bereiche-
rungsabsicht umschrieb (vgl. Urk. 43 Rz. 7). Deshalb kann vorliegend auch offen
gelassen werden, ob der vom Beschuldigten anvisierte Verdienst rechtmässig
oder unrechtmässig gewesen wäre. Aus den gemachten Erwägungen folgt – ein-
hergehend mit der zutreffenden Auffassung der Vorinstanz (Urk. 81 E. IV. C.6.3.d)
–, dass es vorliegend am Tatbestandsmerkmal der unrechtmässigen Bereiche-
rungsabsicht gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 StGB mangelt.
7. Zwischenergebnis
Mangels Vorliegens von Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründen macht
sich der Beschuldigte vorliegend der ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne
von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig.
F. Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB
1. Rechtliche Grundlagen
1.1. Gemäss Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB macht sich strafbar, wer in der
Absicht, jemandem am Vermögen oder an andern Rechten zu schädigen oder
sich oder einem andern einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen, eine Ur-
kunde fälscht oder verfälscht, die echte Unterschrift oder das echte Handzeichen
eines andern zur Herstellung einer unechten Urkunde benützt oder eine rechtlich
erhebliche Tatsache unrichtig beurkundet oder beurkunden lässt bzw. eine Ur-
kunde dieser Art zur Täuschung gebraucht. Die Urkundenfälschung im engeren
Sinn erfasst das Herstellen einer unechten Urkunde, deren wirklicher Aussteller
- 36 -
mit dem aus ihr ersichtlichen Urheber nicht identisch ist. Demgegenüber betrifft
die Falschbeurkundung die Errichtung einer echten, aber unwahren Urkunde, bei
der also der wirkliche und der in der Urkunde enthaltene Sachverhalt nicht über-
einstimmen. Nach der Rechtsprechung ist das Vertrauen darauf, dass eine Ur-
kunde nicht verfälscht wird, grösser als das Vertrauen darauf, dass jemand in
schriftlicher Form nicht lügt. Sie stellt daher an die Beweisbestimmung und Be-
weiseignung einer Urkunde bei der Falschbeurkundung hohe Anforderungen und
wendet Art. 251 StGB restriktiv an. Die Falschbeurkundung erfordert demnach ei-
ne qualifizierte schriftliche Lüge. Eine solche liegt nur vor, wenn der Urkunde eine
erhöhte Glaubwürdigkeit zukommt und der Adressat ihr aufgrund dessen ein be-
sonderes Vertrauen entgegenbringt. Dies ist der Fall, wenn allgemein gültige ob-
jektive Garantien die Wahrheit der Erklärung gegenüber Dritten gewährleisten,
wie sie unter anderem in der Prüfungspflicht einer Urkundsperson oder in gesetz-
lichen Bestimmungen über die ordnungsgemässe Rechnungslegung des Aktien-
rechts und in den Bilanzvorschriften liegen, die gerade den Inhalt bestimmter
Schriftstücke näher festlegen. Blosse Erfahrungsregeln hinsichtlich der Glaub-
würdigkeit irgendwelcher schriftlicher Äusserungen genügen dagegen nicht, mö-
gen sie auch zur Folge haben, dass sich der Geschäftsverkehr in gewissem Um-
fang auf entsprechende Angaben verlässt (BGE 132 IV 12 E. 8.1; 129 IV 130
E. 2.1; Urteil 6B_624/2007 vom 14. November 2007 E. 4.1).
1.2. Gemäss Art. 251 Ziff. 1 Abs. 3 StGB macht sich auch strafbar, wer eine
gefälschte, d.h. eine unechte oder unwahre Urkunde gebraucht. Gebrauch ist die
Benutzung der Urkunde im Rechtsverkehr, welche der zu täuschenden Person
zur sinnlichen Wahrnehmung zugänglich gemacht werden, d.h. in deren Machtbe-
reich gelangen muss (BSK STGB II-BOOG, Art. 251 StGB N 163 m.w.H.).
1.3. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz bezüglich aller objektiven Tatbestands-
merkmale erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt (BGE 138 IV 130 E. 3.2.1.).
Erforderlich ist eine Täuschungsabsicht, mittels welcher der Täter einen Irrtum
über die Echtheit oder Wahrheit der Urkunde erregen will, um den Adressaten zu
einem rechtserheblichen Verhalten zu veranlassen. Ferner muss der Täter alter-
nativ in Schädigungs- oder Vorteilsabsicht handeln, wobei Eventualabsicht genügt
- 37 -
(BSK STGB II-BOOG, Art. 251 StGB N 183 ff. m.w.H.). Für die Annahme der Vor-
teilsabsicht genügt jede Besserstellung, sei sie vermögensrechtlicher oder sonsti-
ger Natur (BGE 118 IV 254 E. 5.). Der Täter muss ferner nicht wissen, worin der
angestrebte Vorteil liegt (BGE 138 IV 130 E. 3.2.4.).
2. Objektiver Tatbestand
Der Beschuldigte anerkannte, dass es sich beim in Frage stehenden SBLC
(Stand-by Letter of Credit) (Urk. 20101182) um eine Fälschung handle (Urk. 68
S. 12; Urk. 72 S. 26; vgl. Urk. 113 S. 30) sowie dass er den SBLC am 11. Januar
2016 an die D._ weiterleitete (vgl. Urk. 72 S. 26; vgl. Urk. 113 S. 30). Diese
Eingeständnisse decken sich auch mit dem übrigen Beweisergebnis (s. dazu die
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz: Urk. 81 E. IV. D.2.c u. 3.c). Dass es
sich beim SBLC um eine Urkunde handelt, ist zu bejahen. Die Gesetzgebung der
Vereinigten Staaten erlaubt es den amerikanischen Bankeninstituten nicht, ge-
genüber Dritten Garantieverpflichtungen für ihre Kunden einzugehen. Den glei-
chen Zweck erreichen sie aber durch die Verwendung des Akkreditivs in der Form
des Stand-by Letter of Credit, welches den Einheitlichen Richtlinien und Gebräu-
chen für Dokumentenakkreditive (ERA) der IHK, Paris, oder den International
Standby Practices der IHK unterliegt. Der Stand-by Letter of Credit verfällt unbe-
nutzt, wenn die darin umschriebene Leistung vertragsmässig erbracht worden ist
(vgl. Homepage der Zürcher Kantonalbank: www.zkb.ch / media / pub / finanzie-
ren / die-bankgarantie-220131.pdf). Der Stand-by Letter of Credit verfolgt damit
denselben Zweck wie eine Garantieerklärung, welcher gemäss bundesgerichtli-
cher Rechtsprechung Urkundenqualität zukommt (BGE 123 IV 17 E. 2.; bezüglich
Bankbescheinigungen: BGE 102 IV 191 E. 3.). Indem aus dem SBLC hervorgeht,
dass seitens der V._ Bank – tatsachenwidrig – das vorbehaltlose Zahlungs-
versprechen im Betrag von USD 3 Mio. an die B._ per 30. Dezember 2016
abgegeben wird, liegt demnach eine gefälschte Urkunde im Sinne von Art. 251
StGB vor, welche der Beschuldigte im Rechtsverkehr benutzt hat.
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3. Subjektiver Tatbestand
3.1. Verneint wurde seitens der Vorinstanz allerdings das Vorliegen des subjekti-
ven Tatbestands von Art. 251 StGB. So könne nicht davon ausgegangen werden,
dass der Beschuldigte gewusst oder es für möglich erachtet habe, dass es sich
beim SBLC um eine Fälschung handle (Urk. 81 E. IV. D.4.k).
3.2. Von der Staatsanwaltschaft werden demgegenüber diverse Umstände ge-
nannt, welche darauf hinweisen würden, dass der Beschuldigte sehr wohl um sei-
ne Verwendung einer gefälschten Urkunde gewusst habe: So lasse sich zusam-
menfassend feststellen, dass der SBLC dilettantisch und keineswegs täuschend
echt aussehe. Dem finanzerfahrenen Beschuldigten hätte insbesondere auffallen
müssen, dass die Application for SBLC eine andere Adresse der I._ enthalte
als der SBLC, dass die garantierten Beträge nicht identisch seien, dass die bank-
übliche Zweitunterschrift fehle, dass der Aufbau des Dokuments nicht geschäfts-
üblich sei, dass im SBLC ein "maturity date" und nicht das übliche "expire date"
Erwähnung finde sowie dass die Umschreibung "callable operative instrument"
keinen Sinn ergebe (Urk. 43 Rz. 59 u. 63; vgl. Urk 112 S. 15 ff.).
3.3. Zu Gunsten des Beschuldigten ist gestützt auf seine entsprechende Aussa-
ge davon auszugehen, dass es sich beim fraglichen SBLC um den ersten gehan-
delt habe, welchen er jemals gesehen habe (Urk. 68 S. 12 f.; Prot. II S. 12). Zu-
dem geht es vorliegend nicht um ein schweizerisches bankenspezifisches Doku-
ment, sondern um ein amerikanisches. Die von ihm geltend gemachte Unkenntnis
bezüglich der Mehrzahl der seitens der Anklagebehörde vorgebrachten Auffällig-
keiten beim SBLC ist bereits gestützt darauf als glaubhaft einzustufen. Deshalb
kann ihm – im Ergebnis einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 81
E. IV. D.4.d-i) – nicht rechtsgenügend unterstellt werden, dass er aufgrund der
Verwendung des Ausdrucks "maturity date" anstelle von "expiry date", des angeb-
lich nicht geschäftsüblichen Aufbaus des Dokuments, das Fehlen der Zweitunter-
schrift oder der Erwähnung der Umschreibung "callable operative instrument" in
der Urkunde von einer Fälschung ausgehen musste. Diese fachspezifischen Aus-
drücke und Umstände mussten auch dem finanzerfahrenen Beschuldigten nicht
zwingend geläufig sein, zumal nicht erwiesen ist, dass er sich mit dem US-
- 39 -
amerikanischen Fachjargon und den Gepflogenheiten des dortigen Finanzmark-
tes auskannte (entsprechend auch die Darstellung der Verteidigung und seine
Ausführungen anlässlich der Berufungsverhandlung: Urk. 72 S. 28; Prot. II S. 12
f.).
3.4. Auffällig erscheint demgegenüber auch für eine finanztechnisch wenig ver-
sierte Person der Umstand, dass der SBLC mit USD 3 Mio. einen anderen Betrag
auswies (Urk. 20101182) als die entsprechende Application for SBLC über
USD 3.12 (Urk. 20101172). Allerdings ist vorliegend nicht rechtsgenügend erstellt,
dass der Beschuldigte die Application for SBLC auch tatsächlich gesehen hat. So
gab er mehrfach an, sich nicht erinnern zu vermögen, letztgenanntes Dokument
gesehen zu haben (Urk. 50101114 S. 21; Urk. 68 S. 13). Es kann diesbezüglich
vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (Urk. 81 E. IV. D.4.h). Des Weiteren ergibt sich aus der Kommunikation zwi-
schen den Beteiligten, dass mit Hinblick auf die Garantie von unterschiedlichen
Beträgen, mehrfach aber auch von USD 3 Mio., die Rede war (s. dazu die zutref-
fenden Erwägungen und Verweise der Vorinstanz: Urk. 81 E. IV. D.4.h), weshalb
der zu garantierende Betrag keineswegs gesichert erschien bzw. es nicht zwin-
gend erscheint, dass er dem in der Application for SBLC enthaltenen entsprechen
musste. Deshalb gereicht es dem Beschuldigten – selbst wenn er die Application
for SBLC und den darin erwähnten unterschiedlichen Betrag kannte – vorliegend
nicht zum Nachteil, dass der SBLC letztlich einen unterschiedlichen Betrag aus-
wies.
3.5. Schliesslich lässt sich – einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz
(Urk. 81 E. IV. D.4.f) – feststellen, dass aus dem SBLC keine Adresse der I._
ersichtlich ist (Urk. 20101182). Deshalb vermag auch dieses seitens der Staats-
anwaltschaft vorgebrachte Argument, wonach die Application for SBLC
(Urk. 20101172) eine andere Adresse der I._ enthalte wie der SBLC selbst,
keinen Hinweis darauf zu liefern, dass der Beschuldigte von einer Fälschung des
SBLC ausgehen musste.
- 40 -
3.6. Angesichts der erörterten Umstände ist davon auszugehen, dass der Be-
schuldigte nicht wusste und es auch nicht für möglich hielt, dass der SBLC ge-
fälscht war, als er ihn an die D._ weiterleitete.
4. Zwischenergebnis
Der Beschuldigte ist mangels Nachweises eines (Eventual-)Vorsatzes vom Vor-
wurf der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB freizusprechen.
G. Ergebnis
Der Beschuldigte ist schuldig der ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von
Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. Freizusprechen ist er demgegenüber vom Vorwurf
der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB.
IV. Sanktion
A. Änderung des Sanktionenrechts
Der Beschuldigte hat die zu beurteilenden Straftaten vor Inkrafttreten der seit
1. Januar 2018 geltenden neuen Bestimmungen des allgemeinen Teils des Straf-
gesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts; AS 2016 1249) begangen. Das
geltende (neue) Recht ist daher im konkreten Fall nur anzuwenden, sofern es für
den Beschuldigten zu einem günstigeren Ergebnis führt (Art. 2 Abs. 2 StGB; DO-
NATSCH in: DONATSCH/HEIMGARTNER/ISENRING/WEDER [HRSG.], Kommentar zum
StGB, 20. A., Zürich 2018, Art. 2 StGB N 10). Das ist vorliegend nicht der Fall, da
das geltende (neue) Sanktionenrecht grundsätzlich keine mildere Bestrafung vor-
sieht und eine Gesamtstrafenbildung gemäss Art. 46 Abs. 1 StGB, welche zu
einem für den Täter günstigeren Ergebnis führt, vorliegend nicht zur Diskussion
steht.
B. Strafrahmen
Die tat- und täterangemessene Strafe ist – wie seitens der Vorinstanz zutreffend
festgehalten wurde (Urk. 81 E. V. D.2.) – grundsätzlich innerhalb des ordentlichen
- 41 -
Strafrahmens der schwersten anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen.
Dieser Rahmen ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit gefasst worden, um
sämtlichen konkreten Umständen Rechnung zu tragen. In casu drängt sich denn
auch keine Erweiterung des ordentlichen Strafrahmens auf. Demnach besteht
vorliegend gestützt auf Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB ein Strafrahmen von einem
Tagessatz Geldstrafe bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe.
C. Strafzumessungsfaktoren
Seitens der Vorinstanz wurden die zu den Kriterien der Strafzumessung nötigen
theoretischen Ausführungen gemacht. Darauf und auf die aktuelle Rechtspre-
chung des Bundesgerichts zum Thema (BGE 136 IV 55 E. 5.4. ff.; 135 IV 130
E. 5.3.1; 132 IV 102 E. 8.1; je mit Hinweisen) kann vorab verwiesen werden. Zu-
treffend wurde auch festgehalten, dass zwischen der Tat- und Täterkomponente
sowie der objektiven und subjektiven Tatschwere zu unterscheiden ist (s. Urk. 81
E. V. A.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
D. Konkrete Strafzumessung
1. Objektive Tatschwere
Vorliegend fällt massiv verschuldenserschwerend ins Gewicht, dass die Delikts-
summe mit EUR 3 Mio., womit knapp die Hälfte des der B._ zur Verfügung
stehenden Kapitals betroffen war, sehr hoch ist. Beträchtlich verschuldenser-
schwerend wirkt sich des Weiteren der Umstand aus, dass der Beschuldigte in
mehrfacher Hinsicht elementare Pflichten in der wichtigen und verantwortungsvol-
len Funktion des Verwaltungsratspräsidenten der B._ verletzte, auch wenn
letztlich eine einmalige Zahlung den Schaden bewirkte. Ungeachtet seiner Kennt-
nis des betrügerischen Umfelds des MTN-Handels unterliess es der Beschuldigte
– auch aufgrund der in Aussicht gestellten realitätsfernen Renditen von bis zu
100% pro Jahr bzw. 6-8% pro Monat ohne Verlustrisiken – nämlich, sich offen-
sichtlich aufdrängende Abklärungen über das Investment vorzunehmen. Weiter
schritt er auch nicht ein, als klar wurde, dass die vertragsgemässe Verwendung
der Gelder nicht mehr gewährleistet werden konnte. Ferner sorgte er weder für
- 42 -
eine genügende Organisation der B._ noch prüfte er die Seriosität und Quali-
fikationen der Beteiligten. Schliesslich unterliess er es auch, die Transaktion ge-
nügend abzusichern. Seine Pflichtverletzungen wiegen somit insgesamt schwer.
Zu Gunsten des Beschuldigten ist zu veranschlagen, dass seine kriminelle Ener-
gie als gering einzustufen ist und seine Delinquenz grösstenteils auf seine Unbe-
darftheit zurückzuführen ist. Insgesamt erweist sich die objektive Tatschwere un-
ter Berücksichtigung der erwähnten Umstände als mehr als mittelschwer, wofür
sich eine Einsatzstrafe von 21 Monaten Freiheitsstrafe als angemessen erweist.
2. Subjektive Tatschwere
Bei der Beurteilung der subjektiven Tatschwere des Beschuldigten ist massge-
bend, dass er lediglich eventualvorsätzlich handelte. Dies wirkt sich leicht ver-
schuldensmindernd aus.
3. Einschätzung
Insgesamt vermag die subjektive Tatschwere nach dem Gesagten eine geringfü-
gige Reduktion der für die objektive Tatschwere vorgesehenen Einsatzstrafe auf
18 Monate Freiheitsstrafe zu bewirken.
4. Täterkomponente
4.1. Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten kann
zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen vorab vollumfänglich auf die entspre-
chenden und zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 81 E. V. D.4.1.)
verwiesen werden. Das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Beschul-
digten erweisen sich als strafzumessungsneutral.
4.2. Der Beschuldigte verfügt über zwei Vorstrafen (Urk. 111A; vgl. dazu die zu-
treffenden Ausführungen der Vorinstanz: Urk. 81 E. V. D.4.2.a-c). Beide erweisen
sich als einschlägig: Mit Entscheid vom 4. November 2015 des Eidgenössischen
Finanzdepartements Bern wurde der Beschuldigte wegen Ausübens einer Tätig-
keit ohne Bewilligung, Anerkennung, Zulassung oder Registrierung gemäss
Art. 44 Abs. 1 FINMAG zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu
Fr. 140.-, bei einer Probezeit von zwei Jahren, und einer Busse von Fr. 1'400.-
- 43 -
verurteilt. Gleichentags wurde der Beschuldigte ferner wegen Erteilens falscher
Auskünfte im Sinne von Art. 45 Abs. 1 FINMAG zu einer bedingten Geldstrafe von
15 Tagessätzen zu Fr. 140.-, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren, so-
wie einer Busse im Betrag von Fr. 700.- verurteilt. Auch wenn diese beiden Vor-
strafen und die damit beurteilte Deliktsbegehung (in den Jahren 2010 bis 2012)
mittlerweile mehrere Jahre zurückliegen und im Vergleich zur heute auszuspre-
chenden Sanktion geringfügige Strafen nach sich zogen, werden diese Tatsachen
durch den Umstand zu Ungunsten des Beschuldigten relativiert, dass der Be-
schuldigte die heute zu beurteilende Tat mehrheitlich unmittelbar nach Rechts-
kraft der Vorstrafen beging. Dies zeugt von einer nicht zu unterschätzenden Un-
belehrbarkeit und Unverfrorenheit des Beschuldigten. Die Vorstrafen des Be-
schuldigten wirken sich deshalb merklich straferhöhend aus. Eine Straferhöhung
um vier Monate erweist sich vor diesem Hintergrund als angemessen.
4.3. Beim Nachtatverhalten ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und im
Strafverfahren Rechnung zu tragen. Ein Geständnis, das kooperative Verhalten
eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue wir-
ken strafmindernd. Dabei können umfangreiche und prozessentscheidende Ge-
ständnisse eine Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202
E. 2d/cc).
Ein Geständnis liegt in casu nicht vor, auch wenn der Beschuldigte einen Teil des
Anklagesachverhalts anerkannte (Urk. 68 S. 5 ff.). Ferner besteht beim Beschul-
digten keine Einsicht ins Unrecht. Allerdings sind Wiedergutmachungsbemühun-
gen erkennbar (vgl. Urk. 54/1-7; Urk. 113 S. 25 f., 29, 32; s. auch die zutreffenden
Ausführungen der Vorinstanz: Urk. 81 E. V. D.4.3.), welche sich im Rahmen der
Strafzumessung zu seinen Gunsten auswirken. Ebenfalls strafmindernd ist die
lange Verfahrensdauer zu veranschlagen. Es erweist sich deshalb als angemes-
sen, das Nachtatverhalten des Beschuldigten mit zwei Monaten Strafreduktion zu
berücksichtigen.
- 44 -
6. Ergebnis
Der Beschuldigte ist demzufolge in Würdigung aller relevanten Strafzumessungs-
gründe mit einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten zu bestrafen.
V. Widerruf
A. Rechtliche Grundlagen
Seitens der Vorinstanz wurden die massgebenden rechtlichen Grundlagen hin-
sichtlich des Widerrufs des bedingten Vollzugs einer Strafe ausführlich und zutref-
fend wiedergegeben (Urk. 81 E. VII.b-e), weshalb vollumfänglich darauf verwie-
sen werden kann.
B. Beurteilung
1. Wie bereits ausgeführt (s. vorstehend unter E. III.D.4.2.), wurden gegen den
Beschuldigten mit zwei Entscheiden vom 4. November 2015 des Eidgenössischen
Finanzdepartements Bern nebst Bussen jeweils bedingte Geldstrafen – von 40
Tagessätzen zu Fr. 140.- einerseits und von 15 Tagessätzen zu Fr. 140.- ande-
rerseits – ausgesprochen, wofür jeweils eine Probezeit von zwei Jahren angesetzt
wurde.
2. Vorliegend hat der Beschuldigte innert der ihm angesetzten Probezeiten de-
linquiert. Einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 81 E. VII.) kann
dem Beschuldigten grundsätzlich keine günstige Prognose gestellt werden und
lediglich der Widerruf der bedingten Geldstrafen erlaubt es zusammen mit der
heute ausgesprochenen bedingten Freiheitsstrafe (s. dazu nachstehend unter
E. VI.) in Bezug auf die neue Tat eine Schlechtprognose zu verneinen. Deshalb
sind die mit Entscheiden vom 4. November 2015 des Eidgenössischen Finanzde-
partements Bern ausgesprochenen bedingten Geldstrafen gestützt auf Art. 46
Abs. 1 StGB zu widerrufen und die Strafen entsprechend zu vollziehen.
- 45 -
VI. Vollzug
A. Rechtliche Grundlagen
Zur Frage des Vollzugs der Freiheitsstrafe hat die Vorinstanz zutreffende allge-
meine und konkrete Ausführungen gemacht. Auf die entsprechenden Erwägun-
gen kann vorab vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 50 E. VI.).
B. Weitere Beurteilung
1. Der Beschuldigte erfüllt in objektiver Hinsicht die Voraussetzungen zur Ge-
währung des bedingten Strafvollzuges, da er vorliegend zu einer Freiheitsstrafe
verurteilt wird, die sich innerhalb des hierfür gesetzlich zulässigen Rahmens be-
findet. Auch hat er noch nie eine Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe von mindes-
tens 180 Tagessätzen verbüsst.
2. Ferner ist es dem Beschuldigten – durchaus im Sinne einer letzten Chance
– zuzugestehen, dass der heute angeordnete Widerruf zweier bedingter Geldstra-
fen von 40 Tagessätzen zu Fr. 140.- bzw. 15 Tagessätzen zu Fr. 140.- (s. vorste-
hend unter E. V.B.2.) eine Warnwirkung entfaltet, welche ihn genügend beeindru-
cken dürfte, um ihn von einer weiteren Delinquenz abzuhalten. Den bestehenden
Restbedenken ist mit der Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren Rechnung
zu tragen.
C. Anrechnung Haft
1. Das Gericht rechnet die Untersuchungshaft, die der Täter während dieses
oder eines anderen Verfahrens ausgestanden hat, gemäss Art. 51 StGB auf die
Strafe an. Die erstandene Untersuchungshaft ist grundsätzlich tageweise anzu-
rechnen. Ein angebrochener Tag gilt daher grundsätzlich als ganzer (BSK STGB I-
METTLER/SPICHTIN, Art. 51 StGB N 35 m.w.H.).
2. Vorliegend sind dem Beschuldigten 2 Tage erstandene Haft anzurechnen,
weil aus den Akten hervorgeht, dass er nach seiner Verhaftung am 11. Mai 2016,
08:00 Uhr, am Folgetag um 20:00 Uhr entlassen worden ist (Urk. 70101001 bzw.
Urk. 70101015).
- 46 -
VII. Beschlagnahme
A. Rechtliche Grundlagen
Seitens der Vorinstanz wurden die massgebenden rechtlichen Grundlagen hin-
sichtlich der Beschlagnahme von Gegenständen und Vermögenswerten ausführ-
lich und zutreffend wiedergegeben (Urk. 81 E. VIII.A.), weshalb vorab darauf ver-
wiesen werden kann. Ergänzend ist hervorzuheben, dass auch legal erworbene
Vermögenswerte zur Deckung der sich aus dem Strafverfahren ergebenden fi-
nanziellen Forderungen des Staates gegenüber der beschuldigten Person in der
Form von Verfahrenskosten (Art. 263 Abs. 1 lit. b StPO, Art. 267 Abs. 3 StPO und
Art. 442 Abs. 4 StPO) und der Ersatzforderung (Art. 71 Abs. 3 StGB) herangezo-
gen werden können (vgl. auch Urteil des Bundesgerichtes 1B_300/2013 vom
14. April 2014, E. 5.4. m.w.H.). Mittels der Kostendeckungsbeschlagnahme nach
Art. 263 Abs. 1 lit. b i.V.m. 268 Abs. 1 StPO kann vom Vermögen der beschuldig-
ten Person so viel beschlagnahmt werden, als voraussichtlich zur Deckung der
Verfahrenskosten, Entschädigungen, Geldstrafen und Bussen nötig ist.
B. Beurteilung
1. Hinsichtlich der in den Büroräumlichkeiten der K._ sichergestellten Ge-
genstände (Akten, Ordner, Hängeregister und Flip-Chart-Rollen) besteht kein An-
lass, diese nicht der Eigentümerin zurückzugeben. Sie sind deshalb der K._
bzw. der im Zeitpunkt der Auflösung dieser Firma für sie verantwortlichen Person
innert dreier Monate nach Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen hin
herauszugeben, ansonsten sie zu vernichten sein werden.
2. In Bezug auf die bei der D._ bestehende Kontosperre der Konten der
B._ ist festzustellen, dass die betreffende Dispositiv-Ziffer 10 des vor-
instanzlichen Urteils in Rechtskraft erwachsen ist, weshalb nicht mehr darüber zu
befinden ist.
3. Bezüglich des Kontos des Beschuldigten bei der E._ AG (Konto-Nr. 4)
mit einem Guthaben per 18. August 2017 von EUR 25'289.81 (vgl. Urk. 70201001
ff.; Urk. 45/9 S. 3) ist festzustellen, dass keine berechtigten Gründe im Sinne von
- 47 -
Art. 268 Abs. 2 oder 3 StPO bestehen, dieses Guthaben nicht zur Deckung der
Verfahrenskosten herbeizuziehen. Entgegen der Auffassung der Verteidigung,
welche beantragt, dass dieses Geld dem Beschuldigten herauszugeben sei, weil
er darauf angewiesen sei und sogar Geld aufgenommen habe, um seine Lebens-
haltungskosten für sich und seine Familie zu bestreiten (Urk. 72 S. 31; Urk. 67:
Beizugsakten Verfahren UH170274 Urk. 2 S. 8 f.), ist nicht erkennbar, dass der
Beschuldigte auf den Bezug des erwähnten Guthabens angewiesen ist. Demzu-
folge wird die E._ AG mit Rechtskraft dieses Urteils anzuweisen sein, das
fragliche Konto zu saldieren und den Saldo zur teilweisen Deckung der Verfah-
renskosten zu überweisen.
VIII. Zivilansprüche
A. Rechtliche Grundlagen
Die Voraussetzungen der Gutheissung eines Schadenersatzanspruches bestim-
men sich nach Art. 41 OR. Voraussetzung für die Zusprechung von Schadener-
satz ist demnach, dass ein Schaden vorliegt, welcher durch ein widerrechtliches
und schuldhaftes Verhalten adäquat kausal verursacht wurde. Seitens der Vor-
instanz wurden im Übrigen die massgebenden prozessualen rechtlichen Grundla-
gen hinsichtlich der Zivilansprüche ausführlich und zutreffend wiedergegeben
(Urk. 81 E. IX.A.), weshalb vollumfänglich darauf verwiesen werden kann.
B. Beurteilung
1. Seitens der D._ wird beantragt, dass ihre Zivilklage im Betrag von Fr.
91'900.68 auf den Zivilweg zu verweisen sei (Prot. I S. 6 f.; Urk. 50101194 ff.;
Urk. 60401030).
2. Wie bereits dargelegt wurde (vorstehend unter E. II.A.2.), ist die D._
hinsichtlich der erstellten ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Abs.
1 Ziff. 1 StGB nicht unmittelbar geschädigt, weshalb sie diesbezüglich nicht als
Privatklägerin zuzulassen ist.
- 48 -
3. Hinsichtlich des Vorwurfs der Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1
StGB ist die D._ demgegenüber unmittelbar Geschädigte im Sinne von Art.
115 StPO und kann sich vorliegend als Privatklägerin gemäss Art. 118 ff. StPO
konstituieren (vgl. vorstehend unter E. II.A.2.). Der von ihr geltend gemachte
Schadenersatz im Betrag von Fr. 91'900.68 betreffe die notwendigen Aufwendun-
gen ihrer rechtlichen Vertretung im vorliegenden Verfahren sowie weitere Rechts-
vertretungskosten abzüglich der von den Investoren beglichenen Beträge
(Urk. 50101194 ff.). Der geltend gemachte Anspruch ist hinsichtlich der Urkunden-
fälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB so oder anders nicht liquide, weshalb die
Zivilansprüche der Privatklägerin – auch ihrem Antrag entsprechend – auf den Zi-
vilweg zu verweisen sind, soweit damit nicht eine Prozessentschädigung, sondern
Schadenersatz gefordert wird.
IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen
A. Erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Gestützt auf Art. 428 Abs. 3 StPO hat die Rechtsmittelinstanz von Amtes
wegen auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung zu befinden,
wenn sie selber ein neues Urteil fällt und nicht kassatorisch entscheidet. Gemäss
Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfahrenskosten, wenn
sie verurteilt wird. Ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung.
Wird das Verfahren eingestellt oder die beschuldigte Person freigesprochen, kön-
nen ihr die Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt werden, wenn sie
rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen
Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO). Der beschuldigten Person,
die bei mehreren angeklagten Straftaten nur teilweise schuldig gesprochen, im
Übrigen aber freigesprochen wird, sind die Verfahrenskosten nur anteilmässig
aufzuerlegen. Dies gilt jedenfalls, soweit sich die verschiedenen Anklagekomple-
xe klar auseinanderhalten lassen. Der beschuldigten Person dürfen jedoch dann
die gesamten Kosten des Verfahrens auferlegt werden, wenn die ihr zur Last ge-
legten Handlungen in einem engen und direkten Zusammenhang stehen und alle
- 49 -
Untersuchungshandlungen hinsichtlich jedes Anklagepunktes notwendig waren
(BSK-STPO II-DOMEISEN, Art. 426 StPO N 6 m.w.H.).
2. Die Vorinstanz hat sich vorliegend einlässlich mit der Kostenauflage befasst
und zutreffend erwogen, dass dem Beschuldigten die Verfahrenskosten zu 9/10
aufzuerlegen und zu 1/10 auf die Staatskasse zu nehmen sind (s. Urk. 81
E. X.B.d). Diese Kostenverteilung erweist sich als angemessen, weil die beiden in
Frage stehenden Anklagevorwürfe in einem engen Konnex stehen und derjenige
hinsichtlich der Urkundenfälschung von der Bedeutung her neben demjenigen der
ungetreuen Geschäftsbesorgung, bezüglich welchem ein Schuldspruch vorliegt,
nur geringfügig ins Gewicht fällt. Unnötige oder fehlerhafte Verfahrenshandlungen
im Sinne von Art. 426 Abs. 3 lit. a StPO sind ausserdem nicht ersichtlich.
3. Die Kostenauflage der Vorinstanz (Dispositiv-Ziffer 13) ist demgemäss voll-
umfänglich zu bestätigen.
4. Die Ausführungen zur Entschädigung der erbetenen Verteidigung durch die
Vorinstanz sind nicht zu beanstanden. Ihre entsprechenden Erwägungen (Urk. 81
E. X.B.e) erweisen sich als zutreffend, weshalb vollumfänglich darauf verwiesen
werden kann. Demzufolge ist dem Beschuldigten bis zum erstinstanzlichen Ge-
richtsverfahren eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 4'000.- zuzuspre-
chen und gestützt auf Art. 442 Abs. 4 StPO mit den ihm auferlegten Kosten zu
verrechnen bzw. Dispositiv-Ziffer 14 des vorinstanzlichen Urteils vollumfänglich zu
bestätigen.
5. Da Dispositiv-Ziffer 15 des vorinstanzlichen Urteils rechtskräftig wurde, ist
die Frage der Entschädigung der Privatklägerin für ihren Aufwand im erstinstanz-
lichen Verfahren vorliegend nicht mehr zu prüfen.
B. Zweitinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob bzw. inwieweit eine
Partei im Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt davon ab, in
welchem Ausmass ihre vor der zweiten Instanz gestellten Anträge gutgeheissen
- 50 -
werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1025/2014 vom 9. Februar 2015 E. 2.4.1.
mit Hinweisen; bestätigt in 6B_10/2015 vom 24. März 2015 E. 4.2.1). Für die Kos-
tenauflage gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO sind nicht die rechtliche Würdigung und
die Anzahl der angeklagten Tatbestände, sondern der zur Anklage gebrachte Le-
benssachverhalt massgebend (Urteil des Bundesgerichts 6B_803/2014 vom
15. Januar 2015 E. 3.5). Wird der Entscheid im Rechtsmittelverfahren nur unwe-
sentlich abgeändert, können die Kosten nach dem Verursacherprinzip auferlegt
werden (Urteil 6B_318/2016 vom 13. Oktober 2016 E. 4.1 mit Hinweisen).
2. Der Beschuldigte unterliegt im Berufungsverfahren vollumfänglich, zumal
das erstinstanzliche Urteil im Wesentlichen zu bestätigen ist. Daran vermag auch
die leicht geringfügigere Strafe und verkürzte Probezeit nichts zu ändern. Aller-
dings unterliegt auch die Anschlussberufung erhebende Staatsanwaltschaft mit ih-
ren Anträgen vollumfänglich. Nachdem die Überprüfung des vom Beschuldigten
angefochtenen vorinstanzlichen Schuldspruchs wegen ungetreuer Geschäftsbe-
sorgung deutlich mehr Aufwand verursachte als der von der Staatsanwaltschaft
angefochtene Freispruch wegen Urkundenfälschung, sind die Kosten des Beru-
fungsverfahrens zu drei Vierteln dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu einem
Viertel auf die Gerichtskasse zu nehmen.
3. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahrens ist in Anwendung von
Art. 424 Abs. 1 StPO i. V. m. §§ 16 Abs. 1 und 14 Abs. 1 lit. b GebV OG unter Be-
rücksichtigung der Bedeutung und Schwierigkeit des Falles sowie des Zeitauf-
wands des Gerichts für dieses Verfahren auf Fr. 6'000.– festzusetzen.
4. Die Entschädigungsfrage folgt den gleichen Regeln wie der Kostenent-
scheid. Die Verteidigung brachte im Berufungsverfahren keine Honorarnote bei.
Ausgehend vom Aufwand der Verteidigung für das bisherige Verfahren, welchen
die Vorinstanz mangels Einreichung einer Honorarnote ebenfalls schätzungswei-
se festlegen musste (Urk. 81 E. X.B.1.e), und unter Berücksichtigung des Um-
standes, dass sich der Zusatzaufwand für die Verteidigung im Rechtsmittelverfah-
ren regelmässig in Grenzen hält, ist dem Beschuldigten pauschal eine reduzierte
Prozessentschädigung von Fr. 4'000.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
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5. Gemäss Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO hat die Pri-
vatklägerschaft gegenüber der beschuldigten Person Anspruch auf angemessene
Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren, wenn sie obsiegt.
Vorliegend verzichtete die Privatklägerin auf die Stellung eigener Anträge und ver-
langte auch keine Prozessentschädigung. Demnach ist ihr auch keine Prozess-
entschädigung zuzusprechen.