Decision ID: c6451e03-48ea-5e53-b404-e93fd4774881
Year: 2005
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1.a) Herr und Frau T._ stellten am 23. Dezember 2003 das Gesuch zur
Umnutzung des bestehenden Gewölbekellers in ihrer Liegenschaft Gbbl. Nr. U._,
V._weg, Köniz, in ein Restaurant. Das Vorhaben liegt in der Wohnzone W,
Bauklasse I. In dieser Zone gilt die Empfindlichkeitsstufe II gemäss Art. 43 der
Lärmschutz-Verordnung vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.331). Gleichzeitig stellten
sie ein Gesuch für einen Gastgewerbebetrieb mit normalen Öffnungszeiten und maximal
30 Sitzplätzen. Die Gesuche wurden publiziert. Es gingen achtzehn Einsprachen ein. Es
fand eine Einigungsverhandlung statt.
b) Am 30. April 2004 reichten Herr und Frau T._ eine Projektänderung ein. Sie
schränkten die Öffnungszeiten wie folgt ein:  Keller: Montag bis Donnerstag und Sonntag 10.00 bis 22.00 Uhr, Freitag und Samstag 10.00 bis 24.00
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Uhr;  Gartenwirtschaft: Montag bis Donnerstag 10.00 bis 21.00 Uhr, Freitag und Samstag 10.00 bis 22.00,
Sonntag 10.00 bis 20.00 Uhr.
Sie planen neu eine Gästetoilette und limitieren die Sitzplätze in der Gartenwirtschaft auf
maximal 20 Personen. Zudem bezeichneten sie in einem Plan die genaue Lage der vier
Gästeparkplätze.
Die einsprechenden Personen konnten zu dieser Projektänderung Stellung nehmen. Die
Gemeinde Köniz empfahl dem Regierungsstatthalter, die Bewilligungen unter bestimmten
Auflagen und Bedingungen zu erteilen.
c) Der Regierungsstatthalter von Bern erteilte mit Gesamtbauentscheid vom 9.
November 2004 die Baubewilligung aufgrund des Baugesuchs sowie der Projektänderung
und sicherte die Betriebsbewilligung A nach dem Gastgewerbegesetz vom 11. November
1993 (GGG, BSG 935.11) zu. Unter anderem beschränkte er die Öffnungszeiten des
Restaurants und der Gartenwirtschaft wie folgt:  Kellerrestaurant: Montag bis Donnerstag und Sonntag 10.00 – 22.00 Uhr
Freitag bis Samstag 10.00 – 24.00 Uhr  Gartenwirtschaft: Montag bis Donnerstag 10.00 – 22.00 Uhr
Freitag bis Samstag 10.00 – 24.00 Uhr Sonntag 10.00 – 20.00 Uhr
Mit Brief vom 22. November 2004 korrigierte er die Öffnungszeit für die Gartenwirtschaft
von Montag bis Donnerstag auf 10.00 bis 21.00 Uhr.
2.a) Fünfzehn Personen reichten am 10. Dezember 2004 Baubeschwerde ein. Sie stellen
folgende Anträge: „1. Der Gesamtbauentscheid vom 9. November 2004 sei aufzuheben und für das Baugesuch vom 22.
Dezember 2003 sei der Bauabschlag zu erteilen. 2. Eventualiter: Der Gesamtbauentscheid vom 9. November 2004 sei um folgende Bedingungen und Auflagen
zu ergänzen: a) Betriebliche Massnahmen
 Der geplante Gastgewerbebetrieb darf an höchsten zwei beliebigen Tagen pro Woche geöffnet sein, davon an einem Tag länger als bis 20.00 Uhr im Rahmen der untenstehenden Öffnungszeiten;
 An den beiden Betriebstagen pro Woche sind im Übrigen folgende Öffnungszeiten einzuhalten: o Kellerrestaurant: Montag bis Donnerstag 10.00 – 22.00 Uhr
Freitag und Samstag 10.00 – 23.00 Uhr Sonntag 10.00 – 16.00 Uhr
o Gartenwirtschaft: Montag bis Samstag 10.00 – 19.00 Uhr Sonntag 10.00 – 16.00 Uhr
 Pro Kalenderjahr dürfen nicht mehr als zwei Überzeitbewilligungen (max. bis 01.00 Uhr) erteilt werden;
 Verbot, die Fenster im Kellerraum während den Öffnungszeiten zu öffnen und die Kellertüre offen stehen zu lassen;
b) Bauliche Massnahmen  Einbau einer Lüftungsanlage im Kellerraum;  Aufstellen einer Hinweistafel am Strassenrand auf dem Grundstück der Beschwerdegegner mit
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folgenden Informationen: Privatweg mit richterlichem Fahrverbot (ausgenommen berechtigte Fahrzeuge), keine weiteren Parkplätze, kein Wendeplatz.“
Sie machen insbesondere geltend, das Vorhaben sei nicht zonenkonform und verursache
unzulässige Lärmemissionen.
b) Herr und Frau T._ beantragen, die Baubeschwerde abzuweisen. Auch die
Gemeinde und der Regierungsstatthalter stellen den Antrag, die Beschwerde abzuweisen
und den angefochtenen Entscheid zu bestätigen.
c) Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die Bau-, Verkehrs- und Ener-
giedirektion (BVE) leitet, holte bei der zuständigen kantonalen Fachstelle eine
Lärmprognose ein. Die Parteien konnten dazu Stellung nehmen und Schlussbemerkungen
zum Verfahren einreichen.

II. Erwägungen
1. Die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) prüft die
Eintretensvoraussetzungen von Amtes wegen.
a) Der Regierungsstatthalter von Bern hat einen Gesamtentscheid nach Art. 9 des
Koordinationsgesetzes vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) gefällt. Dieser kann,
unabhängig von den geltend gemachten Einwänden, einzig mit dem für das Leitverfahren
massgeblichen Rechtsmittel angefochten werden (Art. 11 Abs. 1 KoG). Leitverfahren ist
das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Gemäss Art. 40 des Baugesetzes vom
9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) können Entscheide, welche in diesem Verfahren ergangen
sind, bei der BVE angefochten werden. Die Beschwerdebefugnis richtet sich im
koordinierten Verfahren nach der besonderen Gesetzgebung (Art. 10 KoG). Im
vorliegenden Fall somit nach dem Baugesetz.
b) Die Beschwerdeführenden Ziffern 1 bis 4, 9 sowie 12 bis 15 wohnen in unmittelbarer
Nachbarschaft zur Bauparzelle. Sie sind deshalb zur Beschwerdeführung legitimiert (Art.
35 Abs. 2 Bst. a BauG i.V.m. Art. 40 BauG). Fraglich ist die Beschwerdeberechtigung der
übrigen beschwerdeführenden Personen. Sie wohnen nicht direkt am W._weg, der
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als Zufahrt zum Bauvorhaben dient, sondern an zwei Seitenstrassen, die vom
W._weg abzweigen. Sie machen geltend, das Vorhaben führe zu mehr Verkehr
und wildem Parkieren im Quartier. Da diese Möglichkeit nicht völlig von der Hand gewiesen
werden kann, ist auch ihre Beschwerdelegitimation zu bejahen.
c) Die übrigen Eintretensvoraussetzungen sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2. Umstritten ist im Wesentlichen die Frage der Zonenkonformität und der Umweltauswirkungen (insbesondere Lärm und Gerüche) des Bauvorhabens.
a) Mit dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes über den Umweltschutz vom 7. Oktober
1983 (USG; SR 814.01) hat das kantonale Recht betreffend den direkten Schutz vor
Immissionen seine selbständige Bedeutung verloren, soweit sich sein materieller Gehalt
mit dem Bundesrecht deckt oder weniger weit geht als dieses; es hat sie dort behalten, wo
es die bundesrechtlichen Normen ergänzt oder – soweit erlaubt – verschärft. Indessen
haben städtebauliche Nutzungsvorschriften des kantonalen und kommunalen Rechts
weiterhin selbständigen Gehalt, soweit sie die Frage regeln, ob eine Baute oder Anlage
nach den raumplanerischen Grundlagen am vorgesehenen Ort erstellt und ihrer
Zweckbestimmung übergeben werden darf. Dies gilt auch, wenn die für den Charakter
eines Quartiers wesentlichen Nutzungsvorschriften mittelbar dem Schutz der Nachbarn vor
Übelständen verschiedenster Art dienen (BGE 118 Ib 590 E. 3a mit weiteren Hinweisen).
b) Das Bauvorhaben liegt in der Wohnzone W mit Bauklasse I. Nach Art. 41 Abs. 1 und
2 des Baureglementes der Gemeinde Köniz vom 7. März 1993 (GBR) ist die Wohnzone für
das Wohnen bestimmt. Arbeitsaktivitäten, die das gesunde und ruhige Wohnen nicht
stören, sind in der Bauklasse I bis zu 35 % der Bruttogeschossfläche gestattet.
Hotelbauten, Herbergen und dergleichen sind ausgeschlossen (Art 41 Abs. 3 GBR). Es gilt
die Empfindlichkeitsstufe II gemäss Art. 43 der Lärmschutz-Verordnung vom 15. Dezember
1986 (LSV; SR 814.331; Art. 41 Abs. 5 GBR).
c) Das USG erfasst als schädliche oder lästige Einwirkungen auch die
Luftverunreinigungen und den Lärm (Art. 7 Abs. 1, 3 und 4 i.V.m. Art. 11 ff. USG). Sinn und
Zweck von Art. 41 GBR dagegen liegt nicht in erster Linie im allgemeinen Schutz vor
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solchen Einwirkungen, sondern im Schutz des gesunden Wohnens in der Wohnzone der
Gemeinde Köniz. Diese kommunale Bestimmung regelt somit die Frage, ob eine Baute
oder Anlage am vorgesehenen Ort, in dieser Nutzungszone, erstellt und ihrer
Zweckbestimmung übergeben werden darf. Gestützt auf diese Bestimmung kann ein
Vorhaben auch dann untersagt werden, wenn es die bundesrechtlichen Schranken nicht
überschreitet, sofern das Verbot nicht einzig mit Einwirkungen begründet wird, die vom
Bundesumweltschutzrecht abschliessend erfasst werden (vgl. dazu BGE 118 Ia 112 E. 1b).
Art. 41 GBR kommt somit neben dem USG noch eine selbständige Bedeutung zu.
3. Die Beschwerdeführenden machen geltend, das Vorhaben sei nicht zonenkonform und verletze neben Art. 41 GBR auch Art. 3 Abs. 3 Bst. b des Bundesgesetzes über die
Raumplanung vom 22. Juni 1979 (RPG; SR 700) sowie Art. 24 Abs. 2 BauG und Art 90
Abs. 1 der Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1); zudem widerspreche es
Art. 32 Abs. 1 GBR.
a) Art. 3 Abs. 3 Bst. b RPG und Art. 32 Abs. 1 GBR sind Planungsgrundsätze. Sie sind
deshalb vor allem von den Planungsbehörden zu beachten. Im Baubewilligungsverfahren
dienen sie zur Konkretisierung offener Normen. Allein gestützt auf sie kann ein
Bauvorhaben nicht untersagt werden. Da das Bauvorhaben nicht im Grenzbereich zu
Wohnzonen liegt, ist auch Art. 24 Abs. 2 BauG nicht anwendbar. Dagegen bestimmt Art. 24
Abs. 1 BauG allgemein, dass ein Vorhaben nicht zu Einwirkungen auf die Nachbarschaft
führen darf, welche der Zonenordnung widersprechen. Und zum Schutz der Wohnzone
sieht Art. 90 Abs. 1 BauV vor, dass stille Gewerbe bewilligt werden dürfen, sofern sie sich
baulich gut einordnen und weder durch ihren Betrieb noch durch den verursachten Verkehr
störend wirken können. Arbeitsaktivitäten nach Art. 41 Abs. 2 GBR, die das gesunde und
ruhige Wohnen nicht stören, entsprechen dem stillen Gewerbe nach Art. 90 Abs. 1 BauV.
Die Regelung der Gemeinde stimmt damit in ihrem materiellen Gehalt im Wesentlichen mit
dieser kantonalen Norm überein; insoweit hat die Gemeinde Köniz in materieller Hinsicht
kein eigenständiges kommunales Recht gesetzt. Sie hat dieses kantonale Recht aber in
einem Bereich übernommen, in welchem sie autonom ist, denn es obliegt ihr, die auf ihrem
Gebiet geltenden Nutzungsvorschriften zu erlassen. Deshalb kommt ihr auch bei der
Anwendung von Art. 41 Abs. 2 GBR ein gewisser Beurteilungsspielraum zu (VGE 21563
vom 3.2.2004 i.S. R. E. 3.4).
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b) Nutzungsvorschriften wie Art. 41 GBR dienen der abstrakten Gefahrenabwehr. Bei
der Prüfung der Zonenkonformität ist deshalb nicht auf die mit dem Bauvorhaben
verbundenen, konkreten Immissionen abzustellen. Es ist vielmehr zu untersuchen, ob ein
bestimmtes Bauvorhaben zu den in den Nutzungsvorschriften typisierten Kategorien von
zulässigen oder unzulässigen Bauten und Anlagen gehört. Ob ein generell
ausgeschlossener Betrieb im konkreten Fall stören würde oder nicht, ist somit zur
Beurteilung der Zonenkonformität unerheblich (BVR 1985 S. 407 E. 2; BVR 1994 S. 230
E. 2a; Aldo Zaugg, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern vom 9. Juni 1985, 2.
Auflage, 1995, Art. 24 N. 8).
c) Als nicht störend gelten nach der kantonalen Rechtsprechung Betriebe, die mit der
Wohnnutzung ohne weiteres vereinbar sind oder diese sogar begünstigen. Dazu zählen
Gewerbe, welche dem täglichen Bedarf der Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers
dienen oder sonst wie quartierüblich sind (z.B. Bäckereien, Schuhmachereien,
Coiffeursalons). Eine gewerbliche Nutzung ist in der Wohnzone dagegen auszuschliessen,
wenn sie typischerweise Belästigungen zur Folge hat, die über das hinausgehen, was mit
dem Wohnen verträglich ist. Zu Problemen Anlass geben kann insbesondere die
Verkehrsbelastung der Wohnzone durch die gewerbliche Tätigkeit. Verträgt sie sich nicht
mit der Wohnnutzung, so erweist sich der Betrieb als zonenfremd (vgl. dazu BVR 2001 S.
17 E. 3c; Ruch, Kommentar RPG, Art. 22 Rz 74 f.).
d) Die Gemeinde beurteilt den Restaurantbetrieb der Beschwerdegegner in der
Wohnzone W als zonenkonform. Eine eigens für Restaurants geschaffene Zone kenne die
Gemeinde Köniz nicht. Es liege in der Verantwortung der Betreiber, für einen geordneten
Betrieb besorgt zu sein.
Die Beschwerdeführenden sind dagegen der Auffassung, beim geplanten
Gastgewerbebetrieb mit 30 Innen- und 20 Aussenplätzen handle es sich weder um eine
Einrichtung für den täglichen Lebensbedarf noch um ein betrieblich nicht störendes
Kleingewerbe. Der Restaurantbetrieb entspreche in keiner Art und Weise einem Bedürfnis
der Wohnzone im Gebiet W._weg. Angesichts der mangelhaften Erschliessung
mit dem öffentlichen Verkehr hätte der Betrieb ein erhöhtes Verkehrsaufkommen zur Folge.
Dies widerspreche auch dem in Art. 32 Abs. 1 GBR festgesetzten Planungsziel bezüglich
Verkehrsentlastung und Verkehrssicherheit der Gemeinde Köniz, nämlich die Wohngebiete
möglichst vom Motorfahrzeugverkehr zu entlasten. Beim geplanten Standort handle es sich
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um ein reines, eher ländliches Wohnquartier. Das Bauvorhaben stelle am geplanten
Standort einen absoluten Fremdkörper dar.
Die Beschwerdegegner wenden ein, die Behauptung, es handle sich um ein ruhiges
Wohnquartier mit einer geringen Lärmvorbelastung sei nicht richtig. Verschiedene andere
Tätigkeiten verursachten ebenfalls Mehrverkehr im Quartier. Auch die weitere Behauptung,
das Bauvorhaben stelle am geplanten Standort einen absoluten Fremdkörper dar und
ordne sich nicht in das Quartier ein, sei kaum verständlich, wenn man bedenke, dass es
sich beim vorliegenden Baugesuch lediglich um eine Umnutzung eines seit über 200
Jahren bestehenden Gebäudes handle, das mit grossem Aufwand und Respekt vor dem
Kulturgut renoviert worden sei. Das Gebäude sei zudem massiv unternutzt. Im Vergleich zu
dem, was bei einer intensiveren Nutzung der Liegenschaft zonenkonform erlaubt sei,
generiere ihr Umnutzungsgesuch gar keine wesentliche Mehrnutzung. Sodann möchten sie
betonen, dass es sich bei ihrem Projekt nicht um einen normalen Gastbetrieb mit den
üblichen Öffnungszeiten handle, sondern um einen familiären Nebenbetrieb. Die geplanten
Weindegustationen und Apéros im Gewölbekeller seien keine Bierfeste, sondern
professionell organisierte Anlässe für ein speziell interessiertes Publikum.
e) Die Beschwerdegegner planen ein Restaurantbetrieb mit maximal 30 Sitzplätzen im
Gewölbekeller unter ihrem Haus und maximal 20 Sitzplätzen auf dem Vorplatz auf der
südwestlichen Seite ihrer Liegenschaft. Von diesem Vorplatz führt eine Treppe in den
Keller, der entsprechend seiner bisherigen Funktion kleine Kellerfenster aufweist. Die
servierten Speisen werden in der bestehenden Küche in der Wohnung der
Beschwerdegegner zubereitet. Unmittelbar neben dieser Küche ist zudem der Einbau einer
Gästetoilette geplant. Für den Gastwirtschaftsbetrieb sind auf dem südwestlichen Vorplatz
der Liegenschaft vier Parkplätze vorgesehen. Das Betriebskonzept der Beschwerdegegner
sieht vor, gelegentlich im Gewölbekeller geschlossene Gruppen von maximal 30 Personen
zu bewirten (Apéros, Weindegustationen u. ä.) und bei schönem Wetter für Spaziergänger
Erfrischungen und allenfalls einfache Gerichte anzubieten. Da sie nicht planen könnten, an
welchen Tagen die Anlässe im Gewölbekeller stattfinden werden, hätten sie ein Gesuch für
eine generelle Bewilligung für das ganze Jahr gestellt.
f) Vorliegend ist nur zu entscheiden, ob dieser Typ Restaurant mit diesem Konzept
angesichts der Umschreibung der Wohnzone W nach Art. 41 GBR am geplanten Standort
zonenkonform ist oder nicht. Nicht zu prüfen ist, welche Arbeitsaktivitäten generell an
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diesem Standort das gesunde und ruhige Wohnen nicht stören. Deshalb kann auch offen
bleiben, ob ein Restaurant mit einem anderen Betriebskonzept, z.B. eines, das sich zur
Hauptsache an die Bewohnerinnen und Bewohner des umliegenden Quartiers wendet,
zonenkonform wäre.
Der geplante Restaurantbetrieb weist keine oder nur eine sehr geringe funktionale Bindung
mit den Bedürfnissen der Wohnzone auf. Das Konzept der Beschwerdegegner ist zur
Hauptsache auf Kundinnen und Kunden ausgerichtet, die nicht im Quartier wohnen. Dies
dürfte selbst für die Spaziergängerinnen und Spaziergänger gelten, an die sich das
Angebot auch richtet. Der Standort liegt am Abhang des Gurtens, eines beliebten
stadtnahen Ausflugsziels. Dieses Kundensegment dürfte deshalb zum grössten Teil
ebenfalls von ausserhalb des Quartiers stammen. Die wenigen Quartierbewohner, die
möglicherweise das Restaurant auch aufsuchen werden, ändern nichts an der
grundsätzlich fehlenden funktionalen Bindung des Betriebes an die Bedürfnisse der
Quartierbewohnerinnen und Quartierbewohner. Diesen fehlenden Quartierbezug
verkennen sowohl die Gemeinde wie die Vor-instanz. Die Gemeinde unterlässt die in
dieser Hinsicht gebotene Differenzierung, wenn sie einfach von einem Restaurant ausgeht
und nicht berücksichtigt, welches Konzept der Betrieb aufweist. Dass die Gemeinde keine
eigens für Restaurants geschaffene Zone kennt, macht den geplanten Betrieb der
Beschwerdegegner nicht automatisch zonenkonform. Für Restaurants werden
üblicherweise nicht separate Zonen geschaffen. Diese Betriebe sind vielmehr je nach
ihrem Konzept, ihrer Funktion und ihrem Standort in verschiedenen Nutzungszonen
zonenkonform. Die Auffassung der Gemeinde ist deshalb selbst in Berücksichtigung ihrer
Gemeindeautonomie rechtlich nicht mehr vertretbar. Dasselbe gilt für die Beurteilung der
Vorinstanz, die ausführt, beim fraglichen Bauvorhaben handle es sich um einen
Restaurantbetrieb, in welchem vorwiegend Spaziergänger der Umgebung verköstigt
werden sollen.
Die Bauparzelle liegt am südöstlichen Rand eines grösseren, ruhigen Wohnquartiers, das
an eine Landwirtschaftszone grenzt, die sich gegen den Gurten hinaufzieht. Das Quartier
wird von der nördlich verlaufenden X._strasse her erschlossen. Um zur
Bauparzelle zu gelangen, muss das Quartier der Breite nach auf dem W._weg
durchquert werden. Für das Quartier gilt mit Ausnahme einer Parzelle (Gbbl. Nr.
G._) die Wohnzone nach Art. 41 GBR. Die Parzelle Nr. G._, die
gegenüber der Bauparzelle liegt, ist einer Zone für öffentliche Nutzung zugeteilt, in der nur
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Familiengärten zugelassen sind. Zwei Teilgebiete des Quartiers werden zudem durch ein
Siedlungsschutzgebiet überlagert, in welchen die charakteristischen Bau- und
Aussenraumgestaltungen zu erhalten sind (Besondere Vorschriften zu Nutzungsplan und
Schutzplan: Siedlungsschutzgebiete X._strasse und Feldrainweg, ZPP Nrn. 4/5
und 5/6; Zone für öffentliche Nutzung Nr. 5/67).
Das Betriebskonzept der Beschwerdegegner bringt es mit sich, dass die Gäste
grossmehrheitlich von ausserhalb des Quartiers stammen werden. Die nächste Haltestelle
des öffentlichen Verkehrs liegt rund 600 m entfernt. Deshalb werden erfahrungsgemäss die
Besucher, die sich nicht ohnehin auf einem Spaziergang in der Gegend befinden, nur in
Ausnahmefällen mit dem öffentlichen Verkehr anreisen. Bei dieser Sachlage ist davon
auszugehen, dass der Gastgewerbebetrieb zu quartierfremdem Mehrverkehr und
angesichts der schmalen Quartierstrassen und des knappen Parkplatzangebots der
Beschwerdegegner zu Verkehrsproblemen führen wird, die das gesunde und ruhige
Wohnen stören werden. Diese Beurteilung rechtfertigt sich auch durch die Ergebnisse des
Lärmgutachtens vom 16. Februar 2005 (vgl. dazu auch E. 4b). Der Mehrverkehr aus
anderen Tätigkeiten im Quartier, auf den die Beschwerdegegner sich auch berufen, wird
dagegen durch zonenkonforme und damit quartierbezogene Nutzungen verursacht oder
steht in engem Zusammenhang mit einer solchen Nutzung (Bau von Wohnungen,
Wohnnutzung, landwirtschaftliche Nutzung der angrenzenden Landwirtschaftszone).
Sollten – wie die Beschwerdegegner ebenfalls geltend machen – innerhalb des Quartiers
tatsächlich auch Dienstleistungen angeboten werden, durch welche zusätzlicher
quartierfremder, störender Verkehr enttünde, hätte die Gemeinde zu prüfen, ob diese
Angebote bewilligungspflichtig und bewilligungsfähig wären. Soweit sich die
Beschwerdegegner auf Arbeitsaktivitäten beziehen, die entlang der X._strasse
angesiedelt sind, sind diese bereits wegen ihres Standortes nicht mit dem umstrittenen
Vorhaben vergleichbar. Und schliesslich können sich die Beschwerdegegner auch nicht mit
Erfolg auf die Besitzstandsgarantie berufen, denn bei ihrem Betriebskonzept handelt es
sich offensichtlich um eine neue Nutzung ihrer Liegenschaft (vgl. dazu Art. 3 BauG).
Zusammenfassend ist festzustellen, dass das umstrittene Bauvorhaben der
Beschwerdegegner wegen seiner Funktion und wegen des damit verursachten
Mehrverkehrs am vorgesehenen Standort nicht dem Zweck der Wohnzone W nach Art. 41
GBR der Gemeinde Köniz entspricht.
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4. Die Beschwerdeführenden machen auch geltend, der Restaurantbetrieb habe
störende Auswirkungen, insbesondere entstünden unzulässige Lärm- und Geruchsimmissionen.
a) Der geplante Restaurantbetrieb ist eine ortsfeste Anlage im Sinne von Art. 25 Abs. 1
USG und Art. 7 Abs. 1 Bst. b LSV. Eine solche Anlage darf nur errichtet werden, wenn die
durch diese Anlage allein erzeugten Lärmimmissionen die Planungswerte in der
Umgebung nicht überschreiten; zudem müssen die Lärmimmissionen so weit begrenzt
werden, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11
Abs. 2 USG; Art. 7 Abs. 1 Bst. a LSV). Sind keine Belastungsgrenzwerte festgelegt oder
fehlen die Voraussetzungen für deren Anwendung, so ist im Einzelfall nach den Kriterien
von Art. 15, 19 und 23 USG zu beurteilen, ob eine Störung vorliegt (Art. 40 Abs. 3 LSV).
Dies gilt namentlich für die Beurteilung des Lärms von Gaststätten, der durch eine
Mischung aus menschlichem Verhalten und unregelmässigen Geräuschen bei Ankunft,
Verweilen und Verlassen der Lokalitäten resultiert. Bei dieser Einzelfallbeurteilung sind der
Charakter des Lärms, Zeitpunkt und Häufigkeit seines Auftretens sowie die
Lärmempfindlichkeit und Lärmvorbelastung der Zone, in der die Immissionen auftreten, zu
berücksichtigen. Handelt es sich um eine neue Anlage, muss der Betrieb mangels
anwendbarer Planungswerte ein Immissionsniveau einhalten, bei welchem nach
richterlicher Beurteilung höchstens geringfügige Störungen auftreten (Pra 2001 Nr. 144, E.
2c; URP 2001 S. 923, E. 2b; BGE 123 II 325 E. 4; BVR 2002 S. 356 E. 2c).
Belastungsgrenzwerte sind dagegen festgelegt für die lärmmässige Mehrbeanspruchung
von Verkehrsanlagen durch neue ortsfest Anlagen. Der Betrieb solcher Anlagen darf nicht
dazu führen, dass durch die Mehrbeanspruchung einer Verkehrsanlage die
Immissionsgrenzwerte überschritten werden (Art. 9 Bst. a LSV; BGr 1A.43/2004 vom
19.8.2004, in ZBl 2005 S. 36 E. 3.1).
b) Die Fachstelle Verkehr+Umwelt hat in ihrem Fachbericht vom 16. Februar 2005
unbestritten festgestellt, der vorhandene Strassenverkehrslärm durch die täglichen und
nächtlichen Fahrzeugbewegungen werde auch mit dem Betrieb des geplanten Restaurants
nicht zu einer Überschreitung der Immissionsgrenzwerte nach Anhang 3 zur LSV führen.
Zu einer anderen Beurteilung ist die Fachstelle indessen bezüglich des Primär- und
Sekundärlärms aus dem Betrieb des Restaurants gekommen. Die Fachstelle hat in ihren
Untersuchungen nach dem innerbetrieblichen Lärm (Primärlärm) und dem Sekundärlärm
unterschieden.
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Bezüglich des Primärlärms ist sie zu folgenden Schlüssen gekommen: Durch die Bewirtung
von örtlichen Spaziergängern würden in der Anwohnerschaft kaum feststellbare
Lärmimmissionen auftreten. Sofern im Gewölbekeller die vorhandenen Öffnungen mit
Fenstern versehen oder anderweitig schallisoliert würden, sei davon auszugehen, dass in
der Nachbarschaft dadurch keine erheblichen Lärmimmissionen auftreten würden. Dies
bedinge jedoch, dass diese Schallisolationen beim Restaurantbetrieb nicht geöffnet oder
entfernt würden. Dies könnte jedoch infolge der fehlenden Lüftung in der warmen
Jahreszeit zu Problemen führen. Auf die Besuchergeräusche auf der Gartenterrasse könne
dagegen erfahrungsgemäss kaum Einfluss genommen werden. Die mit Geburtstagspartys
etc. zusammenhängenden, menschlich verursachten Geräusche ausserhalb des
Gewölbekellers durch Lachen, heftige Diskussionen etc. könnten in diesem ruhigen
Wohnquartier über weite Distanzen wahrgenommen und insbesondere nach 19.00 Uhr als
erheblich störend empfunden werden.
Den Sekundärlärm hat die Fachstelle wie folgt eingeschätzt: Während bei den
Spaziergängern überhaupt kein Sekundärlärm entstehe, müsse bei den anderen
Besuchern mit folgenden Sekundärlärm gerechnet werden: - Parkplatzsuchverkehr; - Lärm beim Verlassen oder Einsteigen ins Fahrzeug (Motorgeräusch, ‚quietschende’ Reifen bei allfälligen
‚Kavalierstarts, Zuschlagen von Fahrzeugtüren, Enteisen der Scheiben im Winter etc.); - Menschliche Laute (Diskussionen, Lachen etc.) auf dem Weg vom Parkplatz zum Restaurant und zurück,
sowie bei den Parkplätzen beim Restaurant selber.
Die durch den Sekundärlärm anfallenden Geräusche beim Parkieren, bei der Wegfahrt, bei
Diskussionen und beim Lachen auf der Strecke zu Fuss vom Restaurant zum Parkplatz im
Quartier, der Aufenthalt der Gäste im Freien (Rauchen im Freien etc.) könnten durchaus zu
erheblichen Lärmstörungen in der Anwohnerschaft führen. Die Pegelanstiege, welche
durch diese Geräusche plötzlich verursacht würden, führten am früheren Abend bei
Kindern und am späteren Abend auch bei Erwachsenen zu den bekannten
Weckreaktionen.
Weder die Beschwerdegegner noch die Vorinstanz oder die Gemeinde haben diese Fest-
stellungen in Frage gestellt. Sie überzeugen auch die BVE als Beschwerdeinstanz: Der Pri-
märlärm durch die Bewirtung von Gruppen auf der Gartenterrasse sowie der Sekundärlärm
durch die Personen, die an diesen Gruppenanlässen teilnehmen, ist nicht durch quartierbe-
zogene Aktivitäten verursacht und wird deshalb in seinem Charakter als störender empfun-
den als vergleichbarer Lärm aufgrund des Quartierlebens. Daran ändert auch die Tatsache
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nichts, dass auch mit quartierbezogenen Tätigkeiten vergleichbarer Lärm verbunden sein
kann. Dieser Lärm unterscheidet sich von jenem vor allem bezüglich seiner Intensität und
seiner Häufigkeit. Gruppenanlässe mit bis zu 30 Personen an mehreren Tagen in der
Woche, teilweise bis 24.00 Uhr, unterscheiden sich klar von Anlässen im privaten Rahmen.
Kommt dazu, dass auch solche Anlässe nicht Lärm bewirken dürfen, der durch zumutbare
Vorkehren und durch rücksichtsvolles Verhalten vermieden werden kann (vgl. dazu Art. 11
Abs. 1 des Ortspolizeireglementes der Gemeinde Köniz vom 31. Januar 1977). Wie die
Fachstelle weiter festgestellt hat, handelt es sich beim Quartier am W._weg um
eine ruhiges, süd-östlich an die Landwirtschaftszone angrenzendes Wohnquartier. Die
Geräuschkulisse sowohl zur Tages- wie zur Nachzeit bestehe grösstenteils aus
Geräuschen, die von Tätigkeiten verursacht würden, die in einem Wohnquartier üblich
seien. Das Quartier in der Nachbarschaft des geplanten Vorhabens ist somit wenig
vorbelastet und durch seine Funktion als Wohnquartier besonders lärmempfindlich.
Dadurch unterscheidet es sich insbesondere vom Quartierrand entlang der
X._strasse. Obschon auch dieses Gebiet der Wohnzone W zugeteilt ist, muss die
Lärmsituation in der Umgebung der Bauparzelle anders beurteilt werden. Gestützt auf die
Lärmprognose vom 16. Februar 2005 ist davon auszugehen, dass das geplante Vorhaben
in seiner Nachbarschaft zu mehr als nur geringfügigen Störungen führen wird.
5. Zusammenfassend ergibt sich: Das Baugesuch der Beschwerdegegner vom 22. Dezember 2003 widerspricht der Wohnzone I nach Art. 41 GBR. Zudem führt das
Vorhaben zu mehr als höchstens geringfügigen Störungen bezüglich Lärm und verletzt
deshalb die LSV. Aus diesen Gründen ist der Gesamtbauentscheid des
Regierungsstatthalters von Bern mit Ausnahme des Kostenpunktes aufzuheben.
6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten wie folgt zu liquidieren: Da die die Beschwerdegegner unterliegen, haben sie die Verfahrenskosten zu tragen und den
Beschwerdeführenden die Parteikosten zu ersetzen (Art 108 Abs. 1 und 3 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989, VRPG; BSG 155.21). Die
Verfahrenskosten betragen pauschal Fr. 1'400.--. Dazu kommen die Kosten für den
Fachbericht der Kantonspolizei vom 16. Februar 2005 von Fr. 970.-- (Art. 103 Abs. 1
VRPG; Art. 19 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der
Kantonsverwaltung; GebV, BSG 154.21). Der Anwalt der Beschwerdeführenden hat eine
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Kostennote im Betrag von Fr. 10'262.90 eingereicht. Gemäss Art. 13 Abs. 1 des Dekretes
über die Anwaltsgebühren vom 6. November 1973 (DAG; BSG 168.81) beträgt der
Gebührenrahmen in Streitigkeiten ohne bestimmten Streitwert Fr. 400.-- bis Fr. 11'800.--.
Innerhalb dieses Rahmens bemisst sich die Gebühr insbesondere nach dem nach den
Umständen gebotenen Zeitaufwand des Anwaltes (Art. 4 Abs. 1 DAG). Auch unter
Berücksichtigung des Studiums der ausführlich begründeten Lärmprognose sowie der
substantiellen Eingaben des Anwaltes der Beschwerdeführenden erscheint eine
Parteientschädigung von pauschal Fr. 6'000.-- (einschliesslich Auslagen und MWSt) als
gerechtfertigt.