Decision ID: 7a795ba8-2dc2-441c-92d2-652fd6ff8fa9
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
1. L._,
2. E._,
Beschwerdeführer,
Rekurrenten,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen,
Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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Vorinstanz,
betreffend
Schadenersatzforderung
bundesrechtlicher Streitwert: Fr. 12'641.40
kantonalrechtlicher Streitwert: Fr. 6'659.65
Sachverhalt:
A.
A.a Die F._ AG wurde am 1. Juni 2004 ins Handelsregister des Kantons St. Gallen
eingetragen und hatte ihren Sitz in Z._. Als Verwaltungsratsmitglieder wurden L._,
A._ und B._, als Vizepräsident E._ und als Präsident des Verwaltungsrates C._
eingetragen (act. G 3.2.112). Die Aktiengesellschaft war der Ausgleichskasse der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (nachfolgend: SVA) als
beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen. Auf dem Formular zur Abklärung der
Beitragspflicht von juristischen Personen und Personengesellschaften gab C._
gegenüber der SVA an, die AG beschäftige (einen) Mitarbeiter mit einer monatlichen
Bruttolohnsumme von Fr. 500.-- (act. G 3.2.3).
A.b Im Jahr 2005 forderte die SVA die F._ AG mehrmals auf, die Jahresabrechnung
für das Jahr 2004 (Juni bis Dezember) abzuliefern (G 3.2.11, 12, 15, 16). Diese wurde
erst am 26. September 2005 eingereicht (act. G 3.2.19, 22). Die darauf angegebene
Lohnsumme von Fr. 81'037.85 löste eine Beitragsnachbelastung in der Höhe von total
Fr. 12'620.95 aus (act. G 3.2.22, 111 S. 3). Auch für das Jahr 2005 wurde das
Jahresabrechnungsformular nicht fristgemäss eingereicht (act. G 3.2.30, 39, 63),
weshalb die SVA für 2005 aufgrund einer telefonischen Rücksprache mit C._ von
einer provisorischen Jahreslohnsumme von Fr. 96'000.-- ausging; für 2006 wurde
angenommen, es seien keine Lohnzahlungen mehr erfolgt (act. G 3.2.94). Am 26.
Februar 2007 wurde über die F._ AG der Konkurs eröffnet (act. G 3.2.92).
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A.c Am 23./31. Mai 2007 erliess die SVA Schadenersatzverfügungen, mit denen sie
E._, L._, A._, B._ und C._ unter solidarischer Haftung wegen Nichterfüllung
der Beitrags- und Abrechnungspflicht zur Leistung von Schadenersatz in der Höhe von
Fr. 20'757.85 für entgangene kantonal- und bundesrechtliche
Sozialversicherungsbeiträge verpflichtete (act. G 3.1.9, G 3.1.10).
B.
Am 20. und 26. Juni 2007 erhoben E._ und L._ je Einsprache gegen die sie
betreffenden Schadenersatzverfügungen vom 23. und 31. Mai 2007. Sie führten beide
aus, C._ sei trotz vieler Interventionen nie der Nachfrage nachgekommen,
geschäftsinterne Unterlagen wie Bilanz, Erfolgsrechnung, Budget oder
Jahresabschluss auszuhändigen (act. G 3.1.10, G 3.1.11). Im Übrigen habe E._
dies mit entsprechendem Schreiben am 12. Dezember 2006 schon der SVA zur
Kenntnis gebracht (act. G 3.1.10). Beide Einsprecher waren der Meinung, C._ sei
alleine für die ausstehenden Beträge zur Verantwortung zu ziehen. Mit
Einspracheentscheiden vom 12. Oktober 2007 hiess die SVA die Einsprachen von
E._ und L._ teilweise gut (act. G 3.1.13, G 3.1.14), da die SVA aus dem
Konkursverfahren der F._ AG eine Konkursdividende von Fr. 1'456.80 erhalten habe.
Die Schadenersatzforderung belaufe sich neu auf Fr. 19'301.05, wovon Fr. 6'659.65 auf
kantonalrechtliche Ausstände entfalle (act. G 3.2.108). Als Verwaltungsratsmitglieder
seien die Einsprecher verpflichtet gewesen, dafür zu sorgen, dass die Beiträge an die
SVA korrekt abgerechnet und pünktlich abgeliefert würden. Die offensichtliche
Unterlassung dieser Pflicht bedeute eine grobfahrlässige Verursachung des Schadens.
Der Verwaltungsrat könne sich nicht durch eine allfällige Delegation der Pflichten
exkulpieren. Soweit die Verwaltungsräte E._ und L._ keinen Einfluss auf die
Geschäftsführung gehabt hätten, hätten sie sich über allfällige Ausstände bei der SVA
erkundigen können und müssen.
C.
C.a Gegen die Einspracheentscheide vom 12. Oktober 2007 richten sich die
Beschwerden bzw. Rekurse von L._ und E._ vom 25. Oktober (Datum
Postaufgabe) und vom 29. Oktober 2007, worin die Beschwerdeführer sinngemäss die
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Aufhebung der Einspracheentscheide beantragen (je act. G1). Erneut machen sie
geltend, C._ habe keine Einsicht in die Geschäftstätigkeiten der F._ AG gewährt,
habe Versprechungen nicht gehalten. Sie seien trotz Anfrage nicht über den
Geschäftsgang informiert worden. C._ habe stets versichert, die Geschäfte würden
gut laufen, es bestünden keine Probleme und es seien keine zu erwarten. E._
erwähnt in seiner Beschwerde zudem, er hätte aus dem Verwaltungsrat austreten
wollen, wobei C._ seinen Namen nie gelöscht habe. Er sei auch der Familie F._
zuliebe geblieben, um den Schaden möglichst gering zu halten.
C.b In ihren Beschwerdeantworten vom 14. November 2007 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung beider Beschwerden/Rekurse. Sofern die
Beschwerdeführer als Verwaltungsräte in der Firma nichts hätten erreichen können,
hätten sie aus dem Verwaltungsrat mittels einfachem Schreiben an das
Handelsregisteramt zurücktreten sollen. Betreffend der an die SVA zu leistenden
Beiträge hätten sie sich bei der SVA erkundigen können (act. G3).
D.
Die Beschwerdeführer nahmen am 31. Dezember 2007 resp. 7. Januar 2008 in ihren
Repliken dazu Stellung (act. G 5, G 6). E._ schreibt, dass die SVA einen Jahreslohn
von Fr. 3000.- akzeptiert habe, sei unseriös und fahrlässig. Wenn daraus der SVA ein
Schaden entstünde, so habe sie die Schuld bei sich selbst zu suchen. Zudem habe er
sich der Familie F._ gegenüber loyal verhalten wollen, weshalb er auch geblieben sei
(act. G 6). L._ macht geltend, C._ habe offenbar keine Buchhaltung geführt und
das Aktienkapital für private Zwecke verwendet. Die ehemaligen Verwaltungsräte
würden deshalb möglicherweise eine Strafanzeige gegen C._ wegen ungetreuer
Geschäftsführung erheben (act. G 5). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine
Duplik (act. G 7, G 8).
E.
Die Verfahrensleitung stellte am 13. Februar 2008 in Aussicht, die Verfahren zu
vereinigen. Die Parteien erhoben dagegen keine Einwände (act. G 7, G 8).

Erwägungen:
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1.
1.1 Da die Beschwerdeverfahren AHV 2007/26, AHV 2007/27 bzw. die
Rekursverfahren KZL 2007/18 und KZL 2007/19 den gleichen Sachverhalt betreffen
und gestützt auf die selben rechtlichen Erwägungen zu entscheiden sind, sind die
Verfahren zu vereinigen (vgl. BGE 123 V 215 Erw. 1).
1.2 Die Rechtsmittel sind rechtzeitig innerhalb der in den angefochtenen
Einspracheentscheiden angegebenen Frist von 30 Tagen (Beschwerde betreffend
bundesrechtliche Forderung) bzw. von 14 Tagen (Rekurs betreffend kantonalrechtliche
Forderung) eingereicht worden, so dass auf die Streitsachen umfassend einzutreten ist.
2.
Fügt ein Arbeitgeber durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von
Vorschriften der Versicherung einen Schaden zu, so hat er diesen zu ersetzen (Art. 52
Abs. 1 AHVG). Von der in Art. 52 AHVG enthaltenen Haftung sind auch die Organe des
Arbeitgebers- und mithin nicht bloss "die juristische Person als Ganzes" erfasst (Ueli
Kieser, Alters- und Hinterlassenenversicherung, in: Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV Soziale Sicherheit, 2. Auflage, Rz 256 [Nachfolgend:
Kieser, AHV]). Der im Gesetz verwendete Begriff des "Arbeitgebers" ist so zu
verstehen, dass subsidiär auch die verantwortlichen Organe haftbar sind (vgl. BGE 129
V 13 f.). Die Beschwerdeführer waren unbetrittenermassen als im Handelsregister
eingetragene Verwaltungsräte verantwortliche Organe der F._ AG.
3.
Damit eine Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle
Haftungsvoraussetzungen gegeben sein, d.h. es muss ein Schaden eingetreten sein,
der auf ein widerrechtliches und schuldhaftes Verhalten des verantwortlichen Organs
zurückzuführen ist (Urs-Christoph Dieterle/Ueli Kieser, Der Schadenersatzprozess, in:
Der Schweizer Treuhänder, 7-8/95, 657).
3.1 Nach der Rechtsprechung gilt der Schadeneintritt als erfolgt, sobald die Beiträge
wegen Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers nicht mehr im ordentlichen Verfahren
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erhoben werden können (BGE 123 V 12 E. 5b). Der Schaden kann unbezahlt
gebliebene paritätische AHV/IV/EO- und ALV-Beiträge, Verwaltungskostenbeiträge,
Mahngebühren, Veranlagungs- und Betreibungskosten sowie Verzugszinsen für
rückständige Beiträge umfassen (Thomas Nussbaumer, Das Schadenersatzverfahren
nach dem Art. 52 AHVG in: Aktuelle Fragen aus dem Beitragsrecht der AHV, St. Gallen
1998, S. 100). Die Beschwerdegegnerin verlangt auch Schadenersatz für entgangene
Beiträge an die Familienausgleichskasse (FAK). Gemäss Art. 47 lit. d des kantonalen
Kinderzulagengesetzes (KZG, sGS 371.1) werden für diese Beiträge die Bestimmungen
des AHVG über die Arbeitgeberhaftung und Schadenersatzpflicht sinngemäss
angewendet. Es besteht somit auch eine entsprechende Haftungsnorm für schuldhaft
nicht bezahlte kantonalrechtliche Beiträge.
3.2 Die Beschwerdegegnerin macht Schadenersatz für entgangene bundesrechtliche
Beiträge in Höhe von Fr. 12'641.40 und entgangene kantonalrechtliche Beiträge in
Höhe von Fr. 6'659.65 geltend, total Fr. 19'301.05. Diese Beträge setzen sich gemäss
Einspracheentscheiden und Berechnungsblätter im Wesentlichen aus den unbezahlt
gebliebenen Lohnbeiträgen für den Zeitraum Juni 2004 bis Dezember 2005 zusammen,
abzüglich die Konkursdividende von Fr. 1'456.80 (act. G 3 und G 3). Grundlage für
die Lohnbeiträge bilden die Jahresabrechnungen 2004 über eine Lohnsumme von
Fr. 81'037.85 (act. G 3.22) und die Abklärungen des Revisors der
Beschwerdegegnerin betreffend die Lohnsummen in den Jahren 2005 und 2006 (act.
G 3.96 und 3.94). Danach wurde für 2005 von einer Lohnsumme von Fr. 96'000.--
ausgegangen, während für 2006 kein Lohn mehr angenommen wurde. Nachdem
verschiedene Aufforderungen, Jahresabrechnungen einzureichen, erfolglos blieben und
in den Akten keine Anhaltspunkte ersichtlich sind, dass die provisorischen Grundlagen
für die Lohnbeträge für 2005 und 2006 falsch wären, kann darauf abgestellt werden.
Mithin kann der geltend gemachte Schadenersatz von total Fr. 19'301.05 als
ausgewiesen erachtet werden. Die Höhe des Schadens resp. die Schadensberechnung
blieb während des ganzen Verfahrens unbestritten. Die von der Beschwerdegegnerin
berechnete Summe lässt sich aus den Akten auch schlüssig herleiten.
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3.3.1 Weitere Haftungsvoraussetzung ist die Widerrechtlichkeit. Art. 14 Abs. 1
AHVG in Verbindung mit Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVV; SR 831.101) schreibt vor, dass der Arbeitgeber bei
jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit
den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Bei einer Lohnsumme
über Fr. 200'000.-- hat der Arbeitgeber die Beiträge monatlich zu zahlen (Art. 34 Abs. 1
lit. a AHVV). Die Ausgleichskasse setzt hiezu Akontobeiträge aufgrund der
voraussichtlichen Lohnsumme fest (Art. 35 Abs. 1 AHVV). Wesentliche Änderungen der
Lohnsumme haben die Arbeitgeber der Ausgleichskasse während des laufenden
Jahres zu melden (Art. 35 Abs. 2 AHVV). Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht
des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene öffentlichrechtliche Aufgabe.
Dazu hat das Bundesgericht wiederholt erklärt, dass die Nichterfüllung dieser
öffentlichrechtlichen Aufgabe eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52
Abs. 1 AHVG bedeute und die volle Schadensdeckung nach sich ziehe (BGE 118 V 195
E. 2a).
3.3.2 Aus den Akten ist ersichtlich, dass die F._ AG und die verantwortlichen
Verwaltungsräte während der gesamten Dauer des Bestehens des Unternehmens die
Abrechnungspflicht höchstens schleppend, wenn überhaupt, erfüllten und auch keine
Lohnbeiträge geleistet wurden. Angesichts der fortgesetzten Missachtung der
Abrechnungs- und Zahlungsverpflichtungen ist die Widerrechtlichkeit als
Haftungsvoraussetzung ohne Weiteres zu bejahen.
3.4
3.4.1 Im Weitern ist zu prüfen, ob die Vorschriften absichtlich oder grob
fahrlässig missachtet wurden. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist zwar
nicht jede Verletzung der öffentlich-rechtlichen Aufgaben durch Arbeitgebende ohne
weiteres einem qualifizierten Verschulden der Organe gleichzusetzen. Vorausgesetzt ist
vielmehr ein Normverstoss von einer gewissen Schwere (BGE 121 V 244). Davon wird
in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung jedoch regelmässig ausgegangen, wenn
etwa ein Arbeitgeber über längere Zeit seine Abrechnungs- und/oder
Ablieferungspflichten nur schleppend oder nur teilweise erfüllt, ohne dass die
verantwortlichen Organe einschreiten und für Abhilfe sorgen. Bei der Frage der Haftung
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des Verwaltungsrates definieren sich die organrechtlichen Pflichten über die
aktienrechtlichen Bestimmungen des Art. 716a OR. Der Verwaltungsrat hat
demgemäss eine Reihe von Aufgaben, die nicht übertragbar oder entziehbar sind. Die
sozialversicherungsrechtliche Betrachtungsweise differenziert zwischen dem
geschäftsführenden und dem nicht geschäftsführenden Mitglied des Verwaltungsrates.
Wer als Verwaltungsrat die Geschäfte nicht selber führt, darf sich nach der
Rechtsprechung auf die Überprüfung der Tätigkeit der Geschäftsleitung und des
Geschäftsganges verlassen; zugleich wird aber auch verlangt, dass er sich laufend
über den Geschäftsgang informiert, Rapporte verlangt, sie sorgfältig studiert,
nötigenfalls ergänzende Auskünfte einzieht und Irrtümer abzuklären versucht (Kieser, in
SBVR XIV-Meyer, Soziale Sicherheit, AHV, Rz 281 f.). Zu den Aufgaben des
Verwaltungsrates gehört prinzipiell auch die Überprüfung der zutreffenden AHV-
rechtlichen Beitragserhebung und -bezahlung (Kieser, AHV, Rz 301). Als grobfahrlässig
zu werten ist die Verkennung der Pflicht eines Verwaltungsrates; eine Exkulpation ist
nicht möglich, wenn ein Verwaltungsrat geltend macht, er habe dem
geschäftsführenden Verwaltungsratsmitglied vertraut (Kieser, Rechtsprechung, Rz 15).
3.4.2 Die Beschwerdeführer bestreiten im Wesentlichen, sich grob schuldhaft
verhalten zu haben. Der einzige Schuldige sei C._, der seinen Pflichten als
geschäftsführender Verwaltungsratspräsident in keiner Weise nachgekommen sei. Es
kann durchaus zu treffen, dass gesellschaftsintern die Pflichtverletzungen in erster
Linie dem geschäftsführenden Verwaltungspräsidenten zuzurechnen sind. Indem
jedoch die Beschwerdeführer als nicht geschäftsführende Verwaltungsräte es
unterliessen, die Geschäftsführung des Verwaltungsratspräsidenten konkret zu
überprüfen, insbesondere auch was die AHV-rechtliche Beitragserhebung und -
bezahlung betraf, sind sie, wie oben ausgeführt wurde, ihren gesetzlichen
Überwachungspflichten nicht nachgekommen. Dieses Verhalten ist nach der
höchstrichterlichen Rechtsprechung als grobfahrlässig zu qualifizieren. Die
Beschwerdeführer bringen zwar vor, ihnen sei die faktische Überprüfungsmöglichkeit
vom Verwaltungsratspräsidenten nicht gewährt worden. Die betreffenden
Verwaltungsratsmitglieder hätten jedoch in dieser Situation allenfalls mittels
Leistungsklage ihre Informationsrechte durchsetzen (Martin Wernli, Kommentar zu Art.
715a OR, in: Basler Kommentar, Obligationenrecht II, 2. Auflage, Basel 2002, Rz 13)
oder, wie die Beschwerdegegnerin festgehalten hat, aus dem Verwaltungsrat
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zurücktreten können. Sich bloss auf die Aussagen des Verwaltungsratspräsidenten zu
verlassen, die Geschäfte seien gut am laufen, kann nicht als genügende Pflichterfüllung
angesehen werden.
3.5
3.5.1 Im Rahmen der Schadenersatzpflicht nach Art. 52 AHVG sind
Herabsetzungsgründe zugelassen. Die Schadenersatzpflicht ist deshalb einer
Herabsetzung wegen Mitverschuldens der Ausgleichkasse zugänglich, sofern sich
diese einer groben Pflichtverletzung schuldig gemacht hat; dies ist namentlich dann der
Fall, wenn die Ausgleichskasse elementare Vorschriften der Beitragsveranlagung und
des Beitragsbezugs missachtet hat. Zudem muss zwischen dem pflichtwidrigen
Verhalten und dem Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen (BGE 122
V 189 E. 3c, Kieser, Rechtsprechung, Rz 18).
3.5.2 Das Vorbringen, die Beschwerdegegnerin trage am Schaden eine
Mitschuld, weil sie eine geringe Lohnsumme akzeptiert habe, ist unbegründet. Die
Lohnfestsetzung ist allein Aufgabe des Unternehmens. Es liegt deshalb allein im
Verantwortungsbereich der zuständigen Organe einer AG, dafür zu sorgen, dass die
ausbezahlten Löhne der Ausgleichskasse korrekt gemeldet werden. Ein
Herabsetzungsgrund wegen Mitverschuldens der Beschwerdegegnerin ist nicht
ersichtlich.
4.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen sind die Beschwerden und Rekurse
abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG und Art. 97
VRP).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG