Decision ID: 0c34af80-e629-5b07-acf0-465593dd605c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die 1964 geborene türkische Staatsangehörige M._ (nachfolgend:
Gesuchstellerin bzw. Gast) beantragte am 16. Oktober 2019 beim schwei-
zerischen Generalkonsulat in Istanbul die Ausstellung eines Schengen-Vi-
sums für einen Besuchsaufenthalt von 89 Tagen bei ihrem im Kanton Zü-
rich lebenden Sohn und dessen Ehefrau (nachfolgend: Beschwerdefüh-
rende bzw. Gastgeber; vgl. Akten der Vorinstanz [SEM act.] 4/35-39).
B.
Mit Formular-Verfügung vom 23. Oktober 2019 lehnte das schweizerische
Generalkonsulat den Visumsantrag ab, da die Absicht einer fristgerechten
Wiederausreise der Gesuchstellerin aus dem Schengen-Raum nicht fest-
gestellt werden könne (SEM act. 4/41-43).
C.
Gegen diesen Entscheid erhoben die Beschwerdeführenden am 4. No-
vember 2019 Einsprache (SEM act. 2/9). In der Folge liess die Vorinstanz
durch das Migrationsamt des Kantons Zürich weitere Abklärungen zum
Sachverhalt vornehmen (SEM act. 6/46-72).
D.
Die Vorinstanz wies die Einsprache mit Entscheid vom 6. Januar 2020 ab.
Zur Begründung wurde angeführt, die Absicht der Gesuchstellerin, vor Ab-
lauf des Visums aus dem Hoheitsgebiet der Schengen-Mitgliedstaaten
auszureisen, habe nicht festgestellt werden können. Weder die allgemeine
Lage in der Türkei noch die persönliche Situation der Gesuchstellerin wür-
den Gewähr für eine fristgemässe Rückkehr in ihr Heimatland bieten (SEM
act. 7/73-75).
E.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 15. Januar 2020 (Datum des Poststempels)
reichten die Gastgeber eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht
ein. Sie beantragten sinngemäss die Aufhebung der vorinstanzlichen Ver-
fügung sowie die Ausstellung eines Schengen-Visums an die Gesuchstel-
lerin. Sie führten im Wesentlichen aus, dass ihr Gast die Schweiz fristge-
recht verlassen werde, da sie ihr ganzes Leben in der Türkei verbracht
habe und dort tief verwurzelt sei. Weil es den (kurdischstämmigen) Be-
schwerdeführenden derzeit aus beruflichen, finanziellen und sicherheits-
politischen Gründen nicht möglich sei, in die Türkei zu reisen, würden sie
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die Gesuchstellerin gerne in die Schweiz einladen (Akten des Bundesver-
waltungsgerichts [BVGer act.] 1).
F.
In ihrer Vernehmlassung vom 4. Februar 2020 hielt die Vorinstanz an ihrer
Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Ergänzend
wies sie darauf hin, dass erfahrungsgemäss zahlreiche ältere Menschen in
vergleichbaren Fällen die Türkei verlassen wollten, um sich bei ihren Kin-
dern, die im europäischen Raum leben, niederzulassen (BVGer act. 5).
G.
Von dem ihnen am 5. Februar 2020 eingeräumten Replikrecht machten die
Beschwerdeführenden keinen Gebrauch (BVGer act. 6-7).
H.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Von der Vorinstanz erlassene Einspracheentscheide bezüglich Schen-
gen-Visa sind mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar
(vgl. Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). Das Rechtsmittelverfahren richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.2 Die Beschwerdeführenden haben am vorangegangenen Einsprache-
verfahren teilgenommen und sind als Gastgeber der Gesuchstellerin durch
die angefochtene Verfügung besonders berührt. Obwohl der anberaumte
Besuchszeitraum inzwischen abgelaufen ist, muss auf ein fortbestehendes
Rechtsschutzinteresse geschlossen werden. Dies belegt allein schon die
Einreichung des Rechtsmittels. Die Beschwerdeführenden sind daher zur
Erhebung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im
Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutre-
ten (Art. 50 und 52 VwVG).
1.3 In der vorliegenden Beschwerdeangelegenheit entscheidet das Bun-
desverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
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2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht
von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün-
dung der Begehren nicht gebunden. Massgebend ist grundsätzlich die
Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.;
2011/43 E. 6.1).
3.
3.1 Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch einer türkischen (und
nicht kosovarischen) Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums zu Be-
suchszwecken für die Schweiz zugrunde. Die Vorinstanz ist in ihrer Verfü-
gung vom 6. Januar 2020 im eingangs aufgeführten Betreff zu Unrecht da-
von ausgegangen, die Gesuchstellerin sei kosovarischer Herkunft, wobei
allerdings davon auszugehen ist, dass es sich dabei um einen Verschrieb
handelt und ihr dadurch kein Rechtsnachteil erwachsen ist. Die Beschwer-
deführenden haben in ihrer Beschwerdeeingabe diesen Umstand denn
auch nicht gerügt.
3.2 Da sich die Gesuchstellerin nicht auf die EU/EFTA-Personenfreizügig-
keitsabkommen berufen kann und die beabsichtigte Aufenthaltsdauer 90
Tage innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen nicht überschreitet, fällt die
vorliegende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungs-
bereich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz
den Schengen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtli-
chen Rechtsakte übernommen hat. Das AIG und seine Ausführungsbe-
stimmungen gelangen nur insoweit zur Anwendung, als die Schengen-As-
soziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmungen enthalten (vgl.
Art. 2 Abs. 2-5 AIG).
3.3 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines
Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Ertei-
lung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch –
grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise
zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es
sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesge-
setz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002
http://links.weblaw.ch/BVGE-2014/1
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3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 m.H.). Das Schengen-Recht schränkt die natio-
nalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraussetzun-
gen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die
Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraussetzungen nicht
erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visumerteilung vermittelt
auch das Schengen-Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.5).
3.4 Drittstaatsangehörige benötigen zur Einreise in den Schengen-Raum
für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeitraums
von 180 Tagen gültige Reisedokumente, die zum Grenzübertritt berechti-
gen, und ein Visum, sofern dieses – wie im Falle der aus der Türkei stam-
menden Gesuchstellerin – erforderlich ist (vgl. Anhang I zur Verordnung
(EU) 2018/1806, ABl. L 303/39 vom 28.11.2018; zum vollständigen Quel-
lennachweis vgl. Fussnote zu Art. 8 Abs. 1 VEV). Im Weiteren müssen
Drittstaatsangehörige den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten
Aufenthalts belegen und hierfür über ausreichende finanzielle Mittel verfü-
gen. Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass
sie den Schengen-Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthalts ver-
lassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise
bieten. Des Weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schengener In-
formationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein
und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öf-
fentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitglied-
staats darstellen (vgl. zu den Einreisevoraussetzungen: Art. 5 Abs. 1 und
2 AIG; Art. 3 und 8 VEV i.V.m. Art. 6 Abs. 1 und 2 der Verordnung [EG]
Nr. 2016/399 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. März
2016 [kodifizierter Text] über einen Gemeinschaftskodex für das Über-
schreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenz-
kodex, SGK, ABl. L 77/1 vom 23. März 2016]; Art. 14 Abs. 1 und Art. 21
Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft
[nachfolgend: Visakodex]; CARONI et al., Migrationsrecht, 4. Aufl. 2018,
S. 141 ff.).
3.5 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1
Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige
Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen-Raums fristge-
recht wieder zu verlassen (vgl. EGLI/MEYER, in: Caroni/Gächter/Thurnherr
[Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum AuG; 2010, Art. 5 N 33). Die Be-
hörden haben daher zu prüfen und Drittstaatsangehörige zu belegen, dass
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die Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristgerech-
ten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako-
dex). Die Gewähr für eine gesicherte Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2
AIG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist,
steht mit dieser Regelung im Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5.2).
3.6 Sind – abgesehen vom Visum selbst – die vorerwähnten Einreisevor-
aussetzungen nicht erfüllt, kann in Ausnahmefällen ein Visum mit räumlich
beschränkter Gültigkeit erteilt werden, das nur für das Hoheitsgebiet des
betreffenden Mitgliedstaats gilt. Von dieser Möglichkeit kann der in Frage
stehende Mitgliedstaat u.a. Gebrauch machen, wenn er es aus humanitä-
ren Gründen, aus solchen des nationalen Interesses oder aufgrund inter-
nationaler Verpflichtungen für erforderlich hält (vgl. Art. 3 Abs. 4 und
Art. 7 VEV, Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; ebenso Art. 6 Abs. 5 Bst. c
SGK).
4.
Die Vorinstanz begründet vorliegend die Abweisung der Einsprache im We-
sentlichen mit der nicht gesicherten Wiederausreise der Gesuchstellerin.
4.1 In der Regel lassen sich keine gesicherten Feststellungen darüber tref-
fen, ob eine drittstaatsangehörige Person tatsächlich beabsichtigt, vor Ab-
lauf des Visums den Schengen-Raum zu verlassen, weshalb darüber eine
Prognose zu erstellen ist. Hierzu sind alle Umstände des Einzelfalles zu
würdigen. Die Beweisführungslast obliegt dabei der drittstaatsangehörigen
Person (Art. 14 Abs. 1 Bst. d VK; Art. 14 Abs. 3 i.V.m. Anhang II VK; Art. 5
Abs. 1 Bst. c SGK; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2014/1 E. 4.4 und E. 6.1).
Anhaltspunkte zur Beurteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wieder-
ausreise können sich zunächst aus der allgemeinen Situation im Herkunfts-
land der drittstaatsangehörigen Person ergeben. Namentlich bei Einreise-
gesuchen von Personen aus Staaten bzw. Regionen mit politisch, wirt-
schaftlich und sozial ungünstigen Verhältnissen rechtfertigt sich eine
strenge Praxis, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen erfah-
rungsgemäss häufig nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten
Einreisebewilligung im Einklang steht (BVGE 2014/1 E. 6.1 m.H.).
4.2 Die Türkei stürzte im Sommer 2018, ausgelöst durch den Kurszerfall
der türkischen Lira, in eine schwere Wirtschaftskrise. Rund ein Jahr später
verzeichnet die Wirtschaft zwar wieder ein leichtes Wachstum, trotzdem ist
die Krise noch nicht überwunden. Die Wirtschaft leidet unter anderem unter
der zunehmenden Auslandsverschuldung sowie den – verglichen mit den
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inländischen Ersparnissen – zu hohen Gesamtinvestitionen. Die Arbeitslo-
sigkeit bleibt trotz eines leichten Anstiegs der Beschäftigungsquote und der
Anzahl Arbeitsplätze ein gravierendes Problem. Die durchschnittliche Ar-
beitslosenrate lag im Jahr 2018 bei knapp über 10% (vgl. zum Ganzen Or-
ganisation for Economic Co-Operation and Development (OECD), Econo-
mic Surveys Turkey, Juli 2018; NZZ Online, Türkei: Das Ende der Rezes-
sion ist nicht das Ende der Krise, 3. Dezember 2019; jeweils abgerufen im
März 2020).
4.3 Weiter bleibt die innenpolitische Lage in der Türkei angespannt. Mit der
Aufhebung des seit dem Putschversuch vom Juli 2016 anhaltenden Not-
stands wurden die damit verbundenen Einschränkungen und Sonderrege-
lungen im Juli 2018 teilweise in permanentes Recht überführt. Es ist wei-
terhin von einem erhöhten Risiko der Festnahme oder der Verhängung ei-
ner Ausreisesperre auszugehen. Seit Mitte 2015 ist es wiederholt zu terro-
ristischen Anschlägen gekommen. Es ist keinesfalls auszuschliessen, dass
terroristische Gruppierungen vor dem Hintergrund türkischer Militäraktio-
nen in Syrien weiterhin versuchen werden, Anschläge auszuüben (vgl. zum
Ganzen «www.auswaertiges-amt.de» > Aussen- und Europapolitik > Län-
der > Türkei > Reise- und Sicherheitshinweise, Stand: 6. März 2020;
«www.eda.admin.ch» > Reisehinweise & Vertretungen > Länderauswahl >
Türkei > Reisehinweise für die Türkei, publiziert am 2. März 2020, abge-
rufen im März 2020).
4.4 Vor diesem Hintergrund und erst recht unter Berücksichtigung der ak-
tuell durch das Corona-Virus verursachten Krisensituation in einer Vielzahl
von Staaten (u.a. Europa und Türkei) ist nicht zu beanstanden, dass die
Vorinstanz das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise von Besu-
chern aus der Türkei grundsätzlich als hoch einstuft. Allerdings wäre es zu
schematisch und nicht haltbar, generell und ohne spezifische Anhalts-
punkte ausschliesslich aufgrund der allgemeinen Lage in der Herkunftsre-
gion auf eine nicht hinreichend gesicherte Wiederausreise zu schliessen.
Es gilt vielmehr, über die Situation im Herkunftsland hinaus, ebenfalls die
weiteren Umstände zu würdigen. Dabei sind in die Prognose über die Ab-
sicht einer gesuchstellenden Person, den Schengen-Raum fristgerecht zu
verlassen, deren persönliche, familiäre und berufliche bzw. wirtschaftliche
Situation sowie deren Interessenlage miteinzubeziehen (BVGE 2014/1 E.
6.3.1). Obliegt einer gesuchstellenden Person im Heimatland beispiels-
weise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verant-
wortung, kann dies die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise
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begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine be-
sonderen Verpflichtungen haben, das Risiko eines ausländerrechtlich nicht
regelkonformen Verhaltens nach einer bewilligten Einreise als hoch einge-
schätzt werden (BVGE 2014/1 E. 6.3.1 m.H.; 2009/27 E. 8).
4.5 Bei der Gesuchstellerin handelt es sich um eine 56-jährige, ledige Frau.
Bezüglich ihrer privaten Situation in der Türkei lässt sich den Akten entneh-
men, dass sie Bäuerin und Hausfrau ist. Sie habe ihr ganzes Leben in der
Türkei verbracht und sei daher dort tief verwurzelt. Der Grossteil ihrer Ver-
wandtschaft sowie ihre Freunde, mit welchen sie sich täglich treffe und sich
über alltägliche Dinge austausche, würden in ihrer Nähe leben. Sie sei An-
alphabetin und lediglich der türkischen und kurdischen Sprache mächtig
(SEM act. 6/70-71 und BVGer act. 1). Weitere Angaben zum privaten Hin-
tergrund der Gesuchstellerin in ihrem Heimatland wurden nicht gemacht.
Besondere soziale oder familiäre Verpflichtungen, welche sie von einer
Emigration abhalten könnten, sind damit nicht erkennbar. Die Beschwer-
deführenden weisen anlässlich der Inlandabklärung ebenfalls daraufhin,
dass die Gesuchstellerin zuhause nicht viel zu tun habe und sie es sich
deshalb erlauben könne, längere Zeit Ferien zu machen. Ergänzend führen
sie aus, dass sie die Gesuchstellerin – falls es möglich wäre – gerne für
einen noch längeren Zeitraum als drei Monate einladen würden (SEM
act. 6/71). Vor diesem Hintergrund ist es den Beschwerdeführenden nicht
gelungen, glaubhaft zu machen, dass die Mutter bzw. Schwiegermutter
nach ihrem Besuchsaufenthalt die Schweiz fristgemäss wieder verlassen
würde.
4.6 Auch in wirtschaftlicher Hinsicht kann nichts zu Gunsten der Gesuch-
stellerin abgeleitet werden. Aus einem dem schweizerischen Generalkon-
sulat in Istanbul eingereichten Kontoauszug der «L._» lässt sich
entnehmen, dass die Gesuchstellerin per 2. Oktober 2019 über ein
Schlussguthaben von EUR 37.49 (ca. Fr. 40.–) verfügte (SEM act. 4/26).
Zwei weitere Bankauszüge der «S._» weisen am 3. Oktober 2019
Saldi von EUR 1'000.– bzw. Fr. 4'000.– auf, welche jedoch auf gleichen-
tags und kurz vor Einreichung des Visumsantrags erfolgte Überweisungen
in derselben Höhe zurückzuführen sind (SEM act. 4/28-29). Die Herkunft
der getätigten Einzahlungen ist aus den Akten nicht ersichtlich. Offen bleibt
die Frage, ob es sich hierbei allenfalls um Unterstützungsleistungen han-
delt. Weitere Angaben zur finanziellen Situation der Gesuchstellerin finden
sich nicht in den Akten. Vor dem Hintergrund der unklar gebliebenen Ver-
mögenssituation kann jedenfalls nicht als erstellt gelten, die Gesuchstelle-
rin lebe in wirtschaftlich günstigen oder privilegierten Verhältnissen, welche
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sie verlässlich von einer Emigration abzuhalten vermöchten, zumal sämtli-
che mit dem Besuchsaufenthalt verbundene Kosten gemäss Schreiben der
Gastgeber von ihnen übernommen würden (SEM act. 2/9).
4.7 Ebenfalls ist den Umständen Rechnung zu tragen, dass bereits ein
Sohn – namentlich der Beschwerdeführer – und ein Bruder der Gesuch-
stellerin ihr Heimatland definitiv verlassen und sich in der Schweiz nieder-
gelassen haben, woraus auf einen konkreten Migrationswillen in deren
nächstem Umfeld geschlossen werden kann (SEM act. 6/71). Eine geringe
Distanz zu den nächsten Angehörigen, die persönliche Fürsorge im Alter
sowie eine bestmögliche medizinische Versorgung sind sodann oftmals
entscheidend für eine allfällige Emigration (vgl. Urteil BVGer F-2905/2015
vom 26. August 2016 E. 6.3). Vor diesem Hintergrund können die Beteue-
rungen auf Beschwerdeebene, wonach genügend Garantien für eine frist-
gerechte Wiederausreise vorhanden seien, als nicht ausschlaggebend be-
zeichnet werden. Abschliessend gilt es ebenfalls darauf hinzuweisen, dass
ein gleichlautendes Einreisebegehren bereits von den österreichischen Be-
hörden abgewiesen worden ist (SEM act. 7/74; 4/40).
5.
Vor dem dargelegten allgemeinen und persönlichen Hintergrund des Gas-
tes durfte die Vorinstanz zusammenfassend davon ausgehen, ihre Wieder-
ausreise sei im Sinne der massgeblichen Bestimmungen nicht gesichert.
An der Richtigkeit dieser Einschätzung ändert auch die Tatsache nichts,
dass die Gesuchstellerin eine Ausreisebestätigung eingereicht und die Be-
schwerdeführenden eine Verpflichtungserklärung abgegeben und damit ihr
Vertrauen in ein rechtskonformes Verhalten ihres Gastes zum Ausdruck
gebracht haben (SEM act. 4/17 und 6/68-69). Auch wenn der Wunsch der
Beschwerdeführenden, die Gesuchstellerin in die Schweiz einzuladen, ver-
ständlich ist, gilt es zu bedenken, dass bei der Risikobeurteilung in erster
Linie das mögliche Verhalten des Gastes selbst von Bedeutung ist. Gast-
geber können zwar mit rechtlich verbindlicher Wirkung für gewisse finanzi-
elle Risiken im Zusammenhang mit einem Besuchsaufenthalt, nicht aber
für ein bestimmtes Tun oder Unterlassen ihres Gastes einstehen (vgl. in
diesem Zusammenhang auch BVGE 2009/27 E. 9).
6.
Mit der fehlenden Gewähr für eine anstandslose Wiederausreise ist eine
zwingende Voraussetzung zur Erteilung eines Schengen-Visums nicht er-
füllt. Gründe für die Ausstellung eines Visums mit räumlich beschränkter
Gültigkeit wurden von den Beteiligten zu Recht nicht geltend gemacht und
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solche sind auch nicht ersichtlich (vgl. E. 3.5). Der Vollständigkeit halber ist
zu erwähnen, dass sich die Beschwerdeführenden nicht auf Art. 8 EMRK
berufen können, tangiert die Verweigerung der Einreisebewilligung doch
vorliegend nicht die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten mit
ihren minderjährigen Kindern. Den Beschwerdeführenden ist es als
Schweizerbürger überdies möglich, die Gesuchstellerin in der Türkei – al-
lenfalls auch gestaffelt – zu besuchen (SEM act. 4/33-34; vgl. dazu Urteil
des BVGer F-1508/2017 vom 23. Juni 2017 E. 7.3 und 7.4).
7.
Gestützt auf die obigen Erwägungen ist die angefochtene Verfügung im
Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist daher
abzuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh-
renden aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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