Decision ID: 19f2a25b-89a0-505d-b567-6056c26682e1
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 20.03.2017 Art. 7 ATSG, Art. 8 ATSG, Art. 16 ATSG, Art. 28 IVG: Abstellen auf , dessen Beweiskraft umstritten ist, für die Zeit ab der Begutachtung. In der retrospektiven Beurteilung erweist sich das Gutachten als nicht beweistauglich, so dass für die Zeit bis zur Begutachtung gestützt auf die Berichte der behandelnden Ärzte ein befristeter Rentenanspruch zu bejahen ist (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. März 2017, IV 2014/482). Entscheid vom 20. März 2017 Besetzung Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterinnen Christiane Gallati Schneider und Marie-Theres Rüegg Haltinner; Gerichtsschreiberin Beatrix Zahner Geschäftsnr. IV 2014/482 Parteien A._, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Advokatur Glavas AG, Haus zur alten Dorfbank, 9313 Muolen, gegen IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, Gegenstand Rente Sachverhalt
A.
A.a A._ erlitt am 4. September 2004 einen Autounfall (Unfallprotokoll IV-act. 9-3, vgl.
auch Regressankündigung der IV-Stelle an den Haftpflichtversicherer der
Unfallgegenpartei vom 23. Januar 2007, IV-act. 14). Der Versicherten wurde ihre
Arbeitsstelle als Abpackerin in einem Produktionsbetrieb von Fleischwaren auf den 30.
September 2006 gekündigt, nachdem sie seit 9. Januar 2006 gesundheitsbedingt
fehlte (Bericht Arbeitgeber vom 28. Februar 2007 und Kündigungsschreiben IV-act. 21,
118-1).
A.b Am 23. Dezember 2006 beantragte die Versicherte erstmals Leistungen der
Invalidenversicherung (IV), da sie seit dem Unfall unter einer langdauernden
Schmerzstörung bei starken Kopf-/Nackenschmerzen, unter depressiver Verstimmung,
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intensiven Ängsten, Müdigkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten
leide (IV-act. 1). Nachdem ein bidisziplinäres Gutachten des Medizinischen
Gutachtenzentrums St. Gallen vom 26. März/14. April 2008 (Dr.med. B._, Spezialarzt
Orthopädie FMH; Dr.med. D._, Arzt für Neurologie und Psychiatrie) interdisziplinär
eine Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 65 % (IV-act. 34; IV-act. 35) und ein
Gutachten des ärztlichen Begutachtungsinstituts GmbH (ABI) Basel vom 22. Juni 2010
(Dr.med. E._, FMH Orthopädische Chirurgie; Dr.med. F._, FMH Innere Medizin;
Dr.med. G._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie) eine (psychiatrisch) um 20 %
reduzierte Leistungsfähigkeit in (orthopädisch) angepasster Tätigkeit ergeben hatten
(IV-act. 104), wies die IV-Stelle das Leistungsgesuch betreffend Rente mit Verfügung
vom 1. Oktober 2010 aufgrund des Invaliditätsgrades von 20 % ab (IV-act. 113). Die
Beschwerdeführerin meldete sich bei der Arbeitslosenversicherung an und bezog in der
Zeit vom 10. August 2010 bis 31. März 2011 Arbeitslosenentschädigung (IV-act. 124,
125-2).
A.c Am 5. September 2012 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum
Leistungsbezug an (IV-act. 116). Mit Schreiben vom 18. September 2012 teilte sie der
IV-Stelle mit, seit dem 1. Oktober 2010 sei sie am Rücken und an der rechten Hand
operiert worden (IV-act. 121).
A.d Die Versicherte hielt sich vom 24. September bis 2. November 2012 zur
Rehabilitation in der Klinik H._ auf. Dort wurden eine mittel- bis schwergradige
depressive Störung mit "somatischen Symptomen" (ICD-10: F33.11) bei
Anpassungsstörung nach einem Autounfall am 4. September 2004 (ICD-10: F43.25),
ein Status nach Autounfall mit HWS-Distorsion und Verletzung der linken Schulter
sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) diagnostiziert
und für leidensangepasste Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 50 % attestiert (Bericht
Dr.med. I._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Chefarzt, und Dr.med. J._, FMH
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2. November 2012, IV-act. 142-11 ff.).
A.e Am 22. Januar 2013 ging bei der IV-Stelle der Arztbericht von Dr.med. K._,
Facharzt für Neurochirurgie, vom 18. Januar 2013 ein. Dieser hielt unter anderem die
Diagnosen einer chronischen belastungsabhängigen Lumbago, eines Zustands nach
mikrochirurgischer Entdachung des Recessus lateralis L4/5 links und
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Distraktionsspondylodesen L4/5 beidseits durch Mini-Open-Zugänge am 12. Januar
2012, eines Zustands nach röntgengesteuerten Facettengelenksinfiltrationen L4/5
beidseits und periradikulärer Infiltration L5 beidseits 25.05.2011 (OP-Bericht IV 148-1
f.), eines Zustands nach Operation bei Karpaltunnelsyndrom rechts am 24.05.2011(OP-
Bericht IV 142-6), des Verdachts auf eine beginnende Dupuytrensche Kontraktur des
Ringfingers rechts sowie des Zustands nach Halswirbelsäulendistorsionstrauma 2004
fest. In Tätigkeiten mit abwechselnder Körperhaltung, ohne repetitives Bücken, Heben
und ohne Arbeiten mit nach vorne gebeugtem Kopf sei eine Arbeitsfähigkeit von 50 %
als therapeutisches Ziel denkbar, aber noch nicht erreicht (IV-act. 140). Dr.med. L._,
Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, beschrieb im Arztbericht vom 29. Januar
2013 eine Vielzahl von Diagnosen mit Einreichung diverser Arztberichte (IV-act. 142-6
bis 31). Die Versicherte sei seit 1. Februar 2011 in ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit zu
100 % arbeitsunfähig und Verweistätigkeiten seien nicht zumutbar (IV-act. 142-1 ff.).
Vom 19. bis 22. März 2013 wurde die Versicherte in der Klinik für Neurologie des
Kantonsspitals St.Gallen (KSSG) wegen Kribbel-Parästhesien abgeklärt
(Austrittsbericht vom 25. März 2013, IV-act. 153-2 ff.). Drs. J._ und I._, Klinik
Teufen, diagnostizierten gemäss Arztbericht vom 10. Mai 2013 eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit "somatischen
Symptomen" (ICD-10: F33.11). In der bisherigen Tätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit
wegen Konzentrationsstörungen, Affektlabilität, rascher Ermüdbarkeit, niedriger
Stresstoleranz und reduzierter Ausdauer bis zu 100 % eingeschränkt. Eine weitgehend
handwerkliche Tätigkeit ohne Schichtarbeit, ohne Fliessbandarbeit und ohne starken
äusseren Reize könne die Versicherte zu 50 % (halbtags 41⁄2 Std. täglich) ausüben (IV-
act. 155). Dr. K._ attestierte der Versicherten gemäss Verlaufsbericht vom 31. August
2013 aus somatischer Sicht eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte Arbeit
mit abwechselnder Körperhaltung ohne Heben und Tragen, ohne Arbeiten in
unphysiologischer Zwangshaltung oder mit langem Sitzen, Gehen oder Stehen (IV-act.
168). In Verlaufsberichten vom 27. September und vom 15. November 2013
bezeichneten Drs. J._ und I._ (IV-act. 170) sowie Dr. L._ (IV-act. 173) den
Gesundheitszustand als stationär.
A.f Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte durch die MEDAS Bern
polydisziplinär begutachtet (Gutachten vom 4. Juni 2014; Dr.med. M._, Facharzt für
Innere Medizin; Dr.med. N._, Facharzt für Neurologie FMH; Dr.med. O._,
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Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie; Rheumatologie: Dr.med. P._,
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin; Dr.med. Q._, Facharzt für Neurochirurgie
FMH; Untersuchungen zwischen dem 21. Februar und 7. März 2014). Die Gutachter
erhoben als die Arbeitsfähigkeit beeinflussende Diagnosen degenerative BWS-
Veränderungen, einen Status nach LWS-Dekompression / Osteosynthese L4/5, ohne
radikuläre Reizsymptomatik oder Defizitsymptomatik, einen Zustand nach
Bandscheibenprotrusion C2/3 und C5/6 sowie einen Status nach CTS-Operation
rechts, ohne CTS-Residuen. Sie schätzten die Versicherte in angestammter und
adaptierter Tätigkeit seit dem ABI-Gutachten im Juni 2010 zu 80 % arbeitsfähig (20 %
Leistungseinbusse bei Vollzeittätigkeit; IV-act. 182-22 f.).
A.g Mit Vorbescheid vom 20. Juni 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, das Rentengesuch bei einem Invaliditätsgrad von 20 % abzuweisen (IV-act.
188). Dagegen liess die Versicherte am 23. Juni 2014 mit Begründung vom 26. August
2014 Einwand erheben (IV-act. 192; IV-act. 194).
A.h Nachdem die IV-Stelle eine Stellungnahme des regionalen ärztlichen Dienstes
(RAD) eingeholt hatte (IV-act. 198, vom 12. September 2014), wies sie das
Leistungsbegehren mit Verfügung vom 15. September 2014 ab (IV-act. 199).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 15. September 2014 erhebt die Versicherte, vertreten
durch Rechtsanwalt Dr.iur. K. Glavas, am 17. Oktober 2014 Beschwerde. Sie lässt
beantragen, die angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
aufzuheben und es sei ihr mindestens eine halbe Rente zu gewähren. Eventualiter sei
die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei eine polydisziplinäre Abklärung in
Auftrag zu geben, worauf neu zu entscheiden sei. Das Gutachten der MEDAS Bern sei
sprunghaft und nicht kongruent. Auf die entsprechenden Einwände sei die
Beschwerdegegnerin nicht eingegangen, weshalb auch eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs vorliege. Die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin habe sich seit
der Verfügung vom 1. Oktober 2010 namhaft und nachhaltig verschlimmert.
Entsprechend habe der RAD in der Stellungnahme vom 24. Juni 2013 festgehalten,
dass die Beschwerdeführerin seit Dezember 2010 in angestammter und adaptierter
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Tätigkeit zu 50 % eingeschränkt sei. Das Gutachten der MEDAS Bern bestätige eine
Verschlimmerung des medizinischen Zustandes, erwähne aber teilweise die neuen
Diagnosen gar nicht und weiche von der psychiatrischen Beurteilung durch die Klinik
H._ ab. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin trotz massiver
zusätzlicher Beschwerden den gleichen Invaliditätsgrad haben solle wie vor deren
Auftreten. Jede in Frage kommende Hilfstätigkeit könne zu maximal 50 % ausgeübt
werden, weil sich die Beschwerden am ehesten im Hilfstätigkeitsbereich auswirkten.
Die 20 %ige Reduktion des Invalideneinkommens sei nicht schlüssig und überzeugend.
Weiter seien keine beruflichen Massnahmen und kein Mahn- und Bedenkverfahren
eingeleitet worden. Dies sei nachzuholen, bevor über die Rente verfügt werde (act. G
1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 5. Januar 2015 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. In der angefochtenen Verfügung habe sie zum
Einwand kurz Stellung genommen und auf die entsprechende RAD-Stellungnahme
verwiesen. Das in der Beschwerdeschrift erwähnte Arztzeugnis von Dr. L._ vom 29.
Januar 2013 habe den Gutachtern vorgelegen und die darin enthaltenen Erkenntnisse
seien berücksichtigt worden. Der RAD habe zunächst die Einschätzung der
behandelnden Ärzte übernommen und nach Eingang der weiteren medizinischen Akten
eine polydisziplinäre Begutachtung angeordnet. Das MEDAS-Gutachten sei
grundsätzlich voll verwertbar. Im Rahmen der Schadenminderungs- bzw.
Selbsteingliederungspflicht sei die Beschwerdeführerin gehalten, die von den
Gutachtern empfohlenen Massnahmen (Ernährungsberatung, Diät, Gewichtsreduktion,
Besserung der körperlichen Fitness) ernsthaft anzugehen. Der RAD sei zum Schluss
gekommen, dass die Schlussfolgerungen der MEDAS nachvollziehbar seien und sich
der Sachverhalt seit der ABI-Begutachtung nicht geändert habe. Zudem habe er
festgehalten, dass Hinweise auf eine nicht unerhebliche bewusstseinsnahe
Verdeutlichungshaltung vorliegen würden und dass die Beschwerdeführerin nicht alle
Medikamente korrekt einnehme. Mit der Beschwerde würden keine neuen oder anders
lautenden Aktenstücke eingereicht, die an der bisherigen Einschätzung Zweifel
aufkommen lassen würden. Demnach könne auf das MEDAS-Gutachten bzw. die dort
bestätigte 80 %ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit abgestellt werden (act. G 5).
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B.c Die Präsidentin heisst am 7. Januar 2015 das Gesuch um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten, unentgeltliche
Rechtsverbeiständung) gut (act. G 6).
B.d Mit Replik vom 14. Januar 2015 macht die Beschwerdeführerin im Wesentlichen
geltend, die Beschwerdegegnerin habe die neu hinzugetretenen Diagnosen nicht
gewürdigt und das Gutachten pauschal als in jeder Hinsicht überzeugend bezeichnet.
Dies offenbar, weil der RAD im Widerspruch zu seinen früheren Feststellungen nun
gefunden habe, dass sich der Sachverhalt seit der ABI-Begutachtung nicht verändert
habe. Es sei ein Gerichtsgutachten einzuholen (act. G 8).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 10).

Erwägungen
1.
1.1 Der für das Sozialversicherungsrecht in Art. 42 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) normierte Anspruch
auf Wahrung des rechtlichen Gehörs beinhaltet unter anderem das Recht auf Prüfung
aller rechtserheblichen Anträge sowie auf Begründung des Entscheids (U. KIESER,
Kommentar ATSG, 3. Aufl., Zürich 2015, Art. 42 N 30 f.). Die Begründung muss
wenigstens kurz die Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde leiten liess und
auf welche sich ihr Entscheid stützt. Der Zweck der Begründungspflicht liegt darin,
dass der Betroffene die Verfügung sachgerecht anfechten kann (KIESER, a.a.O., Art. 49
N 56 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). Der Gehörsanspruch ist formeller Natur;
indes lässt die sozialversicherungsrechtliche Rechtsprechung eine Heilung einer nicht
besonders schwerwiegenden Gehörsverletzung zu, wenn die betroffene Person die
Möglichkeit hat, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den
Sachverhalt wie auch die Rechts¬age frei überprüfen kann (KIESER, a.a.O., Art. 42 N
13, 15, mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).
1.2 Aus der angefochtenen Verfügung geht hervor, dass die Beschwerdegegnerin die
medizinischen Akten aufgrund des Einwandes erneut dem RAD zur Beurteilung
vorgelegt hat und dieser zum Schluss gekommen sei, es könne am Gutachten
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festgehalten werden. Die Beschwerdegegnerin brachte damit auch zum Ausdruck,
dass sie weitere medizinische Abklärungen trotz der neuen Diagnosen nicht für
erforderlich halte, was eine sachgerechte Anfechtung der Verfügung erlaubte. Soweit
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs überhaupt vorliegt, kann diese durch die
vorhandene volle Kognition der Beschwerdeinstanz geheilt werden.
2.
2.1 Art. 8 Abs. 1 ATSG umschreibt Invalidität als voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist
der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem
in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen, erhalten oder verbessern können, Anspruch auf eine Rente (lit. a),
wenn sie während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50% auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von min-destens 60% auf eine
Dreiviertelsrente und ab einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze
Invalidenrente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
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Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne
einer Richtlinie ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten
von externen Spezialärzten und Spezialärztinnen, welche aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/
bb).
3.
3.1 Medizinische Grundlage der angefochtenen Verfügung vom 15. September 2014
(IV-act. 199) bildet das Gutachten der MEDAS Bern vom 4. Juni 2014 (IV-act. 182).
Dessen Beweistauglichkeit ist umstritten und im Folgenden zu prüfen.
3.2 Hinsichtlich der Rückenoperation hält der neurochirurgische Gutachter fest,
objektiv sei das Behandlungsresultat nach instrumentierter lumbaler Rezessus-
Dekompensation L4/5 gut. Somit könne aus neurochirurgischer Sicht die andauernde
100 %ige Arbeitsunfähigkeit nicht erklärt werden. Mindestens bei Wechselbelastung
sollte die Beschwerdeführerin zu 100 % einer geregelten beruflichen Tätigkeit
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nachgehen können (IV-act. 182-45). Im neurologischen Teilgutachten wird ausgeführt,
im Januar 2011 sei eine Spondylodese durchgeführt worden. Postoperativ habe sich
die Schmerzausstrahlung im Bein zurückgebildet, auch die sensiblen und motorischen
Defizite seien seither remittiert. Es bestehe kein Ruheschmerz mehr. Beim Stehen oder
längeren Sitzen sei der Rückenschmerz wieder zunehmend präsent, jedoch erträglich
und reagiere auf die Behandlung bzw. Medikation (IV-act. 182-36). Durch die Operation
sei eine sehr gute Stabilisierung erreicht worden, die vor der Operation bestehende
Ausstrahlung in das linke Bein sei seither komplett remittiert. Zumindest für
rückenadaptierte Tätigkeiten liessen sich aus rein neurologischer Sicht somit keine
Beeinträchtigungen begründen (IV-act. 182-39). Zu den von der Beschwerdeführerin
beklagten auch in den Arm ausstrahlenden Schmerzen und Missempfindungen hielt
der neurologische Gutachter fest, die Operation des vermuteten Carpaltunnelsyndroms
habe keine Besserung gebracht; entsprechend sei damals auch kein eigentlich
relevanter elektroneurographischer Befund erhoben worden. Ursächlich im Hintergrund
seien eher myofasziale Beschwerden gewesen. Aus neurologischer Sicht ergäben sich
keine objektivierbaren Befunde, welche neurogen die beklagten Beschwerden im HWS-
Schulter-Arm-Bereich hinreichend erklärten (IV-act. 182-38). Die rheumatologische
Gutachterin stellte im Bereich der rechten Hand bei Status nach Karpaltunneloperation
einen Kraftverlust fest, weshalb das Greifen und feinmechanische Tätigkeiten
erschwert seien (IV-act. 182-42). Indes hält das neurologische Teilgutachten fest, die
Beschwerdeführerin sei unbemerkt beobachtet (beim An- und Ausziehen) gut in der
Lage, die Hände gut und koordiniert einzusetzen. Eine relevante Beeinträchtigung für
zumindest leichte manuelle Tätigkeiten sei damit nicht anzunehmen (IV-act. 182-38).
Interdisziplinär wurde dem Carpaltunnelsyndrom keine besondere, die Arbeitsfähigkeit
einschränkende Wirkung zugemessen (IV-act. 182-22 f.). Dr. K._ erwähnte in seinen
Verlaufsberichten vom 18. Januar 2013 (IV-act. 140) und vom 31. August 2013 (IV-act.
168) das Carpaltunnelsyndrom zwar ebenfalls unter den Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit, umschrieb jedoch keine die Arbeit mit den Händen betreffenden
qualitativen Adaptationskriterien. Es erscheint daher plausibel, dass die von der
rheumatologischen Gutachterin festgestellte Schwäche sich nicht massgeblich auf die
Arbeitsfähigkeit auswirkt.
3.3 Die psychiatrische Gutachterin erhob ähnliche Befunde wie Drs. I._ und J._
(IV-act. 182-18; vgl. Bericht Rehabilitationsaufenthalt vom 2. November 2012, IV-act.
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142-11 ff.; Arztbericht vom 10. Mai 2013, IV-act. 155; Verlaufsbericht vom 27.
September 2013, IV-act. 170). Sie diagnostizierte indes ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine Angst und Depression gemischt (ICD-10: F41.2) und eine
Symptomausweitung (Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen
[ICD-10: F68.0]) und führte aus, die in der Vergangenheit postulierte mittelschwere bis
schwere Symptomatik lasse sich nicht erkennen und auch aus dem beschriebenen
Befund nicht ableiten. Die angespannte finanzielle Situation stehe ganz im
Vordergrund, und die Angst, nicht in der Schweiz bleiben zu können, bestimme das
ganze Denken der Beschwerdeführerin. Die geschilderte Angstsymptomatik habe im
Wesentlichen psychosoziale Hintergründe (finanzielle bzw. migrationsrechtliche
Probleme) und sei in dem Sinne nicht als schwerwiegendes psychiatrisches
Krankheitsbild zu diagnostizieren. Die Symptome der diagnostizierten
Anpassungsstörung seien erst im Jahr 2006 aufgetreten, als eine durch den Unfall vom
4. September 2004 verursachte Anpassungsstörung bereits wieder hätte im Abklingen
begriffen sein sollen. Weder liessen die erhobenen psychiatrischen Befunde die
Einschätzung einer mittel- bis schwergradigen depressiven Störung zu, noch seien die
diagnostischen Kriterien einer somatoformen Schmerzstörung erfüllt (IV-act. 182-18 f.).
Weiter habe Dr. R._ bereits seit 7. April 2005 eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert
(vgl. Arztbericht vom 3. Juli 2007, IV-act. 26-1 ff.), während die Beschwerdeführerin
nach eigenen Angaben noch bis Januar 2006 gearbeitet habe (vgl. hierzu auch die
Angabe der Arbeitgeberin vom 28. Februar 2007, IV-act. 21-2, wonach die
Beschwerdeführerin seit 9. Januar 2006 im Betrieb krankgeschrieben war; IV-act.
182-18). Die von Dr. R._ und der Klinik H._ gestellten Diagnosen könnten auch
retrospektiv nicht nachvollzogen bzw. bestätigt werden und es bestehe auch
retrospektiv keine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht. Psychosoziale Faktoren
spielten eine wesentliche Rolle und es liege eine nicht unerhebliche bewusstseinsnahe
Verdeutlichungshaltung vor (IV-act. 182-10, 23). Die psychiatrische Gutachterin stellte
ein auffälliges, auf suboptimales Anstrengungsverhalten hindeutendes Fehlerverhalten
bei der Testung des Kurzzeitgedächtnisses fest (IV-act. 182-16, 27) und führte aus,
dass im Serum kein Wirkspiegel für Trimipramin und lediglich ein geringer für Lyrica
nachweisbar sei, was Zweifel an der angegebenen regelmässigen Einnahme erlaube
(IV-act. 182-18; vgl. auch das ABI-Gutachten betreffend Einnahme von Dafalgan, IV-
act. 104-14). Es finden sich verschiedene Anhaltspunkte für Inkonsistenzen auch in
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anderen Teilgutachten: Der neurochirurgische Gutachter hielt eine massive,
wahrscheinlich bewusstseinsnahe Aggravation fest (IV-act. 182-44). Allerdings
begründet er nicht, worauf er sich dabei stützt. Offenbar konnte dieser Gutachter mit
der Beschwerdeführerin im Gegensatz zu den übrigen Experten auch keinen
uneingeschränkten, offenen Kontakt herstellen (IV-act. 182-44). Bereits im
orthopädischen Teilgutachten des ABI wurde eine Selbstlimitation bei der
Untersuchung des Rumpfes beschrieben, indem der Finger-Bodenabstand von 35 cm
später im Langsitz auf gegen 0 relativiert habe. Auch die Beweglichkeit des Kopfes sei
bei expliziter Prüfung klar sichtbar eingeschränkt, in abgelenkter Situation jedoch
unauffällig bzw. völlig frei gewesen. Schliesslich entspreche auch die insgesamt
abgeschwächte Kraftentfaltung am linken Arm wohl in erster Linie einer willkürlichen
Limitation und sei nicht auf strukturelle Alterationen zurückzuführen (IV-act. 104-23,
24). Insoweit erscheint nachvollziehbar, dass die Gutachter die subjektive bzw. die von
den Behandlern attestierte Arbeitsunfähigkeit teilweise auf eine Selbstlimitierung
zurückführen und lediglich aufgrund der rheumatologisch objektivierbaren somatischen
Symptome eine Leistungseinbusse von 20 % attestieren.
3.4 Im ABI-Gutachten wurde wegen einer rezidivierenden depressiven Störung, leichte
Episode (ICD-10: F33.0) und einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
(ICD-10: F45.4) eine um 20 % reduzierte Leistungsfähigkeit angenommen (IV-act.
104-17, 27). Das der angefochtenen Verfügung zugrunde liegende MEDAS-Gutachten
geht zwar ebenfalls von einer um 20 % reduzierten Leistungsfähigkeit aus, jedoch
aufgrund der rheumatologisch diagnostizierten degenerativen BWS-Veränderungen (IV-
act. 182-23, 42 f.). Der Vergleich der im Gutachten der MEDAS Bern und des ABI
aufgeführten Beschwerdeangaben und Befunde lässt eine unveränderte
Arbeitsunfähigkeit insgesamt als nachvollziehbar erscheinen. So beschrieb die
Beschwerdeführerin im Wesentlichen bei beiden Begutachtungen ständige Schmerzen
im Bereich Schultern - HWS, Nacken, Kopf und im unteren Rücken, die in die
Extremitäten, vor allem den linken Arm, ausstrahlen würden. Im ABI-Gutachten
bezeichnete sie die Beschwerden seit dem Unfall im Jahr 2004 bestehend und
zunehmend, im Gutachten der MEDAS Bern wird eine Stärke von 5 - 6 auf der VAS-
Schmerzskala angegeben (vgl. Gutachten MEDAS Bern, IV-act. 182-13, 21, 28, 41;
ABI- Gutachten: IV-act. 104-13, 14, 18, 20). Die psychiatrischen Befunde entsprechen
sich insoweit, als Aufmerksamkeit bzw. Auffassung und Konzentration sowie der
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Antrieb als ungestört und die Stimmung bzw. Schwingungsfähigkeit als etwas zum
Depressiven herabgesetzt beschrieben wurden (IV-act. 182-15 f., IV-act. 104-15 f.). Die
beim ABI noch angegebenen Gehbeschwerden (IV-act. 104-13) wurden bei der MEDAS
Bern nicht mehr thematisiert, was mit dem vom neurochirurgischen Gutachter
bestätigten Erfolg der Wirbelsäulenoperation erklärbar erscheint. Die
Beschwerdeführerin bringt keine Gesichtspunkte vor, die die Gutachter nicht
berücksichtigt hätten, und es ergeben sich solche auch nicht aus den medizinischen
Vorakten. Die Experten der MEDAS Bern fanden degenerative Veränderungen der BWS
und eine eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäule und schätzten die
Arbeitsfähigkeit dadurch als um 20 % eingeschränkt (IV-act. 182-43, 45). Mit dem RAD
(Stellungnahme vom 13. Juni 2014, IV-act. 184) ist das Gutachten im Grundsatz
umfassend, schlüssig und widerspruchsfrei und somit beweistauglich, soweit es im
Zeitpunkt der Begutachtung von einer 20 %igen Arbeitsunfähigkeit ausgeht, wie sie
auch die ABI-Gutachter geschätzt hatten (Gutachten vom 22. Juni 2010, IV-act. 104-26
f.).
3.5 Nicht nachvollziehbar erscheint jedoch, dass die Arbeitsunfähigkeit sich zwischen
den beiden Begutachtungen nicht verändert haben soll. Dies scheint schon deshalb
fraglich, weil das Gutachten der MEDAS Bern die Einschränkung aus
rheumatologischer Sicht (degenerative Veränderungen der Wirbelsäule, IV-act. 182-43),
die ABI hingegen aus psychiatrischer Sicht (leichte depressive Episode, anhaltende
somatoforme Schmerz¬störung, IV-act. 104-27) begründete. Durch die vertebro-
spinale Kernspintomografie vom 11. April 2011 wurden sodann erstmals eine
Hernierung L4/5 und Diskusprotrusionen L3/4 und L2/3 objektiviert (IV-act. 122-1) und
im Mai 2011 infiltriert (IV-act. 122-22). Eine diesbezügliche Operation (Entdachung des
Recessus lateralis, Spondylodese) fand am 12. Januar 2012 statt (Operationsbericht,
IV-act. 148-1 f.). Dr. K._ erachtete rund ein Jahr nach dem Eingriff eine 50 %ige
Arbeitsfähigkeit möglich, aber noch nicht erreicht (Arztbericht vom 18. Januar 2013, IV-
act. 140-3). Das in diesem Zusammenhang relevante neurochirurgische Gutachten der
MEDAS Bern äussert sich zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit nicht, sondern hält lediglich
fest, eine andauernde 100 %ige Arbeitsunfähigkeit sei in Anbetracht des guten
Operationsergebnisses nicht nachvollziehbar (IV-act. 182-45). Mit dem Gutachten der
MEDAS Bern ist somit lediglich beweistauglich dargetan, dass im Zeitpunkt dieser
Begutachtung (Februar / März 2014, IV-act. 182-1) aus neurochirurgischer Sicht ein
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Zustand, wie er im Zeitpunkt der Begutachtung durch die ABI im Juli 2010 vorgelegen
hatte, wieder erreicht war. Hingegen ist aufgrund der echtzeitlichen Berichte
anzunehmen, dass zwischen den Begutachtungen durch die ABI und die MEDAS Bern
insbesondere aus somatischer Sicht nicht durchgehend eine Arbeitsunfähigkeit von
lediglich 20 % bestand, sondern retrospektiv auf die echtzeitlichen Berichte der
behandelnden Ärzte abzustellen ist.
3.6 Dr. K._ führte im Bericht vom 18. Januar 2013 zur Arbeitsfähigkeit aus, eine 50
%ige Tätigkeit mit abwechselnder Körperhaltung, ohne repetitives Bücken, Heben oder
Arbeiten mit nach vorne gebeugtem Kopf sei als therapeutisches Ziel denkbar, (aber)
noch nicht erreicht (IV-act. 140-3). Dr. L._ attestierte am 29. Januar 2013 bis auf
Weiteres eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit und erachtete andere Tätigkeiten als nicht
zumutbar (IV-act. 142-2, 4). Im Verlaufsbericht vom 31. August 2013 hielt Dr. K._
(ausschliesslich aus somatischer Sicht) eine adaptierte Tätigkeit im Umfang von 50 %
für denkbar (IV-act. 168-3). Somit ist bis zum 31. August 2013 von einer 100 %igen und
vom 1. September 2013 bis zur Erstattung des Gutachtens am 4. Juni 2014 von einer
50 %igen und seither von einer 20 %igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
4.
4.1 Aufgrund der Anmeldung vom 5. September 2012 (IV-act. 116) besteht ein
allfälliger Rentenanspruch gemäss Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG frühestens ab 1. März
2013. Das Wartejahr nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG war zu diesem Zeitpunkt abgelaufen,
zumal zumindest seit der Operation vom 12. Januar 2012 (IV-act. 122-22) eine
Arbeitsunfähigkeit von über den im Durchschnitt erforderlichen 40 % vorgelegen hat.
Für den Einkommensvergleich ist somit das Jahr 2013 massgebend.
4.2
4.2.1 Die bis zum 31. August 2013 bestehende 100 %ige Arbeitsunfähigkeit ist bis
zum 30. November 2013 rentenwirksam (Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201). Vom 1. März bis 30. November 2013 hat die
Beschwerdeführerin daher Anspruch auf eine ganze Rente.
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4.2.2 Gemäss Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin hätte die Beschwerdeführerin ab
1. Januar 2006 einen Jahreslohn von Fr. 47'840.-- (13 x Fr. 3'680.--) erhalten (Angaben
vom 28. Februar 2007, IV-act. 21). Im Auszug aus dem individuellen Konto (IK) sind
indes für die vorangegangenen Jahre teils höhere Einkommen verzeichnet (IV-act. 11).
Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung (Bundesamt für Statistik [BFS],
Lohnentwicklung 2014, T39, Index Frauen) bis zum Jahr 2013 betragen diese für das
Jahr 2003 Fr. 54'939.-- (Fr. 48'424.-- : 2334 x 2648), 2004 Fr. 52'697.-- (Fr. 46'966.-- :
2360 x 2648) und für 2005 Fr. 54'670.-- (Fr. 49'261.-- : 2386 x 2648). Im Durchschnitt
ergibt sich ein Valideneinkommen von Fr. 54'102.--. Für das Invalideneinkommen ist
vom Durchschnittswert Kompetenzniveau 1 Frauen gemäss Lohnstrukturerhebung
(LSE) und Lohnentwicklung des BFS 2013 von Fr. 51'793.-- auszugehen
(Informationsstelle AHV/IV, Invalidenversicherung, Ausgabe 2015, Bern 2015, Anhang
2). Entsprechend der Arbeitsfähigkeit von 50 % beträgt es Fr. 25'897.--, woraus ein
Invaliditätsgrad von 52 % resultiert. Für einen Tabellenlohnabzug sind jedenfalls in
einem Ausmass, dass ein Invaliditätsgrad von 60 % erreicht würde (mehr als 15 %),
keine Gründe ersichtlich. Die bis zum Gutachten vom 4. Juni 2014 anzunehmende 50
%ige Arbeitsfähigkeit bleibt bis zum 30. September 2014 rentenwirksam (Art. 88a Abs.
1 IVV). Die Beschwerdeführerin hat daher vom 1. Dezember 2013 bis 30. September
2014 Anspruch auf eine halbe Rente.
4.2.3 Aufgrund der ab 4. Juni 2014 gutachterlich attestierten Arbeitsunfähigkeit von
noch 20 % besteht ab 1. Oktober 2014 keine einen Rentenanspruch begründende
Invalidität mehr.
5.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, vorgängig zum Rentenentscheid hätte über
berufliche Massnahmen entschieden und ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren
eingeleitet werden müssen (act. G 1, S. 4). Die Beschwerdeführerin hat lediglich bis
zum 30. September 2014 einen befristeten Rentenanspruch. Eine Pflicht der
Beschwerdegegnerin zur Erbringung beruflicher Massnahmen gestützt auf den
Grundsatz "Eingliederung vor Rente" kommt somit nicht in Betracht (vgl. Entscheid
Versicherungsgericht vom 22. Juni 2015, IV 2013/46, E. 4.3). Die Beschwerdegegnerin
hat zudem das Begehren um berufliche Massnahmen mit Mitteilung vom 27. Juni 2013
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(IV-act. 165) mangels subjektiver Arbeitsfähigkeit abgewiesen. Der Beschwerdeführerin
bleibt es unbenommen, bei der Beschwerdegegnerin erneut berufliche Massnahmen zu
beantragen, sollte sie sich dazu in der Lage fühlen.
6.
6.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 15. September
2014 aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung vom 1. März 2013 bis 30.
November 2013 eine ganze und vom 1. Dezember 2013 bis 30. September 2014 eine
halbe Rente zuzusprechen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen. Zur
Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Dem teilweisen Obsiegen entsprechend bezahlen die
Beschwerdegegnerin und die Beschwerdeführerin die Gerichtsgebühr je im Betrag von
Fr. 300.--. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist die Beschwerdeführerin von der
Bezahlung ihres Anteils an der Gerichtsgebühr zu befreien.
6.3 Da die Beschwerdeführerin teilweise obsiegt, hat sie einen reduzierten Anspruch
auf eine Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen,
wobei insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu
tragen ist. Bei vollständigem Obsiegen wäre eine Parteientschädigung von Fr. 3‘500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen. Wegen des nur teilweisen
Obsiegens erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 1‘750.-- als gerechtfertigt. Die
Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin somit eine Parteientschädigung von
Fr. 1‘750.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
6.4 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die restlichen
Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die bei vollständigem Obsiegen
zu gewährende zusätzliche Parteientschädigung von Fr. 1‘750.-- ist um einen Fünftel
zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat den
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Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin pauschal mit Fr. 1‘400.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
6.5 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).