Decision ID: 5130dc04-34fb-4ab0-8698-1fd310ea39cb
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1985 geborene
X._
meldete sich am 2. November 2015 (Eingangsdatum) unter Hinweis auf die Autoimmunerkrankung Lupus
erythe
ma
todes
mit sekundärem
Sjögren
-S
yn
drom bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 6/5).
Diese tätigte erwerb
liche sowie medizinische Abklärungen und führte ein Standortgespräch durch (Urk. 6/11). Mit Vorbescheid vom 25. Oktober 2016 stellte sie der Vers
i
cher
ten die
Zusprache
einer halben
Invalidenrente
in Aussicht (Urk. 6/24). Nach
dem die zuständige Pensionskasse dagegen Einwand erhoben hatte (Urk. 6/29), veranlasste die IV-Stelle die Erstellung eines rheumatologischen
Gutachtens bei Dr. med. Y._
, Facharzt FMH für Rheumatologie, welches am 19. Juli 2017 erstattet wurde (Urk. 6/48). Nach erneut durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
verneinte sie mit Verfügung vom 26. Oktober 2017 einen Anspruch der Versicherten auf eine Rente der Invalidenversicherung (Urk. 2 [= 6/65]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 1
8.
November 2017 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte, es sei ihr eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache an die IV-Stelle zur Vor
nahme weiterer Abklärungen zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
1
0.
Januar 2018 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 18. Januar 2018 angezeigt wurde (Urk. 12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsre
chts [ATSG]).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung [
IVG
]
)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegli
che
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
träch
tigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwer
defall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der ge
stellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die
Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen,
die medizinischen Abklärungen hätten gezeigt, dass die Versicherte in ihrer angestammten Tätigkeit zu 70-75 % arbeitsfähig sei. Daher bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin geltend, es könne nicht auf das Gutachten des
Dr.
Y._
abgestellt werden. Alle behandelnden Ärzte seien der Ansicht, dass sie lediglich zu 50
%
arbeitsfähig sei. Die Begutachtung habe zu einem Zeitpunkt stattgefunden, in dem sie arbeitslos und deshalb vollständig erholt gewesen sei.
Der Gutachter habe diesen Umstand ausser Acht gelassen. Zu
dem mangle es ihm am erforderlichen Fachwissen zur Einschätzung ihrer Arbeitsfähigkeit, da er kein Immunologe sei. Daher sei auf die Beurteilung der behandelnden Ärzte abzustellen (Urk. 1).
3.
Im Gutachten des
Dr.
Y._
vom 1
9.
Juli 2017 wurde folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt (Urk. 6/48 S. 6):
-
systemischer Lupus
erythematodes
mit sekundärem
Sjögren
Syndrom
-
ED 2014
-
aktuell keine entzündliche Aktivität unter
Benlysta
-
subjektiv gebesserte
aber persistierende
Fatigue
-
Status nach
Perimyokarditis
7.15
Die Explorandin berichte, dass sie seit dem Januar 2015 mit
Benlysta
behandelt werde, was extrem helfe. Sie brauche regelmässig monatlich eine Infusion. Die früher gelegentlich aufgetretenen Fussgelenk- oder Handgelenkschmerzen seien verschwunden.
Manchmal
leide sie noch unter grippeartigen Schüben. Wenn sie sich psychisch oder körperlich
anstrenge
, müsse sie sich nachmittags jeweils aus
ruhen (Urk. 6/48 S. 2-3).
Die Explorandin befinde sich in einem guten Allgemeinzustand. Die Wirbelsäule sei im Lot. Sie sei auf allen Etagen schmerzfrei beweglich. Der Gelenkstatus sei unauffällig. Es seien keine
Synovitiden
palpabel. Die forcierte
Volarflexion
in den Handgelenken sei indolent. Die Widerstand
s
tests für die
Rotatorenmanschetten
seien
kräftig und schmerzfrei. Die Kniegelenke seien reizlos, die Hüftgelenke schmerzfrei seitengleich beweglich (Urk. 6/48 S. 6).
Die Explorandin leide unter der Erkrankung systemischer Lupus
erythematodes
mit sekundärem
Sjögren
Syndrom. Der rheumatologische Untersuchungsbefund sei unauffällig. Früher beschriebene Arthritiden von Hand- und Fussgelenken seien nicht mehr nachweisbar.
Aufgrund des günstigen Krankheitsverlaufs könne nicht von einer dauernden 50%igen Einschränkung ausgegangen werden. Viel
mehr sei die Versicherte in ihrer angestammten Tätigkeit zu 70-75 % arbeitsfähig (Urk. 6/48 S. 7-8).
4.
Das Gutachten vermag zu überzeugen. Es beruht auf sorgfältigen und allseitigen Untersuchungen (
Urk.
6/48 S. 5-6
), berücksichtigt die geklagten Beschwerden (
Urk.
6/48 S. 2 und 5
) und ist in Kenntnis der relevanten Vorakten abgegeben worden (
Urk.
6/48 S. 3-4
).
Der
Gutachter
hat
detaillierte Befunde erhoben, die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt und
seine
Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet. Daher erfüllt das Gutachten die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweistaugliche Entscheidungs
grund
lagen.
Die Beschwerdeführerin macht geltend,
Dr.
Y._
mangle es im Gegensatz zu den behandelnden Ärzten am erforderlichen Fachwissen im Gebiet der Immunologie. Die behandelnden Ärzte seien übereinstimmend zum Schluss gekommen,
dass
sie lediglich zu 50 % arbeitsfähig
sei
. Weshalb
Dr.
Y._
zu einer abweichenden Beurteilung gekommen sei, begründe er nicht. Daher könne seiner Einschätzung nicht gefolgt werden (Urk. 1).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kommt Gutachtern bei der Wahl der Fachrichtungen ein weiter Ermessensspielraum zu. Es liegt demnach in ihrem Ermessen, ob der
Beizug
weiterer Experten notwendig ist (Urteil des Bundes
ge
richts 8C_780/2014 vom 2
5.
März 2015 E. 5.1).
Dr.
Y._
verfügt über eine Facharztausbildung im Bereich Rheumatologie. Damit
weist
er die notwendige
Qualifikation zur Beurteilung der Auswirkungen von
entzündungs
verursa
chen
den
Erkrankungen auf. Dass er keinen Immunologen beizog, lag in seinem Ermessen und ist nicht zu beanstanden. In seinem Gutachten begründete er zudem, weshalb er der Einschätzung der behandelnden Ärzte zur Arbeitsfähigkeit nicht folgte. So führte er aus, die medizinische Dokumentation zeige eine klinische und labor
mässige Remission der Aktivität des Leidens. Die Beschwerdeführerin sei zudem in ihren ausserberuflichen Aktivitäten nur geringfügig eingeschränkt, weshalb nicht von einer
dauernden 50%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausge
gangen werden könne (Urk. 6/48 S. 7).
Im Bericht der Klinik Z._
vom 13. Juni 2016 wurde darauf hingewiesen, dass sich sowohl klinisch als auch laborchemisch bei normwertigem Komplement und
antidsDNA
keine Aktivitätshinweise mehr finden lassen würden (Urk. 6/20 S. 4). Weshalb sich diese Remission nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirken sollte, wurde von den behandelnden Ärzten nicht
schlüssig
erläutert.
Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, im Zeitpunkt der Beurteilung sei sie arbeitslos und daher ausgeruht gewesen. Dies habe
Dr.
Y._
unberücksichtigt gelassen (Urk. 1). Dem Gutachten ist zu entnehmen, dass
die Beschwerdeführerin erwähnte, seit Mai 2017 arbeitslos zu sein (Urk. 6/48 S. 2). Bei seiner Beurteilung nahm
Dr.
Y._
darauf Bezug
, indem er ausführte
, sie
sei
offen für Neues und bereit, jede geeignete Stelle anzutreten (Urk. 6/48 S. 7). Das zeigt, dass ihm der Umstand, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Beurteilung arbeitslos war, bewusst war und
er diesen
Aspekt
in seine
Einschätzung einfliessen liess.
Schliesslich legte die Beschwerdeführerin einen Bericht der behandelnden Ärztin auf, in welchem diese darauf hinwies, eine Arbeitstätigkeit von 70-75
%
würde eine Überbeanspruchung der Beschwerdeführerin bedeuten und zu einer Exazer
bation der Symptome führen (Urk. 3/3).
Wie die behandelnde Ärztin zu dieser Einschätzung gelangte, lässt sich dem Bericht indes nicht entnehmen. Zudem ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte in Zweifels
fällen mitunter eher zugunsten ihrer Patienten aussagen. Dies gilt grundsätzlich nicht nur für
Hausärzte
sondern auch für spezialärztlich behandelnde
Medizinal
personen
und ungeachtet allfälliger wirtschaftlicher Interessen, wird der Erfah
rungssatz doch aus der auftragsrechtlichen Vertrauensstellung des behandelnden Arztes abgeleitet (Urteil des Bundesgerichts 8C_609/2017 vom 2
7.
März 2018 E.
4.3.3). Auch dieser Bericht vermag daher die Beurteilung des
Dr.
Y._
nicht in Frage zu stellen. Damit ist mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerde
führerin in ihrer angestammten Tätigkeit zu 70-75 % arbeitsfähig ist. Weitere medizinische Abklärungen erweisen sich als nicht notwendig.
5.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 26. Oktober 2017 nicht zu beanstanden, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
6.
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
500.-- festzulegen und ausgangsgemäss
von der
Beschwerdeführer
in
zu tragen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).