Decision ID: 25c4fc5a-ea15-4172-b93c-c9ed27f9b2f2
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965, arbeitete seit Januar 2004 als Kauffrau und Personalverantwortliche
bei der
Y._
AG
(vgl. die Angaben der Arbeit
geberin zuhanden der Sozialversicherung
sanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, vom 1
8.
Oktober 2019,
Urk.
27/9/1+2), nachdem sie seit 1999 bereits für die mit der
Y._
AG verbundene
Z._
AG gearbeitet hatte (vgl. den Auszug aus dem individuellen Konto vom 2
0.
September 2019,
Urk.
27/8, und die Handelsregisterauszüge vom
2.
Februar 2021,
Urk.
27/65/1+2). Das Arbeits
pensum wurde auf Anfang des Jahres 2016 von bisher 60
%
auf 80
%
erhöht und per September 2018 wieder auf 60
%
reduziert (vgl. die Angaben der Arbeit
geberin vom 1
3.
November 2020,
Urk.
27/57; vgl. auch die Lohnblätter in
Urk.
27/9/10-12).
Im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses war
X._
bei der
GENERALI Allgemeine Versicherungen AG
(nachfolgend
Gene
rali
)
für die erwerblichen Folgen von Krankheit
kollektivversichert; vereinbart war ein Krankentaggeld von 90
%
des versicherten Lohnes, das für eine Leis
tungsdauer von 730 Tagen innert 900 aufeinanderfolgenden Tagen geschuldet war (Police per
1.
Januar 2014,
Urk.
10/3; Allgemeine Versicherungsbedingungen für die Erwerbsausfall-Versicherung bei Krankheit, Ausgabe 2012
[AVB]
,
Urk.
10/4).
1.2
Am 2
1.
Februar 2019 legte
X._
die Arbeit krankheits
bedingt nieder, und der Hausarzt
Dr.
med. A._
, Facharzt für Innere Medizin, attestierte ihr ab dann eine 100%ige Arbeitsunfähigke
it (vgl. das Zeug
nis vom 2
2.
Februar
2019,
Urk.
11/24
).
Die Arbeitgeberin sprach am 27.
Februar 2019 die Kündigung des Arbeitsverhältnisses per Ende Mai 2019 aus
(
Urk.
11/22.1
) und meldete den Krankheitsfall am
1.
April 2019 der
Generali
(Urk.
11/8
).
Die
Generali
erbrachte vorerst Taggelder nach Massgabe der hausärztlich attes
tierten Arbeitsunfähigkeit (vgl. die Zeugnisse und die Taggeldabrechnungen bis Juni 2019
in
Urk.
11
/1-43) und liess mit
der Versicherten
am
7.
Mai 2019 ein Gespräch an deren Wohnort führen (
Urk.
11/21
);
ausserdem holte sie vom behan
delnden Psychiater
Dr.
med. B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie, den Bericht
vom 1
4.
Juli 2019 (
Urk.
11/45
) und von Dr.
A._
die Angaben vom 3
1.
Juli 2019 (Anfangszeugnis) ein (U
rk.
11/51
).
Des Weiteren liess die
Generali
die Versicherte
im Juli 2019
durch zwei Fachpersonen der Gutach
tenstelle C._
psychiatrisch und internistisch untersuchen
(Termine vom
6.
Juli 2019)
, nämlich
durch die
Psychi
aterin
Dr.
med. D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, und den
Internisten
Dr.
med. E._
, Facharzt für Allgemeine
Innere Medizin (
Bericht von
Dr.
D._
vom 2
5.
Juli 2019,
Urk.
11/75;
Bericht von
Dr.
E._
vo
m 2
5.
November 2019,
Urk.
11/71
).
1.3
Mit Schreiben vom
6.
Dezember 2019 teilte die
Generali
der Versicherten mit, dass sie ihre Leistungen gestützt auf die Beurteilung der Fachpersonen der
C._
per Ende November 2019 einstelle (
Urk.
11/73). Die Versicherte liess am 1
2.
Januar 2020 zu diesem Bescheid
und zu den
konsiliarärztlichen
Ausfüh
rungen Einwendungen vorbringen (
Urk.
11/76
-76.1
) und berief sich namentlich auf einen
Verlaufsb
ericht der
Klinik F._
vom 1
4.
Januar 2020 (
Urk.
11/79). Die
Generali
holte
bei
Dr.
med. G._
die vertrauensärztliche Stel
lungnahme vom 3
1.
Januar 2020 ein (
Urk.
11/81) und eröffnete der Versicherten alsdann mit Brief vom
3.
Februar 2020, dass sie an der Einstellung der Taggelder festhalte, wobei sie diese entgegenkommenderweise noch bis zum 1
3.
Dezember 2019 erbringe (
Urk.
11/83).
M
it E-Mail vom 1
2.
Februar 2020
erhob die Versi
cherte erneut Einwendungen
(
Urk.
11/89.1) und nahm Bezug auf einen Bericht
von
Dr.
A._
vom
4.
Februar 2020 zuhanden der
Generali
(Ur
k.
11/90). Diese holte die nochmalige Stel
lungnahme von
Dr.
G._
vom 25.
Februar 2020 ein (
Urk.
11/92) und informierte die Versicherte, nunmehr
vertreten
durch die H._
AG,
anschliessend mit Schreiben vom 13.
März 2020 über
das
Festhalten an der Leistungseinstellung (
Urk.
11/95).
Mit Schreiben vom 1
5.
April 2020 wandte sich die Versicherte, neu vertreten durch Rechtsanwalt Christoph
Häberli
, abermals gegen den Entscheid der
Gene
rali
(
Urk.
11/97-97.2) und liess ein Zeugnis von
Dr.
A._
vom
3.
März 2020 beibringen, mit dem der Arzt ihr bis Mitte März 2020 eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit und ab dem 1
6.
März 2020
eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit bezie
hungsweise eine versuchsweise zu realisierende 20%ige Arbeitsfähigkeit im angestammten Tätigkeitsbereich attestierte (
Urk.
11/97.4).
1.4
Am 3
1.
Juli 2019 hatte sich die Versicherte auch bei der Invalidenversicherung angemeldet (
Urk.
27/2).
Die
Sozialversicherung
sanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle,
hatte die
Angaben der Arbeitgeberin
eingeholt (
Urk.
27/9
) und hatte
durch
Dr.
A._
den Bericht vom 1
7.
Oktober 2019 (
Urk.
27
/10) und durch Dr.
B._
den Bericht vom
6.
November 2019 verfassen
lassen (
Urk.
27
/13). Des Weiteren
hatte sie
von der
Klinik F._
, wo die Versicherte im April 2019 Abklärungen und Behandlungen aufgenommen hatte, den Bericht vom 31. Januar 2020 ein
geholt (
Urk.
27
/15/1-3) und
dabei Kenntnis erhalten
von den vorangegangenen Konsultationsberichten vom 2
5.
April/
6.
Mai
2019 (Urk.
27
/15/4-7), vom
9.
Juli 2019 (
Urk.
27
/15/8-9), vom 1
9.
September 2019 (Urk.
27
/13-15) und vom 1
4.
Januar 2020 (
Urk.
11/79 =
Urk.
27
/15/10-12)
; zudem liess sie sich den Berich
t des Instituts I._
vom 1
3.
August 2019 über eine
Magnetresonanztomographie des Schädels (
Urk.
27/33) und den Berich
t des Universitätsspitals J._
vom 1
2.
Mai 2020 über eine Konsultation in der Kopfwehsprechstunde (
Urk.
27/28) zustellen.
Die
Generali
zog aufgrund der abermaligen Einwendungen vom 1
5.
April 2020 die Akten der IV-Stelle bei (vgl.
Urk.
11/110 und
Urk.
11/124)
,
erbat sich von Dr.
B._
d
en Verlaufsbericht
vom
7.
Juni 2020 (Urk.
11/105)
,
holte beim zustän
digen Rheumatologen der
Klinik F._
, Chefarzt
Dr.
med. K._
, eben
falls einen Bericht ein (Bericht vom 1
3.
August 2020,
Urk.
11/123-123.1)
und
nahm von den
beiden Fachpersonen der
C._
die
ergänzenden Ausführungen vom 3
0.
September 2020
entgegen
(
Urk.
11
/1
27). Im Rahmen des
Beizugs
der weiteren Akten der IV-Stelle erhielt die
Generali
sodann Kenntnis vom Vorbe
scheid vom 1
1.
September 2020, mit dem die IV-Stelle die Versicherte über die geplante Ausrichtung einer Viertelsrente informierte
(
Urk.
27/41),
von einem aktuellen Verlaufsbericht der
Klinik F._
vom 1
4.
Oktober 2020 (Urk.
27/54); von einem Bericht des Medizinisch-Radiologischen Instituts
Klinik F._
vom 2
3.
Oktober 2020 über eine Magnetresonanztomographie der Halswirbelsäule (
Urk.
27/58), vom neuen Vorbescheid
vom
4.
Januar 2021
betreffend die
neu
beabsichtigte Verneinung des Rentenanspruchs (
Urk.
27/61
), von
verschiedene
n, im Vorbescheidverfahren beigebrachten Berichten
der Rheu
maklinik des
Universitätsspitals J._
aus
den Jahren 2012 und 2013 (Urk.
27/64/1-7) und schliesslich von der
Verfügung vom 1
2.
April 2021
, mit der die
IV-Stelle im Sinne ihres neuen Vorbescheids den Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente
verneint
e
(
Urk.
27
/7
3
).
2.
Nachdem Vergleichsgespräche erfolglos geblieben waren (vgl. die Korrespondenz in
Urk.
11/145-150),
liess
die Versicherte durch Rechtsanwalt Christoph
Häberli
mit Eingabe vom
1.
Juni 2021 Klage
gegen die
Generali
erheben (
Urk.
1) mit dem Antrag (
Urk.
1 S. 2)
:
«Die Beklagte sei zu verpflichten, der Kläger
in
für die Zeit vom 14.12.2019 bis zum 19.02.2021 CHF 92'741.46 zu bezahlen zzgl. Zins zu 5
%
seit dem 19.02.2021;
unter Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zulasten der
Beklagten.»
Die
Generali
, vertreten durch Rechtsanwalt Thomas Locher, liess am 1
5.
Oktober 2021 die Klageantwort erstatten (
Urk.
9
und die damit eingereichten Unterlagen,
Urk.
10/1-13 und
Urk.
11/1-160
) und beantragen (
Urk.
9 S. 2):
«1.
Es sei die Klage vom
1.
Juni 2021 vollumfänglich abzuweisen.
2.
Im Falle der Gutheissung oder teilweisen Gutheissung der Klage sei die Beklagte zu ermächtigen, den der Klägerin zugesproche
nen Betrag im Umfang der von der Arbeitslosenversicherung mit Verfügung vom 1
8.
Juni 2021 zurückgeforderten und zur Ver
rechnung gebrachten Summe mit befreiender Wirkung gegen
über der Klägerin an die Arbeitslosenkasse zu leisten.
3.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Klägerin (zuzüglich Mehrwertsteuer
).»
In der Replik vom 2
4.
November 2021 (
Urk.
15) liess die Klägerin die eingeklagte Forderung auf CHF 83'467.31 reduzieren (
Urk.
15 S. 2) und im Übrigen an der Klage festhalten. Die Beklagte blieb in der Duplik vom 1
8.
März 2022 (
Urk.
20
und die damit eingereichten Unterlagen,
Urk.
21/14-19
) bei ihren Anträgen (
Urk.
20 S. 2). Mit Verfügung vom 2
1.
März 2022 wurde die Duplik der Klägerin zur Kenntnis gebracht (
Urk.
22)
; anschliessend liess die Beklagte mit Eingabe vom 2
5.
April 2022 (
Urk.
25) die Akten ergänzen (
Urk.
26/161-168).
Mit Eingabe vom 1
2.
Mai 2021 hatte die Klägerin beim Sozialversicherungs
gericht auch Beschwerde gegen die rentenverneinende Verfügung
der IV-Stelle
vom 1
2.
April 2021 er
hoben (
Urk.
1 des Prozesses Nr.
IV.2021.00332).
Das Gericht zog mit Verfügung vom 2
8.
April 2022 (
Urk.
28) aus jenem Prozess die Akten der IV-Stelle bei (
Urk.
27/1-79 des vorliegenden Verfahrens), gab den Parteien Gelegenheit zur Stellungnahme zum Dossier der IV-Stelle im Hinblick auf den Ausgang des vorliegenden Verfahrens und gewährte der Klägerin ausser
dem Einsicht in die
zusätzlich eingereichten Akten der Beklagten. Die Klägerin liess mit Eingabe vom 1
8.
Mai 2022 Stellung nehmen (
Urk.
32); die Beklagte liess die angesetzte Frist unbenützt verstreichen. Mit Verfügung vom 3
1.
Mai 2022 (
Urk.
33) erhielt die Beklagte Kenntnis von der Stellungnahme der Klägerin vom 1
8.
Mai 2022.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Bei der kollektiven Taggeldversicherung, in der die Klägerin im Rahmen ihrer Anstellung bei der
Y._
AG versichert war, handelt es sich um eine Zusatz
versicherung im Sinne von
Art.
2
Abs.
2 des Bundesgesetzes betreffend die Aufsicht über die soziale Krankenversicherung (Krankenversicherungsauf
sichts
gesetz [KVAG]; bis Ende 2015
Art.
12
Abs.
2 des Bundesgesetzes über die Kran
kenversicherung [KVG]), die dem Bundesgesetz
über den Versicherungsvertrag (VVG)
untersteht.
Neben dem VVG sind auf die Kollektivversicherung
die Allgemeinen Versiche
rungsbedingungen für die Erwerbsausfall-Versicherung bei Krankheit in der Aus
gabe 2012
(AVB)
anwendbar (
Urk.
10/4). Dies erg
ibt sich aus der Police vom 16.
Dezember 2013 per
1.
Januar 2014 (
Urk.
10/3) und ist unbestritten.
1.2
Ebenfalls nicht strittig ist die Zuständigkeit des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich.
Nach der allgemeinen Regelung in
Art.
10
Abs.
1 lit. b
der Schweizerischen Zivilprozessordnung (
ZPO
)
ist für Klagen gegen eine juristische Person das Gericht an deren Sitz örtlich zuständig. Konsumentinnen und Konsumenten
haben sodann nach
Art.
32 Abs.
1 lit. a ZPO die Wahl, am Wohnsitz oder Sitz einer der beiden Parteien zu klagen.
Vertraglich
stehen dem Versicherungsnehmer und der versicherten Person nach
Art.
26 AVB als Gerichtsst
and wahlweise der
schweizerische Wohnsitz des Versicherungsn
ehmers, der versicherten Person oder
der anspruchsber
echtigten Person sowie
der Gesellschaftssitz zur Verfügung. Da die Klägerin ihre Wohnadresse im Kanton Zürich hat, ist die örtliche Zuständig
keit der Gerichte im Kanton Zürich gegeben, unabhängig davon, ob Krankentag
geld-Kollektivversicherungsverträge als Konsumentenverträge zu qualifizieren sind (vgl. hierzu das Urteil des Bundesgerichts 4A_695/2011 vom 1
8.
Januar 2012 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die sachliche Zuständigkeit des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich ergibt sich aus
Art.
7 ZPO in Verbindung mit
§
2
Abs.
2 lit. b
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
.
1.3
Eingeklagt ist ein Betrag von
Fr.
92'741.46 (
Urk.
1 S. 2) beziehungsweise von Fr.
83'467.31 (
Urk.
15 S. 2). Damit wird die Streitwertgrenze für die einzelrich
terliche Zuständigkeit von
Fr.
30'000.-- überschritten, die für alle ab dem
1.
Juni 2020 anhängig gemachten Klagen gilt
(
§
11
Abs.
1 GSVGer)
. Die
Beurteilung der
Klage
fällt daher in die Zuständigkeit des Kollegialgerichts
.
2
.
Strittig ist, ob die Klägerin gegenüber der Beklagten für
die Zeit ab dem 14.
Dezember 2019 Anspruch auf weitere Krankentaggelder hat.
3.
Nach
Art.
5.1 Satz 1 AVB wird das Taggeld für jeden Tag einer ärztlich festge
stellten, mindestens 25
%
betragenden Arbeitsunfähigkeit gewährt und bemisst sich nach d
em Grad der Arbeitsunfähigkeit.
Arbeitsunfähigkeit ist nach der
Begriffsbestimmung
in
Art.
2.4 AVB die durch eine Beeinträchtigung der körper
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leis
ten (Satz 1); bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt.
Damit wird die Definition in
Art.
6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
übernommen.
Berechnungsgrundlage für die Taggeldhöhe
ist im Falle von Arbeitne
hmer
n
nach
Art.
8.2
Abs.
1 AVB der beitragspflichtige Lohn gemäss dem
Bundesgesetz über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG)
, jedoch höch
stens Fr.
300'000.-- pro Person und Jahr. F
ür die Bemessung des Taggeldes massgebend ist nach
Art.
8
Abs.
2 lit. d AVB für die ganze Dauer des Versicherungsfalles der letzte vor dem Versicherungsfall im versicherten Betrieb bezogene AHV-Lohn, einschliesslich noch nicht ausbezahlter Lohnbestandteile, auf die ein Rechtsan
spruch besteht (Satz 1). Dieser Betrag wird auf ein volles Jahr umgerechnet und anschliessend durch 365 geteilt (Satz 2).
Der Versicherungsschutz beginnt für Arbeitnehmer gemäss
Art.
12.1
Abs.
1
AVB am Tag, an dem sie die Arbeit im ver
s
icherten Betrieb antreten, frühestens jedoch am in der Police bezeichneten Vertragsbeginn (Satz 1). Nicht voll arbeitsfähige Personen sind für die
gesundheitliche Beeinträchtigung, die für diese Arbeitsun
fähigkeit verantwortlich ist, erst von dem Tag an versichert, an dem sie die Arbeit im versicherten Betrieb gemäss dem vertraglich vereinbarten Erwerbsgrad auf
nehmen (Satz 2). Als nicht voll arbeitsfähig gilt
nach
Art.
12.1
Abs.
2 AVB
, wer aus gesundheitlichen Gründen ganz oder teilweise der Arbeit fernbleiben muss (lit. a) oder wer Taggelder infolge Krankheit, Unfall oder Mutterschaft bezieht
(
lit. b).
4.
4.1
Di
e Klägerin gab im Anmeldeformul
ar zuhanden der IV-Stelle an, durch chroni
sche Kopfschmerzen und Nackenbeschwerden sowie durch eine
erosive
Finger
polyarthrose beeinträchtigt zu sein und als Folge der starken Schmerzen an Depressionen zu leiden (
Urk.
27/2/6-7).
4.2
4.2.1
Aus einem Bericht der Rheumaklinik des
Universitätsspitals J._
vom
3.
April 2012 geht hervor, dass sich die
Klägerin
ein erstes Mal im Jahr 2011 wegen schmerzhafter Fingerschwellungen in ärztliche Behandlung begeben hatte und damals die Diagnose einer chronischen Polyarthritis in Form einer
seronegativen
rheumatoiden Arthritis gestellt worden war, ohne dass jedoch entzündliche Veränderungen (
Synovitiden
) hatten festgestellt werden können (
Urk.
27/64/1+2). Die Schmerzen waren dannzumal unter medikamentöser Behandlung etwas zurückgegangen (
Urk.
27/64/1 und
Urk.
27/64/4); dafür hatten sich gemäss dem nachfolgenden Bericht vom 2
4.
Januar 2013 vom Nacken ausgehende Dauerschmerzen manifestiert, die der zuständige
Rheumatologe Prof.
Dr.
med. L._
einer entzündlichen Mitbeteiligung
der Halswirbelsäule zugeordnet
hatte (
Urk.
27/64/4-5). In einem weitere
n
Bericht vom 2
2.
Mai 2013 sind mehr oder weniger unveränderte Beschwerden an den Händen und im Bereich des Nackens dokumentiert, und Prof.
Dr.
L._
hatte an der Diagnose einer chronischen Polyarthritis festgehalten (
Urk.
27/64/6-7).
Anlass für die
Zuweisung der Klägerin
an die
Klinik F._
im Frühjahr 2019 war gemäss deren erstem Bericht vom 2
5.
April/
6.
Mai 2019 unter anderem ein Ereignis vom Januar 2019, bei dem die
Klägerin
beim Zusammenprall mit einer anderen Person auf einem Bahnhofareal den Kopf an einer Wand angeschlag
en hatte; die Klägerin
klagte danach über verstärkte Nacken- und Kopfschmerzen und über Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Obstruktionsgefühl der Ohren sowie auch über Parästhesien an den Händen und Füssen
(
Urk.
27
/15/5).
Dr.
K._
von der
Klinik F._
beschrieb in Analyse einer Magnetresonanztomo
graphie vom Februar 2019 (Bericht nicht in den Akten) und von Funktionsauf
nahmen vom April 2019 verschiedenste degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule
(
Urk.
27
/15/4+6), des Weiteren stellte er anhand von Röntgen
aufnahmen der Hände eine degenerative Fingerpolyarthrose (
Heberden
- und
Bouchard-Arthrosen) fest (
Urk.
27
/15/4+6). Dabei stellte er die damalige, in der Rheumaklinik des
Universitätsspitals J._
gestellte Diagnose einer Polyarthritis in Frage und wies hierzu auf die nach wie vor nicht objektivierbaren
Synovitiden
hin sowie darauf, dass die Beschwerden unter entzündungshemmender Medi
kation (
Prednisolon
) unv
erändert geblieben seien (
Urk.
27
/15/7). Dement
sprechend interpretierte er die Beschwerden nunmehr im Rahmen eines
zervikos
pondylogenen
Schmerzsyndroms
(
Urk.
27
/15/6).
Im Rahmen der anschliessenden Behandlung führten Infiltrationen im Facetten
gelenk C3/4 zu einer Reduktion der Schmerzen, die sich jedoch gemäss den
weiteren
Berichten der
Klinik F._
vom
9.
Juli und vom 1
9.
September 2019 als lediglich vorübergehend erwies (
Urk.
27
/
15/9 und
Urk.
27
/15/14). Dr.
K._
sah sich daher im September 2019 und im Januar 2020 in der Auffas
sung bestärkt, dass die Schmerzsymptomatik nicht entzündlichen Ursprungs, sondern
myofaszialer
Natur sei (
Urk.
27
/15/14 und
Urk.
27
/15/11), und schloss die Behandlung im Ja
nuar 2020 einstweilen ab (
Urk.
27
/15/11).
4.2.2
In Bezug auf die Kopfschmerzen fand im Mai 2020 eine zusätzliche Abklärung in der Kopfwehsprechstunde des
Universitätsspitals J._
statt. Die medizinischen Fachpersonen nahmen hierbei die Angaben der
Klägerin
entgegen, wonach nach dem Ereignis vom Januar 2019 neuartige, von Licht- und Lärmempfindlichkeit mit Übelkeit und Erbrechen begleitete Kopfschmerzen aufgetreten seien, die im weiteren Verlauf in der Frequenz zugenommen hät
ten (
Urk.
27
/28/1+3+4). Angesichts dessen, dass die Magnetresonanztomographie des Schädels vom August 2019 keine strukturelle Läsion als der
en Ursache ergeben ha
tte (Urk.
27
/33), beurteilten die Fachpersonen die Schmerzen am ehesten als Aus
druck einer Migräne und als Folge eines Medikamentenübergebrauchs und rieten therapeutisch zu einer Schmerzmittelreduktion und zu Entspannungsübungen und Ausdauersport
(
Urk.
27
/28/4).
Anlässlich der erneuten Konsultation in der
Klinik F._
vom Herbst 2020 standen die Kopfschmerzen dann offenbar nicht mehr im Vordergrund. Dr.
K._
erwähnte im Bericht vom 1
4.
Oktober 2020 im Gegensatz zu seinem Bericht vom
1
4.
Januar 2020 (vgl.
Urk.
27
/15/11) keine entsprechenden Klagen mehr, sondern befasste sich mit der geklagten Schmerzzunahme am Nacken sowie an den Armen und Händen. Dabei hielt er an der Einstufung der Schmerzen als
myofaszial
fest, erkannte erneut keine Indizien für eine
artikuläre
Entzündungs
aktivität und empfahl ebenfalls regelmässige Ausdaueraktivitäten (
Urk.
27
/54/2). Zum Ausschluss einer zervikalen
Myelonkompression
wurde jedoch auf Vera
n
lassung von
Dr.
K._
(
Urk.
27
/54/2) die weitere Magnetresonanztomographie der Halswirbelsäule vom 2
3.
Oktober 2020 durchgeführt, die wiederum zahlreiche degenerative Veränderungen sichtbar machte
(
Urk.
27
/58).
4.2.3
Neben den beschriebenen körperlichen Befunden und Beschwerden führte Dr.
A._
in seinem Anfangszeugnis zuhanden der
Beklagten
vom 3
1.
Juli 2019 eine depressive Episode auf, deren Symptomatik im Februar 2019 aufge
treten sei, und wies darauf hin
, dass die Klägerin
seit der Kindheit an rezidivie
renden depressiven Episoden leide
(
Urk.
11/51
).
Dr.
B._
,
an den Dr.
A._
die Klägerin
im April 2019 überwiesen hatte
(vgl. Urk.
27
/13/2+3), stellte im
Bericht an die Beklagte
vom 1
4.
Juli 2019 die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode (F32.10
der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation [ICD-10]
) und sah als Auslöser dafür zum einen eine Überforderung am Arbeitsplatz und zum andern eine Reakti
vierung der Halswirbelsäulenbeschwerden nach dem Ereignis vom Januar 2019 (von ihm als Bagatelltrauma bezeichnet;
Urk.
11/45
).
Im Bericht zuhanden der
IV-Stelle
vom
6.
November 2020 legte Dr.
B._
näher dar, bei der Behandlungsaufnahme habe sich ein mittelgradiger depressiver Zustand mit Müdigkeit und Schlafstörungen sowie sozialem Rückzug gezeigt
und die Klägerin
habe den Tag damals hauptsächlich im Bett verbracht und auch keine Hausarbeiten mehr verrichtet. Unter medikamentöser Behandlung sei es jedoch vom Mai bis im August 2019 zu einer deutlichen Stabilisierung der depressiven Symptomatik gekommen; die
Klägerin
fühle sich nunmehr deutlich besser und sei bei aufgehellter Stimmung wieder dazu in der Lage,
den Tag zu strukturieren (
Urk.
27
/13/3). Demgemäss begrenzte
Dr.
B._
die Diagnose der mittelgradigen depressiven Episode auf den Zeitraum von Februar bis August 2019 (
Urk.
27
/13/3) und hielt fest, danach hätten die körperlichen Beschwerden mit Nacken- und Kopfschmerzen, einem diffusen Schwindelgefühl und Konzentrati
onsstörungen im Vordergrund gestanden und die
Klägerin
wirke zwar noch affektiv gedrückt deswegen, insgesamt aber nicht mehr stark depressiv (
Urk.
27
/13/3+4). Die psychiatrische Behandlung bei
Dr.
B._
wurde in der Folge am 2
4.
Februar 2020 eingestellt, und
Dr.
B._
berichtete der Beklagten
am
7.
Juni 2020, die Angaben im Bericht an die
IV-Stelle
vom
6.
November 2020 (richtig 2019) entsprächen dem letzten Stand seines Wissens (
Urk.
11
/105).
4.3
Die diagnostische Einordnung der gesundheitlichen Problemkreise durch den Rheumatologen
Dr.
K._
von der
Klinik F._
und die medizinischen Fachpersonen der Kopfwehsprechstunde des
Universitätsspitals J._
auf der einen Seite und den Psychiater
Dr.
B._
auf der anderen Seite leuchtet ein.
Was die rheumatologische Problematik betrifft, so setzte sich
Dr.
K._
im Rahmen von wiederholten Konsultationen eingehend mit den Aufzeichnungen der Rheumaklinik des
Universitätsspitals J._
über die Untersuchungen und Behandlungen in den Jahren 2011 bis 2014 auseinander, setzte seine eigenen
Feststellungen in Bezug dazu und überprüfte auch diese immer wieder. Seine Beurteilung, wonach entgegen der ursprünglichen Vermutung kein entzündliches rheumatologisches Leiden vorliege, erscheint daher als fundiert
,
und die Diag
nosen eines chronischen
spondylogenen
Schmerzsyndroms mit verschiedensten degenerativen Veränderungen in der Halswirbelsäule und einer idiopathischen
erosiven
Fingerpolyarthrose
(zuletzt
Urk.
27
/54) sind gut abgestützt. Des Weite
ren ist auch die Beurteilung der Kopfschmerzproblematik als
migräniform
und teilweise medikamentös bedingt
durch die Fachleu
te der Universitätsklinik M._
angesichts von fehlenden strukturellen Ursachen plausibel. Schliesslich ist die Besprechung, die
Dr.
K._
nach Vorliegen der Magnetresonanztomographie vom 2
3.
Oktober 2020 vorgesehen hatte
(vgl. Urk. 27
/54/2), zwar nicht in den Akten dokumentiert. Allerdings wurde im Bericht über die Ergebnisse der M
agnetresonanztomographie (
Urk.
27
/58) zwar auf Wurzelkompressionen und eine leichte Kompression des
Myelons
auf der Höhe C5/6 hingewiesen, eine Myelopathie wurde jedoch verneint. Damit ist davon auszugehen, dass die Aufnahme vom Oktober 2020 gegenüber derjenigen vom Februar 2019 (vgl. die jeweilige Beschreibung durch
Dr.
K._
in sei
nen Berichten, zuletzt in
Urk.
27
/54/1) keine namhaften Veränderungen sichtbar gemacht hat. Aus den
konsiliarärztlichen
Ausführungen von
Dr.
E._
(
C._
)
zuhanden der Beklagten
vom 2
5.
November 2019 (
Urk.
11/71
) lässt sich hingegen schon deshalb in diagnostischer Hinsicht nichts Zusätzliches oder Abweichendes ablei
ten, weil dieser Arzt abgesehen von der Magnetresonanztomographie der Hals
wirbelsäule vom Februar 2019 über keine medizinischen
Vorakten
verfügte (vgl.
Urk.
11/71.1+4).
Seine Beurteilung, es seien keine Diagnosen zu stellen, welche die gegenwärtige Arbeitsunfähigkeit begründeten
(
Urk.
11/71.4
), basiert vielmehr allein auf einer kursorischen Funktionsprüfung des Bewegungsapparates und einer kursorischen Erhebung des Neurostatus und somit auf unvollständige
n Grundlagen. Dies monierte
Dr.
A._
in seinem Bericht vo
m
4.
Februar 2020 (
Urk.
11/90
) zu Recht, und auch die entsprech
ende Rüge der Klägerin (
Urk.
1 S. 3 f.,
Urk.
11/76-76.1,
Urk.
15 S. 3) ist
begründet. Die ergänzenden Ausfüh
rungen vom 3
0.
September 2020 sodann, für die den Fachpersonen der
C._
nunmehr die Ak
ten zur Verfügung standen (Urk.
11
/127), setzen sich mit den Befunden und den Diagnosen nicht auseinander, sondern nehmen nur Bezug auf die Arbeitsunfähigkeit. Darauf ist nachfolgend noch näher einzugehen.
Hinsichtlich der psychischen Problematik sind die Ausführungen des behandeln
den
Dr.
B._
ebenfalls einlässlich. Der Psychiater nahm im Bericht vom
6.
November 2019 zunächst Bezug auf die Entwicklung des Leidens seit der Kind
heit, als die Klägerin
durch einen sexuellen Übergriff und den Suizid ihrer Gross
mutter traumatisiert worden sei und danach immer wieder mit depressiven Phasen gekämpft habe, vorerst jedoch ohne sich einer psychiatrischen Behand
lung zu unterziehen, und beschrieb danach gut verständlich den Verlauf der aktuellen depressiven Episode mit allmählicher Besserung infolge der Behandlung
(
Urk.
27
/13/3+4). Auf seine Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode im Zeitraum von Februar bis August 2019 kann daher gleichermassen abgestellt werden. Wiederum liefern hingegen die
konsiliarärztlichen
Ausführungen von
Dr.
D._
(
C._
) zuhanden der
Beklagten
vom 2
5.
Juli 2019 (
11/75
) keine Erkenntnisse, welche die Beurteilung von Dr.
B._
ergänzen oder in Frage
stellen würden, da auch
Dr.
D._
nicht über
Vorakten
verfügte (vgl.
Urk.
11/75.1)
und keine Rücksprache mit dem behandelnden Psychiater nahm. Wenn
Dr.
D._
demnach ausführte, es liege aktuell höchstens eine leichte depressive Episode ohne Auswirkungen auf die Arbeitsf
ähigkeit vor (
Urk.
11/75.6
), so spricht dies nicht gegen die detailliertere, einen längeren Zeitraum berücksichtigende Diag
nostik durch
Dr.
B._
. In Bezug auf die ergänzenden Ausführungen der Fach
personen der
C._
vom 30.
September 2020 gilt wiederum das vorstehend Dargelegte.
Nach dem Gesagten haben die behandelnden Ärzte die Befunde ausführlich erhoben und analysiert, und die daraus abgeleiteten Diagnosen erscheinen als zuverlässig. Allein für Befunderhebung und Diagnostik bedarf es daher keiner
weiteren medizinischen Abklärungen.
Insoweit kann der Beurteilung von
Dr.
G._
vom 3
1.
Januar 2020 (
Urk.
11/81) gefolgt werden.
5.
5.1
Was die Auswirkungen der erhobenen Befunde und der gestellten Diagnosen betrifft, so war d
er Hausarzt
Dr.
A._
offenbar zunächst von einer ledig
lich kurzzeitigen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen und hatte der
Klägerin
in zwei Zeugnissen vom 2
2.
Februar und vom
8.
März 2019 ab dem 2
8.
Februar bezie
hungsweise ab dem 1
5.
März 2019 keine Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert (
Urk.
11
/24 und
Urk.
11/2.1).
In den nachfolgenden Zeugnissen verlängerte er jedoch sein Attest einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit mehrmals und schob selbst die Attestierung einer 50%igen Teilarbeitsfähigkeit immer wieder hinaus
(vgl.
Urk.
11
/4+9+12+18+32+43+50+53+63). Im Dezember 2019 schliesslich ging er nochmals von der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit ab dem 17. Januar 2020 aus (
Urk.
11
/76.2), verschob jedoch auch diesen Zeitpunkt im Januar
2020 und im Februar 2020 (
Urk.
11/
78+88)
und attestierte der
Klägerin
schliesslich ab dem 1
6.
März 2020 fortgesetzt eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit beziehungsweise eine versuchsweise zu realisierende 20%ige Arbeitsfähigkeit im angestammten Tätigkeitsbereich (Urk.
11
/96+97.4+102+116+136+144), letztmals am
1.
März 2021 (
Urk.
11
/154).
Aus fachärztlicher Sicht hielt der Rheumatologe
Dr.
K._
in seinem ersten Bericht vom 2
5.
April/
6.
Mai 2
019 fest, die Klägerin
sei seit Ende Februar 2019
zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
27
/15/5+7). In den nachfolgenden Behandlungs
berichten war die Arbeitsfähigkeit nicht mehr Gegenstand von Ausführungen; im B
ericht an die IV-Stelle
vom 3
1.
Januar 2020 gab
Dr.
K._
jedoch an, die verminderte Belastbarkeit der Halswirbelsäule schränke das Einnehmen längerer Zwangshaltungen und die Tolerierung monoton-statischer Belastungen ein und mache vermehrte Pausen erforderlich (Urk.
27
/15/2). Mit diesen Hinweisen kam er zum Schluss, dass für eine bestmöglich angepasste Tätigkeit aus somatisch-rheumatologischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von über 50
%
erreichbar sein sollte und die bisherige Tätigkeit als Sachbearbeiterin somit zu mindestens 4-5 Stunden pro Tag zumutbar sei, falls bei der Arbeit regelmässige Pausen zum Durchbewegen gewährleistet seien (Urk.
27/15/2). I
m Bericht an die
Beklagte
vom 1
3.
August 2020 wiederholte
Dr.
K._
diese Einschätzung und erklärte, wie schon im Bericht an die
IV-Stelle
vom 3
1.
Januar 2020, sie gelte unter dem Vorbehalt, dass die psychische Situation mit rezidivierenden depressiven Epi
soden der Realisierbar
keit nicht entgegenstehe (Urk.
11
/123
123.1
; vgl.
Urk.
27
/15/2). Der Psychiater
Dr.
B._
sodann bemerkte im Bericht vom
6.
November 2019 bei der Frage nach der Arbeitsfähigkeit, das
s die Klägerin
ab Anfang November für eine teilweise Arbeitsfähigkeit und eine langsame Rein
tegration bereit sein sollte, dass dies allerdings am bisherigen Arbeitsplatz aus somatischen Gründen nich
t möglich zu sein scheine (Urk.
27
/1
3/4).
5.2
Entgegen der Beurteilung
von
Dr.
D._
und
Dr.
E._
in der Stellungnahme vom 3
0.
September 2020 (
Urk.
11
/127.9)
, der
Dr.
G._
in den Stellungnahmen vom
31.
Januar und vom 2
5.
Februar 2020 folgte (
Urk.
11/81 und
Urk.
92) und auf die
sich auch die Beklagte stützte (
Urk.
9 S. 5 f.,
Urk.
20 S. 4 f.),
kann aus dem Vorbehalt von
Dr.
K._
hinsichtlich psychisch bedingter Einschränkungen nicht geschlossen werden, der Rheumatologe at
testiere der Klägerin
aus der Sicht seines Fachgebietes keine namhaften Einschränkungen
in der Arbeitsfähigkeit. Denn
Dr.
K._
nahm bei der Attestierung der mindestens 50%igen Arbeits
fähigkeit ausdrücklich auf die somatisch-rheumatologische Seite der Problematik Bezug. Wenn er dabei den zumutbaren Tätigkeitsumfang von 50
%
beziehungs
weise 4
5 Stunden im Tag als das Mindestmass bezeichnete, so lässt sich daraus nicht ableiten, dass er ohne Weiteres eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit bis auf 100 %
als realisierbar erachtete. Nicht nur hob nämlich
Dr.
K._
die Notwen
digkeit regelmässiger Pausen hervor, sondern es gilt auch zu beachten, dass sich die Symptomatik nicht nur in Verspannungen und Schmerzen in der Halswirbel
säule, sondern zusätzlich in häufigen Kopfschmerzen mit Begleiterscheinungen manifestierte.
Die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von
Dr.
K._
leuchtet daher ein. Von zusätz
lich einschränkenden Auswirkungen aufgrund der psychischen Problematik ist hingegen nicht auszugehen, nachdem die depressiven Symptome im Laufe des August 2019 abgeklungen waren. Denn
Dr.
B._
schloss im Bericht vom
6.
November 2019 zwar nicht aus, dass die geklagten Konzentrationsstörungen und der diffuse Schwindel durch psychische Faktoren mitbedingt sein könnten, ein Zusammenhang mit der Halswirbelsäulenproblematik erschien ihm jedoch klar
(
Urk.
27
/13/5), und er hielt ausserdem fest, dass die aktuell noch bestehende Arbeitsunfähigkeit überwiegend somatis
ch begründet sein dürfte (
Urk.
27
/13/6). Soweit
Dr.
B._
der Klägerin
unter diesen Umständen auch ab September 2019 noch eine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht
attestierte (
Urk.
27
/13/4), so trägt ihr das Zumutbarkeitsprofil von
Dr.
K._
entgegen d
er Auffassung der K
l
ägerin (Urk.
15 S. 4)
schon genügend Rechnung. Das Gleiche gilt hinsichtlich einer allfälligen psychischen Komponente des Schmerzbildes, die
Dr.
K._
unter dem Hinweis auf eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren vermutete (
Urk.
27
/15/5+9+11+14), da die
rheumatolo
gischerseits
empfohlenen Reduktionen in der Belastung dazu geeignet sind, den
myofaszialen
Schmer
zen in ihrer Gesamtheit entgegenzuwirken. Auch eine höhere Einschränkung aufgrund einer reduzierten Arbeits
geschwindigkeit (vgl.
Urk.
1 S.
8,
Urk.
15 S. 5), ist
nicht gerechtfertigt, sondern diese Reduktion
ist
mit dem Zugestehen vermehrter Pausen abgegolten.
5.3
Erscheint somit das Zusammenwirken von somatischen und psychischen Fakto
ren mit den Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen von
Dr.
K._
und
Dr.
B._
als ausreichend berücksichtigt, so kann auch
da
für auf
weitere medizinische Abklä
rungen
verzichtet werden.
5.4
Bei der Konkretisierung der massgebenden Arbeitsfähigkeit von mindestens 50
%
beziehungsweise mindestens 4-5 Stunden
im Tag rechtfertigt es sich, die 5
Stun
den an der oberen Grenze des gesteckten zeitlichen Rahmens einzusetzen, was bei der regulären 40-Stunden-Woche im Arbeitsverhältnis
mit der
Y._
AG (vgl.
Urk.
27
/9/2) einem Pensum von 60
%
entspricht. Auf diese Weise wird berücksichtigt, dass es sich bei den Angaben von
Dr.
K._
zur Arbeitsfähigkeit um Mindestwerte handelt, ohne dass diese Werte über Gebühr überschritten würden.
Nicht massgebend ist hingegen auf der einen Seite das Attest einer darüber hinausreichenden Arbeitsfähigkeit durch die medizinischen Fachpersonen der
C._
. Auf der anderen Seite kann aber auch auf die hausärztlichen Atteste einer höheren Arbeitsunfähigkeit durch
Dr.
A._
nicht abgestellt werden. Denn das Vorgehen von
Dr.
A._
, die 100%ige oder 80%ige Arbeitsun
fähigkeit entgegen der ursprünglichen Einschätzung und ohne entscheidende Zustandsveränderung immer wieder zu verlängern, lässt erkennen, dass er sich, wie
Dr.
G._
am 2
5.
Februar 2020 plausibel festhielt (
Urk.
11/92), vor allem auf die subjektiven Angaben der Klägerin stützte, was indessen aus versicherungs
rechtlicher Sicht zu einseitig ist.
Zusammengefasst war die
Klägerin
damit vom 2
1.
Februar bis Ende August 2019 in jeglicher Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig, und ab September 2019 war sie für die angestammte Tätigkeit und für vergleichbare Tätigkeiten wieder zu 60
%
arbeitsfähig.
Diese 60%ige Arbeitsfähigkeit erstreckt sich auf den gesamten von der Klage umfassten Zeitraum bis zum 1
9.
Februar 2021 (vgl.
Urk.
1 S. 2), da Änderungen in diesem Zeitraum nicht ersichtlich sind.
6.
6.1
Zu prüfen ist weiter, was aus der massgebenden 60%ige
n
Arbeitsfähigkeit bezie
hungsweise 40%ige Arbeitsunfähigkeit in der in der angestammten Tätigkeit für
den Anspruch der Klägerin auf Taggelder gegenüber
der Beklagten abzuleiten ist.
6.2
Die Beklagte liess geltend machen, die Klägerin erreiche bei einer attestierten Arbeitsfähigkeit von 50
%
oder 60
%
im Rahmen ihres 60%-Pensums die anspruchserhebliche Mindesteinschränkung von 25
%
nicht und habe deshalb auch dann keinen Anspruch auf weitere Taggelder, wenn auf die Zuschreibung einer vollen Arbeitsfähigkeit durch die medizinischen Fachleute der
C._
nicht abgestellt werden könnte (
Urk.
9 S. 9,
Urk.
20 S.
5). Demgegenüber liess die Klägerin die Ansicht vertreten, die attestierte Teilarbeitsunfähigkeit sei am Pensum von 60
%
zu messen, und eine Arbeitsun
fähigkeit von beispielsweise 50
% führe dementsprechend auch im 60%-Pensum zu einer nur 50%igen Leis
tungsfähigkeit (
Urk.
15 S. 4).
6.3
Wie die Beklagte zutreffend bemerken liess (
Urk.
20 S. 5)
,
legte
Dr.
K._
die Arbeitsfähigkeit nicht nur als Prozentzahl fest, sondern umschrieb sie zus
ätzlich
als A
nzahl Arbeitss
tunden
, welche die Klägerin pro Tag zu leisten vermöge.
Diese Umschreibung lässt die klägerische Interpretation, wonach die Arbeitsfähigkeit im 60%-Pensum im gleichen Verhältnis reduziert sei wie im 100%-Pensum, nicht zu.
Vielmehr ist die Klägerin bei der 60%igen Arbeitsfähigkeit, von der nach den
vorstehenden Erwägungen auszugehen ist, in ihrem 60%-Pensum nicht als eingeschränkt zu erachten; bezogen auf dieses Pensum besteht keine Arbeitsun
fähigkeit.
Allein deswegen lässt sich der Anspruch der Klägerin auf Taggelder in der strittigen Zeit
ab dem 1
4.
Dezember 2019 aber noch nicht verneinen, sondern es
stellt sich die Frage, wie der Begriff der mindestens 25%igen Arbeitsunfähig
keit in den AVB der Beklagten auszulegen ist.
Der Wortlaut von
Art.
5.1 AVB gibt hierzu keinen Aufschluss; es wird darin kein Pensum genannt, auf das sich die 25%ige Einschränkung beziehen muss.
Zu beachten ist jedoch, dass die zur Diskussion stehende Versicherung als Erwerb
sausfall-Versicherung bezeichnet ist (
Urk.
10/4 S. 1
); die Versicherung soll also dann zum Zug kommen, wenn die versicherte Person krankheitsbedingt eine Erwerbseinbusse erleidet.
Dieses Prinzip ist i
m V
ertragstext aus der Regelung zum Beginn der Versicherungsdeckung in
Art.
12.1 AVB ersichtlich: Wer für das ver
einbarte Pensum nicht voll arbeitsfähig ist, ist erst von dem Tag an versichert, an dem er die Arbeit im vereinbarten Pensum aufnehmen kann. Aus dieser Regelung zum Versicherungsbeginn ist
abzuleiten,
d
ass es für den
Eintritt des Versiche
rungsfalles
- definiert als Eintritt der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit (vgl. BGE 142 III
671 E. 3) -
und den daraus resultierenden Anspruch auf Tag
gelder einer Arbeitsunfähigkeit bedarf, die das vereinbarte Teilzeitpensum b
eschlägt;
n
ur
wer für dieses Teilzeitpensum ganz oder teilweise arbeitsunfähig wird, büsst die Fähigkeit ein, durch den Einsatz der Arbeitskraft den vereinbarten, vor Eintritt des Versicherungsfalles bezogenen Lohn zu erzielen, der
in
Art.
8.2
Abs.
2 lit. d AVB
zur Taggeldbemessungsgrundlage erklärt wird.
In der vorliegend zur Diskussion stehenden Krankentaggeldversicherung nach dem VVG
verhält es sich demnach anders als im Bereich der Invalidenversiche
rung, die n
icht nur die
Erwerbeinbusse
, sondern auch
Einschränkungen in einem nichterwerblichen Aufgabenbereich entschädigt (vgl.
Art.
28a
Abs.
2
des Bundes
gesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG]), und auch anders als im Bereich der Unfallversicherung nach dem
Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG)
, wo
im Falle eines Teilzeitpensums
eine tatsächliche Erwerbseinbusse nicht zwingende Voraussetzung für einen
Renten
anspruch ist, sondern
der Verlust der Fähigkeit, vollzeitlich erwerbstätig zu sein,
massgebend
ist (vgl. BGE 145 V 370 E. 4.3 mit Hinweis auf BGE 119 V 475 E. 2).
6.
4
Das Pensum, das die Klägerin bei der
Y._
AG seit September 2018 versah, belief sich
gemäss der Meldung der Arbei
tgeberin an die Beklagte vom 1.
April 2019
auf 60
%
(
Urk.
11/3
; vgl. auch die Mitteilung
der Arbeitgeberin
an die IV-Stelle in
Urk.
27/57
). Nur im Rahmen dieses Pensums war die Klägerin somit bei der Beklagten
taggeldversichert. In diesem Pensum war sie indessen gemäss dem
Dargelegten in der strittigen Zeit
vom
1
4.
Dezember 2019
bis zu
m 1
9.
Februar 2021
nicht arbeitsunfähig, und sie hat
demgemäss
in diesem Zeitraum
gestützt auf die vorstehenden Ausführungen keinen Anspruch auf Taggelder aus der zur Diskussion stehenden Kollektivversicherung.
Soweit die Klägerin
darauf hinweisen liess, da
s
s sie schon seit Jahren nicht mehr dazu in der Lage sei, ihre Tätigkeit vollzeitlich auszuüben (
Urk.
15 S. 5), und
im Beschwerdeverfahren betreffend die rentenverneinende Verfügung der IV-Stelle vom 1
2.
April 2021 vorbringen liess, die
Pensumsreduktion
bei der
Y._
AG von 80
%
auf 60
%
per September 2018 sei
aus Krankheitsgründen erfolgt, kann es darauf im vorliegenden Zusammenhang nicht ankommen. Denn für eine Beanspruchung von Taggeldern für eine Einbusse in diesem Umfang hätte unter Fortführung des 80%-Pensums eine entsprechende Meldung an die Beklagte ergehen müssen, was indessen nicht geschehen ist.
6.5
Mangels Arb
eitsunfähigkeit im strittigen Zeitraum kann die Klägerin sodann auch aus der angerufenen Koordinationsregelung für arbeitslose Personen in
Art.
100
Abs.
2 VVG in Verbindung mit
Art.
73
Abs.
1
KVG
(vgl.
Urk.
1 S. 8,
Urk.
15 S. 4)
nichts für sich ableiten
,
da diese Regelung nur dann zur Anwendung gelangt, wenn ein grundsätzlicher Anspruch auf Krankentaggelder besteht.
7.
Damit ist die Klage abzuweisen. Auf
die Vorbringen
der Beklagten im Zusam
menhang mit der Leistung von Nachzahlungen an die Arbeitslosenkasse (
Urk.
9 S. 11 f.,
Urk.
20 S. 6 f.) muss daher nicht mehr eingegangen werden.
8.
Das Verfahren ist kostenlos, da es eine Streitigkeit aus einer Krankentaggeld
versicherung betrifft, welche unter den Begriff der Zusatzversicherung zur sozia
len Krankenversicherung nach dem KVG zu subsumieren ist (vgl. Art. 114 lit. e ZPO in Verbindung mit § 33 Abs. 1 GSVGer und das Urteil des Bundesgerichts 4A_680/2014 vom 29. April 2015 E. 2.1 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 142 V 448 E. 4.1).
9.
Stellt die obsiegende Partei einen entsprechenden Antrag oder ist dies von ande
ren Gesetzen so vorgesehen, verpflichtet das Gericht gemäss § 34 Abs. 1
GSVGer
die unterliegende Partei zum Ersatz der Parteikosten. Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung bemisst sich gemäss § 34 Abs. 3 GSVGer nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Nach der Praxis des Bundesgerichts steht dem nicht anwaltlich vertretenen Versicherungsträger grundsätzlich keine Parteientschädigung zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_109/2013 vom 27. August 2013, E. 5). Die Beklagte liess sich jedoch im vorliegenden Verfahren durch einen externen Anwalt vertreten und hat somit für ihr Obsiegen Anspruch auf eine Prozessentschädigung.
Aufgrund der massgebenden Kriterien ist die Prozessentschädigung, die der Beklagten zuzuspreche
n ist, ermessensweise auf
Fr.
3'000.--
(inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.