Decision ID: 16cdc3e8-8718-40b8-94b5-6baf80ece174
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1980, meldete sich am 8. April 2009 unter Hinweis auf eine seit 1997 bestehende Suchterkrankung bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/6).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm mit Verfügung vom
17. März 2011
bei einem In
validitätsgrad von
55 %
eine
halbe
Rente ab
1. April 2008
zu (Urk.
10/36; Urk. 10/41), welche nach Eingang eines Revisionsgesuches vom 11. Mai 2015 (Urk. 10/73) mit Verfügung vom 9. März 2016 per 1. Februar 2015 auf eine ganze Rente erhöht wurde (Urk. 10/105; Urk. 10/113).
1.2
Nach Eingang einer Anmeldung zum Bezug von Hilflosenentschädigung vom 7. Februar 2017 (Urk. 10/120) veranlasste die IV-Stelle eine Abklärung für Hilf
losenentschädigung, über welche am 6. Juni 2017 (Urk. 10/131) berichtet wurde. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 10/124 - 125) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 13. September 2017 die Ausrichtung einer Hilflosenentschädigung (Urk. 10/133 = Urk. 2/1).
2.
Der Versicherte erhob am 12. Oktober 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 13. September 2017 (Urk. 2/1) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine Hilflosenentschädigung von 80 % zuzusprechen. Eventuell sei die Sache für weitere Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 2 f.).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 22. November 2017 (Urk. 8) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 21. Februar 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 15).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Da
zu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bri
ngen kann (BGE 135 I 279 E. 2.3;
135 II 286 E. 5.1
; 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.2
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtli
chen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkreten Fall für den Ausgang der materiellen Streitentscheidung von Bedeutung ist, d.h. die Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird o
der nicht (BGE 132 V 387 E. 5.1
; 127 V 431 E. 3d/aa).
Nach der Rechtsprechung kann eine - nicht besonders schwerwiegende - Ver
letzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äus
sern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (127 V 431 E. 3d/aa). Von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung ist
selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleich
gestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis).
2.
2.1
Im Zuge der Abklärung betreffend Hilflosigkeit veranlasste die Beschwerde
gegnerin einen Abklärungsbericht, welcher am 6. Juni 2017 erstattet wurde (Urk. 10/131) und dem Vorbescheid vom 14. Juni 2017 zu Grunde gelegt wurde (Urk. 10/124).
Gemäss den Akten nahm die Sachbearbeiterin des Abklärungsdienstes am 13. September 2017 Stellung zum Einwand des Beschwerdeführers betreffend Hilflosenentschädigung (Urk. 10/132). Weder dem dem Gericht eingereichten Aktenverzeichnis (Urk. 10/0) noch den Schreiben der Beschwerdegegnerin kann entnommen werden, dass diese Stellungnahme dem Beschwerdeführer während des Einwandverfahrens jemals unterbreitet worden ist, zumal diese Stellung
nahme zeitgleich mit dem Verfügungserlass erfolgte (Urk. 2/1). Aus diesem Grund war es dem Beschwerdeführer unmöglich, sich vor Verfügungserlass hiezu zu äussern. Dies wiegt umso schwerer, als der Abklärungsdienst mit aus
führlicher Stellungnahme zum Schluss gekommen ist, dass kein anderer Ent
scheid möglich sei, von welcher sich die Beschwerdegegnerin bei der Ver
neinung des Anspruchs auf Hilflosenentschädigung hat leiten lassen.
2.2
Um die Mitwirkungsrechte in einem Verfahren wirksam zur Geltung zu bringen, werden rechtsprechungsgemäss
genügende Kenntnisse über den Verfahrens
verlauf
v
orausgesetzt, weshalb die Parteien in geeigneter Weise über die ent
scheidwesentlichen Vorgänge und Grundlagen vorweg orientiert wer
den müssen
(BGE 140 I 99 E. 3.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_183/2015 vom 17. November 2015 E. 4.2).
Es wäre daher angezeigt gewesen, dass die Be
schwerdegegnerin
vor Erlass des angefochtenen Entscheids
das rechtliche Gehör zum neuen Beweismittel eingeräumt hätte. Daher ist die
Verfügung allein schon aufgrund der Verletzung des Rechts auf Akteneinsicht beziehungsweise der Ver
letzung des rechtlichen Gehörs aufzuheben.
3.
3.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine Hilflosenent
schädigung. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als
hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dau
ernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (Art. 42 Abs. 3 Satz 1 IVG; Art. 38 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Le
bensverrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
—
Ankleiden, Auskleiden;
—
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
—
Essen;
—
Körperpflege;
—
Verrichtung der Notdurft;
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
3.2
Gemäss
Art.
37
Abs.
1 IVV gilt die Hilflosigkeit als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen Lebensver
richtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf.
Gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; oder
c.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades nach Art. 37 Abs. 2 lit. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebens
verrichtungen voraus (BGE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E. 2)
.
Gemäss
Art. 37
Abs. 3
IVV
dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versi
cherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewie
sen ist.
3.3
Nach
Art.
38
Abs.
1 IVV liegt ein Bedarf an lebenspraktischer Be
gleitung im Sinne von
Art.
42
Abs.
3 IVG vor, wenn eine volljährige versicherte Person ausserhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesund
heit:
a.
ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen kann;
b.
für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist; oder
c.
ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.
Ist lediglich die psychische Gesundheit beeinträchtigt, so muss für die Annahme einer Hilflosigkeit gleichzeitig ein Anspruch auf mindestens eine Viertelsrente bestehen (
Art.
38
Abs.
2 IVV).
Zu berücksichtigen ist nur diejenige lebenspraktische Begleitung, die regel
mässig und im Zusammenhang mit den in Absatz 1 erwähnten Situationen erforderlich ist. Nicht darunter fallen insbesondere Vertretungs- und Verwal
tungstätigkeiten im Rahmen von Massnahmen des Erwachsenenschutzes nach den Artikeln 390-398 des Zivilgesetzbuches (
Art.
38
Abs.
3 IVV).
Der Anspruch auf Berücksichtigung des Bedarfs an lebenspraktischer Begleitung ist nicht auf Menschen mit Beeinträchtigung der psychischen oder geistigen Ge
sundheit beschränkt. Es ist durchaus möglich, dass auch andere Behinderte einen Bedarf an lebenspraktischer Begleitung geltend machen können. Zu den
ken ist insbesondere an hirnverletzte Menschen (BGE 133 V 450 E. 2.2.3).
Unerheblich ist, in welcher Umgebung sich die versicherte Person – abgesehen davon, dass sie ausserhalb des Heims wohnen muss – aufhält und ob sie auf die Hilfe des Ehegatten, der Kinder oder der Eltern zählen kann (BGE 133 V 450
E. 2.2.3 und 5).
Als regelmässig im Sinne von
Art.
38
Abs.
3 Satz 1 IVV gilt die lebensprakti
sche Begleitung, wenn sie über eine Periode von drei Monaten gerechnet im Durchschnitt mindestens 2 Stunden pro Woche benötigt wird (BGE 133 V 450 E. 6.2).
Die lebenspraktische Begleitung beinhaltet weder die (direkte oder indirekte) Dritthilfe bei den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen noch die Pflege noch die Überwachung. Sie stellt vielmehr ein zusätzliches und eigenständiges Insti
tut der Hilfe dar (BGE 133 V 450 E. 9).
Das Gesetz macht den Anspruch auf Hilflosenentschädigung nicht davon abhängig, ob die lebenspraktische Begleitung kostenlos erfolgt oder nicht
(BGE 133 V 472 E. 5.3.2).
3.4
Gemäss
Art.
42
Abs.
4 IVG richtet sich der Anspruchsbeginn einer Hilflosen
entschädigung nach der Vollendung des ersten Lebensjahres nach Art. 28
Abs.
1 lit. b IVG. Gemäss Randziffer 8092 des ab 1. Januar 201
5
geltenden Kreis
schreibens des Bundesamtes für Sozialversicherung über Invalidität und Hilf
losigkeit in der Invalidenversicherung (KSIH) entsteht der Anspruch grundsätz
lich nach dem Ablauf des Wartejahres in sinngemässer Anwendung von
Art.
28
Abs.
1 lit. b IVG. Die Regeln über die Entstehung des Rentenanspruchs nach
Art.
29
Abs.
1 IVG sind hier nicht anwendbar. Diese Verwaltungsweisung ist gesetzeskonform und daher auch für das Gericht anwendbar (BGE 137 V 351 E. 5.1).
3.5
Gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines Leistungs
anspruchs unter anderem Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen. Nach der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit (Art. 9 ATSG) oder des Pflegebedarfs folgenden Anforderungen zu genügen: Als Berichterstatterin oder Berichterstatter wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Hilfsbedürftigkeiten hat. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Stö
rungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig (vgl. BGE 133 V 450 E. 11.1.1). Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plau
sibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebens
verrichtungen sowie der tatbestandsmässigen Erfordernisse der dauernden Pfle
ge und der persönlichen Überwachung und der lebenspraktischen Begleitung sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobe
nen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (
BGE 140 V 543
E. 3.2.1 mit
Hinwei
sen; SVR 2012 IV Nr. 54 S. 195, Urteil des Bundesgerichts 8C_756/2011 vom 12. Juli 2012 E. 3.2). Diese Grundsätze gelten entsprechend auch für die Abklä
rung der Hilflosigkeit unter dem Gesichtspunkt der lebenspraktischen Beglei
tung (BGE 133 V 450 E. 11.1.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_464/2015 vom 14. September 2015 E. 4) sowie unter dem Aspekt des Intensivpflege
zuschlags (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_308/2016 vom 6.
September 2016 E. 5.1 mit Hinweis auf
8C_756/2011 vom 12. Juli 2012 E. 3.2).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) gestützt auf die vor Ort erfolgte Abklärung und die Stellungnahme der Abklärungsperson fest, dass in allen alltäglichen Lebensverrichtungen mehrheitlich Selbst
ständigkeit bestehe, der Beschwerdeführer jedoch nach dem Hirnschlag mehr Dritthilfe benötigt habe. Die Situation habe sich jedoch gebessert, sodass nun
mehr keine regelmässige Begleitung mehr stattfinde (S. 2 ff.). Namentlich werde keine lebenspraktische Begleitung im Umfang von mindestens zwei Stunden pro Woche geleistet, womit die Intensität und Regelmässigkeit nicht gegeben sei (S. 4).
4.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1), sein Gesundheitszustand habe sich seit dem Datum der Abklärung verschlech
tert und er sei in den Lebensverrichtungen erheblich mehr eingeschränkt als von der Beschwerdegegnerin angenommen (S. 8 ff.). Darüber hinaus bemängelte er die Aktualität der medizinischen Entscheidgrundlagen. So datiere der letzte Arztbericht vom Juli 2015 (S. 12 ff.).
4.3
Strittig und zu prüfen ist, ob
der Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung hat.
5.
5.1
Die Zusprache einer halben Invalidenrente ab April 2008 erfolgte im Wesentli
chen aufgrund einer abhängigen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7) mit selbstschädigendem Verhalten (mitursächlich für sekundäre Sucht), eines Alko
-
holabhängigkeitssyndroms (ICD-10 F10.25), einer Heroinabhängigkeit (ICD-10 F11.26 (eventuell Methadon), gelegentlichem Kokainmissbrauch (ICD-10 F14.26) sowie einer regelmässigen Abhängigkeit durch Cannabinoide (ICD-10 F12.2) bei einer Arbeitsfähigkeit von 50 % (vgl. Berichte vom 2. Februar
2010 der internis
tischen [Urk. 10/19] und psychiatrischen [Urk. 10/18] RAD-Untersuchung).
Ausschlaggebend für die ab Februar 2015 ausgerichtete ganze Invalidenrente (Urk. 10/105, Urk. 10/113) waren insbesondere die Beurteilungen vom 10. Juni 2015 durch Dr. med. Y._, Facharzt für Allgemeine Medizin, welcher ge
stützt auf die Berichte der Klinik für Neurologie am Universitätsspital Z._ (Urk. 10/80/5 - 17) auf am 22. September 2014 erlittene multiple Hirn-infarkte und damit auf eine gesundheitliche Verschlechterung hinwies (Urk. 10/80/18), sowie von med. pract. A._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 9. Juli 2015 (Urk. 10/81 - 82) und der Verlaufsbericht des Universitätsspitals Z._ vom 21. Juli 2015 (Urk. 10/83). Gestützt auf diese me
dizinischen Berichte stellte RAD-Arzt Dipl. med. B._, Facharzt für Neurologie und für Psychiatrie und Psychotherapie, in seiner Stellungnahme vom 22. Oktober 2015 (Urk. 10/86/3-4) einen veränderten Gesundheitszustand fest. Der Verlauf der multiplen Hirninfarkte sei jedoch erfreulich, die neuro
logischen Defizite seien rückläufig, jedoch sei seit dem 22. September 2014 von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten auszugehen. Ferner sei eine regelmässige psychiatrische, suchtspezifische Behandlung empfehlenswert (Urk. 10/86/3). Am 2. Dezember 2015 (Urk. 10/90) berichtete Dr. Y._ sodann, dass der Beschwerdeführer den zeitweise drastischen Alkohol
abusus praktisch total sistiert habe, ebenso das Rauchen von Marihuana. Der Konsum von Kokain sei schon seit 2010 gestoppt worden. Aktuell stehe der Be
schwerdeführer noch in einem Methadonprogramm und es sei aufgrund seines Mentalitätswandels und einer veränderten Einstellung zu Gesundheit und Leben keine suchtspezifische Massnahme mehr indiziert.
5.2
Die Ärzte der Klinik C._, Zentrum für ambulante Rehabilitation, berichteten mit Eingangsdatum 22. März 2016 der Beschwerdegegnerin (Urk. 10/118). Sie nannten die folgenden Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.2):
-
multiple Hirninfarkte, bilateral parietal
-
mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörung (ICD-10 F06.7)
-
Psychische- und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanz
gebrauch
-
Anpassungsstörung mit Angst zu sterben (ICD-10 F43.2)
Die Ärzte führten aus, es bestünden noch Visusstörungen sowie Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der konzentrativen Belastbarkeit (Ziff. 1.3). Gegen
wärtig werde der Beschwerdeführer in einem psychotherapeutischen Einzel
setting mit wöchentlicher Kadenz seit Januar 2015 betreut, letztmalig am 15. Februar 2016 (Ziff. 3.1). Es bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 2.1). Der Beschwerdeführer lebe in einer Wohngemeinschaft und sei bei den meisten Alltagsaktivitäten auf Hilfe angewiesen. Er könne sich nicht alleine ein Essen kochen oder ein Sandwich machen, da er sich aufgrund seiner Visus
problematik oft schneide oder verbrenne. Zum Einkaufen werde er von einem Freund gefahren, wenn dieser Zeit habe. Zum Kochen komme 1-3 Mal in der Woche ein Freund vorbei und es würden ihm auch immer wieder Fertigsand
wiches gebracht. Bei all diesen Tätigkeiten würden sich seine Freunde und Kollegen abwechseln. Arzttermine würden ihm von seinem Kollegen D._ jeden Tag neu mitgeteilt, da er sie sonst vergessen würde (Ziff. 7).
5.3
Im Anmeldegesuch für Hilflosenentschädigung vom 7. Februar 2017 (Urk. 10/120), welches auch von Hausärztin Dr. med.
E._
, Fach
ärztin für Allgemeine Innere Medizin, ausgefüllt wurde (Ziff. 5.4), lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer weder in seinen alltäglichen Lebens
verrichtungen mit Ausnahme der Körperpflege (Rasieren nicht möglich) auf Hil
fe angewiesen sei (Ziff. 4.1), noch bestehe ein Hilfebedürfnis für persönliche Überwachung (Ziff. 4.3) oder für Hilfsmittel (Ziff. 4.5). Hinsichtlich einer lebenspraktischen Begleitung wurde ausgeführt, seit Dezember 2014 brauche der Beschwerdeführer Hilfe bei täglichen Verrichtungen und Abläufen wie Kochen, Putzen, Körperpflege, Wäsche machen, Administration, Handy bedienen. Teil
weise benötige er Hilfe für Erledigungen und Kontakte ausserhalb der Woh
nung, so zum Beispiel für das Einsteigen in das richtige Tram oder bei der Adresssuche (Ziff. 5.1).
5.4
Am 6. Juni 2017 informierte die Abklärungsperson über die am 3. Mai 2017 am Wohnort des Beschwerdeführers durchzuführende Abklärung (Urk. 10/131). Eine Einschränkung in den Bereichen Ankleiden/Auskleiden, Aufste
hen/Absitzen und Abliegen sowie Reinigung nach Verrichtung der Notdurft wurde nicht ausgemacht (S. 3). Zum Bereich Essen wird ausgeführt, dass der Be
schwerdeführer keine Zähne mehr habe und kein Gebiss trage, weshalb er faser
arme Nahrungsmittel zu sich nehme, welche er gut kauen könne. Hauptsächlich nehme er Fertigprodukte zu sich und bereite diese in der Mikrowelle zu (S. 3 oben).
Zum Bereich Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte wird ausgeführt, dass der Beschwerdeführer den öffentlichen Verkehr wieder benützen könne. In Stresssituationen könne es vorkommen, dass er in den falschen Bus oder das falsche Tram einsteige. Herr D._ begleite ihn zu Terminen, bei denen wichti
ge Informationen gegeben würden. Nach dem Hirnschlag sei er vermehrt auf Dritthilfe bei der Fortbewegung angewiesen (S. 3 f.).
Zur Frage des Bedarfs an Hilfe Dritter für die Pflege gesellschaftlicher Kontakte wegen einer Sinnesschädigung (zum Beispiel Sehschwäche) oder eines körperli
chen Gebrechens wird ausgeführt, dass eine Hilflosigkeit im Sonderfall nicht vorliege (S. 4 oben).
Die Abklärungsperson führte weiter aus, dass die Voraussetzungen für eine le
benspraktische Begleitung nicht erfüllt seien, da keine Begleitung stattfinde. Somit werde zur Anerkennung der lebenspraktischen Begleitung der Min
destaufwand von zwei Stunden pro Woche nicht erreicht (S. 4 Mitte).
Zu Hilfeleistungen, die das selbstständige Wohnen ermöglichen würden, wird ausgeführt, dass die Wohnungspflege durch den Beschwerdeführer nicht mehr regelmässig ausgeführt werde. Ihm seien die Abläufe nicht mehr klar und es bräuchte eine klare Anleitung. Die Spitex habe den Auftrag als Haushaltshilfe abgelehnt, da bei der Begutachtung der Wohnung eine Waffe gefunden worden sei (S. 4 unten). Der Beschwerdeführer versuche die Wäsche selbständig zu wa
schen; wie er die Waschmaschine betätigen müsse, wisse er aber nicht. Zeitwei
se sei die Nachbarin zu Hilfe gekommen (S. 5 oben). Alle 2-3 Tage werde er durch Freunde mit Nahrungsmitteln versorgt. Selbstständig etwas zu kochen sei eine gewisse Zeit lang aufgrund der Seheinschränkung nicht mehr möglich ge
wesen. Er wisse, wie man etwas koche, habe aber hierzu keine Motivation. Zu
sammen mit Herrn D._ schaue er wöchentlich die Post durch, Zahlungen via E-Banking würden durch Herrn D._ beglichen. Für einfache sowie auch komplexe administrative Angelegenheiten werde regelmässig Dritthilfe benötigt im Umfang von 15 Minuten pro Woche (S. 5).
Zum Bereich Begleitung bei ausserhäuslichen Verrichtungen und Kontakte wird ausgeführt, dass eine Begleitung für ausserhäusliche Termine weder regelmässig noch in einem erheblichen Rahmen stattfinde (S. 5 unten).
Zusammenfassend hielt die Abklärungsperson fest, dass beim Beschwerdeführer in allen alltäglichen Lebensverrichtungen mehrheitlich Selbstständigkeit beste
he. Es finde keine regelmässige Begleitung mehr statt. Die Intensität an Beglei
tung sei nicht erfüllt. Der Antrag auf eine Hilflosenentschädigung werde abge
lehnt (S. 6 am Schluss).
5.5
Die Abklärungsperson führte in ihrer Stellungnahme vom 13. September 2017 (Urk. 10/132) zum Einwand des Beschwerdeführers aus, es könne ein Zeitbudget für fiktiv 30 Minuten für einen Tages- und Wochenplan sowie für Alltags
bewältigungen gewährt werden (S. 2 Mitte). Für Haushalt und Ernährung könne total 45 Minuten pro Woche angerechnet werden (S. 2 unten). Der Zeitaufwand für eine einfache Administration betrage pro Monat zirka 1 Stunde bezie
hungsweise 15 Minuten pro Woche (S. 3 oben). Für Begleitungen zu ausser
häuslichen Verrichtungen würden 15 Minuten pro Woche gewährt werden (S. 3 Mitte). Somit werde keine anrechenbare Hilfe im Umfang von mindestens zwei Stunden pro Woche geleistet, auch der Zeitaufwand für eine minimale Grund
versorgung erfülle den Mindestaufwand pro Woche nicht (S. 3 am Schluss).
5.6
Mit Schreiben vom 9. November 2017 (Urk. 9) präzisierte Dr. E._ die Situa
tion des Beschwerdeführers. Die Defizite seien doch beträchtlichen Ausmasses und verursacht durch mehrere Hirninfarkte unklarer Ursache im September 2014, die mit wesentlichen Sehstörungen und neuropsychologischen Schäden einhergegangen seien. Der Beschwerdeführer könne eine visuelle Botschaft, wenn sie sich ihm als Schriftbild präsentiere, zum Beispiel eine Gebrauchsan
weisung eines Haushaltsgerätes, der Waschmaschine, eines Küchengerätes etc., nicht verstehen und nicht umsetzen. Hier sei er auf die Hilfe anderer angewie
sen, die ihm in mühsamster Kleinarbeit und in akustischer Form solche Bot
schaften übersetzten und beibrächten, und dies wiederholt. Hier sei er unbedingt auf die Hilfe anderer angewiesen, ebenso in administrativen Angelegenheiten wie Einzahlungen, Ausfüllen von Formularen und anderes mehr. Für die Erklä
rung, wie die Waschmaschine zu bedienen sei, habe sich die Spitex jetzt einge
setzt (S. 1).
6.
6.1
Gemäss den Vorschriften des Kreisschreibens (KSIH, gültig ab 1. Januar 2015 und Stand 1. Januar 2017) hat die IV-Stelle in der Regel das ausgefüllte Formu
lar der behandelnden Ärztin zu unterbreiten. Diese äussert sich zur Frage, ob die Angaben auf dem Formular mit ihren Befunden übereinstimmen. Gestützt auf diese Angaben kann eine Stellungnahme des RAD eingeholt werden. Dieser stellt der IV-Stelle einen schriftlichen Bericht mit den Ergebnissen der medizini
schen Prüfung und einer Empfehlung betreffend die weitere Bearbeitung des Leistungsbegehrens aus ärztlicher Sicht zu. Gestützt darauf ordnet die IV-Stelle allfällige zusätzliche medizinische Abklärungen an (Rz 8129 KSIH). Grundsätz
lich nimmt die IV-Stelle zudem eine Abklärung an Ort und Stelle vor. Abzuklä
ren sind die Hilflosigkeit sowie der Aufenthaltsort. Die Angaben der versicher
ten Person sind kritisch zu würdigen (Rz 8131 KSIH). Bei wesentlichen Abweichungen zwischen behandelnder Ärztin und dem Abklärungsbericht hat die IV-Stelle durch gezielte Rückfragen und unter Einbezug des RAD eine Klärung her
beizuführen (Rz 8133 KSIH).
6.2
Vorliegend hat die behandelnde Hausärztin Dr. E._ bereits in der Anmel
dung zum Bezug von Hilflosenentschädigung verschiedene Hilfsbedürftigkeiten angegeben (vgl. vorstehend E. 5.3). Auch die Ärzte der Klinik C._ wiesen in ihrem Bericht vom 22. März 2016 auf die Hilfsbedürftigkeit des Beschwerdefüh
rers bei den meisten Alltagsaktivitäten hin, so zum Beispiel benötige er Hilfe beim Kochen, beim Einkaufen und bei der Wahrnehmung von Terminen (vgl. vorstehend E. 5.2).
Gemäss der Verwaltungsweisung hätte die Beschwerdegegnerin von den behan
delnden Ärzten einen medizinischen Bericht
„
Arztbericht Hilflosenentschädi
gung
“
einholen müssen (vgl. vorstehend E 6.1), was sie jedoch nicht gemacht hat. Ebenso wurde keine Stellungnahme vom RAD eingeholt. Zwar wurde ein Abklärungsbericht erstellt (vgl. vorstehend E. 5.4), dieser weicht aber von der vor der Anmeldung geschilderten medizinischen Einschätzung erheblich ab, weshalb es zwingend einer Klärung durch den RAD bedurft hätte, zumal Dr. E._ schliesslich auch die Richtigkeit der Abklärung bemängelte (vgl. vor
stehend E. 5.6). Die ärztliche Grundlage in Bezug auf die Hilflosenentschädi
gung, auf welche sich die Beschwerdegegnerin stützte, ist – entgegen der An
sicht der Beschwerdegegnerin (vgl. Urk. 8 S. 2) - ungenügend und nicht mehr aktuell.
Der letzte medizinische Abklärungsbericht datiert vom März 2016 und war bei Anmeldung zum Bezug einer Hilflosenentschädigung somit fast ein Jahr alt.
E
r befasste sich zudem nicht mit der Frage der Hilflosigkeit, sondern der Rente beziehungsweise der Rentenrevision (
Urk.
10/118/1)
, weshalb
der Formularbericht keine spezifischen Fragen zur Hilfsbedürftigkeit enthält. Die ärztlichen Ausführungen unter dem Titel
„
Zusatzfragen
: Lebenssituation und Tagesstruktur“ beschreiben immerhin
ein
en
beträchtliche
n
Unterstützung
sbedarf
(vorstehende E. 5.2)
, ergingen indes mit Blick auf die Hilfsbedürftigkeit. Da die Beschwerdegegnerin den Ärzten keine entsprechenden Fragen unterbreitet hat, kann ihrer Darstellung in der Vernehmlassung, kein Arztbericht deute auf eine Hilfsbedürftigkeit hin (Urk. 8 S. 2 unten), nicht gefolgt werden. Ebenso wenig kann gesagt werden, der Abklärungsperson sei die seitens der Mediziner postu
lierte Hilfsbedürftigkeit (vgl. vorstehende E. 3.5) bekannt gewesen.
Im Weiteren berichteten die
Ärzte der Klinik C._ von einer mittelschweren, neuropsychologischen Funktionsstörung, Psychische- und Verhaltensstörungen sowie einer Anpassungsstörung bei bestehender vollständiger Arbeitsunfähig
keit (vgl. vorstehend E. 5.2). Es wurde darauf hingewiesen, dass der Beschwer
deführer in einem wöchentlichen psychotherapeutischen Einzelsetting betreut werde. Das Ausmass dieser psychischen Beeinträchtigung kann aber vor Ort von der Abklärungsperson alleine nicht erfasst werden und es hätte – wie bereits dargelegt (vorstehende E. 3.5) – zwingend eine zeitnahe psychiatrische Abklä
rung beziehungsweise den Beizug einer medizinischen Fachperson bedurft.
Angesichts des beschriebenen Zustandes der Wohnung, der geschilderten Ver
wahrlosung und der geschilderten Einschränkungen ist darüber hinaus fraglich, wie die Abklärungsperson zur Einschätzung gelangte, dass der Beschwerde
führer nicht auf Dritthilfe angewiesen sei.
Schliesslich wies der Beschwerdeführer nunmehr darauf hin, dass er mittlerweile von Fabian D._ keine Unterstützung mehr erhalte und somit in der Bewälti
gung seines Alltages komplett überfordert sei (Urk. 1 S. 12) und dass die Spitex habe eingreifen müssen (S. 9).
6.3
Nach dem Gesagten
kann dem Abklärungsbericht – der mangels Vorliegens hin
reichender ärztlicher Angaben zum Gesundheitszustand und der Hilfsbedürftig
keit bezüglich der festgestellten Einschränkungen durch das Gericht nicht auf seine Plausibilität hin überprüft werden kann - jedoch nicht die erforderliche Beweiskraft beigemessen werden. Überdies kann mit Blick auf die im vorliegen
den Verfahren aufgelegten - nur wenig nach dem angefochtenen Entscheid da
tierenden - Angaben von Dr.
E._ vom 9. November 2017 (vgl. vorstehend E. 5.6)
ein rechtserheblicher
Hilfsbedarf auch nicht von v
orneherein ausge
schlossen werden. Um über den Anspruch auf Hilflosenentschädigung entschei
den zu können, braucht es (rechtsgenügli
che) medizinische Grundlagen bezie
hungsweise
ärztliche Angaben zum Gesun
dheitszustand
sowie zum Hilf
e
bedarf. Allenfalls ist nach deren Einholung ein nochmaliger Abklärungsbericht Hilf
losigkeit in Kenntnis der diesbezüglichen Ergebnisse erforderlich
.
7.
Nach dem Dargelegten ist die Sache in Aufhebung der Verfügung vom
13. September
2017 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den Gesundheitsschaden und die sich daraus ergebende Einsch
ränkung der Arbeits
fähigkeit des
Beschwerdeführer
s
rechtsgenüglich abkläre und hernach unter Wahrung des rechtlichen Gehörs über den
Anspruch auf Hilflosenentschädigung
neu verfüge.
In diesem Sinn ist die Beschwerde gutzuheissen.
8.
8.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen.
8.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses und beim massgebenden Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf Fr. 2‘300.-- (in
klusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
8.3
Entsprechend erweist sich das Gesuch
des
Beschwerdeführer
s
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S.
3
) als gegenstandslos.