Decision ID: d2574f4c-acac-524a-acb4-9f611780ea48
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Fürsprecher Marco Büchel, LL.M., c/o K & B Rechtsanwälte,
Freudenbergstrasse 24, Postfach 213, 9240 Uzwil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rentenrevision (Einstellung)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 21. September 2005 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Nachdem sie als Küchengehilfin und
Schichtarbeiterin im Sektor Produktion gearbeitet hatte, war sie kurze Zeit als
Teilzeitraumpflegerin, in der Elektronikmontage, im Reinigungsdienst und zuletzt als
Mitarbeiterin in der Hauswirtschaft tätig gewesen (IV-act. 9/3, 15, 22 f., 32/7).
A.b Das Ärztliche Begutachtungsinstitut (ABI) erstellte im Auftrag der IV-Stelle des
Kantons St. Gallen am 21. September 2006 ein interdisziplinäres Gutachten. Die
Gutachter führten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an: (1)
chronisches lumbospondylogenes sowie chronisch thorakales Schmerzsyndrom
(ICD-10 M53.8, M54.5) bei Verdacht auf rezidivierende Claudicatio spinalis links, bei
radiomorphologisch spondylogener Wirbelkanalstenose LWK3/4, bei diskogener/
spondylogener Einengung Recessus lateralis LWK4/5, deutlicher multisegmentärer
Chondrose von LWK3 - S1 (MRT LWS 31. August 2004), bei deutlicher
Wirbelsäulenfehlform/Fehlhaltung/Ausweichhaltung (deutlich betonter BWS-
Hyperkyphose und LWS-Hyperlordose, thorakolumbal grobbogig linkskonvexer
Ausweichskoliose), bei ausgeprägter muskulärer Dysbalance mit deutlicher allgemeiner
Dekonditionierung insbesondere der abdominellen und rückenstabilisierenden
Muskelgruppen sowie bei multiplen Tendomyopathien; und (2) rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode ohne somatische Symptome (ICD-10
F33.0). Der Versicherten sei aus somatischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 50% in
einer leichten adaptierten Tätigkeit zumutbar, welche mehrheitlich sitzend und mit der
Möglichkeit zum regelmässigen Wechseln der Arbeitsposition ausgeführt werden
könne. Dabei seien das repetitive Heben und Tragen von Lasten, die Durchführung von
stereotypen, fliessbandähnlichen Rotationsbewegungen der Wirbelsäule, Arbeiten über
dem Kopf und das Zurücklegen längerer Gehstrecken zu vermeiden. Die auf
psychiatrischer Grundlage attestierte Arbeitsunfähigkeit von 20% wirke hierbei nicht
additiv. Es seien weitere medizinische Massnahmen indiziert (epidurale
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Steroidinfiltrationen als lokale Schmerztherapie, diagnostische Massnahmen zur
Abklärung der Spinalkanalstenose, allenfalls Dekompression der Spinalkanalstenose,
Reduktion des Körpergewichtes zur Beeinflussung der muskulären Dekonditionierung,
allenfalls Implantation eines Magenbandings, Fortsetzung der integrierten
psychiatrischen Behandlung, IV-act. 32/15 f.).
A.c In einer Stellungnahme vom 5. Dezember 2006 hielt der Regionale Ärztliche Dienst
der Invalidenversicherung (RAD) Ostschweiz fest, es könne auf das ABI-Gutachten vom
21. September 2006 abgestellt werden. Die vorgeschlagenen medizinischen
Massnahmen seien aber nicht zumutbar, weil sie invasive Eingriffe darstellten, und sie
könnten höchstens eine gewisse Besserung der Lebensqualität, jedoch keine Erhöhung
der Arbeitsfähigkeit mit sich bringen. Deshalb gelte ab sofort die attestierte
Arbeitsfähigkeit von 50% (IV-act. 33).
A.d Mit Verfügung vom 24. Januar 2008 sprach die IV-Stelle des Kantons St. Gallen der
Versicherten aufgrund eines Invaliditätsgrades von 55% eine halbe Invalidenrente mit
Wirkung ab 1. Oktober 2005 zu (IV-act. 57).
B.
B.a Gemäss Bericht des Wirbelsäulenzentrums der Klinik Schulthess, Zürich, vom
20. Juli 2009 unterzog sich die Versicherte am 15. Juli 2009 einer Dekompression des
Spinalkanals beidseits über eine linksseitige Fenestration L3/4 und L4/5. Diese
Operation sei indiziert gewesen, weil die Versicherte seit langem unter einer Claudicatio
spinalis-Symptomatik mit in erster Linie linksseitiger Ausstrahlung der Schmerzen leide,
wodurch es zu einer Einschränkung der Gehstrecke gekommen sei (IV-act. 66/7).
B.b Am 12. August 2009 leitete die IV-Stelle ein Verfahren betreffend Rentenrevision
ein (IV-act. 60), in welchem die Versicherte eine Verschlechterung des Gesundheits
zustandes geltend machte bzw. um Erhöhung der Rente ersuchte (IV-act. 59, 63, 65).
Nachdem Dr. med. B._, FMH Rheumatologie, von einer Arbeitsunfähigkeit von 100%
für ausserhäusliche Tätigkeiten ausgegangen war (IV-act. 71 und 78) und der
operierende Arzt der Klinik Schulthess, Dr. med. C._, unter Empfehlung einer
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in
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einer leidensadaptierten Tätigkeit offen gelassen hatte (IV-act. 74/2), hielt der RAD in
einer Stellungnahme vom 2. Juli 2010 eine Verlaufsbegutachtung für angezeigt (IV-
act. 81).
B.c Im Auftrag der IV-Stelle erstellte das ABI am 22. November 2010 gestützt auf eine
interdisziplinäre Untersuchung vom 21. September 2010 ein Verlaufsgutachten. Die
Gutachter stellten folgende, sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkende Diagnosen:
1. chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik
(ICD-10 M54.5) bei Status nach Dekompression des Spinalkanals beidseits über
linksseitige Fenestration L3/4 und L4/5, bei anamnestisch seither stetig zunehmender
Lumboischialgie beidseits und bei mässiger Bewegungseinschränkung der thorakolum
balen Wirbelsäule; 2. chronische Schmerzen im Bereich der dominanten linken Schulter
(ICD-10: M75.4) bei radiologisch unauffälligem Befund und Zeichen des subakromialen
Impingements bei freier Beweglichkeit und fehlenden Hinweisen für eine Läsion von
Rotatorenmanschette, langer Bizepssehne oder Akromioklavikulargelenk; 3. leichte
depressive Episode (ICD-10 F33.0). Entgegen der subjektiven Einschätzung der Ver
sicherten habe sich der Gesundheitszustand verbessert. Der Spinalkanal sei durch die
Operation vom 15. Juli 2009 erfolgreich entlastet worden, so dass eine Claudicatio
spinalis nicht mehr vorliege; die postoperativen Einschränkungen seien, mehr als ein
Jahr nach dem Eingriff, ebenfalls abgeklungen, weshalb eine höhere Arbeitsfähigkeit im
Vergleich zum Jahre 2006 als plausibel erscheine. Für körperlich leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten bestehe aus orthopädischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit
von 70% bei ganztägigem Pensum; die immer noch reduzierte Leistung lasse sich mit
einem erhöhten Pausenbedarf erklären. Die Versicherte sollte etwa jede Stunde
während 15 Minuten ein Lockerungs- und Entspannungsprogramm für die Muskulatur
von Stamm und Extremitäten durchführen können. Zu vermeiden seien das Heben und
Tragen von Lasten über 10 kg sowie der wiederholte Einsatz der linken oberen
Extremität oberhalb der Horizontalen. Gemäss den aktuellen Befunden sollte bei einer
derart angepassten Tätigkeit im Vergleich zum jetzigen Alltagsleben kaum eine
wesentliche Schmerzprovokation entstehen, sodass diese auch zumutbar sei. Aus
psychiatrischer Sicht bestehe aufgrund einer leichten depressiven Episode bei einer
rezidivierenden depressiven Störung eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20%.
Die Schmerzverarbeitungsstörung wirke sich nicht zusätzlich einschränkend auf die
Arbeitsfähigkeit aus. Die gleichen Zeitabschnitte könnten als Pausen für die Muskulatur
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und für die psychische Erholung genutzt werden, so dass die Arbeitsunfähigkeiten auf
somatischer und psychiatrischer Grundlage nicht addiert werden müssten (IV-
act. 86/27-30).
B.d Gestützt auf dieses Verlaufsgutachten schätzte der RAD in einer Stellungnahme
vom 30. November 2010 die Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit auf 50% für die
Zeit vom 21. September 2006 bis zum 21. September 2010 und für die anschliessende
Zeit auf 70%. (IV-act. 87).
C.
Nachdem das Vorbescheidverfahren durchgeführt worden war, in dessen Rahmen der
RAD am 17. Juni 2011 zu den Einwänden der Versicherten Stellung genommen hatte
(IV-act. 91-100), ermittelte die IV-Stelle mit Verfügung vom 9. September 2011 einen
Invaliditätsgrad von 27% und hob die bisherige Invalidenrente mit Wirkung auf Ende
des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf. Eine Verbesserung des
Gesundheitszustandes stehe fest: Die Rückenoperation vom Juli 2009 habe den
Kanalspinal erfolgreich entlastet und die Claudicatio spinalis behoben. Demzufolge
seien bestimmte im Jahr 2006 erhobene Befunde hinsichtlich des Bewegungsapparats
nicht mehr vorhanden. Auf eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL)
könne aufgrund der Schmerzverarbeitungsstörung verzichtet werden. Die Fachgebiete
Rheumatologie und Orthopädie würden sich in vielen Bereichen überschneiden. Unter
Berücksichtigung der konkreten Fallumstände sei es richtig gewesen, dass die MEDAS
einen orthopädischen Gutachter als genügend qualifiziert betrachtet habe, um die
Beurteilung des Bewegungsapparates vorzunehmen (IV-act. 103).
D.
D.a Dagegen richtet sich die von Rechtsanwalt Marco Büchel, Oberuzwil, für die Ver
sicherte am 11. Oktober 2011 eingereichte Beschwerde mit dem Antrag, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu
verpflichten, der Beschwerdeführerin weiterhin eine halbe IV-Rente auszurichten;
eventualiter sei ein medizinisches Obergutachten einzuholen, alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zur Begründung stellt der Rechtsvertreter der
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Beschwerdeführerin den Beweiswert des ABI-Verlaufsgutachtens in Frage: Zum einen
sei nicht nachvollziehbar, weshalb von einer unveränderten Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht ausgegangen werde, obwohl psychische
Überlagerungen und Schmerzausweitung hinzugekommen seien. Zum andern habe bei
der somatischen Untersuchung nur ein Orthopäde und nicht ein Rheumatologe
mitgewirkt. Zudem lasse das Verlaufsgutachten die früher festgestellte deutliche
Wirbelsäulenfehlform mit Fehlhaltung und Ausweichhaltung ausser Acht. Was den
Einkommensvergleich anbelange, sei es wegen des Pausenbedarfs, der Unmöglichkeit
Überstunden zu leisten sowie wegen der krankheitsbedingten Absenzen angemessen,
einen Tabellenlohnabzug von 25% vorzunehmen (act. G 1). Der Beschwerde wurde ein
Schreiben von Dr. B._ vom 27. September 2011 beigelegt, in welchem sich der
Rheumatologe mit dem ABI-Verlaufsgutachten auseinandersetzt und dieses in
verschiedenen Punkten in Frage stellt (act. G 1.3 bzw. IV-act. 108/1-5).
D.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 30. Januar
2012 die Abweisung der Beschwerde. Sie verwies insbesondere auf eine
Stellungnahme des RAD vom 30. Dezember 2011 (IV-act. 109), in welcher dieser
ausführte, Dr. B._ weiche nicht wesentlich von den vom orthopädischen ABI-
Gutachter erhobenen, objektiven Befunden ab, sondern bemühe sich, diese anders zu
deuten und im Hinblick auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit anders zu gewichten.
Es sei nicht einzusehen, warum die Beurteilung von Dr. B._ zuverlässiger sei als
diejenige der auf Arbeitsfähigkeitsschätzungen spezialisierten Gutachter des ABI. Ein
Tabellenlohnabzug sei wegen der erforderlichen Pausen von 15 Minuten pro Stunde
nicht gerechtfertigt, da der erhöhte Pausenbedarf bereits durch die Annahme einer um
30% reduzierten Leistung in der Arbeitsfähigkeitsschätzung berücksichtigt sei
(act. G 4).
D.c In der Replik hält der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin an seinen Anträgen
fest. Dr. B._ zeige, inwiefern das ABI-Verlaufsgutachten mangelhaft sei, oder er
wecke zumindest erhebliche Zweifel an dessen Richtigkeit (act. G 7).
D.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 9).

Erwägungen:
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1.
Streitig und zu prüfen ist, ob sich der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin, welcher
mit Wirkung ab 1. Oktober 2005 eine halbe Invalidenrente zugesprochen worden war
(IV-act. 57), in rentenrelevanter Weise geändert und die Beschwerdegegnerin die Rente
zu Recht mit Verfügung vom 9. September 2011 revisionsweise aufgehoben hat
(IV-act. 103).
1.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze IV-Rente, wenn sie
mindestens zu 70% invalid ist; bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% besteht
ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
Anspruch auf eine Viertelsrente. Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit andauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR
830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Die
Bemessung der Invalidität setzt daher voraus, dass der Gesundheitsschaden sowie
dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt worden sind. Dabei sind die
rechtsanwendenden Behörden auf die Einschätzung der medizinischen Lage durch
Fachpersonen angewiesen, welche den Gesundheitszustand beurteilen und dazu
Stellung nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Gestützt darauf ermittelt die
Verwaltung den Invaliditätsgrad in der Regel anhand eines Vergleichs zwischen den
möglichen Erwerbseinkommen ohne und mit Gesundheitsschaden (Art. 16 ATSG).
1.2 Wenn sich der Invaliditätsgrad der rentenbeziehenden Person erheblich ändert,
wird die Invalidenrente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur
Rentenrevision gibt jede Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist,
den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE 130 V 349
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E. 3.5, vgl. BGE 133 V 545). Der Invaliditätsgrad kann sich unter anderem in erheblicher
Weise ändern, wenn sich der Gesundheitszustand verbessert oder verschlechtert hat
oder anders auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt. Eine anspruchsbeeinflussende
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen, ist zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei
Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Eine
Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen, ist zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei
Monate gedauert hat (Art. 88a der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR
831.201]). Eine Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente wird frühestens auf
den ersten Tag des zweiten Monats wirksam, welcher der Zustellung der Verfügung
folgt (Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV). Vorliegend verfügte die Beschwerdegegnerin am
9. September 2011 die Rentenaufhebung und der 1. November 2011 gilt somit als
Zeitpunkt für die Rechtswirksamkeit dieser Anordnung.
1.3 Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung
bildet die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des
Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; BGE 130 V
77 E. 3.2.3). Im vorliegenden Fall ist demnach der Sachverhalt, welcher der
rentenzusprechenden Verfügung vom 24. Januar 2008 (IV-act. 57) zugrunde lag, mit
dem Sachverhalt zur Zeit der angefochtenen Verfügung vom 9. September 2011 (IV-
act. 103) zu vergleichen. Tatsachen, die den Sachverhalt nach Erlass der
angefochtenen Revisionsverfügung verändert haben, bilden in der Regel keinen
Beurteilungsgegenstand im Beschwerdeverfahren (BGE 121 V 366 E. 1b mit Hinweis;
vgl. Ausnahme in BGE 130 V 141 E. 2.1). Daher ist auf die von Dr. B._ vorgebrachte
Arbeitsunfähigkeit von 100% für die Zeit vom 13. September 2011 bis Ende Dezember
2011 (IV-act.108/5), welche mit einer Magen-Bypass-Operation im Zusammenhang
steht und keine Rückschlüsse bezüglich der Arbeitsfähigkeit im relevanten Zeitraum bis
Verfügungserlass zulässt, im vorliegenden Verfahren nicht weiter einzugehen.
2.
bis
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Im Folgenden ist zu prüfen, ob der Sachverhalt auf der Grundlage der medizinischen
Feststellungen und Schlussfolgerungen des ABI-Verlaufsgutachtens vom
22. November 2010 (IV-act. 86) rechtsgenüglich erstellt ist.
2.1 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Experten begründet sind. Alle Beweismittel sind, unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen, um zu entscheiden, ob die verfügbaren medizinischen
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten.
Das Sozialversicherungsgericht darf bei einander widersprechenden medizinischen
Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen
und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere
medizinische These abstellt. Dies ergibt sich aus dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen. So besitzt das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte
Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351). Angesichts der Divergenz von
medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag können behandelnde
Medizinalpersonen und Gutachter denselben Sachverhalt anders beurteilen. Das
Gericht weicht aber nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung von einer an sich
beweiskräftigen Einschätzung eines amtlich bestellten fachmedizinischen Experten nur
ab (BGE 125 V 352f E. 3a und b; BGE 122 V 160 f. E. 1c), wenn die behandelnden
Ärzte wichtige - und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende -
Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt
geblieben sind (Urteile des Bundesgerichtes vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 und
vom 16. August 2007, I 705/06, E. 3.2).
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2.2 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beanstandet das ABI-
Verlaufsgutachten, weil das darin integrierte psychiatrische Teilgutachten einen
unveränderten psychischen Gesundheitszustand feststelle, die Diagnose einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung verneine und die Frage des Vorliegens
einer Komorbidität nicht kläre, obwohl seit 2004 psychische Probleme bestünden und
2009 psychische Überlagerungen und eine Schmerzausweitung hinzugekommen seien
(act. G 1). Dem ist entgegen zu halten, dass die ABI-Gutachter nach den Kriterien der
internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter
Gesundheitsprobleme (ICD-10) nachvollziehbar erklären, dass hier für eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) ausreichend schwerwiegende
psychosoziale oder emotionale Belastungsfaktoren fehlen, die als hauptsächlich
ursächliche Einflusse der Schmerzen gelten könnten (vgl. H. Dilling, H.J. Freyberger
[Hrsg.], Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, 5. A. 2011, S.
195), weshalb sich die Frage der Komorbidität erübrigt. Die ABI-Gutachter gehen bei
nicht hinreichend objektivierten somatischen Befunden von einer psychischen
Überlagerung aus; diagnostisch handle es sich um eine Schmerzverarbeitungsstörung
(ICD-10 F54), die sich bei der bereits einschränkenden leichten depressiven Episode
(ICD-10 F33.0) nicht zusätzlich auf die Arbeitsfähigkeit auswirke (IV-act. 86/17 f.). In
diesem Zusammenhang weist der Rechtsvertreter zu Recht darauf hin, dass im ABI-
Verlaufsgutachten selber von einer gegenüber der Begutachtung 2006 bestehenden
Verschlechterung mit einer psychischen Überlagerung der somatisch ausgelösten
Schmerzen bzw. einer Schmerzverarbeitungsstörung ausgegangen werde. Zudem wird
eine weitere Verschlechterung der Depression im Verlauf nicht ausgeschlossen, für
welche eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung mit medikamentös
antidepressiver Behandlung empfohlen werde (IV-act. 86/19). Eine solche Behandlung
hatte die Beschwerdeführerin bereits erhalten (vgl. Arztbericht D._, FMH Psychiatrie/
Psychotherapie, vom 6. Oktober 2005, IV-act. 12), diese dann anscheinend aus
Kostengründen nicht mehr weitergeführt (IV-act. 86/17). Dem Bericht von Dr. B._
lässt sich sodann entnehmen, dass nach mehreren frustranen Versuchen zur
Bekämpfung der Adipositas permagna am 13. September 2011 eine operative
Behandlung mit Magenbypass erfolgt sei (IV-act. 108/5 und 108/6). Damit liegen
Anhaltspunkte vor, die für eine Verschlechterung der gesundheitlichen Situation
sprechen. Es ist daher angezeigt, über den Verlauf der psychischen Entwicklung und
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deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der Zeit seit der
ersten Begutachtung bis zum massgebenden Zeitpunkt des Verfügungserlasses im
September 2011 ein neues psychiatrisches Gutachten einzuholen.
2.3 Im Weiteren stellt sich die Frage, ob das somatische Leiden nicht orthopädisch,
sondern rheumatologisch hätte abgeklärt werden sollen. Während das ABI beim
Vorgutachten 2006 einen Rheumatologen beigezogen hatte, wirkte beim
Verlaufsgutachten 2010 stattdessen ein Orthopäde mit. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin rügt, ein Rheumatologe sei besser geeignet als ein primär
chirurgisch tätiger Orthopäde, um die Auswirkungen der Erkrankung des
Bewegungsapparates zu beurteilen (act. G1). Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung hängt der Beweiswert einer spezialärztlichen Expertise unter anderem
davon ab, ob der Gutachter über die entsprechende Fachausbildung verfügt (Urteil des
Bundesgerichts vom 29. Mai 2009, 9C_53/2009, E. 4.2). Die ABI-Gutachter führten
nicht aus, weshalb sie eine orthopädische anstelle einer rheumatologischen
Teilbegutachtung durchgeführt haben. Der RAD stellte sich in der Stellungnahme vom
17. Juni 2011 auf den Standpunkt, bei Überschneidung der beiden Fachgebiete sei der
orthopädischer Gutachter in diesem speziellen Fall zweifellos qualifiziert gewesen, um
die Beurteilung des Bewegungsapparates vorzunehmen (IV-act. 100). Festzuhalten ist,
dass die fraglichen Fachrichtungen nicht etwa für unterschiedliche Konzepte stehen,
wie ein Gesundheitsschaden und dessen Folgen zu betrachten sind. Vielmehr scheint
sich – wie das Bundesgericht ausführt (Urteil vom 6. Juni 2011, 9C_134/2011, E. 3.3) -
im Sinne einer praktischen Aufgabenteilung für die Einschätzung der funktionellen
Auswirkungen von Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates der Beizug der
Rheumatologie durchzusetzen, während die Orthopädie eher im Zusammenhang mit
Fragen der Therapie zuständig sei. Vorliegend fällt ins Gewicht, dass der RAD in der
Stellungnahme vom 30. September 2009 festgehalten hatte, gegenüber dem ABI-
Vorgutachten 2006 liege insofern eine veränderte Situation vor, als sich die
Beschwerdeführerin im Juli 2009 in der Klinik Schulthess Zürich einer dekompressiven
Rückenoperation unterzogen habe (IV-act. 70), weshalb der Beizug eines Orthopäden
für die Beurteilung des Operationsergebnisses im Nachhinein nachvollziehbar
erscheint. Für die Richtigkeit der Auffassung des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin, wonach ein Orthopäde als primär operierender Arzt dazu neigen
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würde, jede Operation als erfolgreich zu betrachten, fehlen vorliegend jegliche
Anhaltspunkte.
2.4 Ferner ist zu prüfen, ob die Einschätzungen des behandelnden Rheumatologen
Dr. B._ im Schreiben vom 27. September 2011 die orthopädischen Feststellungen
und Schlussfolgerungen des ABI-Verlaufsgutachtens vom 22. November 2010 zu
erschüttern vermögen.
2.4.1 Gemäss den medizinischen Abklärungen der Beschwerdegegnerin hat sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin infolge der am 15. Juli 2009
durchgeführten Dekompression des Spinalkanals gebessert, so dass sich die
Arbeitsfähigkeit von 50% auf 70% erhöht habe. Diese Verbesserung gelte ab dem
Zeitpunkt, in dem die postoperativen Einschränkungen nicht mehr bestanden hätten,
spätestens ab der ABI-Untersuchung vom 21. September 2010 (IV-act. 86/28).
Demgegenüber gibt Dr. B._ am 27. September 2011 an, vom 15. Juli 2009 bis
30. April 2010 habe operationsbedingt eine Arbeitsunfähigkeit von 100% für jegliche
Tätigkeit bestanden, wobei zu berücksichtigen sei, dass die postoperative Zeit zwar
komplikationslos, aber protrahiert verlaufen sei. Ab 1. Mai 2010 sei von einer
Arbeitsfähigkeit von 50% für adaptierte Tätigkeiten auszugehen (IV-act. 108/1). Der
orthopädische Gutachter hält in Bezug auf den Verlaufsbericht von Dr. B._ vom 6.
April 2010 (richtig: 29. März 2010, IV-act. 78) fest, dass sich bei der Untersuchung vom
21. September 2010 eher geringe Bewegungseinschränkungen an der thorakolumbalen
Wirbelsäule gezeigt hätten und insgesamt eine vollständige Arbeitsunfähigkeit nicht
nachvollziehbar sei (IV-act. 86/26). Damit äusserte sich der Gutachter nicht zur Frage,
ob aufgrund der (protrahiert ablaufenden) postoperativen Erholungsphase
vorübergehend keine Arbeitsfähigkeit vorgelegen hat; er stellte nur eine namhafte
Verbesserung des Gesundheitszustandes fest, nachdem der postoperative Verlauf
abgeschlossen war. Zur konkreten rentenrelevanten Frage der Arbeitsunfähigkeit
aufgrund der perioperativen Immobilisierung unterlässt es das ABI-Gutachten,
hinreichend Auskunft zu geben, weshalb es diesbezüglich unvollständig ist.
2.4.2 Die Einschätzung, dass die Arbeitsfähigkeit auch nach Abschluss der
postoperativen Erholungsphase immer noch 50% betrage, begründet Dr. B._
zunächst damit, dass bereits präoperativ klar gewesen sei, mit der Operation würden
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nicht alle Beschwerden verschwinden. Ziel der Operation sei gewesen, die Schmerzen
und vor allem die Claudicatio spinalis soweit zu reduzieren, dass ein gezielter
Muskelaufbau stattfinden könnte. Gebessert hätten sich postoperativ die Claudicatio
spinalis-Symptomatik und die vorbestehende ausgeprägte Fehlhaltung mit Shift nach
links. Geblieben sei aber erwartungsgemäss der Hohl-Rundrücken mit S-förmiger
Skoliose sowie die ausgeprägte muskuläre Dysbalance, wobei die Dekonditionierung
infolge der Immobilisierung perioperativ sogar noch zugenommen habe (IV-act. 108/3).
Zu bedenken gibt Dr. B._ in diesem Zusammenhang, dass das ABI-
Verlaufsgutachten lediglich die Befunde aufführe, welche sich gebessert hätten, nicht
aber diejenigen, welche gleich geblieben seien oder sich gar verschlechtert hätten. Bei
der Erklärung der radiologischen Befunde sei sodann im ABI-Verlaufsgutachten eine
Besserung festgestellt worden, welche auf einem unzulässigen Vergleich zwischen
früheren MRI-Befunden und den postoperativen konventionellen Bildern beruhe. Die
fortbestehenden degenerativen Veränderungen gemäss MRI der Lendenwirbelsäule
2008 hätten nach allgemeiner Erfahrung eher zugenommen, sicher aber nicht
abgenommen. Angesichts der Tatsache, dass die - gemäss den postoperativ erstellten
radiologischen Aufnahmen - weiterbestehende degenerativ bedingte Olisthesis L3/4
verdächtig auf eine Instabilität sei, sei für eine Beurteilung mit möglichen Rentenfolgen
die Anfertigung von LWS-Funktionsaufnahmen notwendig. Weiter müsse der
Feststellung, dass mit einem Finger-Boden-Abstand von 20cm eine gute Beweglichkeit
der Lendenwirbelsäule bestehe, welche zusätzlich durch das problemlose Erreichen
der Zehen mit den Fingerspitzen im Langsitz erhärtet werde, widersprochen werden,
weil mit diesen Testen allenfalls die gute Hüftbeweglichkeit sowie gut gedehnte
Kanalstrukturen, aber keineswegs die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule
nachgewiesen worden seien. Die Durchführung einer Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (EFL) sei zu Unrecht abgelehnt worden, da erfahrene Exploratoren
gerade in unklaren Situationen mit einer EFL zwischen organisch und nichtorganisch
bedingten Funktionseinschränkungen unterscheiden könnten. Zudem stehe fest, dass
die Beschwerdeführerin mit guter Compliance alles unternommen habe, um die
Muskulatur zu kräftigen und die Dysbalance zu überwinden. Es sei der Vollständigkeit
halber darauf hinzuweisen, dass nach mehreren frustranen Versuchen der
Gewichtsreduktion mit Diät und Medikamenten am 13. September 2011 nunmehr im
Kantonsspital St. Gallen ein laparaskopisch proximaler Magenbypass mit
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Cholezystektomie erfolgt sei. Der postoperative Verlauf sei bisher gut gewesen. Es
müsse ein gezielter Muskelaufbau erfolgen, dies möglichst in einem stationären
Rahmen wie z.B. in der Klinik Valens (IV-act. 108/3 f.).
2.4.3 Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin (IV-act. 109) widerspricht
sich der behandelnde Rheumatologe nicht, wenn er für die Beurteilung des
Leistungsanspruchs LWS-Funktionsaufnahmen empfiehlt, auf die er vorläufig und nur
aus therapeutischer Sicht verzichtet habe (IV-act. 108/3). Der Beschwerdegegnerin
kann auch nicht gefolgt werden, soweit sie die Nichtdurchführung der EFL damit
rechtfertigt, dass eine nicht organische Beschwerdekomponente vorliege (IV-act. 109).
Es handelt sich um eine von der behandelnden Klinik für indiziert erachtete
Massnahme. Eine derartig konkret leistungsorientierte, arbeitsmedizinisch-
ergonomisch ausgerichtete Abklärung ermöglicht relevante Aussagen zum
Leistungsverhalten und zur Konsistenz der versicherten Person, wobei gerade eine
allfällig beobachtete Symptomausweitung und Selbstlimitierung im Rahmen eines
chronifizierten Zustandes für die Bewertung der Zumutbarkeit bedeutsam sein kann.
Die Ansicht, die Ergebnisse einer EFL seien stets mit Zurückhaltung zu würdigen, da
sie massgeblich auf die subjektive Leistungsbereitschaft der versicherten Person
abstelle, greift nach der Rechtsprechung zu kurz. Bei Beurteilungen mit möglichen
Rentenfolgen wird im Gegenteil, um zusätzlichen Aspekten Rechnung zu tragen, die
Kombination einer EFL mit einem rheumatologisch-orthopädischen, gegebenenfalls
auch psychiatrischen Gutachten befürwortet (Urteil des Bundesgerichtes vom
16. Januar 2009, 8C_547/2008, E. 4.2.1 und 4.2.2.1), es sei denn schwere Aggravation
oder gar Simulation liege vor. Ein solches Verhalten kann nach dem Gutachten der
Beschwerdeführerin nicht vorgeworfen werden. In Anbetracht der Einwendungen des
rheumatologischen Facharztes steht nicht rechtsgenüglich fest, dass die
Beschwerdegegnerin den Sachverhalt auf einer ausreichenden Beweisgrundlage
erhoben hat. Was die Vorgehensfehler anbelangt, die der behandelnde Rheumatologe
dem ABI-Gutachter vorwirft, geht es um spezifisch medizinische Fragen, die ein
diesbezüglich nicht fachkundiges Gericht nicht beurteilen kann. Sie könnten jedoch
Einfluss auf die Beurteilung des Leistungsanspruchs haben und werden von der
Beschwerdegegnerin nicht widerlegt. Die Einwendungen erscheinen somit als triftig
genug, um die Schlüssigkeit des ABI-Verlaufsgutachtens in Frage zu stellen und die
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Überprüfung im Rahmen einer Neubegutachtung zu veranlassen (vgl. BGE 125 V 353
E. 3 b aa).
2.5 Weiter gibt das ABI-Verlaufsgutachten auch keine schlüssige Antwort auf die Frage
einer höheren Arbeitsunfähigkeit im Zusammenhang mit der Operation vom 15. Juli
2009. Dr. B._ schätzt in diesem Zusammenhang die perioperative Arbeitsunfähigkeit
auf 100% in der Zeit vom vom 15. Juli 2009 bis 30. April 2010 ein. Die
Beschwerdeführerin hatte in dem im August 2009 eingeleiteten Revisionsverfahren am
19. August 2009 einen verschlechterten Gesundheitszustand geltend gemacht und auf
ihre Rückenoperation in der Schulthess Klinik hingewiesen. Diese Frage wird im
Rahmen der neuen Begutachtung ebenfalls zu klären sein, zumal alsdann zu prüfen ist,
ob der Beschwerdeführerin vorübergehend ein höherer Rentenanspruch zusteht.
3.
3.1 Es ist weder unter praktischen noch rechtlichen Gesichtspunkten angebracht, in
jedem Beschwerdefall auf der Grundlage eines Gerichtsgutachtens zu urteilen. Die
Beschwerdeinstanz holt ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie im Rahmen der
Beweiswürdigung zum Schluss kommt, ein bereits erhobener medizinischer
Sachverhalt müsse (insgesamt oder in wesentlichen Teilen) noch gutachterlich geklärt
werden oder eine Administrativexpertise sei in einem rechtserheblichen Punkt nicht
beweiskräftig. Eine Rückweisung an die IV-Stelle bleibt hingegen möglich, wenn es
darum geht, zu einer bisher vollständig ungeklärten Frage ein Gutachten einzuholen.
Ebenso steht es dem Versicherungsgericht frei, eine Sache zurückzuweisen, wenn
allein eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen
erforderlich ist (BGE 139 V 100 E. 1.1; BGE 137 V 264 E. 4.4.1.4).
3.2 Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin die Frage einer perioperativen
(vorübergehenden) Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit im Zusammenhang mit der
Dekompression des Spinalkanals vom 15. Juli 2009 überhaupt nicht geprüft. Anhand
eines Vergleichs zwischen der Arbeitsunfähigkeit vor der Operation und derjenigen
nach dem Zeitpunkt, in dem die postoperativen Einschränkungen, mehr als ein Jahr
nach dem Eingriff, abgeklungen gewesen seien (IV-act. 86/28), begnügte sich die
Beschwerdegegnerin, eine Verbesserung des Gesundheitszustandes festzustellen.
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Somit wurde im Hinblick auf eine damit zusammenhängende allfällige vorübergehende
Erhöhung des Rentenanspruchs eine Sachverhaltsabklärung unterlassen. Ausserdem
wurden fundierte Zweifel gegenüber dem Verlaufsgutachten vorgebracht. Deshalb ist
die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie eine ergänzende
Neubegutachtung (nicht bei der bisherigen Gutachterstelle) bezüglich der somatischen
und psychiatrischen
Fragestellung vornimmt. Anschliessend wird die Beschwerdegegnerin erneut über eine
Revision der Invalidenrente zu befinden haben.
4.
4.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
9. September 2011 aufzuheben. Die Sache ist zur ergänzenden medizinischen
Abklärung im Sinne der Erwägungen und zu neuer Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200.-- bis 1000.-- Franken festgelegt.
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint vorliegend angemessen. Nach Art. 95
Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren
ganz oder teilweise abgewiesen werden. Die Rückweisung einer Sache an die
Verwaltung zu weiterer Abklärung und neuer Verfügung gilt praxisgemäss unter
Kostengesichtspunkten als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei (BGE 132
V 235 E. 6.1 mit zahlreichen Hinweisen). Angesichts des in diesem Sinn vollen
Unterliegens der Beschwerdegegnerin rechtfertigt es sich, ihr die Gerichtskosten
gesamthaft aufzuerlegen. Der Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 600.-- ist der
Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
4.3 In gleicher Weise hat die beschwerdeführende Partei Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
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Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Bedeutung
und Komplexität der vorliegenden Streitsache angemessen erscheint eine
Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 9. September
2011 aufgehoben und die Sache zur ergänzenden medizinischen Abklärung im Sinne
der Erwägungen und zu neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
2. Die Beschwerdegegnerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen; der in
gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird der Beschwerdeführerin
zurückerstattet.
3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von
Fr. 3 ́500.-- zu bezahlen.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 15.11.2013 Art 28 IVG. Art. 17 ATSG. Rentenrevision. Hinweise für seit der Verlaufsbegutachtung vor Verfügungserlass eingetretene gesundheitliche Verschlechterung. ABI-Verlaufsgutachten nicht beweiskräftig. Rückweisung zur ergänzenden Begutachtung (Entscheid des Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vom 15. November 2013, IV 2011/318).
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