Decision ID: f9d35cc1-7144-5b77-a461-4bb79e766bdb
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- Wegen auffälligen Verhaltens in einem Restaurant in A wurde X am 12. Januar 2013
vom Amtsarzt mittels fürsorgerischer Unterbringung in die Kantonale Psychiatrische
Klinik (nachfolgend: KPK) Wil eingewiesen. Die Polizei informierte das
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen über den Vorfall und
wies darauf hin, dass sich aufgrund des Krankheitsbildes eine Überprüfung der
Fahreignung des X aufdränge. Das Strassenverkehrsamt ordnete daraufhin eine
verkehrsmedizinische Begutachtung beim Institut für Rechtsmedizin (nachfolgend:
IRM), St. Gallen, an. Die entsprechenden Untersuchungen fanden am 14. Mai 2013
statt. Im Bericht vom 15. Juli 2013 verneinten die Verkehrsmediziner die Fahreignung
wegen einer psychiatrischen (nachfolgend: psychischen) Störung mit instabilem Verlauf
bei zumindest episodenhaftem Alkoholüberkonsum. Gestützt auf dieses Gutachten
verbot das Strassenverkehrsamt X mit Verfügung vom 18. Juli 2013 das Führen von
Motorfahrzeugen aller Kategorien vorsorglich ab sofort.
In der Nacht vom 18./19. Juli 2013, 01.00 Uhr – bevor X Kenntnis vom vorsorglichen
Führerausweisentzug erhielt –, lenkte er in A ein Fahrzeug in alkoholisiertem Zustand.
Weil er auffallend schnell unterwegs war, versuchte ihn eine Polizeipatrouille
anzuhalten. Der Rekurrent beschleunigte jedoch sein Fahrzeug und floh mit hohem
Tempo in Richtung B. Dort konnte er – hinter einer Holzbeige kauernd – von der Polizei
gestellt und kontrolliert werden. Die Blutanalyse ergab eine Alkoholkonzentration von
mindestens 1.22 ‰. Der Führerausweis wurde auf der Stelle eingezogen. Das
Strassenverkehrsamt teilte X daraufhin mit, aufgrund dieser schweren
Verkehrsregelverletzung sei im laufenden Sicherungsentzugsverfahren die zusätzliche
Verhängung einer Sperrfrist von mindestens drei Monaten vorgesehen. Nachdem der
Abteilungspräsident der Verwaltungsrekurskommission den Rekurs gegen die
Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 18. Juli 2013 mit Entscheid vom 24. Oktober
2013 abgewiesen hatte (VRKE IV-2013/99), entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis mit Verfügung vom 22. Januar 2014 wegen mangelnder Fahreignung
auf unbestimmte Zeit und ordnete eine Sperrfrist von drei Monaten an (19. Juli bis
18. Oktober 2013). Die Aufhebung des Führerausweisentzugs wurde an folgende
Bedingungen geknüpft (Ziffer 6 der Verfügung): regelmässige psychiatrisch-
fachärztliche Kontrolle und Behandlung mit Medikamenteneinnahme strikt nach
ärztlicher Verordnung. Einreichen eines psychiatrisch-fachärztlichen Zeugnisses, das
einen mindestens einjährigen stabilen, günstigen, symptomfreien Krankheitsverlauf
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bestätigt, kontrollierte und fachlich betreute Alkoholabstinenz (Arzt und
Beratungsstelle) von mindestens 12 Monaten, verkehrsmedizinische
Kontrolluntersuchung.
B.- Mit Eingabe vom 7. Februar 2014 erhob X bei der Verwaltungsrekurskommission
Rekurs. Er beantragte, die Verfügung des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamts vom
22. Januar 2014 sei aufzuheben, und es sei ein Warnungsentzug von drei Monaten für
die Zeit vom 19. Juli bis 18. Oktober 2013 auszusprechen, eventuell sei die Verfügung
aufzuheben und ein verkehrspsychologisches Gutachten einzuholen, subeventuell sei
Ziffer 6 der Verfügung aufzuheben, dem Rekurs sei die aufschiebende Wirkung zu
erteilen, unter Kosten und Entschädigungsfolge. Auf die weiteren Ausführungen zur
Begründung dieser Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz verzichtete mit Schreiben vom 26. März 2014 auf eine Vernehmlassung.
Mit Entscheid vom 11. April 2014 wies der Abteilungspräsident das Gesuch um
Erteilung der aufschiebenden Wirkung ab.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 7. Februar 2014 (Poststempel) ist
rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent bringt vor, die Vorinstanz sei in ihrer Verfügung vom 22. Januar 2014
nicht auf die Einwände in seiner Stellungnahme vom 13. September 2013 eingegangen.
Sie habe im Gegenteil tatsachenwidrig behauptet, er habe keine Stellungnahme
eingereicht. Damit rügt er sinngemäss eine Verletzung des rechtlichen Gehörs.
a) Art. 29 Abs. 2 BV gewährt den Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Daraus
leitet das Bundesgericht die Pflicht der Behörde ab, ihre Verfügungen und Entscheide
zu begründen (z.B. BGE 133 III 439 E. 3.3). Als persönlichkeitsbezogenes
Mitwirkungsrecht verlangt dieser Grundsatz, dass die Behörden die Vorbringen des
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vom Entscheid oder der Verfügung in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch
tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung
berücksichtigt (G. Steinmann, in: St. Galler Kommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2008,
N 27 zu Art. 29 BV). Der von einem Entscheid oder einer Verfügung Betroffene soll
wissen, warum die Behörde entgegen seinem Antrag entschieden hat; die Begründung
muss deshalb so abgefasst sein, dass er den Entscheid oder die Verfügung
gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (BGE 133 III 439 E. 3.3). Dies ist nur
möglich, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die
Tragweite des Entscheids oder der Verfügung ein Bild machen können; in diesem Sinn
müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die
Behörde leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Auf der anderen Seite
bedeutet dies nicht, dass sich die Behörde ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss; vielmehr kann
sie sich auf die für den Entscheid oder die Verfügung wesentlichen Gesichtspunkte
beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1). Ist die Sachlage klar und sind die anwendbaren
Normen bestimmt, kann ein Hinweis auf diese Rechtsnormen genügen, während ein
weiter Spielraum der Behörde – aufgrund von Ermessen oder unbestimmten
Rechtsbegriffen – und eine Vielzahl von in Betracht fallenden Sachverhaltselementen
eine ausführliche Begründung gebieten (Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons St.
Gallen [VerwGE] B 2009/211 vom 18. März 2010 E. 2.1 mit Hinweisen zur Lehre und
Rechtsprechung, publiziert in: www.gerichte.sg.ch).
b) Die Vorinstanz entzog dem Rekurrenten den Führerausweis mit Verfügung vom 18.
Juli 2013 vorsorglich und gewährte ihm gleichzeitig das rechtliche Gehör zum
vorgesehenen Führerausweisentzug auf unbestimmte Zeit. Die Verfügung ging dem
Rekurrenten nach eigenen Angaben am 22. Juli 2013 zu. Innert der gesetzten Frist von
10 Tagen äusserte er sich dazu nicht, erhob jedoch gegen den vorsorglichen
Führerausweisentzug Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Am 2. August
2013 gewährte die Vorinstanz dem Rekurrenten das rechtliche Gehör zur vorgesehenen
Anordnung einer Sperrfrist von drei Monaten wegen der Widerhandlung vom 19. Juli
2013. Dazu liess sich Rekurrent mit Schreiben vom 13. September 2014 vernehmen. Er
bezeichnete die Entzugsdauer von drei Monaten als angemessen und nahm
gleichzeitig Stellung zum vorgesehenen Sicherungsentzug auf unbestimmte Zeit. Er
brachte im Wesentlichen vor, das dem Entscheid zugrunde liegende Gutachten des
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IRM St. Gallen vermöge weder einen übermässigen Alkoholkonsum mit
Suchtgefährdung noch eine Trunksucht nachzuweisen. Zudem seien psychologische
Aspekte im Gutachten gar nicht geprüft worden und könnten deshalb nicht als
Begründung für einen Sicherungsentzug dienen. Nachdem der Abteilungspräsident den
Rekurs gegen den vorsorglichen Entzug mit Entscheid vom 24. Oktober 2013
abgelehnt hatte, informierte die Vorinstanz den Rekurrenten mit Schreiben vom 27.
November 2013 über ihre Absicht, an der vorgesehenen Massnahme festzuhalten und
gab ihm Gelegenheit sich dazu zu äussern. Soweit aus den Akten ersichtlich, machte
der Rekurrent keinen Gebrauch davon. Es ist davon auszugehen, dass sich der Hinweis
in der Verfügung vom 22. Januar 2014 ("Nach Rücksprache mit dem Rechtsvertreter
des Rekurrenten wird keine Stellungnahme eingereicht.") auf diesen Sachverhalt
bezog. Dies änderte jedoch nichts daran, dass sich der Rekurrent bereits mit Schreiben
vom 13. September 2013 zum vorgesehenen Sicherungsentzug geäussert und die
Aussagekraft des Gutachtens des IRM St. Gallen in Frage gestellt hatte. Die Vorinstanz
setzte sich damit nicht auseinander, sondern hielt lediglich fest, gemäss
verkehrsmedizinischem Gutachten des IRM St. Gallen vom 15. Juli 2013 bestehe
wegen einer psychischen Störung mit instabilem Verlauf bei zumindest episodenhaftem
Alkoholüberkonsum eine mangelnde Fahreignung. Mit den vom Rekurrenten
vorgebrachten Einwänden setzte sie sich nicht auseinander, so dass aus der Verfügung
nicht hervorging, weshalb sie ihren Entscheid trotz der Vorbehalte des Rekurrenten auf
das Gutachten stützte. Diese Ausführungen genügten den Anforderungen an die
Begründung nicht.
Von einer Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz zu neuer Entscheidung ist
jedoch abzusehen, denn das Gericht verfügt über volle Kognition (Art. 46 Abs. 1 VRP);
mithin können alle Mängel gerügt werden, und das Gericht kann die Begründung
nachholen. Die Heilung der Gehörsverletzung im Rekursverfahren darf für den
Betroffenen indessen keinen Nachteil zur Folge haben, was unabhängig vom
Verfahrensausgang im Rahmen der Kostenverlegung zu berücksichtigen ist. Dabei ist
jedoch zu berücksichtigen, dass dem Rekurrenten das ärztliche Gutachten des IRM
St. Gallen vorlag; ebenso die einzelrichterliche Beurteilung im Entscheid vom 23.
Oktober 2013 (vorsorglicher Führerausweisentzug, VRKE IV-2013/99), worin die
ärztlichen Fachmeinungen nach einer summarischen Prüfung als nachvollziehbar
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bezeichnet wurden. Es war dem Rekurrenten deshalb trotz mangelhafter Begründung
durch die Vorinstanz möglich, deren Verfügung sachgerecht anzufechten.
3.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz die Fahreignung des Rekurrenten zu
Recht gestützt auf das verkehrsmedizinische Gutachten des IRM St. Gallen vom 15.
Juli 2013 verneinte. Sie erwog, gemäss Gutachten leide der Rekurrent an einer
psychischen Störung mit instabilem Verlauf bei zumindest episodenhaftem
Alkoholüberkonsum und entzog ihm den Führerausweis für unbestimmte Zeit.
Unbestritten ist hingegen die Dauer des Führerausweisentzugs bzw. der Sperrfrist von
drei Monaten wegen der Widerhandlung vom 19. Juli 2013.
a) Ausweise und Bewilligungen sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die
gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16
Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Art. 16d SVG regelt
den Führerausweisentzug wegen fehlender Fahreignung. Nicht geeignet, ein Fahrzeug
zu führen, ist namentlich, wer nicht oder nicht mehr über die körperliche und geistige
Leistungsfähigkeit verfügt, um ein Motorfahrzeug sicher zu führen (Art. 16d Abs. 1 lit. a
SVG), wer an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst (lit. b), oder wer
aufgrund seines bisherigen Verhaltens nicht Gewähr bietet, dass er künftig beim
Führen eines Motorfahrzeugs die Vorschriften beachten und auf die Mitmenschen
Rücksicht nehmen wird (lit. c). Im Bereich der eigentlichen Alkoholsuchterkrankung
rechtfertigt sich die Ablehnung der Fahreignung bereits bei Vorliegen eines
verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchs. Letzterer liegt vor, wenn das Führen von
Motorfahrzeugen und ein die Fahreignung beeinträchtigender Alkoholkonsum nicht
hinreichend sicher getrennt werden können oder zu erwarten ist, dass die untersuchte
Person zukünftig ein Motorfahrzeug unter Alkoholeinfluss lenken wird oder als Folge
eines unkontrollierten Alkoholkonsums Beeinträchtigungen vorliegen, die das sichere
Führen eines Motorfahrzeuges in Frage stellen. Die Beurteilung der Fahreignung bei
Alkoholproblemen beruht folglich nicht ausschliesslich auf einem Suchtnachweis,
sondern berücksichtigt auch die übrigen gesetzlich festgelegten Anforderungen (VRKE
IV-2012/99 vom 10. Januar 2013 E. 2b/aa, publiziert in: www.gerichte. sg.ch).
Auch psychische Erkrankungen können die Fahreignung beeinflussen. So ist nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung die Annahme zulässig, dass das Vorliegen einer
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Schizophrenie-Erkrankung die Fahreignung in der Regel, aber nicht zwingend
ausschliesst (vgl. Weissenberger, Kommentar Strassenverkehrsgesetz, Zürich/
St. Gallen 2011, Art. 16d N 15 f.; BGE 133 II 384 E. 5.2). Eine derartige Erkrankung
stellt eine psychische Störung dar. Letzterer Begriff umfasst die anerkannten
Krankheitsbilder der Psychiatrie, das heisst Psychosen und Psychopathien, seien sie
körperlich begründbar oder nicht. Dazu gehören auch Suchtkrankheiten, unabhängig
davon, ob es sich um eine Drogen-, Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit handelt
(BSK Erw.Schutz-Henkel, Art. 390 N 11). Bei einer psychischen Störung handelt es sich
um einen klinisch erkennbaren Komplex von Symptomen oder
Verhaltensauffälligkeiten, die auf der individuellen Ebene mit Belastung und
Beeinträchtigung von Funktionen verbunden sind (vgl. BSK Erw.Schutz-Geiser/
Etzensberger, Art. 426 N 15 ff.). Ob eine psychische Störung gegeben ist, beurteilen
die Sachverständigen nach dem weltweit anerkannten Diagnoseklassifikationssystem
ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO; Kapitel V, mit den Klassen F00 bis
F99; Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter
Gesundheitsprobleme [engl. The International Classification of Diseases (ICD)], Kapitel
V: Mental and Behavioural Disorders; C. Bernhart, Handbuch zur fürsorgerischen
Unterbringung, Basel 2011, Rz. 268 ff.; Dilling/Freyberger, Taschenführer zur ICD-10-
Klassifikation psychischer Störungen, 6. Aufl., Bern 2012).
b) Der Gutachter sprach dem Rekurrenten die Fahreignung wegen einer psychischen
Störung mit instabilem Verlauf bei zumindest episodenhaftem Alkoholüberkonsum ab.
Er stützte seinen Bericht auf Laborberichte, Befunde der körperlichen Untersuchung
und ein persönliches Gespräch sowie, zur Erfassung der psychiatrischen Aspekte, auf
ein vom Rekurrenten anlässlich der Begutachtung eingereichtes ärztliches Zeugnis
seines Psychiaters – eines Facharztes für Psychiatrie und Psychotherapie und
Amtsarztes –, ein am 1. Mai 2013 mit diesem Arzt geführtes Telefongespräch und den
Austrittsbericht der KPK Wil vom 16. Januar 2013. Der Gutachter kam zum Schluss,
beim Rekurrenten sei von einer psychischen Erkrankung in Form einer affektiven
Störung auszugehen. Folge man den Angaben des Rekurrenten bestehe bei ihm
zudem ein übermässiger Alkoholkonsum mit alkoholbedingten Wesensveränderungen
in Form von aggressivem Verhalten und unbedachtem Handeln sowie mit
Kontrollverlust. Dementsprechend habe die Haarprobe Resultate ergeben, die für einen
moderaten bis übermässigen Alkoholkonsum sprächen. Dass die
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Laboruntersuchungen keinen erhöhten MCV-Wert – dabei handelt es sich um einen aus
dem Blut ermittelten Parameter, mit welchem Alkoholkonsum indirekt nachgewiesen
werden kann (vgl. BGE 129 II 82 E. 6.2.1) – ergeben habe, stehe nicht im Widerspruch
dazu, da unauffällige Laborwerte aufgrund eher geringer Sensitivität einen überhöhten
Alkoholkonsum nicht ausschlössen. Dieser Wert sei jedoch im Januar 2013 erhöht
gewesen, was für einen chronisch überhöhten Alkoholkonsum spreche.
c) Der Rekurrent bringt im Wesentlichen vor, das verkehrsmedizinische Gutachten sei
nicht geeignet, eine Alkoholsucht zu belegen. Aufgrund der Untersuchungsresultate
stehe fest, dass er nicht an einer Sucht leide. Im Weiteren enthalte das Gutachten keine
psychiatrische Beurteilung, es stütze sich lediglich auf Fremdberichte und sei in
wesentlichen Punkten zweifelhaft bzw. nicht schlüssig. So spreche der Psychiater von
einer "gegenwärtig remittierten" Störung. Dies bedeute, dass in den letzten Monaten
keine Symptome aufgetreten seien. Zudem sei der Austrittsbericht der KPK Wil
unvollständig; die wohl aussagekräftigste Seite 2 (von insgesamt drei) fehle.
d) Wegen der seiner Ansicht nach fehlenden psychiatrischen Beurteilung im
verkehrsmedizinischen Gutachten verlangt der Rekurrent im Eventualantrag das
Einholen eines verkehrspsychologischen Gutachtens. Mit einem
verkehrspsychologischen Gutachten wird einerseits geprüft, ob eine günstige
Legalprognose besteht und die betroffene Person sich in Zukunft an die Regeln des
Strassenverkehrs halten wird (vgl. Art. 16d Abs. 1 lit. c SVG). Andererseits dient es der
Abklärung der psychophysischen Leistungsfähigkeit. Es gibt Aufschluss darüber, ob
bei einem Menschen Hirnleistungsdefizite (kognitive Beeinträchtigungen in den
Bereichen optische Orientierung, Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit,
Reaktionsfähigkeit und Belastbarkeit) in einem Ausmass bestehen, dass eine
Teilnahme als Lenker der entsprechenden Fahrzeugkategorie am Strassenverkehr mit
hoher Wahrscheinlichkeit eine Überforderung darstellen würde. Entsprechende
Fragestellungen werden insbesondere mittels verkehrspsychologischer Leistungstests
überprüft (BGE 133 II 384 E. 3.5). Im vorliegenden Fall geht es aber weder um die
Legalprognose noch um die psychophysische Leistungsfähigkeit des Rekurrenten;
vielmehr stellt sich die Frage, ob beim Rekurrenten eine die Fahreignung
beeinträchtigende psychische Störung vorliegt. Der Eventualantrag auf Einholung eines
verkehrspsychologischen Gutachtens ist deshalb mangels Entscheidwesentlichkeit
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abzuweisen. Dass der Verkehrsmediziner kein psychiatrisches Gutachten erstellen
liess, ist ebenfalls nicht zu beanstanden. Ihm lagen aktuelle und eindeutige Befunde
des Psychiaters des Rekurrenten und der KPK Wil vor; darauf durfte er abstützen. Die
Fachärzte diagnostizierten übereinstimmend eine bipolare affektive Störung mit
psychotischen Symptomen (F31.2 gemäss Diagnosekriterien ICD-10). Hierbei handelt
es sich um eine Störung, die durch wenigstens zwei Episoden charakterisiert ist, in
denen Stimmung und Aktivitätsniveau des Betroffenen deutlich gestört sind. Diese
Störung besteht einmal in gehobener Stimmung, vermehrtem Antrieb und Aktivität
(Hypomanie oder Manie), dann wieder in einer Stimmungssenkung und vermindertem
Antrieb und Aktivität (Depression; vgl. ICD-Code 2014, publiziert in: www.ops.icd-
code.de). Dass die Ärzte der KPK Wil im Austrittsbericht von einer manischen Phase
ausgingen, während der Psychiater des Rekurrenten die Störung als gegenwärtig
"remittiert" – d.h. aktuell ohne erkennbare Symptome – bezeichnete, kann mit den
unterschiedlichen Diagnosezeitpunkten erklärt werden. Auch der Rekurrent bestritt eine
Krankheit nicht grundsätzlich. Er führte gegenüber dem Gutachter zwar aus, von der
Diagnose "nichts mitbekommen zu haben", fügte jedoch an, aktuell erlebe er eine sehr
stabile Phase und verzichte auf das ihm verschriebene Medikament. Er erkenne, "wenn
es wieder anziehe". Sobald er sich schlechter fühle, werde er Depakine wieder
einnehmen (act. 11/59). Dieses vom Psychiater verschriebene Medikament wird unter
anderem zur Behandlung manischer Episoden bei Patienten, die an bipolaren manisch-
depressiven Störungen leiden, verwendet (vgl. Arzneimittel-Kompendium der Schweiz,
publiziert in: www.kompendium.ch). Angesichts der fachärztlichen Diagnosen und der
Selbsteinschätzung des Rekurrenten erscheint die Beurteilung des Gutachters, es
bestehe eine psychische Störung, nachvollziehbar. Zu prüfen ist, ob die Fahreignung
des Rekurrenten durch die Krankheit beeinträchtigt wird.
e) aa) Der Gutachter führte dazu aus, in ausgeprägt depressiven oder manischen
Phasen komme es zu einer erheblichen Beeinträchtigung wesentlicher für die
Verhaltenssteuerung im Strassenverkehr verantwortlicher emotionaler Funktionen,
weshalb bei bipolaren Erkrankungen eine sorgfältige Beurteilung des Verlaufs
erforderlich sei; dazu sei in der Regel eine Beobachtungszeit von mindestens einem
Jahr notwendig. Der vorbeugenden Medikation komme dabei eine besondere
Bedeutung zu. Bei Auftreten mehrerer manischer oder schwer depressiver Phasen mit
kurzen Intervallen und bei nicht vorhandenem vorbeugendem Schutz sei die
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Fahreignung auch ohne Symptome grundsätzlich nicht gegeben. Dies sei beim
Rekurrenten der Fall. Er weise die notwendige Stabilität nicht auf, weshalb ihm die
Fahreignung abzusprechen sei. Zu dieser Beurteilung gelangte auch der Psychiater des
Rekurrenten. Er gab am 6. Juni 2013 gegenüber dem Gutachter an, ob der Rekurrent
derzeit die verordneten Medikamente einnehme, wisse er nicht. Aus psychiatrischer
Sicht sei die Fahreignung derzeit nicht gegeben, und es bleibe ein einjähriger stabiler
Verlauf abzuwarten.
bb) Die Ausführungen der Fachärzte sind nachvollziehbar. Der Rekurrent ist zur
Stabilisierung seiner Krankheit auf Medikamente angewiesen; dies bestreitet er nicht.
Er setze Depakine jedoch nur ein, wenn er spüre, dass es ihm wieder schlechter gehe.
Auf diese Weise ist es jedoch nicht möglich, eine dauerhafte psychische Stabilität zu
erreichen. Um eine wirksame Behandlung sicherzustellen, ist es äusserst wichtig, dass
Depakine regelmässig eingenommen wird (vgl. Arzneimittel-Kompendium). Nur mittels
medikamentöser Langzeitprophylaxe, d.h. vorbeugender Therapie, kann das
Wiederauftreten von manischen oder depressiven Krankheitsphasen meist zuverlässig
unterdrückt werden. Dies ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil insbesondere bei
manischer Symptomatik die Fahreignung grundsätzlich nicht gegeben ist (Dittmann/
Seeger, Psychische Störungen und Fahreignung, in: Arbeitsgruppe Verkehrsmedizin
[Hrsg.], Handbuch der verkehrsmedizinischen Begutachtung, 1. Aufl. 2005, S. 52). In
einer solchen Phase befand sich der Rekurrent als er am 13. Januar 2013 mittels
fürsorgerischer Unterbringung in die KPK Wil eingeliefert wurde. Bereits drei Tage
später wurde er aufgrund der Zusicherung, die Medikamente zu Hause weiterhin
einzunehmen, wieder entlassen. Wie lange er sich an diese Vereinbarung hielt, ist nicht
bekannt. Fest steht, dass er im Zeitpunkt der Begutachtung, im Mai 2013, auf die
Medikamente verzichtete. Dies räumte er gegenüber dem Gutachter ein. Damit setzte
er sich der Gefahr einer erneuten Verschlechterung seines Gesundheitszustandes aus.
Ob das Ereignis vom 18./19. Juli 2013 eine Folge des Medikamentenverzichts war, ist
den Akten nicht zu entnehmen. Das Verhalten des Rekurrenten und seine zum Teil
nicht nachvollziehbaren Äusserungen – er floh mit stark übersetzter Geschwindigkeit,
versteckte sich anschliessend hinter einer Holzbeige, um wie er sagte, die Polizei zu
prüfen bzw. deren Sommerloch auszufüllen, und erklärte zum Ergebnis des
Atemlufttests: "Dann bin ich eigentlich noch ganz anständig. Mit 1.1 Promille lohnt sich
das doch fast nicht. Mit 3 Promille hätte sich das schon gelohnt." – deuten jedoch auf
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eine starke Angetriebenheit hin und trugen damit Züge einer Manie bzw. einer
Hypomanie. Dies ist jedoch nicht entscheidend. Ins Gewicht fällt vielmehr, dass es dem
Rekurrenten wegen der unregelmässigen Medikation an der notwendigen emotionalen
Stabilität fehlt. Er bietet deshalb keine Gewähr dafür, ein Motorfahrzeug sicher führen
zu können (Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG). Ob die Fahreignung bei zuverlässiger Einnahme
von Depakine gegeben ist, lässt sich nur anhand einer sorgfältigen Beurteilung des
Verlaufs beurteilen (vgl. Dittmann/Seeger, a.a.O., S. 51).
cc) Die Vorinstanz entzog dem Rekurrenten den Führerausweis demnach zu Recht auf
unbestimmte Zeit und machte die Wiedererteilung folgerichtig von einer regelmässigen
psychiatrisch-fachärztlichen Kontrolle und Behandlung abhängig. Zu prüfen ist, ob die
zusätzlich angeordnete Abstinenzauflage angemessen war.
f) Dem Rekurrenten ist zuzustimmen, dass weder die Resultate der Haaranalyse noch
die Laborunterwerte einen übermässigen Alkoholkonsum im Untersuchungszeitraum
(Januar bis Mai 2013) belegen; auszuschliessen ist er jedoch nicht. Der gemessene
EtG-Wert im kurzen Haarsegment (0 bis 1 cm ab Kopfhaut) betrug 38 pg/mg bzw. unter
Berücksichtigung einer Messunsicherheit von +/- 25 Prozent 28.5 pg/mg (vgl. zur
Messtoleranz VerwGE B 2010/247 vom 9. November 2010 E. 2.2, publiziert in:
www.gerichte.sg.ch). Der Wert liegt damit nur knapp unter 30 pg/mg. Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung deuten über diesem Grenzwert liegende
Messergebnisse auf risikoreichen bzw. starken bis chronisch-exzessiven
Alkoholkonsum hin (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_243/2010 vom 10. Dezember
2010 E. 2.7). Der Umstand, dass er den Alkoholkonsum vor der Untersuchung nicht
drosselte bzw. ganz davon absah, wirft indessen kein günstiges Licht auf das
Konsumverhalten des Rekurrenten. Eine Alkoholsucht ist hingegen nicht
nachgewiesen. Der Rekurrent räumte gegenüber dem Gutachter ein, regelmässig
Alkohol zu konsumieren. Sein Konsumverhalten habe bereits zu Reaktionen aus seinem
Umfeld geführt. Man habe ihn darauf hingewiesen, dass die Alkoholverträglichkeit nicht
"optimal" sei; das treffe zu. Schon geringe Mengen führten bei ihm zu verbal
aggressivem, beleidigendem Verhalten und unbedachtem Handeln. Dies bestätigte sich
anlässlich der Trunkenheitsfahrt in der Nacht vom 18./19. Juli 2013, bei der sich der
Rekurrent einer polizeilichen Kontrolle wider alle Vernunft durch Flucht zu entziehen
und sich sogar vor der Polizei zu verstecken versuchte. Er hat damit im Übrigen auch
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bewiesen, dass er nicht in der Lage ist, Strassenverkehr und Alkohol zu trennen. Ins
Gewicht fällt, dass der Rekurrent nicht fähig oder willens scheint, sich mit den Folgen
und Gefahren seines Konsumverhaltens auseinanderzusetzen. Auf die Frage, ob er
wegen der Hinweise seiner Bekannten über seinen Umgang mit Alkohol nachgedacht
habe, führte er aus, er mache sich damit sicher nicht beliebt, wisse dafür aber, woran
er mit den Leuten sei (act. 11/58). Zu grossen Bedenken hinsichtlich der Fahreignung
gibt insbesondere auch seine anlässlich der polizeilichen Befragung vom 19. Juli 2013
geäusserte Bemerkung Anlass, mit einem Atemlufttestwert von 1.1 ‰ sei er noch
"ganz anständig; das lohne sich doch fast nicht". Vor diesem Hintergrund ist die
gutachterliche Feststellung, der Rekurrent neige zu einem "zumindest episodenhaften
Alkoholüberkonsum", nachvollziehbar. Damit besteht eine erhöhte Gefahr, dass der
Rekurrent – vor allem in einer instabilen Phase der psychischen Krankheit – wiederum
ein Fahrzeug in angetrunkenem Zustand lenken könnte (vgl. Seeger, a.a.O., S. 25). Die
Abstinenzauflage ist deshalb gerechtfertigt und erscheint zudem verhältnismässig,
zumal der Genuss von Alkohol während der Behandlung mit Depakine ohnehin zu
vermeiden ist (vgl. Arzneimittel-Kompendium). Dass er aus beruflichen Gründen
dringend auf den Führerausweis angewiesen sei, macht der Rekurrent – anders als im
Rekurs gegen den vorsorglichen Führerausweisentzug (VRKE IV-2013/99) – nicht
geltend.
g) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz dem Rekurrenten den
Führerausweis zu Recht wegen mangelnder Fahreignung auf unbestimmte Zeit entzog
und eine dreimonatige Sperrfrist anordnete. Nicht zu beanstanden sind zudem die
Bedingungen für die Aufhebung des Entzugs, insbesondere erscheint die kontrollierte
und fachlich betreute Alkoholabstinenz angesichts der psychischen Krankheit des
Rekurrenten notwendig. Der Rekurs ist demnach im Haupt-, Eventual- und
Subeventualantrag abzuweisen.
4.- Die Massnahme des Sicherungsentzugs soll sicherstellen, dass der Rekurrent zum
Schutz der Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer vom Strassenverkehr
ferngehalten wird. Dieser Zweck wäre gefährdet, wenn der Rekurrent während des
Beschwerdeverfahrens als Motorfahrzeugführer zum Strassenverkehr zugelassen
würde. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene
aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 VRP).
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5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend wären die amtlichen Kosten dem
Rekurrenten aufzuerlegen, denn er unterliegt mit seinen Begehren (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Infolge der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör durch die Vorinstanz ist
jedoch eine hälftige Aufteilung der Kosten auf den Staat und den Rekurrenten
sachgerecht. Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'500.– erscheint angemessen (vgl. Art. 7
Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von
Fr. 1'500.– ist zu verrechnen und dem Rekurrenten im Restbetrag von Fr. 750.–
zurückzuerstatten.
Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP).