Decision ID: 00f26317-5f7f-4123-9f3c-3cc83c1e7491
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
B.
A._ meldete sich im März 1995 wegen eines Rückenleidens erstmals bei der IV-
Stelle des Kantons Schwyz zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV)
an (IV-act. 9). Er gab an, im Herkunftsland die Schule besucht zu haben. Einen Beruf
habe er nicht erlernt. Zuletzt habe er als Eisenleger gearbeitet. Mit einer Verfügung vom
5. Oktober 1995 sprach die IV-Stelle des Kantons Schwyz dem Versicherten berufliche
Eingliederungsmassnahmen zu (IV-act. 27). Mit einer Verfügung vom 12. Januar 1996
verneinte sie einen Anspruch auf eine Invalidenrente und erteilte dem Berufsberater
nochmals einen Auftrag zur Stellenvermittlung (IV-act. 34). Diese Verfügung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
A.a.
Am 18. Dezember 1996 ersuchte der Versicherte die IV-Stelle des Kantons
Schwyz darum, seinen Anspruch nochmals zu prüfen (IV-act. 45). Mit einer Verfügung
vom 28. Juli 1997 trat die IV-Stelle des Kantons Schwyz auf das Begehren nicht ein (IV-
act. 54). Auch diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.b.
Im Dezember 2008 meldete sich der Versicherte bei der IV-Stelle des Kantons
St. Gallen zum Leistungsbezug an (IV-act. 1). Er gab an, er leide seit dem Jahr 1995 an
einer rheumatischen Erkrankung (M. Bechterew). Zurzeit arbeite er bei WTL Jona in
einem Beschäftigungsprogramm zu maximal 50% je nach Gesundheitszustand. Die IV-
Stelle tätigte Abklärungen in medizinischer und erwerblicher Hinsicht. Mit einer
Verfügung vom 3. März 2010 wies sie das Begehren um berufliche
Eingliederungsmassnahmen ab (IV-act. 94). Mit einer weiteren Verfügung vom 10. März
B.a.
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2010 wies sie das Begehren um eine Invalidenrente ab (IV-act. 95). Diese Verfügungen
erwuchsen unangefochten in Rechtskraft.
Am 15. Februar 2011 bat der Hausarzt Dr. med. B._ die IV-Stelle, den
Rentenanspruch nochmals zu prüfen (IV-act. 97). Er gab an, der Versicherte leide seit
1995 an einer Spondylitis ankylosans, wobei die Diagnose erst im Juli 2006 gestellt
worden sei. Er könne bestätigen, dass das Leiden invalidisierendes Ausmass erreicht
habe. Nachdem die IV-Stelle Dr. B._ am 25. Februar 2011 darüber informiert hatte,
dass er nicht legitimiert sei, für den Versicherten ein Leistungsgesuch zu stellen (IV-
act. 98), teilte der Versicherte am 12. März 2011 mit (IV-act. 99), dass sich sein Zustand
in den letzten Monaten verschlechtert habe. Er bat um eine Prüfung seines Anliegens.
Die IV-Stelle forderte den Versicherten am 28. März 2011 auf, zwecks
Glaubhaftmachung einer relevanten Änderung des rechtserheblichen Sachverhalts seit
der Verfügung vom 10. März 2010 Unterlagen einzureichen (IV-act. 101). Am 7. April
2011 berichtete Dr. B._, der Gesundheitszustand des Versicherten habe sich seit
dem Jahr 2007 verschlechtert. Der Versicherte leide an einem rechtsbetonten,
generalisierten Schmerzsyndrom, das multifaktoriell bedingt sei. Die Arbeitsfähigkeit sei
um 50-60% eingeschränkt. Fachärzte der Z._ hatten am 27. Januar 2011 die
folgenden Diagnosen angegeben (IV-act. 103): Spondylitis ankylosans (EM 1995, ED
8/06), generalisiertes Schmerzsyndrom, Vitamin-D-Mangel (11/07), latente Tuberkulose,
chronische Dyspepsie bei St.n. Magenteilresektion 1982 und 1994, arterielle
Hypertonie, zwei pulmonale Rundherde Mittellappen und ein Rundherd apikales
Unterlappensegment links (PET-CT 21.11.08), Karpaltunnelsyndrom bds. Dr. med.
C._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) notierte am 16. Mai 2011 (IV-act. 105),
eine relevante Veränderung des Gesundheitszustands sei aus
versicherungsmedizinischer Sicht nicht glaubhaft gemacht. Am 2. September 2011
berichtete Dr. med. D._, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation (IV-act. 112),
der Versicherte leide an einer axialen Spondylarthritis mit peripherem Befall. Weiter
bestünden eine MTP-Arthrose rechts und eine Arthrose der HWS und der AC-Gelenke
bds. Aktuell liege eine weiterhin entzündliche Aktivität mit hoher Einschränkung der
Alltagsaktivitäten vor. Sie attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Die RAD-
Ärztin Dr. C._ notierte am 2. November 2011 (IV-act. 116), aufgrund der konträren
B.b.
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Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten sei eine polydisziplinäre
Begutachtung angezeigt.
Am 13. und 14. März 2012 wurde der Versicherte durch die Ärztliche
Begutachtungsinstitut GmbH (ABI) polydisziplinär (internistisch, rheumatologisch und
psychiatrisch) abgeklärt. Im Gutachten vom 14. April 2012 gaben die Sachverständigen
als Diagnose mit einer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Spondylarthritis
(Erstmanifestation 1995, Erstdiagnose 2006) mit axialem und peripherem Befall und
aktuell keinen klinischen Hinweisen für eine relevante Entzündungsaktivität an (IV-
act. 121-26). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie:
Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54) – multilokuläres Schmerzsyndrom des
Bewegungsapparates ohne aktuelles klinische Korrelat (ICD-10 R52.9), Hallux rigidus
rechts, arterielle Hypertonie, medikamentös gut eingestellt, neu entdeckter Diabetes
mellitus Typ 2, Hyperlipidämie, chronischer Nikotinabusus, anamnestisch St.n.
möglicher latenter Tbc-Infektion bei positivem Mantoux- und Quantiferon-Test. Die
Gutachter hielten fest (IV-act. 121-27 f.), im Vordergrund der Beschwerden stünden die
seit Jahren bestehenden Ganzkörperschmerzen mit einer Betonung der rechten
Körperhälfte. Aus rheumatologischer Sicht bestehe eine Spondylarthritis mit axialem
und peripherem Befall, aktuell finde sich klinisch jedoch kein Hinweis für eine relevante
Entzündungsaktivität. Neben der Spondylarthritis liege ein unspezifisches
multilokuläres Schmerzsyndrom des Bewegungsapparats vor, am ehesten im Rahmen
einer Symptomausweitung oder/und einer Schmerzverarbeitungsstörung. Die vom
Versicherten geklagten, äusserst diffusen Beschwerden liessen sich weder durch die
klinischen noch durch die radiologischen Befunde eindeutig erklären. Einzig die
Beschwerden im Bereich der rechten Grosszehe seien aufgrund einer fortgeschrittenen
Arthrose im Grundgelenk nachvollziehbar. Für körperlich schwere Tätigkeiten bestehe
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, für körperlich mittelschwere eine
Arbeitsunfähigkeit von 70%. Für körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten
bestehe eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80%. Dabei sollten das Heben und
Tragen von Lasten über zehn Kilogramm wie auch monoton-repetitive Haltungen oder
Bewegungen sowie gehäufte Überkopfarbeiten vermieden werden. Aus allgemein-
internistischer Sicht bestünden keine Befunde und Diagnosen mit einer Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht könne mit Ausnahme einer
B.c.
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C.
Schmerzverarbeitungsstörung keine psychiatrische Diagnose gestellt werden. Diese
wirke sich nicht einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit aus. Dem Versicherten sei es
zumutbar, trotz der geklagten Beschwerden die nötige Willensanstrengung
aufzubringen, um ganztags einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Aus
interdisziplinärer Sicht bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für körperlich
schwere und eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit für körperlich mittelschwere Tätigkeiten.
Für körperlich leichte, adaptierte Tätigkeiten in Wechselbelastung bestehe eine Arbeits-
und Leistungsfähigkeit von 80%, vollschichtig realisierbar mit einem erhöhten
Pausenbedarf. Zwischen der gutachterlichen Beurteilung und der Selbsteinschätzung
des Versicherten, der sich für jegliche Tätigkeit für nicht mehr arbeitsfähig halte,
bestehe eine Diskrepanz. Dass alle therapeutischen Bemühungen bis anhin gescheitert
seien, hänge wesentlich damit zusammen, dass der Versicherte aufgrund seiner
subjektiven Krankheitsüberzeugung wenig Motivation aufbringe, sich trotz allfälliger
Restbeschwerden um seine Genesung zu bemühen, um sich den Belastungen der
Arbeitswelt wieder auszusetzen.
Die RAD-Ärztin Dr. C._ notierte am 24. August 2012 (IV-act. 122), auf das
Gutachten könne abgestellt werden.
B.d.
Mit einer Verfügung vom 6. September 2012 trat die IV-Stelle auf das
Leistungsbegehren (Gesuch vom 12. März 2011) nicht ein (IV-act. 123). Diese
Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.e.
Im Februar 2015 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-
act.136). Er gab an, seit dem Jahr 2008 vollständig arbeitsunfähig zu sein. Als
gesundheitliche Beeinträchtigung nannte er "Rheuma". Er reichte Berichte von seinem
Hausarzt Dr. B._ vom 12. Dezember 2014, von Dr. D._ vom 8. Dezember 2014 (mit
Berichten über MRI-Untersuchungen der LWS, BWS und HWS vom 24. September
2014 und 3. Oktober 2014) und vom Spital E._ vom 15. Oktober 2014 ein (IV-
act. 138-142). Die RAD-Ärztin Dr. C._ notierte am 16. März 2015 (IV-act. 147), der
Gesundheitszustand habe sich seit der Verfügung vom 10. März 2010 nicht relevant
verändert. Mit einem Vorbescheid vom 16. März 2015 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit (IV-act. 150), sie sehe vor, auf das Leistungsbegehren nicht
C.a.
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einzutreten. Der Versicherte erhob dagegen keinen Einwand. Mit einer Verfügung vom
2. Juni 2015 trat die IV-Stelle auf das Leistungsbegehren nicht ein (IV-act. 153). Eine
am 26. Juni 2015 dagegen erhobene Beschwerde hiess das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen am 27. Oktober 2017 gut (IV 2015/200, IV-act. 183). Es hielt im
Wesentlichen fest, dass mit der Verfügung vom 6. September 2012 – obwohl als
Nichteintretensverfügung betitelt – letztmals ein Rentengesuch des Versicherten
aufgrund einer umfassenden medizinischen Abklärung abgewiesen worden sei,
weshalb diese als zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung des neuen
Leistungsbegehrens zu gelten habe. Die Berichte von Dr. B._ vom 7. Dezember 2012
und 12. Dezember 2014, der Bericht des Spitals E._ vom 15. Oktober 2014 und der
Bericht von Dr. D._ vom 8. Dezember 2014 enthielten Anhaltspunkte für eine
relevante Veränderung des Gesundheitszustands. Das Versicherungsgericht hob die
Verfügung vom 2. Juni 2015 auf und wies die Sache an die IV-Stelle zurück, damit sie
auf das Leistungsgesuch vom 26. Februar 2015 eintrete und die
Anspruchsberechtigung materiell neu prüfe. Dieser Entscheid erwuchs unangefochten
in Rechtskraft.
Die IV-Stelle holte weitere Berichte ein. Dr. D._ teilte am 9. Mai 2018 die
folgenden Diagnosen mit (IV-act. 190): Axiale Spondylarthritis (EM 1995, ED 2006) mit
einem begleitenden peripheren Befall, Polyarthrose mit einer ausgeprägten MTP-
Arthrose rechts, Arthrose der HWS/LWS, Hüften und AC-Gelenk bds. (siehe PET
11/2008 und MRI 2014/2017). Sie hielt fest, der Versicherte klage unverändert über
Schmerzen betont im unteren Rücken. Aktuell berichte er über Schmerzen im Bereich
mittlere BWS, Ellenbogen bds., rechte Grosszehe, rechtes Handgelenk und Hüften. Es
bestehe eine allgemeine Steifigkeit und Morgensteifigkeit von zwei Stunden. Die
Gehstrecke sei reduziert, zeitweise bestehe eine Schwellung des rechten Handgelenks,
der Ellenbogen und der rechten Grosszehe. Die Progredienz könne durch die
klinischen, sonografischen und radiologischen Befunde bestätigt werden. Mehrfach
hätten Synovitiden der Finger- und Zehengelenke dargestellt werden können. Im
Röntgen seien anteriore Anbauten der BWS und eine Ankylosierung der ISG
darstellbar. Es bestünden Einschränkungen (wohl: der Beweglichkeit) der gesamten
Wirbelsäule in alle Richtungen um einen bis zwei Drittel. Neu hinzugekommen seien die
Schmerzen in den Hüftregionen mit Ausstrahlung in die Beine. Der aktuelle Status zeige
C.b.
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passend dazu eine Einschränkung der Hüftbeweglichkeit um zwei Drittel in der Innen-
und um einen Drittel in der Aussenrotation bds. Eine Coxarthrose habe radiologisch
bestätigt werden können. Sie attestierte eine seit Jahren bestehende vollständige
Arbeitsunfähigkeit. Dr. med. F._, Innere Medizin FMH spez. Nephrologie, berichtete
(Datum unleserlich, Posteingang: 28. Mai 2018, IV-act. 191), er behandle den
Versicherten seit Juli 2017. Dieser leide an einer Polyarthrose und an Weichteilrheuma.
Seit dem Jahr 2008 habe der Versicherte nicht mehr gearbeitet; er sei seit damals
wegen Schmerzen vollständig arbeitsunfähig.
Der RAD-Arzt Dr. med. G._ notierte am 1. Juni 2018 (IV-act. 206), für eine
fundierte Beurteilung sei eine polydisziplinäre Verlaufsbegutachtung erforderlich. In den
Akten würden mögliche neurologische Gesundheitsstörungen erwähnt (MRI-
Untersuchung von LWS/ISG vom 24. September 2014, MRI-Untersuchung der HWS/
BWS vom 3. Oktober 2014, Bericht Spital E._ vom 15. Oktober 2014). Er empfehle
deshalb auch den Einbezug der Fachdisziplin Neurologie.
C.c.
Am 10. Juli 2018/5. September 2018 teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter des
Versicherten mit, dass zur Klärung der Leistungsansprüche eine polydisziplinäre Be
gutachtung notwendig sei und dass die ABI GmbH damit beauftragt werden solle (IV-
act. 202, 210). Der Rechtsvertreter reichte am 8. Oktober 2018 ein ärztliches Attest von
Dr. D._ vom 10. August 2017 (IV-act. 215, 216) und am 2. November 2018 ein
ärztliches Attest von Dr. D._ vom 30. Oktober 2018 inklusive Berichte über ein MRT
untere BWS und LWS mit ISG vom 22. Oktober 2018 und über ein MRT HWS und BWS
vom 24. Oktober 2018 ein (IV-act. 218-220). Dr. D._ hatte am 30. Oktober 2018 die
folgenden Diagnosen angegeben: Axiale Spondylarthritis mit einem begleitenden
peripheren Befall, HLA-B27 positiv, MRI-Aktivität 2014 und 2018, Polyarthrose mit
einer ausgeprägten MTP-Arthrose rechts, Arthrose der HWS/LWS und AC-Gelenk bds.
(siehe PET 11/2008 und MRI 2018). Sie hatte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
attestiert.
C.d.
Am 17. und 18. Dezember 2018 wurde der Versicherte durch die ABI GmbH
polydisziplinär (internistisch, rheumatologisch, psychiatrisch und neurologisch)
abgeklärt. Im Gutachten vom 14. Januar 2019 gaben die Sachverständigen die
folgenden Diagnosen mit einer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an (ausführliche
C.e.
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Diagnosen siehe IV-act. 223-10): Chronische, HLA-B27 positive axiale Spondylarthritis,
chronisches thorako- und lumbospondylogenes Schmerzsyndrom, deutliche
Grosszehengrundgelenksarthrose rechts, klinische Epicondylopathia humeri radialis
bds. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie: Leichte
depressive Episode (ICD-10 F32.0), chronische Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), intermittierende Gonalgie bds. rechtsbetont,
anamnestisch fluktuierende nächtliche Gefühlsstörungen, metabolisches Syndrom und
fortgesetzter Nikotinkonsum, schädlicher Gebrauch. Der internistische
Sachverständige hielt fest (internistisches Teilgutachten, IV-act. 223-35 f.), es liege eine
Ansammlung von kardiovaskulären Risikofaktoren vor, welche bis anhin nicht zu
fassbaren Endorganschäden geführt hätten. Der arterielle Blutdruck sei ungenügend
eingestellt. Bei einem unzureichend eingestellten Blutdruck seien körperlich schwere
Tätigkeiten ungeeignet. Sobald der Blutdruck besser eingestellt sei, sei jede Tätigkeit
möglich. Der rheumatologische Sachverständige führte aus (rheumatologisches
Teilgutachten, IV-act. 223-45 ff.), aus klinisch rheumatologischer Sicht könne eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands im Vergleich zum Gutachten aus dem Jahr
2012 postuliert werden. Die aktuellen radiomorphologischen Befunde zeigten eine klare
aktive Sacroileitis links; im letzten Gutachten sei explizit erwähnt worden, dass keine
relevante Entzündungsaktivität habe festgestellt werden können. Im Weiteren bestehe
eine relevante Grosszehengrundgelenkarthrose rechts mit einer erheblichen
Bewegungseinschränkung, sodass im Vergleich zum Jahr 2012 nicht nur von einem
Hallux rigidus gesprochen werden könne. Der Versicherte erachte sich als nicht in der
Lage, einer ausserhäuslichen beruflichen Tätigkeit nachzugehen, da er nicht einmal
imstande sei, im privaten Haushalt etwas Produktives zu leisten. Vor allem die
Beschwerden am Achsenskelett könnten aufgrund der bildgebenden Evaluation vom
Oktober 2018 klar nachvollzogen werden. Die beklagten peripheren Arthralgien
könnten vor allem im Rahmen der Grosszehengrundgelenksarthrose rechts klar
nachvollzogen werden. Für die intermittierenden Handgelenks- und
Fingergelenksbeschwerden bestehe ein entzündliches Korrelat im Sinne einer
peripheren Gelenksbeteiligung im Rahmen der Spondylarthritis, wenn auch im
aktuellen klinischen Status keine eindeutigen Synovitiden oder Tenosynovitiden hätten
festgestellt werden können. Nicht nachvollziehbar sei, dass sich der Versicherte nicht
in der Lage sehe, auch nur eine leichte Haushaltsaktivität durchzuführen. Es sei von
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einer erheblichen subjektiven Krankheits- und Behinderungsüberzeugung mit einem
klaren sekundären Krankheitsgewinn auszugehen. Die verschiedenen klinischen
Erhebungen von Dr. D._ könnten weitgehend bestätigt werden. Nicht nachvollziehbar
sei, dass Dr. D._ über all die Jahre stets von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit für
jegliche beruflichen Tätigkeiten ausgegangen sei. Dr. D._ habe nicht näher kritisch
diskutiert, wieso es dem Versicherten offensichtlich nicht möglich sein solle, auch nur
einfachste, physisch nicht belastende Alltagsaktivitäten im eigenen Haushalt zu
absolvieren. Beim Versicherten bestehe seit Jahren eine rheumatologische
entzündliche Systemerkrankung im Sinne einer Spondylartropathie mit zum Teil einer
peripheren Gelenkbeteiligung. Im Weiteren fänden sich am Achsenskelett degenerative
Veränderungen, ungünstig beeinflusst durch eine Wirbelsäulenfehlhaltung und eine
allgemeine muskuläre Dekonditionierung. Das Ausmass der beklagten
Schmerzsymptomatik und insbesondere die Aussage des Versicherten, dass er zu
keiner Arbeitsleistung im eigenen Haushalt in der Lage sei, lasse auf eine zusätzliche
funktionelle Überlagerung schliessen, da dies aus somatischer Sicht als nicht
nachvollziehbar erscheine. In der bisherigen Tätigkeit bestehe eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe eine 75%ige Arbeitsfähigkeit
bei einer Präsenz von sechs bis acht Stunden am Tag. Idealerweise sollte die
Arbeitszeit über den Tag verteilt werden, um regelmässige Pausen zu gewähren. Die
Tätigkeit sollte die folgenden Adaptionskriterien aufweisen: Arbeit in wechselnder
Position zwischen Stehen und Sitzen an einem ergonomisch gut eingestellten
Arbeitsplatz in Schulterneutralstellung. So könnten feinmanuell belastende Tätigkeiten
ausgeübt werden. Ebenfalls sei das Gehen in der Ebene, zum Beispiel für Kontroll- und
Überwachungsfunktionen, in einem eingeschränkten Radius durchführbar. Vermieden
werden sollte das berufsbedingte Benutzen von Treppen, das Gehen auf unebenen
Böden, im Weiteren die Einhaltung einer fixierten Körperposition im Sinne von
längerem Sitzen und Stehen (jeweils auf eine halbe Stunde zu limitieren). Ebenso seien
stereotype Rotationsbewegungen des Achsenskeletts oder Arbeiten in anhaltender
Oberkörpervorneige- oder -rückhaltepositionen sowie repetitive Überkopfbewegungen
mit den Armen zu vermeiden. Das Heben und Tragen von Lasten bis zur Taille dürfe
intermittierend zehn Kilogramm, über Taille fünf Kilogramm betragen. Diese Angaben
gälten spätestens ab dem Begutachtungszeitpunkt. Der psychiatrische Gutachter
erklärte (psychiatrisches Teilgutachten, IV-act. 223-53 ff.), beim Versicherten bestehe
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eine leichte depressive Episode, gekennzeichnet durch depressive Verstimmungen mit
einer verminderten Freude und einem gewissen Interessenverlust, aber auch durch eine
Ermüdbarkeit, Schlafstörungen und leichte Konzentrationsstörungen. Es bestehe auch
eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren,
gekennzeichnet durch ausgeweitete Schmerzen im Bewegungsapparat. In den Akten
sei zwar eine Spondylarthritis aufgeführt. Der Versicherte fühle sich aber gar nicht mehr
arbeitsfähig, auch nicht in einer angepassten Tätigkeit. Aus somatischer
(rheumatologischer) Sicht seien aber angepasste Tätigkeiten nicht gänzlich
ausgeschlossen. Insofern die Symptomatik aus somatischer Sicht nicht objektiviert
werden könne, müsse von einer psychischen Überlagerung ausgegangen werden, die
nicht nur auf eine Somatisierung im Rahmen der Depression zurückgeführt werden
könne. Es bestünden emotionale und psychosoziale Belastungsfaktoren, die eine Rolle
spielten, mit einer chronischen Schmerzproblematik, einer längeren
krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit, gesundheitlichen Problemen auch beim
jüngeren Sohn mit einer Krebserkrankung, aber vor allem auch mit einer angespannten
finanziellen Situation. Der Versicherte habe sich nie in psychiatrisch-
psychotherapeutischer Behandlung befunden. Er erhalte auch keine
psychopharmakologische Medikation. Der Versicherte könne kurze Strecken
Autofahren, was gegen das Vorliegen von deutlichen Konzentrationsstörungen
spreche. Flugreisen alleine seien ihm trotz subjektiv starker Beschwerden mit
Schmerzen möglich. Der Versicherte verfüge über Ressourcen bezüglich angelernter
Arbeit mit mehrjähriger Berufserfahrung. Die Schwiegertochter erledige den Haushalt,
sodass der Versicherte nichts machen müsse. Er könne aber durchaus kleine Einkäufe
selber erledigen. Zudem sei er reisefähig. Zur Untersuchung sei er allein mit den
öffentlichen Verkehrsmitteln angereist. Es bestehe ein Rückzug in die Familie, der aber
auch dadurch bedingt sei, dass der Versicherte finanziell bei Kollegen nicht mithalten
könne. Innerhalb der Familie habe er gute Kontakte. Aus psychiatrischer Sicht bestehe
eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Der neurologische Sachverständige gab an
(neurologisches Teilgutachten, IV-act. 223-60 f.), der klinische Befund sei unauffällig.
Es ergebe sich bei allseits schwachen, aber seitengleichen Reflexen kein Anhalt für
eine relevante Zervikobrachialgie auf den Höhen HWK 5/6 und 6/7. In körperlich
leichten bis punktuell mittelschweren Arbeiten bestehe eine vollständige
Arbeitsfähigkeit. In der Konsensbeurteilung hielten die Gutachter fest (IV-act. 223-11),
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im Vordergrund stehe eindeutig die rheumatologische Symptomatik des Versicherten.
Objektivierbar seien eine aktivierte Sakroiliitis links bei einer chronischen HLA-B27
positiven axialen Spondylarthritis (MRT Achsenskelett 10/2018), zudem bestehe
klinisch und anamnestisch der Verdacht auf einen intermittierend peripheren Befall mit
möglicher Radiokarpalarthritis beidseits und chronischer Periarthropathia coxae
beidseits (DD beginnende Coxarthrose beidseits). Zudem liessen sich degenerative
Veränderungen am Achsenskelett nachweisen, welche für ein chronisches thorako-
und lumbospondylogenes Schmerzsyndrom verantwortlich zeichneten. Im Bereich des
rechten Grosszehengrundgelenks bestehe eine radiologisch fassbare Arthrose bei einer
deutlichen Fussfehlstatik mit Knick-Senkfüssen beidseits sowie einem Hallux valgus
rechts mehr als links. Im Bereich beider Ellbogen könne die Diagnose einer Epi
condylopathia humeri radialis gestellt werden. Beim Versicherten bestehe seit Jahren
eine rheumatische entzündliche Systemerkrankung im Sinne einer Spondylarthropathie
mit zum Teil peripherer Gelenkbeteiligung. Im Weiteren fänden sich am Achsenskelett
degenerative Veränderungen, gänzlich beeinflusst durch eine Wirbelsäulenfehlhaltung
und eine allgemeine muskuläre Dekonditionierung. Es bestehe somit eine deutlich
verminderte Belastbarkeit des Achsenskeletts sowie der peripheren Gelenke. Aufgrund
der chronischen Schmerzsymptomatik sei die Durchhaltefähigkeit des Versicherten
reduziert. Es bestehe ein vermehrter Pausenbedarf. Zwischen dem Ausmass der
subjektiv geklagten Beschwerden und den objektivierbaren Befunden bestehe eine
ausgeprägte Diskrepanz, wofür die psychiatrisch gestellte Diagnose einer chronischen
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren verantwortlich zeichne.
Weder aus psychiatrischer noch aus neurologischer oder allgemeininternistischer Sicht
könnten weitere Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Die
Gutachter attestierten in der angestammten Tätigkeit eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit und in einer adaptierten Tätigkeit eine 75%ige Arbeits- und
Leistungsfähigkeit bei einer Präsenz von sechs bis acht Stunden am Tag. Das Profil
einer adaptierten Tätigkeit entsprach jenem im rheumatologischen Teilgutachten. Sie
erklärten, diese Angaben seien über die Zeit gemittelt möglicherweise ab Februar 2015
anzunehmen, sicher ab Oktober 2018 zu bestätigen. Eine länger dauernde,
höhergradige Arbeitsunfähigkeit habe seit dem Jahr 2012 nicht vorgelegen.
Der RAD-Arzt Dr. G._ notierte am 23. Januar 2019 (IV-act. 224), auf das
Gutachten könne abgestellt werden.
C.f.
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Mit einem Vorbescheid vom 7. Februar 2019 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit (IV-act. 228), sie sehe vor, das Leistungsbegehren abzuweisen. Zur Begründung
gab sie an, die Abklärungen hätten ergeben, dass in einer adaptierten Tätigkeit eine
75%ige Arbeitsfähigkeit bestehe. Als Adaptionskriterien gab sie das im Gutachten
angegebene Tätigkeitsprofil wieder. Beim Validen- und beim Invalideneinkommen
stellte sie auf den Zentralwert des Einkommens eines Hilfsarbeiters gemäss der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik im Jahr 2017 ab. Bei einem
Valideneinkommen von Fr. 67'290.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 50'468.--
betrug der Invaliditätsgrad 25%. Der Versicherte liess dagegen am 15. März 2019 einen
Einwand erheben (IV-act. 231). Sein Rechtsvertreter beantragte die Zusprache einer
ganzen Invalidenrente ab dem 1. August 2017; eventualiter seien ergänzende
Abklärungen vorzunehmen. Zur Begründung machte er geltend, beim
Invalideneinkommen sei ohne eine Begründung kein "leidensbedingter" Abzug
vorgenommen worden. Die Gutachter hätten die schmerzbedingt vermehrte Müdigkeit,
Durchschlafstörungen, fehlende Energie, Traurigkeit, Konzentrationsstörungen und
Nervosität nicht berücksichtigt, auch nicht im Sinne von Wechselwirkungen zusammen
mit den Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Die Arbeits- und
Leistungsfähigkeit von 75% sei nicht nachvollziehbar. Dr. D._ halte aufgrund des
Krankheitsverlaufs eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für nachvollziehbar. Die Angabe
im Gutachten, dem Versicherten sei eine adaptierte Tätigkeit zu sechs bis acht Stunden
pro Tag möglich, sei ziemlich vage. Ebenfalls vage sei die Angabe der Einschränkung
der Leistung in einer solchen Tätigkeit. Die Gutachter hätten lediglich angegeben,
idealerweise sollte die Arbeitszeit über den Tag verteilt werden, um regelmässige
Pausen zu gewähren. Daraus gehe nicht hervor, ob diese Pausen innerhalb oder
ausserhalb der auf den ganzen Tag zu verteilenden sechs bis acht Arbeitsstunden
lägen. Die eklatante Abweichung der Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten von
derjenigen in den Vorakten sei nicht begründet. Der rheumatologische Gutachter habe
bestätigt, dass die verschiedenen klinischen Erhebungen von Dr. D._ weitgehend
bestätigt werden könnten. Bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten handle es
sich lediglich um eine andere Beurteilung desselben Sachverhalts gegenüber der
Schätzung von Dr. D._. Die Verschlechterung des Gesundheitszustands seit dem
Jahr 2012 sei eindeutig erstellt. Dennoch sei die Arbeitsfähigkeit nur unerheblich
tieferliegend eingeschätzt worden. Diese Einschätzung sei willkürlich und nicht
C.g.
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hinreichend nachvollziehbar. Als "Begründung" für die um 5% verringerte
Arbeitsfähigkeit seit dem Gutachten 2012 habe der rheumatologische Gutachter
wiederholt angeführt, der Versicherte habe angegeben, auch im privaten Haushalt
keine Arbeitsleistung mehr vollbringen zu können. Ohne eine weitere Begründung halte
der Gutachter diese Angabe offensichtlich für einen Beweis dafür, dass der Versicherte
nicht nur im privaten Haushalt, sondern auch auf dem ersten Arbeitsmarkt eine viel
höhere Arbeits- und Leistungsfähigkeit besitze, als er es sich selber zutraue bzw. als
Dr. D._ attestiere. Dabei handle es sich aber lediglich um eine Meinung des
Gutachters, nicht um eine fachlich begründete, überwiegend wahrscheinlich erstellte
Tatsache. Es scheine, als suchten die Gutachter nach Gründen, um die Arbeitsfähigkeit
in der bisherigen Grössenordnung festzusetzen. Diese Tendenz sei bei der ABI GmbH
bekannt. Dieses Institut gehöre zu den am strengsten beurteilenden MEDAS und
spreche nur bei etwa 22% aller Fälle eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 40% zu. Im
psychiatrischen Teilgutachten sei der Beurteilung fälschlicherweise zu Grunde gelegt
worden, dass die Symptomatik aus somatischer Sicht nicht objektiviert worden sei. Auf
die psychiatrische Beurteilung im Gutachten könne nicht abgestützt werden. Auch der
Verzicht auf eine neuropsychologische Zusatzdiagnostik vor dem Hintergrund der
schmerzbedingten Symptomatik (Müdigkeit, Konzentrationsdefizite etc.) sei vor dem
Hintergrund der Fehleinschätzung des Psychiaters betreffend die angebliche
Nichtobjektivierbarkeit der somatischen Symptomatik nicht gerechtfertigt. Die
Gutachter seien nicht auf das indikatorenorientierte Abklärungsverfahren gemäss BGE
141 V 281 eingegangen. Fraglich sei, ob tatsächlich eine Konsensbeurteilung
stattgefunden habe, stünden doch die Feststellungen des rheumatologischen
Gutachters in einem deutlichen Gegensatz zur Auffassung des psychiatrischen
Gutachters betreffend den somatischen Befund. Der Rechtsvertreter reichte Berichte
von Dr. F._ vom 21. Februar 2019 und von Dr. D._ vom 25. Februar 2019 ein.
Dr. F._ hatte mitgeteilt (IV-act. 231-25), der Versicherte leide an Gefühlsstörungen in
beiden Armen, vor allem nachts. Weiter berichte der Versicherte über diffuse
Rückenbeschwerden inkl. Hüfte und Beine bds. Die Schlussbeurteilung der Gutachter
sähen sie anders. Seit mehr als zehn Jahren habe der Versicherte wegen diverser
Beschwerden nicht gearbeitet. Der rheumatologische Gutachter habe die Befunde
nicht genug gewichtet. Die Abklärungen seien genügend erfolgt. Die
Gesamtbeurteilung könnten sie nicht nachvollziehen. Dr. D._ hatte berichtet (IV-
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/26
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St.Galler Gerichte
D.
act. 231-26), die rheumatologische Untersuchung und Beurteilung der Erkrankung sei
im Gutachten korrekt erfolgt. Nicht nachvollziehbar sei die Beurteilung der daraus
abgeleiteten Arbeitsfähigkeit von 75%. Die Bewertung stütze sich lediglich auf nicht
ausschlaggebende Faktoren wie Mithilfe im Haushalt und Selbstwahrnehmung der
Erkrankung. Eine Evaluation der körperlichen Leistungsfähigkeit (EFL) könnte zur
korrekten Beurteilung der Einschränkungen sinnvoll sein.
Der RAD-Arzt Dr. G._ hielt am 27. März 2019 fest (IV-act. 233), das Gutachten
sei versicherungsmedizinisch plausibel und nachvollziehbar. Weder das Schreiben von
Dr. F._ noch jenes von Dr. D._ enthielten objektiv feststellbare Gesichtspunkte, die
im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben und geeignet seien, zu einer
abweichenden Beurteilung zu führen. Auf das Gutachten könne weiterhin abgestellt
werden.
C.h.
Mit einer Verfügung vom 28. März 2019 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
ab (IV-act. 234). Zum Einwand gab sie die Stellungnahme des RAD vom Vortag wieder.
Im Weiteren führte sie aus, bezüglich des nicht angerechneten "Leidensabzugs" sei zu
erwähnen, dass in der 25%igen Arbeitsunfähigkeit der vermehrte Pausenbedarf bereits
berücksichtigt worden sei. Ungeachtet dessen hätte der Versicherte auch unter einer
Anrechnung eines 10%igen "Leidensabzugs" keinen Anspruch auf Rentenleistungen.
C.i.
Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) liess am 14. Mai 2019 eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 28. März 2019 erheben (act. G 1). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Zusprache einer ganzen Rente ab dem 1. August 2017; eventualiter sei ein
Gerichtsgutachten einzuholen. Zur Begründung machte er geltend, dem angefochtenen
Entscheid sei keine rechtsgenügliche Auseinandersetzung mit den Einwänden vom
15. März 2019 zu entnehmen. Dem Beschwerdeführer sei damit in grober Weise das
rechtliche Gehör verweigert worden. Damit liege ein Fall vor, wie er vom
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen schon öfter behandelt worden sei. Die IV-
Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) halte an ihrer Praxis fest, die Gewährung
des rechtlichen Gehörs in das Beschwerdeverfahren zu verschieben, was den
Beschwerdeführer zwinge, eine Beschwerde zu erheben. Die angefochtene Verfügung
D.a.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 15/26
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sei bereits aus formellen Gründen aufzuheben. In materieller Hinsicht bleibe nichts
anderes übrig, als die Einwände vom 15. März 2019 nochmals vorzubringen. Im
Folgenden wiederholte der Rechtsvertreter den Inhalt des Einwands vom 15. März
2019. Ergänzend reichte er einen Bericht von Dr. F._ vom 8. Mai 2019 sowie ein
Schreiben der SVA Schaffhausen vom 12. Dezember 2018 ein (act. G 1.4, 1.5).
Dr. F._ hatte angegeben, der Beschwerdeführer sei zur Rehabilitation in der Y._
gewesen. Danach sei es ihm besser gegangen, aber bald sei es zu einem Rückfall
gekommen. Am 9. Mai 2019 habe der Beschwerdeführer ein stark schmerzhaftes und
geschwollenes rechtes Knie gehabt. Dr. D._ habe das Knie punktiert. Seines
Erachtens sei der Beschwerdeführer nicht zu 75% arbeitsfähig. Die SVA Schaffhausen
hatte dem Rechtsvertreter eine Auswertung der Gutachten der ABI GmbH der Jahre
2016 bis 2018 zugesandt. Am 17. Mai 2019 reichte der Rechtsvertreter einen Bericht
von Dr. D._ vom 10. Mai 2019 ein (act. G 2, 2.1). Dr. D._ hatte mitgeteilt, sie habe
den Beschwerdeführer zuletzt am 9. Mai 2019 gesehen. Sie gab dieselben Diagnosen
wie im Bericht vom 30. Oktober 2018 (IV-act. 218) an. Sie hielt fest, aufgrund der
peripheren und axialen Spondylarthritis sei eine allgemeine Belastbarkeit des
Beschwerdeführers nur in einem geringen Ausmass vorhanden. Dies zeige sich aktuell
erneut im Auftreten eines massiven Kniegelenkergusses ohne Trauma bzw.
ungewohnter Tätigkeit mit Kniebelastung, der im Labor als eindeutig entzündlich
rheumatisch verursacht definiert worden sei. Bereits in den letzten Jahren sei es
mehrfach zu Synovitiden gekommen, welche eine schmerzhafte
Bewegungseinschränkung des betroffenen Gelenkes bedingt habe. Zusätzlich sei bei
einem stark unterbrochenen Nachtschlaf aufgrund der entzündlichen
Rückenbeschwerden eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit vorhanden. Da die
Spondylarthritis eine schubweise Erkrankung darstelle, sei eine einmalige Beurteilung
im Rahmen eines Gutachtens nicht adäquat zur Bestimmung der Arbeitsfähigkeit. Hier
sei eine höhere Gewichtung der externen Beurteilungen und Befunde der letzten Jahre
notwendig.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 9. August 2019 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers habe eine Verletzung der Begründungspflicht
als Teilgehalt des Gehörsanspruchs gerügt. Die Beschwerdegegnerin habe in der
D.b.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 16/26
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angefochtenen Verfügung kurz die Überlegungen, von welchen sie sich habe leiten
lassen und auf welche sie ihre Verfügung stütze, genannt. Die Begründungspflicht sei
nicht verletzt worden. In materieller Hinsicht machte die Beschwerdegegnerin geltend,
die Vorbringen des Rechtsvertreters gegen das Gutachten vom 14. Januar 2019
vermöchten dessen Beweiswert nicht in Frage zu stellen. Das Gutachten erfülle die
Anforderungen der Rechtsprechung an die Beweiskraft.
In einer Replik vom 5. September 2019 machte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers ergänzend geltend (act. G 7), bei der sehr kurzen Befundaufnahme
des psychiatrischen Gutachters sei keine vertiefte Exploration des Einflusses der
Krebserkrankung des Sohnes des Beschwerdeführers ab Mai 2018 erfolgt. Der
Beschwerdeführer habe angegeben, in der Nacht schlafe er (auch deshalb)
regelmässig schlecht. Der Gutachter sei weder darauf eingegangen noch habe er nach
näheren Angaben zu dieser anhaltenden reaktiven psychischen Symptomatik und den
Auswirkungen im Alltag und bezüglich Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit gefragt.
Der Sohn sei am 13. April 2019 seiner schweren Krankheit erlegen. Ferner falle in der
rheumatologischen Untersuchung der ABI GmbH auf, dass im Vergleich zum ersten
Gutachten keine Computertomographie beider Hände, sondern lediglich eine
Röntgenaufnahme vorgelegen habe. Demzufolge sei die Angabe unbegründet, wonach
in den Händen des Beschwerdeführers die bei der ersten Begutachtung erhobenen
Befunde nicht bestätigt vorgefunden worden seien. Die Angabe, der Beschwerdeführer
könne feinmanuell belastende Tätigkeiten ausführen, sei demzufolge ebenfalls
unbegründet. Handgelenksschmerzen mit Schwellungen seien beim Arbeitsversuch im
Jahr 2010 ein Hauptgrund für den Abbruch des Versuchs gewesen. Im ersten ABI-
Gutachten seien die vom Beschwerdeführer geschilderten Nachtschmerzen als typisch
für eine entzündliche Aktivität der Erkrankung bezeichnet worden. Auch bei der zweiten
Begutachtung habe der Beschwerdeführer mehrfach Nachtschmerzen angegeben. Die
im Zusammenhang damit ebenfalls mehrfach angegebene Tagesmüdigkeit wegen
eines schlechten Schlafs sei bei der Arbeits- und Leistungsfähigkeitsschätzung nicht in
Rechnung gestellt worden, sodass nicht von einer Arbeitsfähigkeit von 75%
ausgegangen werden könne. Zu erwähnen sei ferner, dass neuere Erhebungen
ergeben hätten, dass die ABI GmbH nur gerade in 12.3% der Gutachten eine
D.c.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/26
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Erwägungen
1.
Über das Eintreten auf die Neuanmeldung vom Februar 2015 hat das Versicherungs
gericht des Kantons St. Gallen bereits im Beschwerdeverfahren IV 2015/200
entschieden (IV-act. 183). Mit der angefochtenen Verfügung vom 28. März 2019 hat die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers bei einem
Invaliditätsgrad von 25% verneint. Strittig ist somit, ob der Beschwerdeführer einen
Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
2.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat eine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör respektive – als Teilgehalt des Anspruchs auf rechtliches Gehör – der
Begründungspflicht (Art. 49 Abs. 3 ATSG) gerügt. Er hat geltend gemacht, die
Beschwerdegegnerin sei in der angefochtenen Verfügung vom 28. März 2019
unzureichend auf die begründeten Einwände gegen den Vorbescheid vom 7. Februar
2019 eingegangen. Nach der konstanten Rechtsprechung muss eine Begründung
wenigstens kurz die Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten
lassen und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Dabei ist es nicht erforderlich, dass sie
sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne
Vorbringen widerlegt. Sie kann sich vielmehr auf die für den Entscheid wesentlichen
Punkte beschränken. Die Begründung muss also so abgefasst sein, dass sich die
betroffene Person über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft ablegen und die
Verfügung sachgerecht anfechten kann (BGE 136 I 236, E. 5.2; 133 I 277, E. 3.1). Die
Beschwerdegegnerin hat sich in der angefochtenen Verfügung tatsächlich nur kurz mit
den Einwänden zum Vorbescheid auseinandergesetzt. Sie hat den Einwand dem RAD
vorgelegt und in der angefochtenen Verfügung die RAD-Stellungnahme
wiedergegeben. Ausserdem hat sie sich zur Nichtanrechnung eines "Leidensabzugs"
geäussert. Zu den aus juristischer Sicht vorgebrachten Einwänden gegen das
Gutachten hat sich die Beschwerdegegnerin also nicht geäussert. Dennoch geht aus
der Verfügung klar hervor, dass die Beschwerdegegnerin das Gutachten der ABI
GmbH auch nach den vorgebrachten Einwänden des Rechtsvertreters des
Arbeitsunfähigkeit von mehr als 40% attestiere. Diesem Umstand sei bei der
Beurteilung des Beweiswerts des Verlaufsgutachtens Rechnung zu tragen.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 9).D.d.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/26
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Beschwerdeführers als beweistauglich qualifiziert und sich bei der Berechnung des
zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens auf die im Gutachten angegebene
Arbeitsfähigkeitsschätzung in adaptierten Tätigkeiten gestützt hat. Im Weiteren hat sie
einen Einkommensvergleich vorgenommen und angegeben, auf welcher Grundlage das
Validen- und das Invalideneinkommen basieren. Die sachgerechte Anfechtung der
Verfügung ist damit ohne weiteres möglich gewesen. Die Beschwerdegegnerin hat die
Begründungspflicht nicht verletzt.
3.
4.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.1.
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
3.2.
Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der
verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat dazu die
ABI GmbH mit der Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens beauftragt. Im
Gutachten vom 14. Januar 2019 haben die Gutachter eine 75%ige Arbeitsfähigkeit in
adaptierten Tätigkeiten attestiert. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob dem
4.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 19/26
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Gutachten voller Beweiswert zukommt, das heisst, ob es die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
belegt.
Zunächst ist zu prüfen, ob die Einwände des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers erhebliche Zweifel am Beweiswert des Gutachtens der ABI GmbH
vom 14. Januar 2019 wecken.
4.2.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat geltend gemacht, die ABI GmbH
gehöre zu den am strengsten beurteilenden MEDAS und spreche nur bei etwa 22%
(act. G 1) respektive 12.3% (act. G 7) der Gutachten eine Arbeitsunfähigkeit von mehr
als 40% zu. Bei der Beurteilung des Beweiswerts des Gutachtens sei diesem Umstand
Rechnung zu tragen. Für den Beweiswert eines Gutachtens ist nicht entscheidend, in
wie vielen Fällen ein Gutachtensinstitut eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 40%
attestiert, sondern ob das Gutachten für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und die
Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Bei
psychiatrischen Gutachten ist zudem notwendig, dass der Sachverständige die vom
Bundesgericht in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und
vergleichbare psychosomatische Leiden aufgestellten und später auf alle psychischen
Erkrankungen, insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen,
anwendbar erklärten Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143
V 409 und 143 V 418). Aus dem Vorbringen, dass die ABI GmbH nur in rund 22% bzw.
12.3% aller Fälle eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 40% attestieren solle, lassen
sich daher keine Rückschlüsse auf den Beweiswert des vorliegenden Gutachtens
ziehen. Mit diesen Prozentangaben kann auch nicht belegt werden, dass die ABI
GmbH tatsächlich strenger beurteilt als andere MEDAS, da bei der Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, die
in jedem Einzelfall individuell zu berücksichtigen sind. Aus statistischen Erhebungen ist
deshalb offensichtlich kein Rückschluss auf einen konkreten Einzelfall möglich.
4.2.1.
Der Rechtsvertreter hat gerügt, die Gutachter hätten die schmerzbedingt
vermehrte Müdigkeit, Durchschlafstörungen, fehlende Energie, Traurigkeit,
Konzentrationsstörungen und Nervosität nicht berücksichtigt, auch nicht im Sinne von
Wechselwirkungen zusammen mit den Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit. Dazu ist festzuhalten, dass diese Klagen rein subjektiver Natur und
4.2.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 20/26
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damit nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellbar sind.
Die Rüge vermag deshalb nicht zu überzeugen.
Der Rechtsvertreter hat weiter vorgebracht, die Arbeitsfähigkeitsschätzung der
Gutachter sei vage und die Abweichung der Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten
von derjenigen in den Vorakten sei nicht begründet. Obwohl sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers objektiv verschlechtert habe, sei die
Arbeitsfähigkeit nur unerheblich tiefer eingeschätzt worden. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten ist mit der Angabe einer 75%igen Arbeits-
und Leistungsfähigkeit präzis erfolgt. Entgegen der Darstellung des Rechtsvertreters
haben die Gutachter nicht angegeben, dem Beschwerdeführer sei eine adaptierte
Tätigkeit zu sechs bis acht Stunden pro Tag möglich. Sie haben vielmehr festgehalten,
ihm sei eine Präsenz an einem adaptierten Arbeitsplatz von sechs bis acht Stunden am
Tag möglich; idealerweise sollte die Arbeitszeit über den Tag verteilt werden, um
regelmässig Pausen zu gewähren. Sofern der Beschwerdeführer acht Stunden am Tag
an einem adaptierten Arbeitsplatz präsent ist, können die zusätzlichen Pausen also
über den Tag verteilt werden. Bei einer lediglich sechsstündigen Präsenz sind die
zusätzlichen Pausen zwangsläufig ausserhalb der regulären Arbeitszeiten
vorzunehmen. Auch wenn dies dem Beschwerdeführer einen gewissen Spielraum
eröffnet, wie er seine Arbeitszeit über den Tag verteilt, sind die Angaben im Gutachten
also präzis. Der rheumatologische Gutachter hat seine von Dr. D._ abweichende
Arbeitsfähigkeitsschätzung entgegen der Auffassung des Rechtsvertreters begründet.
Er hat nämlich eine qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit formuliert (vgl. das
Profil einer adaptierten Tätigkeit) und aufgrund des erhöhten Pausenbedarfs eine
25%ige und damit auch eine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert.
Er hat zudem festgehalten, dass Dr. D._, deren klinische Erhebungen er weitgehend
bestätigen könne, nicht kritisch diskutiert habe, weshalb es dem Beschwerdeführer
nicht möglich sein solle, auch nur einfachste, physisch nicht belastende
Alltagsaktivitäten im eigenen Haushalt zu absolvieren. Dr. D._ hat demgegenüber seit
Jahren eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert (am 8. Dezember 2014 explizit
auch für Verweistätigkeiten in leidensangepasster Umgebung, IV-act. 140) und dies mit
schmerzhaften Schwellungen bei einer peripheren Entzündung, einer
Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule, einem ausgeprägten Nachtschmerz und
einer Morgensteifigkeit sowie einer Belastungsinsuffizienz begründet (IV-act. 190, vgl.
auch IV-act. 218). Eine Begründung dafür, dass die gesundheitlichen
Beeinträchtigungen so stark gewesen sein sollen, dass jegliche Verweistätigkeiten
nicht mehr zumutbar gewesen sein sollen, fehlt jedoch. Dies lässt vermuten, dass
4.2.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 21/26
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Dr. D._ bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung die Klagen des Beschwerdeführers zu
stark gewichtet hat, was aufgrund des ihr obliegenden Therapieauftrags
nachvollziehbar ist. Für eine überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung ist jedoch eine
objektive Betrachtungsweise notwendig. Auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung von
Dr. D._ kann deshalb nicht abgestellt werden; ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung ist
deshalb auch nicht geeignet, Zweifel an der Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter
zu wecken. Dasselbe gilt in Bezug auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung des Hausarztes
Dr. F._. Der Umstand, dass die Gutachter im Vergleich zum ABI-Gutachten aus dem
Jahr 2012 in adaptierten Tätigkeiten eine um lediglich 5% verringerte Arbeitsfähigkeit
attestiert haben, obwohl sich der Gesundheitszustand aus rheumatologischer Sicht
verschlechtert hat, liegt darin begründet, dass der rheumatologische Gutachter dieser
Verschlechterung mit dem Profil einer adaptierten Tätigkeit massgeblich Rechnung
getragen hat. Im Vergleich zum Gutachten aus dem Jahr 2012 hat der
rheumatologische Gutachter nämlich ein "restriktiveres" Tätigkeitsprofil formuliert. Ent
gegen der Auffassung des Rechtsvertreters hat der rheumatologische Gutachter die
um 5% verringerte Arbeitsfähigkeit also nicht damit begründet, dass der
Beschwerdeführer angegeben habe, im Haushalt keine Leistung mehr erbringen zu
können. Letzteres ist vielmehr in Bezug auf die Konsistenz relevant und spricht gegen
die von den behandelnden Ärzten postulierte vollständige Arbeitsunfähigkeit.
In Bezug auf die rheumatologische Untersuchung hat der Rechtsvertreter
ausserdem geltend gemacht, auffallend sei, dass im Vergleich zum ersten Gutachten
keine Computertomographie beider Hände, sondern lediglich eine Röntgenaufnahme
vorgelegen habe. Demzufolge sei die Angabe unbegründet, wonach in den Händen des
Beschwerdeführers die bei der ersten Begutachtung erhobenen Befunde nicht
bestätigt vorgefunden worden seien. Die Angabe, der Beschwerdeführer könne
feinmanuell belastende Tätigkeiten ausführen, sei demzufolge ebenfalls unbegründet.
Ob eine Computertomographie oder ein Röntgenbild anzufertigen ist, liegt in der
Beurteilung des Sachverständigen. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, wenn nach
der Ansicht des rheumatologischen Gutachters eine Beurteilung der Einschränkungen
an den Händen aufgrund eines Röntgenbildes ausreichend gewesen ist. Im Weiteren ist
zu berücksichtigen, dass der rheumatologische Gutachter angegeben hat, für die
intermittierenden Handgelenks- und Fingergelenksbeschwerden bestehe durchaus ein
entzündliches Korrelat im Sinne einer peripheren Gelenkbeteiligung im Rahmen der
Spondylarthritis (IV-act. 223-46 oben). Im Röntgenbild sind jedoch keine Hinweise auf
Spätfolgen im Sinne von eindeutigen Erosionen im Bereich des Handskeletts ersichtlich
gewesen (IV-act. 223-46 Mitte). Der rheumatologische Gutachter hat diesen
4.2.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 22/26
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Beeinträchtigungen Rechnung getragen, indem er feinmanuell belastende Tätigkeiten
in Schulterneutralstellung an einem ergonomisch gut eingestellten Arbeitsplatz für
zumutbar erachtet hat. Es ist davon auszugehen, dass bei Einhalten dieser
Adaptionskriterien keine Schwellungen und Schmerzen an den Handgelenken und an
den Fingern auftreten werden. Bei den Tätigkeiten im Rahmen des Arbeitsversuchs im
Jahr 2010 hat es sich nicht um adaptierte Tätigkeiten gehandelt (vgl. IV-act. 97-3),
weshalb daraus nichts zu Gunsten des Beschwerdeführers abgeleitet werden kann.
Der Rechtsvertreter hat weiter vorgebracht, die mehrfach angegebene Tagesmüdigkeit
wegen eines schlechten Schlafs sei bei der Arbeits- und Leistungsfähigkeitsschätzung
nicht in Rechnung gestellt worden, weshalb nicht von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit
ausgegangen werden könne. Bei den Befragungen zum Tagesablauf hat der
Beschwerdeführer einzig in der neurologischen Untersuchung angegeben, sich
tagsüber hinzulegen. Den Grund dafür hat er jedoch nicht genannt. Damit ist nicht
belegt, dass er an einer Tagesmüdigkeit leidet, die so stark wäre, dass seine
Arbeitsfähigkeit stärker beeinträchtigt wäre als die im Gutachten attestierten 25%.
Im Weiteren hat der Rechtsvertreter geltend gemacht, auf die psychiatrische
Beurteilung im Gutachten könne nicht abgestützt werden. Entgegen seiner Darstellung
hat der psychiatrische Gutachter jedoch nicht festgehalten, die Symptomatik sei aus
somatischer Sicht nicht objektiviert worden. Vielmehr hat der psychiatrische Gutachter
im Zusammenhang mit der Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren angegeben, der Beschwerdeführer fühle sich
nicht mehr arbeitsfähig, auch nicht in einer angepassten Tätigkeit. Aus somatischer
(rheumatologischer) Sicht seien angepasste Tätigkeiten aber nicht gänzlich
ausgeschlossen. Insofern (also soweit) die Symptomatik aus somatischer Sicht nicht
objektiviert werden könne, müsse von einer psychischen Überlagerung ausgegangen
werden, die nicht nur auf eine Somatisierung im Rahmen der Depression zurückgeführt
werden könne. Von einer Fehleinschätzung des psychiatrischen Gutachters kann damit
keine Rede sein. Ob eine neuropsychologische Zusatzdiagnostik durchzuführen ist,
liegt im Ermessen des psychiatrischen Sachverständigen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 13. August 2020, 9C_255/2020, E. 3.2). Dieser hat lediglich leichte
Konzentrationsstörungen festgestellt (IV-act. 223-52) und festgehalten, das Fahren von
kurzen Strecken mit dem Auto spreche gegen deutliche Konzentrationsstörungen (IV-
act. 223-54). Die Aufmerksamkeit, die Auffassung und das Gedächtnis sind intakt
gewesen (IV-act. 223-52). Auch der neurologische Gutachter hat keine mnestischen
Defizite feststellen können (IV-act. 223-59). Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass
keine neuropsychologische Zusatzuntersuchung durchgeführt worden ist. Schliesslich
4.2.5.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 23/26
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hat der psychiatrische Gutachter die Angabe des Beschwerdeführers, dass sein in
Deutschland lebender Sohn an Krebs erkrankt sei und eine Chemotherapie
durchführen müsse, weshalb er (der Beschwerdeführer) auch deshalb regelmässig
schlecht schlafe, zur Kenntnis genommen. Er hat aber keine objektiven Befunde
erheben können, die zu einer anderen, schwerwiegenderen Diagnose hätten führen
können. Der Sohn des Beschwerdeführers ist am 13. April 2019 seiner Krankheit
erlegen (act. G 7.1). Selbst wenn dies zu einer Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustands des Beschwerdeführers geführt haben sollte, wäre diese
überwiegend wahrscheinlich aber erst nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung
vom 28. März 2019 eingetreten. Anhaltspunkte dafür, dass die Beurteilung des
psychiatrischen Sachverständigen im Verfügungszeitpunkt nicht mehr zutreffend
gewesen wäre, bestehen nicht.
Was der Rechtsvertreter im Zusammenhang mit der rheumatologischen
Begutachtung zu einer Nichtbeachtung des strukturierten Beweisverfahren vorgebracht
hat, ist nicht stichhaltig. Das strukturierte Beweisverfahren ist nämlich bei
psychiatrischen Begutachtungen anzuwenden und dient dazu, anhand der Indikatoren
eine nachvollziehbare, begründete Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vorzunehmen (vgl.
BGE 141 V 281; 143 V 409 und 143 V 418). Der rheumatologische Gutachter hat seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung begründet, indem er aufgrund der objektivierbaren Befunde
eine qualitative und quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert hat. Der
psychiatrische Gutachter hat sich zu den Standardindikatoren, insbesondere zur
Konsistenz und zu den Ressourcen, geäussert. Er ist nachvollziehbar zum Resultat
gelangt, dass die Diagnosen einer leichten depressiven Episode und einer chronischen
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren die Arbeitsfähigkeit nicht
beeinträchtigen.
4.2.6.
Die vom Rechtsvertreter eingereichten Berichte von Dr. F._ vom 21. Februar
2019 und von Dr. D._ vom 25. Februar 2019 vermögen keine Zweifel am Beweiswert
des Gutachtens zu wecken. Diese enthalten nämlich keine objektiven Befunde, die im
Gutachten vom 14. Januar 2019 nicht bereits berücksichtigt worden wären. Die
Berichte von Dr. F._ vom 8. Mai 2019 und von Dr. D._ vom 10. Mai 2019 und die
darin angegebene Schwellung und Punktion des rechten Knies am 9. Mai 2019
beziehen sich auf die Zeit nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung vom 28. März
2019 und enthalten keine Anhaltspunkte für eine mögliche Verschlechterung des
Gesundheitszustands vor dem 28. März 2019. Möglichen Kniegelenksbeschwerden
wurden im Profil einer adaptierten Tätigkeit zudem ausreichend Rechnung getragen.
Bei den Äusserungen von Dr. F._, er könne die Gesamtbeurteilung der Gutachter
4.2.7.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 24/26
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nicht nachvollziehen und der Beschwerdeführer sei seines Erachtens nicht zu 75%
arbeitsfähig, handelt es sich nur um eine andere Beurteilung desselben Sachverhalts.
Diese ist nicht geeignet, Zweifel an der Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter zu
wecken. Dasselbe gilt in Bezug auf die Äusserung von Dr. D._ im Bericht vom
25. Februar 2019, wonach die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit von 75% nicht
nachvollziehbar sei. In diesem Zusammenhang ist nämlich der Erfahrungstatsache
Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen
Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten auszusagen pflegen und
dazu neigen, die pessimistischen Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten als objektiv
ausgewiesen zu qualifizieren (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b.cc; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I 814/03 E. 2.4.2). Dr. D._ hat im Bericht
vom 25. Februar 2019 vorgeschlagen, eine EFL durchzuführen. Dazu ist festzuhalten,
dass in Fällen wie dem vorliegenden, in denen die Selbsteinschätzung einer
versicherten Person von den objektivierbaren medizinischen Befunden abweicht, eine
EFL kaum je objektive Erkenntnisse bezüglich der Arbeitsfähigkeit einer versicherten
Person liefert, weil eine EFL in solchen Fällen erfahrungsgemäss meist dazu benutzt
wird, die massiv empfundenen Einschränkungen zu demonstrieren. Die
Beschwerdegegnerin hat daher zu Recht keine EFL angeordnet. Dr. D._ hat am
10. Mai 2019 ausserdem festgehalten, die Spondylarthritis sei eine schubweise
Erkrankung, weshalb eine einmalige Beurteilung im Rahmen eines Gutachtens nicht
adäquat zur Bestimmung der Arbeitsfähigkeit sei. Hier sei eine höhere Gewichtung der
externen Beurteilungen und Befunde der letzten Jahre notwendig. Die Gutachter haben
umfassende Kenntnis von den Vorakten gehabt und diese sorgfältig gewürdigt.
Anhaltspunkte für eine längerdauernde, höhergradige als die attestierte 25%ige
Arbeitsunfähigkeit haben seit der Neuanmeldung im Februar 2015 nicht bestanden (vgl.
die retrospektive Arbeitsfähigkeitsschätzung, IV-act. 223-12). Selbst wenn
intermittierend stärkere Beschwerden aufgetreten sein sollten, haben diese also keine
längerdauernde, höhere Arbeitsunfähigkeit bewirkt.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorbringen des Rechtsvertreters
und die nach dem Gutachten erstellten Berichte von Dres. D._ und F._ keine
Zweifel am Beweiswert des Gutachtens vom 14. Januar 2019 wecken. Alle Gutachter
haben den Beschwerdeführer eingehend persönlich untersucht, die subjektiven Klagen
aufgenommen und die objektiven Befunde im Gutachten wiedergegeben. Gestützt
darauf haben sie die Diagnosen gestellt und sie haben die Arbeitsfähigkeitsschätzung
anhand der Schwere der erhobenen Befunde und Symptome im Rahmen einer
Konsensbeurteilung überzeugend begründet. Sie haben auch die von den
4.2.8.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 25/26
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5.
Es bleibt die Überprüfung des Einkommensvergleichs.
behandelnden Ärzten abweichende Beurteilung begründet. Das Gutachten weist keine
Widersprüche auf. Es ist somit beweiskräftig. Damit ist mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt
des Erlasses der angefochtenen Verfügung in adaptierten Tätigkeiten zu 75%
arbeitsfähig gewesen ist und dass seit der Neuanmeldung im Februar 2015 keine
höhergradige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen hat.
Der Beschwerdeführer hat keinen Beruf erlernt und bis in das Jahr 2008 bei
verschiedenen Arbeitgebern Hilfsarbeitertätigkeiten ausgeübt. Die Anstellungen sind
jeweils von kurzer Dauer gewesen (vgl. den IK-Auszug, IV-act. 144, sowie die Angaben
im Gutachten, IV-act. 223-9). Seither ist er keiner Erwerbstätigkeit auf dem ersten
Arbeitsmarkt mehr nachgegangen. Anhaltspunkte dafür, dass er im fiktiven
"Gesundheitsfall" in einer bestimmten Branche als Hilfsarbeiter erwerbstätig gewesen
wäre, bestehen nicht. Die Validenkarriere besteht deshalb in einer durchschnittlich
entlöhnten Tätigkeit als Hilfsarbeiter.
5.1.
Aufgrund der fehlenden Berufsausbildung besteht die Invalidenkarriere ebenfalls in
einer Tätigkeit als durchschnittlich entlöhnter Hilfsarbeiter. Da die Validen- und die
Invalidenkarriere in einer Tätigkeit als durchschnittlich entlöhnter Hilfsarbeiter bestehen,
kann der Betrag der Vergleichseinkommen bei der Berechnung des Invaliditätsgrades
mathematisch keine Rolle spielen; der Invaliditätsgrad ist anhand eines sogenannten
Prozentvergleichs zu berechnen. Er entspricht also dem Arbeitsunfähigkeitsgrad,
korrigiert um einen allfälligen zusätzlichen Abzug. Der Arbeitsfähigkeitsgrad beträgt
vorliegend an einem adaptierten Arbeitsplatz mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit 75%. Nun stellt sich die Frage, ob der Beschwerdeführer
zusätzliche Lohnnachteile in Kauf zu nehmen hat. Bei Personen, die in ihrer
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sind, können im Vergleich zu gesunden Arbeitnehmern
nämlich Lohnnachteile entstehen, da der Wert der Arbeitsleistung aus der Sicht eines
betriebswirtschaftlich-ökonomisch handelnden Arbeitgebers vermindert ist. Eine
gesundheitlich beeinträchtigte Person wäre nämlich unfähig, sich vorübergehend an
einem nicht adaptierten Arbeitsplatz einsetzen zu lassen. Sie wäre in der Regel auch
nicht in der Lage, Überstunden zu leisten. Längerfristig betrachtet bestünde zudem das
Risiko von vermehrten krankheitsbedingten Absenzen. Geht man von einem
ökonomischen Invaliditätsbegriff aus bzw. will man einen Soziallohnanteil ausscheiden,
ist wegen diesen Nachteilen, die betriebswirtschaftlich zu einem Minderlohn zwingen
5.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 26/26
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6.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Sie ist durch den von diesem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.-- gedeckt. Bei
diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung.