Decision ID: 3c258c63-c131-4029-b857-76760012f447
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1961 geborene
, seit Oktober 2002 als Sachbearbeiterin bei der
Y._
angestellte
X._
gelangte am
11. Januar 2016
durch ihre Arbeitgeberin
im Sinne einer Früherfassung an die Invalidenversicherung
(Urk. 7/1)
. Nach einem durchgeführten Standortgespräch (Urk. 7/7) meldete sich
die Versicherte
am 1. Februar 2016 (Eingangsdatum) unter Hinweis
auf
Depres
sionen zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 7/10). In der Folge
zog die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
,
die Akten des Krankentaggeldversicherers bei (Urk. 7/16),
tätigte medizinische (Urk. 7/19 f.
, 7/33, 7/36-37, 7/39
)
sowie
beruflich-
erwerbliche Abklärungen (Urk.
7/15,
7/26) und gab bei der
Z._
ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag (Expertise vom 20. April 2017, Urk. 7/
52-53
).
Mit Vorbescheid vom
31. Mai 2017
stellte die IV-Stelle
X._
die
Zusprache
eine
r
Vier
telsr
ente
ab 1. August 2016
in Aussicht (Urk. 7/60
). Gleichzeitig auferlegte sie ihr im Sinne einer Schadenminderungspflicht die Pflicht zur Weiterführung der
bis
herigen
psychiatrischen Behandlung sowie einer
störungsspezifischen psychoso
matischen Behandlung der chronischen Schmerzstörung (Urk. 7/57
).
Nachdem die behandelnde Psychiaterin am 8. November 2017 (Urk. 7/78
, vgl. auch Urk. 7/75
und 7/88
) eine Verschlechterung des Gesundheitszustands von
X._
geltend
gemacht hatte
,
gab die IV-St
elle bei der psychiatrischen Klinik A._
ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag
(
Expertise vom 16. Januar 2019, Urk. 7/106
)
. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 22. November 2019, Urk. 7/121; Einwand vom 5. Dezember 2019, Urk. 7/123)
verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 17. Januar 2020
mangels eines IV-relevanten Gesundheitsschadens einen Rentenanspruch
der Versicherten
(Urk. 2).
2.
Dagegen liess
X._
mit Eingabe vom 17. Februar 2020 (Urk. 1) Beschwerde erheben und beantragen, unter Aufhebung der angefochtenen Ver
fügung
vom 17. Januar 2020
sei die
Beschwerdegegnerin
zu verpflichten, ihr die gesetzlichen Leistungen zu gewähren
. I
nsbesondere
sei ihr
ab 1. August 2016 eine
Viertelsrente
und ab 1. September 2017 eine ganze Rente zuzusprechen.
Even
tualiter sei die Sache für weitere medizinische Abklärungen
an die Beschwerde
gegnerin
zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragte die Beschwerde
führerin die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels und
ersuchte
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Mit Beschwerdeantwort vom 2. April 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 14. April 2020 (Urk. 8) zur Kenntnis gebracht wurde. Zugleich erachtete das Gericht die Anordnung eines
zweiten Schriftenwechsels nicht als erforderlich. Mit Eingabe vom 29. Juni 2020 (Urk. 9) reichte die Beschwerdeführerin
eine Stellungnahme der behandelnden Psychiaterin zu den von der Beschwerdegegnerin veranlassten Gutachten
(Urk. 10) ins Recht, worüber
letztere
mit Mitteilung vom 8. Juli 2020 (Urk. 11) informiert wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesge
setzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG). Erwerbs
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psy
chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V
396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer In
validität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht er
ledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge
ben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom
17
. Januar 2020 (Urk. 2), nach der Begutachtung im März 2017 habe aufgrund einer Verän
derung des Gesundheitszustands im Juli 2017 kein definitiver Entscheid gefällt werden können
;
es sei
ein zweites Gutachten bei der
A._
in Auf
trag gegeben worden
. Die von den Gutachtern
der
A._
festgestellten Diagnosen würden keine IV-relevante Einschränkung be
gründen
und es hätten aus objektiver Sicht keine Befunde mit derart starken Ausprägungen festgestellt werden können, so dass die
Beschwerdeführerin aus körperlicher, psychischer oder kognitiver Sicht erheblich eingeschränkt wäre. Die Möglichkeiten zu
r
weiteren Behandlung seien nicht aus
geschöpft und
bei
Intensivierung der Therapie sei langandauernd mit einer Bes
serung zu rechnen. Damit bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde
zunächst
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend, da
ihr
die Beschwerdegegnerin
die
an die Gutachter der
A._
gestellten Rückfragen vorgängig
nicht
habe
zukommen
lassen
(Urk. 1 S. 12)
.
Überhaupt könne auf das
Gutachten der
A._
aus mehreren Gründen nicht abgestellt werden
(Urk. 1 S. 12-15)
: So hätten sich die Gutachter nicht dazu geäussert, inwiefern sich der Gesundheitszustand seit der letzten Be
gutachtung durch die
Z._
verändert haben soll und
sie
hätten au
ch nicht begründet, weshalb
von gänzlich anderen Diagnosen
auszugehen sei
.
Eine Auseinandersetzung mit den im Gutachten der
Z._
gestellten Diagno
sen fehle gänzlich. Auch der
regionale ärztliche Dienst (
RAD
) der Beschwerde
gegnerin
sei der Ansicht gewesen, dass aus medizinischer Sicht unklar sei, ob auf das Gutachten der
A._
abgestellt werden könne.
Obwohl
das
A._
-Gutachten weder schlüssig noch nachvollziehbar sei, habe die Beschwerdegegnerin
unzu
lässigerweise
eine Parallelprüfung
der Standardindikatoren
vorgenommen
. Es sei ausgewiesen, dass sie aufgrund ihrer psychiatrischen Beeinträchtigungen in der bisherigen wie auch in einer angepassten Tätigkeit vollumfänglich arbeitsunfähig sei
(Urk. 1 S. 15)
.
Falls das Gericht zum Schluss kommen sollte, das Verlaufsgut
achten genüge den praxisgemässen Beweisanforderungen, sei hinsichtlich
der Standardindikatoren
festzuhalten
,
dass
nicht von
einem Ausschlussgrund im Sinne
einer Aggravation auszugehen
sei
, habe doch der psychiatrische Gutachter der
A._
dies als Ausdruck der Akzentuierung von Persönlichkeitszügen ge
wertet. In der Bewältigung ihres Alltages und im sozialen Kontakt sei sie
sodann
erheb
lich eingeschränkt. Seit April 2015 sei
sie
durchgehend und in regelmässiger psy
chiatrischer Behandlung und trotzdem habe sich der Gesundheitszustand in solchem Masse verschlechtert, dass 2017 eine stationäre Behandlung notwendig geworden sei. Angesichts dieser Umstände sei von einer Behandlungsresistenz auszugehen (Urk. 1 S.
15-17
).
Im Übrigen
würden auch neurologische und rheu
matologische Beschwerden vorliegen, welche
in jeder Tätigkeit
eine Arbeitsunf
ä
higkeit von 20 %
begründeten
. Insgesamt seien keine Inkonsistenzen auszu
machen
,
liege
doch
eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichba
ren Lebensbereichen vor.
Schliesslich sei auch ein behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck zu bejahen.
Damit
liege ein invalidisierender Gesundheitszustand vor
, weshalb
ausgehend von an
hand der gemischten Methode ermittelten
Invaliditätsgrad
en
von 41 % und min
destens 80 %
ab August 2016 Anspruch auf eine
Viertelsrente
und ab September 2017 auf eine ganze Rente
bestehe (Urk. 1 S. 18 f.).
3.
3.1
Vorerst ist zu prüfen, ob im Verwaltungsverfahren dem Anspruch der Beschwer
deführerin auf rechtliches Gehör hinreichend nachgekommen wurde.
3.2
Gemäss Art. 29 Abs. 2
der Bundesverfassung
(
BV
)
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung ein
greifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu wer
den und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Ent
scheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
3.3
Mit BGE 137 V 210 wurden die Partizipationsrechte der Versicherten im Rahmen der Anordnung von medizinischen Gutachten gestärkt, indem ihnen neu ein An
spruch
eingeräumt worden
ist, sich vorgängig zu den Gutachterfragen zu äussern. Mithin haben die IV-Stellen der versicherten Person zusammen mit der verfü
gungsmässigen Anordnung der Begutachtung den vorgesehenen Katalog der Expertenfragen zur Stellungnahme zu unterbreiten. Gleichzeitig ist ihnen das rechtliche Gehör zu gewähren und Gelegenheit zu geben, Zusatzfragen zu stellen. Führt die damit eröffnete Mitwirkungsmöglichkeit der betroffenen Person zu einer einzelfalladäquaten Fragestellung, so trägt dies zur gutachtlichen Qualität wesentlich bei (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9 S. 258 ff.; BGE 141 V 330 S. 335 E. 3.2).
3.4
Diesen Vorgaben ist die Beschwerdegegnerin nachgekommen:
Mit Schreiben vom 7. März 2018 zeigte
sie
der Beschwerdeführerin die Notwendigkeit einer medizi
nischen Verlaufs-Abklärung an und liess ihr die von
ihr
formulierten Fragen mit dem Hinweis, Zusatzfragen seien ihr bis zum 21. März 2018
einzureichen, zu
kommen (Urk. 7
/90). In der Folge äusserte die Beschwerdeführerin einzig den Wunsch, von einer weiblichen Gutachtensperson untersucht zu werden, ohne in
dessen
Zusatzfragen zu formulieren oder zu den Fragen der Beschwerdegegnerin Stellung zu nehmen
(Urk. 7
/91)
.
Von dem hier
auf erstatte
te
n Gutachten (Urk.
7
/106) sowie der bezüglich Rückfragen durch die Beschwerdegegnerin
erfolgten Stellungnahme der Guta
chter (Urk. 7
/109) erlangte die Beschwerdefüh
rerin im Rahmen der Akteneinsicht Kenntnis
(Urk.
7
/110, 118). Sie unterliess es indessen, sich im
Einwandverfahren
gegen den Vorbescheid vom 22.
November 2019
zur
Expertise
oder der Stellungnahme der Gutachter
zu äussern; sie mo
nierte einzig, sie sei gestützt auf die Einschätzung der behandelnden Psychiaterin weiterhin vollständig arbeitsunfähig
, weshalb sie mit dem - ablehnenden - Ent
scheid der Beschwerdegegnerin nicht einverstanden sei
(Urk. 7
/123).
Mithin erhellt, dass es der Beschwerdeführerin
nicht verwehrt war
, mit der For
mulierung von Beweisanträgen an der Abklärung des massgeblichen Sachver
halts mitzuwirken und sich zum Beweisergebnis (Gutachten sowie Stellung
nahme) zu äussern. Nachdem
sie aber
auf die Ausübung ihrer Mitwirkungsrechte verzichtete, geht
ihr
im vorliegenden Beschwerdeverfahren erhobene
r
Vorwurf einer Gehörsverletzung fehl.
4.
4.1
Am 20. April 2017 (Urk. 7/53) erstatteten die Fachärztinnen und Fachärzte der
Z._
ihr polydisziplinäres Gutachten
, welches
unter Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer
rheumatologischen,
psychiatrischen,
einer allgemeinmedizinischen und einer n
eurologischen
Unter
suchung erging. Die
konsensuale
Beurteilung
führte zu
folgende
n
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/53/43):
-
chronisches lumbal betontes panvertebrales Schmerzsyndrom mit
cer
vico
- und
lumbospondylogener
Komponente
-
Status nach lumbaler
Radikulopathie
, am ehesten L5/S1 rechts
-
a
ktenanamnestisch
Dekompression einer Diskushernie 1992
-
residuelle
diskrete Fussheber-/
Zehenheberparese
/
Eversionsschwäche
und abgeschwächter ASR, Hypästhesie/
Hypalgesie
betont
Dermatom
L5/S1 rechts
-
fortgeschrittene
Osteochondrose
L5/S1
-
mässige
Osteochondrose
der mittleren/distalen BWS
-
geringgradige
ventrale Höhenminderung BWK, minimal angedeutet BWK8 und 9 bei anamnestisch Status nach Kompressionsfraktur
-
Osteochondrose
C5/6 beidseits > C4/5 rechtsbetont
-
(Akten-)anamnestisch
zervikokraniales
Beschleunigungstrauma 2009
-
P
eriarthropathia
humeroscapularis
vom
SSp
-Typ rechts mit
subacromia
lem
Impingement
-
Tendinopathia
calcarea
(
SSp
-Sehne) rechts
-
Akromiontyp
III nach
Bigliani
-
mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F32.10)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.40)
Als Nebendiagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
nann
ten
die Gutachter eine etablierte Osteoporose
(
ED 09/2016
)
, eine Psoriasis
pustu
losa
plantaris
(ED ca. 2006), Kopfschmerzen, leichtes Untergewicht ohne Kache
xie, eine leichte
Dyslipidämie
und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (ängstlich vermeidend
e
,
histrionische
,
anankastische
und sensitive Anteile, ICD-10: F61.0) (Urk. 7/53/43).
Zur Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, aus polydisziplinärer Sicht be
trage die Arbeitsfähigkeit in der angestammten und aktuell ausgeführten beruf
lichen Täti
gkeit als Sachbearbeiterin 50 %
bezogen auf ein vollschichtiges Arbeitspensum.
Davon sei spätestens ab dem Zeitpunkt des polydisziplinären Gutachtens auszugehen. In einer körperlich leichten bis gelegentlich mittelschwe
ren, mit Vorteil wechselbelastenden beruflichen Tätigkeit ohne Heben/Tragen schwerer Lasten, ohne Wirbelsäulenzwangshaltungen, ohne repetitive Wirbelsäu
lenflexionen/-extensionen/-torsionen, ohne Arbeiten mit der rechten oberen Ext
remität über Kopfhöhe, ohne Hebetätigkeiten bei gleichzeitigem Besteigen von Treppen oder Leitern, des Weiteren ohne stressbelastete Arbeiten wie zum Beispiel Aufgaben unter Zeit- und Leistungsdruck mit komplexen Anforderungen an Auf
merksamkeit und Auffassung
sei
aus polydisziplinärer Sicht ebenfalls von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Im Übrigen sei die aktuell von der Be
schwerdeführerin ausgeübte Tätigkeit aus polydisziplinärer Sicht als adaptiert einzustufen (Urk. 7/53/47).
4.2
Mit Bericht vom 25. Januar 2018 machte die behandelnd
e Psychiaterin, Dr. med. B._
,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurolo
gie,
eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands der Beschwer
deführerin geltend (Urk. 7/88
/2
) und diagnostizierte eine rezidivierende depres
sive Störung, gegenwärtig schwer (ICD-10: F33.2), eine
schizotype
Störung, differentialdiagnostisch
schizotype
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.1) und eine Panikstörung (ICD-10: F41.0).
Sie führte aus, ab
Mai 2017 habe die depres
sive Symptomatik zugenommen in Form von Schlafstörungen, ausgeprägten Konzentrationsstörungen und Merkfähigkeitsstörungen. Zunehmen
d
habe sich auch eine Lebensmüdigkeit mit zunehmend drängenden Suizidgedanken abge
zeichnet und es sei ein vom 14. Juli bis 2. August 2017 dauernder stationärer Aufenthalt notwendig gewesen
(vgl. dazu im Einzelnen Urk. 7/88/8-9)
.
Danach sei es zu einer leichten Stabilisierung gekommen, insbesondere was die Suizida
lität anbelange. Per 1. September 2017 hätte die Beschwerdeführerin ihre
Arbeit
wieder
aufnehmen
sollen, sei
jedoch
gleichentags
von ihrem Vorgesetzten auf
grund eines Panikanfalls wieder nach Hause geschickt
worden
und seither zu 100
% krankgeschrieben.
4.3
Am 16. Januar 2019 erstattete die
A._
ihr
fachpsychiatrisches Gutachten (Urk. 7/106)
. Die Gutachter der
A._
diagnostizierten
(Urk. 7/106/40)
eine Akzen
tuierung von Persönlichkeitszügen (
histrionische
, ängstlich vermeidende und schizoide Anteile; ICD-10: Z73) und eine leichte depressive Episode (ICD-10: F32.0).
Die Gutachter führten zu den
histrionischen
Anteile
n
aus, die Beschwerdeführerin habe sich während der Untersuchung wiederholt in leichtem Grade affektlabil (Weinen während des Gesprächs), dramatisierend (Betonung der körperlichen und psychischen Beschwerden, die objektiv nicht in diesem Masse nachvollziehbar erschienen seien)
, theatralisch mit übertriebenem
Ausdruck von Gefühlen
(demonstrativ abwesend mit der B
itte einzelne Fragen zu wiederholen
;
Weinen
,
um der Beschreibung negativer
Gefühle Nachdruck zu verleihen)
gezeigt
.
Was die ängstlich vermeidenden Anteile anbelange, habe die Beschwerdeführerin Gefühle von Anspannung und Besorgtheit (bezüglich vergangene
n
und zukünftige
n
Arbeitsversuche
n
, soziale
n
und partnerschaftliche
n
Kontakte
n
) beschrieben und es habe sich eine Überbetonung potentieller
Gefahren
oder Risiken alltäglicher Situationen bis zur Vermeidung bestimmter Aktivitäten gezeigt. So habe die Be
schwerdeführerin von Ängsten
,
während Spaziergängen mit ihrer Hündin von fremden Personen beschimpft zu werden, bei Einkäufen in Erschöpfung zu gera
ten und bei der Arbeit zu versagen beziehungsweise das verlangte Pensum nicht erreichen zu können, erzählt
(Urk. 7/106/40)
. Die schizoiden Anteile
würden
sich klinisch damit abbilden
lassen
, dass die Beschwerdeführerin ein durchgehend reduziertes Bedürfnis nach affektiven, sozialen und anderen Kontakten mit über
mässiger Vorliebe für Phantasie
n
(soziale und insbesondere partnerschaftliche Kontakte seien als unangenehm beschrieben und von ihr nur in begrenztem Aus
mass gepflegt, gleichzeitig sei die Wahrnehmung von «Geistwesen» als berei
chernd und wenig störend beschrieben worden)
sowie einzelgängerisches Verhal
ten gezeigt habe. Bei den regelmässigen Spaziergängen mit der Hündin vermeide die Beschwerdeführerin längere soziale Kontakte, sie habe nur wenige
und
dis
tanzierte Freundschaften und empfange bis auf ihren Sohn keine Besuche zu
hause.
In diesem Zusammenhang stelle sich auch die Frage, ob die Beschwerde
führerin ein begrenztes Vermögen habe, Freude zu erleben
(Urk. 7/106/41)
.
Zur leichtgradigen depressiven Episode erklärten die Gutachter, in der psycholo
gischen Testung vom 14. September 2018 habe sich ein
aggravierendes
Verhalten gezeigt und es sei von einer Übertreibung insbesondere von psychischen und
somatischen Beschwerden auszugehen.
In der Hamilton Rating Skala zur Evalua
tion depressiver Schwer
e
grade habe das von der Beschwerdeführerin berichtete Zustandsbild einer mittelgradigen Episode entsprochen. In der Selbstbeurteilung mittels Beck
Depressions
Inventar (BDI) habe sie eine Punkteanzahl erreicht, wel
che einer
schwergradigen
depressiven Episode entspreche. Auf der anderen Seite habe sich die Beschwerdeführerin in den klinischen Interviews jeweils belastbar und ausdauernd gezeigt. Im Kontakt sei aufgefallen, dass die Beschwerdeführerin in jedem Gespräch mehrmals angegeben habe, abgelenkt zu sein. In der klinischen Einschätzung passe dies nicht zum sonstigen Zustandsbild,
welches
der Be
schwerdeführerin
erlaubt habe
, auch komplexen Fragen zu folgen. Die Beschwer
deführerin habe über einen Interessensverlust
bezüglich früherer Hobbies (Male
rei, Anfertigen von Traumfängern)
geklagt. Gleichzeitig habe sie Interesse und Begeisterung an ihrem aktuellen und an früheren Hunden bekundet. Auch von Freudlosigkeit in einigen Bereichen ihres Lebens habe die Beschwerdeführerin berichtet
(Spaziergänge, Essen, soziale Kontakte, Hobbies)
, gleichzeitig sei sie aber in den klinischen Interviews positiv auslenkbar gewesen
und
ha
be auch Be
geisterung, insbesondere bezüglich ihrer
Hunde
, zeigen können.
Die Beschwerde
führerin habe berichtet, dass ihr soziale Kontakte seit jeher wenig Freude bereitet hätten. Eine Verminderung des Antriebs erscheine vorhanden, gleichzeitig könne sich die Beschwerdeführerin in vollem Ausmass um ihre Hündin und den Haus
halt kümmern. Auf Nachfrage habe die Beschwerdeführerin erklärt, sie fühle sich nicht imstande, wieder eine Arbeit aufzunehmen. Vergangene Arbeitsversuche hätten aufgrund von starken Versagensängsten, Selbstunsicherheit, interperso
nellen Problemen, Schmerzen und subjektiv reduzierter Konzentrationsfähigkeit abgebrochen werden müssen. Insbesondere die Versagensängste, Selbstunsicher
heit und interpersonelle
n
Probleme würden allerdings eher im Zusammenhang mit der Akzentuierung von Persönlichkeitszügen stehen. Die leichtgradige de
pressive Episode scheine am ehesten
im
Zusammenhang mit der Dekompensation der kombinierten Persönlichkeitszüge im Rahmen der zunehmenden Überlastung bei der Arbeit sowie subjektiv starker Belastung durch körperliche Schmerzen zu stehen.
Im Längsschnitt zeigten
sich ein seit 2015 zunehmender Interessensver
lust an früheren Hobbies sowie ein Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit. Zusätzlich scheine die Konzentration subjektiv und auch objektiv leicht vermin
dert und der Appetit reduziert zu sein.
Da
diese Symptome seit der Überforde
rungssituation bei der Arbeit durchgehend vorhanden
erscheinen würden
,
gebe
es
keine
weiteren
Anhaltspunkte für die Diagnose einer rezidivierenden depressi
ven Störung (Urk. 7/106/41).
Im Rahmen der Beurteilung von Konsistenz und Plausibilität wiesen die Gutach
ter darauf hin, bei den von der Beschwerdeführerin geschilderten Beschwerden scheine eine Diskrepanz in Bezug auf die Bereiche Privatleben und Arbeit vor
handen zu sein. Trotz subjektiv geschilderter Anstrengung und Belastung ver
möge die Beschwerdeführerin den täglichen Anforderungen in ihrem Haushalt und betreffend Hundehaltung nachzugehen. Hierfür sei eine gewisse Stabilität notwendig. Das im privaten Rahmen
erhaltene
Funktionsniveau scheine im be
ruflichen Bereich nicht mehr vorhanden zu sein und die Beschwerdeführerin er
scheine
hier
deutlich weniger leistungsfähig als
gemäss
dem privaten Funktions
niveau zu erwarten wäre. In der psychologischen Testung vom 14. September 2018
hätten sich keine Hinweise auf
höhergradige
kognitive Einbussen ergeben. Eine psychologische
Beschwerdenvalidierung
habe jedoch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit das Vorliegen einer Übertreibung von psychischen und so
matischen Beschwerden sowie von selbstberichteten kognitiven Einbussen ge
zeigt (Urk. 7/106/
43
). Diese Diskrepanz sei bei der Beurteilung der Arbeitsfähig
keit miteinzubeziehen. Bei
histrionischen
Persönlichkeitsanteilen könne es zu übertriebenen Schilderungen kommen. In diesem Zusammenhang seien wohl auch die diskrepanten Ergebnisse der psychometrischen Untersuchung zu verste
hen, welche eine Übertreibung aufgezeigt hätten. Gleichzeitig könne durch das Störungsbild die Funktionsfähigkeit sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld eingeschränkt sein. Für die Funktionsausfälle im beruflichen Bereich wür
den die ängstlich vermeidenden sowie die
histrionischen
Züge von grösserer Re
levanz
erscheinen
als die schizoiden Anteile. Die von der Beschwerdeführerin geschilderten Beschwerden wie Interessen- oder Freudeverlust an Aktivitäten, verminderter Antrieb, vermindertes Denk- oder Konzentrationsvermögen und Appetitverlust würden zum Teil widersprüchlich zu den Angaben zu ihrem aktu
ellen Lebensstil erscheinen.
So f
ühre die Beschwerdeführerin den Haushalt selb
ständig, mache mehrmals täglich ausgiebige Spaziergänge mit ihrer Hündin,
wel
che
ihr Freude
bereite
, seien längere Fahr
t
en möglich und habe während eines Urlaubs mit einer Kollegin vor zwei Jahren subjektiv eine weitgehende Beschwer
defreiheit bestanden (Urk. 7/106/44).
Im Rahmen einer Würdigung von Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen
führ
te
n
die Gutachter
aus
, die Beschwerdeführerin scheine anamnestisch seit ihrer Jugend Persönlichkeitsakzentuierungen mit
histrionischen
, ängstlich vermeiden
den und schizoiden Züg
en aufzuweisen. Trotz diverser
Life Events (psychische Erkrankung der Mutter, fehlender Kontakt zum Vater in der Kindheit, Substanz
abhängigkeit und Suizid des Bruders, Trennung vom Ehemann mit nachfolgender Rolle als arbeitstätige Alleinerzieherin) habe die Beschwerdeführerin über lange
Zeit ein für ihre Verhältnisse ausreichendes Funktionsniveau aufrechterhalten können. Erst nach Jahren zufriedenstellender Arbeitsleistungen scheine es
durch zunehmende
Steigerung der Arbeitsbelastung bei gleichbleibendem Arbeitspen
sum und Konflikten («Mobbing») mit Mitarbeitern zur Dekompensation gekom
men zu sein.
Angesichts des von der Beschwerdeführerin geschilderten Krank
heitsverlaufs und der bisherigen Aktenlage scheine sich die Beschwerdeführerin im Rahmen der psychiatrischen Behandlung auf einem deutlich reduzierten Funk
tionsniveau stabilisiert zu haben. In Bezug auf die psychotherapeutischen Be
handlungsversuche erscheine die Beschwerdeführerin kooperativ, wenng
leich Krankheitssymptome und Wi
derstände die psychotherapeutische Arbeit erschwe
ren könnten. Hingegen scheine in Bezug auf psychopharmakologische Behand
lungsversuche die Kooperationsbereitschaft eingeschränkt zu sein
, wobei anzu
merken sei, dass für
die Behandlung von akzentuierten Persönlichkeitszügen und
einer leichtgradigen
de
pressiven
Episode der Psychotherapie mehr Bedeutung einzuräumen
sei
(Urk. 7/106/44).
Zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit führten die Gutachter aus, meh
rere Arbeitsversuche seien bisher gescheitert und aktuell scheine eine Wiederauf
nahme der zuletzt ausgeübten Tätigkeit zu einer raschen Verschlechterung des psychischen Befindens zu führen
. Ein erneuter Arbeitsversuch erscheine der Be
schwerdeführerin subjektiv nicht möglich
(Urk. 7/106/44)
. Aus objektiver
Sicht sei es
ihr
möglich gewesen
,
an mehreren Terminen pünktlich und teils selbständig mit dem Auto
kommend
zu erscheinen. Auch habe sich
die Beschwerdeführerin
während der teils mehrstündigen Untersuchungsgespräche konzentrieren können und objektiv belastbar und ausdauernd gewirkt. In Gesamtbetrachtung des bis
herigen Verlaufs erscheine eine Wiederaufnahme der bisher ausgeübten Tätigkeit auf massive Widerstände bei der Beschwerdeführerin zu stossen, was zu einer jeweiligen Aggravation der akzentuierten Persönlichkeitszüge geführt haben könnte. Es sei eine sorgfältige vorhergehende psychotherapeutische Vorbereitung notwendig, um zumindest in reduziertem Ausmass wieder eine Tätigkeit aufzu
nehmen.
Gleichzeitig wiesen die Gutachter indessen darauf hin
,
es scheine, als dass die Aggravation der akzentuierten Persönlichkeitszüge wie auch der inzwi
schen längerfristige Arbeitsausfall sowie der sekundäre Krankheitsgewinn
einer relevanten Verbesserung der Arbeitsfähigkeit im Wege stünden. Weiter erklärten sie, aus
der neuropsychologischen Testung seien keine Hinweise auf
höhergradige
kognitive Einbussen hervorgegangen. Gleichzeitig sei eine Übertreibung festge
stellt worden, was mitunter als Ausdruck der Aggravation bei akzentuierten Per
sönlichkeitszügen interpretiert werden könne. Daher scheine der Übertreibung
ebenfalls Krankheitswert zuzukommen, was mit einer reduzierten Arbeitsfähig
keit einhergehen könne. In Zusammenschau des bisherigen Verlaufs sei von einer 50%igen Leistungsfähigkeit bezogen auf ein 100
%-Pensum auszugehen, da die Beschwerdeführerin regulär zu 80 % gearbeitet habe, sei dies als Referenz heran
zuziehen. Der zeitliche Aufwand zur Entwicklung der Arbeitsfähigkeit von 50 % scheine im Bereich mehrere
r
Monate bis Jahre zu liegen, wobei eine intensive psychotherapeutische Vorbereitung sowie Begleitung notwendig sei
en
.
Gleiches gelte für
eine leidensangepasste Tätigkeit
.
Schliesslich würde eine
weiterführende psychiatrische Behandlung mit Fokus auf psychotherapeutische Massnahmen helfen, das aktuelle Funktionsniveau der Beschwerdeführer
in zu erhalten (Urk. 7/106/45-46).
4.4
Am 13. Februar 2019 nahmen die Gutachter der
A._
zu
den
Rückfragen des RAD
(Urk. 7/107)
zum
fachpsychiatrischen
Gutachten vom 16. Januar 2019 Stellung
(Urk. 7/109)
und wiesen darauf hin, dass alle im Gutachten aufgeführten Diagnosen arbeitsfähigkeitsrelevant seien.
Weiter führten die Gutachter aus, auf
grund der Aggravation erscheine die Beschwerdeführerin vordergründig
schwer
gradig
depressiv
. Ohne Aggravation könnte daraus
auf eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % geschlossen werden. Die Aggravation sei mitunter als Ausdruck der Akzentuierung von Persönlichkeitszügen zu sehen
,
weshalb
ihr ein Krankheits
wert zuzusprechen
sei
.
Im
Zusammenspiel der leichtgradigen depressiven Episode und der Akzentuierung von Persönlichkeitszügen sei aktuell von einer tatsächli
chen 50%ig
en Arbeitsfähigkeit auszugehen.
5.
5.1
Wie dargelegt (E. 1.4 hiervor) hat ein medizinisches Gutachten gewissen juristi
schen Anforderungen zu genügen, die für den Beweiswert des in Frage stehenden Arztberichts entscheidend sind. Im Rahmen dieser formellen Kriterien ist es Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeit die versicherte Person arbeitsunfähig ist.
In diesem Sinne lautet die normativ be
stimmte Gutachterfrage, wie die sachverständige Person das Leistungsvermögen einschätzt (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinw
eisen, BGE 141 V 281 E. 5.2.2).
5.2
Das psychiatrische Gutachten
enthält eine ausführliche
Anamnese (Urk.
7
/106/26-34),
einen mittels Testung unterlegten
beziehungsweise validier
ten sowie
detailliert beschriebenen
Befund (Urk. 7
/106/
34-39), wurde durch ein halbstündiges Telefongespräch mit der behandelnd
en Psychiaterin ergänzt (Urk.
7
/106/39-40)
und erging unter Berücksichtigung der relevanten
V
orakten
(Urk. 7
/106/5-26).
Die erhobenen Diagnosen
und daraus gezogenen Schlüsse
sind ein
gehend begründet (U
rk.
7
/106/40-41). Entgegen dem Vorbringen
der Beschwer
deführerin
setzten sich die Gutachter sodann
mit der bisherigen Ent
wicklung
ih
res
Gesundheitszustandes sowie dessen Behandlungs
verlauf aus
einander (Urk.
7
/
106/
42-43). Ebenso
finden sich
Ausführungen zu Konsistenz und Plausi
bilität, Ressourcen und Belastungen sowie zur Arbeitsfähigkeit der
Be
schwerde
führerin (Urk.
7
/106/43-46). Mithin erfüllt die Expertise die von der Rechtspre
chung
geforderten Voraussetzungen (E. 1.4, 5.1
), weshalb ihr - entge
gen der Auf
fassung der Beschwerdeführerin - grundsätzlich Beweiswert zu
kommt. Ob, wie der RAD in Frage stellte, dem Schluss der Gutachter auf eine 50%ige Arbeitsun
fähigkeit zu folgen
ist
,
beziehungsweise
ob dieser
im Lichte des strukturierten B
eweisverfahrens überzeugt (Urk. 7
/119/5), braucht indessen nicht abschliessend beantwortet zu werden. Zum einen kann
auch
mittels
Indikatoren
prüfung
eine
grössere
Arbeitsunfähigkeit als gutachterlich attestiert
nicht
resul
tieren (Urteil des Bundesgerichts
8C_153/2021 vom 10. August 2021
E. 5.4.2 mit Hinweis auf 8C_52/2020
vom
22. April 2020
E.
4.2.2
), zum anderen fehlt es ohnehin an einem
rentenbegründenden Invaliditätsgrad
(vgl. nachfolgend E.
6.4
).
Soweit die
Beschwerdeführerin
moniert
, die Gutachter hätten sich nicht mit den in den
Vorakten
erhobenen Diagnosen auseinandergesetzt
, ist vorab
darauf hin
zuweisen, dass für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht die Diagnosen, son
dern die daraus resultierenden funktionellen Einschränkungen entscheidend sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_549/2017 vom 13. Februar 2018 E. 3.3). Sodann haben die Gutachter wie bereits
ausgeführt
,
ihrer Expertise die relevanten Akten zugrunde gelegt,
die von ihnen gestellten Diagnosen
ausführlich begründet
und soweit notwendig
auf vorgängige Einschätzungen B
ezug genommen (vgl. etwa Urk. 7
/106/
41,
wonach es an Anhaltspunkten für eine rezidivierende depressive Störung mangle, vgl. auch
7
/106/
44
).
Nachdem die behandelnde Psychiaterin im Rahmen der telefonischen Fremdanamnese diagnostische Unsich
erheiten bekun
det hatte (Urk. 7
/106/39-40), womit sich die Gutachter im Rahmen der Diagnose-Begründung
de
nn auch
ausführlich auseinandersetzten
(Urk. 7
/106/40-41), er
weist sich
der
Vorwurf
der Beschwerdeführerin
als unbegründet.
Ferner
will
die Beschwerdeführerin aus der vom Gutachten abweichenden Auf
fassung ihrer behandelnden Psychiaterin (Urk. 10) etwas zu ihren Gunsten ablei
ten,
womit sie indessen
ebenfalls nicht durchzudringen
vermag
. D
er am 18.
Juni 2020 erstattete Bericht
von Dr.
B._
erschöpft sich in einer Kritik am Gutachten,
welche
schwergewichtig
auf
den
subjektiven Aussagen der Beschwerdeführerin
gründet
.
Aspekte, die im Rahmen der Begutachtung unberücksichtigt geblieben wären,
sind
jedenfalls nicht
zu erkennen
, weshalb der genannte Bericht nicht
geeignet ist, das Gutachten in Frage zu stellen (BGE 135 V 465, Urteil des Bun
desgerichts 8C_77/2021 vom 2. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
5.3
Damit ist auf die Beurteilung der Gutachter der
A._
abzustellen, wonach die Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen sowie in angepassten Tätigkeiten zu 50 % arbeitsfähig ist (E.
4.3 am Schluss, E. 4.4). Was den
Hinweis der Gutachter anbe
langt, es sei für die Leistungsfähigkeit ein Pensum von 80 % als Referenz heran
zuziehen (Urk. 7/106/45), so beschlägt dies die Frage nach der anwendbaren Me
thode
zur Bemessung des Invaliditätsgrades
und damit eine Frage, welche vom Rechtsanwender zu beantworten ist.
Dass - aus medizinischer Sicht - die Arbeits
fähigkeit mit 50 % eines Vollzeitpensums zu bemessen ist, ergibt sich nicht bloss aus dem Gutachten selber (vgl. Urk. 7/106/45), sondern auch aus der Stellung
nahme der Gutachter, mit welcher sie ihre Einschätzung vollumfänglich bestätig
ten (E. 4.4). Im Übrigen wäre eine über 50 %
liegende
Arbeitsunfähigkeit ange
sichts der im Rahmen der polydisziplinären Begutachtung durch die
Z._
erhobenen Befunde, welche zur Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode führten und gemäss Einschätzung der Gutachter die aktuelle Tätigkeit als Sachbearbeiterin
zu 50 % bezogen auf ein vollschichtiges Arbeitspensum ein
schränkten (E. 4.1), denn auch nicht nachvollziehbar.
Dass, wie die Beschwerde
führerin vortragen lässt, sich ihr gesundheitlicher psychischer Zustand nach der Begutachtung durch die Sachverständigen der
Z._
dauerhaft ver
schlechtert hätte, liess sich
durch das nachfolgende Gutachten der
A._
nicht
er
härten
.
Im Gegenteil
zeigte sich im Verlaufsgutachten ein
psychopathologisch weitgeh
end unauffälliger
Befund bei diversen Diskrepanzen, denen
die Gutachter
-
trotz Aggravation
- teilweise Krankheitswert zumassen
(insbesondere E. 4.4)
.
Bloss ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass gemäss
Bericht der C._
AG vom 8. August 2017 (Urk. 7/88/8-9) als Gründe für die akute psy
chische De
kompensation zwei Todesfälle an
geführt wurden, welche sich in den zwei Wochen vor der Klinikeinweisung ereignet hätten. Dem Bericht zufolge
be
stand
bei Austritt am 2. August 2017 psychopathologisch eine leichte Stim
mungsaufhellung und Antriebsverbesserung.
Nachdem psychosoziale Faktoren alleine grundsätzlich nicht geeignet sind, eine dauerhafte Invalidität zu verursa
chen (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_746/2015 vom 3. Februar 2016 E.
5.3), ergibt sich auch im Hinblick auf diesen Bericht keinen Grund, vom Gut
achten der
A._
abzuweichen.
5.4
Zusammenfassend ist nicht auf eine über 50 % liegende Arbeitsunfähigkeit in bisheriger Tätigkeit zu schliessen, wobei wie dargelegt (vgl. vorstehend E. 5.2), auf die Durchführung des strukturierten Beweisverfahrens verzichtet werden kann. Ausführungen zu den diesbezüglichen Einwänden der Beschwerdeführerin
(E. 2.2)
erübrigen sich damit ebenso
, wie weitere Abklärungen in medizinischer Hinsicht
.
Dies hat auch für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Beschwer
deführerin aus somatischer Sicht zu gelten, wonach polydisziplinär eine Arbeits
fähigkeit von 50 % besteht (E. 4.1). Dass dem Gutachten der
Z._
Beweiswert zukommt, wurde von der Beschwerdeführerin denn auch nicht in Frage gestellt (Urk. 1 S.
18; vgl.
auch
Urk. 7/
53/45
).
6.
6.1
6.1.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
6.1.2
Bei einer hypothetisch im Gesundheitsfall lediglich teilerwerbstätigen versicher
ten Person
ohne
Aufgabenbereich im Sinne von
Art.
27
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
bemisst sich die Invalidität rechtsprechungsgemäss nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs oder einer Untervari
ante (Schätzungs- oder Prozentvergleich, ausserordentliches Bemessungsverfah
ren) davon. Dabei ist das
Valideneinkommen
nach Massgabe der ohne Gesund
heitsschaden ausgeübten Teilerwerbstätigkeit festzulegen, wobei entscheidend ist, was die versicherte Person als Gesunde tatsächlich an Einkommen erzielen würde, und nicht, was sie bestenfalls verdienen könnte. Wäre sie gesundheitlich in der Lage, voll erwerbstätig zu sein, reduziert sie aber das Arbeitspensum, um mehr Freizeit zu haben, hat dafür nicht die Invalidenversicherung einzustehen. Das Invalideneinkommen bestimmt sich entsprechend den gesetzlichen Vorgaben da
nach, was die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte. Dabei kann das
–
ärztlich fest
zulegende
–
Arbeitspensum unter Umständen grösser sein als das ohne gesund
heitliche Beeinträchtig
ung geleistete (BGE 131 V 51 E.
5.1.2; wi
edergegeben in BGE 142 V 290 E.
5).
In Präzisierung dieser Rechtsprechu
ng hat das Bundesgericht in BGE
142 V 290 entschieden, dass bei teilerwerbstätigen Versicherten ohne Aufgabenbereich die anhand der Einkommensvergleichsmethode zu ermittelnde Einschränkung im (allein versicherten) erwerblichen Bereich proportional – im Umfang der hypo
thetischen Teilerwerbstätigkeit – zu berücksichtigen ist
(E. 7.3)
.
Gemäss der Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts 9C_583/2018 vom 3. De
zember 2018 E. 4.3) ändert das am 1. Januar 2018 für die Invaliditäts
bemessung Teilerwerbstätiger mit einem Aufgabenbereich neu eingeführte Berechnungs
mo
dell (neu in Kraft getretene Absätze 2-4 von Art. 27
bis
IVV) an der mit BGE 142 V 290 präzisierten Methode der Invaliditätsbemessung teil
erwerbstätiger Ver
si
cherter ohne einen Aufgabenbereich zumindest bis 31. Dezember 2017 nichts. Da die Invaliditätsbemessung teilerwerbstätiger Versicherter mit einem Aufga
benbe
reich bis Ende 2017 nach der bisherigen gemischten Methode zu erfolgen habe, habe auch die Invaliditätsbemessung teil
erwerbstätiger Versicherter ohne einen Aufgabenbereich zumindest bis 31. Dezember 2017 nach der bisherigen, mit BGE 142 V 290 präzisierten Methode zu erfolgen. Die Frage nach der für die Zeit ab 1. Januar 2018 geltenden Methode der Invaliditätsbemessung teilerwerbs
tätiger Versicherter ohne einen Aufgaben
bereich hat die höchstrichterliche Recht
spre
chung bisher
offen gelassen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_583/2018 vom 3. Dezember 2018 E. 4.5). Jedoch
hatte
das Bundesgericht mit Urteil 9C_552/2016 vom 9. März 2017
bekräftigt
, dass es nicht Sache der Invalidenversicherung sei, die Einbusse in einer Tätigkeit auszugleichen, welche im hypothetischen Gesund
heitsfall nicht ausgeübt würde (E. 4.2). Diese Rechtsprechung behielt es auch in der Folge bei
(vgl. beispielsweise Urteile des Bundesgerichts 9C_823/2017 vom 18. September
2018 E. 3.2 und 8C_820/2018 vom 17. April 2019 E. 3.2 mit Hin
weisen), was für die Weiter
führung des bisherigen Modells der Invaliditäts
bemes
sung Teilerwerbstätiger ohne einen Aufgabenbereich spric
ht.
Hierfür spricht auch die
bundesrätliche
Medienmitteilung zur per 1. Januar 2018 in Kraft getretenen Verordnungsänderung von Art. 27
bis
IVV vom 1. Dezem
ber
2017 (einsehbar unter: www.admin.ch
, Rubrik M
edienmitteilungen), gemäss welcher das neue Berechnungsmodell der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der mit Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 2. Februar 2016 (Nr. 7186/09) kritisierten Diskriminierung infolge der Anwen
dung der gemischten Methode Rechnung zu tragen beabsichtige. Eine
Besserstel
lung von Teilzeiterwerbstätigen ohne Aufgabenbereich wurde damit nicht ver
folgt. So wird in den Absätzen 2 bis 4 von Art. 27
bis
IVV gemäss den Erläuterun
gen des Bundesamtes für Sozialversicherungen denn auch explizit nur die Inva
liditätsbemessung nach der gemischten Methode geregelt (vgl. angehängtes Dokument unter der obigen Medienmitteilung, S. 12), und die Übergangsbestim
mung zur Änderung vom 1. Dezember 2017 schreibt amtliche Revisionen inner
halb eines Jahres nach Inkrafttreten der Änderung nur für laufende Renten, wel
che in Anwendung der gemischten Methode zugesprochen worden waren, vor, nicht aber für solche, welche für Teilerwerbstätige ohne Aufgabenbereich ergin
gen. Für eine Lückenfüllung bleibt angesichts dessen kein Raum.
6.1.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
6.2
Die Beschwerdeführerin war mit einem Pensum von 80 % als Sachbearbeiterin Antrags
v
erarbeitung Leben bei der
Y._
tätig und hätte damit im Jahr 2016 ein jährliches Einkommen von Fr. 62'403.-- erwirtschaftet (Arbeit
geberfragebogen vom 11. Juli 2016, Urk. 7/26/3). Die Beschwerdeführerin geht
in
unzutreffender Weise davon aus, dass bei dieser Konstellation die gemischte Methode Anwendung findet (Urk. 1 S. 18).
Ihren eigenen Angaben zufolge war die Beschwerdeführerin stets nur zu 80 % arbeitstätig, um genügend Zeit für ihre Hunde zu haben (vgl. Urk. 7/37/6,
7/106/27), was angesichts der täglichen bis vierstündigen Spaziergänge mit ihrem Hund (vgl. Urk. 7/106/32) plausibel
erscheint
, zumal
Hinweise
auf einen Aufgabenbereich fehlen
:
Die Beschwerde
führerin ist geschieden und wohnt in einer 3-Zimmer-Wohnung, ohne dass sie für die Pflege oder Betreuung einer angehörigen Person verantwortlich wäre. Dass ihr 1988 geborener Sohn vorübergehend bei ihr lebt, vermag nichts daran zu
ändern, dass es an einem Aufgabenbereich mangelt,
macht weder die Beschwer
deführerin geltend noch sind Anhaltspunkte dafür aktenkundig,
dass der Sohn der Pflege oder Betreuung durch die Beschwerdeführerin bedürfen würde.
Viel
mehr scheint er die Beschwerdeführerin in gewissen Dingen zu unterstützen (vgl. Urk. 7/106/31). Mithin
ist die Differenz von 20 % zu einem möglichen Vollzeit
pensum offenkund
ig als Freizeitaktivität zu wert
en, welche vom Aufgabenbereich a
usgenommen ist (BGE 131 V 51 E.
5.1.2).
Die
Einschränkung im (allein versi
cherten) erwerblichen Bereich
ist daher anhand der für teilerwerbstätige versi
cherte
Person
en
ohne
Aufgabenbereich
statuierten
Einkommensvergleichsme
thode
(E
.
6.1.2) zu ermitteln.
6.3
D
as
Valideneinkommen
für das Jahr 2016 (
frühest
möglicher Rentenbeginn, Art.
28 und
29 IVG
; vgl. auch Urk. 7/56/9 [verspätete Anmeldung]) ist damit gestützt auf den Arbeitgeberbericht vom 11. Juli 2016
mit
Fr. 62'403.--
zu bezif
fern
(E. 6.2).
Hinsichtlich
des
Invalideneinkommens ist festzuhalten, dass die Be
schwerdeführerin ihre angestammte Tätigkeit als Sachbearbeiterin für eine Ver
sicherung nach wie vor mit einem Pensum von 50 % zu verrichten in der Lage ist (
E. 5.4). Nachdem die Beschwerdeführerin aktuell keiner Tätigkeit nachgeht, ist das Invalideneinkommen gestützt auf die LSE 2016 zu ermitteln (E. 6.1.3), wobei das standardisierte monatliche Einkommen für in der Versicherung
s
branche
tätige Frauen (Wirtschaftszweig «Versicherungen», 65) im Kompetenz
niveau 2 (praktische Tätigkeiten wie Verkauf/Pflege/Datenverarbeitung und Administration etc.) heranzuziehen und damit auf einen Zentralwert von monat
lich Fr. 6'352.-- abzustellen ist. Dies ergibt unter Berücksichtigung der durch
schnittlichen Arbeitszeit im Jahr 2016 von 41.4 Stunden pro Woche (
vgl. Bun
desamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen [NOGA 2008], in Stunden pro Woche, 2004-2018, K 65 Versicherungen) ein jähr
liches Einkommen für ein 50 %
iges
Pensum von Fr. 39'446.-- (Fr. 6'352.-- x
12 :
40 x 41.4 x 0.5).
Der Vergleich von
Valideneinkommen
(Fr. 62'403.
--) und Invalideneinkommen (Fr.
39'446.--) ergibt eine Einkommenseinbusse von Fr. 22'957.-- und einen In
validitätsgrad von rund 37 %. Weil bei teilzeitlich erwerbstätigen versicherten Personen ohne Aufgabenbereich die
ermittelt
e Einschränkung im (allein versi
cherten) erwerblichen Bereich proportional – im Umfang der hypothetischen Teilerwerbstätigkeit – zu berücksichtigen ist
, führt dies zu einem massgeblichen Invaliditätsgrad von
rund 30 % (37 % x 0.8)
.
6.4
Bei einem Invaliditätsgrad von weniger als 40 % (E. 1.2) fehlt es an einem Ren
tenanspruch. Die angefochtene Verfügung ist damit nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen.
7.
7.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Be
willi
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Ver
beistän
dung
not
wendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Mit ihrer Eingabe vom 17. Februar 2020 beantragte die Beschwerdeführerin die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Bestellung v
on Rechtsanwäl
tin Angela Widmer-
Fäh
als unentgeltliche Rechtsvertreterin (Urk. 1 S. 2). Die Be
dürftigkeit der Beschwerdeführerin ist ausgewiesen (Urk. 3, vgl. auch Urk. 7/111); da auch die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind, ist der Beschwer
deführerin die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und die unent
geltliche Rechtsver
tretung in der Person v
on Rechtsanwältin Angela Widmer-
Fäh
zu gewähren.
7
.2
Die Verfahrenskosten sind auf Fr.
8
00.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss der
Beschwerdeführer
in
aufzuer
legen, zufolge Gewährung der un
entgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu neh
men.
7.3
Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit d
es Prozesses und de
m Mass des Obsiegens, jedoch ohne
Rücksicht auf den Streitwert. Mit Verfügung vom 14.
Ap
ril 2020 wurde
Rechtsanwältin Widmer-
Fäh
auf die Möglichkeit der Einreichung einer Honorarnote vor Fällung des Endentscheids hingewiesen sowie darauf, dass im Unterlassungsfall das Gericht die Entschädigung nach Ermessen festsetze (Urk.
8). Mangels
aufgelegter
Honorarnote und in Anwendung der genannten Kriterien sowie des gerichtsüblichen Stundena
nsatzes von Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwert
steuer
) ist die Entschädigung au
f Fr. 2'0
00.--
(inklusiv Barauslagen und Mehr
wertsteuer)
festzusetzen
.
7.4
Die Beschwerdeführerin wird auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen, wonach sie zur Nachzahlung der ihr erlassenen Gerichtskosten und der Kosten ihrer Rechts
vertretung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.
Das Gericht beschliesst
:
In Bewilligung des Gesuches vom
17
.
Februar 2020 wird der
Beschwerdeführer
in
die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und
ihr
in der Person von Rechtsanwältin
Angela Widmer-
Fäh
eine unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt,
und
erkennt:
1.
Die Beschwerde wird
abgewiesen
.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt
,
zufolge Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse
genommen.
Die
Beschwerdeführer
in
wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Beschwerdeführeri
n, Rechtsanwältin Angela Widmer-
Fäh
, Zürich, wird mit
Fr. 2’
0
00
.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
)
aus der Ge
richtskasse entschädigt
.
Die
Beschwerdeführer
in
wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen
.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Angela Widmer-
Fäh
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.