Decision ID: c6b19934-8a2d-5b26-8c22-bc32d713841c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer flüchtete im Alter von zehn Jahren mit seiner Fami-
lie wegen des Kosovokrieges in die Schweiz. Im Jahr 2002 wurde er in den
Kosovo ausgeschafft.
B.
Am 4. Februar 2020 ersuchte der Beschwerdeführer um Asyl in der
Schweiz. Er wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) Duttweiler zugewiesen.
Auf dem Formular "Zusatzblatt Eintritt Bundesasylzentrum" gab der Be-
schwerdeführer die Wohnadresse und Telefonnummer seiner Mutter an,
welche schweizerische Staatsangehörige ist. Am 6. Februar 2020 erteilte
er den Mitarbeitern der im BAZ Region Zürich tätigen Rechtsvertretungs-
organisation die Vollmacht.
Der Beschwerdeführer reichte seinen Pass, seine Identitätskarte und sei-
nen Führerschein (alles im Original) ein.
C.
Anlässlich der Personalienaufnahme vom 7. Februar 2020 wurde der Be-
schwerdeführer von der Vorinstanz zu seiner Person, seinem persönlichen
Hintergrund, seinen Ausweispapieren und seinem Reiseweg befragt.
D.
Am 12. Februar 2020 führte die Vorinstanz mit dem Beschwerdeführer das
sogenannte Dublin-Gespräch durch.
E.
Mit Schreiben vom 19. März 2020 lud die Vorinstanz den Beschwerdefüh-
rer für den 26. März 2020 zur Anhörung vor. Der Beschwerdeführer bestä-
tigte am 20. März 2020 mit Unterschrift den Erhalt der Vorladung.
F.
In einer amtsinternen Aktennotiz vom 25. März 2020 ist vermerkt, der Ge-
suchsteller sei seit dem 20. März 2020 verschwunden.
G.
Am 27. März 2020 schrieb die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwer-
deführers formlos ab, da er die zugewiesene Unterkunft am 20. März 2020
verlassen habe und somit seit mehr als fünf Tagen unbekannten Aufent-
halts sei. Er habe gewusst, dass er am 26. März 2020 zu einer Anhörung
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erscheinen müsse. Die Anhörung sei allerdings aus anderen Gründen ver-
schoben worden.
H.
Gemäss amtsinterner Aktennotiz vom 15. April 2020 meldete sich der Be-
schwerdeführer gleichentags beim BAZ Duttweiler und erklärte, er habe
sich in einer Privatunterkunft aufgehalten. Eine Mitarbeiterin des BAZ habe
ihm dies bewilligt mit dem Hinweis, es sei besser, wenn er sich in "Corona-
Zeiten" bei sich zu Hause in B._ aufhalte. Er habe seine Telefon-
nummer hinterlegt und sei sogar kontaktiert worden, um einen Termin bei
der Rechtsvertretung wahrnehmen zu können.
I.
Mit Schreiben vom 16. April 2020 ersuchte der Beschwerdeführer um Wie-
deraufnahme des Asylverfahrens. In der Begründung führte er aus, er habe
die Leiterin des BAZ Duttweiler gefragt, ob er bei seiner Familie in
B._ wohnen könne, da er sich angesichts der Corona-Krise nicht
wohl fühle mit rund 150 Personen im BAZ. Sie habe dies bewilligt und ihn
gebeten, für den Notfall seine Telefonnummer zu hinterlassen. Später sei
ihm telefonisch mitgeteilt worden, die geplante Anhörung werde aufgrund
der Corona-Phase verschoben. Gleichentags habe wegen der Terminver-
schiebung noch eine Person des SEM angerufen.
J.
Mit Verfügung vom 23. April 2020 (gleichentags eröffnet) lehnte die Vor-
instanz das Gesuch des Beschwerdeführers um Wiederaufnahme des
Asylverfahrens ab und stellte fest, der Kanton sei zuständig für die Rege-
lung des Aufenthalts respektive die Anordnung der Wegweisung aus der
Schweiz sowie deren Vollzug.
K.
Mit Eingabe vom 11. Mai 2020 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die Verfügung der Vor-
instanz sei aufzuheben. Die Vorinstanz sei anzuweisen, das Asylverfahren
des Beschwerdeführers wieder aufzunehmen. Eventualiter sei das Verfah-
ren zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dem Be-
schwerdeführer sei die unentgeltlichen Prozessführung zu gewähren. Ins-
besondere sei von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer
ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48
VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-
treten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht verzichtet vorliegend auf die Durchfüh-
rung eines Schriftenwechsels (Art. 111a Abs. 1 AslyG).
3.
3.1 Asylsuchende Personen haben im Rahmen des Asylverfahrens eine
Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Sie sind unter anderem
verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken und sich
während des Verfahrens den Behörden von Bund und Kantonen zur Ver-
fügung zu halten. Sie müssen ihre Adresse und jede Änderung der nach
kantonalem Recht zuständigen Behörde des Kantons oder der Gemeinde
(kantonale Behörde) sofort mitteilen (Art. 8 Abs. 1 und 3 AsylG).
3.2 Gemäss Art. 8 Abs. 3bis AsylG verzichten Personen, die ohne triftigen
Grund ihre Mitwirkungspflicht verletzen oder den Asylbehörden während
mehr als 20 Tagen nicht zur Verfügung stehen, damit auf eine Weiterfüh-
rung des Verfahrens. Dasselbe gilt für Personen, die den Asylbehörden in
einem Zentrum des Bundes während mehr als 5 Tagen nicht zur Verfügung
stehen. Die Gesuche werden formlos abgeschrieben. Ein neues Gesuch
kann frühestens nach drei Jahren deponiert werden. Vorbehalten bleibt die
Einhaltung der Flüchtlingskonvention vom 28. Juli 1951 (FK, SR 0.142.30).
4.
4.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, der Beschwerdeführer
habe am 20. März 2020 ohne triftigen Grund den ihm zugewiesenen
Wohnort verlassen und sei seither unbekannten Aufenthaltes. Sein Asylge-
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such sei daher am 27. März 2020 formlos abgeschrieben worden. Die Be-
gründung, ihm sei von einer AOZ-Mitarbeiterin erlaubt worden, bei seiner
Familie in der Schweiz zu wohnen, sei unzutreffend. Gemäss Abklärungen
habe die AOZ nie eine solche Bewilligung ausgestellt. Die AOZ wisse, dass
nur das SEM die Kompetenzen habe, eine solche Anfrage zu bewilligen.
Beim SEM sei jedoch keine derartige Anfrage des Beschwerdeführers ein-
getroffen. Die Prüfung der Akten habe zudem ergeben, dass keine Hin-
weise auf eine flüchtlingsrelevante Verfolgung gemäss Art. 3 AsylG vorlie-
gen würden.
4.2 Der Beschwerdeverführer bringt vor, für Art. 8 Abs. 1 AsylG werde eine
grobe Verletzung der Mitwirkungspflicht verlangt, da die Folgen einer Ab-
schreibung des Asylverfahrens erheblich seien. Diese Voraussetzung gelte
auch für Art. 8 Abs. 3bis AsylG. Er habe sich zwar für mehr als fünf Tage
aus der Asylunterkunft entfernt, habe dies aber der Betreuungsperson mit-
geteilt und seine Telefonnummer hinterlassen. Entgegen der Aktennotiz
des SEM vom 20. April 2020 habe ihn die Teamleiterin nicht über die Fol-
gen der Privatunterbringung orientiert. Vielmehr sei sie aufgrund der da-
maligen Ausnahmesituation der COVID-19 Pandemie froh gewesen, dass
er die Kapazitäten des BAZ Duttweiler entlaste. Er habe ein grosses Inter-
esse am Asylverfahren in der Schweiz. Es wäre widersprüchlich, ein Asyl-
gesuch einzureichen, um dann die Abschreibung durch eine unbewilligte
Unterkunft zu riskieren. Hätte er die Folgen gekannt, wäre er nicht zur Fa-
milie gegangen. Es sei unbestritten, dass den Behörden seine Telefon-
nummer und die Wohnadresse seiner Mutter und seines Bruders bekannt
gewesen seien. Dadurch habe er für weitere Verfahrensschritte zur Verfü-
gung gestanden. Er sei sogar von einer Mitarbeiterin der AOZ telefonisch
kontaktiert und darüber informiert worden, dass seine auf den 26. März
2020 angesetzte Anhörung wegen der Corona-Pandemie verschoben wor-
den sei. Er habe daraufhin dem SEM angerufen, um sich die Terminver-
schiebung bestätigen zu lassen. Das SEM habe ihm dabei nicht mitgeteilt,
dass er ins BAZ zurückkehren müsse. Durch dieses Verhalten hätten das
SEM und die AOZ den Anschein erweckt, die Privatunterkunft werde ge-
duldet. Eine Verletzung der Mitwirkungspflicht liege nicht vor. Zudem habe
mit der Corona-Pandemie ein triftiger Grund für die Abwesenheit im BAZ
vorgelegen. Eine allfällige Verletzung der Mitwirkungspflicht wäre demnach
entschuldbar. Gemäss dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
D-238/2020 vom 21. Januar 2020 hätte die Vorinstanz auch bei einer form-
losen Abschreibung summarisch die Einhaltung der Flüchtlingskonvention
prüfen und ihm dazu das rechtliche Gehör gewähren müssen.
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4.3 Die Ansicht des Beschwerdeführers, für eine formlose Abschreibung
gemäss Art. 8 Abs. 3bis AsylG müsse kumulativ eine grobe Verletzung der
Mitwirkungspflicht und das nicht zur Verfügung stehen von mehr als 20 Ta-
gen respektive 5 Tagen vorliegen, ist unzutreffend. Aus dem "oder" in Art. 8
Abs. 3bis 1. Satz AsylG geht klar hervor, dass die Voraussetzungen alter-
nativer Natur sind. Für eine formlose Abschreibung genügt folglich, dass
ein Asylsuchender den Asylbehörden in einem Zentrum des Bundes ohne
triftigen Grund während mehr als 5 Tagen nicht zur Verfügung steht. Eine
Verletzung der Mitwirkungspflicht, beispielsweise eine versäumte Anhö-
rung, ist nicht erforderlich. Vorliegend stellt sich die Frage, ob dem Be-
schwerdeführer der Aufenthalt in einer Privatunterkunft, bei seiner Mutter
in B._, genehmigt worden ist. Der Beschwerdeführer gibt an, die
Teamleiterin des AOZ habe ihm am 20. März 2020 den Aufenthalt in einer
Privatunterkunft, auch angesichts der speziellen Situation aufgrund der
Corona-Pandemie, bewilligt. Zudem habe sie ihn gebeten, seine Telefon-
nummer zu hinterlassen. Gemäss Auskunft der AOZ sei hingegen nie eine
solche Bewilligung erteilt worden, da die AOZ dafür nicht zuständig sei. Es
sei ihm gesagt worden, er werde abgemeldet, da Asylsuchende im BAZ
übernachten müssten. Seine Telefonnummer sei aufgenommen worden.
Aufgrund dieser Aussagen ist gesichert, dass sich der Beschwerdeführer
bezüglich seiner Absicht, bei seiner Mutter zu wohnen, beim AOZ meldete
und seine Telefonnummer hinterlegte. Hinsichtlich der fraglichen Bewilli-
gung der Privatunterkunft spricht für die Aussage des AOZ, dass ihr be-
kannt sein dürfte, dass die Zuständigkeit für die Bewilligung einer Privatun-
terkunft beim SEM liegt und kein Grund ersichtlich ist, weshalb sie von die-
ser Zuständigkeitsordnung abweichen sollte. Dem Beschwerdeführer ist
hingegen zuzugestehen, dass es widersprüchlich wäre, ein Asylgesuch zu
stellen, nur um dann willentlich eine Abschreibung des Asylverfahrens zu
riskieren. Schlussendlich bleibt Aussage gegen Aussage und es ist nicht
möglich, im Nachhinein mit Sicherheit zu rekonstruieren, ob die Bewilligung
mündlich erteilt worden ist oder nicht. Hinzu kommt in diesem speziellen
Fall, dass dem AOZ und dem SEM die Telefonnummer des Beschwerde-
führers sowie die Telefonnummer und Wohnadresse seiner Mutter bekannt
gewesen sind. Ferner wurde eine auf den 26. März 2020 angesetzte An-
hörung verschoben. Aus den Akten ist nicht ersichtlich, dass diese Ver-
schiebung dem Beschwerdeführer oder seinem Rechtsvertreter schriftlich
mitgeteilt worden wäre. Die Erklärung des Beschwerdeführers, das AOZ
habe ihm telefonisch die Terminverschiebung mitgeteilt, erscheint daher
glaubhaft. Ihn zugleich nicht auf die Gefahr einer möglichen Abschreibung
des Asylverfahrens hinzuweisen, erscheint etwas stossend. Da die negati-
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ven Folgen einer formlosen Abschreibung des Asylgesuchs für den Be-
schwerdeführer erheblich wären, ist in diesem speziellen Fall ausnahms-
weise zu Gunsten des Beschwerdeführers anzunehmen, er sei davon aus-
gegangen, die Privatunterkunft sei ihm genehmigt worden. Die Vorinstanz
hat die Wiederaufnahme des Asylverfahrens somit zu Unrecht abgelehnt.
Der Beschwerdeführer ist aber darauf hinzuweisen, dass im Wiederho-
lungsfall die Entscheidung nicht zu seinen Gunsten ausfallen dürfte.
Abschliessend ist noch auf den Einwand des Beschwerdeführers einzuge-
hen, die Vorinstanz hätte im Falle einer formlosen Abschreibung des Asyl-
gesuchs zwingend das rechtliche Gehör zu allfälligen Asylgründen gewäh-
ren und die Einhaltung der Flüchtlingskonvention prüfen müssen. Entge-
gen dem von ihm in diesem Zusammenhang zitierten Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts D-238/2020 vom 21. Januar 2020 (E. 4.4) ist jedoch
bei einer formlosen Abschreibung nach Art. 8 Abs. 3bis AsylG eine Prüfung
der Einhaltung der Flüchtlingskonvention – welche eine minimale Sachver-
haltsfeststellung bezüglich allfälliger Fluchtgründe bedingen würde – ge-
rade nicht nötig. Dies ergibt sich sowohl aus der historischen Auslegung
als auch aus der ratio legis der besagten Gesetzesbestimmung. Gemäss
der Entstehungsgeschichte von Art. 8 Abs. 3bis AsylG bezieht sich der
letzte Satz "Vorbehalten bleibt die Einhaltung der Flüchtlingskonvention
vom 28. Juli 1951" nicht auf die formlose Abschreibung wegen Verletzung
der Mitwirkungspflicht oder das nicht zur Verfügung stehen von mehr als
20 respektive 5 Tagen. Vielmehr bezieht sich der Vorbehalt der Flüchtlings-
konvention einzig auf die Sperrfrist von drei Jahren für die Einreichung ei-
nes neuen Asylgesuchs; das heisst, es kann auch vor Ablauf der drei Jahre
ein neues Asylgesuch gestellt werden, wenn eine Verletzung der Flücht-
lingskonvention geltend gemacht wird (Amtliches Bulletin, Nationalrat, Win-
tersession 2012, Fünfte Sitzung, 3. Dezember 2012, Geschäft 10.052.,
AB 2012 N 1949). Die Systematik von Art. 8 Abs. 3bis AsylG steht dieser
Auslegung nicht entgegen. Ferner würde eine Prüfung der Einhaltung der
Flüchtlingskonvention die Möglichkeit der formlosen Abschreibung eines
Asylgesuchs gänzlich vereiteln, was der ratio legis und somit dem Willen
des Gesetzgebers widerspricht. Würde der Vorbehalt ebenfalls auf die
formlose Abschreibung bezogen, wäre eine zumindest summarische An-
hörung zu den Asylgründen und eine materielle Prüfung der Asylgründe
auch in diesem Fall unumgänglich. Eine materielle Prüfung würde wiede-
rum zu einem materiellen Asylentscheid führen; eine formlose Abschrei-
bung wäre somit gar nie möglich. Eine formlose Abschreibung des Asylge-
suchs setzt somit keine Prüfung der Einhaltung der Flüchtlingskonvention
voraus.
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5.
Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Wiederaufnahme des Asylver-
fahrens des Beschwerdeführers zu Unrecht abgelehnt. Die Beschwerde ist
daher gutzuheissen. Die Verfügung vom 23. April 2020 ist aufzuheben. Die
Vorinstanz ist anzuweisen, das Asylverfahren des Beschwerdeführers wie-
der aufzunehmen.
6.
6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Damit ist das Gesuch um unentgeltliche Pro-
zessführung gegenstandslos geworden.
6.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung aus-
zurichten, da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche
Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen
vom Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl.
auch Art. 111ater AsylG).
(Dispositiv nächste Seite)
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