Decision ID: f1bc80f2-b049-5cec-8f52-185540bb546c
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Edwin Bigger, Rechtsagent, Sonnenbühlstrasse 3, 9200 Gossau,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
medizinische Massnahmen
Sachverhalt:
A.
A.a Die A._ wurde am 25./26. Juni 2001 von ihrer Mutter bei der
Invalidenversicherung zum Leistungsbezug für Minderjährige angemeldet (IV-act. 2).
Nachdem Dr. med. B._, Allgemeinmedizin FMH, am 27. Juli 2001 und Dr. med. C._
am 26. September 2001 (vgl. auch Schreiben vom 9. Juli 2001) die Diagnose eines
infantilen POS bestätigt hatten (IV-act. 3 und 5), sprach ihr die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen mit Verfügung vom 15.
November 2001 für den Zeitraum vom 15. März 2001 bis 31. März 2006 medizinische
Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 404 GgV Anhang zu (IV-
act. 7). Es wurde namentlich Ergotherapie gewährt. In einem Verlaufsbericht vom
11. März 2004 (IV-act. 16) hielt Dr. C._ fest, diese Therapie sei weiterzuführen, auch
die Therapie mit zentralen Stimulantien, eventuell sei bei zunehmendem
Störungsbewusstsein eine psychotherapeutische Begleitung erforderlich. Mit
Schreiben vom 7. Juni und 7. Juli 2004 meldeten die Kinder- und
Jugendpsychiatrischen Dienste St. Gallen (KJPD) der IV-Stelle, die Versicherte sei
wegen psychischer Probleme im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 404
GgV Anhang seit dem 24. Mai 2004 in Behandlung und sie sei zu einer
kinderpsychiatrischen Beurteilung und gegebenenfalls Behandlung wegen depressiver
Verstimmungen und Verhaltensauffälligkeiten angemeldet (IV-act. 19 und 21). Am
19./20. April 2005 wurden für die Versicherte Beiträge an die Sonderschulung ab
August 2005 beantragt (IV-act. 25). Die KJPD erklärten in einem Bericht vom 8. Juni
2005, es bestehe eine psychische Fehlentwicklung im Sinne einer schweren und
dauernden Verhaltensstörung (massive Integrationsschwierigkeiten unter Gleichaltrigen
mit altersunangemessener Nähe-/Distanzregulation, dadurch bedingte soziale
Ablehnung). Es lägen eine im Vordergrund stehende schwere Kontaktstörung und
daraus resultierende schulische Integrationsprobleme aufgrund einer neurotischen
Entwicklung vor bei einem Mädchen mit vordiagnostizierter hirnfunktioneller
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Problematik und bei dem Hintergrund transgenerationaler Beziehungskonflikte (IV-
act. 32). Die IV-Stelle leistete am 18. Juli 2005 (IV-act. 36) die Kostengutsprache für die
Sonderschulmassnahmen vom 15. August 2005 bis Ende Schuljahr 2006/2007. Am
21. Februar 2006 verlängerte die IV-Stelle gestützt auf einen Verlaufsbericht von
Dr. C._ vom 9. Februar 2006 (IV-act. 38) die Kostengutsprache für die medizinischen
Massnahmen für die Zeit vom 1. April 2006 bis 31. März 2010 (IV-act. 41).
A.b Dr. med. D._, FMH Allgemeine Medizin, beantragte am 15. November 2006 bei
der IV-Stelle unter anderem wegen starker Stimmungsschwankungen und
Selbstverletzungstendenz der Versicherten für sie eine Kostengutsprache für eine
psychotherapeutische Behandlung (IV-act. 44). In einem Verlaufsbericht vom
3. Dezember 2006 (IV-act. 45) gab der Arzt an, die Versicherte leide auch an
vegetativen und Kreislauf-Störungen. Die Verschlechterung dürfte mit schwierigen
familiären Situationen (die Schwester der Versicherten sei an Leukämie erkrankt)
aufgetreten sein. Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung hielt
am 30. Januar 2007 dafür, es gehe aus den medizinischen Berichten nachvollziehbar
hervor, dass im Rahmen des Geburtsgebrechens erhebliche Verhaltensstörungen
vorlägen, die nun psychotherapeutisch behandelt werden sollten (IV-act. 48). Die IV-
Stelle bewilligte daraufhin am 30. Januar 2007 (IV-act. 49) im Rahmen der Verfügung
vom 21. Februar 2006 (ambulante) Psychotherapie für die Zeit vom 7. November 2006
bis 30. November 2008. Die Sonderschulung wurde verlängert (IV-act. 55).
A.c Am 24. Januar 2008 wies Dr. C._ die Versicherte wegen einer dramatischen
Entwicklung der seelischen Befindlichkeit stationär ins E._ Kinderschutzzentrum ein.
Im Rahmen des Geburtsgebrechens seien erhebliche Verhaltensauffälligkeiten mit
Selbstverletzung und regressiver bis depressiver Tendenz festzustellen. Es träten
häufiger Suizidgedanken auf; die emotionale und Persönlichkeitsentwicklung sei
ausgeprägt gefährdet und könne durch eine ambulante Psychotherapie nicht mehr
adäquat und ausreichend begleitet werden (IV-act. 56). Dr. med. F._, Leitung E._,
gab der IV-Stelle am 4. März 2008 (IV-act. 57) bekannt, es lägen eine mittelgradige
depressive Episode mit selbstverletzendem Verhalten, eine Somatisierungsstörung,
eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung und ein hirnorganisches
Psychosyndrom vor. Die Versicherte verfüge POS-bedingt nicht über die nötigen
Ressourcen und Strategien im Umgang mit belastenden Lebenssituationen, worauf sie
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reaktiv depressive Symptome entwickelt habe. Sie benötige längerfristig intensive
therapeutische Behandlung; zu empfehlen sei die Platzierung in einem Therapieheim.
Nach der Beurteilung des RAD vom 5. Juni 2008 handelte es sich um eine erhebliche
primäre und sekundäre Symptomatik im Rahmen des Geburtsgebrechens (IV-act. 60).
Die IV-Stelle erteilte am 5. Juni 2008 eine Kostengutsprache für den stationären
Aufenthalt im E._ ab 11. Dezember 2007 bis vorerst Sommer 2008 (IV-act. 61).
A.d Mit Verlaufsbericht vom 10. September 2008 stellte Dr. F._ bei unveränderten
Diagnosen fest, sobald ein Therapieplatz frei sei, erfolge der Eintritt der Versicherten ins
G._, um ihre berufliche Integrationsfähigkeit zu verbessern. Diese sei wegen der
labilen psychischen Befindlichkeit, der depressiven Problematik und der familiären
Dynamik (sc. bis anhin) nicht vorhanden. Eine Berufswahlentscheidung (und damit eine
Erstausbildung) sei noch nicht möglich gewesen (IV-act. 63). - Auf die Frage hin, ob
bestätigt werden könne, dass berufliche Massnahmen gesundheitsbedingt nicht
angezeigt seien, erklärte der RAD am 30. September 2008, gemäss Dr. F._ handle es
sich um eine POS-unabhängige Gesundheitsstörung, derentwegen die Versicherte
nicht an beruflichen Massnahmen teilnehmen könne (IV-act. 64). Die IV-Stelle teilte
daraufhin am 13. Oktober 2008 mit, momentan seien berufliche Massnahmen aufgrund
des Gesundheitszustands der Versicherten nicht angezeigt; medizinisch-
therapeutische Massnahmen stünden im Vordergrund. Werde sich der gesundheitliche
Zustand so stabilisiert haben, dass berufliche Eingliederungsmassnahmen möglich
seien, werde sie sich erneut melden können (IV-act. 66).
B.
B.a Mit Schreiben vom 11. März 2009 (IV-act. 68) beantragte die Beiständin der
Versicherten (bevollmächtigt für die Versicherte durch Unterschrift von deren Mutter
vom 11. März 2009, IV-act. 72) Kostengutsprache für den am 27. Oktober 2008
angetretenen Aufenthalt im G._. Die Krankheitsbilder seien den Berichten des H._
vom 29. Oktober 2008 (IV-act. 69), des Kinderschutzzentrums vom 21. Oktober 2008
(IV-act. 70) und des G._ vom 5. Februar 2009 (IV-act. 71) zu entnehmen. Das H._
berichtete, die Versicherte sei ab August 2005 (bis 11. Dezember 2007 und vom 4. Juni
2008 bis 26. Oktober 2008) im Sonderschulheim gewesen. Ihr Gemütszustand habe
sich nur leicht verbessert; ein Aufenthalt im G._ sei als beste Anschlusslösung zu
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sehen. Das Kinderschutzzentrum berichtete, durch die Behandlung habe sich der
psychische Zustand zusehends verbessert. Es zeige sich aber auch klar, dass die
Versicherte darüber hinaus eine intensive therapeutische Begleitung benötige, wie sie
nur eine Institution mit langfristigem Therapiekonzept biete. Ohne diese Massnahmen
sei die weitere Entwicklung und die anstehende berufliche Integration der Versicherten
gefährdet. Das G._ gab bekannt, vor dem Hintergrund der seit früher Kindheit
bestehenden Symptomatik mit ADHS, sozialen Schwierigkeiten, Schulangst und
Somatisierungsstörung sei eine längerfristige Behandlung angezeigt, um eine
Chronifizierung zu verhindern und eine gelingende schulisch-berufliche
Weiterentwicklung zu ermöglichen.
B.b Der RAD hielt am 8. Juli 2009 dafür, bei der Versicherten bestünden neben dem
POS weitere psychiatrische Diagnosen wie die depressive Störung und die
Somatisierungsstörung. Ein Zusammenhang zwischen ADHS [Aufmerksamkeitsdefizit-
Hyperaktivitätsstörung, engl. ADHD] und komorbiden Störungen sei seit langem
bekannt. Komorbiditäten könnten, müssten aber nicht ursächlich mit der
Grunderkrankung zusammenhängen. Obwohl die ADHD-Probleme ein wichtiger
Risikofaktor für die Entstehung einer Depression seien, sei die Depression bei Kindern
mit ADHD eine eigenständige Erkrankung und nicht blosse Demoralisierung. Zu der
depressiven Krise mit stationärer Behandlungsbedürftigkeit sei es bei der Versicherten
im Herbst 2006 im Gefolge einer familiär belasteten Situation gekommen. Bis dahin sei
die Entwicklung bei vordiagnostiziertem POS als positiv beurteilt worden. Ein direkter
Zusammenhang zwischen dem stationären Aufenthalt im G._ und dem
Geburtsgebrechen Ziff. 404 GgV Anhang sei demnach aus versicherungsmedizinischer
Sicht nicht ausgewiesen.
B.c Die IV-Stelle teilte der Beiständin der Versicherten am 9. Juli 2009 mit, dass keine
Kostengutsprache geleistet werde. Sie könne eine beschwerdefähige Verfügung
beantragen (IV-act. 76). Dies liess die Beiständin am 16. Juli 2009 tun (IV-act. 77-1).
Nach Einholen des Einverständnisses der Mutter der Versicherten mit dem Erlass einer
Verfügung eröffnete die IV-Stelle am 1. Oktober 2009 einen Vorbescheid (IV-act. 89 f.).
B.d Am 26. Oktober 2009 erhob das G._ (lic. phil. I._, Fachpsychologin für
Psychotherapie FSP, und Dr. med. J._, Kinder- und Jugendpsychiater FMH) für die
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Versicherte Einwand gegen den Vorbescheid (IV-act. 91; bestätigt durch die Beiständin
am 10. November 2009, IV-act. 93). Es sei diagnostisch von einer einfachen Aktivitäts-
und Aufmerksamkeitsstörung (Geburtsgebrechen Ziff. 404 GgV Anhang), einer
Persönlichkeitsentwicklungsstörung mit Impulsivität und emotionaler Instabilität und
einer Somatisierungsstörung auszugehen. Es sei nach wie vor anzunehmen, dass die
Versicherte an den Folgen eines leichten frühkindlichen POS leide.
B.e Auf Antrag vom 22./25. Januar 2010 für Berufsberatung und Berufsförderung (IV-
act. 94), nachdem der RAD am 26. Januar 2010 eine Invalidität bezüglich beruflicher
Massnahmen als sicherlich ausgewiesen bezeichnet hatte (IV-act. 98), und gemäss
dem Vortriage-Protokoll vom 26. Januar 2010 gewährte die IV-Stelle mit Mitteilung vom
28. Januar 2010 Berufsberatung und Abklärung der beruflichen
Eingliederungsmöglichkeiten (IV-act. 102).
B.f Konfrontiert mit dem Einwand des G._ vom 26. Oktober 2009, legte der RAD
am 17. Februar 2010 (IV-act. 105) dar, die längerfristigen stationären
Therapiemassnahmen seien aufgrund nicht POS-spezifischer, zusätzlicher kinder- und
jugendpsychiatrischer Probleme erforderlich geworden. Das Ziel sei eine Stabilisierung
des stark labilen psychischen Zustands. Es handle sich daher aus
versicherungsmedizinischer Sicht auch um eine Leidensbehandlung an sich, sodass
auch eine Kostengutsprache nach Art. 12 IVG nicht erfolgen können.
B.g Mit Verfügung vom 23. Februar 2010 wies die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
das Gesuch um Kostenübernahme für den stationären Aufenthalt der Versicherten im
G._ ab. Im Vordergrund der Behandlungsprobleme stünden offenbar eine
Persönlichkeitsentwicklungsstörung mit Impulsivität und emotionaler Instabilität sowie
die Somatisierungsstörung. Klinische Zeichen des POS seien gemäss dem
Einwandschreiben kumulativ weiterhin nachweisbar, sie seien jedoch aus
versicherungsmedizinischer Sicht nicht geeignet, die Notwendigkeit einer stationären
Betreuung zu begründen. Es handle sich um eine Leidensbehandlung, welche keine
Massnahme der IV darstelle (IV-act. 106).
C.
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Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsagent Edwin Bigger, RGB Rechts-
und Gemeindeberatung, für die (ihrerseits durch die Mutter vertretene) Betroffene am
22. März 2010 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
beantragt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Kostengutsprache für den
stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin im G._ ab 27. Oktober 2008,
eventualiter die Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur
Neubeurteilung, sowie Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung. Bereits am 5. Juni 2008 habe der RAD das Vorliegen einer
erheblichen primären und sekundären Symptomatik im Rahmen des
Geburtsgebrechens Ziff. 404 GgV Anhang bekannt gegeben, worauf Kostengutsprache
für die stationäre Behandlung im E._ erteilt worden sei. Die ärztliche Leitung des
E._ habe am 4. März 2008 längerfristig eine intensive therapeutische Behandlung zur
Verbesserung des Gesundheitszustandes als notwendig erachtet. Der
Gesundheitszustand wirke sich auf den Schulbesuch bzw. die berufliche Ausbildung
aus. Die Beschwerdeführerin verfüge POS-bedingt nicht über die nötigen Ressourcen
und Strategien im Umgang mit belastenden Lebenssituationen, worauf sie reaktiv
depressive Symptome entwickelt habe. Diese seien dementsprechend Folge des
Geburtsgebrechens. Nach dem Verlaufsbericht des Therapieheims vom 26. Oktober
2009 leide die Beschwerdeführerin nach wie vor an den Folgen eines leichten
frühkindlichen POS. Kumulativ seien nach wie vor Störungen des Verhaltens, des
Antriebs und der Aufmerksamkeit und Konzentration nachweisbar. Störungen der
Merkfähigkeit sowie des Erfassens seien im Moment eher in den Hintergrund getreten,
wahrscheinlich weil sie durch die prominente Verhaltensauffälligkeit überdeckt würden.
Um eine drohende Chronifizierung zu verhindern und eine gelingende schulisch-
berufliche Weiterentwicklung und Zukunftsorientierung zu ermöglichen, sei die
Beschwerdeführerin weiterhin klar auf einen geschützten Rahmen und auf eine
intensive therapeutisch-pädagogische Behandlung und Begleitung angewiesen. Die
Behandlung von Geburtsgebrechen sei unabhängig davon zu gewähren, ob die
versicherte Person später ins Erwerbsleben eingegliedert werden könne oder nicht,
und die Behandlung des Leidens an sich sei nicht ausgeschlossen. Die Leistungspflicht
erstrecke sich auch auf sekundäre Folgen eines Geburtsgebrechens, sofern diese in
einem qualifiziert adäquaten Kausalzusammenhang zum Geburtsgebrechen stünden.
Die Kostengutsprache für medizinische Massnahmen zur Behandlung des unstrittig
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vorhandenen Geburtsgebrechens Ziff. 404 GgV Anhang bis 31. März 2010 habe nach
wie vor Gültigkeit. Die Beschwerdegegnerin verneine nun den Kausalzusammenhang
zwischen dem Behandlungsbedürfnis im Therapieheim und dem Geburtsgebrechen
und sie schliesse auf eine reine Leidensbehandlung. Das stehe im Widerspruch zu ihrer
bisherigen Beurteilung und zu den in den Akten liegenden ärztlichen Berichten und es
widerspreche zudem der bundesgerichtlichen Rechtsprechung betreffend die
Behandlung von Geburtsgebrechen im Hinblick sowohl auf die Eingliederung als auch
auf die Behandlung des Leidens an sich. Die KJPD (am 8. Juni 2005) und Dr. C._ (am
24. Januar 2008) hätten einen Kausalzusammenhang angenommen. Gemäss dem
Bericht des E._ vom 4. März 2009 verfüge die Beschwerdeführerin POS-bedingt
nicht über die nötigen Ressourcen. Zum Zeitpunkt des Eintritts in das G._ hätten
dieselben medizinischen Befunde vorgelegen wie bei Eintritt ins E._. Dazwischen
habe sich keine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes er-geben. Daher
sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdegegnerin von ihrer ursprünglichen
Beurteilung abgewichen sei. Selbst wenn man den notwendigen Kausalzusammenhang
aber verneinen wollte, hätte die Beschwerdeführerin nach Art. 12 IVG Anspruch auf die
anbegehrte Kostengutsprache. Bei Minderjährigen würden die Kosten übernommen,
wenn das Leiden mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu einem schwer korrigierbaren,
die spätere Ausbildung und Erwerbsfähigkeit erheblich behindernden stabilen
pathologischen Zustand führte. Aufgrund des bestehenden Geburtsgebrechens
Ziff. 404 GgV Anhang und seiner Folgeerscheinungen seien derzeit weder eine
Eingliederungsfähigkeit noch eine Erwerbsfähigkeit gegeben und ohne adäquate
medizinisch-therapeutische Behandlung auch nicht zu erreichen. Die Behandlung diene
direkt der Erreichung der Eingliederungs- und Erwerbsfähigkeit. Dem Verlaufsbericht
des Therapieheims vom 26. November (recte wohl: Oktober) 2009 lasse sich denn auch
entnehmen, dass sich der psychische Zustand der Beschwerdeführerin gebessert habe
und innerhalb eines Jahres voraussichtlich eine berufliche Eingliederung angegangen
werden könne (act. G 1).
D.
Mit Beschwerdeantwort vom 1. Juni 2010 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Unbestrittenermassen leide die Beschwerdeführerin an
einem angeborenen POS. Im Herbst 2006 habe sie auf eine familiäre Krise, die mit der
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Erkrankung der älteren Schwester an Leukämie und verstärkten Schwierigkeiten in der
elterlichen Paarbeziehung zusammengehangen habe, mit einem depressiven Rückzug,
mit selbstverletzendem Verhalten und Somatisierungen reagiert. Zuvor hätten eine
schwere Kontaktstörung und daraus resultierende schulische Integrationsprobleme
aufgrund einer neurotischen Entwicklung bei vordiagnostizierter hirnfunktioneller
Problematik (Geburtsgebrechen Ziff. 404 GgV Anhang) im Vordergrund gestanden.
Diese erheblichen Verhaltensstörungen hätten eine Sonderschulbedürftigkeit begründet
und eine ambulante psychotherapeutische Behandlung der ADHS-Symptomatik
erfordert. Es sei offensichtlich, dass die im Herbst 2006 aufgetretenen psychischen
Leiden (depressive Störung und Somatisierungsstörung) nicht mehr zum Symptomkreis
des Geburtsgebrechens Ziff. 404 gehörten. Vielmehr handle es sich um psychische
Folgeleiden im Sinne eines sekundären Gesundheitsschadens. Nicht das
Geburtsgebrechen direkt habe die depressive Störung und die Somatisierungsstörung
bewirkt, sondern die Ursache habe in einer Familienkrise bestanden. Es könne
demnach nicht davon ausgegangen werden, dass die im 15. Altersjahr aufgetretenen
psychischen Leiden eine fast zwangsläufige Konsequenz des Geburtsgebrechens
darstellten. Der geforderte qualifizierte adäquate Kausalzusammenhang sei zu
verneinen und es bestehe daher kein Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Übernahme der Kosten des zur Behandlung des psychischen
Folgeleidens des Geburtsgebrechens Ziff. 404 GgV Anhang notwendig gewordenen
stationären Aufenthalts im G._ gestützt auf Art. 13 IVG. Auch die Kosten für den
stationären Aufenthalt im Kinderschutzzentrum hätten nicht gestützt auf Art. 13 IVG
übernommen werden dürfen. Bei der erteilten Kostengutsprache für den Aufenthalt im
E._ habe es sich nicht um eine zeitlich unbefristet zugesprochene Dauerleistung
gehandelt, die nur unter den Voraussetzungen des Art. 17 ATSG abgeändert werden
könnte. In Bezug auf den stationären Aufenthalt im G._ stehe somit einer anderen
Beurteilung eines seit dem Aufenthalt im Kinderschutzzentrum nicht wesentlich
veränderten medizinischen Sachverhalts kein formellrechtliches Hindernis entgegen.
Was einen möglichen Anspruch nach Art. 12 IVG betreffe, habe der RAD in einer
plausiblen Beurteilung vom 17. Februar 2010 festgehalten, Ziel der stationären
Therapie sei eine Stabilisierung des stark labilen psychischen Zustandes und es handle
sich um eine Leidensbehandlung. Aufgrund der Aktenlage lasse sich keine für einen
Leistungsanspruch nach Art. 12 IVG erforderliche günstige Prognose stellen, auch
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wenn sich inzwischen ein gewisser Behandlungserfolg mit Stabilisierung der
psychischen Situation ergeben haben sollte. Daraus könnte nämlich noch nicht
geschlossen werden, dass der drohende Defekt mit seinen negativen Auswirkungen
auf die Berufsbildung und die Erwerbsfähigkeit ganz oder in wesentlichem Ausmass
verhindert werden könne. Auch gestützt auf Art. 12 IVG bestehe kein Anspruch auf die
Kostenübernahme (act. G 5).
E.
Dem Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) hat die Verfahrensleitung am
3. Juni 2010 stattgegeben (act. G 7).
F.
Mit Replik vom 21. Juni 2010 bemängelt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin,
die Beschwerdegegnerin stelle sich ohne aktuelle fachärztliche Abklärung auf den
Standpunkt, die im Herbst 2006 aufgetretenen psychischen Leiden gehörten nicht
mehr zum Symptomenkreis des Geburtsgebrechens Ziff. 404 GgV Anhang, sondern
seien durch eine Familienkrise verursacht. Sie lasse dabei völlig ausser Acht, dass
dieses Geburtsgebrechen Defizite im Bereich der Affektivität und Kontaktfähigkeit, des
Antriebs, des perzeptiven und kognitiven Erfassens, der Konzentration und der
Merkfähigkeit betreffe und dass Stimmungsschwankungen und komorbide depressive
Störungen zum primären und sekundären Symptomenkreis des Gebrechens gehörten.
Auch Somatisierungsstörungen könnten die Folge des Geburtsgebrechens Ziff. 404
GgV Anhang sein. Die erwähnten Leiden seien zwar möglicherweise durch die
Familienkrise ausgelöst worden, sie seien aber klar Folge des vorbestehenden
Geburtsgebrechens. Eine qualifizierte Kausalität sei gegeben. Die Beschwerdegegnerin
lasse auch unberücksichtigt, dass alle bisher erforderlichen schulischen und
medizinischen Massnahmen ganz klar zufolge des Geburtsgebrechens notwendig
gewesen seien. Aus den Berichten des Kinderschutzzentrums und des G._ gehe
hervor, dass die Behandlung wegen des Geburtsgebrechens und der darauf
zurückzuführenden Gesundheitsschädigungen erforderlich sei. Diesen nach
persönlicher Untersuchung und Behandlung erstatteten Berichten sei ein erheblich
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grösseres Gewicht beizumessen als der bloss theoretischen Aktenbeurteilung der
RAD-Ärztin. Die Behauptung, die Kosten des Aufenthalts im Kinderschutzzentrum
hätten gemäss Art. 13 IVG nicht übernommen werden dürfen, entbehre jeder
sachlichen Grundlage. Die Unterbringung im Therapieheim sei mit dem Ziel erfolgt, die
Beschwerdeführerin entwicklungs- und ressourcenorientiert zu behandeln, ihre
Persönlichkeit zu stärken, sie gesundheitlich zu stabilisieren, einem drohenden Defekt
entgegenzuwirken und ihre berufliche Eingliederung zu ermöglichen. Den Berichten des
Therapieheims könne entnommen werden, dass eine Verhinderung eines drohenden
Defekts mit seinen negativen Auswirkungen auf die Berufsbildung und die
Erwerbsfähigkeit erwartet werden könne. Der psychische Zustand habe sich denn auch
gebessert. Es handle sich nicht lediglich um Leidensbehandlung, sondern es gehe
darum, die Beschwerdeführerin im Hinblick auf die Berufsausbildung und die spätere
Erwerbsarbeit zu fördern. Ein aktueller Bericht des Therapieheims hätte aufzeigen
können, dass eine günstige Prognose gestellt werden könne. Ab Anfang 2010 sei ein
individuelles Arbeitstraining durchgeführt worden, das ausserordentlich positiv
verlaufen sei, wie sich der beigelegten Auswertung des Internen Arbeitstrainings und
der Selbsteinschätzung entnehmen lasse. Gemäss dem Standortgespräch im
Therapieheim vom 11. März 2010 habe sich die Behandlung sehr positiv ausgewirkt.
Zurzeit sei die Beschwerdeführerin in einer Schnupperlehre. Am 8. Juli 2010 werde sie
aus dem Therapieheim austreten können. Durch die Behandlung im Therapieheim habe
die Ausbildungsreife und -fähigkeit erreicht werden können. Die Beschwerdeführerin
sei nun gesundheitlich in der Lage, eine berufliche IV-Eingliederung zu absolvieren.
Auch die Voraussetzungen eines Anspruchs nach Art. 12 IVG seien erfüllt (act. G 8).
G.
Die Beschwerdegegnerin hat am 1. Juli 2010 an ihrem Antrag festgehalten und im
Übrigen auf die Erstattung einer Duplik verzichtet (act. G 10).

Erwägungen:
1.
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Mit der angefochtenen Verfügung vom 23. Februar 2010 wies die Beschwerdegegnerin
das Gesuch um Kostenübernahme für einen stationären Aufenthalt der
Beschwerdeführerin im G._ (ab Oktober 2008) ab. Nur Art. 13 IVG wurde
ausdrücklich als Verfügungsgrundlage erwähnt, die allfällige Anspruchsgrundlage von
Art. 12 IVG klang nur bei der Begründung an. Indessen bildet Streitgegenstand
jedenfalls die Gewährung der beantragten medizinischen Massnahmen, sei es unter
dem Titel von Art. 13 oder jenem von Art. 12 IVG. Die Beschwerdegegnerin hat den
Anspruch in der Beschwerdeantwort denn auch zu Recht unter beiden Aspekten
behandelt.
2.
2.1 Nach Art. 13 Abs. 1 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr
Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2 ATSG)
notwendigen medizinischen Massnahmen. Gemäss Art. 1 Abs. 2 der Verordnung über
Geburtsgebrechen (GgV) sind die Geburtsgebrechen in der Liste im Anhang aufgeführt.
Ziff. 404 GgV Anhang nennt als Geburtsgebrechen (verkürzt) kongenitale Hirnstörungen
mit vorwiegend psychischen und kognitiven Symptomen bei normaler Intelligenz. Der
Anspruch gemäss Art. 13 IVG besteht unabhängig von der Möglichkeit einer
Eingliederung in das Erwerbsleben (vgl. Art. 8 Abs. 2 IVG). Die Behandlung des Leidens
an sich ist nicht ausgeschlossen (ZAK 1961 S. 206).
2.2 Gegenstand der medizinischen Behandlung bilden die Geburtsgebrechen und alle
Begleiterscheinungen, die medizinisch gesehen zum Symptomenkreis des infrage
stehenden Geburtsgebrechens gehören (vgl. Ulrich Meyer, Rechtsprechung des
Bundesgerichts IVG, 2. A. 2010, 157).
2.3 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts erstreckt sich der Anspruch auf
medizinische Massnahmen ausnahmsweise auch auf die Behandlung sekundärer
Gesundheitsschäden, die zwar nicht mehr zum Symptomenkreis des
Geburtsgebrechens gehören, aber nach medizinischer Erfahrung häufig die Folge
dieses Gebrechens sind. Zwischen dem Geburtsgebrechen und dem sekundären
Leiden muss gemäss dem Bundesgericht ein qualifizierter adäquater
Kausalzusammenhang bestehen. Nur wenn im Einzelfall dieser qualifizierte ursächliche
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Zusammenhang zwischen sekundärem Gesundheitsschaden und Geburtsgebrechen
gegeben ist und sich die Behandlung überdies als notwendig erweist, hat die
Invalidenversicherung im Rahmen des Art. 13 IVG für die medizinischen Massnahmen
aufzukommen (BGE 100 V 41; AHI 2001 S. 79 E. 3a; Pra 1991 Nr. 214 S. 906 E. 3b). An
die Erfüllung der Voraussetzungen des rechtserheblichen Kausalzusammenhangs sind
danach strenge Anforderungen zu stellen, zumal der Wortlaut des Art. 13 IVG den
Anspruch der versicherten Minderjährigen auf die Behandlung des Geburtsgebrechens
an sich beschränkt (AHI 1998 S. 249 E. 2a; zum Ganzen auch der
Bundesgerichtsentscheid i/S A. vom 9. August 2007, I 32/06; vgl. Rz 11 des vom
Bundesamt für Sozialversicherungen erlassenen Kreisschreibens über die
medizinischen Eingliederungsmassnahmen in der Invalidenversicherung = KSME). Die
Häufigkeit des sekundären Leidens stellt nicht das allein entscheidende Kriterium für
die Bejahung eines qualifizierten adäquaten Kausalzusammenhanges dar (Entscheid
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S A. vom 14. Oktober 2004, I 438/02).
Der qualifizierte Zusammenhang zwischen dem Geburtsgebrechen und dem
sekundären Leiden ist darin zu erblicken, dass aus medizinischer Sicht in bestimmten
Fällen die Behandlung des Geburtsgebrechens und des sekundären Leidens als
Behandlungsgesamtheit aufgefasst werden muss (so ein nicht veröffentlichter
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 25. April 2002, der
allerdings - jedoch aus anderem Grund - durch den Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts in gleicher Sache vom 14. Oktober 2004, I 438/02, aufgehoben
worden ist).
3.
3.1 Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin am Geburtsgebrechen Ziff. 404
GgV Anhang leidet. Die Beschwerdegegnerin hat ihr denn auch am 15. November 2001
medizinische Massnahmen zu dessen Behandlung bis 31. März 2006 zugesprochen
und den Anspruch am 21. Februar 2006 bis 31. März 2010 verlängert.
3.2 Die Indikation für die in Frage stehende stationäre medizinische Massnahme
wurde von Dr. F._ gemäss dem Bericht vom 10. September 2008 gestellt. Die
Beschwerdeführerin benötige längerfristig eine intensive therapeutische Behandlung,
damit der Gesundheitszustand und die Ausbildungs- und Eingliederungsfähigkeit
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verbessert werden könnten. Eine ambulante Psychotherapie habe die
Beschwerdeführerin nicht adäquat und ausreichend stabilisieren können. Ein direkter
Übertritt aus dem Kinderschutzzentrum in eine Therapiestation mit langfristigem
Therapiekonzept sei angestrebt worden, aus Platzgründen aber nicht möglich
gewesen. Eine berufliche Eingliederung war, wie der RAD bestätigt hatte, damals
infolge der (vom RAD als POS-unabhängig bezeichneten) Gesundheitsstörungen nicht
möglich. Dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin während des aus medizinischen
Gründen erforderlichen Aufenthalts im Therapieheim auch die Schule besuchte, kommt
in diesem Zusammenhang keine relevante Bedeutung zu. Die Notwendigkeit der
medizinischen Massnahme ist zu Recht unstrittig geblieben, ebenso wie die
Geeignetheit der Institution.
3.3 Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, die im Herbst 2006
aufgetretene depressive Störung und die Somatisierungsstörung gehörten nicht mehr
zum Symptomenkreis des Geburtsgebrechens, sondern seien Folgeleiden. Nicht das
Geburtsgebrechen direkt, sondern eine Familienkrise habe diese Störungen bewirkt.
Der geforderte Zusammenhang liege nicht vor. Der RAD hatte dafürgehalten, die
Massnahmen seien aufgrund nicht POS-spezifischer, zusätzlicher kinder- und
jugendpsychiatrischer Probleme erforderlich geworden (17. Februar 2010) bzw. ein
direkter Zusammenhang zwischen dem Bedarf nach dem stationären Aufenthalt im
G._ und dem Geburtsgebrechen sei nicht ausgewiesen (8. Juli 2009).
3.4 Schon im März 2004 zeigte sich bei der Beschwerdeführerin, dass
möglicherweise eine psychotherapeutische Begleitung erforderlich werden könnte. Im
Mai 2004 wurde eine solche Behandlung aufgenommen. Die behandelnden KJPD
hielten im Sommer 2004 fest, die psychischen Probleme - berichtet wurde bereits von
depressiven Verstimmungen und Verhaltensauffälligkeiten - stünden im
Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen. Im Bericht vom 8. Juni 2005 führten die
KJPD die Verhaltensstörung (im Vordergrund stehe eine schwere Kontaktstörung) auf
eine neurotische Entwicklung bei einem Mädchen mit vordiagnostizerter
hirnfunktioneller Problematik (Geburtsgebrechen Ziff. 404 GgV Anhang) und beim
Hintergrund von Beziehungskonflikten zurück. Nach der Aktenlage trat im Jahr 2006
eine Verschlechterung des Gesundheitszustands ein, die sich im Zusammenhang mit
einer Erkrankung der Schwester und damit verbundenen familiären Schwierigkeiten
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ergeben haben dürfte. Im Januar 2008 berichtete Dr. C._ von einer (weiteren)
dramatischen Entwicklung der seelischen Befindlichkeit; nach Auffassung des Arztes
bewegten sich die Verhaltensauffälligkeiten im Rahmen des Geburtsgebrechens.
Dr. F._ benannte am 4. März 2008 als Diagnosen eine depressive Episode, eine
Somatisierungsstörung, eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung und ein
hirnorganisches Psychosyndrom und erklärte die (reaktive) Entwicklung depressiver
Symptome der Beschwerdeführerin mit einem POS-bedingten Mangel an Ressourcen
und Strategien zum Umgang mit belastenden Lebenssituationen.
3.5 Es ist unter diesen Umständen davon auszugehen, dass die KJPD, Dr. C._ und
Dr. F._ einen Zusammenhang der psychischen Probleme (depressive Störungen und
Verhaltensauffälligkeiten) der Beschwerdeführerin mit dem Geburtsgebrechen be
stätigten. Dem Verlaufsbericht von Dr. F._ vom 10. September 2008 lässt sich kein
Anhaltspunkt für eine Abkehr von der diesbezüglichen Beurteilung entnehmen. Der
Hinweis auf den Einfluss der familiären Dynamik (schon bei Dr. D._) vermag hieran
nichts zu ändern, muss doch nach überzeugender fachärztlicher Einschätzung von
Dr. F._ davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin infolge des
Geburtsgebrechens nicht in der Lage ist, belastende Situationen zu bewältigen.
3.6 Eine entsprechende Würdigung der Aktenlage vor Eintreffen des Verlaufsberichts
vom 10. September 2008 nahm auch der RAD am 30. Januar 2007 und am 5. Juni
2008 vor. Es handle sich um eine erhebliche primäre und sekundäre Symptomatik im
Rahmen des Geburtsgebrechens. Der genannte Verlaufsbericht von Dr. F._ indessen
beschreibt nach Auffassung des RAD vom 30. September 2008 einen POS-
unabhängigen Gesundheitsschaden. Aus dem Bericht geht allerdings wie erwähnt
keine solche Feststellung hervor. Der RAD räumte ausserdem auch am 8. Juli 2008
weiterhin ein, ein Zusammenhang zwischen ADHS und komorbiden Störungen sei seit
langem bekannt und ADHD-Probleme seien ein wichtiger Risikofaktor für die
Entstehung einer Depression. Dass die Depression bei Kindern mit ADHD keine blosse
Demoralisierung bedeutet, sondern eine Erkrankung ist, wie der RAD feststellt, ändert
nichts am Zusammenhang der beiden Leiden. Der Schlussfolgerung, es handle sich um
eigenständige Erkrankungen, kann bei den vorliegenden medizinischen Akten nicht
gefolgt werden. Depressionen können denn auch - wie das Bundesgericht im
Entscheid i/S L. vom 9. August 2007, I 29/06 E. 6.3, festgehalten hat - entsprechend
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den Erkenntnissen der medizinischen Fachwelt bei Jugendlichen zum breiten
Symptomenspektrum des POS gehören. Ob die nebst der Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung vorliegenden Diagnosen einer depressiven Episode und einer
Somatisierungsstörung der Beschwerdeführerin zum Symptomenkreis des
Geburtsgebrechens selbst gehören oder Folgeleiden sind, kann offen bleiben, da
aufgrund der medizinischen Aktenlage mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein
ausreichend enger Kausalzusammenhang im Sinne der Rechtsprechung zum
Geburtsgebrechen Ziff. 404 GgV Anhang vorliegt. Die stationäre Behandlung im G._
stellt demnach Behandlung des Geburtsgebrechens bzw. seiner psychischen
Folgeleiden dar und ist als medizinische Massnahme gemäss Art. 13 IVG von der
Beschwerdegegnerin zu übernehmen. Die angefochtene Verfügung ist demnach
aufzuheben.
4.
Angemerkt werden kann, dass auch ein Anspruch der Beschwerdeführerin gemäss
Art. 12 IVG nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen wäre. Nach dessen Wortlaut
haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr zwar Anspruch auf medizinische
Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern unmittelbar
auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich gerichtet und
geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher
Beeinträchtigung zu bewahren (Abs. 1). Nichterwerbstätige Personen vor dem
vollendeten 20. Altersjahr gelten aber als invalid, wenn die Beeinträchtigung ihrer
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit voraussichtlich eine ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit zur Folge haben wird (Art. 5 Abs. 2 IVG in Verbindung mit
Art. 8 Abs. 2 ATSG). Nach der Rechtsprechung zu der bis 31. Dezember 2007 in Kraft
gewesenen, keine Alters-beschränkung enthaltenden Fassung von Art. 12 IVG konnten
medizinische Vorkehren bei Jugendlichen deshalb schon dann überwiegend der
beruflichen Eingliederung dienen und trotz des einstweilen noch labilen
Leidenscharakters von der Invalidenversicherung übernommen werden, wenn ohne
diese Vorkehren eine Heilung mit Defekt oder ein sonstwie stabilisierter Zustand
einträte, wodurch die Berufsbildung oder die Erwerbsfähigkeit oder beide
beeinträchtigt würden (AHI 2003 S. 104 E. 2; ZAK 1966 S. 97 ff., 100). Die vor der
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Änderung von Art. 12 Abs. 1 IVG durch Rechtsprechung geschaffene Rechtslage sollte
mit der Gesetzesänderung auf den 1. Januar 2008 für Kinder und Jugendliche
klarerweise nicht verschärft werden. Die Praxis, wonach bei Kindern und Jugendlichen
selbst bei labilem Leidenscharakter medizinische Mass-nahmen übernommen wurden,
wenn ohne diese eine Heilung mit Defekt oder ein sonstwie stabilisierter Zustand
einträte, sollte beibehalten werden (vgl. auch Ulrich Meyer, a.a.O., S. 133 f.). Der seit
1. Januar 2008 in Kraft stehende Art. 12 Abs. 1 IVG ist daher nicht seinem Wortlaut
entsprechend anzuwenden (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen i/S S. vom 13. August 2010, IV 2009/443 und 457). Im Bericht des
Therapieheims vom 26. Oktober 2009 sind ausserdem Anhaltspunkte für eine durch die
Massnahme positiv beeinflusste Entwicklung beschrieben worden.
5.
5.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 23. Februar 2010 zu schützen. Die Beschwerdeführerin
hat Anspruch auf medizinische Massnahmen nach Art. 13 IVG in Form der beantragten
stationären Behandlung. Die Beschwerdegegnerin wird den Umfang der Leistungen
noch festzusetzen haben.
5.2 Angesichts des Unterliegens der Beschwerdegegnerin rechtfertigt es sich, ihr die
Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert
festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG), gesamthaft aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1
VRP/SG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen. Die Bewilligung
der unentgeltlichen Prozessführung ist obsolet.
5.3 Die Beschwerdeführerin hat bei vollem Obsiegen Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61
lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). Eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) erscheint vorliegend als
angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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