Decision ID: 0d450ca4-2d5f-5b03-b4c6-f5a4575f1fa9
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1981, meldete sich am
4.
Februar 2013
(
Eingangsdatum) unter Hinweis auf psychische Beschwerden und eine depressive Entwicklung seit September 2012 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/4).
Nach medizinischen sowie
beruf
-
lichen
Abklärungen
und durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 1
6.
Juni 2014,
Urk.
8/28; Einwand vom
4.
Juli 2014,
Urk.
8/32;
ergän
-
zende
Einwandbegründung
vom 2
6.
August 2014,
Urk.
8/36) wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 3
0.
Oktober 2014 das Leistungsbegehren ab (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 2
8.
November 2014 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihr mit Wirkung ab dem
4.
Februar 2013 eine ganze unbefristete Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ein
bidisziplinäres
Gutachten in die Wege zu leiten. Gestützt auf das Gutachten sei über den Anspruch auf eine
IV-Rente erneut zu verfügen.
Mit Beschwerdeantwort vom 1
5.
Januar 2015 (
Urk.
7 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
8/1-42) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 1
9.
Januar 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen
Verfügung (
Urk.
2) aus, dass keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vorlägen. Die dargestellten Einschränkungen würden keinen langdauernden
Gesundheitsscha
den
begründen, der die Arbeitsfähigkeit in erheblichem Masse einzuschränken vermöge.
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber im Wesentlichen vor,
dass es sich um eine
chronifizierte
Depression handle, welche seit ihrem Auftreten nie remittiert sei und keine Phasen einer länger andauernden vollständigen Besse
rung aufgewiesen habe. Die Depression basiere auch entgegen der Beurteilung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) nicht auf psychosozialen
Belas
tungsfaktoren
und sei als andauernd und resistent zu bezeichnen, da es trotz
depressionsspezifischer Behandlung nicht zu einer massgeblichen Verbesserung gekommen sei (
Urk.
1 S. 9 f.).
Eventualiter sei sowohl aus somatischer als auch psychiatrischer Sicht der Gesundheitsschaden abzuklären (
Urk.
1 S. 11 f.).
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
7) konstatierte die Beschwerdegegnerin, es lägen enorme psychosoziale Belastungsfaktoren vor. Der Zustand der Beschwer
deführerin würde sich bei deren Wegfallen massgeblich bessern, folglich sei die psychosoziale Belastungssituation IV-fremd und dürfe nicht berücksichtigt wer
den. Der im Beschwerdeverfahren eingereichte Bericht bestätige den komplika
tionslosen und erfolgreichen Verlauf nach der
Magenbypassoperation
.
2.
2.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Erwerbsunfä
higkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3
2.3.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.3.2
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
2.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Administrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.4, publiziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S. 3)
.
3.
Die medizinische Aktenlage präsentiert sich im Wesentlichen wie folgt:
3.1
Med.
pract
. Y._
notierte in seinem Bericht vom
8.
Januar 2013
(
Urk.
8/11 S. 5)
, dass die Beschwerdeführerin seit längerem an depressiver Stimmung mit Angstzuständen leide. Sie sei am 1
5.
September 2012 mit psychosozialen Belastungen zu ihm gekommen und klage über Schlafstörungen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Antriebslosigkeit, niedergeschlagene Stimmung sowie Kraft- und Lustlosigkeit. Sie leide auch an Adipositas per Magna (BMI 49). Aktuell sei
sie nicht in der Lage, zu arbeiten und sei seit dem 1
5.
September 2013 bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig.
3.2
Dr.
med.
Z._
, Psychiatrie und Psychotherapie
FMH
, untersuchte die Beschwerdeführerin im Auftrag der Krankentaggeldversicherung am 1
9.
März 2013 (
Urk.
8/13
).
Dr.
Z._
konstatierte, dass die Beschwerde
führerin im Jahr 2012 eine depressive Episode entwickelt habe, weswegen sie nun in psychiatrischer Behandlung sei. Diese depressive Episode sei nicht unmittelbar nach der Geburt des K
indes in Erscheinung getreten, so dass
die Diagnose der postnatalen Depression ausgeschlossen werden könne. Das Kind sei im April geboren worden, die Depression sei erst im September in Erschei
nung getreten (
Urk.
8/13 S. 5).
Die Beschwerdeführerin zeige als Symptome der Depression eine depressive Stim
mung in einem deutlich ungewöhnlichen Ausmass während der meisten Zeit des Tages, was sich im Untersuchun
gsgespräch in einer Traurigkeit zeige.
Es bestehe ein
Interessens- und Freudeverlust an Aktivitäten, die normalerweise angenehm
gewesen seien
(so gehe sie ihren Lieblingsbeschäftigungen, dem Spa
zieren und Ein
kaufen, nicht mehr nach).
S
ie zeige eine gesteigerte Ermüdbar
keit, habe einen Verlust des Selbstwertgefühls und mache sich Selbstvorwürfe. Sie habe Suizidgedanken und zeige ein vermindertes Denk- und
Konzentrati
ons
-Vermögen, was anamnestisch beklagt werde, sich jedoch auch im
Untersu
chungsgespräch
in einer Verlangsamung zeige. Sie leide unter Schlafstörungen und habe einen gesteigerten Appetit mit entsprechender Gewichtsveränderung (
Urk.
8/13 S. 5).
Da neun Symptome der depressiven Episode vorlägen, könne die Diagnose der schweren, depressiven Episode ohne psychotische Symptome gestellt werden (
Urk.
8/13 S. 5).
Aufgrund der Schwere der psychiatrischen Erkrankung, der schweren depressi
ven Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
, sei die Beschwerde
führerin zu 100
%
arbeitsunfähig. Die Teilnahme am Arbeitsprozess sei zu 100
%
verunmöglicht aufgrund der starken Einschränkungen im Denk- u
nd Konzentrations-Vermögen, de
r Verlangsamung und Ermüdbarkeit sowie
der
starke
n
Traurigkeit (
Urk.
8/13 S. 5).
Es könne mit einer namhaften Besserung gerechnet werden,
wozu
eine Psycho
therapie notwendig
sei
. Es sei davon auszugehen, dass sie ab dem
1.
Juli 2013 zu 50
%
und ab dem
1.
August 2013 zu 100
%
arbeitsfähig sei unter Berück
sichtigung eines Pensums von 8.4h/Tag (
Urk.
8/13 S. 6).
3.3
Die behandelnden Ärzte bzw. Therapeuten des
A._
notierten in ihrem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Arztbericht vom 1
0.
Juli 2013 folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit (
Urk.
8/18 S. 6):
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
Adipositas per magna (E66.0, BMI=47) mit/bei
Status nach Magenbypass-
Op
(02.05.2013)
Status nach
Cholezystektomie
(02.05.2013)
Die Beschwerdeführerin befinde sich seit dem
6.
Februa
r 2013 bei ihnen in Behandlung (
Urk.
8/18 S. 6).
Sie
sei vollumfänglich arbeitsunfähig seit dem 1
5.
November 2012 bis heute. Sie leide nach wie vor unter starker Erschöpfung,
Durchschlaftstörungen
und
Antriebslosigkeit.
Die Konzentrations- und Merkfä
higkeiten seien erheblich reduziert, das Denken und Sprechen seien deutlich verlangsamt. Der Hamilton Score unter Einnahme der Antidepressiva sei 22, was einer mässigen Depression entspreche. In vier Monaten könne eine weitere Einschätzung der Arbeitsfähigkeit und evtl. eine erste Arbeitserprobung vorge
nommen werden. Da sie sehr motiviert sei, wieder ins Berufsleben einzusteigen
,
und sich in der Behandlung kooperativ gezeigt habe, könne von einer vorsichtig günstigen Prognose ausgegangen werden (
Urk.
8/18 S. 5).
3.4
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, nahm im Auftrag der Krankentaggeldversicherung am 1
5.
August 2013 Stellung zu den Akten (
Urk.
8/20 S. 2 ff.).
In der Würdigung der zur Verfügung stehenden Unterlagen komme er zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin nach wie vor eine depressive Störung, schwere Episode ohne psychotische Symptome
,
vorliege. Somit habe sich der psychische Zustand der Beschwerdeführerin bisher nicht aufgehellt.
3.5
Die behandelnden Ärzte und Therapeuten des
A._
hielten in ihrem von der Krankentaggeldversicherung eingeholten
Arztbe
richt
vom 2
9.
April 2014
(
Urk.
8/25 S. 3) 1) eine mittelgradige depressive Epi
sode (ICD-10 F32.1), 2) einen Verdacht auf
eine
einfache Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (ICD- 10 F90.0) und 3) einen Status nach Adipositas per magna (E66.0, BMI=47) mit/bei Status nach Magenbypass-
Op
am
2.
Mai 2013 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest
.
Die Beschwerdeführerin besuche seit Juli 2013 regelmässig eine Einzeltherapie 14-tägig. Seit November 2013 besuche sie regelmässig Gruppentherapien und im Februar 2014
habe sie
mit dem tagesklinischen Rehabilitationsprogramm angefangen, welches sie in den nächsten Tagen abschliesse. Die Teilnahme an der Gruppentherapie und
am
Rehabilitationsprogramm habe einen mässigen Anstieg in der Stimmung erwirkt. Der Verlauf sei jedoch immer wieder durch
die einschneidenden Ereignisse im Privatleben der Beschwerdeführerin erschwert worden: Der Ehemann habe aufgrund einer Erkrankung im Herbst 2013 den Job verloren, die Mutter habe einen Hirnschlag erlitten und der Schwiegervater sei gestorben
. Diese Ereignisse hätten natürlich immer wieder
depressive Rückfälle
mit Zukunftsängsten und Hoffnungslosigkeitsgefühle
n
bei der Beschwerdeführerin ausgelöst. Gleichzeitig habe sie nach wie vor sehr starke Bel
astungen durch die Konsequenzen
der Magenbypass-
Op
: Haarausfall,
Ver
dauungsprobleme
usw. Bei der Exploration und beim Erfragen von
Konzentrati
ons
- und Aufmerksamkeitsvermögen über längere Zeit sei aufgefallen, dass sie bereits in der Kindheit und Jugend diesbezüglich Probleme gehabt habe. Daraus ergäbe sich ein Verdacht auf eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung, welcher momentan genau überprüft werde (
Urk.
8/26 S. 2 f.).
Die Beschwerdeführerin sei in ihrer Konzentrations- und Merkfähigkeit weiter
hin deutlich eingeschränkt, Denken und Reden seien weniger verlangsamt. Sie sei insgesamt motorisch etwas aktiver geworden, habe nach wie vor starke Kopfschmerzen, zeitweise starke Schwindelanfälle. Sie könne problemlos ein
schlafen, schlafe 2 bis 3 Stunden durch und schlafe wieder ein. Im Zusammen
hang mit der Magen-
Op
bestünden starke Verdauungsprobleme, Haarausfall und ein tiefer Eisenspiegel. Mit diesen Voraussetzungen sei sie zu 100
%
arbeitsunfähig. Die somatischen sowie psychischen Beschwerden müssten zuerst deutlich reduziert werden, damit sie zwei bis drei Stunden täglich belastbar sei. Voraussichtlich könne erst ab September 2014 damit gerechnet werden. Sie empfählen, dass die Beschwerdeführerin mit zwei Stunden täglich im Rahmen eines Arbeitsversuches anfangen könne. Wichtig sei dabei, dass sie noch keinen direkten Kundenkontakt habe (
Urk.
8/26 S. 4).
3.6
RAD-Ärztin
Dr.
me
d.
C._
, Allgemeine In
nere Medizin, konstatierte in ihrer Stellungnahme vom
3.
Juni 2014 (
Urk.
8/27 S.
3
f.), dass aus medizini
scher Sicht die aktuelle durch das
A._
attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit bei dargestellter mittelgradiger depressiver Episode nicht mehr nachvollzogen werden könne. Auch aussergewöhnliche Folgen einer
Magenbypassoperation
würden nicht beschrieben. Bei guter bisheriger Lebens- und Berufsbewährung sei auch der Verdacht auf ADHS nicht als massgeblich zu beurteilen. Bei mittelgradiger depressiver Episode sei nicht von einer dauerhaf
ten Einschränkung, oder einer Einschränkung über 50
%
- dies in der Regel auch nur temporär - auszugehen. Massgebliche psychosoziale Faktoren würden für die bisher fehlende Besserung dargestellt.
3.7
Die behandelnden Ärzte des
D._
hielten in ihrem im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten Arztbericht
vom
6.
Mai 2014
bezüglich
des
Allgemeinzustandes
fest, dass die Beschwerdeführerin ein Jahr postoperativ 43 kg abgenommen habe. Sie sei mit dem Resultat sehr zufrieden. Es erfolge eine regelmässige Substitution vom Hausarzt von Vitamin B12 und Eisen. Sie sei weiterhin arbeitsunfähig. Sie klage auch noch über Durchfall, welcher einmal pro Woc
he auftreten würde bei ansonsten
normalem Stuhlgang. Sie klage auch über Blähungen (vgl.
Urk.
3).
4.
4.1
Auf die Arztberichte der Ärzte bzw. Therapeuten des
A._
, insbesondere
auf
den letzten aktenkundigen Bericht vom 2
9.
April 2014 (vgl. E. 3.5) kann nicht abgestellt werden: Sie verneinten die Frage, ob psychosoziale bzw. sozio-kulturelle Belastungsfaktoren
,
wie kulturelle Eigen
heiten
,
einen Einfluss auf die Schwere der Depression hätten. Die Beschwerde
führerin sei in der Schweiz aufgewachsen, habe ihre Ausbildung in der Schweiz absolviert und sei bestens integriert. Demzufolge würden die kulturellen Beson
derheiten keine grössere Rolle als bei einer Berufsfrau schweizerischer Herkunft spielen (
Urk.
8/25 S.
4)
. Gleichzeitig stellten sie
verschiedene psychosoziale Belastungsfaktoren der Beschwerdeführerin ausführlich
dar,
insbesondere den
Jobverlust des Ehemannes
im Herbst 2013, de
n
Hirnschlag der Mutter und de
n
Tod des Schwiegervaters
, welche
immer wieder depressive Rückfälle mit Zukunftsängsten und Hoffnungslosigkeitsgefühlen ausgelöst hätten.
Des Wei
teren sei sie n
ach wie vor stark belastet durch die Konsequenzen der
Magenby
pass-Op
wie Haarausfall, Verdauungsprobleme usw. (
Urk.
8/25 S. 3).
Aufgrund dieser widersprüchlichen Ausführungen als auch unter Hinweis auf die Erfahrungstatsache, dass behandelnde
Arztpersonen
beziehungsweise
Thera
piekräfte
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125
V 351 E. 3b/cc),
kann nicht auf die Berichte des
A._
abgestellt werden.
4.2
Auch die zuhanden der Krankentaggeldversicherung erstellten Berichte von
Dr.
Z._
und
Dr.
B._
lassen keine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu
:
Dr.
Z._
ging in seinem Bericht vom 1
9.
März 2013 noch davon aus, dass die Beschwerdeführerin ab dem
1.
Juni
zu 50
%
und ab dem
1.
August 2013 zu 100
%
arbeitsfähig se
in werde (
Urk.
8/13 S. 6).
Dr.
B._
kam nach
einer Aktenbeurteilung in seinem
Bericht vom 1
5.
August 2013 hingegen zum
Schluss, dass der bisherige Verlauf diese prognostischen Aussagen nicht habe bestätigen können (
Urk.
8/20 S. 3).
Dr.
B._
hielt dafür, dass in Würdigung des Berichts von
Dr.
Z._
als auch de
s
Bericht
s
von
Dr.
med.
E._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und
Dr.
phil.
F._
, klinischer Psychologe, vom 2
8.
Juni 2013 nach wie vor eine depressive Störung, schwere Episode ohne psychotische Symptome
,
vorliege (
Urk.
8/20 S. 3).
Dr.
B._
war gestützt auf seine Ausführungen nicht in Besitz des
zuhanden der Beschwerdegegnerin erstellten
Berichtes des
A._
vom 1
0.
Juli 2013
(
Urk.
8/18 S. 5 ff.)
, in welchem die behandelnden Ärzte bzw. Therapeuten
notierten
, dass sich der allgemeine psychische Zustand und die Belastbarkeit der Beschwerdeführerin leicht ver
bessert hätten
,
und entsprechend noch eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) diagnostizierten (
Urk.
8/18 S. 6 f.).
Damit beruhte
die
Aktenbe
urteilung
von
Dr.
B._
auf keiner vollständigen aktuellen Aktenlage
und es kann entsprechend nicht darauf abgestellt werden.
4.
3
Med.
pract
.
Y._
fehlt die fachärztliche Qualifikation, sich zum psychischen Gesundheitszustand und allfälligen damit einhergehenden Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit zu äussern, womit sein Bericht vom
8.
Januar 2013 (E. 3.1) nicht zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit herangezogen werden kann.
4.4
Dr.
C._
führte gestützt auf die Akten und ohne eigene Untersuchung
aus
, dass bei mittelgradiger depressiver Episode nicht von einer dauerhaften Ein
schränkung oder einer Einschränkung von über 50
%
- und dies in der Regel auch nur temporär - auszugehen sei. Unter Berücksichtigung der davon abwei
chenden Berichte der behandelnden als auch der für die
Krankentaggeldversi
cherung
beurteilenden Ärzte bzw. Therapeuten,
der fehlenden Begründung und eigenen Untersuchung sowie ihrer
mangelnden Facharztqualifikation
kann nicht auf ihre Einschätzung abgestellt werden.
4.5
Zusammengefasst erweist sich der medizinische Sachverhalt
, insbesondere
in Bezug auf den psychischen Gesundheitszustand
,
als ungenügend abgeklärt. Die Sache ist daher unter Aufhebung der Verfügung vom
3
0.
Oktober 2014
an die Beschwerd
egegnerin zurückzuweisen (E. 2.4
). Die
se wird ergänzende Abklärun
gen
durchzuführ
en und danach über den Rentenan
spruch der Beschwerdefüh
rerin neu zu entscheiden haben. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheis
sen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr. 6
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) unter Berücksichti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
Prozesses auf
Fr.
1‘6
00.-- (inklusive
Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.
Das Gericht erkennt
:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
3
0.
Oktober 2014
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Leistungsanspruch der Beschwerde
führerin neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr. 600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozessentschä
digung
von
Fr.
1‘600
.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
Rechtsanwältin Christine Fleisch
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.