Decision ID: f8d325ae-5b8a-4a2c-9289-426d2d75e779
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein srilankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie aus Jaffna – suchte am 30. September 2020 in der Schweiz um Asyl
nach.
B.
Nach der Befragung zur Person (PA) vom 5. Oktober 2020 und der Anhö-
rung vom 29. Oktober 2020 gemäss Art. 29 AsylG wurde der Beschwerde-
führer dem erweiterten Verfahren zugeteilt und am 17. Februar 2022 er-
gänzend zu den Fluchtgründen angehört.
Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, ab dem Jahr 2004 bis
zum Kriegsende im Jahr 2009 habe er in seinem Heimatdorf die Liberation
Tigers of Tamii Eeiam (LTTE) mit Essen und Informationen über die Anwe-
senheit des Militärs versorgt, wobei sein Vater dies seit dem Jahr 1982 in
ähnlicher Form getan habe. Im Jahr 2004 sei sein älterer Bruder, der seit
mehreren Jahren in der Schweiz lebe, zwangsmässig von den LTTE mit-
genommen worden und habe ein Training bei ihnen absolviert. Danach
habe er die LTTE bis ungefähr im Jahr 2006 im Dorf unterstützt. Weil sein
Bruder von der srilankischen Armee und das Criminal Investigation Depart-
ment (CID) gesucht worden sei, sei er nach B._ geflohen. Ungefähr
Ende des Jahres 2007 beziehungsweise im Jahr 2008 sei er in B._
aufgegriffen und inhaftiert worden. Nach seiner Freilassung habe der CID
ihn und seinen Vater erneut vorgeladen und er habe täglich zu einer Befra-
gung erscheinen müssen. Man habe ihn dabei jeweils über die Unterstüt-
zungstätigkeiten seines Bruders für die LTTE befragt und weitere Informa-
tionen über die LTTE in Erfahrung bringen wollen. Er sei dabei derart ge-
schlagen worden, dass er deswegen bis heute an gesundheitlichen
Schwierigkeiten leide. Nach dem Rückzug der sri-lankischen Armee und
des CID aus seiner Wohnregion habe sich die Situation wieder normali-
siert. Sein Vater habe ehemaligen, freigelassenen Mitgliedern der LTTE
geholfen, indem er ihnen unter anderem Wohnmöglichkeiten organisiert
habe. Er, der Beschwerdeführer, habe mitgeholfen, diese Personen mit Le-
bensmitteln zu versorgen.
Anlässlich der ergänzenden Anhörung gab der Beschwerdeführer an, dass
er in den Jahren 2013 und 2015 wegen seinen Unterstützungstätigkeiten
für die LTTE beziehungsweise wegen seinem älteren Bruder je einmal von
den sri-lankischen Behörden zu einer Befragung vorgeladen worden sei.
Im Jahre 2015 seien diese immer wieder zu ihnen nach Hause gekommen
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und hätten seinen Vater wegen der Unterstützung rehabillierter LTTE-Mit-
glieder befragt. Am 26. Januar 2016 sei sein Vater vom CID in einem weis-
sen Van zu einer Befragung mitgenommen worden. Am selben Tag habe
man die Leiche seines Vaters unter einer Brücke gefunden. Aus Furcht,
dass ihn dasselbe Schicksal widerfahren könne, habe er sich 2016 und
2017 im Verborgenen bei seinem Schwiegervater in C._ aufgehal-
ten . Er sei aber nicht ausgereist, sondern sei danach wieder D._
zurückgekehrt.
Im Nachgang an die lokalen Wahlen in der Nordprovinz vom 5. August
2020 habe er (Sympathisant der Tamil National Alliance [TNA] mit Unter-
stützungstätigkeiten seit 2013) am (...) und (...) in E._ an zwei De-
monstrationen der TNA teilgenommen, wobei er am (...) zuhause von der
Polizei verhaftet und im Rahmen der Haft über die Demonstrationsteil-
nahme und seine Tätigkeiten für die TNA befragt worden sei. Es sei dabei
auch der Verdacht geäussert worden, dass er früher für die LTTE tätig ge-
wesen sei. Nach seiner Freilassung am 13. August 2020 hätten ihn Ange-
hörige der Terrorist Investigation Division (TID) am 16. August 2020 wäh-
rend seiner Abwesenheit vergeblich zuhause aufgesucht. In der Folge
habe er sich am 18. August 2020 zu einem Freund nach F._ bege-
ben, der ihn gleichentags zu einem Bekannten nach G._ gebracht
habe. Danach habe er sich zirka fünfzehn Tage bei einem Pfarrer aufge-
halten. Am 19. September 2020 sei er mit einem gefälschten Reisepass
via H._ nach Italien geflogen und danach am 30. September 2020
in die Schweiz gelangt.
C.
Mit Eingabe vom 24. Februar 2022 reichte der Beschwerdeführer zwei Arzt-
berichte des I._ vom 23. Dezember 2021 und vom 7. Januar 2022
bei der Vorinstanz ein.
D.
Mit Verfügung vom 3. März 2022 wies das SEM das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers vom 30. September 2020 ab, ordnete dessen Wegwei-
sung an und bezeichnete den Vollzug als zulässig, zumutbar und möglich.
E.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 4. April 2022 erhob der Be-
schwerdeführer gegen diesen Entscheid Beschwerde. Es wurde beantragt,
dass die angefochtene Verfügung aufzuheben und das Verfahren zur ver-
tieften Prüfung und zum neuen Entscheid zurückzuweisen sei. Eventualiter
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sei der Beschwerdeführer als Flüchtling anzuerkennen und ihm Asyl zu ge-
währen. Subeventualiter sei dem Beschwerdeführer eine vorläufige Auf-
nahme in der Schweiz zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht
wurde um Gewährung einer Nachfrist zur Vervollständigung der Beschwer-
deschrift und um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive
Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses ersucht.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 6. April 2022 wies das Bundesverwaltungsge-
richt das Begehren um Ansetzung einer Nachfrist zur Beschwerdeergän-
zung ab.
G.
Mit Eingabe vom 7. April 2022 reichte die Rechtsvertretung einen Bedürf-
tigkeitsnachweis ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Beschwerde ist
Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und
Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Die Beschwerde ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zu-
stimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin zu behan-
deln, weil sie sich im Ergebnis als offensichtlich unbegründet erweist (Art.
111 Bst. e AsylG). Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wurde
verzichtet (Art. 111a Abs. 1 AsylG).
4.
4.1 Das SEM erachtete die Asylvorbringen des Beschwerdeführers als
nicht glaubhaft.
4.1.1 Es führte aus, dass die Angaben des Beschwerdeführers, nach der
Inhaftierung seines Bruders in den Jahren 2008 und 2009 täglich vom CID
befragt worden zu sein, unplausibel, inkonsistent und vage ausgefallen
seien. Aufgrund der Aussagen und der Aktenlage sei zwar denkbar, dass
es nach der Inhaftierung des Bruders zu einer Befragung des Beschwer-
deführers durch die sri-lankischen Behörden gekommen sei, indessen
nicht, dass er täglich zu einer Befragung hätte erscheinen müssen. Auf die
Frage, wonach er jeden Tag konkret befragt worden sei, habe er auswei-
chend angegeben, dass die Behörden hätten wissen wollen, wo die LTTE
sei, wer mit der Bewegung in Kontakt stehen würde und welche Hilfeleis-
tungen sein älterer Bruder für die Bewegung getätigt habe (vgl. A32 F143).
Es mute äusserst unwahrscheinlich an, dass der Beschwerdeführer über
einen Zeitraum von ungefähr zwei Jahren täglich zu denselben Themen
befragt worden sei. Zudem habe er in der ergänzenden Anhörung angege-
ben, dass er in der Zeitspanne von 2008 und 2009 zwei Mal befragt worden
sei, an einer weiteren Stelle jedoch von «vielen Malen» gesprochen; auf
entsprechendem Vorhalt hin habe er erklärt, er habe damit gemeint, jeden
Tag befragt worden zu sein (vgl. A32 F31-F32, F137, F140).
4.1.2 Anlässlich der ergänzenden Anhörung habe der Beschwerdeführer
im Weiteren angegeben, in den Jahren 2013 und 2015 je einmal von den
sri-lankischen Behörden zu einer Befragung vorgeladen worden zu sein.
Hierzu sei festzuhalten, dass er diese beiden Befragungen in der ersten
Anhörung mit keinem Wort erwähnt habe. Er habe lediglich davon gespro-
chen, dass sein Vater im Jahr 2015 mehrmals von den Behörden befragt
worden sei. Er habe nicht erwähnt, dass auch er in diesem Zeitraum ins
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Visier der sri-lankischen Behörden geraten sei (vgl. Akte A32 F18, F126-
F128). Auf Vorhalt habe er erklärt, dass er in der ersten Anhörung lediglich
von den Problemen in den Jahren 2008 und 2009 berichtet habe, da er ab
dem Jahr 2013 bei der TNA gewesen sei. Da die Partei ihm zur Seite ge-
standen habe, habe er diese Probleme nicht als gross erachtet (vgl. 32
F52-54). Diese Erklärung vermöge nicht zu überzeugen, habe der Be-
schwerdeführer doch in der ersten Anhörung stets nur von seinem Vater,
der zu dieser Zeit Probleme aufgrund seiner Unterstützungstätigkeiten für
die LTTE gehabt habe (A 32 F33, F134), gesprochen. Wäre der Beschwer-
deführer in diesem Zeitraum tatsächlich selbst ins Visier der sri-lankischen
Behörden geraten, wäre zu erwarten gewesen, dass er dies bereits in der
ersten Anhörung zumindest ansatzweise erwähnt gehabt hätte. Bereits aus
diesem Grund bestünden erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit dieser
Vorbringen. Diese Zweifel würden durch die unsubstantiierten Angaben be-
züglich der geltend gemachten Befragungen erhärtet. Als der Beschwerde-
führer gebeten worden sei, detailliert von der Befragung im Jahr 2013 zu
berichten, habe er lediglich ausweichende und allgemein gehaltene Anga-
ben gemacht. Zur Befragungssituation habe er im Wesentlichen lediglich
angegeben, dass er befragt und geschlagen worden sei. Ebenso substanz-
los, unpersönlich und allgemein gehalten seien seine Angaben zur Befra-
gungssituation im Jahr 2015 gewesen. So habe der Beschwerdeführer
mehrheitlich in der Wir-Form gesprochen und habe in den Schilderungen
hauptsächlich Vorwürfe erwähnt, die man gegen ihn und seinen Vater er-
hoben habe (vgl. A32 F41-F46). Man erhalte aufgrund der schemenhaften
und unpersönlich gehaltenen Schilderungen nicht den Eindruck, dass er
die geltend gemachten Befragungssituationen selbst erlebt habe.
4.1.3 Auch die Schilderung hinsichtlich des Vorbringens, dass sein Vater
am 26. Januar 2016 von Angehörigen des CID in einem weissen Van zu
einer Befragung mitgenommen und seine Leiche gleichentags aufgefun-
den worden sei, sei realitätsfremd und inkonsistent ausgefallen. So habe
er in der ersten Anhörung angegeben, dass Angehörige des CID am
26. Januar 2016 zu ihm nach Hause gekommen seien und seinen Vater zu
einer Befragung mitgenommen hätten. Ihr Vater sei nicht mehr zurückge-
kommen und seine Leiche sei später aufgefunden worden (vgl. A18 F60).
ln der ergänzenden Anhörung habe er hingegen angegeben, das CID habe
seinen Vater am 21. Januar 2016 bei ihm zuhause aufgesucht, zu einer
Befragung mitgenommen und totgeschlagen (vgl. A32 F95). Später habe
er erklärt, dass am 26. Januar 2016 Drittpersonen beobachtet hätten, wie
sein Vater auf der Strasse von einem weissen Van mitgenommen und auf
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einem Feld befragt worden sei (vgl. A32 F98-99). Seine Äusserungen dar-
über, wie er von der Mitnahme und dem Tod seines Vaters erfahren habe,
seien realitätsfremd, vage und unsubstantiiert geblieben (vgl. A32 F98-99).
Als der Beschwerdeführer gebeten worden sein, die Situation zu schildern,
wie er erfahren habe, dass sein Vater in einem Van mitgenommen worden
sei, habe er ausweichend angegeben, dass er von der Person, welche die
Mitnahme gesehen habe, darüber in Kenntnis gesetzt worden sei und er
zuerst gedacht habe, dass man seinen Vater befragen und wieder gehen
lassen würde (vgl. A32 F107). Auf mehrmalige Nachfrage habe der Be-
schwerdeführer nur angegeben, dass die Person ihm mitgeteilt habe, dass
sein Vater von einem weissen Van mitgenommen worden sei (vgl. A32
F109-F110); dass die Personen, welche die Befragung Ihres Vaters durch
das CID auf einem Feld beobachtet hätten, dem Beschwerdeführer ledig-
lich erzählt hätten, gesehen zu haben, dass er befragt worden sei und sich
aus Angst vor Restriktionen durch die Behörden nicht getraut hätten, ihm
nähere Informationen dazu zu geben, mute überdies realitätsfremd an (vgl.
A32 F100). Wäre sein Vater tatsächlich von Angehörigen des CID mitge-
nommen und totgeschlagen worden, wäre zu erwarten gewesen, dass der
Beschwerdeführer substantiierte und realitätsnahe Angaben über die To-
desumstände hätte machen können. Ohne die Tragik des Verlustes des
Vaters zu verkennen, sei als Fazit festzuhalten, dass der Beschwerdefüh-
rer aufgrund seiner inkonsistenten und vagen Angaben nicht habe glaub-
haft machen können, dass dieser von Angehörigen des CID mitgenommen
und getötet worden sei. An dieser Einschätzung ändere das eingereichte
Foto, auf der die Leiche des Vaters zu sehen sei, nichts, sei es doch nicht
geeignet, die geltend gemachten Todesumstände zu belegen.
4.1.4 Der Beschwerdeführer habe auch die weiteren Vorbringen, am (...)
aufgrund seiner Teilnahme an einer von der TNA organisierten Demonst-
ration von den sri-lankischen Behörden inhaftiert und nach der Freilassung
vier Tage später, am 15. August 2020, von Angehörigen der TID zuhause
gesucht worden zu sein, nicht glaubhaft gemacht. So habe er sowohl über
die Demonstrationsteilnahme als auch über den darauffolgenden Haftau-
fenthalt unsubstantiierte, realitätsfremde und stereotype Angaben ge-
macht. Obwohl in der ergänzenden Anhörung abermals dazu aufgefordert,
detailliert und aus seiner eigenen Perspektive von der Demonstrationsteil-
nahme zu berichten, habe der Beschwerdeführer mehrheitlich in allgemei-
ner Form über die Gründe für die Demonstration und dem Moment, in dem
die Ordnungskräfte eingegriffen hätten, gesprochen (vgl. A18 F73).
Ebenso unsubstantiiert, schemenhaft und realitätsfern seien seine Aussa-
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gen über die geltend gemachte Inhaftierung und den viertägigen Haftau-
fenthalt ausgefallen (vgl. A 18/22 F74-85, F136-138; vgl. Akte 32 F151-
153). Nach einem typischen Tagesablauf in der Haft gefragt, habe der Be-
schwerdeführer lediglich erwähnt, dass man ihn zwei Mal befragt habe, er
keine Angst vor den Schlägen gehabt habe, und von seinem Freund aus
der Haft geholt worden sei (vgl. A18 F80); gebeten, sein Zelle detailliert zu
beschreiben, habe er lediglich angegeben, dass es sich hierbei um ein nor-
males Zimmer gehandelt habe, drei Seiten seien betoniert und eine Seite
mit einem Gitter versehen gewesen (vgl. A18 F83, F84). Die Angaben zur
Inhaftierung seien überdies inkonsistent ausgefallen. Ferner habe sich der
Beschwerdeführer auch über das von ihm eingereichte Beweismittel in
Form einer Haftbestätigung in Kopie realitätsfremd geäussert und sich
diesbezüglich in diverse Ungereimtheiten verstrickt. So habe er die Um-
stände, wie er die Haftbestätigung in Sri Lanka erhalten habe, im Rahmen
der Anhörungen gänzlich unterschiedlich geschildert. In der ersten Anhö-
rung habe er angegeben, bei seiner Haftentlassung kein Dokument erhal-
ten zu haben. Ein Freund, der ihm zur Freilassung verholfen habe, sei zu
einem späteren Zeitpunkt zum Polizeiposten gegangen, habe die Haftbe-
stätigung ausstellen lassen und diese anschliessend seiner Mutter überge-
ben (vgl. A32 F96-106). In der ergänzenden Anhörung hingegen habe der
Beschwerdeführer zunächst ausweichend und vage ausgesagt, dass er
das Dokument erhalten habe, als ihn die Polizei am 13. August 2020 frei-
gelassen habe (vgl. A32/24 F118-F123). Später habe er zwar angegeben,
dass das Dokument seinem Freund ausgehändigt worden sei, jedoch habe
er davon gesprochen, dass die Polizei ihm dieses Dokument gegeben
habe, als er, der Beschwerdeführer, sich unmittelbar nach seiner Freilas-
sung gemeinsam mit ihm vor dem Polizeiposten aufgehalten hätten (vgl.
Akte A32 F124-F128). Auf diese widersprüchlichen Angaben angespro-
chen, habe der Beschwerdeführer erklärt, es könne sein, dass er «es» ver-
gessen habe. Es sei sehr lange her und er sei wegen der Dokumentenbe-
schaffung gestresst gewesen, weshalb es zu einer Verwirrung gekommen
sei (vgl. 32 F129-131). Hätte der Beschwerdeführer tatsächlich eine Bestä-
tigung aufgrund eines mehrtägigen Haftaufenthaltes erhalten, wäre zu er-
warten gewesen, dass er über den Erhalt dieser Haftbestätigung wider-
spruchsfreie und plausible Angaben hätte machen können. Auch habe der
Beschwerdeführer nicht plausibel erklärten können, weshalb er das Doku-
ment bisher nicht im Original eingereicht habe. Das lediglich in Kopie ein-
gereichte Beweismittel sei somit aufgrund der unglaubhaften und inkonsis-
tenten Angaben nicht geeignet, eine flüchtlingsrelevante Verfolgung glaub-
haft zu machen.
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4.1.5 Schliesslich habe der Beschwerdeführer im Rahmen der ergänzen-
den Anhörung angegeben, dass vier Monate nach dem Anhörungstermin
Angehörige des CID bei seiner Mutter zuhause nach ihm gesucht hätten.
Die CID habe ihn aufgrund des Verdachtes, dass er Geld für die LTTE ge-
sammelt habe, befragen wollen. Der Beschwerdeführer habe erklärt, dass
dieser Verdacht bestehe, weil er ab dem Jahr 2011 beziehungsweise 2017
ehemaligen LTTE-Mitgliedern nach deren Rehabilitation Geld zur Unter-
stützung ihres Lebensunterhaltes übermittelt habe. Hierzu sei festzuhalten,
dass der Beschwerdeführer anlässlich der ersten Anhörung nichts über
seine angeblichen Geldübermittlungen an ehemalige LTTE-Mitglieder er-
wähnt habe. Auf Vorhalt habe er erklärt, dass er zum Zeitpunkt der ersten
Anhörung wegen den Geldzahlungen bislang noch keine Probleme gehabt
habe, weshalb er diese nicht erwähnt habe (vgl. Akte 32 F156). Diese Er-
klärung überzeuge nicht. Zudem sei er in der ersten Anhörung explizit da-
nach gefragt worden, ob er nach Kriegsende irgendwelche Unterstützun-
gen für ehemalige LTTE-Mitglieder geleistet habe, woraufhin er erwiderte
habe, dass hauptsächlich sein Vater diesen Personen geholfen habe. Er
habe lediglich mitgeholfen, indem er vier bis fünf in seiner Nähe wohnhaf-
ten Personen bei Einkäufen geholfen habe (vgl. A32 F128-133). Bereits
aus dem Grund, dass der Beschwerdeführer erst im späteren Verlauf des
Verfahrens über die Geldzahlungen berichtet habe, sei an diesen Vorbrin-
gen erhebliche Zweifel angebracht. Überdies seien die Angaben zu den
getätigten Geldübermittlungen durchwegs oberflächlich, unplausibel und
vage ausgefallen (vgl. A32 F65-F87). Zudem habe er sich bei seiner An-
gabe, dass er nach seiner Ausreise nun angeblich wegen Geldübermittlun-
gen vom CID gesucht worden sei, lediglich auf Angaben seiner Mutter ge-
stützt (vgl. A32 F64, F88-F89). Praxisgemäss seien Auskünfte von Drittper-
sonen für sich alleine nicht geeignet, eine begründete Furcht vor künftiger
Verfolgung zu belegen (vgl. BVGer E-801/2015 E.3.7).
4.2 Wie vorgängig ausgeführt, seien die Verfolgungsvorbringen vor der
Ausreise als nicht glaubhaft zu erachten. Es gelte zu prüfen, ob der Be-
schwerdeführer im Falle der Rückkehr nach Sri Lanka begründete Furcht
vor künftigen Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG habe.
Gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung sei diese Prü-
fung anhand sogenannter Risikofaktoren (Referenzurteil des BVGer
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8, 9.1). Wie bereits vorstehend erwähnt,
habe der Beschwerdeführer nicht glaubhaft machen können, vor seiner
Ausreise flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen ausge-
setzt gewesen zu sein. Es sei aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich,
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Seite 10
weshalb der Beschwerdeführer nach einer Rückkehr nach Sri Lanka nun-
mehr in den Fokus der Behörden geraten sollte. Auch die am 16. Novem-
ber 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl mit dem Sieg von Gotabaya Raja-
paksa vermöge diese Einschätzung nicht umzustossen. Voraussetzung für
die Annahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der genannten Präsident-
schaftswahlen sei ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Person zu
diesem Ergebnis beziehungsweise dessen Folgen; ein solcher sei vorlie-
gend nicht aufgezeigt worden. Ebenso fehle ein persönlicher Bezug des
Beschwerdeführers zu den am 21. April 2019 verübten Terroranschlägen
in Sri Lanka als auch zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019.
Somit bestehe keine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung. Auch aus
dem Dossier des in der Schweiz wohnhaften Bruders (N [...]) seien keine
Anhaltspunkte ersichtlich, aufgrund derer der Beschwerdeführer in Sri
Lanka künftig asylbeachtliche Nachteile zu befürchten hätte. Der Be-
schwerdeführer erfülle somit die Flüchtlingseigenschaft nicht und sein Asyl-
gesuch sei abzulehnen.
5.
In der Beschwerde wurde im Wesentlichen geltend gemacht, auch wenn
der Beschwerdeführer die Anzahl der Befragungen («täglich») überzeich-
net haben sollte – vielmehr sei von zweifacher Befragung durch das CID
auszugehen – verstehe es sich angesichts der damaligen Lage von selber,
dass sein Vater wie auch der Beschwerdeführer selbst in den Jahren 2008
und 2009 befragt worden seien. Die Befragungen in den Jahren 2013 und
2015 habe der Beschwerdeführer nicht bereits bei der ersten Anhörung er-
wähnt, da er diese Vorfälle als nicht besonders einschneidend betrachtet
habe und diese schon längere Zeit zurückgelegen seien. Was den gewalt-
samen Tod des Vaters betreffe, so entspreche es keiner angemessenen
Würdigung, wenn aufgrund kleiner Widersprüche und Unklarheiten der
Aussagen des Beschwerdeführers dieser «geschönt» werde. Entschei-
dend sei, ob der Vater tatsächlich von Angehörigen des CID aus politischen
und ethnischen Gründen umgebracht worden sei. Bei Bejahung dieser
Frage wäre auch für den Beschwerdeführer das Verfolgungsrisiko evident.
Hierzu wären weitere Abklärungen angezeigt. Schliesslich erstaune es an-
gesichts der «Vorgeschichte» des Beschwerdeführers nicht, dass dieser
auch nach seiner Ausreise im Fokus der Sicherheitskräfte stehe. Ferner
sei aufgrund seiner Vorgeschichte und seiner Überzeugungen eine Rück-
kehr in sein Heimatland nicht zumutbar.
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Seite 11
6.
6.1 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung die geltend gemachten
Asylvorbringen des Beschwerdeführers mit ausführlicher und zutreffender
Begründung zu Recht als nicht glaubhaft erachtet.
6.2 Vorab ist der Antrag in der Beschwerde, zur Vornahme ergänzender
Sachverhaltsabklärungen im Zusammenhang mit dem Tod des Vaters sei
die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, mangels Notwendigkeit ab-
zuweisen. Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit hinrei-
chender und nachvollziehbarer Begründung dargelegt, dass der Be-
schwerdeführer aufgrund seiner inkonsistenten und vagen Angaben nicht
habe glaubhaft machen können, dass sein Vater von Angehörigen des CID
mitgenommen und getötet worden sei. Die zu bestätigende Argumentation
des SEM kann auf Beschwerdeebene nicht entkräftet werden.
6.3 Wie von der Vorinstanz zutreffend ausgeführt, sind die Schilderungen
des Beschwerdeführers durchwegs oberflächlich, inkonsistent und reali-
tätsfremd ausgefallen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden, die auf Be-
schwerdeebene nicht entkräftet werden können. So vermag die Erklärung
in der Beschwerde, wonach der Beschwerdeführer die Befragungen in den
Jahren 2013 und 2015 nicht bereits bei der ersten Anhörung erwähnt habe,
da er diese Vorfälle als nicht besonders einschneidend betrachtet habe und
diese schon längere Zeit zurückgelegen seien, nicht zu überzeugen. Der
Beschwerdeführer hat, wie vom SEM zutreffend erkannt, in der ersten An-
hörung stets nur von seinem Vater, der zu dieser Zeit Probleme aufgrund
seiner Unterstützungstätigkeiten für die LTTE gehabt habe, gesprochen
(vgl. A 32 F33, F134). Es ist davon auszugehen, dass, wäre der Beschwer-
deführer in diesem Zeitraum tatsächlich selbst ins Visier der sri-lankischen
Behörden geraten, er dies in der ersten Anhörung zumindest ansatzweise
erwähnt hätte. Im Weiteren ist die Schilderung der Befragung im Jahre
2013 auffallend unbestimmt ausgefallen. Schliesslich wurde selbst in der
Beschwerde bestätigt, dass der Beschwerdeführer die Anzahl der Befra-
gungen in den Jahren 2008 und 2009 überzeichnet dargestellt habe. Auf
die weiteren, zahlreichen Argumente in der angefochtenen Verfügung
wurde in der Beschwerde nicht näher eingegangen.
6.4 Aus den genannten Gründen ist das Vorliegen der Flüchtlingseigen-
schaft im Zeitpunkt der Ausreise zu verneinen.
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Seite 12
6.5 Es bestehen vorliegend keine Risikofaktoren (vgl. zu diesen Faktoren
das Urteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.5.2 [als Refe-
renzurteil publiziert]), bei einer Rückkehr nach Sri Lanka Verfolgungsmass-
nahmen ausgesetzt zu werden. Der Beschwerdeführer konnte nicht glaub-
haft machen, nach Kriegsende die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Be-
hörden auf sich gezogen zu haben. Aufgrund des fehlenden Risikoprofils
ist daher nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr Verfolgungs-
massnahmen ausgesetzt sein wird.
6.6 Die Lage in Sri Lanka war letztlich Veränderungen unterworfen, wobei
namentlich politische Spannungen, die Terroranschläge an Ostern 2019
sowie zuletzt die Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten von Sri
Lanka zu erwähnen sind. Der neue Präsident war unter seinem älteren
Bruder Mahinda Rajapaksa, der seinerseits von 2005 bis 2015 Präsident
Sri Lankas war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Ver-
brechen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten began-
gen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverlet-
zungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die An-
schuldigungen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri Lanka,
14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bru-
der Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Cha-
mal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda
und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusam-
men zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl.
https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-
brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministersofstate/20191127174753/,
abgerufen am 4. März 2020). Beobachter und ethnische / religiöse Minder-
heiten befürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Über-
wachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen
und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl.
Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste
bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapa-
ksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri
Lankas Präsident löst das Parlament auf, 3.3.2020). Die Neuwahlen haben
im August 2020 stattgefunden; Rajapaksas Partei ist siegreich daraus her-
vorgegangen.
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
sie bei seiner Entscheidungsfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnis-
stand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage
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auszugehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt
sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil
des Bundesverwaltungsgerichts E 1866/2015 vom 15. Juli 2016; Human
Rights Watch, Sri Lanka: Families of «Disappeared» Threatened,
16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur
Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungs-
gruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen
Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asyl-
suchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019
respektive deren Folgen besteht. Ein solcher Bezug ist vorliegend, wie sich
aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, nicht ersichtlich.
6.7 Das SEM hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und
das Asylgesuch des Beschwerdeführers abgelehnt.
7.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl.
BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
8.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht-
liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder
des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-
stehen.
Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist das
flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG auf ihn nicht anwendbar. Die Zulässigkeit
des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs-
und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame,
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unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR
0.105]; Art. 3 EMRK).
Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegwei-
sungsvollzug – auch mit Blick auf die in der Beschwerde zitierten Berichte
– nicht als unzulässig erscheinen (BVGE 2011/24 E. 10.4). Auch der Euro-
päische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat wiederholt festge-
stellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri
Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse
im Einzelfall vorgenommen werden (Urteil des EGMR R.J. gegen Frank-
reich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Weder aus den Be-
schwerdeausführungen noch aus den Akten ergeben sich konkrete An-
haltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaf-
fung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
EMRK oder FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. So
weist der Beschwerdeführer kein Profil auf, das auf die Gefahr hindeutet,
zukünftig staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt zu sein. Es sind
keine Anhaltspunkte ersichtlich, nach denen der Beschwerdeführer Mass-
nahmen zu befürchten hätte, die – wenn überhaupt – über einen sogenann-
ten background check (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In-
und Ausland) hinausgingen oder dass ihm persönlich im Falle einer Rück-
kehr eine Gefährdung drohen würde.
8.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den
LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka we-
der Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt; dies gilt auch angesichts
der dortigen aktuellen Ereignisse (vgl. Urteil des BVGer D-2205/2018 vom
25. Januar 2019, E. 11.2.1). Mit Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 hat das Bundesverwaltungsgericht seine bisherige Rechtsprechung
(vgl. BVGE 2011/24) und die gegenwärtige Praxis des SEM bestätigt, wo-
nach der Wegweisungsvollzug in die Ost- und Nordprovinz grundsätzlich
zumutbar ist, was gemäss Urteil D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 (als
Referenzurteil publiziert) auch für das Vanni-Gebiet gilt.
Das SEM begründete die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs damit,
dass weder die allgemeine Lage in Sri Lanka noch individuelle Faktoren
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gegen die Zumutbarkeit sprächen. Der Beschwerdeführer stamme aus der
Nordprovinz (D._, J._) und verfüge dort über ein tragfähiges
Beziehungsnetz (Mutter, Geschwister, Onkel, Tanten), eine gesicherte
Wohnsituation und (auch in Berücksichtigung der gesundheitlichen Situa-
tion [Magen-Darm-Beschwerden, Fussbeschwerden]) die Möglichkeit, wie
vor der Ausreise einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In der Eingabe vom
24. Februar 2022 habe die Rechtsvertretung dem SEM mitgeteilt, dass
beim Beschwerdeführer am rechten Fuss ein Tumor festgestellt worden sei
Gemäss ärztlichem Bericht des I._ vom 7. Januar 2022 bestehe
beim Beschwerdeführer der Verdacht eines Tumors an der rechten Fuss-
sohle. Dabei müsse die Dignität (ob es sich um einen gut- oder bösartigen
Tumor handle) offenbleiben. In der ergänzenden Anhörung vom 17. Feb-
ruar 2022 habe der Beschwerdeführer angegeben, dass gesundheitlich al-
les in Ordnung sei und erwähnt, dass er in der Schweiz wegen Fuss-
schmerzen in der Physiotherapie sei (vgl. A34 F133, F135). In Anbetracht
der Aussagen des Beschwerdeführers und der eingereichten Medizinalak-
ten liege keine Erkrankung vor, aufgrund welcher im Anschluss an seine
Rückkehr von einer raschen und lebensgefährlichen Beeinträchtigung sei-
nes Gesundheitszustandes auszugehen wäre. Es sei zudem davon auszu-
gehen, dass eine allfällige Weiterbehandlung der medizinischen Probleme
in Sri Lanka möglich sei. Sri Lanka verfüge über ein öffentliches Gesund-
heitssystem, die Gesundheitsversorgung sei grundsätzlich kostenlos und
habe in den letzten Jahren insgesamt grosse Fortschritte erzielt (vgl.
BVGer D-68/2020 vom 25. Mai 2021 E. 8.5 und BVGer E-782/2021 vom
22. März 2021 E. 8.4.2). Sollte der Beschwerdeführer nach seiner Rück-
kehr in Sri Lanka auf medizinische Behandlung angewiesen sein, so sei
kein Grund ersichtlich, weshalb er nicht in der Lage sein sollte, das dortige
Gesundheitssystem in Anspruch zu nehmen. Es stehe ihm zudem frei, bei
der kantonalen Rückkehrberatungsstelle medizinische Rückkehrhilfe zu
beantragen (Art. 93 AsylG). Diese könne durch die Abgabe von Medika-
menten, Hilfe bei der Ausreiseorganisation oder durch Unterstützung wäh-
rend und nach der Rückkehr gewährt werden. In antizipierender Beweis-
würdigung könne auf weitere Abklärungen zu den medizinischen Vorbrin-
gen verzichtet werden, da sie nicht geeignet wären, den Ausgang des Ver-
fahrens zu ändern (vgl. Urteil des BVGer vom 15. August 2019, D-
3812/2019, E.5.1). Das SEM erachte somit den rechtserheblichen Sach-
verhalt im Sinne der gesetzlichen Grundlagen als erstellt (Art. 12 VwVG
und Art. 6 AsylG). Diese Ansicht erweist sich auch aus Sicht des Gerichts
als zutreffend. In der Beschwerde werden keine Argumente vorgebracht
welche nicht schon Gegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens gewesen
wären. Die Zumutbarkeit des Vollzugs wurde zu Recht bejaht.
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8.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen,
weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung seines Heimat-
staats zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG, vgl. dazu BVGE 2008/34 E. 12).
Der Vollzug ist möglich.
8.5 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung der vorläufigen Auf-
nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Zur Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz besteht nach dem Gesagten kein Anlass.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Kosten
zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), die auf Fr. 750.– festzulegen sind (Art. 1-
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dem
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung kann nicht
stattgegeben werden, weil die Begehren als aussichtslos gelten, es mithin
an einer gesetzlichen Voraussetzung für die Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung fehlt (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um unent-
geltliche Rechtsverbeiständung ist mangels Erfüllen der Voraussetzungen
von Art. 65 Abs. 1 VwVG ebenfalls abzuweisen. Mit vorliegendem Urteil ist
der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegen-
standslos geworden.
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