Decision ID: 327504a7-056b-44cf-ac5f-77fcb9973839
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1961
, schloss
das Gymnasium in Sarajevo, Bosnien-Herze
gowina,
ab
und verfügt über keinen
erlernten Beruf (Urk.
6
/44
S. 1,
S. 5)
.
Nach einem zweimo
natigen Servicefachkurs arbeitete der Versicherte
von 1. April 1999 bis 30.
September 2001 mit
Unterbrüchen
(
Arbeitslosigkeit
)
in der Schweiz
als Kellner
(Urk.
6
/
2
S. 4
f.
).
Am
14
.
November 2001
meldete
er sich
unter
Hinweis auf
Rückenschmerzen
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
(Urk. 6/2)
. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
wies
mit
Verfügung vom 11. Juni 2004 (Urk. 6/35) das
Leistungsbegehren
bezüglich
der beruflichen
Massnahmen ab und verneinte mit
Verfü
gung vom
24
.
Juni
200
4 (Urk.
6
/
39
) bei einem Invaliditätsgrad von
17
% einen
Renten
anspruch.
Der Versicherte arbeitete danach
– bei zeitweiser Arbeitslosigkeit -
über Jahre im
selben
Restaurant
. Nach Verlust dieser
Arbeit
sstelle
aufgrund eines Eigentümer
wechsels
fing
er
in
einem anderen Restaurant
in derselben Ortschaft
als Kellner an
(
Urk. 6/51,
Urk. 6/62/4-39 S. 28 unten).
A
m ersten
Arbeitstag
am 1. März 2017
erlitt er
einen
Arbeitsunfall
, wonach ihm
fortlaufend
eine Arbeitsunfähig
keit bescheinigt
wurde
(
Urk. 6/56/5-6,
Urk. 6/
56/64
)
.
Die
neue
Stelle wurde
per 27. März 2017
aufgelöst
(Urk. 6/
52
S. 2
Mitte
).
1.2
Am
7
.
September
2017 (Urk.
6
/
44
)
meldete sich der Versicherte
unter Hinweis auf
Schulterschmerzen (Unfall)
und Rückenschmerzen
(chronisch)
sowie eine Depres
sion
erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
an
.
Daraufhin
tätigte die IV-Stelle medizinische
sowie
erwerbliche Abklärungen
und
zog die Akten der Unfallversi
cherung bei (Urk. 6/
55-
56
, Urk. 6/62
)
, welche unter ande
rem ein
bidisziplinäres
Gutachten
d
es
Z
entr
ums
Y._
vom 31. Mai 2018 (Urk. 6/62/4-39) enthielt
.
Am 3. Oktober 2017 (Urk. 6/53) teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass auf
grund des gesundheitlichen Zustands aktuell keine Ei
ngliederungsmassnahmen möglich
seien und über den Rentenanspruch eine separate Verfügung ergehe.
Nach durchgeführ
tem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
6
/
65-66
, Urk.
6
/
71
-74
) wies die IV-Stelle das Rentenbegehren mit Verfügung vom
2
3
.
Januar
201
9
ab
(Urk. 2)
.
2.
Der Versicherte erhob am
25
.
Februar
2019 (Urk. 1) Beschwerde gegen die Ver
fü
gung vom
23
.
Januar
201
9
und beantragte, diese sei aufzuheben und
es sei die Sache zur ergänzenden Abklärung und zum Neuentscheid betreffend den Ren
tenanspruch an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
27
.
März
2019 (Urk. 5) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer
mit Verfügung vom
28
.
März
2019 zur Kenntnis gebracht (Urk. 7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teil
weise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichti
gen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetz
über die Inva
lidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
tels
rente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invali
ditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs.
3 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]
) so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17
Abs.
1
ATSG
(Revision der Invalidenrente)
eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetre
ten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesent
liche Änderung in den tatsächli
chen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar
(BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgege
ben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beur
teilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Sowohl
das
Verwaltungsverfahren wie auch der kantonale Sozialversicherungs
prozess sind vom
Untersuchungsgrundsatz
beherrscht. Danach haben Verwaltung und Sozial
versicherungsgericht den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Führen die im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatz
es von Amtes wegen vorzunehmenden Abklä
rungen den Versicherungsträger oder das Gericht bei umfassender, sorgfältiger, objek
tiver und inhaltsbezogener Beweis
würdigung (BGE 132 V 393 E. 4.1 S. 400) zur Über
zeugung, ein bestimmter Sach
verhalt sei als überwiegend wahrscheinlich zu betrach
ten, und es könnten weitere
Beweismassnahmen
an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so liegt im Verzicht auf die Abnahme weiterer Beweise keine
Verletzung
des Anspruchs auf rechtliches Gehör (antizipierende Beweiswürdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236 f. mit weiteren Hinweisen). Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststel
lung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen
Abklärungsmass
nahmen
noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_662/2016 vom 15. März 2017 E. 2.2 mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung vom 23. Ja
nuar 2019
(Urk. 2) aus,
aus
orthopädischer Sicht sei der Beschwerdeführer in
sei
ner Tätigkeit als Servicefachangestellter und in jedweder anderen
Tätigkeit nicht eingeschränkt,
und
aus psychiatrischer Sicht sei eine angepasste Tätigkeit zu 70 % zumutbar. Die psychiatri
sche Diagnose schränke den Beschwerdeführer als
Servicefachangestellten weiterhin nicht ein. Es liege keine Erkrankung vor, wel
che die Erwerbsfähigkeit länger
an
dauernd einschränke (S. 1). Das
Y._
-Gutachten werde aus
medizinischer
Sicht als nachvoll
ziehbar befunden
(S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer
stellte sich in
seiner
Beschwerde vom
25
.
Februar
201
9
(Urk. 1) hingegen auf den Standpunkt, dass
das
Y._
-Gutachten aus somati
scher und psychi
atrischer Sicht nicht zu überzeugen vermöge und daher der medizinische Sachverhalt ungenügend abgeklärt sei, weshalb die Verfügung vom
23. Januar 2019 aufzuheben und die Sache zu ergänzenden Abklärungen und zum Neuentscheid an die Beschwerdegeg
nerin zurückzuweisen sei (S. 5-7).
2.3
Umstritten und zu prüfen ist, ob
dem Beschwerdeführer
nach der Neuanmeldung vom
7
.
September
2017 (Urk.
6
/
44
) eine Rente der Invalidenversicherung zusteht.
Im Vordergrund steht dabei die Frage,
ob der Sachverhalt genügend abgeklärt worden ist
,
damit ein Entscheid über den Rentenanspruch ergehen konnte.
3.
3.1
Die
rentenabweisende
Verfügung vom
24
.
Juni 200
4 (Urk.
6
/
39
) beruhte gemäss versi
cherungsin
ternem
Feststellungsbl
att
vom
gleichen Tag
(Urk.
6
/
38
) im Wesentlichen auf nachstehenden medizinischen Unterlagen:
3.2
Dr. med.
Z._
, Facharzt für
Innere Medizin
und
Rheumatologie
FMH, stellte in
sei
nem
Bericht
vom 4
.
Juli 2003
(Urk.
6
/
23/1-2
)
als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
ein chronisch rezi
divierendes
l
umbospondylogenes
Syndrom sowie eine reaktive depressive Stimmungslage und attestierte dem Beschwerdeführer vom 1
9.
bis 30. November 2001 eine 100%ige und ab dem 1. Dezember 2001 bis auf Weiteres eine 50%
ige
Arbeitsunfähigkeit.
3.3
Oberarzt
Dr. med.
A._
und
Assistenzärztin med.
pract
.
B._
von der i
nte
grierten Psychiatrie
C._
nannten
in ihrem Bericht
vom
7
.
August 2003
(Urk.
6
/24
/5-
8
)
als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine
chronifi
zierte
leichte depressive Episode
(
ICD-10 F32.0
)
sowie eine Schmerzver
arbeitungsstö
rung bei chronischem
lumbospondylogenem
Syndrom (S. 1).
Sie hielten fest, eine
Erwerbstätigkeit sei in der bisherigen als auch in einer ange
passten Tätigkeit halbtags zumutbar (S. 4).
3.
4
Chefärztin
Dr. med.
D._
,
Fachärztin
FMH
für
Rheumatologie
und
Rehabilitation
, und
Assistenzarzt
Dr. med.
E._
von
der
Klinik
F._
nannten in
ihrem von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebenen rheumatologi
schen Gutachten
vom
31
.
Oktober
2003
(Urk.
6
/
2
9) folgende Diag
nosen
(S. 7)
:
-
Chronisches
lumbospondylogenes
S
chmerzs
yndrom
linksbetont
bei
/mit
:
-
Pseudoretrolisthesis
bei Labilität L4/5
-
leichter Segmentdegeneration L4/5 mit diffuser
Diskusprotrusion
und
Anulus
fibrosus
Riss (MRI November 2003)
-
Streckhaltung der Lendenwirbelsäule (LWS)
-
Leichte depressive Episode
Dr.
D._
und Dr.
E._
erachteten den Beschwerdeführer als Kellner zu 50 % und in einer leicht
en
körperlichen Arbeit in Wechselbelastung ohne das Tragen von Lasten als zu 100 % arbeitsfähig (S. 7).
3.
5
Die Beschwerdegegnerin schloss gestützt auf diese Aktenlage auf eine Arbeitsfä
higkeit von 50 % in der
bisherigen
Tätigkeit als
Kellner sowie ein
e
100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten leichten körperlichen Tätigkeit
. Indem sie das
Valideneinkommen
(
Jahreseinkommen in der angestammten Tätigkeit als Kellner)
dem Invalideneinkommen
(Lohn für Hilfsarbeiter gemäss der vom Bun
desamt für Statistik herausgegebenen Schwei
zerischen Lohnstrukturerhebung
[LSE]) gegenüberstellte u
nd einen leidensbe
dingten Abzug
von 10 % gewährte
, errechnete die
IV-Stelle
einen rentenausschliessen
den Invaliditätsgrad von
17
% und wies das Rentenbegehren ab
(Urk. 6/38 S. 2 unten,
Urk. 6/39)
.
4.
4.1
Dr.
med.
G._
, Facharzt
FMH
für Allgemein- und Unfallchirurgie, hielt auf Rückfrage der Unfallversicherung in
s
einer Aktenbeurteilung vom
16.
Juni 2017 (Urk. 6/56/53-55) fest,
die vom Beschwerdeführer subjektiv beklagten Beschwer
den könnten anhand der Unterlagen nicht vollumfänglich objektiviert werden. Im MRI hätten keine pathologi
schen Befunde nachgewiesen werden können. Aufgrund der klinischen Befunde müsse aber davon ausgegangen werden, dass eine entzündliche Veränderung an der rechten Schulter im Sinn einer
Kapsulitis
vorgelegen habe (S. 2 Ziff. 1).
4.2
Oberärztin med.
pract
.
H._
und Assistenzarzt med.
pract
.
I._
von der
C._
nannten in ihrem Abklärungsbericht vom 7. August 2017 (Urk. 6/56/111-
113) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psycho
tische Symptome (ICD-10 F33.2)
-
Anhaltende affektive Störung –
Dysthymia
(ICD-10 F34.1)
-
Generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Sonstige und nicht näher bezeichnete nichtorganische Schlafstörung (ICD-10 F51.9)
Dazu führten sie aus, beim Beschwerdeführer bestehe eine klinisch relevante Sympto
matik, die sich seit einigen Monaten kontinuierlich verstärkt habe. Der Stellenwert der verschiedenen persönlichen Belastungsfaktoren bei der Aufrecht
erhaltung der Sympto
matik sei noch zu klären. Der Beschwerdeführer selbst betone aktuell vor allem die Belastung durch seine Arbeitslosigkeit (S. 2).
4.
3
Dr. med.
J._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, berich
tete in seiner von der Unfallversicherung in Auftrag gegebenen Kurzbeur
teilung vom 2. Oktober 2017 (Urk. 6/56/99-103), die Schmerzen und Bewegungs
einschränkungen seien eindeutig objektivierbar, da sowohl klinisch eine klare
Frozen
Shoulder
Situation bestehe mit deutlicher Einschränkung und hartem Anschlag in Aussen- und Innenrota
tion wie auch MR-tomographisch (S. 3
oben). Der Beschwerdeführer sei
aufgrund der adhäsiven
Schulterkapsulitis
, die die rechte dominante Extremität betreffe, noch 100 % arbeitsunfähig, praktisch in sämtlichen Berufen bis auf eine leichte Bürotätigkeit, die wahrscheinlich mindes
tens zu 50 %
möglich sei
(S. 5 Mitte).
4.
4
Dr.
med.
K._
, Fachärztin
für
Rheumatologie
und
Innere Medizin
,
stellte in ihrem Bericht vom 16. November 2017 (Urk. 6/57/1-3) folgende Diagnosen:
-
Bekannte, momentan schwere depressive Störung, generalisierte Angst
störung inklusive Klaustrophobie und soziale Problematik
-
Chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom links
-
keine
radikuläre
Symptomatik
-
mässige
Osteochondrose
L4-S1, Traktionsspondylose L4/5 und l
e
ichte
Retrolisthesis
L4/
5, Differentialdiagnose: relative Spinalkanalstenose (kein MRI wegen Platzangst)
-
Flachrücken und dorsaler Überhang
-
Anhaltende
Kapsulitis
Schulter rechts bei Status nach
Verhebetrauma
am 1. März 2017, Behandlung im
L._
, Status nach dreimal
ia
Infiltration, Lang
zeitphysiotherapie, normales MRI Schulter
Dr.
K._
führte aus, die schwere Depression/Angsterkrankung inklusive Klaustro
phobie stehe momentan absolut im Vordergrund. Eine stationäre psychi
atrische Behandlung sei angezeigt. Die rein somatische
n Massnahmen seien unzureichend
für das Auffangen des Gesamtbeschwerdebildes Rücken und Schul
ter (S. 2 f.).
4.
5
Am 8. Dezember 2017 (
Urk. 6/58/6-8)
führten Oberärztin Dr. med.
M._
und Assistenzarzt Dr. med.
N._
vom
Departement Chirurgie des
Kan
tonsspital
s
L._
aus
, der Beschwerdeführer sei als Servicemitarbeiter
zu 100 % arbeits
unfähig. Es bestehe eine Einschränkung der Beweglichkeit der rechten Schulter. Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar. Es
bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit. Tragende Arbeiten mit dem rechten Arm seien nicht im gewohnten Umfang möglich (S. 2 Ziff. 1.6-1.7).
4.
6
Med.
pract
.
H._
und med.
pract
.
I._
von der
C._
attestierten dem Beschwer
deführer in ihrem Bericht vom 14. Dezember 2017 (Urk. 6/60) eine seit mindestens Juli 2017 bis auf Weiteres bestehende Arbeitsunfähigkeit (
Ziff
. 1.
6
).
Sie ergänzten
, da der Verlauf von verschiedenen Faktoren abhängig sei, lasse sich aktuell keine genaue Prog
nose und keine abschliessende Beurteilung der Arbeits
fähigkeit stellen (Ziff. 1.11).
4.
7
Dr. med.
O._
und
Dr. med.
P._
,
beide Fachä
rzt
e
für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
und
Dr. med.
Q._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
Y._
stellten
in ihrem von der
Unfall
ver
sicherung in Auftrag gegebenen
bidisziplinären
orthopädisch-
traumatologischen
und psychiatrischen
Gut
achten vom
31
.
Mai
2018
(Urk.
6
/
62
/
4
-
39
)
folgende
nicht unfallrelevante
Diagnosen
(S. 8)
:
-
Zustand nach Schultergelenkdistorsion rechts vom 1.
März 2017
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.2)
Die Gutachter
gaben an
, es lägen aus orthopädischer/
traumat
olog
i
scher
Sicht
keine qualitativen Einschränkungen vor. Aus psychiatrischer Sicht seien Tätig
keiten mit hohem Stresspegel und hoher Verantwortung zu vermeiden. Die Aus
dauer und Fähig
keit, unter Zeitdruck zu arbeiten, seien ebenfalls reduziert. Es bestünden ein erhöhter Regenerations- und Pausenbedarf. Ein Mehraufwand bei Vorbereitung und Planung sei zu erwarten. Multitasking könne nicht zugemutet werden (S. 9 oben). Weiter hielten die Fachpersonen fest, die subjektiven Beschwerden, wie auch die
mässiggradige
Bewegungseinschränkung der rechten Schulter/des rechten Schultergelenks
bzw.
des rechten Schulte
rblattes könnten weder klinisch
noch bildgebend objektiviert werden. Aus versicherungsmedizini
scher Sicht sei die Bewegungseinschränkung des rechten Schultergelenks ohne vernünftige Zweifel auf
eine
Selbstlimitierung des Beschwerde
führers zurückzu
führen, da weder ein erklärender klinischer Befund im Sinne eines Kapselmu
sters vorliege, noch bildgebende
pathologische Befunde hierfür nachweisbar seien (S. 13 oben).
Aufgrund unfallbedingter Ursachen sei der Beschwerdeführer
als Service
fachangestellter
zu 100 %, aufgrund
krankheitsbedingter
Ursachen zu 70 % und insgesamt zu 70 % arbeitsfähig (S. 14 unten).
4.
8
In
s
einem Bericht
vom 9
.
Juli
2018 (Urk. 6/63)
gab
med.
pract
.
I._
wieder
, seit dem Bericht vom 14. Dezember 2017 (E. 4.6) seinen keine Veränderungen feststellbar (Ziff. 1.3). Ein Ressourcenprofil für eine angepasste Tätigkeit müsse
noch evaluiert wer
den (Ziff. 2.1). Ebenso der Umfang der Verminderung der Leistungsfähigkeit (Ziff. 2.2).
4.9
Dr. med.
R._
, Facharzt für Chirurgie, vom regionalen ärztlichen Dienst (RAD) emp
fahl in seiner Stellungnahme vom 17. Juli 2018 (Urk. 6/64/6), der Beurteilung des
bidisziplinären
Gutachtens vom 31. Mai 2018 (E. 4.7) zu folgen.
Gemäss dem Gutachten bestünden keine Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und als Diagnosen ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit der Zustand nach der Schultergelenksdistorsion rechts und die re
zidi
vierende depressive Störung, gegen
wärtig mittelgradige Episode. Zum Belas
tungsprofil erwähnte er, z
eitlich flexible Tätig
keiten ohne permanenten Zeit- und Termindruck, bei nur geringem Publikumsverkehr, ohne besondere Anforderun
gen an das Umstellungs- und Anpassungsvermögen seien medizinisch-theore
tisch in einer wohlwollenden und konfliktarmen Arbeitsatmosphäre zunächst zu 70 % möglich.
4.10
Nach Vorlage der RAD-Stellungnahme (E. 4.9) hielt die Beschwerdegegnerin
am 15. Au
gust 2018 (Urk. 6/64 S. 7 oben)
in einer internen
Aktennotiz
fest, es sei korrekt und nachvollziehbar, dass der GS [Gesundheitsschaden] keine dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
hatte
und
habe
.
Deshalb seien auch keine Diagnosen aufgeführt. Das Leistungsbegehren sei abzuweisen. Es liege kein inva
lidisierender Gesundheitsscha
den vor.
4.
11
Oberärztin Dr. med.
S._
vom
Schmerzzentrum des
L._
nannte in ihrem Bericht
vom
10. Oktober
2018 (Urk. 6/74)
unter anderem
folgende Diagnosen:
-
Posttraumatische
Kapsulitis
Schulter rechts
mit
/
bei
Verhebetrauma
am 1. März 2017
-
Orthopädische Beurteilung zuletzt am 23. März 2018 durch Dr.
T._
-
Chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom
-
Konsil
: 16. November 2017 Frau Dr.
K._
, Rheumatologie: mässige
Os
t
e
ochondrose
L4-S1,
Traktio
n
sspondylolyse
L4/5 un
d leichte
Retrolisthesis
L4/5 (d
ifferentialdiagnos
tisch relative
Spinalka
nalstenose, kein MRI wegen Platzangst)
-
Infiltration
:
14. Januar 2004:
K
linik
F._
: BV-gesteuerte thera
peuti
sche Steroid-Infiltration
Fazettengelenk
e
L4/5 beidseits bei
Pseudospondy
lolisthesis
. Ergebnis: keine Schmerzlinderung
-
Beinschmerz linksbetont
-
Am ehesten
fazettogen
(
referred
pain
), differentialdiagnostisch musku
lär
,
differentialdiagnostisch
radikulär
am ehesten L5
-
MRI wegen Klaustrophobie nicht durchführbar
Dr.
S._
berichtete, bezüglich der
Kapsulitis
rechts bestehe eine lückenlose Dokumen
tation, da
s
s diese als Folge des
Verhebetraumas
am 1. März 2017 ent
standen sei. Eine strukturelle Verletzung habe in der Bildgebung weitestgehend
ausgeschlossen werden können, wobei das MRI wegen Bewegungsartefakten nur eingeschränkt beurteilbar gewesen sei. Bezüglich der Rückenschmerzen habe der Beschwerdeführer über eine 15 bis 20-jährige Schmerzanamnese berichtet. Zuletzt seien di
e bekannten Rückenschmer
zen
exaz
erbiert
. Ein Röntgen der LWS
(
21. August 2017
Rodiag
) habe eine leichte
Retrolisthese
L4 über L5 sowie
Oste
ochondrosen
gezeigt
.
Es
fehlten sichere Hinweise auf eine neurologische
Proble
matik
. Bei der interdiszipl
inären Teambesprechung mit der Physiotherapie
sei
jedoch eine Diskrepanz zwischen der vom
Beschwerdeführer
ange
gebenen Geh
strecke von 30 Minuten und
der vom Physiotherapeut
en
beobachteten Gehstrecke von 500 Metern auf
gefallen
. Die durch Laufen
ausgelösten Schmerzen und Schwäche des linken Beines könnten als Hinweis auf einen sich
verengenden Spinalka
nal
bzw.
eine
«
Wurzelclaudicatio
» gewe
rtet werden
(S. 2)
.
4.
12
Am 4. Dezember 2018 (Urk. 6/76)
hielten
Oberarzt med.
pra
ct
.
U._
und Assis
tenzärzti
n Dr. med. V._
von der
C._
fest, die aktuelle
Symptoma
tik entspre
che den Kri
teri
e
n einer schweren depressiven Episode. Ebenfalls sei eine
Dysthymia
vor
handen. Die aktuelle
Arbeitsunfähigkeit liege zwar bei 100 %, eine Steigerung in ange
passter Tätigkeit sei
aber
nicht auszuschliessen. Hierfür wäre eine Intensivierung der Behandlung im Sinne einer stationären Behandlung notwendig. Unter Berücksichtigung der aktuellen Symptomatik und Lebensum
stände sei mittelfristig eine maximale Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer ange
passten Tätigkeit zu erwarten.
4.
13
Dr. med.
W._
, Facharzt FMH für Radiologie, führte in seinem Bericht vom 27. Dezember 2018 (
Urk. 6/81)
über ein MRI der LWS aus, Hauptbefund im Segment L4/5
bei
Retrolisthese
L4 gegen L5 Grad I
seien eine z
irkuläre Band
scheibenvorwölbung und
aktivierte Facettengelenksarthrosen. Dies führe zu
rezessalem
Kontakt und begin
nen
der Kompression von L5 beidseits sowie zu einer beginnenden
foraminalen
Enge für L4 links. In L5/S1 sei eine beginnende Band
scheibendegenerat
ion mit flacher zirkulärer
Prot
r
u
sion
ohne spinale oder
forami
nale
Enge feststellbar.
5
.
5.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich
gemäss
den
versicherungsinterne
n
Feststel
lungs
bl
ä
tt
ern
vom 1
5
. August 2018 (Urk. 6/64 S.
6 f.
; vgl. E. 4.9 und E. 4.10
)
und vom 22. Januar 2019 (Urk. 6/82 S. 4 Mitte)
bei ihrem
leistungsabweisenden
Ent
scheid auf das
von der Unfallversicherung veranlasste
Y._
-Gutachten
vom
31. Mai 2018 (E. 4.7).
Der Gutachtensauftrag durch die Unfallversicherung erfolgte im Rahmen der Kausali
tätsbeurteilung bezüglich
dem
Arbeitsunfall
vom 1. März 2017 (Urk. 6/62/4-39 S. 3 oben).
Wenn sich das Gutachten
auch allgemein
zur Arbeits
fähigkeit äusserte, stand
dabei doch
die
Frage im Zentrum, inwiefern
allfällige
Beeinträchtigung
en
der funktio
nellen Leistungsfähigkeit
auf
den
besagten
Arbeitsunfall zurückzuführen
waren
.
So findet sich
folgerichtig im Gutachten
bei
der
Diagnosestellung nicht
etwa
die Unter
schei
dung zwischen
Diagnosen mit und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, sondern zwischen
unfallrelevante
n
und nicht unfallrelevante
n
Diagnos
en (S. 8 oben)
, was im Übrigen von der Beschwerdegegnerin
zudem noch
falsch interpretiert wurde (vgl. dazu E. 5.3 nachstehend)
.
Das Gutachten äusserte sich
somit auch
nicht über eine allfällige Veränderung des Gesundheitszustandes seit der Rentenabweisung vom 24. Juni 2004 (Urk. 6/39)
, was jedoch
für die Beurteilung des Vorliegens einer wesentlichen Veränderung der Verhält
nisse und somit eines Revisionsgrundes entscheidend
sein kann
(siehe dazu E. 1.3)
. Dies
ist
vor allem
dann
der Fall
,
wenn
-
wie die Beschwerdegegnerin
dies tat
(Urk. 2) –
davon ausgegangen wird
,
dass
aus psy
chische
r Sicht
keine invalidenversicherungsrechtlich-r
elevanten Einschränkun
gen vorlie
gen
und
das
auf den Unfall
im Jahr 2017
zurückge
hende Schulterleiden
auch nicht zu berücksichtigen
ist
(Urk. 2
S. 1
,
E. 4.9 und E. 4.10
)
.
In diesem Falle wäre bei bestehenden Anhaltspunkten einer Verschlechterung der
Rückenproblematik –
Dr.
W._
berichtete
von aktivierten Facettengelenksarth
rose
n
, einer beginnenden Kompression L5 beidseits sowie einer beginnenden
foraminalen
Enge L4 links (E. 4.13) - zumindest eine medizinische Aussage zur Veränderung des Gesund
he
itszustandes notwendig gewesen
, zumal
bei der ursprünglichen Rentenabweisung
noch
von einer wesentlichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der Rücken
problematik (Invaliditätsgrad: 17 %) ausgegangen worden war (E. 3) und eine allfällige Verschlechterung geeignet
ist
, einen Rentenanspruch auszulösen.
D
ie Beweiskraft eines
Gut
achten
s
im Revisi
onsverfahren
– was auch im Falle einer Neuanmeldung zu gel
ten
hat
(E. 1.3)
–
hängt
wesentlich davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweis
thema
- erhebliche Änderung(en) des Sachverhalts - bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollstän
digen, nachvollziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im Hin
blick auf eine erstmalige Beurteilung der Rentenberechtigung beweisend wäre, mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer früheren abweichende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effektive Veränderung des Gesundheitszustan
des stattgefun
den hat. Vorbehalten bleiben Sachlagen, in denen es evident ist,
dass die gesundheitli
chen Verhältnisse sich verändert haben
, was jedoch vorlie
gend nicht der Fall ist
(Urteil des Bundesgerichts 9C_137/2017 vom 8.
November 2017 E.
3.1 mit Hinweisen)
.
Daneben bestehen jedoch auch bezüglich der Beurteilung des psychischen Leidens Vor
behalte gegenüber dem
Y._
-Gutachten.
Gemäss
BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach
Massgabe
von BGE 141 V 281 zu unterziehen. Das erford
erlich psychiatrische Gutachten
hat
sich jedoch
nicht
- wie im Übrigen
auch
die Beschwerdegegnerin (
Urk. 2, Urk. 6/64, Urk. 6/82
) -
mit den
nunmehr
massgebenden
Standard
indikatoren auseinander
gesetzt
.
Namentlich fehlt es also an einer vertieften Auseinandersetzung mit den Re
ssourcen des Beschwerdeführers.
Bei bestehenden Anhaltspunkten für invali
denversicherungsrechtlich irrelevante psychosoziale Faktoren (Arbeitslosigkeit) findet sich im Gutachten
zudem
auch keine eingehende Beschäfti
gung
mit der
Frage, inwiefern diese das Leiden beeinflussen respektive inwiefern ein selbstän
diges psychisches Leiden vorliegt (Urk. 6/62/3-39).
Nach
dem Gesagten
war das
Y._
-Gutachten als
massgebliche
Grundlage zur Beur
teilung de
s mit der Neuanmeldung geltend gemachten
IV-
L
eistungsanspruch
s ungeeig
net.
Aber auch aufgrund der übrigen Akten in Kombination mit dem
Y._
-Gutachten kann nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit festgelegt werden, ob und in welchem Umfang der Beschwerdeführer arbeitsunfähig ist
bzw.
seit der Erstanmeldung allenfalls vorübergehend war, wie im Folgenden zu zeigen ist.
5.
2
5.2.1
Aus somatischer Sicht stehen zur Beurteilung der funktionellen Leistungsfähig
keit die Rücken- und die Schulterproblematik im Vordergrund.
5.2.2
Die
Rücken
beschwerden in Form eines chronischen
lumbospondylogenen
Syn
droms waren ursächlich für die Annahme einer Einschränkung der Leistungsfä
higkeit bei der Beurteilung des ursprünglichen Leistungsbegehrens
.
Die
Beschwerdegegnerin
ging
damals
deswegen
von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als Kellner und
von einer
100%
i
gen in angepasster Tätigkeit
unter Beachtung eines Belastungsprofils
aus
, was immerhin zu einem Invaliditätsgrad von 17 %
führte
(E. 3.5)
.
Wenn der Beschwerdeführer
in der Zwischenzeit
auch
wieder
über Jahr
e
zu 100 %
als Kellner
arbeitet
e
(Urk. 6/44 S. 6)
,
ist angesichts
seiner Kranken
geschichte,
des von
Dr.
S._
geäusserten
Verdachts einer
Wur
zelclaud
ic
atio
bei durch Laufen aus
gelösten Schmer
zen und Schwäche
des linken Beines (E. 4.11)
sowie der
von Dr.
W._
mittels MRI
festgestellten aktivierten
Facettengelenksarthrose
n
, der beginnenden Kompression L5 beidseits und der beginnenden
foraminalen
Enge L4 links
(E. 4.1
3
)
nicht auszuschlies
sen, dass es bezüglich der Rückenproblematik zu einer Verschlechterung des Gesund
heitszu
standes mit möglichen Auswirkungen auf die funktionelle Leistungsfähigkeit
gekommen ist
.
Weder Dr.
S._
noch Dr.
W._
äusserten sich jedoch
zum Umfang
einer allfäl
ligen
Einbusse der funktionellen Leistungsfähigkeit.
Dr.
O._
s Fokus bei
der gut
achterlichen Beurteilung der somatischen Beschwerden lag eindeutig auf
der Schulterproblematik
bzw.
der allfälligen Unfallkausalität (Urk. 6/62/4-39 S. 9, S. 11-13, S. 18 f.). So unter
suchte er die Schulter in seiner klinischen Exploration
sehr gründlich
, den Rücken
hin
gegen
eher rudimentär (S. 21 f.). In der Beurtei
lung finden sich im Gutachten denn
auch
, was
die
somatische
n
Erkrankungen
angeht, nur Aussagen zur Schulter (S. 11 f.).
Eine hinreichende Beurteilung der Rückenproblematik nahm er nicht vor.
5.2.3
Auch was
die gesundheitliche Situation der Schulter angeht, kann aufgrund der vorlie
genden medizinischen Unterlag
en nicht
abschliessend
beurteil
t werden, ob überhaupt und in welchem Umfang allfällige funktionelle Einschränkungen bestehen oder zumin
dest vorübergehend bestanden haben.
Wenn auch
die subjektiv beklagten Beschwerden keine hinlängliche objektivierte Grundla
ge finden
(
E. 4.1, E. 4.4
)
, bleiben dennoch
erhebliche
Zweifel an der Einschätzung von
Y._
-Gutachter Dr.
O._
(E. 4.7).
Denn
Dr.
O._
ist der einzige Facharzt, der davon ausging, dass nie irgendwelche funktionel
len Einschränkungen wegen
der Schulter bestanden hätten.
Dr.
G._
ging im Bewusstsein, dass keine objektivierbaren Befunde nachge
wiesen werden konnten, dennoch aufgrund der klinischen Befunde davon aus, dass eine ent
zündliche Veränderung an der rechten Schulter vorgelegen hatte (E. 4.1).
Dr.
J._
, welcher den Beschwerdeführer im Auftrag der Unfallversi
cherung eingehend
unter
sucht hatte
, hielt die Schmerzen und Bewegungsein
schränkungen aufgrund seiner klinischen Untersuchung und MR-tomographisch als eindeutig ausgewiesen, sodass er von einer bedeutenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ausging (E. 4.3).
Ebenso hielten die Fach
ärzte der Chirurgie vom
L._
, die den Beschwerdeführer ebenfalls klinisch unter
suchten,
aufgrund der eingeschränkten Beweglichkeit der Schulter die bisherige Tätigkeit aus medizinischer Sicht für nicht zumutbar (E. 4.5)
.
Zudem wurde der Beschwerdeführer
wegen der Schulterschmerzen
auch dreimal infiltriert
(E. 4.4).
Dr.
O._
beurteilte
in seiner
Auseinandersetzung
mit den anderslautenden
fach
ärztli
chen
Einschätzungen
einzig
die
Frage der Unfallkausalität, ohne sich über
die von den anderen Fachärzten in ihren klinischen Untersuchungen festgestell
ten funktionellen Einschränkungen zu
äussern
.
Er wies
sogar explizit darauf hin, Schulterbeschwerden könnten
sowohl
ohne degenerative Veränderungen
als
auch spontan ohne direktes oder indirektes Trauma auftreten
(Urk. 6/62/3-39 S. 23).
Angesichts dieser Aktenlage,
ist
demzufolge
nicht
auszuschliessen
, dass
aufgrund
des Schulterleidens
zumindest zeitweise
(vgl.
Urk.
1 S. 6 oben)
eine
relevante
Einschränkung
bestanden
hatte.
5.2.4
Ob aus somatischer Sicht im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung
aufgrund der Rücken- und oder Schulterproblematik
eine
relevante
Arbeits
un
fähigkeit besteht
oder zumindest zuvor zeitweise bestanden hatte
, kann
demnach
nicht
rechtsgenüglich
beurteilt werden.
5.
3
Hinsichtlich des psychischen Leidens liegt
zudem
eine Fehlinterpretation
seitens
der Beschwerdegegnerin vor. Das
Y._
-Gutachten spricht sich klar und deutlich für eine
funktionelle
Einschränkung aufgrund der depressiven
Erkrankung
aus (E.
4.7
)
. Im Gut
achten wird – wie aufgezeigt (E. 5.1) – bei der Diagnosestellung nicht zwischen Diag
nose mit und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, sondern zwischen unfallbedingt und nicht unfallbedingt unterschiede
n. RAD-Arzt Dr.
R._
hielt
daraufhin
in seiner
auf das Gutachten gestützten
Stellung
nahme vom
17. Juli 2018 (E. 4.9) fest, es bestün
den keine Diagnosen mit Auswir
kung auf die A
rbeitsfähigkeit. Dies ist klar
aktenwidrig,
erwähnte er doch selber die gestellte Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode und das dadurch reduzierte Belastungs-
bzw.
das noch mögliche
Zumutbarkeitsprofil und führte
aus, es sei zunächst eine ange
passte Tätigkeit zu 70 % möglich. Es ist daher unverständl
ich, dass die Beschwerdeg
e
g
nerin
aufgrun
d der Stellungnahme von Dr.
R._
davon ausging, der Gesund
heits
schaden habe keine dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, deshalb seien auch keine Diagnosen aufgeführt (E. 4.10).
Ebenso wenig vermag ihre in der Verfügung vom 23. Januar 2019 (Urk. 2 S. 1) vorge
brachte Begründung, der Beschwerdeführer habe seine Arbeit als Kellner auch mit der psychischen Einschränkung ausgeführt, weshalb diese unbeachtlich
sei
, zu überzeugen.
So manifestierte sich die depressive Störung in ihrer Schwere erst einige Zeit nach dem Verlust der Arbeitsstelle (E. 4.2).
Die
Behandler (
E. 4.2, E. 4.6, E. 4.8, E.
4.
1
1)
,
sind der einhelligen Meinung
es liege
eine depressive Störung mit Auswirku
ng auf die Arbeitsfähigkeit vor.
Inwiefern jedoch
– bei Anhalt
s
punkten für gewichtige psychosoziale Faktoren -
eine inva
lidenversicherungs
rechtlich-relevante
Einschränkung
vorliegt
,
kann aufgrund der vorliegenden medizini
schen Unterlagen nicht beurteilt werden.
Denn w
eder
die
Y._
-Gutachter, noch die Beschwerdegegnerin h
aben das
für die Einschät
zung der funktionellen Leistungsfähig
keit bei psychischen Beschwerden massge
bliche
strukturierte
Beweisverfahren (
I
ndika
torenprüfung
) durchgeführt, und ein solches
lässt sich anhand
der
vorhandenen
Akten
ebenfalls nicht
rechtsgenüglich
durchführen. Ob aus psychiatrischer Sicht eine rele
vante Arbeitsunfähigkeit besteht
oder zumindest zeitweise bestand
, kann
demzufolge
nicht
abschliessend
beurteilt werden.
5.4
Nach dem Gesagten kann aufgrund der Akten nicht mit überwiegender Wahr
schein
lichkeit festgelegt werden, ob und in welchem Umfang der Beschwerdefüh
rer arbeits
unfähig ist
beziehungsweise
.
allenfalls vorübergehend war. Nachdem der Sachverhalt in Bezug auf die somatischen
wie
auch auf die psychischen Beschwerden
für die Belange der Invalidenversicherung
nicht ausreichend abge
klärt
ist
, ist die angefochtene Verfügung vom 23. Januar 2019 aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese aktuelle Berichte bei den Behandlern einhole, eine neue Begutachtung mit mindestens den Disziplinen Psychiatrie und wahlweise Rheumatolo
gie oder Orthopädie durchfüh
ren lasse und anschliessend
über die Leistungsansprüche des Beschwerdeführers
erneut entscheide.
Dabei wird sich das Gutachten
insbesondere
auch
zur Frage der Veränderung des Gesundheitszustandes seit der
Verfügung vom 11. Juni 2004 und bei am 7. Sep
tember 2017 (Urk. 6/44) erfolgter Neuanmeldung zum
zeitlichen Verlauf
einer allfälligen Arbeitsunfähigkeit
zu äussern haben
.
Das erforderlich
e
psychiatrische
Teilgutachten
und
die Beschwerdegegnerin wer
den sich
auch mit den
Standard
indikatoren auseinander
zu
setzen haben.
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens ist davon abzusehen, einzelne Beschwerden und Stö
rungen ohne Einzelfallprüfung wegen grundsätzlich fehlen
der invalidenversicherungs
rechtlicher Relevanz auszuscheiden (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.1). Indes gilt jedoch unverändert, dass ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden nur gegeben sein kann, wenn das klinische Beschwerdebild nicht einzig in psychosozialen und sozi
okulturellen Umständen seine Erklärung findet, sondern davon psychiatrisch unter
scheidbare Befunde umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_732/2
017 vom 5. März 2018 E. 4.3.1).
Da
vorliegend
Anhalts
punkte bestehen, dass psychosoziale Faktoren für das psychische Leiden eine entscheidende Rolle spielen könnten (Belastung durch die Arbeitslosigkeit [E. 4.2]), wird die psychiatrische Expertise ein spezielles Augenmerk darauf zu richten haben.
Nach erfolgter medizinischer Abklärung wird sich die Beschwerdegegnerin
– soll
ten funktionelle Einschränkungen ausgewiesen sein -
sodann auch über die erwerblichen Auswirkungen (Einkommensvergleich) zu äusseren haben.
6
.
6
.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unter
liegenden Beschwerdegegne
rin aufzuerlegen.
6
.2
Dem Beschwerdeführer steht eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwie
rigkeit des Prozesses und
dem Zeitaufwand festge
setzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Ent
sprechend ist ihm eine
Prozessentschädigung von Fr. 2‘0
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.