Decision ID: 77c27e44-08e6-4dc8-9fee-931d1e34d171
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
wurde 1971 im Kosovo geboren, absolvierte nach der Schulzeit eine Ausbildung zum Bäcker (vgl. die Ausbil
dungsbestätigung vom 2
5.
Mai 2004, Urk.
9/44/3) und arbeitete danach in Bosnien und in Kroatien in diesem Beruf (Angaben in der Anmeldung bei der Invalidenversicherung vom 1
0.
Juli 2004,
Urk.
9/1/3-4; Lebenslauf in
Urk.
9/16 und
Urk.
9/44/1; Angaben im Gutachten von
Dr.
med.
Z._
vom
2.
Oktober 2017,
Urk.
9/189/6-7). Im Jahr 1998 zog er in die Schweiz, wo er zunächst als
Pizzaiolo
und als Bauhilfsarbeiter tätig war und im Oktober 1999 eine Stelle als Bäcker bei der
A._
antrat (vgl.
Urk.
9/16 sowie den Auszug aus dem individuellen Konto vom 2
3.
August 2004,
Urk.
9/6, u
nd die Angaben der
A._
vom 3
1.
August 2004 im Fragebogen für den Arbeitgeber,
Urk.
9/7).
In der Folge musste
X._
die Arbeit als Bäcker wegen eines Handekzems aufgrund der Feuchtarbeit mit Teig aufgeben und verlor die Stelle bei der
A._
per Ende Juli 2004 (vgl. die Akten der Suva in
Urk.
9/9/1-128). Er meldete sich deshalb im Juli 2004 mit dem Ersuchen um Unterstützung bei der Stellensuche bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
9/1). Nachdem er im Mai 2005 bei der
Y._
eine Vollzeitstelle als Prozessoperator (Maschinenführer) hatte antreten können (Arbeitsvertrag in
Urk.
9/18/1-3), verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA), IV-Stelle, mit Verfügung vom 3
0.
August 2005 einen Anspruch auf berufliche Massnahmen (
Urk.
9/20). Von der Suva wurde
X._
mit Verfügung vom 10. Oktober 2006 rückwirkend
per
1.
August 2004 als nicht geeignet für alle Arbeiten mit Teig erklärt (
Urk.
9/22) und erhielt deswegen eine Übergangsentschädigung (Verfügungen vom 2. März 2007 und vom 13. Februar 2008,
Urk.
9/23 und
Urk.
9/24).
1.2
1.2.1
Im Jahr 2009 wurde
X._
wegen chronischer Kopfschmerzen untersucht (Bericht des
B._
vom 1
0.
September 2009,
Urk.
9/40/7), und im Jahr 2010 wurde er wegen
thorakolumbovertebraler
Schmerzen, die Ende Februar 2010 akut geworden waren und zur Arbeitseinstellung geführt hatten, ärztlich behandelt (Bericht des
C._
, Klinik für Innere Medizin, vom 2
9.
März 2010,
Urk.
9/40/16-19). Er meldete sich deshalb am 2
9.
Juni 2010 erneut bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
9/28).
Das Arbeitsverhältnis mit der
Y._
wurde in der Folge per Ende November 2010 aufgelöst (vgl. das Verlaufsprotokoll der Eingliederungsberatung in
Urk.
9/43/1+3).
Im Zuge ihrer Abklärungen nahm die IV-Stelle Kenntnis von den Angaben der Arbeitgeberin vom 1
3.
Juli 2010 (
Urk.
9/33) und holte den Bericht der Hausärztin
Dr.
med. D._
, Spezialärztin für Innere Medizin, vom 2. September
2010 ein (
Urk.
9/40/1-6). D
es Weiteren erfuhr sie, dass
X._
im Juni 2010 eine ambulante Behandlung im
E._
aufgenommen hatte (Bericht vom 10. August 2010,
Urk.
9/40/25-27), dass dort im Januar 2011 eine interdisziplinäre Abklärung stattgefunden hatte und anschliessend von Anfang März bis Anfang Juni 2011 eine ambulante tagesklinische Behandlung durchgeführt worden war (Berichte vom 2
6.
Janu
ar 2011,
Urk.
9/51, und vom 11.
Mai 2011,
Urk.
9/53/5-8 und
Urk.
9/54) und dass der Versicherte von Ende Juni bis Ende August 2011 in der
F._
stationär behandelt worden war (Kurzbericht vom 1
9.
Dezember 2011,
Urk.
9/67).
Sodann
liess die IV-Stelle durch die MEDAS
G._
das polydisziplinäre Gutachten vom
5.
Januar 2012 erstellen
(
Urk.
9/68, gezeichnet von Dr.
med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, und
Dr.
med.
I._
, Spezialarzt für Rheumatologie, Chefarzt; Konsiliarbericht von
Dr.
med.
J._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapi
e, vom 2
6.
September 2011, Urk.
9/69/14-21; Konsiliarbericht von
Dr.
med. K._
, Spezialarzt für Neurologie, vom 2
9.
September 2011,
Urk.
9/69/3-6; K
onsiliarbericht von
Dr.
med. L._
, Spezialarzt für Rheumatologie, vom
5.
Oktober 2011,
Urk.
9/69/7-13).
Mit Verfügung vom 2
3.
Mai 2012 verneinte die IV-Stelle den Anspruch von
X._
auf eine Invalidenrente gestützt auf das Gutachten der MEDAS
G._
(
Urk.
9/83).
1.2.2
X._
, vertreten durch Milosav Milovanovic, Beratungsstelle für Auslän
der, liess gegen diese Verfügung Beschwerde erheben (
Urk.
9/90/3-7; Prozess Nr. IV.2012.00681) und informierte darüber, dass er von Ende Februar bis Ende April 2012
wiederum i
n der
F._
stationär behandelt worden war (Austrittsbericht vom
7.
Mai 2012,
Urk.
9/84). Des Weiteren berief er sich namentlich auf
die
Berichte des behandelnden Psychiaters Prof.
Dr.
med. M._
, Facharzt für Psychotherapie, Psychoanalyse und psychosomatische Medizin, vom 2
0.
September und vom 1
7.
Oktober 2013, die dieser als Mitarbeiter des
E._
und später als Mitglied einer anderen Praxisgemeinschaft verfasst hatte (
Urk.
9/101/3 und
Urk.
9/105/2), sowie auf weitere Berichte des
E._
(Urk.
9/91/12-15 und
Urk.
9/95).
Mit Urteil vom 3
0.
Januar 2014 hob das Sozialversicherungsgericht die angefochtene Verfügung auf und wies die Sache zu weiteren medizinischen Abklärungen an die IV-Stelle zurück (
Urk.
9/108). Es erachtete die somatisch-medizinischen Einschätzungen im Gutachten der MEDAS
G._
als einleuchtend (Urk.
9/108/9-10 E. 3.4.2), beurteilte
hingegen das psychiatrische
Konsiliargutachten
von
Dr.
J._
als unvollständig. Namentlich
qualifizierte
das Gericht die Auseinandersetzung mit den
Vorakten
als
ungenügend (
Urk.
9/108/10-12 E.
3.4.3) und vermisste ausserdem die Berücksichtigung des aktuellsten Behandlungsverlaufs mit der nochmaligen
Hospitalisation
in
der
F._
(
Urk.
9/108/12
13 E. 3.4.4). Das Urteil blieb unangefochten.
1.3
1.3.1
Die IV-Stelle holte im Anschluss an das Urteil vom 3
0.
Januar 2014 den Bericht von Prof.
M._
vom 2
7.
März 2014 (
Urk.
9/112) und den Bericht der Klinik für Innere Medizin des
C._
vom 1
1.
August 2014 (Urk.
9/119/1-4) ein und nahm vom Versicherten den Bericht des
E._
vom 2
6.
August 2014 entgegen (
Urk.
9/121). Danach liess sie den Versicherten durch die Institution
N._
des
O._
nochmals polydisziplinär begutachten (Gutachten vom 2
0.
Februar 2015 von
Dr.
med.
P._
, Facharzt für Allgemein- und Arbeitsmedizin, Fallführung,
Dr.
med. Q._
, Spezialärztin für Psychiatrie
und Psychotherapie,
Dr.
med. R._
, Spezialarzt für Innere Medizin und Rheumatologie, und
Dr.
med. et phil. S._
,
Spezialarzt für Neurologie
,
Urk.
9/138).
Im
Vorbescheidverfahren
liess der Versicherte zusätzliche Berichte des
E._
und von Prof.
M._
einreichen (
Urk.
9/146/6
9 und
Urk.
9/150/2-3 sowie
Urk.
9/146/4-5
und
Urk.
9/150/1). Ausserdem erhielt die IV-Stelle von der Gutachtenstelle
N._
di
e erbetenen Ergänzungen vom 26.
August 2015 (
Urk.
9/139 und
Urk.
9/149).
Mit Verfügung vom 28. Dezember 2015 entschied die IV-Stelle im Sinne ihres Vorbescheids und verneinte den Rentenanspruch des Versicherten erneut (
Urk.
9/155).
1.3.2
X._
liess gegen diese Verfügung wiederum Beschwerde
durch Milosav Milovanovic
erheben (
Urk.
9/162/3-8; Prozess Nr. IV.2016.00175) und liess im Beschwerdeverfahren eine aktuelle psychiatrische Beurteilung von Prof.
M._
vom 1
6.
Februar 2016 (
Urk.
9/163/5-6) und einen Bericht des
E._
vom 2
0.
April 2016 über den Verlauf seit der letzten interdisziplinären Abklärung vom April 2011 (
Urk.
9/168/6-13) beibringen.
Mit Urteil vom 3
1.
Oktober 2016 hob das Sozialversicherungsgericht die angefochtene Verfügung
erneut
auf und wies die Sache abermals an die IV-Stelle zurück (
Urk.
9/170). In somatischer Hinsicht beurteilte das Gericht den Sachverhalt auch diesmal als genügend abgeklärt, hingegen stellte es
immer noch
Abklärungsbedarf in psychiatrischer Hinsicht fest, da
sich
die Erst
ellerin des psychiatrischen Fach
gutachtens
Dr.
Q._
unter Hinweis auf eine massive Symptom
ausweitung ausserstande gesehen hatte, eine Bezifferung der Arbeitsun
fähigkeit vorzunehmen, jedoch vorgeschlagen
hatte, zur Gewinnung weiterer Informationen zu den krankheitsbedingten Einschränkungen eine Begutachtung in stationärem Rahmen vorzunehme
n (
Urk.
9/170/14-16 E. 3.6.3-
E. 3.6.5). Dementsprechend verpflichtete das Gericht die IV-Stelle zur Veranlassung einer stationären psychiatrisc
hen Abklärung (
Urk.
9/170/17
E. 3.7). Das Urteil blieb wiederum unangefochten.
1.4
In Nachachtung dieses Urteils beauftragte die IV-Stelle
Dr.
med. Z._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Leitender Arzt des
T._
, mit der
stationären Begutachtung von
X._
, und der Versicherte hie
lt sich zu diesem Zweck vom 15.
bis zum 1
9.
Mai 2017 in dieser Institution auf. Am
2.
Oktober 2017 legte
Dr.
Z._
sein Gutachten vor (
Urk.
9/189).
Mit Vorbescheid vom 1
2.
Oktober 2017 eröffnete die IV-Stelle dem
Versicherten
dass sie seinen Rentenanspruch ein weiteres Mal zu verneinen gedenke, da aufgrund des Gutachtens von
Dr.
Z._
kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen sei (
Urk.
9/193; Feststellungsblatt in
Urk.
9/191). Der Versicherte, nach wie vor vertreten durch Milosav Milovanovic, liess mit Eingabe vom 1
2.
November 2017 Einwendungen erheben (
Urk.
9/196) und berief sich unter anderem auf einen Bericht von
Dr.
med. U._
, Spezialarzt für Neurologie, vom 2
4.
Oktober 2017 über die Verlaufsuntersuchung nach einer Untersuchung vom März 2017 (
Urk.
9/195/3-5 und
Urk.
9/179). Ferner liess der Versicherte der IV-Stelle mit Eingabe vom 1
1.
Dezember 2017 (
Urk.
9/199) nachträglich Stellungnahmen der behandeln
den Ärzte zum Gutachten von Dr.
Z._
zukommen, nämlich eine Stellungn
ahme von Prof.
M._
vom 20.
November 2017 (
Urk.
9/198/1-2) und eine Stellungnahme des
E._
vom 2
5.
Novembe
r 2017 (
Urk.
9/198/3-7)
.
Die IV-Stelle entschied mit Verfügung vom 1
9.
Februar 2018 im Sinne ihres Vorbescheids und verneinte den Anspruch von
X._
auf eine Invalidenrente (
Urk.
2 =
Urk.
9/202).
2.
Mit Eingabe vom 2
2.
März 2018 liess
X._
, nunmehr vertreten durch Rechtsanwalt Markus Steudler, Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
9.
Februar 2018 erheben (
Urk.
1) und beantragen, die Verfügung sei aufzuheben, die IV-Stelle sei zu verpflichten, ihm die gesetzlich geschuldeten Leistungen zu erbringen und ihm insbesondere ab dem
1.
Februar 2011 eine ganze Invalidenrente auszurichten, eventualiter sei die IV-Stelle zu verpflichten, weitere medi
zinische Abklärungen zu tätigen
und gestützt darauf den Invaliditätsgrad zu bestimmen und das Leistungsbegehren neu zu beurtei
len (
Urk.
1 S. 2). In prozessualer Hinsicht liess
X._
um die unentgeltliche Prozessführung und um die Bestellung seine
s
Anwaltes zum unentgeltlichen Rechtsvertreter ersuchen (
Urk.
1 S. 2). Mit Verfügung vom 2
2.
Mai 2018 entsprach das Gericht dem Gesuch um die unentgeltliche Rechtspflege und stellte dem Versicherten die Beschwerdeantwort zu (
Urk.
13).
Der Versicherte liess mit Eingabe vom 1
5.
Juni 2018 Ergänzungen zur Beschwerdeschrift anbringen (
Urk.
15). Dabei liess er namentlich auf seine somatischen Beschwerden hinweisen und hierzu einen Bericht der
V._
vom 2
4.
November 2014 über eine rheumatologische Beurteilung sowie Berichte und Rechnungen von
Dr.
med.
W._
über physiotherapeutische Behandlungen in den Ja
hren 2017 und 2018
einreichen
(
Urk.
16/1-4)
. Des Weiteren liess der Versicherte mit Eingabe vom 2
5.
Juli 2018 (
Urk.
19) den Austrittsbericht der
F._
über eine erneute stationäre Behandlung von Anfang Juni bis Mitte Juli 201
8 nachreichen (
Urk.
20). Die IV
Stelle nahm am 2
7.
Juli und am 1
0.
August 2018 zu den Eingaben und Unterlagen des Versicherten Stellung (
Urk.
22 und
Urk.
23). Dieser reagierte darauf mit einer Eingabe vom 2
3.
August 2018 (
Urk.
25). Ferner liess der Versicherte mit Eingabe vom
4.
Januar 2019 (
Urk.
27) einen Bericht
der Oberärztin
Dr.
med.
AA._
_
der
F._
vom
6.
Dezember 2018 beibringen, wo er nach dem stationären Aufenthalt eine sogenannte Narrative Expositionstherapie aufgenommen hatte (
Urk.
28). Mit Eingabe vom 3
1.
Januar 2019 macht
e die IV-Stelle von der Gelegen
heit zur Stellungnahme dazu Gebrauch (
Urk.
30).
Mit Verfügung vom 2
6.
Juni 2019 wurde die Pensionskasse
Y._
zum Prozess beigeladen (
Urk.
32). Diese verzichtete mit Eingabe vom 1
2.
Juli 2019 auf eine Stellungnahme (
Urk.
23).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2012 sind die im Zuge der Revision 6a geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher
Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurtei
lung jene Rechtsnormen zugrunde zu legen sind, die gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Die angefoch
tene Verfügung ist am 1
9.
Februa
r 2018 ergangen. Da ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestim
mungen der IV-Revision 6a begonnen hat - zur Diskussion steht der Anspruch auf eine Rente aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit ab Februar 2010 - und die Verfügung eine Dauerleistung betrifft, ist entsprechend der
dargelegten inter
temporalrecht
lichen Regelung für die Zeit bis Ende 2011 auf die damals gültig gewesenen Bestimmungen und für die Zeit ab Anfang 2012 auf die neuen Nor
men der IV
Revision 6a abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445; Urteil des Bundesgerichts I 428/04 vom
7.
Juni 2006 E. 1). Soweit jedoch die Revision 6a keine substanziellen Änderungen gegenüber der früheren Rechts
lage gebracht hat, ist die zur altrechtlichen Regelung ergangene Rechtsprechung weiterhin massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2009 vom 19. Mai 2009 E. 2).
2.
2.1
Invalidität
ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerb
sunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit ode
r Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arb
eitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
nach
Art.
7 Abs.
2 ATSG
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen
(Satz 1)
. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überw
indbar ist (Satz 2).
2.2
2.2.1
Im Hinblick auf das Erfordernis in Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG hatte das Bundes
gericht die Arbeitsunfähigkeit bei bestimmten Leiden seit dem Jahr 2004 nach besonderen Grundsätzen beurteilt. Es hatte diese Leiden unter dem Begriff der p
athogenetisch
-ätiologisch unklare
n
syndromale
n
Beschwerdebilder ohne nach
weisbare organische Grundlage
zusammengefasst und festgestellt, es seien dies Störungen,
die sich hinsichtlich ihrer invalidisierenden Wirkung einer objektiven Beurteilung weit
gehend entzögen
, weil sie
in erster Linie
auf den Angaben der Patienten basier
t
en
(BGE 139
V 547 E. 5.9 mit Hinweis auf BGE 130 V 352). Das Bundesgericht war weiter zum Schluss gelangt, dass solche Störungen keinen
direkten Nachweis einer anspruchsbegründen
den Arbeitsunfähigkeit erlaubten und der Nachweis daher indirekt, gestützt auf Indizien, zu erbringen sei, wobei bei Beweislosigkeit vermutet werde, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirke (
BGE 139 V 547 E. 7.2 und E. 8.1).
Für diesen Nachweis hatte das Bundesgericht in Anlehnung
an eine bestimmte medizinisch
e Lehrmeinung
(vgl. BGE 139 V 547 E. 3.2.3 mit Hinweis auf Klaus Foerster, Begutachtung und Erwerbsfähigkeit bei Patienten mit psychogenen Störungen,
SZS
1996 S. 486 ff.) besondere Kriterien aufgestellt, die in gewisser Ausprägung und Zahl erfüllt sein mussten (BGE 137 V 64 E.
4.1). Als
Haupt
krite
rium hatte das Bundesgericht eine psychische Komorbidität genannt, also die
Diagnose einer weiteren, von der
pathogenetisch
-ätiologisch
unklaren Störung
zu unterscheidenden psychischen Krankheit von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dau
er. Für den Fall des Fehlens einer
psychischen Komorbidität
hatte das Bundesgericht
weitere Faktoren
bezeichnet
, die bei entsprechender Intensität auf eine Beeinträchtigung der Arbeits
fähigkeit hatten hinweisen können
, nämlich chronische körperliche Begleiterkrankungen und ein
en mehrjährigen
Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne länger dauernde Rückbildung, ein
en ausgewiesenen sozialen
Rückzug in allen Belangen des Lebens, ein
en verfestigten
, the
rapeutisch nicht mehr angehbaren innerseelischen
Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden
Konfliktbewältigung (sogenann
ter primärer Krankheitsgewinn, «
Flucht in die Krank
heit»
) sowie unbefriedigende Ergebnisse trotz konsequent durchgeführter ambulanter oder stationärer Behandlungs- oder Rehabilitationsbemühungen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der versic
herten Person (BGE 139 V 547 E. 9.1.1, 137 V 64 E.
4.1, 131 V
49 E. 1.2, 130 V 352 E.
2.2.3).
Ursprünglich hatte das Bundesgericht diese Kriterien für die Diagnose der
an
haltenden so
matoformen Schmerzstörung (Code
F45.4 der Internationalen Klassi
fikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10)
entwickelt, später hatte es sie auf alle p
athogenetisch
-ätiologisch unklare
n
Be
schwerdebilder im dargelegten Sinne ausgedehnt (vgl. die Kasuistik in BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3, 139 V 547 E. 2.2). Das
Bundesgericht hatte den Kriterien normativen Charakter zugeschrieben und dazu festgehalten, der ursprüngliche Katalog fachpsychologischer Prognosekriterien habe sich zu einem rechtlichen Anforderungsprofil verselbständigt (vgl. BGE 139 V 547 E. 3.2.3 und E. 7.2).
2.2.2
Im Grundsatzurteil vom 3. Juni 2015 (BGE 141 V 281) hat das Bundesgericht entschieden, an der bisherigen Rechtsprechung zu den
pathogenetisch
-ätiolo
gisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage nicht länger festzuhalten und die sogenannte Überwindbarkeitsver
mutung aufzugeben. Stattdessen hat das Bundesgericht unter Aufstellung von Standardindikatoren ein neues Prüfungsraster entwickelt, anhand dessen die Auswirkungen solcher Beschwerdebilder zu ermitteln sind. Es präsentiert sich wie folgt (BGE 141 V 281 E. 4.1.3 und E. 6):
-
Kategorie «f
u
nktioneller Schweregrad»
-
Komplex «Gesundheitsschädigung»
-
Ausprägung der diagnos
erelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserf
olg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex
«Persönlichkeit»
(Persönlichkeitsdiagnostik, p
ersönliche Ressourcen
)
-
Kompl
ex «Sozialer Kontext»
-
Kategorie
«Konsistenz»
(Gesich
tspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivit
ätenniveaus
in allen ver
gleichbaren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewi
esener Lei
dens
druck.
Dieses
Raster verzichtet insbesondere auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und auf die Bedeutung der psychia
trischen Komorbidität als Haupt
kriterium (vgl. BGE 141 V 281 E. 6). Hingegen schreibt das Bundesgericht dem neuen Raster wiederum normativen Charakter zu, weist jedoch darauf hin, dass es die Aufgabe der medizinischen Fach
personen sei, innerhalb der ein
schlägigen Indikatoren das Leistungsvermögen einzuschätzen (v
gl. BGE 141 V 281 E. 5.1 und E.
5.2). Des Weiteren müssen die funktionellen Einschränkungen nach wie vor mit überwiegender Wahrscheinl
ichkeit nachgewiesen sein - nun
mehr anhand der neuen Standardindikatoren -, und es ist die versicherte Person, welche die Beweislast dafür trägt (vgl. BGE 141 V 281 E. 6).
2.2.3
In einem weiteren Schritt hat das Bundesgericht in zwei Grundsatzurteilen vom 3
0.
November 2017 die Anwendbarkeit der neu entwickelten Standardindikatoren auf grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen ausgedehnt, indem es für alle diese Erkrankungen das strukturierte Beweisverfahren als massgebend erklärt
hat (BGE 143 V 418 E. 7,
143 V 409 E. 4.4 und E. 4.5). Damit hat das Bundesgericht insbesondere seine bisherige Rechtsprechung zu den depressiven Störungen geändert
und hält nicht länger daran fest, dass rezidivierende oder episodische Depressionen leicht- bis mittelgradiger Natur einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht fallen, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sind (vgl. die Zusammenfassung der bisherigen Rechtsprechung in BGE 143 V 409 E. 4.1).
2.2.4
Von vornherein nicht als invalidenversicherungsrechtlich relevant gelten geklagte
Beschwerden insoweit, als sie
aggraviert
werden, also als stärker beein
trächtigend dargestellt werden, als sie tatsächlich sind beziehungsweise empfunden werden. Hinweise für eine Aggravation erblickt das Bundesgericht etwa darin, dass
eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeig
ten Verhalten oder der Anamnese besteht, dass
intensive
Schmerzen angegeben werden, die jedoch nur vage charakterisiert werden, dass
Klagen
in einer Weise demonstrativ vorgetragen werden, die unglaubwürdig wirkt, dass keine
medizini
sche
n
Behandlung
en in Anspruch genommen werden und dass
schwere Ein
schränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfe
ld jedoch weitgehend intakt ist (BGE 141 V 281 E. 2.2 und E. 3.7.1, 131 V 49).
Des Weiteren gilt rechtsprechungsgemäss
de
r Grundsatz
, dass ein invalidenver
sicherungsrechtlich relevantes Beschwerdebild n
icht einzig in Beeinträchtigungen
bestehen darf, die von psychosozialen und
soziokulturellen Faktoren her
rühren, sondern
davon psychiatrisch zu untersche
idende Befunde umfassen muss,
zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depres
sion im fachmedizin
ischen Sinne. Je stärker psycho
soziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das
Be
schwerdebild mitbestimmen, desto a
usgeprägter muss nach der Rechtspre
chung
eine fachärztlich festgestell
te psychische Störung mit Krank
heitswert vorhanden sein. Dort, wo nur Befunde erhoben werden, die
in den psychosozialen und
sozio
kulturellen
Umständen ihre hinreichende Erklärung finden
und somit
gleichsam in ihnen aufgehen,
verneint das Bundesgericht einen invalidisierenden
psychi
sche
n Gesundheitsschaden
(
vgl.
BGE 127 V 294 E. 5a
mit Hinweis)
.
2.3
2.3.1
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 % oder auf eine
Viertelsrente
, wenn sie mindestens zu 40 % invalid sind. Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG (in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG) aufgrund eines
Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkommen
).
Der Rentenanspruch entsteht nach
Art.
28
Abs.
1 IVG frühestens in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40
%
arbeitsunfähig war (lit. b), sofern sie nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
% invalid ist (lit. c).
Zusätzlich kann der Rentenanspruch gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG nicht vor Ablauf von sechs Monaten nac
h der Geltendmachung entstehen.
Die Wartezeit im Sinne Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträch
tigung der Arbeitsfähigkeit ein
getreten ist. Als erheblich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (AHI 1998 S. 124 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts I 10/05 vom 14. Juni 2005 E. 2.1.1 in
fine
mit Hinweisen).
2.3.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG).
Anlass zur Rentenrevision gibt rechtsprechungsgemäss
jede wesentliche Änderung
in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditäts
grad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen).
Bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit
ist gestützt auf Art. 88a Abs.
1
IVV
die anspruchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird, und sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlic
h weiterhin andauern wird. Eine Verschlechterung
der Erwerbsf
ähigkeit ist nach Art. 88a Abs. 2
IVV zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbr
echung drei Monate gedauert hat.
Die Grundsätze zur Rentenrevision gelten rechtsprechungsgemäss auch dort, wo sich eine versicherte Person, deren Rentenanspruch verneint worden ist, bei der Invalidenversicherung erneut
zum Rentenbezug anmeldet. D
ort ist
ebenfalls
zu prüfen, ob seit
dem Erlass des rentenabweisenden Entscheids eine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist (vgl. BGE 130 V 71 E. 3.1 und 3.2 mit Hinwei
sen; vgl. auch BGE 133 V 108 E.
5.4).
2.4
Im sozialversicherungsrechtlichen Verfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Der Versicherungsträger prüft nach Art. 43 Abs. 1 ATSG die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein, wobei mündlich erteilte Auskünfte schriftlich festzuhalten sind.
B
ei Beweislosigkeit
fällt
der Entscheid zu Ungunsten jener Partei aus, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweis
regel
kommt jedoch erst dann zum Zug
, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf
g
rund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V
261 E. 3b
).
3.
Strittig und zu prüfen ist nach wie vor, ob und gegebenenfalls für welchen Zeitraum der Beschwerdeführer aufgrund der Anmeldung vom 2
9.
Juni 2010 Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
Wie bereits im Urteil vom 3
0.
Januar 2014 darge
tan worden ist (
Urk.
9/108/8 E.
3.2), handelt es sich bei der Anmeldung vom 2
9.
Juni 2010 (
Urk.
9/28) in Bezug auf den Rentenanspruch um ein erstmaliges Leistungsgesuch, weshalb d
ie Grundsätze zur Rentenrevision nicht anw
endbar sind und der Anspruch des Be
schwerdeführers
nicht von
einer Änderung im Sachverhalt ab einem bestimmten Zeitpunkt abhängig
ist.
Ebenfalls weiterhin massgebend
(vgl. dazu auch
§
26
Abs.
2 des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht
[
GSVGer
]
)
sind die Erw
ägungen in den Urteilen vom 30.
Januar 2014 und vom 3
1.
Oktober 2016, wonach
das Wartejahr nach
Art.
28 Abs.
1 lit. b IVG zu laufen begann, als der Beschwerdeführer seine Arbeitstätigkeit bei der
Y._
am 2
5.
Februar 2010 aus gesundheitlichen Gründen einstellte und ab dann arbeitsunfähig geschrieben war
,
und wonach er somit frühestens ab dem
1.
Februar 2011 Anspruch auf eine Rente haben kann, s
ofern er ab dem 2
5.
Februar 2010
während eines Jahres du
rchschnittlich mindestens zu 40
% arbeitsunfähig
war (b
eziehungsweise erwerbsunfähig im vorliegenden besonderen Fa
ll eines Berufswechsels aus Krank
heitsgründen und späterer gesundheitlicher Einschränkungen
im neuen Beruf;
vgl. Urteil des Bundesger
ichts I 305/00 vom 8.
April 2002 E. 3c mit Hi
nweis auf
BGE 104 V 141 E. 2b)
und im Anschluss daran eine krankheitsbedingte Erwerbseinbusse von mindestens 40 % aufweist (
Urk.
9/108/8-9 E. 3.3,
Urk.
9/170/9 E. 3.1). Es stellt sich also die Frage nach der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit in der Zeit ab dem 2
5.
Februar 2010.
4.
4.1
Was die somatische Seite des Beschwerdebildes betrifft, so befand das Gericht im Urteil vom 3
0.
Januar 2014 die Befunde, die der neurologische
Konsiliargutachter
Dr.
K._
und der rheumatologische
Konsiliargutachter
Dr.
L._
der MEDAS
G._
im September 2011 erhoben hatten, sowie auch deren Diagnosen und deren Einschätzung der Arbeitsfähigkeit als einleuchtend und ging somit von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit aus der Sicht dieser beiden Fachgebiete
aus (
Urk.
9/10
8/9-10 E. 3.4.2). Im Urteil vom 3
1.
Oktober 2016 würdigte das Gericht die Erhebungen und die Schlussfolgerungen des Neurologen
Dr.
S._
und des Rheumatologen
Dr.
R._
der Gutachtenstelle
N._
vom November 2014 und erachtete sie ebenfalls als zuverlässig und plausibel. Gestützt auf die Gesamtbeurteilung im Gutachten der Gutachtenstelle
N._
ging das Gericht daher auch für die Zeit nach der ersten Begutachtung durch die MEDAS
G._
von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit in
somatischer Hinsicht aus (Urk.
9/170/10-11 E. 3.3). Daran ist festzuhalten, und es ist diesbezüglich auf die Begründungen in den Urteilen vom 3
0.
Januar 2014 und vom 3
1.
Oktober 2016 zu verweisen.
4.
2
Sodann sind in den Berichten,
die
sich mit dem somatischen Gesundheitszustand in der Zeit nach der zweiten Begutachtung durch die Gutachtenstelle
N._
bis zum Erlass der
angefochtenen Verfügung vom 1
9.
Februar 2018 befassen, keine massgebenden Veränderungen dokumentiert.
So handelt es sich bei den als neu bezeichneten Diagnosen im Bericht des
E._
vom 2
0.
April 2016 (
Urk.
9/168/7), der die Entwicklung seit der interdisziplinären Abklärung v
om April 2011 darstellt, um die
Diagnosen im Gutachten der Gutachtenstelle
N._
, und die Ergebnisse der aktuel
len eigenen Untersuchungen des
E._
(Urk.
9/168/9-13)
weisen
nicht auf körperliche Veränderungen in der neuesten Zeit hin. Namentlich konnte der Facharzt für orth
opädische Chirurgie
Dr.
med.
BB._
_
wie schon der Rheumatologe
Dr.
R._
(
Urk.
9/138/76-77)
bei der Untersuchung der beiden Knie trotz nachgewiesenem
Mensikusriss
keine Meniskuszeichen erheben und auch keine pathologischen Verdickungen oder Gelenksergüsse feststellen
(
Urk.
9/168/11), und eine Magnet
r
esonanztomographie des rechten Kniegelenks vom Juni 2015 hatte denn auch nur geringe bis mässige degenerative Veränderungen gezeigt (
Urk.
9/168/9).
Ebenfalls keine Hinweise auf
eine
relevante Verschlechterung in körperlicher Hinsicht ergeben sich aus den Unterlagen, die der Beschwerdeführer im
Vorbescheidverfahren
zur angefochtenen Verfügung und im vorliegenden Verfahren einreichen liess. Der Beschwerdeführer
hatte
zwar gegenüber
Dr.
U._
im März und im Oktober 2017 über in letzter Zeit verstärkte Kopf- und Nackenschmerzen mit vermehrte
m
Schwindel
geklagt,
Dr.
U._
hatte
jedoch keine Befunde aus dem Fachgebiet der Neurologie erkennen
können
, welche diese Beschwerden
erklärt
hätten
, sondern
hatte
vor allem
Druckdolenzen
und Verhärtungen der Muskulatur
bemerkt
(
Urk.
9/179,
Urk.
9/195/3-5). Diese Verspannungszustände hatte indessen bereits
Dr.
R._
im Rahmen der Begutachtung durch die Gutachtenstelle
N._
beschrieben (
Urk.
9/138/75-76) und hatte sie als Ausdruck der (psychischen) Schmerzverarbeitungsstörung interpretiert (
Urk.
9/138/79). Unter diesen Umständen können auch die durch
Dr.
W._
veranlassten physiotherapeutischen Behandlungen in den Jahren
2017 und 2018 (vgl.
Urk.
16/2-3
) nicht als Zeichen einer körperlich bedingt
en gesundheitlichen Veränderung
gewertet werden. Das Gleiche gilt für die Empfehlung von
Dr.
W._
vom 1
5.
Mai 2018, die «fortgeschrittenen Arthrosen in beiden Knien» durch eine Injektion zu behandeln (
Urk.
16/4), da
Dr.
W._
dabei nicht auf Ergebnisse einer aktuellen radiologischen oder klinischen Untersuchung Bezug nahm, die eine Veränderung belegt hätten.
4.
3
Mangels entsprechender Anhaltspunkte für veränderte Befunde kann der Beschwerdegegnerin daher entgegen den Vorbringen in der Beschwerdeschrift und in der Stellungnahme vom 1
5.
Juni 2018 (
Urk.
1 S. 16 f. und
Urk.
15 S. 2) keine Verletzung der Abklärungspflicht in somatisch-medizinischer Hinsicht vorgeworfen werden. Vielmehr ist für die Zeit bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 1
9.
Februar 2018 von Seiten der somatischen Befunde ungeachtet des abweichenden Attests von
Dr.
U._
im Bericht vom 24.
Oktober 2017 (60%ige Einschränkung allein aufgrund der somatischen Befunde;
Urk.
9/195/5) weiterhin von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen.
5.
5.1
Die Rückweisungen mit den Urteilen vom 3
0.
Januar 2014 und vom 3
1.
Oktober 2016 erfolgten beide Male zur weiteren Abklärung der psychischen Seite des Beschwerdebildes.
5
.2
Der Psychiater
Dr.
J._
der MEDAS
G._
nannte im September 2011 als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit in Abweichung zu den bisher gestellten psychiatrischen Diagnosen ei
ne maligne Regression im Rahmen
einer ängstlichen (vermeidenden) Persönlichkeitsstörung (
Code F
60.6
der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der
Weltgesundheits
organisa
tion
, ICD-10)
. Demgegenüber
erwähnte
er die Diagnose einer Depression
(
mittelgradige oder schwere depressi
ve Episode;
ICD-10 Codes F32.2
und F32.3),
wie sie das
E._
(
Urk.
9/40/25-26,
Urk.
9/51/1
,
Urk.
9/53/7 und
Urk.
9/54) und die
F._
(Urk.
9/68/13-15) gestellt hatten, und die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 Code F45.4), wie sie ebenfalls von der
F._
formuliert worden war (
Urk.
9/68/13), nicht als selber gestellte, sondern nur als aktenanamnestische Diagnosen und zudem als solche ohne Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
9/69/18). Die Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit bemass
Dr.
J._
rein aufgrund der psychiatrischen Aspekte auf 30
%
und führte die weitergehende Limitierung (100%ige Arbeitsunfähigkeit gemäss dem Bericht des
E._
vom 11.
Mai 2011 und gemäss einem Kurzbericht der
F._
vom 1
9.
Dezember 2011;
Urk.
9/53/7 und
Urk.
9/67), auf vorbestehende Persönlichkeitseigenschaften und soziok
ulturelle Faktoren zurück (Urk.
9/69/21).
Angesichts dessen, dass
Dr.
J._
sowohl in der Diagnostik und der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von den vorbehandelnden Psychiatern abwich, vermisste das Gericht jedoch eine eingehende Analyse und Diskussion der psychiatrischen Vorbeurteilungen und eine Begründung der eigenen, divergierenden Beurteilung (
Urk.
9/108/12 E. 3.4.3). Die Rückweisung mit dem Urteil vom 3
0.
Januar 2014 betreffend die Verfügung vom 2
3.
Mai 2012 erfolgte zur Ergänzung und Vervollständigung in dieser Hinsicht (
Urk.
9/108/13 E. 3.4.5).
5.
3
Die Psychiaterin
Dr.
Q._
der Gutachtenstelle
N._
gelangte in der Folge im Dezember 2014 zu den Diagnosen (
Urk.
9/138/62) einer
chronische
n
Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10 Code F45.2
; richtig: ICD-10 Code F45.41
)
und einer
mittlere
n
depressive
n
Episode (ICD-10 Code F32.2)
und konstatierte ausserdem
ängstlich-vermeidende akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Code Z73.0)
. Damit folgte sie grundsätzlich den Diagnosen, an denen
die
F._
und
das
E._
auch nach der Begutachtung durch die MEDAS
G._
festgehalten hatten
(
Urk.
9/84/1 und
Urk.
9/95) und die Prof.
M._
in den Jahren 2013 und 2014 ebenfalls aufgeführt hatte (
Urk.
9/105/2 und
Urk.
9/112/1).
Des Weiteren folgte sie der Beurteilung von
Dr.
J._
der MEDAS
G._
insoweit, als sie ebenfalls eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstruktur beobachtete, wenn sie daraus auch keine eigenständige Diagnose ableitete, sondern ihr nur die Qualität von
Zusatzfaktoren zuschrieb (Urk.
9/138/
62+
63). Einzig eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 Code F43.1), wie sie das
E._
schon zu Beginn der Behandlung genannt (
Urk.
9/40/25) und sie die
F._
später gleichermassen erwähnt hatte (
Urk.
9/84/1), konnte
Dr.
Q._
explizit nicht bestätigen (
Urk.
9/138/62).
Das Gericht hielt deshalb im Urteil vom 3
1.
Oktober 2016 fest, die Begutachtung durch die Gutachtenstelle
N._
habe in Bezug auf die psychiatrischen Diagnosen eine gewisse Klärung gebracht, da
Dr.
Q._
die Diagnosen der behandelnden Ärzte nicht mehr nur aktenanamnestisch erwähnt habe, sondern sie aufgrund ihrer eigenen Beurteilung und Diskussi
on habe bestätigen können (Urk.
9/170/13 E. 3.5.3). Klärungsbedarf ma
chte das Gericht jedoch hinsichtlich der
Auswirkungen der psychiatrischen Diagnosen auf die Arbeitsfähigkeit aus, da
Dr.
Q._
wohl von einer Einschränkung ausgegangen war, diese jedoch aufgrund einer massiven Symptomausweitung als nicht definitiv bezeichnet und deshalb eine Begutachtung im stationären Rahmen empfohlen hatte
(vgl. Urk.
9/138/64). Eine solche stationäre Begutachtung erachtete das Gericht als angezeigt. Es wies darauf hin (
Urk.
9/170/14-16 E. 3.6.3-E. 3.6.5), dass die Gutachter der Gutachtenstelle
N._
in der Gesamtbeurteilung wohl von Hinweisen auf eine meh
r oder weniger bewusstseinsnahe
Aggravati
on gesprochen hätten (vgl. Urk.
9/138/45), dass die einzelnen Fachgutachter in ihren Formulierungen
jedoch
nicht so weit gegangen seien und
dass in
der Gesamtbeurteilung
ebenfalls
eine stationäre Begutachtung oder eine längere Beobachtung im Alltag zur Gewinnung von weiterführenden Informationen zur psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit vorg
eschlagen worden sei (vgl. Urk.
9/138/46+47). Dementsprechend erfolgte im Urteil vom 3
1.
Oktober 2016 die Rückweisung zur Veranlassung der empfohlenen stationären psychiatrischen Abklärung.
5.
4
Aufgrund dieses Rückweisungsurteils hielt sich der Beschwerdeführer vom 1
5.
bis zum 1
9.
Mai 2017 im
T._
zur Begutachtung du
rch
Dr.
Z._
auf.
Im Folgenden ist zu prüfen, was sich dem Gutachten von
Dr.
Z._
für die Beurteilung des strittigen Rentenanspruchs entnehmen lässt.
6.
6.1
Der Beschwerdeführer liess zunächst verschiedene Kritikpunkte formeller Art gegen dieses Gutachten vorbringen.
6
.2
Vorab liess er rügen, die Institution der Begutachtung sei nicht rechtsprechungskonform festgelegt worden, indem die Beschwerdegegnerin seinen Einwendungen keine Rechnung getragen habe, ohne indessen eine anfechtbare Verfügung zu erlassen (
Urk.
1 S. 12 f. und S. 17 f.).
Nach der Rechtsprechung und der gestützt darauf ergangenen Verwaltungspraxis ist der betroffenen Person bei geplanter mono- oder
bidisziplinärer
Begutachtung Gelegenheit zu geben, Einwendungen gegen die Begutachtung an sich oder gegen die P
erson des Gutachters zu erheben. Alsdann ist
im Falle der Erhebung von zulässigen Einwendungen zunächst eine Einigung anzustreben, und bei deren Ausbleiben ist eine anfechtbare Verfügung zu erlassen (BGE 139 V 349 E. 5.2.2.3;
Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalid
enversicherung [KSVI], Stand 1.
Januar 2018,
Rz
2076.1-11).
Vorliegendenfalls
erklärte sich der Beschwerdef
ührer in einem Schreiben vom 9.
Februar 2017 wegen der Distanz zu seinem Wohnort in
CC._
_
als nicht einverstanden mit der Begutachtung im
T._
in
DD._
(
Urk.
9/176/1). Es kann
offen bleiben
, ob es sich dabei überhaupt um eine Einwendung handelt, welche dem Einigungsverfahren unterworfen ist. Denn nachdem die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer am 1
3.
Februar 2017 mitgeteilt hatte, dass sie an der Begutachtungsstelle festhalte, da die Wohnortnähe im Falle eines kurzen stationären Aufenthaltes nicht entscheidend sei (
Urk.
9/177), bestand der Beschwerdeführer nicht länger auf seinen Vorschlägen einer Begutach
t
ung in der
F._
, in der
EE._
in
FF._
oder im
GG._
, sondern beschränkte sich darauf, über das
E._
um die Übernahme der Reisekosten einer Begleitperson zu ersuchen, da er mit der selbständigen Anreise wegen drohender Panik überfordert sei (
Urk.
9/183). Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer spätestens, nachdem die Beschwerdegegnerin diesem Ersuchen entsprochen hatte (Telefonnotiz vom 1
9.
April 2017,
Urk.
9/184), mit der Begutach
t
ung in
DD._
_
abgefunden hat. Bei dergestalt erfolgreicher Einigung stand der Erlass einer Verfügung nicht mehr zur Diskussion.
6
.3
Erst im vorliegenden Verfahren liess der Beschwerdeführer ferner die grundsätzliche fachliche Eignung von
Dr.
Z._
in Frage stellen, indem er die Tätigkeit von
Dr.
Z._
als forensischer Psychiater mit Spezialisierung auf Sexual- und Gewaltverbrechen hervorhob (
Urk.
1 S. 12).
Tatsächlich ist
Dr.
Z._
möglicherweise
rein zahlenmässig weniger erfahren in der Erstellung von versicherungsmedizinischen Gutachten, als dies die Gutachter der Medizinischen Abklärungsstellen der Invalidenversicherung sind. Er hat sich in seinem Gutachten jedoch mit den fachspezifischen
Fragestellungen
, insbesondere mit der Abgrenzung der invalidenversicherungsrechtlich relevanten von den irrelevanten Faktore
n, eingehend auseinandergesetzt
,
hat dabei
einschlägige Literatur herangezogen (vgl.
Urk.
9/189/2 und Urk. 9/189/30
40) und
hat
die Kriterien der Rechtsprechung zu den Standardindikatoren einlässlich abgehandelt (
Urk.
9/189/40-51).
Es bestehen daher keine Anhaltspunkte dafür, dass
Dr.
Z._
dem Gutachtensauftrag fachlich nicht gewachsen gewesen wäre.
6
.4
Des Weiteren liess der Beschwerdeführer bezweifeln, dass
Dr.
Z._
mit der erforderlichen Unvoreingenommenheit an die Begutachtung herangegangen sei.
Soweit er hierzu anführen liess,
Dr.
Z._
habe auf ihn aggressiv und ungeduldig gewirkt und in ihm den Eindruck geweckt, er befinde sich in einem polizeilichen Verhör (
Urk.
1 S. 19), so ist dieses Vorbringen nicht mit Beispielen konkretisiert, die
Dr.
Z._
als voreingenommen erscheinen liessen. Denn wenn der Beschwerdeführer
im Besonderen
rügte,
Dr.
Z._
habe ihm die erbetenen Pausen nicht gewährt und ihn zum Weitermachen gedrängt (
Urk.
1 S. 20), so kann das Bestreben, einen bestimmten Zeitplan einzuhalten, auch der Testung des Durchhaltevermögens gedient und damit Bestandteil der Begutachtung gebildet haben.
Auch daraus, dass
Dr.
Z._
in der Einleitung zu seiner Beurteilung auf die «juristischen Umtriebe» hinwies, von denen die Auseinandersetzung des Beschwerdeführers mit seiner
Gesundheit geprägt gewesen sei
(
Urk.
9/189/30), lässt sich entgegen der Sichtweise in der
Beschwerdeschrift (
Urk.
1 S. 25 f.
) keine Voreingenommenheit ableiten. Denn
Dr.
Z._
zog den Aufwand für die Rentenstreitigkeit in seinen nachfolgenden Überlegungen wohl als eines der Kriterien für das sogenannte abnorme Krankheitsverhalten heran (
Urk.
9/189/36), diskutierte daneben jedoch
zahlreiche
weitere
mögliche Anhaltspunkte
für Inkonsistenzen oder für eine Simulation, von denen er
etwelche
als nicht gegeben erachtete (
Urk.
9/189/36-40). Die Beurteilung von
Dr.
Z._
erweckt daher entgegen der Formulierung in der Beschwerdeschrift (
Urk.
1 S. 31) keineswegs den Eindruck, der Gutachter habe «nichts unversucht gelassen, um
den Beschwerdeführer in ein schiefes Licht zu rücken oder ihn als Simulanten darzustellen».
Soweit der Beschwerdeführer überdies der Erwähnung einer «kulturbedingt ungünstigen Mentalität mit passiver Heilserwartung» als invaliditätsfremden Faktor (vgl.
Urk.
9/189/40+41) einen
«
fremdenfeindlichen Anstrich
» zumass (
Urk.
1 S.
31), so
verbietet der Sachzusammenhang eine derartige Interpretation.
Denn offensichtlich visierte
Dr.
Z._
damit den Umstand an, dass sich der Beschwerdeführer nach der eigenen Darstellung in de
n Begutachtungsgesprächen (Urk.
9/189/8-10 und
Urk.
9/189/22-23) zur Verbesserung seines Zustandes fast ausschliesslich und mit hoher Frequenz medizinischen Vorkehren unterzog, jedoch keine Initiative zeigte, auf andere Weise an seinem Zustand etwas zu ändern, und insbesondere keine Arbeitsversuche unternahm.
6
.5
Als weitere formelle Rüge liess der Beschwerdeführer schliesslich anbringen, dass
Dr.
Z._
die Begutachtung ohne einen Dolmetscher
durchgeführt habe, obwohl er mehrmals um einen solchen gebeten habe (
Urk.
1 S. 20 f.).
Tatsächlich konstatierte
Dr.
Z._
beim Beschwerdeführer Mängel in der Beherrschung der deutschen Sprache und sprach, wie dies in der Beschwerdeschrift dargetan ist (
Urk.
1 S. 20), von gebrochenem Deutsch, einer schwachen sprachlichen Kompetenz, einer mangelhaften Sprachbeherrschung und von dürftigen Sprachkenntnissen (
Urk.
9/189/18+40+41+45).
Gemäss
den Aufzeichnungen zu den Untersuchungsgesprächen
konnte
Dr.
Z._
jedoch
vom Beschwerdeführer ausführliche und detailreiche Informationen zu seiner Lebens- und Krankengeschichte, zu seinem Tagesablauf und zu seinem
Befinden erhalten (Urk.
9/189/6-13,
Urk.
9/189/15-17 und
Urk.
9/189/21-23) und
gelangte
auf diese Weise zu einem differenziert
eren und plastischeren Bild,
als es etwa die Gutachtens
telle
N._
unter Mitwirkung eines Übers
etzers zeichnete (
Urk.
9/138/22
24).
Dr.
Z._
vermerkte denn auch, das Gesagte sei inhaltlich trotz des gebrochenen Deutschs verständlich (
Urk.
9/189/18). Unter diesen Umständen ist anzunehmen, dass der Nachteil einer gewissen sprachlichen Barriere aufgewogen wurde durch die Unmittelbarkeit des Gesprächs zwischen dem Gutachter und dem Exploranden, und es ist daher plausibel, dass
Dr.
Z._
davon absah, einen Dolmetscher beizuziehen.
Überdies hatte
der Psychiater
Dr.
J._
der MEDAS
G._
das Untersuchungsgespräch ebenfalls ohne
Beizug
eines Dolmetschers geführt und sprachliche Schwierigkeiten unter Hinweis auf das gute Hochdeutsch des Beschwerdeführers explizit verneint (
Urk.
9/69/17). Auch dies
lässt
annehmen, dass die Sprachkenntnisse des Beschwerdeführers für die Erfordernisse einer psychiatrischen
Exploration ausreichend waren, wenn sie auch für andere Belange, insbesondere für den Schriftverkehr (vgl.
Urk.
9/189/19), ungenügend gewesen sein mögen.
Dies gilt umso mehr, als der Beschwerdeführer
selber
in seinem schriftlichen Lebenslauf angab, fliessend Schweizer
deutsch zu sprechen (
Urk.
9/16
).
7.
7.1
Damit ist das Gutachten von
Dr.
Z._
auf seine materi
elle Beweiskraft hin zu prüfen.
Auch hier liess der Beschwerdeführer mit verschiedenen Kritikpunkten
vorab
die grundsätzliche Tauglichkeit des Gutachtens in Frage stellen.
7
.2
Zur Hauptsache liess er geltend machen, die st
ationäre Begutachtung
mit einer Befragung während einiger Stunden habe
de
n eigentlichen Zweck einer längerdauernden Beobachtung unter Alltagsbedingungen verfehlt (
Urk.
1 S. 21).
Ziel der gerichtlich angeordneten zusätzlichen Abklärungen war die Ermittlung der krankheitsbedingten Einschränkungen aus psychiatrischer Sicht unter Ausklammerung der invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Faktoren. Wie der Beschwerdeführer richtig erkannte (
Urk.
1 S. 10), erachteten die Gutachter der Gutachtenstelle
N._
eine Beobachtung unter Alltagsbedingungen als das zuverlässigste Mittel zur Erreichung dieses Ziels und gaben ihr den Vorzug gegenüber einem stationären, als Begutachtungssituation wahrgenommenen Klinikaufenthalt (vgl.
Urk.
9/138/46). Eine Simulation des häuslichen Alltags zu Abklärungszwecken ist indessen kaum praktikabel, weshalb das Gericht die Beschwerde
gegnerin im Sinne der Überlegungen in der Beschwerdeschrift (
Urk.
1 S. 11) zur Veranlassung einer stationären Begutachtung, soweit möglich ergänzt durch fremdanamnestische Angaben, angewiesen hat.
Es trifft zu, dass das Zustandsbild im Tageslauf und im Lauf der fünf Begutachtungstage in der Beurteilung von
Dr.
Z._
wenig Raum einnahm.
Dies kann jedoch keinem Versäumnis des Gutachters zugeschrieben werden. Denn d
er Verlauf der dreitägigen Testung in der institutseigenen Werkstatt ergab ein gleichförmiges, kaum Schwankungen unterworfenes Bild.
So kehrte
d
er Beschwerdeführer gemäss den Aufzeichnungen des Werkstattleiters am ersten Arbeitstag wegen Unwohlseins früher auf die Station zurück, am zweiten Tag blieb er der Werkstatt fern, und am dritten Tag traf er verspätet ein. Während des Aufenthalts in der Werkstatt erlebte der Werkstattleiter den Beschwerdeführer durchwegs als gedrückt, verschlossen, müde, energielos und in
Gedanken versunken. Er konstatierte zudem, dass der Beschwerdeführer über Schmerzen geklagt und sensibel auf den Lärm in der Werkstatt reagiert habe, dass er immer wieder Pausen eingeschaltet habe, um an die frische Luft zu gehen, und dass es ihm
schwer gefallen
sei, sich auf die Arbeit zu konzentrieren und eine bestimmte Leistung zu zeigen. Dementsprechend bezeic
hnete er die Arbeitsleistung des
Beschwerdeführers durchgehend als bescheiden (
Urk.
9/189/29).
Bei dieser Sachlage wären
auch
von einer Verlängerung oder Intensivierung des stationären Abklärungsaufenthaltes keine neuen Erkenntnisse zu erwarten gewesen. Es kann daher nicht gesagt werden, die Art und Weise der Durchführung dieses Aufenthaltes sei der Fragestellung nicht angepasst gewesen.
7
.3
Was die weitere Rüge der unzureichenden Fremd
anamnese anbelangt (
Urk.
1 S.
19), so trifft zu, dass
Dr.
Z._
davon ab
gesehen hat, fremdanamnestische
Angaben aus dem privaten Umfeld des Beschwerdeführers einzuholen, wie das Gericht es im Urteil vom 3
1.
Oktober 2016 als prüfenswert erachtet hatte (Ur
k.
9/170/17 E. 3.7).
Allerdings hatte
sich in
der Vergangenheit
schon
das
E._
bei der Ehefrau erkundigt und
hatte
von ihr Angabe
n zum Tagesablauf erhalten
, die mit den früheren und den aktuellen, unveränderten Angaben des Beschwerdeführers selbst sowie mit dem ebenfalls aktuellen Eindruck des Werkstattleiters des
T._
übereinstimmen (vgl.
Urk.
9/51/3
und
Urk.
9/121/2-3
). Unter diesen Umständen vermag der Verzicht auf eine nochmalige Kontaktierung der Ehefrau keinen Mangel zu begründen.
Im Übrigen war
Dr.
Z._
jedoch
sehr wohl
bestrebt, fremdanamnestische Angaben zu erhalten, und die Erkundigungen bei der
Y._
als letzter ehemaligen Arbeitgeberin und beim behandelnden
Psychiater Prof.
M._
(Urk.
9/189/14 f.) sind als sachdienlich zu beurteilen. Namentlich drängte es sich auf, bei der Arbeitgeberin nach Informationen zum Ereignis - der Kollision mit einem 240 kg schweren, an einem Kran hängenden Fass - zu fragen, das vom Beschwerdeführer im Laufe der Jahre immer wieder als auslösend für die Arbeitseinstellung gegen Ende Februar 2010 und für die nachfolgende gesundheitliche Entwicklung angegeben wurde (vgl.
Urk.
9/189/8), das jedoch nicht durch Unfallakten dok
umentiert ist.
Dr.
Z._
können somit keine Versäumnisse hinsichtlich der Informationsbeschaffung bei Drittpersonen vorgeworfen werden.
7
.4
Schliesslich
ist auch der Vorwurf von Versäumnissen bei der Durchführung von Testverfahren (vgl.
Urk.
1 S. 18) nicht begründet. Was namentlich die Rüge einer fehlenden neuropsychologischen Testung betrifft, die auch das
E._
in der Stellungnahme
vo
m 2
5.
November 2017 erhob (Urk.
9/198/6), so hatte das
E._
selbst etwa ein Jahr vor der Begutachtung durch
Dr.
Z._
neuropsychologische Testverfahren durchgeführt, deren Ergebnisse samt Würdigung im Bericht vom 2
0.
April 2016 festgehalten sind (
Urk.
9/168/9-10). Demgemäss leuchtet es ein, dass
Dr.
Z._
bei geklagtem unverändertem Beschwerdebild auf eine Wiederholung dieser Tests verzichtete.
8.
8.1
Sprechen somit weder formelle noch inhaltliche Mängel genereller Art gegen die Tauglichkeit des Gutachtens von
Dr.
Z._
, so ist das Gutachten im Hinblick auf die Frage zu würdigen, ob und in welchem Ausmass der Beschwerdeführer bedingt durch psychische Beeinträchtigungen mit Krankheitswert in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist.
8.2
8.2.1
Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
9/189/45) nannte
Dr.
Z._
eine Angs
t
störung und depressiv
e Störung gemischt (ICD-10 Code
F41.2), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 Co
de 45.4) mit abnormem Krankheits
verhalten und anamnestisch eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 Code F43.21); ferner listete er verschiedene Untersuchungsergebnisse unter den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf, nämlich eine partielle psychogene Schlafumkehr (ICD-10 Code F51.2), eine Adipositas bei Kohlehydrat-
Craving
, Spannungskopfschmerzen
mit dem Zufallsbefund
einer Zyste im Zentrum semiovale rechts, Stim
menhören als Nebenbefund und Pro
bleme in der Beziehung zum Ehepartner (ICD-10 Code Z63.0).
Aufgrund des Nachfolgenden überzeugt diese Diagnostik.
8.
2.2
Bei der Schmerzstörung handelt es sich um diejenige Diagnose, die sowohl
Dr.
Q._
der Gutachtenstelle
N._
als auch Prof.
M._
sowie die behandelnden Ärzte des
E._
(für die Zeit nach der Begutachtung durch
Dr.
Q._
vgl.
Urk.
9/146/9,
Urk.
9/150/3 und Urk.
9/168/7) und der
F._
gestellt hatten und die somit medizinisch unumstritten ist. Ob
die Störung
als anhaltende
somatoforme Schmerzstörung
oder im Sinne von
Dr.
Q._
als
chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren
einzuordnen ist, kann
offen bleiben
, da diese Unterscheidung
in der aktuellsten Auflage des ICD-10
mangels ausreichender Abgrenzbarkeit nicht mehr getroffen wird.
8.
2.3
Sodann
beobachtete
Dr.
Z._
wie die behandelnden Ärzte
und die Gutachterin
Dr.
Q._
eine depressive Symptomatik
mit verminderter Antriebslage.
Dabei erachtete er den Schweregrad der Depression gegenwärtig als nicht mehr sehr ausgeprägt, sondern noch als leicht bis mittelgradig, und nahm
eher
eine
affektstarre
und morose
als
eine
depressive Grundsti
mmung wahr (Urk.
9/189/21
+43).
Des Weiteren verneinte
Dr.
Z._
das Vorliegen einer eigentlichen Persönlichkeitsstörung und begründete dies einleuchtend damit, dass der dafür erforderliche Beginn im Jugendal
ter nicht ausgewiesen sei (Urk.
9/189/33-34). Hingegen teilte er die Feststellung von ängstlich-vermeidenden Tendenzen bei der Problembewältigung (
Urk.
9/189/30+34
+43)
, wie sie schon
Dr.
Q._
aufgefallen waren. Er vereinte deshalb die depressiven und die ängstlich vermeidenden Züge in der Diagnose einer Angs
t
störung und depressiven Störung gemischt beziehungsweise nach dem genauen
Terminus der
ICD-10 einer
«
Angst und depressiven Störung
,
gemischt
»
(ICD-10 Code F41.2).
Für die Wahl
dieser Diagnose
führte
Dr.
Z._
an, es sei nicht entscheidend, ob der Beschwerdeführer mehr durch die Angst oder mehr durch die Depression in seinen alltäglichen Aktivitäten zurückgebunden sei (
Urk.
9/189/31).
Da
her kann darin kein
Wider
s
pruch zur zeitweiligen Einstufung der Depression als mittelschwer
durch
Dr.
Q._
oder sogar als schwer
durch
die behandelnden Ärzte
gesehen werden
,
ungeachtet dessen, dass
die ICD-10 die Verwendung der Diagnose nach Code F41.2 nur dort empfehlen, wo die Angst und die Depression den Schweregrad einer eigenständigen Diagnose nicht erreichen.
Dr.
Z._
anerkannte denn auch ausdrücklich, dass der Beschwerdeführer in der Vergangenheit eine schwerere Phase der Depression durchgemacht habe, und stellte für jene Phase in d
en Jahren 2010 bis 2012 die Dia
gnose
der
Anpassungsstörung
mit längerer depressiver Reaktion
(
Urk.
9/189/31+52)
. Auch diese
Diagnose
ist entgegen der Kritik des
E._
(Urk.
9/198/5) einleuchtend. In
s
besondere ist in Abweichung von
den Vorbringen
in der Beschwerdeschrift (
Urk.
1 S. 24)
plausibel, dass
Dr.
Z._
die Umstände des Verlusts der Arbeit als den diagnosespezifischen Belastungsfaktor wertete
(vgl.
Urk.
9/189/50)
.
Denn
als der Beschwerdeführer im Juni 2010 - auf Anraten seines damaligen Rechtsvertreters hin - erstmals das
E._
aufsuchte, stand zwar eine depressive Symptomatik schon zur Diskussion
(
Urk.
9/40/25-27). Im Berufsberatungsgespräch vom Oktober 2010 bezeichnete der
Beschwerdeführer
seinen psychischen Zustand
aber
als grundsätzlich gut und zeigte sich motiviert für eine Ausbildung zum Chauffeur oder
Kondukteur
(
Urk.
9/43). Es ist daher von Wechselwirkungen zwischen Schwierigkeiten am Arbeitsplatz un
d Gesundheitszustand auszugehen. Dies gilt umso mehr, als
das Ereignis von Ende Februar 2010
in den administrativen Akten nicht
dokumentiert ist und in den späteren medizinischen Akten wohl ab und zu erwähnt wird, aber nicht mit Angaben über unfallspezifische Untersuchungen und Befunde belegt ist und
insbesondere
weder im Bericht der Klinik für Innere Medizin des
C._
vom 2
9.
März 2010 (
Urk.
9/40/16
-19
) noch
im Erstbericht des
E._
vom 1
0.
August 2010 (Urk.
9/40/25-27)
aufgeführt ist
.
8
.2.
4
Nicht näher ein ging
Dr.
Z._
auf
die Diagnose einer
posttraumatische
n
Belastungsstörung
, welche die behandelnden Ärzte des
E._
und der
F._
stellten.
Zentrales Merkmal einer
posttraumatische
n
Belastungsstörung ist indessen
,
dass
nach einem
traumatisierenden Ereignis
von aussergewöhnlicher Schwere in der Regel innerhalb von sechs Monaten das typische Symptom einer wiederholten, unausweichlich
en Erinnerung oder Wiederinszen
ierung des Ereignisses in Gedächtnis, Tagträumen oder Träumen auftritt (ICD-10 Code F43.1). Der schwere Verkehrsunfall im Jahr 1985 mit
dem
Tod eines Bruders, den der Beschwerdeführer auch
Dr.
Z._
gegenüber schilderte (
Urk.
9/189/10), fällt zweifellos in Betracht als Ereignis des Schweregrades, wie e
r
für eine posttraumatische Belastungsstörung vorausgesetzt wird.
Der Beschwerdeführer selber stellte jedoch im Gespräch mit
Dr.
Z._
nicht dieses Ereignis als Ausgangspunkt für seine psychischen Probleme dar, sondern vielmehr den nicht dokumentierten Unfall des Jahres 2010, in dessen Folgezeit er einen Wesenswandel durchgemacht habe (
Urk.
9/189/8+10).
Dementsprechend sind
für die Zeit davor keine psychiatrischen Behandlungen belegt, sondern der Beschwerdeführer berichtet
e
nur von der psychiatrischen Unterstützung, die er unmittelbar nach dem Unfall des Jahres 1985 in seiner Heimat
erhalten habe (
Urk.
9/189/10).
Soweit die
F._
in ihrem Bericht vom 1
9.
Juli 2018 über die aktuellste
Hospitalisation
davon abweichend
- wohl in Wiedergabe einer Passage im ersten Bericht des
E._
vom 1
0.
August 2010 (vgl.
Urk.
9/40/25) -
von einer durchgehenden Persistenz der geklagten Symptomatik seit dem Ereignis des Jahres 1985 ausging (
Urk.
20 S. 2), so findet ein solcher Verlauf in den Akten keine
ausreichende
Stütze.
Unter diesen Umständen kann
entgegen der Annahme in der Beschwerdeschrift (
Urk.
1 S. 23)
nach wie vor auf die Beurteilung von
Dr.
Q._
abgestellt werden, die das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung mangels entsprechender S
y
mptomatik verneint hatte
(
Urk.
9/138/62).
Dies
rechtfertigt sich umso mehr
, als auch Prof.
M._
, der den Beschwerdeführer regelmässiger sah als die Ärzte des
E._
und der
F._
,
die Diagnose einer posttraumatische Belastungsstörung in seinen Berichten nicht anführte, sondern nam
en
tlich
in seiner Stellungnahme vom 20.
November 2017 zum Gutachten von
Dr.
Z._
angab, im Vordergrund stehe eine
chronifizierte
Schmerzentwicklung mit somatischen, psychischen und sozialen Faktoren, eingebettet in eine rezidivierende depressive
Entwicklung (Urk.
9/198/1).
8
.2.5
Schliesslich diskutierte
Dr.
Z._
das Phänomen des vor allem nächtlichen Hörens von Stimmen, oft der Stimme des tödlich
verunfallten Bruders (vgl. Urk.
9/189/17), und interpretierte es als
Pseudohalluzination
en, die nicht unmittelbar mit der psychiatrischen Grundproblematik zusammenhingen und keinen eigentlichen Krankheitswert aufwiesen (
Urk.
9/189/32-33). Diese
Interpretation entspricht derjenigen von
Dr.
J._
(
Urk.
9/69/19) und schliesst nicht aus, dass in der Phase des höheren Schweregrades der Depression
im Sinne der Beurteilung der
F._
eine diagnose
spezifische
psychotische Symptomatik bestanden hatte (vgl.
Urk.
9/68
/14-15).
8
.3
8.3.1
Was die
Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht
anbelangt, so hatten sowohl die Gutachter der MEDAS
G._
als auch die Gutachter der Gutachtenstelle
N._
Anzeichen dafür beschrieben, dass bei der Ausprägung der präsentierten Symptomatik und bei der daraus abgeleiteten Arbeitsuntätigkeit
neben den psychiatrischen Diagnosen auch
krankheitsfremde
Faktoren eine
Rolle spielten.
Kern
aufgabe
der stationären Begutachtung
war
daher die vertiefte Auseinandersetzung mit diesen Faktoren und deren Ausklammerung bei der Festlegung der rein krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit
im Zeitverlauf.
8.3.2
8.3.2.1
Vor
ab
war es d
er dreitägige Aufenthalt in der Werkstatt
, der
zusätzliche Erkenntnisse
zum
Verhalten und
zur
Leistungsfähigkeit des Beschwerdefü
hrers über längere Zeit hinweg
versprach
.
Der vorstehend geschilderte Verlauf (E.
7
.2), der durch teilweise
Abwesenheit
, durch häufiges Einschalten von Pausen und durch das weitgehende Ausbleiben einer Leistung gekennzeichnet war,
deckt sich mit dem, was der Beschwerdeführer im Gespräch mit
Dr.
Z._
und den früheren Gutachtern sowie den behandel
nd
en Ärzten über seine Tagesaktivitäten berichtete, und
stimmt
auch mit
den
Angaben der Ehefrau des Beschwerdeführers
in den Jahren 2011 und 2014 gegenüber den Fachpersonen des
E._
überein
, wonach er meistens im Bett liege oder etwas spazieren gehe, aber nicht fernsehe, nicht lese und gar nichts im Haushalt helfe
(
Urk.
9/51/3 und
Urk.
9/121/2-3
).
Dass
Dr.
Z._
darin ein deutlich selbstlimitierendes Verhalten
erbli
ckte (Urk.
9/189/
36+
42), l
euchtet
e
ntgegen den Vorbringen in der Beschwerdeschrift (
Urk.
1 S. 28
)
ein
.
De
nn wie bereits dargelegt (E. 6
.4), zeigte der Beschwerdeführer dort, wo es um die medizinische Behandlung ging, einen
deutlich
höheren Einsatz
.
Prof.
M._
etwa
schilderte den Beschwerdeführer im fremdanamnestischen Telefongespräch mit
Dr.
Z._
in dieser Hinsicht als kooperativ und zuverlässig
und berichtete auch von dessen Bereitschaft, dosierte Anstrengungen auf sich zu nehmen, wenn ihm dies als Kräftigungsmassnahme gegen seine Schmerzen empfohlen werde (
Urk.
9/189/14-15).
D
esgleichen hi
elt
Dr.
AA._
_
im Bericht vom 6.
Dezember 2018 über die aktuelle ambulante psychiatrische Behandlung
fest, der Beschwerdeführer besuche alle Termine zuverlässig (
Urk.
28 S. 2).
Hingegen zeigte der Beschwerdeführer i
m Testverfahren nach B. Widder
, wo
Dr.
Z._
ihm
verschiedenste
Vorschläge leichterer Arbeitstätigkeiten
vor
legte
, wiederum an keinem der Vorschläge irgendein Interesse, sondern stellte sich vielmehr
von vornherein
mit detailliert
er
Argumen
ta
tion als ungeeignet für
die Verrichtung der präsentierten Arbeiten dar (
Urk.
9/189/27-28).
8.3.2.2
Die beobachtete
Selbstlimitierung ordnete
Dr.
Z._
dem Oberbegriff des sogenannten abnormen Krankheitsverhaltens (nach
Pilowsky
) zu, einer Form des Patientenverhaltens,
welches darin bestehe, dass der Kranke
unnötig lange in der Schonhaltung verharre, obschon
er
von kompetenter Seite genügend ab- und aufgeklärt
worden sei (
Urk.
9/189/35+36).
Neben der Selbstlimitierung nannte
Dr.
Z._
a
ls weiteres Phänomen
des abnormen Krankheitsverhaltens
d
ie Regression, die er im Sinne der psychoanalytischen Theorie als psychischen Abwehrmechanismus definierte, welcher dazu führe, dass ein Individuum gleichsam auf frühere Entwicklungsstufen zurückgleite und dementsprechende Verhaltensmus
ter en
t
falte.
Als Regression malignen Charakters bezeichnete
Dr.
Z._
dabei eine
Regression, die zu einer dauer
nden Verschlechterung des Funktionsniveaus führe und somit Fortschritte verunmögliche (
Urk.
9/189/35). Damit trug er zur
Klärung und zur Einordnung dieses Begriffs bei, der weder im Gutachten der MEDAS
G._
noch im Gutachten der Gutachtenstelle
N._
hergeleitet und näher erläutert worden war. Insbesondere wird durch die Darlegungen von
Dr.
Z._
deutlich, dass es sich bei der malig
n
en Regression nicht um eine
eigenständige Diagnose
handelt
und dass der Begriff auch nicht gleichzusetzen ist mit dem Begriff der Aggravation, wie dies die Formulierung im Gutachten der Gutachtenstelle
N._
nahe
legte (vgl. Urk.
9/138/45), sondern
dass
damit ein bestimmtes Verhalten beschrieben wird,
für das verschiedene Ursachen in Betracht fallen. Nachdem jedoch die Diagnose einer eigentlichen Persönlichkeitsstörung, in dessen Rahmen
Dr.
J._
die Regression gesehen hatte (
Urk.
9/69/18), nicht gestellt werden kann, ist plausibel, dass
Dr.
Z._
das
regressive Verhalten
mit ausgepräg
t
er Schonung (keinerlei Aktivitäten des täglichen Lebens ausser gelegentlichen Spaziergängen und kleinen Einkäufen, keine Kontaktpflege in der Schweiz oder in der früheren Heimat
, keinerlei Arbeitsversuche;
vgl.
Urk.
9/189/10-13)
und entsprechender
Dekonditionierung
als Teil des abnormen Krankheitsverhaltens deutete.
8.3.2.3
Zusätzlich
konnte
Dr.
Z._
aber
auch die Aggravation
, also eine
übertreibende
, über die tatsächliche Wahrnehmung hinausgehende
Darstellung der vorhandenen Symptomatik,
als weitere Erscheinungsform
des abnormen Krankheitsverhaltens
bestätigen (
Urk.
9/189/36
+42
), nam
entlich
in den Bereichen der Konzentration und der emotionalen Stabilität sowie der Energie
und der Kraft (
Urk.
9/189/18).
Diese Feststellung ist
in Abweichung von der Auffassung in der Beschwerdeschrift (
Urk.
1 S.
26 f.
)
anhand der Ergebnisse der durchgefü
hrten Testungen nachvollziehbar. So führte
der Beschwerdeführer
sowohl bei den vorgelegten Berufsvorschlägen als auch
bei
etwelchen
Fähigkeiten des sogenannten Mini-ICF Konzentrationsschwierigkeiten als hindernd an (
Urk.
9/189/24-28), und dies
kaum
erklärlich
auch bei Routinearbeiten ohne spezifische Anforderungen an die Konzentration
,
wie etwa
beim
berufl
ich vertrauten Brotbacken (Urk.
9/189/25).
Damit vergleichbar hatte schon
Dr.
J._
die geltend gemachten Schwierigkeiten beim Einräumen eines Geschirrspülers
mit Fallenlassen von Geschirr
als
medizinisch nicht zu erklären
bezeichnet (vgl. Urk.
9/69/
17+20). Gleichermassen war den Fachpersonen des
E._
bei den neuropsychologischen Testungen teilweise
eine derart hohe Fehlerzahl aufgefallen, dass sie die Ergebnisse als nur eingeschrä
nkt interpretierbar bezeichnet
und dahinter eine
mangelnde Motivation vermutet hatten
, und umgekehrt
waren
dort
die Ergebnisse anderer Tests so aus
gefallen
, dass kein Verdacht auf kognit
ive Einschränkungen bestand
en hatte
(
Urk.
9/168/9-10).
Dies relativiert im Übrigen auch die Feststellung massiver kognitiver Beeinträchtigungen im Bericht von
Dr.
AA._
_
vom
6.
Dezember 2018 (
Urk.
28 S. 2 f.). Dass
Dr.
AA._
_
keinen Hinweis auf eine Aggravation erkennen konnte, ändert daran nichts, da
diese Ärztin
keine vollständige Aktenkenntnis und namentlich keine
nähere
Kenntnis der verschiedenen Gutachten gehabt haben dürfte.
8.3.2.4
Schliesslich ist abweichend von den Darlegungen in der Beschwer
deschrift (Urk.
1 S. 27) das
weitere von
Dr.
Z._
angeführte
Phänomen der Symptomausweitung mit Auftauchen immer neuer Beschwerden, welche eine Arbeitsunfähigkeit begründen sollten (
Urk.
9/189/36
+42
),
schon aufgrund der
Vorakten
plausibel.
Namentlich ist auf die zahlreichen Konsultationen von medizinischen Fachpersonen hinzuweisen,
die der
Beschwerdeführer auf der Suche nach neuen Abklärungen und neuen Therapiemöglichkeiten tätigte.
8.3.3
Die Beurteilung von
Dr.
Z._
,
wonach die jahrelange Abwesenheit des Beschwerdeführers vom Arbeitsmarkt durch zahlreiche nicht
direkt mit einer psychiatrischen Diagnose zusammenhängende
Faktoren mitbestimmt wird, ist
somit
als fundiert und überzeugend zu beurteilen. Sie basiert sowohl auf eigenen Untersuchungen und Beobachtungen als auch auf einer Analyse der Festste
llungen in den
Vorakten
, und zudem begründete
Dr.
Z._
seine Schlussfolgerungen in eingehender, für Laien verständlicher Weise.
Dementsprechend
anerkannte auch Prof.
M._
in seiner Stellungnahme vom 20.
November 2017, dass das Gutachten von
Dr.
Z._
in sich als transparent und schlüssig erscheine und zuverlässig die beim Beschwerdeführer
auflistbaren
Persönlichkeits- und Verhaltensdefizite beschreibe, die zu
r
seit Jahren bestehenden Einschränkung und Behinderung in allen Lebensbereichen geführt
hätten (
Urk.
9/198/2
).
Er
brachte lediglich vor, die dysfunktionale Krankheitsbewältigung sei beim Beschwerdeführer nicht willentlich beeinflussbar, sondern Aggravation, Simulation und Flucht in die Krankheit mit Rückzug in die Krankenrolle seien eingebettet in ein
chronifiziertes
Verhaltensmuster, das weitgehend ausserhalb einer Selbstbestimmung liege und vor allem eine bewusst gelenkte willentliche Ein
flussnahme ausschliessen lasse.
Auch
Dr.
Z._
gelangte aufgrund der Prüfung der Kriterien für eine Simulation (nach H. Winckler und Foerster) zum Schluss, es ergeb
e
sich nicht das Bild einer planmässigen Simulation, sondern die affektiven und somatoformen Störungen würden durch die maladaptiven Muster des abnormen Krankheitsverhaltens in ihren Auswirkungen verstärkt, wodurch sich die jahrelange Arbeitsuntätigkeit
plausibel erklären lasse (Urk.
9/189/40).
Dies ändert jedoch nichts daran, dass für die invalidenversicherungsrechtlich relevante Erwerbsunfähigkeit aussch
liesslich krankheitsbedingte Be
einträchtigungen relevant sind. Das Defizit, ein Verhalten willentlich zu beeinflussen, ist daher nur dann zu berücksichtigen, wenn es seinerseits krankheitsbedingt ist
, also auf eine psychiatrische Diagnose zurückzuführen ist. Soweit gehen indessen
Dr.
Z._
und Pro
f.
M._
nicht, sondern
Dr.
Z._
hielt vielmehr fest, es sei keine psychopathologische Leitsymptomatik fassbar, welche einer Leistungssteigerung
prohibitiv im Wege stünde (Urk.
9/189/47).
Für die Belange des Invalidenversicherungsrechts
sind daher die Einschränkungen, die sich aus dem abnormen Krankheitsverhalten ergeben, als invaliditätsfremde Faktoren bei der Festleg
ung der massgebenden Arbeitsun
fä
higkeit auszuklammern.
8.3.4
Dr.
Z._
ging davon aus, kna
pp die Hälfte der aktuellen Arbeitsuntätigkeit sei durch abnormes Krankheitsverhalten und weitere etwa 20
%
seien durch invaliditätsfremde Faktoren verursacht, und gela
ngte
auf diese Weise
für die Zeit
seit 2012
krankheitsbedingt zu einer
zumutbaren Arbeitsfähigkeit von
noch
60-
70
%
in einer optimal angepassten Tätigkeit, welche
d
en somatoformen Beschwerden Rechnung trage und somit keine rückenbelastenden Tätigkeiten und keine Zwangshaltungen umfasse und des Weiteren in reizarmer Arbeitsumgebung mit möglichst regulärer Arbeitszeit und ohne Teamarbeit verrichtet werden könne (
Urk.
9/189/52).
Für die Zeit davor bemass
Dr.
Z._
die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit aufgrund der diagnostizierten Anpassungsstörung
höher
und setzte sie «in grober Annäherung» auf
durchschnittlich
50
%
fest (Urk. 9/189/52
53).
Auf die
se
Einschätzung
, die mit derjenigen von
Dr.
J._
vergleichbar ist (Urk. 9/69/21
)
,
kann abgestellt werden.
Es ist
zu berücksichtigen, dass eine Arbeitsfähigkeitsbeurteilung naturgemäss von einem gewissen Ermessen geprägt ist, wie dies schon
Dr.
J._
festgehalten hat.
Dies gilt insb
e
sondere auch für die Quantifizierung des Einflusses der
psycho
sozialen Faktoren
auf der einen Seite und des Einflusses des
abnormen Krankheitsverhalten
auf der anderen Seite.
Damit rechtfertigt es sich, gestützt auf die Beurteilung von
Dr.
Z._
in den ersten beiden Jahren ab dem 2
5.
Februar 2010 von einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit von 50
%
und für die Zeit danach von einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit von 35
%
auszugehen. Trotz der
medizinisch-theoretisch
zeitweilig 100%igen Einschränkung
, namentlich während der
Hospita
lisationen
in der
F._
,
rechtfertigt sich hingegen die Annahme einer höheren
als der 50%igen
Arbeitsunfähigkeit auch in
den ersten beiden Jahren nicht, da
diese
Klinikaufenthalte
teilweise als Ausdruck
des abnormen Krankheitsverhaltens und der psychosozialen Ums
tände
erscheinen
.
Bereits
im Urteil vom 3
1.
Oktober 2016 wurde nämlich auf
die Auffälligkeit
hingewiesen, dass
sich die beiden ersten Klinikeintritte jeweils an ungünstige Bescheide
anschlossen, nämlich an die Bekanntgabe
der Ergebnisse
der
Begutachtung durch die MEDAS
G._
und einer Begutachtung im Auftra
g der Krankenkasse
(
Urk.
9/170/15 E. 3.6.3.2)
, und dies wiederholte sich mit dem dritten Klinikeintritt, zu dem sich der Beschwerdeführer nach den Ausführungen in der Beschwerdeschrift und in der Eingabe vom 2
3.
August 2018 in der Zeit um den Erlass der angefochtenen Verfügung angemeldet hatte (
Urk.
1 S
.
23 und
Urk.
25 S. 1). Der Beschwerdef
ührer legte zudem gegenüber Dr.
Z._
dar,
es sei seine Ehefrau, die ihn immer wieder zu
einem Klinikeintritt anhalte, obschon er wisse, dass er dort nach wenigen Wochen wieder entlassen werde (
Urk.
9/189/11+22).
8.3.5
Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin (
Urk.
2 S. 3
,
Urk.
9/199
/5) kann aufgrund des Vorstehenden allerdings nicht gesagt werden, es liege überhaupt kein invalidisierender, bei der Rentenfrage massgebender Gesundheitsschaden vor. Eine solche Annahme wäre nur dann angebracht, wenn eine Aggravation
dermassen
im Vordergrund stünde
, dass es nicht möglich wäre,
mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
einen krankheitsbedingten Anteil abzugrenzen, der die Arbeitsfähigkeit einschränkt.
Dr.
Z._
stellte jedoch
wie schon die Vorgutachter
klare psychiatrische Diagnosen
(
Urk.
9/189/45) und
legte die rein krankh
eitsbedingte Arbeitsunfähigkeit als Ergebnis
einer ausführlichen
Diskussion
der massgebenden Indikatoren
fest
(Urk. 9/189/40
52).
Dabei wies er auf der einen Seite auf die
mit der Krankheit im Zusammenhang stehende Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen
massgebenden
Lebensbereichen bei erhaltener
Kooperation des Beschwerdeführers bei der Wahrnehmung von Arztterminen und bei der Einnahme von Medikam
en
ten hin (
Urk.
9/189/47)
,
und
auf der anderen Seite
thematisierte
er
die knappen persönlichen Ressourcen zum Umgang mit der Dauerverstimmung und den Schmerzen
sowie das hemmende häusliche Umf
e
ld mit einer angespannten Beziehung zur Ehefrau
(
Urk.
9/189/41-45
).
Damit ist anhand der Bezifferung der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit durch
Dr.
Z._
die Invaliditätsbemessung vorzunehmen.
9.
9.1
Bei der Bemessung des
Valideneinkommens
ging die Beschwerdegegnerin vom Einkommen von
Fr.
72
'740.-- aus, das der Beschwerdeführer nach den Angaben der
Y._
vom Juli 2010
im Jahr 2010
bei guter Gesundheit
erzielt hätte (
Urk.
9/33/4
; vgl.
Urk.
9/76 und
Urk.
9/191/1). Es gilt jedoch zu beachten, dass es sich bei diesem Einkommen bereits um ein Invalideneinkommen handelt. Denn der Beschwerdeführer
trat
die Stelle be
i der
Y._
an
, nachdem er seinen angestammten und erlernten Beruf als Bäcker aus gesundheitlichen Gründen hatte aufgeben müssen
und das Arbeitsverhältnis mit der
A._
im Jahr 2004 aufgelöst worden war
.
Daher ist das
Valideneinkommen
anhand des Lohnes festzulegen, den der Beschwerdeführer bei der
A._
erzielt hätte, wenn er dort weiterhin als Bäcker gearbeitet
hätte.
Gemäss den Angaben der
A._
in der Unfallmeldung vom 1
5.
August 2003 betreffend eine Fussverletzung
(
Urk.
9/9/5) betrug der Monatslohn des
Beschwerdeführers für die angestammte Tätigkeit als Bäcker im Jahr 200
3
Fr.
5'
06
0.
--. Sodann bestand Anspruch auf einen
1
3.
Monatslohn
und
auf einen monatlichen
Zuschlag von
Fr.
933.60 unter dem Titel «Akkord/Provision»
(in der früheren Unfallmeldung vom 2
9.
März 2000 als «Schichtzulagen»
bezeichnet;
Urk.
9/9/128).
Daraus ergibt sich für das Jahr 2003 ein Jahreslohn von
Fr.
7
6’983
.--
([13 x Fr. 5'060.--] + [12 x
Fr.
933.60])
. Dieser Betrag ist als Ausgangspunkt für die Ermittlung des mutmasslichen
V
alideneinkommens
heranzuziehen, denn die Angaben für das Jahr 2004 im Fragebogen für den Arbeitgeber sind in dem Sinne weniger präzis, als dort nur der Grundlohn angegeben ist (
Urk.
9/7/2).
Unter Berücksichtigung der Entwicklung der Löhne von Männern resultiert für das
Jahr 2011 als Jahr des mutmasslichen Rentenbeginns ein Jahreslohn von
Fr. 85’438
.-- (
Fr.
76’983
.-- + 0.9
%
+ 0.9
%
+ 1.1
%
+ 1.6
%
+ 2.2
%
+ 2.1
%
+ 0.7
%
+ 1.0
%
; vgl. B
undesamt für Statistik, Schweiz
erischer Lohnindex, Landesindex der Konsumentenpreise, Tabelle T 39).
Dazu kommt die jährliche Zulage von
Fr.
1'200.-- unter dem Titel «M-Partizipationsanteil»; aufgrund des Vergleichs der Unfallmeldungen vom 2
9.
März 2000 und vom 1
5.
August 2003 ist davon auszugehen, dass sie keinem Teuerungsausgleich unterworfen war.
Daraus resultie
rt ein Jahreslohn von
Fr.
86’638
.--.
9.2
Was das
mutmassliche
Invalideneinkommen betrifft, so
fallen für den Beschwerdeführer, der ausserhalb
des Bäckerberufs
über keine beruflichen Qualifikationen für angepasste Tätigkeiten verfügt, nur Stellen in Betracht, für die es keiner Ausbildung bedarf, also Tätigkeiten aus dem Stellenspektrum des Anforderungs
niveaus
4
(einfache
und repetitive
Tätigkeiten) der massgebenden Tabelle TA1 (Bruttolohn
nach Wirtschaftsabteilungen
, Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes
und Geschlecht
, Privater Sektor) der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE; Ausgabe 2010). In diesem Spektrum ist im Jahr 2010 für Männer ein Bruttomonatslohn von 4'901.-- angegeben (Lo
hn, über dem beziehungsweise un
ter dem sich 50 % aller Lohnangaben befinden [sogenannter
Zentralwert], unter anteilsmäs
siger Berücksichtigung des 1
3.
Monatslohnes und standardisiert auf 40 Wochenstunden). Umgerechnet auf die im Jahr 2011
durchschnittliche wöchent
liche Arbeitszeit von 41,7 Stunden (vgl. Bundesamt für Statistik - Statistik der be
triebsüblichen Arbeitszeit
, Tabelle T 03.02.03.01.04.01) und unter Berücksichtigung der Lohnentwicklung von 1.0
%
; vgl. di
e vorstehend zitierte
Tabelle T
39) ergibt sich für das Jahr 2011 bei voller Leistungsfähigkeit ein Monatslohn von
Fr.
5'160.--
beziehungsweise
ein Jahreslohn von
Fr.
61'920.--
(12 x Fr. 5'
160
.--).
Dieser Wert ist für die Zeit vom 2
5.
Februar 2010 bis zum 2
4.
Februar 2012 aufgrund des Attests einer nur 50%igen
krankheitsbedingen
Arbeitsfähigkeit zu halbieren und damit auf
Fr.
30'960.-- festzusetzen. Für die Zeit danach
ist er aufgrund der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit von noch durchschnittlich 35
%
um diesen Prozentsatz zu vermindern, woraus
ein
Betrag von
Fr.
40'248.-- resultiert.
Mit d
iesen
Reduktion
en
wird der verminderten Leistungsfähigkeit und der dadurch bedingten
lohnmässigen
Benachteiligung
bereits Rechnung getragen, weshalb es sich
entgegen der Ansicht in der Beschwerdeschrift (
Urk.
1 S. 34)
nicht rechtfertigt, zusätzlich
einen sogenannten
leidensbedingten Abzug
(vgl. BGE 129 V 472 E. 4.2.3 mit Hinweisen)
vorzunehmen.
9.3
Stellt man dem
mutmasslichen
Valideneinkommen
von
Fr.
86’638.--
das mutmassliche Invalideneinkommen von zunächst
Fr.
30'960.-- und anschliessend Fr.
40'248.-- gegenüber, so ergibt sich daraus eine Erwerbseinbusse
von 64
%
beziehungsweise 5
4
%
.
Da f
ür
das
Wartejahr
in der vorliegenden besonderen Konstellation ebenfalls die durchschnittliche Erwerbseinbusse massgebend
ist
(vgl. vorstehend E.
3), entspricht die Einbusse während dieses Jahres, das vom 2
5.
Februar 2010 bis zum 2
4.
Februar 2011 dauerte, der Einbusse danach. Der Beschwerdeführer hat daher ab dem
1.
Februar 2011 (
Art.
29
Abs.
3 IVG)
aufgrund des Invaliditätsgrades von 64
%
vorerst
Anspruch
auf eine
Dreiviertelsrente
.
Nach der
Redukti
on des Invaliditätsgrades auf 54
%
ab dem 2
5.
Februar 2012
ist die
Dreiviertelsrente
für die Zeit ab dem
1.
Juni 2012 auf eine halbe Rente herabzusetzen (
Art.
88
bis
Abs.
1 IVV).
10.
Damit ist die angefochtene Verfügung vom 1
9.
Februar 2018 in teilweiser Gutheissung
der Beschwerde
aufzuheben, und es ist festzustellen, dass der
Beschwerdeführer von Februar 2011 bis Mai 2012 Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und ab Juni 2012 Anspruch auf eine
halbe Rente hat.
11.
11.1
Ist das
Quantitative einer Leistung str
i
t
tig,
so
rechtfertigt
der Umstand allein, dass eine höhere Leistung
, namentlich eine höhere Rente,
anbegehrt
worden ist, als das Gericht sie zugesprochen hat
, nur dann eine
Reduk
tion der Parteientschädigung
, wenn das
ziffernmässig
bestimmte Rechtsbegehren den Prozessaufwand beeinflusst hat
(Urteil des Bundesgerichts 9C_672/2008
vom 2
3.
Oktober
2008 E.
5.3.1
mit Hinweisen). Entsprechendes muss auch für die Auferlegung der Kosten gelten.
Vorliegendenfalls
erstreckt sich der Hauptaufwand in der Beschwerdeschrift darauf, die Tauglichkeit des Gutachtens von
Dr.
Z._
s zu be
s
treiten. Das Gericht hat indessen bei der Zusprechung der befristeten
Dreiviertelsrente
und der
anschliessenden
halben Rente in allen Teilen auf dieses Gutachten abgestellt.
Die Argumente gegen das Gutachten waren somit nicht dazu geeignet, die Rente im zugesprochenen Umfang zu begründen, sondern hätten lediglich zur Begründung eines
darüber hinausgehenden
Rentenanspruchs dienen können. Es rechtfertigt sich daher, den Parteien die
Kosten je zur Hälfte aufzuerleg
en und die Beschwerdegegnerin nur zur Bezahlung der Hälfte des zu entschädigenden Prozessaufwandes zu verpflichten.
11.2
Die Kosten sind g
estützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG unter Berücksichtigung des g
esetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) ermessensweise auf Fr. 900.--
festzusetzen. Sie sind den Parteien
nach dem Gesagten
je zur Hälfte
aufzuerlegen.
Der auf d
en Beschwerdeführer entfallende
Anteil ist zufolge gewährter unentgeltlicher Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
11.3
11.3.1
Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person An
spruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten, die ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen sind; als weitere Bemessungskriterien nennen die ergänzenden kantonalen Vorschriften (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
] sowie § 8 der Verordnung über die Gebüh
ren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht [
GebV
SVGer]) den Zeitaufwand und die Barauslagen.
11.3.2
Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
hat in der Eingabe vom 1
5.
Juni 2018 zeitliche Aufwendungen von 24.1 Stunden und in der Eingabe vom 2
3.
August 2018 zusätzliche
zeitliche
Aufwendungen von 0.6 Stunden geltend gemacht (
Urk.
15 S. 3
und
Urk.
25 S. 2).
Nach d
er Rechtsprechung sind nur jene
Aufwendungen entschädigungspflichtig, die in einem kausalen Zusammenhang mit der Wahrung de
r Rechte im Prozess stehen und zudem n
otwendig und verhältnismässig sind, da es sich nur in diesem Umfang rechtfertigen l
ässt, die Kosten der Staatskass
e oder gegebenenfalls dem Prozessgegner aufzuerlegen (Urteil des Bundesgerichts 9C_857/20
12 vom 4.
Dezember 2012 E. 3.1).
Die Beschwerdeschrift umfasst insgesamt 35 Seiten und enthält eine Sachverhaltsdarstellung, die sich über rund zehn Seiten er
s
treckt.
Der Sachverhalt, wie er sich bis zur Veranlassung der Begutachtung durch
Dr.
Z._
zutrug, war allerdings sowohl
den Parteien als auch dem Gericht
aufgrund der beiden vorangegangenen Urteile bestens bekannt. Unter diesen Umständen ist die Darstellung im vorliegenden Verfahren als unverhältnismässig ausführlich zu betrachten, zumal der Beschwerdeführer nichts wesentlich Neues vortragen liess, sondern ausdrücklich angeben liess, die Ausführungen stützten sich mehrheitlich auf die Akten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 4). Es rechtfertigt sich daher,
den zu entschädigenden Aufwand für die Beschwerdeschrift von den geltend gemachten 14.4 Stunden um einen Viertel
und mithin um 3.
6 Stunden
auf 1
0.8 Stunden zu reduzieren. Insgesamt sind somit 21.1 Arbeitsstunden zu entschädigen, was b
eim gerichtsüblichen Stundena
nsatz
von
Fr.
220.--
eine Entschädigung
für den S
tundenaufwand
von
Fr.
4'
642
.--
ergibt
. Hinzu kommt die Entschädigung für
die
Barauslagen, wofür der Beschwerdeführer eine Pauschale von 3
%
des Stundenhonorars geltend macht (
Urk.
15 S. 3). Der daraus
resultierende Betrag von Fr.
139.25
erscheint als angemessen.
Unter Berücksichtigung der Mehrwertsteuer von 7.7
%
auf der
Summe von
Fr.
4'781.25
(
Fr.
4'642.-- +
Fr.
139.25)
ergibt
sich (
auf den nächsten Franken aufgerundet
)
eine Entschädigung von
Fr.
5'150.--, die dem Beschwerdeführer zuzusprechen ist. Davon hat die Beschwerdegegnerin die Hälfte und mithin einen Betrag von
Fr.
2'575.-- zu übernehmen. Für die andere Hälfte ist der Beschwerdeführer aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
11.4
Der Beschwerdeführer ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Kosten für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet werden kann, sofern er dazu in der Lage ist.