Decision ID: d7df400f-3ba4-5e84-a4fb-11a78450c0f1
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1959, war seit 1982 bei
der
A._
,
B._
,
als
Primarschullehrerin
ange
stellt und damit bei der
AXA Versicherungen AG (nachfolgend: AXA)
versi
chert, als sie sich am
2
5.
Juni
2014
bei
einer Schülertanzaufführung
eine Kniedistorsion
mit einer
Ruptur des
vorderen
Kreuzbandes
, assoziierten
Impres
sionsfrakturen
an der
Tibiahinterkante
sowie einer Partialruptur des
Innenban
des
zuzog (
Urk.
7/A1,
Urk.
7/M1,
Urk.
7/M3
).
Nach getätigten Abklärungen
verneinte
die
AXA
mit Verfügung vom
1
2.
Septem
ber 2014 ihre Leistungspflicht (
Urk.
7/A6), da weder
ein Unfall noch
eine
unfall
ähnliche
Körperschädigung gegeben seien, und wies die dage
gen am 2
0.
Septem
ber 2014 erhobene Einspra
che (
Urk.
7/A10) mit
Einspracheentscheid
vom 16. März
2015 ab (Urk. 7/A13 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 1
5.
April 2015
Beschwerde (Urk. 1) geg
en den
Ein
spracheentscheid
vom 1
6.
März 2015
(Urk. 2)
und beantragte sinngemäss, das Ereignis vom 2
5.
Juni 2014 sei als unfallähnliche Körperschädigung zu qualifi
zieren
und ihr seien die gesetzlichen Leistungen auszurichten
.
Mit Beschwerdeantwort vom
2
2.
Mai 2015
(Urk.
6)
beantragte die
AXA
die Ab
wei
sung der Beschwerde. Dies wurde
der Beschwerdeführerin am
1
1.
Juni 2015 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ein Unfall ist gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG) die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi
gen
de
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli
chen Kör
per, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Ge
sund
heit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
1.2
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlich
keit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwer wiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der
äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Le
bens
bereich Alltäg
lichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 mit Hinweis).
1.3
Gemäss Art. 6 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) kann der Bundesrat Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) Gebrauch gemacht und folgende Körperschädigungen, sofern sie nicht eindeutig auf eine
Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch ohne unge
wöhn
liche äussere Einwirkung den Unfällen gleichgestellt:
a.
Knochenbrüche;
b.
Verrenkungen von Gelenken;
c.
Meniskusrisse;
d.
Muskelrisse;
e.
Muskelzerrungen;
f.
Sehnenrisse;
g.
Bandläsionen;
h.
Trommelfellverletzungen.
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist ab
schliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schwei
zerisches Unfall
versicherungsrecht, 2. Aufl., 1989, S. 202).
1.4
Bei den unfallähnlichen Körperschädigungen im Sinne von Art. 9 Abs. 2
UVV
entfällt im Vergleich zu den eigent
lichen Unfällen nach
Art.
4 ATSG einzig das Tatbestandselement der Unge
wöhn
lichkeit des auf den Körper einwirkenden äusseren Faktors. Alle übrigen Begriffsmerkmale eines Unfalles müssen hin
gegen auch bei den unfallähnlichen
Körperschädigungen erfüllt sein. Dies gilt namentlich für das Erfordernis des ein
wirkenden äusseren Faktors an sich, wo
runter ein ausserhalb des Körpers lie
gen
der, objektiv feststellbarer, sinnfälliger
–
eben unfallähnlicher
–
Einfluss auf den Körper zu verstehen ist. Dabei kann die schädigende Einwirkung auch in einer körpereigenen Bewegung bestehen (Urteil des Bundesge
richts 8C_40/2014 vom
8.
Mai 2014 E. 2.2.2 mit Hinweisen auf BGE 139 V 327 E. 3.1, 3.3.1; 129 V 466 E. 2.2, 4.1
;
123 V 43 E. 2b).
Erforderlich für die Bejahung eines äusseren Fak
tors ist ein gesteigertes
Schädi
gungspotenzial
, sei es zufolge einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur Unkontrollier
bar
keit der Vornahme der alltäglichen
Lebensverrichtung führenden Faktors. Die phy
siologische Beanspruchung des Ske
letts, der Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder stellt keinen äusseren
Faktor
dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_696/2013 vom 14. November 2013
E. 5.3 mit Hinweis auf BGE 139 V 327 E.
3.3.1, 129 V 466 E.
4.2.2, 4.3). Ein äusserer
Faktor mit erheblichem Schädigungspotenzial liegt nach der Rechtspre
chung vor
, wenn die zur Diskussion stehende Betätigung mit einer mehr als physiolo
gisch normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des Körpers, ins
be
son
dere seiner Gliedmassen, verbunden ist (Urteil des Bundesge
richts 8C_40/2014
vom
8.
Mai 2014 E. 2.2.3 mit Hinweis auf BGE 139 V 327 E.
3.3.1).
Erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors bei Ände
rungen der Körper
lage, die nach unfallmedizinischer Erfahrung häufig zu kör
pereigenen Trau
men führen können, so etwa beim plötzlichen Aufstehen aus der Hocke, bei
heftigen belastenden Bewegungen oder bei einer wegen äusserer Einflüsse unkon
trollier
bar gewordenen Positionsände
rung (vgl. BGE 129 V 466 E.
4.2.3, Urteil des Bun
desgerichts 8C_40/2014 vom
8.
Mai 2014 E. 2.2.3).
Der Zweck des Instituts der unfallähnlichen Körperschädigung besteht nicht
darin, krankhafte oder degenerative Körperschäden von der obligatorischen Un
fall
versi
cherung auszuschliessen, sondern darin, die oft schwierige Abgren
zung zwischen Unfall und Krankheit zugunsten der Versicherten zu vermeiden. Die sozialen Unfallversicherer haben somit ein Risiko zu übernehmen, das nach der
geltenden begrifflichen Abgrenzung von Unfällen und Krankheiten den letz
te
ren
zuzuordnen wäre. Hinzu kommt, dass es für die Bejahung des natürli
chen Kau
sal
zusammen
hangs praxisgemäss genügt, wenn das schädigende Ge
schehen eine
Teilursache bildet. Ein degenerativer oder pathologischer
Vorzu
stand
schliesst da
her eine unfallähnliche Körperschädigung nicht aus, sofern ein
unfallähn
li
ches
Ereignis den vorbestehenden Gesundheitsschaden verschlimmert oder mani
fest werden lässt. Bei den in Art. 9 Abs. 2
lit
. a bis h UVV abschlies
send er
wähn
ten Verletzungen muss aber eine schädigende, äussere Einwirkung wenigs
tens im Sinne eines Auslösungsfaktors zu den (vor- oder überwiegend) krank
haf
ten oder degenerativen Ursachen hinzutreten, damit eine
unfallähnli
che
Kör
per
schä
digung
vorliegt (vgl. BGE 123 V 43 S.
45 E. 2b mit Hinweisen, insbes. a
uf
BGE 116 V 155 E. 6c, 117 V 360 E. 4a, 114 V 301 E. 3c; RKUV 1988 Nr. U 57 S.
373
E. 4b).
Schmerzen als Symptome einer Schädigung nach
Art.
9
Abs.
2 UVV fallen als massgebender äusserer Faktor nicht in Betracht, wenn sie bei einer alltäglichen Lebensverrichtung auftreten, ohne dass ein davon unterscheidbares äusseres Mo
ment mitspielen würde. Wer also etwa beim blossen Aufstehen, Absitzen, Ab
liegen, bei Bewegungen im Raum, Handreichungen und so weiter einen ein
schiessenden Schmerz verspürt, kann allein deswegen noch keine unfallähnliche Körperschädigung geltend machen. Ein äusserer Faktor ist nicht gegeben, wenn
die versicherte Person einzig das erstmalige Auftreten von Schmerzen angibt,
aber
keine gleichzeitig mitwirkende äussere Komponente zu benennen vermag.
Auch ist das Erfordernis eines äusseren schädigenden Faktors nicht erfüllt, wenn
das Auftreten von Schmerzen bloss mit einem von der versicherten Per
son be
schriebenen gewöhnlichen Bewegungsablauf einhergeht. Verlangt wird vielmehr ein Geschehen, welchem ein gesteigertes Gefährdungspotenzial inne
wohnt, was zutrifft, wenn die als Schmerzauslöser angegebene Betätigung im Rahmen einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies bei vielen sportlichen Aktivitäten der Fall ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_40/2014 vom
8.
Mai 2014 E. 2.2.3 mit Hinweis auf BGE 129 V 466 E. 4.2.1, 4.2.2).
1.5
Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die „Aussagen der ersten Stunde“ ab, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte aus,
die Beschwerdeführerin habe den Bewe
gungs
ablauf während der Schülertanzaufführung dergestalt beschrieben, dass ihr
linker Fuss nach einer Drehbewegung am Boden kleben geblieben sei. Ein unge
wöhnlicher äusserer Faktor lasse sich bei der Schilderung des Gesche
hens nicht erkennen, zumal das von der Beschwerdeführerin ebenfalls beschrie
bene rasche
Hinlaufen an eine bestimmte Stelle und das anschliessende Abdre
hen des Körpers
den Rahmen des Alltäglichen und Üblichen nicht zu sprengen vermöge.
Auch
könne beim geschilderten Bewegungsablauf keine
Unkontrol
liertheit
bezieh
ungs
weise Programmwidrigkeit erkannt werden. So sei die Be
schwerdeführerin weder
gestolpert oder ausgerutscht, noch habe sie über eine reflexartige
Abwehr
be
wegung
berichtet.
Ein Unfall im Sinne des Gesetzes liege demnach nicht vor (
Urk.
2 S. 3).
Die Beschwerdeführerin habe beschrieben, dass sie im Rahmen der
Tanzauffüh
rung
an eine bestimmte Stelle gelaufen sei, ab
ge
bremst und sich
ge
dreht
habe
. Dabei sei ihr linker Fuss am Boden kleben geblieben, so dass dieser nach rechts, der Kör
per jedoch nach links ausgerichtet gewesen sei.
Es möge durchaus der Tat
sache entsprechen, dass diese körpereigene Bewegung die Gelenke, Muskeln und Seh
nen gegenüber dem normalen Gebrauch physiologisch stärker bean
sprucht habe. Da es sich aber ansonsten um einen gewöhnlichen Bewe
gungs
ablauf ge
handelt habe, welcher den Bereich des Alltäglichen nicht sprenge, lasse
sich beim besagten Geschehensablauf ein gesteigertes
Schädigungs
po
tenzial
nicht erkennen.
Bei einer Körperrotation handle es sich um einen nor
ma
len phy
siolo
gischen Bewegungsablauf. Weder könne bei einer
Schüler
auf
füh
rung
von einer erhöhten Gefahrenlage gesprochen werden, noch handle es sich beim geschil
derten Geschehen um eine unkontrollierte Bewegung. Von einem objek
tiv fest
stellbaren, sinnfälligen Ereignis könne deshalb nicht gespro
chen werden
, weshalb auch keine unfallähnliche Körperschädigung vorliege
(S. 5).
2.
2
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen, sie
sei von der Seite her schnell auf die Reihe Schüler zu gerannt, habe gestoppt und sich nach links gedreht. Der Fuss habe jedoch nicht mitgedreht, habe also nach rechts geschaut. Es handle sich nicht um eine alltägliche Körperrotation, sondern wegen des abrupten Stoppens mit dem „am Boden hängen bleiben“ sei eine normale
Abdrehung
des Fusses verhindert worden. Das „hängen bleiben“ sei als aussergewöhnliches Ereignis zu qualifizieren, womit ein unfallähnliches Ereignis gegeben sei
(
Urk.
1 S. 2)
.
2.3
Es ist grundsätzlich unbestritten, dass kein Unfall im Rechtssinne vorliegt. Strittig und zu prüfen bleibt, ob ein Leistungsanspruch aus
Art.
9
Abs.
2 UVV be
steht.
Dabei ist ebenfalls unbestritten, dass eine Körperschädigung im Sinne von
Art.
9
Abs.
2
UVV vorliegt (
Urk.
2 S.
4 E.
2.3.4 – E.
2.3.5
). Zu prüfen ist, ob die übri
gen
Tatbe
standsmerkmale
erfüllt sind und der Vorfall vom
2
5.
Juni
2014 als
unfall
ähnliches
Ereignis zu qualifizieren ist.
3.
3.1
In der Unfall-Meldung vom
4.
Juli 2014 gab die Beschwerd
eführerin als Unfall
hergang an, bei einer Schüleraufführung habe sie bei einem Tanz mitgemacht, wobei sie mit einem Fuss „hängen“ geblieben sei und sich dabei das linke Knie verdreht habe (
Urk.
7/A1
Ziff.
6).
3.2
In der
Hergangsschilderung
vom 1
5.
Juli 2014 hielt die Beschwerdeführerin fest,
dass sie bei einer Schüleraufführung bei einem Tanz mitgemacht habe. Sie sei zu den Schülern gelaufen und habe sich abgedreht, um auch in die Reihe zu stehen. Beim Abdrehen habe sie plötzlich ein ganz „
schwabliges
“ Gefühl und einen starken Schmerz im linken Knie verspürt. Es sei wie ein am Ort „Kleben
bleiben“ mit dem linken Fuss gewesen, als sie sich abgedreht habe, um in die Reihe zu stehen.
Sie habe dabei keine unkontrollierte Bewegung (wie stolpern) gemacht.
Am linken Knie habe sie am 2
8.
Juli 2011 eine Meniskusoperation gehabt. Die Beschwerden hätten sich sofort nach dem Ereignis manifestiert. Sie habe starke Schmerzen im Knie gehabt und habe das Bein nicht mehr voll be
lasten können. Es sei sofort angeschwollen. A
m
nächsten Morgen habe sie dem Notfall vom Spital
Y._
telefoniert, worauf sie dann dort vorgesprochen habe. Das Knie se
i
unterdessen sehr stark angeschwollen und druckempfindlich gewesen. Sie habe nur noch mit Krücken gehen können (
Urk.
7/A3).
4.
4.1
Die Ärzte des Spitals
Y._
berichteten am 2
7.
Juni 2014 (
Urk.
7/M1) über die Behandlung vom gleichen Tag und nannten als Diag
nose eine Knie-Dis
torsion links vom 2
5.
Juni 201
4.
Die Beschwerdeführerin sei am Vorabend beim Tanzen mit Schülern der Unterstufe mit dem linken
Fuss
hängengeblieben und habe sich dabei das linke Knie verdreht. Anschliessend habe ein
Instabili
täts
gefühl
im linken Knie
bestanden. Es folge die symptoma
tische Analgesie sowie die Ruhigstellung in der Schiene und Stockentlastung. Die Beschwerdeführerin werde baldmöglichst zum MRI aufgeboten.
4.2
Eine am 2
6.
Juni 2014 im Spital
Y._
durchgeführte
Röntgenu
ntersu
chung
(CR) ergab unauffällige
ossäre
Strukturen sowie regelrechte Artikulatio
nen. Es konnten diskrete degenerative Veränderungen sowie ein leichter
Gelen
kerguss
, h
ingegen kein Nachweis
ossärer
Läsionen
festgestellt werden
(
Urk.
7/M2)
.
4.3
Eine am 2
6.
Juni 2014 im Spital
Y._
durchgeführte
Magnetresonanz
to
mogra
phie
(MRI) des linken Knies ergab
eine vollständige Ruptur des vorde
ren Kreuzbandes, assoziierte Impressionsfrakturen an der medialen und an der late
ralen
Tibiahinterkante
sowie eine Partialruptur des Innenbandes.
Hingegen war keine
Rezidivläsion
der
Menisci
abgrenzbar
(
Urk.
7/M3).
4.4
D
e
r Leitende A
rzt
Chirurgie
des Spitals
Y._
berichtete am 1
5.
Juli 2014 (
Urk.
7/M4) und nannte
folgende Diagnosen:
vordere Kreuzbandruptur mit
posteromedialem
Bone
bruise
und partiel
ler medialer Seitenbandläsion Grad I mit/bei:
Unfall vom 2
5.
Juni 2014
Status nach Kniearthroskopie (KAS) und medialer und lateraler
Teil
meniskusentfernung
(TME) links
degenerative
n
Signalalterationen medialer und lateraler Meniskus
Er führte
aus,
dass eine deutliche Atrophie des
Quadrizepsmuskels
, eine
Regre
dienz
des Gelenkergusses sowie eine deutliche
Druckdolenz
am Ansatz des medi
alen Kollateralbandes bestünden.
Es folge nun eine Intensivierung des phy
siotherapeutischen Aufbauprogramms mit dynamisch statischer
Kniestabili
sie
rung
und propriozeptiv koordinativen Übungen.
4.5
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 2
5.
August 2014 (
Urk.
7/M8) und führte aus, dass an einem Unfallereignis im eigentlichen Sinne nicht zu zweifeln sei. Die Beschwerdeführerin habe sich beim Tanz ein Distorsionstrauma am linken Knie zugezogen. Bei einer Drehung
sei der Fuss hängen geblieben und es hätte im Knie einen massiven einschies
sen
den Schmerz gegeben. Die Diagnose einer vorderen Kreuzbandruptur mit
post
e
ro
medialem
bone
bruise
und partieller medialer Seitenbandläsion Grad I lasse an einer traumatischen Knieverletzung nicht zweifeln.
Das Ereignis müsse daher aus seiner Sicht klar als Unfall definiert werden.
5.
5.1
Was
den Unfallhergang
betrifft
, so ist
grundsätzlich von den zeitnahen
Be
schrei
bungen der Beschwerdefü
hrerin - Überdrehung des linken
Knies aufgrund eines am Boden „
H
ängenbleibens“ des linken Fusses bei einem Tanz
(vgl. E. 3.1 und E. 3.2) - auszugehen, da diesen als „Aussagen der ersten Stunde“
praxisge
mäss
in beweismässiger Hinsicht ein grösseres Gewicht zu
kommt (vgl. E. 1.3).
Die Dar
stellung der Beschwerdeführerin, wonach der linke Fuss bei der
Abdre
hung
am Boden „kleben“ geblieben sei, wird von ihr
denn auch
von Anfang an
(vgl. auch vorstehend E. 4.1) und
widerspruchsfrei
abgegeben.
5.2
Zwar können beim Tanzen
Bewegungsabläufe vorkommen, die mit einer erhöh
ten Gefahrenla
ge verbunden sind. Dem Tanzen
kann aber nicht generell
ein ge
steigertes Gefährdungspotenzial zugesprochen werden, zumal es in der Regel
in Form eines mehr oder weniger gleichmässigen Bewegungsablaufs im Rahmen einer physiologisch noch normalen und psychologisch noch beherrsch
ten Be
anspruchung des Körpers ausgeführt wird.
Di
e Beschwerdeführerin rannte
indessen gemäss ihren glaubhaften und auch unbe
strittenen Angaben am
2
5.
Juni
2014
zu einer Reihe Schüler, und drehte sich dabei nach links um, wobei ihr linker Fuss am Boden „kleben“ blieb.
Damit trat ein in den Bewegungsablauf hineinspielendes äusseres Moment hin
zu, das zur
Unkontrolliertheit
der Körperbewegung führen konnte. Der „nor
male“
Bewegungsablauf der Beschwerdeführerin wurde, als s
ich ihre Körperlage beim Dre
hen änderte, durch das
unerwartet
e „am Boden kleben bl
ei
ben“, das eine
„nor
male“ Drehung des Fusses
und damit de
s Knies
verunmöglichte bezieh
ungs
weise behinderte, gestört. Dass dabei nicht unerhebliche Kräfte auf das Knie
gelenk wirken konnten, ist naheliegend. Indem es unter anderem zu einer
vollständigen R
uptur des vorderen Kreuzbandes kam, hat sich das vorhandene
Ge
fährdungspotenzial
realisiert.
Es trifft damit nicht zu, dass der Beschwerdeführerin nichts anderes passiert wäre
als ein Auftreten von Schmerzen bei einer alltäglichen Lebensverrichtung. Die Einwirkung eines äusseren Faktors (im Sinne eines Geschehens mit einem ge
wissen gesteigerten Gefährdungspotenzial) ist hier daher zu bejahen. Ebenso ist ein unmittelbares, einmaliges und plötzliches Geschehen ausgewiesen.
Im Übrigen vermag auch die
von der Beschwerdeführerin angegebene, im Juli 2011 stattgefundene Meniskusoperation (vgl.
Urk.
7/A3
Ziff.
4) nichts daran zu ändern. So war die Beschwerdeführerin nach Lage der Akten beschwerdefrei und es erfolgten keine diesbezüglichen ärztlichen Behandlungen.
Wie das Bun
desgericht in BGE 123 V 43 erkannt und mit BGE 129 V 466 bestätigt hat, be
steht der Zweck des Instituts der
unfall
ähn
lichen
Körperschädigung ohnehin nicht darin, krankhafte oder degenerative
Kör
perschäden
von der obligatorischen Unfallversicherung auszuschliessen, son
dern
darin, die oft schwierige Abgren
zung zwischen Unfall und Krankheit zugunsten der Versicherten zu vermeiden. Ein degenerativer oder pathologischer
Vorzu
stand
schliesst daher eine
unfall
ähnliche
Körperschädigung nicht aus, sofern ein unfallähnliches Ereignis den vorbestehenden Gesundheitsschaden verschlimmert oder manifest werden lässt (BGE 123 V 43 E. 2b S. 44 f.). Es ist nicht abzu
klä
ren, ob eine "eindeutige" krankheits- oder degenerativ bedingte Verursach
ung vorliegt (BGE 129 V 466 E.
2.1 S. 466 f.).
Zusammengefasst ist die Knieverletzung durch eine unfallähnliche
Körperschä
di
gung
im Sinne von
Art.
9
Abs.
2 UVV verursacht worden
, womit
der
Un
fall
versicherer
dafür einzustehen
hat
. Dies führt
zur Gutheissung der Beschwerde.