Decision ID: 27d3969e-ff4b-4b31-8c4c-9de4d5209e8c
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ wurde mit einer Verfügung vom 27. September 2017 rückwirkend ab 1. Juni
2016 eine Ergänzungsleistung zu einer ganzen Invalidenrente zugesprochen (EL-
act. 138). In der Verfügungsbegründung wurde der EL-Bezüger darauf hingewiesen,
dass sich seine Ehefrau "auf den August 2018" um eine Arbeitsstelle zu bemühen
habe, da zu diesem Zeitpunkt das jüngste Kind voraussichtlich in den Kindergarten
eintreten werde. Der EL-Bezüger informierte die EL-Durchführungsstelle am 8. Oktober
2017 (EL-act. 133), dass das jüngste Kind bereits im Kindergarten sei. Am 26. Oktober
2017 teilte die EL-Durchführungsstelle dem EL-Bezüger mit (EL-act. 132), dass ab
1. Mai 2018 ein hypothetisches Erwerbseinkommen seiner Ehefrau angerechnet werde,
ausser seine Ehefrau könne nachweisen, dass sie trotz ernsthaften, aktiven und
gezielten Arbeitsbemühungen keine Stelle finde. Am 3. April 2018 gingen
entsprechende Nachweise ein (EL-act. 119). Am 16. April 2018 teilte die EL-
Durchführungsstelle dem EL-Bezüger mit (EL-act. 117), dass auf die Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens vorläufig verzichtet werde. Sie behalte sich vor,
das hypothetische Erwerbseinkommen zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu
überprüfen. Eine solche Überprüfung fand bis zur Einleitung der periodischen
Überprüfung der Ergänzungsleistung am 25. September 2020 (EL-act. 100) nicht statt.
A.a.
Am 13. November 2020 bat die EL-Durchführungsstelle den EL-Bezüger bzw.
dessen Ehefrau um die Beantwortung einiger Fragen (EL-act. 89). Der EL-Bezüger gab
am 30. Dezember 2020 unter anderem an (EL-act. 82), seine Ehefrau gehe wegen einer
Arbeitsunfähigkeit keiner Erwerbstätigkeit nach. Er reichte einen Bericht von Dr. med.
B._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 18. Dezember 2020 ein.
Dr. B._ hatte darin festgehalten, die Ehefrau des EL-Bezügers sei aktuell zu maximal
20% arbeitsfähig.
A.b.
Am 31. Dezember 2020/7. Januar 2021 wurde im Blatt "Hypothetisches
Einkommen" notiert (EL-act. 77), die Ehefrau habe sich im Februar 2019 zum Bezug
A.c.
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von Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet. Mit einer Verfügung vom
13. Januar 2020 sei das Leistungsbegehren bei einem Invaliditätsgrad von 0%
abgewiesen worden. Das neue Arztzeugnis enthalte keine neuen (der IV-Stelle nicht
bekannten) Diagnosen. Somit sei auf den Entscheid der IV-Stelle abzustellen. Eine
Arbeitsunfähigkeit liege nicht vor. Am 8. Januar 2021 teilte die EL-Durchführungsstelle
dem EL-Bezüger mit (EL-act. 81), ab 1. April 2021 werde ein hypothetisches
Erwerbseinkommen seiner Ehefrau von Fr. 41'468.-- angerechnet. Dieses werde nicht
angerechnet, sofern seine Ehefrau trotz ernsthaften, aktiven und gezielten
Arbeitsbemühungen keine Stelle finde. Der EL-Bezüger reichte keine entsprechenden
Nachweise ein.
Mit einer Verfügung vom 31. März 2021 reduzierte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistung ab 1. April 2021 von bisher Fr. 3'196.-- (EL-act. 88) auf Fr. 1'068.--
pro Monat (sog. Minimalgarantie) infolge Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens der Ehefrau (EL-act. 74). Der EL-Bezüger erhob dagegen am
11. Mai 2021 eine Einsprache (EL-act. 71). Auf dem Einspracheschreiben wurde (wohl
von der Sachbearbeitung der EL-Durchführungsstelle) festgehalten, dass ein IV-
Gesuch der Ehefrau pendent sei. Am 1. Juni 2021 gingen Nachweise zu den
Arbeitsbemühungen der Ehefrau im Monat Mai 2021 ein (EL-act. 68). Am 18. Juni 2021
teilte die EL-Durchführungsstelle dem EL-Bezüger mit (EL-act. 65), er habe in der
Einsprache beantragt, dass seiner Ehefrau kein hypothetisches Erwerbseinkommen
anzurechnen und der EL-Anspruch ohne Berücksichtigung dieses Einkommens neu zu
berechnen sei. Zurzeit sei das "IV-Anmeldeverfahren" der Ehefrau pendent. Die EL-
Durchführungsstelle sei vom Ausgang des IV-Verfahrens (IV-Grad und Arbeitsfähigkeit)
"abhängig", da erst anschliessend darüber entschieden werden könne, welche
Einnahmen der Ehefrau angerechnet werden könnten. Das Einspracheverfahren werde
deshalb bis zum rechtskräftigen Abschluss des hängigen "IV-Anmeldeverfahrens"
sistiert.
A.d.
Am 5. Juli 2021, 5. August 2021, 1. September 2021 und 1. Oktober 2021 gingen
Nachweise zu den Arbeitsbemühungen der Ehefrau in den Monaten Juni bis
September 2021 ein (EL-act. 52, 55, 56, 60). Am 13. September 2021 hatte die EL-
Durchführungsstelle den EL-Bezüger um die Beantwortung der Fragen gebeten, in
welchem Umfang (Pensum) sich seine Ehefrau arbeitsfähig sehe und ob sie eine Stelle
A.e.
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in diesem Pensum antreten würde (EL-act. 54). Am 21. September 2021 war das
ausgefüllte Formular eingegangen (EL-act. 53). Darin war angegeben worden, die
Ehefrau sehe sich als vollständig arbeitsunfähig an. Sie würde keine Stelle antreten, da
sie seit dem 23. August 2021 eine schwere Lungenentzündung habe, welche durch
Covid-19 ausgelöst worden sei.
Mit einer Verfügung vom 1. Oktober 2021 hielt die EL-Durchführungsstelle an der
Anrechnung des hypothetischen Erwerbseinkommens fest (EL-act. 51). Zur
Begründung gab sie an, die Ehefrau habe am 21. September 2021 angegeben, aktuell
nicht arbeitsfähig zu sein und keine Stelle antreten zu können. Die Bewerbungen seien
somit nicht getätigt worden, um eine Anstellung zu finden, sondern um eine höhere
Ergänzungsleistung zu erwirken. Der EL-Bezüger erhob dagegen am 27. Oktober 2021
eine Einsprache (EL-act. 39). Er beantragte sinngemäss die Aufhebung der Verfügung
vom 1. Oktober 2021 und die Ausrichtung der Ergänzungsleistung ohne
Berücksichtigung eines hypothetischen Erwerbseinkommens. Am 23. November 2021
teilte die EL-Durchführungsstelle dem EL-Bezüger mit (EL-act. 36), das "IV-
Anmeldeverfahren" seiner Ehefrau sei nach wie vor pendent. Bis zu dessen
rechtskräftigen Abschluss werde daher auch dieses Einspracheverfahren sistiert. Am
21. November 2021 (Posteingang: 26. November 2021) hatte der EL-Bezüger
festgehalten (EL-act. 35), er könne für die Arztkosten seiner Ehefrau nicht aufkommen
und mache einen Anspruch auf Ergänzungsleistung geltend. Am 8. Dezember 2021
gab die EL-Durchführungsstelle an (EL-act. 34), sie gehe davon aus, dass sich sein
Schreiben vom 21. November 2021 mit ihrem Schreiben vom 23. November 2021
gekreuzt habe. Sollte er mit der Sistierung des Einspracheverfahrens nicht
einverstanden sein, könne er innert 30 Tagen seit der Zustellung des Schreibens vom
23. November 2021 eine anfechtbare Verfügung verlangen. Am 20. Dezember 2021
verlangte der EL-Bezüger die Zustellung einer anfechtbaren Verfügung (EL-act. 28).
A.f.
Mit einer Verfügung vom 22. Dezember 2021 sistierte die EL-Durchführungsstelle
das Einspracheverfahren bis zum rechtskräftigen Abschluss des IV-Verfahrens
"bezüglich Rente seiner Ehefrau" (EL-act. 27). Zur Begründung gab sie an, zurzeit sei
das "IV-Rentenverfahren" seiner Ehefrau pendent. Die EL-Durchführungsstelle sei an
den Entscheid der IV-Stelle gebunden und die Beurteilung der Höhe des
hypothetischen Erwerbseinkommens sei abhängig von dessen Ausgang. Ob das
A.g.
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B.
hypothetische Erwerbseinkommen herabzusetzen oder aus der Anspruchsberechnung
auszuscheiden sei, könne deshalb nicht vorab entschieden werden.
Der EL-Bezüger (nachfolgend: Beschwerdeführer) erhob dagegen am
23. Dezember 2021 eine als Einsprache bezeichnete Beschwerde, die er per E-Mail an
die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) sandte (EL-act. 26).
Die Beschwerdegegnerin leitete die Beschwerde am 3. Januar 2021
zuständigkeitshalber an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen weiter (act.
G 1). Das Versicherungsgericht forderte den Beschwerdeführer am 6. Januar 2022 auf,
die Beschwerdeschrift innert fünf Tagen unterzeichnet einzureichen (act. G 2). Der
Beschwerdeführer retournierte die unterzeichnete Beschwerdeschrift umgehend (act.
G 1.1). Er beantragte sinngemäss die Aufhebung der Verfügung vom 22. Dezember
2021 und die Fortsetzung des Einspracheverfahrens betreffend die Verfügung vom
1. Oktober 2021. Zur Begründung machte er geltend, die Beschwerdegegnerin habe
ihm telefonisch mitgeteilt, dass die Bereiche EL und IV unabhängig voneinander
arbeiteten. Deshalb sei es nachvollziehbar, dass er wenigstens (gemeint wohl: nicht
nachvollziehbar, dass er nicht wenigstens) einen Teil der Ergänzungsleistung wieder
erhalte, damit er "kleine Sprünge" machen oder die Arztkosten seiner Ehefrau
fristgerecht begleichen könne. Er habe keinen Anspruch auf Sozialhilfe.
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 26. Januar 2022 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung verwies sie auf die Ausführungen in der
Sistierungsverfügung vom 22. Dezember 2021 und in der Stellungnahme des
Fachbereichs vom 20. Januar 2022. Der Fachbereich hatte festgehalten (act. G 4.1),
seit Mai 2021 sei ein IV-Verfahren der Ehefrau des Beschwerdeführers hängig. In Bezug
auf die invaliditätsbedingte Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit habe sich die
Beschwerdegegnerin grundsätzlich auf die Invaliditätsbemessung der IV-Stelle zu
stützen (BGE 141 V 343 E. 5.7). Dies gelte auch bei einer Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit des Ehegatten eines EL-Bezügers (Urteil des Bundesgerichts vom
26. Juli 2019, 9C_653/2018 E. 5.1 mit Hinweisen). Diese Bindung sei gerechtfertigt, da
die Beschwerdegegnerin nicht über die fachlichen Voraussetzungen für eine
selbstständige Beurteilung der Invalidität verfüge und zu vermeiden sei, dass der
B.b.
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Erwägungen
1.
gleiche Sachverhalt unter denselben Gesichtspunkten von verschiedenen Instanzen
unterschiedlich beurteilt werde (BGE 140 V 267 E. 5.1). Die Sistierung des
Einspracheverfahrens bis zum Abschluss des IV-Verfahrens der Ehefrau sei deshalb
gerechtfertigt.
Mit einer Replik vom 19. Februar 2022 machte der Beschwerdeführer geltend (act.
G 6), die Beschwerdegegnerin könne eine "Mindestberechnung" der
Ergänzungsleistung vornehmen. Somit habe eine solche Berechnung mit dem IV-
Verfahren nichts zu tun und Korrekturen seien jederzeit möglich. Er und seine Familie
seien von der Ergänzungsleistung abhängig, denn sie hätten so gut wie keinen
Anspruch auf Sozialhilfe. Er reichte eine E-Mail des Leiters Soziale Dienste der
Gemeinde C._ vom 17. Januar 2022 ein (act. G 6.1). Dieser hatte dem
Beschwerdeführer mitgeteilt, dass ein "ganz kleiner Anspruch" auf Sozialhilfe von
Fr. 1.-- pro Monat bestehe. Zudem könnten gewisse situationsbedingte Leistungen
ausgerichtet werden. Krankheitskosten seien nach wie vor über die Ergänzungsleistung
gedeckt.
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 10. März 2022 auf eine Duplik (act. G 8).B.d.
Die angefochtene Verfügung vom 22. Dezember 2021 hat das Einspracheverfahren
nicht abgeschlossen, weshalb es sich bei ihr um eine verfahrensleitende Verfügung
(Zwischenverfügung) handeln muss. Gegen verfahrensleitende Verfügungen kann
gemäss Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) keine Einsprache erhoben werden. Laut
Art. 56 Abs. 1 ATSG muss gegen solche Verfügungen direkt eine Beschwerde erhoben
werden. Weder Art. 61 ATSG noch das Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege des
Kantons St. Gallen (VRP/SG, sGS 951.1) sehen besondere Eintretensvoraussetzungen
bezüglich einer Beschwerde gegen eine verfahrensleitende Verfügung vor. Allerdings
ist die selbständige Anfechtung von verfahrensleitenden Verfügungen kantonalrechtlich
auf wenige Fälle beschränkt (vgl. Art. 44 VRP/SG); die Mehrheit der verfahrensleitenden
Verfügungen ist nicht selbständig anfechtbar (vgl. Urs Peter Cavelti/Thomas Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Auflage 2003, N 564 f.). Für das
Verfahren vor dem Bundesgericht regelt Art. 92 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das
1.1.
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Bundesgericht (BGG, SR 173.110), dass gegen selbstständig eröffnete Vor- und
Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsbegehren die
Beschwerde zulässig ist. Nach Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG ist gegen andere selbstständig
eröffnete Vor- und Zwischenentscheide die Beschwerde zulässig, wenn sie einen nicht
wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können. Art. 110-112 BGG sehen
Mindestanforderungen für das kantonale Verfahren vor (Bernhard Ehrenzeller, in: Basler
Kommentar Bundesgerichtsgesetz, 3. Auflage 2018, N 3 ff. zu Art. 110). Laut Art. 111
BGG mit der Marginalie "Einheit des Verfahrens" muss sich eine Person, die zur
Beschwerde an das Bundesgericht berechtigt ist, am Verfahren vor allen kantonalen
Vorinstanzen als Partei beteiligen können. Die Beschwerdebefugnis darf im kantonalen
Verfahren also nicht enger gefasst sein als im Verfahren vor dem Bundesgericht.
Daraus folgt, dass eine Beschwerde gegen eine verfahrensleitende Verfügung an ein
oberes kantonales Gericht (vgl. Art. 86 Abs. 2 BGG) zulässig sein muss, wenn diese
Verfügung der beschwerdeführenden Person einen nicht wiedergutzumachender
Nachteil bewirken kann, auch wenn das kantonale Verfahrensrecht diese
Beschwerdemöglichkeit nicht ausdrücklich regelt (vgl. Entscheide des
Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. August 2019, B 2018/227 E. 1.4;
vom 20. März 2018, B 2016/102 E. 1.2; vom 30. Mai 2017, B 2016/141 E. 1). Dabei
kann es keine Rolle spielen, ob das obere kantonale Gericht wie das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen eine (im Verwaltungs- oder im
Einspracheverfahren erlassene) verfahrensleitende Verfügung der Verwaltung oder wie
das Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen eine verfahrensleitende Verfügung einer
Vorinstanz oder einen Rechtsmittelentscheid einer Vorinstanz betreffend eine
verfahrensleitende Verfügung auf deren bzw. dessen Rechtmässigkeit überprüft. Auf
eine Beschwerde gegen eine verfahrensleitende Verfügung ist deshalb unter anderem
dann einzutreten, wenn diese einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken
kann und wenn die weiteren Eintretensvoraussetzungen (Frist, Form, Zuständigkeit)
erfüllt sind. Der nicht wieder gutzumachende Nachteil kann dabei nicht nur rechtlicher,
sondern auch tatsächlicher Natur (z.B. ökonomischer Nachteil) sein, sofern es der
Beschwerde führenden Person nicht nur darum geht, eine Verlängerung oder
Verteuerung des Verfahrens zu verhindern (vgl. Felix Uhlmann, in: Basler Kommentar
Bundesgerichtsgesetz, 3. Auflage 2018, N 5 zu Art. 93; BGE 135 II 36 E. 1.3.4).
Die vorliegend angefochtene Sistierungsverfügung vom 22. Dezember 2021 ist
geeignet, einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil zu bewirken. Der
Beschwerdeführer wird nämlich keine Chance haben, aufgrund einer Herabsetzung
oder Ausscheidung des hypothetischen Erwerbseinkommens seiner Ehefrau eine
höhere Ergänzungsleistung zu erhalten, bis die Beschwerdegegnerin über seine
1.2.
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2.
Im Folgenden ist zu prüfen, ob die angefochtene Sistierungsverfügung rechtmässig
gewesen ist.
Einsprache entschieden haben wird. Als Folge davon könnte eine
Sozialhilfeabhängigkeit des Beschwerdeführers entstehen oder sogar schon
entstanden sein (vgl. die E-Mail des Leiters Soziale Dienste der Gemeinde C._ vom
17. Januar 2022, act. G 6.1). Darin ist ein Nachteil zu erblicken, der selbst durch eine
spätere rückwirkende Leistungserhöhung nicht wieder gutgemacht werden kann. Der
Beschwerdeführer ist nämlich gezwungen, sich für die Zeit bis zum rechtskräftigen
Abschluss des Einspracheverfahrens mit der sogenannten Minimalgarantie
(Prämienpauschale der Krankenversicherung) zu begnügen (davon ausgenommen ist
der Fall, dass der Anspruch auf eine Ergänzungsleistung aufgrund einer anderen, mit
der Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens nicht im Zusammenhang
stehenden Sachverhaltsveränderung erhöht würde). Auch wenn die Chance besteht,
dass der Beschwerdeführer später eine entsprechende Nachzahlung erhalten könnte,
die diesen Nachteil rein buchhalterisch ausgleichen würde, würde dies nichts am
Umstand ändern, dass sich der Beschwerdeführer bis dahin finanziell erheblich hätte
einschränken müssen. Die Sistierung des Einspracheverfahrens könnte für den
Beschwerdeführer somit einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken. Auf
die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde gegen die Sistierungsverfügung vom
22. Dezember 2021 ist somit einzutreten.
Die Sistierung eines Verfahrens bedeutet, dass ein hängiges Verfahren vorüber
gehend eingestellt wird. Es handelt sich dabei um ein in der Praxis anerkanntes
Rechtsinstitut (Martin Bertschi/Kaspar Plüss, in: Kommentar VRG, 3. Auflage 2014, N
34 zu Vorbemerkungen zu §§ 4-31). Aufgrund des in Art. 61 lit. a ATSG verankerten
Beschleunigungsgebots und des verfassungsrechtlich verankerten Anspruchs auf eine
Beurteilung der Sache innert einer angemessenen Frist nach Art. 29 Abs. 1 der
Bundesverfassung (BV, SR 101) darf eine Sistierung eines Verfahrens nur dann
erfolgen, wenn eine solche sinnvoll und zweckmässig oder sogar zwingend geboten ist.
So kann ein Verfahren beispielsweise sistiert werden, wenn der Ausgang eines anderen
hängigen Prozesses für die Beurteilung des Falles von Bedeutung ist oder sein kann
(BGE 131 V 369 E. 3.2 mit Hinweisen).
2.1.
Streitgegenstand des sistierten Einspracheverfahrens bildet die (weitere)
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau des
Beschwerdeführers. Für die Überprüfung der Frage, ob und gegebenenfalls wie hoch in
2.2.
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der EL-Anspruchsberechnung ein hypothetisches Erwerbseinkommen zu
berücksichtigen ist, ist massgebend, dass die Arbeitsfähigkeit der Ehefrau mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht. Denn erst dann können sowohl die
Fähigkeit, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, als auch die Höhe eines allfällig
anzurechnenden hypothetischen Erwerbseinkommens beurteilt werden (vgl. Ralph
Jöhl/Patricia Usinger-Egger, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: Ulrich Meyer [Hrsg.],
Soziale Sicherheit, SBVR Band XIV, 3. Auflage 2016, S. 1681 ff., N 131). Die
Beschwerdegegnerin hat bereits am 18. Juni 2021 bei der Sistierung des
Einspracheverfahrens betreffend die Verfügung vom 31. März 2021 (Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau ab 1. April 2021) festgestellt, dass
sich die Ehefrau bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen erneut zum Leistungsbezug
angemeldet hatte. Die erneute Anmeldung ist im Mai 2021 erfolgt (vgl. Stellungnahme
des Fachbereichs vom 20. Januar 2022, act. G 4.1). Bei Erlass der
Sistierungsverfügung vom 22. Dezember 2021 ist das Verwaltungsverfahren betreffend
einen allfälligen IV-Rentenanspruch der Ehefrau nach wie vor hängig gewesen. In
diesem Verwaltungsverfahren ist die IV-Stelle verpflichtet, den Gesundheitszustand
und die Arbeitsfähigkeit der Ehefrau umfassend zu ermitteln. Grundsätzlich könnte die
Beschwerdegegnerin eigene Abklärungen tätigen. Es wäre aus prozessökonomischer
Sicht jedoch unsinnig und würde die Gefahr von abweichenden Abklärungsergebnissen
und damit von unterschiedlichen Entscheiden in derselben Sache bergen, wenn die
Beschwerdegegnerin parallel zur IV-Stelle eigene Abklärungen durchführen würde,
zumal dies wohl ebenso viel Zeit wie die bereits laufenden Abklärungen der IV-Stelle
beanspruchen würde. Hinzu kommt, dass die IV-Stellen mit Bezug auf die Abklärung
des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit über mehr Fachkompetenz verfügen
als die EL-Durchführungsstellen. Die von der Invalidenversicherung festzustellende
Arbeitsfähigkeit ist daher für die Beschwerdegegnerin als massgeblich anzusehen (vgl.
auch Art. 14a Abs. 2 der Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, ELV, SR 831.301, sowie BGE 141 V 350
E. 5.7, 140 V 273 E. 5.1, 117 V 205 E. 2b). Folglich ist es in dieser Situation sinnvoll und
zweckmässig gewesen, die Ergebnisse der Sachverhaltsermittlung durch die IV-Stelle
abzuwarten und diese dann zu würdigen.
Der Beschwerdeführer hat zur Begründung seiner Beschwerde gegen die
Sistierung des Einspracheverfahrens geltend gemacht, die Beschwerdegegnerin könne
eine "Mindestberechnung" der Ergänzungsleistung vornehmen. Somit habe eine solche
Berechnung mit dem IV-Verfahren nichts zu tun und Korrekturen seien jederzeit
möglich. Die Vornahme einer solchen "Mindestberechnung" hätte zur Folge, dass die
Beschwerdegegnerin eine Ergänzungsleistung zusprechen würde, ohne dass der
2.3.
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3.
Gerichtskosten sind nicht zu erheben (Art. 61 lit. f ATSG).