Decision ID: 5c621050-2b0f-4770-bf3a-48c077ef6956
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ E. I., geb. 1981, ist Staatsangehörige von Nigeria. Sie reiste am 31. Oktober 2005 in
die Schweiz ein und stellte am 10. November 2005 ein Asylgesuch. Das Bundesamt für
Migration wies dieses mit Verfügung vom 2. Februar 2006 ab. Dagegen erhob die
Gesuchstellerin am 6. März 2006 Beschwerde. Am 2. Mai 2006 gebar E. I. den Sohn
Desmond. Der Vater des Kindes ist den Behörden nicht bekannt. Nach Angaben der
Mutter soll es sich dabei um einen in der Heimat ansässigen Landsmann handeln. Am
9. Januar 2008 gebar E. I. in St. Gallen die Tochter B. .
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Mit Urteil vom 3. Februar 2009 wies das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde
von E. I. und ihrer Kinder gegen die Verweigerung des Asyls ab. Das Bundesamt für
Migration setzte den Gesuchstellern in der Folge am 9. Februar 2009 eine Frist bis
9. März 2009 zum Verlassen der Schweiz an. Am 5. März 2009 wies das Bundesamt für
Migration ein Gesuch von E. I. um Verlängerung der Ausreisefrist ab.
Am 28. Mai 2009 anerkannte der in Frankreich wohnhafte französische
Staatsangehörige Kevin U. die Tochter B. als sein Kind.
Am 9. Juli 2009 reichte E. I. durch ihren Rechtsvertreter beim Ausländeramt des
Kantons St. Gallen ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ein. Das
Ausländeramt verfügte am 17. August 2009, es werde kein Verfahren um Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung eingeleitet. Zur Begründung wurde angeführt, die
Gesuchstellerin und ihre Kinder hielten sich noch nicht fünf Jahre in der Schweiz auf,
weshalb der Grundsatz der Ausschliesslichkeit des Asylverfahrens zur Anwendung
komme.
B./ Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 26. August 2009 erhoben E. I., Kevin U.
sowie die Tochter B. durch ihren Rechtsvertreter Rekurs, der vom Sicherheits- und
Justizdepartement mit Entscheid vom 27. November 2009 abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 14. Dezember 2009 erhoben E. I., B. U. und
Kevin U. Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der angefochtene
Rekursentscheid sei aufzuheben und es sei eine Niederlassungs- bzw.
Aufenthaltsbewilligung zuzusprechen, eventualiter sei das Verfahren im Sinne der

Erwägungen zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur
Begründung wird im wesentlichen vorgebracht, der Vater von B. U. habe als
französischer Staatsbürger im Zuge des Freizügigkeitsabkommens ein
Niederlassungsrecht. Dieser Rechtsanspruch stütze sich auch auf Art. 3 der
Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt EMRK) in Verbindung
mit Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt AuG). Auf die einzelnen Vorbringen wird, soweit wesentlich, in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
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Nachdem die Beschwerdeführerin zur Leistung eines Kostenvorschusses aufgefordert
worden war, stellte sie ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 15. Januar 2010 unter Hinweis
auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids die Abweisung der Beschwerde.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP; VerwGE B
2009/150 vom 22. September 2009, in: www.gerichte.sg.ch). Die Beschwerdeführer
sind zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 14. Dezember 2009 wurde
rechtzeitig eingereicht und enthält einen Antrag sowie eine Sachdarstellung und eine
Begründung. Insoweit sind die Eintretensvoraussetzungen erfüllt (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist im
Grundsatz einzutreten. Nicht einzutreten ist auf den Antrag, es sei eine
Niederlassungsbewilligung zu erteilen. Die Verweigerung einer
Niederlassungsbewilligung ist nicht Gegenstand des angefochtenen Rekursentscheids.
Im Rekursverfahren wurde ausschliesslich beantragt, es sei eine Aufenthaltsbewilligung
zu erteilen.
2. Art. 14 AsylG lautet wie folgt:
Ab Einreichung des Asylgesuches bis zur Ausreise nach einer rechtskräftig
angeordneten Wegweisung, nach einem Rückzug des Asylgesuches oder bis zur
Anordnung einer Ersatzmassnahme bei nicht durchführbarem Vollzug kann eine
asylsuchende Person kein Verfahren um Erteilung einer ausländerrechtlichen
Aufenthaltsbewilligung einleiten, ausser es bestehe ein Anspruch auf deren Erteilung
(Abs. 1).
Der Kanton kann mit Zustimmung des Bundesamtes einer ihm nach diesem Gesetz
zugewiesenen Person eine Aufenthaltsbewilligung erteilen, wenn:
a. die betroffene Person sich seit Einreichung des Asylgesuches mindestens fünf Jahre
in der Schweiz aufhält;
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b. der Aufenthaltsort der betroffenen Person den Behörden immer bekannt war; und
c. wegen der fortgeschrittenen Integration ein schwerwiegender persönlicher Härtefall
vorliegt (Abs. 2).
Will der Kanton von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, so meldet er dies dem
Bundesamt unverzüglich (Abs. 3).
Die betroffene Person hat nur beim Zustimmungsverfahren des Bundesamtes
Parteistellung (Abs. 4).
Hängige Verfahren um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung werden mit dem
Einreichen eines Asylgesuchs gegenstandslos (Abs. 5).
Erteilte Aufenthaltsbewilligungen bleiben gültig und können gemäss den
ausländerrechtlichen Bestimmungen verlängert werden (Abs. 6).
2.1. Die Beschwerdeführer E. I. und B. U. sind abgewiesene Asylbewerber. Eine
vorläufige Aufnahme wurde im Asylverfahren nicht angeordnet. Gegen die
Beschwerdeführer E. I. und B. U. wurde die Wegweisung verfügt und eine Ausreisefrist
angesetzt. Art. 14 Abs. 1 AsylG statuiert den Grundsatz der Ausschliesslichkeit des
Asylverfahrens, falls nicht ein Anspruch auf Erteilung einer ausländerrechtlichen
Aufenthaltsbewilligung besteht. Nur bei einer Person, die sich seit Einreichung des
Asylgesuchs mindestens fünf Jahre in der Schweiz aufhält, kann ein Kanton mit
Zustimmung des Bundesamtes einer ihm nach dem Asylgesetz zugewiesenen Person
eine Aufenthaltsbewilligung erteilen, wenn wegen fortgeschrittener Integration ein
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schwerwiegender persönlicher Härtefall vorliegt (Art. 14 Abs. 2 AsylG). Aus der
Regelung von Art. 14 Abs. 2 bis 4 AsylG ergibt sich, dass der Kanton vorerst blosser
Antragsteller ist und erst nach einer allfälligen Zustimmung des Bundesamtes, welches
seinerseits dem Ausländer Parteistellung (einschliesslich Beschwerderecht) einräumen
muss, die Erteilung oder auch nur die Zusicherung einer Bewilligung ins Auge fassen
kann. Dem abgewiesenen Asylbewerber, der keinen Bewilligungsanspruch geltend
machen kann, steht, vom Gesetzgeber gewollt (Wortlaut von Art. 14 Abs. 1 AsylG), kein
Recht zu, einen Bewilligungsantrag zu stellen bzw. ein entsprechendes kantonales
Verfahren in Gang zu setzen und zu durchlaufen (Urteil des Bundesgerichts BGE
2D_90/2008 vom 9. September 2008 mit Hinweis auf die Urteile 2C_526/2008 vom 17.
Juli 2008 E. 2, 2D_79/2008 vom 6. August 2008 E. 2 sowie 2D_81/2008 vom 5. August
2008 E. 2).
Dies bedeutet, dass ein letztinstanzlicher kantonaler Entscheid, der die Frage einer
Bewilligungserteilung nach Art. 14 Abs. 2 AsylG zum Gegenstand hat, nicht mit
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten angefochten werden kann (vgl.
Art. 83 lit. c Ziff. 2 des Bundesgerichtsgesetzes, SR 173.110, abgekürzt BGG). Zudem
ist auch die Möglichkeit, gegen einen solchen Entscheid subsidiäre
Verfassungsbeschwerde zu erheben, weitgehend einge-schränkt, wenn nicht gar
ausgeschlossen (Urteil 2D_90/2008 vom 9. September 2008).
2.2. Die Beschwerdeführer E. I. und B. U. halten sich seit Einreichung des Asylgesuchs
weniger als fünf Jahre in der Schweiz auf, weshalb die Voraussetzung von Art. 14
Abs. 2 lit. a AsylG zur Einleitung eines ausländerrechtlichen Verfahrens nicht erfüllt ist.
Auch besteht kein Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im Sinn von
Art. 14 Abs. 1 AsylG. Namentlich kann aus der Tatsache, dass der Vater der jüngeren
Tochter B. U. französischer Staatsangehöriger ist, nichts zu Gunsten eines
Aufenthaltsrechts der Beschwerdeführer abgeleitet werden. Nach Art. 3 des Anhangs I
zum Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und
der Europäischen Gemeinschaft und ihrer Mitgliedstaaten (SR 0.142.112.681,
abgekürzt FZA) haben die Familienangehörigen einer Person, die Staatsangehörige
einer Vertragspartei ist und ein Aufenthaltsrecht hat, das Recht, bei ihr Wohnung zu
nehmen. Als Familienangehörige gelten nach Art. 3 Abs. 2 lit. a Anhang I zum FZA der
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Ehegatte und die Verwandten in absteigender Linie, die noch nicht 21 Jahre alt sind
oder denen Unterhalt gewährt wird.
Zwar trifft es zu, dass sich Kevin U. als französischer Staatsbürger grundsätzlich auf
das FZA berufen kann, um einen Aufenthalt in der Schweiz zu begründen. Im
vorliegenden Fall hat er aber sein Aufenthaltsrecht nicht ausgeübt und verfügt nicht
über eine Bewilligung nach dem FZA zum Verbleib in der Schweiz. Nach den
Feststellungen der Vorinstanz verfügt Kevin U. lediglich über eine
Grenzgängerbewilligung im Kanton Genf. Daher können sich auch seine Tochter und
deren Mutter nicht auf das FZA berufen, um einen Aufenthaltsanspruch in der Schweiz
zu begründen. Die Beschwerdeführerin und ihre Tochter könnten sich jedoch
gegenüber dem Herkunftsstaat des Vaters ihrer Tochter, also gegenüber Frankreich,
auf das von Art. 8 EMRK geschützte Recht auf Familienleben berufen.
Wohl haben Familienmitglieder von Staatsangehörigen der EU oder der EFTA
ungeachtet ihrer Staatsangehörigkeit das Recht, bei diesen auf dem Hoheitsgebiet der
Schweiz Wohnung zu nehmen, wie die Vorinstanz in E. 4a festhielt. Dies setzt aber
voraus, dass die in der Schweiz ansässigen Familienangehörigen selbst ein
Aufenthaltsrecht haben (Art. 3 Abs. 1 Anhang I zum FZA, wonach die
Familienangehörigen einer Person, die Staatsangehörige einer Vertragspartei ist und
ein Aufenthaltsrecht hat, das Recht hat, bei ihr Wohnung zu nehmen). Diese
Voraussetzung gilt auch nach der neuesten Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Nachzugsrecht von Angehörigen aus Drittstaaten (BGE 2C_607/2008 vom 24. März
2009 E. 2 und BGE 2C_269/2009 vom 5. Januar 2010 E. 1.3). Diese Voraussetzung ist
im vorliegenden Fall nicht erfüllt. Kevin U. hat in der Schweiz kein Aufenthaltsrecht. Die
Beschwerdeführerin und ihre Kinder halten sich ohne Aufenthaltsrecht in der Schweiz
auf und können auch keine anderen Rechtstitel geltend machen, um einen Anspruch
auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im Sinn von Art. 14 Abs. 1 AsylG zu
begründen. Im übrigen hat das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil vom 3.
Februar 2009 die Rückkehr der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder nach Nigeria als
zumutbar bezeichnet, da sie jung und gesund ist, über eine gute Schulbildung verfügt
und über Berufserfahrung als Kleiderhändlerin und Coiffeuse verfügt.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde als offensichtlich unbegründet abzuweisen.
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3. Die Beschwerdeführer stellten ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung. Dieses
Gesuch ist wegen Aussichtslosigkeit der Beschwerde abzuweisen (Art. 29 Abs. 3 der
Bundesverfassung, SR 101; Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 281 Abs. 2 lit. a
des Zivilprozessgesetzes, sGS 961.2). Somit sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13, Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Auf die Erhebung ist zufolge Uneinbringlichkeit zu verzichten (Art. 97
VRP).
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht