Decision ID: 383940fa-574c-4940-9d63-6e577b35d6eb
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 19
57 geborene
X._
ist im Rahmen seiner selbständigen Erwerbstätigkeit als
Facha
rzt
FMH für Innere Medizin und Rheumatologie
seit 1. Januar 1994
freiwillig bei
der
O._
Stiftung
berufsvorsorgeversichert (Urk.
1 S. 6
, Urk. 2/13
,
Urk. 2/22,
Urk. 7 S. 2
).
Unter Hinweis auf einen im De
zember 2000 diagnostizierten Morbus Bechterew und einen im September 2001 festgestellten Morbus Parkinson
meldete er sich am 28. Juni 2009 zum Bezug von Leistungen
(berufliche Integration, Rente)
der Eidgenössischen Invaliden
versicherung (IV) an (Urk.
12/3).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, traf daraufhin berufliche, erwerbliche sowie medizinische Ab
klärung
en
, holte am 23. Juli 20
10
einen Abklärungsbericht für Selbständiger
werbende (Urk. 12/34) ein
und zog die Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 12/13) bei. Mit Vorbescheid vom 17. Mai 2011 (Urk. 12/50)
stellte
sie
ihm
– ausgehend von einer erheblichen Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit seit 1. Mai 2007 und
einer daraus resultierenden Invalidität von 30 % im Jahr 2008 beziehungsweise (nach Eintritt einer Verschlechterung des Gesundheitszustan
des) von 46 % ab 1. Januar 2009 sowie
unter Hinweis auf eine verspätete
An
meldung -
die Zusprache einer auf eine
m
Invaliditätsgrad von 46 % beruhenden Viertelsrente mit Wirkung ab 1. Januar 2010 in Aussicht.
D
er Versicherte
machte in der Folge
am 17. Juni 2011 eine
(weitere) gesundheitli
che Verschlimmerung
geltend (Urk. 12/54
)
, worauf die
IV-Stelle
mit
Feststellungsblatt für den Beschluss vom 28. Juli 2011 (Urk. 12/56) davon aus
ging, dass
er aufgrund einer per 1. Januar 2010 eingetretenen ges
undheitlichen Verschlimmerung mit Wirkung ab
April 2010 Anspruch auf
Erhöhung der Viertels- auf eine auf
einem Invaliditätsgrad von 53 % basierende halbe Rente habe. In ihrer
hiezu am 19. September 2011 verfassten Stellungnahme (Urk. 12/68)
stellte sich die
AXA Versicherungen AG
a
ls Rückversicherer der
O._
Stiftung
auf den Standpunkt,
der Versicherte sei erst seit 27. März 2009 in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. B
ei korrekter Ermittlung der Ver
gleich
f
seinkommen resultiere – auch für die Zeit nach Eintritt der gesundheitli
chen Verschlechterung - ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad.
Nachdem der Versicherte am 5. Juni 2012 auf eine weitere Verschl
immerung
seines Gesundheitszustandes hingewiesen hatte
(
Urk.
12/72)
, sprach ihm die IV-Stelle
mit
– in der Folge unangefochten in Rechtskraft erwachsenen -
Verfü
gungen vom 14. Dezember 2012 (Urk. 12/79-81)
für die Zeit von Januar bis
März 2010 eine Viertelsrente (Invaliditätsgrad von 46 %) und mit Wirkung ab 1. April 2010 eine halbe Rente (Invaliditätsgrad von 53 %) zu.
1.2
Der Versicherte ersuchte daraufhin
am
11. Januar 2013
die
O._
Stiftung
um
Ausrichtung von Invalidenleistungen, was diese – unter Hinweis darauf, dass
die für sie
schon aus formellen Gründen
nicht bindenden Rentenverfügun
gen
in Bezug auf den Beginn der Arbeitsunfähigkeit wie auch betreffend die Bemessung des Invaliditätsgrades offensichtlich fehlerhaft seien
– mit Schreiben vom 7. Mai 2013
ablehnte
(Urk. 2
/23 f.)
.
2.
Am
8. Juli 2013
liess
X._
mit folgendem Rechtsbegehren Klage gegen die
O._
Stiftung
erheben (Urk. 1 S. 2):
"1.
Die Beklagte sei
z
u verpflichten, dem Kläger
rückwirkend ab dem 1. Mai 2009 eine Viertelsrente in der Höhe von Fr. 20‘757.50 und ab dem 1. April 2010 eine halbe Rente in der Höhe von Fr. 41‘515.00 plus Zins zu 5 % auszurichten.
2.
Die Beklagte sei zu verpflichten, ab dem 1. Mai 2008 das Altersguthaben weiter zu äufnen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beklagten (inkl. 8 % Mehrwertsteuer.“
Die Beklagte schloss am 15. Oktober 2013 auf – kosten- und entschädigungs
pflichtige - Abweisung der Klage (Klageantwort, Urk. 7). Nachdem mit Verfü
gung vom 16. Oktober 2013 (Urk. 9) die Akten der IV (Urk. 12/1-92) beigezogen worden waren, hielten die Parteien replicando (Urk. 15) und duplicando (Urk. 20) an ihren Rechtsbegehren fest; letzteres wurde dem Kläger am 25. Februar 2014 zur Kenntnis gebracht (Urk. 21).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Nach Art. 4 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) können sich Arbeitnehmer und Selbständigerwer
bende, die der obligatorischen Versicherung nicht unterstellt sind, nach diesem Gesetz freiwillig versichern lassen (Abs. 1). Die Bestimmungen über die obliga
torische Versicherung, insbesondere die in Artikel 8 festgesetzten Einkommens
grenzen, gelten sinngemäss für die freiwillige Versicherung (Abs. 2).
1.
1.2
Nach Art. 24
Abs.
1
BVG
hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invaliden
rente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 Prozent, auf eine Dreiviertelsrente, wenn er mindestens zu 60 Prozent, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine Viertelsrente, wenn er min
destens zu 40 Prozent invalid ist. Gemäss
Abs.
1 von Art. 26 BVG gelten für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechen
den Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (Art. 29 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Die Invalidenleistun
gen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den Anspruch erhebende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses an
geschlossen war. Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt die
ser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl. Art. 23 BVG).
1.1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalidenein
kommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes Valideneinkom
men). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkom
mensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.2
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invalidenversi
cherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der berufli
chen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (Art. 6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund ei
ner gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in fine). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurtei
lungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorgeein
richtung beziehungsweise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bun
desgerichts 9C_49/2010 vom 23. Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins Vorbescheidverfahren (aArt. 73
bis
der Verordnung über die Invalidenversi
cherung [
IVV
]
; seit 1. Juli 2006: Art. 73
ter
IVV) einbezogen und ihr die Renten
verfügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts 9C_81/2010 vom 16. Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selb
ständiges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-rechtliche Festsetzung des Invaliditätsgrades (grundsätzlich, masslich und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrach
tungsweise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, soweit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entschei
dend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfah
ren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invali
ditätsbemessung der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1).
1.3
1.3
.1
Nach Art. 62
Abs. 1
des Vorsorgereglements, Ausgabe 2010, der Beklagten (Urk. 8/1) sind
– nebst Alters- und Todesfallleistungen – bei teilweiser oder vollständiger Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit vor der Pensionie
rung Invalidenleistungen (Invalidenrente, Beitragsbefreiung bei Invalidität, In
validen-Kinderrente) versichert.
1.3
.2
Ist gemäss Vorsorgeplan eine Invalidenrente versichert, hat der Versicherte laut Art. 71
Abs. 1
des Vorsorgereglements Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern er vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters der AHV
im Sinne der IV
zu mindestens 40 % invalid ist und er bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität
ge
führt
hat
, zu mindestens 40 % in der Stiftung versi
chert war (Abs. 1).
Der Anspruch auf Ausrichtung einer Invalidenrente beginnt nach Ablauf der Wartefrist von 24 Monaten, frühestens jedoch nachdem der Versicherte keine Taggelder der IV mehr bezieht (Abs. 3).
1.
3
.3
Nach Art. 72 Abs. 2 des Vorsorgereglements wird gestützt auf den Entscheid der IV in der Regel bei einem Invaliditätsgrad von 40 bis 49 % eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von 50 bis 59 %
eine
halbe Rente, bei einem Invali
ditätsgrad von 60 bis 69 % eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad ab 70 % eine volle Rente ausgerichtet.
1.
3
.4
Art. 74 des Vorsorgereglements sieht vor, dass die Stiftung jederzeit vom festge
setzten Invaliditätsgrad gemäss IV abweichen kann, wenn sie aufgrund vertrau
ens
ärztlicher Befund
e
oder Berichte
des Arbeitgebers zu einer anderen Beurtei
lung gelangt
(Abs. 1)
.
Änderungen des Invaliditätsgrads ziehen eine Überprü
fung
und
gegebenenfalls eine Anpassung des Leistungsanspruchs nach sich (Abs. 3).
1.3.5
Ist gemäss Vorsorgeplan eine Beitragsbefreiung versichert,
wird bei Ar
beitsunfä
higkeit des Versicherten die Altersvorsorge beitragsfrei weiterge
führt. Während dieser Zeit wird das Altersguthaben aufgrund des letzten versi
cherten Lohnes entsprechend dem Vorsorgeplan durch die
O._
Stiftung geäufnet und wie bei einer aktiv versicherten Person verzinst
(Art. 75 Abs. 1 des Vorsorgereglements)
.
Bei einer Arbeitsunfähigkeit von weniger als 40
% wird keine Beitragsbefreiung gewährt
(Abs. 2)
. Die Beitragsbefreiung beginnt mit Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, frühestens jedoch nach ununterbrochenem Ab
lauf der im Vorsorgeplan definierten
drei
monatigen Wartefrist, und entfällt bei
Wiedererlangung der Arbeits- beziehungsweise
Erwerbstätigkeit, spätestens je
doch bei Erreichung des ordentlichen Rentenalters der AHV oder beim Tod des Versicherten
(Abs. 3)
. Das Mass der Beitragsbefreiung richtet sich nach dem Anspruch auf eine Invalidenrente b
eziehungsweise
solange keine Invalidenrente ausgerichtet wird, nach dem Grad der Arbeitsunfähigkeit
(Abs. 4)
.
1.3.6
Ist gemäss Vorsorgeplan eine Invaliden-Kinderrente versichert, hat der Versi
cherte, dem eine Invalidenrente zusteht, für jedes Kind, das im Falle seines To
des eine reglementarische Waisenrente beanspruchen könnte, Anspruch auf eine Invaliden-Kinderrente. Die Bestimmungen der Waisenrente gelten sinngemäss
(Art. 76 Abs. 1 des Vorsorgereglements)
.
Die Invaliden-Kinderrente wird vom gleichen Zeitpunkt an ausgerichtet wie die Invalidenrente. Sie erlischt, wenn die zugrunde liegende Invalidenrente wegfällt, spätestens aber, wenn der Anspruch auf die reglementarische Waisenrente wegfallen würde
(Abs. 2)
. Die Höhe der jährlichen Invaliden-Kinderrente richtet sich nach den Angaben im Vorsorge
plan
(Abs. 3)
.
1.4
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachver
halts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
2.
2.1
Der Kläger führte zur Klagebegründung aus,
der Vorbescheid und die Verfügun
gen der IV vom 14. Dezember 2012 seien auch der AXA Winterthur zugestellt worden, welche rechtsgültig im Namen der Beklagten, als deren Rückversicherer sie offenbar fungiere, aufgetreten sei. D
en Rentenverfügungen komme
daher
gegenüber der Beklagten Bindungswirkung zu
(Urk. 1 S. 7 ff.
, Urk. 15 S. 2
und S. 6 ff.
)
.
Angesichts des Eintritts der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit am 1. Mai 2007, des ab 1. Januar 2009 bestehenden leistungsbegründenden Invali
ditätsgrads von 46 %, dessen Erhöhung auf 53 % per 1. Januar 2010 und der reglementarischen Wartefristen habe er ab 1. Mai 2009 Anspruch auf eine Viertels-
beziehungsweise
ab 1. April 2010 auf eine halbe Rente
und
ab 1. Mai 2008 auf Beitragsb
efreiung (Urk.
1 S. 10 f
., Urk. 15 S. 15
)
sowie auf sämtliche mit dem Invalidenrentenanspruch verbunden
en
gesetzliche
n
und reglementari
sche
n
Nebenleistungen (Urk. 15 S. 16)
.
Da die gesundheitliche Beeinträchtigung bereits im Jahr 2000 manifest geworden sei
und sich in der
Folge stetig ver
schlimmert habe
, habe die IV-Stelle bei der Ermittlung des Valideneinkommens zu Recht auf den Durchschnittswert der in den Jahren
1994 bis 1999
erzielten Einkommen abgestellt (Urk. 15 S. 10 ff.)
.
2.2
Die
O._
Stiftung stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
da ihr
sowohl der Vorbescheid als auch
die Rentenverfügungen der IV-Stelle
, obwohl sie sich am 29. März 2011 und auch im späteren Verfahren selbst an diese ge
wandt habe,
nicht eröffnete worden seien, sei sie auch nicht daran gebunden. Die Zustellung des Vorbescheids und der Verfügungen an die „A
XA Win
terthur“, bei der es sich
lediglich um eine Marke
und nicht um eine juristische Person
handle, vermöge daran nichts zu ändern (Urk. 7 S. 9). Der AXA Leben AG, ihrem Rückversicherer, seien während des gesamten invalidenversiche
rungsrechtlichen Verfahrens
keine
den Kläger betreffende
n
Unterlagen zuge
stellt worden, weshalb ihr – der Beklagten – auch kein Wissen ihres Rückversi
cherers zugerechnet werden könne (Urk. 7 S. 10
, Urk. 20 S. 2 ff.
).
Auch die
verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der IV
schliesse eine Bindungs
wirkung der Verfügungen der IV aus
.
Zudem sei der
en
Rentenentscheid hin
sichtlich der Invaliditätsbemessung schon deshalb nicht bindend, weil
sie
(die Beklagte)
in Ziffer 74 des anwendbaren Reglements 2010 von einem and
eren Invaliditätsbegriff ausge
he als
die IV
(Urk. 7 S. 9
, Urk. 20 S. 7
).
Die
Rentenver
fügungen
der IV
erwiesen sich im Übrigen ohnehin
als unhaltbar, weil der In
validitätsgrad gestützt auf ein viel zu hohes Valideneinkommen ermittelt wor
den sei. Stelle man
– angesichts des Beginns der Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2009 (Urk. 20 S. 3 f.) -
richtigerweise auf
den
Betriebsgewinn im Jahr 2008 oder auf den Durchschnitt der in den Jahren 2004 bis 2008 erzielten Einkommen ab, ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 22,6 beziehungsweise 30,7 %
. Ein An
spruch auf eine
Invalidenrente ihr gegenüber
sei daher jedenfalls
aus
geschlos
sen
(
Urk. 7 S. 13 ff.)
3.
3.1
Anlässlich der
ambulanten Untersuchung durch Prof. Dr.
Y._
, Facharzt FMH für Neurologie, gab der Kläger am
27.
Februar
2003
an, vor
rund zwei Jahren Verkrampfungen des linken Armes konstatiert
zu haben
. Später
seien beim
Laufen, Velofahren und Joggen Plantarflexionskrämpfe des linken Fusses auf
getreten
. Mit der Zeit
hätten
die Kraft und die Feinmotorik der linken Hand ab
genommen
. Prof
.
Dr.
med.
Z._
, den er im
Sommer
20
01
konsultiert habe, habe
ein Parkinson-Syndrom vermutet und einen Therapieversuch mit Jumexal empfohlen
. Weil die Behandlung mit diesem Medikament in der Folge
zu keiner Besse
ru
ng
geführt habe, sei es nach
einiger Zeit wieder
abgesetzt worden
. Ein
damals durchgeführtes
Schädel-MRI
habe einen normalen Befund ergeben.
Ge
legentlich habe er
mit der Zeit
auch ein
Steifigkeitsgefühl der rechten Hand
verspürt
. M
edikamente
nehme er noch immer keine
. Inzwischen k
önne
er wegen
der Krämpfe nicht mehr
joggen; L
anglauf
en sei ihm
allerdings noch
möglich
. Beim Gehen sei das linke Bein verlangsamt
; d
as Gleichgewicht sei gut. Die Schrift sei eventuell etwas kleiner geworden. Beim Essen sei er links behindert
; r
echts habe er keine Probleme. S
eine Stimme habe sich nicht ver
ändert. Er könne sich im Bett problemlos drehen. Häufig schlafe er schlecht. Er habe aus
geprägte
Einschlafmyoklonien. Seine Frau habe
ein nächtliches Zittern bemerkt, das sie nicht genauer beschreiben könne
(Urk. 16/2 S. 1)
.
Anhaltspunkte für eine
Restless legs-Symptomatik
fänden sich keine. Der Klä
ger, der – bei unauffälligem
Stuhlgang
und normaler
Potenz
– eine gelegentlich bestehende
gewisse Drangsymptomatik
schildere, fühle sich
nervös u
nd etwas deprimiert.
Er arbeite
voll als Inte
rn
ist
(S. 1). Vor zwanzig
Jahren
sei
eine ISG-Arthritis bei möglichem
Morbus Bechterew diagnostiziert worden; seither leide er immer wieder
an
linksbetonte
n
Muskelkrämpfe
n
. Im Sommer 2001
sei eine Uveitis links aufgetreten
(S. 2).
Im Rahmen seiner
Untersuchung stellte Prof. Dr.
Y._
eine l
eichte Gesichtsasym
metrie zu U
ngunsten von links bei ansonsten durchwegs
normale
n
Befunde
n in Bereich des Kopfs fest.
Am
linken Arm
bestehe ein Rigor; die Dia
docho
kinese
sei stark
eingeschränkt.
Ein
Tremor
sei nicht vorhanden
. Auch
am linken Bein finde
sich ein leichter Rigor. Beim Gehen
ziehe der Kläger das
linke Bein etwas nach
,
und die Mitbewegungen s
ei
e
n
linksseitig
eingeschränkt. Es komm
e
zu einer leichten dystonen Stellung der Zehen links
(S. 2)
.
Am Vorliegen ein
es linksbetonten, akinetisch-rigiden Parkinson-Syndroms be
st
ünden
wenig Zweifel. Ob es sich um die idiopa
thische Form des Leidens handle
, k
önne
vorerst nicht sicher gesagt
werden. Weitere Abklärungen seien derzeit
nicht nötig. Der Zeitpunkt des Therapiebeginns häng
e
weitgehend vo
m
Leidensdruck ab
; der Kläger wolle mit einer Behandlung (voraussichtlich mit
Sifrol
) noch etwas zuwarten (S. 2).
3.2
Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Neurologie, diagnostizierte
am 29. Mai 2009
ein – wahrscheinlich typisches respektive idiopathisches – Parkinson-Syndrom.
Das Leiden habe sich erstmals im Jahr 2001 in Form einer Steifigkeit manifes
tiert. Der Kläger hab
e
schon zirka im Jahr 2002 bei Prof. Dr. med.
Z._
und etwa im Jahr 2004
bei
Prof.
Dr.
med.
B._
in ärztlicher Behandlung gestanden. Vom 27. März bis 22. Mai 2009 sei
er
zu 60 % arbeitsunfähig ge
wesen; seit 23. Mai 2009 und bis auf Weiteres betrage der Arbeitsunfähigkeits
gra
d
75 % (Urk. 12/13 S. 8).
3.
3
Auf der Anmeldung zum Leistungsbezug bei der IV gab der Kläger am
28. Juni 2009 an, bei ihm seien im Dezember 2000 ein Morbus Bechterew (zunehmende Häufigkeit der Wirbelsäulenschmerzen) und im September 2001 ein Morbus Parkinson (Parese, Steifigkeit linke Körperseite, intermittierend Tremor linker Arm, allgemeine Verlangsamung) diagnostiziert worden. Die gesundheitliche Beeinträchtigung bestehe seit Sommer 2000. Er sei vom 27. März bis 12. April 2009 zu 60 % und vom 18. April bis 24. Mai 2009 zu 100 % arbeitsunfähig ge
wesen; seit dem 25. Mai 2009 und bis auf Weiteres bestehe eine 75%ige Ar
beitsunfähigkeit
(Urk. 12/3 S. 8).
3.
4
Die Ärzte
der Klinik
C._
, Neurorehabilitation, Parkinson-Zentrum, Epilepto
logie,
von denen sich der Kläger vom 18. April bis 9. Mai 2009 statio
när
hatte behandeln lassen, stellten im Austrittsbericht vom 30. Juni 2009 nachstehende Diagnosen (Urk. 12/10 S. 1):
Parkinson-Syndrom, Erstdiagnose 2001
akinetisch-rigid, linksbetont, mit kin
e
siogener Fussdystonie links früh im Verlauf
schlechtes Ansprechen auf L-Dopa und Dopaminagonisten, Gangunsi
cherheit mit Latero- und Retropulsion
vegetativ: Urge-Symptomatik, ungerichteter Schwindel und Unwohl
sein
UPDRS III
,
bei Eintritt 66/108
PET vom 27. Februar 2009: erhöhte D2-Dichte im Nervus caudatus beidseits und Putamen beidseits
Der Morbus Bechterew habe sich erstmals vor zirka 25 Jahren manifestiert und sei dann – im Zusammenhang mit einer deutlichen Verschlechterung – im Jahr 2000 erstdiagnostiziert worden. Von Juni 2008 bis Anfang März 2009 sei eine Behandlung mit Humira durchgeführt worden (S. 2).
Das Parkinson-Syndrom habe sich in den letzten Monaten massiv verschlechtert; d
ie
Wirkung
der vor zwei Jahren begonnen medikamentösen Behandlung
mit Sine
m
et CR25/100
sei unbefriedigend bis fraglich. Der einzige eindeutige Benefit sei, dass keine Fussdystonien beim Gehen mehr aufträten; auf die Hypokinese und den Rigor habe das Medikament indes keinen
Einfluss
, und als unerwünschte Wirkung verspüre der Kläger eine Schlapp
heit und Muskelschwäch
e. Es bestünden eine deutliche Verlangsamung, ein Tremor in der linken und – in geringerem Aus
mass – auch in der rechten Hand, vermehrte Gehschwierigkeiten (Startschwie
rigkeiten, manchmal auch Stolperstürze, insbesondere zu Hause), Schwierigkei
ten, sich beim Schlafen zu Drehen, häufiger ungerichteter Schwindel und Un
wohlsein sowie gelegentlich eine Urge-Inkontinenz.
Vor drei Jahren sei erstmals eine Therapie mit Sifrol initiiert worden, welche der Kläger – wegen dabei auf
getretene
n
Unwohlsein
s
, Schwindel und Gangunsicherheit – nicht vertragen habe. Auch die daraufhin begonnene Behandlung mit Requip sei wegen uner
wünschter Nebenwirkungen wieder abgebrochen worden; daraufhin sei auf Si
ne
m
et umgestellt worden (S. 1). Es bestehe eine bleibende Arbeitsunfähigkeit von 50 % (zeitliches Pensum sowie Leistungsfähigkeit; S. 3).
3.
5
Dr.
A._
stellte am 9. Juli 2009 nachstehende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 12/7 S. 6):
Parkinson-Syndrom, wahrscheinlich id
i
opathisch
Morbus Bechterew
Der Kläger, der seit 4. April 2007 bei ihm in Behandlung stehe, habe sich im Jahr 2002 einmalig konsiliarisch durch Prof.
Dr.
Z._
untersuchen und vom 18. April bis 9. Mai 2008
[richtig: 2009 (vgl. Urk. 12/10)]
stationär in der Klinik
C._
behandeln lassen (S. 6).
Der Beginn der Krankheit
liege etwa zehn Jahre zurück; damals seien erste
Prob
leme mit der linken Hand
aufgetreten
. Später
habe dann
Prof.
Dr.
Z._
eine
n
Morbus Parkinson
diagnostiziert. Nachdem der
daraufhin
im Hinblick auf die Einholung einer
Second Opinion
konsultierte
Prof.
Dr.
B._
die Di
agnose
offen
gelassen habe, habe sich der Kläger im Verlauf durch
Prof.
Dr.
Y._
untersuchen lassen,
welcher
e
in Parkinson
-S
yndrom klar bejaht und auch eine Behandlung mit Sifrol empf
oh
l
en habe
. In der Folge
habe der Kläger
ein
e
entsprechende Behandlung
begonnen; diese habe indes – in Form leichter Übelkeit sowie (
vor allem
)
von
Schwindel und
einer
Gangunsicherheit
-
deutli
che Nebenwirkungen
gezeitigt
.
Subjektiv habe
das Parkinsonsyndrom zu
ge
nommen.
Im Zeitpunkt der Erstkonsultation Anfang 2007 hätten ein
ausgespro
chener linksbetonter Rigor mit aufgehobenen Mitbewegungen der Arme beim Gehen,
eine
deutliche Verkürzung der Schrittlänge sowie eine teilweise fast ein
gefrorene Hand links
vorgelegen
. Es
sei dann eine Behandlung mit verschiede
nen Medikamenten versucht worden, wobei es letztlich
nie
gelungen sei,
für das doch fortgeschrittene Stadium
der Krankheit
eine Dosis zu erreichen, auf welche der Patient eindeutig an
gesprochen habe und die
somit „diagnostisch" gewesen wäre.
Auch deshalb habe der Kläger die Diagnose immer wieder
in Zweifel ge
zogen
. Das Resultat der schliesslich veranlassten
PET
-
Untersuchung
spreche nun klar
für ein idiopathisches Parkinson
-Syndrom (S. 7).
D
i
e erhebliche Rigidität
schränke den Kläger
zunehmend in seiner Arbeitsfähig
keit ein,
weshalb diesbezüglich eine Lösung gefunden werden mü
ss
e
. Da es we
gen der Unverträglichkeit ambulant nicht gelungen
sei
, eine
auch
nur einiger
massen wirksame medikamentöse Einstellung zu erzielen,
sei eine stationäre
Behandlung indiziert. Ak
t
u
ell
bestünden ein a
usgeprägter Rigor links betont mit massiver Einschränkun
g der Fingerbeweglichkeit links und
mässiggradige
r
Einschränkung
rechts, eine d
eutliche Hypomimie
, ein a
uffälliger, unsicherer Gang
, häufiges
Stolpern wegen zu starker Steifigke
i
t sowie ungerichtete
r
Fall
tendenz mit Fast-Stürzen und häufig auch Stürzen.
Der Kläger fühle sich
stark verlangsamt
und könne die linke Hand nach eigenen Angaben k
aum mehr ge
brauchen. Vom 27. März bis 22. Mai 2009 habe eine
60%
ige Arbeitsunfähigkeit bestanden; seit dem 23. Mai 2009 und bis auf Weiteres betrage die Einschrän
kung 75 % (S. 7). Der Kläger mache einen stark kranken Eindruck, so dass
kaum damit zu rechnen sei, dass
ihn
noch neue Patienten konsultierten
. Er sei erheb
lich verlangsamt und nicht mehr in der Lage, Untersuchungen richtig durchzu
führen (S. 8).
3.
6
In ihrem Bericht zuhanden des Krankentaggeldversicherers vom 17. Juli 2009 gaben die Ärzte der Klinik
C._
an, die Arbeitsunfähigkeit habe am 27. März 2009 begonnen. Vom 18. April bis 9. Mai 2009 habe eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit bestanden. Seit dem 10. Mai 2009 sei der Kläger – dauerhaft – zu 50 % in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (Urk. 12/13 S. 5).
3.
7
Die Ärzte der
Klinik D._
stellten am 20. Juli 2009 folgende Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk.
12
/6 S. 6 f.):
HLA B27-positiver Morbus Bechterew (Diagnose 2001)
Erfüllung aller
vier
Anamnesekriterien eines entzündlichen Kreuz
schmerzes; entzündliche Beteiligung der vorderen Brustwand; Status nach unilateraler ophthalmologisch bestätigter Uveitis 2001
konventionell-radiologisch (Mai 2008) Sacroiliitis Grad 3 beidseits; be
ginnende syndesmophytäre Reaktion am thorakolumbalen Über
gang (Bodenplatte LWK1 und Segment BWK12/LWK1)
Erfüllung aller modifizierten New York-Klassifikationskriterien
Ganzkörper-MRI vom 20. Juni 2008: deutliche rechtsbetonte Sacroilii
tis, in den fettgewichteten Aufnahmen postinflammatorische Signalalterationen
der Brustwirbelsäule (
BWS
) und der Lendenwir
belsäule (
LWS
)
und der vorderen Brustwand
Behandlung mit Adalimumab Juli bis Dezember 2008; erneut im Feb
ruar 2009 sowie Wiederaufnahme ab Mai 2009
Linksbetontes Parkinson-Syndrom (Erstmanifestation 2001)
Schädel-MRI 2001 mit Normalbefund
Status nach anteriorer Deckplatteninfraktion BWK12, am ehesten post
traumatisch
Der Kläger stehe seit 28. Mai 2008 bei ihnen in Behandlung. Anamnestisch sei im Jahr 2001 eine einseitige Uveitis ophthalmologisch bestätigt und behandelt worden. Damals sei - aufgrund entzündlicher Kreuzschmerzen mit Erfüllung al
ler vier Anamnesekriterien, einer HLA B27-Positivität, einer schubweisen ent
zündlichen Beteiligung der vorderen Brustwand und einer gelegentlichen Ent
hesitis der Achillessehnen - ein Morbus Bechterew diagnostiziert worden. Die bisherige Behandlung habe in einer Medikation mit NSAR sowie in Physiothe
rapie und Ausdauersport bestanden. Während der letzten Monate sei es unver
ändert schubweise zu einer Schmerzintensivierung gekommen, wobei dem Klä
ger eine zunehmende Einschränkung der Wirbelsäulenbeweglichkeit mit Behin
derung im Beruf und im Alltag sowie eine zunehmende Einschränkung auch
bei sportlichen Aktivitäten,
beispielsweise
beim
Radfahren
,
aufgefallen seien. Der
zeit leide er an einer thorakolumbale
n
Morgensteifigkeit von mindestens einer Stunde Dauer (S. 7).
Im Jahr 2001 seien wegen allmählich zunehmender Schmerzen und Muskel
krämpfen der linken Körperhälfte mit Rigor und hypokinetischem Syndrom neurologische Abklärungen durchgeführt worden, wobei das Beschwerdebild als Extrapyramidalsyndrom beurteilt und am ehesten einem Parkinson-Syndrom zugeordnet worden sei. Eine MRI-Untersuchung des Schädels im Jahr 2001 habe einen unauffälligen Befund ergeben. Mehrere medikamentöse Behand
lungsansätze, zuletzt mit Jumexal und Sinemet, hätten zu keiner relevanten Veränderung der neurologischen Symptomatik, bei jedem Versuch einer Do
sissteigerung indes zu Nebenwirkungen wie erheblicher Müdigkeit und Schwin
delempfindung geführt (S. 7).
Aufgrund der postinflammatorisch bedingten funktionellen Behinderungen von Seiten der Spondyloarthritis (Entzündungsmanifestationen an BWS, LWS und vorderer Brustwand) sei davon auszugehen, dass der Kläger in der Tätigkeit als Fachrheumatologe mit eigener Praxis zu etwa 30 % arbeitsunfähig sei. So führten die Entzündungsmanifestationen fast an der gesamten Wirbelsäule mit Beweglichkeitseinschränkung zu einer Behinderung während der rheumatolo
gischen Befunderhebung a
m
Patienten sowie bei längerem Sitzen. Neben dieser körperlichen Behinderung bestehe zusätzlich eine verminderte Leistungsfähig
keit insbesondere in Schubsituationen der chronisch-entzündlichen Systemer
krankung. Retrospektiv habe diese Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht bereits während
einer Periode von mindestens zwölf
Monaten vor der ersten Konsultation in der Klinik im Mai 2008 bestanden.
Im Vordergrund stehe indes ein Extrapyramidalsyndrom, mithin ein neurologische
s
Leiden; d
ie Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
werde also
massgeblich durch die funktionelle Behinderung von Seiten des Parkinson-Syndroms bestimmt (S. 6).
3.
8
In ihrem Bericht vom 23. Juli 2009 zuhanden des Krankentaggeldversicherers (Urk. 12/13 S. 2 f.) bestätigten die
Ärzte
der
Klinik D._
ihre Be
urteilung vom 20. Juli 2009 (Urk. 12/6).
3.
9
Am 28. August 2009 hielt
Dr.
A._
fest
, der Kläger sei derzeit – bei einer 50%igen Leistungseinbusse im Rahmen eines Pensums von 50 % - zu 75 % ar
beitsunfähig. Die Motivation, im Rahmen der selbständigen Tätigkeit eine gute Arbeitsleistung zu erhalten, sei hoch. Prognostisch sei mit keiner Besserung der Symptomatik zu rechnen. Die ausschliesslich durch den Morbus Bechterew be
dingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei mit rund 20 bis 30 % zu bezif
fern. Angesichts des dominierenden Rigors liessen sich die rheumatologischen Beschwerden indes fast nicht eigenständig beurteilen. Fest stehe indes, dass jede Art von Schmerzen auch die Parkinson-Symptomatik verschlechtern könne (Urk. 12/9 S. 1).
3.
10
In seiner gestützt auf die Akten verfassten Stellungnahme vom 19. April 2010 gelangte PD Dr. med. univ.
E._
, Facharzt für Neurologie, Zertifizierter Medizi
nischer Gutachter SIM, Vertrauensarzt SGV, Arzt des Regionalärztlichen Diens
tes (RAD) der IV, zum Schluss, dass der Kläger in der angestammten
Tätigkeit als Rheumatologe ab
1. Mai 2007 zu 30 %
, ab Ablauf der Wartezeit zu durch
schnittlich 40 % und ab 27. März 2009 zu 60 % arbeitsunfähig gewesen sei; seit 23. Mai 2009 bestehe eine 75%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 12/38 S. 4).
4.
4.1
Die Beklagte wurde aktenkundig weder in das Vorbescheidverfahren
einbezogen (vgl. Urk. 12/50 ff.)
, noch wurden ihr – obwohl sie zwischenzeitlich am 30. August 2011 ein Aktenzustellungsgesuch bei der IV gestellt und sich dieser gegenüber als Vorsorgeeinrichtung des Kläger zu erkennen gegeben hatte (Urk. 12/60) - die Rentenverfügungen
vom 14. Dezember 2012 (Urk. 12/79-81)
zugestellt.
Ob die AXA Versicherungen AG
(vgl. etwa Urk. 12/68) beziehungs
weise die AXA Leben AG (vgl. etwa Urk. 12/
65
)
, die die Be
klagte im vorliegen
den Prozess
nicht vertritt, im Rahmen des invalidenversicherungsrechtlichen Verfahrens zu deren Rechtsvertretung befugt war, ist mangels einer entspre
chenden Vollmacht bei den IV-Akten unklar. Fest steht allerdings, dass
ihr, nachdem sie
de
n
Vorbescheid vom 17. Mai 2011 (Urk. 12/50)
noch
erhalten
(und in der Folge dazu Stellung genommen) hat
te
, die Rentenverfügungen
-
infolge einer Falschadressierung
(nach F._
[Urk. 12/79 S. 1]
statt
wie zuvor
an ihre Postfach-Adresse
in
G._
[vgl. etwa Urk. 12/51 S. 2]
)
durch die IV-Stelle – erst auf entsprechende Nachfrage
und
verspätet zugestellt wurden
(Urk. 12/83 f.)
.
Ob die für die Festlegung des Rentenanspruchs massgebenden invalidenversicherungsrechtlichen Feststellun
gen für die Beklagte verbindlich sind
,
was von dieser bestritten wird (Urk. 7, Urk. 20) und
angesichts der geschi
lderten Gegebenheiten jedenfalls nicht ohne Weiteres bejaht werden kann, braucht,
wie sich im Folgenden ergibt, nicht ab
schliessend geprüft zu werden
.
4.2
4.2.1
Nach Lage der Akten s
teht fest, dass der Kläger mindestens
seit
dem Jahr 2000 an Morbus Bechterew sowie an einem – im Jahr 2001 erstdiagnostizierten - Parkinson-Syndrom leidet und deswegen
mittlerweile erheblich in seiner Ar
beitsfähigkeit als Arzt eingeschränkt ist.
Die Beklagte bestreitet demnach zu Recht nicht, dass die Arbeitsunfähigkeit
, aufgrund deren die Invalidenversiche
rung dem Kläger per Januar 2010 eine Rente zugesprochen hat (Urk. 12/79-81),
während der Dauer des Vorsorgeverhältnisses eingetreten ist (Urk. 7, Urk. 20).
4.2.2
Die IV-Stelle ging in ihren Rentenverfügungen vom 14. Dezember 2012 (Urk. 12/79-81) davon aus, dass der
Kläger, der (im Rahmen seiner Restarbeits
fähigkeit) nac
h wie vor als Arzt praktiziert
, seit 1. Mai 2007 (teil-)arbeitsunfähig
sei.
Gleichzeitig stellte sie bei der Berechnung des
Validen
lohns
– entsprechend der aufgrund der
(
mit de
m
im J
ahr 2000 beziehungsweise 2001 erstdiagnosti
zierten Grundleiden begründeten
)
Feststellung im Abklärungsbericht für Selb
ständigerwerbende vom 23. Juli 2010 (Urk. 12/34 S. 5) -
auf die in den Jahren 1994 bis 1999 erzielten Einkommen
ab (Urk. 12/34 S. 6, Urk.
1
2
/79 S. 8 ff.)
. Dies steht nicht nur im Widerspruch zu ihrer Feststellung betreffend Beginn der Arbeitsunfähigkeit, sondern auch zu den –
von den zuständigen Sachbearbei
tern
der IV-Stelle offensichtlich fehlinterpretierten – Stellungnah
men ihres Rechtsdienstes vom 7.
beziehungsweise 26.
April 2011 (Urk. 12/49 S. 2) sowie
vom 19. März 2012 (Urk. 12/74 S. 2)
und zu den weiteren Akten
.
Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang etwa darauf, dass der Kläger noch am 27. Februar 2003 gegenüber Prof. Dr.
Y._
angab, voll als Internist zu arbeiten (Urk. 16/2 S. 1), und noch keinen genügend grossen Leidensdruck verspürte, um
sich einer
Behandlung zu
unterziehen
(Urk. 16/2 S. 2)
, und in der Anmeldung bei der IV am 28. Juni 2009 eine seit 27. März 2009 bestehende Arbeitsunfähigkeit geltend machte (Urk. 12/3 S. 8)
.
Damit
erweist sich d
ie Invaliditätsbemessung der IV als offensichtlich unhaltbar
und ist für die Beklagte demnach nicht verbindlich
.
4.3
4.3.1
Echtzeitlich wurde dem Kläger erstmals ab 27. März 2009 eine
(
seither anhal
tende
)
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert (
Urk. 12/7 S. 7,
Urk. 12/13 S.
5 und S.
8; vgl. auch Urk. 12/10 S. 3).
Dass bereits ab spätestens Mai 2007 eine rund 30%ige Arbeitsunfähigkeit bestand, wie dies die Ärzte der
Klinik D._
am 20
. Juli 2009 retrospektiv bescheinigten (Urk. 12/6 S. 6) und
-
gestützt auf d
eren
Beurteilung
-
in der Folge auch die IV-Stelle annahm (Urk.
12/38 S. 4, Urk. 12/75 S. 1
),
lässt sich nicht ver
einbaren mit den Berichten des
seit Anfang April 2007 behandelnden
Neurologen Dr.
A._
(Urk. 12/7, Urk. 12/13 S. 8)
und
erscheint
auch aufgrund der weiteren Gegebenheiten
nicht als überwiegend wahrscheinlich.
So liess sich der Kläger, der als Arzt
durchaus um die
sozialversicherungsrechtliche Bedeutung eines
ärztlichen Attests für eine allfällige Arbeitsunfähigkeit
weiss
, bis 27. März 2009
nie eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bescheinigen,
auch nicht, als er sich schliesslich ab Früh
jahr 2007 einer Behandlung unterzog. Dass er schon vor März 2009 teilarbeits
unfähig war,
aufgrund seiner
selbständigen Erwerbstätigkeit
beziehungsweise aufgrund der Tatsache, dass er die entsprechende Verminderung seines Leis
tungsvermögens keinem Arbeitgeber gegenüber zu rechtfertigen hatte,
indes darauf verzichtete, die
s den
im Laufe der Zeit untersuchenden respektive ab April 2007 behandelnden
Ärzten gegenüber zu
erwähnen und sie um ein ent
sprechendes Attest zu ersuchen
, ist schon deshalb nicht anzunehmen, weil er
über eine Krankentaggeldversicherung verfügt (Taggeld von Fr. 620.-- nach
ei
ner
Wartefrist von 30 Tagen; vgl. Urk. 12/13 S. 9)
, welche
im Falle eines
krank
heitsbedingten Erwerbsaufall
s
(schon früher)
Leistungen erbracht
hätte
.
Auf
eine erhebliche Leistungseinbusse in der Berufstätigkeit schon ab 2000
lässt auch
die Einkommensentwicklung seit Aufnahme der selbständigen Erwerbstätigkeit als Arzt mit eigener
P
raxis
Anf
ang 1994
nicht
schliessen
(Urk. 15 S.
13 ff.
)
, zumal die Höhe der Einkünfte eines selbständiger
w
erbenden Arztes von diversen Fak
toren beeinflusst werden und – mit dem Wechsel von der Einzel- in ein
e
Ge
meinschaftspraxis, dem Umbau der Praxis im Jahr 2000, der Einführung des Tarmed – diverse
konkrete (
krankheitsfremde
)
Umstände aktenkundig sind
(Urk. 12/34 S. 4)
, d
enen
lohnmindernde Wirkung zukam.
Gestützt auf die im Ein
klang stehenden Beurteilungen von Dr.
A._
und den Ärzten der
Klinik
C._
– gestützt auf welche der Kläger dann auch um Krankentaggeld
er
und
um
Leistungen der IV ersuchte - ist daher vom überwiegend wahrscheinlichen Beginn der Arbeitsunfähigkeit Ende März 2009 auszugehen.
4.3
.2
Bei der Ermittlung des Invaliditätsgrad
s
ergibt sich
g
estützt auf d
as in den
fünf Jahren vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit erzielte
Durchschnittseinkommen
(
Fr. 237‘304.-- im Jahr 2004, Fr. 258‘917.-- im Jahr 2005, Fr. 232‘307.-- im Jahr 2006, Fr. 219‘448.-- im Jahr 2007 und Fr. 206‘608.-- im Jahr 2008 [
Be
triebsgewinn exklusiv Finanzerfolg
; vgl. Urk. 12/
12
, Urk. 12/35 S. 2]
zuzüglich AHV-Beiträge von 9,5%
)
ein
Val
ideneinkommen in Höhe von Fr.
252‘854.--
.
Betreffend den Invalidenlohn ist – mit der IV-Stelle - davon auszugehen, dass der Kläger seine Restarbeitsfähigkeit mit der weiteren Ausübung der ange
stammten Tätigkeit in eingeschränktem Rahmen vollumfänglich verwertet. Das dabei effektiv erzielte Einkommen ist daher – unbestrittenermassen –
mit
dem Invalideneinkommen gleichzusetzen. Im
Jahr
2009 betrug dieses Fr.
17
2
‘
604
.
--
(Betriebsgewinn von Fr. 15
7
‘6
29
.
--
zuzüglich AHV-Beiträge
; vgl. Urk.
12/14
)
, im Jahr 2010 Fr.
151‘054.--
(Betriebsgewinn von Fr. 137‘949.-- zuzüglich AHV-Beiträge; vgl. Urk. 12/53 S. 6)
und im Jahr 2011 Fr. 1
46‘225
.-- (Betriebsgewinn von Fr. 133‘539.-- zuzüglich AHV-Beiträge; Urk. 12/73 S. 6).
Aus dem Vergleich von Validen- und Invalideneinkommen
resultiert
für das Jahr 2009
eine krankheitsbedingte Lohneinbusse beziehungsweise ein – einen Anspruch auf Invaliditätsleistungen der Beklagten ausschliessender - Invalidi
tätsgrad von rund
3
2
%
.
Für die Jahre 2010 und 2011 ergibt sich ein Invalidi
tätsgrad von rund 40 beziehungsweise 4
2
%.
Angesichts des Eintritts der invali
disierenden Arbeitsunfähigkeit am 27. März 2009 (E. 4.3.1) hat der Kläger dem
nach – nach Ablauf der zweijährigen Wartefrist – ab
27.
März 2011 Anspr
u
ch
auf eine Viertelsrente sowie auf entsprechende Invalidenkinderrenten
(vgl. Urk. 12/3 S. 3)
und - nach Ablauf der dreimonatigen Wartefrist – ab 27. Juni 2009 Anspruch auf Beitragsbefreiung
entsprechend Art. 75 (insbesondere
Abs.
4) des Vorsorgereglements (E. 1.2.5).
4.4
Nach dem Gesagten ist die Klage in dem Sinne teilweise gutzuheissen, dass die Beklagte zu verpflichten ist, dem Kläger ab
27
.
März 2011 eine Viertelsrente sowie entsprechende Invaliden-Kinderrenten auszurichten und ihm ab
27.
Juni 2009 die Beitragsbefreiung zu gewähren. Im Übrigen ist die Klage
abzuweisen.
5.
Für die Rentenbetreffnisse ist antragsgemäss (Urk. 1 S.
2) ab 8. Juli 2013 (Einrei
chung der Klage) Verzugszins geschuldet. Dessen Höhe beträgt 5 % (vgl. BGE 119 V 135 E. 4c).
6.
Angesichts des teilweisen Obsiegens des Klägers ist die Beklagte gestützt auf § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) zu verpflichten, dem anwaltlich vertretenen Kläger eine reduzierte Prozessent
schädigung zu entrichten, wobei ein Betrag von Fr.
2‘600
.-- als ange
messen erscheint.