Decision ID: 04fdf994-4161-5f7f-b5ea-e62e04360cdf
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin, geboren am 8. November 1980, stammt ursprüng-
lich aus Nigeria. Im Jahr 2006 reiste sie in die Schweiz ein. Am 15. Juni 2006
und am 23. Februar 2008 kamen ihre beiden Söhne (nachfolgend: Be-
schwerdeführende 2 und 3) zur Welt. Von ihrem damaligen Lebenspartner
und Vater der Kinder – einem nigerianischen Staatsangehörigen – trennte
sie sich im Jahr 2009. Am 12. Januar 2012 heiratete sie den Schweizer Bür-
ger B._.
B.
Am 25. März 2015 stellte die Beschwerdeführerin beim SEM ein Gesuch um
erleichterte Einbürgerung gemäss Art. 27 des Bürgerrechtsgesetzes vom
29. September 1952 (BüG, SR 141.0). Im entsprechenden Gesuchsformular
wurden unter der Rubrik "Unverheiratete ausländische Kinder unter 18 Jah-
ren" die Beschwerdeführenden 2 und 3 aufgeführt. Bereits davor wandte
sich die damalige Rechtsvertreterin mit schriftlicher Eingabe vom
24. März 2015 an das SEM und hielt fest, die Beschwerdeführerin wolle ihre
beiden Söhne in die Einbürgerung einbeziehen. Die in der Schweiz gebore-
nen Kinder seien im Jahr 2011 im Alter von drei und fünf Jahren von ihrem
nigerianischen Vater nach Nigeria entführt worden. Sie verwies dabei auf
das Urteil des Obergerichts betreffend mehrfacher qualifizierter Freiheitsbe-
raubung und Entführung sowie wegen mehrfachen Entziehens von Minder-
jährigen. Die Beschwerdeführerin habe seit der Entführung der Kinder alles
daran gesetzt, ihre Kinder in die Schweiz zu bringen; sie befänden sich aber
bis heute in Nigeria (vgl. Akten der Vorinstanz [SEM act.] 1/1-15).
C.
Das Gemeindeamt des Kantons Zürich beantragte am 22. Januar 2016 dem
Gesuch der Beschwerdeführerin um erleichterte Einbürgerung zu entspre-
chen. Weiter wurde auf die miteingereichten Unterlagen bezüglich der Situ-
ation der in das Gesuch einbezogenen Kinder sowie auf den Polizeibericht
verwiesen. Die kantonale Behörde fügte an, die Beurteilung dieser Situation
überlasse sie dem SEM (SEM act. 4).
D.
Mit Schreiben vom 19. Mai 2016 teilte das SEM der Beschwerdeführerin im
Wesentlichen mit, dass praxisgemäss keine Möglichkeit bestehe, die beiden
Kinder in ihr Einbürgerungsgesuch einzubeziehen. Die Kinder würden be-
reits seit längerer Zeit (2011) nicht mehr in der Schweiz leben und hätten seit
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mehreren Jahren keine Aufenthaltsbewilligung. Die Vorinstanz machte fer-
ner geltend, es bedaure keine Ausnahme machen zu können und verwies
auf die diesbezüglichen Ausführungen im Handbuch Bürgerrecht (SEM act.
12).
E.
Mit Verfügung vom 8. Juni 2016 erteilte die Vorinstanz der Beschwerdefüh-
rerin die erleichterte Einbürgerung (SEM act. 15).
F.
Mit schriftlicher Eingabe vom 12. Juli 2016 wandte sich der neue Rechtsver-
treter an das SEM und erbat um Erlass einer Verfügung hinsichtlich der Kin-
der der Beschwerdeführerin. Das SEM teilte ihm daraufhin am 18. Juli 2016
schriftlich mit, es halte an der Einbürgerung der Beschwerdeführerin ohne
Einbezug ihrer Kinder fest. Sollte Interesse an einer anfechtbaren Verfügung
bestehen, sei die Beschwerdeführerin gehalten, dies der Vorinstanz mitzu-
teilen (SEM act. 26 und 27).
G.
Das SEM erliess in der Folge am 30. August 2016 (auf Ersuchen der Be-
schwerdeführerin) eine Verfügung. Es hielt fest, dass die Kinder der Be-
schwerdeführerin nicht in die erleichterte Einbürgerung ihrer Mutter einbe-
zogen werden (SEM act. 30).
H.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 30. September 2016 beantragen die Be-
schwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht die vollumfängliche
Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Die Vorinstanz sei anzuweisen,
die Beschwerdeführenden 2 und 3 in die Einbürgerung der Beschwerdefüh-
rerin miteinzubeziehen bzw. die Beschwerdeführenden 2 und 3 einzubür-
gern (Akten des Bundesverwaltungsgericht [BVGer act. 1]).
I.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 2. Dezember 2016 auf
Abweisung der Beschwerde.
J.
Mit Replik vom 15. Dezember 2016 verzichten die Beschwerdeführenden
auf eine Bemerkung zur vorinstanzlichen Stellungnahme.
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K.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Vorinstanzliche Verfügungen über eine erleichterte Einbürgerung kön-
nen mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht angefochten werden
(Art. 51 Abs. 1 BüG i.V.m. Art. 31 ff. VGG). Das Rechtsmittelverfahren richtet
sich nach dem VwVG (Art. 37 VGG).
1.2 Die Beschwerdeführenden 2 und 3 sind als Verfügungsadressaten zur
Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Be-
schwerdeführerin ist als deren Mutter durch den Nichteinbezug ihrer Kinder
in ihre erleichterte Einbürgerung besonders berührt und daher sowohl im ei-
genen Namen als auch als gesetzliche Vertreterin der Beschwerdeführen-
den 2 und 3 zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 304 Abs. 1 ZGB). Auf die
frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und
52 VwVG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von
Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermes-
sens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Beschwer-
deinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49
VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren
das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG
an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde
auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder ab-
weisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines
Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2).
3.
3.1 Die Beschwerdeführenden beantragen in ihrer Rechtsmitteleingabe vom
30. September 2016 den Beizug der Strafakten ihres Vaters bzw. ehemali-
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gen Lebenspartners. Im Rahmen der Sachverhaltsermittlung sind die Behör-
den verpflichtet, die von den Parteien angebotenen Beweise abzunehmen,
sofern diese geeignet sind, den rechtserheblichen Sachverhalt zu erhellen.
Kommt die Behörde bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeu-
gung, die Akten erlaubten die richtige und vollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts oder die behauptete Tatsache sei für die
Entscheidung der Streitsache nicht von Bedeutung, kann sie auf die Erhe-
bung weiterer Beweise verzichten, ohne durch diese antizipierte Beweiswür-
digung den Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV zu
verletzen (vgl. zum Ganzen BGE 141 I 60 E. 3.3 m.w.H.).
3.2 Der entscheiderhebliche Sachverhalt erschliesst sich, wie nachfolgend
zu zeigen sein wird, in hinreichender Weise bereits aus den vorliegenden
Akten. Dem Bundesverwaltungsgericht liegt insbesondere das Urteil des
Bundesgerichts 6B_1279/2015 vom 14. April 2016 vor. Daraus ergibt sich,
dass der Vater der Kinder wegen mehrfachen Entziehens von Minderjähri-
gen und wegen mehrfacher qualifizierter Entführung zu einer Freiheitsstrafe
von sieben Jahren verurteilt wurde. Es kann nicht davon ausgegangen wer-
den, die weiteren Strafakten würden zu anderweitigen Erkenntnissen führen
als diejenigen, welche aus dem erwähnten (letztinstanzlichen) Strafurteil des
Bundesgerichts gewonnen werden können. Es kann somit in antizipierter
Beweiswürdigung ohne Verletzung des rechtlichen Gehörs von der bean-
tragten Beweismassnahme abgesehen werden.
4.
Die Vorinstanz macht in ihrer Verfügung vom 30. August 2016 geltend, nach
konstanter Praxis werde das Kind in die Einbürgerung seines Elternteils
dann nicht einbezogen, wenn der Einbezug nicht gerechtfertigt wäre. Vorlie-
gend stelle sich die Frage, ob besondere Gründe vorliegen würden, die ge-
eignet wären, ein Abweichen von der geltenden Praxis hinsichtlich des Ein-
bezugs der Beschwerdeführenden 2 und 3 in die erleichterte Einbürgerung
ihrer Mutter zu rechtfertigen. Der Einbezug eines Kindes im Falle einer er-
leichterten Einbürgerung nach Art. 27 BüG setze voraus, dass das unmün-
dige Kind seit mindestens zwei Jahren in der Schweiz lebe und im Wesent-
lichen mit den schweizerischen Lebensgewohnheiten, Sitten und Gebräu-
che vertraut sei. Selbst der Einbezug des Kindes in die erleichterte Einbür-
gerung nach Art. 28 BüG sei in der Regel nur möglich, wenn das Kind seit
sechs Jahren im gemeinsamen Haushalt seines Elternteils mit dessen
schweizerischem Ehegatten lebe. Im Ausland wohnhafte, unmündige Kinder
eines in der Schweiz wohnhaften Bewerbers könnten in die Einbürgerung
einbezogen werden, wenn sie eng mit der Schweiz verbunden seien. Den
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Bestimmungen sei gemeinsam, dass sie für den Einbezug in die Einbürge-
rung einen Bezug zur Schweiz, sei es insbesondere in Form eines legalen
Aufenthalts in der Schweiz oder in Form einer (engen) Verbundenheit mit
der Schweiz voraussetzten. Darüber hinaus müsse das Kind auch die wei-
teren Einbürgerungsvoraussetzungen selber erfüllen. Die Kinder der Be-
schwerdeführerin seien in der Schweiz zur Welt gekommen und hätten bis
zu ihrer Entführung bei ihrer Mutter im gleichen Haushalt gelebt. Sie seien
im Jahr 2011 im Alter von fünf bzw. drei Jahren von ihrem nigerianischen
Vater nach Nigeria entführt worden. Sämtliche Versuche der Mutter, den Auf-
enthaltsort der Kinder ausfindig zu machen, seien leider erfolglos geblieben.
Bis heute sei nicht bekannt, wo sich die Kinder konkret befinden würden.
Dem SEM sei bewusst, dass die Kinder auf unrechtmässigem Weg daran
gehindert würden, bei ihrer Mutter in der Schweiz zu leben. Vom grundsätz-
lichen Wohnsitzerfordernis könne unter bestimmten Voraussetzungen abge-
sehen werden. Gleichwohl müssten die Beschwerdeführenden trotz ihres
jungen Alters eine aktuelle Verbundenheit mit der Schweiz nachweisen kön-
nen. Vorliegend seien seit beinahe fünf Jahren keinerlei Informationen über
die Kinder erhältlich. Das SEM habe keine Möglichkeit zu klären, ob die Kin-
der die weiteren notwendigen Einbürgerungsvoraussetzungen erfüllen oder
Ausschlussgründe vorliegen würden. Fakt sei, dass das SEM das Schweizer
Bürgerrecht trotz der aussergewöhnlichen Umstände nicht ohne vorgängige
Prüfung der zwingenden Einbürgerungsvoraussetzungen erteilen könne.
Daran ändere auch der Umstand nichts, dass eine Einbürgerung allenfalls
das Zurückbringen der Kinder in die Schweiz erleichtern könnte.
5.
5.1 Gemäss Art. 27 Abs. 1 BüG kann eine ausländische Person nach der
Eheschliessung mit einem Schweizer Bürger ein Gesuch um erleichterte
Einbürgerung stellen, wenn sie insgesamt fünf Jahre in der Schweiz ge-
wohnt hat, seit einem Jahr hier wohnt und seit drei Jahren in ehelicher Ge-
meinschaft mit einem Schweizer Bürger lebt. In die Einbürgerung werden in
der Regel – worauf auch die Beschwerdeführenden hinweisen – die minder-
jährigen Kinder des Bewerbers einbezogen (Art. 33 BüG). Gemäss der stän-
digen Praxis erfolgt jedoch grundsätzlich kein Einbezug der Kinder bei Ge-
suchen um erleichterte Einbürgerung nach Art. 27 BüG, wenn diese im Aus-
land wohnen. Das Bundesverwaltungsgericht stellte jedoch bereits in BVGE
2007/29 fest, dass der Einbezug unmündiger Kinder in eine erleichterte Ein-
bürgerung indessen auch bei fehlendem Wohnsitz der Kinder in der Schweiz
nicht von Gesetzes wegen ausgeschlossen ist. Vorausgesetzt wird jedoch
das Vorliegen besonderer Gründe, die geeignet sind, ein Abweichen von der
geltenden Praxis zu rechtfertigen. Ein Einbezug der Kinder ohne Vorliegen
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besonderer Gründe verletzt hingegen Bundesrecht (vgl. E. 7 ebenda). In
BVGE 2007/29 verneinte das Bundesverwaltungsgericht das Vorliegen be-
sonderer Gründe. Diese Schlussfolgerung rechtfertigte sich dabei gemäss
den dortigen Ausführungen umso mehr, als an den Integrationsaussichten
des im Senegal lebenden Kindes zumindest gewisse Zweifel anzubringen
waren. Das Kind hatte zwar offenbar Kenntnisse einer schweizerischen Lan-
dessprache und lebte in intakten familiären Beziehungen. Es hatte sich hin-
gegen nur besuchsweise in der Schweiz aufgehalten und war im Gesuchs-
zeitpunkt schon 14 bzw. im Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung bereits
16 Jahre alt gewesen (E. 7.3 ebenda).
5.2 Die Beschwerdeführenden wenden rechtsmittelweise ein, in casu wür-
den besondere Umstände vorliegen. Die Beschwerdeführenden 1 und 2
seien in der Schweiz geboren worden; sie hätten jahrelang mit der Be-
schwerdeführerin, die nunmehr Schweizer Bürgerin sei, gelebt. Beide seien
noch relativ jung. Die Beschwerdeführerin verfüge über das alleinige Sorge-
recht. Die Kinder seien rechtswidrig ins Ausland entführt worden, wo sie
noch lebten bzw. wo sie rechtswidrig zurückgehalten würden. Der rechtmäs-
sige Zustand wäre, dass die Kinder bei ihrer Mutter in der Schweiz leben
würden. Es könne unter diesen Umständen nicht angehen, infolge eines
rechtswidrigen Aktes die Einbürgerung der minderjährigen Kinder zu verwei-
gern. Es sei vielmehr sachgerecht, die Kinder in Nachachtung dieses Grund-
satzes der Einheit des Bürgerrechts miteinzubeziehen, was gewissermas-
sen als positive Nebenfolge den Schutz durch die schweizerischen Behör-
den ermöglichen und die Ausreise aus Nigeria erleichtern würde. Die vom
SEM vorgebrachten Argumente vermöchten nicht zu überzeugen. Es über-
sehe zunächst, dass gemäss eindeutigem Gesetzeswortlaut der Miteinbe-
zug der minderjährigen Kinder einer Gesuchstellerin der Grundsatz sei, nicht
umgekehrt. Der angefochtene Entscheid trage sodann den erwähnten Um-
ständen nicht genügend Rechnung. Die aktuelle Verbundenheit mit der
Schweiz ergäbe sich ohne Weiteres dadurch, dass die Beschwerdeführen-
den 2 und 3 (zehn bzw. acht Jahre alt) hier geboren worden seien, hier meh-
rere Jahre gelebt und eine Mutter hätten, die Schweizerin sei. Es erscheine
nicht sachgerecht, dass die Vorinstanz davon ausgehe, es bestünden Ein-
bürgerungshindernisse, zumal sie Kinder in diesem Alter (bzw. unter 12 Jah-
ren) gemäss eigenen Angaben generell keiner gesonderten Prüfung unter-
ziehe, sondern diese ohne Weiteres miteinbeziehe und einbürgere (vgl. Be-
schwerde vom 30 . September 2016).
5.3 Vorliegend geht es um die Frage, ob die Beschwerdeführenden 2 und 3
in die erleichterte Einbürgerung ihrer Mutter einbezogen werden können
bzw. ob besondere Gründe vorliegen, die es rechtfertigen würden, die Kinder
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– trotz Wohnsitzes im Ausland – in die Einbürgerung ihrer Mutter einzube-
ziehen (vgl. E. 5.1).
5.4 Sofern das SEM geltend macht, die Beschwerdeführenden 2 und 3
könnten keine aktuelle Verbundenheit mit der Schweiz nachweisen und es
diesbezüglich ausführt, der Einbezug eines Kindes im Falle der erleichterten
Einbürgerung nach Art. 27 BüG setze voraus, dass das unmündige Kind seit
mindestens zwei Jahren in der Schweiz lebe und im Wesentlichen mit den
schweizerischen Lebensgewohnheiten, Sitten und Gebräuchen vertraut sei
sowie diesbezüglich auf Art. 14 Bst. b BüG verweist, so verkennt es, dass
das Gesetz bei Bewerbern um die erleichterte Einbürgerung auf das Ver-
trautsein mit den hiesigen Lebensgewohnheiten, Sitten und Gebräuchen
verzichtet. Lediglich im Kontext der ordentlichen Einbürgerung wird dieses
Kriterium kumulativ zur Eingliederung in die schweizerischen Verhältnisse
verlangt (vgl. Art. 26 Abs. 1 BüG sowie Urteil BVGer C-3033/2010 vom
13. Juni 2012 E. 5.1). Der für die erleichterte Einbürgerung einschlägige
Art. 26 BüG setzt voraus, dass die Bewerberin oder der Bewerber in der
Schweiz integriert ist, die schweizerische Rechtsordnung beachtet und die
innere oder äussere Sicherheit der Schweiz nicht gefährdet. Die Integration
zeichnet sich dabei durch die Fähigkeit zu einer selbständigen Lebensfüh-
rung sowie durch das Interesse und die Teilhabe am öffentlichen und sozia-
len Leben aus. Sprachkenntnisse haben in diesem Rahmen die Funktion
einer Schlüsselkompetenz (vgl. Art. 4 Abs. 4 AuG). Ihr Fehlen ist Indiz dafür,
dass der Betreffende am sozialen Leben des Gastlandes nicht teilnehmen
kann oder will und damit unzureichend integriert ist (vgl. BVGE 2008/46
E. 5.2.2 mit Hinweisen). Kinder bzw. Jugendliche, welche in das Gesuch ein-
bezogen werden, müssen grundsätzlich die Einbürgerungsvoraussetzungen
selber erfüllen. Bei individuellen Einbürgerungshindernissen ist deshalb der
Einbezug nicht möglich (vgl. dazu Handbuch "Bürgerrecht", publiziert auf der
Webseite des Staatssekretariats für Migration <http://www.sem.admin.ch>
Publikation & Service > Weisungen und Kreisschreiben > V. Bürgerrecht,
Kapitel 4, Ziff. 4.3.2.1.).
5.5 Diesbezüglich gilt es auszuführen, dass die mittlerweile 11 bzw. 9 Jahre
alten Beschwerdeführenden 2 und 3 – wie bereits erwähnt – im Jahr 2006
bzw. 2008 in der Schweiz geboren wurden und ihre ersten fünf bzw. dreiein-
halb Jahre ihres Lebens hier verbrachten. Sie lebten damals mit ihrer Mutter,
die gemäss eines Berichts des M._ vom 6. Juli 2016 während der
ersten Lebensjahre ihre Hauptbezugsperson gewesen sei (vgl. Beschwer-
debeilage 3). Nach der Entführung durch ihren Vater am 15. Oktober 2011
wurden die Kinder damit aus einem Umfeld herausgerissen, das altersbe-
dingt noch von der Mutter – die seit dem Jahr 2006 in der Schweiz lebt und
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im Jahr 2016 eingebürgert wurde – geprägt war. Weiter gilt es zu beachten,
dass die Beschwerdeführenden 2 und 3 seit nunmehr fast 6 Jahren nicht
mehr in der Schweiz leben und aufgrund des Zeitablaufs und des Umstands,
dass sie sich seither bei Familienangehörigen in Nigeria befinden, nicht an-
genommen werden kann, sie würden (noch) über altersgemässe Kenntnisse
einer schweizerischen Landessprache verfügen oder überhaupt irgendeinen
aktuellen Bezug zur Schweiz aufweisen. Mit diesen Ausführungen sind be-
züglich der Integration der Kinder in die schweizerischen Verhältnisse erheb-
liche Zweifel angebracht. Kommt hinzu, dass der Zeitpunkt der Rückkehr der
Kinder in die Schweiz völlig offen ist, zumal ihr genauer Aufenthaltsort in Ni-
geria bis heute unbekannt ist, über ihr Schicksal keine weiteren Angaben
bestehen und auch die Beschwerdeführerin keinerlei Kontakte zu ihren Kin-
dern hat (vgl. bereits erwähntes Schreiben des M._ [Beschwerdebei-
lage 3] sowie Urteil des BGer 6B_1279/2015 vom 14. April 2016 E. 5).
5.6 Sofern die Beschwerdeführenden diesbezüglich einwenden, Kinder un-
ter 12 Jahren würden generell keiner gesonderten Prüfung unterzogen wer-
den, sondern diese würden vielmehr ohne Weiteres in die Einbürgerung mit-
einbezogen und eingebürgert werden, so kann diesen Ausführungen nicht
gefolgt werden. Das SEM benötigt zwar nur bei Einbezug von Kindern ab 12
Jahren in die erleichterte Einbürgerung eines Elternteils in jedem Fall im Er-
hebungsbericht Informationen zur Integration der Kinder in der Schweiz (vgl.
Handbuch Bürgerrecht, a.a.O, Ziff. 4.3.2.3.), hingegen ist nicht auszuschlies-
sen, dass auch bei Kindern unter 12 Jahren weiterführende Abklärungen ge-
macht werden. Dies umso mehr, wenn – wie vorliegend – die Kinder im Aus-
land leben, ansonsten das Vorliegen besonderer Gründe gar nicht geprüft
werden könnte (vgl. E. 5.1).
5.7 Es soll vorliegend nicht in Abrede gestellt werden, dass die Beschwer-
deführenden 2 und 3 absolut unverschuldet an vorliegender Situation sind.
Nichtsdestotrotz vermögen die von den Beschwerdeführenden dargelegten
Umstände bzw. das geschehene Unrecht im Kontext der obgenannten Aus-
führungen (vgl. E. 5.5) keinen Einbezug der Kinder in die Einbürgerung ihrer
Mutter zu rechtfertigen. Auch die aus einem Einbezug (allenfalls) resultie-
renden positiven Nebenfolgen – worauf beschwerdeweise hingewiesen wird
– können hierbei nicht ausschlaggebend sein. Es ist auch nicht so, dass den
Beschwerdeführenden 2 und 3 die Möglichkeit der erleichterten Einbürge-
rung gänzlich verwehrt bliebe, stünde ihnen nach ihrer Rückkehr in die
Schweiz doch die Möglichkeit offen, je ein Gesuch um erleichterte Einbürge-
rung nach Art. 31a BüG zu stellen, sofern die dort vorgesehenen Vorausset-
zungen erfüllt wären (vgl. Art. 31a Abs. 1 BüG). Damit würde dem Umstand
Rechnung getragen, dass die Kinder nicht in die Einbürgerung ihrer Mutter
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einbezogen werden konnten, weil sie zur Zeit ihrer Einbürgerung im Ausland
lebten (vgl. dazu auch Botschaft vom 21. November 2001 zum Bürgerrecht
für junge Ausländerinnen und Ausländer und zur Revision des Bürgerrechts-
gesetzes, BBl 2001 1959).
5.8 Vor diesem Hintergrund erscheint es im Rahmen einer Gesamtwürdi-
gung nicht gerechtfertigt, die Beschwerdeführenden 2 und 3 in die erleich-
terte Einbürgerung ihrer Mutter einzubeziehen.
6.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Ver-
fügung rechtmässig ist (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist daher abzuwei-
sen.
7.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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