Decision ID: 8404795f-d395-4693-be4e-a15e0d6f1673
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Am 17. September 2021 erliess die Staatsanwaltschaft Baden gegen den
Beschuldigten einen Strafbefehl (ST.2021.3533) mit folgendem
Sachverhalt:
"Sachverhalt
Exhibitionismus (Art. 194 Abs. 1 StGB)
Der Beschuldigte hat eine exhibitionistische Handlung vorgenommen.
Am 10.04.2021, ca. 17:22 Uhr, fuhr der Beschuldigte als Lenker des Elektrofahrrads [...] auf dem [Weg], Bereich zwischen [Strasse] und [Strasse] in S., an der rechten Seite der Strafklägerin C., [...], vorbei, die zu Fuss unterwegs war. Der Beschuldigte war in Richtung der Geschädigten gedreht, hatte das rechte Bein gestreckt und das linke Bein angewinkelt. Die linke Hand hatte der Beschuldigte am Fahrradlenker und mit der rechten Hand manipulierte er an seinem entblössten Penis, wobei er nicht erigiert war.
Der Beschuldigte handelte wissentlich und willentlich.
Dieses Verhalten ist strafbar gemäss: Art. 194 Abs. 1 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 42 Abs. 4 StGB i.V.m. Art. 106 StGB, Art. 44 StGB, Art. 47 StGB"
Der Beschuldigte wurde für diesen Sachverhalt in Anwendung der obigen
Bestimmungen zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 160.00,
bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie einer Busse
von Fr. 900.00 verurteilt.
1.2.
Gegen den Strafbefehl erhob dieser mit Eingabe vom 23. September 2021
Einsprache. Die Staatsanwaltschaft hielt am Strafbefehl fest und überwies
diesen am 14. Oktober 2021 als Anklage dem Bezirksgericht Baden.
2.
Am 6. Januar 2021 fand die Hauptverhandlung vor dem Präsidenten des
Bezirksgerichts Baden statt. Dieser erkannte gleichentags:
"1. Der Beschuldigte ist schuldig des Exhibitionismus i.S.v. Art. 194 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird hierfür in Anwendung der vorgenannten Gesetzesbestimmung sowie Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 4 StGB, Art. 47 StGB und Art. 106 StGB mit 24 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 160.00, d.h. total Fr. 3'840.00, und einer Busse von Fr. 960.00 bestraft.
- 3 -
Für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, ist eine Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen auszusprechen.
3. Der Vollzug der ausgefällten Geldstrafe wird gestützt auf Art. 42 StGB aufgeschoben. Die Probezeit wird gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB auf 2 Jahre festgesetzt.
4. 4.1. Die Verfahrenskosten bestehen aus:
a) der Gerichtsgebühr Fr. 2'000.00 b) der Anklagegebühr Fr. 800.00 c) den Kosten für die Mitwirkung anderer Behörden Fr. 22.00 d) den Spesen Fr. 180.00 e) den Kosten für die Urteilsbegründung Fr. 200.00
Total Fr. 3'202.00
4.2. Dem Beschuldigten werden die Verfahrenskosten im Gesamtbetrag von Fr. 3'202.00 auferlegt.
5. Der Beschuldigte hat seine Parteikosten selber zu tragen."
3.
3.1.
Gegen dieses dem Beschuldigten am 12. Januar 2022 zugestellte Urteil
meldete dieser mit Eingabe vom 17. Januar 2022 Berufung an. Das
begründete Urteil wurde dem Beschuldigten am 27. Juni 2022 zugestellt.
Am 14. Juli 2022 erklärte er die Berufung und stellte dabei folgende
Anträge:
"1. Das Urteil des Präsidiums des Strafgerichts des Bezirksgerichts Baden vom 6. Januar 2022 sei vollumfänglich aufzuheben.
2. A. sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen."
3.2.
Die Staatsanwaltschaft Baden verzichtete mit Eingabe vom 20. Juli 2022
auf das Stellen eines Nichteintretensantrags oder die Erklärung der
Anschlussberufung.
- 4 -
3.3.
Mit Verfügung vom 12. August 2022 stellte der Verfahrensleiter fest, dass
die Privatklägerin im Berufungsverfahren nicht mehr aktiv teilnimmt und das
mündliche Berufungsverfahren durchgeführt wird.
3.4.
Mit Eingabe vom 2. September 2022 reichte der Beschuldigte eine
vorgängige Berufungsbegründung ein, wobei er sich weitere Ausführungen
für die Berufungsverhandlung vorbehielt. Mit vorgängiger
Berufungsantwort vom 9. September 2022 verwies die Staatsanwaltschaft
Baden auf die vorinstanzlichen Erwägungen.
3.5.
Die Berufungsverhandlung mit Befragung der Strafklägerin als
Auskunftsperson und des Beschuldigten fand am 9. Dezember 2022 statt.

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Der Beschuldigte beantragt mit Berufung einen Freispruch von Schuld und
Strafe. Das vorinstanzliche Urteil ist damit vollständig angefochten und
umfassend zu prüfen (Art. 404 StPO).
2.
Die Vorinstanz erachtete es als erstellt, dass der Beschuldigte am 10. April
2021 um ca. 17:22 Uhr als Lenker eines Elektrofahrrads (Kontrollschild:
[...]) auf dem [Weg] in S. auf der rechten Seite an der Strafklägerin
vorbeigefahren sei. Dabei habe er sich in Richtung der Strafklägerin
gedreht, habe das rechte Bein gestreckt, das linke Bein angewinkelt und
habe mit der rechten Hand an seinem entblössten Penis manipuliert (vgl.
vorinstanzliches Urteil, E. II. 3.).
3.
Der Beschuldigte bringt mit Berufung vor, dass die Aussagen der
Strafklägerin nicht glaubhafter seien als die seinen. In sachverhaltlicher
Hinsicht sei nicht nachgewiesen, dass der Beschuldigte sein
Geschlechtsteil im Sinne der Anklage präsentiert habe. Wenn der
Beschuldigte sein "Gemächt gerichtet" haben sollte, so sei nicht erstellt,
dass die Geschlechtsorgane sichtbar gewesen seien (vgl. vorgängige
Berufungsbegründung vom 2. September 2022, S. 2 und S. 3; Plädoyer
Beschuldigter Berufungsverhandlung, S. 4). Sollte das Gericht den
angeklagten Sachverhalt trotzdem als erstellt erachten, so wäre in
rechtlicher Hinsicht der subjektive Tatbestand nicht erfüllt. Sollten also
seine Geschlechtsorgane unbeabsichtigt sichtbar gewesen sein, so wäre
- 5 -
eine bewusste Zurschaustellung seines Penis zu verneinen. Wenn der
Beschuldigte sein "Gemächt gerichtet" habe und seine Geschlechtsorgane
unbeabsichtigt zu sehen gewesen wären, bedeute dies noch nicht, dass
eine bewusste Zurschaustellung seines Glieds und seiner Hoden erfolgt sei
(vgl. vorgängige Berufungsbegründung vom 2. September 2022, S. 3;
Plädoyer Beschuldigter Berufungsverhandlung, S. 5).
4.
4.1.
Im Folgenden gilt es die Aussagen der Strafklägerin und des Beschuldigten
zu würdigen. Andere Beweismittel liegen nicht vor.
4.2.
Vorweg ist festzustellen, dass sich die Strafklägerin und der Beschuldigte
vor dem Vorfall nicht kannten (GA act. 22; GA act. 29; Protokoll
Berufungsverhandlung, S. 3 und S. 6). Die Strafklägerin rief am Samstag,
10. April 2021, 17.23 Uhr, die Kantonale Notrufzentrale des
Polizeikommandos Aargau an und meldete, dass sie soeben (17.22 Uhr)
von einem Mann auf einem E-Bike sexuell belästigt worden sei. In der Folge
machte sie auf polizeiliche telefonische Nachfrage Aussagen zum Vorfall
und konnte insbesondere das von ihr notierte Kennzeichen ([...]) nennen
(UA act. 08 f.). Zwei Tage später stellte sie auf dem Polizeiposten
Strafantrag gegen den nunmehr eruierten Beschuldigten (UA act. 14). Am
29. Juli 2021 wurde sie staatsanwaltlich einvernommen. Nachdem der
Beschuldigte in der Untersuchung auf eine Konfrontationseinvernahme
verzichtet hatte (UA act. 29), erfolgte diese anlässlich der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung am 6. Januar 2022.
4.3.
4.3.1.
Anlässlich ihrer Einvernahme vom 29. Juli 2021 durch die
Staatsanwaltschaft Baden schilderte die Strafklägerin, dass der
Beschuldigte ihr auf seinem E-Bike entgegengekommen und rechts an ihr
vorbeigefahren sei. Während der Vorbeifahrt habe er sein Geschlechtsteil
präsentiert und an diesem hantiert. Das linke Bein sei "oben" und das
rechte Bein gestreckt gewesen. Der Gummizug sei offensichtlich unter die
Hoden und den Penis gestülpt gewesen. Der Beschuldigte habe mit seinem
– nicht erigierten und nicht beschnittenen – Penis wedelnde Bewegungen
gemacht. Die Bewegung habe er mit der rechten Hand gemacht, während
die linke Hand am Lenker gewesen sei. Als ihn die Strafklägerin darauf
angesprochen habe ("Geht es noch? Das ist nicht ihr ernst?", "Hey") habe
sie keine Antwort erhalten (UA act. 25, Frage 10).
4.3.2.
Anlässlich ihrer erstinstanzlichen Befragung vom 6. Januar 2022 bestätigte
die Strafklägerin ihre bei der Staatsanwaltschaft Baden gemachten
- 6 -
Aussagen. Ergänzend hielt sie fest, dass es kein lockeres Fahren gewesen
sei, sondern mit Spannung (GA act. 24). Der Beschuldigte habe keine
klassische Masturbationsbewegung gemacht (GA act. 25). Sie habe den
Beschuldigten zur Rede stellen wollen. Als sie ihn angesprochen habe,
habe dieser Gas gegeben. Sie habe versucht, sich die Nummer des Velos
zu merken. Sie habe die Nummer so lange vor sich hergesagt, bis sie diese
in ihr Handy habe eintippen können. Diese Notiz existiere noch. Sie habe
den Notruf gewählt, wobei ihr der Polizist mitgeteilt habe, dass keine
Patrouille vorbeikommen könne und ferner erklärte, welche Optionen sie
habe. Die Strafklägerin habe nicht gewollt, dass dieser Vorfall –
möglicherweise gegenüber einem jüngeren Mädchen – nochmals passiere
und habe daher gesagt, sie wolle Strafanzeige einreichen (GA act. 23).
4.3.3.
Vor Obergericht gab die Strafklägerin ergänzend an, dass sie nicht
gesehen habe, wie der Beschuldigte sein Geschlechtsteil aus der Hose
genommen habe, es sei bereits draussen gewesen (Protokoll
Berufungsverhandlung, S. 3). Während des Vorgangs habe der
Beschuldigte Blickkontakt zu ihr gehabt (Protokoll Berufungsverhandlung,
S. 4). Im Übrigen bestätigte sie ihre vor der Staatsanwaltschaft Baden und
der Vorinstanz gemachten Aussagen.
4.4.
4.4.1.
Anlässlich seiner Einvernahme vom 26. April 2021 bei der
Staatsanwaltschaft Baden gab der Beschuldigte an, dass er am 10. April
2021 von seinem Wohnort mit dem E-Bike zum [...] gefahren sei um dort
[...] zu holen (UA act. 19, Frage 12). Der Beschuldigte bestätigte, den [Weg]
entlang gefahren zu sein (UA act. 21, Frage 26). An die genaue Uhrzeit
könne er sich nicht mehr erinnern. Da es noch hell gewesen sei, könne eine
Uhrzeit zwischen 17:00 Uhr und 18:00 Uhr stimmen (UA act. 19, Frage 12).
Er könne sich den Vorwurf nur so erklären, als dass er sein Gemächt zu
einem sehr ungünstigen Zeitpunkt gerichtet habe (UA act. 20, Frage 23;
UA act. 21, Frage 27), wobei er sich ziemlich sicher sei, dass sein
Geschlechtsteil nicht sichtbar gewesen sei (UA act. 20, Frage 24). Er habe
es aber keinesfalls bewusst präsentiert (UA act. 21, Frage 27). Er habe
niemanden sexuell belästigt und er sei kein Exhibitionist (UA act. 21, Frage
27).
4.4.2.
Anlässlich seiner erstinstanzlichen Befragung vom 6. Januar 2022
bestätigte der Beschuldigte seine Aussagen vor der Staatsanwaltschaft
Baden. Ergänzend hielt er fest, dass niemand anderes mit seinem E-Bike
fahre (GA act. 33). Wenn er tatsächlich sein Gemächt gerichtet habe, dann
sei er einhändig gefahren, andernfalls zweihändig. Zum Gas geben müsse
- 7 -
er die Hand am Lenker haben und trampen, andernfalls es bei seinem Velo
kein Gas gebe (GA act. 34).
4.4.3.
Vor Obergericht gab der Beschuldigte an, dass er den ganzen Weg
nachgefahren sei, sich aber nicht erinnern könne, dass es zu einer
Begegnung gekommen sei oder ihm jemand nachgerufen habe (Protokoll
Berufungsverhandlung, S. 6). Im Übrigen bestätigte der Beschuldigte seine
vor der Staatsanwaltschaft Baden und der Vorinstanz gemachten
Aussagen.
5.
5.1.
Für das Obergericht bestehen keine unüberwindbaren Zweifel daran, dass
sich der Vorfall wie angeklagt zugespielt hat. Die mehrfachen Aussagen
der Strafklägerin vor der Staatsanwaltschaft, der Vorinstanz und dem
Obergericht sind präzis, detailreich, stimmig und konstant. Sie hielt
anlässlich aller Einvernahmen fest, dass der Beschuldigte auf seinem E-
Bike rechts an ihr vorbeigefahren sei, das rechte Bein gestreckt, das linke
Bein angewinkelt und die linke Hand am Fahrradlenker gehabt habe und
währenddessen mit der rechten Hand an seinem entblössten Penis
manipuliert habe ("Schüttel-/Wedelbewegung"), wobei der Penis nicht
erigiert gewesen sei. Sowohl der Penis wie auch die Hoden seien über den
Hosenbund gestülpt gewesen. Insbesondere ist festzustellen, dass die
Strafklägerin den Beschuldigten nicht übermässig belastet, was für eine
Falschbeschuldigung sprechen würde. So gab sie an, dass der Penis nicht
erigiert gewesen sei und der Beschuldigte keine
Masturbationsbewegungen gemacht habe, wobei in diesem
Zusammenhang weitaus schwerwiegendere Schilderungen denkbar
gewesen wären. Die Strafklägerin und der Beschuldigte kannten sich nicht,
womit kein Grund ersichtlich ist, dass sie den Beschuldigten
fälschlicherweise belastet, zumal die Strafklägerin durch das
Strafverfahren selbst eine nicht unerhebliche Belastung auf sich nimmt.
5.2.
Daran vermögen die Aussagen und Vorbringen des Beschuldigten nichts
zu ändern. Unstreitig war er zum fraglichen Zeitpunkt am fraglichen Ort mit
dem von der Strafklägerin beschriebenen Fahrzeug, wobei auch das von
der Strafklägerin genannte Kontrollschild auf den Beschuldigten
zugelassen ist. Er schliesst selber nicht komplett aus, dass er im Bereich
des Geschlechtsteils manipuliert habe. Nach Überzeugung des
Obergerichts stellt die Aussage des möglicherweise "Richtens des
Gemächts" und das nicht absichtliche Zurschaustellen des
Geschlechtsteils eine Schutzbehauptung dar. Nicht ersichtlich ist, weshalb
dafür das Entblössen der Geschlechtsteile nötig gewesen sein soll,
insbesondere so, dass das Glied und die Hoden über den Hosenbund
- 8 -
gestülpt waren. Nach Überzeugung des Obergerichts hat er sein
Geschlechtsteil der Strafklägerin bewusst präsentiert.
6.
6.1.
Gemäss Art. 194 StGB wird auf Antrag mit Geldstrafe bestraft, wer eine
exhibitionistische Handlung vornimmt. Objektiv wird das bewusste
Zurschaustellen der Sexualorgane aus sexuellen Beweggründen verlangt
(Urteil des Bundesgerichts 6B_1037/2016 vom 19. April 2017, E. 1.1).
Vollendet ist das Delikt mit der Wahrnehmung der Handlung durch
dasjenige Opfer, auf welches der Täter es abgesehen hat. Erforderlich ist
dabei auch die Wahrnehmung des Vorgangs in seiner sexuellen Bedeutung
(ISENRING, in: Basler Kommentar Strafrecht II, N. 12 zu Art. 194 StGB).
Der Beschuldigte präsentierte der Strafklägerin sein Glied, indem er auf
seinem E-Bike sitzend eine bestimmte Körperhaltung (rechtes Bein
gestreckt, linkes Bein angewinkelt, linke Hand am Fahrradlenker, rechte
Hand am Glied) in Richtung der Strafklägerin einnahm, an dieser vorbeifuhr
und dabei die Hoden und seinen Penis über den Hosenbund gestülpt hatte.
Während des Vorbeifahrens manipulierte der Beschuldigte an seinem
Glied, was durch die Strafklägerin wahrgenommen wurde. Der Tathergang,
insbesondere die offensichtliche Zurschaustellung des Glieds, lässt keinen
anderen Schluss zu, als dass die Tathandlung aus rein sexueller Motivation
erfolgte. Der Beschuldigte hat mit seiner Handlung den objektiven
Tatbestand erfüllt.
6.2.
In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz verlangt. Der Täter muss darum wissen,
dass er seine exhibitionistische Handlung im Sinne des Entblössens seines
Geschlechtsorgans vor einer bestimmen Zielperson vornimmt. Er muss
dies auch wollen. Das Gesehenwerden durch die Zielperson muss das
eigentliche Handlungsziel des Exhibitionisten sein (ISENRING, a.a.O., N. 24
zu Art. 194 StGB).
Bei einer realistischen Betrachtungsweise des erstellten Sachverhalts kann
der Beschuldigte die Tathandlung nur bewusst und damit gewollt
vorgenommen haben. Der Beschuldigte zielte mit seiner Handlung einzig
auf eine Zurschaustellung seines Penis vor der Strafklägerin ab. Die
fehlenden Hinweise auf sonstige exhibitionistische Verhaltensweisen oder
das Nichtvorhandensein einschlägiger Vorstrafen schliessen ein
vorsätzliches Handeln nicht aus (vgl. vorgängige Berufungsbegründung
vom 2. September 2022, S. 3; Plädoyer Beschuldigter
Berufungsverhandlung, S. 5). Der subjektive Tatbestand ist erfüllt.
- 9 -
6.3.
Nachdem keine Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe ersichtlich
sind, hat sich der Beschuldigte des Exhibitionismus gemäss Art. 194 Abs. 1
StGB strafbar gemacht.
7.
7.1.
Das Bundesgericht hat die Grundsätze zur Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB wiederholt dargelegt (BGE 144 IV 217; 141 IV 61; 136 IV 55), worauf
verwiesen werden kann. Der Strafrahmen von Art. 194 StGB beträgt 3 bis
180 Tagessätze Geldstrafe. Die Staatsanwaltschaft beantragte 30
Tagessätze Geldstrafe zu Fr. 160.00, bedingt vollziehbar bei einer
Probezeit von 2 Jahren, sowie eine Verbindungsbusse von Fr. 900.00. Die
Vorinstanz sprach eine Geldstrafe von 24 Tagessätzen zu Fr. 160.00
(bedingt, Probezeit 2 Jahre) und eine Verbindungsbusse von Fr. 960.00
aus. Sie nahm dabei ein Verschulden an, das eine Strafe im unteren Viertel
des Strafrahmens ergab. Der Beschuldigte äussert sich nicht zur
Strafzumessung.
7.2.
Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist leicht zu Gunsten des
Beschuldigten zu berücksichtigen, dass die Tat einen sehr kurzen Moment
dauerte, er währenddessen auf seinem E-Bike an der Strafklägerin
vorbeifuhr und sich somit noch während der Tat wieder von ihr entfernte.
Die spazierende Strafklägerin wählte er als reines Zufallsopfer aus.
Hinsichtlich der Täterkomponente kann auf die ausführlichen und
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden
(vgl. vorinstanzliches Urteil, E. III. 1.6.), zumal sich an den Ausführungen
der Vorinstanz nichts geändert hat (vgl. Protokoll Berufungsverhandlung,
S. 8 f.). Im Ergebnis ist noch von einem leichten Verschulden auszugehen
und erweist sich eine Geldstrafe von 24 Tagessätzen, in Verbindung mit
einer Busse von Fr. 960.00 (vgl. E. 7.4. hiernach) als angemessen.
7.3.
Die Höhe des Tagessatzes ist gemäss Art. 34 Abs. 2 StGB nach den
persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen zum Zeitpunkt des Urteils
(hier Berufungsurteil) zu bemessen, insbesondere nach dem Einkommen,
dem Lebensaufwand, den Unterstützungspflichten und dem
Existenzminimum.
An dem von der Vorinstanz errechneten monatlichen Nettoverdienst hat
sich nichts geändert (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 8). Die von der
Vorinstanz gemachten Abzüge für die Krankenkasse und Steuern sowie
die Unterstützungsabzüge für die beiden Kinder sind korrekt
(vorinstanzliches Urteil, E. III. 2.2.). Entsprechend bleibt es beim Tagessatz
in der Höhe von Fr. 160.00.
- 10 -
7.4.
Die Vorinstanz hat eine Verbindungsbusse von Fr. 960.00 ausgesprochen.
Die Verbindung der bedingt ausgesprochenen Geldstrafe mit einer Busse
ist angezeigt, um dem Beschuldigten die Ernsthaftigkeit der Sanktion und
die Konsequenzen seines Handelns deutlich vor Augen zu führen. Unter
Berücksichtigung der untergeordneten Bedeutung der Verbindungsbusse
sowie der wirtschaftlichen Verhältnisse und dem Verschulden des
Beschuldigten ist die von der Vorinstanz festgesetzte Höhe wie auch die
angeordnete Ersatzfreiheitstrafe von 6 Tagen nicht zu beanstanden.
7.5.
Der bedingte Strafvollzug und die Probezeit sind nicht zu beanstanden und
zu gewähren.
8.
Die Berufung des Beschuldigten ist vollumfänglich abzuweisen. Bei diesem
Verfahrensausgang sind ihm die obergerichtlichen Verfahrenskosten
vollständig aufzuerlegen (Art. 428 StPO) und es ist ihm keine
Parteientschädigung auszurichten. Die vorinstanzliche Kostenregelung ist
nicht zu beanstanden.