Decision ID: f0709dbf-1c69-4ccd-a9c3-9805af4167e1
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit 1. Mai 2014 als Fahrzeugmechaniker bei
der Firma B._ tätig und dadurch bei der Helsana Unfall AG (nachfolgend: Helsana)
gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit Schadenmeldung UVG vom 27.
September 2016 meldete die Arbeitgeberin der Helsana einen Autounfall des
Versicherten vom 25. September 2016 (act. K1). Dieser war auf der Autobahn A13 in
Fahrtrichtung C._ in einer Stausituation in eine Auffahrkollision geraten, indem ein
nachfolgender Lenker mit seinem Personenwagen frontal gegen das Heck links des
Personenwagens des Versicherten geprallt war (act. K1, K5, K7). Die Erstbehandlung
erfolgte noch am Unfalltag im Departement Orthopädie des Spitals D._, dessen
behandelnde Ärzte nach Durchführung einer computertomographischen (CT)
Untersuchung des Schädels und der Halswirbelsäule (HWS) sowie einer
Röntgenuntersuchung des Thorax (act. M2) ein craniocervikales
Beschleunigungstrauma Grad II sowie eine Contusio Capitis diagnostizierten, dem
Versicherten eine bedarfsgerechte Analgesie und einen HWS-Bogen verordneten, ihm
vom 25. bis 27. September 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierten und ihn
gleichentags in die weitere Behandlung seines Hausarztes entliessen (act. M1). Von
den Ärzten des Spitals D._ wurde ausserdem ein Dokumentationsfragebogen für
Erstkonsultation nach kranio-zervikalem Beschleunigungstrauma beantwortet (act. M3).
A.a.
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Hausarzt Dr. med. E._, Innere Medizin FMH, hielt im UVG Zwischenbericht vom
24. Oktober 2016 als Diagnose ein craniocerebrales Beschleunigungstrauma Grad II,
eine letzte Konsultation am 18. Oktober 2016 sowie eine nächste Konsultation am 2.
November 2016 fest. Als gegenwärtige Behandlung führte er eine Bedarfsanalgesie
und eine Physiotherapie an und attestierte eine 100%ige Arbeitsfähigkeit seit 3.
Oktober 2016 (act. M4). In einem weiteren UVG-Zwischenbericht vom 12. Dezember
2016 vermerkte Dr. E._ als letztes Konsultationsdatum den 18. Oktober 2016 und
erklärte den Behandlungsabschluss (act. M5).
A.b.
Am 6. März 2017 wurde der Versicherte notfallmässig wegen Rückenschmerzen
am thorakolumbalen Übergang mit Schmerzausstrahlung in die Oberschenkel in der
Klinik für Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (nachfolgend: KSSG)
untersucht, deren Ärzte als Diagnosen chronische Rückenschmerzen mit/bei Status
nach Diskushernienoperation L4/5 rechtsseitig 2014 und Auffahrunfall am 25.
September 2016: CT Neurocranium und HWS ohne Traumafolgen, Lendenwirbelsäule
(LWS) unauffällig, sowie einen Verdacht auf ein komplexes regionales Schmerzsyndrom
(CRPS) Fuss links mit/bei verkürzter Wadenmuskulatur links mehr als rechts stellten
(act. M6).
A.c.
Am 20. März 2017 wurde der Versicherte im Schmerzzentrum des KSSG
untersucht, dessen Ärzte ein chronifiziertes gemischt nozizeptives/neuropathisches
lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit/bei pseudoradikulärer Symptomatik nach
Verkehrsunfall September 2016 mit/bei Chronifizierung nach Gebershagen Stadium II,
Status nach Auffahrunfall 25. September 2016: CT Neurocranium/HWS ohne
Traumafolgen, LWS unauffällig und Status nach Diskushernienoperation L4/5 rechts
2014 sowie einen bekannten Migränekopfschmerz diagnostizierten. Im
Untersuchungsbericht vom 22. März 2017 wurde ausserdem festgehalten, dass die
bisher (posttraumatisch) durchgeführte Bildgebung keine somatischen Ursachen für die
beschriebene Symptomatik gezeigt habe. Die akute Zuweisung sei zur Abklärung bzw.
zum Ausschluss eines CRPS erfolgt, welches aktuell nicht vorliege (act. M7).
A.d.
Am 19. April 2017 wurde der Versicherte wegen Thoraxschmerzen, welche seit
dem 16. April 2017 ("Sonntag") andauerten, in der Klinik für Innere Medizin des Spitals
D._ vorstellig, deren Ärzten nach einer CT-Untersuchung der Lunge, einer Labor-
A.e.
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sowie einer Röntgenuntersuchung des Thorax eine Lungenembolie beidseits
diagnostizierten (act. M8), worauf der Versicherte stationär aufgenommen wurde und
sich bis 22. April 2017 im Spital D._ aufhielt. In einer Duplex-Sonografie der tiefen
Beinvenen hatte sich kein Hinweis auf eine rezente tiefe Venenthrombose gezeigt (act.
M9).
Mit Schreiben vom 2. Mai 2017 ersuchte der Rechtsvertreter des Versicherten,
Fürsprecher Urs Kröpfli, Ettenhausen-Aadorf/Frauenfeld, die Helsana um die Prüfung
der Unfallkausalität der Lungenembolie (act. K20).
A.f.
Die Helsana legte hierauf den Schadenfall ihrem beratenden Arzt Prof. Dr. med.
F._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates FMH, vor. Dieser beurteilte am 22. Mai 2017, dass zwischen
dem Unfall vom 25. September 2016 und der Lungenembolie mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit ein natürlicher Kausalzusammenhang bestehe (act.
M10), worauf die Helsana dem Rechtsvertreter des Versicherten mit Schreiben vom 26.
Mai 2017 bestätigte, dass der Spitalaufenthalt vom 19. bis 22. April 2017 inklusive den
medizinischen Behandlungen der Lungenembolie zu ihren Lasten falle (act. K21).
A.g.
Am 26. Juni 2017 wurde von einem Schadeninspektor der Helsana ein
Schadeninspektoren-Bericht verfasst (act. K25).
A.h.
Vom 25. September bis 3. Oktober 2017 hielt sich der Versicherte stationär in der
Klinik für Neurologie des KSSG auf, wohin er von der Hals-Nasen-Ohren (HNO)-Klinik
des KSSG überwiesen worden war, nachdem in einer CT- Untersuchung eine Sinus-
und Hirnvenenthrombose diagnostiziert worden war. Die ursprüngliche Vorstellung war
aufgrund von Zahnschmerzen mit Ausstrahlung in die linke Gesichtshälfte sowie seit
einem Monat bestehenden Kopfschmerzen erfolgt. Die behandelnden Ärzte der Klinik
für Neurologie bescheinigten dem Versicherten vom 25. September bis 8. Oktober
2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (act. M12).
A.i.
Mit Schreiben vom 23. Oktober 2017 erklärte der Rechtsvertreter des Versicherten
gegenüber der Helsana, er gehe davon aus, dass sämtliche weiteren Folgen der
Lungenembolie als natürlich kausal zum Unfall vom 25. September 2016 angesehen
würden und die Leistungspflicht der Helsana gegeben sei, nachdem deren beratender
A.j.
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B.
C.
Arzt seinerzeit die Lungenembolie als überwiegend wahrscheinlich unfallkausal
anerkannt habe (act. K30).
In der Folge wurde der Schadenfall von der Helsana Dr. med. G._, Innere
Medizin FMH, spez. Rheumatologie, vorgelegt, der in seiner Aktenbeurteilung vom 29.
November 2017 von der Beurteilung von Prof. F._ abwich und eine höchstens
mögliche Kausalität zwischen der Lungenembolie und dem Unfall vom 25. September
2016 als gegeben sah (act. M15).
A.k.
Mit Verfügung vom 9. Januar 2018 eröffnete die Helsana dem Versicherten bzw.
seinem Rechtsvertreter, dass die Lungenembolie, welche erst über sechs Monate nach
der Auffahrkollision vom 25. September 2016 aufgetreten sei, nicht unfallkausal sei. Die
natürliche Kausalität sei ab dem 19. April 2017 nicht mehr mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen. Die
leistungsbegründenden Voraussetzungen seien deshalb ab diesem Zeitpunkt nicht
erfüllt. Die Helsana sei demzufolge nicht weiter leistungspflichtig (act. K39).
A.l.
Mit Eingabe vom 24. Januar 2018 liess der Versicherte durch seinen
Rechtsvertreter gegen die Verfügung vom 8. Januar 2018 Einsprache erheben (act.
K42).
B.a.
Mit Einspracheentscheid vom 1. November 2018 wies die Helsana die Einsprache
ab (act. K47). Sie hielt unter anderem fest, dass die rückwirkende Einstellung ohne
Rückforderung der erbrachten Leistungen rechtmässig sei (act. K47 S. 7 Ziff. 6).
B.b.
Gegen den Einspracheentscheid liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 28. November 2018
Beschwerde mit folgenden Anträgen erheben: 1. Der Einspracheentscheid der Helsana
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 1. November 2018 sei vollumfänglich
aufzuheben. 2. Es seien gegenüber dem Beschwerdeführer die gesetzlichen
Leistungen (Heilungskosten und Taggeldleistung) auszurichten. 3. Es sei die
C.a.
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Erwägungen
1.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der Einspracheentscheid
vom 1. November 2018 (act. K47). Diesem liegt die Verfügung vom 9. Januar 2018 (act.
K39) zu Grunde, mit welcher die Beschwerdegegnerin rückwirkend ab dem 19. April
2017, d.h. ab dem Datum der Diagnosestellung einer Lungenembolie beim
Beschwerdeführer durch die Ärzte der Klinik für Innere Medizin des Spitals D._, ihre
Leistungen mangels Vorliegens einer unfallbedingten Gesundheitsschädigung
Beschwerdegegnerin zu verpflichten, den Beschwerdeführer angemessen zu
entschädigen (zuzüglich Mehrwertsteuer und Auslagen [act. G1]).
Mit Beschwerdeantwort vom 21. Januar 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde und verwies im Übrigen auf ihre Ausführungen im
angefochtenen Einspracheentscheid (act. G3).
C.b.
Mit Replik vom 4. Februar 2019 verzichtete der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers auf eine Replik (act. G5) und reichte eine Honorarnote über
insgesamt Fr. 1'296.90 ein (act. G5.1).
C.c.
Nachdem der Beschwerdeführer Dr. E._ auf Ersuchen des
Versicherungsgerichts vom Arztgeheimnis entbunden hatte, verlangte dieses die
Krankengeschichte ein und stellte Fragen zur Behandlung (Schreiben vom 20. Februar
2020; act. G9). Mit einem auf den 2. März 2020 datierten Schreiben (act. G10) reichte
dieser dem Versicherungsgericht einen Auszug vom 3. März 2020 aus der
Krankengeschichte des Beschwerdeführers ab Unfalldatum ein (act. G10.1), wofür er
Fr. 35.95 in Rechnung stellte (act. G10.2). Laut dem Auszug aus der
Krankengeschichte hatte der Beschwerdeführer seinen Hausarzt erstmals am 27.
September 2016 und nachfolgend auch am 29. September, 18. Oktober und
19. Dezember 2016 sowie am 11. Januar 2017 konsultiert (act. G10.1).
C.d.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die weiteren
Ausführungen in den medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
C.e.
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einstellte. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin rechtens so
entschieden hat.
2.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Übergangsbestimmungen werden
Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor Inkrafttreten der Änderung ereignet
haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach
bisherigem Recht gewährt. Vorliegend stehen Folgen eines Unfalls vom 25. September
2016 zur Diskussion. Es finden daher die bis 31. Dezember 2016 gültigen
Bestimmungen Anwendung.
3.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG). Sie hat
zudem Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG).
Angesichts dieser gesetzlichen Bestimmungen bildet die Unfallkausalität
Anspruchsvoraussetzung für Heilkosten- und Taggeldleistungen der
Unfallversicherung. Eine Leistungspflicht besteht demnach nur für
Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten
Unfallereignis zusammenhängen (vgl. Art. 6 Abs. 1 UVG; André Nabold in: Kommentar
zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung [UVG], Bern 2018, N 48 ff. zu Art. 6; BSK UVG-Irene Hofer, Basel
2019, N 63 ff. zu Art. 6; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung
des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2012, S. 53 ff.). Für die Beantwortung
der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der
Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen
angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber
eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten
Regeln zu beurteilen ist (UVG Kommentar-Nabold, a.a.O., N 53 zu Art. 6; BSK UVG-
Hofer, a.a.O., N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 f.). Die Adäquanz spielt
im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen indessen praktisch keine
Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE
134 V 111 f. E. 2).
3.1.
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Hat der Unfallversicherer seine Leistungspflicht einmal anerkannt, so entfällt seine
Leistungspflicht erst dann, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche Ursache der
fortdauernd geklagten Beschwerden darstellt, d.h. wenn die Beschwerden nur noch
und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruhen. Ebenso wie der
leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder
kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit
dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss
des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, § 70 N 58 f.). Dahingefallen ist die
kausale Bedeutung, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor
dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich
nach dem schicksalsmässigen Verlauf einer Vorerkrankung auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (UVG Kommentar-Nabold,
a.a.O., N 54 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, a.a.O., N 71 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 54; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b mit Hinweisen). Da es sich um eine
anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage,
ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei
der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (Urteil des Bundesgerichts
vom 4. August 2017, 8C_819/2016, E. 3.2.1; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 f.). Die
Beweislastregel beschlägt einzig die rechtlichen Folgen der Abklärung, insofern als
dem Unfallversicherer die Beweislast zugewiesen wird für den Fall, dass ungeklärt
bleibt, ob dem Unfall (noch) eine kausale Bedeutung für den andauernden
Gesundheitsschaden zukommt. Bevor sich aber überhaupt die Frage der Beweislast
stellt, ist der Sachverhalt im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes richtig und
vollständig zu klären (Urteil des Bundesgerichts vom 4. August 2008, 8C_354/2007, E.
2.2). Im Weiteren bietet sich dem Unfallversicherer die Möglichkeit, auf eine
fälschlicherweise anerkannte Kausalität zurückzukommen und die Leistungen - ohne
Berufung auf den Rückkommenstitel der Wiedererwägung oder der prozessualen
Revision - mit Wirkung ex nunc et pro futuro und unter Verzicht auf eine Rückforderung
bereits erbrachter Leistungen einzustellen, wenn ihm der überwiegend wahrscheinliche
Beweis gelingt, dass zwischen dem Unfallereignis und einem ursprünglich als
unfallkausal anerkannten Gesundheitsschaden gar nie ein natürlicher
Kausalzusammenhang bestanden hat. Der Nachweis eines Dahinfallens einer -
fälschlicherweise - faktisch anerkannten Unfallkausalität würde sich diesfalls erübrigen
(BGE 130 V 384 E. 2.3.1; vgl. ferner Urteil des Bundesgerichts vom 4. August 2017,
8C_819/2016, E. 6.1).
3.2.
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4.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweis). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft
eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen). Insofern sind auch Berichte und Gutachten, welche die Versicherung
während des Administrativverfahrens von ihren eigenen oder von beratenden Ärzten
und Ärztinnen einholt, beweistauglich (BGE 125 V 352 ff. E. 3; RKUV 1991 Nr. U 133 S.
311 ff.). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens
entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu
stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (BGE 135 V 470 f. E. 4.4 und 4.6; bestätigt etwa in Urteil des
Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_592/2012, E. 5.3).
3.3.
Die Frage, ob die Beschwerdegegnerin in Bezug auf die Lungenembolie im
Zusammenhang mit dem Unfall vom 25. September 2016 leistungspflichtig ist, wird
von ihr in erster Linie gestützt auf die Aktenbeurteilung von Dr. G._ vom 29.
November 2017 (act. M15) verneint. Die Rechtsprechung erachtet eine reine
Beurteilung aufgrund der Akten als beweiskräftig, wenn die Akten ein vollständiges Bild
über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten
unbestritten sind. Voraussetzung ist ein lückenloser Untersuchungsbefund, damit der
Experte bzw. die Expertin imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein
lückenloses Bild zu verschaffen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 24. März 2017,
8C_780/2016, E. 6.1, und vom 4. September 2017, 8C_135/2017, E. 3.2). Im Folgenden
gilt es zu prüfen, ob vor dem Hintergrund des Gesagten auf die Aktenbeurteilung von
Dr. G._ abgestellt werden kann.
3.4.
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Der Beschwerdeführer erlitt am 25. September 2016 einen Autounfall, worauf er
gleichentags von Ärzten des Departements Orthopädie des Spitals D._ untersucht
wurde. Diese diagnostizierten ein Beschleunigungstrauma Grad II sowie eine Contusio
Capitis, verordneten ihm eine bedarfsgerechte Analgesie sowie einen HWS Bogen und
bescheinigten bis 27. September 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Der
Beschwerdeführer wurde nach Ausschluss von weiteren Trauma-Folgen noch am
25. September 2016 aus dem Spital in die hausärztliche Nachbehandlung entlassen
(act. M1). Laut Auszug aus der von Dr. E._ am 2. März 2020 eingereichten
Krankengeschichte des Beschwerdeführers (act. G10.1) konsultierte dieser sodann
erstmals am 27. September 2016 seinen Hausarzt. Diesem gegenüber berichtete er,
anlässlich der Erstuntersuchung im Spital D._ keine Schmerzen gehabt zu haben,
nun aber überall Schmerzen zu haben, wie wenn er von einer Dampfwalze überfahren
worden wäre. Dr. E._ erhob als Befunde eine diffus druckdolente Muskulatur, ein
Taubheitsgefühl am ganzen Oberschenkel seit der Diskushernienoperation (siehe act.
M7-2: "Diskushernienoperation 2014", act. G10.1: "St. N. DH-Op LWK4/5 re [9/14]),
seit dem Unfall noch verstärkt, Schmerzen im Becken und Kreuz beim Lasègue rechts
ab 40° und links ab 70°. Die Reflexe zeigten sich seitengleich und eine
Röntgenuntersuchung der LWS war ohne Befund. Dr. E._ verordnete schmerz- und
entzündungshemmende Medikamente und Metoprolol bei Bedarf (act. G10.1). Am
29. September und 18. Oktober 2016 folgten gemäss Auszug aus der
Krankengeschichte (act. G10.1) und UVG Zwischenbericht von Dr. E._ vom 24.
Oktober 2016 (act. M4) weitere Hausarztkonsultationen. Laut Eintrag in der
Krankengeschichte hatte der Beschwerdeführer am 29. September 2016 angegeben,
dass es ihm wesentlich besser gehe, praktisch wie vor dem Unfall bezüglich des
Rückens. Dr. E._ notierte entsprechend normale Untersuchungsbefunde und
verordnete dem Beschwerdeführer nur noch Metoprolol bei Bedarf. Am 18. Oktober
2016 notierte Dr. E._ als subjektive Angaben des Beschwerdeführers seit einer
Woche keinen Muskelkater mehr im Nacken, jedoch Schmerzen und Schwindel bei
Drehung der HWS und ein ständiges Knacken. Als Befunde erhob der Hausarzt eine
schmerzhafte Bewegungseinschränkung der HWS. Er verordnete dem
Beschwerdeführer weiterhin Metoprolol bei Bedarf und eine Physiotherapie (act. M4).
Nachdem Dr. E._ im UVG Zwischenbericht vom 24. Oktober 2016 noch eine nächste
Konsultation am 2. November 2016 angegeben und die Dauer der unfallbedingten
Behandlung als ungewiss bezeichnet hatte (act. M4), hielt er im UVG Zwischenbericht
vom 12. Dezember 2016 ohne Angabe eines nächsten Arzttermins die Konsultation
vom 18. Oktober 2016 als letzte Konsultation fest, erklärte in Bezug auf diese den
Behandlungsabschluss und gab an, dass die volle Arbeitsaufnahme durch den
Beschwerdeführer bereits am 3. Oktober 2016 erfolgt sei (act. M5). In beiden UVG
4.1.
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Zwischenberichten hat Dr. E._ sodann als Diagnose ein craniocerebrales
Beschleunigungstrauma Grad II angegeben. Am 19. Dezember 2016 konsultierte der
Beschwerdeführer erneut seinen Hausarzt, wobei er diesem laut Auszug aus der
Krankengeschichte (act. G10.1) schilderte, seit dem Unfall an diversen Stellen, zum
Beispiel tibial rechts bei Belastung (Stehen), Schmerzen zu haben. Die Frage, ob er die
Schmerzen als unfallbedingt betrachte, wurde vom Beschwerdeführer offenbar
verneint. Weiter gab er an, dass eine Physiotherapie aus zeitlichen Gründen nicht
möglich sei. Bezüglich der Nackenschmerzen sei die Situation gut. Dr. E._ verschrieb
wieder Metoprolol sowie ein Magnesiumpräparat bei Bedarf. Auch am 11. Januar 2017
konsultierte der Beschwerdeführer seinen Hausarzt und beklagte neu eine
schmerzhafte, in Ruhe regrediente lokale Schwellung am rechten Unterschenkel. Dr.
E._ erhob als Befund oberflächliche, leicht dilatierte, nicht schmerzhafte Venen,
verschrieb weiterhin Metoprorol bei Bedarf sowie einen Kompressionsstrumpf (act.
G10.1). Am 6. März 2017 folgte wegen Rückenschmerzen und Schmerzen im Bereich
des linken OSG eine notfallmässige Untersuchung des Beschwerdeführers durch die
Ärzte der Klinik für Neurochirurgie, welche die Diagnosen chronische
Rückenschmerzen sowie Verdacht CRPS Fuss links stellten und das Schmerzzentrum
des KSSG ersuchten, den Beschwerdeführer insbesondere für die Abklärung des
CRPS aufzubieten und im Falle, dass sich ein solches bestätigen sollte, eine
entsprechende Therapie einzuleiten (act. M6). Am 20. März 2017 wurde der
Beschwerdeführer im Schmerzzentrum des KSSG untersucht. Dessen Ärzte
diagnostizierten ein chronifiziertes gemischt nozizeptives/neuropathisches
lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit/bei pseudoradikulärer Symtomatik nach
Verkehrsunfall im September 2016 und einen bekannten Migränekopfschmerz und
verneinten ein CRPS (act. M7). Am 19. April 2017 stellte sich der Beschwerdeführer mit
Thoraxschmerzen in der Notaufnahme des Spitals D._ vor, worauf bei ihm nach einer
CT-Untersuchung des Thorax durch die Ärzte der Klinik für Innere Medizin des Spitals
D._ eine ausgeprägte segmentale und subsegmentale Lungenembolie im
Unterlappen beidseits diagnostiziert wurde. Sonographieuntersuchungen des
Abdomens und der Beine vom 20. April 2017 zeigten sodann keine Auffälligkeiten bzw.
ergaben keinen Hinweis auf tiefe Venenthrombosen (act. M8 f.).
Dr. G._ hält in seiner Aktenbeurteilung vom 29. November 2017 (act. M15) eine
Unfallkausalität der Lungenembolie höchstens für möglich. Eine traumatisch
begründbare Lungenembolie setze eine Verletzung der peripheren Venen an den
oberen oder unteren Extremitäten voraus. Für eine solche Verletzung fehlten aber
anamnestische und klinische Hinweise. Dies werde dadurch bestätigt, dass in der
Duplexsonographie der tiefen Beinvenen (vgl. dazu act. M9-2) keine Hinweise für eine
4.2.
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stattgehabte tiefe Venenthrombose gefunden worden seien. Grundsätzlich könne man
deshalb davon ausgehen, dass das venöse System ohne Pathologie gewesen sei und
somit eine Lungenembolie, die normalerweise vom venösen System ausgehe, nicht in
Zusammenhang mit dem Gefässsystem gestanden habe. Eine Gerinnungsstörung wäre
die Voraussetzung für eine traumatisch begründbare Lungenembolie.
Die von Dr. G._ für eine traumatische begründbare Lungenembolie dargestellte
Kausalkette mit primärer Verletzung der peripheren Venen an den oberen oder unteren
Extremitäten mit einer Gerinnungsstörung und nachfolgender Lungenembolie ist
grundsätzlich überzeugend. Seine Ausführungen stehen in Übereinstimmung mit der
medizinischen Literatur, wonach eine Lungenembolie am häufigsten als
Thromboembolie durch eine Thrombuseinschwemmung aus Schenkel- und
Beckenvenen sowie der Vena cava entsteht (ca. 90%), wogegen Beinvenenthrombosen
auch durch einen traumatisch verursachten Gefässwandschaden im Bereich der
unteren Extremitäten verursacht werden können (Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch,
267. Aufl. Berlin/Boston 2017, S. 1073, 1797; Roche Lexikon, Medizin, 5. Aufl.
München 2003, S. 1135 f.; Das MSD Manual, 6. Aufl. Haar 2000, S. 724, 1119). Die
medizinischen Ausführungen von Dr. G._ sind denn auch vom Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers generell unbestritten geblieben. Uneinig ist man sich jedoch in der
individuell-konkreten Würdigung der Verhältnisse des Beschwerdeführers. Während
sich Dr. G._ angesichts der vorliegenden medizinischen Akten auf den Standpunkt
stellt, im konkreten Fall würden Hinweise für eine Venenverletzung und eine Pathologie
im Bereich des venösen Systems des Beschwerdeführers fehlen, wendet der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in der Beschwerde vom 28. November 2018
(act. G1) ein, dass die Annahme, wonach erstmals im März 2017 Schmerzen in den
Beinen geklagt worden seien, falsch und aktenwidrig sei. Wie den echtzeitlichen
Berichten der behandelnden Ärzte entnommen werden könne, habe der
Beschwerdeführer seit dem Verkehrsunfall vom 25. September 2016 durchgehend über
Schmerzen in den Beinen geklagt. Allerdings seien die geklagten Beschwerden von
Dr. E._ nicht ernst genommen worden. Aktenkundig sei - zusätzlich zur
durchgehenden Schilderung von Schmerzen in den Beinen - die während Monaten
ununterbrochene Anwendung von Kompressionsstrümpfen.
4.3.
4.4.
Unbestritten ist, dass im Untersuchungsbericht der Ärzte des Departements
Orthopädie des Spitals D._ über die Erstbehandlung am Unfalltag ausser einem
Beschleunigungstrauma typische Beschwerden - wie Nackenschmerzen, eine
4.4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/19
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Druckdolenz und Bewegungseinschränkung der HWS - keine weiteren Beschwerden
festgehalten sind. Alle Extremitäten wurden als frei beweglich und indolent bezeichnet.
Ferner wurde auch ein Thoraxkompressionsschmerz verneint und in einer
Röntgenuntersuchung des Thorax ein altersentsprechend normaler Herz-Lungen-
Befund, ohne Nachweis eines Pneumothorax oder dislozierter Rippenfrakturen erhoben
(act. M1, M2). Auch in dem am Unfalltag ausgefüllten Dokumentationsbogen für
Erstkonsultation nach craniocervikalem Beschleunigungstrauma wurden keine
Schmerzen und Funktionseinschränkungen an anderer Lokalisation genannt (act. M3).
Der Inhalt der vom Hausarzt Dr. E._ am 24. Oktober und 12. Dezember 2016 der
Beschwerdegegnerin eingereichten UVG-Zwischenberichte stand schliesslich ebenfalls
nur im Zusammenhang mit dem vom Beschwerdeführer beim Auffahrunfall vom 25.
September 2016 erlittenen Beschleunigungstrauma Grad II (act. M4, M5). Die
Beschwerdegegnerin kam damit im angefochtenen Einspracheentscheid vom 1.
November 2018 (act. K47 S. 5 Ziff. 4) zutreffend zum Schluss, dass in den initialen
medizinischen Akten keine Beinschmerzen, insbesondere auch keine Beinverletzungen,
festgehalten sind. Auch dem von Dr. E._ eingereichten Auszug vom 3. März 2020 aus
der Krankengeschichte des Beschwerdeführers (act. G10.1) ist kein Hinweis auf eine
beim Unfall vom 25. September 2016 erlittene Beinverletzung zu entnehmen. Das
Taubheitsgefühl am ganzen rechten Oberschenkel bei der ersten Konsultation von Dr.
E._ am 27. September 2016 (act. G10.1) wurde zwar vom Beschwerdeführer seit
dem Unfall verstärkt wahrgenommen, bestand jedoch bereits seit der
Diskushernienoperation im Jahr 2014. Ein Hinweis auf eine beim Unfall vom 25.
September 2016 erlittene Beinverletzung liegt damit nicht vor. Die vom
Beschwerdeführer anlässlich der Konsultation vom 19. Dezember 2016 und damit
erstmals drei Monate nach dem Unfall vorgebrachten tibialen Schmerzen, welche
angeblich neben anderen Schmerzen seit dem Unfall andauerten, sind kein Hinweis für
eine beim Unfall vom 25. September 2016 erlittene Beinverletzung. Die
Nichterwähnung von spezifischen Beinbeschwerden anlässlich drei vorangegangener
hausärztlicher Konsulationen ist nicht zu erklären, weshalb davon auszugehen ist, dass
zumindest die tibialen Beschwerden neu gewesen sind. Dafür spricht auch der Vermerk
von Dr. E._ in der Konsultationsnotiz vom 19. Dezember 2016 "Frage Unfall-bedingt -
> nein Mg". Befunde wurden ausserdem von Dr. E._ am 19. Dezember 2016 keine
notiert. Er verschrieb dem Beschwerdeführer lediglich ein Magnesiumpräparat. Dafür,
dass Dr. E._ den Beschwerdeführer nicht ernst genommen haben könnte, bestehen
keine Hinweise. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass ein behandelnder Arzt in der
Krankengeschichte die Angaben seines Patienten wahrheitsgetreu festhält und aus
medizinischer Sicht erforderliche Untersuchungen und Behandlungen durchführt. Erst
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einen weiteren Monat später, bei der Konsultation vom 11. Januar 2017, erhob Dr.
E._ sodann als Befund oberflächlich leicht dilatierte Venen und verordnete dem
Beschwerdeführer Kompressionsstrümpfe. Schliesslich ist auch hervorzuheben, dass
von Dr. E._ immer nur ein craniocerebrales Beschleunigungstrauma Grad II
diagnostiziert und die Vorfusskontusion rechts von Juli 2015 lediglich als
Statusdiagnose festgehalten hat.
Es liegt mithin einzig die subjektive und erst rund drei Monate nach dem Unfall
angeführte Angabe des Beschwerdeführers von tibialen Schmerzen seit dem Unfall vor,
welche einem Wahrscheinlichkeitsbeweis für eine beim Unfall vom 25. September 2016
stattgehabte Venenverletzung im Bereich der Beine nicht zu genügen vermag. Der
zeitliche Zusammenhang stellt einen bedeutsamen Umstand im Rahmen der
Kausalitätsbeurteilung dar. So erscheint es offensichtlich, dass in der Regel nur ein
beim Unfall verletzter Körperteil nachfolgende Beschwerden zeitigen kann und eine
massgebende Verletzung im Regelfall zu Schmerzen führt, die unmittelbar im
Anschluss an den Unfall oder zumindest unfallnah auch im entsprechenden Umfang
wahrgenommen und im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung diagnostiziert werden.
In zeitlicher Hinsicht ist eine traumatische Verletzung, direkt oder unmittelbar nachdem
sie sich ereignet, radiologisch am besten sichtbar. Nachfolgend schliesst der
Heilungsprozess an, was in der Regel zu einer stetigen Abnahme der Erkennbarkeit von
Verletzungen führt. Auch klinisch zeigen sich Unfallverletzungen - wie auch
Beinverletzungen - in der Regel unmittelbar nach dem Unfall am auffälligsten, d.h.
präsentieren sich in irgendeiner Form mit entsprechenden Schmerzen und
Funktionseinschränkungen und werden damit zumindest klinisch vermutet. Gerade bei
einer durch einen Unfall verursachten Beinverletzung mit einem Venen- oder
Gefässschaden ist davon auszugehen, dass klinische Befunde erhoben werden
können, welche auf einen starken Schlag oder Stoss gegen den Körper hinweisen. Die
in Erwägung 4.4.1 geschilderten ärztlichen Feststellungen sind jedoch ein gewichtiges
Indiz, welches gegen eine traumatische Bein- oder Venenverletzung spricht bzw. gegen
unmittelbar nach dem Unfall vom 25. September 2016 aufgetretene Beinschmerzen
und damit nicht auf eine überwiegend wahrscheinlich traumatische Genese der
Lungenembolie hindeutet.
4.4.2.
An dieser Beurteilung vermögen auch die Untersuchungsberichte der Ärzte der
Klinik für Neurochirurgie des KSSG vom 8. März 2017 (act. M6) betreffend die
notfallmässige ambulante Untersuchung des Beschwerdeführers vom 6. März 2017
und des Schmerzzentrums des KSSG vom 22. März 2017 betreffend eine
Erstkonsultation vom 20. März 2017 (act. M7) nichts zu ändern. Die Ärzte der Klinik für
4.4.3.
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Neurochirurgie hielten fest, der Beschwerdeführer leide aktuell unter paravertebralen
Rückenschmerzen mit Schmerzausstrahlung in die Oberschenkel, woraus sich keine
spezifische, von den Beinen ausgehende Gesundheitsstörung ableiten lässt (vgl. dazu
Erwägung 4.4.1). Selbst wenn eine solche angenommen würde, ist festzuhalten, dass
die Ärzte - entgegen der Interpretation des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers in
der Beschwerde vom 28. November 2018 - in der Anamnese nicht explizit wegen
dieser Beschwerden eine Abgabe von Analgesie durch den Hausarzt beschrieben
haben. Vielmehr wurde erklärt, dass die weitere Nachbehandlung bei Schmerzen der
HWS und erst "im Verlauf" des gesamten Rückens mit Ausstrahlung in die
Oberschenkel hausärztlich und im Rahmen von Analgesie stattgefunden habe.
Dasselbe ist dem Untersuchungsbericht der Ärzte des Schmerzzentrums zu
entnehmen. Dies stimmt im Übrigen mit den in Erwägung 4.4.2 gemachten
Ausführungen überein. Im Auszug von Dr. E._ vom 3. März 2020 aus der
Krankengeschichte des Beschwerdeführers (act. G10.1) ist keine echtzeitliche,
spezifisch wegen einer Beinproblematik verordnete Analgesie dokumentiert. Die
Medikation diente offensichtlich der Bekämpfung der Nackenbeschwerden. Auch das
von Dr. E._ fortlaufend bei Bedarf verordnete Metroprolol wird nicht bei
Venenproblemen verschrieben (vgl. https://compendium.ch/product/1316855-
metoprolol-mepha-depotabs-25-mg; abgerufen am 12. März 2020). In beiden
obgenannten Untersuchungsberichten wurden zudem chronische Rückenschmerzen
bzw. ein chronifiziertes lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit/bei Status nach
Diskushernienoperation L4/5 rechtsseitig 2014, jedoch mit/bei unauffälliger LWS nach
Auffahrunfall am 25. September 2016 diagnostiziert. Abgesehen davon, dass der
Zusatz "chronisch" samt einem Vorzustand nicht auf eine Traumarelevanz hinweist (vgl.
dazu Pschyrembel, a.a.O., S. 335; Roche Lexikon, a.a.O., S. 334), enthalten die
vorgenannten Diagnosen ebenfalls keinen Hinweis auf eine beim Unfall vom 25.
September 2016 erlittene Bein- bzw. Venenverletzung. Das Gleiche gilt für die
Verdachtsdiagnose eines CRPS Fuss links, welche im Übrigen von den Ärzten des
Schmerzzentrums des KSSG im Rahmen ihrer Untersuchungen vom 20. März 2017
nicht bestätigt werden konnte (act. M7). Laut Anamnese des Untersuchungsberichts
des Schmerzzentrums wurde angeblich der linke Fuss des Beschwerdeführers wegen
Schmerzen im Bereich des linken OSG "ebenfalls im Rahmen des Verkehrsunfalls" in
einer Orthese ruhiggestellt, welche der Beschwerdeführer seit Oktober 2016
konsequent zur Mobilisation trage. Den Akten lässt sich jedoch - wie bereits ausführlich
dargelegt (vgl. Erwägung 4.4.1) - weder entnehmen, inwiefern eine Orthese indiziert
gewesen sein könnte, noch dass eine solche tatsächlich ärztlich verordnet wurde.
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Die vom Beschwerdeführer am 19. April 2017 (act. M8) gegenüber den Ärzten
der Klinik für Innere Medizin des Spitals D._, welche die Lungenembolie
diagnostizierten, gemachten Angaben - er habe über Wochen im "ganzen Körper"
Schmerzen verspürt, ebenso eine Schwellung und Schmerzen in beiden Beinen, die mit
Kompressionsstrümpfen behandelt worden seien, wobei eine diesbezügliche
Abklärung nicht erfolgt sei - entsprachen zum damaligen Zeitpunkt der dokumentierten
Aktenlage. Aus ihnen ergeben sind jedoch keine neuen Hinweise auf eine
Traumarelevanz der beklagten Beschwerden oder für eine (bereits) beim Unfall vom 25.
September 2016 erlittene Bein- oder Fuss- und Venenverletzung (vgl. Erwägung 4.4.1).
Die anamnestischen Angaben derselben Ärzte im Austrittsbericht vom 21. April 2017
(act. M9) - es lasse sich ein Autounfall von vor etwa sechs Monaten erheben, seit dem
immer wieder Beinschmerzen mit Schwellung aufgetreten wären - lassen sich nämlich,
wie dargelegt (vgl. Erwägung 4.4.1), anhand der Akten nicht belegen. Tibiale
Schmerzen und ausdrückliche Beinschmerzen mit Schwellung wurden erstmals von Dr.
E._ rund drei bzw. dreieinhalb Monate nach dem Unfall anlässlich der Konsultationen
des Beschwerdeführers vom 19. Dezember 2016 und 11. Januar 2017 dokumentiert
(act. G10.1). Die Ärzte der Klinik für Innere Medizin des Spitals D._ folgerten zwar im
Austrittsbericht vom 21. April 2017, dass sie am ehesten von einer Lungenembolie
aufgrund einer Thrombose nach dem traumatischen Ereignis vor sechs Monaten
ausgehen würden (act. M9). Abgesehen davon, dass die Formulierung "am ehesten"
vage ist und mit einem "am ehesten" vorstellbaren Sachverhalt auch kein Sachverhalt
belegt ist, der überwiegend wahrscheinlich zutrifft, basiert die Beurteilung der Ärzte
einzig auf einer zeitlichen Abfolge, welche zumindest in Fällen, in denen das Vorliegen
einer strukturellen Verletzung nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden kann, keinen genügenden Beweis darstellt
(vgl. dazu die beweisrechtlich untaugliche Formel "post hoc ergo propter hoc" in: BSK
UVG-Hofer, a.a.O., N 67 zu Art. 6; Alfred Maurer, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 460 Fn. 1205). Eine stichhaltige
medizinische Kausalitätsbegründung ist dem Bericht jedenfalls nicht zu entnehmen.
Vielmehr wurde festgehalten, dass sich in der Duplex-Sonographie der tiefen
Beinvenen kein Hinweis auf eine rezente tiefe Venenthrombose gezeigt habe. Da sich
der beratende Prof. F._ in seinem, den natürlichen Kausalzusammenhang
bejahenden Bericht vom 22. Mai 2017 nur auf diesen Bericht stützte und seine
Auffassung ansonsten nicht begründete (act. M10), vermag dessen Auffassung die
Beurteilung von Dr. G._ nicht in Zweifel zu ziehen. Schliesslich bezeichneten auch die
Ärzte der Klinik für Neurologie des KSSG die Lungenembolie im April 2017 im
Untersuchungsbericht vom 6. Oktober 2017 (act. M12) als ätiologisch ungeklärt, am
4.4.4.
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ehesten auch unprovoziert. Provoziert bei möglicher tiefer Venenthrombose (i.R. der
Diagnose Auffahrunfall am 25. September 2016) wurde lediglich als
Differentialdiagnose festgehalten (act. M12). Als solche bezeichnet man eine Diagnose,
die alternativ als Erklärung für die erhobenen Befunde oder Symptome
(Krankheitszeichen) in Betracht zu ziehen ist und damit nicht eindeutig feststeht.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich - wie von Dr. G._ anhand der
von ihm aufgezeigten Kausalitätskette angenommen und schlüssig begründet - in
Bezug auf den konkreten Fall aufgrund der anfänglichen medizinischen Aktenlage,
insbesondere der ursprünglich gestellten Unfalldiagnosen und auch der nachfolgend
erhobenen Befunde ohne radiologische oder klinische Hinweise auf eine bedeutsame
Beinverletzung mit Gefässverletzung, keine Anhaltspunkte für eine natürliche
Unfallkausalität der am 19. April 2017, d.h. rund sechs Monate nach dem Autounfall
vom 25. September 2016, diagnostizierten Lungenembolie ergeben. Da echtzeitlich
weder eine Bein-/Fussverletzung noch eine andere strukturelle Verletzung dokumentiert
ist, fehlt der von Dr. G._ erklärten Kausalkette, wie sie für eine traumatische Genese
der Lungenembolie erforderlich wäre, die Grundlage. Dass eine Bein-/Fussverletzung
ganz allgemein zu einem Gefässwandschaden, ein solcher zu einer Thrombose und
eine solche letztlich zu einer Lungenembolie führen kann, ist nicht in Abrede zu stellen,
doch muss eben im Einzelfall eine traumatische Gefässverletzung stattgefunden haben
bzw. rechtsgenüglich nachgewiesen sein, was vorliegend nach dem Gesagten nicht
der Fall ist.
4.4.5.
Dr. G._ erwähnt in seiner Aktenbeurteilung vom 29. November 2017 sodann
spontan auftretende Lungenembolien, deren Ursache unbekannt seien. Sie seien
ätiologisch gerinnungsphysiologisch unklar. Ein Zusammenhang mit dem Unfallereignis
wäre jedoch in diesem Fall höchstens dann anzunehmen, wenn die Lungenembolie
subakut nach dem Ereignis aufgetreten wäre. Nach sechs Monaten - der an sich
unbestrittenen Latenzzeit bis zur Diagnose der Lungenembolie (Unfall: 25. September
2016; Diagnose Lungenembolie: 19. April 2017 act. M8]) - sei diese Verknüpfung sehr
unwahrscheinlich. Auch diese Feststellung erscheint schlüssig und nachvollziehbar. So
ist allgemein zu sagen, dass die Anforderungen an den Beweis des natürlichen
Kausalzusammenhangs im Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit strenger sind,
je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Eintritt der Schädigung
ist (RKUV 1997 Nr. U 275 S. 191 E. 1c; Urteil des Bundesgerichts vom 26. September
2008, 8C_102/2008, E. 2.2). Die unfallunabhängigen Vorgänge, die sich in einem
menschlichen Körper während einer längeren Zeit abspielen können, sind vielfältig.
Selbst wenn nicht von einer mehrmonatigen Beschwerdefreiheit im Bereich der Beine
4.5.
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5.