Decision ID: 56388a2f-c6e1-4ff8-8404-6336338bf596
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Pensionskasse,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
und
KL._,
Beigeladene,
betreffend
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Rente für ML._ sel.
Sachverhalt:
A.
ML._ hatte sich am 14. April 2007 zum Bezug einer Invalidenrente angemeldet, da sie
an einem Karzinom mit Rezidiv leide (act. G 10.1.6). Am 18. Mai 2007 verstarb sie (act.
G 10.1.19). Im Arztbericht vom 21. Mai 2007 gab ihr Hausarzt, Dr. med. A._, Arzt für
Allgemeinmedizin FMH, an, sie sei seit 1. Januar 2006 zu 100% arbeitsunfähig
gewesen (act. G 10.1.15). B._, Praktischer Arzt, vom Regionalen Ärztlichen Dienst
der Invalidenversicherung (RAD) erachtete die Beurteilung des Hausarztes in seiner
Stellungnahme vom 29. Juni 2007 als plausibel (act. G 10.1.22). Daraufhin stellte die IV-
Stelle dem Ehemann der Versicherten mit Vorbescheid vom 1. August 2007 in Aussicht,
dass für die Zeit vom 1. Januar bzw. Februar bis 31. Mai 2007 eine ganze
Invalidenrente ausgerichtet werde (act. G 10.1.28).
B.
Am 27. August 2007 erhob die Pensionskasse Einwand gegen den Vorbescheid und
machte geltend, eine allfällige massgebliche Arbeitsunfähigkeit sei erst nach dem 1.
Januar 2006 eingetreten (act. G 10.1.32). Die IV-Stelle unterbreitete diesen Einwand
dem Ehemann der verstorbenen Versicherten, der sich an den Hausarzt wandte. Dr.
A._ hielt mit Stellungnahme vom 23. Oktober 2007 an seiner ursprünglichen
Beurteilung fest (act. G 10.1.35), was vom RAD am 25. Februar 2008 als
nachvollziehbar bezeichnet wurde (act. G 10.1.39). Mit Verfügung vom 10. April 2008
sprach die IV-Stelle für die Versicherte eine ganze Invalidenrente für die Zeit vom 1.
Januar bis 31. Mai 2007 zu (act. G 10.1.45).
C.
C.a Mit Eingabe vom 8. Mai 2008 erhebt die Pensionskasse Beschwerde und
beantragt, die Verfügung vom 10. April 2008 sei aufzuheben. Die Angelegenheit sei zur
neuen Festsetzung des Beginns der Wartefrist und der Ausrichtung der Rente an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur Begründung macht sie im Wesentlichen
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geltend, die Beschwerdegegnerin habe ihre Verfügung nicht auf echtzeitliche
medizinische Akten abgestützt, die eine dauernde Arbeitsunfähigkeit der Versicherten
ab 1. Januar 2006 bestätigen würden. Der Bericht des Hausarztes vom 21. Mai 2007
sei stark retroaktiv und schon aus diesem Grund mit echtzeitlichen Akten zu ergänzen.
Dass der RAD den Bericht als plausibel bezeichnet habe, genüge den Anforderungen
des Beweisgrads der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht. Die Versicherte sei -
nach einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit vom 6. Dezember 2004 bis 16. Juni 2005 und
einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit vom 17. Juni bis 31. August 2005 - ab 1. September
2005 zu 100% arbeitsfähig gewesen. Zudem habe die Beschwerdegegnerin
unberücksichtigt gelassen, dass Leistungen bei einer verspäteten Anmeldung gemäss
Gesetz lediglich für die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate ausgerichtet
würden (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 14. November 2008 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie im
Wesentlichen vor, im vorliegenden Beschwerdeverfahren habe sie den Hausarzt Dr.
A._ um eine genauere Begründung der ab Januar 2006 attestierten 100%igen
Arbeitsunfähigkeit ersucht. Ausserdem habe sie von diesem das medizinische
Aktenmaterial betreffend die Versicherte einverlangt, das ihr am 21. August 2008
zugestellt worden sei. Darunter befänden sich zahlreiche Berichte des Kantonsspitals
St. Gallen (KSSG), Fachbereich Onkologie/Hämatologie. Aus dem Schreiben des
Hausarztes vom 31. Juli 2008 gehe hervor, dass sich der Gesundheitszustand der
Versicherten im Sommer 2005 trotz intensiver Therapie erheblich verschlechtert habe.
Es sei ab dann nur noch um deren Überleben gegangen; über eine Arbeitsunfähigkeit
sei nicht mehr diskutiert worden. Am 9. Oktober 2008 habe sie (die
Beschwerdegegnerin) den RAD-Arzt C._ befragt, ob nach den eingeholten
medizinischen Unterlagen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen
werden könne, dass bereits ab Januar 2006 eine andauernde Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 40% vorgelegen habe. Dieser habe die Frage in Würdigung der
eingeholten Akten bejaht. Dieser plausiblen und einleuchtenden Beurteilung sei nichts
hinzuzufügen (act. G 10).
C.c Mit Replik vom 28. Januar 2009 hält die Beschwerdeführerin an ihrem Antrag fest.
Die nun vollständig vorliegenden Akten enthielten weiterhin keine echtzeitliche
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Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit der Versicherten für den Zeitraum ab Januar
2006. Zwei weitere Berichte bzw. Stellungnahmen von Dr. A._ enthielten
augenscheinliche Ungenauigkeiten und aktenwidrige Feststellungen. Zudem weise er in
seinem Schreiben vom 31. Juli 2008 (wahrscheinlich ungewollt) auf den Grund hin,
weshalb er eine Arbeitsunfähigkeit ab 1. Januar 2006 bestätigt habe: Nach dem Tod
der Versicherten habe deren Ehemann nach einer Entschädigung durch die
Pensionskasse gefragt. Die weiteren Ausführungen von Dr. A._ zeigten deutlich, dass
er das Datum des 1. Januar 2006 bewusst gewählt habe, um die Leistungspflicht der
Pensionskasse auszulösen. Die nachträglich von Dr. A._ abgegebene Beurteilung sei
mit den Akten nicht kongruent. Hingegen könne gestützt auf die nun vorliegenden
Akten nachvollzogen werden, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten ab
Sommer 2006 deutlich und rapide verschlechtert habe. Die von Dr. A._ erwähnte
invasive Therapie sei denn auch ab Juni 2006 in den medizinischen Akten ausführlich
dokumentiert (act. G 15).
C.d Mit Eingabe vom 3. Februar 2009 hält die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag
fest und verzichtet auf weitere Ausführungen (act. G 17).
C.e Mit Schreiben vom 9. Februar 2009 gelangt die Gerichtsleitung an den Ehemann
der Versicherten und fordert ihn auf, dem Gericht bekanntzugeben, wie sich die
Erbengemeinschaft zusammensetzt und welche Erben die Erbschaft angetreten haben
(act. G 18). In der Folge reicht der Ehemann die Erbbescheinigung des Amtsnotariats
vom 13. Juni 2007 ein, wonach er und die zwei Söhne der Versicherten als Erben
anerkannt seien und die vorbehaltlose Annahme der Erbschaft erklärt hätten. Die
Söhne haben die Erbschaft an ihren Vater abgetreten (act. G 22), welcher als
Beigeladener im vorliegenden Verfahren auf eine Stellungnahme verzichtet, jedoch die
Frage nach der Beschwerdelegitimation der Beschwerdeführerin aufwirft (vgl. act. G 19
und 21).
C.f Am 9. März 2009 fordert die Gerichtsleitung die Beschwerdeführerin auf,
darzulegen, ob und inwieweit sie ein aktuelles Interesse am Rechtsstreit betreffend
Invalidenrente habe (act. G 23). In ihrer Stellungnahme vom 23. April 2009 (Datum
Postaufgabe) begründet sie ihre Legitimation mit der grundsätzlich bindenden Wirkung
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des invalidenrechtlichen Entscheids (act. G 26). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf
eine Stellungnahme zu diesem Schreiben (act. G 28).
C.g Am 23. Februar 2010 fordert das Gericht Dr. A._ zur Einreichung der
vollständigen Krankengeschichte der Versicherten auf und erkundigt sich, ob es sich
bei dem in seinem Schreiben vom 31. Juli 2008 an die Beschwerdegegnerin (act. G
10.2) genannten Datum vom 29. August 2005, ab dem die Versicherte für immer
arbeitsunfähig gewesen sei, um einen Verschrieb in der Jahreszahl handle und er in
Wirklichkeit das Jahr 2006 gemeint habe (act. G 30). Am 8. März 2010 reicht Dr. A._
die Krankengeschichte ein. Bei seinem Schreiben vom 31. Juli 2008 handle es sich
wirklich um einen Verschrieb. Vom 6. Dezember 2004 bis 16. Juni 2005 habe die
Arbeitsunfähigkeit 100% betragen, vom 17. Juni bis 28. August 2005 50%.
Anschliessend habe die Versicherte trotz schwerster Erkrankung ihre Arbeit
wiederaufgenommen. Ab 1. Januar 2006 betrage die Arbeitsunfähigkeit 100% "gemäss
Gutachten für die Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen" (act. G 31).
C.h Am 16. März 2010 stellt das Gericht Prof. Dr. med. D._, Chefarzt Innere Medizin
Onkologie/Hämatologie am KSSG, der die Versicherte onkologisch behandelt hatte,
einen Auszug aus der von Dr. A._ erstellten Krankengeschichte zu und ersucht ihn,
gestützt auf diese sowie seine eigenen Unterlagen den Verlauf der Arbeitsfähigkeit der
Versicherten zu beurteilen (act. G 32). Im Bericht vom 29. März 2010 hält Prof. Dr.
D._ fest, die Versicherte habe im Jahr 2006 bereits eine relevante körperliche
Beeinträchtigung bezüglich ihrer Arbeitsfähigkeit gehabt. Nach den Operationen mit
Nervus phrenicus links und Vena anonyma und extraanatomischer Lungenresektion
linker Oberlappen (22. März 2005) sei ihr höchstens noch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
zuzumuten gewesen. Offenbar habe sie bis zum 31. Dezember 2005 zu 50%
gearbeitet, was er als maximal zumutbare Arbeitsleistung einschätze. Er gehe davon
aus, dass am 1. Januar 2006 eine mehr als 50%ige Arbeitsfähigkeit nicht gegeben
gewesen sei (act. G 33).
C.i Am 8. April 2010 gewährt das Gericht den Verfahrensbeteiligten das rechtliche
Gehör betreffend die neu eingeholten Akten (act. G 34). Während der Beigeladene auf
eine Stellungnahme hierzu verzichtet, halten die Beschwerdegegnerin und die
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Beschwerdeführerin mit Eingaben vom 12. bzw. 22. April 2010 je an ihren Anträgen fest
(act. G 35 f.).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht eine befristete Rente für die Zeit bis 31. Mai 2007 im Streit steht,
sind vorliegend die bis zum 31. Dezember 2007 geltenden materiellen Bestimmungen
anwendbar.
2.
In formeller Hinsicht stellt sich die Frage nach der Beschwerdelegitimation der
Beschwerdeführerin. Diese verweist in ihrer Stellungnahme vom 23. April 2009 auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach die Verfügung der Beschwerdegegnerin
für sie (die Beschwerdeführerin) bindende Wirkung entfalte, wenn sie in Rechtskraft
erwachse, woraus sich ein gesetzlich geschütztes Beschwerderecht ergebe. Sie
verweist in diesem Zusammenhang auf Art. 49 Abs. 4 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1). In BGE 132 V 5 E.
3.3.1 führte das Bundesgericht aus, indem die Invaliditätsbemessung der
Invalidenversicherung für die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge
prinzipiell bindend sei, sei sie geeignet, die Leistungspflicht des BVG-Versicherers in
grundsätzlicher, zeitlicher und masslicher Hinsicht im Sinne von Art. 49 Abs. 4 ATSG
(unmittelbar) zu berühren. Die Organe der beruflichen Vorsorge seien daher zur
Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle über den Rentenanspruch als solchen
oder den Invaliditätsgrad berechtigt; ebenso sei der BVG-Versicherer befugt,
Verwaltungsgerichtsbeschwerde ans Eidgenössische Versicherungsgericht gegen
Entscheide kantonaler Gerichte in Streitigkeiten um eine Rente der
Invalidenversicherung zu führen. Die gegenteilige Auffassung des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen (IV 2008/109) hat das Bundesgericht mit
Entscheid 9C_51/2009 vom 30. April 2009 verworfen und an seiner bisherigen
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Rechtsprechung festgehalten. Unter diesen Umständen ist die Beschwerdelegitimation
der Beschwerdeführerin zu bejahen, weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist.
3.
3.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs.1 ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (aArt. 7 ATSG). Nach aArt. 28
Abs. 1 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60%
invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf
eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
3.2 Gemäss aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens in dem
Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich zu 40% arbeitsunfähig gewesen ist. Zudem muss nach
Ablauf des Wartejahrs zukünftig eine Erwerbsunfähigkeit von mindestens 40%
gegeben sein (BGE 121 V 273). Das Wartejahr beginnt in demjenigen Zeitpunkt, in dem
die Arbeitsunfähigkeit der versicherten Person mindestens 20% beträgt (AHI-Praxis
1998, 124 E. 3c SVR-IV 1998 Nr. 7, 27), zu laufen und dauert so lange, bis sie
grundsätzlich den für die Entstehung des Rentenanspruchs relevanten Wert für die
Dauer eines Jahres erreicht hat. Meldet sich die versicherte Person mehr als zwölf
Monate nach Entstehen des Anspruchs an, so werden die Leistungen grundsätzlich
lediglich für die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate ausgerichtet (aArt. 48
Abs. 2 IVG).
3.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
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und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten.
4.
4.1 Vorliegend umstritten und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Beginn
des Wartejahrs im Sinn von aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG zu Recht auf den 1. Januar 2006
festgesetzt hat.
4.2 Die angefochtene Verfügung stützt sich auf den Bericht von Dr. A._ vom 21. Mai
2007, in welchem dieser der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 1. Januar
2006 attestiert hat (act. G 10.1.15), auf die Stellungnahmen des RAD-Arztes B._vom
29. Juni 2007, der diesen Bericht bzw. "die spärlichen medizinischen Unterlagen" als
plausibel erachtete (act. G 10.1.22) sowie auf die weitere Stellungnahme von Dr. A._
vom 23. Oktober 2007 (act. G 10.1.35) und jene der RAD-Ärzte B._ und Dr. C._
vom 25. Februar 2008 (act. G 10.1.39). Mit der Beschwerdeführerin ist davon
auszugehen, dass die Berichte von Dr. A._ vom 21. Mai und 23. Oktober 2007 keine
ausreichende Grundlage für die Zusprache einer Invalidenrente darstellen, enthalten sie
doch mehr oder weniger nur die Diagnosen sowie eine rückwirkende Festlegung der
Arbeitsfähigkeit, die nicht weiter begründet wird (act. G 10.1.15 und 5.1.35). Die
Zurückdatierung der 100%igen Arbeitsunfähigkeit auf den 1. Januar 2006 kann
aufgrund dieser Berichte nicht nachvollzogen werden; allein gestützt auf die Diagnose
darf jedenfalls nicht auf den Umfang der Arbeitsfähigkeit geschlossen werden. Unter
diesen Umständen vermögen auch die entsprechenden Stellungnahmen des RAD nicht
zu überzeugen.
Damit steht fest, dass die Beschwerdegegnerin im Verwaltungsverfahren den
Untersuchungsgrundsatz verletzt hat, indem sie den medizinischen Sachverhalt nur
unzureichend abgeklärt hat. Vor diesem Hintergrund hat die Beschwerdegegnerin
unabhängig vom Ausgang dieses Verfahrens die anfallenden Gerichtskosten zu tragen,
beruht die angefochtene Verfügung doch auf einem ungenügend abgeklärten
Sachverhalt, weshalb ihre Anfechtung grundsätzlich zu Recht erfolgt ist. Ebenso muss
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die Beschwerdegegnerin für die Kosten der - an sich von ihr vorzunehmenden -
zusätzlichen Abklärungen aufkommen.
4.3 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens hat die Beschwerdegegnerin weitere
medizinische Akten eingeholt und diese dem RAD wiederum zur Stellungnahme
vorgelegt (vgl. act. G 8), woraufhin Dr. C._ am 7. und 20. Oktober 2008 im Ergebnis
(bezügliche Beginn des Wartejahrs) an seiner ursprünglichen Einschätzung festhielt
(act. G 8.1 und 10.2). Auch diese Beurteilungen vermögen jedoch nicht zu überzeugen,
ging Dr. C._ in diesen Berichten "nur noch" von einer mindestens 40%igen
Arbeitsunfähigkeit der Versicherten aus, ohne die Abweichung zu früheren RAD-
Beurteilungen und zur Einschätzung von Dr. A._, die von einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit ausgingen, zu begründen.
Den von der Beschwerdegegnerin im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingeholten
medizinischen Unterlagen kann keine echtzeitliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der
Versicherten entnommen werden (act. G 10.3). Bis Juni 2006 haben offenbar
regelmässig "übliche Verlaufskontrollen" stattgefunden, wobei im radiologischen
Untersuchungsbericht des KSSG vom 31. Januar 2006 festgehalten wurde,
vergleichend zur Voruntersuchung vom 10. August 2005 sei neu ein mittelvolumiger,
rechts-dorsaler Pleuraerguss (ca. 600 ml) mit zusätzlich neu abgrenzbarem, ca. 1.2 cm
grossem Lymphknoten präcarinär (3 lma 14) sowie bis 9 mm subcarinär (3 lma 16)
aufgetreten. In der Nachkontrolle vom 7. Februar 2006 wurde ein starker broncho-
pulmonaler Infekt festgestellt. Im Bericht des KSSG vom 13. Juni 2006 wurde
festgehalten, erfreulicherweise zeige die Thoraxuntersuchung bezüglich der
Tumorsituation keinen Hinweis für neue Läsionen bzw. eine Progredienz der
posttherapeutischen Residuen. Bezüglich der Leber sei das Bild nicht ganz konklusiv,
jedoch fänden sich zumindest keine neuen Herde und den Bereich im Narbengebiet
nach Metastasektomie würden sie (die Ärzte) anlässlich der Kontrolle in einem halben
Jahr erneut bildgebend dokumentieren. Im Bericht vom 27. Juni 2006 führte Dr. A._
aus, die Versicherte zeige seit 15. Juni 2006 zunehmende Zeichen einer oberen
Einflussstauung mit oedematöser Schwellung des rechten Arms und einem
Medusenhaupt im Bereich der oberen Thoraxaperatur. Er habe ihr eine stationäre
Abklärung am KSSG empfohlen. In der Folge war die Versicherte vom 28. Juni bis 6.
Juli 2006 am KSSG hospitalisiert. Wie dem Bericht des KSSG vom 7. Juli 2006
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entnommen werden kann, wurden bei dieser Hospitalisation verschiedene Eingriffe
durchgeführt, nämlich am 29. Juni und 6. Juli eine Dilatation und ein Cava-Stent sowie
am 5. Juli 2006 Ausbau eines nicht mehr funktionierenden Port-a-Cath. Ab September
2006 häufen sich die medizinischen Abklärungen und Untersuchungen noch mehr (vgl.
Zusammenstellung in der RAD-Stellungnahme vom 7. Oktober 2008, act. G 10.2).
Diesen Arztberichten kann entnommen werden, dass sich der Gesundheitszustand der
Versicherten im Lauf des Jahres 2006 deutlich verschlechtert hat. Allerdings lässt sich
anhand dieser Berichte nicht zuverlässig feststellen, ab wann die Versicherte in ihrer
Arbeitsfähigkeit dauernd im Ausmass von mindestens 20% eingeschränkt war. Aus
diesem Grund hat das Gericht bei Dr. A._ und Prof. Dr. D._ weitere Abklärungen
vorgenommen.
4.4 In diesem Zusammenhang geht aus der von Dr. A._ erstellten Krankengeschichte
(act. G 31.1) hervor und ist im Übrigen unbestritten, dass die Versicherte vom 6.
Dezember 2004 bis 16. Juni 2005 (erneut) zu 100% und vom 17. Juni bis 28. August
2005 zu 50% arbeitsunfähig gewesen ist. Bei dieser Beurteilung handelt es sich um
echtzeitliche Arbeitsfähigkeitsschätzungen, hat die Versicherte die betreffenden Daten
doch auch in der Anmeldung zum Bezug einer Invalidenrente genannt, wobei sie
allerdings angab, bis 31. August 2005 zu 50% arbeitsunfähig gewesen zu sein (act. G
10.1.6-5); gleichlautende Angaben machte auch die Arbeitgeberin (act. G 10.1.23-4).
Der weitere Verlauf der Arbeitsfähigkeit ist nicht echtzeitlich dokumentiert. Aus dem
Umstand, dass Dr. A._ der Versicherten ausdrücklich eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
bis 28. August 2005 attestiert hat, darf nicht ohne Weiteres geschlossen werden, dass
die Versicherte danach wieder in höherem Ausmass bzw. gar zu 100% arbeitsfähig
gewesen ist. Daraus, dass die Versicherte im Juli 2005 ihre Arbeitstätigkeit wieder
aufgenommen hat, kann jedenfalls keine Steigerung der Arbeitsfähigkeit abgeleitet
werden, war die Versicherte doch in einem 50%-Pensum tätig, so dass sie ihre Arbeit
grundsätzlich auch bei Bestehen einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit erledigen konnte
(vgl. act. G 10.1.37). Aus den Zeiterfassungen der Arbeitgeberin geht im Übrigen
hervor, dass die Versicherte effektiv weniger als 50% gearbeitet hat (Ferienbezüge,
Verrechnung Fehlzeiten mit Überzeit; vgl. act. G 10.1.37-4 bis 10). Auch aus den
weiteren Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass sich der
Gesundheitszustand der Versicherten in jenem Zeitpunkt erheblich und für längere Zeit
verbessert hätte. In diesem Sinn hielt auch Prof. Dr. D._ in seinem Bericht vom 29.
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März 2010 fest, die von der Versicherten bis 31. Dezember 2005 innegehabte 50%ige
Tätigkeit schätze er als maximal zumutbare Arbeitsleistung ein (act. G 33). Es ist somit
davon auszugehen, dass die Versicherte über Ende August 2005 hinaus weiterhin zu
50% arbeitsunfähig war.
Zu prüfen bleibt damit, wann sich der Gesundheitszustand der Versicherten weiter
verschlechtert hat bzw. ob ab 1. Januar 2006 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
ausgegangen werden kann; für eine zwischenzeitliche Verbesserung gibt es in den
Akten keinerlei Anhaltspunkte. Prof. Dr. D._ führte aus, die Versicherte habe zu
Beginn des Jahres 2006 einen starken broncho-pulmonalen Infekt erlitten, der zum
Zeitpunkt der CT-Untersuchung vom 7. Februar 2006 noch angedauert habe und durch
einen Pleuraerguss rechts und auch vergrösserte Lymphknoten im Thoraxbereich
begleitet worden sei, die wegen der Infektsituation als möglicherweise noch reaktiv
interpretiert worden seien. Er habe ihr dann Antibiotika verschrieben und Dr. A._
gebeten, sie kurzfristig bezüglich des Therapieeffekts und der Therapiedauer zu
kontrollieren. Es sei vereinbart worden, im Juni 2006 eine nächste onkologische Re-
Evaluation durchzuführen. Bei der CT-Untersuchung im Juni 2006 habe sich
überraschend gezeigt, dass die Versicherte Lungenembolien habe, weswegen er (Prof.
Dr. D._) sofort Dr. A._ informiert habe, damit er mit der Blutverdünnung habe
beginnen können. Dies habe alles gut geklappt. Er gehe davon aus, dass die
Versicherte von Januar bis Juni 2006 im Wesentlichen von Dr. A._ betreut worden
sei. Mindestens während der Zeit des broncho-pulmonalen Infekts sei die
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen (act. G 33). Der von Dr. A._ erstellten
Krankengeschichte kann entnommen werden, dass die Versicherten ihn in der Zeit von
Januar bis und mit Mai 2006 wie folgt aufgesucht hat: dreimal im Februar (14., 17. und
28.), zweimal im April (4. und 7.) sowie einmal im Mai (19.). Anzeichen dafür, dass sich
der Zustand der Versicherte durch den broncho-pulmonalen Infekt nachhaltig (weiter)
verschlechtert hätte, können den betreffenden Aufzeichnungen nicht entnommen
werden, vermerkte Dr. A._ doch sowohl am 17. als auch am 28. Februar 2006 "AZ
gut". Hingegen ist ab Juni 2006 von einer drastischen und rapiden Verschlechterung
des Gesundheitszustands der Versicherten auszugehen, häufen sich ab jenem Monat
doch die Konsultationen bei Dr. A._ (act. G 31.1). Prof. Dr. D._ berichtete, Ende
Juni (Hospitalisation 28. Juni bis 6. Juli 2006) habe sich trotz Antikoagulation eine
obere Einflussstauung gebildet, weswegen die Vena cava dilatiert und ein Cava-Stent
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habe eingelegt werden müssen. Die Thrombose der Vena cava superior sei als
paraneoplastische Hyperkoagulabilität unter Antikoagulation mit Marcoumar
interpretiert worden und weise darauf hin, dass sich zu diesem Zeitpunkt leider wieder
eine relevante Tumoraktivität bemerkbar gemacht habe. Aus Erfahrung müsse bei
klinischem Auftreten solcher Zustände davon ausgegangen werden, dass die
Tumoraktivität bereits vorher wieder in Gang gekommen sei und den Zustand der
Versicherten sicherlich negativ beeinflusst habe. Da er sie in dieser Zeit jedoch nicht
gesehen habe, könne er keine Aussage zum Ausmass der Beeinträchtigung machen
(act. G 33). Gestützt auf diese Aktenlage ist davon auszugehen, dass sich der
Gesundheitszustand der Versicherten spätestens im Juni 2006 massiv und dauerhaft
verschlechtert hat, so dass ab 1. Juni 2006 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von
einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist.
4.5 Nach dem Gesagten ist die Versicherte vom 6. Dezember 2004 bis 16. Juni 2005 zu
100%, vom 17. Juni 2005 bis 31. Mai 2006 zu 50% und ab 1. Juni 2006 bis zu ihrem
Tod zu 100% arbeitsunfähig gewesen. Folglich ist das Wartejahr im Sinn von aArt. 29
Abs. 1 lit. b IVG am 1. Dezember 2005 abgelaufen, wobei die durchschnittliche
Arbeitsunfähigkeit über 70% lag. Ab jenem Zeitpunkt hatte die Versicherte somit
grundsätzlich Anspruch auf eine Invalidenrente. Zu beachten gilt allerdings, dass sie
sich erst am 14. April 2007 zum Bezug einer Invalidenrente angemeldet hat (act. G
10.1.6-8), so dass gemäss Art. 48 Abs. 2 IVG lediglich für die zwölf der Anmeldung
vorangehenden Monate Leistungen auszurichten sind. Damit erweist sich die
angefochtene Verfügung als nicht korrekt. Sie ist daher aufzuheben, und die Sache ist
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese gestützt auf die vorliegend
ermittelten Ergebnisse die geschuldeten Leistungen neu festsetzt und ausrichtet.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Die angefochtene
Verfügung vom 7. März 2008 ist aufzuheben, und die Sache ist zur Festsetzung und
Ausrichtung der geschuldeten Leistungen im Sinn der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
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5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von insgesamt Fr. 600.--
erscheint vorliegend als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat eine
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Dementsprechend ist der von der
Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückzuerstatten. Die
im Gerichtsverfahren angefallenen Abklärungskosten im Umfang von Fr. 300.--
(Rechnung Prof. Dr. D._ vom 31. März 2010) sind ebenfalls durch die
Beschwerdegegnerin zu tragen.
5.3 Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (vgl. Art. 68 Abs. 3 des
Bundesgesetzes über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110], der für das kantonale
Verfahren analog angewendet werden kann).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht