Decision ID: 5513dcd4-5a7f-5624-9d9e-393ff25d00d3
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am (...) im Empfangs- und Verfahrens-
zentrum (EVZ) B._ um Asyl nach. Dort wurde er zu seinen Persona-
lien, zu seinem Reiseweg und summarisch zu seinen Fluchtgründen be-
fragt (Befragung zur Person [BzP]). Für den Aufenthalt während der Dauer
des Asylverfahrens wurde er am (...) dem Kanton C._ zugewiesen.
Am (...) wurde er in Bern-Wabern von einer Mitarbeiterin des SEM vertieft
angehört.
A.b Anlässlich der BzP und der Anhörung machte der Beschwerdeführer
im Wesentlichen geltend, er sei türkischer Staatsangehöriger kurdischer
Ethnie sowie alevitischen Glaubens und stamme aus D._, habe
aber seit (...) mit seiner Familie in E._ gelebt. Nach Abschluss des
Gymnasiums im Jahr (...) habe er (...) studiert, das Studium aber wegen
Problemen mit einem Professor nach drei Jahren abgebrochen. Danach
habe er – wie schon während des Studiums – auf Abruf für eine (...) als
(...) gearbeitet.
Im Jahr (...) habe er den Militärdienst angetreten. Nach der 45-tägigen
Rekrutenzeit sei er in F._ stationiert worden und habe als (...) ge-
dient. Während des Militärdienstes sei es zu Vorfällen gekommen, die ihn
psychisch sehr belastet hätten. So sei er Zeuge von zwei Bombenanschlä-
gen, welche zahlreiche Todesopfer gefordert hätten, geworden. Der erste
Anschlag, welcher sich mutmasslich gegen die Teilnehmer einer Demonst-
ration der Halkların Demokratik Partisi (HDP) gerichtet habe, habe sich im
(...) am (...) F._ ereignet, an dem er zufällig als (...) vorbeigekom-
men sei. Im (...) habe er vor dem Generalstab in G._ einen zweiten,
gegen einen Bus der (...) gerichteten Anschlag erlebt. Er habe dann den
Pflegedienst des Militärs um Unterstützung bei der Verarbeitung der Erleb-
nisse ersucht, was ihm aber verwehrt worden sei. Ausserdem sei er nach
dem zweiten Anschlag von Kommandanten in der Kaserne als Kurde ver-
bal und physisch angegriffen worden; unter anderem sei er mit einem Mili-
tärgurt derart heftig geschlagen worden, dass die Narben nach wie vor
sichtbar seien. Überhaupt sei er während seiner Dienstzeit wegen seiner
kurdischen Abstammung ständig unterdrückt, beschimpft und beleidigt
worden. Als er zudem (...) – wie rund 250 weitere Soldaten – eine Lebens-
mittelvergiftung erlitten habe, habe er auf der Krankenstation keine ange-
messene Behandlung erhalten. Nach der Entlassung aus dem Militärdienst
(...) habe er die Hilfe eines Freundes, der in E._ als (...) gearbeitet
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habe, in Anspruch genommen. Mit ihm habe er über das Erlebte sprechen
können und er habe Schlaftabletten erhalten, welche er aber – aus Angst
vor einer Abhängigkeit – nicht eingenommen habe.
Politisch sei er nie besonders aktiv gewesen. Er habe aber mit der HDP
sympathisiert und vor dem Eintritt in den Militärdienst mehrmals in
E._ an Demonstrationen, an welchen mehr Demokratie gefordert
worden sei, teilgenommen sowie Freunden beim Verteilen von Broschüren
geholfen. Bei den Demonstrationen sei jeweils die Zivilpolizei vor Ort ge-
wesen und habe versucht, die Kundgebungen aufzulösen. Er selber sei in
diesem Zusammenhang jedoch nie in Konflikt mit den Behörden geraten.
Des Weiteren sei er seit seiner Kindheit Mitglied des Kurdischen Vereins
im H._-Quartier in E._ gewesen. Wie seine Verwandten und
andere Vereinsmitglieder sei er einige Male von Beamten der benachbar-
ten Polizeistation beschimpft worden. Nach dem letzten verbalen Angriff im
(...) sei ihm erneut bewusst geworden, dass es für ihn als Kurde in seine
Heimat keine Zukunft gebe. Ausserdem habe er sich nach wie vor nicht in
einer guten psychischen Verfassung befunden und daher den Lebensalltag
in der Türkei kaum mehr bewältigen können. Mit Hilfe eines Schleppers,
der ihm einen gefälschten Pass besorgt habe, sei er (...) von K._
nach L._ geflogen und dann über die Balkanroute bis in die Schweiz
gereist. Er habe einige Male an Anlässen eines HDP-Vereins in C._
und einmal en einer Art Konzert in I._ teilgenommen; im Übrigen sei
er in der Schweiz nicht politisch aktiv.
A.c Der Beschwerdeführer reichte im Verlauf des vorinstanzlichen Verfah-
rens ausser seiner türkischen Identitätskarte (Nüfus) keine weiteren Doku-
mente oder Beweismittel zu den Akten.
A.d Aus der ORBIS/CS-VIS-Datenbank geht hervor, dass dem Beschwer-
deführer im Jahr (...) zwecks Besuchs von Verwandten in J._ ein
zweimonatiges Schengen-Visum (gültig vom ...) ausgestellt worden war.
Dazu gab er an, ein Cousin habe ihn zu sich nach J._ eingeladen,
nachdem er von seinen psychischen Problemen erfahren habe. Noch vor
Ablauf der Gültigkeitsdauer des Visums sei er wieder in die Türkei zurück-
gekehrt.
B.
Mit Verfügung vom 28. August 2020 – eröffnet am 3. September 2020 –
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stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg und
ordnete den Wegweisungsvollzug an.
C.
Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 23. September 2020 beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragte, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen
und es sei ihm Asyl zu gewähren. Allenfalls sei festzustellen, dass der Voll-
zug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei, und es
sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht
ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Beiordnung eines
amtlichen Rechtsbeistandes, eventualiter um Wiederherstellung der auf-
schiebenden Wirkung.
Mit der Beschwerdeschrift reichte der Beschwerdeführer die angefochtene
Verfügung (im Original), diverse Aktenkopien des vorinstanzlichen Verfah-
rens sowie Unterlagen der Ausgleichskasse des Kantons C._ ein.
D.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 24. Septem-
ber 2020 den Eingang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des Asylgesetzes vom 26. Juni
1998 in Kraft getreten (AS 2016 3101). Für das vorliegende Verfahren gilt
das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Ände-
rung des AsylG [SR 142.31] vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist – unter nachfolgendem Vorbehalt (vgl. E. 1.5) – einzutreten.
1.5 Der Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung
zu, und diese wurde von der Vorinstanz auch nicht entzogen (vgl. Art. 55
VwVG). Auf den Eventualantrag, es sei die aufschiebende Wirkung wieder-
herzustellen, ist daher mangels Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten.
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.2 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt wird, handelt es sich um eine solche, weshalb das
Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken.
Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie-
hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
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begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss
entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; vielmehr müssen
konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch
und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss gemäss Art. 7 AsylG die Flüchtlingsei-
genschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Abs. 1). Glaub-
haft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhan-
densein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2).
Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu
wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht
entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit-
tel abgestützt werden (Abs. 3).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
4.
4.1 Das SEM gelangte in seiner angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen
an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG noch denjenigen an die
Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG stand.
4.1.1 Es stellte dabei (vgl. SEM-Verfügung vom 28. August 2020 Ziff. II. 1.)
vorab fest, bei den vom Beschwerdeführer geschilderten Vorfällen habe es
sich nicht um gegen seine Person gerichtete Verfolgungsmassnahmen ge-
handelt. So habe der erste Anschlag mutmasslich den Teilnehmern einer
kurdischen Demonstration und der zweite Anschlag einem militärischen
Fahrzeug gegolten, und der Beschwerdeführer habe sich jeweils rein zu-
fällig als (...) in der Nähe befunden. Die Angaben des Beschwerdeführers,
er sei nach dem zweiten Anschlag von militärischen Vorgesetzten aufgrund
seiner kurdischen Abstammung verbal und physisch angegriffen worden,
führten zu keinem anderen Schluss, wobei diesbezüglich auf die Erwägun-
gen unter Punkt 2 und 4 der (angefochtenen) Verfügung verwiesen werden
könne. Was die offenbar (...) erlittene Lebensmittelvergiftung angehe, so
habe der Beschwerdeführer angegeben, dass nicht nur er, sondern rund
250 andere Soldaten ebenfalls davon betroffen gewesen seien; seinen
Aussagen lasse sich auch in diesem Zusammenhang nichts entnehmen,
was auf einen gezielt gegen seine Person gerichteten Angriff hindeuten
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würde; die Ausführungen, auf der Krankenstation keine angemessene Be-
handlung erhalten zu haben, vermöchten an dieser Einschätzung nichts zu
ändern (vgl angefochtene Verfügung Ziff. II. 2.).
Sodann hielt das SEM in Bezug auf die geltend gemachten Behelligungen
durch die türkischen Behörden (durch die militärischen Vorgesetzten wäh-
rend der Dienstzeit, aber auch ausserhalb des Militärdienstes, etwa durch
die Beamten der Polizeistation beim Kurdischen Verein neben dem
H._-Quartier) fest, es sei allgemein bekannt, dass Angehörige der
kurdischen Minderheit in der Türkei Schikanen und Benachteiligungen ver-
schiedenster Art ausgesetzt sein könnten. Dabei handle es sich indessen
nicht um ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgesetzes, die einen Ver-
bleib im Heimatstaat verunmöglichten oder unzumutbar erschwerten. Aus
diesem Grund führe die allgemeine Situation, in der sich die kurdische Be-
völkerung befinde, gemäss gefestigter Praxis für sich allein nicht zur Aner-
kennung der Flüchtlingseigenschaft. Diese Einschätzung gelte trotz der
sich nach dem Putschversuch im Juli 2016 allgemein verschlechternden
Menschenrechtslage in der Türkei, von der auch die Kurden, insbesondere
im Südosten des Landes, betroffen seien. Auch die im vorliegenden Fall
geltend gemachten Benachteiligungen und Schikanen gingen in ihrer In-
tensität nicht über die Nachteile hinaus, welche weite Teile der kurdischen
Bevölkerung in ähnlicher Weise treffen könnten. Ohne zu verkennen, dass
derartige Behandlungen für bestimmte Personen mit einem höheren Lei-
densdruck verbunden seien als für andere, sei aufgrund der Darlegungen
des Beschwerdeführers kein unerträglicher psychischer Druck auf ihn er-
kennbar, welchem er sich nur durch seine Ausreise hätte entziehen kön-
nen. Die vorgebrachte subjektive Unerträglichkeit der Situation vermöge
für sich allein den gesetzlichen Anforderungen für die Anerkennung der
Flüchtlingseigenschaft nicht zu genügen.
Ferner führte die Vorinstanz zur Frage der Furcht vor künftiger Verfolgung
aus, die vom Beschwerdeführer geltend gemachten politischen Aktivitäten
(er habe lediglich mit der HDP sympathisiert und gelegentlich Freunde
beim Verteilen von Broschüren unterstützt sowie – letztmals im Jahr (...) –
an Demonstrationen teilgenommen) genügten nicht, um begründete Furcht
vor einer zukünftigen flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung anzuneh-
men (vgl. angefochtene Verfügung Ziff. II. 3.).
4.1.2 Des Weiteren stellte das SEM fest, die Darstellungen des Beschwer-
deführers in Bezug auf den Vorfall bei seiner Rückkehr in die Kaserne nach
dem zweiten Bombenanschlag im (...) wichen grundlegend voneinander
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ab. Unabhängig von den aufgeführten Glaubhaftigkeitsmängeln könnte
dieser einmalige Vorfall auch nicht für die Ausreise kausal angesehen wer-
den, habe der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang auch keine
Befürchtungen in Bezug auf künftige Ereignisse geltend gemacht.
4.1.3 Schliesslich lieferten auch die Asylakten der in der Schweiz lebenden
Verwandten keine Anhaltspunkte für die Annahme, dass er in der Heimat
eine flüchtlingsrelevante Gefährdung zu befürchten hätte.
4.2 In der Beschwerdeschrift (vgl. S. 2 f.) macht der Beschwerdeführer gel-
tend, er habe in der Türkei keine finanziellen, sondern politische Probleme
gehabt. Er sei während seiner Militärzeit wegen seiner kurdischen Ethnie
Schikanen und körperlichen Übergriffen ausgesetzt gewesen und – auch
unter Todesdrohungen – aufgefordert worden, Guerillas umzubringen. Da-
her habe er Angst, im Falle seiner Rückkehr umgebracht zu werden. Vor
seiner Ausreise aus der Türkei habe er psychische Probleme gehabt; auch
kurz nach der Einreise in die Schweiz habe er schlecht schlafen können.
Mittlerweile gehe es ihm gut; er arbeite seit über zwei Jahren in der
Schweiz und beziehe kein Geld vom Sozialamt.
4.3 Die Ausführungen in der Beschwerde sind – unabhängig von der Tragik
der Ereignisse im Heimatland des Beschwerdeführers – nicht geeignet, die
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz hinsichtlich der Qualifizierung der
vom Beschwerdeführer geltend gemachten Probleme vor, während und
nach seiner Militärdienstzeit sowie in Bezug auf eine Furcht vor einer künf-
tigen Verfolgung zu entkräften, weshalb – zur Vermeidung von Wiederho-
lungen – im Wesentlichen auf die in der angefochtenen Verfügungen ent-
haltenen entsprechenden Ausführungen verwiesen werden kann.
4.3.1 Wie das SEM im Übrigen zutreffend bemerkte, machte der Be-
schwerdeführer nie geltend, in exponierter Stellung für eine der kurdischen
Parteien tätig gewesen und dementsprechend das Interesse der Behörden
an ihm geweckt zu haben. Vielmehr brachte er vor, lediglich Sympathisant
der (grundsätzlich legalen) HDP gewesen zu sein, stets nur als Mitläufer –
und nur vor Antritt des Militärdienstes im Jahr (...) – an Demonstrationen
teilgenommen zu haben und persönlich nie in Konflikt mit den Behörden
geraten zu sein (vgl. Akten SEM A25 zu F138 ff. und F151).
4.3.2 Was den geltend gemachten Angriff bei der Rückkehr in die Kaserne
nach dem Bombenanschlag vom (...) betrifft, so gab der Beschwerdeführer
in der BzP – entgegen der Feststellung des SEM – nicht zu Protokoll, es
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habe sich um zwei Kommandanten gehandelt; vielmehr sprach er unbe-
stimmt von Kommandanten (vgl. A8 Ziff. 7.01). Diese Tatsache vermag in-
dessen nichts daran zu ändern, dass er in der BzP behauptete, zusätzlich
von rund 10 Soldaten angegriffen worden zu sein, wohingegen er in der
Anhörung angab, sich nur an zwei Vorgesetzte erinnern zu können und
nicht zu wissen, ob allenfalls noch weitere Personen anwesend gewesen
seien (vgl. A25 zu F89). Die auf Vorhalt abgegebene Erklärung, er habe
den Kopf nicht hochheben und daher nicht sehen können, ob allenfalls zu-
schauende Personen auch angegriffen hätten (vgl. A25 zu F152), vermag
die besagte Unstimmigkeit nicht zu beseitigen. Entscheidend ist indessen
ohnehin, dass die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, unabhängig von
der Frage der Glaubhaftigkeit fehle es an der erforderlichen Kausalität zwi-
schen diesem Vorfall und der Ausreise.
4.3.3 In Ergänzung zu den Ausführungen der Vorinstanz (vgl. angefoch-
tene Verfügung S. 7, 4. Abschnitt) ist festzuhalten, dass die in der Schweiz
wohnhaften, über einen Asylstatus verfügenden Verwandten des Be-
schwerdeführers bereits zwischen 1996 und 2003 in die Schweiz eingereist
sind, und der Beschwerdeführer auch keinerlei Reflexverfolgung geltend
gemacht hatte.
4.3.4 Das SEM hat sodann – ohne die Erlebnisse des Beschwerdeführers
bagatellisieren oder seine beeinträchtigte psychische Verfassung in Ab-
rede stellen zu wollen – zutreffend festgestellt, es sei kein unerträglicher
psychischer Druck auf den Beschwerdeführer erkennbar. Der durch einen
Eingriff in die geschützten Rechtsgüter entstandene unerträgliche psychi-
sche Druck ist gemäss der schweizerischen Asylpraxis dann beachtlich,
wenn die Massnahmen und deren Auswirkungen den weiteren Verbleib im
Heimatstaat als objektiv unzumutbar erscheinen lassen. Diese Vorausset-
zungen sind vorliegend nicht erfüllt, dies umso weniger, als der Beschwer-
deführer nach seinem Aufenthalt in Deutschland freiwillig in sein Heimat-
land zurückkehrte.
4.3.5 Schliesslich könnte dem Beschwerdeführer auch aufgrund des vor-
gebrachten, sehr niederschwelligen exilpolitischen Engagements in der
Schweiz (mehrmaliger Besuch eines HDP-Vereins in C._, einma-
lige Teilnahme an einem Konzert in I._; vgl. A25 zu F146 f.) keine
öffentliche Exponierung zugesprochen werden, welche durch seine Per-
sönlichkeit oder durch die Form des Auftritts und des Inhalts der in der Öf-
fentlichkeit abgegebenen Erklärungen den Eindruck erwecken könnten, er
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stelle eine Gefahr für das politische System dar (vgl. BVGE 2009/28
E. 7.4.3).
4.4 Nach dem Gesagten hat das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft
des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
5.
5.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE
2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
6.
6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
6.2
6.2.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht
erfüllt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33
Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG – wie in der angefochtenen
Verfügung zutreffend bemerkt wurde – nicht anwendbar.
6.2.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des
Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für
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den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe
oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen
Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Fol-
terausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real
risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rück-
schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Ur-
teil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, §§ 124127 m.w.H.). Das ist ihm jedoch – insbesondere auch
mit dem nicht weiter substanziierten Hinweis, bei einer Rückkehr in die Tür-
kei würde er vom Militär bedroht (vgl. Beschwerde S. 5) – nicht gelungen.
6.2.3 Der Vollzug der Wegweisung ist demnach zulässig.
6.3
6.3.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
6.3.2 Gemäss konstanter Praxis und selbst unter Berücksichtigung der
Entwicklungen im Nachgang des Putschversuchs vom Juli 2016 ist nicht
davon auszugehen, dass in der Türkei eine landesweite Situation allgemei-
ner Gewalt herrscht. Auch in den vorwiegend von Kurden besiedelten Pro-
vinzen im Osten und Südosten des Landes ist nicht von einer flächende-
ckenden Situation allgemeiner Gewalt oder bürgerkriegsähnlichen Verhält-
nissen auszugehen (vgl. Urteil des BVGer E-3042/2017 vom 28. Juli 2017
E. 6.2.2 sowie das Referenzurteil E-1948/2018 vom 12. Juni 2018 E. 7.3).
Ausgenommen sind die Provinzen Hakkari und Sirnak; den Wegweisungs-
vollzug dorthin erachtet das Bundesverwaltungsgericht aufgrund einer an-
haltenden Situation allgemeiner Gewalt als unzumutbar (vgl. BVGE 2013/2
E. 9.6). Demnach ist der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers
in die Provinz E._, wo seine Eltern nach wie vor leben, als generell
zumutbar zu erachten.
6.3.3 Aus den Akten ergeben sich auch keine Hinweise darauf, dass der
Beschwerdeführer im Falle seiner Rückkehr in die Türkei aus individuellen
Gründen in eine existenzbedrohende Situation geraten könnte. Wie in der
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angefochtenen Verfügung zutreffend festgestellt wurde, verfügt der Be-
schwerdeführer nicht nur über eine gute schulische und berufliche Ausbil-
dung (vgl. A25 zu F31 ff.), sondern in E._ und in K._, wo
seine beiden Geschwister leben, auch über ein familiäres Beziehungsnetz,
auf dessen Unterstützung er bei der Rückkehr in sein Heimatland zählen
kann (vgl. A25 zu F8 ff.).
Schliesslich steht auch der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
dem Vollzug der Wegweisung nicht entgegen. Gemäss seinen Angaben litt
er vor der Ausreise aus der Türkei unter psychischen Problemen; in der
Schweiz gehe es ihm aber gut, und die Schlafstörungen, unter denen er
nach seiner Einreise in die Schweiz noch gelitten habe, hätten sich bald
verbessert (vgl. A25 zu F4 ff.). Sollten im Fall seiner Rückkehr erneut
schwerwiegende psychische Probleme auftreten, so könnten diese auch in
der Türkei behandelt werden. Das SEM stellte diesbezüglich zutreffend
fest, insbesondere in den Gross- und Provinzhauptstädten der Türkei sei
die ambulante Betreuung psychischer Kranker sichergestellt. In Ergänzung
dazu ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer gemäss seinen
Angaben in der Türkei einen Freund hat, der (...) ist und dessen Hilfe er
bereits nach der Rückkehr aus dem Militärdienst in Anspruch genommen
hatte (vgl. A8 Ziff. 8.02 und A25 zu F107–118).
6.3.4 Demnach erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch nicht als
unzumutbar.
6.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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8.
8.1 Das Gesuch um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses
(Art. 63 Abs. 4 VwVG) ist mit vorliegendem Direktentscheid gegenstands-
los geworden.
8.2 Die mit der Beschwerde gestellten Gesuche um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 VwVG und um Beiordnung einer
amtlichen Rechtsverbeiständung im Sinne von aArt. 110a Abs. 1 AsylG
sind – unbesehen des Umstandes, dass der Beschwerdeführer einer Er-
werbstätigkeit nachgeht und daher kaum als bedürftig zu betrachten ist –
abzuweisen, da sich die Begehren, wie sich aus den vorstehenden Erwä-
gungen ergibt, als aussichtslos erwiesen haben.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.–– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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