Decision ID: 030728ad-ed6f-587e-ba9d-6b45be7aa93b
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der
1961
geborene
X._
war zuletzt
vo
m
1.
Juni 1998
bis 31.
Januar 2014
als
Chauffeur
bei der
Y._
AG
angestellt und im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei der
Suva
gegen die Folgen von Un
fällen versichert. Mit Schadenmeldung UVG vom
3
0.
Januar 2012
liess er der
Suva
mitteilen, dass er am
1
7.
Januar 2012
auf einer Leiter abgerutscht und auf eine Abgrenzungsstange gefallen sei und sich dabei eine Prellung des Steiss
beins
zugezogen habe (Urk.
12/1
und
Urk.
13/
69
).
Der am 1
8.
Januar 2012 kon
sultierte erstbehandelnde Dr. med.
Z._
, Allgemeinarzt, stellte die vorläufige Diagnose eines Steissbeinbruchs (Bericht vom
1
1.
April 2012; Urk. 12/10).
Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld;
Urk.
12/2).
1.2
Der Versicherte
zog sich
am 1
7.
beziehungsweise 2
3.
Januar 2013 bei einem
weiteren
Unfall wiederum eine Steissbeinprellung
zu
(Unfallmeldung vom 1
8.
April 2013;
Urk.
13/2
; vgl. auch
Urk.
12/67
),
was
zunächst
aufgrund von Missverständnissen am 2
6.
Februar 2013
als einen am 2
3.
Januar 2013 erlitte
nen Rückfall
gemeldet
wurde (Urk.
12/17).
Die Suva erbrachte
erneut
die gesetz
lichen Leistungen (Heilbehandlung und
Taggeld;
Urk.
1
3
/
12
).
1.3
Mit
Mitteilung vom 2
4.
Mai 2016 beziehungsweise
Verfügung vom
1
5.
Juni 2016
schloss die
Suva
den Fall per
3
0.
Juni 2016
ab, stellte die Heilkosten- und Taggeldleistungen in beiden Schadenfällen ein und
sprach dem Versicherten ab
1.
Juli 2016
eine Invalidenrente auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von
10
% und eines versicherten Jahresverdienstes von
Fr.
66'433.--
zu (
Urk.
12/52
,
Urk.
13/189
und
Urk.
12/56
).
Die vom Versicherten gegen diesen Entscheid er
hobene
Einsprache vom
2
4.
Juni 2016
(Urk.
12/60
) wies die
Suva
am
18.
August 2016
ab (Urk.
2/
1
).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
2
5.
August 2016 beim Sozialversicherungs
gericht des Kantons
A._
Beschwerde (
Urk.
1
,
Urk.
6
)
, auf welche dieses mit Verfügung vom 1
4.
Oktober 2016 nicht eintrat und die Sache am 2
0.
Oktober 2016 zuständigkeitshalber
an das
hiesige Gericht über
wies (Urk.
4).
Er
beantragte
sinngemäss
,
der
Einspracheentscheid
vom
1
8.
August 2016
sei aufzuheben und es sei
ihm eine höhere Rente zuzusprechen
.
Am
21.
Dezember 2016
(Urk.
11
) beantragte die
Suva
die
Abweisung der Beschwerde
. Der Be
schwerdeführer nahm dazu mit Eingabe vom 1
6.
Januar 2017 Stellung (
Urk.
16). Am 3
0.
Januar 2017 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die Ab
gabe einer einlässlichen Duplik (
Urk.
19),
was dem Beschwerdeführer
am
6.
Februar 2017
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
20
).
Mit Beschluss vom 1
6.
März 2018 (
Urk.
21; zugestellt am 2
1.
März 2018;
Urk.
22) setzte das hiesige Gericht dem Beschwerdeführer Frist
an
, um zu der in Aussicht gestellten Rück
weisung der Sache und des damit verbundenen Risikos einer möglichen Schlechterstellung Stellung zu nehmen oder die Beschwerde zurückzuziehen. Der Beschwerdeführer liess sich in der Folge nicht vernehmen, weshalb davon ausgegangen wird, dass er auf eine Stellungnahme verzichtet und an der Be
schwerde festhält.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgeset
zes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallver
sicherung (UVV) in Kraft getre
ten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sach
verhalt ver
wirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Än
derung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufs
krankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Die
hier zu beurteilende
n
Unfälle
haben
sich am
1
7.
Januar 2012 und
wohl am 1
7.
Januar
2013
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zi
tiert werden.
1.2
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüberge
hen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invaliden
rente und ei
ne Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortset
zung der ärzt
lichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszu
standes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Ein
gliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschl
ossen sind (vgl.
Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2
UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2.
Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
In diesem Zeitpunkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2.
Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfä
higkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist
. Die Verwendung des Be
griffes „
namhaft" in Art.
19 Abs.
1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art.
10 Abs.
1 UVG er
hoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglich
keit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen
–
wie etwa einer Badekur
–
zu erwartender ge
ringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durch
führung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versi
cherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2.
Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbes. auf BGE
134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_6
39/2014 vom 2. Dezember 2014 E.
3).
1.
3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(
Urk.
2/
1
) damit, dass
- aus näher dargelegten Gründen -
auf das mit Bericht der Rehaklinik
C._
vom 2
6.
November 2014 sowie
mit
B
e
gutachtung vom 1
6.
März 2016 de
finierte Zumutbarkeitsprofil abgestellt werden könne
(S. 4-7)
.
Demnach sei der Beschwerdeführer in einer leichten bis mittelschweren, wechselbelastenden, hauptsächlich stehenden und gehenden Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig. Da sich in der
(Suva-internen) Arbeitsplatzdokumentation (
DAP
)
keine dazu passenden Stellenprofile fänden, sei für die Berechnung des Invalideneinkommens auf die
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (
LSE
)
abzustellen. Es be
stehe
ein IV-Grad von 10
%
(S. 7-10). Der versicherte Verdienst betrage
Fr.
66'433.--, woraus sich eine Invalidenrente von monatlich
Fr.
442.90 ergebe (S. 10).
In ihrer
Beschwerdeantwort (
Urk.
11
) hielt sie ergänzend fest,
die beiden Unfälle seien als banal zu qualifizieren. In seiner
„
Aussage der ersten Stunde
“
habe
d
er
Beschwerdeführer
von einem Sturz aus
1.80 Metern Höhe berichtet, wobei er auf einer Höhe von circa 0.90 Metern
mit dem Gesäss
auf die Ecke einer Stahl
mulde geprallt sei (S. 3 und S. 5). Im
von der Invalidenversicherung bei
Dr.
med.
B._
,
Facharzt FMH für Rheumatologie und Facharzt FMH für Innere Medizin,
in Auftrag gegebenen rheumatologischen Gutachten
werde nicht zwi
schen unfallbedingten und unfallfremden Einschränkungen unterschieden. Inso
fern könne auf dessen Beurteilung im vorliegenden Verfahren nicht abgestellt werden (S. 5).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
sein Gesundheitszustand sei auf den Unfall (Sturz aus vier Metern Höhe) zu
rückzuführen und nicht auf sein Übergewicht.
Das Übergewicht sei im von der IV-Stelle bei
Dr.
B._
in Auftrag gegebenen Gutachten nicht erwähnt worden.
Er sei Lastwagenchauffeur. Aufgrund seiner Beschwerden sei es ihm
weder mög
lich, ein Fahrzeug zu führen, noch
sich ohne Krücken fortzubewegen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass seine Beschwerden lediglich eine IV-Rente von 10
%
wert seien.
Aufgrund seines Unfalls sei er depressiv geworden und habe täglich Kopfschmerzen.
Im Laufe des Verfahrens (
Urk.
16
) hielt er ergänzend fest,
er sei zwar bei seinem ersten Unfall aus 1.80 Metern Höhe gestürzt, bei seinem zweiten jedoch vom Dach seines Lastwagens aus 4 Meter Höhe. Während seines Aufenthalts in der Rehaklinik
C._
habe der für ihn zuständige
Arzt
falsche Diagnosen gestellt, nachdem
ihm
lediglich ein MRI des Rückens und
keine MRI
des Steissbeins und des Beckens
vorgelegen hätten
.
3.
3.1
Nach seinem ersten Unfall am 1
7.
Januar 2012 stellte
Dr.
med.
D._
am 23. Mai 2012 die Diagnose einer leichten Subluxation des zweiten Steiss
beinglieds sowie eine
r
leicht dislozierte
n
Fraktur. Der Beschwerdeführer habe am 3
0.
April 2012 seine Arbeit wieder voll aufgenommen, die Behandlung sei am
9.
Mai 2012 abgeschlossen worden (
Urk.
12/14).
3.2
Nach
dem
zweiten wohl am 1
7.
Januar 2013 erlittenen Sturz
berichtete Dr.
E._
von einer Steissbeinfraktur in Höhe des vorletzten Segmentes (Röntgen Becken und Os
coccygeum
vom 2
8.
Januar 2013;
Urk.
13/31/3). Dem CT der Lendenwirbelsäule
(LWS)
vom 2
5.
Februar 2013 ist zudem ein Hämatom linke Gesässhälfte mit
Dysästhesien
lateraler linker Fuss, Höhe L5/S1 keine Her
nie, keine Kompression, Höhe L4/L5
Discushernie
postero
-median rechtsseitig, Höhe L3/L4 keine
Discushernie
sowie Höhe L2/L3 und L1/L2 keine
Discushernie
, keine Kompression zu entnehmen. Es beständen keine knöchernen Läsionen im
lumbosacralen
Bereich, welche als Unfallfolgen zu werten seien, hingegen de
generative Veränderungen der kleinen Wirbelgelenke
(Urk.
13/31/4
)
.
3.3
Kreisarzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Chirurgie,
stellte
nach seiner Un
tersuchung vom
1.
November 2013 (
Urk.
13/50
) folgende Diagnosen (S. 4):
-
Status nach Steissbeinfraktur 2012
-
Status nach Beckenprellung 1
7.
Januar 2013 nach Sturz mit weiterem Abklä
rungsbedarf
-
a
ktuell: teils immobilisierende Beschwerden, vor allem linkes Gesäss und lin
ke untere Extremität
-
u
nfallfremd multiple degenerative Veränderungen mit
Discushernie
im LWS-Bereich und rezidivierende
n
Kopfschmerzen linksseitig
Dazu führte er aus,
bei der Untersuchung würden sich drei Probleme separieren lassen. Zum einen beständen Beschwerden im Be
reich der Spitze des Steissbein
s bei einem Zustand nach Fraktur 201
2.
Das Steissbein
sei beim Ereignis
vom 17.
Januar 2013 wohl nicht refrakturiert
worden
, in einem zeitnah im Februar 2013 durchgeführten CT würden die Veränderungen eher älter aussehen. Zum anderen beständen
lumbalgiforme
Kreuzschmerzen, welche jedoch unfallfremd seien. Die Hauptproblematik seien aber die Schmerzen im linken
Glutealbereich
, ins Bein ziehend bis in den Fuss und hier auch das Taubheitsgefühl.
Diese seien überwiegend wahrscheinlich dem Unfallereignis zuzuordnen, es bestehe weiterer Abklärungsbedarf (S.
5
).
3.4
Oberarzt
Dr.
m
ed.
G._
von der Orthopädie und
Wirbelsäulenchirurgie des Universitätsspitals Basel berichtete am 1
8.
März 2014 (
Urk.
13/80)
,
die Ursache der chronischen invalidisierenden Beinschmerzen links bleibe weiterhin unklar. Eine relevante Pathologie im Bereich der Wirbelsäule, welche die Beschwerden erk
lären könnte, finde sich nicht
(S. 2)
.
3.
5
Dr.
med.
H._
von der
I._
berichtete zum MRT des Beckens vom
4.
Juli 2014 (
Urk.
13/103)
,
es bestehe eine unauffällige
Glutealre
gion
beidseits ohne Nachweis einer pathologischen Raumforderung
oder insbe
sondere eines Hämatom
s, ebenso ein unauffälliger Verlauf des
Nervus
ischiadi
cus
durch das
Becken bis in den proximalen Oberschenkel sowie eine unauffäl
lige Darstellung der knöchernen und muskulären Strukturen auf Höhe des Be
ckens.
3.
6
Die behandelnden
Fachpersonen
der Rehaklinik
C._
, wo sich der Beschwer
deführer vom 2
7.
Oktober bis 2
8.
November 2014
aufgehalten hatte
, stellten im Austrittsbericht vom 2
6.
November 2014 (
Urk.
13/129) folgende
– gekürzt wi
dergegebenen -
Diagnosen
(S. 1
f.)
:
-
Steissbeinschmerzen nach Unfall vom 1
7.
Januar 2013
-
Steissbeinfraktur nach Unfall im Januar 2012
-
Degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule
-
R
ezidivierende Kopfschmerzen linksseitig
-
Status nach zweifacher Stent-Einlage im Jahre 2009
-
Reizlose
Sigmadivertikulose
-
Vergrösserte Prostata
-
Leichte depressive Episode
Dazu hielten sie fest,
es sei eine erhebliche Symptomausweitung beobachtet worden. Die Resultate der physischen Leistungstests seien deshalb für die Beur
teilung der zumutbaren körperlichen Belastbarkeit nur teilweise verwertbar. In einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit sei der Beschwerdeführer
jedoch
ganztags arbeitsfähig. Aufgrund der Beschwerden am Os
coccyg
i
s
müsse die Tä
tigkeit wechselbelastend sein
,
bei sitzender
Tätigkeit könne ein
Sitzring
indiziert sein. Von der Fortsetzung der Behandlung könne keine namhafte Besserung mehr erwartet werden
(S. 2 f.).
3.
7
Im von der IV-Stelle des Kantons
J._
in Auftrag gegebenen
bidis
ziplinären
Gutachten vom 1
6.
und 1
7.
Juni 2015 (
Urk.
13/155 und Urk. 13/156) stellten PD
Dr.
med.
K._
, Spezialarzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie für Erwachsene, und
Dr.
B._
folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit (
Urk.
13/155/14 und
Urk.
13/
156 S.
18):
-
Pseudoarthrose einer dislozierten Fraktur des Os
coccygis
, erlitten infolge Sturz am 1
7.
Januar 2012
-
Status nach
Retraumatisierung
der Steissbeinregion am 2
3.
Januar 2013
-
Reaktives chronisches Schmerzsyndrom in der Sitzbeinregion links und we
niger in der LWS-Region mit/bei
-
medianer
Diskusprotrusion
L4/5 und L5/S1 (MRI BWS
, LWS vom
4.
Juli 2014 und Becken vom 2
9.
Oktober 2014)
Dazu führte
Dr.
B._
aus,
es bestehe eine
chronifizierte
subjektiv erheblich emp
fundene Schmerzsymptomatik mit stärkster Schmerzangabe im Os
coccygis
-Bereich und dann etwas weniger im
Sacrum
-Bereich, in etwa gleich stark im Sitzbeinbereich links und etwas weniger im Bereiche der LWS (S. 20).
Im Rahmen der Begutachtung seien weitere bildgebende Abklärungen
(vgl.
Urk.
13/156/26)
getätigt worden. Diese hätten eine Verschiebung des
distalsten
Teils des Os
coccygis
im Vergleich der liegenden Aufnahme im MRI zur stehen
den Röntgenaufnahme gezeigt. Die Fraktur sei also nicht geheilt. Es handle sich hier um eine Pseudoarthrose dieser Os
coccygis
-Fraktur. Es finde sich
damit
ei
ne organische Schmerzursache am Hauptschmerzort. Die übrigen Schmerzen im Sitzbeinbereich und im LWS-Bereich seien wohl reaktiv im Sinne einer wahr
scheinlich muskulär bedingten
Dysbalance
und kämen durch die Entlastungs
haltung mit jeweils atypischer Sitzposition zustande. Die Beschwerden, welche beim Sitzen auf dem Steissbein ausgelöst würden, seien damit erklärt. In der angestammten Tätigkeit als Chauffeur bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Der Beschwerdeführer gebe an, nur 10 Minuten sitzen und 10 Minuten laufen zu können, dies sei aufgrund der Fraktur nachvollziehbar. Mit einem derartigen Profil könne er keiner leichten Tätigkeit nachgehen, auch in einer angepassten Tätigkeit bestehe demnach keine Arbeitsfähigkeit (S. 21 f.).
3.
8
Gemäss Stellungnahme von Kreisarzt
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Chirurgie FMH, vom
2.
Juli 2015 (
Urk.
13/157) seien die von
Dr.
B._
beschriebenen Be
schwerden am Os
coccygis
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 1
7.
Januar 2012 oder 1
7.
Januar 2013 zurückzuführen. Die am 1
7.
Januar 2012 erlittene Fraktur des Os
coccygis
sei abgeheilt, beim Ereignis vom 1
7.
Februar (r
ichtig:
Januar) 2013 habe der Beschwerdeführer keine struk
turell objektivierbaren unfallbedingten Veränderungen an der Wirbelsäule erlit
ten.
3.
9
Dr.
med.
M._
, Oberarzt Spinale Chirurgie, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, von der
N._
, hielt in seinem von der IV-Stelle des Kantons
J._
in Auftrag gegebenen Gutachten vom 1
6.
März 2016 (
Urk.
13/183
/2-20
) folgende
wirbelsäulenchirurgisch relevanten
Diagnosen fest
(S. 16
f.
)
:
-
chroni
s
ches ausgeprägtes Schmerzsyndrom
coccygial
-
verheilte Fraktur des unter
sten Segmentes des Kreuzbein
s sowie auch des Steissbeins, am ehesten nach dem ersten Sturz aufs Gesäss im 01/2012
Dazu führte er aus,
der Beschwerdeführer habe am ehesten im Januar 201
2 bei
seinem ersten direkten Trauma aufs Steissbein
eine
Frakt
u
r des unterste
n Seg
mentes des Kreuzbeins
und gegebenenfalls auch zusätzlich des
Steissbeins
erlit
ten
. Diese Verletzung
sei
im ersten CT vom 2
5.
Februar 2013 bereits prak
tisch verheilt
gewesen, so dass
davon
auszugehen sei
, dass
sie
schon zum Zeitpunkt des zweiten Unfalls am 1
7.
Januar
2013 vorhanden
gewesen sei
. Ansonsten hät
te sich in nur vier Wochen keine so weit fortgeschrittene
ossäre
Kons
o
lidation
zeigen können.
Zwar
sei
es möglich, dass es zu einer zusätzlichen Frakt
u
r
an der Steissbeinspitze gekomm
en
sei, die
im CT vom 25.
Februar 2013
unvoll
ständig abgebildet
sei. Letztendli
ch
handle
es sich aber bei beiden Frakturen um relativ harmlose Verletzungen
.
Eine nach vorne abgekippte Fehlstellung, wie sie gelegentlich bei diesen Verletzungen vorkomm
e
,
oder auch eine nach hinten abgekippte Fehlstellu
ng, wie sie
d
a
nn störend im Sitzen sein
könne
, lieg
e
nicht vor. Die
angegebenen und angeblich
auf diese Verletzung
zurückzuführenden Beschwerden
ständen
jedenfalls in keinem Verhältnis zu der im Februar 2013 schon im Grunde verheilten Verletzung.
E
in sogenanntes
Co
ccygodynie
-Syndrom, also ein chronisches Schmerzsyndrom des Steissbein
s
, sei zwar
grundsätzlich bekannt und schwierig zu behandeln. Im Falle des
Beschwerde
führers
sei
jedoch auffällig, dass die Entlastung des Steissbeins,
beispielsweise
in einem
Sitzring
, der ansonsten gern
e
von Patienten mit einer
Coccygodynie
genutzt
werde, zu keinerlei S
chmerzlinderung
geführt habe.
Auch mehrfache Injektionen in diesem Bereich sollten wenigstens vorübergehend zu einer Schmerzlinderung führen, wenn dies der Aus
l
öser der Schmerzen wäre. Auch dies
sei
nie der Fall
gewesen
. Auffällig
sei
auch, dass
die
Angaben im Vergleich zu vor
an
gehenden
Ä
usserungen
etwas variieren würden
. Insbesondere die Frage nach Ausstrahlung der Schmerzen in die Beine
werde
trotz mehrfachen Nach
fragens verneint. Auch sei es
nach Angaben des Beschwerdeführers
früher nie hierzu gekommen
. In den an
deren Berichten
werde dies
jedoch eindeutig be
schrieben. Es
sei
möglich, dass
er
sich hieran nicht mehr erinner
e
. In diesem Fal
l
e
würde
aber auch das
Ausmass etwaiger damals behandelter Schmerzen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht sehr hoch gewesen
sein
. Damit
würde
aber auch eine direkte Affektion des
Nervus
ischiadicus
vom Tisch
sein
, welch
e
ohnehin
nie bild
morphologisch
habe
nachgewiesen werden
können
. Während die Schilderung des ersten Unfalls, bei dem
der Beschwerdeführer
direkt mit dem Steissbein auf eine Stange aufgeprallt
sei
, adäquat erschein
e
und auch ge
eignet
sei
, eine Steissbeinfraktur hervorzurufen,
werfe
die Schilderung ein
es Sturzes aus 4
Metern
Höhe direkt
auf die Kante einer Mulde doch Fragen auf. Es
sei
kaum vorstellbar, dass ein ü
ber 100 kg schwerer Mann aus 4 Metern
Höhe direkt auf die Kante einer Metallmulde prall
e
und sich hierbei praktisch keine nachweisbaren frischeren Verletzungen zuzieh
e
. Auch erschein
e
es ausserge
wöhnlich, dass
er
nach einem solchen massiven Trauma nicht direkt ä
rztliche Versorgung beansprucht
, sondern
sich erst drei
(r
ichtig
: sechs
, vgl.
Urk.
12/34
)
Tage später bei
m Arzt vor
ge
stellt
hab
e. Letztlich
bleibe es
aus wirbelsäulenchi
rurgischer Sicht unklar, warum dieses lang andauernde schwere Schmerzsyn
drom vorlieg
e
und
es
auch unter der intensiven Rehabilitation
zu
keinerlei Bes
serung gekommen
sei. Zumindest mit den vorliegenden bil
dm
orphologi
schen Untersuchungen
würden
sich die Beschwerden nicht erklären
lassen (S. 17 f.)
.
Als LKW-Chauffeur sei der Beschwerdeführer wohl nicht mehr arbeitsfähig. I
n eine
r angepassten Verweistä
tigkeit
sei er hingegen
grundsätzlich zu
100
%
ar
beitsfähig. Vor allem hauptsächlich stehende Tätigkeiten sollten
eigent
lich problemlos möglich sein. Selbst
unter
der Anna
hme, dass das Steissbein nicht korrekt ver
heilt wäre, sollten weder beim Laufen noch beim Lastentragen Ein
schränkungen bestehen, da der unte
re Teil des Kreuzbein
s und das
Steissbein nicht gewichtstragend
seien
. Im Bereich der restlichen Wirbelsäule
lägen
mehr
fache MRI-Untersuchungen vor, die im Verhältnis zum Alter
und zum Gewicht des
Beschwerdeführers
nur wenig
Abnutzungsveränderungen zeigen würden.
Die Wirbelsäule insgesamt
könne
also als durchaus belastbar angesehen werden
(S. 18)
.
Zum
anlässlich der Begutachtung durch
Dr.
B._
durchgeführten
Röntgen
des
Becken
s
und Steissbein
s
vom 1
2.
Juni
2015
hielt er fest, dass i
m Vergleich zur CT-Untersuchung vom 2
2.
Februar
2013 im Gr
unde keine relevante Befundän
de
rung
vorliege. Am ehesten scheine das Steissbein p
rojektionsbed
ingt
etwas mehr nach dorsal versetzt
als im initialen CT
zu sehen
(S. 16)
.
4
.
4
.1
Die Beschwerdegegnerin schloss den Fall zu Recht per
3
0.
Juni 2016
ab,
nach
dem bereits
während des Aufenthalts in der Rehaklinik
C._
ein Endzustand vorgelegen hatte (vgl.
3.
6
hievor
) und auch
von den behandelnden Ärzten k
eine Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt wurden.
Insbesondere erachtete
Dr.
M._
weder eine operative Entfernung des Steissbeins noch weitere medi
zinische Massnahmen als angezeigt (
Urk.
13/183/19). D
ies wird vom Beschwer
deführer denn auch nicht bestritten. Ebenfalls unbestritten und ausgewiesen ist die unfallbedingte 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Lastwagenchauffeur
. Umstritten ist hingegen unter anderem die Arbeitsfä
higkeit in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit.
4
.2
Das zu Händen der IV-Stelle erstellte Gutachten von
Dr.
M._
vom
1
6.
März 2016
(E. 3.
9
hievor
) beruht auf den erforderlichen
orthopädischen
beziehungs
weise wirbelsäulenchirurgischen
Untersuchungen,
ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fall
relevanten
Vorakten
erstellt.
Dr.
M._
legte
die medizinischen Zusammenhän
ge einleuchtend dar, beurteilte
die medizinische Situation überzeugend und setzte sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten de
s
Beschwerde
führer
s
auseinander.
Er zeigte auf, dass die beim ersten Unfall erlittene Fraktur
des unterste
n Segmentes des Kreuzbeins
und gegebenenfalls auch zusätzlich des
Steissbeins
im Zeitpunkt des zweiten Unfalls bereits praktisch verheilt war
en
. Zwar sei es möglich, dass es beim zweiten Unfall zu einer
zusätzlichen Frakt
u
r
an der Steissbeinspitze gekomm
en
sei, dabei handle es sich jedoch erneut
um
eine
relativ harmlose Verletzung
. Dr.
M._
hielt fest
, dass keine Fehlstellung vorlieg
t
und dass
das Steissbein im
Röntgen vom 1
2.
Juni
2015
lediglich pro
jektionsbedingt etwas mehr nach dorsal versetzt scheint als in der
CT-Untersuchung vom 22.
Februar
201
3.
Er wies darauf hin, dass - selbst wenn das Steissbein nicht korrekt ver
heilt wäre
-
weder beim Laufen noch beim Lasten
tragen Einschränkungen bestehen
sollten
, da der unte
re Teil des Kreuzbeins und das
Steissbein nicht gewichtstragend
sind
.
Ebenso wies er darauf hin, dass die in den Vorberichten geklagte
Ausstrahlung der Schmerzen in die Beine anläss
lich der Begutachtung mehrfach verneint worden
und damit eine direkte Affek
tion des
Nervus
ischiadicus
auszuschliessen sei
.
D
r.
M._
gelangte sodann zum begründeten und nachvollziehbaren Schluss, dass der Beschwerdeführer in einer angepassten
,
insbesondere hauptsächlich stehenden
Tätigkeit
zu 100
%
arbeits
fähig
sei.
Das Gutachten entspricht damit de
n rechtsprechungsgemässen Anfor
derungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl.
E. 1.
3
hievor
).
4.
3
Der Beschwerdeführer
bestritt
eine
Arbeitsfähigkeit
auch
in einer angepassten Tätigkeit
mit Verweis auf das Gutachten von
Dr.
B._
(E. 3.
7
hievor
).
Dr.
B._
kritisierte
die bisherigen bildgebenden Abklärungen und liess am 1
2.
Juni 2015 ein weiteres
Röntgen
des
Becken
s
und Steissbein
s erstellen. Gemäss
Dr.
M._
sind diese
n
jedoch keine relevanten Befundänderungen zu entnehmen. Dass das Steissbein etwas mehr nach dorsal versetzt scheint, erachtete er als am ehesten projektionsbedingt und ist damit
- entgegen der Ansicht
Dr.
B._
s -
nicht auf eine unverheilte Fraktur zurückzuführen.
Auch
nach
Kreisarzt
Dr.
L._
ist
die beim ersten Unfall erlittene Fraktur abgeheilt
und
beim zweiten Unfall
hat sich der Beschwerdeführer
keine strukturell objektivierbaren unfallbedingten Verän
derungen an der Wirbelsäule zugezogen
(E. 3.
8
hievor
)
.
Gemäss Dr.
B._
könne der Beschwerdeführer lediglich 10 Minuten sitzen und 10 Minuten laufen und deshalb nicht arbeiten. Keine Angaben machte er hingegen dazu,
wie lange
er
stehen kann.
Hauptsächlich stehende Tätigkeiten sollten ihm jedoch gemäss
Dr.
M._
problemlos möglich sein
. Auch
beim Laufen
und
beim Lastentragen
sollten keine
Einschränkungen bestehen, da der unte
re Teil des Kreuzbeins und das
Steissbein nicht gewichtstragend
sind
, was
Dr.
B._
nicht berücksichtigt hat
.
Die Arbeitsfähigkeitseinschätzung von
Dr.
B._
ist
damit nicht
nachvollziehbar
. Da
mit den Diskushernien
auch unfallfremde Beschwerden bestehen, kann
der Beurteilung
aus unfallversicherungsrechtlicher Sicht ohnehin
nicht
gefolgt wer
den.
Der Beschwerdeführer wies zudem darauf hin, dass das Zumutbarkeitsprofil der Rehaklinik
C._
nicht zutreffend
sei, habe den behandelnden Fachpersonen doch keine ausreichende
bildgebende
Abklärung vorgelegen.
Wie bereits darge
legt, sind jedoch gemäss
Dr.
M._
den am 1
2.
Juni 2015 erstellten Röntgen des Beckens und Steissbeins
keine relevanten Befundänderungen zu
den
Abklärun
gen, welche
der Rehaklinik
vorgelegen haben
, zu entnehmen
. An der gemäss den Fachpersonen der Rehaklinik bestehenden 100%igen Arbeitsfähigkeit in ei
ner leichten bis mittelschweren wechselbelastenden Tätigkeit vermag dies dem
nach nichts zu ändern.
Ebenso
brachte
d
er
Beschwerdeführer
vor
, es sei ihm nicht möglich, sich ohne Krücken fortzubewegen.
Dass
er
aus medizinischen Gründen auf das Benutzen von Gehhilfen angewiesen wäre, ist
jedoch
nicht aktenkundig.
So schilderte auch Dr.
B._
, dass
er
die Stöcke beim Gehen teilweise praktisch gar nicht belas
te,
im Raum auch ohne Stöcke gehen könne und dabei ei
n sicheres Gangbild zeige (Urk.
13/156 S. 19).
4.4
Die Einwendungen des Beschwerdeführers vermögen demnach weder an der Beweiskraft des Gutachtens von
Dr.
M._
noch an einer
aus somatischer Sicht
100%igen Arbeitsfähigkeit in einer den Beschwerden angepassten
leichten bis mittelschweren, wechselbelastenden,
hauptsächlich stehenden und gehenden Tätigkeit
etwas
zu ändern.
5
.
Der Beschwerdeführer machte
zudem
unfallkausale psychische Beschwerden geltend.
Hiezu
ist festzuhalten, dass im Zeitpunkt des Erlasses des
Einsprache
entscheides
am 18.
August 2016
keine solchen
fachärztlich ausgewiesen
waren.
Die
von den Fachpersonen der
Rehaklinik
C._
diagnostizierte leichte
de
press
ive Episode war anlässlich der Begutachtung
vom 1
7.
Juni 2015
durch PD
Dr.
K._
remittiert,
eine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit wurde von ihm nicht gestellt
.
Es ist zudem weder ersichtlich noch geltend gemacht, dass der Beschwerdeführer entsprechende
fachärztliche
Be
handlungen in Anspruch genommen hätte. Die
behaupteten psychischen Be
schwerden sind aus medizinischer Sicht somit in keiner Weise untermauert, weshalb sich eine Adäquanzprüfung von vornherein erübrigt.
6
.
Zu prüfen bleibt, wie sich das Leistungsvermögen des Beschwerdeführers in
erwerblich
er Hinsicht auswirkt.
6
.1
Der für die Invaliditätsbemessung und damit den Rentenanspruch massge
bende Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt
werden, worauf sich aus der Ein
kommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (BGE 130 V 34
3
E. 3.4.2). Für die Ermitt
lung des
Valideneinkommens
, also des Einkommens, welches die versicherte Per
son nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Ge
sunde tatsächlich verdient hätte, wird in der Regel am zuletzt erzielten Ver
dienst angeknüpft.
Nachdem dem Beschwerdeführer aus unfallfremden Gründen
gekündigt worden war (
Werkschliessung;
Urk.
13/69/2
), stützte sich die
Beschwerdegegnerin für die Berechnung des
Valideneinkommens
zu Recht auf die
Schweizerische
Lohn
strukturerhebung (LSE)
.
Erhält der zuständige Unfallversicherer infolge einer
Einspracheerhebung
die Gelegenheit, seine Verfügung vollumfänglich zu über
prüfen, ist er grundsätzlich verpflichtet, die verfügbare, neuste LSE-Tabelle an
zuwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3). Am 15.
April 2016
wurde die
LSE
2014 publiziert, welche die Beschwerdegegnerin ihrem am 1
8.
August 2016 erlasse
nen
Einspracheentscheid
hätte zu Grunde legen müssen. Die LSE 2014 weist ei
nen monatlichen Bruttolohn von
Fr.
5'547.-- aus (Tabelle TA1,
Ziff.
45-52, Landverkehr, Kompetenzniveau 1, Männer). A
ufgerechnet auf die betriebsübli
che Arbeitszeit von 4
2
.
9
Stunden im
Landverkehr
201
6
[Betriebsübliche Ar
beitszeit, Bundes
amt für Statistik, T 03.02.03.01.04.01] sowie auf das Jahr 201
6
[von Index 2
220
auf Index
2239
, Entwicklung der Nominallöhne, Bundesamt für Statistik, T39, Männer]
ergibt sich
damit
ein
Valideneinkommen
von Fr.
72'
001
.
--
per 2016
bei der dem Beschwerdeführer zumutbaren 100%igen Arbeitstätigkeit
.
6
.
2
6.2.1
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung pri
mär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versi
cherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstä
tigkeit aus, bei der
–
kumulativ
–
besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zu
mutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich er
zieltes Erwerbseinkommen gegeben,
namentlich
weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Recht
sprechung entweder Tabellenlöhne
gemäss
den vom Bundesamt für Statistik
pe
riodisch herausgegebenen
LSE
oder die DAP-Zahlen
herangezoge
n werden (BGE 139 V 592 E. 2.3
mit Hinweisen).
Die DAP ist eine Sammlung von Beschreibungen in der Schweiz tatsächlich existierender Arbeitsplätze. Damit unterscheidet sie sich von der tabellarischen Darstellung von Durchschnittslöhnen, die im Rahmen der
LSE
vom Bundesamt für Statistik
regelmässig
erhoben werden. Neben allgemeinen Angaben und Verdienstmöglichkeiten werden in der DAP die physischen Anforderungen an die Stelleninhaber oder Stelleninhaberinnen festgehalten. Der Raster der körper
lichen Anforderungskriterien basiert auf dem internationalen medizinischen Standard EFL nach Isernhagen (ergonomische Funktions- und Leistungsprü
fung). Die Suva entschloss sich 1995 zum Aufbau der DAP mit dem Zweck, das Invalideneinkommen entsprechend den gerichtlichen Anforderungen so konkret wie möglich ermitteln zu können (BGE 139 V 592 E. 6.1 mit Hinweisen).
Bei Heranziehen der DAP hat sich die Ermittlung des Invalideneinkommens auf mindestens fünf zumutbare Arbeitsplätze zu stützen. Zusätzlich sind Angaben zu machen über die Gesamtzahl der aufgrund der gegebenen Behinderung in Frage kommenden dokumentierten Arbeitsplätze, über den Höchst- und den
Tiefstlohn
sowie über den Durchschnittslohn der dem jeweils verwendeten Be
hinderungsprofil entsprechenden Gruppe. Damit soll die Überprüfung des Aus
wahlermessens ermöglicht werden, und zwar in dem Sinne, dass die Kenntnis der Gesamtzahl der dem verwendeten Behinderungsprofil entsprechenden Ar
beitsplätze sowie des Höchst-, Tiefst- und Durchschnittslohnes im Bereich des Suchergebnisses eine zuverlässige Beurteilung der von der Suva verwendeten DAP-Löhne hinsichtlich ihrer Repräsentativität erlaubt. Das rechtliche Gehör ist dadurch zu wahren, dass die Suva die für die Invaliditätsbemessung im konkre
ten Fall herangezogenen DAP-Profile mit den erwähnten zusätzlichen Angaben auflegt und die versicherte Person Gelegenheit hat, sich dazu zu
äussern
. Allfäl
lige Einwendungen der versicherten Person bezüglich des Auswahlermessens und der Repräsentativität der DAP-Blätter im Einzelfall sind grundsätzlich im
Einspracheverfahren
zu erheben, damit sich die Suva im
Einspracheentscheid
damit auseinandersetzen kann. Ist die Suva nicht in der Lage, im Einzelfall den erwähnten Anforderungen zu genügen, kann im Bestreitungsfall nicht auf den DAP-Lohnvergleich abgestellt werden; die Suva hat
diesfalls
im
Einspracheent
scheid
die Invalidität aufgrund der LSE-Löhne zu ermitteln. Im Beschwerdever
fahren ist es Sache des angerufenen Gerichts, die Rechtskonformität der DAP-Invaliditätsbemessung zu prüfen, gegebenenfalls die Sache an den Versicherer zurückzuweisen oder an Stelle des DAP-Lohnvergleichs einen Tabellenlohnver
gleich gestützt auf die LSE vorzunehmen (BGE 139 V 592 E. 6.3, 129 V 472 E. 4.7.2).
6.2.2
Die Beschwerdegegnerin stützte sich zur Berechnung
des Invalideneinkommens
auf die LSE
mit der Begründung
,
in den DAP würden sich keine passenden Stel
lenprofile finden
.
Rechtsprechungsgemäss kann die Suva nicht frei wählen, ob sie das Invalideneinkommen nach der DAP-Methode oder anhand der Tabellen
löhne der LSE bemisst; vielmehr hat sie die DAP-Methode stets dann zur An
wendung zu bringen, wenn sie im Einzelfall die bundes
gerichtlichen Vorgaben einhalten kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_378/2017
vom 29. November 2017 E. 4.5 mit Hinweisen zur Rechtsprechungsentwicklu
ng).
Dass dies beim vorlie
genden Zumutbarkeitsprofil (
leichte bis mittelschwere,
wechselbelastende
,
hauptsächlich stehende und gehende Tätigkeit) nicht möglich sein sollte, ist nicht plausibel.
Es ist Sache des angerufenen Gerichts, die Rechtskonformität der DAP-Invaliditätsbemessung zu prüfen. Dies ist jedoch nicht möglich, wenn die
Beschwerdegegnerin aus nicht nachvollziehbaren Gründen auf das Anwen
den der DAP-Methode verzichtet.
D
ie Sache
ist deshalb
an sie zurückzuweisen, damit sie das Invalideneinkommen rechtskonform berechne und gestützt darauf über den Rentenanspruch des Be
schwerdeführers erneut befinde.