Decision ID: 92f045ee-bab4-5986-8533-3567fe3706c3
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente (Einstellung)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich im März 1997 zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 30).
A.b Im Auftrag der IV-Stelle (vgl. IV-act. 15) erstattete Dr. med. B._, Chefarzt der
Orthopädisch-Traumatologischen Abteilung des Spitals X._, am 1. Juli 1997 ein
medizinisches Gutachten. Er hielt fest, die Versicherte leide seit Geburt an einer
ausgeprägten Hüftdysplasie links und einer kongenitalen Hüftluxation rechts, habe aber
angegeben, trotz massiven rechtsseitigen Hinkens über 30 Jahre beschwerdefrei
gelebt zu haben; erst im Jahr 1988 seien Hüftgelenks- und Knieschmerzen links aufge
treten, die im Verlauf zugenommen hätten. Die Versicherte habe angegeben, seit dem
Jahr 1990 zusätzlich an zunehmenden Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule
zu leiden. Dr. B._ diagnostizierte im wesentlichen eine hohe kongenitale Hüftluxation
rechts, eine sekundäre Coxarthrose bei Dysplasie der linken Hüfte, eine Überlastung
und Fehlbelastung des medialen Kniegelenkskompartiments beidseits sowie ein
Lumbalsyndrom und attestierte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die angestammte
Tätigkeit als Näherin (Hilfsarbeiterin) wie auch für andere vorwiegend sitzende Tätig
keiten. Um eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für leichte, sitzende Tätigkeiten zu erzielen,
werde die Implantation einer Hüft-Totalendoprothese links vorgeschlagen (IV-act. 3).
A.c Mit Verfügung vom 27. Oktober 1997 sprach die IV-Stelle der Versicherten eine
ganze Rente mit Wirkung ab dem 1. Februar 1997 zu (IV-act. 22 und 26).
B.
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Überprüfungen des Rentenanspruchs in den Jahren 1998 (vgl. IV-act. 6, 16 und 28),
2000/2001 (vgl. IV-act. 7, 17 und 29) und 2006 (vgl. IV-act. 45, 46 und 50) führten zu
keiner Anpassung der Invalidenrente.
C.
C.a Im März 2011 eröffnete die IV-Stelle ein weiteres Revisionsverfahren von Amtes
wegen, indem sie der Versicherten einen entsprechenden Fragebogen zusandte. Die
Versicherte gab an, ihr Gesundheitszustand habe sich nicht verändert (IV-act. 54).
C.b Am 26. April 2011 fragte die IV-Stelle den Hausarzt der Versicherten, Dr. med.
C._, an, ob die schon im Januar 1989 vorgeschlagene Implantation einer Hüft-
Totalendoprothese zwischenzeitlich durchgeführt worden sei (IV-act. 55). Dr. C._ ant
wortete am 4. Mai 2011, indem er der IV-Stelle den entsprechenden Operationsbericht
der Klinik für Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen vom 2. Oktober
2008 und den vorläufigen Austrittsbericht der Klinik Valens vom 23. Oktober 2008
betreffend die anschliessende stationäre Rehabilitation zugehen liess (IV-act. 57). In
seinem Bericht vom 12. April 2011 hatte Dr. C._ noch einen unveränderten Gesund
heitszustand attestiert (IV-act. 56).
C.c Auf entsprechende Nachfrage der IV-Stelle (vgl. IV-act. 60) liess die Klinik für
Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen der IV-Stelle am 27. Mai 2011
eine Kopie des Berichts vom 1. Dezember 2008 betreffend die ambulante
Nachkontrolle vom 28. November 2008 zugehen. Darin war über einen
komplikationslosen Verlauf nach Implantation der Hüft-Totalendoprothese links mit
zufriedenstellendem Ergebnis berichtet worden (IV-act. 63). Am 1. Juni 2011 (vgl. IV-
act. 65) ging der IV-Stelle sodann der Austrittsbericht der Klinik Valens vom
5. November 2008 betreffend die stationäre Rehabilitation vom 14. bis zum 25. Oktober
2008 zu (IV-act. 64). Am 7. Juni 2011 teilte Dr. C._ schliesslich in Beantwortung der
entsprechenden Anfrage der IV-Stelle vom 25. Mai 2011 (vgl. IV-act. 62) mit, die rechte
Hüfte sei nicht operiert worden; zur Zeit sei auch keine entsprechende Operation
vorgesehen (IV-act. 66).
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C.d Am 19. Juli 2011 untersuchte Dr. med. D._, Facharzt FMH für Innere Medizin,
Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom IV-internen regionalen
ärztlichen Dienst (RAD) die Versicherte persönlich. In seinem Untersuchungsbericht
vom 3. August 2011 diagnostizierte er im Wesentlichen eine Coxarthrose rechts bei
hoher kongenitaler Hüftluxation, einen Status nach Implantation einer
Totalendoprothese des linken Hüftgelenks sowie eine mässig eingeschränkte
Beweglichkeit des rechten Ellenbogengelenks. Zusammenfassend bestehe eine ver
minderte Belastbarkeit beider Hüftgelenke für längere repetitive Belastungen. Auch die
Belastbarkeit des rechten Ellenbogengelenks für das Heben von mittelschweren bis
schweren Gewichten sei eingeschränkt. Für vorwiegend sitzende Tätigkeiten mit
kurzen Gehstrecken in temperierten Räumen ohne Treppensteigen ohne Notwendig
keit kauernder Positionen und Hantieren von mittelschweren bis schweren Gewichten
bestehe volle Arbeitsfähigkeit. Allenfalls seien vermehrte Pausen notwendig, was eine
Minderung des Rendements von circa 10 % zur Folge hätte (IV-act. 71).
C.e Mit Vorbescheid vom 24. August 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass die Aufhebung der laufenden Invalidenrente auf Ende des der Verfügung
folgenden Monats vorgesehen sei, da sich der Gesundheitszustand mit der
Hüftoperation im Oktober 2008 verbessert habe und nun eine 90%ige Arbeitsfähigkeit
gegeben sei bzw. lediglich noch ein Invaliditätsgrad von 15 % vorliege (IV-act. 78).
C.f Dagegen liess die nun anwaltlich vertretene Versicherte am 29. September
2011 Einwand erheben. Sie beantragte die Weiterausrichtung der ganzen Rente und
eventualiter die Durchführung weiterer Abklärungen. Zur Begründung liess sie im
Wesentlichen ausführen, auf das Gutachten des RAD-Arztes Dr. D._ könne nicht
abgestellt werden, weil er kein Orthopäde sei, die Versicherte nicht zu ihren Schmerzen
befragt habe, nicht auf das Lumbalsyndrom eingegangen sei, sich nur ungenügend zu
den qualitativen Anforderungen einer leidensadaptierten Tätigkeit geäussert habe, nicht
begründet habe, inwiefern sich allein aufgrund der Operation die Arbeitsfähigkeit von
0 % auf 90 % erhöht haben soll, und sich schliesslich nicht mit den abweichenden
medizinischen Berichten auseinandergesetzt habe (IV-act. 83).
C.g Am 7. Oktober 2010 nahm der RAD-Arzt Dr. med. E._ aus medizinischer Sicht
Stellung zum Einwand vom 29. September 2011 (IV-act. 84). Gestützt darauf verfügte
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die IV-Stelle am 25. November 2011 gemäss Vorbescheid vom 24. August 2011 (IV-
act. 85).
D.
D.a Dagegen richtet sich die am 13. Januar 2012 erhobene Beschwerde, mit der die
Aufhebung der Verfügung vom 25. November 2011 bzw. die Weiterausrichtung der
bisherigen ganzen Rente, die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Be
schwerde und eventualiter die Rückweisung der Angelegenheit zu weiteren Ab
klärungen beantragt werden (act. G 1).
D.b Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung der Beschwerde. Ihrer Be
schwerdeantwort vom 27. April 2012 (act. G 9) legte sie nebst den Akten des Ver
waltungsverfahrens insbesondere einen Bericht des Orthopäden Dr. med. F._ vom
27. Januar 2012, in welchem über starke Schmerzen in der rechten Hüfte bei hoher
kongenitaler Hüftluxation rechts mit ausgeprägter sekundärer Coxarthrose und
persistierende Hüftschmerzen links berichtet und eine maximale Arbeitsfähigkeit von
50 % für leidensadaptierte Tätigkeiten attestiert worden war (IV-act. 99), und eine
weitere Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. E._ vom 17. April 2012 (IV-act. 103) bei.
D.c Mit Replik vom 7. Juni 2012 liess die Beschwerdeführerin an den mit Beschwerde
vom 13. Januar 2012 gestellten Anträgen festhalten (act. G 12).
D.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 14).

Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird eine (formell rechtskräftig zugesprochene)
Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der Invaliditätsgrad der die Rente be
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ziehenden Person erheblich ändert. Massgebend sind diesbezüglich Veränderungen
des der Rente zugrunde liegenden Sachverhaltes (vgl. Art. 17 Abs. 2 ATSG). Dieses
Instrument zur (nachträglichen) Korrektur einer formell rechtskräftig zugesprochenen
Dauerleistung ist notwendig, weil sich jede Zusprache einer Dauerleistung für die
Zukunft auf eine Sachverhaltsprognose stützt, und weil sich der massgebende
Sachverhalt erfahrungsgemäss anders entwickeln kann als prognostiziert. Mittels der
Revision im Sinne von Art. 17 ATSG soll daher nachträglichen Divergenzen zwischen
der der leistungszusprechenden Verfügung zugrunde liegenden Sachverhaltsprognose
und dem effektiven Sachverhalt Rechnung getragen werden. Die Leistung soll an den
veränderten Sachverhalt angepasst werden (vgl. Ralph Jöhl, Die Revision nach Art. 17
ATSG, in: Ueli Kieser/Miriam Lendfers (Hrsg.), Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht,
2012, S. 155 f.).
2.
2.1 Der rentenzusprechenden Verfügung vom 27. Oktober 1997 lag in medizinischer
Hinsicht insbesondere das Gutachten von Dr. B._ vom 1. Juli 1997 zugrunde, in
welchem ausgeführt worden war, es bleibe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit auch
für leidensadaptierte Tätigkeiten bestehen, wenn keine Hüft-Totalendoprothese
implantiert werde. Mit der Implantation einer Hüft-Totalendoprothese im Oktober 2008
verlor diese Prognose ab dann ihre Gültigkeit; der effektive Sachverhalt entwickelte
sich ab diesem Zeitpunkt anders als prognostiziert. Die Operation ist damit ohne
Weiteres als wesentliche Veränderung des relevanten Sachverhalts zu qualifizieren,
welche die Überprüfung, ob die laufende Rente anzupassen sei, rechtfertigt. Die
Beschwerdegegnerin hat daher zu Recht ein Revisionsverfahren eingeleitet und im
Rahmen dessen insbesondere weitere medizinische Abklärungen getätigt.
2.2 Was die Kritik der Beschwerdeführerin am Untersuchungsbericht des RAD-Arztes
Dr. D._ betrifft, so erweist sie sich in weiten Teilen als unbegründet. Als erfahrener
Rheumatologe ist Dr. D._ durchaus in der Lage gewesen, die wesentlichen Be
schwerden korrekt zu erfassen und zu würdigen; seine Ausführungen scheinen jeden
falls sachlich fundiert. Auf die Schmerzen und das Lumbalsyndrom ging Dr. D._
sodann ebenfalls ein, wenn auch eher kurz, so doch fachlich fundiert. Zu den qualita
tiven Anforderungen einer leidensadaptierten Tätigkeit äusserte sich Dr. D._ ebenfalls
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genügend ausführlich. Es ist nicht nachvollziehbar, inwiefern seine diesbezüglichen
Ausführungen ungenügend sein sollten. Was allerdings die Erhöhung der Arbeitsfähig
keit von 0 % auf 90 % – und damit verbunden die Auseinandersetzung mit den übrigen
medizinischen Berichten – betrifft, so erweist sich der Bericht von Dr. D._ tatsächlich
als zu kurz. Immerhin ging Dr. B._ davon aus, mittels Implantation einer Hüft-
Totalendoprothese könne die Arbeitsfähigkeit lediglich auf maximal 50 % gesteigert
werden, wobei damals die Beschwerden im Bereich der rechten Hüfte und des rechten
Ellbogens noch deutlich weniger ausgeprägt bzw. nicht vorhanden waren.
Diesbezüglich besteht ein Widerspruch zwischen den Berichten von Dr. B._ und
Dr. D._, mit dem sich Dr. D._ eingehender hätte auseinandersetzen müssen. Hinzu
kommt, dass der Bericht von Dr. F._ vom 27. Januar 2012 grundsätzlich ebenfalls
nachvollziehbar und überzeugend erscheint, wobei sich Dr. F._ auch zu den
Diskrepanzen zwischen seiner Einschätzung und jener von Dr. D._ äusserte. Der
Bericht von Dr. F._ ist jedenfalls – vor allem vor dem Hintergrund, dass Dr. D._ sich
nicht weiter zu den Diskrepanzen zu den früheren Berichten äusserte – geeignet,
Zweifel an der Zuverlässigkeit des Berichtes von Dr. D._ aufkommen zu lassen.
Rechtsprechungsgemäss ist bei solchen Zweifeln an einem versicherungsinternen
medizinischen Bericht ein versicherungsexternes Gutachten in Auftrag zu geben (BGE
135 V 465). Die angefochtene Verfügung ist daher aufzuheben und die Angelegenheit
an die Beschwerdegegnerin zur Einholung eines versicherungsexternen fachärztlichen
Gutachtens zurückzuweisen.
3.
3.1 Der Antrag betreffend Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Be
schwerde wird mit diesem Entscheid in der Sache selbst gegenstandslos, sodass
darüber nicht zu befinden ist.
3.2 Die gemäss Art. 69 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) zu erhebenden und angesichts des durchschnittlichen Aufwandes auf
Fr. 600.-- festzusetzenden Gerichtskosten sind, da die Rückweisung zu weiteren Ab
klärungen rechtsprechungsgemäss hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen
als vollständiges Obsiegen der Beschwerde führenden Partei zu qualifizieren ist, der
bis
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Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete
Kostenvorschuss in gleicher Höhe zurückerstattet.
3.3 Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin sodann mit einer praxis
gemässen Pauschale von Fr. 3’500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP