Decision ID: 7becb799-a77c-4625-a704-c2b8b6bc962a
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y., Staatsangehöriger von Italien, wurde 1978 in der Schweiz geboren und verfügt
über eine Niederlassungsbewilligung EU/EFTA. Er ist ledig und hat keine Kinder. Das
Verhalten von X.Y. hat in strafrechtlicher Hinsicht verschiedentlich zu Verurteilungen
geführt (act. 9/3-4; act. 12/20; act. 12/23; act. 12/30; 12/32; Vorakten). Mit Verfügung
vom 24. Februar 2014 widerrief das Migrationsamt die Niederlassungsbewilligung von
X.Y. und forderte diesen auf, die Schweiz am Tag seiner Entlassung aus dem
Strafvollzug zu verlassen (Vorakten, S. 324 ff.).
B. Mit Eingabe vom 19. März 2014 erhob X.Y. gegen die Verfügung des
Migrationsamts Rekurs beim Sicherheits- und Justizdepartement und beantragte die
Aufhebung der Verfügung des Migrationsamts vom 24. Februar 2014 sowie den
Verzicht auf den Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen (act.12/1). Der Rekurs wurde am 26. November 2015 in der
Hauptsache abgewiesen.
C. X.Y. (Beschwerdeführer) erhob gegen den Entscheid des Sicherheits- und
Justizdepartements (Vorinstanz) vom 26. November 2015 durch seinen Rechtsvertreter
mit Eingabe vom 14. Dezember 2015 und Ergänzung vom 26. Februar 2016
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Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Rechtsbegehren, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge bzw. unter Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und -
verbeiständung sei der Entscheid der Vorinstanz vom 26. November 2015 aufzuheben
und von einem Widerruf der Niederlassungsbewilligung EU/EFTA abzusehen.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 11. März 2016 die Abweisung
der Beschwerde. Am 12. September 2016 trat der Beschwerdeführer den Vollzug einer
Freiheitsstrafe an und wurde wohl am 11. Januar 2017 bedingt aus dem Strafvollzug
entlassen.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die

Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2. Beim Widerruf von Niederlassungsbewilligungen ausländischer Personen ist das
Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer (Ausländergesetz, SR 142.20, AuG)
anwendbar, soweit keine anderen Bestimmungen des Bundesrechts oder von der
Schweiz abgeschlossene völkerrechtliche Verträge zur Anwendung gelangen. Für
Angehörige der EU/EFTA-Staaten kommt es subsidiär zur Anwendung, soweit nicht
das Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der
Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die
Freizügigkeit (SR 0.142.112.681, FZA) bzw. die entsprechenden
Assoziierungsabkommen mit den EFTA-Staaten abweichende Bestimmungen enthalten
oder wenn es günstigere Bestimmungen enthält (Art. 2 AuG; VerwGE B 2013/118 vom
11. März 2014 E. 4 m.w.H., www.gerichte.sg.ch). Auf den Beschwerdeführer ist
aufgrund seiner italienischen Staatsangehörigkeit das FZA anwendbar. Die
Niederlassungsbewilligung EU/EFTA wird allerdings nach Massgabe des nationalen
Rechts erlassen und entzogen (Art. 2 Abs. 2 AuG, Art. 5 und Art. 23 Abs. 2 der
Verordnung über die schrittweise Einführung des freien Personenverkehrs; SR 142.203,
VEP).
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Die Niederlassungsbewilligung kann nur widerrufen werden, wenn der Ausländer zu
einer längerfristigen Freiheitsstrafe, d.h. zu einer solchen von mehr als einem Jahr,
verurteilt worden ist, wobei mehrere unterjährige Strafen nicht kumuliert werden (vgl.
Art. 63 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 lit. b AuG; BGE 137 II 299 E. 2). Unerheblich ist, ob die
ausgefällte Sanktion bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausgesprochen worden ist
(vgl. BGer 2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 2.1). Ein Widerrufsgrund ist sodann
gegeben, wenn der Ausländer in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung verstossen hat oder diese gefährdet (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG).
Eine ausländische Person verstösst in der Regel dann in schwerwiegender Weise
gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung, wenn durch ihre Handlungen besonders
hochwertige Rechtsgüter wie namentlich die körperliche, psychische oder sexuelle
Integrität eines Menschen verletzt oder gefährdet werden. Vergleichsweise weniger
gravierende Pflichtverletzungen können dann als schwerwiegend bezeichnet werden,
wenn sich eine ausländische Person von strafrechtlichen Massnahmen nicht
beeindrucken lässt und damit zeigt, dass sie auch künftig weder gewillt noch fähig ist,
sich an die Rechtsordnung zu halten (BGE 137 II 304 E. 3.3 mit Hinweis auf BBl 2002
3709 zu Art. 62 AuG).
Diese Widerrufsgründe gelten auch für Niederlassungsbewilligungen ausländischer
Personen, die sich wie der Beschwerdeführer seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen
und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten (Art. 63 Abs. 2 AuG). Die
Niederlassungsbewilligung eines Ausländers, der sich seit langem hier aufhält, soll aber
nur mit Zurückhaltung widerrufen werden. Bei wiederholter bzw. schwerer Straffälligkeit
ist dies jedoch selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn der Ausländer hier geboren ist
und sein ganzes bisheriges Leben im Land verbracht hat (siehe etwa BGE 139 I 16 E.
2.2.1). Im Gegensatz zur früheren Rechtsprechung (vgl. BGer 2A.297/2006 vom 14.
August 2006 E. 2) fordert das Bundesgericht heute also nicht mehr Gewaltdelikte bzw.
wiederholte schwere Straffälligkeit. Zu den schweren Straftaten zählen laut
Bundesgericht u.a. auch Drogendelikte aus rein finanziellen Motiven (vgl. BGer
2C_1071/2016 vom 30. März 2017 E. 4.5.2, BGE 139 I 16 E. 2.2.1). Dabei muss zum
Schutz der Öffentlichkeit ausländerrechtlich selbst ein geringes Restrisiko weiterer
Beeinträchtigungen wesentlicher Rechtsgüter nicht in Kauf genommen werden.
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Unter dem Gesichtspunkt des FZA ist zu berücksichtigen, dass Art. 5 Anhang I FZA
besagt, die auf Grund des FZA eingeräumten Rechte dürften nur durch Massnahmen
eingeschränkt werden, die aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und
Gesundheit gerechtfertigt sind. Art. 5 Anhang I FZA steht – anders als das Landesrecht
– aufenthaltsbeendenden Massnahmen entgegen, die allein aus generalpräventiven
Gründen verfügt werden (BGer 2C_221/2012 vom 19. Juni 2012 E. 3.3.2). Von der
ausländischen Person muss eine hinreichend schwere und gegenwärtige Gefährdung
der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit ausgehen (vgl. BGer
2C_845/2009 vom 17. August 2010 E. 3; BGE 130 II 493 E. 3.2; BGE 130 II 176 E.
3.4.1). Es kommt also wesentlich auf das Rückfallrisiko an. Verlangt wird eine nach Art
und Ausmass der möglichen Rechtsgüterverletzung zu differenzierende, hinreichende
Wahrscheinlichkeit, dass der Ausländer auch künftig die öffentliche Sicherheit und
Ordnung stören wird. Je schwerer die möglichen Rechtsgüterverletzungen wiegen,
desto niedriger sind die Anforderungen, die an die hinzunehmende Rückfallgefahr zu
stellen sind (BGer 2C_839/2011 vom 28. Februar 2012 E. 2.3). Nicht vorausgesetzt ist,
dass der frühere Straftäter mit Sicherheit wieder delinquieren wird (BGer 2C_1071/2016
vom 30. März 2017 E. 4.5.2). Umgekehrt ist für das Verneinen der Rückfallgefahr auch
nicht erforderlich, dass kein Restrisiko mehr besteht (BGer 2C_406/2014 vom 2. Juli
2015 E. 4.2). Massgeblich für die Beurteilung der Rückfallgefahr ist grundsätzlich der
Zeitpunkt der Verfügung der aufenthaltsbeendenden Massnahme (BGer 2C_1071/2016
vom 30. März 2017 E. 4.5.2). Die „blosse“ Verurteilung wegen Vermögensdelikten steht
Entfernungsmassnahmen auch im Anwendungsbereich des FZA nicht entgegen (BGer
2C_680/2010 vom 18. Januar 2011 E. 2.3). Jede Verletzung nationalen Rechts genügt
den Anforderungen freilich nicht (vgl. BGE 130 II 176 E. 3.4.1). Als ausreichend
schwerwiegende und gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen Ordnung, Sicherheit
und Gesundheit gilt auch der qualifizierte Drogenhandel aus rein finanziellen Motiven
(BGer 2C_1071/2016 vom 30. März 2017 E. 4.5.2). Liegen mehrere Widerhandlungen
gegen das Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe
(Betäubungsmittelgesetz, SR 812.121, BetmG), aber kein eigentlicher Drogenhandel
vor, so steht dies Entfernungsmassnahmen im Anwendungsbereich des FZA ebenfalls
nicht entgegen, wenn der Täter damit seine Unfähigkeit zur Einhaltung der
Schweizerischen Rechtsordnung zum Ausdruck bringt (BGer 2C_741/2013 vom 8. April
2014 E. 2.3. m.w.H.). Schliessen sich an eine frühere Verurteilung aktuellere
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ausländerrechtliche Verstösse an (inkl. Missachtung behördlicher Verfügungen),
schliesst das Bundesgericht auf eine ungünstige Legalprognose (siehe Spescha/Thür/
Zünd/Bolzli/Hruschka, Migrationsrecht, Kommentar, 4. Aufl. 2015, N 5c zu Art. 5
Anhang I FZA, m.w.H.).
Ist das Vorliegen eines Widerrufsgrunds zu bejahen, ist sodann zu prüfen, ob der
Widerruf der Niederlassungsbewilligung verhältnismässig ist (vgl. Art. 96 Abs. 1 AuG;
Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung, SR 101, BV). Bei der Prüfung der
Verhältnismässigkeit sind namentlich die Schwere des Delikts und das Verschulden
des Betroffenen, der seit der Tat vergangene Zeitraum, das Verhalten des Ausländers
während diesem, der Grad seiner Integration bzw. die Dauer der bisherigen
Anwesenheit sowie die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile zu
berücksichtigen.
2.1. Die Vorinstanz vertritt die Auffassung, vorliegend sei ein Widerrufsgrund gegeben,
weil das Strafgericht Kanton B. den Beschwerdeführer mit Urteil vom 1. Juli 2013 zu
einer teilbedingt ausgesprochenen Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten
verurteilt habe (act. 9/2 S. 6 ff.). Der Widerruf sei sodann verhältnismässig, denn der
obgenannten Verurteilung liege im Wesentlichen der Sachverhalt zugrunde, dass sich
der Beschwerdeführer zusammen mit K.S. zwischen Oktober und Dezember 2007 im
Rahmen von zwei (vollendeten) bzw. drei Übergaben am Umgang mit rund 1.6
Kilogramm Kokaingemisch (419 Gramm reines Kokain) beteiligt und von Januar bis
April 2008 auf eigene Rechnung rund 118 Gramm Kokaingemisch (25.37 Gramm reines
Kokain) zum Weiterverkauf an Drittpersonen bezogen habe, teilweise um sich seinen
eigenen Konsum zu finanzieren. Sodann habe er am 14. März 2010 einen
Personenwagen unter Betäubungsmittel- und Alkoholeinfluss gelenkt. Das Strafgericht
Kanton B. sei von einem nicht mehr ganz leichten Verschulden ausgegangen.
Straferhöhend habe es die Delinquenz während der Probezeit gewürdigt, leicht
strafmindernd den Umstand, dass der Beschwerdeführer im Tatzeitraum selbst
Betäubungsmittelkonsument (aber nicht süchtig) gewesen sei und die von ihm
begangenen Widerhandlungen gegen das BetmG teilweise zur Finanzierung des
Eigenkonsums gedient hätten. Aufgrund des festgestellten schweren Verstosses der
Staatsanwaltschaft Kanton B. gegen das Beschleunigungsgebot sei die Strafe im
Ausmass eines Viertels gekürzt worden. Das Verschulden des Beschwerdeführers
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wiege deshalb erheblich. Das kriminelle Verhalten des Beschwerdeführers habe ab
Anfang 2008 eine erhebliche Zunahme erfahren. Sei er zunächst nicht derjenige
gewesen, der Kokain an Drittpersonen weiterverkauft habe, habe er nach dem Bruch
von K.S. mit dem Lieferanten die Position von K.S. eingenommen. Er habe dann Kokain
auf eigene Rechnung gekauft und 25.37 Gramm reines Kokain an Drittpersonen
verkauft. Obschon der Beschwerdeführer selbst nicht süchtig gewesen sei, habe er mit
seiner fortgesetzten Tätigkeit im Kokainhandel wissentlich und willentlich die
Gesundheit einer Vielzahl von Konsumenten gefährdet. Erst die Verhaftung habe dem
ein Ende gesetzt. In Bezug auf das Rückfallrisiko sei zu berücksichtigen, dass es sich
bei den zwischen Oktober 2007 bis April 2008 verübten Widerhandlungen um schwere
Straftaten handle, die nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein wesentliches
öffentliches Interesse an der Beendigung des Aufenthalts begründen würden. Diese
Delikte würden zwar schon rund acht Jahre zurückliegen, aber der Beschwerdeführer
habe sich sowohl während des Strafverfahrens als auch nach dem Entscheid des
Strafgerichts Kanton B. vom 1. Juli 2013 nicht davon abhalten lassen, weitere Delikte
zu verüben. Am 14. März 2010 habe er mit dem Führen eines Personenwagens in
alkoholisiertem Zustand sowie unter Drogeneinfluss (Kokain, Cannabis) die physische
Integrität von Menschen in erheblicher Weise gefährdet, zumal er den Personenwagen
auf Strassen mit erhöhtem Verkehrsaufkommen in der Stadt Z. gelenkt habe. Im
Sommer 2012 habe er B.G. bei der Optimierung von dessen (Hanf-)Anlage unterstützt.
Noch vorher habe er R.E. bei Hanfzucht, -ernte und beim -transport geholfen. Und
zwischen November 2012 und 13. Dezember 2013 habe der Beschwerdeführer eine
Indoor-Hanfanlage in seiner Wohnung betrieben, wo ca. 1.5 Kilogramm
verkaufsfertiges Marihuana sichergestellt worden sei. Die dem Entscheid vom
16. Dezember 2013 zugrundeliegenden Vorfälle könnten nicht als Ausrutscher
bezeichnet werden. Die Staatsanwaltschaft II des Kantons Z. sei daher im Strafbefehl
vom 31. März 2015 von einer ungünstigen Prognose ausgegangen und habe den
Vollzug der Freiheitsstrafe angeordnet. Die Verurteilungen würden von einem anhaltend
unbelehrbaren und renitenten Verhalten des Beschwerdeführers zeugen, was die 13
Verurteilungen wegen Ungehorsams im Betreibungsverfahren und Ungehorsams gegen
amtliche Verfügungen bekräftigten. Die wiederholte Delinquenz des Beschwerdeführers
habe das öffentliche Interesse an der Wegweisung über die letzten Jahre hinweg
aufrechterhalten. Er habe sich offensichtlich nicht vom Drogengeschäft abgrenzen
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können. Eine Verhaltensänderung sei erst unter dem Druck des ausländerrechtlichen
Verfahrens erfolgt. Dass dem Beschwerdeführer eine vorbildliche Absolvierung des
Strafvollzugs durch electronic monitoring attestiert worden sei, sei von untergeordneter
Bedeutung. Ein tadelloses Verhalten im Strafvollzug werde nach bundesgerichtlicher
Rechtsprechung allgemein erwartet und lasse keine zuverlässigen Rückschlüsse auf
das künftige Verhalten in Freiheit zu. Das Verhalten des Beschwerdeführers lasse
insgesamt auf eine Gleichgültigkeit und Geringschätzung gegenüber der
Schweizerischen Rechtsordnung schliessen, weshalb von einer Rückfallgefahr
ausgegangen werden könne, die als hinreichend wahrscheinlich erscheine, um den
Anforderungen an eine schwere und gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen
Ordnung nach Art. 5 Anhang I FZA zu genügen. Es bestehe deshalb ein erhebliches
öffentliches Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung EU/EFTA sowie an
der Wegweisung des Beschwerdeführers. Angesichts der wiederholten Straffälligkeit im
Betäubungsmittelbereich und der damit einhergehenden Gefährdung von Ordnung und
Sicherheit könne nicht von einer sozialen Integration des Beschwerdeführers
gesprochen werden. In finanzieller Hinsicht sei ihm zugute zu halten, dass er im
Rahmen von Einkommenspfändungen seit mehreren Jahren monatlich rund CHF 1‘500
seiner Schulden abbezahle und sich in diesem Rahmen redlich um die
Schuldensanierung bemühe. Er verweigere jedoch seit Jahren standhaft
Mitwirkungspflichten im Betreibungsverfahren und sei nach wie vor erheblich
verschuldet. Der Beschwerdeführer sei ledig und kinderlos. Das gemäss Art. 8 der
Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR
0.101, EMRK) geschützte Familienleben beschränke sich grundsätzlich auf die
Kernfamilie bzw. die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern
(BGE 129 II 11 E. 2). In Bezug auf die beiden in der Schweiz lebenden Schwestern und
deren Familien könne sich der Beschwerdeführer nur auf Art. 8 EMRK berufen, wenn
zwischen ihnen eine genügend nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung bestehe
(BGE 135 I 148 E. 3.1). Aus den Akten gehe hervor, dass er wöchentlich Kontakt zu den
beiden Schwestern pflege und sie mit den Kindern mit Rat und Tat unterstütze. Von
einem eigentlichen Familienleben bzw. besonders intensiven familiären Banden sei also
nicht auszugehen. Dem Beschwerdeführer, der über langjährige Berufserfahrung
verfüge und einen ferienbedingten Bezug zu Italien habe, sei es zumutbar, in sein
Herkunftsland zurückzukehren, sich dort mit Unterstützung seiner Eltern ein neues
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Beziehungsnetz aufzubauen und sich mit den dortigen Gepflogenheiten besser vertraut
zu machen, zumal die Lebensumstände in Italien mit denjenigen in der Schweiz
vergleichbar seien.
2.2. Der Beschwerdeführer vertritt die Auffassung, dass er am 1. Juli 2013 vom
Strafgericht Kanton B. wegen einer kurzen Involvierung in den Drogenhandel zur
Finanzierung seines Eigenkonsums im Winter 2007/08 zu einer teilbedingten
Freiheitsstrafe verurteilt worden sei (act. 8). Abgesehen von dieser Verurteilung sowie
jener vom 5. März 2008 (sie hätten einen Entscheid bilden sollen), sei er wegen
ausgesprochener Bagatelldelikte verzeichnet, die mehrheitlich weit zurücklägen und
vor den obgenannten Deliktszeitraum fielen. Abgesehen von zwei Ausnahmen handle
es sich bei diesen weiteren Delikten um Übertretungen, die mit altrechtlichen
Haftstrafen im unteren Bereich und mit Bussen im tieferen Bereich geahndet worden
seien. Der Strafbefehl vom 31. März 2015 verstosse gegen den Grundsatz ne bis in
idem, denn der Tatvorwurf sei derselbe, der dem Strafbefehl vom 16. Dezember 2013
der Staatsanwaltschaft U. im Kanton Z. zugrunde gelegen habe; der Sachverhalt sei
somit bereits abgeurteilt gewesen. Das Strafgericht Kanton B. habe bei der
Legalprognose ausgeführt, der Vorstrafe vom 5. März 2008 könne bei der
Prognosestellung nur noch beschränktes Gewicht beigemessen werden. Es habe
zudem zugunsten des Beschwerdeführers berücksichtigt, dass dieser einer geregelten
Erwerbstätigkeit nachgehe und seine Arbeit offenbar zur vollen Zufriedenheit seines
Arbeitgebers erfülle. Es habe überdies festgehalten, dass sich die Kadenz der
strafrechtlichen Verurteilungen in den letzten Jahren ganz erheblich abgeschwächt
habe und es deshalb plausibel sei, wenn der Beschwerdeführer seine persönliche
Situation als stabilisiert beurteile. Aus dem neuen Strafbefehl könne ausländerrechtlich
nichts zu Lasten des Beschwerdeführers abgeleitet werden. Der Vorfall im Kanton Z. im
Dezember 2012 könne als eigentlicher Ausrutscher qualifiziert werden, der die positive
Entwicklungstendenz der letzten Jahre nicht grundlegend in Frage stelle. Es sei
deshalb auf die Ausfällung einer Zusatzstrafe ausdrücklich verzichtet worden. Im
Führungsbericht des Straf- und Massnahmenvollzugs des Kantons B. werde die
positive Entwicklung des Beschwerdeführers im Vollzugsjahr 2014/15 ausserdem
explizit gewürdigt. Es habe sich gezeigt, dass der Beschwerdeführer seine
Vergangenheit hinter sich lassen wolle. Suchtspezifische Probleme seien nicht mehr
festgestellt worden. Sein Heimatland sei die Schweiz. Der Beschwerdeführer habe zwei
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in der Region wohnende Schwestern mit Kindern. Vor allem zu einer Schwester und
deren noch jüngeren Kindern pflege er engen, ja engsten Kontakt. Er habe überdies
sein gesamtes privates Umfeld (Freunde und Bekannte) hier. Seit 2006 arbeite er als
Lagerist für denselben Arbeitgeber, der mit ihm zufrieden sei. Italien kenne er nur von
kurzen Ferienaufenthalten. Seine Sucht, die zu den Straftaten geführt habe, habe er
überwunden. Seit rund fünf Jahren wohne er in derselben Wohnung in Q. Seine
Schulden zahle er stetig ab. Das Betreibungsamt fordere ihn immer wieder auf,
Arbeitsvertrag, Mietvertrag und Krankenkassenpolice einzureichen, obschon sich daran
in einem Fall seit 2006 und im anderen Fall seit 2011 nichts geändert habe. Wenn er es
unterlassen habe, die immer gleichen Unterlagen erneut vorzulegen, habe das
Betreibungsamt ihn jeweils wegen Ungehorsams im Betreibungsverfahren angezeigt,
und er sei entsprechend verurteilt worden. 14 der 22 aufgeführten Strafurteile seien
darauf zurückzuführen, elf davon seien vor dem Urteil des Strafgerichts Kanton B.
ergangen. Vorstrafen dürften bei Anwendung von Art. 5 Anhang I FZA nur
herangezogen werden, wenn sich aus ihnen bzw. den Umständen eine konkrete und
hohe Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls ableiten lasse. Aus den Ausführungen des
Strafgerichts Kanton B. ergebe sich aber, dass eine entsprechende Rückfallgefahr
vorliegend gerade nicht bestehe. Dasselbe ergebe sich aus dem Führungsbericht vom
20. Januar 2015. Die Ausweisung aus generalpräventiven Gründen sei nicht zulässig.
Vom Beschwerdeführer müsste aktuell eine hinreichend schwere Gefährdung der
öffentlichen Sicherheit und Ordnung ausgehen. Bei günstiger Prognose mit Bezug auf
die Rückfälligkeit sei dies regelmässig zu verneinen. Die einmalige mittelschwere
Periode der Drogendelinquenz habe wenige Monate gedauert und liege nun acht Jahre
zurück. Der Beschwerdeführer habe damals im Wesentlichen zur Ermöglichung/
Finanzierung des Eigenkonsums gehandelt, obschon er, was bei Kokainmissbrauch
nicht selten sei, (noch) nicht im technischen Sinne davon abhängig gewesen sei. Es
gebe keinen Hinweis auf einen möglichen Rückfall in den Kokainhandel. Nicht
einschlägig sei die aus Dummheit bzw. naiver Gefälligkeit erfolgte Hilfeleistung bei der
Errichtung und Betreibung einer Indoor-Hanfplantage im Dezember 2012. Hier sei es
nicht um den Handel gegangen und zudem nur um weiche Drogen. Die Schwelle zum
schweren Fall sei dabei nicht erreicht worden. Auch der Widerruf der
Niederlassungsbewilligung einer erwachsenen, ledigen und kinderlosen Person könne
einen Verstoss gegen Art. 8 EMRK darstellen. Die Vorinstanz habe nicht berücksichtigt,
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dass der Beschwerdeführer selbst Drogen konsumiert habe und der Zeitraum der
Delinquenz in einen Lebensabschnitt gefallen sei, der für den nun 37 jährigen
Beschwerdeführer sehr weit zurückliege. Der Beschwerdeführer sei damals nicht
selbständig in den Drogenhandel eingestiegen, sondern im Wesentlichen für K.S. tätig
gewesen. Mit den harten Drogen habe er längst nichts mehr zu tun. Angesichts der
Legalisierungstendenzen läge doch ein wesentlicher Unterschied zwischen den
Hilfeleistungen im Zusammenhang mit den Indoor-Hanfanlagen und dem Drogenhandel
(mit Konsum) im Winter 2007/08. Die Schlussfolgerung, dass der Beschwerdeführer
gleichgültig gegenüber der Schweizerischen Rechtsordnung sei bzw. diese
geringschätze, werde der Persönlichkeit und dem Verhalten des Beschwerdeführers
nicht gerecht. Er sei kein Heiliger, aber er sei auch kein langjähriger, uneinsichtiger
Drogenhändler. Der Beschwerdeführer sei nicht sozialhilfeabhängig und auch kein
Querulant. Er falle niemandem zur Last und sei redlich bemüht, Tag für Tag mit
ehrlicher Arbeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen und seine Schulden abzubauen.
Wie viele Secondos habe er als Jugendlicher Integrationsprobleme gehabt, die aber
überwunden seien. Er habe sich gebessert. Da er über keine grosse Schulbildung
verfüge und als Lagerist und Kundenberater arbeite, habe er Mühe, immer wieder
Akten und Unterlagen einzureichen und sehe nicht ein, warum er immer wieder
dieselben Akten einreichen solle. Dieser „Kleinkrieg“ mit dem Betreibungsamt vermöge
keine fehlende Integration zu belegen.
2.3. Vorliegend stellt sich zunächst die Frage, wie die Rückfallgefahr des
Beschwerdeführers zu beurteilen ist.
In den Jahren 2006 bis 2013 wurde der Beschwerdeführer mehrfach wegen
Ungehorsams im Betreibungsverfahren schuldig gesprochen (statt vieler Vorakten
S. 23f., 177f.). Aus den Vorakten geht hervor, dass der Grund dafür darin liegt, dass der
Beschwerdeführer generell nachlässig mit Behördenpost bzw. allgemeinen
administrativen Pflichten umging bzw. mit „Papierkram“ überfordert war und die Post
regelmässig „zu spät aufmachte“ (vgl. etwa Vorakten, S. 18, 39f., S. 188). Diese
Nachlässigkeit führte denn wohl auch dazu, dass der Beschwerdeführer seinen
Ausländerausweis verlor (siehe Vorakten S. 181, Ausweisverlust-Anzeige). Die
Bestrafungen wegen Ungehorsams im Betreibungsverfahren sind somit eher in diesem
Zusammenhang zu sehen als in dem vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
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behaupteten Unverständnis des Beschwerdeführers für scheinbar administrative
Leerläufe seitens der Behörden (teilweise gleiche Unterlagen immer wieder verlangt).
Worin diese Gleichgültigkeit im Zusammenhang mit administrativen Aufgaben gründet,
kann offen bleiben. Sie stellt jedenfalls keine hinreichend schwere und gegenwärtige
Gefährdung der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit dar. Aus der
administrativen Überforderung bzw. dem Desinteresse des Beschwerdeführers an
seiner Post kann auch nicht abgeleitet werden, der Beschwerdeführer respektiere die
hiesige Rechtsordnung nicht. Nicht ausgeschlossen ist jedoch ein Zusammenhang
zwischen der Nachlässigkeit im Umgang mit Behördenpost und dem damaligen
Cannabis-Konsum des Beschwerdeführers. Mit Strafbefehl vom 29. März 2007 wurde
der Beschwerdeführer sodann allerdings der mehrfachen Übertretung des BetmG
schuldig gesprochen (Vorakten, S. 114). Am 5. März 2008 wurde er wiederum des
Vergehens gegen das BetmG sowie der mehrfachen Übertretung des BetmG schuldig
gesprochen (Vorakten, S. 120). Am 17. August 2011 wurde er erneut wegen
Widerhandlung gegen das BetmG (Besitz und Konsum von Kokain) für schuldig
befunden (Vorakten, S. 201f.). Mit Urteil des Strafgerichts Kanton B. vom 1. Juli 2013
wurde der Beschwerdeführer sodann wegen mehrfacher qualifizierter Widerhandlung
gegen das BetmG zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von zwei Jahren
und vier Monaten, davon ein Jahr unbedingt, bei einer Probezeit von fünf Jahren für
den bedingt vollziehbaren Teil der Strafe verurteilt (Vorakten, S. 221 ff.). Aus dem
begründeten Urteil geht hervor, dass das Strafgericht Kanton B. die Rückfallgefahr des
Beschwerdeführers zu diesem Zeitpunkt wie folgt einstufte: „Stark zugunsten des
Beurteilten ist bei der Prognosestellung [...] zu beachten, dass der Beurteilte einer
geregelten Erwerbstätigkeit nachgeht und seine Arbeit offenbar zur vollen Zufriedenheit
seines Arbeitgebers erfüllt. Betrachtet man die persönliche Entwicklung des Beurteilten
und insbesondere der [recte: den] Umstand, dass sich die Kadenz der strafrechtlichen
Verurteilungen in den letzten Jahren ganz erheblich abgeschwächt hat, erscheint seine
Selbstbeurteilung, seine persönliche Situation habe sich in den letzten Jahren
stabilisiert, als plausibel.“ Unter diesen Umständen kann die Vermutung einer positiven
Legalbewährungsprognose nicht als widerlegt gelten. Ob daran das im Dezember 2012
im Kanton Z. eingeleitete Strafverfahren wegen Verstosses gegen das
Betäubungsmittelgesetz etwas zu ändern vermag, gilt es im Folgenden zu prüfen.
Anlässlich der Hauptverhandlung gab der Beurteilte zu Protokoll, er habe die erneuten
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Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz in erster Linie begangen, um R.E.
zu unterstützen, welcher grosse Geldprobleme gehabt habe. Damit machte der
Beurteilte sinngemäss geltend, es habe sich um eine Ausnahmesituation gehandelt, der
Rückfall sei somit den aussergewöhnlichen Umständen geschuldet gewesen. Da das
Strafverfahren im Kanton Z. noch im Anfangsstadium steht, ist bei dessen
Berücksichtigung im Rahmen des vorliegenden Verfahrens – insbesondere aufgrund
der Unschuldsvermutung – Zurückhaltung geboten. Herauszufinden, was die
Motivation des Beurteilten gewesen ist, zusammen mit R.E. erneut gegen das BetmG
zu verstossen, wird Aufgabe der Strafbehörden des Kantons Z. sein. Im vorliegenden
Verfahren hat das Gericht somit von den Angaben des Beurteilten auszugehen. Somit
kann dieser Vorfall im Kanton Z. – in Einklang mit den durchaus plausiblen und
aufgrund der vorgelegten Akten nicht widerlegbaren Vorbringen des Beurteilten – als
eigentlicher Ausrutscher qualifiziert werden, der die positive Entwicklungstendenz des
Beurteilten in den letzten Jahren nicht grundlegend in Frage zu stellen vermag. Diesen
Ausführungen vermag für das vorliegende Verfahren nichts entnommen werden, ausser
dass die Entwicklungstendenz des Beschwerdeführers ohne den Vorfall im Kanton Z.
als positiv eingestuft wurde. Entscheidend für die Rückfallgefahr ist jedoch nicht diese
Beurteilung, sondern die Gesamtbeurteilung, unter Berücksichtigung des Vorfalles im
Kanton Z. Nach dem Urteil des Strafgerichts Kanton B. wurde gegen den
Beschwerdeführer am 16. Dezember 2013 ein Strafbefehl erlassen, der die genannten
Vorfälle betraf, die das Strafgericht Kanton B. bei seiner Legalprognose nicht
berücksichtigte (act. 12/23). Diese Vorfälle betreffen die Jahre 2012–2013; sie fanden
also etliche Jahre nach den Vorfällen statt, die dem Urteil des Strafgerichts Kanton B.
zugrunde lagen. Die Staatsanwaltschaft verzichtete damals auf die Ausfällung einer
Zusatzstrafe. Dies „korrigierte“ die Staatsanwaltschaft II Kanton Z. mit Strafbefehl vom
31. März 2015 insofern, als sie eine Zusatzstrafe ausfällte und den Vollzug der
Zusatzstrafe anordnete (act. 12/30). Ob dies einen Verstoss gegen den Grundsatz ne
bis in idem darstellt, kann offen gelassen werden. Denn vorliegend einzig entscheidend
ist die in diesem Strafbefehl enthaltene Einschätzung betreffend die Rückfallgefahr. Zu
dieser wurde im Strafbefehl ausgeführt: „Nachdem der Beschuldigte trotz einschlägiger
Vorstrafe [...] und während des damals laufenden, umfangreichen Strafverfahrens im
Kanton B. delinquiert hat, ist von einer ungünstigen Prognose auf Bewährung
auszugehen [...].“ Diese Veränderung der Beurteilung der Rückfallgefahr überzeugt
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insofern, als es tatsächlich dreist ist, während eines laufenden Strafverfahrens
betreffend mehrfache qualifizierte Widerhandlung gegen das BetmG wieder einschlägig
zu delinquieren. Darin muss zweifelsohne eine Missachtung der hiesigen
Rechtsordnung erblickt werden; ob es sich nun um Cannabis oder um harte Drogen
handelte, ist dabei unerheblich. Im Übrigen belegt die neue Widerhandlung gegen das
BetmG, dass sich der Beschwerdeführer zumindest im Jahre 2013 weiterhin oder
wieder in Kreisen bewegte, die rechtswidrigem Verhalten eher zu- als abträglich sind.
Diese Einschätzung der Rückfallgefahr wurde im Jahre 2015 vorgenommen, also nach
der Verfügung der aufenthaltsbeendenden Massnahme im Februar 2014. Es ist für
diesen Zeitpunkt somit tatsächlich von einer ausreichend schwerwiegenden und
gegenwärtigen Gefährdung der öffentlichen Gesundheit seitens des
Beschwerdeführers auszugehen. Daran ändert nichts, dass der Beschwerdeführer seit
Jahren und zur vollen Zufriedenheit seines Arbeitgebers erwerbstätig ist, denn diese
Erwerbstätigkeit hatte ihn ja von den Delikten gerade nicht abgehalten. Ebenfalls nichts
daran ändern positive Berichte seitens der Vollzugsanstalten, da daraus nichts in
Bezug auf das Verhalten nach der Entlassung in die Freiheit abgeleitet werden kann.
Da vom Beschwerdeführer eine ausreichend schwerwiegende und gegenwärtige
Gefährdung der öffentlichen Gesundheit ausgeht, liegt somit ein Widerrufsgrund vor.
Es bleibt noch zu prüfen, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung vorliegend
verhältnismässig ist.
Da der Betroffene selbst Drogen konsumierte und ihn dieser Konsum wohl in einem
gewissen Grad auch gleichgültig machte, ist sein Verschulden nicht mit dem
Verschulden eines Drogendealers vergleichbar, der aus rein finanziellen Motiven mit
Drogen handelt. Dennoch ist sein Verschulden erheblich. Der Beschwerdeführer setzte
alleine mit den Tathandlungen, die zum Entscheid des Strafgerichts Kanton B. im Jahre
2013 geführt haben, eine Menge an Kokain um, die diejenige Menge, die einen
qualifizierten Fall begründet, um beinahe das Fünfundzwanzigfache überschreitet
(Vorakten, S. 253). Damit gefährdete er die Gesundheit vieler Menschen. Ausserdem
spielte er offenbar eine wichtige Rolle, denn er hatte den Kontakt zu den
Kokainlieferanten hergestellt (Vorakten, S. 253). Der Beschwerdeführer lebt seit seiner
Kindheit in der Schweiz und betrachtet die Schweiz als seine Heimat. Seine
Geschwister leben ebenfalls in der Schweiz; zu diesen pflegt er regelmässigen Kontakt.
Ein eigentliches Familienleben mit diesen Geschwistern und deren Kindern ist jedoch
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nicht belegt. Der Beschwerdeführer verfügt auch zu Italien über einen Bezug, der über
reine Ferienbesuche hinausgeht, denn seine Eltern leben wieder dort. Es wäre ihm
deshalb durchaus zuzumuten, mit ihrer Unterstützung in Italien Fuss zu fassen, zumal
das Bundesgericht, als es die Wegweisung eines 37 jährigen Italieners der zweiten
Ausländergeneration guthiess, ausführte, dass die Integrationschancen dieses
Italieners in Italien nicht geringer seien als diejenigen in der Schweiz. Der besagte
Italiener hatte in der Schweiz als Maurer gearbeitet (BGE 130 II 176 E. 4.5.1). Dies
dürfte beim Beschwerdeführer nicht anders sein; er ist Karosseriespengler. Der
Widerruf der Niederlassungsbewilligung ist somit nicht unverhältnismässig.
Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
3. Hinsichtlich der Kostenverlegung vor der Vorinstanz macht der Beschwerdeführer
geltend, dass das teilweise Obsiegen im Rekursverfahren bei der Kostenverlegung
hätte berücksichtigt werden müssen (act. 8 S. 10). Dass das Obsiegen marginal
gewesen sei, sei nicht stichhaltig, da sich im Rekursentscheid dazu immerhin
Ausführungen von einer guten Seite finden liessen. Die Kostentragung und die
ausseramtlichen Kosten seien deshalb neu festzulegen. Die Vorinstanz führte dazu aus,
dass das Obsiegen des Beschwerdeführers hinsichtlich Ziffer 3 des Dispositivs der
Verfügung des Migrationsamts als marginal erscheine und sich daher kostenmässig
nicht auswirke (act. 9/2 S. 14).
Ziffer 3 des Dispositivs der Verfügung des Migrationsamts besagt (act. 12/1): „Der
Verfügungsadressat wird auf Art. 292 des Schweizerischen Strafgesetzbuches [...]
hingewiesen, wonach mit Busse bestraft wird, wird der von einer zuständigen Behörde
oder einem zuständigen Beamten unter Hinweis auf die Strafdrohung dieses Artikels an
ihn erlassenen Verfügung nicht Folge leistet.“ Die inhaltlichen Ausführungen zu dieser
Ziffer im Entscheid der Vorinstanz beschränken sich auf einen Absatz – zusammen mit
der Schlussfolgerung der Vorinstanz, dass die Ziffer 3 der Verfügung des
Migrationsamts aufzuheben sei, kommt man auf eine gute halbe bis zwei Drittel einer
Seite. Berücksichtigt man die gesamte Länge des Entscheids von 16 Seiten sowie die
Tatsache, dass diesen Erwägungen inhaltlich tatsächlich eine marginale Bedeutung
zukommt, kann nicht davon gesprochen werden, die Vorinstanz hätte die Kosten
unangemessen verlegt oder gar ihr Ermessen überschritten. Der Entscheid der
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Vorinstanz ist deshalb auch in diesem Punkt nicht zu beanstanden und das
entsprechende Begehren abzuweisen.
4. Dem Verfahrensausgang entsprechend hat der Beschwerdeführer die Kosten zu
tragen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 2‘000 ist angemessen
(Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Dem Gesuch des
Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege ist stattzugeben. Sein Begehren
erschien nicht als aussichtslos, da im Bereich des FZA hohe Anforderungen an den
Widerruf einer Niederlassungsbewilligung gestellt werden. Ausserdem ist er, dessen
Lohn gepfändet ist, offensichtlich prozedural bedürftig. Die Kosten gehen
dementsprechend infolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege zulasten des
Staates (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art 122 Abs. 1 Ingress sowie lit. b der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO). Auf die Erhebung der
Entscheidgebühr ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Vor Verwaltungsgericht wird die unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch
Rechtsanwalt Imfeld gewährt (Art. 99 Abs. 1 VRP). Anwendbar ist somit die staatliche
Honorarordnung (siehe Art. 30 Ingress lit. b Ingress und Ziff. 2 des Anwaltsgesetzes;
sGS 963.70, AnwG). Bei unentgeltlicher Prozessführung wird das Honorar um einen
Fünftel herabgesetzt (Art. 31 Abs. 3 AnwG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Verwaltungsgericht pauschal CHF 1'000 bis CHF 12'000 (siehe Art. 22
Abs. 1 Ingress und lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten;
sGS 963.75, HonO). Innerhalb des für eine Pauschale gesetzten Rahmens wird das
Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der
Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der
Beteiligten, bemessen (vgl. Art. 19 HonO). Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote
eingereicht. Ein Pauschalhonorar von CHF 2'000, das um einen Fünftel auf CHF 1'600
zu kürzen ist, erscheint angemessen. Hinzu kommen pauschale Barauslagen von
CHF 80 (vier Prozent von CHF 2'000, Art. 28bis HonO) sowie die Mehrwertsteuer
(Art. 29 HonO).