Decision ID: e3722369-3a06-46a0-b9da-4fedc634cead
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1969,
war vom 1. April bis 30. November 2003 beim Hotel
Y._
als Service-Mitarbeiter tätig (
Urk. 10/
1
2/1
)
und bezog anschliessend Taggelder der Arbeitslosenversicherung (
Urk.
10/11/3)
. Am 21. März 2005 meldete er sich unter Hinweis auf
linksseitige Schmerzen im Arm
-, Brust- und Schulterbereich
bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug
(Berufsberatung, Umschulung)
an (Urk. 10/8/6). Die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, verneinte mit Verfügung vom 29. Juli 2005 einen
Rentenanspruch sowie einen Anspruch auf berufliche Massnahmen
(Urk. 10/23)
, was sie
mit
Einspracheentscheid
vom 9. November 2006
bestätigte
(Urk.
10
/47). Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich wies die
dage
gen
erhobene Beschwerde mit Urteil
IV.2006.01055
vom 19. März 2007
ab (Urk. 10
/53).
Auf die daraufhin eingelegte Beschwerde trat das Bu
ndesgericht mit Urteil 9C_157/2007 vom 28. August 2007
nicht ein
(Urk. 10
/60).
1.2
Auf das Gesuch des Versicherten vom
5. September 2007
hin
(Urk. 10/58)
erteilte
die IV-Stelle
a
m 19. Mai 2008 Kostengutsprache für eine Hörgeräte-Anpassung (Urk.
10
/66
; vgl. dazu auch das neuerliche Gesuch vom 2
6.
November 2018
[
Urk. 10/186
] und die
entsprechende
Kostengutsprache vom
1
1.
Juni 2019
[
Urk.
10/232
]
).
1.3
Ab dem 26. Juli 2008 war der Versicherte bei der
Z._
AG als Flugzeug
reiniger angestellt (Urk. 10/113/1, Urk. 10/120/1 f.)
. A
m
1. Februar 2010
meldete er sich unter Hinweis auf starke Schmerzen am linken Fuss
erneut
bei der
Invalidenversicherung an (Urk. 10
/70). Die IV-Stelle trat mit Verfügung vom
12. Mai
2010 auf
dieses
Leistungsbegehren nicht ein
, da der Versicherte
keine wesentliche Veränderung der
tatsächlichen
Verhältnisse
habe
glaubhaft machen
können
(Urk.
10
/75).
1.
4
Nachdem ihn sein behandelnder Arzt im Juli 2011 zur Früherfassung gemeldet hatte (Urk. 10/86), stellte
der Versicherte
am 2. September 2011
abermals
ein Leistungsgesuch
(Urk.
10
/96).
Die IV-Stelle liess den Versicherten durch ihren regionalärztlichen Dienst (RAD) psychiatrisch-neurologisch und orthopädisch untersuchen (Berichte vom
6.
September 2012,
Urk.
10/141-142). M
it
unange
fochten in Rechtskraft erwachsener
Verfügung vom 21. Juni 2013
verneinte sie
einen Rentena
nspruch des Versicherten
- ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 75
%
in
einer Verweistätigkeit
-
bei einem Invaliditätsgrad von 25
%
(Urk. 10
/171
).
1.
5
Ab
1.
November 2015 war der Versicherte vollzeitig
für die
A._
AG als Reiniger tätig, welche
das Arbeitsverhältnis am
3.
Juli 2017 kündigte
(Urk. 10/173/6, Urk. 10/
263/4
, Urk. 10
/175/1).
Gleichentags
meldete
er
sich
wiederum
zum
B
ezug
von Leistungen der Invalidenversicherung
an (Urk. 10
/173).
Mit Vorbescheid vom 25. September 2017
stellte
die IV-Stelle dem Versicherten
in Aussicht
,
dass sie
auf sein neues Leistungsbegehren
nicht eintreten
werde
(Urk. 10
/183
).
Eine diesbezügliche Verfügung
ist nicht aktenkundig (vgl. indes das Feststellungsblatt für den Beschluss vom
7.
November 2017,
Urk.
10/184
, sowie
Urk.
10/185
).
1.
6
Am 27. Dezember 2018
(gemäss
Aktenverzeichnis zu
Urk.
10
Eingang bei der IV
Stelle
am
3.
Januar 2019)
meldete
sich der Versicherte
unter Hinweis auf seine sehr schlechte Gesundheit (linkes Knie, Schwindel, Ohrgeräusche, Ohnmachten)
erneut
zum Leistungsbezug (berufliche Integration/Rente)
an (Urk.
10
/195
-196
). Die IV-Stelle
klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab
und
liess den Versicherten
durch das
B._
polydisziplinär begutachten (
Expertise
vom 31. Dezember 2019, Urk.
10
/257)
und
dieses
hernach ergänzende Fragen (
Urk.
10/259) beantworten (Stellungnahme des
B._
vom 1
2.
März 2020,
Urk.
10/261)
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
10
/26
6
-277) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 15. September 2020
bei einem Invaliditätsgrad von 36
%
ab (Urk.
10
/280 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte
mit Eingabe vom
16. Oktober 2020
Beschwerde und beantragte, es sei die Verfügung vom 15. September 2020 aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen, insbesondere Integra
tionsmassnahmen wie beispielsweise eine Potentialabklärung oder eine Rente. In
prozessualer Hinsicht ersuchte
er um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechts
pflege
(Urk. 1 S. 2
).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 2. Dezember 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9). Mit Verfügung vom 5. Januar 2021 gewährte das Gericht dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und bestellte Rechtsanwalt Thomas Wyss als unentgeltlichen Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren (Urk. 11).
Der Beschwerdeführer ergänzte beziehungsweise präzisierte m
it Replik vom
19. Mai 2021
sein Rechts
begehren dahingehend, dass im Rahmen der beantragten gesetzlichen Leistungen insbesondere Massnahmen beruflicher Art zuzusprechen seien
(Urk. 19
S. 2
)
,
und
am 25
. Mai 2021
(
Urk.
21)
reichte er
medizinische Unterlagen
nach
(Urk. 22/7-8). Die Beschwerdegegnerin
verzichtete
am 30. Juni 2021
auf Erstattung
einer Duplik (Urk. 26)
, was das Gericht dem
Beschwerdeführer
a
m 9. Juli 2021 mit
teilte
(Urk. 29).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
IVV)
, so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Anlass zur Rentenrevision
im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG gibt jede wesent
liche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beein
flussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesund
heitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgaben
bereich von Bedeutung (BGE 141
V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsicht
lich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesund
heitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streiti
gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stützte sich in der
angefochtene
n
Verfügung
(
Urk.
2)
auf das
B._
-
Gutachten
und ging davon aus, dass
der Beschwerdeführer einer ange
passten Tätigkeit mit einem Pensum von 50 % nachgehen
könne
(S. 1).
Weiter hielt
s
ie fest,
ausgehend vom zuletzt erzielten Lohn ergebe
d
er
Einkommens
vergleich
e
in
en
Invaliditätsgrad von 36 % (S. 2). Der Forderung des Beschwerde
führers, es seien Integrations- und berufliche Massnahmen anzuordnen
,
könne in dem Sinne gefolgt werden, dass der Fall nach Abschluss der Rentenprüfung an die Eingliederungsberatung weitergeleitet werde
zur Prüfung eines
Anspruch
s
auf Unterstützung bei der Stellensuche (S. 3).
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
9)
ergänzte
die IV-Stelle, das Gutachten erfülle die Anforderungen an ein beweiswertiges Gutachten und setze sich
umfassend
mit den Berichten des Universitätsspitals
C._
und
der Frage der
Verän
derung des Gesundheitszustandes auseinander (S. 2). Eine dem Beschwerdeführer zumutbare Arbeit sei auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt vorhanden. Selbst bei Parallelisierung der Vergleichseinkommen würde ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad resultieren (S. 3).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber
beschwerdeweise
und auch in der Replik (
Urk.
19) - aus näher dargelegten Gründen -
auf den Standpunkt,
auf das
B._
-Gutachte
n
könne nicht abgestellt werden
(
Urk.
1
S. 7).
Ferner
habe es d
ie Beschwerdegegnerin trotz der Anmeldung im Jahr 2016 unterlassen, Integra
tionsmassnahmen zuzusprechen.
Es genüge nicht, das
s die Beschwerdegegnerin ihm lediglich Unterstützung bei der Stellensuche gewähren wolle (
Urk.
1
S. 8).
Es sei ihm nicht mehr zumutbar, sich aufgrund seiner vielen gesundheitlichen Einschränkungen selbst – und zusätzlich in einen anderen Beruf – einzugliedern.
Aufgrund seiner vielen Einschränkungen sei er einem Arbeitgeber nicht mehr zumutbar. Die Arbeitsfähigkeit sei durch das
B._
zu hoch angesetzt worden.
Beim
Valideneinkommen
sei der Tabellenlohn
der vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) 2016, TA1, heranzu
ziehen
(
Urk.
1
S.
7 und S.
9). Es sei ein Prozentvergleich vorzunehmen, eventua
liter sei das
Valideneinkommen
zu parallelisieren und
subeventualiter
sei ihm ein Leidensabzug auf dem Invalideneinkommen zu gewähren (
Urk.
1
S. 10).
2.3
Strittig ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf gesetzliche Leistungen. Zwar zielte
sein
Rechtsbegehren in der Replik zur Hauptsache auf
Eingliederungsmass
nahmen
(
Urk.
19 S. 2), doch ist
seinen Vorbringen
nicht zu entnehmen, dass er
d
en
beschwerdeweise gestellten
Antrag auf gesetzliche Leistungen
(
Urk.
1 S. 2)
im Sinne einer Rente zurückgezogen hätte, weshalb
im Folgenden
der Rentenan
spruch
zu
prüfen
ist
, zumal die Beschwerdegegnerin darüber in der angefochte
nen Verfügung befunden hat.
Die Beschwerdegegnerin
ist auf die
Neuanmeldung
des Beschwerdeführers
vom
27. Dezember 2018 (Urk.
10
/195)
eingetreten.
Zu erörtern ist daher
, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der letzten
rentenabweisenden
Verfügung, welche auf einer
rechtskonforme
n
Sachverhaltsabklärung beruhte,
verändert
und der Beschwerdeführer
nunmehr
Anspruch auf eine Rente hat
(vgl.
vorstehend
E. 1.
4
).
D
ie Verfügung vom
21. Juni 2013 (Urk.
10
/171), mit welcher das Rentenbegehren
gestützt auf
psychiatrisch-neurologisch
e
und orthopädisch
e
Untersuchungen durch
RAD-
Ärzte
(
Urk.
10/141-142)
,
deren
abschliessende
Würdigung der Aktenlage
und einen ausführl
ichen Einkommensvergleich (Urk.
10/159)
, mithin
nach
rechtskonforme
r
Prüfung der Sach- und Rechtslage
,
letztmals
beurteilt
wurde,
bildet
die
massgebliche
Vergleichsbasis.
3
.
3.1
Im
Bericht des Interdisziplinären Zentrums für Schwindel und neurologische Sehstörungen des
Universitätsspitals C._
vom 2
3.
Mai 2018 über die gleichentags durchgeführte Untersuchung wurde ein episodisches vestibuläres Syndrom (
Differenzialdiag
nose [
DD
]
: vestibuläre Migräne, Morbus
Menière
) diagnostiziert.
Weiter wurden
eine hochgradige
sensorineurale
Schwerhörigkeit rechts (vgl. auch
Urk.
10/210/1) und zwei bis drei Stunden dauernde Drehschwindelattacken mit Übelkeit und Erbrechen, sehr laute
m
Tinnitus rechts und ein
em
Spontannystagmus
erwähnt
(
Urk.
10/209/5).
Der Beschwerdeführer wurde
in den
Jahr
en
2008 und 2019
mit Hörgeräten versorgt
(
Urk.
10/66,
Urk.
10/232)
, was die Kommunikation laut eigenen Anga
ben zunächst in verschie
dener Hinsicht verbessert
e
(Urk.
10/216
-217;
vgl. hingegen
Urk.
10/225/2).
Die Fach
leute
des
Universitätsspitals C._
,
Interdisziplinäres Zentrum für Schwindel und neurolo
gische Sehstörungen, diagnostizierten am 1
3.
Mai 2019
neu
einen Morbus
Menière
und sahen die Schwindelbes
chwerden in diesem Rahmen (Urk.
10/227/
1
2). Daneben
führten
sie weitere Diagnosen
an
, welche die Schwin
delbeschwerden mitverursachen könn
t
en,
etwa
migräniforme
Kopfschmerzen, eine vestibuläre Migräne und ein Verdacht auf eine ängstliche und depressive Komponente.
Zudem
sprachen sie
von einer ausgeprägten psychosozialen Belastungssituation (
Urk.
10/227/3). Im Bericht vom
4.
Februar 2020 interpretier
ten
die Fachleute
des
Universitätsspitals C._
die Symptome (Schwindel, Nausea, Erbrechen, Rauschen im rechten Ohr)
wiederum
im Rahmen des Morbus
Menière
mit/bei
Verdacht auf
Overlap
mit einer vestibulären Migräne
und psychischer Dekom
pensation
. Zur Behandlung wurden eine
intratympanale
Dexamethason
-Injektion und eine sozial-psychiatrische Vorstellung empfohlen
(
Urk.
10/272 =
Urk.
3/3
S.
1-
2).
3.2
Gemäss Bericht des
Universitätsspitals C._
,
Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie, vom
2.
Juli 2019 wurden die Schwindelanfäll
e des Beschwerdeführers vom 17.
bis 2
0.
Juni 2019 stationär und hernach wegen der schwierigen Situation des alleinerziehenden Vaters von fünf Kindern ambulant behandelt
.
A
ls
Diagnose
wurde ebenfalls
ein
Morbus
Menière
genannt (
DD
:
delayed
endolympathic
hydrops
)
und
es wurde
die Aufnahme einer Psychotherapie
nahe gelegt
(
Urk.
10/273 =
Urk.
3/4).
3.3
Vom 1
7.
bis 1
9.
Oktober 2018 war der Beschwerdeführer nach einem Sturzereig
nis mit leichte
m
Schädelhirntrauma
bei
Glasgow
Coma
Score
(
GCS
)
15
im Spital
D._
hospitalisiert. Im MRI des Schädels konnten keine Ursachen für die rezidi
vierenden Stürze gefunden werden (Urk. 10/275).
Wegen einer Handkontusion nach einem
synkopalen
Sturz erfolgte
im Spital
D._
a
m
3.
März 2020
eine ambulante Behandlung
mittels Analgetika und Ruhigstellung
in einer Handgelenkschiene
(
Urk.
10/274).
3.4
3.
4
.1
Das von der
Beschwerdegegnerin
eingeholte
B._
-Gutachten vom 31. Dezember 2019
umfasste die
Fachrichtungen Innere Medizin,
Psychiatrie, Rheumatologie, Neurologie und
Otorhinolaryngologie
(HNO
;
Urk. 10/257
/2
).
Im interdisziplinären Konsens
nannten
die Gutachter folgende
-
leicht
gekürzt wiedergegebenen -
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 10/257/12 f.):
-
Cochleo
-vestibulärer Funktionsausfall rechts (aktenanamnestisch seit 1993), aktuell zentral kompensiert
-
Progrediente, linksbetonte Gonarthrose
-
Alte
Ansatztendinose
der
Plantaraponeurose
des linken Fusses
-
Chronische
myofasziale
Schmerzen der linken Schulterregion seit Jahren
-
Verdacht auf dissoziative Anfälle (Differentialdiagnose
[DD]
: kryptogene Epilepsie)
-
Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz bei chronischer Migräne ohne Aura
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen (ICD-10 F45.41)
-
Leichte depressive Episode
Demgegenüber
schrieben sie
folgenden Diagnosen
keine
L
eistungsminder
ung
zu
(Urk. 10/257/13 f.)
:
-
Hinweise auf eine aktuell funktionelle Hörstörung links (
DD
: aktenanam
nestisch fluktuierendes Gehör links)
-
Intermittierendes
lumbovertebrales
und
thorakovertebrales
Schmerzsyn
drom
-
Schmerzen im Bereich der Daumengelenke beidseits ohne eindeutiges organisches Korrelat
-
Diabetes mellitus
-
Nikotin-Missbrauch
-
Adipositas, Body-Mass-Index (BMI): 36 kg/m
2
Zu den funktionellen Auswirkungen der Befunde und Diagnosen
führten die Sachverständigen aus, der
Beschwerdeführer
sei grundsätzlich für sämtliche sturzgefährdeten Tätigkeiten
als
arbeitsunfähig zu betrachten, dies sowohl aus Sicht der Neurootologie (Schwindel,
c
ochleo
-vestibulärer Funktionsausfall rechts) als auch aus Sicht der Neurologie (Verdacht auf dissoziative, DD: kryptogene epileptische Anfälle). Damit entfielen alle Arbeiten an gefährdenden Maschinen und alle Tätigkeiten mit Führen von Fahrzeugen (Personenverkehr)
sowie
vermehrte
r
Reisetätigkeit, Tätigkeiten mit erhöhten Anforderungen an das Konzentrationsvermögen, die Reaktionsschnelligkeit sowie die Flexibilität, Steuer- und Überwachungstätigkeiten, Tätigkeiten mit Aufsichtspflicht, Nacht
schicht respektive Schichtsysteme mit Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus (wechselnde Arbeitszeiten, Bereitschaftsdienste), Tätigkeiten mit Atemschutz
geräten, Tätigkeiten in Kälte, Tätigkeiten auf dem Wasser sowie Schwimmen
.
Aufgrund der Ertaubung rechts seien Tätigkeiten, bei denen ein intaktes Gehör oder ein Richtungshören nötig sei, nicht möglich. Auch Arbeiten in lauter Umgebung oder mit viel
Störgeräuschen
seien
ungeeignet (Tinnitus, Hörverlust rechts). Aufgrund der objektiv feststellbaren Hörschwelle links liege grundsätzlich ein wohl genügendes Hörvermögen für akustisch angepasste Situationen vor
(Urk. 10/257/14
,
Urk.
10/257/16
)
.
Die progrediente Arthrose des linken Kniegelenkes führe zu einer verminderten Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit für Tätigkeiten, die vorwiegend im Stehen und Gehen
durchgeführt werden müssen beziehungsweise das Knien, in die Hocke
G
ehen wie auch das
Tragen, Heben oder Stossen von Lasten über 5 kg erforder
te
n.
Das
Treppensteigen,
das
Betreten von Leitern
oder Gerüsten
und
das Gehen auf unebenem Boden
sei
en
nicht mehr zumutbar (auch bereits aufgrund
der
neurootologischen
/neurologischen Diagnosen).
Die funktionellen Einschränkungen des linken Fusses seien nach wie vor unver
ändert; sie würden aber durch die funktionellen Einschränkungen und degenera
tiven Veränderungen der Kniegelenke weitgehend überdeckt und die Funktions
einschränkung entsprechend durch die Limitierung seitens des Knies bestimmt.
Aufgrund der chronisch persistierenden,
myotendinotischen
Verspannungen der Schultergürtelmuskulatur
linksseitig
seien Ü
berkopf
a
rbeiten resp
ektive
das Heben der linken Schulter über die Horizontale
nicht möglich.
Aufgrund des chronische
n
Kopfschmerze
s
von
migräniformem
Charakter sowie mit Medikamentenübergebrauchs-induzierter Komponente besteh
e
eine generelle leichte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit,
die jedoch nicht additiv zu obige
n Einschränkungen zu werten sei (
Urk.
10/257/14
,
Urk.
10/257/16
-17
).
Entsprechend kämen vor allem körperlich leichte Tätigkeiten in Frage, welche vorwiegend im Sitzen ausgeübt werden könnten, mit der Möglichkeit für Posi
tionswechsel bei Bedarf und unter Beachtung der genannten qualitativen
Limiten
(Urk.
10/257/17).
Gespiegelt am Belastungsprofil erscheine die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Reiniger am Flughafen nicht mehr
zumutbar
. Der Beschwerdeführer sei bis etwa im Juli 2017 in den Arbeitsprozess eingegliedert gewesen. Seither seien sowohl eine gewisse Verschlechterung der psychischen Situation als auch eine Progre
dienz der Gonarthrose
links
dokumentiert und die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
sei
seither nicht mehr möglich.
Zur Begründung der Arbeitsunfähigkeit hielten sie fest, es lägen klare
neurooto
logische
und rheumatologische Gesundheitsbeeinträchtigungen vor. Diese würden zusätzlich erheblich durch die psychiatrische Fehlverarbeitung (Schmerz
störung) überlagert und durch psychosoziale Faktoren mitgeprägt. Die Beurtei
lung de
r
Arbeitsfähigkeit richte sich nach den objektiv nachvollziehbaren Funktionseinschränkungen (
Urk.
10/257/17 f.).
Aus gesamtmedizinischer Sicht sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer optimal angepassten
Arbeitstätigkeit
auszugehen, idealerweise verteilt auf vormittags und nachmittags. Die Einschränkung ergebe sich in der Summe der rheumatologischen, neurologischen und
neurootologischen
Limitierungen und aufgrund der zusätzlichen psychiatrischen Einschränkung. Gemäss Aktenlage sei der Beschwerdeführer bis zirka Juli 2017 im Arbeitsprozess gewesen. Eine manifeste Verschlechterung des Zustandes beider Kniegelenke sei im MRI beider Kniegelenke vom 10. September 2019 klar nachgewiesen worden. Eine Verschlechterung des psychischen Zustandes liesse sich ab Anfang 2017 nach
halten. Entsprechend sei davon auszugehen, dass ab Datum der Arbeitsaufgabe per Juli 2017 die genannte Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit Gültigkeit habe (Urk. 10/257/17).
In der Vorbeurteilung des RAD aus dem Jahr 2012
(vgl.
Urk.
10/141-142, Urk. 10/159)
seien die rezidivierenden Schwindelattacken
als Erkrankung
unklare
r
Ätiologie eingestuft worden.
M
ittlerweile
sei
eine klare diagnostische Zuordnung möglich im Sinne eines
cochleo
-vestibulären Funktionsausfalles rechts. Die damit einhergehenden Funktionsausfälle (Schwindel, Hörverlust rechts) seien objektiv klar zu fassen und stellten gegenüber August 2012 eine Verschlechterung dar (Urk. 10/257/18).
Die Funktionsbehinderung des linken Beins sei im August 2012 primär noch im Rahmen der erfolgten Operationen am linken Fuss eingeordnet worden. Im Vergleich dazu sei in der Zwischenzeit eine manifeste Verschlechterung des Zustandes beider Kniegelenke klar nachgewiesen worden. Es sei damit von einer objektiv klaren Progredienz auszugehen (Urk. 10/257/19).
Eine Verschlechterung der psychischen Symptomatik sei Anfang 2017 ausgelöst worden durch die häusliche Gewalt der Ehefrau und ihre verdeckte Aussenbezie
hung, die sie während der Ehe begonnen
habe
. Klinisch
habe sich als
Folge ein verstärktes Schmerzerleben und eine höhere Anfallshäufigkeit der wahrscheinlich dissoziativen Anfälle
ergeben
. Im Mini-ICF-APP sei jeweils eine leichte Beein
trächtigung der Durchhaltefähigkeit, der Selbstbehauptungsfähigkeit, der Kontaktfähigkeit zu Dritten, der Gruppenfähigkeit, der Fähigkeit zu familiären beziehungsweise intimen Beziehungen und der Fähigkeit zu Spontanaktivitäten herausgearbeitet worden. Im psychopathologischen Befund sei eine Schmerz
angabe von VAS 8-10 vermerkt (Urk. 10/257/19).
3.
4
.2
Auf die Rückfragen der Beschwerdegegnerin vom 2
0.
Januar 2020 (
Urk.
10/259)
führten der Internist,
der
Psychiater und die
Otorhinolar
y
ngologin
des
B._
am 1
2.
März 2020 aus (
Urk.
10/261), d
ie in den letzten Tagen vor der Begutachtung aufgetretenen Stürze
seien
durch das Fachgebiet
ORL teilweise erklärbar und damit überwiegend wahrscheinlich nicht (nur) dissoziativ. Die Unschärfe
in der Schilderung
sei
auf die eher schwierigen Explorationsbedingungen bei Schwer
hörigkeit
und mit Dolmetscher zurückzuführen.
Das Ausschlagen von Zähnen beruh
e
auf den anamnestischen Angaben des
Beschwerdeführers, welche
2012 auch gegenüber dem RAD
-Arzt gemacht worden seien.
Die Differenzierung eines dissoziativ bedingten Sturzes von einem durch eine Innenohrstörung
bedingten Sturz
sei
sehr schwierig. Dazu bedürfte es idealer
weise eines längeren Beobachtungs
z
eitraums und externer Beobachter. Ein vestibulär bedingter Sturz
sei
eher selten. Grundsätzlich s
eien
im Rahmen
eines Morbus
Menière
s
ogenannte
«
Drop
attacks
»
möglich, plötzliche Stürze, die jedoch sehr selten auftr
ä
ten. Der
Beschwerdeführer leide jedoch nicht an einem Morbus
Meni
è
re
, sondern an einem
cochleo
-vestibulären Funktionsausfall
.
Obwohl der Ausfall forme
ll zentral kompensiert
sei
, könne
es im Rahmen von zentralen Dekompensationen immer wieder zu Schwindel, damit einhergehend
zu einer ausgeprägten Unsicherheit und in diesem Rahmen möglicherweise
auch zu
«
Stürzen
»
kommen. Zu erwarten wäre jedoch, dass in derartigen Situationen bei
direkter oder zeitnaher Untersuchung auch
Nystagmen
sichtbar sein sollten.
Da im
neurootologischen
Gutachten der Verdacht auf
eine kryptogene Epilepsie mit zusätzlich möglichen
dissoziativen Anfällen geäussert und auch im ORL
-
Gutachten der V
erdacht auf eine funktionelle
Komponente der Hörstörung (links) geäussert
worden sei
,
sei
in Anbetracht der erheblichen psychischen
Belastungs
faktoren und Traumatisierungen in der Vergangenheit die Diagnose einer
mög
lichen dissoziativen Störung weiterhin wahrscheinlich
erschienen
, vor allem für weiter zurückliegende
Zeiträume.
Die
Otorhinolar
y
ngologin
legte
zudem
dar, dass beim Beschwerdeführer
eine
cochleo
-
vestibuläre
Funktionsstörung auf der rechten Seite vor
liege, ü
berwie
gend wahrscheinlich seit
L
ängerem. Ob der
cochleo
-vestibuläre Funktionsausfall schon in der Vergangenheit die Ursache
der Schwindelattacken
gewesen sei
, k
önne
retrospektiv nicht zuverlässig beurteilt und gegenüber
dissoziativ verursachten Sturzereignissen abgegrenzt werden.
Grundsätzlich
sei
es nicht ausgeschlossen
und bei solchen Störungsbildern (Epilepsie)
durchaus häufig,
dass organisch nachweisbare Ursachen zusätzlich psychogen (dissoziativ) überlagert
würden, was aus
neurologischer Sicht diffe
rentialdiagnostisch diskutiert
worden sei.
Beim
Beschwerdeführer bestünden
durch die ganze Aktenlage hindurch zahlreiche Hinweise auf sowohl
organische Befunde wie auch hochgradige funktione
l
le (dissoziativ anmutende)
Ü
ber
l
age
rungen,
die nicht auseinandergehalten werden könn
t
en. Dazu passend
fänden
sich in der aktuellen
neurootologischen
Untersuchung sowohl die beschriebenen objektiven Befunde wie auch deutliche funktionelle Überlagerungen
.
Ähnliches
gelte
für d
as Gehör. Zusammengefasst könne deshalb
die Arbeitsfähigkeit nur im Konsens festgelegt werden
(
Urk.
10/261).
3.
5
Der RAD-Arzt hielt das Gutachten laut
seiner Aktenbeurteilung
vom
2.
April 2020 für nachvollziehbar und empfahl, darauf abzustellen (
Urk.
10/165/2).
3.6
Im jüngsten Bericht
der Ärzte des Universitätsspitals
E._
vom 2
8.
April 2021 wurden die persistierenden und bei Belastung zunehmenden Knieschmerzen links diagnostisch als
medialbetonte
Pangonarthrose
links und
medialbetonte
Gonarthrose rechts gefasst. Es wurden ein konservatives Vorgehen und eine Gewichtsabnahme empfohlen sowie eine Tätigkeit im Umfang von 50
%
in einer Verpackungsfabrik erwähnt (
Urk.
22/7
; vgl. auch Bericht vom 1
0.
September 2019,
Urk.
10/251/2
).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin bejahte in der angefochtenen Verfügung implizit eine wesentliche Sachverhaltsänderung, indem sie gestützt auf eine Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit von
nurmehr
50
%
- anstatt der früheren 75%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepas
s
ten Tätigkeit (
Urk.
10/171) -
einen Einkommensvergleich durchführte (
Urk.
2).
In Anbetracht
der klaren Ausführun
gen der
B._
-
Gutachter betreffend die im Vergleich zum Referenzzeitpunkt
im Jahr 2013
eingetretene gesundheitliche Verschlechterung
ist
der Revisionsgrund ohne Weiteres ausgewiesen. Die
seinerzeit
durchgeführten RAD-Untersuchungen führten
zum Schluss, dass
die Arbeitsfähigkeit durch
eine
ausgeprägte Funk
tionsbehinderung des linken Beines mit erheblicher Gangstörung, Bewegungs
einschränkungen des Kniegelenks sowie des oberen und unteren Sprunggelenks
sowie r
ezidivierende Schwindelattacken (
DD
: vestibuläre Migräne)
in dem Sinne beeinträchtigt
sei
, dass der Beschwerdeführer nur noch in einer optimal ange
passten Tätigkeit im Umfang von 75
%
arbeitsfähig sei
(Urk.
10/141/8,
Urk.
10/142/6 f.).
Die
B._
-Gutachte
r
sahen eine manifeste Verschlechterung
ins
besondere
hinsichtlich des Knieleidens
sowie
der Schwindel und de
s
Hörverlust
s
im Zusammenhang mit dem
cochleo
-vestibulären Funktionsausfall
. S
ie schrieben
dar
über hinaus
den Schmerzen
in
der linken Schulterregion, dem Verdacht auf dissoziative Anfälle, dem Kopfschmerz bei Migräne, der Schmerzstörung und der leichten depressiven Episode Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu
. Diese erachteten sie
in einer
angepasste
n
Tätigkeit mit nachvollziehbarer Begründung
nurmehr
im
Umfang
von 50
%
für
zumutbar (vorstehend E. 3
.
4.1
).
Bei dieser Sachlage ist es evident, dass sich die gesundheitlichen Verhältnisse verändert haben (
vgl.
U
rteil
des Bundesgerichts
8C_300/2020 vom
2.
Dezember 2020 E. 2.6.2
)
. E
s
ist
daher
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch umfassend
und ohne Bindung an die frühere Beurteilung
neu prüfte, was auch der Beschwerdeführer nicht in Abrede stellte.
4.2
Die Beschwerdegegnerin ging von der seitens der
B._
-Gutachter bescheinigten Arbeitsfähigkeit von 50
%
in einer Verweistätigkeit aus
, die auch der RAD-Arzt für nachvollziehbar erachtete
. Der Beschwerdeführer
rügte
indessen, die
Gutach
ter
hätten eine zu h
o
he Arbeitsfähigkeit angenommen (vorstehend E. 2.2).
Sodann beanstandete er, dass sich die Gutachte
r
nicht mit dem diagnostizierten Morbus
Menière
auseinandergesetzt
und
nicht diskutiert
hätten
, welche
neurootolo
gischen
Diagnosen vorliegen würden. Die in den Beri
chten des Spitals
D._
vom 3.
März 2020 und 1
8.
Oktober 2018 erwähnte Sturzneigung und die statt
gehab
t
en Stürze würden verharmlost (
Urk.
1 S. 6-7).
Den Sachverständigen
hätten auch nicht sämtliche Unterlagen
vorgelegen
, nament
lich die Berichte
de
s Spitals
D._
vom 18.
Oktober 2018 und
des
Universitätsspitals C._
vom
2.
Juli 2019
(Urk.
20/5
6; vgl.
Urk.
19 S.
2
3).
Die
Rüge
der mangelnden Kenntnis sämtlicher
Vorakten
ist
insofern
zutreffend,
als
die Gutachter
nicht von sämtlichen, vom Beschwerdeführer erwähnten
medi
zinischen Akten Kenntnis hatten, wie sich ihrer
Übersicht der
Vorakten
entneh
men lässt
(Urk.
10/257/42-43
)
;
genauso wenig
lag ihnen der
seitens des
Beschwerde
führer
s
erst nach Erstattung der Expertise, nämlich am 2
9.
Juni 2020
(
Urk.
10/276)
zu den Akten gereichte
Bericht
des
Spitals
D._
vo
m 3.
März 2020
betreffend
ein
Sturzereignis
vom gleichen Tag
(
Urk.
10/274)
vor
.
Die
durch die
Otorh
i
nolaryngologin
durchgeführte Gleichgewichtsanalyse zeigte
ebenfalls
eine deutlich erhöhte Sturzgefahr, wobei der Expertin die Zuordnung der
von ihr
erhobenen Symptome zu einer Ursache nicht möglich war (Urk.
10/257/111
-
112,
Urk.
10/257/8).
Es kann daher nicht gesagt werden, die Sturzereignisse seien
wegen Unkenntnis der besagten Berichte
nicht hinreichend gewürdigt
worden.
Immerhin
vermochte die
Fachgutachterin die erhobenen
Befunde
te
ilweise zu objektivieren,
doch
vermochte
sie
das objektive Korrelat
nicht abschliessend von der funktionellen Über
lagerung
zu
unterscheiden (Urk.
10/261/3).
D
ie schwierige diagnostische Einordnung der diesbezüglichen Befunde
steht im Einklang
mit den
Vorakten
, worin diesbezüglich ebenfalls erhebliche Unsicherheiten dokumentiert sind
.
Selbst
dem
jüngsten Bericht des Spitals
D._
vom 3.
März 2020
ist
keine
sichere Ursache für die
synkopalen
Ereignisse
zu entnehmen
(U
rk.
10/274, vgl. auch
Urk.
10/275).
Unter
diesen
Umständen und in Anbetracht der Kenntnisse über die Sturzereignisse sch
adet
es
der Zuverlässigkeit des Gutachtens nicht, dass
den Experten nicht sämtliche Berichte
des Spitals
D._
vorlagen.
Die geklagten
Sturzereignisse
sowie d
ie Diagnose des Morbus
Menière
sind
bereits
dem
den Gutachtern
bekannten
Bericht des
Universitätsspitals C._
vom 1
3.
Mai 2019
zu
entnehmen
(
Urk.
10/227/2-3)
und die entsprechenden
Beschwerden
flossen
in die gutachter
liche Konsensbeurteilung ein.
Die Fachärzte des
Universitätsspitals C._
sahen
die Symptome
in den im Neuanmeldeverfahren erstatteten Berichten
im Rahmen des Morbus
Menière
, der seinerseits mit einer Trias aus Schwindelanfällen mit Übelkeit und Erbrechen, Tinnitus und fluktuierender Schwerhörigkeit einhergeht (vgl. Ps
ch
yrembel,
Klinisches Wörterbuch, 26
6.
Auflage, Berlin 2014, S. 1336
). Die HNO-Gutachterin verwarf diese Diagnose und fasste
das Beschwerdebild
als
cochleo
-vestibuläre
n
Funktionsausfall (
Urk.
10/261/2),
welches Leiden
in die
Liste der
Diagnose
n mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit a
ufgenommen wurde (vorstehend E.
3.4
.1
). Obschon die HNO-Gutachterin nicht darlegte, weshalb sie - anders als die Ärzte des
Universitätsspitals C._
- die Diagnose des Morbus
Menière
nicht als erfüllt betrachtete, hat sie
den
entsprechenden Symptome
nkomplex
zumindest teilweise objektiviert, diagnostisch
zugeordnet
und für sämtliche sturzgefährdeten Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (
Urk.
10/257/113), so dass
trotz der insofern etwas unsicheren Diagnostik
der Beweiswert des Gutachtens nicht
anzuzweifeln
ist.
R
echtsprechungsgemäss
ist im Übrigen
nicht die diagnostische Einordnung eines Gesundheitsschadens entscheidend, sondern dessen konkrete Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit (BGE 136 V 279 E. 3.2.1). Weder de
n
Berich
ten des
Spitals
D._
noch jenen des
Universitätsspitals C._
sind
Zumutbarkeitsbeurteilungen
zu entnehmen,
welche
die
Einschätzung der
B._
-Gutachter
in Frage stellen
würden
.
4.3
Die Sachverständigen sahen die HNO-Problematik mit mittel- bis hochgradiger Schwerhörigkeit, den
zuletzt diagnostizierten
Morbus
Menière
, die Migräne und Drehschwindelattacken
sowie
die begleitende psychische Dekompensation als
aktuell
im Vordergrund stehend an (
Urk.
10/257/7). In Bezug auf das Hörvermö
gen links erhoben sie eine deutliche Diskrepanz
zwischen den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers und den objektiven Befunden, weshalb sie
von einer funktionellen Überlagerung aus
gingen
(
Urk.
10/257/8). Klinisch-neurolo
gisch fanden sie keine Hinweise auf funktionell relevante Defizite. Das geklagte sensible
Hemisyndrom
hielten sie für organisch nicht begründbar (
Urk.
10/257/9). Hinsichtlich der anamnestisch rezidivierenden Bewusstseinsverluste, welche die Gutachter differenzialdiagnostisch als dissoziative Anfälle fassten, zeigte das EEG keine Hinweise für eine erhöhte Anfallsbereitschaft (
Urk.
10/257/9)
.
Die Gutachter schrieben auch den rheumatologischen Erkrankungen beider Knie
, welche
im
Bericht des Universitätsspitals
E._
vom 2
8.
April 2021
(
Urk.
22/7)
-
der
den Gutachtern noch nicht bekannt sein konnte
- beschrieben wurde
n
,
und des linken Fusses einschränkende Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu (Ur
k.
10/257/12
,
Urk.
10/257/19
).
Es
kann daher nicht gesagt werden,
dass im
B._
-Gutachten nicht sämtliche Lei
den berücksichtigte worden wären.
4.4
Aus gesamtmedizinischer Sicht bescheinigten die Sachverständigen eine Arbeits
fähigkeit von 50
%
in einer optimal angepassten Tätigkeit
, was sie nachvollzieh
bar begründeten
.
Sie führten d
iese Einschränkung
auf die
Summe der rheumato
logischen, neurologischen und
neurootologischen
Limitierungen und
zu
sätzliche
psychiatrische
Einschränkung
zurück
(
Urk.
10/257/17).
Die
B._
-Gutachter haben in der ergänzenden Stellungnahme vom 1
2.
März 2020 die Schwierigkeiten bei der diagnostischen Einordnung
des komplexen Beschwer
debildes
nachvollziehbar dargelegt
(vorstehend E. 3.4.2).
V
or diesem Hintergrund
ist ihnen
zuzustimmen, dass
auch
die Arbeitsfähigkeit nur im ärztlichen Konsens zuverlässig ermittelt werden kann.
Beurteilungen a
us der Sicht
von
einzelnen ärztlichen
Fachrichtungen
sind
daher
von vornherein
nicht
geeignet, das Gutach
ten
in Zweifel zu ziehen
. Dies gilt umso mehr, als die Gutachter auch
gewisse
Inkonsistenzen
berücksichtigte
n
und
ihre Einschätzung korrekterweise
allein auf die
objektivierbaren Befunde
stützte
n
.
Anhaltspunkte dafür, dass die von den Gutachtern attestierte Arbeitsfähigkeit
nicht zutreffend
sein könnte, sind den medizinischen Unterlagen der behandelnden Ärzte
nicht zu entnehmen
,
da diese
weder eigene
Zumutbarkeitsbeurteilungen vorgenommen
, noch die gutachter
lichen Schlussfolgerungen angezweifelt
haben
. Es ist auch nicht zu erwarten, dass
zusätzliche
Abklärungen geeignet wären, weitere Erkenntnisse zu gewinnen, welche
geeignet wären,
den Beweiswert des
Gutachten
s
in Zweifel zu ziehen. Daher ist in
antizipierter
Beweiswürdigung
davon
abzusehen
(BGE 144 V 361
E. 6.5, 136 I 229 E. 5.3, je mit Hinweisen).
4.5
Der von den Sachverständigen
diagnostizierte
n
chronische
n
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen (ICD-10 F45.41) und
der
leichte
n
depres
sive
n
Episode, welchen Leiden
die Gutachter
ebenfalls
leistungsmindernde
Auswirkungen zuschrieben,
dürfen
eine rentenbegründende Einschränkung
grundsätzlich
nur zuerkannt werden,
wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Der begutachtende Psychiater hat
eine Arbeitsunfähigkeit von 30
%
sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit bescheinigt
(Urk.
10/257/69).
Für die
se
Beurteilung
stützte er sich auch auf die vom Bundes
gericht formulierten
systematisierte
n
Indikatoren
und berücksichtigte
wenigstens
summarisch
einerseits
le
istungshindernde äussere Belastungsfaktoren und
andererseits
die
Kompensationspotentiale (Ressourcen)
sowie die Konsistenz und Plausibilität der Angaben des Beschwerdeführers
(BGE 141 V 281 E. 2
; Urk. 10/257/68-69). Seine Schlussfolgerung, wonach der Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht zu 30
%
eingeschränkt sei (
Urk.
10/257/69-70), erweist sich vor diesem Hintergrund als
plausibel
.
Dem Gutachten ist nicht zu entnehmen
, dass die psychischen Leiden die
zur Hauptsache
aufgrund
von neurologischen,
neurootologischen
und rheumatolo
gischen
Beeinträchtigungen
bescheinigte Arbeitsunfähigkeit letztlich erhöht hätte
n. I
n
der Konsensbeurteilung sprachen
die Gutachter nur
, aber immerhin
,
von einer Überlagerung durch die psychiatrische Fehlverarbeitung
und führten e
ine zusätzliche Prägung
auf
psyc
hosoziale Faktoren zurück (Urk.
10/257/17), welche
bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung
von vornherein
ausgeklammert
werden
(Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 2
2.
März 2019 E. 3).
Der begutachtende Rheumatologe
ging allein aus seiner Fachrichtung von einer
Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigk
eit von
nur
50
%
aus
(Urk.
10/257/91), während der Neurologe
und die
Otorhinolaryngologin
keine relevante
quantita
tive
Einschränkung
attestierten
(
Urk.
10/257/103
, Urk. 10/257/127
)
. Die im Konsens
beziehungsweise aus gesamtmedizinischer Sicht von den Sachverstän
digen
für
zumutbar
erachtete 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepass
ten Tätigkeit berücksichtigte demnach die 30%ige Einschränkung aus psychiat
rischer Sicht nicht additiv, sondern liess diese in der Gesamtbeurteilung aufgehen.
Dies erscheint
überzeugend
, zumal aufgrund der medizinischen Unterlagen und der fehlenden psychiatrischen Behandlung keine Anhaltspunkte ersichtlich sind, welche diese Beurteilung als unzutreffend erscheinen lassen könnten
oder eine additive Berücksichtigung der psychischen Einschränkung postulieren würden
.
Daher erübrigt sich e
ine gerichtliche
Indikatorenprüfung
zur Plausibilisierung der
psychiatrischen
Beurteilung
. Die
Beschwerdegegnerin hat
zu Recht
gestützt auf das
B._
-Gutachten
eine Restarbeitsfähigkeit von
insgesamt
50
%
angenommen.
4.
6
Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen dieser Einschränkung.
Das
Valideneinkommen
ist so konkret wie möglich zu bestimmen
.
Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkom
mensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fort
gesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstel
lt sein.
In diesem Sinne bedarf das Abgehen vom zuletzt erzielten Verdienst besonderer Begründung (Urteil
des Bundesgerichts 9C_648/2016 vom 1
2.
Juli 2017 E. 6.4.1).
Im Referenzzeitpunkt zog die Beschwerdegegnerin infolge der seit längerer Zeit nicht in vollem Pensum ausgeübten Tätigkeit die LSE heran z
ur Bestimmung des
Valideneinkommen
s
,
das
sie in der Verfügung vom 2
1.
Juni 2013 für das Jahr 2012 auf
Fr.
62'394.
--
beziffert
hatte
(
Urk.
10/171). Im hier angefochtenen Entscheid
stellte die Beschwerdegegnerin
hingegen
auf den Auszug aus dem individuellen Konto
(
Urk.
10/263) ab
und führte dazu aus,
ein
Jahr vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit, mithin im Jahr 2016, habe der
Beschwerdeführer
Fr. 52'221.
verdient. Angepasst an die Nominallohnentwicklung betrage das
Va
lideneinkommen
im Jahr 2019
daher
Fr.
52'955.49 (
Urk.
10/264,
Urk.
2 S. 2).
Dabei übersieht die Beschwerdegegnerin,
dass
der Beschwerdeführer nicht erst seit dem Jahr 201
6
in der Ar
beitsfähigkeit eingeschränkt
ist
. L
aut Verfügung vom 2
1.
Juni 2013
bestanden
bereits seit
Februar
2012 eine Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten
Tätigkeit als Reiniger im Flughafen
und
- bei 75%iger Arbeits
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit -
ein Invaliditätsgrad von 25
%
(
Urk.
10/
170/4, U
r
k.
10/171).
Obschon der Beschwerdeführer
damals
noch keinen Rentenanspruch hatte, kann
vor diesem Hintergrund
nicht gesagt werden, das im Jahr 2016
bei der
A._
AG
- in der aus medizinischer Sicht eigentlich unzumutbaren Tätigkeit -
tatsächlich erzielte Einkommen sei jenes,
das
er
ohne Gesundheitsschaden
erzielen könnte
, auch wenn er dort ein Pensum von 100
%
inne hatte
, worüber die Akten indes keine Auskunft geben
.
Denn andernfalls würde seine Verwertung der Restarbeitsfähigkeit in einer niedriger bezahlten Beschäftigung zu einem Nachteil führen gegenüber jenen, welche vor Eintritt der Verschlechterung gar keine Tätigkeit
mehr ausüben.
Es rechtfertigt sich daher, da
s
Valideneinkommen
- wie schon im Jahr 2013 (Urk.
10/158,
Urk.
10/171) -
an
hand der
Tabellenlöhne
zu bestimmen.
Da
vorliegend
das
Validen-
wie auch das
Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn der LSE zu
bemessen
sind
, entspr
icht
der
Erwerbsausfall
dem Grad der Arbeitsunfähigkeit
von 50
%
(Urteil
des
Bundesgerichts
8C_730/2020
vom
2.
Februar 2021 E. 3.1)
. Bei dieser Sachlage bleibt kein Raum für
die vom Beschwerdeführer postulierte Parallelisierung der Einkünfte (
Urk.
1 S. 10).
Die Verwertbarkeit des verbliebenen Leistungsvermögens haben die Parteien - mit Blick auf die
Praxis
des Bundesgerichts, wonach eine Unverwertbarkeit nicht leichthin angenommen werden kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_500/2021 vom
9.
Dezember 2021 E. 6.1) - zu Recht nicht in Frage gestellt.
Zu prüfen bleibt, wie es sich mit dem
vom Beschwerdeführer
anbegehrten
Tabellenlohn
abzug
verhält
(
BGE 126 V 75
;
Urk.
1 S. 10
,
Urk.
19 S. 5
).
Die Beschwerdegegnerin hat verfügungsweise - ohne Begründung - keinen solchen vorgenommen (Urk. 10/280) und im Rahmen der Abklärungen diesbezüglich fest
gehalten, mit dem reduzierten Pensum werde den Einschränkungen bereits Rechnung getragen (
Urk.
10/264/1).
Mit Bezug auf den behinderungs- beziehungsweise leidensbedingten Abzug ist zu beachten, dass das medizinische Anforderungs- und Belastungsprofil eine zum zeitlich zumutbaren Arbeitspensum tretende qualitative oder quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit darstellt, wodurch in erster Linie das Spekt
rum der erwerblichen Tätigkeiten (weiter) eingegrenzt wird, welche unter Berück
sichtigung der Fähigkeiten, Ausbildung und Berufserfahrung der versicherten Person
realistischerweise
noch in Frage kommen. Davon zu unterscheiden ist die
Gegenstand des Abzugs vom Tabellenlohn bildende
Frage, ob mit Bezug auf eine konkret in Betracht fallende Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage verglichen mit einem gesunden Mitbewerber nur bei Inkaufnahme einer Lohn
einbusse reale Chancen für eine Anstellung bestehen (Urteil des Bundesgerichts
8C_297/2018 vom 6. Juli 2018 E. 3.5
).
Ist von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweistätigkeiten auszugehen, können unter dem Titel leidens
bedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) als ausserordentlich zu bezeichnen sind (
Urteil des Bundesgerichts
8C_725/2020 vom 22. Dezember 2020 E. 4.4.1 mit Hinweis).
Die Beschwerdegegnerin hat das Zumutbarkeitsprofil des
B._
-Gutachtens (vorstehend E. 3.4.1) zur Hauptsache übernommen (Urk. 10/266/2)
, was unbestritten blieb.
Dabei fällt ins Gewicht, dass
wegen der
rheumatologischen
Limitierungen
nurmehr
leichte, vorwiegend sitzende Tätigkei
ten zu
mutbar sind
, welche darüber hinaus
durch die
neurootologischen
(Schwin
del,
cochleo
-vestibulärer Funktionsausfall
,
Hörproblematik
) und die neurolo
gischen Leiden eingeschränkt werden und namentlich Steuer- und Über
wachungstätigkeiten ausschliessen (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts I 278/06 vom 1
8.
Mai 2007 E. 4.2 und E. 5).
Dazu kommt, dass
bei
Versicherten, die aus gesundheitlichen Gründen nur noch teilzeitlich erwerbstätig sein können, unter dem Titel «Beschäftigungsgrad» ein Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen
ist
, wenn Teilzeitarbeit nach der im konkreten Fall anwendbaren Tabelle vergleichsweise weniger gut
entlöhnt
wird als eine Vollzeittätigkeit (Urteil des Bundesgerichts 9C_421/2017 vom 19. Sep
tember 2017 E. 2.1.1
mit Hinweisen
).
Nach der neueren Praxis des Bundesgerichts ist ein Abzug bei Männern wegen Teilzeitbeschäftigung nicht mehr automatisch vorzunehmen. Ob sich eine entsprechende Reduktion rechtfertigt, ist stets mit Blick auf den konkreten Beschäftigungsgrad und die jeweils aktuellen Werte zu beurteilen (Urteil des Bundesgerichts 8C_561/2018 vom 4. März 2019 E. 4.3.1).
Rechtsprechungsgemäss ist z
ur Beantwortung der Frage, ob ein Abzug infolge Teilzeitarbeit zu gewähren ist,
di
e LSE-Tabelle T18 heranzuziehen (vgl. statt vieler: Urteil 8C_712/2019 vom 1
2.
Februar 2020 E. 5.2.2 mit Hinweisen).
Gemäss der LSE-Tabelle T18 für das Jahr 2018 verdienten zwar statistisch Männer ohne Kaderfunktion mit einem Beschäftigungsgrad von 50-74
%
gut 4
%
weniger als solche mit einem Beschäftigungsgrad von 90
%
und mehr. Dies stellt aber recht
sprechungsgemäss keine überproportionale Lohneinbusse dar (Urteil
des Bundes
gerichts
9C_223/2020 vom 2
5.
Mai 2020 E.
4.3.2).
Allerdings darf hier auch berücksichtigt werden, dass das
Bundesgericht
bei
50%iger Arbeitsfähigkeit
von Männern
wiederholt Lohnabzüge gewährt hat
(vgl. dazu
die Übersicht in:
Egli/Filippo/
Gächter
/Meier, Grundprobleme der Invaliditätsbemessung in der Invalidenversicherung, Zürich 2021, S. 2
05 f.
)
. In einer Gesamtbetrachtung
recht
fertigt sich
vorliegend
angesichts der
nurmehr
50%igen
A
rbeitsfähigkeit
in einer Verweistätigkeit
und der dazu
tretenden qualitativen Einschränkungen ein Leidensabzug
vom Invalideneinkommen
von 10
%
.
Damit ergibt sich ein Invaliditätsgrad von
55
%
, was einen Anspruch auf eine halbe Invalidenrente begründet (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
4.7
Zu prüfen bleibt der Rentenbeginn.
Nach Art. 29
Abs.
1 IVG kann der Rentenanspruch frühestens sechs Monate nach der Geltendmachung entstehen. Die versicherte Person muss in diesem Zeitpunkt während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40
%
arbeitsunfähig gewesen sein (Wartezeit), wobei die Arbeitsunfähigkeit bei Erwerbstätigen der medizinisch festgestellten Einschränkung im bisherigen Beruf entspricht (BGE 130 V 97 E. 3.2; vgl. vorstehend E. 1.2).
Die
B._
-Gutachter erachteten
den Beschwerdeführer
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit seit Juli 2017, mithin seit dem Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt,
wegen einer Verschlechterung der psychischen Situation und der Knieproble
matik
für gänzlich arbeitsunfähig
(U
rk.
10/257/17).
Im Z
eitpunkt des Eingangs der
Neuanmeldung
bei der IV-Stelle im Januar
2019
war daher das Wartejahr
ohne Weiteres
erfüllt.
Da der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung entsteht (
Art.
29
Abs.
1 IVG), ist der Renten
beginn auf
1.
Juli 201
9 festz
usetzen
.
Insoweit ist die Beschwerde gutzuheissen
und es ist festzustellen, dass d
er
Beschwerdeführer ab
1.
Juli 201
9
Anspruch auf eine
halbe Invaliden
rente hat.
4.8
Soweit der Beschwerdeführer um Zusprechung von
Massnahmen
beruflicher Art ersuchte (
Urk.
19 S. 2)
,
ist festzuhalten, dass das Gericht
nur Rechtsverhältnisse überprüft beziehungsweise beurteilt, zu denen die
IV-Stelle
vorgängig verbind
lich – in Form einer Verfügung– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung ergangen ist (BGE 144 I 11 E. 4.3, 131 V 164 E. 2.1, 125 V 413 E. 1a).
Die Beschwerdegegnerin
hielt im angefochtenen Entscheid fest,
dass die Sache
nach dem Rentenentscheid
an die Eingliederungsberatung weitergeleitet werde zur Prüfung eines allfälligen Anspruchs auf Unterstützung bei der Stellensuche (
Urk.
2 S. 3).
Darüber wie auch über
weitergehende Integrationsmassnahmen oder Massnahmen beruflicher Art wurde in der Verfügung nichts entschieden, weshalb das Gericht mangels eines Anfechtungsgegenstandes nicht darüber befinden kann. Auf die diesbezüglichen Begehren ist daher nicht einzutreten.
5.
5
.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgesetzt. Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von Fr.
9
00.-- als angemessen
, welche der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen ist.
5.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Der
Rechtsvertreter des
Beschwerdeführer
s
machte mit H
onorarnote vom 20.
Mai 2021 einen Aufwand von 17.5 Stunden geltend (
Urk.
24)
, was nicht
angemessen
erscheint
. Insbesondere ist der im Zusammenhang mit der Beschwerde
schrift und namentlich mit dem Aktenstudium
geltend gemachte Aufwand von 8.75 Stunden
(Aufwand am 13./1
6.
Oktober 2020)
überhöht
in An
be
tracht der
Vertretung im Verwaltungsverfahren und der dabei
bereits
erlangten Aktenkenntnis. Diese muss sich der Rechtsvertreter entgegenhalten lassen. Bei dieser Sachlage ist der entsprechende Aufwand um 4.75 Stunden zu kürzen, so dass ein gerechtfertigter Gesamtaufwand von
insgesamt
12.75 Stunden resultiert
. Beim
praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer
)
ist Rechtsanwalt Thomas Wyss daher - unter Berücksicht
ig
ung der Spesenpauschalen von 3
%
und der Mehrwertsteuer - mit
Fr.
3'112.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Der Antrag betreffend Integrationsmassnahmen beziehungs
weise Massnahmen beruflicher Art beschlug bloss einen Nebenpunkt, so dass
die
Entschädigung nicht zu kürzen ist.