Decision ID: 2e777d7c-5023-54ab-a544-02db7a617ffc
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- Die XY AG (bis 16. April 2009: X AG) bezweckt die Herstellung und den Vertrieb von
Lebensmitteln aller Art. Sie ist Eigentümerin eines Grundstücks in der politischen
Gemeinde A, das mit mehreren Gebäuden überbaut ist. Am 3. März 2008 erhielt sie die
Bewilligung zum Umbau des Wohnhauses und der Bäckerei. Bereits am 18. Januar
2008 hatte das Elektrizitätswerk A dem Elektroinstallateur eine
Kostenzusammenstellung für einen "Zweitanschluss" übermittelt. Im Gesamtbetrag von
Fr. 3'007.60 (ohne Mehrwertsteuer) waren unter anderem Kosten für die
Sicherungsverstärkung um 25 Ampere von Fr. 2'087.50 (25 x Fr. 83.50) enthalten.
B.- Das Elektrizitätswerk A erhob bei der X AG mit Rechnung Nr. 17'379 vom 23.
Januar 2009 einen Anschlussbeitrag von Fr. 7'128.50 (25 Ampere à Fr. 265.-- zuzüglich
7,6% Mehrwertsteuer). Dagegen erhob die X AG am 29. Januar 2009 Einsprache beim
Gemeinderat A. Dieser teilte der Einsprecherin am 16. Februar 2009 mit, beim Umbau
sei eine in der zweiten Woche des Jahres 2009 bestellte Hauptsicherung installiert
worden. Bei einer Sicherungsverstärkung würden Fr. 265.-- pro Ampere in Rechnung
gestellt. Die X AG erhielt Gelegenheit, die Einsprache zurückzuziehen. Mit Eingabe vom
18. Februar 2009 hielt diese an der Einsprache fest. Zur Begründung führte sie aus, sie
sei nicht darauf hingewiesen worden, dass durch die gewählte Variante
Anschlussbeiträge ausgelöst würden. Zudem existiere nur eine Hauptsicherung für die
gesamte Liegenschaft. Der Gemeinderat nahm am 19. März 2009 zu den Argumenten
der X AG Stellung und gab ihr erneut Gelegenheit, die Einsprache zurückzuziehen. Mit
Schreiben vom 24. März 2009 hielt diese jedoch an der Einsprache fest. Mit Entscheid
vom 3. April 2009 wies der Gemeinderat A die Einsprache ab.
C.- Gegen diesen Entscheid erhob die XY AG mit Eingabe vom 20. April und
Ergänzung vom 18. Mai 2009 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission, mit dem
Antrag, die Anschlussbeitragsverfügung vom 3. April 2009 sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge aufzuheben und es sei festzustellen, dass kein Anschlussbeitrag
entsprechend der Rechnung Nr. 17'379 geschuldet sei. Eventualiter sei festzustellen,
dass eine Anschlussbeitragsverfügung gemäss dem Reglement der
Elektrizitätsversorgung vom 10. Juni 1961 bzw. der Beitrags- und Anschlusstaxen-
Regelung vom 2. April 1982 zu erfolgen habe. Mit Stellungnahme vom 12. Juli 2009
beantragte die Vorinstanz die kostenfällige Abweisung des Rekurses, soweit darauf
einzutreten sei.
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Am 15. Februar 2011 reichte die Gemeinderatskanzlei A weitere Unterlagen ein. Mit
Eingabe vom 25. März 2011 nahm die XY AG dazu Stellung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit notwendig, in den
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen.
Gemäss Art. 41 lit. h Ziff. 5 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1,
abgekürzt: VRP) können bei der Verwaltungsrekurskommission selbständige
Verfügungen und Entscheide der obersten Verwaltungsbehörde einer öffentlich-
rechtlichen Körperschaft oder einer selbständigen öffentlich-rechtlichen Anstalt über
Gebühren, Taxen, Beiträge und andere öffentlich-rechtliche Geldleistungen Privater
sowie über öffentlich-rechtliche Sicherheitsleistungen und Rückerstattungen Privater
mit Rekurs angefochten werden. Das Kantonsgericht kam mit Urteil vom 17. Februar
2010 zum Schluss, der Anschlussbeitrag an das Stromnetz eines
gemischtwirtschaftlichen Elektrizitätswerks sei grundsätzlich privatrechtlicher Natur (III.
Zivilkammer, BZ. 2009.86). Nicht entscheidend sei, dass eine öffentlich-rechtliche
Leistungsvereinbarung bestehe, der Anschlussbeitrag nach dem Vorbild einer
Vorzugslast ausgestaltet sei, das Elektrizitätswerk ein faktisches Monopol habe und
ans Kostendeckungs- und Äquivalenzprinzip gebunden sei. Die Rechtsbeziehungen
zwischen einem nicht-staatlichen Elektrizitätswerk und dessen Kunden seien nur dann
öffentlich-rechtlicher Natur, wenn dem Elektrizitätswerk hoheitliche Befugnisse
übertragen worden seien (Subordinationstheorie).
Die Elektrizitätsversorgung A (im Folgenden: Elektrizitätsversorgung) ist ein
Unternehmen öffentlichen Rechts der politischen Gemeinde A ohne eigene
Rechtspersönlichkeit, wobei die gesamte Verwaltung und Aufsicht dem Gemeinderat
zusteht (Art. 2 des Reglementes über die Abgabe elektrischer Energie vom
29.September 2008, im Folgenden: Energieabgabereglement 2008). Der Gemeinderat
erlässt für die Regelung der Anschlussbeiträge und Gebühren, die im Rahmen des
Rechtsverhältnisses zwischen der Elektrizitätsversorgung und deren Kunden erhoben
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werden, ein separates Reglement (Art. 9 Energieabgabereglement 2008 und Reglement
über die Erhebung von Anschlussbeiträgen und Gebühren im Bereich der
Elektrizitätsversorgung vom 29. September 2008, im Folgenden: Beitrags- und
Gebührenreglement 2008). Bis zum 31. Mai 2002 bestand das Elektrizitätswerk A als
selbständige öffentlich-rechtliche Körperschaft (Reglement über die Abgabe
elektrischer Energie vom 10. Juni 1961, im Folgenden: Energieabgabereglement 1961,
und Beitrags- und Anschlusstaxen-Regelung vom 1. April 1982, im Folgenden:
Beitrags- und Anschlusstaxen-Regelung 1982). Mit Beschluss des Departements für
Inneres und Militär des Kantons St. Gallen vom 31. Mai 2001 wurde die Körperschaft in
die politische Gemeinde A inkorperiert (vgl. act. 15). Das Verhältnis zwischen den
Energiebezügern und der Elektrizitätsversorgung ist daher öffentlich-rechtlicher Natur
und bei der umstrittenen Nachbelastung des Anschlussbeitrages handelt es sich um
eine öffentlich-rechtliche Abgabe. Die Verwaltungsrekurskommission ist somit gemäss
Art. 41 lit. h Ziff. 5 VRP zum Sachentscheid zuständig.
Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs richtet sich gegen den
Einspracheentscheid des Gemeinderates A vom 3. April 2009, mit welchem die
Einsprache vom 29. Januar 2009 gegen die Rechnung vom 23. Januar 2009 betreffend
Nachbelastung des Anschlussbeitrages in der Höhe von Fr. 7'128.50 abgewiesen
wurde. Der Rekurs vom 20. April 2009 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 45, 47 und 48
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Das Energieabgabereglement 2008 sowie das Beitrags- und Gebührenreglement
2008 traten am 1. Januar 2009 in Kraft und ersetzten das Energieabgabereglement
1961 sowie die Beitrags- und Anschlusstaxen-Regelung 1982 (Art. 65
Energieabgabereglement 2008 und Art. 33 Beitrags- und Gebührenreglement 2008).
Die Rekurrentin bestreitet im Hauptantrag, es fehle grundsätzlich an der Voraussetzung
für eine Nachbelastung des Anschlussbeitrages, weil kein neuer Hauptanschluss,
sondern lediglich ein Unteranschluss am bereits bestehenden Hauptanschluss gelegt
worden sei. Eventualiter macht sie geltend, eine allfällige Nachbelastung sei nicht nach
den neuen, sondern nach den alten Reglementen vorzunehmen. Gemäss Art. 34
Beitrags- und Gebührenreglement 2008 seien Anschlussbeiträge und Gebühren,
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welche im Zeitpunkt des Inkrafttretens des Reglements bereits fällig waren, nach
bisherigem Reglement in Rechnung zu stellen. Die Umbauarbeiten hätten vom Frühling
2008 bis anfangs 2009 gedauert. Nach Art. 23 Beitrags- und Gebührenreglement 2008
seien Anschlussbeiträge hälftig mit Baubeginn und der Rest nach Abschluss der
Arbeiten geschuldet. Eventualiter sei die Nachbelastung gestützt auf das
Energieabgabereglement 1961 und die Beitrags- und Anschlusstaxen-Regelung 1982
vorzunehmen.
Vorab ist deshalb zu prüfen, welche Reglemente überhaupt anwendbar sind.
Massgebender Grund für die umstrittene Nachbelastung ist die Erhöhung der
Ampereleistung. Art. 14 Ziff. 2 Beitrags- und Gebührenreglement 2008 sieht bei einer
Sicherungsverstärkung eine Nachbelastung von Fr. 265.-- pro Ampere vor. Ziff. 7c
Beitrags- und Anschlusstaxen-Regelung 1982 sah eine Nachbelastung der
Anschlusstaxe gemäss Ziff. 6 vor, wenn für zusätzliche Anschlüsse der
Anschlusssicherungseinsatz resp. die Bezügerleitung verstärkt werden musste.
Unbestritten ist, dass in den Jahren 2008/2009 Renovationsarbeiten im Gebäude Vers.
Nr. 957 durchgeführt wurden. Gemäss den zusätzlichen Abklärungen der
Verwaltungsrekurskommission steht fest, dass die massgebenden Arbeiten, welche zur
Erhöhung der Sicherung um 25 Ampere führten, im Januar 2009 ausgeführt wurden
(vgl. act. 14/6). Die Fälligkeit für eine Nachbelastung gemäss Art. 14 Ziff. 2 Beitrags-
und Gebührenreglement 2008 entstand daher erst in diesem Zeitpunkt. Auch gestützt
auf Ziff. 7c Beitrags- und Anschlusstaxen-Regelung 1982 ergibt sich keine frühere
Fälligkeit. Daran ändert nichts, dass gemäss alter Regelung neben einem Betrag von
Fr. 60.-- pro Ampere (Ziff. 6c Beitrags- und Anschlusstaxen-Regelung 1982) bei einer
Erhöhung des Gebäudezeitwertes durch Umänderungen und Erweiterungen auch auf
der Werterhöhung eine Nachbelastung vorzunehmen war (Ziff. 7b Beitrags- und
Anschlusstaxen-Regelung 1982), da diesbezüglich auf den Zeitpunkt des Abschlusses
der Umbauarbeiten abzustellen ist (GVP 1992 Nr. 10). Der Anspruch auf die umstrittene
Nachbelastung entstand daher im Januar 2009, als bereits die neuen Reglemente in
Kraft waren, welche damit grundsätzlich anwendbar sind.
3.- Zu prüfen ist, ob sich die umstrittene Nachbelastung auf die neuen Reglemente
stützen kann.
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a) Beiträge stellen Vorzugslasten dar. Unter einer Vorzugslast verstehen Lehre und
Rechtsprechung eine Abgabe, die als Beitrag an die Kosten einer öffentlichen
Einrichtung denjenigen Personen auferlegt wird, denen hieraus wirtschaftliche
Sondervorteile erwachsen, so dass ein gewisser Ausgleich in Form eines besonderen
Kostenbeitrages als gerechtfertigt erscheint (Imboden/Rhinow, Schweizerische
Verwaltungsrechtsprechung, Bd. II, 5. Aufl. 1976, Nr. 111, S. 784).
Als öffentliche Abgabe (Beitrag) bedarf die Vorzugslast der Grundlage in einem Gesetz
im formellen Sinn, also in einem dem Referendum unterstehenden generell-abstrakten
Erlass. Dies gilt nicht nur für ihre erstmalige Erhebung, sondern auch für eine allfällige
Nachbelastung. Die in der Kantonsverfassung gewährleistete Gewaltentrennung
zwischen gesetzgebender und vollziehender Behörde sowie der Grundsatz der
Gesetzmässigkeit aller Abgaben sind daher verletzt, wenn wesentliche Elemente einer
Abgabe nicht durch den Gesetzgeber festgelegt werden. Nach ständiger
Rechtsprechung des Bundesgerichts kann der vollziehenden Behörde indessen die
Kompetenz übertragen werden, nach hinreichend im Gesetz bestimmten Kriterien die
absolute Höhe der Abgabe festzulegen, sofern Subjekt, Objekt und
Bemessungsgrundlage in einem formellen Gesetz umschrieben sind (BGE 112 Ia 43 f.
mit Hinweisen). An die gesetzliche Grundlage eines Beitrages stellt das st. gallische
Recht hingegen strengere Anforderungen. Demnach sind die Beiträge im Gegensatz zu
den Gebühren umfassend in der formell-gesetzlichen Grundlage zu regeln, d.h. eine
Delegation der Bestimmung der absoluten Höhe der Abgabe bzw. der für deren
Berechnung massgebenden Ansätze an die vollziehende Behörde ist nicht zulässig
(Art. 23 lit. a des Gemeindegesetzes, sGS 151.2, abgekürzt: GG; H. Arta, Die
Zuständigkeitsordnung nach dem st. gallischen Gemeindegesetz in der politischen
Gemeinde mit Bürgerversammlung, Diss. St. Gallen 1990, S. 82 ff., insbesondere S. 87
f.). Die erhöhten Anforderungen an die gesetzliche Grundlage bei den Beiträgen sind
damit zu begründen, dass die individuelle Beitragsleistung dem individuellen
Sondervorteil zu entsprechen hat und der Wert dieses Vorteils nach objektiven,
sachlichen Gesichtspunkten messbar erscheinen muss. Für den Pflichtigen muss der
zu entrichtende Kostenbeitrag deshalb anhand der Angaben im rechtsetzenden Erlass
bestimmbar sein (GVP 1981 Nr. 49, S. 84; Imboden/Rhinow, a.a.O., Bd. II, Nr. 111, S.
786 f.; L. Widmer, Das Legalitätsprinzip im Abgaberecht, Zürich 1988, S. 46).
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Als formelle gesetzliche Grundlage kommt auch ein unter dem Vorbehalt des
fakultativen Referendums stehender Gemeindeerlass in Betracht. Dem Legalitätsprinzip
ist Genüge getan, wenn der die Abgabe regelnde kommunale Erlass in einem
demokratischen Rechtsetzungsverfahren ergeht und auf einer klaren, durch Verfassung
oder Gesetz erteilten Ermächtigung an den Gemeindegesetzgeber zur Einführung der
betreffenden Abgabe beruht (BGE 97 I 804; GVP 1990 Nr. 21).
Für die Erhebung von Strom- und Wasseranschlussbeiträgen liegt eine Ermächtigung
an den Gemeindegesetzgeber zum Erlass der entsprechenden Vorschriften in Art. 51
des Baugesetzes (sGS 731.1, abgekürzt: BauG). Danach erheben die Gemeinden vom
Grundeigentümer im Rahmen des ihm zukommenden Sondervorteils Beiträge an die
Erschliessung (Art. 51 Abs. 1 BauG). Zur Erschliessung gehört auch die Versorgung mit
elektrischer Energie (Art. 49 Abs. 2 lit. b BauG). Beitragspflicht, Bemessung und
Verteilung der Beiträge sowie das Verfahren der Einschätzung und der Erhebung
werden in Reglementen, Überbauungs- und Gestaltungsplänen geregelt (Art. 51 Abs. 3
BauG).
Gestützt auf diese Ermächtigung hat der Gemeinderat A am 29. September 2008 das
Energieabgabereglement 2008 sowie das Beitrags- und Gebührenreglement 2008
erlassen, welche vom 8. Oktober bis 6. November 2008 dem fakultativen Referendum
unterstellt wurden. Nach Art. 5 lit. b und c Beitrags- und Gebührenreglement 2008
erhebt die Elektrizitätsversorgung Anschlussbeiträge für Gebäude und Anlagen, die
erweitert oder erneuert werden oder deren Anschlussleitungen oder Installationen
geändert, verstärkt, verlegt oder ersetzt werden. Als Abgabesubjekt wird in Art. 3
Abs. 1 Beitrags- und Gebührenreglement 2008 der Liegenschaftseigentümer definiert.
Nach Art. 14 Ziff. 2 Beitrags- und Gebührenreglement 2008 werden bei einer
Sicherungsverstärkung im Zusammenhang mit Um- und Erweiterungsbauten Fr. 265.--
pro Ampere in Rechnung gestellt. Zudem werden bei der Verlegung von bestehenden
Anschlussleitungen die Kosten nach Aufwand dem Kunden belastet.
Wie eingangs dargelegt, sind Beiträge umfassend in einer formell-gesetzlichen
Grundlage zu regeln, d.h. eine Delegation der Bestimmung der absoluten Höhe der
Abgabe bzw. der für deren Berechnung massgebenden Ansätze an die vollziehende
Behörde ist nicht zulässig. Vor diesem Hintergrund stützt sich die Erhebung des
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Stromanschlussbeitrages in der Politischen Gemeinde A auf eine hinreichende
gesetzliche Grundlage.
b) Im Rekurs wird geltend gemacht, bei den vorgenommenen Arbeiten am Wohnhaus
und an der Bäckerei handle es sich um Renovationsarbeiten und nicht um einen An-
oder Umbau. Aus diesem Grund seien Art. 7 und 14 Beitrags- und Gebührenreglement
2008 nicht anwendbar. Zudem sei kein neuer Hauptanschluss, sondern lediglich ein
Unteranschluss am bereits bestehenden Hauptanschluss installiert worden. Die
Vorinstanz hält dem entgegen, gemäss neuem Reglement würden bei der Installation
eines neuen Anschlusses und bei einer Sicherungsverstärkung Anschlussbeiträge
erhoben. Dies geschehe unabhängig davon, ob es sich um einen Neubau, Anbau oder
um eine Renovation handle. Für das betreffende Wohnhaus existierten zwei
Hauptsicherungen. Der zweite Haupanschluss sei am 22. Januar 2009 installiert
worden.
Nach Art. 14 Ziff. 1 Beitrags- und Gebührenreglement 2008 betragen die
Erschliessungs- und Netzkostenbeiträge für Bauten innerhalb des durch die Politische
Gemeinde A bezeichneten Baugebiets für Neubauten Fr. 265.-- pro Ampere der
Anschlusssicherung. Für Um- und Erweiterungsbauten werden gestützt auf Art. 14
Ziff. 2 Beitrags- und Gebührenreglement 2008 ebenfalls Fr. 265.-- pro Ampere in
Rechnung gestellt. Das Reglement unterscheidet nicht, ob es sich um eine Neubaute
oder um Um- und Erweiterungsarbeiten an bestehende Gebäude handelt.
Renovationsarbeiten werden nicht gesondert geregelt und sind als Umbauten zu
betrachten. Unwesentlich ist zudem, ob es sich um einen Hauptanschluss oder um
einen Unteranschluss handelt. Massgebend für die Höhe des Anschlussbeitrags ist die
Erhöhung der Ampereleistung. Aus dem Arbeitsrapport des Elektrizitätswerks A
(act. 17/6) ist ersichtlich, dass im Rahmen des Umbaus am 22. Januar 2009 ein zweiter
Anschluss installiert wurde. Gemäss Rechnung des Elektrizitätswerks A (Nr. 17'379)
wurde die Anschlusssicherung um 25 Ampere verstärkt. Die durch den Umbau erzielte
Erhöhung der Ampereleistung wird im Rekurs nicht bestritten.
Somit ist erstellt, dass durch den zweiten Hauptanschluss zusätzlich 25 Ampere
installiert wurden. Die Rekurrentin hat somit gestützt auf Art. 14 Ziff. 2 Beitrags- und
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Gebührenreglement 2008 eine Nachbelastung der Anschlusstaxe in der Höhe von
Fr. 265.-- pro Ampere zu entrichten.
c) Die Rekurrentin macht geltend, der sich daraus ergebende Abgabebetrag verletzte
das Kostendeckungs- und Äquivalenzprinzip.
Nach dem Kostendeckungsprinzip soll der Ertrag der Abgaben die gesamten Kosten
des betreffenden Verwaltungszweigs nicht oder nur geringfügig überschreiten (vgl.
BGE 126 I 180 E. 3a/aa mit Hinweisen). Ein einzelner Beitrag kann somit im
Allgemeinen nicht gegen das Kostendeckungsprinzip verstossen, es sei denn, ein
solcher Verstoss werde vom Beitragspflichtigen im Einzelfall nachgewiesen (vgl. GVP
1988 Nr. 33).
Die Rekurrentin rügt in ihrer Eingabe die Verletzung des Kostendeckungsprinzip
pauschal und nicht konkret anhand der entsprechenden Rechnungen (vgl. dazu A.
Hungerbühler, Grundsätze des Kausalabgaberechts, in: ZBl 104/2003, S. 521 mit
Hinweisen). Gestützt auf die nachträglich von der Vorinstanz eingereichten
Verwaltungsrechnungen für die Jahre 2008 und 2009 (act. 17/2 und 17/4) hat das
Elektrizitätswerk in diesen Jahren einen Gewinn von rund Fr. 20'000.-- bzw.
Fr. 60'000.-- erzielt. Diese Gewinne erscheinen unter Berücksichtigung der
Bruttoerträge von 6 bzw. 7.5 Mio. Franken nicht als übermässig. Dagegen fällt die
Gewinnablieferung des Elektrizitätswerks an die Politische Gemeinde auf: Im Jahr 2008
betrug diese Fr. 200'000.-- und im Jahr 2009 rund Fr. 250'000.--. Aus den
Investitionsrechnungen für die Jahre 2008 und 2009 ist jedoch ersichtlich, dass das
Elektrizitätswerk Investitionen in der Höhe von 2.3 bzw. 2.5 Mio. Franken tätigte. Die
Einnahmen aus Anschlusstaxen flossen dabei vollumfänglich in die
Investitionsrechnung ein (vgl. act. 17/3 und 17/5).
Das Äquivalenzprinzip stellt die abgaberechtliche Ausgestaltung des Grundsatzes der
Verhältnismässigkeit dar. Es bestimmt, dass eine Gebühr nicht in einem
offensichtlichen Missverhältnis zum objektiven Wert der Leistung stehen darf und sich
in vernünftigen Grenzen halten muss. Der Wert der Leistung bemisst sich nach dem
Nutzen, den sie dem Pflichtigen bringt, oder nach dem Kostenaufwand der konkreten
Inanspruchnahme im Verhältnis zum gesamten Aufwand des betreffenden
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Verwaltungszweigs, wobei schematische, auf Wahrscheinlichkeit und
Durchschnittserfahrungen beruhende Massstäbe angelegt werden dürfen (vgl. BGE
126 I 180 E. 3a/bb mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts
ist dem Äquivalenzprinzip bei Beitragserhebungen grundsätzlich Genüge getan, wenn
die Bemessungsgrundlage so gewählt wird, dass sie im Regelfall die Faustregel "je
mehr Vorteil, desto höher die Abgabe" nicht verletzt (GVP 1988 Nr. 33).
Im Rekurs wird geltend gemacht, der nachbelastete Anschlussbeitrag verletze das
Äquivalenzprinzip, da der Beitrag von Fr. 265.-- pro Ampere bei Neubauten auch die
Kosten der Zuleitung von bis zu 50 Metern ab Parzellengrenze (Art. 14 Ziff. 1 Beitrags-
und Gebührenreglement 2008) abdecke, während bei Um- und Erweiterungsbauten
diese Kosten zusätzlich zu tragen seien (Art. 14 Ziff. 2 Abs. 2 Beitrags- und
Gebührenreglement 2008). Die Kosten von Fr. 7'128.50 für die Leistungsverstärkung
stünden zudem in einem offensichtlichen Missverhältnis zum objektiven Wert der
Leistung.
Bei einer Erhöhung um 25 Ampere ergibt sich gemäss Art. 14 Ziff. 2 Beitrags- und
Gebührenreglement 2008 ein Betrag von Fr. 6'625.--. Im Vergleich zur - bis Ende 2008
gültigen - Beitrags- und Anschlusstaxen-Regelung 1982 ergibt sich eine erhebliche
Mehrbelastung. Gemäss Ziff. 7c i.V.m. Ziff. 6c Beitrags- und Anschlusstaxen-Regelung
1982 wurde pro Ampere lediglich ein Betrag von Fr. 60.-- nachbelastet, was eine
Abgabe von Fr. 1'500.-- ergibt. Zusätzlich wurde bei einer Erhöhung des
Gebäudezeitwertes 0,5 % des die Summe von Fr. 50'000.-- übersteigenden
Mehrwertes nachbelastet (Ziff. 7b i.V.m. Ziff. 6b Beitrags- und Anschlusstaxen-
Regelung 1982). Im Falle der Rekurrentin ergibt sich nicht aus den Akten, zu welcher
Erhöhung des Gebäudezeitwertes die vorgenommenen Renovationsarbeiten führten.
Unter Anwendung der altrechtlichen Bestimmungen ergäbe sich jedoch für den
Differenzbetrag von Fr. 5'125.-- ein Mehrwert von Fr. 1'075'000.--, was belegt, dass die
neurechtlichen Bestimmungen im Falle der Rekurrentin zu einer erheblichen
Mehrbelastung führen.
In der Streitsache kann die Frage, ob die Anwendung der neurechtlichen
Bestimmungen zu einer Verletzung des Kostendeckungs- und Äquivalenzprinzips
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führen, offen bleiben, weil sich die Rekurrentin mit Erfolg auf den Vertrauensschutz
berufen kann, der im Ergebnis zu einer tieferen Nachbelastung führt.
d) Der technische Leiter des Elektrizitätswerks A liess dem privaten Elektrounternehmer
der Rekurrentin am 18. Januar 2008 eine Offerte unter dem Titel
"Kostenzusammenstellung Zweitanschluss Kirchgasse 16" zukommen mit einem
Totalbetrag von Fr. 3'007.60 zuzüglich Mehrwertsteuer. In dieser Offerte ist pro Ampere
Sicherungsverstärkung ein Betrag von Fr. 83.50 vorgesehen, neben weiteren Beträgen
für Materiallieferungen und Arbeitsleistungen von Fr. 231.30, 25.30, 31.50 und 632.--.
Die Offerte nimmt überhaupt keinen Bezug auf die damals geltende Beitrags- und
Anschlusstaxen-Regelung 1982, welche einen Betrag von Fr. 60.-- pro Ampere
zuzüglich die umschriebene Mehrwertbelastung vorsah. Es wurde auch nicht darauf
hingewiesen, dass die geltenden reglementarischen Bestimmungen in absehbarer Zeit
geändert werden.
In der zusätzlichen Eingabe vom 25. März 2011 führt die Rekurrentin aus, das
ausführende Elektrogeschäft habe sich aufgrund der Auskunft des Elektrizitätswerks
darauf verlassen, dass sich die Anschlussbeiträge auf Fr. 3'236.18 beliefen.
Die Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt: BV) statuiert den Grundsatz von Treu und
Glauben einerseits als Regel für das Verhalten von Staat und Privaten in Art. 5 Abs. 3
BV und andererseits in Art. 9 BV als grundrechtlichen Anspruch der Privaten gegenüber
dem Staat auf Schutz des berechtigten Vertrauens. Der Grundsatz des
Vertrauensschutzes bedeutet, dass Private Anspruch darauf haben, in ihrem
berechtigten Vertrauen in behördliche Zusicherungen oder in anderes, bestimmte
Erwartungen begründendes Verhalten der Behörden geschützt zu werden. Der
Vertrauensschutz bedarf zunächst eines Anknüpfungspunktes. Es muss eine
Vertrauensgrundlage vorhanden sein. Darunter ist das Verhalten eines staatlichen
Organs zu verstehen, das bei den betroffenen Privaten bestimmte Erwartungen auslöst.
Eine weitere Voraussetzung ist die Kenntnis der Vertrauensgrundlage und das Fehlen
der Kenntnis der Fehlerhaftigkeit der Vertrauensgrundlage. Auf den Vertrauensschutz
kann sich nur berufen, wer von der Vertrauensgrundlage Kenntnis hatte und ihre
allfällige Fehlerhaftigkeit nicht kannte und auch nicht hätte kennen sollen. Ein
berechtigtes Vertrauen ist auch denjenigen abzusprechen, welche die Mangelhaftigkeit
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der Vertrauensgrundlage bei gehöriger Sorgfalt hätten erkennen müssen. Dabei ist auf
die individuellen Fähigkeiten und Kenntnisse der sich auf den Vertrauensschutz
berufenden Person abzustellen (vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 6. Auflage 2010, N 624 ff.). Es ist deshalb zu prüfen, ob der Mangel
der Vertrauensgrundlage dem betreffenden Bürger bei gehöriger Sorgfalt hätte
auffallen müssen (vgl. B. Weber-Dürler, Vertrauensschutz im öffentlichen Recht, Basel
und Frankfurt am Main 1983, S. 94 und 211). Vertrauensschutz kann in der Regel nur
geltend machen, wer gestützt auf sein Vertrauen eine Disposition getätigt hat, die ohne
Nachteil nicht wieder rückgängig gemacht werden kann. Dem Vertrauensschutz darf
dabei kein überwiegendes öffentliches Interesse entgegenstehen (Häfelin/Müller/
Uhlmann, a.a.O., N 660 ff.). Schliesslich darf die relevante Rechts- und Sachlage seit
der Auskunftserteilung keine Änderung erfahren haben, es sei denn, die
auskunftserteilende Behörde habe die Änderung der Rechts- oder Sachlage mit zu
verantworten (vgl. P. Tschannen/ U. Zimmerli/M. Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht,
3. Auflage 2009, S. 166).
Der Schutz der Privaten bei unrichtigen Auskünften der Behörden stellt einen praktisch
besonders wichtigen Anwendungsfall des Vertrauensschutzes dar. Notwendig ist dabei
eine gewisse inhaltliche Bestimmtheit der behördlichen Auskunft; eine lediglich vage
Absichtskundgabe oder ein Hinweis auf eine bisherige Praxis genügt nicht. Hinzu
kommt, dass die Amtsstelle, welche die Auskunft gab, zur Auskunftserteilung zuständig
ist. An die aufzuwendende Sorgfalt darf bei einer behördlichen Auskunft kein allzu
strenger Massstab gelegt werden. Das Vertrauen des Adressaten ist erst dann nicht
mehr gerechtfertigt, wenn er deren Unrichtigkeit ohne Weiteres hat erkennen können
(Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., 668 ff.).
Am 18. Januar 2008 stellte das Elektrizitätswerk A dem ausführenden Elektrogeschäft
eine Offerte für den Zweitanschluss in der Höhe von Fr. 3'236.18 (inkl. Mehrwertsteuer)
zu. Das Elektrizitätswerk hat damit die Rekurrentin über eine objektive Tatsache
informiert und eine behördliche Erklärung abgegeben. Für die Adressatin handelte es
sich dabei nicht nur um einen Hinweis grundsätzlicher Natur. Vielmehr war es eine
fallbezogene Auskunft, die eine konkrete Angelegenheit der Rekurrentin betraf. Beim
Elektrizitätswerk A handelte es sich um die für die Auskunft zuständige Stelle. Dadurch
wurde eine Vertrauensgrundlage geschaffen.
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Die Offerte vom 18. Januar 2008 erfolgte noch während der Gültigkeitsdauer der alten
Reglemente, die Installation der zusätzlichen Ampereleistung jedoch erst am 22. Januar
2009, also nach Inkrafttreten der neuen Reglemente. Die Rechtslage hatte sich also
zwischenzeitlich verändert. Da das auskunftserteilende Elektrizitätswerk ein
Unternehmen des öffentlichen Rechts der politischen Gemeinde A ist (vgl. E. 1), und
diese die Änderung der Rechtslage zu verantworten hat, steht dies der Annahme einer
Vertrauensgrundlage nicht entgegen. Die Offerte nahm überhaupt nicht Bezug auf die
geltende reglementarische Regelung und die Rekurrentin wurde auch nicht darauf
hingewiesen, dass eine Reglementsänderung bevorstand. Dies obwohl davon
ausgegangen werden kann, dass das Elektrizitätswerk von der geplanten Änderung der
Reglemente im Zeitpunkt der Auskunft bereits Kenntnis hatte.
Die Offerte vom 18. Januar 2008 erfolgte vorbehaltlos und ohne jeglichen Bezug zu
irgendwelchen reglementarischen Bestimmungen. Somit musste die Rekurrentin von
der Reglementswidrigkeit der Kostenzusammenstellung keine Kenntnis haben. Der
Umbau des Gebäudes wurde im Vertrauen auf die Offerte des Elektrizitätswerks A vom
18. Januar 2008 vorgenommen. Unter diesen Umständen durfte die Rekurrentin davon
ausgehen, dass die Erhöhung der Ampereleistung lediglich Kosten im Rahmen der
unterbreiteten Offerte nach sich ziehen würde.
e) Zusammenfassend ergibt sich, dass die umstrittene Nachbelastung des
Anschlussbeitrages aufgrund des berechtigten Vertrauens der Rekurrentin in die
Auskunft des Elektrizitätswerks A vom 18. Januar 2008 gemäss Offerte vorzunehmen
ist. Dies unbesehen davon, dass grundsätzlich das Beitrags- und Gebührenreglement
2008 anwendbar wäre. Die umstrittene Nachbelastung beläuft sich demnach auf Fr.
3'236.20 (inkl. Mehrwertsteuer). Ausgehend von Hauptantrag der Rekurrentin, in dem
eine Nachbelastung grundsätzlich bestritten wird, entspricht dies einer teilweisen
Gutheissung des Rekurses.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten je zur Hälfte der
Rekurrentin und dem Staat aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr
von Fr. 1'200.-- ist angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist zu verrechnen. Eine
ausseramtliche Entschädigung wird nicht zugesprochen (Art. 98 VRP).bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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