Decision ID: 3952b31d-f090-4a1c-bfd5-b1adfe4e0d56
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Pablo Blöchlinger, Lutherstrasse 4, Postfach,
8021 Zürich 1,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
Der Versicherte meldete sich am 9. November 2004 zum Bezug von IV-Leistungen an
(IV-act. 1). Der Arbeitgeber, die B._ AG, teilte der IV-Stelle am 19. November 2004
mit, sie beschäftige den Versicherten seit dem 1. April 2000 als Betriebsmitarbeiter mit
einem Beschäftigungsgrad von 100%. Im Jahr 2002 habe der Versicherte Fr. 62'162.75
verdient. Der aktuelle Lohn belaufe sich auf Fr. 4'432.-- pro Monat (IV-act. 9). Dr. med.
C._, Facharzt Allgemeinmedizin FMH, berichtete der IV-Stelle am 22. November
2004, der Versicherte leide nach einem Autounfall am 5. März 2003 an einem HWS-
Distorsionstrauma mit posttraumatischem Zervikalsyndrom und Panvertebralsyndrom
sowie an einer reaktiven Depression. Am 29. Oktober 2004 sei es zu einem leichten
Auffahrunfall gekommen, wobei das Auto aber nicht beschädigt worden sei. Der
Versicherte klage massiv darüber, dass es ihm immer schlechter gehe und dass nichts
mehr helfe. Er gebe vermehrt Beschwerden in der BWS- und LWS-Region an. Eventuell
werde noch eine stationäre Abklärungsbehandlung erfolgen. Der Versicherte sei sehr
stark auf seine Symptome fixiert. Er wirke nur vordergründig kooperativ. Die klinischen
Befunde widersprächen den subjektiven Beschwerden (IV-act. 12-1/16 bis 4/16).
Diesem Bericht lagen verschiedene medizinische Akten bei, die im Rahmen des von
der SUVA geführten Verfahrens produziert worden waren. Die D._ Klinik, hatte der
SUVA am 5. November 2003 angegeben, der Versicherte leide an einem
posttraumatischen Zervikokranialsyndrom und an einem HWS-Schleudertrauma (mit
sekundärem Übergang in Spannungskopfweh) und an einer leichten
Transaminasenerhöhung bei wahrscheinlich leichter Lebersteatose und erheblicher
Gewichtszunahme in den vergangenen sechs Monaten. Die typischen Beschwerden
eines HWS-Schleudertraumas hätten sich zunächst bis Sommer 2003 gebessert. Nun
klage der Versicherte über sekundär zunehmende Beschwerden, die für ein Kopfweh
vom Spannungstyp sprächen. Es gebe keine Hinweise für eine symptomatische
Spondylarthrose (IV-act. 12-9/16 bis 10/16). Prof. Dr. med. E._ von der D._ Klinik
hatte am 28. Januar 2004 berichtet, er habe folgende Diagnosen erhoben:
Spannungskopfschmerzen, dysphorische Entwicklung, psychovegetative
Beschwerden, Symptomausweitung (massiver Einfluss der psychosozialen Belastung,
insbesondere die nach Chemotherapie in Remission befindliche Leukämie des
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vierjährigen Sohnes sowie dessen Verhaltensveränderung). Der Versicherte sei
aufgrund der diversen Belastungen kaum zur Arbeitssteigerung zu motivieren (IV-act.
12-7/16 bis 8/16). Am 11. Februar 2004 hatte Prof. E._ ergänzend ausgeführt, bei der
aktuellen Untersuchung sei eine extreme aggressiv-dysphorische Stimmung des
Versicherten aufgefallen. Deshalb sei eine stationäre Rehabilitation sinnvoll (IV-act.
12-5/16 bis 6/16). Die Rehaklinik F._ hatte in ihrem Austrittsbericht vom 1. Juli 2004
festgehalten, der Versicherte habe beim Eintritt über intermittierende Schmerzen im
Bereich des gesamten Kopfes und der HWS mit Ausstrahlung nach lumbal geklagt.
Ausserdem habe er Symptome wie Lichtscheu, Übelkeit und Schwindel angegeben. In
der klinischen Untersuchung hätten sich ein nuchaler Hartspann, eine leichtgradige
lumbale linkskonvexe Skoliose und eine eingeschränkte Wirbelsäulenbeweglichkeit bei
unauffälligem Gangbild und neurologischem Normalbefund gezeigt. Auch eine
Röntgenaufnahme habe einen Normalbefund ergeben (keine Instabilitätszeichen, keine
Segmentblockade, keine zykloapophysische oder unkovertebrale Arthrose, normal
weiter Spinalkanal). Während des stationären Aufenthalts hätten die Schwindel- und
Kopfschmerzen im Vordergrund gestanden. In der formalen neuropsychologischen
Untersuchung seien leicht reduzierte Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistungen
objektiviert worden. Im Vordergrund hätten Schwierigkeiten bei der geteilten
Aufmerksamkeit gestanden. Zudem habe eine leichte Verlangsamung bestanden. In
der Wortflüssigkeit und in der figuralen Wortproduktion sei die Leistung leicht
vermindert gewesen. Die Lern- und Gedächtnisleistung sei in beiden Modalitäten
erwartungsgemäss gewesen. Die Belastbarkeit habe sich in der mehrstündigen
Untersuchung als leicht reduziert erwiesen. Der Versicherte habe über eine erhöhte
Erschöpfbarkeit, Schwindel und zunehmende Kopfschmerzen geklagt. Es sollte ein
Arbeitsversuch mit einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 25% unternommen werden (IV-act.
12-11/16 bis 16/16). Vom 14. Februar bis 14. März 2005 hielt sich der Versicherte
erneut in der Rehaklinik F._ auf. Diese berichtete der SUVA am 30. März 2005, es sei
folgende Diagnose gestellt worden: HWS-Distorsionstrauma mit/bei
posttraumatischem zervikozephalem Schmerzsyndrom, Panvertebralsyndrom,
unsystematischer Schwindel und V. a. Schmerzverarbeitungsstörung und
Somatisierungstendenz. Im Verlauf der multimodalen Therapie (mit dem Schwerpunkt
auf der aktiven Mobilisation des Rumpfs, des Kopfs und der oberen Extremitäten mit
Ausdauer- und Schwindeltraining) sei es zu einer leichten Verbesserung der
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Beschwerdesymptomatik gekommen, wenngleich die Schmerzintensität stark
undulierend gewesen sei. Subjektiv habe sich der Versicherte beim Austritt psychisch
und physisch belastbarer gefühlt. Er habe gelernt, mit den Schmerzen besser
umzugehen und die Schwindelsymptomatik positiv zu beeinflussen. Der Versicherte sei
bei einer Präsenzzeit von 50% zu 33% leistungsfähig (IV-act. 24).
B.
Dr. med. G._ vom RAD hielt am 4. August 2005 fest, es sei noch unklar, wie sich die
Arbeitsfähigkeit an einem leidensangepassten Arbeitsplatz entwickeln werde. Da der
Zustand offenbar nicht stabil sei, müsse der weitere Verlauf abgewartet werden (IV-act.
25). Der Versicherte liess am 29. September 2005 angeben, er fühle sich aktuell nicht
arbeitsfähig; er wünsche eine genaue Abklärung seiner Arbeitsfähigkeit. Der
Arbeitsvermittler der IV-Stelle notierte am 31. März 2006, der Versicherte habe den
Arbeitsversuch bei der B._ AG abgebrochen, obwohl die SUVA das nicht verstanden
habe. Seit dem 1. November 2005 sei der Versicherte arbeitslos. Der Arbeitsvermittler
schloss den Fall ab, da sich der Versicherte nicht arbeitsfähig fühle, während die SUVA
eine Arbeitsfähigkeit von 100% prognostiziert habe (IV-act. 35). Die SUVA hatte am
20. März 2006 die Ausrichtung des Taggelds eingestellt und einen Anspruch auf eine
Invalidenrente verneint, da die geklagten organischen Beschwerden durch den
erlittenen Unfall nicht erklärbar seien. Die Ursache dieser Beschwerden bestehe in
einer psychischen Krankheit, für welche sie nicht einzustehen habe (Fremdakten). Die
IV-Stelle erfuhr am 6. Juni 2006, dass der Versicherte gegen diese Verfügung
Einsprache erhoben hatte (IV-act. 37). Dr. C._ berichtete der SUVA am 30. Juni 2006,
folgende Beschwerden stünden im Vordergrund: massive Kopfschmerzen, z.T.
pulsierend besonders rechts temporal und frontal, daneben aber auch häufige HWS-
Beschwerden und Beschwerden im ganzen Rückenbereich. Der Versicherte klage über
häufige Schwindelbeschwerden und über Niedergeschlagenheit (Fremdakten). Die
SUVA erteilte am 3. August 2006 einen Auftrag zu einer polydisziplinären Begutachtung
des Versicherten (Fremdakten). Das Institut für Interdisziplinäre Medizinische
Begutachtung (IIMB) berichtete in seinem Gutachten vom 31. Dezember 2006, der
Versicherte klage über Nacken-Kopf-Schmerzen, Rückenschmerzen, Schwindel,
Niedergeschlagenheit, Aggressivität und Konzentrations- und Gedächtnisstörungen.
Die Nacken-Kopf-Schmerzen träten meist im Nacken rechtsbetont, teils aber auch
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frontal linksbetont und teilweise holokraniell auf. Der Schmerzcharakter wechsle:
hämmernd, pulsierend, elektrisierend. Die Schmerzen seien immer vorhanden. Unter
Medikamenten komme es nur vorübergehend zu einer Besserung. Die Intensität
betrage bis 9/10 auf der Schmerzskala. Als Begleitsymptome träten eine Photophobie
und eine Phonophobie auf. Die Rückenschmerzen seien im Nacken und thorakal,
weniger auch lumbal lokalisiert. Sie hätten einen krampfartigen Charakter und sie
strahlten in die Schultern/Arme bds. aus. Sie würden durch die Kopfschmerzen oder
durch lange Autofahrten ausgelöst. Der Schwindel sei weder ein Dreh- noch ein
Schwankschwindel. Der Versicherte fühle sich stattdessen wie in der Luft, so dass er
sich festhalten müsse. Die Sachverständigen führten zusammenfassend aus, die
neurologische, die neuropsychologische und die psychiatrische Abklärung hätten
folgende Diagnosen ergeben: Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (nach
Verkehrsunfall am 5.3.03 mit HWS-Distorsionstrauma, DD: Somatisierungsstörung,
Neurasthenie, Beschwerden: Zervikozephales und panvertebrales Schmerzsyndrom
ausstrahlend in die Schultern und die Arme, Kopfschmerzen vom Spannungstyp, teils
mit migräniformem Charakter, teils von unsystematischem Schwindel begleitet,
konsekutiv vorwiegend durch Schmerzinterferenzen bedingte, leichte, kognitive
Funktionsstörung, neurologisch ohne Anhaltspunkte für strukturell-neurologische
Ursachen der Beschwerden, negativ interagierend: V.a. durch Übergebrauch an
Schmerzmitteln induzierte Kopfschmerzen) und rezidivierende depressive Störung
(gegenwärtig leichte Episode). Bei der Beantwortung der von der SUVA gestellten
Fragen gaben die Sachverständigen in ihrem Gutachten an, die Nackenschmerzen
seien aufgrund der manifesten leichtgradigen parazervikalen Myogelosen mit hoher
Wahrscheinlichkeit zu einem vernachlässigbar kleinen Teil organischer Genese. Das
klinisch manifeste Beschwerdebild mit weitgehend generalisierten Schmerzen gehe in
seiner Ausgestaltung und in seiner Ausprägung deutlich über ein typisches
Beschwerdebild nach einem HWS-Distorsionstrauma hinaus. Allerdings fehlten
typische Beschwerden wie etwa eine parazervikale Myogelose. Hinweise für eine milde
traumatische Hirnverletzung fehlten. In einer Zusammenschau der Befunde und
sämtlicher Teilgutachten sei davon auszugehen, dass die psychischen Beschwerden
massgeblich im Vordergrund stünden. Aus neurologischer Sicht sei mit der Möglichkeit
zu rechnen, dass durch das Absetzen der Schmerzmittel bei konsequent
durchgeführten alternativen Therapien eine signifikante Verbesserung immerhin der
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Kopfschmerzen erreicht werden könne. Aus psychiatrischer Sicht sprächen der
langjährige chronifizierte Verlauf, die erfahrungsgemäss träge Entwicklung einer
somatoformen Schmerzstörung und das gleichzeitige Vorliegen einer affektiven
Störung gegen einen degressiven Verlauf. Langfristig sei aber eine Besserung möglich.
Als Therapiemassnahmen sollten aus neurologischer Sicht die Schmerzmittel abgesetzt
und durch eine passive (detonisierende) und vor allem auch aktive (muskelaufbauende)
Physiotherapie ersetzt werden. Aus psychiatrischer Sicht sei eine langfristige
ambulante Psychotherapie notwendig, wobei SSRI-Antidepressiva eingesetzt werden
sollten. Aufgrund der anhaltenden Schmerzstörung und aufgrund der konsekutiven
Beschwerden bestehe eine Arbeitsfähigkeit von lediglich neun Stunden pro Woche in
einer ruhigen und wenig fordernden Umgebung (Fremdakten).
C.
Mit einer Verfügung vom 31. Januar 2008 sprach die SUVA dem Versicherten auf der
Grundlage eines Invaliditätsgrades von 25% mit Wirkung ab 1. Februar 2008 eine
Invalidenrente zu (Fremdakten). Dr. med. H._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
berichtete der SUVA am 8. Februar 2008, der Versicherte habe angegeben, die
Intensität der Beschwerden wechsle. Es gebe Tage, an denen er wegen der Schmerzen
nur im Bett liegen könne. An anderen Tagen gehe es ihm recht gut. Täglich und stetig
beschäftige er sich aber mit der Krankheit. Er fühle sich wertlos. Er stehe um 06:30 Uhr
morgens auf, fahre die Ehefrau zur Arbeit und bringe dann den Sohn zur Schule,
besuche Kollegen o.ä., kaufe ein, koche für die Ehefrau und den Sohn und erledige
weitgehend alle Haushaltarbeiten inklusive das Putzen und das Staubsaugen. Er sei
täglich an den Internetnews interessiert. Neuerdings beschäftige er sich vermehrt mit
der Religion; er besuche regelmässig die Kirche. Bei Kopfschmerzen nehme er
Mefenacid ein. Ansonsten verzichte er auf Medikamente. Die Antidepressiva habe er
mangels eindeutiger Wirkung wieder abgesetzt. Er gehe vierzehntäglich zur
Gesprächspsychotherapie zu Dr. I._ und allwöchentlich zur Physiotherapie. Zuhause
mache er täglich die Übungen zur Kräftigung der Muskulatur. Er sei in der Lage, zwei
bis drei Stunden täglich an fünf Tagen in der Woche leichte bis mittelschwere Arbeit zu
verrichten, wenn er dabei Pausen einschalten könne. Dr. H._ hielt dazu fest, der
Versicherte sei für den Haushalt zuständig. Er leiste alle notwendigen Arbeiten, wobei
er ohne Hilfe zurechtkomme. Der Tagesablauf sei regelmässig und der Versicherte
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habe Kontakt mit der Familie und mit Freunden. Im Affekt gehe es dem Versicherten
besser als im Jahr 2006. Es sei keine eindeutige depressive Störung mehr vorhanden.
Das Bild lasse eher an eine Dysthymie denken. Das Antidepressivum sei in Absprache
mit dem Psychiater abgesetzt worden. Grundsätzlich sei eine Tätigkeit ausser Haus
denkbar (drei bis vier Stunden pro Tag an fünf Tagen in der Woche). Als Diagnose
bleibe nur noch die somatoforme Schmerzstörung (Fremdakten).
D.
Dr. med. J._ vom RAD hielt am 29. Mai 2008 fest, bereits bei der Begutachtung 2006
könne man unter Anwendung der Zumutbarkeitskriterien für die willentliche
Schmerzüberwindung die Höhe der Arbeitsfähigkeit sehr in Frage stellen. Nun habe
sich das Zustandsbild seit 2006 sogar noch verbessert. Insbesondere liege keine
relevante depressive Störung mehr vor. Der Versicherte habe in der Familie etliche
Funktionen übernommen und er habe eine relativ gute Tagesstruktur.
Rechtsprechungsgemäss bestünden keine medizinischen Gründe, welche die
geforderte Willensanstrengung verunmöglichten. Ausser der anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung gebe es keine arbeitsfähigkeitsrelevante Diagnose. Aus
versicherungsmedizinischer Sicht lägen somit keine Gründe für eine nennenswerte
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor. Somit bestehe für eine adaptierte Tätigkeit
(leicht bis mittelschwer, wechselbelastend wegen der Schulter-Nacken-Schmerzen)
keine wesentliche Arbeitsunfähigkeit. Weitere medizinische Abklärungen seien nicht
erforderlich (IV-act. 51). Die IV-Stelle verglich ein Valideneinkommen von Fr. 66'905.-
(2008) mit dem statistischen Zentralwert aller Hilfsarbeiterlöhne von Fr. 59'908.-- (2008)
und ermittelte so einen Invaliditätsgrad von 10% (IV-act. 54). Am 5. August 2008
eröffnete sie dem Versicherten, dass zur Zeit keine Arbeitsvermittlung möglich sei, weil
er sich nicht arbeitsfähig fühle (IV-act. 55). Mit einem Vorbescheid vom 5. August 2008
teilte sie dem Versicherten mit, dass sie beabsichtige, sein Leistungsbegehren
abzuweisen, weil bei einem Invaliditätsgrad von 10% kein Rentenanspruch bestehe (IV-
act. 57). Der Versicherte liess am 12. September 2008 ausführen, er habe seinen
Wohnsitz nach Argentinien verlegt, weshalb die IV-Stelle des Kantons St. Gallen nicht
mehr zuständig sei. Da er keinen Anspruch mehr auf eine Invalidenrente habe, ziehe er
sein Gesuch zurück. Sollte doch noch über die Sache entschieden werden, weise er
darauf hin, dass die Feststellung, das psychiatrische Gutachten sei nach dem
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Rentenentscheid der SUVA eingetroffen, aktenwidrig sei. Dr. H._ habe kein
Gutachten, sondern einen Verlaufsbericht abgegeben. Der Versicherte liess weiter
geltend machen, er weise die typischen Beschwerden nach einem Schleudertrauma
auf. Die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung allein treffe den medizinischen
Sachverhalt nicht. Im übrigen habe die IV-Stelle nicht nachgeprüft, ob die somatoforme
Schmerzstörung tatsächlich mit einer Willensanstrengung überwunden werden könnte
und ob ihm eine solche Willensanstrengung überhaupt zumutbar sei (IV-act. 60-1/5 bis
2/5). Gemäss der Wohnsitzbescheinigung der Gemeinde Z._ hatte sich der
Versicherte am 11. September 2008 nach Argentinien abgemeldet (IV-act. 60-3/5). Die
Zentrale Ausgleichsstelle ZAS teilte der IV-Stelle am 6. Januar 2009 mit, dass deren
Zuständigkeit erhalten bleibe. Ab dem 1. Oktober 2008 bestehe kein Rentenanspruch
mehr (IV-act. 64). Mit einer Verfügung vom 16. September 2009 wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren des Versicherten ab. Zur Begründung führte sie aus, es bestehe
keine Bindung an den Entscheid der SUVA. Eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung begründe i.d.R. keinen Anspruch auf Rentenleistungen (IV-act. 70).
E.
Der Versicherte liess am 21. Oktober 2009 Beschwerde erheben und die Ausrichtung
einer vollen (richtig: einer ganzen) Invalidenrente beantragen. Eventualiter sei die Sache
an die IV-Stelle zurückzuweisen mit der Auflage, den medizinischen Sachverhalt zu
ergänzen. Zur Begründung der Beschwerde wurde insbesondere ausgeführt, die
Rentenverfügung der SUVA beruhe auf umfangreichen medizinischen Abklärungen,
während die internen Ärzte der IV-Stelle ihre Einschätzung allein auf den Bericht von
Dr. H._ vom 8. Februar 2008 abgestellt hätten. Dabei hätten sie sich zudem
unbegründet über die von Dr. H._ angegebene Arbeitsfähigkeit hinweggesetzt, ohne
sich damit oder mit den medizinischen Unterlagen der SUVA auseinanderzusetzen. Sie
hätten auch keine eigenen Untersuchungen vorgenommen. Damit könne der von der
SUVA ermittelte Invaliditätsgrad nicht als falsch abgetan werden. Er habe mehrere
Arbeitsversuche unternommen. Allein schon deshalb sei die Behauptung falsch, dass
es keine medizinischen Gründe gebe, welche die geforderte Willensanstrengung
verunmöglichten. Die Gutachter seien nicht nach der Möglichkeit der Überwindung
durch eine entsprechende Willensanstrengung befragt worden und hätten sich deshalb
auch nicht dazu geäussert. Die SUVA habe immer Taggelder ausgerichtet, weil er
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dauernd arbeitsunfähig gewesen sei. Dazu habe sich die IV-Stelle nicht geäussert,
womit sie implizit eine befristete Rente verneint habe, ohne den Sachverhalt abgeklärt
zu haben und ohne ihre Verfügung entsprechend zu begründen. Ab April 2004 bestehe
ein Anspruch auf eine volle (richtig: ganze) Rente. Sollte eine Verbesserung eingetreten
sein, müsse dieser Umstand mittels einer interdisziplinären Begutachtung geklärt
werden (act. G1).
F.
Die IV-Stelle beantragte am 9. Dezember 2009 die Abweisung der Beschwerde. Sie
machte insbesondere geltend, der Beschwerdeführer habe nicht behauptet, dass er
vom IIMB nicht ausführlich und kompetent untersucht worden sei. Es sei unstrittig,
dass der Beschwerdeführer keine Nervenschäden aufweise und dass er daher aus
neurologischer Sicht voll arbeitsfähig sei. Das IIMB habe die hohe Arbeitsunfähigkeit
von 79% schwergewichtig aus psychiatrischer Sicht abgeleitet. Allerdings sei es
diesbezüglich nicht schlüssig. Die festgestellte leichte depressive Störung sei nämlich
zum vornherein nicht invalidisierend, zumal es sich nicht um ein von der somatoformen
Schmerzstörung losgelöstes Leiden handle. Auch die somatoforme Schmerzstörung
sei nicht invalidisierend, weil keine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere,
Ausprägung und Dauer vorliege. Das Distorsionstrauma stelle keine Komorbidität dar,
weil keine pathologischen somatischen Befunde vorlägen. Deshalb hätten die
angeführten Diagnosen eines zervikozephalen und eines panvertebralen
Schmerzsyndroms sowie der Kopfschmerzen keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
Im IIMB-Gutachten seien einzig aetiologisch-pathogenetisch unerklärliche syndromale
Leidenszustände beschrieben, denen wegen fehlender Objektivität keine
invalidisierende Wirkung zukomme. Demnach könne nicht auf die psychiatrische
Arbeitsfähigkeitsschätzung im IIMB-Gutachten abgestellt werden. Vielmehr sei der
Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht voll arbeitsfähig. Dr. H._ habe keine
depressive Störung mehr festgestellt. Umso weniger leuchte seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung (höchstens 50%) ein. Bei der neuropsychologischen
Begutachtung habe es deutliche Anzeichen dafür gegeben, dass die Motivation und die
Kooperation des Beschwerdeführers unzureichend gewesen seien. Deshalb vermöge
das Resultat dieser Abklärung nicht zu überzeugen. Da nachweislich keine
Hirnschädigung vorliege, sei aus neuropsychologischer Sicht eine uneingeschränkte
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Arbeitsfähigkeit erstellt. Da die Akten der SUVA die Beurteilung des Rentenanspruchs
erlaubten, seien keine weiteren Abklärungen nötig gewesen. Diesen Akten lasse sich
nicht entnehmen, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der
IV-Anmeldung wesentlich verändert hätte. Deshalb sei für den gesamten
massgebenden Zeitraum von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen.
G.
Der Beschwerdeführer liess am 10. März 2010 einwenden, die bundesgerichtliche
Rechtsprechung habe sich nach dem Einholen des Gutachtens geändert. Es sei
notorisch, dass Gutachten, die vor dieser Änderung angefordert worden seien, nicht
mit den entsprechenden Fragen in Auftrag gegeben worden seien. Die
Beschwerdegegnerin schliesse "demnach aus (dem) Schweigen der Gutachter auf
Fakten, welche zur Beantwortung den Gutachtern gar nicht angetragen wurden".
Deshalb könne der Argumentation der Beschwerdegegnerin nicht gefolgt werden und
die Sache sei an sie zurückzuweisen mit dem Auftrag, ein umfassendes Gutachten zur
Arbeitsfähigkeit erstellen zu lassen. Es gehe nicht an, dass sich die
Beschwerdegegnerin einzig auf die Einschätzung ihres medizinischen Dienstes stütze.
Im übrigen sei es verfehlt, ihm fehlende Motivation und Kooperationsbereitschaft
vorzuwerfen. Er wolle wieder gesund werden und er wolle wieder arbeiten. Bei den
Arbeitsversuchen sei nie festgestellt worden, dass es ihm an der nötigen
Einsatzbereitschaft gemangelt hätte. Seit der IV-Anmeldung sei er ständig in
medizinischer Behandlung und arbeitsunfähig geschrieben gewesen.

Erwägungen:
1.
In seiner Stellungnahme vom 12. September 2008 zum Vorbescheid hat der
Beschwerdeführer ausführen lassen, er habe gemäss Art. 6 Abs. 2 IVG keinen
Anspruch mehr auf eine Invalidenrente, weshalb er sein Gesuch zurückziehe. Er hat
dann aber für den Fall, dass trotzdem in der Sache entschieden werde, Ausführungen
zur inhaltlichen Richtigkeit der angekündigten Abweisungsverfügung gemacht (IV-act.
60). Die Beschwerdegegnerin ist gar nicht auf diesen "Rückzug" eingegangen, d.h. sie
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hat das Verwaltungsverfahren nicht zufolge Gesuchsrückzugs abgeschrieben, sondern
sie hat in der Sache selbst verfügt (IV-act. 70). Diese Vorgehensweise der
Beschwerdegegnerin war korrekt, denn mit dem "Rückzug" des Gesuchs wollte der
Beschwerdeführer nur einräumen, dass er mit der Verneinung eines Rentenanspruchs
für die Zeit ab der Wohnsitzverlegung nach Argentinien einverstanden sei. Auf die
Invalidenrente bis zur Aufgabe des schweizerischen Wohnsitzes wollte er damit aber
nicht verzichten. Die Beschwerdegegnerin hat somit zu Recht trotz des "Rückzugs"
über das Leistungsgesuch des Beschwerdeführers entschieden. Gegenstand des
Beschwerdeverfahrens bildet also die Frage nach einem Anspruch auf eine
Invalidenrente nach dem Unfall vom 5. März 2003.
2.
Ausländische Staatsangehörige sind anspruchsberechtigt, solange sie ihren Wohnsitz
und gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz haben (Art. 6 Abs. 2 Satz 1 IVG). Der
Beschwerdeführer ist gemäss seinen eigenen Angaben in der Anmeldung
argentinischer Staatsangehöriger. Aufgrund der dem Gericht vorliegenden Akten ist
davon auszugehen, dass er bis zum 10. September 2008 sowohl seinen zivilrechtlichen
Wohnsitz als auch seinen gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz gehabt hat. Am 11.
September 2008 hat er sich bei der Wohngemeinde Z._ nach Argentinien
abgemeldet. Das zwingt zum Schluss, dass er seinen Wohnsitz nach Argentinien
verlegt hat. Für die Zeit ab dem 1. Oktober 2008 steht deshalb fest, dass der
Beschwerdeführer keinen Rentenanspruch hat. Diesbezüglich erweist sich die
angefochtene Verfügung als rechtmässig. Für die Zeit bis 30. September 2008 ist zu
prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf der Grundlage eines von ihr
ermittelten, nicht leistungsbegründenden Invaliditätsgrades einen Rentenanspruch
verneint hat.
3.
Gemäss dem mit der 5. IV-Revision geänderten, am 1. Januar 2008 in Kraft getretenen
Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs
Monaten nach der Geltendmachung des Leistungsanspruchs (Anmeldung). Die bis zum
31. Dezember 2007 geltende Fassung des Art. 29 IVG sah demgegenüber vor, dass
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der Rentenanspruch unabhängig vom Datum der Einreichung der Anmeldung mit der
Erfüllung des sogenannten Wartejahres entstand. Die Nachzahlung der Rente war
allerdings gemäss dem (am 31. Dezember 2007 aufgehobenen) Art. 48 Abs. 2 IVG
grundsätzlich auf die zwölf der Anmeldung vorangegangenen Monate beschränkt. Für
weiter zurückliegende Zeiten war der Anspruch auf eine Rentennachzahlung verwirkt.
Die 5. IV-Revision enthält keine Übergangsbestimmung, welche die Frage beantworten
würde, ob für Fälle wie den vorliegenden, in denen die Anmeldung noch vor dem
Inkrafttreten erfolgt ist und der Versicherungsfall vor dem Inkrafttreten eingetreten ist,
geltendes (neues) oder ausser Kraft gesetztes (altes) Recht massgebend sei. Es liegt
also eine ausfüllungsbedürftige übergangsrechtliche Gesetzeslücke vor. Das
Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) als Aufsichtsbehörde über die IV-Stellen hat
in seinem IV-Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007 vorgeschlagen, diese
Gesetzeslücke dadurch zu füllen, dass das aufgehobene Recht mittels eines
intertemporalrechtlichen Verweises für all jene Sachverhalte weiter massgebend
bleiben solle, in denen der Versicherungsfall vor dem Inkrafttreten am 1. Januar 2008
eingetreten sei. Diese Lösung ist von der höchstrichterlichen Rechtsprechung bestätigt
worden (vgl. etwa das Bundesgerichtsurteil vom 28. August 2008, 8C_373/2008, Erw.
2.1; vgl. auch das IV-Rundschreiben Nr. 300 vom 15. Juli 2011). Im vorliegenden Fall
steht ein Rentenanspruch zur Diskussion, der jedenfalls vor dem 1. Januar 2008
eingetreten wäre. Massgebend ist deshalb die "alte" Fassung des Art. 29 IVG (i.V.m.
dem "alten" Art. 48 Abs. 2 IVG).
4.
Der Beschwerdeführer war bis zum Unfall am 5. März 2003 vollzeitlich erwerbstätig.
Sein Invaliditätsgrad bemisst sich deshalb mittels eines reinen Einkommensvergleichs.
Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen).
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4.1 Der Beschwerdeführer hat zwar in seinem Herkunftsland eine qualifizierte
Berufsausbildung absolviert, aber er hat diesen Beruf in der Schweiz nie ausgeübt. Er
ist stattdessen als Hilfsarbeiter, zuletzt bei der B._ AG, tätig gewesen. Es gibt kein
Indiz dafür, dass er, hätte er keinen Unfall erlitten, seine Arbeitsstelle gekündigt und
den früher einmal erlernten Beruf wieder ausgeübt hätte (bzw. überhaupt noch hätte
ausüben können). Er wäre also mit hoher Wahrscheinlichkeit weiterhin als Hilfsarbeiter
tätig gewesen. Da die Hilfsarbeit bei der B._ AG - den Angaben des
Beschwerdeführers gemäss - den Fähigkeiten und Neigungen gut entsprochen hatte,
ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer diesen Arbeitsplatz beibehalten
hätte. Das Valideneinkommen bemisst sich deshalb anhand des an diesem Arbeitsplatz
erzielbaren Einkommens. Die B._ AG hat am 19. November 2004 angegeben, der
Beschwerdeführer habe seit April 2000 Fr. 4'432.-- (x12) verdient. Im Jahr 2002 habe
das Einkommen Fr. 62'162.75 betragen, im Jahr 2003 Fr. 46'482.80. Gemäss den
Eintragungen im individuellen Beitragskonto hat der Beschwerdeführer im Jahr 2000 Fr.
47'294.-- und im Jahr 2001 Fr. 51504.-- verdient. Die Beschwerdegegnerin ist bei
ihrem Einkommensvergleich zur Bemessung des Valideneinkommens von einem
Betrag von Fr. 62'162.75 ausgegangen, ohne sich damit auseinanderzusetzen, dass
das von der B._ AG angegebene Einkommen sehr viel tiefer gewesen ist, dass die
SUVA auf eben dieses tiefere Einkommen abgestellt hat, und dass der
Beschwerdeführer in den Jahren 2000 und 2001 sogar noch deutlich weniger verdient
hatte. Die Beschwerdegegnerin hat ausserdem das für 2002 angegebene Einkommen
der Nominallohnentwicklung bis 2008 angepasst, was einen Betrag von Fr. 66'905.--
ergeben hat. Tatsächlich muss aber auf das Einkommen des Jahres 2004 abgestellt
werden, da das sogenannte Wartejahr (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) in diesem Jahr erfüllt
gewesen ist, so dass ein Rentenanspruch ab 2004 zur Diskussion steht. Das von der
B._ AG angegebene Jahreseinkommen entspricht nicht der "validen" erwerblichen
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers, denn das der Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens zugrunde zu legende, statistisch ermittelte Jahreseinkommen ist
höher (Fr. 57'258.--). Das bedeutet, dass der Beschwerdeführer bei der B._ AG mit
Ausnahme des Jahres 2002 ein unterdurchschnittliches Einkommen erzielt hat, so dass
das Valideneinkommen und das statistische Einkommen zur Ermittlung des
zumutbaren Invalideneinkommens "parallelisiert" werden müssen. Dazu muss das
Valideneinkommen des Beschwerdeführers auf 95% des Ausgangseinkommens zur
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Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens angehoben werden (vgl.
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, bearbeitet von Ulrich Meyer, 2. A., S. 322 f.). Das
Valideneinkommen des Beschwerdeführers beträgt somit mindestens 95% von Fr.
57'258.--, also Fr. 54'395.--, und höchstens Fr. 62'163.--, der Nominallohnentwicklung
in der Nahrungsmittelindustrie bis 2004 angepasst (vgl. die vom Bundesamt für
Statistik herausgegebene Lohnentwicklung 2005, Anhang Tabelle T1.93) Fr. 63'400.--.
4.2 Die körperliche Beeinträchtigung hat zur Folge, dass der Beschwerdeführer nur
noch leichte bis mittelschwere Arbeiten ausführen kann. Die psychische Situation
erfordert zudem eine ruhige und wenig fordernde Arbeitsumgebung. Hilfsarbeiten, die
diesen Anforderungen genügen, sind auf dem allgemeinen und ausgeglichenen
Arbeitsmarkt in ausreichender Zahl zu finden. Grundsätzlich bemisst sich das
zumutbare Invalideneinkommen des Beschwerdeführers also nach dem Zentralwert der
Hilfsarbeiterlöhne in allen Branchen, denn weder die Fähigkeiten und Kenntnisse des
Beschwerdeführers noch die behinderungsbedingten qualitativen Einschränkungen
lassen darauf schliessen, dass eine bestimmte Branche für den Beschwerdeführer
besser geeignet wäre als alle anderen, so dass auf den Zentralwert der
Hilfsarbeiterlöhne in dieser Branche abgestellt werden müsste. Die zumutbare
Invalidenkarriere besteht also in einer den Gesundheitsbeeinträchtigungen
angepassten, aber nicht weiter bestimmten Hilfsarbeit. In bezug auf seine
Arbeitsfähigkeit in einer der Behinderung angepassten Hilfsarbeit hat der
Beschwerdeführer sinngemäss geltend gemacht, die Beschwerdegegnerin habe ihre
Untersuchungspflicht verletzt, weil sie zwar dem Grundsatz nach auf das von der SUVA
eingeholte Gutachten abgestellt, aber den dort angegebenen Arbeitsfähigkeitsgrad -
anders als die SUVA - nicht übernommen habe. Tatsächlich ist die
Beschwerdegegnerin von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers ausgegangen. Sie hat sich dabei auf die Ausführungen von Dr.
J._ vom RAD gestützt, laut denen die somatoforme Schmerzstörung, an welcher der
Beschwerdeführer leidet, nicht geeignet ist, eine Arbeitsunfähigkeit zu begründen, weil
der Beschwerdeführer die Schmerzen durch eine zumutbare Willensanstrengung
überwinden könnte. Dr. J._ hat sich auf die mit BGE 130 V 352 ff. und BGE 131 V 49
ff. begründete höchstrichterliche Rechtsprechung gestützt, laut der eine somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen vermutungsweise mittels einer zumutbaren
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Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die
Schmerzbewältigung intensiv und konstant behinderten, könnten den Wiedereinstieg in
den Arbeitsprozess allerdings unzumutbar machen, weil dann die für den Umgang mit
den Schmerzen notwendigen Ressourcen fehlten. Im Vordergrund stehe eine
psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. In Frage
kämen aber auch chronische körperliche Begleiterkrankungen, ein mehrjähriger,
chronifizierter Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik
ohne länger dauernde Rückbildung, ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens,
ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer
an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krankheitsgewinn) oder das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten
oder stationären Behandlung trotz kooperativer Haltung der versicherten Person. Je
mehr dieser Umstände vorhanden seien und je ausgeprägter sich die entsprechenden
Befunde darstellten, desto eher seien ausnahmsweise die Voraussetzungen einer
zumutbaren Willensanstrengung zu verneinen (vgl. BGE 131 V 50 f.). Die in dem von
der SUVA in Auftrag gegebenen Gutachten erhobene Diagnose lautete: Anhaltende
somatoforme Schmerzstörung und rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
leichte Episode. Die depressive Störung kann nicht als Komorbidität von erheblicher
Schwere, Intensität und Dauer qualifiziert werden, da sie nur in der Form einer leichten
Episode besteht. Damit kann auch offen bleiben, ob es sich um eine reine
Begleiterkrankung der somatoformen Schmerzstörung handelt, die zum vornherein
nicht geeignet ist, als psychische Komorbidität qualifiziert zu werden. Ein
ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens besteht nicht, da der
Beschwerdeführer gemäss seinen eigenen Angaben im Haushalt tatkräftig mitgeholfen,
den sechsjährigen Sohn in die Schule begleitet und Kontakt mit seinen Freunden
gepflegt hat. Auch von einem verfestigten, therapeutisch nicht mehr beeinflussbaren
innerseelischen Verlauf kann keine Rede sein. Dasselbe gilt für das
Behandlungsergebnis, denn die therapeutischen Bemühungen sind bis zur Ausreise
aus der Schweiz nicht als objektiv aussichtslos aufgegeben worden. Gemäss den
Angaben des psychiatrischen Sachverständigen hat durchaus noch die Möglichkeit
bestanden, durch eine Anpassung der antidepressiven Medikation oder mittels
Psychotherapie eine Verbesserung zu erreichen; ein erfolgreiches Angehen des
Schmerzmittelabusus hätte zudem wenigstens eine signifikante Verbesserung der
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Kopfschmerzen bewirken können. Da also keiner jener Umständen vorgelegen hat, die
geeignet sein können, eine zumutbare Willensanstrengung zu verhindern, ist Dr. J._ -
und ihr folgend die Beschwerdegegnerin - zu Recht davon ausgegangen, dass der
Beschwerdeführer in einer adaptierten Erwerbstätigkeit zu 100% arbeitsfähig sei. Dazu
ist keine Gutachtensergänzung notwendig gewesen, weshalb die Beschwerdegegnerin
ihre Untersuchungspflicht vollumfänglich erfüllt hat. Es steht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer in einer
adaptierten Hilfsarbeit zu 100% arbeitsfähig ist. Es ist unwahrscheinlich, dass er dabei
gegenüber gesunden Arbeitnehmern einen Nachteil aufweisen würde, den ein
potentieller Arbeitgeber als Lohnmehrkosten qualifizieren würde und deshalb zum
Anlass nähme, ihm einen unterdurchschnittlichen Lohn zu bezahlen. Es besteht
deshalb kein Bedarf nach einem zusätzlichen Abzug vom Tabellenlohn. Das zumutbare
Invalideneinkommen beträgt gemäss der Tabelle TA1 im Anhang zu der vom
Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebung 2004 Fr. 57'258.--.
Bei einem Valideneinkommen von Fr. 63'400.-- entspricht die Erwerbseinbusse von Fr.
6'142.-- einem Invaliditätsgrad von knapp 10%. Bei einem Valideneinkommen von Fr.
54'395.-- kann bei dieser Ausgangslage von vornherein keine Invalidität bestehen. Die
Beschwerdegegnerin hat also im Ergebnis zu Recht einen Rentenanspruch des
Beschwerdeführers verneint.
5.
Dementsprechend ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren in IV-
Sachen ist kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr bemisst sich nach dem
Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dieser Aufwand ist als durchschnittlich zu
werten, so dass die Gerichtsgebühr praxisgemäss auf Fr. 600.-- festzusetzen ist. Der
unterliegende Beschwerdeführer hat die Gerichtsgebühr zu bezahlen. Sie ist durch den
vom Beschwerdeführer geleisteten Vorschuss in der gleichen Höhe gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP