Decision ID: e9ed7d15-7f40-42fd-b6de-cd1ff2a5a8c4
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 8. September 2011 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 3). Er hatte am 30. März 2011 einen Unfall erlitten, bei
dem er sich unter anderem eine mehrfragmentäre diaphysäre Unterschenkelfraktur
rechts zugezogen hatte (vgl. IV-act. 9 und 32).
A.a.
Am 27. Oktober 2011 kündigte die damalige Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis
mit dem Versicherten auf den 31. Januar 2012, da absehbar war, dass dieser seine
körperlich anspruchsvolle Arbeit bei ihr nicht wieder würde aufnehmen können (IV-
act. 67-1).
A.b.
Der Heilverlauf der Unterschenkelfraktur gestaltete sich schleppend und der
Gesundheitszustand des Versicherten war lange Zeit instabil (vgl. beispielhaft IV-
act. 19, 39 und 45). Insbesondere wurde eine Pseudarthrose festgestellt (vgl. IV-act.
43-2) und der Versicherte wurde bis zum 9. Oktober 2014 siebenmal operiert (vgl.
Suva-act. 24-53).
A.c.
Vom 7. Januar 2014 bis 3. Februar 2014 fand eine berufliche Grundabklärung in
der Rehaklinik Bellikon statt. Dabei zeigte der Versicherte sich motiviert, leistungsbereit
und zuverlässig (vgl. IV-act. 78 und 81-5), klagte aber über Schmerzen. Mit Mitteilung
vom 7. März 2014 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten berufliche Massnahmen (IV-
act. 86). Vom 17. Februar bis 17. Juli 2014 erfolgte eine berufliche Abklärung bei der
B._ (vgl. IV-act. 89 und 118). Eine stabile Steigerung des Arbeitspensums auf über
60% gelang nicht (IV-act. 139-5 ff., insbesondere 139-10, und 141). Am 29. September
2014 stellte die IV-Stelle die Eingliederungsmassnahmen ein (IV-act. 145).
A.d.
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Mit Verfügung vom 18. Juni 2015 sprach die Suva dem Versicherten bei einem
Erwerbsunfähigkeitsgrad von 11% eine entsprechende Invalidenrente sowie eine
Integritätsentschädigung von 10% zu (Suva-act. 26-2 ff.). Diese Verfügung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft (Suva-act. 27).
A.e.
Mit Verfügung vom 13. Oktober 2016 wies die IV-Stelle den Antrag des
Versicherten auf Invalidenrente ab (IV-act. 170). Dagegen erhob der Versicherte,
vertreten durch Rechtsanwalt Adrian Rufener, am 17. November 2016 Beschwerde (IV-
act. 176). Daraufhin widerrief die IV-Stelle die Verfügung (IV-act. 195) und das
Versicherungsgericht schrieb das Beschwerdeverfahren am 23. März 2017 ab (IV-
act. 198).
A.f.
In der Folge führte die IV-Stelle weitere Abklärungen durch (IV-act. 200 ff.) und gab
eine polydisziplinäre Begutachtung bei der Neurologie Toggenburg AG, Polydisziplinäre
Begutachtungsstelle MEDAS, Wattwil (nachfolgend: Medas) in Auftrag (IV-act. 216).
A.g.
Mit Gutachten vom 4. September 2017 stellten die Medas-Gutachter folgende
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Fibulapseudarthrose rechts mit
neuropathischer Schmerzkomponente im Bereich des lateralen distalen
Unterschenkels (Polytrauma vom 30. März 2011). Sie attestierten dem Versicherten
eine volle Arbeitsunfähigkeit vom 31. März 2011 bis zum 15. September 2013. In der
angestammten Tätigkeit als Schlosser attestierten sie ihm ab dem 16. September 2013
eine Arbeitsfähigkeit von 25%, ab dem 1. April 2016 eine solche von 50%. In einer
adaptierten Tätigkeit bestehe ab dem 16. September 2016 eine Arbeitsfähigkeit von
100% (IV-act. 222-43 ff.).
A.h.
Mit Schreiben vom 20. September 2017 stellte die IV-Stelle bei der Medas die
Rückfrage, ab welchem Zeitpunkt aus orthopädischer Sicht in einer adaptierten
Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100% bestehe (IV-act. 224). Am 18. Oktober 2017
antwortete der orthopädische Gutachter, die Ausheilung der Tibiapseudarthrose sei
zum 15. September 2013 festgestellt worden. Nach dem 1. April 2016 sei keine
Änderung der Arbeitsfähigkeit mehr eingetreten. In leidensadaptierter Tätigkeit bestehe
fortlaufend eine Arbeitsfähigkeit von 100%. Diese habe bei geeigneter
Leidensanpassung bereits ab dem 16. September 2013 vorgelegen. Die vorliegende
A.i.
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B.
gutachtliche Konsensbildung ändere nichts an der orthopädischen Einschätzung einer
vollen Arbeitsfähigkeit leidensadaptiert seit 16. September 2013 (IV-act. 227-3).
Nach einem entsprechenden Vorbescheid vom 29. Januar 2018 (IV-act. 234) wies
die IV-Stelle das Gesuch um Invalidenrente mit Verfügung vom 12. März 2018 ab. In
einer adaptierten Tätigkeit bestehe seit 16. September 2013 eine volle Arbeitsfähigkeit.
Dem Versicherten sei es möglich, mindestens das gleiche Jahreseinkommen zu
erzielen wie vor dem Unfallereignis vom 30. März 2011. Die Diskrepanz zwischen der
sozialpraktischen Arbeitsfähigkeit von 60% gemäss Einsatzprogramm und der
gutachterlich attestierten Arbeitsfähigkeit von 100% bestehe aufgrund einer
Selbstlimitierung (IV-act. 237).
A.j.
Gegen diese Verfügung erhebt A._ am 3. Mai 2018 Beschwerde. Er beantragt,
die Verfügung vom 12. März 2018 sei aufzuheben und ihm seien die gesetzlichen
Leistungen zu erbringen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl.
Mehrwertsteuer. Seine Restarbeitsfähigkeit sei nicht mehr verwertbar (act. G1). Am
6. Juli 2018 ergänzt der Beschwerdeführer seine Beschwerde, indem er den Beizug der
Suva-Akten beantragt und geltend macht, nach der langen Heilungsphase seien alle
Bemühungen, sich in den Arbeitsprozess zu reintegrieren, gescheitert. Dies sei nicht
auf sein Verhalten zurückzuführen, sondern auf die Veränderungen des Arbeitsmarktes
(act. G8).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 24. September 2018 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die 100%ige Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit sei unbestritten. In Anbetracht der relativ hohen Hürden,
welche die Rechtsprechung für die Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit von
älteren Menschen entwickelt habe, und aufgrund des aus medizinisch-theoretischer
Sicht noch zumutbaren Tätigkeitsprofils sei das Finden einer Stelle auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt zwar erschwert, nicht aber zum Vornherein
ausgeschlossen. Die schon früher ausgeübte Tätigkeit als Hauswart sei dem
Beschwerdeführer nach wie vor neben einem Pensum von 100% zumutbar. Aus der
Gegenüberstellung von Valideneinkommen und Invalideneinkommen resultiere keine
Erwerbseinbusse (act. G10).
B.b.
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Erwägungen
1.
Mit Replik vom 11. Februar 2019 hält der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
fest. Die beruflichen Massnahmen seien abgebrochen worden, weil sich eine
Umschulung mangels genügender Ressourcen nicht gerechtfertigt habe und er nie
mehr als ein Pensum von 60% habe bewältigen können. Das Medas-Gutachten weise
erhebliche Mängel auf, sodass darauf nicht abzustellen sei. Selbst wenn die
Arbeitsfähigkeit verwertet werden könnte, müsste seinem Alter und seinen
bestehenden somatischen Einschränkungen, seinen Ressourcen sowie dem Umstand
Rechnung getragen werden, dass er aufgrund der Erkenntnisse aus den
Arbeitsversuchen realistischerweise höchstens ein Teilzeitpensum von 50% erledigen
könnte (act. G22).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G23 f.).B.d.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) versicherte Personen, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist
(Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
1.2.
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mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach
Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG).
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit
Hinweisen). Im Sinne einer Richtlinie ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/
bb).
1.3.
Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhaltes ein Gutachten
einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so gibt er der Partei deren
oder dessen Namen bekannt. Diese kann den Gutachter aus triftigen Gründen
ablehnen und Gegenvorschläge machen (Art. 44 ATSG). Medizinische Gutachten, an
denen drei oder mehr Fachdisziplinen beteiligt sind, haben bei einer Gutachterstelle zu
erfolgen, mit welcher das Bundesamt eine Vereinbarung getroffen hat. Die Vergabe der
Aufträge erfolgt nach dem Zufallsprinzip (Art. 72 Abs. 1 und 2 der Verordnung über
die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
1.4.
bis
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 157 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
1.5.
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2.
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Die blosse Möglichkeit eines
bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat
vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V
195 E. 2, je mit Hinweisen).
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit
Hinweisen).
1.6.
Der Beschwerdeführer macht geltend, das Medas-Gutachten weise erhebliche
Mängel auf, sodass es sich nicht rechtfertige, darauf abzustellen. Es ist daher zu
prüfen, ob das Gutachten den rechtlichen Anforderungen genügt und beweiskräftig ist.
2.1.
Soweit der Beschwerdeführer generell Zweifel an der Gutachtensvergabe geltend
macht, ist darauf hinzuweisen, dass diese über MED@P erfolgte (vgl. IV-act. 211) und
er gegen die Mitteilung vom 23. Juni 2017 (IV-act. 216) keine Einwände erhob. Allein
der Umstand, dass die Medas im Zeitraum 1. Januar 2015 bis 31. Oktober 2018 für die
Beschwerdegegnerin 100 Gutachten erstellte (act. G22.1.34) bzw. die
Beschwerdegegnerin im Zeitraum vom 1. Januar 2015 bis 30. September 2018 der
Medas 59 Begutachtungsaufträge zuteilte (act. G22.1.35), lässt diese nicht als
befangen erscheinen.
2.2.
Der Beschwerdeführer rügt, die Gutachter hätten sich nicht mit den Beurteilungen
der Arbeitsfähigkeit der übrigen Ärzte auseinandergesetzt. Die behandelnden Fachärzte
gingen indes wie die Gutachter von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit aus. So hielt Dr. med. C._, Chefarzt Stv. Chirurgie, Spital D._, am 3.
September 2013 fest, in einer wechselbelastenden Tätigkeit würden kaum
Einschränkungen vorhanden sein (IV-act. 200-29). Der Case Manager der Suva
informierte den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers dementsprechend am
18. September 2013, dass eine Arbeitsfähigkeit nun wieder gegeben sei (Suva-
act. 14-13). Auch die Ärzte der Rehaklinik Bellikon kamen zum Ergebnis, dass eine
leichte adaptierte Arbeitstätigkeit dem Beschwerdeführer ganztags zumutbar sei
(Austrittsbericht vom 17. Dezember 2013, Suva-act. 22-111 f.). Dr. med. E._,
2.3.
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Facharzt für Chirurgie FMH, Spital D._, ging im Juni 2014 ebenfalls von einer vollen
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit aus (Suva-act. 22-38; vgl. auch Telefonnotiz
vom 24. März 2014, wonach Dr. E._ gegenüber der Suva angegeben habe, die Tibia
sei voll durchgebaut, der Durchbau der Fibula gehe ganz langsam voran, und er habe
dem Beschwerdeführer erklärt, dass er wirklich nichts mehr kaputt machen könne,
Suva-act. 22-65). Zwar wurde am 9. Oktober 2014 ein Marknagel aus der Tibia
entfernt. Im Vorfeld dieser Operation wurde der Beschwerdeführer aber nicht
arbeitsunfähig geschrieben. Danach durfte er bei Spitalaustritt am 15. Oktober 2014
bereits wieder voll belasten und war gemäss Dr. E._ (spätestens) ab 15. Dezember
2014 wieder voll arbeitsfähig (Suva-act. 24-74 f., 24-79 f. und Suva-act. 24-64). Auch
die Kreisärztin med. pract. F._, Fachärztin für Chirurgie FMH, kam in ihrer
Abschlussuntersuchung vom 12. Januar 2015 zum Schluss, der Beschwerdeführer sei
zu 100% arbeitsfähig, wobei sie die Zumutbarkeitsbeurteilung an jene der Rehaklinik
Bellikon anlehnte (Suva-act. 24-49 ff., insbesondere 24-55). Der Hausarzt des
Beschwerdeführers fand im März 2015 offenbar reizlose Verhältnisse vor und erachtete
dementsprechend eine erneute Zuweisung an das Spital nicht für nötig (vgl. Suva-act.
24-2). Dass der Hausarzt am 27. März 2017 dennoch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
seit dem Unfall bescheinigte, ändert daran nichts, da er diese
Arbeitsfähigkeitsschätzung einzig mit dem gescheiterten Arbeitsversuch und nicht
medizinisch begründete (vgl. IV-act. 200-4). Nach dem Gesagten ist das Gutachten
nicht wegen fehlender Auseinandersetzung mit den Beurteilungen der übrigen Ärzte
mangelhaft, da diese im Wesentlichen zu keinem anderen Ergebnis gelangten als die
Gutachter.
Der Beschwerdeführer zitiert in der Replik einige Passagen aus dem Gutachten. Er
macht geltend, die Gutachter würden ein Schonhinken feststellen, was mit der
ebenfalls gutachterlich diagnostizierten nur teilweise kompensierten posttraumatischen
Beinlängenverkürzung rechts um 2.5 cm im Widerspruch stehe. Bereits in früheren
Arztberichten wurde indes darauf hingewiesen, dass die Beinlängendifferenz durch
Absatzerhöhung ausgeglichen worden sei, wobei weiterhin ein demonstratives
hinkendes Gangbild mit rechtsseitigem Stockgebrauch bestehe (vgl. etwa Suva-
act. 24-64, 24-51 und 24-54). Dass ein Schonhinken festgestellt worden ist, steht
deshalb nicht im Widerspruch dazu, dass die Beinlängenverkürzung möglicherweise
nur teilweise kompensiert ist.
2.4.
Dass der Beschwerdeführer, wie er selbst mehrfach betont, Schmerzen im rechten
Bein verspürt, ist unstreitig. Dem wird aber sowohl von den Behandlern als auch von
den Gutachtern insofern Rechnung getragen, als eine adaptierte Arbeitstätigkeit kein
2.5.
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Gehen oder Stehen von über einer Stunde beinhalten und Positionswechsel
ermöglichen soll. Insofern erscheint das Gutachten nicht mangelhaft. Der
Beschwerdeführer ist jedenfalls in der Lage, sein rechtes Bein zu benutzen (vgl. auch
Suva-act. 22-65, wonach Dr. E._ dem Beschwerdeführer erklärt hat, dass er wirklich
nichts mehr kaputt machen könne), und tut das auch. So wurden anlässlich der
kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 12. Januar 2015 lediglich „allenfalls
diskrete Schonungszeichen der rechten unteren Extremität“ festgestellt (Suva-
act. 24-54). Auch der orthopädische Medas-Gutachter hielt fest, im Bereich beider
unterer Gliedmassen sei keine deutliche einseitige Muskelverminderung erkennbar (IV-
act. 222-24).
Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in
der angestammten Tätigkeit durch die Gutachter (50%) stehe im Widerspruch zur
Beurteilung der Suva und der Rehaklinik Bellikon (0%). Dies ist korrekt. In den Suva-
Akten wird die zuletzt ausgeübte Tätigkeit des Beschwerdeführers durch seine letzte
Arbeitgeberin beschrieben. Der Beschwerdeführer hatte regelmässig Gewichte von 25
bis 30 kg heben und einige Meter weit tragen sowie mit einer 7 kg schweren
Schleifmaschine arbeiten müssen. Die Tätigkeit wurde stehend ausgeübt (vgl. Suva-
act. 1-7 ff.). Diese Arbeit ist dem Beschwerdeführer gemäss den Adaptionskriterien,
welche sowohl die Behandler wie auch die Abklärungsstellen, die Kreisärztin der Suva
und die Gutachter zusammengestellt haben (vgl. insbesondere IV-act. 222-28 f.; Suva-
act. 24-55), nicht mehr zumutbar. Die Angaben der Gutachter zur Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit beziehen sich möglicherweise auf das allgemeine Berufsbild
des Schlossers (welches aber ebenfalls schwere Arbeiten beinhaltet) statt auf die
konkret zuletzt ausgeübte Tätigkeit. Sie sind jedoch von untergeordneter Bedeutung,
da jedenfalls klar ist, dass in dieser Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 40%
besteht, womit die Voraussetzung gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG zweifellos erfüllt ist.
Unstreitig kann der Beschwerdeführer in seinem angestammten Beruf kein
rentenausschliessendes Einkommen mehr generieren. Es ist daher zu prüfen, ob in
einer adaptierten Tätigkeit eine (höhere) Arbeitsfähigkeit gegeben ist und ob der
Beschwerdeführer damit ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen kann.
Insofern wird der Beweiswert des Gutachtens nicht durch die Angaben zur
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit zerstört.
2.6.
Schliesslich rügt der Beschwerdeführer, es erschliesse sich aus dem Gutachten
nicht, wie der Zeitpunkt bestimmt worden sei, ab welchem die Gutachter von einer
Arbeitsfähigkeit von 100% ausgingen. Tatsächlich wäre es wünschenswert gewesen,
wenn die Gutachter sich hierzu umfassender geäussert hätten. Die
2.7.
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Beschwerdegegnerin hat zur Klärung von der seitens des RAD erkannten
Widersprüchlichkeit eigens eine Rückfrage gestellt (IV-act. 224). Der Antwort des
orthopädischen Gutachters ist zu entnehmen, dass er bereits ab dem 16. September
2013 eine volle Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit attestiert (vgl. IV-
act. 227-3). Es ist anhand der weiteren Akten zu prüfen, ob eine volle Arbeitsfähigkeit
ab diesem Zeitpunkt einleuchtet. Gemäss der Rehaklinik Bellikon ergab das Röntgen
des Unterschenkels rechts schon am 11. September 2012 eine vollständige
Konsolidation der Tibiafraktur (Suva-act. 22-110). Am 12. März 2013 fand der letzte
grössere operative Eingriff (Pseudarthrosenresektion) statt (Suva-act. 9-25; die
Marknagelentfernung ging nicht mit einer länger andauernden Arbeitsunfähigkeit
einher, vgl. E. 2.2 vorstehend). Mit Bericht vom 3. September 2013 äusserte Dr. C._
zur Arbeitsfähigkeit, in einer wechselbelastenden Tätigkeit seien kaum
Einschränkungen vorhanden. Weitere operative Behandlungen seien kaum mehr
zielführend. In diesem Sinne sei die Situation austherapiert (IV-act. 200-29). Diese
Angaben wurden von der Rehaklinik Bellikon übernommen. Dort fand zuerst eine
Rehabilitation statt (vgl. Suva-act. 22-110 ff.), danach eine berufliche Grundabklärung
(IV-act. 78), wobei davon ausgegangen wurde, dem Beschwerdeführer sei eine leichte
Arbeit ganztags zumutbar (vgl. IV-act. 78 und Suva-act. 22-111 f.). Dass seither (mithin
seit September 2013) eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustands
eingetreten wäre (und dementsprechend erst ab dann eine volle Arbeitsfähigkeit
gegeben wäre), wird weder behauptet noch aus den Akten ersichtlich. Insbesondere
sollte mit der Entfernung des Marknagels am 9. Oktober 2014 nicht etwa eine
Verbesserung der Belastbarkeit erreicht werden, sondern ein vom Beschwerdeführer
beschriebenes Spannungsgefühl behoben werden (Suva-act. 22-17). Eine für die
Arbeitsfähigkeit relevante Verbesserung des Gesundheitszustandes konnte damit
jedoch nicht erreicht werden, zumal bereits zuvor eine Arbeitsfähigkeit von 100% in
adaptierter Tätigkeit bestanden hatte. Wenn auch die Angaben im Medas-Gutachten
zum Zeitpunkt der Wiedererlangung einer vollen Arbeitsfähigkeit nicht vollständig
befriedigen, leuchtet es nach dem Gesagten ein, dass die Arbeitsfähigkeit per Mitte
September 2013 wieder vollständig gegeben war, und es sich beim Datum
"16. September 2016" wohl um einen Verschrieb bezüglich Jahr handelte (vgl. IV-
act. 222-45 und 222-29).
Unstreitig stützt sich das Gutachten auf die vollständigen Vorakten sowie auf eine
persönliche Untersuchung. Es umfasst die Disziplinen Allgemeine Innere Medizin,
Orthopädie und Psychiatrie und erfüllt somit die Anforderungen, auf allseitigen
Untersuchungen zu beruhen und in Kenntnis der Vorakten erfolgt zu sein. Die
Gutachter setzten sich sowohl mit den Vorakten wie auch mit den Angaben des
2.8.
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3.
Beschwerdeführers auseinander. Die Beurteilung der medizinischen Situation durch die
Medas-Gutachter ist sodann begründet, nachvollziehbar und einleuchtend.
Zusammenfassend ist das Medas-Gutachten als beweiskräftig anzusehen, sodass
darauf abzustellen ist.
Der Beschwerdeführer macht sodann geltend, selbst wenn seine Arbeitsfähigkeit
verwertbar wäre, könnte er aufgrund der Erkenntnisse aus den diversen
Arbeitsversuchen realistischerweise höchstens ein Teilzeitpensum von 50% erfüllen.
Dem ist vorab entgegenzuhalten, dass der Beschwerdeführer bei der B._ über
längere Zeit ein Pensum von 60% aufrechterhalten konnte (vgl. IV-act. 139). Der
Beschwerdeführer hat sowohl gegenüber der B._ als auch gegenüber dem
Eingliederungsberater der Beschwerdegegnerin im Mai 2014 angegeben, die
Schmerzen seien gleich geblieben. Sie hätten weder durch den Einsatz in der
Abklärung noch durch die Steigerung des Pensums von 50 auf 60% zugenommen. Die
Dauer der Arbeit habe keine Auswirkungen auf seine Schmerzen. Zu Hause seien die
Schmerzen gleich wie in der Abklärung. Die Schmerzen würden mit dem Wetter
zusammenhängen (Kälte / Hitze). Erst nach der Steigerung des Pensums von 60 auf
70% gab der Beschwerdeführer an, er habe stärkere Schmerzen, die mit der Belastung
des rechten Beines zunehmen würden (IV-act. 139-7 bis 139-9 und 142-2). Der
Eingliederungsverantwortliche der Beschwerdegegnerin hielt am 21. August 2014 im
Verlaufsprotokoll noch einmal explizit fest, wichtig sei die Erkenntnis, dass der
Beschwerdeführer die Schmerzen gleich empfinde, egal ob er zu Hause sei oder bei
der Abklärung bei B._ (IV-act. 142-6).
3.1.
Bereits in einer RAD-Aktennotiz vom 10. Februar 2014 wurde mit Verweis auf die
Abklärungen der Rehaklinik Bellikon festgehalten, der Beschwerdeführer schätze seine
Einsatzfähigkeit zu tief ein. Dies nicht wegen mangelnden Willens, sondern wegen
Zukunftsängsten und einer massiven Verunsicherung (IV-act. 80-3). Dass der
Beschwerdeführer seine eigenen Ressourcen unterschätzt, wird auch aus den
Wochenberichten der B._ (IV-act. 139) ersichtlich. Im Rahmen dieses Arbeitstrainings
musste er immer wieder ermuntert und bestärkt werden und konnte so bei guter
Motivation und Leistungsbereitschaft sein Pensum steigern und gute Leistungen
erbringen. Mit Stellungnahme vom 3. November 2017 hielt RAD-Arzt Dr. G._ fest, aus
Sicht des RAD könne die Diskrepanz zwischen der medizinisch attestierten vollen
Arbeitsfähigkeit und dem bei der B._ erreichten Pensum mit einer Selbstlimitierung
erklärt werden. Der Versicherte neige gemäss orthopädischem Gutachten zu
übertriebener Schmerzdarstellung. Der psychiatrische Gutachter gehe von
3.2.
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Diskrepanzen zwischen schwerer subjektiver Beeinträchtigung und weitgehend
intaktem psychosozialem Funktionsniveau bei der Alltagsbewältigung aus. Es bestehe
eine regressive Schonhaltung (IV-act. 228-3).
Sowohl der internistische als auch der orthopädische Medas-Gutachter stellten im
Bereich des operierten Unterschenkels keinen Seitenunterschied, insbesondere keine
deutliche einseitige Muskelverminderung fest (IV-act. 222-9 und 222-24). Die
Beweglichkeit der Gelenke des rechten Beines war identisch zum linken mit allenfalls
endgradiger Streck- und Beugehemmung (IV-act. 222-25). Dies ist ein Indiz dafür, dass
der Beschwerdeführer sein rechtes Bein ähnlich belasten kann und auch tatsächlich
belastet wie sein linkes. Der Internist führte sodann aus, die eigene Darstellung der
Einschränkung der Belastbarkeit des verunfallten rechten Beines wirke im Wissen um
das Behandlungsergebnis übertrieben, demonstrativ und widersprüchlich (Gangmuster
mit und ohne Stock); ein bewusstseinsnahes, irreführendes Verhalten über das übliche
Mass in der Begutachtungssituation werde jedoch nicht vermutet (IV-act. 222-10; 5.4).
Demgegenüber stellte der orthopädische Gutachter kein besonders leidenszentriertes
Auftreten fest, jedoch eine Betonung der körperlichen Befunde, insbesondere der
Schmerzen, jedoch ohne Aggravationstendenz oder Simulation. Die Symptome seien
offen und glaubhaft geschildert worden und in sich konsistent (IV-act. 222-26 f.). Auf
die Frage, wie die Diskrepanz zwischen der gutachterlichen Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit und dem Resultat der beruflichen Abklärung erklärt werde, antwortete
der orthopädische Gutachter: „Es besteht keine Diskrepanz. Die – wenn auch nicht
fachorthopädischen – Einschätzungen gingen seit 2013 von einer 50% AF aus, die
dann theoretisch erwartbare Steigerung auf 100% ab Januar 2014 wurde nie ernsthaft
in Betracht gezogen und versucht. Für angepasste Tätigkeiten ist eine Minderung der
AF schon ab 16.09.2013 nicht mehr erklärlich.“ (IV-act. 222-29). Der psychiatrische
Medas-Gutachter ging bei einer Diskrepanz zwischen der schweren subjektiven
Beeinträchtigung und dem weitgehend intakten psychosozialen Funktionsniveau bei
der Alltagsbewältigung von Selbstlimitierung bei regressiver Schonhaltung aus (IV-
act. 222-39 und 42). Demnach sollte der Beschwerdeführer seit September 2013 in der
Lage sein, einer adaptierten Tätigkeit im Vollzeitpensum nachzukommen. Nachdem
das Medas-Gutachten in Kenntnis der Berichte aus den beruflichen Abklärungen
erstellt wurde und die Diskrepanz zwischen der medizinischen Einschätzung und der in
der beruflichen Abklärung beobachteten Leistung erklärt wird, ist weiterhin auf das
Medas-Gutachten abzustellen. Der Umfang der Arbeitsfähigkeit kann deshalb nicht
anhand des tatsächlich erreichten Pensums bei der B._ bestimmt werden, sondern
ist dem Gutachten zu entnehmen.
3.3.
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4.
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, seine Arbeitsfähigkeit sei aufgrund
seines Alters eingeschränkt, kann ihm nicht gefolgt werden. Das Alter als solches
beeinträchtigt die Arbeitsfähigkeit grundsätzlich nicht, wenn es nicht mit einem
wesentlichen körperlichen oder geistigen Leistungsabbau einhergeht. Im Medas-
Gutachten wurde zudem festgehalten, die gesundheitliche Situation des
Beschwerdeführers sei altersentsprechend gut (IV-act. 222-44). Der Beschwerdeführer
weist darauf hin, dass seinen somatischen Einschränkungen und seinen (fehlenden)
Ressourcen Rechnung getragen werden müsse. Dies geschieht bereits durch die
festgesetzten Adaptionskriterien. Fehlende Sprachkenntnisse rechtfertigen es ebenfalls
nicht, von der Arbeitsfähigkeitsschätzung abzuweichen. Für eine Vielzahl von
Tätigkeiten sind keine weitergehenden Sprachkenntnisse nötig. Sofern der
Beschwerdeführer mit seinen Vorbringen einen Tabellenlohnabzug geltend machen
wollte, ist auf die nachfolgenden Erwägungen zu verweisen (E. 5.5 nachfolgend).
3.4.
Schliesslich besteht zwar keine Bindungswirkung der Invaliditätsbemessung der
Unfallversicherung für die Invalidenversicherung. Zumindest rechtskräftig
abgeschlossene Invaliditätsbemessungen dürfen jedoch als Indizien für eine
zuverlässige Beurteilung gewertet und als solche in den Entscheidprozess erst später
verfügender Versicherungsträger miteinbezogen werden (vgl. BGE 136 V 279 E. 4.1;
BGE 133 V 549 E. 6 mit Hinweisen). Mit Verfügung vom 18. Juni 2015 stellte die Suva
eine Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit von lediglich 11% fest (Suva-act. 26-2).
Diese unfallversicherungsrechtliche Verfügung erwuchs in Rechtskraft (Suva-act. 27)
und ist zumindest als Indiz für eine weitgehende Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit
auch im Rahmen der Invalidenversicherung zu werten.
3.5.
Der Beschwerdeführer bringt vor, seine Restarbeitsfähigkeit sei nicht mehr
verwertbar. Dies ist nachfolgend zu prüfen.
4.1.
Referenzpunkt für die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit ist der hypothetisch
ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach der Rechtsprechung handelt es
sich dabei um einen theoretischen und abstrakten Begriff, der dazu dient, den
Leistungsbereich der Invalidenversicherung von demjenigen der
Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Der Begriff umschliesst einerseits ein
bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach
Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen
Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält und zwar sowohl bezüglich der dafür
verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des
4.2.
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körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob
die invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten,
und ob sie ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE
110 V 273 E. 4b; ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b). Daraus folgt, dass für die
Invaliditätsbemessung nicht darauf abzustellen ist, ob eine invalide Person unter den
konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob
sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die
verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI-
Praxis 6/1998 S. 291). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte
Nischenarbeitsplätze, also Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen
Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Von einer
Arbeitsgelegenheit kann dann nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare
Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene
Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt, oder sie nur unter nicht realistischem
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden
einer entsprechenden Stelle daher von vornherein ausgeschlossen erscheint (siehe
zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 24. April 2012, 8C_869/2011, E. 4.3.5 mit
Hinweisen).
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in
der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren
persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer
versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird und dass ihr deren
Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungslast nicht mehr zumutbar ist. Der
Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf
dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen
Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Massgebend
können die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der
absehbare Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang
auch Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung,
beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem
angestammten Bereich sein (BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweisen). Von Bedeutung für
die Beurteilung der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit sind namentlich deren
Ausmass und die verbleibende berufliche Aktivitätsdauer im Zeitpunkt des Feststehens
der medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbstätigkeit. Der für die Beurteilung
relevante Zeitpunkt ist gegeben, sobald die medizinischen Unterlagen eine zuverlässige
4.3.
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Sachverhaltsfeststellung erlauben (vgl. BGE 138 V 457 E. 3.3 f.; Urteil des
Bundesgerichts vom 25. Juli 2016, 8C_324/2016, E. 4.4).
Mit Blick auf die Massgeblichkeit des theoretisch ausgeglichenen Arbeitsmarktes
ist eine Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit nicht leichthin anzunehmen (Urteil
des Bundesgerichts vom 28. November 2014, 9C_485/2014, E. 3.3.1). Hilfsarbeiten
werden auf dem hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt grundsätzlich
altersunabhängig nachgefragt (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2018,
9C_862/2017, E. 3.3.3 mit Hinweis). Angesichts der strengen Bundesgerichtspraxis
sind die Hürden für die Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auch bei älteren
Arbeitnehmenden hoch (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009,
9C_918/2008, E. 4.3; zur Rechtsprechung des Bundesgerichtes vgl. auch Entscheid
des Versicherungsgerichts vom 7. Dezember 2017, IV 2015/384, E. 3.3.2)
4.4.
Der Beschwerdeführer ist in einer angepassten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig und
damit in quantitativer Hinsicht nicht eingeschränkt. In qualitativer Hinsicht kann er
leichte bis mittelschwere, überwiegend sitzende Tätigkeiten ausführen, wobei Gehen
auf unebenem Gelände, Besteigen von Leitern und Gerüsten sowie Zwangshaltungen
für das rechte Bein vermieden werden sollten (vgl. IV-act. 222-28 und Suva-act. 24-55).
Der Beschwerdeführer ist damit nicht derart gravierend eingeschränkt, dass geeignete
Stellen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht mehr denkbar wären. Konkret
zumutbar wären etwa die Kontrolle von Waren, die Überwachung von voll- oder
halbautomatischer Maschinen oder Hilfsarbeiten im Montage-, Sortierungs- und
Verpackungsbereich in Produktionsbetrieben. Dies ergibt sich auch aus den Suva-
Akten, die eine Dokumentation von Arbeitsplätzen (DAP) enthalten, die dem
Beschwerdeführer konkret zumutbar wären (Suva-act. 24-5 ff.).
4.5.
Massgeblicher Zeitpunkt für die verbleibende berufliche Aktivitätsdauer ist
vorliegend die kreisärztliche Abschlussuntersuchung vom 12. Januar 2015, deren
Ergebnis das Medas-Gutachten vom 4. September 2017 bestätigt hat (Suva-act. 24-49
ff. und IV-act. 222). Damals war der Beschwerdeführer annähernd 57 Jahre alt. Er
stand somit noch rund 8 Jahre vor der ordentlichen Alterspensionierung. Auch im
Zeitpunkt der Medas-Begutachtung war der Beschwerdeführer noch keine 60 Jahre alt.
Damit ist er zwar nicht leicht vermittelbar, Hilfsarbeiter werden aber gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung altersunabhängig nachgefragt. Zudem ist die
verbleibende Zeit bis zur Altersrente mit Blick auf die strenge höchstrichterliche
Rechtsprechung nicht dermassen kurz, dass eine Verwertung der Restarbeitsfähigkeit
angesichts der konkreten quantitativen und qualitativen Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit nicht mehr möglich wäre (vgl. zur Rechtsprechung des Bundesgerichts
4.6.
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5.
zur Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit in fortgeschrittenem Alter auch Entscheid des
Versicherungsgerichts St. Gallen vom 7. Dezember 2017, IV 2015/384, E. 3.3.2 mit
Hinweisen).
Nach dem Gesagten ist von einer Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers auszugehen.
4.7.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie gesund geblieben wäre (Valideneinkommen; Art. 28a Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 16 ATSG).
5.1.
Vorliegend hätte der Beschwerdeführer im Jahr 2012 (frühestmöglicher
Rentenbeginn) in seiner angestammten Tätigkeit ein Einkommen von 13 x Fr. 4'550.--,
mithin Fr. 59'150.--, verdient (Suva-act. 22-91). Hinzugekommen wären
Überstundenentschädigungen von durchschnittlich Fr. 1'236.-- pro Jahr (Suva-
act. 24-43) sowie eine Entschädigung als Hauswart von Fr. 6'897.-- (IV-act. 6-2). Das
Valideneinkommen beträgt somit Fr. 67'283.--.
5.2.
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist auf die Tabelle TA1 der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik, Total
sämtliche Wirtschaftszweige, Kompetenzniveau 1, Männer, abzustellen. Aus ihr ist für
das Jahr 2012 ein Wert von Fr. 65'177.-- zu entnehmen (siehe Anhang 2 der vom
Bundesamt für Sozialversicherungen herausgegebenen IV-Textausgabe, Ausgabe
2019, S. 228, basierend auf der LSE).
5.3.
Der Verdienst (bzw. die Mietzinsreduktion) aus der Hauswartung ist dem
Beschwerdeführer nicht als zusätzliches Invalideneinkommen anzurechnen. Einerseits
ist es die Ehefrau des Beschwerdeführers, welche die Hauswartung nun übernommen
hat (vgl. IV-act. 222-33). Andererseits ist dem Beschwerdeführer diese Tätigkeit,
welche nicht vorwiegend im Sitzen ausgeführt werden kann, auch nicht mehr
zumutbar.
5.4.
Dem Beschwerdeführer ist sodann ein Abzug vom Tabellenlohn zuzugestehen. Mit
dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte
5.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/19
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Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu
voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren arbeitnehmenden Personen
lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen
rechnen müssen. In BGE 126 V 75 ff. hat das Bundesgericht festgestellt, dass es von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalls
(leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität, Aufenthaltskategorie
und Beschäftigungsgrad) abhängt, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne
herabzusetzen sind. Bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit
enthaltene gesundheitliche Einschränkungen dürfen nicht zusätzlich in die Bemessung
des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung
desselben Gesichtspunkts führen. Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das
Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, d.h.
dass nicht für jedes Merkmal der entsprechende Abzug zu quantifizieren und die
einzelnen Abzüge zusammenzuzählen sind. Der Abzug ist auf höchstens 25% begrenzt
(Urteil des Bundesgerichts vom 20. April 2018, 9C_833/2017, E. 2.2; BGE 134 V 327
E. 5.2). Der Beschwerdeführer hat während seiner beruflichen Tätigkeit schwere
Arbeiten ausgeführt. Dies ist ihm nun nicht mehr möglich. Er kann nur noch körperlich
leichte bis mittelschwere, leidensangepasste Tätigkeiten übernehmen. In diesem
Bereich verfügt er über keine nennenswerte Berufserfahrung. Aufgrund seiner
bescheidenen Sprachkenntnisse und (Berufs)Bildung sowie seines Alters dürfte es dem
Beschwerdeführer nicht leichtfallen, eine neue Tätigkeit zu erlernen, selbst wenn diese
an sich keine Vorkenntnisse erfordert. In Würdigung der gesamten Umstände erscheint
ein Tabellenlohnabzug von 10% angemessen.
Das Invalideneinkommen ist somit ab 16. September 2013 auf Fr. 58'659.-- zu
beziffern (Fr. 65'177.-- x 90%).
5.6.
Aus der Gegenüberstellung des Validen- (Fr. 67'283.--) und des
Invalideneinkommens (Fr. 58'659.--) ergibt sich ein nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad von rund 13%.
5.7.
Für den Zeitraum bis zum 15. September 2013 ist gestützt auf das Gutachten und
mit Blick auf die lange instabile Situation mit vielen Operationen von einer
Arbeitsunfähigkeit von 100% auch in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen. Nachdem
das Wartejahr am 29. März 2012 erfüllt wurde, hat der Beschwerdeführer in
Anwendung von Art. 29 Abs. 3 IVG Anspruch auf eine ganze Invalidenrente für den
Zeitraum von März 2012 bis Dezember 2013 (vgl. Art. 88a Abs. 1 IVV).
5.8.
https://swisslex.westlaw.com/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx126xVx75_82&AnchorTarget=BGEx126xVx75
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6.