Decision ID: b7d20fd5-cb1b-467c-b8e6-5835e547b3f4
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a B._ litt an einer mittelschweren pulmonal-arteriellen Hypertonie bei multiplen
Links-Rechts-Verbindungen, an einem primären Atemnotsyndrom im Rahmen einer
hyalinen Membrankrankheit, an einer intrauterinen Wachstumsretardierung, an einer
Hyponatriämie, an einer Hypokaliämie, an einer indirekten Hyperbilirubinämie und an
einem Apnoe-Bradykardie-Syndrom. Nach seiner Geburt und einer rund
zweimonatigen Behandlung im Kinderspital C._ wurde er an das Kinderspital der
Universitätsklinik Zürich überwiesen. Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen stellte mit
mehreren Mitteilungen vom 31. März 2014 und vom 6. August 2015 fest, dass er an
den Geburtsgebrechen Ziff. 495, 313, 247, 395, 494, 251, 280, 303, 387, 462, 463, 390
Anh. GgV litt. Das Kinderspital der Universitätsklinik Zürich hatte bereits am 8. Juni
2015 berichtet, B._ befinde sich seit der Geburt und bis auf weiteres in einer
Langzeithospitalisation. Er leide an einer chronischen multifaktoriellen
Lungenerkrankung mit einer kompletten Beatmungsabhängigkeit, an einer pulmonalen
Hypertonie, an einem kongenitalen Herzfehler, an einem schweren gastro-
oesophagealen Reflux, an einem hypertrophen Pylorus, an einer Ess- und Trinkstörung,
an einer endokrinologischen Störung, an einer deutlichen Reduktion der weissen
Hirnsubstanz, an einer Schädelkalotte, an Röhrenknochen mit metaphysärer
Auftreibung, an einer schweren Gedeihstörung, an epileptischen Anfällen, an einer
Myopie, an Leistenhernien, an einer schwergradigen globalen
Entwicklungsverzögerung sowie an den Folgen multipler interkurrenter und
persistierender Komplikationen und Erkrankungen. Am 11. September 2015 verordnete
die zuständige Ärztin für die Zeit ab dem damals geplanten Austritt aus dem
Kinderspital der Universitätsklinik Zürich am 1. November 2015 eine Pflege durch die
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Kinderspitex im Umfang von 72 Stunden pro Woche. In einem Begleitschreiben zu
dieser ärztlichen Verordnung erklärte sie, weshalb B._ eine derart umfangreiche
medizinische Pflege benötigen werde. Am 14. Oktober 2015 erteilte die IV-Stelle eine
Kostengutsprache für Leistungen der Kinderspitex im Umfang von maximal acht
Stunden für die aufwendige Abklärung und Dokumentation (einmalig), von maximal 45
Stunden in den ersten drei Monaten für die Beratung und die Instruktion der Eltern, von
maximal zehn Stunden pro Monat für die koordinativen Massnahmen und von maximal
zwölf Stunden pro Tag für die Untersuchung und die Behandlung. Sie verwies darauf,
dass die Vergütung nach dem IV-Tarif erfolgen werde. Am 21. Oktober 2015 verfügte
die politische Gemeinde A._ über die Restfinanzierung der ambulanten Pflege im
Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (vgl. zum Ganzen den
Entscheid KV 2016/4 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 7. Juni 2017, A.a–A.c).
A.b Mit einer Mitteilung vom 29. März 2016 verlängerte die IV-Stelle ihre
Kostengutsprache für die Kinderspitex (IV-act. 159). Sie sprach B._ für die Zeit vom
1. April 2016 bis zum 30. Juni 2016 Kinderspitexleistungen im Umfang von maximal
einer Stunde für die aktuelle Abklärung und Dokumentation, 15 Stunden für die weitere
Beratung und Instruktion der Eltern, 2,5 Stunden pro Woche für koordinative
Massnahmen und zwölf Stunden pro Tag für die Untersuchung und Behandlung zu
(Vergütung nach dem IV-Tarif). Mit einer weiteren Mitteilung vom 2. August 2016
verlängerte die IV-Stelle ihre Kostengutsprache für die Kinderspitex erneut (IV-act. 208).
Sie wies erneut darauf hin, dass die Vergütung nach dem IV-Tarif erfolgen werde. Die
neue Kostengutsprache betraf den Zeitraum vom 1. Juli 2016 bis zum 31. Januar 2017.
Sie umfasste Kinderspitexleistungen im Umfang von maximal einer Stunde für die
aktuelle Abklärung und Dokumentation, 30 Stunden für die weitere Beratung und
Instruktion der Eltern, 2,5 Stunden pro Woche für koordinative Massnahmen und zwölf
Stunden pro Tag für die Untersuchung und Behandlung. Am 6. September 2016 liess
der nun anwaltlich vertretene B._ darauf hinweisen (IV-act. 217), dass sich die
politische Gemeinde A._ unpräjudizierlich und ohne die Anerkennung einer
entsprechenden Rechtspflicht bereit erklärt habe, eine Zwischenfinanzierung der von
der IV-Stelle nicht gedeckten Kinderspitexleistungen vorzunehmen. Die Übernahme
dieser Kosten erfolge unter dem expliziten Vorbehalt, dass sich die Eltern von B._ um
eine Vergütung sämtlicher Kosten durch die Invalidenversicherung bemühten.
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A.c Am 3. November 2016 reichte die politische Gemeinde A._ ein
Verantwortlichkeits- und Schadenersatzbegehren bei der IV-Stelle ein (IV-act. 242). Sie
machte geltend, ihr sei "infolge nicht kostendeckender Übernahme der Kosten für
medizinische Massnahmen" zur Behandlung der anerkannten Geburtsgebrechen von
B._ ein Schaden entstanden. Dieser Schaden belaufe sich für die Zeit vom 1. Januar
2016 bis zum 31. Juli 2016 auf 148’270.40 Franken (zuzüglich Zins zu fünf Prozent). Die
Schadenssumme erhöhe sich laufend. Die IV-Stelle habe diesen Schaden gestützt auf
den Art. 78 ATSG, eventualiter gestützt auf die massgebenden Bestimmungen
betreffend die ungerechtfertigte Bereicherung, zu ersetzen. Am 11. November 2016
ersuchte die politische Gemeinde A._ die IV-Stelle um die Abgabe einer
Verjährungsverzichtserklärung (IV-act. 246). Mit einer Verfügung vom 9. Dezember
2016 wies die IV-Stelle das Verantwortlichkeits- und Schadenersatzbegehren ab (IV-
act. 261). Zur Begründung führte sie aus, ihre Mitteilungen stützten sich auf die
massgeblichen gesetzlichen und weisungsrechtlichen Grundlagen und könnten
deshalb nicht als rechtswidrig qualifiziert werden. Die Vergütung entspreche den
massgebenden Tarifen.
B.
B.a Am 19. Januar 2017 erhob die politische Gemeinde A._ (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 9. Dezember 2016
(act. G 1). Sie beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, den Ersatz des
im Zeitraum vom 1. Januar 2016 bis zum 31. Juli 2016 entstandenen Schadens von
148’270.40 Franken zuzüglich fünf Prozent Zins und des seit dem 1. August 2016
entstandenen und weiterhin entstehenden Schadens zuzüglich fünf Prozent Zins
gestützt auf den Art. 78 ATSG sowie eventualiter den Ersatz dieses Schadens gestützt
auf die gesetzliche Regelung über die ungerechtfertigte Bereicherung. Zur Begründung
führte sie an, das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen habe in zwei
Entscheiden vom 13. August 2013 (IV 2012/447) und vom 2. Mai 2014 (IV 2013/215)
festgehalten, dass die Invalidenversicherung im Zusammenhang mit einem
Geburtsgebrechen die gesamten Kinderspitexleistungen zu vergüten habe. In der
Praxis leiste die Invalidenversicherung aber jeweils nur einen Beitrag an die Vollkosten,
denn ihre Kostenbeteiligungen basierten auf einem Tarif, der viel zu tief sei, um die
Normkosten einer effizienten Leistungserbringung abdecken zu können. Daran habe
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die kürzlich erfolgte Tariferhöhung nichts Grundlegendes geändert. Die nicht
kostendeckenden Leistungen der Invalidenversicherung seien vor diesem Hintergrund
rechtswidrig. Mit ihrem rechtswidrigen Verhalten habe die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) kausal einen Schaden verursacht, denn die Beschwerdeführerin
habe die ungedeckten Kosten im Sinne einer Zwischenlösung unpräjudizierlich decken
müssen, um sicherzustellen, dass B._ weiterhin zuhause bei seinen Eltern wohnen
könne. Das Argument der Beschwerdegegnerin, sie habe sich an die
Verwaltungsweisungen des Bundesamtes für Sozialversicherungen gehalten, verfange
nicht, da die Beschwerdegegnerin in erster Linie zu einem gesetzmässigen und nicht
primär zu einem weisungskonformen Verhalten verpflichtet sei; soweit die
Verwaltungsweisungen gesetzwidrig seien, dürften sie nicht befolgt werden. Die im
Rundschreiben Nr. 308 erwähnten Tarife beruhten nicht auf einer ausreichenden
gesetzlichen Grundlage, weshalb sich die Beschwerdegegnerin nicht hätte daran
halten dürfen.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 30. August 2017 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie aus, mit ihrer Verfügung vom 21.
Oktober 2015 habe die Beschwerdeführerin verbindlich die Restfinanzierung der von
den Sozialversicherungen nicht gedeckten Pflegeleistungen zugesichert. Ihre
nachträgliche Darstellung, sie habe die entsprechenden Kosten unpräjudizierlich und
ohne die Anerkennung einer Rechtspflicht übernommen, widerspreche dieser
Tatsache. Die Beschwerdegegnerin habe ihrerseits die gesetzlichen Leistungen
erbracht und ihre Leistungspflicht insofern vollumfänglich erfüllt. Insbesondere habe sie
den korrekten Tarif angewendet.
B.c Die Beschwerdegegnerin hielt am 5. Oktober 2017 an ihren Anträgen fest (act. G
8). Bezugnehmend auf den Einwand der Beschwerdegegnerin, sie habe sich
widersprüchlich verhalten, hielt sie fest, ihre Verfügung vom 21. Oktober 2015 habe nur
die Restfinanzierung im Sinne des Art. 25a Abs. 5 KVG und nicht die Restfinanzierung
von Leistungen betroffen, die an sich von der Invalidenversicherung hätten erbracht
werden müssen.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 9 f.).

Erwägungen
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1.
Ersatzforderungen im Sinne des Art. 78 ATSG sind gemäss dem Art. 59a IVG bei der
IV-Stelle geltend zu machen; diese hat darüber mit einer Verfügung zu entscheiden. In
Abweichung von den Art. 52 und 58 ATSG sind alle Verfügungen der kantonalen IV-
Stellen direkt beim Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anzufechten (Art. 69 Abs.
1 lit. a IVG). Auch das ATSG sieht im Art. 78 Abs. 4 ATSG vor, dass bei Verfügungen
betreffend Ersatzforderungen (Art. 78 Abs. 1 und 2 ATSG) kein Einspracheverfahren
durchgeführt wird. Vorliegend hat die Beschwerdeführerin eine Ersatzforderung bei der
Beschwerdegegnerin geltend gemacht. Diese hat das Begehren mit einer Verfügung
abgewiesen, die von der Beschwerdeführerin dann mit einer Beschwerde beim
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen frist- und formgerecht angefochten
worden ist. Auf die Beschwerde ist folglich einzutreten. Den Anfechtungsgegenstand
dieses Beschwerdeverfahrens bildet die Verfügung vom 9. Dezember 2016; den
Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Beschwerdeführerin gegenüber der
Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf Schadenersatz hat.
2.
2.1 Für Schäden, die von Durchführungsorganen oder einzelnen Funktionären von
Versicherungsträgern einer versicherten Person oder Dritten widerrechtlich zugefügt
wurden, haften gemäss dem Art. 78 Abs. 1 ATSG die öffentlichen Körperschaften,
privaten Trägerorganisationen oder Versicherungsträger, die für diese Organe
verantwortlich sind. Eine solche Haftung kann jedoch nur in Frage kommen, wenn die
Schädigung nicht im ordentlichen Verwaltungs- oder Gerichtsverfahren hat
abgewendet werden können (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art.
78 N 7, mit Hinweisen). Das Haftungsrecht dient also weder dazu,
sozialversicherungsrechtliche Ansprüche statt im ordentlichen Verfahren mittels einer
Ersatzforderung geltend zu machen, noch erlaubt es die Korrektur von Versäumnissen
im ordentlichen Verfahren (z.B. die Behebung eines „Schadens“, der entstanden ist,
weil die versicherte Person eine Rechtsmittelfrist verpasst hat).
2.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Beschwerdegegnerin habe ihr
widerrechtlich einen Schaden verursacht, weil sie ihrer Leistungspflicht gemäss den
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Art. 13 f. IVG nicht vollumfänglich nachgekommen sei und weil sie, die
Beschwerdeführerin, in der Folge habe in die Bresche springen müssen, um die
medizinische Behandlung von B._ zuhause bei den Eltern weiterhin sicherstellen zu
können. Die Widerrechtlichkeit des Verhaltens der Beschwerdegegnerin sei darin zu
erblicken, dass diese die Pflegeleistungen zu einem „defizitären“ Tarif vergütet habe,
obwohl das Versicherungsgericht in den beiden Entscheiden IV 2012/447 vom 13.
August 2013 und IV 2013/215 vom 2. Mai 2014 festgehalten habe, dass die
Invalidenversicherung die gesamten Kosten der zur Behandlung von Geburtsgebrechen
notwendigen medizinischen Massnahmen zu vergüten habe.
2.3 Die Beantwortung der Frage, ob die Beschwerdegegnerin widerrechtlich gehandelt
hat, setzt zunächst eine kurze Darstellung der wesentlichen Aspekte der
Leistungspflicht der Invalidenversicherung im Zusammenhang mit der ambulanten
Pflege bei einem Geburtsgebrechen voraus: Die versicherte Person hat gegenüber der
Invalidenversicherung einen Anspruch auf jene medizinischen Pflegeleistungen, die sie
aufgrund ihres Geburtsgebrechens benötigt. In den beiden von der
Beschwerdeführerin erwähnten (und in weiteren) Entscheiden hat das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen festgehalten, dass der Art. 14 IVG weder
eine generelle Begrenzung der Leistungspflicht der Invalidenversicherung noch eine
irgendwie geartete Kostenbeteiligung der versicherten Person vorsehe, weshalb die
Invalidenversicherung grundsätzlich verpflichtet sei, sämtliche notwendigen
medizinischen Massnahmen zu vergüten. Das ist aber nur eine Seite der Medaille, denn
die medizinischen Massnahmen stellen typische Sachleistungen im Sinne des Art. 14
ATSG dar, was bedeutet, dass sie an sich von der Invalidenversicherung durchgeführt
werden müssten. Da die Invalidenversicherung diese Leistungen aber in der Regel
nicht selbst erbringen kann, muss sie sie einkaufen, das heisst sie muss einen
Leistungserbringer finden, der diese Leistungen effektiv erbringt, und dann diesen
Leistungserbringer bezahlen. Das Verhältnis zwischen der Invalidenversicherung und
dem Leistungserbringer ist privatrechtlicher Natur, was sich schon aus dem Umstand
ergibt, dass die Invalidenversicherung einen Leistungserbringer nicht mit einer
Verfügung zur Leistungserbringung zwingen kann. Die Invalidenversicherung tritt also
gegenüber dem Leistungserbringer nicht hoheitlich auf, sondern sie handelt zivil- bzw.
vertragsrechtlich. Das seiner Natur nach zivilrechtliche Vertrags- respektive hier
Auftragsverhältnis zwischen der Invalidenversicherung und dem Leistungserbringer ist
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unabhängig vom öffentlich-rechtlichen Verhältnis zwischen der Invalidenversicherung
und der versicherten Person, denn für die versicherte Person ist nur massgebend, dass
ihr die notwendigen medizinischen Massnahmen erbracht werden. Wer genau die
Leistungen erbringt und zu welchem Preis, ist für die versicherte Person irrelevant. Die
beiden Verhältnisse zwischen der Invalidenversicherung und der versicherten Person
einerseits und zwischen der Invalidenversicherung und dem Leistungserbringer
andererseits müssen strikt auseinander gehalten werden. Aus diesem Grund kann die
Beschwerdeführerin für die vorliegende Sache, die nur das zivilrechtliche Verhältnis
zwischen der Invalidenversicherung und dem Leistungserbringer betrifft, aus den sich
rein auf das öffentlich-rechtliche Verhältnis zwischen der Invalidenversicherung und der
versicherten Person beziehenden Entscheiden des Versicherungsgerichtes des
Kantons St. Gallen nichts zu ihren Gunsten ableiten. Tarifstreitigkeiten sind nicht durch
ein kantonales Versicherungsgericht zu überprüfen (vgl. zum Ganzen den beim
Bundesgericht angefochtenen Entscheid IV 2016/217 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 26. Januar 2018, E. 3, mit Hinweisen), denn dabei geht es
nur um die Ausgestaltung der Vertragsverhältnisse zwischen der Invalidenversicherung
und den Leistungserbringern.
2.4 In der Praxis wird gelegentlich geltend gemacht, dass der Tarif, den die
Invalidenversicherung bei der Vergütung von medizinischen Pflegemassnahmen
anwende, zu tief respektive nicht kostendeckend sei. Verschiedene
Kinderspitexorganisationen haben schon versucht, in sozialversicherungsrechtlichen
Gerichtsverfahren die Anwendung eines kostendeckenden Tarifs durchzusetzen. Der
Tarif wird aber nicht hoheitlich festgesetzt. Er ist in der Regel das Ergebnis von
Vertragsverhandlungen zwischen dem Verband der Leistungserbringer
(Kinderspitexorganisationen) und der Aufsichtsbehörde der IV-Stellen, dem Bundesamt
für Sozialversicherungen (Art. 27 IVG i.V.m. Art. 53 Abs. 2 lit. abis IVG und Art. 24 Abs.
2 bzw. Abs. 3 IVV). Solche Verhandlungen sind kürzlich durchgeführt worden, was zur
Folge gehabt hat, dass der Tarif erhöht worden ist. Offenbar erachten einzelne
Kinderspitexorganisationen diesen neuen Tarif immer noch als zu tief. Massgebend ist
aber, dass sie in dem Sinn an den neuen Tarifvertrag gebunden sind, dass sie keinen
höheren Tarif (Preis) für ihre Leistungen fordern dürfen. In jedem Fall, in dem eine IV-
Stelle einer versicherten Person eine gewisse Stundenzahl an Kinderspitexleistungen
zuspricht, stellt die entsprechende Mitteilung der IV-Stelle durch den Verweis auf den
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massgebenden IV-Tarif auch eine Offerte an die als Durchführungsstelle in Frage
kommende Kinderspitexorganisation dar. Diese Offerte beruht also auf dem
tarifvertraglich verbindlichen Preis pro Arbeitsstunde. Beginnt die
Kinderspitexorganisation in der Folge damit, Kinderspitexleistungen zu erbringen, kann
das nichts anderes als eine konkludente Annahme der Offerte der IV-Stelle sein, was
bedeutet, dass der Vertrag beziehungsweise der Auftrag auf der Grundlage des
tarifvertraglich vorgesehenen Preises zustande gekommen ist. Vorliegend hat der
Zürcher Kinderspitexverein aber offenbar einen Betrag pro Arbeitsstunde verlangt, der
den mit der Beschwerdegegnerin vertraglich vereinbarten Preis überstiegen hat. Die
Beschwerdegegnerin hat diesen Preis offenbar nicht bezahlt, weil der Vertrag, den sie
mit dem Zürcher Kinderspitexverein geschlossen hatte, auf einen tieferen Preis lautete.
Möglicherweise hat der Zürcher Kinderspitexverein der Beschwerdegegnerin auch von
Anfang an nur die vertraglich vereinbarten Kosten in Rechnung gestellt und die
Differenz von der Beschwerdeführerin eingefordert. Das kann offen bleiben, denn
massgebend ist vorliegend einzig, ob der Beschwerdeführerin durch die
Beschwerdegegnerin widerrechtlich ein Schaden verursacht worden ist. Eine allfällige
Rechtswidrigkeit kann nicht mit einer Vertragsverletzung begründet werden, denn die
Beschwerdeführerin ist nicht am Vertragsverhältnis zwischen der Beschwerdegegnerin
und dem Zürcher Kinderspitexverein beteiligt gewesen. Aus dem Vertragsverhältnis
zwischen der Beschwerdegegnerin und dem Zürcher Kinderspitexverein könnte also
nur dann eine haftpflichtrechtlich relevante Rechtswidrigkeit resultiert haben, wenn sich
die Beschwerdegegnerin beim Vertragsabschluss zum Nachteil des Zürcher
Kinderspitexvereins – und damit indirekt zum Nachteil der Beschwerdeführerin –
gesetzwidrig verhalten hätte. Sinngemäss wird dies von der Beschwerdeführerin
behauptet, wobei sie allerdings fälschlicherweise davon ausgeht, dass das Verhältnis
zwischen der Beschwerdegegnerin und dem Zürcher Spitexverein ein hoheitliches sei.
Eine Rechtswidrigkeit beim Abschluss des Leistungsvertrages zwischen der
Beschwerdegegnerin und dem Zürcher Kinderspitexverein könnte nur dann indirekt
auch gegenüber der Beschwerdeführerin eine relevante haftpflichtrechtliche
Rechtswidrigkeit bewirkt haben, wenn die Beschwerdeführerin gesetzlich verpflichtet
wäre, die von der Beschwerdegegnerin nicht gedeckten Aufwendungen des Zürcher
Kinderspitexvereins zu übernehmen. Ob die von der Beschwerdeführerin dazu
angeführten Gesetzesbestimmungen (Art. 25a Abs. 5 Satz 2 KVG i.V.m. Art. 16 PFG/
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SG, sGs 331.2) diese tatsächlich dazu gezwungen haben, die ungedeckten
Aufwendungen des Zürcher Kinderspitexvereins zu übernehmen, ist zu bezweifeln,
denn dies würde voraussetzen, dass der Zürcher Kinderspitexverein berechtigt
gewesen wäre, einen Vertrag mit der Beschwerdegegnerin auf der Grundlage der
einschlägigen Tarifvereinbarung zwischen dem Bundesamt für Sozialversicherungen
und den Spitexorganisationen abzuschliessen und dann den tariflich vorgegebenen
Preis nicht einzuhalten, sondern von der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 25a Abs.
5 Satz 2 KVG mehr zu verlangen. Damit käme dem Tarifvertrag zwischen dem
Bundesamt für Sozialversicherungen und den Spitexorganisationen – entgegen dem
Sinn und Zweck der Art. 13/14 IVG – der Sinn zu, zulasten der gemäss Art. 25a Abs. 5
lit. b KVG in zweiter Linie Deckungspflichtigen in der Invalidenversicherung zu
„sparen“. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass das Bundesamt für Sozialversicherungen
beim Abschluss der Tarifvereinbarung mit den Spitexorganisationen ein solches Ziel
verfolgt hätte. Daraus folgt, dass der Kinderspitexverein Zürich mit seinem nicht
tarifkonformen Preis pro Arbeitsstunde bzw. mit dem de facto-Einbezug der
Beschwerdeführerin in die Finanzierung der Spitexleistungen wohl dem Geist des
Tarifvertrages zwischen den Spitexorganisationen und dem Bundesamt für
Sozialversicherungen zuwidergehandelt haben dürfte. Damit bestünde wohl kaum eine
auf Art. 25a Abs. 5 Satz 2 KVG i.V.m. Art. 16 PFG/SG gestützte Pflicht der
Beschwerdeführerin, den überschiessenden Teil der Kosten für die Leistungen des
Zürcher Kinderspitexvereins zu übernehmen, so dass der Beschwerdeführerin zum
Vornherein gar kein im Sinne des Art. 78 ATSG haftpflichtrechtlich relevanter Schaden
entstanden sein könnte. Dies alles kann aber ungeklärt bleiben, denn bei diesen
Umständen ist es offenkundig, dass die Be-schwerdegegnerin, die sich bei der
Leistungsvereinbarung mit dem Zürcher Kinderspitexverein – weisungskonform – an
die tariflichen Vorgaben gehalten hat, rechtmässig gehandelt hat. Selbst wenn der
Beschwerdeführerin entgegen dem oben Ausgeführten doch ein Schaden im Sinne des
Art. 78 ATSG entstanden sein sollte, fehlt es gegenüber der Beschwerdegegnerin
offenkundig an der notwendigen Widerrechtlichkeit. Damit steht fest, dass die
Beschwerdeführerin nicht gestützt auf den Art. 78 ATSG die Beschwerdegegnerin für
einen ihr allenfalls entstandenen Schaden haftbar machen kann.
2.5 Hinzu kommt, dass der Art. 78 ATSG eine ganz spezifische Verantwortlichkeit jener
Organisationseinheit oder sogar jenes „Funktionärs“ vorsieht, die oder der den
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Schaden verursacht hat, was bedeutet, dass sich eine Ersatzforderung gegen jene
Organisationseinheit oder gegen jenen „Funktionär“ richten muss, die oder der
verantwortlich ist (vgl. dazu KIESER, a.a.O., Art. 78 N 52 f.). Selbst wenn also durch die
zwischen dem Zürcher Kinderspitexverein und der Beschwerdegegnerin
geschlossenen Leistungsvereinbarung auf der Grundlage eines nicht
kostendeckenden, aber vereinbarungskonformen Tarifs der Beschwerdeführerin
widerrechtlich ein Schaden entstanden wäre, bestünde gegenüber der
Beschwerdegegnerin kein Anspruch der Beschwerdeführerin auf einen Schadenersatz,
denn der Tarifvertrag ist vom Bundesamt für Sozialversicherungen und nicht von der
Beschwerdegegnerin unterzeichnet worden. Die Beschwerdegegnerin hat lediglich als
weisungsgebundene Behörde gehandelt, ohne dass sie bezüglich des Tarifs über einen
Ermessensspielraum verfügt hätte. Sie hat nämlich die Leistungsvereinbarung mit dem
Zürcher Kinderspitexverein nur auf der Grundlage dieses Tarifs abschliessen können,
nicht nur weil sie weisungsgebunden gewesen ist, sondern auch weil sie sich nicht in
die zwischen dem Bundesamt für Sozialversicherungen und den Spitexorganisationen
geschlossene Tarifvereinbarung hat einmischen können. Das Schadenersatzbegehren
hätte sich insofern gegen das Bundesamt für Sozialversicherung respektive für die dort
zuständige Stelle für Tariffragen richten müssen.
2.6 Das sich auf den Art. 78 ATSG stützende Schadenersatzbegehren ist
zusammenfassend mangels einer Passivlegitimation der Beschwerdegegnerin (die ja
nicht Partei der Tarifverhandlung war), mangels einer Widerrechtlichkeit und mangels
eines Schadens abzuweisen. Insofern erweist sich die angefochtene Verfügung im
Ergebnis als rechtmässig, weshalb die Beschwerde im Hauptpunkt abzuweisen ist.
3.
Die Beschwerdeführerin beantragt eventualiter, die Beschwerdegegnerin sei von der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen als öffentlich-rechtlicher Anstalt
anzuweisen, ihre ungerechtfertigte Bereicherung in einem bestimmten Betrag
zurückzuerstatten. Da die Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen nicht die
Aufsichtsbehörde der Beschwerdegegnerin und auch nicht Partei des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens ist, muss das Begehren dahingehend umgedeutet werden,
dass die Beschwerdegegnerin selbst zur Rückerstattung einer ungerechtfertigten
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Bereicherung zu verpflichten sei. Da das Verfahrensrecht der Sozialversicherung immer
noch recht lückenhaft ist, wird in der Lehre und der Rechtsprechung immer wieder die
Frage nach einer analogen Anwendung privatrechtlicher Normen in der Form
allgemeiner Rechtsgrundsätze gestellt. Effektiv handelt es sich dabei natürlich um
ausfüllungsbedürftige Lücken im Sozialversicherungsrecht, die durch eine analoge
Anwendung privatrechtlicher Normen gefüllt werden sollen, so dass die „Schaffung“
passender allgemeiner Rechtsgrundsätze eigentlich überflüssig ist. Das gilt auch für die
analoge Anwendung der privatrechtlichen Bestimmungen über die
Rückerstattungspflicht bei ungerechtfertigten Bereicherungen (Art. 63 ff. OR). Ein
möglicher Fall einer ausfüllungsbedürftigen Gesetzeslücke im Sozialversicherungsrecht
ist die Leistungskoordination. Tatsächlich beruft sich die Beschwerdeführerin auf eine
ungerechtfertigte Bereicherung der Invalidenversicherung als Folge der Ausrichtung
nicht geschuldeter Leistungen durch die Krankenversicherung beziehungsweise über
die Restfinanzierung durch das Gemeinwesen, also auf eine fehlerhafte
intersystemische Koordination. Die Beschwerdeführerin geht also davon aus, dass die
Beschwerdegegnerin und nicht sie diese Leistungen hätte ausrichten müssen und dass
die Beschwerdegegnerin dadurch bereichert sei. Daraus will die Beschwerdeführerin
durch eine analoge Anwendung der passenden privatrechtlichen Normen einen
Rückerstattungsanspruch ableiten. Offenbar geht diese Analogie in den Augen der
Beschwerdeführerin so weit, dass sie glaubt, diesen Anspruch direkt bei Gericht
geltend machen zu können. Dies würde allerdings voraussetzen, dass ein
Rückerstattungsanspruch auf dem privatrechtanalogen Forderungs- und Klageweg,
also ohne eine entsprechende Verfügung, geltend zu machen wäre und dass das zur
Behandlung der „Rückerstattungsklage“ sachlich und örtlich zuständige Gericht das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wäre. Tatsächlich hätte die
Beschwerdeführerin eine entsprechende Rückerstattungsforderung natürlich mittels
einer Verfügung geltend machen müssen. Dagegen hätte die Beschwerdegegnerin eine
Beschwerde erheben können. Das ist unterblieben, so dass der zwingend notwendige
Anfechtungsgegenstand fehlt. Auf die „direkte“ Beschwerde in der Form des
Eventualbegehrens der Beschwerdeführerin kann natürlich nicht eingetreten werden.
Könnte auf das Eventualbegehren eingetreten werden, müsste es wohl abgewiesen
werden, da die Beschwerdegegnerin nicht bereichert ist. Die (angeblich nicht
geschuldeten) Leistungen der Beschwerdeführerin sind nämlich formal an B._ und
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effektiv an die Zürcher Kinderspitex geflossen. Wenn diese Leistungen, wie von der
Beschwerdeführerin behauptet, nicht durch Art. 25a Abs. 5 Satz 2 KVG i.V.m. Art. 16
PFG/SG abgedeckt gewesen sein sollten, läge keine ungerechtfertigte Bereicherung,
sondern formal ein unrechtmässiger Leistungsbezug (Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG) von
B._ vor, wobei sich die Rückforderung wohl gegen die wirtschaftlich bevorteilte
Person, nämlich gegen die Zürcher Kinderspitex, richten würde. Auf jeden Fall läge
offensichtlich kein unrechtmässiger Leistungsbezug der Beschwerdegegnerin vor.
4.
Grundsätzlich ist das Beschwerdeverfahren kostenlos, da es nach der (restriktiven)
Praxis des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen nicht die Bewilligung oder
Verweigerung von IV-Leistungen betrifft (Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. a
ATSG). Auch ein Anspruch auf eine Parteientschädigung besteht grundsätzlich nicht
(Art. 61 lit. g Satz 1 ATSG). Laut dem Art. 61 lit. a zweiter Halbsatz ATSG können
allerdings ausnahmsweise eine Spruchgebühr und die Verfahrenskosten auferlegt
werden, wenn sich eine Partei mutwillig oder leichtsinnig verhält.
Rechtsprechungsgemäss liegt ein mutwilliges Verhalten vor, wenn eine Partei bei der
ihr zumutbaren vernunftgemässen Überlegung ohne Weiteres hätte erkennen können,
dass ihr Verhalten aussichtslos ist (vgl. die Rechtsprechungshinweise bei UELI KIESER,
ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 61 N 68). Die Beschwerdegegnerin hat sich im
Zusammenhang mit der Leistungsgewährung bzw. bei der vertraglichen
Leistungsvereinbarung mit dem Zürcher Kinderspitexverein derart offensichtlich
rechtmässig verhalten, dass die Aussichtslosigkeit der vorliegenden Beschwerde für
jede notwendigerweise einschlägig rechtskundige Gemeinde ins Auge gesprungen
wäre. Dasselbe muss für das Eventualbegehren gelten, dass sich ganz offensichtlich zu
Unrecht gegen die Beschwerdegegnerin richtet. Damit liegt eine mutwillige
Prozessführung im Sinne der Rechtsprechung vor, was es rechtfertigt, der
Beschwerdeführerin Gerichtskosten von 600 Franken aufzuerlegen und sie zu
verpflichten, der Beschwerdegegnerin eine Parteientschädigung von 1’500 Franken
auszurichten.