Decision ID: a0a04e67-23e5-42f6-ba60-4b9dcd925b1d
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ wurde am 6. März 2015 (IV-act. 1 f.) vom behandelnden Arzt Dr. med. C._,
Allgemeine Innere Medizin FMH, zur Früherfassung angemeldet. Sie sei seit Dezember
2014 (richtig: 2013, IV-act. 18) als Pflegehelferin tätig (zuerst zu 80 %, dann zu 60 %)
und sei wegen verminderter Belastbarkeit und Hautproblemen (rezidivierende
Abszedierungen) mehrfach kurzfristig ausgefallen. Es lägen eine emotional instabile
Persönlichkeitsstörung und ein Status nach psychiatrischer Hospitalisation vor. - In
einem beigelegten Austrittsbericht vom 29. Mai 2013 (IV-act. 4) hatte die Psychiatrische
Klinik D._ als psychiatrische Diagnosen Störungen durch Cannabinoide
(Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent, aber in beschützender Umgebung),
eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung und einen V.a. emotional
instabile Persönlichkeitsstörung benannt. Die Versicherte habe berichtet, nach der
Trennung einer siebenjährigen Beziehung im _ 2012 innerhalb von vier Monaten
20 kg Gewicht verloren zu haben, ohne dass dafür eine somatische Erklärung habe
gefunden werden können. Die mit dem Wunsch nach Entwöhnung vom seit ca.
15 Jahren getätigten Cannabiskonsum angetretene Hospitalisation habe vom
7. Februar bis 6. Mai 2013 gedauert. Es war von Stimmungsschwankungen,
Impulsivität, erhöhter Kränkbarkeit und niedriger Affekt- und Stresstoleranz der
Versicherten berichtet worden. Es sei bei testpsychologisch gefundenen deutlichen
Hinweisen auf ein ADH-Syndrom [Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom,
ADHS] eine Behandlung mit Methylphenidat begonnen worden. Konzentrations- oder
Merkfähigkeitsstörungen habe es nicht gegeben. Die Versicherte werde die Arbeit ab
Juni 2013 wieder aufnehmen. - Einem Bericht der Klinik für Dermatologie/Allergologie
A.a.
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am Kantonsspital St. Gallen vom 14. Januar 2015 (IV-act. 3) war zu entnehmen, dass
unter anderem eine Acne inversa inguinal beidseits, eine Rosacea Grad II _,
Adipositas permagna und ein St. n. LE (Lungenembolie) 09/11 rechts segmental
bestünden.
Bei einem Früherfassungsgespräch vom 20. März 2015 (IV-act. 5) gab die
Versicherte an, seit einem halben Jahr wieder mit dem Konsum begonnen zu haben,
am 9. April 2015 teilte sie telefonisch mit, sie sei seit 24. März 2015 (wieder) in der
Psychiatrischen Klinik D._. - Am 25./27. April 2015 (IV-act. 8) meldete sich die
Versicherte zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an und erklärte,
gesundheitliche Beeinträchtigungen bestünden seit Kindheit und sie habe wegen ihrer
Schwierigkeiten immer wieder Stellen verloren. Sie habe ein Haushaltlehrjahr und im
Jahr 2000 einen viermonatigen _-Kurs als Pflegehelferin absolviert. Sie leide an
Suchtproblemen THC und an psychischen und ADHS-bedingten
Konzentrationsschwierigkeiten und bekomme bei Stress Abszesse.
A.b.
Dr. C._ attestierte der Versicherten am 13. Mai 2015 (IV-act. 14) eine volle
Arbeitsunfähigkeit seit 24. März 2015. - Die Arbeitgeberin bescheinigte am 19. Mai
2015 (IV-act. 18), dass die Versicherte seit _. Dezember 2013 als Pflegehelferin
angestellt sei und ihr Pensum bis Ende 2014 80 %, dann von Januar bis März 2015
60 % betragen habe und seit dem 1. April 2015 wieder 80 % ausmache. - Der
Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung hielt am 27. Mai 2015 (IV-
act. 20) dafür, die Cannabisabhängigkeit sei möglicherweise als sekundäre Störung -
im Sinn einer "Eigenbehandlung" der inneren Unruhe - zu verstehen.
A.c.
In einem IV-Arztbericht gab die Psychiatrische Klinik D._ am 14. Juli 2015 (IV-
act. 21) im Wesentlichen dieselben Diagnosen an wie im oben erwähnten Bericht (die
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung mit zusätzlicher Angabe: seit
Kindheit). Die Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ bestehe seit Adoleszenz (sie
wurde nicht mehr als Verdachtsdiagnose bezeichnet). Ausserdem wurde eine
Hidradenitis suppurativa diagnostiziert. Die Versicherte sei bis zum 23. Juni 2015
hospitalisiert gewesen. Danach sei sie zu 50 % arbeitsfähig (der Wiedereinstieg sei im
Gang) bis zu weiterem Entscheid des Hausarztes.
A.d.
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Dr. med. E._, Spezialärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, gab am
28. Januar 2016 (IV-act. 33) unter Mitwirkung von Dr. phil. F._, Fachpsychologin für
Psychotherapie FSP/APP, an, die Versicherte sei zurzeit nicht zu mehr als 50 %
arbeitsfähig. Es bestehe Aussicht auf eine allmähliche minimale Steigerung. In einem
IV-Arztbericht vom 12. April 2016 (IV-act. 36) erklärten die beiden, es bestehe nebst
den Störungen durch Cannabinoide eine Anpassungsstörung mit vorwiegender
Beeinträchtigung von anderen Gefühlen mit Symptomen affektiver Qualitäten wie
Angst, Depression, Sorgen, Anspannung und Ärger. Die Versicherte werde seit Januar
2013 behandelt. Ihr Vater sei schwerer Alkoholiker gewesen und habe Gewalt
ausgeübt; die Mutter sei _ und, als die Versicherte _jährig war, einige Zeit im
Frauenhaus gewesen. Die Eltern hätten sich getrennt. Die Versicherte leide seit der
damaligen Zeit des Besuchs des Kinderhorts an Migräne und habe in der Schule
Schwierigkeiten bekommen. Anschliessend habe sie (nebst den bereits erwähnten
Ausbildungen) ein Praktikum im Pflegebereich gemacht. Im Zusammenhang mit dem
Entzug im _ 2012 (mit schliesslich vierzehn Monaten Dauer) habe sie sich von einem
drogenabhängigen Freund getrennt, worauf eine gesundheitliche Besserung
eingetreten sei. Die Versicherte sei vielseitig und tüchtig und sei bei den von ihr
beruflich gepflegten Personen stets beliebt gewesen. An einer Stelle mit mehr als
einem Pensum von 50 % fühle sie sich überfordert. Bei Stress komme es vermehrt zu
körperlichen Symptomen (Zysten, Ekzemen, Infekten, Ungeduld bis zu Wut,
Impulsivität).
A.e.
Der RAD erachtete die Versicherte am 27. Mai 2016 (vgl. IV-act. 38) als vollzeitlich
arbeitsfähig, wobei die Leistungsfähigkeit noch unklar sei. Die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen sah in einem
Eingliederungsplan Arbeitsvermittlung vom 14. Juni 2016 (IV-act. 41; die bisherige
Arbeitsstelle war "per November 2015" gekündigt worden, IV-act. 25) eine
Unterstützung der Versicherten bei der Stellensuche für sechs Monate vor (vgl. auch
Mitteilung vom 14. Juni 2016, IV-act. 42).
A.f.
Am 26. Juli 2016 (IV-act. 44) bescheinigte die Psychiatrische Klinik D._, dass die
Versicherte am 21. Juli 2016 zur stationären Behandlung eingetreten sei.
A.g.
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Am 12. Februar 2016 (IV-act. 34) war unter der Leitung des Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) eine IIZ-Wiedereingliederungsstrategie gefasst
worden. Am 8. August 2016 (IV-act. 48) wurde über ein Einsatzprogramm vom _. April
bis _. August 2016 berichtet, die Arbeitshaltung der Versicherten (u.a. Zuverlässigkeit,
Durchhaltevermögen, Einsatzbereitschaft) habe den Anforderungen entsprochen. Unter
den Anforderungen habe sie hinsichtlich der Belastbarkeit und hinsichtlich der Ziele der
Stabilisierung und der Arbeitsfähigkeit (Start mit 50 %, Steigerung bis knapp 80 %,
dann wieder Reduktion auf 70 %, dann sei Stabilisierung erfolgt) gelegen. Es frage
sich, ob eine geringe Selbstwahrnehmung und allenfalls eine kognitive Einschränkung
(Lernbehinderung) vorlägen. Eine Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt sei wegen des
instabilen Verhaltens der Versicherten mit Skepsis zu betrachten. - Die IV-
Eingliederungsverantwortliche gab am 21. Dezember 2016 (IV-act. 60-14) bekannt, es
seien Probearbeitstage und ein anschliessender Arbeitsversuch mit einem Pflegeheim
vereinbart worden, doch habe die Versicherte bereits am dritten Probearbeitstag einen
Zusammenbruch erlitten.
A.h.
In einem IV-Arztbericht vom 11. Januar 2017 (IV-act. 63-1 bis 5) gab die
Psychiatrische Klinik D._ bekannt, die Versicherte sei bis zum 26. Oktober 2016
hospitalisiert gewesen. Es lägen bei ihr Einschränkungen der körperlichen Belastbarkeit
durch Asthma bronchiale (Atemnot bei hoher körperlicher Belastung), eine reduzierte
Auffassungsgabe und eine Konzentrationsstörung mit (auf maximal zwei Stunden)
verkürzter Aufmerksamkeitsspanne sowie eine Einschränkung der geistigen Flexibilität
vor. Die bisherige und eine angepasste Tätigkeit (keine schweren Lasten, angepasstes
Arbeitstempo) seien halbtags zumutbar. Mit einer Wiederaufnahme in diesem Umfang
sei ca. im Februar/März 2017 zu rechnen. - Gemäss Beilagen hatte die Klinik am
8. November 2016 (IV-act. 63-6 ff.) Dr. C._ mitgeteilt, die Versicherte habe die
Probewoche gestoppt, weil ein Pensum von 70 % erwartet worden sei, und sie sei am
21. Juli 2016 wegen Überforderung durch Selbstzuweisung zur Krisenintervention
eingetreten, und zwar wegen angegebener Suizidalität zunächst auf die Akutstation.
Dann sei sie auf die Suchttherapiestation über- und am 26. Oktober 2016 ausgetreten
(danach tagesklinische Behandlung). - In einem ebenfalls beigelegten älteren Bericht
vom 13. März 2013 (IV-act. 63-15 ff.) über eine testpsychologische Untersuchung
(zahlreiche Tests) in der Psychiatrischen Klinik D._ war unter anderem festgehalten
A.i.
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worden, es habe bei der Versicherten im SKID-II-Fragebogen Hinweise auf eine
Borderline-Persönlichkeitsstörung gegeben, doch seien die Kriterien bezüglich ihrer
Aussagen im Interview nicht genügend erfüllt.
Der RAD nahm am 17. Januar 2017 (IV-act. 65) ab sofort eine Arbeitsfähigkeit der
Versicherten von 50 % an. Am 9. März 2017 (IV-act. 68) wurde ein Eingliederungsplan
für eine Integrationsmassnahme erstellt, worauf die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
des Kantons St. Gallen der Versicherten am 13. März 2017 (IV-act. 72) ein
Aufbautraining in einer Institution (G._) während der Zeit vom 13. März bis 2. Juni
2017 zusprach. Die Institution hielt am 2. Mai 2017 (IV-act. 79) fest, die Versicherte
habe eine gute Selbstreflexion, sehr gute Schlüsselqualifikationen und eine schnelle
und selbständige Arbeitsweise. In der Folge wurde, da die Ziele mehrheitlich erreicht
worden seien, eine Verlängerung der Massnahme für die Zeit vom 3. Juni 2017 bis
31. August 2017 vorgesehen und angeordnet (vgl. IV-act. 82; Mitteilung vom 22. Mai
2017, IV-act. 85). Am 24. Mai 2017 (IV-act. 86) wurde aus dem Verlauf berichtet, es
seien bei der Versicherten weiterhin erneut Abszesse aufgetreten. Die Vorstellung eines
Einstiegs in den ersten Arbeitsmarkt bereite der Versicherten Angst. Am 10. Juli 2017
(IV-act. 96) wurde berichtet, die Versicherte werde sich im September verheiraten und
in einen anderen Wohnkanton übersiedeln. Im Schlussbericht über das Aufbautraining
vom 13. September 2017 (IV-act. 100) erklärte die betreffende Institution, es seien
immer wieder Abszesse und damit verbundene Krankheitsausfälle aufgetreten. Die
Versicherte sei in diversen Qualitäten sehr gut gewesen (z.B. Ordnung am Arbeitsplatz,
Flexibilität, Zuverlässigkeit, Umgangsformen, Integration im Team und Verhalten
gegenüber Vorgesetzten). Lediglich genügend seien ihre Leistungsbereitschaft, das
Durchhaltevermögen, der Umgang mit der Beeinträchtigung, die Selbsteinschätzung
und das Selbstvertrauen gewesen. Sie habe Begleitung gebraucht, um sich selber nicht
zu überfordern. Arbeitshaltung und Motivation seien stets einwandfrei gewesen. Dies
und die Bereitschaft, Neues zu lernen, zeichneten sie aus. Die Anforderungen einer
potenziellen Stelle im ersten Arbeitsmarkt würden sich in hohem Mass gegen die bei ihr
nötige gesundheitliche Prävention richten. Die Versicherte bedürfe der Unterstützung,
weshalb ein geschützter Arbeitsplatz für sie passend sei.
A.j.
Dr. C._ gab am 15. November 2017 (IV-act. 110) bekannt, aus somatischer Sicht
sei die Versicherte zurzeit voll arbeitsfähig. Aufgrund der Adipositas und der möglichen
A.k.
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Asthmaexazerbation seien körperlich belastende Tätigkeiten nicht geeignet. Bei
Arbeiten im Lebensmittelbereich müsste zudem der Abszessneigung Rechnung
getragen werden. - In einem IV-Arztbericht vom 7. Januar 2018 (IV-act. 124) erklärte PD
Dr. med. H._, Facharzt Dermatologie und Venerologie, aus dermatologischer Sicht
sei die Versicherte nicht arbeitsunfähig.
Am 2. Juli 2018 (IV-act. 138) wurde das in der Folge in Auftrag gegebene
interdisziplinäre Gutachten der Neurologie Toggenburg AG erstattet (Begutachtungen
am 19. Juni 2018). Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde darin
eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus bezeichnet.
Daneben lägen möglicherweise ein ADHS, ausserdem unter anderem eine Störung
durch Cannabinoide (Abhängigkeitssyndrom mit gegenwärtigem Substanzgebrauch),
eine milde bis moderate Acne inversa bei Adipositas und Nikotinabusus, eine Rosacea
I-II, eine leichte asthmoide Bronchitis, ein Zustand nach Lungenembolie 2013, aktuell
eine Kopfschmerzproblematik und Hohlfüsse beidseits vor. Es liege keine wesentliche
Suchtproblematik mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor; der wieder
aufgenommene Gebrauch von Marihuana sei jedoch problematisch. Die psychiatrische
Hauptdiagnose mit schwankender Emotionalität, schwankendem Selbstbild,
Impulsivität und selbstschädigenden Verhaltensweisen beeinträchtige die mentale und
psychische Stabilität, die für die Ausführung der meisten beruflichen Tätigkeiten in
einem Anstellungsverhältnis erforderlich sei, erheblich. Abgesehen von diversen
genannten Phasen voller Arbeitsunfähigkeit (bei Hospitalisationen) sei die Versicherte in
der bisherigen Tätigkeit (nach der IV-Anmeldung) seit 26. Oktober 2016 bzw. seit
17. Januar 2017 zu 70 % arbeitsfähig. Einer besonderen Anpassung der Tätigkeit
bedürfe sie nicht. Sie sei in der Lage, im Bereich der Pflege zu arbeiten, sei jedoch von
administrativen und organisatorischen Aufgaben so weit möglich zu entlasten. Eine
höhere Arbeitsfähigkeit sei nicht zu erwarten. Die psychiatrischen Einschränkungen
bestünden mindestens seit dem Erwachsenenalter (in dem regelmässig eine
Erwerbstätigkeit aufgenommen werde). Bei Stress könne es zu Exazerbationen mit
kurzen Krankheitsabsenzen kommen. Sei die Versicherte gleichzeitig im Haushalt
beansprucht, sei eine Tätigkeit an 5.5 Stunden (sc. pro Tag) zumutbar. Die Versicherte
habe inzwischen gelernt, wie sie der Verhaltensstörung mit alternativen
Verhaltensweisen entgegenwirken könne. Zurzeit bestünden gewisse psychosoziale
A.l.
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Belastungen durch die Ehe mit einem an _ erkrankten Ehemann. Ausserdem fehle
wohl eine wirksame Unterstützung durch ein intaktes familiäres Umfeld. Aus
dermatologischer Sicht seien ferner die Behandlungsressourcen nicht ausgeschöpft
(allerdings ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit). - Der RAD befürwortete am 17. Juli
2018 (IV-act. 139), auf das Gutachten abzustellen.
In einem Strategie-Protokoll wurde am 19. Juli 2018 (IV-act. 140) darauf
hingewiesen, dass die Versicherte gemäss dem Gutachten seit Februar 2018 in einem
Pensum von 50 % bei einer I._ arbeite. - Am 26. Juli 2018 (IV-act. 142) teilte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen der Versicherten mit,
berufliche Massnahmen würden aus diesem Grund nicht (mehr) gewährt.
A.m.
Mit Vorbescheid vom 24. August 2018 (IV-act. 145) wies die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle die Versicherte darauf hin, dass eine Abweisung
ihres Gesuchs vom 27. April 2015 vorgesehen sei. Der Invaliditätsgrad betrage, bei
gemischter Methode mit einer Aufteilung in 80 % Erwerbstätigkeit und 20 %
Haushalttätigkeit bemessen, 24 %. Im Erwerbsbereich betrage der Teilinvaliditätsgrad
30 % (Valideneinkommen Fr. 52'392.--, Invalideneinkommen Fr. 36'674.--), im
Haushaltbereich bestehe keine Einschränkung. - Gegen diesen Vorbescheid erhob die
Versicherte unter Mitwirkung der pro infirmis am 3. September 2018 (IV-act. 146,
vorsorglich) Einwand. Am 26. September 2018 (IV-act. 153) wurde beantragt, der
Versicherten eine halbe Rente zuzusprechen. Bei voller Gesundheit wäre sie in einem
Pensum von 100 % erwerbstätig. Das habe sich bei den innegehabten Stellen nicht
ergeben, so dass sie nur Pensen von höchstens 80 % ausgefüllt habe. Die gewährten
Arbeitsmassnahmen hätten jeweils abgebrochen werden müssen, wenn sie das
Pensum über 50 % hinaus habe erhöhen müssen. Wie im Gutachten festgestellt, träten
die Abszesse aus Stresssituationen heraus auf. Je nach betroffener Körperstelle werde
dadurch die Arbeitsfähigkeit massiv eingeschränkt. Die Versicherte könne ein höheres
Pensum nicht leisten und ein hohes Pensum längerfristig nicht beibehalten. Denn
gemäss dem Gutachten sei sie bei einer Arbeitsfähigkeit (bzw. Arbeitstätigkeit) von
70 % (sc. nur) deshalb voll leistungsfähig, weil sie ihre Ressourcen nicht einschätzen
könne und eine Perfektionistin sei. Zurzeit arbeite die Versicherte in einem Pensum von
50 % bei einem Lohn von Fr. 22'538.-- pro Jahr. Das sei das Einkommen, das sie auch
mit ihrer gesundheitlichen Einschränkung erzielen könne.
A.n.
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B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt MLaw Michael Keiser für die
Betroffene am 16. November 2018 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin minimal eine halbe
Rente zuzusprechen, ausserdem seien ein psychiatrisches und ein
neuropsychologisches Gerichtsgutachten einzuholen. Eventualiter sei die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ein neues versicherungsexternes psychiatrisches
Gutachten und ein neuropsychologisches Gutachten einzuholen. Der
Beschwerdeführerin sei zudem die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Sie sei
in der Kindheit stark traumatisiert worden. Seit dem 15. Altersjahr leide sie an
Abszessen am ganzen Körper, die immer wieder in Spitälern hätten behandelt werden
müssen. Das Arbeitsleben sei von Unterbrüchen und Schwierigkeiten geprägt
gewesen. Ab 2013 seien verschiedene stationäre psychiatrische Behandlungen erfolgt.
Trotz verschiedentlich bescheinigter positiver Arbeitshaltung sei eine Erwerbstätigkeit
von mehr als 50 % nie mehr möglich gewesen. Die Beschwerdeführerin sei im Erwerb
nicht lediglich zu 30 % eingeschränkt. Gemäss dem psychiatrischen Teilgutachten sei
in den Arbeitgeber- und in den medizinischen Berichten wiederholt auf
Konzentrationsstörungen, schlechtes Auffassungsvermögen, Einschränkung der
geistigen Flexibilität, zeitliche Beschränkung der Konzentrationsfähigkeit, den Bedarf
an häufigen Pausen und die Beschränkung der Aufmerksamkeitsspanne auf zwei
Stunden hingewiesen worden. Bei so deutlichen Hinweisen auf kognitive Defizite wäre
eine neuropsychologische Untersuchung zwingend nötig gewesen. Dem Gutachten
komme nur eingeschränkter Beweiswert zu. Die Tragik und Problematik der Situation
der Beschwerdeführerin sei dort zwar erfasst, aber es sei nicht im Ansatz begründet
worden, inwiefern ihr eine Erwerbsfähigkeit von 70 % möglich sein sollte. Bei der
Mit Verfügung vom 16. Oktober 2018 (IV-act. 154) wies die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen - dem Vorbescheid
entsprechend - einen Rentenanspruch der Versicherten ab. Seit 2013 sei die
Versicherte in einem 80 %-Pensum angestellt gewesen, weshalb davon auszugehen
sei, dass sie dort bei voller Gesundheit verblieben wäre. Das dermatologische Leiden
führe punktuell/tageweise, aber nicht dauerhaft zu einer vollen Arbeitsunfähigkeit. Die
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei gutachterlich mit 30 % beurteilt worden. Da sich
die Arbeitsfähigkeit auf die angestammte und eine adaptierte Tätigkeit beziehe, sei am
zumutbaren Invalideneinkommen von Fr. 36'674.-- festzuhalten.
A.o.
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Begutachtung sei davon ausgegangen worden, dass sie die Tätigkeit bei der I._,
welche sie seit ca. Februar 2018 erledige, zu 50 % auszuüben vermöge. Das habe sich
jedoch als unzutreffend erwiesen. Diese Anstellung sei nur deshalb zustande
gekommen, weil die Vorgesetzte die Beschwerdeführerin von früher gekannt habe und
ihr eine Chance habe geben wollen. Obwohl die Beschwerdeführerin die Zeit zudem
selbst einteilen und optimal leidensangepasst arbeiten könne, könne sie das Pensum -
angesichts fehlender Belastbarkeit, regelmässiger krankheitsbedingter Ausfälle,
Adipositas und Abszessen am ganzen Körper - nicht bewältigen, sondern werde
eigentlich aus Goodwill beschäftigt. Die Beschwerdeführerin sei sich auch bewusst,
dass sie den Anforderungen nicht gerecht werde, und das sei für sie eine zusätzliche
Belastung. Im Oktober 2018 habe sie eine Stress-Kardiomyopathie erlitten und werde
zurzeit in der Klinik J._ behandelt. Anschliessend an diese Rehabilitation sei wegen
der dauernden Angst und der Panikattacken eine psychiatrische Behandlung
vorgesehen. Die Akten zeigten schlüssig, dass nur ein Pensum von weniger als 50 %
zumutbar sei. Die Beschwerdegegnerin habe ja auch versucht, die Beschwerdeführerin
in den Arbeitsmarkt einzugliedern, doch habe sich dabei ergeben, dass sie kaum eine
verwertbare Arbeitsfähigkeit aufweisen werde. Des Weiteren sei jedenfalls auch das
Invalideneinkommen zu korrigieren. Mit der erwähnten tatsächlichen Anstellung seit ca.
Februar 2018 erziele die Beschwerdeführerin ein Jahreseinkommen von ca.
Fr. 22'538.--. Selbst wenn dieser Betrag auf 70 % aufzurechnen wäre, ergäbe sich
noch ein deutlich tieferes Einkommen, als es von der Beschwerdegegnerin als
Invalideneinkommen angerechnet worden sei. Sollte an der Anrechnung eines
hypothetischen Einkommens festgehalten werden, wäre zwingend der maximale
leidensbedingte Abzug vorzunehmen. Betreffend den Status habe der
Beschwerdeführerin an der letzten Arbeitsstelle kein volles Pensum angeboten werden
können. Ausserdem habe sie bereits 2013 gesundheitliche Beeinträchtigungen
aufgewiesen. Ihr Ehemann leide an _ Spastik, sei verlangsamt und habe
_störungen. Er lebe von einer kleinen Rente und sei noch zu 40 % in einer
Einrichtung für _ tätig. Der Familie fehle es somit an finanziellen Mitteln. Es sei nicht
anzunehmen, dass eine gesunde junge Frau unter diesen Umständen im Tieflohnsektor
nur Teilzeit arbeiten würde. Dass im Haushalt unter zumutbarer Mitwirkung des
Ehemannes keine Einschränkung der Beschwerdeführerin in der Arbeitsfähigkeit
ausgewiesen sein solle, sei schliesslich unhaltbar, da doch rätselhaft sei, wie er die
schwereren Haushaltarbeiten sollte verrichten können. Die Abklärungspflicht sei
mehrfach verletzt. - Am 21. November 2018 reicht der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin ein Schreiben der Arbeitgeberin (I._) vom 19. November 2018
ein. Darin war berichtet worden, die Beschwerdeführerin sei sehr willig und fleissig und
habe alle ihr angebotenen Aufträge angenommen. Sie habe jedoch physische und
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psychische Schwierigkeiten und sei wenig belastbar. Sie falle immer wieder - auch
kurzfristig - krankheitsbedingt aus und sei seit Aufnahme der Arbeit Mitte Februar 2018
bereits 12 Wochen lang krankgeschrieben gewesen. Sie sei nicht in der Lage, mehr als
zwei Stunden durchgehend zu arbeiten. Maximal möglich sei ein Pensum von 40 bis
50 %. Um eine Weiterbeschäftigung zu gewährleisten, müsste ihr Pensum
herabgesetzt werden. - Am 14. Januar 2019 ist das Gesuch um unentgeltliche
Prozessführung zurückgezogen worden.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 21. Januar 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Aus dem IK-Auszug lasse sich ableiten, dass die
Beschwerdeführerin nie in einem vollen Pensum gearbeitet habe. Schon vor der Heirat
habe sie zu 80 % und zeitweise zu 60 % gearbeitet. Es sei überwiegend
wahrscheinlich, dass sie als Gesunde in diesem Pensum in der angestammten Tätigkeit
arbeiten würde. Im Haushalt tätige versicherte Personen hätten Verhaltensweisen zu
entwickeln, welche die Auswirkungen der Behinderung in diesem Bereich reduzierten
und eine möglichst vollständige und unabhängige Erledigung der Haushaltarbeiten
ermöglichten. Die Arbeit müsse in erster Linie eingeteilt werden und in üblichem
Umfang sei die Mithilfe von Familienangehörigen in Anspruch zu nehmen. Ein
invaliditätsbedingter Ausfall könne nur insoweit angenommen werden, als Arbeiten
durch Dritte gegen Entlöhnung oder durch Angehörige mit nachgewiesener
Erwerbseinbusse oder unter unverhältnismässiger Belastung verrichtet würden. Die zu
berücksichtigende Mithilfe von Familienangehörigen reiche dabei weiter als die im
Gesundheitsfall üblicherweise zu erwartende Unterstützung. Die Beschwerdeführerin
sei aus medizinischer Sicht bei den Haushalttätigkeiten nicht eingeschränkt. Erst eine
Einschränkung von mehr als 80 % wäre zudem rententangierend. Mit der Einholung
des MEDAS-Gutachtens sei sie (die Beschwerdegegnerin) ihrer Abklärungspflicht
nachgekommen. Die RAD-Ärztin und die Gutachter hätten den Einbezug des Zweigs
der Neuropsychologie nicht für notwendig gehalten. Die entsprechenden
Untersuchungsergebnisse seien ohnehin nur insoweit relevant, als sie sich in das
Gesamtergebnis der medizinischen Sachverhaltsabklärung schlüssig einfügten. Es
ergäben sich aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür, dass weitere Abklärungen nötig
wären. Der Einkommensvergleich sei anhand des zuletzt erzielten Erwerbseinkommens
vorgenommen worden. Ein Abzug erübrige sich, da kein statistischer Tabellenlohn
eingesetzt worden sei. Die psychiatrischen Beeinträchtigungen seien zudem bereits bei
der Schätzung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt worden. Mangels Vorliegens von
medizinischen Berichten zur vorgebrachten Verschlechterung des
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin vom Oktober 2018 könne dazu keine
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Stellung genommen werden. Wäre die Verschlechterung erst nach Erlass der
angefochtenen Verfügung eingetreten, obläge es der Beschwerdeführerin, eine
Wiederanmeldung einzureichen.
D.
Mit Replik vom 21. März 2019 hält der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin fest, ihr
sei ein Pensum von höchstens ca. 40 % zumutbar, und zwar nur in einer angepassten
bzw. geschützten Umgebung. Im beigelegten Verlaufsbericht der teilstationären
Behandlung in der Tagesklinik eines Psychiatriezentrums vom 15. Februar 2019 werde
ausgeführt, dass die Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin schon seit langer Zeit
bestünden bzw. sich nicht vollständig zurückbilden würden. Eine Teilarbeitsfähigkeit in
einer angepassten Tätigkeit wäre möglich. Eine Wiederaufnahme der Arbeit mache
höchstens unter der Voraussetzung sorgfältiger Beobachtung (sc. der Situation der
Beschwerdeführerin) und bei klar aufgegleistem Prozedere an einem angepassten
Arbeitsplatz Sinn. Es liege eine komplexe somatische und psychiatrische Problematik
vor, die nicht genügend abgeklärt sei. Alles deute darauf hin, dass eine Beschäftigung
nur noch im geschützten Rahmen möglich sei. Eine ergänzende medizinische
Abklärung sei zwingend nötig. - Im erwähnten Bericht vom 15. Februar 2019
(act. G 12.1) hatte das Psychiatriezentrum K._ der Klinik für Psychiatrie und
Psychotherapie der Spitäler L._ (fortan: Psychiatriezentrum) über die seit 14. Januar
2019 erfolgende teilstationäre Behandlung der Beschwerdeführerin in der Tagesklinik
bekanntgegeben, es lägen bei ihr eine Anpassungsstörung mit Angst und Depression
und psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom, vor,
daneben anamnestisch eine hyperkinetische Störung, nicht näher bezeichnet (mit
stressinduzierter körperlicher Reaktion), und psychische und Verhaltensstörungen
durch Cannabis, Abhängigkeitssyndrom. Somatisch gesehen bestünden diverse
genannte Diagnosen. Die Zuweisung der Beschwerdeführerin sei durch die Kardiologie
der Klinik J._ erfolgt. Die Beschwerdeführerin habe erklärt, aufgrund der somatischen
Erkrankung eine starke körperliche und psychische Schwächung und eine
grundlegende Destabilisierung erlitten zu haben. Es hätten sich im Behandlungsverlauf
wiederholt merkliche Schwierigkeiten gezeigt. - Die Klinik J._ AG hatte in einem
definitiven Austrittsbericht vom 28. November 2018 (act. G 12.4) erklärt, die
Beschwerdeführerin habe sich vom 8. November 2018 bis 29. November 2018 (Phase
unter Einschluss intermittierender Hospitalisation im Spital M._ vom 13. bis
15. November 2018, vgl. act. G 12.3) zur stationären kardiologischen Rehabilitation in
der Klinik aufgehalten. Kardiologisch betrachtet liege ein Tako-Tsubo-Syndrom Typ II
(atypisch, midventrikuläre Hypokinesie) vor (a.e. [am ehesten] bei psychosozialer
Belastungssituation und 26.10.2018 TTE: linker Ventrikel nicht dilatiert, LV-EF 55 %).
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Die Koronargefässe seien koronarangiografisch am 26.10.2018 unauffällig gewesen.
Nicht-kardiologisch hätten ein V.a. dyspeptische Beschwerden i.R. NSAR-Einnahme,
ein Asthma bronchiale unter Symbicort bei Bedarf, ein ADHS unter Focalin, 2012 eine
TVT [tiefe Venenthrombose] und Lungenembolie und ein St. n. Cholezystektomie vor
ca. 6 Jahren vorgelegen. Im Verlauf sei ein Abszess im Subcutangewebe der
Bauchdecke links kaudal aufgetreten, am 13. November 2018 sei im Spital M._ eine
Abszess-Exzision (primärer Wundverschluss und Einlage Easyflow-Drainage) erfolgt.
Die Beschwerdeführerin habe auch eine integrative psychotherapeutische Begleitung
mit Fokus Stressmanagement bekommen. Sie habe auch den Cannabiskonsum
sistieren und andere Bewältigungsformen kennenlernen wollen. Ihr Wunsch nach
weiterer psychologischer/psychiatrischer Hilfe werde unterstützt und es sei eine
Aufnahme in eine Tagesklinik in die Wege geleitet worden. Bei der Tätigkeit für die I._
fühle sich die Beschwerdeführerin überfordert. Internistisch/kardiologisch gesehen
wäre ihr eine leichte bis mittelschwere körperliche Tätigkeit zumutbar. Es werde eine
psychiatrische Stellungnahme empfohlen. - Das Departement für Chirurgie am Spital
M._ hatte am 14. November 2018 in einem Austrittsbericht über die Hospitalisation
vom 13. bis 15. November 2018 erklärt, die Beschwerdeführerin sei notfallmässig
zugewiesen und am 13. November 2018 komplikationslos operiert worden.
E.
Die Beschwerdegegnerin bringt am 2. April 2019 vor, die mit der Replik eingereichten
medizinischen Unterlagen beträfen die Zeit nach Erlass der angefochtenen Verfügung.
F.
Mit Eingabe vom 28. November 2019 legt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
einen Verlaufsbericht des Psychiatriezentrums vom 27. November 2019 ein. Es werde
dort erneut auf die starken kognitiven Einschränkungen der Beschwerdeführerin
hingewiesen, die sogar für einfachere Angelegenheiten der Unterstützung des
Sozialdienstes des Psychiatriezentrums bedürfe. Diesbezüglich hätten bereits als Kind
Auffälligkeiten bestanden. Erst allmählich werde zudem das ganze Ausmass des
Missbrauchs und der traumatischen Erlebnisse in der Kindheit, die bisher nur
andeutungsweise zur Sprache gekommen seien, sichtbar und es zeige sich, dass die
psychischen Störungen der Beschwerdeführerin tiefgreifender seien, als bis anhin
vermutet worden sei. Der Bericht sei im Beschwerdeverfahren beachtlich, weil die
Ursache der psychischen Erkrankung weit vor Verfügungserlass liege. - Im genannten
Schreiben vom 27. November 2019 (act. G 16.1) war über den Verlauf der Behandlung
im psychiatrischen Ambulatorium der Klinik seit dem 3. Mai 2019 - im Anschluss an die
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tagesklinische Behandlung vom 14. Januar 2019 bis 26. April 2019 - berichtet worden.
Es lägen bei der Beschwerdeführerin eine einfache Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung, eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
impulsiven Typus und ein sexueller Missbrauch in der frühen Jugend vor. Nebst den
wöchentlichen psychotherapeutischen Sitzungen und der ambulanten Ergotherapie
hätten in der Anfangsphase wöchentliche Termine im Sozialdienst stattgefunden, seit
ca. Ende Juli 2019 dann zweiwöchentliche solche zusammen mit ihrem Ehemann. Zu
Beginn hätten die schwierige finanzielle Situation und die damit verbundenen Umtriebe
dominiert (Anmeldung bei der Arbeitslosenhilfe, RAV-Termine usw.). Die Einbussen
beim Einkommen des Paares hätten die Beschwerdeführerin an die Grenzen gebracht.
Einen weiteren gravierenden Stressfaktor stelle das instabile somatische und
psychische Befinden des Ehemannes dar (_ schwer gehbehindert, wiederkehrende
Stürze). Die Beschwerdeführerin habe, um ihn zu schonen, im Haushalt alle Arbeiten
übernommen. Die eigenen und die Termine des Ehemannes (Begleitung zu fast allen
Arztterminen) wahrzunehmen, überfordere sie, obwohl sie arbeitslos sei. Die
Beschwerdeführerin sorge sich um ihre alkoholkranke Mutter und habe von einer
Depression im Alter von ca. zehn oder elf Jahren (mit Mobbing, Wiederholung und
Ausfall in der Schule und Wechsel in eine Sonderklasse) und von Missbrauch berichtet.
Die Störungen seien tiefgreifender, als es sich im geschützten Rahmen der Tagesklinik
gezeigt habe. Selbst unter Dauermedikation mit Focalin gelinge der
Beschwerdeführerin die Beherrschung ihrer hyperkinetischen Antriebe und ihrer
impulsiven Überreaktionen nur partiell. Die damaligen Diagnosen hätten aufgrund
dieser Beobachtungen modifiziert werden müssen.
G.
Am 4. Februar 2020 reicht der Rechtsvertreter ein E-Mail des Psychiatriezentrums vom
30. Januar 2020 nach. Danach sei die Beschwerdeführerin beim RAV immer noch mit
einer Arbeitsfähigkeit von 20 % gemeldet. Der RAV-Berater habe für die Stellensuche
einen Job-Coach beigezogen. Das Ansinnen sei jedoch gescheitert und das Coaching
habe eingestellt werden müssen. Die Beschwerdeführerin habe sich unter Druck
gesetzt gefühlt und habe wieder mehrere Acneausbrüche erlitten. Die
Beschwerdeführerin werde in eine Institution zur Arbeit gehen können und werde dort
bei der Stellensuche unterstützt. - Die Beschwerdegegnerin hat am 17. Februar 2020
an ihrem Antrag festgehalten.
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Erwägungen
1.
Im Streit liegt die Verfügung vom 16. Oktober 2018, mit welcher die
Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin abgewiesen hat.
Die Beschwerdeführerin ihrerseits beantragt einzig Rentenleistungen. Berufliche
Massnahmen waren am 26. Juli 2018 nicht mehr weiter gewährt worden.
2.
Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente. - Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG, vgl. schon
BGE 102 V 165). - Sämtliche psychischen Erkrankungen sind nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1 f.) grundsätzlich (bei
Ausnahmen nach dem jeweiligen Beweisbedarf) einem strukturierten Beweisverfahren
nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. Für die Beurteilung des funktionellen
Leistungsvermögens sind danach in der Regel diverse Standardindikatoren beachtlich,
die in zwei Kategorien systematisiert werden, nämlich einerseits in der Kategorie des
funktionellen Schweregrads und anderseits in jener der Konsistenz.
2.1.
Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen und von teilerwerbstätigen
versicherten Personen (für diesen erwerblichen Teil) ist gemäss Art. 28a Abs. 1 und 3
IVG Art. 16 ATSG anwendbar. Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrads
das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). - Waren versicherte Personen daneben im Aufgabenbereich tätig,
wird die Invalidität für diesen Teil nach Art. 28a Abs. 2 - d.h. nach dem Mass der
Unfähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen - festgelegt (vgl. Art. 28a Abs. 3
IVG).
2.2.
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3.
Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen,
erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen
sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG)
sind (lit. c). Nach Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach
Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach
Art. 29 Abs. 1 ATSG. Die Schaffung dieser Bestimmung hat keine Veränderung des
(nämlich in Art. 4 IVG und Art. 28 IVG geregelten) Zeitpunkts des Eintritts des
Versicherungsfalls mit sich gebracht (vgl. Bundesgerichtsentscheid vom 14. Dezember
2015, 9C_655/2015 E. 4; Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 2. Mai 2016, IV 2013/641 E. 1.1).
2.3.
Die Beschwerdegegnerin hat die Invalidität der Beschwerdeführerin nach der
gemischten Methode mit einer Aufteilung in 80 % Erwerbstätigkeits- und 20 %
Haushalttätigkeitsbereich vorgenommen und ist von einer Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin im Erwerb von 30 % (im Haushaltbereich von null) ausgegangen.
3.1.
Nach der medizinischen Aktenlage ist davon auszugehen, dass das gutachterlich
bestätigte, die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin tangierende Hauptleiden einer
emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus (IV-act. 138-4)
schon seit der Adoleszenz (vgl. IV-act. 138-59, auch IV-Arztbericht der Psychiatrischen
Klinik D._ vom 14. Juli 2015, IV-act. 21, dort allerdings Persönlichkeitsstörung vom
impulsiven Typ) bzw. seit mindestens dem Erwachsenenalter, also dem Zeitpunkt
bestand, in dem die Persönlichkeitsentwicklung in der Regel abgeschlossen ist und
eine Erwerbstätigkeit aufgenommen wird (vgl. IV-act. 138-6; zum Gutachten im
Einzelnen vgl. unten E. 4). Seit dem 15. Lebensjahr zeigte sie auch ein Suchtverhalten
(ein ADHS dagegen ist gemäss Gutachten nur möglicherweise vorhanden, vgl. IV-
act. 138-59 f.) und es traten damals Abszesse auf (vgl. IV-act. 138-18; vgl. IV-
act. 138-54; bei IV-act. 138-39 und -36 aber "vor ca. 15 Jahren"). Gemäss Angabe im
Gutachten ist auch retrospektiv im Zeitverlauf eine Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin von 30 % (nebst intermittierend auch einer vollen
Arbeitsunfähigkeit) anzunehmen (vgl. IV-act. 138-65; in der interdisziplinären
Gesamtbeurteilung wurden diverse Phasen voller Arbeitsunfähigkeit ab 7. Februar 2013
erwähnt und wurde retrospektiv die Arbeitsfähigkeit von 70 % - allerdings nur -
bezogen auf die Zeit nach der IV-Anmeldung vom April 2015 ab der Entlassung aus der
Klinik am 26. Oktober 2016 bzw. dem Datum der Arbeitsfähigkeit von 50 % gemäss
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/28
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Beschwerdegegnerin, nämlich dem 17. Januar 2017, angegeben). Unter diesen
Umständen rechtfertigt sich die Annahme, dass die Gesundheitsbeeinträchtigung
bereits die frühere Erwerbsbiographie der Beschwerdeführerin beeinflusste, so dass
sich daraus eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte, im
Gesundheitsfall ausgeübte Tätigkeit nicht ablesen lässt.
Für die Methodenwahl ergibt sich hieraus, dass sich aus dem Umfang der
tatsächlich ausgeübten Pensen keine Rückschlüsse auf das im Gesundheitsfall
wahrscheinlich bestehende Ausmass der Erwerbstätigkeit ziehen lassen. Bei dieser
Sachlage sind namentlich die Angaben der Beschwerdeführerin selbst von Bedeutung.
Sie hält dafür, sie wäre im hypothetischen Fall vollzeitlich erwerbstätig. Das erscheint
angesichts der Begründung und der gesamten Aktenlage auch nachvollziehbar und
überwiegend wahrscheinlich. Am 20. März 2015 hatte sie im Übrigen - bereits im IV-
Verfahren stehend - angegeben, ihr Wunschpensum läge bei 80 %, eventuell bei
100 %, je nach Tätigkeit. Die Gutachter hielten ausserdem fest, die Reduktion des
Arbeitspensums vor der IV-Anmeldung sei gesundheitsbedingt erfolgt. Die
Beschwerdeführerin sei stets arbeitswillig gewesen (vgl. IV-act. 138-6). Im September
2017 hat sie sich verheiratet. Ihr Ehemann ist nach Angaben des Psychiatriezentrums
schwer gehbehindert. Auf die Annahme, dass sie als Gesunde nach der Verheiratung
nur noch eine teilzeitliche Arbeit ausüben würde, deutet nichts Massgebliches hin,
zumal einer allenfalls erforderlichen Rücksichtnahme auf den Ehemann und einer
Unterstützung gewissen Ausmasses im hypothetischen Fall ihrer Gesundheit auch bei
vollzeitlicher Erwerbstätigkeit nichts im Weg stünde. Die Invaliditätsbemessung der
Beschwerdeführerin ist demnach nach der Methode für Vollerwerbstätige
vorzunehmen.
3.3.
Für die Bestimmung des Valideneinkommens ist angesichts des erwähnten
Umstands des Vorliegens der gesundheitlichen Beeinträchtigung seit der Adoleszenz
anzunehmen, dass (ebenfalls) nicht auf die tatsächlichen Verhältnisse - hier also nicht
auf die erzielten Einkommen - abgestellt werden kann, sondern dass die auf
statistischen Grundlagen basierenden Einkommen gemäss Art. 26 Abs. 1 IVV
massgeblich sind. Nach dieser Bestimmung entspricht das Erwerbseinkommen, das
eine versicherte Person, die wegen der Invalidität keine zureichenden beruflichen
Kenntnisse erwerben konnte, als Nichtinvalide erzielen könnte, den nach Alter
abgestuften Prozentsätzen des jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (gemäss Tabelle). In den
Anwendungsbereich dieser Bestimmung fallen rechtsprechungsgemäss all jene
Personen, die wegen ihrer Invalidität überhaupt keine Berufsausbildung absolvieren
3.4.
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4.
können, und jene, die zwar eine Berufsausbildung abschliessen konnten, zu deren
Beginn jedoch bereits invalid waren und die absolvierte Ausbildung wegen ihrer
Invalidität auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht in gleicher Weise "ummünzen"
können wie nichtbehinderte Personen mit derselben (ordentlichen) Ausbildung. Steht
dagegen fest, dass nicht invaliditätsbedingte Gründe, sondern z.B. solche familiärer
oder wirtschaftlicher Art den Erwerb genügender beruflicher Kenntnisse
verunmöglichten, liegt keine Geburts- oder Frühinvalidität vor (vgl.
Bundesgerichtsentscheid vom 11. April 2019, 9C_233/2018 E. 1.2). Von letztgenannten
Verhältnissen ist bei der Beschwerdeführerin, die nach der Realschule in der
Kleinklasse ein Haushaltlehrjahr absolviert, danach als Verkäuferin gearbeitet (vgl. IV-
act. 5-2) und (im Jahr 2000) einen viermonatigen Pflegehilfekurs absolviert hat,
insgesamt nicht auszugehen, obwohl sie bei einem Früherfassungsgespräch für das
Nichterlangen eines Abschlusses als Verkäuferin private Gründe (ohne Bezeichnung)
angegeben hat (vgl. a.a.O.) und allenfalls das Abhängigkeitssyndrom eine gewisse
Rolle gespielt haben könnte. Wie der RAD am 27. Mai 2015 festgehalten hat, erscheint
nämlich möglich - und nach gesamter Würdigung überwiegend wahrscheinlich -, dass
die Abhängigkeit lediglich als sekundäre Störung zu betrachten ist. Gemäss Art. 26
Abs. 1 IVV ergibt sich für 2014 (vgl. unten E. 5.6) ein Betrag von Fr. 77'000.-- (vgl.
Textausgabe Invalidenversicherung, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts,
Gesetze und Verordnungen, 2019, herausgegeben von der Informationsstelle AHV/IV,
S. 139, Fn zu Art. 26 Abs. 1 IVV).
Was den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
betrifft, erfolgte am 19. Juni 2018 eine polydisziplinäre Begutachtung.
4.1.
Allgemein-internistisch gesehen wurde gutachterlich festgehalten, diesbezüglich
lägen bei der Beschwerdeführerin keine Befunde vor, welche die Arbeitsfähigkeit
einschränkten (vgl. IV-act. 138-22 und -25). Mindestens das bisherige Pensum - es
wurde nicht prozentmässig bezeichnet - sei ihr zumutbar, medizinisch-theoretisch
internistisch ein volles Pensum (vgl. IV-act. 138-25). Der Gutachter erklärte aber, die
Beschwerdeführerin arbeite zurzeit im Stundenlohn (von Fr. _.--) sehr unregelmässig
(vgl. IV-act. 138-24); sie hatte angegeben, ohne Reisezeit manchmal Arbeitszeiten von
elf Stunden pro Tag zu haben, dann wieder einen Tag frei (vgl. IV-act. 138-20). - Die
Begutachtung in der genannten Disziplin erscheint vollständig.
4.1.1.
Dermatologisch betrachtet wurde im Gutachten berichtet, auch unter diesem
Aspekt liege keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor (die milde bis
4.1.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/28
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moderate Acne inversa gehöre nicht dazu). Zumutbar sei der Beschwerdeführerin
diesbezüglich die Leistung an einem vollen Arbeitstag. Aus dem Umstand, dass
zeitweilig eine geringfügige Einschränkung der Leistung durch kurzzeitige Schmerzen
im Bereich der wenigen Abszessknoten bei bestimmten Bewegungen oder bei
längerem Sitzen bestehe, könne keine dauernde Arbeitsunfähigkeit abgeleitet werden
(vgl. IV-act. 138-34 und -37). Es bestehe kein Unterschied zwischen bisheriger und
angepasster Tätigkeit. Eine besser angepasste Tätigkeit gebe es nicht (vgl. IV-
act. 138-38). Bei Exazerbationen der Acne inversa sei allenfalls tageweise von einer bis
zu 100-prozentigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (vgl. IV-act. 138-39). Die Erkrankung
der Beschwerdeführerin stelle in jeder Hinsicht eine Einschränkung im alltäglichen
Leben und im Berufsleben dar, allerdings abgestuft je nach Ausprägung und
Aktivitätsniveau (vgl. IV-act. 138-36 f.). - Auch diese Teilbegutachtung erscheint
vollständig; aufgrund der gutachterlichen Ausführungen ist allerdings nicht davon
auszugehen, dass sich das Leiden gar nicht auf die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin auswirkt.
Unter psychiatrischem Gesichtspunkt wurde im entsprechenden Teilgutachten
erklärt, inzwischen seien die Kriterien der Borderline-Persönlichkeitsstörung (im
Unterschied zum Interview gemäss den Angaben im Bericht über die
testpsychologische Untersuchung vom 13. März 2013) anamnestisch gut erfüllt (vgl. IV-
act. 138-60). Die Beschwerdeführerin sei psychiatrisch gesehen in der Lage, an fünf
Tagen pro Woche je 5.5 Stunden zu arbeiten (vgl. IV-act. 138-65). Sie erbringe während
dieses Zeitraums eine volle Leistung, weil sie mit einem hohen Anspruch an ihre
Arbeitsqualität und mit wenig Fähigkeiten zur Einteilung ihrer Ressourcen arbeite, und
sei somit zu 70 % arbeitsfähig. Eine besondere Anpassung der Tätigkeit sei nicht
erforderlich. Die Beschwerdeführerin vermöge im Bereich der Pflege zu arbeiten und
empfinde auch Freude an dieser Tätigkeit. In einer anderen Tätigkeit wäre keine höhere
Arbeitsfähigkeit zu erwarten (vgl. IV-act. 138-65). - Diese Teilbegutachtung erscheint
ebenfalls vollständig. Namentlich wurde die Reduktion der Arbeitsfähigkeit in
psychiatrischer Hinsicht mit den vorgefundenen Einschränkungen verschiedener Art
begründet. So war etwa die Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen
mittelgradig eingeschränkt, diejenige zur Planung und Strukturierung von Aufgaben
leicht, die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit leicht, phasenweise auch mittelgradig,
die mentale Durchhaltefähigkeit angesichts der Schwankungen leicht- bis mittelgradig
und die Gruppenfähigkeit insgesamt leicht (weil interaktionelle Schwierigkeiten in
Situationen, in denen sich die Beschwerdeführerin überfordert oder ungerecht
behandelt fühle, nicht auszuschliessen seien). Die Arbeits- und Leistungsfähigkeit sei
4.1.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/28
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psychiatrisch gesehen insgesamt eingeschränkt, weil die Beschwerdeführerin wegen
ihres überwiegend verminderten Selbstwertgefühls kompensatorisch zum
Perfektionismus neige und ihre Leistungsressourcen nicht ausreichend einteilen könne,
so dass sie häufig im Zustand innerer Anspannung und inneren Drucks und
empfundener Überforderung sei (vgl. IV-act. 138-64, vgl. auch IV-act. 138-63).
Insbesondere der Experte der Psychiatrie befasste sich auch mit dem Aspekt der
Konsistenz und hielt fest, die Beschwerdeführerin habe authentisch gewirkt und die
Fragen kooperativ beantwortet und sie sei bezüglich des Suchtmittelkonsums ehrlich
gewesen. Anhaltspunkte für ein demonstratives, aggravierendes oder simulierendes
Verhalten hätten sich nicht ergeben (vgl. IV-act. 138-64). Bei der Beurteilung des
Verlaufs von Behandlungen und Heilungschancen hielt er dafür, es sei dringend eine
regelmässige ambulante psychiatrische Weiterbehandlung als Voraussetzung der
Stabilisierung des Zustands der Beschwerdeführerin geboten (vgl. IV-act. 138-63). -
Der Experte der Allgemeinen Inneren Medizin hat festgestellt, die Beschwerdeführerin
habe anscheinend bisher alles zur Integration getan, was ihren Ressourcen entspreche,
und sie tue das weiterhin (vgl. IV-act. 138-24). Ihr Wille zur Selbsteingliederung sei bis
zur psychischen Dekompensation 2013 offensichtlich und auch zurzeit der
Begutachtung noch vorhanden. Das zeige sich auch in der Wiederaufnahme einer
beruflichen Tätigkeit ab Februar 2018 auf eigene Initiative (vgl. IV-act. 138-23). -
Gemäss der Gesamtbeurteilung des Gutachtens wurden bei der Beurteilung auch die
bei der Begutachtung aktuellen gewissen psychosozialen Belastungen berücksichtigt
(vgl. IV-act. 138-5). Es wurde ferner festgehalten, es lägen keine Inkonsistenzen vor
und die Beschwerdeführerin habe authentisch gewirkt, sie sei stets arbeitswillig
gewesen (IV-act. 138-5 f.). Diese Auffassung ist anhand der Aktenlage nachvollziehbar.
4.1.4.
Betreffend das Suchtleiden wurde im Gutachten erklärt, die sich aus der
Persönlichkeitsstörung ergebende Symptomatik der Beschwerdeführerin dürfte sich
durch den permanenten Cannabiskonsum akzentuieren. Für das stabile
Aufrechterhalten einer Arbeitsfähigkeit von 70 % sei eine Abstinenz unabdingbare
Voraussetzung. Während der Phasen des verstärkten Konsums sei die
Beschwerdeführerin für gewöhnlich arbeitsunfähig bzw. nur zu einer Arbeitsfähigkeit
von 50 % in der Lage gewesen (vgl. IV-act. 138-66 f.). Es liege zurzeit der
Begutachtung keine Suchtproblematik mit wesentlicher Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit vor; der Substanzgebrauch sei jedoch problematisch (vgl. IV-
act. 138-6).
4.1.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/28
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Interdisziplinär schliesslich wurde der Beschwerdeführerin eine Arbeitsfähigkeit
von 70 % attestiert (vgl. IV-act. 138-5). Das Gutachten basiert auf einer Kenntnis von
den Vorakten, auf Anamneseerhebungen und gutachterlich-fachärztlichen
Untersuchungen. Die diesbezüglichen Voraussetzungen für seinen Beweiswert sind
erfüllt.
4.1.6.
4.2.
Die Beschwerdeführerin lässt dagegen vorbringen, dem Gutachten mangle es an
einer neuropsychologischen Untersuchung, denn es sei wiederholt auf kognitive
Einschränkungen (der Konzentration, des Auffassungsvermögens, der geistigen
Flexibilität, der Aufmerksamkeitsspanne) und den Bedarf an häufigen Pausen
hingewiesen worden. Der Gutachter der Psychiatrie hat seine Beurteilung allerdings in
Kenntnis der Ergebnisse der testpsychologischen Untersuchung von 2013 (vgl. IV-
act. 138-60 f.) abgegeben. Es kann gemäss dem Gutachten davon ausgegangen
werden, dass er die entsprechenden Einschränkungen berücksichtigt hat. Er wies
diesbezüglich darauf hin, dass Überschneidungen mit der Persönlichkeitsstörung
bestünden (vgl. IV-act. 138-60). Bei diesen Gegebenheiten ist das Unterlassen einer
neuropsychologischen Abklärung nicht zu beanstanden.
4.2.1.
Des Weiteren ist zu entscheiden, ob eine Arbeitsfähigkeit von 70 % deshalb als
zu hoch eingeschätzt zu betrachten sei, weil anzunehmen ist, die Beschwerdeführerin
werde sie nicht längerfristig aufbringen können. Sie lässt geltend machen, bei einer
Arbeitstätigkeit dieses Umfangs nur deshalb voll leistungsfähig zu sein, weil sie ihre
Ressourcen nicht einschätzen könne. Im Schlussbericht der G._ vom 13. September
2017 war denn auch auf grosse Bedenken hingewiesen worden, dass sich die
Beschwerdeführerin bei einer Festanstellung im ersten Arbeitsmarkt nicht mehr im
geforderten Mass ihrer nachhaltigen Gesundheit widmen würde, was nach
Einschätzung der beruflichen Rehabilitationsstelle negative Auswirkungen hätte (IV-
act. 100-5). Der Experte der Psychiatrie hielt dazu wie erwähnt fest, die
Beschwerdeführerin erbringe während der reduzierten Arbeitszeit eine volle Leistung,
weil sie "mit einem hohen Anspruch an ihre Arbeitsqualität und mit wenig Fähigkeiten
zur Einteilung ihrer Ressourcen" arbeite (vgl. IV-act. 138-65). Die mangelhafte Fähigkeit
zur Einteilung der Leistungsressourcen und die Neigung zum Perfektionismus mit der
Folge eines entsprechenden Leidenszustands (innere Anspannung,
Überforderungsgefühl) sind gutachterlich gewürdigt worden und bildeten nach dem
Gutachten zu schliessen gerade den Grund für die attestierte Arbeitsunfähigkeit als
solche (vgl. IV-act. 138-64).
4.2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/28
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Die Beschwerdeführerin lässt des Weiteren einwenden, die Gutachter seien von
unzutreffenden Annahmen betreffend die damals aktuelle Arbeitstätigkeit der
Beschwerdeführerin ausgegangen, wenn sie angenommen hätten, dass sie eine
Leistung von 50 % zu erbringen vermöge. Im Einwand war von Seiten der
Beschwerdeführerin hierzu dagegen noch angenommen worden, das Einkommen von
ca. Fr. 22'538.-- beim Pensum von 50 % könne von ihr auch bei der gesundheitlichen
Einschränkung erbracht werden. Der Gutachter der Dermatologie nahm diesbezüglich
gar - allerdings aufgrund der wiedergegebenen Angaben der Beschwerdeführerin - an,
sie arbeite zur Zeit der Begutachtung zu 100 % (vgl. IV-act. 138-35 und -32). Der
Gutachter der Allgemeinen Inneren Medizin dagegen hielt fest, es sei nicht klar, ob die
Beschwerdeführerin bei ihrer aktuellen Tätigkeit für die I._ eine zeitlich und qualitativ
reduzierte Leistung erbringe (z.B. herabgesetzte Anforderungen betreffend Flexibilität;
vgl. IV-act. 138-25). Unter diesem Aspekt deutet nichts darauf hin, dass der Umstand
eingeschränkter Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin polydisziplinär in
ungenügender Weise gewürdigt worden wäre.
4.2.3.
Schliesslich wird die gutachterlich attestierte Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin mit dem Hinweis auf das Ergebnis der gewährten
Arbeitsmassnahmen beanstandet. Nach der Rechtsprechung ist dem Ergebnis einer
konkret leistungsorientierten beruflichen Abklärung bei einwandfreiem Arbeitsverhalten
und -einsatz der versicherten Person - wie sie der Beschwerdeführerin attestiert
wurden - nicht jegliche Aussagekraft für die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit
abzusprechen (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 27. Juni 2018, 8C_48/2018 E. 4.3.1;
vielmehr könnten sie zumindest Anlass zu Abklärungen bilden). Zum einen haben die
Gutachter ihre Beurteilung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit nicht ohne
Kenntnis des Verlaufs bzw. nicht ohne Annahme des Scheiterns der bisherigen (sc.
beruflichen) Rehabilitation mit dem Ziel der Beibehaltung eines Pensums von 50 bis
60 % abgegeben (vgl. IV-act. 138-24, aus dem internistischen Gutachten). Zum andern
ist festzuhalten, dass die Nichtweiterführung des Job-Coachings - zumindest
vorübergehend bzw. nach der gegenwärtigen Aktenlage - im Zusammenhang mit dem
Wohnkantonswechsel der Beschwerdeführerin stand (vgl. IV-act. 96). Was die
Auffassung der G._ im Schlussbericht vom 13. September 2017 betrifft, wonach für
die Beschwerdeführerin eine geschützte Arbeitsstelle am Platz sei, wird einerseits auf
das oben (E. 4.2.2.) zur Neigung der Beschwerdeführerin zur Verausgabung Erwähnte
(Grundlage für die Arbeitsunfähigkeitsschätzung) und im Näheren auf die Beurteilung
der Frage der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit (unten E. 5.4) hingewiesen.
4.2.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/28
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5.
Zusammenfassend ist insoweit anzunehmen, dass das Ergebnis der
polydisziplinären Begutachtung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin beweismässig stichhaltig ist.
4.3.
Für die (richterliche) Beurteilung sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse
massgebend, wie sie sich bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verwaltungsverfügung
entwickelt haben (BGE 121 V 362 E. 1b; BGE 125 V 150 E. 2c). Tatsachen, die sich erst
später verwirklichen, sind nur insoweit zu berücksichtigen, als sie mit dem
Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die
Beurteilung des Sachverhalts im Zeitpunkt des Verfügungserlasses zu beeinflussen
(vgl. Bundesgerichtsurteil vom 7. Oktober 2016, 8C_357/2016 E. 3.2; vgl. BGE 99 V
102). - Die Beschwerdeführerin hat am 14. November 2018 (IV-act. 158-2) mitteilen
lassen, sie habe am 26. Oktober 2018 einen Herzinfarkt erlitten und sei nun zur
Rehabilitation in der Klinik J._. Gemäss deren Austrittsbericht vom 28. November
2018 war ein Tako-Tsubo-Syndrom diagnostiziert worden. Am 26. Oktober 2018 war
bei einer TTE (transthorakalen Echokardiographie) ein nicht dilatierter linker Ventrikel
festgestellt worden und die Koronarangiografie zeigte damals unauffällige
Koronargefässe. Es ist - in antizipierender Beweiswürdigung - nicht davon auszugehen,
dass die Verhältnisse dieser Hospitalisation bei kardiopulmonal kompensiertem
Zustand geeignet sind, die medizinische Beurteilung bezüglich des vorliegend
relevanten Sachverhalts bis zum 16. Oktober 2018 aus dem Rückblick in Frage zu
stellen. Die Beschwerdeführerin hat denn auch erklärt (erst) dadurch eine Schwächung
erlitten zu haben. Eine allfällige Entwicklung nach diesem Tag bildet dagegen
vorliegend nicht Streitgegenstand. - Auch die jüngeren psychiatrischen Berichte (mit
den Hinweisen auf die früheren Traumatisierungen) bieten keinen zureichenden Anlass,
an der Stichhaltigkeit des Begutachtungsergebnisses zu zweifeln.
4.4.
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht.
Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ -
besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die
ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint
zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als
Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist
aber kein solches effektives Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die
versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/28
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Rechtsprechung statistische Werte beigezogen werden (vgl. Bundesgerichtsurteil vom
7. April 2016, 9C_783/2015; BGE 139 V 592 E. 2.3; BGE 129 V 472 E. 4.2.1).
Die Beschwerdeführerin konnte nach dem Verlust der Anstellung durch Kündigung
auf November 2015 (vgl. IV-act. 25) ab Februar 2018 eine Tätigkeit bei einer I._
aufnehmen. Sie liess im Einwand und in der Beschwerde mitteilen, sie erziele mit der
Beschäftigung im Umfang von 50 % ein Jahreseinkommen von ca. Fr. 22'538.--.
Gemäss den eingereichten Lohnabrechnungen (act. G 2.2) handelte es sich um
unregelmässige Einsätze. Nach der Aktenlage taugt das bei dieser (im Übrigen
nachträglich wieder verlorenen, vgl. act. G 18.1) Anstellung erzielte Einkommen
jedenfalls nicht, für das Invalideneinkommen repräsentativ zu sein.
5.2.
Grundsätzlich ist deshalb auf die Tabellenlöhne zu greifen, allerdings nur, wenn die
festgestellte medizinisch-theoretische Restarbeitsfähigkeit verwertbar ist. Bei der
Invaliditätsbemessung wird wie in Art. 16 ATSG angeordnet eine ausgeglichene
Arbeitsmarktlage angenommen. Es kommt demnach nicht darauf an, ob eine invalide
Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen tatsächlich an eine Stelle
vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob und in welchem Rahmen sie die ihr
verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren
Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprächen (vgl. Bundesgerichtsurteil
vom 4. Mai 2018, 9C_294/2017 E. 5.4.2., AHI 1998 S. 287 E. 3b). Der massgebliche
theoretische und abstrakte ausgeglichene Markt (vgl. BGE 134 V 64, BGE 129 V 480 E.
4.2.2) hat nämlich rein hypothetischen Charakter und dient ausserdem dazu, die
Risiken von Arbeitslosigkeit und Invalidität voneinander abzugrenzen (vgl. Entscheid
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [seit 1. Januar 2007: Schweizerisches
Bundesgericht] vom 10. Juli 2006, I 186/05 E. 2.3, Bundesgerichtsurteil vom
23. September 2014, 9C_192/2014 E. 3.1; BGE 110 V 276 E. 4b, vgl. auch BGE 134 V
64, BGE 129 V 480 E. 4.2.2). Was die verlangten beruflichen und intellektuellen
Voraussetzungen wie auch den körperlichen Einsatz angeht, weist er einen Fächer
verschiedenster Tätigkeiten auf (vgl. Bundesgerichtsentscheide vom 5. November
2018, 9C_304/2018 E. 5.1.1, und vom 10. April 2019, 8C_811/2018 E. 4.4.1). Nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts umfasst er selbst sogenannte
Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen gesundheitlich
Beeinträchtigte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers
rechnen können (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 18. Dezember 2019, 9C_693/2019
E. 5.1.3, und vom 28. November 2014, 9C_485/2014). Realitätsfremde
Einsatzmöglichkeiten dürfen bei der Invaliditätsbemessung aber nicht berücksichtigt
werden. Von einer zumutbaren Tätigkeit im Sinn von Art. 16 ATSG kann insbesondere
5.3.
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dort nicht gesprochen werden, wo sie nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass
sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt, oder dass sie nur unter nicht
realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre
und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb von vornherein als
ausgeschlossen erscheint (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 8. Oktober 2015,
8C_582/2015, und vom 25. September 2018, 8C_290/2018 E. 5.4, ZAK 1991 S. 318
E. 3b).
Der Gutachter der Allgemeinen Inneren Medizin hielt fest, als adaptierte Tätigkeiten
kämen für die Beschwerdeführerin generell vorwiegend einfache handwerkliche
Tätigkeiten, genau definiert oder unter Anleitung, und ohne Stress in Frage. Nach den
Akten sei eine Arbeit möglicherweise nur im geschützten Bereich realisierbar (vgl. IV-
act. 138-25). Diese Umschreibung deutet auf eine erheblich eingeschränkte - wenn
nicht gar ganz aufgehobene - Verwertbarkeit einer Arbeitsfähigkeit auf dem ersten
Arbeitsmarkt hin. Der Gutachter der Psychiatrie indessen hielt dafür, die (betreffende)
Auffassung der G._, wonach für die Beschwerdeführerin ein geschützter Arbeitsplatz
passend sei, könne nicht nachvollzogen werden. Die Realität der biographischen
Anamnese und die aktuelle Tätigkeit - mit gewissen Einschränkungen - zeigten, dass
sie sehr wohl zu Erwerbstätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in der Lage sei
(vgl. IV-act. 138-61 f.). Ihre Angaben bei der Begutachtung (vgl. IV-act. 138-53) und der
IK-Auszug (IV-act. 13) lassen diesbezüglich annehmen, dass die Beschwerdeführerin -
bei nach der Aktenlage vorbestehendem Gesundheitsschaden nur - aber immerhin -
einmal, nämlich von 2001 bis 2004, eine Anstellung über eine längere Zeit hinweg hatte
beibehalten können, dass sie aber auch verschiedentlich weitere kürzere Anstellungen
innehatte. Insofern ist somit nicht ohne weiteres von einer Unverwertbarkeit der
Arbeitsleistung auszugehen. Als Adaptationskriterium einer ihr zugänglichen Tätigkeit
ist es gemäss der interdisziplinären Feststellung im Gutachten zu beachten, dass die
Beschwerdeführerin soweit als möglich von administrativen und organisatorischen
Aufgaben zu entlasten sei. Es wurde aber darauf hingewiesen, dass ihr die Tätigkeit in
der Pflege möglich sei und dass sie daran auch Freude empfinde (vgl. IV-act. 138-5).
Aus dem dermatologischen Teil der Expertise ergibt sich als weitere Einschränkung,
dass bei bestimmten Bewegungen oder bei längerem Sitzen Schmerzen aufträten (vgl.
IV-act. 138-37). Deshalb ist anzunehmen, dass solches zu vermeiden ist. Zudem ist die
der Beschwerdeführerin zumutbare Arbeitszeit, wie aus dem Gutachten insgesamt
überwiegend wahrscheinlich zu schliessen ist, allgemein (nicht nur bei Beachtung von
Haushaltarbeit) auf 5.5 Stunden pro Tag beschränkt, was allerdings bereits
Niederschlag in der Festsetzung der quantitativen Arbeitsunfähigkeit gefunden hat. Die
erwähnten Faktoren sind wiederum nicht so einschränkend, dass sie einer
5.4.
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Verwertbarkeit auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt vollständig entgegenstünden.
Zu berücksichtigen ist aber ferner insbesondere, dass es, wie im Gutachten
festgehalten worden ist, bei Stress zu Exazerbationen der Acne inversa und deshalb zu
kurzen Arbeitsabsenzen kommen kann (vgl. IV-act. 138-6). Kurzfristig mit solchen
Arbeitsausfällen rechnen zu müssen, bedeutet eine erhebliche Erschwernis für einen
Arbeitgeber in einem Arbeitsverhältnis. Im Gutachten war zudem festgehalten worden,
bei der Beschwerdeführerin sei die mentale und psychische Stabilität, die für die
Ausführung der meisten beruflichen Tätigkeiten in einem Anstellungsverhältnis
erforderlich sei, erheblich beeinträchtigt. Da indessen bei fiktivem ausgeglichenem
Arbeitsmarkt rechtsprechungsgemäss auch Nischenarbeitsplätze anzunehmen sind,
kann angesichts der gesamten dargelegten Umstände noch von einer Verwertbarkeit
ausgegangen werden, jedoch nur einer solchen unter stark erschwerten Umständen.
Diesen erheblichen Erschwernissen ist mit einem entsprechenden Abzug vom
zutreffenden Tabellenlohn Rechnung zu tragen (vgl. nachfolgend).
Bestehen im Einzelfall Anhaltspunkte dafür, dass die versicherte Person ihre
gesundheitlich zumutbare verbleibende (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann, ist
ein Abzug von den Tabellenlöhnen zu machen. Bei der Bestimmung der Höhe des
Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das
Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu
schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl.
BGE 134 V 322 E. 5.2 und BGE 126 V 75). In einer Gesamtbetrachtung erscheint ein
Abzug von 15 % der konkreten Sachlage (vgl. oben E. 5.4) angemessen.
5.5.
Es ist vorliegend davon auszugehen, dass bei der psychischen Dekompensation
im Februar 2013 (vgl. IV-act. 138-23) bzw. der erforderlich gewordenen psychiatrischen
Hospitalisation die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin erstmals im
Erwerbsleben erkennbar geworden ist. Ein (Warte-) Jahr später, zum Zeitpunkt der
Invaliditätsbemessung (2014), lag der durchschnittliche Bruttolohn von Frauen für
einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art (Kompetenzniveau 1) im
privaten Sektor bei Fr. 53'793.-- (vgl. Anhang 2 der Textausgabe Invalidenversicherung,
Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Gesetze und Verordnungen, 2019,
herausgegeben von der Informationsstelle AHV/IV, S. 228, basierend auf der Tabelle
TA1 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung LSE des Bundesamtes für Statistik).
5.6.
Das Invalideneinkommen 2014 ist somit auf Fr. 32'007.-- (0.7 x 0.85 x
Fr. 53'793.--) festzulegen.
5.7.
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7.