Decision ID: db9ed4d1-34e7-4279-b12b-622d34e64555
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X. besitzt den Führerausweis auf Probe der Kategorie B seit dem 9. Oktober 2012.
Am Sonntag, 22. September 2013, um 16.07 Uhr, überschritt er als Lenker eines
Motorfahrzeugs in Wollerau auf der Autobahn A3 in Fahrtrichtung Chur die signalisierte
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h um 37 km/h.
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B.- Mit Schreiben vom 16. Dezember 2013 leitete das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen ein Administrativmassnahmeverfahren ein und
gewährte X. das rechtliche Gehör. Es entzog ihm in der Folge mit Verfügung vom 20.
Januar 2014 den Führerausweis wegen schwerer Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von drei Monaten und verlängerte die
Probezeit um ein Jahr.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X. mit Eingabe vom 31. Januar 2014 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die Dauer des Führerausweisentzugs
sei auf einen Monat zu reduzieren. Auf die Ausführungen zur Begründung des

Begehrens wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. Die Vorinstanz
verzichtete am 14. Februar 2014 auf eine Vernehmlassung.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 31. Januar 2014 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist,
der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
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oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden einer schweren Widerhandlung erfüllt sind
(vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487).
3.- Die Vorinstanz hat dem Rekurrenten den Führerausweis gestützt auf Art. 16c Abs. 1
lit. a SVG wegen einer schweren Widerhandlung für drei Monate entzogen. Sie ging
von einer Geschwindigkeitsüberschreitung auf der Autobahn von 37 km/h aus.
a) Die Geschwindigkeit ist stets den Umständen anzupassen, namentlich den
Besonderheiten von Fahrzeug und Ladung sowie den Strassen-, Verkehrs- und
Sichtverhältnissen (Art. 32 Abs. 1 SVG). Nach Art. 4a Abs. 1 lit. der
Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV) beträgt die allgemeine
Höchstgeschwindigkeit für Fahrzeuge auf der Autobahn unter günstigen Bedingungen
120 km/h. Dieser allgemeinen Höchstgeschwindigkeit gehen abweichende signalisierte
Höchstgeschwindigkeiten vor (Art. 4a Abs. 5 VRV). Aus Gründen der Rechtsgleichheit
hat das Bundesgericht für die Beurteilung von Geschwindigkeitsüberschreitungen
präzise Regeln aufgestellt. Unabhängig von den konkreten Umständen liegt ein objektiv
schwerer Fall etwa dann vor, wenn die Geschwindigkeit jeweils mindestens um 25 km/
h innerorts, 30 km/h ausserorts oder 35 km/h auf einer Autobahn überschritten wird
(vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_335/2011 vom 26. Oktober 2011 E. 2.2 mit
Hinweis auf BGer 1C_83/2008 vom 16. Oktober 2008 E. 2). Nach dieser
Rechtsprechung stellt eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 37 km/h auf der
Autobahn, wie sie der Rekurrent am 22. September 2013 beging, ungeachtet der
konkreten Verhältnisse objektiv eine schwere Widerhandlung dar. Dass die signalisierte
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h nicht regelkonform gewesen sei, macht der
Rekurrent nicht geltend (vgl. BGer 1C_404/2011 vom 16. März 2012 E. 3.3).
b) In subjektiver Hinsicht verlangt Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG ein rücksichtsloses oder
sonst schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten, d.h. ein schweres Verschulden, bei
fahrlässigem Handeln mindestens grobe Fahrlässigkeit. Bei einer Überschreitung der
zulässigen Höchstgeschwindigkeit, die in objektiver Hinsicht den Tatbestand von
Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG erfüllt, ist davon auszugehen, dass dem Lenker eine solche
Überschreitung nicht verborgen bleiben kann und sie zumindest auf grober
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Fahrlässigkeit beruht (vgl. Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen
Strassenverkehrsrechts, Band III: Die Administrativmassnahmen, Bern 1995, Rz. 2305),
es sei denn, es bestehe eine Ausnahmesituation (vgl. BGer 1C_263/2011 vom
22. August 2011 E. 2.6 mit Hinweisen auf BGE 123 II 37 E. 1f und BGer 1C_222/2008
vom 18. November 2008 E. 2.3). Eine solche Ausnahme wird nicht geltend gemacht.
Der Rekurrent musste sich aufgrund des Ausmasses der
Geschwindigkeitsüberschreitung bewusst gewesen sein, dass er die zulässige
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h massiv überschreitet. Sein Verschulden ist
demnach als schwer einzustufen. Die Vorinstanz ist damit zu Recht von einer schweren
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften gemäss Art. 16c Abs. 1 lit a
SVG ausgegangen.
4.- Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind
gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Nach einer
schweren Widerhandlung wird der Führerausweis für mindestens drei Monate entzogen
(Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG).
Die Vorinstanz hat die Dauer der Massnahme auf drei Monate festgesetzt. Dies
entspricht der Mindestentzugsdauer gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG. Da das Gesetz
eine Unterschreitung dieser Mindestentzugsdauer ausschliesst (Art. 16 Abs. 3 SVG),
können massnahmemindernde Umstände, wie insbesondere der ungetrübte
automobilistische Leumund oder die berufliche Angewiesenheit des Betroffenen auf
den Führerausweis eine Unterschreitung der Mindestentzugsdauer nicht rechtfertigen.
Angesichts der zwingenden Natur der gesetzlichen Mindestentzugsdauer verbleibt der
rechtsanwenden Behörde auch kein Ermessensspielraum, innerhalb dessen sie
Überlegungen zur Verhältnismässigkeit der Massnahme im Sinn der Erforderlichkeit zur
Besserung des Betroffenen anstellen könnte (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4462 ff.).
Daraus folgt, dass die Mindestentzugsdauer selbst in Ausnahmesituationen nicht
unterschritten werden kann. Die dreimonatige Entzugsdauer ist somit zu bestätigen.
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5.- Der Rekurrent beantragt die Umwandlung des Führerausweisentzugs in
gemeinnützige Arbeit, in eine längere Probe- oder Bewährungszeit oder in eine andere
Strafe oder Massnahme. Da im Administrativmassnahmerecht des SVG solche
Massnahmearten nicht vorgesehen sind (vgl. Art. 16 Abs. 2 SVG) und ein allfälliges
Strafverfahren getrennt vom Administrativmassnahmeverfahren durchgeführt wird, ist
dieser Antrag abzuweisen.
6.- Die Verlängerung der Probezeit wurde zu Recht nicht angefochten (Ziff. 4 der
angefochtenen Verfügung), weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist. Der Rekurrent
wurde zudem auf die massnahmerechtlichen Folgen künftiger Widerhandlungen gegen
die Strassenverkehrsvorschriften hingewiesen; dem ist nichts hinzuzufügen.
7.- Der Rekurs ist somit abzuweisen. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die
amtlichen Kosten dem Rekurrenten aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu
verrechnen.