Decision ID: 3536fa2d-1167-4b2c-97eb-632c743e58a5
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ausweisung
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes des Bezirksgerichtes Horgen vom
25. Juli 2014 (ER140029)
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Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2)
"1. Es sei den Beklagten unter Androhung von Zwangsvollstreckung im Unterlassungsfall zu befehlen, die von ihnen gemietete 5 1⁄ (Nr. 32) im 2. OG in der Liegenschaft D. ..., ... E._ ordnungsgemäss geräumt und gereinigt zu verlassen.
2. Es sei den Beklagten unter Androhung von Zwangsvollstreckung im Unterlassungsfall zu befehlen, den von ihnen gemieteten  Nr. 21 in der Liegenschaft D._-Strasse ..., ... E._, ordnungsgemäss geräumt und gereinigt zu verlassen.
2. Es sei das zuständige Stadtammannamt Wädenswil anzuweisen, den zu erlassenden Befehl nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen der Klägerin zu vollstrecken.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der , unter solidarischer Haftbarkeit."
Urteil des Bezirksgerichts Horgen, Einzelgericht im summarischen Verfahren, vom 25. Juli 214:
(act. 9 = act. 17 = act. 19)
1. Die beklagten Parteien werden verpflichtet, die 5 1⁄2-Zimmerwohnung Nr. 32
(2. OG) sowie den von ihnen gemieteten Einstellplatz Nr. 21 an der
D._-Strasse ... in ... E._ bis spätestens 29. August 2014,
12.00 Uhr zu räumen und der klagenden Partei ordnungsgemäss zu über-
geben.
2. Das Stadtammanamt Wädenswil wird angewiesen, nach Eintritt der
Rechtskraft und nach dem 29. August 2014 auf Verlangen der klagenden
Partei die Verpflichtung der beklagten Parteien gemäss Ziffer 1 dieses Ur-
teils zu vollstrecken. Die Kosten für die Vollstreckung sind von der klagen-
den Partei vorzuschiessen. Sie sind ihr aber von den beklagten Parteien un-
ter solidarischer Haftung zu ersetzen.
3. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 700.–.
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4. Die Kosten werden den beklagten Parteien unter solidarischer Haftung auf-
erlegt. Sie werden vollumfänglich von der klagenden Partei bezogen, wofür
dieser gegenüber den beklagten Parteien das Rückgriffsrecht eingeräumt
wird.
5. Die beklagten Parteien werden verpflichtet, der klagenden Partei eine Par-
teientschädigung von Fr. 900.– zu bezahlen. Die Parteien haften für die Par-
teientschädigung solidarisch.
6./7. Mitteilung / Rechtmittel
(modifizierte) Berufungsanträge der Beklagten und Berufungskläger:
(act. 18 S. 1 und act. 23 S. 2 f. sinngemäss)
Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Horgen vom 25. Juli 2014  und das Mietverhältnis bis am 15. Januar 2015 zu erstrecken.

Erwägungen:
1. Die Beklagten und Berufungskläger (nachfolgend Berufungskläger) sind seit
März 2001 Mieter der sich nunmehr im Eigentum der Klägerin und Berufungsbe-
klagten (nachfolgend Berufungsbeklagte) befindenden 5 1⁄2-Zimmerwohnung an
der D._-Strasse ... in E._ sowie des dazugehörigen Einstellplatzes
(act. 3/3-5). Mit Eingabe vom 1. Juli 2014 stellte die Berufungsbeklagte beim Be-
zirksgericht Horgen das Ausweisungsbegehren, nachdem sie den Berufungsklä-
gern auf Ende Juni 2014 ordentlich gekündigt hatte und diese kundgetan hatten,
dass sie die genannten Räumlichkeiten nach Ablauf der Kündigungsfrist nicht ver-
lassen würden (act. 1; act. 3/9-10; act. 3/15; act. 3/16). Die Vorinstanz gab dem
Begehren mit Urteil vom 25. Juli 2014 statt und verpflichtete die Berufungskläger,
Wohnung und Einstellplatz bis spätestens 29. August 2014 zu räumen und ord-
nungsgemäss zu übergeben, unter Androhung der Zwangsvollstreckung im Unter-
lassungsfall (act. 17, Dispositivziffern 1 und 2).
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2. Hiergegen erklärten die Berufungskläger mit Eingabe vom 5. August 2014
(beim Empfang des Obergerichts am 6. August 2014 abgegeben) rechtzeitig Be-
rufung (act. 18; act. 10/2-3). Sie stellten den sinngemässen Antrag, das angefoch-
tene Urteil sei aufzuheben und es sei das Mietverhältnis bis April 2015 zu erstre-
cken. Mit Schreiben vom 15. August 2014 teilte Rechtsanwalt lic. iur. Y._ mit,
dass er die Berufungskläger im Verfahren vor Obergericht nicht vertrete (act. 22).
Die Berufungskläger reichten am 16. August 2014, mithin noch innert Berufungs-
frist, einen "Nachtrag" zu ihrer Berufung ein, in dem sie ausführten, dass sie ledig-
lich auf eine Erstreckung bis 15. Januar 2015 angewiesen seien, da sie ab dann
dank Unterstützung des Arbeitgebers des Berufungsklägers einen befristeten
Mietvertrag für eine andere Wohnung hätten (act. 23 S. 2 f.).
Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen. Auf die Einholung einer Be-
rufungsantwort wurde verzichtet (Art. 312 Abs. 1 ZPO). Die Sache erweist sich als
spruchreif.
3. Hinsichtlich der allgemeinen Ausführungen zum Rechtsschutz in klaren Fäl-
len nach Art. 257 ZPO kann auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (act. 17 S. 3 f.). Diese schloss ferner zutreffend, dass die Kündigung form-
und fristgerecht erfolgte: Die Berufungsbeklagte kündigte den Berufungsklägern –
wie gesetzlich vorgeschrieben (Art. 266l und 266n OR) – mit amtlichem Formular
und in zwei separaten Schreiben auf den 30. April 2014 (act. 3/9-10). Weil die
Kündigung gemäss Mietvertrag zwischen den Parteien lediglich dreimonatlich im
Voraus auf Ende März, Ende Juni und Ende September ausgesprochen werden
darf, teilte die Berufungsbeklagte den Berufungsklägern mit Schreiben vom
13. Mai 2014 mit, dass die Auszugsfrist bis zum 30. Juni 2014 andauere
(act. 3/15). Dieses Vorgehen war im Hinblick auf Art. 266a Abs. 2 OR korrekt. Die
Bestimmung sieht vor, dass die Kündigung bei Nichteinhalten der vorgesehenen
Frist oder des vorgesehenen Termins für den nächstmöglichen Termin gilt.
Schliesslich wurde auch die dreimonatige Kündigungsfrist eingehalten, da die
Kündigungsschreiben den Berufungsklägern – wie die Vorinstanz zu Recht erwog
(act. 17 S. 4 f.; vgl. act. 3/11-12) – als am 18. Januar 2014 zugegangen gelten.
Das Mietverhältnis wurde somit gültig auf Ende Juni 2014 beendet.
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4.1 Die Berufungskläger führen in ihren beiden Eingaben aus, dass sie vielleicht
nicht alles richtig gemacht hätten, der Mietzins aber doch jeden Monat bezahlt
worden sei und die Berufungsbeklagte daher bis heute keinen finanziellen Verlust
habe erleiden müssen. Sie bitten um eine Erstreckung des Mietverhältnisses bis
15. Januar 2015, was auch für die Berufungsbeklagte eine annehmbare Lösung
sei (act. 18 S. 1 und act. 23 S. 2 f.). Aufgrund der 14-jährigen Dauer des Mietver-
hältnisses, ihrer Verwurzelung in der Nachbarschaft und im Dorf, ihrer persönli-
chen und finanziellen Umstände, namentlich der vorübergehenden Arbeitslosig-
keit des Berufungsklägers, der gesundheitlichen Beschwerden der Berufungsklä-
gerin und der aufgelaufenen Betreibungen, aber auch wegen der Verhältnisse auf
dem örtlichen Wohnungsmarkt handle es sich um einen Härtefall, der im Sinne
von Art. 272 ZGB eine Erstreckung des Mietverhältnisses rechtfertige (act. 18
S. 2).
4.2 Wie bereits die Vorinstanz aufzeigte, ist der Umstand, dass möglicherweise
keine (oder zumindest keine aktuellen) Mietzinsausstände vorliegen, sondern die
Mietzinse teilweise einfach verspätet bezahlt wurden (vgl. act. 1 S. 5; act. 3/7;
act. 3/8), vorliegend nicht von Relevanz. Denn die Berufungsbeklagte hat das
Mietverhältnis ordentlich gekündigt, was unter Einhaltung der gesetzlichen und
vertraglichen Fristen und Termine stets zulässig ist (Art. 266a Abs. 1 OR). Inso-
fern kann auch nicht berücksichtigt werden, dass sich die Berufungskläger – wie
sie darlegen und auch aus den Beilagen ersichtlich ist (act. 20/1; act. 20/13;
act. 20/20) – trotz grösserer finanzieller Schwierigkeiten und einer im Raume ste-
henden Konkurseröffnung über den Berufungskläger (act. 20/7) offenbar bemüh-
ten, die Mietzinsverpflichtungen jeden Monat vor den anderen Schulden zu be-
gleichen.
Die Berufungsbeklagten ersuchen um eine Erstreckung des Mietverhältnis-
ses bis 15. Januar 2015, weil der Verlust ihrer Familienwohnung in der sozialen
und finanziellen Situation, in der sie sich gegenwärtig befänden, eine unverhält-
nismässige Härte bedeuten würde. Das Begehren um Erstreckung des Mietver-
hältnisses muss aber innert 30 Tagen seit Empfang der Kündigung bei der
Schlichtungsbehörde eingereicht werden (Art. 273 Abs. 2 lit. a OR). Diese Frist
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haben die Berufungskläger verpasst. Im vorliegenden Berufungsverfahren kann
nicht über die Erstreckung befunden werden. Der von den Berufungsklägern in
Aussicht gestellte Auszug auf Ende Jahr vermag an der rechtsgültigen Beendi-
gung des Mietverhältnisses nichts zu ändern.
5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Mietvertrag gültig aufgelöst ist
und sich die Berufungskläger gegenwärtig ohne Rechtsgrund im Mietobjekt auf-
halten. Der Ausweisungsbefehl wurde demnach zu Recht erteilt, weshalb die Be-
rufung abzuweisen ist.
6.1 Ausgangsgemäss werden die Berufungskläger für das zweitinstanzliche Ver-
fahren kostenpflichtig (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Der Berufungsbeklagten ist mangels
Umtriebe im vorliegenden Verfahren keine Entschädigung zuzusprechen.
6.2 Im Ausweisungsverfahren bestimmt sich der Streitwert danach, wie lange
der Vermieter oder Eigentümer mutmasslich über das Objekt noch nicht verfügen
kann (DIKE-Komm. ZPO-DIGGELMANN, Art. 91 N 46 [Stand online-Ausgabe vom
20.10.2013]). Ausgehend von der Gesuchstellung bei der Vorinstanz vom 1. Juli
2014 ist in Einklang mit der Praxis der II. Zivilkammer mit nicht mehr als sechs
Monaten Verfahrensdauer bis zur effektiven Ausweisung zu rechnen. Bei einem
monatlichen Mietzins von insgesamt Fr. 2'080.– ergibt sich demnach ein Streit-
wert von Fr. 12'480.–. Die Kosten für das Beschwerdeverfahren sind in Anwen-
dung von § 2 Abs. 1 lit. a, § 4 Abs. 1 und § 8 Abs. 1 i.v.m. § 12 Abs. 1 und 2
GebV OG auf Fr. 260.– festzusetzen.