Decision ID: 7055d984-f4f2-5f0f-9abd-56e6be72e5ec
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Eliane Hostettmann, c/o Weissberg & De Cet,
Plänkestrasse 32, Postfach, 2501 Biel/Bienne,
gegen
Basler Versicherung AG, Aeschengraben 21, Postfach, 4002 Basel,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Simon Krauter, S-E-K Advokaten,
Zürcherstrasse 310, 8500 Frauenfeld,
betreffend
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Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachstehend: Versicherter) war bei der B._ GmbH, (nachstehend: GmbH),
als Geschäftsführer tätig und dadurch bei den Basler Versicherungen (nachfolgend:
Basler) unfallversichert, als er am 31. März 2004 als Gleitschirmflieger während des
Landevorgangs in Schräglage geriet und unkontrolliert - möglicherweise nach
vorgängiger Kollision mit einer Kinderschaukel oder einer Sitzbank - auf den Boden
prallte (UV-act. 2/123, 8/2, 8/5, 8/12). Er zog sich dabei eine inkomplette Paraplegie
unter L5 bei Distraktionsverletzung Th12/L1 mit Berstungsspaltbruch von LWK1, bei
offener Olekranonfraktur Ellbogen rechts und bei Fraktur Malleolus medialis zu (UV-act.
2/118, 7/80, 7/55). Die Basler anerkannte ihre Leistungspflicht (UV-act. 2/114). Die
Invalidenversicherung übernahm mit Verfügung vom 1. September 2005 die Kosten der
Umschulung zum technischen Kaufmann (UV-act. 2/25, 2/57, 7/43). Der Versicherte
war in der Folge wieder als Geschäftsführer der neu gegründeten C._ GmbH tätig
(UV-act. 2/24, 2/29, 2/41).
A.b Mit Verfügung vom 21. Mai 2008 sprach die Basler dem Versicherten eine
Integritätsentschädigung auf der Basis einer Integritätseinbusse von 70% zu (UV-act.
5/23). Die IV-Stelle St. Gallen verfügte am 29. Oktober 2009, dass auf der Basis eines
Invaliditätsgrads von 16% kein Rentenanspruch bestehe (UV-act. 7/17). Diese
Verfügung blieb unangefochten. Am 2. August 2010 gewährte die Basler dem
Versicherten verfügungsweise eine Invalidenrente mit Wirkung ab 1. März 2009 auf der
Basis eines Invaliditätsgrads von ebenfalls 16%. Die Leistungen würden infolge
Vorliegens eines relativen Wagnisses um 50% gekürzt (UV-act. 5/8). Die gegen diese
Verfügung von Rechtsanwältin lic. iur. E. Hostettmann, Biel, für den Versicherten
erhobene Einsprache, mit welcher sowohl der Invaliditätsgrad als auch die
Leistungskürzung beanstandet wurden (UV-act. 5/5), wies die Basler mit
Einspracheentscheid vom 7. April 2011 ab.
B.
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B.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob Rechtsanwältin Hostettmann für den
Versicherten mit Eingabe vom 18. Mai 2011 Beschwerde mit den Rechtsbegehren, der
Entscheid sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, dem
Beschwerdeführer ungekürzte Versicherungsleistungen auszurichten. In Bezug auf den
Invaliditätsgrad sei der Entscheid aufzuheben und zur Vornahme weiterer Abklärungen
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur Begründung legte sie unter anderem
dar, es sei fraglich, ob den ersten Aussagen des Beschwerdeführers gegenüber der
Polizei (Orientierungsbericht vom 16. April 2004) aufgrund der Umstände (Schock,
Schmerzen, Beruhigungsmittel usw.) die gleiche Bedeutung beigemessen werden
könne wie den sogenannten Aussagen der ersten Stunde, zumal der Beschwerdeführer
diese Aussagen nicht unterzeichnet und erst durch den Entscheid der
Beschwerdegegnerin davon Kenntnis erhalten habe. Ob und inwieweit darauf
abgestellt werden könne, sei deshalb zweifelhaft. Das Vorliegen eines relativen
Wagnisses sei zu verneinen. Der Kurvenflug des Beschwerdeführers sei zwar im
Hinblick auf die Landung erfolgt, habe jedoch lediglich dazu gedient, Höhe abzubauen.
Dies entspreche dem gewöhnlichen Vorgehen, welches jeder Gleitschirmpilot
anwende, welcher in der Landephase noch über zu viel Höhe verfüge. Der
Beschwerdeführer hätte gar nicht über die nötige Zeit verfügt, sich umfangreiche
Gedanken zu machen, zumal er extrem rasch an Höhe verloren habe. Er habe damals
die Landung auf dem vorgesehenen Landeplatz als ungefährlich eingeschätzt. Beim
Beschwerdeführer handle es sich um einen erfahrenen Gleitschirmpiloten, der mit
dieser Sportart absolut vertraut gewesen sei und auch seine Grenzen klar gekannt
habe. Die Voraussetzungen für eine Leistungskürzung seien daher nicht gegeben. Der
Beschwerdeführer könne sich auch mit dem Invaliditätsgrad von 16% nicht
einverstanden erklären. Ihm sei versichert worden, dass die Beschwerdegegnerin
ihrerseits noch weitere Abklärungen treffen bzw. eine Begutachtung anordnen werde.
Er sei Geschäftsführer eines D._, welches er bereits vor dem Unfall geleitet habe. Die
Invalidenversicherung habe den Invaliditätsgrad aufgrund eines Einkommensvergleichs
festgelegt. Auf diesen sei angesichts der Situation des Beschwerdeführers nicht
abzustellen. Aufgrund der speziellen Öffnungszeiten des D._, namentlich am Abend
und an Wochenenden, sei es oft vorgekommen, dass der Beschwerdeführer vor
seinem Unfall extrem lange Präsenz- und Arbeitszeiten gehabt habe. Er sei bis zum
Abschluss seiner Umschulung zum technischen Kaufmann 100% arbeitsunfähig
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gewesen. Seither sei seine Arbeitsfähigkeit nicht mehr beurteilt worden, sondern es sei
lediglich auf seine finanziellen Verhältnisse abgestellt worden. Die Beschwerdegegnerin
habe weitere medizinische Abklärungen in Aussicht gestellt (act. G 1 Beilage 3 S. 7).
Der Beschwerdeführer habe auch um Begutachtung ersucht. Er habe die
Konsequenzen der unangefochtenen IV-Verfügung nicht abschätzen können. Im
Bereich der Sozialversicherung gelte das Prinzip der eigenständigen Abklärung. So
habe auch der Unfallversicherer die notwendigen Abklärungen vorzunehmen. Die
Angelegenheit sei daher zur Vornahme weiterer Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 7. Juli 2011 beantragte Rechtsanwalt lic. iur.
S. Krauter, Ettenhausen, für die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde,
soweit darauf einzutreten sei. Zur Begründung verwies er auf die Darlegungen im
angefochtenen Entscheid und führte unter anderem aus, die Aussagen des
Beschwerdeführers gegenüber der Polizei dürften aufgrund der uneingeschränkten
Kognition des angerufenen Gerichts ohne weiteres berücksichtigt werden; nicht
erforderlich sei, dass der Beschwerdeführer seine Aussagen unterschriftlich bestätigt
habe. Es bestünden auch keine Hinweise darauf, dass die vom rapportierenden
Polizisten aufgezeichneten Angaben des Beschwerdeführers unzutreffend sein sollten.
Der Beschwerdeführer sei ein Wagnis eingegangen, als er am 31. März 2004 beim
Landeanflug trotz herrschenden Südwinds, mithin trotz ungünstiger Windverhältnisse,
eine starke Linkskurve geflogen sei, um möglichst nahe an den vorgesehenen
Landeplatz zu gelangen und sich dadurch einige Meter Fussmarsch zu ersparen. Ein
erfahrener Gleitschirmpilot müsse wissen, dass bestimmte, insbesondere gefährliche
Manöver auch bei vermeintlich ruhigem Wetter zu unterlassen seien. Nachdem
Gleitschirmunfälle statistisch nach den Flugzeugunfällen und Suiziden die höchsten
Kosten verursachen würden, könne man sich ohne Weiteres auf den Standpunkt
stellen, dass Gleitschirmfliegen per se ein Wagnis darstelle und damit bei einem Unfall
immer eine Leistungskürzung zur Folge haben müsse. Ferner sei weder in der
vorliegenden Beschwerde noch im Einspracheverfahren je substantiiert ausgeführt
worden, inwiefern die Berechnung des Invaliditätsgrads aufgrund des
Abklärungsberichts der SVA St. Gallen unzutreffend sein solle. Es genüge nicht, einfach
eine Begutachtung zu verlangen, ohne sich auch nur ansatzweise mit dem IV-
Abklärungsbericht auseinander zu setzen, dessen Ergebnisse der Beschwerdeführer im
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Übrigen unterschriftlich anerkannt habe. Insofern sei fraglich, ob der Beschwerdeführer
überhaupt beschwert sei und diesbezüglich auf die Beschwerde eingetreten werden
könne. Der im IV-Verfahren rechtskräftig festgelegte Invaliditätsgrad könne im UV-
Verfahren ohne Weiteres übernommen werden, da die IV keine unfallfremden
Beschwerden mitberücksichtigt habe.
B.c Mit Replik vom 13. Oktober 2011 und Duplik vom 24. Oktober 2011 (act. G 11 und
13) bestätigten die Parteien ihre Standpunkte.

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig ist zum einen die Höhe des Invaliditätsgrads der dem Beschwerdeführer
zugesprochenen Rente. Er lässt vorab beanstanden, seine Arbeitsfähigkeit sei seit
Abschluss der Umschulung zum technischen Kaufmann nicht mehr beurteilt worden;
es sei lediglich auf seine finanziellen Verhältnisse abgestellt worden (act. G 1 S. 6). - Im
neurologischen Gutachten vom 20. Februar 2008 kam Dr. med. E._, unter anderem
zum Schluss, die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers werde durch die
neuropathischen Schmerzen - sie würden wahrscheinlich auf nicht absehbare Zeit
andauern -, die Gehbehinderung und die labile Harn- und Stuhlinkontinenz beträchtlich
behindert (UV-act. 4/22). Zum Arbeitsfähigkeitsgrad, bezogen auf die Tätigkeit als
Geschäftsführer, nahm der Gutachter nicht konkret Stellung. In der polydisziplinären
Beurteilung vom 28. Januar 2008 hielt Dr. med. F._, Chirurgie FMH, unter anderem
fest, dass die Frage, inwieweit der Beschwerdeführer in Zukunft eingeschränkt sein
werde, genau abgeklärt werden müsse. Einschränkungen seien zu erwarten wegen den
neuropathischen Schmerzen in den Extremitäten und eventuell auch durch die Stuhl-
und Harndysregulation (UV-act. 4/11). Die Ärzte des Schweizer Paraplegiker Zentrums
Nottwil berichteten am 15. Dezember 2008 auf entsprechende Anfrage der
Beschwerdegegnerin, der Beschwerdeführer habe Mitte 2008 die Umschulung zum
technischen Kaufmann beendet. Aktuell arbeite er ca. 20-30 Stunden pro Woche im
eigenen D._. Somit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 50%. Aufgrund der
sensomotorischen inkompletten Paraplegie sub L3 leide der Patient an einer
verminderten Belastbarkeit, weshalb zum Untersuchungszeitpunkt eine
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Arbeitsunfähigkeit von 50% vorgelegen habe. Es hätten sich keine Veränderungen des
Muskelstatus im Vergleich zum Vorjahr gezeigt, es seien aber auch keine
Verschlechterungen aufgetreten. Zum Erhalt der Muskelkraft und zur Verbesserung des
Gangbilds sei die ambulante Physiotherapie weiterhin indiziert. Inwieweit eine
Verbesserung des Gesundheitszustands erfolgen werde, sei momentan nicht
beurteilbar (UV-act. 3/6). Dr. med. G._, FMH Allgemeine Medizin, bestätigte im
Bericht vom 16. März 2009 eine Arbeitsfähigkeit von 50% in der Tätigkeit als
Geschäftsführer (UV-act. 7/23). Im Bericht des Paraplegiker Zentrums vom 16.
November 2009 wurde unter anderem festgehalten, der Beschwerdeführer arbeite in
seiner GmbH zu einem Pensum von 50% (UV-act. 3/3). In der Verfügung vom 2. August
2010 legte die Beschwerdegegnerin mit Hinweis auf Art. 18 und 19 UVG unter anderem
dar, gemäss Bericht von Dr. G._ vom 16. März 2009 sei der medizinische
Endzustand erreicht. Die Einholung eines weiteren Gutachtens erübrige sich daher. Die
beruflichen Massnahmen in Form einer Ausbildung zum technischen Kaufmann habe er
Ende 2008 mit dem internen Diplom erfolgreich abgeschlossen. Seit 2007 sei er als
Unternehmer eigenständig. Der von der IV verfügte IV-Grad von 16% sei
unangefochten geblieben (UV-act. 5/8).
1.2 Auch wenn die Invaliditätsschätzung der Invalidenversicherung gegenüber dem
Unfallversicherer keine Bindungswirkung entfaltet (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 2. September 2005, I 55/05 und U 26/05, Erw. 2.2), so
erscheint es in einem Fall, in welchem der unfallbedingte Gesundheitsschaden mit
demjenigen in der Invalidenversicherung übereinstimmt, sachgerecht und auch
erforderlich, bei der UV-Invaliditätsbemessung den IV-Entscheid und dessen
Grundlagen zu berücksichtigen, soweit diese zu einem schlüssigen und
nachvollziehbaren Ergebnis führen. - Der Beschwerdeführer war nach Absolvierung
einer Feinmechaniker-Lehre bis Ende 2002 als Arbeitnehmer im gelernten
Berufsbereich tätig. Ab 2003 übte er die Geschäftsführertätigkeit in seiner GmbH aus
(UV-act. 7/49). Für die Invaliditätsbemessung hatte er bei dieser Ausgangslage als
faktisch Selbständigerwerbender zu gelten. Bei Selbständigerwerbenden erfolgt die
Bestimmung der Erwerbsunfähigkeit grundsätzlich durch die Feststellung der
leidensbedingten Behinderung anhand eines Betätigungsvergleichs in Anlehnung an
Art. 27 IVV; diese Behinderung ist sodann im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkung
unter Berücksichtigung der betrieblichen Situation zu gewichten (A. Rumo-Jungo,
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Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. A., 128, mit Hinweisen). Zum Einwand
des Beschwerdeführers, wonach lediglich seine finanziellen Verhältnisse (und nicht
seine funktionellen Einbussen) beurteilt worden seien (act. G 1 S. 6), ist festzuhalten,
dass eine Einschränkung im funktionellen Leistungsvermögen nicht notwendigerweise
in jedem Fall eine Erwerbseinbusse in gleichem Umfang zur Folge haben muss (A.
Rumo-Jungo, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. A., 128, mit Hinweisen).
Aufgrund der geschilderten medizinischen Akten ist von einer medizinisch-theoretisch
um 50% eingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen. Konkrete Anhaltspunkte für
zwischenzeitlich veränderte medizinisch/gesundheitliche Verhältnisse werden weder
vom Beschwerdeführer geltend gemacht noch ergeben sich solche aus den Akten.
Einzig der Umstand, dass offenbar vorerst weitere medizinische Abklärungen zur
Diskussion standen (act. G 1 S. 6 Mitte mit Hinweis auf Beilage 3 [IV-Abklärungsbericht
S. 7: Der UV-Versicherer "will erst nach der IV-Abklärung und einem allfälligen
medizinischen Gutachten entscheiden"]), bildet für sich allein keinen Anlass, ohne
sachliche Notwendigkeit solche Abklärungen noch zu veranlassen. Eine Zusicherung
einer weiteren Begutachtung lässt sich zudem aus der vorerwähnten Feststellung im
IV-Abklärungsbericht offensichtlich nicht ableiten.
1.3 Im Abklärungsbericht Selbständigerwerbende hielt der IV-Berichterstatter am
8. September 2009 gestützt auf eingehende Abklärungen der Situation (UV-act.
7/28-7/30) als Schlussfolgerung unter anderem fest, im Jahr 2006 habe sich der
Beschwerdeführer von seinem damaligen Geschäftspartner gelöst und sei nunmehr in
seiner eigenen GmbH tätig. Seit 1. Januar 2009 gewähre sich der Beschwerdeführer
einen Lohn von Fr. 91'000.-- (13 x Fr. 7'000.--). Dies könne jedoch nicht Grundlage des
Valideneinkommens bilden. Es sei unter Berücksichtigung von vertretbaren
Abschreibungen von einem Valideneinkommen von Fr. 186'000.-- (Mittelwert)
auszugehen. Die invaliditätsbedingten Lohnmehrkosten von Fr. 30'000.-- würden einer
Erwerbseinbusse von 16.13% entsprechen (Invalideneinkommen von Fr. 156'000.--;
UV-act. 7/31). Der Beschwerdeführer bestätigte dieses Abklärungsergebnis
unterschriftlich (UV-act. 7/30). Die IV ermittelte den Invaliditätsgrad von 16% in der
Folge gestützt auf den vorerwähnten Bericht (vgl. UV-act. 7/16).
Vorab ist festzuhalten, dass einzig der Umstand der unterschriftlichen Bestätigung des
IV-Berichts durch den Beschwerdeführer nicht in Frage zu stellen vermag, dass er
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durch den streitigen UV-Entscheid beschwert und damit - entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin - auch diesbezüglich auf die vorliegende Beschwerde einzutreten
ist. - Aus materieller Sicht lässt sich aus der unterschriftlichen Bestätigung ableiten,
dass der Beschwerdeführer den Berichtsinhalt zumindest im Zeitpunkt der
Unterzeichnung anerkannte. Nach Lage der gesamten Akten hat als ausgewiesen zu
gelten, dass er trotz der im IV-Verfahren festgestellten unfallbedingten Behinderungen
seine Tätigkeit als Geschäftsführer, d.h. die Betriebsführung (einschliesslich Einteilung
der Arbeit und Kontrolle) sowie administrative Tätigkeiten, zu grossen Teilen
weiterführen konnte. Inwiefern der von ihm geltend gemachte Umstand der speziellen
Öffnungszeiten (am Abend und an Wochenenden) und langen Präsenzzeiten (act. G 1
S. 6) eine weitergehende unfallbedingte Einschränkung begründen sollte, ist nicht
ersichtlich und wird von ihm auch nicht ausgeführt; dabei handelt es sich um konkrete
erwerbliche Verhältnisse, welche sowohl vor als auch nach dem Unfall unverändert
bestanden. Es werden keine Anhaltspunkte vorgebracht, aufgrund welcher der IV-
Abklärungsbericht im Nachhinein in Zweifel zu ziehen wäre; solche sind auch aus den
Akten nicht ersichtlich. Ein Anlass, den im IV-Verfahren festgestellten (rein
unfallbedingten) und später in Rechtskraft erwachsenen Invaliditätsgrad von 16% in
Frage zu stellen, kann nicht als mit überwiegender Wahrscheinlichkeit belegt gelten,
weshalb auch in diesem Verfahren darauf abzustellen ist.
2.
2.1 Gemäss Art. 39 UVG (in der seit 1. Januar 2003 gültigen Fassung) kann der
Bundesrat aussergewöhnliche Gefahren und Wagnisse bezeichnen, die in der
Versicherung der Nichtberufsunfälle zur Verweigerung sämtlicher Leistungen oder zur
Kürzung der Geldleistungen führen. Die Verweigerung oder Kürzung kann er in
Abweichung von Art. 21 Abs. 1 - 3 ATSG ordnen. Von dieser Kompetenz hat der
Bundesrat unter anderem mit dem Erlass von Art. 50 UVV (in Kraft seit 1. Januar 1984)
Gebrauch gemacht. Danach werden bei Nichtberufsunfällen, die auf ein Wagnis
zurückgehen, die Geldleistungen um die Hälfte gekürzt und in besonders schweren
Fällen verweigert (Abs. 1). Wagnisse sind Handlungen, mit denen sich der Versicherte
einer besonders grossen Gefahr aussetzt, ohne die Vorkehren zu treffen oder treffen zu
können, die das Risiko auf ein vernünftiges Mass beschränken (Abs. 2 Satz 1). Der
Begriff des Wagnisses im Sinn der genannten Bestimmungen ist mit jenem identisch,
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welcher unter der Herrschaft des bis 31. Dezember 1983 in Kraft gestandenen KUVG
gültig war (Art. 67 Abs. 3 KUVG). Nachdem ursprünglich anhand ausschliesslich
objektiver Kriterien beurteilt wurde, ob eine Handlung als Wagnis zu qualifizieren sei,
differenzierte BGE 97 V 72ff. danach, ob die Unternehmung mit so erheblichen
Gefahren für Leib und Leben verbunden ist, dass diese Gefahren durch die handelnden
Personen nicht auf ein vernünftiges Mass reduziert werden können, unabhängig davon,
wer auch immer unter noch so günstigen Umständen zu Werke gehen mag. Ist diese
Frage zu verneinen und die zu beurteilende Betätigung an sich schützenswert (a.a.O.,
E. 2d am Schluss), ist anhand der konkreten Umstände des Einzelfalls, worunter die
persönlichen Fähigkeiten der Beteiligten und die Art der Durchführung des
Unternehmens fallen, zu prüfen, ob die objektiv vorhandenen Risiken und Gefahren auf
ein vertretbares Mass herabgesetzt wurden (a.a.O., E. 2c und 5). Diese Grundsätze
gelten nach wie vor. Mit der Lehre (Alfred Maurer, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, Bern 1985, S. 508f. mit Hinweisen; Alexandra Rumo-Jungo,
Die Leistungskürzung oder -verweigerung gemäss Art. 37 - 39 UVG, Diss. Freiburg
1993, S. 296 und 302f.) und der Judikatur (BGE 97 V 72ff., 125 V 315 E. 3a am Ende;
RKUV 2001 Nr. U 424 [U 187/99] S. 205 Erw. 2b) ist die Frage des schützenswerten
Charakters einer Handlung nicht erst auf der Ebene des relativen (in diesem Sinn: BGE
112 V 47 E. 2a, 112 V 300 E. 1b), sondern auf derjenigen des absoluten Wagnisses zu
prüfen. Ein absolutes Wagnis liegt demnach in zwei Konstellationen vor: Zum einen,
wenn eine Handlung auf Grund objektiver Gegebenheiten mit Gefahren verbunden ist,
die unabhängig von den konkreten Verhältnissen nicht auf ein vernünftiges Mass
herabgesetzt werden können. Mangelt es am schützenswerten Charakter einer
Handlung, indem z.B. unsinnigerweise ein Trinkglas, sei es aus Jux oder aus der Wut
heraus, mit einer Hand zusammengepresst wird, ist aus objektiven Gründen ebenfalls
auf ein absolutes Wagnis zu erkennen (so implizit unter anderen BGE 125 V 315 E. 3a
am Ende). Die für den Begriff des relativen Wagnisses charakteristische
Berücksichtigung der konkreten Verhältnisse scheidet hier von vornherein aus (Alfred
Maurer, a.a.O., S. 508f. mit Hinweisen; Alexandra Rumo-Jungo, a.a.O., S. 96 und 302f.;
anders: Alexandra Rumo-Jungo, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Murer/
Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 3.
Aufl., Zürich 2003, S. 228 mit Hinweisen).
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Nach der neueren Rechtsprechung zu verschiedenen gefährlichen Sportarten gelten
zunächst solche als absolute Wagnisse, die wettkampfmässig betrieben werden und
bei denen es auf die Geschwindigkeit ankommt (Motocross-Rennen: RKUV 1991 Nr. U
127 [U 5/90] S. 221; Auto-Bergrennen: BGE 113 V 222; 112 V 44). Im Weiteren gelten
Boxwettkämpfe als absolutes Wagnis, da die Angriffe direkt auf den Körper zielen
(EVGE 1962 S. 280). In gleicher Weise qualifiziert wird wettkampfmässiges Thaiboxen
(RKUV 2005 Nr. U 552 [U 336/04] S. 306). Die Ausübung anderer Sportarten kann je
nach Beeinflussbarkeit des Risikos einmal ein absolutes, ein anderes Mal - bei weiteren
gegebenen Umständen - ein relatives Wagnis darstellen (Canyoning: BGE 125 V 312;
Auto-Rallye: BGE 106 V 45; Deltasegeln: BGE 104 V 19, nicht veröffentlichte Urteile
des EVG vom 1. Juli 1980, U 45/79, und vom 27. September 1978, U 5/78;
Höhlentauchen: BGE 96 V 100; Klettern: BGE 97 V 72 und 86; Schlitteln mit
aufgeblasenen Auto- und Lastwagenschläuchen: RKUV 1999 Nr. U 348 [U 288/98] S.
473).
2.2 Aufgrund der Angaben in der Unfallmeldung vom 14. April 2004 sowie
insbesondere anlässlich der Befragung des Beschwerdeführers durch einen Mitarbeiter
der SUVA vom 21. Juni 2004 ist von folgendem Geschehen auszugehen: Am frühen
Nachmittag des 31. März 2004 startete der Beschwerdeführer vom H._ zu einem
Gleitschirmflug. Die Flugbedingungen seien ideal gewesen mit teils sonnigem, teils
bewölktem Himmel, Westwind und wenig Thermik. Föhn habe nicht geherrscht und
eine Föhntendenz sei nicht angezeigt bzw. gemeldet worden. Flugziel sei eine grosse
Wiese in I._ gewesen. Als er ca. 25-30 Meter über dem Boden geflogen sei, habe er
noch eine 3⁄4-Platzrunde drehen wollen, um dann auf dem Landeplatz aufsetzen zu
können. Er habe bei diesem Manöver den Rückenwind unterschätzt. Da er sich in einer
seitlichen Lage befunden habe, habe er nicht nur mehr Tempo bekommen, sondern der
Rückenwind habe ihn in der Folge auch nach unten gedrückt. Um diese Kurven richtig
zu fliegen, werde neben der Fallschirmbremse auch der Körper eingesetzt. Der Körper
solle mithelfen, die gewünschte Kurvenrichtung zu erhalten. Der Körper werde
ebenfalls seitlich in die Kurve gelegt und jeweils ein Bein werde ausgestreckt, um den
Kurvenflug zu unterstützen. Während dieses Kurvenmanövers sei ihm der Spielplatz
der Garage X. in die Quere gekommen. Plötzlich habe er gesehen, dass auf dem
Spielplatz eine Frau auf einer Bank gesessen habe. Er habe befürchtet, dass er die
Frau mit den Seilen des Fallschirms unter Umständen verletzen könnte. Er habe daher
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noch stärker an der Bremse gezogen. Er sei somit noch mehr in Schräglage geraten
und habe noch mehr an Höhe verloren. Es sei zum unvermeidlichen Zusammenstoss
mit dem Holzpfosten der Kinderschaukel gekommen. Mit ausgestrecktem Fuss sei er
direkt in den Holzstamm geflogen. Er sei eigentlich nicht abgestürzt, sondern habe eine
Bruchlandung verursacht. Er fliege seit 1996 mit dem Gleitschirm. Bis 1999 habe er
immer Flugpausen gemacht; die längste habe 1 1⁄2 Jahre gedauert. Am 10. Mai 1999
habe er das Gleitschirmbrevet bestanden. Alles in allem habe er rund 350 Flüge
aufzuweisen. In der Nacht vor dem Unfall-Flug habe er bis 2 Uhr morgens gearbeitet
und sei am Unfalltag um 11 Uhr aufgestanden. Er habe weder unter Drogen- noch
Alkoholeinfluss gestanden (UV-act. 2/97ff, 2/123). Gegenüber der IV-Stelle schilderte
der Beschwerdeführer den Unfallhergang am 30. August 2004 dahingehend, dass er
beim Anflug zur Landung mit zu wenig Bodenabstand einen Vollkreis eingeleitet habe,
dann mit dem Wind im Rücken abgetrieben und so auf einen Spielplatz zugeflogen sei.
Während des Kurvenflugs sei er mit einer Schaukel kollidiert (UV-act. 7/126).
Im Weiteren wurde im polizeilichen Orientierungsbericht vom 16. April 2004 unter
anderem als mündliche Aussage des Beschwerdeführers anlässlich der Befragung vom
31. März und 6. April 2004 in direkter Rede unter anderem folgendes festgehalten: "...
Ich hätte die Landung ohne Probleme einige Meter weiter vom Landeplatz entfernt
durchführen können, hätte dann aber allerdings wieder zurückgehen müssen. Da ich
einfach zu bequem war, mit dem ganzen Schirm einige Meter zu gehen, versuchte ich
mittels eines starken Kurvenflugs so nahe wie möglich an den Landeplatz zu gleiten.
Folglich flog ich eine starke Linkskurve, wobei ich allerdings schnell an Höhe verlor. Der
herrschende Südwind drückte den Schirm ebenfalls nach unten, sodass ich eine
kontrollierte Landung nicht mehr zu Stande brachte. ... Ich prallte mit dem Becken
voran zuerst gegen die Bank und anschliessend gegen den Kiesboden. ...
Abschliessend möchte ich noch erwähnen, dass ich alleine für den Unfall
verantwortlich bin. Ich habe die Landung ganz einfach falsch geplant bzw. vorbereitet.
..." (UV-act. 8/11, 8/12). Im Orientierungsbericht wurde sodann bestätigt, dass der
Beschwerdeführer seit dem 10. Mai 1999 brevetierter Gleitschirmpilot sei. Das Führen
eines Flugbuchs sei für Hängegleiterpiloten keine Pflicht. Von der Rapportierung an die
zuständige Amtsstelle sei der Beschwerdeführer in Kenntnis gesetzt worden (UV-act.
8/12).
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2.3 Deltasegeln ist nach der Rechtsprechung als solches kein (absolutes) Wagnis,
kann es aber umständehalber - aus relativer Sicht - sein (BGE 104 V 19). Von diesem
Grundsatz ist auch beim vorliegend zur Diskussion stehenden Flug mit dem Gleitschirm
auszugehen. Es sprechen auch keine Gründe gegen die Bejahung des
schützenswerten Charakters einer solchen sportlichen Betätigung. Ob ein Wagnis
vorliegt, ist somit auf Grund des konkreten Geschehnisses zu beurteilen (vgl. BGE 112
V 297 E. 2 und 3a, wo es um einen zur Zeit des Unfalls generell verbotenen
Passagierflug mit einem Biplace-Hängegleiter ging).
Der Beschwerdeführer lässt geltend machen, der Kurvenflug habe lediglich dazu
gedient, Höhe abzubauen. Dies entspreche dem gewöhnlichen Vorgehen, welches
jeder Gleitschirmpilot anwende, welcher in der Landephase noch über zu viel Höhe
verfüge. Die Beschwerdegegnerin gehe fehl in der Annahme, dass er die Linkskurve
aus reiner Bequemlichkeit geflogen sei. Die Landung sei auf einem offiziellen
Landeplatz geplant gewesen. Ein solcher würde immer (zwingend) über
Windrichtungsanzeiger verfügen, welche die Beobachtung der Luftströme über dem
Boden des Landeplatzes ermöglichten. Er sei in der Landephase von einer nicht
vorhersehbaren Windböe überrascht worden. Das Wetter sei gut gewesen, und auch
der Windrichtungsanzeiger habe keinerlei Hinweise auf die abtreibende Windböe
gezeigt. Er hätte gar nicht über die nötige Zeit verfügt, sich umfangreiche Gedanken zu
machen, zumal er extrem rasch an Höhe verloren habe. Er habe damals die Landung
auf dem vorgesehenen Landeplatz als ungefährlich eingeschätzt. Allein daraus, dass
sich diese Einschätzung nachträglich als unzutreffend herausgestellt habe und er kurz
vor der Landung eine starke Linkskurve geflogen sei, welche in Verbindung mit dem
aufkommenden Wind zum raschen Höhenverlust geführt habe, lasse sich kein Wagnis
ableiten. Er habe nicht leichtsinnig gehandelt und aufgrund seiner langjährigen
Erfahrung in der damaligen Situation darauf vertraut, dass die Landung gelingen werde.
Die Linkskurve (Landevolte) sei ein in der Fliegerei angewandtes Prozedere. Nach der
einschlägigen Literatur werde eine Linksvolte geflogen, wenn keine besonderen
Abmachungen gelten würden. Es sei dem Gleitschirmpiloten vorgeschrieben, die
Landung grundsätzlich auf den dafür vorgesehenen Landeplätzen durchzuführen. Der
Landeplatz in J._ sei von Hindernissen, namentlich Häusern, Bäumen und einem
Spielplatz, umgeben. Eine Landung ausserhalb des Landeplatzes sei wegen der
Hindernisse mit extremen Risiken verbunden. Es dürfe nicht gegen den
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Beschwerdeführer ausgelegt werden, dass er versucht habe, auf dem Landeplatz zu
landen (act. G 1 S. 4f; act. G 11 S. 3f). Die Beschwerdegegnerin hält dem unter
anderem entgegen, dass der Beschwerdeführer nach seinen eigenen Angaben vom
herrschenden Wind abgetrieben worden sei. Von einem Windrichtungsanzeiger sei in
den ersten Aussagen nie die Rede gewesen. Diesen erst im Einspracheverfahren
gemachten Ausführungen könne nicht gefolgt werden, da davon auszugehen sei, dass
sie primär von versicherungsrechtlichen Überlegungen geprägt seien (act. G 1 S. 7).
2.4 Zur Landung wird beim Gleitschirmfliegen in Anlehnung an die Prozeduren der
„großen“ motorisierten Fliegerei meist eine Landevolte geflogen. Diese Landeeinteilung
hat eine U-förmige Flugbahn und besteht aus Positionskreis (Position seitlich versetzt
zum geplanten Landepunkt, zum Höheabbau durch Kreise oder andere Flugmanöver),
Gegenanflug (Flugbahn führt parallel zum geplanten Endanflug vom Landepunkt weg),
Queranflug (Übergang zum Endanflug) und Endanflug (Ausrichtung und Anflug des
eigentlichen Aufsetzpunktes; gegen den Wind ausgerichtet, um die Geschwindigkeit
des Gleitsegels in Bezug auf den Boden möglichst gering zu halten). Am Landepunkt
setzt der Pilot mit einer Laufbewegung oder sogar stehend auf den Boden auf. Der
gezielte Abbau der Höhe kann durch Variation verschiedener Elemente gesteuert
werden: Man kann mehr oder weniger Positionskreise fliegen, den Gegenanflug und
den Queranflug verlängern oder verkürzen, durch Einsatz der Bremsleinen die
Flugbahn des Sinkflugs verlängern oder verkürzen und durch Aufrichten des Körpers
den Luftwiderstand erhöhen. Beim gesamten Landevorgang wird der anvisierte
Landepunkt regelmäßig angepeilt, um frühzeitig Korrekturen der Flugbahn zu
ermöglichen. Mit dieser Einteilung lässt sich eine punktgenaue Landung gut
vorbereiten. Andere Piloten im Landeanflug können durch den geregelten Ablauf den
Flugweg des Anderen gut abschätzen (vgl. de.wikipedia.org/wiki/Gleitschirmfliegen,
abgerufen am 28. Juni 2012). Es wird so lange Höhe abgebaut, bis die Höhe ausreicht,
um den Queranflug und Endanflug sicher durchzuführen. Dies ist wichtig, da
Hängegleiter und Gleitschirme mangels Motor keine Möglichkeit für einen zweiten
Versuch nach einem Durchstarten haben. Je nach örtlichen Begebenheiten und
Windsituation sind Variationen der Landeeinteilung möglich. Insbesondere die Landung
in Achterschleifen (auch „Abachtern“ genannt), wird öfters bei starkem Wind
eingesetzt. Hierbei wird die Gefahr vermieden, durch den starken Wind im Gegenanflug
zu weit vom Landepunkt weggetrieben zu werden und dann den Landepunkt nicht
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mehr erreichen zu können (de.wikipedia.org/wiki/Landevolte, abgerufen am 28. Juni
2012).
2.5 Unbestritten blieb, dass der Gleitschirm-Flug vom 31. März 2004 in seiner
Gesamtheit kein Wagnis - relativer oder absoluter Art - darstellte und Ausbildung,
Flugpraxis und Ausrüstung des Beschwerdeführers den konkreten Anforderungen
vollumfänglich genügten. Zur damit verbleibenden Frage, ob ein Teil des Flugs -
konkret der Landevorgang - den Wagnisbegriff in relativem Sinn erfüllt (vgl. BGE 97 V
83 E. 6a), ist vorab festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer selbst erwähnte
falsche Planung und Vorbereitung der Landung sowie die Unterschätzung des
Rückenwinds (UV-act. 2/98, 8/12) für sich allein ein Wagnis im erwähnten Sinn nicht zu
belegen vermöchten; ein allfälliges fahrlässiges Fehlverhalten als solches genügt hierfür
nicht. Insbesondere aus BGE 104 V 24 geht hervor, dass ein wissentlicher Verstoss
("manquement conscient") gegen die Regeln der Kunst und Technik erforderlich ist,
damit ein Unternehmen als Wagnis taxiert wird. Auch die eventualvorsätzliche
Inkaufnahme eines erheblichen Risikos dürfte hierunter zu subsumieren sein.
Hinsichtlich der im Polizeibericht festgehaltenen Äusserungen des Beschwerdeführers,
wonach er beim Anflug zur Landung mit zu wenig Bodenabstand einen Vollkreis
eingeleitet (UV-act. 7/26) bzw. aus Bequemlichkeitsgründen versucht habe, mit einem
starken Kurvenflug so nahe wie möglich an den Landeplatz zu gleiten (UV-act. UV-act.
8/11), stellt sich die Frage, ob dieses Verhalten auch adäquat kausale Ursache für die
anschliessende "Bruchlandung" (UV-act. 2/98) war und ob es als Wagnis im erwähnten
Sinn anzusprechen ist. Die Frage, ob den unmittelbar nach dem Unfall gemachten
Aussagen des Beschwerdeführers die gleiche Bedeutung wie den sogenannten
Aussagen der ersten Stunde zugemessen werden kann (act. G 1 S. 3 unten), braucht
insofern nicht beantwortet werden, als frühere und spätere Aussagen des
Beschwerdeführers jedenfalls hinsichtlich der inhaltlichen Schilderung des
Unfallablaufs im Wesentlichen miteinander in Einklang stehen. Protokollierte
Formulierungen allein ("Da ich einfach zu bequem war, ..."; UV-act. 8/11) vermögen die
Frage des Vorliegens eines Wagnisses und des Kausalzusammenhangs jedenfalls nicht
im bejahenden Sinn zu entscheiden. Es ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer mit dem gängigen Landemanöver (vgl. vorstehende E. 2.4) auf
einem hierzu vorgesehenen offiziellen Landeplatz landen wollte. In der Unfallmeldung
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wies er darauf hin, dass der Unfall während der Landevolte und der daraus
resultierenden Schräglage erfolgt sei (UV-act. 2/23). Ein Grund dafür, dass der
Beschwerdeführer eine andere Landeart ("Abachtern"; vgl. E. 2.4) hätte wählen
müssen, z.B. wegen starkem Wind im Zeitpunkt der Einleitung der Landung, kann nicht
als belegt gelten. Aus den Akten ist vielmehr zu schliessen, dass andere, vom
Beschwerdeführer nicht im Einzelnen voraussehbare/planbare Faktoren - insbesondere
seine Reaktion auf die Wahrnehmung der Frau auf der Parkbank und die lokalen
Windverhältnisse (Abtrieb) - den Unfall (mit-)verursachten. Unter Würdigung aller
Umstände setzte der Beschwerdeführer zum Kurvenflug überwiegend wahrscheinlich
nicht im Bewusstsein an, dass er sich dadurch in eine akute Gefahr begab. Seine
Feststellung, dass er den Rückenwind unterschätzt habe (vgl. UV-act. 2/97ff, 2/123,
8/12), bestätigt dies implizit. Er glaubte, mit diesem Manöver eine der konkreten
Situation nach den Regeln der Flugtechnik adäquate Handlung zu vollziehen.
Anhaltspunkte für eine Sorgfaltspflichtverletzung im Sinn eines wissentlichen/eventual-
vorsätzlichen Verstosses gegen Flugregeln lassen sich den Akten nicht entnehmen. Der
von der Beschwerdegegnerin zu führende Beweis des Vorliegens eines Wagnisses als
leistungsmindernde Tatsache hat bei diesem Sachverhalt als nicht erbracht zu gelten.
Von der Veranlassung eines entsprechenden flugtechnischen Gutachtens ist
abzusehen, nachdem eine solche Abklärung überwiegend wahrscheinlich den Beweis
des eventualvorsätzlichen Inkaufnehmen eines mübermässigen Risikos im erwähnten
Sinn nicht zu liefern vermöchte.
3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 7. April 2011 gutzuheissen und die Beschwerdegegnerin
anzuweisen, dem Beschwerdeführer ungekürzte Versicherungsleistungen auszurichten.
Betreffend die Festlegung des Invaliditätsgrads wird die Beschwerde abgewiesen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Der Beschwerdeführer hat
bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG).
Es rechtfertigt sich angesichts der konkreten Verhältnisse, die Parteientschädigung auf
pauschal Fr. 4'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
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1. Die Beschwerde wird in dem Sinn gutgeheissen, dass der Einspracheentscheid vom
7. April 2011 aufgehoben und die Beschwerdegegnerin angewiesen wird, dem
Beschwerdeführer ungekürzte Versicherungsleistungen auszurichten. Betreffend
Festlegung des Invaliditätsgrads wird die Beschwerde abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
3. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer mit Fr. 4'000.-- zu
entschädigen.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 11.07.2012 Art. 18 und 39 UVG. Art. 50 UVV. Bemessung des Invaliditätsgrades. Prüfung der Frage der Leistungskürzung wegen Vorliegens eines Wagnisses: Landevorgang beim Gleitschirmflug (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. Juli 2012, UV 2011/35).
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2021-09-19T14:08:11+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen