Decision ID: 75c77064-13d8-510b-b5db-e6c395f753c6
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden – irakische Staatsangehörige kurdischer Ethnie
– ersuchten am 16. November 2015 in der Schweiz um Asyl. Am 23. Novem-
ber 2015 wurden sie im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) summa-
risch befragt und am 11. November 2016 vertieft zu ihren Asylgründen an-
gehört.
Die Beschwerdeführerin brachte dabei vor, sie sei in E._, Provinz
Erbil, geboren und aufgewachsen. Ihr Vater sei bereits (...) verstorben, ihre
Mutter und ihre Geschwister ([...]) lebten weiterhin in E._. Zudem
lebe ein Bruder in der Schweiz. Sie habe in F._ studiert und 2014
den Abschluss in (...) gemacht. In dieser Zeit habe sie den Beschwerde-
führer kennengelernt und ihn im September 2014 geheiratet. Bis Februar
2015 habe sie bei ihm und seiner Familie in G._ gelebt. Ihre Familie
sei anfänglich mit der Eheschliessung nicht einverstanden gewesen, ihr
Bruder in der Schweiz habe sich jedoch für sie eingesetzt. Nach der Hoch-
zeit sei ihr (...) gestohlen worden. Die Familie des Beschwerdeführers
habe sie dafür verantwortlich gemacht und sie sehr schlecht behandelt. Sie
habe schliesslich ihre Brüder zu Hilfe gerufen, der Streit sei jedoch eska-
liert, einer ihrer Brüder habe einem Bruder ihres Ehemannes ins Bein ge-
schossen und sie sei gegen ihren Willen zu ihrer Familie mitgenommen
worden. Letztere habe sie zur Scheidung gedrängt und sie mit einem
Cousin verheiraten wollen. Sie habe den Beschwerdeführer jedoch geliebt
und sich geweigert. In der Folge hätten ihre Brüder sie eingesperrt, ihr
keine Freiheiten mehr gelassen und sie mit dem Tode bedroht. Über ihre
Schwägerin habe sie mit ihrem Ehemann Kontakt aufnehmen können und
schliesslich erfahren, dass er ein politisches Problem habe und deshalb
ausreisen müsse. Um mit ihm zusammenleben zu können, habe sie das
Haus heimlich verlassen und sei mit ihm illegal ausgereist. Seither suchten
ihre Brüder im Irak nach ihr. Nachdem sie ohne deren Einverständnis aus-
gereist sei, befürchte sie, von ihnen getötet zu werden.
Der Beschwerdeführer gab an, er stamme aus G._, Provinz Sulai-
maniyya, wo er bis zu seiner Ausreise gelebt und zuletzt als (...) gearbeitet
habe. Seine Eltern und Geschwister (vier Brüder und zwei Schwestern)
lebten weiterhin dort. Im Jahr 2014 habe er die Beschwerdeführerin gehei-
ratet, die daraufhin bei seiner Familie gelebt habe. Nach dem (...)diebstahl
habe seine Familie seine Frau schlecht behandelt. Ohne ihn zu informie-
ren, habe sie schliesslich ihre Brüder zu Hilfe geholt, der Streit sei jedoch
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eskaliert und die Beschwerdeführenden seien getrennt worden. Seither
seien die beiden Familien verfeindet. Zudem habe er sich am (...) 2015 an
einer Demonstration als Sympathisant der Goran-Partei gegen die herr-
schende Al-Parti-Partei beteiligt. Dabei seien Fotos gemacht und er sei
identifiziert worden. Am (...) 2015 sei ein Haftbefehl gegen ihn ergangen
und er sei gesucht worden. Aus Angst vor einer drohenden Ermordung und
Gewalt durch Angehörige der herrschenden Partei habe er sich zur Flucht
entschlossen. Er habe vorher die Beschwerdeführerin telefonisch informiert
und sei einen Tag später mit ihr zusammen illegal ausgereist.
Mit ihrem Gesuch reichten die Beschwerdeführenden ihre Identitätskarten,
ihre Nationalitätenausweise und ihre Geburtsurkunden, jeweils mit Über-
setzungen, einen Zivilregisterauszug, ein Gerichtsdokument des Untersu-
chungsgerichts G._ betreffend den (...)diebstahl, den Eheschein
vom Standesgericht in E._ mit Übersetzung, eine Kopie des Haft-
befehls des Schadengerichts G._ gegen den Beschwerdeführer so-
wie dessen Führerschein ein. Zudem legten sie bei der Anhörung ein Foto
vor (vgl. vorinstanzlichen Akten A18 F139).
B.
Am (...) wurde das erste Kind der Beschwerdeführenden geboren.
C.
Das SEM führte Dokumentenanalysen der vorgelegten Dokumente durch,
wobei es zum Ergebnis kam, die Identitätskarte des Beschwerdeführers sei
eine Totalfälschung. Am 6. August 2018 gewährte es den Beschwerdefüh-
renden dazu das rechtliche Gehör unter Zusammenfassung des wesentli-
chen Inhalts der Analyse.
D.
Mit Schreiben vom 8. August 2018 nahmen die Beschwerdeführenden zur
Dokumentenanalyse Stellung und reichten eine weitere Identitätskarte des
Beschwerdeführers sowie seine Informationskarte, jeweils im Original und
mit Übersetzung, zu den Akten.
E.
Mit Verfügung vom 30. Oktober 2018 – eröffnet am 2. November 2018 –
verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden,
lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete ihre Wegweisung aus der Schweiz
sowie deren Vollzug an.
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F.
Mit Eingabe des rubrizierten Rechtsvertreters vom 3. Dezember 2018 er-
hoben die Beschwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde gegen diesen Entscheid und beantragten, die angefochtene Ver-
fügung sei aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zur Sachverhalts-
abklärung und Neubeurteilung zurückzuweisen, eventualiter sei ihre
Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihnen Asyl zu gewähren, subeven-
tualiter seien sie als Flüchtlinge anzuerkennen und vorläufig aufzunehmen,
weiter subeventualiter sei die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs
festzustellen und seien sie vorläufig aufzunehmen, schliesslich subeventu-
aliter sei die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und
deshalb die vorläufige Aufnahme anzuordnen.
In formeller Hinsicht ersuchten sie um Einsicht in die Akten A6/1, A9/1, A18,
A20, A22/2, A36/8, A38, A40/2, A41/1 und A42/1 und eventualiter um Ge-
währung des rechtlichen Gehörs betreffend diese Akten und sämtliche Be-
weismittel sowie – nach Gewährung der Akteneinsicht oder des rechtlichen
Gehörs – um Ansetzung einer angemessenen Frist zur Einreichung einer
Beschwerdeergänzung.
Mit der Beschwerdeschrift reichten sie 31 Beilagen, darunter eine Mittei-
lung der Demokratischen Partei Kurdistans (DPK) betreffend eine Anklage
gegen den Beschwerdeführer in Kopie samt deutscher Übersetzung, eine
CD mit diversen Videos und einer schriftlichen Zusammenfassung der Auf-
nahmen, zwei Arztzeugnisse betreffend die Beschwerdeführerin, davon ei-
nes im Original und eines in Kopie, zahlreiche Referenzschreiben sowie
diverse Berichte und Online-Artikel zur Lage im Irak ein. Für die weiteren
Beilagen wird – soweit nicht in den nachfolgenden Erwägungen darauf ein-
gegangen wird – auf die Beschwerde verwiesen.
G.
Am 5. Dezember 2018 bestätigte das Gericht den Beschwerdeführenden
den Eingang ihrer Beschwerde.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 13. Dezember 2018 forderte die Instruktions-
richterin die Beschwerdeführenden zur Zahlung eines Kostenvorschusses
bis am 28. Dezember 2018 – unter Androhung des Nichteintretens im Un-
terlassensfall – auf.
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I.
Der einverlangte Kostenvorschuss wurde am 17. Dezember 2018 geleistet.
J.
Am (...) kam das zweite Kind der Beschwerdeführenden zur Welt.
K.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Februar 2019 wies die Instruktionsrichterin
den Antrag auf Akteneinsicht sowie den eventualiter gestellten Antrag auf
Gewährung des rechtlichen Gehörs betreffend die vorinstanzlichen Akten
A6/1, A9/1, A 18/25, A20/8, A38/2 und weitere Beweismittel ab. Zudem wies
sie die Vorinstanz an, bis zum 1. März 2019 im Sinne der Erwägungen die
Aktenstücke A22/2 und A41/2 (recte: A42/1) korrekt zu indexieren, Akten-
einsicht zu gewähren beziehungsweise deren wesentlichen Inhalt offenzu-
legen. Überdies wies sie das SEM an, den wesentlichen Inhalt der Akten
A36/8, A40/2 und A41/1 offenzulegen.
L.
Mit Schreiben vom 18. Februar 2019 reichte der Rechtsvertreter einen
Ausdruck eines Internetlinks betreffend einen Fernsehbericht auf dem Sen-
der Kurdish News Network (KNN) ein.
M.
Nach einmaliger Fristerstreckung gewährte das SEM den Beschwerdefüh-
renden am 13. März 2019 die vom Gericht angeordnete Akteneinsicht. Zu-
dem passte es bei der Akte A22/2 die Indexierung an und erstellte von der
anonymisierten Aktennotiz (Akte A42/1) eine neue Akte A49/1.
N.
Mit Verfügung vom 18. März 2019 räumte die Instruktionsrichterin den Be-
schwerdeführenden Gelegenheit zur Beschwerdeergänzung ein. Dem ka-
men sie mit Schreiben vom 2. April 2019 nach.
O.
Mit Zwischenverfügung vom 4. April 2019 lud die Instruktionsrichterin das
SEM zur Vernehmlassung ein.
P.
Mit Vernehmlassung vom 9. April 2019 nahm das SEM zur Beschwerde
Stellung. Die Replik wurde am 29. April 2019 zu den Akten gereicht.
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Q.
Mit Schreiben vom 15. Januar 2020 informierte der Rechtsvertreter das
Gericht über Drohanrufe beim Beschwerdeführer sowie über den Gesund-
heitszustand der Beschwerdeführerin.
R.
Mit Schreiben vom 10. März 2020 reichte der Rechtsvertreter einen
Screenshot von einem anonymen Anruf beim Beschwerdeführer ein.
S.
Mit Schreiben vom 6. August 2020 reichte er einen weiteren Screenshot
von einem anonymen Anruf und Unterlagen betreffend den Kindergarten-
besuch des ersten Kindes ein. Zudem informierte er über den Gesundheits-
zustand der Beschwerdeführerin.
T.
Mit Schreiben vom 3. Dezember 2020 reichte der Rechtsvertreter zwei
Sprachtests der Beschwerdeführenden, ein bereits bei den Unterlagen
zum Kindergartenbesuch des ersten Kindes befindliches Schreiben der
Schulleitung (vgl. Bst. S), ein ärztliches Attest betreffend die Beschwerde-
führerin vom 13. Oktober 2020, mehrere Fotos zur Gewalt in G._
sowie zwei Internetartikel bezüglich einer Entführung beziehungsweise ei-
nes Ehrenmorddelikts ein.
U.
Mit Schreiben vom 16. Dezember reichte der Rechtsvertreter einen Straf-
registerauszug, einen Betreibungsregisterauszug, Lohnabrechnungen und
Lohnkontoauszüge der Jahre 2019 und 2020, alles betreffend den Be-
schwerdeführer und jeweils in Kopie, eine Bestätigung der Krankenversi-
cherung über die Zahlung der Krankenkassenprämien und eine Bescheini-
gung des zuständigen Sozialamtes über die finanzielle Unterstützung der
Beschwerdeführenden bis Ende 2019, ebenfalls in Kopie, diverse Zei-
tungsartikel zur Situation in G._ und Umgebung, einen Facebook-
Ausdruck zu Videos betreffend die Unruhen in der Region sowie einen
elektronischen Datenträger mit Videos dazu ein.
V.
Mit Schreiben vom 5. Januar 2021 ersuchte der Rechtsvertreter um Erfas-
sung des zweiten Kindes im vorliegenden Verfahren.
W.
Am 1. Dezember 2020 kontrollierte die schweizerische Zollverwaltung eine
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an den Beschwerdeführer adressierte Kuriersendung, in der sich sein Pass
sowie jener der Beschwerdeführerin im Original befanden. Sie stellte die
Dokumente am 10. Dezember 2020 sicher und übersandte sie anschlies-
send dem SEM.
X.
Aufgrund unterschiedlicher Schreibweise des Nachnamens der Beschwer-
deführerin informierte das SEM Letztere, ihre Daten sowie jene der Kinder
im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) zu ändern, und ge-
währte ihnen das rechtliche Gewähr.
Y.
Mit Schreiben ihres Rechtsvertreters vom 20. Januar 2021 erklärten sich
die Beschwerdeführenden mit der Datenänderung einverstanden. Mit
Schreiben vom 28. Januar 2021 informierte das SEM sie über die erfolgte
Datenänderung im ZEMIS.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für Beschwerden gegen
Verfügungen auf dem Gebiet des Asyls und entscheidet regelmässig – so
auch hier – endgültig (Art. 5 VwVG, Art. 31 ff. VGG, Art. 105 AsylG
[SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden und die
Beschwerdeführenden sind beschwerdelegitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
Dem Willkürverbot und dem Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 9 BV)
sowie dem Grundsatz eines fairen Verfahrens (Art. 29 Abs. 1 BV) kommt
im vorliegenden Verfahren keine eigenständige Bedeutung zu. Die Be-
schwerdeführenden berufen sich nur in Verbindung mit anderen Bestim-
mungen, namentlich im Zusammenhang mit dem Anspruch auf rechtliches
Gehör und dem Untersuchungsgrundsatz, darauf. Vor diesem Hintergrund
enthält sich das Bundesverwaltungsgericht im Folgenden der eigenständi-
gen Prüfung einer Verletzung von Art. 9 BV und des Fairnessgrundsatzes.
3.
Bezüglich des Gesuchs des Rechtsvertreters um Einbezug des zweiten
Kindes in das vorliegende Beschwerdeverfahren ist festzuhalten, dass die-
ser von Amtes wegen erfolgt.
4.
In den Beschwerdeeingaben werden der Vorinstanz verschiedene Verlet-
zungen des Anspruchs auf rechtliches Gehör sowie des Untersuchungs-
grundsatzes vorgeworfen. Diese formellen Rügen sind vorab zu prüfen, da
sie allenfalls geeignet sein können, eine Kassation der erstinstanzlichen
Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2).
4.1
4.1.1 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet ei-
nen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sach-
verhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger
Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden
sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesent-
lichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl.
2013, Rz. 1043).
4.1.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Par-
tei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirk-
sam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35
E. 6.4.1 m.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden,
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Ent-
scheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass
sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander-
setzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I
184 E. 2.2.1).
4.1.3 Als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs gewährt das Recht auf Akten-
einsicht (Art. 26 VwVG) die Möglichkeit, die relevanten Unterlagen einzu-
sehen, auf welche die Behörde ihren Entscheid stützt. Soweit das Recht ein-
geschränkt werden kann, so insbesondere wenn ein überwiegendes öffent-
liches oder privates Interesse an der Geheimhaltung besteht (Art. 27
VwVG), muss die Behörde vom wesentlichen Inhalt der Unterlagen Kennt-
nis sowie die Gelegenheit geben, sich dazu zu äussern und Gegenbeweis-
mittel zu bezeichnen (Art. 28 VwVG; vgl. ebenso BVGE 2015/10 E. 3.3).
4.2
4.2.1 Zunächst rügen die Beschwerdeführenden, das SEM habe ihnen zu
Unrecht Einsicht in die Akten A6/1, A9/1, A18/25, A20/8, A22/2, A36/8, A38,
A40/2, A41/1 und A42/1 verweigert und dabei ihren Anspruch auf rechtli-
ches Gehör verletzt. Bei den Akten A6/1 und A9/1 («Post-it: Verkürzte
BzP») sei nicht ersichtlich, warum diese intern sein sollten, da sie Auf-
schluss über die Gründe sowie die Art und Weise der Verkürzung der BzP
geben könnten. Auch bei der Akte A22/2 (Aktennotiz betreffend Stellung-
nahme der Hilfswerksvertretung auf dem Unterschriftenblatt) könne es sich
nicht um eine interne Akte handeln; noch dazu sei nicht ersichtlich, ob sich
die Notiz auf beide Anhörungen beziehe. Die Akte A36/8 («Dokumen-
tenanalyse SEM»), ein achtseitiges Dokument, könne mit der ausgespro-
chen kurzen Formulierung im Schreiben vom 6. August 2018 (A38) nicht
ausreichend zusammengefasst worden sein. Hinsichtlich der Akte A40/2
(«Dokumentenanalyse») gehe aus den Akten nicht hervor, welches Doku-
ment von wem analysiert worden sei. Bezüglich der Akte A41/1 («Doku-
mentenanalyse Haftbefehl») sei nicht ersichtlich, wer den Haftbefehl ge-
prüft haben solle und ob es sich um eine amtsinterne Analyse handle. Zu-
dem sei das Ergebnis dieser Dokumentenanalyse nicht offengelegt und
das rechtliche Gehör dazu nicht gewährt worden. Die Akte A42/1 («Akten-
notiz») sei einen Tag nach der Akte A41/1 paginiert worden, was den
Schluss nahelege, sie stehe mit Letzterer in unmittelbarem Zusammen-
hang und könne erklären, warum das SEM Einsicht in diese Akte verwei-
gert habe. Eventualiter müsse die Verweigerung der Akteneinsicht zur
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Folge haben, dass den Beschwerdeführenden das rechtliche Gehör bezie-
hungsweise nach Gewährung der Akteneinsicht eine angemessene Frist
zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung eingeräumt werde.
Das Bundesverwaltungsgericht hat mit Zwischenverfügung vom 14. Feb-
ruar 2019 den Antrag auf Akteneinsicht und eventualiter auf Gewährung
des rechtlichen Gehörs betreffend die vorinstanzlichen Akten A6/1, A9/1,
A18/25, A20/8 und A38/2 sowie weitere Beweismittel abgewiesen. Auf die
entsprechende Begründung sei hier verwiesen. Darüber hinaus hat das
Gericht das SEM angewiesen, die Aktenstücke A22/2 und A41/2 (recte:
A42/1) korrekt zu indexieren und in diese sowie in die Akten A36/8, A40/2
und A41/1 Einsicht zu gewähren beziehungsweise deren wesentlichen In-
halt offenzulegen. Dem kam das SEM am 13. März 2019 nach, wobei es
unter Hinweis auf Geheimhaltungsinteressen den wesentlichen Inhalt der
Akten A36/8, A40/2 und A41/1 beziehungsweise jenen der Akte A42/1 unter
Abdeckung der geheim zuhaltenden Stellen und Erstellung einer neuen
Akte A49/1 offenlegte. Dabei ging es mit Hinweis auf die Erwägungen in
der gerichtlichen Verfügung korrekterweise davon aus, dass das Gericht
mit der im Dispositiv fälschlich als A41/2 bezeichneten Akte die Akte A42/1
meinte. Insoweit erübrigen sich weitere Ausführungen zu den Einwänden
in der Beschwerdeergänzung und der Replik, mit A41/2 hätte genauso gut
die Akte A41/1 gemeint sein können und das SEM hätte den Inhalt Letzte-
rer offenlegen müssen. Abgesehen davon hat das SEM – entgegen der
Behauptung auf Beschwerdeebene – den wesentlichen Inhalt der Akte
A41/1 am 13. März 2019 nach entsprechender Aufforderung des Gerichts
ebenfalls offengelegt. Sodann gewährte das Gericht den Beschwerdefüh-
renden eine Frist zur Beschwerdeergänzung nach erfolgter Akteneinsicht.
4.2.2 In der Beschwerdeergänzung sowie der Replik wird weitergehend
gerügt, dass SEM habe die Akte A42/1 zu stark anonymisiert. In der Verfü-
gung sei nicht erwähnt worden, dass ein Bruder als Flüchtling in der
Schweiz lebe. Das Aktenstück sei zudem vor den Anhörungen angefertigt
worden und belege die Befangenheit der befragenden Person. Weiter
werde hinsichtlich der Dokumentenanalyse der vom Beschwerdeführer
eingereichten Identitätskarte auch nach erfolgter Akteneinsicht nicht klar,
ob zwei Karten vorlägen und welche davon als gefälscht erachtet worden
sei.
Dem ist entgegenzuhalten, dass das SEM auf die Aktennotiz A42/1 betref-
fend Familienangehörige der Beschwerdeführerin in der Schweiz nicht zu
Ungunsten der Beschwerdeführenden abstellte. Auch im Übrigen ist nicht
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ersichtlich, inwiefern die entsprechende Notiz die Befangenheit der befra-
genden Person belegen solle, wird doch darin allein der Sachverhalt be-
züglich der Brüder der Beschwerdeführerin festgestellt, was zweifellos zu
den Aufgaben einer umfassenden Sachverhaltserstellung gehört. Die wei-
teren Vorbringen beschlagen nicht die Frage der Verletzung formellen
Rechts, sondern der rechtlichen Würdigung, auf die in den materiellen Er-
wägungen einzugehen sein wird (vgl. E. 7). Im Übrigen ist davon auszuge-
hen, dass der wesentliche Inhalt der Akte selbst unter Abdeckung der Na-
men der Familienangehörigen und angesichts der Ausführungen des SEM
zu dem Aktenstück im Rahmen der Akteneinsichtsgewährung den Be-
schwerdeführenden und ihrem Rechtsvertreter ersichtlich geworden ist.
Hinzu kommt, dass das Aktenstück A42/1 lange nach den Anhörungen er-
stellt wurde, wie von den Beschwerdeführenden auf den Einwand des SEM
in der Vernehmlassung selbst eingeräumt. Zu den geprüften Identitätskar-
ten erübrigen sich weitere Ausführungen, nachdem das SEM im Ergebnis
die geltend gemachte Identität des Beschwerdeführers nicht in Frage
stellte und ihrem Entscheid zugrunde legte. Es sei lediglich angemerkt,
dass den Akten klar zu entnehmen ist und den Beschwerdeführenden
selbst bekannt sein dürfte, wie viele Identitätskarten sie eingereicht haben.
4.2.3 Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass das SEM die Akten
A22/2 und A41/2 nicht korrekt indexiert und die Einsicht in diese Akten so-
wie in die Akten A36/8, A40/2 und A41/1 zu Unrecht verweigert hat. Inso-
weit hat es den Anspruch der Beschwerdeführenden auf rechtliches Gehör
verletzt. Die weiteren Rügen zur Verletzung des Akteneinsichtsrechts er-
weisen sich als unbegründet.
4.2.4 Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör führt grund-
sätzlich zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung
der Sache an die Vorinstanz. Eine Heilung aus prozessökonomischen
Gründen ist auf Beschwerdeebene nur möglich, sofern das Versäumte
nachgeholt wird, die beschwerdeführende Person dazu Stellung nehmen
kann, die festgestellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist, die feh-
lende Entscheidreife durch die Beschwerdeinstanz mit vertretbarem Auf-
wand hergestellt werden kann und der Beschwerdeinstanz im streitigen
Fall die freie Überprüfungsbefugnis zukommt (vgl. zu allem BVGE 2014/22
E. 5.3 mit weiteren Hinweisen). Dies ist vorliegend der Fall, zumal das SEM
auf die Zwischenverfügung des Gerichts hin in rechtsgenüglicher Weise
Einsicht in die Akten gewährte beziehungsweise unter Beachtung von Ge-
heimhaltungsinteressen deren wesentlichen Inhalt bekanntgab (vgl.
E. 4.2.1 und 4.2.2). Nachdem auch alle anderen Voraussetzungen für eine
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Seite 12
Heilung erfüllt sind, darf die vormals bestandene Gehörsrechtsverletzung
als geheilt erkannt werden.
4.2.5 Im Ergebnis gehen die Rügen betreffend die Gewährung von Akten-
einsicht und die Verletzung des rechtlichen Gehörs in diesem Zusammen-
hang fehl beziehungsweise konnten geheilt werden.
4.3 In der Beschwerde, der Beschwerdeergänzung und der Replik wird fer-
ner moniert, das SEM habe den Anspruch der Beschwerdeführenden auf
rechtliches Gehör, insbesondere die Begründungspflicht, und zugleich den
Untersuchungsgrundsatz dadurch verletzt, dass es sich nicht mit den ein-
gereichten Beweismitteln auseinandergesetzt habe (vgl. Beschwerde
Ziff. 13 ff.). Dazu ist festzuhalten, dass das SEM sämtliche eingereichten
Beweismittel im Sachverhalt aufgenommen und diese – soweit entscheid-
relevant – in Bezug auf ihre Beweiserheblichkeit in der angefochtenen Ver-
fügung gewürdigt hat. Dass es dabei zu einem anderen rechtlichen Schluss
gekommen ist als die Beschwerdeführenden, beschlägt wiederum die
Frage der rechtlichen Würdigung (vgl. E. 7), nicht jene der Sachverhalts-
feststellung oder des rechtlichen Gehörs.
4.4 Sodann wird geltend gemacht, es bestehe eine Verletzung des rechtli-
chen Gehörs und zugleich der Abklärungspflicht in dem Umstand, dass das
SEM zwischen der Einreichung des Asylgesuchs und der Anhörung rund
ein Jahr sowie bis zum Entscheid weitere zwei Jahre ungenutzt habe ver-
streichen lassen (vgl. Beschwerde Ziff. 20-21). Eine lange Zeitdauer zwi-
schen der Einreichung des Asylgesuchs und der Anhörung bewirkt praxis-
gemäss aber keine Verletzung der Abklärungspflicht. Weiter trifft es zwar
zu, dass nach Durchführung der Anhörung bis zum Entscheid viel Zeit ver-
gangen und ein zeitnaher Entscheid durchaus wünschenswert ist. Es gibt
aber auch hier keine gesetzliche Verpflichtung des SEM, nach einer gewis-
sen verstrichenen Zeit automatisch eine ergänzende Anhörung der asylsu-
chenden Person durchzuführen (vgl. zu allem statt vieler etwa Urteil des
BVGer D-187/2017 vom 12. August 2019 E. 3.2.2 m.w.H.). Hinzu kommt,
dass die Beschwerdeführenden zu keinem Zeitpunkt geltend gemacht ha-
ben, welche Vorbringen aufgrund dieser Umstände allenfalls nicht berück-
sichtigt worden seien. Abgesehen davon oblag es ihnen im Rahmen ihrer
Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) selbst, die Vorinstanz über allfällige neue
Entwicklungen bezüglich ihrer Asylvorbringen zu informieren.
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4.5 Ferner rügen die Beschwerdeführenden in der Beschwerdeschrift eine
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes damit, die Anhörung habe un-
ter schwerwiegenden Mängeln gelitten, welche auch von der Hilfswerks-
vertretung benannt worden seien. Aufgrund der Durchführung beider Anhö-
rungen am selben Tag hätten ihre Asylvorbringen nicht ausführlich erfragt
und geprüft werden können. Die zeitliche Belastung aufgrund der langen
Anreise mit einem Säugling habe sie sehr angestrengt. Auch habe die An-
hörung mit beinahe 10 Stunden (9.45 bis 19.25 Uhr) viel zu lang gedauert.
Sie seien bei den Anhörungen müde gewesen, was selbst von der befra-
genden Person bemerkt worden sei (mit Hinweis auf A20 F60); die Kon-
zentration des gesamten Anhörungsteams sei gesunken. Es widerspreche
zudem den Qualitätsanforderungen an eine Anhörung, dass die Rücküber-
setzungen der Aussagen nach einem mehrstündigen Unterbruch erfolgt
seien. Die Anhörung der Beschwerdeführerin sei überdies von Fragen ge-
prägt gewesen, die auf eine Befangenheit der befragenden Person schlies-
sen liessen und die Beschwerdeführerin eingeschüchtert hätten. Unter all
diesen Umständen hätte sich eine ergänzende Anhörung aufgedrängt,
wozu das SEM immerhin zwei Jahre Zeit gehabt habe (vgl. zu allem Be-
schwerde Ziff. 22-35). In der Beschwerdeergänzung und der Replik wird
ergänzend moniert, das SEM habe mit der internen Aktennotiz A22/2 ver-
sucht, die erwähnten Mängel zu kaschieren und diese obendrein in der an-
gefochtenen Verfügung nicht gewürdigt. Es sei stossend, dass es sich mit
den diesbezüglichen Beschwerdevorbringen in der Vernehmlassung nicht
auseinandergesetzt habe.
Das Gericht stellt nicht in Abrede, dass die Anhörungen für die Beschwer-
deführenden, noch dazu mit einem zu betreuenden Säugling, eine grosse
Herausforderung darstellten. Auch geht aus den Akten hervor, dass sich
die Anhörungen über einen ganzen Tag erstreckten und alle Beteiligten
stark ermüdeten. Zu berücksichtigen ist im Weiteren aber, dass die einzel-
nen Anhörungen weniger als sechs respektive vier Stunden beanspruchten
und mehrere Pausen eingelegt wurden. Damit heben sie sich jeweils für
sich nicht aus der üblichen Dauer von Anhörungen heraus. Sodann haben
die Beschwerdeführenden im vorinstanzlichen Verfahren nicht – und auf
Beschwerdeebene ebenso wenig – geltend gemacht, dass und welche Vor-
bringen sie aufgrund der Durchführung der Anhörungen am selben Tag und
der Ermüdung durch die zeitliche Belastung nicht hätten schildern können.
Eine ergänzende Anhörung hat sich demnach nicht aufgedrängt. Hinsicht-
lich der Rückübersetzungen besteht des Weiteren keine gesetzliche Pflicht,
diese unmittelbar im Anschluss durchzuführen. In casu scheint zudem nicht
ausgeschlossen, dass die Unterbrechungen für die Beschwerdeführenden
D-6846/2018
Seite 14
eine Pause gebracht haben und damit zu ihrem Vorteil gereichten. Hin-
sichtlich des Vorwurfs, die befragende Person habe der Beschwerdeführe-
rin einschüchternde Fragen gestellt und erwecke damit den Eindruck der
Befangenheit, stützt sich dieser weitgehend auf die Anmerkungen der Hilfs-
werksvertretung auf dem Unterschriftenblatt, wonach diese Art der Befra-
gung zum Ende der Anhörung aufkam. Vor diesem Hintergrund ist auch die
Aktennotiz A22/2 zum Ablauf der Anhörungen zu sehen. Es scheint danach
nicht ausgeschlossen, dass sich die Befragungssituation auf das Antwort-
verhalten der Beschwerdeführerin ausgewirkt hat. Allerdings hat die Be-
schwerdeführerin weiterhin Angaben zu den gestellten Fragen machen
können. Auch hat sie insoweit auf Beschwerdeebene nicht vorgebracht,
welche Aussagen sie aufgrund des Befragungsklimas zum Ende der Anhö-
rung nicht hätte anbringen können. Insgesamt ist daher nicht auf eine Ver-
letzung des Untersuchungsgrundsatzes zu schliessen. Festzuhalten bleibt
aber, dass der Anhörungssituation insgesamt im Rahmen der rechtlichen
Würdigung, namentlich der Glaubhaftmachung der Vorbringen, angemes-
sen Rechnung zu tragen ist (vgl. E. 7). Damit erübrigen sich weitere Aus-
führungen betreffend die Aktennotiz A22/2 und die diesbezüglichen Vor-
würfe gegen das SEM auf Beschwerdeebene. Soweit die Beschwerdefüh-
renden darüber hinaus im Hinblick auf die Befragungssituation die Beurtei-
lung ihrer Aussagen durch die Vorinstanz kritisieren, bildet diese wiederum
Gegenstand der materiellen Erwägungen, nicht der Prüfung formellen
Rechts (vgl. E. 7).
4.6 Zusammenfassend erweisen sich die verschiedenen Rügen der Verlet-
zung formellen Rechts als unbegründet beziehungsweise konnten geheilt
werden. Die beantragte Rückweisung der Sache an das SEM fällt damit
ausser Betracht und das Gericht hat in der Sache zu entscheiden (Art. 61
Abs. 1 VwVG).
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
D-6846/2018
Seite 15
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Das SEM begründete seinen ablehnenden Entscheid im Asylpunkt da-
mit, der Beschwerdeführer habe hinsichtlich der behaupteten Familien-
fehde weder konkrete Nachteile seitens seiner Familie noch seiner Schwie-
gerfamilie geltend gemacht. Erstere habe ihn nach eigenen Angaben vor
und nach der Ausreise unterstützt. Nach der Auseinandersetzung mit der
Schwiegerfamilie habe er zudem noch etwa neun Monate daheim gelebt,
ohne dass bis dahin oder nach der Ausreise etwas vorgefallen sei. Dafür
spreche auch, dass er mit seiner gesetzlich angetrauten Ehefrau ausge-
reist sei und mit ihr mittlerweile ein Kind habe (Stand 2018). Es sei dem-
nach nicht von einer begründeten Furcht vor nichtstaatlicher Verfolgung
durch die Schwiegerfamilie auszugehen. Sodann seien bezüglich der
Glaubhaftigkeit der Fehde Vorbehalte anzubringen, da die Schilderung der
Beschwerdeführenden dazu in wesentlichen Punkten teilweise allgemein,
unlogisch und widersprüchlich ausgefallen sei. So erstaune, dass dem Be-
schwerdeführer E._ (Herkunftsort der Ehefrau) gefalle. Ebenso sei
auffällig, dass er hinsichtlich der Fehde einmal von Schwiegereltern und
nicht von seinen Schwagern gesprochen habe. Die Beschwerdeführerin
habe sich sodann in den Angaben widersprochen, welcher Bruder mit der
Waffe geschossen habe. Weiter sei nicht nachvollziehbar, dass sie den Be-
schwerdeführer nicht über die Schwierigkeiten mit der Schwiegerfamilie in-
formiert haben solle. Es verwundere auch, dass ihre Brüder sie gegen ihren
und den Willen des Schwiegervaters mitgenommen haben sollen und der
Beschwerdeführer währenddessen und danach untätig gewesen sei. Die
allgemeinen und oberflächlichen Ausführungen zur Fehde nach ihrer Aus-
reise seien angesichts ihres angeblichen Weiterbestands stossend. Das
Foto eines blauen Unterarms könne die behaupteten Misshandlungen der
Beschwerdeführerin durch die Schwiegerfamilie nicht belegen, zumal
keine Person erkennbar sei und aus dem Bild nicht die Ursache der Verlet-
zung hervorgehe.
Hinsichtlich des geltend gemachten politischen Engagements des Be-
schwerdeführers handle es sich bei der Goran-Partei um eine legale Partei
D-6846/2018
Seite 16
im Irak. Der Beschwerdeführer habe immer mal wieder an Demonstratio-
nen der Partei teilgenommen, die aber nicht gegen die Regierung gerichtet
gewesen seien. Zudem habe er kein politisches Profil; die blosse Sympa-
thiebekundung führe normalerweise nicht zu Repressionen. Soweit sich
die Demonstration vom (...) 2015 gegen den Präsidenten gerichtet habe,
sei der Beschwerdeführer an dieser zwar zuvorderst mitgelaufen, habe
sich jedoch nicht anderweitig exponiert. Bei unterstellter Glaubhaftigkeit
der Suche nach ihm durch die Al-Parti-Partei nach der Demonstrations-
teilnahme und dem damit verbundenen Haftbefehl handle es sich bei den
befürchteten Konsequenzen im Anschluss an eine allfällige Festnahme um
eine blosse Annahme des Beschwerdeführers. Es sei weiter nicht ersicht-
lich, wie die geschilderten Erfahrungen von politisch exponierten Personen
wie Journalisten und Persönlichkeiten mit einer Person ohne politisches
Profil in Zusammenhang stehen könnten. Ausserdem sei der Haftbefehl
von der Polizeistation in G._ ausgestellt worden; in der Provinz Su-
laimaniyya seien aber die Goran-Partei und die Patriotische Union Kurdis-
tans (PUK), auch Yeketi-Partei genannt, führende Parteien und nicht die
Al-Parti-Partei, was der Beschwerdeführer in der Anhörung selbst bestätigt
habe. Die geltend gemachte Furcht vor Ermordung durch die regierende
Partei halte damit den Anforderungen an Art. 3 AsylG nicht stand. Der Voll-
ständigkeit halber sei anzumerken, dass auch Zweifel an der Suche nach
dem Beschwerdeführer bestünden. Hier sei seine Schilderung ebenfalls in
wesentlichen Punkten teilweise allgemein, unlogisch und widersprüchlich
ausgefallen (mit Hinweis auf A4 Ziff. 7.01; A20 F43, F62, F71-86, F91-97,
F114 und der Anmerkung «Ausstellung dieser Dokumente nach dem Da-
tum des Haftbefehls BM3+4»). Überdies handle es sich beim eingereichten
Haftbefehl lediglich um eine Kopie, womit ihm keine Beweiskraft zugespro-
chen werden könne. Ferner habe der Beschwerdeführer Konsequenzen
aufgrund der Demonstrationsteilnahme nach seiner Ausreise für sich und
auch für seine Familie verneint (mit Hinweis auf A20 F57-59, F86).
Die von der Beschwerdeführerin geschilderte häusliche Gewalt durch die
Schwiegerfamilie seit dem (...)diebstahl stehe nicht im zeitlichen Zusam-
menhang mit ihrer Ausreise und begründe keine asylrelevante Intensität
der Verfolgung. Zudem sei in ihrem Fall von der Schutzfähigkeit und dem
Schutzwillen der staatlichen Strukturen in der Autonomen Region Kurdis-
tan (ARK) auszugehen. Sie habe sich wegen der Probleme mit der Schwie-
gerfamilie nicht an die Behörden gewandt, wohl aber wegen des (...)dieb-
stahls, wie den eingereichten Gerichtsdokumenten zu entnehmen sei.
Demnach hätten sich die Behörden bereits einmal schutzwillig gezeigt. Da-
für spreche auch, dass ihre Schwester (...) bei Gericht sei, als Frau dort
D-6846/2018
Seite 17
arbeite, sie die Schwester der Beschwerdeführerin sei und Letztere unter-
stütze. Hinzukomme, dass ihr Ehemann sie ebenfalls vor seiner eigenen
Familie hätte schützen können, hätte sie ihn über die Schwierigkeiten in-
formiert.
Die weiteren Vorbringen der Beschwerdeführerin zur drohenden Zwangs-
heirat und Tötung seitens ihrer Familie aufgrund der unerlaubten Ausreise
seien nicht glaubhaft. Zwar habe sie angegeben, ihre Brüder hätten eine
Stammesmentalität, jedoch wiesen ihr persönlicher Hintergrund sowie das
Verhalten ihrer Familie darauf hin, dass Letztere durchaus liberaler einge-
stellt seien. So habe die Beschwerdeführerin in F._ studiert, in die-
ser Zeit auf dem Campus gelebt, sei nur an Wochenenden nach Hause
gefahren und habe ihren Ehemann an der Universität kennengelernt. Diese
Umstände setzten eine gewisse Offenheit der Brüder voraus. Dass ihre
Schwester als (...) arbeite, ein Bruder (...) sei, ein anderer (...)studiere und
ihre Schwägerinnen teilweise ebenfalls arbeiteten, weise erneut auf eine
fortschrittliche und moderne Einstellung hin. Ferner sei aus dem Verhalten
der Familie, der Ehe trotz anfänglicher Zurückhaltung zuzustimmen, eine
gewisse Flexibilität ihres Denkens erkennbar, welche der in der Schweiz
lebende Bruder trotz Abwesenheit in seinen Brüdern offenbar habe hervor-
bringen können. Letztere hätten auch an der Feier im Anschluss an die Ehe-
schliessung teilgenommen. Demzufolge seien sie mit der Eheschliessung
einverstanden gewesen und es sei nicht nachvollziehbar, weshalb sich das
hätte ändern sollen. Vielmehr zeige das Verhalten der Brüder angesichts
der Schwierigkeiten der Beschwerdeführerin mit der Schwiegerfamilie –
deren Glaubhaftigkeit unterstellt –, dass sie sich eine derartige Behandlung
für ihre Schwester nicht gewünscht hätten. Auf den unlogischen Zusam-
menhang zwischen der Mentalität der Brüder und deren Verhalten ange-
sprochen, habe sie pauschal geantwortet und die Zweifel an ihren Vorbrin-
gen nicht auflösen können (mit Hinweis auf A18 F149). Allgemein seien
ihre Beschreibungen zur Stammesmentalität und ihre Begründung für die
Furcht vor einem Ehrenmord pauschal und oberflächlich ausgefallen. So
habe sie angegeben, die kurdische Gesellschaft gut zu kennen und dass
in dieser Frauen getötet würden, wenn sie ohne Einverständnis der Familie
mit einem Mann fortgingen. Der Frage, ob dies auch für verheiratete
Frauen, die mit dem eigenen Ehemann fortgingen, gelte, sei sie ausgewi-
chen (mit Hinweis auf A18 F102-104, F121). Ebenso habe sie keine kon-
krete Situation erwähnt, die darauf hinweise, dass die Brüder ihre Vermu-
tung wahrmachen könnten (mit Hinweis auf A18 F102- 112, F120, F122-
123, F146-148). Vielmehr stünde sie noch heute mit der Mutter und einer
D-6846/2018
Seite 18
der Schwestern in Kontakt und erhalte Unterstützung von ihnen, was an-
gesichts der angegebenen Stammesmentalität der Brüder erstaune. Ein-
zig, dass die Brüder den Pass von ihrer Mutter weggenommen hätten, be-
schreibe eine Konsequenz nach der Ausreise; diese Aussage weise jedoch
den Charakter einer Ausflucht auf, zumal die Beschwerdeführerin sie erst
anlässlich der Anhörung angebracht und sich in widersprüchliche Äusse-
rungen dazu verstrickt habe (BzP: Pass weiterhin bei der Mutter; Anhörung:
Besorgung diverser Dokumente, aber nicht des Passes mit Begründung,
die Brüder hätten den Pass nach ihrer Ausreise sofort von der Mutter ver-
langt). Aufgrund dieser Unstimmigkeiten erhärteten sich die Zweifel an der
vorgebrachten Stammesmentalität der Brüder (mit Hinweis auf A7 Ziff.
4.02-4.07, A18 F91-94, F198). Überdies falle auf, dass die Beschwerde-
führerin die Furcht vor einer Zwangsheirat erst bei der Anhörung erwähnt
habe. Zwar habe sie in der BzP geltend gemacht, zur Trennung von ihrem
Ehemann gezwungen worden zu sein, die drohende Heirat mit dem Cousin
aber nicht erwähnt (mit Hinweis auf A7 F7; A18 F97-99, F149). Weiter er-
staune, dass sie es über neun Monate geschafft haben wolle, trotz Todes-
drohungen seitens der Brüder eine Scheidung von ihrem Ehemann zu ver-
hindern. Abgesehen davon wäre eine Zwangsheirat damit gesetzlich gar
nicht möglich gewesen. Schliesslich seien ihre Angaben zur Flucht aus
dem Haus, in dem ihre Brüder sie eingesperrt und kontrolliert hätten, mehr-
heitlich oberflächlich und teilweise unlogisch ausgefallen (ständig einge-
sperrt und kontrolliert, zugleich Kontaktaufnahme mit Ehemann über das
Telefon der Schwägerin, mit Hinweis auf A18 F169-172). Insgesamt
scheine es, als versuche die Beschwerdeführerin über die wahren familiä-
ren Verhältnisse zu täuschen. Folglich sei ihren Vorbringen zur drohenden
Zwangsheirat und Ermordung durch ihre Familie die Grundlage entzogen.
6.2 In ihrer Beschwerde wiederholten die Beschwerdeführenden im We-
sentlichen ihre materiellen Vorbringen (für die formellen Rügen vgl. E. 4).
Dem SEM hielten sie entgegen, es sei aktenwidrig, dass der Beschwerde-
führer bei der BzP und der Anhörung keine Verfolgung durch die Familie
beziehungsweise Schwiegerfamilie geltend gemacht habe. Er sei an der
BzP angehalten worden, sich kurz zu fassen, weshalb ihm nun nicht ent-
gegengehalten werden könne, nicht sämtliche Asylgründe genannt zu ha-
ben. Zudem habe er dort seine Probleme mit der Schwiegerfamilie in den
Grundzügen erwähnt (mit Hinweis auf A4 Ziff. 7.01). Dass er weiter Kontakt
mit seiner eigenen Familie habe, ändere nichts an den fortbestehenden
Problemen mit der Schwiegerfamilie. Sodann konstruiere das SEM seine
eigene Argumentation, wenn es für die Unglaubhaftigkeit der Verfolgungs-
vorbringen darauf abstelle, ihm gefalle E._. Im Weiteren habe es
D-6846/2018
Seite 19
seine pauschalen Behauptungen zur fehlenden Glaubhaftmachung der
Vorbringen, etwa welcher Bruder mit der Waffe geschossen habe, nicht mit
konkreten Aktenstellen belegt; ein diesbezüglicher Widerspruch sei nicht
erkennbar. Betreffend die angeblich allgemeinen und oberflächlichen Aus-
führungen zum Stand der Familienfehde sei auf die schwerwiegenden
Mängel bei der Anhörung und die jahrelange Verschleppung des Verfah-
rens zu verweisen. Es liege ferner in der Natur der Sache, dass auf dem
Foto mit dem blauen Unterarm der Tathergang nicht ersichtlich werde; hier
fehle eine Gesamtwürdigung mit den glaubhaften, von Realkennzeichen
gekennzeichneten Aussagen. Aus dem Haftbefehl sowie den ausführlichen
Schilderungen des Beschwerdeführers gehe weiter hervor, dass er poli-
tisch verfolgt worden sei; die gegenteilige Einschätzung des SEM stelle
eine willkürliche Behauptung dar. Der Mitteilung der DPK sei zudem zu ent-
nehmen, dass er gesucht werde und verhaftet werden solle sowie vor Ge-
richt angeklagt sei. Die Demonstration gegen den Präsidenten sei nicht
friedlich verlaufen, Personen seien verletzt und getötet und der Parteisitz
in Brand gesteckt worden. Daher würden die (mutmasslichen) Organisato-
ren gesucht, zu denen auch er zähle. Er habe ausdrücklich erwähnt, an der
Demonstration identifiziert worden zu sein, und die Details schildern wollen
(mit Hinweis auf A20 F62). Angesichts der mangelhaften Zeitplanung sei er
aber aufgefordert worden, nur grob zu erzählen (mit Hinweis auf A20 F67).
Überdies sei er in seiner Tätigkeit als (...) bekannt gewesen. Bei dem auf
CD eingereichten und schriftlich zusammengefassten Film «Dokument1»
handle es sich um einen Fernsehbericht über jene Demonstration, an wel-
cher der Beschwerdeführer teilgenommen habe, und zeige die äusserst
gewaltsamen Proteste und die Verursachung eines massiven Brandes.
Teilnehmende einer solchen Demonstration hätten einiges zu befürchten.
Im Film «Dokument2» sei zu sehen, wie Sicherheitskräfte der ARK in das
Haus der Beschwerdeführer eindrängen und nach ihm suchten; ein Nach-
bar habe die Videoaufnahme geheim gemacht. Die weiteren Filme illus-
trierten zahlreiche Vorfälle, bei denen Personen aus politischen Gründen
von der KDP (Al-Parti-Partei) im Nordirak verfolgt beziehungsweise an der
Berichterstattung über die Vorfälle in der Region gehindert würden. Nach
allem sei davon auszugehen, dass er im Fall der Verhaftung politisch ver-
folgt und misshandelt würde sowie mit Hinrichtung oder seinem Verschwin-
denlassen rechnen müsste.
Hinsichtlich der Vorbringen der Beschwerdeführerin habe das SEM den
Zusammenhang zwischen den verschiedenen Problemen im Zeitpunkt der
Ausreise nicht erfasst und gewürdigt (nach der Heirat Probleme mit der
Schwiegerfamilie, Demonstrationsteilnahme des Beschwerdeführers und
D-6846/2018
Seite 20
Suche nach ihm, Eskalation mit der Familie der Beschwerdeführerin, ein-
schliesslich durch gemeinsame Ausreise aufgrund behaupteter Verfol-
gung, mit Hinweis auf A20 F37). Die sich derart zuspitzende Situation hät-
ten die Beschwerdeführenden auch detailliert geschildert (mit Hinweis auf
A18 F99). Es stelle sodann keinen Widerspruch dar, dass die Familie ei-
nerseits mit der Ausbildung und Berufswahl von Frauen einverstanden sei
und andererseits sehr strenge Auffassungen betreffend die Heirat und da-
mit verbundene Ehrverletzungen habe. In Bezug auf den Verbleib des Rei-
sepasses äussere das SEM Vermutungen und Spekulationen; die Be-
schwerdeführerin habe eindeutig die Wegnahme durch die Brüder geschil-
dert. Ihr könne angesichts der Mängel in der Erstbefragung und des Hin-
weises, sich kurz zu fassen, überdies nicht vorgeworfen werden, die dro-
hende Zwangsheirat nicht bereits in der BzP erwähnt zu haben. Die Familie
sei mit der Heirat der Beschwerdeführenden nicht einverstanden gewesen
und habe den (...)diebstahl genutzt, um ihre Trennung voneinander her-
beizuführen. Zudem habe sie die Zwangsheirat geplant, was jedoch durch
die abrupte Ausreise der Beschwerdeführenden aus dem Irak vereitelt wor-
den sei. Die Familie der Beschwerdeführerin würde die Beschwerdefüh-
renden aufgrund dieser gravierenden Ehrverletzungen im Fall der Rück-
kehr im Rahmen eines «Ehrenmordes» töten. Die nordirakischen Behör-
den seien diesbezüglich weder schutzfähig noch schutzwillig. Dabei sei
auch zu beachten, dass sich die Beschwerdeführenden aufgrund der poli-
tischen Verfolgung des Beschwerdeführers nicht an die Behörden hätten
wenden können. Nach den Eskalationen zwischen den beiden Familien,
insbesondere dem Schusswechsel, seien die Anforderungen an eine be-
gründete Furcht zudem massiv herabgesetzt. Jedenfalls sei die Situation
mit der Ausreise der Beschwerdeführerin gegen den Willen der Familie es-
kaliert und sie sei heute erst recht verfolgt. Aus dem Fernsehbericht des
KNN (Link eingereicht mit Schreiben vom 18. Februar 2019) gehe hervor,
dass die Behörden sich im Falle einer Frau, die Opfer häuslicher Gewalt
geworden sei, geweigert hätten, gegen den Täter vorzugehen beziehungs-
weise die Frau zu schützen.
6.3 In den Schreiben vom 15. Januar 2020, 10. März 2020 und 6. August
2020 brachten die Beschwerdeführenden im Asylpunkt vor, der Beschwer-
deführer erhalte sehr häufig und fortdauernd anonyme Anrufe, bei denen
ihm mit dem Tode gedroht werde. Insbesondere würden auch seine Frau
und seine Kinder bedroht. Von zwei Anrufen habe er Screenshots anferti-
gen können. Aus Angst nehme er die Drohanrufe kaum mehr entgegen und
begebe sich ausser zur Arbeit und zum Einkaufen nur noch selten in die
Öffentlichkeit. Auch die Beschwerdeführerin lebe in ständiger Angst, was
D-6846/2018
Seite 21
es ihr verunmögliche, ihr Leben abgesehen von einfachsten Besorgungen
zu bewältigen. Die Beschwerdeführenden gingen davon aus, dass es sich
bei den Urhebern der Anrufe um Familienangehörige der Beschwerdefüh-
rerin handle.
6.4 In den Schreiben vom 3. und 16. Dezember 2020 hielten die Beschwer-
deführenden – bezogen auf den Asylpunkt – unter Verweis auf Fotos be-
treffend die Gewalt in G._ und zwei Internetartikel zu einer Entfüh-
rung beziehungsweise ein Ehrenmorddelikt sowie diverse Zeitungsartikel,
einen Facebook-Ausdruck und einen USB-Stick mit Filmen, jeweils zu den
Unruhen in G._ und Umgebung, fest, dass die Situation vor Ort kri-
tisch sei und es regelmässig zu Ausschreitungen und Gewalt komme. Dies
belege ihre drohende Verfolgung im Irak zusätzlich.
7.
Eine einlässliche Prüfung ergibt, dass die Vorbringen der Beschwerdefüh-
renden nicht geeignet sind, eine asylrelevante Verfolgung nachzuweisen
oder zumindest glaubhaft zu machen.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an die Glaub-
haftmachung von Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-
scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
7.2 Wie bereits erwogen (vgl. E. 4.5), ist im Rahmen der Glaubhaftigkeits-
prüfung der Vorbringen im vorliegenden Fall zu berücksichtigen, dass die
Anhörungen über einen ganzen Tag für die Beschwerdeführenden mit ei-
nem Säugling sehr anstrengend waren, die Konzentration des gesamten
Anhörungsteams im Laufe der Zeit sank und sich dies sowie auch die Art
der Fragestellung durch die befragende Person auf das Antwortverhalten
namentlich der Beschwerdeführerin auswirkten.
7.3
7.3.1 Vor diesem Hintergrund vermag das Gericht nicht vollumfänglich die
Vorbehalte zu teilen, die das SEM an die Glaubhaftigkeit der Vorbringen
zur Familienfehde anbrachte. So ist in der Tat nicht ersichtlich, inwieweit
aus der Antwort des Beschwerdeführers auf die Frage, ob ihm die Heimat-
stadt seiner Ehefrau gefalle, ohne weitere Verbindung mit seinen Vorbrin-
gen überhaupt auf deren Glaubhaftmachung geschlossen werden kann.
Aus den Akten wird weiter ersichtlich, dass der Beschwerdeführer sehr
D-6846/2018
Seite 22
wohl bereits in der BzP das Problem zwischen den beiden Familien an-
sprach (vgl. A4 Ziff. 7.01). Zudem räumte das SEM noch im Entscheid
selbst ein, der Beschwerdeführer habe in der Anhörung seine Furcht vor
Problemen mit der Schwiegerfamilie angesprochen (vgl. Entscheid S. 4).
Den Akten ist überdies zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin sich
auf die Frage, welcher Bruder geschossen habe, nach einer ersten Angabe
sofort korrigierte und auch darlegte, warum sie zuerst auf den anderen Bru-
der kam (vgl. A18 F97).
7.3.2 Im Weiteren kann aber auf die Ausführungen der Vorinstanz zur
Glaubhaftigkeit der Schilderungen betreffend den Streit der Familien wie
auch deren fehlender Asylrelevanz verwiesen werden (vgl. E. 6.1) und ge-
lingt es den Beschwerdeführenden nicht, diesen auf Beschwerdeebene
stichhaltige Argumente entgegenzuhalten. Dabei ist zu berücksichtigen,
dass das SEM sich – in seinem sehr umfassenden Entscheid – nicht mit
allen (Un-)Glaubhaftigkeitselementen auseinandersetzen musste, ge-
schweige denn, alle mit konkreten Aktenstellen zu belegen hatte, wie in der
Beschwerde eingewandt. Dass die Beschwerdeführenden keine detaillier-
teren Angaben zum Stand der Fehde machen konnten, kann mit Blick auf
die teilweise ausführlichen Schilderungen des Streits, bei dem es zu einem
Schuss kam, nicht allein mit der Anhörungssituation und der langen Ver-
fahrensdauer erklärt werden. Eine Eskalation des Streits zwischen den Fa-
milien, die mit der ungewollten Heirat begonnen und ihren vorläufigen End-
punkt in der Ausreise gefunden haben soll, und die das SEM nicht gewür-
digt habe, geht zudem aus den Akten gerade nicht hervor. Das SEM hat
dazu zutreffend festgehalten, dass der Beschwerdeführer bis zur Ausreise
– immerhin während neun Monaten – keine Behelligungen durch die
Schwiegerfamilie zu erleiden hatte. Der Hinweis des SEM auf das weiterhin
gute Verhältnis zu seiner eigenen Familie ist in Bezug auf allfällige Nach-
teile zu verstehen, welche allenfalls von ihrer Seite hätten drohen können.
Auch die Beschwerdeführerin hat nicht geltend gemacht, bis zur Ausreise
hätten sich im Hinblick auf die Auseinandersetzung zwischen den Familien
noch weitere Vorfälle gegen sie oder den Beschwerdeführer ereignet, die
überhaupt asylrelevante Ausmasse erreichten. Ebenso wenig ist den Akten
zu entnehmen, dass es nach der Ausreise der Beschwerdeführenden zwi-
schen den Familien zu weiterem Streit gekommen sei, unter welchem Ers-
tere bei einer Rückkehr zu leiden hätten (vgl. etwa A18 F 106-108). Soweit
sie auf Beschwerdeebene mit Hinweis auf die anonymen Drohanrufe an-
bringen, nach der Ausreise durch die Familie der Beschwerdeführerin be-
droht zu werden, ist – wenngleich nicht völlig auszuschliessen – angesichts
vorstehender Erwägungen wenig wahrscheinlich, dass diese auf den Streit
D-6846/2018
Seite 23
zwischen den Familien zurückzuführen sind (vgl. auch E. 7.5). Den
Screenshots zu den anonymen Drohanrufen ist typischerweise nicht zu
entnehmen, von wem sie stammen. Die alleinige Vermutung, dass die Brü-
der der Beschwerdeführerin dahinterstehen, reicht nicht, zumal den Schil-
derungen zu den Drohanrufen keine detaillierteren Angaben zu entnehmen
sind, die darauf schliessen lassen könnten, es handle sich um Anrufe der
Brüder.
7.4 Hinsichtlich der Vorbringen zur häuslichen Gewalt, welche die Be-
schwerdeführerin durch die Schwiegerfamilie erlitten haben soll, ist mit der
Vorinstanz einig zu gehen, dass diese nicht im zeitlichen Zusammenhang
zur Ausreise steht und kein asylrelevantes Ausmass erreichte, dies auch
unter Berücksichtigung einer allfälligen Eskalation der Familienfehde (vgl.
zuvor E. 7.3). Insoweit kann dahingestellt bleiben, ob die Verletzungen am
Unterarm von dieser Gewalt herrühren und der Beschwerdeführerin zuge-
fügt wurden, sowie, ob das dazu vorgelegte Foto im Rahmen einer Ge-
samtwürdigung der Vorbringen zur häuslichen Gewalt weitergehend hätte
gewürdigt werden müssen. Ebenso erübrigen sich Ausführungen dazu, ob
die Beschwerdeführerin von der Schutzfähigkeit und -willigkeit der staatli-
chen Strukturen in der ARK bei häuslicher Gewalt ausgehen konnte, wie
vom SEM angenommen.
7.5
7.5.1 Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, ihr habe eine Zwangs-
verheiratung durch die Familie mit einem Cousin gedroht und sie werde
aufgrund der unerlaubten Ausreise mit ihrem Ehemann im Rahmen eines
«Ehrenmordes» getötet, sind diese Vorbringen nicht als glaubhaft gemacht
zu erachten. Auch diesbezüglich kann auf die überzeugenden, umfangrei-
chen Ausführungen des SEM verwiesen werden. Die Beschwerdeführen-
den vermögen auf Beschwerdeebene nicht damit durchzudringen, der Be-
schwerdeführerin könne nicht vorgeworfen werden, dass sie die Zwangs-
verheiratung nicht bereits in der BzP angesprochen habe. Weder sind ir-
gendwelche – auch nicht näher substantiierten – Mängel in der Befragung
ersichtlich, noch verfängt der Hinweis auf die Aufforderung, sich kurz zu
fassen. Immerhin handelt es sich hier um wesentliche Vorbringen (vgl. A18
F99, F149 ff.). Die Beschwerdeführerin machte in der Anhörung selbst gel-
tend, dass ihr diese Heirat während neun Monaten von ihren Brüdern an-
gedroht worden sein soll und sie anderenfalls umgebracht werde (A18
F155, F158). Entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift sind
den Akten ferner keine substantiierten Hinweise dafür zu entnehmen, dass
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Seite 24
die Brüder der Beschwerdeführerin die Heirat mit dem Cousin bereits plan-
ten und darin durch die abrupte Ausreise der Beschwerdeführenden unter-
brochen wurden. Abgesehen davon ist mit der Vorinstanz einig zu gehen,
dass eine weitere Heirat angesichts des Fortbestands der Ehe der Be-
schwerdeführenden im Irak nicht möglich wäre.
7.5.2 Im Weiteren kann zwar im länderspezifischen Kontext nicht von Vorn-
herein ausgeschlossen werden, dass auch Familien mit einem Bildungs-
hintergrund sehr strenge Auffassungen betreffend die Heirat und damit ver-
bundene Ehrverletzungen haben können (vgl. etwa Danish Immigration
Service [DIS], Kurdistan Region of Iraq [KRI]: Women and men in honour-
related conflicts, 09.11.2018, S. 50, Iraq-KRI-Women-and-men-in-honour-
related-conflicts-Udlændingestyrelsen-og-Landinfo-09112018.pdf, abgeru-
fen am 2. Februar 2021), wie dies von den Beschwerdeführenden einge-
wandt wird. Im konkreten Fall sprechen aber zahlreiche Elemente in den
Vorbringen gegen diese Einschätzung. Diese hat die Vorinstanz in ihrem
Entscheid eingehend dargelegt und auf sie kann hier ebenfalls verwiesen
werden (vgl. Entscheid S. 7-9). Dabei fällt nach dem zuvor Gesagten we-
niger ins Gewicht, dass die Geschwister der Beschwerdeführerin studiert
sind und die Frauen der Familie arbeiten. Vielmehr ist mit der Vorinstanz
darauf abzustellen, dass die Familie der Beschwerdeführerin trotz der an-
fänglichen Widerstände die Eheschliessung mit dem Beschwerdeführer
letztlich gebilligt hat, die Brüder bei der Hochzeit anwesend waren und
auch sonst ein Verhalten an den Tag legten, das auf eine gewisse Offenheit
schliessen lässt. Vor allem ist das Gericht ebenso wenig überzeugt, nach
dem Streit bei der Familie des Beschwerdeführers und der Mitnahme der
Beschwerdeführerin sei diese ihrer Freiheiten beraubt worden, um sie zur
Scheidung vom Beschwerdeführer und zur Heirat mit dem Cousin zu zwin-
gen. Ihre diesbezüglichen Angaben weisen diverse Unstimmigkeiten zum
Grad ihrer Festhaltung durch die Brüder auf (vgl. A18 F98, F146: keine
Freiheiten und eigene Entscheidungen mehr, nur eingesperrt; A18 F169-
172, F180-183: Handy von der Schwägerin, mit dem sie mit dem Be-
schwerdeführer telefonieren konnte, Möglichkeit, einfach aus dem Haus zu
gehen), die nicht den Eindruck vermitteln, dass die Brüder derart konser-
vativen Wertvorstellungen anhängen, wie von ihr geschildert. Überdies hat
die Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren nicht geltend ge-
macht und sind den Akten keine glaubhaften Hinweise auf ein Verhalten
der Brüder nach ihrer Ausreise zu entnehmen, die für die Begehung eines
Ehrenmordes bei ihrer Rückkehr sprechen könnten. Der Einwand zum Ver-
bleib des Passes ist unerheblich, zumal die Vorinstanz die widersprüchli-
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chen Angaben der Beschwerdeführerin dazu sowie ihre Erklärungsversu-
che sehr ausführlich und mit Hinweis auf diverse Aktenstellen dargelegt hat
(vgl. Entscheid S. 8). Diesbezüglich ist aber ohnehin auf die nachfolgende
E.7.7 zu verweisen. Hinsichtlich der anonymen Drohanrufe ist nach dem
zuvor Gesagten auch hier (vgl. bereits E. 7.3) unwahrscheinlich, diese
könnten von ihren Brüdern ausgehen. Insgesamt erscheint es nicht glaub-
haft, die Beschwerdeführerin und mit ihr ihr Ehemann müssten aufgrund
ihrer Flucht mit einer gewaltsamen Tötung durch ihre Brüder rechnen.
7.5.3 Daran vermögen auch die eingereichten Dokumente und Videos zum
Ehrenmord an Frauen im Irak nichts zu ändern. Diese zeigen lediglich –
ohne Bezug zum vorliegenden Fall – auf, dass Ehrenmorde in der Region,
aus der Beschwerdeführenden stammen, noch immer weit verbreitet sind
(vgl. DIS, KRI: Women and men in honour-related conflicts, 09.11.2018,
S. 7 und 12, vgl. für die Quellenangabe E. 7.5.2). Dies wird nicht in Abrede
gestellt. Auch ist nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-
richts davon auszugehen, dass die Verfolgung durch Drittpersonen im Zu-
sammenhang mit Ehrverletzungen im Irak eine asylrelevante Verfolgung
darstellen kann, sofern die Behörden nicht schutzfähig und -willig sind (vgl.
BVGE 2008/4 E. 6.7). Vorliegend konnten die Beschwerdeführenden aber
nicht glaubhaft machen, dass sie mit Verfolgungsmassnahmen durch die
Familie der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Ausreise mit dem eigenen
Ehemann ohne Zustimmung der Brüder rechnen müssen. Insoweit erübri-
gen sich weitere Ausführungen zur Schutzfähigkeit und zum Schutzwillen
der nordirakischen Behörden, zur Möglichkeit, sich an diese aufgrund der
politischen Aktivitäten des Beschwerdeführers (dazu sogleich E. 7.6) wen-
den zu können, sowie zur Frage, ob aufgrund des Streits der Familien, bei
dem es zu einem Schusswechsel kam, beziehungsweise generell einer
– nicht glaubhaften – Eskalation der Fehde herabgesetzte Anforderungen
an die begründete Furcht vor Verfolgung zu stellen sind.
7.6 Schliesslich sind die einlässlichen Erwägungen des SEM zur vorge-
brachten drohenden Verfolgung des Beschwerdeführers aufgrund seines
politischen Engagements – auf die hier verwiesen sei – vollumfänglich zu
stützen (vgl. Entscheid S. 5-6). Weder ist den Vorbringen des Beschwer-
deführers und den Akten insgesamt zu entnehmen, dass er über ein politi-
sches Profil verfügt, das ihn in den Fokus der nordirakischen Behörden
rücken lassen könnte, noch konnte er glaubhaft machen, aufgrund seiner
Teilnahme an einer Demonstration gegen den Präsidenten tatsächlich ge-
sucht worden zu sein und bei einer Ergreifung eine asylrelevante Verfol-
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gung befürchten zu müssen. Entgegen der Behauptung in der Beschwer-
deschrift hatte der Beschwerdeführer ausreichend Gelegenheit, während
der Anhörung über die Demonstration und die folgenden Ereignisse zu be-
richten, einschliesslich seiner Identifizierung (vgl. A20 F36 ff.). Dabei ist
nicht auszuschliessen, dass er aufgrund seiner Präsenz in der vordersten
Demonstrationsreihe und seiner Tätigkeit als (...) erkannt wurde. Ebenso
stellt das Gericht nicht in Abrede, dass die erwähnte Demonstration gewalt-
same Züge annahm, wie auf Beschwerdeebene mit den Videos belegt wer-
den soll, und die Behörden die Organisatoren ergreifen wollten. Dass der
Beschwerdeführer diese tatsächlich mitorganisiert haben soll, wie nun auf
Beschwerdeebene behauptet und mit der Mitteilung der KDP belegt wer-
den soll, findet aber keine Entsprechung in seinen eigenen Aussagen in
der Anhörung (vgl. A20 F114) und ist daher als nachgeschobene Behaup-
tung beziehungsweise als Gefälligkeitsschreiben zurückzuweisen. Dabei
ist auch zu berücksichtigen, dass die Mitteilung nur in Kopie vorgelegt
wurde. Wie schon die Vorinstanz betreffend den Haftbefehl zutreffend an-
merkte, entfalten Kopien nur eine geringe Beweiskraft und vermögen in
casu angesichts der bereits angebrachten Zweifel die diesbezüglichen Vor-
bringen nicht hinreichend zu stützen. Auch die Videoaufnahmen, die der
Nachbar von der Suche nach dem Beschwerdeführer gemacht haben soll,
dürften die Glaubhaftigkeit der Vorbringen nicht untermauern. Es ist inso-
weit schon nicht ersichtlich, warum sie erst auf Beschwerdeebene einge-
reicht wurden, was Zweifel an ihrer Authentizität nahelegt. Überdies kön-
nen die Aufnahmen keine Auskunft darüber geben, dass es sich bei der
Suche und der gesuchten Person tatsächlich um den Fall des Beschwer-
deführers handelt. Angesichts seines weiterhin als niedrig zu erachtenden
Profils ist nicht davon auszugehen, dass er mit einem Haftbefehl gesucht
wird und angeklagt wurde. Erst recht ist nicht anzunehmen, dass er bei
einer Ergreifung Misshandlungen oder gar seine Tötung fürchten müsste.
Die weiteren Filme zu diversen Vorfällen, bei den Personen aus politischen
Gründen von der KDP (Al-Parti-Partei) im Nordirak verfolgt werden, vermö-
gen zu keiner anderen Einschätzung zu führen, weisen sie doch keinen
konkreten Bezug zum vorliegenden Fall auf. Dies gilt schliesslich auch für
die auf Beschwerdeebene vorgelegten Nachweise über die Unruhen in
G._ und Umgebung.
7.7 Sämtliche Vorbringen zur Familienfehde, häuslichen Gewalt, drohen-
den Zwangsverheiratung und heimlichen Ausreise mit der Folge eines dro-
henden Ehrenmords sowie zur politischen Verfolgung des Beschwerdefüh-
rers werden letztlich nachhaltig durch Einträge in den kürzlich durch die
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schweizerische Zollverwaltung sichergestellten Reisepässen der Be-
schwerdeführenden erschüttert. Danach reisten sie am 14. Oktober 2015
über den internationalen Flughafen in F._, Irak, in die Türkei aus.
8.
Das Bundesverwaltungsgericht stellt zusammenfassend fest, dass die Be-
schwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft gemäss den Voraussetzun-
gen von Art. 3 und 7 AsylG aus den vorerwähnten Gründen nicht erfüllen,
weshalb die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneinte und
ihre Asylgesuche ablehnte.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2
10.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der
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Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AlG).
10.2.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender
Begründung erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin-
dernisse erkennbar sind. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Irak lässt den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (vgl.
Urteil des BVGer E-3737/2015 vom 14. Dezember 2015 E. 6.3.2 [als Re-
ferenzurteil publiziert] m.w.H.). Die Hinweise auf Beschwerdeebene zur Zu-
nahme von gewaltsamen Ausschreitungen in G._ und Umgebung
sowie die dazu eingereichten Beweismittel vermögen daran nichts zu än-
dern. Der Vollzug der Wegweisung ist vorliegend sowohl im Sinne der
flüchtlingsrechtlichen als auch der menschenrechtlichen Bestimmungen
zulässig.
10.3
10.3.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.3.2 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts herrscht
in den vier kurdischen Provinzen des Iraks, Dohuk, Erbil, Sulaimaniyya und
Halabja keine Situation allgemeiner Gewalt und die politische Lage ist nicht
dermassen angespannt, dass eine Rückführung dorthin als generell unzu-
mutbar betrachtet werden müsste. Die Anordnung des Wegweisungsvoll-
zugs in diese Region setzt jedoch voraus, dass die betroffene Person ur-
sprünglich aus der Region stammt oder eine längere Zeit dort gelebt hat
und damit über ein soziales Netz (Familie, Verwandtschaft oder Bekann-
tenkreis) oder über Beziehungen zu den herrschenden Parteien verfügt
(BVGE 2008/5 E. 7.5.8; bestätigt im Urteil des BVGer E-3737/2015 vom
14. Dezember 2015 E. 7.4.5 [als Referenzurteil publiziert]; vgl. auch Urteil
des BVGer E-5412/2017 vom 30. April 2020 E. 7.3.2 m.w.H.). An der vor-
stehenden Praxis ist zum aktuellen Zeitpunkt auch unter Berücksichtigung
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der auf Beschwerdeebene mit Videos und Berichten belegten Unruhen in
G._ und Umgebung festzuhalten.
10.3.3 Das SEM führte zu den individuellen Umständen aus, angesichts
der als nicht glaubhaft zu erachtenden Angaben der Beschwerdeführerin
im Asylpunkt sei von ihrer fehlenden Bereitschaft auszugehen, wahrheits-
gemäss über ihre persönliche und familiäre Situation im Heimatland Aus-
kunft zu geben. Dies verunmögliche eine vollumfängliche Prüfung der Zu-
mutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung in Bezug auf die Beschwerde-
führerin. Ungeachtet dessen stehe der Beschwerdeführer mit seiner Fami-
lie im Kontakt und werde von dieser unterstützt. Die Beschwerdeführerin
habe weiter Kontakt zu ihrer Mutter und Schwester. Auch habe sie einen
Bruder in der Schweiz, der sie unterstütze. Sodann hätten die Beschwer-
deführenden gut vom Verdienst des Beschwerdeführers als (...) leben kön-
nen. Schliesslich sei es ihnen möglich gewesen, innert kurzer Zeit eine
kostspielige Reise nach Europa zumindest teilweise zu finanzieren. Hinzu-
komme, dass beide über einen Universitätsabschluss und der Beschwer-
deführer über diverse Arbeitserfahrungen in unterschiedlichen Geschäfts-
bereichen verfügten. Es sei ihnen daher zuzutrauen, sich in ihrer Heimat
beruflich wieder einzugliedern. Soweit die Beschwerdeführerin das Zusam-
menleben mit der Schwiegerfamilie als schwierig empfunden habe, könnte
eine alternative Wohnsituation in Betracht gezogen werden. Immerhin hät-
ten die Beschwerdeführenden auch ein gemeinsames Kind, womit sich ein
Wohnungswechsel begründen liesse. Unabhängig davon sei davon auszu-
gehen, dass sie mit dem bestehenden sozialen Netz und ihrer beruflichen
Erfahrung bei einer Rückkehr in den Nordirak nicht in eine existenzbedro-
hende Situation geraten würden. Der Wegweisungsvollzug erweise sich
darüber hinaus auch unter dem Aspekt des Kindeswohls als zumutbar, zu-
mal ihr (...)jähriger Sohn in seinem Alter noch stark an die Eltern gebunden
sei und noch keine selbständigen Aussenkontakte erwerbe, weshalb nicht
von einer Entwurzelungssituation gesprochen werden könne.
10.3.4 Der Beschwerdeführer stammt aus G._, Provinz Sulaima-
niyya, die Beschwerdeführerin aus E._, Provinz F._. Beide
haben in F._ studiert. Die auf Beschwerdeebene gegen die Zumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs angebrachten Einwände sind nicht ge-
eignet, die Einschätzung des SEM zu erschüttern. Gemäss den Erwägun-
gen im Asylpunkt ist gerade nicht davon auszugehen, dass die Beschwer-
deführenden von der Familie verstossen und verfolgt werden (vgl. E. 7).
Weiter steht die berufliche, soziale und sprachliche Integration der Be-
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schwerdeführenden in der Schweiz, die mit zahlreichen Dokumenten be-
legt wird (Arbeitsvertrag des Beschwerdeführers, Nachweis über finanzi-
elle Unabhängigkeit, Bestätigung der Krankenversicherung über Prämien-
zahlungen, Referenzschreiben, Unterlagen zum Kindergartenbesuch des
älteren Kindes, Nachweise über Sprachtests) dem Wegweisungsvollzug
nicht entgegen. Zwar ist diese als äusserst erfolgreich anzusehen und
könnte allenfalls Prüfungsgegenstand eines Härtefallantrags bei den zu-
ständigen kantonalen Behörden bilden. Im Rahmen von Asylverfahren ist
die Integration in der Schweiz aber vielmehr im Hinblick auf allfällige Rein-
tegrationshindernisse bei der Rückkehr in den Heimatsstaat zu beurteilen.
Insoweit ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden im Irak geboren
sind und dort den grössten Teil ihres Lebens verbracht haben. Von einer
Entwurzelung kann in diesem Fall noch nicht gesprochen werden, dies
auch unter Berücksichtigung des vor Ort vorhandenes familiäres Umfelds,
der Unterstützungsmöglichkeit durch den Bruder in der Schweiz sowie ih-
rer Ausbildung und Berufserfahrung. Allfällige Bemühungen zum Erhalt ei-
ner Wohnung und einer Arbeitsstelle sind ihnen durchaus zuzumuten.
Den Akten sind sodann keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass das
Kindeswohl nach Art. 3 des Übereinkommens vom 20. November 1989
über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) dem Wegweisungsvollzug
der mittlerweile zwei kleinen Kinder der Beschwerdeführenden entgegen-
stehen würde. Die Kinder sind zwar in der Schweiz geboren. Das ältere
Kind ist bald (...) Jahre alt und besucht mittlerweile den Kindergarten, das
jüngere ist (...) Jahre alt. Damit befinden sich beide Kinder aber noch in
einem Alter, in dem weiterhin die Eltern die Hauptbezugspersonen darstel-
len. Mit ihnen zusammen würden sie in den Irak zurückkehren.
Letztlich spricht auch die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführen-
den nicht gegen den Wegweisungsvollzug. Praxisgemäss ist bei einer
Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur dann von
einer medizinisch bedingten Unzumutbarkeit auszugehen, wenn die unge-
nügende Möglichkeit einer Weiterbehandlung eine drastische und lebens-
bedrohliche Verschlechterung des Gesundheitszustands nach sich zöge
(vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3). Diese Schwelle ist vorliegend nicht erreicht.
Auf die während des Beschwerdeverfahrens erfolgte zweite Schwanger-
schaft der Beschwerdeführerin und die diesbezüglichen Vorbringen und
Artzeugnisse ist nicht weiter einzugehen, nachdem das zweite Kind ge-
mäss Aktenlage gesund geboren wurde und die Beschwerdeführerin keine
gesundheitlichen Folgeprobleme geltend gemacht hat. Der Eisen-, Vitamin
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D- und Vitamin-B12-Mangel, unter dem die Beschwerdeführerin, wie zu-
letzt mit dem Arztzeugnis vom 13. Oktober 2018 belegt, leidet, stellt keine
bedrohliche Erkrankung im vorgenannten Sinne dar. Zudem kann den
Mangelerscheinungen durch Substitution begegnet werden, die auch im
Irak erhältlich sein dürfte. Soweit in den Schreiben vom 15. Januar 2020,
6. August 2020 und 3. Dezember 2020 schliesslich vorgebracht wird, der
psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verschlechtere
sich zunehmend, ist dies in Anbetracht des andauernden Beschwerdever-
fahrens und der damit verbundenen Ungewissheit über dessen Ausgang
für das Gericht verständlich. Ebenso erscheint nicht ausgeschlossen, dass
sich die Aufnahme einer psychiatrischen oder psychologischen Behand-
lung in der Schweiz schwierig gestalten kann. Festzuhalten bleibt aber,
dass den Akten keine ärztlichen Diagnosen im Hinblick auf ihre psychische
Gesundheit zu entnehmen sind, womit sich auch die Frage der Behandel-
barkeit im Irak erübrigt.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung als zumut-
bar.
10.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendi-
gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu
auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als
möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den
Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da die formelle Rüge der Verletzung des
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Akteneinsichtsrechts zu Recht erfolgte, sind die Verfahrenskosten aber um
Fr. 200.– auf Fr. 550.– zu reduzieren (vgl. Art. 63 Abs. 1 Satz 2 VwVG). Der
am 17. Dezember 2018 in Höhe von Fr. 750.– geleistete Kostenvorschuss
ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. Der verbleibende
Betrag von Fr. 200.– ist den Beschwerdeführenden aus der Gerichtskasse
zu erstatten.
12.2 Soweit sich die formelle Rüge der Verletzung des Akteneinsichts-
rechts als berechtigt erwiesen hat, ist den Beschwerdeführenden eine an-
gemessene (reduzierte) Parteientschädigung für die ihnen aus der Be-
schwerdeführung im Rahmen der festgestellten Verfahrensmängel er-
wachsenen notwendigen Kosten zuzusprechen (vgl. Teilurteil D-1549/2017
vom 2. Mai 2018 E. 10.2). Eine Kostennote wurde nicht eingereicht. Der
diesbezüglich notwendige Vertretungsaufwand lässt sich aber aufgrund
der Akten hinreichend zuverlässig abschätzen (Art. 14 Abs. 2 in fine des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]; VGKE). In An-
wendung der genannten Bestimmung und unter Berücksichtigung der
massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8–13 VGKE) ist das SEM
anzuweisen, den Beschwerdeführenden eine Entschädigung für die be-
rechtigte Geltendmachung der formellen Rüge von Fr. 200.– auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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