Decision ID: 597a488a-b8fe-4ea9-a386-1b75debcd276
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
X._
, geboren 1961,
absolvierte nach
d
er obligatorischen Schulzei
t eine Ausbildung zur Floristin
(
Urk.
25/36/45)
. Sie arbeitete nur rund drei Jahre in diesem Beruf
und war danach im kaufmännischen Bereich tätig,
wobei sie auch eine Lehre zur Büroangestellten abschloss (
Urk.
25/36/46) und diverse zusätz
li
che Weiterbildungen besuchte, insbesondere im Bereich Sach
bearbei
tung Sozi
alversicherungen (
Urk.
25/36/29-33).
Vom
1.
April 2002 bis zum 31.
Oktober 2005 arbeitete sie im Umfang von 100
%
als Sach
bearbeiterin bei der
Z._
(
Urk.
2/5)
. V
om
1.
November 2005 bis zum 31.
Dezember 2008 war sie ebenfalls als Sachbearbeiterin bei der
A._
AG tätig und damit bei deren Vorsorge
stiftung
vorsorgeversichert
(
Urk.
2/6)
. In der Zeit vom
1.
Januar bis zum 3
0.
Juni 2009 war
sie als Mitarbeiterin Kunden
dienst
bei der
B._
angestellt und bei der Pensionskasse der Stadt Zürich vorsorgeversichert
(
Urk.
2/7, Urk.
2/8)
. Vom
1.
Juli 2009 bis zum 3
1.
Oktober 2009 bezog sie bei einer Vermittlungsfähigkeit von 100
%
Taggel
der der Arbeitslosenversicherung und war bei der Stiftung Auffangeinrichtung BV
G vorsorgeversichert. Ab dem 1.
November 2009 arbei
tete
X._
als Verkäuferin in der Abteilung Blumen/Pflanzen bei der
C._
und war dadurch bei der
Y._
-
Pensionskasse vorsorgeversichert
(
Urk.
2/10)
. Dieses Arbeits
verhältnis wurde
von der Arbeit
geberin
per
2
8.
Februar 2010 bzw. unter Berücksichtigung eines
krank
heitsbedingten
Unterbruchs der Kündigungsfrist per 3
1.
März 2010 beendet,
da
die Versicherte den Anforderungen
nicht genügen konnte (Urk.
2/11-13).
Am 2
3.
Januar 2010 meldete sich
X._
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
25/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, führte diverse Abklärungs- und Eingliederungsmassnahmen durch und sprach der Versicherten schliesslich mit Verfügung vom 1
3.
März 2012
basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100
%
mit Wirkung ab dem
1.
September 2011 eine ganze Invalidenrente zu (
Urk.
25/84). Dabei ging die IV-Stelle davon aus, dass
X._
seit dem 2
7.
Januar 2010 in ihrer Arbeits
fähigkeit erheblich einge
schränkt sei und weder ihre bisherigen Tätig
keiten als Floristin und im Bürobereich noch eine andere angepasste Tätigkeit in der freien Wirtschaft ausüben könne (
Urk.
25/82).
In der Folge versuchte
X._
auch
Invali
denleistungen
von der beruflichen Vorsorge erhältlich zu machen. Dies gelang jedoch nicht, da keine der in Frage kommenden
Vorsorge
einrichtungen
ei
ne Leistungspflicht anerkannte.
2.
Am 1
8.
August 2014 erhob
X._
durch den Rechtsdienst
Inclusion
Handi
cap (früher: Rechtsdienst Integration Handicap) Klage gegen die Pensi
onskasse Stadt Zürich (Beklagte 1), die Vorsorgestiftung der
A._
(Beklagte 2), die
Y._
-Pensionskasse (Beklagte 3) und die Stiftung Auffangeinrichtung BVG (Beklagte 4) mit folg
endem Rechtsbegehren (
Urk.
1 S.
2):
„1.
Der Klägerin sei mit Wirkung ab
1.
Januar 2011 eine Invalidenrente aus der obligatorischen und überobligatorischen beruflichen Vorsorge der Pen
si
onskasse Stadt Zürich samt Verzugszinsen
zuzusprechen
.
2.
Eventualiter sei der Klägerin mit Wirkung ab
1.
Januar 2011 eine Invaliden
rente aus der obligatorischen und der überobligatorischen beruf
li
chen Vorsorge der
A._
AG samt Verzugszinsen zuzusprechen.
3.
Subeventualiter
sei der Klägerin mit Wirkung ab
1.
Januar 2011 eine Invali
denrente aus der obligatorischen und der überobligatorischen beruf
li
chen Vorsorge der
Y._
-Pensionskasse samt Verzugszinsen zuzu
spre
chen.
4.
Subsubeventualiter
sei der Klägerin mit Wirkung ab
1.
Januar 2011 eine Invalidenrente aus der obligatorischen beruflichen Vorsorge der Stiftung Auffangeinrichtung BVG samt Verzugszinsen zuzusprechen.
5.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der jeweiligen Beklag
ten.“
Die Beklagte 1 mit Klageantwort vom 2
4.
Oktober 2014 (
Urk.
15), die Beklagte 2 mit Klageantwort vom 1
9.
November 2014 (
Urk.
17) und die Beklagte 3 durch Rechtsanwältin
Dr.
Isabelle Vetter-Schreiber mit Klageantwort vom 26. Novem
ber 2014 (
Urk.
20) beantragten die Abweisung der Klage. Die Be
klagte 4 liess sich nicht vernehmen. Mit Verfügung vom
5.
Januar 2015 (Urk. 22) zog das Gericht die Akten der Invalidenversicherung bei (
Urk.
25/1-104). Mit Rep
-
lik vom
5.
Februar 2015 liess die Klägerin an ihrer Klage fest
halten,
insbeson
-
dere
daran, dass primär die Beklagte 1 Invalidenlei
stungen zu erbringen habe (Urk.
29).
Die Beklagte 2 mit Duplik vom 1
9.
März 2015 (Urk. 34), die Beklag
-
te
1 mit Duplik vom 2
7.
April 2015 (
Urk.
36) und die Beklagte 3 mit Duplik vom 2
9.
Mai 2015 (
Urk.
37) hielten ebenfalls an ihren jeweiligen Anträgen fest.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidenleistungen der obligatorischen beruflichen Vorsorge werden von der
jenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher der Ansprecher bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, angeschlossen war (Art. 23
lit
. a BVG). Die Leistungspflicht setzt einen engen sachlichen und zeitli
chen Zusammenhang zwischen der
während der Dauer des
Vorsorge
verhältnis
ses
(einschliesslich der Nachdeckungsfrist nach Art. 10 Abs. 3 BVG) bestande
nen Arbeitsunfähigkeit (Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bis
he
rigen Beruf von zumindest 20 Prozent; BGE 136 V 65 E. 3.1 S. 68; 134 V 20 E. 3.2.2 S. 23; SVR 2008 BVG Nr. 34 S. 143 E. 2.3 mit Hinweisen, 9C_127/2008) und der allenfalls erst später eingetretenen Invalidität voraus (BGE 130 V 270 E. 4.1 S. 275).
1.2
Der sachliche Konnex ist gegeben, wenn der Gesundheitsschaden, der zur Ar
beitsunfähigkeit geführt hat, im Wesentlichen der gleiche ist wie derjenige, auf welchem die Erwerbsunfähigkeit beruht (BGE 134 V 20 E. 3.2 S. 22).
1.3
Die Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs setzt voraus, dass die ver
sicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Inva
lidität geführt hat, nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig war. Bei der Prüfung dieser Frage sind die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognos
ti
sche Beurteilung durch den Arzt sowie die Beweggründe, welche die versi
cherte Person zur Wiederaufnahme oder Nichtwiederaufnahme der Arbeit ver
anlasst haben. Zu den für die Beurteilung des zeitlichen Konnexes relevanten Umstän
den zählen auch die in der Arbeitswelt nach aussen in Erscheinung tre
tenden Verhältnisse, wie etwa die Tatsache, dass ein Versicherter über längere Zeit
hinweg als voll vermittlungsfähiger Stellensuchender Taggelder der Ar
beitslo
sen
versicherung bezieht. Allerdings kann solchen Zeiten nicht die gleiche Bedeu
tung beigemessen werden wie Zeiten effektiver Erwerbstätigkeit. Mit Be
zug auf die Dauer der den zeitlichen Konnex unterbrechenden Arbeitsfähigkeit kann die Regel von Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversi
cherung (IVV) als Richtschnur gelten. Nach dieser Bestimmung ist eine
an
spruchsbeein
flus
s
ende
Verbesserung der Erwerbs
fähigkeit in jedem Fall zu be
rücksichtigen, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussicht
lich weiterhin an
dauern wird. Bestand während mindestens drei Monaten wieder
volle Arbeits
fähigkeit und erschien gestützt darauf eine dauerhafte Wiederer
langung der Erwerbsfähigkeit als objektiv wahrscheinlich, stellt dies ein gewich
tiges Indiz für eine Unterbrechung des zeitlichen Zusam
menhangs dar. Anders verhält es sich, wenn die fragliche, allenfalls mehr als dreimonatige Tätigkeit als
Ein
gliederungsversuch
zu werten ist oder massge
blich auf sozialen Erwägungen des Arbeitgebers beruhte und eine dauerhafte Wiedereingliederung unwahr
schein
lich war (BGE 134 V 20 E. 3.2.1 S. 22 mit Hinweisen).
Diese Grundsätze gelten sinngemäss auch, wenn eine Vorsorgeeinrichtung ihre
Leistungspflicht mit der Begründung verneinen will, eine
berufsvorsorge
recht
lic
h
bedeutsame Arbeitsunfähigkeit habe bereits vor Beginn des
Vorsorgever
hält
nis
s
es
bestanden und ohne wesentliche Unterbrechung bis zum Beginn der
Ver
si
cherungsdeckung
angedauert (Urteil 9C_273/2012 vom 20. November 2012 E.
4.1.2
mit Hinweis).
1.4
Es wird zwar in der Regel, aber nicht in jedem Fall zwingend eine echtzeitlich ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit zum
rechtsgenüglichen
Nachweis einer
berufsvorsorgerechtlich relevanten Einbusse an funktionellem Leistungs
vermö
gen
verlangt (vgl. Bundesgerichtsurteile 8C_195/2009 vom 2. September 2009 E. 5 und
9C_96/2008 vom 1
1.
Juni 2008 E.
3.2.2). Immerhin reichen nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen, wie etwa eine erst nach Jahren rück
wirkend festgelegte medizinisch-theoret
ische Arbeitsunfähig
keit nicht aus (Bun
des
gerichtsurteil 9C_368/2008 vom 11. September 2008 E. 2 mit Hinwei
sen). Die
gesundheitliche Beeinträchtigung muss sich auf das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirken oder ausgewirkt haben; die Einbusse an funktionellem Leistungs
ver
mögen muss mit anderen Worten arbeitsrechtlich in Erscheinung getreten sein, etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Fest
stellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte
,
aus dem Rahmen fal
lende
gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle (SVR 2008 BVG Nr. 34 S.
143 [9C_127/200
8 E.
2.3]; SVR 2008 IV Nr. 11 S.
32 [I 687/06 E.
5.1];
Bun
des
ge
richtsurteil
9C_362/2012 vom
6.
Juni 2012 E. 5.2.1 mit Hinweis).
1.5
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invalidenversi
cherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG er
gibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 271 E. 2a, 120 V 108 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (Art. 6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund ei
ner gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 311 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurtei
lungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 4 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die
Vorsorgeein
richtung
bzw. das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesgerichts in Sachen R. vom 23. Februar 2010, 9C_49/2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(Art. 73
ter
IVV) ein
bezogen und ihr die
Rentenverfü
gung
formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts in Sachen S. vom 16. Juni 2010, 9C_81/2010, E. 3.1, mit Hin
weisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach
dem Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (
IVG
)
zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der
Vorsorgeein
richtungen
, ist die IV-rechtliche Festset
zung des Invaliditätsgrades (grundsätz
lich,
masslich
und zeitlich)
berufsvorsor
gerechtlich
nicht verbindlich (BGE 130 V 273 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrachtungsweise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, soweit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfahren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invaliditätsbemessung der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1).
2.
2.1
2.1.1
Gemäss dem Arztzeugnis
der Hausärztin
Dr.
med.
D._
, FMH Allgemeine Medizin, vom 1
1.
Juni 2009 (
Urk.
2/9) hat sie der Klägerin aus medizinischen Gründen empfohlen, ihre Arbeitsstelle
(bei der
B._
)
zu kündigen. Durch die chronische Überforderung habe die Klägerin ihre Gesundheit ernsthaft gefähr
det.
2.1.2
In den Arztzeugnissen vom 1
5.
und 1
8.
Januar 2010 (
Urk.
25/1/1-2) hielt
Dr.
D._
fest, die Klägerin sei seit 1994 in ihrer hausärztlichen Behand
lung. Am
4.
September 2009 habe die Klägerin eine schwere Kontusion der Hand erlitten, weshalb sie vom 1
5.
September bis zum 1
1.
Oktober 2009 zu 100
%
und vom 1
2.
bis zum 3
1.
Oktober 2009 zu 50
%
krank geschrieben gewesen sei.
Anschliessend habe sie ihr
e
Arbeit als Floristin bei der
C._
wie
der aufge
nommen. Die langen Arbeitszeiten an diesem Arbeitsplatz habe sie jedoch nicht toleriert und mit gesundheitlichen Symptomen darauf reagiert. Es habe ihr deshalb empfohlen werden müssen, mit dieser Arbeitstätigkeit aufzu
hören.
Die Klägerin
leide an neuropsychologis
chen Einschränkungen. Diese hätten
eine Verwertung ihre
r
Arbeitsfähigkeit immer wieder zum Scheitern gebracht und die Klägerin habe in den letzten Jahren viele Stellenwechsel gehabt. Sie weise wohl ein
e
Teilleistungsstörung im Sinne einer Dyskalkulie auf. Wegen der Belastung durch die vielen Stellenwechsel sei sie auch in psycho
therapeutischer Behand
lung. Es sei ein Belastbarkeitstraining vorzunehmen, damit die Fähigkeiten der Klägerin im kaufmännischen Bereich vergrössert wer
den könnten und eine Reintegration in den Arbeitsmarkt möglich sei.
2.1.3
Laut
dem Arztbericht von
Dr.
D._
vom 2
6.
März 2010 (
Urk.
25/15/1-6) bestehen bei der Klägerin mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung/impulsiver Typ (ICD-10 F60.30), ein Verdacht auf
eine
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0), ein Verdacht auf
eine
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) nach diversen mehrwöchigen
Hospitalisationen
in der frühen Kindheit wegen kom
plexen Nieren und
Urete
r
missbildung
, eine Dyskalkulie (ICD-10 F81.1) und ein Colon
irritabile
mit zum Teil therapieresistenten Durchfallat
t
acken über Wochen sowie ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine schwere
Hand
kontusion
links am
4.
September 2
009 mit protrahierter Heilung, e
in Status nach Hyste
rektomie ohne
Adnexektomie
wegen Uterus
myomatosus
mit
Hyper
menorrhoe
2008, ein rechtsbetontes
Lymphoedem
der distalen Unterschenkel und Füsse wahr
scheinlich primär, rezidivierende Harnwegsinfekte mit drei
maliger
Pyelone
phritis
rechts, zuletzt 2006 und 2007 bei
bekannter Doppelniere rechts
mit
Ureter
duplex
rechts mit Status nach
vescio-ureteraler
Reflux
operation
19
62 mit urologisch deutlich eingeschränkter Nierenfunktion (durch Szintigrafie 1994) von 35
%
rechts, 65
%
links, ein Status nach
Pyelonephritis
rechts
,
Papillennekrose
rechts 1984
bei Status nach
Urethrotomie
nach Otis 1990 bei
Urethrastriktur
,
periorbitalem
Kopfschmerz rechtsbetont, am ehesten Migräne ohne Aura entsprechend ICD 11 1.1 und Faktor VII-Mangel, wahrscheinlich kongenital (Erstdiagnose 1999).
Nachdem bei der Klägerin in der hausärztlichen Betreuung seit 1987 vor allem somatische Probleme
im Vorder
grund gestanden seien, sei dies nun vor allem die psychisch auffällige Symptomatik. Die Klägerin sei in der
E._
abge
klärt worden und befinde sich aktuell in einem ambulanten Therapieprogramm. Die Prognose für
Arbeits
tätig
keiten
im ersten Arbeitsmarkt sei unter den jetzigen Umständen nicht gut, da die Klägerin in den letzten Jahren 10 Stellenwechsel hinter sich habe. Es sei deshalb eine Abklärung im geschützten Rahmen geplant. Die Klägerin sei wegen Krankheit seit dem
1.
März 2010 zu 100
%
arbeitsunfähig. Vom 2
7.
Januar bis zum
9.
Februar 2010 sei sie zu 50
%
arbeitsunfähig gewesen und wegen ihrer schweren Handkontusion habe vom 1
5.
September bis zum 1
1.
Oktober 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und vom 1
2.
bis zum 3
1.
Oktober 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
bestanden. Die Klägerin könne sich momentan nicht konzentrieren, zeige Impulsdurchbrüche mit Wut und Ärger sowie Reiz
barkeit. Zudem komme es zu selbstverletzendem Verhalten und Schwierig
keiten der Emotionsregulation. Gleichzeitig bestehe eine grosse Verzweiflung und ein Ohnmachtsgefühl. Die Ausübung einer Arbeitstätigkeit sei unter diesen Umstän
den nicht möglich. Nach Durchführung entsprechender Massnahmen sollte aber wieder ein Arbeitspensum vom mindestens 50
%
erreicht werden können.
2.1.4
Am 2
0.
September 2011 (
Urk.
25/69/3-8) führte
Dr.
D._
aus, es sei im Moment nicht absehbar, das
s
die Klägerin in den ersten Arbeitsmarkt zurück
kehren könne, da sie in ihrer Affektregulation gestört sei. Im geschützten Ar
beitsmarkt sei sie aber zu 60
%
einsetzbar und befinde sich in einem ent
spre
chenden Eingliederungsprogramm.
2.1.5
Im Bericht vom
5.
Dezember 2012 (
Urk.
25/90) gab
Dr.
D._
an, die Kläge
rin sei seit der beruflichen Integrationsmassnahme vom
7.
März bis zum 2. September 2011 nun fest an einem geschützten Arbeitsplatz im
F._
ange
stellt mit einem Pensum von 60
%
. Dieses Pensum habe sie bis zum Auftreten des akuten motorischen Ausfallsyndroms L5/S1 rechts einhalten können. Nach erfolgter Operation werde nun die Wiederaufnahme des
vorbestehenden
Arbeitspensums von 60
%
im geschützten Bereich angestrebt.
Eine Integration im ersten Arbeitsmarkt scheine aufgrund der gestellten Diagnosen nicht mög
lich.
2.2
Gemäss dem Arztbericht der
E._
vom 15
.
Juli 2010 (
Urk.
25/25) bestehen bei der Klägerin eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ (ICD-10 F60.30), ein Verdacht auf einfache Aktivitäts- und A
ufmerks
amkeitsstörung (ICD-10 F
90.0) sowie eine Rechenstörung (ICD-10 F81.2).
Aktuell sei sie in der Klinik hospitalisiert. Sie sei wach und zu allen Qualitäten orientiert. Die Stimmung sei gedrückt und weiner
lich, aber modulierbar. Es komme zu Stimmungsschwankungen mit und ohne Auslöser. Der Antrieb sei impulsiv, der formale Gedankengang umständlich und weitschweifig. Die Klägerin könne aber dem Gespräch über eine Stunde gut fol
gen. Subjektiv gebe sie Konzentrations- und Auffassungsschwierigkeiten an. Es lägen keine Denkstörungen vor und die Klägerin sei nicht suizidal. Sie habe aber ein ausgeprägtes negatives Selbstbild. Aufgrund der Diagnosen und der Vorgeschichte sei die Prognose eher ungünstig. In der zuletzt ausgeübten Tätig
keit als Floristin sei die Klägerin vom 2
2.
März bis zum
7.
Juni 2010 zu 100
%
arbeitsunfähig. Einschränkungen bestünden vor allem im Bereich der Konzent
ration. Die Klägerin könne sich nur einige Stunden konzentrieren und sei sehr leicht ablenkbar. Ebenfalls habe sie grosse Probleme, mit Stress umzu
gehen. Sie sei nicht belastbar und reagiere in Stresssituationen immer wieder mit Wutaus
brüchen und mit Ausrastern. Zudem zeige sie immer wieder deut
liche Schwie
rigkeiten im Umgang mit anderen Menschen.
Die Stimmung schwanke sehr stark, die Klägerin sei sehr impulsiv und handle aus dem Gefühl heraus. Es bestünden starke Anspannungszustände, die gelegentlich zu
Selbst
verletzunge
n
führen würden. Bei der Arbeit
könne sich die Klägerin schlecht in ein Team einfügen, da sie schnell gekränkt und wenig kritikfähig sei.
Mit Situationen, die mit Zeit- oder Entscheidungsdruck einhergingen, könne sie schlecht umgehen, so dass es häufig zu Konflikt
situationen komme. Im Moment entsprächen die Anpassungen, welche zur Ermöglichung einer Arbeitstätigkeit vorgenommen werden müssten, den Bedingungen eines geschützten Arbeits
platzes. In Frage kämen einfache und strukturierte manuelle Tätigkeiten mit niedrigen Anforde
rungen an Konzentration, Aufmerksamkeit, Ausdauer und Flexibilität. Zudem müssten ausreichende Erholungsmöglichkeiten und Pausen gewährleistet sein. Erfolgsversprechend sei eine medikamentöse Therapie zur Behandlung der angenommenen Aufmerksamkeits-Aktivitätsstörung. Ebenso würde die Klägerin von einer längeren psychotherapeutischen Intervention pro
fitieren.
Beruflich
stehe die Bewährung an einem geschützten Arbeitsplatz im Vordergrund. Berufliche Massnahmen seien aktuell nicht aussichtsreich.
2.3
2.3.1
Gemäss dem Schlussbericht der
F._
vom 1
4.
März 2011 (
Urk.
25/49) über das mit der Klägerin vom 6. Dezember 2010 bis zum
4.
März 2011 durchge
führte
Belastbarkeitstraining konnte die Klägerin eine Präsenzzeit von vier Stunden sehr gut erreichen. Sie habe nur an einem Tag krankheitsbedingt gefehlt und es seien auch keine zusätzlichen Pausen notwendig gewesen. Die Klägerin sei sehr motiviert und interessiert gewesen. Wegen ihren Ängsten habe sie sich aber in der Gruppe nur wenig einbringen können. Die Klägerin sei pflichtbewusst und zuverlässig gewesen. Ihre kognitiven Fähigkeiten seien aber deutlich vermindert
gewesen
und sie habe eine deutlich eingeschränkte
Affekt
kontrolle
gezeigt
. In schwierigen Situationen
habe
sie sehr emotional und aggressiv
reagiert
. Ihr Auftreten sei meistens
abweisend und schroff gewesen. Zudem habe sie sehr rastlos gewirkt. Insgesamt sei deshalb die Zusammenarbeit mit ihr sehr schwierig gewesen.
2.3.2
Laut dem Schlussbericht der
F._
vom 1
4.
Juli 2011 (
Urk.
25/60) über das an
schliessend an das Belastbarkeitstraining vom
7.
März bis zum
2.
September 2011 durchgeführte Aufbautraining
hat die Präsenzzeit der Klägerin auf fünf Stunden pro Tag gesteigert werden können. Der Einstieg ins Aufbautraining sei ihr schwer gefallen. Aufgrund ihrer zunehmenden Verunsicherung habe sich ihre Befindlichkeit verschlechtert. Es habe sich gezeigt, dass die Tagesstruktur ein wichtiger stabilisierender Faktor für ihre Gesundheit sei. Die Teilnahme an den Gruppenmodulen sei der Klägerin immer schwerer gefallen und sie sei immer schneller an ihre Grenzen gelangt. Auch die Auseinandersetzungen mit anderen Teilnehmern hätten sich gehäuft und die Klägerin sei nicht in der Lage gewesen, diese angemessen zu regeln. Sie sei dann von den sie speziell be
las
tenden „schulischen“ Kursmodulen dispensiert worden, was eine Stabili
sierung erbracht habe. Da sie im Wäscheservice körperlich anstrengende Ar
beiten ver
richtet habe, sei dies mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit verbun
den gewesen. Trotz der psychischen Stabilisierung habe sich gezeigt, dass die Klägerin auf einen leistungsbefreiten Rahmen und eine wohl
wollende
Beglei
tung angewiesen sei.
Sie könne sich schwer konzentrieren und es gelinge ihr kaum, ihr übertragene Arbeiten strukturiert und selbständig zu lösen. Die Klä
gerin habe stets mit grosser Motivation und Gewissenhaftigkeit am Aufbau
trai
ning teilgenommen.
Unter Druck sei sie aber immer wieder durch impulsives Verhalten aufgefallen und es sei ihr schwer gefallen, ihre Emotionen zu kon
trollieren.
Leider sei es der Klägerin nicht gelungen, die vereinbarten Ziele des Aufbautrainings zu erreichen. Die geforderte Arbeits- und Leistungs
fähigkeit habe nicht aufgebaut werden können. Die praktische Tätigkeit im
Wäscheser
vice
habe zu zunehmenden körperlichen Beschwerden geführt und bei komple
xeren Lernprogrammen am Computer sei sie trotz konsequentem und gewissen
haftem Vorgehen an ihre Grenzen gelangt. Ihrem Ziel, einen ange
passten Umgang mit Konfliktsituationen zu finden, habe sie nicht näher kommen kön
nen. Insgesamt sei ihr der Umgang mit anderen Personen schwer gefallen und sie sei schnell unter Druck geraten und blockiert gewesen.
Die Klägerin sei auf einen klar strukturierten Rahmen, auf genaue Anleitung sowie klar vorgegebene Arbeitsschritte und viel Hilfe angewiesen. Eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt könne zu diesem Zeitpunkt nicht in Betracht gezogen werden. Die Klägerin habe bei angepasster Tätigkeit und einer Präsenzzeit von 5 Stunden täglich einen durchschnittlichen Leistungsgrad von 20
%
erreicht. Eine weiterführende berufliche Massnahme könne in Anbetracht der einge
schränkten Belastbarkeit und den vielschichtigen psychischen und kognitiven Ein
schränkungen bis zu einer wesentlichen Verbesserung der gesundheitlichen Problematik nicht emp
fohlen werden. Es werde eine Tätigkeit im geschützten Rahmen empfohlen. Dies diene einerseits der weiteren Stabilisierung und andererseits der Erhaltung der für die Klägerin wichtigen Tagesstruktur.
2.4
G._
von der
B._
hielt in seinem auf Anfrage der Rechtsvertreterin der Klägerin erstellten Bericht vom 1
5.
August 2014 (
Urk.
2/22) fest, die Leistungseinbussen bei der Klägerin hätten sich deut
lich im Verlaufe der Monate März/April 2009 gezeigt. Den Umfang der Ein
schränkung beziffere er auf 40 bis 50
%
, wobei er dies nur ungern tue.
Im Januar/Februar 2009 habe sich die Klägerin noch generell freudig-neugierig sowie grundsätzlich einsatz- und lernbereit gezeigt. Im Verlauf der Wochen hätten sich aber schnell eine grundsätzlich
e
Nervosität und Überreiztheit bemerkbar gemacht. Ausserdem habe es der Klägerin weitgehend an der zwin
gend notwendigen Lernmethodik gemangelt. Gezeigt hätten sich die Schwierig
keiten insbesondere beim Versuch, die Klägerin zu unterweisen und zu korr
i
gieren. Leider sei sie
mit der Arbeit klar überfordert gewesen. Dies habe sich mehr und mehr in den allseitig deprimierend und allseits abschreckend wirken
den Gesichtszügen der Klägerin geäussert, welche im Nachhinein am
e
hesten als angegriffen, traurig, verbissen und zeitweilig ange
spannt zu bezeichnen seien.
Sie habe auf jeden Fall nicht den Eindruck gemacht, dass sie auch nur einiger
massen gelassen an ihre diversen neuen beruflichen Heraus
forderungen heran
gehen könne.
So sei sie z.B. nach einer für andere Mitarbeiter keine speziellen Schwierigkeiten bietenden Spezialschulung in Tränen ausgebrochen und habe gesagt „Das auch noch“.
Die Überforderung der Klägerin habe dazu geführt, dass die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis aufgelöst habe. Es seien derart viele Fehler zu Tage getreten, dass eine Kündigung unvermeidbar gewesen sei. Erschwerend sei hinzugekommen, dass die Klägerin praktisch nie zu ihren Feh
lern habe stehen können, sondern diese immer schön geredet und unter massi
ver Selbstüber
schätzung gelitten habe. Als es zum Gespräch gekommen sei, in welchem man der Klägerin die Auflösung des Arbeitsverhältnisse
s
habe mittei
len wollen, habe die Klägerin dies offenbar bereits geahnt und ihrerseits das Kündigungs
schreiben auf den Tisch gelegt. Von der menschlichen Seite sei die
ser Verlauf durchaus zu bedauern, zumal es sich bei der Klägerin nicht um eine unsympathische Person handle. Betrieblich sei die Massnahme
aber unum
gäng
lich gewesen.
3.
3.1
Es gilt
zu prüfen, ob im vorliegenden berufsvorsorgerechtlichen Ver
fahren eine Bindungswirkung an die Verfügung der IV-Stelle vom 1
3.
März 2012 (Urk.
25/84) besteht, mit welcher der
Kläger
in ab
1.
September 2011
eine ganze Inv
alidenrente zugesprochen wurde, wobei die
IV-Stelle die Wartezeit per 27.
Januar 2010 eröffnete und den Rentenbeginn in Anwendung von
Art.
29
Abs.
2 IVG auf September 2011 festlegte, weil die Klägerin in der Zeit davor Eingli
ederungsmassnahmen absolvierte und
IV-Taggelder bezog
(vgl. Urk. 25/82)
.
Der Entscheid wurde der Beklagten 3 eröffnet, die Beklagten 1, 2 und
4
werden im Mitteilungssatz nicht genannt. Die Beklagte 1 macht geltend, es sei gestützt auf den IV-Entscheid davon auszugehen, dass die massgebliche Arbeitsunfähigkeit am 2
7.
Januar 2010 eingetreten sei, und es bestehe diesbe
züglich eine Bindungswirkung gegenüber der Beklagten 3, bei welcher die Klä
gerin zu diesem Zeitpunkt vorsorgeversichert gewesen sei. Demgegenüber ver
neinen die Beklagte 3 und auch die Klägerin selber die Bindungswirkung des IV-Entscheides.
3.2
Es
sind nur jene Fest
stellungen der Invalidenversicherung für die
Vorsorge
ein
richtungen
bindend, welche im IV-rechtlichen Verfahren für die Festlegung der IV-Rente ent
scheidend gewesen sind.
Die Beklagte 3
macht hierzu geltend
, da der genaue Eintritt der Invalidität für die Festsetzung des Rentenanspruchs we
gen der zuvor durchgeführten beruflichen Massnahmen nicht entscheidend gewesen sei
, habe im IV-Verfahren kein Anlass bestanden, den Beginn der Wartezeit und den Eintritt der massgebenden Arbeitsunfähigkeit präzis festzu
stellen und dementsprechend bestehe auch keine Bindungswirkung des IV-Ent
scheides (
Urk.
20 S. 7). Die Klägerin hat sich bei der
Invaliden
versicherung am 2
6.
Januar 2010 zum Leistungsbezug angemeldet (
Urk.
25/2,
Urk.
25/7). Der Rentenanspruch hat damit gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG frühestens am 2
6.
Juli 2010 entstehen können.
Die Klägerin befand sich ab dem 6. Dezember 2010 bis zum
2.
September 2011 in beruflichen Massnahmen der Invalidenversic
herung und hatte
für diese Zeit
Anspruch auf Taggelder (Urk.
25/39,
Urk.
25/43,
Urk.
25/52)
. Die Klägerin hätte damit Anspruch auf eine Invalidenrente
für die Zeit vom 2
6.
Juli bis zum
5.
Dezember 2010
gehabt, wenn die Wartezeit zu
einem früheren Zeitpunkt
- insbesondere in der ersten Hälfte des Jahres 2009 -
eröffnet worden
wäre, da sie in diesem Zeitraum keine Taggelder der Invaliden
versicherung bezog. Es lässt sich damit nicht feststellen, dass die Eröffnung der Wartezeit für den Rentenanspruch gegenüber der Invalidenversicherung nicht relevant gewesen ist
. D
ie IV-Stelle ist davon ausgegangen, dass keine
verspätete
Anmeldung vorliegt (
Urk.
25/83).
Dem Entscheid der Invalidenversicherung betreffend Eröffnung der Wartezeit kommt damit sowohl gegenüber der Kläge
rin als auch gegenüber der Beklagten 3, welche ordnungsgemäss ins
Vorbe
scheidverfahren
einbezogen und welcher der Entscheid der Invalidenversiche
rung eröffnet worden ist, Bindungswirkung zu.
Vorbehalten bleibt die Rüge der offensichtlichen Unrichtig
keit beziehungsweise Un
haltbarkeit. Im vor
liegenden Kontext bedeutet dies, dass zu prüfen ist, ob der Entscheid der IV
Stelle, den Beginn der Wartezeit auf den
2
7.
Januar 2010
fest
zulegen und
der Klägerin unter Berücksichtigung des Taggeldbez
ugs
vom 6. Dezember 2010 bis zum
2.
September 2011 ab dem
3.
September 2011
eine ganze Rente zuzuspre
chen, offensichtlich unrichtig war (Isabelle Vetter-Schrei
ber, Berufliche Vor
sorge, Zürich 2009, S. 90 f. mit Hinweisen).
3.3
Aus den zitierten medizinischen Berichten geht hervor, dass die Klägerin schon seit Jahren unter psychischen Störungen leidet und sie mittlerweile nicht mehr in der Lage ist, auf dem freien Arbeitsmarkt eine verwertbare Leistung zu erbringen, sondern nur noch an einem geschützten Arbeitsplatz tätig sein kann. Die psychischen Probleme manifestierten sich zwar in überdurchschnittlich vie
len Stellenwechseln, es lässt sich aber nicht feststellen, dass die Klägerin grundsätzlich nicht in der Lage gewesen wäre, eine vol
le Arbeitsleistung zu erbringen, zumal ein wesentlicher Teil der Probleme jeweils auch darin bestand, dass sie
Schwierigkeiten hatte, sich in ein
Team einzugliedern.
Ausserdem dau
erten einzelne Arbeitsverhältnisse durchaus auch längere Zeit, so z.B. zuletzt dasjenige mit der
A._
AG, wo die Klägerin vom 1.
November 2005 bis zum 3
1.
Dezember 2008 arbeitete und gemäss Arbeits
zeugnis vom 3
1.
Dezember 2008 (
Urk.
2/20) gute Leistungen erbrachte. Es lässt sich unter diesen Umständen nicht feststellen, dass die Klägerin bis zum 3
1.
Dezember 2008 eine wesentliche Einschränkung in ihrer Arbeitsfähigkeit erlitten hätte.
3.4
Es deutet zwar einiges darauf hin, dass in der Zeit während dem Arbeitsverhält
nis mit der
B._
vom
1.
Januar bis zum 3
0.
Juni 2009
ein wesentlicher Einbruch
in
der Leistungsfähigkeit
der Klägerin stattge
funden hat. Die IV-Stelle
ist
aber gestützt auf die entsprechenden Angaben von
Dr.
D._
zum Ergebnis gelangt
,
dass
eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit erst am 2
7.
Januar 2010 eingetreten
ist (Urk. 25/2-3)
. Zumal tatsächlich keine ärztlichen
Bescheinigungen vorhanden sind, welche der Klägerin für die Zeit vor dem 2
7.
Januar 2010 in eindeutiger Weise eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bescheinigen, ist der Entscheid
d
er Invalidenversicherung nicht offensichtlich unhaltbar.
Es ist der Beklagten 3 zwar darin beizupflichten, dass die Verfügung der IV-Stelle in sich ein
en
gewisse
n
Widerspruch enthält, als sie einerseits
die Wartezeit per 27.
Januar 2010 eröffnet, andererseits aber das
Valideneinkommen
aufgrund der bis im Sommer 2009 ausgeübten Tätig
keiten der Klägerin berechnet (
Urk.
20 S. 12 f.), es ist aber zu berücksichtigen, dass die Klägerin zur Wahrung ihrer Schadenminderungspflicht gegenüber der Arbeitslosenversicherung gehalten war, auch eine schlechter bezahlte
Arbeitstä
tigkeit
anzunehmen, womit
die
IV-Stelle
nicht zwingend
zum Ergebnis
gelan
gen
musste
, die Klägerin
habe aus gesundheitlichen Gründen
eine schlechter bezahlte Arbeit ausgeübt
oder habe sich dauerhaft mit dieser Lohneinbusse abgefunden
.
Ein Widerspruch, welche die Verfügung als unhaltbar erscheinen
liesse, liegt auch unter diesem Gesichtspunkt nicht vor. Es ist zusammenfassend festzuhalten, dass eine gerichtliche Überprüfung des IV-Entscheides
allenfalls
hätte ergeben können, dass die Wartezeit zu einem früheren Zeitpunkt zu eröff
nen gewesen wäre,
der anderweitige Entscheid der IV-Stelle aber nicht als unhaltbar erscheint und Einwände dagegen
von der Klägerin bzw. der Beklag
ten 3 im IV-Verfahren
hätten vorgebracht werden müssen.
Es kommt dem Ent
scheid der Invalidenversicherung
damit im vorliegenden Verfahren Bindungs
wirkung zu.
3.
5
Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass gemäss dem verbindlichen Entscheid der Invalidenversicherung die massgebliche Arbeitsunfähigkeit am 2
7.
Januar 2010 eingetreten ist. Die Beklagte 3
ist somit für die vorsorgerechtlichen
Inva
li
denleistungen
zuständig.
Ein Anspruch auf Invalidenleistungen gegenüber den
Beklagten 1, 2 und
4 fällt demnach ausser Betracht.
4.
N
ach der Rechtspre
chung
entsteht
der Anspruch auf Invalidenleistungen der obligatorischen beruflichen Vorsorge so lange nicht, als noch Eingliederungs
massnahmen durch
geführt werden und der Versicherte deshalb in den Genuss von Taggeldern der Invalidenversicherung gelangt (BGE 123 V 2
6
9).
Dement
sprechend sind die obligatorischen Invalidenleistungen analog dem Entscheid der Invalidenversicherung erst ab dem
3.
September 2011 geschuldet.
Für die überobligatorischen Leistungen gilt in Anwendung von
Art.
32
Abs.
2 des Vor
sorgereglements der Beklagten 3
dasselbe
.
Da sich der Rentenanspruch im
Übrigen aufgrund der Aktenlage
nicht genau beziffern lässt und kein beziffertes Klagebegehren vorliegt, ist die vorliegende
Klage gegen die Beklagte
3
gemäss ständiger Praxis lediglich in dem Sinne gut
zuheissen, dass die Beklagte
3
zu verpflichten ist, de
r
Kläger
in basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100
%
ab dem
3.
September 2011 die obligatori
schen und überobligatorischen Invalidenleistungen
auszurichten
. Die Bestim
mung der Rentenhöhe,
die genaue ziffernmässige Berechnung der einzelnen
Rentenbetreffnisse
sowie die Vornahme der
Über
entschädigungs
berechnung
ist hingegen der
leistungs
pflichtigen
Vorsorgeeinrichtung zu überlassen (wogegen im Streitfalle wiederum eine Klage zulässig wäre; vgl. BGE 129 V 450).
5.
Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen geschuldet, wo
bei grundsätzlich
Art.
105
Abs.
1 des Obligationenrechts (OR) anwendbar ist (BGE 119 V 131 ff.). Danach ist der Verzugszins vom Tage der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an geschuldet. D
ie
Kläger
in
liess am
1
8.
August 2014
Klage erheben (
Urk.
1), womit ih
r
ab
1
8.
August 2014
Verzugszinsen von 5
%
für die bis zu diesem Zeitpunkt fällig gewordenen
Rentenbetreffnisse
und für die übri
gen ab dem jeweiligen Fälligkeitsdatum zuzusprechen sind.
6.
6.1
Ausgangsgemäss ist die Beklagte
3
gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) zu verpflichten, der anwaltlich vertretenen Klägerin eine Prozessentschädigung zu entrichten, wobei ein Betrag von
Fr.
2‘400.--
als angemessen erscheint.
6.2
Den Beklagten
1, 2 und
4 steh
en
in ihrer Funktion als Trägerin der beruflichen Vorsorge trotz ihres Obsiegens keine Prozessentschädigung
en
zu (
§
34
Abs.
2
GSVGer
; vgl. BGE 128 V 133 E. 5b, 126 V 150 E. 4a, 118 V 169 E. 7 und 117 V 349 E. 8, mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 125 E. 5b und 320 E. 1a und b sowie 112 V 356 E. 6).