Decision ID: 2788a1c0-357a-46bf-b144-feae69fed6b7
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1
.1
Die 1972 geborene
X._
, Mutter zweier 1995 und 2001 geborener Kinder,
war verschiedentlich als Hilfsarbeiterin tätig (
Urk.
10/213/4, Urk. 10/218/3)
und
bezog
ab
1.
April 2004
eine halbe Rente der Invaliden
versicherung bei einem Invaliditätsgrad von 55
%
(vgl. dazu Verfügungen der
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons
Y._
, IV-Stelle, vom
5.
Juli 2006,
5.
März [
Neu
berechnung
ab
1.
März 2007 in
folge Rentenanspruch des Eheman
nes] und
5.
April 2007,
Urk.
10/120-124, sowie ihre Mitteilung vom 1
8.
September 2008,
Urk.
10/135).
1.2
Anlässlich
des im Jahre 2009 angehobenen ordentlichen R
evisionsverfahrens (vgl.
Urk.
10
/144 ff.) hob die
infolge Wohnortswechsels nunmehr zuständig
e
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
,
die bisherige Rente auf das Ende des der Verfügungszustellung folgenden Monats auf (vgl. Verfü
gung vom 2
9.
August 2011
,
Urk.
10/178
). Die
am 2
7.
September 2011
dagegen erhobene Beschwerde
(
Urk.
10/181)
hiess das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil IV.2011.1058 vom 20.
Dezember 2012 in dem Sinne gut, dass es den Anspruch der Versicherten auf eine halbe Invalidenrente man
gels Revisionsgrund gemäss den im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom 2
9.
August 2011 geltenden Bestimmungen bestätigte. Gleich
zeitig wies
es
die IV-Stelle an, den künftigen Rentenanspruch nach
lit
. a
Abs.
1 der am
1.
Januar 2012 in Kraft getretenen Schlussbestimmungen der Änderung vom 1
8.
März 2011 des IVG (6.
IV
Revision, erstes
Massnahmenpaket; kurz:
lit
.
a
Abs.
1
SchlB
IVG
6.
IV
Revision) zu prüfen (Urk.
10/192/1-
24).
1.3
Im Rahmen des im
März
2013 in Nachachtung des vorgenannten Gerichtsent
scheids nach
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
6.
IV-Revision
eröffneten
Revisionsver
fahrens
(
Urk.
10/198 ff.) veranlasste die IV-Stelle das
bidisziplinäre
(Rheumato
logie/Psychiatrie)
Gutachten
von
Dr.
Z._
, Fachärztin FMH für Innere Medizin spez. Rheumaerkrankungen, vom 1
2.
April 2014
und
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 3
0.
April 2014 (
Urk.
10/2
13/1-220,
Urk.
10/
218-
219). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 9.
Dezember 2014,
Urk.
10/221; Einwand vom 22.
Januar 2015,
Urk.
10/223, mit ergänzender
Einwandbegründung
vom
6.
März 2015,
Urk.
10/227) hob die IV-Stelle die bishe
rige Rente mit Verfügung vom 7.
Mai 2015 mit dem ersten Tag des zweiten Monats nach Zustellung der Verfügung auf (
Urk.
2).
2.
Gegen diese Rentenaufhebung erhob
X._
am
9.
Juni 2015 Beschwerde und beantragte, es sei die Verfügung vom
7.
Mai 2015 aufzuheben und ihr weiterhin eine Rente auszurichten.
In prozessualer Hinsicht
ersuchte die Beschwer
deführerin um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Bestellung von Rechtsanwältin Lotti Sigg zur unentgeltlichen
Rechtsbeiständin
(
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 2
0.
August 2015 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9), was der Beschwer
deführerin am 2
1.
Aug
u
st 2015 zu
r Kenntnis gebracht wurde (Urk.
11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen ist, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die örtliche Zuständigkeit der IV-Stellen bestimmt sich nach
Art.
55
des Bun
des
gesetzes über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
. Danach ist die IV-Stelle zuständig, in deren Kantonsgebiet die versicherte Person im Zeitpunkt der Anmeldung ihren Wohnsitz hat. Die einmal begründete Zuständigkeit der IV
Stelle bleibt im Falle eines Wohnsitzwechsels de
r
versicherten Person inner
halb der Schweiz im Verlaufe des Verfahrens erhalten (vgl. Art, 40
Abs.
3 der Verordnung über
die Invalidenversicherung, IVV)
. Die Revisionsverfahren wer
den von je
n
er IV-Stelle durchgeführt, die bei Eingang des Revisionsgesuchs oder bei der Wiederaufnahme des Verfahrens von Amtes wegen nach
Art.
40 IVV für den Fall zuständig ist (
Art.
88
Abs.
1 IVV).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbs
unfä
higkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichti
gen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit k
önnen in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht
als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weit
gehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welch
em Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheits
schaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der ver
si
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit
Hinweisen).
An diesem Grundsatz ändert auch das Urteil des Bundesgerichts 141 V 281 (insbesondere E. 3.7) nichts.
1.4
1.4.1
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
oder eine vergleichbare Störung ohne erkennbare organische Ursache begründet als solche
noch keine Invalidität. Nach der bisherigen Recht
sprechung bestand eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind.
Danach konnten bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügte. Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien
(BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3).
1.4.2
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd anschliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die
Invaliditätsbemes
sung
stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berück
sichtigen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen nieder
schlagen muss.
An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender
somatoformer
Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) trete
n im Regelfall beachtliche Stan
dardindikatoren. Diese lassen sich in die Ka
tego
rien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen ein
teilen. Der Prüfungsraster ist rechtlich
er Natur.
Die
Anerkennung eines
renten
begrün
denden
Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funktionellen Aus
wirkun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzel
fall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wi
e vor die materiell beweisbe
las
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen
Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht in BGE
141 V 281
wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten
(E. 4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivit
ätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
densdruck
(E. 4.4.2).
1.4.
3
In Bezug auf mögliche psychische
Komorbiditäten
verliert eine depressive Pro
blematik nicht bereits wegen einer medizinischen
Konnexität
zum Schmerz
leiden ihre Bedeutung als potentiell ressourcenhemmender Faktor (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3). Bei Störungen im mittelgradigen Bereich ist indes die invali
di
sierende Wirkung - weiterhin - besonders sorgfältig zu prüfen. Es darf nicht unbesehen darauf geschlossen werden, eine solche Störung vermöchte eine vor
aussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde (teilweise) Erwerbsun
fähigkeit zu bewirken und wäre damit eine relevante Komorbidität (
BGE 141 V 281
E. 4.3.1.3; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 7.2.1 mit Hinweis und 9C_168/2015 vom 1
3.
April 2016 E. 4.2). Auch nach der Praxisänderung vom 3. Juni 2015 (BG
E
141 V 281) gelten psychische Störungen der hier interessierenden Art nur als invalidisierend, wenn sie schwer und therapeutisch nicht (mehr)
angehbar
sind, was namentlich bei noch nicht lange
chronifizierten
Krankheitsgeschehen voraussetzt, dass keine therapeuti
sche Option mehr und somit eine Behandlungsresistenz besteht (
BGE 141 V 281
E. 4.3.1.2; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5 und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 7.2.1). An der
bundes
gerichtlichen
Praxis, wonach leichte bis höchstens mittelschwere Störungen aus
dem depressiven Formenkreis in der Regel therapierbar sind und
invalidenversi
cherungsrechtlich
zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen (vgl. Urteile des Bundesgerichtes 9C_836/2014 vom 23. März 2015 E. 3.1, 9C_474/2013 vom 20.
Februar 2014 E. 5.4, 9C_696/2012 vom 19. Juni 2013 E. 4.3.2.1, 9C_250/2012 vom 29. November 2012 E. 5, 9C_736/2011 vom 7.
Februar 2012 E. 4.2.2.1 sowie 9C_917/2012 E. 3.2 vom 14. August 2013) hat
BGE 141 V 281
nichts geändert (vgl. Urteile des Bundesgerichtes 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 7.2.1 und 9C_168/2015 vom 13. April 2016 E. 4.2 mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fallen leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, ein
zig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie
erwiesenermas
sen
therapieresistent sind (statt vieler:
BGE 140 V 193
E. 3.3 mit Hinweis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut
angehbar
sind - gesetzlich ver
langten Konstellation ist den normativen Anforderungen des Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (
BGE 141 V 281
E. 3.7.1 bis 3.7.3). Ein solcher Sachverhalt muss überwiegend wahrscheinlich und darf nicht lediglich nicht
auszuschliessen
sein. Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stati
onären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nach
haltig ausgeschöpft wurden (
BGE 140 V 193
E. 3.3; BGE
137 V 64
E. 5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E. 4.1).
Ist eine mittelgradige depressive Episode eine „
blosse
“ Begleiterscheinung (zum Beispiel Urteil des Bundesgerichts 8C_689/2014 vom 19. Januar 2015 E. 3.4; vgl. auch Rahel Sager, Die bundesgerichtliche Rechtsprechung betreffend Depression, in: SZS 2015 308 ff., 312) zu einer
somatoformen
Schmerzstörung oder einem vergleichbaren psychosomatischen Leiden (vgl. BGE 137 V 64 E. 4.2), beurteilt sich die Frage der invalidisierenden Wirkung der gesundheitli
chen Beeinträchtigungen nach der Schmerzrechtsprechung (BGE 141 V 281; vgl. BGE 140 V 290 E. 3.3.2; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_624/2015 vom 25. Januar 2015 E. 3.2.2 und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
4.4).
1.5
Gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 Prozent, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie min-
destens
zu 60 Prozent, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 Pro-
zent, oder auf eine
Viertelsrente
, wenn sie mindestens zu 40 Prozent invalid sind.
1.6
Nach
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
6.
IV-Revision
)
werden Renten, die bei
pathoge
netisch-ätiologisch
unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweis
bare organische Grundlage gesprochen wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung überprüft. Sind die Voraussetzungen nach Artikel 7 ATSG nicht erfüllt, so wird die Rente herabgesetzt oder aufgehoben, auch wenn die Voraussetzungen von Artikel 17 Absatz 1 ATSG nicht erfüllt sind. Diese Bestimmung ist verfassungs- und EMRK-konform (BGE 139 V 547 E. 3).
Die in
lit
. a
Abs.
1
SchlB
6.
IV-Revision
vorgesehene Rentenherabsetzung beziehungs
weise -aufhebung ist nicht auf vor dem
1.
Januar 2008 zugespro
chene Renten beschränkt. Erging die fragliche
Rentenzusprache
aber bereits in Beachtung der jeweils relevanten Rechtsprechung zu
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage, bleibt kein Raum für ein Rückkommen unter dem Titel der
Schluss
bestimmung
(BGE 140 V 8 E. 2).
Laufende Renten sind vom Anwendungsbereich von
lit
. a
Abs.
1
SchlB
zur
6.
IV-Revision nur ausgenommen, wenn und soweit sie auf erklärbaren Be
schwerden, das heisst auf einer nachweisbaren objektivierbaren Grundlage beruhen. Lassen sich unklare von erklärbaren Beschwerden trennen, können die Schlussbestimmungen der
6.
IV-Revision auf erstere Anwendung finden (BGE
140 V 197 E. 6.2, in Präzisierung u.a. von
BGE 139 V 547
E. 10.1.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_738/2013 vom
8.
April 2014 E. 3.1.2.1 mit Hin
weis). Demnach ist die Schlussbestimmung bei kombinierten Beschwerden anwendbar, wenn die unklaren und die „erklärbaren" Beschwerden – sowohl diagnostisch als auch hinsichtlich der funktionellen Folgen – auseinander
ge
halten werden können. Ein organisch begründeter
Teil
der Arbeitsfähigkeit kann bei Anwendbarkeit der Schlussbestimmung nur neu beurteilt werden, sofern eine Veränderung im Sinne von
Art.
17 ATSG eingetreten ist. Insoweit wird im Anwendungsbereich der Schlussbestimmung vom Grundsatz abgewichen, dass die Verwaltung im Rahmen einer materiellen Revision – um eine solche handelt es sich auch hier – den Rentenanspruch in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend prüft (Urteil des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 2.4.2 mit Hinweisen).
Da der Bestand laufender Renten wesentlich von medizinischen Aspekten abhängt, sind an die entsprechenden Abklärungen besonders hohe Anforderun
gen zu stellen. Namentlich muss verlangt werden, dass die Untersuchungen im Zeitpunkt der Revision aktuell sind und sich mit der massgeblichen Fragestel
lung auseinandersetzen. Soweit die versicherte Person sich – auch mit Bezug auf die Chancen, welche die Wiedereingliederungsmassnahmen bieten – der Be
urteilung durch die Verwaltung und deren regionalen ärztlichen Dienst nicht anschliessen kann, dürfte sich in der Regel eine neue, polydisziplinäre Begut
achtung als unumgänglich erweisen (vgl. BGE 139 V 547 E. 10.2).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung, die Überprü
fung der Invalidenrente gemäss
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
6.
IV-Revision habe ergeben, dass die Diagnosen, welche zur
Rentenzusprache
geführt hätten, zu den ätiologisch-
pathogenetisch
unklaren
syndromalen
Zustandsbildern ohne nachweisbare organische Grundlagen gehörten. Den medizinischen Unterlagen seien keine objektivierbaren anatomischen Befunde zu entnehmen, welche aus versicherungsmedizinischer Sicht eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit zu begründen vermögen. Mangels erheblicher Ausprägung der zu prüfenden Krite
rien (Förster-Kriterien), welche zu einer ausnahmsweisen Unzumutbarkeit der Schmerzbewältigung führen könnten, liege kein invalidisierender
Gesundheits
schaden
vor und sei die bisherige Rente aufzuheben (
Urk.
1 S. 2 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin wandte im Wesentlichen dagegen ein, die
Beschwerde
gegnerin
sei zufolge ihres
Wohnsitzes
im
Kanton Aargau
seit Juli 2011
zur Überprüfung ihres Rentenanspruchs örtlich unzuständig (
Urk.
1 S. 7).
Im Übri
gen
habe
Dr.
A._
gestützt auf die depressive Erkrankung eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert und nicht zufolge der
somatoformen
Schmerz
störung
. Es handle sich bei der depressiven Symptomatik um eine lang dauernde
,
chronische depressive Erkrankung und nicht um eine einzelne Epi
sode. Eine mittelgradige Depression gehöre
gerade
nicht zu den ätiologisch-pathologisch unklaren
syndromalen
Zustandsbildern (
Urk.
1 S. 10). Weiter habe
Dr.
A._
die Förster-Kriterien geprüft, vereinzelt bejaht und festgestellt, dass ihr (der Beschwerdeführerin) eine aktive Willensleistung zur Überwindung ihrer Körperschmerzen nicht mehr vollumfänglich zugemutet werden könne. Unter diesen Umständen sei unerklärlich auf welcher Grundlage die
Beschwerde
gegnerin
die Rente aufheben wolle. Vielmehr sei auf die vom Gutachter Dr.
A._
attestierte Arbeitsunfähigkeit abzustellen (
Urk.
1 S. 12).
3.
3.1
Festzuhalten ist vorab
, dass
das hiesige Gericht
die Akten
mit
Urteil IV.2011.1058 vom 2
0.
Dezember 2012 (
Urk.
7/19/192/1-24)
zur
Anspruchsprü
fung
nach Massgabe von
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
6.
IV-Revision
an die Beschwerdegegnerin überwies
(vgl.
Disp
.-
Ziff.
2)
. Entsprechend war
das der Beschwerde zugrunde liegende Revisionsverfahren
bei Inkrafttreten der
6.
IV
Revision am
1.
Januar 2012
noch
nicht
unter allen in Frage kommenden und zu prüfenden Rec
htsgrundlagen
abgeschlossen
(vgl. BGE 140 V 15, wonach ein Rentenanspruch in einem ursprünglich nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG eröffnete
n
Revisionsverfahren unter Berücksichtigung der nachträglich in Kraft getretenen Schlussbestimmungen zur
6.
IV-Revision
geprüft
wurde
). Unter Hinweis auf das unter E. 1.1 Gesagte blieb die Zuständigkeit der Beschwerde
gegnerin
unge
achtet des Wohn
sitz
wechsels der Beschwerdeführerin
in den Kanton Aargau
im Verlaufe des
Verfahren
s
-
erhalten. Entsprechend
kann dem
erstmals mit Beschwerde erhobenen
Einwand der Beschwerdeführer
in
, wonach die
Beschwer
degegnerin
zum Erlass der angefochtenen Verfügung örtlich unzuständig war (
Urk.
1 S. 7, E. 2.2
),
keine Folge geleistet werden
.
3.2
Strittig und zu prüfen ist einerseits, ob die Voraussetzungen einer
Rentenanpas-sung
nach Massgabe von
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
6.
IV-Revision erfüllt sind, und andererseits, ob die Rentenaufhebung unter diesem Rechtstitel zulässig ist.
4
.
4
.1
Die ursprüngliche
Rentenzusprache
stützte sich im Wesentlichen auf d
ie nach
folgend zitierte medizinische Akte
n
lage.
4
.2
Im
polydisziplinäre
n (Neurologie/Rheumatologie/Psychiatrie)
Gutachten der MEDAS
B._
vom 1
0.
März 2006 (
Urk.
10/110
-112
) stellten die Gutachter folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
10/110/19):
Anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (F45.4)
Histrionische
Persönlichkeit (F60.4)
Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen (F68.0)
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten die Gutachter
Hals
rippen
beidseits bei Halsrippenresektion links 31.03.1998 (
Urk.
10/110/19).
Die von der Beschwerdeführerin geklagten Nackenschmerzen und Schmerzen im linken Arm seien erstmals aufgetreten, nachdem sie im Februar 1994 von ihrem (damaligen ersten) Ehemann geschlagen worden sei. Nach initialer Besserung hätten sich die Beschwerden 1996 akzentuiert und seien sie trotz mehrfachen Abklärungen und ambulanten, aber auch stationären Therapieversuchen thera
pierefraktär geblieben (
Urk.
10/110/20).
Im Rahmen der neurologischen und orthopädischen Begutachtung habe sich keine organische Erklärung für die beklagten Beschwerden ergeben (
Urk.
10/110/21). Die internistische Untersuchung sei insgesamt unauffällig, hämatologisch und laborchemisch hätten sich keine Auffälligkeiten gefunden (
Urk.
10/110/22). Aus neurologischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Im Rahmen der orthopädischen Untersuchung seien die geschilderten oder demonstrierten Beschwerden weder bildgebend noch bei der klinischen Untersuchung zu objektivieren gewesen. Insgesamt seien die Anga
ben der Beschwerdeführerin teils ungenau und widersprüchlich, andererseits die Untersuchungsbefunde inkonsistent. Die hier gefundenen, wenigen pathologi
schen Befunde (symmetrisch eingeschränkte Armbeweglichkeit,
Abwehr
spannung
bei Hüftbewegung links, diffuse Druckschmer
z
punkte) hätten weder verwertet noch zugeordnet werden können. Festzuhalten sei, dass mehrere Beschwerdebilder, welche anamnestisch erst seit zwei Monaten bestünden, schon früher dokumentiert und auch Beschwerdebilder ausserhalb des Bewe
gungsapparates bereits umfassend abklärt worden seien, ohne Erhebung eines pathologischen Befundes.
Aus rein neurologischer Sicht bestehe keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit. Aus
orthopädischer Sicht
sei
die zuletzt ausge
übte Tätigkeit in der Etikettenproduktion unter Ausschluss von
Überkopfarbei
ten
durchaus zumutbar (
Urk.
10/110/21).
Der psychiatrischer Gutachter hielt
im Wesentlichen
fest, es bestünden einerseits ein aufgesetzt wirkendes, mit gewisser Beliebigkeit vorgebrachtes
Schmerz
gebaren
, habituelles Steigern in weinerliche Stimmung sowie sthenisches Argumentieren und soziales Agieren; andererseits sei doch eine andauernde und mehrfache psychosoziale Belastung zu anerkennen und eine ängstlich-depres
sive Anpassungsstörung
ein
fühlbar, wobei diese auch mit einigen der geklagten Symptomen vereinbar sei. Die Beschwerdeführerin
sei
aus psychiatrischer Sicht für 5 Stunden pro Tag arbeitsfähig mit einer reduzierten Leistung von ca
. 25
%
(
Urk.
11/112/7-8)
.
Die Gutachter kamen zum
Schluss, die Beschwerdeführerin, ohne kognitive und motorische Beeinträchtigung oder verminderter sozialer Beziehungsfähigkeit,
sei aus polydisziplinärer Sicht
sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch in
einer anderen, gleichwertigen Tätigkeit
für 5 Stunden pro Tag arbeitsfähig mit einer red
uzierten Leistung von ca. 25
%
. Zu vermeiden seien einzig
Überkopfar
beiten
(
Urk.
11/110/22).
Gestützt darauf sprach ihr die IV-Stelle des Kantons
Y._
ab
1.
April 2004 eine halbe IV-Rente bei einem Invaliditätsgrad von 55
%
zu (
Urk.
10/120 ff.).
4
.2
In der Folge wurde der Anspruch der
Beschwerdeführerin
auf eine halbe Rente im Jahre 2008 bestätigt (
1
8.
September 2008,
Urk.
1
0
/135
, Sachverhalt
Ziff.
1.1). Dabei stützt
sich die IV-Stelle des Kantons
Y._
auf die Angaben der Beschwerdeführerin im Revisionsfragebogen (
Urk.
10/126) sowie die
Ver
laufsbericht
e
der behan
delnden Ärzte (
Urk.
10/127 ff.), worin im Wesentlichen ein gleichgebliebener Gesundheitszustand dokumentiert wurde (vgl. auch
Fest
stellungsblatt
,
Urk.
19/134). Entsprechend lag bei der Beschwerdeführerin seit der Begutachtung im Jahre 2006 ein unveränderter Gesundheitszustand vor.
4
.3
Zusammenfassend ergibt sich, dass die ursprüngliche
Rentenzusprache
im Wesentlichen aufgrund eines
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildes erfolgte. Liess sich doch trotz eingehenden klinischen und bildgebenden Abklärungen kein hinreichendes organisches Korrelat für die beklagten Symptome finden.
Letzteres blieb denn auch von der Beschwer
deführerin unbestritten
.
Weiter steht fest, dass im Zeit
punkt der
Rentenzuspra
che
jedenfalls keine vom
s
yndromalen
Zustand unab
hängige somatische und/oder psychische Ges
undheitsschädigung, welche selb
ständig zur Begrün
dung des Rentenanspruchs hätte beitragen können, vorlag.
Zu erwähnen sind ferner
die mehrfachen gutachterlichen Hinweise auf
die widersprüchlichen Angaben und
das
appellative
,
demonstrative Verhalten
der Beschwerdeführerin
(
Urk.
10/110/15,
Urk.
10/110/21,
Urk.
10/111/5,
Urk.
10/112/7 f
).
Im Übrigen hat die
Beschwerdeführer
in
im Zeitpu
nkt des Inkrafttretens der Ände
rungen der
6.
IV-Revision (
1.
Januar 2012) we
der das 5
5.
Altersjahr zurückge
legt noch die Rente im Zeitpunkt
,
in dem die Überprüfung eingeleitet
wurde
(
März
2013
,
Urk.
10/198 ff, Sachverhalt
Ziff.
1.3;
ggf.
1.
Januar 2012, vgl. BGE 140 V 15, insbesondere E. 5.3.5
)
,
seit mehr als 15 Jahren bezogen (vgl.
lit
. a
Abs.
4
SchlB
der
6.
IV-Revision
).
Zusammenfassend sind die Voraussetzungen für die Anwendbarkeit von
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
6.
IV Revision erfüllt. Auf eine Verbesserung des Gesund-
heitszustandes
kommt es dabei nicht an (vgl. E. 1.
6
).
5.
Die Beschwerdeführerin
wurde
am 2
4.
März 2014 und 3
0.
April 2014 von
Dres
.
Z._
und
A._
bidisziplinär
(Rheumatologie/Psychiatrie) untersucht
(Urk.
10/213,
Urk.
10/218). Im Rahmen
ihrer
Konsensbeurteilung vom
2.
Mai 2014 stellten die Gutachter folgende Diagnosen (
Urk.
10/219):
Mittelgradige depressive Episode (ICD10 F 32.1)
Anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD10 F45.4)
Keine rheumatologischen Diagnosen
Nebst der 130 Seiten umfassenden Wiedergabe der bisherigen Aktenlage führte
Dr.
Z._
im Wesentlichen aus, es seien während der Untersuchung D
iskre
panzen auf
gefallen. Sowohl das
int
ermittierende Schmerzstöhnen als
auch der
intermittierend hinkende Gang würden unter Ablenkun
g
verschwinden
. Die Untersuchu
n
g des
Bewegungsapparates sei durch kraftvolle Gegenspannung erschwert worden.
Dadurch habe die Beweglichkeit
der LWS
und BWS
nicht geprüft werden
können. Bei der Prüf
ung der HWS-Be
weglichkeit habe die Beschwerdeführerin deutliche Einschränkungen i
n
allen Richtungen gezeigt
. Unter
Ablenkung habe sich die HWS-Bewegli
chkeit
indes normalisiert.
Radiku
läre
Zeichen seien nicht vorhanden
und auch der
Slump
-
Test
sei normal ver
laufen. Alle grossen peripheren Gelenke seien normal beweglich. Gelenkergüsse,
Synovitiden
oder überwärmte Gelenke seien nicht vorhanden
.
In der
Dol
o
rimetrie
seien alle 18 Tender Points pathologisch sowie alle acht Kontroll
punkte. Dies entspr
e
che einem pathologischen
Do
l
orimetrie
-Befund im
Sinne
einer Schmerzausweitung. Die Bioimpedanz-Anal
yse
zeige
trotz des
mässigen Übergewichts eine Muskelmasse von 43%, den Normwert von 40% sogar über
treffend. Eine an
dauernde k
örperliche Schonung, wie von der
Beschwerdegeg
nerin
angegeben,
könne
daraus nicht
abgeleitet werden. Die aktenanamnestisch ausserordentli
ch umfangreichen bildg
ebenden Untersuchu
ngen
hätten keine wesentlichen pathologischen Befunde ergeben.
Die MRI-Untersuchung des
Schädels
(
10/
20
13) wie auch die CT-Untersuchung des Schädels (03/
2012)
hätten altersent
sprechende Befunde
ergeben. I
n der CT
Untersuchung der Nasennebenhöhlen (10/
2013)
habe eine Sinu
siti
s ausgeschlossen werden könne. Die Röntg
enuntersuchung des
Beckens (06/2008 und 01/2012) wie auch die CT
Untersuchung des Beckens (06/2008) seien
normal
gewesen
. D
ie MRI
Unter
suchung der HWS (07/
2010
) und die Röntge
nuntersuchung der HWS
(
06/2013
) hätten al
tersentsprechende Befunde
ergeben,
ohne
wesentliche degenerative
Veränder
ungen oder neurale Kompressi
onen. In Kenntnis der
klinischen und bild
gebende
n Befunde im Bereich der HWS stellte
Dr.
Z._
k
eine Diagnose im
Bereich der HWS. Die Röntgenun
tersuchung der BWS
(01/
2012
) habe eben
falls keinen wesentlichen Befund gezeigt. Die funktionelle
Untersuchung der
L
WS
(02/
2001
)
und die Röntgenunters
uch
ung der LWS
(01/
2012
) hätten keine
wesentlichen
degenerativen Veränderungen und keine Instabili
tät
ergeben. Die
MRI-Untersuchung d
er
L
WS
(10/
2013
) habe eine leichte
stationäre
Chondrose
L4/L5 ohne Kompression neural
er Strukturen
ausgewiesen.
Da im
Bereich
der LWS
keine wesentl
ichen degenerativen Befunde und keine neuralen K
ompressi
onen bildg
ebend vorhanden
gewesen seien und auch klinisch keine
radikul
äre
n
Ausfälle bestünden, seien
auch i
m Bereich der LWS
keine Diagnosen zu erhe
ben. Weiter seien aufgrund der umfangreichen Blutuntersuchung der
Rheu
mafaktor
, die
Anticitrullin
-Antikörper sowie die Entzündungszeichen normal
. Mithin erklärten die vorhandenen Befunde weder das Ausmass noch die Dauer der geklagten Beschwerden. Im Gegenteil könne die Beschwerdeführerin sämtli
che,
altersgerechte
n
Tätigkeiten zu 100
%
ausüben.
Entsprechend sei sie sowohl in der
angestammten
als auch in einer adaptierten
Tätigkeit
zu 100
%
arbeitsfä
hig (
Urk.
10/213/139 ff.)
.
Dr.
A._
hielt fest,
die
Beschwerdeführerin habe
über
seit vielen Jahren beste
hende
Nackenschmerzen,
Kraftlosigkeit in den
Armen,
Ganzkörperschmerzen
in den Muskeln und den Gelenken
geklagt
.
Sie
blicke
auf äusserst belastende, langjährige eheliche Verhältnisse zurück mit jahrelangen, repetitiven und teil
weise erheblichen Gewalterfahrungen durch beide Ehemänner, so dass anhal
tend eine psychosoziale Belastungssituation
vorgelegen habe
,
welche primär zwar
einen invaliditätsfremden Faktor darstellt, auf Grund der Dauer und
der Intensität unterdessen jedoch
zu
a
utonomisierten
psychischen Fehl
entwicklun
gen
geführt habe
,
zunächst
zur anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung
.
M
it der nachfolge
nden affektiven Störung sei auch die
emoti
onale
Belastung
gegeben
. Die Beschwerdeführerin habe ihre Beschwerden
zu keinem Zeitpunkt
verdeutlicht. Sie habe auch
keinerlei Aggravation oder Begehrlichkeit
gezeigt. Somit würden
keine
bewusstseinsnahen Mecha
nismen vor
liegen. Vielmehr wür
den
die Schmerzen bewusstseinsfernen Mechanismen
entspringen
und
seien sie
Ausdruck der jahrelang durchlebten äusserst schwierigen persönlichen Anam
nese mit den
rezidivierenden ehelichen Gewal
terfahrungen
,
aufgepfropft auf schwierige soziale Ausgangsbedingungen
(als Tochter einer
C._
Familie)
in ihrer
(
D._
)
Heimat. Es
seien
somit die Eingangskriterien für eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung gegeben.
Zusätzlich k
önne
eine depressive Störung diagnostiziert w
erden
, welche gestützt auf die
subjektiven
Angaben der
Beschwerdeführerin
(
namentlich
Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit, anhaltende Interesse- und Lustlosigkeit, Müdigkeit, verminderter Antrieb, Trauer, Schlafprobleme, vgl.
Urk.
10/218/5)
sowie
die objektiven Unter
suchungsbefunde
(
namentlich
gedankliche Einengung auf die
lebensge
schichtlichen
Schwierigkeiten, depressive Grundstimmung im mittel
gradigen Ausmass, psychomotorische Verlangsamung, leiser Sprachtonus, monotone
Sprachmodulation, Affektlabilität, Resignation, Verzweiflung, vgl.
Urk.
10/218/7
)
deutlich auf eine mittelgradige depressive Symptomatik
hinweise
.
Auch diese depressive Fehlentwicklung
sei
mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf
die jahre
langen Gewalterfahrungen in ihren beiden Ehen zurückzuführen. Andere psychiatrische Diagnose-Entitäten
lägen
nicht vor.
Gestützt auf die
Richtlinien der Swiss Insurance
Medicine
(SIM)
sowie der
erhöhte
n Ermüdbarkeit,
Antri
ebs
minderung
,
reduzierte
n
psychische
n
Belastbarkeit
resp.
innerpsychische
n
Vitalität
sei aufgrund der mittelgradigen depressiven Episode von einer
qualitative
n
Funktionseinbusse in der Höhe von 50
%
auszugehen
(
Urk.
10/218/10 f.)
.
Es
liege
damit
eine relevante psychische Komorbidität vor. Auch die übrigen Försterkriterien seien weitestgehend gegeben. Entsprechend könne der Beschwerdeführerin eine aktive Willensleistung zur Überwindung ihrer Körperschmerzen nicht mehr vollumfänglich zugemutet werden. Zusam
menfassend sei die Beschwerdeführerin sowohl in der angestammten als auch in einer adaptierten Verweistätigkeit
aus psychiatrischer Sicht zu
50
%
arbeitsun
fähig
(Urk.
10/218/9 f.)
.
Die Gutachter kamen zu Schluss, die Beschwerdeführerin sei aus
bi
disziplinärer
Sicht seit April 2004 (Rentenbeginn) in jeglicher Tätigkeit zu 50
%
arbeitsunfä
hig (
Urk.
10/219).
6.
6.1
Die
rheumatologisch/psychiatrische
Expertise
vom
1
2.
und 3
0.
April
resp. 2.
Mai
2014
erging in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
und den geklagten Beschwerden sowie gestützt auf die klinischen Untersuchun
gen
vom
24.
März 2014 und 3
0.
April 201
4.
Es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Situation und Zusammenhänge ein und ist hinsichtlich der im Einklang mit den erhobenen Befunden gestellten Diagnosen schlüssig. Insbe
sondere haben die Gutachter zu den Beurteilungen in den
Vorakten
Stellung bezogen und – soweit Diskrepanzen bestanden – ihre abweichende Einschät
zung plausibel begründet (
Urk.
10/213/143, Urk.
10/218/12 ff.
). Damit genügt das Gutachten den an eine beweiskräftige Entscheidungsgrundlage geste
llten Anforderungen (vgl. E. 1.7
), womit zur
Entscheidfindung
grundsätzlich darauf abgestellt werden kann.
6.2
Das rheumatologische Teilgutachten blieb unbestritten. Strittig und zu prüfen bleibt die in juristischer Hinsicht gestützt auf ihre psychischen Leiden zu beur
teilende Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin.
6.3
Zunächst ist festzuhalten, dass
gemäss
altem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegeben-
heiten
und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein
abschliessendes
Abstel
len auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält. In
sinn
gemässer
Anwendung auf die nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen administrativen und/oder gerichtlichen Sachverständigengutachten -
gegebe-nenfalls
im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten - eine schlüssige Beurteilung im Lichte der
massgeblichen
Indikatoren erlauben oder nicht (
BGE 140 V 281
E. 8., mit Hinweis).
6
.4
Vorliegend erhellt aus dem Gutachten – worin n
och
ausschliesslich
Ausführun
g
en zu den sogenannten Foerster-Kriterien
gemacht – hinreichend,
dass die Aus
prägung der
somatischen und
psychischen diagnoserelevanten Befunde nicht stark ins Gewicht fällt.
Erhebliche
Komorbiditäten
bestehen weder in somatischer noch psychiatrischer Hinsicht
.
Im Gegenteil hielt
Dr.
Z._
fest, die
somatischen
Befunde erklärten weder das
Ausmass
noch die Dauer der geklagten Beschwerden.
Vielmehr
sei
die Beschwerdeführerin
aus somatischer Sicht
uneingeschränkt
in der Lage, sämtliche altersgerechten Tätigkeiten aus
zu
üben (
Urk.
10/213/140).
Sodann erweist sich
die in Anspruch genommene ambulante psychi
atrische Therapie
in
der
monatlichen
Sitzungsfrequenz
als
wenig
in
tensiv.
Von einer psychotherapeutischen Behandlung in nützlicher Kadenz kann jedenfalls nicht die Rede sein.
Ferner hat die
Beschwerdeführerin
die antidepressive Medikation
abgesetzt (
Urk.
10/218/5
) und die sich angesichts der geklagten Symptomschwere aufdrängenden
übrigen
Behandlungsmöglich
keiten
(teilstationär
e/stationäre
Therapien)
nicht
in Anspruch genommen
.
Vor diesem Hintergrund ist e
ine
invalidisierende
Leidensresistenz im Sinne der unter E. 1.4.3
erläuterten
Rechtslage
nicht ausgewiesen
.
Da
mit geht
denn
auch die (zutreffende) Feststellung der Beschwerdeführerin, wonach depressive Episoden
nicht in der Kategorie der ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebilder
figurieren, ins Leere.
Schliesslich
geht d
ie
Beschwerdeführer
in einem im Wesentlichen geordne
ten Tagesablauf nach, mitunter
ausserhäuslichen
Tätig
keiten (
Besuch
von Festivitäten
,
Spazieren
, Einkaufen
) sowie Aktivitäten mit Anforderungen an die Konzentrationsfähi
gkeit (
mehrstündiges
Autofahren) und verfügt
sie
über Freundschaften sowie
familienintern über intakte und tragende Beziehungen (
Urk.
10/213/130
,
Urk.
10/218/6
).
Bei dieser Sachlage ergeben sich auch unter Berücksichtigung der im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren keine erheblichen funktionellen
Auswirkun
-gen der medizinisch festgestellten Diagnosen.
Die psychiatrische
Arbeitsfähig
keitsbeurteilung
von
Dr.
A._
erweist sich unter juristischen Gesichtspunkten damit als unbeachtlich.
6
.
5
Zusammenfassend ist mit dem im Sozialversich
erungsrecht
massgebenden
Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass es de
r
Beschwerdeführer
in
bei Aufbietung allen guten Willens (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen) und in Nachachtung des im Sozialversicherungsrecht allgemein geltenden Grundsatzes der Schadenminderungspflicht zuzumuten ist,
ihre
Lei-den zu überwinden und einer
Erwerbstätigkeit
nachzugehen. Bei dieser Sachlage erübrigt sich ein Einkommensvergleich.
7.
Der angefochtene Entscheid erweist sich auch hinsichtlich des Zeitpunkts der Rentenaufhebung (vgl.
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a
der Verordnung über die Inva
liden
versicherung,
IVV) als richtig, womit die Beschwerde abzuweisen ist.
8.
8.1
Die
Beschwerdeführer
in
bezieht Sozialhilfe (
Urk.
8). Da auch die übrigen Vor-aus
setzungen
gemäss
§
16
Abs.
1 und 2 de
s Gesetzes über das
Sozialversi
che-rungsgericht
(
GSVGer
) zur Gewährung der unentgeltlichen R
echtspflege
ge
ge-ben
sind, ist
ihrem Gesuch vom
9.
Juni
2015 zu entsprechen und ih
r
die unent
geltliche Prozessführung zu gewähren sowie in der Person von Rechts-anw
ä
lt
in Lotti Sigg
ein
e unentgeltliche
Rechtsvertreter
in zu bestellen. Die Beschwer
de
führer
in
ist sodann auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach
sie zur Nach
zahlung der ihr
erlassenen Gerichtskosten sowie der Auslagen für die unent
geltliche Rechtsvertretung verpflichtet ist, sobald
sie
dazu in der Lage ist.
8
.2
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
600.-- festzusetzen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und
ausgangsgemäss
de
r
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen, jedoch zufolge Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführu
ng einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
8
.3
Rechtsanwä
lt
in Lotti Sigg
machte mit Honorarnote vom 2
8.
August 2015
ohne detaillier
te Kostenaufstellung
einen Gesamtaufwand von
11 Stunden 10
Minu
ten geltend
(zuzüglich 3
%
Kleinspesenpausale und 8
%
Mehrwert
steuer,
Urk.
14
)
.
Vorliegend können eine Stunde Aufwand für Instruktion,
drei
weitere Stunden für Aktenstudium sowie
drei
Stunden für das Abfassen der Beschwer
deschrift als gerechtfertigt betrachtet werden. Eine Stunde kann zudem für das Studium des Gerichtsentscheides anerkannt werden. Insgesamt rechtfertigt sich somit ein Aufwand von höchstens 8 Stunden. Bei einem gerichtsüblichen Ansatz von
Fr.
220.-- pro Stunde (ab
1.
Januar 2015) ergibt dies zuzüglich einer Auslagenpauschale von 3
%
und d
er Mehrwertsteuer von 8
% eine Entschädi
gung von
Fr.
1‘957.80.