Decision ID: c19a0dc4-a702-4bdd-8ca7-9f78d90f600d
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y. (geb. 1985) und A.Z. (geb. 1984) reisten 2006 illegal in die Schweiz ein
und wurden für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton St. Gallen zugewiesen. Sie
sind die Eltern von F. (geb. 2008) und K. (geb. 2011). Das Bundesamt für Migration
wies ihre Asylgesuche, das Bundesverwaltungsgericht mit Urteilen vom 11. Mai 2012
die dagegen erhobenen Beschwerden ab. Das Bundesamt für Migration setzte ihnen
eine Frist zur Ausreise aus der Schweiz bis 18. Juni 2012 an und lehnte am 27. Juni
2013 einen Antrag des kantonalen Migrationsamtes um vorläufige Aufnahme von A.Z.
und ihren Kindern in der Schweiz ab. Der Kanton St. Gallen ist beauftragt, die
Wegweisung zu vollziehen.
Bis zum unbenützten Ablauf der Ausreisefrist im Juni 2012 wurde die Familie in der
Gemeinde St. Margrethen in Ergänzung zum Erwerbseinkommen von X.Y. von der
Sozialhilfe unterstützt. Ab Juli 2012 erhielt sie dort noch Nothilfeleistungen. In
Absprache mit der Koordinationsstelle der St. Galler Gemeinden für Migrationsfragen
(KOMI) wurde die Familie zum Bezug der Nothilfe per 7. Mai 2013 der
Gruppenunterkunft Seeben in der Gemeinde Nesslau zugewiesen. Die Gemeinde St.
Margrethen meldete die Familie per 6. Mai 2013 ab und stellte die Nothilfe ein.
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B. Am 10. Mai 2013 ersuchten A.Z. und X.Y. die Gemeinde St. Margrethen um
Nothilfe für sich und um Sozialhilfe für ihre beiden Kinder. Das Sozialamt entsprach
dem Gesuch am 4. Juni 2013 nicht mit der Begründung, die Nothilfegemeinde könne
von der weggewiesenen Person nicht ausgewählt werden. Die Gruppenunterkunft
Seeben sei avisiert. Da die Kinder in der Verfügung der Familie eingeschlossen seien,
werde für sie keine eigene Verfügung für die Sozialhilfeansprüche erlassen. Das
Sicherheits- und Justizdepartement wies am 1. Oktober 2013 den dagegen erhobenen
Rekurs ab.
C. A.Z. und X.Y. sowie ihre beiden Kinder (Beschwerdeführer) erhoben durch
ihren zumindest vor Verwaltungsgericht nicht berufsmässig tätigen Vertreter gegen den
am 2. Oktober 2013 versandten Rekursentscheid des Sicherheits- und
Justizdepartements (Vorinstanz) mit Eingabe und Ergänzung, beide datiert vom 16.
Oktober 2013, Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Anträgen, es sei unter
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege der angefochtene Entscheid aufzuheben
und die Gemeinde St. Margrethen (Beschwerdegegnerin) anzuweisen, den Eltern Not-
und den Kindern Sozialhilfe zu gewähren. Es sei festzustellen, dass die
Beschwerdeführer das Verfahren in St. Margrethen abwarten können. Auf die
Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, in den

Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz beantragte unter Verzicht auf eine Vernehmlassung am 25. Oktober
2013, die Beschwerde sei abzuweisen. Die Beschwerdegegnerin beantragte am 22.
November 2013 ebenfalls unter Verzicht auf eine Vernehmlassung, die Beschwerde sei
unter Kostenfolge zulasten der Beschwerdeführer abzuweisen. Gleichzeitig reichte sie
zusätzliche Beweismittel ein. Der Vertreter der Beschwerdeführer reichte am 19.
November 2013 unaufgefordert eine zusätzliche Eingabe ein, liess sich jedoch zu den
zusätzlichen Akten der Beschwerdegegnerin nicht mehr vernehmen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59bis
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP).
Die Beschwerdeführer, an die sich der angefochtene Entscheid richtet und die von der
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Frage, an welchem Ort und in welchem Umfang ihnen Unterstützung gewährt wird, in
ihren schutzwürdigen Interessen betroffen sind, sind zur Beschwerdeerhebung befugt
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom
16. Oktober 2013 rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der vom gleichen Tag
datierten Ergänzung in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
Auf die Beschwerde ist dementsprechend einzutreten.
2. Dem Rechtsmittelverfahren liegt ein Beschluss des Sozialamtes der
Beschwerdegegnerin vom 4. Juni 2013 zugrunde, mit welchem dem Gesuch der
Beschwerdeführer um Gewährung der Not- beziehungsweise Sozialhilfe nicht
entsprochen (Ziffer 1; dazu nachfolgend Erwägung 2.3) und ihnen die
Nothilfeleistungen in der Gruppenunterkunft Seeben, wo sie nach Voranmeldung
jederzeit hätten eintreten können, angeboten wurden (Ziffer 2; dazu nachfolgend
Erwägung 2.2). Als Rechtsmittel war der Rekurs an den Gemeinderat angegeben (Ziffer
5; dazu nachfolgend Erwägung 2.1).
2.1. Die Vorinstanz ging im angefochtenen Entscheid davon aus, die mit Eingabe
der Beschwerdeführer vom 24. Juni 2013 angefochtene Verfügung vom 4. Juni 2013
habe der Gemeinderat erlassen. Sie stützte ihre Zuständigkeit dementsprechend auf
Art. 43bis (Ingress und lit. a) VRP. Danach setzt die Zuständigkeit des Departements
eine Verfügung oder einen Entscheid der obersten Verwaltungsbehörde einer
öffentlich-rechtlichen Körperschaft voraus. Verfügungen und Entscheide unterer
Instanzen können unmittelbar an die kantonale Rekursinstanz weitergezogen werden,
wenn dies in einem rechtsetzenden Reglement der Gemeinde vorgesehen ist (Art. 40
Abs. 2 VRP). Weder wird geltend gemacht noch ist ersichtlich, dass die Rechtsordnung
der Beschwerdegegnerin eine solche Vorschrift enthält. Dementsprechend wäre die