Decision ID: 64044d73-dc32-5b76-9705-0a25c57986c8
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1964 geborene
und als
Produktionsmitarbeiterin tätig gewesene
X._
meldete sich am 2. Juni 2009 (Einga
n
gsdatum bei der IV-Stelle, Urk. 8/8) unter Hinweis auf einen Unfall (
Malleolarfraktur
am 8. Februar 2008)
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum
Leistungs
bezug
an (Urk. 8/6).
Die IV-Stelle zog die Akten der Unfallversicherung bei
(Urk. 8/17)
und tätigte medizinische und erwerblich-berufliche Abklärungen. Namentlich wurde
bei
m
Y._
eine ambulante
bidisziplinäre
(orthopädisch-psychiatrisch) medizinische Abklärung in Auftrag
gegeben
(
Expertise
vom 23. August
2010, Urk. 8/31).
Im Auftrag der Krankentaggeldversicherung wurde am 19. November
2010 durch die
Z._
ebenfalls ein
bidisziplinäres
Gutachten e
rstellt (Urk. 8/32). Der
Z._
lag das Gutachten der
Y._
dabei nicht vor
, was die IV-Stelle
veranlasste,
am 11. März 2011 mit der
Frage an die
Z._
zu gelangen
, ob das Gutachten der
Y._
an ihrer Beurteilung etwas ändere (Urk. 8/35). Mit Schreiben vom
4. Mai 2011
teilte die
Z._
mit, dass sie un
verändert an ihrer orthopädischen und psychiatrischen Beurteilung festhalte (Urk. 8/39)
.
M
it Verfügung vom 17. Januar 2012
sprach die IV-Stelle
, gestütz
t auf das Gutachten der
Z._
,
X._
eine
vom 1. Dezember 2009 bis 31. Januar 2011
befristete
Viertelsrente
zu
,
da ab 13. Oktober 2010
von einem rentenausschliessenden
Invaliditätsgrad
auszugehen war
(Urk. 8/57).
1.2
X._
meldete sich
am 8. März 2016 (Eingangsdatum, Urk. 8/73) unter Hinweis auf erhöhte Schmerzen, Depression, Arthrose, Schlafstörungen
erneut zum Bez
ug von Leistungen der Invalidenversicherung
an
(Urk. 8/70).
Nach
dem mehrere Arztberichte ins Recht geleg
t wo
rden
waren
, gab die IV-Stelle eine polydisziplinäre medizinische Untersuchung in Auftrag (Urk. 8/81). Das Gut
achten wurde vom
A._
am 15. März 2017 erstattet (Urk. 8/99).
Nach durchgeführtem
Vorbe
s
cheidverfahren
(Urk. 8/119) verneinte
die IV-Stelle mit Verfügung vom 13. Febru
ar 2018
einen Rentenan
sp
ruch
(Ur. 8/131).
2.
Dagegen liess
X._
am 19. März 2018 Beschwerde
erheben und beantragen, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben und es seien ihr die
Versicherungsleistungen auszur
ichten; alles unter Kosten- und Ent
schädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1). In pr
ozessualer Hin
sicht ersuchte die
Beschwerdeführer
in
um Gewährung der unentgeltlichen Pro
zess
führung und
Rechtsvertretung
.
Mit Beschwerdeantwort vom 30. April 2018
schloss
die
Beschwerdegegnerin
auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 20. August 2018
zur Kenntnis gebracht
wurde (Urk. 14). Mit derselben Verfügung wurde das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege abgewiesen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2
.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der ver
si
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Re
visionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie
zunächst noch zu prüfen, ob die fest
gestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invali
di
tät zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.2
.2
Ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG betrifft Änderungen in den persönlichen Verhältnissen der versicherten Person (BGE 133 V 454 E. 7.1). Dazu gehört namentlich der Gesundheitszustand. Dabei ist nicht die Diagnose mass
gebend, sondern in erster Linie der Befund und der Schweregrad der Symp
tomatik. Aus einer anderen Diagnose oder einer unterschiedlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus medizinischer Sicht allein kann somit nicht auf eine für den Invaliditätsgrad erhebliche Tatsachenänderung geschlossen werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_602/2016 vom 14. Dezember 2016 E. 5.1 mit weiteren Hin
weisen).
1.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der ge
stellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psy
chischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Dar
legung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid (Urk. 2), dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
insoweit
geändert habe
,
als
keine
körperliche Erkrankung
mehr
vorliege
, welche einen Einflus
s auf die Arbeits
fähig
keit habe
. In psychiatrischer Hinsicht sei
zudem
festzuhalten, dass die Be
schwerdeführerin ihre verordneten Medikamente nicht nach Rezept einnehme und somit noch Behandlungsoptionen offenstehen würden.
2.2
Demgegenüber brachte die Beschwe
rdeführerin vor
(Urk. 1)
,
dass gemäss dem
Gutachten der
A._
vom 15. März 2017
aufgrund einer
anhaltende
n
somato
for
me
n
Schmerzstörung sowie eine
r
rezidivierende
n
depressive
n
Störung mittel
gra
dige
r Episode
von einer
Arbeitsunfähigkeit von 50 % in sämtlichen Tätig
keiten
auszugehen sei
.
Der RAD-Arzt habe in seiner Stellungnahme
vom 16. August 2017
zudem festgehalten, dass die
Diagnosen
gemäss dem
A._
-
Gutachten
nach
vollziehbar seien, die Beschwerdeführerin über wenig Ressourcen verfüge und nach neunjährigem Verlauf von
einer
Therapieresistenz auszugehen sei.
Auch der
RAD-Arzt
sei von einer
Arbeitsunfähigkeit
von 50 %
in bisheriger Tätigkeit aus
gegangen
. In
angepasster Tätigkeit
liege sie noch im Umfang von 40 % vor
.
Auf
grund dieser Umstände
sei eine rentenbegründende
Arbeits- und Erwerbsun
fähigkeit offensichtlich ausgewi
esen
.
3.
3.1
3.1
.1
Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob eine wesentliche Ver
schle
ch
terung des Gesundheitszustand
s der Beschwerdeführerin seit der Verfügung vom 17. Januar 2012 eingetreten ist (E. 1.
2.
1), dient das
jener
Verfügung
zugrunde
liegende
Gutachten der
Z._
.
3.1.2
Im Gutachten der
Z._
vom 19. November 2010 wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt (Urk. 8/32/16):
-
Noch persistierendes C
RPS I bei protrahiertem Verlauf einer osteo
syn
the
tisch versorgten Weber-B-Fraktur rechts, interkurrente und inzwischen rückstandslos ausgeheilte Thrombose der
Vena
tibialis
posterior
, geringe klinisch funktionelle orthopädische Befunde, jedoch noch radiologisch nachweisbare
Inaktivitätso
steopenie
/
Al
godystrophie
der distalen Tibia und Fibula sowie des miterfa
ssten Fussskelett
s
Ohne Auswirkung a
uf die Arbeitsfähigkeit wurden im Gutachten der
Z._
eine
grenzwertige Adipositas und eine anhaltende ängstliche Depression
(ICD-10 F43
.1)
genannt.
Im Gutachten wurde
festgehalten, dass aktuell eine Arbeitsfähigkeit von 70 % in Tätigkeiten unter Einhaltung des Belastungsprofils vorliege
. A
us orthopädisch-psychiatrischer Sicht
könne eine Arbeitsfähigkeit im grösseren Umfang erzielt werden
, wenn
ein
em
mul
t
imodalen
Therapieansatz mit
physio- und
psychothe
ra
peutischen Behandlung
en
gefolgt werde
(Urk. 8/32/16)
.
Weiter waren die Gut
achter der Ansicht, dass mit
Aufna
hme einer angepassten Tätigkeit und der damit einhergehenden Strukturierung des Alltags
die Arb
eitsfähigkeit
der Beschwerde
führerin
gesteigert werden
könne.
Somit könnten auch
die Ressourcen der Be
schwer
deführer
i
n genutzt
werden und der Heilungsverlauf würde hierdurch be
schleunigt werden.
Vorliegend begründe vor allem die radiologisch noch n
icht hinreichend
regrediente
C
RPS-Symptomatik mit anteilig nachvollziehbaren Miss
empfindungen, Beschwer
d
en
und Belastungsinsu
ffizienz des rechten Fuss
es
eine
Minderung der Leistungs
f
ä
higkeit in der Grössenordnung von 30 %
(Urk. 8/32
/19)
.
Der begutachtende Psychiater führte sodann aus,
die Beschwerdefü
h
rerin
habe
davon berichtet
, dass es ihr seit dem Unfall nicht gut gehe
, sie ihr Leben nicht wie bisher führen könne und ihre Stimmung deswegen auch schlecht sei. Sie habe auch finanzielle Probleme und ihr Ehemann könne aufgrund einer Erkrankung ebenfalls kein
Einkommen generieren
(Urk. 8/32/22).
Im Vordergrund der Be
schwerden der Beschwerdeführerin würden insbesondere die Schmerzen
stehen
(Urk. 8/32/24)
.
Auf der Schmerzskala VAS habe die Beschwerdeführerin Werte von 5-10 angegeben (Urk. 8/32/23).
In der Untersuchung habe sich die Beschwer
deführerin wach und zu allen Qualitäten vollständig orientiert präsentiert. For
male Denkstörungen würden nicht vorliegen und das Denken sei kohärent. Die Beschwer
deführerin habe ernst gewirkt
, ihre Stimmungslage sei gedrückt und von ängstlicher Besorgnis gekennzeichnet gewesen. Die Motivation der Beschwerde
führerin wieder
zu
arbeiten
,
sei mit der deutlichen Reduktion der Schmerzen ver
bunden
(Urk. 8/32/25)
.
Zum Tagesablauf habe die Beschwerdeführerin
erzählt
,
dass sie
morgens um etwa 7
Uhr aufstehe
,
frühstücke,
danach
auf dem Home
trainer
trainiere und anschliessend
mit ihrer Schwiegertochter und
ihrem
Enkel
kind für ungefähr
20 Minuten spazieren
gehe. Danach mache sie zuhause
ergo
therapeutische Übungen. Das Mittagessen bereite ihre Schwiegertochter zu. Nach
mittags
habe die Beschwerdeführerin Behandlungstermine
und gehe auch mit Freundinnen spazieren. Nach
dem Abendessen mit der Familie
sehe sie fern oder les
e und gehe dann um 21 bis 22
Uhr
zu
Bett (Urk. 8/32/24).
Der psychiatrische Gutachter hielt weiter fest,
dass sich in der psychiatrischen Untersuchung depressive Symptome
bei der Beschwerdeführerin gezeigt
hätten. Die im Vordergrund stehenden Schmerzen seien nicht als Leitsymptom einer pri
mär psychischen Erkrankung zu werten, sondern als psychische Komorbidität der Schmerzen bei der bekannten Unfallschädigung, was Bedeutung für multimodale Therapieansätze habe. Ein hieraus resultierender Einfluss auf die Arb
eitsfähigkeit lasse sich nicht ableiten und
i
n
psychiatrischer Hinsicht
sei von
eine
r
A
rbeits
fähig
keit im Umfang von
100
%
auszugehen
(Urk. 8/32/26).
3.2.
3.2
.1
Im Rahmen des vorliegenden Neuanmeldeverfahrens gab die Beschwerdegegnerin ein interdis
ziplinäres
Gutachten in Auftrag, welches am 15. März 2017 erstattet wurde
(
A._
-
Gutachten, Urk. 8/99).
Das Gutachten basiert
auf internistische
n
, rheu
matologische
n
und psychiatrische
n
Untersuchungen (Urk. 8/99/1).
Im Gut
ach
ten
wurden folgende Diagnosen mit
Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit genannt (Urk. 8/99/66):
-
Multilokuläres
Schmerzsyndrom ohne organisches Korrelat im Sinne einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Rezidivierende depressive Störung, mittelgradige Episode (ICD-10 F33.11)
Ohne
Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit wurden folgende Diagnosen
erwähnt
:
-
Status nach Fraktur des rechten
Malleolus
lateralis
am 8.2.2008
-
Status nach Thrombose der
Vena
tibialis
posterior
rechts am 18.2.2008
-
Status nach
laparoskopischer
Appendektomie wegen akuter Appendizitis am 28.2.2008
Im Gutachten wird zusammenfassend festgehalten, dass unter Berücksichtigung aller Ge
gebenheiten und Befunde nunmehr
aus rein somatischer Sicht keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit vorliege.
Für die diffuse Schmerzsymptomatik am Bewegungsapparat finde sich kein erklärendes organisches Korrelat. Die Schmerzen seien Ausdruck einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, welche zusammen mit der aktuell mittelgradig ausgeprägten depressiven Erkran
kung zu einer plausiblen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 % für alle Tätigkeitsbereiche führe (Urk. 8/99/75f.).
3.2.2
Dr. med.
B._
, Facharzt für Rheumatologie FMH, hielt in seinem
Teil
gutachten
fest,
die Beschwerdeführerin habe von Schmerzen am ganzen Körper, Tag und Nacht erzählt und habe die Beschwerden auf der VAS zwischen 6 und 10 eingeordnet. Aufgrund dieser Schmerzen könne sie nachts nicht schlafe
n und sei tagsüber müde, könne für eine Stunde spazieren
und
lediglich
für eine halbe bis ganze Stunde sitzen. Weiter habe die Beschwerdeführerin davon berichtet, dass sie mehrere Medikamente einnehme,
diese jedoch weder
hinsichtlich
ihrer
Schmerzen noch ihrer Schlafprobleme
viel
helfen würden
. A
uch eine Physio
therapie habe keine Linderung gebracht.
Weiter habe die Beschwerdeführerin erzählt, dass sie d
en Haushalt
nur
mit Hi
lfe ihres Mannes und ihrer Schw
i
e
ger
tochter verrichten
könne. Aufgrund der
starken Schmerzen
könne sie auch
nicht jeden Tag aus dem Haus gehen
(Urk. 8/99/53)
.
Weiter führte Dr.
B._
aus,
die Beschwerdeführerin habe anlässlich der Begut
achtung
depressiv
gewirkt. B
ei der Untersuchung der Gelenke, der Wirbelsäule und der Muskulatur
habe sie zudem
dauernd gestöhnt und
auch Gegenwehr geboten
. Es sei auffällig gewesen, dass die Beschwerdeführerin in unbeobachteten Momenten
ihre Gelenke weit besser
habe bewegen können
.
Die
Untersuchung der Schultergelenke
habe sich
als mühsam erwiesen und
habe
mittels Ablen
kungs
manövern
durchgeführt werden müssen
. Beim
Entkleiden der Bluse und des Jacketts
habe sich allerdings
ein normales, schmerzloses Bewegungsmus
ter der Schultergelenke gezeigt
.
Weiter hielt Dr.
B._
fest, dass sich
kaum
rheuma
to
log
isch-pathologische Befunde
hätten
erheben l
assen
. Im Bereich der Wirbelsäule hätten sich diskrete
Druckdolenzen
zervikal und lu
m
bal gezeigt
, Degenerationen
seien bildgebend nicht
ersichtlich gewesen. Anhaltspunkte für eine
spondylogene
oder
radikuläre
Sympto
matik würden fehlen. Im Bereich
der Gelenke und d
er Muskulatur
hätten sich keine Defizite
erheben lassen
. Alle stammnahen und per
i
pheren Gelenke
hätten
sich frei bewegen
lassen
und Anhaltspunkte für dege
nerative oder entzündliche Veränderungen
seien nicht vorhanden
gewesen
. Die
druckdolente
Muskulatur und die
Ansatztendoperiost
osen
an Ellbogen, Hüften und Knien
seien dem
multilokulären
Schmerzsyndrom zuzuordnen. Ein entzünd
lich rheumatisches Gesc
hehen, eine Kollagenose oder ei
n
e
Myopathie
könn
t
e
n
ausgeschlossen
werden
. Die verminderte
Belastbarkeit des rechten Fusses
und die massive generalisierte Schmerzhaftigkeit seien klinisch, anatomisch und radiolo
gisch nicht erklärbar. Schliesslich hielt Dr.
B._
fest, dass bei fehlenden Defiziten im Bereich der Gelenke und
bei guter Beweglichkeit der Wi
rbelsäule ohne
spon
dy
lo
gene
oder
radikuläre
Symptomatik aus rheumatol
o
gischer Sicht
von
eine
r
100
%igen-
Arbeitsfähigkeit in der ang
estammten Tätigkeit auszugehen sei
(Urk. 8/99/58).
3.2
.3
Der
begutachtende Psychiater
Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM,
hielt fest, dass die Beschwerdeführer
in
von Rückenschmerzen, Schmerzen in den Beinen, beid
seitige
n
Schulterschmerzen und Schmerzen im Hals-Nackenbereich sowie in den Armen berichtet habe. Diese Schmerzen seien jeden Tag gleich, würden bei Be
lastung zunehmen und seien in den beiden Beinen am stärksten.
Sie nehme deshalb
Schmerzmittel, welche
allerdings
nur kurzfristig und wenig helfen wür
den. Zweimal in der Woche habe sie Physiotherapie, was ebenfalls nur be
schränkt Linderung bringe. Die Beschwerdeführerin habe sodann darauf hingewiesen, dass sie täglich zuhause Übungen mache, sie habe einen Hometrainer, mache Übungen
mit dem
Theraband
und
massiere
sich
täglich
die Beine
.
Ihre Schmerzen
habe die Beschwerdefü
h
r
erin auf der Schmerzskala
VAS
zwischen 6 und 10 eingeordnet.
Weiter habe die
Beschwerdeführerin
erzählt
, dass die Schmerzen auch nachts vorhanden seien, sie
deshalb mehrmals aufwache,
jeweils
aber
wie
der einschlafen könne. Wegen den
Schmerzen könne sie maximal 30 bis 40 Minuten am Stück laufen, sie könne auch nicht l
ängere Zeit stehen oder sitzen
bleiben
(Urk. 8/99/60). Einen typischen Tagesablauf habe die Beschwerdeführerin wie folg
t beschrieben: Sie stehe um 6
Uhr auf, frühstücke, mache anschliessend Heim
übungen und erledige leichte Hausarbeit
en
, wenn es die Schmerzen zulassen würden. Hin und wieder erhalte sie Be
such von Kolleginnen, gehe häufig
mit einer Kollegin spazieren und erledige dabei kleinere Einkäufe. Sie habe Termine bei Ärzten und beim Sozialamt. Nachmittags versuche sie zu le
sen und schreibe ein
Buch über ihr Leben. Abends komme ihr jüngster Sohn nach H
ause und unterhalte sich mit ihr
. Um 22 bis 24
Uhr gehe die Beschwerdeführerin dann zu Bett (Urk. 8/99/61)
.
Befundmässig stellte
Dr.
C._
fest,
dass die Beschwerdeführerin sich wach, bewusstseinsklar und zu allen Qualitäten orientiert präsentiert habe. Ihr formaler Denkablauf sei unauffällig und inhaltlich eingeengt auf die gesundheitlichen Einschränkungen. Die affektive Schwingungsfähigkeit sei
ebenfalls
deutlich ein
geschränkt und ins D
epressive verschoben. Im Affekt sei die Beschwerdeführerin spürbar
und präs
ent
i
e
re sich deprimiert, nervös
, angepasst, unsicher und die Vital
gefühle seien leicht herabgesetzt
. Die Beschwerdeführerin habe Ein- und Durchschlafstörungen, teilweise mit Gedankenkreisen um die aktuelle Situa
tion. Es seien ein Freude-
und auch ein Interessensverlust
festzustellen
, ein sozialer Rückzug liege allerdings nicht vor (Urk. 8/99/62).
Dr.
C._
berichtete sodann,
die Schmerzschilderungen
der Beschwerdeführerin
seien
glaubhaft und
er
habe
keine Aggravation oder Verdeutlichungstendenz erkennen
können
.
Nach Rücksprache mit den somatisch untersuchenden Ärzten seien die Schmerzen in ihrer Ausprägung
nicht vollumfänglich erklärbar und
es
sei von einer
anhaltende
n
somatoforme
n
Schmerzstörung
auszugehen
(Urk. 8
/99/63)
.
Klinisch
sei
die depressive Symptomatik
in Bezug auf den Schwe
re
grad als mittelgradig einzustufen
. Es würden auch psychosoziale Belastungs
faktoren vorliegen, vor allem finanzielle Schwierigkeiten und Probleme mit dem Ehemann.
Die
depressive Symptomatik
– so Dr.
C._
weiter –
sei
allerdings nicht auf diese Belastungsfaktoren zurückzuführen,
sondern sei infolge der chro
nischen Schmerzen aufgetreten (Urk. 8/99/64).
Dr.
C._
führte
schliesslich
aus
, es bestehe eine 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten. Diese Einschränkung begründe sich mit der verminderten Belastbarkeit der Beschwerdeführerin. Durch die Schmerzen und die depressive Symptomatik sei die Beschwerdeführerin in der Anpassungs
fähigkeit und Aufnahmefähigkeit deutlich reduziert und auch die gedankliche Flexibilität sei vermindert. Da es sich um eine
n
chronischen Krankheitsverlauf handle, werde es schwierig sein, den
Chronifizierungsprozess
aufzuweichen.
L
ang
fristig
sei
davon aus
zugehen
, dass
keine Steigerung
der 50%igen Arbeits
fähigkeit
möglich und
eher zu befürchten
sei
, dass im weiteren Verlauf d
ie Arbeitsfähigkeit abnehmen wer
d
e
(Urk. 8/99/65).
3.2.4
In der Stellungnahme von Dr.
C._
zur Beantwortung der Zusatzfragen der Beschwerdegegnerin führte er unter anderem aus, dass aufgrund der Laborwerte, welche ihm anlässlich der psychiatrischen Beg
utachtung nicht vorgelegen hätten
, davon auszugehen sei, dass die Beschwerdeführerin, entgegen ihren Aussagen, die ihr verschriebenen Medikamente nicht regelmässig oder überhaupt nicht ein
nehme (Urk. 8/107/1). Dennoch sei seiner Ansicht nach davon auszugehen, dass an den Schilderungen der Beschwerdeführerin nicht zu zweifeln sei, die Be
schwer
deführerin habe einen glaubhaften Eindruck bei der Begutachtung hinter
lassen und ihre Beschwerden seien nachvollziehbar (Urk. 8/107/2).
4.
4.1
Dem
A._
-Gutachten ist zu entnehmen, dass aus rein somatischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
vorliegt
und sich für die von der Beschwerde
führerin geltend gemachte Schmerzsymptomatik kein erklärendes organisches Ko
rrelat finden lässt
(E. 3.2.1). Der
RAD-Arzt Dr.
D._
erachtete
die Ausfüh
rungen im
A._
-Gutachten
als nachvollziehbar und ging
in diesem Zusammen
hang
ebenfalls
von einer 100
%igen Arbeitsfähigkeit
aus
(
Urk. 8/118/4
).
Aus soma
tischer Sicht ist somit
eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
zu vern
e
inen
.
Im Übrigen wird
solches
von der Beschwerdeführerin
auch nicht geltend gemacht.
4.2
Zu prüfen bleibt, ob seit der Ve
rfügung vom 17. Januar 2012 in
psych
ischer Hin
s
icht eine wesentliche Veränderung eingetreten ist.
4.2.1
Die Beschwerdegegnerin
war der Ansicht
, Dr.
C._
habe im
A._
-Gutachten
eine andere Beurteilung eines seit der letzten Rentenprüfung unveränderten Sach
verhalts
in psychischer Hinsicht
vorgenommen (Urk. 2).
Dem ist
vorliegend
beizupflichten
. Wie nachfolgend
dargelegt
wird
,
ist mit Blick auf die psycho
pa
thologischen Befunde und die beschriebenen Tagesabläufe der Beschwerde
füh
rerin keine wesentliche Veränderung des Sachverhalts in psychischer Hinsicht
zu erkennen
.
4.2.2
Im Gutachten der
Z._
vom 19. November 2010
war von einer
anhaltende
n
ängstliche
n
Depression
die Rede, welche keine A
uswirkung auf die Arbeits
fähig
keit
habe
.
In
der psychiatrischen Untersuchung
wurde
eine depressive Sympto
matik erk
annt und festgehalten, dass die Schmerzen der Beschwerdeführerin im Vordergrund stehen würden. Die Beschwerdeführerin habe in der Untersuchung ernst gewirkt, ihre Stimmungslage sei gedrückt und von ängstlicher Besorgnis ge
kennzeichnet gewesen
. Die Schmerzen seien allerdings nicht als Leitsymptom einer primär psychischen Erkrankung, sondern als psychische Komorbidität der Schmerzen bei bekannter Unfallschädigung
zu werten
(E. 3.1.2
).
Gemäss dem
A._
-Gutachten
vom 15.
März 2017
leide
t
die Beschwerdeführerin an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und einer rezidivierenden depressi
ven Störung mittelgradige
r
Episode (E. 3.2.1).
Dr.
C._
hielt fest, dass sich die Beschwerdeführerin anlässlich seiner Untersuchung wach, bewusstseinsklar und zu allen Qualitäten orientiert, deprimiert, nervös und unsicher präsentiert habe. Dr.
C._
stellte sodann fest, dass der formale Denkablauf der Beschwerde
führerin auf die gesundheitliche Einschränkung eingeengt, die affektive Schwin
gungsfähigkeit
deutlich eingeschränkt und ins D
epressive verschoben sei. Trotz
Freude- und Interessensverlust
liege
aber kein sozialer Rückzug vor. Hinzu kämen
psychosoziale Belastungsfaktoren
, wie finanzielle Schwierigkeiten und
Eheprob
leme
(E.
3.2.3
)
. Im Vergleich zum
psycho
pathologischen Befund gemäss dem
Gutachten der
Z._
sind keine wesentlichen Differenzen zu erkennen. Es erge
ben sich auch keine Anhaltspunkte, welche auf eine Verschlechterung des Ge
sundheitszustands hinweisen würden.
Der von der Beschwerdeführer
in gegenüber Dr.
C._
beschr
i
e
bene Tagesablauf ist
ebenfalls
kaum von der Beschreibung im
Gutachten
der
Z._
zu unterscheiden
. Insbesondere die Angaben zu den
Tageszeiten, wann die Beschwerdeführerin aufstehe und zu Bett gehe, die Übungen
, welche sie zuhause mache, die Abendbeschäftigung und die Spaziergänge, welche sie unternehme
,
stimmen mit den Angaben
im
Z._
-Gutachten überein
(E. 3
.1.2
und
3.2.3
).
Weiter fällt vorliegend auf, dass die Beschwerdeführerin bereits im Rahmen der
Z._
-
Begutachtung auf der Schmerzskala VAS
Werte von 5 bis 10 angab
, wie auch anlässlich
der
A._
-Begutachtung (E. 3.1.2
und 3.2.3). Insge
samt
ist daher
keine wesentliche Veränderung des medizinischen Sachverhalts in psychischer Hinsicht
zu erkennen.
Auch der
RAD-Arzt
dipl.
med.
E._
hielt in seiner Stellungnahm
e
fest, dass
mit Blick auf die Tagesabläufe und die
psycho
pathologischen Befunde seit der ersten Begutachtung kei
ne Veränderung einge
treten sei und alle
darauffo
lgenden Einschätzungen
eine andere Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Gesundheitsschadens dar
stellen würden
(
Urk. 8/118/5
). Die unterschiedlichen Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit gemäss dem
A._
-Gutachten und des RAD-Arztes vermögen für sich allein nicht auf eine für den Invaliditätsgrad erhebliche Tatsach
enänderung zu schliessen (E. 1.2
.2)
. Auch die vom RAD-Arzt erwähnte Therapieresistenz vermag angesichts der unregelmässigen beziehungsweise
gar
fehlenden Medikamenteneinnahme der Beschwerdeführerin an der Ausga
ngslage nichts zu ändern (Urk. 8/118/5
und
E.
3.2.4).
4
.2.3
Nach dem Gesagten ist
keine
wesentliche
Veränderung des Gesundheitszustands
in
psychischer Hinsicht
zu erkennen
.
Die Einschätzung der
A._
-Gutachter stellt somit lediglich eine andere Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts dar.
An diesem Ergebnis ändert die Rechtsprechung gemäss BGE 143 V 409 und BGE 143 V 418 nichts, wonach grundsätzlich sämtliche psychi
schen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Denn l
ieg
t
keine Änderung der tatsächlichen Verhältniss
e vor, welche für eine Neubeurtei
lung des Leistungsanspruchs vorausgesetzt ist
(BGE 141 V 9 E. 2.3)
, spielt es keine Rolle ob allenfalls ein
rechtskräftig
beurteil
ter, unveränderter Sachverhalt nach einer neuen Rechtsprechung rechtlic
h anders eingeordnet würde. Eine
Rechtsprechungsänderung allein stellt keinen
Neuan
meldungs
- oder
Revisionsgrund dar (Urteil des Bundesgerichts 8C_587/2017 vom 14. Mai 2018
E. 5.3 mit Hinweis auf BGE 141 V 585 E. 5.3
)
.
D
ies führt zur Abweisung der
Beschwerde
.
5.
Die Kosten d
es Verfahrens sind auf Fr. 700.--
festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).