Decision ID: dc16e050-acc7-5e19-9dde-61080d09148d
Year: 2018
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 2. Juni 2017 bei der Gemeinde Münsingen ein
Baugesuch ein für den Bau von Fernwärme- und Werkleitungen und den Neubau eines
Fusswegs. Die Leitungen sollen hauptsächlich auf Strassenparzellen im Eigentum der
Einwohnergemeinde Münsingen und des Kantons Bern erstellt werden. Ein Leitungsstrang
soll über Grundstücke im Privateigentum und die Parzelle Nr. V._ führen, die dem
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Kanton Bern gehört. Auf der Parzelle Nr. V._ soll dieser Leitungsstrang parallel zur
Grenze zur Parzelle Nr. W._ (X._strasse 13a und 13b) verlaufen, welche
die Beschwerdeführenden bewohnen und an der sie teils als Stockwerkeigentümer
berechtigt sind. Über den im Boden verlegten Leitungen soll auf diesem Abschnitt ein
neuer öffentlicher Fussweg mit Asphaltbelag erstellt werden, der Richtung Süden zur
Überbauung Y._ führt. Dieser neue Fussweg soll an den bestehenden Fussweg
auf der Nordseite der Parzelle Nr. W._ sowie an einen bestehenden Fussweg auf
der Parzelle Nr. V._, welcher Richtung Ortszentrum führt, anschliessen. Die
Parzelle Nr. W._, welche die Beschwerdeführenden bewohnen, liegt im Bereich
der Zone mit Planungspflicht Z._ Die Parzelle Nr. V._, auf welcher die
streitigen Leitungen und der neue Fussweg erstellt werden sollen, liegt in der Zone für
öffentliche Nutzungen (ZöN). Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderen die
Beschwerdeführenden Einsprache.
Mit Gesamtbauentscheid vom 8. Dezember 2017 erteilte das Regierungsstatthalteramt
Bern-Mittelland die Gesamtbaubewilligung einschliesslich der beantragten
Ausnahmebewilligung für die Unterschreitung des Strassenabstands und der
Wasserbaupolizeibewilligung (wegen Querung des eingedolten Dorfbachs). Die Einsprache
wies es ab bzw. merkte sie, soweit geeignet, als Rechtsverwahrung an.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 5. Januar 2018 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Innert der angesetzten
Nachfrist reichten sie eine verbesserte Beschwerdeschrift mit Namen, Adressen und
Unterschriften sämtlicher Beschwerdeführenden ein. Sie beantragen die Aufhebung des
Gesamtbauentscheides vom 8. Dezember 2017 und die Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz unter Auflagen betreffend die Neubeurteilung bzw. Durchführung eines
Projektänderungsverfahrens.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Vorinstanz verzichtet unter
Verweis auf die Akten und den angefochtenen Entscheid auf eine Stellungnahme. Auch die
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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Gemeinde Münsingen stellt keine Anträge. Die Beschwerdegegnerin beantragt mit
Beschwerdeantwort vom 12. Februar 2018 die Abweisung der Beschwerde.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er –
unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen,
die Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 10 KoG i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden,
deren Einsprache abgewiesen wurde, sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid
formell und als Nachbarn auch materiell beschwert und daher zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Baupublikation
a) Die Beschwerdeführenden rügen, die Baupublikationen vom 27. Juli 2017 und vom
3. August 2017 seien fehlerhaft und irreführend gewesen, da als Bauherrschaft sowohl für
die Leitungen als auch für den Bau des Fusswegs die Beschwerdegegnerin aufgeführt
gewesen sei. Die Gemeinde Münsingen habe jedoch der Beschwerdegegnerin erst nach
erfolgter Baupublikation, nämlich am 30. Oktober 2017, eine Spezialvollmacht für den Bau
des Fusswegs ausgestellt. Richtigerweise hätte daher in den Baupublikationen die
Gemeinde Münsingen als Bauherrin für den Fussweg angeführt werden müssen. Die Vor-
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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instanz sei auf das entsprechende Vorbringen der Beschwerdeführenden in ihrem
Entscheid nicht eingegangen.
b) Die Eigenschaft als Bauherr bzw. Baugesuchsteller wirkt sich auf die persönliche
Geltung der Baubewilligung aus: Die Baubewilligung gilt für den Gesuchsteller, den
Eigentümer des Baugrundstücks sowie für deren Rechtsnachfolger, sofern die
Bewilligungserteilung nicht vom Nachweis besonderer Voraussetzungen abhängig war (Art.
42 Abs. 1 BauG). Als Bauherrschaft tritt demnach auf, wer eine Baubewilligung zu seinen
Gunsten erlangen will. Die Befugnis, als Bauherrschaft aufzutreten, ist nicht an weitere
(z.B. fachliche) Voraussetzungen gebunden.4 Die Kompetenz zur Ausführung eines
Bauvorhabens muss nachgewiesen werden, soweit in Frage steht, ob ein schützenswertes
Interesse an der Behandlung des Baugesuchs besteht.5 Dieser Nachweis wurde erbracht:
Die Gemeinde hat die Beschwerdegegnerin zum Bau des streitigen Fusswegs
bevollmächtigt6 und letztere beabsichtigt die Ausführung des Bauvorhabens nach
rechtskräftiger Bewilligung.7 Das schützenswerte Interesse an der Beurteilung des
Baugesuchs ist damit nachgewiesen.
c) Nach Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG8 muss eine Verfügung eine Begründung enthalten.
Eine Begründung muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen die Verfügung sachgerecht
anfechten können. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von
denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Behörde
muss jedoch nicht auf jedes Argument der Parteien eingehen; es genügt, wenn sie sich mit
den wesentlichen Gesichtspunkten auseinandergesetzt hat.9
Die Beschwerdeführenden haben in ihren Stellungnahmen vom 18. Oktober 201710 und
vom 17. November 201711 die angeblich unzutreffende Publikation moniert, aber ohne
darzulegen, inwiefern sie in schützenswerten Interessen betroffen seien. Es ist auch nicht
4 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 34 N. 2 5 Vgl. BVR 2005 S. 130 E. 3.1 6 Spezialvollmacht vom 30. Oktober 2017; Vorakten, pag. 145 7 Vgl. Beschwerdeantwort, S. 6 8 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 9 BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 5 10 Vorakten, pag. 139 11 Vorakten, pag. 189
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ersichtlich, inwiefern die Beschwerdeführenden dadurch, dass die Beschwerdegegnerin in
der Publikation als Bauherrin genannt wurde, in der Wahrnehmung ihrer Rechte hätten
beeinträchtigt sein können. Unter diesen Umständen kann der Vorinstanz keine Verletzung
der Begründungspflicht vorgeworfen werden, auch wenn sie sich nicht dazu geäussert hat.
Es besteht auch kein Anlass für die von den Beschwerdeführenden geäusserten Zweifel an
der Unparteilichkeit der Vorinstanz.
3. Fussweg
a) Die Beschwerdeführenden führen an, die geplante Wegführung östlich ihrer
Parzellengrenze widerspreche der Planungssicherheit, da der Gemeinderat im Jahr 2013
beschlossen habe, dass die Fusswegerschliessung der Überbauung Y._ anders,
nämlich entlang der AJ._ respektive der AK._- und der
X._strasse, erfolgen solle.
Die Gemeinde Münsingen hat am 4. Februar 2015 die Überbauungsordnung "Y._"
(ZPP Y._ erlassen.12 Bezüglich der Erschliessung für den Langsamverkehr
bestimmt Art. 24 Abs. 2 der Überbauungsvorschriften: "Die hindernisfreie Erschliessung
des Areals über die AK._strasse sowie der Anschluss an das Bahnhofquartier und
das übergeordnete Langsamverkehrsnetz der Gemeinde ist mit geeigneten Massnahmen
sicherzustellen". Im Erläuterungsbericht vom 4. Februar 2015 hält die Gemeinde fest: "Für
den motorisierten Verkehr wird das Areal über die AJ._strasse erschlossen. Für
den Langsamverkehr besteht zudem die Möglichkeit, das Areal über die
AK._strasse zu erreichen". Die Beschwerdegegnerin erläutert in der
Beschwerdeantwort13, dass die zusätzliche Erschliessung der Überbauung Y._
durch den hier streitigen Fussweg beim Erlass der Überbauungsordnung "Y._"
nicht einbezogen worden sei, weil er ausserhalb des Perimeters der Überbauungsordnung
liege.
Bei Planungsentscheiden verlangt das Gebot der Rechtssicherheit eine gewisse
Beständigkeit. Diese ist jedoch nicht beeinträchtigt, wenn zusätzlich zu den in der
Überbauungsordnung vorgesehenen Erschliessungswegen ein weiterer Fussweg erstellt
wird. Die Vorschriften der Überbauungsordnung werden damit nicht abgeändert.
12 Genehmigt vom Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) am 7. Juli 2015 13 S. 6 f.
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Entsprechend bilden der Erlass der Überbauungsordnung und die diesem vorangehenden
Entscheide keine Grundlage für ein berechtigtes Vertrauen darauf, dass der streitige
Fussweg nicht (zusätzlich) erstellt werden wird.
b) Die Beschwerdeführenden berufen sich darauf, dass ihnen die Gemeinde
zugesichert habe, dass sie in den Planungsprozess für die Erschliessung der Y._
einbezogen würden. Den Akten lässt sich entnehmen, dass eine solche Einbindung erfolgt
ist. Die Beschwerdegegnerin hat als Beilage zum Baugesuch vom 2. Juni 2017 einen
Technischen Bericht eingereicht.14 In diesem wird ausgeführt: "Die Anwohner der
X._strasse 13a und 13b wurden im April 2017 von der Bauabteilung über den
geplanten Weg informiert". Im Weiteren wird dargelegt, wie das Bauvorhaben den Anliegen
der Anwohner (namentlich betreffend Lärm- und Lichtimmissionen) Rechnung trägt.15 Die
Beschwerdegegnerin legt zudem Ausdrucke eines diesbezüglichen E-Mail-Verkehrs
zwischen dem Vertreter u.a. der Beschwerdeführenden und der Bauabteilung der
Gemeinde ins Recht.16 Die fragliche Zusicherung wie auch der Umstand, dass das Projekt
schützenswerte Interessen der Beschwerdeführenden tangiert, bewirkt entgegen der
Annahme der Beschwerdeführenden nicht, dass die Umsetzung des Projekts ihr
Einverständnis bedingt oder dass sie die Routenführung bestimmen können.
c) Dies gilt auch, falls die von den Beschwerdeführenden bevorzugte alternative
Routenführung günstiger, sicherer und effizienter ist und ohne Verschwendung von
Kulturland auskommt, wie die Beschwerdeführenden geltend machen. Eine Bauherrschaft
hat Anspruch auf Erteilung der Baubewilligung, wenn die baurechtlichen Vorschriften
eingehalten sind.
d) Die Beschwerdeführenden sind der Ansicht, dass das Bauvorhaben ihrer
Zustimmung bedarf, weil der geplante Fussweg an den im nördlichen Teil der Parzelle
Nr. W._ bestehenden Fussweg anschliessen soll. Für das Baugesuch ist jedoch
nur die Zustimmung der Eigentümerschaft der Bauparzelle notwendig, nicht auch diejenige
von Nachbarn, deren Interessen durch das Bauvorhaben betroffen sind. Das Bestehen
eines öffentlichen Fusswegrechts über die Parzelle Nr. W._ ist im Grundbuch
14 Baugesuch, Vorakten pag. 5 sowie Technischer Bericht vom 2. Juni 2017, Vorakten pag. 67 ff. 15 Vorakten, pag. 49 f. 16 Beschwerdebeilage 7
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vermerkt und unbestritten. Eine ungenügende Erschliessung des Bauvorhabens wird nicht
geltend gemacht und ist nicht ersichtlich.
e) Die Beschwerdeführenden sind der Ansicht, dass ein Verbindungsweg zur
Überbauung Y._ von dessen Benutzern finanziert werden sollte. Diese Frage kann
jedoch keinen Streitgegenstand im Baubeschwerdeverfahren bilden. Der Streitgegenstand
des Baubeschwerdeverfahrens kann nicht über das Anfechtungsobjekt hinausgehen.
Vorliegend bildet der Gesamtbauentscheid des Regierungsstatthalteramtes Bern-Mittelland
vom 8. Dezember 2017, mit dem die Gesamtbaubewilligung für das Vorhaben
(einschliesslich Fussweg) erteilt wird, das Anfechtungsobjekt. Mit diesem wird die
Finanzierung des Fussweges nicht geregelt. Entsprechend kann sie nicht zum
Streitgegenstand im Beschwerdeverfahren erhoben werden. Auf diese Rüge ist nicht
einzutreten.
f) Die Beschwerdeführenden machen geltend, dass bei der Einmündung des im
nördlichen Teil der Parzelle Nr. W._ bestehenden Fusswegs auf den Gehweg
entlang der X._strasse ein Konflikt- und Unfallpotenzial bestehe, das bei
Erstellung des projektierten Fusswegs östlich der Parzelle Nr. W._ die neu
hinzukommenden Benutzer (namentlich die Bewohner der Überbauung Y._)
treffen würde. Der Amtsbericht der Gemeinde17 enthält diesbezüglich keine Vorbehalte. Da
es sich beim neuen Weg um einen Fussweg mit Fahrverbot handelt,18 ist das
Unfallpotenzial zu relativieren. Dass die Querung der X._strasse Richtung
Bahnhof für Fussgänger gefährlich sei, würde – soweit es zutrifft – durch die zusätzlich
hinzukommenden Fussgänger nicht wesentlich verschärft. Der neue Weg soll in der
Nordwestecke der Parzelle Nr. V._ nicht nur an den bestehenden Fussweg auf
Parzelle Nr. W._ Richtung Bahnhof anschliessen, sondern auch an den
bestehenden Fussweg via Parzelle Nr. AM._ Richtung Ortszentrum. Diese
Fussgängerverbindung Richtung Ortszentrum ist wesentlich sicherer als die Wegführung
über die Parzelle Nr. AN._ gemäss dem Vorschlag der Beschwerdeführenden. Bei
dieser wären die Fussgänger auf längeren Streckenabschnitten auf Gehwegen entlang
verkehrsreichen Strassen unterwegs als bei der Wegführung gemäss dem Bauvorhaben.
Dies ist aus den Projektplänen und der Beschreibung des Bauvorhabens im Technischen
17 Amtsbericht Strassen und Verkehr vom 8. August 2017, Vorakten pag. 175 ff. Vgl. auch Stellungnahme der Gemeinde vom 21. September 2017, Vorakten pag. 125 18 Vgl. Technischer Bericht, Vorakten pag. 51
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Bericht19 ohne weiteres ersichtlich. Auf den beantragten Augenschein kann verzichtet
werden; auch der Vorinstanz ist wegen des Verzichts auf einen Augenschein keine
Gehörsverletzung vorzuwerfen. Das Bauvorhaben ist bezüglich des Sicherheitsaspekts
nicht zu beanstanden.
g) Die Beschwerdeführenden befürchten Lärm- und Lichtimmissionen aufgrund des
projektierten Fusswegs sowie eine Belästigung durch Abfall. Sie machen nicht geltend und
es ist nicht ersichtlich, dass Planungswerte überschritten sein könnten. Massgeblich ist das
Vorsorgeprinzip gemäss Art. 11 Abs. 2 USG20. Danach sind Emissionen unabhängig von
der bestehenden Umweltbelastung im Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen, als
dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist. Nach dem
Technischen Bericht soll auf dem Fussweg ein Fahrverbot signalisiert werden.21 Die
Leuchten sollen vom Gebäude weg gerichtet und mit LED-Leuchtkörpern bestückt werden,
so dass sie nur die Wegfläche beleuchten. Der Technische Bericht bildet als Beilage zum
Baugesuch dessen Bestandteil und ist verbindlich. Die vorgesehenen Massnahmen zur
Emissionsbegrenzung tragen dem Vorsorgeprinzip Rechnung. Normale Immissionen des
gesellschaftlichen Zusammenlebens wie Gespräche unter Fussgängern oder das Anfallen
von Abfall sind zu dulden. Sollte das übliche Mass im Einzelfall durch Benutzer des
Fusswegs überschritten werden, kann dagegen polizeilich vorgegangen werden.
4. Fernwärmeleitung
a) Die Beschwerdeführenden erklären sich mit dem Bau der Hauptleitung für die
Fernwärme östlich ihres Grundstücks grundsätzlich einverstanden. Sie beharren jedoch
darauf, den Verlauf der Verteilleitung zu ihrem Gebäude mitbestimmen zu können. Die
Verteilleitung verlaufe über ihr Grundstück. Deren Bau setze daher ihr Einverständnis
voraus. Die Beschwerdegegnerin weist in ihrer Beschwerdeantwort darauf hin, dass das
Baugesuch nur die Erstellung der öffentlichen Fernwärmeleitung als übergeordnete
Transportleitung betreffe. Die Erstellung der Verteilleitung zu den Gebäuden der
Beschwerdeführenden sei mit diesen noch zu regeln. Die Beschwerdegegnerin stellt in
Aussicht, dass sie vor Baubeginn mit den Eigentümern der Parzelle Nr. W._
19 Vorakten, pag. 49 20 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 21 Vorakten, pag. 49 und 51
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Kontakt aufnehmen wolle, um insbesondere den Trassenverlauf der Verteilleitung zu
besprechen. Die diesbezügliche Kostentragung sei in einem noch abzuschliessenden
Wärmelieferungsvertrag zu regeln.
b) Das Bauvorhaben umfasst nebst dem Bau des Fusswegs gemäss Baugesuch die
"Erweiterung des Wärmeverbund Süd Richtung Zentrum Münsingen. Bau von Fernwärme-
und Werkleitungen".22 Im Technischen Bericht vom 2. Juni 2017 wird der Trassenverlauf
beschrieben und grafisch dargestellt.23 Danach ist die Erstellung der Hauptleitung u.a. auf
der Parzelle Nr. V._ Gegenstand des Baugesuches, nicht jedoch die Erstellung
von Hausanschlussleitungen zu den einzelnen Gebäuden, insbesondere zu den Gebäuden
auf Parzelle Nr. W._. Die mit dem angefochtenen Entscheid bewilligten Pläne24
sind diesbezüglich missverständlich, da sie auch die Hausanschlussleitungen zu den
Gebäuden aufzeigen. Die Vorinstanz weist im angefochtenen Entscheid, Dispositivziffer
4.1.1, darauf hin, dass die Hausanschlussleitungen nicht Gegenstand der damit erteilten
Bewilligung sind, diese jedoch gestützt auf Art. 6 Abs. 1 Bst. q BewD25 bewilligungsfrei
erstellt werden können, sofern sie unterirdisch verlaufen. Der Verlauf der
Hausanschlussleitungen wird demnach durch den angefochtenen Entscheid nicht
präjudiziert und bildet nicht Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens. Ohnehin liesse
sich aus dem angefochtenen Entscheid entgegen den Befürchtungen der
Beschwerdeführenden nicht ableiten, dass eine bestimmte Hausanschlussleitung auf ihrem
Grundstück ohne ihr Einverständnis erstellt werden darf. Mit der Erteilung einer
Baubewilligung werden die privatrechtlichen Verfügungsrechte der Grundeigentümerschaft
nicht eingeschränkt. Die Erstellung der Hausanschlussleitung wird sich auf eine noch zu
treffende Einigung zwischen Grundeigentümerschaft und Fernwärmeanbieterin stützen
müssen. Gegen die Ausgestaltung der Hauptleitung, die vom Bauvorhaben und der
Bewilligung gemäss dem angefochtenen Entscheid umfasst wird, bringen die
Beschwerdeführenden keine Rügen vor.
22 Vorakten, pag. 5 23 Vorakten, pag. 57 24 Namentlich der Plan "Erschliessung Zentrum", Nr. 031, Mst. 1:1'000, vom 29. Mai 2017, sowie der Streckenplan "Erschliessung Zentrum" Nr. 70.0319-021, Mst. 1:200, vom 2. Juni 2017, beide vom Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland gestempelt am 8. Dezember 2017 25 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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5. Ergebnis und Kosten
a) Nach dem Gesagten erweisen sich die Rügen der Beschwerdeführenden als
unbegründet. Auf den beantragten Augenschein kann verzichtet werden. Die Beschwerde
ist abzuweisen und der angefochtene Entscheid ist zu bestätigen.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie
haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf
eine Pauschalgebühr von Fr. 2'400.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 und
Art. 20 Abs. 2 GebV26).
c) Die Beschwerdeführenden haben zudem der Beschwerdegegnerin die Parteikosten
zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Der Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin macht
Parteikosten im Umfang von Fr. 6'035.55 geltend (Honorar Fr. 5'530.00, Auslagen
Fr. 33.30, Mehrwertsteuer Fr. 472.25).
Die Beschwerdegegnerin ist mehrwertsteuerpflichtig27 und kann somit die von ihrem
Rechtsvertreter auf sie überwälzte Mehrwertsteuer in ihrer eigenen
Mehrwertsteuerabrechnung als Vorsteuer abziehen. Ihr fällt daher betreffend
Mehrwertsteuer kein Aufwand an und eine Abgeltung der Mehrwertsteuer käme einer mit
Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG unvereinbaren Überentschädigung gleich. Die
in der Kostennote des Rechtsvertreters der Beschwerdegegnerin aufgeführte
Mehrwertsteuer ist daher bei der Bestimmung des Parteikostenersatzes nicht zu
berücksichtigen.28
Bezüglich Honorar und Auslagen gibt die Kostennote des Rechtsvertreters der
Beschwerdegegnerin zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdeführenden haben
somit der Beschwerdegegnerin die Parteikosten von Fr. 5'563.30 (Honorar Fr. 5'530.00,
Auslagen Fr. 33.30) zu ersetzen.
26 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21) 27 Siehe Unternehmens-Identifikationsnummer-Register, einsehbar unter: <https://www.uid.admin.ch> 28 BVR 2014 S. 484 E. 6
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