Decision ID: bf6dd4ed-3687-4092-b62c-8b6b0a07d0a4
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Der Zweckverband Pflegeheim Sarganserland schrieb am 6. Juni 2016 die
Bedachungs- und Spenglerarbeiten beim Um- und Ausbau des Pflegeheims im offenen
Verfahren aus; Varianten wurden nicht zugelassen (ABl 2016 S. 1708 f.). In den
Ausschreibungsunterlagen wurde die Bewertungsmatrix mit den Zuschlagskriterien und
deren Gewichtung bekannt gegeben, nämlich „Preis“ samt Formel zur Preisbewertung
mit 70 Prozent sowie „Vertragsmuster Unterhalt“, „Preis Unterhalt“ sowie „Reaktions-
und Interventionszeit“ mit je 10 Prozent (act. 7/1. Ordner, Anhang 5 der
Ausschreibungsunterlagen). Innert der bis 1. Juli 2016 angesetzten Frist reichten zehn
Anbieter insgesamt elf Angebote ein. Mit Verfügung vom 27. August 2016 (Versand: 2.
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September 2016) erhielt die Burkhardt Gebäudehülle AG, deren Angebot 9,34 von 10
Punkten erzielt hatte, den Zuschlag (vgl. act. 7/1. Ordner, Register 1).
B. Die Riget AG (Beschwerdeführerin), deren nicht berücksichtigtes Angebot mit 8,50
Punkten im siebten Rang platziert worden war, erhob gegen die am 2. September 2016
versandte Zuschlagsverfügung des Zweckverbandes Pflegeheim Sarganserland
(Vorinstanz) mit Eingabe vom 8. September 2016 Beschwerde beim Verwaltungsgericht
mit dem Antrag, es seien unter Kosten- und Entschädigungsfolge der Zuschlag
aufzuheben und die Angebote neu zu bewerten, eventuell die Arbeiten neu
auszuschreiben. Erhalte der kostengünstigste Anbieter aufgrund des Vergleichs der
Offerten den Zuschlag nicht, sei ihm wegen Missbrauchs der Regeln des öffentlichen
Vergaberechts eine Entschädigung von zehn Prozent der eingereichten Auftragssumme
zu vergüten. Dem sinngemässen Gesuch, es sei der Beschwerde die aufschiebende
Wirkung zu gewähren, entsprach der Präsident des Verwaltungsgerichts am 15.
September 2016, ohne die Erfolgsaussichten der Beschwerde näher zu prüfen, da sich
die Vorinstanz dem Begehren nicht widersetzt hatte.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 10. Oktober 2016, die Beschwerde
sei, soweit darauf einzutreten sei, unter Kostenfolge abzuweisen. Die Burkhardt
Gebäudehülle AG (Beschwerdegegnerin) verzichtete stillschweigend auf eine
Vernehmlassung. Die Beschwerdeführerin äusserte sich mit Eingabe vom 25. Oktober
2016 zur vorinstanzlichen Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin und der Vorinstanz zur Begründung ihrer

Anträge und die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 5 Abs. 2 des
Einführungsgesetzes zur Gesetzgebung über das öffentliche Beschaffungswesen; sGS
841.1, EGöB). Das Angebot der Beschwerdeführerin erzielte mit 8,5 von 10 Punkten
0,84 Punkte weniger als jenes der Beschwerdegegnerin und erreichte lediglich den
siebten Rang. Da indessen die auf den Rängen zwei bis sechs platzierten Anbieter
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keine Beschwerde erhoben und sich mit der Nichtberücksichtigung abgefunden haben,
ist die Berücksichtigung des Angebotes der Beschwerdeführerin, sollten sich ihre
Rügen als begründet erweisen, nicht ausgeschlossen. Sie ist dementsprechend zur
Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerde gegen
die am 2. September 2016 versandte Zuschlagsverfügung wurde mit Eingabe vom 8.
September 2016 rechtzeitig erhoben und erfüllt die Anforderungen in formeller und
inhaltlicher Hinsicht (Art. 15 Abs. 3 der interkantonalen Vereinbarung über das
öffentliche Beschaffungswesen; sGS 841.32, IVöB). Auf die Beschwerde ist deshalb
einzutreten.
2. Die formellen Rügen der Beschwerdeführerin – nämlich die Offertöffnung sei zu
Unrecht nicht öffentlich erfolgt (dazu nachfolgend Erwägung 2.1) und die Vorinstanz
habe entgegen der Ausschreibung eine Abgebotsrunde durchgeführt (dazu
nachfolgend Erwägung 2.2) – erweisen sich als unbegründet.
2.1. Sowohl die Interkantonale Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen
(vgl. dazu Galli/Moser/Lang/Steiner, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, 3.
Aufl. 2013, Rz. 655) als auch das kantonale Ausführungsrecht verzichten auf die früher
in der Schweiz allgemein üblich gewesene öffentliche Offertöffnung. Hinsichtlich der
Öffnung der Angebote verlangt Art. 30 der Verordnung über das öffentliche
Beschaffungswesen (sGS 841.11, VöB) einzig, dass die Angebote bis zum Zeitpunkt
der Öffnung verschlossen bleiben (Abs. 1), dass der Auftraggeber die Angebote durch
wenigstens zwei Beauftragte öffnen lässt (Abs. 2) und über die Öffnung ein Protokoll
erstellt wird, das wenigstens Name und Unterschrift der anwesenden Personen,
Bezeichnung der Anbieter, Einreichungs- und Eingangsdaten der Angebote und deren
Nettopreise enthält (Abs. 3). Die Beschwerdeführerin rügt keine Verletzung dieser
Regeln. Eine solche ist im Übrigen auch nicht ersichtlich: Das Protokoll vom 6. Juli
2016 wird zwar als „Eingangsprotokoll“ bezeichnet. Dass es sich dabei – auch – um ein
Offertöffnungsprotokoll handelt, ergibt sich aus seinem Inhalt. Es enthält die Namen
der Anbieter, das Eingangsdatum, die – nicht bereinigte – Offertsumme jedes Angebots
und zu jedem Angebot die Unterschriften der bei der Offertöffnung anwesenden beiden
Personen, nämlich eines Bauherrenvertreters und des Projektleiters.
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2.2. Die Vorinstanz hat bei einem Teil der Angebote die Offertsumme bereinigt. Damit
hat sie nicht – wie die Beschwerdeführerin geltend macht – unzulässigerweise
„Kalkulationsfehler“ ausgebessert, sondern entsprechend der Befugnis gemäss Art. 31
Abs. 2 VöB offensichtliche Rechnungsfehler behoben. Dies trifft insbesondere auch auf
die Erhöhung des Preises des Angebots der Beschwerdegegnerin von CHF 389‘685.60
um CHF 268.25 auf CHF 389‘953.85 zu. Die Korrektur betrifft einen Fehler in der
Multiplikation Menge x Einheitspreis in der Position 135.181 zu den Flachdacharbeiten
(NPK Bau 364; vgl. act. 7/2. Ordner, S. 22 des Devis im Angebot der
Beschwerdegegnerin). Der von der Beschwerdeführerin offerierte Preis bedurfte im
Übrigen keiner Bereinigung. Den Akten sind schliesslich keinerlei Hinweise dafür zu
entnehmen, dass die Vorinstanz mit allen oder einzelnen Anbietern Verhandlungen über
den Preise, Preisnachlässe und Änderungen des Leistungsinhaltes geführt oder
gemäss Art. 33 Abs. 3 VöB nicht zulässige Abgebote entgegen genommen hätte.
3. Die Beschwerdeführerin rügt sodann die Bewertung der Angebote. Sie bezweifelt die
Rechtmässigkeit der Preisbewertungsformel, beanstandet eine massive
Überbewertung des nahegelegenen Standortes und das Abstellen auf einen
Musterunterhaltsvertrag zur Bewertung der Unterhaltsleistungen (dazu nachfolgend
Erwägung 3.1). Sodann macht sie geltend, die Abzüge von 40 Prozent beim
Zuschlagskriterium „Vertragsmuster“ (dazu nachfolgend Erwägung 3.2), von 60 Prozent
beim Zuschlagskriterium „Preise Muster-Unterhaltsvertrag“ (dazu nachfolgend
Erwägung 3.3) und von 50 Prozent beim Zuschlagskriterium „Reaktions-/
Interventionszeit“ (dazu nachfolgend Erwägung 3.4) seien nicht nachvollziehbar.
3.1. In den Unterlagen zur Ausschreibung hat die Vorinstanz die von der
Beschwerdeführerin als möglicherweise vergaberechtswidrig bezeichnete Formel zur
Bewertung der Angebote nach dem Preiskriterium bekannt gegeben. Ebenso hat die
Vorinstanz mit dem Zuschlagskriterium „Vertragsmuster Unterhalt“ samt detaillierten
Beurteilungskriterien bereits in den Ausschreibungsunterlagen bekannt gegeben,
woran sie den offerierten Mustervertrag messen werde. Schliesslich hat sie mit dem mit
zehn Prozent gewichteten Zuschlagskriterium „Reaktions-/Interventionszeit“ die
Bedeutung des Standorts des Anbieters für die Bewertung der Angebote bereits in den
Ausschreibungsunterlagen deutlich gemacht. Die Ausschreibung war mit der
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