Decision ID: 072e605e-f85b-4553-b54c-f610a9c4c48e
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im August 2005 wegen eines Diabetes mellitus Typ II zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (Hilfsmittel) an (IV-act. 1). Er gab an,
dass er auf orthopädische Serienschuhe angewiesen sei. Dr. med. B._, Facharzt
FMH für Endokrinologie und Diabetologie, nannte am 5. September 2005 die folgenden
Diagnosen mit einer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: PAVK Stadium I beidseits, St.
n. Amputation des Endglieds der III. Zehe rechts 12/03, St. n. Ostitis des Endglieds der
II. Zehe 06/05, periphere Polyneuropathie bei Diabetes mellitus. Als Diagnosen ohne
eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gab er einen Diabetes mellitus Typ II (ED 1997,
bei Adipositas, Background-Retinopathie und peripherer Angiopathie), eine arterielle
Hypertonie, eine Dyslipidämie und ein Glaukom beidseits an (IV-act. 8-5). Mit einer
Verfügung vom 15. September 2005 übernahm die IV-Stelle die Kosten für
orthopädische Serienschuhe ab 23. August 2005 bis 31. August 2015 (IV-act. 11).
A.a.
Im November 2013 meldete sich der Versicherte wegen eines diabetischen
Fusssyndroms erneut zum Leistungsbezug (berufliche Massnahmen/Rente) an (IV-
act. 12). Er teilte mit, dass er in seinem Herkunftsland eine Ausbildung zum Dreher
absolviert habe. Seit Februar 2003 sei er bei der C._ AG als Dreher angestellt. Das
Bruttoeinkommen betrage bei einem Vollpensum Fr. 5'440.-- monatlich. Die C._ AG
bestätigte diese Angaben am 22. November 2013 (IV-act. 19). Sie gab an, die
Wochenarbeitszeit im Betrieb betrage 41 Stunden. Der Lohn werde dreizehnmal
ausbezahlt. Der Versicherte stehe den ganzen Tag am Drehbank. Dr. med. D._,
Fachärztin der Klinik Z._, berichtete am 16. Januar 2014 (IV-act. 33), der Versicherte
leide an einem diabetischen Fusssyndrom (bei einer schweren peripheren
A.b.
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Polyneuropathie ohne Hinweis auf PAVK, einer nodulären plantaren Fibromatose auf
der Höhe der Basis des Os metatarsale I und einem neuropathischen Ulkusrezidiv
plantar rechts auf der Höhe des MT-Köpfchens III/IV), aktuell trockene Verhältnisse bei
einem verschlossenen Fistelgang plantar auf der Höhe des ehemaligen MT-
Köpfchens III bei einem St. n. Transmetatarsale-Amputation des 3. Strahls 08/13 (bei
MTP III-Arthritis und Osteomyelitis des distalen MT III sowie Weichteilphlegmone im
Vorfuss). Als weitere Diagnosen gab sie einen Diabetes mellitus Typ II (bei
Mikroangiopathie), eine arterielle Hypertonie und eine Hypercholesterinämie an. Sie
attestierte ab dem 20. Januar 2014 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als
Dreher. Am 5. Dezember 2013 hatte ein Facharzt derselben Klinik eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit in der bisher ausgeübten Tätigkeit ab 1. Juli 2013 bis auf weiteres
attestiert (Fremdakten-act. 22-7). Ärzte des IV-internen Regionalen Ärztlichen Dienstes
(RAD) notierten am 21. Januar 2014/9. April 2014 (IV-act. 49), ab dem 20. Januar 2014
bestehe in der angestammten Tätigkeit eine 50%ige und in einer adaptierten Tätigkeit
eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit sei nicht zu erwarten. Wegen des chronischen Leidens sei in
der Zukunft mit einer Verschlechterung zu rechnen. Als Adaptionskriterien nannten sie:
Regelmässiges Einhalten von Pausen zum Schonen der Füsse, vorwiegend sitzende
Tätigkeiten, kein Tragen von schweren Lasten, kein Steigen auf Gerüste oder
Treppensteigen, keine Überbelastung von Haut und Fussskelett im Bereich des
Fusses, nur Arbeiten mit Spezialarbeitsschuh. Der Versicherte nahm seine Arbeit am
21. Januar 2014 wieder auf (IV-act. 51-2). Am 18. März 2014 fand eine
Arbeitsplatzabklärung statt (IV-act. 52). In der Folge wurde zur Entlastung des
Versicherten während der Arbeit ein Stehstuhl angeschafft (IV-act. 54, 59). Die
Eingliederungsberaterin der IV-Stelle hielt am 1. September 2014 fest (IV-act. 54-3), der
Versicherte sei an seinem bisherigen Arbeitsplatz bei einem 50%-Pensum gut
eingegliedert. Mit der Entlastung durch die Stehhilfe müsste auch ein höheres Pensum
geleistet werden können. Mit einer Mitteilung vom 9. Oktober 2014 wurden die
beruflichen Massnahmen abgeschlossen (IV-act. 58). Mit einem Vorbescheid vom
29. Oktober 2014 und mit einer Verfügung vom 10. Dezember 2014 wurde das
Begehren um eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 13% abgewiesen (IV-
act. 62, 64). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Am 6. Januar
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B.
2016 erteilte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für orthopädische Serienschuhe ab
1. September 2015 bis 30. September 2021 (IV-act. 69).
Im März 2017 meldete sich der Versicherte wieder zum Leistungsbezug (berufliche
Massnahmen/Rente) an (IV-act. 70, 71). Er gab an, sein Gesundheitszustand habe sich
seit September 2016 verschlechtert. Er habe erneut ein Ulkus plantar rechts. Seit dem
14. Februar 2017 sei er vollständig arbeitsunfähig. Er arbeite nach wie vor bei der C._
AG. Das Bruttoeinkommen betrage Fr. 5'500.--. Nach dem "1. Fall" habe er während
ca. zwei Jahren 100% gearbeitet. Dr. D._ hatte am 22. Februar 2017 in einem als
"Wiedererwägungsgesuch" bezeichneten Schreiben berichtet (IV-act. 76), nachdem
das neuropathische Rezidivulkus plantar rechts Ende 2013 abgeheilt sei, sei es bis
Ende 2016 zu keinen weiteren Komplikationen gekommen. Der Versicherte habe ab
September 2015 wieder zu 100% gearbeitet, da nach zweijährigem Bezug kein
Anspruch auf Krankentaggelder mehr bestanden habe und er sich den Lohnausfall
nicht habe leisten können. Während der letzten sechs Monate sei es vermehrt zu
Problemen mit Schwielenbildung gekommen. Am 5. Januar 2017 sei ein
neuropathisches Rezidivulkus plantar rechts festgestellt worden, dessen Abheilung
bislang nicht gelungen sei. Seit dem 14. Februar 2017 sei der Versicherte vollständig
arbeitsunfähig. Der RAD-Arzt Dr. E._ notierte am 27. April 2017 (IV-act. 88), der
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich seit dem 10. Dezember 2014
verschlechtert. Der Heilungsverlauf des Druckgeschwürs an der rechten Fusssohle
müsse abgewartet werden.
B.a.
Der Hausarzt Dr. F._ berichtete (undatiert, Posteingang 16. August 2017, IV-
act. 92), die letzte Kontrolle sei am 13. Februar 2017 gewesen. Er habe dem
Versicherten keine Arbeitsunfähigkeit attestiert. Der Versicherte habe Mühe, längere
Zeit zu stehen. Die bisherige Tätigkeit sei ihm zu 50% zumutbar. Eine angepasste
Tätigkeit sei theoretisch zu 100% möglich. Seine Angaben bezögen sich auf zwei
Konsultationen des letzten Jahres. Die Hauptbetreuung erfolge durch das Y._.
Dr. D._ teilte am 21. August 2017 mit (IV-act. 93), im Juli 2017 sei es zu einer
Infektkomplikation mit einem erheblichen, phlegmonösen zirkulären Weichteilinfekt im
Bereich des Os metatarsale II bei einer riesigen Wundhöhle gekommen. Gemeinsam
B.b.
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mit den Kollegen der Infektiologie und der Orthopädie sei die Indikation zur Resektion
des 3. Strahls (richtig wohl: 2. Strahl, vgl. die aktuelle Diagnose) gestellt worden,
welche am 10. Juli 2017 erfolgt sei. Sie gab folgende Diagnosen an (ausführliche
Diagnosen siehe IV-act. 93): Diabetisches Fusssyndrom (bei einer schweren peripheren
Polyneuropathie, Ausschluss einer relevanten arteriellen Perfusionsstörung 07/2017,
chronisch venöse Insuffizienz Stadium II nach Widmer mit einem sekundären
Lymphödem im Bereich des rechten Vorfusses), aktuell St. n. Strahlresektion II Fuss
rechts am 10. Juli 2017 bei Infektkomplikation bei einem seit 01/17 bestehenden
neuropathischen Rezidivulkus plantar rechts ohne Abheilungstendenz, Diabetes
mellitus Typ II (Mikroangiopathie), obstruktives Schlafapnoe-/Hypopnoe-Syndrom
schwergradig (ED 01/17), Adipositas und arterielle Hypertonie. Sie attestierte folgende
Arbeitsunfähigkeiten in der Tätigkeit als Dreher: Ab 14. Februar 2017 bis 2. März 2017
100%, ab 3. März 2017 bis 9. März 2017 50%, ab 1. April 2017 bis 3. Juli 2017 50%
und ab 4. Juli 2017 bis 31. August 2017 100%. Sie gab an, sie sehe den Versicherten
lediglich in einer vorwiegend im Sitzen ausgeübten Tätigkeit höherprozentig einsetzbar.
Die Arbeitsfähigkeit als Dreher sehe sie bei maximal 50%, wobei darauf geachtet
werden sollte, dass der Versicherte nicht länger als eine Stunde auf den Beinen sei.
Die C._ AG teilte mit (undatiert, Posteingang 29. August 2017, IV-act. 95), der
Versicherte arbeite seit dem 3. März 2017 zu 50%. Der AHV-beitragspflichtige Lohn
belaufe sich seit dem 1. Januar 2017 auf Fr. 71'500.-- pro Jahr bzw. Fr. 5'500.-- pro
Monat und seit dem 1. Mai 2017 auf Fr. 2'750.-- pro Monat. Der Versicherte stehe den
ganzen Tag am Drehbank; er verfüge über eine Stehhilfe.
B.c.
Der RAD-Arzt Dr. E._ notierte am 29. September 2017 (IV-act. 99), der
Versicherte leide seit Jahren an einer Zuckerkrankheit mit zahlreichen Komplikationen,
insbesondere an einem diabetischen Fusssyndrom. Trotz Stehhilfe bei der Arbeit sei es
wiederholt zu einer Ulcera am rechten Fuss gekommen. Versicherungsmedizinisch sei
die derzeit ausgeübte Tätigkeit als Dreher dauerhaft nicht mehr zumutbar (vollständige
Arbeitsunfähigkeit). In einer adaptierten Tätigkeit, die vorwiegend im Sitzen ausgeübt
werden könne, sei von einer hohen Arbeitsfähigkeit (mindestens 80%, im Idealfall bis
100%) auszugehen.
B.d.
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Am 4. Oktober 2017 stürzte der Versicherte auf einer Treppe (Fremdakten-act. 18).
Er erlitt an der linken Schulter eine Rotatorenmanschetten-Ruptur (total
Supraspinatussehne, subtotal Subscapularissehne), eine Bicepssehnenpartialruptur
und eine -subluxation (IV-act. 111). Ab dem 6. Oktober 2017 arbeitete er zu 50%
(Fremdakten-act. 2). Am 6. November 2017 wurde eine glenohumerale und
subacromiale Infiltration durchgeführt (IV-act. 109). Der Hausarzt Dr. F._ attestierte
ab dem 1. Dezember 2017 eine vollständige Arbeitsfähigkeit (Fremdakten-act. 31).
B.e.
Am 14. November 2017 hatte ein Assessmentgespräch stattgefunden (IV-act. 124).
Der Versicherte hatte angegeben, mit dem 50%-Pensum habe er die Grenze erreicht.
Die Beine seien extrem schwer und schmerzten. Rein sitzende Tätigkeiten habe er
auch probiert. Nach eineinhalb Stunden sitzen bekomme er einen Krampf in den
Beinen und müsse eine Pause machen. Danach müsse er stehend oder gehend
arbeiten. Nach der Arbeit gehe er nach Hause und müsse sein Bein hochlagern.
B.f.
Die IV-Stelle holte einen weiteren medizinischen Bericht ein: Fachärzte des X._
hatten am 3. Februar 2017 berichtet (Posteingang: 8. Januar 2018, IV-act. 121), beim
Versicherten bestehe ein schwergradiges obstruktives Schlafapnoe-/Hypopnoe-
Syndrom. Eine nächtliche CPAP-Therapie werde eingeleitet.
B.g.
Am 13. Februar 2018 fand ein Gespräch mit dem Arbeitgeber des Versicherten
statt (IV-act. 124). Der Arbeitgeber äusserte, dass der Versicherte in all den Jahren sehr
gute Arbeit geleistet habe, er ihm nicht kündigen möchte und dieser sein 50%-Pensum
so arbeiten dürfe, wie es ihm möglich sei. Er befürchte, dass er den Versicherten
überfordern könnte. Der Versicherte teilte mit, dass es sein Traumjob sei und er am
bisherigen Arbeitsplatz bleiben möchte. Die Eingliederungsberaterin hielt am
28. Februar 2018 fest, der Versicherte sei mit seinen gesundheitlichen
Einschränkungen auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mehr vermittelbar, da er für einen
neuen Betrieb nicht mehr versicherbar sei. Es sei deshalb die bestmögliche Situation,
dass der Versicherte bei seinem bestehenden Arbeitgeber bleiben könne. Mit einer
Mitteilung vom 13. April 2018 schloss die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen ab (IV-
act. 128).
B.h.
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Am 28. Mai 2018 ging ein Bericht der G._ vom 13. Oktober 2017 ein (IV-act. 130).
Fachpersonen hatten festgehalten, die Therapie mittels CPAP-Gerät zeige eine gute
subjektive und objektive Wirksamkeit. Dr. D._ hatte am 5. Februar 2018 berichtet (IV-
act. 131-10), die Diabeteseinstellung habe sich leicht verschlechtert. In der
Diagnoseliste hatte sie neu eine Mikroalbuminurie und eine diabetische Retinopathie
mit St. n. Katarakt-OP und Pars Plana Vitrektomie bei Glaskörperblutung rechts 2015
angegeben.
B.i.
Der RAD-Arzt Dr. E._ notierte am 22. Juni 2018 (IV-act. 132), er erachte den
Versicherten weiterhin (vgl. Stellungnahme vom 29. September 2017) in der
angestammten Tätigkeit als vollständig arbeitsunfähig und in einer adaptierten Tätigkeit
als vollständig arbeitsfähig.
B.j.
Mit einem Vorbescheid vom 27. Juni 2018 stellte die IV-Stelle bei einem
Invaliditätsgrad von 0% die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 135).
Nach einem Einwand des Versicherten vom 27. September 2018 (IV-act. 144) wies die
IV-Stelle das Rentengesuch mit einer Verfügung vom 24. Oktober 2018 ab (IV-act. 146).
Der Versicherte liess dagegen am 23. November 2018 eine Beschwerde erheben (IV-
act. 151). Mit einer Verfügung vom 11. Februar 2019 widerrief die IV-Stelle die
Verfügung vom 24. Oktober 2018 (IV-act. 160). Das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen schrieb das Beschwerdeverfahren mit einer Verfügung vom 18. Februar 2019
ab (IV 2018/394, IV-act. 166).
B.k.
Dr. D._ berichtete am 15. März 2019 (IV-act. 169), der Gesundheitszustand des
Versicherten habe sich verschlechtert. Seit 08/18 habe sich erneut ein plantares
Rezidiv Ulkus rechts auf der Höhe metatarsale IV/V gebildet, das nicht abheile. An ihren
früheren Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit des Versicherten habe sich nichts
geändert. In einer vorwiegend im Sitzen ausgeübten Tätigkeit, die die Notwendigkeit
des Tragens von Stahlkappen-Schuhen überflüssig machen würde, sei der Versicherte
vollständig arbeitsfähig. Vom 5. April 2019 bis 18. April 2019 war der Versicherte in der
Klinik Z._ hospitalisiert. Am 12. April 2019 war an der Wunde am rechten Fuss ein
operatives Débridement mit einer minimalinvasiven Korrektur der Metatarsalstellung V
vorgenommen worden (Austrittsbericht vom 23. April 2019, IV-act. 184). Am 3. Mai
2019 berichteten Fachpersonen der G._ (IV-act. 188), die Therapie mittels CPAP-
B.l.
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Gerät zeige eine gute subjektive und objektive Wirksamkeit. Die Weiterführung der
CPAP-Therapie sei indiziert. Dr. D._ teilte am 23. September 2019 mit (IV-act. 198),
die Wunde am rechten Fuss sei komplett abgeheilt. Fachärzte der Klinik W._ gaben
am 6. November 2019 an (IV-act. 204), ein MRI der linken Schulter vom 17. Oktober
2019 habe eine inkomplette, anterior gelegene, transmurale Ruptur der
Supraspinatussehne und eine Subscapularis- und Infraspinatussehnentendinopathie
gezeigt (St. n. Treppensturz am 4. Oktober 2017). Eine Rotatorenmanschetten-
Rekonstruktion scheine aktuell nicht erforderlich. Der Versicherte wünsche ein
konservatives Vorgehen.
Am 13./22. Januar 2020 und am 3. Februar 2020 wurde der Versicherte durch die
Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH (ABI GmbH) polydisziplinär (internistisch,
orthopädisch, neurologisch, ophthalmologisch, pneumologisch und psychiatrisch)
abgeklärt. Im Gutachten vom 5. Mai 2020 gaben die Gutachter die folgenden
Diagnosen mit einer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an (ausführliche Diagnosen
siehe IV-act. 230-8 f.): Chronische, mehrheitlich bewegungs- und belastungsabhängige
Vorfussschmerzen rechts; chronisches, bewegungs- und belastungsassoziiertes
Schmerzsyndrom Schulter rechts (recte: links); Diabetes mellitus (ED ca. 1996) mit
Sekundärmanifestationen (schwere axonale sensomotorische Polyneuropathie an den
Beinen, St. n. Pars Plana Vitrektomie bei Glaskörperblutung [rechtes Auge], geringe
nicht proliferative diabetische Retinopathie, Cataracta incipiens [linkes Auge],
diabetisches Fusssyndrom); schweres obstruktives Schlafapnoe-Syndrom; chronische
Benetzungsstörung. Als Diagnosen ohne eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannten sie: Metabolisches Syndrom (Diabetes mellitus, Adipositas, arterielle
Hypertonie, Hyperlipidämie, Hyperuricämie); chronisch venöse Insuffizienz; Halte- und
Aktionstremor der Hände rechtsbetont, nicht sicher klassifizierbar; anlagebedingte
Fehlsichtigkeit (Hyperopie, Astigmatismus); Hinterkammerlinsen-Pseudophakie (rechtes
Auge); Pigmentdispersionsglaukom; V.a. Hyperventilation. Der internistische Gutachter
hielt fest (IV-act. 230-28 ff.), die Einschränkung durch das diabetische Fusssyndrom
werde in erster Linie im orthopädischen Teilgutachten diskutiert. Aufgrund des
unbefriedigend eingestellten, insulinpflichtigen Diabetes mellitus bestünden qualitative
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit insofern, dass fremd- oder selbstgefährdende
Tätigkeiten nicht geeignet seien. Retrospektiv hätten sich keine Hinweise für eine lang
B.m.
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andauernde Arbeitsunfähigkeit gefunden. Er attestierte (ohne Beurteilung des
diabetischen Fusssyndroms) eine vollständige Arbeitsfähigkeit für Tätigkeiten ohne eine
Fremd- oder Selbstgefährdung. Der orthopädische Sachverständige erklärte (IV-
act. 230-45 ff.), die Untersuchung habe eine relevante Pathologie am rechten Vorfuss
gezeigt (unter anderem Amputation der Zehen II und III, IV-act. 230-43), wodurch die
Steh- und Gehfähigkeit deutlich eingeschränkt sei. Eine leichte zusätzliche
Einschränkung habe sich durch die Pathologie an der linken Schulter ergeben, wobei
die Therapiemassnahmen noch nicht ausgeschöpft seien und lediglich Aktivitäten mit
einer übermässigen Beanspruchung des linken Arms limitiert würden. Die Tätigkeit als
Dreher, die gemäss den Angaben des Versicherten üblicherweise im Stehen
durchgeführt werde, sei als nicht optimal geeignet anzusehen und die derzeit
umgesetzte Arbeitsleistung von 50% erscheine als das maximal Mögliche. Retrospektiv
sei plausibel, dass sich die Arbeitsleistung des Versicherten auf 50% reduziert habe;
der genaue zeitliche Ablauf sei nicht mehr zu rekonstruieren und es müsse auf die
Angaben der behandelnden Ärzte abgestellt werden. In einer adaptierten Tätigkeit
bestehe eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Angepasst seien Tätigkeiten, die
mehrheitlich im Sitzen ausgeübt werden könnten mit jeweils kürzeren
zwischenzeitlichen Abschnitten im Stehen und Gehen und idealerweise der
Möglichkeit, den rechten Fuss hochzulagern. Überkopfbewegungen des linken Arms
sollten vermieden werden. Retrospektiv habe in einer dem Belastungsprofil
entsprechenden Tätigkeit wahrscheinlich immer eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
bestanden. Durch die verschiedenen interventionellen Eingriffe sei es zwischenzeitlich
zu vorübergehenden Perioden vollständiger Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten
gekommen; was sich retrospektiv allerdings nicht mehr genau rekonstruieren lasse. Der
neurologische Experte gab an (IV-act. 230-56 ff.), eine formal distal-symmetrische,
effektiv aber etwas rechtsbetonte sensomotorische Polyneuropathie an den Beinen
könne bestätigt werden. Das elektrodiagnostische Schädigungsmuster sei axonal und
der Befund sei als schwer einzustufen. Ursächlich sei ein Zusammenhang mit dem
Diabetes mellitus anzunehmen. Bei einer deutlich beeinträchtigten Tiefensensibilität sei
zumindest ein Teil der Stand- und Gangunsicherheit im Rahmen der Polyneuropathie
im Sinne einer Afferenzstörung erklärbar. Typisch hierfür sei, dass die Unsicherheit
nach einem Wegfall der Augenkontrolle exazerbiere. Die ausschliesslich
belastungsabhängigen Schmerzen seien nicht primär neuropathischer Natur; der
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Versicherte habe explizit keine Schmerzen im Ruhezustand geltend gemacht.
Nebenbefundlich habe sich im Vorhalteversuch ein feinschlägiger Haltetremor beider
Hände rechtsbetont gefunden. In der Annahme, dass in der Tätigkeit als Dreher keine
höheren Anforderungen an das Gleichgewichtssystem bestünden und dass die
Schmerzen nicht neuropathischer Natur seien, bestehe aus neurologischer Sicht in der
bisher ausgeübten Tätigkeit eine vollständige Arbeitsfähigkeit. In Tätigkeiten ohne
höhere Anforderungen an das Gleichgewichtssystem (kein Besteigen von Leitern, kein
Gehen aus unebenem Boden oder im Dunkeln, kein Tragen von Lasten, die die Sicht
auf den Boden verhinderten) bestehe ebenfalls eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Der
Tremor würde sich allenfalls bei sehr feinmotorischen Tätigkeiten auswirken; diese
Problematik sei bisher offenbar kein Thema gewesen. Retrospektiv habe aus
neurologischer Sicht nie eine längerfristige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen. Die
ophthalmologische Gutachterin führte aus (IV-act. 230-64 ff.), beim Versicherten
bestehe rechts eine diabetische Makulopathie mit einer beginnenden zentralen
Ischämie, die zu einer Reduktion der Sehschärfe führe. Am linken Auge habe sich eine
mittlere Katarakt gezeigt, die ebenfalls eine Sehschärfeminderung und eine vermehrte
Blendungsempfindlichkeit verursache. Darüber hinaus bestehe eine chronische
Benetzungsstörung, die weitere Sehstörungen verursachen könne. Aus
ophthalmologischer Sicht bestehe eine 20%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für
alle Tätigkeiten mit durchschnittlichen Anforderungen an die Sehfähigkeit (z.B.
Bürotätigkeit). Für Tätigkeiten, die ein hohes Mass an das Detailsehen erfordern
würden (z.B. Tätigkeit als Dreher), bestehe eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit. Die
Einschränkung bestehe aufgrund des vermehrten Pausen- bzw.
Kompensationsbedarfs. Für Tätigkeiten mit wenig Anforderungen an die Sehfähigkeit
bestehe keine Leistungseinschränkung. Die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit betrage 80-100%. Der pneumologische Sachverständige hielt fest (IV-
act. 230-71 ff.), der Versicherte habe über eine deutliche Verbesserung der
Tagesmüdigkeit seit dem Beginn der APAP-Therapie berichtet. Aus pneumologischer
Sicht habe sich ein gutes Ergebnis eines schweren obstruktiven Schlafapnoe-
Syndroms unter der APAP-Therapie gezeigt. In der bisher ausgeübten Tätigkeit
bestehe eine vollständige Arbeitsfähigkeit, ebenso in einer adaptierten Tätigkeit.
Tätigkeiten in grossen Höhen oder als Chauffeur sollten vermieden werden.
Retrospektiv sei davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit seit der Einleitung der
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APAP-Therapie nicht eingeschränkt gewesen sei. Der psychiatrische Gutachter stellte
keine Diagnose und attestierte eine vollständige Arbeitsfähigkeit in sämtlichen
Tätigkeiten (IV-act. 230-35 ff.). In der Konsensbeurteilung gaben die Gutachter an (IV-
act. 230-10 ff.), in der bisherigen Tätigkeit bestehe eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit
von 50%. Diese resultiere aus den orthopädischen und den ophthalmologischen
Einschränkungen, welche sich nicht addieren würden, da die gleichen Zeitabschnitte
für Pausen genutzt werden könnten. Diese Einschätzung könne dauerhaft und über die
Zeit gemittelt seit Februar 2017 angenommen werden. In einer adaptierten Tätigkeit
bestehe bei einer Präsenz von acht Stunden pro Tag aufgrund eines leicht erhöhten
Pausenbedarfs eine 80%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Diese Einschätzung gelte
ebenfalls seit Februar 2017. Angepasst seien Tätigkeiten, die mehrheitlich im Sitzen
ausgeübt werden könnten mit zwischenzeitlichen Abschnitten im Stehen und Gehen
und idealerweise der Möglichkeit, den rechten Fuss hochzulagern.
Überkopfbewegungen des linken Arms sollten vermieden werden, ebenso Tätigkeiten
mit höheren Anforderungen an das Gleichgewichtssystem. Nicht geeignet seien
sämtliche selbst- und fremdgefährdende Tätigkeiten. Bei Tätigkeiten mit
durchschnittlichen Anforderungen an die Sehfähigkeit bestehe aufgrund der Sehdefizite
eine leichte Einschränkung. Die RAD-Ärztin Dr. H._ notierte am 9. Juni 2020 (IV-
act. 231), das Gutachten sei umfassend, die medizinische Situation sei geklärt und die
Schlussfolgerungen der Gutachter bezüglich Arbeits- und Leistungsfähigkeit seien
konklusiv.
Mit einem Vorbescheid vom 17. Juni 2020 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit
(IV-act. 234), sie sehe vor, das Leistungsbegehren abzuweisen. Zur Begründung gab
sie an, die Abklärungen hätten ergeben, dass in einer adaptierten, vorwiegend im
Sitzen ausgeübten Tätigkeit eine 80%ige Arbeitsfähigkeit bestehe. Bei einem
Valideneinkommen von Fr. 61'958.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 52'045.--
betrage der Invaliditätsgrad 16%. Der Versicherte liess dagegen am 21. August 2020
einen Einwand erheben (IV-act. 239). Sein Rechtsvertreter machte im Wesentlichen
geltend, das Valideneinkommen sei zu tief bemessen worden. Auf das Gutachten
könne nicht abgestellt werden. Die Gutachter hätten nicht berücksichtigt, dass der
Versicherte gesagt habe, sein Bein schwelle bei sitzenden Tätigkeiten an und er
bekomme starke Schmerzen. Dann könne er sich nicht mehr konzentrieren. Die
B.n.
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Konzentration sei durch die Tagesmüdigkeit zusätzlich beeinträchtigt. Diese sei
einerseits durch das schwere obstruktive Schlafapnoe-Syndrom und andererseits
durch das nächtliche Auftreten von Krämpfen verursacht. Die Einschränkung der
Konzentration wirke sich insbesondere bei vorwiegend sitzend auszuübenden
Tätigkeiten aus, beispielsweise beim Bedienen von Maschinen, beim Hantieren mit
gefährlichen Gegenständen, bei Überwachungs- und Kontrolltätigkeiten und auch bei
anderen Produktions- und Montagearbeiten. Die verbliebene Restarbeitsfähigkeit sei
aufgrund der vielfältigen Einschränkungen nicht verwertbar. Die Gutachter hätten nicht
berücksichtigt, dass der Versicherte eine grosse Palette an Medikamenten einnehmen
müsse, welche massive Nebenwirkungen hätten. Der internistische Gutachter habe die
Einschränkung durch das diabetische Fusssyndrom der Beurteilung des Orthopäden
überlassen. Dies sei nicht nachvollziehbar, da es sich beim Diabetes um eine
Erkrankung handle, die in erster Linie durch innere Mediziner zu beurteilen sei. Bei der
Bestimmung des Invalideneinkommens sei ein 25%iger Abzug vom Tabellenlohn zu
gewähren. Die RAD-Ärztin Dr. H._ hielt am 18. September 2020 fest (IV-act. 240), die
Aussage des Rechtsvertreters betreffend Schmerzen im Bein beim Sitzen gebe die
Angaben des Versicherten im Gutachten nicht korrekt wieder. Die chronischen
Fussschmerzen seien eindeutig bewegungs- und belastungsabhängig, so dass eine
deutliche Linderung durch optimal adaptierte Arbeitskonditionen zu erwarten sei.
Anhaltspunkte für Konzentrationsstörungen durch die Tagesmüdigkeit bei einem
schweren Schlafapnoe-Syndrom fänden sich im Gutachten nicht. Allein die Anzahl der
eingenommenen Medikamente begründe keine unerwünschten Wirkungen oder
ungünstigen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Der internistische Gutachter habe
sich mit der Grunderkrankung Diabetes und der orthopädische und der neurologische
Gutachter sowie die ophthalmologische Gutachterin hätten sich mit den diabetischen
Folgeerkrankungen und Funktionseinschränkungen auf ihren jeweiligen Fachgebieten
auseinandergesetzt; damit sei eine umfassende und interdisziplinäre Beurteilung der
Problematik erfolgt.
Eine Rechtsdienstmitarbeiterin hielt am 7. Dezember 2020 im Wesentlichen fest
(IV-act. 244), nach der Rechtsprechung seien die Hürden für die Annahme einer
Unverwertbarkeit hoch. Aus juristischer Sicht sei vorliegend aufgrund der aufgeführten
Adaptionskriterien nicht von einer Unverwertbarkeit der verbliebenen
B.o.
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C.
Restarbeitsfähigkeit auszugehen. Bei der Bestimmung des Invalideneinkommens sei
nicht vom aktuell erzielten Lohn auszugehen, da der Versicherte seine zumutbare
Erwerbsfähigkeit am bestehenden Arbeitsplatz pensummässig nicht voll ausschöpfe
und es sich nicht um eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit handle. Der Versicherte sei
im Rahmen der Schadenminderungspflicht gehalten, andere zumutbare Stellen in
Betracht zu ziehen, welche die erwerbliche Verwertung seiner Arbeitsfähigkeit besser
gewährleisten würden. Massgebend sei das von der IV-Stelle festgestellte
Invalideneinkommen von Fr. 52'045.--.
Mit einer Verfügung vom 8. Dezember 2020 wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren bei einem Invaliditätsgrad von 25% ab (IV-act. 246). Sie bezifferte
das Valideneinkommen auf Fr. 71'500.-- und das Invalideneinkommen auf
Fr. 53'443.--. Beim Valideneinkommen stützte sie sich auf die Angaben im Fragebogen
für Arbeitgeber von 2017. Zum Einwand verwies sie auf die RAD-Stellungnahme vom
18. September 2020 und gab die Stellungnahme des Rechtsdienstes vom 7. Dezember
2020 wieder, wobei sie das von der IV-Stelle festgestellte Invalideneinkommen auf
Fr. 53'443.-- bezifferte.
B.p.
Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) liess am 26. Januar 2021 eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 8. Dezember 2020 erheben (act. G 1). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Zusprache einer halben Rente ab dem 1. September 2017. Zur Begründung machte er
ergänzend zum Einwand im Vorbescheidverfahren im Wesentlichen geltend, bei der
Begutachtung sei kein Endokrinologe beigezogen worden, obwohl das diabetische
Fusssyndrom in dieses Fachgebiet falle. Der internistische Gutachter habe die
Einschränkung durch das diabetische Fusssyndrom der Beurteilung durch den
Orthopäden überlassen. Der Orthopäde habe dieses aber nicht beurteilt, sondern
lediglich chronische, mehrheitlich bewegungs- und belastungsabhängige
Vorfussschmerzen diagnostiziert. Der neurologische Gutachter habe eine schwere
axonale sensomotorische Polyneuropathie an den Beinen diagnostiziert; er habe aber
eine vorwiegend stehend ausgeübte Tätigkeit als einschränkungslos möglich erachtet,
da die Schmerzen nicht neuropathischer Natur seien. Der Neurologe habe somit die
C.a.
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Einschränkungen durch die schwere axonale sensomotorische Polyneuropathie nicht
beurteilt. Der neurologische Gutachter habe in der klinischen Untersuchung trophische
Veränderungen an den Füssen, unter anderem mit Atrophien der intrinsischen
Fussmuskulatur, festgestellt. Diesem Befund entspreche, dass dem Beschwerdeführer
der Barfussgang schmerzbedingt fast nicht möglich sei. Nicht nachvollziehbar sei, dass
dieser auffällige Befund vom Orthopäden nicht erwähnt worden sei. Die Erhebung der
Anamnese und der Befunde durch den orthopädischen Gutachter sei oberflächlich und
"schludrig". Obwohl die Krämpfe im Sitzen aktenkundig gewesen seien (vgl. das
Assessment- und Verlaufsprotokoll vom 28. Februar 2018), hätten die Gutachter nicht
nachgefragt. Die Auffassung der RAD-Ärztin in der Stellungnahme vom 18. September
2020, die Fussschmerzen seien eindeutig bewegungs- und belastungsabhängig,
stimme so nicht (vgl. das Assessment- und Verlaufsprotokoll vom 28. Februar 2018).
Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) habe dem Beschwerdeführer ein
Invalideneinkommen von Fr. 53'443.-- angerechnet. Die theoretische
Restarbeitsfähigkeit von 80% sei wirtschaftlich nicht verwertbar. Die Gutachter, die
Beschwerdegegnerin und der RAD seien sich einig, dass der Beschwerdeführer am
bestehenden Arbeitsplatz bestmöglich eingegliedert sei; die Suche nach einer anderen
Arbeitsstelle sei aussichtslos. Dem Beschwerdeführer könne daher nicht im Sinne der
Schadenminderungspflicht zugemutet werden, seine jetzige Arbeitsstelle zu kündigen.
Aufgrund der im Gutachten festgehaltenen Kriterien einer adaptierten Tätigkeit stelle
sich die Frage, ob auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt Tätigkeiten zur Verfügung
stünden, welche diese Anforderungen erfüllen würden. Vorwiegend sitzende,
wechselbelastende Tätigkeiten fänden sich häufig in der Produktion beim Bedienen
von Maschinen. Gerade diese Tätigkeiten seien aber stark selbstgefährdend. Andere
vorwiegend sitzende Tätigkeiten seien Kontroll- und Überwachungsaufgaben, welche
aber hohe Anforderungen an das Sehvermögen stellen würden. Das Adaptionskriterium
der Hochlagerung der Beine sei in Tätigkeiten für schlecht qualifizierte Hilfsarbeiter
nicht umsetzbar. Bei einem Pausenbedarf von einer Stunde und 40 Minuten am Tag
seien Schichtarbeiten nicht möglich. Die Beschwerdegegnerin habe nicht aufgezeigt, in
welchen Tätigkeiten der Beschwerdeführer seine medizinisch-theoretische
Restarbeitsfähigkeit zumutbarerweise verwerten könne. Das Valideneinkommen sei zu
tief bemessen worden. Die Grunderkrankung habe sich ab Oktober 2012 auf die
Erwerbsfähigkeit ausgewirkt. Es sei auf das davor erzielte, der Nominallohnentwicklung
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angepasste Einkommen von Fr. 74'518.-- abzustellen. Die Beschwerdegegnerin habe
übersehen, dass der im Arbeitgeberfragebogen im Jahr 2017 angegebene Lohn das
Invalideneinkommen darstelle. Es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
vor 2017 aufgrund seiner Erkrankung Lohnreduktionen habe hinnehmen müssen und
keine Lohnforderungen mehr gestellt habe.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 22. März 2021 unter Verweis auf die
Stellungnahme vom 7. Dezember 2020 die Abweisung der Beschwerde (act. G 4).
C.b.
Mit einer Replik vom 11. Mai 2021 liess der Beschwerdeführer ergänzend geltend
machen (act. G 6), er habe seit dem Sommer 2020 erneut eine Schwellung am rechten
Fuss und Schmerzen plantar, welche nach ungefähr zweistündigem Stehen bei der
Arbeit aufträten. Ein Röntgenbild vom 21. Januar 2021 habe einen Einbruch des
Fussgewölbes ergeben. Am 1. und 9. März 2021 sei er am linken Auge operiert
worden. Diese Beschwerden schränkten die Arbeitsfähigkeit zusätzlich ein. Sein
Rechtsvertreter reichte mehrere medizinische Berichte ein: Dr. D._ hatte am
13. Januar 2021 in einem Überweisungsschreiben an die Klinik W._ angegeben (act.
G 6.1.1), der Beschwerdeführer beklage seit einiger Zeit Schmerzen im rechten Fuss,
die unter Belastung zunähmen. Sie bat um eine radiologische Standortbestimmung.
Fachärzte dieser Klinik hatten am 26. Januar 2021 berichtet (act. G 6.1.2), die
Röntgenaufnahme vom 21. Januar 2021 habe einen Einbruch des Fussgewölbes
gezeigt. Sie hätten die Beschwerden im Rahmen eines aktivierten Charcot-Fusses
rechts gewertet, welcher vermutlich seit dem Sommer bestehe. Sie hätten das Tragen
eines TCC-Gips empfohlen, welcher in den nächsten Tagen angepasst werde. Der
Beschwerdeführer sollte überwiegend gehende und stehende Tätigkeiten vermeiden,
nach Möglichkeit auch bei der Arbeit. Die Verlaufsuntersuchung am 25. Februar 2021
hatte keinen weiteren Einbruch des Fusslängengewölbes gezeigt (Bericht vom 9. März
2021, act. G 6.1.3). Am 1. und 9. März 2021 war der Beschwerdeführer in der V._
wegen einer Glaskörperblutung infolge der proliferativen diabetischen Retinopathie am
linken Auge operiert worden, nachdem er sich am 26. Februar 2021 wegen eines
akuten Visusabfalls notfallmässig vorgestellt hatte (Operationsberichte vom 2. und
10. März 2021, act. G 6.1.5, 6.1.6; Austrittsbericht vom 11. März 2021, act. G 6.1.7).
C.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 8).C.d.
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Erwägungen
1.
Mit einer Verfügung vom 10. Dezember 2014 ist das Begehren des Beschwerdeführers
vom November 2013 um die Zusprache einer Invalidenrente formell rechtskräftig
abgewiesen worden (IV-act. 64). Bei der erneuten Anmeldung zum Leistungsbezug
vom März 2017 (IV-act. 70) kann es sich somit nur um eine Neuanmeldung gehandelt
haben. Gemäss Art. 87 Abs. 2 und 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung
(IVV, SR 831.201) wird eine Anmeldung, die nach einer rechtskräftigen
Leistungsverweigerung eingereicht wird, nur geprüft, wenn darin glaubhaft gemacht
wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise
geändert hat. Der Verfügung vom 10. Dezember 2014 hatte in medizinischer Hinsicht
die Beurteilung des RAD vom 21. Januar 2014/9. April 2014 (IV-act. 49) zugrunde
gelegen. Der RAD hatte sich hierbei auf die ihm vorliegenden medizinischen Berichte,
insbesondere den Bericht von Dr. D._ vom 16. Januar 2014 (IV-act. 33), gestützt. Im
Vergleich zu diesem Bericht hat Dr. D._ am 22. Februar 2017 über eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers mit einem im
Januar 2017 aufgetretenen, erneuten neuropathischen Rezidivulkus plantar rechts
berichtet (IV-act. 82). Am 10. Juli 2017 ist eine Resektion des 2. Strahls vorgenommen
worden (IV-act. 93). Das im Juli 2013 aufgetretene neuropathische Rezidivulkus plantar
rechts mit einer im Juli/August 2013 vorgenommenen Amputation des 3. Strahls war
Ende 2013 abgeheilt gewesen (IV-act. 33, 76). Im Januar 2017 ist zudem die Diagnose
eines schwergradigen obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms gestellt worden (IV-act. 93,
124). Im Referenzzeitpunkt (10. Dezember 2014) hat die Diagnose eines
schwergradigen obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms nicht bestanden. Damit haben
ausreichende Anhaltspunkte dafür bestanden, dass sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers seit dem 10. Dezember 2014 verschlechtert hatte. Der
Beschwerdeführer hat also eine wesentliche Verschlechterung seines
Gesundheitszustands glaubhaft gemacht (vgl. auch die RAD-Stellungnahme vom
27. April 2017, IV-act. 88). Die Beschwerdegegnerin ist somit zu Recht auf die
Neuanmeldung vom März 2017 eingetreten.
2.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 8. Dezember
2020 einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers bei einem Invaliditätsgrad von
2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 17/27
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3.
25% verneint. Strittig ist somit, ob der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine
Invalidenrente hat.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2.
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
2.3.
Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der
verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat dazu die
ABI GmbH mit der Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens beauftragt. Im
Gutachten vom 5. Mai 2020 haben die Sachverständigen eine 80%ige Arbeitsfähigkeit
in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit attestiert. Strittig und im Folgenden zu prüfen
ist, ob dem Gutachten voller Beweiswert zukommt, das heisst, ob es die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit belegt.
3.1.
Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/27
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ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE
125 V 352 E. 3a). Notwendig ist zudem, dass der psychiatrische Gutachter die vom
Bundesgericht in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und
vergleichbare psychosomatische Leiden aufgestellten und später auf alle psychischen
Erkrankungen, insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen,
anwendbar erklärten Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143
V 409 und 143 V 418).
Alle Gutachter der ABI GmbH haben umfassende Kenntnis von den Vorakten
gehabt (IV-act. 230-16 ff.) und diese gewürdigt (IV-act. 230-29, 230-36, 230-47 f.,
230-57, 230-65, 230-71). Sie haben den Beschwerdeführer persönlich untersucht und
die subjektiven Klagen aufgenommen (IV-act. 230-25 ff., 230-32 ff., 230-39 ff.,
230-53 f., 230-61, 230-68 ff.) sowie die erhobenen objektiven Befunde im Gutachten
wiedergegeben (IV-act. 230-27, 230-34 f., 230-41 ff., 230-54 f., 230-61 ff., 230-70).
Gestützt auf ihre Befunde haben sie die Diagnosen gestellt (IV-act. 230-28, 230-35,
230-44, 230-55, 230-64, 230-70) und ihre Beurteilung zur Arbeits(un)fähigkeit, inklusive
eine Konsensbeurteilung, abgegeben (IV-act. 230-8 ff., 230-29 f., 230-36 f., 230-48 f.,
230-57 f., 230-65 f., 230-72). Die gestellten Diagnosen haben im Wesentlichen
denjenigen entsprochen, die auch Dr. D._ (vgl. Berichte vom 5. Februar 2018 und
23. September 2019, IV-act. 131-10, 198) und die Fachärzte der Klinik W._ (vgl.
Bericht vom 6. November 2019, IV-act. 204) angegeben haben. Namentlich haben die
Gutachter das diabetische Fusssyndrom als Sekundärmanifestation des Diabetes
mellitus aufgeführt und in diesem Zusammenhang auf die Diagnose der chronischen,
mehrheitlich bewegungs- und belastungsabhängigen Vorfussschmerzen rechts
verwiesen (IV-act. 230-9). Hinweise darauf, dass die Untersuchung nicht umfassend
gewesen wäre, bestehen nicht. Festzustellen ist, dass Dr. D._ eine vollständige
Arbeitsfähigkeit in einer vorwiegend im Sitzen ausgeübten Tätigkeit ohne das Tragen
von Stahlkappenschuhen attestiert hat (IV-act. 169). In quantitativer Hinsicht deckt sich
ihre Einschätzung also mit derjenigen des orthopädischen Gutachters, der die
funktionellen Auswirkungen des diabetischen Fusssyndroms auf die Arbeitsfähigkeit in
einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit beurteilt hat. Der psychiatrische Gutachter hat
sich zu den Standardindikatoren, namentlich zur Konsistenz und zu den Ressourcen,
geäussert. Da er keine psychiatrische Diagnose gestellt hat, sind seine Ausführungen
nachvollziehbar kurz ausgefallen. Die ophthalmologische Gutachterin hat eine 20%ige
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für alle Tätigkeiten mit durchschnittlichen
Anforderungen an die Sehfähigkeit (z.B. Bürotätigkeit) attestiert und zur Begründung
angegeben, die Einschränkung bestehe aufgrund eines vermehrten Pausen- bzw.
3.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 19/27
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Kompensationsbedarfs. Für Tätigkeiten mit wenig Anforderungen an die Sehfähigkeit
bestehe keine Leistungseinschränkung. Ihre Angabe, die Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit betrage 80-100%, kann nur so interpretiert werden, dass je
nachdem, ob eine Tätigkeit durchschnittliche oder nur wenige Anforderungen an die
Sehfähigkeit beinhaltet, eine 80%ige oder eine vollständige Arbeitsfähigkeit vorliegt. In
der Konsensbeurteilung sind die Gutachter von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit im Untersuchungszeitpunkt ausgegangen. Sie haben also nicht
nur eine Tätigkeit mit wenig, sondern auch mit durchschnittlichen Anforderungen an die
Sehfähigkeit als adaptiert erachtet. Ob dies richtig gewesen ist, kann offenbleiben. Die
Arbeitsunfähigkeit in einer ideal adaptierten Tätigkeit hat jedenfalls maximal 20%
betragen. In der angestammten Tätigkeit als Dreher hat sie 50% betragen. Die Angabe
der Gutachter, dass sich die orthopädischen und ophthalmologischen
Einschränkungen in quantitativer Hinsicht nicht addieren würden, da die gleichen
Zeitabschnitte für Pausen genutzt werden könnten, überzeugt. Die ophthalmologische
Gutachterin hat in ihrem Teilgutachten keine retrospektive Arbeitsfähigkeitsschätzung
abgegeben. In der Konsensbeurteilung haben die Gutachter angegeben, die
Arbeitsfähigkeitsschätzung in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit im
Untersuchungszeitpunkt gelte auch dauerhaft und über die Zeit gemittelt seit Februar
2017. In Anbetracht dessen, dass die Sehschärfe des rechten Auges nach der im März
2015 durchgeführten Pars Plana Vitrektomie mit einem Wert von 0.8 (act. G 6.1.4)
besser gewesen ist als mit einem Wert von 0.5 im Zeitpunkt der Begutachtung (IV-
act. 320-62), ist es überwiegend wahrscheinlich, dass die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit aufgrund einer reduzierten Sehfähigkeit seit Februar 2017 nicht mehr
als 20% betragen hat. In der angestammten Tätigkeit als Dreher hat die
Arbeitsunfähigkeit seit Februar 2017 50% betragen. Eine länger dauernde, höhere
Arbeitsunfähigkeit infolge des Treppensturzes am 4. Oktober 2017 hat überwiegend
wahrscheinlich nicht bestanden, denn der Hausarzt Dr. F._ hat ab dem 1. Dezember
2017 eine vollständige Arbeitsfähigkeit attestiert (Fremdakten-act. 31). Die
Ausführungen der Gutachter sind somit schlüssig. Widersprüche bestehen im
Gutachten nicht. Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Einwände des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers erhebliche Zweifel am Gutachten zu wecken vermögen.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat im Vorbescheidverfahren
verschiedene Einwände gegen das Gutachten vorgebracht (IV-act. 234), zu welchen die
RAD-Ärztin Dr. H._ am 18. September 2020 Stellung genommen hat (IV-act. 240). In
Ergänzung zu dieser Stellungnahme ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
anlässlich der Begutachtung nicht über Konzentrationsstörungen aufgrund einer
Tagesmüdigkeit, sondern nur wegen den zunehmenden Schmerzen im rechten Fuss
3.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 20/27
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geklagt hat (IV-act. 230-25, 230-33). Bei einer den Adaptionskriterien entsprechenden
Tätigkeit ist aber davon auszugehen, dass keine starken Schmerzen im rechten Fuss
auftreten. In Bezug auf die Tagesmüdigkeit hat der Beschwerdeführer zudem
angegeben, dass sich diese unter der CPAP-Therapie verbessert habe (IV-act. 230-68).
Der pneumologische Gutachter hat festgehalten, dass die Arbeitsfähigkeit seit der
Einleitung der APAP-Therapie nicht eingeschränkt gewesen sei. Da der
Beschwerdeführer die CPAP-/APAP-Therapie im Februar 2017 begonnen hat (IV-
act. 121, 130), hat er überwiegend wahrscheinlich seit diesem Zeitpunkt nicht mehr an
einer die Arbeitsfähigkeit einschränkenden Tagesmüdigkeit gelitten. Damit steht mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der
Beschwerdeführer in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit nicht an
Konzentrationsstörungen leidet.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat gerügt, bei der Begutachtung sei
kein Endokrinologe beigezogen worden, obwohl das diabetische Fusssyndrom in
dieses Fachgebiet falle. Der internistische Gutachter habe die Einschränkung durch
das diabetische Fusssyndrom der Beurteilung durch den orthopädischen
Sachverständigen überlassen. Der Orthopäde habe dieses aber nicht beurteilt, sondern
lediglich chronische, mehrheitlich bewegungs- und belastungsabhängige
Vorfussschmerzen diagnostiziert. Die Endokrinologie ist ein Teilgebiet der Inneren
Medizin (https://de.wikipedia.org/wiki/ Endokrinologie, zuletzt besucht am 10. Februar
2022), weshalb davon auszugehen ist, dass der internistische Gutachter die
Grunderkrankung des Diabetes mellitus Typ 2 hat beurteilen können. Das diabetische
Fusssyndrom mit den amputierten zwei Zehen wirkt sich – nebst den bewegungs- und
belastungsabhängigen Schmerzen im rechten Fuss – auf die Steh- und Gehfähigkeit
aus. Der orthopädische Gutachter hat nämlich angegeben, am rechten Vorfuss habe
sich eine relevante Pathologie gezeigt, wodurch die Steh- und Gehfähigkeit in gut
begründbarer Weise deutlich eingeschränkt werde (IV-act. 230-47). Er hat ein den
funktionellen Einschränkungen entsprechendes Belastungsprofil formuliert (IV-
act. 230-49). Das Vorbringen des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers, dass der
orthopädische Sachverständige die Einschränkung durch das diabetische
Fusssyndrom nicht beurteilt habe, ist deshalb nicht nachvollziehbar.
3.5.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat geltend gemacht, der
neurologische Gutachter habe eine schwere axonale sensomotorische Polyneuropathie
an den Beinen diagnostiziert; er habe aber eine vorwiegend stehend ausgeübte
Tätigkeit als einschränkungslos möglich erachtet, da die Schmerzen nicht
neuropathischer Natur seien. Der Neurologe habe somit die Einschränkungen durch die
3.6.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 21/27
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schwere axonale sensomotorische Polyneuropathie nicht beurteilt. Im Weiteren hat er
vorgebracht, der neurologische Gutachter habe in der klinischen Untersuchung
trophische Veränderungen an den Füssen, unter anderem mit Atrophien der
intrinsischen Fussmuskulatur, festgestellt. Diesem Befund entspreche, dass dem
Beschwerdeführer der Barfussgang schmerzbedingt fast nicht möglich sei. Nicht
nachvollziehbar sei, dass dieser auffällige Befund vom Orthopäden nicht erwähnt
werde. Die Erhebung der Anamnese und der Befunde durch den orthopädischen
Gutachter sei oberflächlich und "schludrig". Entgegen der Auffassung des
Rechtsvertreters des Beschwerdeführers hat der neurologische Gutachter die
Einschränkungen durch die schwere axonale sensomotorische Polyneuropathie
beurteilt. Er hat nämlich festgehalten, dass die Polyneuropathie mit einer deutlich
beeinträchtigten Tiefensensibilität einen Einfluss auf das Gleichgewichtssystem habe
(IV-act. 230-57). Tätigkeiten mit höheren Anforderungen an das Gleichgewichtssystem
wie das Steigen auf Leitern, das Gehen auf unebenem Boden und im Dunkeln sowie
das Tragen von Lasten, welche die Sicht auf den Boden versperren würden, seien
deshalb nicht geeignet (IV-act. 230-58). Die Beurteilung, dass rein aus neurologischer
Sicht eine vorwiegend im Stehen ausgeübte Tätigkeit uneingeschränkt zumutbar sei,
da die Schmerzen nicht neuropathischer Natur seien, ist schlüssig; der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers hat dagegen auch keinen Einwand vorgebracht. Im Weiteren
hat der orthopädische Gutachter – gleich wie der neurologische Gutachter –
festgestellt, dass der Beschwerdeführer beim Barfussgang ein ausgeprägtes
Schonhinken rechts gezeigt hat (IV-act. 230-42, 230-55). Der Umstand, dass er bei der
Angabe der objektiven Befunde keine trophischen Veränderungen an den Füssen
erwähnt hat, ist deshalb nicht relevant und lässt nicht auf eine oberflächliche Erhebung
der objektiven Befunde schliessen.
Im Weiteren hat der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vorgebracht, obwohl
die Krämpfe im Sitzen aktenkundig gewesen seien, hätten die Gutachter nicht
nachgefragt. Die Auffassung der RAD-Ärztin in der Stellungnahme vom 18. September
2020, die Fussschmerzen seien eindeutig bewegungs- und belastungsabhängig,
stimme so nicht. Der Rechtsvertreter hat auf das Assessment- und Verlaufsprotokoll
vom 28. Februar 2018 verwiesen, worin festgehalten worden war, dass der
Beschwerdeführer bei rein sitzenden Tätigkeiten nach eineinhalb Stunden einen
Krampf in den Beinen bekomme. Mit dem 50%-Pensum habe er sein Limit erreicht; er
müsse dann nach Hause und die Beine hochlagern (IV-act. 124-2). Die RAD-Ärztin
Dr. H._ hat zu Recht festgehalten, dass das Sitzen auf dem Stehstuhl mit hängenden
Beinen (vgl. dazu die Angaben im orthopädischen Teilgutachten, IV-act. 230-45) nicht
dem aus medizinischer Sicht geforderten Hochlagern des Fusses entspreche. Es ist
3.7.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/27
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deshalb davon auszugehen, dass in einer vorwiegend sitzenden Tätigkeit mit der
Möglichkeit, das rechte Bein hochzulagern, nicht regelmässig Krämpfe auftreten. Mit
der Angabe des Beschwerdeführers, dass er nach der Arbeit nach Hause gehen und
die Beine hochlagern müsse, hat er die Einschätzung der RAD-Ärztin gleich selbst
bestätigt. Der Umstand, dass sich die Gutachter nicht nach den nach längerem Sitzen
auf dem Stehstuhl auftretenden Krämpfen erkundigt haben, ist deshalb nicht relevant.
Der Rechtsvertreter hat geltend gemacht, der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers habe sich seit dem Sommer 2020 erneut verschlechtert; die neu
aufgetretenen Beschwerden am rechten Fuss und am linken Auge schränkten die
Arbeitsfähigkeit zusätzlich ein. Gemäss den im Schreiben von Dr. D._ vom 13. Januar
2021 (act. G 6.1.1) und im Bericht der Klinik W._ vom 26. Januar 2021 (act. G 6.1.2)
festgehaltenen Angaben des Beschwerdeführers hat dieser seit dem Sommer 2020 an
vermehrten Schmerzen im rechten Fuss gelitten. Eine Röntgenaufnahme vom
21. Januar 2021 hat einen Einbruch des Fussgewölbes gezeigt. Die Fachärzte der
Klinik W._ haben die Beschwerden im Rahmen eines aktivierten Charcot-Fusses
rechts gewertet, welcher vermutlich seit dem Sommer 2020 bestehe. Eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers ist mit der
Röntgenaufnahme vom 21. Januar 2021 objektiv ausgewiesen. Mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit haben sich die möglicherweise bereits seit dem Sommer 2020
bestehenden Beschwerden am rechten Fuss bis zum Erlass der angefochtenen
Verfügung vom 8. Dezember 2020 aber nicht auf die Arbeitsfähigkeit in einer ideal
leidensadaptierten Tätigkeit ausgewirkt, denn die Therapie nach dem festgestellten
Einbruch des Fussgewölbes hat darin bestanden, dem Beschwerdeführer einen TCC-
Gips anzupassen verbunden mit der Empfehlung, überwiegend gehende und stehende
Tätigkeiten zu vermeiden. Eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit hätte der
Beschwerdeführer also selbst nach der Feststellung des Einbruchs des Fussgewölbes
überwiegend wahrscheinlich ausüben können, weshalb selbst unter Berücksichtigung
einer Verschlechterung des Zustands des rechten Fusses im Zeitraum nach der
Begutachtung bis zum 8. Dezember 2020 von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer
ideal leidensadaptierten Tätigkeit auszugehen ist. In der angestammten Tätigkeit hat
überwiegend wahrscheinlich bis zum 8. Dezember 2020 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
bestanden, denn es bestehen keine Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer
weniger als sein 50%-Pensum gearbeitet hätte. Anlässlich der Untersuchung am
21. Januar 2021 hat der Beschwerdeführer die Attestierung einer Arbeitsunfähigkeit
sogar abgelehnt. Die Verschlechterung am linken Auge ist am 26. Februar 2021
eingetreten, denn an diesem Tag hat sich der Beschwerdeführer wegen eines akuten
Visusabfalls notfallmässig in der V._ vorgestellt (act. G 6.1.5). Objektive
3.8.
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4.
Anhaltspunkte für eine mögliche Verschlechterung des Zustands des linken Auges vor
dem 8. Dezember 2020 bestehen nicht. Diese Berichte vermögen deshalb keine Zweifel
am Beweiswert des Gutachtens zu wecken.
Zusammenfassend ist unter Verweis auf Art. 56 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege des Kantons St. Gallen (VRP/SG, sGS 951.1) festzuhalten,
dass das Gutachten der ABI GmbH vom 5. Mai 2020 beweiskräftig ist.
3.9.
Der Beschwerdeführer hat gemäss seinen Angaben in seinem Herkunftsland eine
Ausbildung als Dreher absolviert. In der Schweiz hat er stets als Dreher gearbeitet (IV-
act. 3, 4, 19), ohne über einen in der Schweiz anerkannten Berufsabschluss zu
verfügen. Seit dem 1. Februar 2003 ist er bei der C._ AG angestellt gewesen. Sein
Einkommen hat gemäss dem IK-Auszug bis im Jahr 2012 rund Fr. 71'000.-- betragen
(Fr. 70'720.-- im Jahr 2012, Fr. 71'720.-- in den Jahren 2011 und 2010, Fr. 71'220.-- im
Jahr 2009, IV-act. 83). Ab dem Jahr 2013 ist das Einkommen – wohl aufgrund des
Bezugs von Krankentaggeldern – tiefer gewesen (Fr. 50'523.-- im Jahr 2013,
Fr. 33'605.-- im Jahr 2014, Fr. 54'869.-- im Jahr 2015, Fr. 61'958.-- im Jahr 2016).
Seine Arbeitgeberin hat am 22. November 2013 angegeben, der Monatslohn betrage
Fr. 5'440.-- und werde dreizehnmal im Jahr (= Fr. 70'720.--) ausbezahlt (IV-act. 19). Im
Jahr 2017 (undatiert, Posteingang 29. August 2017, IV-act. 95) hat sie angegeben, der
Monatslohn betrage ab 1. Januar 2017 Fr. 5'500.-- bzw. der Jahreslohn Fr. 71'500.--;
der Beschwerdeführer würde ohne Gesundheitsschaden gleich viel verdienen.
Entgegen der Auffassung des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers hat das
Einkommen ab 1. Januar 2017 also nicht das Invalideneinkommen, sondern das
Valideneinkommen dargestellt, denn die gesundheitlichen Beeinträchtigungen haben
sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht auf die Höhe des Einkommens und damit auf die
Erwerbsfähigkeit ausgewirkt. Der Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns ist
der 1. September 2017 gewesen (sechs Monate nach der Anmeldung zum
Leistungsbezug, vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG). Der Beschwerdeführer hat bis zum
14. Februar 2017 in einem Vollzeitpensum und ab dem 3. März 2017 in einem 50%-
Pensum gearbeitet (IV-act. 95-2, 93-4). Möglicherweise hat er vor dem 14. Februar
2017 über das ihm zumutbare Ausmass gearbeitet, denn gemäss den Angaben von
Dr. D._ hat er ab September 2015 nach dem Ende des Bezugs von
Krankentaggeldern aus wirtschaftlichen Gründen wieder zu 100% gearbeitet (IV-
act. 76). Der Arbeitgeber hat am 13. Februar 2018 zudem Bedenken geäussert, dass er
den Beschwerdeführer überfordern könnte (IV-act. 124), was ein Indiz dafür ist, dass
der Beschwerdeführer möglicherweise vor dem 14. Februar 2017 über das ihm
4.1.
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zumutbare Ausmass gearbeitet haben könnte. Ob das Wartejahr (vgl. Art. 28 Abs. 1
lit. b IVG) am 1. September 2017 abgelaufen gewesen ist, kann aufgrund der
vorliegenden Akten nicht abschliessend beurteilt werden. Zur Klärung der Frage, ob
beim Beschwerdeführer bereits vor dem 14. Februar 2017 eine Teil-Arbeitsunfähigkeit
in seiner Tätigkeit bei der C._ AG bestanden hat, sind weitere
Sachverhaltsabklärungen, insbesondere die Einholung einer Auskunft bei der C._ AG,
erforderlich. Unter Verweis auf Art. 56 Abs. 2 VRP/SG ist festzuhalten, dass das
Valideneinkommen auf der Basis des ab 1. Januar 2017 erzielten Jahreseinkommens
von Fr. 71'500.-- zu bemessen ist. Zur Klärung, ob das Wartejahr am 1. September
2017 abgelaufen gewesen ist, ist die Sache zur weiteren Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Die Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführers bei der C._ AG mit einem 50%-
Pensum ab dem 3. März 2017 stellt nicht die Invalidenkarriere dar, denn für die
Bestimmung der Invalidenkarriere ist allein massgebend, welche zumutbare Tätigkeit
der Beschwerdeführer auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt ausüben
könnte. Dabei muss der Beschwerdeführer seine Erwerbsfähigkeit, also die Fähigkeit,
ein Einkommen zu erzielen, optimal verwerten. Relevant ist also einzig, ob der
Beschwerdeführer in einer ideal adaptierten Tätigkeit mehr verdienen könnte als am
bestehenden Arbeitsplatz. Das Invalideneinkommen stellt damit ein fiktives, objektives
Faktum dar, das unabhängig von der subjektiven Zumutbarkeit eines Wechsels von
einem bestehenden Arbeitsplatz in eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit ist. Es handelt
sich deshalb hierbei nicht um einen Anwendungsfall der Schadenminderungspflicht.
Wie die Gutachter der ABI GmbH zu Recht festgehalten haben, ist die Tätigkeit als
Dreher nicht ideal leidensadaptiert, weil diese vorwiegend im Stehen durchgeführt wird
und erhöhte Anforderungen an das Detailsehen beinhaltet. Aufgrund eines fehlenden,
in der Schweiz anerkannten Berufsabschlusses besteht die Invalidenkarriere deshalb in
einer Tätigkeit als durchschnittlich entlöhnter Hilfsarbeiter. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers hat geltend gemacht, die verbliebene Restarbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers sei nicht verwertbar, weshalb eine vollständige Erwerbsunfähigkeit
vorliege und der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe.
Gemäss dem beweiskräftigen Gutachten der ABI GmbH ist dem Beschwerdeführer
eine Tätigkeit mit einer 80%igen Arbeits- und Leistungsfähigkeit bei einer vollzeitlichen
Präsenz mit dem folgenden Belastungsprofil zumutbar: Eine mehrheitlich im Sitzen
ausgeübte Tätigkeit mit zwischenzeitlichen Abschnitten im Stehen und Gehen und
idealerweise der Möglichkeit, den rechten Fuss hochzulagern; Vermeidung von
Überkopfbewegungen des linken Arms und von Tätigkeiten mit höheren Anforderungen
an das Gleichgewichtssystem (kein Besteigen von Leitern, kein Gehen aus unebenem
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Boden oder im Dunkeln, kein Tragen von Lasten, die die Sicht auf den Boden
verhinderten); keine selbst- und fremdgefährdende Tätigkeiten; keine Tätigkeiten in
grossen Höhen oder als Chauffeur, keine sehr feinmotorischen Tätigkeiten, Tätigkeiten
mit durchschnittlichen oder mit wenig Anforderungen an die Sehfähigkeit. Die 80%ige
Arbeitsfähigkeit resultiert aus einem erhöhten Pausenbedarf, weshalb der
Beschwerdeführer die Möglichkeit haben muss, im benötigten Umfang Pausen
einzulegen. Aufgrund der Vielzahl der Kriterien, die eine Tätigkeit an einem ideal
adaptierten Arbeitsplatz erfüllen muss, stellt sich die Frage, ob auf dem den
ungelernten Hilfsarbeitern offenstehenden allgemeinen und ausgeglichenen
Arbeitsmarkt Stellen existieren, an welchen der Beschwerdeführer seine verbliebene
Restarbeitsfähigkeit verwerten könnte. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
ist eine Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit erst anzunehmen, wenn die
zumutbare Tätigkeit nur in einer so eingeschränkten Form möglich ist, dass sie der
ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter einem nicht
realistischen Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers ausgeschlossen
erscheint (Urteil des Bundesgerichts vom 3. Januar 2022, 9C_366/2021 E. 4.2 m.w.H.).
Die Beschwerdegegnerin hat dies nicht abgeklärt, sondern lediglich festgehalten, dass
nach der Rechtsprechung die Hürden für die Annahme einer Unverwertbarkeit hoch
seien und dass aufgrund der aufgeführten Adaptionskriterien nicht von einer
Unverwertbarkeit auszugehen sei (IV-act. 244-2). Welche beruflichen Tätigkeiten auf
dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt konkret in Frage kommen, ist
offengeblieben. Angesichts der für einen Hilfsarbeiter besonders nachteiligen
Einschränkungen (insbesondere das Sitzen mit hochgelagertem Fuss, das
eingeschränkte Sehvermögen und die allfälligen feinmotorischen Einschränkungen), die
eine Kontrolltätigkeit ebenso wie eine Bildschirmarbeit mit einem Beschäftigungsgrad
von 80% wohl nicht zulassen dürften, reicht die allgemeine Lebenserfahrung nicht aus,
um die Frage der Verwertbarkeit der verbliebenen Restarbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers zu beantworten. Da das Gericht nicht über das notwendige
Fachwissen verfügt, um beurteilen zu können, ob die verbliebene Restarbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers verwertbar ist, ist die Sache zur weiteren Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sie wird durch eine berufs-/
eingliederungsberaterische Fachperson abzuklären haben, ob es auf dem allgemeinen
und ausgeglichenen Arbeitsmarkt für Hilfsarbeiter Stellen gibt, welche den formulierten
Adaptionskriterien entsprechen. Es bleibt der Beschwerdegegnerin überlassen, ob sie
dies durch eine interne oder externe Fachperson abklären lässt. Sofern die
Verwertbarkeit bejaht wird, wird sie den Einkommensvergleich vornehmen müssen.
Sofern die Verwertbarkeit verneint wird, wäre zu prüfen, ob (ausnahmsweise) das am
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