Decision ID: d1d50ccd-e02a-449e-8793-0f142ec412da
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am (...) Oktober 2022 in der Schweiz um
Asyl. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zent-
raleinheit Eurodac) ergab, dass er am (...) August 2022 in Bulgarien ein
Asylgesuch eingereicht hatte.
B.
Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am 15. November 2022 im
Rahmen des persönlichen Gesprächs gemäss Art. 5 der Verordnung (EU)
Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni
2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-
gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen
oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-
nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), das rechtliche Ge-
hör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglichkeit der
Überstellung nach Bulgarien, dessen Zuständigkeit für die Behandlung des
Asylgesuchs grundsätzlich in Frage komme.
Dabei gab er an, er habe zwei Mal versucht, von der Türkei aus nach Bul-
garien zu gelangen, und sei dabei aufgegriffen worden. Beim zweiten Mal
habe er sich entkleiden müssen und man habe ihm die Fingerabdrücke
abgenommen. Man habe ihm mit Inhaftierung gedroht, falls er erneut nach
Bulgarien kommen würde. Danach sei er zurück in die Türkei gebracht wor-
den, wo er sich (...) Monate aufgehalten habe. Er habe in Bulgarien nie
einen Asylentscheid erhalten. Zu einem späteren Zeitpunkt sei er mit Hilfe
eines Schleppers per Flugzeug von B._ in ein ihm unbekanntes
Land gereist, bevor er in die Schweiz gekommen sei. Er wolle nicht nach
Bulgarien zurückkehren, sondern habe von Beginn an in die Schweiz kom-
men wollen, weil sein Bruder hier lebe. In Bulgarien würden Asylsuchende
schlecht behandelt. Er sei geschlagen worden, habe sich entkleiden müs-
sen und man habe ihm seine Sachen weggenommen.
Zu seinem Gesundheitszustand befragt, gab er an, es gehe ihm grundsätz-
lich gut. Er habe gelegentlich Kopfschmerzen, sei psychisch belastet und
schlafe schlecht.
Anlässlich des Dublin-Gesprächs gewährte das SEM dem Beschwerdefüh-
rer eine Frist zur Einreichung von Belegen zu seinem Aufenthalt in der Tür-
kei.
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C.
Die bulgarischen Behörden hiessen das am 28. November 2022 gestellte
Gesuch des SEM um Übernahme des Beschwerdeführers am 12. Dezem-
ber 2022 gut.
D.
Mit Verfügung vom 13. Dezember 2022 (eröffnet am folgenden Tag) trat
das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete
seine Überstellung nach Bulgarien an und forderte ihn auf, die Schweiz am
Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte es
die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer allfäl-
ligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wir-
kung zu.
E.
Am 19. Dezember 2022 liess der Beschwerdeführer durch seine neu man-
datierte Rechtsvertretung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde er-
heben und beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und
die Vorinstanz anzuweisen, das Asylgesuch in der Schweiz zu prüfen.
In prozessualer Hinsicht beantragt er die die Aussetzung des Vollzugs und
die Gewährung der aufschiebenden Wirkung. Es sei ihm zudem die unent-
geltliche Rechtspflege zu gewähren.
F.
Am 20. Dezember 2022 ordnete die zuständige Instruktionsrichterin einen
superprovisorischen Vollzugsstopp an.
G.
Mit Eingabe vom 21. Dezember 2022 reichte der Beschwerdeführer in ei-
genem Namen eine zweite Beschwerde ein. Darin wurde erneut beantragt,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers sei einzutreten und es sei ein nationales Asylverfahren
durchzuführen. Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuwei-
sen individuelle Zusicherungen bezüglich des Zugangs zum Asylverfahren,
adäquater medizinischer Versorgung und Unterbringung von den bulgari-
schen Behörden einzuholen.
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Seite 4

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG (SR 142.31) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und
Art. 6 AsylG).
1.2 Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die übri-
gen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], Frist
[Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 VwVG]) sind offensichtlich erfüllt.
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb
sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines
zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e
AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-
scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-
gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals
ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des
Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich
keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr
statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1).
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Aus den Akten ist ersichtlich, dass der Beschwerdeführer am (...) August
2022 in Bulgarien ein Asylgesuch gestellt hat. Nachdem die bulgarischen
Behörden das Wiederaufnahmegesuch der Vorinstanz innert der in Art. 25
Abs. 1 Dublin-III-VO festgelegten Frist gutgeheissen haben, ist die Zustän-
digkeit Bulgariens grundsätzlich gegeben. Dies wird vom Beschwerdefüh-
rer nicht bestritten.
3.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als
zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche
Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-
bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–Grundrechte-
charta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-
staat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um festzu-
stellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann.
Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund der
Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten Mit-
gliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so wird
der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat
(Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
3.4 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-
nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-
siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu-
manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-
VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche
Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE
2015/9 E. 8.2.1).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, in einem Artikel der Schweizeri-
schen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 19. Februar 2020 («Renoncer aux trans-
ferts Dublin vers la Bulgarie») werde festgehalten, dass das Asylverfahren
in Bulgarien besorgniserregende Mängel aufweise. In einem weiteren Be-
richt («Polizeigewalt in Bulgarien und Kroatien: Konsequenzen für Dublin-
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Überstellungen») vom 13. September 2022 komme die SFH zum Schluss,
dass Dublin-Überstellungen grundsätzlich unzulässig und unzumutbar
seien. Auch das Bundesverwaltungsgericht habe in verschiedenen Urteilen
festgehalten, dass der seit Ende Februar 2022 herrschende Krieg in der
Ukraine einen starken Anstieg von Kriegsflüchtenden in Bulgarien zur
Folge habe und das Gericht in jedem Einzelfall prüfen müsse, ob die Be-
dingungen im Asylverfahren in Bulgarien den völkerrechtlichen Vorgaben
genügen würden. Gemäss dem Bericht «Europe’s black Sites» von einem
Verbund von Journalisten vom 8. Dezember 2022 würden geheime Ein-
richtungen in Bulgarien existieren, in denen Schutzsuchende systematisch
inhaftiert würden, bevor sie illegal abgeschoben würden. Deshalb sei auf
eine Überstellung des Beschwerdeführers zu verzichten.
4.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Referenzurteil F-7195/2018
vom 11. Februar 2020 einlässlich mit dem bulgarischen Asylsystem und
der Situation asylsuchender Personen in Bulgarien auseinandergesetzt. Es
hat festgehalten, dass das dortige Asylverfahren sowie die Aufnahmebe-
dingungen zwar gewisse Mängel aufweisen würden, diese aber nicht sys-
temischer Natur seien, weshalb von Überstellungen nach Bulgarien grund-
sätzlich nicht abzusehen sei. Korrekte Asylverfahren seien in Bulgarien
nicht systembedingt unmöglich. Zudem seien die Bedingungen in den Auf-
nahme- und Haftzentren zwar prekär, könnten aber nicht als unmenschlich
oder entwürdigend qualifiziert werden. Auch bei besonders verletzlichen
Personen sei eine Überstellung nicht per se ausgeschlossen; indessen sei
bei solchen Asylsuchenden im Einzelfall vertieft zu prüfen, ob die be-
troffene Person im Falle des Vollzugs der Überstellung einer menschenun-
würdigen Behandlung ausgesetzt wäre. Das Gericht geht in seiner Recht-
sprechung trotz der aktuellen Belastung Bulgariens durch ukrainische
Kriegsflüchtlinge weiterhin nicht von systemischen Mängeln im bulgari-
schen Asylverfahren aus. Für eine Änderung der Rechtsprechung besteht
auch in Würdigung der vom Beschwerdeführer gemachten Äusserungen
zu seiner Behandlung in Bulgarien keine Veranlassung und auch der zi-
tierte Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe vom 13. September
2022 «Polizeigewalt in Bulgarien und Kroatien: Konsequenzen für die Dub-
lin-Überstellungen» sowie die weiteren erwähnten Berichte und Quellen
zur Situation in Bulgarien vermögen an dieser Einschätzung nichts zu än-
dern (vgl. etwa Urteil des BVGer F-4528/2022 vom 15. Dezember 2022
E. 6.3 m.w.H.). Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs.
2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt.
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Seite 7
4.3
Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz das Selbsteintrittsrecht ge-
mäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV zu Recht
nicht ausgeübt hat.
4.4 Aus den Angaben des Beschwerdeführers geht unmissverständlich
hervor, dass er in Bulgarien kein Asylgesuch stellen und das Land offenbar
nur als Transitland benutzen wollte. Unter diesen Umständen und insbe-
sondere mit Blick auf die Tatsache, dass er sich nur wenige Tage in Bulga-
rien aufgehalten hat, ohne die Behandlung seines Asylgesuchs abzuwar-
ten, vermag er in Bezug auf die dortigen Zustände nicht darzutun, dass die
ihn bei einer Rückführung zu erwartenden Bedingungen eine Verletzung
von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta beziehungsweise Art. 3 EMRK nach
sich ziehen könnten. Aus den von anderen Asylsuchenden geschilderten
Schwierigkeiten im bulgarischen Asylverfahren lassen sich keine zuverläs-
sigen Rückschlüsse in Bezug auf das Verfahren des Beschwerdeführers
ziehen. Es ist somit kein konkretes und ernsthaftes Risiko ersichtlich, die
bulgarischen Behörden könnten sich weigern, ihm nach der Rücküberstel-
lung Zugang zum Asylverfahren zu gewähren oder seinen Antrag unter Ein-
haltung der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates
2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuer-
kennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (Verfahrensricht-
linie) zu prüfen. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung der
ihm zustehenden Aufnahmebedingungen könnte sich der Beschwerdefüh-
rer mit Hilfe der vor Ort tätigen karitativen Organisationen an die bulgari-
schen Behörden wenden und seine Rechte auf dem Rechtsweg einfordern
(vgl. Art. 26 der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen [Aufnahme-
richtlinie]). Dies gilt auch in Bezug auf die geltend gemachte Behandlung
durch bulgarische Beamte.
Es ist in diesem Zusammenhang mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass
das Dublin-System auf klaren Zuständigkeitsregeln beruht und den Ge-
suchstellenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat
selbst auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3).
4.5 Aus dem Umstand, dass sich sein Bruder in der Schweiz befinden soll,
vermag der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten abzuleiten, da
dieser keinen Familienangehörigen im Sinne von im Sinne von Art. 2 Bst. g
Dublin-III-VO darstellt, womit dieses Verwandtschaftsverhältnis alleine
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keine Dublin-relevante Zuständigkeit für die Schweiz zu begründen ver-
mag. Zudem wird kein Abhängigkeitsverhältnis zum Bruder dargelegt.
4.6 Des Weiteren liegen keine Anhaltspunkte vor, dass die Gesundheit des
Beschwerdeführers bei einer Überstellung nach Bulgarien ernsthaft gefähr-
det würde. Beim Beschwerdeführer handelt es sich offensichtlich nicht um
eine vulnerable Person. Die von ihm geltend gemachten Beschwerden
(Kopf- und Halsschmerzen, psychische Belastung, Schlafschwierigkeiten)
stellen keine gravierenden Erkrankungen dar und können in Bulgarien be-
handelt werden. Sollte der Beschwerdeführer nach der Rückkehr nach Bul-
garien eine medizinische Behandlung benötigen, ist darauf hinzuweisen,
dass die Mitgliedstaaten verpflichtet sind, den Antragstellern die erforderli-
che medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die
unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psy-
chischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Auf-
nahmerichtlinie). Antragstellenden Personen mit besonderen Bedürfnissen
ist die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe, einschliesslich psy-
chologischer Betreuung, zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie).
Zudem sind die mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftrag-
ten schweizerischen Behörden gehalten, dem aktuellen Gesundheitszu-
stand des Beschwerdeführers bei der Organisation der Überstellung nach
Bulgarien Rechnung zu tragen.
Mit Blick auf die Aktenlage kann in antizipierter Beweiswürdigung davon
abgesehen werden, die Einreichung des auf Beschwerdeebene in Aussicht
gestellten Arztberichts abzuwarten (zur antizipierten Beweiswürdigung
vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3 oder BGE 136 I 229 E. 5.3).
4.7 Es liegen mithin keine Gründe für einen zwingenden Selbsteintritt der
Schweiz vor.
4.8 Vor diesem Hintergrund sind auch keine individuellen Zusicherungen
hinsichtlich medizinischer Versorgung oder Behandlung des Asylgesuches
von den bulgarischen Behörden einzuholen. Das entsprechende Rechts-
begehren ist abzuweisen.
4.9 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt die Vorinstanz
bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessens-
spielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist auch
unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Ak-
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ten keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch respektive ein Unter-
schreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb
in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen.
4.10 Es sind weder völkerrechtliche Vollzugshindernisse, welche die
Schweiz zum Selbsteintritt verpflichten würden, noch Rechtsfehler bei der
Ermessensbetätigung ersichtlich. Damit liegt kein Grund für einen Selbst-
eintritt der Schweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Verbindung mit Art.
17 Dublin-III-VO vor. Bulgarien bleibt somit zuständiger Mitgliedstaat ge-
mäss Dublin-III-VO und ist verpflichtet, den Beschwerdeführer wiederauf-
zunehmen.
4.11 Soweit der Beschwerdeführer die Rückweisung der Sache zur weite-
ren Abklärung an die Vorinstanz beantragt, ist festzuhalten, dass die Vor-
instanz seine Vorbringen unter Berücksichtigung der wesentlichen Sach-
verhaltselemente hinreichend differenziert geprüft und die Überlegungen
genannt hat, welche ihrer Einschätzung zugrunde lagen (vgl. S. 5 f. der an-
gefochtenen Verfügung). Wie die Beschwerdeschriften zeigen, war es dem
Beschwerdeführer denn auch ohne Weiteres möglich, den vorinstanzlichen
Entscheid sachgerecht anzufechten. Es liegt weder eine Verletzung der
Untersuchungspflicht noch des rechtlichen Gehörs vor. Somit besteht kein
Anlass zur Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. Das entsprechende
Kassationsbegehren ist abzuweisen.
5.
Die Vorinstanz ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und
hat seine Wegweisung nach Bulgarien angeordnet.
6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Mit dem vorliegen-
den Urteil fällt der am 20. Dezember 2022 angeordnete Vollzugsstopp da-
hin. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist gegen-
standslos geworden.
7.
7.1 Die gestellten Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb das
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ungeachtet einer allfälligen pro-
zessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
7.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750. –
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festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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