Decision ID: dbc7e1c2-4b6f-410e-8440-4c6f70e458f5
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter), war bis 31. März 2014 als technischer
Sachbearbeiter bei der B._ AG angestellt (IV-act. 7-1: letzter Arbeitstag am 13.
September 2013). Im Arztbericht vom 27. Februar 2014 erklärte Dr. med. C._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, dass der Versicherte infolge des
regelmässigen massiven Cannabisabusus und Bierkonsums zunehmend an diversen
Symptomen wie Konzentrationsstörungen, Gleichgültigkeit und Zittern bis hin zum
Burnout leide. Begleitet werde die Drogenabhängigkeit von depressiven Episoden
inzwischen mittleren Grades (IV-act. 9 f.). Vom 1. bis 5. April 2014 erfolgte eine
stationäre Behandlung auf der suchttherapeutischen Abteilung der Psychiatrischen
Klinik D._. Anschliessend fand die Betreuung im teilstationären Setting statt (IV-act.
16-1).
A.b Am 24. Juli 2014 meldete sich der Versicherte bei der IV-Stelle zum
Leistungsbezug an (IV-act. 1).
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A.c Im Arztbericht vom 2. September 2014 diagnostizierte Dr. C._ ein
Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: F1x.2) und nannte als Funktionsausfälle, welche die
Arbeitsfähigkeit einschränken würden, Konzentrationsstörungen mit gravierenden
Schreib- und Zählfehlern, starke Unzuverlässigkeit sowie Depressionen (IV-act. 15). Im
Arztbericht der Psychiatrischen Klinik D._ vom 8. Oktober 2014 wurden diagnostiziert
Störungen durch Cannabinoide, ein Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent
aber in beschützender Umgebung (ICD-10: F12.21), eine rezidivierende depressive
Störung: gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F33.1)
sowie eine Magenulcera (IV-act. 16). In der Stellungnahme vom 20. Oktober 2014
erklärte RAD-Ärztin Dr. med. E._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, dass der Versicherte an Konzentrationsstörungen, Unzuverlässigkeit und
depressiven Zuständen leide. Die depressiven Symptome seien im Rahmen der im
Vordergrund stehenden Suchterkrankung zu verstehen. Es liege ein primäres
Suchtgeschehen vor. Zurzeit bestehe kein Eingliederungspotential (IV-act. 18).
A.d Mit Vorbescheid vom 30. Oktober 2014 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Leistungsbegehrens um berufliche Massnahmen und Rentenleistungen
in Aussicht, da die Abklärungen ergeben hätten, dass die Arbeitsunfähigkeit vor allem
durch das Abhängigkeitsverhalten begründet sei und deshalb keine Invalidität im Sinne
des Gesetzes vorliege (IV-act. 24).
A.e Mit Einwand vom 27. November und Ergänzung vom 22. Dezember 2014
beantragte der Beistand des Versicherten, F._, Soziale Dienste Stadt G._, die
Aufhebung des Vorbescheids und die Gewährung von beruflichen Massnahmen oder
allenfalls die Zusprache einer Invalidenrente. Gerügt wurde insbesondere, dass der
Arztbericht der Psychiatrischen Klinik D._ vom 8. Oktober 2014 nicht gewürdigt
worden sei (IV-act 25 f., 32).
A.f Im daraufhin eingeholten Arztbericht der Psychiatrischen Klinik D._ vom 17.
Februar 2015 diagnostizierten Dr. med. H._ und Dr. med. I._ mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit Störungen durch Cannabinoide, Abhängigkeitssyndrom, mit
gegenwärtigem Substanzgebrauch (ICD-10: F12.24) und eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10:
F33.11). Der Versicherte sei weiterhin bei ihnen in teilstationärer Behandlung. Seine
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Fähigkeiten zur Selbststeuerung und im Umgang mit negativen Affekten seien
reduziert. Er habe Schwierigkeiten ausserhalb des beschützenden Rahmens und in
psychosozialen Belastungssituationen auf den Konsum von psychotropen Substanzen
zu verzichten. Am 8. Dezember 2014 und 10. Februar 2015 sei er positiv auf THC
getestet worden (IV-act. 35).
A.g In der Stellungnahme vom 10. März 2015 erklärte Dr. E._, dass die im
Arztbericht vom 17. Februar 2015 von Dr. H._ und Dr. I._ gestellte Diagnose einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, anhand des
beschriebenen psychopathologischen Status nicht nachvollziehbar sei, denn es seien
keine Defizite bei Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Konzentration und geordnetem
Gedankengang erhoben worden. Ein labiler Affekt und ein reduzierter Antrieb genügten
nicht, könnten jedoch im Rahmen der Abhängigkeitserkrankung erklärt werden. Die
derzeitige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei deshalb ausschliesslich durch das
Suchtgeschehen begründet (IV-act. 37).
A.h Mit Verfügung vom 18. März 2015 wies die IV-Stelle das Begehren um berufliche
Massnahmen und Rentenleistungen ab (IV-act. 41).
B.
B.a Am 6. Mai 2015 erhob der Rechtsvertreter des Versicherten, Rechtsagent Edwin
Bigger, Gossau, Beschwerde. Er beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 18.
März 2015 und die Rückweisung der Streitsache zur Durchführung weiterer
Abklärungen und dabei insbesondere zur Einholung eines psychiatrischen Gutachtens
(IV-act. 50).
B.b In der Stellungnahme vom 10. Juli 2015 empfahl Dr. E._ eine psychiatrische
Begutachtung des Versicherten (IV-act. 56-2). Daraufhin wiederrief die IV-Stelle am 21.
Juli 2015 die angefochtene Verfügung (IV-act. 60) und beauftragte Dr. med. J._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, mit der Begutachtung des Versicherten
(IV-act. 64 f., 69, 71; vgl. IV-act. 63). Das Versicherungsgericht schrieb in der Folge das
Beschwerdeverfahren (IV 2015/145) mit Verfügung vom 14. August 2015 ab und sprach
dem Versicherten eine Parteientschädigung von Fr. 2'457.- zu (IV-act. 75).
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B.c Dr. J._ untersuchte den Versicherten am 29. September 2015. Im Gutachten
vom 28. Dezember 2015 (IV-act. 85) wird ausgeführt, dass der Versicherte gemäss
seinen Angaben seit seiner Jugend Cannabis konsumiere und später auch andere
Drogen konsumiert habe. Zurzeit rauche er drei bis vier Cannabis-Joints pro Tag und
trinke zwei bis drei Büchsen Bier. Seit einem halben Jahr konsumiere er auch Heroin
und Kokain. Sein psychischer Zustand habe sich etwa ab dem Jahr 2011 destabilisiert
durch Gefühle von Überlastung an der Arbeitsstelle. Er fühle sich überfordert von den
an ihn gestellten Erwartungen. Er habe freiwillig eine Beistandschaft angenommen,
welche seit Juli 2014 bestehe. Dr. J._ diagnostizierte einen Alkoholabusus (ICD-10:
F10.2), einen Cannabisabusus (ICD-10: F12.1), einen Kokainabusus (ICD-10: F14.1)
und einen Heroinabusus (ICD-10: F11.1). Er ging von einer primären Suchterkrankung,
jedoch nicht von irreversiblen Suchtfolgestörungen aus. Im Weiteren führte er aus,
wenn der Versicherte seinen Suchtmittelkonsum beenden würde, sei die bisherige
Arbeit aus rein medizinisch-psychiatrischer Sicht in einem vollen Arbeitspensum und
mit voller Leistung nicht unmöglich.
B.d In der Stellungnahme vom 8. März 2016 erklärte RAD-Arzt Dr. med. K._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, dass aufgrund der Aktenlage von einer
primären Sucht auszugehen sei und keine versicherungsmedizinisch begründbare
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe (IV-act. 86).
B.e Mit Vorbescheid vom 5. März 2016 stellte die IV-Stelle die Abweisung des
Leistungsbegehrens in Aussicht, da gemäss dem Gutachten von Dr. J._ vom 28.
Dezember 2015 die Arbeitsunfähigkeit vor allem durch das Abhängigkeitsverhalten
begründet sei und deshalb keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliege (IV-act. 88).
B.f Mit Einwand vom 4. Mai 2016 beantragte der Rechtsvertreter des Versicherten von
der in Aussicht genommenen Abweisung des Leistungsbegehrens abzusehen, eine
erneute Begutachtung unter expliziter Würdigung der Krankheitsanamnese seit
Anmeldung zum Rentenbezug zu veranlassen, eventualiter in fremdanamnestischer
Einschätzung die Leistungsfähigkeit des Versicherten abzuklären sowie berufliche
Eingliederungsmassnahmen zu prüfen und gegebenenfalls in die Wege zu leiten (IV-
act. 92).
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B.g In der Stellungnahme vom 9. Mai 2016 erklärte der RAD, dass er an der
Einschätzung gemäss Stellungnahme vom 8. März 2016 festhalte (IV-act. 96).
B.h Mit Verfügung vom 2. Juni 2016 lehnte die IV-Stelle das Leistungsbegehren um
berufliche Massnahmen und Rentenleistungen ab (IV-act. 97).
C.
C.a Dagegen gelangte der Rechtsvertreter des Versicherten am 4. Juli 2016 mit
Beschwerde ans Gericht (act. G 1). Beantragt wird, die Verfügung aufzuheben und die
Streitsache zur Durchführung weiterer Abklärungen und zur Auferlegung einer
Mitwirkungspflicht an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin, sowie die unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung durch den Rechtsvertreter. Zur Begründung
wird insbesondere angeführt, dass von der Beschwerdegegnerin nicht bzw.
unzureichend geklärt worden sei, ob bei einer Suchtmittelabstinenz noch die
Arbeitsfähigkeit einschränkende gesundheitliche Leiden wie eine Depression gegeben
wären. Ferner wird geltend gemacht, dass das Gutachten auf Vermutungen beruhe und
der Gutachter sich nicht mit den Diagnosen der behandelnden Ärzte
auseinandergesetzt habe. Gefordert wird die Anordnung eines Suchtmittelentzuges
und nach erfolgtem Entzug eine erneute Begutachtung. Ferner sei vor der
Rentenprüfung die berufliche Wiedereingliederung zu prüfen.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 16. September 2016 beantragt die
Beschwerdegegnerin, die Beschwerde abzuweisen (act. G 3). Zur Begründung wird
insbesondere ausgeführt, dass auf das Gutachten abgestellt werden könne, da dieses
von einem qualifizierten Facharzt und basierend auf einer persönlichen Untersuchung
und umfassenden Sachverhaltskenntnissen erstellt worden sei. Da der Gutachter einzig
Abhängigkeitsdiagnosen, jedoch keine depressive Symptomatik erhoben habe, sei eine
erneue Begutachtung nach erfolgtem Entzug nicht erforderlich.
C.c Mit Präsidialverfügung vom 19. September 2016 wurde dem Gesuch um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und
unentgeltliche Rechtsverbeiständung) entsprochen (act. G 4).
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C.d Infolge unbenützter Frist zur Einreichung einer allfälligen Replik wurde den Parteien
mit Schreiben vom 21. November 2016 mitgeteilt, dass der Schriftenwechsel
abgeschlossen sei (act. G 5 f.).

Erwägungen
1.
1.1 Die Beschwerdegegnerin begründet die leistungsabweisende Verfügung vom 2.
Juni 2016 insbesondere damit, dass der Beschwerdeführer gemäss dem Gutachten
von Dr. J._ vom 28. Dezember 2015 bei Drogenabstinenz zu 100% arbeitsfähig wäre.
So handle es sich bei den gesundheitlichen Leiden um die Folgen eines primären
Suchtgeschehens. Suchtunabhängige psychische Leiden hätten zum Zeitpunkt der
Begutachtung dagegen nicht erhoben werden können. Da es sich um ein
Suchtgeschehen handle, bestehe keine Leistungspflicht und es erübrige sich daher
auch die vom Beschwerdeführer geforderte erneute Begutachtung nach
durchgeführtem Entzug (vgl. IV-act. 97, act. G 3).
1.2 Dagegen macht der Beschwerdeführer geltend, dass das Gutachten von Dr. J._
nicht aussagekräftig sei, denn der Beschwerdeführer leide unabhängig von
Suchtgeschehen an einer die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden Depression. So
hätten die Ärzte der Psychiatrischen Klinik D._ bei ihm auch während einer
Zeitspanne ohne Suchtmittelkonsum eine Depression erhoben. Erforderlich sei deshalb
eine erneute Begutachtung nach durchgeführtem Entzug. Zudem seien vor der
Rentenprüfung berufliche Massnahmen zu prüfen (act. G 1).
1.3 Strittig und zu prüfen ist daher der Anspruch des Beschwerdeführers auf
Leistungen der Invalidenversicherung und in diesem Zusammenhang, ob die
Beschwerdegegnerin den Sachverhalt in genügender Weise abgeklärt hat.
2.
2.1 Anspruch auf eine Invalidenrente hat eine versicherte Person, wenn sie ihre
Erwerbsfähigkeit durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen nicht wieder herstellen,
erhalten oder verbessern kann, während einer einjährigen Wartefrist durchschnittlich
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mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid ist (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte
Person Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn sie mindestens zu 70% invalid
ist; bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% besteht ein Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% Anspruch auf eine
halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% Anspruch auf eine
Viertelsrente.
2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
2.3 Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG besteht frühestens sechs Monate nach der
Geltendmachung eines Leistungsanspruchs ein Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung. Da sich der Beschwerdeführer im Juli 2014 bei der IV-Stelle für
berufliche Massnahmen und eine Invalidenrente angemeldet hat, ist ein Anspruch auf
eine Invalidenrente ab dem 1. Januar 2015 zu prüfen.
2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
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Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
256 E. 4 mit Hinweisen).
2.5 Nach der Rechtsprechung begründen Alkoholismus, Medikamentenmissbrauch
und Drogensucht keine Invalidität im Sinn des Gesetzes. Bisher ist eine solche Sucht
invalidenversicherungsrechtlich erst bedeutsam, wenn sie ihrerseits eine Krankheit
oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die
Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn
sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, welchem
Krankheitswert zukommt (vgl. BGE 124 V 265 E. 3c). Dabei wird das ganze für die
Sucht massgebende Ursachen- und Folgespektrum in eine Gesamtwürdigung
einbezogen, was impliziert, dass einer allfälligen Wechselwirkung zwischen
Suchtmittelabhängigkeit und psychischer Begleiterkrankung Rechnung zu tragen ist.
Was die krankheitsbedingten Ursachen der Sucht betrifft, ist für die
invalidenversicherungsrechtliche Relevanz der Abhängigkeit erforderlich, dass der
Sucht eine ausreichend schwere und ihrer Natur nach für die Entwicklung einer
Suchtkrankheit geeignete Gesundheitsstörung zugrunde liegt, welche zumindest eine
erhebliche Teilursache der Sucht darstellt. Dabei wird mit dem Erfordernis des
Krankheitswerts einer allfälligen verursachenden psychischen Krankheit verlangt, dass
diese die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit einschränkt. Wenn der erforderliche
Kausalzusammenhang zwischen Sucht und krankheitswertigem psychischem
Gesundheitsschaden besteht, werden für die Frage der noch zumutbaren
Erwerbstätigkeit die psychischen und die suchtbedingten Beeinträchtigungen
gesamthaft berücksichtigt. Die Frage nach der objektiv zu verstehenden Zumutbarkeit
einer Tätigkeit beurteilt sich entscheidend nach dem, was der Arzt, im Kontext der
Psychiater als Facharzt, dazu sagt (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 23. Mai 2014,
8C_906/2013, E. 2.2, und vom 10. April 2013, 9C_701/2012, E. 2).
2.6 Gestützt auf den heutigen Kenntnisstand der Medizin in Bezug auf die
Abhängigkeitserkrankungen (vgl. MICHAEL LIEBRENZ, ROMAN SCHLEIFER,
CLAUDINE AESCHBACH, TONI BERTHEL, DOROTHEE KLECHA, RALPH MAGER,
GERHARD EBNER, VOLKER DITTMANN, MARC WALTER, ROLF-DIETER STIEGLITZ,
UELI KIESER, Das Suchtleiden bzw. die Abhängigkeitswirkungen – Möglichkeiten der
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Begutachtung nach BGE 141 V 281 [= 9C_492/2014], SZS 2016 S. 12 bis 44) und in
Folge der geänderten Rechtsprechung zur Therapieresistenz (vgl. BGE 143 V 418 und
143 V 409) sowie bei psychischen Störungen (vgl. BGE 141 V 281) beinhaltend die
Ermittlung der funktionellen Auswirkungen anhand von Indikatoren bedarf es gleichfalls
Anpassungen bei Abhängigkeitserkrankungen, wie nachfolgend dargelegt wird.
2.7 Im zuvor genannten Aufsatz in der SZS gehen die Autoren davon aus, dass
Abhängigkeitserkrankungen - gemeinhin als Suchtleiden bezeichnet - ihrer Natur nach
mit anderen psychischen Störungen vergleichbar seien, weshalb zur weiteren
Steigerung der Rechtssicherheit und zur Reduzierung des Spannungsfeldes zwischen
medizinischem Kenntnisstand und Rechtspraxis ein strukturiertes Beweisverfahren zur
Anwendung gelangen sollte. So sei angesichts des gegenwärtigen Forschungsstandes
und der Entwicklungen in der Therapie in den letzten Jahrzenten die
Ausnahmebehandlung der Abhängigkeitserkrankungen - nämlich die pauschale
Annahme einer Besserung der Funktionseinschränkungen nach einem hypothetischen
oder auch tatsächlich durchgeführten Entzug - nicht mehr haltbar. Die Forderung der
medizinischen und juristischen Fachspezialisten, dass eine individuelle strukturierte
medizinische Sachverhaltsabklärung, welche die konkrete medizinische Situation, unter
Berücksichtigung des Schweregrads der Abhängigkeit, der Begleit- und
Folgeerkrankungen sowie der bisher durchgeführten und noch möglichen
Behandlungsoptionen berücksichtigt und anhand der erfassten defizitären und
vorhandenen Funktionen, Aktivitäten und Partizipationen, dies unter Berücksichtigung
der noch verfügbaren Behandlungs- und Rehabilitationsstrategien, die Arbeitsfähigkeit
einschätzt, erscheint aufgrund der Ausführungen der Autoren wie auch aufgrund der
Erkenntnisse des Gerichts aus Verfahren mit Personen mit Suchtmittelerkrankungen -
oftmals kombiniert mit weiteren psychischen Erkrankungen - als angezeigt und
erforderlich. Dementsprechend drängt es sich auf, Personen mit
Abhängigkeitserkrankungen - als eine spezifische Form einer psychischen Störung -
nicht länger von einem strukturierten Beweisverfahren auszunehmen.
2.8 Beizufügen ist, dass sich das Bundesgericht im Urteil vom 30. November 2017,
8C_350/2017, zum Anwendungsbereich des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE
141 V 281 äusserte. So wurde ausgeführt, dass im Schrifttum eine gewisse
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Zurückhaltung zur weiteren Ausdehnung auf sämtliche Leiden bestehe: "Eine
Ausdehnung wird mitunter in erster Linie für psychische Leiden postuliert (vgl. etwa
HANS-JAKOB MOSIMANN, Der Beitrag der Leitlinien für die Rechtsprechung, SZS
2016 S. 514), dies unter Einschluss von Suchterkrankungen (LIEBRENZ/UTTINGER/
EBNER, Sind Abhängigkeitserkrankungen aus höchstrichterlicher Sicht [weiterhin] nicht
mit anderen psychischen Störungen [z.B. somatoforme Störungen] vergleichbar? [...],
SZS 2016 S. 96 ff.; vgl. bereits LIEBRENZ und andere, SZS 2016 S. 12 ff.). [...]. Das
Bundesgericht hat nun mit zur Publikation vorgesehenem Urteil 8C_130/2017 vom 30.
November 2017 erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychische Erkrankungen einem
strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind." Aus der
bundesgerichtlichen Argumentation lässt sich folgern, dass das strukturierte
Beweisverfahren auch bei Abhängigkeitserkrankungen grundsätzlich Anwendung
finden soll, zumindest aber die Anwendung des Verfahrens im Einzelfall zu prüfen ist.
2.9 Damit bleibt zu prüfen, wann und unter welchen Bedingungen bzw.
Voraussetzungen das strukturierte Beweisverfahren durchzuführen ist. Zweckmässig
erscheint, dass vor einer Begutachtung von Personen mit einer
Abhängigkeitserkrankung medizinisch abgeklärt wird, ob und inwieweit ein Verzicht auf
Suchtmittel (bspw. im Rahmen einer fachärztlichen teil-/stationären Behandlung) aus
medizinischer Sicht zumutbar und zweckdienlich ist. Steht aus ärztlicher Sicht einem
(teilweisen) Verzicht auf Suchtmittel nichts entgegen, ist der Versicherte gestützt auf
seine Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht mittels Auflage anzuhalten, den
Suchtmittelkonsum zu reduzieren bzw. aufzugeben und sich dazu in eine fachärztliche
(teil-/stationäre) Behandlung zu begeben. Bei fehlender Kooperation ist gegebenenfalls
ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren gemäss Art. 43 Abs. 3 ATSG durchzuführen.
Unterzieht sich der Versicherte einer einsprechenden medizinischen Massnahme, ist
das strukturierte Beweisverfahren erst durchzuführen, wenn die Massnahme
(erfolgreich) abgeschlossen wurde.
3.
Nachfolgend ist die Frage zu prüfen, ob der medizinische Sachverhalt für die
Beurteilung des Rentengesuchs spruchreif ist.
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3.1 Dazu ist vorweg die Verwertbarkeit bzw. der Beweiswert des Gutachtens von Dr.
J._ vom 28. Dezember 2015 (IV-act. 85) zu prüfen, auf welches sich die
Beschwerdegegnerin bei der Verfügung vom 2. Juni 2016 insbesondere stützt.
3.1.1 Das Gutachten wurde von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegeben,
nachdem der Beschwerdeführer die erste leistungsabweisende Verfügung vom 18.
März 2015 u.a. wegen ungenügend abgeklärten Sachverhalts angefochten hatte. Die
Beschwerdegegnerin informierte den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers über die
Fragestellungen an den Gutachter. Daraufhin reichte der Rechtsvertreter ergänzende
Fragen ein (IV-act. 65, 69). Er erhob jedoch weder Einwände gegen die Begutachtung
durch Dr. J._ noch stellte er Vorbedingungen wie eine vorgängig anzuordnende
mehrmonatige Suchtmittelabstinenz. Dem nun nachträglich erhobenen Einwand, das
Gutachten sei nicht beweiskräftig, da vor der Begutachtung ein Suchtmittelentzug
hätte angeordnet und durchgeführt werden müssen, kann in dieser Absolutheit nicht
gefolgt werden.
3.1.2 Festzustellen ist, dass Dr. J._ das Gutachten in Kenntnis der Aktenlage und
insbesondere des täglichen Suchtmittelkonsums des Beschwerdeführers erstellt hat.
So erwähnt der Arzt, dass der Beschwerdeführer bei der Untersuchung am 29.
September 2015 nach Alkohol gerochen habe. Zum Suchtmittelkonsum befragt, habe
er angegeben, dass er täglich Alkohol und drei bis vier Joints sowie gelegentlich
Kokain und Heroin konsumiere. Dr. J._ konnte offensichtlich trotz der konsumierten
Suchtmittel die Untersuchung ordnungsgemäss durchführen und die für eine
Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes erforderlichen Erkenntnisse
gewinnen. So erklärte der Arzt, dass bei der Untersuchung kein Mangel an Mitwirken
bestanden habe. Auch sei die Auffassung des Beschwerdeführers nicht beeinträchtigt
und eine normale Kommunikation möglich gewesen (IV-act. 85-3/10/13).
3.1.3 Es gibt folglich keinen Grund, dem Gutachten den Beweiswert wegen
Suchtmitteleinflusses grundsätzlich abzusprechen.
3.2 Nachfolgend ist zu prüfen, ob eine invalidenversicherungsrechtlich relevante
gesundheitliche Beeinträchtigung ausgewiesen ist.
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3.2.1 Im Gutachten vom 28. Dezember 2015 diagnostizierte Dr. J._ einen
Alkoholabusus (ICD-10: F10.2), einen Cannabisabusus (ICD-10: 12.1), einen
Kokainabusus (ICD-10: F14.1) und einen Heroinabusus (ICD-10: F11.1; IV-act. 85-11).
Nicht nachweisen konnte er eine Persönlichkeitsstörung oder eine Suchtfolgekrankheit
im Sinne einer überdauernden kognitiven Leistungseinschränkung. Infolgedessen ging
er von einer primären Suchterkrankung, jedoch nicht von irreversiblen
Suchtfolgestörungen aus (IV-act. 85-12). Zum Vorliegen eines depressiven Syndroms
bzw. Leidens erklärte der Gutachter, dass ein solches während der Untersuchung nicht
vorhanden gewesen und aus den psychiatrischen Berichten anhand der psychischen
Befundmerkmale und den Beschwerdeschilderungen auch nicht gut nachzuvollziehen
sei (IV-act. 85-13 f., vgl. IV-act. 85-16). Zur Arbeitsfähigkeit führte Dr. J._ aus, wenn
der Beschwerdeführer seinen Suchtmittelkonsum beenden würde, wären keine Gründe
nachgewiesen, welche die bisherige Arbeit aus rein medizinisch-psychiatrischer Sicht
in einem vollen Arbeitspensum und bei voller Leistung unmöglich machen würden,
zumal auch der Beschwerdeführer geltend gemacht habe, dass er den
Suchtmittelkonsum wahrscheinlich beenden könnte. Aus psychiatrischer Sicht wäre
lediglich zu beachten, dass es sich nicht um einen Arbeitsplatz mit Nähe zu
Suchtmitteln handelt (IV-act. 85-15 ff.). Zur Wiedereingliederung erklärte Dr. J._, dass
dies aus praktischen Gründen erst Sinn mache, wenn der Versicherte seinen
Suchtmittelkonsum beendet habe (IV-act. 85-17).
3.2.2 Der Beschwerdeführer geht entgegen dem Gutachten von einer versicherungs-
medizinisch relevanten Depression aus, welche auch bei Suchtmittelabstinenz
weiterbestehen und die Arbeitsfähigkeit beeinflussen würde (vgl. act. G 1-10 ff.). Dabei
beruft er sich insbesondere auf den Arztbericht der Psychiatrischen Klinik D._ vom 8.
Oktober 2015 (vgl. IV-act. 16). So sei von den Klinikärzten bei ihm selbst nach
erfolgtem Entzug bzw. in einer Zeit ohne Suchtmittelkonsum eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom,
diagnostiziert worden (vgl. IV-act. 16).
3.2.3 Festzustellen ist, dass die gestellten Diagnosen im Gutachten von Dr. J._
umfassend, nachvollziehbar und schlüssig sind. So erfolgte eine ausreichende
Auseinandersetzung mit den bisherigen Arztberichten und der Krankengeschichte des
Beschwerdeführers. Die Befunderhebung basierte zudem auf einer mehrstündigen
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persönlichen Untersuchung des Beschwerdeführers. Es liegen weder Erkenntnisse
noch Anhaltspunkte vor, welche es dem Gutachter verunmöglicht hätten, die für eine
Befunderhebung erforderlichen Informationen vom Beschwerdeführer zu erhalten bzw.
im Rahmen der Untersuchung zu gewinnen. Die gestellten Diagnosen bezüglich
Suchtmittelkonsum sind unbestritten. Das Gutachten enthält aber auch Erklärungen
dazu, wieso zum Begutachtungszeitpunkt keine weiteren Diagnosen wie eine
Depression gestellt werden konnten.
3.2.4 Im Weiteren ist festzustellen, dass im Gutachten eine Auseinandersetzung mit
den Auswirkungen der erhobenen ICD-10 - Suchtmittelkonsumdiagnosen auf die
Arbeitsfähigkeit fehlt. Wie in Erwägungen 2.6 bis 2.9 ausgeführt, kann in Anbetracht der
medizinischen Erkenntnisse bei Abhängigkeitskrankheiten nicht mehr unbesehen
davon ausgegangen werden, dass eine (ausschliessliche bzw. primäre)
Suchtmittelabhängigkeit "überwindbar" und damit in der Regel
invalidenversicherungsrechtlich unbeachtlich sei. Da beim Beschwerdeführer
unbestrittenermassen eine seit längerem bestehende und ausgeprägte Abhängigkeit
von verschiedenen Suchtmittelsubstanzen besteht, bedarf es - in Analogie zur
geänderten Rechtsprechung bei psychischen Störungen (vgl. BGE 141 V 281) - die
Anwendung eines strukturierten Beweisverfahrens anhand vorgegebener
Standardindikatoren. Dabei wird (vorgängig) zu prüfen sein, ob medizinisch vertretbare
Behandlungsmöglichkeiten überhaupt bestehen und welche das sind. Sofern die
Suchtmittelreduktion dazu gehört, wird zu prüfen sein, inwieweit die diesbezüglichen
Behandlungsmöglichkeiten bereits ausgeschöpft sind und falls dies nicht zuträfe, ob es
aus medizinischer Sicht vertretbar ist, den Beschwerdeführer gestützt auf Mitwirkungs-
und Schadenminderungspflicht - gegebenenfalls im Rahmen eines Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens - anzuhalten, den Suchtmittelkonsum zu reduzieren bzw.
aufzugeben und sich dazu in eine fachärztliche (teil-/stationäre) Behandlung zu
begeben. Erst das Gesamtbild, das sich allenfalls nach Durchführung der
zweckmässigen und vertretbaren Behandlungsmassnahmen ergibt, wird anhand der
standardisierten Indikatorenprüfung Aufschluss darüber geben können, ob auch aus
rechtlicher Sicht eine Arbeits(un)fähigkeit anzunehmen ist.
3.2.5 Die Sache ist deshalb zwecks Vornahme der Indikatorenprüfung und allenfalls
vorgängiger Aufforderung zur Suchmittelkonsumbehandlung bzw. -reduktion im Sinne
der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
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St.Galler Gerichte
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde die Verfügung
vom 2. Juni 2016 aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung und zur
anschliessenden neuen Verfügung im Sinne der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis Fr.
1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint in
der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die Rückweisung der
Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die Verwaltung ist als
volles Obsiegen des Beschwerdeführers zu werten (BGE 132 V 215 E. 6.2).
Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO; sGS
963.75; in der vorliegend anwendbaren, seit 1. Januar 2019 gültigen Fassung, siehe
Art. 30bis HonO) pauschal Fr. 1'500.- bis Fr. 15'000.-. Aufgrund des einfachen
Schriftenwechsels und des früheren, den gleichen Sachverhalt betreffenden Verfahrens
(IV 2015/145) und der daraus folgenden Aktenkenntnis des Rechtsvertreters erscheint
eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'000.- als angemessen.
4.4 Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist wegen Gegenstandslosigkeit
abzuschreiben.