Decision ID: d095204d-2456-42be-9fff-aac3587a5eaf
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die am 1
8.
Januar 1979 geborene
X._
war mit Unterbrüchen bei wechselnden Arbeitgebern für jeweils kurze Zeit tätig. Ab März 1999 war sie wäh
rend 30 Stunden pro Woche bei der
Y._
in
Z._
angestellt, zuerst als Verkäuferin und danach als Kassiererin (
Urk.
7/1/4, 7/6 und 7/9).
1.2
Am
7.
Januar 2004 meldete sie sich bei der Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an, da sie an Sehnenscheidenent
zündungen und an Schmerzen an der Hand leide (
Urk.
7/1). Die IV-Stelle tätigte darauf erwerbliche (
Urk.
7/6 und 7/9) und medizinische (Urk. 7/7 und 7/8) Ab
klä
rungen. Mit Verfügung vom
1.
April 2004 verneinte sie einen Rentenan
spruch
(
Urk.
7/11). Die dagegen erhobene Einsprache (Urk. 7/14) wies die IV-Stelle mit Entscheid vom
8.
Juni 2004 ab (
Urk.
7/20). Unter Einreichung eines Berichtes der Uniklinik
A._
vom 2
5.
Juni 2004 ersuchte
X._
erneut um Ausrichtung einer Invalidenrente (vgl.
Urk.
7/24 und 7/27/2). Eine Kostengut
sprache für berufliche Massnahmen lehnte die IV-Stelle mit Verfü
gung vom
2.
März 2005 ab (vgl.
Urk.
7/37). Nach dem Eingang weiterer medizi
nischer Un
terlagen (
Urk.
7/40, 7/41, 7/42 und 7/44) sprach sie der Versicherten mit Ver
fügung vom 6. September 2005 ab dem
1.
Dezember 2003 eine halbe Invaliden
rente zu (vgl.
Urk.
7/48 und 7/49).
1.3
Aufgrund eines Schreibens von
X._
prüfte die IV-Stelle im Mai 2006
erneut berufliche Massnahmen (Urk. 7/57 und 7/58). Nach Abklärung der aktuellen erwerblichen (
Urk.
7/59, 7/61 und 7/62) und medizinischen (
Urk.
7/63 und 7/67) Situation lehnte sie solche – wie im Vorbescheid in Aussicht gestellt
(
Urk.
7/71) – mit Verfügung vom 2
8.
August 2006 ab (Urk. 7/74). Den am 25. Mär
z 2008 gestellten Antrag auf Erhöhung der Invalidenrente (
Urk.
7/78)
lehnte
die IV-Stelle nach erneuter Abklärung der erwerblichen (
Urk.
7/81 und
7/94) und medizinischen (Urk. 7/84, 7/87, 7/95 bis 7/99, 7/118, 7/119, 7/121 und
7/131) Verhältnisse mit Verfügung vom 2
2.
Dezember 2011 ab (Urk. 7/155).
1.4
In der Folge nahm die IV-Stelle einen Bericht der Uniklinik
A._
vom 4. April
2012 zu den Akten (
Urk.
7/157). Mit Schreiben vom 2
5.
August 2012 wies eine unbekannte Person die IV-Stelle auf diverse Aktivitäten von
X._
hin und legte Fotos von ihr beim Reiten bei (vgl.
Urk.
7/159 und 7/160). Die IV-
Stelle stellte darauf mit Vorbescheid vom
2.
April 2013 die wie
dererwägungs
weise Aufhebung ihrer Verfügungen vom
6.
September 2005 und vom 2
2.
Dezem
ber 2011 in Aussicht (
Urk.
7/162). Die Versicherte liess dagegen Ein
wand erheben (vgl.
Urk.
7/166 und 7/168) und einen Bericht der Universi
täts
klinik für Plastische- und Handchirurgie des Universitätsspitals
B._
vom 1
5.
Mai
2013 einreichen (vgl.
Urk.
7/169 und 7/170). Mit Verfügung vom 1
7.
Juli 2013 hob die IV-Stelle darauf die Verfügungen vom
6.
September 2005 und vom 2
2.
Dezember 2011 wiedererwägungsweise auf und ordnete an, dass die Rente nach Zustellung der Verfügung auf Ende des folgenden Monats auf
gehoben werde (
Urk.
2 =
Urk.
7/172).
2.
Dagegen liess
X._
mit Eingabe vom 1
6.
September 2013 Be
schwer
de erheben (
Urk.
1). Ihr Rechtsvertreter beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei der Beschwerdeführerin weiterhin eine halbe Invali
denrente auszurichten; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1 S.
2). Ferner ersuchte er um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung und um Ernennung als unentgeltlicher Rechtsbei
stand
(
Urk.
1 S.
2). Die IV-Stelle schloss in ihrer Vernehmlassung vom 2
5.
Oktober 2013
auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
6
). Mit Verfügung vom 1
7.
Dezember 2013 wurde das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Pro
zessführung und um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes gutge
heissen und Frist zur Einreichung einer Replik angesetzt (
Urk.
8). Mit Zuschrift vom
7.
Januar 2014 ver
zichtete der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin auf das Einreichen einer Replikschrift (
Urk.
9). Davon hat die Gegenpartei mit Schreiben vom 1
7.
Januar 2014 Kenntnis erhalten (
Urk.
10).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die Entscheidfindung erfor
der
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Al
lge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4 Abs. 1 des Bun
desge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
ei
nträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7 Abs. 2
ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf
eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine
halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine Drei
viertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Nach
Art.
17 ATSG sind laufende Renten für die Zukunft zu erhöhen, herab
zu
setzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad in einer für den An
spruch
erheblichen Weise ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentli
che Än
de
rung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invali
ditätsgrad
und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Ob eine solche Än
derung ein
ge
treten ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeit
punkt der ursprünglichen Rentenverfügung beziehungsweise der letzten Revisionsver
fügung bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der streitigen Revi
sionsverfü
gung
(BGE 105 V 29).
Fehlen die in
Art.
17 ATSG genannten Voraussetzungen, so kann die Renten
ver
fügung lediglich nach den für die Wiedererwägung rechtskräftiger Verwal
tungs
verfügungen geltenden Regeln abgeändert werden. Danach ist die Ver
waltung
be
fugt, auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Ge
genstand mate
rieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn sich diese
als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von er
heblicher Bedeu
tung
ist (
Art.
53
Abs.
2 ATSG).
2.
Strittig und zu prüfen ist, ob die Voraussetzungen für die Wiedererwägung der rentenzusprechenden Verfügung vom 6. September 2005 und der Revisions
ver
fügung vom 2
2.
Dezember 2011 erfüllt sind, namentlich ob die fraglichen Ver
fü
gungen als zweifellos unrichtig zu qualifizieren sind (vgl. Urk. 1 S. 5 f. und 2 S. 3).
3.
3.1
Bei Renten der Invalidenversicherung ist zu beachten, dass die Ermittlung des
Invaliditätsgrades verschiedene Ermessenszüge aufweisende Elemente und Schritt
e
umfasst. Zu denken ist unter anderem an die durch eine Beeinträchti
gung der körperlichen, geistigen und psychischen Gesundheit als Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall bedingte Arbeitsunfähigkeit (vgl. Art. 4
Abs.
1 IVG und
Art.
6 ATSG). Hier bedarf es für die Annahme zweifelloser Un
richtigkeit einer qualifiziert rechtsfehlerhaften Ermessensbetätigung. Erscheint
die Beurteilung der materiellen Anspruchsvoraussetzungen, wie zum Beispiel die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, vor dem Hintergrund der Sach- und Rechts
lage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Rentenzusp
rechung darbot (BGE 125 V 389
E. 3 mit Hinweisen), als vertretbar, scheidet die An
nahme zwei
fel
loser Unrichtigkeit aus (vgl. die Urteile des Bundesgerichts 9C_215/2007 vom
2.
Juli 2007 E.
3.2 und I 222/02 vom 1
9.
Dezember 2002 E.
3.2, je mit Hin
wei
sen).
3.2
Die Beschwerdegegnerin stützte sich beim Erlass ihrer Verfügung vom 6. Septem
ber 2005, mit welcher sie der Beschwerdeführerin ab dem
1.
Dezember 2003 eine
halbe Invalidenrente zugesprochen hat, auf die getroffenen Abklä
rungen und die
Einschätzung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD). Sie gelangte zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin sowohl in ihrer bisherigen als auch in einer
anderen
behinderungsangepassten Tätigkeit lediglich zu 50 % arbeits
fähig sei. Ausgehend von einem Valideneinkommen von Fr. 48‘750.-- bei einem Arbeits
pensum von 100
%
ermittelte sie einen Invaliditätsgrad von 50
%
(vgl.
Urk.
7/48/1).
3.3
Hinsichtlich der Diagnose stellte die Beschwerdegegnerin damals auf den Be
richt
der Uniklinik
A._
vom 3
0.
März 2005 ab (vgl. das Feststellungsblatt für den Beschluss vom 2
9.
Juli 2005,
Urk.
7/45/1 f.). Dieser nennt folgende Di
ag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/40/3):
1.
Chronische Schmerzen des linken Vorderarmes bei Status nach mehreren Operationen am linken Vorderarm seit dem Jahr 2001
Exziszion eines flüssigkeitsgefüllten Ganglions im Handgelenksbereich links in der
K
linik
O._
anfangs März 2005
Status nach Revision, Neurom-Capping, Rekonstruktion des ersten Streck
sehnenfaches, Lappenplastik links vom 2
8.
Oktober 2003
Status nach Revision, Denervation, Z-Plastik, Rekonstruktion des 1. Strecksehnenfaches links vom
9.
November 2001
Status nach Neurolyse, Z-Plastik links vom 2
5.
September 2002
Status nach Resektion Nervus interosseus posterior links vom Juli 2003
Persistierende Irritation aufgrund von Instabilität/Insuffizienz des ersten Strecksehnenfaches, Irritationsneuropathie/Neuromproblematik seitens Ramus superficialis des Nervus radialis
Hautatrophie nach wiederholter Cortison-Applikation links
2.
Status nach Implantation der Elektroden eines Rückenmarksstimulators am 1
0.
Dezember 2004 in der Klinik
O._
.
Den weiteren medizinischen Unterlagen, die am 6. September 2005 vorlagen, lässt sich nichts entnehmen, was die gestellten Diagnosen als unrichtig erschei
nen liesse (vgl.
Urk.
77, 7/8, 7/24, 7/40, 7/41/, 7/42 und 7/44).
Zur Arbeitsfähigkeit hielt der Bericht der Uniklinik
A._
vom 3
0.
März 2005
fest, dass die Beschwerdeführerin in ihrer ursprünglichen Tätigkeit lediglich noch
zu 50
%
arbeitsfähig sei (
Urk.
7/40/3).
A
uf entspre
chende Nachfrage der Be
schwer
degegnerin wurde am 2
6.
Mai 2005 erklärt, es bestehe im Rahmen einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Bei positivem Verlauf könne diese schrittweise erhöht werden, wobei eine Prognose über das Ausmass und den Zeithorizont schwierig sei (vgl.
Urk.
7/42, insbesondere 7/42/3).
Überdies lag der Bericht von
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Innere Medizin, vom 2
9.
Juni 2005 vor (vgl.
Urk.
7/44). Dieser beurteilte die Be
schwer
deführerin in ihrer ursprünglichen Tätigkeit ebenfalls als bloss zu 50 % arbeits
fähig (
Urk.
7/44/5). In einer behinderungsangepassten Tätigkeit, bei wel
cher die linke Hand nur sehr wenig gebraucht wird, erachtete er sie indessen als zu 100
%
arbeitsfähig (Urk. 7/44/6). Auch der Bericht der Uniklinik
A._
vom
2
5.
Juni 2004 attestierte der Beschwerdeführerin eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in angestammter Tätigkeit und von 100
%
in angepasster Tätigkeit (Urk. 7/24/2).
Zum Letztgenannten ist allerdings zu bemerken, dass er auf einer Untersuchung vom 2
3.
Juni 2004 beruht (Urk. 7/24/1). Es mangelt ihm somit – anders als bei den weiteren zur Diskussion stehenden Berichten – an der erfor
derlichen Ak
tualität.
Der Regionale Ärztliche Dienst vertrat schliesslich am 2
7.
Juli 2005 – ohne eine eigene Untersuchung der Beschwerdeführerin – die Auffassung, es bestehe in einer angepassten Tätigkeit mit regelmässigem leichten Einsatz auch der linken
Hand ohne Heben/Tragen von Lasten über zwei bis drei Kilogramm eine Ar
beitsfähigkeit von 50
%
. Steigerungspotential sei grundsätzlich vorhanden (
Urk.
7/45/4).
3.4
Bei der geschilderten medizinischen Aktenlage erscheint es zumindest als ver
tret
bar, dass die Beschwerdegegnerin beim Erlass ihrer Verfügung vom 6. Septem
ber 2005 der Ansicht den Vorzug gegeben hat, dass von einer Ar
beits
fähigkeit von 50
%
sowohl in ursprünglicher als auch in angepasster Tätig
keit auszugehen sei. In diesem Punkt fällt eine zweifellose Unrichtigkeit somit ausser Betracht. Der Entscheid der Beschwerdegegnerin basierte insbesondere auch auf
einer nachvollziehbaren ärztlichen Einschätzung der massgeblichen Arbeits
fähig
keit. Es liegt somit auch in dieser Hinsicht kein Mangel vor, der auf eine zweifel
lose Unrichtigkeit schliessen liesse (Urteil des Bundesgerichts 9C_1014/2008
vom 1
4.
April 2009 E.
3.2.2 mit Hinweis auf das Urteil des Bun
desgerichts 9C_562/2008
vom
3.
November 2008 E. 6.2.1).
Der ärztlich festgestellten Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit stand auch die Rechtsprechung zur Einarmigkeit in angepasster Tätigkeit nicht entgegen. Die fragliche Rechtsprechung äussert sich lediglich in dem Sinne, dass faktische Einhändigkeit zwar praxisgemäss eine erheblich erschwerte Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit begründet, auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt jedoch genü
gend realistische Betätigungsmöglichkeiten für Personen zu finden sind, welche funktionell als Einarmige zu betrachten sind und überdies nur noch leichte Ar
beit verrichten können (vgl. die Urteile des Bundesgerichts 8C_939/2011 vom
1
3.
Februar
2012 E.
4.2, 8C_819/2010 vom
7.
April
2011 E. 6.4.1 und 8C_1050/2009
vom 2
8.
April 2010 E. 3.4, je mit Hinweisen). Dies bedeutet le
diglich, dass die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit von 50 % trotz ihrer physischen Einschränkungen im ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwerten kann.
3.5
Die Beschwerdegegnerin erachtet auch die damalige Qualifikation der Be
schwer
deführerin als im Gesundheitsfall voll Erwerbstätige als zweifellos un
richtig. Die Beschwerdeführerin habe lediglich aus dem Grund nur 30 Stunden pro Woche gearbeitet, um ihren Freizeitbeschäftigungen nachgehen zu können (
Urk.
2 S. 2). Dem hält der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zu Recht ent
gegen, es sei damals im Rahmen der Berufsberatung festgehalten worden, dass seine Man
dan
tin bei vollständiger Gesundheit mit überwiegender Wahrschein
lichkeit zu
100
%
arbeitstätig wäre (
Urk.
1 S. 5 und S. 6). Aus dem Ver
laufsprotokoll der
Be
rufsberatung vom
3.
März 2005 geht hervor, dass die Be
schwerdeführerin erklärt
e
, sie habe bei der
Y._
nie ein volles Arbeits
pensum geleistet, da sie be
reits bei Stellenantritt gesundheitliche Probleme ge
habt und deshalb bewusst
eine Teilzeitarbeitsstelle gesucht habe (
Urk.
7/39/2 und 7/39/3). Als bei der
Y._
eine Pensumserhöhung möglich gewesen wäre, habe sie wegen der Pro
b
leme mit der Hand auf eine solche verzichtet (Urk. 7/39/6). Dies steht insofern mit den medizinischen Akten im Einklang, als die Beschwerdeführerin diesen zu
folge bereits
ab
etwa 1999 an einem chronifi
ziertem Schmerzsyndrom litt (
Urk.
7/7/5). Es erscheint daher auch als vertretbar, dass die Beschwer
de
geg
ne
rin die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Erlasses der rentenzusprechenden Verfügung als im Gesundheitsfall voll Erwerbstätige qualifiziert hat. Von einer qualifizierten Unrichtigkeit kann daher nicht die Rede sein.
3.6
G
emäss der von der Beschwerdegegnerin vertretenen Auffassung drängt sich eine
Wiedererwägung auch deshalb auf, weil die Revisionsregeln im Sinne von
Art.
87
Abs.
3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) unrichtig angewen
det
worden seien. Nach der rechtskräftigen Rentenabweisung vom 8. Juni 2004
hätten sich nämlich keine Änderungen ergeben, weswegen die Neuanmeldung zu
prüfen gewesen wäre (
Urk.
2 S. 2).
Es trifft zu, dass gemäss der damals
gültig gewesenen
Fassung von
Art.
87
Abs.
3
und 4 IVV nach der Verweigerung einer Rente wegen eines zu geringen Invalid
i
täts
grades eine neue Anmeldung nur geprüft wurde, wenn glaubhaft gemacht wor
den war, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch er
heb
li
chen Weise geändert hatte. Diese Regelung gilt auch heute noch (vgl. Art. 87
Abs.
2 und 3 IVV). Sie zielt darauf ab zu verhindern, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Rentenverweigerung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher begründeten Rentengesuchen befassen muss. Wenn die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten ist, hat die richterli
che Beurteilung der Eintretensfrage zu unterbleiben. Der Entscheid ist aber einer materiellen Prüfung zugänglich (BGE 109 V 108 E. 2.a mit Hinweisen). Der Be
urteilung der Eintretensfrage kommt somit lediglich eine untergeordnete Be
deu
tung zu. Vielmehr ist die materielle Prüfung der neuen Anmeldung wesent
lich. Daraus folgt, dass die zur Diskussion stehende Rentenverfügung nur dann als zweifellos unrichtig qualifiziert werden kann, wenn die ihr zu Grunde lie
gende
materielle Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen qualifiziert fehlerhaft ist. Dies
trifft hier nicht zu.
3.7
Schliesslich macht die Beschwerdegegnerin geltend, es ergebe sich aufgrund der gutachterlich festgestellten Inkonsistenzen sowie der im Rahmen der anonymen
Meldung vom 2
5.
August 2012 getätigten Abklärungen, dass keine massgebli
chen
gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorlägen (
Urk.
2 S. 2). Mit Bezug auf
die Rentenverfügung vom
6.
September 2005 kommt diesen Ausführungen keine
Relevanz zu, da es beim Erlass derselben allein die damalige Sach- und Rechts
lage zu beurteilen galt. Das später erstellte polydisziplinäre Gutachten des ABI vom 2
5.
Januar 2011 (
Urk.
7/131/2 ff.) und im Jahr 2012 neu gewonnene Er
kennt
nisse vermögen diesbezüglich nichts zu ändern.
Demgegenüber ist zu berücksichtigen, dass beim Erlass der Revisionsverfügung
vom 2
2.
Dezember 2011 das Gutachten des ABI vom 2
5.
Januar 2011 bereits vor
lag. Dieses war folglich nebst den weiteren vorhandenen medizinischen Un
ter
lagen in die Sachverhaltswürdigung miteinzubeziehen. Das Gutachten basiert auf
Untersuchungen vom
7.
und 1
6.
September 2010 (
Urk.
7/131/2). Es nennt als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches komplexes neu
ropathisches Schmerzsyndrom im Bereich des linken Vorderar
mes/Hand
gelenkes
nach (
Urk.
7/131/25):
Spaltung des
1.
Strecksehnenfachs links am 1
8.
April 2001
Revision, Denervation, Z-Plastik, Rekonstruktion des
1.
Srecksenenfachs am
9.
November 2001
Neurolyse, Z-Plastik am 2
5.
September 2002
Resektion des Nervus interosseus posterior am 1
7.
Juli 2003
Neurolyse des Ramus superficialis n. radialis, Neuromsektion und Venen
capping nach Smahel, Rekonstruktion des
1.
Strecksehnenfaches mit Parmaris longus und dorsale vorderarmlappenlastik links am 2
8.
Oktober 2003
Exzision eines okkulten dorsoradialen Handgelenksganglions links am 2
3.
Februar 2005
Exzision eines Sehnenscheidenganglions
1.
Strecksehnenfach links am 1
1.
März 2008
Revision Nervus cutaneus antebrachii lateralis und Ramus superficialis nervi radialis Vorderarm links und Implantation eines Porth-a-cath pro
ximaler, palmarer Vorderarm links am 1
6.
Juli 2008 (Inselspital
B._
)
Reimplantation eines Porth-à-Cath proximaler palmarer Vorderarm links bei Dysfunktion der Erstimplantation am
1.
Oktober 2008
Hämatomausräumung nach Port-à-Cath Reimplantation am
3.
Oktober 2008
Entfernung des Porth-à-Cath-Systems Vorderarm links und Absetzung des
N.
cutaneus antebrachii lateralis und Co-Adaptation an den
N.
radialis superficialis
Exzision Neurom
N.
radialis superficialsis., End-zu-Seit Neurorraphie zwi
schen
N.
radialis superficials und
N.
cutaneus antebrachii lateralis sowie Applikation eines NeuroWraps proximaler distaler Vorderarm links und Naevusexzision axillär rechts am
1.
Mai 2009
Revision der distalen End-zu-Seit Neurorraphie des
N.
radialis superficia
lis/
N.
cutaneus antebrachii lateralis und Reesektion des Neuro-Wrap, proximalisierung des
N.
cutaneus antebrachii lateralis und End-zu-Seit Neurorraphie des
N.
cutaneus antebrachii lateralis/
N.
radialis superfi
cialsi, Wundverschluss mit Z-Lappenplastik am 1
0.
März 2010.
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit könne im gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine definitive Einschätzung abgegeben werden. Eine lange und eindrückliche Ope
rations- und Behandlungsliste, mit teilweise fraglicher Indikation, verbunden mit
einer hohen subjektiven Beschwerdeangabe einerseits stehe diversen Inkon
sis
ten
zen gegenüber. Diese hätten im Rahmen der klinischen Untersuchung nicht
vollends aufgelöst werden können. Zur Konsistenzprüfung empfehle es sich, eine
Alltagsbeobachtung der Explorandin durchzuführen. Sollten sich da
bei kaum
oder nur sehr geringe Einschränkungen der als hochgradig limitiert angege
be
nen
linken Hand zeigen, so könne das Beobachtungsmaterial den Be
gutachtenden zugestellt werden, damit diese abschliessend zur Arbeitsfähigkeit Stellung bez
ö
g
en. Sollten diese Beobachtungen ergeben, dass sich tatsächlich auch im Alltag und vermeintlich unbeobachtet eine höhergradige Einschrän
kung der linken
obe
ren
Extremität konsistent durchziehe
, sei von der bereits vorformulierten gut
achterlichen Arbeitsfähigkeitseinschätzung auszugehen. Demnach best
eh
e eine Arbeitsunfähigkeit für schwere, mittelsch
w
ere und be
züglich
der linken
Hand nicht adaptierte
r
Tätigkeiten. Für körperlich leichte Tätig
keiten, bei der die linke Hand nur als Zudienhand einzusetzen sei bei,
sei
eine 60%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit vorhanden (
Urk.
7/131/29).
In seiner Stellungnahme vom 2
5.
Februar 2011 hielt der RAD fest, es sei mit Sicherheit keine Verschlechterung des relevanten Gesundheitsschadens ausge
wiesen. Eine Verbesserung könne jedoch ebenfalls nicht ausgewiesen werden, weshalb weiterhin von einer 50%igen Restarbeitsfähigkeit in der angestammten und in
j
e
d
er angepassten Tätigkeit auszugehen sei (Urk. 7/134/4).
Bei der geschilderten Sachverhaltslage lässt sich auch die Revisionsverfügung vom
22. Dezember 2011 nicht als zweifellos unrichtig qualifizieren. Dies muss um
so mehr gelten, als auch die weiteren ärztlichen Berichte gleichlautende Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit enthielten, soweit sie sich zu einer solchen äusserten (vgl.
Urk.
7/97/2 und 7/98/2). Zu keiner anderen Beurteilung führt der Umstand, dass die Beschwerdeführerin offenbar im August 2012 bei der Stall
arbeit, beim Reiten und bei weiteren Tätigkeiten beobachtet werden konnte (
Urk.
7/159 und 7/160). Es kommt alleine darauf an, wie sich der Sachverhalt bis zum Erlass der Revisionsverfügung vom 2
2.
Dezember 2011 präsentierte.
3.8
Über die abgehandelten Themen hinaus hat die Beschwerdegegnerin nichts vor
ge
bracht, das auf eine zweifellose Unrichtigkeit der zur Diskussion stehenden Verfügungen schliessen liesse. Ebenso wenig ist etwas Derartiges aus den Akten
ersichtlich. Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass die Voraussetzungen für
die Wiedererwägung der rentenzusprechenden Verfügung vom 6. September
2005 und der Revisionsverfügung vom 2
2.
Dezember 2011 nicht erfüllt sind. Dies
führt zur Gutheissung der Beschwerde.
Lediglich der Vollständigkeit halber bleibt zu bemerken, dass einer allfälligen Ver
besserung des Gesundheitszustandes im Rahmen einer weiteren Revision
Rechnung zu tragen wäre. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat je
doch
insoweit richtig erkannt, dass die beobachteten Tätigkeiten für sich allein nicht
die Annahme einer gesundheitlichen Verbesserung rechtfertigen (
Urk.
1 S.
6). Viel
mehr wäre eine solche mit Hilfe entsprechender medizinischer Abklärun
gen zu erhärten.
4.
4.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Sie sind dem Ausgang des Verfahrens entsprechend der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4.2
Der unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin weist in der einge
reichten Kostennote vom 2. Oktober 2014 (Urk. 14) für das vorliegende Verfah
ren einen Zeit
aufwand von 9 Stunden und 56 Minuten aus und macht prozen
tuale Spesen (3
%
) geltend. Der zeitliche Aufwand erscheint gerade noch als an
gemessen, wobei die Rechnungsstellung nicht zu entschädigen ist. Es besteht im vorliegenden Fall kein Anlass, um vom gerichtsüblichen Stundenansatz von
Fr.
200.-- abzuweichen. Die Beschwerdegegnerin hat dem unentgeltlichen Rechts
vertreter der Beschwerde
füh
rerin folglich eine Prozessentschädigung in der Höhe
von Fr. 2‘
173
.
65
(inklusive Bar
auslagen und Mehrwertsteuer) zu be
zahlen.