Decision ID: f6eb71f9-5c48-5b98-85a2-15f0475535d1
Year: 2008
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Die Beschwerdeführer – kurdischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in B._ – verliessen den Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 10. März 2003 und gelangten über ihnen unbekannte Staaten am 18. März 2003 in die Schweiz, wo sie gleichentags um Asyl . Am 27. März 2003 wurden die Beschwerdeführer im  Altstätten (vormals: Transitzentrum) erstmals kurz befragt. Das Bundesamt führte gleichentags eine mündliche Zusatzbefragung ("Zusatzabklärung ohne Hilfswerk") betreffend die näheren  der Ausreise der Beschwerdeführer durch. Für die Dauer des  wurden sie danach dem Kanton A._zugewiesen. Am 8. Mai 2003 wurden die Beschwerdeführer durch die zuständige  Behörde zu ihren Asylgründen befragt. Die Vorinstanz verzichtete in der Folge auf weitere Abklärungen, namentlich eine ergänzende  der Beschwerdeführer.
A.a Zur Begründung seines Asylgesuches machte der  im Wesentlichen geltend, er sei im April 1992 für 20 Tage  und gefoltert worden. Im selben Jahr habe er die ihm  Übernahme des Dorfschützeramtes verweigert. Später  die Bewohner zum Verlassen des Dorfes ausgefordert und dieses danach in Brand gesteckt worden. Die Familie des Beschwerdeführers sei daher nach B._ umgezogen. Dort sei er der Kurdenpartei HADEP beigetreten. Er habe an Sitzungen und Demonstrationen des Jugendflügels der HADEP teilgenommen. In B._ sei er insgesamt etwa sechsmal für die Dauer zweier oder dreier Tage festgenommen worden. Man habe ihn jeweils beleidigt, geschlagen und mit Wasser bespritzt. Auch an seinen zwischenzeitlichen Aufenthalten in C._ habe er drei zwei- bis dreitägige Mitnahmen erlebt. Die letzte Mitnahme sei am (...) erfolgt. Dabei seien Polizisten nach Hause gekommen und hätten ihm Ohrfeigen und Fusstritte verpasst. Mit Hilfe seines Anwalts und des Vaters sei er nach zwei oder drei Tagen freigekommen. Er habe sich in der Folge nur noch selten zu Hause aufgehalten, wo öfters nach ihm gefragt worden sei. Der Beschwerdeführer machte ausserdem geltend, auch Mitglied des Türkischen Menschenrechtsvereins IHD gewesen zu sein.
A.b Die Beschwerdeführerin führte zu ihren Asylgründen aus, sie sei ebenfalls Mitglied der HADEP gewesen, habe sich aber nicht aktiv be-
Seite 2
E-6809/2006
tätigt und den Heimatstaat wegen des Ehemannes und des Kindes verlassen.
Als die Polizei am (...), während ihrer Schwangerschaft, nach Hause gekommen sei, um ihren Ehemann festzunehmen, habe ein Beamter sie gestossen und sie sei zu Boden gefallen. Die Beamten hätten ihren Mann mitgenommen; sie sei mit Hilfe einer Nachbarin ins Spital gelangt, wo sie eine Frühgeburt gehabt habe. Nach etwa zehn Tagen sei sie nach Hause entlassen worden. Die Beamten seien danach wiederholt nach Hause gekommen, hätten ihren Mann gesucht und sie dabei beschimpft.
A.c Zum Beleg ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführer  der HADEP respektive der Nachfolgeorganisation DEHAP und des IHD, drei Fotografien des zerstörten Hauses des  im Heimatdorf, sowie ein Schreiben des Anwalts zur Bestätigung der Verfolgungssituation des Beschwerdeführers zu den Akten.
B. Am 8. März 2003 fanden in einem Personenzug in D._ Personenkontrollen statt. Dabei wurden die Beschwerdeführer polizeilich erfasst, wobei der Beschwerdeführer einen türkischen , ausgestellt am (...) in B._, auf sich trug. Er war zudem im Besitz eines Schengen-Visa (...), welches am 27. Februar 2003 von E._ ausgestellt worden war. Die Beschwerdeführer reisten mit gültigen (...) für die Strecke F._ und trugen ausserdem (...) für die Strecke G._ auf sich.
C. Mit Verfügung vom 28. November 2003 – eröffnet am 1. Dezember 2003 – stellte die Vorinstanz fest, die Vorbringen der  genügten weder den Anforderungen an Glaubhaftigkeit noch  an die Flüchtlingseigenschaft, lehnte die Asylgesuche ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Den Vollzug der  beurteilte die Vorinstanz als zulässig, zumutbar und möglich.
D. Mit Eingaben vom 23. Dezember 2003 sowie 31. Dezember 2003 an die vormals zuständige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK)
Seite 3
E-6809/2006
beantragten die Beschwerdeführer die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung sowie die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung des Asyls. Eventuell sei die Unzumutbarkeit des  festzustellen. Auf die Begründung der Rechtsbegehren wird, soweit entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
E. Das Bundesamt hielt in der Vernehmlassung vom 20. Januar 2004 an seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Diese Stellungnahme wurde den Beschwerdeführern am 22. Januar 2004 zur Kenntnis gebracht.
F. Am 10. April 2004 reichte der Beschwerdeführer nachträglich eine  der DEHAP vom 3. März 2004 zum Beleg seines  bei der HADEP und DEHAP ein. Zudem führte der  aus, er habe von seiner Familie in B._ erfahren, dass die Polizei (...) nach ihm gefragt habe. Seine Familie sei aufgrund  Repressionen gezwungen, den Wohnsitz in B._ aufzugeben und nach H._ zu ziehen. Seine zwei Brüder seien mittlerweile nach I._ geflüchtet (...).
Am 17. August 2005 reichte der Beschwerdeführer eine Bestätigung J._ vom 4. Juli 2005 ein, welchem zu entnehmen sei, dass er polizeilich gesucht werde.
G. Mit Schreiben vom 24. April 2007 wurde den Beschwerdeführern , dass das hängige Beschwerdeverfahren per 1. Januar 2007 vom Bundesverwaltungsgericht, Abteilung V, übernommen worden sei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Seite 4
E-6809/2006
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das  Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des  vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die  der bei der ARK hängigen Rechtsmittel übernommen. Das neue Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).
1.3 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Die  sind durch die angefochtene Verfügung berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung  Änderung. Die Beschwerdeführer sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person , wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu  bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen  ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).
Seite 5
E-6809/2006
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft  oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender  für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1
4.1.1 Die Vorinstanz führte in ihrer Verfügung vom 28. November 2003 aus, gesicherten Erkenntnissen des Bundesamtes zufolge hätten die Beschwerdeführer tatsachenwidrige Aussagen zu ihren Reisepapieren und Reisewegen gemacht. Dadurch würden massive Zweifel am  des von ihnen geltend gemachten Sachverhalts .
Soweit der Beschwerdeführer angegeben habe, er sei seit 1994  zwölf Mal für zwei bis drei Tage festgenommen worden, weil er als einfaches Mitglied der HADEP an Sitzungen und Demonstrationen teilgenommen habe, widerspreche dieses Vorbringen der allgemeinen Erfahrung. So sei nicht nachvollziehbar, dass die türkischen Behörden einen Verdächtigen derart oft für kurze Zeit mitgenommen haben  ohne je ein Verfahren gegen ihn einzuleiten. Zudem habe der  sich als einfaches Mitglied nicht in einer Weise , welches die Behörden hätte veranlassen können, in der  Weise gegen ihn vorzugehen. Die eingereichten  der HADEP/DEHAP vermöchten ebensowenig  Relevanz zu entfalten wie das Bestätigungsschreiben des Anwalts.
4.1.2 Soweit der Beschwerdeführer Vorfälle im Heimatdorf geltend  habe, die auf das Jahr (...) zurückgingen, komme diesen  genügend engem Kausalzusammenhang zwischen den  Nachstellungen und der Flucht keine Asylrelevanz zu. Ungeachtet der Frage der Glaubhaftigkeit dieser Vorbringen könnten diese daher nicht zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft führen.
4.2
Seite 6
E-6809/2006
4.2.1 Auf Beschwerdeebene führen die Beschwerdeführer dagegen aus, die Vorinstanz habe ihnen zu Unrecht unterstellt, sie hätten sich in D._ aufgehalten. Entgegen der diesbezüglichen Behauptung des Bundesamtes seien sie nicht (...) gereist. Sie hätten ihre  durch die Schlepper beschaffen lassen, diese jedoch nie  bekommen. Nach einer K._ seien sie um Mitternacht an einem geheimgehaltenen Land ausgeladen und von dort (...) in die Schweiz gefahren worden. Offensichtlich hätten die Schlepper die zurückbehaltenen Reisepässe für die Reise eines anderen Paares mit einem Kind benutzt, was in Schlepperkreisen keine Seltenheit sei. Zudem hätten die Beschwerdeführer diesbezüglich im Wesentlichen übereinstimmende Angaben gemacht, was ebenfalls für deren Wahrheitsgehalt spreche. Insgesamt seien ihre Vorbringen daher als glaubhaft zu beurteilen.
4.2.2 Hinsichtlich der politischen Aktivitäten wird ausgeführt, der  habe sich über längere Zeit für die HADEP/DEHAP und den IHD eingesetzt und sei deswegen mehrmals festgenommen worden. Auch wenn nach der Auffassung der Vorinstanz diese Eingriffe in die physische Integrität für sich genommen allein keinen Nachteil im Sinne von Art. 3 AsylG darstellten, seien diese doch geeignet, die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers zu untermauern. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz seien auch die eingereichten Beweismittel geeignet, die Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers zu belegen. Im Übrigen habe das Bundesamt es unterlassen, bei der  vom Gesamtzusammenhang des Sachverhalts .
4.2.3 In der Eingabe vom 23. Dezember 2003 wird ausserdem gerügt, das Bundesamt habe nicht berücksichtigt, dass die  in der Türkei misshandelt worden sei und deshalb eine Frühgeburt gehabt habe.
4.2.4 Insgesamt seien von der Vorinstanz keine ernsthaften  dargelegt worden, und dem Beschwerdeführer sei der  der Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 7 AsylG gelungen, mithin sei er als Flüchtling anzuerkennen.
4.3 Nach Würdigung der vorliegenden Akten kommt das  zum Schluss, dass die Erwägungen und Folgerungen der Vorinstanz als zutreffend zu bestätigen sind.
Seite 7
E-6809/2006
4.3.1 So hat der Beschwerdeführer angegeben, er sei Mitglied der HADEP und deswegen behördlicher Verfolgung ausgesetzt gewesen. Bei der Erstbefragung erklärte er explizit, er sei seit 1995 Mitglied der HADEP und habe unter anderem im Jahr 1994 eine Festnahme erlebt (vgl. Protokoll Empfangszentrum S. 2 und 5). Gemäss Angaben bei der kantonalen Befragung will er seit 1994 Mitglied der HADEP gewesen, im Jahr 1994 jedoch nie, demgegenüber im Jahr 1995 einmal  worden sein (vgl. Protokoll Ausländeramt S. 11 und 12).  seiner Tätigkeiten für die HADEP/DEHAP führte er aus, er habe unter anderem an Demonstrationen teilgenommen, das letzte Mal habe er am (...) anlässlich L._ mit Parteianhängern in B._ demonstriert (vgl. Protokoll Empfangszentrum S. 6). Diese Demonstrationsteilnahme erwähnte er bei der folgenden kantonalen Befragung nicht, führte stattdessen aus, er sei bei den Wahlen vom 3. November 2002 in B._ "beim DEHAP" an der Urne gestanden (vgl. Protokoll Ausländeramt S. 6) respektive er sei an diesem Tag im M._ in B._ an der Urne gestanden (vgl. a.a.O. S. 13). Auch diese Aktivität als Wahlhelfer der HADEP/DEHAP hat der Beschwerdeführer bei der Erstbefragung nicht erwähnt. Sodann hat er auch die – gemäss eigenen Angaben für den Ausreiseentschluss massgebliche – letzte Festnahme vom (...) ungereimt geschildert. Einmal sollen die Beamten zwischen 20.00 Uhr und 21.00 Uhr gekommen sein (vgl. Protokoll Empfangszentrum S. 5), einmal soll diese letzte Festnahme am Morgen in der Frühe, nach Mitternacht (vgl. Protokoll Ausländeramt S. 11) erfolgt sein. Als Grund für diese Festnahme vom (...) erklärte der Beschwerdeführer, er sei stets aus denselben Gründen festgenommen worden, nämlich weil er bei der HADEP/DEHAP aktiv gewesen sei, und zudem sei er Mitglied beim Menschenrechtsverein gewesen (vgl. Protokoll Empfangszentrum S. 6). Andererseits erklärte der Beschwerdeführer bei der kantonalen Befragung (vgl. Protokoll Ausländeramt S. 3), er sei seit November 2002 – damit erst nach der angeblich letzten Festnahme vom (...) – Mitglied des Menschenrechtsvereins (IHD) gewesen, habe deswegen jedoch nie behördliche Probleme gehabt.
Nicht glaubhaft ist sodann das Verhalten respektive die  Aussagen des Beschwerdeführers, wonach er die letzten Monate vor der Ausreise (vgl. Protokoll Empfangszentrum S. 6),  nach dem (...) aus Angst vor weiteren behördlichen Festnahmen und Repressalien nicht mehr zu Hause gewohnt habe, andererseits am 3. November 2002 während eines ganzen Tages offenbar
Seite 8
E-6809/2006
unbehelligt in der Öffentlichkeit als Wahlhelfer der HADEP/DEHAP tätig sein konnte (vgl. Protokoll Ausländeramt S. 13 und 15). Dieses Verhalten lässt sich weder mit der angegebenen hohen Verfolgungsfurcht noch mit der angeblich andauernden behördlichen Suche in diesem Zeitraum (vgl. Protokoll Empfangszentrum S. 6) .
Schliesslich ist nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer seit (...) einen Anwalt in seiner Angelegenheit bevollmächtigt und dessen Dienste auch wiederholt in Anspruch genommen haben will, dabei aber nicht in der Lage war, dessen Adresse anzugeben (vgl. Protokoll Empfangszentrum S. 4, Protokoll Ausländeramt S. 8).
Soweit der Beschwerdeführer in der Eingabe vom 23. Dezember 2003 unter anderem festhält, das BFM habe unberücksichtigt gelassen, dass seine Ehefrau in der Türkei misshandelt worden sei und  eine Frühgeburt erlitten habe, ist dem entgegen zu halten, dass die Beschwerdeführer bei den mündlichen Befragungen jeweils  haben, die Beschwerdeführerin sei beim (angeblichen) Vorfall vom (...) von einem Beamten gestossen worden und auf den Rücken gefallen, was die vorzeitigen Wehen ausgelöst habe. Diese Aussagen lassen jedoch nicht auf eine Misshandlung im eigentlichen Sinne schliessen, mithin wären diese nachträglichen Äusserungen des Beschwerdeführers als nachgeschoben zu beurteilen.
4.3.2 Sodann hat auch die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der angeblichen Festnahme des Ehemannes vom (...) ungereimte Angaben gemacht. So führte sie aus, die Beamten seien an jenem Datum etwa um 22.30 Uhr (vgl. Protokoll Empfangszentrum S. 4) respektive um 21.00 Uhr in ihre Wohnung eingedrungen, das wisse sie ganz genau (vgl. Protokoll Ausländeramt S. 6). Sodann ist den weiteren diesbezüglichen Schilderungen einmal zu entnehmen, die Beamten hätten sie, nachdem man sie gestossen habe, allein auf dem Boden zurückgelassen; sie habe Schmerzen bekommen und die Nachbarin informiert (vgl. Protokoll Empfangszentrum S. 4); aufgrund der Aussagen bei der kantonalen Befragung ist aber davon auszugehen, dass die Wehenschmerzen bereits in Anwesenheit der Beamten eingesetzt hätten, sie dabei vergeblich die Beamten um Hilfe angefleht habe, eine Nachbarin danach ihr Weinen gehört habe und ihr zu Hilfe geeilt sei (vgl. Protokoll Ausländeramt S. 6). Ebenfalls  sind ihre Angaben darüber ausgefallen, ob und wie oft ihr
Seite 9
E-6809/2006
Ehemann vor der Ausreise nach Hause gekommen sei. Einerseits soll er in den letzten fünf Monaten vor der Ausreise "praktisch nicht" mehr heimgekommen sein (vgl. Protokoll Empfangszentrum S. 4),  soll der Beschwerdeführer nie mehr nach Hause gekommen sein, sie nur telefonisch kontaktiert haben (vgl. Protokoll Ausländeramt S. 3).
4.3.3 Zusammenfassend ist nach dem Gesagten festzuhalten, dass die Beschwerdeführer in zahlreichen und wesentlichen Punkten ihrer Asylbegründung unterschiedliche, in ihrer Gesamtheit unglaubhafte Vorbringen getätigt haben. Die geltend gemachte Verfolgungssituation ist folglich nicht glaubhaft.
4.3.4 Hinsichtlich der Ereignisse aus dem Jahr (...) – die Weigerung der Übernahme des Dorfschützeramtes, das Niederbrennen des  und des Wohnhauses des Beschwerdeführers – ist  der Frage der Glaubhaftigkeit dieser Vorbringen mit der  festzustellen, dass der zeitliche und inhaltliche Zusammenhang zwischen diesen Vorfällen und der im Frühjahr 2003, mithin elf Jahre später, erfolgten Ausreise nicht mehr gegeben ist. Diese Feststellung wird dadurch bestätigt, als der Beschwerdeführer und seine Familie seinerzeit allfälligen weiteren Repressalien durch den Wegzug nach B._ und damit durch Nutzen einer innerstaatlichen Ausweichmöglichkeit entgehen konnten. Zudem hat der Beschwerdeführer im Rahmen der Asylbefragungen den Ursprung für die ab 1994 oder 1995 – vgl. oben E. 4.3.1 – (angeblich) wiederholten Festnahmen jeweils auf seine politischen Aktivitäten für die HADEP/DEHAP zurückgeführt. Es ist an dieser Stelle schliesslich darauf hinzuweisen, dass die Aussagen bezüglich eines allfälligen Strafverfahrens in diesem Zusammenhang auch nicht glaubhaft ausgefallen sind: So will der Beschwerdeführer gemäss Angaben im Empfangszentrum (vgl. Protokoll S. 7) im Jahr (...), nach 20 Tagen Folter mit verbundenen Augen, vor ein ihm unbekanntes Gericht  worden sein; anlässlich dieser Verhandlung sei er freigelassen worden; da das Militär diesen Beschluss angefochten habe, sei das Verfahren weitergegangen, vermutlich aber eingestellt worden. In  dazu führte er bei der nachfolgenden Befragung aus, er sei im Jahr (...) vor ein normales Gericht in B._ geführt worden, da es dort kein M._ gebe. Er sei bedingt freigekommen, die Akten seien aber N._ weitergeleitet worden, danach habe er in dieser Angelegenheit nichts mehr gehört (vgl. Protokoll Ausländeramt S. 8 f.).
Seite 10
E-6809/2006
4.3.5 Im Zusammenhang mit der Ausreise der Beschwerdeführer ist sodann Folgendes festzuhalten: Gemäss ihren Angaben haben sie am (...) von B._ aus die Türkei verlassen. Diesen Aussagen stehen die polizeilichen Erkenntnisse gegenüber, wonach die Beschwerdeführer am (...) bei einer Personenkontrolle in D._ polizeilich erfasst und dabei ein Reisepass des Beschwerdeführers, ein Schengen- Visa, (...) sowie gültige (...) sichergestellt worden sind. Im Rahmen der diesbezüglichen mündlichen Zusatzabklärungen vom 27. März 2003, bei der jeweiligen kantonalen Befragung und auf Beschwerdeebene beharren die Beschwerdeführer darauf, sie seien nie in D._ gewesen, ihre Ausreise sei mit (...) erfolgt. Diese Ausführungen sind indessen aufgrund der gefestigten polizeilichen Erkenntnisse mit erheblichen Zweifel belastet. Dabei ist ihr Erklärungsversuch anlässlich der jeweiligen mündlichen Zusatzabklärungen vom 27. März 2003 unbehelflich, wonach sie bereits im (...) ein erstes Mal durch Schlepper Reisepässe besorgt, diese jedoch nicht erhalten hätten (Protokoll Zusatzabklärung Beschwerdeführer S. 1, Protokoll Ausländeramt S. 16) respektive wegen der Schwangerschaft der Beschwerdeführerin nicht hätten ausreisen können, mithin diese Pässe nicht genutzt hätten (vgl. Protokoll Zusatzabklärung Beschwerdeführerin S. 1). Dies gilt umso mehr, als sich die Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang widersprechen, indem sie einerseits ausführen, sie hätten nach dem Vorfall vom (...) den Ausreiseentschluss gefasst (vgl. Protokoll Empfangszentrum Beschwerdeführerin S. 4; Protokoll Ausländeramt Beschwerdeführer S. 14), andererseits bei der besagten Zusatzabklärung von einer bereits früher geplanten Ausreise sprechen. Sodann fällt auf, dass die Beschwerdeführer die angeblich vergebliche erste Passbeschaffung nicht bereits bei der Erstbefragung, sondern erst auf entsprechenden Vorhalt im Rahmen der mündlichen Zusatzabklärungen sowie bei der kantonalen Befragung (Beschwerdeführer) erwähnt haben. Dieses Aussageverhalten lässt den Schluss zu, dass die Beschwerdeführer ihre Aussagen dem jeweils aktuellen Abklärungsstand der Asylbehörden anzupassen  haben.
4.4 In Würdigung aller Vorbringen ist festzustellen, dass die  der Beschwerdeführer den Anforderungen an das  eines asylrelevanten Sachverhalts nicht zu genügen vermögen. An dieser Feststellung vermögen die eingereichten  der HADEP/DEHAP, die Anwaltsbestätigung vom (...) sowie die weiteren, auf Beschwerdeebene eingereichten Bestätigungen vom
Seite 11
E-6809/2006
3. März 2004 und vom 4. Juli 2005 (vgl. oben Bst. F) nichts zu ändern; namentlich die drei letztgenannten Bestätigungsschreiben sind aufgrund der obigen Ausführungen bestenfalls als  und damit als nicht beweisgeeignet zu beurteilen. Die eingereichten Mitgliederbestätigungen der HADEP und  der Mitgliederbeiträge vermögen allenfalls eine – einfache – Mitgliedschaft bei dieser Organisation zu belegen. Dazu ist , dass allein das Mitwirken als einfaches Mitglied dieser  in der Regel für sich alleine nicht genügt, um flüchtlingsrechtlich  behördliche Verfolgungsmassnahmen auszulösen. Für die , dem Beschwerdeführer würden – bei unterstellter  seiner Mitgliedschaft – wegen allenfalls für die vormals legale HADEP erfolgten Aktivitäten nach deren Verbot noch Nachteile , ergeben sich keine Anhaltspunkte. Es ist dabei nach dem Gesagten auch nicht von einer mit erheblicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft drohenden Verfolgungsgefahr auszugehen.
4.5 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf  Ausführungen in der Beschwerde einzugehen, weil sie am  nichts ändern können. Zusammenfassend folgt, dass die  keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnten. Die Vorinstanz hat die Asylgesuche  zu Recht abgelehnt.
5.
5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).
5.2 Die Beschwerdeführer verfügen weder über eine  Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21).
6.
6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das  nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige  von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
Seite 12
E-6809/2006
desgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]).
6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche  der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat  (Art. 83 Abs. 3 AuG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land  werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie  läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des  vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere , unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4.  1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
6.2.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. MARIO GATTIKER, Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da es den Beschwerdeführern nicht gelungen ist, eine asylrechtlich  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführer in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
6.2.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der  noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher  einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des  Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des
Seite 13
E-6809/2006
UN-Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführer eine  Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass  im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche  drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren ; EGMR, Bensaid gegen Grossbritannien, Urteil vom 6. Februar 2001, Recueil des arrêts et décisions 2001-I, S. 327 ff.). Auch die  Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den  zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.
6.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder  auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).
Eine solche Situation, welche die Beschwerdeführer als Gewalt- oder De-facto-Flüchtlinge qualifizieren würde, liegt nicht vor. Die  haben in der Rechtsmitteleingabe keine konkreten, über die allgemeine Situation hinausgehende individuelle Gründe für eine  des Vollzugs aufgezeigt. In individueller Hinsicht ist dabei aufgrund der Akten festzuhalten, dass die Beschwerdeführer ihren  Wohnsitz in B._ gehabt haben. Die Beschwerdeführerin verfügt in der Türkei über ein verwandtschaftliches Beziehungsnetz; so leben O._ in P._ in der Q._, und weitere O._ in R._ (vgl. Protokoll Empfangszentrum S. 2). Der Beschwerdeführer hat in seiner Eingabe vom 10. April 2004 , die S._ würden beabsichtigen, nach H._ zu ziehen, zwei Brüder seien (...) nach I._ gegangen. Die  mit den allenfalls nun in H._ lebenden S._ ist damit jedoch nicht verunmöglicht und gemäss den Angaben in der Empfangsstelle (Protokoll S. 3) leben noch weitere S._ in B._ und in T._. Sodann hat namentlich der Beschwerdeführer angegeben, es sei ihnen in der Türkei wirtschaftlich gut gegangen und seinen weiteren Aussagen ist zu entnehmen, dass er verschiedene berufliche Tätigkeiten in der Land- und Waldwirtschaft
Seite 14
E-6809/2006
sowie später als Verkäufer im (...) in B._ ausgeübt hat. In der Schweiz hat der Beschwerdeführer erneut in der Landwirtschaft . Diese beruflichen Erfahrungen insgesamt sowie der Umstand, dass die Beschwerdeführer im Heimatland gemäss ihren Angaben  gesichert leben konnten, lassen den Schluss zu, dass es  möglich sein wird, sich nach ihrer Heimkehr eine neue Existenz aufzubauen, zumal sie anfänglich nötigenfalls zweifellos auf  oder kollegiale Unterstützung zurückgreifen könnten.
Nach dem Gesagten erweist sich Vollzug der Wegweisung auch als .
6.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführern, sich bei der  Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr  Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).
6.5 Vor dem Hintergrund des nunmehr langjährigen Aufenthaltes der Beschwerdeführer in der Schweiz ist auf die Bestimmung von Art. 14 AsylG hinzuweisen: Gemäss dieser Regelung kann der zugewiesene Aufenthaltskanton mit Zustimmung des Bundesamtes einer  Person eine Aufenthaltsbewilligung erteilen, wenn die betroffene Person sich seit Einreichung des Asylgesuches mindestens fünf Jahre in der Schweiz aufhält, ihr Aufenthaltsort den Behörden immer bekannt gewesen ist und wegen der fortgeschrittenen Integration ein  persönlicher Härtefall vorliegt (Art. 14 Abs. 2 Bstn. a c AsylG). Es steht den Beschwerdeführern frei, sich diesbezüglich mit dem zuständigen Ausländeramt des Kantons St. Gallen in Verbindung zu setzen.
7. Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu . Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig,  und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).
8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die  ist nach dem Gesagten abzuweisen.
Seite 15
E-6809/2006
9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem  [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
Seite 16
E-6809/2006