Decision ID: 17840184-3cd8-45b5-b329-d5ed757d6659
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Der 1980 geborene Beschwerdeführer leistete im Rahmen einer Anstellung
bei einem Personalvermittler einen Einsatz als Mechaniker und war in die-
ser Eigenschaft bei der Beschwerdegegnerin obligatorisch gegen die Fol-
gen von Unfällen versichert. Am 21. November 2018 verdrehte er sich beim
Gebrauch einer Bohrmaschine das rechte Handgelenk. In der Folge wur-
den sowohl eine vollständige skapholunäre Bandruptur als auch eine
Ruptur des Diskus triangularis nachgewiesen. Die Beschwerdegegnerin
anerkannte ihre Leistungspflicht und erbrachte Taggeld- und Heilbehand-
lungsleistungen. Mit formlosem Schreiben vom 31. Juli 2020 teilte sie dem
Beschwerdeführer nach einer kreisärztlichen Untersuchung vom 29. Juli
2020 mit, dass keine Heilkosten mehr übernommen und die Taggeldleis-
tungen per 30. September 2020 eingestellt würden. Mit Verfügung vom
5. November 2020 verneinte die Beschwerdegegnerin sodann einen An-
spruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente und eine Integritäts-
entschädigung. Die dagegen erhobene Einsprache wies die Beschwerde-
gegnerin mit Einspracheentscheid vom 12. Februar 2021 ab. In der Folge
richtete die Beschwerdegegnerin rückwirkend ab dem 1. Februar 2021 –
nun unter dem Titel "Rückfall" – erneut vorübergehende Leistungen im Zu-
sammenhang mit dem Unfall vom 21. November 2018 aus.
2.
2.1.
Gegen den Einspracheentscheid vom 12. Februar 2021 erhob der Be-
schwerdeführer mit Eingabe vom 18. März 2021 fristgerecht Beschwerde
und stellte folgende Rechtsbegehren:
" 1. Es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 5. November 2020 aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer die gemäss UVG zu  Leistungen zuzusprechen.
2. Unter o/e Kostenfolge
3. Eventualiter sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege mit der Unterzeichneten als unentgeltliche Rechtsbeiständin zu ."
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 6. Mai 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde.
- 3 -
2.3.
Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 10. Mai 2021 wurde dem Be-
schwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und Eva Schür-
mann, Advokatin, Basel, zu seiner unentgeltlichen Vertreterin ernannt.
2.4.
Mit Eingabe vom 17. Mai 2021 beantragte der Beschwerdeführer, es sei
eine medizinische Expertise durchzuführen, um die Frage zu klären, ob die
Arthrose auf den Unfall vom 21. November 2018 zurückzuführen sei und
"zu welchem Zeitpunkt die Operation bereits zu einer Verbesserung des
Gesundheitszustandes führte / geführt hätte".
2.5.
Mit Eingabe vom 25. Januar 2022 reichte die Rechtsvertreterin des Be-
schwerdeführers eine Kostennote ein.

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin verneinte mit Verfügung vom 5. November 2020
(Vernehmlassungsbeilage [VB] 191) einen Anspruch des Beschwerdefüh-
rers auf eine Invalidenrente sowie eine Integritätsentschädigung. Sie nahm
damit unter Verweis auf ihr (formloses) Schreiben vom 31. Juli 2020 sinn-
gemäss den Fallabschluss per 30. September 2020 vor (vgl. VB 164) und
bestätigte diesen mit Einspracheentscheid vom 12. Februar 2021
(vgl. VB 226). Der Beschwerdeführer vertritt die Auffassung, dass der Fall
noch nicht hätte abgeschlossen werden dürfen. Es hätten gemäss der Ein-
schätzung des behandelnden Arztes damals noch Behandlungsmöglich-
keiten bestanden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Schmerzre-
duktion geführt hätten und dadurch auch noch eine Steigerung der Arbeits-
fähigkeit bzw. eine Verbesserung des Belastbarkeitsprofils einer Ver-
weistätigkeit hätten erwarten lassen (vgl. Beschwerde S. 5 f.).
Streitig und zu prüfen ist damit, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht mit
Einspracheentscheid vom 12. Februar 2021 (VB 226) den Fallabschluss
per 30. September 2020 vorgenommen hat.
2.
2.1.
Eine versicherte Person hat Anspruch auf die Kostenübernahme für zweck-
mässige Heilbehandlungen aufgrund der Unfallfolgen im Sinne von Art. 10
Abs. 1 UVG. Wenn sie in Folge eines Unfalls voll oder teilweise arbeitsun-
fähig (vgl. Art. 6 UVG) ist, hat sie zudem einen Anspruch auf Taggeldleis-
tungen. Diese Ansprüche bestehen solange, als von der Fortsetzung der
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ärztlichen Behandlung eine namhafte Besserung des Gesundheitszustan-
des erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG e contrario; BGE 134 V 109,
114 E. 4.1; 133 V 57, 64 E. 6.6.2). Trifft dies nicht mehr zu, ist der Fall –
unter gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente – abzu-
schliessen (BGE 137 V 199, 201 f. E. 2.1; 134 V 109, 114 E. 4.1 mit Hin-
weisen).
2.2.
Ob eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustands erwartet wer-
den kann, bestimmt sich in erster Linie nach der Verbesserung bzw. der
Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit. Die durch eine wei-
tere Behandlung zu erwartende Verbesserung muss dabei ins Gewicht fal-
len. Eine unbedeutende Verbesserung genügt nicht (BGE 134 V 109, 115
E. 4.3). So verleihen die weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resul-
tats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung oder ein von weiteren
Massnahmen zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt kei-
nen Anspruch auf deren Durchführung (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_888/2013 vom 2. Mai 2015 E. 4.1 mit Hinweisen). Die Möglichkeit einer
namhaften Besserung bestimmt sich dabei prognostisch und nicht aufgrund
einer retrospektiven Beurteilung (Urteile des Bundesgerichts 8C_888/2013
vom 2. Mai 2015 E. 4.1 mit Hinweisen; insbes. auf BGE 134 V 109,
115 E. 4.3; 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3; 8C_432/2009 vom
2. November 2009 E. 3.2). Kann von der Fortsetzung der ärztlichen Be-
handlung keine namhafte Besserung im Sinne von Art. 19 Abs. 1 UVG mehr
erwartet werden und sind zugleich die Voraussetzungen von Art. 21 Abs. 1
UVG (Pflegeleistungen und Kostenvergütungen nach Festsetzung einer In-
validenrente) nicht erfüllt, hat der Unfallversicherer keine Heilbehandlung
mehr zu übernehmen. Der obligatorische Krankenversicherer tritt an seine
Stelle (BGE 140 V 130, 132 E. 2.2; 134 V 109, 115 E. 4.2).
2.3.
Den (medizinischen) Akten lässt sich im Wesentlichen Folgendes entneh-
men:
2.3.1.
Nachdem im Arthro-MRI des rechten Handgelenks vom 9. April 2019 eine
Ruptur des skapholunären Ligamentes mit einem ossären Ausriss dorsal
und dorsal subluxiertem Scaphoid bezüglich der radialen Gelenkfläche so-
wie eine breite Ruptur des Diskus triangularis radialseitig festgestellt wor-
den waren (VB 33), erachtete die behandelnde Ärztin, Dr. med. B., Fach-
ärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsap-
parates sowie für Handchirurgie, eine Operation zur Rekonstruktion des
scapholunären Ligaments als indiziert (VB 32). Am 29. Mai 2019 fanden im
Rahmen eines operativen Eingriffs eine distale Scaphoidstabilisation mit
Anteil der extensor carpi radialis brevis Sehne und eine Transfixation des
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Scaphoid-Lunatum mit Herbertschraube 20 mm statt (VB 53). Da der Be-
schwerdeführer in der Folge über belastungsabhängige Schmerzen sowie
Bewegungseinschränkungen klagte, wurden am 17. Januar 2020 die
Schrauben entfernt (VB 116).
2.3.2.
In seinem Schreiben an den "vertrauensärztliche[n] Dienst" der Beschwer-
degegnerin vom 17. Juni 2020 berichtete PD Dr. med. F., Facharzt für
Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie sowie für Handchirur-
gie, die Situation habe sich während der Lockdown-Zeit langsam verbes-
sert. Allerdings seien die Schmerzen im Rahmen eines Arbeitsversuches
bei wiederholten Handgelenksbewegungen gemäss Angaben des Be-
schwerdeführers wieder stärker geworden. Es sei aktuell unklar, woher die
Schmerzen kommen könnten. Eine Restinstabilität könne man nicht ganz
ausschliessen "sowie auch den Knorpelschaden radiokarpal". Um die Situ-
ation besser beurteilen zu können, werde ein Arthro-MRI angeordnet
(VB 152). Am 1. Juli 2020 hielt PD Dr. med. F. sodann fest, dass sich die
Situation langsam stabilisiert habe; das MRI zeige eine regelrechte Stellung
der Knochen und keinen wesentlichen Knorpelschaden. Er empfahl eine
"Beurteilung der Restzumutbarkeit" durchzuführen und eine geeignete Tä-
tigkeit für den Beschwerdeführer zu suchen. Zu vermeiden seien schwere
Arbeiten mit Schlägen oder Vibrationen "sowie auch häufig, grössere Be-
lastungen über 5 kg". Eine Abschlusskontrolle sei in 3 Monaten vorgesehen
(VB 153).
2.3.3.
Kreisarzt med. pract. D., Facharzt für Chirurgie, stellte in seinem Bericht
vom 29. Juli 2020 gestützt auf die Ergebnisse der Untersuchung vom näm-
lichen Datum folgende Diagnosen (VB 162 S. 5):
"Restbeschwerdesymptomatik des rechten Handgelenkes bei - St. n. RASL-Schraubenentfernung Handgelenk rechts am 17.01.2020
bei - St. n. distaler Scaphoidstabilisation mit Anteil der Extensor carpi radia-
lis brevis-Sehne und temporäre Transfixation Scaphoid-Lunatum mit Herbertschraube am 29.05.2019 bei rotatorischer Instabilität des Scaphoids rechts bei
- scapholunärer Bandruptur nach einem Distorsionstrauma des rechten Handgelenks vom 21.11.2018."
Von chirurgischer Seite her handle es sich um einen medizinisch stabilen
Zustand und die kreisärztliche Untersuchung könne als Abschlussuntersu-
chung angesehen werden. Von weiteren Behandlungen sei nicht mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit eine namhafte Besserung des unfallbeding-
ten Gesundheitszustandes zu erwarten. Aktuell sei nur die Fortführung der
Bedarfsanalgesie zu empfehlen. Andere therapeutischen Massnahmen im
Sinne von Ergotherapie oder Physiotherapie seien nicht indiziert. Aus ver-
sicherungsmedizinischer Sicht sei aktuell und auch in Zukunft die zuletzt
- 6 -
ausgeübte berufliche Tätigkeit als Metallbauer wegen sehr schwerer hand-
gelenk- und handbelastender Arbeit nicht mehr zumutbar. Aktuell und künf-
tig sollte in einer angepassten sehr leichten bis leichten und selten mittel-
schweren Tätigkeit unter folgenden Voraussetzungen eine ganztägige Ar-
beitsfähigkeit gegeben sein: Keine repetitiven und höchstens sehr leichte
Drehbewegungen des rechten Handgelenks und des rechten Unterarms.
Heben und Tragen von höchstens mittelschweren Lasten bis Lendenhöhe.
Keine Tätigkeiten, welche mit Schlägen und/oder Vibrationen für die rechte
obere Extremität verbunden seien. Es bestünden keine anderen Einschrän-
kungen, insbesondere nicht zeitlicher Natur (VB 162 S. 5). "Bei keiner Arth-
rose des Handgelenks rechts" und bei nur minimaler leichter funktioneller
Einschränkung der rechten Hand und des rechten Handgelenks erreiche
der Integritätsschaden aktuell kein entschädigungspflichtiges Ausmass
(VB 162 S. 6).
2.3.4.
PD Dr. med. F. berichtete am 1. Oktober 2020 über eine eher etwas ver-
schlechterte Situation. Der Beschwerdeführer habe die Belastbarkeit der
Hand nicht steigern können. Es gebe leider nur Rettungseingriffe, welche
die Situation verbessern könnten. Leider sei keine Restitutio ad integrum
zu erwarten. Zur Verfügung stünden in erster Linie eine Teilarthrodese oder
eine Gelenksersatzprothese. Als zusätzliche Hilfe könnte mit einer Leder-
manschette versucht werden, das Handgelenk zu stabilisieren. Im Moment
sei keine weitere Kontrolle vorgesehen (VB 178).
2.3.5.
Med. pract. D. hielt in seiner Stellungnahme vom 7. Oktober 2020 hierzu
fest, dass aus ärztlicher Sicht nicht davon auszugehen sei, dass durch die
von PD Dr. med. F. vorgeschlagenen Massnahmen oder allenfalls durch
andere Massnahmen eine wesentliche Verbesserung des medizinischen
Gesundheitszustandes und insbesondere des Belastbarkeitsprofils zu er-
warten sei. Allenfalls könnten weitere medizinische Massnahmen die
Schmerzsituation verbessern. An der kreisärztlichen Beurteilung vom
29. Juli 2020 könne demzufolge vollumfänglich festgehalten werden
(VB 181).
2.3.6.
Anlässlich der handchirurgischen Sprechstunde vom 15. Oktober 2020
wurde mit dem Beschwerdeführer eine mögliche Teilarthrodese mit
Skaphoidresektion besprochen (VB 188). Da er eine Stelle als Taxifahrer
gefunden habe, entschied sich der Beschwerdeführer gemäss E-Mail vom
1. November 2020 vorerst gegen eine solche Operation (vgl. VB 187).
Nachdem die Beschwerdegegnerin am 5. November 2020 den Fallab-
schluss per 30. September 2020 verfügt und ihre Leistungen auf dieses
Datum hin eingestellt hatte, informierte der Beschwerdeführer sie am 9. No-
- 7 -
vember 2020 telefonisch über seinen Entscheid, sich so schnell wie mög-
lich operieren zu lassen, dies insbesondere deshalb, weil sein Verdienst als
Taxifahrer tiefer ausfalle und dementsprechend auch seine Taggelder bei
einer allfälligen späteren Operation geringer wären (VB 194). Die geplante
Operation wurde daraufhin mehrmals verschoben (vgl. VB 208) und
schlussendlich am 1. Februar 2021 durchgeführt (VB 235).
2.3.7.
Dr. med. E., Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Praktische Ärztin, Kompetenzzentrum Versiche-
rungsmedizin der Beschwerdegegnerin, gelangte in ihrer am 28. April 2021
gestützt auf die Akten verfassten handchirurgischen Beurteilung (Beilage
zur Vernehmlassung) zum Schluss, dass der Behandlungsabschluss per
31. Juli 2020 korrekt gewesen sei. Damals sei ein medizinisch stabiler Zu-
stand bezüglich des SL-Bandes am rechten Handgelenk erreicht gewesen
(S. 13). Die zwischenzeitlich am 1. Februar 2021 durchgeführte Operation
sei aufgrund eines Rückfalls zum Unfall vom 21. November 2018 erforder-
lich gewesen (S. 14).
2.4.
2.4.1.
Anhand der medizinischen Berichte ist ausgewiesen, dass der Beschwer-
deführer an Restbeschwerden infolge des Unfallereignisses vom 21. No-
vember 2018 leidet und ihm deswegen seine angestammte, körperlich
schwere Tätigkeit als Metallbauer nicht mehr zumutbar ist. Es wird jedoch
in keinem Bericht festgehalten, dass die Beschwerden, die im Zeitpunkt des
Fallabschlusses per Ende September 2020 noch bestanden hatten, nach
damaliger Prognose mit überwiegender Wahrscheinlichkeit mittels weiterer
Behandlungen noch in einem massgeblichen Umfang reduziert und
dadurch die Arbeitsfähigkeit wesentlich gesteigert hätten werden könnten.
PD Dr. med. F. empfahl der Beschwerdegegnerin denn auch bereits im
Sprechstundenbericht vom 1. Juli 2020, eine Beurteilung der "Restzumut-
barkeit" durchzuführen und dem Beschwerdeführer eine geeignete Tätig-
keit zu suchen. Eine Operationsindikation sah er nicht als gegeben. Er sah
demnach den Zeitpunkt gekommen, den beruflichen Wiedereinstieg auf
eine körperlich nicht belastende Tätigkeit in Angriff zu nehmen, und defi-
nierte entsprechend auch ein Zumutbarkeitsprofil, gemäss welchem
schwere Arbeiten mit Schlägen oder Vibrationen sowie häufigen grösseren
Belastungen über 5 kg zu vermeiden seien (vgl. VB 153). Sein für den Be-
schwerdeführer definiertes Zumutbarkeitsprofil deckt sich grundsätzlich mit
dem von Kreisarzt med. pract. D. definierten Belastungsprofil (vgl. VB 162).
Im Rahmen der Potential Abklärung der Eidgenössischen Invalidenversi-
cherung (IV) wurde durch das KompetenzCentrum F. ebenfalls eine
100%ige Leistungsfähigkeit für leichte Tätigkeiten festgestellt. Der Be-
schwerdeführer sei von seinen Fähigkeiten, dem gesundheitlichen Zustand
und seiner Persönlichkeit her zu 100 % vermittelbar (vgl. Bericht: Potenzial
- 8 -
Abklärung vom 12. Juli 2020 [VB 170]). Behandlungen wurden damals –
abgesehen von einer Analgesie bei Bedarf – keine mehr durchgeführt. Un-
ter diesen Umständen ist, wie sich auch aus der einleuchtenden Einschät-
zung von Dr. med. E. vom 28. April 2021 ergibt, nicht zu beanstanden, dass
die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Beurteilung von med. pract. D.
von keinem über den 30. September 2020 hinaus noch zu erwartenden
namhaften Behandlungserfolg ausging und den Fall auf diesen Zeitpunkt
hin abschloss.
2.4.2.
Hieran vermag auch der Sprechstundenbericht vom 1. Oktober 2020 von
PD Dr. med. F. nichts zu ändern. So hielt dieser nach der Abschlusskon-
trolle (vgl. VB 153) lediglich fest, es gebe einzig Rettungseingriffe, welche
die Situation verbessern könnten, und es sei aktuell keine weitere Kontrolle
mehr vorgesehen (VB 178 S. 2). In seiner E-Mail vom 15. März 2021 an die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers gab er sodann an, die Operation
habe die Schmerzreduktion zum Ziel. Die Erfolgschancen einer solchen
Operation seien leider immer ungewiss. Mit einer Schmerzreduktion sei
aber mit einer "höheren" Wahrscheinlichkeit zu rechnen. Falls der Erfolg
ausbleibe, stünde immer noch die Möglichkeit einer vollständigen Handge-
lenksversteifung offen (Beschwerdebeilage 8). PD Dr. med. F. bestätigte
damit weder vor noch nach der Operation, dass durch die Operation mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit prospektiv eine namhafte Besserung
des Gesundheitszustandes zu erwarten gewesen sei, vielmehr bezeichnet
er die Erfolgsaussichten einer solchen Operation als offen (vgl. Beschwer-
debeilage 8) und damit ungewiss.
2.5.
Zusammenfassend standen im Zeitpunkt des Fallabschlusses keine medi-
zinischen Massnahmen zur Diskussion, von welchen eine namhafte Bes-
serung des Gesundheitszustandes und damit eine Steigerung der Arbeits-
fähigkeit erwartet werden konnte. Weitere medizinische Abklärungen erüb-
rigen sich. Die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Invaliditäts-
gradberechnung (VB 190 S. 2 f.) und damit die Verneinung eines Renten-
anspruchs wird von der rechtskundig vertretenen Beschwerdeführerin –
nach Lage der Akten zu Recht – nicht beanstandet, so dass sich diesbe-
zügliche Weiterungen, wie auch Ausführungen zur abgelehnten Integritäts-
entschädigung (VB 190 S. 3), erübrigen. Damit erweist sich die Einstellung
der vorübergehenden Leistungen (Heilbehandlung per 31. Juli 2020 und
Taggelder per 30. September 2020) mit anschliessender Prüfung des An-
spruchs auf eine Rente und/oder eine Integritätsentschädigung als korrekt.
3.
3.1.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen.
- 9 -
3.2.
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG).
3.3.
3.3.1.
Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens
(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung
als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-
spruch auf Parteientschädigung zu. Der unentgeltlichen Rechtsvertreterin
wird das angemessene Honorar nach Eintritt der Rechtskraft des versiche-
rungsgerichtlichen Urteils aus der Obergerichtskasse zu vergüten sein
(Art. 122 Abs. 1 lit. a ZPO i.V.m. § 34 Abs. 3 VRPG).
3.3.2.
Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers reichte am 25. Januar 2022
eine Kostennote ein, die einen Zeitaufwand von 12.88 Stunden zu
Fr. 280.00 bzw. Fr. 140.00 und Barauslagen von Fr. 217.50, total somit
Fr. 3'753.90, ausweist.
3.3.3.
Die Entschädigung im Beschwerdeverfahren vor dem Versicherungsge-
richt richtet sich nicht nach einem Stundentarif, sondern in erster Linie nach
der Bedeutung und der Schwierigkeit des Falles (von Fr. 1'210.00 bis
Fr. 14'740.00; § 8a Abs. 3 i.V.m. § 3 Abs. 1 lit. b AnwT). Praxisgemäss be-
trägt die Grundentschädigung in einem durchschnittlichen Beschwerdever-
fahren betreffend UVG innerhalb des genannten Tarifrahmens von § 3
Abs. 1 lit. b AnwT Fr. 3'300.00. Mit dieser Grundentschädigung sind Akten-
studium, Instruktionen, rechtliche Abklärungen, Korrespondenz und Tele-
fonate sowie eine Rechtsschrift und die Teilnahme an einer behördlichen
Verhandlung abgegolten. Hiervon erfolgt ein Abschlag gemäss § 6 Abs. 1
AnwT von 10 % aufgrund der nicht durchgeführten Verhandlung
(= Fr. 2'970.00). Zum Honorar hinzu kommen eine Spesenpauschale von
3 % sowie die gesetzliche Mehrwertsteuer (MwSt.). Es ergibt sich damit
eine Entschädigung von gerundet insgesamt Fr. 3'300.00 (inkl. Auslagen
und MwSt.).
3.3.4.
Die zuzusprechende, reine Stundenentschädigung (Honorar ohne Spesen,
zuzüglich MwSt.) beträgt nach dem Dargelegten Fr. 3'210.90, was bei ei-
nem Stundenansatz von Fr. 180.00 einem Aufwand von rund 17.84 Stun-
den entspricht. Der vom Rechtsvertreter geltend gemachte Aufwand be-
trägt hingegen nur 12.88 Stunden, womit eine weitere Überprüfung der
Kostennote nicht erforderlich ist. Rechtsprechungsgemäss hat es demnach
mit der hiervor dargelegten Entschädigung von Fr. 3'300.00 sein Bewen-
den (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_386/2020 vom 24. September
- 10 -
2020 E. 4.1.3; 8C_278/2020 vom 17. August 2020 E. 4.3; 9C_321/2018
vom 16. Oktober 2018 E. 6.2).
3.4.
Es wird ausdrücklich auf Art. 123 ZPO verwiesen, wonach eine Partei, der
die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung der der
Rechtsvertreterin ausgerichteten Entschädigung verpflichtet ist, sobald sie
dazu in der Lage ist.