Decision ID: d1855224-469c-4b19-8656-a1d73eca36bd
Year: 2015
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt:
1. Mit Veranlagungsverfügung der Staatssteuer 2012 vom 19. September 2013 wurde die
Pflichtige mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 61‘769.-- veranlagt.
2. Mit Schreiben vom 28. September 2014, welches die Steuerverwaltung als Revisionsge-
such entgegennahm, führte die Pflichtige aus, sie habe anlässlich ihres Scheidungsverfahrens
vom Bezirksgericht einen Auszug der Veranlagungsverfügung der Staatssteuer 2012 ihres ge-
trennt lebenden Ehemannes erhalten. Dessen Steuerrechnung sei erheblich tiefer als ihre.
Grund dafür seien Abzüge in Höhe von Fr. 46‘295.-- (u.a. Vorfälligkeitsentschädigungen von Fr.
30‘578.--, Liegenschaftsunterhalt von Fr. 1‘896.--, Hypothekarzins von Fr. 7‘828.--). Diese
Geldbeträge seien im gegenseitigen Einverständnis vom damaligen gemeinsamen Konto abge-
bucht worden und stünden als Abzug beiden Ehegatten je zur Hälfte zu. Zudem sei ihm der
Eigenmietwert über Fr. 7‘585.-- aufgerechnet worden. Die Bankbelege, welche ihr Ehemann der
Steuererklärung beigelegt habe, seien an beide adressiert gewesen. Mit Schreiben vom 30.
September und 24. Oktober 2013 habe die Steuerverwaltung die Pflichtige über die Steuerrück-
vergütung betreffend Wohneigentumsförderung informiert. Diese Rückvergütung habe die
Steuerverwaltung von sich aus korrekterweise je zur Hälfte vorgenommen. Beide Steuererklä-
rungen seien von der gleichen Gemeinde verarbeitet worden. Da der Sachverhalt der Steuer-
verwaltung bekannt gewesen sei, hätte sie die Abzüge von sich aus hälftig auf beide Ehegatten
aufteilen müssen.
3. Mit Revisions-Entscheid vom 14. November 2014 wies die Steuerverwaltung das Revisi-
onsbegehren ab. Zur Begründung führte sie u.a. aus, eine Revision sei ausgeschlossen, wenn
der Antragsteller als Revisionsgrund vorbringe, was er bei der ihm zumutbaren Sorgfalt schon
im ordentlichen Verfahren hätte geltend machen können. Die Positionen, bei welchen die Pflich-
tige um eine Korrektur ersuche, seien in der Steuererklärung nicht deklariert worden und hätten
spätestens innert der Einsprachefrist anhängig gemacht werden müssen. Die Veranlagungsbe-
hörde habe die nötigen Erhebungen zur Feststellung der für die Steuerveranlagung relevanten
Tatsachen vorzunehmen, jedoch werde diese Untersuchungspflicht durch den Grundsatz der
Verfahrensökonomie eingeschränkt. So dürften Vermutungen, die sich aufgrund der allgemei-
nen Lebenserfahrung ergeben würden, berücksichtigt werden. Darunter falle auch die Vermu-
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tung, dass die steuerpflichtige Person alle sich zu ihren Gunsten auswirkenden Tatsachen de-
klariere.
4. Mit Schreiben vom 15. Dezember 2014 hielt die Pflichtige an ihren Ausführungen fest
und erhob Rekurs mit den sinngemässen Begehren, es seien Liegenschaftsunterhaltskosten in
Höhe von Fr. 948.--, Hypothekarzinsen von Fr. 3‘914.-- und private Schuldzinsen von Fr.
18‘285.50 zum Abzug zuzulassen. Zudem sei ein Eigenmietwert von Fr. 3‘792.50 aufzu-
rechnen. Weiter führte sie aus, im März 2012 hätten sie und ihr Ehemann ihr Haus verkauft.
Alle daraus entstandenen Zahlungsverpflichtungen seien vom gemeinsamen Konto abgebucht
worden. Die Bankbelege seien an die alte Adresse, wo ihr Ehemann für eine gewisse Zeit allei-
ne gewohnt habe, gesendet worden. Ihr seien diese nicht ausgehändigt worden. Ihr Ehemann
habe gewusst, welche Vorteile für ihn aus den Abzügen resultieren würden. Möglicherweise
habe er auf den Belegen den Empfänger korrigiert und nur seinen Namen stehen gelassen.
Eine frühere Einreichung und eine Reaktion auf die Veranlagungsverfügung seien nicht möglich
gewesen, da sie von den Belegen keine Kenntnis gehabt habe.
5. Mit Vernehmlassung vom 19. Januar 2015 beantragte die Steuerverwaltung die Abwei-
sung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, es würden keine anerkannten Revisions-
gründe vorliegen. Die Veranlagungsverfügung der Staatssteuer 2012 sei - selbst wenn sie ma-
teriell fehlerhaft wäre - rechtskräftig geworden. Zudem wies sie darauf hin, dass die Re-
kurrentin am 27. April 2012 ihr unterschriftliches Einverständnis für die Auflösung der Fest-
hypotheken und die dafür berechneten Ausstiegskosten von Fr. 10‘461.45, Fr. 5‘650.40, Fr.
9‘940.80 und Fr. 4‘644.90 gegeben habe. Sie habe daher Kenntnis von den Vorfälligkeits-
entschädigungen, deren Fälligkeit per 1. Juni 2012 sowie Belastung auf dem gemeinsamen
Konto gehabt. Ferner habe sie Kenntnis vom in Rechnung gestellten Baurechtzins vom 31.
März 2012 im Betrag von Fr. 6‘670.15 gehabt, welchen sie ebenfalls mit unterschriftlichem Ein-
verständnis zur Zahlung ab dem gemeinsamen Konto in Auftrag gegeben habe. All dies seien
Positionen, welche steuermindernd vom Einkommen abgezogen hätten werden können. Dass
der jeweilige Bankbeleg noch an die gemeinsame alte Adresse verschickt worden sei, begründe
keine neue Tatsache. Die veranlagende Steuerbehörde habe zudem davon ausgehen dürfen,
dass sich die in Trennung lebenden Ehegatten damals über die individuelle Kostentragung in-
tern geeinigt hätten, zumal der Ehemann temporär noch eine Weile im gemeinsamen Haus
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wohnhaft geblieben sei und mit dem Eigenmietwert in der Regel auch die liegenschaftsspezifi-
schen Einkommenssteuerfaktoren übernommen würden.
6. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.

Das Steuergericht zieht in Erwägung:
1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu-
ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurteilung des vorliegenden Rekurses zu-
ständig.
Gemäss § 129 Abs. 2 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vor-
liegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr nicht übersteigt, vom Präsidenten und zwei Richte-
rinnen und Richtern des Steuergerichts beurteilt.
Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stellenden Anforderungen erfüllt sind, ist
ohne weitere Ausführungen darauf einzutreten.
2. Im vorliegenden Fall unterliegt zunächst der Beurteilung, ob die Steuerverwaltung die
Eingabe der Pflichtigen vom 28. September 2014 zu Recht als Revisionsgesuch entgegenge-
nommen hat.
a) Gemäss § 122 Abs. 1 StG können Steuerpflichtige und, bezüglich der Staats-
und Gemeindesteuer, die Gemeinden innert 30 Tagen nach der Eröffnung der Veranlagung bei
der kantonalen Steuerverwaltung schriftlich Einsprache erheben. Bleibt eine Verfügung unange-
fochten, so erwächst sie in formelle und materielle Rechtskraft und kann grundsätzlich nicht
mehr abgeändert werden. Dies gilt auch in den Fällen, in denen die Verfügung fehlerhaft ist
(vgl. Ziegler in: Nefzger/Simonek/Wenk, Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-
Landschaft, 132 N 1). Eine rechtswidrige Veranlagung kann allerdings zu stossenden Unbillig-
keiten führen. Um einen Ausgleich zwischen den Rechtsgrundsätzen der Rechtssicherheit und
der materiellen Rechtmässigkeit herbeizuführen, haben der Gesetzgeber und die Praxis ver-
schiedene Korrektur- und Ausgleichsmechanismen entwickelt, welche unter bestimmten Vo-
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raussetzungen erlauben, formell und materiell rechtskräftige Verfügungen und Entscheide
nachträglich aufzuheben und abzuändern. Im Steuerbereich sind die wichtigsten Behelfe das
Nachsteuerverfahren, die Wiedererwägung und die Revision (vgl. Ziegler, a.a.O., 132 N 3). Die
Revision gibt den Verfahrensbeteiligten die Möglichkeit, unter bestimmten Voraussetzungen die
Aufhebung/Abänderung einer formell und materiell rechtskräftigen Verfügung bei der verfügen-
den Behörde verbindlich zu verlangen (vgl. Ziegler, a.a.O., 132 N 5). Sie erlaubt die Behebung
gravierender Entscheidfindungsmängel in den Fällen, in welchen eine Anfechtung mit einem
ordentlichen Rechtsmittel nicht mehr möglich ist (vgl. Ziegler, a.a.O., 132 N 16).
b) Im vorliegenden Fall datiert die Veranlagungsverfügung der Staatssteuer vom 19.
Dezember 2013. Die eingangs erwähnte Eingabe erfolgte am 28. September 2014 und damit
weit nach Ablauf der gesetzlichen Rechtsmittelfrist von 30 Tagen. Die Verfügung ist somit in
Rechtskraft erwachsen. Der Pflichtigen stand der ordentliche Rechtsmittelweg damit nicht mehr
offen. Folglich hat die Steuerverwaltung die Eingabe der Rekurrentin zu Recht als Revisionsge-
such entgegengenommen und einen Revisions-Entscheid gefällt.
3. Im Weiteren unterliegt der Beurteilung, ob die Vorinstanz das Revisionsgesuch zu Recht
abgewiesen hat.
a) Einleitend ist anzumerken, dass auf ein Revisionsgesuch nicht eingetreten wird,
wenn die formellen Voraussetzungen (z.B. Verjährung bzw. Verwirkung) nicht erfüllt sind (Klöti-
Weber/Siegrist/Weber, Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 4. A. Bern 2015, § 204 N 7).
Auf ein Revisionsbegehren wird eingetreten und ein abweisender Entscheid gefällt, wenn sich
der formrichtig geltend gemachte Revisionsgrund als nicht rechtserheblich herausstellt. Ist er
rechtserheblich, wird der angefochtene rechtskräftige Entscheid aufgehoben und in der Sache
neu entschieden (vgl. Rhinow/Koller/Kiss/Thurnheer/Brühl-Moser, Öffentliches Prozessrecht, 3.
Aufl. Basel 2014, Rz. 1731 f.; Kölz/Häner/Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. Zürich 2013, Rz. 1346; Entscheid des Bundesverwaltungsge-
richt [BVGE] vom 9. September 2009, Abteilung I, A-2541/2008, E. 4.3.6).
b) Gemäss § 132 Abs. 1 StG kann eine rechtskräftige Veranlagung oder ein rechts-
kräftiger Entscheid auf Antrag oder von Amtes wegen zugunsten des Steuerpflichtigen revidiert
werden, wenn erhebliche Tatsachen oder entscheidende Beweismittel entdeckt werden (lit. a),
wenn die erkennende Behörde erhebliche Tatsachen oder entscheidende Beweismittel, die ihr
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bekannt waren oder bekannt sein mussten, ausseracht gelassen oder in anderer Weise wesent-
liche Verfahrensgrundsätze verletzt hat (lit. b) oder wenn ein Verbrechen oder Vergehen die
Verfügung oder den Entscheid beeinflusst hat (lit. c). Aussergesetzliche Revisionsgründe sind
möglich (vgl. Ziegler, a.a.O., 132 N 38; Vallender in: Kommentar zum Schweizerischen Steuer-
recht I/1, Art. 51 StHG N 23).
c) Eine Revision ist ausgeschlossen, wenn der Antragsteller als Revisionsgrund
vorbringt, was er bei der ihm zumutbaren Sorgfalt schon im ordentlichen Verfahren hätte gel-
tend machen können (Art. 132 Abs. 2 StG). Unabhängig vom Revisionsgrund darf der Ge-
suchsteller es nicht während des ursprünglichen Verfahrens an der gebotenen Sorgfalt fehlen
lassen (vgl. Ziegler, a.a.O., 132 N 42). An die Sorgfalt der steuerpflichtigen Person bei der Wah-
rung ihrer Rechte im Veranlagungsverfahren dürfen einige Anforderungen gestellt werden. Es
ist grundsätzlich davon auszugehen, dass sie ihre eigenen finanziellen Verhältnisse kennt, und
dass sie die Veranlagungsverfügung nach Erhalt überprüft und allfällige Mängel rechtzeitig rügt.
Sie kann nicht die Revision verlangen, um im Rechtsmittelverfahren Versäumtes nachzuholen
(vgl. Entscheid des Steuergerichts [StGE] vom 26. Oktober 2012, 510 12 22; Entscheid des
Bundesgerichts [BGE] vom 21. Mai 1997, E. 3d, in: Archiv für Schweizerisches Abgaberecht
[ASA], Bd. 67, S. 398). Die Revision als ausserordentliches Rechtsmittel kann daher nicht mit
Einwendungen begründet werden, die im ordentlichen Rechtsmittelverfahren hätten erhoben
werden können (BGE 111 1b 210 E. 1 mit Hinweisen, in diesem Sinne auch Vallender, a.a.O.,
Art. 51 StHG N 25). Die Revision ist beispielsweise ausgeschlossen, wenn aus Nachlässigkeit
des Steuerpflichtigen oder seines Vertreters wesentliche Sachverhaltselemente im ordentlichen
Veranlagungs- oder Rechtsmittelverfahren nicht vorgebracht worden sind oder wenn der Steu-
erpflichtige bei Prüfung der ihm eröffneten Veranlagung, allenfalls unter Beizug eines Sachver-
ständigen, den Sachverhalts- oder Rechtsirrtum der Behörde sofort hätte entdecken können
(vgl. Zweifel/Casanova, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht, § 26 Rz. 54). Die Revision ist
demnach ausgeschlossen, wenn der Steuerpflichtige sich bei der Deklaration seiner Steuerfak-
toren schlicht geirrt hat (vgl. StGE vom 14. Dezember 2007, 510 07 35, E. 3d; Ziegler, a.a.O.
132 N 42). Das Revisionsverfahren kann nicht dazu dienen, von der steuerpflichtigen Person zu
verantwortende Nachlässigkeiten nachträglich zu bereinigen (vgl. Rich-
ner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. A. Zürich 2013, § 155 N
29).
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4. Es stellt sich zunächst die Frage, ob vorliegend ein Revisionsgrund gemäss § 132 Abs.
1 lit. a StG gegeben ist.
a) Gemäss § 132 Abs. 1 lit. a StG kann eine rechtskräftige Veranlagung revidiert
werden, wenn erhebliche Tatsachen oder entscheidende Beweismittel entdeckt werden. Als
Tatsachen im Sinne von § 132 Abs. 1 StG gelten Zustände oder Vorgänge, die den gesetzli-
chen Steuertatbestand betreffen. Anlass für eine Revision sind nicht irgendwelche Tatsachen,
sondern nur erhebliche (vgl. Vallender, a.a.O., Art. 51 StHG N 11). Eine Tatsache ist erheblich,
wenn sie geeignet ist, den dem angefochtenen Entscheid seinerzeit zugrunde gelegten Sach-
verhalt wesentlich zu verändern, und dadurch zu einer andern Entscheidung Anlass zu geben
(vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., § 155 N 23; Ziegler, a.a.O., 132 N 30; BGE 101 Ib
220, E. 1). Die Tatsachen, welche geeignet sind, eine Revision auszulösen, müssen grundsätz-
lich im Zeitpunkt des ursprünglichen Entscheids oder Urteils bereits gegeben sein (vgl. Rich-
ner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 24; Ziegler, a.a.O., 132 N 31). Nachträglich eingetretene
Tatsachen können nur berücksichtigt werden, wenn sie auf die tatbeständliche Grundlage der
zu revidierenden Verfügung zurückwirken. Um im Sinne der Bestimmung als neu zu gelten,
dürfen die Tatsachen erst nachträglich entdeckt worden sein (vgl. BGE 2A.530/2004 vom 9.
November 2004, E. 4.2). Als erheblich gilt demnach eine Tatsache, die früher unbekannt war,
aber bereits bestanden hat, und die zu einer rechtserheblichen Veränderung des Sachverhalts
führt.
Beweismittel sind Erkenntnisquellen, die sich dazu eignen, den rechtserheblichen
Sachverhalt festzustellen, also die Behörden vom Vorliegen der rechtserheblichen Tatsachen
zu überzeugen (vgl. Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. Bern 1983, S. 275). Neue
Beweismittel können geeignet sein, das Vorliegen erheblicher Tatsachen im Zeitpunkt der Ver-
fügung oder Entscheidung oder von Tatsachen zu beweisen, die zwar im Veranlagungsverfah-
ren schon behauptet worden waren, aber keine Berücksichtigung fanden, weil sie unbewiesen
blieben (vgl. Vallender, a.a.O., Art. 51 StHG N 13). Die neu angebotenen Beweismittel müssen
von entscheidender Bedeutung sein, um die frühere, auf mangelhafter Grundlage getroffene
Entscheidung umzustossen (vgl. Ziegler, a.a.O., 132 N 33). Der Gesuchsteller hat zudem dar-
zutun, dass er die neuen Beweismittel im früheren Verfahren nicht beibringen konnte (vgl. Val-
lender, a.a.O., Art. 51 StHG N 13).
Im Regelfall sollen neue Beweismittel Tatsachen beweisen, die zum Zeitpunkt
der Verfügung oder des Entscheids schon bestanden haben. Daher kann je nach Standpunkt
dieser Revisionsgrund als mit dem der neuen Tatsache verknüpft gesehen werden (vgl. Vallen-
der, a.a.O., Art. 51 StHG N 13). Somit liegt der Revisionsgrund der erheblichen, neuen Tatsa-
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che vor, wenn zum Nachweis einer neuen Tatsache ein neues Beweismittel angerufen wird
(vgl. BGE 92 IV 177, E. 1.a).
b) Die Pflichtige bringt im Wesentlichen vor, die Bank habe die Belege betreffend
die diversen, vorliegend strittigen Abzüge an die alte Adresse der Ehegatten gesendet. Ihr
Ehemann habe ihr diese in der Folge nicht ausgehändigt. Sie habe daher keine Kenntnis von
diesen Belegen gehabt. Erst als sie erfahren habe, dass die Steuerrechnung ihres Ehemannes
erheblich tiefer ausgefallen sei, habe sie die dem Revisionsgesuch beigelegten Bankbelege
verlangt. Eine frühere Einreichung und eine Reaktion auf die Veranlagungsverfügung der
Staatssteuer 2012 seien nicht möglich gewesen, da sie von den Bankbelegen zu dieser Zeit
keine Kenntnis gehabt habe.
c) Aus den dem Gericht vorliegenden Akten geht hervor, dass die Rekurrentin am
27. April 2012 ihr unterschriftliches Einverständnis für die Auflösung der Festhypotheken bei der
Bank und zu den dafür berechneten Ausstiegskosten von je Fr. 10‘461.45, Fr. 5‘650.40, Fr.
9‘940.80 und Fr. 4‘644.90 gegeben hat. Sie hatte daher Kenntnis vom Total der Vorfälligkeits-
entschädigungen sowie deren Fälligkeiten per 1. Juni 2012. Diese Beträge wurden am 4. Juni
2012 vom gemeinsamen Konto abgebucht. Den Akten lässt sich ebenfalls entnehmen, dass sie
Kenntnis vom am 31. März 2012 in Rechnung gestellten Baurechtzins im Betrag von Fr.
6‘670.15 hatte, welchen sie mit unterschriftlichem Einverständnis zur Zahlung ab dem gemein-
samen Konto am 1. Juni 2012 in Auftrag gegeben hat. Die Pflichtige hat die Steuererklärung
2012 am 20. Februar 2013 eingereicht. Die Rekurrentin hatte folglich im Zeitpunkt der Erstel-
lung ihrer Steuererklärung 2012 von den bezahlten Vorfälligkeitsentschädigungen sowie vom
bezahlten Baurechtzins Kenntnis. Daher hilft es ihr nicht weiter, dass die jeweiligen Abrech-
nungsbelege der Bank noch an die alte Adresse der Ehegatten verschickt worden sind, da die
darin enthaltenen Informationen ihr nicht unbekannt waren.
Im Weiteren konstituieren die nun eingereichten Bankbelege auch keine neuen
wesentlichen Beweismittel. Es ist nicht so, dass die Pflichtige in ihrer Steuererklärung Abzüge
geltend gemacht hätte, die sie mangels Belege nicht hätte beweisen können. Zudem wäre es
der Pflichtigen unbenommen und ohne unverhältnismässigen Aufwand möglich gewesen, eine
Abrechnung über den Saldo des gemeinsamen Kontos für die Steuererklärung zu verlangen.
Somit hätte die Pflichtige diese Belege bei der ihr zumutbaren Sorgfalt auch schon im ordentli-
chen Verfahren beibringen können. Ferner ist auch die Kopie der Veranlagungsverfügung der
Staatssteuer 2012 ihres getrennt lebenden Ehemannes kein neues wesentliches Beweismittel.
Durch die Kenntnis der Veranlagung wurde der Pflichtigen lediglich bewusst, dass Vorfällig-
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keitsentschädigungen und Hypothekarzinsen abziehbar sind und nicht, dass solche bezahlt
worden sind.
Aus dem oben Ausgeführten ist festzustellen, dass es der Pflichtigen nicht ge-
lungen ist, den Nachweis zu erbringen, dass sie von den vorgebrachten Tatsachen und Be-
weismitteln keine Kenntnis hatte. Zudem wäre es der Pflichtigen bei der ihr zumutbaren Sorgfalt
möglich gewesen, die Abzüge schon im ordentlichen Verfahren geltend zu machen und die da-
zugehörigen Belege einzureichen.
5. Im Weiteren stellt sich die Frage, ob den Steuerbehörden im Veranlagungszeitpunkt
bekannt war oder hätte bekannt sein müssen, dass der Rekurrentin die Abzüge, die der Ehe-
mann vorgenommen hat, hälftig anzurechnen gewesen wären bzw. ob ein Revisionsgrund ge-
mäss § 132 Abs. 1 lit. b StG vorliegt.
a) Gemäss § 132 Abs. 1 lit. b StG kann eine rechtskräftige Veranlagung revidiert
werden, wenn die erkennende Behörde erhebliche Tatsachen oder entscheidende Beweismit-
tel, die ihr bekannt waren oder bekannt sein mussten, ausseracht gelassen oder in anderer
Weise wesentliche Verfahrensgrundsätze verletzt hat. Damit wird die Möglichkeit der Korrektur
qualifizierter Verfahrensfehler vorgesehen. Die Bestimmung soll die Berichtigung von prozessu-
alen Versehen ermöglichen (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., § 155 N 31). Die Zulassung
eines Verfahrensmangels als Revisionsgrund setzt voraus, dass es sich um einen wesentlichen
Mangel handelt, der zudem geeignet war, die Entscheidung negativ zulasten des Steuerpflichti-
gen zu beeinflussen (vgl. Ziegler, a.a.O., 132 N 35). Als praktisch bedeutsame Revisionsgründe
im Sinne dieser Bestimmung sind namentlich die Verweigerung des rechtlichen Gehörs, die
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (vgl. Entscheid des Steuergerichts Solothurn vom 2.
Juli 2001, publ. in: Der Steuerentscheid [StE], 2002, B 97.11 Nr. 20), die unrichtige Besetzung
des Gerichts oder die Verletzung von Ausstandspflichten zu nennen (vgl. Rich-
ner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., § 155 N 31).
Ein Revisionsgrund liegt insbesondere vor, wenn die entscheidende Behörde
erhebliche Tatsachen oder Beweismittel, die ihr bekannt waren oder hätten bekannt sein müs-
sen, nicht berücksichtigt hat. Dieser Revisionsgrund ergibt sich u.a. aus dem Untersuchungs-
grundsatz (vgl. Vallender, a.a.O., Art. 51 StHG N 14). Der Untersuchungsgrundsatz berechtigt
und verpflichtet die Einschätzungsbehörde, von sich aus mit allen ihr gesetzlich zur Verfügung
stehenden Mitteln den steuerrelevanten Sachverhalt zu erforschen (vgl. Meier in: Nefz-
ger/Simonek/Wenk, Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-Landschaft, 109 N 2 mit
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weiteren Hinweisen). Die Untersuchungspflicht der Veranlagungsbehörde ist im Prinzip eine
umfassende (vgl. Zweifel in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/1, Art. 46 StHG N
4).
Eine gewisse Einschränkung erfährt der Untersuchungsgrundsatz indessen
durch die Mitwirkungspflicht des Steuerpflichtigen (vgl. Vallender, a.a.O., Art. 51 StHG N 14).
Diese gebietet dem Pflichtigen, alles vorzunehmen, um eine vollständige und richtige Veranla-
gung zu ermöglichen (vgl. Zweifel, a.a.O., Art. 42 StHG N 3). Der Steuerpflichtige hat bestimmte
Beilagen einzureichen, und er trägt die Verantwortung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der
Steuererklärung. Ist er sich über die steuerrechtliche Bedeutung einer Tatsache im Unklaren,
darf er diese nicht einfach verschweigen, sondern hat er auf die Unsicherheit hinzuweisen. Je-
denfalls muss er die Tatsache als solche vollständig und zutreffend darlegen (vgl. BGE Nr.
2C.26/2007 vom 10. Oktober 2007, E. 3.2; BGE Nr. 2C_21/2008 vom 10. Juni 2008, E. 2.2).
Die Behörde darf sich auf die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben der Steuerpflichtigen
in der Steuererklärung verlassen, wenn es keine Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit oder Un-
vollständigkeit derselben gibt (vgl. Klöti-Weber/Siegrist/Weber, Kommentar zum Aargauer
Steuergesetz, 4. A. Bern 2015, § 201 N 10; Vallender, a.a.O., Art. 51 StHG N 15). Sie ist ohne
besonderen Anlass nicht verpflichtet, Quervergleiche mit Akten anderer Steuerpflichtiger vorzu-
nehmen oder selber im Steuerdossier des Betroffenen nach ergänzenden Unterlagen zu su-
chen. Allerdings darf die Veranlagungsbehörde nicht im gleichen Masse unbesehen auf die in
der Steuererklärung gemachten Angaben abstellen, wie sie dies bei einer Selbstveranlagungs-
steuer tun könnte. Sie hat insbesondere zu berücksichtigen, dass vom Steuerpflichtigen nicht
bloss Tatschen in die Formulare einzutragen sind, sondern sich beim Ausfüllen der Steuerklä-
rung auch eigentliche Rechtsfragen stellen. Eine Pflicht zur Vornahme ergänzender Abklärun-
gen besteht für die Veranlagungsbehörde aber nur dann, wenn die Steuererklärung Fehler ent-
hält, die klar ersichtlich bzw. offensichtlich sind (vgl. StGE vom 23. Oktober 2009, 510 09 42, E.
3b; BGE Nr. 2C.26/2007 vom 10. Oktober 2007, E. 3.2.2.; BGE Nr. 2C_21/2008 vom 10. Juni
2008, E. 2.3). Folglich müssen die fraglichen Tatsachen beim Entscheid aus den Akten hervor-
gegangen sein bzw. – ohne aktenmässig erfasst zu werden – der Behörde zur Kenntnis ge-
bracht worden sein. Tatsachen, die den Behörden hätten bekannt sein müssen, sind anzuneh-
men, wenn die steuerpflichtige Person bestimmte Anhaltspunkte geliefert hatte, die Steuerbe-
hörde jedoch in Verletzung ihrer Untersuchungspflicht nähere Abklärungen unterliess (Rich-
ner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., § 155 N 32). Der Steuerpflichtige darf die aktenkundige Tat-
sache, die zur Revision Anlass geben soll, nicht gekannt haben, weil er sie andernfalls mit ei-
nem ordentlichen Rechtsmittel hätte geltend machen können (vgl. Vallender, a.a.O., Art. 51
StHG N 16).
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Eine weitere Schranke der Untersuchungspflicht bilden die natürlichen Vermu-
tungen. Vermutet werden dürfen Tatsachen, mit deren Verwirklichung nach der Lebenserfah-
rung gerechnet werden darf, sofern keine Umstände nachgewiesen sind, welche diese Annah-
me widerlegen (vgl. Zweifel, a.a.O., Art. 46 StHG N 5). Die Veranlagungsbehörde ist zur Vermu-
tung befugt, dass Tatsachenvorbringen des Steuerpflichtigen, welche Tatsachen betreffen, die
zu seinen Gunsten sprechen, vollständig sind. Die Behörde darf infolgedessen ohne gegenteili-
ge Anhaltspunkte davon ausgehen, dass der Steuerpflichtige alle steueraufhebenden und –
mindernden Tatsachen (z.B. solche, die zu Abzügen vom Einkommen führen), geltend gemacht
hat. Sie ist auch zur Annahme berechtigt, dass der Steuerpflichtige nicht mehr Einkommen bzw.
Gewinn angegeben hat, als er tatsächlich erzielt hat, und dass jedenfalls insoweit die betreffen-
den steuerbegründenden oder -mehrenden Tatsachen wahr sind (vgl. Zweifel, a.a.O., Art. 46
StHG N 6).
b) In casu führt die Pflichtige aus, mit Schreiben vom 30. September und 24. Okto-
ber 2013 habe die Steuerverwaltung sie über die Steuerrückvergütung betreffend Wohnei-
gentumsförderung informiert. Diese Rückvergütung habe die Steuerverwaltung von sich aus
korrekterweise je zur Hälfte ihrem getrennt lebenden Ehemann und ihr angerechnet. Beide
Steuererklärungen seien von der gleichen Wohngemeinde verarbeitet worden. Da die Trennung
der Steuerverwaltung bekannt gewesen sei, hätte diese die Korrektur betreffend die hälftigen
Abzüge von sich aus vornehmen oder weitere Abklärungen treffen müssen, was sie jedoch un-
terlassen habe. Die Steuerverwaltung hält dafür, sie dürfe die Vermutung berücksichtigen, dass
die steuerpflichtige Person alle sich zu ihren Gunsten auswirkenden Tatsachen deklariere. Zu-
dem habe sie davon ausgehen dürfen, dass sich die in Trennung lebenden Ehegatten damals
über die individuelle Kostentragung intern geeinigt hätten, zumal der Ehemann temporär in dem
gemeinsamen Haus wohnhaft geblieben sei und mit dem Eigenmietwert in der Regel auch die
liegenschaftsspezifischen Einkommenssteuerfaktoren übernommen würden.
c) Vorliegend hat die Pflichtige die Steuererklärung 2012 am 20. Februar 2013 ein-
gereicht. Die Tilgung etwaiger Vorfälligkeitsentschädigungen ist darin nicht erwähnt und diesbe-
zügliche Belege wurden nicht beigelegt. Es waren folglich in der Steuererklärung keine Anhalts-
punkte auf allfällig geleistete Vorfälligkeitszahlungen oder Baurechtszinse vorhanden. Die für
die Veranlagung zuständige Person hatte keinen Anlass, an der Vollständigkeit der Steuererklä-
rung zu zweifeln und weitere Abklärungen vorzunehmen. Sie durfte davon ausgehen, dass die
Steuerpflichtige ihre eigenen Verhältnisse und damit die ihr zustehenden Abzüge kennt. Der
Ehemann der Pflichtigen reichte seine Steuererklärung 2012 erst am 20. August 2013 ein, worin
Seite 12
er u.a. Vorfälligkeitsentschädigungen über Fr. 30‘578.-- als Vermögensverwaltungskosten und
Fr. 7‘828.-- als Hypothekarzinsen geltend machte. Zudem reichte er diesbezügliche Bankbelege
ein. Die geltend gemachten Ausstiegskosten wurden in der Folge durch die Steuerverwaltung
als private Schuldzinsen zum Abzug zugelassen. Zudem machte er pauschale Liegenschafts-
unterhaltskosten über Fr. 1‘896.-- geltend und deklarierte einen Eigenmietwert über Fr. 7‘585.--.
Es ist ein häufiges Szenario, dass derjenige, der in der Liegenschaft bleibt, die Kosten im Zu-
sammenhang mit dem Haus bezahlt und daher auch steuerlich zum Abzug bringen darf. Auch
wurde weder durch die Pflichtige noch den Ehemann eine Trennungsvereinbarung eingereicht,
die einen anderen Schluss zugelassen hätte. Als die Steuerverwaltung die Steuererklärung
2012 des Ehemannes am 20. August 2013 erhielt, musste sie sich daher nicht zu der Annahme
veranlasst sehen, die Pflichtige habe bei ihrer Steuererklärung 2012 vom 20. Februar 2013 ver-
gessen, ihren Anteil der Abzüge vorzunehmen. Überdies verging zwischen der Einreichung der
Steuererklärung durch die Pflichtige am 20. Februar 2013 bis zur Einreichung der Steuererklä-
rung durch den Ehemann am 20. August 2013 einige Zeit. Auch ein und derselbe Steuerbeamte
könnte nicht alle die mit anderen Steuerpflichtigen gemachten Erfahrungen im Gedächtnis be-
halten. Es bestand für die Steuerverwaltung kein Anlass, einen Quervergleich mit der Steuerak-
te der Rekurrentin vorzunehmen. Zudem ist die Steuerverwaltung nicht verpflichtet, in Steuer-
dossiers Dritter Nachforschungen anzustellen.
Daher ist festzuhalten, dass aus der Tatsache, dass die Rekurrentin und ihr
Ehemann sich im Jahre 2012 getrennt haben und dass die Bankbelege auf beide lauteten, die
Steuerverwaltung nicht zum Schluss kommen musste, dass die Abzüge beiden je zur Hälfte
zustehen würden. Eine Reaktionspflicht der Steuerverwaltung bestand im vorliegenden Fall
nicht. Die Pflichtige muss sich entgegenhalten lassen, dass sie vorliegend ihrer Mitwirkungs-
pflicht nicht vollständig nachgekommen ist, indem sie die Bankbelege nicht eingereicht hat.
6. Schliesslich unterliegt der Beurteilung, ob vorliegend ein Revisionsgrund gemäss § 132
Abs. 1 lit. c StG gegeben ist.
a) Gemäss § 132 Abs. 1 lit. c StG kann eine rechtskräftige Veranlagung revidiert
werden, wenn ein Verbrechen oder Vergehen die Verfügung oder den Entscheid beeinflusst
hat. Unter Verbrechen oder Vergehen sind grundsätzlich die in Art. 10 Abs. 2 und 3 des
Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937 (StGB) normierten Begriffe zu
verstehen (vgl. Ziegler, a.a.O., 132 N 36). Gemäss Art. 10 Abs. 2 StGB sind Verbrechen Taten,
die mit Freiheitsstrafe von mehr als drei Jahren bedroht sind. Vergehen werden mit Freiheits-
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strafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bedroht (Art. 10 Abs. 3 StGB). Das Vergehen oder
Verbrechen muss auf den betroffenen Entscheid zulasten des Steuerpflichtigen einen nachteili-
gen Einfluss gehabt haben. Diese Einflussnahme kann grundsätzlich auf zwei Arten geschehen
sein. Einerseits kann sich die Handlung auf den zu beurteilenden Sachverhalt ausgewirkt ha-
ben, so dass der dem Entscheid zugrunde gelegte Sachverhalt unzutreffend war, oder aber der
Einfluss der strafbaren Handlung hat sich auf den Steuerpflichtigen bezogen und ihn daran ge-
hindert, seine Verfahrensrechte in vollem Umfang geltend zu machen (vgl. Ziegler, a.a.O., 132
N 37). Die strafbare Handlung muss nicht durch strafgerichtliches Urteil oder Strafbefehl festge-
stellt sein. Vielmehr genügen allenfalls auch andere Beweismittel (vgl. Rich-
ner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., § 155 N 36; Vallender, a.a.O., Art. 51 StHG N 22). Es reicht
sodann aus, dass die Erfüllung des Tatbestands in objektiver Hinsicht festgestellt wurde (vgl.
Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., § 155 N 36).
b) Die Pflichtige ist der Ansicht, ihr Ehemann habe gewusst, welcher Vorteil für ihn
durch die Bankbelege resultieren würde und er habe ihr dieselben vorenthalten, was einer Un-
terschlagung gleichkommen könne. Möglicherweise habe er auf den Belegen den Empfänger
korrigiert, nur seinen Namen stehen gelassen und damit eine Täuschungshandlung vorgenom-
men.
c) Aus den dem Steuergericht vorliegenden Akten ist ersichtlich, dass der getrennt
lebende Ehemann der Pflichtigen auf den mit der Steuererklärung eingereichten Bankbelegen
weder den Empfänger korrigiert noch diese Belege auf eine andere Art und Weise manipuliert
hat. Er hat die Bankbelege lediglich der Steuererklärung beigelegt. Soweit ersichtlich hat er gar
vergessen, den Baurechtzins von Fr. 6‘670.15 abzuziehen. Von einer Täuschung der Steuer-
verwaltung kann somit nicht die Rede sein. Zu den Ausführungen der Pflichtigen, ihr Ehemann
habe gewusst, dass für ihn ein Vorteil aus den Bankbelegen resultieren würde und er habe ihr
dieselben bewusst vorenthalten, können den Akten keinerlei Belege entnommen werden. Zu-
dem wurden diese Vorbringen an der Verhandlung durch die Pflichtige nicht substantiiert darge-
legt, womit es diesbezüglich bei einer Behauptung bleibt.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass kein Revisionsgrund gemäss Art. 132 Abs. 1 StG ge-
geben ist. Die Pflichtige hat sich bei der Deklaration ihrer Steuerfaktoren schlicht geirrt und aus
Unwissenheit keine Abzüge vorgenommen. Wie die Pflichtige selbst ausführt, habe sich ihr
Ehemann bis zur Trennung um das Anfertigen der Steuererklärung gekümmert; sie selbst ken-
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ne sich in Steuerangelegenheiten nicht aus. Richtig ist, dass der Ehemann die Rekurrentin über
die Abzugsfähigkeit der diversen gemeinsam vorgenommenen Zahlungen hätte informieren
können. Eine rechtliche Pflicht dazu bestand indessen nicht. Sodann wäre es der Pflichtigen
zuzumuten gewesen, sich nach der Trennung für das Ausfertigen ihrer Steuererklärung an eine
Fachperson zu wenden. Da das Konto zudem auf beide Ehegatten lautete, wäre es der Pflichti-
gen, wie bereits erwähnt, ohne weiteres möglich gewesen, bei der Bank die Belege für die
Steuererklärung einzufordern.
Die Steuerverwaltung hat das Revisionsgesuch zu Recht abgewiesen. Der Rekurs erweist sich
damit als unbegründet und ist abzuweisen.
7. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind der Pflichtigen Verfahrenskos-
ten in Höhe von Fr. 800.-- aufzuerlegen (§ 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 VPO).
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