Decision ID: 2c57e324-0ead-5313-8392-dcc0d8f22563
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._, Helvetiastrasse 54, 9000 St. Gallen,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Leo R. Gehrer, SwissLegal asg.advocati,
Kreuzackerstrasse 9, 9000 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit dem 1. Juni 2010 bei der B._ AG als
Monteur berufstätig und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(nachfolgend: Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert, als sich am
21. Juni 2010 bei der Demontage des Federpakets eines Rolltores der Motor löste und
der Trägerarm dem Versicherten in die linke Gesichtshälfte und an den rechten Arm
schlug (Suva-act. 1).
A.b Aufgrund der leicht dislozierten Jochbeinfraktur sowie der multiplen
Rissquetschwunden im Mittelgesicht links wurde gleichentags im Kantonsspital
St. Gallen (KSSG), Hals-Nasen-Ohrenklinik, eine Einzinkerreposition und
Wundversorgung vorgenommen (Suva-act. 7, 8). Der Versicherte trat am Folgetag
(22. Juni 2010) aus und es wurde ihm bis 5. Juli 2010 eine volle Arbeitsunfähigkeit
attestiert, welche vom Hausarzt des Versicherten Dr. med. C._, Facharzt für
Allgemeinmedizin FMH, St. Gallen, bis 31. August 2010 verlängert wurde (Suva-act. 5,
6, 8, 14, 18). Am 16. August 2010 wurde der Versicherte von Dr. med. D._,
Spezialarzt FMH für Ohren-, Nasen-, Halsheilkunde, Hals- und Gesichtschirurgie,
Allergologie und klinische Immunologie, St. Gallen, untersucht (Suva-act. 121).
A.c Vom 25. August bis 29. September 2010 hielt sich der Versicherte zur stationären
Rehabilitation in der Rehaklinik Bellikon auf und war bis 30. September 2010 zu 100%
arbeitsunfähig (Suva-act. 20, 22, 31, 32, 37, 40, vgl. auch Suva-act. 29 ff. bezüglich
ausserordentlichen Austritt). Am Vorgespräch vom 1. Oktober 2010 in der Klinik Teufen
AG wurde eine depressive Episode ohne psychotische Symptome (F 32.2)
diagnostiziert, und seit Mitte November 2010 fand dort eine ambulante Rehabilitation
des Versicherten statt (Suva-act. 35, 52). Im Verlängerungsgesuch wurde zudem eine
Anpassungsstörung nach schwerem Trauma (F 43.21) festgestellt (Suva-act. 45). Dem
Versicherten wurde bis 30. November 2011 weiterhin eine volle Arbeitsunfähigkeit
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bescheinigt und Physiotherapie verordnet (Suva-act. 43, 46, 48, 49, 64, 69, 73, 78, 101,
113, 125, 129).
A.d Am 4. April 2011 wurde eine Verletzung der Netzhaut durch Laserumstellung des
Foramens operativ behandelt und die Behandlung in der Augenklinik des KSSG am
10. Juni 2011 abgeschlossen (Suva-act. 76, 102). Am 27. Juni 2011 leistete die Suva
Kostengutsprache für Totalprothesen des Ober- und Unterkiefers (Suva-act. 82 ff.,
insbesondere Suva-act. 83 und 90).
A.e Gemäss neurologischem Bericht vom 4. Juli 2011 konnte Dr. med. E._, Arzt für
Neurologie, St. Gallen, kein organisch-neurologisches Krankheitsbild als Ursache der
seit dem Unfall geklagten Beschwerden objektivieren (Suva-act. 91). Am 3. August
2011 wurde eine neuropsychologische Untersuchung im KSSG durchgeführt und es
wurden dabei mittelschwere bis schwere kognitive Funktionsstörungen sowie
ausgeprägte depressive Symptome festgestellt (Suva-act. 153). Anlässlich der
kreisärztlichen Untersuchung vom 31. August 2011 beurteilte Dr. med. G._, Facharzt
für Chirurgie FMH, die Unfallfolgen dahingehend, dass aus somatischer Sicht bis auf
augenärztliche Kontrollen, die – wie ophthalmologisch empfohlen – weiterhin erfolgen
sollten, keine weiteren Therapien erforderlich seien (Suva-act. 103).
A.f Die Suva arrangierte ab 13. September 2011 einen zweimonatigen Arbeitseinsatz
des Versicherten bei der Velowerkstatt St. Gallen, welcher aufgrund häufiger Absenzen
per 28. Oktober 2011 vorzeitig beendet wurde (Suva-act. 108, 109, 110, 116, 124).
A.g Mit kreisärztlicher Beurteilung vom 8. November 2011 (Suva-act. 126) stellte der
Suva-Arbeitsmediziner Dr. med. F._, Facharzt für Ohren-, Nasen- und
Halskrankheiten, Hals- und Gesichtschirurgie FMH, fest, dass der Versicherte unter
einer bilateralen, weitgehend symmetrischen, mittelgradigen Hochtonschwerhörigkeit
mit Senkenbildung leide. Dabei handle es sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
nicht um eine Folge des Unfallereignisses vom 21. Juni 2010, sondern viel
wahrscheinlicher sei es, dass diese Hörstörung einem beruflich bedingten chronischen
Lärmtrauma entspreche. Die diagnostizierte Schwerhörigkeit sei nicht unfallbedingt und
erreiche das Ausmass der Erheblichkeit nicht.
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A.h Mit Verfügung vom 21. November 2011 (Suva-act. 139) stellte die Suva die
Versicherungsleistungen bei Verneinung der Adäquanz per 30. November 2011 ein.
Mangels Vorliegens adäquater Unfallfolgen bestehe auch kein Anspruch auf weitere
Geldleistungen der Suva in Form einer Invalidenrente und/oder einer
Integritätsentschädigung.
B.
B.a Die dagegen erhobene Einsprache des Versicherten vom 21. Dezember 2011
(Suva-act. 144) sowie die Einspracheergänzungen vom 19. (Suva-act. 146) und
23. Januar 2012 wurden mit Einspracheentscheid vom 27. Februar 2012 (act. G 1.1/1;
Suva-act. 156) abgewiesen. Die Swica Krankenversicherung AG hatte ihre am
25. November 2011 vorsorglich erhobene Einsprache (Suva-act. 141) am 15. Dezember
2011 wieder zurückgezogen (Suva-act. 143).
B.b Am 9. Januar 2012 berichteten die Ärzte der Klinik Teufen AG über die
psychiatrische Behandlung des Versicherten (Suva-act. 150).
C.
C.a Mit Beschwerde vom 29. März 2012 (act. G 1) beantragte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Leo R. Gehrer, St. Gallen, der Entscheid vom
27. Februar 2012 sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer seien weiterhin die nach
dem UVG geschuldeten Leistungen, insbesondere Taggeld- und Rentenleistungen
entsprechend einer Erwerbsunfähigkeit von 100%, eine angemessene
Integritätsentschädigung sowie die erforderliche medizinische Behandlung,
auszurichten, gegebenenfalls nach Vornahme weiterer Untersuchungen. Eventualiter
sei der Entscheid vom 27. Februar 2012 aufzuheben und es sei die Sache zur neuen
Beurteilung an die Suva zurückzuweisen; je unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Zur Begründung liess er insbesondere vorbringen, bezüglich der leichten traumatischen
Hirnverletzung liege eine ausdrückliche Diagnose der Rehaklinik Bellikon vor. Soweit
die Suva diese Diagnose nicht übernehmen wolle, sei die Vornahme entsprechender
Abklärungen zwingend. Der Tinnitus sei ebenfalls auf die leichte traumatische
Hirnverletzung zurückzuführen und eine Unfallfolge. Der Beschwerdeführer beantragt
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weitere Abklärungen und ein medizinisches Gutachten zur Frage, ob eine leichte
traumatische Hirnverletzung vorliege. Bei der Adäquanzprüfung sei die
Schleudertrauma-Praxis anzuwenden. Selbst bei Anwendung der Psycho-Praxis seien
die Kriterien erfüllt. Aus dem Geschehensablauf ergebe sich, dass es sich um einen
Grenzfall zu einem schweren Unfall bzw. einen schweren Fall im mittleren Bereich
handle. Der Beschwerdeführer werde sich einer stationären Behandlung in der
Psychiatrischen Klinik Wil unterziehen und er beantrage schon heute, dass das Gericht
die Psychiatrische Klinik Wil mit einer medizinischen Abklärung beauftrage. Der
Beschwerdeführer liess zudem die Entfernung des neuropsychologischen
Untersuchungsberichts aus den Akten ohne Auflistung desselben im Aktenverzeichnis
rügen. Des Weiteren sei der Entzug der aufschiebenden Wirkung unhaltbar.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 4. Mai 2012 (act. G 3) schloss die
Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde und beantragte die Ablehnung
der Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung. Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen an, die Gesichtsverletzungen bewirkten gemäss Feststellung von
Dr. D._ am 16. August 2010 keine funktionellen Einschränkungen mehr und bedürften
keiner weiteren medizinischen Behandlung. Auch die Prellung am rechten Unterarm sei
folgenlos ausgeheilt. Die Hochtonschwerhörigkeit sei unfallfremder Natur. Die
Beschwerdegegnerin habe diesbezüglich ein separates Dossier angelegt und prüfe den
Bestand einer Berufskrankheit. Bezüglich der beklagten Kopfschmerzen, des
Schwindels, der Sehstörungen und des beidseitigen Tinnitus habe weder ein
neurologisches noch röntgenologisches unfallkausales organisches Substrat
objektiviert werden können. Die Folgen der höchstens vorliegenden, organisch nicht
objektivierbaren leichten traumatischen Hirnverletzung seien innert weniger Wochen
nach dem Unfall ausgeheilt. Auch in Bezug auf den Tinnitus fehle ein objektivierbares
Korrelat. Die Zahn- und Laserbehandlung sei komplikationslos verlaufen, bleibende
gesundheitliche Folgen lägen nicht vor. Seit dem Unfall vom 21. Juni 2010 seien von
Anfang an die psychischen und nicht die physischen Folgen das Hauptproblem
gewesen. Da kein Schleudertrauma bzw. keine äquivalente Verletzung, auch kein
Schädel-Hirntrauma vorliege, rechtfertige sich die Adäquanzprüfung anhand der
Psycho-Praxis. Der Unfall sei höchstens als mittelschweres Ereignis im mittleren
Bereich einzustufen. Keines der massgebenden Kriterien sei erfüllt. Weitere
medizinische Abklärungen würden sich erübrigen, da die Frage der natürlichen
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Unfallkausalität offen gelassen werden könne. Die Rüge an den Suva-Sachbearbeiter
werde als haltlos zurückgewiesen und sei überdies für die gerichtliche Beurteilung der
vorliegenden Sache irrelevant.
C.c Mit Präsidialentscheid vom 15. Mai 2012 (UV 2012/25) wies der Präsident der
Abteilung III des Versicherungsgerichts das Begehren um Wiederherstellung der
aufschiebenden Wirkung ab (act. G 4).
C.d Mit (verspäteter) Replik vom 17. September 2012 (act. G 10) und Duplik vom
8. Oktober 2012 (act. G 12) hielten die Parteien an ihren bisherigen Standpunkten fest.
C.e Mit Schreiben vom 21. Januar 2013 (act. G 14) reichte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers drei neue ärztliche Berichte ein (act. G 14.1, 14.2, 14.3).

Erwägungen:
1.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der Einspracheentscheid
vom 27. Februar 2012 (act. G 1.1/1; Suva-act. 156). Streitig ist zunächst, ob
objektivierbare Unfallrestfolgen vorliegen, die eine über den 30. November 2011
hinausgehende Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin begründen. Des Weiteren ist
streitig, ob die psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers in einem natürlichen
und adäquat kausalen Zusammenhang zum Unfall vom 21. Juni 2010 stehen.
2.
2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung
bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht
demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem
versicherten Unfallereignis zusammenhängen (Alexandra Rumo-Jungo,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
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über die Unfallversicherung, 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2003, S. 42 ff.). Die
Leistungspflicht des Unfallversicherers entfällt erst, wenn das Dahinfallen jeder
kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist. Da es sich
bei der Einstellung um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast
nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U
363 S. 46 E. 2 mit Hinweisen; BGE 117 V 261 E. 3b). Dieser muss jedoch nicht den
Beweis für unfallfremde Ursachen erbringen. Ebenso wenig geht es darum, vom
Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden
mehr vorliege oder dass die versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 31. August 2001, U 285/00, E. 5a). Welche
Ursachen ein nach wie vor geklagtes Leiden hat, ist unerheblich. Entscheidend ist
allein, ob die unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale
Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind.
2.2 Unmittelbar nach dem Unfallereignis vom 21. Juni 2010 klagte der
Beschwerdeführer über Schmerzen im Bereich der linken Gesichtshälfte und des
rechten Unterarms. Während die Beschwerden am rechten Unterarm in den
medizinischen Akten seit dem Bericht vom 29. September 2010 nicht einmal mehr
erwähnt werden (gemäss Austrittsbericht vom 29. Juni 2010 konnte eine Fraktur
klinisch sowie radiologisch ausgeschlossen werden; Suva-act. 8; vgl. auch Suva-
act. 103), die multiplen Rissquetschwunden trotz wenig auffälliger Narbe zwischen
linkem Auge und Jochbeinregion reizlos abgeheilt sind (Suva-act. 103), hinsichtlich des
Netzhautrisses am linken Auge am 7. April 2011 eine Operation erfolgte (Suva-act. 76,
102) und auch die Zahnbehandlungen abgeschlossen sind (Kostengutsprache für
Totalprothesen des Ober- und Unterkiefers; Suva-act. 82 ff., insbesondere Suva-
act. 83 und 90), beklagt der Beschwerdeführer weiterhin Kopfschmerzen, einen
beidseitigen Tinnitus, Sehstörungen, Schlafstörungen, Vergesslichkeit, rezidivierende
Orientierungsprobleme und einen Schwankschwindel sowie psychische Beschwerden.
2.3 In der Computertomographie (CT) Neurocranium vom 21. Juni 2010 (Suva-act. 8)
kam eine gering dislozierte Fraktur der lateralen Orbitawand links mit intraorbitalem,
extrakonalen Gasbläschen und maximal 4mm breitem extrakonalen Hämatom zur
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Darstellung. Zudem waren ein Exophthalmus links bei nicht gestrecktem Verlauf des
Nervus opticus, eine normale Konfiguration des Bulbus oculi, eine mehrfragmentäre
Fraktur des Arcis zygomaticus links, eine mehrfragmentäre Frakturstrahlung in den
Orbitaboden, Weichteilemphysem und eine Rissquetschwunde links auf Höhe des
Arcus zygomaticus mit wenige Millimeter grossen röntgendichten Fremdkörpern
ersichtlich. Daraufhin wurde in Narkose eine Wundversorgung sowie eine Reposition
mit dem Einzinker durchgeführt (vgl. Suva-act. 7). Die Schädel-
Magnetresonanztomographie (MRI) vom 15. September 2010 (Suva-act. 37) zeigte ein
normales MRI des Gehirns ohne visualisierbare posttraumatische Läsionen. Es müsse
aber darauf hingewiesen werden, dass besonders die hämosiderinempfindlichen Serien
auch bei mehrfacher Wiederholung durch Patientenunruhe in ihrer Beurteilbarkeit
beeinträchtigt seien. Ein Röntgenbild des Schädels halb-axial und der Orbita vom
30. August 2011 (Suva-act. 103) zeigte eine in diskreter Fehlstellung konsolidierte
Jochbeinfraktur links sowie eine etwas breitere
Sutura fronto-zygomatica links gegenüber rechts, wahrscheinlich posttraumatischer
Ätiologie. Im Übrigen fand sich eine normale Darstellung des Gesichtsschädels in den
vorliegenden Projektionen ohne sicheren Nachweis weiterer posttraumatischer
Veränderungen. Objektivierbare strukturelle (hirn-)organische Läsionen fallen damit als
Ursache für die geklagten Beschwerden ausser Betracht (vgl. auch Suva-act. 37, 38,
40, 91).
2.4 Die reintonaudiometrisch festgestellte, beidseitige, kaum seitendifferente
sensorineutrale Hochtonschwerhörigkeit mit einem Schwellenabfall bei 2000 Hz bis 45
dB, bei 4000 Hz bis 65 dB wird als Folge einer langjährigen, wohl berufsbedingten
Lärmbelastung am Arbeitsplatz von der Beschwerdegegnerin separat abgeklärt und hat
mangels Unfallkausalität vorliegend ausser Acht zu bleiben (vgl. act. G 10.4). In Bezug
auf den beidseitigen Tinnitus stellte Dr. D._ am 16. August 2010 fest, dass dieser
aktuell keiner definierten Frequenz bzw. Intensität zugeordnet werden könne und in
einem zeitlichen Zusammenhang mit dem Unfallereignis stehe, Anhaltspunkte für eine
direkte Schädigung des Hörorgans würden jedoch fehlen (Suva-act. 121). Für die
Begründung einer natürlichen Kausalität genügt die beweisrechtlich untaugliche
Maxime "post hoc ergo propter hoc" nicht, da eine gesundheitliche Schädigung nicht
schon deshalb als durch einen Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten
ist (BGE 119 V 335 E. 2b/bb). Da eine direkte Schädigung des Hörorgans durch
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Dr. D._ ausgeschlossen wurde, fehlt ein organisches Substrat, welches als Ursache
des beidseitigen Tinnitus in Frage kommt.
2.5 Bei der neuropsychologischen Untersuchung vom 2. August 2011 zeigten sich
gemäss Bericht vom 25. August 2011 (Suva-act. 104) mittelschwere bis schwere
kognitive Funktionsstörungen sowie ausgeprägte depressive Symptome. Im
Vordergrund der kognitiven Beeinträchtigungen ständen eine schwere Verlangsamung
der kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit sowie der Reaktionsfähigkeit, schwere
Enkodierungsstörungen sowie exekutive Defizite in Form von schwer verminderter
Flexibilität. Die Gestalterfassung sei ebenfalls deutlich beeinträchtigt.
Orientierungsleistungen, das Behalten von eingespeicherten Informationen sowie
visuokonstruktive Leistungen seien erhalten. Die Fahreignung sei aktuell nicht gegeben.
Im psychopathologischen Bereich bejahe der Beschwerdeführer die überwiegende
Mehrzahl der abgefragten Symptome in einer hohen Ausprägung. In der
Verhaltensbeobachtung und in den Verfahren zur Symptomvalidierung zeigten sich
Hinweise auf eine schwankende Anstrengungsbereitschaft, was jedoch nicht unbedingt
als Aggravation einzuschätzen sei, sondern auch im Rahmen der psychischen
Erkrankung erklärbar wäre. Über die Ätiologie der festgestellten neuropsychologischen
Defizite ist dem Bericht nichts zu entnehmen. Behandlungsvorschläge wurden lediglich
in Zusammenhang mit der passiven Einstellung des Beschwerdeführers gemacht. Es
gibt Fälle, in denen bei sonst unauffälligen Untersuchungsbefunden
neuropsychologische Abklärungen Hirnleistungsstörungen aufzeigen können und der
neuropsychologische Befund der einzige verlässliche Parameter ist (BGE 117 V 369
E. 3d). Jedenfalls bei eindeutigem, nicht diffusem Befund kann der
neuropsychologischen Diagnostik - im Rahmen einer neurologischen
Gesamtwürdigung - nach der Rechtsprechung auch bei der Kausalitätsbeurteilung ein
Aussagewert zukommen (BGE 119 V 335 E. 3c). Hingegen vermag es die
Neuropsychologie nach derzeitigem Wissensstand nicht, selbständig die Beurteilung
der Genese abschliessend vorzunehmen (RKUV 2000 Nr. U 395 S. 318, E. 3). Nach
B.P. Radanov (Über den Stellenwert der neuropsychologischen Diagnostik bei
Patienten nach Halswirbelsäulen-Distorsion [sog. Schleudertrauma der
Halswirbelsäule], SZS 1996, S. 471 ff.) sind neben den unfallabhängigen somatischen
Beschwerden auch psychologische Probleme (und die eingenommenen -
vorliegendenfalls teils hochdosierten psychotropen - Medikamente) geeignet, die
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kognitiven Leistungen negativ zu beeinflussen (S. 477). Psychologische Probleme bzw.
die Interrelation psychologischer und kognitiver Funktionen könnten die reduzierte
Leistungsfähigkeit miterklären (S. 475). Welche Ursache die beim Beschwerdeführer
festgestellten Funktionsauffälligkeiten aufweisen, geht aus dem Bericht vom 25. August
2011 nicht hervor und es wurden daneben auch ausgeprägte depressive Symptome
festgestellt. Damit können neuropsychologische Unfallrestfolgen im Sinn eines
selbständigen, klar abgrenzbaren Befunds nicht als nachgewiesen gelten.
Neuropsychologische Einschränkungen - wie auch diejenigen psychischer Art - können
hingegen Teil des typischen Beschwerdebilds nach leichtem Schädelhirn-Trauma
bilden.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer sieht die von ihm geklagten Beschwerden in einer leichten
traumatischen Hirnverletzung begründet und beantragt mit Hinweis auf den Bericht des
Neurologen Dr. E._ (Suva-act. 91) entsprechende Abklärungen unter Einschluss
neuester bildgebender Verfahren (6-Tesla-MRI o.a.) sowie ein medizinisches Gutachten
zur Frage, ob eine leichte traumatische Hirnverletzung vorliege.
3.2 Eine leichte traumatische Hirnverletzung, auch als Commotio cerebri oder
Gehirnerschütterung bezeichnet, hat gemäss Pschyrembel eine traumatisch bedingte,
reversible funktionelle Schädigung des Gehirns ohne morphologisch fassbares
Substrat zur Folge (Klinisches Wörterbuch 2011, 262., neu bearbeitete und erweiterte
Auflage, Berlin/New York 2010, S. 400; vgl. auch Sönke Johannes/Rita Schaumann-
von Stosch, Commotio cerebri – leichte traumatische Hirnverletzung, Definition,
Symptomatik und Diagnosestellung, in: Neurologie 3/2007, S. 25 ff., <www.tellmed.ch/
include_php/previewdoc.php?file_ id=4249>, abgerufen am 6. Februar 2013). Daran,
dass ein morphologisch fassbares Substrat zur Feststellung einer leichten
traumatischen Hirnverletzung als solches fehlt bzw. dieses bildgebend nicht zur
Darstellung kommen kann, vermag auch eine höhere Magnetfeldstärke bei der
Erstellung des MRI nicht zu ändern, zumal jede Bildakquisition ohnehin ein
Kompromiss ist und eine lange Messzeit bei lebenden Objekten immer auch die Gefahr
der Bewegungsunschärfe birgt (vgl. J. Naxera, Besonderheiten der
Untersuchungstechnik, in: M. Graf/C. Grill/H.-D. Wedig [Hrsg.],
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Beschleunigungsverletzung der Halswirbelsäule, HWS-Schleudertrauma, Bochum
2009, S. 150 ff. zur Methodik der Erstellung eines MRI unter dem Gesichtspunkt der
Bildqualität). Für diagnostische Zwecke werden heute üblicherweise Feldgeräte mit
einer Stärke von mindestens 1-1,5 Tesla, seit 2006 bei Neuanschaffungen mit 3 Tesla,
verwendet. Noch höhere Feldstärken (Ultrahochfeld-Systeme) werden in der
Humanmedizin gegenwärtig nur für Forschungszwecke, aber noch nicht für
Routineuntersuchungen eingesetzt (http://de.wikipedia.org/wiki/
Magnetresonanztomographie, abgerufen am 7. Februar 2013). Dass eine milde
traumatische Hirnverletzung mittels neuerer MRI-Technik bzw. höherer Feldstärke
objektivierbar wäre, ist nicht bekannt; nach aktuellem Stand der medizinischen
Wissenschaft wird eine solche klinisch festgestellt, wobei die Diagnose entweder eine
Episode von Bewusstlosigkeit oder einen Gedächtnisverlust für Ereignisse unmittelbar
vor oder nach dem Unfall oder eine Bewusstseinsstörung (z.B. Benommenheitsgefühl,
Desorientierung) im Zeitpunkt der Verletzung voraussetzt und die Störung nicht mit
einer Bewusstlosigkeit von mehr als 30 Minuten, einem Wert nach der Glasgow Coma
Scale (GCS) von 13 bis 15 nach 30 Minuten oder einer posttraumatischen Amnesie von
mehr als 24 Stunden verbunden sein darf (<http://www.chirurgie-portal.de/neurologie/
gehirnerschuetterung.html>, abgerufen am 7. Februar 2013; vgl. auch Urteile des
Bundesgerichts 6. April 2011, 8C_902/2010, E. 6.1.3 und vom 18. März 2010,
8C_110/2010, E. 3.2 mit Hinweisen). Die Diagnose einer leichten traumatischen
Hirnverletzung wurde mit Bericht der Rehaklinik Bellikon vom 1. Oktober 2010 erstmals
gestellt (Suva-act. 37, 40). Der GCS wurde beim Beschwerdeführer zwar nicht erhoben,
es ist allerdings möglich, dass der Beschwerdeführer 2-3 Sekunden bewusstlos war
(vgl. Suva-act. 8). Aus den polizeilichen Akten geht jedenfalls hervor, dass der
Beschwerdeführer sich nicht an die Ereignisse unmittelbar nach dem Unfall erinnert
und dass er etwas "benebelt" gewesen war und keine zusammenhängenden Sätze
mehr sprechen konnte, nachdem er vom Metallteil im Gesicht getroffen wurde (Suva-
act. 18; Befragungsprotokolle des Beschwerdeführers vom 25. Juni 2010 und von
Michael Schoch vom 21. Juni 2010). Es kann daher anhand der Klinik nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass der
Beschwerdeführer eine leichte traumatische Hirnverletzung erlitten hat.
3.3 Damit erübrigen sich die vom Beschwerdeführer beantragten weiteren
Abklärungen, insbesondere unter Einschluss neuester bildgebender Verfahren (6-Tesla-
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MRI o.a.), sowie auf Erstellung eines medizinischen Gutachtens zur Frage, ob eine
leichte traumatische Hirnverletzung vorliege.
4.
4.1 Ist ein Schleudertrauma der HWS oder eine äquivalente Verletzung (vorliegend:
leichte traumatische Hirnverletzung) diagnostiziert und liegt - bezogen auf diese
Diagnose - kein fassbarer organischer (unfallbedingter) Befund vor, muss für die
Bejahung der natürlichen Kausalität ein typisches Beschwerdebild mit einer Häufung
von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und
Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen, Reizbarkeit,
Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. gegeben sein (BGE 117 V 359
E. 4b; vgl. auch BGE 117 V 369 E. 3e; Bestätigung in BGE 134 V 109 E. 9). Nach der
aktuellen Rechtsprechung des Bundesgerichts (Urteile vom 30. Januar 2007, U 215/05
und vom 15. März 2007, U 258/06) muss bei einer HWS- oder äquivalenten Verletzung
das typische Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden nicht in seiner
umfassenden Ausprägung innerhalb von 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Unfall
auftreten. Vielmehr genügt es, wenn sich in diesem Zeitraum Beschwerden in der
Halsregion oder an der HWS - bei einem Schädel-Hirntrauma in Form von
Kopfschmerzen - manifestieren. Die anderen im Rahmen eines Schleudertraumas oder
einer äquivalenten Verletzung typischerweise auftretenden Beschwerden müssen sich
jedoch immerhin in einem Zeitraum manifestieren, der es erlaubt, vom Vorhandensein
eines natürlichen Kausalzusammenhangs auszugehen.
4.2 Bei der Verlaufskontrolle vom 28. Juni 2010 erwähnte der Beschwerdeführer
erstmals starke Kopfschmerzen sowie Schmerzen beim Kauen. Bei der Untersuchung
vom 16. August 2010 bei Dr. D._ klagte der Beschwerdeführer über starke
Kopfschmerzen bevorzugt am Vertex und okzipital, zudem einen auf beiden Ohren
wahrgenommenen hochfrequenten Tinnitus. Kopfschmerzen werden in den
echtzeitlichen medizinischen Akten erst eine Woche nach dem Unfallereignis – und
damit deutlich ausserhalb der Latenzzeit von 72 Stunden – erstmals dokumentiert.
Aufgrund der erlittenen Kopfverletzungen (gering dislozierte Fraktur der lateralen
Orbitawand, mehrfragmentäre Fraktur des Arcis zygomaticus links und eine
mehrfragmentäre Frakturstrahlung in den Orbitaboden) ist es zwar grundsätzlich
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möglich und denkbar, dass der Beschwerdeführer bereits davor an Kopfschmerzen litt,
diese aber erst bei der Verlaufskontrolle erwähnte. Die Allgemeinbeschwerden (Apathie,
diffuser Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, vermehrtes
Schwitzen und Reizbarkeit) können bei einer allfällig stattgehabten Commotio cerebri
einige Wochen anhalten und bilden sich allmählich zurück, was auch von den Ärzten
der Rehaklinik Bellikon und von Dr. E._ bestätigt wurde (Suva-act. 37, 91). Eine
Persistenz der Symptome beruht möglicherweise auf einer neurotischen
Fehlverarbeitung (sog. Kommotionsneurose) oder einer bewussten Ausgestaltung
(Pschyrembel, a.a.O., S. 2019 unter "Syndrom, postkommotionelles"). Entsprechend
diesem empirischen Verlauf ging die Beschwerdegegnerin im Ergebnis wohl zunächst
von einem unfallkausalen Beschwerdebild aus und erbrachte (insbesondere aufgrund
der somatischen Beschwerden) Leistungen bis 30. November 2011.
5.
5.1 Im Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinn von
nachweisbaren strukturellen Veränderungen spielt die Adäquanz als rechtliche
Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung
des Unfallversicherers praktisch keine Rolle (vgl. BGE 117 V 359, E. d/bb, unten, mit
Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung ;118 V 286, E. 3a). Sind dagegen die
Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar, ist eine eigenständige
Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei welcher wie folgt zu differenzieren ist: Hat die
versicherte Person beim Unfall kein Schleudertrauma bzw. keine
schleudertraumaähnliche Verletzung erlitten, gelangt die Rechtsprechung gemäss BGE
115 V 133 E. 6c/aa zur Anwendung. Ergeben die Abklärungen indessen das Vorliegen
einer Schleudertraumaverletzung, muss geprüft werden, ob die zum typischen
Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar
teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den
Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE
115 V 133 E. 6c/aa für Unfälle mit psychischen Folgen aufgestellten Grundsätze
massgebend (BGE 123 V 98 E. 2a). Andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz
gemäss den in BGE 117 V 359 festgelegten und in BGE 134 V 109 präzisierten
Kriterien. Die Anwendung der Rechtsprechung zum adäquaten Kausalzusammenhang
bei Schleudertraumen der HWS setzt voraus, dass die psychischen Beschwerden aus
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dem Unfall hervorgehen und zusammen mit den organischen Beschwerden, die
ebenfalls auf das Unfallereignis zurückzuführen sind, ein komplexes Gesamtbild
ergeben (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 328 E. 3b). Zu präzisieren bleibt, dass die zu den
Verletzungen nach klassischem Schleudertrauma entwickelte Rechtsprechung zum
natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang (BGE 119 V 335, 117 V 359) auch
auf analoge Verletzungen wie Distorsionen der HWS sowie Schädel-Hirntraumata
anwendbar ist, wenn und soweit sich deren Folgen mit jenen eines Schleudertraumas
vergleichen lassen (Urteil des EVG vom 17. August 2004, U 243/03; RKUV 2000 Nr. U
395 S. 317, E. 3; BGE 117 V 369).
5.2 Am 2. August 2010 deutete die Ehefrau an, der Beschwerdeführer leide an
psychischen Problemen, woraufhin die Beschwerdegegnerin eine stationäre
Rehabilitation in der Rehaklinik Bellikon in die Wege leitete (Suva-act. 9). Im
neuropsychologischen und psychopathologischen Bericht der Rehaklinik Bellikon vom
1. Oktober 2010 wiesen die Ärzte auf eine im Vordergrund stehende psychische
Problematik hin. Auch in der Klinik Teufen wurden bei der ambulanten Rehabilitation
mit der depressiven Episode ohne psychotische Symptome (F 32.2) und der
Anpassungsstörung nach schwerem Trauma (F 43.21) ausschliesslich psychiatrische
Diagnosen gestellt (Suva-act. 45). Bei der Besprechung vom 4. Januar 2011 in der
Klinik Teufen wurde die aktuell bestehende volle Arbeitsunfähigkeit vorwiegend
psychisch begründet (Suva-act. 52). Dass es sich hierbei um eine eigenständige, von
den damals verbliebenen Augen- und Zahnbeschwerden losgelöste Problematik
handelte, bedarf keiner weiteren Erklärung. Da der Tinnitus und die Kopfschmerzen
nicht auf eine objektiv-strukturelle Läsion zurückgeführt werden können, letztere
ausserhalb der Latenzzeit erstmals geklagt wurden und ein natürlicher
Kausalzusammenhang zum Unfall nach einigen Wochen ohnehin verneint werden
müsste (vgl. E. 4.2), sind auch die weiteren Beeinträchtigungen (Kopfschmerzen,
beidseitiger Tinnitus, Sehstörungen, Schlafstörungen, Vergesslichkeit, rezidivierende
Orientierungsprobleme und ein Schwankschwindel) in Zusammenhang mit einer im
Vordergrund stehenden psychischen Problematik – die auch schon mehrmals zum
Abbruch der laufenden Behandlungen geführt hat (vgl. Suva-act. 40 zum vorzeitigen
Austritt aus der Rehaklinik Bellikon sowie act. G 10.6 und G 10.7 zum vorzeitigen
Austritt aus der psychiatrischen Klinik Wil) – zu sehen. Die Adäquanzbeurteilung hat
demnach nach BGE 115 V 133 zu erfolgen.
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5.3 Bei der kreisärztlichen Untersuchung vom 25. August 2011 stellte G._ fest, dass
aus somatischer Sicht bis auf die augenärztlichen Kontrollen, die – wie
ophthalmologisch empfohlen – weiterhin erfolgen sollten, keine weiteren Therapien
erforderlich seien (Suva-act. 103). Diese Beurteilung ist unbestritten und deckt sich
auch mit der weiteren medizinischen Aktenlage (Suva-act. 76, 83, 104, 121, 126). Die
Behandlung der psychischen Beschwerden, insbesondere die Behandlung in der
psychiatrischen Klinik Wil sowie die Überweisung in die tagesklinische Behandlung in
die Psychiatrische Tagesklinik St. Gallen kann vorliegend keine Berücksichtigung
finden, da sie einem Behandlungsabschluss in Bezug auf die somatischen
Beschwerden nicht im Weg steht (Suva-act. 150, act. G 10.6, 10.7). Die
augenärztlichen Kontrollen dienen im Wesentlichen der Aufrechterhaltung des
bestehenden Gesundheitszustands. Der Abschluss des Falls durch den
Unfallversicherer im Sinn von Art. 19 Abs. 1 UVG bedingt lediglich, dass von weiteren
medizinischen Massnahmen keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands
mehr erwartet werden kann, nicht aber, dass eine ärztliche Behandlung nicht länger
erforderlich ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. November 2008, 8C_467/2008,
E. 5.2.2.2.). Heilbehandlungen und Taggeld hat der Versicherer nur solange zu
gewähren, als von der Fortsetzung der Heilbehandlung noch eine namhafte Besserung
des Gesundheitszustands erwartet werden kann. Trifft dies nicht mehr zu, ist der Fall
unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen mit gleichzeitiger Prüfung des
Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen
(BGE 134 V 109 E. 4.1 mit Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin nahm somit zu Recht
den Fallabschluss auf das verfügte Einstelldatum (30. November 2011) im Sinn von
Art. 19 Abs. 1 UVG – als Voraussetzung für die Adäquanzprüfung – an.
6.
6.1 Bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall
und einer anschliessend einsetzenden psychischen Fehlentwicklung mit Einschränkung
der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ist nach der Rechtsprechung (BGE 115 V 133 E. 6)
vom objektiv fassbaren Unfallereignis auszugehen. Dabei besteht ein adäquater
Kausalzusammenhang zwischen den psychischen Beschwerden und dem Unfall, wenn
dem Unfall eine massgebende Bedeutung für deren Entstehung zukommt. Dies trifft
dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft
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ins Gewicht fällt. Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis
anzuknüpfen, wobei – ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf – zwischen
banalen bzw. leichten Unfällen einerseits, schweren Unfällen andererseits und
schliesslich dem dazwischen liegenden mittleren Bereich unterschieden wird. Während
der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel bei schweren Unfällen ohne weiteres
bejaht und bei leichten Unfällen verneint werden kann, lässt sich die Frage der
Adäquanz bei Unfällen aus dem mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens
allein schlüssig beantworten. Es sind weitere, objektiv fassbare Umstände, welche
unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte
Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Dabei müssen
rechtsprechungsgemäss (vgl. BGE 115 V 133 E. 6c; SVR 1999 UV Nr. 10 S. 31 E. 2;
2001 UV Nr. 8 S. 32 E. 3, je mit Hinweisen) die weiteren unfallbezogenen Kriterien
entweder in gehäufter oder auffallender Weise oder ein einziges Kriterium in besonders
ausgeprägter Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Als in die
Adäquanzbeurteilung einzubeziehende Kriterien nennt die Rechtsprechung (BGE 115 V
133 E. 6c/aa): besonders dramatische Begleitumstände oder besondere
Eindrücklichkeit des Unfalls, die Schwere oder besondere Art der erlittenen
Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische
Fehlentwicklungen auszulösen, ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung,
körperliche Dauerschmerzen, ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen
erheblich verschlimmert, schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen
und Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit. Bei der Beurteilung der
Frage, ob diese Kriterien erfüllt sind, ist die psychisch bedingte Beeinträchtigung
auszuklammern und nur der somatische Anteil zu berücksichtigen (BGE 134 V 109
E. 6.1; 123 V 98 E. 2a).
6.2 Den polizeilichen Akten zufolge stand der Beschwerdeführer zwecks Demontage
von Rolltormotoren und den dazugehörenden Federn auf einer kleinen Treppe und
beugte sich nach vorne, um die Halterung des Motors von der Decke zu lösen. Als der
Beschwerdeführer die letzte Schraube gelöst hatte, fiel der Motor von der Decke auf
die (dafür vorbereitete) Palette, wobei er sich gleichzeitig um die eigene Achse drehte.
Dabei schlug die Metallhalterung des Motors unerwartet gegen das Gesicht des
Beschwerdeführers (Suva-act. 18). Ob sich anschliessend ein Sturz ereignet hat, ist
nicht klar zu eruieren. Während in den Aussagen der Auskunftspersonen kein Sturz
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erwähnt wird und der Beschwerdeführer sich an die Ereignisse nach dem Schlag ins
Gesicht durch die Halterung des Motors nicht erinnern konnte (vgl. Suva-act. 18), wird
in den medizinischen Akten seit dem Austrittsbericht vom 29. Juni 2010 von einem
Sturz ausgegangen (Suva-act. 8). Ein solcher ist weder ausgewiesen, noch kann er
sicher ausgeschlossen werden. Wahrscheinlich ist, dass die sichernden Kollegen den
zusammensackenden Beschwerdeführer von der Treppe zogen oder führten.
Jedenfalls erübrigen sich weitere Ausführungen zur Intervention des Suva–Case
Managers und zu deren aktenmässigen Verarbeitung, da sie auf den Ausgang des
vorliegenden Verfahrens keinen Einfluss haben, wie sich zeigen wird. Dieses Ereignis ist
aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs und mit Blick auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung – wo auch schon bei einem Unfall, bei dem ein
Bauhandlanger unter acht schwere Schalungselemente geraten war und erst nach ca.
sechs Minuten mit Hilfe eines Krans befreit werden konnte, das Vorliegen eines
schweren Unfalls der mittleren Gruppe verneint wurde – als mittelschwerer Unfall zu
qualifizieren (Rumo-Jungo, a.a.O., S. 58 mit Hinweis). Der Kausalzusammenhang ist
somit nach der Rechtsprechung adäquat, wenn ein Kriterium besonders ausgeprägt
oder drei Kriterien in einfacher Weise erfüllt sind (vgl. SVR 2010 UV Nr. 25 S. 100
[8C_897/2009] E. 4.5).
6.3 In den Akten finden sich unbestrittenermassen keine Hinweise auf eine ärztliche
Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte. Es traten auch
keine Komplikationen auf.
6.4 Besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit
eines Unfalls sind vorliegend nicht ersichtlich. Nach eigenen Angaben gegenüber der
Polizei vermochte sich der Beschwerdeführer an die Ereignisse nach dem Schlag nicht
mehr zu erinnern (Suva-act. 18). Aus der polizeilichen Mitwirkung oder den Fotos vom
Unfallort lassen sich denn auch keine Schlussfolgerungen in Bezug auf die
Eindrücklichkeit des Unfalls ziehen.
6.5 Die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre
erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, kann mit
Bezug auf die Jochbeinfraktur und insbesondere die Rissquetschwunden im Gesicht
bejaht werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 13. Februar 2012, 8C_435/2012,
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E. 4.2.7, wonach eine generelle Eignung zur Auslösung psychischer Fehlentwicklungen
bei Verbrühungen nicht ohne weiteres zu bejahen sei, da – obwohl die Narben an
Schulter, Thorax und Vorderarm störend seien – diese nur vorwiegend im Sommer oder
an festlichen Anlässen sichtbar seien). Allerdings ist das Kriterium nicht als in
besonderer Weise erfüllt zu betrachten, zumal die Narben aussergewöhnlich gut
verheilt und für Dritte nicht auf Anhieb erkennbar sind (vgl. Fotos in Suva-act. 152).
6.6 Der Heilungsverlauf kann mit Blick auf die somatischen Unfallfolgen nicht als
besonders schwierig bezeichnet werden (vgl. auch Suva-act. 103), da die Beschwerden
im rechten Unterarm folgenlos abgeheilt sind und in den medizinischen Akten seit dem
Bericht vom 29. September 2010 nicht einmal mehr erwähnt werden (gemäss
Austrittsbericht vom 29. Juni 2010 konnte eine Fraktur klinisch sowie radiologisch
ausgeschlossen werden; Suva-act. 8; vgl. auch Suva-act. 103), die multiplen
Rissquetschwunden trotz wenig auffälliger Narbe zwischen linkem Auge und
Jochbeinregion reizlos abgeheilt sind (Suva-act. 103), hinsichtlich des Netzhautrisses
am linken Auge am 7. April 2011 eine Operation erfolgte (Suva-act. 76, 102) und auch
die Zahnbehandlungen abgeschlossen sind (Kostengutsprache für Totalprothesen des
Ober- und Unterkiefers; Suva-act. 82 ff., insbesondere Suva-act. 83 und 90).
6.7 Eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung ist bei einer Dauer von
eineinhalb Jahren im Verhältnis zu den erlittenen Verletzungen nicht zu erblicken.
6.8 Körperliche Dauerschmerzen liegen nicht vor. Gegenüber dem Kreisarzt G._
beschrieb der Beschwerdeführer immer wieder Schmerzen im Bereich der Narbe an
der linken Wange, vor allem bei festem Zubeissen. Solche würden aber auch nicht
immer bestehen (Suva-act. 103). Die weiteren Beeinträchtigungen (insbesondere die
Kopfschmerzen und der beidseitige Tinnitus) können bei der vorliegenden Beurteilung
nicht berücksichtigt werden (E. 5.2 und 6.6).
6.9 Die Arbeitsunfähigkeit bis 31. November 2011 wurde dem Beschwerdeführer
vorwiegend durch seinen Hausarzt Dr. C._ attestiert, wobei aus den jeweiligen
Arztzeugnissen lediglich der Unfall als Ursache hervorgeht und nicht ersichtlich ist, ob
somatische und/oder psychische Beeinträchtigungen die volle Arbeitsunfähigkeit
begründeten (vgl. Suva-act. 6, 14, 43, 46, 48, 49, 64, 69, 73, 78, 98, 101, 113, 125,
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129). Gemäss Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon vom 29. September 2010 war die
berufliche Tätigkeit als Monteur damals nicht zumutbar, da die Anforderungen zu hoch
seien und der Beschwerdeführer sich noch in der medizinischen Phase befunden habe
(Suva-act. 40). Es wurde eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert und weitere
medizinische Massnahmen mit ambulanter psychiatrischer Behandlung empfohlen.
Nach Stabilisierung der Situation könne gegebenenfalls eine erneute Zuweisung zur
beruflichen Rehabilitation erfolgen. Dies deutet darauf hin, dass einer beruflichen
Rehabilitation keine somatischen Beschwerden im Wege standen. In den Akten finden
sich seit der Augenoperation vom 7. April 2011 (Suva-act. 76) keine Berichte über die
Behandlung somatischer Beschwerden. Kreisarzt G._ stellte nach der Untersuchung
vom 31. August 2011 fest, dass sich beim Beschwerdeführer aus somatischer Sicht
keine fortbestehenden unfallbedingten Einschränkungen funktioneller Art, und somit
auch keine diesbezügliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit finden liessen. Die
Beschwerdegegnerin arrangierte ab 13. September 2011 einen zweimonatigen
halbtätigen Arbeitseinsatz des Beschwerdeführers bei der Velowerkstatt St. Gallen,
welcher aufgrund häufiger Absenzen per 28. Oktober 2011 vorzeitig beendet wurde
(Suva-act. 108, 109, 110, 116, 124). Gemäss Bericht der Klinik Teufen vom 9. Januar
2012 konnte der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben ca. 3 Stunden ein leichtes
Beschäftigungsprogramm durchhalten. Eine besondere Ausprägung dieses Kriteriums
ist jedenfalls nicht bereits bei einer höchstens 14 Monate dauernden, offenbar auch auf
psychischen Faktoren beruhenden Arbeitsunfähigkeit anzunehmen. Selbst wenn das
Kriterium Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit erfüllt wäre,
würden zwei gegebene Kriterien ohne besondere Ausprägung nicht ausreichen, um die
Adäquanz zu bejahen.
6.10 Da somit höchstens zwei der zu berücksichtigenden Kriterien in nicht
ausgeprägter Weise erfüllt sind, ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den
psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers und dem Unfall vom 21. Juni 2010
praxisgemäss zu verneinen. Bei fehlendem bzw. mit Erreichen des medizinischen
Endzustands weggefallenem adäquatem Unfallkausalzusammenhang ist auch ein
Anspruch auf Rente und Integritätsentschädigung nicht weiter zu prüfen.
7.
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Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind gemäss Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) keine zu erheben.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 04.03.2013 Art. 6 Abs. 1 UVG. Daran, dass ein morphologisch fassbares Substrat zur Feststellung einer leichten traumatischen Hirnverletzung als solches fehlt bzw. dieses bildgebend nicht zur Darstellung kommen kann, vermag auch eine höhere Magnetfeldstärke bei der Erstellung des MRI nicht zu ändern. Verneinung der Adäquanz in Anwendung der Psycho-Praxis bei einem Unfall, bei dem sich bei Demontage eines Federpakets der Motor löste und der Trägerarm dem Versicherten in die linke Gesichtshälfte und an den rechten Arm schlug (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.Gallen vom 4. März 2013, UV 2012/25). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 8C_318/2013.
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