Decision ID: 2c97ae80-e6ad-476d-b2f4-c7df6355bb07
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1963, ist Marketingfachmann mit Nachdiplom Master of Advanced Studies (MAS) in Services Marketing und Management vom September 2007 (Urk. 6/1/2, Urk. 6/2/5, Urk. 6/55/30).
Am 20. August 1987 hatte er sich bei einem Motorradunfall eine drittgradig offene Talusluxationsfraktur mit Ruptur der Syndesmose am linken oberen Sprunggelenk (OSG), eine Durchtrennung der Flexorsehnen superficialis und pro
fundus am linken Zeigefinger sowie eine Schulterluxation links zugezogen. Die Fussverletzung wurde mittels Talusschraubenosteosynthese und Syndesmosen
stellschraube operativ behandelt. Im weiteren Verlauf nach Schraubenentfernung stellte sich ein aseptische Talusrollennekrose und eine beginnende posttrauma
tische Arthrose im oberen und unteren Sprunggelenk (OSG, USG) links mit belastungsabhängigen persistierenden Beschwerden ein (Urk. 6/12/5, Urk. 6/55/3-7, Urk. 6/67/3-4). Der Unfallversicherer Schweizerische Mobiliar Versicherungen AG (nachfolgend: Mobiliar) erbrachte Taggelder und übernahm die Kosten für die Heilbehandlung.
Ab dem 1. August 2008 war der Versicherte als Marketingfachmann für die Z._ AG tätig (Urk. 6/10/1-2). Am 26. Januar 2011 wurde dem Versicherten im Zentrum für Fusschirurgie der Klinik A._ eine OSG-Mobility-Prothese eingesetzt. Ausserdem wurde eine Arthrodese des USG links vorgenommen (Urk. 6/12/1-2). Am 20. September 2012 kündigte die Z._ AG das Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten per Ende Januar 2013 (Urk. 6/10/9). Wegen persistierender postoperativer Beschwerden wurden am 3. Dezember 2012 im Zentrum für Fusschirurgie der Klinik A._ ein Deltoidrelease am OSG links und eine Gelenkstoilette am Malleolargelenk medi
alseits links durchgeführt (Urk. 6/12/3-4, Urk. 6/12/26). Am 29. Mai 2013 wurde im Kantonsspital B._ ein OSG-Prothesenwechsel mit Schraubenentfernung und Stabilisation des distalen Tibiofibulargelenkes links vorgenommen (Urk. 6/20). Von Anfang Juli bis Ende Dezember 2014 war der Versicherte in einer befristeten Anstellung mit einem 50%igen Arbeitspensum im Marketingbereich
für die
C._
GmbH
tätig (
Urk.
6/55/21, Urk. 6/68/3).
1.2
Am 17. November 2012 hatte sich der Versicherte bei der Eidgenössischen Inva
lidenversicherung wegen Entzündungsschmerzen, Gehbehinderungen, Nacht
schmerzen und Schlafstörungen zufolge der Unfallverletzungen im linken Fuss zum Leistungsbezug angemeldet (Urk. 6/2). Die
Sozialversicherungsanstal
t des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle), nahm erwerbliche und medi
zinische Abklärungen vor und holte unter anderem den Untersuchungsbericht von Dr. med. D._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie, des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 23. Dezember 2013 ein (Urk. 6/30).
Die Mobiliar, welche weiterhin die gesetzlichen Leistungen (Taggelder und Heil
behandlung) für die unfallbedingten Beschwerden am linken Fussgelenk erbrachte (Urk. 6/42), holte unter Beteiligung der IV-Stelle (Urk. 6/43/1, Urk. 6/51) das bidisziplinäre Gutachten von Dr. med. E._, Facharzt für Chirurgie, und von Dr. med. F._, Fachärztin für Psychiatrie und Psy
chotherapie, vom 16. Februar 2015 (Urk. 6/55/2-53) mit dem psychiatrischen Teilgutachten vom 5. Februar 2015 (Urk. 6/55/54-64) ein. Gestützt darauf stellte die Mobiliar mit Verfügung vom 13. Januar 2016 die Taggeldleistungen und Leis
tungen für die Heilbehandlung per Ende Januar 2016 ein und verneinte einen Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente. Ausserdem sprach sie ihm eine Integritätsentschädigung basierend auf einem Integritätsschaden von 35 % zu, abzüglich des bereits im Jahr 1996 vergüteten Integritätsschadens von 20 % (Urk. 6/67/2-7). Dagegen erhob der Versicherte mit Schreiben vom 15. Februar 2016 Einsprache. Die Mobiliar holte daraufhin den Nachtrag zum Gutachten von Dr. E._ vom 10. Juni 2016 ein und wies die Einsprache mit Einsprache
entscheid vom 7. März 2017 ab (Urk. 6/75/2-13).
1.3
Mit Vorbescheid vom 27. Mai 2017 kündigte die IV-Stelle die Zusprache einer ganzen Invalidenrente ab dem 1. Juni 2013 und einer halben Invalidenrente ab dem 1. April 2014 befristet bis am 30. April 2015 an (Urk. 6/80). Dagegen erhob der Versicherte mit Schreiben vom 11. Mai 2017 (Urk. 6/82), ergänzt mit Schrei
ben vom 10. Juli (Urk. 6/88), 5. Oktober (Urk. 6/99), 10. November (Urk. 6/104) und 4. Dezember 2017 (Urk. 6/107), Einwände. Dabei gab er das von ihm veran
lasste Gutachten von Dr. med. G._, Facharzt für Chirurgie, Allgemeinchi
rurgie und Traumatologie, vom 29. August 2017 (Urk. 6/100), sowie die Berichte von Dr. med. H._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 6. Oktober 2017 (Urk. 6/103/1-2), von Dr. med. I._, Facharzt für Neurologie, für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2. Oktober 2017 (Urk. 6/103/3-4) sowie der Neurologie der Klinik A._ vom 2. und 13. November 2017 (Urk. 6/103/5-9, Urk. 6/106) zu den Verwaltungsakten. Mit Verfügung vom 20. Juli 2018 sprach die IV-Stelle dem Versicherten wie angekündigt ab dem 1. Juni 2013 eine ganze Invalidenrente und ab dem 1. April 2014 eine bis am 30. April 2015 befristete halbe Invalidenrente zu (Urk. 2).
2.
2.1
Hiergegen erhob der Versicherte
m
it Eingabe vom 13. September 2018 Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 20. Juli 2018 sei aufzuheben und es ihm ab 1. Juni 2013 eine ganze Invalidenrente und ab 1. April 2014 eine unbefristete halbe IV-Rente zuzusprechen; eventualiter sei die Verfügung vom 20. Juli 2018 aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verpflichten, eine polydis
ziplinäre Begutachtung in die Wege zu leiten, sodann sei gestützt auf das poly
disziplinäre Gutachten über den Anspruch auf eine IV-Rente neu zu verfügen (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss in der Beschwerdeantwort vom 16. Oktober 2018 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5). Mit Verfügung vom 30. Oktober 2018 wurde die Pensionskasse Y._ zum Verfahren bei
geladen (Urk. 7), welche sich nicht verlauten liess (Urk. 9. Urk. 10 S. 2).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
2.2
Die gegen den Einspracheentscheid der Mobiliar erhobene Beschwerde des Ver
sicherten heisst das
Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich mit heutigem Urteil im Verfahren Nr. UV.2017.00089 in dem Sinne gut
, dass
es den
Einsprache
entscheid vom
7.
März 2017
hinsichtlich des verneinten
Rentenanspruch
s aufhebt und d
ie Sache an die
Mobiliar
zur ergänzenden Abklärung sowie zu neuer Ver
fügung über den Rentenanspruch des
Versicherten ab
dem
1.
Februar 2016
zurückweist.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Mit
BGE 143 V 4
18
hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpas
sungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärun
gen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechts
erheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, die unter anderem während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeits
unfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Art. 28 Abs. 1 lit. b und c IVG). Der Rentenan
spruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltend
machung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Absatz 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (Art. 29 Abs. 1 IVG).
Die massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Inv
aliditätsgrad von mindestens 40
Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditäts
grad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Inva
liditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothe
tischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestimmun
gen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a
Verordnung über
die Invaliden
versicherung, IVV) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse ein
getreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisi
onsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeit
punkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchs
änderung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung aus, der
Beschwerdeführer
sei seit dem 20. Juni 2012 in seiner Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt und es habe bis Anfang Dezember 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Ab dem 9. Dezember 2013 sei ihm in der bisheri
gen Tätigkeit als Marketingfachmann wieder eine 50%ige Arbeitsfähigkeit zumutbar, wobei ihm keine Arbeiten mit Lasten von über 10 Kilogramm, im Stehen und Gehen sowie in abschüssigem beziehungsweise unebenem Gelände zumutbar gewesen seien. Seit der Begutachtung durch Dr. E._ im Auftrag der Mobiliar am 21. Januar 2015 sei dem
Beschwerdeführer
seine bisherige Tätigkeit im Marketing unter Berücksichtigung des obigen Zumutbarkeitsprofils wieder in einem Vollpensum zumutbar. In seinem Gutachten sei die Schmerz
problematik und in der psychiatrischen Untersuchung (durch Dr. F._) auch die angegebene Schlafstörung, welche vom
Beschwerdeführer
als in nur leichtem Ausmass vorhanden angegeben worden sei, berücksichtigt worden. Ebenso sei im Gesamtgutachten auf die belastungsabhängigen Schmerzen hingewiesen worden. Insgesamt genüge das Gutachten den (rechtsprechungsgemässen) Anforderungen. Die behandelnden Ärzte seien dagegen aufgrund einer gewissen Einschränkung der Mobilität und der vorwiegend belastungsabhängigen Schmerzen im distalen Unterschenkel und Fuss zu einer unterschiedlichen Einschätzung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 50 % in der Tätigkeit als Marketingspezialist bei der Z._ AG gelangt. Ausserdem sei für den
Beschwerdeführer
nicht die Schmerz
problematik das Problem beim ehemaligen Arbeitgeber gewesen, sondern die von ihm geglaubten Störfelder. Auch die Tätigkeit bei der C._ GmbH hätte nicht nur zu 50 % ausgeübt werden können, denn dabei habe es sich um eine vorwiegend sitzende Tätigkeit am Computer ohne Autofahrten gehandelt. Ab und zu nötige geringe Gehdistanzen seien gemäss den medizinischen Unterlagen zudem zumutbar. Der Einkommensvergleich ergebe mit einem Validenein
kommen von Fr. 102'332.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 50'194.-- gemäss der
vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE)
bei einer Arbeitsfähigkeit von 50 % einen Invalidi
tätsgrad von 50 % ab Dezember 2013 respektive von 4 % ab Januar 2015, was - nach einer anfänglich ganzen Rente ab Juni 2013 - vom 1. April 2014 bis 30. April 2015 den Anspruch auf eine befristete halbe Rente begründe. Dasselbe ergebe die Annahme eines höheren Valideneinkommens, das angesichts des tat
sächlichen durchschnittlichen Jahreseinkommens von 2009 bis 2011, hochge
rechnet auf das Jahr 2013, nicht mehr als Fr. 112'599.-- respektive im Jahr 2015 als Fr. 113'727.-- betragen könne (Urk. 2 S. 5 ff).
2.2
Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, er habe im Zusammenhang mit einer schweren Fraktur und schweren posttraumatischen Veränderung des OSG- und USG-Gelenkes posttraumatische Schmerzen entwickelt. Die Beschwerden würden als neuropathisches Schmerzsyndrom mit möglicher sympathisch unterhaltener Komponente oder als Restzustand nach komplexem regionalem
Schmerzsyndrom (Complex regional pain syndrome, CRPS)
II am Fuss links mit neuropathischer und sympathisch unterhaltener Schmerzkomponente bei Status nach offener Talusluxationsfraktur links 1987 interpretiert. Die Schmerzen würden bei Wetter
wechsel, bei längerem Stehen, unter Belastung, in der Nacht, in Ruhe, im Sitzen, im Stehen und im Gehen auftreten. Er sei auch wegen den Nebenwirkungen der Medikamente nur reduziert leistungsfähig (starke Ermüdung, verminderte Kon
zentrationsfähigkeit, eingeschränkte Reaktionsvermögen). Er habe sämtliche Therapieoptionen zur Reduktion der Schmerzproblematik in Anspruch genom
men (operative, physiotherapeutische, medikamentöse und
psychiatrische Behandlungen, Schmerzbehandlungen inklusive TENS-Gerät, lumbale Grenz
blockaden, Infusionstherapien, Spiegeltherapien). Namentlich die verschiedenen operativen Eingriffe (am linken Fuss) hätten zwar zu einer Verbesserung des somatischen Zustandes, jedoch nie zu einer Verbesserung des chronifizierten Schmerzsyndroms geführt. Es seien dabei keine Diskrepanzen zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten, den Beeinträchtigungen bei der Alltagsbewältigung, der Inanspruchnahme therapeutischer Hilfe sowie zwischen dem erkennbaren klinischen Bild und den Ergebnissen der Selbstbe
urteilungsskala vorhanden. Es würden sich auch keine Hinweise auf patholo
gische Persönlichkeitszüge im Sinne einer subjektiven Krankheitsüberzeugung finden. Die Belastungsintoleranz und die Schmerzen im distalen Unterschenkel und Fuss - zeitweise auch während der Nacht - seien auch durch den Gutachter Dr. E._ nicht in Frage gestellt worden.
Es stelle sich die rechtliche Frage, wie sich die chronische Schmerzstörung
auf seine Leistungsfähigkeit auswirke. Hierzu könne auf die Beurteilung der
Leis
tungs- und Arbeitsfähigkeit gemäss dem Gutachten von Dr. E._ nicht abgestellt werden. Denn dieser verkenne, dass sich die chronifizierte Schmerz- und Entzündungsproblematik am linken Fuss und Unterschenkel massgeblich auf die Leistungsfähigkeit in sämtlichen Lebensbereichen auswirke und mit einer Ver
besserung kaum gerechnet werden könne, was von sämtlichen behandelnden Ärzten mehrfach bestätigt worden sei. Zudem habe der Gutachter seine Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit insbesondere hinsichtlich der Auswirkung darauf durch die Schmerzproblematik nicht ausreichend begründet. Dagegen habe sich nebst Dr. G._ auch der Hausarzt ausserordentlich intensiv mit der Beschwer
deproblematik auseinandergesetzt. Dr. G._ gehe von einer massiven Ein
schränkung der Leistungsfähigkeit aus, da das CRPS aktiv, progredient und drin
gend behandlungsbedürftig sei. Auch der RAD habe vor der Begutachtung durch Dr. E._ auf eine Leistungseinschränkung im Rahmen von 50 % für jede Tätigkeit geschlossen. Da sich die Funktionsbeeinträchtigungen in allen Lebens
bereichen massgeblich auswirken würden (wesentlicher Schmerz in Ruhe, schon bei geringer Belastung und Bewegung, hoher Analgetikabedarf, arthrogene Funk
tionsbeeinträchtigung sichtbar, ausgeprägter Schmerz, tropische Störung, Linde
rung durch Immobilisation und Lagerung, keine Diskrepanzen), müsse von einer Leistungsbeeinträchtigung ausgegangen werden. Insgesamt bestehe eine massive Einschränkung im Belastbarkeitsniveau und in der zumutbaren Arbeitszeit sowohl im angestammten Beruf als auch in einer leidensangepassten Tätigkeit, da die Defizite auch durch eine angepasste Tätigkeit nicht kompensiert werden könnten. Es sei daher von einer 50%igen Leistungsfähigkeit in jeder Tätigkeit auszugehen, wie dies von den behandelnden Ärzten, von Dr. G._ und vom RAD festgestellt worden sei. Der Einkommensvergleich sei damit unter Berück
sichtigung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit vorzunehmen. Damit resultiere bei einem Valideneinkommen gemäss dem Unfallversicherer von Fr. 127'024.10 und einem Invalideneinkommen gemäss der
Beschwerdegegnerin
von Fr. 98'573.-- nach LSE respektive bei einer 50%igen Arbeitsfähigkeit von Fr. 49'286.50.-- ein Invaliditätsgrad von 61 %. Bei einem Valideneinkommen gestützt auf die Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin von Fr. 111'800.-- betrage der Invaliditätsgrad 55,9 %. Der Anspruch auf eine halbe Rente sei deshalb ausgewiesen. Sollte das Gericht von einer höheren Arbeits
fähigkeit ausgehen, sei zumindest ein leidensbedingter Abzug von 15 % zu gewähren (Urk. 1 S. 6 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdegegnerin
die für die Zeit ab dem 1. April 2014 zugesprochene halbe Rente zu Recht per Ende April 2015 aufgeho
ben hat. Dabei bildet die angefochtene Verfügung vom 20. Juli 2018 (Urk. 2)
rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprü
fungs
befugnis (BGE 143 V 409 E. 2.1; 129 V 167 E.
1; je mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts
8C_454/2018 vom 16. November 2018 E. 5
).
3.
3.1
Gemäss dem Bericht vom 23. Dezember 2013 wurde der
Beschwerdeführer
vom orthopädischen Chirurgen Dr. D._ des RAD am 17. Dezember 2013, mithin rund sechseinhalb Monate nach der letzten Operation mit OSG-Prothesenwechsel am linken Fussgelenk vom 29. Mai 2013 (Urk. 6/20), untersucht. Dr. D._ schloss auf die folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Deut
lich eingeschränkte Beweglichkeit und Belastbarkeit des linken Fusses und Sprunggelenks mit persistierenden Schmerzen bei Status nach Motorradunfall mit drittgradig offener distaler Tibiafraktur links und Weichteilverletzungen im August 1987 mit konsekutiver Osteosynthese und einjähriger Entlastung, Status nach OSG-Endoprothesenimplantation links und Arthrodese links USG bei post
traumatischer Arthrose am 26. Januar 2011, Status nach Gelenktoilette des linken OSG am 2. Dezember 2012, Status nach OSG-Endoprothesenwechsel links bei aseptischer Lockerung und Stellschraubenversorgung bei tibiofibularer Instabili
tät, jetzt weiterhin persistierende Schmerzen bei Verdacht auf Lockerung der Stellschrauben. In seiner bisherigen Tätigkeit als Fachspezialist Marketing sei anhand der vorliegenden medizinischen Berichterstattung und der körperlichen Untersuchung vom 17. Dezember 2013 ein somatischer Gesundheitsschaden aus
gewiesen, der die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige. Und zwar habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit von Anfang Dezember 2012 bis November 2013 bestanden. Ab Dezember 2013 habe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepass
ten Tätigkeit bei fortbestehender 100%iger Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit bestanden. Von Anfang Oktober 2012 bis Ende November 2013 habe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit sowohl in der bisherigen als auch in einer leidens
angepassten Tätigkeit bestanden. Eine leidensangepasste Tätigkeit sei eine kör
perlich leichte wechselbelastende Tätigkeit, ohne Hebebelastung über 10 Kilo
gramm, ohne Tragebelastungen über 5 Kilogramm, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufiges Treppensteigen, ohne das linke Bein belastende Zwangs
haltungen und Tätigkeiten (Bücken, Hocken, Knien, Überkopfarbeiten, Arbeiten in Armvorhalte), ohne Gehen auf unebenem Gelände, ohne Vibrationsbelastun
gen und ohne Nässe-/Kälteexposition (Urk. 6/30/7-8).
3.2
Gemäss dem bidisziplinären Gutachten von Dr. E._ und Dr. F._ vom 16. Februar 2015 (Urk. 6/55/2-64), auf welches sich die
Beschwerdegegnerin
bei der Rentenaufhebung stützte (Urk. 2 S. 6), wurde der
Beschwerdeführer
am 21. Januar 2015 aus chirurgischer Sicht und am 4. Februar 2015 aus psychiat
rischer Sicht untersucht (Urk. 6/55/2).
Dabei habe der Beschwerdeführer angege
ben, er leide unter täglichen Schmerzen im linken Fuss, hauptsächlich belastungs
abhängig und im Tagesverlauf sich
aufbauend, wobei er maximal 20
bis 30 Minuten am Stück auf den Beinen sein könne. Er müsse sich dann hinsetzen und das Bein hochlagern. Die Schmerzintensität sei aushaltbar, jedoch sei der Schmerz immer präsent. Nach Belastung komme es zu verstärkten Schmerzen, vor allem im perimalleolären Bereich lateral, die bis in die Nacht hinein andauern würden. Nachts wache er häufig mit starken stechenden oder brennenden Schmerzen im Fuss auf. Die schmerzbedingten Schlafstörungen würden eine psychische Belas
tung und eine verminderte Leistungsfähigkeit am nächsten Tag bewirken. Es komme auch zu eigentlichen Erregungszuständen. Er leide ausserdem an Wetter
fühligkeit. Bei Haushaltstätigkeiten bestehe parallel zum sich aufbauenden Ent
zündungsschmerz eine erhöhte körperliche Ermüdbarkeit, bei geistigen Tätigkei
ten ermüde er weniger. Seine Konzentration sei im Alltag im Allgemeinen nicht eingeschränkt, vor allem wenn ihn etwas interessiere. Es gelinge ihm derzeit aber nicht, sich vertieft, etwa hinsichtlich einer beruflichen Neuausrichtung, in ein Thema hineinzugeben und zu konzentrieren (
Urk. 6/55/20-21
,
Urk. 6/55/24-26
).
Die Gutachter schlossen auf die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Eingeschränkte Belastungstoleranz und Beweglichkeit der lin
ken Unterextremität mit persistierenden, vorwiegend belastungsabhängigen Schmerzen bei Status nach drittgradig offener Talusluxationsfraktur und Syndes
mosenruptur 1987, Status nach Schraubenosteosynthese des Talus mit Syndes
mosenstellschraube und Sehnennähten, Status nach Stellschraubenentfernung und Meshgraft bei Hautdefekt am Fussrücken 1987, Status nach Schraubenent
fernung am Talus 1989, Status nach OSG-Prothesenimplantation/USG-Arthrodese bei posttraumatischer Arthrose 2011, Status nach OSG-Gelenkstoilette 2012, Status nach OSG-Prothesenwechsel links bei aseptischer Lockerung und Stellschraube 2013, Verdacht auf Lockerung der Stellschrauben (Urk. 6/55/45).
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde eine remittierte depressive Störung im Sinne von anamnestisch rezidivierenden depressiven Epi
soden, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4), aufgeführt. Die vom
Beschwerde
führer
berichtete, leichte psychische Befindlichkeitsstörung mit Angaben einer leicht besorgten, manchmal etwas schwermütigen Stimmung und einer leichten Antriebsverminderung lasse sich im Rahmen der aktuellen Lebenssituation in einem normalpsychologischen Rahmen einordnen und erreiche nicht das Aus
mass einer krankheitswertigen Störung. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine uneingeschränkte, 100%ige Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/55/35, Urk. 6/55/37, Urk. 6/55/45).
Die chirurgisch-traumatologische Untersuchung habe eine signifikante Ein
schränkung der Belastungstoleranz und Beweglichkeit der distalen linken Unter
extremität mit persistierenden, vorwiegend belastungsabhängigen Schmerzen ergeben. Das Arbeitspensum als Marketingspezialist bedinge eine gewisse Mobi
lität beziehungsweise Tätigkeit ausserhalb des Arbeitsplatzes inklusive Autofahr
ten.
Daher sei bis heute nur eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert worden. Falls der externe Anteil wesentlich reduziert werden könnte, wäre eine volle Arbeits
fähigkeit in einer vorwiegend sitzend ausgeübten Tätigkeit mit kurzen ebenerdi
gen Gehstrecken zu attestieren.
Dasselbe gelte für den Fall, wenn ein wesentlicher Teil des Arbeitspensums von zuhause aus erledigt werden könne. Für Tätigkeiten, die vorwiegend im Stehen oder Gehen oder in abschüssigem beziehungsweise unebenem Gelände ausgeführt würden, sei der
Beschwerdeführer
unfallbedingt nicht mehr einsetzbar. Dasselbe gelte für Arbeiten, die mit repetitivem Besteigen von Treppen, Leitern und Gerüsten verbunden seien oder solche, die mit Zwangs
haltungen des linken Fusses einhergehen würden. Das Heben und Tragen von Lasten über 10 Kilogramm sei ebenfalls zu vermeiden. Unter Berücksichtigung dieser Zumutbarkeitskriterien könne von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegan
gen werden (Urk. 6/55/44-45).
3.3
Gemäss dem vom
Beschwerdeführer
eingeholten Privatgutachten von Dr. G._ vom 29. August 2017 (Urk. 6/100) habe der
Beschwerdeführer
anlässlich der Untersuchung vom 25. August 2017 angegeben,
die Schmerzen am linken Bein verspüre er bereits am Morgen. Er schlaf
e
sehr schlecht, erwache schmerzbedingt und es würden dann Angstgefühle sowie Sorgen über die beruf
liche und gesundheitliche Zukunft auftreten. Meist sei er morgens wegen der schmerzbedingten Schlafstörung und den Medikamenten müde. Er sei (dann) kraftlos, matt, gleichgültig, oft schon ganz erschöpft. Schon beim Aufstehen sei das linke Bein geschwollen, was sich im Verlauf des Tages verstärke. Der Anlauf
schmerz bessere sich mit der Zeit, werde aber schnell vom Gehschmerz abgelöst, der sich nur mit langen Pausen im Sitzen oder besser im Liegen bessere. Bei kaltem und feuchtem Wetter sei es deutlich schlimmer. Die schmerzarme Strecke belaufe sich auf 200 bis 300 Meter, spätestens bei Eintritt von einschiessenden Schmerzen müsse er sich hinsetzen oder hinlegen. Im Sitzen dauere es in der Regel zirka zwei Stunden, bis dieser Zustand eintrete. Jedoch könne dies ganz unterschiedlich sein und die Schmerzen würden zuweilen früher eintreten oder seien schon da, er wisse nie woran er sei und könne daher kaum etwas planen. Stehend könne er bei guter Ausgangslage eine halbe Stunde tätig sein. Hinsicht
lich sportlicher Aktivitäten könne er noch geradeaus
v
elofahren. Er wisse mitt
lerweile, wie er sich dabei platzieren müsse. Die
Einnahme von Medikamenten würde
die Missempfindungen, die Blitz
e, das Brennen, Kribbeln und den
Berüh
rungsschmerz erträglicher machen. Er sei dann jedoch total schlapp, müde, kon
zentrationsunfähig, gleichgültig und jeder Antrieb sei weg. Manchmal sei er geradezu verwirrt, sehe unscharf und zittere. Neu habe sich das Taubheitsgefühl am linken Fuss bis in die Zehen ausgebreitet und es seien jetzt zusätzlich Schmer
zen an der Aussenseite des linken Unterschenkels im Bereich der Stellschrauben aufgetreten. Diese Beschwerden seien durch Schmerzmittel nicht beeinflussbar. Er erhalte Unterstützung und Verständnis von seiner Lebenspartnerin, die Lebensqualität sei jedoch dahin (Urk.
6/100/
21
-23
).
Dr. G._ befand, die Beschwerdeangaben seien widerspruchsfrei und konsis
tent gewesen. Es hätten sich weder aus den Akten noch bei der Exploration Zeichen von Simulation, Aggravation oder eine Verdeutlichungstendenz ergeben (
Urk.
6/100/
21
-22). Auch psychische Auffälligkeiten seien nicht festgestellt wor
den (
Urk.
6/100/19-20). Diagnostisch schloss Dr. G._ in Anwendung der sogenannten Budapester Kriterien auf das Vorliegen eines unfallbedingten CRPS I (
Urk.
6/100/9-10,
Urk.
6/100/24- 28,
Urk.
6/100/32). Die diagnostischen Mög
lichkeiten seien indes noch nicht ausgeschöpft, so fehle eine neurologische Beur
teilung noch vollständig. Die CRPS-Erkrankung sei zudem immer noch aktiv, was sich aus der erneuten Verschlechterung des Schmerzbildes zeige. So seien lateral links neue Schmerzen aufgetreten und seit März 2017 bestehe ein therapieresis
tentes Unterschenkelgeschwür links lateral (
Urk.
6/100/32). Die geklagten Beschwerden würden zusätzlich anderweitig bedingt, hochwahrscheinlich durch die Syndesmosenschrauben. D
ie nach wie vor verschraubte Syndesmose habe zu lokaler Irritation und Reaktion in unmittelbarer Nähe des Osteosynthesematerials geführt (
Urk.
6/100/
25
,
Urk.
6/100/32
).
Es bestünden klinische Zeichen dafür, dass das CRPS I bereits zu plastischen Ver
änderungen im
zentralen Nervensystem (ZNS) geführt habe. Zu diesen Zeichen würden die festgestellte Allodynie, Hyperalgesie, Myoklonie und die Schmerzaus
breitung sowie die pathologische respektive fehlende Thermorezeption am linken Fuss gehören. Diese seien intensiv zu behandeln. Auch habe die pathologische Thermoregulation des linken Fusses praktische Auswirkungen im Alltag, wie man sich leicht vorstellen könne (
Urk.
6/100/3,
Urk.
6/100/20-21).
Bei einer Erwerbstätigkeit sei regelmässiges Gehen auf ebenem Gelände über 50 Meter, Gehen in unwegsamem Gelände und Treppensteigen, Arbeiten in Hockestellung oder auf den Knien, der Einsatz von schweren Werkzeugen mit Beineinsatz nicht möglich. Das Heben und Tragen von Lasten bis maximal zirka 5 Kilogramm sei nur kurzfristig für maximal eine halbe Stunde möglich. Das Hantieren mit leichten Werkzeugen, die eine gute Feinmotorik der Hand voraus
setzen würden, sei möglich, sofern es mit den Nebenwirkungen von Medikamen
ten (zum Beispiel Zittern, Schwindel, unscharfes Sehen) vereinbar sei. Sämtliche Tätigkeiten, die ein Arbeiten über Kopfhöhe, Rotationsbewegungen des Gesamt
körpers, längeres vorgeneigtes Sitzen (zirka zwei Stunden) oder vorgeneigtes Stehen (zirka 1⁄2 Stunde) beinhalten würden, würden zu vermehrten starken Schmerzen führen und seien zu vermeiden. Längerdauerndes Sitzen ohne Mög
lichkeit der Unterbrechung durch Aufstehen, Hochlagerung des linken Beines oder Einnehmen einer Liegeposition, sei auf zirka eine halbe Stunde begrenzt (
Urk.
6/100/15-16).
Die Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit seien nach den Kriterien Gefährdung der Sicherheit und der Gesundheit, Leistungseinbussen sowie Lebensqualität damit begründet, dass die eingenommenen Medikamente (
Urk.
6/100/29-30) potentiell gefährliche und tatsächlich erfahrene Nebenwirkungen wie Schwindel und unscharfes Sehen hätten, so dass schnelle Entscheidungen oder eine reflexar
tige Handlung nicht geleistet werden könnten; ferner seien die Einschränkungen damit begründet, dass unnötige Belastungen höchstwahrscheinlich eine Gewe
bereaktion auf die Instabilität der Stellschrauben bewirken würden und dass des Weiteren die Tätigkeit als Marketingfachmann auch Kontakte nach aussen wie Besuche, Besichtigungen, Aufenthalte, Kontrollen etc. ausserhalb des Büros voraussetze, zu welchen der
Beschwerdeführer
nicht mehr in der Lage sei. Aus
serdem sei auch der Anteil seiner Bürotätigkeit sehr stark eingeschränkt. Sodann bestehe eine deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität in allen Lebensbe
reichen (
Urk.
6/100/16-19).
Die Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf als Marketingfachmann
(
Urk.
6/100/
18)
sei aufgrund dieser massiven Einschränkungen hinsichtlich Belastbarkeitsniveau, Arbeitszeit und zusätzlichen Leistungseinbussen nur zur Hälfte gegeben, sofern die beschriebenen Einschränkungen in allen Bereichen voll berücksichtigt würden. Auch in einer leidensangepassten Tätigkeit, welche die Einschränkungen aus den medizinischen Defiziten und den Folgen der Behandlung berücksichtige, sei eine Erhöhung der maximal halben Arbeitsfähig
keit nicht zumutbar. Die Defizite seien zu umfassend, als dass diese durch eine spezielle Arbeit kompensiert werden könnten. Darüber hinaus gehende Forderun
gen würden die Kräfte des
Beschwerdeführer
s übersteigen (
Urk.
6/100/15-16,
Urk.
6/100/34-35).
Das Gutachten von Dr. E._ vom 16. Februar 2015 dagegen sei unvoll
ständig, fehlerhaft und widersprüchlich. So würden die Beurteilungskriterien, die bei der Zumessung der Integritätsentschädigung gültig gewesen seien, nicht mehr diskutiert. Dies obschon damit bejaht worden sei, dass eine erhebliche und dau
ernde Schädigung vorliege. Die schwerwiegende Schmerzproblematik werde im Gutachten zwar beschrieben, jedoch könne der Schlussfolgerung auf eine volle Arbeitsfähigkeit nicht gefolgt werden, zumal eine entsprechende Argumentation weitgehend fehle. Auch sei nicht dargelegt worden, weshalb sich die beschriebe
nen Schmerzsymptome nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirken sollten und wes
halb die erhebliche sowie dauernde Beeinträchtigung nicht mehr bestehe respek
tive nicht mehr arbeitsrelevant sei. Ferner gehe der Gutachter nicht auf die diver
gierenden Auskünfte der behandelnden Ärzte ein (
Urk.
6/100/32-33).
3.4
Die neurologischen Abklärungen mit klinischer Untersuchung durch
Dr. I._ (Bericht vom 2. Oktober 2017;
Urk.
6/103/3-4) und mittels Neuro
graphien am 27. Oktober 2017 sowie nervenspezifischer Nadelneurographie und -myographie am 13. November 2017 in der Neurologie der Klinik A._ (Berichte vom 2. und 13. November 2017;
Urk.
6/103/5-9,
Urk.
6/106) ergaben gemäss dem Bericht der Klinik A._ vom 13. November 2017, dass der Ver
dacht auf eine axonale Peroneus-Neuropathie links bestätigt worden sei. Es sei damit das (anlässlich der Konsultation vom 27. Oktober 2017) diagnostizierte CRPS I (Urk. 23 S. 1) als Typ II (mit Nachweis einer Nervenschädigung) zu quali
fizieren und insgesamt die folgende Diagnose zu stellen: chronischer Fussschmerz links, gemischt nozizeptiv und neuropathisch, mit/bei CRPS Typ II, Nachweis einer sensibel betonten demyelinisierend-axonalen distalen Peroneus-Neuro
pathie links, offener Talus-Luxationsfraktur links 1987, Status nach Endoprothese links OSG und Arthrodese USG, Deltoidrelease und Gelenkstoilette OSG (Dezem
ber 2012), Prothesenwechsel, Schraubenentfernung, Stabilisation des distalen Tibiofibulargelenkes links am 29. Mai 2013 sowie aktuell Schraubenbruch im Bereich des Talushalses und Nachsinterung in diesem Bereich (Dezember 2016;
Urk.
6/106/1-2).
4.
4.1
Mit vorliegender Aktenlage und insbesondere mit der nachvollziehbar begründe
ten gutachterlich-fachärztlichen Einschätzung von Dr. F._ gemäss dem Teilgutachten vom 5. Februar 2015 (Urk. 6/55/54-64) ist ausgewiesen,
dass die zuletzt 2010 bis 2013 aufgetretenen und psychiatrisch behandelten psychischen Beschwerden
(Urk. 6/55/59, Urk. 6/16, Urk. 6/26) bezüglich der hier strittigen Zeit ab Anfang 2015 im Wesentlichen remittiert waren und keine krankheitswertigen Störungen mit Auswirkung auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit mehr vorlagen (Urk. 6/55/63-64). Der
Beschwerdeführer
hat gegen die Einschätzung von Dr. F._ denn auch nichts vorgebracht und im (Überprüfungs-)Zeitraum bis zum angefochtenen Entscheid vom 20. Juli 2018 (Urk. 2) ist den Akten nichts Gegen
teiliges zu entnehmen.
4.2
4.2.1
In somatischer Hinsicht ist mit den vorliegenden, insofern übereinstimmenden medizinischen Akten belegt, dass der
Beschwerdeführer
nach der letzten Opera
tion am linken Fussgelenk mit OSG-Prothesenwechsel vom 29. Mai 2013 (Urk. 6/20) weiterhin an Beschwerden mit persistierenden Schmerzen, einge
schränkter Belastungstoleranz und Beweglichkeit an der linken unteren Extremi
tät litt, welche auch Anfang 2015 noch Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit, namentlich auf das Arbeitsprofil, hatten.
Bei vorliegender Aktenlage kann indes entgegen der Ansicht der
Beschwerdegeg
nerin
nicht abschliessend davon ausgegangen werden, dass ab der Begutachtung durch Dr. E._ am 21. Januar 2015 (Urk. 6/55/2) eine anspruchserhebliche Verbesserung der Beschwerden eingetreten war, welche anhaltend bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 20. Juli 2018 (Urk. 2) auf eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit schliessen lässt.
4.2.2
Denn das Gutachten von Dr. E._ vom 16. Februar 2015 (Urk. 6/55/2-53) wurde in somatischer Hinsicht allein aus fachärztlich chirurgischer Sicht erstellt (Urk. 6/55/2) und berücksichtigt die Entwicklung der Beschwerden lediglich bis Anfang 2015.
Aufgrund der Ergebnisse der neurologischen Abklärungen von Dr. I._ und der Klinik A._ im Oktober und November 2017 (Urk. 6/103/3-9, Urk. 6/106) ist jedoch ausgewiesen, dass sich das von Dr. G._ nach den Budapester Kriterien diagnostizierte und ausführlich begründete aktive CRPS (Urk. 6/100/9-10, Urk. 6/100/24-28, Urk. 6/100/32) im Verlauf spätestens bis im November 2017 zum CRPS II mit Nervenschädigung entwickelt hat (Urk. 6/106/1).
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung handelt es sich bei einem CRPS um eine neurologisch-orthopädisch-traumatologische Erkrankung und
es
ist ein organischer beziehungsweise körperlicher Gesundheitsschaden (Urteile des Bundesgerichts 8C_232
/2012 vom 27. September 2012 E.
5.3.1; 8C_10
21/2010 vom 19. Februar 2011 E.
7).
Die Arbeitsfähigkeit zufolge der Beschwerden aufgrund eines CRPS ist somit insbesondere auch aus neurolo
gischer Sicht zu beurteilen.
Des Weiteren ist den Berichten von Dr. I._ vom 2. Oktober 2017 (Urk. 6/103/3) und der Klinik A._ vom 2. November 2017 (Urk. 6/103/5) zu entnehmen, dass Ende 2016 ein
Schraubenbruch
im Bereich des Talushalses mit Nachsinterung festgestellt worden ist. Im Gutachten von Dr. E._ war dagegen erst der Verdacht auf eine Schraubenlockerung festgehalten worden (Urk. 6/55/45). Ausserdem klagte der
Beschwerdeführer
anlässlich der Unter
suchung durch Dr. G._ gemäss dessen Bericht vom 29. August 2017 über neue Schmerzen lateral links, wobei seit März 2017 ein therapieresistentes Unterschenkelgeschwür bestehe (Urk. 6/100/32).
4.2.3
Somit ergeben sich aus den Akten für die Zeit von rund dreieinhalb Jahren seit der Begutachtung durch Dr. E._ Anfang 2015 bis Mitte 2018 (Urk. 2) Hinweise auf Beschwerdebilder, welche von diesem nicht berücksichtigt wurden respektive berücksichtigt werden konnten. Es fehlt daher an einer fachärztlichen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit hinsichtlich der Beschwerdeentwicklung ab Februar 2015. Dabei kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich für die Zeit ab Februar 2015 eine von Dr. E._ abweichende Beurteilung der Arbeits
fähigkeit rechtfertigt; dies insbesondere aufgrund des Schraubenbruches und der Entwicklung des CRPS, das im weiteren Verlauf von Dr. G._ als aktiv und progredient beschrieben wurde (Urk. 6/100/32) und das sich nach neurologisch-fachärztlichen Abklärungen im Herbst 2017 schliesslich als CRPS II mit Nerven
schädigung herausstellte (
Urk.
6/103/3-9,
Urk.
6/106). Hierzu fehlt es für die Zeit ab Februar 2015 an einer Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus fachärztlich-neurologischer Sicht, von der bei vorliegendem Beschwerdebild am linken Fuss nicht abgesehen werden kann.
Da das Gutachten von Dr. E._ somit insbesondere in Bezug auf die Zeit ab Februar 2015 nicht umfassend ist und damit nicht
alle rechtsprechungsgemäss erfo
rderlichen Kriterien für beweis
k
räftige ärztliche Entscheidungs
grundlagen (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351
E. 3a, 122 V 157 E. 1c) erfüllt
,
kann in somatischer Hinsicht nicht darauf abgestellt werden. Sämtliche Vorbringen der
Beschwerdegegnerin
rechtfertigen keine andere Betrachtungsweise.
4.3
Aber auch auf das vom
Beschwerdeführer
eingeholte Gutachten des Chirurgen Dr. G._ vom 29. August 2017 (Urk. 6/100) kann nicht abschliessend abge
stellt werden, zumal es ebenfalls keine fachärztliche Einschätzung der Arbeits
fähigkeit aus neurologischer Sicht enthält, welche das Gutachten von Dr. E._ zu ergänzen vermöchte. Zwar
rechtfertigt der Umstand allein, dass eine ärztliche Stellungnahme von
einer
versicherten Person eingeholt und in das Verfahren eingebracht
wurde
,
nach dem Prinzip der freien Beweiswürdi
gung (BGE 125 V 351 E. 3a)
nicht Zweifel an ihrem Beweiswert
(BGE 125 V 351 E. 3b/dd)
.
Jedoch gilt rechtsprechungsgemäss einschränkend,
dass solche Stel
lungnahmen nicht die Funktion von Gutachten
haben können
, welche vom Gericht oder von einem Unfallversicherer nach dem vorgegebenen Verfahrens
recht eingeholt wurden
(BGE 125 V 351 E. 3b/cc
).
Das Parteigutachten verpflich
tet indes
das Gericht
zu prüfen, ob es in rechtserheblichen Fragen die Auffassung und Schlussfolgerungen des vom Gericht oder vom Versicherungsträger förmlich bestellten Gutachters derart zu erschüttern vermag, dass davon abzuweichen ist oder zumindest weite
re Abklärungen angezeigt sind
(
Urteile des Bundesgerichts 8C_892/2014 vom 23. April 2015 E. 2
)
. Letzteres ist hier im Sinne des hiervor Ausgeführten (E. 5.2) zu bejahen
.
Weitere Ausführungen dazu erübrigen sich daher.
Auch den übrigen medizinischen Akten ist keine fachärztlich-neurologische Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit ab Februar 2015 zu entnehmen.
5.
5.1
Nach dem Gesagten ist bei gegebener Aktenlage eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ab Februar 2015 nicht möglich, weshalb die
Beschwerdegeg
nerin
die medizinischen Abklärungen zu ergänzen hat. Sie hat dazu ein polydis
ziplinäres Gutachten aus fachärztlicher chirurgischer und/oder orthopädischer sowie aus neurologischer Sicht, eventuell zusätzlich aus psychiatrischer Sicht, einzuholen, welches retrospektiv für die Zeit ab Februar 2015 insbesondere Aus
kunft gibt über die Arbeitsfähigkeit in der angestammten und einer leidensange
passten Tätigkeit unter chronologischer Berücksichtigung sämtlicher Gesund
heitsbeeinträchtigungen. Dabei sind auch die Auswirkungen der Medikamenten
nebenwirkungen auf die Arbeitsfähigkeit beachtlich.
5.2
Die
Beschwerde
ist folglich
in dem Sinne
gutzu
heissen, dass d
ie
angefochtene
Verfügung
vom
20. Juli 2018
(Urk. 2)
insoweit
aufzuheben ist
, als
sie
eine
n Ren
tenanspruch ab Mai 2015 verneint
, und es
ist
die Sache an die Beschwerdegeg
nerin
zurückzuweisen
, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwä
gungen, über den Rentenanspruch de
s Beschwerdeführers
ab dem 1. Mai 2015
neu verfüge.
6.
Da der Streitgegenstand die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungs
leistungen betrifft, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), ermessensweise auf Fr. 700.-- anzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Dem Beschwerdeführer steht eine Prozessentschädigung zu, welche nach Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungs
gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen auf Fr. 2'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.