Decision ID: 91fb551b-2c80-4bda-94de-8296f580809e
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1
967
geborene
X._
, Mutter
einer Tochter
(ge
boren
1995
),
gelernte Dentalassistentin
, war
vom 1. Juni 2004 bis am 31. August 2013 als Sachbearbeiterin
bei
Y._
in einem 50%-Pensum
tätig
(Urk. 7/8 und
Urk. 7/61)
.
Am
27. Mai 2013
(Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte mit Hinweis
auf eine psychische
Erkrank
ung
bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk.
7/8
).
Am 7. Juni 2013
erhielt die IV-Stelle die Unterlagen
der Kranken
tag
geldversicherung CSS zu ihren Akten
(Urk. 7/13-16).
Nach
Einholung eines Aus
zugs aus dem individuellen Konto (Urk. 7/20) und
einem persönlichen Gespräch mit der Versicherten zur Abklärung ihrer beruflichen Situation (Urk. 7/21)
über
nahm
die IV-Stelle mit Mitteilung vom 16. August 2013
i
m Rahmen von Frühin
terventionsmassnahmen die Kosten für ein Bewerbungs-Coachin
g (Urk. 7/26). Im April 2014 fand die
Versicherte
schliesslich
per 1. Juni 2014 eine Anstellung am Universitätsspital
Z._
in einem 60%-Pensum
als Verwaltungssekretärin
(Urk. 7/53).
Mit Mitteilung vom 11. April 2014 informierte die IV-Stelle die Ver
sicherte, dass die Arbeitsvermittlung
erfolgreich
abgeschlossen
sei
(Urk. 7/54).
Zur Abklärung der erwerblichen und medizinischen Verhältnisse
holte
die IV-Stelle
Unter
la
gen
der
CSS (Urk. 7/56
-57
), einen Arbeitgeberbericht (Urk. 7/61) sowie einen Arztbericht ein (Urk. 7/62). Mit Verfügung vom 12. September 2014
verneinte die IV-Stelle
schliesslich
wie vorbes
chieden einen
Leistungs
anspruch der
Versicherten (Urk.
7
/6
6
).
Am 15. Oktober 2018 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte
erneut bei der
IV-Stelle an und ergänzte, dass sie vom 1. Mai 2010 bis am 31. August 2015 neben
ihrer Anstellung am
Z._
in einem 40%-Pensum als selb
stän
dige
Kinesiologin
tätig
gewesen sei
(Urk.
7
/73).
Von der IV-Stelle darauf hinge
wiesen, dass zur Glaubhaftmachung einer gesundheitlichen Veränderung ent
spre
chende Beweismittel beigebracht werden müss
t
en (Urk.
7/75
), reichte
die
Ver
sicherte
ein Schreiben der behandelnden Psychiaterin zu den Akten
(Urk.
7/81
).
Die IV-Stelle zog einen Auszug aus dem individuellen Konto bei (Urk. 7/76) und holte
Beri
chte der behandelnden Ärzte
ein
(Urk. 7/85
und
7/89
)
. Am 12. Juli 2019 erging ein
einen
Renten
anspruch
verneinender Vorbescheid (Urk. 7/91). Dagegen brachte die Versicherte am 24. Juli 2019 (Urk. 7/92)
und am 10. September 2019 Ein
wände vor (Urk. 7/95-96)
.
2.
Die Versicherte
erhob am
18. Oktober 2019
Beschwerde gegen die Verfügung vom
19. September 2019
(Urk. 2) und beantragte, ih
r
sei in Aufhebung der ange
foch
tenen Verfügung eine ganze Invalidenrente auszurichten
, eventualiter sei die An
gelegenheit zur Vornahme medizinischer Abklärung an die Vorinstanz zurück
zuweisen
(Urk. 1 und Urk. 3). Mit Beschwerdeantwort vom
22.
November 201
9
beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk.
6
), was de
r
Be
schwerdeführer
in
am 2
7
. November 2019
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
8
).
Mit Eingabe vom 15. Juli 2020 reichte die Beschwerdeführerin das Gutachten von
Dr.
med. A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 5. Juni 2020
zuhanden der BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich ins Recht (Urk.9 und Urk. 10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbsein
kom
men zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V
281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) beurteilen die RAD die medizi
nischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
di
ger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidre
le
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der – anschliessend reformatorisch entscheidenden – Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen mög
lich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig unge
klärten Frage begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.4, publiziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S. 3)
.
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 19. September 2019 erwog die Beschwer
degegnerin, sie habe bei den behandelnden Ärzten medizinische Unterlagen ein
geholt und das Dossier danach dem RAD vorgelegt. Trotz gesundheitlicher Ein
schränkung sei die Beschwerdeführerin in der Lage regelmässig einer Erwerbs
tätigkeit nachzugehen und ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen. Es liege keine Diagnose vor, welche Leistungen der Invalidenversicherung begrün
den würde. Zur Stabilisierung des Gesundheitszustandes werde die Fortführung der Therapie und allenfalls ein stationäre
r
Aufenthalt empfohlen (Urk.
2
).
2.2
Die Beschwerde
führ
erin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass auf die Einschätzung des RAD-Arztes
nicht abgestellt werden könne. D
iese
r sei als Facharzt für Chirurgie nicht qualifiziert sich zu psychischen Störungen zu äussern, wobei seine Beu
rteilung auch nicht überzeugend
sei. In
dem die Be
schwerdegegnerin auf seine Einschätzung abstelle, verletze sie den im IV-Ver
fahren geltenden Untersuchungsgrundsatz, wonach sie den Sachverhalt abzu
klä
ren habe. Sofern sie nicht auf die überzeugenden Arztberichte der behan
delnden Psychiaterin abstellen möchte, wäre es geboten gewesen, den Sachverhalt von einem Facharzt für Psychiatrie abklären zu lassen, was die Beschwerdegegnerin trotz ihrem Hinweis in der Einsprache unterlassen habe. Sie habe es sogar unter
lassen, die Einsprache überhaupt dem RAD vorzulegen. Dieses Vorgehen stelle eine grobe Sorgfaltspflichtverletzung dar. Es habe sich schon im Dezember 2018 gezeigt, dass die Beschwerdeführerin in der 60 % Tätigkeit nicht mehr arbeits
fähig gewesen sei und das Pensum nur mit dem Einsatz einzelner Ferientage zur gezielten Erholung und aufgrund ihre
s
Willen
s
habe aufrechterhalten können. Die Fachärztin habe die
Beschwerdeführerin bereits im Dezember 2018 vollstän
dig krankschreiben wollen. Aus den Akten sei erstellt, dass die Beschwerde
füh
rerin an einer schweren rezidivierenden Depression leide und vollständig er
werbsunfähig geworden sei. Zumal sie ohne Gesundheitsschaden zu 100 % arbei
ten würde, sei ihr eine ganze IV-Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache an die IV zurückzuweisen zur Ergänzung des Sachverhalts und allfälliger Vor
nahme eines
bidisziplinären
Gutachtens (rheumatologisch, psychiatrisch) zur Be
stimmung der Arbeitsfähigkeit (Urk. 1).
3.
Vergleichsbasis im vorliegenden Neuanmeldeverfahren bildet der Entscheid vom 12. September 2014 (Urk. 7/66), welchem in medizinischer Hinsicht im Wesentli
chen der Bericht vom 10. Juni 2014 von Dr. med.
B._
, Fachärztin Innere Medizin, Psychotherapie, Psych
oanalyse
SGPsa
/IPA, zugrunde la
g (Urk.
7/62).
Dr.
B._
, bei welcher die Beschwerdeführerin seit dem 18. Juni 2007 in Be
handlung war, erhob in ihrem Bericht die Diagnosen einer rezidivierenden de
pressiven Störung,
mittelgradige Episode seit November
2012
(ICD-10: F33.1)
und eine
r
instabile
n
Persönlichkeit (ICD-10: F60.3). Die Beschwerdeführerin sei seit Jahren bei
lic.
phil.
C._
in delegierter Physiotherapie. Vom 13. November 2012 bis am 31. August 2013 sei die Beschwerdeführerin 100 % arbeitsunfähig gewesen. Während dieser Zeit habe vom 21. Januar bis am 20. März 2013 eine stationäre Behandlung in der
p
sychiatrischen
K
linik
D._
stattge
funden. Aktuell finde eine kombinierte Behandlung mit Antidepressiva und Psy
chotherapie bei
lic.
phil
.
C._
in Delegation statt. Seit dem 1. September 2013 sei die Beschwerdeführerin auf längere Sicht im Haushalts- und Erwerbbe
reich wieder voll arbeitsfähig.
4.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich im Rahmen der Neuanmeldung vom 15. Oktober 2018 (Urk. 7/73) auf folgende Unterlagen:
4.1
Im Bericht vom 2. Dezember 2018 erhob Dr. med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, welche die Behandlung der Be
schwerdeführerin am 25. Oktober 2016 von Dr.
B._
übernahm, folgende Diagnosen (Urk. 7/81/1):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere depressive Epi
sode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F33.2)
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen, abhängigen und narzisstischen Zügen (ICD-10: F61.0)
-
Chronisches Schmerzsyndrom, Verdacht auf Fibromyalgie
-
Adipositas mit BMI 44.4 (165, 121 Kg)
Aktuell bestünden eine schnelle Erschöpfbarkeit, eine verminderte Belastbarkeit, Mühe Entscheidungen zu treffen, grundloses und nicht kontrollierbares Weinen, z. T. auch am Arbeitsplatz. Am Arbeitsplatz sei die Beschwerdeführerin überlastet und überfordert. Sie stecke alle Energie in ihre drei Arbeitstage. Ausserhalb der Arbeit lebe sie eine Vita
minima
. Sie habe sich sozial zurückgezogen. Ihre Freundinnen habe sie früher zweimal die Woche getroffen, heute schaffe sie es noch einmal pro Monat. Familientreffen hätten früher ca. einmal im Monat statt
gefunden, aktuell nur noch mit mehreren Monaten Abstand und auf Initiative der anderen. Die Beschwerdeführerin mache keine Einladungen mehr und koche auch nicht mehr für sich selber. In der Wohnung herrsche Unordnung, alles bleibe liegen. Sie gehe nicht mehr an Konzerte und telefoniere kaum mehr.
Zur Arbeitsfähigkeit führte Dr.
E._
aus, die Beschwerdeführerin sei im Jahr 2006 an einer rezidivierenden depressiven Störung erkrankt. Diese sei im Jahr 2013 unter der kombinierten Behandlung mit Antidepressiva und Psycho
therapie remittiert. Seit Mitte 2016 sei die Störung jedoch chronifiziert und habe an Schwere zugenommen. Zusätzlich sei von Dr.
F._
ein chronisches Schmerz
syndrom diagnostiziert worden. Obwohl die Medikation umgestellt und deutlich ausgebaut worden sei, habe sich die Symptomatik verschlechtert und seit 2018 bestehe insbesondere eine zunehmende Suizidalität. Die Beschwerdeführerin sei durch ihre verschiedenen psychiatrischen Diagnosen, die sich gegenseitig negativ beeinflussen würden
,
in ihrer Leistungsfähigkeit deutlich eingeschränkt. Mit grosser Anstrengung bewältige sie ein 60%-Pensum. Sie sei sehr motiviert das Teilzeitpensum zu erhalten, da die Tagesstruktur zur Stabilisierung helfe. Vom 12. bis am 25.
März 2018 sei es vorübergehend zu einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit gekommen. Nebenbei attestierte sie der Beschwerdeführerin ab dem 25. Oktober 2016 eine 40 % Arbeitsunfähigkeit bezogen auf ein 100%-Pensum. Wäre die Beschwerdeführerin gesund, würde sie in einem 100%-Pensum arbeiten. Von Februar bis August 2016 habe sie ihr Pensum auf 70 % erhöht, habe es aber aus Krankheitsg
ründen wieder auf 60 % reduzieren müssen
(Urk.
7/81/3-4).
4.2
Im Verlaufsbericht vom 16. Mai 2019 hielt Dr.
E._
fest, dass die Beschwerdeführerin ihre Arbeitstätigkeit im gleichen Umfang an ihrer Belas
tungsgrenze weitergeführt habe. Im Februar 2019 sei sie in eine günstigere Wohnung gezogen. Sowohl beim Einpacken, wie beim Umzug selber sei sie auf fremde Hilfe angewiesen gewesen. Bis heute stünden Umzugskartons in der Wohnung, weil sie den Antrieb nicht habe, diese auszuräumen, obwohl es sie störe. Die Schmerzen hätten sich verstärkt (Urk. 7/85/2). Die Beschwerdeführerin sei weiterhin 60 % von einem 100%-Pensum arbeitsfähig, wobei es sich bei der
jetzigen
Tätigkeit um eine dem Leiden angepasste Arbeit handle. Von Februar bis August
2016 habe sie versucht ihr Pensum auf 70 % zu erhöhen, habe es aber aus Krankheitsgründen wieder auf 60 % reduzieren müssen (Urk. 7/85/6).
4.3
Dr. med.
F._
, Fachärztin für Innere Medizin, speziell Rheu
matologie, bei welcher die Beschwerdeführerin seit dem 14. Juni 2016 in Be
handlung
ist
, diagnostizierte in ihrem Bericht vom 3. Juli 2019 (Urk. 7/89/
6
):
-
ein
Fibromyalgiesyndrom
-
ein
l
umbospondylogen
es
S
yndrom rechts bei degenerativen Verände
rungen wie auch
Zervikovertebralsyndrom
-
eine r
ezidiv
i
erende PHS calc
a
rea rechts
Bei der Beschwerdeführerin stehe betreffend die Arbeitsfähigkeit sicher die De
pression im Vordergrund. Zusätzlich zur Depression habe die Beschwerde
führerin ein ausgeprägtes Fibromyalgiesyndrom mit
Hyperpathie
und Hyperalgesie im Bereich der Arme und Beine. Schmerzbedingt könne sie schlecht schlafen, was den Allgemeinzustand und die Leistungsfähigkeit sicher zusätzlich verschlech
tere. An Therapie nehme sie betreffend den Schmerzen
Novalgin
und Tramadol. Zusätzlich befinde sie sich in einer adäquaten Psychotherapie. Die Psychophar
maka könnten sich auch schmerzmodulierend auswirken. Betreffend Bewegung bemühe sich die Beschwerdeführerin regelmässig Velo zu fahren. Sie sei offen
sichtlich in ihrer beruflichen Situation gut integriert und könne so die Leistung von 60 % erbringen. Die Haupterkrankung sei eindeutig die Depression (Urk.
7/89/7).
4.4
Am 10. Juli 2019 nahm Dr. med.
G._
, Facharzt für Chirurgie, des RAD Stellung. In den beiden Arztberichten der behandelnden Psychiaterin seien die meisten Punkte wortgleich und iden
tisch, jedoch mit fünf Monaten U
nter
schied. Schon im ersten Arztbericht werde eine schwere Depression beschrieben, die nur durch einen stationären Aufenthalt adäquat und den Leitlinien ent
spre
chend habe behandelt werden können. Trotz der massiven Symptomatik gelänge es der Beschwerdeführerin 60 % zu arbeiten. Dies sei ein nicht überwindbarer Widerspruch. Die Beschwerdeführerin arbeite weiterhin in ihrer angestammten
Tätigkeit in einem 60%-Pensum. Infolgedessen könne davon ausgegangen werden,
dass die Schwere des Gesundheitsschadens nicht der psychiatrischen Beschrei
bung entspreche. Im rheumatologischen Arztbericht seien jedoch die psychia
trischen Einschränkungen als im Vordergrund stehend bezeichnet worden. Die Beschwerdeführerin sei somit in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig. Dabei müsse es sich um eine zeitlich flexible Tätigkeit ohne permanenten Zeit- und Termindruck, bei nur geringem Publikumsverkehr, ohne besondere Anforde
rungen an das Umstellungs- und Anpassungsvermögen in einer wohlwollenden und konfliktarmen Arbeitsatmosphäre handeln (Urk. 7/90/5).
5.
Die Beschwerdegegnerin verneinte – de
r Stellungnahme des RAD folgend
- das Vorliegen eines invalidenversicherungsrelevanten Gesundheitsschadens und da
mit eines Leistungsanspruchs. Dem kann jedoch aus nachfolgenden Gründen nicht gefolgt werden.
5.1
Aktenkundig ist, dass die Beschwerdeführerin seit Jahren an Depressionen leidet und deshalb seit dem Jahr 2007 in Behandlung war. Im November 2012 kam es aufgrund einer rezidivierenden depressiven Störung, mittelgradige Episode, und einer instabilen Persönlichkeit bis im September 2013 zu einer vorübergehenden vollen Arbeitsunfähigkeit. Dabei unterzog sich die Beschwerdeführerin vom 21.
Januar bis am 20. März 2013 einem stationären Aufenthalt in der
D._
(E. 3). Die seit Oktober 2016 behandelnde Psychiaterin bestätigte, dass die Beschwer
deführerin seit
dem Jahr
2006 an einer rezidivierenden depressiven Störung und einer instabilen Persönlichkeit leide. Nachdem die Störung unter der kombi
nierten Behandlung mit Antidepressiva und Psychotherapie bis
Mitte
2013 remittiert sei, habe sich diese seit Mitte 2016 chronifiziert und an Schwere zu
genommen. Die Psychiaterin gab
an, die Beschwerdeführerin sei
seit Oktober 2016
40 % arbeitsunfähig. Nur mit grosser Anstrengung schaffe sie ein Pensum von 60 %, bezogen auf ein 100 %-Pensum
, wobei sie sich sozial zurückgezogen habe
(E. 4.1 und E. 4.2). In ihrem Bericht vom 13. August 2019 erklärte Dr.
E._
, dass sie das Vorliegen einer schweren Episode insbesondere aufgrund der Suizidalität diagnostiziert habe.
Ferner
sei das Therapiesetting ebenfalls dem schweren Zustand angepasst (Urk. 7/95/1).
5.2
Beim RAD
-Arzt
Dr.
G._
handelt
es sich um einen fachfremden Facharzt für Chirurgie, dessen Stellungnahme nicht zu überzeugen vermag. So erachtete
er
die psychiatrischen Arztberichte als widersprüchlich, da
es der Beschwerdeführerin trotz
schwerer Depression gelinge, 60 % zu arbeiten. Infolgedessen könne davon ausgegangen werden, dass die Schwere des Gesundheitsschadens nicht der psy
chiatrischen Beschreibung entspreche, zumal im rheumatologischen Arztbericht die psychiatrischen Einschränkungen als im Vordergrund stehend bezeichnet würden. Daraus schloss er, dass die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit
dem Belastungsprofil nach
voll arbeitsfähig s
ei,
obwohl sich aus den fachärztlichen Berichten, im Zusammenspiel mit dem stationären Aufenthalt in der
D._
, der regelmässigen Psychotherapie und Behandlung mit Psychophar
maka, der seit Oktober 2016
angegebenen
40%igen Arbeitsunfähigkeit sowie dem erneut diskutierten stationären Aufenthalt
(Urk. 7/95/2)
in der
D._
deutliche
Anhaltspunkte für eine mögliche psychisch bedingte Einschränkung der Arbeits
fähigkeit
ergeben
. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin darauf hinwies, dass sie von 2010 bis 2015 als selbständige
Kinesiologin
in einem 40%-Pensum tätig war, wobei zumindest die entsprechenden Diplome bei den Akten liegen (Urk. 7/23/4-12).
Zudem bestätigte
d
ie behandelnde Psychiaterin mehrmals, dass die Beschwerdeführerin bei guter Gesundheit in einem 100%-Pensum arbeiten würde
,
und erklärte, es hätten auch zwei Versuche stattgefunden, die Arbeits
tätigkeit zu erhöhen. Zuerst mit einer Zusatztätigkeit als selbständige
Kinesio
login
in einem 40%-Pensum und danach von Februar bis August 2016 mit einer Erhöhung des Pensums auf 70 %, wobei die Beschwerdeführerin beide Male krank
heitsbedingt gescheitert sei (E. 4.1, E.
4.2 und Urk. 7/95/2). Somit lässt sich eine möglich relevante Beeinträchtigung nicht ohne weiteres ausschliessen.
Zu
dem
wäre, selbst wenn lediglich die Diagnose einer leichten Episode erhärtet werden würde – eine Prüfung der Standardindikatoren zur Beurteilung der Arbeits
fähigkeit notwendig, was von der Beschwerdegegnerin ebenfalls ausser Betracht gelassen wurde.
An dieser Stelle ist anzumerken, dass die von der Beschwerdeführerin mit Eingabe 18. Oktober 2019 eingereichten medizinischen Berichte - da sie nach dem rele
vanten Zeitraum datieren und nicht ersichtlich ist, dass sie (auch) auf den er
wähnten Beurteilungszeitraum Bezug nehmen würden - im vorliegenden Zusam
menhang grundsätzlich ausser Acht zu bleiben haben (Urk. 3/7-9).
5.3
Insgesamt kann demnach nicht gesagt werden, dass keinerlei Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der RAD-Stellungnahme bestehen. Sodann ist das Vorgehen der Beschwerdegegnerin mit Blick auf den im Verwaltungs
ver
fah
ren der Invalidenversicherung geltenden Untersuchungsgrundsatz, wonach die
Be
hörde gehalten ist, den rechtserheblichen Sachverhalt abzuklären (Art. 43 ATSG
, BGE 130 I 180 E. 3.2), nicht statthaft.
5.4
.
Der Beschwerdegegnerin ist jedoch insoweit zuzustimmen, dass nicht ohne Weiteres auf die Einschätzung der behandelnden Psychiaterin abgestellt werden kann,
da die Diagnose
einer
schweren Episode
bei einer
Einschränkung der Arbeits
fähigkeit von 40 % widersprüchlich erscheint, zumal die Beschwerde
füh
rerin zuvor
bereits bei
einer mittelgradigen Episode voll arbeitsunfähig war. Im Übrigen ist die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifels
fällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 46
5 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Ferner
enthält der Bericht von Dr.
F._
keine Angaben
,
wie sich die rheumatologischen Diagnosen auf die Arbeits
fähig
keit auswirken und wie sie mit
den psychiatrischen Diagnosen zusammenwirken. Demnach ist eine verlässliche Beurteilung nicht möglich.
Gerade deshalb ist ein ärztliches Gutachten unabdingbar.
6.
Nach dem Gesagten beruht die angefochtene Verfügung auf einem unvollständig abgeklärten medizinischen Sachverhalt. Die Beschwerde ist daher in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur psychiatrischen und somatischen Untersuchung der Beschwerdeführerin und zum anschliessendem Neuentscheid an die Verwaltung zurückzuweisen ist.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zu
legen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren
Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2),
weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
7.2
Überdies hat
die
obsiegende Beschwerdeführer
in
Anspruch auf den Ersatz der Parteikosten (§ 34 Abs. 1
GSVGer
in Verbindung mit Art. 61
lit
. g ATSG). Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Somit erweist sich eine Parteientschädigung von Fr. 1’
8
00.-- (inkl. Barauslage und Mehrwertsteuer) als angemessen.