Decision ID: 1cecd9a0-c885-4535-bcdf-f3285ec0a220
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Sachbeschädigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung - , vom 6. Januar 2015
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 13. Oktober 2014
(Urk. 14) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der vorsätzlichen Verletzung von Verkehrsre-
geln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 43 Abs. 3 SVG und Art. 36
Abs. 3 VRV.
2. Von den Vorwürfen der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1
StGB sowie der vorsätzlichen Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 44 Abs. 1 und Art. 34 Abs. 3 SVG wird der
Beschuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Busse von CHF 200.–.
4. Die Busse ist zu bezahlen.
5. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen.
6. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin B._ wird im Umfang
von CHF 1'090.50 abgewiesen. Im Mehrbetrag von CHF 178.– wird das
Schadenersatzbegehren der Privatklägerin B._ auf den Zivilweg ver-
wiesen.
7. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin C._ wird abgewiesen.
8. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin D._ Versicherungs-
Gesellschaft AG wird auf den Zivilweg verwiesen.
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9. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'800.-- ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'500.-- Gebühr Vorverfahren.
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten zu einem Viertel auferlegt. Im Übrigen werden die Kosten auf
die Gerichtskasse genommen.
Berufungsanträge:
a) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 40 S. 1)
1. Es seien die Dispositivziffern 2, 3, 5 und 10 des Urteils des Einzelge-
richts Zürich vom 6. Januar 2015 aufzuheben;
2. Es sei der Beschuldigte der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 114
Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen;
3. Es sei der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu
CHF 140.00 (entsprechend CHF 2'100.00) sowie einer Busse von CHF
600.00 zu bestrafen;
4. Es sei der bedingte Vollzug der Geldstrafe zu gewähren unter Anset-
zung einer Probezeit von 2 Jahren;
5. Es sei für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse eine Er-
satzfreiheitsstrafe von 5 Tagen festzusetzen;
6. Unter Kostenauflage an den Beschuldigten.
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b) Des Beschuldigten:
(Urk. 41 S. 1)
1. Einstellung des Verfahrens
2. Eventualiter: Freispruch
3. Subeventualiter: Im Falle einer Verurteilung:
a) Verweis der Zivilansprüche auf den Zivilweg
b) Untersuchungskosten: CHF 1000 erscheinen ausreichend
c) 10 Tagessätze zu CHF 80
d) Von einer Busse ist abzusehen
4. SVG-Übertretung:
Durch das Stadtrichteramt zur Ausfällung einer Ordnungsbusse zu be-
urteilen (einziger Übertretungstatbestand: einmaliges Aussteigen)
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Erwägungen:
I.
a) Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am Sonntag, 9. März 2014 um ca.
16.30 Uhr im stockenden Kolonnenverkehr auf der Autobahn A3W (Sihlhochstra-
sse), Fahrtrichtung Zürich, seinen Personenwagen verlassen und sich zum Auto
von B._ begeben zu haben, um mit den Fahrzeuginsassen zu diskutieren.
Da sich diese nicht auf ein Gespräch eingelassen hätten, sei der Beschuldigte
zunächst wieder in sein Auto gestiegen und weitergefahren. In der Folge habe er
abrupt den Fahrstreifen gewechselt, so dass B._ stark habe bremsen müs-
sen, um eine Kollision zu vermeiden. Sie habe ausserdem gehupt. Der Beschul-
digte sei daraufhin erneut aus seinem Fahrzeug ausgestiegen und zum Auto von
B._ gegangen, um sie zur Rede zu stellen. Als diese wiederum nicht habe
mit ihm diskutieren wollen, habe er auf dem Rückweg zu seinem Wagen mit der
rechten Hand oder Faust wuchtig auf den linken Kotflügel des Autos von B._
geschlagen. Dabei sei eine Delle von ca. 8-10 Zentimetern Durchmesser und
demzufolge ein Sachschaden von Fr. 1'090.50 entstanden.
b) Mit Urteil vom 6. Januar 2015 sprach das Bezirksgericht Zürich, 7. Abtei-
lung (Einzelgericht), den Beschuldigten der (einmaligen) vorsätzlichen Verletzung
von Verkehrsregeln (unerlaubtes Betreten der Fahrbahn auf einer Autobahn)
schuldig und bestrafte ihn mit Fr. 200.– Busse. Bezüglich der eingeklagten weite-
ren Verstösse gegen die Verkehrsregeln und vom Vorwurf der Sachbeschädigung
(Art. 144 Abs. 1 StGB) wurde der Beschuldigte freigesprochen. Ausgangsgemäss
auferlegte ihm das Gericht nur einen Viertel der Kosten (Urk. 34 S. 22/23).
c) Gegen dieses Urteil meldete die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl rechtzeitig
die Berufung an (Urk. 28; Art. 399 Abs. 1 StPO) und reichte sodann auch fristge-
recht die Berufungserklärung (Art. 399 Abs. 3 StPO) ein. Sie beantragt, den Be-
schuldigten auch der Sachbeschädigung schuldig zu sprechen und ihn unter Ge-
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währung des bedingten Strafvollzugs bei 2 Jahren Probezeit mit 15 Tagessätzen
zu Fr. 140.– Geldstrafe und ausserdem mit Fr. 600.– Busse zu bestrafen
(Urk. 35). Anschlussberufungen blieben aus, und es wurden auch keine Beweis-
anträge gestellt. Nach der heutigen Berufungsverhandlung erweist sich der Pro-
zess als spruchreif.
II.
Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). Vorab kann daher festgestellt werden, dass das vorinstanzliche
Urteil hinsichtlich der Dispositivziffern 1 (Schuldspruch), 6 bis 8 (Zivilansprüche)
und 9 (Kostenaufstellung) in Rechtskraft erwachsen ist. Dasselbe gilt für den erst-
instanzlichen Freispruch vom Vorwurf weiterer Verletzungen der Verkehrsregeln,
da die Staatsanwaltschaft zwar die Dispositivziffer 2 angefochten, dann aber aus-
drücklich nur einen zusätzlichen Schuldspruch wegen Sachbeschädigung bean-
tragt hat (Urk. 35). Unabhängig davon ist aber gleichwohl zu prüfen, ob der Be-
schuldigte noch ein zweites Mal seinen Wagen verlassen hat, denn bei dieser Ge-
legenheit müsste sich auch die Sachbeschädigung ereignet haben.
III.
Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB ist ein Antragsdelikt.
Das beim eingeklagten Vorfall beschädigte Auto gehörte nicht B._, sondern
deren Mutter, C._. Innerhalb der gesetzlichen Frist stellte nur B._ einen
Strafantrag (Urk. 2). C._ konstituierte sich erst nachträglich noch als Privat-
klägerin (Urk. 9/2). Die Vorinstanz (Urk. 34 S. 4/5) wies indessen zu Recht darauf
hin, dass nach der bundesgerichtlichen Praxis bei Eigentumsdelikten neben dem
Eigentümer auch derjenige als "verletzte Person" im Sinne von Art. 30 StGB gilt,
dem eine besondere Verantwortung für die Sache obliegt, weil sie ihm etwa zur
Miete oder Gebrauchsleihe überlassen wurde (Donatsch/Flachsmann/
Hug/Weder, StGB-Kommentar, 19. A., Zürich 2013, N 6 zu Art. 30). Ob B._
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den Strafantrag zudem als bevollmächtigte Vertreterin ihrer Mutter stellte (Urk. 34
S. 5), kann somit offen bleiben.
IV.
1. a) Unbestritten ist, dass der Beschuldigte am 9. März 2014 die Sihlhoch-
strasse in Fahrtrichtung Zürich befuhr und dabei, als er verkehrsbedingt anhalten
musste, seinen Wagen verliess und sich zum Auto von B._ begab, um mit
dessen Insassen zu reden, worauf sich diese aber nicht einliessen (Prot. II S. 8).
Weshalb es dazu kam, ist hingegen ebenso umstritten wie die Frage, ob der Be-
schuldigte später nochmals ausstieg und, da die Leute im anderen Auto nach wie
vor nicht mit ihm diskutieren wollten, einen heftigen Schlag gegen dessen Kotflü-
gel ausführte. Diesbezüglich liegen als Beweismittel einerseits die Aussagen des
Beschuldigten und von dessen Ehefrau sowie anderseits diejenigen von B._
und ihrer beiden Mitfahrer vor. Unbeteiligte Zeugen des Vorfalls gab es zwar
höchstwahrscheinlich, doch konnten diese nachträglich nicht mehr ausfindig ge-
macht werden.
b) Zur allgemeinen Glaubwürdigkeit der Personen, die zur Sache befragt
werden konnten, ist festzuhalten, dass einerseits der Beschuldigte ein nahelie-
gendes Interesse hat, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzu-
stellen. Ebenso liegt auf der Hand, dass seine Ehefrau dazu neigen dürfte, ihn
dabei zu unterstützen. Die Aussagen dieser beiden Personen sind daher mit einer
gewissen Vorsicht zu würdigen. Nicht anders verhält es sich anderseits aber auch
mit den Aussagen von B._, E._ und F._. Die Erstgenannte war mit
dem Auto ihrer Mutter unterwegs und dafür verantwortlich, dieser den Wagen un-
versehrt zurückzubringen. Im Falle eines Schadens hatte sie daher ein offensicht-
liches Interesse, für diesen eine Drittperson verantwortlich machen zu können.
E._ ist der Freund von B._ und deshalb wohl geneigt, ihr beizustehen.
Auch F._ ist kein völlig unabhängiger Zeuge, sondern ein Arbeitskollege von
E._, der mit diesem (und dessen Freundin) auch privat verkehrt (Urk. 8/5
S. 1).
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c) Bei der Beweiswürdigung ist indessen vor allem der materielle Gehalt der
vorliegenden Aussagen von Bedeutung. Die Vorinstanz erwog (Urk. 34 S. 15-17)
bezüglich der Aussagen von B._ und ihrer damaligen Begleiter, dass diese
zwar im Stadium der staatsanwaltlichen Einvernahmen grösstenteils überein-
stimmten. Sie wirkten aber "etwas einstudiert", und es habe ein "zunehmendes
Angleichen der Aussagen" stattgefunden, was wohl damit zusammenhänge, dass
die drei Personen den Vorfall zugegebenermassen wiederholt miteinander be-
sprochen hätten. Im erstinstanzlichen Urteil werden sodann verschiedene Wider-
sprüche in deren Aussagen dargelegt, so etwa bezüglich der Frage, ob der Be-
schuldigte sein Auto sogleich nach E._s Geste mit der Hand vor dem Gesicht
(erstmals) verlassen habe oder ob er zuvor noch mehrmals die Spur gewechselt
habe. Ungereimtheiten machte die Vorinstanz ferner bezüglich der von den Betei-
ligten in den verschiedenen Phasen des Vorfalls benützten Fahrstreifen und hin-
sichtlich der Frage aus, wann das Auto des Beschuldigten fotografiert wurde so-
wie ob dieser deswegen erneut ausstieg (oder aber, weil B._ hupte). Zwar
wies die Vorinstanz auch auf Widersprüche zwischen den Aussagen des Be-
schuldigten und denjenigen seiner Ehefrau hin. Sie gelangte aber doch zum
Schluss, dass dem Beschuldigten weder wiederholte Spurwechsel ohne genü-
gende Rücksichtnahme auf die anderen Verkehrsteilnehmer noch ein zweites
Verlassen des Autos auf der Autobahn rechtsgenügend nachgewiesen werden
könnten. Gleiches gelte für die eingeklagte Sachbeschädigung, da zwar alle In-
sassen von B._s Auto den Schlag auf den Kotflügel beobachtet hätten, aber
niemand gesehen habe, dass dabei eine Beule entstanden sei. B._ habe
auch nicht möglichst rasch angehalten, um den zufolge des heftigen Schlags
möglicherweise entstandenen Schaden zu begutachten. Ausserdem hätte der Au-
tomobilist, der neben B._ gefahren sei und das Verhalten des Beschuldigten
offenbar nonverbal kommentiert habe, ihr signalisiert, dass ein Schaden entstan-
den sei, wenn er einen solchen bemerkt hätte (a.a.O.).
d) Diese Beweiswürdigung überzeugt nicht. Zutreffen mag, dass insbeson-
dere B._ und E._, die ein Paar sind, miteinander und vielleicht auch mit
ihrem Kollegen F._ über den inkriminierten Vorfall sprachen. Dies konnte bei
gleichzeitig verblassender Erinnerung bis zum Zeitpunkt der staatsanwaltlichen
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Einvernahmen durchaus – auch ohne entsprechende Absicht – punktuell zu einer
Angleichung ihrer Sachverhaltsdarstellungen führen. Dies ist bei der Beweiswür-
digung zu berücksichtigen, indem vor allem auf die aus noch frischer Erinnerung
bei der Polizei gemachten Angaben abgestellt wird. Tatsache ist ferner, dass be-
züglich der Abfolge der Spurwechsel Unklarheiten verbleiben. Dies ist aber nicht
anders zu erwarten, wenn mehrere Personen ein mehrphasiges dynamisches
Geschehen, welches sich über eine gewisse Zeitspanne erstreckte, nachträglich
schildern. Erstaunlich und ein Hinweis auf abgesprochene bzw. "einstudierte"
Aussagen wäre im Gegenteil, wenn B._, E._ und F._ den Ablauf
der Ereignisse absolut deckungsgleich geschildert hätten. Dass schliesslich
B._ und ihre Mitfahrer zwar den Faustschlag des Beschuldigten auf den Kot-
flügel sahen, nicht aber die damit verbundene Entstehung einer Delle bemerkten,
lässt sich aufgrund der seitlichen, aus dem Fahrzeuginnern nicht gut oder gar
nicht einsehbaren Lage der Beule (Urk. 6 S. 1) zwangslos erklären. Damit spricht
aber auch die Tatsache, dass sie nicht sofort nachschauten, keineswegs gegen
die Glaubhaftigkeit ihrer Sachdarstellung. Ebenso wenig erhellt, wie der Automo-
bilist, der neben B._ fuhr und wegen des Verhaltens des Beschuldigten den
Kopf geschüttelt bzw. eine Geste mit der Bedeutung "Geht's noch?" gezeigt ha-
ben soll, B._ die Entstehung einer Beule hätte "signalisieren" sollen.
2. a) Mit dem vorstehend Gesagten ist allerdings auch noch nicht erstellt,
dass der Beschuldigte seinen Wagen zweimal verliess und beim zweiten Mal mit
einem Faustschlag den linken Kotflügel von B._s Auto beschädigte. Diesbe-
züglich kann vorliegend Klarheit gewonnen werden, indem die beiden sich grund-
legend widersprechenden Sachverhaltsversionen des Ehepaars G._ einer-
seits und der drei jungen Leute im "Audi" anderseits daraufhin geprüft werden, ob
die geschilderten Abläufe logisch nachvollziehbar sind.
b) B._, E._ und F._ schilderten den Hergang der Ereignisse
schon bei der Polizei nicht nur im Wesentlichen übereinstimmend, sondern auch
vom Ablauf her plausibel und folgerichtig.
aa) Insbesondere findet sich in ihrer Schilderung eine nachvollziehbare Er-
klärung, weshalb es überhaupt zu einer Auseinandersetzung kam. Sie gaben
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konstant und übereinstimmend an, dass der Beschuldigte sich unmittelbar vor der
Verengung der Fahrbahn von drei auf zwei Fahrstreifen vor ihnen auf die mittlere
(bzw. von da an linke) Spur "hereingedrängelt" habe. B._ habe deshalb
bremsen müssen. Dann habe der Beschuldigte sogleich auf die rechte Spur ge-
wechselt, wo der Verkehr schneller gerollt sei (B._: Urk. 8/1 S. 1, Urk. 8/2 S.
3; E._: Urk. 8/3 S. 1, Urk. 8/4 S. 3; F._: Urk. 8/5 S. 1, Urk. 8/6 S. 3/5).
Nach weiteren Spurwechseln des Beschuldigten, die gemäss B._ auch zu
"brenzligen Situationen" führten (Urk. 8/1 S. 1, Urk. 8/2 S. 3; etwas weniger klar
E._ und F._: Urk. 8/4 S. 3, Urk. 8/6 S. 3) erwähnen alle drei Insassen
des "Audi" als Reaktion eine Handbewegung E._s vor seinem Gesicht im
Sinne von "geht es noch?" (B._, Urk. 8/2 S. 6) bzw. "Häsch en Knall?"
(F._, Urk. 8/6 S. 6). Kurz darauf habe der Beschuldigte auf die linke Spur
gewechselt (E._: Urk. 8/3 S. 1, Urk. 8/4 S. 5; F._: Urk. 8/5 S. 2; vgl.
auch B._, Urk. 8/1: "Da waren wir beide auf der linken Spur", Urk. 8/1 S. 3).
Dann habe die Kolonne gestoppt. Der Beschuldigte sei ausgestiegen und zur
Fahrertür von B._s Auto gekommen. Sie hätten sich aber nicht auf eine Dis-
kussion eingelassen (B._: Urk. 8/1 S. 1, Urk. 8/2 S. 3; E._: Urk. 8/3 S.
1/2, Urk. 8/4 S. 3/5; F._: Urk. 8/5 S. 2, Urk. 8/6 S. 4). Nach der übereinstim-
menden Schilderung von B._, E._ und F._ waren diese also wegen
des "Hereindrängelns" des Beschuldigten und dessen nachfolgender "Slalom-
fahrt" mit bisweilen wenig rücksichtsvollen Spurwechseln verärgert und reagierte
E._ darauf mit der erwähnten Handbewegung. Der Beschuldigte verliess da-
raufhin sein Auto, um die drei jungen Leute zur Rede zu stellen. Deren Aussagen
beschreiben eine logische Abfolge von Geschehnissen. Sie erscheinen ausser-
dem als glaubhaft, weil die "Audi"-Insassen ihr eigenes Verhalten keineswegs be-
schönigten, sondern einräumten, dass von ihrer Seite mit einer unfreundlichen
Geste zur Eskalation beigetragen wurde (vgl. ausserdem die Aussage E._s,
wonach B._ dem Beschuldigten im weiteren Verlauf auch den "Vogel" ge-
zeigt habe, Urk. (8/4 S. 4/6).
bb) Zum nachfolgenden Geschehen führten E._ und F._ aus, dass
der Verkehr dann wieder gerollt und der Beschuldigte zunächst auf die rechte
Spur hinüber gefahren sei (E._: Urk. 8/3 S. 2; F._: Urk. 8/5, S. 2). Dies
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ergibt sich sinngemäss auch aus der Aussage von B._, dass der Beschuldig-
te hernach "von der rechten Spur" her (Urk. 8/2 S. 6) wieder vor ihr in die Kolonne
eingeschwenkt sei, und zwar so knapp, dass sie abrupt habe bremsen müssen.
Letzteres wurde von E._ (Urk. 8/3 S. 2, Urk. 8/4 S. 4/6) und F._ (Urk.
8/5 S. 2) bestätigt. B._ protestierte gegen dieses Manöver, indem sie die Hu-
pe betätigte (Urk. 8/2 S. 3; E._: Urk. 8/3 S. 2; F._: Urk. 8/5 S. 2). Ge-
mäss E._ zeigte sie dem Beschuldigten überdies den "Vogel" (Urk. 8/4
S. 4/6), und F._ bestätigte, dass sie mit ihrem Mobiltelefon das Kontrollschild
des Beschuldigten fotografierte (B._: Urk. 8/1 S. 3, F._: Urk. 8/5 S. 4,
später unsicher, wer die Aufnahme gemacht hatte, Urk. 8/6 S. 6). Übereinstim-
mend gaben B._, E._ und F._ sodann zu Protokoll, dass der Be-
schuldigte daraufhin erneut aus seinem Wagen gestiegen und zur Fahrerseite von
B._s Auto gekommen sei. Er sei vor das Fahrzeug gestanden und habe de-
monstrativ die Autonummer angeschaut. Sie hätten ihn aber weiterhin ignoriert,
worauf er mit der rechten Faust auf den linken Kotflügel ihres Wagens einge-
schlagen habe. Dann sei er wieder in sein Auto gestiegen und weitergefahren
(B._: Urk. 8/1 S. 2, Urk. 8/2 S. 3; E._: Urk. 8/3 S. 2, Urk. 8/4 S. 4;
F._: Urk. 8/5 S. 2, Urk. 8/6 S. 4). Anzufügen bleibt, dass sowohl B._ als
auch ihre beiden Mitfahrer in diesem Zusammenhang einen anderen Automobilis-
ten erwähnten, der mit Gesten seiner Missbilligung des Verhaltens des Beschul-
digten Ausdruck verliehen habe. Ihre diesbezüglichen Aussagen waren offensicht-
lich nicht abgesprochen: B._ sagte aus, dass dieser Autolenker "nur den
Kopf geschüttelt" habe (Urk. 8/1 S. 2), während sich E._ an ein silberfarbe-
nes Auto und an eine Geste mit dem Sinn "geht's noch?" erinnerte (Urk. 8/4 S. 4)
und F._ seinerseits angab, man habe "fragende Blicke ausgetauscht"
(Urk. 8/6 S. 7). Gemäss B._ und F._ befand sich dieser Automobilist auf
der linken Spur (Urk. 8/1 S. 2, Urk. 8/6 S. 7), was mit der an anderer Stelle zu fin-
denden Aussage von B._ zusammenpasst, sie seien "rechts gestanden", als
der Beschuldigte zum zweiten Mal ausgestiegen sei (Urk. 8/1 S. 3). Zusammen-
fassend ergibt sich, dass die drei Personen im "Audi" auch diese zweite Phase, in
der sich die Auseinandersetzung verschärfte und schliesslich im Faustschlag ge-
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gen B._s Auto gipfelte, nicht nur im Wesentlichen übereinstimmend, sondern
auch logisch nachvollziehbar schilderten.
cc) Mit den Aussagen der drei Fahrzeuginsassen ohne weiteres vereinbar ist
sodann das fotografisch dokumentierte Schadenbild am linken Kotflügel des "Au-
di". Aufgrund der Form und insbesondere der Lage der Delle kann ein Parkscha-
den ausgeschlossen werden und erscheint als sehr unwahrscheinlich, dass es
sich dabei um die Folge einer Kollision handelt. Der Schaden ist offensichtlich auf
eine stumpfe Gewalteinwirkung von seitlich-oben zurückzuführen. Neben einem
gezielten Faustschlag käme als Ursache vielleicht noch ein Steinschlag in Frage.
Wollte man aber deswegen den klaren und übereinstimmenden Aussagen von
B._, E._ und F._ keinen Glauben schenken, so müsste man ihnen
unterstellen, willkürlich einen wildfremden Automobilisten einer vorsätzlichen
Sachbeschädigung zu bezichtigen, um diesen für den anderweitig verursachten
Schaden zu belangen. Für eine solche falsche Anschuldigung bestehen keinerlei
Anhaltspunkte. Insbesondere bleibt unerfindlich, weshalb F._ dabei hätte
mitmachen und das Risiko eingehen sollen, dass ihn etwa Aussagen anderer
Verkehrsteilnehmer entlarven könnten. Ihn brauchte ja der Schaden am Fahrzeug
in keiner Weise zu interessieren. Damit bleibt der von B._, E._ und
F._ beobachtete Faustschlag des Beschuldigten die einzige vernünftige Er-
klärung für den kurz darauf an der entsprechenden Stelle entdeckten Schaden.
c) aa) Bei einer genaueren Betrachtung der vom Beschuldigten deponierten
Aussagen fällt sofort auf, dass darin eine plausible Erklärung fehlt, weshalb die
beiden Streitparteien überhaupt aneinander geraten sind. Das von den "Audi"-
Insassen angegebene Hereindrängeln bei der Spurverengung stellt er vehement
in Abrede (Urk. 7/1 S. 2). Folgt man seiner Sachdarstellung, so fiel ihm das hinter
ihm fahrende Auto von B._ auf, weil dessen Insassen "sich die ganze Zeit
amüsierten", E._ immer wieder seine Jacke hochhielt und jemand aus dem
"Audi" heraus den Beschuldigten und dessen Familie mehrmals fotografierte
(a.a.O., S. 1). E._s Handbewegung vor dem Gesicht, die den Beschuldigten
allenfalls hätte verärgern können, bemerkte dieser nach eigenem Bekunden gar
nicht (a.a.O., S. 3). Auf die Frage nach dem Abstand zwischen den beiden Autos
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antwortete der Beschuldigte, es sei immer schwierig, dies im Rückspiegel abzu-
schätzen (a.a.O., S. 1). Er behauptete nicht ausdrücklich, B._ habe keinen
genügenden Abstand eingehalten. Gleichwohl gab er an, er sei ausgestiegen und
zum anderen Auto gegangen, um dessen Nummer zu notieren und die Insassen
auf die "Auffahrerei" und die Fotos anzusprechen (Urk. 7/1 S. 2). Ob sich die Leu-
te im anderen Auto "amüsierten", brauchte den Beschuldigten nicht zu kümmern.
Weshalb ihn das angebliche Hochziehen von E._s Jacke stören sollte und
B._ oder deren Begleiter den Beschuldigten und dessen Familie mehrmals
hätten fotografieren sollen, bleibt ebenfalls unerfindlich. Alle drei bestätigten zwar,
dass ein Foto gemacht worden war, um die Autonummer des Beschuldigten zu
dokumentieren (Urk. 8/1 S. 2, Urk. 8/4 S. 7, Urk. 8/5 S. 4), der sie mit seinen
Spurwechseln bedrängt habe. Im übrigen konnten sie aber mit Bildern wildfrem-
der Menschen in irgend einem Auto nichts anfangen und bestand kein Grund zur
Befürchtung, sie könnten damit auf Facebook o.dgl. Missbrauch betreiben, wovor
angeblich die Kinder des Beschuldigten Angst gehabt haben sollen (Urk. 8/7
S. 3). Für den Beschuldigten bestand somit auf der Basis dessen, was sich nach
seiner Schilderung bis dahin ereignet hatte, keinerlei Anlass, bei einem Stillstand
des Kolonnenverkehrs auszusteigen und die Leute im "Audi" zur Rede zu stellen.
Dennoch tat er dies zugegebenermassen, bestritt dann aber, noch ein zweites
Mal ausgestiegen und zu B._s Auto gegangen zu sein (Urk. 7/1 S. 4 und Urk.
24 S. 3). Folgt man seiner Darstellung, so wäre nach dem (ersten) erfolglosen
Versuch, mit der "Audi"-Lenkerin zu sprechen, nichts Besonderes mehr gesche-
hen – ausser dass E._ angeblich erneut seine Jacke hochzog und gegen die
Frontscheibe hielt – und setzte der Beschuldigte dann ungestört seine Fahrt in
Richtung ... / ... fort (Urk. 7/1 S. 2). Die Auseinandersetzung mit den "Audi"-
Insassen hätte also genau so plötzlich aufgehört, wie sie ohne plausiblen Grund
begonnen haben soll. Dies erweckt den Verdacht, dass der Beschuldigte bei sei-
nen Aussagen die zweite Phase mit dem erneuten Aussteigen ausblendete, weil
dabei etwas ihn Belastendes geschehen war, nämlich der Faustschlag gegen
B._s Auto. Die Sachdarstellung des Beschuldigten erscheint somit insgesamt
als unglaubhaft und taugt nicht dazu, die Glaubhaftigkeit der ihn belastenden
Aussagen zu schmälern.
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bb) Dies gilt um so mehr, als der Beschuldigte zugegebenermassen später
anbot, die Angelegenheit mit einer Zahlung von Fr. 200.– zu regeln (Urk. 7/1 S. 5
und Urk. 24 S. 5). Dass er auf den doch recht schwerwiegenden Vorwurf, absicht-
lich ein fremdes Auto beschädigt zu haben (Urk. 5), nur zur Vermeidung von Zeit-
aufwand so reagiert haben will (a.a.O.), wenn doch gar nichts Schädigendes vor-
gefallen war, ist nicht glaubhaft. Beizufügen bleibt, dass er dabei auch noch an-
gab, das Angebot von Geld auf Empfehlung seiner Ehefrau gemacht zu haben
(a.a.O.). Dies war offensichtlich eine Lüge, gab doch G._ als Zeugin zu Pro-
tokoll, von einem solchen Angebot nichts gewusst und ihrem Mann auch nichts
dergleichen empfohlen zu haben (Urk. 8/7 S. 4).
d) Die in den wesentlichen Zügen übereinstimmende und in ihrem Ablauf als
folgerichtig erscheinende Sachdarstellung von B._, E._ und F._
erweist sich somit insgesamt als sehr viel glaubhafter als die logisch nicht nach-
vollziehbare Version des Beschuldigten und von dessen Ehefrau. Sie wird zudem
vom fotografisch dokumentierten Schadenbild am beteiligt gewesenen "Audi" ge-
stützt. Damit ist rechtsgenügend erstellt, dass der Beschuldigte die Delle an des-
sen linkem Kotflügel mit einem Faustschlag verursacht hat. Dass dabei eine sol-
che Beule entstehen könnte, war so naheliegend, dass auch ausser Zweifel steht,
dass der Beschuldigte diesbezüglich zumindest eventualvorsätzlich handelte. Der
Beschuldigte ist demgemäss der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1
StGB schuldig zu sprechen.
V.
a) Sachbeschädigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geld-
strafe von einem bis zu 360 Tagessätzen geahndet (Art. 144 Abs. 1 und Art, 34
Abs. 1 StGB). Die Strafe ist dabei nach dem Verschulden des Täters zuzumes-
sen. Zu berücksichtigen sind ferner dessen Vorleben und persönlichen Verhält-
nisse sowie die Wirkung der Strafe auf sein Leben (Art. 47 Abs. 1 StGB).
b) Der Beschuldigte wurde wütend, weil er sich von den Insassen des "Audi"
zu Unrecht wegen seiner Fahrweise gemassregelt fühlte und sie sich weigerten,
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mit ihm darüber zu sprechen. In dieser Situation liess er sich zu einem heftigen
Faustschlag gegen den Kotflügel ihres Autos hinreissen. Bezüglich des dadurch
verursachten Sachschadens ist von Eventualvorsatz auszugehen. Das Ausmass
des Schadens blieb mit etwas über Fr. 1'000.– (vgl. Urk. 9/3) relativ gering. Insge-
samt ist von einem leichten Verschulden auszugehen.
c) Der Beschuldigte wurde 1960 in Zürich geboren und ist auch dort aufge-
wachsen. Nach einer Ausbildung als Musiklehrer arbeitete er zunächst im Bereich
der Luftfahrt in einer eigenen Firma (Prot. II S. 6), absolvierte dann ein Masterstu-
dium an der Hochschule ... und ist nun als Contract and Claims Manager bei
H._ tätig. Er bezieht ein Nettosalär von Fr. 8'900.– pro Monat und hat Ali-
mentenverpflichtungen von Fr. 2'000.– monatlich (Prot. II S. 7). Vermögen besitzt
er keines (Urk. 7/4 S. 5/6). Diese Lebensumstände wirken sich weder straferhö-
hend noch strafmindernd aus.
d) Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft (Urk. 15/1). Den Führerausweis für
leichte Motorwagen hat er seit 1983 (Urk. 1 S. 1). 2007 wurde ihm dieser Ausweis
wegen Missachtung des Vortritts für einen Monat entzogen, und 2012 wurde ihm
wegen Vornahme ablenkender Verrichtungen während des Fahrens eine Verwar-
nung erteilt (Urk. 15/5). Der etwas getrübte automobilistische Leumund des Be-
schuldigten ist, da er die vorliegend zu ahndende Sachbeschädigung ebenfalls im
Rahmen des Strassenverkehrs beging, leicht straferhöhend zu berücksichtigen.
e) Die von der Staatsanwaltschaft im Berufungsverfahren beantragte Geld-
strafe von 15 Tagessätzen zu Fr. 140.– erweist sich ebenso wie die vorinstanzlich
für die SVG-Übertretung ausgefällte Busse von Fr. 200.– als milde, aber noch an-
gemessene Sanktion. Die Ersatzfreiheitsstrafe im Falle der schuldhaften Nichtbe-
zahlung der Busse beträgt praxisgemäss einen Tag. Zur zusätzlichen Ausfällung
einer Verbindungsbusse besteht kein Anlass.
f) Der Beschuldigte ist Ersttäter. Der Vollzug der Geldstrafe ist deshalb auf-
zuschieben und die Probezeit auf das gesetzliche Minimum von zwei Jahren fest-
zusetzen (Art. 42 Abs. 1 und Art. 44 Abs. 1 StGB).
- 16 -
VI.
Ausgangsgemäss sind dem Beschuldigten die Kosten der Untersuchung
und des gerichtlichen Verfahrens beider Instanzen aufzuerlegen (Art. 426 Abs. 1
und Art. 428 Abs. 1 StGB).