Decision ID: 5dd30695-11c4-55a4-ab35-4229f2556dc7
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 24. November 2008 wegen Meniskusproblemen und
Arthrose im rechten Knie bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Leistungsbezug
an (IV-act. 2). Sie gab u.a. an, dass sie seit dem 28. November 2007 unfallbedingt
arbeitsunfähig sei. Sie habe in B._ die 1. bis 5. Klasse besucht und einen
achtmonatigen Kurs als Näherin absolviert. Vom 1. November 2001 bis 30. April 2006
habe sie zu 100 % als Raumpflegerin gearbeitet. Seit dem 1. März 2006 sei sie beim
RAV gemeldet.
A.b Die Versicherte hatte sich am 28. November 2007 bei der Arbeit als
Reinigungsmitarbeiterin wegen eines Fehltritts auf der Treppe das rechte Knie verrenkt
(IV-act. 16-27). Am 18. Februar 2008 war sie wegen eines Hinterhornlappenrisses des
medialen Meniskus rechts und eines zweitgradigen Knorpelschadens des medialen
Femuarcondylus und des femoralen Patellagleitlagers rechts von Dr. med. C._,
Orthopädische Chirurgie FMH, am rechten Knie operiert worden (IV-act. 16-25). Suva-
Kreisarzt Dr. med. D._, Facharzt FMH für Chirurgie, hatte die Versicherte am 20. Mai
2008 untersucht (IV-act. 16-10 ff.). Er hatte erklärt, dass die Versicherte weiterhin an
persistierenden Schmerzen im rechten Knie leide und ein protrahierter Verlauf vorliege.
Vom 4. August bis 4. September 2009 hatte die Versicherte einen stationären
Aufenthalt in der Rehaklinik Bellikon absolviert (Austrittsbericht vom 5. September
2008, IV-act. 16-13 ff.). Als Diagnosen hatten die Klinikärzte eine schmerzhafte
Funktionseinschränkung des rechten Knies, eine Anpassungsstörung mit leichter
depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21), eine maladaptive Schmerzüberzeugung und ein
Bewältigungsmuster mit Schonverhalten angegeben. Infolge erheblicher
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Symptomausweitung, Selbstlimitierung und Inkonsistenz seien die Resultate der
physischen Leistungstests für die Beurteilung der zumutbaren Belastbarkeit nur
teilweise verwertbar gewesen. Das Ausmass der demonstrierten physischen
Einschränkungen habe sich mit den relativ geringfügigen objektivierbaren
pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung und bildgebenden Abklärung
sowie der Diagnose aus somatischer Sicht nur zum Teil erklären lassen. Aus
psychologisch-psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Es sei sogar zu erwarten, dass eine berufliche Tätigkeit sich positiv auf die nur leicht
depressive Symptomatik auswirken könnte. Die Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin
sei der Versicherten aktuell nicht mehr zumutbar, da es sich um eine ganztags gehende
und stehende Tätigkeit handle. In einer leichten bis mittelschweren Arbeit sei sie jedoch
zu 100 % arbeitsfähig. Es müsse sich um eine wechselbelastende Tätigkeit ohne länger
dauerndes Knien oder Hocken handeln. Repetitives Leiter- und Treppensteigen sei auf
ein Minimum zu reduzieren. Die Versicherte selbst erachte sich derzeit für keinerlei
Tätigkeit als arbeitsfähig.
A.c Die E._ GmbH berichtete der IV-Stelle am 19. Januar 2009 (IV-act. 14), dass sie
die Versicherte vom 1. November 2001 bis 30. April 2006 als Reinigungsmitarbeiterin in
einem Pensum von 80-100 % beschäftigt habe. Im Jahr 2005 habe sie einen Lohn von
Fr. 46'817.20 erzielt. Das Arbeitsverhältnis sei aus wirtschaftlichen Gründen aufgelöst
worden.
A.d Dr. F._ erklärte im Verlaufsbericht vom 16. Februar 2009 (IV-act. 16-1 ff.), dass
sich die Versicherte nicht zu einer erneuten Knieoperation habe entschliessen können.
Dr. D._ kam aufgrund einer kreisärztlichen Untersuchung vom 25. April 2009 zum
Schluss, dass durch eine operative Sanierung des linken (richtig wohl: rechten) Knies
eine Linderung erreicht werden könne (Nachtrag zum kreisärztlichen
Untersuchungsbericht vom 25. Mai 2009, IV-act. 21-12).
A.e Am 20. Mai 2009 fand ein Gespräch zwischen der Eingliederungsverantwortlichen
der IV-Stelle und der Versicherten statt (IV-act. 24). Die Eingliederungsverantwortliche
hielt im Protokoll fest, dass die Versicherte wiederholt ihre Schmerzen beschrieben und
dargelegt habe, was sie nicht mehr könne. Die Frage, was sie heute noch gut machen
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könne, habe sie nicht beantwortet. Die Versicherte fühle sich zurzeit nicht in der Lage,
eine Arbeitsstelle zu suchen und sei nicht motivierbar.
A.f Dr. med. G._, Oberarzt Privatklinik H._, berichtete am 17. Mai 2005 (richtig:
2009), dass sich die Versicherte vom 11. März bis 1. Mai 2009 bei ihm in ambulanter
Behandlung befunden habe (IV-act. 21-20 f.). Als psychiatrische Diagnose gab er eine
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (F32.11) an. Am Anfang
der Therapie habe die Versicherte einen sehr leidenden Eindruck gemacht und über
Hoffnungs- und Hilflosigkeit, Schlafstörungen, Rückzugstendenz, Lebensmüdigkeit,
unerträgliche Knieschmerzen rechts mit Ausstrahlung, Kopfschmerzen und Schwäche
geklagt. Mittels der eingeleiteten medikamentösen Behandlung habe der Antrieb
gesteigert und die Depression reduziert werden können. Die Versicherte habe das
Medikament jedoch wegen zu starker Nebenwirkungen abgesetzt. Von einem
harmonischen Familienleben sei sie weit entfernt; die Ehe sei sehr oberflächlich. Zudem
habe sie den Verlust der Mutterrolle als sehr belastend erlebt. Dr. I._, Neurologie
FMH, Spital J._, berichtete am 30. Juni 2009 (IV-act. 21-8 f.), dass die Versicherte an
einem unspezifischen Kopfschmerz-Syndrom (DD: somatoformes Schmerzsyndrom bei
Depression) leide. RAD-Ärztin Dr. K._ erklärte in einer Stellungnahme vom 18. August
2009 (IV-act. 23), dass ein operativer Eingriff am rechten Knie aus orthopädischer Sicht
indiziert und erfolgsversprechend sei. Bei der Diagnose einer depressiven Episode
handle es sich um ein prinzipiell heilbares Leiden. Die psychiatrische Therapie sollte
fortgesetzt werden. Der Gesundheitszustand müsse als instabil angesehen werden. Am
21. August 2009 wurde der Versicherten mitgeteilt, dass zurzeit keine
Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 26).
A.g Am 30. Oktober 2009 fand die Abschlussuntersuchung durch Dr. D._ statt (IV-
act. 28-7 ff.). Er erklärte, dass weiterhin die medial betonten Knieschmerzen
persistierten. Das (rechte) Knie sei stabil und die Beweglichkeit seitengleich gewesen.
Wesentliche Schonungszeichen hätten sich nicht gefunden. Die Beschwerden seien
teilweise im Rahmen der diffusen Schmerzsymptomatik mit Kopf- und
Rückenschmerzen zu sehen. Daher sei eine Operationsindikation mit Zurückhaltung zu
stellen. Eine Zunahme der gonarthrotischen Veränderungen sei nicht eingetreten, was
bei einem relevanten intraartikulären Knieschaden anzunehmen wäre. Der Versicherten
sei eine leichte bis mittelschwere wechselbelastende Arbeit ganztägig zuzumuten.
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Tätigkeiten, die Zwangshaltungen wie Knien und Kauern, häufiges Steigen auf Leitern
und Treppen sowie das Begehen von unebenem Gelände beinhalteten, seien
ungeeignet. Dr. F._ berichtete der IV-Stelle am 23. November 2009 (IV-act. 28-1 ff.)
über einen stationären Gesundheitszustand. Er sei mit der Suva-Beurteilung, wonach
die Versicherte in einer adaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei, einverstanden.
Ob die depressive Entwicklung einen zusätzlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
habe, könne er nicht beurteilen. Dr. C._ nannte in seinem Bericht vom 24. Februar
2010 (IV-act. 34-1 ff.) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
beginnende, symptomatische Varusgonarthrose rechts. Als Diagnosen ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gab er rezidivierende Lumbalgien und
postdistorsionelle Knieschmerzen links nach einem Sturz am 30. Dezember 2009 an.
Körperlich belastende Tätigkeiten (im Reinigungsdienst) seien der Versicherten wegen
Schmerzen im rechten Knie nicht mehr zumutbar. In einer knieschonenden Tätigkeit sei
sie jedoch voll arbeitsfähig. Das Spital J._ berichtete am 17. August 2010 (IV-act. 43),
dass die Versicherte an einer beginnenden femoropatellarbetonten Gonarthrose Knie
rechts und einer beginnenden Gonarthrose Knie links leide. In einer adaptierten
Tätigkeit bestehe eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit. Der neue Hausarzt, Dr. med. L._,
Allgemeine Medizin, berichtete der IV-Stelle am 27. Oktober 2010 (IV-act. 47), dass die
Versicherte aus körperlichen Gründen und aufgrund einer mittelschweren Depression
seit dem 1. Oktober 2007 in jeglicher Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig sei. Dr. med.
M._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, informierte die IV-Stelle am 5.
Dezember 2010 (IV-act. 45), dass er aufgrund der einzelnen Konsultationen und der
stereotypen Schmerzproblematik keine versicherungsmedizinische Einschätzung
abgeben könne. Es müsse eine polydisziplinäre Begutachtung erfolgen.
A.h Vom 27. Juli bis 4. August 2010 war die Versicherte wegen Kopfschmerzen und
verzerrtem Sehen in der medizinischen Klinik des Spitals J._ hospitalisiert (IV-act.
84-3 ff.). Die Klinik gab im Austrittsbericht vom 14. August 2010 an, dass die
Versicherte an einem analgetikainduzierten Kopfschmerz (DD: somatoform, bei
Myopie), an einer Ulcus duodeni (ED Juni 2010), an einer depressiven Entwicklung
(ambulante psychiatrische Behandlung bei Dr. N._ wurde initiiert, bisher nicht erfolgt)
und an einer beginnenden femoropatellar-betonten Gonarthrose beidseits
(Langzeitanalgetika, V.a. Analgetikamissbrauch) leide. Die Klinik empfahl eine weitere
ambulante psychiatrische Nachbetreuung sowie die Reevaluation einer antidepressiven
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medikamentösen Therapie. Dr. N._ hielt im psychiatrischen Konsil fest, dass die
Versicherte sich von ihren Kniebeschwerden sehr betroffen gezeigt habe, obwohl sie
beim Weg ins Psychiatriebüro ein zügiges Gangbild gezeigt habe.
A.i Am 16. und 18. Mai 2011 wurde die Versicherte von der Medas Ostschweiz bidis
ziplinär (psychiatrisch und orthopädisch) untersucht (Gutachten vom 21. Juli 2011, IV-
act. 56). Die Diagnosen mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit lauteten:
· Beidseitige Knieschmerzen bei klinisch unauffälligem Befund mit freiem
Bewegungsausmass und radiologisch beginnenden degenerativen Veränderungen
rechts > links;
· cervicolumbales Schmerzsyndrom seit 1 Jahr bei radiologisch leichten
degenerativen Veränderungen;
· rezidivierende depressive Störung, beginnend chronifizierte Symptomatik in leicht-
bis mittelgradiger Ausprägung;
· akzentuierte Persönlichkeitszüge mit histrionischen Anteilen.
Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit wurden
angegeben:
· Gelegentliche Schmerzen an beiden Daumensattelgelenken ohne
Funktionseinschränkung bei radiologisch beginnender Arthrose;
· anamnestisch Verdacht auf analgetikainduzierten Kopfschmerz, neurologisch und
in der Bildgebung wiederholt unauffällig;
· chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren;
· Adipositas.
Die Versicherte gab anlässlich der Begutachtung an, dass sie seit dem Unfall am 28.
November 2007 unter Schmerzen im rechten Knie leide. Seit ca. einem Jahr habe sie
auch Schmerzen im linken Knie. Weil sie lange Zeit an Krücken gegangen sei, hätten
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sich auch Schmerzen in den Daumengelenken entwickelt. In den letzten ein bis zwei
Jahren seien Nacken- und LWS-Beschwerden hinzugekommen. Aufgrund der
Schmerzen sei sie in jeglicher beruflicher Tätigkeit und auch in der Haushalttätigkeit
eingeschränkt. Sie könne praktisch gar keine Tätigkeit mehr verrichten. Dr. med. O._,
Fachärztin für Orthopädische Chirurgie, erklärte, dass sich bei der Untersuchung
beidseits reizlose Kniegelenke gefunden hätten. Die Versicherte habe einen diffusen
retropatellaren Druckschmerz beidseits sowie einen Schmerz im Bereich des medialen
Kompartiments links angegeben. Die Kniegelenksbeweglichkeit sei beidseits frei
gewesen. Aktuell hätten sich keine Meniskuszeichen gezeigt. Bei symmetrischen
Umfangsmassen seien keine Schonungszeichen an den unteren Extremitäten
ersichtlich gewesen. Radiologisch hätten sich an beiden Kniegelenken im medialen
Abschnitt beginnende degenerative Veränderungen rechts mehr als links feststellen
lassen. Das MRI der LWS vom 12. März 2010 habe einen altersentsprechenden Befund
gezeigt. Die aktuelle Untersuchung habe eine Druck- und Berührungsdolenz im Bereich
der HWS und LWS mit endgradiger Bewegungseinschränkung offenbart. Radiologisch
hätten sich im unteren HWS- und im unteren LWS-Abschnitt deutlich degenerative
Veränderungen gezeigt. Wegen der beginnenden Arthrose im Bereich der
Daumensattelgelenke sollte bei künftigen Tätigkeiten darauf geachtet werden, dass es
sich um eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit handle. Der klinische Befund habe
keine wesentliche Einschränkung der Funktionsfähigkeit gezeigt. Radiologisch habe
beidseits eine beginnende Rhizarthrose vorgelegen. Aus somatischer Sicht sei der
Versicherten die körperlich belastende Tätigkeit als Reinigungsfrau seit dem
Unfallereignis am 28. November 2007 nicht mehr zumutbar. In einer leichten,
wechselbelastenden Tätigkeit ohne Kniezwangspositionen und ohne Hocken, ohne
Heben schwerer Gegenstände (über 10 kg) und ohne repetitives Leiter- und
Treppensteigen sei die Versicherte aus somatischer Sicht zu 100 % arbeitsfähig. Der
Beginn der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit sei auf den September 2008
festzulegen (Austritt aus der Rehaklinik Bellikon). Zwischenzeitlich sei die
Arbeitsfähigkeit durch einen Fehltritt am 23. Dezember 2009 und der anschliessenden
Behandlung längerfristig wieder aufgehoben gewesen. Im Juni 2010 seien eine
Kniepunktion links und eine Infiltration erfolgt. Spätestens ab dem
Begutachtungszeitpunkt sei die Versicherte aus somatischer Sicht in einer adaptierten
Tätigkeit wieder zu 100 % arbeitsfähig gewesen. Aufgrund der geringen bis blanden-
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klinisch objektivierbaren Symptomatik und aufgrund des komplexen Beschwerdebildes
mit Schmerzausbreitung sollte von operativen Massnahmen eher abgesehen werden.
Dr. med. P._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, befand, dass die
Grundstimmung bei der Untersuchung leicht bedrückt und die affektive
Modulationsfähigkeit leicht eingeschränkt gewesen sei. Der Antrieb sei allenfalls leicht
vermindert gewesen und psychomotorisch habe die Versicherte zeitweilig leicht
unruhig gewirkt. Im klinischen Gespräch seien leichte bis allenfalls zeitweilig
mittelgradige Einschränkungen der Aufmerksamkeit, der Ausdauer und der
Konzentrationsfähigkeit feststellbar gewesen. Die Stress- und Frustrationstoleranz sei
leicht vermindert gewesen. Weiter hätten sich Hinweise auf akzentuierte
Persönlichkeitszüge mit histrionischen Anteilen, die leichtgradige Einschränkungen der
sozialen Kompetenzen bewirkten, gefunden. In Bezug auf die
Psychotherapiemotivation habe eine eher ambivalente Motivation bestanden.
Betreffend Eingliederungsmassnahmen habe keine Motivation festgestellt werden
können. Die Versicherte befinde sich seit wenigen Wochen bei Dr. med. Q._ in
psychiatrischer Behandlung. Das neue Antidepressivum Cipralex werde langsam
eindosiert. Bei der jetzigen Tagesdosis könne noch keine stabile antidepressive
Wirkung erwartet werden. Dr. P._ gab in seiner Beurteilung an, dass sich zum
Untersuchungszeitpunkt eine leicht bis mittelgradige depressive Symptomatik mit
Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Selbstzweifeln, Versagensängsten,
Antriebsminderung, vermehrter Erschöpfbarkeit und verschiedenen somatischen
Symptomen gefunden habe. Das Hauptsymptom seien jedoch diffuse und wohl
beginnend chronifizierte Schmerzen gewesen. Die Schmerzsymptomatik habe bei der
psychiatrischen Exploration eindeutig im Vordergrund gestanden. Es habe eine
Schmerzausweitung stattgefunden und es habe ein dysfunktionales
Krankheitsverhalten beobachtet werden können. Eine chronische psychiatrische
Begleiterkrankung liege in Form der beginnend chronifizierten, leicht bis mittelgradigen
depressiven Störung vor. Bei adäquater Behandlung sei eine gewisse
Besserungstendenz, jedoch keine vollständige Remission, anzunehmen. Gemäss Dr.
O._ liege zudem eine schwerwiegende körperliche Erkrankung vor. Allenfalls bestehe
ein teilweiser sozialer Rückzug. Die psychiatrische Symptomatik sei nicht als
verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich
missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung zu interpretieren. Die
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Ambivalenz bezüglich der Psychotherapiemotivation stehe nur zum Teil mit einer leicht
eingeschränkten Krankheitseinsicht in Zusammenhang. Es bestehe ein hoher
Krankheitsgewinn durch die Schmerzsymptomatik. Die Familienmitglieder akzeptierten
das Krankheits-, Schon- und Vermeidungsverhalten der Versicherten. Auch müsse sie
die frühere Arbeit als Reinigungskraft nicht mehr ausüben. Im Haushalt werde sie
ebenfalls stark entlastet. Bei diesem sekundären Krankheitsgewinn müsse von einer
Verdeutlichungstendenz ausgegangen werden. Eine psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung habe bisher in sehr niedriger Frequenz
stattgefunden. Die Behandlungsmöglichkeiten seien nicht ausgeschöpft. Die
Fortführung der neu begonnenen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung
inklusive einer neuen Eindosierung und Optimierung der antidepressiven Medikation sei
dringend empfehlenswert. Zusammenfassend lägen die Foerster-Kriterien nur zum Teil
vor. Der Versicherten sei die Aufwendung der zumutbaren Willensanstrengung möglich,
um die Schmerzen zu überwinden und schrittweise zumindest teilzeit wieder in den
Arbeitsprozess einzusteigen. Die Versicherte habe auch über gewisse Ressourcen
berichtet. So erledige sie noch gewisse Arbeiten im Haushalt, gehe regelmässig mit
dem Ehemann spazieren, mache auch längere Spaziergänge und pflege regelmässige
Kontakte mit ihren Kindern und Bekannten. Zusammenfassend könne festgehalten
werden, dass leichte bis mittelgradige Einschränkungen der Aufmerksamkeit, der
Konzentration, der Ausdauer, der Stress- und Frustrationstoleranz und der
Umstellungs- und Anpassungsfähigkeit ausgewiesen seien. Zu beachten sei auch eine
ganze Reihe von psychosozialen Belastungsfaktoren, die nicht in die Beurteilung der
Arbeitsunfähigkeit miteinbezogen werden könnten: Migrationshintergrund, geringe
Schulbildung, keine Berufsausbildung, sehr geringe Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt,
erschwerte Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt, partnerschaftliche Spannungen,
langjährige Überforderung als Mutter von vier Kindern und gleichzeitiger Berufstätigkeit
sowie finanzielle Engpässe. In der angestammten Tätigkeit wie auch in einer
adaptierten Tätigkeit bestehe seit März 2009, d.h. seit dem Beginn der ambulanten
Behandlung in der Privatklinik H._, aus rein psychiatrischer Sicht eine 30-40 %ige
Arbeitsunfähigkeit. Unter adäquater Behandlung sei von einer gewissen
Besserungstendenz auszugehen. Bei einer ideal adaptierten Tätigkeit handle es sich
um eine einfache Tätigkeit, die keine besonders hohen Anforderungen an die Stress-
und Frustrationstoleranz, die Konzentrationsfähigkeit und die Ausdauer stelle.
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A.j Dr. K._ hielt in einer Stellungnahme vom 8. September 2011 fest (IV-act. 57),
dass das Medas-Gutachten sorgfältig erstellt, umfassend und in seinen
Schlussfolgerungen vollumfänglich nachvollziehbar sei. Die tiefe Selbsteinschätzung im
PACT-Test, die subjektive Krankheitsüberzeugung, der sekundäre Krankheitsgewinn
durch die familiäre Fürsorge und die psychosozialen Belastungsfaktoren wiesen auf ein
suboptimales Leistungsverhalten bzw. auf relevante Inkonsistenzen hin.
A.k Mit Vorbescheid vom 22. September 2011 (IV-act. 60) kündigte die IV-Stelle der
Versicherten bei einem IV-Grad von 33 % die Abweisung des Rentengesuches an. Zur
Begründung brachte sie vor, dass die Versicherte aus somatischer Sicht in einer
adaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei. Aus psychiatrischer Sicht sei die
Arbeitsfähigkeit ab März 2009 durchschnittlich um 35 % reduziert gewesen. Gemäss
dem Entscheid UV 2010/18 sei dem Einkommensvergleich ein Valideneinkommen von
Fr. 49'709.-- zugrunde zu legen (Einkommen als Reinigungsfrau im Jahr 2009). Das
Invalideneinkommen sei auf Fr. 33'389.-- festzusetzen. Dagegen wendete die
Versicherte am 24. Oktober 2011 ein (IV-act. 62), dass sie als Folge des Unfalles im
November 2007 täglich unter Schmerzen in beiden Knien, in den Hüften, im Kreuz, im
Rücken, im Nacken und im Kopf leide. Die Schmerzen, der Verlust der Arbeitsfähigkeit,
der Einkommensverlust und die Unmöglichkeit, im Haushalt tätig zu sein sowie die
soziale Abwertung hätten Depressionen ausgelöst.
A.l Mit Verfügung vom 4. November 2011 (IV-act. 63) wies die IV-Stelle das
Rentengesuch aus den im Vorbescheid angegebenen Gründen ab. Zu den Einwänden
erklärte sie, dass keine neuen medizinisch objektivierbaren wesentlichen Änderungen
der Befunde oder Symptome vorgebracht worden seien.
A.m Dr. L._ berichtete der IV-Stelle am 14. November 2011 (IV-act. 65; ausgestellt
am 2. November 2011), dass die Medas-Gutachter die Arbeitsfähigkeit zu hoch
eingeschätzt hätten. Die Arbeitsunfähigkeit sei durch die mindestens mittelschwere
Depression und die somatischen Beeinträchtigungen (Wirbelsäule, Knie,
Kopfschmerzen) hinreichend begründet.
B.
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B.a Am 30. November 2011 (IV-act. 67) teilte die Versicherte der IV-Stelle mit, dass sie
mit dem Rentenentscheid nicht einverstanden sei. Sie bat darum, weitere ärztliche
Berichte einzuholen. Mit Schreiben vom 6. Dezember 2011 (IV-act. 68) erklärte die IV-
Stelle der Versicherten, dass sie gegen die Rentenverfügung beim
Versicherungsgericht Beschwerde erheben könne. Am 22. Dezember 2011 (IV-act. 69)
teilte die Versicherte der IV-Stelle erneut mit, dass sie mit dem Rentenentscheid nicht
einverstanden sei. Am 28. Dezember 2011 (IV-act. 70) informierte die IV-Stelle die
Versicherte noch einmal darüber, dass sie die Verfügung anfechten könne.
B.b Am 17. Januar 2012 reichte die Versicherte weitere medizinische Berichte ein (IV-
act. 71). Dr. med. R._ von der Klinik S._ hatte am 28. Dezember 2010 einen
Verdacht auf ein analgetikainduziertes Kopfweh diagnostiziert (Erstdiagnose vom
17. Dezember 2010: V.a. Medikamentenübergebrauchskopfschmerz durch NSAR,
siehe IV-act. 77-7 ff.). Unter „andere Diagnosen“ gab Dr. R._ u.a. eine schwere
anhaltende depressive Episode an. Dr. R._ hatte der Versicherten eine stationäre
Entzugsbehandlung vorgeschlagen. Am 21. Januar 2011 hatte eine
Kontrolluntersuchung stattgefunden. Dr. R._ hatte angegeben, dass die Versicherte
im Kontakt deutlich offener und aufgehellter gewirkt habe. Sie leide weiterhin täglich
unter Kopfschmerzen. Eine psychiatrische Betreuung bestehe weiterhin nicht. Der
Schlaf habe sich unter Seroquel verbessert, die Versicherte klage jedoch über ein
Gefühl des Herzdrucks nach der Einnahme. Aufgrund einer Kontrolluntersuchung vom
17. März 2011 hatte Dr. R._ erklärt, dass die Versicherte weiterhin weder
psychiatrisch noch medikamentös behandelt werde. Einen stationären Aufenthalt wolle
sie nicht absolvieren, weil sie andere psychiatrische Patienten nicht ertragen könne. Es
werde deshalb eine ambulante Versorgung organisiert. Nach der nächsten Kontrolle
vom 9. September 2011 hatte Dr. R._ berichtet, dass die Versicherte nach
abgeschlossener Behandlung bei Dr. Q._ nun mit Cipralex (10 mg/d) eingestellt sei.
Die Stimmung und der Antrieb hätten sich unter der Medikation um 40 % verbessert.
Die Versicherte sei insgesamt deutlich aktiver und sehe mehr Perspektiven. Sie
konsumiere weiterhin täglich drei Dafalgan und habe weiterhin täglich Kopfschmerzen.
Ein Entzug stehe im Vordergrund. Da die Versicherte psychisch noch etwas stabilisiert
werden sollte, werde das Cipralex auf 20 mg/d erhöht. Dr. med. T._ von der Klinik
S._ hatte am 25. November 2011 berichtet, dass die Affektivität etwas gebessert sei.
Unter 30 mg Cipralex/d habe die Versicherte jedoch bereits ein Engegefühl mit z.T.
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Luftnot entwickelt, weshalb eine Reduktion auf 20 mg/d vereinbart worden sei. Die
Kopfwehsituation habe sich leicht gebessert, die Versicherte nehme aber weiterhin
täglich Dafalgan ein. Da der Antrieb gebessert sei, die Schmerzen die Versicherte aber
an regelmässigen Bewegungen und Aktivität hemmten, falle sie oft in ein
Stimmungstief zurück. Dr. T._ hatte die Wiederaufnahme einer psychiatrisch-
psychologischen Betreuung empfohlen. Dr. med. U._, Leitender Arzt Chirurgische
Klinik Orthopädie des Spital J._, hatte am 13. Januar 2012 berichtet, dass die
Versicherte an einer beginnenden femoropatellar-betonten Gonarthrose bds., einem
lumbovertebralen Schmerzsyndrom und an einer schweren depressiven Verstimmung
leide. Aus orthopädischer Sicht sei momentan kein weiteres operatives Vorgehen
indiziert. Er denke, dass die Versicherte wegen den diversen Beschwerden nicht mehr
zu 100 % arbeitsfähig sei. Aufgrund der Komplexität des Falles sei für eine objektive
und umfassende Beurteilung eine Begutachtung nötig.
B.c Am 18. Januar 2012 (IV-act. 72) informierte die IV-Stelle die Versicherte darüber,
dass sie das Schreiben vom 30. November 2011 als Neuanmeldung behandle. Sie
forderte die Versicherte auf, Unterlagen einzureichen, die eine relevante Veränderung
der Verhältnisse belegten.
B.d Am 1. Februar 2012 ging bei der IV-Stelle ein Bericht vom 9. Dezember 2011 von
Dr. med. V._, Pneumologie FMH, Allergologie und Immunologie FMH und Innere
Medizin FMH, ein (IV-act. 75-2 f.). Als Diagnosen hatte er eine bronchiale
Hyperreaktivität und eine chronische Rhinitis diagnostiziert. Die Versicherte habe
angegeben, dass sie seit dem Herbst/Winter vor allem nachts an anhaltenden
Atemnotbeschwerden leide. Die Beschwerden seien erstmals nach Beginn der
Behandlung mit Remeron vor ca. einem Jahr aufgetreten. Auch beim Putzen der
Wohnung mit Staubaufwirbelung leide sie vermehrt unter Atemnot.
B.e Am 3. Februar 2012 liess die inzwischen anwaltlich vertretene Versicherte (nach
folgend: Beschwerdeführerin) beim Gericht eine Beschwerde(-ergänzung) einreichen
(act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der Verfügung und die
Zusprache einer ganzen IV-Rente ab spätestens November 2008. Zur Begründung
führte er an, dass die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) das Schreiben vom
30. November 2011 als Beschwerde dem Versicherungsgericht hätte weiterleiten
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müssen. Die Beschwerde sei deshalb rechtzeitig erfolgt. Die Beschwerdeführerin könne
auch keine leidensangepasste Tätigkeit ausüben, weshalb sie Anspruch auf eine ganze
IV-Rente habe. Der Rechtsvertreter bat um eine Frist zur nochmaligen
Beschwerdeergänzung. Der Beschwerdeergänzung lag u.a. ein Untersuchungsbericht
der Rheumatologie des Spitals J._ vom 6. Januar 2012 bei (IV-act. 90-29 ff.). Der
Leitende Arzt hatte darin festgehalten, dass eine entzündlich-rheumatische
Systemerkrankung ausgeschlossen werden könne. Die Beschwerdeführerin sei an
einem chronischen Schmerzsyndrom erkrankt, welches sich inzwischen von
anatomisch definierten Strukturen bzw. von den zweifellos bestehenden einzelnen
degenerativen Veränderungen der Gelenke „losgelöst“ habe. Gleichzeitig bestehe,
ohne über Kausalitäten zu spekulieren, aus seiner Sicht momentan eine schwere
Depression.
B.f Innert Frist reichte der Rechtsvertreter am 28. Februar 2012 die zweite
Beschwerdeergänzung ein (act. G 7). In Abänderung resp. Ergänzung der gestellten
Rechtsbegehren beantragte er die Zusprache einer ganzen IV-Rente spätestens ab
Juni 2009; eventualiter sei die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur Begründung machte er geltend, dass das
Valideneinkommen, angepasst an den Nominallohn bis 2011, Fr. 50'890.30 betrage. In
somatischer Hinsicht bestehe gemäss dem UV-Urteil des Versicherungsgerichts vom
11. Januar 2011 ein IV-Grad von 11 %. Zudem leide die Beschwerdeführerin an
psychischen Störungen. Der psychiatrische Gutachter habe die Arbeitsfähigkeit auf
30-40 % geschätzt. Da der genaue Arbeitsunfähigkeitsgrad unklar sei, müsse ein
Obergutachten in Auftrag gegeben werden. Dem psychiatrischen Gutachter hätten
ausserdem die Berichte der Klinik S._, die eine schwere anhaltende depressive
Episode diagnostiziert habe, nicht vorgelegen. Das Medas-Gutachten sei also auch
nicht vollständig. Für die Arbeitsfähigkeitsschätzung sei es sehr entscheidend, ob eine
leichte bis mittelgradige oder eine schwere anhaltende depressive Episode vorliege.
Weiter hätten die Medas-Gutachter die nächtlichen Atembeschwerden
unberücksichtigt gelassen. Auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Medas könne
deshalb nicht abgestellt werden. Die Beschwerdeführerin sei in jeglicher Tätigkeit zu
100 % arbeitsunfähig.
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B.g Die Beschwerdegegnerin beantragte am 29. März 2012 (act. G 9) die Abweisung
der Beschwerde. Der Argumentation des Rechtsvertreters hielt sie entgegen, dass die
Kopfschmerzen nicht objektivierbar seien. Weiter sei die Diagnose einer schweren
depressiven Episode nicht von einem Psychiater gestellt worden. Auch enthalte der
Bericht der Klinik S._ keine Arbeitsfähigkeitseinschätzung. Sodann habe die
Beschwerdeführerin bei der Begutachtung keine Atem- oder Lungenbeschwerden
geltend gemacht, was gegen das Vorliegen von invalidisierenden pulmonalen
Beschwerden spreche. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Gutachters
stehe nicht im Einklang mit der Rechtsprechung des Bundesgerichts. Praxisgemäss
seien leicht- bis mittelgradige depressive Episoden in der Regel nicht invalidisierend,
weil kein von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbarer
verselbständigter und pathologischer Gesundheitsschaden vorliege. Bei der
depressiven Episode handle es sich lediglich um eine reaktive Begleiterscheinung zur
Schmerzstörung. Auch lägen keine anderen Faktoren, welche die zumutbare
Willensanstrengung für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit behindern könnten, in der
notwendigen Intensität vor. Rechtsprechungsgemäss sei deshalb aus psychiatrischer
Sicht von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die Beschwerdeführerin habe im
Jahr 2005 ein Einkommen von Fr. 46'817.-- erzielt. Das durchschnittliche Einkommen
einer Hilfsarbeiterin habe im Jahr 2005 Fr. 49'120.-- betragen. Da das durchschnittliche
Einkommen einer Hilfsarbeiterin im Jahr 2005 somit höher gewesen sei als das
tatsächlich erzielte Einkommen, seien die Fr. 49'120.-- im Sinne der Rechtsprechung
bis zu einer positiven Differenz von 5 % zum Valideneinkommen zu kürzen. Da die
Beschwerdeführerin nur noch leichte Hilfstätigkeiten ausüben könne, sei ein
Leidensabzug von 10 % angemessen. Das Invalideneinkommen betrage folglich Fr.
44'242.-- und der IV-Grad 5 %.
B.h In seiner Replik vom 30. April 2012 (act. G 13) bemängelte der Rechtsvertreter,
dass kein Allgemeinmediziner in die Begutachtung einbezogen worden sei.
B.i Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik.
B.j Am 18. Juni 2012 (act. G 16) reichte der Rechtsvertreter einen Bericht von Dr.
L._ vom 2. Juni 2012 (act. G 16.1) ein. Dr. L._ hatte erklärt, dass der
Gesundheitszustand durch die chronischen Schmerzen und die mittelschwere
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Depression mit Erschöpfung wechselhaft sei. Am 5. November 2013 (act. G 18) reichte
der Rechtsvertreter Berichte des Spitals J._ vom 10. April 2013 und 15. Oktober
2013 (act. G 18.1 und 18.2) sowie ein ärztliches Zeugnis von Dr. L._ vom 25. Oktober
2013 ein (act. G 18.3).
B.k Am 15. Mai 2014 (act. G 20) forderte das Gericht die Parteien auf, Stellung zur
Rechtzeitigkeit der Beschwerdeerhebung zu nehmen. Der Rechtsvertreter hielt in seiner
Stellungnahme vom 23. Mai 2015 fest, dass auf die Beschwerde eingetreten werden
müsse (act. G 21)
B.l Am 4. Juni 2014 (act. G 22) reichte der Rechtsvertreter einen Bericht von Dr. phil.
W._, Fachpsychologin FSP, vom 24. April 2014, ein (act. G 22.1).
B.m Mit Entscheid vom 26. Februar 2015 trat das Versicherungsgericht mit der
Begründung, die Beschwerdeführerin habe nicht rechtzeitig Beschwerde erhoben,
nicht auf die Beschwerde ein (Entscheid IV 2012/58). Gegen diesen Entscheid erhob
der Rechtsvertreter am 27. März 2015 Beschwerde beim Bundesgericht.
B.n Mit Urteil vom 21. September 2015 (9C_211/2015) hiess das Bundesgericht die
Beschwerde gut, hob den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 26. Februar 2015
auf und wies die Sache zur materiellen Behandlung an das Versicherungsgericht
zurück.

Erwägungen
1.
1.1 Das Bundesgericht hat den Nichteintretensentscheid des Versicherungsgerichts
vom 26. Februar 2015 mit Urteil vom 21. September 2015 aufgehoben und die Sache
zur materiellen Behandlung an das Versicherungsgericht zurückgewiesen.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist somit die Verfügung vom 4.
November 2011, mit welcher die Beschwerdegegnerin das Rentengesuch der
Beschwerdeführerin abgelehnt hat. Strittig ist demnach, ob die Beschwerdeführerin
einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
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1.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist
gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu
erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst
genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden; sie können aber auch nach
Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzt werden (AHI 1998 S. 120).
Wird eine Schätzung vorgenommen, muss diese nicht unbedingt in einer
ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch
eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen (sog. Prozentvergleich; BGE
114 V 310 E. 3a mit Hinweisen).
2.
2.1 Zunächst ist zu prüfen, ob bzw. in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin in
ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. In somatischer Hinsicht hat die
Beschwerdeführerin insbesondere geltend gemacht, an Knieschmerzen, an Schmerzen
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in den Daumengelenken, im Nacken, in der Lendenwirbelsäule und an Kopfschmerzen
zu leiden. Die somatische Medas-Gutachterin Dr. O._ (orthopädische Chirurgin) hat
erklärt, dass der Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit als Reinigungsfrau seit
dem Unfallereignis vom 28. November 2007 nicht mehr zumutbar sei. Diese
Einschätzung ist unbestritten und aufgrund der nachgewiesenen beginnenden
degenerativen Veränderungen in beiden Kniegelenken, den degenerativen
Veränderungen in der HWS und LWS und der beginnenden Arthrose im Bereich der
Daumensattelgelenke einleuchtend. Die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
hat Dr. O._ in somatischer Hinsicht auf 100 % geschätzt. Dabei müsse es sich um
eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne Kniezwangspositionen, ohne Hocken
und ohne repetitives Leiter- und Treppensteigen handeln. Diese Einschätzung stimmt
mit jenen der Rehaklinik Bellikon vom 5. September 2008 (IV-act. 16-13 ff.), des Suva-
Kreisarztes vom 30. Oktober 2009 (IV-act. 28-7 ff.) und des damaligen Hausarztes Dr.
F._ vom 23. November 2009 (IV-act. 28-1 ff.) grundsätzlich überein. Eine Abweichung
ergibt sich lediglich bei der Umschreibung einer adaptierten Tätigkeit. Die Rehaklinik
Bellikon und der Suva-Kreisarzt sind nämlich davon ausgegangen, dass die
Beschwerdeführerin auch in einer mittelschweren Tätigkeit noch zu 100 % arbeitsfähig
ist. Dies ist dadurch erklärbar, dass zum Zeitpunkt der Arbeitsfähigkeitsschätzungen
der Rehaklinik und des Suva-Kreisarztes noch keine HWS-, LWS- und
Daumensattelgelenksbeschwerden bekannt gewesen sind. Dr. L._, der auf Dr. F._
folgende Hausarzt, hat sich mit der Einschätzung von Dr. O._ nicht einverstanden
gezeigt und erklärt, dass die Beschwerdeführerin wegen ihrer physischen und
psychischen Beeinträchtigungen in allen Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig sei. Diese
Einschätzung überzeugt jedoch nicht. Denn aus den Berichten von Dr. L._ geht
hervor, dass seine Arbeitsfähigkeitsschätzung hauptsächlich auf den Angaben der
Beschwerdeführerin und den von ihr präsentierten körperlichen Einschränkungen
basiert. So hat er in seinem Bericht vom 27. Oktober 2010 (IV-act. 47) beispielsweise
angegeben, dass der Zehengang kaum möglich sei und die Beschwerdeführerin nur
noch wie eine 90-Jährige aufstehen könne. Inwieweit die geltend gemachten
Beschwerden auch somatisch nachvollziehbar sind, hat Dr. L._ nicht erläutert. Dies
wäre gerade im vorliegenden Fall, in dem bereits die Rehaklinik Bellikon im August/
September 2009 eine erhebliche Symptomausweitung, Selbstlimitierung und
Inkonsistenz bei den physischen Leistungstests festgestellt hatte, unabdingbar
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gewesen. Aus orthopädischer Sicht ist die Beschwerdeführerin somit ab dem Austritt
aus der Rehaklinik Bellikon im September 2008 in einer adaptierten Tätigkeit mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit zu 100 % arbeitsfähig gewesen. Zu prüfen bleibt, ob
die Beschwerdeführerin wegen des Fehltritts im Dezember 2009 − wie von Dr. O._
angegeben − längerfristig arbeitsunfähig gewesen ist. Dr. C._ hat aufgrund einer
Untersuchung am 22. Februar 2010 erklärt, dass die durch den Sturz ausgelösten
Knieschmerzen links keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten (IV-act. 34). Die
Klinik für Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) hat am 28. Mai
2010 reizlose Kniegelenke beidseits ohne Gelenkserguss festgestellt (IV-act. 47-5 f.).
Es ist daher davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin wegen des Fehltritts im
Dezember 2009 in einer adaptierten Tätigkeit nur kurzfristig arbeitsunfähig gewesen ist.
Daran ändert nichts, dass Dr. U._ am 25. Juni 2010 wegen eines leichten Ergusses
eine Kniegelenkspunktion links vorgenommen hat (IV-act. 47-15). Zum einen muss
davon ausgegangen werden, dass der Gelenkserguss erst nach der Untersuchung
durch Dr. C._ und das KSSG entstanden ist, da diese keinen Erguss haben
feststellen können. Zum anderen hat Dr. U._ auch nicht angegeben, dass die
Beschwerdeführerin durch diesen Gelenkserguss in der Ausübung einer
knieschonenden Tätigkeit längerdauernd eingeschränkt gewesen wäre.
2.2 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat bemängelt, dass die
Beschwerdeführerin nicht zusätzlich von einem Allgemeinmediziner begutachtet
worden ist. Die Begutachtung hat im Mai 2011 stattgefunden. Das Bundesgericht hat
mit dem Entscheid BGE 137 V 210 seine Rechtsprechung zum Verfahren bei
Administrativgutachten geändert. Dieses Urteil ist jedoch erst nach der Medas-
Begutachtung, nämlich am 28. Juni 2011, ergangen. Das Bundesgericht hat in der
Entscheidbegründung festgehalten, dass nach altem Verfahrensstandard eingeholte
Gutachten ihren Beweiswert nicht per se verlören. Vielmehr sei im Rahmen einer
gesamten Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den
erhobenen Rügen entscheidend, ob das Abstellen auf die vorhandenen
Beweisgrundlagen im angefochtenen Entscheid vor Bundesrecht standhalte (Erw. 6).
Die Beschwerdeführerin hat vor und anlässlich der Begutachtung in somatischer
Hinsicht hauptsächlich Knieschmerzen, Daumengelenksschmerzen, Nacken- und LWS-
Beschwerden sowie Kopfschmerzen beklagt. Aufgrund des Beschwerdebildes ist es
vertretbar gewesen, die Beschwerdeführerin in somatischer Hinsicht nur durch eine
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orthopädische Fachperson und nicht zusätzlich noch durch einen Allgemeinmediziner
begutachten zu lassen.
2.3 Der Rechtsvertreter hat weiter moniert, dass Dr. O._ die Berichte der Klinik
S._ aus dem Jahr 2011 nicht vorgelegen hätten. Dr. O._ hat − wie die Klinik S._ −
als Diagnose (anamnestisch) den Verdacht auf einen analgetikainduzierten
Kopfschmerz, neurologisch und in der Bildgebung wiederholt unauffällig, angegeben.
Dem Kopfschmerz hat sie keinen wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
beigemessen. Dr. O._ hat bei der Begutachtung der Bericht des Neurologen Dr. I._
vom Spital J._ vom 30. Juni 2009 (IV-act. 21- 8 f.) vorgelegen. Dieser hatte ein
unspezifisches Kopfschmerzsyndrom (DD: somatoformes Schmerzsyndrom bei
Depression) diagnostiziert. Laut dem Bericht waren der neurologische Befund
regelrecht und das Schädel-CT unauffällig gewesen. Zudem hat Dr. O._ Kenntnis des
Austrittsberichts des Spitals J._ vom 14. August 2010 gehabt, laut dem die
Beschwerdeführerin an einem analgetikainduzierten Kopfschmerz (DD: Somatoform)
leide (IV-act. 84-3 ff.). Auch die Klinik S._ hat als Diagnose einen Verdacht auf ein
analgetikainduziertes Kopfweh angegeben. Die Berichte der Klinik S._ haben also
keine weiterführenden Erkenntnisse als die bisherigen Berichte enthalten. Dass Dr.
O._ bei der Begutachtung die Berichte der Klinik S._ nicht vorgelegen haben,
schmälert daher den Beweiswert des Gutachtens nicht.
2.4 Der Rechtsvertreter hat ausserdem argumentiert, dass die nächtlichen
Atemnotbeschwerden im Gutachten nicht berücksichtigt worden seien. Die
Beschwerdeführerin hat gegenüber Dr. V._ am 9. Dezember 2011 (IV-act. 75-2 f.)
angegeben, dass sie seit dem Herbst/Winter vor allem nachts an anhaltenden
Atemnotbeschwerden leide. Diese Beschwerden seien erstmals vor ca. einem Jahr
aufgetreten. Auch beim Putzen der Wohnung mit Staubaufwirbelung leide sie vermehrt
an Atemnot. Dr. V._ hat eine chronische Nasenschleimhautentzündung und eine
bronchiale Hyperaktivität (Überempfindlichkeit der Bronchien gegenüber einem Reiz)
diagnostiziert. Die Beschwerdeführerin hat die Atemnotbeschwerden anlässlich der
Begutachtung im Mai 2011 unerwähnt gelassen. Es ist deshalb davon auszugehen,
dass diese sie im Alltag zumindest bis zum Begutachtungszeitpunkt nicht wesentlich
belastet haben. Fraglich ist, ob sich die Atemnotbeschwerden im Herbst/Winter 2011
derart verstärkt haben, dass sie ab diesem Zeitpunkt einen Einfluss auf die
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Arbeitsfähigkeit gehabt haben könnten. Die Beschwerdeführerin ist von ihrem Hausarzt
Dr. L._ an Dr. V._ überwiesen worden. Dr. L._ hat somit von den
Atemnotbeschwerden Kenntnis gehabt. In seinem Bericht vom 2. November 2011 −
d.h. zwei Tage vor Verfügungserlass − hat er noch einmal auf die seines Erachtens
invalidisierenden Gesundheitsbeeinträchtigungen der Beschwerdeführerin hingewiesen
(IV-act. 65). Atemnotbeschwerden hat er dabei nicht erwähnt. Es ist daher mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die
Atemnotbeschwerden zumindest im Zeitpunkt des Verfügungserlasses keine
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gehabt haben.
2.5 Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin aus
somatischer Sicht in ihrer angestammten Tätigkeit als Reinigungsfrau seit dem
Unfallereignis im November 2007 vollständig arbeitsunfähig ist. In einer körperlich
adaptierten Tätigkeit ist sie spätestens seit Oktober 2008 (mit vorübergehendem
Einbruch nach Fehltritt im Dezember 2009) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu
100 % arbeitsfähig.
2.6 Bleibt noch zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin aus psychischen Gründen in
ihrer Arbeitsfähigkeit relevant eingeschränkt ist. Der psychiatrische Medas-
Sachverständige Dr. P._ hat unter anderem eine chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren diagnostiziert, dieser jedoch keinen Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen, da die nach der alten, bundesgerichtlichen
Rechtsprechung zu prüfenden Foerster-Kriterien nur zum Teil vorlägen. Mit BGE 141 V
281 hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung zur Frage, ob eine diagnostizierte
anhaltende somatoforme Schmerzstörung oder ein vergleichbares psychosomatisches
Leiden zu einer ganzen oder teilweisen Arbeitsunfähigkeit führt, geändert. Die bisherige
Vermutung, dass der versicherten Person eine Willensanstrengung zuzumuten sei, mit
welcher die Folgen einer somatoformen Schmerzstörung überwunden werden könnten,
wurde mit diesem Entscheid aufgegeben (vgl. Erw 3.3.1 und Erw. 3.6). Neu hat eine
ergebnisoffene symmetrische Beurteilung anhand eines Kataloges von Indikatoren des
tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens zu erfolgen (Erw. 3.6). Die Handhabung
des Katalogs muss stets den Umständen des Einzelfalls gerecht werden; es handelt
sich nicht um eine "abhakbare Checkliste" (Erw. 4.4.1). Die im Regelfall beachtlichen
Standardindikatoren sind (Erw. 4.1-4.4):
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1. Funktioneller Schweregrad:
- Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome;
- Behandlungserfolg oder -resistenz;
- Komorbiditäten;
- "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsentwicklung und-struktur, grundlegende
psychische Funktionen);
- sozialer Kontext.
2. Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens):
- Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen (sozialer Rückzug, Ressourcen);
- Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen;
- Verhalten im Rahmen der beruflichen (Selbst-)Eingliederung.
Der rechtliche Anforderungskatalog beschränkt sich auf einen Grundbestand von
normativ massgeblichen Gesichtspunkten. Innerhalb dieses Rahmens muss die
Begutachtungspraxis durch konkretisierende Leitlinien der medizinischen
Fachgesellschaften angeleitet werden (Erw. 5.1.2). Nach dem alten Verfahrensstandard
eingeholte Gutachten verlieren aber nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im
Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen
Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes
Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält. In jedem
einzelnen Fall ist zu prüfen, ob die beigezogenen administrativen und/oder
gerichtlichen Sachverständigengutachten ‒ gegebenenfalls im Kontext mit weiteren
fachärztlichen Berichten ‒ eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen
Indikatoren erlauben oder nicht (Erw. 8). Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob das
Gutachten von Dr. P._ mit Bezug auf die Diagnose einer chronischen
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Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren nach der
Rechtsprechungsänderung eine schlüssige Beurteilung im Lichte der aufgezählten
Indikatoren erlaubt oder nicht. Die Beschwerdeführerin selbst hat angegeben, in allen
Alltagsfunktionen praktisch gänzlich eingeschränkt zu sein. Gegenüber dem
psychiatrischen Gutachter hat sie angegeben, lediglich noch mit der Familie spazieren
und einkaufen zu gehen; manchmal könne sie nicht einmal selber den Kaffee
zubereiten (siehe IV-act. 56-30 f.). Inwieweit die Beschwerdeführerin aufgrund der
geltend gemachten, nicht objektivierbaren Schmerzen bei der Ausübung der
Alltagsfunktionen jedoch tatsächlich eingeschränkt ist, ist aufgrund der erheblichen
Symtomausweitung bzw. des dysfunktionalen Verhaltens nicht erhebbar. Auffallend ist,
dass Dr. O._ an den unteren Extremitäten bei symmetrischen Umfangmassen keine
Schonungszeichen hat feststellen können. Und laut dem Bericht von Dr. V._ vom 9.
Dezember 2011 erledigt die Beschwerdeführerin zumindest noch teilweise Putzarbeiten
in der Wohnung. Weiter hat sich die Beschwerdeführerin bisher keiner adäquaten
psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung unterzogen: Vom 11. März bis
1. Mai 2009 ist sie bei Dr. G._ in Behandlung gewesen. Ihre erste Sitzung bei Dr.
M._ hat sie erst fast ein Jahr später, am 1. März 2010, gehabt. Dr. M._ hat am 5.
Dezember 2010 berichtet, dass bei ihm nur einzelne Konsultationen stattgefunden
hätten. Ab ca. Mai 2011 hat sich die Beschwerdeführerin bei Dr. Q._ in
therapeutischer Behandlung befunden, wobei die Therapie offenbar bereits im
September 2011 wieder beendet worden war. Bis zum Begutachtungstermin hat die
Beschwerdeführerin zudem nur jeweils über kurze Zeiträume hinweg eine
antidepressive Medikation eingenommen. Gemäss Dr. P._ steht die ambivalente
Motivation für eine Psychotherapie nur zum Teil mit einer leicht eingeschränkten
Krankheitseinsicht in Zusammenhang; durch die Schmerzsymptomatik bestehe ein
hoher sekundärer Krankheitsgewinn. Die Schlussfolgerung von Dr. P._, dass die
Behandlungsmöglichkeiten noch nicht ausgeschöpft seien und bei adäquater
Behandlung mit einer gewissen Besserung gerechnet werden könne, ist vor diesem
Hintergrund einleuchtend. Als physische Komorbiditäten sind die beginnenden
degenerativen Veränderungen in beiden Knien und die degenerativen Veränderungen in
der HWS- und LWS-Gegend zu nennen, wobei diese Befunde nicht als erheblich
qualifiziert werden können. In psychischer Hinsicht ist eine rezidivierende depressive
Störung, beginnend chronifizierte Symptomatik in leicht- bis mittelgradiger Ausprägung
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zu berücksichtigen. Im Rahmen der Persönlichkeitsdiagnostik sind ausserdem die von
Dr. P._ festgestellten akzentuierten Persönlichkeitszüge mit histrionischen Anteilen
zu beachten. Im sozialen Kontext hat Dr. P._ darauf hingewiesen, dass eine ganze
Reihe von psychosozialen Belastungsfaktoren vorliege. Zudem verfüge die
Beschwerdeführerin auch über gewisse Ressourcen. So erledige sie noch gewisse
Haushaltsarbeiten, gehe regelmässig spazieren und pflege Kontakte mit ihren Kindern
und Bekannten. Es könne deshalb nur von einem allenfalls teilweisen sozialen Rückzug
gesprochen werden. Wie bereits erwähnt, hat die Beschwerdeführerin bisher keine
adäquate psychiatrische Behandlung in Anspruch genommen, obwohl diverse
untersuchende Ärzte auf deren dringende Notwendigkeit hingewiesen haben. Auch
eine Motivation zur beruflichen Wiedereingliederung ist während des gesamten
Verwaltungsverfahrens nie erkennbar gewesen. Die fehlende Motivation ist gemäss Dr.
P._ auch auf den sekundären Krankheitsgewinn zurückzuführen. Zusammengefasst
ist festzuhalten, dass der diagnostizierten chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren angesichts der erheblichen
Symptomausweitung bzw. des dysfunktionalen Verhaltens, der bisher ungenügenden
psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung, der Besserungsmöglichkeit durch
eine adäquate Psychotherapie, der vorhandenen Ressourcen, der fehlenden Motivation
zur Psychotherapie und beruflichen Wiedereingliederung − im Übereinstimmung mit Dr.
P._ − kein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen werden kann.
2.7 Dr. P._ hat der Beschwerdeführerin allerdings aufgrund der von ihm
festgestellten rezidivierenden depressiven Störung mit beginnend chronifizierter
Symptomatik in leichter bis mittelgradiger Ausprägung und aufgrund von akzentuierten
Persönlichkeitszügen mit histrionischen Anteilen in der angestammten wie auch in einer
adaptierten Tätigkeit ab März 2009 eine 30-40 %ige Arbeitsunfähigkeit aus rein
psychiatrischer Sicht attestiert. Begründet hat er die Arbeitsunfähigkeit mit
Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Selbstzweifeln, Versagensängsten,
Antriebsminderung, vermehrter Erschöpfbarkeit und verschiedenen somatischen
Symptomen. Dr. P._ hat in seiner Beurteilung alle aus Sicht eines medizinischen
Laien relevanten Aspekte berücksichtigt. So hat er insbesondere auch darauf
hingewiesen, dass bisher keine genügende psychiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung stattgefunden habe, dass die derzeitige antidepressive Medikation
optimiert werden müsse, dass ein hoher sekundärer Krankheitsgewinn bestehe, dass
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die Psychotherapiemotivation eingeschränkt sei, dass keine Motivation zur beruflichen
Eingliederung vorhanden sei und dass viele psychosoziale Belastungsfaktoren
vorlägen, die nicht in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einbezogen werden dürften.
In Anbetracht der erhobenen Befunde erscheint die attestierte Arbeitsunfähigkeit von
30-40 % zwar als eher hoch. Da die Einschätzung von Dr. P._ jedoch auf einer
umfassenden und überzeugenden Beurteilung basiert, ist auf diese abzustellen.
2.8 Der Rechtsvertreter hat bemängelt, dass Dr. P._ die Berichte der Klinik S._,
wonach die Beschwerdeführerin an einer schweren anhaltenden depressiven Episode
leide, nicht vorgelegen hätten. Dr. P._ hat tatsächlich keine Kenntnis dieser Berichte
gehabt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass er auch in Kenntnis dieser Berichte
keine andere Diagnose gestellt hätte. Denn einerseits ist den Berichten nicht zu
entnehmen, gestützt auf welche klinischen Befunde die Diagnose gestellt worden ist.
Damit lässt sich auch nicht erkennen, ob die Diagnose nachvollziehbar ist oder nicht.
Andererseits ist die Diagnose nicht von einem Psychiater gestellt worden. Gerade bei
psychiatrischen Erkrankungen, bei denen es sich um innerseelische Vorgänge handelt,
ist es wichtig, dass die diagnosestellende Arztperson über psychiatrisches Fachwissen
verfügt. Hinzu kommt, dass die Klinik S._ keine Arbeitsfähigkeitsschätzung
abgegeben hat. Der Rechtsvertreter hat ausserdem darauf hingewiesen, dass auch das
Spital J._ am 29. November 2011 (IV-act. 71-3) eine schwere anhaltende depressive
Episode diagnostiziert habe. Hierzu ist anzumerken, dass das Spital J._ lediglich die
Diagnose einer schweren depressiven Verstimmung angegeben hat. Auch diese
Diagnose ist nicht von einer psychiatrischen Fachperson gestellt worden und es fehlen
die dazugehörigen klinischen Befunde sowie eine Arbeitsfähigkeitsschätzung. Die
Diagnosen der Klinik S._ und des Spitals J._ sind somit nicht geeignet, die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. P._ in Zweifel zu ziehen.
2.9 Der Rechtsvertreter hat weiter argumentiert, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung
von 30-40 % zu ungenau sei. Bei den medizinischen Angaben zur Arbeitsfähigkeit
handelt es sich um Näherungswerte, da die Arbeitsfähigkeit nicht messbar, sondern
nur schätzbar, ist. Eine Arbeitsfähigkeitsschätzung ist daher nicht schon deshalb als
nicht überzeugend zu qualifizieren, weil die medizinische Fachperson lediglich eine
Grössenordnung und keine exakte Zahl angibt. Schätzt ein Gutachter die
Arbeitsfähigkeit ohne weitere Angaben auf "30 bis 40 %", lässt sich gemäss der
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höchstrichterlichen Rechtsprechung daraus schliessen, dass 30 % als eher zu niedrig,
40 % dagegen als eher zu hoch angesehen werden. Für die Invaliditätsbemessung
rechtfertigt sich in dieser Konstellation praxisgemäss das Heranziehen des
Mittelwertes, welcher von den beiden Extremwerten am wenigsten abweicht (vgl. Urteil
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 21. April 2005, I 822/04 E. 4.4 mit
Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Dezember 2007, 9C_626/2007 E. 3.2 mit
Hinweisen). Die Argumentation des Rechtsvertreters, die Arbeitsfähigkeitsschätzung
von Dr. P._ sei zu ungenau und deshalb nicht verwertbar, ist daher nicht stichhaltig.
In psychiatrischer Hinsicht ist die Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit ab März 2009
folglich auf 35 % zu beziffern.
3.
3.1 Somit ist auf dieser Grundlage der Einkommensvergleich vorzunehmen. Vorab
ist darauf hinzuweisen, dass die Invalidenversicherung nicht an die
Invaliditätsbemessung der Unfallversicherung gebunden ist (vgl. BGE 133 V 549 E. 6;
siehe auch Urteil des Bundesgerichts vom 4. Juni 2013, 8C_259/2013 E. 2.2). Die
Beschwerdeführerin ist aus somatischer Sicht spätestens ab Oktober 2008 in einer
adaptierten Tätigkeit wieder zu 100 % arbeitsfähig gewesen. Es wäre ihr ab diesem
Zeitpunkt also zumutbar gewesen, eine adaptierte Hilfsarbeitertätigkeit anzutreten.
Dadurch ist das Wartejahr nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG unterbrochen worden (siehe
auch Art. 29 IVV). Ab März 2009 ist die Beschwerdeführerin aus psychischer Sicht zu
35 % arbeitsunfähig gewesen. Das Wartejahr hat also am 1. März 2009 zu laufen
begonnen. Ein allfälliger Rentenanspruch würde somit am 1. März 2010 entstehen.
3.2 Die Beschwerdeführerin hat bis am 30. April 2006 zu 80-100 % als
Reinigungsmitarbeiterin gearbeitet. Danach ist sie arbeitslos gewesen. Da eine
Hilfsarbeitertätigkeit keine besonderen beruflichen Fähigkeiten voraussetzt, kann nicht
davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall im März
2010 als Reinigungsmitarbeiterin gearbeitet hätte, denn es hätten ihr viele andere
Hilfsarbeiterinnentätigkeiten offen gestanden. Im Gegensatz zur Invaliditätsbemessung
der Unfallversicherung ist für die Bemessung des Valideneinkommens deshalb nicht
auf das zuletzt erzielte Einkommen als Reinigungsmitarbeiterin, sondern auf das
durchschnittliche Einkommen einer Hilfsarbeiterin im Jahr 2010 abzustellen. Da auch
ter
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die Invalidenkarriere in einer Hilfsarbeiterinnentätigkeit besteht, kann ein
Prozentvergleich vorgenommen werden. Ob und in welcher Höhe statistische
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen des Einzelfalles ab, die nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu
schätzen sind (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juli 2014, 8C_97/2014 E. 2.2 mit
Hinweis). Ein Tabellenlohnabzug ist im vorliegenden Fall nicht angezeigt. Ein
Teilzeitabzug ist nicht zu gewähren, weil Hilfsarbeiterinnen gemäss der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) im Jahr 2010, die zu einem
Pensum von 50-74 % gearbeitet haben, durchschnittlich verhältnismässig sogar mehr
verdient haben als vollzeittätige Hilfsarbeiterinnen (siehe Anhang zum IV-
Rundschreiben Nr. 328 S. 5). Auch der Umstand, dass die Beschwerdeführerin nur
noch körperlich leichte Tätigkeiten ausüben kann, rechtfertigt keinen Abzug vom
Tabellenlohn. Denn im vorliegenden Fall besteht die Validenkarriere ja nicht in der
körperlich anstrengenden Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin, sondern in einer
durchschnittlich bezahlten Hilfsarbeiterinnentätigkeit gemäss LSE. Letztere
unterscheidet nicht zwischen körperlich leichten, mittelschweren und schweren
Tätigkeiten. Weiter sind die somatischen Leiden nicht derart gravierend, dass mit
häufigen krankheitsbedingten Absenzen gerechnet werden müsste. Somit liegen aus
somatischer Sicht keine Gründe vor, die einen Tabellenlohnabzug rechtfertigen
würden. Demgegenüber hat die Unfallversicherung, obwohl sie die Beschwerdeführerin
als in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit als zu 100 % arbeitsfähig erachtet hat,
einen 15 %igen Tabellenlohnabzug gewährt. Als Begründung hat sie lediglich die
gesundheitlichen Einschränkungen angeführt (siehe Verfügung vom 11. Dezember
2009 und Einspracheentscheid vom 12. Februar 2010, Fremdakten, nicht akturiert). Sie
hat also nicht erklärt, inwiefern sich die gesundheitlichen Einschränkungen − neben
den bereits berücksichtigten Einschränkungen in qualitativer Hinsicht − auf die
Lohnhöhe auswirken. Das Gericht hat in seinem Entscheid vom 11. Januar 2011 (UV
2010/18), mit welchem es die Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom
12. Februar 2010 abgewiesen hat, angeführt, dass der Abzug als eher grosszügig
bemessen erscheine. Es hat den Abzug von 15 % jedoch nicht als missbräuchlich
angesehen und deshalb nicht korrigiert (Erw. 4.2). Mit Bezug auf die psychischen
Probleme rechtfertigt sich im vorliegenden Fall kein Tabellenlohnabzug. Denn es ist
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin mithilfe einer adäquaten
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psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung ihren Zustand zumindest stabil
halten kann und folglich keine überdurchschnittlich häufigen Krankheitsabsenzen
verzeichnen muss. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 35 % beträgt der IV-Grad folglich
35 %. Die Beschwerdeführerin hat somit keinen Anspruch auf eine IV-Rente.
3.3 Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
3.4 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Diese ist durch den von ihr geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.-- gedeckt. Die
Beschwerdeführerin hat bei diesem Verfahrensausgang keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).