Decision ID: d4d4963c-de0e-4904-ad33-b5bd17379696
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1985, war während der Sommer
monate wiederholt befristet als Hilfskoch bei der
Z._
AG in
A._
angestellt (vgl. Urk. 7/56). Nach dem Ende der Sommersaison 2014
(3
1.
Oktober 2014)
meldete sich der Versicherte zur Arbeitsvermittlung an und stellte Antrag auf Arbeitslosenentschäd
igung (Urk. 7/54-55). Ab dem 3.
November 2014 stand ihm eine Rahmenfrist für den Leistungsbezug offen (vgl.
Urk.
7/57).
Am
9.
Dezember 2014 absolvierte der Versicherte auf Anweisung des Regiona
len Arbeitsvermittlungsz
entrums (RAV) einen Probeeinsatz
als Hilfskoch im Restaurant
B._
in
A._
(Urk.
7/36) und am 1
2.
Dezember 2014 forderte das RAV ihn
förmlich
auf, sich als Hilfskoch im genannten Restaurant zu bewerben (Urk. 7/21). Der Betrieb verzichtete
indessen
auf eine Anstellung des Versicher
ten (Urk. 7/39). Am 1
3.
Februar 2015 verfügte das Amt für Wirtschaft und Ar
beit (AWA) für die Dauer von 45 Tagen ab 1
0.
Dezember 2014 eine Einstellung
in der Anspruchsberechtigung (Urk. 7/2).
Die dagegen erhobene Einsprache (Urk. 7/3
) wies das AWA mit
Einspracheentscheid
vom
7.
Juli 2015 ab (Urk. 2 =
Urk.
7/4).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
7.
Juli 20
15 erhob der Versicherte am 21.
August 2015 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, der angefochtene Ent
scheid sei ersatzlos aufzuheben und von einer Einstellung in der
Anspruchs
berechtigung
sei abzusehen (Urk. 1).
Das AWA beantragte in der
Beschwerde
antwort
vom 2
4.
September 2015 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Nach
Art.
17
Abs.
3 Satz 1
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeits
losenversicherung und die Insolvenzentschädigung (
AVIG
)
muss die arbeitslose
Person eine ver
mittelte zumutbare Arbeit annehmen.
Gemäss
Art.
30 Abs. 1
lit
.
d AVIG ist die versicherte Person in der
An
spruchsberechtigung
einzustellen, wenn sie die Kontrollvorschriften oder die Weisungen der zuständigen Amtsstelle nicht befolgt, namentlich eine zumut
bare Arbeit nicht annimmt
. Neben der Nichtannahme einer amtlich zugewie
senen zumutbaren Arbeit erfasst
Art.
30
Abs.
1
lit
. d AVIG in der seit dem
1.
Juli 2003 geltenden Fassung auch die Nichtannahme einer selbst gefundenen zumutbaren Arbeit oder einer von Dritten vermittelten oder angebotenen zu
mutbaren Stelle (Urteil des Bundesgerichts C 17/07 vom 2
2.
Februar 2007 E. 2.2)
.
Die versicherte Person
hat bei den Verhand
lungen mit künftigen Arbeitgebern klar und eindeutig die Bereit
schaft zum Vertragsabschluss zu bekunden, um die Beendigung der Arbeitslosigkeit nicht zu gefährden. Eine Ablehnung zumutba
rer Arbeit liegt nicht nur dann vor, wenn die versicherte Person eine Stelle aus
drücklich zurückweist, sondern auch
dann
, wenn sie
bei Vertragsverhandlungen
eine nach den Umständen gebotene ausdrü
ckliche Annahmeerklärung unter
lässt
oder durch ihr Verhalten in Kauf nimmt, dass die Stelle anderweitig besetzt wird, oder
wenn sie sich trotz Zuwe
isung einer Stelle durch das Ar
beitsamt gar nicht ernsthaf
t um die Aufnahme von Vertrags
verhandlungen bemüht (
BGE 122 V 34 E. 3b;
ARV 1986 Nr. 5 S. 22
E. 1a,
1984 Nr.
14 S. 167).
2.2
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (
Art.
30
Abs.
3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30
Tage bei mittel
schwerem und 31
bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (
Art.
45
Abs.
3
der
Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenz
entschädigung
;
AVIV).
Ein schweres Verschulden liegt nach
Art.
45
Abs.
4 AVIV vor, wenn die ver
sicherte Person ohne entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeitsstelle ohne Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle aufgegeben (
lit
. a) oder eine zumutbare Arbeit abgelehnt hat (
lit
. b). Bei Vorliegen eines entschuldbaren Grundes kann der Sanktionsrahmen des schweren Verschuldens rechtsprechungsgemäss unter
schritten werden. Unter einem entschuldbaren Grund im Sinne von
Art.
45
Abs.
4
AVIV ist demnach ein Grund zu verstehen, der das Verschulden leichter als schwer erscheinen lässt (BGE 130 V 125 E. 3.5).
3.
3.1
Der Beschwerdegegner begründete seien Entscheid damit, der Beschwerdeführer
habe die
unbefristete und per sofort
freie
Vollzeits
telle als Hilfskoch im Restau
rant
B._
in
A._
, die ihm vom RAV zugewiesen worden
sei
, abgelehnt.
Am
9.
Dezember 2014 habe er im Restaurant
B._
einen Probearbeitstag absolviert
und am 1
2.
Dezember 2014 sei ihm die Stelle zugewiesen worden. Es habe eine interne Vorselektion stattgefunden und das Bewerbungsdossier sei direkt an den Arbeitgeber gesandt worden.
Die Stelle hätte den Fähigkeiten des Beschwerde
führer
s entsprochen. Aufgrund der Aktenlage und der Rückmeldung des Arbeit
gebers vom 1
0.
Januar 2015 sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass sich der Beschwerdeführer beim Probearbeitstag nicht so eingesetzt habe, wie dies von einer Person erwartet werden könne, die die Stelle erhalten wolle.
Durch sein Verhalten
habe der Beschwerdeführer
somit
eine Anstellung
vereitelt (Urk. 2 S.
3
,
Urk.
6 S. 2).
3.2
Der Beschwerdeführer macht geltend
, er betätige sich seit Jahren als Hilfskoch und weise eine dementsprechende Qualifikation auf. Seine Arbeitgeber seien mit seinen Leistungen in qualitativer
und
in quantitativer Hinsicht stets zufrieden gewesen. Am Probeeinsatz vom
9.
Dezember 2014 habe er sein B
estes gegeben. Es sei sein Ziel gewesen, eine Zusage für die Stelle zu bekommen. Der Einsatz
habe
um 17.00 Uhr begonnen und bis 22.00 Uhr gedauert. Er sei ausschliesslich für den Abwasch von Geschirr eingesetzt worden.
Im Restaurant
B._
habe an jenem Abend ein Grossanlass mit über 100 Gästen stattgefunden. Der Zweck des Probeinsatzes, den Betrieb und die künftigen Mitarbeiter kennenzulernen, habe auf diese Weise nicht erreicht werden können. Stattdessen sei er aus
schliesslich als kurzfristig verfügbare Arbeitskraft eingesetzt worden (Urk.
1 S. 3
Ziff.
10 f.
; vgl. auch Urk. 7/3 S. 3
).
4.
4.1
Gemäss der Bewerbungsaufforderung des RAV vom 1
2. Dezember 2014
suchte das Restaurant
B._
in
A._
einen schnell arbeitenden und flexiblen
Hilfs
koch
. Vorausgesetzt wurden sehr gute Kenntnisse im Bereich der kalten Küche, Hygienebewusstsein, gute Deutschkenntnisse und die Bereitschaft, mit
Zimmer
stunde
zu arbeiten. Erwartet wurde ferner die Mitarbeit beim Abwasch (Urk. 7/21).
Nach übereinstimmender Parteidarstellung absolvierte der Beschwer
deführer
am
9.
Dezember 2014
einen Probeeinsatz im Restaurant
B._
.
4.2
Der Beschwerdeführer teilte dem RAV hernach mit, der Schnuppereinsatz habe von 17.00 bis 22.00 Uhr gedauert (Urk. 7/36). Mit Email vom 1
0.
Januar 2015
teilte
C._
vom Restaurant
B._
dem RAV mit, der Beschwerdeführer sei zum Probeinsatz erschienen, er habe jedoch überhaupt keine Erfahrung gehabt und kein wirkliches Interesse an der Arbeit gezeigt (Urk. 7/39). Der Beschwerdeführer
ergänzte
, er habe an besagtem Probeeinsatz ausschliesslich Teller abwaschen müssen. Es sei an jenem Abend alles sehr hektisch gewesen.
Im
Restaurant
sei
an diesem Abend
eine grosse Gesellschaft
mit über 100 Perso
nen
bewirtet worden. Eine Einführung in die Tätigkeit habe nicht stattgefunden
.
4.3
Diese sowohl
im Einsprache-
als auch im
Beschwerdeverfahren
vorgetragene Sachdarstellung
(
vgl.
Urk. 1 S. 4, Urk. 7/3 S. 3) blieb unbestritten.
Dass während dem Probeeinsatz sehr viele Gäste im Lokal anwesend waren, lässt sich auch
aus
der
Rückmeldung von
C._
vom Restaurant
B._
vom 1
0.
Januar
2015
schliessen. Sie hielt fest,
die „Flut war dermassen gross, dass wir völlig überfordert waren“ (Urk. 7/39).
Das stützt die Ausführungen des Beschwerde
führers, weswegen an diesen nicht zu zweifeln ist.
4.4
Ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer während dem Probeinsatz am Abend des
9.
Dezembers 2014 ausschliesslich für Abwascharbeiten eingesetzt
wurde
, die Stelle aber in erster Linie den Einsatz im Bereich der kalten Küche beinhaltet hätte, ist die Beurteilung in der Rückmeldung des Restaurant
B._
vom 1
0.
Januar 2015 nur bedingt aussagekräftig.
Da kein Einsatz als Hilfskoch erfolgte, konnte sich die potentielle Arbeitgeberin kein Bild über die Fähigkeiten und den Einsatzwillen des Beschwerdeführers in dieser Funktion machen. Somit
bleibt
es
offen, worauf sich die Schlussfolgerung stützte, der
Beschwerdeführer
sei für die Stelle nicht geeignet
.
Die fehlende Begeisterung über den
aus
schliess
lichen Einsatz als Abwaschkraft
kann
dem Beschwerdeführer jedenfalls
nicht zum Vorwurf gemacht werden.
An der Seriosität des Stellenangebots
durfte der Beschwerdeführer unter den gegebenen Umständen zu Recht zweifeln
.
4.5
Ein anderweitiges Verhalten, welches zur Nichtanstellung geführt habe, wird dem Beschwerdeführer nicht vorgeworfen. Ein solches ist denn auch nicht ersichtlich. Zusammenfassend ergibt sich somit, dass der Kausalzusammen
hang
zwischen dem Verhalten des Beschwerd
eführers am Probeeinsatz vom 9.
Dezember 2014 und der späteren Nichtanstellung im Restaurant
B._
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist. Mithin kann dem Beschwer
deführer nicht vorgeworfen werden, er habe eine ihm zugewiesene Stelle durch Vereitlung des Vertragsabschlusses abgelehnt. Ein Einstellungsgrund ist dem
gemäss nicht gegeben, weswegen die Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu Unrecht erfolgte.
Somit ist die Beschwerde gutzuheissen und
der
Einsprachentscheid
betreffend
die Einstellung in der Anspruchsberechtigung von 45 Tagen ab 1
0.
Dezember 2014 aufzuheben.
5.
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) Anspruch auf eine
Pro
zessentschädigung
. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streit
sache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
1‘000
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.