Decision ID: afedd641-cc9e-5479-96b9-da688dca20c7
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1977, Texter und
Konzepter
, ist der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, seit dem 1. August 2010 als Selbständigerwerbender angeschlossen (Urk. 8/1). Er ist Gesellschafter der Kollektivgesellschaft
Y._
&
X._
(vgl. www.zefix.ch). Am 20. April 2020 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte bei der Ausgleichskasse zum Bezug einer Erwerbsausfallentschädigung (Härtefall-Regelung) gestützt auf die Verordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus (Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall) an (Urk. 8/121). Mit Verfügung vom 24. April 2020 verneinte die Ausgleichskasse einen Anspruch auf eine Corona-Erwerbsausfallentschädigung (Urk. 8/126). Die dagegen vom Versicherten am 7. Mai 2020 erhobene Einsprache (Urk. 8/134) wies die Ausgleichskasse mit Entscheid vom 17. Juni 2020 (Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 30. Juni 2020 Beschwerde und beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die Zu
sprache einer Corona-Erwerbsausfallentschädigung (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 7. Oktober 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was dem Beschwerdeführer am 8. Oktober 2020 angezeigt wurde (Urk. 9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 185 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV) kann der Bundesrat
Verordnungen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar drohenden schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusseren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen
(und zwar auf maximal sechs Monate; vgl. Art. 7d Abs. 2
lit
. a des Regierungs- und Verwaltungsorganisationsgesetzes, RVOG)
.
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat - nebst anderen Verordnungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, die sich teilweise auch auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen
(
Epidemiengesetz
,
EpG
) stützen - am 20. März 2020 die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall. Die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall wurde rückwirkend per 17. März 2020 in Kraft gesetzt und der Geltungszeitraum bis zum 16. September 2020 befristet (Art. 11 Abs. 2). Während dieses Geltungszeit
raums erfuhr sie am 23. April und 6. Juli 2020 je eine Änderung, bevor der Geltungszeitraum mit Änderung vom 17. September 2020 bis zum 31. Dezember 2021 verlängert wurde (Art. 11 Abs. 4). Mit dem Covid-19-Gesetz vom 25. September 2020 wurde rückwirkend per 17. September 2020 eine gesetzliche Grundlage für die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall geschaffen (Art. 15 in Verbindung mit Art. 21 Abs. 3 des Covid-19-Gesetzes).
1.2
1.2.1
Nach
Art.
2
Abs.
3
bis
der Covid
-19-Verordnung Erwerbsausfall
(Stand 6. Juli 2020)
sind
Selbständige
rwerbende im Sinne von
Art.
12 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) anspruchsberechtigt, wenn sie aufgrund der
bundesrätlichen
Massnahmen
zur Bekämpfung des Coronavirus
, obwohl sie nicht zur
Schliessung
des Betriebs verpflichtet oder direkt vom Veranstaltungsverbot betroffen waren,
einen Erwerbsausfall erleiden und ihr für die Bemessung der Beiträge der AHV
massgebendes
Einkommen für da
s Jahr 2019 zwischen Fr.
10‘000.
-- und Fr. 90‘000.-- liegt (
sogenannte Härte
fallregelung)
; dabei gilt für die Berechnung des massgebenden Einkommens für das Jahr 2019 Artikel 5 Absatz 2 zweiter Satz sinngemäss.
1.2.2
Gemäss Art. 5 Abs. 2 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (Stand 6. Juli 2020) ist für die Ermittlung des Einkommens Art. 11 Abs. 1 des Erwerbsersatzgesetzes (EOG) sinngemäss anwendbar. Nach der Festlegung der Entschädigung kann eine Neuberechnung der Entschädigung nur vorgenommen werden, wenn eine aktuellere Steuerveranlagung bis zum 16. September 2020 der anspruchsberechtigten Person zugestellt wird und diese den Antrag zur Neuberechnung bis zu diesem Datum einreicht.
1.2.3
Nach Art. 11 Abs. 1 EOG bildet Grundlage für die Ermittlung des durchschnittlichen vordienstlichen Erwerbseinkommens das Einkommen, von dem die Beiträge nach dem Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenen
versicherung (AHVG) erhoben werden. Der Bundesrat erlässt Vorschriften über die Bemessung der Entschädigung und lässt durch das Bundesamt für Sozialversicherungen verbindliche Tabellen mit aufgerundeten Beträgen aufstellen.
1.2.4
Gestützt auf Art. 7 Abs. 1 der Verordnung zum Erwerbsersatzgesetz (EOV) wird bei Selbständigerwerbenden die Entschädigung auf Grund des auf den Tag um
gerechneten Erwerbseinkommens berechnet, das für den letzten vor dem Einrücken verfügten AHV-Beitrag massgebend war. Wird für das Jahr der Dienst
leistung später
ein anderer AHV-Beitrag verfügt, so kann die Neuberechnung der Entschädigung verlangt werden.
Zu dieser Bestimmung hielt das Bundesgericht in seinem Urteil 9C_527/2018 vom 25. Januar 2019 E. 2.2 fest, dass in
Bezug auf das versicherte Ereignis Mutter
schaft
(Art. 32 EOV verweist zur Berechnung der Entschädigung für
selbständigerwerbende
Mütter auf Art. 7 Abs. 1 EOV)
für die Festlegung der Ent
schädigung ausschliesslich das vor der Geburt erzielte Einkommen berücksichtigt werden
könne
- sei es in der Gestalt der während eines Jahres vor der Geburt angefallenen AHV-pflichtigen Erträge oder aber der im Geburtsjahr verzeichneten und auf zwölf Mo
nate hochgerechneten Einkünfte.
Da die definitive Bemessung der Entschäd
igung erst erfolgen könne
, nachdem (aufgrund der Steuermeldung) der endg
ültige AHV-Beitrag verfügt werde, sei
die Entschädigung gegebenenfalls zunächst einmal provisorisch nach dem für die Akontozahlungen massgebenden Einkommen zu bemessen
.
1.3
Gemäss
Rz
.
1041.3 des Kreisschreibens über die Entschädigung bei
Massnahmen
zur Bekämpfung des Coronavirus - Corona-Erwerbsersatz (Stand:
3.
Juli 2020
,
KS CE)
wird für die Ermittlung der Einkom
mensgrenzen (Fr. 10'000 und Fr. 90'000)
bei der Härtefall-Prüfung
grundsätzlich auf das Erwerbseinkommen, welches als Grundlage für die Beitragsrechnungen 2019 (Akontorechnungen) herangezogen wurde, abgestellt.
Grundlage für die Bemessung der Entschä
digung für Selbständigerwerbende bildet grundsätzlich das Er
werbseinkommen, wel
ches im Jahr 2019 erzielt wurde (
Rz
. 1065).
Basierte die festgesetzte Entschädigung auf dem Einkommen, welches für die Akontorechnungen 2019 herangezogen wurde und wurde dieses seit der letzten definitiven Beitragsverfügung nicht angepasst, so ist auf Antrag auf das Einkommen der letzten definitiven Beitrags
verfügung abzustellen. Liegt zum Zeitpunkt des Antrages die definitive Steuerveranlagung für das Jahr 2019 bereits vor, so ist diese zu berücksichtigen. Der Antrag auf Neuberechnung resp. Revision oder Wieder
erwägung muss spätestens am 16.
September 2020 bei der Ausgleichskasse eingereicht sein (
Rz
.
1065.1).
Laut
Rz
. 1068 bewirkt eine nachträgliche Anpassung des Erwerbseinkommens infolge der definitiven Steuermeldung für das Beitragsjahr 2019, die nach dem 1
6.
September 2020 eingeht, keine Änderung in der Entschädigung. Ebenso keine Änderung in der Höhe der Entschädigung bewirken nach dem 17. März 2020 erfolgte Anpassungen des den Akontorechnungen 2019 zugrundeliegenden Erwerbseinkommens (vorbehalten bleibt
Rz
. 1065.1).
1.4
Bei einem Kreisschreiben handelt es sich um eine von der Aufsichtsbehörde für richtig befundene Auslegung von Gesetz und Verordnung. Die Weisung ist ihrer Natur nach keine Rechtsnorm, sondern eine im Interesse der gleichmässigen Gesetzesanwendung abgegebene Meinungsäusserung der sachlich zuständigen Aufsichtsbehörde. Solche
Verwaltungsweisungen sind wohl für die Durchführungsorgane, nicht aber für die Gerichtsinstanzen verbindlich (BGE 118 V 206 E. 4c, vgl. auch 123 II 16 E. 7, 119 V 255 E. 3a mit Hinweisen). Das Gericht soll sie bei seiner Entscheidung mitberücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Es weicht anderseits insoweit von den Weisungen ab, als sie mit den anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen nicht vereinbar sind (BGE 123 V 70 E. 4a mit Hinweisen).
1.5
Mit Urteil EE.2020.00006 vom 2
9.
Oktober 2020 hat das hiesige Gericht erkannt, dass
Art.
5
Abs.
2 Satz 2 der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall, Stand
6.
Juli 2020, sowie
Rz
. 1065.1 KS CE, Stand
3.
Juli 2020,
jedenfalls
insoweit gegen den verfassungsmässigen Grundsatz der Gleichbehandlung (
Art.
8 BV) verstossen, als dass für die Berechnung des massgeblichen Einkommens 2019 resp. für die Neu
berechnung der Entschädigung auf Grundlagen abgestellt wird, auf deren Ausstellung die antragsstellende Person in zeitlicher Hinsicht keinen (alleinigen) Einfluss hat. Zu welchem Zeitpunkt die Steuerveranlagung im Einzelfall erfolgt, hängt (auch) von Faktoren ab, die ausserhalb des Einflussbereichs der steuer
pflichtigen Person liegen. Mithin käme es einer sachlich nicht zu rechtfertigenden Privilegierung oder aber Benachteiligung der antragstellenden Person gleich, würde der etwaige Anspruch davon abhängig gemacht, ob die definitive Steuerveranlagung über das Jahr 2019 im Zeitpunkt des Antrags resp. spätestens bis zum 1
6.
September 2020 in
concreto
bereits zugestellt wurde oder nicht. Mit anderen Worten ergeben sich rechtliche Unterscheidungen, für die kein vernünftiger Grund in den zu regelnden Verhältnissen ersichtlich ist
.
Daraus folgerte das Gericht,
der Beschwerdeführer
habe
einen Anspruch darauf, dass die definitive Steuerveranlagung für das Jahr 2019 auch nach dem 16. Septem
ber 2020 zu berücksichtigen sei. Offengelassen wurde
die Frage, ob eine nachträgliche Korrektur gestützt auf veranlagte Bemessungsgrundlagen jeden
falls bis zum 16. September 2020 hätte geltend gemacht werden müssen, auch wenn die relevanten Unterlagen erst nachträglich aufgelegt werden können (vgl. Art. 5 Abs. 2
bis
und 2
ter
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall in der ab dem 7. September bzw. 8.
Oktober 2020 geltenden Fassung;
erwähntes Urteil E.
3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Anspruch auf Corona-Erwerbsausfall
entschädigung mit der Begründung, dass die neue Härtefallregelung für den Erwerbsausfall von Selbständigerwerbenden voraussetze, dass das AHV-pflich
tige Einkommen für das Jahr 2019 zwischen Fr. 10'000.-- und Fr. 90'000.-- liege. Der Antrag sei auf der Basis der aktuellsten AHV-Beitragsverfügung für das Jahr 2019 geprüft
worden. Der Beschwerdeführer habe für das Jahr 2019 ein Einkommen von mehr als Fr. 90'000.-- abgerechnet. Die letzte definitive Beitragsverfügung sei jene aus dem Jahr 2017. Damals habe er ein Einkommen von Fr. 97'100.-- abgerechnet. Der Beschwerdeführer erfülle die Anspruchsvoraussetzungen für den Leistungsbezug daher nicht (Urk. 2 und Urk. 8/126).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, dass er im Jahr 2019 ein effektives Einkommen von Fr. 76'338.-- erzielt habe. Dies könne den Steuerunterlagen entnommen werden. Die Steuererklärung habe er bereits am 17. Februar 2020 eingereicht. Die Beschwerdegegnerin habe am Stichtag 17. März 2020 somit über sein effektives Einkommen informiert sein müssen. Er habe bereits vor der Corona-Krise alles dafür getan, dass seine Angaben pünkt
lich zur Verfügung stehen würden. Es könne nicht sein, dass er für die langsame Arbeit der Behörden bestraft werde. Der existenzielle Entscheid über einen Anspruch auf Erwerbsausfallentschädigung dürfe nicht auf der Basis einer provisorischen Selbsteinschätzung gefällt werden. Die Selbsteinschätzung mache er seit der Gründung seines Unternehmens bewusst zu hoch, damit er der Beschwerdegegnerin sicher nicht zu wenig einzahle. Umgekehrt würde dies für Personen, die ihr Einkommen bei der provisorischen Beitragsverfügung zu tief angeben würden (unter Fr. 90'000.--), aber effektiv mehr verdienen würden, bedeuten, dass sie Corona-Unterstützung erhalten würden. Die Corona-Erwerbs
ersatzentschädigung sei deshalb nicht von der provisorischen Beitragsverfügung, sondern von der definitiven Verfügung abhängig zu machen (Urk. 1).
2.3
Die Beschwerdegegnerin ergänzte in der Beschwerdeantwort vom 7. Oktober 2020, dass das beitragspflichtige Erwerbseinkommen für das Jahr 2019 aufgrund der Mitteilung des Beschwerdeführers vom 10. Dezember 2019 auf Fr. 110'600.-- festgelegt worden sei. Der Beschwerdeführer habe erst am 17. April 2020 gemeldet, dass sich das beitragspflichtige Einkommen für das Jahr 2019 nur auf Fr. 76'265.-- belaufe. Die Meldung sei also erst nach dem Stichtag 17. März 2020 erfolgt (Urk. 7).
3.
3.1
Anspruch auf eine Erwerbsersatzentschädigung nach Art.
2 Abs.
3
bis
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
haben nur Selbständigerwerbende, deren AHV-pflichtiges Einkommen im Jahr 2019 Fr. 90'000.-- nicht übersteigt.
3.2
Mit Eingabe vom 15. Dezember 2018 teilte der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin mit, das definitive Einkommen 2018 betrage für
Y._
und ihn jeweils Fr. 110'000.-- und ersuchte darum, die
Akontobeiträge
2019 weiterhin auf der Grundlage eines beitragspflichtigen Einkommens von Fr. 94'000.-- zu berechnen (Urk. 8/99). Gestützt darauf setzte die Beschwerde
gegnerin die
Akontobeiträge
des
Beschwerdeführers für das Jahr 2019, nach Aufrechnung der persönlichen Beiträge, auf der Basis eines beitragspflichtigen Einkommens von Fr. 104'000.-- fest (Urk. 8/100). Mit Eingabe vom 10. Dezember 2019 meldete der Beschwerdeführer ein definitives Einkommen 2019 von jeweils Fr. 100'000.-- für
Y._
und ihn und ersuchte darum, die
Akontobeiträge
2020 weiterhin auf der Grundlage eines beitragspflichtigen Einkommens von Fr. 94'000.-- zu berechnen (Urk. 8/116/3). Am 14. Januar 2020 teilte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit, gestützt auf die Selbstangaben würden die Beiträge für das Jahr 2019 auf der Grundlage eines beitragspflichtigen Einkommens von Fr. 110'600.-- (Urk. 8/117) und für das Jahr 2020 auf der Grundlage eines beitragspflichtigen Einkommens von Fr. 104'300.-- (Urk. 8/118) erhoben. Mit seiner Anmeldung vom 20. April 2020 (Eingangsdatum) zum Bezug von Covid-19-Erwerbsersatzentschädigung (Härte
fall-Regelung) machte der Beschwerdeführer ein tieferes mutmassliches Erwerbseinkommen von Fr. 76'265.-- im Jahr 2019 geltend und ersuchte um Anpassung der provisorischen Beiträge für die Beitragsjahre 2019 und 2020 (Urk. 8/121-122). Gestützt auf diese Selbstdeklaration sowie nach Einforderung weiterer Unterlagen (Urk. 8/124) setzte die Beschwerdegegnerin die
Akontobeiträge
für die Jahre 2019 und 2020 entsprechend herab, wobei der Berechnung für das Jahr 2019 ein beitragspflichtiges Einkommen von Fr. 84'400.-- zugrunde gelegt wurde (Mitteilungen vom 22. und 28. April 2020; Urk. 8/125 und Urk. 8/129).
3.3
Die Beschwerdegegnerin war weder verpflichtet noch berechtigt, allein gestützt auf die Steuererklärung 2019 oder die provisorische Steuerrechnung für die direkte Bundessteuer 2019 (vgl. Urk. 3/2; die im Übrigen nicht auf der Steuererklärung 2019, sondern auf der Vorperiode basiert) das massgebende Ein
kommen im Sinne von Art.
2 Abs.
3
bis
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
herabzusetzen. Für eine Abweichung vom Einkommen, welches Grundlage für die Festsetzung der Beitragsrechnungen (Akontorechnungen) für das Jahr 2019 bildete, muss gemäss
Rz
. 1065 und
Rz
. 1065.1 KS CE (Stand 3. Juli 2020) eine definitive Steuerveranlagung – nicht lediglich eine Steuererklärung – vorliegen. Weiter hat die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf das erst im Nachhinein mit der im April 2020 erfolgten Anmeldung zum Bezug von Covid-19-Erwerbs
ersatzentschädigung deklarierte tiefere mutmassliche Erwerbsein
kommen abgestellt, nachdem der Beschwerdeführer im Dezember 2019 ein definitives Ein
kommen 2019 von jeweils Fr. 100'000.-- pro Person gemeldet hatte. Dies ergibt sich bereits aus dem allgemeinen Grundsatz, wonach
im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die «Aussagen der ersten Stunde» ab
zustellen ist
, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis)
. Dieser Grundsatz wurde in
Rz
. 1068 KS CE (Stand 3. Juli 2020) dahingehend konkretisiert, dass
nach dem 17. März 2020 erfolgte
Anpassungen des den Akontorechnungen 2019 zugrundeliegenden Erwerbseinkommens
keine Änderung in der Höhe der Entschädigung bewirken
. Die Regel gemäss
Rz
. 1068 KS CE kommt jedoch ent
gegen dem etwas missverständlichen Wortlaut nicht nur zur Anwendung, wenn eine Änderung in der Höhe der Entschädigung in Frage steht, sondern auch bei der Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen als solche.
3.4
Massgebend ist vorliegend die Mitteilung der Beschwerdegegnerin vom 14. Januar 2020, wonach vom Beschwerdeführer für das Jahr 2019
Akontobeiträge
auf der Grundlage eines beitragspflichtigen Einkommens von Fr. 110’600.-- erhoben würden (Urk. 8/117). Da dieses Einkommen über dem Grenzwert von Fr. 90'000.-- liegt, ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin aufgrund der ihr vorliegenden Akten einen Härtefall im Sinne von Art.
2 Abs.
3
bis
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
verneint und den Antrag des Beschwerdeführers auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung ab
gewiesen hat.
Da die Abweisung des Leistungsbegehrens auf einer provisorischen Bemessung des AHV-pflichtigen Einkommens beruht, steht dieses Urteil einer Neubeurteilung infolge definitiv veranlagter Bemessungsgrundlagen nicht ent
gegen (vgl. auch BGE 133 V 431 E. 6.2.4). Wie bereits festgestellt (E. 1.5), kann ein allfälliger Anspruch entgegen Art.
5
Abs.
2 Satz 2 der Cov
id-19-Verordnung Erwerbsausfall
(
Stand
6.
Juli 2020
) nicht davon abhängig gemacht werden, ob die das Jahr 2019 betreffende definitive Steuerveranlagung bis zum 16. September 2020 bereits zugestellt wurde oder nicht. Der Beschwerdeführerin war auch nicht gemäss Art. 24 Abs. 4 der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV) bzw. gemäss
Rz
1154 der Wegleitung über die Beiträge der Selbstständigerwerbenden und Nichterwerbstätigen in der AHV, IV und EO (WSN) verpflichtet gewesen, nach Einreichung der Steuererklärung 2019 am 17. Februar 2020, worin ein Einkommen von Fr. 76'265.-- deklariert worden war, eine nachträgliche Korrektur der auf der Grundlage eines prognostizierten Einkommens in Höhe von Fr. 94'000.-- bereits erhobenen
Akonto
-Beiträge 2019 einzuleiten. Nach Art. 24 Abs. 4 AHVV sind lediglich wesentliche Abweichungen vom voraussichtlichen Einkommen der Ausgleichs
kasse zu melden. Gemäss
Rz
1155 WSN gilt als wesentlich eine Abweichung des erzielten vom voraussichtlichen Jahreseinkommen von mindestens 25 Prozent. Eine Abweichung von mindestens 25 Prozent liegt aber nicht vor. Man kann dem Beschwerdeführer daher nicht vorhalten, dass er verpflichtet gewesen wäre, vor dem 17. März 2020 selber für eine nachträgliche Anpassung der Grundlage für die Beitragsbemessung für das Jahr 2019 zu sorgen. Er ist seinen Mitwirkungs
pflichten im Rahmen des Beitragsbezugs klaglos nachgekommen. Deshalb hat es damit sein Bewenden, dass eine Berücksichtigung der definitiven Steuerveranlagung für das Jahr 2019 nicht davon
abhängig gemacht werden kann, ob sie spätestens am 16. September 2020 bei der Beschwerdegegnerin vor
gelegen hat. Aus Gründen des Gleichbehandlungsgrundsatzes kann die Möglich
keit der Geltendmachung eines Rechts nicht einzig davon abhängen, wie rasch eine andere Behörde entscheidet. Der Beschwerdeführer wird daher nach Eingang der definitiven Veranlagung eine Neubeurteilung verlangen können, zumal er die Korrektur bereits vor dem 16. September 2020 beantragt hat. Wie es sich mit dem Anspruch von Personen auf Corona-Erwerbsausfallentschädigung verhält, deren für die Beitragsrechnungen 2019 (Akontorechnungen) massgebendes Erwerbs
einkommen auf zu tiefen Selbstangaben beruhte (unter Fr. 90'000.--), die tatsächlich aber mehr als Fr. 90'000.-- verdienten, muss vorliegend nicht erörtert werden.
Im Sinne dieser Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.