Decision ID: 3b6a5e05-26d6-5848-b22e-405d1083771b
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die am (...) 1959 geborene, in Serbien wohnhafte serbische Staatsan-
gehörige A._ (nachfolgend: Versicherte oder Beschwerdeführerin)
war – mit Unterbrüchen – von Oktober 1986 bis Juni 1998 in der Schweiz
als Servicekraft in der Gastronomie respektive in einer Bäckerei erwerbs-
tätig und leistete Beiträge an die schweizerische Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenversicherung (AHV). Am 4. Juli 2012 meldete sie sich erst-
mals zum Bezug von Leistungen der schweizerischen Invalidenversiche-
rung an (Akten gemäss vorinstanzlichem Aktenverzeichnis vom 1. April
2020 [nachfolgend: act.] 1, 2 und 130 [IK-Auszug]).
A.b Die Invalidenversicherungs-Stelle für Versicherte im Ausland (nachfol-
gend: IVSTA oder Vorinstanz) nahm daraufhin erwerbliche und medizini-
sche Abklärungen vor. Gestützt auf die Beurteilungen ihres Regionalen
Ärztlichen Dienstes (RAD; act. 23; 39, S. 4; 45; 51) wies sie das Leistungs-
begehren der Versicherten mit Verfügung vom 25. Oktober 2013 ab mit der
Begründung, die für die Rentenbegründung erforderliche durchschnittliche
Arbeitsunfähigkeit während der Dauer eines Jahres sei nicht gegeben
(act. 52).
A.c Mit Urteil C-180/2014 vom 29. Januar 2016 (act. 77) wies das Bundes-
verwaltungsgericht die von der Versicherten gegen diese Verfügung erho-
bene Beschwerde ab, im Wesentlichen mit der Begründung, den Stellung-
nahmen der beiden RAD-Fachärzte komme volle Beweiskraft zu und von
weiteren medizinischen Abklärungen seien keine wesentlichen neuen Er-
kenntnisse mehr zu erwarten. Die mit Replik eingereichten medizinischen
Berichte seien allesamt nach der angefochtenen Verfügung vom 25. Okto-
ber 2013 erstellt worden, weshalb sie nicht mehr zum relevanten Sachver-
halt gehörten. Die neu eingereichten Akten seien allerdings der Vorinstanz
zur Entgegennahme als Neuanmeldung zu übermitteln (E. 4.2.1 - 4.2.4).
Die IVSTA habe überdies zu Recht eine Rentenbemessung in Anwendung
der spezifischen Methode vorgenommen. Im Rahmen der Neuanmeldung
habe die Vorinstanz indes auch zu prüfen, ob sich in der Zwischenzeit al-
lenfalls ein Statuswechsel ergeben habe (E. 5).
C-1250/2020
Seite 3
B.
B.a Mit Vorbescheid vom 31. Oktober 2016 teilte die Vorinstanz der Versi-
cherten mit, dass mit den in der Neuanmeldung eingereichten Akten nicht
glaubhaft gemacht worden sei, dass sich der Invaliditätsgrad in einer für
den Anspruch erheblichen Weise geändert habe (act. 91).
B.b Gegen diesen Vorbescheid erhob die Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt Klaus Speidel, mit Eingabe vom 27. Januar 2017 Einwand
mit der Begründung, aus den Akten und den beigefügten fachärztlichen
Berichten vom 7. Oktober 2016 und vom 24. Januar 2017 gehe eine er-
hebliche Verschlechterung hervor (act. 103 - 105).
B.c Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 17. Juni 2017 machte die Ver-
sicherte unter Hinweis auf das (beigelegte) Gutachten der Deutschen Ren-
tenversicherung vom 15. März 2017 geltend, dass sie laut dem genannten
Gutachten seit spätestens 27. Januar 2017 dauerhaft erwerbsunfähig sei,
weshalb ihr eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung zuzu-
sprechen sei (act. 113 f.). Mit ergänzender Eingabe ihres Rechtsvertreters
vom 19. Dezember 2017 hielt die Versicherte an ihrem Antrag und der ent-
sprechenden Begründung fest (act. 142).
B.d Mit Schreiben vom 4. Januar 2018 teilte die Vorinstanz der Versicher-
ten mit, dass zur Beurteilung des Anspruchs auf Leistungen der schweize-
rischen Invalidenversicherung eine polydisziplinäre Begutachtung in der
Schweiz notwendig sei (act. 145).
B.e Nachdem die Versicherte gegen die vorgesehene Begutachtung in der
Schweiz eine Reiseunfähigkeit eingewendet hatte (act. 178 - 192), teilte ihr
die Vorinstanz am 12. Juni 2018 mit, dass sie laut Beurteilung ihres ärztli-
chen Dienstes mit einer Begleitperson (Bezugsperson) für die medizini-
sche Begutachtung der Schweiz reisefähig sei (act. 208).
B.f Mit Schreiben vom 19. Juli 2018 orientierte die Vorinstanz die Versi-
cherte darüber, dass sie sich am 8. und 10. Oktober 2018 einer polydiszip-
linären (orthopädischen, psychiatrischen und internistischen) Begutach-
tung bei der Swiss Medical Assessment- and Business-Center (SMAG) AG
zu unterziehen habe. Überdies gab sie ihr Gelegenheit, gegen die für die
Begutachtung vorgeschlagenen Fachärzte innert 10 Tagen nach Erhalt die-
ses Schreibens allfällige Einwände oder triftige Verweigerungs- oder Ab-
lehnungsgründe vorzubringen (act. 217).
C-1250/2020
Seite 4
B.g Am 19. November 2018 erstatteten die Gutachter der B._ AG
ihr polydisziplinäres Gutachten (nachfolgend: B._-Gutachten). In ih-
rer interdisziplinären Konsensbeurteilung hielten sie als relevante Diagno-
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit) eine degene-
rative Veränderung der Halswirbelsäule, eine degenerative Veränderung
der Lendenwirbelsäule mit Bandscheibenprotrusion L5/S1 (Status nach
dislozierter Querfortsatzfraktur L1 rechts) sowie eine mittelgradige Co-
xarthrose beidseits ohne zu verifizierende Bewegungseinschränkung fest.
In Bezug auf das Belastungsprofil führten sie aus, dass emotional belas-
tende Tätigkeiten vermieden werden sollten. In somatischer Hinsicht seien
der Versicherten körperlich nur leichte bis mittelschwere Tätigkeiten zuzu-
muten, wobei diese überwiegend im Sitzen, mit der Möglichkeit zu selber
gewählten Positionswechseln, erfolgen müssten. Es dürften zudem keine
permanenten Überkopfarbeiten und keine Gerüst- und Leitertätigkeiten
ausgeübt werden. Zu vermeiden seien auch Zwangshaltungen für die Wir-
belsäule und die unteren Extremitäten. Von Seiten des psychiatrischen
Gutachters werde von einer erheblichen Aggravation ausgegangen, und
die Angaben der Versicherten seien nicht plausibel. In Bezug auf die bis-
herige Tätigkeit bestehe seit der Verfügung vom 25. Oktober 2013 keine
Arbeitsfähigkeit mehr. Hinsichtlich einer leidensangepassten Tätigkeit sei
die Arbeitsfähigkeit seit dem Erlass der Verfügung vom 25. Oktober 2013
nur aus psychiatrischen Gründen und nur vorübergehend vermindert ge-
wesen. Es sei davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit ab Januar
2016 bis zum Klinikeintritt vom 12. April 2016 noch 50 % betragen habe.
Während der stationären Therapie (12. April bis 11. Mai 2016) sei die Ar-
beitsfähigkeit natürlich aufgehoben gewesen. Ab dem 11. Mai 2016 be-
stehe keine quantitative Minderung der Arbeitsfähigkeit mehr (act. 235,
S. 1 - 12).
B.h Nach Prüfung des Gutachtens kam der medizinische Dienst der Vor-
instanz in seiner Stellungnahme vom 5. März 2019 zum Schluss, dass es
die Experten der B._ AG unterlassen hätten, sich zu den Einschrän-
kungen im Bereich der Haushaltsarbeiten zu äussern. Dementsprechend
sei eine Ergänzung der Begutachtung zu veranlassen und die Experten
seien zu den Einschränkungen bei den häuslichen Aktivitäten zu befragen
(act. 250).
B.i Am 16. April 2019 erstatteten die Gutachter ihren ergänzenden Bericht
(act. 255). Auf der Grundlage dieses Berichts ermittelte der medizinische
Dienst der Vorinstanz für den Bereich des Haushaltes eine Einschränkung
von insgesamt 4.7 % (Stellungnahme vom 28. Mai 2019; act. 261).
C-1250/2020
Seite 5
B.j Nach einer erneuten Beurteilung ihres medizinischen Dienstes vom
9. Oktober 2019 (act. 275) stellte die Vorinstanz der Versicherten mit Vor-
bescheid vom 5. November 2019 die Abweisung des Leistungsbegehrens
in Aussicht (act. 276).
B.k Gegen diesen Vorbescheid erhob die Versicherte mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 6. Dezember 2019 Einwand mit der Begründung, laut
Bescheid der Deutschen Rentenversicherung vom 27. Januar/15. März
2017 sei sie dauerhaft voll erwerbsgemindert. Dies ergebe sich eindeutig
aus den eingereichten Befundberichten und Gutachten. Der gemeinsame
Haushalt müsse vom Ehemann der Versicherten geführt werden. Sie sei
nicht mehr in der Lage, diesen selber zu führen, weshalb ihr eine Invali-
denrente zuzusprechen sei (act. 277).
B.l Mit Verfügung vom 30. Januar 2020 bestätigte die Vorinstanz den Vor-
bescheid und wies das Leistungsgesuch der Versicherten ab. Zur ergän-
zenden Begründung hielt sie fest, die von der Versicherten vorgebrachten
Einwände und Berichte seien von ihrer – aus Juristen und Fachärzten zu-
sammengesetzten – Expertenkommission geprüft worden. Danach seien
keine für die Beurteilung des Rentenanspruchs erheblichen Einschränkun-
gen im Haushalt erkennbar. An dieser Schlussfolgerung vermöchten auch
die im Rahmen des Vorbescheidverfahrens vorgebrachten Einwendungen
nichts zu ändern. Aus dem B._-Gutachten gehe hervor, dass aus
psychiatrischer, orthopädischer und auch allgemein-internistischer Sicht
keine Beeinträchtigungen der Haushaltstätigkeit bestünden (act. 286).
C.
Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin, nunmehr vertreten
durch Rechtsanwalt Dr. Kreso Glavas, mit Eingabe vom 2. März 2020 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht (BVGer act. 1) und stellte fol-
gende Rechtsbegehren:
«1. Die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 30. Januar
2020 sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei eine ganze IV-Rente
zu gewähren.
2. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Be-
schwerdegegnerin sei zu verpflichten, eine und polydisziplinäre medizini-
sche Begutachtung nach der Vervollständigung der medizinischen Doku-
mentation und der Bestellung der Sozialversicherungsakten aus Deutsch-
land in Auftrag zu geben, woraufhin neu zu entscheiden sei.
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Seite 6
3. Subeventualiter sei eine neutrale und polydisziplinäre Begutachtung in ei-
nem Drittstaat durchzuführen, woraufhin neu zu entscheiden sei.
4. Für das vorliegende Verfahren sei die unentgeltliche Rechtspflege und
Verbeiständung zu gewähren».
D.
Mit Vernehmlassung vom 14. April 2020 beantragte die Vorinstanz die Ab-
weisung der Beschwerde und Bestätigung der angefochtenen Verfügung
(BVGer act. 6).
E.
Mit Zwischenverfügung vom 7. Mai 2020 hiess das Bundesverwaltungsge-
richt das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung gut
und ordnete der Beschwerdeführerin Rechtsanwalt Dr. Kreso Glavas als
amtlich bestellten Rechtsanwalt bei (BVGer act. 7).
F.
Die Beschwerdeführerin hielt in ihrer Replik vom 7. Juli 2020 vollumfänglich
an ihren Rechtsbegehren fest (BVGer act. 11).
G.
Mit Duplik vom 27. Juli 2020 hielt die Vorinstanz ihrerseits an ihrem bishe-
rigen Antrag auf Abweisung der Beschwerde und Bestätigung der ange-
fochtenen Verfügung fest (BVGer act. 13).
H.
Mit Verfügung vom 31. Juli 2020 wurde der Schriftenwechsel, vorbehältlich
weiterer Instruktionsmassnahmen, per 14. August 2020 abgeschlossen
(BVGer act. 14).
I.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften ist – soweit
erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
C-1250/2020
Seite 7

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG [SR 831.20]). Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin der angefoch-
tenen Verfügung durch diese besonders berührt und hat ein schutzwürdi-
ges Interesse an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb sie zur Er-
hebung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59 ATSG [SR 830.1]; Art. 48
Abs. 1 VwVG). Nachdem der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Rechtspflege gewährt worden ist (BVGer act. 7) und sie mithin keinen Kos-
tenvorschuss zu leisten hat, ist auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde einzutreten (Art. 60 ATSG; Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1
VwVG).
2.
2.1 Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
Verfügung vom 30. Januar 2020, mit welcher die Vorinstanz das Leistungs-
begehren der Beschwerdeführerin abgewiesen hat. Nicht Gegenstand der
gerichtlichen Prüfung ist die Frage, ob die Verwaltung zu Recht auf
die Neuanmeldung eingetreten ist (vgl. dazu BGE 109 V 108 E. 2b; Urteil
des BVGer C-1767/2015 vom 7. Februar 2017 E. 3.5).
2.2 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 30. Januar 2020) eingetretenen Sachverhalt
ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither ver-
ändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungs-
verfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
2.3 Die Beschwerdeführerin ist serbische Staatsangehörige und wohnt in
Deutschland. Seit dem 1. Januar 2019 ist das Abkommen vom 11. Oktober
2010 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Repub-
lik Serbien über Soziale Sicherheit (SR 0.831.109.682.1, nachfolgend: Ab-
kommen) in Kraft. Für serbische Staatsangehörige findet dieses Abkom-
men Anwendung (Art. 3 Ziff. 1). Der sachliche Geltungsbereich des Abkom-
mens bezieht sich gemäss Art. 2 Abs. 1 in der Schweiz unter anderem auf
die Bundesgesetzgebung über die Invalidenversicherung. Nach Art. 4 des
Abkommens sind die Staatsangehörigen des einen Vertragsstaates in ih-
http://links.weblaw.ch/BGE-109-V-108 http://links.weblaw.ch/BVGer-C-1767/2015
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Seite 8
ren Rechten und Pflichten aus den Rechtsvorschriften des anderen Ver-
tragsstaates den Staatsangehörigen dieses Vertragsstaates gleichgestellt,
soweit nichts anderes bestimmt ist. Da hier keine abweichenden Bestim-
mungen zur Anwendung gelangen, bestimmt sich der Anspruch der Be-
schwerdeführerin auf Leistungen der schweizerischen Invalidenversiche-
rung grundsätzlich aufgrund des schweizerischen Rechts (Urteil des
BVGer C-2471/2019 vom 17. Mai 2019 E. 3.2).
3.
In formeller Hinsicht macht die Beschwerdeführerin vorab eine Verletzung
des rechtlichen Gehörs respektive der Begründungspflicht geltend. Ob
eine Verletzung der Begründungspflicht vorliegt, kann vorliegend indes of-
fenbleiben. Denn – wie nachfolgend darzulegen ist – ist die Streitsache aus
materiell-rechtlichen Gründen zur Veranlassung weiterer Abklärungen und
zum Erlass einer neuen Verfügung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
4.
Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung hat,
wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG) und beim
Eintritt der Invalidität während der gesetzlich vorgesehenen Dauer Beiträge
an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) geleis-
tet hat, das heisst während mindestens drei Jahren laut Art. 36 Abs. 1 IVG.
Die Beschwerdeführerin hat während mehr als drei Jahren Beiträge an die
schweizerische AHV/IV geleistet (vgl. Auszug aus dem Individuellen Konto
[IK]; act. 130), so dass die Voraussetzung der Mindestbeitragsdauer für
den Anspruch auf eine ordentliche Invalidenrente erfüllt ist.
5.
5.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
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Seite 9
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
5.2 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliede-
rungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können
(Bst. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch-
schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind
(Bst. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8
ATSG) sind (Bst. c).
5.3 Wurde eine Rente wegen eines fehlenden oder zu geringen Invalidi-
tätsgrades bereits einmal verweigert, so wird eine neue Anmeldung nur ge-
prüft, wenn die versicherte Person glaubhaft macht, dass sich der Grad der
Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat
(Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV [SR 831.201]). Tritt die Verwaltung auf die Neu-
anmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver-
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Verän-
derung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat dem-
nach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17
Abs. 1 ATSG vorzugehen (Urteil des BGer 9C_570/2018 vom 18. Februar
2019 E. 2.2.1). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der frühe-
ren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie
das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die
festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine rentenbegründende
Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall
obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117
V 198 E. 3a; SVR 2008 IV Nr. 35 E. 2.1).
5.4 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG ist die Rente bei einer erheblichen Änderung
des Invaliditätsgrades von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zu-
kunft entsprechend zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben. Revisi-
onsbegründend kann unter anderem eine Änderung des Gesundheitszu-
standes oder der erwerblichen Auswirkungen sein. Eine lediglich unter-
schiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sach-
verhalts ist im revisionsrechtlichen Kontext nicht massgeblich (BGE 141 V
http://links.weblaw.ch/9C_570/2018 http://links.weblaw.ch/BGE-117-V-198 http://links.weblaw.ch/BGE-117-V-198
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Seite 10
9 E. 2.3). Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invali-
ditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im Neuan-
meldungsverfahren – analog zur Rentenrevision nach Art. 17
Abs. 1 ATSG – durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der
letzten materiellen Beurteilung und rechtskräftigen Ablehnung bestanden
hat, mit demjenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V
108 E. 5.3; 130 V 71 E. 3.2.3). Bei einer Neuanmeldung zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung ist somit zunächst eine anspruchs-
relevante Veränderung des Sachverhalts erforderlich. Erst in einem zwei-
ten Schritt ist der Rentenanspruch in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht
umfassend zu prüfen (Urteil des BGer 9C_27/2019 vom 27. Juni 2019
E. 2).
5.5 Die Bemessung der Invalidität erfolgt bei erwerbstätigen Versicherten
in der Regel nach der Einkommensvergleichsmethode (Art. 28a Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 16 ATSG), bei nichterwerbstätigen Versicherten durch einen Be-
tätigungsvergleich nach der spezifischen Methode (Art. 28a Abs. 2 IVG
i.V.m. Art. 27 IVV [SR 831.201]) und bei teilerwerbstätigen Versicherten mit
einem Aufgabenbereich nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3
IVG und Art. 27bis IVV i.V.m. Art. 28a Abs. 1 und 2 IVG; Art. 16 ATSG und
Art. 27 IVV).
5.6 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützen sich die Verwaltung
und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen und
gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind.
Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei-
ten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Hinsichtlich des Beweiswertes
eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abge-
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge
sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerun-
gen der Expertinnen und Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1;
125 V 351 E. 3a).
5.7 Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG einge-
holten Gutachten von medizinischen Sachverständigen, die den Anforde-
rungen der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht vollen Beweis-
wert zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässig-
keit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 2.2.2; 135 V 465 E. 4.4).
http://links.weblaw.ch/BGE-130-V-71 http://links.weblaw.ch/9C_27/2019
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Seite 11
5.8 Die Prüfung, ob eine psychische Erkrankung eine rentenbegründende
Invalidität zu begründen vermag, hat grundsätzlich anhand eines struktu-
rierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zu erfolgen (BGE 143 V
409 E. 4.5; 143 V 418 E. 6 ff.). Dabei ist anhand eines Kataloges von Indi-
katoren, unterteilt in die Kategorien «funktioneller Schweregrad» und
«Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens; BGE 141 V 281 E. 4.1.3),
das unter Berücksichtigung sowohl leistungshindernder äusserer Belas-
tungsfaktoren als auch von Kompensationspotentialen (Ressourcen) tat-
sächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281
E. 3.6; Urteil des BGer 9C_520/2019 vom 22. Oktober 2019 E. 7.1). Den
Rechtsanwender trifft die Pflicht, die medizinischen Angaben daraufhin zu
prüfen, ob sich die Ärzte an die massgebenden normativen Rahmenbedin-
gungen gehalten haben und die funktionellen Auswirkungen medizinisch
im Lichte der normativen Vorgaben widerspruchsfrei und schlüssig nach-
gewiesen sind (BGE 145 V 361 E. 3.2.2).
6.
Zum Gesundheitszustand bzw. zur Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Be-
schwerdeführerin lässt sich den medizinischen Akten im Wesentlichen das
Folgende entnehmen:
6.1 Beim Erlass der ursprünglichen Rentenverfügung vom 25. Oktober
2013 stützte sich die Vorinstanz im Wesentlichen auf die RAD-Berichte der
Dres. med. C._, Allgemeine Medizin FMH, vom 11. Februar 2013
(act. 23) und 26. August 2013 (act. 45, S. 6 - 8) sowie von Dr. med.
D._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 31. Mai 2013
(act. 39, S. 4 f.) und 8. August 2013 (act. 45, S. 4 f.).
Dr. med. C._ hielt in seinem Bericht vom 11. Februar 2013 als Di-
agnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine Spondylose der Wir-
belsäule (ICD-10 M48.80) fest; als Diagnosen ohne Auswirkung führte er
einen Bluthochdruck, eine Hyperlipidämie, einen Diabetes Typ II sowie ei-
nen (vor 10 Jahren erlittenen) Brustkrebs ohne Rezidiv an. Weder im Haus-
halt noch in einer leidensadaptierten Tätigkeit bestehe eine Arbeits- res-
pektive Leistungsunfähigkeit. Das onkologische Leiden sei 4 Jahre nach
der Abreise aus der Schweiz aufgetreten und habe keinen Einfluss auf die
Entscheidung, keine bezahlte berufliche Tätigkeit mehr aufzunehmen, ge-
habt. Die gemässigte Spondylose auf der Höhe der Wirbelsäule sei nicht
verantwortlich für funktionelle Limitierungen, welche eine Arbeitsunfähig-
keit verursachen würden. Demnach kam er zum Schluss, dass der Be-
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Seite 12
schwerdeführerin eine vollzeitige Arbeitstätigkeit möglich sei. Schwere Ar-
beiten seien dabei ausgeschlossen; das Tragen von Gewichten sei regel-
mässig im Umfang von höchstens 5 kg und gelegentlich im Ausmass von
bis zu 8 kg zumutbar. Sie müsse die Möglichkeit haben, ihre Position min-
destens einmal pro Stunde zu wechseln, und sie dürfe keine Arbeiten mit
regelmässiger Beugung des Rumpfes ausführen. Bei den Arbeiten im
Haushalt bestehe keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit (act. 23,
S. 1 - 7). An dieser Beurteilung hielt der RAD-Arzt auch nach Prüfung der
neu eingereichten Berichte fest (Stellungnahme vom 10. Juni 2013,
act. 39, S. 6 f).
Dr. med. D._ hielt in seinem Bericht vom 8. August 2013 fest, aus
psychiatrischer Sicht handle es sich wahrscheinlich um einen leichte de-
pressive Anpassungsstörung (ICD-10 F41.21), welche vielleicht die
Schwelle zur leichten reaktiven Depression (ICD-10 F32.0) erreichen
könne. Die Durchführung einer Begutachtung in der Schweiz sei nicht not-
wendig, weil aufgrund der Akten keine psychiatrischen Beeinträchtigungen
mit wesentlichem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vorlägen (act. 45, S. 4 f.).
In seinem Schlussbericht vom 26. August 2013 kam Dr. med. C._
zum Schluss, es bestehe weder in einer angepassten Arbeitstätigkeit noch
für den Bereich des Haushaltes eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit
(act. 45, S. 7 f.). Nach Prüfung eines radiologischen und neurologisch-neu-
ropsychologischen Berichts (act. 48 f.) hielt Dr. med. C._ mit Stel-
lungnahme vom 21. Oktober 2013 an seiner bisherigen Beurteilung fest
(act. 51).
6.2 In seiner ergänzenden Stellungnahme vom 2. Mai 2016 führte Dr. med.
C._ aus, dass die neuen Elemente des Bronchialasthmas und des
Lymphödems keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Zu den be-
schriebenen psychischen Störungen könne er mangels fachlicher Spezia-
lisierung keine Stellungnahme abgeben; hierzu sei der zuständige psychi-
atrische Facharzt des RAD zu befragen (act. 80).
6.3 RAD-Arzt Dr. med. E._ hielt in seiner versicherungsmedizini-
schen Stellungnahme vom 17. Oktober 2016 fest, dass die ergänzend ein-
gereichten medizinischen Berichte nicht auf eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes schliessen liessen (act. 90).
6.4 Dr. med. F._, Fachärztin für Anästhesie, kam mit Bericht vom
7. Oktober 2016 zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin eine hoch
C-1250/2020
Seite 13
chronifizierte Schmerzerkrankung im Stadium II nach Gebershagen be-
stehe. Der Schmerz sei als dysfunktionaler chronischer Schmerz mit star-
ker Beeinträchtigung und hochgradiger Einschränkung zu bewerten. Die
Schmerzen würden sicher durch das bestehende Fatiguesyndrom und die
deutlich depressive Symptomatik, einhergehend mit Angst, unterhalten
(act. 101).
6.5 Dr. med. G._, Facharzt für Allgemeinmedizin, führte in seinem
Bericht vom 13. Januar 2017 aus, bei der Beschwerdeführerin bestünden
eine rezidivierende depressive Störung, eine Somatisierungs- und eine
posttraumatische Belastungsstörung, ein arterieller Hypertonus, ein
Asthma bronchiale, ein Diabetes mellitus Typ II, eine Polyneuropathie, ein
Zustand nach Mammakarzinom rechts mit operativer Behandlung, ein Im-
pingementsyndrom beider Schultern, degenerative BWS- und LWS-Verän-
derungen mit Bandscheibenschaden und eine Adipositas. Die Beschwer-
deführerin leide wiederholt und anhaltend sehr unter multiplen Beschwer-
den, insbesondere unter psychischen Symptomen sowie unter Schmerzen.
Sie sei in ihrer Beweglichkeit stark eingeschränkt. Aufgrund der genannten
Erkrankungen und Beschwerden sei sie in ihrer psychischen und physi-
schen Belastbarkeit sowie ihrer Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt,
und eine berufliche Tätigkeit erscheine aufgrund dieser Einschränkungen
nicht mehr möglich (act. 162).
6.6 Mit Bericht vom 24. Januar 2017 hielt der behandelnde Psychiater Dr.
med. H._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, fest, dass
vor dem Hintergrund einer rezidivierenden depressiven Störung sowie ei-
ner posttraumatischen Belastungsstörung ein chronisches somato-psycho-
somatisches Schmerzsyndrom bestehe. Die Prognose sei als ungünstig
einzustufen. Es sei zu einer Chronifizierung gekommen, so dass die Wie-
dererlangung der Arbeitsfähigkeit als unwahrscheinlich einzustufen sei
(act. 105).
6.7 Dipl. med. I._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
hielt in ihrem zuhanden der Deutschen Rentenversicherung erstatteten
Gutachten vom 15. März 2017 als Diagnosen ein psychomotorisch verlang-
samtes, affektlabiles Zustandsbild bei chronischem Schmerzsyndrom und
eine Somatisierungsstörung nach ICD-10 F45.4, eine generalisierte Angst-
störung mit posttraumatischen Belastungsanteilen (ICD-10 F41.1) sowie
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Epi-
sode mit somatischem Syndrom nach ICD-10 F33.11, fest. In ihrer sozial-
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Seite 14
medizinischen Leistungsbeurteilung kam sie zum Schluss, dass die Be-
schwerdeführerin in ihrer zuletzt durchgeführten beruflichen Tätigkeit we-
niger als 3 Stunden pro Tag arbeiten könne. Es seien ihr – ebenfalls im
Umfang von weniger als 3 Stunden pro Tag – nur noch leichte Arbeiten,
überwiegend in sitzender Position, zeitweise im Stehen respektive im Ge-
hen, zumutbar (act. 114).
6.8 Dr. med. H._ führte mit Bericht vom 15. Dezember 2017 aus,
symptomatisch stünden eine durchgängig gedrückte Stimmung sowie
durchgängig bestehende Schmerzen, welche neben einem sicherlich or-
ganischen Korrelat deutlich somatoform ausgestaltet seien, im Vorder-
grund. Die Störung sei anhaltend und als chronifiziert zu betrachten. Die
Beschwerdeführerin sei langfristig nicht in der Lage, in einem Arbeitsver-
hältnis 3 Stunden oder mehr zu arbeiten, weshalb aus psychiatrischer Sicht
von einer dauerhaften vollen Erwerbsminderung auszugehen sei
(act. 140).
6.9 In ihrem vorläufigen Entlassungsbericht vom 6. Februar 2018 führten
die behandelnden Ärzte des Klinikums J._ im Zusammenhang mit
einem Mammakarzinom-Rezidiv aus, hinsichtlich der vorgenommenen Tu-
morexzision mit Axillaexploration habe sich der stationäre Verlauf kompli-
kationslos und afebril gezeigt (act. 170, S. 1 f.).
6.10 Dr. med. G._ bescheinigte der Beschwerdeführerin mit Bericht
vom 20. April 2018 eine Reiseunfähigkeit mit der Begründung, aufgrund
des multimorbiden Zustandsbildes sei die psycho-physische Belastbarkeit
erheblich vermindert (act. 178). Diese Schlussfolgerung wurde von Dr.
med. F._ in ihrem Bericht vom 24. April 2018 bestätigt (act. 180).
6.11 Dr. med. G._ bestätigte in seinem Bericht vom 29. Mai 2018
die bisher gestellten Diagnosen und führte ergänzend aus, die Beschwer-
deführerin habe sich am 2. Mai 2018 bei einem Sturzereignis mehrere Prel-
lungen und eine Fraktur des Querfortsatzes des 1. Lendenwirbelkörpers
zugezogen. Seit diesem Ereignis bestehe eine Gangunsicherheit mit Ängs-
ten. Aufgrund der beschriebenen Erkrankungen und Beschwerden sei sie
in ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit
weiterhin stark eingeschränkt, so dass eine berufliche Tätigkeit nicht mehr
möglich sei (act. 196).
C-1250/2020
Seite 15
6.12
6.12.1 Am 19. November 2018 erstatteten die Gutachter der B._
AG ihr interdisziplinäres Gutachten. In ihrer Konsensbeurteilung hielten sie
als relevante Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tä-
tigkeit) eine degenerative Veränderung der Halswirbelsäule, eine degene-
rative Veränderung der Lendenwirbelsäule mit Bandscheibenprotrusion
L5/S1 (Status nach dislozierter Querfortsatzfraktur L1 rechts) sowie eine
mittelgradige Coxarthrose beidseits, ohne zu verifizierende Bewegungs-
einschränkung, fest. In Bezug auf das Belastungsprofil führten sie aus,
dass emotional belastende Tätigkeiten vermieden werden sollten. In soma-
tischer Hinsicht seien der Beschwerdeführerin körperlich nur leichte bis mit-
telschwere Tätigkeiten zuzumuten, wobei diese überwiegend im Sitzen, mit
der Möglichkeit zu eigens gewählten Positionswechseln, erfolgen müssten.
Es dürften zudem keine permanenten Überkopf- und keine Gerüst- und
Leitertätigkeiten ausgeübt werden. Zu vermeiden seien auch Zwangshal-
tungen für die Wirbelsäule und die unteren Extremitäten. Von Seiten des
psychiatrischen Gutachters werde von einer erheblichen Aggravation aus-
gegangen, und die Angaben der Beschwerdeführerin seien nicht plausibel.
In Bezug auf die bisherige Tätigkeit bestehe seit der Verfügung vom
25. Oktober 2013 keine Arbeitsfähigkeit mehr. Hinsichtlich einer leidensan-
gepassten Tätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit seit dem Erlass der Verfügung
vom 25. Oktober 2013 nur aus psychiatrischen Gründen und zudem nur
vorübergehend vermindert gewesen. Es sei davon auszugehen, dass die
Arbeitsfähigkeit ab Januar 2016 bis zum Klinikeintritt vom 12. April 2016
noch 50 % betragen habe. Während der stationären Therapie (12. April bis
11. Mai 2016) sei die Arbeitsfähigkeit natürlich aufgehoben gewesen. Ab
dem 11. Mai 2016 bestehe keine quantitative Minderung der Arbeitsfähig-
keit mehr (act. 235, S. 1 - 12).
6.12.2 In seinem psychiatrischen Teilgutachten hielt Dr. med. K._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, insbesondere fest, die Medi-
kamentenspiegel der beiden Antidepressiva Duloxetin und Amitriptylin lä-
gen jeweils deutlich unterhalb des Referenzbereiches, obwohl die Medika-
mente adäquat dosiert seien. Es sei am ehesten anzunehmen, dass die
Beschwerdeführerin diese Medikamente nicht regelmässig einnehme
(act. 235, S. 35). Es bestehe keine psychiatrische Diagnose mit Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit). Es sei davon auszugehen, dass
in den vergangenen Jahren eine Dysthymie nach ICD-10 F34.1 vorgelegen
habe. Ferner sei anzunehmen, dass die beschriebene Verschlechterung
C-1250/2020
Seite 16
der depressiven Symptomatik im Jahre 2016 mit stationärer psychiatri-
scher Behandlung auf eine vorübergehende mittelgradige depressive Epi-
sode, welche sich inzwischen längst zurückgebildet habe, zurückzuführen
sei. Die Beschwerdeführerin sehe sich nicht in der Lage, einer beruflichen
Tätigkeit nachzugehen oder auch nur eine Haushaltstätigkeit wahrzuneh-
men; sie benötige sogar Hilfe bei der Körperpflege. Aus psychiatrischer
Sicht sei von einer erheblichen Aggravation auszugehen, und die Angaben
der Beschwerdeführerin seien nicht plausibel. Dass im Rahmen des stati-
onären Aufenthaltes vom 12. April bis 11. Mai 2016 eine mittelgradige de-
pressive Episode nach ICD-10 F33.1 bestanden habe, erscheine zwar
nachvollziehbar; die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung
sei aber nicht plausibel. In keiner Weise nachvollziehbar sei die Diagnose
einer posttraumatischen Belastungsstörung nach ICD-10 F43.1. Als Res-
source sei die aktuelle Partnerbeziehung anzusehen. Die Fähigkeit, emo-
tionale Belastungen zu bewältigen, sei eingeschränkt. Emotional belas-
tende Tätigkeiten sollten vermieden werden, ansonsten sei das Belas-
tungsprofil aus psychiatrischer Sicht nicht eingeschränkt. Insgesamt liege
aus psychiatrischer Sicht keine quantitative Verminderung der Arbeitsfä-
higkeit vor. Sowohl in der bisherigen wie auch in einer angepassten Tätig-
keit sei der Beschwerdeführerin eine Arbeit im Umfang von 8.5 Stunden,
ohne Einschränkung der Leistungsfähigkeit, zumutbar. Zu vermeiden seien
lediglich emotional belastende Tätigkeiten. Hinsichtlich der Frage der Ent-
wicklung des Gesundheitszustandes seit Oktober 2013 beschränkte sich
der psychiatrische Gutachter auf den Hinweis, dass es nur vorübergehend
zu einer Verschlechterung im Jahr 2016 gekommen sei und keine wesent-
lichen Veränderungen eingetreten seien; damals wie heute liege eine leicht
ausgeprägte Depressivität vor (act. 235, S. 28 - 44).
6.12.3 Dr. med. L._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates sowie Facharzt für Chirurgie,
hielt in seinem orthopädischen Teilgutachten vom 12. Oktober 2018 als Di-
agnosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit eine degenerative Verände-
rung der Halswirbelsäule, eine degenerative Veränderung der Lendenwir-
belsäule mit Bandscheibenprotrusion L5/S1, bei Status nach dislozierter
Querfortsatzfraktur L1 rechts, sowie eine mittelgradige Coxarthrose beid-
seits, ohne zu verifizierende Bewegungseinschränkung, fest. In seiner ver-
sicherungsmedizinischen Beurteilung führte er aus, die von der Beschwer-
deführerin geschilderten und demonstrierten gesundheitlichen Einschrän-
kungen und Gesundheitsstörungen seien nicht zu objektivieren. Es bestün-
den keine passiven Bewegungseinschränkungen der oberen und unteren
C-1250/2020
Seite 17
Extremitäten; ferner seien seitengleiche Benutzungszeichen der Hände so-
wie der Fusssohlenbeschwielung festzustellen. Bei entsprechender gedul-
diger und wiederholter Untersuchung seien insgesamt keine versiche-
rungsmedizinisch relevanten Auffälligkeiten festzustellen, fünf von fünf
Waddel-Kriterien seien deutlich positiv, was als Hinweis für eine bewusst-
seinsnahe Ausgestaltung der Beschwerdesymptomatik zu werten sei. Die
Beschwerdeführerin erlebe sich als vollständig gesundheitlich einge-
schränkt, mit der Notwendigkeit der Benutzung eines Rollators. Sie gebe
an, in allen Bereichen des Lebens erheblich behindert, unheilbar krank und
arbeitsunfähig zu sein. Auf orthopädisch-traumatologischem Fachgebiet
habe sich keine zu objektivierende und dem Alter voranschreitende Erkran-
kung ergeben, welche die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit beein-
trächtigen würde. Die geklagten Symptome und Funktionseinbussen seien
– zumindest im demonstrierten und berichteten Umfang – inkonsistent und
könnten durch zu objektivierende Untersuchungsergebnisse nicht validiert
und nachvollzogen werden. Den zu objektivierenden Gesundheitsstörun-
gen, d. h. im Wesentlichen den beschriebenen degenerativen Veränderun-
gen des muskuloskelettalen Systems und des Achsorgans, sei in dem Sinn
Rechnung zu tragen, dass sie die zuletzt ausgeübten Tätigkeiten in der
Gastronomie als Servicekraft im Restaurant respektive in einer Bäckerei
nicht mehr ausüben könne. Allerdings seien ihr körperlich leichte bis mittel-
schwere Tätigkeiten zumutbar. Die Tätigkeiten müssten überwiegend im
Sitzen stattfinden, mit der Möglichkeit der selbst gewählten Positionswech-
sel. Es dürften keine permanenten Überkopfarbeiten und keine Gerüst-
und Leitertätigkeiten ausgeübt werden. Ferner seien Zwangshaltungen für
die Wirbelsäule und für die unteren Extremitäten zu vermeiden. Auf ortho-
pädisch-traumatologischem Fachgebiet würden sich keine zu objektivie-
renden Kriterien ergeben, welche zu einer Einschränkung der Haushaltstä-
tigkeit führten. Hinsichtlich der Frage der Veränderung des Gesundheits-
zustandes im relevanten Vergleichszeitraum führte Dr. med. L._
aus, dass im Jahr 2013 unter anderem über einen Bandscheibenvorfall
L5/S1 sowie im Jahre 2015 ein chronisches lmpingementsyndrom beider
Schultergelenke berichtet worden sei. Im März 2016 seien eine Bandschei-
benprotrusion L5/S1 sowie beidseitige Coxarthrosen mitgeteilt worden.
Eine MRI der Halswirbel- und der Lendenwirbelsäule habe keine Band-
scheibenvorfälle, jedoch degenerative Veränderungen gezeigt. Im Jahr
2016 sei sodann eine primäre Gonarthrose beidseits festgehalten worden.
Eine Röntgenuntersuchung des linken Schultergelenks vom 23. Mai 2018
habe eine leichte AC-Gelenkarthrose und eine leichte Omarthrose gezeigt.
Eine Röntgenbeckenübersichtsaufnahme vom 23. Mai 2018 habe sodann
eine mittelgradige Coxarthrose beidseits ergeben. Bei der ebenfalls am
C-1250/2020
Seite 18
23. Mai 2018 durchgeführten Röntgenuntersuchung der Lendenwirbel-
säule seien eine moderate Osteochondrose und eine dislozierten Querfort-
satz-Fraktur L1 rechts, vermutlich verursacht durch einen Sturz vom 2. Mai
2018, nachgewiesen worden (act. 235, S. 45 - 66).
6.12.4 Dr. med. M._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und
Facharzt für medizinische Onkologie, hielt in seinem Teilgutachten vom
12. Oktober 2018 fest, aus internistischer Sicht seien keine Diagnosen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gegeben. Die Adipositas (BMI 36 kg/m2),
die medikamentös behandelte Hypertonie, der Diabetes Typ 2, die asth-
moide Atemstörung, das Mammakarzinom (2002/2018), die Hysterektomie
(2006) sowie die Cholezystektomie (2018) hätten keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit. Die Beurteilung der Konsistenz und Plausibilität der ge-
machten Angaben sei schwierig, da die Beschwerdeführerin wahrschein-
lich ihre Beschwerden aggraviere und sich deshalb nicht als arbeitsfähig
einstufe. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit würden die subjektiv wahr-
genommenen neurologischen Befunde durch die vermutete Aggravation
gesteuert. Aus internistischer Sicht sei eine Einschränkung bei der berufli-
chen Tätigkeit respektive bei der Tätigkeit als Hausfrau nicht zu erklären.
Aus internistischer Sicht scheine die Arbeitsfähigkeit nie eingeschränkt ge-
wesen zu sein. Aus internistischer Sicht ergebe sich kein Hinweis auf eine
Veränderung des Gesundheitszustandes im relevanten Vergleichszeit-
raum (act. 235, S. 67 - 79).
6.13 In einem von den medizinischen Diensten der (deutschen) Kranken-
versicherung veranlassten Gutachten vom 22. März 2019 hielt die mit der
Abklärung beauftragte Pflegefachkraft insbesondere fest, die Fortbewe-
gung innerhalb und ausserhalb der Wohnung erfolge im Rollstuhl mit per-
soneller Hilfe, und Treppensteigen sei nicht möglich. In Bezug auf die
Haushaltsführung wurde ferner festgehalten, dass die Beschwerdeführerin
für das Einkaufen für den täglichen Bedarf überwiegend unselbständig sei.
Gleiches gelte auch für einfache Aufräum- und Reinigungsarbeiten. In Be-
zug auf die Zubereitung einfacher Mahlzeiten sowie die Durchführung von
aufwändigen Aufräum- und Reinigungsarbeiten, einschliesslich Wäsche-
pflege, sei sie vollkommen unselbständig. Hinsichtlich des Umgangs mit
finanziellen Angelegenheiten und Behördenangelegenheiten sei sie über-
wiegend selbständig, und hinsichtlich der Nutzung von Dienstleistungen
sei sie vollkommen selbständig. Gestützt auf ihre Feststellungen ermittelte
die Pflegefachkraft einen Pflegegrad 3 (seit 1. Oktober 2018; act. 264, S. 1
- 18).
C-1250/2020
Seite 19
6.14 In ihrer ergänzenden Beurteilung vom 16. April 2019 hielten die Gut-
achter fest, dass der Bereich der Ernährung (Rüsten, Kochen, Anrichten,
alltägliche Reinigungsarbeiten in der Küche, Vorrat) durch die gesundheit-
lichen Einschränkungen nicht beeinträchtigt werde. Im Bereich der Woh-
nungs- und Haushaltspflege sei das Aufräumen, das Abstauben und das
Staubsaugen in selbst gewählter Geschwindigkeit und mit entsprechenden
Hilfsmitteln ohne Einschränkung möglich. Die Bodenpflege sei ebenfalls in
selbst gewählter Geschwindigkeit und mit entsprechenden Hilfsmitteln
ohne Einschränkung möglich. Gleiches gelte auch für die Reinigung der
sanitären Anlagen und für das Wechseln der Bettwäsche, die Pflanzen-,
die Garten- und Umgebungspflege sowie die Abfallentsorgung und die
Haustierhaltung. Die gründliche Reinigung der Wohnung sei zu 20 % ein-
geschränkt. Auch die Tier- und Stallreinigung sei zu 20 % eingeschränkt.
Nicht eingeschränkt sei dagegen der alltägliche Einkauf; nur wenn schwere
Dinge von mehr als 5 kg gehoben oder getragen werden müssten, sei für
den Bereich des Einkaufs eine Einschränkung von 50 % anzunehmen. Für
den Bereich der Wäsche- und Kleiderpflege bestehe keine Einschränkung.
Die Pflege und Betreuung von Kindern oder anderen Angehörigen sei auf-
grund der festgestellten Gesundheitsstörungen im Umfang von 20 % be-
einträchtigt (act. 255, S. 1 - 6).
6.15 Der medizinische Dienst der Vorinstanz führte in seiner Beurteilung
vom 28. Mai 2019 aus, dass das B._-Gutachten auf allseitigen Un-
tersuchungen beruhe und die Standardindikatoren im Sinne des struktu-
rierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zur Herleitung der Schluss-
folgerungen hinreichend berücksichtige. Die geklagten Beschwerden seien
ebenfalls in Betracht gezogen worden und das Gutachten sei in vollständi-
ger Kenntnis der persönlichen und medizinischen Anamnese erstellt wor-
den. Der Expertise sei demnach volle Beweiskraft beizumessen. Durch Ge-
wichtung der jeweiligen Haushaltsbereiche und Berücksichtigung der (teil-
weise in Abweichung vom Gutachten) festgelegten Einschränkungen er-
mittelte er eine Invalidität von 4.7 % (act. 261).
7.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob im massgebenden Vergleichszeitraum zwi-
schen der leistungsverneinenden Verfügung vom 25. Oktober 2013 und
der angefochtenen Verfügung vom 30. Januar 2020 eine anspruchsrele-
vante Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwerdefüh-
rers eingetreten ist bzw. ob sich der medizinische Sacherhalt in dieser Hin-
sicht als genügend abgeklärt erweist.
C-1250/2020
Seite 20
7.1 Die angefochtene Verfügung basiert in medizinischer Hinsicht auf dem
polydisziplinären B._-Gutachten vom 19. November 2018, welches
vom medizinischen Dienst der Vorinstanz als beweiswertig eingestuft wor-
den ist.
7.2 Die Beschwerdeführerin macht beschwerdeweise geltend, die Begut-
achtungen aus Deutschland stünden in einem offensichtlichen Wider-
spruch zum B._-Gutachten, zumal das Niedersächsische Landes-
amt für Soziales, Jugend und Familie bei ihr einen Grad der Behinderung
von 80 respektive eine Pflegestufe 3 anerkannt habe (BVGer act. 1,
S. 3 - 5, samt Beilagen 4 und 5).
7.3 Das polydisziplinäre B._-Gutachten vom 19. November 2018
wurde im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt. Es handelt sich somit um
ein (unabhängiges) externes Administrativgutachten, das auf psychiatri-
schen, orthopädischen und internistischen Untersuchungen beruht, wel-
ches auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt und in Kenntnis der
relevanten medizinischen Vorakten abgegeben worden ist. Des Weiteren
sind in der polydisziplinären Beurteilung die massgeblichen Fachrichtun-
gen beigezogen und die gestellten Fragen beantwortet worden. Insoweit
ist das Gutachten mit Blick auf die formalen Anforderungen der Rechtspre-
chung an ein Gutachten nicht zu beanstanden. Zu prüfen ist, ob das Gut-
achten auch inhaltlich zu überzeugen vermag, namentlich ob die medizini-
schen Zusammenhänge einleuchtend dargelegt und die vorgenommenen
Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit für
die rechtsanwendende Person nachvollziehbar begründet werden.
7.4 Vorliegend werden im B._-Gutachten Ausschlussgründe im
Sinne einer Aggravation geltend gemacht. Es ist folglich vorab zu klären,
ob die diesbezüglichen medizinischen Abklärungen rechtsgenüglich sind.
7.4.1 Es liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor,
soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen
Erscheinung beruht. Hinweise auf solche und andere Äusserungen eines
sekundären Krankheitsgewinns ergeben sich namentlich, wenn: eine er-
hebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem ge-
zeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen ange-
geben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizi-
nische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonst-
rativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wir-
C-1250/2020
Seite 21
ken; schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psycho-
soziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggrava-
tion weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1
S. 287 f. mit Hinweisen).
Wann ein Verhalten (nur) verdeutlichend und unter welchen Voraussetzun-
gen die Grenze zur Aggravation und vergleichbaren leistungshindernden
Konstellationen überschritten ist, bedarf einer einzelfallbezogenen, sorgfäl-
tigen Prüfung auf einer möglichst breiten Beobachtungsbasis auch in zeit-
licher Hinsicht (Urteile des BGer 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015
[SVR 2015 IV Nr. 38 S. 121] E. 4.2.2; 9C_658/2018 vom 11. Januar 2019
E. 4.1). Grundsätzlich liegt Aggravation umso eher vor, je mehr Hinweise
auf eine absichtliche, gesteuerte und in diesem Sinn «bewusste» Symp-
tomerzeugung hindeuten (vgl. Urteile des BGer 9C_658/2018 vom 11. Ja-
nuar 2019 E. 4.1; 9C_899/2014 E. 4.2.2 mit Hinweis; Urteil des BGer). Be-
deutsame Hinweise ergeben sich unter anderem daraus, ob und inwieweit
die medizinischen Gutachter als auch die behandelnden, in aller Regel ei-
nen längeren Beobachtungszeitraum überblickenden Ärzte Diskrepanzen
zwischen subjektiver Beschwerdeschilderung und objektivierbaren Befun-
den beobachtet und dokumentiert haben, beispielsweise indem ihnen eine
demonstrative Schmerzausgestaltung aufgefallen ist oder die versicherte
Person – aus nicht krankheitsbedingten Gründen – während längerer Zeit
geeignete Therapievorschläge abgelehnt hat.
Besteht im Einzelfall Klarheit darüber, dass solche Ausschlussgründe die
Annahme einer Gesundheitsbeeinträchtigung verbieten, so besteht von
vornherein keine Grundlage für eine Invalidenrente, selbst wenn die klas-
sifikatorischen Merkmale einer Störung gegeben sein sollten (vgl. Art. 7
Abs. 2 erster Satz ATSG; Urteil des BGer 9C_539/2015 vom 21. März 2016
[SVR 2016 IV Nr. 30] E. 2.2.2). Soweit die betreffenden Anzeichen neben
einer ausgewiesenen verselbständigten Gesundheitsschädigung auftre-
ten, sind deren Auswirkungen derweil im Umfang der Aggravation zu be-
reinigen (BGE 141 V 281 E. 2.2.2 S. 288 mit Hinweisen; Urteile des BGer
9C_524/2020 vom 23. November 2020 E. 4.3; 9C_501/2018 vom 12. März
2019 E. 5.1; 8C_825/2018 vom 6. März 2019 E. 8.3).
7.4.2 Ebenfalls erhellend sein kann unter Umständen eine Bestimmung
des Medikamentenspiegels. Schliesslich sind allenfalls Beschwerdevali-
dierungstests ergänzend (als ein möglicher «Mosaikstein» der Begutach-
tung) hilfreich (Urteil des BGer 9C_899/2014 E. 4.2.3 mit Hinweis). Die
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%2BAggravation+%2Bbewusstseinsnahe&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-V-281%3Ade&number_of_ranks=0#page281 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%2BAggravation+%2Bbewusstseinsnahe&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-V-281%3Ade&number_of_ranks=0#page281
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Feststellung von bewusstseinsnaher Aggravation, Simulation und Somati-
sierung ist grundsätzlich Sache des psychiatrischen Facharztes (Urteil des
BGer 9C_737/2018 vom 15. Februar 2019 E. 5.2).
7.4.3
7.4.3.1 Der psychiatrische Gutachter hielt als federführender Experte fest,
es hätten sich in der orthopädischen Untersuchung durchaus relevante or-
ganmedizinische Befunde ergeben. Es werde von orthopädischer Seite un-
ter anderem eingeschätzt, dass «die Versicherte vor dem Hintergrund der
nachvollziehbaren organmedizinischen Beeinträchtigungen die früher aus-
geübten Tätigkeiten in einem Restaurant oder in einer Bäckerei nicht mehr
ausüben könne». Allerdings würden sowohl der Internist als auch der Or-
thopäde auf deutliche Hinweise für eine Aggravation schliessen. Gemäss
internistischer Beurteilung aggraviere die Patientin ihre Beschwerden
wahrscheinlich und erachte sich deshalb nicht zu einer Tätigkeit in der
Lage. Grob auffällig und – so werde auch von psychiatrischer Seite einge-
schätzt – deutlich auf eine Aggravation hinweisend, habe sich die Be-
schwerdeführerin in der orthopädischen Untersuchung gezeigt. So sei sie
zum Beispiel nach der Begrüssung mit deutlich sichtbarem, wechselndem
rechtsseitigem Schonhinken in den Untersuchungsraum gegangen, wäh-
rend in unbeobachtet geglaubten Momenten die Beweglichkeit des rechten
Beines nahezu uneingeschränkt gewesen sei. Die Beweglichkeit der HWS
sei aktiv zunächst in allen Ebenen als erheblich schmerzhaft eingeschränkt
demonstriert worden; bei der geduldigen und wiederholten passiven Unter-
suchung hätten sich keine Auffälligkeiten hinsichtlich der Beweglichkeit der
Halswirbelsäule ergeben. Die Beschwerdeführerin habe den rechten Arm
wechselweise in 90°-Stellung im Ellbogengelenk und am Körper herabhän-
gend gehalten; in unbeobachteten Momenten habe sie keine wesentliche
Einschränkung des rechten Armes bzw. des rechten Handgelenks gezeigt.
Die Handbeschwielung habe sich seitengleich ausgebildet gezeigt, was als
Hinweis für den Gebrauch beider Hände zu werten sei. Die Schuhe würden
seitengleiche Benutzungszeichen des Obermaterials und der Laufsohlen
aufweisen. Der Orthopäde gehe von einer bewusstseinsnahen Ausgestal-
tung der Beschwerdesymptomatik aus. Es könnten weder die Notwendig-
keit zur Benutzung eines Rollators noch die von der Beschwerdeführerin
angegebene Beeinträchtigung für Haushaltstätigkeiten nachvollzogen wer-
den. Zudem hätten sich in der orthopädischen Untersuchung hinsichtlich
der Sensibilität keinerlei Auffälligkeiten gezeigt, während sie in der internis-
tischen Untersuchung eine Hyperästhesie am rechten Arm und am rechten
Bein beschrieben habe (B._-Gutachten, act. 235, S. 5 und S. 51).
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Es sei bei der Beschwerdeführerin eine ganz erhebliche Motivation für Ag-
gravation erkennbar, denn sie werde vollständig von Haushaltsarbeiten
entlastet und beziehe zudem in Deutschland eine Rente (B._-Gut-
achten, act. 235, S. 6). Die Beschwerdeführerin demonstriere eine weitge-
hende Bewegungsunfähigkeit des rechten Armes, welche jedoch bei ge-
duldigen Untersuchungsgängen nicht habe objektiviert werden können.
Auch die Notwendigkeit zur Benutzung eines Rollators könne nicht nach-
vollzogen werden (B._-Gutachten, act. 235, S. 7). Die Symptome
und Funktionseinbussen seien im geklagten Umfang nicht plausibel und
könnten durch zu objektivierende Untersuchungsergebnisse nicht validiert
und nachvollzogen werden. Aus internistischer Sicht sei es schwierig, Kon-
sistenz und Plausibilität der gemachten Angaben zu prüfen, da die Be-
schwerdeführerin wahrscheinlich ihre Beschwerden aggraviere
(B._-Gutachten, act. 235, S. 10). Es werde eingeschätzt, dass bei
psychosozialen Belastungsfaktoren (berufliche und finanzielle Unsicher-
heit) eine gewisse psychogene Überlagerung durchaus anzunehmen sei
im Sinne der Diagnose nach ICD-10 F54. Die ebenfalls diagnostizierte Dys-
thymie nach ICD-10 F34.1 sei ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Im
Vordergrund stehe aber, so werde eingeschätzt, die Aggravation
(B._-Gutachten, act. 235, S. 36). Von psychiatrischer Seite werde
eingeschätzt, dass von einer erheblichen Aggravation auszugehen sei und
die Angaben der Beschwerdeführerin nicht plausibel seien. Auffällig sei
auch, dass die Medikamentenspiegel der Antidepressiva Cymbalta (Wirk-
stoff: Duloxetin; < https://compendium.ch/product/1031289-cymbalta-
kaps-30-mg/mpro >, abgerufen am 19.10.2021) und Amytriptylin deutlich
unterhalb des Referenzbereichs lägen. Am ehesten sei hier eine nicht re-
gelmässige Medikamenteneinnahme anzunehmen; in seltenen Fällen
könnten aber auch Antidepressiva übermässig schnell verstoffwechselt
werden. Auf jeden Fall lasse sich feststellen, dass die Therapiemöglichkei-
ten hinsichtlich der genannten Medikamente nicht ausgeschöpft seien
(B._-Gutachten, act. 235, S. 38).
7.4.3.2 Zur vom psychiatrischen Experten erwähnten Diskrepanz in Bezug
auf den Medikamentenspiegel ist festzuhalten, dass dem Gutachten keine
klare Aussage der Beschwerdeführerin zu entnehmen ist, wie häufig und
in welcher Dosierung sie die Psychopharmaka einnimmt. Fakt ist immerhin,
dass die Blutanalyse die Einnahme der Antidepressiva (Duloxetin und
Amitriptylin) – wenn auch unterhalb des Referenzbereichs – bestätigt hat
(act. 242, S. 2). Von einer Diskrepanz zwischen den Angaben der Be-
schwerdeführerin und dem labormässig erhobenen Medikamentenspiegel
kann unter diesen Umständen nicht gesprochen werden. Hinzu kommt,
C-1250/2020
Seite 24
dass auch nach der Interpretation des psychiatrischen Gutachters «am
ehesten» anzunehmen sei, dass die Versicherte die Medikamente nicht re-
gelmässig – aber immerhin – einnehme (act. 235, S. 35). Nicht ohne Wei-
teres nachvollziehbar ist sodann die Tatsache, dass der psychiatrische
Gutachter die Medikamentendosierung von 60 mg Duloxetin und 100 mg
Amitriptylin als adäquat bewertet (B._-Gutachten, act. 235, S. 33
und 35), obwohl er bei der Beschwerdeführerin lediglich eine Dysthymia
nach ICD-10 F34.1 diagnostiziert hat. Das Psychopharmakon Duloxetin ist
laut Kompendium gerade zur Behandlung von Depressionen indiziert
(< https://compendium.ch/product/1314092-duloxetin-axapharm-kaps-60-
mg/mpro >, abgerufen am 19.10.2021). Auch Amitriptylin ist insbesondere
zur Behandlung von depressiven Erkrankungen (Episoden einer Major De-
pression) indiziert (< https://compendium.ch/product/1404220-saroten-
filmtabl-25-mg/ mpro#MPro7100 >, abgerufen am 19.10.2021).
7.4.3.3 Zur verlässlichen Abklärung der Aggravation ist – wie vorstehend
dargelegt – entscheidend, inwieweit die medizinischen Gutachter und ins-
besondere auch die behandelnden, in aller Regel einen längeren Beobach-
tungszeitraum überblickenden Ärzte Diskrepanzen zwischen subjektiver
Beschwerdeschilderung und objektivierbaren Befunden beobachtet und
dokumentiert haben. Vorliegend wurden offenbar keine Angaben von Dritt-
personen, insbesondere auch keine aktuellen Angaben des behandelnden
Psychiaters gewürdigt (B._-Gutachten, act. 235, S. 35), obwohl
Arztberichte des Psychiaters Dr. med. H._ (act. 105 und 140) in den
Akten lagen, in welchen eine anhaltende und chronifizierte Störung festge-
halten wurde (B._-Gutachten, act. 235, S. 24). Zudem geht auch
der psychiatrische Gutachter davon aus, dass bei psychosozialen Belas-
tungsfaktoren (berufliche und finanzielle Unsicherheit) eine gewisse psy-
chogene Überlagerung im Sinne der Diagnose nach ICD-10 F54 durchaus
anzunehmen sei. Aufgrund der fehlenden (substanziierten) Auseinander-
setzung mit den Berichten der behandelnden Ärzte erweist sich die Frage
der rentenausschliessenden Aggravation noch nicht als hinreichend abge-
klärt.
7.4.4 Der psychiatrische Gutachter hat sich überdies in Bezug auf die von
ihm festgestellte Aggravation im Wesentlichen auf die Feststellungen des
orthopädischen Gutachters gestützt. Die vorstehend dargelegten gut-
achterlichen Feststellungen (E. 7.4.3.1 hievor) lassen in der Tat auf meh-
rere Inkonsistenzen schliessen. Allerdings bestehen offensichtlich auch
verselbständigte Gesundheitsschäden, welche die Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin beeinträchtigen. Aus dem B._-Gutachten geht
https://compendium.ch/product/1314092-duloxetin-axapharm-kaps-60-mg/mpro https://compendium.ch/product/1314092-duloxetin-axapharm-kaps-60-mg/mpro https://compendium.ch/product/1404220-saroten-filmtabl-25-mg/%20mpro#MPro7100 https://compendium.ch/product/1404220-saroten-filmtabl-25-mg/%20mpro#MPro7100
C-1250/2020
Seite 25
diesbezüglich nicht mit hinreichender Klarheit hervor, welcher Anteil der at-
testierten Arbeitsfähigkeit im Haushalt und in einer angepassten Tätigkeit
auf die Aggravation zurückzuführen ist bzw. in welchem Umfang der ortho-
pädische Gutachter der ausgewiesenen verselbständigten Gesundheits-
schädigung Rechnung getragen hat (vgl. dazu E. 7.4.1 hievor). Die blosse
Schlussfolgerung, es hätte sich auf dem orthopädisch-traumatologischen
Fachgebiet keine zu objektivierende und dem Alter vorausschreitende Er-
krankung gefunden, welche eine Arbeitsunfähigkeit (recte: Arbeitsfähigkeit)
in angepasster Tätigkeit beeinträchtigen würde (B._-Gutachten,
act. 235, S. 56), genügt in diesem Zusammenhang den rechtsprechungs-
gemässen Anforderungen an die Prüfung von chronischen Schmerzkrank-
heiten (E. 5.8 hievor) nicht. Auch die Schlussfolgerung des orthopädischen
Gutachters, dass die geklagten Symptome und Funktionseinbussen – zu-
mindest im demonstrierten und berichteten Umfang – inkonsistent seien
und durch die zu objektivierenden Untersuchungsergebnisse nicht hätten
validiert werden können (B._-Gutachten, act. 235, S. 56 f.), ermög-
licht keine verlässliche Beurteilung bezüglich der für die verselbständigte
Gesundheitsschädigung bestehenden Einschränkungen. Dass die zu ob-
jektivierenden Gesundheitsstörungen die Leistungsfähigkeit wesentlich
beeinträchtigen, hat der orthopädische Gutachter explizit anerkannt, indem
er für eine Tätigkeit der Beschwerdeführerin in der Gastronomie oder in
einer Bäckerei eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert hat
(B._-Gutachten, act. 235, S. 57).
7.5
7.5.1 Ausgangspunkt für die Beurteilung der Frage, ob ein Gesundheits-
schaden im Sinne der klassifizierenden Merkmale vorliegt, ist eine fach-
ärztlich einwandfrei gestellte Diagnose (BGE 143 V 409 E. 4.5.2; 143 V
418 E. 6; 141 V 281 E. 2.1). Nach der neuen Rechtsprechung haben sich
die Gutachter an der Umschreibung der Diagnose in den medizinischen
Klassifikationssystemen zu orientieren. Überdies haben sie dem diagnose-
inhärenten Schweregrad vermehrt Rechnung zu tragen. Weil die Verwal-
tung und die Gerichte für diese Feststellungen nicht kompetent sind, müs-
sen die Sachverständigen die Diagnose so begründen, dass die Rechts-
anwender sie nachvollziehen können (BGE 141 V 281 E. 2.1.1 und 2.2).
In Bezug auf das psychiatrische Teilgutachten genügt das B._-Gut-
achten den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an die Diagnose-
stellung, zumal die Diagnosen nach der ICD-10 klassifiziert werden. Dem-
C-1250/2020
Seite 26
gegenüber hat der orthopädische Gutachter die von ihm angeführten Diag-
nosen nicht nach einem medizinischen Klassifikationssystem eingeordnet
(vgl. dazu B._-Gutachten, act. 235, S. 8 und 55) und auch keine
Einschätzung in Bezug auf den diagnose-inhärenten Schweregrad der je-
weiligen Diagnosen vorgenommen.
Daraus folgt, dass ein wesentlicher Teil der Diagnosen nicht schlüssig bzw.
jedenfalls nicht hinreichend detailliert begründet ist. Diesbezüglich erweist
sich das B._-Gutachten als unvollständig.
7.5.2 Mit Bezug auf den Komplex «Gesundheitsschädigung» ist als erster
Indikator die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde zu nennen.
Nicht in jeder Hinsicht umfassend geklärt wurde vorliegend von den Gut-
achtern die Frage, in welcher Ausprägung die diagnoserelevanten Befunde
bestehen. Dem diagnose-inhärenten Schweregrad der somatoformen
Schmerzstörung ist nach der neuesten Rechtsprechung vermehrt Rech-
nung zu tragen (BGE 142 V 106 E. 3.3 S. 108; 141 V 281 E. 2.1.1 S. 286).
Diesem Kriterium kommt erhebliche Bedeutung zu (MICHAEL E. MEIER, Ein
Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in: Jusletter 11. Juli 2016, S. 21
Rz. 109 mit zahlreichen Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtspre-
chung).
Diesbezüglich ist insbesondere dem orthopädischen Teilgutachten keine
eigentliche Verbindung zwischen den erhobenen Befunden und deren Aus-
prägung und den gestellten Diagnosen zu entnehmen. Aus dem
B._-Gutachten können keine in jeder Hinsicht zuverlässigen Aus-
sagen zur Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome
abgeleitet werden. In dieser Hinsicht fehlt es demnach an einer hinreichend
schlüssigen Begründung (vgl. dazu z.B. Urteil des BGer 8C_198/2018 vom
19. Oktober 2018 E. 3.4.1).
7.5.3 In Bezug auf den Aspekt der Komorbiditäten fordert die neue Recht-
sprechung eine Gesamtbetrachtung der Wechselwirkungen und sonstigen
Bezüge der Schmerzstörung zu sämtlichen begleitenden krankheitswerti-
gen Störungen (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3). Unter dem Aspekt der Komor-
biditäten ist vorab darauf hinzuweisen, dass Beschwerden als Begleiter-
krankungen nur dann als rechtlich relevant eingestuft werden können,
wenn ihnen eine eigenständige, invalidisierende Bedeutung zukommt
(BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3).
C-1250/2020
Seite 27
Vorliegend haben die Gutachter nicht abschliessend geklärt, inwiefern zwi-
schen den somatischen und den psychiatrischen Diagnosen Wechselwir-
kungen bestehen (vgl. dazu auch Urteil des BVGer C-1582/2016 vom
11. September 2017 E. 4.2.4). Mit Blick auf die in den Akten mehrfach fest-
gehaltene chronische Schmerzstörung (vgl. dazu E. 5.4 und E. 5.6 - 5.8
hievor) wäre eine Würdigung dieser Wechselwirkungen zwingend notwen-
dig gewesen. Auch in dieser Hinsicht erweist sich das B._-Gutach-
ten als unvollständig.
7.5.4 Was den Komplex der Persönlichkeit (Persönlichkeitsdiagnostik, per-
sönliche Ressourcen; BGE 141 V 281 E. 4.3.2 S. 302) anbelangt, hat der
psychiatrische Gutachter bei der Beschwerdeführerin keine Hinweise für
eine Persönlichkeitsakzentuierung oder eine Persönlichkeitsstörung fest-
gestellt (B._-Gutachten, act. 235, S. 9 und 35). Unter dem Aspekt
der Ressourcen wurde die aktuelle Partnerbeziehung angeführt
(B._-Gutachten, act. 235 S. 9 und 40).
7.5.5 Mit Blick auf den «sozialen Kontext» sollen rechtsprechungsgemäss
nicht nur belastende, sondern auch positive Lebensumstände berücksich-
tigt werden (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1). In dieser Hinsicht geht aus dem
B._-Gutachten hervor, dass die Beschwerdeführerin zu ihren in
Serbien lebenden Geschwistern telefonischen Kontakt pflegt und ihre
Nichte und ihre Schwägerin noch persönlich sieht (act. 235, S. 32). Ein
sozialer Rückzug kann folglich ausgeschlossen werden, und es ist davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin aus ihrem sozialen Umfeld auf
einige mobilisierbare Ressourcen zurückgreifen kann.
7.5.6 Was die Konsistenzprüfung betrifft, kann auf die vorstehenden Aus-
führungen (E. 7.4.3 und 7.4.4 hievor) verwiesen werden.
7.6 Nicht stichhaltig begründet wird vom psychiatrischen Gutachter über-
dies, weshalb die im Zuge des stationären Aufenthaltes diagnostizierte re-
zidivierende depressive Störung nicht nachvollziehbar sein soll
(B._-Gutachten, act. 235, S. 39). Ebenfalls nicht plausibel dargelegt
wird, aus welchen Gründen nach der «Beschreibung der Versicherten und
auch unter Berücksichtigung der Unterlagen» von einer «eher mässig aus-
geprägten chronisch depressiven Verstimmung im Sinne einer Dysthymia»
nach ICD-10 F34.1 auszugehen sein soll (act. 235, S. 39), zumal aus dem
psychiatrischen Teilgutachten nicht hervorgeht, auf welche Unterlagen der
Psychiater sich bei seiner Schlussfolgerung bezogen hat.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-V-281%3Ade&number_of_ranks=0#page281
C-1250/2020
Seite 28
Der psychiatrische Gutachter hat es diesbezüglich auch unterlassen, sich
substanziiert mit den abweichenden Beurteilungen der Fachärzte der psy-
chiatrischen Klinik Uelzen (Entlassungsbericht vom 18. Mai 2016) sowie
der weiteren behandelnden Ärzte, welche bei der Beschwerdeführerin al-
lesamt eine rezidivierende depressive Störung diagnostiziert haben
(act. 85, 105 und 114), auseinander zu setzen (vgl. zur entsprechenden
Begründungspflicht: GABRIELA RIEMER-KAFKA, Versicherungsmedizinische
Gutachten, 3. Aufl. 2017, S. 59).
7.7 Hinzu kommt, dass nach den Qualitätsleitlinien für versicherungspsy-
chiatrische Gutachten der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie
und Psychotherapie SGPP (3. Aufl. 2016, S. 23) bei der Prognose der Leis-
tungsfähigkeit die Merkmale der unterschiedlichen Beurteilungsebenen
nicht nur im «Hier und Jetzt» (Querschnitt) untersucht, sondern grundsätz-
lich auch in ihrem Verlauf (Längsschnitt, retrospektiv und prospektiv) ein-
geschätzt werden müssen, um Aussagen über die zukünftige Entwicklung
und Beeinflussbarkeit durch therapeutische und/oder rehabilitative Inter-
ventionen treffen zu können (vgl. Urteil des BGer 9C_363/2018 vom
10. Oktober 2018 E. 4.2.1.2). Vor diesem Hintergrund erweist sich die Ein-
schätzung des psychiatrischen Experten als zu oberflächlich, zumal er
keine eingehende Diskussion und Beurteilung des dokumentierten Ver-
laufs der Symptomatik und der berichteten Befunde im Längsschnitt vor-
genommen hat (vgl. Urteil des BVGer C-6833/2018 vom 5. Juni 2020
E. 6.5.8.2).
Die Annahme des psychiatrischen Gutachters, dass sich der psychische
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin ab dem Austritt aus der psy-
chiatrischen Klinik am 11. Mai 2016 dauerhaft und wesentlich verbessert
habe (vgl. E. 6.12.1 und 6.12.2 hievor), findet in den Akten jedenfalls keine
Stütze. Im Gegenteil hielt Dr. med. I._ in ihrem zuhanden der Deut-
schen Rentenversicherung erstatteten Gutachten vom 15. März 2017 ex-
plizit die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-0 F33.11), fest (act.
114, S. 7 f.). Auch Dr. med. H._ führte in seinem Bericht vom 15. De-
zember 2017 aus, dass die Störung anhaltend und chronifiziert sei und die
Beschwerdeführerin langfristig nicht in der Lage sei, in einem Arbeitsver-
hältnis 3 Stunden oder mehr zu arbeiten, weshalb aus psychiatrischer Sicht
von einer dauerhaften vollen Erwerbsminderung auszugehen sei (act. 140;
in diesem Sinn auch: Bericht vom 10. August 2016, act. 88). Die vom psy-
chiatrischen Gutachter angenommene Verbesserung ist folglich nicht be-
legt. Vielmehr lassen die vorliegenden Akten auf eine weiterhin relevante
C-1250/2020
Seite 29
psychiatrische Leistungsbeeinträchtigung schliessen. Die Schlussfolge-
rung des psychiatrischen Gutachters, dass eine Veränderung des Gesund-
heitszustandes respektive der Leistungsfähigkeit im relevanten Vergleichs-
zeitraum vom 25. Oktober 2013 bis 30. Januar 2020 nicht anzunehmen sei,
stützt sich folglich nicht auf eine beweiskräftige Beurteilungsgrundlage.
Aus orthopädischer Sicht hat Dr. med. L._ für den Vergleichszeit-
raum sodann mehrere neue Befunde und Diagnosen festgehalten. Eine
substanziierte Würdigung der Ausprägung dieser neuen Diagnosen und
eine plausible und substanziierte Begründung des Einflusses dieser neuen
Krankheitsbilder auf die Entwicklung der Leistungsfähigkeit im Vergleichs-
zeitraum geht aus dem orthopädischen Teilgutachten indes nicht hervor
(vgl. zu diesem Erfordernis Urteile des BGer 9C_137/2017 vom 8. Novem-
ber 2017 E. 3.1; 9C_710/2014 vom 26. März 2015 E. 2). Der pauschale
Hinweis, dass die subjektive Beschwerdewahrnehmung nicht den zu ob-
jektivierenden Gesundheitseinschränkungen entspreche (B._-Gut-
achten, act. 235, S. 60), genügt den revisionsrechtlichen Beweisanforde-
rungen nicht. In internistischer Hinsicht wurden demgegenüber keine
neuen Befunde und Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit festge-
halten, so dass die Schlussfolgerung von Dr. med. M._, dass sich
der Gesundheitszustand im Referenzzeitraum nicht relevant verändert
habe (SAMB-Gutachten, act. 235, S. 74 - 78), stichhaltig und daher nicht
zu beanstanden ist.
7.8 Aus dem B._-Gutachten geht schliesslich nicht nachvollziehbar
hervor, weshalb bei der Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit
als Hilfskraft in einer Bäckerei eine seit Jahren bestehende 100%ige Ar-
beitsunfähigkeit attestiert wird, während dem für den Bereich des Haushal-
tes lediglich eine Einschränkung von 4.7 % besteht und darüber hinaus die
gesamte Wohnungs- und Hauspflege, einschliesslich der Reinigung der
sanitären Anlagen (abgesehen von der gründlichen Reinigung mit einer
20%igen Einschränkung), ohne Einschränkung möglich sein soll (act. 255,
S. 3 f.).
7.9 Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass die Medizini-
schen Dienste der (deutschen) Krankenversicherung in ihrem Gutachten
vom 22. März 2019 per 1. Oktober 2018 einen Grad der Behinderung
(GdB) von 80 bzw. einen Pflegegrad 3 festgehalten haben (act. 264). Die
Bezeichnungen «Grad der Behinderung» in Deutschland und «Arbeitsun-
fähigkeit bzw. Erwerbsunfähigkeit» in der Schweiz sind indes nicht ver-
gleichbar. Der GdB gemäss den Bestimmungen im Sinne des IX. SGB
C-1250/2020
Seite 30
(bzw. gemäss dem deutschen Gesetz zur Sicherung der Eingliederung
Schwerbehinderter in Arbeit, Beruf und Gesellschaft vom 26. August 1986
[BGBl I S. 1421, 1550; SchwbG] als dessen Rechtsvorgänger) ist – anders
als der Invaliditätsgrad in der schweizerischen Invalidenversicherung, der
sich, wie erwähnt, aus der medizinisch zumutbaren Arbeitsfähigkeit und
der damit einhergehenden finanziellen Erwerbseinbusse herleitet – nicht
oder nur sehr bedingt ein wirtschaftlicher Begriff (vgl. Urteile des BVGer C-
260/2020 vom 21. April 2021 E. 3; C-4875/2018 vom 22. Mai 2019 E. 3.6;
C-7767/2007 vom 11. Dezember 2009 E. 6.6 m.H.). Daher können hieraus
keine verlässlichen Schlussfolgerungen in Bezug auf die Einschränkung
der Leistungsfähigkeit respektive die Erwerbsunfähigkeit gezogen werden.
Im Rahmen der freien Beweiswürdigung gilt es diese Berichte aber den-
noch zu prüfen. Dies zumal im Gutachten vom 22. März 2019 zahlreiche
Beeinträchtigungen hervorgehoben werden, welche weder von den Exper-
ten der B._ noch von den versicherungsinternen Ärzten (vgl. dazu
Kurzbericht vom 9. Oktober 2019, act. 275, S. 1 f.) berücksichtigt oder gar
umfassend gewürdigt worden sind und die Leistungsfähigkeitsbeurteilun-
gen zueinander in einem offensichtlichen Widerspruch stehen. Insbeson-
dere wurde im genannten Gutachten auf die Notwendigkeit zur Benutzung
eines Rollators bzw. Rollstuhls und auf das Hilfsmittel der Inkontinenzho-
sen/Pants hingewiesen, wobei die Fortbewegung innerhalb und aus-
serhalb der Wohnung mit personeller Hilfe erfolge und das Treppensteigen
nicht möglich sei (act. 264, S. 2 f.). Überdies machte die Beschwerdefüh-
rerin auch Hörbeschwerden geltend (act. 264, S. 4). Ferner wurden der
Beschwerdeführerin kognitive Einschränkungen im Kurzzeitgedächtnis mit
Vergesslichkeit und Merkfähigkeitsstörungen und ein nicht ausreichender
Antrieb und eine nicht ausreichende Motivation zur selbständigen Beschäf-
tigung attestiert. Als neue Diagnose wurde überdies eine bösartige Neubil-
dung der Brustdrüse (ICD-10 C50) festgehalten (act. 264, S. 6). Das Ver-
lassen der Wohnung sei überwiegend bis vollständig unselbständig, und
es sei die Hilfe durch zwei Personen erforderlich. Die Fortbewegung inner-
halb und ausserhalb der Wohnung erfolge im Rollstuhl mit personeller
Hilfe. In Bezug auf die Haushaltsführung wurde ferner festgehalten, dass
die Beschwerdeführerin für das Einkaufen für den täglichen Bedarf über-
wiegend unselbständig sei. Gleiches gelte auch für einfache Aufräum- und
Reinigungsarbeiten. In Bezug auf die Zubereitung einfacher Mahlzeiten so-
wie die Durchführung von aufwändigen Aufräum- und Reinigungsarbeiten,
einschliesslich Wäschepflege, sei sie vollkommen unselbständig (act. 264,
S. 13).
C-1250/2020
Seite 31
Diese im Pflegegutachten festgehaltenen Einschränkungen werden weder
in der ergänzenden Beurteilung der B._-Gutachter vom 16. April
2019 (vgl. E. 6.14 hievor) noch in der Beurteilung des medizinischen Diens-
tes der Vorinstanz vom 3./10. Oktober 2019 (act. 275) gewürdigt. Der
blosse Hinweis, die im Pflegegutachten festgehaltenen Einschränkungen
hätten nicht objektiviert werden können, genügt den an die substanziierte
Begründung einer abweichenden Auffassung gestellten Anforderungen
(RIEMER-KAFKA, a.a.O., S. 59) nicht. Eine eingehende Auseinandersetzung
mit den diskrepanten Angaben wäre schon deshalb geboten gewesen, weil
Hinweise auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes oder wei-
tere Hinweise auf Aggravation hätten untersucht werden müssen. Zudem
haben die B._-Gutachter die Leistungsfähigkeit im Haushalt als
kaum beeinträchtigt eingestuft, da sie der Beschwerdeführerin in den Be-
reichen der Wohnungs- und Haushaltspflege, d.h. beim Aufräumen, Ab-
stauben und Staubsaugen in selbst gewählter Geschwindigkeit, bei der Bo-
denpflege in selbst gewählter Geschwindigkeit und mit entsprechenden
Hilfsmitteln, bei der Reinigung der sanitären Anlagen, beim Wechseln der
Bettwäsche, der Pflanzen-, Garten- und Umgebungspflege sowie bei der
Abfallentsorgung und der Haustierhaltung keinerlei Einschränkungen at-
testiert haben (vgl. E. 6.14 hievor).
Mit Blick auf die dargelegten Diskrepanzen wäre die Vorinstanz verpflichtet
gewesen, sich eingehend mit den attestierten Einschränkungen auseinan-
der zu setzen und ihren Standpunkt substanziiert zu begründen.
7.10 Damit steht fest, dass der rechtserhebliche medizinische Sachverhalt
nicht rechtsgenüglich abgeklärt worden ist. Es kann mithin nicht auf die
Abnahme weiterer Beweise verzichtet werden, da von einer zusätzlichen,
medizinisch nachvollziehbar und schlüssig begründeten fachärztlichen Be-
urteilung neue verwertbare und entscheidrelevante Erkenntnisse zu erwar-
ten sind (vgl. dazu auch Urteil des BGer 8C_189/2008 vom 4. Juli 2008
E. 5 mit Hinweisen). Eine antizipierte Beweiswürdigung fällt demnach aus-
ser Betracht. Insgesamt fehlt es nach dem Gesagten an einer der bundes-
gerichtlichen Rechtsprechung genügenden medizinischen Beurteilungs-
grundlage.
7.11 Die Beschwerdeführerin beantragt subeventualiter die Durchführung
einer Begutachtung in einem Drittstaat. Diesem Antrag kann indes nicht
stattgegeben werden, denn nach der konstanten Rechtsprechung besteht
kein Rechtsanspruch auf eine Begutachtung im Ausland (vgl. dazu Urteile
des BGer 8C_828/2013 vom 19. März 2014 E. 4.2; 9C_235/2013 vom
C-1250/2020
Seite 32
10. September 2013 E. 3.2; Urteil des EVG I 172/02 vom 7. Februar 2003
E. 4.5; Urteile des BVGer C-1331/2020 vom 28. April 2021 E. 5.5;
C-2437/2017 vom 11. April 2019 E. 3.3.3 m.w.H.).
8.
Die Beschwerdeführerin macht mit Replik ihres Rechtsvertreters vom
7. Juli 2020 geltend, sie sei korrekterweise als Vollerwerbstätige einzustu-
fen, da sie ihre letzte Erwerbstätigkeit krankheitsbedingt habe aufgeben
müssen und ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen auch aus finanziel-
len Gründen weiterhin einer Erwerbstätigkeit nachgegangen wäre (BVGer
act. 11, S. 2 f.).
Dagegen wendet die Vorinstanz in ihrer Duplik ein, die Anwendung der ge-
mischten Methode sei nie zur Diskussion gestanden. Auch das Bundesver-
waltungsgericht habe in seinem Urteil C-180/2014 vom 29. Januar 2016 in
E. 5 (act. 77, S. 19 f.) explizit festgehalten, dass sie die Rentenbemessung
zu Recht in Anwendung der spezifischen Methode vorgenommen habe.
Wenn jetzt replikweise etwas anderes vorgebracht werde, erfolge dies of-
fensichtlich in aktenwidriger Weise. Die im Rahmen der Neuanmeldung
eingeholten Informationen hätten keine Hinweise auf einen zwischenzeit-
lich eingetretenen Statuswechsel ergeben (BVGer act. 13).
8.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig
oder als nichterwerbstätig einzustufen ist (Statusfrage), was je zur Anwen-
dung einer anderen Methode der Invaliditätsbemessung (Einkommensver-
gleich, gemischte Methode, Betätigungsvergleich) führt, ergibt sich aus der
Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte,
wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist
nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im
Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum
sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Für die hypothetische Annahme einer
im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit ist der im Sozialver-
sicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich-
keit erforderlich (BGE 144 I 28 E. 2.3; 141 V 15 E. 3.1; je mit Hinweisen).
8.2 Für die Beurteilung der verbliebenen Leistungsfähigkeit im Aufgaben-
bereich bedarf es grundsätzlich einer Haushaltsabklärung vor Ort (vgl.
Art. 69 Abs. 2 IVV; BGE 130 V 97 E. 3.3.1). Bei im Ausland wohnenden
Versicherten kann auf eine Haushaltabklärung an Ort und Stelle verzichtet
werden. Diesfalls hat die Einschätzung der Invalidität im gewohnten Aufga-
benbereich unter Mitwirkung eines Arztes zu erfolgen und dieser hat sich
C-1250/2020
Seite 33
ausführlich und detailliert zu den von der versicherten Person angegebe-
nen Einschränkungen zu äussern (vgl. Urteil BGer I 733/06 vom 16. Juli
2007 E. 4.2.2; Urteil des BVGer C-3269/2016 vom 30. Januar 2018
E. 3.3.1). Nach der einheitlichen Praxis der Vorinstanz werden bei Versi-
cherten im Ausland die erforderlichen Informationen über die tatsächlichen
Verhältnisse an Ort und Stelle mit einem entsprechenden Fragebogen er-
hoben. Daran schliesst sich eine Beurteilung der eingeholten Auskünfte
durch die Ärzte des medizinischen Dienstes an. Diese Praxis wird vom
Bundesverwaltungsgericht im Grundsatz geschützt (vgl. Urteil des BVGer
C-3905/2016 vom 20. Oktober 2017 E. 4.1 mit Hinweisen).
8.3 Die Vorinstanz geht davon aus, dass die Beschwerdeführerin ohne Ge-
sundheitsschaden weiterhin zu 100 % im Aufgabenbereich (Haushalt) tätig
wäre. Folglich hat sie den Invaliditätsgrad anhand der spezifischen Me-
thode ermittelt. Soweit sie zur Begründung der Statusfrage auf das Urteil
C-180/2014 verweist, kann ihr allerdings nicht gefolgt werden. Denn das
Bundesverwaltungsgericht hat darin ausdrücklich festgehalten, dass die
IVSTA die Frage, ob sich allenfalls in der Zwischenzeit ein Statuswechsel
ergeben habe, im Rahmen der Neuanmeldung zu prüfen habe (E. 5 in fine;
act. 77, S. 20).
Aus dem Fragebogen für Versicherte, datiert vom 30. Mai 2017, kann für
die hier zur Diskussion stehende Statusfrage nichts Entscheidendes abge-
leitet werden, da die entscheidende Frage, in welchem Pensum die Be-
schwerdeführerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen erwerbtätig
wäre, darin nicht gestellt wurde (act. 119). Gleiches gilt für den von der
Beschwerdeführerin am 25. Juli 2017 vervollständigten und unterzeichne-
ten Fragebogen für die im Haushalt tätigen Versicherten (act. 126). Im Fra-
gebogen für die Versicherte, datiert vom 28. Juni 2018, wurde die massge-
bliche Frage zwar gestellt, von der Beschwerdeführerin allerdings nicht be-
antwortet. Die Antwort der Beschwerdeführerin, sie habe sich aufgrund di-
verser Erkrankungen seit ca. 2002 nur noch um ihre Gesundheit kümmern
können, ist indes immerhin ein Indiz dafür, dass sie aufgrund ihrer Erkran-
kungen keinen Wiedereinstieg ins Erwerbsleben hat vornehmen können
(act. 212, S. 5). Zudem gilt es auch die angespannte finanzielle Situation
der Beschwerdeführerin (vgl. dazu Zwischenverfügung vom 7. Mai 2020;
BVGer act. 7) als Indiz für eine Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall zu wer-
ten; letzteres wurde von der Vorinstanz soweit ersichtlich nicht in die Wür-
digung miteinbezogen.
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Angesichts der erheblichen Bedeutung der Statusfrage für die Rentenbe-
messung wäre die Vorinstanz gehalten gewesen, die konkreten Verhält-
nisse für die (hypothetische) Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeüb-
ten (Teil-)Erwerbstätigkeit eingehend abzuklären und entsprechend zu be-
gründen. Die Abklärung des Umfangs der im Gesundheitsfall hypothetisch
ausgeübten Erwerbstätigkeit wird die Vorinstanz im Rahmen ihrer erneuten
Prüfung nachzuholen haben.
9.
9.1 Da die angefochtene Verfügung gestützt auf eine unvollständige Abklä-
rung des medizinischen Sachverhalts und der Statusfrage ergangen ist, ist
die Sache in Anwendung von Art. 61 Abs. 1 VwVG und in teilweiser Gut-
heissung des Eventualantrags der Beschwerdeführerin zur Vornahme der
notwendigen erwerblichen und medizinischen Abklärungen sowie zur Klä-
rung der Statusfrage und hernach neuem Entscheid an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. Dabei wird die Vorinstanz vorab die Statusfrage eingehend
abzuklären haben, bevor sie die polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag
gibt. Einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Klärung der Sta-
tusfrage steht BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 nicht entgegen. Zudem erfolgt
auch die Rückweisung zur medizinischen Abklärung in Übereinstimmung
mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, gemäss welcher eine Rück-
weisung an die IV-Stelle insbesondere im Falle einer notwendigen Erhe-
bung einer bisher vollständig ungeklärten Frage möglich ist (BGE 137 V
210 E. 4.4.1.4), wenn wie hier die Abklärung der Statusfrage noch nicht
erfolgt ist. Von der Einholung eines Gerichtsgutachtens ist demnach abzu-
sehen. Würde eine derart mangelhafte Sachverhaltsabklärung bzw. -wür-
digung durch Einholung eines Gerichtsgutachtens im Beschwerdeverfah-
ren korrigiert, bestünde zudem die Gefahr der unerwünschten Verlagerung
der den Durchführungsorganen vom Gesetz übertragenen Pflicht, den
rechtserheblichen Sachverhalt nach dem Untersuchungsgrundsatz abzu-
klären (Art. 43 Abs. 1 ATSG), auf das Gericht (vgl. Urteil des BVGer C-
5137/2017 vom 7. Januar 2020 E. 5.10). Überdies würde den Verfahrens-
beteiligten mit dem Verzicht auf ein Administrativgutachten im Verwaltungs-
verfahren der doppelte Instanzenzug nicht eingeräumt (vgl. Urteil des
BVGer C-1882/2017 vom 3. April 2018 E. 6.1).
9.2 Die Vorinstanz ist daher in Anwendung von Art. 61 Abs. 1 VwVG anzu-
weisen, nach Aktualisierung und Vervollständigung der erwerblichen und
medizinischen Akten eine interdisziplinäre Begutachtung der Beschwerde-
führerin zu veranlassen zur Klärung der Frage, welche gesundheitlichen
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Beeinträchtigungen mit welchen Auswirkungen auf die funktionelle Leis-
tungs- und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sowohl in der bis-
herigen Tätigkeit und in einer angepassten Tätigkeit als auch – sofern die
Beschwerdeführerin im Haushalt tätig wäre – im Aufgabenbereich bzw. in
Haushaltsaktivitäten bestehen. Falls die Abklärungen der Vorinstanz einen
Anteil für den Aufgabenbereich (Haushalt) ergeben, muss sich die Beurtei-
lung der Leistungsfähigkeit im Haushalt durch die Ärzte auf substanziierte
Erhebungen der tatsächlichen Verhältnisse stützen (vgl. Urteile des BVGer
C-7026/2013 vom 9. September 2015 E. 5.5.1; C-4491/2013 vom 4. Mai
2015 E. 6.9), und die Beschwerdeführerin ist im Rahmen der Begutachtung
durch die Fachärzte zu den Einschränkungen in den jeweiligen Tätigkeiten
des Haushalts detailliert zu befragen (vgl. Urteil des BVGer C-3905/2016
vom 20. Oktober 2017 E. 4.2). Mit Blick auf die im Raum stehenden Be-
funde und Diagnosen erscheinen Expertisen in den Fachbereichen Allge-
meine Innere Medizin, Orthopädie und Psychiatrie (wobei die psychiatri-
sche Abklärung die Standardindikatoren gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung [BGE 143 V 418; 143 V 409; 141 V 281] zu berücksichti-
gen hat) erforderlich. Ob neben den genannten Fachdisziplinen auch noch
weitere Spezialisten beigezogen werden, ist dem pflichtgemessen Ermes-
sen der Gutachter zu überlassen, zumal es primär ihre Aufgabe ist, auf-
grund der konkreten Fragestellung über die erforderlichen Untersuchungen
zu befinden (vgl. dazu BGE 139 V 349 E. 3.3; Urteil des BGer 9C_752/2018
vom 12. April 2019 E. 5.3 mit Hinweisen; 8C_124/2008 vom 17. Oktober
2008 E. 6.3.1; Urteil des BVGer C-4537/2017 E. 8).
9.3 Die polydisziplinäre Begutachtung hat vorliegend in der Schweiz zu er-
folgen, da die Abklärungsstelle mit den Grundsätzen der schweizerischen
Versicherungsmedizin vertraut sein muss (vgl. dazu Urteil des BGer
9C_235/2013 vom 10. September 2013 E. 3.2; statt vieler Urteil des BVGer
C-3864/2017 vom 11. März 2019 E. 7.5 m.w.H.) und vorliegend keine
Gründe ersichtlich sind, die eine Begutachtung in der Schweiz als unver-
hältnismässig erscheinen liessen. Im Weiteren ist die Gutachterstelle nach
dem Zufallsprinzip gemäss Zuweisungssystem «SuisseMED@P» zu ermit-
teln (vgl. dazu BGE 139 V 349 E. 5.2.1 und Art. 72bis Abs. 2 IVV) und der
Beschwerdeführerin sind die ihr zustehenden Mitwirkungsrechte einzuräu-
men (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9).
9.4 Bei der erneuten Begutachtung sind neben den bereits dargelegten
medizinischen Diskrepanzen (E. 7.4 - 7.9 hievor) auch die folgenden aus
den vorliegenden Akten hervorgehenden Unklarheiten und Widersprüche
zu klären: Im Haushaltfragebogen vom 20. September 2012 machte die
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Beschwerdeführerin geltend, das Rüsten und Schneiden von Gemüse
könne sie nur manchmal vornehmen und auch Einkäufe könne sie nur
manchmal erledigen (act. 5, S. 8). Demgegenüber wird im Entlassungsbe-
richt der Klinik Uelzen vom 18. Mai 2016 ausgeführt, die Beschwerdefüh-
rerin habe Aufgaben für die Patientengemeinschaft mit fast täglichen Kü-
chendiensten übernommen (act. 85, S. 4). Im genannten Entlassungsbe-
richt wird in der soziobiografischen Anamnese überdies festgehalten, die
Beschwerdeführerin habe als Hintergrund ihrer schweren seelischen Ver-
fassung mehrere Krankheiten und die Kriegserlebnisse in Serbien mit ge-
waltsamen Fällen mit Tod und Leiden von Angehörigen angeführt (act. 85,
S. 2). Im Widerspruch hierzu wird im B._-Gutachten festgehalten,
laut Angaben der Beschwerdeführerin sei sie nicht stark vom Krieg betrof-
fen gewesen; sie habe weder Gräueltaten noch Verletzte oder Tote gese-
hen, und auch ihre Familie und Verwandtschaft habe keine Verletzten oder
Toten zu beklagen gehabt. Sie denke normalerweise gar nicht an den da-
maligen Krieg (act. 235, S. 30). In der psychosozialen Anamnese des Be-
richts von Dr. med. F._ vom 7. Oktober 2016 wird ausgeführt, die
Beschwerdeführerin habe die Ehe als «eigentlich gut» beschrieben. Ihr
Ehemann könne aufgrund seiner Krankheit auch nicht arbeiten (act. 101,
S. 2). Demgegenüber hat die Beschwerdeführerin laut Entlassungsbericht
der Psychiatrischen Klinik Uelzen vom 18. Mai 2016 ausgeführt, dass ihr
Ehemann immer untreu gewesen und fremdgegangen sei. Vor ein paar
Jahren habe er auch eine andere Frau kennen gelernt, lebe aber weiterhin
bei der Familie (act. 85, S. 2). Laut den Ausführungen der Beschwerdefüh-
rerin in der B._-Begutachtung helfe ihr Ehemann ihrer Nichte, wel-
che ein Restaurant in Uelzen betreibe, häufig am Wochenende beim Ko-
chen (act. 235, S. 32).
9.5 Der Vollständigkeit halber ist schliesslich darauf hinzuweisen, dass
nach der geltenden Rechtslage kein Rechtsanspruch auf Beizug sämtli-
cher Sozialversicherungsakten des ausländischen Sozialversicherungsträ-
gers besteht. Soweit die Beschwerdeführerin diesen in ihrem Eventualan-
trag fordert, kann ihr demnach nicht gefolgt werden. Der Beschwerdefüh-
rerin ist es indes unbenommen, der Vorinstanz weitere, aus ihrer Sicht re-
levante Akten einzureichen.
10.
Im Ergebnis ist die Beschwerde dahingehend gutzuheissen, dass die Ver-
fügung vom 30. Januar 2020 aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz
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zurückzuweisen ist, damit diese nach erfolgter Abklärung im Sinne der Er-
wägungen 9.1 - 9.4 über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leis-
tungen der schweizerischen Invalidenversicherung neu verfüge.
11.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
11.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt gemäss Art. 63 Abs. 1
VwVG die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei. Da
eine Rückweisung praxisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führenden
Partei gilt (BGE 132 V 215 E. 6; Urteil des BGer 9C_868/2013 vom
24. März 2014 E. 6), sind der Beschwerdeführerin keine Verfahrenskosten
aufzuerlegen. Ihr Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
ist damit hinfällig geworden. Der Vorinstanz werden ebenfalls keine Verfah-
renskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
Die obsiegende, rechtsanwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat An-
spruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der Verwaltung. Da keine
Kostennote eingereicht wurde, ist die Entschädigung aufgrund der Akten
festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Die Mehrwertsteuer ist dabei
nur für Dienstleistungen geschuldet, die im Inland gegen Entgelt erbracht
werden, nicht jedoch im vorliegenden Fall, in dem die Dienstleistung für die
Beschwerdeführerin mit Wohnsitz im Ausland erbracht worden ist (vgl. Ur-
teil des BVGer C-6983/2009 vom 12. April 2010). Unter Berücksichtigung
des Verfahrensausgangs, des gebotenen und aktenkundigen Aufwands,
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des vorliegend zu
beurteilenden Verfahrens sowie in Anbetracht der in vergleichbaren Fällen
gesprochenen Entschädigungen wird die Parteientschädigung (inkl. Ausla-
genersatz, exkl. MWSt) auf Fr. 2'800.- festgelegt (Art. 10 VGKE). Die Par-
teientschädigung ist von der Vorinstanz nach Eintritt der Rechtskraft des
vorliegenden Urteils zu leisten. Die Vorinstanz hat nach Art. 7 Abs. 3 VGKE
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
(Für das Urteilsdispositiv wird auf die nächste Seite verwiesen).
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