Decision ID: a89ae345-ede1-5654-b328-0a54163329cb
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Stiftung A._ (nachfolgend: Stiftung) ist eine gemeinnützige
Stiftung gemäss Art. 80 ff. ZGB mit Sitz in Z._. Sie entstand im Som-
mer 1998 durch den Zusammenschluss der Arbeitsgemeinschaft
B._ und dem Verein C._. 2001 stiess der Verein D._
dazu, im Herbst 2007 die Stiftung E._. Im Jahr 2008 wurde die
A._ in eine Stiftung umgewandelt und integrierte die vormalige Stif-
tung E._ (vgl. Beschwerdeakten [B-act.] 1 Rz. 6 und
http://www.A._.ch/zahlen-fakten.html; besucht am 14. Juni 2017).
Die Stiftung bezweckt eine umfassende (...)hilfe in der Region Z._
(vgl. Bst. b. der Statuten; http://www.A._.ch/tl_files/(...)_stiftungs-
statuten.pdf, besucht am 14. Juni 2017).
A.b Die verschiedenen Institutionen, welche bis 2008 in der Stiftung auf-
gegangen sind, erhielten gestützt auf Art. 73 IVG (SR 831.20) unter ande-
rem folgende Baubeiträge der Invalidenversicherung, jeweils gestützt auf
Verfügungen des Bundesamtes für Sozialversicherungen BSV (nachfol-
gend: Vorinstanz):
- Verein C._, Liegenschaft F._, Y._, Fr. 500'000.–
(Verfügung vom 8. April 1987; Vorakten [BSV] 36);
- Therapeutische Gemeinschaft E._, Liegenschaft G._,
X._, Fr. 322'500.– (Verfügung vom 20. November 1991, BSV
32);
- Therapeutische Gemeinschaft E._ Liegenschaft G._,
X._, Fr. 31'167.– (Verfügung vom 28. Oktober 1994; BSV 35);
- Therapeutische Gemeinschaft E._, Liegenschaft H._,
X._, Fr. 746'018.– (Verfügung vom 28. Oktober 1994; BSV 31);
- Verein C._, Liegenschaft I._, Z._, Fr. 261'155.–
(Verfügung vom 6. Juni 1995; BSV 30.2);
- Verein für C._, Liegenschaft F._, Y._,
Fr. 180'000.– (Verfügung vom 22. August 1996; BSV 30.1);
- Verein C._, Liegenschaft J._, Z._, Fr. 206'335.–
(Verfügung vom 7. Juli 1997; BSV 29);
http://www.a._.ch/zahlen-fakten.html http://www.a._.ch/tl_files/(...)_stiftungsstatuten.pdf http://www.a._.ch/tl_files/(...)_stiftungsstatuten.pdf
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- Therapeutische Gemeinschaft E._, Liegenschaft H._,
X._, Fr. 1'121'250.– (Verfügung vom 13. April 2000; BSV 26-
28).
Die meisten Verfügungen enthalten, teilweise in den Verfügungen selbst
(BSV 26, 29, 30), teilweise als „allgemeine Bedingungen und Auflagen für
die Gewährung von Baubeiträgen der AHV und IV“ als integraler Bestand-
teil der Verfügungen im Anhang (vgl. BSV 30 S. 2, 36) die Bedingung, dass
bei einer Änderung der Zweckbestimmung oder bei einer Übertragung der
Güter auf einen anderen Rechtsträger (...) das BSV zu benachrichtigen
sei. Es wurde dabei ausgeführt, dass je nach Änderung der Verhältnisse
die vollständige oder die teilweise Rückerstattung der Beiträge verfügt
werde.
A.c Mit Schreiben vom 3. Oktober 2002 teilte die Therapeutische Gemein-
schaft E._ dem BSV mit, sie werde in die Stiftung E._ (inkl.
Liegenschaften) überführt und bat zur Klärung der finanziellen Fragen im
Rahmen der Stiftungsgründung um eine Aufstellung der per 31. Dezember
2002 gemäss bestimmungsgemässer Verwendung der Gebäude nicht
mehr rückzahlungspflichtigen Baubeiträge (BSV 25).
Mit Schreiben vom 28. November 2002 teilte das BSV der Therapeutischen
Gemeinschaft E._ mit, für die Liegenschaften G._ und
H._ sei bei einer Zweckentfremdung per 31. Dezember 2002 ein
Rückforderungsbetrag von total Fr. 1'703'572.– (G._:
Fr. 179'181.– + Fr. 20'969.–; H._: Fr. 501'921.– + Fr. 1'001'501.–)
fällig (BSV 23).
A.d Am 27. Juni 2007 teilte die Stiftung A._ dem BSV mit, dass
geplant sei, die therapeutische Gemeinschaft E._ in X._
durch die A._ zu übernehmen, um die Einrichtung E._ zu
erhalten beziehungsweise mit eigenen Angebotsteilen zu ergänzen und
weiterzuführen. Ab Oktober/November 2007 werde das Behandlungsange-
bot (...) ergänzt. Sie stellte in Aussicht, das BSV über die weiteren Entwick-
lungen zu orientieren (BSV 22).
B.
B.a Mit je einem Schreiben vom 17. Mai 2013 gelangte das BSV an die
Stiftung E._, die Stiftung A._ und den Verein C._,
verwies auf die im Laufe der vergangenen 25 Jahre gewährten Baubeiträge
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der IV, die dafür notwendige Zweckbestimmung und die Pflicht, Änderun-
gen der Zweckbestimmung zu melden. Den Schreiben waren Erhebungs-
bogen zu den jeweiligen Liegenschaften, für welche in den letzten 25 Jah-
ren IV-Baubeitragsverfügungen eröffnet worden waren, beigelegt, welche
ausgefüllt und unterzeichnet bis am 14. Juni 2013 zurückzusenden seien
(BSV 19-21).
B.b Mit Schreiben vom 13. Juni 2013 (beim BSV eingegangen am 17. Juni
2013) reichte die Stiftung A._ – vertreten durch ihren Geschäftsfüh-
rer K._ – die ausgefüllten sechs Erhebungsbogen für die Stiftung
E._, Liegenschaften G._ und H._, X._, so-
wie 2 Bogen für die Liegenschaft F._, Y._, ein und teilte mit,
dass die Stiftung E._ im Rahmen einer Absorptionsfusion von der
Stiftung A._ übernommen worden sei. Aus den Fragebogen ging
hervor, dass die Liegenschaft H._, X._, weiterhin gemäss
IV-Zweckbestimmung genutzt werde, hingegen die Liegenschaft
G._ im November 2011 verkauft worden sei, um den restlichen
Betrieb zu retten. Weiter wurde mitgeteilt, dass die Liegenschaft F._
im April 2008 verkauft worden sei, um die Stiftung E._ zu überneh-
men (BSV 18).
B.c Am 20. Februar 2014 schrieb das BSV den Verein C._ noch-
mals an betreffend die Liegenschaften I._ und J._,
Z._ (BSV 17). Die Stiftung A._ reichte am 4. April 2014 das
ausgefüllte Formular betreffend die Liegenschaft J._, Z._,
ein (beim BSV eingegangen am 11. April 2014), teilte darin mit, dass das
Objekt im Jahr 2005 wegen drohender Verschuldung habe verkauft werden
müssen und die Trägerschaft gewechselt habe (neu: Stiftung A._;
BSV 16). Auf Nachfrage des BSV präzisierte die Stiftung am 16. Mai 2014
die Verkaufsdaten der Liegenschaften J._, Z._ (15. Juli
2005), I._, Z._ (10. Juni 2005), F._, Y._
(30. April 2008), und G._, X._ (1. November 2011; BSV
15).
B.d
B.d.a Mit Verfügungsentwurf und Begleitbrief vom 22. Mai 2014 stellte die
Vorinstanz der Stiftung eine Rückforderung wegen Zweckentfremdung be-
zogener Baubeiträge von Fr. 553'414.–, zahlbar innert 30 Tagen, in Aus-
sicht und räumte ihr dazu das rechtliche Gehör bis am 2. Juni 2014 ein
(BSV 14).
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Am 3. Juni 2014 hiess die Vorinstanz die bis am 30. Juni 2014 beantragte
Fristerstreckung (BSV 13) teilweise gut und erstreckte die Frist einmalig
um eine Woche (vgl. BSV 12).
B.d.b Mit Schreiben vom 5. Juni 2014 teilte die Stiftung dem BSV auf An-
frage mit, dass ihre stationären Einrichtungen nicht durch das Gesund-
heitsdepartement des Kantons W._ finanziert würden. Sämtliche,
die Liegenschaften betreffenden Angelegenheiten seien ausschliesslich
Sache der Stiftung und es seien hierzu durch den Kanton keine Beiträge
geleistet worden (BSV 11).
B.d.c Mit Eingabe vom 6. Juni 2014 informierte Advokatin Dr. Sarah
Wenger das BSV über ihre Mandatierung in der vorliegenden Angelegen-
heit und beantragte eine angemessene Erstreckung der Frist zur Wahrnah-
me des rechtlichen Gehörs und Einsicht in die Verfahrensakten (BSV 10).
B.e Mit Verfügung vom 10. Juni 2014 forderte die Vorinstanz von der Stif-
tung einen Betrag von Fr. 553'414.– gemäss beiliegender Berechnung
(Verkauf von vier Liegenschaften in den Jahren 2005, 2008 und 2011; Ab-
rechnungen aufgrund von sechs Subventionsverfügungen der Jahre 1987
– 1997) zurück (Ziffer III Bst. c der Verfügung) und forderte die Stiftung auf,
den Betrag bis am 14. Juli 2014 zu Gunsten der Zentralen Ausgleichskasse
(ZAS), Genf, Konto "Baubeiträge" zu überweisen (Ziffer III Bst. d der Ver-
fügung, BSV 9).
Die Rückforderungssumme setzt sich wie folgt zusammen:
- Liegenschaft G._, X._, Verkauf vom 1. November
2011: Verfügung vom 20. November 1991, Rückforderung: Fr. 64‘500.–
und Verfügung vom 26. Oktober 1994, Rückforderung: Fr. 19‘739.–
- Liegenschaft F._, Y._, Verkauf vom 30. April 2008:
Verfügung vom 8. April 1987, Rückforderung: Fr. 78‘333.–, und
Verfügung vom 22. August 1996, Rückforderung: Fr. 95‘400.–
- Liegenschaft J._, Z._, Verkauf vom 15. Juli 2005:
Verfügung vom 7. Juli 1997, Rückforderung: Fr. 139‘620.–
- Liegenschaft I._, Z._, Verkauf vom 10. Juni 2005:
Verfügung vom 6. Juni 1995, Rückforderung: Fr. 155‘822.–.
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Zum Verfahren führte sie unter Ziffer II aus, die Frist sei einmalig verlängert
worden. Eine weitere Fristersterstreckung werde nicht gewährt, da im Er-
streckungsgesuch keine materiellen Einwände geltend gemacht worden
seien. Ein weiteres Zuwarten sei aufgrund der Sachlage nicht angebracht
(BSV 9).
B.f Mit Eingabe vom 10. Juli 2014 stellte die Stiftung bei der Vorinstanz ein
ausführlich begründetes Wiederwägungsgesuch, verwies darauf, dass sie
mangels gewährter Fristerstreckung das rechtliche Gehör nicht habe wahr-
nehmen können und stellte die Anträge, es sei die Ziffer 1 der Verfügung
vom 10. Juni 2014 (recte wohl: Bst. c der Ziffer III) dahingehend zu ändern,
als festzustellen sei, dass der Rückforderungsbetrag Fr. 74'369.– betrage;
und es sei die Ziffer 2 der Verfügung vom 10. Juni 2014 (recte wohl: Bst. d
der Ziffer III) aufzuheben und die Rückzahlungsmodalitäten mit der Ge-
suchstellerin einvernehmlich auszuhandeln (BSV 6).
B.g Mit Verfügung vom 7. August 2014 trat das BSV auf das Wiedererwä-
gungsgesuch der Stiftung nicht ein und verwies die Gesuchstellerin auf den
ordentlichen Rechtsweg (Beschwerdeakten [B-act.] 4).
C.
C.a Mit Beschwerde vom 10. Juli 2014 ans Bundesverwaltungsgericht be-
antragte die Stiftung (nachfolgend: Beschwerdeführerin) – vertreten durch
Rechtsanwältin Dr. Sarah Wenger –, es sei die Ziffer 1 (recte: Bst. c der
Ziffer III) der Verfügung vom 10. Juni 2014 dahingehend zu ändern, als
festzustellen sei, dass der Rückforderungsbetrag Fr. 74'369.– betrage, und
es sei die Ziffer 2 (recte: Bst. d der Ziffer III) der angefochtenen Verfügung
aufzuheben und der Beschwerdeführerin eine angemessene Frist seit
Rechtskraft des Beschwerdeentscheides zur Zahlung des Rückforde-
rungsbetrages von Fr. 74'369.– einzuräumen, alles unter o/e Kostenfolge.
Sie begründete ihren Antrag im Wesentlichen damit, dass die darüber hin-
ausgehenden Rückforderungsbeiträge – soweit sie überhaupt je bestan-
den hätten – verjährt seien.
Sie verwies mit der Beschwerdeeingabe auf ihr mit gleichem Datum an die
Vorinstanz eingereichtes Wiedererwägungsgesuch und stellte in Aussicht,
bei Eintreten der Vorinstanz auf das Wiedererwägungsgesuch einen Sis-
tierungsantrag für das vorliegende Beschwerdeverfahren zu stellen
B-act. 1).
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C.b Am 2. September 2014 ging bei der Gerichtskasse der eingeforderte
Kostenvorschuss von Fr. 6'000.– ein (B-act. 5).
C.c Mit Vernehmlassung vom 23. Oktober 2014 beantragte die Vorinstanz,
die angefochtene Beschwerde sei in dem Sinne teilweise gutzuheissen, als
die Rückforderung auf Fr. 543'545.– (statt Fr. 553'414.–) reduziert werde.
Die Rückforderung für die Liegenschaft G._, X._, belaufe
sich auf Fr. 74‘370.– (Fr. 64‘500.– + Fr. 9‘870.–). Im Weiteren sei die Be-
schwerde abzuweisen (B-act. 9).
C.d Mit Replik vom 10. Februar 2015 hielt die Beschwerdeführerin an ih-
rem Rechtsbegehren vollumfänglich fest. Sie führte im Wesentlichen aus,
die in der Schlussbestimmung IVG (SR 831.20) geregelte fünfjährige Ver-
jährungsfrist sei anwendbar, weshalb die Rückforderung der Baubeträge
für die in den Jahren 2005 und 2008 verkauften Liegenschaften zufolge
Zeitablauf verjährt sei (B-act. 15).
C.e Am 1. April 2015 teilten die Parteien dem Bundesverwaltungsgericht
mit, sie ständen in Vergleichsverhandlungen, und beantragten die Sistie-
rung des laufenden Verfahrens (B-act. 19).
C.f Mit Verfügung vom 9. April 2015 sistierte der Instruktionsrichter das lau-
fende Beschwerdeverfahren C-3867/2014 bis zum Abschluss der Ver-
gleichsverhandlungen und forderte die Parteien auf, das Gericht über den
Ausgang der Vergleichsverhandlungen unverzüglich nach deren Ab-
schluss in Kenntnis zu setzen. Gleichzeitig setzte er die der Vorinstanz an-
gesetzte Frist zur Einreichung einer Duplik bis auf weiteres aus (B-act. 20).
C.g Mit Eingabe vom 30. September 2015 teilte die Beschwerdeführerin
mit, dass die Beschwerdegegnerin die Vergleichsverhandlungen abgebro-
chen habe (B-act. 22).
C.h Mit Verfügung vom 6. Oktober 2015 wurde das Beschwerdeverfahren
C-3867/2014 wieder aufgenommen und der Vorinstanz Gelegenheit zur
Einreichung einer Duplik eingeräumt (B-act. 23).
C.i Duplikweise hielt die Vorinstanz am 5. November 2015 an ihrem Antrag
in der Vernehmlassung vom 23. Oktober 2014 fest (B-act. 24).
C.j Mit Verfügung vom 11. November 2015 übermittelte das Bundesverwal-
tungsgericht das Doppel der Duplik an die Beschwerdeführerin zur Kennt-
nisnahme und schloss den Schriftenwechsel ab (B-act. 25).
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Seite 8
D.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien sowie auf die eingereichten
Unterlagen wird – soweit für die Entscheidfindung erforderlich – in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 5
und Art. 47 Abs. 1 Bst. b VwVG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht
Beschwerden gegen Verfügungen des Bundesamtes für Sozialversiche-
rungen betreffend Beiträge der Invalidenversicherung an Institutionen nach
den SchlBest. IVG (SR 831.20) zur Änderung vom 6. Oktober 2006 (bzw.
Art. 73 aIVG; in Kraft bis 31. Dezember 2007, AS 2007 5779). Eine Aus-
nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt.
Das ATSG (SR 830.1) findet gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG (SR 831.20) keine
Anwendung für die vorliegend im Streit stehende Frage der Rückforderung
von geleisteten Baubeiträgen der Invalidenversicherung gemäss Art. 73
aIVG, da weder Fragen der Amts- und Verwaltungshilfe noch der Schwei-
gepflicht gemäss Art. 32 und 33 betroffen sind (Art. 1 Abs. 2 IVG).
1.3 Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men, sie ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat
ein schutzwürdiges Interesse an deren Anfechtung (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
Sie ist daher zur Beschwerde legitimiert. Sie hat – vertreten durch zwei
kollektiv zeichnungsberechtigte Stiftungsratsmitglieder (vgl. B-act. 1 Beila-
ge 1) – mit Vollmacht vom 6. Juni 2014 das Anwaltsbüro Waldmann Petit-
pierre zur Vertretung ihrer Interessen betreffend Rückforderung Baubei-
träge wegen Zweckentfremdung erteilt. Die von Rechtsanwältin Dr. Sarah
Wenger vom Büro Waldmann Petitpierre unterzeichnete Beschwerde ist
demnach rechtsgültig.
1.4 Auf die im Übrigen form- und fristgerecht (Art. 50 und 52 VwVG) einge-
reichte Beschwerde ist daher, nachdem auch der einverlangte Kostenvor-
schuss rechtzeitig geleistet wurde (B-act. 9), einzutreten.
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Seite 9
2.
2.1 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (vgl. BGE 139 V 135 E. 6.2 mit Hinweisen, 130 V 329
E. 2.2 f. und 112 V 168 E. 3c mit Hinweisen sowie HÄFELIN/MÜLLER/UHL-
MANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016 Rz. 293). Demnach ist
grundsätzlich bei der Beurteilung des vorliegenden Falls auf den Zeitpunkt
des Erlasses des angefochtenen Verwaltungsaktes, hier der Verfügung
vom 10. Juni 2014, abzustellen. Deshalb werden im Folgenden die zu die-
sem Zeitpunkt anwendbaren Bestimmungen zitiert, soweit nichts anderes
vermerkt ist.
2.2 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdever-
fahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs
oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unange-
messenheit des Entscheids rügen (Art. 49 VwVG).
3.
Die Beschwerdeführerin rügt, ihr rechtliches Gehör sei verletzt worden, in-
dem ihr nach Zustellung des Verfügungsentwurfs vom 22. Mai 2014 die
Frist zur Stellungnahme zur Rückforderung von Fr. 553‘414.– auch nicht
nach Anzeige des Vertretungsverhältnisses angemessen erstreckt worden
und die Verfügung bereits am 10. Juni 2004 ergangen sei (B-act. 1 Rz. 20).
3.1
3.1.1 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs besagt, dass niemand in sei-
ner Rechtstellung beeinträchtigt werden darf, ohne vorher angehört wor-
den zu sein. Er „umfasst alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen
sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung
bringen kann“ (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1 m.H.). Das rechtliche Gehör dient
einerseits der Sachaufklärung und stellt andererseits ein persönlichkeits-
bezogenes Mitwirkungsrecht dar (vgl. z.B. BGE 136 V 351 E. 4.4). Die Bun-
desverfassung garantiert den Anspruch auf rechtliches Gehör in Art. 29
Abs. 2, er stellt einen Teilgehalt des allgemeinen Grundsatzes des fairen
Verfahrens nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 29 Abs. 1 BV dar (BGE 134 I
140 E. 5.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal-
tungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Nr. 214). Im Verwaltungsver-
fahren des Bundes ist das rechtliche Gehör in den Art. 26 ff. VwVG gere-
gelt. Der Grundsatz ist in Art. 29 festgehalten und wird für das nichtstreitige
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Seite 10
Verfahren in folgenden Bestimmungen konkretisiert: Art. 30, 30a und 31
über die Anhörung der Parteien, Art. 32 über die Prüfung der Parteivorbrin-
gen, Art. 33 über die Beweisabnahme, Art. 11 über das Recht auf Vertre-
tung und Verbeiständung, (...), sowie Art. 26 – 28 über das Akteneinsichts-
recht. Sodann regelt Art. 34 die Eröffnung der Verfügung und Art. 35 hält
die Pflicht zur Begründung der Verfügung und zur Rechtsmittelbelehrung
fest (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Nr. 488 ff.). Im vorliegenden Fall
interessierend soll das Akteneinsichtsrecht gemäss Art. 26 – 28 VwVG den
Parteien dazu verhelfen, sich über alle für das Verfahren wesentlichen Un-
terlagen zu orientieren. Es ist gleichsam Vorbedingung einer wirksamen
und sachbezogenen Ausübung des Äusserungsrechts gemäss Art. 30
VwVG. Die Parteien müssen sich über die Eingaben und Vernehmlassun-
gen, über alle als Beweismittel dienenden Aktenstücke und Niederschriften
eröffneter Verfügungen in Kenntnis setzen können, damit sie die Grundla-
gen zur Wahrnehmung erarbeiten können (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI,
a.a.O., Nr. 493).
Zum Äusserungsrecht im Rahmen des rechtlichen Gehörs im Verwaltungs-
verfahren gehört, dass sich die Parteien vor den zuständigen Behörden
äussern können und diese von der Äusserung Kenntnis nehmen müssen.
Die Behörden sind nach Art. 30 VwVG wenigstens grundsätzlich gehalten,
die Parteien anzuhören, bevor sie verfügen. Die Behörde muss die Vor-
bringen der Betroffenen tatsächlich hören, ernsthaft prüfen und angemes-
sen in der Entscheidfindung berücksichtigen (BGE 136 I 184 E. 2.2.1). Es
wird sodann aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör das Recht auf Ver-
tretung und Verbeiständung abgeleitet (Art. 11 VwVG; vgl. BGE 132 V 443
E. 3.3; zum Ganzen vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Nr.524).
3.1.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Deshalb führt
dessen Verletzung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in
der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung (BGE 127
V 431 E. 3d/aa, 126 I 19 E. 2d/bb). Nach der Rechtsprechung kann jedoch
eine Verletzung des Gehörsanspruchs dann geheilt werden, wenn die un-
terbliebene Gewährung des rechtlichen Gehörs in einem Rechtsmittelver-
fahren nachgeholt wird, in dem die Beschwerdeinstanz mit der gleichen
Prüfungsbefugnis entscheidet wie die untere Instanz (BGE 137 I 195 E. 2.2
mit Verweis auf 135 I 279 E. 2.6.1)
3.2
3.2.1 Zum Zeitablauf im verwaltungsinternen Verfahren ist Folgendes fest-
zustellen: Die Beschwerdeführerin gab der Vorinstanz am Freitag, 16. Mai
http://links.weblaw.ch/BGE-127-V-431 http://links.weblaw.ch/BGE-127-V-431 http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-19
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Seite 11
2014, die genauen Verkaufsdaten der vier Liegenschaften bekannt
(BSV 15). Der Verfügungsentwurf mit Begleitbrief ist auf den 22. Mai 2014
datiert und fordert die Beschwerdeführerin auf, den Verfügungsentwurf
„sorgfältig zu prüfen und uns Ihr Einverständnis oder allfällige Widersprü-
che bis spätestens 2. Juni 2014 schriftlich mitzuteilen“ (BSV 14). Auf das
Fristerstreckungsgesuch der Beschwerdeführerin, das fristgerecht am
3. Juni 2014 eintraf und darauf verwies, dass die Angelegenheit dem Stif-
tungsrat vorgelegt werden müsse, erstreckte die Vorinstanz die Anhö-
rungsfrist gemäss Art. 30 Abs. 1 VwVG (in Berücksichtigung des Pfingst-
montags) einmalig um eine Woche auf den 10. Juni 2014, wobei sie – ent-
gegen der gesetzlichen Regelung nach Art. 21 Abs. 1 VwVG – festlegte,
dass die Stellungnahme am 10. Juni 2014 (d.h. am Dienstag nach Pfings-
ten) bei ihr einzutreffen habe (BSV 12 f.). Mit Schreiben vom Freitag,
6. Juni 2014, gab die mittlerweile mandatierte Rechtsvertreterin der Vor-
instanz ihr Vertretungsverhältnis bekannt und beantragte eine Fristerstre-
ckung bis 30. Juni 2014 sowie Akteneinsicht (BSV 10). Am 10. Juni 2010
eröffnete die Vorinstanz der Beschwerdeführerin ihre Verfügung vom
10. Juni 2014 und teilte mit, sie erhalte die gewünschten Akten in den näch-
sten Tagen zur Einsicht (BSV 8 f.). Sie begründete in der Verfügung die
Nichtgewährung einer weiteren Fristerstreckung damit, dass die Be-
schwerdeführerin keine materiellen Einwände gemacht habe und ohnehin
ein weiteres Zuwarten aufgrund der Sachlage nicht angebracht sei (BSV 9
Rz. II 1. Absatz). Mit Schreiben vom 12. Juni 2014 übermittelte die Vor-
instanz der Beschwerdeführerin die Verfahrensakten in Kopie (BSV 7).
3.2.2 Vorliegend steht fest, dass die Vorinstanz nach Ermittlung der Sach-
lage gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin umgehend – das
heisst innert Wochenfrist – der Beschwerdeführerin den Verfügungsent-
wurf vom 22. Mai 2014 eröffnete und eine Frist zur Stellungnahme und
„sorgfältiger Prüfung“ (einmalig erstreckt) von rund zwei Wochen gewährte,
wobei in die eingeräumte Frist noch die Feiertage von Auffahrt und Pfings-
ten fielen und keine nachvollziehbaren Gründe geltend gemacht werden,
weshalb sich die umgehende Verfügung über die Rückforderung aufdränge
und im Übrigen gemäss den Akten bis im Mai 2013 respektive bis im Feb-
ruar 2014 (oben Bst. B.a und B.c) keine Aufsichtsmassnahmen der Vor-
instanz ersichtlich sind (vgl. hierzu BSV 19-21). Zudem betrifft die Rückfor-
derung offensichtlich eine für die Beschwerdeführerin nicht unbedeutende
Summe, die, wie von der Vorinstanz vernehmlassungsweise beantragt, in
der Verfügung ohnehin zu hoch angesetzt worden war (vgl. oben Bst. C.c).
Es erweist sich als naheliegend, dass die Beschwerdeführerin beziehungs-
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Seite 12
weise ihr Stiftungsrat einen angemessenen Zeitraum benötigte, um die An-
gelegenheit sorgfältig prüfen zu können und sich allenfalls rechtlich bera-
ten beziehungsweise verteidigen zu lassen, wobei es sich ebenfalls als no-
torisch erweist, dass eine mandatierte Rechtsvertretung sich in ein (nicht
alltägliches) Dossier einarbeiten muss (vgl. hierzu zum erstinstanzlichen
Beschwerdeverfahren BGE 131 V 533 = Urteil des BGer 2A.160/2004 vom
9. Juni 2005, nicht publizierte E. 3.1 mit Hinweisen). Zu ergänzen bleibt in
Berücksichtigung der hiervor dargelegten Grundlagen und Ausführungen
zum Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör beziehungs-
weise zum Teilaspekt der Anhörung der Parteien gemäss Art. 30 Abs. 1
VwVG, dass die Vorinstanz der Beschwerdeführerin erst nach Verfügungs-
erlass Akteneinsicht gewährte.
3.2.3 In Anbetracht dessen aber, dass vorliegend im Beschwerdeverfahren
vor dem mit voller Kognition ausgestatteten Bundesverwaltungsgericht ein
mehrfacher Schriftenwechsel zwischen den Parteien durchgeführt wurde,
die Beschwerdeführerin um ihre grundsätzliche Rückerstattungspflicht
wusste (oben Bst. A.b-A.d), und den Parteien zusätzlich die Gelegenheit
eingeräumt wurde, Vergleichsverhandlungen zu führen, kann die an sich
erfolgte Gehörsverletzung als geheilt gelten.
4.
Die vorliegende Verfügung stützt sich auf die Schlussbestimmungen IVG
(Änderung vom 6. Oktober 2006 [NFA], in Kraft seit 1. Januar 2008 [bishe-
riger Artikel 73 IVG], Abs. 1 – 3) und verweist auf die Bestimmungen des
Bundesgesetzes über Finanzhilfen und Abgeltungen vom 5. Oktober 1990
(Subventionsgesetz, SuG; SR 616.1; vgl. BSV 9: Betreff und Ziffer II).
Vorab sind die in Frage stehenden Gesetzesbestimmungen des IVG sowie
die Grundlagen des Subventionsrechts darzulegen.
4.1
4.1.1 Gemäss Art. 73 Abs. 1 aIVG (in der Fassung vom 19. Juni 1959, in
Kraft ab 1. Januar 1960 bis 31. Dezember 2007) gewährte die Versiche-
rung Beiträge an die Errichtung, den Ausbau und die Erneuerung von öf-
fentlichen und gemeinnützigen privaten Anstalten und Werkstätten, die im
wesentlichen Umfang Eingliederungsmassnahmen durchführen. Ausge-
schlossen waren Anstalten und Werkstätten, die der stationären Durchfüh-
rung von medizinischen Massnahmen dienten (Satz 2 wurde ergänzt in der
Fassung vom 9. Oktober 1986, in Kraft vom 1. Juli 1987 bis 31. Dezember
2007).
C-3867/2014
Seite 13
Art. 73 Abs. 2 aIVG regelte Folgendes: „Die Versicherung kann Beiträge
gewähren: a) an den Betrieb von Einrichtungen gemäss Abs. 1; b) an die
Errichtung, den Ausbau und die Erneuerung von öffentlichen und gemein-
nützigen privaten Werkstätten für Dauerbeschäftigung von Invaliden und
an die durch die Beschäftigung von Invaliden entstehenden zusätzlichen
Betriebskosten. Als Dauerbeschäftigung gilt auch eine Tätigkeit, die keinen
wirtschaftlichen Nutzen bringt; c) an die Errichtung, den Ausbau und die
Erneuerung von Wohnheimen zur dauernden oder vorübergehenden Un-
terbringung von Invaliden und an die dadurch entstehenden zusätzlichen
Betriebskosten (Bst. b in der Fassung vom 30. Juni 1972, in Kraft ab 1. Ja-
nuar 1973 [AS 1972 2483], Bst. c der Fassung vom 30. Juni 1972, in Kraft
ab 1. Januar 1973 bis 31. Dezember 2003 [AS 2003 3835]).
4.1.2 In Art. 104bis IVV (SR 831.201, in der Fassung 18. Oktober 1974, in
Kraft von 1. Januar 1975 bis 31. Dezember 2007) war die Rückerstattung
der Baubeiträge wie folgt geregelt:
„1 Werden Bauten vor Ablauf von 25 Jahren seit der Schlusszahlung
zweckentfremdet oder auf eine nicht gemeinnützige Rechtsträgerschaft
übertragen, so sind die Beiträge zurückzuerstatten. Der zurückzuerstat-
tende Betrag vermindert sich pro Jahr bestimmungsgemässer Verwen-
dung um 4 Prozent.
2 Die Rückforderung ist vom Bundesamt binnen einer Frist von 5 Jahren
seit der Entfremdung geltend zu machen.“
4.2 Die Schlussbestimmungen der Änderung vom 6. Oktober 2006 des
IVG (in Kraft seit 1. Januar 2008) regeln in den Absätzen 1 – 3 Folgendes:
„1 Werden Bauten vor Ablauf von 25 Jahren seit der letzten Zahlung von
Beiträgen nach dem bisherigen Artikel 73 zweckentfremdet oder auf eine
nicht gemeinnützige Rechtsträgerschaft übertragen, so sind die Beiträge
dem Ausgleichsfonds gemäss Artikel 107 AHVG (SR 831.10) zu Gunsten
der Rechnung der Invalidenversicherung zurückzuerstatten.
2 Der zurückzuerstattende Betrag vermindert sich pro Jahr bestimmungs-
gemässer Verwendung um vier Prozent.
3 Die Rückforderung ist vom Bundesamt binnen einer Frist von fünf Jah-
ren seit der Zweckentfremdung geltend zu machen.“
C-3867/2014
Seite 14
4.3 Das Subventionsgesetz (SuG) ist per 1. April 1991 in Kraft getreten und
gilt für alle im Bundesrecht vorgesehenen Finanzhilfen und Abgeltungen.
Das dritte Kapitel (mit den allgemeinen Bestimmungen zu Finanzhilfen und
Abgeltungen, vgl. Art. 11 – 40 SuG) ist anwendbar, soweit andere Bundes-
gesetze oder allgemeinverbindliche Bundesbeschlüsse nichts Abweichen-
des vorschreiben (vgl. Art. 2 Abs. 1 und 2 SuG sowie FABIAN MÖLLER,
Rechtsschutz bei Subventionen, 2006, S. 121).
4.3.1 Die Zweckentfremdung und Veräusserung bei Finanzhilfen wird in
Art. 29 SuG geregelt. Wird ein Objekt (Grundstück, Baute, Werk, bewegli-
che Sache) seinem Zweck entfremdet oder veräussert, so fordert die zu-
ständige Behörde die Finanzhilfe zurück. Die Rückforderung bemisst sich
nach dem Verhältnis zwischen der bestimmungsgemässen und der tat-
sächlichen Verwendungsdauer. In Härtefällen kann die Rückforderung er-
mässigt werden (Art. 29 Abs. 1 SuG). Gemäss Absatz 2 kann die zustän-
dige Behörde bei Veräusserungen ganz oder teilweise auf die Rückforde-
rung verzichten, wenn der Erwerber die Voraussetzungen für die Finanz-
hilfe erfüllt und alle Verpflichtungen des Empfängers übernimmt. Der Emp-
fänger muss Zweckentfremdungen und Veräusserungen unverzüglich der
zuständigen Behörde schriftlich melden (Abs. 3).
4.3.2 Gemäss Art. 32 Abs. 1 SuG verjähren Forderungen aus Finanzhilfe-
und Abgeltungsverhältnissen nach fünf Jahren. Der Anspruch auf Rücker-
stattung von Finanzhilfen und Abgeltungen verjährt ein Jahr, nachdem die
verfügende oder den Vertrag abschliessende Behörde vom Rechtsgrund
des Anspruchs Kenntnis erhalten hat, in jedem Falle aber zehn Jahre nach
der Entstehung des Anspruchs (Art. 32 Abs. 2 SuG). Hat der Empfänger
die in Artikel 29 Absatz 3 vorgeschriebene Meldung unterlassen und ist für
ein Objekt eine zehn Jahre übersteigende Verwendungsdauer festgelegt,
so endet die absolute Verjährungsfrist mit Ablauf der Verwendungsdauer,
frühestens jedoch zehn Jahre nach der Entstehung des Anspruchs (Art. 32
Abs. 3 SuG). Wird der Anspruch aus einer strafbaren Handlung hergeleitet,
für die das Strafrecht eine längere Verjährungsfrist vorsieht, so gilt diese
(Art. 32 Abs. 4 SuG).
5.
5.1 Die Vorinstanz stützt ihre Rückforderung von Fr. 553‘414.– (recte:
Fr. 543'545.–; siehe B-act. 9) auf die Schlussbestimmungen zur Änderung
des IVG vom 6. Oktober 2006 (NFA; Art. 73 aIVG) sowie ihre Verfügungen
vom 20. November 1991 und vom 28. Oktober 1994 (betreffend die Lie-
genschaft G._, X._ [BSV 32, 35]), vom 8. April 1987 und
C-3867/2014
Seite 15
22. August 1996 (betreffend die Liegenschaft F._, Y._ [BSV
36, 30.1]), vom 7. Juli 1997 (Liegenschaft J._, Z._ [BSV
29]) und vom 6. Juni 1995 (betreffend die Liegenschaft I._,
Z._ [BSV 30.2]). Sie verweist ausserdem auf die Bestimmungen
des SuG (vgl. BSV 9).
5.2 Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwerde im Wesentlichen
geltend, die Rückforderungen für die in den Jahren 2005 und 2008 veräus-
serten Liegenschaften J._, Z._, I._, Z._,
und F._, Y._, seien gemäss Abs. 3 der Schlussbestim-
mungen IVG vom 6. Oktober 2006 (NFA) verjährt und somit nicht mehr
geschuldet. Zu den erhaltenen Beiträgen bringt sie präzisierend vor, dass
die Stiftung E._ für die Liegenschaft G._, X._,
mit Verfügung vom 28. Oktober 1994 Fr. 31‘167.–, und nicht wie in der an-
gefochtenen Verfügung aufgeführt Fr. 62‘335.–, erhalten habe (Rz. 8, 29).
5.3 Die Vorinstanz begründet in ihrer Vernehmlassung das Festhalten an
der Forderung von (betreffend die Liegenschaft G._ korrigierten)
Fr. 543'545.– im Wesentlichen gestützt auf Art. 32 Abs. 3 SuG, da die Be-
schwerdeführerin ihre in den Subventionsverfügungen festgehalte Melde-
pflicht für Zweckentfremdungen verletzt habe. Sie äussert sich ausführlich
zu den Gesetzesänderungen anlässlich der Einführung des SuG im Jahr
1991 und im Rahmen der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der
Aufgabenteilung zwischen dem Bund und den Kantonen (NFA) per 1. Ja-
nuar 2008. Im SuG seien die Verjährungsfristen für den Fall der korrekten
Meldung einer Zweckentfremdung und einer unterlassenen Meldung (vgl.
Art. 29 SuG) unterschiedlich geregelt worden. Bei einer Pflichtverletzung
laufe die Verjährungsfrist entsprechend länger (Art. 32 Abs. 2 und 3 SuG).
Im Nachgang zum Inkrafttreten des SuG sei es unterlassen worden, die
Verjährungsregel für die Rückforderung von zweckentfremdeten Baubei-
trägen (Art. 104bis Abs. 2 IVV) anzupassen. In der Praxis seien jedoch die
subventionsrechtlichen Verjährungsbestimmungen angewandt worden. Mit
der NFA seien schliesslich die in Frage stehenden Baubeiträge als Bun-
desaufgabe (Art. 73 IVG) per 1. Januar 2008 weggefallen. Die Übernahme
der Verjährungsbestimmung von Art. 104bis Abs. 2 aIVV ins IVG (neu Abs. 3
der SchlBest. zur Änderung vom 6. Oktober 2006 [NFA]) sei in Berücksich-
tigung der Bestimmungen des SuG zu betrachten, zumal mit Abs. 3 Schl-
Best. IVG (oben E. 4.1) keine lex specialis gemäss Art. 2 SuG vorliege.
Unter diesen Umständen habe der Rückforderungsanspruch nicht auf-
grund des pflichtwidrigen, stillschweigenden Zuwartens binnen dieser Frist
seit der Zweckentfremdung verjähren können (B-act. 9 Ziff. 1).
C-3867/2014
Seite 16
5.4 Replikweise verweist die Beschwerdeführerin auf die Gesetzmässig-
keit der vorliegend anwendbaren Schlussbestimmungen IVG auf formeller
Gesetzesstufe, welche die Verjährungsfristen betreffend Rückforderung
von Baubeiträgen auf Gesetzesebene klar regelten und für die Vorinstanz
verbindlich seien. Der Beschwerdeführerin könne nicht angelastet werden,
dass die IVV nicht angepasst und im Rahmen der NFA Art. 104bis Abs. 2
aIVV explizit ins IVG übernommen worden sei. Sie berufe sich auf zwin-
gend anwendbare Verjährungsbestimmungen, weshalb ihr nicht sinnge-
mäss ein rechtsmissbräuchliches Verhalten vorgeworfen werden könne,
auch wenn sie ihrer Pflicht zur Meldung der Zweckentfremdungen oder
Veräusserungen nicht nachgekommen sei. Die Berufung auf Verjährungs-
fristen sei unabhängig ihrer Länge ein grundsätzliches Recht, dessen Gel-
tendmachung nicht rechtsmissbräuchlich sein könne (B-act. 15).
5.5 In ihrer Duplik verweist die Vorinstanz auf ihre Ausführungen in der Ver-
nehmlassung zur Entstehung der aktuellen Rechtslage und führt aus, es
liege eine planwidrige Unvollständigkeit des Gesetzes vor. Diese habe sie
als rechtsanwendende Behörde unter Berücksichtigung der Zielsetzung
des IVG durch pflichtgemässe Auslegung (mit Einbezug des teleologischen
und historischen Aspekts) behoben. Weiter hält sie daran fest, dass die
Beschwerdeführerin ihre Meldepflicht verletzt und die Zweckentfremdun-
gen beziehungsweise Verkäufe der Liegenschaften erst im Rahmen der
Erhebungen im Jahr 2013 mitgeteilt habe. Eine Verletzung der Meldepflicht
könne demnach durchaus rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, das
SuG sehe entsprechende verwaltungsrechtliche Sanktionen vor, wie vor-
liegend eine Verlängerung der Verjährungsfrist (B-act. 24).
6.
6.1 Vorliegend unbestritten erweisen sich die Verkäufe von vier Liegen-
schaften, für welche die Beschwerdeführerin (bzw. ihre Vorgängerinstituti-
onen) zwischen April 1987 und Juli 1997 Baubeiträge erhalten hatte, und
dass die Zweckentfremdungen vor Ablauf der Laufzeit der Subventionen
von jeweils 25 Jahren erfolgten. Ebenfalls nicht mehr bestritten ist die Be-
rechnung der Rückforderungssumme, nachdem die Vorinstanz die Rück-
forderung für die Liegenschaft G._, X._ (Verkaufsdatum:
1. November 2011) in der Vernehmlassung auf Fr. 74‘370.– (Fr. 74‘369.50,
gerundet) korrigiert hat (B-act. 9 S. 6). Auf die diesbezüglich aufgeworfe-
nen Fragen der Parteien ist demnach nicht weiter einzugehen.
C-3867/2014
Seite 17
6.2
6.2.1 In der Hauptsache umstritten und durch das Bundesverwaltungsge-
richt zu prüfen bleibt die Höhe der effektiv zurückzuerstattenden Baubei-
träge, da die Beschwerdeführerin geltend macht, diese seien – jedenfalls
was die bis ins Jahr 2008 zweckentfremdeten Liegenschaften J._,
Z._ (Verkauf: 15. Juli 2005), I._, Z._ (Verkauf:
10. Juni 2005) und F._, Y._ (Verkauf: 30. April 2008; vgl.
BSV 15) betreffe – gemäss der SchlBest. Abs. 3 IVG vom 6. Oktober 2008
(NFA) verjährt beziehungsweise verwirkt (Rückforderung am 10. Juni
2014). Die Vorinstanz argumentiert dagegen, es seien bezüglich der Ver-
jährung die allgemeinen Bestimmungen des Subventionsgesetzes an-
wendbar, wonach – zufolge nicht erfolgter Meldungen der Zweckentfrem-
dungen – die Verjährungsfrist nicht habe zu laufen beginnen können. Als
vorliegend für die Rückforderbarkeit entscheidend erweist sich demnach
die Frage des anwendbaren Rechts, worauf nachfolgend einzugehen ist.
6.2.2 Die Vorinstanz legt in ihrer Vernehmlassung die Entstehungsge-
schichte der allgemeinen Verjährungsregelung für Bundesbeiträge in
Art. 32 SuG mit Hinweis auf die Botschaft zum Bundesgesetz über Finanz-
hilfen und Abgeltungen (BBl 1987 I 369 ff., S. 415 f.) dar. Darunter seien
auch die Baubeiträge an Institutionen für Invalide gefallen. Übergangs-
rechtlich hätten die Verordnungsregelungen, die nicht dem dritten Kapitel
des SuG entsprochen hätten, innert zwei Jahren nach Inkrafttreten des Ge-
setzes, das heisst bis am 1. April 1993, angepasst werden müssen, soweit
sie nicht auf abweichenden Gesetzen oder allgemeinverbindlichen Bun-
desbeschlüssen beruhten (Art. 42 Abs. 2 SuG). Dies sei bei den Baubei-
trägen nach IVG unterlassen worden und die Verjährungsbestimmung in
Art. 104bis Abs. 2 IVV habe in der Folge dem Subventionsrecht widerspro-
chen. In der Praxis seien jedoch die subventionsrechtlichen Verjährungs-
bestimmungen übernommen und angewandt worden. Im Rahmen der
Neugestaltung des Finanzausgleichs (NFA) seien Art. 73 IVG und die da-
zugehörenden Verordnungsbestimmungen (Art. 99 ff. IVV) ersatzlos auf-
gehoben worden. Einzig die bestehende Ordnung der Rückforderung von
Baubeiträgen habe auch weiterhin im gleichen Umfang weitergeführt wer-
den sollen. Deshalb sei vorgesehen gewesen, die Regelung des geltenden
Art. 104bis IVV zu einer nahtlosen Weiterführung der Praxis zu überneh-
men. Die nach Art. 42 Abs. 2 SuG nicht mehr gültige und gesetzeswidrige
Bestimmung in Art. 104bis Abs. 2 IVV sei dabei unter Abs. 3 der Schlussbe-
stimmungen des IVG wörtlich übernommen worden. Es sei nicht die Ab-
sicht gewesen, den gesetzeswidrigen Tatbestand von Art. 104bis Abs. 2 IVV
C-3867/2014
Seite 18
zu legalisieren. Es handle sich hier um ein klares gesetzgeberisches Ver-
sehen. Es sei nie die Absicht des Gesetzgebers gewesen, mit der Schaf-
fung dieser Bestimmung die Invalidenversicherung schlechter zu stellen
als vor Einführung des NFA (B-act. 9 S. 2 f.).
6.3
6.3.1 Die allgemeinen Rückerstattungsregeln bei Zweckentfremdungen
von Finanzhilfen und deren Verjährung sind im SuG in Art. 29 ff. geregelt.
Sie sehen eine relative Verjährungsfrist von einem Jahr ab Kenntnisnahme
der Zweckentfremdung und eine absolute Frist bis Ablauf der Verwen-
dungsdauer, jedoch frühestens zehn Jahre nach der Entstehung des An-
spruchs vor (siehe oben E. 4.3). Das Gesetz ist am 1. April 1991 in Kraft
getreten. Die Regelungen für die Rückerstattung von nach Art. 73 aIVG
gewährten Baubeiträgen bei deren Zweckentfremdung finden sich in den
Schlussbestimmungen des IVG und sind seit 1. Januar 2008 in Kraft. Diese
Regelungen wiederum sehen eine Verjährungsfrist von fünf Jahren seit der
Zweckentfremdung vor (E. 4.2). Es handelt sich bei beiden Normen um
Regelungen auf formeller Gesetzesstufe, welche gemäss Art. 190 BV für
das Bundesgericht und die anderen rechtsanwendenden Behörden mass-
gebend sind.
6.3.2 Für die Rangordnung zwischen Normen der gleichen Erlassstufe sind
zwei Regeln massgebend: Der Vorrang der lex posterior gegenüber der lex
prior sowie der Vorrang der lex specialis gegenüber der lex generalis. Beim
Vorrang der lex specialis ist jedoch zu beachten, dass die Feststellung, in
welchem inhaltlichen Verhältnis zwei Rechtsnormen zueinander stehen, oft
nicht nur eine rein logisch feststellbare Beziehung betrifft, sondern bereits
Ausdruck einer Wertung ist. Es handelt sich dabei nicht um ein schema-
tisch anwendbares Prinzip; massgeblich ist es nur, wenn aus dem Sinnzu-
sammenhang heraus eine Rechtsnorm im Verhältnis zu einer anderen
Rechtsnorm zu verstehen und zu behandeln ist (HÄFELIN/MÜLLER/UHL-
MANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 183 mit Hinweisen
auf BGE 138 II 111, E. 4.3.4 ff., 124 I 176 E. 5c und BVGE 2014/42 E. 4.3).
6.4
6.4.1 Vorliegend ist mittels Auslegung zu ermitteln, welches Recht vorgeht
(IVG oder SuG) und welche Verjährungsregelungen damit zur Anwendung
kommen. Die Vorinstanz macht eine gesetzliche Lücke im IVG geltend, die
durch sie zu füllen gewesen sei. Die Beschwerdeführerin bestreitet gestützt
auf die lex posterior- und lex specialis-Regelung diese Auslegung.
C-3867/2014
Seite 19
6.4.2 Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet der Wortlaut der Bestimmung.
Ist der Text nicht ganz klar und sind verschiedene Interpretationen möglich,
so muss nach seiner wahren Tragweite gesucht werden unter Berücksich-
tigung aller Auslegungselemente (Wortlaut, Systematik, Historik, Sinn und
Zweck). Dabei dienen die Gesetzesmaterialien als Hilfsmittel, um den Sinn
der Norm zu erkennen. Das Bundesgericht lässt sich bei der Auslegung
von Erlassen stets von einem Methodenpluralismus leiten (vgl. BGE 134 II
249 E. 2.3; 133 V 9 E. 3.1 m.H.). Sind mehrere Lösungen denkbar, ist jene
zu wählen, die der Verfassung und bei Verordnungsnormen zudem dem
Gesetz am besten entspricht. Allerdings findet die verfassungs- und geset-
zeskonforme Auslegung im klaren Wortlaut und Sinn einer Bestimmung
ihre Schranke (vgl. Urteil des BVGer C‒6513/2010 vom 5. Dezember 2013
E. 5.4.1 mit Verweisen auf C‒6969/2007 vom 16. Februar 2009 E. 5.3.1
sowie BGE 131 II 217 E. 2.3; 131 II 697 E. 4.1, je m.H.; BGE 128 V 5 E. 3a
ff.).
6.4.3 Eine Lücke im Gesetz besteht, wenn sich eine Regelung als unvoll-
ständig erweist, weil sie jede Antwort auf die sich stellende Rechtsfrage
schuldig bleibt oder eine Antwort gibt, die aber als sachlich unhaltbar an-
gesehen werden muss. Hat der Gesetzgeber eine Rechtsfrage nicht über-
sehen, sondern stillschweigend – im negativen Sinn – mitentschieden
(qualifiziertes Schweigen), bleibt kein Raum für richterliche Lückenfüllung
(BGE 134 V 15 E. 2.3.1 m.w.H.).
6.4.4 Im vorliegenden Fall hat der Gesetzgeber in den Schlussbestimmun-
gen IVG explizit eine Rückforderungsregelung bei Zweckentfremdungen
von Baubeiträgen im IVG vor Ablauf der 25 Jahre dauernden „Gebrauchs-
frist“ aufgenommen und die Rückforderung der Beiträge an eine Frist von
fünf Jahren ab Zweckentfremdung beziehungsweise Veräusserung gebun-
den. Der Wortlaut von Abs. 3 der Schlussbestimmung erweist sich als un-
missverständlich: „Die Rückforderung ist vom Bundesamt binnen einer
Frist von fünf Jahren seit der Zweckentfremdung geltend zu machen.“
Nichts anderes ergibt sich aus den Gesetzestexten in Französisch: „Le
remboursement est exigé par l’office dans un délai de cinq ans à compter
du moment où la subvention a été détournée de son but.“ und Italienisch:
„La restituzione deve essere richiesta dall’Ufficio federale entro cinque anni
dal cambiamento di destinazione.“ Gemäss dem Wortlaut hat die Vor-
instanz demnach jeweils fünf Jahre, nachdem Subventionsträger Baubei-
träge zweckentfremdet eingesetzt haben, Zeit, um diese zurückzufordern.
Zur Meldepflicht von Zweckentfremdungen, die in den Allgemeinen Bedin-
gungen und Auflagen zu den Subventionsverfügungen vermerkt waren und
C-3867/2014
Seite 20
von der das SuG verschiedene Verjährungsregeln abhängig macht (Art. 32
Abs. 2 und 3 SuG), äussert der Gesetzgeber sich in den Absätzen 1 – 3
der SchlBest. vom 6. Oktober 2006 nicht, eine Verjährungsregelung mit
einer relativen und einer absoluten Verjährungsdauer (analog zum SuG)
fehlt.
6.4.5 Die systematische Auslegung widerspiegelt mit der fast wortgleichen
Übernahme der Regelung von Art. 104bis IVV in die Schlussbestimmungen
zur Änderung vom 6. Oktober 2006 die Absicht des Gesetzgebers, sich aus
der Finanzierung von Baubeiträgen im Bereich IV zurückziehen und nach
Inkrafttreten der Gesetzesänderung noch andauernde Finanzhilfen des
Bundes bis zu deren Auslaufen rechtlich zu bestätigen. Keine weiteren
Rückschlüsse ergeben sich aus der intrasystemischen Einordnung von
Abs. 3 in den Schlussbestimmungen selbst.
6.4.6 Aus historischer Sicht ist zur Regelung im IVG Folgendes festzuhal-
ten: Die Gesetzgebung von Art. 104bis IVV stammt aus dem Jahr 1974 und
war gemäss dem damals erläuternden BSV analog zur neu eingefügten
Regelung in Art. 221 der AHVV (Rückerstattung der Baubeiträge für Heime
gemäss Art. 101 aAHVG, Gesetzesbestimmung in Kraft vom 1. Januar
1975 – 31. Dezember 1985 [AS 1974 1589; AS 1985 2002]; vgl. auch ZAK
1974 S. 381 ff. und 518 ff.) in die IVV eingefügt worden. Das BSV führte in
seiner Erläuterung aus, die Änderung sei von der eidgenössischen Finanz-
verwaltung ausgearbeitet worden und stimme mit jener auf anderen
Rechtsgebieten überein. Für die IV bedeutete sie insofern eine wesentliche
Änderung, dass die Beitragsempfänger zuvor jeweils darüber informiert
worden seien, dass sie bei Zweckentfremdung innerhalb von 20 Jahren mit
einer anteilsmässigen Rückforderung von 5 % für jedes Jahr der Zweck-
entfremdung rechnen müssten; neu hätten sie während 25 Jahren mit je
4 % für jedes Jahr zu rechnen. Der Verordnungsartikel 104bis IVV in dieser
ersten Fassung enthielt ergänzend in Absatz 3 ein gesetzliches Pfandrecht
zu Gunsten des Bundes ohne Eintragung im Grundbuch (analog wie in
Art. 221 Abs. 3 AHVV). Der Absatz 3 wurde jedoch in der IVV per 1. Januar
1998 aufgehoben und dafür die jährliche Reduktion des zurückzuerstatten-
den Betrags von jeweils vier Prozent in Absatz 1 eingefügt (AS 1997 3038).
Zur hier in Frage stehenden Formulierung von Art. 104bis Abs. 2 IVV finden
sich in den Erläuterungen des BSV aus dem Jahr 1974 keine Ausführun-
gen dazu, wie vorzugehen wäre, wenn die Zweckentfremdung nicht gemel-
det würde (vgl. ZAK 1974 S. 522). Jedenfalls war zu diesem Zeitpunkt be-
züglich der Rückforderung von Baubeiträgen eine abgestufte Verjährungs-
regel mit einer relativen und einer absoluten Frist, wie sie später in Art. 32
C-3867/2014
Seite 21
SuG geschaffen wurde (vgl. Botschaft SuG BBl 1987 I 369 ff., Ziff. 236.1,
S. 415 f.), nicht vorgesehen und hat der Gesetzgeber damals eine Reakti-
onsfrist für das Bundesamt von fünf Jahren und eine damit verbundene
Aufsichtspflicht des Bundesamtes für angemessen erachtet, auch zumal
die Meldepflicht – jedenfalls in den hier in Frage stehenden Baubeitrags-
verfügungen – Bestandteil der „allgemeinen Bedingungen und Auflagen“
war.
Mit der Überführung von Art. 104bis IVV in die Abs. 1 – 3 der Schlussbe-
stimmungen handelt es sich aufgrund der Materialien, wie oben dargelegt,
um eine (blosse) Überführung früheren Rechts, das bereits vor dem Inkraft-
treten des SuG und des NFA gegolten hat und die noch andauernden Fi-
nanzhilfen des Bundes bis zu deren Auslaufen rechtlich absichern sollte.
Mit Inkrafttreten des NFA bekräftigte der Gesetzgeber, indem er den frühe-
ren Art. 73 aIVG aufhob, zudem seine bereits in der Botschaft zum SuG
geäusserte Absicht, auch die im IVG (noch) enthaltenen Finanzhilfen den
allgemeinen Bestimmungen für Finanzhilfen und Abgeltungen des SuG zu
unterstellen. Letztere sehen – in Abweichung zur Fristregelung für Rück-
forderungen in Abs. 2 und 3 der Schlussbestimmungen (fünf Jahre ab
Zweckentfremdung) – in Art. 32 Abs. 2 SuG eine relative Verjährungsfrist
von einem Jahr ab Kenntnisnahme des Anspruchs auf Rückforderung (da-
runter fällt auch die Zweckentfremdung) und in dessen Abs. 3 eine absolute
Verjährungsfrist mit Ablauf der Verwendungsdauer, frühestens jedoch zehn
Jahre nach der Entstehung des Anspruchs, vor.
6.5
6.5.1 Art. 2 Abs. 2 SuG ist zu entnehmen, dass die allgemeinen Regeln
des dritten Kapitels (des SuG) – worunter die von der Vorinstanz hier an-
gewendeten Art. 29 und 32 SuG fallen – anwendbar sind, soweit andere
Bundesgesetze oder allgemeinverbindliche Bundesbeschlüsse nichts Ab-
weichendes vorschreiben (siehe oben E. 4.3 sowie FABIAN MÖLLER,
Rechtsschutz bei Subventionen, 2006, S. 121). Den Fassungen von Art. 2
Abs. 2 SuG in Französisch („Le chap. 3 est applicable sauf dispositions
contraires d'autres lois ou arrêtés fédéraux de portée générale.“) und Itali-
enisch („Il capitolo 3 è applicabile salvo disposizioni contrarie di altre leggi
federali o di altri decreti federali di obbligatorietà generale.”) ist nichts an-
deres zu entnehmen.
6.5.2 Der Botschaft zum Subventionsgesetz, insbesondere den Ausführun-
gen zu Art. 2 Abs. 2 SuG, kann entnommen werden, dass der Bundesrat
C-3867/2014
Seite 22
im Kapitel 3 des SuG allgemeine Bestimmungen für Finanzhilfen und Ab-
geltungen aufgenommen hat, die im geltenden Recht bereits anzutreffen
seien, wenn auch verstreut. Abweichungen in anderen Erlassen auf Geset-
zesstufe sollten in Zukunft nur noch vereinzelt vorkommen. Diese Lösung
bewirke eine Rechtsvereinheitlichung; zudem würden Lücken in einzelnen
Erlassen geschlossen. Abweichungen in den Verordnungsbestimmungen
seien innerhalb von zwei Jahren nach Inkrafttreten des Gesetzes anzupas-
sen. Mit letzterem solle eine Entlastung des Finanzhilfe- und Abgeltungs-
rechts bewirkt werden. Gleichzeitig führte der Bundesrat aus, wo aber be-
sondere Regelungen erforderlich seien, sollten die abweichenden Spezial-
bewilligungen weiterbestehen und neu erlassen werden können (vgl. BBl
1987 I 369 ff., Ziff. 231 S. 399 f. und Ziff. 239.2 S. 420 zu Art. 43 Abs. 2).
Das Bundesgericht führte unter Bezugnahme auf die Botschaft zum SuG
in BGE 122 V 189 (worin der Rechtsweg bei der Rückforderung von Bau-
beiträgen der Alters- und Hinterlassenenversicherung durch das BSV in
Frage stand) aus, das Subventionsgesetz enthalte eine "allgemeine Ord-
nung für Bundesbeiträge". Dessen Zielsetzung bestehe im Wesentlichen
darin, das Beitragswesen des Bundes rechtlich zu systematisieren und si-
cherzustellen, dass es nach einheitlichen Grundsätzen gestaltet werde.
Dieses Streben nach Rechtsvereinheitlichung komme unter anderem in
den Regelungen über den Geltungsbereich und in den Übergangsbestim-
mungen zum Ausdruck (E. 4b m.w.H.). Im Anhang der Botschaft, der die
Liste der zu diesem Zeitpunkt bestehenden, in der Bundesverfassung, den
Bundesgesetzen und allgemeinverbindlichen Bundesbeschlüssen gere-
gelten Finanzhilfen und Abgeltungen enthält, die neu unter das Subventi-
onsgesetz fallen, sind die Art. 73 Abs. 1 und 2 Bst. a IVG: „Beitrage an
Eingliederungsstätten“ und Art. 73 Abs. 2 Bst. b und c IVG: „Beiträge an
Werkstätten und Wohnheime“ explizit als Finanzhilfen aufgeführt (vgl. Bot-
schaft S. 429). Zu den Verordnungsregelungen in Art. 104bis IVV findet sich
in der Botschaft – abgesehen von den allgemeinen Ausführungen zu
Art. 43 des Entwurfs SuG (späterer Art. 42 SuG, Ziff. 239.2 S. 420) – kein
Hinweis. Damit ist in historischer Auslegung die Absicht des Gesetzgebers
zu erkennen, die nach Art. 73 aIVG gewährten Finanzhilfen an die im SuG
geltenden allgemeinen Bestimmungen anzupassen. Zudem ist darin inso-
weit auch eine Schliessung von Lücken zu erkennen, als dass unter der
Herrschaft von Art. 73 aIVG begründete Subventionsverhältnisse den spe-
zifischen Bestimmungen über die Meldepflicht (Pflicht zur unverzüglichen
schriftlichen Meldung von Zweckentfremdungen und Veräusserungen in
Art. 29 Abs. 3 SuG) und längeren Verjährungsfristen bei deren Nichteinhal-
tung unterworfen werden sollten (Art. 32 Abs. 2 f. SuG).
C-3867/2014
Seite 23
Auch in der Botschaft vom 7. September 2005 zum NFA (BBl 2005 6029
ff.) zu Art. 73 IVG ff. verwies der Bundesrat auf die neue Zuständigkeit für
Beiträge durch die Kantone in Art. 112b Abs. 2 BV und auf die verbleibende
Zuständigkeit des Bundes für die individuellen beruflichen Eingliederungs-
massnahmen gemäss den Artikeln 16 und 17 IVG und führte aus, Art. 73
IVG könne deshalb ersatzlos gestrichen werden. Weiter ist der Botschaft
zu entnehmen, dass die Artikel 75 und Art. 75bis IVG gestrichen werden
müssten, da sie auf Art. 73 verwiesen. Zur Übergangsbestimmung schrieb
der Bundesrat: „Die Regelung des geltenden Artikels 104bis IVV wird über-
nommen“ (S. 6221).
Gestützt auf den Botschaftstext zum NFA ist festzustellen, dass – wie in
der Botschaft vorgesehen – der ganze Art. 104bis IVV aufgenommen wor-
den ist (Abs. 1 Satz 1 IVV in den SchlBest. IVG als Abs. 1, Art. 104bis Abs.
1 Satz 2 IVV in den SchlBest. IVG als Abs. 2 und Art. 104bis Abs. 2 IVV in
den SchlBest. IVG als Abs. 3). Zu ergänzen bleibt, dass sich in den Bera-
tungsprotokollen des Stände- und Nationalrats zur hier interessierenden
Frage (ausser der Erläuterung im Erstrat, in den Absätzen 1 – 3 der Über-
gangsbestimmungen gehe es darum, dass die heute in der Verordnung
über die Invalidenversicherung enthaltene Bestimmung – mit einigen
sprachlichen Modifikationen, inhaltlich aber unverändert – ins Gesetz ein-
gefügt werde), keine weiteren Ausführungen zur Absicht des Gesetzgebers
finden lassen (vgl. Amtliches Bulletin 2006 des Ständerats [AB S 2006]
S. 157, AB 2006 N S. 1222 f., AB S 2006 S. 737). Die Streichung von
Art. 104bis Abs. 2 IVV im Zuge der Übertragung der Norm in die SchlBest.
IVG stand im Parlament nicht zur Debatte.
6.5.3 Festzuhalten bleibt, dass die von der Vorinstanz wegen Art. 42 Abs. 2
SuG als nicht mehr rechtsgültig bezeichnete Verordnungsnorm in
Art. 104bis Abs. 2 IVV nie aufgehoben wurde, obwohl sie bis zum 1. April
1993 vom Bundesrat hätte angepasst werden müssen, wie die Vorinstanz
einräumt.
6.6
6.6.1 Mit der Überführung der Bestimmungen zur Rückforderung in die
Schlussbestimmungen IVG bestätigte der Bund eine Regelung, die fak-
tisch Beitragsnehmer, die ihre Meldepflicht – entgegen den Bedingungen
in den Subventionsverfügungen – verletzen, wegen der lex-posterior-Regel
besser und ihn als Geber von Finanzhilfen im Rückforderungsfall schlech-
ter stellte im Vergleich zu Beitragsverhältnissen, die unter der Geltung des
C-3867/2014
Seite 24
SuG (seit April 1991) zustande gekommen sind und eine spezifischere Ver-
jährungsregelung für Meldepflichtverletzungen vorsehen. Dieses Ergebnis
konnte nicht der Absicht des Gesetzgebers entsprochen haben, was von
der Beschwerdeführerin zu Recht nicht behauptet wird und sich auch aus
den Materialien – wie oben dargelegt – nicht ergibt.
6.6.2 Es bleibt daher festzuhalten, dass mit Übernahme von Art. 104bis IVV
in die Abs. 1 – 3 der Schlussbestimmungen IVG vergessen ging, eine für
den Fall der Meldepflichtsverletzung spezifischere Regelung hinsichtlich
der Verjährung der vom Bund zurückzufordernden Finanzbeiträge oder
einen Verweis auf die einschlägigen Bestimmungen in Art. 32 SuG aufzu-
nehmen. Eine bewusste Nichtregelung der Folgen der Meldepflichtsverlet-
zung oder die Absicht, Subventionsnehmer im Bereich der Invalidenversi-
cherung abweichend zu den übrigen Subventionsverhältnissen regeln zu
wollen, geht aus den Materialien nicht hervor.
6.6.3 Es ist daher auf eine Lücke im Gesetz (d.h. den Schlussbestimmun-
gen IVG) zu schliessen: Die am 1. Januar 2008 in die Übergangsbestim-
mungen des IVG aufgenommene Regelung erweist sich für Subventions-
verhältnisse, in welchen eine Meldepflichtsverletzung erfolgt ist, als unvoll-
ständig, obwohl der Gesetzgeber mit dem SuG bereits zu einem früheren
Zeitpunkt eine diesbezüglich spezifische und für das ganze Bundesrecht
einheitliche Regelung (mit wenigen Ausnahmen) schaffen wollte. Eine Ab-
sicht des Gesetzgebers, im Bereich des IVG eine Ausnahmeregelung wei-
tergelten lassen zu wollen, ist nicht erkennbar; aufgrund der obenstehen-
den Erwägungen ist vielmehr von einem Übersehen auszugehen. Damit ist
in richterlicher Lückenfüllung (vgl. E. 6.4.3) Abs. 3 der Schlussbestimmun-
gen zur Änderung des IVG vom 6. Oktober 2006 dergestalt zu ergänzen,
als bei Meldepflichtsverletzungen die spezifische Verjährungsregelung in
Art. 32 Abs. 2 f. SuG zur Anwendung kommt (vgl. E. 4.3.2).
6.7 Diesen Ausführungen entsprechend ist das Bundesamt vorliegend zu
Recht von der Anwendbarkeit von Art. 32 SuG ausgegangen und hat es
die Rückforderung der Baubeiträge gemäss Bst. B.e – unter Vorbehalt des
in E. 7 Gesagten – innerhalb der gesetzlich vorgesehenen Fristen geltend
gemacht.
7.
Es bleibt zu prüfen, ob für die in Frage stehenden Subventionsverfügungen
die Verjährung eingetreten ist, wie die Beschwerdeführerin geltend macht,
C-3867/2014
Seite 25
und – falls dies nicht zutreffen sollte – ob Art. 42 Abs. 1 SuG einer Rückfor-
derung durch das BSV entgegensteht.
7.1 In seinen Übergangsbestimmungen bestimmt Art. 42 Abs. 1 SuG, dass
das dritte Kapitel dieses Gesetzes auch für frühere Finanzhilfe- und Abgel-
tungsverfügungen und -verträge gilt, soweit sie über dessen Inkrafttreten
hinaus wirksam sind und dieses Gesetz für die Empfänger nicht ungünsti-
ger ist als das bisherige Recht.
7.2 Der Bundesrat hat in der Botschaft zum SuG in intertemporaler Hinsicht
zu Art. 43 Abs. 1 des Entwurfs (späterer Art. 42 Abs. 1 SuG) darauf hinge-
wiesen, dass die Vorschriften des 3. Kapitels (des SuG) bereits für beste-
hende Finanzhilfe- und Abgeltungsverhältnisse gelten sollen, soweit sich
der massgebende Sachverhalt (z. B. Zweckentfremdung, Projektände-
rung) nach dem Inkrafttreten des neuen Rechts verwirklicht und das bishe-
rige Recht für den Empfänger von Finanzhilfen und Abgeltungen nicht
günstiger ist (Botschaft Ziff. 239.2 S. 420).
7.3 Soweit damit hier nach dem Inkrafttreten des SuG verfügte Subventi-
onsverhältnisse in Frage stehen, ist festzuhalten, dass diese aufgrund des
klaren Wortlauts von Art. 42 Abs. 1 SuG e contrario nicht erfasst sind und
auf diese Rechtsverhältnisse ohne Weiteres Art. 32 SuG anwendbar ist.
Dies gilt für die Liegenschaft G._, X._ (Verfügungen vom
20. November 1991 und 26. Oktober 1994), Liegenschaft F._,
Y._ (Verfügung vom 22. August 1996), Liegenschaft J._,
Z._ (Verfügung vom 7. Juli 1997), und Liegenschaft I._,
Z._ (Verfügung vom 6. Juni 1995; vgl. Bst. B.e).
7.4 Gemäss Art. 32 SuG verjährt der Anspruch auf Rückerstattung von Fi-
nanzhilfen und Abgeltungen ein Jahr, nachdem die verfügende oder den
Vertrag abschliessende Behörde vom Rechtsgrund des Anspruchs Kennt-
nis erhalten hat (Abs. 2). Die absolute Verjährungspflicht endet bei Unter-
lassung der Meldepflicht mit Ablauf der Verwendungsdauer, frühestens je-
doch zehn Jahre nach der Entstehung des Anspruchs (Abs. 3; siehe oben
E. 4.3.2). Vorliegend hat das BSV wie erwähnt am 17. Juni 2013 von den
Veräusserungen der Liegenschaften G._, X._, und
F._, Y._, sowie am 11. April 2014 von den Veräusserun-
gen der Liegenschaften I._ und J._, Z._, Kennt-
nis genommen (Bst. B.b f.). Die Verwendungsdauer ist mit der angefochte-
nen Verfügung noch nicht erreicht worden, womit die absolute Verjährung
C-3867/2014
Seite 26
nicht eingetreten ist. Auch die relative Frist von einem Jahr ab Kenntnis-
nahme der Zweckentfremdung ist mit der angefochtenen Verfügung vom
10. Juni 2014 eingehalten worden. Alle Finanzhilfen wurden demnach –
aus der Optik der Anwendbarkeit des SuG – rechtzeitig vom BSV zurück-
gefordert. Die genannten Forderungen des BSV waren demnach bei der
Rückforderung noch nicht verjährt.
7.5 Zu beantworten bleibt, ob eine Rückforderung der verbleibenden Sub-
vention von Fr. 78‘333.– betreffend die Liegenschaft F._,
Y._ (Verfügung vom 8. April 1987) gestützt auf Art. 42 Abs. 1 SuG
ausgeschlossen bleibt.
7.5.1 Die Botschaft zum SuG hält wie gesagt zu dieser Prüfung einzig fest,
dass die Vorschriften des 3. Kapitels (des SuG) bereits für bestehende Fi-
nanzhilfe- und Abgeltungsverhältnisse gelten sollen, soweit sich der
massgebende Sachverhalt (z. B. Zweckentfremdung, Projektänderung)
nach dem Inkrafttreten des neuen Rechts verwirklicht hat und das bisherige
Recht für den Empfänger von Finanzhilfen und Abgeltungen nicht günstiger
ist (oben E. 7.2). Keine spezifischen Ausführungen zu Art. 42 Abs. 1 SuG
enthalten die Protokolle der parlamentarischen Beratung des Gesetzes;
beide Räte stimmten bezüglich der Bestimmungen in den Art. 31 bis 44
SuG, mit einer hier nicht interessierenden Ausnahme (AB S 1990 S. 18),
ohne Änderungen dem Entwurf des Bundesrates zu (AB N 1989 S. 433 ff.;
AB S 1990 S. 9 ff.). Der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist dazu fol-
gendes zu entnehmen: Nach Art. 2 Abs. 1 SuG gilt das Gesetz für alle im
Bundesrecht vorgesehenen Finanzhilfen und Abgeltungen. Das 3. Kapitel
(Art. 11-40 SuG) ist anwendbar, soweit andere Bundesgesetze oder allge-
meinverbindliche Bundesbeschlüsse nichts Abweichendes vorschreiben
(Art. 2 Abs. 2 SuG). Gemäss Art. 42 Abs. 1 SuG gelten die Bestimmungen
des 3. Kapitels dieses Gesetzes auch für frühere Finanzhilfe- und Abgel-
tungsverfügungen und -verträge, soweit sie über dessen Inkrafttreten hin-
aus wirksam sind und dieses Gesetz für die Empfänger nicht ungünstiger
ist als das bisherige Recht (BGE 122 V 189 E. 4b; BGE 117 V 136 E. 4c).
In VPB 60.66 (Beschwerdeentscheid vom 13. November 1995) hatte die
Rekurskommission EVD die Rückforderung eines gestützt auf das Tierseu-
chengesetz (TSG) gewährten Bundesbeitrags an einen Fleischmehlbetrieb
zu beurteilen. Es prüfte in einem ersten Schritt, ob eine Finanzhilfe nach
Art. 28 oder Art. 29 SuG vorliege, bejahte letzteres (E. 3.1), und prüfte dann
in einem zweiten Schritt, ob Art. 29 SuG nicht ungünstiger sei als das vor
Inkrafttreten des Subventionsgesetzes anwendbare Recht (Art. 42 Abs. 1
C-3867/2014
Seite 27
SuG; E. 3.2). Dazu zitierte es zunächst die einschlägigen Bestimmungen
in Gesetz und Verordnung (TSG/TSV) vor Inkrafttreten des SuG, ermittelte
danach die Höhe der Rückforderung einerseits bei Anwendung des TSG
(52,5 % des erhaltenen Bundesbeitrags betreffend den Fleischmehlbetrieb
und 73,5 % des Bundesbeitrages an den Einbau eines Scheibentrockners)
und anderseits bei Abstützen auf das SuG (44,1 % des ursprünglich emp-
fangenen Bundesbeitrages für den Fleischmehlbetrieb und 65,6 % des
Bundesbeitrages an den Einbau des Scheibentrockners) und hielt in Ge-
genüberstellung der daraus resultierenden Rückerstattungssummen fest,
dass der Vergleich der grundsätzlich zurückzuerstattenden Beiträge er-
gebe, dass das Subventionsgesetz nicht das ungünstigere Recht sei. So-
mit spreche nichts gegen die Anwendung von Art. 29 SuG.
7.5.2 Vorliegend beantragt die Beschwerdeführerin – unter Berücksichti-
gung der in der Vernehmlassung korrigierten Summe der Rückforderungen
(s. Bst. C.c) und in blosser Anwendung von Abs. 3 der Schlussbestimmun-
gen IVG vom 6. Oktober 2006 als lex specialis et lex posterior zum SuG –
die Leistung einer Rückforderungssumme von Fr. 74‘370.–. Wie dargelegt
wurde, gelangen jedoch die (eine Meldepflichtsverletzung berücksichtigen-
den) strengeren Verjährungsbestimmungen des SuG zur Anwendung
(E. 6.6 f.). Demnach würde die Rückforderung Fr. 543'545.– lauten, zumal
am 10. Juni 2014 (Datum der angefochtenen Verfügung) für alle Forderun-
gen weder die absolute noch die relative Verjährungsfrist von Art. 32 Abs. 3
i.V.m. Abs. 2 SuG verstrichen waren. Damit steht fest, dass die Anwendung
des SuG für die Beschwerdeführerin und Empfängerin der Finanzhilfen un-
günstiger ist als das bisherige Recht. In Beachtung des unzweideutigen
Wortlauts von Art. 42 Abs. 1 SuG und der oben erwähnten Praxis (vgl.
E. 7.5.1 e contrario) gelangt somit für die von Art. 42 Abs. 1 SuG erfasste
Forderung betreffend die Liegenschaft F._, Y._ (Verfü-
gung vom 8. April 1987, Rückforderung: Fr. 78‘333.–), das SuG nicht zur
Anwendung und ist die Rückforderung von Fr. 543‘545.– um Fr. 78‘333.–
zu reduzieren, was einen Restbetrag von Fr. 465'212.– ergibt.
7.6 Demnach gilt zusammenfassend Folgendes: Soweit die Vorinstanz am
10. Juni 2014 Baubeiträge für die verkauften Liegenschaften G._,
X._ (Verkauf am 1. November 2011; vgl. BSV 15), F._,
Y._ (Verkauf am 30. April 2008), J._, Z._ (Ver-
kauf am 15. Juli 2005), und I._, Z._ (Verkauf am 10. Juni
2005), im Umfang von Fr. 553‘414.– zurückgefordert hat, bleibt die Rück-
forderung über Fr. 78’333.– (vgl. Verfügung vom 8. April 1987 betreffend
C-3867/2014
Seite 28
die Liegenschaft F._, Y._, BSV 36) ausgeschlossen. Aus-
serdem reduziert sich die Forderung betreffend die Liegenschaft
G._, X._, um Fr. 9‘869.– auf Fr. 74‘370.– (siehe oben
E. 6.1). Die darüber hinaus zurückgeforderten Baubeiträge sind nicht ver-
jährt und zurückzubezahlen. Die Beschwerdeführerin schuldet dem BSV
somit die Summe von Fr. 465‘212.–.
8.
8.1 Es verbleibt auf den Antrag der Beschwerdeführerin auf Einräumung
einer angemessenen Frist seit Rechtskraft des Beschwerdeentscheids zur
Zahlung des Rückforderungsbetrags einzugehen. In Anbetracht dessen,
dass die Beschwerdeführerin seit Sommer 2014 um ihre Zahlungspflicht
betreffend die offenen Forderungen weiss und spätestens seit Scheitern
der Vergleichsverhandlungen damit rechnen musste, dass die Forderun-
gen entgegen ihrer Auffassung nicht verjährt sind und damit rückzahlbar
werden, besteht kein Anlass, der Beschwerdeführerin eine weitere Zah-
lungsfrist einzuräumen, zumal sie seither in der Lage war, entsprechende
Rückstellungen zu tätigen. Der diesbezügliche Antrag ist demnach abzu-
weisen.
8.2 Nichts zu ihren Gunsten abzuleiten vermag die Beschwerdeführerin
aus ihren Vorbringen, vorliegend stünden gar keine Zweckentfremdungen
in Frage (Ersatz zweier Liegenschaften durch eine geeignetere Liegen-
schaft [I._ und J._, Z._, ersetzt durch Liegen-
schaft L._, Z._, vgl. B-act. 1 Rz. 15 f., 28], Weiterführung
des Zwecks durch die Erwerberin einer Liegenschaft [F._,
Y._, B-act. 1 Rz. 17]), zumal sie in der Beschwerde selber sinnge-
mäss eingeräumt hat, es habe eine Zweckentfremdung stattgefunden, die
jeweiligen Subventionen unbestrittenermassen an die Liegenschaften ge-
bunden waren und daher ein Ersatz durch eine geeignetere Liegenschaft
unter „Übernahme“ der noch offenen Baubeiträge nicht möglich war, und
die Beschwerdeführerin im Fall der Liegenschaft F._, Y._,
keine entsprechenden Belege für ihre Behauptung einreicht. Inwiefern die
Vorinstanz die gesetzliche Pflicht gehabt habe, eine Erschwernis der wirt-
schaftlichen Lage der Beschwerdeführerin – (auch) aufgrund der ergange-
nen Gesetzesänderung mit dem NFA – zu berücksichtigen, wurde von die-
ser nicht weiter dargelegt und ist daher nicht zu prüfen.
C-3867/2014
Seite 29
8.3 Auf die weiteren Ausführungen der Vorinstanz zur Pflichtverletzung
durch die unterbliebenen Meldungen und zur Gleichbehandlung von Emp-
fängern von Baubeiträgen ist unter diesen Umständen nicht mehr einzuge-
hen.
8.4 Zusammenfassend ist die Beschwerde insoweit gutzuheissen, als die
Rückforderung von insgesamt Fr. 553‘414.– für die Liegenschaft
F._, Y._, um Fr. 78‘333.– und für die Liegenschaft
G._, X._, um Fr. 9‘869.– reduziert wird, was eine Rück-
forderungssumme von Fr. 465‘212.– ergibt (oben E. 7.6). Die Verfügung ist
in diesem Sinne abzuändern. Darüber hinaus ist die Beschwerde abzuwei-
sen und die Beschwerdeführerin aufzufordern, innert 30 Tagen seit Rechts-
kraft dieses Urteils die offene Summe gemäss der Anordnung in der ange-
fochtenen Verfügung zurückzuerstatten.
9.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
9.1 Der überwiegend unterliegenden Beschwerdeführerin sind unter Be-
rücksichtigung ihres Unterliegens Verfahrenskosten von Fr. 5‘000.– aufzu-
erlegen. Diese sind aus dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 6‘000.–
(B-act. 5) zu entnehmen; die Restanz von Fr. 1‘000.– ist der Beschwerde-
führerin nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückzuer-
statten. Der im Wesentlichen obsiegenden Vorinstanz sind keine Verfah-
renskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
9.2 Die ganz oder teilweise obsiegende Partei hat Anspruch auf eine Par-
teientschädigung (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m. mit Art. 7 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Parteient-
schädigung umfasst die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere Aus-
lagen der Partei (Art. 8 Abs. 1 VGKE). Gemäss Art. 9 Abs. 1 VGKE umfas-
sen die Kosten der Vertretung: a) das Anwaltshonorar oder die Entschädi-
gung für eine nichtanwaltliche berufsmässige Vertretung; b) die Auslagen,
namentlich die Kosten für das Kopieren von Schriftstücken, die Reise-, Ver-
pflegungs- und Unterkunftskosten, die Porti und die Telefonspesen; c) die
Mehrwertsteuer für die Entschädigungen nach den Buchstaben a und b,
soweit eine Steuerpflicht besteht und die Mehrwertsteuer nicht bereits be-
rücksichtigt wurde. Nicht unter dem Titel der Vertretung entschädigt werden
die nicht berufsmässige Vertretung, welche etwa aus Gefälligkeit erfolgt,
C-3867/2014
Seite 30
desgleichen, wenn der Vertreter oder die Vertreterin in einem Arbeitsver-
hältnis zur Partei steht (Art. 9 Abs. 2 VGKE). In diesem Fall besteht nämlich
ebenso wenig eine „echte“ Vertretung, wie dann, wenn eine Anwältin oder
ein berufsmässiger Vertreter (z.B. Steuerberater) in eigener Sache prozes-
siert. Entsprechend kann der dergestalt handelnde Anwalt nur ausnahms-
weise, bei Vorliegen spezieller Verhältnisse eine Parteientschädigung be-
anspruchen (Urteile des BGer 2C_350/2011 vom 17. Oktober 2011 E. 3.4
sowie 2C_807/2008 vom 19. Juni 2009 E. 4.3 und Urteil des BVGer A-
1436/2006 vom 18. August 2008 E. 4.2, m.w.H.). Normal zu entschädigen
ist dagegen grundsätzlich, wenn eine Anwältin zugleich Organ einer juris-
tischen Person ist und für diese handelt; dies zumindest dann, wenn die
anwaltliche Tätigkeit der Prozessvertretung im Vordergrund steht und nicht
die Funktion als Verwaltungsrätin oder gar als ehrenamtliches Vorstands-
mitglied (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundes-
verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz 4.77).
9.3
Die Beschwerdeführerin wurde im Beschwerdeverfahren durch Rechtsan-
wältin Dr. Sarah Cruz-Wenger des Anwaltsbüros Waldmann Petitpierre
vertreten (B-act. 1 Beilage 1). Die Vertreterin war im Anwaltsregister des
Kantons W._ eingetragen (abgerufen am 13. September 2016)
und ist seit der Amtsperiode 2016-2021 Präsidentin des Strafgerichts
W._ (vgl. http://www.strafgericht.[...].html, und Regierungsrats-
beschluss vom 15. März 2016 [http://www. [...], je abgerufen am 14. Juni
2017). Sie beantragte als Vertreterin der Beschwerdeführerin die Auferle-
gung der Verfahrenskosten an die Vorinstanz und die Zusprache einer an-
gemessenen Parteientschädigung.
9.3.1 Andreas Waldmann, Partner im Anwaltsbüro Waldmann Petitpierre
ist gemäss Handelsregistereintrag Vizepräsident und Kassier des Stif-
tungsrates der Beschwerdeführerin (B-act. 1 B. 3). Das vorliegende Be-
schwerdeverfahren wurde durch Rechtsanwältin Dr. Sarah Cruz-Wenger
geführt. Sie war gemäss der Website der Kanzlei (abgerufen am 13. Sep-
tember 2016) nicht Partnerin im Anwaltsbüro und stand somit bis zur Über-
nahme des Amts als Strafgerichtspräsidentin in einem Arbeitsverhältnis mit
dem Anwaltsbüro. Zur Beschwerdeführerin hatte sie keinen persönlichen
Bezug, namentlich war sie nicht im Stiftungsrat vertreten (vgl. https://[...],
abgerufen am 14. Juni 2017).
9.3.2 Mit Telefaxeingabe vom 6. September 2016 hat das Anwaltsbüro
Waldmann Petitpierre dem Bundesverwaltungsgericht bestätigt, dass für
http://www.strafgericht.w.ch/ueber-das-gericht/organisation/praesidentinnen-praesidenten.html https://[...]
C-3867/2014
Seite 31
die Bemühungen im vorliegenden Verfahren Rechnung an ihre Klientschaft
gestellt wurde beziehungsweise für die Zeit ab 1. Januar 2016 gestellt
werde. Die eingereichten Rechnungen vom 23. Oktober 2015 für die Be-
mühungen in der Zeit vom 5. Juni 2014 – 30. September 2014 und vom
8. April 2016 für die Zeit vom 6. Oktober – 31. Dezember 2015 je in Sachen
Rückforderung Baubeiträge betragen Fr. 14‘493.05 (Honorar gemäss Zeit-
aufwand [46.57 Std.] von Fr. 12‘628.– und Barauslagen von Fr. 791.50 zu-
züglich 8 % MwSt. von Fr. 1‘073.55) und Fr. 2‘483.05 (Honorar gemäss
Zeitaufwand [8.62 Std.] und Barauslagen von Fr. 25.50 zuzüglich 8 %
MwSt.) und sind von Dr. Sarah Cruz-Wenger unterschrieben. Sie enthalten
ausser dem Aufwand für das Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht
auch den Aufwand für das gestellte Wiedererwägungsgesuch bei der Vor-
instanz sowie für die Vergleichsverhandlungen mit der Vorinstanz.
9.3.3 Es bleibt demnach aufgrund der Beziehung zwischen der vertreten-
den Anwaltskanzlei mit ihrem Partner Andreas Waldmann, der Vizepräsi-
dent des Stiftungsrats der Beschwerdeführerin ist, und der Beschwerde-
führerin zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin im Rahmen der vorliegen-
den Konstellation einen Anspruch auf eine Parteientschädigung hat.
9.3.4 Gemäss der allgemeinen Lebenserfahrung entspricht das Amt des
Kassiers einer Stiftung wie der vorliegenden einer ehrenamtlichen Tätig-
keit. Die Aufgabe des Kassiers ist in der Hauptsache, die Buchhaltung der
Stiftung zu führen und allenfalls die Stiftung, auch in der Funktion als Vize-
präsident, in Abwesenheit der Präsidentin gegen innen und aussen zu ver-
treten (vgl. Statuten Bst. f), nicht aber einen Prozess gegen die Verwaltung
betreffend einmal gewährte und nunmehr zurückgeforderte Subventionen
zu führen, wenn auch vorliegend die in Frage stehende Rückerstattungs-
summe sehr wohl einen wesentlichen Einfluss auf das Vermögen der Stif-
tung haben dürfte.
9.3.5 Es ist ohne Weiteres nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin,
deren Geschäftsstelle aus drei Personen besteht (Geschäftsführer, Sekre-
tariat und IT-Verantwortlicher, vgl. http://www.A._.ch/geschaefts-
stelle.html, besucht am 14. Juni 2017) nicht mit den notwendigen perso-
nellen Ressourcen ausgestattet sein dürfte, einen Prozess dieser Art (kom-
plexe Rechtsproblematik, Streitwert von rund Fr. 500‘000.–) selbst zu füh-
ren. Sie war deshalb – um ihre Prozesschancen zu wahren – auf den Bei-
zug einer professionellen Rechtsvertretung angewiesen, welche sie für ihre
Bemühungen unbestritten zu entschädigen hat. In der Annahme des Man-
http://www.suchthilfe.ch/geschaeftsstelle.html http://www.suchthilfe.ch/geschaeftsstelle.html
C-3867/2014
Seite 32
dats durch das Büro Waldmann Petitpierre ist vorliegend weder in gesetz-
licher (vgl. insbesondere Art. 8 Abs. 1 Bst. d und Art. 12 Bst. b und c des
Anwaltsgesetzes vom 23. Juni 2000, BGFA [SR 935.61] sowie STAEHELIN/
OETIKER, in: Fellmann/Zindel [Hrsg.], Kommentar zum Anwaltsgesetz,
2011, Art. 8 Rz. 36, mit Verweis auf WALTER FELLMANN, Kommentar zum
Anwaltsgesetz, a.a.O., Art. 12 Rz. 54 ff.) noch in standesrechtlicher Hin-
sicht (vgl. Standesregeln des Schweizerischen Anwaltsverbandes [SSR,
https://www.sav-fsa.ch/de/anwaltsrecht/rechtsprechung/standesregeln-
ssr.html, abgerufen am 13. September 2016, insb. Ziff. 10 und 11]) ein Hin-
dernis (anwaltliche Unabhängigkeit, Interessenkollision) ersichtlich, wes-
halb vorliegend der Aufwand nicht entschädigt werden sollte (siehe oben
E. 9.2), zumal das Mandat von Dr. Sarah Cruz-Wenger geführt wurde. Da-
ran ändert ihr Anstellungsverhältnis mit dem Anwaltsbüro Waldmann Petit-
pierre nichts. Somit steht der Beschwerdeführerin im Umfang ihres Obsie-
gens gestützt auf Art. 9 Abs. 1 VGKE eine Parteientschädigung zu.
9.3.6 Für das Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht (ohne den Aufwand
für das Wiedererwägungsverfahren und für die Vergleichsverhandlungen
mit der Vorinstanz, welche nicht dem Beschwerdeverfahren zuzurechnen
sind) erweist sich ein Aufwand von 20 Stunden à Fr. 280.– (doppelter
Schriftenwechsel, Anzeige der Vergleichsverhandlungen und des Ab-
bruchs derselben) in Berücksichtigung der Schwierigkeit der Materie als
angemessen. Als Ersatz der Auslagen werden Fr. 200.– für Porti und Ko-
pien (vgl. Art. 11 Abs. 1 und 4 i.V.m. Abs. 3 VGKE) als angemessen fest-
gesetzt. Damit ergibt sich eine Parteientschädigung von Fr. 6‘264.– (inkl.
MwSt. von 8 %), die in Anbetracht des überwiegenden Unterliegens der
Beschwerdeführerin auf Fr. 1‘044.– zu kürzen und von der Vorinstanz zu
leisten ist.
9.4 Die im Wesentlichen obsiegende Vorinstanz hat keinen Anspruch auf
Parteientschädigung (Art. 7 Abs. 3 VGKE).
https://www.sav-fsa.ch/de/anwaltsrecht/rechtsprechung/standesregeln-ssr.html https://www.sav-fsa.ch/de/anwaltsrecht/rechtsprechung/standesregeln-ssr.html
C-3867/2014
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