Decision ID: 50bc6fb6-ed53-48d5-bb05-ef9f2a1bd838
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1966, meldete sich am 25. Juni 2003 bei der Invaliden
versicherung zum Rentenbezug an (
Urk.
15/1/7).
Grund
dafür
waren die
gesundheitlichen
Folgen eines
am
31. Oktober 2001 erlittenen
Arbeitsunfall
s
.
Dabei
waren die Hände der Versicherten, die als
Tuchschauerin
bei der
Y._
AG arbeitete
,
in einer Walze eingeklemmt
worden.
D
ie Versicherte
, die Rechtshänderin ist,
erhielt
seitens der Schweizerischen Unfallver
sicherungsanstal
t (Suva
)
-
unter Annahme einer gänzlichen Arbeitsfähigkeit in einer leichten Tätigkeit ohne repetitiven Einsatz der linken Hand
und ohne die Berücksichtigung der psychischen Beschwerden
-
ab 1. Juli 2003 eine Rente
für eine
Erwerbsunfähigkeit von 11
%
zugesprochen
(
Urk.
15/7/3/58).
Das Arbeits
verhältnis mit der
Y._
AG
war
von dieser
per 31. Dezember 2002 aufgelöst
worden
(
Urk.
15/10/7).
Die IV-Stell
e holte nach Erhalt der Akten der Suva
verschiedene B
erichte ein, so vom Hausarzt
der Versicherten (
Urk.
15/8), vo
m
Z._
(
Urk.
15/9) und
von
der Arbeitgeberin (
Urk.
15/10)
. Sie liess die Versicherte durch
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachten (Gutachten vom 15. Februar 2004,
Urk.
15/12).
Gestützt darauf sprach
sie ihr
mit
Verfügung
vom
4. August 2004
ab 31. Oktober 2002 eine ganze Invalidenrente zu (
Urk.
15/28
).
Im April 2005 wurde ein
Revisionsverfahren eingeleitet (
Urk.
15/30), das am
13. Mai 2005 mit der Bestätigung der ganzen Rente endete (
Urk.
15/33).
Gleich
zeitig prüfte die IV-Stelle das Vorliegen einer Hilflosigkeit (
Urk.
15/34-37) und sprach der Versicherten am 21. Juli 2005 ab 1. April 2004 eine
Hilflosenent
schädigung
leichten Grades zu (
Urk.
15/40).
Auch
die
i
n den Jahren
2006
und 2009 vorgenommenen
Rentenrevisionsverfah
ren
(
Urk.
15/41) wurde
n
am 2
2.
Juni 2006
bzw. am 6. August 2009
mit d
er Bestätigung der ganzen Rente
abgeschlossen (
Urk.
15/45, 15/
57)
. Auch die
Hilflosentschädigung
für eine Hilflosigkeit leichten Grades wurde am 26. Juni 2007
und am 6. August 2009
bestätigt (
Urk.
15/
49
, 15/58
).
1.2
Im Rahmen einer weiteren Revision
liess die IV-Stelle ein
bidisziplinäres
Gutachten über die Versicherte erstellen. Sie beauftragte am 23. April 2013
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Rheumatologie, damit. Dieses
wurde
am 6. Juli 2013
verfasst
(
Urk.
15/84).
Mit Vorbescheid vom 3. Februar 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten die wiedererwägungsweise Aufhebung der Rente
n
verfügung vom 4. August 2004
in Aussicht (
Urk.
15/88).
Gegen den Vorbescheid liess die
Versicherte Einwand erheben (
Urk.
15/112).
Zur beruflichen Abklärung suchte
die IV-Stelle
das Gespräch mit der Versicherten
und liess sie an einer Potentialabklärung teilnehmen
(
Urk.
15/96
, 15/114-123
, 15/125, 15/126
, 15/128-129
).
Am 23. Oktober 2014 schloss sie eine gegenwärtige Arbeitsvermittlung der Versicherten aus (
Urk.
15/130).
Mit Verfügung vom 27. Oktober 2014 hob die IV-Stelle die Verfügung vom
4. August 2004 auf und stellte die laufende Rente auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats ein
und entzog der Beschwerde die aufschiebende Wirkung
(
Urk.
2).
Auch hob sie mit Verfügung vom
13. November 2014 die Verfügung vom 21. Juli 2005 betreffend
Hilflosenent
-
schädigung
auf (
Urk.
15/137).
2.
Gegen die Rentenaufhebung erhob die Versicherte am 27. November 2014 Beschwerde und stellte den Antrag, es sei ihr in Aufhebung der Verfügung ab
1. Dezember 2014 eine halbe Rente zuzusprechen, eventualiter sei das Verfahren an die Beschwerdegegnerin zu
r
ergänzenden Abklärung zurückzuweisen.
Sodann beantragte sie die Erteilung der aufschiebenden Wirkung und die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie die Bestellung von Rechtsanwältin
Pia
Dennler, Winterthur, zu
r
unentgeltlichen Rechtsvertreterin (
Urk.
1 S. 2).
Ihrer Beschwerde legte sie unter anderem einen von ihr eingehol
ten Bericht von
Dr.
A._
vom 15. November 2014
bei
(
Urk.
3/12).
Sie reichte am 8. Dezember 2014 eine Ergänzungsschrift ein (
Urk.
5) und am 30. Dezember 2014 einen medizinischen Bericht
von
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allge
meinmedizin und von
Dr.
phil.
E._
, Klinischer Psychologe vom 15. De
zember 2014
(
Urk.
10).
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 2
2.
Januar 2015 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
14). Mit Verfügung vom 1. September 2015 wurde der Beschwerdeführerin Gelegenheit gegeben
,
sich gegebenenfalls zu allfälligen neuen Akten
zu äussern
;
darauf verzichtete
sie
(
Urk.
17).
Das Gericht bewilligte am 27. Oktober 2015 das Gesuch um unentgeltliche
Pro
zessführung
,
be
stellte Rechtsanwältin Pia Denn
l
er, Wintert
h
ur
,
zur unentgeltli
chen Rechtsvertreterin und wies gleichzeitig das Gesuch um Gewährung der aufschiebende
n
Wirkung ab (
Urk.
18).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähi
gkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über den Allgem
ei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankhei
t oder Unfall sein (Art. 4 Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsun
fähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, ge
istigen oder psychi
schen Gesundheit verursachte und nac
h zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs
möglich
keiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitli
chen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob eine seelische Abwegigkeit mit Krankheitswert besteht, welche die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7
Abs.
2 Satz 2 ATSG; BGE 139 V 547 E. 5; 131 V 49 E. 1.2; 130 V 352 E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezem
ber 2015 E. 5 und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4.).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4
Abs.
1 IVG sowie Art. 3
Abs.
1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 2014 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom
30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar
sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesge
richtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18. April 2016 E. 4.1).
1.3
B
ei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent ergibt sich ein Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Drei
viertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheits
zustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hin
weisen). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswir
kungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
1.5
1.5
.1
Lä
sst sich eine massgebliche Sach
verhaltsänderung als Voraussetzung für eine revisionsweise Rentenherabsetzung oder –
aufhebung
nicht nachweisen, so kann die Verwaltung eine rechtskräftig zugesprochene Rente nur herabsetzen
oder aufheben, wenn die Voraussetzun
gen für eine Wiedererwägung erfüllt sind. Dies ist dann der Fall, wenn sich eine formell rechtskräftige Rentenverfügung, die nicht Gegensta
nd einer materiellen richter
lichen Beurteilung gewesen ist, als zweifellos un
richtig erweist und ihre Berich
tigung von erheblicher
Bedeutung ist (vgl. Ar
t. 53 Abs. 2 ATSG). Nach höchst
richterlicher Rechtsprechung ist die zweifellose Un
richtigkeit als V
oraus
setzung für eine Wiedererwägung nur unter restriktiven Bedin
gungen zu
bejahen, da die Wiedererwägung andernfalls zum Instrumen
t für eine jederzeitige voraus
setzungslose Neubeurteilung von recht
s
kräftig zugesprochenen Dauer
leistungen würde (vgl. Urteil des Bundesgerichts
I 551/03 vom 30. Dezem
ber 2003
E. 2.2.1). Nicht jede Unrichtigkeit, sonder
n nur eine qualifizierte, offensichtliche Un
richtigkeit berechtigt somit zur
wiedererwä
gun
gsweisen
Herabsetzung oder Auf
hebung einer rechtskräftig z
ugespro
chenen Dauerleistung.
1.5
.2
Ein Grund für eine Wiedererwägung einer Verfügung besteht in der Regel,
wenn eine Leistungszusprechung unvertretbar war, weil sie aufgrund falscher
Rechts
regeln
erfolgte oder weil massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wur
den (BGE 138 V 324 E. 3.3
). Qualifiziert unrichtig ist die Verfü
gung auch, wenn ihr ein unvollständiger Sachverhalt zugrunde liegt, so wenn eine klare Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes dazu führte, dass die
Inva
liditätsbemessung
nicht auf einer nachvollziehbaren ärztlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit beruht (vgl. Art. 43
Abs.
1 ATSG; Urteil
des Bundesgerichts
9C_466/2010 vom 23. August 2010 E. 3.2.2; vgl. Urteil
des Bundesgerichts
9C_307/2011 vom 23. November 2011 E. 3.2 mit Hinweis). Die Frage nach der zweifellosen Unrichtigkeit beurteilt sich nach der Rechtslage im Zeitpunkt des Verfügungserlasses, einschliesslich der damaligen Rechtspraxis (vgl. BGE 138 V 147 E. 2.1 S. 149
; Urteil des Bundesgerichts 9C_11/2016 vom 2
2.
Februar 2016 E. 3.2
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die wiedererwägungsweise Aufhebung des ursprünglichen Rentenentscheids damit, die ursprüngliche Rente sei damals trotz widersprüchlicher medizinischer Berichte und bei ungenügender Aktenlage zugesprochen worden. Eine zuverlässige Beurteilung des Leistungsanspruchs sei nicht möglich gewesen, der Sachverhalt sei unvollständig festgestellt worden und deshalb
sei
die Verfügung in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes zweifellos unrichtig.
Das eingeholte Gutachten habe gezeigt, dass aufgrund eines mittelgradigen depressiven Zustandsbildes eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe, es sei aber von einer zumutbaren Willensanstrengung
zur
Überwind
barkeit
derselben
auszugehen.
Es bestünden keine Gründe dafür, weshalb nicht eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit in vollem Umfange möglich sei
(
Urk.
2)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin
kritisiert zusammengefasst in der Beschwerde das von der IV-Stelle eingeholte Gutachten. Im Besonderen könne auf das somatische Gutachten mangels Fachkompetenz des Internisten für die vorliegende Frage und mangels Überzeugungskraft des Gutachtens insgesamt nicht abgestellt wer
den (
Urk.
1 S. 19 ff., S. 40). Das psychiatrische Gutachten sei zwar in diagnos
tischer Hinsicht richtig, die Relativierung
der Relevanz
der gestellten
Depres
-
sionsdiagnose
für die Arbeitsfähigkeit durch Prüfung der Förster-Kriterien durch den Psychiater
sei
jedoch unrichtig. Die Versicherte leide an einer patholo
gischen Bewegungsangst (
Kinesiophobie
), was verkannt worden sei (
Urk.
1
S. 41 f.).
Sodann
habe sich
die Depression
verschlechtert
gegenüber der Situation, wie sie bei
Zusprechung
der Rente bestanden habe
(
Urk.
1 S. 42).
Die
Depression sei bei der Schmerzpatientin als eigenständige Diagnose zu betrachten (
Urk.
1 S. 46
, S. 48
).
Es bestehe kein Grund
, um auf die
ursprüng
-
liche
Rentenzusprechung
zurückzukommen
(
Urk.
1 S. 45).
3.
3.1
Grundlage der ursprünglichen Invalidenrentenverfügung war
das
von der IV-Stelle eingeholte
Gutachten von
Dr.
A._
vom 15. Februar 2004 (
Urk.
15/12).
Dr.
A._
diagnostizierte eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung und eine
Dysthymia
mit gegenwärtig schwerer depressiver Episode ohne psychotische Symptome
.
Die Arbeitsfähigkeit betrage 0
%
, es könne der Versicherten nicht mehr zugemutet werden zu arbeiten. Sie klage über Schmerzen im linken Handgelenk, zeitweise bis in die Schulter ausstrahlend, Rückenschmerzen, Beinschmerzen, Kraftlosigkeit im linken Arm, die Finger seien wie eingeschlafen.
Sie habe Schlafstörungen, sei viel am Grübeln und sei dann wie „weggetreten“,
schon Kleinigkeiten
bereite
ten
ihr grosse
Sorgen.
Sie klage auch über Gedächtnisstörungen und Vergesslichkeit.
Der Arzt beschrieb, die Beschwerdeführerin sei auf ihre körperlichen Beschwerden völlig fixiert, formal sei das Denken aber geordnet.
Weil das klinische Bild einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung und einer schwereren depressiven Episode eindeutig sei, hab
e
er auf
weitere Abklärungen verzichtet (
Urk.
15/12).
Die IV-Stelle hatte einzig diese
s
Gutachten
zur Begründung der ganzen Rente beigezogen. Sie hatte
es
zwar noch
Dr.
med.
F._
vom RAD
am 14. Mai 2004 vorgelegt und ihn um seine Meinung dazu gebeten.
Dieser führte da
zu
aus, das Gutachten sei sehr unbefriedigend, die Versicherte habe doch über Jahre hinweg ein 100%iges Pensum gehabt und es spielten sicher etliche IV-fremde Faktoren eine Rolle. Im Gutachten werde allerdings neben der anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung auch die Diagnose einer schweren depressiven Episode gestellt. Bei dieser Diagnose sei von einer 100%igen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit auszugehen, auch wenn die Diagnose ungenügend erhärtet erscheine (
Urk.
15/14/3).
3.2
Die medizinischen Grundlagen, im Besonderen das
Gutachten von
Dr.
A._
, vermö
g
en
in keiner Hinsicht zu überzeugen. Zum einen
unterliess es
Dr.
A._
, eine fachärztlich gesicherte Diagnose zu stellen, indem er keinen Bezug auf die Internationale Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) nahm.
Auch führte er nicht an,
welche
der
Akten bezogen auf die somatische wie auch psychische Gesundheit er
bei seiner Beurteilung berücksichtigt hat
te
, es fehlt jegliche Aus
einandersetzung damit.
Er erwähnte einzig „Diskrepanzen zu den Berichten aus
G._
“
(
Urk.
15/12/2)
.
W
elche das
waren
und inwiefern die damals dort gestellten Diagnosen
oder erhobenen Befunde
anders oder
falsch sein sollten,
legte er nicht dar.
Nach einem längeren
stationären Aufenthalt
hatte
n
damals im Austrittsbericht vom 17. Januar 2003
nach erfolgtem psychosomatischem
Konsilium
(
Urk.
15/7/26-29)
die Ärzte
belastungsabhängige
Han
dgelenkschmer
zen
links und eine
Affektstörung im Rahmen einer Anpassungsstörung mit anhaltender dissoziativer Symptomatik und schwer dysfunktionaler Anpassung an die Schmerzproblematik im Sinne einer Symptomausweitung
diagnostiziert
(
Urk.
15/7/20/21)
.
Die untersuchenden Psychiater
hatten
zusammengefasst
neben
Krankheitsdiagnosen auch eine erhebliche
Selbstlimitierung und einen maladaptiven Umgang mit den Schmerzen im Sinne einer Sympto
m
ausweitung
bei der durchaus
intelligente
n
und differenzierte
n Versicherten festgestellt
(
Urk.
15/7/29).
In der Gesamtbetrachtung waren die Ärzte
zur Einigung gelangt, dass
aufgrund der demonstrierten
geringen
Belastbarkeit in der Therapie von keiner auf dem Arbeitsmarkt releva
nten Arbeitsleistung auszugehen sei
. U
nter Weglassung der selbstlimitierenden Faktoren hatten sie ihr aus somatisch-funk
tioneller Sicht eine ganztägige Arbeitsfähigkeit für eine leichte Arbeit ohne repetitiven Krafteinsatz der linken Hand zugestanden (
Urk.
15/7/22).
Ohne sich mit diesen Beurteilungen auseinanderzusetzen oder einen Verlauf seit dieser Zeit in
G._
aufzuzeigen, stellte
Dr.
A._
die
Diagnose
n
einer „schwereren depressiven Episode“ und ein
er
somatoformen
Schmerzstörung und
attestierte
damit einhergehend eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit. Die Diagnose bezeichnete
der Gutachter
als „eindeutig“
,
begründete seine Ansicht aber nicht
. Gemäss ICD-10 (Kapitel V, klinisch-diagnostische Leitlinien, 9. Auflage
, S. 174
) ist bei einer schweren depressiven Episode die Patientin meist erheblich
ver
zweifelt und agitiert. Verlust des Selbstwertgefühls, Gefühle von Nutzlosigkeit oder Schuld sind meist vorherrschend, teilweise besteht ein hohes Suizidrisiko. Es müssen alle drei für die leichte und mittelgradige depressive Episode typi
schen Symptome und mindestens vier andere, von denen einige besonders aus
geprägt sein sollten, vorhanden sein.
Die Versicherte jedoch zeigte sich anläss
lich der Untersuchung allseitig orientiert, kooperativ und formal geordnet. Von einer grossen Verzweiflung oder Agitiertheit geht aus dem Untersuchungs
bericht von
Dr.
A._
nichts hervor.
Er erwähnte als objektiven Befund einzig ein verlangsamtes Denken und eine
Fixiertheit
auf die körperlichen Beschwer
den.
Die Versicherte selber erwähnte Durchschlafstörungen, Schuldgefühle wegen ihrer Hilfslosigkeit, reduzierten Appetit und Gedächtnisstörungen, ohne dass dies
e
der Gutachter allerdings verifiziert hätte.
Die Anforderungen, wie sie die Wissenschaft und Rechtsprechung an eine medizinische Diagnosestellung
und an den Beweiswert eines Gutachtens
damals schon stellten
, gehen aus dem Bericht von
Dr.
A._
in keiner Weise hervor.
Schon im Zeitpunkt der
Renten
zusprechung
war h
insichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens
entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehl
entwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
3.3
Damit ist
die seitens der IV-Stelle - gestützt auf die Diagnose der schwereren Depression – angenommene 100%ige Arbeitsunfähigkeit ohne Grundlage.
Das Gutachten von
Dr.
A._
konnte keine taugliche Grundlage für die
Rentenzu
sprache
bilden, wie der RAD damals
zu
treffend
ausführte
. E
s
war insbesondere weder umfassend noch in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtend und
die
Schlussfolgerungen
blieben
gänzlich unbe
gründet
(BGE 125 V 351 E. 3a).
Damit beruht
e die ursprüngliche
Rentenzu
sprechung
auf einem offensichtlich unvollständigen Sachverhalt und war
dem
zufolge zweifellos unrichtig
, wie die
IV-Stelle richtig erkannt hat
(vgl.
auch
Urteil des Bundesgerichts 8C_680/2014 vom 16. März 2015)
.
4.
4.1
Es stellt sich die Frage, ob im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung
im Okto
ber 2014
eine Rentenberechtigung vorlag, so dass die Aufhebung der Invali
denrente trotz früherer offensichtlicher Un
richtigkeit nicht statthaft ist. Es ist wie bei einer materiellen Revision nach Art. 17
Abs.
1 ATSG auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts der Invaliditätsgrad im Zeitpunkt der Verfügung
frei
zu ermitteln (Urteil
e
des Bundesgerichts 9C_11/2016 vom 2
2.
Februar 2016
E. 5, 9C_ 208/2016 vom 17. Juni 2016
E. 2.2
).
4.2
4.2.1
Zur Klärung der gesundheitlichen Verfassung der Beschwerdeführerin liess die IV-Stelle
durch
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Innere Medizin und
Rheumaerkran
kungen
, und durch
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
unter Mitwirkung eines Dolmetschers,
ein interdis
ziplinäres Gutachten erstellen (Mitteilung vom 23. April 2013,
Urk.
15/79).
4.2.2
Dr.
B._
gegenüber klagte die Versicherte über Schmerzen
in der linken Kör
perhälfte, der linken Hand und
im
linken
Arm
, im linken Brust- und
Bauchbe
reich
und im linken Bein. Zeitweise habe sie auch Schmerzen in der rechten Schulter und im rechten Nackenbereich.
Im Verlauf seien die Schmerzen immer gleich geblieben. Den linken Arm bewege die Versicherte gar nicht mehr wegen der Schmerzen (
Urk.
7/84/42-43).
Der Arzt beschrieb die Versicherte als wach und bewusstseinsklar. Die Konzentrationsfähigkeit sei klinisch eingeschränkt und im Gedächtnis fielen Defizite auf. Das formale Denken sei auf die bestehen
den Probleme eingeschränkt und verlangsamt, aber geordnet. Die Versicherte wirke klinisch affektiv deprimiert, ratlos, nachdenklich und innerlich unruhig, der Antrieb sei reduziert. Die affektive Schwingungsfähigkeit sei klinisch redu
ziert und auf den depressiven Pol hin verschoben. Die Versicherte beschreibe mit lebhafter Gestik die verschiedenen Sc
hmerzbereiche, es bestehe kein
Anhaltspunkt für eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung.
Unter Zuhilfenahme
einer umfassenden Testdiagnostik
[BDI-II Beck
Depres
-
sions
-Inventar, Gesundheitsfragebogen für Patienten (PHQ-D), Allgemeine-Depressions-Skala (ADS), Somatisierung (SOMS-7T), Mini-ICF-APP Rating für Aktivitäts- und Partizipationsstörungen bei psychischen Erkrankungen]
kam der Gutachter zum Schluss, dass die Versicherte an einer rezidivierenden depressi
ven Störung im Sinne einer atypischen monopolaren Depression, gegenwärtig mittelgradiger Ausprägung (ICD-10 F33.9),
leide, die sich auf die Arbeitsfähig
keit auswirke.
Als für die Arbeitsfähigkeit nicht relevante
psychiatrische
Diag
nosen stellte er
diejenige
n
von psychologischen Faktoren oder Verhaltens
-
faktoren
bei anderenorts klassifizierten Krankheiten (ICD-10 F54) und einen schädlichen Gebrauch von Tabak (ICD-10 F17.1).
Der Arzt erwog, dass rasch nach dem Unfall im Jahr 2001 eine Ausweitung der anfänglichen linken Handbeschwerden auf den Rest des Körpers wie beschrie
ben geschehen sei
,
aufgrund derer die Versicherte den linken Arm kaum mehr bewege. Seit 2002 leide
sie
unter depressiven Beschwerden, die seither persis
tierten. Die Versicherte nehme eine Gesprächstherapie bei
Dr.
med.
D._
wahr und werde medikamentös antidepre
ssiv behandelt (
Urk.
15/84/52).
Unter Darle
gung der diversen psychiatrischen Diagnosen im Laufe der Zeit stellte er fest, er gewinne den Eindruck, die Versicherte übertreibe die an
und
für sich bestehen
den Beschwerden und Beeinträchtigungen zu Demonstrationszwecken. Dies lasse auf eine Verdeutlichungstendenz schliessen, die jedoch nicht soweit gehe, dass eine Aggravation vorliege.
Bei der Versicherten mit den Hauptsymptomen
einer deprimierten Stimmung, Konzentrationsdefiziten, Gedächtnisdefiziten, innerer Unruhe, eingeengtem Denken und eingeschränkter
Schwingungsfähig
keit
, Schlafstörungen, zeitweisen passiven Todeswünschen und Reduktionen des Antriebs sei ein mittelgradig depressives Zustandsbild festzustellen. Da im Laufe der Zeit keine Remission zu verzeichnen sei, sei von einer rezidivierenden depressiven Störung im Sinne einer atypischen monopolaren Depression, gegenwärtig mittelgradiger Ausprägung (ICD-10 F33.9)
,
auszugehen. Die Ver
sicherte zeige auch eine massive Selbstlimitierung. Sie gehe nie an die Grenze, zeige ein ausgeprägtes Schonverhalten bei der Benützung des linken Armes
. Er bewerte diese Schon
haltung im Rahmen einer
Kinesiop
hobie
im Sinne einer akzentuierten, ängstlich getönten Schonhaltung, die zur Bewegungsvermeidung und schliesslich zur Fixierung der Bewegungsvermeidung führe.
Diese
Kinesio
phobie
habe zur Folge, dass die Versicherte mögliche Schmerzsensationen in phobisch-übersteigerter Weise vorwegnehme und in der Folge Bewegungen im Sinne einer fokussierten Selbstlimitierung schon in einer frühen Phase der Ausführung abbreche.
De
n
Nichtgebrauch des linken Armes bewerte er nicht als dissoziative Symptomatik
sondern als wesentlich bewusstseinsnaher
mit der Folge der physisc
hen und psychischen
Dekonditionierung
. Die Versicherte ver
harre seit Jahren in ihrer Krankenrolle
, er vermöge bei der Versicherten einen sehr grossen sekundären Krankheitsgewinn und einen ausgeprägten
interozepti
ven
und amplifizierenden Wahrnehmungsstil feststellen. Die Versicherte beobachte sich selbst intensiv und mit ängstlicher Besorgnis. Sie tendiere in der Folge bei unangenehmen Körpersignalen rasch dazu, die Signale als Krankheit zu interpretieren
,
und sie nehme Schmerzreize unverhältnismässig intensiv und beeindruckend auf.
Es l
asse sich
bei ihr
eine Symptomausweitung feststellen, die diagnostisch als somatisch nicht ausreichend abstützbare Schmerzen bei psychologischen Faktoren oder Verhaltensfaktoren bei anderenorts klassifizier
ten Krankheiten (ICD-10 F54) einzuordnen sei.
Dies sei keine Krankheit
,
sondern eine erlernte Verhaltensstörung im Sinne einer dysfunktionalen Verarbeitung v
on Schmerzen
. Mangels einer hinreichenden psychosozialen Belastung bei der Entstehung der Schmerzsymptomatik sei auch die Diagnose einer
somatoformen
Schmerzstörung nicht zu stellen
(
Urk.
15/
84/57).
Der Psychiater
kam zum Schluss, dass aus der Schmerzproblematik keine Arbeits
unfähigkeit resultiere.
Aus der rezidivierenden depressiven Störung resultiere eine mittelgradige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
4.2.3
Der Rheumatologe
Dr.
C._
stellte eine nicht
dermatombezogene
Hyposensibilität der linken Körperhälfte fest für taktile Reize
bei normalem Lage- und Vibratio
nssinn.
Die Arme zeigten nur geringe Umfangsdifferenzen
die er als normal physiologisch bezeichnete.
Die Versicherte habe über
generalisierte Druckschmerzen, betont linksseitig, geklagt. Sämtliche Bewegungen aller axialen und peripheren Gelenke seien in allen Ebenen als circa gleich schmerzhaft geschildert worden, unabhängig davon, ob ein jeweils untersuchtes Gelenk in belasteter oder entlasteter Körperhaltung untersucht worden sei.
Die Versicherte habe sich mit schmerzverzerrter Mimik und Gestik präsentiert, so dass 5 der 5
Waddellzeichen
nachweisbar gewesen seien.
Er schilderte, die Versicherte übe Bewegungen insbesonde
re mit dem linken Arm, verlangsam
t und phasenweise umständlich aus. Sie könne den Arm bei Selbstmobilisation auf der Untersuchungsliege unbehindert einsetzen und in Bauchlage liegend den Arm vollständig
eleviert
und flektiert neben dem Kopf ablegen. Phasenweise blocke sie zunächst harmonische Bewegungen im Bereich des linken Armes mit
einem muskulären Widerstand ab, dies geschehe auch bei der Untersuchung der Lendenwirbelsäule.
Deshalb seien Untersuchungen, die abhängig von der Mitarbeit der Versicherten seien, nicht konklusiv durchfü
hrbar (
Urk.
15/
84/5).
4.2.
4
Interdisziplinär
diagnostiz
i
erte
n
die
beiden
Gutachter
einen Status nach einem Quetschtrauma
des linken Handrückens mit
Ablederungsverletzung
und par
tieller Durchtrennung der
Strecksehne des Mittelfingers
und einen radiolo
gischen Verdacht auf beidseitige
Spondylolyse
von LWK5/SWK1 mit
Antero
listhese
S
t
adium I mit
leichtgradiger
Chondrose
, w
eiter eine rezidivierende depressive Störung, nicht näher bezeichnet, im Sinne einer atypischen
mono
polaren
Depression, gegenwärtig mittelgradiger Ausprägung.
Diese Diagnosen erachteten sie als für die Arbeitsfähigkeit relevant.
Dem weiter gezeigten und geklagten weitreichenden generalisierten Schmerzsyndrom hin
gegen wiesen die Gutachter keine Auswirkung
en auf die Arbeitsfähigkeit zu.
Für den Zeitraum vor 2003 erachteten sie die somatische Situation als die Arbeitsfähigkeit beeinflussend, für die Zeit danach und im Besonderen im Zeit
punkt der Begutachtung
erachteten sie
hingegen einzig die psychiatrische Situ
ation als für di
e Arbeitsfähigkeit entscheidend
(
Urk.
15/
84/19).
Das Profil einer zumutbaren Arbeit beschrieben die Gutachter folgendermassen, es sollte
eine Arbeit in
eine
m temperierten Raum sein und
auf eine
leichtgradig
körperlich belastende
Tätigkeit mit wechselnd
sitzender, stehender und gehender Körper
haltung beschränk
t sein. Das Einhalten der Rückener
gonomie sei wünschens
wert. Die repetitiv zu bewegenden Gewichte sollten nicht schwerer
als 7,5 bis 10 kg sein (
Urk.
15/84/20).
4.3
Dr.
A._
, der die Versicherte im Rahmen der Rentenzusprechung begutachtet hatte, wurde von dieser am 6. November 2014
um die Erstellung eines Konsili
arberichts gebeten (
Urk.
3/12).
Er
untersuchte die Versicherte am 1
2.
November
2014. Im Bericht vom 15. November 2014 diagnostizierte er eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
.
Der behandelnde Arzt der Versicherten,
Dr.
med.
D._
,
dessen
Bericht
mitunterzeichnet
wurde
von
Dr.
phil.
E
._
, Klinischer
Psychologe, nahm am
15. Dezember 2014 seinerseits Stellung
zum Gutachten von
Dr.
B._
und
Dr.
C._
(
Urk.
10).
Er gelangte zu den
sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkenden
Diagnose
n
einer mittelgradigen depressiven Episode mit dissoziativer Symptomatik (ICD-10 F32.1
), einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), einem Status nach Quetschtrauma mit Weichteilablederung am linken Handrücken und Teildurchtrennung der Strecksehen
Dig
. III links am 31. Oktober 2001,
einem Status nach akuter Otitis
media
perforata
links,
nach einer
Tachykardie
am
2
2.
Juli 2011 und nach einer
erosiven
Antrum
- und
Korpusgastritis
, axialen
Hiatushernie
und
Cholecystholithiasis
.
Die Versicherte könne aufgrund dieser Diagnosen keine längeren einseitigen Arbeiten wegen Schmerzen machen. Sie zeige eine deutliche Verlangsamung, könne keine Instr
uktionen entgegen nehmen, könne
keinen Arbeitsweg wegen Ängsten bewältigen und sei auch für angepasste Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsunfähig. Eine Tätigkeit sei der Versicherten nicht zumutbar (
Urk.
10).
5
.
5
.1
Das von der Beschwerdegegnerin eingeholte Gutachten vermag zu überzeugen.
Beide fachärztlichen Gutachter berücksichtigten die
Vorakten
und untersuchten die Versicherte eingehend.
Im Besonderen der psychiatrische Gutachter
, der unter Mithilfe einer
I._
sprechenden Dolmetscherin die Versicherte begut
achtete, machte
umfassende Tests
, um
eine gesicherte Diagnose und deren Schweregrad
zu ermitteln.
Beide Fachärzte
setzten sich mit den anderen ärzt
lichen Angaben aus den
Vorakten
auseinander und legten ihre Schlüsse ein
leuchtend dar.
So wurde in somatischer Hinsicht
gleich wie schon anlässlich der
Abschlussun
tersuchung
bei
m
Suva-
Kreisarzt
Dr.
med.
J._
am 9. Mai 2003
kein physischer Grund für die von der Versicherten gezeigte Schonhaltung des ganzen linken A
rmes gefunden. D
ie Umfangmasse des rechten und linken Armes
waren
wenig abweichend von einander
, was nicht für eine
Nichtbenü
tzung des li
nken Armes spricht, was
Dr.
C._
einleuchtend
kommentierte
(
Urk.
15/84/13).
Dr.
C._
untersuchte
auch
die Ellbogen- und Schultergelenke, wobei er keine unter
schiedlichen oder verminderten Bewegungsamplituden feststellen konnte.
Er
zeigte
denn auch auf,
dass die Versicherte den Arm durchaus in der Bauchlage
abheben und gebeugt neben den Kopf ablegen
konnte
. Auch während der stati
onären Untersuchung in der
Klinik G._
hatte
die Versicherte den linken Arm in Schonhaltung
gehalten
und
angegeben,
ihren Arm fast nicht mehr gebrauchen zu können,
hatte
aber
beispielsweise
trotzdem
vermocht
,
ihr Esstablett herumzutragen (
Urk.
15/7/22).
Die
feststellbaren somatischen
Folgen d
es Unfalles an der linken Hand erachtete
Dr.
C._
als sehr gering, im Gegenteil erwähnt
e
er ein erfreuliches Resultat
.
Die Versicherte beanstandet, dass
Dr.
C._
– anders als andere Ärzte – keine Arthrose am linken Handgelenk diagnostizierte, wohingegen
sie,
die Versicherte
,
deswegen eine Rente der Unfallversicherung beziehe (
Urk.
1 S. 20), und k
ritisiert deshalb das Gutachten von
Dr.
C._
.
Der
Kreisarzt
Dr.
J._
, auf dessen Einschätzung sich die Suva stützte,
hatte
im Abschlussbericht vom 9. Mai
2003 von einer radiologisch höchstens leichten bis mässigen Radiokarpalarthrose gesprochen
, für welche er einen (künftigen) Integritätsschaden von 7,5
%
bezifferte
(
Urk.
15/8/6)
.
Wie er genau zu dieser Diagnose kam, geht aus den Akten nicht hervor.
Der
Befund
einer Arthrose an der linken Hand (radio-
scaphoidal
) ist dem Operationsbericht des
Z._
vom 25. April 2002 zu entnehmen. Anlässlich der Arthroskopie mit
Shaver
wurde
n
eine solche und eine Diskusläsion erkannt
und behandelt
(
Urk.
15/7/44).
Zuvor hatte sich im
Arthro
-MRI am 1
2.
März 2002 einzig
ein
Hin
weis
auf eine Degeneration des TFC (
trianguläre
r
fibrokartilaginärer
Komplex)
ergeben (
Urk.
15/7/48).
Dr.
C._
selber erwähnte
neue
re
Röntgenbilder
, erstellt
am 4. Juli 2013
,
und
erkannte
darauf
jedoch
keine Auffälligkeiten
(
Urk.
15/84/6), mithin auch keine relevante Arthrose.
Indem
er in der Folge
ein angepasstes Tätigkeitsprofil erwähnte, nämlich
ein solches
für nur
leichtgradig
belastende körperliche Tätigkeiten
mit Gewichten bis maximal 10 kg, trug er einer gewissen eingeschränkten Belastbarkeit
des Handgelenks – entgegen der Darstellung der Versicherten (
Urk.
1 S. 20) -
dennoch Rechnung. Die Ärzte der
Klinik G._
und
Dr.
J._
hatten auch unter
ausdrücklicher
Berücksichtigung einer Arthrose
in der Diagnose
eine leichte Tätigkeit ganztags vorgesehen, so dass von einer nur geringen Abweichung in der Auswirkung gesprochen werden kann. Das Gutachten von
Dr.
C._
verliert dadurch jedenfalls nicht seine Beweiskraft.
5.2
Dr.
C._
, der – entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 24) - über die eidgenössischen medizinischen Weiterbildungen Allgemeine Innere Medizin (1994) und Rheumatologie (1996) und damit durchaus über die
vorliegend massgebenden medizinischen Fachkenntnisse verfügt (vgl.
www.medregom.admin.ch
),
erwähnte
sodann
in der Diagnose die
neue
ren
röntgenologisch festgestellten degenerativen Veränderungen
(MRI der
Lenden
wirbelsäule
vom 10. Mai 2013,
Urk.
15/84/24)
an der Wirbelsäule
, sprach diesen
jedoch gleichzeitig keine wesentliche Bedeutung zu. Dies leuchtet ein, wenn man berücksichtigt, dass die Versicherte im Bereich der Wirbelsäule alle Bewe
gungen gleich schmerzhaft beschrieb, una
bhängig von jeglicher Position.
Die Ärzte des
K._
hatten
schon
im Bericht vom 13. September 2002 eine
Fehlform
der Wirbelsäule (Skoliose, Flachrücken) und Abnützungen an der Hals- wie auch der Lendenwirbelsäule (beginnende
Osteochondrosen
, beginnende Spondylose) fest
gestellt
.
Aufgrund ihrer Feststellung, rein bezogen auf die Rückenschmerzen sei aus rheumatologischer Sicht längerfristig wieder eine volle Arbeitsfähigkeit für leichte wechselbelastende bis mittelschwere Tätigkeiten möglich (
Urk.
15/7/35)
,
wird deutlich, dass die
bereits
von ihnen gemachten objektivierbaren Befunde nicht schwerwiegend waren und sie wegen diesen von keiner anhaltenden Arbeitsbeschränkung ausgingen.
Im Bericht des behandelnden
Chiropraktors
der Versicherten vom 4. Mai 2013,
Dr.
L._
, werden im Wesentlichen die gleichen radiologischen Befunde erwähnt, die 2013 gemacht worden waren (
Urk.
15/84/82).
Wenn bei dieser Sachlage
Dr.
C._
unter
zusätzlicher
Berücksichtigung der aktualisierten Bilder zum Schluss kommt, dass diese für die zahlreichen und undifferenziert geklagten Beschwerden
als somatische Erklärung nicht in Frage kommen, und dass die röntgenologischen Befunde
in ihrer Bedeutung für die Arbeitsfähigkeit
zu rela
tivieren
seien
(
Urk.
15/84/14),
leuchtet das ein und es kann ihm
gefolgt werden.
Die zahlreichen
von der Beschwerdeführerin geklagten diffusen Druckschmer
zen
am ganzen Körper
konnte
Dr.
C._
keinem somatisch-pathologischen Krankheitsbild
zuordnen.
5.3
Dr.
B._
kam nach seinen umfangreichen Tests und Untersuchungen zum Schluss,
dass die Ve
rsicherte an einer
eigenständigen
monopolaren
rezi
divie
renden depressiven Störung im Sinne von ICD-10 F33.9, in mittelgradiger Aus
prägung
,
leidet (
Urk.
15/84/55),
der
er eine Einschränkung in der Arbeitsfähig
keit von 50
%
zuschrieb.
Er schrieb dieser Diagnose
die
festgestellte deprimierte Stimmung, die Konzentrations
- und Gedächtnis
defizite
, die innere Unruhe, das eingeengte und verlangsamte Denken, die eingeschränkte affektive
Schwin
gungsfähigkeit
, die Schlafstörungen, die Reduktion des Antriebs und die zeit
weise vorhandenen passiven Todeswünsche zu.
Er setzte sich
sodann
mit der
anders
lautenden Diagnose des psychosomatischen Konsiliums anlässlich der stationären Behandlung in der
Klinik G._
und von
Dr.
D._
auseinander, welche beide
neben einer depressiven Störung
eine dissoziative Störung
diagnostiziert hatten
für die zahlreichen, somatisch nicht erklärbaren geklagten Schmerzen und gez
eigten Bewegungseinschränk
ungen (
Urk.
15/7/26, 15/74/5).
Gemäss der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen
(
ICD-10 Kapitel V (
F)
9. Auflage
) enthält die Diagnose der
dissoziativen Störu
ng (auch Konversionsstörung) den
teilweise
n
oder völlige
n
Verlust der normalen Integration von Erinnerungen an die Vergangenheit, des Identitätsbewusstseins, der unmittelbaren Empfindungen sowie der Kontrolle von Körperbewegungen. Es
werde
b
ei der Diagnose einer
dissoziative
n
Störung
angenommen
,
dass die Fähigkeit zu bewusster und selektiver Kontrolle gestört
ist. Es
werde
als sehr schwierig erachtet festzustellen, ob und in welchem Um
fang der Funktionsverlust willkürlich kontrolliert werden kann
(S. 212)
.
Vorlie
gend legte
Dr.
B._
dar, dass
er
aufgrund der massiven Selbstlimitierung der Versicherten, die auch andere Ärzte bei Untersuchungen festgestellt hatten (
Urk.
15/7/29, 15/84/9)
und die dazu führte, dass die Versicherte von sich aus aktiv Bewegungen
vor allem mit dem linken Arm
nicht ausführt
e
, die passiv jedoch möglich waren
und die sie teilweise unaufgefordert ausgeführte,
bei der Beschwerdeführerin von einer grösseren Bewusstseinsnä
he
ihres Verhaltens ausgehe
als dies bei einem dissoziativen Geschehen der Fall wäre. Mittlerweile bestehe eine
Dekonditionierung
als unausweichliche Folge des Schonverhaltens
. Eine eigentliche Aggravation verneinte e
r, bejahte aber eine
Verdeutlichungs
tendenz
der Versicherten
(
Urk.
15/84/
54+
55).
Diese Einschätzung ist nachvoll
ziehbar und leuchtet ein.
Wie sich aus der ICD-10
selber ergibt, ist die Frage
,
ob und wie
sehr das Bewusstsein bei einem Verhalten
eine Rolle spielt
,
schwierig zu entscheiden
.
Sie wurde
im vorliegenden Fall
vom Facharzt
im Rahmen seines Ermessens mit überzeugender Begründung bejaht
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_945/2009 vom 23. September 2010 E. 6.1)
, weshalb nicht von einer dissozi
ativen Störung
auszugehen ist
.
Von e
ine
r
dissoziative
n
Störung im Sinne der ICD-10
ging
im Übrigen auch
der andere
Facharzt der Psychiatrie,
Dr.
A._, im
Bericht vom 15.
November 2014 nicht aus
(
Urk.
3/12).
Entgegen der von der Beschwerdeführerin unter Beilage zahlreicher medizinischer Literatur ihrerseits gestellten Diagnose einer
Kinesiophobie
(
Angst sich zu bewegen;
Urk.
1
S. 31 ff
.
,
Urk.
3/13 ff
.
)
,
die sich nach dem Unfall eingestellt haben soll,
ist
anzu
-
merken, dass eine solche eigenständige Erkrankung im Sinne einer
klassi
-
fizierten
ICD-10 Störung ärztlicherseits nicht diagnostiziert wurde.
Einzig
Dr.
B._
erwähnte diesen Begriff im Zusammenhang mit der Darstellung des prophylaktischen Schonverhaltens der Versicherten, das er als ängstlich
getönt
bezeichnet
e
, diesem jedoch keine eigentliche Phobie zuordnete sondern eine Bewusstseinsnähe zusprach und
dieses
damit
in den Kontext einer vermeidbaren Selbstlimitierung stellte. Diese Zusammenhänge sind
,
wie gesagt, einleuchtend; die
Frage der
korrekten Diagnose
ist eine ärztliche Aufgabe und wurde von
Dr.
B._
mit der Darstellung der Zusammenhänge überzeugend anders beantwortet.
5.4
De
n
Grad der Depression bezeichnete
Dr.
B._
als mittelgradig. Auch dieser Ansicht ist zu folgen, wurde sie doch mittels umfassender Tests ermittelt
und
so festgestellt. Gerade bei schwer objektivierbaren Beschwerden bzw. geklagten Funktionseinbussen ist der Einsatz von geeigneten Tests zur Evaluation der Leistungsfähigkeit und au
ch der Leistungsbereitschaft der
Exploranden bzw. der Validität der geklagten Symptome zu prüfen (vgl. Qualitätsleitlinien für Ver
sicherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen Gesellschaft für Psy
chiatrie und Psychotherapie SGPP, Version vom 16. Juni 2016, Ziffer 4.3.2.2, einsehbar im Internet auf
http://www.psychiatrie.ch/sgpp/fachleute-und-kommis
sionen/leitlinien
), was
Dr.
B._
vorliegend überzeugend
gemacht hat.
Eine Depr
ession mittleren Grades wird im Übrigen vom behandelnden
Dr.
D._
im Bericht vom 15. Dezember 2014 bestätigt, indem er nach Durchsicht der Tests
und der Resultate
die Diagnose als gut begründet bezeichnet (
Urk.
10 S. 2).
Demgegenüber
ist der Ansicht
von
Dr.
A._
im Bericht
vom
15. November 2014
,
worin dieser eine
rezidivierende
depressi
ve
Störung, gegen
wärtig
schwere
Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
diagnosti
zierte, nicht zu
folgen
.
Denn er hatte
diese Diagnose ohne objektivierte Erhe
bung einzig aufgrund einer Unte
rsuchung bei ihm
und gestützt auf das von der Beschwerdeführerin Vorgebrachte
gestellt, weshalb sie
weniger
Überzeugungs
kraft
hat
als das Gutachten von
Dr.
B._
.
5.5
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin vermag der Abschlussbericht zur Arbeitsdiagnostik
vom 23. September 2014 die
ärztlicherseits gestellten Diag
nosen
nic
ht zu entkräften. Es wurde
darin aufgezeigt, dass die Versicherte erneut den linken Arm nicht wesentlich einsetzte, nur als Halteunterstützung (
Urk.
15/129/2), was jedoch – wie die
Ä
rzte festgestellt haben
– so
matisch nicht erklärbar
ist
.
G
emäss dem B
ericht zeigte die
Beschwerdeführerin e
ine sehr passive, in sich gekehrte Haltung
.
Auch die Kommunikation und die
Artikula
tionsfähigkeit
der Versicherten waren sehr herabgesetzt
, sie zeigte sich äusserst hilflos und desorientiert und vermochte den Anforderungen an eine einfache Arbeit nicht nachzukommen (
Urk.
15/129/3). Der Bericht
zeigt
die
von den Gut
achtern
dargelegte
umfassende
Dekonditionierung
als Folge des übermässigen Sc
hon-
und Vermeidungsverhaltens
, dem jedoch
aus gutachterlicher Sicht
keine
eigentliche
psychische oder physische Erkrankung zu Grunde liegt
(
Urk.
15/84/55
f.
)
,
in jeder Hinsicht
eindrücklic
h
.
Die Versicherte scheint
über
haupt nicht mehr
daran gewö
hnt
zu sein
, sich
aus
serhalb ihres
Umfeldes zu bewegen. Wi
e sie selber sagte
,
habe sich
auch ihre Fähigkeit
,
Deutsch zu spre
chen durch ihre lange Abwesenheit von der Arbeit erheblich reduziert, so dass
nur schon
die Kommunikation mit ihr
sehr
erschwert war.
Dies jedenfalls kann nicht als relevante krankheitsbedingte Einschränkung bewertet werden.
5
.6
Dr.
C._
und
Dr.
B._
gelangten in der interdisziplinären Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin
seit 2003 und aktuell
eine eingeschränkte
Arbeitsfähigkeit
aufgrund der diagnostizierten mittelgradi
gen depressiven Störung
hat
,
und zwar im Umfang von 50
%
.
Sie
legten der Tätigkeit
dabei
ein Profil zugrunde, das keine grossen körperlichen Belastungen beinhaltet. Die Tätigkeit soll in einem temperierten Raum stattfinden und beschränkt auf
leichtgradig
wechselbelastende, körperliche Arbeiten sein, wobei auf die Rückenergonomie
zu achten ist (
Urk.
15/84/20).
Die Frage nach der invalidisierenden Wirkung der vorliegenden depressiven Störung wird nicht anhand der Försterkriterien oder n
euerdings der Indikatoren (BGE 141 V 281
) beantwortet, da- wie die Beschwerdeführerin richtig erkennt (
Urk.
5 S. 3) – kein
pathogenetisch
unklares Leiden vorliegt. Vielmehr fallen g
emäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung depressive
Störungen, wie solche leicht
-
bis mittelgradiger depressiver Natur, seien sie im Auftreten rezidi
vierend oder episodisch, einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sind (statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3 S. 197 mit Hinweis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeu
tisch gut
angehbar
sind - gesetzlich verlangten Konstellation ist den normativen Anforderungen des Art. 7
Abs.
2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (BGE 141 V 281 E. 3.7.1 bis 3.7.3 S. 295 f.). Ein solcher Sachverhalt muss überwiegend wahrscheinlich und darf nicht lediglich nicht auszuschliessen sein. Es kommt dazu, dass die Thera
pie in dem Sinne konsequent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stationären)
Behandlungsmög
lichkeiten
in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft wurden (BGE 140 V 193 E. 3.3 S. 197; 137 V 64 E. 5.2 S. 70 mit Hinweis; Urteil
e
9C_89/2016 vom 1
2.
Mai 2016,
9C_1
3/2016 vom 14. April 2016
).
Daran hat das Bundesgericht auch nach der geänderten Rechtsprechung zu den
somatoformen
Schmerzstörungen festgehalten
(BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2 S. 299; Urteil 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 7.2.1 mit diversen Hinweisen; vgl. auch Urteil 9C_146/2015 vom 19. Januar 2016 E. 3.3 und 3.4).
5
.7
Die Beschwerdeführerin leidet schon seit vielen Jahren an depressiven Störun
gen, die behandelt wurden. Bereits in der
Klinik G._
wurde im Abschlussbericht vom 17. Januar 2003 zur Behandlung der depressiven Kom
ponente das Medikament
Fluctine
verschrieben und in der Tagesdosis erhöht (
Urk.
15/7/22).
Später wurde
n
a
ndere Antidepressiva
(
Remeron
, Citalopram
,
Deanxit
) verschrieben
(
Urk.
15/12
, 15/74
, 15/84/3
), wobei
die Versicherte
im Zeitpunkt der Begutachtung durch
Dr.
B._
täglich
20 mg Citalopram
(bei
maximal möglicher Dosis von 40 mg)
und
1 Dragée
Deanxit
(bei maximaler Dosis von 4 Dragées)
einnahm
.
Sie
befindet sich seit Dezember 2002 (
Urk.
15/31/2) in Behandlung beim
I._
sprechenden
Dr.
D._
, der
allerdings
kein Facharzt der Psychiatrie
sondern Allgemeinmediziner ist,
der daneben
– wie er darlegte (
Urk.
15/54) – eine
psychosomatische Ausbildung hat
. Nach seiner eigenen Darstellung im Bericht vom 7. Mai 2005 richteten sich seine
gesprächs
therapeutischen Bemühungen auf die Begleitung und Führung der Versicherten im Alltag, die Schmerzverarbeitung und medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva (
Urk.
15/31/3).
In den
Bericht
en
vom 8. Juni 2007
und 20. Juni 2009
erwähnte der Arzt
, die
von ihm betriebene Begleitung der Vers
icherten habe
zur Stabilisierung der psychosozialen Verhältnisse und der chronischen Schmerzproblematik
geführt
, so dass keine weiteren Abklärun
gen oder
Hospitalisationen
notwendig geworden seien (
Urk.
15/47/11
, 15/53/10
).
Gegenüber dem Gutachter
Dr.
B._
berichtete die Versicherte, dass sie
ungefähr alle sechs Wochen oder einmal im Monat eine Gesprächstherapie bei
Dr.
D._
wahrnehme (
Urk.
15/84/41).
5.8
Aufgrund der Darlegung von
Dr.
B._
muss davon ausgegangen werden, dass die Versicherte noch nicht austherapiert ist.
Dr.
B._
empfahl den Ausbau der medikamentösen a
ntidepressiven Therapie
(Erhöhung von Citalopram gegebenenfalls Kombination mit einem weiteren Antidepressivum, gegebenen
falls Erhöhung mit einem stimmungsstabilisierenden Medikament) und die Fortsetzung der psychotherapeutischen Therapie (
Urk.
15/84/60).
Dass die Versi
cherte auch psychotherapeutisch noch nicht austherapiert ist, trotz der langen Begleitung durch
Dr.
D._
, ist angesichts des doch
lockere
n Terminplans
der Gesprächstherapie
und
einzig
beim Hausarzt
,
naheliegend
.
Es ist zwar richtig, dass bei der Versicherten ein Status nach
erosiver
Gastritis und axialer
Hiatushernie
vorliegt
. Sie wurde sodann vom 13. bis 14. August 2012 im
K._
wegen einer akuten Enteritis behandelt. Aus diesem wurde die Versicherte in gebessertem Zustand
,
und ohne dass die Ärzte eine Empfehlung hinsichtlich der von der Versicherten eingenommenen Medikamente gegeben hätten, in gebessertem Zustand entlassen (
Urk.
15/84/79).
Dass die Versicherte somit ab und zu mit Magenbeschwerden kämpft, wobei die Ärzte im Spital
explizit nicht von
eine
r
chronische
n
entzündliche
n
Erkrankung
ausgingen
, schliesst überhaupt
nicht aus, dass medikamentös keine
weitere
n oder andere
Optionen
gegeben wären
und dass die Versicherte deshalb als austherapiert anzusehen wäre (
Urk.
1 S. 7
, 1 S. 16
).
Mit der Beschwerdegegnerin und aufgrund der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann vorliegend
mangels einer nach überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesenen
behandlungsresistenten mittelgradigen Depression
nicht von einer
invalidisierenden Gesundheitsstörung
im Sinne von Art.
7
Abs.
2 ATSG
ausgegangen werden. Eine Invalidität ist im gegenwärtigen Ze
itpunkt damit nicht ausgewiesen;
die Beschwerde
ist
abzuweis
en
.
6
.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG) von
Fr.
800
.—
der Beschwerdeführeri
n
aufzuerlegen, infolge unentgeltlicher
Pro
zessführung
jedoch einstweilen a
uf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Beschwer
deführerin
ist
auf die Nachzahlungspflicht gemäss
§
16
Abs.
4
GSVGer
hin
zu
weisen.
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin ist unter Berücksic
htigung der eingereich
ten Honorar
note
(
Urk.
21)
mit
Fr.
1‘782.75
aus der Gerichtskasse zu
entschädi
gen
.