Decision ID: ed134bd9-4353-5d5f-a2b0-79738e34d34d
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich am 30. September/6. Oktober 1997 erstmals zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an und beantragte namentlich Berufsberatung,
Umschulung, Wiedereinschulung, Arbeitsvermittlung und eine Rente. Zuletzt hatte er
ab 1994 bis zu seiner wirtschaftlich bedingten Entlassung auf Ende 1996 als
Zuschneider von Zargenprofilen gearbeitet. Es erfolgten medizinische Abklärungen,
unter anderem im Medizinischen Zentrum B._, wo ein MRI der LWS vom
1. Dezember 1997 namentlich eine mediane Diskusprotrusion L4/5 mit Anulusriss
median aufgezeigt hatte und nebst dem lumbovertebralen, teilweise spondylogenen
und dem leichten Cervikal-Syndrom eine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert
worden war (act. 12). Ausserdem fanden berufliche Abklärungen in einer BEFAS
(act. 31) und in einer anderen Abklärungsstätte (act. 64) statt. Die BEFAS hielt fest, der
Versicherte erwarte die Bestätigung voller Arbeitsunfähigkeit, doch sei eine ganztägige
Arbeitsfähigkeit in leichten Arbeiten möglich, die weitere Abklärungsstelle verwies auf
eine dürftige Motivation, die sich durch entsprechende Gespräche nicht habe
verändern lassen. Bei einer MEDAS-Begutachtung wurde gemäss dem Gutachten vom
14. März 2000 (act. 74) ein diffuses chronisches Schmerzsyndrom panvertebral und der
linken Extremitäten mit vegetativen Begleitbeschwerden sowie eine psychische
Überlagerung von körperlichen Beschwerden bei Störung der
Persönlichkeitsentwicklung mit zyklothymen Zügen diagnostiziert. In einer leichten bis
mittelschweren wechselbelastenden Tätigkeit betrage die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit 20 %. Mit Verfügung vom 17. Oktober 2000 (act. 94) lehnte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen das Gesuch des
Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 28 % ab. Das kantonale (act. 100) und das
Eidgenössische Versicherungsgericht (mit Entscheid vom 2. September 2003; act. 102)
wiesen die erhobenen Beschwerden ab.
B.
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B.a Mit Schreiben vom 11. Februar 2005 (act. 103-1) teilte der Rechtsvertreter des
Versicherten mit, dessen Gesundheitszustand habe sich laufend verschlechtert. Vom
9. Dezember 2004 bis 12. Januar 2005 habe er in der Klinik C._ stationär behandelt
werden müssen. Im Begleitschreiben vom 7. Februar 2005 zum Austrittsbericht werde
bestätigt, dass eine 100-prozentige IV-Berentung angemessen wäre. Dr. med. D._,
Oberärztin, hatte im Austrittsbericht vom 21. Januar 2005 (act. 104) die Hauptdiagnose
einer Somatisierungsstörung mit panvertebralem Schmerzsyndrom gestellt. Beim
Versicherten sei es nach initial guter Lebensbewältigung durch belastungsabhängige
Kreuzschmerzen, verschiedene psychosoziale Belastungssituationen und Kündigung
der Arbeitsstelle zu einer Chronifizierung und Entwicklung des genannten Leidens
gekommen, das sich im Alltag mit anhaltender Nervosität und wiederkehrenden
Aggressionsdurchbrüchen im häuslichen Umfeld manifestiere. Im Begleitschreiben
(act. 103-2) hatte die Ärztin erklärt, das Wiedererlangen einer verwertbaren
Arbeitsfähigkeit sei schon allein aufgrund der Dauer der Erkrankung seit dem
Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess vor acht Jahren äusserst unwahrscheinlich. Es
habe beobachtet werden können, dass der Versicherte im Alltag durch seine
Rückenschmerzen in der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit deutlich eingeschränkt
sei. Selbst nicht belastende Tätigkeiten müsse er schmerzbedingt spätestens nach
einer Stunde abbrechen. Im Anmeldeformular vom 28. Februar/7. März 2005 (act. 106)
gab der Versicherte an, bisher vor allem an Rückenbeschwerden und seit Dezember
2004 zusätzlich an einem starken Schub einer Depression und einer
Schmerzverarbeitungsstörung zu leiden. Nachdem Dr. med. E._, Allgemeinmedizin
FMH, am 10. März 2005 (act. 114) und Dr. D._ am 12. April 2005 (act. 118; ab
November 1996) eine volle Arbeitsunfähigkeit bescheinigt hatten, der Regionale
Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung am 27. Juli 2005 (act. 123) relevante
Hinweise auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustands erkannt und der
Versicherte am 7. September 2005 weitere Arztberichte (kardiologisch, urologisch)
eingereicht hatte, erstattete die MEDAS Ostschweiz am 4. Januar 2007 ein Gutachten
(act. 137). Als Hauptdiagnosen wurden darin benannt: eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung, die Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen,
eine Persönlichkeitsänderung durch chronische Invalidenrolle, belastende
Lebensumstände durch Arbeitsplatzverlust und ein diffuses, praktisch generalisiertes
Schmerzsyndrom mit vegetativen Begleitbeschwerden. Von wesentlicher Bedeutung
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seien die psychischen Faktoren, deren einschränkender Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit wie bereits im Gutachten von 2000 auf 20 % zu schätzen sei. Der
Versicherte sei jedoch mit seinem Krankheitsgebaren und der emotionalen Instabilität -
seit der stationären Behandlung im Dezember 2004 - einem Arbeitgeber in der freien
Wirtschaft nicht mehr zumutbar. Subjektiv hätten die Schmerzen seit der
Erstbegutachtung weiter zugenommen, doch sei dies somatisch nicht objektivierbar.
Aktuell zeige sich eine gänzlich fehlende Kollaborationsbereitschaft mit verbaler und
mimisch-gestischer Aggressionsäusserung. Es übersteige die geistigen Fähigkeiten
und emotionalen Kräfte des Versicherten, dieses als neurotisch anzusehende
Verhaltensmuster aufzugeben. Es habe somit Krankheitswert. Ursächlich,
aufrechterhaltend und schlecht für die therapeutische Prognose seien die mangelnde
Schulbildung, der soziokulturelle Hintergrund, das finanzielle Desaster, die schlechten
Zukunftsaussichten und der soziale Krankheitsgewinn im näheren Umfeld. Die
Änderung bestehe in einer Verstärkung des passiv-aggressiven Fehlverhaltens, in einer
weiteren Fixierung des subjektiven Krankheitsverständnisses und einer vollständigen
Resignation. Für die Prognose spielten die vielen invaliditätsfremden Faktoren wie
Emigrationsproblematik, bescheidene Sprach-, Schul- und Berufskenntnisse,
vieljährige Arbeitsabstinenz, starke Selbstlimitierung, Alter und subjektive
Krankheitsüberzeugung eine wesentliche Rolle. Der psychiatrische Gutachter habe
festgehalten, aus psychiatrischer Sicht sei keine Veränderung der vor sechs Jahren mit
20 % veranschlagten Verminderung der Arbeitsfähigkeit objektivierbar. Der RAD stellte
sich am 15. Januar 2007 (act. 138) auf den Standpunkt, es sei gemäss dem Gutachten
keine Veränderung der Arbeitsfähigkeit objektivierbar.
B.b Mit Verfügung vom 30. April 2007 (act. 149) lehnte die Sozialversicherungsanstalt/
IV-Stelle das Gesuch des Versicherten (bei einem Invaliditätsgrad von 28 %) ab. Der
Versicherte liess in einer Beschwerde vom 1. Juni 2007 eine ganze Rente ab
spätestens März 2005, eventualiter weitere Abklärungen, beantragen. In einer
nachträglichen Eingabe im Beschwerdeverfahren vom 23. Oktober 2007 (act. 160-2 ff.)
liess er einen Bericht von Dr. med. F._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie und für Allgemeinmedizin, vom 19. September 2007 (act. 161)
einreichen. Darin war von einem gemischt depressiv demenziellen Zustandsbild
unklarer Genese bei deutlichen kognitiven Störungen im Bereich von Auffassung und
formalem Denken berichtet worden. Es handle sich um eine seit 1996 langsam
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schleichende (wohl: Krankheits-) Entwicklung. Dem Versicherten gelinge es zurzeit
nicht mehr, am Leben teilzunehmen. Differenzialdiagnostisch müsse bei dem
psychopathologischen Bild auch an ein insultbedingtes Geschehen oder
neurodegenerative Erkrankungen mit erheblichen kognitiven Ausfällen gedacht werden,
allenfalls an Medikamentennebenwirkungen oder Interaktionen. Am
charakteristischsten sei eine depressive Episode im Rahmen einer vorbestehenden
Schmerzerkrankung (Somatisierungsstörung verbunden mit neuropsychologischem
Defizit). Der Arzt empfahl eine Labordiagnostik, ein MRI (des Schädels; im Hinblick auf
ein vaskuläres oder neurodegeneratives Geschehen) und medikamentöse
Interventionen, bei Ausbleiben eines Erfolgs eine gerontopsychiatrische oder
geriatrische Abklärung. Am 7. Januar 2008 (act. 166-2 f.) liess der Versicherte einen
weiteren Bericht von Dr. F._ vom 26. November 2007 (act. 167) einreichen. Darin
wurde eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert. Der Versicherte sei zurzeit
nicht arbeitsfähig. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hob die Verfügung
vom 30. April 2007 mit Entscheid vom 14. Oktober 2008 (act. 168) auf und wies die
Sache zu ergänzenden Abklärungen an die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle zurück.
Das Gutachten sei hinsichtlich der Einschätzung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit
erläuterungsbedürftig. Die MEDAS könne bei dieser Gelegenheit auch mit den Angaben
von Dr. F._ konfrontiert werden, insbesondere mit der Frage, ob sich weitere
Abklärungen im Hinblick auf die differenzialdiagnostisch erwähnten Leiden
rechtfertigten.
B.c Der Versicherte liess am 30. Oktober 2008 (act. 169) melden, er sei vom 2. bis
9. Oktober 2008 wegen einer koronaren Problematik hospitalisiert gewesen. Gemäss
dem Bericht des Spitals G._ vom 9. Oktober 2008 (act. 170) waren eine hypertensive
und valvuläre Herzkrankheit, ein chronisches lumbovertebrogenes Schmerzsyndrom,
eine Prostatahyperplasie und ein unklares Hemisyndrom rechts diagnostiziert worden.
Gemäss einem Bericht der Kardiologie des Departements Innere Medizin am
Kantonsspital St. Gallen vom 28. Mai 2009 (act. 185-2) lagen unter anderem eine
hypertensive Herzkrankheit und Ektasie der AA. ascendens (mit mittelschwerer
Aorteninsuffizienz) vor. Am 2. Juli 2009 wurde am Universitätsspital Zürich ein
Aortenklappenersatz mit Ersatz der Aorta ascendens vorgenommen (act. 192).
Dr. F._ hatte in einem IV-Verlaufsbericht vom 5. Juni 2009 (act. 186) angegeben, es
habe (ohne Änderung der Diagnose) eine Verschlechterung des Gesundheitszustands
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stattgefunden. Der MRI-Befund vom 16. Oktober 2007 (wie dem MEDAS-Gutachten
vom 15. Januar 2010, vgl. act. 200-6, zu entnehmen ist, handelt es sich um ein MRI
des Schädels mit Kontrastmittel, das eine hippocampale Atrophie gezeigt hat) ergebe
Hinweise auf ein organisches Substrat der Demenzerkrankung, einen sicheren
Zusammenhang zu bestätigen, bedürfte weiterer Exploration.
B.d Die MEDAS Ostschweiz gab in ihrem Gutachten vom 15. Januar 2010 (act. 200)
bekannt, es bestünden ein generalisiertes chronisches Schmerzsyndrom mit vielen
vegetativen Begleitbeschwerden, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, eine
Persönlichkeits-Akzentuierung mit passiv-aggressiven und paranoiden Zügen und eine
demenzielle Entwicklung bei atypischer Depression, DD: Ganser-Syndrom. Aufgrund
des Status nach Aortenklappen-Ersatz 07/2009 und des chronischen
Schmerzsyndroms würden körperlich schwere oder überwiegend mittelschwere
Tätigkeiten entfallen (das heisst wohl hierfür liege keine Arbeitsfähigkeit mehr vor). Die
Arbeitsfähigkeit bei anderer Tätigkeit sei aufgrund der psychischen Faktoren
weitgehend eingeschränkt. Die Voraussetzungen für eine Zumutbarkeit der
Willensanstrengung zur Schmerzüberwindung seien nicht gegeben. Die Frage der
Zumutbarkeit für einen Arbeitgeber hänge nicht nur von medizinisch-theoretischen
Faktoren, sondern auch von der Wirtschaftslage und dem gesellschaftlichen Zeitgeist
ab. Deshalb sei im Vorgutachten davon ausgegangen worden, dass die IV-Organe
diese Arbeitsunfähigkeit festlegen würden. Der RAD habe denn auch aus der
beurteilten Unzumutbarkeit keine Arbeitsunfähigkeit abgeleitet. Im Gutachten vom
4. Januar 2001 (wohl: 2007) sei keineswegs lediglich eine 20-prozentige
Arbeitsunfähigkeit festgelegt worden. Vielmehr sei festgehalten worden, dass (aufgrund
mangelnder Kooperation) keine Verschlechterung (sc. wohl: im Vergleich zum
Gutachten vom März 2000) objektivierbar gewesen sei. Seit der Beurteilung vom
Oktober 2006 habe sich (aus Sicht des Gutachters der Psychiatrie) der
Gesundheitszustand des Versicherten nicht unbedingt verändert. Hingegen sei nun
gemäss dem Gerichtsentscheid von einer vollen Arbeitsunfähigkeit mit Beginn
spätestens ab der Hospitalisation in der Klinik C._ im Dezember 2004 auszugehen.
Aufgrund der Beurteilung von Dr. F._ seien neu Gesundheitsschäden im Sinn einer
atypischen, aber schweren und chronifizierten depressiven Störung objektiver
geworden, spätestens ab September 2007. Es lägen objektive Anhaltspunkte für eine
depressive Störung der kognitiven Funktionen vor mit der Konsequenz einer
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weitgehenden Arbeitsunfähigkeit. - Der RAD hielt am 25. Januar 2010 (act. 201) dafür,
die Schilderung der MEDAS heisse im Umkehrschluss, dass sie nie behauptet habe,
die beurteilte Unzumutbarkeit für einen Arbeitgeber begründe eine volle
Arbeitsfähigkeit. Es sei zudem zu bedenken, dass mehrfach dokumentiert sei, dass der
Versicherte nicht kooperiert habe und dass die medizinisch-theoretische
Arbeitsfähigkeit festzulegen wegen der nicht eindeutig auszuschliessenden negativen
Antwortverzerrung (wie Aggravation oder Simulation) nicht möglich sei. Eine eigentliche
Verschlechterung des Gesundheitsschadens mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sei
von den Gutachtern verneint worden. Der im Grund vergleichbare Zustand sei allenfalls
durch die Berichte von Dr. F._ spätestens seit der Beurteilung vom September 2007
medizinisch wahrscheinlicher geworden.
B.e Mit Vorbescheid vom 19. Juli 2010 (act. 206 f.) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen dem Versicherten eine
Abweisung des Leistungsgesuchs in Aussicht. Eine Veränderung des
Gesundheitszustands mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe sich nicht ergeben. Der
Invaliditätsgrad betrage 28 % (Valideneinkommen Fr. 60'009.--, Invalideneinkommen
Fr. 43'206.--). - Der Versicherte liess am 16. September 2010 (act. 208) eine ganze
Rente ab Dezember 2005 beantragen und einwenden, gemäss dem Gutachten sei seit
Dezember 2004 von einer vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. - Der RAD erachtete
die Einwände des Rechtsvertreters des Versicherten (mit Ausnahmen) als
nachvollziehbar. Deren juristische Beurteilung hingegen sei nicht seine Sache
(act. 211). - Ein zweiter Vorbescheid vom 10. November 2011 (act. 216 f.) kündigte
wiederum eine Abweisung des Leistungsgesuchs an. Der Invaliditätsgrad betrage 1 %.
Die im MEDAS-Gutachten (sc. von 2010) anerkannte volle Arbeitsunfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht halte einer Überprüfung anhand der rechtlichen Kriterien für eine
Unüberwindlichkeit der Schmerzsymptomatik nicht stand. Der Versicherte sei in
leidensadaptierten Tätigkeiten voll arbeitsfähig. Es habe zu keinem Zeitpunkt eine
Invalidität vorgelegen. - Auch auf diesen Vorbescheid hin liess der Versicherte am
16. Dezember 2011 (act. 218) den gleichen Antrag stellen. Am 17. Januar 2012
(act. 219) verfügte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle wie angezeigt.
C.
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Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller für
den Betroffenen am 17. Februar 2012 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und dem
Beschwerdeführer sei mit Wirkung spätestens ab August 2005 eine ganze
Invalidenrente zuzusprechen, eventualiter sei die Angelegenheit an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Ausserdem sei dem Beschwerdeführer die
unentgeltliche Rechtspflege samt Rechtsverbeiständung zu gewähren. Im
Gerichtsentscheid vom 14. Oktober 2008 sei im Prinzip festgestellt worden, dass eine
volle Arbeitsunfähigkeit angenommen werden müsste, wenn die Aussage der
Gutachter vom Januar 2007 zuträfe, wonach der Beschwerdeführer einem Arbeitgeber
nicht mehr zumutbar wäre. Das in jeder Hinsicht überzeugende Gutachten vom Januar
2010 sei zum Ergebnis gelangt, es lägen diverse Diagnosen und eine volle
Arbeitsunfähigkeit vor, und zwar spätestens ab Dezember 2004, und neu seien auch
Gesundheitsschäden im Sinn einer atypischen, aber schweren und chronifizierten
depressiven Störung objektiver geworden, spätestens ab September 2007. Schon die
somatoforme Schmerzstörung liege in einer qualifizierten Art vor und führe zu
Invalidität. Mit der Persönlichkeitsänderung entfielen die Voraussetzungen für eine
Zumutbarkeit der Willensanstrengung. Ausserdem sei von Demenz bzw. der
Persönlichkeitsänderung mit kognitiven Ausfällen, einer psychomotorischen Hemmung
und sozialem Rückzug die Rede, ferner von der Atrophie im Hirn. Das sei auf dem MRI
sichtbar und ein deutlicher Hinweis für eine chronifizierte depressive Störung, die so
fixiert sei, dass sie sich bereits in den Hirnstrukturen niedergeschlagen habe. Es gehe
nicht darum, eine Verschlechterung im Vergleich zu 2006 nachzuweisen. Die
erfahrenen Gutachter seien sich der Problematik einer allfälligen Aggravation oder
Simulation bewusst gewesen. Der RAD habe sich den Einwendungen des
Beschwerdeführers vom 14. Oktober 2010 im Wesentlichen angeschlossen. Der
nächste Vorbescheid habe trotzdem wieder gleich gelautet wie der vorangegangene.
Die MEDAS habe schon im Gutachten vom Januar 2007 nicht zum Ausdruck bringen
wollen, dass die Arbeitsunfähigkeit nur 20 % betrage. Es gehe nicht an, grundsätzliche
Schlussfolgerungen und Erkenntnisse eines bestellten Gutachtens, das beweistauglich
sei, mit fachlichen Diskussionen über die ICD-10-Einstufung in Frage zu stellen. Wenn
die Beschwerdegegnerin darauf hinweise, dass die für eine Depression typischen
Symptome im Gutachten nicht aufgeführt worden seien, wäre das durch eine
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Rückweisung zu klären. Es sei aber anzunehmen, dass diese so offensichtlich gewesen
seien, dass sie nicht mehr eigens aufgeführt worden seien. Ausserdem sei die
Symptom-Anamnese mittels eines Fragebogens erfolgt. Der soziale Rückzug des
Beschwerdeführers sei von der Beschwerdegegnerin einzig deswegen bezweifelt
worden, weil er mit seiner Ehefrau zusammen wohne, und zwar in einer kleinen
Wohnung in einem Haus, das seinem Sohn gehöre und von dessen Familie bewohnt
werde. Das sei aber eine (finanziell) existenzielle Frage. Andernfalls müsste der
Beschwerdeführer in einer betreuten Wohnform leben, und es könnte auch dann
argumentiert werden, er habe täglich Kontakte. Im Weiteren würde sich ein MRI (wohl:
der Wirbelsäule) aufdrängen, da die chronischen Kreuz- und Nackenschmerzen - und
damit eine objektivierbare Grundlage für die Schmerzen - seit vielen Jahren nicht mehr
näher abgeklärt worden seien. Schliesslich habe anfangs Februar 2012 die zweite
Hälfte der Prostata-Operation - die Aufteilung sei wegen der Herzproblematik
erforderlich gewesen - stattgefunden.
D.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 16. April 2012 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Im MEDAS-Gutachten vom 4. Januar 2007 sei eine
objektivierbare Veränderung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers im
Vergleich zum Zustand gemäss dem Gutachten vom 14. März 2000 verneint worden.
Aus den gutachterlichen Feststellungen vom 15. Januar 2010 werde deutlich, dass
beim Beschwerdeführer keine mit den somatischen Beschwerden korrelierenden
organisch nachweisbaren Befunde vorlägen. Es würden vorwiegend ätiologisch-
pathogenetisch unerklärliche syndromale Leidenszustände beschrieben, denen infolge
der fehlenden Objektivierbarkeit keine invalidisierende Wirkung zukomme. Der
kardiologischen Problematik sei einzig eine qualitative Einschränkung zugemessen
worden. Aufgrund der plausiblen Feststellungen lasse sich mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit schliessen, dass sich das somatische Zustandsbild des
Beschwerdeführers seit Erlass der Verfügung vom 17. Oktober 2000 nicht
anspruchserheblich verändert habe. Was das psychische Leiden betreffe, habe der
erstbegutachtende Psychiater im Februar 2000 eine psychische Überlagerung von
körperlichen Beschwerden bei Störung der Persönlichkeitsentwicklung mit
zyklothymen Zügen diagnostiziert und erklärt, in erster Linie lägen IV-rechtlich nicht
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relevante soziale Faktoren vor. Die psychische Störung trete in den Hintergrund. Bei
der Begutachtung im Oktober 2010 (wohl: 2009) seien eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung, eine Persönlichkeits-Akzentuierung mit passiv-aggressiven und
paranoiden Zügen und eine demenzielle Entwicklung bei atypischer Depression
diagnostiziert worden. Schon allein aufgrund der geänderten Diagnosen erscheine
überwiegend wahrscheinlich, dass sich der psychische Gesundheitszustand seit der
ersten Begutachtung massgeblich verändert habe. Unbestrittenermassen sei die Frage
der invalidisierenden Wirkung der genannten Diagnosen anhand der Rechtsprechung
zur somatoformen Schmerzstörung zu prüfen. Es sei zu entscheiden, ob die aus
psychiatrischer Sicht anerkannte volle Arbeitsunfähigkeit den rechtlichen Kriterien
standhalte. Die zumutbare Willensanstrengung sei eine ausserhalb des
Kompetenzbereichs des Arztes liegende Rechtsfrage. Es könnten sich daher
Konstellationen ergeben, bei denen von einer anderen als der im Gutachten attestierten
Arbeitsfähigkeit auszugehen sei, ohne dass am Beweiswert des Gutachtens
Einschränkungen zu machen wären. Der im Jahr 2009 begutachtende Psychiater habe
die Voraussetzungen einer Zumutbarkeit der Willensanstrengung zur
Schmerzüberwindung verneint. Der verwendete Diagnose-Code bezeichne aber nicht
eine Persönlichkeits-Akzentuierung, sondern eine Persönlichkeitsänderung. Hierfür sei
erforderlich, dass diese Änderung anhaltend und lebensverändernd sei und auf eine
tiefgreifende, existenziell extreme Erfahrung zurückgeführt werden könne. Eine solche
Erfahrung habe der Psychiater aber nicht erwähnt. In der Rentenablehnung könne sie
nicht liegen. Die diagnostischen Voraussetzungen seien nicht erfüllt. Der
Beschwerdeführer habe bei den letzten beiden Begutachtungen ein ausgeprägtes
aggravatorisches Schmerzverhalten gezeigt. Das verdeutliche seine anhaltende
Rentenbegehrlichkeit. Dass dieses Verhalten infolge der Persönlichkeitsänderung nicht
bewusst steuerbar sei, sei nicht nachvollziehbar. Mit der Persönlichkeits-Akzentuierung
liege keine erhebliche psychische Komorbidität vor. Der Psychiater habe des Weiteren
eine atypische Depression diagnostiziert. Er habe in einem 80 Minuten dauernden
Explorationsgespräch mit Hilfe eines Übersetzers trotz schlechter Kollaboration des
Beschwerdeführers einen psychiatrischen Befund erheben können, habe aber keine
gemäss ICD-Klassifikation typischen depressiven Symptome aufgeführt. Dass neu
Gesundheitsschäden im Sinn einer atypischen, aber schweren und chronifizierten
depressiven Störung objektiver geworden seien sollten, erstaune daher. Ausserdem
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habe auch Dr. F._ kein schweres depressives Zustandsbild erwähnt. Die von diesem
Arzt genannte Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode könne
rechtsprechungsgemäss regelmässig nicht als von depressiven
Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im Sinn eines
verselbständigten Gesundheitsschadens betrachtet werden, die es verunmögliche, die
Folgen der Schmerzproblematik zu überwinden. Der Beschwerdeführer habe zudem
nicht in regelmässiger Therapie gestanden, was gegen einen erheblichen psychischen
Leidensdruck spreche. Dazu komme, dass die Atrophie der Hippocampus-Region nicht
als deutlicher Hinweis für eine depressive Störung betrachtet werden könne, da sie
gemäss gutachterlicher Beurteilung degenerativ sei und sich ein Zusammenhang nicht
herleiten lasse. Auch aus den Selbstangaben im Patienten-Gesundheits-Fragebogen
lasse sich nicht auf eine ausgeprägte depressive Störung schliessen, da der
Beschwerdeführer stark übertriebene Angaben gemacht habe. Dem schematischen,
testmässigen Erfassen der Psychopathologie nach bestimmten Skalen, die auf
Angaben der versicherten Person selbst beruhten, komme ohnehin höchstens
ergänzende Funktion zu. Entscheidend sei die klinische Untersuchung mit
Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung. Der vom
begutachtenden Psychiater erfasste Befund schliesse das Vorliegen einer
ausgeprägten depressiven Störung aus. Da eine psychische Komorbidität nicht
vorliege, müsste sich eine invalidisierende Wirkung der somatoformen Schmerzstörung
aus den weiteren relevanten Kriterien ergeben. Der Gutachter erwähne einen sozialen
Rückzug des Beschwerdeführers, allerdings ohne nähere Begründung und bei Fehlen
von Angaben zu dessen Tagesablauf und allfälligen ausserhäuslichen Aktivitäten. Dass
der Beschwerdeführer mit der Ehefrau im selben Haus lebe wie die Familie seines
Sohnes spreche klar gegen einen sozialen Rückzug. Das generalisierte chronische
Schmerzsyndrom könne nicht als chronische körperliche Begleiterkrankung gelten, weil
es das Leiden sei, das die anhaltende Schmerzstörung aufrechterhalte. Der
beschriebene primäre Krankheitsgewinn genüge allein nicht, um eine invalidisierende
Wirkung zu bejahen, denn eine Konfliktsituation werde nicht beschrieben. Ein
mehrjähriger chronifizierter Krankheitsverlauf sei bei einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung diagnosespezifisch und daher nicht ausschlaggebend. Ein Scheitern
einer konsequent durchgeführten Behandlung sei ebenfalls nicht zu verzeichnen, da
der Beschwerdeführer bisher keine psychiatrisch-psychosomatische Therapie in
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Anspruch genommen habe, während solche Störungen aber grundsätzlich
therapeutisch angehbar seien. Entgegen der gutachterlichen Auffassung bestehe somit
kein Raum für die Annahme einer durch psychische Leiden bedingten
Arbeitsunfähigkeit. Die Veränderung seit Oktober 2000 habe sich mangels
invalidisierender Wirkung nicht anspruchserheblich ausgewirkt. Ein neuer
Einkommensvergleich brauche nicht durchgeführt zu werden.
E.
Am 30. April 2012 hat die Verfahrensleitung dem Gesuch um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) entsprochen.
F.
Mit Replik vom 20. Juni 2012 legt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers dar,
Gegenstand des Verfahrens bilde eine medizinische Frage, wie sich aus dem Entscheid
vom 14. Oktober 2008 ergebe. Diese sei vom dritten Gutachten in aller Klarheit
beantwortet worden. Dass eine angesehene Institution wie die MEDAS Ostschweiz mit
ihrer Beurteilung völlig daneben liegen sollte, sei unverständlich. Der psychische
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich seit der Erstbegutachtung
massgeblich verschlechtert. Es liege eine eigenständige psychiatrische Erkrankung vor,
die nicht als somatoforme Schmerzstörung einzustufen sei und auch nicht eine leichte
Störung sei, die nur im Zusammenhang mit einer solchen stehe. Das Gutachten habe
die Atrophie im Gehirn als einen der objektivierbaren Befunde und somatische Ursache
der Störungen definiert. Die Persönlichkeitsänderung sei demnach eine Folge einer
Schädigung oder Krankheit. Sollte die Frage nach dem Vorliegen der typischen
depressiven Symptome von Bedeutung sein, müsste eine Rückweisung erfolgen. Der
Experte der Psychiatrie habe sich im Gutachten von 2010 mit den Vorberichten von
Dr. F._ befasst, der schon 2007 und 2009 eine mittelschwere depressive Störung
diagnostiziert habe, und habe dann nach einer weiteren Entwicklung eine schwere
depressive Störung vorgefunden. Die Beschwerdegegnerin wolle nicht wahrhaben,
dass der Zustand des Beschwerdeführers schon längere Zeit so schlecht sei, dass die
psychische Störung auch durch eine regelmässige Therapie nicht zielführend
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angegangen werden könnte. Es spielten ja auch eine organische Ursache und die
chronischen Schmerzen eine Rolle. Die MEDAS habe festgehalten, dass eine
erfolgsversprechende Therapie nicht mehr denkbar wäre. Mit dem Leidensdruck habe
das nichts zu tun. Die MEDAS habe schliesslich auch nochmals wiederholt, dass der
Beschwerdeführer einem Arbeitgeber nicht mehr zumutbar wäre.
Die Beschwerdegegnerin hat am 28. Juni 2012 auf die Erstattung einer Duplik
verzichtet.

Erwägungen:
1.
1.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 17. Februar 2012 hat die Beschwerde
gegnerin das Leistungsgesuch des Beschwerdeführers vom Februar 2005
(Neuanmeldung) abgewiesen. Zu beurteilen ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum
Zeitpunkt des Erlasses dieser Verfügung entwickelt hat. Dieser Sachverhalt reicht in
eine Zeit vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 zurück. Der
Rentenbeginn richtet sich allenfalls (bei der Anmeldung vom Februar 2005 und einem
Beginn der ununterbrochenen Arbeitsunfähigkeit vor 2008) nach altem Recht (aArt. 29
Abs. 1 IVG; aArt. 48 Abs. 2 IVG: Leistungen können für die zwölf der Anmeldung
vorangehenden Monate ausgerichtet werden).
1.2 Der Beschwerdeführer beantragt wie schon im Verwaltungsverfahren einzig
Rentenleistungen. Streitgegenstand bildet daher der allfällige Rentenanspruch. Ergäbe
sich allerdings, dass ohne Eingliederungsmassnahmen ein Rentenanspruch in Frage
stünde, so gehörte zum Streitgegenstand notwendigerweise auch die Frage, ob die
Verwaltung den Grundsatz "Eingliederung vor Rente" beachtet und eine allfällige Pflicht
des Beschwerdeführers zu Massnahmen korrekt in Anspruch genommen habe.
2.
2.1 Nach Art. 28 IVG (in der vom 1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2007 gültig ge
wesenen wie der auf den 1. Januar 2008 hin geänderten Fassung) besteht der
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
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70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), nach Art. 16 ATSG in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
3.
3.1 Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung. Der Arzt sagt, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen
bzw. geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist, wobei er sich vor allem
zu jenen Funktionen äussert, welche für die nach seiner Lebenserfahrung im
Vordergrund stehenden Arbeitsmöglichkeiten wesentlich sind (BGE 107 V 17 = ZAK
1982 S. 34). Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es also, den Gesundheitszustand zu
beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind im
Weiteren eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V
99 f. E. 4). Die (ärztlichen) Abklärungen haben den IV-Organen die für die Beurteilung
des Anspruches auf Leistungen erforderlichen medizinischen Angaben zu beschaffen
(BGE 123 V 175). - Unter dem Blickwinkel der Unterscheidung zwischen Tat- und
Rechtsfrage hat das Bundesgericht festgehalten, die Feststellung des
Gesundheitsschadens (d.h. die Befunderhebung und die gestützt darauf gestellte
Diagnose) betreffe eine Tatfrage. Zu der - durch die festgestellten
Gesundheitsschädigungen kausal verursachten - Arbeitsunfähigkeit nehme die
Arztperson Stellung. Soweit die ärztliche Stellungnahme sich zu dem in Anbetracht der
festgestellten (diagnostizierten) gesundheitlichen Beeinträchtigungen noch
vorhandenen funktionellen Leistungsvermögen oder (wichtig vor allem bei psychischen
Gesundheitsschäden) zum Vorhandensein und zur Verfügbarkeit von Ressourcen
ausspreche, welche eine versicherte Person im Einzelfall noch habe, handle es sich
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ebenfalls um eine Tatfrage. In diesem Sinn sei die aufgrund von (medizinischen)
Untersuchungen festgestellte Arbeits(un)fähigkeit Entscheidung über eine Tatfrage. Als
solche erfasse sie auch den in die gesetzliche Begriffsumschreibung der
Arbeitsunfähigkeit nach Art. 16 ATSG integrierten Aspekt der zumutbaren Arbeit; denn
in dem Umfang, wie eine versicherte Person von funktionellem Leistungsvermögen und
Vorhandensein/Verfügbarkeit psychischer Ressourcen her eine (Rest-)Arbeitsfähigkeit
aufweise, sei ihr die Ausübung entsprechend profilierter Tätigkeiten zumutbar, es sei
denn, andere als medizinische Gründe stünden der Bejahung der Zumutbarkeit im
Einzelfall in invalidenversicherungsrechtlich erheblicher Weise entgegen, was jedoch
nur in sehr engem Rahmen der Fall sein könne (vgl. BGE 132 V 393).
3.2 Art. 4 Abs. 1 IVG versichert zu Erwerbsunfähigkeit führende Gesundheitsschäden.
Eine (durch eine Gesundheitsschädigung bedingte) Beeinträchtigung der
Erwerbsfähigkeit muss in jedem Einzelfall unabhängig von der Diagnose und
grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt
sein (vgl. BGE 127 V 294, BGE 99 V 28). Beeinträchtigungen der Erwerbsfähigkeit,
welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, Arbeit in
ausreichendem Masse zu verrichten, zu vermeiden in der Lage wäre, sind nicht als
Auswirkungen einer krankhaften (dort: seelischen) Verfassung zu betrachten (BGE 102
V 165).
3.3 Entscheidend ist im Ergebnis die nach einem weitgehend objektivierten Massstab
vorzunehmende Beurteilung, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres
Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten
offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für
die Gesellschaft tragbar sei (vgl. BGE 127 V 294; vgl. zum Ganzen auch BGE 139 V
547).
3.4 Steht fest, dass ein solcher Krankheitszustand mit (unüberwindlichem, d.h. ganze
oder teilweise Unzumutbarkeit einer Tätigkeit bewirkendem) Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit vorliegt, ist unerheblich, ob auch soziale, invalidenversicherungsfremde
Faktoren als (Teil-) Ursache bei dessen Entstehung eine wesentliche Rolle gespielt
haben (vgl. BGE 139 V 547 E. 3.2.2).
4.
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4.1 Zu beurteilen ist wie erwähnt eine Neuanmeldung vom Februar 2005, welche
wegen einer Verschlechterung des Gesundheitszustands erfolgt ist, nachdem vorher
rechtskräftig festgestellt worden war, dass bis zum 17. Oktober 2000 kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad aufgetreten ist. Der Beschwerdeführer war ab
9. Dezember 2004 während etwa eines Monats psychiatrisch hospitalisiert gewesen.
4.2 Zum relevanten medizinischen Sachverhalt ab 2004 liegen zwei polydisziplinäre
Gutachten vor. Das Verlaufsgutachten vom 4. Januar 2007 ist, wie bereits im Entscheid
vom 14. Oktober 2008 dargelegt, nicht ausreichend klar und eindeutig. Denn einerseits
wurde festgestellt, der die Arbeitsfähigkeit einschränkende Einfluss der psychischen
Faktoren sei wie bereits im Gutachten von 2000 auf 20 % zu schätzen (act. 137-10)
und neue Funktionsausfälle seien im Vergleich aus psychiatrischer Sicht nicht
objektivierbar (act. 137-11). Anderseits wurden dennoch Veränderungen beschrieben,
indem darauf hingewiesen wurde, dass das Bild nun einer zunehmenden Resignation,
Fixierung und Chronifizierung des subjektiven Krankheitsverständnisses entspreche
und eine Verstärkung des passiv-aggressiven Fehlverhaltens eingetreten sei
(act. 137-11). Es übersteige die geistigen Fähigkeiten und emotionalen Kräfte des
Beschwerdeführers, das als neurotisch anzusehende Verhaltensmuster aufzugeben
(act. 137-11). Zudem wurde - was bei entsprechender medizinischer Grundlage auf
eine volle Arbeitsunfähigkeit schliessen liesse - festgehalten, mit dem
Krankheitsgebaren und der emotionalen Instabilität sei der Beschwerdeführer einem
Arbeitgeber nicht mehr zumutbar, und zwar seit Dezember 2004 (act. 137-10). Im
psychiatrischen Teilgutachten war ausserdem dargelegt worden, die
Persönlichkeitsstörung habe keinen Krankheitswert, aber auch, der Beschwerdeführer
dürfte anfänglich noch etwas bewusster aggraviert und verdeutlicht haben, doch im
Lauf der Jahre habe er sich zunehmend mit der Invalidenrolle identifiziert und das
subjektive Krankheitsverständnis fixiert. Die im Vorgutachten bezeichnete Pathologie
dürfte sich gewandelt und festgefahren haben, so dass bis anhin das Bildeiner
paranoiden Persönlichkeitsstörung entstanden sei (act. 137-21).
5.
5.1 Das Gutachten vom 15. Januar 2010 nun gelangt zum Ergebnis, dass die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers (auch) für eher leichtere Tätigkeiten
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weitgehend eingeschränkt sei, und zwar vorwiegend aufgrund von psychischen
Faktoren. Der Beschwerdeführer hat gemäss dem Gutachten die Fähigkeit, Arbeit zu
leisten, krankheitsbedingt weitgehend eingebüsst, und zwar bereits ab Dezember
2004.
5.2 Auf diese gutachterliche, namentlich fachärztlich-psychiatrisch begründete
Beurteilung kann abgestellt werden: Der Gutachter der Psychiatrie hat nämlich
aufgezeigt, dass die Untersuchungen samt ausführlichen und gut nachvollziehbaren
Berichten von Dr. F._ die Möglichkeit des Beschwerdeführers, sein
Krankheitsgebaren je nach Kontext zu steuern, stark relativiert hätten. Er hat sich auch
der Befundbeschreibung jenes Facharztes angeschlossen, indem er schreibt, dieser
habe gut nachvollziehbar diverse Einschränkungen feststellen können (eigener Befund
vgl. act. 200-20). Es bestünden danach eine Einschränkung der Orientierung, eine
Störung des formalen Denkens, eine psychische und motorische Verlangsamung, eine
deutlich gesteigerte Erregbarkeit und eine Freud- und Ziellosigkeit. Ferner hat der
Gutachter die Richtigkeit der gestellten Differentialdiagnose einer organischen Demenz
oder einer depressiven Pseudo-Demenz bestätigt und auch die Feststellung
übernommen, dass die MRI-Untersuchung des Gehirns keinen Anhaltspunkt für eine
der häufigeren progredienten Demenzerkrankungen ergeben habe, die Hypotrophie im
Bereich der Pedes hippocamporum aber ein deutlicher Hinweis auf eine chronifizierte
depressive Störung sei, die so fixiert sei, dass sich das bereits in den Hirnstrukturen
niedergeschlagen habe (act. 200-7 bzw. act. 200-21 f.). Der MRI-Befund vom
16. Oktober 2007 wird vom Gutachter der Psychiatrie demnach ebenfalls als Hinweis
auf ein organisches Substrat (als Folge) des beim Beschwerdeführer vorgefundenen,
psychiatrischen Leidens betrachtet. Im Gutachten wird dazu festgehalten, die Atrophie
sei wohl degenerativ (act. 200-10). Weshalb diese Qualifikation als "degenerativ" die
vorhergehende - immerhin fachmedizinische - Aussage entwerten sollte, ist nicht
ersichtlich. Auch wenn es sich nach ärztlicher Beurteilung lediglich um einen deutlichen
Hinweis auf eine chronifizierte depressive Störung handelt und ein Zusammenhang
damit nicht strikt ausgewiesen ist, so ist doch jedenfalls der Befund als solcher
ausgewiesen und liegt nach medizinisch-gutachterlich festgestellter Diagnose wie
erwähnt (unter anderem) eine demenzielle Entwicklung bei atypischer Depression vor.
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5.3 Mit der übereinstimmenden Beurteilung von Gutachter und behandelndem
Spezialarzt und dem bildgebend erstellten Befund liegt eine gewichtige Begründung
der attestierten Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers vor.
5.4 Dazu kommt, dass Dr. F._ aufgrund des vorgefundenen psychopathologischen
Bildes zunächst auch ein insultbedingtes Geschehen in Erwägung gezogen hat.
Der Gutachter der Psychiatrie seinerseits nennt als Differenzialdiagnose ein Ganser-
Syndrom. Das deutet darauf hin, dass die vorgefundenen Störungen beträchtlich sind.
Im Spital G._ wurde gemäss dessen Bericht vom 9. Oktober 2008 im Übrigen ein
unklares Hemisyndrom rechts diagnostiziert, das sich allerdings im Verlauf der
Hospitalisation wieder verlor. Ein MRI Neurocranium und eine MR-Arteriographie
intracraniell nativ vom 2. Oktober 2008 hatten keinen Anhaltspunkt für eine frische
Ischämie geliefert, hingegen mehrere supratentorielle Glioseherde bei V.a. chronische
Marklagerischämien aufgezeigt (act. 170).
5.5 Der Gutachter der Psychiatrie erklärte ferner, schon bei der Begutachtung vom
Oktober 2006 habe sich der Beschwerdeführer bei unkollaborativem Verhalten in einem
Ausmass aggravierend und übertreibend dargestellt, dass davon auszugehen gewesen
sei, dass er nicht mehr in der Lage sei, mit seiner chronifizierten Krankheitsrolle
umzugehen, sondern dass er Opfer einer langjährigen psychosomatischen
Fehlentwicklung mit eingeschliffenen paranoiden Denkmustern und somatischer
Dekonditionierung mit Krankheitswert geworden sei. Schon damals sei dargelegt
worden, dass diese Persönlichkeitsänderung von Krankheitswert ihn für Dritte auf dem
Arbeitsmarkt als nicht mehr zumutbar habe erscheinen lassen. Es sei auch damals
bereits darauf hingewiesen worden, dass eine schwere depressive Störung nicht
ausgeschlossen sei (act. 200-6 f., act. 200-21). Wie oben dargelegt, war schon im
Gutachten von 2007 festgehalten worden, das subjektive Krankheitsverständnis sei
fixiert. Diese Beurteilung erscheint nachvollziehbar, war doch bereits im Gutachten von
2000 eine Störung der Persönlichkeitsentwicklung festgestellt worden. Gemäss dem
Gutachten von 2010 sind neu nun Gesundheitsschäden im Sinn einer atypischen, aber
schweren und chronifizierten depressiven Störung objektivierbarer geworden
(act. 200-12). - Die Gutachter waren sich, wie sich aus verschiedenen Formulierungen
ergibt, der Erforderlichkeit einer Unterscheidung zwischen subjektivem
Arbeitsunfähigkeitsempfinden des Betroffenen und dem Umfang medizinisch objektiv
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zumutbarer Arbeitsleistung bewusst. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass
sie beim Ergebnis ihrer Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit ausschliesslich
die krankheitsbedingten, unbeeinflussbaren Faktoren berücksichtigt haben. Wie sie
darlegen, haben die Gesundheitsschäden des Beschwerdeführers die Konsequenz
einer weitgehenden Arbeitsunfähigkeit.
5.6 Betreffend die Frage nach Demenz oder Pseudodemenz hat der Gutachter der
Psychiatrie im Übrigen dafürgehalten, diese sei nur mittels neuropsychologischer
Testung, beinhaltend auch Verfahren zur Beurteilung der Authentizität (in der
Muttersprache oder durch Angaben von neutralen Beobachtern über einen längeren
Zeitraum), zu beantworten. Im Gutachten wird aber dargelegt, von einer solchen
Untersuchung sei kaum ein relevantes Resultat zu erwarten, und zwar nicht nur wegen
sprachlicher Barrieren, sondern auch weil die extrem tiefe Selbsteinschätzung auf eine
so starke Selbstlimitierung schliessen lasse. Der Entscheid der Gutachter, von weiteren
(neuropsychologischen) Abklärungen abzusehen, ist als gerechtfertigt zu betrachten.
Denn es ist beim Beschwerdeführer zwar bereits 1998 fehlende Motivation festgestellt
worden, doch ist nach dem oben Dargelegten davon auszugehen, dass (nach Ablauf
der langen Zeit) eine Chronifizierung des Verhaltens vorliegt, die so stark ist, dass
dieses nicht mehr gesteuert werden kann und Krankheitswert und Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit hat.
5.7 Der Gutachter der Psychiatrie hält des Weiteren fest, mit einer gewissen
Wahrscheinlichkeit sei von einer Mischform bzw. einer Interdependenz zwischen den
Störungen (anhaltende somatoforme Schmerzstörung, Persönlichkeits-Akzentuierung
und demenzielle Entwicklung bei atypischer Depression) auszugehen (act. 200-7 bzw.
act. 200-21 f.). Die Differenz zwischen Diagnosebezeichnung und Code und der
Umstand, dass das psychiatrische Leiden mit unterschiedlichen Diagnosen bezeichnet
worden ist, vermögen keinen relevanten Zweifel an der Stichhaltigkeit der
fachärztlichen Beurteilung zu begründen. Vorliegend ist also davon auszugehen, dass
nicht nur ein chronisches Schmerzsyndrom und eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung, sondern auch eine Persönlichkeits-Akzentuierung bzw. -störung und
eine demenzielle Entwicklung bei atypischer Depression vorliegen, womit bei
Anwendbarkeit der Rechtsprechung zur somatoformen Schmerzstörung von einer
erheblichen, langdauernden Komorbidität auszugehen ist. Diesbezüglich wurde im
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Gutachten im Übrigen ausdrücklich festgehalten, dass die Voraussetzungen für eine
Zumutbarkeit einer Willensanstrengung zur Schmerzüberwindung angesichts der
beschriebenen Persönlichkeitsänderung nicht gegeben seien (act. 200-11; erwähnt
werden ebenfalls kognitive Ausfälle und psychomotorische Hemmung, act. 200-12,
wohl als Ausdruck der vierten Hauptdiagnose). Es werden ferner die Kriterien des
sozialen Rückzugs und der Flucht in die Krankheit bejaht.
5.8 Dem Gutachten kommt, wie auch die Beschwerdegegnerin annimmt, der
erforderliche Beweiswert zu. Das hat ebenso für das konkret (im Einzelfall)
bekanntgegebene medizinische Ergebnis zu gelten. Unter rechtlichem Aspekt kann
keine Leistung als zumutbar bezeichnet werden, welche über das aus fachärztlich-
medizinischer Sicht das Höchstmass Bildende hinausgeht.
5.9 Anzumerken ist, dass die Abklärung, was den somatischen Gesundheitsschaden
betrifft, welcher dem Schmerzsyndrom zugrunde liegt, dürftig erscheint. Die Rücken
beschwerden wurden gemäss dem Gutachten vom 15. Januar 2010 als weichteil
rheumatisches Schmerzsyndrom ohne erkennbare organische Ursache betrachtet
(act. 200-10). Weder bei der Begutachtung vom Oktober 2006 noch bei jener vom
Oktober 2009 wurden aber - trotz namentlich des MRI-Befundes vom 1. Dezember
1997 (act. 12-2 f.) - Bilder von LWS oder HWS angefertigt (act. 137-6, act. 200-6).
Angesichts der (hauptsächlich zufolge der psychiatrischen Leiden) gutachterlich
attestierten weitreichenden Arbeitsunfähigkeit, von welcher es sich rechtfertigt, sie als
eine jedenfalls 70 % übersteigende, wohl volle Arbeitsunfähigkeit zu verstehen, ist auf
eine diesbezügliche Ergänzung zu verzichten.
6.
6.1 Der Eintritt des Rentenfalls wird durch Art. 29 Abs. 1 IVG (wie oben erwähnt in der
bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung) geregelt. Der Rentenanspruch
entsteht (abgesehen von der hier nicht anwendbaren lit. a) frühestens in dem Zeitpunkt,
in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen war (lit. b).
Die einjährige Wartezeit gilt als eröffnet, sobald eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens
20 % vorliegt (AHI 1998 S. 124 E. 3c). Ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsfähigkeit
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liegt vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen
voll arbeitsfähig war (Art. 29 IVV; Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S K. vom 26. März 2004, I 19/04). Auch vor der Anmeldung
liegende Zeiten von Arbeitsunfähigkeit sind zu berücksichtigen (ZAK 1966 S. 58; Ulrich
Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 1. A., Zürich 1997, S. 238; BGE
117 V 26 E. 3b; BGE 121 V 264; Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
i/S C. vom 2. März 2000, I 307/99).
6.2 Nach der Aktenlage ist anzunehmen, dass die weitgehende Arbeitsunfähigkeit
bereits ab dem Klinikeintritt gutachterlich als medizinisch ausgewiesen betrachtet wird.
In Bezug auf die erforderliche Wartezeit rechtfertigt es sich, von einer
Arbeitsunfähigkeit von 100 % ab 9. Dezember 2004 auszugehen. Zuvor hatte eine
Arbeitsunfähigkeit von 20 % bestanden. Ein Durchschnitt an Arbeitsunfähigkeit von
40 % wird daher nach neun Monaten mit 20 % und drei Monaten mit 100 %
Arbeitsunfähigkeit erreicht, das heisst im März 2005. Zu jenem Zeitpunkt war die
Erwerbsunfähigkeit grösser als 70 % (und berufliche Massnahmen kamen nicht in
Frage). Trotz der Invalidität von mehr als 70 % konnte zunächst noch kein Anspruch
auf eine ganze Rente entstehen, weil für die massgebliche Rentenstufe beide Elemente
in der jeweiligen Höhe vorhanden sein müssen (vgl. AHI 1996 S. 187; vgl. Rz 4001 f.
des vom Bundesamt für Sozialversicherungen erlassenen Kreisschreibens über
Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH, in der Fassung 2004).
Vielmehr entstand zunächst ab 1. März 2005 ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Nach
Ablauf von drei Monaten, somit ab 1. Juni 2005, hat der Beschwerdeführer dann
Anspruch auf die ganze Rente. Denn bei der rückwirkenden stufenweisen
Rentenzusprechung richtet sich der Zeitpunkt einer Rentenerhöhung nach Art. 88a
Abs. 2 IVV (Art. 88 Abs. 2 IVV findet keine Anwendung; vgl. BGE 109 V 125). Nach
Art. 88a Abs. 2 IVV ist eine anspruchsbeeinflussende Änderung bei einer
Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit zu berücksichtigen, sobald sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat. Art. 29 IVV ist sinngemäss
anwendbar.
7.
ter
bis
bis
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7.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 17. Januar 2012 gutzuheissen und dem Beschwerde
führer ist ab 1. März 2005 eine Viertelsrente und ab 1. Juni 2005 eine ganze Rente
zuzusprechen.
7.2 Angesichts des vollen Unterliegens der Beschwerdegegnerin (die Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung an den Beschwerdeführer vom 30. April 2012 ist damit
obsolet geworden) rechtfertigt es sich, ihr die Gerichtskosten, die nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1
IVG), gesamthaft aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP/SG). Eine Entscheidgebühr von
Fr. 600.-- erscheint angemessen.
7.3 Der Beschwerdeführer hat bei vollem Obsiegen auch Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61
lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung der Streitsache
und dem Aufwand angemessen erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgerich