Decision ID: b6a497eb-70d4-545d-bd21-eb77ccad59b2
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Im Gebiet F._ wurde 2012 eine Fläche von rund 7'373 m2 als Bauland
eingezont und der Wohnzone W2 zugewiesen. Die zehn Bauparzellen werden durch eine
neue Detailerschliessungsstrasse mit Wendehammer erschlossen. Die Beschwerdegegner
planen, die oberste Parzelle beim Wendehammer zu erwerben und darauf ein
Einfamilienhaus mit Doppelgarage zu erstellen (Diemtigen Gbbl. Nr. G._). Am 27.
November 2018 reichten sie bei der Gemeinde Diemtigen ein entsprechendes Baugesuch
ein. Dazu beantragten sie Ausnahmen für das Unterbrechen der Trauflinie und für das
Unterschreiten des Strassenabstands im Bereich des Wendehammers um 1,60 m. Gegen
das Bauvorhaben erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache.
2. Mit Entscheid vom 2. April 2019 erteilte die Gemeinde Diemtigen die Baubewilligung
sowie die Ausnahmebewilligungen zur Unterschreitung des Strassenabstands um 1,60 m
und für die Unterbrechung der Trauflinie. Auf die Einsprache der Beschwerdeführenden trat
die Gemeinde nicht ein (Ziffer 5.3 des Dispositivs).
3. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 30. April 2019 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sinngemäss
beantragen sie die Aufhebung des Bauentscheids vom 2. April 2019. Sie rügen
insbesondere, die Unterschreitung des Strassenabstands beeinträchtige die Funktion des
Wendehammers und die Verkehrssicherheit. Der Wendehammer, der teilweise auf der
Bauparzelle Nr. G._ liege, sei Bestandteil der Detailerschliessungsstrasse und
müsse in das Eigentum der Gemeinde übergehen. Bislang sei weder eine Abparzellierung
vorgesehen noch ein öffentliches Überfahrts- und Wenderecht im Grundbuch eingetragen
worden. Die Gemeinde sei zu Unrecht nicht auf ihre Einsprache eingetreten. Zudem rügen
sie eine Verletzung des rechtlichen Gehörs.
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die Vorakten
ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde schliesst mit Beschwerdeantwort
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191)
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vom 24. Mai 2019 auf Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdegegner beantragen mit
Beschwerdeantwort vom 27. Mai 2019, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit auf diese
überhaupt einzutreten sei.
5. Das Rechtsamt stellte den Beschwerdeführenden die Eingaben und Berichte des vor-
instanzlichen Verfahrens zu, die sie nicht erhalten hatten. Es warf die Frage auf, ob beim
Bauvorhaben der grosse Grenzabstand eingehalten sei und ob für die Unterschreitung des
Strassenabstands besondere Verhältnisse vorliegen würden. Die Verfahrensbeteiligten
erhielten Gelegenheit, sich dazu zu äussern.
Die Gemeinde nahm mit Eingabe vom 24. Juli 2019 Stellung zu diesen Punkten. Die
Beschwerdegegner reichten zusammen mit ihrer Stellungnahme vom 26. Juli 2019 eine
Projektänderung ein, welche die Verlegung des Technikraums in das Untergeschoss der
Hauptbaute und im Gegenzug die Verlegung des Veloraums in den angebauten
Garagentrakt beinhaltet. Die Beschwerdeführenden liessen sich nicht vernehmen.
6. Das Rechtsamt gab den Verfahrensbeteiligten Gelegenheit, zur Projektänderung
Stellung zu nehmen und Schlussbemerkungen einzureichen. Die Gemeinde teilte mit
Eingabe vom 2. September 2019 mit, dass sie keine Einwände gegen die Projektänderung
habe und auf eine erneute Stellungnahme verzichte. Die Beschwerdeführenden äusserten
sich mit Stellungnahme vom 2. September 2019, die Beschwerdegegner mit
Stellungnahme vom 4. Oktober 2019.
7. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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II. Erwägungen
1. Sachurteilsvorausssetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Die Beschwerde wurde form- und fristgerecht eingereicht.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2
BauG). Die Gemeinde verneinte die Einsprachelegitimation der Beschwerdeführenden und
trat nicht auf die Einsprache ein (Ziffer 5.3 des Dispositivs). Gegen einen
Nichteintretensentscheid kann mit Beschwerde geltend gemacht werden, dass die
Gemeinde die Einsprachelegitimation zu Unrecht verneint hat. Im Streit um die eigene
Verfahrenslegitimation ist zur Beschwerde befugt, wer Verfahrensrechte ausüben will.3 Die
Beschwerdeführenden haben als Einsprecher am vorinstanzlichen Verfahren
teilgenommen und sind durch den Nichteintretensentscheid berührt. Insofern sind sie ohne
weiteres beschwerdelegitimiert.
2. Einsprachelegitimation
a) Die Gemeinde begründete die fehlende Beschwerdelegitimation der
Beschwerdeführenden insbesondere damit, dass ihr Grundstück rund 80 m (Luftlinie) und
rund 180 m (dem Strassenverlauf folgend) vom Bauvorhaben entfernt sei. Die
Beschwerdeführenden seien für ihre Zufahrt weder auf die neue
Detailerschliessungsstrasse noch auf den Wendehammer angewiesen und machten vor
allem öffentliche Interessen geltend.
Die Beschwerdeführenden bringen dagegen vor, der Wendeplatz sei Bestandteil des
Gesamtprojekts, zu dem sie ihre Zustimmung abgegeben hätten. Auch der unterste Teil
der F._strasse ‒ an dem ihr Wohnhaus liegt ‒ gehöre dazu und werde an die
Gemeinde zu Eigentum übergehen. Das Bauvorhaben beeinträchtige die Funktion des
Wendeplatzes, die Verkehrssicherheit werde beeinträchtigt. Die Beschwerdegegner
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 3 VGE 2019/35 vom 3.6.2019 E. 1.1
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machen geltend, die Einsprache- und Beschwerdelegitimation der Beschwerdeführenden
sei aus den von der Gemeinde genannten Gründen nicht gegeben.
b) Gemäss Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG sind Personen zur Einsprache befugt, welche
durch das Bauvorhaben unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen sind.
Nach Lehre und Rechtsprechung ist eine Person in schutzwürdigen Interessen berührt,
wenn sie durch ein Bauvorhaben in höherem Mass als die Allgemeinheit betroffen ist und
zum Streitgegenstand eine besondere Beziehungsnähe hat. Die Betroffenheit kann
rechtlicher oder tatsächlicher Natur sein. Sie muss aber hinreichend sein, das heisst eine
bestimmte Intensität erreichen, so dass von der Abwendung eines materiellen oder ideellen
Nachteils gesprochen werden kann. Beschwerdegründe, mit denen ein bloss allgemeines
öffentliches Interesse an der richtigen Anwendung des Rechts verfolgt wird, ohne dass der
beschwerdeführenden Person im Fall des Obsiegens ein praktischer Nutzen entsteht, sind
unzulässig.4 Als wichtiges Kriterium zur Beurteilung der Betroffenheit dient in der Praxis die
räumliche Distanz zum Bauvorhaben bzw. zur Anlage. In Baubewilligungsverfahren sind
Nachbarn zur Beschwerde befugt, deren Grundstück an das umstrittene Vorhaben
angrenzt oder lediglich durch einen Verkehrsträger davon getrennt wird. Nach der neueren
Rechtsprechung ist die erforderliche räumliche Nähe bis zu einem Abstand von etwa
100 m zu bejahen. Bei grösseren Entfernungen muss die Beeinträchtigung näher dargelegt
werden und aufgrund der konkreten Gegebenheiten glaubhaft erscheinen. Auch die Abnahme der Verkehrssicherheit kann die erforderliche Betroffenheit begründen. Bei
weiträumigen Auswirkungen kann ein grosser Kreis von Personen zur Beschwerdeführung
legitimiert sein. Massgebend ist stets eine Gesamtwürdigung anhand der tatsächlichen
Verhältnisse im konkreten Fall.5
c) Die Rügen der Beschwerdeführenden betreffen insbesondere die Auswirkungen des
Bauvorhabens auf den Wendeplatz am Ende der Detailerschliessungsstrasse. In den
Beschwerdeverfahren betreffend die Detailerschliessung des neuen Baugebiets
F._ hat die BVE die Einsprache- und Beschwerdelegitimation der
Beschwerdeführenden anerkannt. Im Entscheid vom 14. März 2018 hielt sie fest:6 "Die
Liegenschaft der Beschwerdeführenden liegt bei der Einmündung der neuen
Erschliessungsstrasse in die bestehende Strasse F._. Sofern der Wendeplatz am
4 VGE 2019/35 vom 3.6.2019 E. 3.2 5 Zum Ganzen VGE 2019/35 vom 3.6.2019 E. 3.2 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung 6 BDE vom 17. April 2014 E. 1 (RA Nr. 110/2014/19); BDE vom 24. März 2015 (RA Nr. 110/2014/143); BDE vom 14. März 2018 E. 1 (RA 110/2017/164)
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Ende der neuen Erschliessungsstrasse für grössere Fahrzeuge nicht ausreichend
dimensioniert ist, müssen diese auf der Erschliessungsstrasse rückwärts zurück fahren.
Die Fahrzeuge würden entweder bei der Einmündung in die Strasse F._ zu
wenden versuchen oder auch noch das schmale und sehr steile Strassenstück F._
bis zur H._strasse (Basiserschliessung) rückwärts hinunterfahren. Das
Bauvorhaben berührt die Verkehrssicherheit, und zwar gerade auch auf der bestehenden
F._strasse, an der die Beschwerdeführenden wohnen. Die Beschwerdeführenden
sind daher von der Projektänderung unmittelbar betroffen und zur Beschwerdeführung
legitimiert." An dieser Beurteilung der Beschwerdelegitimation hat sich nichts geändert. Der
Wendeplatz ist ein unerlässlicher Bestandteil der neuen Detailerschliessungsstrasse, die
als Sackgasse endet. Die Beschwerdeführenden sind als Anwohner der Strasse
F._ von einer möglichen Abnahme der Verkehrssicherheit betroffen, wenn der
Wendeplatz nicht uneingeschränkt zur Verfügung steht. Sie waren daher einsprachebefugt.
Obwohl die Gemeinde formell nicht auf die Einsprache der Beschwerdeführenden
eingetreten ist (Ziffer 5.3 des Dispositivs), hat sie die Einwände in den Erwägungen
inhaltlich dennoch beurteilt.
d) Die Beschwerdeführenden sind durch die Baubewilligung beschwert und daher zur
Beschwerdeführung befugt. Auf die Beschwerde ist auch in der Sache einzutreten.
e) Ist die Einsprache- und Beschwerdelegitimation gegeben, sind die
Beschwerdeführenden mit sämtlichen Rügen gegen das Bauvorhaben zum Verfahren
zugelassen. Die frühere Beschränkung auf die Einsprachegründe wurde mit dem neu
gefassten Art. 40 Abs. 2 BauG aufgehoben.
3. Wendehammer
a) Die Beschwerdeführenden rügen, der Wendehammer liege teilweise auf den privaten
Parzellen Nr. G._, I._ und J._ und könnte dem öffentlichen
Gebrauch entzogen werden. Der Wendehammer sei jedoch Bestandteil der
Gesamterschliessung und müsse zusammen mit der Strasse zu Eigentum an die
Gemeinde übergehen. Im Grundbuch sei die Abparzellierung bisher nur für die Strasse,
d.h. bis zur Bauparzelle Nr. G._, vorgesehen. Das öffentliche Befahren und
Wenden auf dem Wendehammer sei auch nicht mit Dienstbarkeiten sichergestellt. Die
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Gemeinde bringt vor, die Strasse sei bereits abparzelliert worden (neu Parzelle
Nr. K._) und werde von der Gemeinde übernommen. Eine Abparzellierung des
Wendehammers sei nicht nötig, da eine Wegrechtsdienstbarkeit errichtet worden sei. Diese
umfasse auch das Recht zur Schneedeponie auf der im Vertrag bezeichneten Fläche der
Parzelle Nr. G._. Die Beschwerdegegner erklären, sowohl die Strasse als auch
der Wendehammer gingen nach Fertigstellung unentgeltlich an die Gemeinde über. Im
Dienstbarkeitsvertrag betreffend das Weg- und Schneedeponierecht sei auch geregelt,
dass der Wendeplatz jederzeit freigehalten werden müsse.
b) Die neue Erschliessungsstrasse endet als Sackgasse und erfordert daher einen
Wendeplatz für grössere Fahrzeuge. Der Wendehammer ist bei den bestehenden engen
und steilen Verhältnissen für eine genügende, verkehrssichere Erschliessung unabdingbar,
wie die BVE in einem früheren Entscheid festgehalten hat.7 Für
Detailerschliessungsanlagen ist die Gemeinde zuständig (vgl. Art. 108 BauG); sie kann
Planung und Erstellung jedoch vertraglich den interessierten Grundeigentümern
überbinden (Art. 109 Abs. 1 BauG). Dies ist für die Erschliessung des neuen Baulandes im
F._ geschehen: Mit Infrastrukturvertrag vom 5./7. April 2011 übertrug die
Gemeinde Diemtigen der Erbengemeinschaft L._ Planung und Bau der
erforderlichen Detailerschliessungsanlagen.8 Mit Gesamtentscheid vom 17. März 2017
(bbew 87/2015) erteilte das Regierungsstatthalteramt Frutigen-Niedersimmental der
Erbengemeinschaft L._ die Baubewilligung für den "Neubau einer asphaltierten
Erschliessungsstrasse mit Kehrplatz" und der übrigen Erschliessungsanlagen.9 Am
14. September 2018 bewilligte das Regierungsstatthalteramt Frutigen-Niedersimmental die
Projektänderung "Redimensionierung des Wendehammers und Anpassung der
Längsneigung der Erschliessungsstrasse" (bbew 33/2018).10 Der Wendehammer, der sich
heute über drei Parzellen (Nr. G._, J._ und I._) erstreckt, ist Teil
der Detailerschliessungsanlage und damit eine öffentliche Strasse im Sinne von Art. 4
SG11.
7 Vgl. BDE vom 14. März 2018 E. 2b (RA 110/2017/164) 8 Infrastrukturvertrag, Beilage zur Eingabe der Gemeinde vom 24. Juli 2019 9 Vorakten "Baubewilligungsverfahren Erschliessung / 2017" 10 Vorakten "Projektänderung inkl. Beschwerdeverfahren Erschliessung / 2018" 11 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11)
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c) Nach der zwingenden Regelung von Art. 109 Abs. 2 BauG gehen
Detailerschliessungsanlagen, welche die Gemeinde von Privaten erstellen lässt, nach
ordnungsgemässer Erstellung von Gesetzes wegen zu Eigentum und Unterhalt an die
Gemeinde über. Der Gemeinderat stellt den Eigentumsübergang in einer Verfügung fest,
eröffnet diese den bisherigen Eigentümern und meldet, sobald die Verfügung rechtskräftig
ist, die neuen Eigentumsverhältnisse zur Eintragung in das Grundbuch an (Art. 109 Abs. 2
BauG). Diese Anmeldung hat nur deklaratorische Bedeutung, das bedeutet, dass die
Detailerschliessungsanlage bereits vor Eintragung im Grundbuch an die Gemeinde
übergegangen ist.12 Das blosse Errichten einer Wegrechtsdienstbarkeit zugunsten der
Gemeinde (bzw. der Allgemeinheit) ist für neue Detailerschliessungsanlagen gesetzlich
nicht vorgesehen und fällt daher ausser Betracht.13 Der vorliegende Dienstbarkeitsvertrag
vermag das Eintreten der Rechtsfolgen von Art. 109 Abs. 2 BauG nicht zu verhindern; die
Detailerschliessungsanlage, zu der auch der Wendehammer gehört, geht trotzdem von
Gesetzes wegen zu Eigentum und Unterhalt an die Gemeinde über. Es ist daher nicht
nachvollziehbar, weshalb die Gemeinde die neue Strasse nur bis zur Grenze der Parzelle
Nr. G._ und nicht mitsamt dem Wendehammer abparzellieren will. Allerdings ist
nicht ganz klar, ob der Wendehammer bereits ordnungsgemäss fertiggestellt ist.14 Der noch
anstehende Vollzug des Eigentumsübergangs der Detailerschliessungsanlage hat jedoch
keinen Zusammenhang mit dem vorliegenden Bauvorhaben und kann deshalb auch nicht
Gegenstand des Beschwerdeverfahrens sein. Darauf ist nicht weiter einzutreten.
4. Ausnahmebewilligung für die Unterschreitung des Strassenabstands
a) Umstritten ist die Ausnahmebewilligung für die Unterschreitung des
Strassenabstands um 1,60 m gegenüber dem Wendehammer. Die Beschwerdeführenden
rügen, dass der Abstand zwischen der Garage des Bauvorhabens und dem Wendeplatz
nur 2 m betrage und zu knapp bemessen sei. Der Wendehammer sei ein öffentlicher Platz,
der für Wendemanöver frei bleiben müsse. Andernfalls werde die Verkehrssicherheit
beeinträchtigt. Bei der Gesamtplanung hätte man anders planen können. Nun seien die
12 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band II, Bern 2017, Art. 109/110 N. 20 und 22 13 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O. Art. 109/110 N. 20 14 Vgl. Fotos in Beilage zur Eingabe der Beschwerdegegner vom 26. Juli 2019
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Zufahrtsstrasse samt Wendeplatz und die angrenzenden Parzellen vorgegeben. Das
Bauvorhaben müsse sich nach der Parzellengrösse richten.
Die Beschwerdegegner begründeten das Gesuch für die Unterschreitung des
Strassenabstands damit, dass die Ausnahme nötig sei, damit der Wendehammer als
Garageneinfahrt benutzt werden könne, die asphaltierte Fläche nicht unnötig vergrössert
werde und damit keine Fahrzeuge im Randbereich des Wendehammers parkiert werden
könnten.15 Im Beschwerdeverfahren machten sie geltend, die Bauparzelle steige gegen
Süden und gegen Westen stark an. Aufgrund der topografischen Gegebenheiten, der Lage
des Wendehammers auf der Bauparzelle sowie der Form des Baugrundstücks mit der
abgeschrägten östlichen Parzellengrenze lägen besondere Verhältnisse vor, die eine
Unterschreitung des Strassenabstands rechtfertigten. Das Verkehrsaufkommen sei beim
Wendehammer minimal, da sämtliche Liegenschaften über eigene Vorplätze verfügten.
Der Wendehammer werde hauptsächlich von Gemeindefahrzeugen für die
Strassenreinigung und Schneeräumung sowie von Fahrzeugen der Beschwerdegegner
und deren Besucher befahren werden. Der vorgesehene Abstand zwischen Garage und
Wendeplatz wirke sich daher nicht auf die Verkehrssicherheit aus. Auch nach Auffassung
des kantonalen Tiefbauamts, Oberingenieurkreis I (OIK I), sei die Verkehrssicherheit
gewährleistet. Der Strassenabstand werde ab Fahrbahnrand gemessen. Vorliegend werde
nicht eine Unterschreitung ab Fahrbahnrand, sondern ab Wendeplatz beantragt. Eine
solche sei für nicht zur Fahrbahn gehörende Strassenteile ohne Weiteres zulässig.
Die Gemeinde erklärt, der vorgesehene Abstand von 2 m sei ausreichend. Aufgrund der
örtlichen Gegebenheiten (Parzellenform, topografische Lage) sei eine
Ausnahmebewilligung gerechtfertigt. Zudem werde das Verkehrsaufkommen am Ende
dieser Detailerschliessungsstrasse eher bescheiden sein. Die Verkehrssicherheit werde
nicht beeinträchtigt.
b) Soweit die Gemeinde nichts anderes festlegt, gilt für Bauten und Anlagen an
Gemeindestrassen ein Strassenabstand von 3,60 m ab Fahrbahnrand (Art. 80 Abs. 1 Bst.
b SG). Die Gemeinde Diemtigen hat diesen Abstand übernommen und im Anhang A146
zum GBR16 grafisch dargestellt. Um zu den offenen Abstellplätzen und der Doppelgarage
15 Baubewilligungsakten 762/18-048 pag. 16 16 Baureglement 2012 der Gemischten Gemeinde Diemtigen, vom Amt für Gemeinden und Raumordnung genehmigt am 23. Mai 2012 (GBR)
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auf Parzelle Nr. G._ zu gelangen, muss über den Wendehammer gefahren
werden. Der Wendehammer ist keine Hauszufahrt, sondern Teil der
Detailerschliessungsstrasse. Der für die Messung des Strassenabstandes massgebende
Fahrbahnrand liegt am Rand des Wendeplatzes, wovon auch die Gemeinde ausgeht.
Gegenüber dem Wendehammer gilt somit der Strassenabstand von 3,60 m. Beim
Bauvorhaben sind nur 2 m vorgesehen, der Strassenabstand wird um 1,60 m
unterschritten.
c) Nach Art. 81 Abs. 1 SG kann das zuständige Gemeinwesen Ausnahmen von den
gesetzlichen Strassenabständen bewilligen, wenn besondere Verhältnisse, insbesondere
des Ortsbilds, es rechtfertigen und wenn dadurch weder öffentliche Interessen noch
wesentliche nachbarliche Interessen beeinträchtigt werden. Diese Voraussetzungen
müssen kumulativ erfüllt sein. Die Ausnahmeregelung von Art. 81 Abs. 1 SG ist jener von
Art. 26 BauG nachgebildet. Zur Konkretisierung von Art. 81 Abs. 1 SG kann daher die
Rechtsprechung zu Art. 26 BauG herangezogen werden.17 Eine Ausnahmebewilligung soll
die gesetzliche Regelung, welche die tatsächlichen Verhältnisse im Interesse der
Rechtssicherheit und Rechtsgleichheit generalisierend erfasst, einzelfallgerecht verfeinern.
Dabei geht es um die Behebung einer unverhältnismässigen Härte oder offensichtlichen
Unzweckmässigkeit, d.h. einer mit dem Erlass der Vorschrift nicht beabsichtigten Wirkung.
Rein finanzielle Interessen, der Wunsch nach einer Ideallösung oder intensives
Ausnützungsstreben rechtfertigen keine Ausnahmebewilligung. Ob ein Sachverhalt als
Ausnahmegrund genügen kann, hängt von drei Komponenten ab: vom Interesse des
Bauherrn an der Ausnahme, von der Bedeutung der Vorschrift, von der abgewichen
werden soll, und von Art und Mass der verlangten Abweichung.18
d) Der Strassenabstand wird durch den gesamten Garagentrakt sowie bei der
nordöstlichen Ecke des Wohnhauses um 1,6 m unterschritten. Die Normabweichung ist
sehr gross. Die Bauparzelle Nr. G._ war Teil des Gebiets, das 2012 von der
Landwirtschaftszone in die Bauzone umgezont wurde. Die Aufteilung und Erschliessung
des Baulands wurde von den Grundeigentümern (Erbengemeinschaft L._)
geplant. Sie haben die Form, Lage und Grösse der Parzelle Nr. G._ in Kenntnis
der topografischen Gegebenheiten und der Lage des Wendehammers festgelegt.
17 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 12, N. 18; vgl. Vortrag des Regierungsrates an den Grossen Rat zum Strassengesetz, in Tagblatt des Grossen Rates des Kantons Bern Januarsession 2008, Beilage 2, Erläuterungen zu den einzelnen Bestimmungen Artikel 77, S. 24 18 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 26 N. 4
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Abgesehen von der Topografie haben die Grundeigentümer somit die heutigen
Gegebenheiten geschaffen. Der Wendehammer beansprucht auf der Bauparzelle Nr.
G._ eine Fläche von rund 42 m2. Angesichts der Totalfläche von 674 m2 bleibt das
Grundstück Nr. G._ immer noch gut bebaubar.19 Ansteigendes Gelände stellt im
Oberland keine besonderen Verhältnisse dar. Das Bauvorhaben verfügt über einen
grossen vorgelagerten Garagentrakt. In diesem befindet sich auch der eigentliche Keller,
während das Wohnhaus nur auf einer Fläche von rund 18 m2 unterkellert ist. Technisch
wäre eine vollständige Unterkellerung des Wohnhauses möglich, ebenso eine
Rückversetzung des Gebäudes, zumal gegen Süden noch eine Abstandsreserve besteht.
Allfällige höhere Baukosten und der Wunsch nach einer Ideallösung vermögen eine
Ausnahmebewilligung nicht zu rechtfertigen. Es liegen somit keine besonderen
Verhältnisse vor, die eine Ausnahme zu rechtfertigen vermöchten.
e) Hinzu kommt, dass der Ausnahme das öffentliche Interesse an einem
funktionsfähigen Wendeplatz entgegensteht. Zwischen der Doppelgarage und dem
Wendehammer beträgt der Abstand lediglich 2 m. Es besteht somit kein ausreichend
grosser Vorplatz, um ein Auto abzustellen. Ein parkiertes Fahrzeug würde auf den
Wendeplatz ragen, der mit der Baubewilligung von 2018 bereits zugunsten der
überbaubaren Fläche auf Parzelle Nr. G._ redimensioniert wurde.20 Beim
Bauvorhaben sind zwar zwei ungedeckte Aussenparkplätze vorgesehen. Der Parkplatz 2
liegt jedoch vollständig im Bereich, auf dem die Gemeinde den Schnee ablagern wird.21 Die
Gemeinde erklärte, dass im Falle von grossem Schneefall keine Autos auf den beiden
Parkplätzen abgestellt werden könnten, damit sie ihr Recht auf Schneedeponierung
ausüben könne. Im Winterhalbjahr stehen somit mindestens einer, zeitweise beide dieser
Parkplätze nicht zur Verfügung. Fahrzeuge würden vor der Doppelgarage oder auf dem
Wendeplatz abgestellt und dadurch das Wenden für grössere Fahrzeugen beeinträchtigen
oder verunmöglichen.
Die Beschwerdegegner verweisen in diesem Zusammenhang auf die positive
Stellungnahme des OIK I, der die Verkehrssicherheit als gewährleistet erachtet habe. Die
Stellungnahme des OIK I vom 30. April 2018 bezog sich jedoch nicht auf die
19 Angabe gemäss Grundstückdaten-Informationssystem GRUDIS 20 Vgl. Gesamtbauentscheid zur Projektänderung vom 14. September 2018 21 Entwurf des Dienstbarkeitsvertrags vom 22. März 2019 Ziffer 2 mit Planbeilage, Beilage Nr. 4 zur Beschwerdeantwort der Beschwerdegegner
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Unterschreitung des Strassenabstands durch das vorliegende Bauvorhaben, sondern
erfolgte im Baubewilligungsverfahren betreffend die Redimensionierung des
Wendehammers.22 Der OIK I beurteilte damals nur, ob das Wenden auf dem verkleinerten
Wendehammer auch für grössere Fahrzeuge möglich und die Verkehrssicherheit der
Erschliessungsstrasse gewährleistet sei. Die Beschwerdegegner können aus der
Beurteilung des OIK I somit nichts zu ihren Gunsten ableiten.
f) Zusammenfassend bestehen keine zureichenden Ausnahmegründe. Der
Ausnahmebewilligung steht zudem das Interesse der Verkehrssicherheit entgegen. Die
Ausnahmebewilligung zur Unterschreitung des Strassenabstands wurde zu Unrecht erteilt.
g) Im Übrigen erscheint auch der Standort der Versickerungsanlage nicht glücklich
gewählt, weil er ebenfalls im Bereich des Schneedeponierechts liegt. Eine
Versickerungsmulde würde mit dem zusammengestossenen, kompakten Schnee gefüllt.
Da dieser erfahrungsgemäss nur langsam schmilzt, besteht im Frühling die Gefahr, dass
das Dachwasser nicht versickern könnte und auf ein tiefer gelegenes Grundstück
abfliessen würde.
5. Grosser Grenzabstand / Projektänderung
a) Im Beschwerdeverfahren warf das Rechtsamt der BVE die Frage auf, ob das
Bauvorhaben den grossen Grenzabstand einhalte. Das Rechtsamt teilte mit, es gehe
davon aus, dass der vorgelagerte Gebäudeteil mit der Doppelgarage, dem Keller und
Technikraum keinen Anbau im Sinne von Art. 212 Abs. 4 GBR darstelle. Die Grundfläche
betrage mehr als die reglementarischen 40 m2 resp. 60 m2; die Haustechnik sei zudem
notwendiger Bestandteil des Wohnhauses. Das Rechtsamt gehe davon aus, dass die
besonnte Längsseite auf der Südwestseite liege.
Die Beschwerdegegner erklärten, der Technikraum sei inzwischen in das Wohnhaus
verlegt worden, so dass es sich nicht mehr um einen bewohnten Anbau handle. Dazu
reichten sie eine auf A4 verkleinerte Kopie des Grundrisses Untergeschoss 1:50 vom
25.10.2018 ein. Auch der Keller könnte notfalls unter die Hauptbaute verlegt werden. Das
22 Vorakten "Projektänderung inkl. Beschwerdeverfahren Erschliessung / 2018" pag. 39A
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geplante Einfamilienhaus habe einen nahezu quadratischen Grundriss, so dass die
besonnte Längsseite nicht eindeutig bestimmbar sei und der Baugesuchsteller bestimmen
könne, auf welcher Fassade der grosse Grenzabstand gemessen werde. Wenn der grosse
Grenzabstand gegen Süden oder gegen Westen eingehalten werden müsse, sei die
Parzelle nicht mehr bebaubar. Der grosse Grenzabstand könne nur über den Anbau
hinweg gegen Osten eingehalten werden. Die Parzellenform, der Wendehammer und die
topografischen Verhältnisse rechtfertigten eine Ausnahmebewilligung bezüglich der
Festlegung des grossen Grenzabstands. Die Beschwerdegegner machen geltend, der
grosse Grenzabstand müsse gegen Südosten liegen, wie dies im gesamten
F._gebiet der Fall sei. Der Anbau sei auch nach der Projektänderung für einen
unbewohnten Anbau zu gross. Die Gemeinde erklärte, beim Bauvorhaben sei der grosse
Grenzabstand gemäss ihrer früheren Praxis durch den Strassenabstand ersetzt worden.
Sie habe die Bauverwaltung inzwischen angewiesen, diese Praxis nicht mehr fortzuführen.
Gegen die Projektänderung habe sie keine Einwände.
b) Gemäss dem am 26. Juli 2019 eingereichten Plan Grundriss Untergeschoss 1:50
(auf A4 verkleinert) haben die Beschwerdeführenden die Nutzung der
Untergeschossräume "Technik" und "Velo/KiWa" getauscht. Der Technikraum ist neu im
Untergeschossraum des Wohnhauses vorgesehen, der Raum "Velo/KiWa" im
Garagentrakt. Das Bauvorhaben bleibt damit in den Grundzügen gleich. Es handelt sich
somit um eine Projektänderung im Sinne von Art. 43 BewD23, die im laufenden Verfahren
beurteilt werden kann.
c) An der Grundfläche des Garagentrakts mit der Doppelgarage, dem Raum
"Velo/KiWa" und Keller hat sich mit der Projektänderung nichts geändert. Er weist eine
Grundfläche von rund 88 m2 auf, was die Höchstmasse für einen bewohnten Anbau von 40
m2 und für einen unbewohnten Anbau von 60 m2 bei Weitem überschreitet (vgl. Art. 212
Abs. 4 GBR). Beim Wohnhaus und dem Garagentrakt handelt sich damit um einen
Zusammenbau; das Gebäude hat eine eindeutige Längsrichtung.
d) Der grosse Grenzabstand beträgt in der Wohnzone W2 10 m und wird rechtwinklig
auf der besonnten Längsseite des Gebäudes gemessen (Art. 212 i.V.m. A143 Abs. 1
GBR). Reglementskonform müsste der grosse Grenzabstand beim Bauvorhaben auf der
23 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
RA Nr. 110/2019/75 14
Südseite eingehalten werden, was nicht der Fall ist: Der Abstand zwischen Hausfassade
und Parzellengrenze beträgt etwa 7,7 m. Es kann offen bleiben, ob aus Gründen des
Ortsbildes eine Ausnahme für die Festlegung des grossen Grenzabstands auf die
Schmalseite gegen Osten gerechtfertigt wäre, denn auch auf dieser Seite ist er nicht
eingehalten. Der vorgelagerte Bauteil (Garagentrakt) kann aufgrund seiner Grösse nicht
mehr vom privilegierten Grenzabstand für Anbauten profitieren (vgl. Art. 212 Abs. 4 GBR),
so dass der Grenzabstand ab Ostfassade des Garagentrakts gemessen wird. Die
erforderlichen 10 m sind nur gerade bei der nordöstlichen Ecke eingehalten, danach
verringert sich der Grenzabstand bis auf rund 4,2 m. Das Vorhaben bedürfte demnach
nicht nur einer Ausnahmebewilligung für die Festlegung des grossen Grenzabstands auf
die Schmalseite (Ostseite), sondern auch für die Unterschreitung des grossen
Grenzabstands um bis zu 5,8 m. Dafür sind keine zureichenden Ausnahmegründe
ersichtlich. Das Bauvorhaben mit Projektänderung vom 26. Juli 2019 ist nicht
bewilligungsfähig.
6. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden rügen eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, weil sie
nach ihrer Einsprache bis zum Bauentscheid keine weiteren Informationen erhalten hätten.
Die Beschwerdegegner sind der Ansicht, dass die Einsprecher weder Anspruch auf eine
Einigungsverhandlung noch auf weitere Informationen hatten.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV24, Art. 26 KV25 und
Art. 21 ff. VRPG26 gibt den Parteien das Recht, sich zur Sache zu äussern, erhebliche
Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen
gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder
sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern. Der Anspruch umfasst auch das Recht
der Parteien, von jedem eingereichten Aktenstück bzw. jeder Stellungnahme von Parteien
und Behörden Kenntnis zu nehmen und sich dazu äussern zu können. Das gilt unabhängig
davon, ob diese neue Tatsachen oder Argumente enthalten und ob sie die
Entscheidbehörde tatsächlich zu beeinflussen vermögen. Daher sind den Parteien im
24 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 25 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1) 26 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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Baubewilligungsverfahren sämtliche Amts- und Fachberichte sowie die Stellungnahmen
der Gegenpartei zuzustellen.27 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist ein formeller
Anspruch, dessen Verletzung grundsätzlich zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids
führt. Eine Gehörsverletzung kann aber geheilt werden, wenn die Rechtsmittelinstanz
dieselbe Überprüfungsbefugnis hat wie die Vorinstanz, keine schwerwiegende
Gehörsverletzung vorliegt und den Beschwerdeführenden aus der Heilung kein Nachteil
erwächst.28 Die Heilung des rechtlichen Gehörs ist allenfalls bei der Kostenverlegung zu
berücksichtigen.29
c) Aus den Vorakten ergibt sich, dass die Gemeinde den Beschwerdeführenden weder
die Stellungnahme der Beschwerdegegner vom 5. Februar 2019 zu ihrer Einsprache noch
die eingegangenen Fachberichte zugestellt hat. Damit wurden ihre Parteirechte bzw. das
rechtliche Gehör verletzt. Die BVE brachte den Beschwerdeführenden die entsprechenden
Aktenstücke zur Kenntnis und gab ihnen Gelegenheit, sich dazu zu äussern. Die
Gehörsverletzung konnte damit im Beschwerdeverfahren geheilt werden. Eine
Ausscheidung von Kosten zu Lasten der Gemeinde rechtfertigt sich vorliegend nicht.
7. Kosten
a) Zusammenfassend ist das Bauvorhaben nicht bewilligungsfähig. Der vorinstanzliche
Bauentscheid ist aufzuheben und dem Bauvorhaben mit Projektänderung vom 26. Juli
2019 ist der Bauabschlag zu erteilen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die
Beschwerdegegner. Sie haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
Die Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 2'000.– (Art. 103
Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV30).
b) Die Beschwerdeführenden sind nicht anwaltlich vertreten und haben daher keinen
Anspruch auf Parteikostenersatz (Art. 104 Abs. 1 VRPG).
27 BGE 133 I 100 E. 4.3 ff., 138 I 484 E. 2.1; BVR 2009 S. 328 ff. E. 2.4; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, Band I, 4. Aufl., Bern 2013, Art. N 38–39 N 9b; Urs Eymann, Das rechtliche Gehör im erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahren in, KPG-Bulletin 2006 S. 47 ff. 28 BVR 2012 S. 28 E. 2.3.5; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 21 N. 16 29 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 108 N. 9 30 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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c) Die vorinstanzlichen Baubewilligungskosten im Betrag von Fr. 2'360.60 bleiben den
Beschwerdegegnern als Baugesuchsteller auferlegt (Art. 52 BewD).