Decision ID: 1a9333d3-10ff-4985-9513-721d66e2e8f7
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die
y._
Staatsangehörige
X._
, geboren 19
85, reiste im Jahr 2010 in die Schweiz ein (
Urk.
7/3/1). Sie arbeitete zuletzt vom
2
2.
Juni
bis
3
0.
November
2020 (letzter effektiver Arbeitstag: 2
3.
September 2020)
als
Produktions
mitarbeiterin
bei der
Z._
AG
(
Urk.
7/13/1).
Am
20
.
Ap
r
il
20
21
(Eingangs
datum) meldete
sie
sich unter Hinweis auf
ein seit September 2020 bestehendes Burn-out
(Urk. 7/3/6) bei der Sozialver
sicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbe
zug an (Urk. 7/3,
Urk.
7/7
).
Die IV-Stelle zog die Akten der
Kollektiv-Kranken
ver
sicherung, der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG
(nachfolgend: Allianz)
,
bei
(
Urk.
7/11)
.
Alsdann nahm sie
den Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) vom
19
.
Mai
20
21 (Urk. 7/12
)
und den Arbeit
geber
bericht der
Z._
AG
vom 27
.
Mai
20
2
1 (Urk. 7/
13
)
zu den Akten.
Am 26. August 2021
liess die Allianz der IV-Stelle den Bericht
vom
7.
Juli 2021
zur
v
erhaltensneurologisch-neuropsychologischen Abklärung durch
Dr.
med.
A._
, FMH Neurologie, spez.
kognitive Neurologie, Verhaltens
neurologie/Neuropsychologie
,
vom 1
4.
Juni 2021
(
Urk.
7/17/2-6) sowie ihre Mit
teilung an die Versicherte vom 1
3.
Juli 2021 betreffend Leistungseinstellung per 3
1.
Juli 2021 (
Urk.
7/16) zukommen
(Urk. 7/15)
.
Mit Vorbescheid vom
15
.
Okto
ber
2021 kündigte die IV-Stelle
der Versicherten
an, dass sie ihr Gesuch um Aus
richtung
von Invalidenleistungen
abweisen werde (Urk. 7/
21
).
Dazu liess sich
die Ver
sicherte
nicht vernehmen
. D
ie IV-Stelle
wies
das Leistungsbegehren der Versicher
ten mit Verfügung vom 30. November 2021 wie vor
beschieden ab (Urk. 2).
2.
2.1
Dagegen erhob
X._
am
17
.
Dezember
2021 Beschwerde (Urk. 1). Sie bean
tragte
(
Urk.
1 S. 2):
«
1.
Es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 30.11.2021 aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen nach IVG, insbesondere eine IV-Rente auszu
rich
ten.
2.
Eventualiter sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 30.11.2021 auf
zuheben und zur Beurteilung des Leistungsanspruches der Beschwerde
führe
rin ein gerichtliches Gutachten, mindestens in der Fachrichtung Psychiatrie, zur Frage der Arbeitsunfähigkeit einzuholen, und es sei nach Vorliegen dieses Gutachtens neu über den Leistungsanspruch gemäss
Ziff.
1 des Rechtsbegehrens zu entscheiden.
3.
Subeventualiter
sei die Streitsache an die Beschwerdegegnerin zurück
zu
weisen und diese zu verpflichten, ein gerichtliches Gutachten mindestens in der Fachrichtung Psychiatrie zur Frage der Arbeitsunfähigkeit einzuholen, und es
sei
nach
Vorliegen dieses Gutachtens neu über den Leistungsanspruch gemäss
Ziff.
1 des Rechtsbegehrens zu entscheiden
.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der
Beschwerdegegnerin
.
»
2.2
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom
9
.
Februar 2022
Abweisung der Beschwerde (Urk. 6, unter Beilage der IV-Akten, Urk
. 6/1-
3
0
)
, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 16. Februar 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf Invaliden
leis
tungen hat.
1.2
Dies wurde von der Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen Verfügung vom 3
0.
November 2021 verneint, weil gemäss den ihr vorliegenden Unterlagen bei der Beschwerdeführerin keine gesundheitlichen Beschwer
den bestünden, die eine dauerhafte Einschränkung der Arbeits
fähigkeit begründen würden (
Urk.
7/21/2).
1.3
Die Beschwerdeführerin hält dem im Wesentlichen entgegen,
dass es ihr nicht an Leistungs
bereit
schaft fehle (
Urk.
1 S. 3). I
hr behan
delnde
r
Arzt
,
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie,
habe
eine mittelgradige depres
sive Störung diagnostiziert. Damit könne gemäss der bundesgerichtlichen Recht
sprechung zwar keine verlässliche
Aussage der mit dem Gesundheits
s
chaden korrelierenden funktionellen Leistungseinbusse ge
macht werden, aber es zeige sich immerhin, dass die Stellungnahme von
Dr.
A._
, welche
nota
bene
im Auftrag der Allianz eine Einschätzung vor
genom
men habe, nicht korrekt sei. Die Arbeitsunfähigkeit sei gerade nicht auf psycho
soziale und soziokulturelle Faktoren zurückzuführen, sondern basiere auf einer depressiven Erkrankung. Die Beschwerdegegnerin habe bei depressiven Störungen gemäss Bundesgericht
(BGE 143 V 409 ff.) systematisierte Indikatoren zu beachten, die es - unter Berücksich
tigung leistungshindernder äusserer Belas
tungsfaktoren einerseits und Kompen
sationspotentialen (Ressourcen) andererseits erlauben würden, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281
E. 2 ff.). Gemäss dieser Rechtsprechung würden Störungen unab
hängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbidität in Betracht fallen, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen
hem
mende Wirkung beizumessen sei (
Urk.
1 S. 4). Wenn also die Beschwerdegegnerin die Leistungs
pflicht in Abweichung des behandelnden Arztes verneinen möchte, müsste sie vorab eine strukturierte Beweiserhebung anhand eines unabhängigen Gutachtens durch
führen (
Urk.
1 S. 5).
Die Feststellungen der Beschwerdegegnerin zum medizinischen Sachverhalt seien mangelhaft. Sie hätte zumindest ein
en
Bericht ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) oder eben ein Gutachten einholen müssen (
Urk.
1 S. 4).
2.
2.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
ver
sicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind - vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen - grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwend
bar, die nach
fol
gend auch in dieser Fassung zitiert wer
den.
2.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs
möglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.
3
2.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkann
ten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend ob
jektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mut
bar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
2.3.2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409
-
ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung
-
fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsver
mögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1).
Eine leicht- bis mittelgradige depressive Störung ohne nennenswerte Interferen
zen durch psychiatrische Komorbiditäten lässt sich im Allgemeinen nicht als schwere psychische Krankheit definieren. Besteht dazu noch ein bedeutendes therapeutisches Potential, so ist insbesondere auch die Dauerhaftigkeit des Gesundheitsschadens in Frage gestellt.
Diesfalls
müssen gewichtige Gründe vorliegen, damit dennoch auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden kann (zur Publikation vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_280/2021 vom 17. November 2021 E. 6.2.2 mit Hinweis). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
2.3.3
Beruht die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung,
die eindeutig über die blosse unbewusste Tendenz zur Schmerzaus
weitung und -verdeutlichung hinausgeht, ohne dass das betreffende Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen wäre, liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor (BGE 141 V 281 E. 2.2.1, Urteil des Bundesgerichts 9C_371/2019 vom 7. Oktober 2019 E. 5.1.2).
2.4
2.4.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.4.2
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
-
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben -
den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
nehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hin
weisen).
2.5
Nach den allgemeinen Regeln des Sozialversicherungsrechts hat der Versiche
rungsträger den rechtserheblichen Sachverhalt abzuklären. Er ist nach dem in Art. 43 Abs. 1 ATSG statuierten Untersuchungsgrundsatz verpflichtet, die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen und die erforder
lichen Auskünfte einzuholen. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.2.1).
3.
3.1
Es liegen die folgenden
entscheidrelevanten
Berichte vor:
3.2
In ihrem Arztzeugnis zuhanden der Allianz vom 1
0.
Dezember 2020 stellte
Dr.
med. (RO)
C._
, Zentrum für Psychiatrie und Psychotherapie
D._
,
in E._
, die Diagnose mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1). Dazu führte sie aus, dass die Beschwerdeführerin seit April 2020 unter Schlafstörungen, Angst, Appetitverminderung und somat
ischen Symptomen wie
Herzrasen und Erbrechen leide. Sie sei seit dem 2
7.
Oktober 2020 bei ihr in Behandlung.
Dr.
C._
attestierte
der Beschwerde
füh
rerin für die Zeitperiode vom 2
6.
Oktober bis 3
1.
Dezember 2020 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
7/11/45).
Am 1
0.
Dezember 2020 füllte die
Dr.
C._
auch den Fragenbogen der Allianz
zur
Verlaufsbeurteilung aus. Zur Krankheitsentwicklung hielt sie fest, dass die Beschwerdeführerin seit April 2020 unter einer depressiven Symptomatik und Zukunftsangst leiden würde. Sie sei seit dem 2
4.
September 2020 in Behand
lung (gemeint ist die Behandlung durch
Dr.
med.
F._
, Innere Medizin FMH, vgl. deren Arbeitsunfähigkeits-Zeugnisse vom 2
5.
September und
8.
Oktober 2020,
Urk.
7/1/1-2). Im Verlauf habe sich die depressive Symptomatik leicht verbessert. Nun habe die Beschwerdeführerin er
fahren
,
dass sich erneut eine Ovarialzyste gebildet habe.
Bei der Beschwerde
führerin habe i
m Jahr
2012 eine Ovarialzyste operativ entfernt werden müssen. Seit der Nachricht von der neuen Zyste hätten die depressive Symptomatik und die Angst wieder zugenommen (
Urk.
7/11/47).
Befragt nach
der Prognose zur Arbeitsfähigkeit
nach
dem Aufenthalt der Beschwerde
führerin auf den
Y._
vom 2
2.
Dezember 2020 bis 2
6.
Februar 202
1
(vgl.
Urk.
7/11/37)
antworte
Dr.
C._
der Allianz
am 14. Januar 2021
, dass die Prognose aktuell schwer beurteilbar sei. Die Beschwer
deführerin leide an einer schweren Depression und Angststörung, vor allem
Zukunftsangst
.
Seitdem
sie zuhause bei ihren Eltern
(auf den
Y._
)
sei
, seien drei Verwandte an Krebs gestorben. Bei der Beschwerdeführerin sei im November 2020 erneut eine Ovarialzyste diagnostiziert worden (
Urk.
7/11/29).
Gemäss den überdies vorliegenden ärztlichen Zeugnissen von Dr.
C._
vom 2. und 26. Februar 2021, 26. März
und
2
7.
April 2021
hatte
sie die Beschwerdeführerin in der Folge bis 31. Mai 2021 zu 100 % arbeitsunfähig
geschrieben
(Urk. 7/1/6-8,
Urk.
7/11/8).
3.3
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH Psychiatrie/Psychotherapie, hielt in seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung zuhanden der Allianz vom 27.
April/3.
Mai 2021 fest, dass sich die Beschwerdeführerin vorderhand als nicht arbeits
fähig ansehe
. Eine klinisch-phänomenologische Momentaufnahme und das sub
jektive Narrativ seien hier, bei vermutlich komplexer, mehrdimensionaler Aus
gangslage und protrahiertem Verlauf für sich alleine für die von der Allianz ge
wünschte objektive funktions- und ressourcenorientierte Beurteilung der medi
zinisch
-theoretischen Zumutbarkeit (allgemeine beziehungsweise adaptierte arbeitsbezogene Funktionsfähigkeit) nicht geeignet beziehungsweise unge
nü
gend. Bei guter Mitarbeit und Auskunftsbereitschaft (der Beschwerdeführerin) könne auf eine unmittelbare Zweiteinladung bei ihm (
Dr.
G._
) zwecks erweiterter Beschwerdevalidierung verzichtet werden. Bei guter Kooperation und Offenheit würden die subjektiv-eigenanamnetischen Angaben zu Krankheits
begründung und Psychodynamik des Geschehens im Kontext des biopsycho
sozialen Krankheitsverständnisses («ärztlich-therapeutischer Krankheitsbegriff», «innere Konsistenz») plausibel und nachvollziehbar,
subjektzentiert
in sich stim
mig und erlebnisbasiert
wirken
(Symptombelastung/Leidensdruck,
Urk.
7/11/3)
.
3.4
Dr.
A._
führte für die Allianz am 1
4.
Juni 2021 eine
verhaltens
neuro
logisch-neuropsychologische Abklärung durch. In ihrem Bericht vom
7.
Juli 2021 hielt
Dr.
A._
unter Zusammenfassung der Befunde, Beurteilung und
kriterienorientierte
Einordnung Folgendes fest: Aus verhaltensneurologisch-psych
opathologischer Sicht (u.
a. in Anlehnung
an das System der Arbeits
ge
mein
schaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie [AMDP]) lasse sich ausserhalb einer leichtgradigen affektbetonten
dysthymen
Zeichnung kein relevantes
depressogenes
Störungsbild objektivieren. Dies gelte hinsichtlich der Kernsymptome Denken, Antrieb,
Spontanreaktivität
, pragmatisches Kommunika
tions
verhalten, dynamischer Gesamteindruck, psychisches Energieniveau, kog
ni
tive Umstellfähigk
eit, emotionaler Ausdruck/Modul
ier- und Auslenk
barkeit, Emotionsregulation und Ich-Stärke. Auf Testebene zeige
die Beschwerdeführerin jedoch eine verminderte Leistungsbereitschaft und bei einfachen Performance-Validierungs-Tests (PVT) derart auffällige Resultate, sodass unzweifelhaft von einer Leistungsverweigerung (bewusstseinsnahe, gesteuert) ausgegangen werden müsse. Eine valide Erhebung der geistig-mentalen/neurokognitiven Leistungs
fähigkeit (Gedächtnis,
attentionale
und exekutive Funktionen) im Rahmen der berufsbezogenen neuropsychologisch-leistungspsychologischen Abklärung sei dadurch nicht möglich
. Abschliessend hielt Dr.
A._
in ihrem Fazit fest, die normativ-kriterien/ressourcenorientierte Beurteilung der Arbeitsfähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin und für jede andere bildungsangepasste Tätigkeit im Rahmen der funktions- und ressourcenorien
tier
t
en Perspektive sei bei fehlender Leistungsbereitschaft nicht möglich
(
Urk.
7/17/5).
3.5
Dr.
B._
notierte
in seiner
Stellungnahme zuhanden des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin
vom 2
5.
November 2021
, dass sich die Beschwerde
füh
rerin seit dem 1
5.
November 2021 bei ihm in Behandlung befinden würde. Es würde sich das Vorliegen einer mittelgradigen depressiven Störung (ICD-10: F32.1) zeigen. Die Beschwerdeführerin sei antriebslos, habe keine Freude mehr und sei wenig belastbar. In der Stimmung sei sie bedrückt und traurig. Ein Gedanken
kreisen um die aktuelle Situation wie auch die Zukunft sei wieder
kehrend vorhanden. Suizidgedanken im Sinne eines Lebensüberdrusses seien ebenfalls
erhebbar
. Der Appetit sei
vermindert. Zudem zeige sich eine einge
schränkte Auf
merksamkeit. Daher seien die Diagnosekriterien erfüllt, was auch eine Arbeitsun
fähigkeit begründe
(
Urk.
3/3
S. 1
).
4.
Die Beschwerdegegnerin hat ihre Beurteilung in medizinischer Hinsicht allein gestützt auf die
bei
der Allianz
eingeholten Akten
vorgenommen. Es wurden weder Berichte
von
den behandelnden Ärztinnen noch eine Stellungnahme des RAD eingeholt.
Zwar besteht - wie die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerde
antwort vorbringt (Urk. 6) - nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts kein
unbedingter gesetzlicher Anspruch
darauf, dass fachärztliche Berichte dem RAD zur Stellungnahme vorgelegt werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_858/2014 vom 3. September 2015 E. 3.3.3).
Darauf kann die Verwaltung
indessen nur
verzichten
, wenn sich der rechtserhebliche Sachverhalt in anderer Weise zweifels
frei feststellen lässt. Diese Voraussetzung ist vorliegend jedoch nicht erfüllt
, liegt doch keine fachärztliche (psychiatrische) Stellungnahme vor, in welcher die erhobenen Befunde, die diagnostischen Überlegungen sowie allfällige Aus
wir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar und schlüssig dargelegt werden.
Der Psychiater Dr.
G._
führte in seinem Bericht überhaupt keine Befunde auf und beantwortete die für eine versicherungsmedizinische Beurtei
lung mass
gebenden Fragen der Allianz nicht, sondern beschränkte sich im Wesentlichen auf die Einschätzung, dass die bisher
attestierte Arbeitsunfähigkeit
plausibel sei
(E. 3.3)
. Der Bericht
über die verhaltensneurologisch-neuropsycho
logische Abklärung
von Dr.
A._
erweckt
zwar Zweifel an der von der behandelnden
Ärztin gestellten Diagnose und
deren
Beurteilung der Arbeits
fähigkeit
,
vermag aber eine psychiatrische Expertise nicht zu ersetzen
, sondern lediglich zu ergänzen.
Dr.
A._
sah sich denn auch nicht in der Lage, eine abschliessende
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vor
zunehmen
(vgl. E.
3.4).
Damit erweist sich der rechtserhebliche Sachverhalt als offensichtlich ungenü
gend abgeklärt.
5.
In Aufhebung der angefochtenen Verfügung ist
die
Sache
daher
an die Beschwer
degegnerin zurückzuweisen, damit
sie
zusammen mit dem RAD die erforderlichen Abklärungen vorn
immt
und anschliessend
erneut
über das Leistungsbegehren entscheide
t
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6
.
6
.1
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr.
600.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
6
.2
Die vertretene Beschwerdeführerin hat
gemäss
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) und
Art.
61
lit
. g ATSG Anspruch auf eine Prozessentschädigung
. Diese ist
unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
1'100.-- (inkl. Baraus
lagen und
MWSt
) festzusetzen
.