Decision ID: dfa1376e-1835-4b0a-96f4-7125f0da8101
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Fiechter, Poststrasse 6, Postfach 239,
9443 Widnau,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war bei B._, tätig und als Bezüger von ALV-Taggeldern bei der Suva
unfallversichert, als er dieser durch die Kantonale Arbeitslosenkasse St. Gallen am 12.
Oktober 2010 melden liess, er habe sich am 5. Oktober 2010 beim Abladen von
Möbeln am Bauchnabel (Muskelriss) verletzt (UV-act. 1). Dr. med. C._, Arzt für
Allgemeinmedizin, bei welchem am 11. Oktober 2010 die Erstbehandlung erfolgte, hielt
im Bericht vom 27. Oktober 2010 als Angabe des Versicherten fest, dass nach dem
Heben einer schweren Last ein plötzlich einschiessender Schmerz periumbilical
aufgetreten sei (UV-act. 6). Die Ärzte des Spitals D._ diagnostizierten im Bericht vom
1. Dezember 2010 eine laterale Inguinalhernie links (Leistenbruch) und eine
Umbilicalhernie (Nabelbruch), welche am 24. November 2011 operativ saniert worden
seien (UV-act. 17).
A.b Mit Verfügung vom 20. Dezember 2010 gab die Suva dem Rechtsvertreter des
Versicherten, Rechtsanwalt lic. iur. A. Fiechter, Widnau, bekannt, mit Bezug auf die
beim Abladen von Möbelstücken aufgetretenen Bauchnabelbeschwerden liege weder
ein Unfall noch eine unfallähnliche Körperschädigung vor. Vielmehr sei davon
auszugehen, dass die aktuellen Beschwerden im Zusammenhang mit der
Vorschädigung (Inguinalhernie) stehe. Es könnten somit keine Versicherungsleistungen
erbracht werden (UV-act. 21). Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache (UV-
act. 26, 28) wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 31. März 2011 ab (UV-act. 34).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt Fiechter für den Versicherten mit
Eingabe vom 16. Mai 2011 Beschwerde mit den Anträgen, der Einspracheentscheid sei
dahingehend abzuändern, dass dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen
gemäss UVG seit dem 11. Oktober 2010 auszurichten seien. Insbesondere seien
Heilungskosten sowie Taggelder auf der Basis einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit von
11. Oktober 2010 bis 16. Januar 2011 auszurichten. Es sei dem Beschwerdeführer die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren. Zur Begründung legte der
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Rechtsvertreter unter anderem dar, der Beschwerdeführer habe am 5. Oktober 2010
alleine schwere Möbelstücke abgeladen. Plötzlich habe er einen einschiessenden
Schmerz in der Bauchnabelgegend verspürt. Da er sich noch in der Probezeit befunden
habe, habe er versucht, trotz Beschwerden weiterzuarbeiten. Am 11. Oktober 2010
habe er den Schmerz nicht mehr ausgehalten und seinen Hausarzt aufgesucht. Er sei
vom 11. Oktober 2010 bis 16. Januar 2011 zu 100% arbeitsunfähig gewesen. Die Stelle
bei der Transportfirma habe er aufgrund seiner finanziellen Notlage annehmen müssen;
die dort zu verrichtende Arbeit habe völlig nicht seinem bisherigen Tätigkeitsbereich
(Betreiben eines Imbissgeschäfts) entsprochen. Im ersten Monat bei der Transportfirma
habe er vor allem leichtere Arbeiten ausführen müssen. Im zweiten Monat seien ihm
dann jedoch schwere körperliche Arbeiten übertragen worden. Diese habe er zunächst
stets unter Mithilfe eines Mitarbeiters verrichtet. Am Unfalltag habe er jedoch die
Möbelstücke, welche an diesem Tag um einiges schwerer gewesen seien als üblich,
alleine abladen müssen. Dabei sei es zu den körperlichen Schädigungen gekommen.
Die Voraussetzungen des Unfallbegriffs seien erfüllt. Die Beschwerden nach dem Unfall
stünden in keinem Zusammenhang mit einer Vorschädigung. Die Operation im August
1993 habe den Blinddarm betroffen und nicht die Leiste. Die Diagnose betreffend
Inguinalhernienoperation in der Türkei 1993 im Bericht des Spitals D._ vom 10.
November 2010 (UV-act. 19) müsse aufgrund eines sprachlichen Missverständnisses
entstanden sein. Der Leisten- und der Nabelbruch vom 5. Oktober 2010 seien folglich
eindeutig nicht auf eine Erkrankung, Degeneration oder bestehende Vorschädigung
zurückzuführen, sondern als Muskelriss/Muskelzerrung bzw. als Unfallfolge zu
qualifizieren. Zusätzlich habe eine äussere Einwirkung vorgelegen, da die fraglichen
Möbelstücke mindestens 40-50 kg schwer gewesen seien. Die Anstrengung sei
ausserordentlicher Art gewesen, an welche sich der Beschwerdeführer nicht gewöhnt
gewesen sei. Die Gewichtsbelastung stehe mit der eingetretenen Schädigung in einem
adäquaten Kausalzusammenhang.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 14. Juni 2011 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die Ausführungen im
angefochtenen Entscheid und legte unter anderem dar, die Bemerkungen des
Beschwerdeführers, wonach das ausgeladene Möbelstück mindestens 40-50 kg
gewogen habe und er es nicht gewohnt sei, schwere Gewichte zu heben, stellten
Schutzbehauptungen dar, welche erst unter dem Eindruck der Leistungsverweigerung
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aufgestellt worden seien. Sie stünden in Widerspruch zu seinen ursprünglichen
Angaben. Er habe dort (UV-act. 8) mit keinem Wort geltend gemacht, dass die
gesundheitlichen Beschwerden bei einer für ihn ungewohnten Tätigkeit aufgetreten
seien. Es liege auch keine unfallähnliche Körperschädigung vor. Das Abladen von
Möbelstücken stelle für einen Angestellten einer Transportfirma einen alltäglichen
physiologischen Vorgang ohne gesteigertes Gefährdungspotential dar. Zum anderen
seien sowohl Umbilikal- wie auch Inguinalhernien keine unfallähnlichen
Körperschädigungen. Diesbezüglich sei auf die ärztliche Beurteilung von Dr. med. F.
D._ zu verweisen. Ohnehin bestünden keine Anhaltspunkte für eine traumatische
Entstehung der beiden Hernien (UV-act. 41; vgl. auch UV-act. 20). Auffallend sei auch,
dass der Beschwerdeführer beim Abladevorgang vom 5. Oktober 2010 in der
Leistengegend keinen Schmerz verspürt habe. Er habe erst sechs Tage nach dem
Ereignis den Arzt aufgesucht (UV-act. 1, 6). Dies zeige, dass er auch im
Bauchnabelbereich unter keinen akuten Beschwerden gelitten habe. Die Kausalität
zwischen dem Leisten- und Bauchnabelbruch und dem Abladen von Möbelstücken am
5. Oktober 2010 könne nicht als überwiegend wahrscheinlich bejaht werden.
B.c Mit Replik vom 7. Oktober 2011 (act. G 10) und Duplik vom 20. Oktober 2011 (act.
G 12) bestätigten die Parteien ihre Standpunkte. Den Antrag um Durchführung einer
mündlichen Verhandlung (act. G 10) zog der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
am 7. November 2011 wieder zurück (act. G 14).

Erwägungen:
1.
Streitig ist, ob hinsichtlich des Ereignisses vom 5. Oktober 2010 von einem Unfall oder
einer unfallähnlichen Körperschädigung auszugehen ist. Die Beschwerdegegnerin legte
im angefochtenen Entscheid (E. 1 und 2) die Bestimmungen über den Unfallbegriff (Art.
4 ATSG), die Leistungspflicht der Unfallversicherung bei Unfällen (Art. 6 Abs. 1 UVG)
und bei unfallähnlichen Körperschädigungen (Art. 6 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art.
9 Abs. 2 UVV) sowie die Rechtsprechung zum Unfallbegriffsmerkmal der
Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors (BGE 134 V 72; 130 V 117) zutreffend dar.
Gleiches gilt bezüglich des Begriffs der unfallähnlichen Körperschädigungen, die auch
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ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung Unfällen gleichgestellt sind, wobei das
Erfordernis des äusseren Faktors weiterhin gilt (BGE 129 V 466; Urteil des
Bundesgerichts vom 3. Juli 2009, 8C_346/2009, E. 3). Darauf ist zu verweisen.
2.
2.1 Das für die Bejahung eines Unfalls vorausgesetzte Merkmal des ungewöhnlichen
äusseren Faktors kann auch in einer unkoordinierten Bewegung (RKUV 1999 Nr. U 333
S. 199 E. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422 E. 2b, S. 176 f.) oder in einer ausserordentlichen
Überanstrengung (vgl. BGE 116 V 136 E. 3b; RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2)
bestehen. - Der Beschwerdeführer gab am 27. Oktober 2010 unter anderem an, beim
Vorfall vom 1. Oktober 2010 (richtig wohl 5. Oktober 2010) habe sich nichts
Besonderes ereignet (UV-act. 8). Gegenüber den Ärzten des Spitals D._ erklärte er
anlässlich einer Sprechstunde vom 9. November 2010, vor zwei Wochen plötzlich einen
Schmerz umbilikal verspürt und das Gefühl gehabt zu haben, dass sich dort auch
etwas vorwölben würde. Im Jahr 1993 sei in der Türkei eine Leistenhernienoperation
durchgeführt worden (UV-act. 19). Dr. C._ bescheinigte demgegenüber am 10.
Januar 2011, dass der Beschwerdeführer sich im August 1993 einer
Blinddarmoperation unterzogen habe. An der linken Leiste sei er nie operiert worden.
Diesbezüglich liegt ein ins Deutsche übersetzter Bericht eines türkischen Spitals vor
(UV-act. 28 Beilagen 1 und 3 sowie UV-act. 37 Beilagen 6 und 7).
2.2 Der Schmerz im Nabel- und Leistenbereich trat beim Beschwerdeführer während
eines alltäglichen Arbeitsvorgangs auf, als er im Rahmen seiner Tätigkeit bei einer
Transport-Unternehmung Möbel ablud. Im Zeitpunkt des Auftretens des Schmerzes
war er nach seinen Angaben seit gut einem Monat in der Transport-Unternehmung
tätig (act. G 1 S. 4). Eine von aussen beeinflusste, unkoordinierte Bewegung, die als
"programmwidrig" bezeichnet werden müsste, wird nicht geltend gemacht bzw. ist
nicht ersichtlich. Ebenso wenig kann ein aussergewöhnlicher Kraftaufwand beim
Abladen von Möbeln als belegt gelten. Den Sachverhalt, wonach das Möbelstück
mindestens 40-50 kg gewogen habe, und er es nicht gewohnt sei, schwere Gewichte
zu heben bzw. Möbel abzuladen (act. G 1 S. 5 und 7), liess der Beschwerdeführer
erstmals im Beschwerdeverfahren vorbringen, nachdem er wie erwähnt am 27. Oktober
2010 angegeben hatte, dass sich nichts Besonderes ereignet habe (UV-act. 8; zum
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Beweiswert nachträglicher Sachverhaltsschilderungen vgl. Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 13. Juli 2005, U 179/04, E. 4.1). Selbst wenn der
Beschwerdeführer die Frage betreffend Vorliegens von etwas Besonderem falsch
verstanden haben sollte, wie er in der Replik und in der Eingabe vom 7. November
2011 geltend machen lässt (act. G 10 S. 6; G 14), ist festzuhalten, dass es für die
nachträglich geltend gemachte Gewichtsbelastung an einem Beleg fehlt. Die
Gewichtsbelastung liesse sich auch durch weitere Abklärungen im Nachhinein nicht
zuverlässig verifizieren, zumal es für den behaupteten Sachverhalt keine unmittelbaren
Zeugen gibt. Die Möglichkeit einer nachträglichen Verifizierung des Sachverhalts
erscheint umso unwahrscheinlicher, als der Beschwerdeführer sich nicht einmal mehr
an das genaue Ereignisdatum erinnern kann und in der Replik neu geltend machen
lässt, dass sich das Ereignis nicht (wie bisher angenommen) am 5. Oktober 2010,
sondern zwischen dem 5. und 9. Oktober 2010 zugetragen habe (act. G 10 S. 3). Von
der Rechtsprechung wurde im Übrigen eine den Unfallbegriff erfüllende
Überanstrengung nur bei Lasten von mehr als 100 kg bejaht (Urteil des Bundesgerichts
vom 23. Oktober 2009, 8C_319/2009, E. 3.3 mit Hinweis auf Urteil des EVG vom 9.
Oktober 2003, U 360/02). In Fällen, in welchen das Eidgenössische Ver
sicherungsgericht eine den Unfallbegriff erfüllende Überanstrengung verneint hat,
waren die zu hebenden Lasten zwischen 50 und 100 kg schwer (Urteil U 360/02,
a.a.O., E. 3.4 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 11. Januar 2010,
8C_1029/2009, E. 2.1). Konkret ist das Heben von Gewichten in der Grössenordnung
von 100 kg weder behauptet noch aus den Akten ersichtlich. Mit der
Beschwerdegegnerin ist festzuhalten, dass das Ereignis vom 5. Oktober 2010 den
Unfallbegriff nicht erfüllt, da es an einem ungewöhnlichen äusseren Faktor fehlt.
3.
3.1 Zu prüfen ist damit die Frage, ob eine unfallähnliche Körperschädigung vorliegt,
die natürlich kausal auf das Ereignis vom 5. Oktober 2010 zurückzuführen ist. Hierfür
ist ein ausserhalb des Körpers liegender, objektiv feststellbarer, sinnfälliger, eben
unfallähnlicher Vorfall erforderlich. Wo ein solches Ereignis mit Einwirkung auf den
Körper nicht stattgefunden hat, und sei es auch nur als Auslöser eines in Art. 9 Abs. 2
lit. a-h UVV aufgezählten Gesundheitsschadens, ist eine eindeutig krankheits- oder
degenerativ bedingte Gesundheitsschädigung gegeben. Kein unfallähnliches Ereignis
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liegt in jenen Fällen vor, in denen der äussere Faktor mit dem (erstmaligen) Auftreten
der für eine der in Art. 9 Abs. 2 lit. a-h UVV enthaltenen Gesundheitsschäden typischen
Schmerzen gleichgesetzt wird. Auch nicht erfüllt ist das Erfordernis des äusseren
schädigenden Faktors, wenn das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen mit einer
blossen Lebensverrichtung einhergeht, welche die versicherte Person zu beschreiben
in der Lage ist; denn für die Bejahung eines äusseren, auf den menschlichen Körper
schädigend einwirkenden Faktors ist stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses
gesteigertes Gefährdungspotenzial innewohnt. Dies ist als gegeben anzusehen, wenn
die zum einschiessenden Schmerz führende Tätigkeit im Rahmen einer allgemein
gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies etwa für viele sportliche
Betätigungen zutreffen kann. Wer hingegen beim Aufstehen, Absitzen, Abliegen, bei
der Bewegung im Raum, Handreichungen usw. einen einschiessenden Schmerz
erleidet, der sich als Symptom einer Schädigung nach Art. 9 Abs. 2 UVV herausstellt,
kann sich nicht auf das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung berufen. Die
physiologische Beanspruchung des Skelettes, der Gelenke, Muskeln, Sehnen und
Bänder stellt für sich allein keinen äusseren Faktor dar. Erfüllt ist demgegenüber das
Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors bei Änderungen der Körperlage, die
nach unfallmedizinischer Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen können,
wie das plötzliche Aufstehen aus der Hocke, die heftige und/oder belastende
Bewegung und die durch äussere Einflüsse unkontrollierbare Änderung der Körperlage
(BGE 129 V 466 E. 2.2 und 4.2). Erforderlich und hinreichend für die Bejahung eines
äusseren Faktors ist, dass diesem ein gesteigertes Schädigungspotenzial zukommt, sei
es zufolge einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines
zur Unkontrollierbarkeit der Vornahme der alltäglichen Lebensverrichtung führenden
Faktors (BGE 129 V 466 E. 4.3). Der Auslösungsfaktor kann dabei alltäglich und diskret
sein. Es muss sich indessen um ein plötzliches Ereignis handeln, wie eine heftige
Bewegung oder das plötzliche Aufstehen aus der Hocke. Dabei kommt es beim
Begriffsmerkmal der Plötzlichkeit im Rahmen der unfallähnlichen Körperschädigungen
nicht in erster Linie auf die Dauer der schädigenden Einwirkung an als vielmehr auf
deren Einmaligkeit. Keine unfallähnliche Körperschädigung liegt demgemäss vor, wenn
eine Verletzung ausschliesslich auf wiederholte, im täglichen Leben laufend auftretende
Mikrotraumata zurückzuführen ist, welche eine allmähliche Abnützung bewirken und
schliesslich zu einem behandlungsbedürftigen Gesundheitsschaden führen (Urteil des
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Bundesgerichts vom 31. Juli 2009, 8C_65/2009, E. 2.2.1 mit weiteren Hinweisen). Das
Bundesgericht bejahte bei Männern die äussere schädigende Einwirkung etwa im
Aufheben oder Abstellen von Gewichten von 40 bis 50 kg und beim Umlagern eines
Heizkörpers von über 5 m Länge und einem Gewicht von über 100 kg von einem
Wagen auf einen Arbeitsbock (vgl. BGE 129 V 466 E. 4.1 mit Hinweisen). Im Urteil U
148/04 vom 2. Dezember 2004 E. 2.3 war bezüglich eines Mannes das Anheben einer
ca. 20 kg schweren Waage und anschliessendes Abdrehen zu beurteilen; das Gericht
erkannte, dass von einer im Rahmen der üblichen Arbeit und unter normalen
Bedingungen erfolgten Bewegung auszugehen sei, sodass der äussere Faktor infolge
fehlendem gesteigertem Schädigungspotenzial und somit ein unfallähnliches Ereignis
zu verneinen seien. Im Urteil 8C_656/2008 vom 13. Februar 2009 E. 3.3 entschied das
Bundesgericht, beim Heben eines bepackten ca. 20 kg schweren Koffers durch eine
Frau sei ein äusserer Faktor zu verneinen; es fehle an einem gesteigerten
Schädigungspotenzial.
3.2 Das Abladen von Möbeln ohne Beeinträchtigung der Körperbewegung durch
etwas Programmwidriges - wie es vorliegend zu beurteilen ist - stellt grundsätzlich
einen Bewegungsablauf im üblichen Rahmen der Tätigkeit des Beschwerdeführers dar
und entspricht mithin dem normalen Gebrauch der Körperteile. Hieran vermag der
Umstand, dass er die Tätigkeit als ALV-Zwischenverdienst im Ereigniszeitpunkt erst
seit gut einem Monat ausgeübt hatte (act. G 1 S. 4), nichts zu ändern. Selbst wenn das
Möbelstück, wie er nachträglich geltend machen lässt, 40-50 kg gewogen hat und
damit eine äussere Einwirkung zu bejahen wäre (vgl. BGE 129 V 466 E. 4.1), wäre ein
gesteigertes Schädigungspotenzial bzw. eine Tätigkeit "im Rahmen einer gesteigerten
Gefahrenlage" (BGE 129 V 466 E. 4.2.2) zu verneinen. Es kann - bezogen auf die
konkrete Tätigkeit im Stückguttransport - nicht von der Überschreitung einer
Gewichtsgrenze gesprochen werden, die den gegenteiligen Schluss nahelegt. Auch
eine Änderung der Körperlage, die nach unfallmedizinischer Erfahrung häufig zu
körpereigenen Traumen führen kann, ist konkret nicht dargetan. Angesichts des
repetitiven Charakters der in Frage stehenden Tätigkeit des Beschwerdeführers
(Abladevorgänge) fehlt es auch am Erfordernis der Plötzlichkeit (vgl. auch Urteil
8C_319/2009, a.a.O., E. 3.4.2). Für den Vorfall gab es soweit ersichtlich keine Zeugen
(UV-act. 8). Der als Zeuge aufgerufene Arbeitgeber (act. 1 S. 7) war beim Vorfall nicht
anwesend. Er wäre somit nicht in der Lage, konkrete Angaben zu machen, welche eine
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überwiegende Wahrscheinlichkeit für sich beanspruchen könnten. Dies umso weniger,
als der Beschwerdeführer wie erwähnt nicht einmal das genaue Ereignisdatum zu
nennen vermag, sondern diesbezüglich lediglich einen Zeitraum von fünf Tagen anführt
(act. G 10 S. 3). Von ergänzenden Abklärungen zum Hergang des Ereignisses vom 12.
Oktober 2010 könnte unter diesen Umständen kein neuer Aufschluss erwartet werden,
weshalb darauf zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 134 I 40 E.
5.3 S. 148; SVR 2009 UV Nr. 3 S. 9 E. 8.3 [8C_354/2007]).
Suva-Arzt Dr. med. D._, Facharzt FMH für Chirurgie, legte sodann im Bericht vom 9.
Juni 2011 dar, aufgrund des Operationsberichts (UV-act. 18) gebe es keine
Anhaltspunkte für eine traumatische Entstehung der versorgten Hernien inguinal und
umbilikal. Speziell seien die lateralen Leistenbrüche beim Mann aus anatomischen
Gründen bekanntlich sehr häufig. Auch die Nabelhernie befinde sich am Ort einer
präformierten Lücke (aufgrund der embryonalen Entwicklung). Auch formell medizinisch
könne keine unfallähnliche Körperschädigung bestätigt werden, insbesondere keine
Sehnenrisse oder Bandläsionen (Art. 9 Abs. 2 lit. f und g UVV), da es im operierten
Bereich gar keine entsprechenden Strukturen gebe. Ein Muskelriss (Art. 9 Abs. 2 lit. d
UVV) sei ebenfalls nicht nachgewiesen. Eine Muskelzerrung (Art. 9 Abs. 2 lit. e UVV)
könne aufgrund des ersten Zeugnisses (UV-act. 6) zwar nicht ausgeschlossen werden
(möglich). Eine allfällige kleine Einblutung in den M. rectus abdominis gemäss
Sonographie wäre aber innerhalb weniger Tage folgenlos abgeheilt. Gegen eine
relevante Verletzung spreche auch die Tatsache, dass nach dem gemeldeten Vorfall
vom 5. Oktober 2010 der Hausarzt erst am 11. Oktober 2010 aufgesucht worden sei.
Eine Arbeitsunfähigkeit habe erst dann und nur bis 1. November 2010 bestanden
(gemäss Unfallschein). Die Behandlung sei schon am 21. Oktober 2010 abgeschlossen
worden. Vor allem könne eine mögliche Zerrung des geraden Bauchmuskels in seiner
Scheide klar von einer Nabelhernie abgegrenzt werden. Wegen einer Muskelzerrung
hätte nicht operiert werden müssen. Der Eingriff vom 24. November 2010 sei eindeutig
nicht wegen einer gesicherten Diagnose gemäss Art. 9 Abs. 2 UVV nötig gewesen (UV-
act. 41). Ein Anlass, welcher geeignet wäre, die einlässlich begründeten Darlegungen
von Dr. D._ in Zweifel zu ziehen, wird weder geltend gemacht noch ergibt sich ein
solcher aus den Akten. Der Antrag betreffend Einholung eines unabhängigen
fachmedizinischen Gutachtens wurde einzig mit Hinweis darauf begründet, dass
Muskelrisse und -zerrungen nicht schleichend, sondern plötzlich eintreten würden (act.
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G 10 S. 2 und 6). Der Umstand, dass Dr. D._ einen Teilkausalzusammenhang
(Muskelzerrung) nicht ausschliesst bzw. als möglich erachtet, steht seiner
Schlussfolgerung nicht entgegen. Nach dem Gesagten kann ein unfallähnliches
Ereignis bzw. eine unfallähnliche Körperschädigung nicht überwiegend wahrscheinlich
als belegt gelten.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 31. März 2011 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
4.2 Der Beschwerdeführer beantragte, nachdem diese bereits für das
Einspracheverfahren bewilligt worden war (UV-act. 25), auch für dieses Verfahren die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung. Die diesbezüglichen
Voraussetzungen sind erfüllt, wenn der Prozess nicht offensichtlich aussichtslos, die
Partei bedürftig und die Verbeiständung durch einen Anwalt notwendig oder doch
geboten ist (Art. 61 lit. f ATSG; BGE 103 V 47; U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2. A., Rz
104 zu Art. 61 ATSG), wobei als bedürftig gilt, wem die Mittel fehlen, um neben dem
Lebensunterhalt für sich und seine Familie die Anwaltskosten aufzubringen (vgl. Kieser,
a.a.O., Rz 105f zu Art. 61 ATSG). Nach Lage der Akten bezog der Beschwerdeführer,
der mit Ehefrau und drei Kindern im gleichen Haushalt wohnt, im März 2011 ALV-
Leistungen von knapp Fr. 4'000.-- pro Monat (act. G 1 Beilage 8) und erhielt im
Vormonat Leistungen des Sozialamtes der Wohnsitzgemeinde (UV-act. 13; vgl. auch
UV-act. 37 Beilage 8). Damit ist grundsätzlich von finanzieller Bedürftigkeit auszugehen
(Kieser, a.a.O, Rz 106 zu Art. 61 ATSG mit Hinweisen). Eine Aussichtslosigkeit ist
angesichts der Komplexität der Fragestellungen im Sozialversicherungsrecht nur
zurückhaltend anzunehmen. Rückwirkend betrachtet, kann das Beschwerdeverfahren
im Zeitpunkt der Anhängigmachung nicht allein deshalb als aussichtslos bezeichnet
werden, weil der Beschwerdeführer wie dargelegt nicht mehr das genaue
Ereignisdatum nennen konnte und in der Replik neu geltend machen liess, dass das
Ereignis nicht (wie bisher angenommen) am 5. Oktober 2010, sondern zwischen dem 5.
und 9. Oktober 2010 passiert sei (act. G 10 S. 3). Weitere Anhaltspunkte, welche auf
eine Aussichtslosigkeit im Zeitpunkt der Anhängigmachung schliessen lassen würden,
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sind aus den Akten nicht ersichtlich. Damit ist die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
zu bewilligen. Im Vergleich zu anderen Beschwerdeverfahren im
Unfallversicherungsbereich handelte es sich vorliegend um ein einen
unterdurchschnittlich aufwändigen Fall, so dass es sich rechtfertigt, von einer
Entschädigung von Fr. 3'500.-- auszugehen. Der Staat hat hierfür aufgrund der
bewilligten unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im Umfang von 80% (Art. 31 Abs. 3
AnwG; sGS 963.75), d.h. mit einem Betrag von Fr. 2'800.-- aufzukommen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39