Decision ID: f56da936-9452-4c54-a6c5-e97d4edfc536
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Duri Poltera, Hadwigstrasse 6a, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich erstmals am 5. Juli 2001 bei der IV-Stelle für Versicherte im
Ausland zum Bezug von IV-Leistungen an. Mangels Vorliegens einer bleibenden
Erwerbsunfähigkeit und einer ausreichenden durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit
wurde das Begehren mit Verfügung vom 27. Dezember 2002 abgewiesen (IV-act. 1,
39).
A.b Mit Schreiben vom 27. Januar 2005 ersuchte die Versicherte erneut bei der IV-
Stelle für Versicherte im Ausland die Prüfung eines Rentenanspruchs und machte eine
gesundheitliche Verschlechterung seit Sommer 2004 geltend (IV-act. 40). Auf Grund
seiner Untersuchung vom 15. Februar 2005 diagnostizierte PD Dr. med. B._,
leitender Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie der Universität C._, im Bericht vom
15. Februar 2005 einen älteren verkalkten Bandscheibenvorfall C5/6 und C6/7 (ICD-10
M50.1), eine degenerative Instabilität mit kyphotischer HWS insbesondere C5/6, eine
Gangunsicherheit bei beginnender Myelopathie sowie eine psychosomatische Störung.
Insgesamt bestehe eine Indikation zur Operation, welche die Versicherte derzeit jedoch
ablehne (IV-act. 60-3).
A.c Am 26. Juli 2005 wurde die Versicherte von Dr. med. D._, Orthopädin/
Rheumatologin, untersucht und begutachtet. Im Gutachten vom 29. Juli 2005 hielt Dr.
D._ als Diagnose eine Minderbelastbarkeit der Halswirbelsäule bei
kernspintomographisch diagnostiziertem Bandscheibenvorfall C5/6 und C6/7 mit
Forameneinengung und degenerativen Veränderungen fest. Die Versicherte sei in der
Tätigkeit als Angestellte in einem Buchladen unter Beachtung des negativen
Leistungsbildes vollschichtig einsetzbar (IV-act. 63-27f.). Dr. med. E._, Arzt für
Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie/Psychoanalyse, beschrieb das
Leistungsbild der Versicherten im Gutachten vom 1. August 2005 dahingehend, als im
Vordergrund Überforderungs- und Schmerzerleben sowie eine Überforderungstendenz
stünden. Eine Überforderungssituation sei deshalb zu vermeiden. Derzeit bestünden
keine überwertigen Ansprüche an die Gebrauchsfähigkeit im HWS- und Armbereich
links (IV-act. 63-1f.).
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A.d Vom 17. Oktober bis 7. November 2005 befand sich die Versicherte infolge einer
mittelgradigen depressiven Episode sowie chronischen Schmerzen bei cervicalem
Bandscheibenleiden in der Psychosomatischen Klinik F._ in stationärer Behandlung
(IV-act. 60-1).
A.e Mit Verfügung vom 6. Februar 2006 lehnte die IV-Stelle für Versicherte im Ausland
das zweite Leistungsbegehren der Versicherten ab (IV-act. 68). Dagegen liess diese,
vertreten durch ihren Bruder, am 11. März 2006 Einsprache erheben (IV-act. 70, 73,
75).
A.f Gemäss Gutachten vom 19. März 2007 bezüglich Untersuchung vom 14. Februar
2007 von Dr. med. G._, Nervenarzt, Psychotherapie, konnte die Versicherte auf
Grund einer diagnostizierten Cervicobrachialgie mit Wurzelreiz C6/C7 links bei
Hinweisen für ältere Bandscheibenprotrusionen sowie einer chronischen somatoformen
Schmerzstörung den angestammten Beruf im Buchladen nicht mehr ausüben. Auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt könne sie noch drei bis unter sechs Stunden arbeiten unter
der Voraussetzung, dass die Tätigkeit keine erhöhte Anforderung an die psychische
Belastbarkeit stelle, dass Heben und Tragen von schweren Lasten nur mit
Unterstützung möglich sei und dass sie ohne Wechsel und Zeitschicht arbeite (IV-
act. 88-11 und 13).
A.g Mit Einspracheentscheid vom 7. November 2007 hiess die IV-Stelle für
Versicherte im Ausland die gegen die Verfügung vom 6. Februar 2006 erhobene
Einsprache in dem Sinn gut, als die Akten der zuständigen Stelle zur Vornahme einer
ergänzenden Abklärung bezüglich der medizinischen Untersuchung überwiesen
wurden (IV-act. 98).
A.h Auf Grund der konsiliarischen Untersuchung vom 19. Dezember 2007 riet Dr.
med. H._, der Versicherten im Bericht vom 20. Dezember 2007 zur Operation mit
mikrotechnischer Dekompression von ventral und Prothesen-Einlage auf zwei Höhen
der HWK (IV-act. 110-5f.). Dr. med. I._, Augenarzt FMH, diagnostizierte am 18.
Februar 2008 eine angeborene Sehschwäche (Amblyopie) rechts mehr als links bei
Myopie (Kurzsichtigkeit) sowie eine Maculadegeneration bei Myopie. Aus
ophthalmologischer Sicht könne die Versicherte Arbeiten ausführen, die keine allzu
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hohen Anforderungen ans Sehvermögen stellten, wobei ein Arbeitspensum von sechs
bis acht Stunden im Tag denkbar sei (IV-act. 111).
A.i Am 11. Januar 2008 stellte die IV-Stelle für Versicherte im Ausland die Fallakten
der Versicherten der IV-Stelle St. Gallen zu, da jene seit 1. Oktober 2007 im Kanton
St. Gallen Wohnsitz hatte (IV-act. 103). Im Fragebogen zur Haushaltsabklärung gab die
Versicherte am 13. Januar 2008 an, dass sie verschiedene Haushaltstätigkeiten durch
den Haushilfe- und Entlastungsdienst durchführen lasse und einmal täglich eine warme
Mahlzeit vom Mittagsservice beziehe (IV-act. 112).
A.j Im Arztbericht vom 29. Februar 2008 schätzte Dr. H._ die Leistungsfähigkeit
der Versicherten um 30% vermindert ein. Nach einer Operation sollte sie jedoch für
leichte bis mittlere Arbeiten wieder zu 100% arbeitsfähig sein (IV-act. 116-3f.). Gemäss
dem Bericht über die Haushaltsabklärung vom 5. Juni 2008 war für die
Abklärungsperson nachvollziehbar, dass die Versicherte ohne Behinderung einer
100%igen Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Eine Rentenbegehrlichkeit sei
auszuschliessen (IV-act. 120-11).
A.k Mit Schreiben vom 31. Juli 2008 hielt der Hausarzt, Dr. med. J._ fest, die
Versicherte sei auf dem freien Markt absolut nicht arbeitsfähig. Sie benötige ja bereits
im Alltag Hilfe (IV-act. 128-3). Die Klinische Psychologin SVKP K._,
Psychotherapeutin FSP, berichtete am 10. September 2008, dass die Versicherte oft
emotional schnell überlastet und bei Schwierigkeiten im Alltag schnell überfordert sei.
Eine zusätzliche Arbeit sei aus psychologischer Sicht nicht möglich (IV-act. 134). Mit
Bericht vom 17. September 2008 schätzte die Psychologin K._ die Arbeitsunfähigkeit
der Versicherten auf 100% (IV-act. 135-2).
A.l Am 17. und 18. Februar 2009 wurde die Versicherte im Aerztlichen
Begutachtungsinstitut GmbH (ABI), Basel, internistisch, psychiatrisch, neurologisch
und ophthalmologisch untersucht und begutachtet. Mit Gutachten vom 6. April 2009
attestierten ihr die Experten für körperlich leichte, angepasste Tätigkeiten eine Arbeits-
und Leistungsfähigkeit von 50%. Da die Arbeitsfähigkeit vor allem durch die
psychiatrischen Diagnosen eingeschränkt sei und kein Hinweis bestehe, dass die
Arbeitsfähigkeit vor der Rückkehr in die Schweiz per Oktober 2008 längerfristig
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höhergradig eingeschränkt gewesen sei, könne sie ab diesem Zeitpunkt bestätigt
werden (IV-act. 150-19f. und 22). Die RAD-Ärztin Dr. L._, Fachärztin FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, befand das Gutachten als umfassend, kohärent, in
sich widerspruchsfrei und nachvollziehbar (IV-act. 151).
A.m Mit Vorbescheid vom 2. September 2009 stellte die IV-Stelle der Versicherten ab
1. Oktober 2008 eine halbe Rente in Aussicht (IV-act. 163). Diese liess dagegen durch
die procap St. Gallen-Appenzell am 5. Oktober 2009 Einwand erheben (IV-act. 168).
A.n Gemäss Bericht der Klinik für Neurologie des KSSG vom 5. November 2009
konnte bei der Versicherten eine zervikale Spinalkanalstenose ohne klinische radikuläre
Ausfälle oder klinische Hinweise auf eine zervikale Myelopathie diagnostiziert werden
(IV-act. 186-3). Die Ärzte der Klinik für Orthopädische Chirurgie des KSSG stellten
demgegenüber mit Bericht vom 26. November 2009 die Diagnosen einer bisegmental
erheblichen Spinalkanalstenose HWK5 - HWK7 sowie neurologische Defizite mit
klinisch eindeutiger Myelopathie trotz fehlender Myelopathie-Zeichen im MRI. Auf
Grund der Myelopathie befanden sie ein operatives Vorgehen als indiziert. Dies lehnte
die Versicherte jedoch ab (IV-act. 186-6f.).
A.o Am 22. Dezember 2009 verfügte die IV-Stelle im Sinn des Vorbescheids (IV-
act. 183).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 22. Dezember 2009 richtet sich die vorliegend zu
beurteilende Beschwerde vom 1. Februar 2010. Die Beschwerdeführerin liess darin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. D. Poltera, St. Gallen, deren Aufhebung und die
Ausrichtung mindestens einer Dreiviertelsrente (ab mindestens 1. November 2005)
beantragen, wobei die Höhe der Rente zu überprüfen sei. Eventualiter sei das
Verfahren an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese ein ergänzendes
medizinisches Gutachten einhole und berufliche Eingliederungsmassnahmen prüfe.
Zudem sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung zu gewähren; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung führte der Rechtsvertreter aus, dass unklar sei, warum der Beginn des
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Wartejahres auf den 1. Oktober 2007 angesetzt worden sei. Zudem seien sowohl die
Aufstellung der Beitragsjahre als auch die Berechnung der Rentenhöhe nicht
nachvollziehbar. Ausserdem werde bestritten, dass die Beschwerdeführerin zu 50%
arbeitsfähig sei. Vielmehr sei die Begutachtung durch das ABI zu korrigieren, da im
November 2009 nun mit Klarheit vom KSSG neurologische Defizite mit klinisch
eindeutiger Myelopathie diagnostiziert worden seien. Das ABI-Gutachten habe nicht
nur auf die Untersuchung durch einen Orthopäden verzichtet, sondern es auch
unterlassen zu diskutieren, ob und inwiefern die Beschwerdeführerin über psychische
Reserven verfüge, welche es ihr erlaubten, mit ihren Schmerzen umzugehen.
Schliesslich seien sowohl das Valideneinkommen als auch der Leidensabzug zu tief
angesetzt worden und es müssten berufliche Eingliederungsmassnahmen
vorgenommen werden, bevor das IV-Verfahren definitiv abgeschlossen werden könnte
(act. G 1).
B.b Am 6. Mai 2010 bewilligte das Versicherungsgericht die beantragte unentgeltliche
Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung; act. G 6).
B.c Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 5. Mai 2010
die Beschwerdeabweisung. Bezüglich der beanstandeten Rentenhöhe reichte sie eine
Stellungnahme der Ausgleichskasse mitsamt den Rentenakten ein, welche sie zum
integrierenden Bestandteil der Beschwerdeantwort erklärte. Der Beginn des
Wartejahres stütze sich auf das ABI-Gutachten, worin allerdings die Jahreszahl
irrtümlich mit 2008 anstatt 2007 angegeben worden sei. Zudem ändere allein die
geltend gemachte neu bestätigte Diagnose der Myelopathie an der Einschätzung der
Höhe der Arbeitsfähigkeit nichts, da die Gutachter zwar die Diagnose nicht hätten
bestätigen können, die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit jedoch gesehen und
berücksichtigt hätten. Auch dass bei der Begutachtung eine orthopädische
Untersuchung gefehlt habe, schade der Aussagekraft des ABI-Gutachtens nicht.
Vielmehr sei davon auszugehen, dass der Gesundheitszustand durch die
durchgeführten internistisch/allgemeinmedizinischen sowie die psychiatrischen,
neurologischen und ophthalmologischen Untersuchungen umfassend abgeklärt
worden sei. Auch die übrigen Kritikpunkte wurden begründet bestritten (act. G 5).
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B.d Mit Replik vom 16. Juni 2010 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen und
deren Begründung fest. Nachdem die Beschwerdegegnerin berufliche Massnahmen
auch nach einer Berentung anbieten würde, könne über die Berentung unabhängig von
allfälligen Eingliederungsmassnahmen entschieden werden (act. G 10).
B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 12).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass
der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung datiert vom
22. Dezember 2009, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten
der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat.
Daher und auf Grund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über die
noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen
intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals
geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-
Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage
zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die
seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
2.
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Vorliegend streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
höhere als die ihr zugesprochene halbe Invalidenrente hat.
3.
3.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.2 Anspruch auf eine Invalidenrente besteht, wenn die versicherte Person u.a.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen ist (Art. 28 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Es besteht ein Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70% und auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente (Art. 28 Abs. 2
IVG).
3.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
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Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss kommt
einem Gutachten oder anderen medizinischen Beurteilungen schon dann kein voller
Beweiswert zu, wenn Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht
feststehen, dass die medizinischen Beurteilungen effektiv nicht den Tatsachen
entsprechen, was nicht mit medizinischen Fachpersonen besetzte Behörden in der
Regel nicht beurteilen können (Urteil des EVG vom 16. Oktober 2002, I 779/01, E. 4.2).
4.
4.1 Zu klären ist vorweg die Frage, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügliche Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
4.2 Als medizinische Grundlage für die Verfügung vom 22. Dezember 2009 diente das
ABI-Gutachten vom 6. April 2009. Dieses gründet auf einer internistisch/allgemein-
medizinischen Untersuchung durch Dr. med. M._, einer psychiatrischen
Untersuchung durch Dr. med. N._, einer neurologischen Untersuchung durch Dr.
med. O._ sowie einer ophthalmologischen Untersuchung durch Dr. med. P._ sowie
den vorbestehenden medizinischen Akten. In ihrer Gesamtbeurteilung kamen die
Gutachter auf folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), eine andauernde
Persönlichkeitsänderung (ICD-10 F62.8), eine degenerative Spinalkanalstenose
HWK5/6 und HWK6/7 mit rezidivierenden Zervikobrachialgien (ICD-10 M53.1, G54.2)
bei kernspintomographischem Verdacht auf zervikale Myelopathie ohne neurologisches
Korrelat sowie eine verminderte Sehfähigkeit mit Fundus myopicus mit myopen
Makulaveränderungen (angioid streaks) und peripheren Netzhautdegenerationen
rechts, Hinterkammerlinsen-Pseudophakie mit zentraler YAG-Kapsulotomie Lücke
rechts, Strabismus divergens rechts, Ambylopie bei Strabismus divergens und Myopia
per magna rechts, Fundus myopicus mit peripheren Netzhautdegnerationen links und
Hinterkammerlinsen-Pseudophakie mit geringem Nachstar links. Ohne Einfluss auf die
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Arbeitsfähigkeit befanden die ABI-Gutachter: eine funktionelle Halbseitenstörung links
(ICD-10 F44.4), einen Status nach Refluxösophagitis Grad III 09/05 (ICD-10 K21.9Z),
eine Sigmadivertikulitis (ICD-10 K57.3) sowie einen Status nach Tonsillektomie 1958
(ICD-10 Z98.8). Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter fest, dass sich
aus neurologischer Sicht keine sicheren objektivierbaren Ausfälle ergeben hätten. Es
seien jedoch alle Tätigkeiten in Zwangshaltungen oder Überkopfarbeiten oder Arbeiten,
die verbunden seien mit Heben und Tragen von Lasten nicht oder nur sehr
eingeschränkt möglich. Aus neurologischer Sicht bestehe für körperlich leichte
Tätigkeiten wie beispielsweise Büroarbeiten oder Arbeiten im Buchhandel eine 80%ige
Arbeitsfähigkeit. An beiden Augen zeige sich eine reizfreie Hinterkammerlinsen-
Pseudophakie. Aus ophthalmologischer Sicht sei am rechten Auge eine angeborene
Schwachsichtigkeit auf Grund einer hohen Myopie mit Makulaveränderungen und eines
Aussenschielens feststellbar. Es bestehe kein Stereosehen und das linke Auge zeige
periphere Netzhautdegenerationen. In ophthalmologischer Hinsicht bestehe eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 25%. Anlässlich der psychiatrischen
Untersuchung sei die Beschwerdeführerin depressiv gewesen und habe resigniert und
verzweifelt gewirkt. Das Ausmass der geklagten körperlichen Beschwerden und die
subjektive Krankheitsüberzeugung, auf Grund der Schmerzen gar nicht mehr arbeiten
zu können, könne durch die somatischen Befunde nicht vollständig objektiviert werden.
Es müsse eine psychische Überlagerung angenommen werden, wobei es sich um eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung handle. Auch könne die Diagnose einer
rezidivierenden depressiven Störung gestellt werden, die derzeit mittelgradig
ausgeprägt sei. Daneben liege zudem eine schleichende Persönlichkeitsveränderung
vor, die mehr oder weniger irreversibel zu sein scheine. Aus psychiatrischer Sicht
bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50%. Insgesamt sei aus
polydisziplinärer Sicht festzuhalten, dass der Beschwerdeführerin körperlich
mittelschwere und schwer belastende berufliche Tätigkeiten nicht zugemutet werden
könnten. Körperlich leichte, angepasste Tätigkeiten wie Büroarbeiten oder eine Arbeit
im Buchhandel seien mit einer Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 50% zumutbar. Die
Arbeitsunfähigkeiten aus den verschiedenen medizinischen Gebieten würden sich
ergänzen. Es könnten die gleichen Zeitabschnitte zum Einlegen vermehrter Pausen und
zur Erholung genützt werden. Da die Arbeitsfähigkeit vor allem durch die
psychiatrischen Diagnosen eingeschränkt sei, könne die 50%ige Arbeitsunfähigkeit ab
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dem Zeitpunkt der Rückkehr in die Schweiz, ab Oktober 2008 (richtig wäre: Oktober
2007; vgl. IV-act. 156) bestätigt werden. Es bestehe kein Hinweis dafür, dass die
Arbeitsfähigkeit zu einem früheren Zeitpunkt längerfristig höhergradig eingeschränkt
gewesen sei (IV-act. 150-19ff.).
4.3 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hält dem Gutachten entgegen, dass
es von einer zu hohen Arbeitsfähigkeit ausgehe.
4.3.1 Der Hausarzt Dr. J._ sah die Beschwerdeführerin im Bericht vom 31. Juli
2008 als auf dem freien Markt absolut nicht arbeitsfähig. Da sie bereits im Alltag Hilfe
benötige, sei es fraglich, wie sie da noch einer Tätigkeit nachgehen könnte (IV-
act. 128). Mit Schreiben vom 28. Oktober 2009 befand er dann immerhin ein
Arbeitspensum von 20% als zumutbar (IV-act. 186). Diesbezüglich kann mit dem ABI-
Gutachten davon ausgegangen werden, dass die höhere Arbeitsunfähigkeitsschätzung
des Hausarztes darauf beruht, dass dieser sich bei seiner Einschätzung naturgemäss in
seiner Funktion als Hausarzt vermehrt nach den subjektiven Angaben seiner Patientin
und ihrer (dadurch auch) effektiv auf dem freien Arbeitsmarkt verwertbaren
Arbeitsfähigkeit richtete. Dagegen stellten die Gutachter auf die medizinisch-
theoretische Arbeitsfähigkeit auf Grund von objektivierbaren und dadurch
reproduzierbaren Befunden ab (IV-act. 150-21f.).
4.3.2 Die Beschwerdeführerin befand sich vom 17. Oktober bis 7. November
2005 in stationärer Behandlung in der Psychosomatischen Klinik F._, wo eine
mittelgradig depressive Episode und chronische Schmerzen bei cervikalem
Bandscheibenleiden
diagnostiziert und eine Arbeitsunfähigkeit bis zum 11. November 2005 bestätigt
worden waren (IV-act. 60-1). Dr. G._ diagnostizierte in seinem Gutachten vom 19.
März 2007 eine somatoforme Schmerzstörung und attestierte eine Arbeitsfähigkeit
zwischen drei und sechs Stunden pro Tag (IV-act. 88-11 und 13). Die die
Beschwerdeführerin behandelnde Psychologin K._ legte im Bericht vom 17.
September 2008 als Diagnose eine Anpassungsstörung fest und attestierte eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% (IV-act. 135-2). Dazu befanden die ABI-Gutachter, dass
unter einer Anpassungsstörung definitionsgemäss eine leichte depressive Störung
verstanden werde, welche die Arbeitsfähigkeit nur geringgradig und vorübergehend
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einschränke. Die Beschwerdeführerin leide aber nicht nur an einer somatoformen
Schmerzstörung, sondern auch an einer andauernden Persönlichkeitsänderung und an
einer depressiven Störung. Die Gutachter begründeten die attestierte 50%ige
Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht durch die anhaltende somatoforme
Schmerzstörung, die mittelgradige depressive Episode und die andauernde
Persönlichkeitsänderung. Nach der Trennung von ihrem Ehemann sei es zunehmend zu
einem Rückzug gekommen, immer wieder habe sich die Beschwerdeführerin
enttäuscht gefühlt durch ihre Berufstätigkeit und ihre Arbeit in Institutionen. Sie habe
sich immer mehr zurückgezogen und lebe seit Jahren völlig isoliert und vereinsamt. Mit
dem Symptom Schmerz rechtfertige sie vor sich und ihrer Umgebung ihren Rückzug,
ihre soziale Isolation und auch ihre Unfähigkeit, arbeiten zu können. Die andauernde
Persönlichkeitsänderung sei einerseits durch die unverarbeitete Trennung von ihrem
Ehemann und andererseits durch die chronischen Schmerzen, die zum Teil somatisch
begründet werden könnten, verursacht. Die Persönlichkeitsänderung scheine mehr
oder weniger irreversibel zu sein. Eine schwere depressive Störung liege nicht vor. Sie
sei nach wie vor in der Lage, den Haushalt mit Schwierigkeiten selbständig zu führen,
erledige ihre Einkäufe selbständig, gehe zweimal pro Woche schwimmen und
interessiere sich für Philosophie und Religion. Ihre Konzentrationsfähigkeit sei nicht
eingeschränkt. Auch wenn sie im Umgang mit Menschen Mühe habe, kränkbar sei und
die Tendenz zeige, sich zurückzuziehen, könne ihr eine halbtägige berufliche Tätigkeit
zugemutet werden (IV-act. 150-12). Gegen diese nachvollziehbare und schlüssige
psychiatrische Beurteilung liegt nichts vor, was erhebliche Zweifel an ihr begründen
würde. Folglich kann darauf abgestellt werden.
4.3.3 Auch der neurologische ABI-Gutachter Dr. O._ verwies zuerst auf bereits
vorhandenes Aktenmaterial. Er fasste zusammen, dass Dr. Q._, Neurologe, am 12.
Oktober 2005 eine Neurasthenie, eine schwere depressive Episode sowie einen
zervikalen Bandscheibenschaden diagnostiziert habe. Bereits im Bericht der Klinik
Stephanshorn, Neurochirurgie, vom 20. Dezember 2007 sei die Diagnose einer
hochgradigen degenerativen Spinalkanalstenose auf HWK5/6 und HWK6/7 mit
zervikaler Myelopathie aufgestellt worden. Klinisch würden eine Hypästhesie in beiden
Händen, eine Armschwäche links und gesteigerte Reflexe erwähnt. Des Weiteren sei
dem Bericht von Dr. R._, Neurochirurg, vom 22. Mai 2006 gleichfalls die Diagnose
einer Myelopathie zu entnehmen sowie, dass bereits im Jahr 2004 eine Indikation zur
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Operation gestellt worden sei. Im Gutachten von Dr. G._ vom 19. März 2007
betreffend die Untersuchung vom 14. Februar 2007 werde unter Berücksichtigung
qualitativer Einschränkungen für die Tätigkeit als Angestellte im Buchladen ein drei- bis
sechsstündiges Leistungsvermögen angenommen. Dr. H._ gehe im Bericht vom 20.
Februar 2008 von einer um 30% geminderten Leistungsfähigkeit aus. Er halte eine
Operation für notwendig. Gestützt darauf kam Dr. O._ in seiner gutachterlichen
Beurteilung zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin seit fast neun Jahren
degenerative HWS-Veränderungen bekannt seien und sich auf den Etagen HWK5/6
und HWK6/7 schon damals im Kernspintomogramm Hinweise für ältere
Bandscheibenvorfälle und für eine zervikale Myelopathie gefunden hätten. Im
Gutachten von Dr. G._ vom 19. März 2007 (14. Februar 2007) seien im klinischen
Befund demgegenüber keine Anzeichen einer Myelopathie erwähnt worden. Dies
werde auch in einem Bericht des behandelnden Neurologen Dr. Q._ von 2005
unterstrichen, stehe aber im Gegensatz zu einer Reihe neurochirurgischer
Beurteilungen, in welchen eine Myelopathie (klinisch) als gegeben angenommen würde.
So habe Dr. H._ im Dezember 2007 von gesteigerten Reflexen und einer
Armschwäche links geschrieben. Dagegen ergebe die aktuelle neurologische
Untersuchung keine objektivierbaren Ausfälle. Die Reflexe seien seitengleich erhältlich
und sicher nicht gesteigert. Bei der Prüfung der Motorik ergebe sich der Verdacht auf
eine dissoziative Bewegungsstörung. Als organischer Kern hierfür möge eine frühere
Zervikobrachialgie C6 dienen, eine andere zentrale Störung z.B. im Rahmen eines
früheren Insultes bleibe spekulativ, zumal auch die eingehende Zusatzdiagnostik
2005/2006 diesbezüglich keine weiteren Anhaltspunkte ergeben habe. Auch unter der
Annahme einer dissoziativen Bewegungsstörung seien indes beim
kernspintomographischen Bild anhaltende Zervikobrachialgien plausibel, wie auch eine
diskrete Monoparese des linken Beines nicht ausgeschlossen werden könne.
Ausgeschlossen werden könne hingegen die gebotene armbetonte Halbseitenstörung
links. Dies möge zusammen einen organischen Kern darstellen, der aber psychogen
überlagert sei. Die Abgrenzung bzw. Einordnung dieser dissoziativen
Bewegungsstörung und der früher von Dr. G._ erwähnten somatoformen
Schmerzstörung falle ins psychiatrische Fachgebiet (IV-act. 150-15f.). Wie aus diesen
Ausführungen des neurologischen Gutachters hervorgeht, setzte er sich ausführlich mit
der Verdachtsdiagnose einer zervikalen Myelopathie, für welche selbst im Bericht des
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KSSG vom 26. November 2009 trotz der gestellten Diagnose als "klinisch eindeutig"
ein MRI-Nachweis fehlte (vgl. IV-act. 186-6), auseinander. Unabhängig davon, ob eine
Myelopathie tatsächlich oder auf Grund des fehlenden neurologischen Korrelats nur
der Verdacht als gegeben erachtet werden kann, wurden zumindest die Auswirkungen
dieser Verdachtsdiagnose genügend in die Arbeitsunfähigkeitsschätzung
miteinbezogen. Der ausserdem vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
bemängelte fehlende Hinweis auf eine leichte Stenose C4/5, wie er gemäss den
Berichten von Dr. H._ vom 20. Dezember 2007 und 29. Februar 2008 vorliegt (IV-
act. 110-5, 116-1), vermag die Gesamtbeurteilung ebenfalls nicht in Frage zu stellen.
Immerhin handelt es sich um eine leichte bzw. im Bereich C4/5 weniger ausgeprägte
Form der Spinalkanalstenose, wogegen diejenige auf Höhe C5 - C7 hochgradig und
demnach für die Arbeitsfähigkeit von weit grösserer Relevanz ist.
4.3.4 Auch die Rüge der fehlenden orthopädischen Untersuchung durch das ABI
vermag am Gutachtensergebnis keine Zweifel zu begründen. Gestützt auf die
gutachterlich nachvollziehbar aufgeführten Begründungen darf davon ausgegangen
werden, dass die Gutachter einen weiteren Experten beigezogen hätten, wenn sich
eine Notwendigkeit dazu ergeben hätte. Auf Grund der gesamten Aktenlage und der
gutachterlichen Ausführungen kann ein solcher Mangel jedoch nicht bestätigt werden.
4.3.5 Gegen das ophthalmologische Begutachtungsergebnis von Dr. P._ wird
sodann zu Recht von der Beschwerdeführerin keine Kritik angebracht, deckt sich diese
hinsichtlich der Diagnosen doch mit den vorhandenen Akten (vgl. IV-act. 123, 111).
Zudem kann auch der aus ophthalmologischer Sicht attestierten 25%igen
Arbeitsunfähigkeit im Sinn der Beschwerdeführerin gefolgt werden. Schliesslich befand
Dr. I._ sie im Bericht vom 18. Februar 2008 auf Grund der Augenproblematik in
adaptierter Tätigkeit sogar als zu 80 - 100% arbeitsfähig (IV-act. 111-5).
4.3.6 Im Übrigen kann der von der Deutschen Rentenversicherung gemäss
Widerspruchsbescheid festgehaltenen vollen Erwerbsminderung ab 1. Januar 2006 (IV-
act. II 4-11) bereits deshalb nicht gefolgt werden, weil die Deutsche
Rentenversicherung die medizinischen Grundlagen für einen Rentenanspruch auf
Grund ungenügender Beitragszeit der Beschwerdeführerin nicht vertieft abklären
musste. Dem Widerspruchsbescheid fehlt denn auch jegliche Begründung zum
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Gesundheitszustand und zur Einschränkung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin.
4.4 Insgesamt vermag die Beschwerdeführerin somit keine Mängel vorzubringen, die
erhebliche Zweifel an der Beurteilung durch die ABI-Gutachter auslösen könnten. Das
Gutachten vom 6. April 2009 ergibt ein stimmiges und vollständiges Bild des
Gesundheitszustands, das nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit hinreichende Klarheit über den rechtserheblichen Sachverhalt
vermittelt. Die Festlegung des Invaliditätsgrads gestützt auf die im ABI-Gutachten
enthaltene Arbeitsfähigkeitsbeurteilung ist nicht zu beanstanden. Folglich besteht auch
kein weiterer medizinischer Abklärungsbedarf. Vorliegend bleibt nachfolgend die
Ermittlung des Invaliditätsgrads zu prüfen.
5.
5.1 Das ABI-Gutachten attestiert der Beschwerdeführerin eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit. Die Beschwerdegegnerin hat sich bei der
Festlegung des Validen- und Invalideneinkommens auf die Tabellenlöhne der LSE
2008, Anforderungsniveau 4, gestützt. Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein,
dass sie mehr aus ihrem Berufsleben hätte machen können, wenn sie gesund
geblieben wäre. So habe sie regelmässig Weiterbildungen gemacht und sich von einer
kaufmännischen Angestellten (Sekretärin) zur Leiterin von Kursen in Atemgymnastik,
Naturheilkunde, Chirogymnastik etc. weiterentwickelt. Die Arbeit in einer Buchhandlung
habe sie schliesslich nur gesundheitsbedingt ausgeübt. Aber selbst dort würde sie
ohne die gesundheitlichen Beschwerden lohnmässige Fortschritte gemacht haben.
Dazu ist festzuhalten, dass theoretisch vorhandene berufliche Entwicklungs- oder
Aufstiegsmöglichkeiten nur dann beachtlich sind, wenn sie mit hoher
Wahrscheinlichkeit eingetreten wären. Für die Annahme einer mutmasslichen
beruflichen Weiterentwicklung ist insbesondere erforderlich, dass konkrete
Anhaltspunkte dafür bestehen, eine versicherte Person hätte einen beruflichen Aufstieg
und ein entsprechend höheres Einkommen auch tatsächlich realisiert, wäre sie nicht
invalid geworden. Blosse Absichtserklärungen genügen nicht (Urteil des
Bundesgerichts vom 15. Januar 2009, 8C_638/08, E. 4.3). Solche konkreten
Anhaltspunkte für einen beruflichen bzw. vor allem lohnmässigen Aufstieg sind den
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Akten nicht zu entnehmen. Die Umstände, dass die Beschwerdeführerin sich in
verschiedenen hauptsächlich therapeutischen Berufen weitergebildet hat, begründet
noch keine sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ergebende Aufstiegsmöglichkeit.
Nachdem die Beschwerdeführerin bereits seit 1989 nicht mehr als kaufmännische
Angestellte tätig war und auf Grund ihres beruflichen Werdegangs auch nicht mehr
ohne Weiteres in diesen Tätigkeitsbereich zurückkehren könnte, scheidet ein Abstellen
auf das Durchschnittseinkommen von kaufmännischen Angestellten ebenfalls aus.
Auch auf die einkommensmässig tiefere Tätigkeit im Detailhandelsbereich bzw. als
Angestellte in einer christlichen Buchhandlung kann vorliegend nicht abgestellt werden,
da davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin die Stelle im Buchhandel
vorwiegend auf Grund ihres gesundheitlichen Zustands sowie ihres christlich-religiösen
Hintergrunds angenommen hatte. Somit ist im Ergebnis - weil beim Validen- und
Invalideneinkommen auf die gleichen statistischen Durchschnittslöhne abzustellen ist -
ein Prozentvergleich durchzuführen.
5.2 Bei der Bemessung des Invalideneinkommens berücksichtigte die
Beschwerdegegnerin zunächst die gutachterlich festgestellte Arbeitsunfähigkeit in
leichten adaptierten Tätigkeiten von 50%. Im Weiteren nahm sie einen Abzug auf dem
Invalideneinkommen von 10% vor, womit sie einen Invaliditätsgrad von 55% (100% -
[50% x 0.9]) ermittelte. Ein solcher Leidensabzug vom statistischen Durchschnittslohn
ist nach der Rechtsprechung gerechtfertigt, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte bestehen,
dass die versicherte Person auf Grund einkommensbeeinflussender Merkmale (wie
etwa leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) eine Restarbeitsfähigkeit nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Der Einfluss sämtlicher
Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf höchstens 25% zu begrenzen ist (BGE
129 V 481 E. 4.3.2, 126 V 75). Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin einen
Leidensabzug von 10% angenommen, weil die Beschwerdeführerin nur noch leichte
Tätigkeiten ausüben könne. Vorweg ist zu erwähnen, dass nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ein zusätzlicher Teilzeitabzug, wie ihn die
Beschwerdeführerin geltend macht, nicht in Betracht fällt, weil sich eine Teilzeittätigkeit
bei Frauen statistisch nicht lohnsenkend auswirke (vgl. Entscheide des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
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Abteilungen des Bundesgerichts] vom 9. Mai 2001, I 575/00, E. 3b; vom 18. Juli 2002, I
130/02, E. 3b/cc). Gemäss Gutachten beträgt die Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin bereits aus psychischen Gründen 50%. In diesem Umfang ist der
Beschwerdeführerin nach Auffassung der medizinischen Experten eine leichte,
adaptierte Tätigkeit zumutbar. Die aus neurologischen und ophthalmologischen
Gründen attestierten Arbeitsunfähigkeiten von 20% und von 25% seien nicht zu jener
von 50% zu addieren, sondern die verschiedenen Arbeitsunfähigkeiten würden sich
ergänzen und gesamthaft 50% betragen, weil die gleichen Zeitabschnitte zum Einlegen
von Pausen und zur Erholung verwendet werden könnten (IV-act. 150-21). Auch wenn
eine solche Betrachtungsweise aus medizinisch-theoretischer Sicht vorgenommen
werden kann, so ist im Zusammenhang mit dem Leidensabzug zu berücksichtigen,
dass die multiplen Beeinträchtigungen der Leistungsfähigkeit das Spektrum an
möglichen Verweistätigkeiten erheblich beeinträchtigen und lohnsenkend wirken. Kann
die Beschwerdeführerin wegen ihres Rückenleidens nur noch leichte Tätigkeiten, z.B.
Kontroll- und Sortiertätigkeiten oder die von der Beschwerdegenerin angeführten
Verweistätigkeiten im Bürobereich oder im Buchhandel, ausüben, so wirkt sich das
eingeschränkte Sehvermögen zusätzlich als Erschwernis aus, ist doch bei solchen
Tätigkeiten ein intaktes Sehvermögen zur Erreichung eines durchschnittlichen
Lohnniveaus wichtig. Ein Leidensabzug von 10% trägt der Häufung der
Beeinträchtigungen zu wenig Rechnung. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin
von 1993 bis 2007, dem Jahr vor dem Rentenbeginn, mehrheitlich im Ausland weilte
und überdies in dieser Zeit verschiedene längere unentgeltliche Einsätze leistete,
weshalb sie lange vom (schweizerischen) Arbeitsmarkt abwesend war. In Würdigung
der gesamten persönlichen und beruflichen Umstände erscheint es angemessen, den
Abzug vom Tabellenlohn auf 20% festzusetzen. Demnach beträgt der Invaliditätsgrad
60% (100% - [50% x 0,8]). Damit besteht ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente.
6.
Im Weiteren rügt die Beschwerdeführerin den Rentenbeginn bzw. den Beginn des
Wartejahres. Die Beschwerdegegnerin hat gestützt auf das ABI-Gutachten auf den
Zeitpunkt der Rückkehr der Beschwerdeführerin in die Schweiz (Oktober 2007)
abgestellt. Die ABI-Gutachter hielten dazu fest, dass die Arbeitsfähigkeit vor allem
durch die psychiatrischen Diagnosen eingeschränkt sei. Es sei jedoch schwierig,
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retrospektiv aus psychiatrischer Sicht zur Arbeitsfähigkeit Stellung zu nehmen. Die
Veränderung der Persönlichkeit sei schleichend verlaufen. Aus diesem Grund schlugen
sie vor, aus psychiatrischer Sicht seit der Rückkehr in die Schweiz im Oktober 2008
(korrekt ist Oktober 2007) eine Arbeitsunfähigkeit von 50% anzunehmen (IV-act. 150-13
und 21). Wie aus den Akten jedoch hervorgeht, hielt Dr. med. G._, Arzt für
Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, im für die deutsche Rentenversicherung
erstellten Gutachten vom 19. März 2007 gestützt auf die Untersuchung vom 14.
Februar 2007 fest, die Beschwerdeführerin könne auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
unter der Voraussetzung, dass die Tätigkeit keine erhöhte Anforderung an die
psychische Belastbarkeit stelle, dass Heben und Tragen von schweren Lasten nur mit
Unterstützung möglich seien und dass sie ohne Wechsel und Zeitschicht arbeite, noch
eine Tätigkeit im Rahmen von drei bis unter sechs Stunden ausüben (IV-act. 88-13).
Wann genau diese Einschränkung, welche der im ABI-Gutachten attestierten
Einschränkung weitgehend entspricht, eingesetzt hat, geht aus der Expertise von Dr.
G._ nicht hervor. Es rechtfertigt sich aber, das Wartejahr als im Zeitpunkt der
Untersuchung von Dr. G._, d.h. ab Februar 2007, als eröffnet zu erachten. Ein
früherer Beginn des Wartejahres kann anderseits entgegen den Ausführungen der
Beschwerdeführerin nicht angenommen werden, wird doch in den früheren ärztlichen
Berichten eine länger dauernde höhere Arbeitsunfähigkeit nicht bescheinigt.
7.
Zu prüfen bleiben damit noch die Grundlagen zur Rentenberechnung. Der Betrag der
ordentlichen Rente der AHV und IV wird durch zwei Elemente bestimmt, nämlich
einerseits durch das Verhältnis zwischen der Beitragsdauer der versicherten Person
und jener ihres Jahrgangs (Rentenskala; wobei die in Art. 52 der Verordnung über die
Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVV; SR 831.101] enthaltene Abstufung
massgebend ist) sowie andererseits auf Grund des durchschnittlichen
Jahreseinkommens. Für die Berechnung der ordentlichen IV-Renten sind die
Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung
(AHVG; SR 831.10) sinngemäss anwendbar (Art. 36 Abs. 2 IVG; vgl. auch Art. 32 Abs. 1
IVV). Dabei werden Beitragsjahre, Erwerbseinkommen sowie allfällige Erziehungs- oder
Betreuungsgutschriften der rentenberechtigten Person zwischen dem 1. Januar nach
Vollendung des 20. Altersjahres und dem 31. Dezember vor Eintritt des
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Versicherungsfalls berücksichtigt (Art. 29 Abs. 1 AHVG). Vorliegend lebte die
Beschwerdeführerin während mehrerer Jahre in Deutschland. Die Beschwerdegegnerin
hat mit Schreiben vom 17. April 2010 zum Vorliegen der Beitragslücken während dieser
Zeit mit Verweis auf die gesetzlichen Grundlagen ausführlich und nachvollziehbar
Stellung genommen (IV-act. II 36). Diese Stellungnahme blieb in der Replik vom 16.
Juni 2010 unbestritten. Damit sind die der Verfügung vom 22. Dezember 2009 zu
Grunde liegenden Berechnungsgrundlagen (Beitragsjahre und Erwerbseinkommen)
nicht zu beanstanden
8.
8.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 22. Dezember 2009 teilweise gutzuheissen und der
Beschwerdeführerin gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 60% ab Februar 2008 eine
Dreiviertelsrente zuzusprechen.
8.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die
Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
zu bezahlen.
8.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier
zu beurteilenden Fall, wo die Beschwerdeführerin weitgehend obsiegt hat und mithin
eine ungekürzte Kostenvergütung gerechtfertigt ist, erscheint eine Parteientschädigung
von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP