Decision ID: 6330db45-0470-4339-bbfd-5d4dc72d8e08
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die Politischen Gemeinde X._ liess am 26. Mai 2014 verschiedene
Verkehrsanordnungen publizieren. Für die O._-Strasse von der Einmündung der
M._-Strasse bis zur Kirche O._ verfügte er die Zonensignalisation
"Höchstgeschwindigkeit 30 km/h". Verfügt wurde ebenfalls, dass diese
Verkehrsanordnung vorerst für ein Jahr gelte und bestehen bleibe, falls sie sich
bewähre. Im Beschluss (act. 11/26.1) führte der Stadtrat aus, die Tempo-30-Zone
O._-Strasse diene der Erhöhung der Verkehrssicherheit. Sie werde mit den
umliegenden, bereits bestehenden Tempo-30-Zonen P._ (Nr. 19), O._ (Nr. 22) und
Q._ (Nr. 44) zu einer Zone zusammengefasst.
[zwei Planskizzen; nicht veröffentlicht]
B. Gegen den Stadtratsbeschluss erhob unter anderem A._ – auch im Namen von 70
namentlich genannten Mitbeteiligten – Rekurs beim Sicherheits- und
Justizdepartement (act. 11/3). Sie ersuchten um Aufhebung der Verkehrsanordnung
und machten im Wesentlichen geltend, der in Frage stehende Teilbereich der O._-
Strasse dürfe als einzelner Strassenzug nicht als Tempo-30-Zone signalisiert werden.
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Der Schutz der Fussgänger sei bereits ausreichend gewährleistet, weil auf dem
fraglichen Streckenabschnitt acht stark frequentierte Fussgängerstreifen bestünden.
Die Auswertung der Unfallstatistik zeige, dass sich in den letzten sechs Jahren lediglich
zwei Unfälle mit Fussgängern ereignet hätten, wobei die eine Person bei einer Kollision
mit einem Fahrradfahrer und die andere auf dem Fussgängerstreifen von einem
Personenwagen verletzt worden sei. Weil sich ausserhalb eines Fussgängerstreifens
lediglich ein Unfall ereignet habe, könne ein tieferes Temporegime mit Blick auf die
bereits ausreichende Verkehrssicherheit weder nötig noch verhältnismässig sein. Von
den acht bestehenden Fussgängerstreifen sei die Aufhebung eines einzigen
vorgesehen. Dies widerspreche dem Grundsatz, dass innerhalb der Tempo-30-Zonen
auf Fussgängerstreifen generell zu verzichten sei. Schliesslich zeige auch die
Zielsetzung, die Durchschnittsgeschwindigkeit der Motorfahrzeuge von 42 km/h auf 38
km/h zu reduzieren, wie unverhältnismässig die Verkehrsanordnung sei. Es sei
gesetzwidrig, die bisher verschiedenen Tempo-30-Zonen erschliessende
Durchfahrtsstrasse nachträglich diesen dazuzuschlagen und eine einzige derartige
Zone zu schaffen. Denn bei der O._-Strasse handle es sich nicht um eine
Wohnstrasse, sondern um eine verkehrsorientierte Haupterschliessungsstrasse.
Das Sicherheits- und Justizdepartement wies den Rekurs mit Entscheid vom
11. Januar 2017 ab (act. 2). Es hielt fest, die vom Stadtrat mit der streitigen
Verkehrsanordnung verfolgten Ziele seien gesetzmässig. Die O._-Strasse sei als
grundlegende Erschliessungsstrasse für den Ortskern dieses Stadtquartiers noch als
"siedlungsorientiert" (und damit als der Schaffung einer Tempo-30-Zone grundsätzlich
zugänglich) zu betrachten. Der Stadtrat berufe sich auf zulässige Interessen, wenn er
die Verkehrsanordnung mit den Schutzbedürfnissen einzelner Verkehrsteilnehmer
sowie mit der Gefährdung durch die bestehenden Strassenverhältnisse begründe.
Insbesondere wegen des Busverkehrs zwischen den Haltestellen "R._" und "Kirche
O._" sei die Strasse stark befahren. Die Strassenanlage sei zudem unübersichtlich
und auf der ganzen Länge eng. Diverse Kreuzungen und Querungsstellen sorgten,
zusammen mit den Haltestellen des öffentlichen Verkehrs, für komplexe
Verkehrssituationen. Die Sicherheit sämtlicher Verkehrsteilnehmer (d.h. nicht nur der
Fussgänger) ist nach den Ausführungen der Rekursinstanz im heutigen Zustand in
mehrfacher Hinsicht nicht gewährleistet. Das öffentliche Interesse an der Verbesserung
der Verkehrssicherheit überwiege daher die von den Rekurrenten nicht näher
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substantiierten Belastungen des motorisierten privaten und öffentlichen Verkehrs. Der
Stadtrat habe zudem zu Recht am bestehenden Vortrittsregime und an den
Fussgängerstreifen festgehalten. Die angefochtene Verfügung sei demnach gesetz-
und verhältnismässig.
C. Gegen den Rekursentscheid des Sicherheits- und Justizdepartements vom
11. Januar 2017 erhoben A._ und weitere 62 unterlegene Rekurrenten
(Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 26. Januar 2017 und Ergänzung vom 2. März
2017 Beschwerde beim Verwaltungsgericht (act. 1 und 8). Sie beantragen, der
angefochtene Rekursentscheid sei aufzuheben; eventualiter sei die Angelegenheit zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen; subeventuell sei festzustellen, dass
es sich bei der angefochtenen Verkehrsanordnung um einen einjährigen Versuch
handle; unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Das Sicherheits- und Justizdepartement (Vorinstanz) beantragte mit Vernehmlassung
vom 20. März 2017 Abweisung der Beschwerde (act. 10). Den gleichlautenden Antrag –
allerdings unter Kosten- und Entschädigungsfolge – stellte die die Politische Gemeinde
X._ (Beschwerdegegnerin) in ihrer ausführlichen Stellungnahme vom 3. Mai 2017
(act. 15).

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Bei den
Beschwerdeführern handelt es sich um Einwohner und/oder Grundeigentümer des von
der streitigen Verkehrsanordnung hauptsächlich betroffenen Stadtquartiers; sie
erscheinen – ohne nähere Prüfung im Einzelfall – zur Erhebung der Beschwerde
legitimiert (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde wurde
rechtzeitig erhoben und entspricht (mit Berücksichtigung der Beschwerdeergänzung
vom 2. März 2017) inhaltlich und formal den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist
grundsätzlich einzutreten.
bis
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Mangels ausreichender Begründung ist auf die Beschwerde insoweit nicht einzutreten,
als die Beschwerdeführer pauschal auf ihre Eingaben im vorinstanzlichen Verfahren
verweisen (act. 8 S. 2). Es ist nicht Aufgabe einer Rechtsmittelinstanz, in den
vorinstanzlichen Akten nach Gründen zu suchen, weshalb der angefochtene Entscheid
unrichtig sein könnte. Eben dies haben die Beschwerdeführer in ihrer Begründung
zumindest in groben Zügen zu bezeichnen (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit
im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 921 mit Hinweisen).
2. Umstritten ist die Zulässigkeit der Erweiterung bzw. Zusammenführung der
bestehenden Tempo-30-Zonen im Stadtquartier O._ durch den Einbezug der O._-
Strasse von der Einmündung der M._-Strasse bis zur Kirche O._.
3. Die allgemeine Höchstgeschwindigkeit für Fahrzeuge in Ortschaften beträgt 50 km/h
(Art. 32 Abs. 2 SVG, SR 741.01, in Verbindung mit Art. 4a Abs. 1 lit. a der
Verkehrsregelnverordnung, SR 741.11, VRV). Sie kann für bestimmte Strassenstrecken
von der zuständigen Behörde aufgrund eines Gutachtens herab- oder heraufgesetzt
werden (Art. 32 Abs. 3 SVG). Innerorts können tiefere Höchstgeschwindigkeiten für
bestimmte Strassenstrecken (Art. 108 Abs. 5 lit. d der Signalisationsverordnung, SR
741.21, SSV: in Abstufungen von je 10 km/h) oder durch die Signalisation einer
Tempo-30-Zone oder einer Begegnungszone angeordnet werden (Art. 108 Abs. 5 lit. e
in Verbindung mit Art. 22a und 22b SSV).
3.1. Die Herabsetzung der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit ist nach Art. 108 Abs. 2
SSV zulässig, wenn eine Gefahr nur schwer oder nicht rechtzeitig erkennbar und
anders nicht zu beheben ist (lit. a), wenn bestimmte Strassenbenützer eines
besonderen, nicht anders zu erreichenden Schutzes bedürfen (lit. b), wenn auf
Strecken mit grosser Verkehrsbelastung der Verkehrsablauf verbessert werden kann
(lit. c) oder wenn dadurch eine im Sinne der Umweltschutzgesetzgebung übermässige
Umweltbelastung (Lärm, Schadstoffe) vermindert werden kann; es ist der Grundsatz
der Verhältnismässigkeit zu wahren (lit. d). Die Anordnung von abweichenden
Höchstgeschwindigkeiten ist nur gestützt auf ein vorgängig zu erstellendes Gutachten
zulässig. Dieses hat aufzuzeigen, dass die Massnahme nötig, zweck- und
verhältnismässig ist und keine anderen Massnahmen vorzuziehen sind (Art. 32 Abs. 3
SVG in Verbindung mit Art. 108 Abs. 4 Satz 1 SSV). Einzelheiten hat das
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Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr und Kommunikation (UVEK) in der
Verordnung über die Tempo-30-Zonen und die Begegnungszonen geregelt (SR
741.213.3; vgl. BGE 136 II 539 E. 2.2).
3.2. Das Signal "Tempo-30-Zone" ist nur auf Nebenstrassen mit möglichst
gleichartigem Charakter zulässig (Art. 2a Abs. 5 SSV). Es kennzeichnet Strassen in
Quartieren oder Siedlungsbereichen, auf denen besonders vorsichtig und
rücksichtsvoll gefahren werden muss (Art. 22a Satz 1 SSV). Obwohl im Grundsatz nur
auf Nebenstrassen mit möglichst gleichartigem Charakter zulässig, kann unter den in
Art. 108 SSV genannten Voraussetzungen die Höchstgeschwindigkeit auch auf
Hauptstrassen auf 30 km/h begrenzt und der entsprechende Abschnitt ausnahmsweise
– bei besonderen örtlichen Gegebenheiten (z. B. in einem Ortszentrum oder in einem
Altstadtgebiet) – in eine Tempo-30-Zone einbezogen werden (vgl. Art. 2a Abs. 6 SSV;
BGE 136 II 539 E. 2.2 ff.).
3.3. Nach Auffassung der Beschwerdeführer ist die O._-Strasse im von der streitigen
Verkehrsanordnung betroffenen Bereich dem übergeordneten Strassennetz zugeordnet
und deren Einbezug in eine Tempo-30-Zone von Vornherein unzulässig. Generell
unzulässig sind verkehrsberuhigende Massnahmen in Form von Tempo-30-Zonen
indes sogar auf Hauptstrassen nicht (Art. 2a Abs. 6 SSV; BGE 136 II 539 E. 2.3 mit
Hinweisen). Die O._-Strasse ist demgegenüber lediglich eine Gemeindestrasse
1. Klasse (www.geoportal.ch) und dient als solche nach der Legaldefinition in Art. 8
Abs. 1 des Strassengesetzes (sGS 732.1, StrG) dem örtlichen und dem überörtlichen
Verkehr. Sie ist – entgegen der Darstellung der Beschwerdeführer – im fraglichen
Bereich nicht vollständig, aber immerhin bis zur Abzweigung N._-Strasse dem
übergeordneten Strassennetz zugeordnet. Wie die Vorinstanz überzeugend ausgeführt
hat, ist sie nicht rein verkehrs- sondern vor allem siedlungsorientiert: Sie erschliesst
den Kern des Stadtquartiers O._ sowie die (ebenfalls zu O._ gehörenden) nördlich
und südlich der Strasse gelegenen Wohnsiedlungen grundlegend. Ihr Einbezug in eine
einzige grosse Tempo-30-Zone ist damit grundsätzlich zulässig, und es bedarf hierzu
keines Ausnahmetatbestandes im Sinne von Art. 2a Abs. 6 SSV. Dieser wäre jedoch –
soweit ersichtlich – auch erfüllt, nachdem die Strasse das Ortszentrum des Stadtteils
O._ durchquert. Es liesse sich jedenfalls ohne Weiteres begründen, dass "besondere
örtliche Gegebenheiten" im Sinne von Art. 2a Abs. 6 SSV vorliegen, welche den
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Einbezug selbst einer (klar verkehrsorientierten) Hauptstrasse in eine Tempo-30-Zone
rechtfertigen würden.
3.4. Zulässig ist die Anordnung von abweichenden Höchstgeschwindigkeiten – wie
bereits in E. 3.1 hiervor dargelegt – nur gestützt auf ein vorgängig zu erstellendes
Gutachten, welches belegt, dass diese Massnahme nötig, zweck- und verhältnismässig
ist und keine anderen Massnahmen vorzuziehen sind (Art. 32 Abs. 3 SVG in Verbindung
mit Art. 108 Abs. 4 SSV). Art. 3 der Verordnung über die Tempo-30-Zonen und die
Begegnungszonen umschreibt den Inhalt dieses Gutachtens näher. Es handelt sich um
einen Kurzbericht, der namentlich folgende Punkte umfasst:
a. die Umschreibung der Ziele, die mit der Anordnung der Zone erreicht werden sollen;
b. einen Übersichtsplan mit der auf Grund des Raumplanungsrechts festgelegten
Hierarchie der Strassen einer Ortschaft oder von Teilen einer Ortschaft;
c. eine Beurteilung bestehender und absehbarer Sicherheitsdefizite sowie Vorschläge
für Massnahmen zu deren Behebung;
d. Angaben zum vorhandenen Geschwindigkeitsniveau (50-Prozent-Geschwindigkeit
V und 85-Prozent-Geschwindigkeit V );
e. Angaben zur bestehenden und angestrebten Qualität als Wohn-, Lebens- und
Wirtschaftsraum, einschliesslich der Nutzungsansprüche;
f. Überlegungen zu möglichen Auswirkungen der geplanten Massnahme auf die ganze
Ortschaft oder auf Teile der Ortschaft sowie Vorschläge zur Vermeidung allfälliger
negativer Folgen;
g. eine Aufzählung und Umschreibung der Massnahmen, die erforderlich sind, um die
angestrebten Ziele zu erreichen.
Die Anforderungen, welche Art. 3 der Verordnung über die Tempo-30-Zonen und die
Begegnungszonen an das Gutachten stellt, sind vor dem Hintergrund des Zwecks der
Geschwindigkeitsbeschränkung zu sehen. So hat beispielsweise die Beurteilung
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bestehender und absehbarer Sicherheitsdefizite (lit. c der genannten Bestimmung) eine
andere Bedeutung, je nachdem, ob mit der Herabsetzung der allgemeinen
Höchstgeschwindigkeit einer Gefahr begegnet oder der Verkehrsablauf verbessert
werden soll (Art. 108 Abs. 2 lit. a und c SSV). Sodann sind die örtlichen Gegebenheiten
von Bedeutung. Umfangreiche Untersuchungen können beispielsweise bei
verkehrsreichen Kantonsstrassen nötig sein. Dagegen genügt bei wenig befahrenen
Quartierstrassen unter Umständen eine Beschreibung der Örtlichkeiten (BGer
1C_206/2008 vom 9. Oktober 2008 E. 2.2 mit Hinweis auf VPB 62/1998 Nr. 26 E. 9 mit
Hinweisen). Das geforderte Gutachten ist zudem nicht isoliert zu betrachten. Zur
Ergänzung und Konkretisierung der im Gutachten enthaltenen Informationen kann auch
auf andere Erhebungen zurückgegriffen werden.
3.5. Die Beschwerdeführer kritisieren das Gutachten von Stadtpolizei und Tiefbauamt
vom 25. April 2014 (act. 11/26.3, nachfolgend "Gutachten") bereits aus formalen
Gründen. Es handle sich dabei um eine rein verwaltungsinterne Stellungnahme einer
dem Stadtrat und damit seiner Weisungsgewalt unterstehenden Verwaltungsbehörde.
Mangels Unabhängigkeit der Gutachterstelle könne es nicht zur Begründung der
streitigen Verkehrsanordnung herangezogen werden. Zudem sei es nicht unterzeichnet
und im Rekursverfahren nicht wie beantragt im Original ediert worden.
Die Anwendung von Art. 32 Abs. 3 SVG und Art. 108 Abs. 4 VRV setzt kein
unabhängiges Sachverständigengutachten voraus. Die Gerichtspraxis lässt
Untersuchungsberichte und Gutachten von internen Verwaltungsstellen ohne weiteres
zu (vgl. z.B. BGE 136 II 439 E. 3.1 und 3.2; BGer 1C_370/2011 vom 9. Dezember 2011
E. 2.6, in: ZBl 114/2013 S. 574). Das Bundesgericht hat diese Praxis unlängst
ausdrücklich bestätigt (BGer 1C_117 und 118/2017 vom 20. März 2018 E. 5.1). Die
Vorbringen der Beschwerdeführer bieten keinen konkreten Anlass, von dieser
gefestigten Rechtsprechung abzuweichen. Auf die Einholung eines Verkehrsgutachtens
einer externen Begutachtungsstelle (vgl. act. 8 S. 11) kann verzichtet werden. Ebenfalls
kann darauf verzichtet werden, das Gutachten von Stadtpolizei und Tiefbauamt "im
Original" einreichen zu lassen. Die Beschwerdegegnerin hat bereits im Rekursverfahren
(act. 11/37 Ziff. 3.1) einleuchtend erklärt, dass das im Stadtratsbeschluss vom 13. Mai
2014 bezeichnete Gutachten vom 7. Februar 2014 mit dem in den Akten befindlichen
Gutachten identisch ist, obwohl dieses mit dem 25. April 2014 datiert ist. Die
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Abweichung kam durch eine automatische Anpassung des Datums durch das
Textverarbeitungsprogramm zustande. Hinweise auf weitere Unregelmässigkeiten
liegen nicht vor (vgl. auch act. 10 S. 1).
4.
4.1. Ob die Anordnung einer Tempo-30-Zone rechtmässig ist, prüft das
Verwaltungsgericht mit freier Kognition. Allerdings ist seine Überprüfungsbefugnis auf
Rechtsverletzungen und die unrichtige oder unvollständige Feststellung des
Sachverhalts beschränkt (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP). Auch die Ermessensausübung
kann rechtsfehlerhaft sein. Liegt ein Entscheid noch innerhalb des
Ermessensspielraums bzw. wurden die Verfassungsprinzipien sowie der Sinn und
Zweck der gesetzlichen Ordnung beachtet, ist jedoch selbst dann noch keine
Rechtsverletzung gegeben, wenn das Ermessen unzweckmässig gehandhabt wurde.
Anders verhält es sich bei einem qualifizierten Ermessensfehler, d.h. wenn die
Verwaltungsbehörde das Ermessen missbraucht bzw. über- oder unterschritten hat,
indem sie Ermessen ausgeübt hat, wo der Rechtssatz keines einräumt
(Ermessensüberschreitung), auf eine Ermessensausübung verzichtet hat, obschon ihr
eine solche Betätigung gestattet ist (Ermessensunterschreitung) oder sich zwar formell
an den Entscheidungsspielraum, den ihr der Rechtssatz einräumt, gehalten hat, der
Entscheid aber nicht bloss unzweckmässig oder unangemessen, sondern schlicht
unhaltbar ist und im Widerspruch zu Verfassungsprinzipien oder zum Sinn und Zweck
des Gesetzes steht (Ermessensmissbrauch). Solche Entscheide sind rechtsfehlerhaft
und müssen vom Verwaltungsgericht aufgehoben werden (vgl. z.B. VerwGE
B 2013/166 vom 4. Dezember 2014 E. 2.2, www.gerichte.sg.ch; Cavelti/Vögeli, a.a.O.,
Rz. 740 mit Hinweisen).
Verkehrsbeschränkungen der in Frage stehenden Art sind regelmässig mit
komplexeren Interessenabwägungen verbunden, wobei die zuständigen Behörden
erhebliche Gestaltungsspielräume ausnützen dürfen. Hängt die Beurteilung von
örtlichen, der lokalen Behörde besser bekannten Verhältnissen ab, haben sich die
Gerichte bei der ihnen zugedachten (Rechts-)Kontrolle in Zurückhaltung zu üben (vgl.
z.B. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 746).
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4.2. Die Beweiswürdigung ist frei und folgt keinen starren Regeln. Die Gewichtung der
einzelnen Beweismittel ergibt sich aus der inneren Qualität. Auch Gutachten
unterliegen der freien Beweiswürdigung. In Fachfragen darf das Gericht indessen von
der Auffassung eines Gutachters abweichen, wenn gewichtige, zuverlässig begründete
Tatsachen oder Indizien die Überzeugungskraft des Gutachtens bzw. dessen
Schlüssigkeit ernsthaft erschüttern. Dies ist etwa der Fall, wenn ein Gutachten innere
Widersprüche enthält oder offensichtlich lückenhaft ist (vgl. z.B. VerwGE B 2016/185
vom 28. Juni 2018 E. 4.2 mit Hinweis auf Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 616 mit Hinweisen;
vgl. auch K. Plüss, in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar zum
Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, N 146 zu § 7 VRG/
ZH). Erscheint dem Gericht die Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen
Punkten zweifelhaft, hat es nötigenfalls ergänzende Beweise zur Klärung dieser Zweifel
zu erheben. Das Abstellen auf eine nicht schlüssige Expertise bzw. der Verzicht auf die
gebotenen zusätzlichen Beweiserhebungen kann gegen das Verbot willkürlicher
Beweiswürdigung (Art. 9 BV) verstossen (BGE 130 I 3378 E. 5.4.2; 128 I 81 E. 2).
4.3. Gemäss Gutachten (act. 11/26.3) sollen mit der versuchsweisen
Zonensignalisierung Erkenntnisse gewonnen werden, ob die Verkehrssicherheit durch
diese Massnahme erhöht werden könne (Ziff. 41). Konkret wird beabsichtigt, die
Sicherheit im Quartierzentrum von O._ – insbesondere für Kinder und Betagte – zu
erhöhen (a), die Sicherheit für Fussgängerinnen und Fussgänger zwischen der
Verzweigung O._-Strasse/Q._-Strasse und R._ zu erhöhen (b) und die
Schulwegsicherheit auf der O._-Strasse auf dem Weg zum Schulhaus und den
Kindergärten B._, C._ und D._ zu verbessern (c).
4.3.1. Sicherheitsdefizite und Schutzbedürfnisse verortet das Gutachten zunächst mit
Blick auf den Zweck (c): Die Kinder aus den westlich der Strasse gelegenen
Wohngebieten müssten auf ihrem Weg zu den genannten Schulhäusern die Strasse
zwischen R.:_ und der Kirche O._ queren, wo teilweise komplexe Situationen mit
einmündenden Seitenstrassen und öV-Haltestellen herrschten. Diese akzentuierten sich
angesichts der bekanntlich noch nicht voll ausgebildeten Wahrnehmungsfähigkeit von
Kindergartenkindern und Unterstufenschülerinnen und -schülern und führten zu einem
erhöhten Schutzbedürfnis (Ziff. 42.1). Im beabsichtigten Zonengebiet hätten sich
zwischen 1. Januar 2008 bis 31. Juli 2010 21 Verkehrsunfälle ereignet, die Hälfte davon
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mit Verletzungsfolgen. Dies sei ein ungewöhnlich hoher Prozentsatz von Unfällen mit
Personenschäden. Von diesen beträfen knapp die Hälfte Motorradfahrer, verletzt
worden seien in diesem Zeitraum jedoch auch drei Radfahrer und zwei Fussgänger
sowie ein Autofahrer. Die beiden Fussgänger seien beim Queren der Fahrbahn verletzt
worden. Die hohe Zahl von Unfällen mit Verletzungsfolgen sei ein Hinweis dafür, dass
die geltende Höchstgeschwindigkeit der komplexen Verkehrssituation im Zentrum von
O._ nicht gerecht werde. Bei tieferer Geschwindigkeit reduziere sich die
Wahrscheinlichkeit von Unfällen bzw. von Verletzungen als Folge dieser Unfälle.
4.3.2. Im Bereich Q._-Strasse – R._ stehe für die Fussgänger lediglich ein
markierter Gehweg (Längsstreifen) auf der O._-Strasse zur Verfügung. Gerade wer
mit einem Kinderwagen unterwegs oder in seiner Mobilität eingeschränkt sei, müsse
diesen Weg benützen, um zur nächsten öV-Haltestelle R._ zu gelangen (die
Alternativen führen über Treppen). Der betreffende Strassenabschnitt sei
unübersichtlich und stellenweise weniger als fünf Meter breit. Die Kombination aus
schmalem Strassenquerschnitt, unübersichtlicher Linienführung und der geltenden
Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h stelle für Zufussgehende eine erhebliche
Gefährdung dar.
4.3.3. Als mögliche mildere Massnahmen wird die zeitliche Beschränkung der
Signalisation im Gutachten als unpraktikabel verworfen. Das Quartierzentrum sei
durchmischt genutzt (Ladengeschäfte, Gaststätten, Veranstaltungslokal, Postagentur,
Wohnungen), weshalb zu den unterschiedlichsten Tageszeiten Fussgängeraufkommen
herrsche. Die Strasse werde insbesondere von Schülern nicht nur vor und nach der
Schule, sondern auch in der Freizeit gequert. Eine zeitlich beschränkbare
Signalisierung sei zudem selbst mit hohem technischen und finanziellem Aufwand
kaum machbar und würde den Schutz der Bevölkerung nicht im angestrebten Ausmass
verbessern. So könne beispielsweise das Tempo nicht kostengünstig auf der Fahrbahn
selbst markiert werden. Die beabsichtigte permanente Signalisation sei zudem
eindeutiger.
Zu den alternativ möglichen baulichen Massnahmen hält das Gutachten fest, zwischen
R._ und der Kirche O._ sei die Strasse beidseits mit einem Trottoir versehen.
Unfallgefährlich seien indessen die Kreuzungen und Querungsstellen, wo sich aufgrund
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der Platzverhältnisse keine baulichen Massnahmen zu deren Sanierung realisieren
liessen. Zudem sei der Strassenkörper in diesem Bereich noch in einem guten Zustand
und die (vorgezogene) Sanierung auch aus finanziellen Gründen nicht verhältnismässig.
Zwischen R._ und der Q._-Strasse verfüge die O._-Strasse über keinen Gehweg;
dessen Erstellung wäre hier mit einem sehr grossen baulichen Aufwand und dem
Erwerb von privatem Grund verbunden. Trotz dieser Schwierigkeiten plane die
Beschwerdegegnerin kurz- bis mittelfristig die Anpassung der Strasse und den Bau
eines Gehweges. Gegenüber baulichen Massnahmen zur Verbesserung der
Verkehrssicherheit stelle die Einführung von Tempo 30 eine ebenso wirksame und
zugleich kostengünstigere Massnahme dar, die darüber hinaus sofort realisiert werden
könne. Bauliche Massnahmen allein trügen im Übrigen nichts zur Verkürzung des
Bremsweges und damit zur Reduktion der Unfallgefahr bei.
Auf dem betreffenden Streckenabschnitt soll zudem die bestehende Vortrittsregelung
beibehalten werden. Der Verzicht auf die Einführung des Rechtsvortritts wird im
Gutachten mit den Anforderungen des öffentlichen Verkehrs (Buslinien 2 und 8)
begründet. Der Durchgangsverkehr von und in Richtung Y._ bzw. Z._ werde zum
Teil auf die Y._-Strasse und die Z._-Strasse umgelagert, was erwünscht sei. Als
flankierende Massnahmen sind lediglich die Markierung beim Zoneneingang und die
Installation von Geräten zur Geschwindigkeitsüberwachung vorgesehen, letzteres für
den Fall, dass die Resultate der Nacherhebung ein zu hohes Geschwindigkeitsniveau
zeigen würden.
4.4. Die Vorinstanz ging in E. 3.b des angefochtenen Entscheids mit dem Gutachten
davon aus, die Beschwerdegegnerin habe mit der streitigen Verkehrsanordnung im
Wesentlichen drei Ziele verfolgt: Die Erhöhung der Sicherheit im Quartierzentrum von
O._ (vor allem für Kinder und Betagte), die Erhöhung der Sicherheit für Fussgänger
zwischen der Verzweigung O._-Strasse / M._-Strasse und R._ sowie die
Erhöhung der Schulwegsicherheit auf der O._-Strasse zwischen R._ und der Kirche
O._ auf dem Weg zum Schulhaus und zu den Kindergärten B._, C._ und D._.
Gleichzeitig trage die Beschwerdegegnerin den verbindlichen Vorgaben des kantonalen
Massnahmenplans nach Luftreinhalte-Verordnung, Nachführung 1997, vom 25. August
1998 (ABl 1998, 2259) Rechnung. In diesem Zusammenhang verfolge sie zur
Verbesserung der Verkehrssicherheit ein Tief-Tempo-Konzept mit tieferen
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Geschwindigkeitslimiten in den Wohnquartieren. Diese Zielsetzungen seien durch Art. 3
Abs. 4 SVG und Art. 108 Abs. 1 Satz 1 SSV grundsätzlich gedeckt. Die
Beschwerdeführer stellen diese nachvollziehbare Schlussfolgerung grundsätzlich nicht
in Frage (vgl. aber E. 4.6.2 hiernach).
4.5. Die Vorinstanz hielt sodann fest, die streitige Verkehrsanordnung sei
verhältnismässig. Vor allem im Abschnitt zwischen R._ und der Kirche sei die Strasse
stark befahren, unübersichtlich und eng. Hier bestünden mehrere Querungsstellen, die
angesichts der Bushaltestellen für komplexe Situationen sorgten. Für betagte und
gehbehinderte Menschen, aber besonders für die Schulkinder aus den westlich der
Strasse gelegenen Quartierteilen sei diese Situation überfordernd. Dies gelte umso
mehr, als bei diesen Einmündungen zusätzlich hoch frequentierte Parkplätze
(Restaurant, Saal, Lebensmittelgeschäfte) vorhanden seien und die allgemein
schwierige Verkehrssituation noch zusätzlich verkomplizierten. Dies zeige sich auch an
der hohen Unfallwahrscheinlichkeit, die sich nicht nur auf Fussgänger, sondern auch
auf Velo- und Motorradfahrer beziehe. Das Geschwindigkeitsniveau V liege bei 42
km/h und sei beträchtlich hoch. Auf dem Abschnitt von der R._ hinunter zur
Einmündung der M._-Strasse sei auf einer Länge von rund 100m lediglich eine gelb
markierte Fussgängerfläche vorhanden. Das Kreuzen zwischen Personen- und/oder
Lastwagen sei hier mit Gefahren für die Fussgänger verbunden (enge
Strassenverhältnisse). Der Schluss der Beschwerdegegnerin, wonach insbesondere für
Fussgängerinnen und Fussgänger ein erhöhtes Schutzbedürfnis bestehe und die
gültige Höchstgeschwindigkeit den komplexen Verkehrssituationen nicht gerecht
werde, sei nicht zu beanstanden. Das öffentliche Interesse an der Verbesserung der
Sicherheit überwiege die Interessen des motorisierten Verkehrs. Das Stadtquartier
bleibe nach wie vor gut erreichbar. Zur Behebung der Sicherheitsdefizite und zur
Gewährleistung des Schutzes besonders gefährdeter Personengruppen wie Kinder und
Betagte sei die Verkehrsanordnung ein verhältnismässiges Mittel.
4.6. Gegen diese Beurteilung – die sich im Wesentlichen mit den Schlussfolgerungen
des Gutachtens deckt – erheben die Beschwerdeführer verschiedene Einwände:
4.6.1. Sie machen zunächst geltend, die Beschwerdegegnerin sei im Rahmen einer
Petition eingeladen worden, die Einführung von Tempo 30 auf dem Abschnitt zwischen
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R._ und der Einfahrt in das ehemalige N._-Areal zu prüfen. Weshalb mit der
streitigen Verkehrsanordnung weit über das von den Petenten Verlangte
hinausgegangen worden sei, bleibe unerklärt.
Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Beschwerdevernehmlassung zutreffend darauf
hingewiesen, dass eine derartige Eingabe für sich allein kein genügender Grund für
oder gegen eine Verkehrsanordnung ist (vgl. act. 15 S. 2). Diese ist allein an den
zitierten gesetzlichen Grundlagen bzw. am Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu
messen.
4.6.2. Weiter bringen die Beschwerdeführer vor, die Begründung der streitigen
Anordnung (Erhöhung der Sicherheit, insbesondere des Schulwegs zwischen R._ und
O._) beziehe sich zwar auf ein an sich zulässiges Motiv, hinsichtlich des
Streckenabschnittes zwischen der Einmündung Felsenstrasse und Mühlegg fehle
jedoch ein Grund für die Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit.
Diese Auffassung trifft nicht zu. Im Stadtratsbeschluss vom 13. Mai 2014 wird die
Erhöhung der Sicherheit für Fussgängerinnen und Fussgänger zwischen der
Verzweigung O._-Strasse / M._-Strasse und R._ explizit als Ziel genannt. Das
Gutachten kommt zum Schluss, für Fussgänger stelle die Kombination aus dem sehr
schmalem Strassenquerschnitt, der unübersichtlichen Linienführung und der
momentan gültigen Höchstgeschwindigkeit in diesem Bereich eine erhebliche
Gefährdung dar (act. 11/26.3 Ziff. 42.1). Mit Art. 108 Abs. 2 Ingress und lit. b SSV
besteht demnach auch für diese für Fussgänger gefährliche Stelle ein zulässiger Grund
für die Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit.
4.6.3. Die Beschwerdeführer stellen sodann die Notwendigkeit der Verkehrsanordnung
in Frage. Der Nachweis, dass der angestrebte Schutz von Fussgängern (insbesondere
von Schülern und Betagten) nicht auf andere Art zu erreichen sei, werde im Gutachten
nicht geführt. Bis heute sei beispielsweise zu Gunsten der Bewohner des Buchquartiers
unterhalb der R._ kein Trottoir erstellt worden. Stattdessen habe die
Beschwerdegegnerin einfach auf der Strasse eine Markierung angebracht. Es gehe
nicht an, dass sich die Beschwerdegegnerin um die Pflicht zur Erstellung von Trottoirs
foutiere und dann dieses Versäumnis zur Begründung für eine Temporeduktion
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heranziehe. Allerdings habe sich in den Jahren 2008 bis 2013 hier auch kein einziger
Unfall ereignet. In Bezug auf die zu prüfende zeitliche Beschränkung der
Verkehrsanordnung werde im Gutachten lediglich festgehalten, dass dies mit einem
erheblichen technischen und finanziellen Aufwand verbunden wäre. Es sei technisch
möglich, die Signalisation ferngesteuert zu bestimmten Zeiten oder bei starkem
Verkehr anzupassen.
Die blosse Absicht des Stadtrates, ein Tieftempokonzept umzusetzen, genüge für den
Nachweis der Notwendigkeit nicht. Fussgänger seien verpflichtet, Trottoirs zu benützen
und die Strasse nach Möglichkeit auf einem Fussgängerstreifen überqueren. Es
bestünden heute acht Fussgängerstreifen, die es den 4'000 Quartierbewohnerinnen
und -bewohnern ermöglichten, die von Tempo-30-Zonen umgebene Strasse gefahrlos
zu überqueren. Nach Art. 4 Abs. 2 der Verordnung über Tempo-30-Zonen und
Begegnungszonen seien in Tempo-30-Zonen Fussgängerstreifen unzulässig. Mit
Vollzug der Verkehrsanordnung werde die Sicherheit der Fussgängerinnen und
Fussgänger deshalb massiv verschlechtert. Die Begründung, auf die sich die
Anordnung stütze, treffe deshalb von Vornherein nicht zu; die Massnahme sei mithin
unzweckmässig und aufzuheben.
4.6.3.1. Unter dem Stichwort "Realisierbarkeit von baulichen Massnahmen" wird im
Gutachten festgehalten, trotz schwieriger Verhältnisse sei beabsichtigt, auf dem
erwähnten Abschnitt (Einmündung M._-Strasse – R._) kurz- bis mittelfristig die
Strasse anzupassen und ein Trottoir zu erstellen. Entgegen den Ausführungen der
Beschwerdeführer hat sich die Beschwerdegegnerin demnach durchaus mit
Alternativen befasst, jedoch alle aus plausiblen Gründen verworfen (vgl. Ziff. 42.2 des
Gutachtens): Fussgänger frequentieren das Quartierzentrum entlang der Strasse nicht
nur vor und nach den Unterrichtszeiten, sondern – angesichts der durchmischten
Nutzung entlang der Strasse – zu den unterschiedlichsten Tageszeiten. Eine zeitliche
Beschränkung der Verkehrsanordnung ginge angesichts dessen kaum mit dem
erwünschten Sicherheitsgewinn einher. Bauliche Massnahmen allein wären ebenfalls
nicht ohne weiteres zielführend und mit erheblichem finanziellen Aufwand verbunden.
Die Umsetzung nähme sodann mehrere Jahre in Anspruch; für sich allein stellen sie
keine (auch in zeitlicher Hinsicht) adäquate Antwort auf die festgestellten
Sicherheitsdefizite dar.
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4.6.3.2. Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, werden die bestehenden
Fussgängerstreifen mit einer einzigen Ausnahme beibehalten. Aufgehoben wird
lediglich jener bei der Abzweigung in die L._-Strasse. In Tempo-30-Zonen dürfen
Fussgängerstreifen angebracht werden, wenn besondere Vortrittsbedürfnisse für
Fussgänger dies erfordern, namentlich bei Schulen und Heimen (Art. 4 Abs. 2 Satz 2
der Verordnung über die Tempo-30-Zonen und die Begegnungszonen). Konkret geht
es insbesondere darum, den schulpflichtigen Kindern aus den angrenzenden
Wohngebieten die Strassenüberquerung gefahrlos zu ermöglichen. Die Beibehaltung
der Fussgängerstreifen lässt sich ferner damit begründen, dass die geschilderten
komplexen Verkehrssituationen durch die Herabsetzung des Tempos entschärft
werden sollen. Die zusätzlich gewonnene Sicherheit soll nicht durch unkoordinierte
Strassenübertritte von Fussgängern wieder vermindert bzw. aufs Spiel gesetzt werden.
Dass sowohl die Fussgängerstreifen als auch die bestehende Vortrittsregelung
beibehalten werden, trägt zudem dem Umstand Rechnung, dass die Strasse nicht nur
rein siedlungsorientiert ist, sondern sowohl den Sammelverkehr des gesamten
Quartiers O._ als auch (geringfügig) Durchgangsverkehr aufnimmt.
4.6.4. Dass mit Einführung der Tempo-30-Zone die Unfallgefahr vermindert wird, ist in
den Augen der Beschwerdeführer ein allgemeingültiger Grundsatz, der nicht zur
Begründung im Einzelfall herangezogen werden kann. Die dem Gutachten beigelegte
Unfallstatistik beziehe sich auf die Jahre 2008 bis 2010 und sei damit nicht aktuell. Es
werde im Gutachten aktenwidrig behauptet, bei 21 Unfällen seien je zur Hälfte
Personen verletzt worden. Aktenkundig seien lediglich im Jahr 2009 zwei Unfälle mit
Fussgängern. Die Tatsache, dass innert 6 Jahren bei 21 Unfällen lediglich 2
Fussgänger verletzt worden seien, führe die fehlende Notwendig- und
Verhältnismässigkeit der Temporeduktion vor Augen. Auch die Tatsache, dass sich
aufgrund der physikalischen Gesetze bei reduzierter Geschwindigkeit weniger Unfälle
mit Personen ereignen würden, sei allgemein gültig und spreche im konkreten Fall nicht
für die Verkehrsanordnung.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer verdeutlicht die Unfallstatistik, wie
gefährlich die im Gutachten geschilderten Verkehrssituationen auf der O._-Strasse
tatsächlich sind. In diesem Zeitraum ereigneten sich hier 21 Unfälle; bei rund der Hälfte
(11) wurden Personen verletzt. Dass sich unter den Verletzten nur zwei Fussgänger
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befanden, schränkt die Aussagekraft der Statistik nicht massgeblich ein. Es handelt
sich zweifellos um einen für alle Verkehrsteilnehmer gefährlichen Strassenabschnitt. Die
Beschwerdegegnerin darf sich von der Temporeduktion ohne weiteres positive
Auswirkungen auf die Wahrscheinlichkeit und Heftigkeit derartiger Unfallereignisse
erhoffen. Die Verkehrsanordnung hilft, eine konkret ausgewiesene Gefahr zu verringern;
sie ist hierfür ein taugliches Mittel und erscheint notwendig. Daran ändert der Einwand
der Beschwerdeführer, dass die Strasse nun mit fahrzeugähnlichen Geräten wie
Rollschuhen, Trottinetts oder Rollbrettern benützt werden dürfe, nichts. Die relativ stark
befahrene, unter anderem alle 5 Minuten von einem Bus frequentierte Strasse lädt zu
derartigen Aktivitäten nicht ein. Zudem führt das tiefere Tempo zu deutlich kürzeren
Bremswegen, was das von derartigen Strassenbenützern hervorgerufene
Gefährdungspotenzial wieder kompensiert.
4.6.5. Die Beschwerdeführer halten die mit der Tempoherabsetzung verbundenen
Auswirkungen auf den öffentlichen Verkehr entgegen den Ausführungen im Gutachten
für erheblich. Die Fahrzeiten der Busse (Linien a und b) würden sich verlängern; zudem
wirkten die sechs Haltestellen im streitigen Bereich bereits heute verkehrsberuhigend.
Das Gutachten und die Vorinstanz machen diese Haltestellen – zusammen mit den
Querungsstellen und Einmündungen – für die bestehenden komplexen
Verkehrssituationen im betroffenen Strassenabschnitt mitverantwortlich. Im Gutachten
wird ausgeführt, dass die Reisezeiten des öffentlichen Verkehrs auf dem Abschnitt
R._ bis Kirche O._ leicht ansteigen werden, was durchaus plausibel erscheint.
Letztlich haben sich jedoch die Interessen des öffentlichen Verkehrs dem mit der
Temporeduktion verfolgten Zweck unterzuordnen – und nicht umgekehrt.
4.6.6. Gleichzeitig wird im Gutachten mit den Anforderungen des öffentlichen Verkehrs
begründet, weshalb das bestehende Vortrittsregime beibehalten wird. Entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführer führt die Zuweisung des Strassenabschnitts zu einer
Tempo-30-Zone nicht zwingend dazu, dass Rechtsvortritt zu gelten hat. Gemäss Art.
36 Abs. 2 SVG hat auf Strassenverzweigungen das von rechts kommende Fahrzeug
den Vortritt, während Fahrzeuge auf gekennzeichneten Hauptstrassen den Vortritt
haben, auch wenn sie von links kommen. Art. 4 Abs. 1 der Verordnung über die
Tempo-30-Zonen und die Begegnungszonen sieht ausdrücklich die Möglichkeit vor, in
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Tempo-30-Zonen eine vom Rechtsvortritt abweichende Regelung zu treffen, wenn die
Verkehrssicherheit dies erfordert. Der Einbezug des Strassenabschnittes in eine
Tempo-30-Zone unter Beibehaltung der geltenden Vortrittsregelung ist folglich aus
Verkehrssicherheitsgründen durchaus zulässig (vgl. BGE 136 II 539 E. 2.4). Im
Gutachten werden die negativen Auswirkungen des Rechtsvortritts auf die Sicherheit
des öffentlichen Verkehrs in nachvollziehbarer Weise vor Augen geführt.
Unangepasstes Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer gegenüber dem öffentlichen
Verkehr – namentlich das Erzwingen des Vortritts – kann zu unvorhersehbaren starken
Bremsmanövern führen, was wiederum zu Verletzungen der Fahrgäste führen kann.
Deshalb werde die Vortrittsberechtigung von Fahrzeuglenkern auf der O._-Strasse
beibehalten. Aus den Ausführungen der Beschwerdeführer ergibt sich kein konkreter
Anlass, diese Begründung in Zweifel zu ziehen.
4.6.7. Schliesslich machen die Beschwerdeführer geltend, die im Gutachten genannte
Zielsetzung, die gemessene Durchschnittsgeschwindigkeit von 42 km/h auf 38 km/h zu
verringerten, zeige die Unverhältnismässigkeit der Anordnung klar auf. Wenn das Ziel,
die Geschwindigkeit auf 30 km/h zu verringern, von vornherein nicht erreicht werden
könne, so sei das der "schlagende Beweis" für die fehlende Notwendigkeit einer
Tempo-30-Zone.
Eine derartige Zielsetzung findet sich in den Akten nicht. Die Beschwerdegegnerin
erwartet, dass 85 Prozent der Verkehrsteilnehmenden (V ) die geforderte
Höchstgeschwindigkeit einhalten werden (act. 11/26.1 S. 4). Das Argument der
Beschwerdeführer stellt im Übrigen nicht die Notwendigkeit, sondern die Eignung der
Verkehrsanordnung in Frage. Das Gutachten sieht in Anbetracht des vorhandenen
Geschwindigkeitsniveaus – die Messung im Jahr 2010 auf Höhe der Liegenschaft
O._-Strasse 58 hat Geschwindigkeiten von 35.7 (V ) bzw. 42.2 (V ) km/h ergeben –,
der Menge und Art des Verkehrs, des Unfallgeschehens und der Gefahrensituation vor,
die Zonensignalisation durch Markierungen beim Zoneneingang zu unterstützen. Falls
die Nacherhebung ein zu hohes Geschwindigkeitsniveau zeige, würden Geräte zur
Geschwindigkeitsüberwachung installiert. Bauliche Massnahmen könnten
demgegenüber nicht ergriffen werden, weil sie sich auf den öffentlichen Verkehr mit
massiven Fahrzeitverlusten und abrupten Fahrmanövern auswirken würden. Die
Beschwerdegegnerin verfügt demnach über Möglichkeiten – u.a. durch automatisierte
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Geschwindigkeitsmessungen –, um die reduzierte Höchstgeschwindigkeit
durchzusetzen. Der Verkehrsanordnung kann die Eignung, die definierten Ziele zu
erreichen, auch unter diesem Aspekt nicht abgesprochen werden.
4.7. Für die Verhältnismässigkeit der Massnahme spricht sodann deren zeitliche
Befristung auf vorerst ein Jahr. Der einjährige Versuch soll Aufschluss darüber geben,
ob die Verkehrssicherheit tatsächlich erhöht wird. Erst bei positiver Beurteilung soll
eine dauerhafte Lösung verfügt werden. Dies ergibt sich aus dem
streitgegenständlichen Stadtratsbeschluss, dem Gutachten und der Vernehmlassung
der Beschwerdegegnerin ohne weiteres. Die definitive Umsetzung ist dem Stadtrat
anheimgestellt. Natürlich werden Rechtsmittel gegen diesen Beschluss möglich sein.
Die anderweitige Auffassung der Vorinstanz, wonach die Anordnung nicht befristet,
sondern resolutiv bedingt sei, vermag nicht zu überzeugen. Sie hat dies in den
Erwägungen sinngemäss – jedoch ohne im Dispositiv zu erwähnen – festgestellt, was
einer sog. "reformatio in peius" gleichkommt. Diese Feststellung begründet ein
schutzwürdiges Interesse der Beschwerdeführer an einer gegenteiligen Feststellung
des Verwaltungsgerichts. Der Subeventualantrag der Beschwerdeführer ist demnach
zu schützen, und es ist festzustellen, dass die Verkehrsanordnung befristet ist und für
die Dauer eines Jahres ab deren Umsetzung gilt.
5. Zusammenfassend kann die Auffassung der Vorinstanz, wonach auf dem
Strassenabschnitt ein erhöhtes Schutzbedürfnis besteht und die geltende
Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h den komplexen Verhältnissen im Quartierzentrum
von O._ nicht gerecht wird, bestätigt werden. Vor diesem Hintergrund erweist sich
die als Versuch ausgestaltete Einführung einer Tempo-30-Zone als notwendig und
geeignet zur Behebung der bestehenden Sicherheitsdefizite und zur Gewährleistung
des Schutzes besonders gefährdeter Personengruppen. Die insbesondere gegen das
nachvollziehbar begründete und vollständige Gutachten der Beschwerdegegnerin
gerichteten Einwände vermögen dieses nicht entscheidend in Frage zu stellen. Mit
einem vom Verwaltungsgericht zu korrigierenden Rechtsfehler ist der angefochtene
Entscheid der Vorinstanz nicht belastet. Die befristete Verkehrsanordnung ist gesetz-
und verhältnismässig, und die Beschwerde ist im Hauptantrag abzuweisen, soweit
darauf einzutreten ist. Es ist jedoch festzustellen, dass die Verkehrsanordnung vorerst
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zeitlich auf ein Jahr ab deren Umsetzung bzw. tatsächlicher Signalisation beschränkt
ist. Der Subeventualantrag der Beschwerdeführer ist demnach begründet.
6. (Kosten)