Decision ID: 04b60911-e9fe-5484-9014-03ccbd4084ee
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1969,
arbeitete
als Zimmermann
bei
der
Y._
AG
und war b
ei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obliga
torisch gegen Unfälle versichert, als er am 8. Dezember 2010 auf einem Bauge
rüst ausrutschte und sich mit dem rechten Arm an einer Gerüststange auffing. Dieses Ereignis hatte Beschwerden und ärztliche Behandlungen zur Folge. Nach diversen medizinischen Abklärungen anerkannte die Suva am 1
2.
August 2011 ihre Leistungspflicht betreffend das Ereignis vom 8. Dezember 2010 in Bezug auf die Beschwerden an der Schulter,
hingegen
nicht
bezüglich der
Rückenbe
schwerden
, an welchen
X._
ebenfalls litt. Mit Verfügung vom 17. Juli 2012 stellte
die
Suva ihre Leistungen per
2.
Juli 2012
gänzlich ein, da die noch bestehenden Schulterb
eschwerden nicht mehr unfall-, sondern ausschliesslich krankheitsbedingt seien. Die dagegen erhobene Einsprache wies die Suva am
26. November 2012 ab (Urk. 2).
2.
Dagegen liess
X._
, vertreten durch Rechtsanwalt Martin
Keiser
, mit Eingabe vom 9. Januar 2013 Beschwerde erheben und folgende Anträge stellen (Urk. 1):
"1.
Es sei in Abänderung des angefochtenen Entscheides festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin für die Folgen des Unfalles vom 8. Dezember 2010 (Schulterverletzung) leistungspflichtig ist.
2.
Es sei mittels Rückweisung an die Gegenpartei oder direkt durch das Gericht zur Frage der Unfallkausalität der Schulterbeschwerden eine medizinische Begutachtung anzuordnen.
3.
Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, den Bes
chwerdeführer nach richterlichem
Ermessen prozessual zu entschädigen.“
In der
statt einer
Beschwerdeantwort
eingereichten Eingabe
vom 13. Februar 2013 (Urk. 7) wies die Suva darauf hin, dass mit der Beschwerdeschrift vom
9. Januar 2013 unter anderem der Bericht der
Z._
vom
3. Oktober 2012 neu aufgelegt worden sei. Darin sei eine Kernspintomographie-Untersuchung der rechten Schulter vom 4. September 2012 und ein entspre
chender Befundbericht erwähnt worden, welche der Suva bislang noch nicht bekannt gewesen sei
en
. Zur Beurteilung der streitigen Frage, ob über das Datum der Leistungseinstellung per
2.
Juli 2012 hinaus unfallkausale Beschwerden an der rechten Schulter vorlägen, sei die Einsichtnahme in das Bildmaterial vom
4. September 2012 und den dazugehörigen Befundbericht unerlässlich. Anschlies
send werde zu prüfen sein, ob allenfalls eine Wiedererwägung im Sinne von Art. 53
Abs.
3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversi
cherungsrechts
(ATSG) zu erfolgen habe.
Die
Suva stellte in
der Folge
den
pro
zessualen
Antrag, die Kernspintomographie-Bilder der rechten Schulter vom 4. September 2012 seien zusammen mit dem entsprechenden Befund
-
bericht beim Beschwerdeführer zu edieren. Der Prozess sei bis zum Vorliegen dieser Unterla
gen zu sistieren. Für den Fall, dass das
angerufene Gericht dem
Sistierungsan
trag
wider Erwarten nicht entspreche, ersuchte die Suva, die mit Verfügung vom 10. Januar 2013 angesetzte Frist zur Einreichung der Beschwerdeantwort bis am Montag, den 18. März 2013 zu erstrecken.
3.
Das Gericht ver
säumte
es in der Folge bedauerlicherweise, das
Sistierungsge
such
beförderlich
anhand zu nehmen und darüber zu entscheiden
(Urk. 9-12)
. Dies ist nunmehr nachzuholen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 43 Abs. 1 Satz 1
ATSG
prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erfor
derlichen Auskünfte ein. Das sozialversicherungsrechtliche
Verfahren
ist mithin vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht, indem Verwaltung und
Sozialversi
che
rungsgericht
von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des Sach
verhaltes zu sorgen haben (BGE 122 V 158 E. 1a mit Hinweisen).
1.2
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des
Unfallver
sicherers
erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (
status
quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schick
salsmässigen
Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (
status
quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der
leis
tungsbegründende
natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nun
mehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entsprechende Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein
leistungsbegründen
der
natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer. Bevor sich aber überhaupt die Frage
nach
der Beweislast stellt, ist der Sachverhalt im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes richtig und vollständig zu klären (Urteil
8C_354/2007
vom 4. August 2008,
E. 2.2 mit Hinweisen).
1.
3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Verfahren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (
BGE 116 V 182
E. 3c und d; Urteil des Bundesgerichts I
30/00 vom 1
9.
April 2000 E. 3).
2.
2.1
Der Beschwerdeführer liess in der Beschwerdeschrift (Urk. 1) geltend machen, die Suva habe sich ausschliesslich auf die Beurteilung des Kreisarztes
Dr.
A._
abgestützt
, als sie die Leistungspflicht verneint habe. Er sei jedoch nicht Experte für Schulterverletzungen. Folgerichtig habe sich
Dr.
A._
selber die definitive Beurteilung
nach der
Abklärung in der
B._
vorbehalten
.
Das
B._
habe jedoch keine umfassende und schon gar keine gutachterliche Abklärung vorgenommen. So sei nicht einmal der Unfallhergang genau abge
klärt worden und
das
B._
habe sich auf die Diagnose von unklaren
Schul
terschmerzen
rechts beschränkt. Immerhin sei in diesem äusserst summarischen Bericht doch festgehalten, dass bei weiterhin persistierenden Beschwerden „weitere Ursachen“ abgeklärt werden müssten. Demgegenüber würden die Aus
führungen der
Z._
und der aktuell behandelnden Schmerztherapeutin
Dr.
C._
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit beweisen, dass an dieser Schulter unfallbedingte und eventuell sogar
operati
onsbedürftige
Schäden bestünden. Ein medizinischer Endzustand liege offen
sichtlich noch nicht vor. Vor diesem Hintergrund müsse der medizinische Beschwerdekomplex mit Sicherheit gutachterlich geklärt werden. Erst danach würden
valable
Entscheidungsgrundlagen vorliegen.
2.2
Zwar hat
die
Suva die Unfallversicherungsakten noch nicht eingereicht. Auf
grund des
Einspracheentscheids
und der bisher vorliegenden Akten
lässt sich jedoch
zweifels
frei nachvollziehen, dass – wie der Beschwerdeführer vorbringen liess und seitens der Suva zu Recht nicht in Zweifel gezogen worden ist – am
5.
März 2012 eine kreisärztliche Untersuchung durch
Dr.
med.
A._
,
Facharzt für Chirurgie
, stattgefunden hatte, welcher zum Schluss gelangt
ist
, die ab
schliessende Beurteilu
ng der Schulterbeschwerden könne
erst nach
der
Vorstel
lung
des Versicherten
im
B._
vorgenommen werden. Dieser Bericht ist als Beschwerdebeilage zu den Akten eingereicht worden (Urk. 3/5).
Auf gleiche Weise ist der Bericht des
B._
vom
2
7.
Juni 2012
zu den
Gerichts
akten gelangt (Urk. 3/6). Einleitend hielt
das
B._
fest, der Beschwerdeführer sei ihr durch die Suva zugewiesen worden. Eine klare Frage
stellung
habe der Klinik
jedoch nicht vor
gelegen
. Als Konsultationsgrund gab das
B._
„Erstkonsultation“ an. Die mit dem Versicherten befassten Ärzte untersuchten diesen klinisch und beurteilten zudem Unterlagen über eine MRI-Untersuchung, welche am 1
5.
Juli 2011 stattgefunden hatte. Schliesslich formu
lierte Oberarzt
Dr.
med.
D._
die Diagnose und erachtete unter anderem eine Kompression des
Nervus
Supraspinatus
durch die Ganglien als eher unwahr
scheinlich. Ferner äusserte er die Absicht, zum Nachweis oder Ausschluss einer
glenohumeralen
Pathologie eine Infiltration durchzuführen. Eine neuerliche klinische Verlaufskontrolle werde in drei Monaten erfolgen. Für den Fall, dass die Infiltration gut anspreche, sei als nächster Schritt eine Aktualisierung der MRI-Bildgebung geplant. Bei Nichtansprechen der Infiltration müssten weitere Ursachen abgeklärt werden.
Vor dem Entscheid, mit welchem die Suva die Leistungseinstellung verfügte, hatte
wiederum
Kreisarzt
Dr.
A._
am
3.
Juli 2012 eine letzte Beurteilung der Akten vorgenommen (Urk. 3/7). Er fasste den Inhalt der medizinischen Unterla
gen bis zum Bericht des
B._
vom
2
6.
Juni 2012
nochmals zusammen und hielt als Schlussfolgerung fest, bei der Untersuchung im
B._
sei wie beschrieben eine Abduktion bis 145° möglich gewesen, bei der kreisärztlichen Untersuchung nur eine solche bis 90°. Der Verdacht auf Selbstlimitierung, den er in der kreisärztlichen Untersuchung geäussert habe, werde dadurch
somit
bestätigt. Im Untersuchungsbefund sowie im gesamten Bericht des
B._
könnten keine unfallbedingten Schäden mehr gesehen werden. Die Schmerzen im Bereich der Margo
medialis
der
Scapula
seien eher unwahrscheinlich
unfall
kausal
, da der Druck beim Unfallgeschehen
axillär
stattgefunden habe, wie der Versicherte bei der Untersuchung im
B._
angegeben habe. Zusammenfas
send sei somit die Terminierung, wie er sie vorgenommen habe, gerechtfertigt, und die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit sei unfallbedingt
ab dem
3.
Juli 2012
wieder gegeben
gewesen
.
3.
3.1
Demgegenüber war Kreisarzt
Dr.
A._
nach der kreisärztlichen Untersuchung vom
5.
März 2012
also
noch der Meinung
gewesen
, es bedürfe einer medizini
schen Abklärung in der
B._
, bevor die definitive Einschätzung
erfolgen
könne
. Zwar wies er damals tatsächlich
hinsichtlich de
s
Abduktion
s
tests
auf eine deutliche Selbstlimitierung hin und nannte Gründe für seinen Verdacht. Er
räumte
aber
auf der andern Seite
ein,
beim Rechtshänder einen
verminderte
n
Bizepsumfang
rechts
festgestellt zu haben, was
für eine gewisse Schonung des rechten A
rmes spreche (Urk. 3/5 S 6 f.).
Im
daraufhin
auf Veranlassung
Dr.
A._
entstandenen
Bericht des
B._
findet sich
indessen
kein Hinweis auf eine festgestellte Selbstlimitierung
. Hin
gegen war der Lift-off-Test positiv. Der
Jobe
-Test und der Whipple-Test
erwie
sen sich als leicht schmerzhaft. Klar positiv waren die
Bizepszeichen
und eben
falls positiv ging der O’Brien-Test aus
(Urk. 3/6 S. 2
).
Somit
brachte
der Bericht des
B._
nicht
die erhoffte Klärung
–
auch
nicht
hinsichtlich des Verdachts auf eine Selbstlimitierung
.
Das
B._
berichtete
vielmehr über
unklare Schulterschmerzen und stellte weitere Untersuchungen in Aussicht, allenfalls eine Aktualisierung der MRI-Bildgebung. Aus dieser Optik ist der
Sistierungsantrag
der Suva
und dessen Begründung
,
der
Bericht der
Z._
vom
4.
September 2012
samt
Bildmaterial
sei
zu editieren
,
nachvollziehbar
.
Die
Beschwerdegegnerin selber
b
e
zeichnete
die Ein
sichtnahme in das Bildmaterial vom
4.
September 2012 und den dazugehörigen Befundbericht
sogar
als
unerlässlich
(Urk. 7 S. 1)
.
Warum dies nun nicht mehr der Fall sein soll, leuchtet nicht ein. Der Bericht des
B._
hat nämlich
die erhoffte
K
lärung
nicht
gebracht.
Vielmehr
enthielt er deutliche Hinweise
und er bestätigte damit
, dass eine ergänzende Abklärung notwendig sei, um Klarheit in der im vorliegenden Fall strittigen Frage nach dem Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den noch bestehenden Restbeschwerden zu verschaf
fen. Diese
r
Frage nach dem
Zusammenhang der Restbeschwerden an der Schul
ter mit dem Ereignis vom
8.
Dezember 2010
ist
deshalb noch nachzugehen
. Sollte die Konsultation und allenfalls Interpretation der Unterlagen
aus der
Z._
ebenfalls
keine
ausreichende
Gewissheit mit sich brin
gen, wird die Suva nicht umhin können, ein fachärztliches Gutachten
zur Klä
rung der natürlichen Kausalität noch vorhandener Beschwerden
einzuholen, wo
rauf sie bisher verzichtet hat.
3.2
Da die Suva somit
ihrerseits
weitere medizinische Abklärungen als
nötig
erach
tet
hat
und dem zuzustimmen ist, es sich dabei aber durchaus um Abklärungen von ungewissem Umfang und ungewisser zeitlicher Dauer handelt, ist eine Sistierung des Verfahrens nicht angebracht, sondern die Sache ist zur ergänzen
den Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen.
Dies entspricht Ziffer 2 der vom Beschwerdeführer gestellten Anträge. Hingegen kann d
er
Beschwerde nicht dem Hauptantrag Ziffer 1 entsprechend
gefolgt
werden, mit welchem der Beschwerdeführer bereits jetzt die Bejahung der Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin über den
2.
Juli 2012 hinaus ver
langt hat.
Bei diesen Gegebenheiten
erübrigt es sich, der Beschwerdegegnerin eine Nach
frist zur Beantwortung der Beschwerde
anzusetzen
, zumal sie ihre wesentlichen Argumente bereits kurz vorgebracht hat, und sie im Ergebnis ihre mit dem
Sis
tierungsgesuch
ausgedrückte
Absicht verwirklichen kann, indem sie ihre Abklärungen auf die medizinischen Akten der
Z._
aus
dehnt; zusätzlich wird die Suva auch die Erkenntnisse der behandelnden Ärztin,
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Allgemeine Anästhesiologie, einzubeziehen haben.
Zusammenfassend ist
der Antrag auf Sistierung des Verfahrens abzuweisen und die Beschwerde
in dem Sinne
gutzuheissen
, dass
der angefochtene
Einsprache
entscheid
vom 2
6.
November 2012 auf
zuhe
ben und die Sache an die Suva zurück
zuweise
n
ist
, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwä
gungen, neu verfüge.
4.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwerdeführer
gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG
Anspruch auf eine
ungekürzte
Prozessentschädigung hat.
Beim gerichtsüblichen Stundenansatz von Fr. 200.-- ist eine
Prozessentschädi
gung
von Fr. 1'
8
00.-- inklusive Barauslagen und
8
%
Mehrwertsteuer
ange
messen.