Decision ID: 23a88d72-ef8a-4cb2-a4a2-25b3cbae8c79
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1982, war von
Januar
2009 bis
Dezember
2017 bei der
Y._
als Maschinen- und Anlageführer tätig
(Urk. 7/8, Urk. 7/11, Urk. 7/41). Unter Hinweis auf schwere Verletzungen an den Fingern der
linken
Hand infolge Unfalls meldete er sich am 15. Oktober 2015 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/3). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisc
he und erwerbli
che Situation ab und
zog Akten der
SUVA als Unfallversicherung (Urk. 7/1; Urk. 7/6; Urk. 7/13; Urk. 7/19; Urk.
7/21; Urk. 7/22; Urk. 7/29) sowie
der
Swica
Gesundheitsorganisation (
Swica
) als Krankentaggeldversicherung
(Urk.
7/39
)
bei.
Am 19. Juli 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie im Sinne einer
«
Arbeitsvermittlung plus
»
Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche durch das
Z._
gewähre (Urk. 7/49). Mit Mitteilung vom 13. März 2019 (Urk. 7/91) erklärte sie die Eingliederungsmassnahmen als abgeschlossen.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7/101
; Urk.
7/104; Urk. 7/108
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
5. November 2019
einen Rentenan
spruch (Urk.
7/111
= Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
6. Dezember 2019
Beschwerde gegen die Verfügung vom
5. November 2019
(Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm
eine ganze Rente
zuzusprechen (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
23. Januar 2020
(Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
4. Februar 2020
zur Kenntnis gebracht (Urk.
8
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
men
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung
(
IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bun
desgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE
143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte
Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas
tungs
fak
toren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ande
rerseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE
141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1).
1.
5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Verfahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass der Beschwerdeführer seit dem 30. März 2015 in seiner angestammten Tätigkeit teilweise oder ganz arbeitsunfähig gewesen sei (S. 1). In einer angepass
ten Tätigkeit sei er
gestützt auf die Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
seit dem 19. November 2015 zu 100
%
arbeitsfähig. In einer sol
chen Tätigkeit erleide der Beschwerdeführerin keine Erwerbseinbusse. Daher bestehe kein Anspruch auf eine Rente. Dem Einwand des Beschwerdeführers, wo
nach er gemäss seinem behandelnden Psychiater Dr.
A._
nicht arbeitsfähig sei (vgl. Urk. 7/108 S. 2), sei zu entgegnen, dass Dr.
A._
im
Medizinalbe
ruf
e
register
des Bundesamts für Gesundheit lediglich als Praktischer Arzt aufge
führt sei. Seine Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit sei daher nicht verwertbar (S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
Dr.
A._
sei sehr wohl Psychiater und nun schon seit Jahrzehnten als Fach
arzt für Psychiatrie tätig. Die fehlen
de Eintragung im
Medizinalberufe
register
habe lediglich administrative Gründe (S. 7 Mitte). Auch wenn sich wider Erwarten herausstellen sollte, dass Dr.
A._
tatsächlich über keine fachärztliche Aus
bildung verfüge, sei sein Bericht nicht einfach nicht verwertbar, verfüge er doch zumindest über grosse Erfahrung in diesem Gebiet. Zudem sei die psychische Beeinträchtigung von mehreren Seiten festgestellt worden (S. 8 oben). Die Beschwerdegegnerin habe von Amtes wegen für die richtige und vollständige Ab
klärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Sollte der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr.
A._
nicht gefolgt
werden können, so sei also ein entsprechendes psychiatrisches Gutachten anzuordnen (S. 8 unten). Dr.
B._
vom RAD könne zudem als Facharzt für Chirurgie gar nicht beurteilen, was eine leitliniengerechte Psychotherapie sei (S. 9 oben).
Die psychische Verfassung des Beschwerdeführers habe sich während des Wie
dereingliederungsprogramms
bei der Einarbeitung
als Sicherheitsangestellter
stark verschlechtert, nachdem er Zeuge eines versuchten Selbstmordes geworden sei.
Der Zeitpunkt der Verschlechterung zeige, dass für seine psychischen Beschwerden nicht psychosoziale Belastungsfaktoren verantwortlich seien, da sol
che gerade nicht mehr bestanden hätten, habe er doch wieder im allgemeinen Arbeitsmarkt Fuss fassen können (S. 9
Mitte). Die Arbeitsunfähigkeit
in einer an
gepassten Tätigkeit betrage mit Dr.
A._
100
%
. Weiter leide er an starken linksbetonten Kopfschmerzen, welche auf ein
Zervikalsyndrom
zurückgeführt worden seien, sowie Schulterschmerzen, welche somatisch höchstens noch eine leichte Tätigkeit zulassen würden. Insgesamt sei somatisch bestenfalls noch eine sehr leichte Nischenarbeitstätigkeit ausführbar, aufgrund der starken psychischen Einschränkung sei eine Arbeitstätigkeit aber schlicht utopisch. Die erforderliche
Indikatorenprüfung
sei denn von der Beschwerdegegnerin auch nicht vorgenom
men worden (S. 10).
Sollte eine Arbeitsfähigkeit angenommen werden, so sei ihm anlässlich des Ein
kommensvergleichs der maximale leidensbedingte Abzug zuzusprechen, da die Art und das Ausmass der Behinderung gravierend seien (S. 11).
2.3
Strittig ist demnach der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers
. Zu prüfen sind insbesondere die geltend gemachten Beeinträchtigungen in psychischer Hinsicht, deren rechtsgenügende Abklärung sowie ihre allfälligen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit.
3.
3.1
Dr. med. C._
, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilita
tion, führte im
Bericht vom 4. Januar 2016 (Urk
.
7/14) aus, der Beschwerdeführer habe am 30. März 2015 einen Arbeitsunfall erlitten, wobei er seine rechte
(richtig: linke)
Hand in einer Teigrührmaschine eingeklemmt und sich dabei diverse offene Schaftfrakturen der linken Hand zugezogen habe (S. 2 Ziff. 1.4). Eine vermehrte manuelle Tätigkeit sei ihm nur bedingt zumutbar (S. 2 Ziff. 1.7). Die bisherige Tätigkeit sei noch in einem zeitlichen Rahmen von 50
%
zumutbar, wobei eine um 25
%
verminderte Leistungsfähigkeit bestehe
(S. 3
Ziff.
1.7)
. Ohne überdurch
schnittliche manuelle
Belastung betrage die Arbeitsfähigkeit 100
%
(S. 3 Ziff. 1.8
). Zu vermeiden seien Überkopfa
rbeiten und Heben/Tragen (S. 5).
3.2
Vom 7. Januar bis am 11. Februar 2016 hielt sich der Beschwerdeführer in der
D._
auf. Im Austrittsbericht vom 12. Februar 2016 (Urk. 7/16) wurden folgende
, hier verkürzt wiedergegebene
n
,
Diagnosen genannt (S. 1):
-
Unfall vom 30. März 2015: Einklemmung der linken Hand in einer Teig
schneidemaschin
e mit schwerem Quetschtrauma des Zeigefingers, Mittel
fingers, Ringfingers und kleinen Fingers
(
Dig
. II-V
)
links
-
offene mehrfragmentäre Schaftfrakturen der mittleren Phalanx
Dig
. II, III sowie IV mit jeweils Achsabweichung nach volar
-
offene intraartikuläre, nicht dislozierte Fraktur der Basis der Mittelpha
lanx
Dig
. V
-
Strecksehnendurchtrennung
Dig
. II
und V über dem distalen
Interpha
langealgelenk
(DIP-Gelenk)
-
Gefässverletzung
Dig
. III
-
ausgeprägter Weichteilschaden dorsal über dem DIP-Gelenk II und V und dorsal über dem proximalen
Interphalangealgelenk
(PIP-Gelenk) III und IV
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), Verdacht auf chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41)
-
Unfall vom Juni 2015: a
usgerutscht mit Sturz auf das rechte Knie
-
Schulterschmerzen beidseitig
-
Röntgen Schulter rechts am 14. Mai 2014 in drei Ebenen: unauffälliger Knochen- und Gelenkbefund
-
Sonographie Schulter rechts am 14. Mai 2014: leichtgradige Bursitis und partielle Läsion –
bursaseitiger
Einriss der
Supraspinatussehne
knapp oberhalb des
Tuberculum
majus
Die festgestellte psychische Störung begründe aktuell eine mindestens leichte arbeitsrelevante Leistungsminderung. Aufgrund anhalte
nder,
im Tagesverlauf kumulierender Schmerzen der linken Hand werde auch unter Berücksichtigung der psychischen Problematik ein erleichterter Wiedereinstieg (Einsatz halbtags mit reduzierter Leistung) in die berufliche Tätigkeit als Bäckereimitarbeiter emp
foh
len. Nach etwa zwei Wochen sollte das Arbeitspensum innerhalb einer Zeit
spanne von etwa einem Monat bis zum Ganztagesarbeitspensum ausgedehnt werden (S. 2 unten). Eine andere leichte bis mittelschwere Tätigkeit ohne wieder
hol
ten Krafteinsatz der linken Hand und ohne Exposition derselben gegenüber Schlä
gen/Vibrationen sei ganztags zumutbar (S. 3 oben).
Anlässlich der psychosomatischen Exploration habe sich ein im Antrieb reduzier
ter, psychomotorisch eher verlangsamter, ratloser und im Affekt depressiver Patient gezeigt. Hinzu kämen psychosoziale Belastungen (mehrere Fehlgeburten der Ehefrau, ungewisse berufliche Zukunft) und Schmerzen, weswegen er eine negative Perspektive entwickelt habe. Es sei davon auszugehen, dass sich diese Konstellation ungünstig auf den Genesungsprozess auswirke, so dass eine chro
nische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41) zu diskutieren sei. Gesamthaft betrachtet könne man aufgrund der Diagnosen sowie der klinischen und radiologischen Befunde die noch immer geltend gemachten Beschwerden und Funktionseinschränkungen der linken Hand zwar teils in ihrer Lokalisation, nicht jedoch in ihrer Intensität erklären. Das Beschwerdebild werde im Rahmen einer erheblichen Symptomausweitung teilweise auf dem Boden der psychischen Problematik deutlich überlagert (S. 4 oben).
Die Beschreibung der Schmerzen sei undifferenziert und das Schmerzverhalten bei starker Schmerzfixierung nicht adäquat gewesen. Die Konsistenz sei mässig gewesen, es hätten sich einige Diskrepanzen und Widersprüchlichkeiten gefunden
(S. 4 Mitte).
3.3
Dr. med.
E._
, Facharzt für Chirurgie, Kreisarzt der SUVA, führte im Bericht vom 27. Juni 2016 zur gleichentags erfolgten kreisärztlichen Untersu
chung (Urk. 7/19/272-276) aus,
es persistiere ein belastungsabhängiger Schmerz an der
adominanten
linken Hand. Hinweise für ein Komplexes Regionales Schmerzsyndrom (CRPS) fehlten. Betreffend die Daumen- und Fingerfunktion be
stehe funktionell keine Einschränkung mehr. Ob ein neuropathischer Schmerz vorliege, bleibe offen. Die geringe Faustschlusskraft sei aufgrund der erhobenen Befunde schlichtweg unerklärbar (S. 4 Mitte). Der Versicherte sollte in der Lage sein, eine leichte bis mittelschwere Arbeit ganztags zu bewältigen. Dies entspre
che etwa den Anforderungen für seine angestammte Tätigkeit als Mitarbeiter in der
Y._
. Nachdem die Arbeitsfähigkeit wieder auf 50
%
habe reduziert werden müssen, werde der Versicherte erneut versuchen, sein Pensum ab 27. Juni 2016 auf 75
%
zu steigern (S. 4 unten).
3.4
Dr. med.
F._
, Facharzt für Neurologie,
G._
, führte im Bericht vom 18. August 2016 (Urk. 7/21/300-304) aus, obschon es beim Patienten zu einer schweren Antriebsminderung mit nicht ganz unberechtigten Zukunfts
ängsten gekommen sei, habe man klinisch nicht den Eindruck, dass eine relevante funktionelle Überlagerung bestehe. Dagegen spreche auch der Krankheitsverlauf mit dem Wiedereinstieg in die vorhergehende Arbeitsstelle trotz Schmerzen in einem Pensum von aktuell 75
%
.
Sekundär sei es zu einer Reaktivierung von wahrscheinlich
ü
berlastungsmitbedingten
beidseitigen Schulterschmerzen, deut
lich rechtsbetont, gekommen (S. 2 f.). Sensible Ausfälle seien vorhanden und beträfen im Bereich des
Dig
. II-V sämtliche Modalitäten. Neuropathische Schmer
zen lägen vor, sie seien belastungsabhängig und auch in Ruhe vorhanden. Der Kraft
verlust der
adominanten
linken Hand sei im Rahmen des CRPS erklärt durch eine schmerzbedingte Minderinnervation.
Aus neurologischer Sicht betrage die aktu
elle Arbeitsfähigkeit weiterhin 75
%
(S. 3).
3.
5
Im Bericht vom 19. August 2016 zur Sprechstunde vom 9. August 2016 (Urk. 7/21/305-306) führten die Ärzte des
G._
(vorstehend E. 3.
4
) aus, eine neu
rologische Ursache der Beschwerden werde ausgeschlossen, trotzdem sei eine neuropathische Komponente nach Quetschtrauma der Finger denkbar. Aus ihrer Sicht bestehe eine CRPS-Symptomatik. Handchirurgisch gebe es keine weiteren operativen Möglichkeiten, weshalb die Behandlung abgeschlossen werde (S. 1 unten).
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit sei die linke
adominante
Hand selbst für leichte manuelle Tätigkeiten oder als Hilf
shand nicht einsetzbar. Die SUVA
werde daher um entsprechende Umschulungsmassnahmen gebeten (S. 2).
3.
6
Med.
p
ract
.
A._
nannte
im Bericht vom 7. Oktober 2016 (Urk. 7/22/14-15)
als Diagnose eine rezidivierende depressive Störung, gegenwär
tig leichte Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.01).
E
r behandle den Beschwerdeführer seit dem 29. März 2016, wobei alle 3-4 Wochen eine Sitzung stattfinde. Dieser könne aktuell nur mit Hilfe der Kollegen und mit Schmerzen ein Pensum von 50
%
am bisherigen Arbeitsort abdecken. Offenbar gebe es vom Arbeitgeber her keine alternative Beschäftigung.
Er leide an Zukunftsängsten, Schlafstörungen, rascher Ermüdbarkeit, Freudlosigkeit und Schulterschmerzen rechts. Der Verlauf sei stationär, der Patient sei nie mehr als 50
%
belastbar gewesen (S. 1). Ziel sei eine Verbesserung des psychischen Zustandes, bei düste
ren beruflichen Zukunftsaussichten (S. 2).
3.
7
Gemäss dem Abschlussbericht Handtherapie des
G._
vom 14. Oktober 2016 (Urk. 7/22/20-22) gehe der Beschwerdeführer aktuell einer bezahlten Tätigkeit in einem Pensum von 75
%
nach (S. 2 unten).
3.
8
Prof. Dr. med. H._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, nannte in seinem Bericht vom 1. November 2016 zur gleichentags durchgeführten kreisärztlichen Untersuchung (Urk. 7/22/32-36) als – hier verkürzt wiedergegebene – Diagnose eine
mässiggra
dig
ausgeprägte Belastungsintoleranz der linken Hand. Es hätten sich die bereits bei der kreisärztlichen
Untersuchung vom Juni 2016 erhobenen funktionellen Einschränkungen gezeigt, die sich nicht relevant verändert hätten. Ein CRPS habe sich bei der Untersuchung nicht vollständig nachweisen lassen, weshalb eine neu
rologische Untersuchung vorzunehmen sei. Beim Versicherten lägen erhebliche psychische Probleme als Folge der Verletzung der linken Hand vor. Es bleibe zu
nächst beim derzeitigen Pensum von 75
%
bis zum Erhalt des genannten neuro
logischen Berichts (S. 4).
3.
9
Dr. med.
I._
, Facharzt für Neurologie, führte im Bericht vom 21. November 2016 (Urk. 7/22/50-51) aus, für das ausgeprägte Funktions
defizit an der linken Hand (vor allem deutliches Beugedefizit aller Finger, zusätz
lich Defizit der
Fingerspreizer
und –
strecker
) finde sich abgesehen von einer schmerzbedingten Minderinnervation keine sichere Erklärung. Eine zusätzliche somatoforme Schmerzausweitung sei sehr wahrscheinlich. Es ergäben sich zudem keine sicheren Anhaltspunkte für ein CRPS Typ I (S.
2 Mitte). Es
bestehe der Ver
dacht auf ein persistierendes neuropathisches Schmerzsyndrom der Finger II bis IV links (distal) infolge einer Schädigung der Interdigitaläste
Dig
. II bis IV (auf Höhe der Fingermittelgelenke). Eine dar
über
hinausgehende Schädigung des
Ner
vus
medianus
oder des
Nervus
uln
aris
könne klinisch und elektrophysiologisch nicht nachgewiesen werden.
Weiter sei es (vermutlich sekundär) zu einer Reakti
vierung vorbestehender überlastungsbedingter Schulterschmerzen beidseits (rechtsakzentuiert) gekommen (S. 2 unten).
3.10
Am 14. April 2017 erstattet
e
Dr. med.
J._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin sowie Facharzt für Rheumatologie, sein rheumatologisches Gut
achten zuhanden der
Swica
(Urk. 7/39/49-63). Er nannte folgende, hier verkürzt wiedergegebenen, Diagnosen (S. 9 Ziff. 5):
-
Quetsch- und Schneidetrauma der linken Hand am 30. März 2015
-
myofasziales
Schmerzsyndrom im Schultergürtel rechts und
Tendinose
der Extensoren- und
Flexorensehnen
am linken Daumen
-
Zustand nach Knie-Arthroskopie links im Juli 2015 mit
Meniskektomie
Es bestehe eine chronische und mittlerweile wohl fixierte Funktionsstörung der linken Hand, welche alle vier Langfinger betreffe. Es müsse mittlerweile sicher davon ausgegangen werden, dass hier ein medizinischer Endzustand erreicht sei, sei die Funktionseinschränkung nun wenigstens teilweise auf ein CRPS I oder vorwiegend auf eine schmerzbedingte, allenfalls auch durch nicht-organische Faktoren begünstig
t
e Schonung zurückzuführen. Das ausgeprägte Schmerzver
halten des Versicherten bei Untersuchung der rechten Schulter und des linken Knies liessen auf
eine gewisse nicht-organische Komponente im gesamten Schmerzbild vermuten (S. 12 Mitte).
Es müsse angenommen werden, dass es sich bei der bisherigen Tätigkeit um eine körperlich teilweise schwere, vorwiegend auch mittelschwere Tätigkeit mit häufig auch schweren bis sehr schweren beidseitigen manuellen Belastungen handle. Die Einschätzung von Prof.
H._
(vorstehend E. 3.8), dass der Versicherte mit seiner durchaus objektivierbaren Funktionseinschränkung an der linken Hand in dies
e
r Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sein solle, sei nicht nachvollziehbar. Der Versi
cherte habe immer wieder versucht, in dieser Tätigkeit ein Arbeitspensum von 50
%
aufrecht zu erhalten und dieses zu steigern. In dieser Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50
%
, und auch dies nur unter der Voraussetzung, dass er von den schwersten Arbeiten entlastet werde beziehungsweise er dort durch seine Kollegen Unterstützung bekomme. Auch mittel- und langfristig sei es kaum wahrscheinlich, dass eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit erreicht werden könne (S. 14 Ziff. 7.7).
Betreffend Arbeitsfähigkeit in einer anderen Tätigkeit liege das Hauptproblem in einer verminderten Funktionsfähigkeit der linken Hand, welche prinzipiell nur noch als zudienende beziehungsweise fixierende Hilfshand eingesetzt werden könne. Entsprechend sei der Versicherte in erster Linie noch für manuell leichte und wechselbelastende Tätigkeiten einsatzfähig, wobei hinsichtlich des Einsatzes der rechten Hand beziehungsweise des rechten Armes diesbezüglich keine Ein
schränkungen bestünden. In einer derart adaptierten Tätigkeit sei aus somati
scher, rheumatologischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit gegeben (S. 14 Ziff. 7.8).
3.11
Am 19. April
2017 erstattete Dr. med.
K._
, Facharzt für Neuro
logie sowie Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, sein psychiatrisches Gutachten zuhanden der
Swica
(Urk. 7/39/6-48). Als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 26 Ziff. 5.1) nannte er eine Anpassungsstörung, län
gere depressive Reaktion (F43.21). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 27 Ziff. 5.2) nannte er eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41).
Der Tagesablauf des Beschwerdeführers gestalte sich so, dass er mehrmals in der Nacht aufstehe. Es gebe auch Tage, an denen er bereits um 4 Uhr morgens wach s
ei (frühmorgendliches Erwachen)
und bis zum Abend nicht mehr schlafen könne. Entsprechend stehe er sehr früh auf, um 3, 4 oder 5 Uhr. Nach Erledigen der
Morgentoilette frühstücke er, trinke Kaffee, schaue zusammen mit der Ehefrau fern. Sonst mache er nichts. Die Ehefrau erledige den Haushalt, sie koche auch und gehe
e
inkaufen. Er gehe mit dieser und der Tochter zusammen bis zum Spiel
platz, ansonsten mache er keine Spaziergänge. Er schaue nur fern, sonst mache er nichts. Abendessen gebe es um 18 Uhr, danach schaue er auch fern oder die Eltern kämen zu Besuch. Um zirka 22 Uhr gehe er zu Bett. Er habe einen Führer
schein und ein Auto, wegen der Schmerzen fahre er aber nicht, sondern seine Ehefrau (S. 20 f. Ziff. 3.2.8).
Zu Beginn der Exploration sei das Verhalten des Versicherten aufgefallen, insbe
sondere eine gereizte Stimmung, eine ablehnende Haltung gegenüber der psy
chia
trischen Untersuchung und das mehrfache Erheben von Vorwürfen gegen
über den Versicherungen, darüber hinaus eine mangelnde Kooperation. Nach Deeskalation der Situation habe er sich aber auf die Exploration einlassen kön
nen. Während der Exploration seien mehrere Affekteinbrüche erfolgt und es sei ein demonstratives Aufstehen aufgefallen, dabei habe der Versicherte nicht schmerz
gequält gewirkt. Im Hinblick auf den Affekt habe eine nur phasenweise gedrückte Stimmung ohne durchgehende Depressivität beobachtet werden kön
nen. Die af
fektive Modulationsfähigkeit sei dabei durchgehend ausreichend vor
handen ge
wesen (S. 28 Ziff. 6.2). Die Exploration des Tagesprofils weise auf ein reduziertes Alltagsaktivitätsniveau hin. Bei den Haushaltsarbeiten fühle er sich aufgrund von körperlichen Beschwerden eingeschränkt. Aufgrund der erhebli
chen Selbstlimi
tierung seien die Angaben des Versicherten nicht verwertbar
.
Es sei von einer Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion (F43.21) aufgrund der multiplen nicht versicherungsmedizinisch relevanten psychosozialen Belas
tungsfaktoren (Migrationshintergrund, keine berufliche Ausbildung, familiäre Probleme, finan
zielle Schwierigkeiten) auszugehen (S. 29 Mitte). Diese sei als ein leichter depres
siver Zustand als Reaktion auf eine länger anhaltende Belastungs
situation zu ver
s
t
ehen. Die depressive Verstimmung sollte jedoch insgesamt nicht länger als zwei Jahre anhalten. Eine affektive Störung im Sinne einer depressiven Episode liege beim Versicherten hingegen nicht vor (S. 30 oben
)
.
Zusammenfassend bestünden beim Versicherten mit Verweis auf die somatischen Untersuchungen in der Versicherungsakte erhebliche Inkonsistenzen und ein aus
gesprochen selbstlimitierendes Verhalten. Es lägen weder Suizidalität noch Lebensüberdruss vor. Im Vordergrund stehe ein subjektives Schmerzsyndrom. Der Versicherte erlebe sich dadurch insuffizient und im Selbstwertgefühl reduziert. Aufgrund der vom Versicherten angegebenen körperlichen Schmerzen und der nicht
ausreichenden Erklärbarkeit durch ein somatisches Korrelat sei aus psy
chia
trischer Sicht die Diagnose einer anhaltenden Schmerzstörung (F45.4) zu dis
ku
tieren (S. 33 Mitte). Die betreffenden diagnostischen Kriterien würden vom Ver
sicherten aber nicht erfüllt (S. 33-35). Es sei stattdessen von einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41) auszugehen. Deren Ausprägung sei im Vergleich als objektiv lei
cht bis mittelschwer einzustu
fen. Gegenwärtig befinde sich der Versicherte in keiner regelmässigen psychia
trischen Behandlung. Die Frequenz sei unzureichend. Psychopharmaka würden nicht eingenommen und die empfohlenen Massnahmen zur Schmerzdistanzie
rung nicht umgesetzt (S. 35 Mitte). Die beklagte Intensität und das Ausmass der Beschwerden seien mit dem alltäglichen Aktivitätsniveau gemäss Tagesprofil nicht vereinbar. Die Präsentation einer erheblichen Behinderung und die Behaup
tung des Versicherten («ich kann überhaupt nicht arbeiten») wiesen auf eine
ausgesprochene Selbstlimitierung hin, stünden nicht im Einklang mit der Verhal
tensbeobachtung während der Exploration und seien mit dem erhobenen klini
schen Befund nicht vereinbar (S. 36 Mitte).
Im Bericht von Dr.
A._
vom 12. Februar 2017 (
gemeint wohl: Bericht vom 7. Oktober 2016
[
vgl.
vorstehend E.
3.6]
)
sei eine rezidivierende depressive Stö
rung, gegenwärtig leichte Episode mit somatischem Syndrom, diagnostiziert und festgehalten worden, der Versicherte sei nie mehr als zu 50
%
belastbar gewesen. Die Kardinalsymptome einer Depression seie
n
gegenwärtig jedoch nicht gegeben, da sich objektiv kein Interessensverlust, keine anhaltend gedrückte Stimmung und keine erhöhte Ermüdbarkeit feststellen liessen (S. 37 unten). Eine leichte de
pressive Episode begründe denn auch aus versicherungsmedizinischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
(S. 37 f. Ziff. 6.5).
In der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit als Fachmitarbeiter sei der Versicherte aus psychiatrischer Sicht zu 30
%
eingeschränkt arbeitsfähig. Nach Umsetzung der vorgeschlagenen medizinischen Massnahmen sei spätestens innerhalb von 6
bis
8 Wochen von einer Arbeitsfähigkeit von
100
%
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit auszugehen (S. 42 Ziff. 9a, vgl. auch S.
38 f. Ziff. 6.7-8
). Die zuletzt durchgeführte Tätigkeit sei aus psychiatrischer Sicht auch am besten an die Res
sourcen des Versicherten angepasst. Inwieweit eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit durch ein somatisches Leiden begründet sei, müsse durch ein orthopä
disch-rheumatologisches Gutachten beurteilt werden (S. 42 Ziff. 9c; vgl. auch S. 39 Ziff. 6.9).
3.12
Die Ärzte des
G._
(vorstehend E. 3.4) führten im Bericht vom 2
9
.
Mai
2017 (Urk.
7/45
) aus,
es werde dem hochmotivierten Patienten eine Umschul
ung in ein
Betätigungsfeld, in dem eine
bimanuelle
Tätigkeit nicht zwingend erforderlich sei, empfohlen. Da die dominante rechte Hand bis auf die Schulterschmerzen voll einsatzfähig sei, würden auch schreibende Tätigkeiten als möglich angesehen (S. 2 oben).
3.13
Dr. med.
L._
, Facharzt für Chirurgie und für Handchirurgie, führte im Bericht vom 21. Februar 2018 zuhanden des Beschwerdeführers (Urk. 3/4) aus,
dieser leide an belastungsabhängigen neuropathischen Schmerzen aufgrund der Nervenschädigungen der Langfinger links. Solche Beschwerden könnten dauer
haft bestehen bleiben. Aufgrund der schweren Verletzung könne der Beschwer
deführer seine linke Hand nur für sehr leichte Arbeiten länger belasten. Schätzungsweise sei er für Arbeiten mit einer Belastung von 250–1000 g zirka zu 75-80
%
arbeitsfähig. Medizinisch-theoretisch sei der Beschwerdeführer mit seiner linken Hand zirka 50-55
%
eingeschränkt (S. 2 unten). Mit der linken Hand könne deshalb nur zirka 75-80
%
des Tages gearbeitet werden, weil aufgrund der Schmerzen vermehrt Ruhepausen nötig seien (S. 3 Mitte).
3.14
Med.
pract
.
A._
(vorstehend E. 3.6) nannte im Bericht vom 17. November 2018 (Urk. 7/74) als Diagnose eine chronische rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (F33.11)
,
sowie ein chronisches Schmerzsyndrom der linken Hand und des linken Arms (Ziff. 2.5). Gegenwärtig finde alle 3 Wochen eine Sitzung statt (Ziff. 1.2).
Die Arbeitsunfä
higkeit betrage 0
%
(richtig wohl: 100
%
; vgl. Ziff. 4.1) seit dem 1. Januar 2018 bis auf Weiteres (Ziff. 1.3).
Die derzeitige Symptomatik bestehe in Schlafstörungen, Gedankengrübeln, ra
scher Ermüdbarkeit, Freudlosigkeit, Vergesslichkeit und Affektstarrheit (Ziff. 2.2).
Aktuell bestehe keine Medikation (Ziff. 2.3). Objektiv präsentiere sich ein nieder
geschlagener Patient. Er sei im formalen Denken verlangsamt, zum Teil umständ
lich, inhaltlich fokussiert auf Zukunftsangst und Verantwortung gegenüber der Familie. Im Affekt sei er deutlich depressiv, mit Müdigkeit und Vergesslichkeit
(Ziff. 2.4; teilweise unleserlich). Wegen seiner chronischen depressiven Störung sei der Patient kaum für eine Arbeit vermittelbar (Ziff. 2.7).
Gegenwärtig übe er keine Tätigkeit aus, zuletzt habe er teilzeitig als
Nacht
patrouilleur
bei einer Bewachungsfirma gearbeitet (Ziff. 3.1). Dabei habe er unter Übermüdung gelitten wegen Schlafstörungen sowie unter Konzentrationsstörun
gen wegen der Depression (Ziff. 3.4). Die bisherige Tätigkeit sei 0 Stunden pro Tag zumutbar
(Ziff. 4.1). Eine leidensangepasste Tätigkeit sei körperlich bedingt zu 20 bis 50
%
zumutbar (Ziff. 4.2)
.
3.
15
Dr. med. univ.
M._
, Facharzt für Kardiologie, berichtete am 8. März 2019 (Urk. 7/93/4-5), dass er den Beschwerdeführer am Vortag untersucht habe. Dieser habe bei seiner nächtlichen Arbeit beim Sicherheitsdienst einen Verletzten nach einem Fenstersturz erstversorgt und sei dadurch zusätzlich traumatisiert (S. 1 Mitte).
3.
16
Im Bericht vom 9. Juni 2019 (Urk. 7/97) verwies med.
pract
.
A._
im Wesentlichen auf seinen Bericht vom 17. N
ovember 2018 (vorstehend E. 3.14
) be
ziehungsweise wiederholte die dort getroffenen Aussagen. Sitzungen fänden seit einem halben Jahr nur noch sporadisch statt (Ziff. 1.2).
3.
17
Dr. med.
B._
, Facharzt für Chirurgie, RAD, führte in seiner Stellung
nahme vom 19. Juni 2019 (Urk. 7/100 S. 8) aus, bei
A._
handle es sich um einen Arzt mit dem Weiterbildungstitel «Praktischer Arzt». Über den Facharzttitel für Psychiatrie und Psychotherapie verfüge er demnach nicht. Damit sei keine leitliniengerechte psychiatrische Behandlung etabliert, die psychiatri
schen Diagnosen sowie Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit in bisheriger und angepasster Tätigkeit seien damit auch nicht verwertbar. Aus versicherungsme
dizinisch-theoretischer Sicht werde empfohlen, von einer Arbeitsfähigkeit von 75 bis 100
%
in bisheriger Tätigkeit und einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
in ange
passter Tätigkeit seit Sommer 2016 auszugehen. Für den Fall, dass seitens Beschwerdeführer im
Einwandverfahren
psychische Einschränkungen geltend gemacht würden, sei eine fachärztliche leitliniengerechte Therapie aufzuerlegen. Eine Wiedervorlage wäre dann ein Jahr nach Beginn der Therapie indiziert.
4.
4.1
Im April 2017 wurden zwei neutrale Gutachten zuhanden der Krankentaggeld
versicherung erstellt: Ein rheumatologisches
durch Dr.
J._
(vorstehend E. 3.10
) und ein psychiatrisches
durch Dr.
K._
(vorstehend E. 3.11
). Sie sind für die streitigen Belange umfassend, beruhen auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigen auch die geklagten Beschwerden, wurden in Kenntnis der Vorak
ten abgegeben, leuchten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und ihre Schlussfolgerun
gen sind begründet. Sie vermögen somit den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer medizinischen
Expertise (vgl. vorstehend E. 1.
3
) zu genü
gen, weshalb grundsätz
lich
auf sie abgestellt werden kann. Ihre Schlussfolgerun
gen wurden denn auch von keiner Partei angegriffen
.
4.2
In somatischer Hinsicht
qualifizierte der Gutachter die
bisherige
Tätigkeit als
Maschinen- und Anlageführer
zu Recht als körperlich teilweise schwere, vorwie
gend auch mittelschwere Tätigkeit mit häufig auch schweren bis sehr schweren beidseitigen Belastungen. Er kam mit überzeugender Begründung zum Schluss, dass hier angesichts der fixierten Funktionsstörung der linken Hand nur noch eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50
%
bestehe, sofern
d
er
Beschwerdeführer
von den schwersten Arbeiten entlastet werde. Dies deckt sich mit de
n
Einschät
zung
en durch
Dr.
C._
(vorstehend E. 3.1), wonach die bisherige Tätigkeit nur noch in einem Rahmen von 50
%
zumutbar sei
,
und
durch
Dr.
L._
(vorstehend E. 3.13
), wonach die linke Hand nur für sehr leichte Arbeiten längere Zeit belastet werden könne.
Dem widerspricht auch die Beschwerdegegnerin nicht, welche von einer ganzen oder teilweisen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit seit dem 30. März 2015 ausgeht (vorstehend E. 2.1).
Vorübergehend arbeitete der Beschwerdeführer zwar auch wieder in einem Pensum von 75
%
, dies allerdings unter Schmerzen (vorstehend E. 3.4, E. 3.7 und E. 3.8). Wenn Dr.
E._
, Kreisarzt der SUVA, im Juni 2016
festhielt
(vorstehend E. 3.3), der Versicherte sollte in der Lage sein, eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit ganztags zu bewältigen, so ist dies plausibel. Unverständlich ist demgegenüber, wieso dies
ungefähr
den Anfor
derungen bei der angestammten Tätigkeit entsprechen sollte,
bei welcher
der Beschwerdeführer
unter anderem
mit
zentnerschweren Geräten hantieren
muss
te
(
vgl. etwa
Urk.
7/39 S. 14 f.
). Auf diese Unstimmigkeit wies denn auch der Gut
achter zu Recht
hin.
Der Beschwerdeführer sei
richtigerweise
nur noch für manuell leichte und wech
selbelastende Tätigkeiten einsatzfähig. Hier bestehe volle Arbeitsfähigkeit. Auch diese Beurteilung ist schlüssig und deckt sich mit den Einschätzungen der behan
delnden Ärzte. So hatte Dr.
C._
(vorstehend E. 3.1)
festgehalten
,
die Arbeits
fähigkeit betrage ohne überdurchschnittliche manuelle Belastung 100
%
, wobei Überkopfarbeiten und Heben/Tragen zu vermeiden seien. Die Ärzte der
D._
(vorstehend E. 3.2)
kamen
zum Schluss, eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit ohne wiederholten Einsatz oder Exposition der linken Hand sei ganztags zumutbar.
Die Ärzte des
G._
erachteten die Einschränkungen der
adominanten
linken Hand
allerdings
gar
als so weitgehend, dass diese selbst für leichte manu
elle Tätigkeiten oder als Hilfshand nicht einsetzbar sei (vorstehend E. 3.5). Ent
sprechend empfahlen sie ein Betätigungsfeld, in dem eine
bimanuelle
Tätigkeit nicht zwingend erforderlich sei, wobei sie aber auch schreibende
Tätigkeiten als möglich ansahen (vor
stehend E. 3.12
). Nachdem jedoch selbst der behandelnde
Handchirurge
Dr.
L._
festhielt, mit der linken Hand könne 75-80
%
des Tages gearb
eitet werden (vorstehend E. 3.13
),
und der
Beschwerdeführer nach dem er
littenen Unfall zudem noch bis November 2016 in seiner bisherigen
bimanuellen
Tätigkeit in einem P
ensum von 50 bis 75
%
gearbeitet hatte
und auch selber davon ausgeht, er könnte bestenfalls eine sehr leichte Tätigkeit noch ausführen (vorstehend E. 2.2),
kann d
er
Einschätzung
der Ärzte der
G._
nicht gefolgt wer
den.
Es ist somit in somatischer Hinsicht erstellt, dass der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit als
Maschinen- und Anlagenführer
seit dem Unfall vom 30. März 2015
maximal
noch zu 50
%
arbeitsfähig ist. In einer leichten, wech
selbelastenden Tätigkeit ohne übermässige Belastung der linken Hand besteht demgegenüber in somatischer Hinsicht eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
.
4.3
In psychiatrischer Hinsicht
verneinte der Gutachter eine affektive Störung im Sinne einer depressiven Episode. Die Kardinalsymptome einer Depression seien «gegenwärtig» nicht gegeben, da sich kein Interessenverlust, keine anhaltend gedrückte Stimmung und keine erhöhte Ermüdbarkeit hätten feststellen lassen. Es sei entsprechend von einer Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion (F43.21)
,
auszugehen. Zu beachten ist der Hinweis
des Gutachters
, dass die depressive Verstimmung bei dieser Diagnose nicht länger
als zwei Jahre anhalten sollte (vgl. hierzu auch
Dilling
/
Mombour
/Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F] Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10., überarbeitete Auflage, Bern 2015, S. 210). Seit de
r Beurteilung durch
Dr.
K._
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung
sind jedoch mittlerweile schon
mehr als zwei
Jahre vergangen, weshalb die gestellte Diagnose einer An
passungsstörung
nunmehr als fraglich erscheint
.
Es stellt sich daher d
ie Frage, ob mittlerweile eine selbständige depressive Störung
oder eine andere psychische Beeinträchtigung
vorliegt und welche Auswirkungen diese gegebenenfalls auf die Arbeitsfähigkeit zeitigt.
Von einer mittelgradigen depressiven Episode (F32.1) waren bereits die Ärzte der
D._
nach einem fünfwöchigen Aufenthalt des Beschwerdeführers im Januar/Februar 2016 ausgegangen (vorstehend E. 3.
2). Es
habe sich ein im Antrieb reduzierter, psychomotorisch eher verlangsamter, ratloser und im Affekt depressiver Patient gezeigt.
Dr.
F._
sprach im August 2016 gar von einer schweren Antriebsminderung (vorstehend E. 3.4). Indes ist e
r als Neurologe ebenso wenig vom Fach
wie der Orthopäde Prof.
H._
, welcher beim Beschwer
deführer erhebliche psychische Probleme als Folge der Verletzung der linken Hand ausmachte (vorstehend E. 3.8).
Diese Beurteilungen ergingen zudem alle noch vor dem Gutachten von Dr.
K._
und lagen diesem im Zeitpunkt
von dessen Erstellung
ebenso vor wie
der Bericht
von med.
pract
.
A._
vom November 2016 (vorstehend E. 3.6),
in welchem
dieser eine leichtgradige depressive Störung diagnostiziert hatte (vgl. Urk. 7/39 S. 4-12
; S. 28-36
). Sie vermögen somit die Entwicklung einer selbständigen depressiven Störung
nach
Erstattung des
be
weiskräftigen
Gutachtens
im April 2017
nicht
zu
fundieren.
Bedeutung kommt folglich den seither ergangenen Berichten des behandelnden Psychiaters med.
pract
.
A._
zu. Zwar ist der Beschwerdegegnerin darin beizupflichten (vgl. vorstehend E. 2.1), dass dieser gemäss
Medizinalberuferegis
ter
des Bundesamts für Gesundheit (vgl. https://www.medregom.admin.ch) über keinen Facharzttitel für Psychiatrie und Psychotherapie verfügt.
Insoweit sie daraus schliesst, dass seine Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit deshalb
zum Vorn
herein
nicht verwertbar sei, kann ih
r hingegen nicht gefolgt werden.
Denn d
as Versicherungsgericht ist in der Beweiswürdigung frei (Art. 61 Abs. 1
lit
. c ATSG).
Med.
pract
.
A._
diagnostizierte in den Berichten vom N
ovember 2018 (vorstehend E. 3.14
) sowie vom Juni 2019 (vorstehend E. 3.
16
) eine chronische re
zidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somati
schem Syndrom (F33.11). Dabei beschrieb er indes praktisch dieselbe Symptoma
tik, welche ihn im
Oktober 2016 noch zur Diagnose einer rezidivierenden depres
siven Störung, gegenwärtig
lediglich
leichte Episode mit somatischem Syndrom, geführt hatte (vorstehend E. 3.6). Aus den aktuellen Berichten geht nicht hervor, wie die Diagnose einer
nun
schwereren affektiven Störung zustande kam. Eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes wird denn auch gar nicht erst the
matisiert.
Es erstaunt zudem, dass im Bericht vom Juni 2019
zur Hauptsache
auf den Bericht vom November 2018 verwiesen wird, obwohl der Beschwerdeführer in der Zwischenzeit offenbar bei der Arbeit Zeuge eines versuchten Selbstmordes
wurde
, worauf sich seine psychische Verfassung laut eigenen Angaben stark ver
schlechtert habe (vorstehend E. 2.2
und E. 3.15
). Nicht stimmig ist sodann, dass sich der Sitzungsrhythmus just in diesem belasteten Zeitraum gelockert habe
, in
dem
Gespräche nun nur noch sporadisch
stattgefunden hätten
.
K
eine Rolle scheinen Psychopharmaka zu spielen, was bei
der Diagnose
einer chronischen Depression zumindest nach einer Erläuterung verlangt. Eine solche
fehlt
jedoch.
Die Arbeitsunfähigkeit betrage 100
%
in der bisherigen Tätigkeit, wobei als solche die zuletzt
ausgeübte
Tätigkeit als
Nachtpatrouilleur
angenom
men wurde. Dies
e Einschätzung
ist nicht nachvollziehbar
.
Med.
pract
.
A._
äussert
e
sich nicht dazu
,
wieso die bisherige Tätigkeit überhaupt nicht mehr zu
mutbar sein sollte.
Eine – nicht näher spezifizierte – leidensangepasste Tätigkeit erachtet
e
er sodann «körperlich bedingt» nur zu 20 bis 50 % zumutbar.
Für eine solche Einschätzung fehlt ihm aber die fachärztliche Qualifikation. Zudem liesse sich aus der gewählten Formulierung auch den Schluss ziehen, dass aus rein psy
chiatrischer Sicht eine angepasste Tätigkeit zumutbar sein sollte,
was med.
pract
.
A._
jedoch kaum so gemeint haben dürfte, nachdem er
im glei
chen Bericht
festhielt, der Beschwerdeführer sei wegen seiner chronischen de
pressiven Störung kaum für eine Arbeit vermittelbar.
Die Schlussfolgerungen in den aktuellen Berichten von med.
pract
.
A._
sind somit
entweder
unklar
, schwer verständlich
oder
mangelhaft begründet. Ge
stützt auf sie kann der Sachverhalt hinsichtlich
der
psychi
schen
Verfassung des Beschwerdeführers nicht erstellt werden. Immerhin liefern sie aber Anhaltspunkte dafür, dass in psychischer Hinsicht
noch immer
relevante
Beeinträchtigungen
vorhanden sein könnten.
Diesen hätte
die Beschwerdegegnerin nachgehen sollen. Es reicht
mit Blick auf den Untersuchungsgrundsatz
nicht
aus
, die Berichte des behandelnden Psychiaters als nicht beweiswertig zu bezeichnen. Wenn
in dieser Konstellation
keine Berichte vorliegen, die die rechtsgenügende Erstellung des Sachverhaltes ermöglichen, so ist die Verwaltung gehalten, selber ein psychiatri
sches Gutachten in Auftrag zu geben. Dies umso mehr, als das von der Kranken
versicherung anfangs 2017 veranlasste psychiatrische Gutachten
noch
eine teil
weise Arbeitsunfähigkeit aus
psychischen Gründen bescheinigt hatte
, die dort gestellte Diagnose einer Anpassungsstörung aber
mittlerweile
kaum mehr gültig sein dürfte.
Auch
müsste
eine
Prüfung der aktuellen Indikatoren
(vgl. vorstehend E.
1.4
)
vorgenommen werden.
4.4
Der medizinische Sachverhalt kann nach dem Gesagten nicht erstellt werden.
Damit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid. Die Sache ist daher an
die Beschwerdegegne
rin zurückzuweisen, damit diese
nach ergänzender medizi
nischer Abklä
rung
eine neue Beurteilung vornehme und über den Leistungs
an
spruch des Beschwerdeführers neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
5.
5.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
5.2
Nach § 34 Abs. 1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BG
E 137 V 57
E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwer
deführer
Anspruch auf eine Prozessent
schädigung hat.
Beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist die Prozessentschädigung ermessensweise auf Fr. 2’600.-- (inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.