Decision ID: 1a3468c5-eff6-5e61-9760-fa54fb188411
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
X._
ist seit 1. April 1987 bei
Y._
in
Z._
als Gärtner und Hauswart angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Zürich Versiche
rungs-Gesellschaft AG (Z
ü
rich) obligatorisch unfallversichert. Am 11. Novem
ber 2006
hielt
er
am
A._
mit seinem Motorrad
vor einem Rotlicht an
. Er verlor
das Gleichgewicht und das Motorrad
kippte
nach links.
Um das Umfallen des Motorrades zu verhindern, hielt er es fest und erlitt durch den schweren Zug des 330 kg schweren Gefährts einen stechenden
Schmerz in der linken Schulter und war anschliessend nie mehr schmerzfrei. Am 26. April 2007 begab er sich in ärztliche Behandlung
.
Die Zü
rich kam für die Heilbehandlung auf und richtete für die Phasen der Arbeitsunfähigkeit Taggelder aus.
Nachdem die
B._
per 28. Januar 2010 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit attes
tiert hatte und der Versicherte mitteilen liess, man könne den F
all abschliessen, erliess die Zü
rich am 14. September 2011 eine Verfügung, mit der sie die Leis
tungen für Heilbehandlung per 31. August 2011
und
die Taggelder per
28. Januar 2010 einstellte
, eine Integritätsentschädigung von 15
%
zusprach und einen Anspruch auf Rente verneinte (
Urk.
10/Z52).
Die dagegen im Renten
punkt
erhobene Einsprache wies die Zü
rich mit Einspracheentscheid vom
30. Oktober 2012 ab (
Urk.
10/Z69 =
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
, vertreten durch Rechtsanwalt David Husmann, mit Eingabe vom 3. Dezember 2012 Beschwerde erheben und die Aufhebung des Einspracheentscheids
sowie
die Zusprache einer Invalidenrente in der Höhe von
mindestens
20
%
beantragen. Als Eventualantrag
liess er
die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit als Landschaftsgärtner durch ein unabhängiges Gutachten
beantragen
(
Urk.
1). Die Z
ü
rich schloss mit Beschwerdeantwort vom 26. März 2013 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9).
Im Rahmen des zweiten Schrif
tenwechsels hielten die Parteien an ihren Anträgen fest (
Urk.
14 und 19).
Auf die Begründungen der Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den Erwä
gungen Bezug genommen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die Parteien sind sich über
den Rentenanspruch des Beschwerdeführers
uneins
.
Soweit
er mit Replik die Ermittlung der Integritätsentschädigung beantrag
en läss
t (
Urk.
14), ist
auf seine Beschwerde nicht einzutreten
. Die Verfügung vom 14. September 2011 (
Urk.
10/Z52) ist diesbezüglich in Teilrechtskraft erwachsen
(vgl. BGE 125 V 413 E. 2a, 119 V 347 E. 1b).
2.
2.1
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10
%
invalid (Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts [ATSG]
), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG]
). Als invalid gilt, wer voraussichtlich bleibend oder für längere Zeit in seiner Erwerbsfähigkeit beein
trächtigt ist (Art. 18 Abs. 2 Satz 1 UVG).
2.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditäts
grad aufgrund eines Einkom
mensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versi
cherte Person nach Ein
tritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegliche
ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen)
, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (
Valideneinkommen,
Art. 16 ATSG).
2.3
2.3.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validenein
kommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkom
mensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfah
rung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortge
setzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 129 V 222 E. 4.3.1 mit Hinweisen).
2.3.2
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht.
Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse
gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der
tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b/aa mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts I 850/05 vom 21.
August 2006 E. 4.2).
Praxisgemäss sind an den Nachweis von Soziallohn strenge Anforderungen zu stellen, da vom Grundsatz ausgegangen werden muss, dass ausbezahlte Löhne normalerweise das Äquivalent einer entsprechenden Arbeitsleistung sind (BGE 117 V 8 mit Hinweisen). Bei der Würdigung von Arbeitgeberbescheinigungen ist auch zu beden
ken, dass ein
Arbeitgeber ein eigenes Interesse daran haben kann, die Bezahlung
von Soziallohn zu behaupten (BGE 110 V 273). Als Indiz für eine freiwillige Sozialleistung fallen insbesondere verwandt
schaftliche Beziehungen zwischen dem Arbeitgeber oder der Arbeitgeberin und der versi
cherten Person oder eine lange Dauer des Arbeitsverhältnisses in Betracht (Urteil des Bundesgerichts I 106/05 vom 2. August 2005).
2.4
Nach dem in der Sozialversicherung herrschenden Untersuchungs
grundsatz hat der Unfallversicherer den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen (Art.
43
Abs.
1 ATSG, BGE 133 V 196 E. 1.4).
Der Untersuchungsgrundsatz wird ergänzt durch die Mitwirkungspflicht der Parteien (vgl. Art. 43
Abs.
3 ATSG).
Lässt sich der Sachverhalt ohne Schwierigkeiten und ohne besonderen Aufwand abklären, so
hat
die Verwaltung die betreffenden Erhe
bungen zu tätigen und anschliessend zu entscheiden (vgl. BGE 108 V 2
29 f.).
Sie hat aus eigener Init
i
ative vorzugehen und darf Parteivorbringen nicht mit der Beg
r
ündung abtun, d
iese seien nicht belegt worden (Kieser, ATSG-Kom
mentar,
2.
Auflage, Zürich 2009, N9 zu Art. 43).
3.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich im angefochtenen Einspracheentscheid sinn
gemäss auf den Standpunkt, der Beschwerdeführer sei
seit
dem
2
8.
Januar 2010 wieder zu 100
%
arbeitsfähig und übe seine angestammte Tätigkeit auch wieder
voll
und ohne Einschränkung
aus.
Sie räumte eine unfall- und gesund
heitsbedingte Leistungseinbusse und Verlangsamung ein
. D
iese habe aber keine derartige Wirkung,
dass
ein durchschnittlicher Arbeitgeber
sie
nicht hinnehmen würde.
Das Valideneinkommen entspreche dem Invalideneinkommen, weshalb bei einem Invaliditätsgrad von 0
%
kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe
. Betreffend Invalideneinkommen verneinte sie das Vorliegen eines Soziallohns und damit die vom Beschwerdeführer im Einspracheverfahren
beantragte Anwendung von Tabellenlöhnen für die Ermittlung des Invaliden
einkommens (
Urk.
2).
Im Beschwerdeverfahren ergänzte die Beschwerdegegnerin ihre Ausführungen dahingehend,
dass
es bei der Zumutbarkeit auf das ärztliche Attest ankomme und der Beschwerdeführer aus ärztlicher Sicht wieder zu 100
%
arbeitsfähig sei und seinem angestammten Beruf auch wieder vollzeitig nachgehe. Eine Bestäti
gung des Arbeitgebers, dass der Beschwerdeführer keine volle Leistung
er
bringe, liege nicht vor (
Urk.
9).
3
.2
Der Beschwerdeführer
lässt dagegen halten
, dass
er
massiv eingeschränkt sei, was den Einsatz des linken Armes betreffe, weshalb von einem Rendement von 20
%
auszugehen sei.
E
in durchschnittlicher Arbeitgeber
würde
einen Arbeit
nehmer wie
ihn
mit
seinen
Gebrechen nicht mehr zu 100
%
beschäftigen, geschweige denn einstellen
.
Dass er trotz der geringeren Leistung den vollen Lohn beziehe, sei dem seit 25 Jahren dauernden Arbeitsverhältnis und der freundschaftlichen Beziehung zwischen seiner und der Familie des Arbeitgebers zu verdanken. Damit sei
erstellt
, dass er einen Soziallohn bezieh
e
. Die Höhe des Invalideneinkommens dürfe deshalb nicht gestützt auf das tatsächlich erzielte Einkommen ermittelt werden.
Er
habe
somit
Anspruch auf eine Invalidenrente von mindestens 20
%
. Mit seinem Eventualantrag lässt er die Veranlassung eines Gutachtens zur Klärung der Zumutbarkeit beantragen (
Urk.
1).
Im Beschwerdeverfahren
lässt der Beschwerdeführer darauf hinweisen, dass das zu pflegende Grundstück nicht 1‘800 m
2
, sondern 15‘000 m
2
umfasse und die Bewässerung der Gartenanlage mit Giesskanne und Schlauch – somit manuell – erfolge. Für das Zuschneiden der Bäume müsse auf diese geklettert werden. Den Eventualantrag liess er so präzisieren, als er nun ein gerichtliches Gutachten zur Aktualisierung des medizinischen Sachverhalts beantrag
en liess. Mit Hinweis auf aktuellste Arztberichte aus dem Jahr 2013 (
Urk.
10/ZM39 und 40) und ein Schreiben des Arbeitgebers vom April 2013 (
Urk.
15/2) liess er darauf hinwei
sen, dass er allenfalls mit einer dauern
den Invalidität zu rechnen habe
(
Urk.
14).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer arbeitet seit
1.
April 1987 als Gärtner und Hauswart, seine Ehefr
au als Hausangestellte, bei
Y._
in
Z._
. Die Eheleute verpflichteten sich für eine sach- und fachgemässe Betreuung der Liegenschaften
C._
und
D._
in
Z._
. Der
Beschwerdeführer
(bezeichnet als Gärtner)
hat
gemäss Arbeitsvertrag vom 1
0.
Februar 1987
ein Arbeitsheft zu führen.
Ihm
wurde
vom Arbeitgeber
ein Anrecht auf kostenlose Benützung des
Pflanzgartens eingeräumt.
Der
Bruttolohn
des Beschwerdeführers wurde mit
Fr. 2‘500.
--
beziffert, jener der Ehefrau mit
Fr. 1‘280.7
0.
De
m Ehe
paar
wurde eine 4-Zimmer-Dienstwohnung in der Liegenschaft
D._
gegen eine Miete von Fr. 400.
--
pro Monat zur Verfügung gestellt (
Urk.
10 Z51).
4.2
Am 1
1.
November 2006 musste der Beschwerdeführer
mit dem Motorrad fahrend
am
A._
vor einem Rotlicht anhalten, woraufhin er das Gleichge
wicht verlor und das Motorrad nach links kippte. Um das Umfallen des
Töffs
zu verhindern, hielt er ihn
fest und erlitt durch den schweren Zug des 330 kg schweren Gefährts einen stechenden Schmerz in der linken Schulter (Unfallmel
dung und Hergangsschilderung des Beschwerdeführers [
Urk.
10/Z1, Z4]).
4.3
Der Beschwerdeführer war nie mehr schmerzfrei, begab sich aber erst am 2
6.
April 2007 in ärztliche Behandlung zu
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Ortho
pädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates
. Dieser
stellte mit Bericht vom 2
0.
August 2007 fest, der Beschwerdeführer sei Rechtshänder
. D
ie Kraftentwicklung sei auf allen Ebenen gut, links bestünden Impingement-Zeichen. Die Elevation sei beidseits bis 155° möglich. Die Schmerzen würden mit Steroiden behandelt (
Urk.
10/ZM1 und 2). Im Juli 2007 hatte er eine
Ultra
schalluntersuchung
veranlass
t
, die eine Ausdünnung der linken Supraspinatus
sehne zeigte. Er hielt fest, es handle sich wahrscheinlich um einen Status nach Teilruptur (
Urk.
10/ZM2 S. 3).
Er stützte sich dabei auf den Bericht von
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Rheuma
tologie, vom 1
0.
Juli 2007 (
Urk.
10/ZM4).
Nachdem die Steroid-Behandlung keine Schmerzreduktion
ge
bracht
hatte
, führte
Dr.
E._
am 2
2.
August 2007
eine diagnostische Arthroskopie des Gelenks
und eine Refixation der Supraspi
nathussehne
durch und stellte
die Diagnose
eine
r
Rotatorenmans
chetten
r
uptur Gruppe IIA (
Urk.
10/ZM3).
4.4
Im März 2008 hatte der Beschwerdeführer betreffend Rotation Fortschritte gemacht und verspürte keine Schmerzen mehr. Arbeiten oberhalb der Horizon
talen waren ihm jedoch nicht möglich, wie er
Dr.
E._
berichtete (
Urk.
10/ZM9). In der
G._
wurden im Mai 2008 beginnende Arthrosezeichen und Zeichen einer Kapsulitis festgestellt (
Urk.
10/ZM12). Im Juni 2008 führte
Dr.
E._
wiederum eine diagnostische Arthroskopie durch und diagnostizierte eine retractile Kapsulitis bei Status nach Supraspinatusseh
n
ennaht
an
der linken Schulter (
Urk.
10/ZM13).
4.5
Ab November 2008 erfolgte die Behandlung in der
B._
.
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe
gun
g
sapparates, stellte eine persistierende Kapsulitis fest und umschri
e
b eine verbleibende anhaltend
e
Bewegungseinschränkung (
Urk.
10/ZM17). Ein MRI vom 1
9.
November 2008 ergab den Verdacht einer Intervall-Läsion mit medialer Subluxation der langen Bicepssehne und cranialer Subscapularisläsion.
Es wurde wiederum eine Arthroskopie vorgeschlagen (
Urk.
10/ZM18).
Dr.
H._
stützte sich dabei auf den Bericht des Radiologen
Dr.
med.
I._
vom 2
0.
November 2008, der anlässlich eines Arthro-MRI postoperative narbige Weichteilveränderungen mit multiplen Metallabrieben über dem Tuberculum majus im Bereich der Supraspinatussehne
gesehen
und diese als vernarbt und ausgedünnt bezeichnet
hatte
.
Die lange Bizepssehne sei medial luxiert bis sub
luxiert. Einen Nachweis für eine vollständige Ruptur der Rotatorenmanschette
hatte
er nicht
gesehen
, dagegen Zeichen der retra
c
tilen Kapsulitis (
Urk.
10/ZM20).
4.6
Nach der Operation
vom 2
7.
Januar
2009, bei der massive Vernarbungen gelöst und eine Ruptur der kranialen Subscapularissehne genäht wurden
(
Urk.
10/ZM21)
,
war der Beschwerdeführer bis 1
0.
Mai 2009 zu 100
%
und
ab 1
1.
Mai 2009 zu 50
%
arbeitsunfähig (
Urk.
10/ZM23, 24). Am
9.
Jul
i 2009 hielt
Dr.
H._
fest
,
mit einer weiteren Verbesserung der Kraft und der endgradig noch eingeschränkten Beweglichkeit sei noch zu rechnen (
Urk.
10/ZM27). Am 1
2.
Oktober 2009 stellte er beim schmerzfreien Beschwerdeführer eine Ein
schränkung der Überkopfbeweglichkeit fest und attestierte ab 1
3.
Oktober 2009 eine Arbeitsfähigkeit von 75
%
(
Urk.
10/ZM31). Am 2
8.
Januar 2010 hielt
Dr.
H._
fest, der Beschwerdeführer halte die Entwicklung aus subjektiver Sicht für sehr günstig mit auch stetiger Verbesserung der Überkopfbeweglich
keit. Physiotherapie sei aus seiner Sicht nicht mehr nötig, er werde die Deh
nungsübungen selbständig machen.
Dr.
H._
attestierte ihm ab 2
8.
Januar 2010 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit (
Urk.
10/ZM34).
4.7
Am 1
2.
Juli 2010 hielt
Dr.
H._
fest, es habe nun seit der letzten Untersu
chung aus subjektiver Sicht keine Fortschritte mehr gegeben. Der Beschwerde
führer arbeite wieder zu 100
%
. Er habe mitgeteilt, dass er bei der Benützung der Heckenschere über Kopf rasch ermüde
,
und auch die Beweglichkeit sei ein
geschränkt. Schmerzen habe er keine.
Dr.
H._
hielt fest, es verbleibe eine eingeschränkte Schulterfunktion im Sinne einer Bewegungseinschränkung und einer deutlichen Krafteinbusse für Abduktion. Es sei eine nochmalige Abklärung mittels Arthro-MRI angezeigt (
Urk.
10/ZM35). Der Radiologe Prof.
Dr.
med.
J._
hielt in seiner Beurteilung vom
3.
September 2010 fest, es sei keine
transmurale Re-Ruptur erkennbar. Die Supraspinatussehne sei lang und es zeigten sich einige Knorpelschäden glenohumeral
.
Dr.
H._
hielt fest, die Überkopffunktion bleibe eingeschränkt. Zuletzt bestünden trotz regelmässigen Übungen durch den Beschwerdeführer konstante Einschränkungen für Über
kopftätigkeiten. Die MRI-Untersuchung habe eine insgesamt in Kontinuität erhaltene narbig veränderte Rotatorenmanschette bei normaler muskulärer Trophik gezeigt. Eine Kontrolle in einem halben Jahr sei angezeigt
(
Urk.
10/ZM
36)
.
4.8
Am
2.
September 2010 beantwortete
Dr.
H._
Fragen der Beschwerdegegnerin. Er hielt fest, sämtliche Bes
c
hwerden im Bereich der linken Schult
er seien unfallbedingt. Aktuell
seien keine Massnahmen nötig. Der Beschwerdeführer habe beruflich genügend Schulteraktivität. Zusätzli
ch mache er Dehnungs- und Kräftig
ungsübungen
. Bezüglich weiterer Behandlungen hielt er fest, dass der Beschwerdeführer aktuell schmerzfrei sei, weshalb er vorerst keine Massnahmen empfahl. Er erwarte den Endzustand wegen der etwas komplexen Situation 2 Jahre nach der letzten Operation im Jan
uar 2011 (
Urk.
10/ZM37).
4.9
Am 1
7.
Januar 2011 zeigte
Dr.
H._
auf
,
im Vordergrund stehe immer noch die eingeschränkte Überkopfbeweglichkeit bei intakter rekonstruierter Rotatorenmanschette. Er empfahl nochmals eine Arthroskopie (
Urk.
10/ZM38).
4.10
Mit Berichten vom
6.
und 2
1.
Februar 2013 teilte
Dr.
H._
mit, angesichts der persistierend
en Beschwerden sei eine nochma
lige
Arthroskopie mit arthro
skopischem Débridement
indiziert, weil seit einem Jahr zunehmende belas
tungsabhängige Schmerzen hinzugekommen seien und nach wie vor
eine
Bewegungseinschränkung
bestehe
. Diese seien störend für seinen Beruf als Gärtner. Der Beschwerdeführer habe mitgeteilt, er liebe sei
n
en Beruf und möchte unter keinen Umständen einen Berufswechsel riskieren. Andererseits s
ehe er
Handlungsbedarf, da die Beschwerden zunehmen
würden
(
Urk.
10/ZM39,
10/ZM4
0).
5.
5.1
Nach der Rechtsprechung erstreckt sich die g
tliche Überprüfungsbefugnis in zeitlicher Hinsicht bis zum Erlass des Einspracheentscheides (BGE 131 V 353 E. 2 S. 354). Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, haben somit grund
sätzlich ausser Acht zu bleiben. Diese Regel gilt indessen nicht in Bezug auf Umstände, die mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und die geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Erlasses des Ein
spracheentscheides zu beeinflussen (BGE 118 V 200 E. 3a in fine).
Der angefochtene Einspracheentscheid datiert vom 3
0.
Oktober 201
2.
Die letzten beiden
Arztb
erichte stammen aus dem Jahr 2013
(
Urk.
10/ZM39, 40)
, datieren somit nach dem Einspracheentscheid. Indes hielt
Dr.
H._
bereits am
2.
September 2010 fest, dass der Endzustand
Anfang
2013 zu erwarten sei. Die neuesten Berichte
unterstreichen
, dass diese Einschätzung wohl nicht zutraf. Sie sind insofern geeignet, die vorliegend auch umstrittene Frage, ob der Sachver
halt genügend abgeklärt ist, zu entscheiden, weshalb sie in die Beweiswürdi
gung miteinbezogen werden.
5.2
Nach der Operation vom Januar 2009 war der Beschwerdeführer ab Oktober 2009 schmerzfrei.
Dr.
H._
attestierte ab Mitte Oktober 2009 eine 75%ige (
Urk.
10/ZM31) und ab Ende Januar 2010 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit im an
gestammten Beruf (
Urk.
10/ZM34). Als Restbeschwerden blieben eine Kraft- und Beweglichkeitseinschränkung vor allem für Überkopfarbeiten bei mittlerweile intakten Verhältnissen (
Urk.
10/ZM35, 10/ZM36 und 10/ZM38).
Ab Januar 2010 arbeitete der Beschwerdeführer wieder zu 100
%
als Gärtner.
In den Berichten vom
6.
und 2
1.
Februar 2013 berichtete
Dr.
H._
von seit einem Jahr zunehmenden belastungsabhängigen Schmerzen und einer progre
dienten, bei der Berufsausübung störenden Bewegungseinschränkung (
Urk.
10/ZM39 und 10/ZM40).
Bei dieser Sachlage kann nicht einfach auf die von
Dr.
H._
im Januar 2010 abgegebene Arbeitsfähigkeitsbeurteilung abgestellt und auf eine 100%ige Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf geschlossen werden. Die Auffassung der Beschwerdegegnerin, die noch vorhandenen Defizite in der linken Schulter würden sich bei der Tätigkeit als Gärtner nur in vernachlässigbarem Ausmass auswirken, überzeugt insbesondere in Berücksichtigung der durch
Dr.
H._
im Februar 2013 geschilderten Verschlechterung des Zustands nicht.
Vielmehr ist für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ein ärztliches Zumut
-
barkeits
profil nötig, das über die Einschränkungen der Schulterfunktion für die angestammte Tätigkeit als Gärtner in Kenntnis des Pflichtenhefts des Beschwerdeführers und für zumutbare Verweistätigkeiten detailliert Auskunft gibt und sich auch zur zumutbaren Belastung beziehungsweise dazu äussert, ob die tägliche Belastung im Gärtnerberuf das zumutbare Mass übersteigt und sich schädigend auf das linke Schultergelenk auswirkt.
Hierzu ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie die notwendigen Abklärungen vornehme.
5.3
Erst wenn das Zumutbarkeitsprofil erstellt ist, kann die Erwerbseinbusse berech
net werden.
Indes
weisen d
i
e Angaben zum Valideneinkommen
derart starke
Divergenzen auf, dass sich ein Betrag, der mit überwiegender Wahrschein
-
lichkeit den Tatsa
chen entspricht, nicht ermitteln lässt. Der Beschwerdeführer verdiente ausweis
lich des Arbeitsvertrages im Jahr 1987
Fr.
2‘500.-- monatlich brutto. Im Rah
men der Unfallmeldung im Jahr 2007 gab er
Fr.
88‘680.-- an (
Urk.
10/Z1). Das Einkommen kann sich auch in einem relativ langen Zeitraum von 30 Jahren nicht derart verändert haben. Vergleicht man das Einkommen des Beschwerde
führers mit dem Referenzlohn des Gärtnerverbandes für einen Gärtnermeister von jährlich
Fr.
67‘596.-- oder einem vergleichbaren Tabellen
-
lohn der Tabelle TA1, Niveau 1, Männer, Position „Herstellung von Nahrungs
-
mitteln“ von
Fr.
62‘328.-- (5‘194 x 12), so ist der in der Unfallmeldung angegebene Lohn nicht realistisch
und der im Arbeitsvertag vereinbarte viel zu tief
. D
ie Angabe in der Unfallme
ld
ung
stimmt zwar mit seinen Lohnausweisen der
Jahre 2006 und 2007 (
Urk.
10/Z
32
/1-2
) überein. Jedoch ist dem Arbeitsvertrag zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer zusammen mit seiner Ehefrau angestellt war. Die Ehefrau erscheint auf den Lohnausweisen nicht. Angesichts des tiefen verein
barten Einkommens
ist nicht auszuschliessen
, dass der in der Unfallmeldung und den Steuerunterlagen ersichtliche Betrag dem Gesamteinkomm
en beider Ehegatten entspricht.
Möglich ist allerdings auch, dass
d
er Naturallohn in Form der Wohnung
überproportional angestiegen ist
. Allerdings sind dazu keine Zahlen ersichtlich. Anhand eines Auszugs der individuellen Konten und genaue
r
Angaben des Arbeitgebers, allenfalls des Beschwerdeführers selbst,
muss
die Frage des effektiv erzielten Einkommens geklärt werden. Die Beschwerdegegnerin hat auch
diesbezüglich weitere Abklärungen vorzunehmen
.
5.4
Die von den Parteien besonders umstrittene Frage, ob ein Soziallohn vorliegt, lässt sich erst beantworten, wenn die effektiven Einkommensverhältnisse klar sind.
Erst wenn das vom Arzt zu erstellende Zumutbarkeitsprofil vorliegt, die einzelnen Tätigkeiten bekannt sind und
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, was der Beschwerdeführer als Gesunder verdiente, lässt sich etwas zur Frage des Soziallohnes sagen. Das im Beschwerdeverfahren vom Beschwerde
führer eingereichte Schreiben des A
rbeitgebers vom April 2013
äussert sich zwar zu verschiedenen Einschränkungen,
Angaben zu einem Soziallohn
fehlen aber
. Ein solcher lässt sich allenfalls anhand des Umstands, dass eine weitere Person zur Entlastung hat eingestellt werden müssen, vermuten. Auf die Anga
ben des Arbeitgebers allein darf aber nicht abgestellt werden, wie sich aus der zitierten Rechtsprechung des Bundesgerichts ergibt. Es liegt zwar ein stabiles Arbeitsverhältnis vor. Ob der Beschwerdeführer seine Arbeitsfähigkeit voll aus
schöpft und der Arbeitgeber einen Soziallohn ausbezahlt, lässt sich aber nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sagen. Es mag ein freundschaftliches
Verhältnis bestanden haben. Jedoch
spricht dieser Umstand allein nicht für einen Soziallohn.
Der Arbeitgeber wird somit nicht nur Angaben zum Pflich
tenheft des Beschwerdeführers machen müssen, sondern auch zu den genauen Lohn
verhältnissen
. Zudem muss er angeben, ob er seit dem Unfall je einen Lohn ausbezahlte, der nicht annähernd der Leistung des Beschwerdeführers entsprach. Insofern ist der Sachverhalt auch in
dieser
Hinsicht ungenügend abgeklärt.
5.
5
Sollten nur noch leidensangepasste Tätigkeiten in Frage kommen
und damit die Berechnung des Invalideneinkommen
s
anhand von Tabellenlöhnen
vorzuneh
men sein, wird sich
der 54jährige Beschwerdeführer von der Beschwerdegegne
rin
allenfalls
entgegenhalten lassen müssen, dass ihm leidensangepasste Tätig
keiten
und damit ein Berufswechsel
– wenn er damit einen höheren Lohn erzie
len kann als mit seiner angestammten Tätigkeit - nach der strengen Bun
desge
richtspraxis zuzumuten sind
.
5.6
Die
Beschwerde ist demnach in dem Sinne gutzuheissen, als der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit sie den Sachverhalt
im Sinne der Erwägungen
weiter abkläre und alsdann erneut entscheide.
6.
Die Rückweisung der Sache zu weiteren Abklärungen und neuem Entscheid gilt rechtsprechungsgemäss als vollständiges Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2 mit Hinweisen). Damit steht dem Beschwerdeführer zu Lasten der Beschwerdegeg
nerin eine Prozessentschädigung zu, die gemäss
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeu
tung der Sache und der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen und ermes
sensweise auf
Fr.
2‘400.-- festzusetzen ist.