Decision ID: b98ad438-5557-5f82-ab5b-e6a49ef5af1c
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 10. Februar 2003 zum Bezug von IV-Leistungen bei der IV-
Stelle des Kantons Schwyz an (IV-act. 3). Der behandelnde Dr. med. B._
diagnostizierte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine progrediente
Lumboischialgie beidseits. Für die angestammte Tätigkeit als Gebäudereinigerin (siehe
hierzu IV-act. 3-4) bescheinigte er eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Bericht vom
9. März 2003, IV-act. 11). Die IV-Stelle des Kantons Schwyz erteilte der Versicherten
eine Kostengutsprache für die Mehrkosten einer Umschulung zur kaufmännischen
Angestellten (IV-act. 23 und IV-act. 33). Die Versicherte schloss die Ausbildung an der
C._ im Sommer 2006 ab (siehe Diplom vom 7. Juli 2006, IV-act. 38-2). Der IV-
Berufsberater hielt im Schlussbericht vom 20. Juli 2006 fest, aufgrund eines „Joint
Adventure“ in Form eines Kaufs einer Bar und dem Erwerb des Wirtepatents, das die
Versicherte auf der Grundlage ihrer ehemaligen Ausbildung zur Charcuterieverkäuferin
vereinfacht zugesprochen erhalten habe, möchte die Versicherte nun als Barbesitzerin
ihr Einkommen erzielen (IV-act. 38). Mit Vorbescheid vom 15. März 2007 stellte die IV-
Stelle des Kantons Schwyz der Versicherten den Abschluss der beruflichen
Massnahmen und die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 50). Dagegen
erhob die Versicherte am 4. April 2007 Einwand (IV-act. 51). Im Auftrag der IV-Stelle
des Kantons Schwyz wurde die Versicherte daraufhin am 20. November 2007 in der
ABI Aerztliches Begutachtungsinstitut GmbH polydisziplinär (allgemeininternistisch,
psychiatrisch und orthopädisch) untersucht. Im Gutachten vom 23. Januar 2008
führten die Experten aus, die Versicherte leide mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit an
einer chronischen Lumbalgie ohne radikuläre Ausfälle (ICD-10: M54.5). Ohne Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie u.a. eine Schmerzverarbeitungsstörung
(ICD-10: F54). Für eine leidensangepasste Tätigkeit bescheinigten die Gutachter eine
100%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 62). Gestützt auf diese medizinische Beurteilung
verfügte die IV-Stelle des Kantons Schwyz am 28. Februar 2008 den Abschluss der
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beruflichen Massnahmen und die Abweisung des Rentengesuchs. Sie wies auf ihre
Auffassung hin, dass es sich bei der selbstständigen Tätigkeit in einer Bar um keine der
Invalidität angepassten Tätigkeit handle (IV-act. 64). Diese Verfügung erwuchs in
Rechtskraft.
A.b Am 28. Januar 2011 meldete sich die Versicherte bei der IV-Stelle des Kantons
St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 66).
Anlässlich des FI-Gesprächs vom 29. März 2011 gab die behandelnde med. pract.
D._, Fachärztin für Innere Medizin, gegenüber RAD-Arzt Dr. med. E._, Facharzt für
Prävention und Gesundheitswesen, an, die Arbeitsfähigkeit der Versicherten werde
durch folgende Leiden beeinträchtigt: eine umschriebene osteochondrale Läsion
medialer Femurkondylus, vom Aspekt her mit einer Osteochondrosis dissecans
vereinbar; eine rezidivierende chronisch hypertrophierende Synovialitis unklarer
Ätiologie; wechselseitige Schultergelenksbeschwerden, klinisch aktuell kein Hinweis
auf eine Impingement Symptomatik oder eine Rotatorenmanschettenläsion; eine
Hyperthyreose M Basedow ED 2003: Rezidiv 2009; ein chronisches panvertebrales
Syndrom mit lumbospondylogener Komponente links; einen Vitamin D Mangel; ein
Asthma bronchiale; eine Depression bei chronischen Schmerzen und eine Osteopenie.
Med. pract. D._ bescheinigte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten
(Protokoll vom 4. April 2011, IV-act. 77; vgl. auch den Bericht von med. pract. D._
vom 20. Juni 2011, IV-act. 82). Dr. E._ gelangte in der Aktennotiz vom 29. März 2011
zum Schluss, der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich seit der ABI-
Begutachtung verschlechtert. Derzeit bestehe ein instabiler Gesundheitszustand (IV-
act. 75; vgl. auch die Aktennotiz vom 23. Juni 2011, IV-act. 84).
A.c Zur stationären muskuloskelettalen Rehabilitation befand sich die Versicherte vom
29. August bis 17. September 2011 im Rehabilitationszentrum der Klinik F._. Im
Austrittsbericht vom 14. Oktober 2011 gaben die dort behandelnden Ärzte an, im
Rahmen der psychiatrisch-psychotherapeutischen Mitbetreuung der Kollegen der
Psychiatrie habe sich eine komplexe Persönlichkeitsproblematik gezeigt, wobei ein
beträchtliches Selbstgefährdungspotential im Sinn einer anhaltenden Überforderung
bestehe und daraus wiederum ein leichtgradiges Gefährdungspotential betreffend die
Angestellten der IV-Stelle des Kantons Schwyz bestehe. Während des stationären
Aufenthalts bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Anschliessend werde aus
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rheumatologisch-muskuloskelettaler Sicht eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für eine
leidensangepasste Tätigkeit bescheinigt. Aufgrund der psychiatrischen Co-Morbidität,
die einer weiteren diagnostischen Aufarbeitung bedürfe (Persönlichkeitsstörung,
Selbstgefährdungspotential), bestehe aus interdisziplinären Gründen bis auf weiteres
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 86). G._, Eidg. Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, der die Versicherte dreimalig im Zeitraum vom 25. Oktober bis
6. Dezember 2011 ambulant behandelt hatte, berichtete am 27. Februar 2012, die
Versicherte leide an einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion bei
einer Schmerzproblematik sowie auffälliger Persönlichkeit. Er könne sich zur Frage
nach der Arbeitsunfähigkeit nicht äussern und empfahl eine interdisziplinäre Abklärung
(IV-act. 90). Die behandelnde Assistenzärztin H._ teilte der IV-Stelle auf deren
Anfrage hin am 21. März 2012 mit, leider sei die Versicherte im Moment in keiner
psychiatrischen Behandlung und leider sei mit dem Psychiater G._ schon der zweite
Versuch einer psychiatrischen Therapie gescheitert (IV-act. 93).
A.d Anlässlich der am 30. August/3. September 2012 von der IV-Stelle durchgeführten
Abklärung „Selbständigerwerbende“ gab die Versicherte an, sie habe die Bar
gesundheitsbedingt im Jahr 2010 aufgeben wollen. Indessen hänge eine ihrer Töchter
emotional an der Bar und diese habe sich entschlossen, den Barbetrieb zu
übernehmen. Sie selbst stelle sich für das Entsorgen des Leerguts zur Verfügung.
Diese Arbeit falle ein- bis zweimal wöchentlich an. Zudem halte sie sich am
Samstagabend in der Bar auf und unterstütze die Tochter im Sinn einer Aufpasserin.
Eine Entschädigung erhalte sie nicht. Die Abklärungsperson empfahl zur Bestimmung
des Invaliditätsgrads die Vornahme eines Einkommensvergleichs (Abklärungsbericht
vom 9. Oktober 2012, IV-act. 109).
A.e Im von der IV-Stelle veranlassten polydisziplinären (allgemeininternistischen,
psychiatrischen und rheumatologischen) Verlaufsgutachten vom 29. August 2013, das
sich auf Untersuchungen vom 6. und 8. Mai 2013 stützt, führten die Gutachter der
medas Ostschweiz als Diagnosen mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit
an: ein Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätssyndrom (ICD-10: F90.0); ein chronisch
rezidivierendes Lumbovertebralsyndrom; chronische Gonalgien beidseits und eine
Periarthropathia humeroscapularis calcarea rechts mit subacromialen Impingement.
Sowohl aus somatischer als auch vor allem aus psychiatrischer Sicht bestünden
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multiple Einschränkungen des Belastbarkeitsprofils, weshalb aus polydisziplinärer Sicht
faktisch von einer vollen Arbeitsunfähigkeit der Versicherten in jeglichen
Berufstätigkeiten im ersten Arbeitsmarkt auszugehen sei. Aus rein somatischer Sicht
könnte die Versicherte eine dem körperlichen Leiden angepasste Tätigkeit medizinisch-
theoretisch in einem zeitlich uneingeschränkten Pensum ausüben. Der
Gesundheitszustand habe sich gegenüber dem Vorgutachten der ABI verschlechtert.
Da die Diagnose eines ADHS erst anlässlich der aktuellen psychiatrischen
Begutachtung gestellt worden sei, gelte die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erst seit
der psychiatrischen Exploration vom 8. Mai 2013, obwohl davon auszugehen sei, dass
die Versicherte bereits bedeutend länger unter dieser Erkrankung gelitten und die
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit schon viel länger bestanden hätten. Aus
polydisziplinärer Sicht sei eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit spätestens ab Ende August
2011 (Austrittsbericht der Rheuma- und Rehabilitationsklinik F._ vom 14. Oktober
2011) nachvollziehbar, obwohl damals keine klare psychiatrische Diagnose habe
gestellt werden können (IV-act. 122). RAD-Arzt Dr. med. I._, Facharzt u.a. für
Psychiatrie und Psychotherapie, hielt das medas-Gutachten für nicht nachvollziehbar.
Es seien zunächst weitere Berichte bei den (u.a. früher) behandelnden medizinischen
Fachpersonen einzuholen (Stellungnahme vom 16. September 2013, IV-act. 124).
A.f Der die Versicherte während ihres Aufenthalts vom 29. August bis 17. September
2011 in der Klinik F._ behandelnde Dr. med. J._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, fasste im Schreiben vom 25. September 2013 die damaligen
Erkenntnisse zusammen. Das damalige Verhalten der Versicherten vor Ort, und hierbei
insbesondere im Rahmen der psychiatrischen Konsultationen, habe an eine schwere
Persönlichkeitsstörung denken lassen, am ehesten vom Borderline- oder emotional
instabilen Typus. Auch eine vor allem von Impulsivität dominierte Störung sei in Frage
gekommen. Sicher sei gewesen, dass die Störung tiefgreifend und seit Jahrzehnten
dysfunktional sei (IV-act. 130). Dr. med. K._, Facharzt FMH u.a. für Psychiatrie und
Psychotherapie, der die Versicherte im Zeitraum von September 2005 bis Juli 2006
behandelt und seither nicht mehr gesehen hatte, reichte der IV-Stelle am 12. Oktober
2013 (IV-act. 131) u.a. seine Beurteilung vom 26. April 2006 ein. Darin ging er
diagnostisch „am ehesten“ vom Bestehen einer Neurasthenie aus (IV-act. 131-3). In
Würdigung der medizinischen Aktenlage gelangte RAD-Arzt Dr. I._ zum Schluss, der
Gesundheitszustand habe sich seit der ABI-Begutachtung nicht wesentlich die
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Arbeitsfähigkeit tangierend verschlechtert, selbst wenn die ADHS-Diagnose als
zutreffend unterstellt würde. Die Beurteilung des psychiatrischen medas-Gutachters
impliziere ja im Grunde ebenfalls eine 100%ige Arbeitsfähigkeit adaptiert
(Stellungnahme vom 29. November 2013, IV-act. 134).
A.g Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
ermittelte die IV-Stelle einen 16%igen Invaliditätsgrad und wies das neuerliche Renten
gesuch der Versicherten nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid
vom 11. Dezember 2013, IV-act. 138; Einwand der Versicherten vom 28. Januar 2014,
IV-act. 141) mit Verfügung vom 6. Februar 2014 ab (IV-act. 143).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 6. Februar 2014 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 10. März 2014. Die Beschwerdeführerin beantragt darin unter
Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Ausrichtung einer
„Vollrente“ (wohl: einer ganzen Rente). Eventualiter sei ein psychiatrisches
Obergutachten anzuordnen. Zur Begründung bringt die Beschwerdeführerin vor, ihr
Gesundheitszustand habe sich seit der ABI-Begutachtung verschlechtert. Zudem liege
nebst einem Revisions- auch ein Wiedererwägungsgrund vor. Die Schlussfolgerungen
des RAD seien nicht nachvollziehbar (act. G 1). Gestützt auf das medas-Gutachten sei
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (ergänzende Begründung vom
25. April 2014, act. G 3).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 6. Juni 2014
die Abweisung der Beschwerde. Sie vertritt den Standpunkt, dass die Stellungnahmen
von RAD-Arzt Dr. I._ beweiskräftig seien. Sie verneint das Vorliegen eines
Revisionsgrundes (act. G 5).
B.c In der Replik vom 18. August 2014 hält die Beschwerdeführerin unverändert an
ihrer Beschwerde fest (act. G 9).
B.d Mit Präsidialverfügung vom 8. September 2014 wird dem Gesuch der
Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von
den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung)
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entsprochen unter Anrechnung des an den Rechtsvertreter bereits geleisteten
Kostenvorschusses von Fr. 500.-- (act. G 10).
B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 12).
B.f Mit der unaufgeforderten Eingabe vom 26. Juni 2015 (Datum Postaufgabe) reicht
die Beschwerdeführerin weitere medizinische Berichte des Kantonsspitals L._ ein
(act. G 14), worin u.a. erwähnt wird, dass ein psychiatrisches Gutachten durch die
Klinik M._ erstellt worden sei (act. G 14.1, S. 2). Auf Nachfrage der Verfahrensleitung
(act. G 16) teilte die Beschwerdeführerin dem Versicherungsgericht am 29. Januar 2016
mit, dass kein psychiatrisches Gutachten der Klinik M._ vorliege (act. G 17). Sodann
legte sie einen neurologischen Bericht der Klinik M._ vom 28. Mai 2014 ins Recht
(act. G 17.2).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der am 28. Januar
2011 wiederangemeldete Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
1.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die: a. ihre Erwerbsfähigkeit
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können; b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind; und c. nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
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der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Für das
gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und
das Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
2. Zunächst ist die Frage zu prüfen, ob der medizinische Sachverhalt spruchreif erstellt
ist.
2.1 RAD-Arzt Dr. I._ führte zum psychiatrischen Teil des medas-Gutachtens aus,
dessen Lesen sei durch ständige Wiederholungen ermüdend, verwirrend und in den
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getroffenen diagnostischen Schlussfolgerungen mit dadurch bedingten funktionellen
Einschränkungen wie auch in der Höhe der unterstellten Arbeitsunfähigkeit von 100%
keineswegs nachvollziehbar. Der psychiatrische medas-Gutachter diagnostiziere ein
ADHS allein gestützt auf anamnestische Aussagen der Beschwerdeführerin. Vom
neuropsychologischen Bericht der Universität Zürich scheine er keine Kenntnis
genommen zu haben, ebenso wenig vom Bericht von Dr. K._, jeweils im ABI-
Gutachten unter Aktenlage aufgelistet. Er habe auch nicht über fremdanamnestische
Angaben verfügt und keine Zusatzuntersuchungen durchgeführt. Eine
Auseinandersetzung mit dem Basedow-Rezidiv im November 2009 mit praktisch
vollständiger Schilddrüsenentfernung am 18. April 2011 und deren Auswirkungen auf
die Psyche fehle. Der psychische Befund sei sehr dürftig erhoben worden. Der
psychiatrische medas-Gutachter habe die Angaben der Beschwerdeführerin „1:1
übernommen“. Eine detaillierte Schulanamnese sei zum Thema ADHS nicht erhoben
worden. Die Angaben der Beschwerdeführerin zu Stimmungsschwankungen seien
widersprüchlich. Des Weiteren hielt RAD-Arzt Dr. I._ Nachfragen beim
rheumatologischen medas-Gutachter für erforderlich (Stellungnahme vom
16. September 2013, IV-act. 124). Die Kritik von RAD-Arzt Dr. I._ ist nicht von der
Hand zu weisen und weckt erhebliche Zweifel am medas-Gutachten, insbesondere an
dessen psychiatrischem Teil.
2.2 Vor diesem Hintergrund und angesichts dessen, dass die danach eingegangenen
medizinischen Akten nicht zu einer Erhellung der medizinischen Situation beigetragen
haben (siehe hierzu die RAD-Stellungnahme vom 29. November 2013, IV-act. 134-2),
erweist sich der Sachverhalt als noch nicht spruchreif. Daran vermag die nicht auf einer
eigenen Untersuchung beruhende RAD-Stellungnahme vom 29. November 2013 und
die darin knapp begründete Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nichts zu ändern (IV-
act. 134), da bei einer rein versicherungsinternen Aktenbeurteilung schon geringe
Zweifel genügen, um einen Anspruch auf weitere Abklärungen zu begründen (BGE 135
V 470 E. 4.4; vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 27. Mai 2010,
8C_21/2010, E. 3.3 mit weiteren Hinweisen). Wie von der Beschwerdeführerin
eventualiter beantragt (Antrag Ziff. 1.2, act. G 1), ist daher ein neuerliches Gutachten
einzuholen. Da auch Fragen bezüglich der rheumatologischen Situation offen geblieben
sind (IV-act. 124-3), erscheint eine polydisziplinäre Begutachtung bei einer noch nicht
mit dem Fall der Beschwerdeführerin befassten Gutachterstelle angezeigt.
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2.3 Da keine besonderen Umstände vorliegen, die ein Gerichtsgutachten erforderlich
machen oder welche die Beschwerdegegnerin für weitere Abklärungsmassnahmen als
ungeeignet erscheinen lassen, und da die weitere Abklärung auch bislang ungeklärte
Fragen beschlägt (vgl. den von RAD-Arzt Dr. I._ genannten Abklärungsbedarf in
rheumatologischer Sicht, IV-act. 124-3), ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zur
Vornahme der weiteren Abklärung bei einer noch nicht mit dem Fall der
Beschwerdeführerin befassten Gutachterstelle zurückzuweisen (vgl. zur Zulässigkeit
der Rückweisung an die Verwaltung Urteile des Bundesgerichts vom 12. Oktober 2015,
8C_219/2015, E. 5.3, und vom 29. Oktober 2015, 9C_822/2014, E. 5.3). Eine
Rückweisung rechtfertigt sich vorliegend umso mehr, als RAD-Arzt Dr. I._ das
medas-Gutachten von Anfang an für nicht aussagekräftig hielt (Stellungnahme vom
16. September 2013, IV-act. 124) und die Beschwerdegegnerin dennoch keine neue,
auf eigener Untersuchung beruhende umfassende Abklärung veranlasst hat. Nach der
RAD-Stellungnahme vom 16. September 2013 beliess sie es im Wesentlichen beim
Einholen von Berichten der behandelnden medizinischen Fachpersonen, die nach der
Auffassung von RAD-Arzt Dr. I._ keinen „klärenden Beitrag leisten“ (IV-act. 134-2).
Zwischen den Parteien ist zu Recht unbestritten geblieben, dass angesichts der
glaubhaft gemachten Sachverhaltsänderung auf die Wiederanmeldung vom 28. Januar
2011 einzutreten war (vgl. hierzu Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Die Beschwerdegegnerin ist daher
verpflichtet, den wiederangemeldeten Anspruch in tatsächlicher (wie selbstverständlich
auch in rechtlicher) Hinsicht allseitig zu prüfen (vgl. BGE 117 V 200 E. 4b), wobei keine
Bindung an frühere Beurteilungen besteht (vgl. BGE 141 V 11 E. 2.3 mit Hinweis auf
BGE 117 V 200 E. 4b). Entgegen ihrer Auffassung (vgl. IV-act. 114-2) ist daher die
Frage nach einer allfälligen Veränderung des Gesundheitszustands im Vergleich zum
ABI-Gutachten vom 23. Januar 2008 bzw. zur Verfügung vom 28. Februar 2008 (nach
dem Eintretensentscheid) nicht (mehr) relevant. Die zu beauftragenden Experten haben
sich vielmehr ohne Bindung an frühere medizinische Einschätzungen im Rahmen der
Wiederanmeldung umfassend zum Gesundheitszustand in somatischer und
psychiatrischer Sicht zu äussern und die für allfällige Leistungen der
Invalidenversicherung relevanten Fragen aus medizinischer Sicht zu beantworten.
3.
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3.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
6. Februar 2014 aufzuheben. Die Sache ist zur Vornahme weiterer medizinischer
Abklärungen und neuen Verfügung im Sinn der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen.
3.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier
zu beurteilenden Fall erscheint dem Aufwand und der Bedeutung der Streitsache wie in
vergleichbaren Fällen (vgl. etwa den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 18. Februar 2014, IV 2012/72, E. 4.3) eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen. Bei diesem Ausgang erübrigt sich die Festsetzung einer Entschädigung
aus der gewährten unentgeltlichen Rechtsverbeiständung.