Decision ID: 6e1a6911-60ee-578a-94e6-1faa09abd64c
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich erstmals am 24. Mai 1999 nach einer Verletzung des kleinen
Fingers der linken Hand wegen persistierender Schmerzen bei der IV-Stelle zum Bezug
von Leistungen an (IV-act. 2 i.V.m. act. G9.2/1-11). Mit Verfügung vom 8. Dezember
1999 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab, da keine unmittelbar drohende
Invalidität und keine durchschnittlich 20%ige Arbeitsunfähigkeit in angestammter
Tätigkeit bestand (IV-act. 15).
A.a.
Am 14. August 2006 stellte der Versicherte erneut ein Leistungsgesuch bei der IV-
Stelle und begründete dies mit Rückenbeschwerden (IV-act. 16). Der damalige
Hausarzt des Versicherten, Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, riet dringend zu
beruflichen Massnahmen. Es seien sicher Beschwerden vorhanden. Zudem sei der
Versicherte ein "Sozialfall", beherrsche die deutsche Sprache schlecht und habe keine
Berufsbildung (IV-act. 21).
A.b.
Nach Einholung diverser Arztberichte (vgl. IV-act. 22 ff.) gab die IV-Stelle am
8. Februar 2007 eine bidisziplinäre (orthopädisch und psychiatrisch) Abklärung beim
Medizinischen Gutachtenzentrum St. Gallen (nachfolgend: MGSG) in Auftrag (IV-
act. 40).
A.c.
Mit Gutachten vom 27. Juli 2007 kamen die MGSG-Gutachter zum Schluss, die
Arbeitsfähigkeit als Hilfsarbeiter im Baugewerbe betrage bei voller Stundenpräsenz ca.
40%. In einer adaptierten Tätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit 75% (IV-act. 52-9). Im
Rahmen der Abklärungen für berufliche Massnahmen äusserte der Versicherte im
Oktober und November 2007, aufgrund seiner Schmerzsymptomatik könne er sich
A.d.
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keinerlei Arbeitstätigkeit vorstellen (vgl. IV-act. 58-2 und 61-5). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren (IV-act. 68 ff.) wies die IV-Stelle die Begehren um berufliche
Massnahmen und um Rentenleistungen mit Verfügungen vom 14. Mai 2009 ab (IV-
act. 93 f.).
Gegen die Abweisung des Rentenbegehrens erhob der Versicherte am 22. Juni
2009 Beschwerde (IV-act. 98). Mit Entscheid vom 4. Mai 2011 hielt das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen fest, für die Beurteilung des
Rentenanspruchs fehle es an einer aussagekräftigen interdisziplinären medizinischen
Grundlage. Es wies die Sache zur ergänzenden Abklärung an die IV-Stelle zurück (IV-
act. 108).
A.e.
Mit Gutachten vom 15. Februar 2012 hielten die MEDAS-Gutachter fest, unter
Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde bestehe aus interdisziplinärer Sicht
kein Gesundheitsschaden, der versicherungsmedizinisch betrachtet eine dauerhafte
Limitierung der Arbeitsfähigkeit bezogen auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Hilfsgärtner und Akkordmaurer oder eine Verweistätigkeit begründen könnte. Eine
körperlich schwere Tätigkeit (wie die eines Akkordmaurers) sei dem Versicherten
jedoch schon aus konstitutionellen (und somit IV-fremden) Gründen nicht zumutbar.
Auch retrospektiv sei die Arbeitsfähigkeit nie längerdauernd eingeschränkt gewesen
(vgl. IV-act. 125-44).
A.f.
Mit Vorbescheid vom 28. März 2012 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung seines Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 131). Am 26. Juni 2012 erliess
sie eine entsprechende Verfügung (IV-act. 137).
A.g.
Auf neuerliche Leistungsgesuche vom 18. Juni 2012, 27. Februar 2013 und
29. Mai 2013 (IV-act. 138, 159 und 167) trat die IV-Stelle mit Verfügungen vom
30. Januar 2013, 4. April 2013 und 3. Oktober 2013 nicht ein (IV-act. 158, 162 und
175).
A.h.
Am 28. November 2016 stellte der Versicherte erneut ein Leistungsgesuch (IV-
act. 180). Mit Verfügung vom 3. März 2017 trat die IV-Stelle darauf abermals nicht ein
(IV-act. 193). Nachdem der damalige Rechtsvertreter Beschwerde gegen diese
Verfügung erhoben hatte, wiederrief die IV-Stelle sie am 3. April 2017 (IV-act. 202). Am
A.i.
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St.Galler Gerichte
B.
28. April 2017 und am 3. Juli 2017 beantragte der Versicherte, nun vertreten durch
Rechtsanwalt Andreas Fäh, weitere medizinische Abklärungen (IV-act. 203 und 209).
Am 19. Juli 2017 reichte er diverse Arztberichte ein und machte geltend, insbesondere
die Ärzte Dr. med. L._, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH, Dr. med. C._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Klinik E._, und Dr. med. D._, Facharzt
für Neurochirurgie, würden ihm eine erhebliche Verschlechterung seines
Krankheitsbildes gegenüber dem Jahr 2013 attestieren (IV-act. 210).
Am 20. November 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie eine
polydisziplinäre Begutachtung als nötig erachte (IV-act. 215).
A.j.
Mit Gutachten vom 23. April 2017 stellten Dr. med. F._, FMH Allgemeine Innere
Medizin, Dr. med. G._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. med. H._, FMH
Orthopädische Chirurgie, und Dr. med. I._, Facharzt für Neurologie, des ABI
Ärztliches Begutachtungsinstitut Basel folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit: chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom und rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode. In der angestammten sowie jeder
anderen körperlich schweren Tätigkeit bestehe seit spätestens 15. Februar 2012 eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit. Für körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere
Tätigkeiten unter Wechselbelastung liege dagegen eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit vor. Eine lang andauernde höhergradige Arbeitsunfähigkeit in
adaptierten Tätigkeiten könne retrospektiv nicht nachvollzogen werden (IV-act. 223-28
f.).
A.k.
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (IV-act. 230 ff.) wies die IV-Stelle das
Gesuch um berufliche Massnahmen und um Rentenleistung mit Verfügung vom
11. September 2018 ab (IV-act. 241).
A.l.
Gegen diese Verfügung erhebt A._ am 10. Oktober 2018 Beschwerde. Er
beantragt, die Verfügung vom 11. September 2018 sei aufzuheben. Ihm sei eine
Invalidenrente zuzusprechen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung gibt er an, das ABI-Gutachten sei den behandelnden Ärzten zuzustellen
und den Ärzten sei Kostengutsprache für eine Stellungnahme einzuräumen. Im ABI-
B.a.
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Gutachten würden diverse Diagnosen gestellt, welche angeblich keine Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit haben sollten. Dies werde bestritten (act. G1).
Am 22. Januar 2019 ergänzt der Beschwerdeführer, nun vertreten durch Rechts
anwältin Linda Keller, seine Beschwerde. Er stellt einen Eventualantrag auf eine poly
disziplinäre Begutachtung und beantragt die unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsverbeiständung. Es würden mehrere Berichte von Fachärzten vorliegen, in
welchen diese zu einem anderen Schluss als das Gutachten kommen würden. Dr.
K._ habe die im ABI-Gutachten noch lediglich als Verdachtsdiagnose gestellte
Polyneuropathie bestätigt. Allein schon deshalb dürfe das ABI-Gutachten nicht als
Grundlage für eine abweisende Verfügung dienen. Dr. L._ halte fest, die
Veränderungen der Wirbelsäule, welche 2007 ausgeprägt gewesen seien, seien im ABI-
Gutachten nur marginal erwähnt, gewöhnlich würden sich solche Veränderungen aber
während 10 Jahren verschlechtern. Entgegen den Ausführungen im ABI-Gutachten
habe Dr. D._ nicht lediglich zur Fortsetzung der konservativen Therapie geraten,
sondern vielmehr beim Scheitern derselben eine operative Option vorgeschlagen.
Insgesamt sei das ABI-Gutachten nicht nachvollziehbar, weshalb der Entscheid
aufzuheben und ein weiteres polydisziplinäres Gutachten in Auftrag zu geben sei
(act. G7).
B.b.
Mit Beschwerdeantwort vom 15. März 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Im Wesentlichen führt sie dazu aus, Dr. K._s
Einschätzung sei vom neurologischen ABI-Gutachter berücksichtigt worden. Dieser
lege dar, für ein Nervenkompressionssyndrom an den Armen finde sich kein Anhalt,
worauf schon Dr. K._ hingewiesen habe. In den Vordergrund seiner langjährigen
Beschwerden stelle der Beschwerdeführer die langjährigen lumbalen Beschwerden.
Auch diesbezüglich würde sich kein objektiver Hinweis für eine radikuläre Beteiligung
ergeben. Hingegen spreche das diskrepante Verhalten beim Prüfen des Laségue für
eine recht eindeutige bewusstseinsnahe Symptomausweitung. Eine allfällige
beginnende Polyneuropathie bleibe hypothetisch, zumal sich keine weiteren
trophischen, motorischen oder Reflexstörungen fänden. Hinsichtlich des HWS-
Syndroms habe der neurologische Gutachter keinen Anhalt für eine medulläre
Beteiligung oder eine radikuläre Läsion und bezüglich der lumbalen Schmerzen keinen
objektiven Hinweis für eine radikuläre Beteiligung gesehen. Insgesamt habe der
B.c.
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neurologische Gutachter also keine relevanten pathologischen Befunde festgestellt,
weshalb er nachvollziehbar zum Schluss gelangt sei, dass aus neurologischer Sicht die
Arbeitsfähigkeit für leichte bis punktuell mittelschwere Tätigkeiten nicht eingeschränkt
werde. Dem mit der Beschwerde eingereichten Bericht Dr. K._s vom 31. Dezember
2018 sei zu entnehmen, dass die klinische Verdachtsdiagnose einer beinbetonten
sensiblen Polyneuropathie habe bestätigt werden können. Indes gehe daraus nicht
hervor, inwiefern die Diagnose Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. Dr. K._ habe im
Vergleich zur Voruntersuchung vom 10. März 2018 einen nahezu identischen Befund
erhoben. Insofern würden sich ihrem Bericht vom 31. Dezember 2018 keine wichtigen
Aspekte entnehmen lassen, die bei der ABI-Begutachtung ungewürdigt geblieben
seien. Der Beweiswert des ABI-Gutachtens werde auch nicht durch den Bericht von
Dr. D._ vom 29. Mai 2018 in Frage gestellt. Die von diesem erwähnten aktuellen MRI-
Bilder hätten den Gutachtern vorgelegen und seien berücksichtigt worden. Der
orthopädische Gutachter habe diesbezüglich dargelegt, die äusserst diffus beklagte
Symptomatik lasse sich durch die klinischen und radiologischen Befunde keinesfalls
vollständig begründen. Im Vordergrund dürfte eine nicht-organische
Beschwerdekomponente stehen. Den objektivierbaren Befunden im Bereich der
zervikalen und lumbalen Wirbelsäule habe der orthopädische Experte insofern
Rechnung getragen, als er körperlich schwere Tätigkeiten für nicht mehr zumutbar
erachtet habe. Für adaptierte Tätigkeiten habe er eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert,
was angesichts der geringen Ausprägung der objektivierbaren Befunde am
Bewegungsapparat nachvollziehbar sei. Inwiefern der vom Beschwerdeführer
angeführte Umstand, dass Dr. D._ im Bericht vom 29. Mai 2018 eine operative
Option mit Spondylodesen C5/6 und C6/7 zur Diskussion gestellt habe, Zweifel an der
Arbeitsfähigkeitsschätzung im ABI-Gutachten erwecken sollte, sei nicht ersichtlich. Der
orthopädische Gutachter habe ausgeführt, die von Dr. D._ genannten radiologischen
Veränderungen der lumbalen und zervikalen Wirbelsäule würden als Schmerzursachen
nicht zuletzt aufgrund des Ansprechens auf wiederholte Infiltrationen ausscheiden.
Weitere therapeutische Massnahmen seien abzulehnen, weil sie offenkundig keine
Beschwerdelinderung bringen würden, sondern vielmehr zu einer weiteren Verfestigung
der Krankheitsüberzeugung führen könnten. Vor diesem Hintergrund sei auch der von
Dr. D._ zur Diskussion gestellte operative Eingriff nicht als sinnvolle therapeutische
Massnahme anzusehen. Aus dessen Bericht vom 29. Mai 2018 würden sich keine
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Erwägungen
1.
neuen relevanten Erkenntnisse ergeben. Schliesslich vermöge auch der mit der
Beschwerde eingereichte Bericht des Allgemeinpraktikers Dr. L._ vom 31. Oktober
2018 das ABI-Gutachten nicht in Frage zu stellen. Dass dieser einige Diagnosen anders
gewichtet habe, ohne aber eine konkrete Begründung für seine abweichende Meinung
darzulegen, begründe keine Zweifel an den gutachterlichen Schlussfolgerungen
(act. G9).
Am 19. März 2019 bewilligt das Versicherungsgericht das Gesuch um unentgelt
liche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung; act. G10).
B.d.
Mit Replik vom 3. Juni 2019 macht der Beschwerdeführer geltend, zwar sei richtig,
dass Dr. K._ keine Ausführungen zur Arbeitsfähigkeit mache. Sie habe jedoch eine
zuvor nicht klinisch erstellte Diagnose nachgewiesen. Dr. D._ habe eine
Operationsindikation gestellt und nachvollziehbar begründet. Sein Bericht sei dazu
geeignet, erhebliche Zweifel an den Schlussfolgerungen des ABI zu wecken. Mit
Dr. L._ halte ein dritter Arzt nachvollziehbar fest, dass dem ABI-Gutachten nicht
gefolgt werden könne. Vor diesem Hintergrund seien deshalb weitere medizinische
Abklärungen unumgänglich (act. G14).
B.e.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G16).B.f.
Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
1.1.
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Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4).
1.3.
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Rechtserheblich sind alle
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das
Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl., Bern/St. Gallen/Zürich 2020, Art. 61 N 107).
1.4.
Die urteilenden Instanzen haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen). Auf ein im Verfahren nach Art. 44
1.5.
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2.
ATSG eingeholtes Gutachten ist rechtsprechungsgemäss abzustellen, wenn nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210
E. 1.3.4, 135 V 466 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts vom 15. Juli 2020, 8C_335/2020,
E. 4.1, und vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3).
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
1.6.
Der Beschwerdeführer fordert, das ABI-Gutachten sei den behandelnden Ärzten
zuzustellen und diesen sei Kostengutsprache für eine Stellungnahme einzuräumen
(act. G1, S. 2 f.). Der Untersuchungsgrundsatz verpflichtet die Beschwerdegegnerin zur
richtigen und vollständigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes (E. 1.4
vorstehend). Eine Beschränkung erfährt der Untersuchungsgrundsatz allerdings dort,
wo die Verwaltungsbehörden auf die Mitwirkung der Verfahrensbeteiligten angewiesen
sind. Eine solche Mitwirkung ist vor allem dann gerechtfertigt, wenn davon
ausgegangen werden muss, dass die Beteiligte den Sachverhalt nicht nur besser
kennt, sondern auch ein eigenes Interesse daran hat, ihre Sachverhaltsdarstellung
beweismässig zu untermauern. Es gilt der Grundsatz, dass die Beweisführungslast
diejenige Partei trifft, welche sich daraus Rechte ableiten will (vgl. Kieser, a.a.O., Art. 61
N 128). Dies ist vorliegend insofern der Fall, als dass der Beschwerdeführer mit den
eingereichten Arztberichten nachweisen will, dass das Gutachten nicht verwertbar ist.
Weiter gilt der Grundsatz, dass die Mitwirkung der versicherten Person bzw. die
Erteilung von Auskünften gestützt auf Art. 28 Abs. 2 ATSG unentgeltlich zu erfolgen
hat. Dazu gehört auch das Einreichen von Unterlagen wie Stellungnahmen von
behandelnden Ärzten (vgl. Kieser, a.a.O., Art. 28 N 57). Ein Anspruch auf
Kostengutsprache an die behandelnden Ärzte für die Erstellung eines Parteigutachtens
besteht demnach nicht. Vorliegend wurde der medizinische Sachverhalt nach
Einholung der medizinischen Unterlagen, insbesondere von Behandlerberichten, mittels
polydisziplinärem Gutachten abgeklärt. Da die Beschwerdegegnerin das ABI-
Gutachten vom 23. April 2017 als vollständig und nachvollziehbar ansah (vgl. etwa IV-
act. 224), bestand weder eine Notwendigkeit für Rückfragen an die ABI-Gutachter noch
zur Einholung weiterer Berichte der Behandler. Es hätte am Beschwerdeführer gelegen,
neue Arztberichte einzureichen, wenn er der Meinung gewesen wäre, die
gutachterlichen Feststellungen seien unzutreffend oder unvollständig. Mit seiner Replik
reichte er denn auch weitere ärztliche Unterlagen ein (act. G7.1). Insofern ist sein
2.1.
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3.
Antrag auf Kostengutsprache an die Behandler für Stellungnahmen auch hinfällig
geworden.
Der Beschwerdeführer macht sodann geltend, im ABI-Gutachten seien diverse
Diagnosen gestellt worden, welche angeblich keine Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit haben sollten, was bestritten werde. Auch diese Diagnosen würden ihn
in seiner Arbeitsfähigkeit einschränken (act. G1, S. 3). Damit übersieht der
Beschwerdeführer, dass die Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit von
den Gutachtern nicht unberücksichtigt geblieben sind. Diese schränken die
Arbeitsfähigkeit in quantitativer Hinsicht zwar nicht ein, werden aber in qualitativer
Hinsicht bei der Festlegung der zumutbaren adaptierten Tätigkeit berücksichtigt.
Namentlich führten die objektivierten Befunde aus orthopädischer Sicht zur
Einschätzung, dass schwere körperliche Tätigkeiten sowie der wiederholte Einsatz der
oberen Extremitäten oberhalb Schulterniveau und die Einnahme von Zwangshaltungen
dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar seien. Auch aus psychiatrischer Sicht
bestehe in einer schweren körperlichen Tätigkeit eine leichte Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit, in einer adaptierten Tätigkeit hingegen nicht (vgl. IV-act. 223-28 f.). Bei
den ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aufgelisteten Diagnosen handelt es sich um
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, eine arterielle Hypertonie, einen
Diabetes mellitus, eine Adipositas, ein Asthma bronchiale, einen fortgesetzten
Nikotinkonsum, ein leichtgradiges CTS und einen St. n. intraartikulärer Basisfraktur des
kleinen Fingers links (vgl. IV-act. 223-28). Inwiefern diese Diagnosen die
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit in quantitativer Hinsicht dauerhaft
wesentlich einschränken sollten, wird weder vom Beschwerdeführer dargelegt, noch ist
es aus den Akten ersichtlich. In der Beschwerdeergänzung (act. G7) geht der
Beschwerdeführer denn auch nicht mehr näher auf sie ein.
2.2.
Im Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, die Berichte der behandelnden
Ärzte Dres. L._, K._ und D._ seien als konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit
des ABI-Gutachtens anzusehen, sodass nicht auf das Gutachten abgestellt werden
könne. Die Beschwerdegegnerin verweist in diesem Zusammenhang auf die
Erfahrungstatsache, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte mit Blick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten
aussagen und deren Einschätzungen deshalb zurückhaltend zu werten seien (vgl.
hierzu etwa BGE 135 V 465 E. 4.5 oder BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Dabei handelt es sich
um eine Richtlinie, die als solche mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung
(Art. 61 lit. c ATSG) vereinbar ist. Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen
3.1.
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einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen
Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein,
dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf nicht dazu führen,
sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum
abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle
Erkenntnisse hervor (Urteil des Bundesgerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008,
E. 2.3.2, mit Hinweisen).
Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag
des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des
amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits nicht zu, ein Administrativ-
oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen
zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen
gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung
aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher
Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung
unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Oktober
2020, 8C_447/2020, E. 6.2, mit Hinweisen). Zudem ist auch dem Umstand, dass die
ärztliche Beurteilung von der Natur der Sache her unausweichlich Ermessenszüge
trägt, Rechnung zu tragen (Entscheid des Bundesgerichts vom 23. Januar 2019,
9C_804/2018, E. 2.2 mit Hinweisen). Nachfolgend ist deshalb zu prüfen, ob die
Behandlerberichte Aspekte benennen, die keinen Eingang in die Begutachtung
gefunden haben und erhebliche Zweifel am ABI-Gutachten zu wecken vermögen.
3.2.
Der Beschwerdeführer bringt vor, Dr. K._ habe nach der ABI-Begutachtung eine
beinbetonte sensible Polyneuropathie sowie ein leichtgradiges sensomotorisches CTS
rechts festgestellt (act. G7, S. 5). Betreffend CTS hielt der neurologische Gutachter eine
grenzwertig leichte Verlängerung im Sinne eines sehr leichten CTS fest, wobei die vom
Beschwerdeführer geschilderten Beschwerden hierfür nicht typisch seien und weit
hierüber hinausgehen würden. Die gutachterliche Untersuchung habe keine objektiven
Befunde diesbezüglich ergeben. Der Händedruck sei zwar wohl gemindert geboten
worden, dies aber bei seitengleichem Fingerspreizen und Spitzgriff sowie seitengleich
ausgeprägter Muskulatur und Reflexe (IV-act. 223-27). Eine quantitative Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit aufgrund des leichtgradigen CTS ist somit nicht ersichtlich.
3.3.
Dem Arztbericht Dr. K._s vom 31. Dezember 2018 ist zu entnehmen, dass sie
eine Polyneuropathie bestätigen könne. Therapeutisch empfahl sie schmerzlindernde
Massnahmen, z.B. Capsaicin-Salbe, bei ungenügendem Effekt eine medikamentöse
Behandlung mit Lyrica (act. G7.1). Dass aufgrund dieser Diagnose die Arbeitsfähigkeit
3.4.
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4.
eingeschränkt wäre, legte Dr. K._ hingegen nicht dar. Der neurologische ABI-
Gutachter, welcher die Verdachtsdiagnose einer beginnenden Polyneuropathie stellte,
führte gleichzeitig aus, es würden sich keine weiteren trophischen, motorischen oder
Reflexstörungen finden. Demnach sei eine allfällige Polyneuropathie funktionell ohne
Relevanz (vgl. IV-act. 223-27). Dem widersprach Dr. K._ nicht. Sie stellte die
Schmerzen des Beschwerdeführers in den Vordergrund, nicht hingegen funktionelle
Einschränkungen. Die Tatsache, dass die vom Gutachter gestellte Verdachtsdiagnose
Polyneuropathie von Dr. K._ bestätigt wurde, erschüttert den Beweiswert des ABI-
Gutachtens somit nicht. Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers (vgl.
insbesondere act. G14, S. 3) macht der klinische Nachweis dieser Diagnose nicht
zwingend weitere Abklärungen notwendig (vgl. zum Zusammenhang zwischen den
gestellten Diagnosen und der Arbeitsfähigkeit E. 4.4 nachstehend).
Der Beschwerdeführer verweist sodann auf einen Bericht des Allgemeinmediziners
Dr. L._ vom 31. Oktober 2018, in welchem dieser ausführte, die Veränderungen an
der Wirbelsäule, welche schon 2007 ausgeprägt gewesen seien, würden sich
gewöhnlich während 10 Jahren verschlechtern (act. G7, S. 5). Der orthopädische
Gutachter äusserte sich indes ausführlich zu den Veränderungen an der Wirbelsäule.
Einerseits nahm er zu den einzelnen Gutachten und der darin festgestellten
Einschränkung Stellung (IV-act. 223-23) und andererseits auch konkret auf die von
Dr. D._ festgestellten radiologischen Veränderungen (IV-act. 223-24).
4.1.
Dr. L._ setzte sich sodann nicht mit den Ausführungen des orthopädischen
Gutachters auseinander. Gemäss diesem konnten bei der Untersuchung
Druckdolenzen nicht klar reproduziert und auch nicht anatomisch zugeordnet werden.
Der orthopädische ABI-Gutachter hielt fest, die äusserst diffus beklagte Symptomatik
habe sich durch die klinischen und radiologischen Befunde keinesfalls vollständig
begründen lassen. Durchaus nachvollziehbar seien ein gewisser Leidensdruck
angesichts degenerativer Veränderungen der Wirbelsäule, kaum aber die übrigen
Beschwerden, sodass im Vordergrund eine nicht-organische Beschwerdekomponente
stehe. Die offenbar praktisch wirkungslose Physiotherapie solle dringend beendet
werden, da durch sie keine Besserung erwartet werden könne, sondern eine weitere
Verfestigung der Krankheitsüberzeugung zu befürchten sei. In diesem Sinne seien auch
Infiltrationen abzulehnen. Auf beruflicher Ebene wäre die Reintegration in den
Arbeitsprozess anzustreben, doch könnten bei offenbar vollständig fehlender
Motivation keine Vorschläge gemacht werden (IV-act. 223-21 f.).
4.2.
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Der orthopädische Gutachter setzte sich ausführlich mit früheren medizinischen
Meinungen auseinander (vgl. IV-act. 223-22 ff.). Insbesondere griff er die Ausführungen
des MEDAS-Gutachters auf, wonach bildgebende Befunde nur dann einen
diagnostischen Wert hätten, wenn die Beschwerden mit dem körperlichen
Untersuchungsbefund korrelieren würden, was beim Beschwerdeführer jedoch nicht
der Fall gewesen sei. Dieser Einschätzung stimmte der orthopädische ABI-Gutachter
dezidiert zu (IV-act. 223-23). Er führte weiter aus, Dr. D._ habe zahlreiche
radiologischen Veränderungen und anamnestische Angaben, nicht jedoch klinische
Befunde angeführt und zur Fortsetzung der konservativen Therapie sowie der
Infiltrationen geraten. Letzterem widersprach der orthopädische ABI-Gutachter. Dieser
Einschätzung könne "aufgrund der heutigen Untersuchung keinesfalls gefolgt werden."
Die radiologischen Veränderungen würden als Schmerzursachen nicht zuletzt aufgrund
des fehlenden Ansprechens auf wiederholte Infiltrationen ausscheiden. Bei deutlichen
Hinweisen auf ein nicht-organisches Geschehen sei zu hoffen, dass von passiven
Behandlungsmassnahmen in Zukunft unbedingt abgesehen werde (IV-act. 223-24).
4.3.
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind nicht die gestellten Diagnosen,
sondern die Auswirkung einer Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit, mithin die Schwere
der Symptomatik und die damit verbundenen Funktionseinschränkungen massgebend
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. Juni 2018, 9C_273/2018, E. 4.2, mit
Hinweisen). Auch wenn also, wie von Dr. L._ erwähnt, die degenerativen
Veränderungen der Wirbelsäule in den letzten 10 Jahren zugenommen haben, geht
damit nicht ohne Weiteres eine quantitative Reduktion der Arbeitsfähigkeit einher (vgl.
zur degenerativen Veränderung der Wirbelsäule ohne eigenständigen Krankheitswert
auch MEDAS-Gutachten vom 15. Februar 2012, IV-act. 125-27 und 125-30 f.). Der
orthopädische ABI-Gutachter hat nachvollziehbar begründet, weshalb vorliegend
gestützt auf die klinischen Befunde in einer adaptierten Tätigkeit keine
Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Veränderungen der Wirbelsäule des
Beschwerdeführers resultiert.
4.4.
Zu erwähnen ist sodann, dass Dr. L._ in seinem Arztbericht vom 31. Oktober
2018 auf Nachfrage des damaligen Rechtsvertreters des Beschwerdeführers
ausdrücklich festhielt, die somatischen Diagnosen seien im ABI-Gutachten korrekt
erwähnt worden. Auch auf die Frage, ob die von den Gutachtern gestellten Diagnosen
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit effektiv keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit hätten, antwortete Dr. L._, als relevante Diagnose bestehe Asthma
bronchiale, welches die Arbeitsfähigkeit beeinflussen könne. Weniger relevant sei das
CTS rechts (act. G7.1). Das leichtgradige CTS schränkt die Arbeitsfähigkeit, wie bereits
4.5.
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5.
ausgeführt, nicht ein (siehe E. 3.3 vorstehend). Auch das Asthma wirkt sich auf die
Arbeitsfähigkeit nicht aus. Aus internistischer Sicht konnte keine relevante
Einschränkung auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt werden (IV-act. 223-11). Diese
Einschätzung deckt sich sowohl mit dem Gutachten von Dr. M._ vom 27. Juli 2007
als auch mit dem polydisziplinären MEDAS-Gutachten vom 15. Februar 2012, in
welchem es diagnostisch nicht einmal erwähnt wurde, und grundsätzlich auch mit den
Berichten der Behandler. Zudem gab der Beschwerdeführer selbst in allen Gutachten
nie eine Einschränkung wegen des Asthmas an. Zwar erachtete Dr. L._ den
Beschwerdeführer auch in einer adaptierten Tätigkeit als lediglich zu 40 bis 50%
arbeitsunfähig, er begründete diese Einschätzung jedoch nicht. Namentlich setzte er
sich nicht mit den Ausführungen zur Arbeitsfähigkeit im ABI-Gutachten auseinander
und legte nicht dar, inwiefern diese unzutreffend sein sollten (vgl. act. G7.1). Somit
weckt der Arztbericht Dr. L._s am Beweiswert des ABI-Gutachtens keine Zweifel.
Der Beschwerdeführer führt weiter an, Dr. D._ habe am 29. Mai 2018 berichtet,
aktuelle MRI-Bilder würden die Veränderungen an der Halswirbelsäule immer deutlicher
zeigen. Im Gegensatz zu den Ausführungen im ABI-Gutachten würde er keinesfalls
lediglich zu einer Fortsetzung der konservativen Therapie raten, sondern beim
Scheitern derselben eine operative Option vorschlagen (act. G7, S. 6).
5.1.
Im Bericht vom 29. Mai 2018 hielt Dr. D._ fest, der Beschwerdeführer habe
gerade eine Serie Physiotherapie abgeschlossen. Diese habe keinen grossen Effekt
gehabt und lediglich eine leichte vorübergehende Besserung gebracht (act. G7.1).
Insofern stimmt die Schilderung des behandelnden Facharztes mit der gutachterlichen
Einschätzung überein, wonach die Physiotherapie kaum einen Nutzen bringe, hingegen
die Krankheitsüberzeugung festige (IV-act. 223-22).
5.2.
Die von Dr. D._ erwähnte Tatsache, dass die Veränderungen an der HWS des
Beschwerdeführers zugenommen hätten, hat für sich allein keine Reduktion der
Arbeitsfähigkeit zur Folge (vgl. hierzu E. 4.2 ff. vorstehend). Bei seiner Beurteilung
stellte Dr. D._ massgebend auf die Beschwerdeschilderung des Beschwerdeführers
ab (vgl. act. G7.1). Diese erwies sich in der Vergangenheit indes mehrfach als
inkonsistent und mit den Befunden nicht vereinbar. Zudem wurden beim
Beschwerdeführer bisweilen Selbstlimitationstendenzen, eine bewusstseinsnahe
Symptomausweitung und eine massiv zu tiefe Selbstbeurteilung der eigenen
Ressourcen sowie dysfunktionale Verhaltensmuster festgestellt (vgl. beispielhaft IV-
act. 21, 125-45, 125-35, 125-31, 125-26 f., 125-22 f., 181-3, 223-27 und 223-21). Aus
5.3.
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6.
versicherungsmedizinischer Sicht erscheint daher eine mögliche Operationsindikation
gestützt auf die Schmerzangaben des Beschwerdeführers nicht geeignet, Zweifel an
der Arbeitsfähigkeitsschätzung der ABI-Gutachter zu wecken, zumal sie nichts mit der
Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten zu tun hat. Überdies wird eine Operation in
der Regel vorgenommen, um eine Verbesserung des Gesundheitszustands zu
erreichen.
Hinzu kommt, dass Dr. D._ eine Operationsindikation der HWS nur dann als
Option ansah, wenn die Beschwerden "trotz konsequenter konservativer Therapie nicht
in den Griff zu bekommen" seien (act. G7.1). Dr. med. N._, Orthopädie O._, hielt in
seinem Bericht vom 12. März 2018 (mithin lediglich zweieinhalb Monate vor dem vom
Beschwerdeführer ins Recht gelegten Bericht Dr. D._s vom 29. Mai 2018) fest, seines
Erachtens komme die Symptomatik von der schlechten Haltung und Belastung (Gehen
an einem Stock) bei bekannten degenerativen Veränderungen der HWS und LWS. Er
riet zu einer weiteren konservativen Therapie (IV-act. 223-35). Unter diesen Umständen
kann auch unter Berücksichtigung der kurze Zeit später abgeschlossenen Serie von
Physiotherapie nicht von einer konsequenten Ausschöpfung der konservativen
Therapie im Zeitpunkt des Arztberichts von Dr. D._ ausgegangen werden. Nach dem
Gesagten ist darin, dass Dr. D._ die Option einer Operation unter der Bedingung,
dass eine konsequente konservative Therapie nicht zu einer Linderung der geklagten
Beschwerden führe, nennt, kein wichtiger objektiver Aspekt zu erkennen, der im
Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben wäre. Somit weckt der Arztbericht
vom 29. Mai 2018 ebenfalls keine Zweifel am Beweiswert des ABI-Gutachtens.
5.4.
Das ABI-Gutachten wurde in Kenntnis der Vorakten erstellt. Jeder Gutachter
untersuchte den Beschwerdeführer persönlich, wobei ein Dolmetscher anwesend war.
Die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden wurden im Gutachten notiert und
ausführlich besprochen. Das Gutachten ist umfassend und die medizinische
Beurteilung ist einleuchtend. Namentlich die Arbeitsfähigkeitsschätzung ist
nachvollziehbar begründet. Die Vorbringen des Beschwerdeführers und die von ihm
eingereichten zusätzlichen Arztberichte vermögen die Ergebnisse der Begutachtung
nicht in Zweifel zu ziehen.
6.1.
Nicht explizit besprochen wurde im ABI-Gutachten die Wirkung der IV-fremden
Faktoren, welche die Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführers negativ beeinflussen.
Namentlich sind der tiefe Bildungsgrad, die fehlende Berufsbildung (vgl. IV-
act. 125-18), die schlechten Sprachkenntnisse, die lange Abwesenheit vom
6.2.
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7.
Arbeitsmarkt (vgl. IV-act. 183), die schwierige familiäre Situation (gesundheitlich
angeschlagene Ehefrau und Tochter sowie gereizter Umgang miteinander, vgl. etwa IV-
act. 223-13 und 181-2), die finanzielle Lage (Angewiesenheit auf Sozialhilfe, vgl.
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege), eine fehlende Motivation zur Reintegration in
die Arbeitswelt (vgl. IV-act. 223-22) und schliesslich die Krankheitsüberzeugung des
Beschwerdeführers (subjektive Einschätzung, ihm gehe es immer schlechter, vgl.
beispielhaft IV-act. 223-18 und 125-21) hinderlich für eine Eingliederung (vgl. auch IV-
act. 125-37 f., 61-3, 21-9 und 20-3 ff.). Psychosoziale und soziokulturelle Faktoren sind
nur mittelbar invaliditätsbegründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der
unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des
Gesundheitsschadens beeinflussen. Soweit soziale Belastungen direkt negative
funktionelle Folgen zeitigen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheits
beeinträchtigung ausgeklammert. Solche invalidenversicherungsrechtlich nicht
relevanten Umstände sind bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszuklammern
(Urteil des Bundesgerichts vom 7. Mai 2019, 9C_740/2018, E. 5.2.1, mit Hinweisen). Da
vorliegend in einer adaptierten Tätigkeit indes gar keine Arbeitsunfähigkeit besteht, war
auch eine Abgrenzung der IV-fremden Faktoren gegenüber den gesundheitlichen
Beeinträchtigungen nicht erforderlich.
Nach dem Gesagten ist das ABI-Gutachten beweiskräftig, sodass darauf abgestellt
werden kann. Der Beschwerdeführer ist somit in seiner angestammten Tätigkeit
(schwere Hilfsarbeiten) nicht mehr, in einer angepassten (leichten bis mittelschweren
Tätigkeit) hingegen voll arbeitsfähig.
6.3.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird grundsätzlich das Erwerbsein
kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen; Art. 16 ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG). Für den
Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des Beginns des
Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf
zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige rentenwirksame Änderungen der
Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 129 V
222 E. 4.1 f. mit Hinweisen).
7.1.
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Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die
beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt
und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen
ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im
Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte
miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht
unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen.
Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne
Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100% zu
bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren
Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der
Invaliditätsgrad ergibt (sogenannter Prozentvergleich). Der Prozentvergleich bietet sich
somit namentlich an, wenn Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen
Tabellenlohn zu berechnen sind. Deren genaue Ermittlung erübrigt sich: Der
Invaliditätsgrad entspricht dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, dies unter
Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts
vom 23. Mai 2019, 9C_851/2018, E. 5.1 mit Hinweisen).
7.2.
Vorliegend arbeitete der Beschwerdeführer bis ins Jahr 2005 in verschiedenen
Hilfstätigkeiten. Danach war er nicht mehr erwerbstätig. Seine früheren Gesuche um
eine Invalidenrente wurden abgelehnt oder nicht darauf eingetreten. Das
Valideneinkommen lässt sich mangels Erwerbstätigkeit in den letzten rund 15 Jahren
nicht konkret bestimmen. Es rechtfertigt sich deshalb, zu seiner Bemessung die
Tabellenlöhne der vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (nachfolgend: LSE) heranzuziehen und auf das
Lohnniveau für Hilfsarbeiten (Tabelle TA1 2014, total alle Wirtschaftszweige,
Kompetenzniveau 1, Männer) abzustellen. Nachdem der Beschwerdeführer weiterhin
keiner Erwerbstätigkeit nachgeht und mangels Ausbildung und Fachkenntnisse
weiterhin verschiedene Hilfsarbeiten ausüben könnte, ist auch für das
Invalideneinkommen auf die LSE-Tabellenlöhne (Tabelle TA1 2014, total alle
Wirtschaftszweige, Kompetenzniveau 1, Männer) abzustellen.
7.3.
Da sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen auf Hilfsarbeiterniveau
angesiedelt und gestützt auf die LSE zu bestimmen sind, kann ein Prozentvergleich
erfolgen. Demnach entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit
unter Berücksichtigung eines allfälligen Tabellenlohnabzugs.
7.4.
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