Decision ID: 00d60d42-f0ee-4976-95b3-fa210e6ac6da
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1958 geborene
X._
, welcher
am
1. Januar 2016 (Urk. 7/53/4, 7/69/1)
die Tätigkeit
als
Construction
Specialist
(Bauführer)
bei einem Tochter
unter
nehmen der
Y._
AG
im 100 %-Pensum
aufgenommen hatte
, meldete sich am 16. August 2017 (Eingangsdatum, Urk. 7/53)
unter Hinweis auf ein seit dem 7. März 2016
[recte 2017, vgl. Urk. 7/60/5, 7/78/1
]
bestehendes Burnout, respektive eine
Depression zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätig
t
e
darauf
hin
medizinische und erwerblich-berufliche Abklärungen.
Alsdann erteilte sie Kostengutsprache für ein
Belastbarkeitstraining
vom 5.
Februar bis längstens 4.
Mai 2018 (Mitteilung vom 5. Januar 2018, Urk. 7/79), für ein
Aufbautraining
vom 5.
Mai bis längstens 4.
November 2018 (Mitteilung vom 26.
April
2018, Urk.
7/88)
sowie für einen vom 5.
November
2018 bis längstens 4.
Mai
2019 dauernden Arbeitsversuch
bei seiner Arbeitgeberin
Z._
AG
(
Mitteilung vom 26.
September 2018,
Urk. 7/100).
Für die Dauer dieser Massnahmen sprach sie dem Versicherten
ein Taggeld der Invalidenversicherung zu (Verfügung
en vom 30. Januar 2018
[
Urk. 7/84
]
,
vom 27. April 2018
[
Urk. 7/90
]
und
vom 28. Septem
ber 20
18
[
Urk. 7/102
]
).
Mit Mitteilung vom 4. April 2019 beschied die IV-Stelle
dem Versicherten
,
sie
schliesse die Eingliederungs
massnahm
en ab und
prüfe
- von Amtes wegen - einen Rentenanspruch (Urk. 7/107).
Per 1. Juli 2019 schloss der Versicherte mit der
Y._
AG einen Arbeitsvertrag als
Tech
nician
Sup
porter in ein
e
m
60 %-Pensum (Urk. 7/113).
Nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Vorbescheid vom 26. September 2019, Urk. 7/118) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 5. November 2019 einen Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 3. Dezember 2019 Beschwerde beim hiesi
gen Sozialversicherungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm ab dem 1. März 2018 eine ganze Invalidenrente und ab dem 1. Oktober 2019 eine halbe Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenheit zur ergänzenden medizinischen fachärztlichen Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk.1).
Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom
21. Januar 2020 (Urk. 6
) auf Abweisung der Beschwerde,
wovon dem Beschwerdeführer am 27.
Januar
2020 Kenntnis gegeben wurde (Urk.
8).
Mit Schreiben vom 3.
Februar
2020 reichte der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers
seine Honorarnote ins Recht (Urk. 9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
1.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidi
tät. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend
objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3.2
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird
und
nachgewiesenermassen
die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psy
cho
soziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Fakto
ren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
schei
dende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psycho
sozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invalidi
tätsbegründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer ver
sicherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vor
gaben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände aufzuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus
zuklammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid fest,
die attestierte Arbeitsunfähigkeit möge aus medizinischer Sicht zwar gerechtfertigt sein. Inva
lidenversicherungsrechtlich würden die Beschwerden jedoch keine länger andau
ernde Arbeitsunfähigkeit zu begründen vermögen,
da
sie
auf die schwere Lebens
situation des Beschwerdeführers
mit diversen Problemen
zurückführen
seien
.
In den Akten sei weder ein Trauma noch eine Symptomatologie beschrieben, welche einer p
osttraumatischen Störung entspreche
und die depressiven Beschwerden hätten bereits im August 2017 nachgelassen
(Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber vor,
bei ihm habe seit Ablauf des Wartejahres bis zum Abschluss der beruflichen Massnahmen für sämtliche Tätig
keiten im freien Arbeitsmarkt
eine fachärztlich echtzeitlich attestierte Arbeitsun
fähigkeit
bestanden
. Für diesen Zeitraum sei somit
der
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente
ausgewiesen.
Nach Abschluss der beruflichen Massnahmen habe er auf dem freien Arbeitsmarkt eine Tätigkeit aufnehmen können. Die ihm verbleibende Restarbeitsfähigkeit würde er dabei
optimal auswerten. Aufgrund der
mit dieser neuen Tätigkeit ver
bundenen qualitativen und quantitativen Einbussen stehe ihm seit Abschluss der beruflichen Massnahmen deshalb eine halbe Invalidenrente zu (Urk. 1).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerde
führers, wobei der frühestmögliche Beginn eines solchen angesichts der im August 2017 erfolgten Anmeldung zum Leistungsbezug und des vom 5. Februar 2018 bis 4. Mai 2019
dauernden Bezugs von Taggeldern im Rahmen der beruflichen Eingliederung du
rch die Invalidenversicherung (Urk. 7/53, 7/84, 7/90, 7/102) gemäss Art. 29 Abs. 1, 2 und 3 IVG auf den 1. Mai 2019 fällt.
3.
3.1
Der Hausarzt d
es Beschwerdeführers, m
ed.
pract
.
A._
, Facharzt für All
gemeine Innere Medizin, nannte im Bericht vom 15. Mai 2017
(Urk. 7/110/19-20)
eine mittelschwere depressive Episode als Diagnose.
Er bejahte die
Frage, ob weitere, nichtmedizinische Faktoren bestehen würden, welche einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ausübten und
kommentierte dies mit
«privat».
Sodann
prog
nostizierte
er, dass der Beschwerdeführer die aktuelle berufliche Tätigkeit wieder
werde
aufnehmen könne
n
. Med.
pract
.
A._
attestierte dem Beschwerdeführer vom 7. bis
zum
19. März 2017 eine 100%ige, vom 20. bis
zum
31. März 2017 eine 50%ige und ab dem 1. April 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
.
3.2
Vom
5. Juni und
bis a
m
28. August 2017 war der Beschwerdeführer in der
Rehaklinik
B._
hospitalisiert (Urk. 7/74). Die Klinikärzte nannten in ihrem Aus
trittsbericht vom 22. September 2017 folgende Diagnosen (Urk. 7/74/1):
-
Psychiatrische Diagnosen:
-
Schwere depressive Episod
e ohne psychotische Symptome (F
32.2)
-
Posttrau
matische Belastungsstörung (F
43.1)
-
Somatische Diagnosen:
-
Multiple körperliche Beschwerde
n
(Kraftlosigkeit, multiple Schmerzen) seit März 2017, bei familiärer und beruflicher Überlastung
-
Chronisch-rezidivierende
Lumboischialgien
links
-
Hypakusis beidseitig (Hörgerät)
-
Status nach Vorhofflimmern und arterieller Hypertonie, Status nach Katheterablation (2014)
-
Status nach Muskelverletzung linker Unterarm (vor 10 Jahren)
-
Status nach multiplen Unfällen, Streifkollision, Autounfall (Brustprel
lung), Motorradunfall (Fraktur linker Zehen)
-
Chronische Hodenschmerzen rechts (urologische Diagnose unklar)
-
Status nach Nabel- und
bds
.
Inguinalhernien
-OP (vor 2 Jahren)
Die Ärzte hielten fest, es liege ein regelrechter allgemeinmedizinischer Unter
suchungsbefund vor. Zum Bewegungsapparat
notierten sie, dass der Bewegungs
umfang der Schulter, des Ellbogens, der Hand, der Hüfte, der Knie und der Knöchel regelrecht
gewesen
sei
. Auch
würden dem Beschwerdeführer
die Gelenke nicht
schmerzen
und seien sie nicht geschwollen. Zum Neurostatus hielten
die Ärzte
fest, dass ausser einer
beidseitigen (mit Hörgerät versorgten) Hypakusis foka
l-neurologisch kein Defizit vorliege
(Urk. 7/74/9-10).
Zum psychopathologischen Befund notierten die
zuständigen Fachpersonen
, der Beschwerdeführer sei in einem sehr markant desolat psycho-physiologischen Zustand in
die Klinik eingetreten.
Nach
jahrelanger psychischer und physischer Überlastung habe sich ein sehr komplexes und beinahe
chronisches
Erschöp
fungsbild geprägt von
Gefühllosigkeit
, aggressiven Ausbrüchen und
chronischer
Selbstüberforderung gezeigt. Beim Klinikeintritt
seien
sodann eine sehr ausge
prägte und rasch einsetzende Erschöpfung, Ein- und Durchs
chlafstörungen, Alb
träume, eine
Verschiebung des Tag-Nacht-Rhythmus, sehr markante, auf lang
jährige Überlastung zurückzuführende körperliche Reaktionen, eine Anhedonie, eine
Hypervigilanz
, eine komplette App
etitlosigkeit und eine deutlich
latente Suizidalität
feststellbar gewesen
.
Sodann sei der Beschwerdeführer
von Selbst
vorwürfen, psychosomatische Hilfe in Anspruch nehme
n zu müssen, getrieben gewesen. So
bedürfe es
im
häuslich-familiären Umfeld
seiner Hilfe.
B
ei
de
,
noch bei den
Eheleuten wohnenden Söhne
seien
langjährig und therapieresistent
schwerst
polytoxisch suchtmittelabhängig. Sie würden
assoziierte kriminelle Begleiter
scheinungen aufweisen.
Indes habe der Beschwerdeführer die Klinik n
ach einer sehr intensiven, physio
logisch
en
, ph
armakologischen und psychologischen Stabilisierung in einem deut
lich stabileren psycho-physiologischen Gesamtzustand verlassen können.
Aller
dings
bleibe eine ambulante, psychotherapeutische Betreuung notwendig. Sodann
sei der erarbeitete Wiedereingliederungsplan mit ein
em stufenweisen Wiederein
stieg
in den Berufsalltag ab Oktober 2017
umzusetzen (Urk.
7/74/2-3). Zur Arbeitsfähigkeit hielten die Ärzte fest, der Beschwerdeführer sei vom 5. Juni bis zum 30. September
2017 zu 100 % arbeitsunfähig
gewesen
. Im Anschluss daran sei der schrittweise Wiedereinstieg am Arbeitsplatz geplant (Urk. 7/74/3).
3.3
Mit Verlaufsbericht vom 13. Dezember 2017
(Urk. 7/110/13-14)
nannte der Haus
arzt, med.
pract
.
A._
,
eine schwere depressive Episode ohne psychotische
Symptome
und eine posttraumatische Belastungsstörung als Diagnosen. Betref
fend Befunde verwies er, welcher den Beschwerdeführer letztmals am 18. Oktober 2017 gesehen hatte, auf den
Austrittsbericht der
Rehaklinik B._
vom 22. September 2017. Med.
pract
.
A._
hielt fest, die Beschwerdesymptomatik habe sich nach dem stationären Aufenthalt in der
B._
gebessert.
Der
Be
schwerdeführer
habe
am 9. Oktober 2017 ein Pensum
von 20 % aufnehme
n können
. Dabei
habe
er jeweils
am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag zwei Stunden
gearbeitet
.
3.4
Der
seit April 2017
behandelnde Psychiater, Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
nannte im Bericht vom 22. Dezember 2017
(Urk. 7/75)
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symp
tome (ICD-10: F32.2), welche
gegen
wärtig teilremittiert sei.
Alsdann vermerkte er, dass
depressive Symptome
in abgeschwächter Form
noch vorhanden
seien
. Auch liege eine Persistenz der Erschöpfung vor.
Das Vorliegen von
Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verneint
e
Dr.
C._
.
Zur Anamnese hielt
er
fest, im Verlauf der letzten Jahre sei es beim Beschwerdeführer zu einer zunehmenden beruflichen Überarbeitung mit massiven Überstunden gekommen. Zudem bestünden auf
grund der Alkohol- und Drogenabhängigkeit der beiden erwachsenen Zwillings
söhne schwere psychosoziale Probleme. Im März 2017 sei die Situation, auch infolge
von
Spannungen und
Konflikten mit dem Vorgesetzten
eskaliert
. Im Frühling 2017 sei es zu einer Zustandsverschlechterung mit starker Erschöpfung,
depressiver Stimmungslage, Schlafstörungen, Insuffizienzgefühlen, Selbstvor
würfen
, Freud- und Interessenverlust gekommen.
Dr.
C._
schloss auf eine
langfristig
günstige Prognose und hielt
fest, die bis
herige Tätigkeit sei
dem Beschwerdeführer
mittelfristig zumutbar.
Für die
von ihm
zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Bauführer attestierte
Dr.
C._
eine
ab
dem
1. Januar 2018 bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
3.5
Dr. med.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und für Psychotherapie, welche den Beschwerdeführer seit dem
27. Dezember
2017
behandelt
, nannte im
Bericht
vom 9. Juni 2018
(Urk. 7/110/7-8)
folgende Diagnosen:
-
Z.n
. schwerer depressiver Episode (F32.2), aktuell leicht bis mittelgradig (F32.1)
-
Posttraumatische Belastungsstörung (F43.1)
Dr.
D._
hielt fest, dass der Beschwerdeführer aktuell deutliche Schwierig
keiten in der Konzentrations- und Umstellfähigkeit bei komplexen Anforde
rungen aufweisen
würde
. Dabei gerate er sehr leicht unter Druck und St
ress, sei schnell erschöpft,
kraftlos und weise eine verminderte Leistungsfähigkeit auf. Ferner ermüde er schnell. Auch
träten bei ihm zeitweilig Ängste,
ein Gedanken
kreisen
und
eine Grübelneigung
auf
. Nebst der Sorge, die angestammte Tätigkeit zu verlieren
,
belaste den Beschwerdeführer auch die Suchterkrankung seiner beiden Söhne. Sodann bedeute
für ihn der bevorstehende Auszug seiner Tochter
eine Umstellung. Zu dieser habe
er einen guten Kontakt
.
Zur Arbeitsfähigkeit notierte
Dr.
D._
, der Beschwerdeführe
r sei im Rahmen der Teilnahme am Wiedereingliederungsprogramm zu 100 %
krankgeschrieben. Entsprechend seiner sich abzeichnenden Leistungsfähigkeit könnten die Wiedereingliederungsmass
nahmen von derzeit vier Stunden pro Tag jedoch ausgebaut respektive stunden
weise erhöht werden.
3.
6
Mit Bericht vom
25. Juni 2019
(Urk. 7/116)
bestätigte Dr.
D._
im Wesent
lichen
ihre mit Bericht vom 9
. Juni 2018 genannten Diagnosen.
Sie hielt fest, dass sich d
as psychische Zustandsbild des Beschwerdeführers im Verlauf ver
bessert
habe
. Indes weise er unverändert Zukunftsängste, eine schnelle Erschöpf
barkeit, eine teilweise verminderte Konzentrationsfähigkeit, einen hohen Leis
tungs
anspruch an sich
selbst
und ein hohes Streben nach Perfektionismus auf. Sodann plagten ihn Sorgen um seine suchtmittelabhängigen Söhne und seine Ehefrau, welche ihren Arbeitsplatz plötzlich verloren habe und nun
ebenfalls
Anz
eichen einer Depression aufweise. Alsdann habe
der Beschwerdeführer
den Tod der Lebenspartnerin einer seiner Söhne zu verarbeiten. Im Rahmen der jeweiligen körperlichen Erkrankungen und der äusseren Schicksalsschläge würde der Beschwerdeführer kleinere depressive Einbrüche erleiden. Zudem falle er schnell in alte Verhaltensmuster
, namentlich keine Schwäche zeigen zu dürfen
,
zurück
.
Zur Arbeitsfähigkeit notierte Dr.
D._
, der Beschwerdeführer sei bei einem Anwesenheitspensum von 80 % zu 60 % arbeitsfähig.
3.
7
In der Stellungnahme vom 25. Juli 2019
(Urk. 7/117/4-6)
hielt die
RAD-Ä
rztin,
dipl.
med.
E._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Prävention und Gesundheitswesen, fest, dass keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen würden.
Die RAD-Ärztin hielt fest, es habe kein Gesundheitsschaden
festgestellt werden können
, welcher sich längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auswirke. Auslöser für
die
Erkrankungen sei
en
eine zunehmende beruf
liche Überlastung mit massiven Überstunden, einem Arbeitsplatzkonflikt und eine psychosoziale Belastung gewesen (Alkohol- und Drogenabhängigkeit der erwach
senen Zwillingssöhne, Auszug der Tochter aus der elterlichen Wohnung, Tod der Freundin eines Sohnes, Verlust des Arbeitsplatzes der Ehefrau). Durch die statio
näre Behandlung in der
Rehaklinik B._
sei es zu einer Teilremission der depressiven Symptomatik gekommen. Nicht erkennbar sei, auf welche
s
Trauma sich die Dia
gnose einer posttraumatischen Belastungsstörung beziehe.
Ferner werde in den
Akten weder ein Trauma erwähnt noch eine Symptomatologie beschrieben, welche
einer posttraumatischen Belastungsstörung entsprechen würde. Die Diagnose einer PTBS könne aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht berücksichtigt werden.
3.8
Mit Bericht vom 9. November 2019 (Urk. 3)
hielt Dr.
D._
fest, zwar habe sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verbessert. Indes sei weiterhin von einer
ihn einschränkenden
depressiven Erkrankung auszugehen. Der Be
schwerdeführer habe sich auf niedrigem Niveau stabilisiert und es
sei
ihm möglich, zur Arbeit zu gehen. Eine 100%ige Leistungs
fähigkeit liege indes nicht vor. Es sei
nicht absehbar, dass der Beschwerdeführer diese in nächster Zeit wiedererlangen werde. Betreffend Arbeitsfähigkeit bestätigte Dr.
D._
ihre
mit
Bericht vom 9. Juni 2018 gemachten Angaben (Arbeitsfähigkeit von 60 % bei einer Anwesenheit von 80 %, E. 3.7) und schrieb sie ihn zu 40 % krank.
4.
4.1
Was den somatischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers anbelangt, fehlt es den Akten an Hinweisen auf eine durch eine körperliche Einschränkung verursachte längerdauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, welche auch im Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns am 1. Mai 2019 (E. 2.3) noch
aktuell war, was vom Beschwerdeführer denn auch nicht behauptet wurde (Urk. 1
S. 5 ff.).
4.2
Hinsichtlich der Einschätzung des psychischen Gesundheitszustandes trifft es zwar zu,
dass die RAD-Ärztin, auf deren Beurteilung sich die Beschwerdegegnerin
zur Hauptsache
abstützt (Urk. 2), über keinen Facharzttitel für Psychiatrie un
d Psychotherapie verfügt (E. 3.7
),
indes
im Wesentlichen
über
Beschwerden aus diesem Fachgebiet zu
befinden
war.
In diesem Zusammenhang gilt es aber zu berücksichtigen, dass
es dem Sozialversicherungsgericht
nach der Rechtspre
chung
nicht verwehrt
ist
, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf die (versi
cherungsinterne) Beurteilung des RAD zu entscheiden. In solchen Fällen sind an die
Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (BGE 135
V 465; 122 V 157 E. 1d
; Urteile
des Bundesgerichts
8C_874/2013 vom 14. Februar 2014 E. 3.3 und 9C_8/2011 v
om 21. Februar 2011 E. 4.1.3). Im Lichte dessen ist im Folgenden zu prüfen, ob die Beurteilung von Dr.
E._
, wonach die Dia
gnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht erstellt sei und es sich bei der affektiven Störung um ein bloss reaktives, mithin nicht von den psycho
so
zialen Belastungsfaktoren abgrenzbares Geschehen handle,
der
übrigen (medizi
ni
schen) Aktenlage standhält.
Was die von
den Ärzten der
Rehaklinik
B._
(E.
3.2), med.
pract
.
A._
(E.
3.3
) und
Dr. med.
D._
(E.
3.5
, 3.
6
)
diagnostizierte posttrauma
tische Belastungsstörung anbelangt, vermag ihre He
rleitung und Begründung, welchen
nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung besondere Achtsamkeit zu
kommen zu lassen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_548/2019 vom 16. Janu
ar 2020 E. 6.3.1)
und welche
einer eingehenden Prüfung bezüglich Belastungs
kriterium, Latenzzeit und Folgenabschätzung
bedürfen
(Urteil des Bundesgerichts 9C_29/2020 vom 16. März 2020 E. 3.2.2, 142 V 342)
, nicht zu überzeugen.
So
lässt sich kein auslösendes Trauma
erstellen
, welches die bundesgerichtlichen Kriterien erfüllt, um auf eine posttraumatische B
elastungsstörung zu schliessen
(Urteil des Bundesgerichts 9C_548/2019 vom 16. Januar 2020 E. 6.3.2)
.
Was die
Ausführungen der
Klinikärzte zu
allfälligen Traumatisierungen
anbelangt, ist festzuhalten, dass
diese
vage ausfielen. So beschränkten sie sich darauf
, mögliche Trauma
ta
zu nennen (m
öglicherweise Vorfinden des suizidierten Vaters, physi
sche Gewalterlebnisse seitens Eltern, Mitschüler, Nachbarkinder und Lehrherren
[
Urk. 7/74/7-8
]
),
ohne dies
dann näher
zu
beschreiben
respektive
zu
referieren
.
Entsprechend
sind
weder das geforderte Belastungskriterium noch dessen Schwere
beweismässig mit dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit erstellt. Abgesehen davon sind den medizinischen Akten keinerlei An
gaben zur Latenzzeit zwischen einer allfälligen initialen Belastung und dem Auftreten der Störung, deren Symptomatik zudem nicht erläutert respektive
nach
vollziehbar
befundet wurde, zu entnehmen. Die Diagnose einer posttrau
matischen Belastungsstörung ist folglich nicht mit dem erforderlichen Beweis
mass gesichert, womit dieses Leiden keine rechtsgenügliche Grundlage bildet, um eine mögliche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nachzuweisen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_81/2019 vom 11. November 2019 E. 3.3.2, 9C_548/2019 vom 16. Januar 2020 E. 6.3.2).
Was die depressive Störung anbelangt, welche ab März 2017 zur ärztlich atte
stierten Arbeitsunfähigkeit führte (E. 3.1), wurde diese gemäss unmissverstän
d
licher medizinischer Aktenlage
durch erhebliche psychosoziale Umstände verur
sacht: So wurde im Austrittsbericht der
Rehaklinik
B._
vom 22. September 2017 anamnestisch ausgeführt, dass es der Beschwerdeführer gewohnt sei, im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit effektiv, verlässlich, intelligent, schnell und kraftintensiv zuzupacken. Hingegen habe er die polytoxische Drogensucht seiner Kinder auf diese Weise nicht lösen können. Hinzu gekommen seien starke ehe
liche Spannungen und aufgrund der depressiven Einschränkungen auch Span
nungen im Berufsleben bis hin zur Kündigungsandrohung durch seinen direkten Vorgesetzten. Somit seien innerhalb von kurzer Zeit wichtige Lebensmittelpunkte, Selbstwert- und Selbstwirksamkeitsstützen ersatzlos weggefallen, weshalb es zu dieser akut depressiven Dekompensation gekommen sei (Urk. 7/74/7). Dr.
C._
führte in seinem Bericht vom 22. Dezember 2017 ebenfalls
explizit
die erheb
lichen psychosozialen Faktoren als Grund der Eskalation im März 2017 auf. Sowohl er als auch die zuständigen Fachpersonen der
Rehaklinik
B._
erachteten aber die Wiederaufnahme der bisherigen Tätigkeit als mittelfristig zumutbar, dies angesichts der bereits während des
Rehaaufenthaltes
eingetrete
nen Teilremission der schweren depressiven Symptomatik. Dr.
C._
beurteilte die depressiven Symptome anlässlich seiner letzten Kontrolle vom 12. Dezember
2017 als nur noch in abgeschwächter Form vorhanden (E. 3.2 und 3.4). Am 9. Ju
ni 2018 diagnostizierte Dr.
D._
sodann noch eine aktuell leicht bis mittelgradige depressive Episode. Zwar führte sie in ihrem Bericht noch mehrere depressive Items (deutliche Schwierigkeiten mit der Konzentrations- und Umstellfähigkeit bei komplexen Anforderungen, schnelle Erschöpfbarkeit, Kraftlosigkeit, schnelle Ermüdbarkeit, zeitweilig auftretende Ängste, zeitweilig noch auftretendes Gedan
kenkreisen, Grübelneigung) auf, wies aber ebenfalls auf mithineinspielende externe – psychosoziale - Faktoren wie die schwere Suchterkrankung beider Söhne mit den einhergehenden negativen Auswirkungen auf weitere Familien
mit
glieder (Ehefrau) und den anstehenden Auszug der Tochter hin (E. 3.5).
In der für die Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers im Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns (1. Mai 2019) zeitechtesten ärzt
lichen Einschätzung vom 25. Juni 2019 berichtete Dr.
D._
von einem weiter verbesserten psychischen Zustandsbild. Kleinere depressive Einbrüche seien im Rahmen der jeweiligen körperlichen Erkrankungen/Eingriffe (Appendektomie 2019,
Herzkatheterablation
bei VHF 2019) und infolge äusserer Schicksalsschläge aufgetreten (E. 3.6). Auf ein eigenständiges, vom reaktiven invaliditätsfremden Geschehen auf die erheblichen psychosozialen Belastungsfaktoren abgrenzbares
langdauerndes psychisches Leiden mit erheblicher und dauerhafter Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit (Urteil des Bundesgerichts 8C_210/2019 vom 11. Juli 2019 E. 4.2.4 mit Hinweis) lässt diese Beurteilung nicht (mehr) schliessen. Dies gilt umso mehr, als sich die objektiven Befunde nunmehr in einer schnellen Erschöpfbarkeit und lediglich noch zum Teil verminderten Konzentrations
fähig
keit erschöpften und Dr.
D._
die Sorgen um die Söhne, die Ängste und Sorgen um die Ehefrau (plötzlicher Arbeitsplatzverlust, nun auch Zeichen einer Depression) sowie die Verarbeitung des plötzlichen Todes der Lebenspartnerin eines Sohnes, mithin auch neu aufgetretene psychosoziale Belastungsfaktoren als für die depressive Befundlage bedeutsam erklärte. Zudem lässt der Behandlungs
zyklus von nur einer Therapiesitzung pro Monat (Urk. 7/116/2) auf keinen erheblichen psychisch bedingten Leidensdruck mehr schliessen.
Dass Dr.
E._
und mit ihr die Beschwerdegegnerin unter Berücksichtigung der lediglich noch leicht ausgeprägten depressiven Befundlage angesichts der erheblichen psychosozialen Belastungsfaktoren, welche zudem gemäss Beurtei
lung von Dr.
D._
vom 25. Juni 2019 für, wenn auch nur noch «kleinere de
pressive Episoden» auslösend waren, mithin direkte negative Folgen nach sich zogen und folglich nicht mittelbar invaliditätsbegründend waren (E. 1.3.2), das
Vorliegen eines invalidisierenden psychischen Gesundheitsschadens ausschlossen
, ist nicht zu beanstanden.
Bestätigung findet die Dominanz der psychosozialen Belastungsfaktoren für das psychische Beschwerdebild des Beschwerdeführers letztlich auch im Abschlussbericht der
F._
AG vom 30. April 2019 zum Arbeitsversuch vom 5. November 2018 bis 4. Mai 2019, welchem zu entnehmen ist, dass eine Auseinandersetzung mit einer Mitarbeiterin im März 2019 zu einem gesundheitlichen Einbruch geführt habe, welchem mit einer Reduktion der dann
zumal aktuellen Stundenzahl von 6 auf 5 Stunden täglich begegnet worden sei, und dass sich der Beschwerdeführer stark belastet fühle durch existentielle Sorgen und die fehlende Stabilität im privaten Umfeld (Urk. 7/108).
Von weiteren medizinischen Abklärungen, insbesondere dem Einholen eines psychiatrischen Gutachtens ist in antizipierender Beweiswürdigung abzusehen (BGE 124 V 90 E. 4b; 122 V 157 E. 1d), vermöchten solche an obigem Ergebnis mit überwie
gen
der Wahrscheinlichkeit nichts zu ändern.
Zusammenfassend erweist sich der angefochtene Entscheid als richtig; die Beschwerde ist abzuweisen.
5.
Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss
dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen
.