Decision ID: 788dfb75-2bf1-4bf7-a039-add370ce693e
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1977
, war seit
1. Januar 2010
als Aussendienstmitarbeiterin Consumer Care
bei
der Y._ AG
angestellt, wo
bei diese das Arbeitsverhältnis
am
29. November 2011 unter Einhaltung der
Kündigungsf
rist auf den 31. Januar 2012 beendete (
Urk.
9/37 Ziff. 2-3 und Ziff. 10
).
Am 3
.
Februar 2012
meldete sich die Versicherte beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
in Z._
zum Leistungsbezug an und stellte sich der Arbeitsvermittlung für eine Vollzeittä
tigkeit zur Verfügung (
Urk.
9/35-36
).
Gestützt auf die M
eldung des RAV
Z
._
vom 15. Februar 2013
(
Urk.
9/1) stellte das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) die
Versicherte mit Verfügung vom 5. März 2013 (
Urk.
9/3
) wegen ungenügender persönlicher Arb
eitsbemühungen ab 1. Januar 2013 für die Dauer von 19
Tagen in der Anspruchsberechtigung ein.
Die d
ag
egen
von der
Versicherte
n
am 11. März 2013
erhobene
Einsprache (
Urk.
9/4
)
w
ies
das AW
A mit
Einspracheen
tscheid
vom 27. März 2013 ab
(
Urk.
9/6
=
Urk.
2
).
2.
Die Versicherte erhob gegen den
Einspracheent
sc
heid
vom 27. März 2013 (
Urk.
2) am
2.
April 2013 Beschwerde
und beantragte sinngemäss
,
die Einstel
lung in der Anspruchsberechtigung sei aufzuheben
(
Urk.
1 =
Urk.
5 S. 1 f.)
. Am 14. Mai 2013 (
Urk.
8) ersuchte das
AWA um Abweisung der Beschwerde, was der Versicherten am 17. Mai 2013 (
Urk.
10) zur Kenntnis gebracht wurde.
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Die Beschwerdeführerin hatte
im Zeitpunkt der B
eschwerdeerhebung in
A._
im Kanton
B._
Wohnsitz
(
Urk.
1).
Gemäss Art.
1
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
ist in Abweichung zu Art. 58
Abs.
1
Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
gemäss Art. 100
Abs.
3
AVIG
in Verbindung mit Art. 128
Abs.
2
der
Verordnung über die obligatori
sche Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV)
für die Beurteilung von Beschwerden gegen
Einspracheentscheide
des AWA des Kan
tons Zürich
das
hiesige Gericht örtlich zuständig
.
1.2
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
-
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.
3
Nach
Art.
17
Abs.
1 AVIG muss die versicherte Person, die Versicherungs
-
leistungen beanspruchen will, mit Unterstützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare unterneh
men, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Insbe
sonde
re ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigen
falls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Sie muss ihre Bemühun
gen nachweisen können. Gemäss
Art.
30
Abs.
1
lit
.
c AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchsberechtigung ein
zustellen, wenn sie sich persönlich nicht ge
nügend um zumut
bare Arbeit bemüht.
Grundsätzlich sanktioniert
Art.
30
Abs.
1
lit
. c AVIG eine Verletzung der in
Art.
17
Abs.
1 AVIG statuierten Schadenminderungspflicht, insbesondere der Pflicht, sich genügend um Arbeit zu bemühen. Diese Verknüpfung soll Arbeits
lose zur Stellensuche anspornen und eine missbräuchliche Beanspruchung der Arbeitslosenversicherung verhindern. Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung bezweckt eine angemessene Mitbeteiligung der versicherten Person an je
nem Schaden, den sie durch ihr pflichtwidriges Verhalten der Arbeitslosenversi
cherung natürlich und adäquat kausal verursacht hat (BGE 124 V 227 f. E. 2b mit weiteren Hinweisen). Kern der Pflicht, alles Zumutbare zu unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen, sind die persönlichen Arbeitsbemühungen der versicherten Person selbst, die in der Regel streng beurteilt werden (BGE 133 V 89 E. 6.1.1).
1.
4
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (
Art.
30
Abs.
3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30
Tage bei mittelschwerem und 31
bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (
Art.
45
Abs.
3 AVIV).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner begründete in seinem
Einspr
acheentscheid
(
Urk.
2
)
die verfügte Einstellung in der Anspruchsberechtigung damit, dass die Beschwer
deführerin für d
ie Kontrollperiode Dezember 2012
keine Arbeitsbemühungen nachgewiesen habe (S. 2
Ziff.
1).
Gemäss den vorliegenden Arztzeugnissen sei sie
w
ähren
d
de
r Kontrollperiode Dezember 2012
b
is zum 14
.
Dezember 2012 von der Pflicht zur Stellensuche befreit gewesen. Für die verbleibende Zeit hät
ten vorliegend etwa fünf bis sechs Arbeitsbemühungen erwartet werden können (S. 2 f.
Ziff.
4
, S. 3
Ziff.
4 oben
).
Eine
uneingeschriebene
Postsendung reise auf Gefahr des Senders.
Die Beschwerdeführerin trage daher d
ie Beweislast dafür, ihre Arbeitsbemühungen innert Frist eingereicht
zu haben.
Nachdem sie hierfür keinen Beweis erbringen könne, habe sie die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen
.
Die Einstellungsdauer sei angemessen verlängert worden, da
sie
bereits zwei Mal wegen ungenügender Arbeitsbemühungen in den Kontrollperioden Februar und März 2012 in der Anspruchsberechtigung eingestellt worden sei (S. 3
Ziff.
4 Mitte).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
sie habe anfangs Januar 2013 die Dokumente der Arbeitsbemühungen Dezember 2012 wie immer fristgerecht und trotz des Umzuges an das
RAV in
C._
ges
and
t.
Auch das Arz
tzeugnis habe sie sogar zweimal
beigelegt, was beschei
nige, dass sie noch für den halben Monat krankgeschrieben gewesen sei und trotzdem noch mehr Bewerbungen geschrieben habe
,
als benötigt. Diese Doku
mente finde ma
n nicht mehr und behaupte, dass sie
nie angekommen seien. Der zuständige RAV-Berater habe ihr nie mitgeteilt, dass Dokumente fehlten. Als Arbeitslose sei es ihr aus finanziellen Gründen nicht zumutbar, alles einge
schrieben zu verschicken (S. 1).
Sie habe im Übrigen immer alle ihre Termine eingehalten, alle Dokumente eingereicht und sogar einen Zwischenverdienst angenommen, welcher eigentlich nicht ihrer beruflichen Stellung entspreche
(S. 2 oben).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführe
rin zu Recht für die Dauer von 19
Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt wurde.
3.
3.1
Das Gericht hat im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes und mit freier Beweiswürdigung unter Ausschöpfung der Untersuchungsmittel, in Berücksich
tigung der gesamten bekannten Umstände und in gewissenhafter Prüfung der Beweise aufgrund seiner frei gebildeten Überzeugung einen Sachverhalt zu er
mitteln, der zumindest die überwiegende Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b). Ist dies nach Abschluss der Untersuchungen nicht möglich, so stellt sich die Frage der Beweislast. Diese trägt für die erfolgte Stellenbewerbung die versicherte Person (Urteil des Bun
desgerichts C 193/06 vom
7.
November 2006, E. 2.2). In diesem Zusammenhang gehört zu einer Stellenbewerbung nicht nur das Verfassen des Bewerbungs
schreibens und dessen rechtzeitiger Versand, sondern auch - da die Bewerbung eine empfangsbedürftige Willenserklärung ist - dessen Zustellung. Da die Be
werbung auf Gefahr des Erklärenden reist, trägt der Bewerber somit das Risiko, dass die Unterlagen beim Empfänger ankommen, weshalb es ihm allenfalls an einem
rechtsgenüglichen
Nachweis seiner Bewerbung mangelt, wenn er sich ge
gen eine eingeschriebene Briefpostsendung entscheidet und sich auch nicht auf andere Weise bezüglich der Zustellung der Bewerbung absichert (Urteil des Bundesgerichts C 193/06 vom
7.
November 2006, E. 2.2). Kann die versicherte Person nicht beweisen, dass sie sich um die zugewiesene Stelle beworben hat, liegt somit Beweislosigkeit vor, deren Folgen sie zu tragen hat.
3.2
In den Akten finden sich keine Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführerin im Monat Dezember 2012 persönliche Arbeitsbemühungen getätigt hätte. Der Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühungen für den Monat Dezember 2012 fehlt (vgl.
Urk.
9/7-13). We
der mit Einsprache vom März 2013
(
Urk.
9/4) noch im Beschwerdeverfahren reichte
die Beschwerdeführerin
Unterlagen ein, die Rückschlüsse darauf zuliessen, dass sie im Dezember 2012 tatsächlich persönli
che Arbeitsbemühungen getätigt hätte. Bis zum heutigen Datum liegen keine Kopien allfälliger Bewerbungen oder namentliche Angaben von Stellen und Ar
beitgebern vo
r, wo sie sich beworben hat. Den
mit Einsprache beigelegten
ä
rzt
lichen Zeugnissen (
Urk.
9/5,
Urk.
6/4) ist
betreffend den Monat Dezember
ledig
lich zu entnehmen, dass sie bis zum 1
4.
Dezember 2012 zu 100
%
arbeitsunfä
hig war. Diesem Umstand ist dahingehend Rechnung getragen worden, dass für den Monat Dezember 2012 lediglich fünf bis sechs Bewerbungen erwartet wor
den sind (vgl. vorstehend E. 2.1).
3.3
Den Ausführungen der Beschwerdeführerin ist zu entnehmen, dass es sich bei der behaupteten Zustellung der Arbeitsbemühungen für den Monat
Dezember 2012 um eine
uneingeschriebene
Post
endung handelte (
vorstehend E. 2.2
), so
dass ein Zustellungsnachweis fehlt. Mangels anderer Hinweise in den Akten
,
ist somit vom Fehlen der Arbeitsbemühungen in der Kontrollperiode
Dezember 2012
und damit von diesbezüglicher Beweislosigkeit auszugehen, dessen Folgen
n
ach dem
Gesagten
(vgl. vorstehend E. 3.1)
die Beschwerdeführerin treffen. Die Einstellung in
der Anspruchsberechtigung
erfolgte daher zu Recht
.
4.
Soweit die
Beschwerdeführer
in
geltend macht, dass
ihr
Verhalten während der Zeit der Arbeitslosigkeit tadellos gewesen sei
(
Urk.
1 S. 1 f.)
,
ist zu beachten, dass
sie
vor der hier zu beurteilenden Einstellung in der Anspruchsberechtigung
bereits mit rechtkräftigen Verfügungen vom 1
1.
April 2012 (
Urk.
9/32) und vom
9.
Mai 2012 (
Urk.
9/33) für
jeweils
drei und
vier Tage wegen ungenügender persönlicher Arbeitsbemühungen in der Anspruchsberechtigung eingestellt
wor
den
(vgl. auch
Urk.
9/31) un
d auch unentschuldigt zu einem Mitte Oktober 2012 v
ereinbarten
externen
Beratung
s
termin
nicht erschienen ist (vgl.
Urk.
9/28-29)
, was vorliegend ins Gewicht fällt.
Die
verfügte Einstellung von 19
Tagen ab 1.
Januar 2013
entspricht einer Sank
tion im
unteren Bereich eines mittelschweren
Verschuldens
(vgl. vorstehend E. 1.4
) und erscheint de
n persönlichen Verhältnissen der Beschwerdeführerin
und Gegebenheiten des Falles als angemessen.
5.
Der angefochtene Entscheid erweist sich somit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.