Decision ID: 093eee19-5622-5af2-af7f-538adaf72de7
Year: 2019
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. Der am XX.XX.1985 geborene A_ (nachfolgend auch: Beschwerdeführer) wurde von den
Sozialen Diensten Herisau am 7. September 2012 bei der IV-Stelle Appenzell
Ausserrhoden (nachfolgend auch: IV-Stelle bzw. Vorinstanz) zur Früherfassung
angemeldet (IV-act. 1). In diesem Zeitpunkt war er in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis
als Koch bei der Stiftung Tosam im Brockenhaus Degersheim angestellt und fiel durch
regelmässige Absenzen bei der Arbeit aufgrund psychischer Probleme auf. Nach dem
Erstgespräch mit einem Mitarbeiter der IV-Stelle vom 20. September 2012 (IV-act. 3) wurde
ihm eine IV-Anmeldung empfohlen, welche er am 25. Oktober 2012 bei der Vorinstanz
einreichte (IV-act. 6).
B. Gestützt auf die eingeholten medizinischen Unterlagen attestierte Dr. B_ vom RAD dem
Beschwerdeführer ein Eingliederungspotential von mindestens 50% im ersten Arbeitsmarkt
mit dem Ziel, 100% zu erreichen (IV-act. 20). Die Vorinstanz gewährte dem
Beschwerdeführer hierauf mit Mitteilung vom 12. Juli 2013 berufliche Massnahmen in Form
von Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (IV-act. 26) und organisierte einen
Arbeitsversuch bei der J_ GmbH für die Zeit vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2013 (IV-
act. 37), welcher anschliessend um weitere drei Monate verlängert wurde (IV-act. 43 ff.).
Nachdem der Beschwerdeführer nach dem 24. Dezember 2013 nicht mehr am Arbeitsplatz
erschien und am 24. Januar 2014 in die Akutabteilung der Klinik Littenheid eintrat, wurde
die berufliche Massnahme per 23. Februar 2014 vorzeitig beendet (IV-act. 48).
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C. Dem ersten Aufenthalt in der Klinik Littenheid, welcher bis zum 7. März 2014 dauerte (IV-
act. 52), schlossen sich zwei weitere stationäre Behandlungen an (7. Mai bis 2. Juli 2014
[IV-act. 55] und 17. Juli bis 11. September 2014 [IV-act. 58]). Gemäss Bericht vom
15. Oktober 2014 wurde der Beschwerdeführer nach Abschluss der dritten stationären
Behandlung mit den Diagnosen einer bipolaren affektiven Störung, gegenwärtig remittiert,
Agoraphobie mit Panikstörung und Verdacht auf akzentuierte Persönlichkeitszüge in die
angestammten Wohnverhältnisse entlassen. Ende Dezember 2014 zügelte der
Beschwerdeführer nach K_ (IV-act. 67) und die dortige IV-Stelle übernahm im Auftrag
der Vorinstanz die Begleitung des Beschwerdeführers bei der weiteren beruflichen
Eingliederung.
D. Dem Beschwerdeführer wurde im Rahmen von beruflichen Massnahmen ein Aufbautraining
in den Bereichen Küche und Glaserei bei L_ vermittelt für die Zeit vom 23. März bis zum
23. Juni 2015 (IV-act. 81, S. 6; IV-act. 83). Nach Startschwierigkeiten konnte er seine
dortige Präsenzzeit auf 6 Stunden pro Tag steigern, worauf das Arbeitstraining bis zum
24. September 2015 verlängert wurde (IV-act. 87). Im weiteren Verlauf wies der
Beschwerdeführer jedoch zunehmend Absenzen auf. Die berufliche Massnahme wurde
schliesslich per 14. Juli 2015 vorzeitig abgebrochen (IV-act. 94) und die Vorinstanz leitete
die Rentenprüfung ein (IV-act. 96).
E. Hierfür holte die Vorinstanz zunächst aktuelle Arztberichte und eine Stellungnahme beim
RAD ein. Dr. B_ vom RAD hielt im Bericht vom 27. Januar 2016 für eine abschliessende
Klärung des medizinischen Sachverhalts eine psychiatrische Begutachtung des
Beschwerdeführers für notwendig (IV-act. 115). Dem Beschwerdeführer wurde am
9. Februar 2016 mitgeteilt, dass die IV-Stelle Dr. C_ mit einem Gutachten beauftragt
habe und dass dieser ihm den Termin direkt bekannt geben werde (IV-act. 119). Am
8. März 2016 trat der Beschwerdeführer für einen stationären Aufenthalt in die
psychiatrische Klinik K_ ein (IV-act. 127) und der erste Begutachtungstermin musste
wieder abgesagt werden (IV-act. 125). Gemäss Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik
K_, wo der Beschwerdeführer vom 8. März bis zum 10. April 2016 und vom 13. April bis
zum 20. Mai 2016 hospitalisiert war, konnte die frühere Diagnose einer bipolaren Störung
nicht bestätigt werden. Nach Thematisierung von verschiedenen akut belastenden sozialen
Angelegenheiten (Trennung von der Partnerin, damit einhergehende Wohnungslosigkeit)
und Auseinandersetzung mit den Ängsten im Rahmen der bereits früher diagnostizierten
Angststörung konnte der Beschwerdeführer schliesslich wieder in die ambulante
Behandlung bei Dr. D_ entlassen werden (IV-act. 134).
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F. Am 4. Juli 2016 ersuchte die IV-Stelle Dr. C_ darum, den Beschwerdeführer erneut zu
einer Begutachtung aufzubieten. Mit Schreiben vom 5. September 2016 lud dieser den
Beschwerdeführer zu einem Gutachtertermin am 27. September 2016 ein (IV-act. 137).
Dieses Schreiben wurde dem Gutachter jedoch retourniert, da die angegebene Adresse
inzwischen nicht mehr gültig war. Die Vorinstanz teilte dem Gutachter am 13. September
2016 nach einer Nachfrage beim Einwohneramt K_ die neue Adresse des
Beschwerdeführers mit (IV-act. 138), worauf dieser am 27. September 2016 ein neues
Aufgebot für eine Begutachtung am 7. Oktober 2016 verschickte (IV-act. 139). Am
7. Oktober 2016 meldete Dr. C_ der IV-Stelle, der Beschwerdeführer sei unentschuldigt
nicht zum Termin erschienen (IV-act. 140). Eine Nachfrage der Vorinstanz beim
behandelnden Psychiater Dr. D_ ergab, dass der Beschwerdeführer seit dem 12. Juli
2016 nicht mehr bei ihm in Behandlung gewesen sei und diverse Termine versäumt habe
(IV-act. 141).
G. Mit Vorbescheid vom 7. November 2016 teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer
hierauf mit, sein Leistungsbegehren werde abgewiesen, nachdem er der Aufforderung zur
Begutachtung keine Folge geleistet habe (IV-act. 143). Hiergegen liess der
Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin Einwand erheben (IV-act. 146 und 148),
worauf die Vorinstanz dem Beschwerdeführer am 25. Januar 2017 mitteilte, damit sie
weitere Abklärungen treffen könne, müssten vorerst die medizinischen Unterlagen
aktualisiert werden (IV-act. 149). Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers teilte der
Vorinstanz am 16. November 2017 innert mehrmals erstreckter Frist mit, der
Beschwerdeführer werde tags darauf einen ersten Therapietermin beim externen
psychiatrischen Dienst (EPD) Romanshorn wahrnehmen; zudem werde er wöchentlich von
der psychiatrischen Spitex betreut und habe inzwischen bei der Hausärztin Dr. E_ einen
Termin für eine allgemeine Untersuchung wahrgenommen (IV-act. 167). Im RAD-Bericht
vom 21. Dezember 2017 (IV-act. 168) hielt Dr. B_ auf Anfrage der Vorinstanz hin fest,
dem Beschwerdeführer wäre eine Teilnahme an der verpassten Begutachtung aus
medizinischer Sicht zumutbar gewesen. In der Folge verfügte die Vorinstanz mit der
Begründung, der Beschwerdeführer sei seinen Mitwirkungspflichten nicht nachgekommen,
definitiv die Abweisung des Leistungsbegehrens (IV-act. 169).
H. Gegen diese Verfügung richtet sich die vom Beschwerdeführer am 28. Februar 2018
erhobene Beschwerde ans Obergericht (act. 1) mit welcher er verlangte, die IV-Stelle sei zu
verpflichten, ihm Leistungen gemäss IVG zuzusprechen sowie ihn medizinisch begutachten
zu lassen. Er habe bis September 2016 sämtliche ihm obliegenden Mitwirkungspflichten
erfüllt. Die einzige Verletzung der Mitwirkungspflicht, welche ihm vorgeworfen werden
könne, sei der verpasste zweite Begutachtungstermin vom 7. Oktober 2016. Sein
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Gesundheitszustand lasse es aber in schlechten Phasen bekannterweise nicht zu, aus dem
Haus zu gehen, weshalb seine Erkrankung den verpassten Termin erkläre. Zudem habe es
die IV-Stelle ohnehin unterlassen, das für eine Leistungseinstellung erforderliche
vorgängige Mahn- und Bedenkzeitverfahren korrekt durchzuführen, weshalb die
Leistungsabweisung auch aus diesem Grund nicht rechtens sei.
I. Mit Vernehmlassung vom 12. April 2018 (act. 5) verlangte die Vorinstanz die Abweisung
der Beschwerde. Der Beschwerdeführer sei seinen Mitwirkungspflichten nicht
nachgekommen, die bei ihm eingeforderten ärztlichen Berichte würden bis heute fehlen.
Eine telefonische Rückfrage beim EPD Romanshorn habe zudem ergeben, dass der
Beschwerdeführer nach wie vor gar nicht in Behandlung stehe.
J. Mit Replik vom 30. Mai 2018 (act. 10) hielt der Beschwerdeführer an seiner Beschwerde
und den dort vorgebrachten Ausführungen fest. Die Behauptung der Vorinstanz, er nehme
keine ärztliche Behandlung wahr, wurde ausdrücklich bestritten und ein Nachreichen von
diesbezüglichen Beweismitteln vorbehalten.
K. Mit Duplik vom 14. Juni 2018 (act. 12) hielt die IV-Stelle ihrerseits ebenfalls am bereits
eingereichten Antrag auf Beschwerdeabweisung fest. Der Beschwerdeführer habe die
gesetzlich geforderte Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht in einem Masse verletzt,
die eine Verweigerung der Leistung zur Folge haben müsse.
L. Am 20. August liess der Beschwerdeführer innert erstreckter Frist eine weitere
Stellungnahme einreichen (act. 16), welcher verschiedene Unterlagen beilagen, u.a. eine
Behandlungsbestätigung des EPD Romanshorn vom 17. August 2018 (act. 17.2) sowie
eine persönliche Stellungnahme des Beschwerdeführers zu Handen des Obergerichts (act.
17.3). Zudem wurde darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer jederzeit bereit sei,
sich einer Begutachtung zu unterziehen.
M. Am 4. Januar 2019 reichte die Vorinstanz ergänzend einen bei ihr eingegangenen
Austrittsbericht der Klinik Littenheid vom 17. Dezember 2018 zu den Akten betreffend
stationäre Behandlung des Beschwerdeführers in der Zeit vom 9. Oktober bis
20. November 2018 (act. 20.1).
N. Am 22. Januar 2019 wurde die Sache in der dritten Abteilung des Obergerichts in
Abwesenheit der Parteien abschliessend beraten und darüber entschieden. Die
Beschwerde wurde gutgeheissen, die angefochtene Verfügung aufgehoben und die
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Vorinstanz angewiesen, nach abschliessenden Sachverhaltsabklärungen über den
Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu zu verfügen.
O. Dem Begehren der IV-Stelle vom 24. Januar 2019 entsprechend (act. 22) wird das Urteil
mit schriftlicher Begründung eröffnet.
P. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den vorinstanzlichen Akten sowie die
Vorbringen der Parteien in den Rechtschriften wird, soweit entscheidrelevant, in den
nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

Erwägungen
1. Formelles
Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen.
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
(JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht Beschwerden gegen solche Entscheide. Da
eine Verfügung der IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden angefochten ist, ist die örtliche
Zuständigkeit gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20]). Das Gesamtgericht hat Beschwerden in
Sozialversicherungssachen mit medizinischen Fragestellungen (unter Vorbehalt der hier
nicht betroffenen Zuständigkeiten des Einzelrichters) der 3. Abteilung zur Beurteilung
zugewiesen (so publiziert im Staatskalender Appenzell Ausserrhoden für das Amtsjahr
2018/19, S. 83), weshalb diese zur Beurteilung der Beschwerde zuständig ist.
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung auf Seiten des
Beschwerdeführers als auch hinsichtlich der Form- und Fristerfordernisse mit Bezug auf die
Beschwerdeschrift erfüllt sind (insbesondere Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1
und Art. 61 lit. b ATSG).
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
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2. Materielles
2.1
Bereits in der Begründung der angefochtenen Verfügung (IV-act. 169) sowie auch in den
Eingaben im vorliegenden Beschwerdeverfahren (act. 5 und 12) vertritt die Vorinstanz die
Meinung, die leistungsabweisende Verfügung sei gestützt auf Art. 21 Abs. 4 ATSG deshalb
zu schützen, weil der Beschwerdeführer seit langem gar keine Behandlung mehr in
Anspruch nehme, was zum Vornherein auf fehlenden Leidensdruck schliessen lasse.
Ausserdem hätten die beruflichen Massnahmen mehrfach vorzeitig abgebrochen werden
müssen wegen mangelnder Mitwirkung.
Diese Argumentation der Vorinstanz überzeugt aus folgenden Gründen nicht:
a. Art. 21 Abs. 4 ATSG lautet wie folgt:
4 Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren Behandlung oder
Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit
oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht aus eigenem Antrieb das
ihr Zumutbare dazu bei, so können ihr die Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt
oder verweigert werden. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen
hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen. Behandlungs- und
Eingliederungsmassnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind
nicht zumutbar.
b. In ihrer Argumentation geht die Vorinstanz offenbar davon aus, der Beschwerdeführer
verweigere überhaupt jegliche Behandlung. Dies trifft aber nicht zu: Aus den Akten ergibt
sich lediglich, dass der Beschwerdeführer offenbar ab Mitte Juli 2016 die Termine bei Dr.
D_ nicht mehr regelmässig wahrnahm (IV-act. 141). Später zügelte der
Beschwerdeführer, der mit der Behandlung durch Dr. D_ nicht zufrieden war (vgl. IV-act.
157: Dr. D_ habe ihn eigentlich nur mit Medikamenten versorgt und die halbe Stunde
Gesprächszeit habe ihm nichts gebracht), aber ohnehin nach G_, weshalb verständlich
ist, dass er einen seinem neuen Wohnort näheren Behandlungsplatz suchte. In der
persönlichen Stellungnahme des Beschwerdeführers, welche am 20. August 2018 beim
Obergericht eingereicht wurde (act. 17.3) ist schlüssig dargelegt, dass der
Beschwerdeführer nach seinem Wohnortswechsel zunächst Schwierigkeiten hatte,
umgehend einen neuen Psychiater mit entsprechender Kapazität zu finden. Im Mai 2017
teilte der Beschwerdeführer der Vorinstanz schliesslich telefonisch mit, er nehme einen
ersten Termin bei Dr. F_ wahr (IV-act. 157); dass Dr. F_ der Vorinstanz Ende August
2017 schliesslich angab, der Beschwerdeführer befinde sich nicht bei ihm in Behandlung
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(IV-act. 163, S. 2), ist gestützt auf die nachträgliche Erklärung des Beschwerdeführers in
act. 17.3, wonach Dr. F_ ihm nach diesem Ersttermin geraten habe, besser einen auf
Angst- und Verhaltenstherapie spezialisierten Therapeuten zu suchen, nachvollziehbar.
Seit November 2017 begibt sich der Beschwerdeführer nun nachweislich regelmässig in
Behandlung beim EPD Romanshorn (act. 17.2). Die gegenteilige Behauptung der
Vorinstanz in der Duplik, „die im Schreiben vom 16.11.2017 bekanntgegebenen
behandelnden Ärzte wurden angeschrieben, verneinten jedoch, dass der Versicherte in
Behandlung steht“, lässt sich dagegen gestützt auf die vorhandenen Akten nicht
verifizieren, nachdem dort weder ein derartiges Schreiben der Vorinstanz ans EPD
Romanshorn oder Dr. E_ noch eine entsprechende schriftliche Auskunft dieser
behandelnden Ärzte vorhanden ist (die frühere Auskunft von Dr. E_ gemäss IV-act. 162,
der Beschwerdeführer werde bei ihr nicht behandelt, datiert bereits von Ende August 2017;
nachdem der Beschwerdeführer aber erst am 16. November 2017 mitteilte, er habe sich bei
Dr. E_ einer allgemeinen Untersuchung unterzogen, ist offensichtlich davon auszugehen,
dass der Termin irgendwann zwischen September und November 2017 erfolgte, ohne dass
die Vorinstanz Dr. E_ erneut aufgefordert hätte, einen Bericht einzureichen, weshalb sich
Dr. E_ nachvollziehbarerweise nicht von selbst mit einem Bericht bei der Vorinstanz
meldete). Auch die nicht weiter belegte Behauptung der Vorinstanz, eine telefonische
Rückfrage beim EPD in Romanshorn habe ergeben, dass der Beschwerdeführer nicht dort
in Behandlung stehe und auch gemäss mündlicher Auskunft der Spitex G_ kenne man
den Beschwerdeführer dort gar nicht, überzeugt nicht, nachdem der Beschwerdeführer in
der Folge schriftliche Bestätigungen einreichte, die das Gegenteil belegen: Im Schreiben
vom 17. August 2018 bestätigt Dr. H_ vom EPD Romanshorn ausdrücklich, der
Beschwerdeführer werde seit 17. November 2017 im externen psychiatrischen Dienst
betreut (act. 17.2) und auch Pflegefachmann M_ von der Spitex erklärte am 21. Juni
2018 schriftlich, den Beschwerdeführer regelmässig seit Sommer 2017 unterstützend zu
begleiten (IV-act. 17.1).
Es ergibt sich nicht aus den Akten, dass der Beschwerdeführer seit dem Start der
Behandlung im EPD Romanshorn regelmässig Behandlungstermine nicht wahrnehmen
oder sich auf eine andere Weise einer Behandlung widersetzen würde. Aus dem von der
Vorinstanz nachträglich zu den Akten eingereichten Bericht der Klinik Littenheid ergibt sich
zudem, dass sich der Beschwerdeführer von Oktober bis November 2018 weitere zwei
Male erneut auch stationär behandeln liess (act. 20.1). Unter diesen Umständen kann ihm
offensichtlich nicht vorgeworfen werden, dass er sich im Sinn von Art. 21 Abs. 4 ATSG
einer zumutbaren Behandlung widersetze oder entziehe. Im Bericht der Klinik Littenheid
vom 17. Dezember 2018 wird der Beschwerdeführer denn auch ausdrücklich als
„behandlungsmotiviert“ bezeichnet (act. 20.1). Weder die von der Vorinstanz eingebrachte -
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offensichtlich falsche - Behauptung, der Beschwerdeführer stehe gar nicht in
psychiatrischer Behandlung, noch die von ihr darauf gestützte Annahme eines vermeintlich
fehlenden Leidensdrucks wegen angeblicher Nichtinanspruchnahme einer Behandlung ist
vor diesem Hintergrund nachvollziehbar. Daran ändern auch die Hinweise der Vorinstanz in
der Duplik, wonach die von ihr vorgenommene Internetrecherche zeige, dass der
Beschwerdeführer gar keine Angst habe, das Haus zu verlassen oder sich unter Menschen
zu begeben, nichts. Im aktuellen Bericht der Klinik Littenheid vom 17. Dezember 2018 wird
die Diagnose einer generalisierten Angststörung mit Panikstörung jedenfalls erneut
bestätigt. Eine blosse Internetrecherche und daraus gezogene Schlussfolgerungen sind
offensichtlich nicht geeignet, fachärztlich gestellte Diagnosen zu widerlegen.
c. In der Vernehmlassung (act. 5) weist die Vorinstanz zusätzlich darauf hin, die
beruflichen Massnahmen hätten „mehrfach vorzeitig abgebrochen“ werden müssen „wegen
mangelnder Mitwirkung“ des Beschwerdeführers. Auch dieser Vorwurf findet in den Akten
keine ausreichende Grundlage: Der erste von der IV-Stelle vermittelte Arbeitsversuch bei
der J_ GmbH von Oktober bis Dezember 2013 verlief zunächst erfolgreich, wobei das
Verhalten des Beschwerdeführers zu keinen Beanstandungen Anlass gab, sondern er im
Gegenteil die ihm zugeteilten Arbeiten zur vollen Zufriedenheit erledigte (IV-act. 43). Der
spätere Abbruch der verlängerten beruflichen Massnahme war gesundheitlich bedingt,
nachdem er sich nachweislich in stationäre psychiatrische Behandlung begeben musste
(IV-act. 51). Das anschliessend in K_ organisierte Aufbautraining bei der L_ mit
Beginn am 23. März 2015 absolvierte der Beschwerdeführer zwar mit zunächst vermehrten
Absenzen (IV-act. 94, S. 7). Die anfänglichen Fehlzeiten liessen sich in der Folge aber
deutlich reduzieren (IV-act. 94, S. 8). Ab dem 22. Juni 2015 war der Beschwerdeführer
vollständig arbeitsunfähig geschrieben (IV-act. 94, S. 9, IV-act. 94, S. 21 und S. 22),
weshalb die Massnahme schliesslich per 14. Juli 2015 abgebrochen wurde (IV-act. 94, S.
18). Auch dieser Abbruch der beruflichen Massnahmen erfolgte somit im Zusammenhang
mit ausgewiesenen gesundheitlichen Einschränkungen und nicht einzig wegen mangelnder
Mitwirkung, wie die Vorinstanz zu meinen scheint.
d. Im Übrigen wäre eine Abweisung des Leistungsbegehrens gestützt auf Art. 21 Abs. 4
ATSG selbst dann, wenn dem Beschwerdeführer tatsächlich mangelnde Mitwirkung bei der
Behandlung oder beruflichen Eingliederung vorzuwerfen wäre, zum Vornherein nur dann
möglich, wenn vorher eine schriftliche Mahnung des Versicherten bezüglich der
erforderlichen Behandlungs- und Eingliederungsmassnahmen erfolgt wäre. Die Vorinstanz
legt nicht dar, dass ihrerseits das für eine Leistungsverweigerung gestützt auf Art. 21 Abs. 4
ATSG nötige Mahn- und Bedenkzeitverfahren im Zusammenhang mit der
Schadenminderungspflicht des Beschwerdeführers bei der Behandlung oder Eingliederung
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erfolgt wäre. In den Akten finden sich dazu denn auch keine Unterlagen. Die
leistungsabweisende Verfügung lässt sich daher letztlich unabhängig von den obigen
Erwägungen schon allein aus diesem formellen Grund nicht gestützt auf Art. 21 Abs. 4
ATSG begründen.
2.2
Die Vorinstanz macht ausserdem geltend, dass nach dem Einwand des Beschwerdeführers
weitere medizinische Abklärungen vorgesehen gewesen seien, welche jedoch infolge
fehlender Mitwirkung nicht hätten durchgeführt werden können. Konkret wirft die Vorinstanz
dem Beschwerdeführer vor, er habe zum einen die bei ihm angeforderten ärztlichen
Berichte nicht eingereicht und zum anderen an der ihm zumutbaren Begutachtung
unentschuldigt nicht teilgenommen. Das Verfahren dauere inzwischen über fünf Jahre,
wobei die Mitwirkung des Beschwerdeführers immer mangelhaft gewesen sei. Deshalb
müsse aus IV-rechtlicher Sicht unter Einbezug aller IV-relevanter Indikatoren gemäss des
offenen Beweisverfahrens, in welchem der Beschwerdeführer die Folgen der
Beweislosigkeit zu tragen habe, davon ausgegangen werden, dass kein langdauernder
invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege.
Dieser Argumentation kann aus folgenden Gründen nicht gefolgt werden:
a. Würde der Vorwurf zutreffen, der Beschwerdeführer habe die bei ihm angeforderten
ärztlichen Berichte bis heute nicht eingereicht (act. 5: „Mit Schreiben vom 07.11.2017
wurde dem Versicherten eine letzte Frist zur Einreichung des ärztlichen Berichts seines
Behandlers gewährt und die Einstellung des IV-Verfahrens bei Nichteinhaltung angedroht.
[...] Die geforderten ärztlichen Berichte fehlen bis heute.“), so liesse sich die von der
Vorinstanz vorgenommene Leistungsabweisung allenfalls gestützt auf Art. 7b Abs. 2 lit. d
IVG stützen. Bei genauerer Betrachtung kann dem Beschwerdeführer aber gar nicht
vorgeworfen werden, er habe von ihm verlangte Auskünfte nicht erteilt: Die Vorinstanz hatte
gemäss ihrem Schreiben vom 7. November 2017 beim Beschwerdeführer nämlich gar nicht
ärztliche Berichte angefordert, sondern ihm bzw. seiner Rechtsvertreterin (lediglich) eine
letzte Frist angesetzt, um mitzuteilen, „wo und seit wann sich Herr A_ in regelmässiger
ärztlicher bzw. psychotherapeutischer Behandlung befindet“ (IV-act. 166; siehe auch IV-act.
164: „Bitte teilen Sie uns ... mit, ob und bei wem sich Herr A_ derzeit in psychiatrischer
Behandlung befindet.“). Dieser Aufforderung kam die Rechtsvertreterin fristgerecht nach,
indem sie der Vorinstanz mit Schreiben vom 16. November 2017 mitteilte, dass der
Beschwerdeführer beim EPD Romanshorn am 17. November 2017 einen ersten
Therapietermin wahrnehmen werde, nachdem es ihm nicht gelungen sei, einen anderen
Psychiater zu finden, welcher für die nötigen Therapiebehandlung zur Verfügung stehe.
Seite 11
Ebenfalls wurde der Vorinstanz in diesem Schreiben mitgeteilt, dass sich der
Beschwerdeführer inzwischen für eine allgemeine Untersuchung bei Dr. E_ vorgestellt
habe und seit rund zwei Monaten von der psychiatrischen Spitex betreut werde (IV-act.
167). Eine Mitwirkungspflichtsverletzung ist daher nicht ersichtlich, nachdem diese
verlangten Informationen der Vorinstanz innert der von ihr angesetzten Frist zur Verfügung
gestellt wurden.
b. Bereits die angefochtene Verfügung wurde damit begründet, dass der
Beschwerdeführer, obwohl er über seine Mitwirkungspflichten informiert worden sei, der
Aufforderung zur Begutachtung keine Folge geleistet habe. Auch daher hätten die nötigen
medizinischen Abklärungen mangels seiner Mitwirkung nicht durchgeführt werden können.
Da er die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen habe, begründe der Beschwerdeführer
unter diesen Umständen keinen Anspruch auf Versicherungsleistungen (IV-act. 169).
Aus den Akten ergibt sich im Zusammenhang mit dem Gutachten, das nicht durchgeführt
werden konnte, folgender Sachverhalt und die daraus zu ziehenden Schlüsse:
• Am 9. Februar 2016 teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer mittels A-Post-
Schreiben mit, dass sie zur Klärung der Leistungsansprüche eine psychiatrische
Untersuchung für notwendig halte und Dr. C_ entsprechend mit einer Begutachtung
beauftragt habe. Der Termin der Untersuchung werde ihm durch den Arzt
bekanntgegeben. Die Vorinstanz wies den Beschwerdeführer in diesem Schreiben
ausdrücklich darauf hin, dass es wichtig sei, alle Termine einzuhalten. Soweit ärztliche
Untersuchungen notwendig und zumutbar seien, hätten sich die versicherten Personen
diesen zu unterziehen. Komme die versicherte Person den Auskunfts- oder
Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so könne die IV-Stelle
gestützt auf Art. 43 ATSG aufgrund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen
und Nichteintreten beschliessen (IV-act. 119).
• Der Beschwerdeführer konnte den ersten Gutachtertermin, zu dem ihn Dr. C_ mit
Schreiben vom 7. März 2016 direkt aufbot, aufgrund seines stationären Eintritts am
8. März 2016 in die Klinik Oberwil - und damit aus gesundheitlichen Gründen
entschuldigt, was die Vorinstanz nicht bestreitet - nicht wahrnehmen. Der Vorinstanz
wurde der Eintritt in die Klinik Oberwil noch gleichentags mitgeteilt, damit sie den
Gutachter noch vor dem angesetzten Termin darüber informieren konnte (IV-act. 126).
Im Zusammenhang mit der Nichtteilnahme am ersten Gutachtertermin kann dem
Beschwerdeführer somit offensichtlich keine schuldhafte Mitwirkungspflichtverletzung
vorgeworfen werden.
Seite 12
• Mit Schreiben vom 5. September 2016 bot Dr. C_ den Beschwerdeführer zu einem
zweiten Termin für die Begutachtung auf (IV-act. 137). Da der Beschwerdeführer
inzwischen umgezogen war, wurde das Schreiben wieder an den Gutachter retourniert,
welcher hierauf die Vorinstanz darüber informierte (IV-act. 138). Es ergibt sich nicht aus
den Akten, dass der Beschwerdeführer der Vorinstanz seine neue Adresse angezeigt
hätte, wozu er eigentlich im Rahmen seiner allgemeinen Meldepflichten gegenüber der
Vorinstanz verpflichtet gewesen wäre. Immerhin verfügte aber die Vorinstanz in diesem
Zeitpunkt bereits über den Austrittsbericht der Klinik Oberwil (IV-act. 134), wo die neue
Adresse des Beschwerdeführers aufgeführt und zudem der Auszug aus der früheren
Wohnung mit der ehemaligen Partnerin erwähnt war. Der Beschwerdeführer hatte die
Vorinstanz ausserdem bereits am 2. Juni 2016 ausdrücklich darum ersucht, auch dem
Sozialdienst K_ eine Kopie des neuen Aufgebots für die Begutachtung zuzuschicken
(IV-act. 132), was aber die Vorinstanz Dr. C_ offenbar nicht mitteilte (IV-act. 136),
weshalb dies beim Versand des zweiten Aufgebots auch nicht berücksichtigt wurde (IV-
act. 137). Die blosse Nichtmeldung seiner neuen Adressanschrift durch den
Beschwerdeführer stellt - insbesondere unter den gegebenen Umständen, wo
angenommen werden kann, dass für den Fall, dass zugleich eine Kopie des Aufgebots
an den Sozialdienst verschickt worden wäre, der Beschwerdeführer von Seiten des
Sozialdienstes trotz der zunächst falschen Adressierung rechtzeitig über den
angesetzten Termin informiert worden wäre - jedenfalls noch keinen
Rechtfertigungsgrund für den Erlass der leistungsabweisenden Verfügung dar.
• Nach Bekanntgabe der neuen Adresse des Beschwerdeführers durch die Vorinstanz
verschickte Dr. C_ am 27. September 2016 erneut ein Aufgebot zu einem
Begutachtungstermin am 7. Oktober 2016 (IV-act. 139). Ob der Beschwerdeführer der in
diesem Schreiben enthaltenen Aufforderung, den Termin bis zum 2. Oktober 2016
telefonisch oder per Mail zu bestätigen, nachkam, ergibt sich nicht aus den Akten. Am
7. Oktober 2016 teilte Dr. C_ der Vorinstanz mit, der Beschwerdeführer sei nicht zum
Gutachten erschienen (IV-act. 140). Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass er dem
angesetzten Termin ohne vorgängige Abmeldung oder Entschuldigung fernblieb. Er wies
aber im Rahmen der Beschwerdeschrift und den weiteren Eingaben im vorliegenden
Verfahren darauf hin, dass das Verpassen des Termins gerade auf seinen
Gesundheitszustand zurückzuführen sei, der es ihm während schlechten Phasen nicht
erlaube, aus dem Haus zu gehen. Insofern liege die Rechtfertigung für das
Nichterscheinen am Gutachtertermin vom 7. Oktober 2016 in seiner Erkrankung selber.
Art. 43 Abs. 3 Satz 1 ATSG sieht vor:
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3 Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen beanspruchen, den
Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der
Versicherungsträger auf Grund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und
Nichteintreten beschliessen. [...]
Die Verletzung einer Mitwirkungspflicht ist folglich nur relevant, wenn es sich dabei um
eine schuldhafte Verletzung handelt, wobei gemäss Rechtsprechung und Lehre das
Verhalten der Person nicht mehr nachvollziehbar sein darf, was dann der Fall ist, wenn
ein Rechtfertigungsgrund nicht einmal ansatzweise erkennbar oder wenn das Verhalten
schlechthin unverständlich ist (anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_396/2012
vom 16. Oktober 2012, E. 5, m.w.H.).
Betrachtet man die Krankengeschichte des Beschwerdeführers, wie sie sich aus den
vorhandenen Akten ergibt, so ist nicht von der Hand zu weisen, dass seine Erklärung,
sein Gesundheitszustand selbst habe ihn daran gehindert, beim Gutachter zu
erscheinen, durchaus nachvollziehbar erscheint. Beim Beschwerdeführer wurde u.a.
eine generalisierte Angststörung diagnostiziert (anstelle vieler: act. 20.1), wobei die
Angstsymptomatik mit allgemeinen Panikattacken, Angst vor dem alleine sein,
Platzangst und der Angst vor Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel näher
umschrieben wurde. Dass dem Beschwerdeführer eine Teilnahme am Gutachten aus
medizinischer Sicht grundsätzlich zumutbar gewesen wäre (IV-act. 168) - was der
Beschwerdeführer im Übrigen zu Recht auch gar nicht bestreitet - schliesst nicht aus,
dass er gerade wegen dieser bei ihm diagnostierten psychischen Einschränkungen
(Panikattacken) im konkreten Fall trotzdem daran gehindert wurde, an der an sich
zumutbaren Begutachtung tatsächlich zu erscheinen. Entsprechend kann keine Rede
davon sein, dass unter den gegebenen Umständen ein Rechtfertigungsgrund nicht
einmal ansatzweise erkennbar wäre. Das hat insbesondere auch deshalb zu gelten,
wenn man zusätzlich in Erwägung zieht, dass das Aufgebot zur Begutachtung vom
7. Oktober 2016 sehr kurzfristig erfolgte und der Beschwerdeführer selbst dann, wenn er
das Aufgebot bereits einen Tag nach dessen Datierung im Empfang genommen hätte
(IV-act. 139: das Aufgebot datiert vom 27. September 2016; der genaue Zeitpunkt des
Empfangs ergibt sich nicht aus den Akten) nur rund eine Woche Zeit gehabt hätte, sich
so zu organisieren, dass er den Weg zum Gutachter erfolgreich meistern kann.
Zugunsten des Beschwerdeführers ist auch in diesem Zusammenhang zu
berücksichtigen, dass er die Vorinstanz ausdrücklich gebeten hatte, das neue Aufgebot
zum Gutachten auch dem Sozialdienst K_ zuzustellen (IV-act. 132), was, wie bereits
erwähnt, nicht berücksichtigt wurde. Dass der Beschwerdeführer den
Begutachtungstermin ebenfalls verpasst hätte, wäre auch der Sozialdienst K_
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vorgängig darüber informiert gewesen, kann nicht zwingend angenommen werden, weil
durchaus denkbar ist, dass er in diesem Fall von Seiten des Sozialdienstes zusätzlich
darin unterstützt worden wäre, den Termin auch tatsächlich einzuhalten. Es steht fest,
dass der Beschwerdeführer wiederholt und aktiv sein Interesse an der Durchführung
einer Begutachtung bekundet hatte (IV-act. 131, IV-act. 132). Daher erscheint es
naheliegend, dass das Verpassen des Begutachtungstermins vom 7. Oktober 2016
tatsächlich mit den aktenkundigen psychischen Beeinträchtigungen des
Beschwerdeführers zusammenhing, wie der Beschwerdeführer geltend macht. Ist eine
Person aber krankheitshalber nicht in der Lage, ihren Pflichten nachzukommen, kann
zum Vornherein keine unentschuldbare Mitwirkungspflichtsverletzung im Sinn von
Art. 43 Abs. 3 ATSG vorliegen (vgl. dazu Urteile des Bundesgerichts I 166/06 vom
30. Januar 2007, E. 5; 8C_733/2010 vom 10. Dezember 2010, E. 5.3; 8C_70/2014 vom
7. April 2014, E. 6.1; je m.w.H.).
Letztlich sind jedoch diese Überlegungen ohnehin nicht nötig für die im konkreten Fall
angezeigte Schlussfolgerung, dass das blosse Nichterscheinen am Gutachtertermin vom
7. Oktober 2016 für sich allein noch keinen genügenden Grund darstellt, um ohne weiteres
eine leistungsabweisende Verfügung zu erlassen, wie dies die Vorinstanz getan hat:
c. Wie auch Art. 21 Abs. 4 ATSG (siehe dazu vorstehend, E. 2.1d) sieht nämlich auch
Art. 43 Abs. 3 ATSG ausdrücklich vor, dass die Rechtsfolgen bei einer schuldhaften
Verletzung der Mitwirkungspflicht (d.h. eine Verfügung aufgrund der Akten oder eine
Einstellung der Erhebungen und Nichteintreten auf das Leistungsgesuch) immer erst nach
der Durchführung eines sog. Mahn- und Bedenkzeitverfahrens eintreten können:
3 Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen beanspruchen, den
Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der
Versicherungsträger auf Grund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und
Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen un d auf
die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemess ene Bedenkzeit einzuräumen .
Die Vorinstanz hatte den Beschwerdeführer zwar bereits im Schreiben vom 9. Februar
2016 (IV-act. 119), mit welchem sie ihm den Gutachter bekannt gab, unter Hinweis auf
Art. 43 ATSG in allgemeiner Weise darauf aufmerksam gemacht, dass es wichtig sei, alle
Termine einzuhalten. Eine Mahnung kann aber naturgemäss erst nach einem konkret
verpassten Termin erfolgen. Der allgemeine vorgängige Hinweis auf die
Mitwirkungspflichten ist zwar durchaus berechtigt und sinnvoll, vermag aber das Mahn- und
Bedenkzeitverfahren im Sinn von Art. 43 Abs. 3 ATSG nicht zu ersetzen. Es ergibt sich
weder aus den Akten noch macht die Vorinstanz konkret geltend, sie habe den
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Beschwerdeführer, nachdem dieser dem Begutachtungstermin vom 7. Oktober 2016
unentschuldigt ferngeblieben war, je schriftlich gemahnt und ihm unter Hinweis auf die
Rechtsfolgen bei erneutem Nichterscheinen eine angemessene (letzte) Frist eingeräumt,
um sich der Begutachtung doch noch zu stellen. Mangels Durchführung des in Art. 43 Abs.
3 ATSG ausdrücklich vorgesehenen Mahn- und Bedenkzeitverfahrens kann somit das
blosse Nichterscheinen am Begutachtungstermin letztlich unabhängig von der
Beantwortung der Frage, ob dem Beschwerdeführer diesbezüglich überhaupt ein
schuldhaftes Verhalten vorzuwerfen ist oder nicht, jedenfalls nicht zu einer direkten
Leistungsabweisung durch die Vorinstanz führen. Selbst bei unentschuldbaren
Verletzungen der Mitwirkungspflicht müsste eine solche Sanktion nämlich gestützt auf die
ausdrückliche gesetzliche Vorschrift in Art. 43 Abs. 3 ATSG in gehöriger Form und unter
angemessener Fristansetzung vorgängig angekündigt werden (BGE 122 V 219, E. 4b;
Urteil des Bundesgerichts 9C_744/2011 vom 30. November 2011, E. 5.2).
2.3
Dr. B_ vom RAD hielt bereits im Bericht vom 27. Januar 2016 zur Klärung der noch
offenen medizinischen Fragen (und damit insbesondere zur Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit) ausdrücklich eine psychiatrische Begutachtung für notwendig (IV-act. 115,
S. 4). Daran ändert auch der spätere RAD-Bericht vom 8. Dezember 2017 (IV-act. 168)
nichts, in welchem Dr. B_ sich lediglich zur Frage äusserte, ob dem Beschwerdeführer
eine Teilnahme an der Begutachtung aus medizinischer Sicht grundsätzlich zumutbar
gewesen wäre. In der Duplik vom 14. Juni 2018 wies die Vorinstanz darauf hin, dass sie
seit 2014 versuche, abzuklären, ob und inwieweit beim Beschwerdeführer ein
invalidisierender rentenbegründender Gesundheitsschaden bestehe (act. 12), woraus
geschlossen werden kann, dass die Vorinstanz sich durchaus bewusst ist, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers gestützt auf die vorliegenden Akten nach wie
vor gar nicht abschliessend beurteilen lässt. Entsprechend wies die Vorinstanz denn auch
in ihren Schreiben vom 25. Januar 2017 (IV-act. 149) bzw. vom 11. September 2017 (IV-
act. 164) auf die Notwendigkeit medizinischer Berichte hin, damit sie das Leistungsgesuch
überhaupt prüfen könne.
Gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG nimmt der Versicherungsträger die notwendigen Abklärungen
von Amtes wegen vor. Gemäss diesem Untersuchungsprinzip hat der Versicherungsträger
den Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann (vgl. UELI
KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N. 20 zu Art. 43 ATSG). Unabhängig von der von
der IV-Stelle angenommenen Mitwirkungspflichtsverletzung ist eine Verfügung aufgrund der
Akten ohne abschliessende Untersuchung des medizinischen Sachverhalts nur dann
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gerechtfertigt, wenn es der IV-Stelle nicht möglich wäre, die offenen Sachverhaltsfragen
ohne Schwierigkeiten und ohne besonderen Aufwand abzuklären (Urteile des
Bundesgerichts I 906/05 vom 23. Januar 2007, E. 5.4; 8C_328/2007 vom 5. Juni 2008, E.
4.4.3; BGE 108 V 229, E. 2, je m.w.H). Obwohl der Vorinstanz mit Schreiben vom
16. November 2017 (IV-act. 167) von der Rechtsvertreterin bekannt gegeben wurde, dass
der Beschwerdeführer aktuell beim EPD in Romanshorn in Behandlung stehe, forderte die
Vorinstanz hierauf beim EPD keine aktuellen Arztberichte ein, sondern verfügte stattdessen
direkt eine Abweisung des Leistungsbegehrens. Es wäre der Vorinstanz aber ohne
weiteres zumutbar und ohne grossen Aufwand möglich gewesen, zumindest aktuelle
Arztberichte beim EPD Romanshorn anzufordern. Das Vorgehen der Vorinstanz, direkt eine
Leistungsabweisung ohne jegliche erkennbare materielle Prüfung des Leistungsanspruchs
zu verfügen, ist letztlich unabhängig davon, dass wie aufgezeigt ohnehin gar kein korrekt
durchgeführtes Mahn- und Bedenkzeitverfahren erfolgte, auch deshalb nicht möglich, weil
die Vorinstanz unter den gegebenen Umständen damit offensichtlich die ihr gesetzlich
auferlegte Untersuchungspflicht verletzte.
2.4
Mit Schreiben vom 4. Januar 2019 (act. 19) reichte die Vorinstanz den bei ihr
eingegangenen Bericht der Klinik Littenheid vom 17. Dezember 2018 (act. 20.1) ein, aus
welchem ersichtlich ist, dass der Beschwerdeführer nach wie vor durch Dr. H_ vom EPD
Romanshorn behandelt wird und von ihr für zwei weitere stationäre Behandlungen in die
Klinik Littenheid eingewiesen wurde. Nachdem der Beschwerdeführer somit offensichtlich
unverändert unter psychischen Beeinträchtigungen leidet, ist davon auszugehen, dass das
ursprünglich von der Vorinstanz beabsichtigte psychiatrische Gutachten nach wie vor einen
wichtigen Beitrag zur umfassenden Klärung des medizinischen Sachverhalts leisten würde.
Der Beschwerdeführer hat sich ausdrücklich bereit erklärt, sich einer Begutachtung zu
unterziehen, wobei die Einhaltung eines Termins gemäss Erklärung des
Beschwerdeführers heute dank der Unterstützung durch die psychiatrische Spitex besser
möglich sei (siehe auch act. 17.3).
Entsprechend wird die Vorinstanz aufgefordert, nachdem sie das medizinische Dossier
durch Einholung aktueller Unterlagen bei den behandelnden Ärzten aktualisiert hat, den
Beschwerdeführer, sollte sich dies auch gestützt auf das aktualisierte Dossier weiterhin als
nötig erweisen, zur abschliessenden Sachverhaltsklärung unter Ansetzung einer
angemessenen Frist erneut zu einer psychiatrischen Begutachtung aufzubieten. Der
Beschwerdeführer, der den letzten ihm angesetzten Termin vom 7. Oktober 2016 ohne
vorgängige Abmeldung nicht eingehalten hat, ist gestützt auf Art. 43 Abs. 3 ATSG bereits
mit dem Aufgebot zu einer Begutachtung ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass für den
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Fall eines erneuten unentschuldigten Fernbleibens vom Termin aufgrund der Akten verfügt
oder die Erhebungen eingestellt und Nichteintreten auf sein Leistungsgesuch beschlossen
werden kann.
2.5
Diesen Erwägungen entsprechend ist die Beschwerde gutzuheissen und die angefochtene
Verfügung der Vorinstanz aufzuheben. Die Vorinstanz wird angewiesen, nach der
Vornahme von abschliessenden Sachverhaltsabklärungen in medizinischer Hinsicht im
Rahmen der ihr obliegenden Untersuchungspflicht über den Leistungsanspruch des
Beschwerdeführers neu zu verfügen.
3. Kosten und Entschädigung
3.1
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Weil die
Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks ergänzender Abklärungen
rechtsprechungsgemäss als Obsiegen gilt (anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts
9C_874/2014 vom 2. September 2015, E. 5; BGE 137 V 57, E. 2.1), sind dem
Verfahrensausgang entsprechend beim obsiegenden Beschwerdeführer keine Kosten zu
erheben (Art. 19 Abs. 3 e contrario i.V.m. Art. 53 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRPG, bGS 143.1]). Die ihm gewährte unentgeltliche
Rechtspflege (act. 4) wird damit hinfällig.
Auf die Erhebung von Verfahrenskosten bei der IV-Stelle wird gestützt auf Art. 22 Abs. 1
VRPG unabhängig vom Verfahrensausgang verzichtet.
3.2
Die IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden hat dem Beschwerdeführer dem Verfahrensausgang
entsprechend eine Parteientschädigung auszurichten (Art. 61 lit. g ATSG), womit sich die
ihm gewährte unentgeltliche Verbeiständung ebenfalls erübrigt. Im vorliegenden Fall
erscheint die in vergleichbaren Fällen übliche Entschädigung von pauschal Fr. 2‘500.-- als
angemessen. Zuzüglich einer Barauslagenpauschale von 4% und Mehrwertsteuer ergibt
sich damit eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 2‘808.20, welche dem
Beschwerdeführer zu Lasten der Vorinstanz zuzusprechen ist.
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