Decision ID: 0ff688fe-6dbb-4772-bc4f-b0bea7155c6b
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1966, ist Mutter dreier Kinder (geboren 1987, 1991 und 1997) und war seit 1998 im Bereich Reinigung, Hauswartung und
Gartenunter
halt
tätig (
Urk.
5/1
Ziff.
3.1,
Ziff.
5). Am 2
6.
August 2008 meldete sie sich wegen einer am
5.
September 2007 erlittenen
Distorsion der Halswirbelsäule
(HWS)
und einem Status nach Venenthrombose bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
5/1
Ziff.
6.2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog Akten der Unfallversicherung bei und tätigte er
werbliche
und medizinische Abklärungen
. Mit Verfügung vom
3.
März 2009 (
Urk.
5/16) wurde ein Anspruch der Versicherten auf berufliche Massnahmen verneint.
Sodann wurde im Auftrag der Unfallversicherung eine interdisziplinäre Begut
achtung der Versicherten bei der
Y._
veranlasst, deren Gutachten am 2
4.
November 2009 erstattet (
Urk.
5/26/3-43) und am 2
8.
August 2010 ergänzt (
Urk.
5/35) wurde. Die IV-Stelle führte eine
Haus
halt
abklärung
durch (Bericht vom
7.
Juni 2010;
Urk.
5/31). Mit Vorbescheid vom
6.
April 2011 (
Urk.
5/41) stellte sie der Versicherten die Verneinung eines Ren
tenanspruchs in Aussicht. Dagegen erhob diese am
8.
April 2011 Einwand
(
Urk.
5/43), worauf die IV-Stelle weitere Abklärungen veranlasste (
Urk.
5/45-47),
zu denen sich die Versicherte am 1
4.
März 2012 äusserte (
Urk.
5/52).
Am 1
9.
Oktober 2012 erhob die Versicherte Rechtsverzögerungsbeschwerde (
Urk.
5/55/3-6), welche das hiesige Gericht mit Urteil vom 2
8.
Januar 2013 ab
wies (Prozess Nr. IV.2012.01124;
Urk.
5/64).
1.2
Am 2
3.
Januar 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, es sei eine
bidis
zip
linäre
Begutachtung (rheumatologisch/psychiatrisch) notwendig (
Urk.
5/63). Dagegen erhob diese am 1
9.
Februar 2013 Einwand (
Urk.
5/65). Mit unange
fochten in Rechtskraft erwachsener Zwischenverfügung vom 1
1.
März 2013 (
Urk.
5/67) hielt die IV-Stelle an der Begutachtung fest.
Das
bidisziplinäre
Gut
achten wurde am 1
7.
September 2013 erstattet (
Urk.
5/83;
Urk.
5/76;
Urk.
5/81).
Mit Vorbescheid vom 2
7.
März 2014 (
Urk.
5/94
) stellte die IV-Stelle die Vernei
nung eines Leistungsanspruches in Aussicht. Dagegen erhob die Versicherte am
4.
April 2014 Einwand (
Urk.
5/96). Mit Verfügung vom 1
9.
Juni 2014 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (
Urk.
5/99 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 1
9.
Juni 2014 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am
4.
Juli 2014 Beschwerde mit dem Antrag
auf deren Aufhebung und
Zusprache
einer
halben Rente ab
1.
September 2008
(
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
4.
September 2014 (
Urk.
4) beantragte die Beschwerdegegnerin die Ab
weisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 1
2.
September 2014 mitgeteilt wurde (
Urk.
6).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätig
keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beeinträchti
gung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versicherten Person so
zial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin.
2.2
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid wie folgt (
Urk.
2 S. 1 f.): Das Gutachten der
Y._
vom 2
4.
November 2009 entfalte keine Bindungswirkung, da es im Auftrag der Unfallversicherung erstattet worden sei. Die aktuelle Begutachtung habe einzig eine mittelgradige depressive Episode ergeben, was nicht invalidisierend sei.
Die Beschwerdeführerin sei in der ange
stammten wie in einer behinderungsangepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfä
hig. Die Depression sei überwindbar.
2.3
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen, nur noch zu 50
%
arbeitsfähig zu sein. Die Abklärungen der Beschwerdegegnerin hätten sich massiv in die Länge gezogen und es seien immer wieder andere Annahmen getroffen worden. Sie sei als
voll Erwerbstätige
zu qualifizieren. Die Beschwerdegegnerin habe sich widersprüchlich und rechtsverzögernd verhalten. Fachärztlich werde eine eigenständige, vom Schmerzerleben losgelöste psychische Störung diagnosti
ziert, welche invalidisierend und nicht anhand der Förster-Kriterien zu beurtei
len sei. Der Einkommensvergleich ergebe Anspruch auf eine halbe Invaliden
rente
(
Urk.
1 S. 2 ff.).
3.
3.1
Zuhanden der Unfallversicherung wurde
ab dem Unfalldatum vom
5.
September 2007 eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 60
%
attestiert (vgl.
Urk.
5/6/3).
3.2
Vom 2
0.
März bis 1
6.
April 2008 hielt sich die Beschwerdeführer
in
zur stationä
ren Rehabilitation in der Klinik
Z._
auf. Mit Austrittsbericht vom
3.
Juli 2008 (
Urk.
5/6/11) wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1):
cervikocephales
und -
spondylogenes
Syndrom beidseits rechtsbetont bei HWS-Distorsion am
5.
September 2007
Wirbelsäulenfehlform mit Beckenschiefstand links,
Überlastungsbe
cken
, leicht S-förmige Skoliose, deutlicher thorakaler Flachrücken und
cervikale
Streckhaltung
Fehlhaltung mit muskulärer Insuffizienz
unklare Hyposensibilität
Dig
. IV und V und Vorderarm links
bildgebend diskrete Diskushernie
mediolateral
rechts C5/6 und win
zige mediane Diskushernie C6/7, ansonsten Normalbefund
leichte vegetative Begleitsymptomatik
ungünstige Faktoren: Tod der Mutter November 2007 und kompli
zierte Thrombose Januar 2008 mit protrahierter Wundheilungsstörung bis März 2008, rezidivierende depressive Episoden
Status nach 4-Etagen-Venenthrombose links am
6.
Januar 2008 mit protrahierter Wundheilungsstörung, inzwischen verschlossen
rezidivierende
Refluxbeschwerden
Während des Aufenthaltes und zwei Wochen danach bestehe volle Arbeitsun
fähigkeit. Anschliessend sollte eine Arbeitsaufnahme von 20
bis
30
%
möglich sein, die im Verlauf auf 40 bis 50
%
gesteigert werden könne, was aber durch die nachbehandelnde Ärztin festzulegen sei (S. 2).
3.3
Mit Bericht vom 2
7.
August 2008 (
Urk.
5/6/4-6) stellte
Dr.
med.
A._
,
F
ach
ärztin
Physikalische Medizin und Rehabilitation, speziell Rheumatologie, folgende Diagnosen (S. 1):
cervicozephales
und
cervicospondylogenes
Syndrom rechtsbetont bei
Status nach Auffahrunfall am
5.
September 2007
Wirbelsäulenfehlform: Beckenschiefstand links,
dekompensierte
S
för
mige Skoliose, Abflachung der Brustwirbelsäule (BWS) Kyphose
Wirbelsäulenfehlhaltung: muskuläre
Dysbalance
unklare C8-Symptomatik links, bildgebend nicht erklärbar
bildgebend kleine Diskushernie C5/6
mediolateral
rechts, C6/7 win
zige mediane Diskushernie
Status nach tiefer Beinvenenthrombose am
6.
Januar 2008, operiert am
8.
Januar 2008 mit und bei
Wundinfekt, zur Zeit noch vorhanden
Die Beschwerdeführerin
berichte
über Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schmerzen und hie und da wieder eine schwere depressive Symptomatik. Der Befund habe eine deutlich verminderte
Beweglichkeit der ganzen Halswirbelsäule,
Druckdo
lenzen
, einen ausgeprägten Hypertonus der Schultergürtel- und
Nackenmusku
latur
mit entsprechenden
Triggerpunkten
und eine leichte Einschränkung der Schult
erbeweglichkeit ergeben (S. 2).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit verwies
Dr.
A._
auf ihre Beurteilung vom 2
7.
Juni 2008 (
Urk.
5/6/7-8), worin sie ausgeführt hatte, dass die nach
dem Reha-Aufenthalt anhaltende volle Arbeitsunfähigkeit durch die weiterhin stark vorhandenen Beschwerden und die begleitende Depression, die Müdigkeit und die Kopfschmerzen bedingt gewesen sei, weshalb man eine Arbeitsfähigkeit von 20
%
ab 1
9.
Mai 2008 beschlossen habe.
Im Verlauf könne mit einer langsam sich steigernden Zunahme der Arbeitsfähigkeit gerechnet werden (S. 2). Im Moment würde auch in einer optimal angepassten Tätigkeit keine höhere Ar
beitsfähigkeit bestehen (S. 3).
3.4
Lic
. phil.
B._
, Fachpsychologe für Klinische Psychologie und Psychothera
pie, diagnostizierte mit Bericht vom 2
4.
November 2008 (
Urk.
5/12/13-14) eine Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen wie Ängstlichkeit und Wut, eine depressive Episode mittleren Schweregrades und einen Verdacht auf eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (S. 2).
3.5
Dr.
A._
beurteilte mit Bericht vom 1
9.
Dezember 2008 (
Urk.
5/12/7-9) die bishe
rigen Diagnosen als die Arbeitsfähigkeit beeinflussend (
Ziff.
1.1) und er
achtete die bisherige Tätigkeit für vier bis fünf Stunden wöchentlich zumutbar. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei seit 1
9.
August 2008 zu 12.6 Stunden wöchentlich zumutbar (
Urk.
5/12/6).
3.6
L
ic
. phil.
B._
stellte mit Bericht vom 1
0.
April 2009 (
Urk.
5/22) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
Anpassungsstörung
mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Ge
fühlen
depressive Episode
leichten bis
mittleren Schweregrades
somatoforme
Schmerzstörung
Als Hauswartin sei die Beschwerdeführerin vom 1
6.
April bis 3
1.
Dezember 2008 zu 50
%
und seit
1.
September 2009 zu 25
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6).
3.7
Eine bildgebende Untersuchung des Schädels vom
6.
März 2009 ergab
altersent
sprechende
normale Verhältnisse (
Urk.
5/23/11).
3.8
Dr.
A._
ging mit Bericht vom 2
1.
April 2009 (
Urk.
5/23/7-10) bei im wesentli
chen unveränderter Diagnose ab Februar 2009 von einer 50%igen Arbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin in der angesta
mmten Tätigkeit aus (
Ziff.
1.6), was mindestens bezüglich der leichten Arbeiten im weiteren Verlauf noch gesteigert werden könne (S. 1
lit
. b).
Die Beschwerdeführerin sei kaum belastbar und im Moment schwer depressiv. Die bisherige Tätigkeit sei noch für vier Stunden täglich zumutbar (
Ziff.
1.7).
3.9
Am 2
4.
November 2009
(
Urk.
5/26)
erstatteten die Fachärzte der Gutachterstelle
Y._
im Auftrag der Unfallversicherung
ihr polydisziplinäres (
neuropsychiat
risch
, rheumatologisch, radiologisch und neurologisch) Gutachten und stellten folgende Diagnosen (S. 25):
chronisches rechtsbetontes
zervikovertebrales
,
zervikozephales
und
zervi
kobrachiales
Schmerzsyndrom
geringgradige
mediolaterale
Diskusprotrusion
C5/6 rechts
diskrete mediane
Diskusprotrusion
C6/7
muskuläre
Dysbalance
der Nacken-Schultermuskulatur
keine Hinweise auf Neurokompression
Status nach HWS-Distorsion am
5.
September 2007 bei
Frontalkolli
sion
chronisch rezidivierende Kopfschmerzen vom Spannungstyp
mit
migräniformer
Komponente
rezidivierende depressive Störung (chronische Depression)
aktuell primär durch Reizbarkeit geprägt, leicht, höchstens mittel
schwer, mit möglichem somatischem Syndrom;
differentialdiagnos
tisch
Anpassungsstörung mit depressiven Affekten und gemischter Beeinträchtigung der Gefühle
chronisch venöse Insuffizienz des linken Beins
Status nach tiefer Venenthrombose der V.
femoralis
links mit
Stent
ein
lage
Status nach
Thrombektomie
der V.
femoralis
links mit
Stenteinlage
rezidivierendes
Thorako-Lumbovertebralsyndrom
aktuell weitgehend symptomfrei
geringgradige
S-Skoliose (thorakal rechts-, lumbal linkskonvex)
leichte degenerative Veränderungen der Brust- und
Lendenwirbel
säule
Aktuell arbeite die Beschwerdeführerin zu etwa 50
%
in der
angestammten Tätigkeit, wobei s
i
e
auf die Mithilfe ihres Ehemannes und ihres Sohnes ange
wiesen sei (S. 15).
Unfallkausal bestehe keine Arbeitsunfähigkeit im bisherigen
Tätigkeitsbereich oder in einer anderen beruflichen oder häuslichen Aktivität (S.
38).
Auf entsprechende Rückfrage durch die Beschwerdegegner
i
n (vgl.
Urk.
5/27)
führten die Gutachter mit Schreiben vom 2
8.
August 2010 (
Urk.
5/35) aus, die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ab dem Unfallereignis vom
5.
September 2007 bis zum
6.
Januar 2008 sei vollumfänglich auf den Unfall zurückzuführen gewesen, obschon der Tod der Mutter der Beschwerdeführerin im Oktober 2007 gemäss der behandelnden Rheumatologin
Dr.
A._
zusätzlich eine depressive Episode ausgelöst habe.
Dr.
A._
ha
be eine Arbeitsfähigkeit von 20
%
ab
1.
November 2008 und eine Arbeitsfähigkeit von 40
%
ab
7.
Januar 2009 attes
tiert, was sich leider nicht habe realisieren lassen, da am
6.
Januar 2008 die Thrombose aufgetreten sei. Der anschliessende Wundinfekt habe auch die stati
onäre Rehabilitation verzögert
. Bei Austritt aus der Rehaklinik sei eine Arbeits
unfähigkeit von 100
%
bis Ende April 2008 und ab
1.
Mai 2008 eine Arbeits
fähigkeit von 20 bis 30
%
attestiert worden, was dann tatsächlich ab 1
9.
Mai 2008 mit einer Arbeitsfähigkeit von 20
%
habe umgesetzt werden können. Laut
Dr.
A._
habe ab
2.
Februar 2009 eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in der bisheri
gen Tätigkeit als Hauswartin und Raumpflegerin bestanden. Zum Zeitpunkt der Begutachtung habe die effektive Arbeitsfähigkeit als Hauswartin weiterhin 50
%
betragen, wobei die Beschwerdeführerin angegeben habe, zur praktischen Um
setzung dieses Pensums auf die Mithilfe ihrer Familie angewiesen zu sein (S.
1
f.).
Faktoren, welche die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Hauswartin und Raumpflegerin beeinträchtigten, seien einerseits die leichten degenerativen Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule, die leichte Fehlstatik der ge
samten Wirbelsäule und die muskuläre
Dysbalance
insbesondere von Nacken und Schultergürtel, andererseits die chronisch venöse Insuffizienz des linken Beines nach tiefer Beinvenenthrombose sowie die mittelschwere Depression. Dabei handle es sich um unfallfremde Faktoren. Die Tätigkeit als Hauswartin beinhalte in fast idealer Weise Wechselbelastungen. Eingeschränkt seien allen
falls Tätigkeiten, die
längeres Stehen (mehr als 15 Minuten)
und das repetitive Heben von Gewichten über 10 kg auf Tischhöhe oder über 5 kg auf Schulter
höhe beinhalteten. Unter Einhaltung dieser
Limiten
sei die Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen Tätigkeit 60
%
arbeitsfähig. Die Einschränkungen im Haus
halt seien prinzipiell dieselben, wobei längeres Stehen wie beispielsweise beim Bügeln praktisch unvermeidlich sei. Die genaue Quantifizierung der Einschrän
kungen im Haushalt habe allenfalls durch eine darauf spezialisierte Institution zu erfolgen (S. 2 f.).
Eine Verweistätigkeit, die eine höhere Arbeitsfähigkeit erlauben würde, sei in Anbetracht der schulischen Voraussetzungen nicht denkbar. Eine
nur stehende und gehende Tätigkeit komme wegen der Beinproblematik nicht in Frage;
eine nur
sitzende Tätigkeit dürfe keinen monotonen Bewegungsablauf beinhalten, da sonst die Wirbelsäulenproblematik
verstärkt werden könne.
In Anbetracht dieser zusätzlichen Einschränkungen sei es realitätsfern, eine Verweistätigkeit zu defi
nieren, welche eine höhere Arbeitsfähigkeit beinhalten würde (S. 3).
3.10
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
diagnostizierte
in seinem Gutachten vom
9.
September 2013 (
Urk.
5/76)
eine mittelgradige de
pressive Episode (ICD-10 F32.1; S. 8).
Die Beschwerdeführerin befinde sich
seit 2011 nicht mehr in psychiatrischer Behandlung
(S. 5). Zu ihrem Tagesablauf teile sie mit, noch an zwei Arbeitsstellen tätig zu sein. Ansonsten versuche sie, etappenweise ihren Haushalttätigkeiten nachzugehen, wobei schwere Tätigkei
ten nicht mehr möglich seien. Ab und zu erledige sie kleine Einkäufe selbst. Sie gehe regelmässig zur Physiotherapie. Längere Spaziergänge unternehme sie nicht, weil sie Angst habe, plötzlich wieder starke Kopfschmerzen zu haben. Kontakte mit früheren Freunden meide sie, sie fühle sich seit dem Unfall lärm
empfindlich und weniger belastbar und habe oft keine Lust, andere Leute zu treffen. Hingegen schätze sie die Kontakte innerhalb der eigenen Familie und zu den Geschwistern (S. 5 unten f.).
Während der Untersuchung sei es schon bald zu affektlabilen Einbrüchen ge
kommen, welche sich während der Untersuchung mehrfach wiederholten, so dass die Grundstimmung insgesamt als mittelgradig depressiv imponiert habe (S. 7 unten).
Dr.
C._
hielt fest, die Beschwerdeführerin
berichte
über affektive Beschwerden, welche die Kardinalkriterien gemäss ICD-10 für eine depressive Episode sehr gut erfüllten.
Das Ausmass und die Intensität dieser Beschwerden wie auch der Umstand, dass sie über die meiste Zeit während der Woche persis
tierten, wiesen auf eine mittelgradige Ausprägung hin. Die Beschwerdeführerin sei in ihrem inneren Antrieb immer wieder deutlich beeinträchtigt, müde, psy
chisch wenig belastbar und müsse viel Aufwand betreiben, um einzelnen
All
tagstätigkeiten
nachzugehen. Die subjektiven Angaben stünden in sehr hoher Kongruenz zu den objektiven Untersuchungsbefunden (S. 9 f.).
Für eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung bestünden keine Hinweise. Die beklagten Beschwerden würden den typischen Folgebeschwerden einer HWS-Distorsion entsprechen (S. 10).
Die mittelgradige depressive Episode führe zu qualitativen Funktionseinbussen von 50
%
.
Insgesamt bestünden die Beschwerden seit dem Unfall anhaltend und
seien anschein
end weitgehend therapierefraktär
. Die Beschwerdeführerin stehe nirgends mehr in einer ambulanten psychiatrischen Behandlung (S. 11).
In der angestammten wie auch in einer angepassten Tätigkeit bestehe aus psy
chiatrischer Sicht eine 50%ige Arbeitsfähigkeit ab dem Untersuchungszeitpunkt
. Da die Beschwerdeführerin aber berichte, dass sie bereits unmittelbar nach dem Unfall psychisch
dekompensiert
sei
, könne rein theoretisch das Unfalldatum als Beginn dieser Arbeitsfähigkeit herangezogen werden. Man könne sich aber auch an der Aktenlage orientieren, wo erstmals am 1
6.
April 2008 über eine depres
sive Störung berichtet werde
(S. 11 f.)
.
Die Beschwerdeführerin sollte sich wieder in psychiatrische Behandlung bege
ben. Auch eine antidepressive Medikation müsse ebenfalls dringend diskutiert werden, da sie aktuell ungenügend behandelt werde. Ob dies erfolgversprechend sei, sei nicht sicher, aber es sollte nichts unversucht gelassen werden (S. 12).
Es handle sich um eine eigenständige, vom Schmerzerleben losgelöste, unterdessen
autonomisierte
psychische Störung
(S. 14 unten).
3.11
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Innere Medizin speziell
Rheumaer
krankungen
, stellte i
n ihrem Gutachten vom 1
7.
September 2013 (
Urk.
5/
80) keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien die folgenden Diagnosen (S. 81):
Hyperthyreose (Erstdiagnose Juli 2013)
Vitamin-D-Mangel
Status nach 4-Etagen-Venenthrombose links am
6.
Januar 2008 mit
Thrombektomie
und intraoperativer
Thrombolyse
am
8.
Januar 2008 mit inguinaler Wundheilungsstörung und
Re-
Thrombosierung
mit
Stenteinlage
am 1
6.
Januar 2008
Status nach Frontal- beziehungsweise frontalseitlicher Kollision am
5.
September 2007
Ausser Übergewicht sei kein wesentlicher klinischer Befund vorhanden. Die Brust- und Lendenwirbelsäule seien normal beweglich. Bei der direkten Unter
suchung zeige sich eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit der
Halswirbel
säule
, was sich unter Ablenkung normalisiere.
Radikuläre
Zeichen seien nicht vorhanden. Alle grossen peripheren Gelenke seien normal beweglich.
Die ganze Muskulatur sei nirgends verspannt, insbesondere sei auch die
Nackenmuskula
tur
locker. Trotz des Übergewichts bestehe eine Muskelmasse von 40
%
, was exakt dem Normwert entspreche. Eine lang andauernde körperliche Schonung könne daraus nicht abgeleitet werden.
Bildgebend lägen normale Befunde vor. Das Ausmass der Beschwerden könne durch die vorhandenen Befunde nicht erklärt werden. Die Beschwerdeführerin könne sämtliche Tätigkeiten zu 100
%
ausüben (S. 82). Es habe nie eine lang dauernde Arbeitsunfähigkeit bestanden (S. 84).
Zu früheren ärztlichen Einschätzungen hielt
Dr.
D._
fest, dass die von
Dr.
A._
gestellten Diagnosen eines Beckenschiefstands links, einer
dekompen
sierten
S-förmigen Skoliose und einer Abflachung der Brustwirbelsäulen-Ky
phose falsch seien, wie eine aktuelle Untersuchung zeige (S. 86).
3.12
Aus
bidisziplinärer
Sicht habe die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1) Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und wirke sich im Umfang von 50
%
bezogen auf ein 100%-Pensum aus. Dies gelte seit
5.
September 2013 (
Urk.
5/83).
4.
4.1
Es ist zunächst die Qualifikation der Beschwerdeführerin zu prüfen.
D
ie
Beschwer
degegnerin
ging im Verlauf de
s Verfahrens zunächst von einem Anteil von 40
%
Erwerbs- und 60
%
Haushalttätigkeit aus (Abklärungsbericht vom
7.
Juni 2010;
Urk.
5/31 S. 1). In der Folge korrigierte dies die Abklärungsperson am 1
3.
Oktober 2011 auf einen Anteil von
46.5
%
Erwerbs- und
dementspre
chend 53.5
%
Haushalttätigkeit
und hielt am 1
2.
April 2012 daran fest
(vgl.
Urk.
5/93/2). In den Akten befindet sich aber
ein
später erstellter
Einkommens
vergleich
vom 3
1.
Oktober 2012 (
Urk.
5/90), worin von dieser Aufteilung abge
wichen und neu eine Qualifikation als Vollerwerbstätige vorgenommen wurde, da aufgrund der Einkünfte gemäss IK-Auszug verglichen mit den Werten der Lohnstrukturerhebungen (LSE) von ein
em vollen Pensum auszugehen sei; d
as real abgerechnete Einkommen gemäss IK-Auszug sei deutlich höher als das
100%-
Einkommen gemäss LSE.
Dies erscheint als zutreffend, zumal die Kinder der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Unfalles 2007 beziehungsweise ein Jahr später
bereits
in einem Alter
(20, 16 und 10 Jahre alt)
waren, das eine volle Erwerbstätigkeit der Mutter erlaubt hätte.
Somit ist von voller Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall auszugehen.
4.2
Im Anschluss an den am
5.
September 2007 erlittenen Unfall
bestand eine Arbeitsunfähigkeit von 60 bis 100
%
(vgl. Unfallschein;
Urk.
5/6/3), was ab
6.
Januar 2008
vorübergehend auch
auf eine tiefe Beinvenenthrombose
und die anschliessende Wundheilungsstörung
zurückzuführen war.
Diese Erkrankung wirkte sich in der Folge nach Lage der Akten jedoch nicht nachhaltig auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus, denn gemäss fachärztlicher Beur
teilung sind
für diese Beeinträchtigung
nur jährliche Kontrollen vorgesehen und bei langem Sitzen wie einer Fahrt in die Ferien sind einzig Instruktionen bezüg
lich Kompressionstherapie und Mobilisation zu beachten (vgl.
Urk.
5/9/7).
Auch wurde in der Folge die Arbeitsunfähigkeit nicht auf die HWS-Distorsion, son
dern auf andere Beschwerden zurückgeführt, weshalb die entsprechende Recht
sprechung (
BGE
136 V 279) nicht zur Anwendung kommt.
4.3
Dr.
A._
ging vorerst von einer hohen Arbeitsunfähigkeit infolge der deutlich verminderten Beweglichkeit der Halswirbelsäule,
Druckdolenzen
, einem ausge
prägten Hypertonus der Schulter-und Nackenmuskulatur und einer leicht ein
geschränkten Schulterbeweglichkeit
sowie infolge der
De
pression, der Müdigkeit und der
Kopfschmerzen
aus
. Es sei aber mit einer Steigerung der Arbeitsfähig
keit zu
rechnen (vgl. vorstehend E. 3.1
). Ab 1
9.
August 2008 erachtete
Dr.
A._
die bisherige Tätigkeit während vier bis fünf Stunden und eine
behinderungs
angepasste
Tätigkeit während 12.6 Stunden wöchentlich für zumutbar
(vgl. vorstehend E. 3.3)
, was einer Arbeitsfähigkeit von rund 33
%
entspricht.
Aus psychischer Sicht schätzte
lic
. phil.
B._
ab
1.
September 2009 die ange
stammten Arbeitsunfähigkeit auf 25
%
(vorstehend E. 3.4).
Es ist somit davon auszugehen, dass nach Ablauf des Wartejahrs im September 2008 weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von über 40
%
bestand (vgl. vorstehend E. 1.3
).
Ab Februar 2009 erachtete
Dr.
A._
die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als zu 50
%
eingeschränkt
(vorstehend E. 3.6). Eine polydisziplinäre und damit umfassende
re
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit wurde mit dem Gut
achten der
Y._
vom 2
4.
November 2009 vorgenommen, wenn auch
zunächst einzig
im Hinblick auf unfallkausale Einschränkungen.
Im Zeitpunkt dieser Begutachtung arbeitete die Beschwerdeführerin zu 50
%
in der angestammten Tätigkeit (vgl.
Urk.
5/23 S. 26).
Die auf Anfrage der Beschwerdegegnerin vorge
nommene Beurteilung aller Beeinträchtigungen ergab, dass die Gutachter auf die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung durch
Dr.
A._
verwiesen (vgl. vorstehend E.
3.9). Nun sei von einer Arbeitsfähigkeit in der angestammten wie auch einer angepassten Tätigkeit - die angestammte Tätigkeit sei fast ideal
behinderungs
angepasst
- von 60
%
auszugehen, wobei die Einschränkungen durch die dege
nerativen HWS-Veränderungen, die leichte Fehlstatik der Wirbelsäule, die mus
kuläre
Dysbalance
von Nacken und Schultergürtel, die mittelschwere Depression und die venöse Insuffizienz des linken Beines verursacht würden. Ob letzteres sich tatsächlich limitierend auswirkt, erscheint angesichts der Angaben des Venenspezialisten wie vorstehend dargelegt als fraglich. Insgesamt sind jedoch die Angaben der
Y._
-Gutachter genügend schlüssig begründet, so dass
in der angestammten und einer angepassten Tätigkeit
im Zeitpunkt der
Begutachtung im November 2009 von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
und im Zeitpunkt der ergänzenden Beurteilung im August 2010 von 60
%
auszugehen ist. Letzteres steht in Übereinstimmung mit der Einschätzung
durch
Dr.
A._
, wonach eine
Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten sei.
Im Übrigen
ging
auch
die Beschwerdegegnerin von einer Restarbeitsfähigkeit von 60
%
aus (vgl. den Vor
bescheid vom
6.
April 2011;
Urk.
5/41). Dass dies von der Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht als letzter Stand der Abklärungen betrachtet wurde, ergibt sich auch aus ihrer Beschwerdeantwort vom
3.
Dezember 2012 (
Urk.
5/58) zur Rechtsverzögerungsbeschwerde und den entsprechenden Erwä
gungen im Urteil des hiesigen Gerichts vom 2
8.
Januar 2013
,
wo
rin
festgehalten wurde, dass es bei der strittigen Frage nur noch darum gehe, ob und in welchem Umfang die Beschwerdeführerin vor Eintritt des Gesundheitsschadens erwerbs
tätig gewesen wäre und heute noch sein würde
. So habe denn die
Beschwerde
gegnerin
darauf verzichten können, weitere medizinische Berichte einzuholen
(
Urk.
5/64 E. 2.2).
4.4
Somit ergibt sich als Zwischenresultat Folgendes:
Die Beschwerdeführerin
war
nach Ablauf des Wartejahres im September 2008
gemäss den
Angaben von
Dr.
A._
zunächst
noch zu 33
%
arbeitsfähig, was einer Arbeitsunfähigkeit von 67
%
entspricht. Dies ist, nachdem sich die Beschwerdeführerin im August 2008 zum Leistungsbezug anmeldete, ab
1.
Februar 2009 zu berücksichtigen (
Art.
29
Abs.
1 IVG). Ab diesem Zeitpunkt erachtete
Dr.
A._
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
als zumutbar
(vgl. vorstehend E. 3.6)
,
welche
di
e Beschwerdeführerin
tat
sächlich
verwerten konnte
(vgl.
Urk.
5/23 S. 26). Von dieser Arbeitsfähigkeit gingen im November 2009 auch die
Y._
-Gutachter aus. Ab August 2010 war gestützt auf deren Beurteilung von einer Restarbei
tsfähigkeit von 60
%
auszu
gehen, was ab
1.
November 2010 zu berücksichtigen ist (
Art.
88a
Abs.
1 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV).
4.5
Angesichts des vorstehend Gesagten ist nicht ersichtlich, weshalb die
Be
schwerde
gegnerin
im Anschluss an das Urteil des hiesigen Gerichts vom Januar 2013 - wo eine Rechtsverzögerung (noch) verneint wurde - nochmals medizi
nische Abklärungen veranlasste: Nachdem die Anmeldung der Beschwerdefüh
rerin bereits im August 2008 erfolgt war und einzig noch Abklärungen zum Validen- und Invalideneinkommen zu tätigen waren und die
Beschwerdegegne
rin
von einem vollständig abgeklärten medizinischen Sachverhalt mit schlüssi
ger Beurteilung ausging, wäre vielmehr ein Entscheid über den
Leistungsan
spruch
der Beschwerdeführerin zu erwarten gewesen. Unter diesen Umständen stellt sich die Frage, ob mit der erneuten Veranlassung eines Gutachtens nicht eine unzulässige
second
opinion
eingeholt und das Verfahren dadurch unnötig verzögert wurde. Dies ist jedoch nicht weiter zu prüfen, da die rechtskundig vertretene Beschwerdeführerin die diesbezügliche
Zwischenverfügung vom 1
1.
März 2013 (
Urk.
5/67) nicht angefochten hat.
4.6
Die
erneute
Begutachtung durch
Dr.
D._
und
Dr.
C._
ergab eine
Restar
beitsfähigkeit
von 50
%
ab
5.
September 2013, wobei die Arbeitsfähigkeit einzig aus psychischen Gründen eingeschränkt sei (vorstehend E. 3.11). Die
bidiszipli
näre
Begutachtung erfolgte in Beachtung der praxisgemäs
sen Kriterien (vorste
hend E. 1.4
), weshalb
dem Gutachten
grundsätzlich Beweiswert zukommt.
Dr.
D._
vermochte nach Durchführung gründlicher und allseitiger Unter
suchungen keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mehr zu stellen und legte schlüssig dar, dass
die Gelenke und
die
Wirbelsäule der Be
schwerdeführerin normal beweglich und ihre Muskeln locker seien, und dass sie über eine normalwertige Muskelmasse trotz Übergewicht verfüge
, w
eshalb nicht von einer langd
auernden Schonung auszugehen
sei
. Bildgebend seien normale Befunde vorhanden; das Ausmass der Beschwerden konnte durch die Befunde nicht (mehr) erklärt werden.
Dr.
D._
schloss angesichts dieser
Untersu
chungsresultate
deshalb aus somatischer Sicht auf eine volle Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin.
Dies vermag zu überzeugen.
4.7
Demgegenüber erachtete
Dr.
C._
die Beschwerdeführerin aufgrund einer mittel
gradigen depressiven Episode als lediglich zu 50
%
arbeitsfähig, dies in angestammter und angepasster Tätigkeit.
Die Beschwerdeführerin nimmt weder eine psychiatrische noch eine antidepressive Behandlung in Anspruch, sie sei gegen Medikamente (vgl.
Urk.
5/81/74
Ziff.
7.4).
Aus rechtlicher Sicht gelten
selbst
mittelschwere psychische Störungen aus dem depressiven Formenkreis grundsätzlich als therapeutisch
angehbar
(vgl. das Urteil des Bundesgerichts 9C_673/2012 vom 2
8.
November 2012 E. 3.3).
Ein Rentenanspruch kann grundsätzlich nicht entstehen, solange zumutbare thera
peutische und andere schadenmindernde Vorkehren nicht ausgeschöpft werden. Solange durch eine tatsächlich realisierbare Veränderung der für die gesund
heitliche Situation bedeutsamen Rahmenbedingungen eine wesentliche Verbes
serung des (psychischen) Gesundheitszustandes und damit der dadurch einge
schränkten Arbeitsfähigkeit bewirkt werden kann, liegt kein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne des Gesetzes vor (Urteil 9C_947/2012 vom 1
9.
Juni 2013 E. 3.2.2 mit Hinweis).
Dies folgt aus dem Grundsatz der
Selbst
eingliederungs
- und Schadenminderungspflicht.
Dr.
C._
erachtete denn auch die Aufnahme einer entsprechenden Behandlung
bei der Beschwerdeführerin
als dringend indiziert.
Es fehlt somit an einer konsequenten Depressionstherapie, deren Scheitern das Leiden
erst
als resistent ausweisen würde (Urteil 9C_667/2013 vom 2
9.
April 2013 E. 4.3.2).
Angesichts dieser
Sachlage
kann nicht auf
die
Einschätzung einer lediglich 50%igen Restarbe
itsfähigkeit abge
stellt werden, zumal
Dr.
C._
nicht genügend begründet, warum eine so hohe Arbeitsunfähigkeit
dauerhaft
bestehen soll.
Vielmehr ist bei objektiver Betrach
tung der Beschwerdeführerin zumutbar, ihre Arbeitsfähigkeit, unterstützt durch entsprechende
konsequente
Therapie, in einem vollen Pensum
zu verwerten (vgl. zum Ganzen BGE 140 V 193).
Somit ist ab
5.
September 2013 aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht von einer vollen Arbeitsfähigkeit in angestammter und angepasster Tätigkeit auszu
gehen
.
5.
5.1
Für den Zeitraum vom
1.
Februar 2009 bis
3
1.
Oktober
2010
ist nach dem Gesag
ten
(vgl. vorstehend E.
4.3) ausgehend von einer Restarbeitsfähigkeit von 50
%
und einer vollen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall der Invaliditätsgrad zu berechnen.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.2
Für die Ermittlung des
Valideneinkommen
s
stellt sich die Frage, was die
Be
schwerdeführer
in
aufgrund
ihrer
beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände zu erwarten gehabt hätte, wenn
sie
nicht invalid geworden wäre. Da
bei entspricht es empirischer Erfahrung, dass die bisherige Tätigkeit im
Gesund
heitsfall
weitergeführt worden wäre, weshalb Anknüpfungspunkt für die Be
stimmung des
Valideneinkommens
häufig der zuletzt erzielte, der Teuerung sowie der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst ist (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 f. E. 3b).
5.3
Die Beschwerdeführerin verdiente gemäss IK-Auszug (
Urk.
5/78) vor Eintritt des Gesundheitsschadens im Jahr 2007 insgesamt
Fr.
47‘783.--
im Jahr
2004,
Fr.
51‘272.-- im Jahr 2005 und
Fr.
43‘922.-- im Jahr 2006, somit durchschnitt
lich
Fr.
48‘904.-- pro Jahr. Unter Berücksichtigung der Lohnentwicklung im
Bereich
persönliche Dienstleistungen
in den Jahren 2007 und 2008 in Höhe von 1.3
%
und 2
%
(Die Volkswirtschaft, Tabelle B10.2) ergibt sich für das Jahr
2008 ein hypothetisches
Valideneinkommen
von rund
Fr.
50‘530.-- (
Fr.
48‘904.--
x 1.013 x 1.02).
Nachdem die Beschwerdegegnerin von einem
Validenein
kom
men
von
Fr.
52‘513.65 ausging (vgl.
Urk.
5/90), ist zugunsten der Beschwerde
führerin von diesem Betrag
(mithin rund
Fr.
52‘514.--)
auszugehen.
5.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, nament
lich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bun
desamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standar
disierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, wes
halb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche
Wo
chenarbeitszeit
aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
Obwohl die Beschwerdeführerin ge
mäss IK-Auszug in den Jahren 2008 und 2009 weiterhin Einkommen erzielte, ist für die Berechnung des Invalideneinkommens auf die statistischen LSE-Werte
im Durchschnitt aller einfachen und repetitiven Tätigkeiten
abzustellen, da diese die aus medizinscher Sicht zumutbaren Erwerbsmöglichkeiten genauer abzubilden vermögen: Es ist nicht
anzunehmen
,
dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit
mit den
wenigen (vgl. den IK-
Auszug;
Urk.
5/78)
weiterhin ausgeübten Tätigkeiten
in zumutbarer Weise voll ausschöpft,
weshalb
der tat
sächlich erzielte Verdienst
nicht
als Invalidenlohn
heranzuziehen ist
(
vgl.
BGE 129 V 472 E.
4.2.1).
5.5
Der im Durchschnitt aller Wirtschaftszweige von Frauen in einfachen und repetiti
ven Tätigkeiten erzielte Lohn betrug im Jahr 2008
Fr.
4
‘
116
.-- pro Monat (LSE 2008, Tabelle TA1, Total, Niveau 4) und somit
Fr.
49‘392.-- pro Jahr (
Fr.
4‘116.--
x 12). Angepasst an die seit 2008 übliche durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 41.6 Stun
den (www.bfs.ch) ergibt dies einen Jahreslohn von rund
Fr.
51‘368.-- (
49‘392.
--
:
40 x 41.6). Bei einer Restarbeitsfähigkeit von 50
%
ergibt sich ein Betrag von rund
Fr.
25‘684.--. Für einen leidensbedingten Abzug vom Tabellenlohn besteht kein Anlass, denn den Einschränkungen der
Beschwerdeführerin wurde mit der Annahme einer Teilzeitarbeitsfähigkeit - die sich ohnehin erfahrungsgemäss bei Frauen lohnerhöhend auswirkt - Genüge getan.
5.6
Der Vergleich des hypothetischen
Valideneinkommens
von
Fr.
52‘
51
4
.
--
mit dem hypothetischen Invalideneinkommen von
Fr.
25‘684.--
ergibt
eine
Er
werbseinbusse
von
Fr.
26‘8
30
.
--
und damit einen Invaliditätsgrad von
51
%
.
Damit hat die Beschwerdeführerin vom
1.
Februar 2009 bis 3
1.
Oktober
2010 Anspruch auf eine halbe Rente
.
5.7
Von November 2010 bis August 2013 bestand eine Restarbeitsfähigkeit von 60
%
, womit das Invalideneinkommen auf
Fr.
30‘821.-- festzusetzen ist (
Fr.
51‘368.-- x 0.6). Die Erwerbseinbusse beträgt somit
Fr.
21‘69
3
.
-- was einen Invaliditätsgrad von
41.3 oder gerundet 41
%
und damit einen Anspruch auf eine
befristete
Viertelsrente
ergibt.
Ab September 2013 ist von voller Arbeitsfä
higkeit in jeglicher Tätigkeit auszugehen, womit kein Rentenanspruch mehr besteht.
Die angefochtene Verfügung ist somit aufzuheben, was zur Gutheissung der Beschwerde führt.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 1‘000.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Die
obsiegende Beschwerdeführer
in
hat Anspruch auf eine
Prozessentschädi
gung
, die unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsa
che und der Schwierigkeit des Prozesses (§ 34 Abs. 3 des Gesetzes über das
Sozialver
siche
rungsgericht
,
GSVGer
) sowie beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 200.--
(zuzüglich
MWSt
)
ermessensweise
auf Fr.
4
‘000.-- festzusetzen und
ausgangs
gemäss
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen ist.