Decision ID: d1c75202-2c89-5459-973d-24f8297c8520
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführer,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur AHV
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
Der 1946 geborene B._ meldete sich am 22. September 2009 zum Bezug von
Ergänzungsleistungen (EL) zu seiner AHV-Rente an (EL-act. 10). Letztere war laut
Verfügung vom 26. Februar 2009 um zwei Jahre vor dem ordentlichen Rentenalter ab
1. April 2009 vorbezogen worden (EL-act. 11/1). Gemäss Formular für die Ermittlung
eines hypothetischen Erwerbseinkommens war die Ehefrau des Versicherten bis 1996
einer Erwerbstätigkeit nachgegangen und hatte danach zwei Jahre lang ALV-Taggelder
bezogen. Aufgrund des Alters, der fehlenden Ausbildung und der schlechten
Wirtschaftslage habe sie keine neue Arbeitsstelle finden können (EL-act. 6/4). Das
Ärztliche Begutachtungsinstitut (ABI) Basel hatte zuletzt am 13. Januar 2005 im
Abklärungsverfahren der Invalidenversicherung festgestellt, dass die Ehefrau in einer
angepassten Tätigkeit zu 80% arbeitsfähig sei (act. G 8/IV-act. 60).
B.
B.a Mit Verfügung vom 3. Dezember 2009 wies die EL-Durchführungsstelle den EL-
Anspruch des Versicherten bei einem Einnahmenüberschuss von Fr. 9'416.--. ab.
Dabei rechnete sie auf der Einnahmenseite unter anderem eine Schenkung in der Höhe
von Fr. 25'000.-- (bzw. 1/10 Vermögensverzehr; vgl. EL-act. 12/3) und ein
hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau von Fr. 31'875.-- an, weil diese sich
seit dem Wegfall der ALV-Taggelder nicht mehr um Arbeit bemüht habe (EL-act. 5).
B.b Dagegen erhob der Versicherte am 22. Dezember 2009 (Eingangsdatum)
Einsprache (EL-act. 3). Diese begründete er am 2. Februar 2010. Er beantragte die
Aufhebung der leistungsverweigernden Verfügung und die Zusprache von
Ergänzungsleistungen ab 1. September 2009, wobei eine Neuberechnung ohne
Annahme eines hypothetischen Erwerbseinkommens zu erfolgen habe. Er führte aus,
von der Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens sei abzusehen, wenn
die betreffende Person das 60. Jahr zurückgelegt habe und sie seit langem nicht mehr
erwerbstätig gewesen oder bei der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert worden sei
bzw. die Erwerbstätigkeit nicht freiwillig aufgegeben habe. Seine Ehefrau erfülle all
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diese Voraussetzungen, ausser dass sie erst im Oktober 2010 sechzig werde. Es sei
allerdings nicht nachvollziehbar, dass ein hypothetisches Erwerbseinkommen für diese
kurze Zeit bis Oktober angerechnet werde. Im Übrigen habe seine Ehefrau seit über
zehn Jahren keiner Erwerbstätigkeit nachgehen können, womit sie als im
Haushaltsbereich tätige Person gelte. Daraus folge, dass sie bei einer Einschränkung
von 20% in diesem Aufgabenbereich keinen Anspruch auf eine IV-Rente habe, obwohl
sie gemäss Arztzeugnis in ausserhäuslichen Beschäftigungen zu 100% arbeitsunfähig
sei. Dazu komme, dass sie aufgrund ihrer Sprachkenntnisse, ihrer Ausbildung und ihrer
bisherigen Tätigkeit das angenommene Erwerbseinkommen nicht erzielen könne. Bei
der aktuellen Arbeitsmarktlage werde eine sechzigjährige ungelernte und erkrankte
Person nicht angestellt. Eine Wiedereingliederung ins Berufsleben sei nach einer langen
Abwesenheit und in diesem Alter nicht mehr möglich. Überdies seien nicht
rentenberechtigte bzw. nicht erwerbstätige Ehegatten den gleichaltrigen Witwen ohne
minderjährige Kinder gleichzustellen. Zuletzt treffe es nicht zu, dass seine Ehefrau und
er eine Geldschenkung in der Höhe von Fr. 25'000.-- vorgenommen hätten. Es seien
zwar keine Belege für die Verwendung dieses Betrages vorhanden, sie hätten diesen
allerdings einfach ausgegeben (EL-act. 1/1-4). Der Einsprache beigefügt ist unter
anderem ein Arztzeugnis von Dr. med. A._ vom 13. Januar 2010, in dem die Ehefrau
des Versicherten für ausserhäusliche Tätigkeiten zu 100% arbeitsunfähig geschrieben
wird (EL-act. 1/5).
B.c Mit Entscheid vom 12. Mai 2010 wies der Rechtsdienst der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) die Einsprache ab. Er erwog
im Wesentlichen, es bleibe zwar einer versicherten Person bzw. ihrem Partner
unbenommen, auf eine mögliche Erwerbstätigkeit zu verzichten. Die dadurch bewirkte
finanzielle Einbusse werde aber nicht versichert. Eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes der Ehefrau sei nicht nachgewiesen, womit sie weiterhin als zu
80% arbeitsfähig gelte. Angesichts der finanziellen Lage des Ehepaares hätte sie sich
um eine Arbeitsstelle bemühen müssen. Das Alter und die Ausbildung seien dabei
irrelevant. Der Versicherte wolle aus der für die nichtinvaliden Witwen geltende
Bestimmung ableiten, dass seine 59-jährige Ehefrau keine Stelle mehr suchen müsse.
Es sei aber aufgrund der Schadenminderungspflicht nicht einzusehen, weshalb sich
nicht auch die nichtinvalide Witwe über 60 Jahren um eine Arbeitsstelle bemühen solle.
Gelinge es ihr trotz hinreichender Bemühungen nicht, eine Arbeitsstelle zu finden,
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könne sie also nachweisen, dass der konkrete Arbeitsmarkt die Verwertung ihrer
Arbeitsfähigkeit nicht erlaube, so werde auch auf die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens zu verzichten sein. Dies gelte erst recht für nichtinvalide
Ehegatten von EL-Bezügern, für die es keine Vermutung analog zur Regelung
betreffend die nichtinvaliden Witwen gebe. Auch die Arbeitslosenversicherung verlange
den Nachweis von Arbeitsbemühungen bis zum Erreichen des ordentlichen
Pensionsalters. Der geltend gemachte Verzicht auf eine Anrechnung unter Hinweis
darauf, dass die Ehefrau kurz nach der Anmeldung zum EL-Bezug 59-jährig geworden
sei, würde zu einer nicht zu rechtfertigenden Ungleichbehandlung gegenüber
gleichaltrigen Ansprechern auf ALV-Taggelder führen. Mangels Arbeitsbemühungen der
Ehefrau des Versicherten sei grundsätzlich ein hypothetisches Erwerbseinkommen
anzurechnen. Der Tabellenlohn 2008 für Hilfsarbeiterinnen betrage Fr. 51'368.--. Die
Ehefrau könne bei einer Arbeitsleistung von mindestens 80% ein
Bruttoerwerbseinkommen von Fr. 41'094.-- erzielen. Das angerechnete Einkommen
von Fr. 31'875.-- erscheine eher zu tief als zu hoch (EL-act. 19).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom
7. Juni 2010 (act. G 1). Der Beschwerdeführer beantragte in der nachgereichten
Begründung vom 24. Juni 2010 die Aufhebung des Einspracheentscheids und die
Zusprache von Ergänzungsleistungen ab 1. September 2009, wobei eine
Neuberechnung ohne Annahme eines hypothetischen Erwerbseinkommens zu erfolgen
habe. Zur Begründung verwies er grundsätzlich auf seine Ausführungen in der
Einsprache. Ausserdem fügte er hinzu, dass er zwischen den Zeilen des angefochtenen
Entscheids lese, seine Ehefrau und er würden auf Kosten der öffentlichen Hand
schmarotzen, was ihn wütend mache und aufs Tiefste beleidige. Deshalb schilderte er,
wie es dazu gekommen sei, dass er sich frühzeitig habe pensionieren lassen müssen
und dass seine Ehefrau nicht mehr arbeiten könne. Entgegen der Auffassung der SVA
verschlechtere sich der Gesundheitszustand seiner Frau weiterhin. Neuerdings sei bei
ihr ein mittelschweres obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom festgestellt worden.
Aufgrund ihrer ausgeprägten Erschöpfungszustände könne sie weder Hausarbeiten
noch eine ausserhäusliche Erwerbstätigkeit ausüben. Somit sei die Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens ungerechtfertigt (act. G 3). Der Beschwerde
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beigelegt ist unter anderem ein Arztbericht des Interdisziplinären Zentrums für
Schlafmedizin des Kantonsspitals St. Gallen vom 14. Juni 2010 (act G 3.3).
C.b Mit Schreiben vom 8. Juli 2010 stellte die Beschwerdegegnerin den Antrag auf
Abweisung der Beschwerde, verwies zur Begründung auf die Erwägungen im
Einspracheentscheid und verzichtete im Übrigen auf eine Beschwerdeantwort (act. G
5).
C.c Die Verfahrensleitung hat die IV-Akten der Ehefrau des Beschwerdeführers
beigezogen (act. G 8).

Erwägungen:
1.
Dieses Beschwerdeverfahren befasst sich mit der Rechtsmässigkeit der Verweigerung
des Begehrens des Beschwerdeführers um Ergänzungsleistungen zur AHV-Rente ab
September 2009. Der Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung besteht gemäss
Art. 12 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-,
Hinterlassen- und Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30) in der Regel ab Beginn des
Monats, in dem die Anmeldung eingereicht worden ist, sofern sämtliche
Voraussetzungen erfüllt sind. Anspruchsberechtigt sind Personen mit Wohnsitz und
gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die eine Altersrente der AHV oder eine
Invalidenrente beziehen, wenn sie damit ihren Existenzbedarf nicht decken können (Art.
4 Abs. 1 ELG). Ausländerinnen und Ausländer müssen sich unmittelbar vor dem
Zeitpunkt, ab dem die Ergänzungsleistung verlangt wird, während zehn Jahren
ununterbrochen in der Schweiz aufgehalten haben (Karenzfrist; Art. 5 ELG). Wenn ein
Fehlbetrag aus der Gegenüberstellung von anrechenbaren Einnahmen und
anerkannten Ausgaben resultiert, wird diese Differenz als Ergänzungsleistung
entschädigt (vgl. Art. 9 Abs. 1 ELG).
2.
Die anerkannten Ausgaben sowie die anrechenbaren Einnahmen von Ehegatten
werden gemäss Art. 9 Abs. 2 ELG zusammengerechnet. Der Beschwerdeführer
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beanstandet zu Recht nicht die Berechnung der anerkannten Ausgaben in der Höhe
von Fr. 46'304.--. Hingegen rügt er die Ermittlung der anrechenbaren Einnahmen.
Dabei geht es um die Frage, ob die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer zu
Recht ein hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau als Einnahme angerechnet
hat.
2.1 Bei der Anspruchsberechnung sind grundsätzlich nur die tatsächlich
erwirtschafteten Einkünfte zu berücksichtigen, über die der Leistungsansprecher
ungeschmälert verfügen kann. Allerdings gilt dieser Grundsatz nur unter dem
Vorbehalt, dass auch Einkünfte, auf die verzichtet worden ist, nach Art. 11 Abs. 1 lit. g
ELG als hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen sind. Eine Verzichtshandlung
liegt unter anderem vor, wenn die versicherte Person aus von ihr zu verantwortenden
Gründen von der Ausübung einer möglichen und zumutbaren Erwerbstätigkeit absieht.
Auch Personen, die in die Anspruchsberechnung der versicherten Person einbezogen
sind, partizipieren an der EL, da diese den Existenzbedarf der ganzen Familie
sicherstellt. So ist auch die Ehefrau des EL-Gesuchstellers Leistungsempfängerin.
Verzichtet sie auf die mögliche und zumutbare Erzielung eines Erwerbseinkommens, so
ist die Geltendmachung eines Anspruchs auf Ergänzungsleistungen (EL) zur Deckung
jenes Teils der anerkannten Ausgaben, der durch das Erwerbseinkommen der Ehefrau
gedeckt werden könnte, missbräuchlich (Ralph Jöhl, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV,
in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV-Meyer, Soziale Sicherheit, 2.
Aufl., Basel 2007, S. 1759, Rz. 179). Deswegen ist bei der EL-Berechnung des EL-
Gesuchstellers ein hypothetisches Erwerbseinkommen für dessen Ehefrau
anzurechnen, sofern diese auf die mögliche und zumutbare Erzielung eines
Erwerbseinkommens verzichtet. Das vom Beschwerdeführer vorgebrachte Argument,
dass nicht rentenberechtigte, nicht erwerbstätige Ehegatten in analoger Anwendung
von Art. 14b ELV den gleichaltrigen Witwen ohne minderjährige Kinder gleichzustellen
seien, hält einer eingehenden Prüfung nicht stand. Ist die Ehegattin eines EL-
Gesuchstellers im rechtlichen Sinn nicht invalid, so sind Art. 14a wie Art. 14b ELV
weder direkt noch analog anwendbar (Urteil des Bundesgerichtes 9C_184/2009 E. 2.2;
SVR 2007 EL Nr. 1 S. 1, P 40/03 E. 3).
2.2 Bevor jedoch ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet wird, muss in
jedem Einzelfall geprüft werden, ob von der Ehefrau des Beschwerdeführers unter den
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gegebenen Umständen verlangt werden kann, von nun an einem (grösseren)
Arbeitserwerb nachzugehen, und wie hoch der Lohn wäre, den sie bei gutem Willen
erzielen könnte. Anhaltspunkte dafür sind ihre familiären Verpflichtungen, ihr Alter, ihr
Gesundheitszustand, ihre Sprachkenntnisse, ihre Ausbildung, ihre bisherige Tätigkeit,
die konkrete Arbeitsmarktlage sowie gegebenenfalls die Dauer der Abwesenheit vom
Berufsleben (Urteil des Bundesgerichts 8C_172/07 vom 6. Februar 2008 E. 4.2; BGE
121 V 205 E. 4a; AHI 2001 S. 133 E. 1b; ZAK 1992 S. 330 E. 3a; vgl. Erwin Carigiet/
Uwe Koch, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, 2. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2009, S. 158).
2.3 Vorliegend ist die Ehefrau des Beschwerdeführers seit 1996 keiner
Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen (EL-act. 6/4). Zum Zeitpunkt der EL-Anmeldung
vom 22. September 2009 (EL-act. 10) hatte sie keine Betreuungspflichten mehr und
konnte ihrem Ehemann den Haushalt überlassen. Deshalb ist die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit grundsätzlich zu erwarten bzw. im Unterlassungsfall von einer
Verzichtshandlung auszugehen. Der Beschwerdeführer bringt jedoch vor, seine Ehefrau
suche keine Anstellung, weil sie zu 100% arbeitsunfähig sei. Zu ihrem
Gesundheitszustand liegt u.a. ein medizinisches ABI-Gutachten vom 13. Januar 2005
vor. Danach seien der Ehefrau jegliche körperlich leichten bis mittelschweren
Tätigkeiten ganztägig zumutbar mit einer (von den Gutachtern selbst als grosszügig
bezeichneten) Leistungseinschränkung von 20%. Damit habe sich der
Gesundheitszustand seit einer letzten Begutachtung vom November 2000 nicht
geändert (IV-act. 60). Demgegenüber hat Dr. med. A._, Facharzt FMH für Innere
Medizin, am 13. Januar 2010 unter Hinweis auf chronisch rezidivierende
Kopfschmerzen im Rahmen einer redizivierenden ängstlich-depressiven Störung und
einer labilen arteriellen Hypertonie eine Arbeitsunfähigkeit von 100% attestiert (EL-act.
1/5). Damit macht der Hausarzt allerdings keine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes geltend, sondern äussert eine neue Einschätzung des
grundsätzlich gleich gebliebenen Sachverhalts. Er setzt sich nicht mit dem ABI-
Gutachten vom 13. Januar 2005 auseinander und stützt sich vorwiegend auf bereits
damals erkannte und gewürdigte Tatsachen. Zudem nennt er als Facharzt für Innere
Medizin eine depressive Störung, für deren Diagnose beweisrechtlich eine fachliche
Qualifikation in Psychiatrie und Psychotherapie erforderlich wäre. Deshalb ist gemäss
IV-Abklärungen weiterhin von einer Arbeitsfähigkeit von 80% auszugehen. Daran
vermag nichts zu ändern, dass das Interdisziplinäre Zentrum für Schlafmedizin des
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Kantonspitals St. Gallen am 14. Juni 2010 unter anderem ein mittelschweres
obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom diagnostiziert hat (act. G 3.3), weil sich die
entsprechende Berichterstattung auf die therapeutischen Aspekte der Erkrankung
beschränkt, ohne eine Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Diesbezüglich ist nicht
anzunehmen, dass weitere Abklärungen zur Einschätzung einer verminderten
Arbeitsleistung führen würden, weshalb in einer antizipierten Beweiswürdigung davon
abzusehen ist.
2.4 Damit ist von einer zumutbaren Arbeitsleistung von 80% in adaptierten Tätigkeiten
bei ganztägigem Arbeitspensum auszugehen. Zu klären ist sodann, ob diese
verbliebene Arbeitskraft auf dem aktuellen und realen Arbeitsmarkt noch verwertbar ist.
Massgebend ist jener Ausschnitt aus dem Arbeitsmarkt, der für die betreffende Person
aufgrund ihrer Ausbildung und Fähigkeiten sowie unter Berücksichtigung allfälliger
quantitativer und/oder qualitativer Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in Betracht
kommt.
2.4.1 In Frage kommen für die Ehefrau des Beschwerdeführers Hilfsarbeiten. Solche
Hilfsarbeiten stellen generell geringe Anforderungen an die sprachliche Kommunikation
und an die Ausbildung (Urteil des Bundesgerichtes 9C_539/09 vom 9. Februar 2010
E. 5.2.2), da sie aus einfachen und repetitiven Tätigkeiten bestehen. Dass die Ehefrau
über keine besonders guten Deutschkenntnisse und berufliche Qualifikation verfügt,
fällt daher nicht ins Gewicht. Genauso verhält es sich mit ihrem Alter. Es gibt viele
Hilfsarbeiten, die nicht primär körperliche Leistungsfähigkeit, sondern Zuverlässigkeit
und Sorgfalt bei der Ausübung immer gleicher Arbeitsgänge erfordern. An einem
solchen Arbeitsplatz kommt es nicht auf das Alter der Arbeitnehmerin an. Das
Bundesgericht hat in mehreren zum neuen Scheidungsrecht ergangenen Urteilen die
Aufnahme bzw. den Ausbau einer Erwerbstätigkeit grundsätzlich auch in
fortgeschrittenerem Alter als zumutbar erachtet (vgl. Urteil 9C_539/09 E. 5.1.2 unter
Hinweis auf BGE 127 III 136, 140, und Urteil 5P.418/2001 vom 7. März 2002 E. 5c).
Damit wird die (Re-)Integration auch älterer Personen in den Arbeitsmarkt also nicht
ausgeschlossen.
2.4.2 Angesichts eines tiefen Anforderungsprofils besteht eine grundsätzliche
Vermutung für die Verwertbarkeit der Arbeitskraft in einer Hilfstätigkeit. Diese
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Vermutung kann nur dadurch und so lange als widerlegt gelten, als sich die betreffende
arbeitsfähige Person – analog der Lösung in der Arbeitslosenversicherung – in einem
zumutbaren Ausmass anhaltend um Arbeit bewirbt und noch keine Stelle gefunden hat.
Ernsthafte Bewerbungen sind zudem Ausdruck der Pflicht, soweit als möglich aus
eigener Kraft den Existenzbedarf zu bestreiten. Aus der Verletzung der Pflicht zur
selbstverantwortlichen Finanzierung des Existenzbedarfs ergibt sich ein relevanter
Verzicht auf die Erzielung eines Erwerbseinkommens im Sinn von Art. 11 Abs. 1 lit. g
ELG.
2.4.3 Unbestrittenermassen hat die Ehefrau des Beschwerdeführers
Arbeitsbemühungen unterlassen, weil sie diese von vornherein für aussichtslos
gehalten hat. Der Beschwerdeführer selbst war seit 1. Februar 2007 beim RAV
angemeldet und wurde am 31. Januar 2009 wegen Ablauf der Rahmenfrist abgemeldet
(act. G 3). Spätestens zu letzterem Zeitpunkt hätte die Ehefrau mit der Arbeitssuche
beginnen müssen. Nicht von Belang ist das Argument, dass die Ehefrau im Jahr 1996
ihre Erwerbstätigkeit unfreiwillig aufgegeben habe und anschliessend beim RAV
ausgesteuert worden sei (EL-act. 1/1-4), zumal es sich bei der Arbeitslosigkeit um
einen Dauersachverhalt handelt und die Ehefrau die zumutbaren Arbeitsbemühungen
im massgeblichen Zeitraum hätte erbringen müssen. In zeitlicher Hinsicht massgebend
ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 12. Mai 2010 zugetragen hat (BGE 129 V 167 E. 1).
2.5 Es ist zusammenfassend festzuhalten, dass die alters- und ausbildungsmässigen
sowie die sprachlichen Umstände der Ehefrau des Beschwerdeführers im Hinblick auf
eine einfache und repetitive Hilfsarbeitstätigkeit die Verwertung der Arbeitsfähigkeit
nicht ausschliessen. Die lange Abwesenheit vom Berufsleben vermindert zwar in
Kombination mit dem Alter und der gesundheitsbedingt notwendigen Vermeidung
bestimmter Belastungen die Erfolgschancen bei der Arbeitssuche erheblich. Indessen
darf nicht von Vorneherein ausgeschlossen werden, dass die resultierenden Nachteile
durch die Bereitschaft, zu einem unterdurchschnittlichen Lohn zu arbeiten, zumindest
teilweise kompensiert werden können (vgl. in diesem Zusammenhang Ralph Jöhl,
a.a.O., S. 1761, Rz. 182). Für die Ehefrau des Beschwerdeführers kommen
verschiedene Arbeitsarten (etwa auch Schicht-, Heim- oder Aushilfsarbeit) in Frage. Die
Restarbeitsfähigkeit von 80% in adaptierten Tätigkeiten ist bei Inkaufnahme einer
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gewissen lohnmässigen Benachteiligung auf dem aktuellen und realen Arbeitsmarkt,
welcher stets natürliche Fluktuationen aufweist, jedenfalls noch verwertbar. Da die
Ehefrau nicht aktiv nach einer Arbeitsstelle gesucht und sich damit auch nicht bemüht
hat, die Verwertbarkeit ihrer verbliebenen Arbeitsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt zu
prüfen, ist ihr dies als Verzichthandlung anzurechnen, was bei der EL-Rechnung des
Beschwerdeführers die Berücksichtigung eines hypothetisches Erwerbseinkommens
als Einnahme zur Folge hat.
3.
Es steht somit die rechtliche Zulässigkeit der Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens fest. Daher ist dessen Höhe im Folgenden zu prüfen.
3.1 Die Tatsache, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers seit langem nicht mehr
arbeitet, spricht für die Abstellung auf Durchschnittswerte, so dass die Tabellenlöhne
gemäss der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) beigezogen werden können. Bei der Ermittlung des
hypothetischen Erwerbseinkommens für die EL-Berechnung ist auf den Arbeitsmarkt
im fraglichen Zeitraum abzustellen. Laut Tabelle T13 der LSE 2008 in der Region
Ostschweiz belief sich der standardisierte Lohn für Hilfsarbeiterinnen im tiefsten
Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) im Jahre 2008 auf Fr.
47'700.-- (12x Fr. 3'975.--). Bei Annahme einer betriebsüblichen durchschnittlichen
Arbeitszeit im Jahr 2008 von 41,6 Stunden (statt 40 Stunden) pro Woche, ergibt sich
ein Gehalt von Fr. 49'608.-- (Fr. 3'975.--:40 x 41,6 x 12). Wird der Ehefrau des
Beschwerdeführers eine Arbeitsleistung im medizinisch zumutbaren Ausmass von 80%
zugemutet, so beläuft sich das Durchschnittseinkommen auf Fr. 39'686.--. Passt man
diesen Betrag der Nominallohnentwicklung des Jahres 2009 an (2,1%), resultiert ein
durchschnittlich erzielbares Jahreseinkommen von Fr. 40'519.--.
3.2 Wie bereits dargelegt (E. 2.4), liegen gewisse persönliche Umstände bei der
Ehefrau des Beschwerdeführers vor, die sich nachteilig auf den Lohn auswirken.
Derartigen Nachteilen ist durch eine prozentuale Reduktion des anhand statistischer
Zahlen ermittelten erzielbaren Einkommens Rechnung zu tragen. Es handelt sich um
eine Ermessenentscheidung, für die keine Obergrenze festzusetzen ist, denn eine
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Offerte, unter dem Durchschnittslohn arbeiten zu wollen, erfolgt ja nicht nur wegen
persönlicher Nachteile der betreffenden Person, sondern sie dient dazu, die Chancen
auf eine Arbeitsstelle generell zu vergrössern (Ralph Jöhl, a.a.O., Fussnote 625).
Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin ein hypothetisches Erwerbseinkommen der
Ehefrau des Beschwerdeführers in Höhe von Fr. 31'875.-- angerechnet. Dieses
unterschreitet das durch die Ehefrau trotz der gesundheitlichen Einschränkung
durchschnittlich erzielbare Einkommen (s. E. 3.1 am Ende) um rund 20%. Es kann offen
bleiben, ob die Ehefrau des Beschwerdeführers auch unter Berücksichtigung ihrer
weiteren individuellen Nachteile ein solches Einkommen bei genügenden
Arbeitsbemühungen effektiv generieren könnte. Denn erst bei einer Unterschreitung
des Durchschnittslohnes um 44% würde in der EL-Rechnung ein Ausgabenüberschuss
und damit ein Leistungsanspruch resultieren. Die vorliegend dokumentierten
Verhältnisse lassen aber eine solche Unterschreitung des durchschnittlich erzielbaren
Einkommens nicht rechtfertigen.
4.
Eine andere Verzichtshandlung und somit eine hypothetische Einnahme besteht nach
der Auffassung der Beschwerdegegnerin darin, dass der Beschwerdeführer am 29.
Juni 2009 von seinem Sparkonto Bargeld in der Höhe von Fr. 25'000.-- bezogen hat
(EL-act. 12/4), was als Schenkung zu betrachten sei (EL-act. 5/2). Wenn eine Person
ohne rechtliche Verpflichtung oder ohne adäquate Gegenleistung auf Vermögen
verzichtet hat, kann ein Vermögensverzicht im Sinn von Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG
angenommen werden (BGE 121 V 205 neues Fenster E. 4a). Der EL-Antragsteller trägt
die Beweislast dafür, dass eine festgestellte Vermögensverminderung in Erfüllung einer
rechtlichen Verpflichtung erfolgt ist. Da der Beschwerdeführer für die Verwendung der
Fr. 25'000.-- keine Belege vorgelegt und sich damit begnügt hat, zu behaupten, dass
seine Ehefrau und er die grosse Summe einfach ausgegeben hätten (EL-act. 1/1-4),
trägt er die Folgen der Beweislosigkeit. Deshalb erweist sich die Qualifikation der
bezogenen Geldsumme als Vermögensverzicht bei der EL-Berechnung als
rechtmässig.
5.
http://admin2.sg.ch/aza/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&sort=relevance&from_date=&to_date=&subcollection=&query_words=%22art.+3c+Abs.+1+lit.+c+elg%22+verm%F6gen+schenkung&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-V-204&number_of_ranks=0#page205 http://admin2.sg.ch/aza/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&sort=relevance&from_date=&to_date=&subcollection=&query_words=%22art.+3c+Abs.+1+lit.+c+elg%22+verm%F6gen+schenkung&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-V-204&number_of_ranks=0#page205
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Im Sinn der vorstehenden Erwägungen sind die von der Beschwerdegegnerin
angerechneten Einnahmen von insgesamt Fr. 55 ́720.-- und die anerkannten Ausgaben
von Fr. 46'304.-- nicht zu beanstanden, weshalb ein Einnahmenüberschuss von Fr.
9'416.-- resultiert. Bei der Berücksichtigung eines hypothetischen Erwerbseinkommens
der Ehefrau handelt es sich um die sachliche Feststellung einer zumutbaren
Erwerbsaufnahme, ohne dass darin eine Wertung des Verhaltens des
Beschwerdeführers oder seiner Ehefrau enthalten wäre. Da sich der angefochtene
Einspracheentscheid im Ergebnis als rechtmässig erweist, ist die Beschwerde
abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53
GerG entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 22.10.2010 Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG. Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens der 59-jährigen Ehefrau eines AHV-Rentners, der EL beansprucht. Der EL-Ansprecher trägt die Beweislast dafür, dass eine festgestellte Vermögensverminderung in Erfüllung einer rechtlichen Verpflichtung erfolgt ist oder dass es dafür eine adäquate Gegenleistung erhalten hat (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 22. Oktober 2010, EL 2010/32).
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