Decision ID: abe98d6e-a717-4d69-93c5-03d1219411e3
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich erstmals im September 2003 bei der
IV-Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) für Rentenleistungen an (IV-
act. 1; zum Jahrgang vgl. IV-act. 6, 54 und 107). Sie gab in der Anmeldung an, seit zwei
Jahren an Schulterproblemen zu leiden (IV-act. 1 S. 5). Bis zum Sommer 2003 war die
Versicherte als Reinigungsangestellte im Stundenlohn tätig gewesen (vgl. IV-act. 10 ff.
und 1 S. 4), jedoch ab dem 1. Juni 2003 von ihrem Hausarzt Dr. med. B._, Facharzt
FMH für Allgemeinmedizin, zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben worden (vgl. IV-act. 9
S. 1). Dr. B._ erklärte in einem Bericht vom 2. November 2003, dass bei der
Versicherten rechtsseitige Schulterschmerzen mit praktisch vollständig eingeschränkter
Beweglichkeit sowie ein chronisches Panvertebralsyndrom bestünden.
Kernspintomographisch habe sich ein Enthesophyt an der Acromionunterfläche mit
höhergradigem subacromialem Impingement gezeigt. Leider habe sich die
Symptomatik durch eine subacromiale Infiltration nicht verbessern lassen, weshalb die
Orthopäden von einer Operation Abstand genommen hätten. Erschwerend für eine
Operation dürfte auch der Umstand sein, dass offenbar eine recht schwere psychische
Überlagerung des Krankheitsbildes vorhanden sei. Eine psychotherapeutische
Behandlung scheine aufgrund der schlechten Deutschkenntnisse der Versicherten
kaum möglich, eine antidepressive Medikation sei eingeleitet worden (IV-act. 9 S. 2).
Anlässlich einer im April 2004 durchgeführten Haushaltsabklärung gab die Versicherte
an, dass sie ohne gesundheitliche Einschränkung sicher im Rahmen von 50 % als
Reinigungsangestellte arbeiten würde, da dies schon aus finanziellen Gründen
unbedingt notwendig wäre (vgl. IV-act. 17). Im Februar 2006 wurde die Versicherte im
Auftrag der IV-Stelle durch die MEDAS Ostschweiz polydisziplinär begutachtet (vgl. IV-
act. 31 S. 1 ff.). In ihrem Gutachten vom 13. April 2006 nannten die Sachverständigen
als Diagnosen mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ein chronifiziertes
Hemischmerzsyndrom rechts mit im Vordergrund stehender Brachialgie rechts sowie
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (IV-act. 31 S. 10). Weiter hielten die
Gutachter fest, dass der Versicherten eine Teilzeittätigkeit als Raumpflegerin unter
A.a.
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Berücksichtigung aller gesundheitsbeeinträchtigenden Faktoren in einem Umfang von
mindestens 50 % zumutbar sei. Eine qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
bestehe für sämtliche Arbeiten, welche mit der rechten oberen Extremität über der
Horizontalen ausgeführt werden müssen. Auch als Hausfrau bestehe eine
Einschränkung für Tätigkeiten, welche mit der rechten oberen Extremität über der
Horizontalen ausgeführt werden. Obwohl sich die Versicherte als funktionell Einarmige
präsentiere, könne aus somatischer Sicht im Haushalt eine Einschränkung von
insgesamt höchstens 20-30 % attestiert werden. Aus psychiatrischer Sicht sei eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im eigenen Haushalt nicht nachzuvollziehen.
Körperlich leichte, wechselbelastende berufliche Tätigkeiten unter Vermeidung von
Arbeiten mit der rechten oberen Extremität über der Horizontalen seien der
Versicherten medizinisch-theoretisch in einem Umfang von 70 % bei voller Präsenz
zumutbar (IV-act. 31 S. 12 f.). Mit Verfügung vom 1. Juni 2006 wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren gestützt auf einen im Rahmen der gemischten Methode errechneten
Invaliditätsgrad von 30.25 % ab. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass der
Versicherten eine leidensadaptierte Tätigkeit noch zu 70 % zumutbar sei. In der
Haushaltsarbeit sei die Versicherte zu 20 % eingeschränkt. In der Annahme, die
Versicherte wäre als Gesunde zu 50 % erwerbstätig, ergebe sich in Anwendung der
gemischten Berechnungsmethode ein Invaliditätsgrad von unter 40 % (IV-act. 39). Die
gegen diese Verfügung erhobene Einsprache (vgl. IV-act. 42) wies die IV-Stelle mit
Einspracheentscheid vom 14. November 2006 ab (IV-act. 46).
Im April 2009 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum
Leistungsbezug an (IV-act. 54). Nach der Durchführung eines Assessmentgesprächs im
August 2009, in welchem die Versicherte zu verstehen gegeben hatte, sich subjektiv
nicht arbeitsfähig zu fühlen (vgl. IV-act. 69), trat die IV-Stelle auf das Rentenbegehren
mit Verfügung vom 17. November 2009 mangels glaubhaft gemachter
Verschlechterung des Gesundheitszustandes nicht ein (IV-act. 74). Eine gegen die
Verfügung erhobene Beschwerde wies das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen mit Entscheid vom 26. Oktober 2011 ab (IV-act. 97).
A.b.
Am 29. Januar 2016 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum
Leistungsbezug an (IV-act. 107). Sie gab an, dass sich ihre Depression in den letzten
drei Jahren massiv verschlechtert habe (IV-act. 107 S. 6). In einem Bericht vom 5.
A.c.
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Februar 2016 hielt Dr. med. C._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, fest, dass die
Versicherte seit ca. einem halben Jahr eine Verschlechterung der Stimmung bemerkt
und sich seit dem 13. Oktober 2015 zu ihr in Behandlung begeben habe. Als
Diagnosen nannte sie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradig, und chronische Schmerzen mit somatischen und psychischen Faktoren.
Aus psychiatrischer Sicht sei die Versicherte zu 100 % arbeitsunfähig (IV-act. 112).
In einer Mitteilung vom 14. April 2016 informierte die IV-Stelle die Versicherte
darüber, dass das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen abgewiesen werde,
da solche aufgrund des Gesundheitszustandes nicht möglich seien (IV-act. 117).
A.d.
In einem Bericht vom 28. April 2016 attestierte Dr. C._ der Versicherten bei den
gleichen Diagnosen noch eine Arbeitsunfähigkeit von ca. 60-70 % (IV-act. 121). Dr.
B._ berichtete am 26. Juni 2016 von einer chronisch invalidisierenden
Schmerzsymptomatik. Die Versicherte habe erwähnt, dass sie kaum mehr den
Haushalt meistern könne. Die bisherige Tätigkeit sei ihr aus medizinischer Sicht nicht
mehr zumutbar (IV-act. 123 f.).
A.e.
Vom 12. bis 13. Oktober 2016 wurde die Versicherte wegen einer neu
aufgetretenen B-Symptomatik mit einem Gewichtsverlust von sieben Kilogramm in fünf
Monaten, Nachtschweiss und intermittierend auftretendem Fieber im Spital D._
hospitalisiert. Im Austrittsbericht vom 20. Oktober 2016 hielten die behandelnden Ärzte
fest, dass sich die Versicherte in der klinischen Untersuchung weitgehend unauffällig in
gutem Allgemeinzustand, jedoch im Antrieb reduziert, psychomotorisch verlangsamt
und in der Stimmung deutlich gedrückt präsentiert habe. Konventionell radiologisch
bzw. abdomensonographisch hätten sich keine Hinweise für ein Tumorleiden finden
lassen. Die Ärzte empfahlen die Fortführung der regelmässigen ambulanten
psychiatrischen Betreuung (IV-act. 138).
A.f.
Am 30. November 2016 fand eine Haushaltsabklärung bei der Versicherten statt,
anlässlich welcher eine Einschränkung im Haushalt von rund 50 % ermittelt wurde (IV-
act. 139). Im Abklärungsbericht vom 13. Dezember 2016 hielt die Abklärungsperson
der IV-Stelle jedoch fest, dass noch Verlaufsberichte von Dr. C._ und Dr. B._
abzuwarten seien und der regionale ärztliche Dienst (RAD) zur Arbeitsfähigkeit Stellung
A.g.
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beziehen sollte (vgl. IV-act. 139 S. 11). Die Versicherte habe eine Verschlechterung
ihres psychischen Zustandes geltend gemacht. In Bezug auf die Schulter-Arm-
problematik habe sich hingegen eine Besserung eingestellt. Die Versicherte könne den
Arm wieder besser bewegen, habe weniger Schmerzen und könne auch wieder
zugreifen und etwas tragen (IV-act. 139 S. 11). Im von der Versicherten unterzeichneten
Abklärungsbericht wurde sodann festgehalten, dass diese bei voller Gesundheit in
einem Pensum von 50 % erwerbstätig wäre (IV-act. 139 S. 6). Am 22. Dezember 2016
attestierte Dr. C._ der Versicherten in einer leidensadaptierten Tätigkeit aus
psychiatrischer Sicht noch eine Arbeitsunfähigkeit von ca. 50 % (IV-act. 140). Dr. B._
führte in einem bei der IV-Stelle am 11. Januar 2017 eingegangen Bericht aus, dass die
Depressivität zusammen mit den therapieresistenten Schmerzen es der Versicherten
verunmöglichen würden, einer geregelten Arbeit nachzugehen (IV-act. 142).
Am 12. März 2018 erstattete die medaffairs AG im Auftrag der IV-Stelle ein
polydisziplinäres (rheumatologisches, neurologisches, psychiatrisches und
internistisches) Gutachten (IV-act. 169). In ihrer Konsensbeurteilung nannten die
Gutachter als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit den Verdacht auf ein
obstruktives Schlafapnoesyndrom, chronische Kopfschmerzen rechtsseitig
(differentialdiagnostisch eine Migräne ohne Aura, einen
Analgetikaüberkonsumkopfschmerz, eine zervikal-vertebrale Dysfunktion mit
Anterolisthesis HWK 2 und zervikogenem Kopfschmerz) sowie ein subakromiales
Impingement Schulter rechts infolge eines Enthesiophyts (IV-act. 169 S. 19).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Raumpflegerin
führten die Sachverständigen in ihrer Konsensbeurteilung aus, dass aus rein
neurologischer Sicht aufgrund der chronischen Kopfschmerzsymptomatik ab Januar
2017 eine 20%ige Einschränkung anzunehmen sei. Aus allgemeininternistischer Sicht
wäre bei Vorliegen einer Schlafapnoesymptomatik mit assoziierter Tagesmüdigkeit eine
maximale Leistungsminderung von 20 % zu veranschlagen. Aus rheumatologischer
Sicht liege bezüglich der Schultersymptomatik eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit von 50 % vor. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und es habe auch
nie eine solche bestanden. Gesamtmedizinisch liege in der angestammten Tätigkeit ab
Juni 2003 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vor. Die Tätigkeit im eigenen Haushalt sei
A.h.
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zwar mit jener als Raumpflegerin vergleichbar, beinhalte jedoch nicht dieselbe
Intensität. Im eigenen Haushalt könnten vermehrt feinmotorische Arbeiten ausgeführt
werden, in welchen die Versicherte nicht eingeschränkt sei. In der Führung des
Haushalts sei die Versicherte deshalb seit Juni 2003 zu 20 % eingeschränkt. In einer
angepassten beruflichen Tätigkeit bestehe aus psychiatrischer Sicht ebenfalls keine
Einschränkung. Aus neurologischer Sicht betrage die Einschränkung aufgrund der
chronischen Kopfschmerzsymptomatik 20 %. Auch aus allgemeininternistischer Sicht
sei von einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten
auszugehen. Aus rheumatologischer Sicht bestehe in einer optimal angepassten
Tätigkeit mit primärem Gebrauch der unteren Extremitäten bzw. der Hände sowie der
linken oberen Extremität ebenfalls eine 20%ige Einschränkung. Gesamtmedizinisch
bestehe für eine optimal adaptierte Tätigkeit ab Juni 2003 eine 80%ige Arbeitsfähigkeit
(IV-act. 169 S. 29 ff.). In einer Stellungnahme vom 16. April 2018 hielt der RAD fest,
dass das Gutachten im Wesentlichen den geltenden versicherungsmedizinischen
Kriterien entspreche (IV-act. 170 S. 2).
Mit Vorbescheid vom 1. Mai 2018 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht. Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen an, dass die Versicherte ohne gesundheitliche Beeinträchtigung zu 50 %
erwerbstätig wäre. Aufgrund der gutachterlichen Einschätzung sei die Versicherte
sowohl in der angestammten Tätigkeit als Raumpflegerin als auch in jeder anderen
geeigneten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig. Dasselbe gelte für Tätigkeiten im Haushalt.
Folglich resultiere ein Invaliditätsgrad von 20 % (IV-act. 178).
A.i.
Gegen diesen Vorbescheid wandte die Versicherte am 15. Juli 2018 ein (vgl. IV-
act. 184 S. 1), sie sei nicht damit einverstanden, dass ihr eine 80%ige Arbeitsfähigkeit
attestiert werde. Die chronische Schmerzproblematik wirke sich schon lange auf ihre
psychische Verfassung aus, weshalb sie monatlich Dr. C._ konsultiere. Aus einem
dem Einwand beigelegten Bericht von Dr. C._ gehe die Tragweite der Einschränkung
hervor (vgl. Bericht vom 2. Juli 2018, IV-act. 184 S. 6 f.). Auch sei sie aufgrund ihrer
Schlafproblematik dauernd müde, weshalb sie in ihrer Leistungsfähigkeit und
Konzentration erheblich eingeschränkt sei. Diesbezüglich legte die Versicherte einen
Bericht des Zentrums für Schlafmedizin des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) vom 29.
Juni 2017 bei (IV-act. 184 S. 5). Schliesslich beantragte die Versicherte einen
A.j.
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B.
"Leidensabzug" von 20 % (IV-act. 184 S. 1). In einer Stellungnahme vom 22. August
2018 hielt der RAD fest, dass sich aus dem eingereichten Bericht von Dr. C._ vom 2.
Juli 2018 keine neuen Aspekte ergeben würden. Die psychiatrischen Diagnosen
deckten sich hinsichtlich des Störungstyps und Schweregrades mit der Einschätzung
vom 5. Februar 2016, die bereits Eingang in das Gutachten gefunden habe. In der
schlafmedizinischen Untersuchung am KSSG hätten sich keine Hinweise auf eine
organisch begründbare Insomnie ergeben. Der Verdacht auf ein Schlafapnoesyndrom
habe somit nicht bestätigt werden können. Aus den eingereichten Berichten hätten sich
keine Aspekte ergeben, welche die gutachterliche Beurteilung in Frage stellen könnten.
Für weitere medizinische Abklärungen bestehe kein Anlass (IV-act. 185).
Mit Verfügung vom 23. August 2018 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der
Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 20 % ab. Zur Begründung führte sie neu
an, dass die Versicherte gemäss der gutachterlichen Abklärung in der angestammten
Tätigkeit als Raumpflegerin zu 50 % und in leidensangepassten Verweistätigkeiten zu
80 % arbeitsfähig sei. Die 80%ige Arbeitsfähigkeit gelte auch für die Hausarbeiten (IV-
act. 186).
A.k.
Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 21. September 2018 Beschwerde. Sie beantragte, die Verfügung vom 23. August
2018 sei aufzuheben, ihr Gesundheitszustand sei unter Berücksichtigung der
zusätzlichen Abklärungen (gemeint wohl: des zusätzlich eingereichten Berichtes) durch
Dr. C._ neu zu beurteilen und es sei ihr eine IV-Rente entsprechend ihrer
Arbeitsunfähigkeit zu gewähren. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen dieselben
Argumente wie in ihrem Einwand vom 15. Juli 2018 an (act. G 1). In prozessualer
Hinsicht stellte die Beschwerdeführerin für das Verfahren vor Versicherungsgericht ein
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten, act. G 4
und 1 S. 2).
B.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 15. Oktober 2018 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) mit Verweis auf die gutachterliche Beurteilung der
medaffairs AG die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
B.b.
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf
eine Invalidenrente hat.
2.
Am 22. Oktober 2018 entsprach das Versicherungsgericht dem Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege für das Verfahren vor Versicherungsgericht (Befreiung von
den Gerichtskosten, act. G 6).
B.c.
Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer Replik (act. G 7 f.).B.d.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG). Wenn eine versicherte Person auch ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht voll erwerbstätig gewesen wäre, ist der
Invaliditätsgrad gemäss der langjährigen Praxis des Bundesgerichts nicht anhand eines
reinen Einkommensvergleichs (vgl. Art. 16 ATSG) zu berechnen, sondern anhand der
gemischten Methode. Hierbei ist der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der
2.1.
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3.
Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen
zu bemessen (vgl. Art. 28a Abs. 3 IVG; BGE 141 V 20 f. E. 3.2). Ob eine versicherte
Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig
einzustufen ist, ergibt sich gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung aus der
Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine
gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (Urteil des Bundesgerichts vom 17. April
2019, 8C_820/2018, E. 3.2). Vorliegend hat die Beschwerdeführerin deutlich zum
Ausdruck gebracht, dass sie im Gesundheitsfall weiterhin in einem Pensum von 50 %
als Raumpflegerin gearbeitet hätte, während sie zu 50 % als Hausfrau tätig gewesen
wäre (vgl. IV-act. 139 S. 6; vgl. ferner IV-act. 17 S. 2). Folglich ist der Invaliditätsgrad
gemäss der ständigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung nach der sogenannten
gemischten Methode zu bemessen.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2.
Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 und 115 V 134 E. 2).
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis).
2.3.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich sowohl hinsichtlich des Erwerbsteils
(Gewichtung 50 %) als auch hinsichtlich des Aufgabenbereichs (Gewichtung 50 %) auf
die gutachterliche Einschätzung der medaffairs AG (vgl. act. G 5). Die
Sachverständigen haben der Beschwerdeführerin sowohl in einer optimal angepassten
Erwerbstätigkeit als auch für die Haushaltsarbeit eine 20%ige Einschränkung attestiert
3.1.
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(IV-act. 169 S. 31). Demgegenüber bestreitet die Beschwerdeführerin, über eine
80%ige Leistungsfähigkeit zu verfügen (vgl. act. G 1).
Das Gutachten der medaffairs AG vom 12. März 2018 beruht auf eigenständigen
Abklärungen. Die medizinischen Vorakten und die von der Beschwerdeführerin
geklagten Beschwerden sind berücksichtigt worden (vgl. IV-act. 169). Zwar weisen die
Teilgutachten gewisse Widersprüche auf, jedoch werden diese von den
Sachverständigen im polydisziplinären Konsens offengelegt und diskutiert (vgl. IV-
act. 169 S. 20 ff.). In einleuchtender Weise gelangen die Sachverständigen im Konsens
zum Schluss, dass aus gesamtmedizinischer Sicht sowohl in der Haushaltstätigkeit als
auch in einer optimal adaptierten Erwerbstätigkeit eine Einschränkung von 20 %
gegeben sei (vgl. IV-act. 169 S. 28 ff.). Diese Einschätzung der Leistungsfähigkeit
stimmt denn auch im Wesentlichen mit derjenigen der Vorgutachter überein (vgl. IV-
act. 31 S. 12 f.). Zwar haben die Vorgutachter die Einschränkung der Leistungsfähigkeit
nicht auf dieselben Diagnosen zurückgeführt (vgl. IV-act. 31 S. 10 und 169 S. 19).
Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die somatischen Beschwerden bei der
Beschwerdeführerin psychisch überlagert sind und eine Vielzahl von
Differentialdiagnosen im Raum stehen. Entscheidend sind letztlich nicht die genauen
Diagnosen, sondern ob die Beschwerdeführerin von den Sachverständigen in ihrem
funktionellen Leistungsvermögen richtig erfasst worden ist. Der Bericht von Dr. C._
vom 2. Juli 2018, in dem der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
attestiert wird (vgl. IV-act. 184 S. 6 f.), hat den Sachverständigen der medaffairs AG bei
der Begutachtung zwar noch nicht vorgelegen. Allerdings haben die Berichte von Dr.
C._ vom 5. Februar 2016 (IV-act. 112), 28. April 2016 (IV-act. 121) und 22. Dezember
2016 (IV-act. 140) Eingang in die gutachterliche Beurteilung gefunden. Wie der RAD in
seiner Beurteilung vom 22. August 2018 schlüssig ausgeführt hat, ergeben sich aus
dem Bericht vom 2. Juli 2018 keine neuen Aspekte, da sich die darin genannten
psychiatrischen Diagnosen hinsichtlich des Störungstyps und des Schweregrades mit
den vorhergehenden Einschätzungen von Dr. C._ decken (vgl. IV-act. 185 S. 2).
Warum Dr. C._ – bei Nennung der im Wesentlichen gleichen Diagnosen – im Bericht
vom 2. Juli 2018 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgeht, während sie in
demjenigen vom 22. Dezember 2016 noch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in
leidensangepassten Tätigkeiten angenommen hat, ist denn auch nicht nachvollziehbar,
zumal Dr. C._ keine Erklärung für die divergierende Einschätzung abgegeben hat
(vgl. IV-act. 140 und 184 S. 6 f.). Im Übrigen hat Dr. C._ bei ihrer Einschätzung vom
2. Juli 2018 nicht angegeben, ob sich die attestierte Arbeitsfähigkeit auf die
angestammte Tätigkeit oder auf leidensangepasste Tätigkeiten bezieht (vgl. IV-act. 184
S. 6 f.). Dr. B._ hat sich in seinen Berichten vom Juni 2016 und Januar 2017 ebenfalls
3.2.
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4.
Ausgehend von den ermittelten Einschränkungen gilt es nun den Invaliditätsgrad zu
bemessen. Dass die Beschwerdegegnerin bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades im
Erwerbsbereich sowohl für das Valideneinkommen als auch für den Invalidenlohn von
derselben Lohnbasis ausgegangen ist (vgl. IV-act. 186 S. 2), ist im vorliegenden Fall
nicht zu beanstanden. Zwar haben die Gutachter der Beschwerdeführerin in der
angestammten Tätigkeit als Raumpflegerin eine geringere Arbeitsfähigkeit als in
optimal leidensangepassten Tätigkeiten attestiert (vgl. dazu E. 3). Allerdings ist davon
auszugehen, dass sich das von der Beschwerdeführerin in einer optimal adaptierten
Hilfsarbeit erzielbare Einkommen im gleichen Rahmen wie das als Raumpflegerin
erzielte Einkommen bewegen wird. Demnach kann für die Bemessung des
Invaliditätsgrades im Erwerbsbereich ein so genannter Prozentvergleich vorgenommen
werden. Dabei entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit. Im
Erwerbsbereich resultiert folglich ein Invaliditätsgrad von 20 %. Ein Tabellenlohnabzug
drängt sich im vorliegenden Fall, in dem höchstens sinngemäss auf Tabellenlöhne
abgestellt wird, nicht auf. Selbst wenn aber der für das Invalideneinkommen
herangezogene Lohn um weitere 10 % reduziert würde, resultiert kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad. Gründe, die, wie von der Beschwerdeführerin
gefordert (vgl. act. G 1), eine über 10 % hinausgehende Reduktion des anrechenbaren
Invalideneinkommens rechtfertigen könnten, liegen jedenfalls nicht vor. Da die
anzunehmende Einschränkung im Haushalt ebenfalls 20 % beträgt, resultiert
offensichtlich kein rentenbegründender Invaliditätsgrad.
nicht explizit zur Arbeitsfähigkeit in optimal angepassten Tätigkeiten geäussert (vgl. IV-
act. 124 und 142). Im Übrigen ist zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärzte aufgrund
ihrer auftragsrechtlichen Stellung eher geneigt sein können, zu Gunsten ihrer
Patientinnen und Patienten auszusagen (BGE 125 V 353 E. 3b; Urteil des
Bundesgerichts vom 26. November 2019, 8C_549/2019, E. 3.2 mit Hinweisen). Weitere
Berichte, die geeignet wären, die gutachterliche Einschätzung in Zweifel zu ziehen,
liegen nicht vor. Aus dem von der Beschwerdeführerin im Einwandverfahren
eingereichten schlafmedizinischen Bericht gehen ebenfalls keine weitergehenden
Einschränkungen hervor (vgl. IV-act. 184 S. 5), wie der RAD nachvollziehbar erläutert
hat (vgl. IV-act. 185 S. 2). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass auf die
gutachterliche Einschätzung einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit in optimal angepassten
beruflichen Tätigkeiten sowie auf die gutachterlich attestierte 20%ige Einschränkung
im Haushalt abgestellt werden kann.
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5.