Decision ID: 365c64d2-9a0f-4a82-9875-635c7b4d8288
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache üble Nachrede etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung -
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Einzelgericht, vom 28. November 2014 (GG140199)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 12. August 2014
(Urk. 26) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen üblen Nachrede im Sinne von Art. 173 Ziff. 1 StGB
sowie
− der mehrfachen Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu
Fr. 700.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Die Genugtuungsbegehren der Privatkläger werden abgewiesen.
5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 3'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. Kosten der Kantonspolizei
Fr. 1'000.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. Auslagen Untersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, Rechtsanwalt Dr. Y._ für die Vertre-
tung der beiden Privatkläger pauschal mit Fr. 10'000.– (inkl. MwSt.) zu ent-
schädigen.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 55 S. 2)
1. Das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 28. November 2014
[GG140199-L / UB] sei vollumfänglich aufzuheben und die Sache sei
an die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl zur Verbesserung der Anklage
zurückzuweisen.
2. Eventualiter seien die Dispositivziffern 1, 2, 3, 5, 6, 7 des Urteils des
Bezirksgerichts Zürich vom 28. November 2014 [GG140199-L / UB]
aufzuheben und der Berufungsführer sei freizusprechen.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zulasten
der Staatskasse.
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 47 S. 1, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts
Zürich, 10. Abteilung, Einzelgericht, vom 28. November 2014 wurde am selben
Tag mündlich eröffnet, dem Verteidiger und dem Rechtsvertreter der Privatkläger
übergeben und der Staatsanwaltschaft am 2. Dezember 2014 in unbegründeter
Fassung zugestellt (Prot. I S. 23 f.; Urk. 35 f.). Mit Eingabe vom 8. Dezember
2014 meldete die erbetene Verteidigung rechtzeitig Berufung gegen das Urteil an
(Urk. 37; Art. 399 Abs. 1 StPO). Den Empfang des begründeten Urteils quittierten
die Anklagebehörde und die Verteidigung am 10. Februar 2015. Der Rechtsver-
tretung der Privatkläger wurde dieses am 12. Februar 2015 zugestellt (Urk. 40/1-
3).
2. Mit fristwahrender Eingabe vom 2. März 2015 reichte die Verteidigung die
Berufungserklärung ein, mit den Anträgen, die Sache an die Staatsanwaltschaft
zurückzuweisen, eventualiter den Beschuldigten vollumfänglich freizusprechen
(Urk. 42; Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO). Mit Präsidialverfügung vom 12. März 2015
wurde den Privatklägern und der Staatsanwaltschaft Frist für Anschlussberufung
oder einen Nichteintretensantrag angesetzt (Urk. 45; Urk. 46/1-3). Mit Eingabe
vom 17. März 2015 verzichtete die Staatsanwaltschaft auf eine Anschlussberu-
fung und beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 47). Die
Privatkläger liessen sich nicht vernehmen. Obwohl dem Beschuldigten die Frist
zur Einreichung von Unterlagen zu seinen wirtschaftlichen Verhältnissen bis und
mit 17. April 2015 erstreckt wurde (Urk. 45 S. 2, Ziff. 3; Urk. 48), ging bislang we-
der das Datenerfassungsblatt noch entsprechende Unterlagen ein.
3. Anlässlich der Berufungsverhandlung stellte der Beschuldigte die ein-
gangs aufgeführten Anträge (Urk. 55 S. 2).
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II. Prozessuales
1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem
die Verteidigung das vorinstanzliche Urteil mit ihrem Hauptantrag vollumfänglich
angefochten hat (Urk. 55 S. 2; Urk. 42 S. 2; Rechtsbegehren Ziff. 1), sind mit
Ausnahme der nicht im vorinstanzlichen Urteilsdispositiv aufgeführten erstinstanz-
lichen Teilfreisprüche keine Bestandteile des vorinstanzlichen Urteils in Teil-
rechtskraft erwachsen.
2. Die Verteidigung begründet ihren Rückweisungsantrag damit (Urk. 42
S. 9 f.; Urk. 34/1 S. 3; Prot. I S. 16; Urk. 55 S. 5 ff.), dass die durch die Staatsan-
waltschaft kurz vor der erstinstanzlichen Hauptverhandlung eigenmächtig ange-
passte Anklage fehlerhaft sei. Ausserdem habe es die Staatsanwaltschaft unter-
lassen, eine Schlusseinvernahme mit dem Beschuldigten durchzuführen, weshalb
seine Rechte verletzt seien. Ein weiterer Grund für eine Aufhebung der Anklage
sieht die Verteidigung im Umstand, dass die objektiven und subjektiven Tatbe-
standsmerkmale nicht erfüllt seien und Rechtfertigungsgründe für das Verhalten
des Beschuldigten vorgelegen hätten. Solche Konstellationen führen gegebenen-
falls für gewöhnlich zu einer Verfahrenseinstellung (Art. 319 Abs. 1 lit. b StPO;
Art. 329 Abs. 4 StPO), zu einem Freispruch resp. zu einer Strafmilderung (Art. 14
StGB; Art. 16 ff. StGB).
2.1. Gemäss Art. 317 StPO befragt die Staatsanwaltschaft in umfangreichen
und komplizierten Vorverfahren die beschuldigte Person vor Abschluss der Unter-
suchung nochmals in einer Schlusseinvernahme und fordert sie auf, zu den Er-
gebnissen Stellung zu nehmen. Die Bestimmung dient einerseits dazu, in konzen-
trierter, übersichtlicher Form die Deliktsvorwürfe und die Haltung der beschuldig-
ten Person dazu festzuhalten. Die im weiteren Verfahrensverlauf mit den Akten
befasste Strafbehörde soll sich anhand der Schlusseinvernahme sofort ein Bild
über den Fall machen können. Andererseits stellt die Schlusseinvernahme eine
Selbstkontrolle für den Staatsanwalt dar, der dadurch veranlasst wird festzustel-
len, ob die Deliktsvorwürfe genügend abgeklärt sind. Darüber hinaus bildet die
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Schlusseinvernahme Teil des rechtlichen Gehörs (Urteil des Bundesgerichts
6B_518/2014 vom 4. Dezember 2014 E. 5.2 mit Hinweisen).
2.2. Dem Beschuldigten wurden bereits zu Beginn seiner ersten Befragung
durch die Staatsanwaltschaft vom 4. April 2012 die Gegenstand des Vorverfah-
rens und der Anklage bildenden Vorwürfe der üblen Nachrede und der Beschimp-
fung gemäss der Strafanzeige seines Bruders B._ vom 28. Juni 2011 sowie
die betreffenden E-Mails im einzelnen vorgehalten und ausgehändigt (Urk. 4/1
S. 1 ff.). Zu Beginn seiner zweiten staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 28.
November 2013 wurde dem Beschuldigten der Vorhalt der Tatvorwürfe unter
Hinweis auf die weitere Strafanzeige seines zweiten Bruders, C._, erneut un-
terbreitet und die inkriminierten Texte ausgehändigt (Urk. 4/2 S. 2 ff.). In seiner
dritten und letzten staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 28. März 2014 hatte
der Beschuldigte wiederum Gelegenheit, sich zu den Tatvorwürfen vor der Ankla-
geerhebung zu äussern (Urk. 4/3 S. 4 f.). Demzufolge waren ihm die Anklagevor-
würfe im Zeitpunkt der Anklageerhebung hinlänglich bekannt, und er hatte mehr-
mals Gelegenheit, sich bereits im Vorverfahren zu diesen zu äussern, wobei er
durch schriftliche Stellungnahme seines Verteidigers davon Gebrauch machte
(Urk. 6/1). Die entgegengesetzten Beteuerungen des Beschuldigten vor Vo-
rinstanz (Prot. I S. 10 ff.) entbehren somit jeder Grundlage. Eine Verletzung seiner
Rechte liegt nicht vor, das rechtliche Gehör wurde gewahrt, wie bereits der Vor-
derrichter korrekt erkannte (Urk. 41 S. 8 f.).
2.3. Ausserdem kann vorliegend nicht von einem umfangreichen und kom-
plizierten Verfahren gesprochen werden, das zwingend einer Schlusseinvernah-
me bedurft hätte. Hinzu kommt, dass es sich bei Art. 317 StPO um eine Ord-
nungsvorschrift handelt, weshalb eine Schlusseinvernahme nicht zwingend ist
und ihr Fehlen keine Auswirkung auf die Gültigkeit der Anklage hat (Urteil des
Bundesgerichts 6B_676/2013 vom 28. April 2014 E. 3.2.4 mit Hinweisen).
2.4. Nach telefonischer Rücksprache mit dem zuständigen Vorderrichter am
7. Oktober 2014 überwies die Anklagebehörde der Vorinstanz mit Schreiben vom
18. November 2014 eine "korrigierte Anklage" mit dem ursprünglichen Datum vom
12. August 2014 (Urk. 15; Urk. 24 ff.). Dabei handelt es sich offenkundig nicht um
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eine inhaltliche Veränderung der eigentlichen Anklagevorwürfe. Am in deutscher
Sprache verfassten Anklagetext wurde nichts geändert. Einzig das die anklage-
gegenständlichen Äusserungen des Beschuldigten in italienischer Sprache irrtüm-
licherweise nicht enthaltende (falsche) E-Mail in der ursprünglichen Anklage
(Urk. 15 S. 2 ff.) wurde von der Anklagebehörde durch das richtige, die anklage-
gegenständlichen Äusserungen des Beschuldigten auch tatsächlich enthaltende
E-Mail in italienischer Sprache ersetzt (Urk. 26 S. 2 ff.). Der in der Anklageschrift
in deutscher Sprache umschriebene, die Anklagevorwürfe enthaltende Sachver-
halt blieb dabei unberührt (vgl. Urk. 15 S. 2 ff. und Urk. 26 S. 2 ff.). Das Prozess-
thema mit den bereits angeklagten Lebensvorgängen wurde mit anderen Worten
nicht verändert. Insofern ist nicht ersichtlich, worin die von der Verteidigung gel-
tend gemachte Fehlerhaftigkeit der Anklage konkret bestehen soll.
2.5. Die mit in den Anklagesachverhalt eingefügten Kopien der inkriminierten
E-Mails dienen lediglich der Illustration und als Beleg der vollständig in deutscher
Sprache verfassten Anklagevorwürfe, welche sich aus dem Text der betreffenden
E-Mails ergeben. Sie bilden mit anderen Worten das Beweismittel für die ankla-
gegegenständlichen schriftlichen Äusserungen des Beschuldigten und hätten in
der Anklageschrift gar nicht wiedergegeben werden müssen. Die Gültigkeit der
Anklage wird durch das Einfügen solcher an sich unnötigen Bestandteile indessen
nicht tangiert, zumal vorliegend nicht von einer überbordend formulierten Anklage
die Rede sein kann (Zum Inhalt der Anklage vgl. Landshut/Bosshard, in: Kom-
mentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Auflage 2013, N 1 f. zu
Art. 325 StPO; Schmid, Handbuch, 2. Auflage 2013, N 1267 und N 1269). Auf-
grund des identischen Prozessthemas ist auch keine Verletzung des Rechts auf
wirksame Verteidigung ersichtlich (Urk. 55 S. 6). Zudem wäre vorliegend eine
Vorbereitungszeit von acht Tagen für eine wirksame Verteidigung ohnehin ausrei-
chend gewesen.
Dem Rückweisungsantrag ist daher nicht zu entsprechen.
3. Ehrverletzungsdelikte im Sinne der Art. 173 ff. StGB sind Antragsdelikte.
Sie erfordern einen gültigen Strafantrag als Prozessvoraussetzung. Beide Privat-
kläger stellten je fristwahrend einen Strafantrag im Sinne von Art. 31 StGB gegen
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den Beschuldigten wegen Ehrverletzung: Bruder B._ betreffend die E-Mails
vom 30./31. März 2011 (Urk. 1 betr. Anklageziffer I.) und Bruder C._ betref-
fend die am 30. Juni 2012 und am 3. Juli 2013 ihm gesandten E-Mails sowie den
vom Beschuldigten am 2. Juli 2012 unterzeichneten, an der Aktionärsversamm-
lung verlesenen Brief (Urk. ND 1 betr. Anklageziffern II.).
III. Beweisanträge
1. Mit der Berufungserklärung wiederholte die Verteidigung die bereits im
Vorverfahren und vor Vorinstanz gestellten Beweisanträge, ergänzt durch die be-
antragte Übersetzung und den Aktenbeizug (Urk. 42 S. 3, 5 ff.; Urk. 9/6; Urk. 21;
Urk. 34/1 S. 3; Prot. I S. 16): 1. Einvernahme der Anzeigeerstatter Herr B._ und Herr C._
2. Einvernahme von Herr RA Dr. D._ als Zeuge
3. Einvernahme von Frau E._ als Zeugin
4. Übersetzung des in den Akten liegenden gesamten E-Mailverkehrs zwischen
den Brüdern, welcher durch die Geschädigte eingereicht worden ist
5. Beizug der Strafakten (S-4/2011/131102745) in Sachen C._ betreffend
Diebstahl etc.
Es seien alle am in Frage stehenden E-Mailverkehr beteiligten Parteien einzuver-
nehmen, um ein besseres Verständnis der Vorgeschichte zu erhalten, weshalb es
dringend notwendig erscheine, auch die Brüder des Beschuldigten einzuverneh-
men, da diese zweifellos am meisten involviert gewesen seien. Eine Befragung
der Anzeigeerstatter würde zweifellos zu einer verbesserten Einordnung der Mei-
nungsverschiedenheiten zwischen den Geschwistern führen. Diese könnten auf-
zeigen, wie sich die Situation immer mehr zugespitzt habe, so dass sich der Be-
schuldigte schliesslich dazu genötigt gesehen habe, die fraglichen E-Mails zu ver-
fassen und zu versenden. Rechtsanwalt Dr. D._ könne als Nichtfamilienmit-
glied möglicherweise die Umstände, welche zum Verfassen und Versenden der
E-Mails durch den Beschuldigten geführt hätten, etwas objektiver aufzeigen und
wichtige, zentrale Hintergrundinformationen zur Vorgeschichte und zu den familiä-
ren Verhältnissen liefern. Dies sei für die Gesamtbeurteilung des Verhaltens des
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Beschuldigten von äusserster Wichtigkeit und helfe der Berufungsinstanz, das
mögliche Verschulden des Beschuldigten besser einschätzen zu können. Auch
eine Befragung von E._ könne als Mutter der drei Brüder wertvolle Einblicke
auf das zwischen diesen herrschende Klima geben, wie der Beschuldigte über
Jahre hinweg von seinen Geschwistern systematisch schikaniert und provoziert
worden sei. Da der bei den Akten liegende gesamte E-Mailverkehr der Brüder
nicht übersetzt worden sei, habe dies wohl dazu geführt, dass sich die Staatsan-
waltschaft und die Vorinstanz nicht mit diesem auseinandergesetzt habe. Das
Verfahren, dessen Akten beizuziehen seien, basiere auf einer Strafanzeige des
Beschuldigten vom 17. Mai 2011 gegen C._ wegen Diebstahls, Sachentzie-
hung und Unterdrückung von Urkunden. Dieses Verfahren sei derzeit sistiert, da
auf eine rechtshilfeweise Befragung aus Italien gewartet werde. Das Verfahren
zeige auf, dass das Verhältnis zwischen dem Beschuldigten und C._ bereits
vor dem E-Mailverkehr äusserst schlecht und gereizt gewesen sei.
2. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 3 Abs. 2
lit. c StPO) ergibt sich u.a. das Recht der Betroffenen, vor Erlass eines Entschei-
des erhebliche Beweise beizubringen und mit erheblichen Beweisanträgen gehört
zu werden (Art. 107 Abs. 1 lit. e StPO), wenn diese geeignet sind, den Entscheid
zu beeinflussen. Dem Mitwirkungsrecht entspricht die Pflicht der Behörden, die
Argumente und Verfahrensanträge der Parteien entgegenzunehmen und zu prü-
fen sowie die ihr rechtzeitig und formrichtig angebotenen Beweismittel abzuneh-
men (BGE 138 V 125 E. 2.1; BGE 137 II 266 E. 3.2; m.w.H.). Das Gericht kann
indessen in willkürfreier vorweggenommener Würdigung der zusätzlich beantrag-
ten Beweise annehmen, dass seine Überzeugung auch durch die Abnahme von
weiteren Beweisen nicht geändert würde (Art. 139 Abs. 2 StPO; Wohlers, in:
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Auflage, Zürich 2014,
N 8 ff. zu Art. 139 StPO; BGE 136 I 229 E. 5.3; BGE 134 I 140 E. 5.3; m.w.H.).
3. Der Beschuldigte liess konkret einzig die Übersetzung der italienischen
Äusserungen "instabile mentalmente se non per dire squilibrato" mit "geistesge-
stört" und "mazzette" mit "Bestechungsgelder" resp. "smista e passa mazzette"
mit "Sortierer" und mit der "Weitergabe von Bestechungsgeldern" in die deutsche
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Sprache bestreiten (betr. Übersetzungen vgl. nachstehend, Erw. V.2. f.,
Erw. V.3. f, Erw. V.5.3.), darüber hinaus wies die Verteidigung lediglich in generel-
ler Weise auf mögliche Gefahren bei oberflächlicher Übersetzung hin (vgl. Prot. I
S. 16; Urk. 34/1 S. 5 Rz 19 f.; Urk. 55 S. 10 f.). Ebenso betreffen die Beweisan-
träge der Verteidigung nicht die Frage der Sachverhaltserstellung oder den Inhalt
der Anklage (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO), sondern die Umstände, namentlich das
gestörte Klima, welches zwischen den Brüdern im Zeitpunkt des Verfassens und
Versendens der fraglichen E-Mails durch den Beschuldigten bereits geherrscht
habe, mithin das Verschulden des Beschuldigten möglicherweise beeinflussende
Faktoren. Da sich die vom Beschuldigten geltend gemachte starke Belastung des
familiären Klimas zwischen den Brüdern bereits aus dem E-Mailverkehr und z.B.
auch aus seiner Ehrverletzungsklage gegen C._ vom 12. September 2000
ergibt (vgl. Urk. ND 3/4 ff.), dieser Umstand unwidersprochen ist und sich auch
keine Hinweise aus den Akten ergeben, welche das stark belastete brüderliche
Klima in Zweifel zu ziehen vermöchten, erübrigt es sich, den Beweisanträgen der
Verteidigung nachzukommen, weshalb diese abzuweisen sind.
IV. Sachverhalt
1. In der Anklageschrift wird dem Beschuldigten zusammengefasst vorge-
worfen (Urk. 26 S. 2 ff.), er habe seine Brüder, die beiden Privatkläger, mit diver-
sen Äusserungen in fünf von ihm in italienischer Sprache an der F._-strasse
in Zürich verfassten E-Mails vom 30./31. März 2011 resp. von Juni/Juli 2012 in ih-
rer Ehre verletzt, wobei er die E-Mails an die Privatkläger sowie teilweise auch an
die Anwaltskanzlei von Rechtsanwalt D._ und an Rechtsanwalt G._ ge-
sandt sowie das Schreiben vom 2. Juli 2012 anlässlich der Aktionärsversammlung
der Familienunternehmung verlesen habe. Durch die jeweiligen Äusserungen hät-
ten sich die beiden Privatkläger je in ihrer Ehre verletzt gefühlt, was der Beschul-
digte, dem die Ehrenrührigkeit seiner Aussagen bewusst gewesen sei, durch das
Verfassen/Versenden resp. Verlesen des Geschriebenen gewollt bzw. zumindest
in Kauf genommen habe. Der Beschuldigte habe überdies in Kauf genommen,
dass beim Durchschnittsleser der Eindruck entstehe, der Privatkläger 1 habe
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strafbare Handlungen begangen und dafür weitere Personen angestiftet, im Wis-
sen darum, dass keine Strafuntersuchung wegen solcher strafbarer Handlungen
geführt werde und auch keine entsprechende Verurteilung gegen diesen vorliege.
So habe der Beschuldigte seinen/m Bruder B._ (Privatkläger 1) im E-Mail
vom 30. März 2011:
1) als geistesgestört bezeichnet
2) mehrfach der aktiven Bestechung, resp. der Anstiftung dazu ("beige-
bracht") beschuldigt (2., 4., 5. und 6. Absatz des E-Mails vom 30. März
2011)
3) bezichtigt, sich zu überlegen, dem Bruder C._ (Privatkläger 2) einen
Anwaltstitel zu kaufen und für diesen den Bachelor einer Rechtsfakultät
gekauft zu haben (3. und 7. Absatz dieses E-Mails)
4) dessen Beziehung mit Bruder C._ als ekelerregende Komplizen-
schaft bezeichnet
5) vorgeworfen, der Privatkläger 2 sei durch seine Nähe zum Mitglied einer
Panzerknackerbande geworden
6) unterstellt, mit Machenschaften und Klüngeleien zu tun zu haben
und im E-Mail vom 31. März 2011:
7) als Schuft bezeichnet
8) beschuldigt, den Privatkläger 2 zum Schweigen zu zwingen und stalker-
hafte, ehrenrührige und verleumderische E-Mails an Dritte zu versenden
9) beschuldigt, sein Anwaltsbüro im Tessin auf unrechtmässige Art und hart
an der Grenze zum Kriminellen zu benutzen, seinen Klienten irrelevante
Kosten zu überbinden (6. und 19. Abschnitt dieses E-Mails)
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10) als Bankrotteur und Schmid verleumderischer Komplotte, um Andere von
Erbschaften auszuschliessen, betitelt
11) unterstellt, dessen Verhalten erwecke den Eindruck, dieser sei ein Lügner
und Betrüger
12) beschuldigt, zusammen mit dem Privatkläger 2 eine Verleumdungsstafet-
te zu führen und sich niederträchtiger Mittel zu bedienen
13) dessen Verhalten als niederträchtig und zynisch, von einem Irren oder
Verrückten am Rande der Gesellschaft stehenden stammend, bezeichnet,
mit dem einzigen Ziel, andere fertigzumachen
14) unterstellt, unter geistigen und genetischen Krankheiten zu leiden
15) unterstellt, der Misswirtschaft durch undurchsichtige Geschäfte und
Mischeleien verantwortlich zu sein
Seinem Bruder C._ (Privatkläger 2) habe er mit E-Mail vom 30. Juni 2012
16) krankhafte und kriminelle Komplizenschaft sowie eine kriminelle Handlung
in Absprache mit Rechtsanwalt Dr. D._ unterstellt
und im von ihm unterzeichneten, an der Aktionärsversammlung verlesenen
Brief vom 2. Juli 2012:
17) einen Machtmissbrauch innerhalb der Erbengemeinschaft ... [Nachname
des Beklagten sowie der Kläger] unterstellt
sowie im E-Mail vom 3. Juli 2012:
18) unterstellt, schwere Verbrechen gegen seine Person verübt zu haben.
2. Der Beschuldigte hat nicht bestritten, die anklagegegenständlichen
E-Mails an die betreffenden Adressaten versandt zu haben. Er anerkennt ausser-
dem, das von ihm unterzeichnete Schreiben vom 2. Juli 2012 anlässlich der Akti-
onärsversammlung verlesen zu haben (Urk. 4/2 S. 4 ff.; Urk. 6/1 S. 1; Prot. I
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S. 11 f.; Urk. 34/1 S. 3 u.). Dabei blieb er auch im Berufungsverfahren (Prot. II
S. 13; Urk. 55 S. 9).
3. Damit ist der objektive Sachverhalt erstellt, wonach der Beschuldigte die
ihm von der Anklage zur Last gelegten, die beiden Privatkläger betreffenden
Äusserungen gemacht hat.
4. Dagegen hat der Beschuldigte vor Vorinstanz und anlässlich der Beru-
fungsverhandlung den subjektiven Sachverhalt bestritten, indem er geltend mach-
te, mit seinen Äusserungen nicht beabsichtigt zu haben, ehrenrührige Tatsachen
über seine beiden Brüder zu verbreiten. Die Interpretation seiner Äusserungen
durch die Anklagebehörde und die Vorinstanz sei falsch (Prot. I S. 11 f. und
S. 21 f.; Prot. II S. 12 ff.; Urk. 55 S. 9).
5. Zu prüfen ist somit, worauf der Vorsatz des Beschuldigten bei den ge-
mäss objektivem Sachverhalt erstellten Tathandlungen gerichtet war. Da dies
gleichzeitig die Frage beschlägt, ob der Beschuldigte damit auch den subjektiven
Tatbestand der ihm zur Last gelegten Ehrverletzungsdelikte erfüllt hat, ist dies
gemeinsam im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu beurteilen.
V. Rechtliche Würdigung
1. Im angefochtenen Urteil wurde der Gesetzestext der Ehrverletzungsdelik-
te und die einzelnen Elemente dieser Tatbestände unter zutreffenden Hinweisen
auf Lehre und Praxis korrekt aufgeführt; es kann darauf verwiesen werden
(Urk. 41 S. 12 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die anklagegegenständlichen Tathand-
lungen erfolgten allesamt im familiären Umfeld unter Einbezug des Paten des Be-
schuldigten. Zudem war das Verhältnis zwischen den Brüdern aufgrund von lang-
jährigen, hoch emotionalen Meinungsverschiedenheiten stark belastet. Diesen
Umständen ist nachfolgend mittels einer zurückhaltenden Würdigung Rechnung
zu tragen.
2. Der Beschuldigte lässt geltend machen (Urk. 6/1 S. 4), der Inhalt seines E-Mails vom 30. März 2011 (Urk. 3/1 S. 1 = Urk. 26 S. 3): "Con questo genere di
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[...] emails [...] dai la prova che sei instabile mentalmente se non per dire squilib-
rato." sei nicht rufschädigend und könne die Ehre des Adressaten daher nicht ver-
letzen. Der Beschuldigte habe keinen medizinischen Begriff, wie "geistesgestört"
oder "geisteskrank" verwendet, sondern wortwörtlich "geistig instabil". Mit "instabi-
le mentalmente" sei eine Person gemeint, die wechselhaft in ihren Positionen und
Gedanken sei. "Squilibrato" bezeichne eine Person, die keine Mitte habe bzw. aus
dem Gleichgewicht sei (Urk. 6/1 S. 4; Urk. 34/1 S. 7; Prot. II S. 14).
2.1. Die Verteidigung wählte bei ihrer Übersetzung der Worte "instabile
mentalmente se non per dire squilibrato" demnach offenkundig eine Interpretation
nach dem Wortsinn (wortwörtlich "geistig instabil", Urk. 34/1 Rz 34). Dabei beton-
te sie selber stets zurecht unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Praxis, dass
bei der Auslegung der fraglichen Äusserung von jenem Sinn auszugehen sei, den
ein unbefangener Adressat einer Aussage nach den Umständen beilegen müsse
und einige italienischen Wörter und Ausdrücke auf keinen Fall wortwörtlich zu
übersetzen seien, da dies deren Bedeutung im Gesamtzusammenhang erheblich
verfälsche (Urk. 6/1 S. 3, Ziff. 1.3; Urk. 34/1 S. 5, Ziff. 2.3.; Urk. 55 S. 14).
2.2. Der Vorderrichter wies zutreffend darauf hin (Urk. 41 S. 17), dass die
Wortfolge zwischen den die Psyche betreffenden Begriffen: "se non per dire" (um
nicht zu sagen...) eine Steigerung von "geistig instabil" auf eine schwerere psy-
chische Beeinträchtigung indiziert. Die vom Beschuldigten geltend gemachte
Übersetzung wird dieser Steigerung durchaus gerecht: Mit dieser Art von E-Mails
(...) beweist du, dass du geistig instabil bist, um nicht zu sagen, dass du keine
Mitte hast bzw. aus dem Gleichgewicht bist. Mangels Erheblichkeit erweist sich
diese Äusserung als nicht ehrenrührig, sodass der Beschuldigte von diesem Vor-
wurf freizusprechen ist.
3. Der Beschuldigte lässt zum Inhalt des 2. Absatzes seines E-Mails vom
30. März 2011 geltend machen (Urk. 6/1 S. 5), unter dem Ausdruck "mazzette"
seien nicht Bestechungsgelder gemeint gewesen, sondern die "Übergabe von bil-
ligen Geldnoten" (Urk. 6/5+6). Dies zeige sich auch an der Verwendung von An-
führungszeichen. Der Beschuldigte habe in ironischer und metaphorischer Weise
auf die wohl nicht sehr hochstehende und einflussreiche Arbeit des Privatklä-
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gers 1 Bezug nehmen wollen, welche sich hauptsächlich mit dem Weiterreichen
von Bündeln (d.h. mazzetto) von unwichtigen Schriftstücken befasst habe.
(Urk. 6/1 S. 5; Urk. 34/1 S. 8; Urk. 55 S. 14).
3.1. Für "Mazzetta" gibt es mehrere mögliche Interpretationen, wobei die
Hauptbedeutung "Bündel von Banknoten" ist. Die Übersetzung von "Mazzetta" als
Schmiergeld hat hingegen lediglich familiäre Bedeutung (vgl.
http://dizionari.corriere.it/dizionario_italiano/M/mazzetta_2.shtml). Aufgrund des
Gesamtzusammenhangs sowie unter Berücksichtigung des Grundsatzes "in dubio
pro reo" im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO ist "smistatore ed il passa mazzette"
mit "Verteiler und Überreicher von Bündel von Banknoten" zu übersetzen.
3.2. Bei dieser Äusserung handelt es sich um eine Tatsachenbehauptung.
Der Beschuldigte nahm damit auf die seiner Ansicht nach nicht sehr hochstehen-
de und einflussreiche Arbeit des Privatklägers 1 Bezug. Diese Äusserung betrifft
demnach den beruflichen Bereich des Privatklägers 1, welcher gemäss Bundes-
gericht nicht strafrechtlich geschützt ist (BGE 115 IV 42 E. 1.c). Die Äusserung
erweist sich demzufolge in Abweichung von der vorinstanzlichen Würdigung als
nicht ehrenrührig, weshalb der Beschuldigte von diesem Vorwurf freizusprechen
ist.
4. Unbestritten ist die Übersetzung der Äusserungen des Beschuldigten in
Frageform im 3. Absatz dieses E-Mails, wonach der Privatkläger 1 sich überlege,
für den Privatkläger 2 ein Anwaltspatent zu kaufen und jene im 7. Absatz, wonach
er sich frage, weshalb sich der Privatkläger 1 nicht dazu entschliesse, für den Pri-
vatkläger 2 einen Bachelor-Titel zu erwerben (vgl. Urk. 34/1 S. 8 Rz 40 und S. 10
Rz 58; Urk. 55 S. 15, 19).
4.1. Der Beschuldigte lässt geltend machen, da es in der Schweiz grund-
sätzlich unmöglich sei, ein Anwaltspatent zu kaufen, sei eine solche Unterstellung
nicht geeignet, die Ehre einer Person zu verletzen. Unmögliche Tatsachenbe-
hauptungen könnten die Ehre nicht in Frage stellen. Aufgrund des Fragezeichens
am Ende der schriftlichen Äusserung handle es sich auch nicht um eine feststel-
- 17 -
lende Aussage. Zudem fehle es an der Erheblichkeit (Urk. 3/1 S. 1 = Urk. 26 S. 3;
Urk. 6/1 S. 5; Urk. 34/1 S. 8 Rz 40 ff.; Urk. 55 S. 15).
4.2. Die Verteidigung führte zutreffend aus, dass weder der Erwerb eines
Anwalts- noch eines Bachelor-Titels in der Schweiz möglich sind. Betreffend den
Erwerb eines Anwaltstitels ist aus dem E-Mail nicht ersichtlich, dass sich der Be-
schuldigte mit seiner Aussage auf den Erwerb eines Schweizer Anwaltstitels be-
zog. Zu seinen Gunsten und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass sowohl
der Beschuldigte sowie auch die Privatkläger 1 und 2 Schweizer Staatsbürger
sind und einen Schweizer Wohnsitz haben (vgl. Urk. HD 14/1; Urk. HD 1; Urk. ND
1), ist in Anwendung von Art. 10 Abs. 3 StPO davon auszugehen, dass er sich auf
den Erwerb eines Anwaltspatents in der Schweiz bezog. Selbst mit Kontakten zur
(ehemaligen) Präsidentin der Anwaltsprüfungskommission ist in der Schweiz ein
Erwerb eines Anwaltspatents ausgeschlossen. Die diesbezügliche Aussage des
Beschuldigten ist daher nicht ehrenrührig. In Bezug auf den Erwerb des Bachelor-
Titels schlug der Beschuldigte in seinem E-Mail jedoch einen Erwerb im In- oder
Ausland vor. Dass ein Bachelor-Titel im Ausland allenfalls käuflich erworben wer-
den kann, ist nicht auszuschliessen. Die Vorinstanz hielt aber zutreffend fest (Urk.
41 S. 19), dass entgegen der Darstellung in der Anklageschrift im siebten Ab-
schnitt des E-Mails der Beschuldigte keine Tatsache, sondern lediglich einen in
Frageform formulierten Denkanstoss an den Privatkläger 1 äusserte. Der Be-
schuldigte ist daher auch von den Vorwürfen betreffend Absatz 3 und 7 im E-Mail
vom 30. März 2011 freizusprechen ist.
5. Der Übersetzung der Worte "raccapricciante complicità" mit "ekelerregen-
de Komplizenschaft" im 4. Absatz dieses E-Mails kann nicht gefolgt werden.
"Raccapricciante" ist gleichbedeutend mit "entsetzlich" (vgl. transla-
te.google.com). Folglich bezeichnete der Beschuldigte die brüderliche Beziehung
des Privatklägers 1 mit dem Privatkläger 2 als "entsetzliche Komplizenschaft".
Angesichts der seit Jahren bestehenden gewichtigen Meinungsverschiedenheiten
der Brüder weist diese Äusserung trotz der scharfen Formulierung noch nicht die
erforderliche Erheblichkeit auf, dass der Privatkläger 1 in seiner Geltung ein ehr-
barer Mensch zu sein, tangiert wird. Die Aussage ist nicht ehrverletzend.
- 18 -
5.1. Die Absätze 4 und 5 enthalten die Beschuldigung, der Privatkläger 1
habe dem Privatkläger 2 das Bestechen beigebracht. Dieser sei aufgrund seiner
Nähe zum Privatkläger 1 zum Mitglied einer Panzerknackerbande geworden, und
der Privatkläger 1 habe dem Notariat und Anwaltsbüro H._. sowie Dritten
Bestechungsgelder übergeben. Er habe mit Machenschaften und Klüngeleien zu
tun (Urk. 3/1 S. 1 f. = Urk. 26 S. 3 ff.).
5.2. Was die Übersetzung und Wertung der Worte "smista e passa mazzet-
te" anbelangt (Urk. 34/1 S. 10 Rz 55; Urk. 55 S. 14, 17), kann auf das bereits
Dargelegte verwiesen werden (vgl. vorstehend, Erw. V.3.1. f.). Zu Gunsten des
Beschuldigten ist "mazzette" mit "Bündel von Banknoten" zu übersetzen. Diese
Äusserung erweist sich demzufolge als nicht ehrenrührig. Eine Verurteilung des
Beschuldigten in Bezug auf die Aussage, der Privatkläger 2 sei zum Mitglied einer
Panzerknackerbande geworden, scheidet von vornherein aus, zumal – wie vor-
stehend ausgeführt (vgl. vorstehend, Erw. II.3.) – der Privatkläger 2 betreffend die
Äusserungen im E-Mail vom 30. März 2011 keinen Strafantrag stellte (vgl. Urk.
ND 1). Der Beschuldigte ist von den Vorwürfen betreffend die Absätze 4 und 5 im
E-Mail vom 30. März 2011 freizusprechen.
6. Die Übersetzung der Äusserung des Beschuldigten im 1. Absatz seines
E-Mails vom 31. März 2011, wo er die beiden Privatkläger als Schuft bezeichnete
(Urk. 3/4 S. 1 = Urk. 26 S. 5 ff. insbes. S. 13), blieb zurecht unbestritten (vgl. auch
Urk. 6/8). Der Beschuldigte lässt jedoch geltend machen, die Äusserungen seien
in direktem Gegenzug zu einem erhaltenen E-Mail und im Kontext wiederholter
Belästigungen durch seine Brüder erfolgt. Er sei dabei sichtlich erregt und aufge-
wühlt gewesen. Ein unbefangener Adressat, welchem die Gesamtumstände be-
kannt sein würden, würde den Sinn der wiederum in Frageform formulierten
Äusserungen verstehen und sich bewusst sein, dass damit keine Ehrverletzung
gemeint sein könne (Urk. 6/1 S. 7 f.; Urk. 34/1 S. 10 Rz 63 f.; Urk. 55 S. 19 f.).
6.1. Wie bereits dargelegt, liegt vom Privatkläger 2 kein Strafantrag für den
Inhalt der E-Mails vom 30. und 31. März 2011 vor (vgl. vorstehend, Erw. II.3.).
Nachfolgend ist daher nur die Strafbarkeit des Beschuldigten in Bezug auf Äusse-
rungen, die den Privatkläger 1 betreffen, zu prüfen.
- 19 -
6.2. Die Bezeichnung als Schuft, Gauner oder Schurke (Urk. 6/8) ist ein
Werturteil (vgl. BGE 80 IV 56 E. 3: betr. "Gauner"). Die Äusserung suggeriert für
sich alleine bei unbefangenen Adressaten eine illegale Tätigkeit oder zumindest
eine solche an der Grenze der Legalität, weshalb sie den Ruf, ein ehrbarer
Mensch zu sein, tangiert. Obwohl die Aussage durch den Begriff "mocciosi"
(Rotznasen) abgeschwächt wird, entsteht im Gesamtzusammenhang dennoch
der Eindruck einer beabsichtigten Beleidigung.
6.3. Die Verteidigung macht den fakultativen Strafbefreiungsgrund der "Be-
antwortung" einer vorangegangenen Provokation geltend, da der Beschuldigte die
Äusserung als direkte Reaktion auf das E-Mail des Privatklägers 1 verfasst habe,
wobei sich der Beschuldigte in einem sichtlich bewegten und aufgewühlten Ge-
mütszustand befunden habe (Urk. 55 S. 19).
6.4. Gemäss Art. 177 Abs. 2 StGB kann der Richter den Täter von der Strafe
befreien, wenn der Beschimpfte durch sein ungebührliches Verhalten zur Be-
schimpfung unmittelbar Anlass gegeben hat. Vorliegend nahm der Beschuldigte in
seinem E-Mail vom 31. März 2011 unmittelbar Bezug auf das E-Mail des Privat-
klägers 1 vom 30. März 2011 (vgl. Urk. HD 5 S. 7 f.; Urk. HD 3/6), wobei sich die-
ser aufgrund des E-Mails des Privatklägers 1 in einem erregten Gemütszustand
befand. Nach Ansicht des Beschuldigten war das Verhalten des Privatklägers 1
bzw. der Inhalt des E-Mails vom 30. März 2011 ein schwerwiegender Angriff auf
seine Privatsphäre. Aufgrund dessen habe er seine Grundrechte verteidigen und
schützen wollen, indem er legitime Mittel habe ergreifen wollen, die Unrechtmäs-
sigkeit zu erläutern (Prot. II S. 12, 16). Ob das Verhalten des Privatklägers 1 tat-
sächlich ungebührlich war, kann vorliegend offen gelassen werden. Art. 177
Abs. 2 StGB ist auch bei einer irrtümlichen Annahme eines ungebührlichen Ver-
haltens anwendbar (vgl. BGE 117 IV 270, 272 = Praxis 82 [1993] Nr. 216). Das E-
Mail des Privatklägers 1 vom 30. März 2011 ist als Provokation im Sinne von
Art. 177 Abs. 2 StGB zu qualifizieren. Da der Beschuldigte die Beschimpfung auf-
grund der Provokation des Privatklägers 1 äusserte, ist von der Strafe abzusehen.
7. Bei den im 4. Absatz dieses E-Mails enthaltenen Äusserungen des Be-
schuldigten, wonach der Privatkläger 1 den Privatkläger 2 zwinge zu schweigen,
- 20 -
auch wenn dies nicht mehr legal sei, und zudem stalkerhafte, ehrenrührige und
verleumderische E-Mails an Dritte versende (Urk. 3/4 S. 1; Urk. 26 S. 13), ist die
eigentliche Übersetzung erneut unbestritten (vgl. auch Urk. 6/9 f.).
7.1. Der Beschuldigte lässt dagegen geltend machen, in einem solchen fa-
miliären Kontext sei eine strafrechtlich relevante Ehrverletzung nur mit grosser
Zurückhaltung anzunehmen, weil das Publikum, vorliegend Herr D._, wel-
cher nicht nur Willensvollstrecker, sondern faktisch wie ein Familienmitglied sei,
und der Privatkläger 2 mit Übertreibungen und scharfen Formulierungen hätten
rechnen müssen, weshalb nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen sei. Die
Formulierung sei ungenau, weshalb nicht klar ersichtlich sei, dass der Beschuldig-
te damit strafbare Handlungen seiner Brüder gemeint habe (Urk. 6/1 S. 8;
Urk. 34/1 S. 11 Rz 66 ff.; Urk. 55 S. 20 Rz 66).
7.2. Der erste Teil der Passage der Äusserung ist für eine Ehrverletzung zu
unbestimmt, da die Illegalität des Zwangs sich daraus nicht näher erklärt, dies
auch nicht bei einer vom Vorderrichter erwähnten möglichen Assoziationen mit
Schweigegeld und Mafia (Urk. 41 S. 20), da sich keine Hinweise auf eine entspre-
chende Absicht des Beschuldigten ergeben, weder aus dem Wortsinn selber noch
aus dem Kontext. Dagegen bringt der Beschuldigte den Privatkläger 1 mit der Be-
schuldigung, stalkerhafte, ehrenrührige und verleumderische E-Mails an Dritte zu
versenden, mit einer strafbaren Handlung (Ehrverletzung) in Verbindung, was
wiederum ehrenrührig ist.
8. Im 6. Absatz dieses E-Mails unterstellt der Beschuldigte dem Privatklä-
ger 1 laut Anklageschrift (Urk. 26 S. 13), dieser nutze sein Anwaltsbüro auf un-
rechtmässige Art für unrechtmässige Zwecke und hart an der Grenze zum Krimi-
nellen. Diese Äusserung zielt in erster Linie auf die berufliche Ehre des Privatklä-
gers 1. Der Verteidigung ist zudem Recht zu geben, dass der Übersetzung der
Worte "in modo illegitimo e per illegitimi scopi" durch die Anklagebehörde nicht
gefolgt werden kann (Urk. 6/1 S. 8; Urk. 34/1 S. 11 Rz 70; Urk. 55 S. 20 Rz 67 f.).
"Illegitimo" (illegitim) ist nicht gleichbedeutend mit illegale (illegal; vgl. transla-
- 21 -
te.google.com) und damit mit "unrechtmässig". Illegitimes Handeln ist nicht straf-
bar, sondern allenfalls verpönt, weshalb der Privatkläger 1 mit dieser Äusserung
auch nicht in die Nähe strafbaren Verhaltens gerückt wurde und dementspre-
chend entgegen der Vorinstanz (Urk. 41 S. 20 f.) auch nicht in seiner Geltung als
ehrbarer Mensch getroffen wurde. Diese Äusserung erweist sich demzufolge in
Abweichung von der vorinstanzlichen Würdigung als nicht ehrenrührig, weshalb
der Beschuldigte von diesem Vorwurf freizusprechen ist.
9. Die Übersetzung der Äusserung des Beschuldigten im 7. Absatz seines
E-Mails vom 31. März 2011, wo er den Privatkläger 1 als Bankrotteur betitelte und
beschuldigte, Komplotte zu schmieden, um andere von Erbschaften auszu-
schliessen, blieb zurecht unbestritten.
9.1. Dagegen liess der Beschuldigte auch bezüglich dieser Äusserung, wie
jener im 4. Absatz dieses E-Mails, geltend machen, in einem solchen familiären
Kontext sei eine strafrechtlich relevante Ehrverletzung nur mit grosser Zurückhal-
tung anzunehmen, und der Privatkläger 1 habe mit Übertreibungen und scharfen
Formulierungen rechnen müssen, weshalb nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu
legen sei. Diese Äusserung sei auf die gesellschaftliche bzw. berufliche Stellung
des Privatklägers 1 gerichtet und betreffe nicht die Geltung, ein ehrbarer Mensch
zu sein (Urk. 6/1 S. 8 f.; Urk. 34/1 S. 11 Rz 72 f.; Urk. 55 S. 21 Rz 70).
9.2. Die Bezichtigung, man verfüge als bankrotte Person über kein Geld, be-
trifft nur vordergründig den beruflichen Kontext, aber auch die Geltung als ehrba-
rer Mensch im privaten Bereich. Zudem ist die Bezeichnung als (im Zusammen-
hang verstärkend: komplottierender) Bankrotteur auch dahingehend zu verstehen,
dass eine Gläubigerschädigung seitens der bezichtigten Person in Kauf genom-
men würde, was ein unmoralisches Verhalten darstellt, wie der Vorderrichter be-
reits zutreffend erwogen hat (Urk. 41 S. 21). Die Äusserung erweist sich als eh-
renrührig.
10. Die Übersetzung der Äusserung des Beschuldigten im 8. Absatz dieses
E-Mails, wonach das Verhalten des Privatklägers 1 den Eindruck erwecke, dass
dieser ein Betrüger und Lügner sei, wurde wiederum nicht bestritten.
- 22 -
10.1. Der Beschuldigte lässt geltend machen, es könne sich nicht um einen
Angriff auf die Ehre handeln, da er nur gesagt habe, das Verhalten des Privatklä-
gers 1 erwecke den Eindruck eines Lügners (Urk. 6/1 S. 9; Urk. 34/1 S. 12
Rz 74 f.; Urk. 55 S. 21 Rz 71).
10.2. Der Privatkläger 1 wird durch die teilweise in Anführungs- und Schluss-
zeichen gesetzte Äusserung des Beschuldigten (Lügner, Betrüger) erneut mit ei-
nem strafbaren Verhalten in Verbindung gebracht, wobei eben auffällt, dass nur
das Wort "imbroglioni" (Betrüger) mit Anführungs- und Schlusszeichen versehen
ist, das Wort "bugiardi" (Lügner) hingegen nicht. Eine Frageform liegt nicht vor, da
das Fragezeichen am Ende des Absatzes innerhalb der Klammerbemerkung an-
gebracht wurde und nicht ganz am Ende der Äusserung. Auch wenn das (blosse)
Erwecken des Eindruckes eine Abschwächung des Vorwurfes ein Lügner und Be-
trüger zu sein, zur Folge hat, stellt die Wortwahl des Beschuldigten dennoch die
Integrität des Privatklägers 1 als Person infrage und zielt auf eine Herabsetzung
in seiner Geltung als ehrbarer Mensch ab. Sie ist somit ehrenrührig.
11. Die Übersetzung der Äusserung des Beschuldigten im 11. Absatz dieses
E-Mails, wonach der Privatkläger 1 zusammen mit dem Privatkläger 2 eine Ver-
leumdungsstafette führe und sich dazu niederträchtiger Mittel bediene, wurde zu-
recht nicht bestritten.
11.1. Der Beschuldigte lässt erneut auf den scharfen Ton in der gesamten
Korrespondenz der drei Brüder hinweisen. Diese Art von Übertreibungen sei im
Gesamtzusammenhang nicht dazu geeignet, die Ehre zu verletzen (Urk. 6/1 S. 9;
Urk. 34/1 S. 12 Rz 76 f.; Urk. 55 S. 22 Rz 74).
11.2. Diese Äusserung ist für sich allein betrachtet für eine Ehrverletzung zu
unbestimmt, da weder die Verleumdungsstafette noch die "niederträchtigen Mittel"
eingehender spezifiziert sind. Sie ist daher nicht dazu geeignet, die Ehre des Pri-
vatklägers 1 zu verletzen, wie der Vorderrichter bereits zutreffend erkannte
(Urk. 41 S. 21 resp. S. 20). Dieser im vorinstanzlichen Urteilsdispositiv nicht expli-
zit aufgeführte Teilfreispruch blieb unangefochten, weshalb diesbezüglich Teil-
rechtskraft eingetreten ist (vgl. vorstehend, Erw. II.1).
- 23 -
12. Die Übersetzung der Äusserung im 14. Absatz dieses E-Mails, wonach
sich der Privatkläger 1 niederträchtig und zynisch verhalte, wie ein Verrück-
ter oder Irrer, mit dem einzigen Ziel, andere fertigzumachen, wurde nicht in Frage
gestellt.
12.1. Der Beschuldigte lässt geltend machen, er habe sich hier auf die ge-
schäftliche Tätigkeit seiner Brüder bezogen. Der Ausdruck, eine Person sei zy-
nisch, sei nicht geeignet, ehrverletzend zu wirken. Überdies habe er keine medi-
zinischen Fachausdrücke verwendet (Urk. 6/1 S. 9; Urk. 34/1 S. 12 Rz 78 f.). An-
lässlich der Berufungsverhandlung wies die Verteidigung darauf hin, dass
die Vorinstanz zurecht die nötige Erheblichkeit für die Erfüllung des Tatbestandes
eines Ehrverletzungsdeliktes abgesprochen habe (Urk. 55 S. 22 Rz 75).
12.2. Auch diese Äusserung lässt im Gesamtzusammenhang Zweifel am
Charakter des Privatklägers 1 aufkommen, erreicht aber die nötige Erheblichkeit
nicht. Ausserdem wurde nicht spezifiziert und bleibt unklar, auf welche Weise an-
dere angeblich fertiggemacht werden sollten. Die Ehre des Privatklägers 1 wird
nicht verletzt, wie der Vorderrichter bereits zutreffend erkannte (Urk. 41 S. 21
resp. S. 20). Dieser im vorinstanzlichen Urteilsdispositiv nicht explizit aufgeführte
Teilfreispruch blieb unangefochten, weshalb diesbezüglich Teilrechtskraft einge-
treten ist (vgl. vorstehend, Erw. II.1).
13. Die blosse Behauptung, der Privatkläger 1 leide unter genetischen und
geistigen Krankheiten (15. Absatz dieses Mails), stellt keine Ehrverletzung dar. Es
ist moralisch nicht verwerflich, krank zu sein. Gleich verhält es sich mit der Äusse-
rung im 16. Absatz, der Privatkläger 1 sei eine niederträchtige Person, die am
Rande der Gesellschaft stehe. Der Beschuldigte ist in Abweichung von der vor-
instanzlichen Würdigung von diesen Vorwürfen freizusprechen.
14. Die Übersetzung der Äusserung im 19. Absatz dieses E-Mails, wonach
der Privatkläger 1 seinen Klienten irrelevante Kosten überbinde, wurde nicht be-
anstandet.
- 24 -
14.1. Der Beschuldigte lässt geltend machen, den Privatkläger 1 entgegen
dem ausdrücklichen Anklagevorwurf (Urk. 26 S. 13 letzter Absatz) nicht des Be-
truges bezichtigt zu haben. Er habe sich wiederum auf die gesellschaftliche Tätig-
keit seines Bruders und dessen Anwaltskanzlei bezogen, was nicht unter den
Ehrverletzungsbegriff falle (Urk. 6/1 S. 10; Urk. 34/1 S. 12 Rz 84; Urk. 55 S. 23 Rz
78).
14.2. Unklar ist letztlich, was mit "irrelevanten" Kosten genau gemeint ist
(Urk. 35). Die Äusserung ist zu unspezifisch. Ein simples Ausstellen zu hoher
Rechnungen würde beispielsweise den Betrugstatbestand nicht erfüllen. Aus dem
Gesamtzusammenhang ist indessen erkennbar, dass diese Äusserungen ein an-
gebliches Geschäftsgebaren des Privatklägers 1 betreffen, ohne ihn in direkten
Zusammenhang mit einem strafbaren Verhalten zu bringen. Sie eignen sich ledig-
lich dazu, den Privatkläger 1 als Geschäfts- und Berufsmann in seiner gesell-
schaftlichen Geltung herabzusetzen, weshalb sie entgegen der Auffassung der
Vorinstanz (Urk. 41 S. 22) als nicht ehrverletzend zu würdigen sind und der Be-
schuldigte von diesem Vorwurf freizusprechen ist.
15. Die Übersetzung der Äusserung im 24. Absatz dieses E-Mails, wonach
der Privatkläger 1 für Misswirtschaft, undurchsichtige Geschäfte und Mischeleien
verantwortlich sei, blieb unbestritten.
15.1. Der Beschuldigte liess dagegen geltend machen, dem Privatkläger 1
nicht unterstellt zu haben, für Misswirtschaft, undurchsichtige Geschäfte und
Mischeleien verantwortlich zu sein. Er habe allgemeine Zweifel an der Geschäfts-
tätigkeit seines Bruders, welche sich in einer gewissen rechtlichen Grauzone zu
befinden scheine. Es werde nichts unterstellt, was den Ruf, ein ehrbarer Mensch
zu sein, berühren könne (Urk. 6/1 S. 10; Urk. 34/1 S. 13 Rz 86). Im Berufungsver-
fahren wies die Verteidigung ferner darauf hin, dass die Vorinstanz zurecht die
Aussage als nicht ehrverletzend qualifiziert habe (Urk. 55 S. 23 Rz 79).
15.2. Diese Äusserung erweist sich für sich alleine betrachtet noch nicht als
ehrverletzend. Sie ist zu unbestimmt gehalten und beschlägt die Stellung des Pri-
vatklägers 1 als Geschäftsmann, wie der Vorderrichter bereits zutreffend erkannte
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(Urk. 41 S. 22). Dieser im vorinstanzlichen Urteilsdispositiv nicht explizit aufge-
führte Teilfreispruch blieb unangefochten, weshalb diesbezüglich Teilrechtskraft
eingetreten ist (vgl. vorstehend, Erw. II.1).
16. Die Anklage wirft dem Beschuldigten in der Anklageziffer II.1. als weite-
re, diesmal gegen den Privatkläger 2 im E-Mail vom 30. Juni 2012 gerichtete
Äusserung vor, er habe diesem im Zusammenhang mit einem Hausverkauf eine
krankhafte und kriminelle Komplizenschaft sowie eine kriminelle Handlung in Ab-
sprache mit Rechtsanwalt Dr. D._ unterstellt (Urk. 26 S. 15; Urk. ND 3/1 S. 1
letzter Absatz).
16.1. Der Beschuldigte lässt diesen Vorwurf durch die Verteidigung bestrei-
ten. Er habe lediglich Zweifel an der Möglichkeit erhoben, dass sein Bruder
C._ in die Sache involviert sein könnte und habe demnach allerhöchstens ei-
ne Frage in den Raum gestellt und keinesfalls eine Feststellung (Urk. 34/1 S. 13
Rz 90; Urk. 55 S. 24 Rz 84).
16.2. Aus dem Kontext des gesamten Absatzes dieses an die Rechtsvertre-
ter der beteiligten Familienmitglieder versandten E-Mails des Beschuldigten vom
30. Juni 2012 im Zusammenhang mit der Handänderung einer Liegenschaft der
Familie ...[Nachname vom Beklagten sowie der Kläger] vom 25. Juni 2012
(Urk. ND 3/1 S. 1 letzter Absatz) ergibt sich, dass der Beschuldigte gegenüber
Rechtsanwalt Dr. D._, welcher als Willensvollstrecker im Nachlass des ver-
storbenen Vaters der drei Brüder wirkte (Prot. I S. 18; Urk. ND 3/1 S. 2), eine
Strafanzeige wegen seines Verdachtes auf Unregelmässigkeiten bei dieser Han-
dänderung gegen diesen ankündigte und dabei festhielt, dass die zuständige Be-
hörde auch prüfen werde, ob ("se") Rechtsanwalt D._ solche Delikte alleine
begangen oder sich auch die deliktische Unterstützung von Familienmitgliedern,
zum Beispiel des Privatklägers 2, zu Nutze gemacht habe.
16.3. Jener Teil dieses E-Mails, welcher den Privatkläger 2 tangiert und so-
mit von seinem Strafantrag gegen den Beschuldigten mitumfasst ist (vgl. vorste-
hend, Erw. II.3.), betrifft somit sinngemäss lediglich die Ankündigung des Be-
schuldigten gegenüber Rechtsanwalt Dr. D._, die zuständigen Organe der
- 26 -
Strafverfolgung würden aufgrund der diesem in Aussicht gestellten Strafanzeige
auch abklären, ob dieser sich auch andere Familienmitglieder als Komplizen zu
Nutze gemacht habe, so zum Beispiel den Privatkläger 2. In dieser Ankündigung
einer Strafanzeige, von welcher auch der Privatkläger 2 als möglicher Teilnehmer
an strafbaren Unregelmässigkeiten betroffen sein werde, sind keine seine Ehre
verletzenden Passagen zu erblicken. Diese Äusserung des Beschuldigten enthält
demnach entgegen der Auffassung der Anklagebehörde und des Vorderrichters
(Urk. 41 S. 24) keine (direkte) Bezichtigung des Privatklägers 2 zu einem kriminel-
len Verhalten, weshalb er von diesem Vorwurf gemäss Anklageziffer II.1. freizu-
sprechen ist.
17. Die vom Beschuldigten anlässlich einer Aktionärsversammlung der Fa-
milienunternehmung verlesene, in deutscher Sprache verfasste, anklagegegen-
ständliche schriftliche Äusserung vom 2. Juli 2012, in welcher der Beschuldigte
gemäss Anklageziffer II.2. einem "einzelnen Erben" Machtmissbrauch vorwarf
(Urk. 26 S. 16; Urk. ND 3/2 = Urk. ND 4/1 S. 3 f.), wurde im vorinstanzlichen Urteil
als zulässige harsche Kritik am Auftreten des Privatklägers 2 innerhalb der Er-
bengemeinschaft, aber nicht als ehrenrührig gewürdigt (Urk. 41 S. 25). Dieser im
vorinstanzlichen Urteilsdispositiv nicht explizit aufgeführte Teilfreispruch des Vor-
derrichters blieb unangefochten, weshalb diesbezüglich Teilrechtskraft eingetre-
ten ist (vgl. vorstehend, Erw. II.1).
18. Der letzte Anklagevorwurf (Anklageziffer II.3.) betrifft das an seinen Ver-
teidiger und an Rechtsanwalt D._ gesandte E-Mail des Beschuldigten vom
3. Juli 2012, in welchem er dem Privatkläger 2 die Verübung schwerer Verbre-
chen gegen seine Person unterstellt habe (Urk. 26 S. 16 f.; Urk. ND 3/3, 3. Ab-
satz).
18.1. Der Beschuldigte machte bezüglich dieser Äusserung geltend, diese
sei wiederum im Gesamtkontext zu verstehen. Er habe gerade eine E-Mail des
Privatklägers 2 erhalten und habe darauf seinem Rechtsvertreter über die neues-
ten Ereignisse berichten wollen. Er habe die Situation zusammengefasst und auf
ein laufendes Strafverfahren verwiesen, in welchem der Privatkläger 2 ange-
- 27 -
schuldigt gewesen sei. Rechtsanwalt D._ seien diese Tatsachen bekannt
gewesen (Urk. 34/1 S. 14 Rz 97; Urk. 55 S. 25 Rz 88 ff.).
18.2. Bei dieser Äusserung bezichtigt der Beschuldigte den Privatkläger 2,
schwere Verbrechen gegen seine Person verübt zu haben und unterstellt ihm
damit auf direkte Weise ein gravierendes strafbares Verhalten. Diese Äusserung
beinhaltet mithin entgegen der Darstellung der Verteidigung nicht bloss eine Zu-
sammenfassung der Situation in einem gegen den Privatkläger 2 vom Beschuldig-
ten angestrengten Strafverfahren. Vielmehr bezichtigt der Beschuldigte den Pri-
vatkläger 2 unabhängig vom Ausgang eines solchen Verfahrens, schwere Delikte
begangen, sich mithin solcher schuldig gemacht zu haben und zwar im Wissen
darum, dass dieses Verfahren noch pendent war, ohne dass eine Verurteilung
vorgelegen hätte, was ehrenrührig ist.
18.3. Der von der Verteidigung angerufene fakultative Strafbefreiungsgrund
der "Beantwortung" einer vorangegangenen Provokation besteht einzig beim Tat-
bestand der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB, weshalb seine Anrufung
bei diesem Vorwurf von vornherein entfällt.
19. Der Beschuldigte bestreitet in subjektiver Hinsicht, mit seinen Äusse-
rungen beabsichtigt zu haben, ehrenrührige Tatsachen über seine beiden Brüder
zu verbreiten. Er habe Rechtsanwalt D._ nur mitgeteilt, dass er keinen Kon-
takt zu seinen Brüdern mehr wolle und den inakzeptablen Umgang mit seiner
Person stoppen oder vermeiden wolle (vgl. vorstehend, Erw. IV.4.; Prot. I S. 11 f.
und S. 21 f.).
19.1. Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit
Wissen und Willen ausführt (Art. 12 Abs. 2 Satz 1 StGB). Neben dem direkten
Vorsatz erfasst Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB ausdrücklich auch den Eventualvor-
satz. Danach handelt bereits vorsätzlich, wer die Verwirklichung der Tat für mög-
lich hält und in Kauf nimmt.
19.2. Der Vorsatz erfordert auf der Wissensseite ein aktuelles Wissen um
die Tatumstände. Bei Delikten, die den Eintritt eines Erfolges erfordern, gehört zur
- 28 -
Wissensseite des Vorsatzes eine Vorstellung über den Zusammenhang zwischen
dem eigenen Handeln und dem Erfolg.
19.3. Neben dem Wissen um die reale Möglichkeit der Tatbestandserfüllung
verlangt der Vorsatz auch den Willen, den Tatbestand zu verwirklichen. Der Täter
muss sich gegen das rechtlich geschützte Gut entscheiden. Dieser Wille ist gege-
ben, wenn die Verwirklichung des Tatbestandes das eigentliche Handlungsziel
des Täters ist oder ihm als eine notwendige Voraussetzung zur Erreichung seines
Zieles erscheint. Dasselbe gilt, wenn die Verwirklichung des Tatbestandes für den
Täter eine notwendige Nebenfolge darstellt, mag sie ihm auch gleichgültig oder
gar unerwünscht sein.
19.4. Für den Nachweis des Vorsatzes kann sich das Gericht – soweit der
Täter nicht geständig ist – regelmässig nur auf äusserlich feststellbare Indizien
und auf Erfahrungsregeln stützen, die ihm Rückschlüsse von den äusseren Um-
ständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben. Nach der Rechtspre-
chung darf vom Wissen des Täters auf dessen Willen geschlossen werden, wenn
sich dem Täter die Verwirklichung eines Tatbestandes als so wahrscheinlich auf-
drängte, dass die Bereitschaft, sie als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur
als Inkaufnahme des Erfolges ausgelegt werden kann. Oder entsprechend einer
früher verwendeten Formulierung des Bundesgerichts hat der Richter auf das
Einverständnis zur Tatbestandsverwirklichung zu schliessen, wenn sich dem Tä-
ter der Erfolg seines Verhaltens als so wahrscheinlich aufdrängte, dass sein Ver-
halten vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des deliktischen Erfolges ausgelegt
werden kann.
19.5. Der Beschuldigte beruft sich auf die aufgeheizte Stimmung zwischen
ihm und den Privatklägern 1 und 2. Wie er angesichts des seit Jahren mit Streite-
reien äusserst belasteten Verhältnisses zu seinen beiden Brüdern mit seinen vor-
liegend behandelten, den objektiven Tatbestand von Ehrverletzungsdelikten erfül-
lenden Äusserungen auch nur bloss halbwegs erfolgreich den Kontakt zu diesen
unterbinden und den von ihm geltend gemachten inakzeptablen Umgang mit sei-
ner Person stoppen oder vermeiden wollte, ist nicht erkennbar. Die langjährige,
hoch emotionalen Auseinandersetzungen zwischen den Brüdern, mithin die auf-
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geheizte Stimmung und Erregung wurden bereits im Rahmen einer zurückhalten-
den rechtlichen Würdigung berücksichtigt. Dennoch muss sich der Beschuldigte
entgegenhalten lassen, dass er selbst bereits im Jahre 2000 einen Ehrverlet-
zungsprozess gegen den Privatkläger 2 angestrengt hatte (Urk. ND 3/4 ff.), ihm
klar gewesen sein musste, dass sich seine Äusserungen ebenfalls teilweise am
Rande von Ehrverletzungen bewegten und teilweise deren Grenzen überschritten.
Die Beteuerung, mit seinen Äusserungen keine Verbreitung ehrenrühriger Tatsa-
chen über seine beiden Brüder beabsichtigt zu haben, erweist sich unter diesen
Umständen als nicht zu hörende Schutzbehauptung. Aufgrund seiner früheren
Kenntnisse im Bereich von Ehrverletzungsstreitigkeiten musste ihm vielmehr klar
bewusst sein, dass er sich mit seinen Äusserungen im Bereich von strafbaren
Ehrverletzungen bewegte. Dennoch machte er diese Äusserungen im Wissen um
deren mögliche Strafbarkeit und handelte somit zumindest eventualvorsätzlich,
wie bereits im angefochtenen Urteil erkannt wurde (Urk. 41 S. 26 f.).
20. Der Beschuldigte machte als möglichen Rechtfertigungsgrund eine " Notwehrsituation" geltend (Prot. II S. 12, 15, 17; Urk. 55 S. 9 Rz 21).
In vorinstanzlichen Verfahren berief er sich hingegen noch auf eine "gravierende Notstandssituation" (Prot. I S. 21 f.; vgl. Urk. 34/1 S. 4 Rz 14).
20.1. Die aufgeführten ehrrührigen Äusserungen richten sich gegen die Pri-
vatkläger 1 und 2, d.h. gemäss Darstellung des Beschuldigten gegen seine An-
greifer (Prot. I S. 21: "Ich muss meine Privatsphäre und mein (recte: meinen) E-
Mailverkehr schützen vor den mehrfachen Belästigungen durch B._ und
C._" Prot. II S. 12: " Ich wurde von den beiden Brüdern schwer angegriffen
und in meiner Privatsphäre verletzt. Ich fühlte mich bestürzt. Aufgrund dessen
wollte ich meine Grundrechte [...] verteidigen und schützen."). Damit kommt Not-
wehr im Sinne von Art. 15 StGB als Rechtfertigungsgrund in Frage. Auf Notstand
kann sich nur berufen, wer in Rechtsgüter unbeteiligter Dritter eingreift.
20.2. Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem An-
griff bedroht, so ist der Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in
einer den Umständen angemessenen Weise abzuwehren (Art. 15 StGB, rechtfer-
tigende Notwehr). Dieser Rechtfertigungsgrund setzt voraus, dass der Angriff an-
- 30 -
dauert oder unmittelbar bevorsteht und die Notwehrhandlung zur Abwehr des An-
griffs subsidiär sowie proportional ist. Somit muss der Angegriffene u.a. von meh-
reren zur Verfügung stehenden Verteidigungsmitteln das am wenigsten gefährli-
che wählen (vgl. z.B. Seelmann, in: Basler Kommentar Strafrecht I, 3. Auflage
2013, N 11 f. zu Art. 15 StGB). Überschreitet der Abwehrende die Grenzen der
Notwehr nach Art. 15 StGB, so liegt eine entschuldbare Notwehr vor. Werden die
Grenzen der Notwehr in entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung über den An-
griff überschritten, so handelt der Abwehrende nicht schuldhaft (Art. 16 StGB).
20.3. Zum einen waren die vom Beschuldigten geltend gemachten "Belästi-
gungen" zum Zeitpunkt, als er die E-Mails verfasste und versandte, bereits getä-
tigt. Die Angriffe waren demnach bereits abgeschlossen. Notwehr im Sinne von
Art. 15 und 16 StGB ist daher nicht anwendbar. Darüber hinaus ist es nicht nach-
vollziehbar, weshalb er nicht einfach ihm unliebsame Absender bei seiner Mail-
Inbox sperren liess, um sich auf diese Weise von ungewolltem E-Mailverkehr und
empfundenen Belästigungen zu schützen, anstatt ausgerechnet mit jenen Mitteln
auf seine Brüder zu reagieren, welche er selber diesen ausdrücklich ankreidet
und abgestellt haben wollte. Ebenso wenig erhellt, wie er sein Ziel mit diesem Mit-
tel zu erreichen gedachte. Die von ihm geltend gemachte "Notwehrsituation" wäre
nur dann als eine solche zu berücksichtigen, wenn dem Beschuldigten kein milde-
rer Ausweg, als die Antwort mit den anklagegegenständlichen schriftlichen Äusse-
rungen mehr verblieben wäre. Da ihm legale technische Mittel im E-
Mailprogramm oder auch rechtliche Mittel, wie beispielsweise das Erwirken eines
entsprechend ausgestalteten gerichtlichen Kontaktverbotes, zur Verfügung ge-
standen hätten, um empfundene Belästigungen zu unterbinden, entfällt ein Anru-
fen einer notwehrähnlichen Situation auch infolge fehlender Subsidiarität des von
ihm eingesetzten Mittels von vornherein.
21. Der Beschuldigte ist demzufolge der mehrfachen üblen Nachrede im
Sinne von Art. 173 Ziff. 1 StGB und der Beschimpfung im Sinne von Art. 177
Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. Er ist ausserdem freizusprechen vom Vorwurf
der Ehrverletzung gemäss Anklageziffer I.1., I.2. Absätze 6., 15., 16., 19. und II.1.
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VI. Strafzumessung
1. Die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumessung wurden von
der Vorinstanz unter Hinweis auf die Lehre und Rechtsprechung korrekt und um-
fassend wiedergegeben (Urk. 41 S. 29 f.). Dies braucht vorliegend nicht wieder-
holt zu werden.
2. Der Beschuldigte machte sich der mehrfachen üblen Nachrede im Sinne
von Art. 173 Ziff. 1 StGB sowie der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1
StGB strafbar. Für die Beschimpfung sieht der Gesetzgeber einen Strafrahmen
von 1 bis 90 Tagessätzen Geldstrafe und für die üble Nachrede einen Strafrah-
men von 1 bis zu 180 Tagessätzen Geldstrafe vor. Gemäss Art. 52 StGB sieht die
zuständige Behörde von einer Strafverfolgung, einer Überweisung an das Gericht
oder einer Bestrafung ab, wenn Schuld und Tatfolgen geringfügig sind. Die Rege-
lung von Art. 52 StGB ist zwingender Natur. Durch diese Bestimmung werden re-
lativ unbedeutende Verhaltensweisen erfasst, welche die Schwere und Härte ei-
ner Strafe nicht verdienen. Sind die Voraussetzungen für das fehlende Strafbe-
dürfnis gegeben, erfolgt nicht ein Freispruch, sondern ein Schuldspruch bei
gleichzeitigem Strafverzicht. Die Würdigung des Verschuldens des Täters richtet
sich nach den in Art. 47 StGB aufgeführten Strafzumessungskriterien. Mit dem
Begriff der Tatfolgen wird nicht nur der tatbestandsmässige Erfolg umfasst, son-
dern sämtliche vom Täter verschuldete Auswirkungen der Tat. Diese müssen
stets gering sein. Das Verhalten des Täters muss auch im Bereich der Bagatellde-
likte im Quervergleich zu anderen, unter dieselben Gesetzesbestimmungen fal-
lenden Taten als insgesamt unerheblich erscheinen (BGE 135 IV 13 E. 5.3.2 f.,
mit Verweis auf die Botschaft vom 23. März 1998 zur Änderung des Schweizeri-
schen Strafgesetzbuches, BBl 1999 2063 Ziff. 213.31).
3. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen mehrere gleichartige
Strafen erfüllt, so ist gemäss Art. 49 StGB grundsätzlich zunächst das Verschul-
den des Täters am schwersten Delikt zu erörtern (Urteil des Bundesgerichts
6B_323/2010 vom 23. Juni 2010 E. 2.2, m.H.; Urteil des Bundesgerichts
6B_460/2010 vom 4. Februar 2011 E. 3.4.4, m.H.).
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4. Unter Berücksichtigung der Vorgehensweise erscheint die üble Nachrede
zum Nachteil des Privatklägers 1 (Anklageziffer I.2. Abschnitte 4., 7. und 8.) am
schwersten.
4.1. Bezüglich der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass das
E-Mail an den Privatkläger 1, dessen Bruder (Privatkläger 2) und an Rechtsanwalt
Dr. D._ geschickt wurde. Beim letzteren handelt es sich um den Paten des
Beschuldigten und wohl auch um den im Zusammenhang mit den erbrechtlichen
Streitigkeiten beauftragten "Familienanwalt", welcher unter anwaltlicher Schwei-
gepflicht steht. Die Gefahr rufschädigender Auswirkungen der gemachten Äusse-
rungen ist damit – mit der Vorinstanz (Urk. 41 S. 32) – als sehr gering einzustu-
fen. Verschuldensmindernd ist zu veranschlagen, dass er die ehrverletzenden
Äusserungen aufgrund einer spontanen Gemütserregung vor dem Hintergrund
des seit Jahren zwischen ihm und dem Privatkläger 1 herrschenden Zerwürfnis-
ses machte. Eine planmässige Herabsetzung der Ehre des Privatklägers 1 ist
nicht ersichtlich. Das objektive Tatverschulden erscheint damit als noch leicht.
4.2. Die subjektive Tatschwere vermag das objektive leicht zu relativieren.
Der Beschuldigte handelte nicht direktvorsätzlich, sondern eventualvorsätzlich,
was das Verschulden leicht mindert. Das Motiv war egoistischer Natur, so dass
eine weitere Minderung nicht angebracht ist. Unter Berücksichtigung der subjekti-
ven Tatschwere erscheint das Verschulden des Beschuldigten als leicht.
5. Zur Bestimmung des Tatverschuldens an der gegenüber dem Privatklä-
ger 2 begangenen üblen Nachrede (Anklageziffer II.3.) ist zu berücksichtigen,
dass der Beschuldigte das E-Mail vom 3. Juli 2012 an seinen eigenen Rechtsan-
walt und Rechtsanwalt Dr. D._ versandte. Wiederum war der Kreis der Ad-
ressaten auf unter Schweigepflicht stehende Personen und auf den engsten Ge-
schäftskreis beschränkt. Die Gefahr einer Rufschädigung war damit minim. Auch
dieses E-Mail entsprang einer spontanen Gemütserregung. Im Gegensatz zum E-
Mail an den Privatkläger 1 enthält das den Privatkläger 2 betreffende E-Mail nur
an einer Stelle eine ehrverletzende Äusserung. Der Beschuldigte bezichtigte den
Privatkläger 2 aber schwerer Verbrechen und erhob damit massive Vorwürfe. In
subjektiver Hinsicht ist das eventualvorsätzliche Handeln verschuldensmindernd
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zu veranschlagen. Das Verschulden des Beschuldigten erscheint daher ebenfalls
als sehr leicht.
6. Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten hat die Vorinstanz um-
fassend wiedergegeben (Urk. 41 S. 32 f. Erw. 4.2.3 1. Abschnitt; Urk. 4/3 S. 2 ff.;
Prot. I S. 9 f.). Diese brauchen nicht wiederholt zu werden. Aus diesen ergeben
sich keine strafzumessungsrelevanten Umstände.
6.1. Gemäss Strafregisterauszug vom 10. März 2015 (Urk. 44) verfügt der
Beschuldigte über eine nicht einschlägige Vorstrafe vom Juli 2005 wegen grober
Verletzung der Verkehrsregeln, begangen im Jahre 2004. Da diese Tat inzwi-
schen mehr als zehn Jahre zurückliegt, wurde der entsprechende Eintrag inzwi-
schen aus dem Strafregister entfernt (Urk. 53) und ist gestützt auf Art. 369 Abs. 7
StGB für die Strafzumessung unbeachtlich.
6.2. Der Beschuldigte bestritt betreffend den äusseren Sachverhalt zwar
grundsätzlich nicht, die entsprechenden E-Mails verschickt zu haben (vgl. Erw.
IV.2.). Ein anderweitiges Verhalten hätte angesichts der erdrückenden Beweisla-
ge allerdings auch keinen Sinn ergeben (vgl. Urteil des Bundesgerichts
6B_558/2011 vom 21. November 2011 E. 2.3). Ferner stellte er die Ehrrührigkeit
der darin enthaltenen Äusserungen weitgehend (vgl. Erw. V.) und die vorsätzliche
Begehung vollumfänglich (Erw. IV.4 f.) in Abrede. Wie die Vorinstanz zu Recht
festhielt (Urk. 41 S. 33), zeigte der Beschuldigte diesbezüglich auch weder Reue
noch Einsicht, so dass sich das Eingestehen, die E-Mails verschickt zu haben, nur
leicht strafmindernd auswirkt.
7. Das Verschulden des Beschuldigten in Bezug auf die Ehrverletzungsdelik-
te wiegt demnach leicht bzw. sehr leicht. Auch im Quervergleich mit Taten glei-
cher Art erweist sich das Verschulden des Beschuldigten immer noch als gering.
7.1. Die Folgen der Tat sind ebenfalls als gering zu qualifizieren. Die ehrver-
letzenden Äusserungen waren lediglich einem beschränkten Adressatenkreis zu-
gänglich. Die ehrverletzenden Äusserungen wurden im familiären bzw. vertrauli-
- 34 -
chen Umfeld getätigt, sodass die Gefahr rufschädigender Auswirkungen sehr ge-
ring war.
7.2. Die geringen Tatfolgen sowie das leichte bzw. sehr leichte Verschulden
des Beschuldigten führen dazu, dass ein Strafbedürfnis beim Beschuldigten zu
verneinen ist. Im Sinne von Art. 52 StGB ist von einer Bestrafung abzusehen.
Demnach folgt auch keine Eintragung der Verurteilung ins Strafregister (Art. 9
lit. b VOSTRA-Verordnung).
VII. Zivilansprüche
1. Die Vorinstanz hat die Genugtuungsforderungen der Privatkläger 1 und 2
unter Darlegung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen sowie der entspre-
chenden Lehre mit zutreffender Begründung abgewiesen. So führte sie zusam-
mengefasst zu Recht aus, dass die Forderungen zwar weitgehend substantiiert
seien. Unter Berücksichtigung der seit Jahren bestehenden Zerstrittenheit er-
reiche jedoch die Schwere der Verletzung nicht die erforderliche Intensität einer
immateriellen Unbill, welche für die Zusprechung einer Genugtuung vorausgesetzt
sei. Auf die entsprechenden Erwägungen kann deshalb verwiesen werden
(Urk. 41 S. 36 f.).
2. Darüber hinaus ist festzuhalten, dass weder der Privatkläger 1 noch 2
rechtlich gegen diesen Entscheid vorgingen. Somit würde ein vom vorinstanz-
lichen Urteil abweichender Entscheid, mit einer Auferlegung einer Genugtuungs-
forderung bzw. die Verweisung der Privatkläger auf den Zivilweg, dem Ver-
schlechterungsverbot zuwiderlaufen.
3. Folglich sind die Genugtuungsbegehren der Privatkläger 1 und 2 in der
Höhe von je Fr. 500.– abzuweisen.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Verfahrensausgang ist das vorinstanzliche Kostendispositiv
(Dispositivziffer 5 und 6) zu bestätigen.
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2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Mas-
sgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldig-
te obsiegt mit seinen Anträgen betreffend die Vorwürfe in Anklageziffer I.1., An-
klageziffer I.2. Absätze 6., 15., 16., 19. und Anklageziffer II.1. Er unterliegt hinge-
gen in Bezug auf die Anklageziffer I.2. Abschnitte 4., 7., 8, Anklageziffer II.3. und
Anklageziffer I.2. Abschnitt 1. Es rechtfertigt sich deshalb, dem Beschuldigten die
Kosten des Berufungsverfahrens zur Hälfte aufzuerlegen. Dem Beschuldigten ist
sodann eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 10'000.– für die anwaltliche
Verteidigung aus der Gerichtskasse zuzusprechen (Art. 429 Abs. 1 StPO).