Decision ID: 66e64161-3607-44c8-8599-09bc52ba2cab
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Niedermann, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
medizinische Massnahmen
Sachverhalt:
A.
A.a B._, Jahrgang 1995, wurde von seiner Mutter im Juli 2000 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung (IV) für Minderjährige angemeldet (IV-act. 1).
Nachdem Dr. med. A._ im Arztbericht vom 2. August 2000 ein POS mit
Hyperaktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung diagnostiziert hatte (IV-act. 3-2), sprach
ihm die IV-Stelle mit Verfügung vom 22. August 2000 für den Zeitraum 13. Juni 2000
bis 30. Juni 2005 medizinische Massnahmen für die Behandlung des
Geburtsgebrechens Ziff. 404 zu (IV-act. 5).
A.b Der Schulpsychologische Dienst der Stadt St. Gallen beantragte für den
Versicherten am 23. November 2001 externe Sonderschulung ab 12. August 2002 im
Jahrzeitenhaus (IV-act. 6). Mit Verfügung vom 20. Dezember 2001 wurden ihm
Sonderschulmassnahmen im Externat vom August 2002 bis Ende Juli 2003 gewährt
(IV-act. 7). Diese Kostengutsprache wurde mit Verfügung vom 15. August 2003 für die
Zeit 11. August 2003 bis Ende Schuljahr 2006/2007 verlängert (IV-act. 13).
A.c Mit einer weiteren Verfügung vom 28. September 2005 wurden dem Versicherten
für den Zeitraum 29. Juli 2005 bis 31. Juli 2007 die Kosten für die Behandlung des
Geburtsgebrechens Ziff. 355 zugesprochen (IV-act. 29). Für das Geburtsgebrechen
Ziff. 210 wurde ihm am 30. September 2005 die Übernahme der Behandlungskosten
vom 23. Mai 2005 bis 31. Mai 2015 gewährt (IV-act. 30). Am 2. März 2006 verlängerte
die IV-Stelle die Kostengutsprache für die Behandlung des Geburtsgebrechens
Ziff. 404 für den Zeitraum 1. Juli 2005 bis 31. Mai 2015 (IV-act. 36). Gleichentags
verweigerte sie die Verlängerung der Kostengutsprache für Ergotherapie. Diese werde
bereits seit dem Jahr 2000 erbracht und könne nicht mehr verlängert werden (IV-
act. 37).
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B.
B.a Die Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste St. Gallen (KJPD) stellten am
5. Februar 2007 einen Antrag auf Kostengutsprache für teilstationäre Behandlung in der
Tagesklinik "Haus auf Wiesen" ab 5. Februar 2007 (IV-act. 43). Im Arztbericht vom
1. Mai 2007 nannten die Psychologin lic. phil. C._ und Dr. med. D._ neben der
Diagnose POS jene der kombinierten vokalen und multiplen motorischen Tic (Tourette-
Syndrom), erstmals gestellt am 14. Juli 2006 durch Dr. A._ (IV-act. 47).
B.b Mit formlosem Schreiben vom 26. Juni 2007 bezog sich die IV-Stelle auf die
Anfrage der KJPD vom 5. Februar 2007 betreffend teilstationären Aufenthalt im "Haus
auf Wiesen" und teilte mit, die Behandlung stehe nicht in unmittelbarem
Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 404, sondern mit dem neu
diagnostizierten Tourette-Syndrom. Deshalb könne die IV keine Kostengutsprache für
den Aufenthalt im "Haus auf Wiesen" geben. Werde die Psychotherapie länger als ein
Jahr durchgeführt, könne eine erneute Prüfung nach Ablauf des ersten Jahrs erfolgen
(IV-act. 53). Die Mutter des Versicherten verlangte am 2. Juli 2007 die Zustellung einer
rechtsmittelfähigen Verfügung (IV-act. 54). Diese erging am 5. Juli 2007. Nach den
medizinischen Unterlagen liege kein von der IV anerkanntes Geburtsgebrechen vor,
noch sei die psychotherapeutische Behandlung im Zusammenhang mit dem
Geburtsgebrechen Ziff. 404 zu sehen und es würden auch die
Anspruchsvoraussetzungen für eine Kostengutsprache nach Art. 12 IVG fehlen (IV-
act. 55).
B.c Am 10. Juli 2007 stellten die KJPD einen Antrag auf interne Sonderschulung in Bad
Sonder ab 13. August 2007 (IV-act. 56). Bereits am 22. Juni 2007 hatte sich eine IV-
Sachbearbeiterin an den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) gewandt, sich auf die
Gesuche um Kostengutsprache für das "Haus auf Wiesen" und das "Bad Sonder"
bezogen und angefragt, ob aufgrund der vorliegenden medizinischen Unterlagen die
Sonderschulbedürftigkeit ausgewiesen sei. Der RAD-Arzt Dr. med. E._ bezeichnete
die Sonderschulbedürftigkeit in seiner Stellungnahme vom 3. August 2007 als klar
ausgewiesen (IV-act. 58). Daraufhin sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit einer
Mitteilung vom 7. August 2007 Sonderschulung intern in "Bad Sonder" ab 13. August
2007 zu (IV-act. 60).
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B.d In Bezug auf die am 5. Juli 2007 ergangene Verfügung betreffend das "Haus auf
Wiesen" hatte sich Dr. D._ im Auftrag der Mutter des Versicherten am 18. Juli 2007
an die IV-Stelle gewandt und "Einspruch" gegen die am 5. Juli 2007 verfügte
Kostenübernahmeverweigerung erhoben (IV-act. 57). Dieses Schreiben hatte eine
andere IV-Sachbearbeiterin am 30. Juli 2007 der RAD-Ärztin Dr. med. F._ vorgelegt.
Diese hatte am 16. August 2007 vorgeschlagen, der Zusammenhang zwischen dem
POS und dem Tourette-Syndrom sei gutachterlich zu klären (IV-act. 61). Entsprechend
wurden Dr. med. G._, Oberärztin am Ostschweizer Kinderspital, St. Gallen, mehrere
Fragen unterbreitet, die sie am 6. November 2007 beantwortete (IV-act. 63). Mit
Verfügung vom 21. Januar 2008 verweigerte die IV-Stelle erneut die Kostengutsprache
für medizinische Massnahmen. Der Einwand von Dr. D._ sei irrtümlich im Rahmen
der Anhörung bearbeitet worden. Dieser hätte eigentlich ans Versicherungsgericht
geschickt werden müssen. Die zwischenzeitlich getroffenen weiteren Abklärungen
würden am Entscheid nichts ändern. Damit doch noch die Möglichkeit bestehe, beim
Versicherungsgericht Einsprache (richtig: Beschwerde) zu erheben, erlasse man erneut
eine Verfügung (IV-act. 65).
B.e Auf Anfrage hin teilte ein IV-Sachbearbeiter Dr. D._ am 31. Januar 2008 mit, die
Mutter des Versicherten solle vorerst nochmals schriftlich bei der IV-Stelle Einwand
erheben, bevor ans Versicherungsgericht gelangt werde. Wenn die Krankenkasse
ebenfalls nicht einverstanden sei, könne man nochmals eine letzte Verfügung erstellen,
die dann beschwerdefähig sei und weitergezogen werden könne (IV-act. 68).
Wunschgemäss reichten die Mutter des Versicherten und Dr. D._ der IV-Stelle am
1. Februar 2008 einen "erneute Einspruch" ein (IV-act. 69).
C.
C.a Da die IV-Stelle darauf nicht reagierte, erhob die Mutter des Versicherten innert
Frist am 20. Februar 2008 Beschwerde gegen die Verfügung vom 21. Januar 2008. Zur
Begründung bevollmächtigte sie Dr. D._ (act. G 2). Dieser beantragt in seinem
Schreiben vom 20. Februar 2008 sinngemäss die Aufhebung der Verfügung und die
Gewährung der Kostengutsprache die Behandlung im "Haus auf Wiesen". Es sei
bekannt, dass die hirnfunktionelle Störung des Geburtsgebrechens Nr. 404 sekundär
häufig zu einer emotionalen oder Verhaltensstörung führe. Wenn dies wie vorliegend
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der Fall sei, sei ein kausaler Zusammenhang zwischen der Folgestörung (emotionale
Störung und Verhaltensstörung) und dem Geburtsgebrechen Ziff. 404 gegeben. Der
Versicherte sei wegen dieser Folgestörung teilstationär behandelt worden. Ein kausaler
Zusammenhang mit dem Tourette-Syndrom sei nicht eindeutig gegeben. Es
verschlimmere die Problematik zusätzlich und stelle zusätzliche Anforderungen an
Lehrer, Pädagogen und Therapeuten (act. G 1). Am 1. März 2008 ersuchte die Mutter
des Versicherten um unentgeltliche Rechtspflege (act. G 5). Rechtsanwalt Rainer
Niedermann kündigte am 9. April 2008 die Interessenwahrung für die Mutter des
Versicherten an und zog das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zurück mit dem
Hinweis, für das Verfahren bestehe die Deckung einer Rechtsschutzversicherung
(act. 9).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 9. April 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Im Verfahren seien leider etliche Fehler passiert, wofür
man sich in aller Form entschuldige. In der Sache selbst sei man jedoch der Ansicht,
dass die angefochtene Verfügung korrekt sei. Beim Tourette-Syndrom handle es sich
nicht um ein Geburtsgebrechen. Ein qualifizierter adäquater Kausalzusammenhang
zum Geburtsgebrechen Ziff. 404 sei nicht gegeben, weshalb eine Übernahme der
Psychotherapie gemäss Art. 13 IVG nicht in Frage komme. Grundvoraussetzung für
den Anspruch auf medizinische Massnahmen gemäss Art. 12 IVG sei eine
abgeschlossene Behandlung der Krankheit mit einem zurückbleibenden
Gesundheitsschaden, der ohne weitere Behandlung stabil bleibe. Bei Minderjährigen
könnten medizinische Eingliederungsmassnahmen jedoch ausnahmsweise auch
übernommen werden, wenn damit einem drohenden stabilen, nur schwer
korrigierbaren Defekt vorgebeugt werden könne, der sich wesentlich auf die
Erwerbstätigkeit oder Berufsbildung auswirken würde. Das Ziel der Psychotherapie
sowie der medikamentösen Therapie sei die Behandlung der motorischen und vokalen
Ticstörung im Rahmen des Tourette-Syndroms sowie der depressiven Symptomatik
gewesen. Somit sei sie keine Massnahme, die später einem drohenden stabilen, nur
schwer korrigierbaren Defekt vorbeuge, sondern es gehe um eine eigentliche
Leidensbehandlung, die nicht in den Bereich der IV gehöre. Folglich komme eine
Übernahme der Psychotherapie auch über Art. 12 IVG nicht in Frage (act. G 11).
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C.c In seiner als Replik bezeichneten Eingabe vom 18. April 2008 weist Dr. D._
darauf hin, dass für die aktuelle Fragestellung die sekundäre emotionale Störung
(ICD-10: F93.8) die relevante Diagnose sei. Zwischen dieser Störung und dem POS
bestehe ein qualifizierter Kausalzusammenhang. Auch die Grundvoraussetzungen für
die Übernahme der Kosten für eine Behandlung durch die IV gemäss Art. 12 IVG seien
vorhanden. Das komplexe Störungsbild sei durch die intensive tagesklinische
kinderpsychiatrische Therapie soweit behandelt worden, dass der Versicherte
eingliederungsfähig geworden sei. Im Anschluss an die Behandlung habe er im
Rahmen einer internen Sonderbeschulung weiterbeschult werden können. Die
kinderpsychiatrische Behandlung sei also eine Massnahme gewesen, die später einem
drohenden stabilen, nur schwer korrigierbaren Defekt, nämlich einer anhaltend
fehlenden Beschulbarkeit, vorgebeugt habe (act. G 14).
C.d Rechtsanwalt Niedermann beantragt in seiner Replik vom 9. Juni 2008 die
Erbringung der gesetzlichen IV-Leistungen und insbesondere die Übernahme der
Kosten der Psychotherapie, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Nicht relevant sei
der Kausalzusammenhang zwischen dem POS und dem Tourette-Syndrom, das nur
die Rolle eines Co-Faktors spiele. Massgebend sei nur der Zusammenhang zwischen
dem POS und der sekundären emotionalen bzw. Folgestörung, die, verstärkt durch das
Tourette-Syndrom – habe behandelt werden müssen. Die Psychotherapie sei gemäss
Art. 13 IVG zu übernehmen. Falls das Gericht dieser Auffassung nicht folgen sollte,
werde der Antrag gestellt, ein kinderpsychiatrisches (Ober-)Gutachten einzuholen.
Selbst wenn die Voraussetzungen nach Art. 13 IVG nicht erfüllt wären, hätte die
Beschwerdegegnerin die Kosten für eine Behandlung gemäss Art. 12 IVG zu
übernehmen (act. G 20).
C.e Die Beschwerdegegnerin reichte am 7. Juli 2008 eine Stellungnahme des RAD vom
2. Juli 2008 ein. Die angefochtene Verfügung erweise sich als korrekt. Wie die RAD-
Ärztin jedoch bemerke, könne der Anspruch unter bestimmten Voraussetzungen nach
Ablauf des Wartejahrs gemäss Art. 12 IVG geprüft werden (act. G 23).
C.f In der Beilage zum Schreiben vom 11. August 2008 reichte der Rechtsvertreter der
Mutter des Versicherten eine weitere Stellungnahme von Dr. D._ vom 6. August 2008
ein und hält an den Anträgen vollumfänglich fest (act. G 25).
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C.g Die Beschwerdegegnerin erklärte am 25. August 2008 ihrerseits, an ihrem
Abweisungsantrag festzuhalten (act. G 27).
C.h Auf vorangegangene telefonische Anfrage der zuständigen Gerichtsschreiberin
vom 8. September 2008 beschrieb Dr. D._ mit Brief vom 9. September 2008 den
Umfang der Betreuung im "Haus auf Wiesen" (act. G 29, 31). Dieses Schreiben und die
gerichtsinterne Telefonnotiz vom 8. September 2008 wurden den Parteien am 10. Sep
tember 2008 zur Kenntnis und allfälligen Stellungnahme zugestellt (act. G 32). Die
Parteien verzichteten auf eine weitere Vernehmlassung (act. G 33).

Erwägungen:
1.
1.1 Im vorliegenden Fall sind der IV-Stelle eine ganze Anzahl Verfahrensfehler
unterlaufen, sodass vorab der verfahrensmässige Ablauf zu rekonstruieren ist. Die
KJPD beantragten bei der Beschwerdegegnerin am 5. Februar 2007 Kostengutsprache
für teilstationäre Behandlung in der Tagesklinik "Haus auf Wiesen" und am 10. Juli
2007 interne Sonderschulung im Bad Sonder ab Beginn des Schuljahrs 2007/2008. Der
zweite Antrag wurde nach Rücksprache mit dem RAD-Arzt Dr. E._ mit Mitteilung vom
7. August 2007 anstandslos bewilligt (IV-act. 60); diese Kostengutsprache ist
mittlerweile rechtskräftig.
1.2 Der Versicherte hielt sich vom 5. Februar 2007 bis 13. Juli 2007 in der Tagesklinik
"Haus auf Wiesen" auf (vgl. IV-act. 56). Die Beschwerdegegnerin bezog sich in ihrem
formlosen Schreiben vom 26. Juni 2007 auf das Gesuch der KJPD vom 5. Februar
2007 und verweigerte die Kostengutsprache für den "teilstationären Aufenthalt" (IV-
act. 53). Auf Gesuch der Mutter des Versicherten vom 2. Juli 2007 um Eröffnung einer
rechtsmittelfähigen Verfügung (IV-act. 54) erliess die Beschwerdegegnerin am 5. Juli
2007 eine Verfügung mit dem Betreff "Keine Kostengutsprache für medizinische
Massnahmen" (IV-act. 55). Auf den Einwand der KJPD vom 18. Juli 2008 hin (IV-
act. 57) veranlasste sie weitere Abklärungen und verfügte am 21. Januar 2008 erneut
ablehnend (IV-act. 65). Möglich ist, dass die Beschwerdegegnerin die Verfügung vom
2. Juli 2007 nachträglich in einen Vorbescheid gemäss Art. 57a IVG umdeutete und
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daraufhin ihrer Ansicht nach am 21. Januar 2008 erstmals über das Gesuch vom
2. Februar 2007 verfügte. Stellt man sich auf den Standpunkt, das Schreiben vom
26. Juni 2007 habe bereits der Gewährung des rechtlichen Gehörs gedient, wäre wohl
kein Vorbescheid mehr nötig gewesen und die Verfügung vom 8. Juli 2007 wäre
tatsächlich als eine solche zu betrachten. Mit den nach der Stellungnahme der KJPD
vom 18. Juli 2007 eingeleiteten weiteren Abklärungen und der am 21. Januar 2008
erfolgten Neuverfügung wäre der Beschwerdegegnerin diesfalls zu unterstellen, sie
habe ihre erste Verfügung vom 8. Juli 2007 widerrufen und anschliessend neu verfügt.
Welche dieser beiden Varianten zutrifft, kann offen gelassen werden. Die Verfügung
vom 21. Januar 2008 war verfahrensrechtlich jedenfalls zulässig und die
Beschwerdeerhebung erfolgte innert der ordentlichen Rechtsmittelfrist. Auf die
Beschwerde ist somit einzutreten.
1.3 Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben (BGE 127 V
467 Erw. 1), sind vorliegend die bis zum 31. Dezember 2007 geltenden materiellen
Bestimmungen anzuwenden. Dass die angefochtene Verfügung aufgrund der
verfahrensmässigen Fehler der Beschwerdegegnerin zufällig erst im Januar 2008, also
nach Inkrafttreten der 5. IV-Revision, erlassen wurde, rechtfertigt freilich nicht die
Anwendung des neuen Rechts, zumal sich der zu beurteilende Sachverhalt vollständig
im Jahr 2007 zugetragen hat und kein Anknüpfungspunkt mit dem neuen Recht
besteht.
2.
2.1 Nach Art. 13 Abs. 1 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr
Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]) notwendigen medizinischen Massnahmen. Der Bundesrat bezeichnet die
Gebrechen, für die diese Massnahmen gewährt werden. Er kann die Leistung
ausschliessen, wenn das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (Abs. 2). Die
Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang der Verordnung über Geburtsgebrechen
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(GgV; SR 831.232.21) aufgeführt (Art. 1 Abs. 2 GgV). Als medizinische Massnahmen,
die für die Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche
Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt
sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben
(Art. 2 Abs. 3 GgV).
2.2 Nach konstanter höchstrichterlicher Rechtsprechung erstreckt sich der Anspruch
auf medizinische Massnahmen ausnahmsweise auch auf die Behandlung sekundärer
Gesundheitsschäden, die zwar nicht mehr zum Symptomenkreis des
Geburtsgebrechens gehören, aber nach medizinischer Erfahrung dennoch häufig die
Folge dieses Gebrechens sind. Zwischen dem Geburtsgebrechen und dem sekundären
Leiden muss demnach ein qualifizierter adäquater Kausalzusammenhang bestehen.
Nur wenn im Einzelfall dieser qualifizierte ursächliche Zusammenhang zwischen
sekundärem Gesundheitsschaden und Geburtsgebrechen gegeben ist und sich die
Behandlung überdies als notwendig erweist, hat die Invalidenversicherung im Rahmen
des Art. 13 IVG für die medizinischen Massnahmen aufzukommen. An die Erfüllung der
Voraussetzungen des rechtserheblichen Kausalzusammenhanges sind strenge
Anforderungen zu stellen, zumal der Wortlaut des Art. 13 IVG den Anspruch der
versicherten minderjährigen Person auf die Behandlung des Geburtsgebrechens an
sich beschränkt (BGE 100 V 41 mit Hinweisen; I 32/06 vom 9. August 2007, Erw. 5.1).
Gemäss Bundesgericht muss das sekundäre Leiden eine unmittelbare Folge, eine fast
zwangsläufige Konsequenz des Geburtsgebrechens sein (I 32/06, Erw. 5.1, 5.4).
2.3 Die Übernahme der Kosten für den Aufenthalt im "Haus auf Wiesen" erfolgt
offenbar praxisgemäss unter dem Titel der medizinischen Massnahmen, wenn die
entsprechenden Voraussetzungen gegeben sind. Dass grundsätzlich medizinische
Massnahmen betroffen sind, verdeutlicht auch der Vertrag vom 29. August 2005
zwischen der Stiftung Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienste St. Gallen und
santésuisse u.a. betreffend Behandlungen, die in der Tagesklinik "Haus auf Wiesen"
erbracht werden. Gemäss dessen Art. 8 bezahlen die Krankenversicherer für die
Behandlung im "Haus auf Wiesen" eine Tagespauschale von Fr. 120.- (vgl. ABl 2005,
2192 ff.).
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2.4 Im vorliegenden Fall anerkannte die Beschwerdegegnerin bereits im Jahr 2000 das
Vorliegen des Geburtsgebrechens Ziff. 404 beim Beschwerdeführer. Sie stellt sich nun
auf den Standpunkt, die teilstationäre Behandlung im "Haus auf Wiesen" stehe nicht in
unmittelbarem Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 404, sondern mit dem
Tourette-Syndrom (IV-act. 53). Dr. D._ präzisierte im Schreiben vom 18. Juli 2007
seine früheren Ausführungen dahingehend, dass neben dem Geburtsgebrechen
Ziff. 404 und dem Tourette-Syndrom eine sekundäre emotionale Störung und eine
Verhaltensstörung vorliege. Er berichtet von sozial-depressivem Rückzug, geringer
Frustrationstoleranz und impulsiven emotionalen Ausbrüchen des Versicherten. In der
Gesamtbeurteilung sei aus kinderpsychiatrischer Sicht ein unmittelbarer
Zusammenhang zwischen emotionaler Störung und Verhaltensstörung und dem
Geburtsgebrechen Ziff. 404 gegeben. Es sei bekannt, dass die hirnfunktionelle Störung
des Geburtsgebrechens Ziff. 404 sekundär zu einer emotionalen Störung oder
Verhaltensstörung führen könne. Dies sei auch hier der Fall (IV-act. 57-1). Die RAD-
Ärztin Dr. F._ hielt in ihrer Stellungnahme vom 15. August 2007 fest, beim
Versicherten liege aus versicherungsmedizinischer Sicht eine behandlungsbedürftige,
vermutlich multifaktoriell bedingte neuropsychiatrische Erkrankung vor. Anhand der
vorhandenen Unterlagen sei nicht eindeutig beurteilbar, welche Rolle die einzelnen
Faktoren (Geburtsgebrechen Ziff. 404, psychosoziale Faktoren, neu diagnostiziertes
Tourette-Syndrom) bei den zunehmenden schulischen Problemen mit sozialer
Ausgrenzung gespielt und eine teilstationäre kinderpsychiatrische sowie weiterführende
ambulante psychotherapeutische Behandlung erforderlich gemacht hätten. Deswegen
gelangte die Beschwerdegegnerin an Dr. med. G._, Fachärztin FMH für Kinder- und
Jugendmedizin (IV-act. 61).
2.5 Dr. G._ hielt am 6. November 2007 fest, Ticstörungen und auch die ausgeprägte
Form des Tourette-Syndroms würden bei Kindern mit ADHS/POS gehäuft auftreten.
Eine eigentliche kausale Abhängigkeit des einen Syndroms vom anderen bestehe
jedoch nicht. Das Tourette-Syndrom könne auch isoliert auftreten und sei insofern als
eine eigenständige Krankheit anzusehen. Die früher (und weiterhin) bestehenden
Störungen des Versicherten würden auf der ausgeprägten Wahrnehmungsschwäche
beruhen. Sie hätten zur Diagnose des psychoorganischen Syndroms geführt. Ein
kausaler Zusammenhang mit dem neu diagnostizierten Tourette-Syndrom bestehe
nicht (Wahrnehmungsschwäche kein Vorläufer des Tourette-Syndroms). Die
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bestehende Impulsivität könne ebenfalls nicht auf das Tourette-Syndrom zurückgeführt
werden, wenn auch eine zusätzliche psychologische Belastung durch das Tourette-
Syndrom auftrete. Eine cerebrale Funktionsstörung (im Sinn eines organischen
Psychosyndroms) liege beim Versicherten vor. Inwiefern dies einerseits zum
Wahrnehmungsschwäche und andererseits zum Tourette-Syndrom führe, könne sie
nicht beantworten, so Dr. G._. Der Versicherte zeige seit langem eine
ausgesprochene Schwäche in der Wahrnehmungsorganisation. Dies führe einerseits zu
deutlichen schulischen Schwierigkeiten, andererseits häufig zu Fehlinterpretationen im
sozialen Umgang mit Kollegen und der Lehrerin (IV-act. 63-6).
2.6 Dr. D._ betonte im Schreiben vom 1. Februar 2008, die Komplexität der
psychiatrischen Störung sei zwar in den früheren Befunden, nicht aber in der Rubrik
Diagnosen zum Ausdruck gekommen. Neben dem Geburtsgebrechen Ziff. 404 und
dem Tourette-Syndrom lägen eine sekundäre emotionale Störung und eine
Verhaltensstörung vor. In der Gesamtbeurteilung sei aus kinderpsychiatrischer Sicht
ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen emotionaler Störung und
Verhaltensstörung und dem Geburtsgebrechen Ziff. 404 gegeben. Es sei bekannt, dass
die hirnfunktionale Störung des Geburtsgebrechens Ziff. 404 sekundär zu einer
emotionalen oder Verhaltensstörung führen könne. Dies sei auch beim Versicherten der
Fall. Das Tourette-Syndrom sei als komorbide Störung anzusehen, die die Problematik
zusätzlich verschlimmere und zusätzliche Anforderungen an Lehrer und Pädagogen
stelle (IV-act. 69-2 f.; vgl. auch IV-act. 71).
2.7 In ihrer Stellungnahme vom 2. Juli 2008 wies die RAD-Ärztin Dr. F._ darauf hin,
der Eintritt ins "Haus auf Wiesen" sei erforderlich gewesen wegen der zunehmend
ausgeprägten komplexen kombinierten Tic-Störung/Tourette-Syndrom und nicht im
Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 404. Diesbezüglich beruft sie sich auf
einen Bericht von Dr. D._ vom 1. bzw. 2. Mai 2007, speziell auf die Antwort auf die
Zusatzfrage 1 im Beiblatt. Der Zusammenhang mit einer sekundären emotionalen
Störung und Verhaltensstörung und dem Geburtsgebrechen Ziff. 404 sei dabei von
untergeordneter Bedeutung (act. G 23.1).
2.8 Am 6. August 2008 betonte Dr. D._ erneut, der Eintritt in die Tagesklinik "Haus
auf Wiesen" sei in erster Linie aufgrund der sekundären emotionalen Störung und der
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Verhaltensstörung erfolgt (act. G 25.1). Dies sowie der kausale Zusammenhang dieser
Störungen mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 404 sind plausibel. Dr. D._ hatte sich
entgegen der Ansicht von Dr. F._ nie gegenteilig geäussert. In jener von ihr zitierten
Antwort auf Zusatzfrage 1 hatte Dr. D._ am 2. Mai 2007 festgehalten, im Verlauf der
letzten anderthalb Jahre habe sich beim Versicherten eine komplexe, kombinierte Tic-
Störung entwickelt. Parallel dazu habe er in der Kleinklasse D sozial nicht mehr
integriert werden können, sodass er vom Unterricht suspendiert worden sei (IV-
act. 47-3). Die Parallelität dieser Unmöglichkeit der Integration und der daraus
folgenden Suspendierung einerseits mit der Entwicklung des Tourette-Syndroms
andererseits bedeutet nicht, dass der Aufenthalt in der Tagesklinik "Haus auf Wiesen"
wegen des Tourette-Syndroms notwendig geworden wäre. Dr. D._ hat dieses
Missverständnis in seinen späteren Schreiben überzeugend widerlegt. Einzig unter
Hinweis auf die Aussage von Dr. D._ vom 1./2. Mai 2007 kann entgegen der RAD-
Ärztin Dr. F._ nicht auf einen entscheidend massgebenden ursächlichen
Zusammenhang zwischen dem Tourette-Syndrom und dem Klinikeintritt geschlossen
werden. Dr. G._ hatte am 6. November 2007 darauf hingewiesen, eine Beschulung im
Jahrzeitenhaus sei aufgrund von unüberwindbaren Differenzen mit der Lehrerin nicht
mehr möglich gewesen (IV-act. 63-6). Auch dies ist ein Hinweis darauf, dass der Eintritt
in das "Haus auf Wiesen" primär wegen der Verhaltensstörung und der sekundären
emotionalen Störung nötig wurde. Diese wiederum hängen eng mit dem
Geburtsgebrechen Ziff. 404 zusammen. Auch Dr. G._ hatte die von ihr geschilderte
ausgeprägte Wahrnehmungsschwäche und die dadurch bedingten Schwierigkeiten
direkt auf das Geburtsgebrechen Ziff. 404 zurückgeführt.
2.9 Insgesamt belegen die medizinischen Akten hinlänglich, dass der Aufenthalt im
"Haus auf Wiesen" zumindest hauptsächlich wegen der Problematik des
Geburtsgebrechens Ziff. 404 bzw. der qualifiziert adäquat kausalen Verhaltensstörung
und emotionalen Störung notwendig wurde. Die Beschwerdegegnerin hat die Kosten
für den Klinikaufenthalt unter dem Titel des Art. 13 IVG zu übernehmen.
3.
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Selbst wenn man mit der Beschwerdegegnerin eine Kostenübernahme unter dem Titel
des Art. 13 IVG verneinen und gemäss ihrem Hinweis in der Duplik unter dem Titel des
Art. 12 IVG prüfen würde, würde eine Kostenpflicht der Beschwerdegegnerin
wahrscheinlich bestehen. Der Versicherte bezog seit Jahren Therapieleistungen über
die IV (Ergotherapie, wohl auch Psychotherapie, die im Jahrzeitenhaus auch zum
Angebot gehört). Unter diesen Umständen könnte ihm kaum entgegengehalten
werden, er habe das Wartejahr für eine Kostenübernahme nach Art. 12 IVG im Februar
2007 noch nicht erfüllt gehabt. Auch die übrigen Voraussetzungen des Art. 12 IVG
wären wohl gegeben. Dass die Betreuung im "Haus auf Wiesen" positiv verlief, ist
hinreichend belegt, teilten die KJPD am 10. Juli 2007 doch mit, die Behandlung dort
habe erfolgreich durchgeführt werden können, wodurch der Versicherte wieder
eingliederungsfähig geworden sei und im Rahmen einer internen Sonderbeschulung
weiter beschult werden könne (IV-act. 56). Unter Berücksichtigung der medizinischen
Akten erscheint die Beurteilung der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort,
die Behandlung sei eine eigentliche Leidensbehandlung und keine Massnahme, die
später einem drohenden stabilen, nur schwer korrigierbaren Defekt vorbeuge, nicht als
überzeugend.
4.
4.1 Im Übrigen wäre die definitive Kostenübernahmeverweigerung durch die
Beschwerdegegnerin ohnehin verfrüht gewesen, selbst wenn kein Anspruch aus Art. 13
bzw. Art. 12 IVG bestehen würde. Zu prüfen wäre nämlich darüber hinaus, ob eine
Kostenübernahme nicht unter dem Titel der Sonderschulung (Art. 19 IVG in der bis
Ende 2007 gültig gewesenen Fassung) angezeigt wäre. Das "Haus auf Wiesen" ist eine
Einrichtung der KJPD. Es wird auf der vom Amt für Soziales gemäss Art. 4 der
Verordnung über Kinder- und Jugendheime (sGS 912.4) geführten öffentlichen Liste der
von ihm bewilligten Einrichtungen der Heimpflege genannt (Ziff. 2 auf S. 8) und ist eine
halbstationär konzipierte Tagesklinik. Gemäss Information auf der Website handelt es
sich um eine kinderpsychiatrische Tagesstätte mit Schule für sieben Kinder. Die
Tagesklinik biete Raum für Kinder, die aufgrund ihrer Problemstellung nicht mehr
ambulant behandelt werden könnten (www.kjpd-sg.ch/index.php?seite=78). Dr. D._
erläuterte in seinem Schreiben vom 9. September 2008, das Behandlungskonzept
umfasse eine psychotherapeutische Behandlung (mit einer Stunde
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Einzelpsychotherapie pro Woche und einer anderthalbstündigen
familientherapeutischen Sitzung alle drei Wochen), eine sozialpädagogische Betreuung,
die die Tagesstruktur ausserhalb der Schulzeiten umfasse, sowie den Schulunterricht.
In der Schule werde in einer kleinen Klasse von sieben Schülern nach dem Lehrplan
der Regelschule unterrichtet. Die Beschulung jedes einzelnen Kindes erfolge nach
individualisiertem Lehrplan. Im Rahmen des individualisierten Unterrichts erhalte jeder
Schüler etwa eine halbe Stunde Einzelförderung pro Tag (act. G 31). Das "Haus auf
Wiesen" weist eindeutige Merkmale einer Sonderschule auf; die Bezeichnung als
"Tagesklinik" vermöchte dem keinen Abbruch zu tun.
4.2 Im vorliegenden Fall kann die grundsätzliche Sonderschulbedürftigkeit des
Beschwerdeführers ohne weiteres als erwiesen betrachtet werden. Der Versicherte
besuchte nie die Regelschule. Ihm wurde bereits bei Einschulung im Jahr 2002 eine
Sonderschulung im Externat bewilligt (IV-act. 7). Eine Verlängerung erfolgte mit
Verfügung vom 15. August 2003 ab Beginn des Schuljahrs 2003 bis Ende Schuljahr
2006/2007 (IV-act. 13). Der RAD-Arzt Dr. E._ verwies in seiner Stellungnahme vom
3. August 2008 auf den Bericht des Schulpsychologischen Diensts vom 14. Juni 2007
und von den KJPD vom 1. Mai 2007 (IV-act. 47; 52) und bezeichnete die
Sonderschulbedürftigkeit als klar ausgewiesen (IV-act. 58). So wurde denn auch für das
Schuljahr 2007/2008 sogar eine interne Sonderschulung bewilligt (IV-act. 60).
4.3 Ein Anspruch auf Beiträge an einen dem Gesundheitsschaden der versicherten
Person angepassten Sonderschulunterricht besteht nach der Rechtsprechung (AHI-
Praxis 2000 S. 77) nur, wenn das besuchte Institut formell, sei es generell durch das
Bundesamt für Sozialversicherung (Art. 10 Abs. 1 der bis Ende 2007 in Kraft
gewesenen Verordnung über die Zulassung von Sonderschulen in der
Invalidenversicherung [SZV; AS 2007 5823 neues Fenster]), sei es im Einzelfall durch
die zuständige kantonale Amtsstelle (Art. 10 Abs. 2 SZV), als IV-rechtliche
Sonderschule zugelassen worden ist (Art. 26 IVG, Art. 1 ff. SZV). Sollte das "Haus auf
Wiesen" als Sonderschule anerkannt sein, so hätte die Beschwerdegegnerin die
Kosten, die für den Beschwerdeführer zwischen Februar und Juli 2007 anfielen, also
gegebenenfalls im Rahmen der Sonderschulmassnahmen gemäss ihrem Tarif zu
übernehmen. Bei einer Verneinung der Voraussetzungen von Art. 13 bzw. Art. 12 IVG
hätte die Beschwerdegegnerin vor einer grundsätzlichen Leistungsabweisung also die
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http://www.admin.ch/ch/d/as/2007/5823.pdf
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generelle Anerkennung des "Hauses auf Wiesen" sowie nötigenfalls die Anerkennung
im Einzelfall zu prüfen gehabt, wobei denkbar gewesen wäre, dass seitens des "Haus
auf Wiesen" ein Gesuch um Anerkennung im Einzelfall noch eingereicht worden wäre,
sollte keine generelle Anerkennung bestehen. Diesbezüglich können jedoch weitere
Abklärungen unterbleiben, weil gemäss den obenstehenden Erwägungen bereits ein
Anspruch auf Kostenübernahme aus Art. 13 IVG resultiert.
5.
5.1 Die Beschwerde wird gemäss den Erwägungen gutgeheissen und die
angefochtene Verfügung aufgehoben. Die Beschwerdegegnerin hat die Kosten für den
Aufenthalt in der Tagesklinik "Haus auf Wiesen" gestützt auf Art. 13 IVG zu
übernehmen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
als angemessen. Sie ist von der unterliegenden Beschwerdegegnerin zu bezahlen. Der
Gerichtskostenvorschuss von Fr. 600.- ist dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
zurückzuerstatten.
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers reichte am 8. September 2008 seine Kostennote ein, die sich auf
Fr. 3'747.30 (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer, ohne
Gerichtskostenvorschuss) beläuft. Da der Rechtsvertreter mit der Replik nur eine
Rechtsschrift eingereicht hat, liegt dieses Honorar zwar an der oberen Grenze,
erscheint aber aufgrund der verfahrens- sowie materiellrechtlich komplizierten Situation
gerade noch als vertretbar. Der geringe Zusatzaufwand, der dem Rechtsvertreter im
Zusammenhang mit dem Schreiben von Dr. D._ vom 9. September 2008 noch
entstanden ist, ist bei dieser Sachlage jedoch nicht noch zusätzlich zu vergüten. Die
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Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer somit eine Parteientschädigung von
Fr. 3'747.30* (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entrichten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG