Decision ID: 20509042-ebdb-50e0-833d-b77d73027dbd
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Die X._ AG mit damaligem Sitz in A._ reichte die Steuererklärungen aufgrund der
Rechnungsabschlüsse per 31. Dezember 2008 und 2009 am 19. November 2009 und
2. Juni 2010 ein. Für 2008 und 2009 deklarierte sie steuerbare Gewinne von
CHF 174'947 und CHF 13'973 sowie steuerbare Eigenkapitalien von CHF 575'696 und
A.a.
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CHF 589'669. Am 7. Januar 2011 verlegte die X._ AG ihren Sitz von A._ nach B._/
AR. Am 14. Oktober 2011 und 7. März 2012 verlangte das kantonale Steueramt
St. Gallen von ihr vollständige Buchhaltungen der Jahre 2008 und 2009 sowie weitere
Unterlagen. Am 17. Dezember 2014 gab das kantonale Steueramt der X._ AG
bekannt, dass sich in den sie betreffenden Veranlagungsverfahren Verzögerungen
ergeben hätten, weshalb mit diesem Schreiben die Veranlagungsverjährung betreffend
die Jahre 2008 bis 2012 unterbrochen werde. Am 7. und 11. April 2017 stellte das
kantonale Steueramt der X._ AG Vorschläge für die Veranlagungen 2008 und 2009
sowie Beweisauflagen für 2010 bis 2012 zu. Hierauf teilte die X._ AG am 24. April
2017 mit, sie habe über alle Jahre hinweg im Kanton St. Gallen nur über ein
Sekundärsteuerdomizil verfügt. Ab 2006 sei die gesamte Infrastruktur der
Unternehmung in B._ domiziliert gewesen, womit ab diesem Jahr und somit auch für
2008 das Hauptsteuerdomizil nicht im Kanton St. Gallen liege (act. G 10/8 I/10).
Am 25. April 2017 stellte die Steuerbehörde der X._ AG die
Veranlagungsberechnungen 2008 und 2009 zu (act. G 10/8 I/11). Am 27. April 2017
wurden die Veranlagungsverfügungen eröffnet. Aufgrund des Rechnungsabschlusses
per 31. Dezember 2008 erfolgte die Veranlagung für die Kantonssteuer und die direkte
Bundessteuer mit einem steuerbaren Gewinn von CHF 305'600 und für die
Kantonssteuer mit einem steuerbaren Eigenkapital von CHF 665'000. Für das
Steuerjahr 2009 basierte die Veranlagung auf einem steuerbaren Gewinn von
CHF 338'700 (Kantonssteuer und direkte Bundessteuer) sowie einem steuerbaren
Eigenkapital von CHF 698'000 (Kantonssteuer). In beiden Jahren wurden diverse
Aufrechnungen (unter anderem Privatanteil an Fahrzeugen, Mietentgelt Fahrzeug,
übersetzte Büromiete und Privatanteil Telefon) vorgenommen (act. G 10/8 III/10
Beilage). Auf den von der X._ AG mit Eingabe vom 28. April 2017 (act. G 10/8 III/2
Beilage) erhobenen Rekurs gegen die Veranlagungsverfügung trat die
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom
12. Dezember 2017 nicht ein (act. G 10/8 III/12). Die dagegen erhobene Beschwerde
wies das Verwaltungsgericht mit Entscheid B 2018/18 vom 8. September 2018 ab.
Am 24. Mai 2017 hatte die X._ AG Einsprache gegen die am 27. April 2017 eröffneten
Veranlagungsverfügungen 2008 und 2009 erhoben (act. G 10/8 V/2). Mit Entscheiden
vom 26. Juli 2019 hiess das kantonale Steueramt die Einsprachen teilweise gut, indem
ein Teil der Aufrechnungen wegfiel bzw. im Betrag tiefer ausfiel. Die steuerbaren
Gewinne für die Kantonssteuer und die direkte Bundessteuer wurden auf CHF 249'725
(2008) und CHF 222'943 (2009) sowie die Eigenkapitalien für die Kantonssteuer auf
A.b.
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B.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP; Art. 229 in Verbindung
mit Art. 196 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, StG; Art. 1 Abs. 3 und Art. 7 Abs. 2
CHF 642'096 (2008) und CHF 632'669 (2009) reduziert (act. G 10/8 V/16). Die gegen
diese Entscheide erhobenen Rechtsmittel (Kantonssteuer: Rekurs, direkte
Bundessteuer: Beschwerde) vom 26. August 2019 und 2. Dezember 2019 (act. G 10/1,
10/3) hiess die Verwaltungsrekurskommission mit Entscheid vom 20. April 2020
teilweise gut, hob den Einspracheentscheid und die Veranlagungsverfügungen nach
Rechtsmittelentscheid vom 26. Juli 2019 für die Steuerjahre 2008 und 2009 auf und
wies die Sache zu neuen Veranlagungen im Sinn der Erwägungen an das Kantonale
Steueramt zurück (act. G 2).
Gegen diesen Entscheid erhob die Internaz AG, St. Gallen, für die X._ AG mit Eingabe
vom 20. Mai 2020 Beschwerde (act. G 1). In der Beschwerdeergänzung vom 24. Juni
2020 beantragte die Beschwerdeführerin Aufhebung des angefochtenen Entscheids.
Auf die Aufrechnung der geldwerten Leistung (verdeckte Gewinnausschüttung) durch
den Erwerb der Piaggio Vespa im Jahr 2009 sei zu verzichten. Unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen (act. G 6). Die Beschwerde wurde vom Verwaltungsgericht unter
den Verfahrensnummern B 2020/91 (Kantonssteuer) und B 2020/92 (direkte
Bundessteuer) eingeschrieben. Die Beschwerde B 2020/91 wurde zufolge Nichtleistens
des Kostenvorschusses mit Entscheid vom 29. Juni 2020 abgeschrieben.
B.a.
In der Vernehmlassung vom 1. Juli 2020 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde B 2020/92 (direkte Bundessteuer). Zur Begründung verwies sie auf die
Erwägungen des angefochtenen Entscheides (act. G 9). Am 21. August 2020 teilte der
Beschwerdegegner den Verzicht auf eine Vernehmlassung mit dem Antrag auf
Abweisung der Beschwerde mit (act. G 12). Die Beschwerdebeteiligte verzichtete
stillschweigend auf eine Vernehmlassung (act. G 13).
B.b.
Auf die Vorbringen in den Eingaben des vorliegenden Verfahrens wird, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
B.c.
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der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 145
des Gesetzes über die direkte Bundessteuer, SR 642.11, DBG). Die
Beschwerdeführerin ist zur Beschwerde legitimiert, und die Eingabe vom 20. Mai 2020
(act. G 1) entspricht in Verbindung mit der Ergänzung vom 24. Juni 2020 (act. G 6)
zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 229 in Verbindung
mit Art. 194 Abs. 1 StG in Verbindung mit Art. 64 und Art. 48 Abs. 1 VRP; Art. 145 in
Verbindung mit Art. 140 Abs. 1 und 2 DBG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2.
Nicht streitig ist vorliegend die im angefochtenen Entscheid einlässlich begründete
unbeschränkte Steuerpflicht der Beschwerdeführerin im Kanton St. Gallen in den
Jahren 2008 und 2009 an ihrem damaligen statutarischen Sitz (act. G 2 S. 5-9). Nicht in
Frage gestellt wird in der Beschwerde auch die Feststellung im vorinstanzlichen
Entscheid, dass in den Jahren 2008 und 2009 keine Betriebsstätte (Art. 4 Abs. 2 DBG)
der Beschwerdeführerin in B._/AR bestanden habe (act. G 2 S. 9 f.). Hiervon ist
nachstehend auszugehen.
Die Vorinstanz bestätigte im angefochtenen Entscheid Aufrechnungen zu den
steuerbaren Gewinnen von CHF 92'640 (2008) und CHF 240'620 (2009; act. G 2 S. 15).
Die erwähnten Beträge enthalten Aufrechnungen des Privatanteils Handelsfahrzeuge
von CHF 3'000 (2009), des Privatanteils Mini Cooper/Alfa Romeo von je CHF 4'000
(2008 und 2009), von nicht belegten Mietzinsen (CHF 6'240 für 2008, CHF 5'900 für
2009), des Privatanteils Telefon von je CHF 2'400 (2008 und 2009), der Piaggio Vespa
von CHF 6'320 für 2009, einer nicht geschäftsmässig begründeten Zahlung an die
Q._ GmbH von CHF 200'000 (2009) sowie der Veränderung des Mehrwerts
Warenvorräte von CHF 80'000 (2008) und CHF 19'000 (2009). Die Beschwerdeführerin
beanstandet von diesen Gewinn-Aufrechnungen lediglich die Aufrechnung des Erwerbs
der Piaggio Vespa von CHF 6'320 für 2009. Auf die von ihr unbeanstandet gelassenen
weiteren Aufrechnungen ist, da nicht streitig, im vorliegenden Verfahren nicht mehr
näher einzugehen.
2.1.
Der steuerbare Reingewinn juristischer Personen setzt sich gemäss Art. 82 Abs. 1 StG
und Art. 58 Abs. 1 DBG zusammen aus dem Saldo der Erfolgsrechnung (lit. a) sowie
allen vor Berechnung des Saldos der Erfolgsrechnung ausgeschiedenen Teilen des
Geschäftsergebnisses, die nicht zur Deckung von geschäftsmässig begründetem
Aufwand verwendet werden (lit. b), wie insbesondere Kosten für die Anschaffung,
2.2.
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Herstellung oder Wertvermehrung von Gegenständen des Anlagevermögens (Ziffer 1)
und geschäftsmässig nicht begründete Abschreibungen, Wertberichtigungen und
Rückstellungen (Ziffer 2). Nach Art. 84 Abs. 1 StG und Art. 58 Abs. 1 lit. b DBG werden
Aufwendungen bei der Berechnung des Reingewinns berücksichtigt, sofern sie
geschäftsmässig begründet sind. Die Frage, ob die erwähnten streitigen Aufwände als
nicht geschäftsmässig begründet nachzubesteuern sind, beantwortet sich nach
Massgabe der im Steuerrecht geltenden Beweislastverteilung. Nach dieser trägt die
Steuerbehörde die Beweislast für Tatsachen, welche die Steuerschuld begründen oder
mehren, die steuerpflichtige Person für Tatsachen, welche die Steuerschuld aufheben
oder mindern (Zigerlig/Oertli/Hofmann, Das St. Gallische Steuerrecht, 7. Aufl. 2013, VI.
N. 15, VII. N. 23). Im Steuerverfahren kommt der Untersuchungsgrundsatz zur
Anwendung (Art. 176 StG). Die Veranlagungsbehörde ist verpflichtet, die für die
Besteuerung relevanten Tatsachen von Amtes wegen abzuklären (Zigerlig/Oertli/
Hofmann, a.a.O., VII. N. 19), wobei sie die steuerpflichtige Person auffordert, die
erforderlichen Sachdarstellungen und Beweismittel beizubringen (Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl., N. 7 zu Art. 123 DBG). Der
Untersuchungsgrundsatz wird durch die Mitwirkungspflicht der Parteien relativiert. Eine
Mitwirkungspflicht besteht insbesondere für die Beschaffung von Unterlagen, welche
nur die Parteien liefern können, und für die Abklärung von Tatsachen, welche eine
Partei besser kennt als die Behörde (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter a.a.O., N. 9 zu
Art. 123 DBG; Zigerlig/Oertli/Hofmann, a.a.O., VII. N. 25). Die Mitwirkungspflicht
besteht ungeachtet der Verteilung der objektiven Beweislast. Die steuerpflichtige
Person ist auch hinsichtlich steuererhöhender Tatsachen mitwirkungspflichtig, obwohl
hierfür die Veranlagungsbehörde die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat (Richner/
Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 5 zu Art. 126 DBG). Die Beschwerdeführerin muss im
Rahmen ihrer Buchführungspflicht den Beweis für steuermindernde Aufwände bzw.
deren geschäftsmässige Begründetheit durch Vorlage einer Erfolgsrechnung erbringen
(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O. N. 85 zu Art. 123 DBG). Für die einzelnen
Buchungsvorgänge müssen nachprüfbare Belege vorhanden sein (vgl. Art. 957a Abs. 2
Ziff. 2 und 5 OR [SR 220]). Wenn die Steuerbehörde Umstände darzutun vermag, die
Zweifel an der geschäftsmässigen Begründetheit von Aufwendungen zu begründen
vermögen, ist es wiederum an der steuerpflichtigen Person, diese Zweifel auszuräumen
(vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O. N. 85 zur Art. 123 DBG).
Die Beschwerdeführerin erwarb die vorstehend erwähnte Vespa am 2. Mai 2009 für
CHF 6'507.50 zuzüglich Bereitstellungspauschale von CHF 120 und Helm von
CHF 172.50. Der Betrag von CHF 6'800 wurde per 1. Mai 2009 auf Konto 4000
2.3.
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(Wareneinkauf) verbucht (act. G 10/8 II/3 Kontoauszug CHF S. 7). Am 11. Juli 2018
veräusserte die Beschwerdeführerin das Fahrzeug für CHF 3'900 (act. G 10/13). Die
Vorinstanz hielt bezüglich der streitigen Aufrechnung im angefochtenen Entscheid fest,
der Umstand, dass in den Jahren 2008 und 2009 Fahrzeugunterhalt für die Vespa
verbucht worden sei, spreche gegen die Behauptung, dass der Roller ein
Handelsfahrzeug dargestellt habe. Hinzu komme, dass die Beschwerdeführerin trotz
Aufforderung des Beschwerdebeteiligten kein Wareninventar eingereicht habe. Aus der
Buchhaltung sei zudem nicht ersichtlich, ob die Vespa Ende Jahr auf die Warenvorräte
umgebucht und damit aktiviert worden sei. Der pauschalen Abschlussbuchung per
31. Dezember 2009 (Vorräte [Konto Nr. 1400] an Einkauf Waren [Konto Nr. 4000]) mit
dem Text "Anpassung Warenlager" von CHF 50'000 lasse sich dies jedenfalls nicht
entnehmen. Der Nachweis, dass die Vespa im Jahr 2009 als Handelsware erworben
worden sei, sei damit nicht erbracht. Daran vermöge der Verkauf neun Jahre später
nichts zu ändern. Die Beschwerdeführerin behaupte nicht, die Vespa sei auch
betrieblich genutzt worden. Die Aufrechnung der Beschwerdegegnerin von CHF 6'320
sei damit zu bestätigen (act. G 2 S .13).
Die Beschwerdeführerin führt im vorliegenden Verfahren aus, die Vereinnahmung des
Verkaufsbetrages von CHF 3'900 sei in zwei Teilbeträgen (CHF 3'000 bar an Kasse und
CHF 900 an Bank) erfolgt und das Fahrzeug sei auch im Inventar per 31. Dezember
2009 enthalten gewesen. Damit sei klar nachgewiesen, dass das Fahrzeug im
Eigentum der Beschwerdeführerin gestanden habe. Dennoch sei aus dem Erwerb des
Fahrzeugs eine verdeckte Gewinnausschüttung konstruiert worden. Der Nachweis,
dass durch den Erwerb des Fahrzeugs die Gesellschaft entreichert worden sei, um so
eine geldwerte Leistung zu konstruieren, sei der Beschwerdegegnerin eindeutig nicht
gelungen, weshalb auf die Aufrechnung zu verzichten sei. Ob in den verbuchten
Betriebskosten ein Privatanteil enthalten sei, sei eine andere Frage und rechtfertige
nicht die Aufrechnung des Erwerbspreises. Selbst wenn das Fahrzeug ein
Eigenfahrzeug darstellen solle, wäre es im Eigentum der Gesellschaft und nicht im
Eigentum des Aktionärs, was jede geldwerte Leistung beim Erwerb ausschliesse, da
die Gesellschaft nicht entreichert sei (act. G 6 S. 2 f.).
2.4.
Die Frage, ob die von der Beschwerdeführerin erneut angeführte pauschale
Einbuchung (Abschlussbuchung Vorräte/Wareneinkauf CHF 50'000; act. G 6 S. 2) in
Verbindung mit dem Inventareintrag der Vespa per Ende 2009 (act. G 7.4) eine
Umbuchung/Aktivierung der Vespa auf dem Konto Warenvorräte zu belegen vermag,
2.5.
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3.