Decision ID: ebf8ec96-715c-4887-8268-754fc1f21994
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Christe, c/o Gamma Christe Stehli, Bahn
strasse 5, Postfach 403, 8603 Schwerzenbach,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 9. Februar 2009, nach einer durch die behandelnden Ärzte
des Psychiatriezentrums B._ erfolgten Früherfassungsmeldung, unter Hinweis auf
Depressionen, Schwindel, Atemnot sowie Kopfschmerzen zum Leistungsbezug bei der
IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 5-1 ff.).
A.b Am 17. Februar 2009 erstattete die C._ GmbH einen Arbeitgeberbericht. Die
Versicherte sei vom 6. Januar 2003 bis 23. Dezember 2008 in Vollzeit als
Produktionsmitarbeiterin Justiererin im Unternehmen tätig gewesen. Das
Arbeitsverhältnis sei durch die Arbeitgeberin aufgelöst worden (IV-act. 12-1 ff.).
A.c In einem Protokoll vom 19. Februar 2009 (IV-act. 11-1 f.) nannte Dr. med. D._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom IV-internen regionalen ärztlichen
Dienst (RAD) nach einem am 17. Februar 2009 stattgefundenen Gespräch mit dem be
handelnden Arzt Dr. med. E._ vom Psychiatrie-Zentrum B._ die die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigenden Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, aktuell
mittel- bis schwergradig ausgeprägte Episode, sowie einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung. Die Versicherte sollte grundsätzlich künftig wieder die volle
(ursprüngliche) Arbeitsfähigkeit erreichen. Dr. E._ unterzeichnete das Protokoll am
20. Februar 2009 (IV-act. 11-2).
A.d Im Protokoll vom 7. Mai 2009 (IV-act. 17-1 f.) führte Dr. D._ nach einem am
6. Mai 2009 stattgefundenen Gespräch mit dem behandelnden Arzt Dr. med. F._ vom
Psychiatrie-Zentrum B._ aus, der psychische Zustand der Versicherten habe sich
verschlechtert. Seit dem 27. April 2009 werde sie stationär in der psychiatrischen Klinik
G._ behandelt. Da aktuell ein instabiler Gesundheitszustand vorliege, sei ungewiss,
ob die Versicherte künftig wieder die volle Arbeitsfähigkeit erreichen werde. Dr. F._
unterzeichnete das Protokoll am 11. Mai 2009 (IV-act. 17-2).
A.e Mit einer Mitteilung vom 7. Mai 2009 brachte die IV-Stelle der Versicherten zur
Kenntnis, dass aktuell keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-
act. 16).
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A.f Am 24. August 2009 erstattete die Klinik G._ einen Bericht über die stationäre
Behandlung der Versicherten vom 27. April bis 29. Juni 2009. Die Klinik diagnostizierte
eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2) sowie
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4). Für den Zeitraum des
Klinikaufenthaltes attestierte sie eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 31-1 ff.).
A.g Am 29. Oktober 2009 ging bei der IV-Stelle der Bericht des Psychiatrie-Zentrums
B._ ein. Dieses hatte eine seit Monaten bestehende schwere depressive Episode
ohne psychotische Symptome sowie eine seit Monaten anhaltende somatoforme
Schmerzstörung diagnostiziert und eine Arbeitsfähigkeit von ca. fünf Stunden pro Tag
in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit mit ausreichenden Pausen attestiert (IV-
act. 23-1 ff.).
A.h Im Auftrag der involvierten Krankentaggeldversicherung erstattete Dr. med. H._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, am 10. Dezember 2009 ein
psychiatrisches Gutachten mit Untersuchungsdatum vom 8. Dezember 2009. Er stellte
die psychiatrische Diagnose einer leichten depressiven Episode mit somatischen
Symptomen (ICD-10: F 32.01) und führte aus, die Versicherte sei für jegliche
Tätigkeiten ihrem Bildungsniveau entsprechend ab dem 8. Dezember 2009 zu 50 %
arbeitsfähig. Ab dem 1. Februar 2010 sei von einer 100 %igen Arbeitsfähigkeit
auszugehen (IV-act. 27-1 ff.).
A.i Am 15. März 2010 erstattete der behandelnde Arzt Dr. med. I._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, einen Bericht. Er hatte eine seit Sommer 2008
bestehende mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.11) sowie eine seit dem
gleichen Zeitpunkt bestehende anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10:
F45.4) diagnostiziert und führte nun aus, seit dem 15. September 2008 bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit von 80 % in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit (IV-act. 30-1 ff.).
A.j In einer internen Stellungnahme des RAD vom 25. März 2010 führte Dr. D._ aus,
als Hilfsarbeiterin in einer körperlich leichten bis mittelschweren sowie kognitiv nicht
allzu anspruchsvollen Tätigkeit ohne Notwendigkeit von steten körperlichen Zwangs
haltungen sei die Versicherte seit mindestens 24. September 2009 voll arbeitsfähig (IV-
act. 32-2).
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A.k Mit Vorbescheid vom 16. April 2010 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Renten
gesuchs in Aussicht (IV-act. 35-1 f.). Dagegen liess die Versicherte am 28. April 2010
Einwand erheben (IV-act. 41), welchen sie mit Schreiben vom 25. Mai 2010 begründen
liess (IV-act. 43-1 ff.). Sie beantragte eine polydisziplinäre Begutachtung mit anschlies
sender Zusprache mindestens einer halben Invalidenrente.
A.l Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Ost
schweiz am 3. Dezember 2010 ein polydisziplinäres Gutachten. Die Gutachter diagnos
tizierten mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depres
sive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit beginnender Chroni
fizierung in leichtgradiger Ausprägung, d.h. noch zu erwartender Besserungstendenz,
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit histrionischen und passiv-aggressiven Anteilen
sowie ein generalisiertes Schmerzsyndrom mit vielen vegetativen Begleitbeschwerden.
Als Nebendiagnose ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nannten die
Gutachter eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Sie attestierten eine 40 %ige
Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht für dem Leiden ideal angepasste (adap
tierte) Tätigkeiten. Eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bis 23. September 2009
erscheine nachvollziehbar. Ab dem 24. September 2009 sei aus der aktuellen Sicht
bzw. anhand der aktuellen Untersuchungsbefunde von einer Arbeitsunfähigkeit von ca.
40 % auszugehen (IV-act. 49-1 ff.).
A.m RAD-Arzt Dr. med. J._ wies am 22. Juni 2011 in seinen Antworten zu den durch
die IV-Stelle gestellten Fragen vom 21. Juni 2011 (IV-act. 52-1 f.) auf aus seiner Sicht
bestehende Mängel des MEDAS-Gutachtens hin. So führte er aus, der Gesund
heitsschaden werde mit F33.8 kodiert; dabei handle es sich um eine "Restkategorie für
affektive Störungen", die nicht die Kriterien für eine der anderen Kategorien F30 bis
F38.8 erfüllten. Damit seien grundsätzlich eine Depression genügender Schwere und
Dauer (F32.1 und F33.1), eine Dysthymie (F34.1) oder eine kurzdauernde Depression
(F38.10) ausgeschlossen. Sodann werde Z73.1 kodiert, also Persönlichkeitszüge. Im
Gegensatz zu Persönlichkeitsstörungen seien Persönlichkeitszüge grundsätzlich nicht
invalidisierend. Im Weiteren habe eine chronifizierte Depression keine Besserungs
tendenz mehr. Im vorliegenden Fall sei jedoch von Besserungstendenz die Rede; eine
Chronifizierung liege daher also nicht vor. Der psychiatrische Gutachter habe zudem
nicht F32/3 kodiert. Mithin sei davon auszugehen, dass mit Chronifizierung "in leichter
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Ausprägung" gemeint sei, dass sich die Versicherte zwar im Untersuchungszeitpunkt
als mittelschwer depressiv gezeigt habe, die Kriterien für die Episode aber nicht erfüllt
seien. Die Einschätzung der psychiatrischen Begutachtung lasse sich sodann nicht mit
den Einschätzungen von Dr. H._ vereinbaren. Im Weiteren fehle eine erforderliche
Begründung des psychiatrischen Gutachters für das Vorliegen eines somatoformen
Schmerzsyndroms. Die Frage, ob eine Depression vorliege, die neben der Schmerz
störung eine eigenständige Bedeutung habe, sei im Übrigen mit dem Gutachten nicht
zu beantworten. Auch sei der Versicherten - entgegen der gutachterlichen Meinung -
die Willensanstrengung zur vollständigen Überwindung des psychischen Leidens
durchaus zumutbar; überdies würde wohl nach dem Wegfallen aller psychosozialen
Faktoren die ohnehin mehrmals als besserungsfähig bezeichnete Depression rasch
verschwinden (IV-act. 52-2 ff.).
A.n Mit Vorbescheid vom 20. Juli 2011 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Renten
gesuchs in Aussicht. Es sei auch aus rechtlicher Sicht davon auszugehen, dass der
Versicherten eine Willensanstrengung zur Überwindung der schmerzbedingten Beein
trächtigung zumutbar sei. Ein relevanter, die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigender Ge
sundheitsschaden liege damit nicht vor (IV-act. 54-1 ff.).
A.o Dagegen liess die Versicherte am 7. September 2011 einen Einwand erheben. Sie
beantragte die Zusprache einer Viertelsrente (IV-act. 56-1 ff.).
A.p Mit Verfügung vom 26. Oktober 2011 lehnte die IV-Stelle den Antrag der Versicher
ten auf eine Invalidenrente ab (IV-act. 57-1 ff.).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtete sich die am 25. November 2011 erhobene Be
schwerde, in der beantragt wurde, der Beschwerdeführerin sei ab September bis
Dezember 2009 eine ganze Invalidenrente und ab Januar 2010 eine Viertelsrente zuzu
sprechen. Zur Begründung wurde ausgeführt, nicht entscheidend für die Beurteilung,
ob eine zu berücksichtigende komorbide psychische Erkrankung vorliege, sei der Ent
stehungsgrund dieser psychischen Erkrankung. Wesentlich seien hingegen die Frage
der Verselbständigung des psychischen Leidens sowie deren Schweregrad. Sobald
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unter diesen Gesichtspunkten von einem verselbständigten Leiden auszugehen sei,
welches unabhängig der zugrunde liegenden Schmerzen und weiteren – namentlich
psychosozialen – Belastungsfaktoren als fortbestehend anzusehen sei, müsse die rele
vante Komorbidität bejaht werde. Vorliegend sei dies eindeutig der Fall, da der psychi
atrische Gutachter auf eine zwar erst beginnende und noch leichte, aber eindeutig be
stehende Chronifizierung hingewiesen habe. Diese eigenständige chronifizierte psy
chische Erkrankung, zum Zeitpunkt der Begutachtung mit mittelgradiger depressiver
Symptomatik, sei als invalidisierend zu betrachten. Die psychosozialen Belastungs
faktoren seien im Übrigen vom psychiatrischen Gutachter sorgfältig abgewogen und
mitberücksichtigt worden. Es sei ihnen ein Anteil von 50 % an der gesamten Proble
matik zugemessen worden. Zudem stelle sich die Frage, wie die von der Beschwerde
gegnerin in der Verfügung aufgezählten sozialen Belastungsfaktoren wie etwa der Tod
der Mutter oder die Krankheit des Ehemannes wegfallen sollten, damit eine rasche
Besserung der depressiven Symptomatik erwartet werden könne. Ob schliesslich eine
invalidisierende Erkrankung grundsätzlich besserungsfähig sei, spiele für sich allein be
trachtet keine Rolle. Da vorliegend die Arbeitsunfähigkeit bereits seit 2008 bestehe und
gemäss psychiatrischem Gutachten bis 23. September 2009 sogar 100 % betragen
habe, seien die zeitlichen Anforderungen im Hinblick auf die Zusprache einer Invaliden
rente ohne Weiteres erfüllt. Es bestehe kein Grund, von der
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung gemäss MEDAS-Gutachten abzuweichen. Demzufolge sei
bis Ende September 2009 von einer Vollinvalidität auszugehen. Infolge Verbesserung
des Gesundheitszustandes greife sodann die Reduktion der Invalidenrente nach drei
Monaten per Januar 2010. Ab diesem Zeitpunkt sei ein Einkommensvergleich
durchzuführen. Gemäss IK-Auszug habe die Beschwerdeführerin im Jahr 2008 ein
Valideneinkommen von Fr. 43'802.-- erzielt. Da dieses wesentlich unter dem
Durchschnittseinkommen gemäss LSE 2008, Frauen, Anforderungsniveau 4, liege, sei
somit entweder das Validen- oder das invalideneinkommen bis zur Grenze von 5 %
anzugleichen. Dies führe zunächst zwar zu einem IV-Grad von weniger als 40 %. Zu
berücksichtigen sei aber ein behinderungsbedingter Abzug auf dem
Invalideneinkommen gemäss LSE infolge der invaliditätsbedingten Benachteiligung der
Beschwerdeführerin im Vergleich zu gesunden Arbeitnehmerinnen auf dem
Arbeitsmarkt, da sie gemäss Gutachten auf Teilzeitstellen mit maximalem
Anstellungsgrad von 60 % angewiesen sei. Unter Berücksichtigung eines
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behinderungsbedingten Abzuges von 10 % ergebe sich somit ein IV-Grad von über
40 %, was ab Januar 2010 den Anspruch auf eine Viertelsrente eröffne (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 26. Januar 2012 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen aus, es sei nicht ersichtlich, inwiefern das MEDAS-Gutachten bezüglich
der erhobenen Befunde und der gestellten Diagnosen rechtsfehlerhaft sein sollte. So
werde im MEDAS-Gutachten ausgeführt, Hauptsymptom der von der
Beschwerdeführerin präsentierten Leiden sei eine Schmerzproblematik. Dieses Leiden
sei auch der Grund dafür gewesen, dass die Beschwerdeführerin im April 2009 zur
stationären psychosomatischen Behandlung in die psychiatrische Klinik K._
eingewiesen worden sei. Im Weiteren würden die psychosozialen Umstände wie die
fristlose Kündigung ihrer letzten Arbeitsstelle und der Konflikt mit ihrem sich krank
fühlenden Ehegatten für sich allein keine Invalidität im Sinn von Art. 8 Abs. 1 ATSG
begründen. Hinzu komme, dass die antidepressive Medikation unterdosiert sei. Zudem
sei es zweifelhaft, ob die Beschwerdeführerin die verordneten Antidepressiva
tatsächlich einnehme. Dies spreche dafür, dass die Beschwerdeführerin sich selbst
nicht als besonders depressiv oder sonst wie psychisch beeinträchtigt erlebe. Auch
andere Faktoren, welche die ansonsten zumutbare Willensanstrengung für die
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit behindern könnten, lägen bei der Beschwerdeführerin
nicht in der notwendigen Intensität vor. Es würden im Wesentlichen einzig ätiologisch-
pathogenetisch unerklärliche syndromale Leidenszustände beschrieben, denen infolge
der fehlenden Objektivierbarkeit jedoch keine invalidisierende Wirkung zukomme.
Demnach sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus psychischen
Gründen auszugehen. Insofern könne vom MEDAS-Gutachten abgewichen werden,
ohne dass diesem deshalb im restlichen Teil der Beweiswert abgesprochen werden
müsste. Die Beschwerdeführerin habe sodann vor Eintritt ihrer beklagten Beschwerden
vom 16. September 2008 ein monatliches Einkommen von Fr. 3'284.-- erzielt, was ein
Jahreseinkommen von Fr. 42'692.-- ergebe. Da davon auszugehen sei, dass sich
Validen- und Invalideneinkommen in etwa gleich entwickeln würden, könne eine
Aufwertung unterblieben. Die Beschwerdeführerin arbeite nicht mehr. Daher könne ihr
Invalideneinkommen anhand der Tabellenlöhne des Bundesamtes für Statistik
berechnet werden. Der entsprechende Wert für 2008 betrage Fr. 51'368.--. Weil dieser
Betrag höher sei als das Valideneinkommen von Fr. 42'692.-- sei der entsprechende
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Wert bis zu einer positiven Differenz von 5 % zum Valideneinkommen zu kürzen, weil
nicht davon ausgegangen werden könne, dass die Beschwerdeführerin sich freiwillig
mit diesem bescheidenen Einkommen habe begnügen wollen. Die Differenz von 5 %
sei zu belassen, weil mit der Parallelisierung von Validen- und Invalideneinkommen nur
der Ausgleich einer deutlichen Abweichung des Valideneinkommens zum Einkommen
gemäss Tabellenlöhnen bezweckt werde. Da die Beschwerdeführerin auch körperlich
anstrengendere Arbeiten ausführen könne, sei kein sogenannter Leidensabzug
vorzunehmen. Das Invalideneinkommen betrage somit Fr. 44'830.--, woraus kein IV-
Grad und daher kein Anspruch auf eine IV-Rente resultiere. Die angefochtene
Verfügung sei rechtmässig (act. G 4).
B.c In der Replik vom 8. März 2012 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen und
der Begründung der Beschwerde fest. Gestützt auf das MEDAS-Gutachten vom 3. De
zember 2010 liege sehr wohl ein verselbständigtes, invalidisierendes psychisches
Leiden von relevanter Komorbidität vor. Diesbezüglich werde im Gutachten auf S. 9
ausgeführt, dass eine inzwischen chronische psychiatrische Begleiterkrankung mit
mehrjährigem Verlauf in Form der beginnend chronifizierten depressiven Störung
vorliege; eine Chronifizierung in leichter depressiver Ausprägung werde wohl
fortbestehen. Diese gutachterliche Stellungnahme sei absolut klar und nachvollziehbar.
Die Ausführungen in der Beschwerdeantwort über die ursprünglichen Ursachen dieser
verselbständigten psychischen Erkrankung zielten deshalb ins Leere (act. G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 8).

Erwägungen:
1.
1.1 Als Invalidität gilt gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder
länger dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat
die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %,
auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn
sie mindestens zu 50 % oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 %
invalid ist. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist ge
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mäss Art. 28a Abs. 1 IVG Art. 16 ATSG anwendbar. Danach wird für die Bestimmung
des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt
der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Der Einkommensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander
gegenübergestellt werden. Beim zur Bemessung des IV-Grads vorzunehmenden
Einkommensvergleich sind Werte aus demselben Vergleichsjahr beizuziehen.
1.2 Grundlage der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens ist die Arbeits
fähigkeitsschätzung. Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen zu können, ist
die Verwaltung - und im Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und
dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sach
verhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden
Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs
gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung
als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und
Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft,
solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
125 V 351 E. 3b/bb).
2.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich bezüglich Arbeitsfähigkeitsschätzung auf die
Begutachtung durch die MEDAS Ostschweiz. Die Beschwerdeführerin wurde am 13.
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und 15. September 2010 in der MEDAS Ostschweiz begutachtet. Es stellt sich
zunächst die Frage, ob das vorliegende Gutachten vom 3. Dezember 2010 (IV-act. 49-1
ff.) als Grundlage für die Bemessung des Invaliditätsgrades beigezogen werden kann.
2.1 In psychiatrischer Hinsicht erfolgte die Begutachtung am 15. September 2010
durch Dr. med. L._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie. Dieser hat in
seinem psychiatrischen Consiliargutachten vom 18. Oktober 2010 (IV-act. 49-19 ff.)
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit beginnender
Chronifizierung in leichtgradiger Ausprägung (ICD-10: F33.8), d.h. mit noch zu
erwartender Besserungstendenz, und akzentuierte Persönlichkeitszüge mit
histrionischen und passiv-aggressiven Anteilen (ICD-10: Z73.1) sowie als Diagnose
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) genannt (IV-act. 49-26). In der Stellungnahme zur
Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin hat der Gutachter unter anderem
ausgeführt, die Beschwerdeführerin schätze sich selbst derzeit als nicht arbeitsfähig
ein. Diese subjektive Einschätzung sei aus objektiv-gutachterlicher Sicht so nicht
nachvollziehbar. Es bestehe eine ganze Reihe von psychosozialen Belastungsfaktoren.
Bei der Vielzahl der vorliegenden psychosozialen Belastungen sei es nicht so einfach,
die tatsächlich vorliegende psychische Einschränkung herauszudestillieren. So kämen
auch die sehr verschiedenen Beurteilungen durch verschiedene behandelnde
Therapeuten, den Vorgutachter für die involvierte Taggeldversicherung und letztendlich
die vorliegende Begutachtung zustande (IV-act. 49-27 f.). Weiter hat der Gutachter
berichtet, anhand der Untersuchungsbefunde aus psychiatrischer Sicht könne
festgehalten werden, dass aufgrund der psychischen Störungen leicht- bis
mittelgradige Einschränkungen der Arbeits- und Leistungsfähigkeit bestünden. Diese
seien bedingt durch leicht- bis zeitweilig mittelgradige Einschränkungen der Ausdauer,
der Konzentration und Aufmerksamkeit. Zudem bestehe eine leicht verminderte
emotionale Belastbarkeit und eine stärker verminderte Stress- und Frustrationstoleranz.
Auch bestünden Defizite der sozialen Kompetenzen in Form einer verminderten
Abgrenzungs- und Konfliktfähigkeit. Sowohl in der angestammten als auch in einer
adaptierten Tätigkeit bestehe aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von
ca. 40 % (IV-act. 49-26 f.). Bei der in der aktuellen Exploration vorliegenden
Problematik seien etwa 50 % als psychosoziale Belastungsfaktoren, d.h. als IV-fremd,
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einzustufen (IV-act. 49-28 f.). Sowohl in der angestammten als auch in
einer adaptierten Tätigkeit sei aus psychiatrischer Sicht von einer Arbeitsunfähigkeit
von ca. 40 % auszugehen (IV-act. 49-26 f.). Das Consiliargutachten basiert auf um
fassenden Kenntnissen des Sachverhalts. Eigene Befunde und Beobachtungen sind
erhoben worden. Auch die Beschwerdebeschreibung der Beschwerdeführerin und die
IV-Akten haben in das Consiliargutachten Eingang gefunden. Die Beurteilung der
zumutbaren Arbeitsleistung ist in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben
worden. Die Schlussfolgerungen des Experten sind begründet. Somit entspricht dieses
Consiliargutachten den Anforderungen der Rechtsprechung (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen).
2.2 Polydisziplinär (IV-act. 49-1 ff.) ist ausgeführt worden, dass die
Beschwerdeführerin anlässlich der aktuellen Untersuchung über praktisch
generalisierte Schmerzen, nacken- und kreuzbetont, einhergehend mit vielen
vegetativen Begleitbeschwerden, geklagt habe. Entsprechend den Schmerzangaben
sei eine diffuse weichteilrheumatische Druckempfindlichkeit angegeben worden. Die
Beweglichkeit der Wirbelsäule sei kaum und diejenige der peripheren Gelenke nicht
eingeschränkt gewesen. Wegen der nackenbetonten Kopf- und Armschmerzen sei im
Oktober 2008 und Dezember 2009 ein MRI der Halswirbelsäule (HWS) durchgeführt
worden, im Dezember 2009 auch kraniozerebral. Dabei seien altersentsprechend
normale Befunde festgestellt worden. Somatischerseits seien viele Zeichen für
nichtorganisches Krankheitsverhalten aufzuführen: Neben der diffusen
Schmerzbeschreibung und hohen Schmerzbewertung bestünden eine bisher
weitgehend erfolglose Behandlung, ein nicht plausibles Ausmass der demonstrierten
Behinderungen im Vergleich zu den objektivierbaren Befunden sowie die
festzustellenden Inkonsistenzen (Waddell-Zeichen, kaum ausgeübte Griffkraft,
minimale Selbsteinschätzung im PACT-Test, IV-act. 49-14). Dokumentiert seien
Berichte ab Ende 2005 über vorwiegend cervico-cephale Beschwerden, die als
unspezifisch eingeschätzt worden seien. Entscheidend seien die psychiatrischen
Beurteilungen, wie sie in den verschiedenen Berichten festgehalten seien (IV-act.
49-14). Bei dieser Aktenlage ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführerin allein aus somatischer Sicht in der
angestammten und in einer adaptierten Tätigkeit keine Einschränkung der Arbeits- und
Leistungsfähigkeit attestiert worden ist. Gemäss polydisziplinärem Gutachten ist
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jedoch aus psychiatrischer Sicht von einer Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit
von 40 % auszugehen (IV-act. 49-15). Auch die Frage nach den zumutbaren
Tätigkeiten ist im polydisziplinären Gutachten hinreichend beantwortet worden, ist
doch ausgeführt worden, dass die Beschwerdeführerin einfache, angelernte
Tätigkeiten, die keine erhöhten Anforderungen an die Stress- und Frustrationstoleranz,
die Konzentration, die Ausdauer oder die emotionale Belastbarkeit sowie die sozialen
Kompetenzen stellen, auszuführen vermöge (IV-act. 49-15). Der psychiatrische
Gutachter hat zudem festgehalten, dass eine Verwertung der Rest-Arbeitsfähigkeit aus
medizinisch-theoretischer Sicht in der freien Wirtschaft gut realisierbar sei. Eine
Tätigkeit in geschütztem Rahmen sei nicht erforderlich. (IV-act. 49-27). Das
polydisziplinäre Gutachten ist aufgrund der Aktensowie eigener Untersuchungen (unter
anderem Labor, PACT-Test) erstellt worden.Es ist umfassend, berücksichtigt
die geltend gemachten Beschwerden und begründet in nachvollziehbarer Weise die
Schlussfolgerungen der Experten. Damit vermag das Gutachten den höchstrichterlich
geltenden Anforderungen an ein solches zu genügen.
2.3 Im Grundsatzurteil BGE 137 V 210 hat das Bundesgericht einlässlich und in
Berücksichtigung aller in Betracht fallenden Gesichtspunkte zur Beschaffung
medizinischer Entscheidungsgrundlagen durch externe Begutachtungsinstitute wie die
MEDAS in der Invalidenversicherung Stellung genommen und diese – wie bereits früher
(vgl. statt vieler Urteil des Bundesgerichts 9C_500/2009 vom 24. Juni 2009, E. 2.1 mit
Hinweis) – als verfassungs- und konventionskonform erklärt.
2.4 Die Abklärungen durch die Gutachter der MEDAS erfolgten unter Beizug von zwei
Dolmetscherinnen, die beide als Bekannte der Beschwerdeführerin qualifiziert wurden
(IV-act. 49-2, 49-22). Aus dem Gutachten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin
detailliert zu ihrer Person, ihren Lebensumständen, ihrer Krankheitsentwicklung und
ihren Beschwerden Auskunft gegeben hat. Der Verdacht, die Sachverhaltsfeststellung
könnte - durch allfällige Befangenheiten der Dolmetscherinnen - verfälscht worden
sein, wird durch nichts gestützt und auch nicht gerügt. Es ist somit davon auszugehen,
dass beide Dolmetscherinnen die objektive Sichtweise seitens der Beschwerdeführerin
korrekt wiedergegeben haben.
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2.5 RAD-Arzt Dr. J._ hat das MEDAS-Gutachten in seiner Stellungnahme vom
22. Juni 2011 in diverser Hinsicht gerügt (IV-act. 52-2 ff.). Diesbezüglich ist folgendes
festzustellen: Auch wenn der psychiatrische Gutachter den Gesundheitsschaden mit
F33.8 (sonstige rezidivierende depressive Störungen) kodiert hat, liegt es allein in seiner
medizinischen Kompetenz zu entscheiden, ob eine Depression von genügender
Schwere und Dauer vorliegt. Im Weiteren hat er eine beginnende Chronifizierung in
leichtgradiger Ausprägung, d.h. mit noch zu erwartender Besserungstendenz,
diagnostiziert (IV-act. 49-13). Er hat festgehalten, dass an sich eine Besserung der
psychischen Einschränkungen denkbar wäre, aber die psychosozialen
Belastungsfaktoren und auch die ambivalente Motivation der Beschwerdeführerin in
der Psychotherapie verhinderten die Besserung der psychischen Einschränkungen (IV-
act. 49-28). Da gemäss dieser Formulierung eine in absehbarer Zeit eintretende
Besserung aus Sicht des Gutachters offenbar sehr ungewiss bis unwahrscheinlich ist,
erscheint die Diagnose einer Chronifizierung der mittelgradigen depressiven Episode
nicht völlig abwegig. Auch wenn sodann der psychiatrische Gutachter eine andere
Einschätzung des gleichen medizinischen Sachverhalts als Dr. H._ vorgenommen
hat, kann den gestellten Diagnosen im MEDAS-Gutachten nicht ohne Weiteres die
Richtigkeit abgesprochen werden. Eine Begründung für das Vorliegen eines
somatoformen Schmerzsyndroms findet sich – entgegen den Ausführungen des RAD-
Arztes – durchaus im psychiatrischen Consiliargutachten der MEDAS. So hat der
psychiatrische Gutachter festgehalten, dass die Beschwerdeführerin über ein vorrangig
somatisch orientiertes Krankheitsmodell in Bezug auf ihre Beschwerden verfüge. Die
Schmerzen zeigten bei nur marginal somatisch erklärbaren Anteilen einen eher diffusen
Charakter und wechselnde Lokalisationen, was eine psychosomatische Komponente
nahe lege. Ein dysfunktionales Krankheitsverhalten sei seit Jahren zu beobachten und
werde bei den Schilderungen der Beschwerdeführerin sehr plastisch. Aus seiner Sicht
seien die diagnostischen Kriterien für das Vorliegen einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung erfüllt (IV-act. 49-25). Da im Übrigen die somatoforme
Schmerzstörung im MEDAS-Gutachten nur als Nebendiagnose ohne wesentliche
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gewertet wurde (IV-act. 49-13), kommt die als
Überwindungspraxis bezeichneten Rechtsprechung gemäss BGE 130 V 352 vorliegend
gar nicht zur Anwendung und die diesbezüglichen Ausführungen des RAD-Arztes sind
somit irrelevant. Der psychiatrische Gutachter hat neben einer Beeinträchtigung der
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Leistungsfähigkeit um ca. 40 % festgestellt, es bestünden verschiedene psychosoziale
Belastungsfaktoren wie Migrationshintergrund, geringe Schulbildung, keine
Berufsausbildung, erschwerte Bedingungen auf dem freien Arbeitsmarkt, unklare
gesundheitliche und berufliche Situation des Ehemannes, Verdacht auf partner
schaftliche Konflikte, Belastung durch die Verantwortung für vier Kinder, subjektives
Krankheitskonzept sowie finanzielle Probleme (IV-act. 49-27). Zwar sind mithin psycho
soziale Faktoren vorhanden, hingegen schliesst dies für sich allein einen invalidisieren
den Befund nicht aus. Gemäss Rechtsprechung ist dies nur der Fall, wenn die festge
stellte psychische Krankheit ihre hinreichende Erklärung in psychosozialen und sozio
kulturellen Umständen findet und gleichsam in ihnen aufgeht (BGE 127 V 294 E. 5a S.
299). Solcherart ausgeprägt sind die invaliditätsfremden Faktoren hier nicht. Da der
RAD-Arzt zudem die Beweistauglichkeit des Gutachtens nicht explizit in Frage gestellt
hat, kann es mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als medizinische Grundlage für die
Bemessung des Invaliditätsgrades beigezogen werden.
2.6 Soweit die Beschwerdegegnerin geltend macht, es rechtfertige sich, von der von
den Sachverständigen im MEDAS-Gutachten bescheinigten Arbeitsunfähigkeit von
40 % aus psychiatrischer Sicht in dem Sinn abzuweichen, dass der
Beschwerdeführerin eine volle Arbeitsfähigkeit zuzumuten sei, kann dem nicht
beigepflichtet werden. Zwar genügt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts die
(rein) psychiatrische Erklärbarkeit einer Schmerzsymptomatik allein - bei weitgehendem
Fehlen eines somatischen Befundes – für eine sozialversicherungsrechtliche
Leistungsbegründung nicht (BGE 130 V 352 E. 2.2.4). Eine depressive Störung stellt
indessen keinen pathogenetisch (ätiologisch) unklaren syndromalen Zustand dar, bei
welchem die Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen zur
Anwendung gelangen würde (vgl. BGE 136 V 279 E. 3.2.1, BGE 137 V 64 E. 4.2; Urteil
des Bundesgerichts vom 17. Januar 2013, 8C_680/2012 E. 4.5). Aus dem Gutachten
geht hervor, dass die Beschwerdeführerin an einer rezidivierenden depressiven
Störung, aktuell mittelgradige depressive Episode mit beginnender Chronifizierung in
leichtgradiger Ausprägung (Hauptdiagnose), leidet. Aufgrund der ebenfalls
festgestellten akzentuierten Persönlichkeitszüge mit histrionischen und passiv-
aggressiven Anteilen hat der psychiatrische Gutachter eine leicht bis mittelgradige
Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit als ausgewiesen angesehen (IV-act.
49-26). Er hat ausgeführt, dass bei der in der aktuellen Exploration vorliegenden
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Problematik etwa 50 % als psychosoziale Belastungsfaktoren, d.h. als IV-fremd, ein
zustufen seien. Trotzdem hat der psychiatrische Gutachter eine seit September 2009
bestehende andauernde Arbeitsunfähigkeit von ca. 40 % auch in adaptierten
Tätigkeiten als ausgewiesen betrachtet (IV-act. 49-28). Er hat sich mithin mit dem Ein
fluss sozialer Faktoren auseinandergesetzt und zwischen diesem und den (aufgrund
der gestellten Diagnosen) als krankheitsbedingt erkannten Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit unterschieden. Schliesslich hat der psychiatrische Gutachter zur Dauer
der jeweiligen Arbeitsunfähigkeit präzise Angaben machen können: So hat er
ausgeführt, dass eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bis 23. September 2009
nachvollziehbar erscheine, ab dem 24. September 2009 sei aus aktueller Sicht bzw.
anhand der aktuellen Untersuchungsbefunde von einer Arbeitsunfähigkeit von ca. 40 %
auszugehen (IV-act. 49-27).
2.7 Ins Gewicht fällt im Übrigen, dass auch der Gesetzgeber im Rahmen der 6. IV-
Revision deutlich hervorgehoben hat, dass depressive Leiden
invalidenversicherungsrechtlich relevant sind und nicht als pathogenetisch-ätiologisch
unklare syndromale Beschwerdebilder gelten (vgl. Votum Kleiner Marianne ["Nicht dazu
gehören diagnostizierte Depressionen, ..."], sowie diverse Voten Burkhalter Didier ["ne
sont pas et ne seront jamais concernées par cette disposition les maladies telle que la
dépression, ..."], Amtliches Bulletin Nationalrat, 16. Dezember 2010, AB 2010
N 2117 ff.; vgl. auch Amtliches Bulletin Ständerat, 1. März 2011, AB 2011 S. 39 f.). Es
widerspricht damit dem klaren Willen des Gesetzgebers, wenn eine sich auf ein klinisch
festgestelltes depressives Leiden zurückzuführende gutachterlich bescheinigte
Arbeitsunfähigkeit vom Rechtsanwender bloss unter Hinweis auf das gleichzeitige
Vorliegen eines pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Leidens korrigiert
und als invalidenversicherungsrechtlich irrelevant erklärt wird. Dies gilt umso mehr,
wenn das syndromale Krankheitsbild von der medizinischen Fachperson zur
Begründung der Arbeitsunfähigkeit nicht herangezogen wird. Vielmehr stellt ein solches
Vorgehen, wonach bei gleichzeitigem Vorliegen einer für die bescheinigte
Arbeitsunfähigkeit aus ärztlicher Sicht irrelevanten somatoformen Schmerzstörung zum
Ausschluss depressionsbedingter Arbeitsfähigkeitsbeeinträchtigungen führt, eine nicht
zulässige Umgehung des genannten gesetzgeberischen Willens dar. Im Übrigen ist
gemäss diesem nicht die Ursache des depressiven Leidens für die Frage nach
Rentenleistungen entscheidend - was mit einer finalen Sozialversicherung wie der IV
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auch nicht vereinbar wäre -, sondern einzig, ob ein klinisch festgestellter psychischer
Gesundheitsschaden - wie etwa eine Depression - vorliegt (vgl. Votum Burkhalter
Didier, Amtliches Bulletin Nationalrat, a.a.O. AB 2010 N 2122: "Toutes celles qui
peuvent être clairement établies au moyen d'examens cliniques, c'est-à-dire
psychiatriques, en seront pas concernées, soit - je cite à nouveau pour que ce soit
vraiment clair - la dépression, ..." sowie Votum Kleiner Marianne, Amtliches Bulletin
Nationalrat, a.a.O., AB 2010 N 2118 f.: "Es handelt sich nicht um Beschwerdebilder, bei
denen gestützt auf klinische oder auch psychiatrische Untersuchungen eine klare
Diagnose gestellt werden kann ... z. B. Depressionen, ..."). Was Auslöser der
depressiven Erkrankung war - sei es nun ein psychosozialer Umstand, ein Unfall oder
Schmerzen -, ist deshalb für die Bestimmung der dadurch verursachten
Arbeitsfähigkeitsbeeinträchtigung invalidenversicherungsrechtlich irrelevant. Mit
anderen Worten sind Kausalitätsüberlegungen in der Invalidenversicherung (weiterhin)
fehl am Platz. Vor diesem Hintergrund fehlt dem Bestreben, selbstständig diag
nostizierte depressive Leiden - wie das vorliegend zu beurteilende - von somatoformen
Schmerzstörungen konsumieren zu lassen, die gesetzliche Grundlage. Es entspricht
wie ausgeführt auch nicht dem Willen des Gesetzgebers. Der Vollständigkeit halber ist
darauf hinzuweisen, dass das Vorliegen depressiver Leiden weder ein diagnostisches
Kriterium für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung noch sonstwie medizinisch
einen Bestandteil dieser Schmerzkrankheit darstellt. Im vorliegenden Fall muss es bei
der Verneinung einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit durch die somatoforme
Schmerzstörung sein Bewenden haben und es kann daraus kein Schluss für die inva
lidisierende Wirkung einer ebenfalls vorliegenden Depression gezogen werden.
2.8 Vor diesem Hintergrund sowie im Lichte der Diagnosen und der Befunde, welche
den zeitlichen Verlauf durchaus berücksichtigt haben, sind die Schlussfolgerungen im
MEDAS-Gutachten begründet und nachvollziehbar und ist die darin vorgenommene
Arbeitsunfähigkeitsschätzung von 40 % überzeugend. Es kann daher darauf abgestellt
werden. Mithin ist gestützt auf das Gutachten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von 40 %
auszugehen. Daher sind auf der Basis einer 60 %igen Restarbeitsfähigkeit in einer ideal
leidensadaptierten Tätigkeit die erwerblichen Auswirkungen zu ermitteln.
3.
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Zu prüfen ist im Weiteren die in der angefochtenen Verfügung vorgenommene Inva
liditätsbemessung. Diese hat mittels Einkommensvergleichs zu erfolgen.
3.1 Für die Ermittlung des Einkommens, welches die Beschwerdeführerin ohne
Invalidität erzielen könnte (Valideneinkommen), ist entscheidend, was sie im Zeitpunkt
des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte (BGE 129 V 222 E. 4.3.1). Gemäss
Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs
Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Die Beschwerdeführerin hat
sich im Februar 2009 zum Leistungsbezug angemeldet (IV-act. 5-9). Da der Renten
beginn mithin im August 2009 anzusetzen wäre, sind bei einem allfälligen Leistungs
anspruch dem Einkommensvergleich die Lohnverhältnisse im Jahre 2009 zu Grunde zu
legen. Gemäss Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin hätte die Beschwerdeführerin
im Jahr 2008 ohne Gesundheitsschaden ein Einkommen von Fr. 42'692.-- erzielt (IV-
act. 12-3). Wird dieser Betrag auf das Jahr 2009 aufgerechnet (Fr. 42'692.-- x 1.021),
ergibt sich ein Einkommen von Fr. 43'590.--. Zur Überprüfung der Frage der Unter
durchschnittlichkeit des Valideneinkommens rechtfertigt es sich, einen statistischen
Wert (Tabellenlohn) für Hilfsarbeiter für das Jahr 2009 beizuziehen. Das Durchschnitts
einkommen der Hilfsarbeiterinnen gemäss Anhang 2 der Textausgabe IVG der Infor
mationsstelle, welche auf die LSE abstellt, belief sich im Jahr 2009 auf Fr. 52'457.--.
Der Umstand also, dass die Beschwerdeführerin eine Stelle mit unterdurchschnittlicher
Entlöhnung ausübte, ist überwiegend wahrscheinlich nicht darauf zurückzuführen, dass
sie sich freiwillig mit einem tieferen Lohn begnügen wollte, sondern dürfte
invaliditätsfremde Ursachen (insbesondere eingeschränkte Arbeitsplatzauswahl auf
dem damals für die Beschwerdeführerin in Betracht kommenden regionalen
Arbeitsmarkt) haben. Es rechtfertigt sich daher, von einem Valideneinkommen gemäss
Tabellenlohn 2009 (Jahr des Einkommensvergleichs) auszugehen.
3.2 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht.Ist
- wie hier - kein effektives Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die Be
schwerdeführerin nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine ihr an sich zumutbare
neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung statis
tische Werte (Tabellenlöhne) beigezogen werden (BGE 129 V 472 E. 4.2.1, Bundes
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gerichtsentscheid i/S C. vom 19. Juni 2008, 9C_81/2008), womit vorliegend wiederum
Fr. 52'457.--massgebend sind.
3.3 Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt
werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 Erw. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf
dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu
verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen behinderungs
bedingten Abzug (BGE 126 V 78 Erw. 5a/bb). Der als "Leidensabzug" bezeichnete Ab
zug hat nichts mit dem Leiden an sich zu tun. Vielmehr sollen damit jene Nachteile aus
geglichen werden, welche die versicherte Person bei der Anwendung statistischer
Daten für das Invalideneinkommen erleidet. Die Invalidität bewirkt - neben der
Arbeitsunfähigkeit - auf den realen Arbeitsmarkt bezogen eine zusätzliche
Lohneinbusse. Denn die statistischen Tabellenlöhne werden auf der Grundlage von
Daten gesunder Arbeitnehmer erhoben. Solche Werte erreicht der invalide
Arbeitnehmer im Allgemeinen nicht. Vielmehr muss er in der Entwicklung des
Invaliditätseinkommens bzw. der Invalidenkarriere mannigfaltige Nachteile gewärtigen
(vgl. BGE 126 V 75 zum "Leidensabzug"). Die Beschwerdeführerin ist aufgrund ihrer
gesundheitlichen Beschwerden gegenüber einer gesunden Konkurrentin für einen
adaptierten Arbeitsplatz aus ökonomischer Sicht benachteiligt, auch weil ein grösseres
Risiko besteht, dass sie mehr Krankheitsabwesenheiten haben könnte und sie weniger
flexibel ist (z.B. in Bezug auf Überstunden; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 25.
November 2008 [9C_650/2008] E. 5.4). Vorliegend ist zudem zu beachten, dass die
Beschwerdeführerin aufgrund ihrer akzentuierten Persönlichkeitszüge mit
histrionischen und passiv-aggressiven Anteilen auf besonderes Verständnis seitens des
Arbeitgebers und der Arbeitskollegen angewiesen ist. Unter diesen Umständen
erscheint ein Tabellenlohnabzug von 10 % als angemessen. Das
Durchschnittseinkommen ist somit auf Fr. 47'211.-- herabzusetzen. Bei einer
Arbeitsfähigkeit von 60 % ergibt sich per 2009 ein zumutbares Invalideneinkommen
von Fr. 28'327.--.
3.4 Aus der Gegenüberstellung von Valideneinkommen von Fr. 52'457.-- und
Invalideneinkommen von Fr. 28'327.-- ergibt sich ein Invaliditätsgrad von rund 46 %.
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Da der Invaliditätsgrad über 40 % und unter 50 % liegt, ist der Anspruch auf eine
Viertelsrente der Invalidenversicherung gegeben.
3.5 Der Eintritt des Versicherungsfalles setzt (in der Regel) kumulativ eine Wartezeit
und danach einen rentenbegründenden Invaliditätsgrad voraus. Der Rentenanspruch
entsteht - gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG - frühestens in dem Zeitpunkt, in dem die
versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig gewesen war. Ein wesentlicher
Unterbruch der Arbeitsfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person an mindestens
30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29 IVV; Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S K. vom 26. März 2004, I 19/04). Nach
Ablauf diese Wartejahres muss ein Invaliditätsgrad von mindestens 40 % erreicht
werden (Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG). Ausgehend davon, dass seit 28. September 2008 eine
mindestens 40 %ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit besteht (IV-act.
32-2, 49-15), entstand ein Rentenanspruch der Beschwerdeführerin damit nach Ablauf
des Wartejahrs per 1. September 2009. Im polydisziplinären MEDAS-Gutachten ist
ausgeführt worden, dass eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bis 23. September 2009
nachvollziehbar erscheint. Ab 24. September 2009 sei aus aktuellen Sicht bzw. anhand
der aktuellen Untersuchungsbefunden von einer Arbeitsunfähigkeit von ca. 40 %
auszugehen (IV-act. 49-15). Gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV ist eine Verbesserung der
Erwerbsfähigkeit erst von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, wenn sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin
andauern wird. Daher ist spätestens ab 1. Januar 2010 von der verbesserten
Erwerbsfähigkeit auszugehen; die Beschwerdeführerin hat für die Zeit vom
1. September bis 31. Dezember 2009 Anspruch auf eine ganze und ab 1. Januar 2010
Anspruch auf eine Viertelsrente der Invalidenversicherung.
4.
4.1 Ergibt sich, dass ohne Eingliederungsmassnahmen ein Rentenanspruch in Frage
steht, so gehört zum Streitgegenstand notwendigerweise auch die Frage, ob die
Verwaltung den Grundsatz "Eingliederung vor Rente" (vgl. UELI KIESER, ATSG-
Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, Vorbemerkungen N. 47) beachtet und eine allfällige
Pflicht der Beschwerdeführerin zu Massnahmen korrekt in Anspruch genommen habe.
ter
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Denn wie sich aus Art. 16 ATSG ergibt, ist der Einkommensvergleich zur Bemessung
des Invaliditätsgrades erst nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen vorzunehmen und hat die versicherte Person,
wenn ohne berufliche Massnahmen ein Rentenanspruch droht, die Pflicht, sich ge
eigneten und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen zu unterziehen. Die Verwaltung
ihrerseits hat die Pflicht, vor dem Entscheid über die Rentenfrage von Amtes wegen
alle Eingliederungsmöglichkeiten zu prüfen und hierüber zu entscheiden. Die
Beschwerdegegnerin hat den Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen mit
Mitteilung vom 7. Mai 2009 verneint (IV-act. 16). Da also eine verbindliche Mitteilung
betreffend die berufliche Eingliederung – und damit über die Erfüllung des Grundsatzes
der "Eingliederung vor Rente" – vorliegt, kann das Gericht diese Frage nicht prüfen; es
bleibt somit bei dem Anspruch auf eine ganze Invalidenrente ab September 2009 bzw.
auf eine Viertelsrente ab 1. Januar 2010.
4.2 Bezüglich medizinischer Massnahmen bleibt darauf hinzuweisen, dass zumindest
ein längerfristiger Versuch mit geeigneten Psychopharmaka unternommen werden
muss, bevor eine abschliessende Arbeitsfähigkeitsschätzung erfolgen kann. Da ein
möglicherweise jahrelanges Zuwarten auf das Ergebnis einer solchen Massnahme einer
möglichst raschen Beurteilung der Rentenfrage zuwiderläuft, ist eine erneute Arbeits
fähigkeitsschätzung nach einer diesbezüglich medizinischen Behandlung erst im
Rahmen eines späteren Revisionsverfahrens vorzunehmen.
5.
5.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 26. Oktober
2011 aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. September 2009 eine
ganze Invalidenrente und mit Wirkung ab 1. Januar 2010 eine Viertelsrente zuzu
sprechen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
bis
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5.3 Die Beschwerdeführerin hat bei Obsiegen Anspruch auf Ersatz der Parteikosten,
die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache
und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61 lit. g ATSG;
vgl. auch Art. 98 ff. VRP). Der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand an
gemessen erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Bar
auslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39