Decision ID: a54934bf-0261-4295-9ac4-319072e882ac
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 198
6
, absolvierte
von
2002
bis
2006 bei
Z._
eine Lehre als Automechaniker und blieb nach seinem Lehr
abschluss bis Oktober 2013 bei diesem zur
A._
AG gehörenden Be
trieb
tätig, wobei
er im August 2013 die
Weiterbildung
zum Kundendienst
be
rater im Automobilgewerbe mit eidgenössischem Fachausweis erfolgreich ab
schloss. Von Februar 2014 bis Mai 2016 war der Versicherte sodann als – zunächst stell
vertretender – Filialleiter bei der
B._ AG
tätig (Urk. 8/2; Urk. 8/65
)
, wobei
der letzte Arbeitstag am
31. Januar 2016
war (Urk.
8/16 Ziff. 2.3
)
.
Unter Hinweis auf
massive Schmerzen im Zusammenhang mit einer angeborenen Miss
bildung der Hände sowie psychische B
eschwerden meldete er sich am
22. Juli 201
6
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
8/3
). Die Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation
ab, zog Akten der
Krankentaggeldversicherung
Sympany
Versicherungen AG (
Sympany
)
bei (Urk.
8/11; Urk. 8/21; Urk. 8/32
) und holte bei
der Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS)
C._
ein polydiszi
p
linä
res Gutachten ein, das am 25. November 2019 erstattet wurde (Urk
.
8/114
).
Nach ergangenem Vorbescheid (Urk.
8/116
) verneinte die IV-Stelle mit Verfü
g
ung vom
2. Juni 2020
einen Rentenanspruch (Urk.
8/121
= Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
26. Juni 2020
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
2. Juni 2020
(Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
das Ver
fahren an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach Beizug aller IV-Akten und medizinischer Berichte die polydisziplinäre Begutachtung wieder
hole und hernach über seine Leistungsansprüche neu entscheide. Eventuell sei ihm ab 1. Dezember 2016 bis Februar 2019 eine ganze und ab 1. März 2019 eine halbe Rente zuzusprechen
(Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
8. September 2020
(Urk.
7
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
11. September 2020
wurden antragsgemäss (vgl.
Urk. 1
S.
2
) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zugestellt (Urk.
9
).
Am 22. Dezem
ber 2020 teilte der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin und dem hiesigen Gericht
(in Kopie)
mit, er sei derzeit unentgeltlich
und testweise
als Geschäfts
führer
der
im Oktober 2020 von seinem Bruder neu gegründeten
D._
GmbH
tätig
, welche den Handel und die Reparatur von Motorfahrzeugen aller Art bezwecke
(Urk. 11).
Mit Gerichtsverfügung vom 5. März 2021 (Urk. 13) wurde die Pensionskasse
Y._
zum Prozess beigeladen. Sie reichte innert der angesetzten Frist keine Stellung
nahme ein, weshalb wie angekündigt von einem entsprechenden Verzicht ausge
gangen wird.
Mit Eingabe vom 19. März 2021 (Urk. 15) reichte der Beschwerdeführer Korre
spon
denz aus den Jahren 1987-1992 betreffend sein Geburtsgebrechen (Urk. 16/1-10)
mit dem Hinweis ins Recht, dass die Beschwerdegegnerin über umfangreiche Akten zum Geburtsgebrechen verfügen müsste.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sic
h im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische
Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
fak
toren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE
141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Be
weis
verfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Die Frage der Notwendigkeit in diesem Sinne beurteilt sich nach dem kon
kreten Beweisbedarf. Sie fehlt ganz allgemein in Fällen, die sich durch die Erhe
bung prägnanter Befunde und übereinstimmende fachärztliche Einschät
zun
gen
hinsichtlich Diagnose und funktioneller Auswirkungen im Rahmen beweis
werti
ge
r Arztberichte und Gutachten auszeichnen (BGE 143 V 418 E. 7.1).
1.4
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestim
mun
gen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a
der Verordnung über die Invali
denversicherung, IVV
) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinwei
sen;
Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse ein
getreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisions
grund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl.
BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor-
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet
und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (Urk. 2) damit, dass sie sich auf das eingeholte Gutachten abstütze, jedoch von den dortigen
Arbeitsfähigkeitsangaben abweiche. In der Invalidenversicherung seien nur solche
Krankheiten versichert, welche sich mit einer gewissen Schwere und Dauer auf die Arbeitsfähigkeit auswirken könnten. Die Beschwerdeführer leide aus psychia
trischer Sicht an keiner solchen Erkrankung (S. 1 unten).
Aus somatischer Sicht bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20
%
. Ein Rentenanspruch könne erst entstehen, wenn während eines Jahres – des Wartejahres - eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40
%
erreicht werde. Eine solche andauernde Arbeitsunfähigkeit sei nicht ausgewiesen, weshalb kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung bestehe (S. 2 oben).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber
zur Begründung seines Rück
weisungsantrags
auf den Standpunkt (Urk. 1),
die Akten seien unvollständig. Die angeborenen schweren Missbildungen an den Händen seien ein Geburtsge
bre
chen, betreffend welche
IV-Akten vorliegen müssten,
welche
wiederum
zwecks seriöser Beurteilung beizuziehen seien. Insbesondere sei abzuklären, ob das Ge
burtsgebrechen mit weiteren, weniger offensichtlichen Gesundheitsschäden ein
her
gegangen sei (S. 6 unten Ziff. 1.1.a). Weiter fehlten der Bericht de
r Sehnen
operation im Jahre 2007 und
die Unfallakten aus dem Jahre 2011, als er sich bei einem Arbeitsunfall einen komplizierten Bruch am Mittelhandknochen
der linken Hand zugezogen habe. Schliesslich seien auch die aktuellen Arztberichte nicht vollständig beigezogen worden
(S. 7 Ziff. 1.1.a-b).
Für die Wiederholung des Gut
achtens sprächen nebst der Unvollständigkeit der Akten auch die Voreinge
nom
menheit der Gutachter, nachdem diese sich an der Unvollständigkeit der medizi
nischen Akten nicht gestört hätten und der rheumatologische Teilgutachter trotz magerer Aktenlage auf jegliche Bildgebung verzichtet habe (S. 7
f.
Ziff. 1.2.b).
Zudem wiesen das rheumatologische sowie das neurologische Teilgutachten Wid
ersprüche auf, so etwa, indem letzteres unter dem Titel «Belastungsprofil» festhalte, Tastaturschreiben sei nur in eingeschränktem Rahmen möglich, ihn aber dennoch als Filialleiter arbeitsfähig schreibe. Die Tätigkeit eines Filialleiters bestehe grossmehrheitlich aus Arbeiten am Computer (Verarbeitung von Kunden
anfragen, Offerten et
cetera
) und damit praktisch ausschliesslich aus Tastatur
schreiben.
Der
sich durch beide Gutachten ziehende Umkehrschluss, er sei in seiner angestammten Tätigkeit als Filialleiter arbeitsfähig, weil er in der Ver
gangenheit in diesem Beruf gearbeitet habe, sei medizinisch doch sehr dünn.
Insbesondere erscheine der Umkehrschluss, er sei als Filialleiter arbeitsfähig, weil er 2 Jahre in diesem Beruf gearbeitet habe, als zynisch angesichts der Tatsache, dass er gerade deshalb in ein Burnout hineingelaufen sei, weil er der Arbeit nicht gewachsen gewesen sei (S. 8 f. Ziff. 1.
2.
c)
. Zur Beurteilung der kongenitalen Miss
bildungen an den Händen hätte schliesslich zwingend ein Facharzt aus dem Bereich Handchirurgie beigezogen werden müssen
(S. 9 Ziff. 1.2.d
).
Den Eventualantrag auf Zusprache einer Rente begründete der Beschwerdeführer damit, dass er gemäss dem psychiatrischen Teilgutachten bis November 2018 aus psychiatrischer Sicht zu 60 bis 70
%
arbeitsunfähig gewesen sei (S. 10 Ziff. 2).
Weder die bisherige Tätigkeit als Automechaniker noch diejenige als Filialleiter /
Werkstatt Kundenberater sei ihm zumutbar. In
jeglicher anderen Tätigkeit
sei er gemäss Gutachten zu 20
%
eingeschränkt, wobei zudem ein Leidensabzug von
20
%
vorzunehmen sei. So ergebe sich für den
Bemessungsz
eitraum vom 1. Dezem
ber 2016 bis 28. Februar 2019 ein Invaliditätsgrad von 78
.
6
%
und ab
dem
1. März 2019
ein solcher
von 51
%
(S. 11 unten Ziff. 2).
2.3
Die Beschwerdegegnerin entgegnete in der Beschwerdeantwort (Urk. 7), gemäss dem Anmeldeformular vom 22. Juli 2016 habe sich der Beschwerdeführer
damals
zum ersten Mal bei der Invalidenversicherung angemeldet. Es gebe also keine IV-Akten zum Geburtsgebrechen. Vermutlich gebe es Arztberichte im Zusammen
hang mit den diesbezüglichen Operationen, welche einzuholen jedoch nicht notwendig sei, da es um eine allfällige
Erstzusprache
einer Rentenleistung gehe und nicht um eine Rentenrevision. Der aktuelle Gesundheitszustand, der für den zu beurteilenden Anspruch massgebend sei, sei vollumfänglich abgeklärt worden. Dabei seien auch die Missbildungen der Finger (Geburtsgebrechen) und die daraus resultierenden Funktionseinschränkungen der Hände sowie die übrigen somati
schen Einschränkungen berücksichtigt worden. Der Untersuchungsgrundsatz sei
folglich nicht verletzt (S. 1 f.). Welche aktuellen
Behandlerberichte
fehlen würden
, werde vom Beschwerdeführer nicht ausgeführt. Die Aktenlage sei in Zusammen
arbeit mit ihm so gut wie möglich vervollständigt worden. Es hätten den Gut
achtern auch mehrere Facharztberichte aus dem Bereich Handchirurgie vorge
legen. Es werde vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht, dass es nach dem Gutachten nochmals zu einer Verschlechterung gekommen sei, weshalb auf das Einholen weiterer Berichte habe verzichtet werden dürfen (S. 2).
2.4
Strittig und zu prüfen ist somit der Rentenanspruch des Beschwerdeführers und dabei
auch
, ob die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt genügend abgeklärt hat.
3.
3.1
Dr. med.
E._
, praktischer Arzt, nannte im Bericht vom 11. Februar 2016 (Urk. 8/11/29
= Urk. 8/21/39
) zuhanden der
Sympany
folgende Diagnosen:
-
grippaler Infekt
-
Konjunktivitis
-
depressive Stimmungslage
Die Arbeitsunfähigkeit betrage 100
%
seit dem 4. Dezember
2015 bis zum 6. Januar 201
6.
Über die weitere Arbeitsunfähigkeit würden die psychiatrischen Spezialisten entscheiden, an welche der Beschwerdeführer überwiesen worden sei (Ziff. 6).
3.2
Dr. med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
lic.
phil.
G._
, Psychologe FSP, hielten i
m
Bericht vom
14. März 2016 (Urk. 8/1/4-6
= Urk. 8/11/26-28
= Urk. 8/11/47-49
= Urk. 8/21/5-7
) fest, der Be
schwerdeführer befinde sich seit dem 19. Januar 2016 in integriert psycho
the
rapeutischer Behandlung, wobei bisher 7 Sitzungen in meist wöchentlicher F
re
quenz stattgefunden hätten. Genannt wurden
folgende Diagnosen (S. 1):
-
mittelgradige depressive Episode (
ICD-10
F32.1) in Verbindung mit Burn-out-Syndrom/Erschöpfungssyndrom (Z73.0)
-
angeborene Missbildung, Deformation an Händen in Verbindung mit verstärkten Schmerzen seit zirka 2 Jahren (stetige Zunahme) und damit einhergehenden Existenzängsten (Z87)
Der Beschwerdeführer sei wegen vermutlich radioaktiver Intoxikation durch den Reaktorunfall in Tschernobyl 1986 mit verkrüppelten Händen (Verwachsungen) geboren worden. Im Laufe der Kindheit habe er deswegen 12 Operationen und bis im Alter von 16 Jahren Unterstützung durch die Invalidenversicherung gehabt. Er habe unbedingt Automechaniker werden wollen, was kritisch beurteilt worden sei, er habe sich aber durchgesetzt und anfangs reüssiert. Wegen des Handicaps mit den Händen habe er eine Weiterbildung gemacht und dann im Betrieb
B._
ab Februar 2014 als stellvertretender Filialleiter
H._
und ab April 2015 im gleichen Betrieb als Filialleiter in
I._
gearbeitet.
Seit zirka einem halben Jahr habe er psychische Probleme, was nun auch die Arbeit tangiere
.
Seit zwei bis drei Jahren habe er immer mehr Schmerzen in den Händen und Armen bekommen (S. 2 Ziff. 2). Die Arbeit sei für ihn ein Traumjob, er habe immer eine hohe Motivation gehabt. Sein Ziel sei, Schadensgutachter zu werden (S. 2 Ziff. 5
).
Die aktuelle Medikation laufe über den
Hausarzt Dr.
E._
und bestehe in der Einnahme von Anafranil (S. 3 Ziff. 7).
Aktuell sei der Patient
zu
100
%
krankge
schrieben. Sollten die physischen Schmerzen zurückgehen und sich dadurch die Depression und Existenzangst verringern – wobei Voraussetzung sei, dass eine Kausalverbindung zwischen den beiden Komplexen bestehe -, sollte ein
e volle Arbeitsfähigkeit
rasch
wieder
möglich werden. Erwiesen sich aber die psychischen Probleme und die Behinderung als stark, werde eine längere Therapiedauer mit ganzer oder teilweiser Arbeitsfähigkeit (gemeint wohl: Arbeitsunfähigkeit) in Zu
kunft real (S. 3 Ziff. 10
).
3.
3
Dr. med.
J._
, Fachärztin für Neurologie, nannte im Bericht
vom
9. Mai
2016 (Urk. 8/1/2-3
= Urk. 8/11/20-21
= Urk. 8/11/33-34
= Urk. 8/21/23
-24
) folgende Diagnosen (S. 1 oben):
-
leichtes sensibles
Ulnaris
-Reizsyndrom rechts bei Druckneuropathie am
Sulcus
-
essentieller Tremor
-
Status nach wiederholten Eingriffen an beiden Händen bei kongenitalen Missbildungen und kutanen Syndaktylien zwischen dem Mittelfinger und dem Ringfinger (
Dig
. III-IV) rechts sowie zwischen dem Zeige- und dem Ringfinger (
Dig
. II-IV) links, hypopla
s
tische Ausbildung
Dig
. II-IV beid
seits
-
Status nach Schaftfraktur des fünften Mittelhandknochens (Metacarpale V) links osteosynthetisiert, Material in situ
Seit zweieinhalb Jahren arbeite der Beschwerdeführer im Büro für Autoersatzteile. Diese mache ihm zunehmend Mühe, er spüre ein Kribbeln an den Fingern eher
ulnarseits
, links eher im
Medianusbereich
, die Finger seien auch eher etwas ungeschickter und er zittere (S. 1 Mitte
).
Der seit zwei Jahren beklagte zu
nehmende Tremor an beiden Händen werde am ehesten im Sinne eines leichten essentiellen Tremors gesehen. Es finde sich kein Hinweis für eine kausal angeh
bare symptomatische Tremor-Form. Soweit gewünscht, würden medikamentöse symptomatische Behandlungsmassnahmen empfohlen (S. 2 unten). Bezüglich das
Ulnaris
-Reizsyndrom werde eine konservative Therapie mit Vermeiden weiterer Druckeinwirkung am
Sulcus
Nervus
ulnaris
emfpohlen
(S. 1 Mitte).
3.
4
Dr. med.
K._
, Facharzt für Chirurgie und für Handchirurgie, Spital
L._
, führte im Bericht vom 20. Juni 2016 (Urk. 8/1/1 = Urk. 8/11/15
= Urk. 8/11/19
= Urk. 8/11/32 = Urk. 8/11/40
= Urk. 8/21/28
) aus, im Vordergrund stünden subjektiv Restbeschwerden am fünften Mittelhandknochen der linken Hand. Klinisch zeige sich ein vollständiger Faustschluss ohne Rotationsfehler mit einer
Druckdolenz
im Bereich des Osteosynthesematerials. Auf Wunsch des Pati
en
ten werde am 7. Juli 2016 eine Osteosynthesematerialentfernung stattfinden. Ob im weiteren Verlauf
auch eine chirurgische Behandlung der sagittalen Insta
bilität am linken Daumengrundgelenk indiziert sein werde, werde der Verlauf zeigen.
Im Operationsbericht vom 11. Juli
2016 (Urk. 8/
21/
16-17) dokumentierte Dr.
K._
die am 7. Juli 2016 stattgehabte
Tenosynovektomie
und partielle
Osteosynthesenmaterialentfernung
(OSME)
metacarpal
(MC) V links.
3.
5
Dr.
F._
und
lic.
phil.
G._
(vorstehend E. 3.2)
nannten im Bericht vom 5. Juli 2016 (Urk. 8/11/9-11
= Urk. 8/21/20-22
) als Hauptdiagnose (S. 1 Ziff. 1) eine
schwere depressive Episode (F32.2) in Verbindung mit einem Burn-out-Syndrom/
Erschöpfungssyndrom (Z73.0). Sie kämen in ihrer Beurteilung auf eine Erhöhung des Schweregrades, die Gesamtsituation habe sich ver
schlechtert
. Der Beschwer
deführer habe inzwischen die eigene Wohnung aus finanziellen Gründen kündi
gen müssen und sei zu seinen Eltern gezogen. Ein weiterer Kündigungsgrund sei seine psychische Erkrankung gewesen. Er habe sich nicht mehr adäquat ernährt und sei chronisch erkältet
(gewesen)
. Anfang Jahr sei aufgrund der zunehmenden Beschwerden eine Beziehung in die Brüche gegangen (S. 2 Ziff. 2). Die Medi
kation beinhalte die abendliche Einnahme von
Remeron
, die Sitzungsfrequenz sei wöchentlich (S. 2 Ziff. 5). P
hasenweise sei es wieder besser
gegangen, vor allem dann, als er die Vorgespräche mit der Handchirurgie gehabt habe. Unglücklicher
weise
sei diese medizinische Seite des Störungsbildes (die Verunsicherung, dass wieder eine Operation anstehe) durch den Patienten eher bagatellisiert oder verdrängt worden (S. 3 Ziff. 6). Die Arbeitsunfähigkeit betrage 100
%
. Falls die Handoperation erfolgreich sei und die Schmerzen wieder auf ein erträgliches Mass fielen, müsste – bei psychischer Stabilität (Konzentration, Freude an der eigenen Wirksamkeit, Selbstwert) – in ein paar Wochen/Monaten wieder volle Arbeitsfähigkeit erreicht werden. Dazu müsse natürlich auch noch die Hand
chi
rurgie Stellung nehmen (S. 3 Ziff. 8).
3.
6
Am
9. November 2016 (Urk. 8/21/10-11)
berichteten
Dr.
F._
und
lic.
phil.
G._
zuhanden der
Sympany
, der Zustand de
s Beschwerdeführers habe sich aus
psy
chiatrisch-psychologischer Sicht nicht verändert (S. 1 Mitte). Es werde nochmals auf die Handchirurgie (Operation, geplante Operationen) verwiesen (S. 1 unten).
3.7
Im Bericht zuhanden der Beschwerdegegnerin vom 24. November 2016 (Urk. 8/22)
nannte Dr.
F._
als Diagnose eine mittelgradige depressive Episode (F32.1) seit mindestens Herbst 2015 (S. 1 Ziff. 1.1
).
Die Prognose sei gut, wenn die an
ste
henden Operationen gelängen und eine berufliche Massnahme zum Erfolg führe (S. 2 Ziff. 1.4). Eine solche sei wünschenswert (S. 2 Ziff. 1.5).
Die Arbeitsun
fähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als technischer Kaufmann betrage 100
%
seit Januar 2016 (S. 2 Ziff. 1.6).
Einschränkungen bei der bisherigen Tätig
keit (S. 2 Ziff. 1.7)
bestünden in einer Behinderung der Beweglichkeit wegen der Hände/Schmerzen und in psychischen Einschränkungen durch ein depressives Geschehen im Zusammenhang mit
der
Missbildung. Bei der Arbeit wirkten sich diese so aus, dass der Beschwerdeführer unkonzentriert sei und die Arbeits
fähig
keit durch Schmerz vermindert sei, ebenso durch eine eingeschränkte Fingerbe
weglichkeit (Zunahme in den letzten 2-3 Jahren). Die bisherige Tätigkeit s
ei aus medizinischer Sicht
zumutbar
(gemeint wohl: unzumutbar),
es sei unklar, wie lange. Aktuell stünden Operationen an.
In welchem Umfang eine behinde
rungs
angepasste Tätigkeit zumutbar sei, müsse durch berufliche Massnahmen verifi
ziert werden (S. 3 Ziff. 1.7).
3.8
Dr.
K._
(vorstehend E. 3.4) führte im Bericht vom 29. November
2016 (Urk. 8/32/2-3) aus, bezüglich der OSME liege ein zeitgerechter Verlauf mit unein
geschränkter Mobilisation vor. Diesbezüglich seien keine weiteren diagnos
tischen oder therapeutischen Massnahmen notwendig. Es liege jedoch eine pal
mare Instabilität (
Hyperlaxizität
) des linken Daumengrundgelenkes vor. Die Indi
kation zur
Lysierung
beugeseiti
g des betreffenden Gelenks könnt
e gestellt werden (S. 1 unten).
3.9
Am 6. Februar 2017 erstattete Dr. med.
M._
, Fachärztin für Psy
chiatrie und Psychotherapie, ihr psychiatrisches Gutachten zuhanden der
Sym
pany
(Urk. 8/32/
12-24).
Zur Berufsanamnese (S. 5 f. Ziff. 2) hielt sie unter anderem fest, der Beschwerdeführer sei zuletzt Filialleiter bei der Firma
B._
, einem Grosshandel für Autoersatzteile, gewesen und habe die Arbeit sehr gerne gemacht. Die rasche Kündigung auf Ende Mai 2016 nach seiner Krank
schreibung sei sehr schlimm und auch enttäuschend gewesen. Zur psychia
tri
schen Anamnese führte sie unter anderem aus, der Beschwerdeführer habe trotz der Behinderung und Einschränkungen in seinem Leben viel erreicht, worauf er eigentlich auch stolz sei. Umso mehr hätten ihn die erneut wieder zunehmenden Beschwerden ab zirka 2013/2014 im Bereich beider Hände immer mehr verun
sichert und nachdenklich gemacht. Insbesondere im Jahr 2015 hätten zunehmend Schmerzen im Bereich beider Hände, aber auch zunehmende psychische Be
schwerden bestanden (S. 7 oben Ziff. 2.4.1).
Als Diagnose nannte Dr.
M._
eine an Intensität schwankende mittel
schwere bis schwere depressive Episode im Rahmen einer rezidivierenden de
pres
siven Symptomatik (F33.1/F33.2) auf dem Boden einer erheblichen psycho
so
zialen Belastungssituation bei somatischen Komplikationen im Rahmen ange
bo
rener Missbildungen im Bereich beider Hände (S. 10 Ziff. 5).
Die Behinderung an den Händen führe zu funktionellen Einschränkungen und zu Schmerzen. Dies und der Tod des Bruders 2007 an einer Stoffwechselerkrankung habe in den letzten Jahren immer wieder zu depressiven Episoden geführt, die allerdings bis
lang zu keiner
relevanten Leistungseinschränkung oder Krankschreibung ge
führt hätten. Die Diagnosekriterien einer rezidivierenden depressiven Störung seien erfüllt. Das Ausmass der Depression sei immer wieder schwankend und abhängig von den Ergebnissen der Untersuchungen im Bereich der Hände und dem Erfolg oder Nichterfolg durchgeführter Operationen (S. 10 f. Ziff. 5). Die psychische Symptomatik sei in erheblichem Ausmass vom Verlauf der somatischen Proble
matik abhängig (S. 11 unten Ziff. 6).
Leider scheine die Kooperation zwischen dem delegierenden Psychiater und dem behandelnden Psychotherapeuten schlecht zu sein. Im Telefongespräch habe sich gezeigt, dass beide wenig orientiert seien über das Vorgehen des
jeweils
anderen. Eine Anpassung der antidepressiven Medikation
sei
aus fachpsychiatrischer Sicht unbedingt indiziert
(S. 12 oben Ziff. 6). Der Beschwerdeführer verfüge über gute psychische Ressourcen. Das Wiedereingliederungspotential aus rein psychiatri
scher Sicht sei hoch und es sei mittel- bis langfristig wieder mit der vollen Arbeitsfähigkeit des Versicherten zu rechnen unter dem Vorbehalt, dass eine solche Wiederintegration aus somatischer Sicht überhaupt möglich sein werde
und unter Berücksichtigung der somatischen Einschränkungen (S. 12 Mitte Ziff. 6
).
Momentan bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
sowohl in der letzten Tätigkeit als Filialleiter als auch in jeglichen Verweistätigkeiten. Die berufliche Wiedereingliederung sollte stufenweise erfolgen. Aus rein psychiatrischer Sicht sei damit zu rechnen, dass der Versicherte je nach Verlauf der somatischen Grundproblematik in den nächsten 3 bis 6 Monaten wieder die volle Arbeits
fähigkeit erreichen werde (S. 12 unten Ziff. 7).
3.10
Dr.
K._
(vorstehend E. 3.4) dokumentierte im Operationsbericht vom 14. Febru
ar 2017 (Urk. 8/32/26) den am 10. Februar 2017 stattgehabten Eingriff in Form einer
Proximalisierung
der palmaren Platte, welche durch die sagittale Instabilität des linken Daumengrundgelenks indiziert gewesen sei.
Am 23. März 2017 (Urk. 8/32/28
= Urk. 8/32/34
) berichtete Dr.
K._
, es beginne nun die belastungsfreie Mobilisation mithilfe von Ergotherapie.
3.11
Dr.
F._
und
lic.
phil.
G._
(vorstehend E. 3.2) führten im Bericht vom 20. April
2017 zuhanden der
Sympany
(Urk. 8/32/30-31) aus, der Zustand des Beschwerde
führers habe sich in psychiatrisch-psychologischer Sicht nicht wesentlich verän
dert.
Auch die Medikation sei unverändert. Der Beschwerdeführer habe sich teil
weise mit seiner unsicheren Situation arrangieren können. Nach wie vor gelte die Diagnose Depression, aktuell mittelgradige Episode (F32.1). Es bestehe also eine leichte Besserung im Vergleich zum vorherigen Bericht (S. 1 unten). Längerfristig sei noch unklar, wie sich der Patient anpassen und welchen Beruf er zukünftig ausüben werde. Ihm schwebe der Beruf des Schadensbegutachters (-feststellers) für Automobile vor. Mit der Einschränkung der Hände könne er in diesem Beruf möglicherweise eine Anpassung finden und seine Leistung mit Freude erbringen (S. 2 Mitte). Es werde nochmals auf die Handchirurgie (Operation, geplante Operationen) verwiesen. Weiterhin gelte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(S. 2 unten).
3.12
Dr.
K._
(vorstehend E. 3.4) berichtete am 4. Mai 2017 (Urk. 8/32/33)
,
das Daumengrundgelenk sei klinisch allseits stabil. Es liege ein erfreulicher Verlauf vor. Die linke Hand könne mit Belastung mobilisiert werden, die Ergotherapie könne beendet werden. Aus handchirurgischer Sicht sei der Patient ab sofort arbeitsfähig
.
3.13
Die Ärzte der Klinik
für Plastische Chirurgie und Handchirurgie
des Universi
tätsspitals
N._
führten im Bericht vom 14. Juni 2017
zur am Vortag stattgehabten Sprechstunde
(
Urk. 8/33/2-3
)
aus, der Patient habe verschiedene Probleme, mit denen er in der aktuellen Situation nicht zufrieden sei. Um die Durchblutungssituation zu evaluieren, werde eine Angiographie veranlasst. Bei Verdacht auf Schulterluxation sei der Patient zudem an die Abteilung Orthopädie überwiesen worden. Sobald die Dokumentation vollständig sei und die
Angio
graphiebefunde
vorlägen, werde ein neuer Sprechstundentermin vereinbart (S. 2 unten
).
3.14
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.2) hielt im Bericht vom 13. Juli 2017 (Urk. 8/34) fest, die Arbeitsunfähigkeit betrage bei unveränderten Diagnosen (Ziff. 1.2) und Medika
tion (Ziff. 3.2) weiterhin 100
%
(Ziff. 2.2).
Die letzte Kontrolle habe am 10. Juli 2017 stattgefunden (Ziff. 3.1).
3.15
Die Ärzte der Klinik für Angiologie,
N._
, nannten im Bericht vom 28. November 2017 (Urk. 8/86) als
(neue)
Diagnose einen konstitutionellen
Vasospasmus
der Hände beidseits
(S. 1). Der Patient
berichte
über einen soweit komplikationslosen Verlauf nach multiplen Operationen mit stets abheilenden Wunden der Finger. Er habe aber praktisch stets kalte Hände und Füsse. In den letzten zwei bis drei Jahren gebe es ein zunehmendes unangenehmes Kälte- und Spannungsgefühl in beiden
Händen. Bei warmen Temperaturen besserten sich die Beschwerden rasch (S. 1 f.). Aktuell bestehe kein Hinweis für eine arterielle Durchblutungsstörung, die
Oszillographiebefunde
zeigten einen konstitutionellen
Vasospasmus
beider Hände ohne Hinweis auf einen Fingerarterienverschluss (S. 3 Mitte).
3.16
Die Ärzte der Abteilung
Schulter/Ellbogen
der
Universitätsklinik
O._
führte
n
im Bericht vom 13. Dezember 2017 (Urk. 8/44) aus, es zeige sich beim Patienten eine habituelle anteriore Schulterluxation mit
anterosuperiorem
Labrumriss und SLAP -Läsion. Da noch keine Physiotherapie durchgeführt worden sei, werde diese nun initialisiert (S. 2).
Am 26. März 2018 (Urk. 8/79
= Urk. 8/82/4-5
) berichteten sie, der Patient habe auf die Physiotherapie nicht wesentlich angesprochen. Aus diesem Grund wäre die Indikation für eine Stabilisation nach
Latarjet
bei
antero
-inferiorer habitueller Instabilität gegeben. Der Patient lehne eine Operation zurzeit aber ab, weshalb keine weiteren Konsultationen mehr vorgesehen seien (S. 2 unten).
3.17
Am 12. März 2018 (Urk. 8/49) erteilte die Beschwerdegegnerin Kostengutsprache für eine Arbeitsvermittlung plus (Assessment und Stellensuche)
im Zeitraum
vom 19. März bis 17. August 201
8.
Der Beschwerdeführer nahm mehrere Termine nicht wahr und war nicht mehr erreichbar, worauf ihm die Beschwerdegegnerin mit Vorbescheid vom 9. April 2018 in Aussicht stellte, die Eingliederungs
mass
nahme
einzustellen
(Urk. 8/55). Nachdem sich der Beschwerdeführer entschuldigt
hatt
e (Urk. 8/56), teilte die Beschwerdegegnerin am 20. April 2018 mit, die Mass
nahme Arbeitsvermittlung Plus werde weitergeführt (Urk. 8/57).
3.18
Die
Beraterin
von der
Stiftung P._
erstattete am 24. April 2018 ihren Abschlussbericht Assessment Arbeitsvermittlung (Urk. 8/60). Sie führte betreffend berufliche Ziele aus, der Beschwerdeführer könne i
n seinen erlernten Beruf als Automechaniker nicht zurück. Als Filialleiter
möchte
er so
dann nicht mehr arbeiten. Gerne würde er sich innerhalb der Branche neu orien
tieren und sich ausgehend von der Funktion als Kundendienstberater berufsbe
gleitend zum Treuhänder ausbilden lassen (S. 3 oben). Der Beschwerdeführer sehe sich als Verkaufspersönlichkeit, der sehr kundenorientiert eine Filiale leite (S. 3 Mitte).
Der Regionalleiter des letzten Arbeitgebers habe betont, dass der Beschwer
deführer als stellvertretender Filialleiter in
H._
eine so gute und schnelle Entwicklung gezeigt habe, dass man ihn frühzeitig zum Filialleiter befördert und ihm die Filiale
I._
mit einem Team von fünf Angestellten anvertraut habe. Er habe sich stets dadurch ausgezeichnet, dass er ein hervor
ragender Verkäufer sei. Als problematisch sei erlebt worden, dass er zu hohe Ansprüche an sich selber gestellt und dem Druck nicht standgehalten habe. Rückblickend habe sich gezeigt, dass die
Filiale zu schwierig gewesen sei für einen Neueinsteiger. In sieben Jahren seien dort bereits fünf Filialleiter gewesen (S. 4 oben
).
Vordergründig sei der Beschwerdeführer hoch motiviert, faktisch sei jedoch noch kein zielführendes Handeln sichtbar. Zu Beginn sei er nicht in der Lage gewesen, sich verbindlich an Termine zu halten. Inzwischen gelinge dies (S. 4 Mitte).
3.19
Am 13. Juni 2018 erteilte die Beschwerdegegnerin Kostengutsprache für ein Arbeitstraining bei der
Q._
AG
im Zeitraum
vom 4. Juni bis 3. Dezember 2018 (Urk. 8/66).
Das Arbeitsverhältnis wurde am 13. Juli 2018 seitens des Arbeitgebers auf den 20. Juli 2018 gekündigt (Urk. 8/71) und das Arbeitstraining entsprechend durch die Beschwerdegegnerin per 20. Juli 2018
vorzeitig
abgebrochen (Urk. 8/75).
Im Schlussbericht vom 9. August 2018 zum Coaching Trainingsplatz (Urk. 8/77) führte die
Beraterin
von P._
(vorstehend E. 3.1
8
) aus, der Beschwerde
führer sei hoch motiviert in seine Tätigkeit als Sachbearbeiter Treuhand mit einem Pensum von rund 50
%
gestartet, habe die vorgesehenen Präsenzzeiten aber nicht verbindlich einhalten können. Innerhalb der sechs Wochen im Einsatz sei es zu insgesamt 9
Absenztagen
gekommen (S. 1 unten). Die Absenzen seien gegenüber dem Arbeitgeber zu wenig transparent beziehungsweise zum Teil erst im Nach
hinein erklärt worden (S. 2 Mitte). Der Beschwerdeführer habe trotz Taubheits
gefühlen in den Fingern am PC ohne Spracherkennungssoftware gearbeitet. Zu
sätzlich zu den Sensibilitäts- und Durchblutungsstörungen leide er unter starkem Schwitzen. Die schweissnassen Hände seien beim Hantieren mit Dokumenten und beim Autofahren zu einer Belastung geworden (S. 4 unten). Es bleibe unklar, ob es körperliche oder zusätzliche Probleme seien, die es für den Beschwerdeführer nicht möglich machten, die tägliche Präsenz am Arbeitsplatz verbindlich einzu
halten (S. 3 Mitte).
Die Beraterin zweifle an der effektiven Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. Dieser wolle baldmöglichst wieder an einem Training teilneh
men, da es ihm psychisch dank des Einsatzes besser gegangen sei (S. 5 unten).
Am 5. September 2018 schloss die Beschwerdegegnerin die Arbeitsvermittlung
im Einverständnis mit dem Beschwerdeführer (vgl. Urk. 8/81 S. 15 unten)
ab (Urk. 8/80).
3.20
Die Ärzte der Klinik für Angiologie,
N._
,
führten im Bericht vom 11. Juli 2018 (Urk. 8/84 = Urk. 8/100) aus, der Beschwerdeführer
berichte
über nach wie vor bestehende kalte Finger beidseits mit einer Verschlechterung in der kalten Jahreszeit, wo es sogar zur bläulichen Verfärbung komme. Sei einer gewissen Zeit sei es zudem zu vermehrtem Schwitzen (Axilla und Hände) gekommen. Das axilläre Schwitzen vermehre sich vor allem, wenn ein zunehmendes Kältegefühl im Bereich der Finger auftrete (S. 2 oben). In den Untersuchungen hätten sich keine
Auffälligkeiten ergeben. Es werde von einem möglichen sekundären Raynaud-Phänomen bei hier stattgehabten wiederholten Operationen mit mög
lichen vaskulären Störungen ausgegangen (S. 3 unten).
3.21
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.2) nannte im Bericht vom 20. November 2018 (Urk. 8/93) folgende Diagnosen (S. 1 Ziff. 1.2):
-
Remission F32.1
-
angeborene Missbildung der Hände mit wiederholenden Operationen und Anwachsen der Schmerzen seit mindestens Herbst 2015
-
Verdacht auf undifferenzierte Schizophrenie (F20.3)
Die letzte Kontrolle habe am 1
3.
November 2018 stattgefunden (S. 2
Ziff.
3.1).
Der Beschwerdeführer habe Schwierigkeiten, Termine regelmässig wahrzu
neh
men. Er habe intersubjektiv das Gefühl, dass ihm «die Felle davonschwimmen», er wirke «wurstig». Einerseits gebe es eine Schmerzzunahme, was eine konti
nuierliche Verschlechterung plausibel mache, andererseits zeige
er
aber auch ein
en plötzlichen
Leistungsabfall, ohne sich später zu erholen (S. 1 Ziff. 1.3).
Die bisherige Tätigkeit als Filialleiter sei momentan nicht möglich. In einer ange
passten Tätigkeit im Bürobereich könne der Beschwerdeführer eventuell 2 Stun
den pro Tag arbeiten (S. 1 Ziff. 2.1). In den Jahren 2016 bis 2017 habe die Behandlung alle 2 Wochen stattgefunden, im Jahr 2018 einmal monatlich (S. 2 Ziff. 3.1).
4.
4.1
Am 25. November 2019 erstatteten
die fallführenden
Dr. med.
R._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin
,
und Dr.
S._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie für Rheumatologie, zusammen
mit den Teilgutachtern Dr. med.
T._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie
für Rheumatologie, Dr. med.
U._
, Facharzt
für Neurologie, und
pract
. med.
V._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie, MEDAS
C._
, ihr polydisziplinäres Gutachten (Urk. 8/114).
4.2
Dr.
T._
nannte im rheumatologischen Teilgutachten (Urk. 8/114/23-29) folgen
de Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 4 f.):
-
Schulterschmerzen rechts, ausgeprägte funktionelle Einschränkung
-
multifaktoriell
-
anamnestisch bei habitueller chronischer
anteriorer Schulterinstabilität und
anterosuperiorem
Labrumriss (
Klinik
O._
13. Dezember 2017)
-
kongenitale Missbildungen (Syndaktylien) der Finger
Dig
. II und IV rechts,
Dig
. II und IV links, hypoplastische Ausbildung
Dig
. II und IV beidseits rechtsbetont
-
anamnestisch Status nach multiplen Voroperationen
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er (S. 5 oben):
-
Status nach Metacarpale Fraktur V Schaft 2011
-
Status nach Osteosynthese 2011
-
Status nach partieller Metal
lentfernung im Juli 2016 (S
pital
L._
)
-
Proximalisierung
der palmaren Platte bei sagittaler Instabilität Dau
mengrundgelenk
links am 10. Dezember 2017
-
leichtes sensibles
Ulnaris
-Reizsyndrom rechts Neurologie
-
vasospastische
Handischämie beidseits (Angiologie
N._
am 11. Juli 2018)
Bei
der Anamnese
wurde
unter anderem festgehalten, der Beschwerdeführer sei
«
nicht gross am Computer
»
, da er andere Probleme habe, als am Computer zu sitzen. Die Tastatur könne er im Zweifingersystem gut bedienen, er habe hier sein eigenes System entwickelt (S. 2 unten
)
. Die Arbeit als Filialleiter beinhalte so ein bisschen alles: Büro, Kundengespräche, Eventplanung, Lagerbewirtschaftung, Lagerarbeiten. Im Kundenberatungsdienst könne er nicht mehr arbeiten. Eine eindeutige Begründung hierfür habe er nicht angeben können (S. 3 oben).
Auf eine Bildgebung sei verzichtet worden, da davon bezüglich Arbeitsfähigkeit keine weiteren Informationen erwartet würden (S. 4 Ziff. 4.2).
Unter Berücksichtigung der Schulterproblematik rechts sowie der angeborenen dysplastischen Veränderungen der Finger zeige sich eine rheumatologisch-reha
bilitativ gut nachvollziehbare Einschränkung der Belastungsfähigkeit der oberen Extremität
. Sämtliche mittelschweren bis schweren körperlichen Tätigkeiten seien grundsätzlich nicht zumutbar. Retrospektiv möge es vielleicht erstaunen, dass der Versicherte die Lehre als Automechaniker abgeschlossen habe. Dies reflektiere aber die Erfahrungen im allgemeinen Alltag, dass mit entsprechendem Willen trotz
Handicapierung
erstaunlichste Berufsleistungen erreicht würden. Sowohl in Bezug auf die Schulter wie auf die Fingergelenke sei eine leichte körperliche Tätigkeit, wechselbelastend mit Schreib- und Administrativarbeiten durchaus möglich. Aufgrund der erheblichen somatischen Probleme unter Berücksich
tigung des vermehrten Schwitzens sowie des angiologisch festgestellten
Vaso
spasmus
und bei möglich(
st
) verminderter Belastung am linken Daumen werde im Sinne einer subjektiven Beurteilung von einer 20%igen Einschränkung auch
bei leichten
körperliche
n
Tätigkeiten ausgegangen (S. 6 Mitte Ziff. 7).
Trotz somatisch zweifellos erheblichen Problemen wirke der Versicherte ausser
ordentlich klagsam, die Krankheitsbewältigung sei passiv ausgerichtet. Der ge
schilderte Alltag (nur Staubsaugen links möglich, keine weiteren Haushalts
a
r
beiten, Tagesablauf bestehend aus Übungen, etwas Spazieren und Pausen) über
zeuge bei diesem sonst vital und kräftig wirkenden Versicherten nicht. Auch das beklagte
Beschwerdebild beim Arbeitsversuch sei mit den rheumatologischen Befunden nicht vereinbar. Dar dargelegte Leidensdruck überzeuge auch deshalb nur ungenügend, weil in den letzten ein bis zwei Jahren trotz subjektiv ge
schil
derter massiver Verschlechterung keine fachärztlichen Beurteilungen und Thera
pien in Anspruch genommen worden seien. Die letzte Serie Physiotherapie sei 2018 absolviert worden (S. 6 unten Ziff. 7
).
Der Versicherte werde in einer leichten körperlichen Tätigkeit und – basierend auf
seinen
Schilderungen sowie unter Berücksichtigung des eingesehenen Auf
gabengebiets im Arbeitszeugnis vom 31. Mai 201
6
– somit auch als Filialleiter im Autogewerbe als arbeitsfähig gesehen. Aufgrund der
multilokulären
Proble
matik werde eine Einschränkung von 20
%
auch in dieser leichten körperlichen Tätigkeit (generell vermehrter Pausenbedarf) als gerechtfertigt erachtet (S. 6 f. Ziff. 8). Grundsätzlich seien alle körperlichen Tätigkeiten zumutbar. Nicht zumut
bar seien häufiges Heben und Tragen von Gewichten ab 5 kg über Beckenhöhe, Arbeiten mit Sicherungsfunktionen für andere Personen und
für
sich selber, vor
wiegend feinmanuelle Arbeiten (zum Beispiel Montagearbeiten) und häufige Tätigkeiten in der Kälte oder mit Vibrationen. Die Beurteilung der Arbeitsfähig
keit gelte auch retrospektiv, theoretisch ab der IV-Anmeldung (S. 7 Ziff. 8).
4.3
Dr.
U._
nannte im neurologischen Teilgutachten (Urk. 8/114/30-38) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 5 Ziff. 6):
-
kongenitale Missbildung der Hände, Status nach mehrfachen Operationen
-
Hyperhidrose
-
Tremor
Bei sämtlichen manuellen Tätigkeiten sei der Beschwerdeführer durch die Miss
bildungen der Finger, kaum jedoch durch den Tremor behindert. Zudem störe die starke Hyperhidrose der Hände, insbesondere beim Umgang mit Papieren. Aller
dings habe er eine Ausbildung zum Automechaniker absolvieren und in dieser Tätigkeit arbeiten können, auch die Umschulung und der Einsatz in admini
stra
tiver Tätigkeit sei gelungen (S. 5 Ziff. 7.2).
Es bestehe eine Diskrepanz zwischen den aktuellen Klagen und der Performance in früheren Tätigkeiten bei einer grundsätzlich stationären Situation (S. 6 Ziff. 7.5). Der Beschwerdeführer schil
dere, dass er nur kurze Zeit und auch nur verlangsamt an der Tastatur arbeiten könne. Bei groben wie feinen manuellen Arbeiten sei er behindert, was wohl auch seinerzeit zur Aufgabe dieser Tätigkeit geführt habe. Eine Arbeitsfähigkeit als Sachbearbeiter könne er bewerkstelligen. Eine leichte Einschränkung sei plau
sibel
.
Tastaturschreiben und weitere manuelle Tätigkeiten seien nur in einge
schränktem Rahmen möglich. Betreffend die Leistungsfähigkeit werde auf die Einschätzung im
rheumatologischen Teilgutachten verwiesen. Weitere Einschrän
kungen liessen sich nicht begründen. In Bezug auf die Motorik der Hände und Finger könne keine Besserung erreicht werden. Betreffend das Schwitzen seien die therapeutischen Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft. Einerseits sei eine Behandlung mit Botulinumtoxin für das axilläre Schwitzen, andererseits eine
Sympathikusblockade
für das periphere Schwitzen zu diskutieren (S. 6 Ziff. 8).
4.4
Med.
pract
.
V._
nannte im psychiatrischen Teilgutachten (Urk. 8/114/39-52) folgende Diagnosen (S. 10 Ziff. 6):
-
Status nach depressiver Episode, mittelgradig (F32.1)
-
Verdacht auf sich entwickelnde Phobie (F40.8)
Heute seien weder nach Psychostatus noch nach klinischem Eindruck und An
gaben des Exploranden ausreichend Kriterien für eine Depression erfüllt, diese Störung sei remittiert seit mindestens November 201
8.
Allenfalls gebe es Hin
weise darauf, dass sich eine Phobie entwickeln könnte, die entsprechenden Krite
rien seien aber (noch) nicht erfüllt (S. 10 Ziff. 6).
Durch
Dr.
F._
sei am 14. März 2016 nachvollziehbar eine mittelgradige depres
sive Episode diagnostiziert worden. Der Grad an Arbeitsunfähigkeit wirke aber eher zu hoch. Indem derselbe Autor am 5. Juli
2016 den Schweregrad der Depression auf schwer erhöht habe, scheine nun die Arbeitsunfähigkeit von 100
%
nachvollziehbar. Im November 2016 habe Dr.
F._
einerseits
gemeint, der Zustand habe sich nicht verändert, am 24. November
2016
aber geschrieben, es läge eine mittelgradige depressive Episode seit mindestens Herbst 2015 vor (S. 12 oben Ziff. 7.1). Die von der psychiatrischen Gutachterin Dr.
M._
im Februar 2017 gestellte Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, ge
genwärtig mittelschwere bis schwere Episode, sei in Bezug auf den Schweregrad nachvollziehbar. Eher nicht nachvollziehbar sei, dass sie von einer rezidivieren
den depressiven Störung ausgehe. Weder seien ihr Berichte von vor 2016 vorge
legen, die dies belegen würden, noch reichten Trauer um den verstorbenen Bruder und Hänseleien als Tatsachen aus, um eine Depression zu belegen. Deshalb werde für anfangs 2017 die Diagnose einer mittelschweren bis schweren depressiven Episode für überwiegend wahrscheinlich gegeben erachtet. Die angegebene Arbeitsunfähigkeit von 100
%
erscheine plausibel
. Irritierend sei hingegen, dass der behandelnde Psychiater Dr.
F._
am 20. April 2017 geschrieben habe, der Explorand habe nach wie vor eine «aktuell mittelgradige depressive Episode» und erhalte
Remeron
30mg pro Tag, da einerseits dieser Schweregrad im Widerspruch zum nur kurz zuvor im Gutachten und vom Autor selber früher angegebenen Schweregrad stehe und andererseits die Dosierung – bei zu diesem Zeitpunkt unverändert bestehender Diagnose – mit 30
mg zu niedrig sei (S. 12 Mitte Ziff. 7.1). Die erwähnten Berichte belegten deutlich das Vorliegen einer depres
siven Episode, die überwiegend wahrscheinlich ab etwa Ende 2015 bis Frühjahr 2017 gedauert habe. Zumindest ab Ende 2018 gelte die Depression beim Explo
randen als remittiert. Der Schweregrad sei mittelgradig gewesen mit Tendenz zur
Schwergradigkeit
(S. 12 unten Ziff. 7.1).
Der Beschwerdeführer habe angegeben, er könne sich nicht gut konzentrieren. Zumindest im Rahmen des psychiatrischen Teilgutachtens seien aber keine Hin
weise auf Konzentrationsstörungen festzustellen gewesen. Gewisse affektive Schwankungen erschienen glaubhaft dargelegt, erklärten jedoch keine psychia
trische Störung mit eigenem Krankheitswert (S. 13 Ziff. 7.1). Der Explorand sei in der Lage gewesen, trotz seiner Behinderung Ausbildungen zu absolvieren und seiner Arbeit nachzugehen. Dafür, dass er für die Aufgaben überfordert gewesen wäre, gebe es keine klaren Hinweise
.
Seine Ressourcen seien klar positiv
(S. 13 Ziff. 7.4). Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit betrage 100
%
. Von Ende 2015 bis längstens November 2018 dürfte die Arbeitsunfähigkeit bei etwa 60 bis 70
%
gelegen haben, seit November
2018
liege keine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischen Gründen mehr vor (S. 13 Ziff. 8).
4.5
In der
Gesamtbeurteilung (Urk. 6/114/1-19
)
erachteten die
f
allführenden Dr.
R._
und Dr.
S._
den Beschwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit als Kundendienstberater und Filialleiter (körperlich leichte Tätigkeit) aus rheu
matologischer Sicht zu 80
%
arbeitsfähig. Grundsätzlich bestehe volle Arbeits
fähigkeit, aufgrund der
multilokulären
Problematik bestehe aber eine Einschrän
kung von 20
%
mit vermehrtem Pausenbedarf (S. 18 Ziff. 4.7). Auch jede alter
native angepasste Tätigkeit sei im selben Ausmass zumutbar. Nicht zumutbar seien mittelschwere bis schwere körperliche Arbeiten (inklusive Tätigkeit als Automechaniker) sowie vorwiegend feinmanuelle Arbeiten
un
d häufige Tätig
keiten in der Kälte oder verbunden mit Vibrationen (S. 18 Ziff. 4.8).
4.6
Dr. med.
W._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom 20. Dezember 2019 (Urk. 8/11
5
S. 8-10) aus, das MEDAS-Gutachten (vorstehend E. 4.1-5) sei beweiskräftig (S. 8 Mitte). In der bisherigen Tätigkeit als Filialleiter und in einer angepassten Tätigkeit bestehe in psychischer Hinsicht eine 65%ige Arbeitsunfähigkeit (60 bis 70
%
) von Ende 2015 bis längstens November 201
8.
Ab diesem Zeitpunkt liege keine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischen Gründen mehr vor. In somatischer Hinsicht bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 0
%
mit Verminderung des Rendements von 20
%
wegen vermehrten Pausenbedarfs seit 31. Mai 2016 (S. 9 Mitte).
4.7
Die Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin gelangte am 27. Dezember 2019 zum Schluss, eine depressive Episode sei behandelbar und grundsätzlich inva
lidenversicherungsrechtlich nicht relevant. Auch die behandelnden Psychiater seien stets von einer Verbesserung der gesundheitlichen Situation ausgegangen. Dass der RAD-Arzt nun eine Arbeitsunfähigkeit aufliste
, sei nachvollziehbar. Diese sei allerdings für den Entscheid nicht zu berücksichtigen, abzustützen sei nur auf die Angaben aus somatischer Sicht. Bereits vor Ablauf der Wartefrist habe lediglich eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20
%
bestanden (Urk. 8/11
5
S. 10
).
5.
5.1
Das polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 25. November 2019 (E. 4) ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersu
chungen, berück
sich
tigt auch die geklagten Beschwerden, wurde in Kenntnis der
Vorakten
(Anam
nese) abgegeben, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolge
rungen in der Expertise sind begründet. Es ist somit beweiskräfti
g (E. 1.5
), wes
halb grundsätzlich in Übereinstimmung mit der
entsprechenden
Stellungnahme des RAD (E. 4.6) darauf abgestellt werden kann.
Mit der Beschwerdegegnerin (E. 2.3) wurde von den Gutachtern der aktuelle Ge
sundheitszustand vollumfänglich abgeklärt, wobei auch die Missbildungen der Finger und die daraus resultierenden Funktionseinschränkungen der Hände be
rücksichtigt wurden. Es ist daher nich
t ersichtlich, inwiefern der vom
Beschwer
deführer
beantragte Beizug von älteren Akten der Invalidenversicherung – sofern solche effektiv existieren sollten, was von der Beschwerdegegnerin bestritten wird (E. 2.3) -, der Unfallakten aus dem Jahr 2011 betreffend den Bruch des Mittel
handknochens der linken Hand oder des die Sehnenoperation im Jahr 2007 be
treffenden Berichts neue, für die Beur
teilung des vorliegenden Falles entschei
dende Erkenntnisse liefern könnten.
Zu vage ist das Vorbringen des Beschwerde
führers, es könnten sich aus diesen Akten noch weitere, nicht offensichtliche Gesundheitsschäden ergeben (E. 2.2).
Anlässlich der polydisziplinären Begutachtung wurde der Beschwerdeführer so
wohl von einem Rheumatologen als auch von einem Neurologen eingehend unter
sucht, wobei diesen Spezialisten mit der Beschwerdegegnerin (vorstehend E. 2.3) auch diverse Facharztberichte aus dem Bereich Handchirurgie vorlagen (vgl. etwa vorstehend E. 3.4, E. 3.8, E. 3.10, E. 3.12, E. 3.13).
Entgegen dem Beschwerde
führer war die Aktenlage somit keinesfalls mager, weshalb auch der monierte Verzicht auf eine Bildgebung durch den rheumatologischen Teilgutachter nicht zu beanstanden
ist. Den
begutachtenden Spezialisten
ist
zuzutrauen, dass sie eine fundierte Entscheidung darüber zu treffen
vermochten
, ob trotz
der bereits
vor
handenen
umfangreichen
Dokumentation der Beizug eines Handchirurgen not
wendig war oder
eben
nicht. Für
die
fehlende Notwendigkeit eines solchen Bei
zugs
und eine Stabilität der handchirurgischen Situation
spricht klarerweise die Tatsache, dass sich der Beschwerdeführer bereits seit dem 14. Juni 2017 (E. 3.13) nicht mehr zu einem Handchirurgen
und nach 2018 auch nicht mehr in Physio
therapie
begeben hatte
, was
mit dem rheumatologischen Teilgutachter (E. 4.2)
auf einen fehlenden diesbezüglichen Leidensdruck schliessen lässt
.
Mit der Beschwer
degegnerin (E. 2.3) sind sodann allfällige weitere Akten zum Geburtsgebrechen nicht von Bedeutung, nachdem vorliegend eine
Erstzusprache
einer Rente zur Diskussion steht
und der heutige
Gesundheitszustand umfassend abgeklärt wurde.
Welche aktuellen Arztberichte
schliesslich
konkret nicht eingeholt worden
seien
und weshalb diese relevant seien
, führt
e
d
er
Beschwerdeführer
nicht näher aus (E. 2.2), weshalb er diesbezüglich nicht zu hören ist.
Auf weitere Abklärungen ist im Sinne der antizipierten Beweiswürdigung zu verzichten (BGE 122 V 157 E. 1d).
5.2
Einen Widerspruch erblickt der Beschwerdeführer darin, dass der neurologische Teilgutachter
ihn als Filialleiter arbeitsfähig schreibe, obwohl ihm gemäss Belastungsprofil Tastaturschreiben nur in eingeschränktem Rahmen möglich sei. Denn diese Tätigkeit bestehe grossmehrheitlich aus Arbeiten am Computer und damit praktisch ausschliesslich aus Tastaturschreiben (E. 2.2). Dieses vom Be
schwerdeführer nun geltend gemachte Stellenprofil eines Filialleiters lässt sich indes weder mit der Alltagserfahrung noch mit den Akten in Einklang bringen. So hatte der Beschwerdeführer gegenüber dem rheumatologischen Teilgutachter geschildert, die Arbeit als Filialleiter beinhalte so ein bisschen alles: Büro, Kun
dengespräche, Eventplanung, Lagerbewirtschaftung, Lagerarbeiten (E. 4.2). Dies deckt sich mit den Angaben im
Arbeitszeugnis vom 31. Mai 2016
(Urk. 8/2/2), wo ein sehr breites Aufgabengebiet beschrieben wurde, innerhalb welchem viele Tätigkeiten – insbesondere die Führungs- und Organisationsaufgaben
–
weit
gehend auch
ohne Einsatz einer Computertastatur zu bewältigen sind
.
Sein letzter Arbeitgeber erwähnte denn die Handsituation auch nicht als Grund für das Scheiter
n des Beschwerdeführers (E. 3.18
). Selber gab der Beschwer
de
führer gegenüber dem rheumatologischen Teilgutachter an, er könne die Tastatur im Zweifingersystem gut bedienen, er habe hier sein eigenes System entwickelt (E. 4.2). Auch wenn der Beschwerdeführer sie bei seinem Arbeitsversuch im Sommer 2018 nicht benutzen wollte (E. 3.18), existiert sodann grundsätzlich auch Spracherkennungssoftware, die zur Erleichterung der Eingaben am Computer ein
gesetzt werden könnte. Dass Tastaturschreiben nur in eingeschränktem Rahmen
möglich sei, hielt der neurologische Teilgutachter zwar
effektiv
fest. Er berück
sichtigte dies jedoch bei der Bemessung der eingeschränkten Leistungsfähigkeit und hielt explizit fest, der Beschwerdeführer könne eine Arbeitsfähigkeit als Sachbearbeiter bewerkstelligen (E. 4.3).
Die Schlussfolgerung der Gutachter, dass die bisherige Tätigkeit als Filialleiter in somatischer Hinsicht weiterhin zumutbar
sei
, ist
somit
schlüssig. Gleiches gilt für die Einschätzung, dass der Beschwerdeführer angesichts der
multilokulären
Prob
le
matik in seiner Leistungsfähigkeit bei vermehrtem Pausenbedarf um 20
%
eingeschränkt ist.
Daraus resultiert
in der bisherigen und zugleich leidensan
gepassten Tätigkeit als Filialleiter
eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in somatischer Hinsicht.
5.3
Der Umkehrschluss, er sei als Filialleiter arbeitsfähig, weil er 2 Jahre in diesem Beruf gearbeitet habe, sei gemäss dem Beschwerdeführer zynisch angesichts der Tatsache, dass er gerade deshalb in ein Burnout hineingelaufen sei, weil er der Arbeit nicht gewachsen gewesen sei (E. 2.2). Damit schlägt er den Bogen zu
r psy
chiatrischen Seite.
D
ie
psychiatrisch
behandelnden Dr.
F._
und
lic.
phil.
G._
vermuteten eine Kausalverbindung zwischen dem somatischen und dem psychi
schen Gesundheitszustand
(E. 3.2, E. 3.5, E. 3.7)
,
und auch die
psychiatrische
Gut
achterin Dr.
M._
hielt im Februar 2017 fest, das Ausmass der Depression sei immer wieder schwankend und abhängig von den Ergebnissen der Unter
suchungen im Bereich der Hände und dem Erfolg oder Nichterfolg durchgeführter Operationen (E. 3.9).
Hinweise für einen allfälligen diesbezüglichen Kausalzu
sam
menhang bestehen somit, wobei allerdings zu beachten ist, dass sich der psychia
trische MEDAS-Gutachter hierzu nicht explizit äusserte (E. 4.4).
Gewinnen liesse sich für den Beschwerdeführer ohnehin
höchstens
dann etwas, wenn sich belegen liesse, dass eine somatische Überforderung am Arbeitsplatz zu
seinen psychischen Beschwerden geführt hätte. Gegen diese These sprechen je
doch nicht nur das sorgfältig erstellte und oben diskutierte Belastungsprofil (E. 5.2)
, sondern insbesondere auch die Aussagen des damaligen Arbeitgebers: Der Be
schwer
deführer habe eine sehr gute Entwicklung als stellvertretender Filialleiter gezeigt und sei deshalb früh zum Filialleiter befördert worden. Die ihm anver
traute Filiale, welche in sieben Jahren fünf verschiedene Filialleiter gehabt habe, sei aber rückblickend zu schwierig gewesen
für einen Neueinsteiger (E. 3.18
).
Dies legt nahe,
dass
andere Gründe
ausschlaggebend waren für das Scheitern des Beschwerdeführers
als dessen physische
Möglichkeiten
. Letztere erwähnte der Arbeitgeber nicht einmal.
Dr.
F._
und
lic.
phil.
G._
berichteten am 14. März 2016 vielmehr, dass es die seit zirka einem halben Jahr bestehenden psychischen
Probleme seien, die nun auch die Arbeit tangierten (E. 3.2).
Gegenüber Dr.
M._
äusserte der Beschwerdeführer sodann, es hätten ihn die erneut wieder zunehmenden Beschwerden ab zirka 2013/2014, insbesondere im Jahr 2015, im Bereich beider Hände immer mehr verunsichert und nachdenklich ge
macht
. Seine Arbeit habe er sehr gerne gemacht und die rasche Kündigung sei sehr enttäuschend gewesen
(E. 3.9)
.
Die
Zunahme der Beschwerden begann
also schon vor
dem
Stellenantritt
des Beschwerdeführers
als stellvertretender Filial
leit
er im Februar 2014 und hinderte
ihn insbesondere nicht daran, in dieser Funktion
– welche er offenbar sehr gerne ausführte -
eine so gute
Arbeit
zu machen, dass er bald befördert wurde. Der behandelnde Handchirurg Dr.
K._
attestierte denn auch keine Arbeitsunfähigkeit und hielt
am 4. Mai 2017 un
miss
verständlich fest, der Beschwerdeführer sei aus handchirurgischer Sicht ab sofort arbeitsfähig (E. 3.12).
Im Ergebnis spricht also auch mit Blick auf die Vergangenheit kaum etwas dafür, dass der Beschwerdeführer seiner Arbeit als Filialleiter in somatischer Hinsicht nicht gewachsen wäre oder gewesen wäre.
Bezeichnenderweise äusserte er sich gegenüber der Beraterin vo
n
P._
auch so, dass er als Automechaniker nicht mehr arbeiten könne, als Filialleiter hingegen nicht mehr arbeiten
möchte
(E. 3.
18
). Auch gegenüber dem rheumatologischen Teilgutachter konnte er keine eindeutige Begründung angeben, weshalb er nicht mehr im Kundenbera
tungs
dienst arbeiten könne (E. 4.2).
Hätte
es am Tastaturschreiben gelegen, so wäre dieser Grund für ihn
aber
einfach zu benennen gewesen. Relevante diesbezügliche Erschwernisse wurden denn auch im Schreiben vom 22. Dezember 2020 (Urk. 11) keine angegeben, in welchem der Beschwerdeführer über seine im Herbst 2020 neu aufgenommene Tätigkeit als Geschäftsführer der
D._
GmbH informierte.
Der Fokus verschiebt sich somit end
gültig auf die psychische Seite. Auch hier ist zunächst anzumerken, dass ein erlittenes «Burnout» an einer Arbeitsstelle für sich gesehen noch kein Beleg dafür ist, dass die entsprechende Tätigkeit generell unge
eignet wäre.
5.4
Die Beurteilung durch den psychiatrischen MEDAS-Teilgutachter
(E. 4.4)
, wonach
überwiegend wahrscheinlich
von Ende 2015 bis Frühjahr 20
17 eine depressive Episode mit einem zwischen mittel und schwer schwankenden Schweregrad vor
gelegen habe, welche spätestens
Ende
2018 remittiert sei
,
wurde vom RAD-Arzt
(E. 4.6)
und den Parteien
(E. 2.2-3)
grundsätzlich ebenso wenig angezweifelt wie
sein Schluss auf eine Arbeitsunfähigkeit in diesem Zeitraum von etwa
60 bis 70
%
, die der RAD-Arzt mathematisch korrekt in eine durchschnittliche Arbeitsun
fähigkeit von 65
%
umrechnete.
Diese Beurteilung durch med.
pract
.
V._
ist schlüssig und gut nachvoll
zieh
bar. Insbesondere setzte er sich sorgfältig und differenziert mit den in den Akten
liegenden echtzeitlichen Berichten der behandelnden Dr.
F._
und
lic.
phil.
G._
sowie dem im Februar 2017 von Dr.
M._
zuhanden der Krankentag
geld
versicherung erstatteten psychiatrischen Gutachten (E. 3.9) auseinander.
Die von letzterer attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100
%
erachtete er ebenso als nach
voll
ziehbar wie den Schweregrad einer an Intensität schwankenden mittelschwe
ren bis schwere depressive Episode. In Frage stellte er mit guten Argumenten lediglich das Vorliegen einer rezidivierenden depressiven Störung. Diese Frage ist für den Ausgang des vorliegenden Verfahrens nicht entscheidend und kann daher offenbleiben.
Entscheidend ist, dass auch das Gutachten vom Februar 2017
von einer neutralen Fachperson erstellt
wurde
,
deren
sorgfältige
n
Expertise
grundsätzlich ebenfalls voller
Beweiswert
zukommt.
Dr.
M._
attestierte eine aktuelle Arbeitsun
fähigkeit von 100
%
und prognostizierte je nach Verlauf der somatischen Grund
problematik das Erreichen einer vollen Arbeitsfähigkeit in den nächsten 3 bis 6
Monaten aus psychiatrischer Sicht.
Dies sollte sich insofern bewahrheiten, als Dr.
F._
am 20. November 2018 von einer Remission der depressiven Episode berichtete (E. 3.
21
). Im dazwischen
lie
genden Zeitraum
hatte er
am 20. April 2017
(gemeinsam mit
lic.
phil.
G._
)
und am 13. Juli 2017 noch einen unveränderten Gesundheitszustand
attestiert
(E. 3.11 und E. 3.14). Für den Zeitraum vom
13
. Juli 2017 bis zum 20. November 2018 fehlt es somit an einer
echtzeitlichen fachärztlichen
Dokumentation des psychiatrischen Gesundheitszustands, wobei immerhin diverse Berichte von
ver
schiedenen
somatischen
Beschwerden und Untersuchungen im Zeitraum bis zum 13. Dezember
2017 zeugen
(
E. 3.13, E. 3.15, E. 3.16
).
Im Zeitraum vom März bis Juli 2018 wurde sodann
durch die Beschwerdegegnerin
eine Arbeitsvermittlung plus angestrengt, wobei die Beraterin
der
P._
in ihrem Schlussbericht an der effektiven
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zweifelte, nachdem dieser
beim Arbeitsversuch ein Pensum von 50
%
nicht hatte einhalten können (E. 3.
18-19
).
Die Einschätzung durch med.
pract
.
V._
, wonach die Arbeits
un
fähigkeit
von Ende 2015 bis
längstens
November 2018 bei etwa 60 bis 70
%
gelegen habe, trägt
sowohl der zwischen mittel- und schwergradig schwankenden Ausprägung der depressiven Episode als auch
der Ausdünnung der echtzeitlichen psychiatrischen Dokumentation zwischen Frühjahr 2017 und November 2018 Rechnung.
Da vorliegend eine befristete Rente zu prüfen ist (E. 1.4), trifft die Beschwerde
geg
nerin die materielle Beweislast für den Eintritt einer für die Rentenrevision erheblichen Änderung des Gesundheitszustands. Solange eine anspruchser
heb
liche Änderung des Sachverhalts nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, bleibt es nach dem Grundsatz der materiellen Beweislast beim bisherigen Rechtszustand (Urteil des Bundesgerichts 9C_418/2010 vom 29. August 2011). Ob die
Depression
schon vor dem
1
3.
November
2018
, dem Datum der letzten Kontrolle bei
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.21),
remit
tierte
und
wann genau dies
gegebenenfalls passierte
,
wird von der Beschwerdegegnerin nicht behauptet und
lässt sich
im Nachhinein
nicht
mehr
erheben, weshalb
aufgrund der genannten Beweislastverteilung
im Weiteren davon auszugehen ist, dass erst
im November 2018
eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustands mit Wiederer
lan
gen einer vollständigen Arbeitsfähigkeit erreicht wurde. Für den Zeitraum von Ende 2015 bis zum
13
. November 2018 bestand
demnach
eine Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen
und zugleich leidensangepassten
Tätigkeit
als Filialleiter
von 60-70
%
, welche in Übereinstimmung mit der korrekten Berechnung durch den RAD-Arzt (E. 4.6) auf 65
%
zu fixieren ist.
Ab dem
13
. November 2018 bestand
gestützt auf das beweiskräftige psychiatrische Teilgutachten
aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
.
5.5
Ein strukturiertes Beweisverfahren ist nicht notwendig, da zum
heutigen
Zeit
punkt keine
relevanten
psychiatrischen Befunde oder Diagnosen mehr vorliegen. Un
geeignet ist es sodann,
weil in der Vergangenheit liegende Sachverhalte zu beurteilen sind. Diesbezüglich liegen im Wesentlichen übereinstimmende fach
ärzt
liche beweiswertige Einschätzungen hinsichtlich Diagnose und funktioneller Auswirkungen vor.
Gründe, von diesen abzuweichen, sind keine ersichtlich.
Von einem strukturierten Beweisverfahren kann deshalb abgesehen werden (E. 1.3).
Nicht nachvollziehbar ist die Argumentation der Beschwerdegegnerin, wonach eine depressive Episode behandelbar und invalidenversicherungsrechtlich irrele
vant sei, weshalb nur auf die Angaben aus somatischer Sicht abzustellen sei (E. 2.1; E. 4.7).
Sie begründet
e
dies nicht näher, stützt
e
sich dabei aber wohl irrigerweise auf eine
bereits seit
längerer Zeit
(genauer: seit 30. November 2017)
geänderte
Rechtsprechung des Bundesgerichts (vgl. BGE 143 V 409).
5.6
Zusammengefasst ist nach dem Gesagten erstellt, dass der Beschwerdeführer in der bisherigen
und zugleich leidensangepassten
Tätigkeit
als Filialleiter
von Ende 2015 bis zum
13
. November 2018 über eine Arbeitsfähigkeit von 35
%
verfügte und seit
her ü
ber eine solche von 80
%
verfügt.
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
6.
2
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so
muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungs
werten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozent
zahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbsein
kommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invaliden
einkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad
ergibt (sog. Prozentver
gleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen
sich nicht hinreichend genau oder nur mit
unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat.
6.3
Die bisherige Tätigkeit des Beschwerdeführers als Filialleiter entspricht auch einer
leidens
angepassten Tätigkeit, wobei eine prozentuale Einschränkung der Arbeits
fähig
keit besteht.
Nachgegangen ist er seit der
Beendigung des letzten Arbeitsver
hältnisses Ende Mai
2016 keiner entlohnten Arbeit mehr.
Es
erscheint
daher
als angemessen
,
ein
en
Prozentvergleich
(vgl. E. 6.2)
anzustellen, wobei der
Invalidi
täts
grad der Arbeitsunfähigkeit
entspricht.
De
r
Invaliditätsgrad
beträgt somit 65
%
für den Zeitraum von Ende 2015 bis zum
13
. November 2018 und seither 20
%
(vgl. E. 5.6)
6.
4
Ein Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruches. Die IV-An
meldung ging am 28. Juli 2016 bei der Beschwerdegegnerin ein (Urk. 8/3 sowie Aktenver
zeichnis zu Urk. 8). Ein Rentenanspruch besteht somit ab dem 1. Januar 2017, nachdem auch die Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG zu diesem Zeitpunkt abgelaufen war.
Der Beschwerdeführer hat demnach Anspruch auf eine befristete
Dreiviertelsrente
ab 1. Januar 2017.
Gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV ist eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berück
sichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird.
Nach der bundesgerichtlichen Praxis zu Art. 88a Abs. 1 IVV ist eine Leistungs
anpassung in der Regel erst nach Ablauf von drei Monaten seit dem Eintritt der Änderung vorzunehmen (vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5.3; vgl. ZAK 1984 S. 134; vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_32/2015 vom 10. September 2015 E. 4.1 und I 583/05 vom 15. März 2006 E. 2.3.2 je mit Hinweisen).
Nachdem die Verbesserung des Gesundheitszustands
i
m November 2018 eintrat
(vorstehend E. 5.4), besteht ein Anspruch des Beschwerdeführers auf eine be
fristete
Dreiviertelsrente
bis zum 28. Februar 2019.
6.
5
In teilweiser Gut
heissung der Beschwerde ist daher die
angefochtene Verfügung
vom 2. Juni 2020 mit der Feststellung aufzuheben,
dass
der Beschwerdeführer für
den Zeitraum vom 1. Januar 2017 bis zum 28. Februar 2019
Anspruch auf eine
befristete
Dreiviertelsrente
hat.
Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
.
7.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat der obsiegende Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Unter Berücksichtigung der genannten Kriterien ist die Prozessentschäd
igung ermessensweise auf Fr. 2'8
00.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss ist die Beschwer
de
gegnerin folglich zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine Prozessent
schä
di
gung in der Höh
e von Fr. 2’8
00.-- zu bezahlen.