Decision ID: 183e6477-9367-4f6e-bc4e-ef398bc72297
Year: 2007
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 06.09.2007 Art. 28 Abs. 1 IVG. Bemessung des IV-Grads. Beweisrechtliche Anforderungen an medizinische Gutachten. Für das Gericht massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der Verfügung der IV-Stelle (resp. vorliegend bis zum Erlass des nach altem Recht ergangenen Einspracheentscheids) zugetragen hat. Eine behauptete, nach Ansicht eines Psychiaters aufgrund des rentenverneinenden Einspracheentscheids sich allenfalls einstellende psychische Fehlentwicklung bei einem Versicherten ist höchstens Grund für eine Neuanmeldung, rechtfertigt aber keine medizinische Oberbegutachtung im die Rechtmässigkeit des Einspracheentscheids überprüfenden Gerichtsverfahren (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 6. September 2007, IV 2006/19).
Vizepräsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterin Lisbeth Mattle Frei,
Versicherungsrichter Franz Schlauri; Gerichtsschreiberin Miriam Lendfers
Entscheid vom 6. September 2007
In Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Eliano Mussato, Bellevuestrasse 1b, Postfach,
9401 Rorschach,
gegen
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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente

hat das Versicherungsgericht in Erwägung gezogen:
I.
A.- a) A._, Jahrgang 1953, meldete sich im März 1999 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an und beantragte Umschulung und Rente (IV-act. 89). Vom
14. August bis 8. September 2000 fand in der Abklärungs- und Ausbildungsstätte B._
in C._ eine berufliche Abklärung statt. Unter Berücksichtigung der medizinischen
Situation und der Abklärungsresultate sollte demgemäss längerfristig in optimal
adaptierter Tätigkeit ein zeitlich uneingeschränkter Arbeitseinsatz möglich sein (IV-act.
46). Gestützt auf ein polydisziplinäres medizinisches Gutachten von der Medizinischen
Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz vom 25. März 2002 (IV-act. 64) wies die IV-Stelle
mit Verfügung vom 24. Juni 2002 das Rentengesuch bei einem IV-Grad von 18% ab
(IV-act. 68). Die zuständige IV-Berufsberaterin hatte in ihrem Schlussbericht vom 29.
April 2002 festgehalten, aktuell seien weitere berufliche Massnahmen nicht
durchführbar. Der Versicherte vertrete den Standpunkt, er sei nicht arbeitsfähig (IV-act.
65).
b) Mit Schreiben vom 5. November 2002 machte der Allgemeinmediziner Dr. med.
D._ geltend, die Arbeitsfähigkeit des Versicherten habe sich deutlich verschlechtert
und betrage höchstens noch 50% (IV-act. 75). Die IV-Stelle trat mit Verfügung vom 19.
Februar 2003 auf das neue Leistungsbegehren mangels neuer geltend gemachter
Tatsachen nicht ein (IV-act. 80). Die daraufhin von Rechtsanwalt lic. iur. Eliano Mussato
erhobene Einsprache wies der Rechtsdienst der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen (SVA) mit Entscheid vom 14. Juli 2003 ab (IV-act. 90).
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c) Dr. D._ bat die IV-Stelle mit Schreiben vom 18. April 2005 um Einleitung eines
Rentenrevisionsverfahrens, da der Versicherte aufgrund einer Verschlechterung seines
Gesundheitszustands eine Zunahme seines IV-Grads geltend mache (IV-act. 92). Auf
entsprechende Aufforderung hin reichte der Versicherte am 3. Mai 2005 selbst ein
Gesuch um Rentenprüfung ein (IV-act. 94). Die IV-Stelle gab daraufhin eine
Begutachtung bei Dr. med. B._, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie
FMH, in Auftrag. In seinem Gutachten vom 21. Juli 2005 diagnostizierte Dr. E._
chronische Polyarthralgien und wies auf ein chronisches cervikobrachiales
Beschwerdebild wechselnden Ausmasses bei nachgewiesenen degenerativen
Veränderungen der HWS mit zeitweiligen sensiblen Nervenwurzelreizungen C8 hin. Er
erachtete den Versicherten in der früher ausgeführten Tätigkeit als Kellner oder Koch
aus rheumatologischen Gründen nicht mehr ausreichend einsetzbar. Unter Einhaltung
von kurzen Arbeitspausen sei er jedoch für leichte, teilweise sitzend ausübbare
Tätigkeit ohne starke Belastung des Stammskeletts und ohne extremen
Feinmotorikanspruch der Hände mindestens zu 80% einsetzbar (IV-act. 101). Die IV-
Stelle wies gestützt auf dieses Gutachten einen Anspruch auf eine IV-Rente mit
Verfügung vom 5. August 2005 erneut ab, wobei sie auf einen IV-Grad von 35%
abstellte (IV-act. 104). Dagegen erhob der Rechtsvertreter des Versicherten am 13.
September 2005 Einsprache und beantragte die Zusprache von mindestens einer
Dreiviertelsrente. Er reichte Arztberichte von Dr. med. F._, Fachärztin für Innere
Medizin und Rheumatologie FMH, vom 31. März 2005 und von Dr. med. G._,
Facharzt für Radiologie FMH, vom 17. März 2005 ein (IV-act. 109 f.). Mit Schreiben vom
28. Oktober 2005 reichte der Rechtsvertreter einen Bericht von Dr. F._ vom 26.
Oktober 2005 nach (IV-act. 112 f.).
d) Mit Entscheid vom 15. Dezember 2005 wies der Rechtsdienst der SVA die
Einsprache ab. Das Gutachten von Dr. E._ sei in Kenntnis des Berichts von Dr. F._
vom 31. März 2005 ergangen. Wie der zuständige Arzt des IV-internen Regionalen
Ärztlichen Dienstes (RAD) am 21. November 2005 bestätigt habe, sei das Gutachten
von Dr. E._, umfassend und die Arbeitsfähigkeit sei nachvollziehbar begründet
worden. Es entspreche den Anforderungen der Rechtsprechung (act. G 1.1).
B.- a) Der Rechtsvertreter des Versicherten erhob am 31. Januar 2006 Beschwerde
gegen diesen Entscheid. Er beantragt dessen Aufhebung. Dem Beschwerdeführer sei
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mindestens eine Dreiviertelsrente zuzusprechen. Prozessual beantragte er eine
Sistierung des Verfahrens bis zum Vorliegen eines Privatgutachtens, alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1).
b) Die zuständige Verfahrensleitung sistierte das Verfahren am 1. Februar 2006 (act. G
2). Am 28. August 2006 ersuchte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers um
Verlängerung der Sistierung und teilte dem Gericht mit, die X._ AG in Y._ sei mit
einer Privatbegutachtung beauftragt worden (act. G 3). Die Verfahrensleitung
verlängerte die Sistierung am 29. August 2006 und auf erneuten Antrag vom 29.
Dezember 2006 nochmals am 3. Januar 2007 (act. G 4, 5 und 6).
c) In der Beschwerdeergänzung vom 26. April 2007 beantragt der Rechtsvertreter die
Zusprache einer vollen IV-Rente. Eventualiter sei ein Obergutachten anzuordnen oder
die Angelegenheit zur Durchführung einer Oberbegutachtung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Das
vom Beschwerdeführer privat in Auftrag gegebene Gutachten habe die Beurteilung von
Dr. E._ weitgehend bestätigt und sei bezüglich somatischer Beschwerden ebenfalls
von einer Leistungsminderung von 20-25% in einer angepassten Tätigkeit
ausgegangen. Entsprechend sei aktuell von einem gefestigten IV-Grad von 35%
auszugehen. Im letzten Jahr habe Dr. H._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, jedoch eine psychische Störung entdeckt und diagnostiziert. Er
komme in seinem Gutachten vom 22. Mai 2006 zur Beurteilung, die psychische
Reaktion auf die gesamthaft missliche Situation entspreche einer mittelgradigen
Depression, die therapieresistent sein dürfte. Am 8. Au¬gust 2006 habe Dr. H._ dem
Beschwerdeführer aus gesamtmedizinischer Sicht eine vollumfängliche
Arbeitsunfähigkeit attestiert. Somit sei dem Beschwerdeführer eine volle IV-Rente
zuzusprechen (act. G 11).
d) Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom 23. Mai 2007
die Abweisung der Beschwerde. Der Einspracheentscheid sei am 15. Dezember 2005
erlassen worden. Die Einschätzung von Dr. H._ datiere vom 22. Mai 2006.
Massgebend sei der Sachverhalt bis zum Erlass des Einspracheentscheids. Dr. H._
hätte zudem nur zur Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht Stellung nehmen
müssen. Sollte das Gericht die geltend gemachten psychischen Beschwerden
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berücksichtigen, so sei die Einschätzung von Dr. H._ als zu hoch einzustufen. Der
Psychiater beschreibe denn auch nicht im Einzelnen, weswegen der Beschwerdeführer
aufgrund seiner mittelgradigen depressiven Episode nicht mehr arbeiten können sollte
(act. G 13).
e) Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hält in der Replik vom 21. Juni 2007 an
seinen Anträgen fest. Keinem der von der Beschwerdegegnerin beauftragten
Spezialisten sei auch nur ansatzweise aufgefallen, dass der medizinische
Gesamtzustand des Beschwerdeführers eine psychische Krankheitskomponente haben
könnte. Die fehlende Kompetenz der IV-Ärzte dürfe sich nun aber nicht gegen den
Beschwerdeführer auswirken. Es gehe nicht an, mit prozessualen Einwänden Fehler
bzw. Unterlassungen der IV-Ärzte in der medizinischen Gesamtbeurteilung zu
vertuschen. Nicht der Beschwerdeführer, sondern die Beschwerdegegnerin habe zu
verantworten, dass die psychische Komponente im erstinstanzlichen wie im
Einspracheverfahren ausser Acht geblieben sei (act. G 19).
f) Die Beschwerdegegnerin hält am 30. Juni 2007 an ihrem Antrag vollumfänglich fest
und verweist auf die Ausführungen in der Beschwerdeantwort und im
Einspracheentscheid (act. G 21).
g) Mit Schreiben vom 14. August 2007 forderte die Verfahrensleitung den
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers auf, das Privatgutachten der X._ AG sowie
eine vom Rechtsvertreter in seinem Schreiben vom 29. Dezember 2006 erwähnte, von
ihm offenbar angeforderte Ergänzung einzureichen (act. G 23). Der Rechtsvertreter
teilte dem Gericht mit Schreiben vom 17. August 2007 mit, das Privatgutachten
bestätige die Haltung der Vorinstanz, wonach in somatischer Hinsicht keine
rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit bestehe. Stütze das Privatgutachten den
Standpunkt des Beschwerdeführers aber nicht, so sei es dem Gericht auch nicht
einzureichen. Eine Ergänzung zum Privatgutachten sei nie verlangt worden. Insofern sei
das Schreiben vom 29. Dezember 2006 missverständlich formuliert (act. G 24). Die
Verfahrensleitung stellte der Beschwerdegegnerin das Schreiben des Rechtsvertreters
des Beschwerdeführers vom 17. August 2007 zur Kenntnis zu.
II.
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1.- Der Beschwerdeführer beantragte in seiner Anmeldung zum Leistungsbezug vom
März 1999 neben einer Rente auch eine Umschulung (IV-act. 89). Die Frage der
beruflichen Wiedereingliederung ist grundsätzlich stets vor der Rentenfrage zu prüfen.
Nach einer beruflichen durch die B._-Abklärung im August und September 2000
sollte ein Arbeitstraining stattfinden, das der Beschwerdeführer jedoch nicht antrat
(Verlaufsprotokoll der Berufsberaterin vom 7. Mai 2001, IV-act. 57-3). Der
Beschwerdeführer vertrat jeweils den Standpunkt, er sei nicht arbeitsfähig. Die IV-
Berufsberaterin schloss den Fall deswegen am 29. April 2002 ab (IV-act. 65). Über den
Anspruch auf berufliche Massnahmen wurde zwar offenbar nicht förmlich verfügt. Da
der Beschwerdeführer sich aber seit Jahren subjektiv voll arbeitsunfähig fühlt und
wiederholt nur ein Rentenrevisionsverfahren angestrebt hat, erscheinen berufliche
Eingliederungsmassnahmen tatsächlich nicht angezeigt. Im vorliegenden Verfahren
strittig und zu prüfen ist jedenfalls einzig die Rentenfrage.
2.- a) Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht der
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn der Versicherte mindestens zu 70%,
derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn er wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein
Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente (Art. 28 Abs. 1 IVG).
b) Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 Erw. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
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eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a). Was Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt
der Umstand allein, dass eine ärztliche Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in
das Verfahren eingebracht wird, nicht Zweifel an ihrem Beweiswert (ZAK 1986 S. 189
Erw. 2a in fine, BGE 122 V 161 Erw. 1c).
3.- Betreffend die somatischen Beschwerden wird der Beweiswert des Gutachtens von
Dr. E._ vom 21. Juli 2005 vom Beschwerdeführer nicht länger bestritten, nachdem
auch das von ihm eingeholte Privatgutachten angeblich dieselbe Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit enthielt. Dr. E._ weist im Gutachten auf die seit 1994 bestehenden
Polyarthralgien hin. Er berichtet von einem aktuell schwach positiven Rheumafaktor
ohne entzündliche Zeichen bei fehlenden Synovitiden unter Therapie, interpretiert als
wenig aktive seropositive Polyarthritis ohne Entwicklung von Destruktionen. Weiter
verweist er auf eine cervikale degenerative Osteochondrose C4/5, C5/6 und C6/7 ossär
mit Spondylose und Unkarthrosen mit leichter Einengung foraminal C4/5 und C5/6. Im
Segment C4/5 bestehe zusätzlich zur Osteochondrose eine breitbasig flache,
linksbetonte Bandscheibenprotrusion oder Hernie mit dadurch leichter Einengung des
Foramens links. Im Segment C4/5 existiere eine leichte, 2 mm Bandscheibenprotrusion
breitbasig rechts foraminal reichend. Weiter berichtet er von einem chronischen, derzeit
wenig ausgeprägten cervikalen Schmerzsyndrom und einer nicht gesicherten
Fibromyalgie mit inkonstant positiven Tenderpoints schultergürtelbetont. Gegenüber
der MEDAS-Untersuchung aus dem Jahr 2001 kann er keine eindeutige
Verschlechterung feststellen. Aus rheumatologischen Gründen sei der
Beschwerdeführer als Kellner und Koch nicht mehr ausreichend einsetzbar. Für
überwiegend sitzend ausübbare Tätigkeit mit der Möglichkeit zur Wechselhaltung,
eingestreuten kurzen Arbeitspausen (maximal zehn Minuten) bis viermal täglich ohne
starke Belastung der Hand- und Fingergelenke unter Beachtung eines reduzierten
Lastenhebevermögens von fünf Kilogramm Tischhöhe und drei Kilogramm
Schulterhöhe bestehe eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 80%. Bei angepasster
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Tätigkeit sollte nach Dr. E._ eine ausreichende Leistungsfähigkeit erreicht werden.
Aufgrund des bisher milden, wenig progredienten Verlaufs bei nach wie vor fehlenden
radiologischen arthritischen Veränderungen könne für den Bereich der Polyarthritis von
einer relativ günstigen Prognose ausgegangen werden. Die vermutlich langdauernd
vorbestandenen degenerativen Veränderungen insbesondere der HWS würden die
Belastbarkeit einschränken, dürften sich jedoch voraussichtlich mittelfristig nicht stark
verschlechtern (IV-act. 101). Wie der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
unterdessen selbst anerkennt, erfüllt das Gutachten E._ sämtliche von der
Rechtsprechung entwickelten Kriterien betreffend den Beweiswert von Gutachten.
Insbesondere ist es nachvollziehbar, wurde in Kenntnis der Vorakten abgegeben,
leuchtet in seinen Schlussfolgerungen ein und wirkt schlüssig.
4.- a) Das vom Beschwerdeführer eingeholte Privatgutachten der X._ AG ist offenbar
nicht zu einer anderen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gekommen, was der
Rechtsvertreter selbst einräumt und das Gutachten daher dem Gericht auch nicht
eingereicht hat. Stattdessen legte er zwei Berichte des Psychiaters Dr. H._ vor. Am
22. Mai 2006 hatte dieser die Diagnose der mittelgradigen depressiven Episode
gestellt. Nach der enttäuschenden und auch verletzenden rheumatologischen
Untersuchung in Y._ habe der Beschwerdeführer ein halbes Jahr lang oft ungehalten
reagiert, irritiert, was gar nicht seinem sonst ruhigen Charakter entspreche. Aufgrund
der eigentlich dramatischen Geschichte stehe man vor einer psychischen Reaktion, die
das gesamte Krankheitsbild schwer belaste. Die Phase von Irritation sei vorbei. Aktuell
und drückend seien die Enttäuschungen und seelischen Verletzungen, die bis zum
Lebensverleider reichen könnten. Die psychische Reaktion würde etwa auf
antidepressive Medikation erfahrungsgemäss nicht bessern. Wenn die psychischen
Belastungen blieben, sei von Medikamenten wohl nicht viel zu erwarten. Die
diagnostizierte depressive Episode dürfte, weil exogen, therapieresistent sein. Nichts
spreche für Elemente der Simulation oder Aggravation (act. G 11.2). Am 8. August 2006
konkretisierte Dr. H._ auf Wunsch des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers,
letzterer sei nicht mehr vermittlungsfähig. Körperliche Gebrechen und psychische
Reaktion hätten, wie leider so häufig, zu einem Schneeball von Schwierigkeiten geführt.
Die moderne Pathologie spreche heute von einer "Symptomausweitung". Aus seiner
Sicht bestehe beim Beschwerdeführer aus gesamtmedizinischer Sicht eine
vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit (act. G 11.1).
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b) Im Rahmen der MEDAS-Abklärung war im November 2001 beim Psychiater Dr. med.
I._ ein psychiatrisches Consilium eingeholt worden. Dieser konnte keine psychische
Störung feststellen. Alle Fragen, die insbesondere affektive und neurotische Störungen
nachweisen sollten, habe der Beschwerdeführer verneinend beantwortet, stets
betonend, dass er psychisch stabil und ausgeglichen sei. Er habe erklärt, sich seelisch
wohlzufühlen und eher eine fröhliche Natur zu haben (IV-act. 62). Dr. E._ hielt in
seinem Gutachten vom 21. Juli 2005 fest, es liege keine die Arbeitsfähigkeit zusätzlich
einschränkende Depression vor (IV-act. 101-10). Psychisch, geistig und sozial bestehe
keine relevante Beeinträchtigung (S. 11 des Gutachtens). Weder der Hausarzt noch
sonst einer der behandelnden Ärzte noch Dr. E._ konnten vor dem ablehnenden
Rentenentscheid der Beschwerdegegnerin im August 2005 Hinweise auf eine
psychische Erkrankung feststellen. Der Beschwerdeführer selbst hatte bis zu jenem
Zeitpunkt niemals eine psychische Beeinträchtigung beklagt.
c) Die Berichte von Dr. H._ geben keine Anhaltspunkte dafür, dass im Zeitpunkt des
ablehnenden Rentenentscheids im August 2005 resp. des Einspracheentscheids vom
15. Dezember 2005 eine invalidisierende psychiatrische Erkrankung bestanden haben
könnte. Vielmehr weist der Psychiater, der den Beschwerdeführer im Mai 2006
erstmals zwecks einer konsiliarischen Untersuchung sah, auf die Enttäuschungen und
seelischen Verletzungen hin, die der Beschwerdeführer namentlich durch das Ergebnis
der rheumatologischen Begutachtung und die darauffolgende ablehnende
Rentenverfügung im August 2005 erlitten haben will. Als Reaktion darauf habe er ein
halbes Jahr lang oft ungehalten und irritiert reagiert. Diese Phase sei nun vorbei. Dr.
H._ schliesst allein auf Grund dieser anamnestischen Angaben des
Beschwerdeführers auf eine mittelgradige depressive Episode, die als psychische
Reaktion auf die Belastungen zu verstehen sei. Diese Einschätzung gibt allerdings noch
keinen Anlass, eine psychische Störung von Krankheitswert beim Beschwerdeführer zu
vermuten. Ebenso wenig vermag die Beurteilung von Dr. H._ an der
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E._ Zweifel auszulösen. Im Rahmen dieses
Verfahrens kann alsdann – wie die Beschwerdegegnerin zutreffend ausführt –
grundsätzlich nur der bis zum Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheids
eingetretene Sachverhalt beurteilt werden (BGE 129 V 4 Erw. 1.2, 129 V 169 Erw. 1,
129 V 356 Erw. 1, je mit Hinweis). Entgegen der vom Beschwerdeführer in der Replik
geäusserten Ansicht sind keine Hinweise darauf ersichtlich, dass die
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Beschwerdegegnerin im Rahmen ihrer Abklärungen vor Erlass des
Einspracheentscheids ihre Untersuchungspflicht verletzt hätte, indem sie auf eine
psychiatrische Begutachtung verzichtete. Der gesamten Aktenlage lassen sich keine
Hinweise darauf entnehmen, dass der Beschwerdeführer im Dezember 2005 an einer
die Rentenfrage möglicherweise beeinflussenden psychischen Erkrankung gelitten
haben könnte. Selbst Dr. H._ behauptet dies nicht. Eine allfällige aufgrund des
abweisenden Rentenentscheids sich einstellende psychische Fehlentwicklung des
Beschwerdeführers, die ein invalidisierendes Ausmass erreichen sollte, wäre im
Rahmen einer Neuanmeldung geltend zu machen.
5.- a) Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung
des Einspracheentscheids vom 15. Dezember 2005 abzuweisen.
b) Gemäss den Schlussbestimmungen des IVG zur Änderung vom 16. Dezember 2005,
in Kraft seit 1. Juli 2006, gilt für die am 1. Juli 2006 beim kantonalen
Versicherungsgericht hängigen Beschwerden das bisherige Recht (lit. c der
Schlussbestimmungen). Somit gelangt Art. 69 Abs. 1bis IVG zur Kostenpflicht von
Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen im
kantonalen Gerichtsverfahren nicht zur Anwendung. Gerichtskosten sind somit keine zu
erheben.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG