Decision ID: 6fe2187b-75fa-49ab-8c88-5b2fb1592011
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1967,
meldete sich a
m 23. Oktober
2015 bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/11, vgl. Urk. 7/21). Die Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizini
sche und erwerbliche Situation ab und verneinte nach durchgeführtem Vorbe
scheid
ver
fahren (Urk. 7/33 = 7/41, Urk. 7/43, Urk. 7/46/2-3, Urk. 7/59) mit Verfügung vom 11. Januar 2017 einen Anspruch auf Leistungen der Invaliden
versicherung (Urk. 7/67 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 13. Februar 2017
Beschwerde
gegen die Verfügung vom 11. Januar 2017 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ein polydisziplinäres Gutachten mit den Disziplinen Wirbelsäulenchirurgie, Rheumatologie, Angiologie, Endokrinologie und Psychiatrie zu veranlassen (Urk. 1 S. 2 Ziff. 2-3). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 13. März 2017 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 11. Mai 2017 (Urk. 8) wurden antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2 Ziff. 1) die unent
geltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und der Beschwerde
führerin die Beschwerdeantwort zugestellt.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
hal
ten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
tels
rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspruches als auch anlässlich einer Rentenrevision (
Art.
17
Abs.
1 ATSG) stellt sich unter dem Ge
sichts
punkt des
Art.
28a
Abs.
3 IVG in Verbindung mit
Art.
16 und 7
Abs.
2 ATSG die Frage nach der anwendbaren Invaliditätsbemessungsmethode.
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nicht
erwerbstätig einzustufen ist, führt je zur Anwendung einer anderen Me
tho
de der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, Betätigungsvergleich, ge
misch
te Methode) und ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Üb
rigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchti
gung bestünde. Entscheidend ist nicht, welches
Ausmass der Erwerbstätigkeit der ver
sicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch, das heisst ohne Gesundheitsschaden,
aber bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig wäre (Art. 27
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV). Die gemischte Methode bezweckt damit eine möglichst wirklichkeitsgerechte Bemessung des Invaliditätsgrades (BGE 133 V 504 E. 3.3 mit Hinweisen).
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben. Dabei sind die kon
krete Situation und die Vorbringen der versicherten Person nach Massgabe der all
gemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Für die hypothetische Annahme ei
ner im
Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit ist der im Sozialversi
che
rungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erfor
der
lich (
BGE 137 V 334
E. 3.2,
130 V 393
E. 3.3,
125 V 146
E. 2c, je mit Hin
weisen).
Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen (vgl.
Art.
27 IVV) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie all
fällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigun
gen und Begabungen zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 9C_915/2012 vom 1
5.
Mai 2013 mit Hinweisen auf BGE 133 V 504 E. 3.3).
1.4
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heits
wert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung
al
len guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psy
chiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar
201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom
30. Novem
ber 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbs
fähigkeit unabhängig
von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
lo
gie aus
gewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versi
cherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-prak
tisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundes
gerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sach
entscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
IVV
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsan
spruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizini
schen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des
Bundes
amtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärzt
lich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober
2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden ha
ben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere An
sicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG be
treffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) ab
ge
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfol
gerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober
2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.
7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren über
haupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheid
relevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
1.8
Für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung oder des Einspracheentscheides ist für das Sozialversicherungsgericht in der Regel der
Sach
verhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwal
tungsaktes gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert ha
ben, sollen im Normalfall
Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bil
den (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). Sie können indessen, unter Wahrung des rechtlichen Gehörs, berücksichtigt werden, wenn sie kurze Zeit nach dem Erlass des angefochtenen Entscheids eingetreten sind, sich ihre Beachtung aus prozess
ökonomischen Gründen unbedingt aufdrängt und sie hinreichend klar feststehen (BGE 105 V 156 E. 2d; ZAK 1984 S. 349 E. 1b). Dies ist der Fall, wenn sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Entscheiderlasses zu beeinflus
sen (BGE 99 V 98 E. 4 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in ihrer angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass die Abklärungen keine gesundheitlichen Ein
schränkungen ergeben hätten, die eine voraussichtliche bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit begründen könnten. Beruf
liche Massnahmen oder eine Rente könnten somit nicht zuge
sprochen werden (S. 2 oben).
2.2
Die Beschwerdegegnerin vertrat demgegenüber aus näher genannten Gründen den Standpunkt (Urk. 1), dass nicht auf die Beurteilung des
RAD
abgestellt wer
den könne (S. 7 ff. Rz 10-13
)
. Der medizinische Sachverhalt sei erhoben, was fehle, sei eine polydisziplinäre Beurteilung der Leistungseinschränkung, weshalb ein polydisziplinäres Gutachten einzuholen sei (S. 10 Rz 14).
2.3
Streitig und zu prüfen
sind
die Arbeitsfähigkeit und der Invaliditätsgrad der Be
schwerdeführerin sowie ein allfälliger Rentenanspruch.
3.
3.1
Dr. med.
Y._
, Facharzt für Neurologie, nannte in seinem Bericht vom 29. Mai 2015 (Urk. 7/31) die folgenden Diagnosen (S. 1 Mitte):
-
Armparese rechts wahrscheinlich zerebrovaskulärer Genese, bei 40 % Ab
gangsstenose der Arteria carotis interna links
-
residuelle, periphere Fazialisparese rechts
Dr.
Y._
führte aus, dass die Anamnese aus sprachlichen Gründen nur unge
nau erhoben worden sei (S. 1 Mitte). Die neurologischen Ausfälle auf der rech
ten Seite
bestünden einerseits aus einer peripheren Fazialisparese rechts, offen
bar vor zirka acht Jahren aufgetreten, und einer leichten Armschwäche rechts, aufgetreten vor vier Wochen, mit bis heute nur teilweiser Rückbildung (S. 2 unten).
3.2
Dr. med.
Z._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für
Endokrinologie-Diabetologie, nannte in ihrem undatierten, bei der Beschwerde
gegnerin am 25. November 2015 eingegangen Bericht (Urk. 7/23) keine Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, diagnostizierte jedoch einen Di
abetes mellitus Typ 2
(Erstdiagnose nicht eruierbar, Verdacht auf 2003) ohne Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1). Die Beschwerdeführerin sei mit einer schlechten Compliance und einer schlechten Blutzuckereinstellung zu ihr geschickt worden. Die Beschwerdeführerin nehme sehr hohe Insulindosen und eine Anamnese sei fast unmöglich, es herrsche ein absolutes Chaos. Die Insulin
dosen müssten unbedingt besser eingestellt werden, ansonsten seien Spätfolgen möglich (Ziff. 1.4). Die Arbeitsfähigkeit sei nicht beurteilbar (Ziff. 1.6-1.7).
3.3
Dr. med.
A._
, Hausärztin der Beschwerdeführerin (vgl. Urk. 1 S. 3 Rz 6)
,
führte in ihrem Bericht vom 1. Dezember 2015 (Urk. 7/25) aus, dass sie die Beschwerdeführerin seit Mai 2015 ambulant behandle (Ziff. 1.2), und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
Diabetes mellitus insulinpflichtig, seit 2003
-
Armparese (Lähmung) rechts, zerebrovaskulärer Genese
-
40 % Abgangsstenose Arteria carotis interna links
-
Fazialisparese rechts sehr schwer
-
Sarkoidose seit 2009
-
Oligoarthritis
-
Lymphadenopathie
-
lymphozytäre Alveolitis
-
reaktive Depression
-
Osteomalazie, Osteoporose seit 2002
-
polyzistische Ovarien
-
arterielle Hypertonie
-
Adipositas permagna
-
Metforminunverträglichkeit
-
Insulinresistenz
Die Beschwerdeführerin werde aufgrund ihres Aussehens (Fazialisparese, schwerste Adipositas) abgelehnt, was zu einer reaktiven Depression geführt habe. Die Prognose sei eher verschlechternd (Ziff. 1.4). Aktuell bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, die Beschwerdeführerin habe jedoch noch nie ge
arbeitet (Ziff. 1.6).
3.4
Die RAD-Ärztin med. pract.
B._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Prävention und Gesundheitswesen, führte in ihrer Stellung
nahme vom 27. Januar 2016 (Urk. 7/32/3-4) aus, dass in Bezug auf die bishe
rige Tätigkeit als Hausfrau alltagsrelevante Verrichtungen leicht eingeschränkt mög
lich seien, Angaben der behandelnden Ärzte zum Leistungsvermögen und zu den Einschränkungen würden jedoch fehlen. Zudem führte die RAD-Ärztin aus, dass der Diabetes mellitus eine regelmässige Stoffwechselüberwachung er
for
dere und eine Blutzuckermessung/Insulinabgabe erforderlich sei. Eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit resultiere hieraus nicht. Die Fazialisparese habe ebenfalls keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Gleiches gelte für die Oste
oporose,
die
Sarkoidose,
die
Oligoarthrose und
die
Adipositas permagna. Durch diese Diagnosen würden Abweichungen vom Sollzustand beschrieben, welche nicht invaliditätsrelevant seien. Im Übrigen würden Beschreibungen der aus diesen Diagnosen resultierenden Funktionseinbussen fehlen, Facharztbefunde zur Objektivierung der Gelenkbeschwerden lägen nicht vor und es handle sich um subjektive Schilderungen seitens der Beschwerdeführerin. Eine reaktive De
pression gelte als überwindbar und sei somit ebenfalls nicht invaliditätsrelevant. Es verbleibe lediglich die Armparese rechts, welche durch Dr.
Y._
als leicht beschrieben werde. Zusammenfassend könne daher ein dauerhafter Gesund
heitsschaden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht festgestellt wer
den.
3.5
Dr.
A._
führte in ihrem Schreiben vom 4. März
2016 (Urk. 7/38/1) aus, dass sich die Beschwerdeführerin in ihrer ständigen Behandlung befinde
,
und nannte folgende Diagnosen:
-
Diabetes mellitus Typ II, insulinpflichtig
-
arterielle Hypertonie
-
Armparese rechts, zerebrovaskulärer Genese
-
40
% Abgangsstenose Arteria carotis interna links
-
schwere Fazialisparese rechts
-
Sarkoidose
-
Oligoarthritis
-
Lymphadenopathie
Die Beschwerdeführerin sei zu 100
% arbeitsunfähig.
3.6
Dr.
Y._
bestätigte in seinem Schreiben vom 4. März
2016 (Urk. 7/38/2), dass aus gesundheitlichen Gründen keine Arbeitsfähigkeit vorhanden sei. An
gesichts der gesundheitlichen Einschränkungen sei auch eine leidensangepasste Tätigkeit in nur se
hr beschränktem Ausmass möglich und zwar
in einem Um
fang von 10-20 %.
3.7
Dr.
A._
legte in ihrem Schreiben vom 27. Juli 2016 (Urk. 7/52) dar, dass auf
grund der Sprachschwierigkeiten bis jetzt keine Psychotherapie möglich gewe
sen sei. Jedoch sei bei der Beschwerdeführerin offensichtlich eine reaktive De
pression vorhanden.
3.8
Die RAD-Ärztin führte in ihrer Stellungnahme vom 16. Dezember
2016 (Urk. 7/66/3) aus, das
s die im Rahmen der
erhobenen Einwände gegen den Vor
bescheid geforderte psychiatrische beziehungsweise polydisziplinäre Begutach
tung (vgl. Urk. 7/43, Urk. 7/46, Urk. 7/59) aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht erforderlich sei, da die Einschränkungen der Beschwerdeführerin durch die behandelnden Ärzte zutreffend beschrieben worden seien. Gerade im Fall der psychischen Erkrankung werde erneut eine nicht invaliditätsrelevante reaktive Depression beschrieben, welche vorübergehend sei. Ein dauerhafter Gesund
heits
schaden resultiere hieraus nicht. Zusammenfassend würden durch die be
han
delnden Ärzte die bereits bekannten Sachverhalte wiederholt. Neue, bisher unberücksichtigte medizinische Fakten/Tatsachen würden nicht hervorgebracht.
3.9
Dr.
A._
nannte in ihrem – nach Verfügungserlass vom 11. Januar
2017 (Urk. 2) erstellten – Schreiben vom 25. Januar
2017 (Urk. 3/4) zu den bereits bestehenden Diagnosen neu ein Wirbelsäulensyndrom. Die Beschwerdeführerin sei aus ärztlicher Sicht aufgrund der Zustandsverschlechterung nicht arbeitsfä
hig.
4.
4.1
In d
en vorliegenden Berichten
wurden
ein insulinpflichti
ger Diabetes mellitus, eine Armparese (Lähmung) rechts, eine 40 % Abgangsste
nose Arteria carotis interna links, eine sehr schwere Fazialisparese rechts, eine Sarkoidose, eine Oligoarthritis, eine Lymphadenopathie, eine Adipositas per magna sowie eine reaktive Depression
diagnostiziert
(vorstehend E. 3.1-3.3, E. 3.5-3.7), welche an sich nicht bestritten sind (vgl. Urk. 1 S. 3 ff. Rz 6 ff., Urk. 2 S. 2). Streitig sind hingegen die Auswirkungen dieser Diagnosen auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin.
Seit wann das von der Hausärztin Dr.
A._
Ende Januar
2017 und somit nach Verfügungserlass (vgl. vorstehend E. 1.7) diagnostizierte neue Wirbelsäulensyn
drom bestehen soll, geht indessen nicht aus ihrem Schreiben (vorstehend E. 3.9) hervor. Dies braucht vorliegend – wie nachstehend aufzuzeigen sein wird – je
doch nicht abschliessend beurteilt zu werden.
4.2
Die Hausärztin der Beschwerdeführerin Dr.
A._
attestierte ihr im Dezember 2015 sowie
im März
2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (vorstehend E. 3.3, E. 3.5),
ohne diese jedoch näher zu begründen und Angaben zu allfälligen mög
lichen angepassten Tätigkeiten zu machen. Sie führte einzig aus, dass die Be
schwerdeführerin noch nie gearbeitet habe (vorstehend E. 3.3). In ihrem Schrei
ben vom Juli 2016 machte sie hingegen keine Angaben mehr zur Arbeitsfähig
keit
(vorstehend E. 3.7).
Ausserdem handelt es sich bei der diagnos
tizierten reaktiven Depression um keine fachärztlich festgestellte Diagnose (vgl. vor
stehend E. 1.4).
Machte der Neurologe Dr.
Y._
im Mai
2015 noch keine Angaben zur Ar
beits
fähigkeit der Beschwerdeführerin (vorstehend E. 3.1), legte er im März 2016 dar, dass aus gesundheitlichen Gründen keine Arbeitsfähigkeit vorhanden sei. Auch eine angepasste Tätigkeit sei nur in einem Ausmass von 10-20 % möglich (vorstehend E. 3.6). Dr.
Y._
begründete die attestierte Arbeitsunfä
higkeit jedoch nicht näher und machte keine Angaben zum Belastungsprofil ei
ner angepassten Tätigkeit.
Die Endokrinologin/Diabetologin Dr.
Z._
konnte schliesslich die Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin im November
2015 nicht beurteilen (vor
ste
hend E. 3.2).
Die RAD-Ärztin erachtete es für die Beschwerdeführerin sodann als zumutbar, in ihrer bisherigen Tätigkeit als Hausfrau alltagsrelevante Verrichtungen leicht eingeschränkt auszuführen. Obwohl die RAD-Ärztin festhielt, dass Angaben der behandelnden Ärzte zum Leistungsvermögen und zu den Einschränkungen feh
len würden, kam sie zum Schluss, dass der Diabetes mellitus, die Fazialisparese, die Osteoporose, die Sarkoidose, die Oligoarthrose und die Adipositas permagna keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit zur Folge hätten, ohne dies jedoch näher zu begründen. Zudem hielt die RAD-Ärztin fest, dass die reaktive De
pression als überwindbar gelte und somit ebenfalls nicht invaliditätsrelevant sei. Die verbleibende leichte Armparese rechts vermöge daran nicht zu ändern (vor
stehend E. 3.4, E. 3.8).
4.3
Die RAD-Ärztin hat vorliegend keine eigenen Untersuchungen durchgeführt, sondern nur aufgrund der Akten eine Beurteilung vorgenommen. Soweit die RAD-Ärztin bei dieser Ausgangslage – ohne dass ein anderer Arzt eine voll
ständige Arbeitsfähigkeit (in angepasster Tätigkeit) attestiert hätte sowie bei Fehlen einer fachärztlich gestellten psychiatrischen Diagnose – von keiner Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit beziehungsweise im Haushalt ausgegangen ist, vermag dies nicht zu überzeugen.
Ausserdem hat es die Beschwerdegegnerin unterlassen, den Status der Be
schwer
deführerin (vgl. vorstehend E. 1.3) genau abzuklären. So geht aus dem Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug, Urk. 7/16) der Beschwerde
führerin hervor, dass sie in den Jahren 2010 bis 2012 sowie teilweise im Jahr 2014 nicht erwerbstätig war. In den Jahren 2013 und 2014 erzielte sie hingegen ein geringes Einkommen bei der C._. Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrem Feststellungsblatt vom 3. Februar 2016 (Urk. 7/32) fest, dass die Beschwerdeführerin nebenbei bei der C._ arbeite (S. 1 unten f.),
obwohl sie im Gesprächsleitfaden bezüglich der Früherfassung vom 27. Oktober 2015 (Urk. 7/12) festgehalten hatte, dass die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben in der Schweiz nie gearbeitet habe (S. 1 Ziff. 1) und bei der C._ an einem Integrationsprogramm teilnehme, das sie jedoch überfordere (S. 2 Ziff. 4). Dies lässt darauf schliessen, dass die Beschwerdeführerin wohl zumindest teilweise als im Haushalt Tätige zu qualifizieren wäre. Diesbezüglich wären für die Ermittlung des Invaliditätsgrades der Beschwerdeführerin die Einschränkungen im Haushalt von Relevanz, jedoch hat keiner der Ärzte sinn
volle Angaben hierzu gemacht (vgl. vorstehend
E. 3.1-3.3, E. 3.5-3.7, E. 3.9
).
Aus den Akten geht zudem hervor, dass die aus Pakistan stammende Beschwer
deführerin (vgl. Urk. 7/11 Ziff. 1.6) nicht über gute Deutschkenntnisse verfügt (vgl. Urk. 7/66 S. 2 oben, vgl. vorstehend
E. 3.1, E. 3.6).
Trotzdem wurde bei den Untersuchungen, soweit ersichtlich, kein Dolmetscher beigezogen.
4.4
Nach dem Gesagten liegt keine schlüssige und zuverlässige Beurteilung
vor.
Vielmehr besteht weiterer Abklärungsbedarf
bezüglich der zu stellenden Diag
nosen sowie
zum Ausmass der
Leistungseinschränkung
und deren Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit sowie auf die Haushaltsarbeiten. Ausserdem bedarf es der Klärung der Qualifikation der Beschwerdeführerin als Erwerbstätige und/oder im Haushalt Tätige.
Dementsprechend
erweist sich die vorliegende Aktenlage für die abschliessende Beurteilung des Lei
stungsanspruchs der Beschwerdeführerin
als unzulänglich, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Be
schw
er
degegnerin zurückzuweisen ist, damit diese nach ergänzender Abklärung eine neue Beurteilung vornehme und über den Leistungsanspruch der Be
schwer
deführerin neu verfüge.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Ausgangsgemäss hat die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Pro
zessentschädigung. Diese ist in Beachtung der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses sowie in Berücksichtigung eines gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- vorliegend auf Fr. 2‘000.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) festzusetzen.