Decision ID: 761ddbc4-062b-4764-9281-8b30135ee3b5
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960,
war zuletzt als Verpackungsmitarbeiterin
ange
stellt (
Urk.
7/9/2
Ziff.
2.7,
Urk.
7/104/1
Ziff.
2.2)
. Die Versicherte
meldete sich am 1
3.
Oktober 2010 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2). Mit Verfügung vom 2
8.
Juni 2011 (
Urk.
7/35) verneinte die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, bei einem Invaliditätsgrad von 13
%
einen Rentenanspruch.
Die
von der Versicherten am 1
4.
Juli 2011 (
Urk.
7/36/3-6) dagegen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 2
2.
Oktober 2012
in dem Sinne
gut, dass es die Sache zur ergänzenden Abklärung an die IV-Stelle zurückwies (
Urk.
7/38 S. 7 Dispositiv
Ziff.
1).
Die IV-Stelle holte in der Folge ein rheumatologisches Gutachten (
Urk.
7/46) ein. Mit Verfügung vom 2
3.
September 2013 (
Urk.
7/51) verneinte
sie
einen Anspruch
der Versicherten
auf Leistungen der Invalidenversicherung.
1.2
A
m
5.
Juni 2019
meldete sich die Versicherte erneut
bei der Invalidenversiche
rung
an (
Urk.
7/52).
Die IV-Stelle trat auf die Neuanmeldung ein, holte
ein
bidis
ziplinäres
Gutachten ein
, das am 1
6.
November 2020 (
Urk.
7/82) erstattet wurde
,
und zog Akten des
Krankenversicherers
(
Urk.
7/69,
Urk.
7/72) zum Verfahren bei.
Nachdem d
ie IV-Stelle
mit Vorbescheid vom
4.
März 2021
die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht gestellt
(
Urk.
7/88)
und die
Versicherte dagegen Einwände
vorgebracht
(
Urk.
7/94/2-4 =
Urk.
7/96/1-3)
sowie
einen Arztbericht
eingereicht hatte
(
Urk.
7/103)
,
holte die
IV-Stelle
den
Arbeitgebe
rbericht
vom 1
5.
Juni 2021
(
Urk.
7/104/1-7) ein.
In der Folge verneinte sie m
it Verfügung vom
5.
Oktober 2021 (
Urk.
7/108 =
Urk.
2) einen Rentenanspruch.
2.
Die Versicherte erhob am
8.
November 2021
Beschwerde gegen die
Verfügung vom
5.
Oktober 2021 (
Urk.
2) und beantragte, die
se sei aufzuheben und es sei ihr
eine ganze Rente
auszurichten. Eventuell sei ihr
mindestens eine halbe Rente aus
zurichten. Subeventuell seien von der IV-Stelle weitere Abklärungen durchzu
führen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
6.
Dezember 2021 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Diese wurde der Beschwerdeführerin am 1
7.
De
zember 2021 zugestellt (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. De
zember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Wurde eine
Rentewegen
eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Vorausset
zungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisions
gesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblich
en Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die
Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (
Urteil des Bundesgerichts 9C_351/2020 vom 21. September 2020 E. 3.1, insbesondere mit Hinweis auf
BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art.
17 Abs
.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
benem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabe
nbereich von Bedeutung (BGE 141
V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetisc
hen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I
28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesund
heitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bun
desgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) fest,
sie habe
nach der Neuanmeldung der Beschwerdeführerin
ein
bidisziplinäres
Gutachten veranlasst. Darauf könne abgestellt werden
.
Gemäss dem Gutachten sei die Beschwerdeführerin
in der bisherigen Tätigkeit als Verpackungsmitarbeiterin
seit 2017
zu 30
%
eingeschränkt. Es sei ihr somit möglich
,
ein Pensum von 70
%
auszuüben. Die Arbeitsunfähigkeit von 30
%
entspreche einem Inv
aliditätsgrad von 30
%
(S. 1).
Im
Arztbericht
vom 2
0.
Mai 2021 seien keine neuen objektiven Belange festgestellt worden. Es handle sich um Aussagen, die im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung bereits nachvollziehbar diskutiert worden seien.
Weiter fänden
sich
keine
namhaften Hinweise
für eine psychische Verschlechte
rung aufgrund
der durchgemachten
Covid-19-Erkrankung.
D
a d
ie Beschwerde
führerin
zudem
wieder gesund
sei, sei von keiner
dauerhaften psychischen Ver
schlechterung auszugehen
(S. 2 oben).
Die Beschwerdegegnerin äusserte sich sodann zur Methode der Invaliditätsbe
messung. Sie gab an, die Beschwerdeführerin sei als zu 100
%
Erwerbstätige zu qualifizieren. Eine Haushaltabklä
rung sei daher nicht angezeigt.
Im Hinblick auf den Einkommensvergleich
seien auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend Verweistätigkeiten vorhanden. Ein leidensbedingter Abzug
vom Tabellenlohn
sei
somit
nicht geschuldet (S. 2 oben).
2.2
Die
Beschwerdeführerin brachte vor,
nach der Neuanmeldung sei
im Rahmen der Begutachtung
eine
Aufteilung
mit einem Anteil von
70
%
Erwerbstätigkeit und
30
%
im Haushalt angenommen worden
(
Urk.
1 S. 4
Ziff.
4 und 7).
Das Administrativgutachten genüge den von der Lehre und Praxis entwickelten
Grundsätzen an den Beweiswert von ärztlichen Gutachten nicht.
Es sei nicht nachvollziehbar, dass
in einer angepassten Tätigkeit nur die
psychiatrische Ein
schränkung der Leistungsfähigkeit
e
ine Rolle von 20
%
spielen solle. Die unter
schiedlichen und verschiedenartigen gesundheitlichen Einschränkungen stünden in gegenseitigen Wechselwirkungen. Die
s
sei bis anhin seitens der Gutachter und der Beschwerdegegnerin nicht genügend berücksichtigt worden (S. 5
Ziff.
12). Bei einer Addition wäre eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50
%
gegeben. Die Beschwerdeführerin spüre
zudem
weiterhin die psychischen Auswirkungen der durchgemachten Covid-19-Infektion (S. 5 f.
Ziff.
12 und 13). Des Weiteren sei eine Haushaltabklärung angezeigt (S
. 6
Ziff.
14). Im Rahmen der Invaliditäts
bemessung sei sodann ein leidensbedingter Abzug angebracht. Aufgrund der persönlichen und beruflichen Merkmale sei ein Abzug von 25
%
angezeigt.
Es sei davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin
die verbleibende Leistungsfähig
keit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit einem unterdurchschnittlichen Einkommen verwerten könne (S. 6
Ziff.
15).
2.3
Die Beschwerdegegnerin führte in der Vernehmlassung ergänzend aus,
das
bidis
ziplinäre
Gutachten vom 1
6.
November 2020 erfülle die rechtlichen Anforde
rungen und beanspruche vollen Beweiswert. Die Gutachter hätten sich mit den geklagten Leiden und d
en
Vorakten
auseinandergesetzt und
die Einschätzung
der gesundheitlichen Einschränkungen und der Arbeitsfähigkeit
nachvollziehbar begründet
.
In der angestammten Tätigkeit
der Beschwerdeführerin
als Verpa
ckungsmitarbeiterin bestehe
daher
eine Leistungsreduktion von 30
%
. In einer optimal angepassten Tätigkeit sei
sie
mit einer Leistungsreduktion von 20
%
arbeitsfähig (
Urk.
6 S. 2
Ziff.
4).
Die Beschwerdeführerin habe bei der Begutachtung angegeben, dass sie ihr Arbeitspensum aufgrund ihres Gesundheitszustandes
reduziert habe und sie den Haushalt
grösstenteils selbständig bewältige. Im Erwerbsbereich liege ange
stammt und angepasst eine Leistungsminderung von 30
%
und 20
%
vor. Es sei davon auszugehen, dass im Haushalt höchstens eine geringe Einschränkung vor
liege. Eine genaue Abklärung der Qualifikation ändere mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit nichts am Entscheid (S. 2
Ziff.
5).
Bei Frauen wirke sich das Alter im Segment 40 bis 64/65 eher lohnerhöhend aus. Ein allfälliger Abzug vom Tabellenlohn sei daher nicht gerechtfertigt (S. 2
Ziff.
6).
2.4
Strittig und zu prüfen ist, ob
sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verglichen mit den Verhältnissen zum Zeitpunkt der Verfügung der Beschwerde
gegnerin vom 2
3.
September 2013 (
Urk.
7/51) massgeblich verändert hat und ob neu ein Rentenanspruch besteht.
Zunächst ist zu prüfen, ob auf die vorliegenden medizinischen Akten abgestellt werden kann.
3.
3.1
Dr.
med. Y._
,
praktischer Arzt
, stellte im Bericht vom 1
1.
November 2010 (
Urk.
7/8/1-4) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
chronisches zervikales Schmerzsyndrom bei/mit:
-
myofascialer
Komponente
-
Blockwirbel C1-4
-
generalisierte
Allodynie
-
chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp
Dr.
Y._
attestierte für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit vom 1
4.
April bis 1
0.
Mai 2010 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und vom 1
1.
Mai bis 3
0.
Juni 2010 von 50
%
.
Ab dem 2
1.
September 2010 bestand erneut
eine Arbeitsu
n
fähigkeit von
50
%
(
Ziff.
1.6).
3.2
3.2.1
Die Beschwerdegegnerin gab bei
Dr.
med. Z._
, Fachärztin für
All
gemeine Innere Medizin und für
Rheumatologie, ein
internistisch-rheumatolo
gisches
Gutachten in Auftrag. Das Gutachten wurde am 1
7.
Mai 2013 (
Urk.
7/46)
erstattet
und beruht auf der Untersuchung vom 2
5.
April 2013 (S. 2 oben) und den der Gutachterin zur Verfügung gestellten Akten.
Die Gutachterin führte aus, die Beschwerdeführerin habe seit November 2000 mit einem Pensum von 80 bis 100
%
als Hilfsarbeiterin bei der
A._ AG in B._
gearbeitet
. Sie habe im Sommer 80
%
und im Winter 100
%
gearbeitet
(S. 2
Ziff.
2 unten).
A
m Tag der Untersuchung
sei es ihr
so schlecht wie meistens in der letzten Zeit gegangen. Sie habe am ganzen Körper Schmerzen vom Kopf bis zu den Füssen, links mehr als rechts. Sie habe keine Kraft in den Armen und höre Ohrgeräusche. Seit sie nicht mehr arbeite, gehe es ihr besser. Gegenwärtig arbeite sie zu 25
%
bei der
A._
. Sie packe Schoko
lade ein. Es sei eine leichte Arbeit
(S. 18
Ziff.
5.2 oben).
Gegen die Schmerzen nehme sie vier bis fünf Tabletten Panadol
extend
Retard
(S. 19
Ziff.
5.4).
3.2.2
Dr.
Z._
stellte keine rheumatologische Diagnose mit Auswirku
ng auf die Arbeitsfähigkeit (S.
26
Ziff.
7.1). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte die Gutachterin (S. 26
Ziff.
7.2):
ausgedehnte chronische Schmerzen mit pathologischer
Dolorimetrie
und
-
cervikospondylogenem
Syndrom links mehr als rechts bei
-
kongenitalem Blockwirbel C3/4
-
jedoch nur leichten bis mässigen degenerativen Veränderungen ohne neurale Kompression
(MRI Mai 2013 und Juni 2008)
und ohne vermehrte
szintigraphische
Aktivität
-
Schulterschmerzen beidseits bei
-
unauffälligen
Rotatorenmanschetten
beidseits
-
ohne Hinweise auf eine Bursitis
-
mässiger
Acromioclavicular
-Gelenksarthrose, rechts mehr als links
-
Schmerzen in den Füssen beidseits bei
-
unauffälligen SPECT-Befunden beidseits (Mai 2019) und
-
unauffälligen Ultraschallbefunden beidseits (Mai 2013)
Die Beschwerdeführerin klage seit Jahren über ausgedehnte Schmerzen vom Kopf bis zu den Füssen, links mehr als rechts. Sie sei mit einem Blockwirbel
bei
C3/4 zur
Welt gekommen. Dies sei eine harmlose Variante, die meist nur als Zufalls
befund festgestellt werde und klinisch kaum eine Relevanz habe. Es sei eine leichte Hyper
lordose der Lendenwirbelsäule (LWS) vorhanden mit einer leichten lumbal linkskonvexen Skoliose, wobei das Lot von C7 einen halben Zentimeter
links
der Rima
ani
falle. Alle drei Wirbelsäulenabschnitte se
ien normal beweglich. Radikuläre
Zeichen seien nicht vorhanden. Die Beschwerdeführerin habe bei der Untersuchung spontan den
Langsitz
eingenommen, was eine relevante lumbale neurale Kompression ausschliesse. Alle grossen peripheren Gelenke seien normal beweglich. Die Muskulatur sei liegend geprüft nicht verspannt. Die Bioimpedanz-Analyse habe eine kräftige Muskelmasse von 46
%
gezeigt. Eine lang andauernde körperliche Schonung könne daraus nicht abgeleitet werden (S. 27
Ziff.
8 oben).
In der
Dolorimetrie
seien alle 18 Tender Points sowie alle acht Kontrollpunkte pathologisch. Dies entspreche einem pathologischen
Dolorimetrie
-Befund im Sinne einer Schmerzausweitung. Die Untersuchung (MRI) der Halswirbelsäule
(HWS) vom Mai 2013 zeige ausser dem Blockwirbel bei C3/4 leichte bis mässige degenerative Veränderungen, die altersentsprechend seien. Eine Kompression neuraler Strukturen sei nicht sichtbar. Die HWS zeige in der Szintigraphie mit SPECT vom Mai 2013 keine vermehrte Aktivität. Dies bedeute, dass die vorhan
denen degenerativen Veränderungen nicht aktiv seien. Beide Schultern hätten in der Ultraschalluntersuchung vom Mai 2013 intakte
Rotatorenmanschette
n
auf
gewiesen ohne Hinweise auf eine Bursitis. Es bestehe eine mässige AC-Gelenksarthrose rechts mehr als
links
mit einer etwas vermehrten Aktivität in der Szintigraphie mit SPECT. Dieser Befund sei ebenfalls altersentsprechend (S. 27
Ziff.
8 Mitte). Die Ultraschalluntersuchung der Füsse sei ebenfalls unauffällig. Ein im August 2011 festgestellter Vitamin-D-Mangel habe sich mit einer Vitamin-D-Substitution deutlich gebessert. Der Mangel sei
nur noch geringfügig vorhanden.
D
as im August 2011 festgestellte
mikrozytäre
normochrome Blutbild habe sich ebenfalls normalisiert. Entgegen den Angaben der Beschwerdeführerin fänden sich im Blut keine Spuren des Schmerzmittels Panadol
extend
Retard. Die vorhandenen Befunde erklärten die Beschwerden nicht. Die Angaben der Beschwerdeführerin seien im Rahmen der ausgedehnten Schmerzen zu interpre
tieren. Sie könne sämtliche Tätigkeiten ganztags zu 100
%
ausüben (S. 27
Ziff.
8 unten).
Der Handeinsatz sei bei der Untersuchung beidseits normal gewesen. Diskrepant dazu sei die gezeigte maximale Handkraft von 47
%
der Norm rechts und 31
%
links. Hier habe sicher eine Selbstlimitierung bestanden. Aus rheumatologischer Sicht
bestehe keine Ursache für eine verminderte Handkraft beidseits (S. 28 oben).
3.2.3
Die Beschwerdeführerin arbeite seit Februar 2000 bei der
A._
AG. Gegenwärtig übe sie ein Pensum von 25
%
aus. Sie könne die angestammte Tätigkeit ganztags zu 100
%
ausüben. Im Haushalt sei sie nicht eingeschränkt. Es habe nie eine lang andauernde Arbeitsunfähigkeit bestanden (S. 29
Ziff.
9.1 und 9.2). In einer adaptieren Tätigkeit bestehe ebenfalls eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (S. 29
Ziff.
9.3).
3.3
Die Beschwerdegegnerin verneinte mit Verfügung vom 2
3.
September 2013 (
Urk.
7/51) einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.
4.
4.1
4.1.1
Die Beschwerdeführerin ist seit dem 1
7.
Mai 2017 bei
Dr.
med. C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
in
ambulanter
psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung (
Urk.
7/54 S. 1 Mitte).
Dr.
C._
gab im Bericht vom 2
9.
Mai 2019 (
Urk.
7/54
=
Urk.
7/65
) zur aktuellen Situation an, die Beschwerdeführerin sei mü
de, erschöpft, niedergeschlagen, fühle sich innerlich leer und
klage über eine Schlafstörung. Es falle ihr s
chwer ein- und durchzuschlafen und in Gang zu kommen.
Sie habe Interessen und die Freude am Leben verloren (S. 1 unten).
Dr.
C._
führte zum Psychostatus aus, die Stim
mungslage sei depressiv, bedrückt und traurig. Die Beschwerdeführerin wirke im Antrieb gemindert. Emotional sei sie nicht ausreichend schwingungsfähig. Als sie über ihre Biographie gesprochen habe, sei es zum Affektausbruch gekommen
und sie habe geweint
. Das formale Denken sei verlangsamt, ge
hemmt und teilweise umständlich.
Das inhaltliche Denken sei durch eine Traumatisierung geprägt.
Hinweise auf psychotische Zustände, Halluzinationen, Wahn oder Ich-Störungen
bestünden nicht
(S. 2 f.).
Es liege eine
residuale Minus-Symptomatik
vor
unter anderem mit einer Affektverflachung und einer Sprachverarmung hinsichtlich des
Inhaltes und des Gesprochenen
und mit einer
Apathie, einer Anhedonie,
einer reduzierten Aufmerksamkeit und Konzentration
und einem sozialen Rückzug
(S. 3 oben).
Ausserdem
seien frei flottierende und situativ beziehungsweise interpersonelle ausgelöste Ängste ges
childert worden und
somatisierte
Angstkorrelate aufgedeckt worden. Die Beschwerdeführerin bekomme eine innere Unruhe und habe die Angst zu sterben. Es handle sich um die Symptome Herzklopfen, Nervosität, Zittern, Muskelverspannung, Schwitzen, Benommenheit, Schwindelgefühle und eine Beklemmung in der Brust. Dabei bekomme sie das Gefühl, die Kontrolle über sich zu
verlieren
. Die geschilderten Symptome sei
e
n Kennzeichen für eine Angst
störung
(S. 3 Mitte).
4.1.2
Dr.
C._
nannte als Diagnosen eine depressive Störung, bei schwerer Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.1-32.2), eine Angststörung mit Pani
kattacken (ICD-10 F41.0) und
eine chronische Schmerzstörung (ICD-10 45.4, S. 3 unten).
Die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychi
schen Faktoren sei neu in das ICD-10 aufgenommen worden. Sie beziehe sich auf Schmerzen, die durch einen somatischen Krankheitsfaktor ausgelöst
worden seien
und in der Regel auch aufrechterhalten würden oder bei denen ein somatischer Auslösefaktor oder eine besondere Aufrechterhaltung
der Beschwerden
sehr wahrschein
lich
seien (S. 5 oben). Die Beschwerdeführerin leide an einem chroni
schen
lumbospondylogenen
Syndrom. Die Störung führe zu Schmerzen. Es bestünden eine Passivität und Schon- und Fehlhaltungen. Ausserdem
liege
eine soziale und familiäre Belastung vor (Arbeitslosigkeit, soziale Isolierung), was sie aus psychiatrischer Sicht nicht verarbeiten könne. Die Kriterien einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren seien erfüllt (S. 5 Mitte). D
ie therapeutische ambulante Behandlung finde wöchentlich statt (S. 5 unten).
Die Beschwerdeführerin sei aufgrund der psychischen Funktionsstörungen nicht in der Lage, eine leichte Tätigkeit auszuführen. Es
liege
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vor (S. 6 unten).
4.2
Dr.
Y._
nannte im Bericht vom 1
4.
September 2019 (
Urk.
7/61/1-4)
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
chronisches
Panverteb
ralsyndrom
,
cervical
und lumbal betont, belastungsabhängige
posteromediale
Knieschmerzen links, eine depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode, und eine Angststörung mit Panikattacken (
Ziff.
2.5).
Dr.
Y._
nannte sodann als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine arterielle Hypertoni
e und eine Schrumpfniere rechts
bei Status nach Pyelonephritis vor Jahren (
Ziff.
2.6).
Dr.
Y._
gab zur Arbeitsfähigkeit an, für eine körperlich leichte, wechsel
belastende, vorwiegende sitzende Tätigkeit, die psychisch nicht allzu anstrengend sei, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von
maximal
30
%
. Es solle sich um eine Tätig
keit handeln ohne Heben und Stossen von schweren Lasten und ohne repetitive Bewegungen
.
Berufliche Massnahmen kämen aufgrund fehlender Vorausset
zungen nicht in Frage (
Ziff.
2.7).
4.3
4.3.1
Die Beschwerdegegner
in gab beim D._
ein
bidisziplinäres
Gutachten in Auftrag, das am 1
6.
November 2020 (
Urk.
7/82) erstattet wurde. Das Gutachten beruht auf den fachärztlichen Untersuchungen vom 1
4.
September 2020
durch
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Rheumatologie und
für Allgemeine Innere Medizin
,
und
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Neurologie
(S.
3
Ziff.
2 oben).
Im rheumatologischen Teilgutachten (
Urk.
7/82/20-32) wurde ausgeführt, die Beschwerdeführerin habe als Hauptproblem Schmerzen in der ganzen linken Seite
angegeben
. Es handle sich um die linke Schulter
, den Arm sowie das linke Bein und
speziell das linke Knie (S. 21
Ziff.
3.1). Die B
eschwerden hätten vor etwa
25 J
ahren begonnen, als sie in der Annahme eines Problems an der linken Brust den
Hausarzt aufgesucht habe (S. 22
Ziff.
3.2 oben). Die Beschwerdeführerin habe einschränkende rheumatische Schmerzen
erwähnt
, so dass sie auch im Haushalt von der Tochter unterstützt werden müsse. Ganz konkrete, auf die tägliche ausserhäusliche Arbeit bezogene damalige Schmerzsituationen liessen sich nicht eruieren (S. 22
Ziff.
3.2 unten).
Die Beschwerdeführerin wohne mit de
m Ehemann zusammen in einer 3.5
-Zim
merwohnung. Dieser habe vor 17 Jahren einen Hirnschlag erlitten und
beziehe
eine Rente der Invalidenversicherung (S. 23 oben). Im Haushalt würden die wenigen schweren Tätigkeiten wie Staubsaugen einmal wöchentlich von der Tochter besorgt (S. 23 Mitte).
Die Röntgenbilder
der LWS, der
HWS
, des Beckens und der linken Hüfte
vom 1
5.
Oktober 2020
hätten den
langjährig bekannte
n
Befund einer kongenitalen Blockwirbelbildung C3/4 und einer fortgeschrittenen Degeneration
der
Gelenkfazetten
des
lumbosacralen
Übergangs L5/S1
ergeben
. Davon abgesehen sei die Wirbelsäu
l
ensituation altersentsprechend und es bestün
den keine
Auffälligkeit
en
der Hüftgelenke
und der
ileosacralen
Gelenke
(S. 25
Ziff.
4.3 unten).
4.3.2
Für die angegebenen Schmerzen fänden sich
in der physischen Analyse
gewisse Substrate.
Das linke Schultergelenk
sei in den aktiven Funktionen leicht einge
schränkt. Aktivitäten gegen einen Widerstand
lösten
Schmerzen aus. Die Situa
tion sei gut mit der häufig zu diagnostizierenden
Tendinopathie
von Sehnen des
Rotatorenapparats
zu vereinbaren. Eine gewisse Kraftminderung des linken Arms sei in der Pathogenese weniger klar
. Als Differentialdiagnose kämen ein Schon
verhalten im Rahmen der Schulterpathologie und ein Relikt nach einem
früheren
Kompressionssyndrom in Frage
(S. 26
Ziff.
6 oben). Schmerzen im Bereich des linken Hüftgelenks liessen zusammen mit einer deutlichen funktionellen Einschränkung an die Möglichkeit arthrotischer Veränderungen des Gelenks denken, was sich im Rö
ntgenbild nicht bestätigt habe. Die Hüftstörung bleibe vorerst unkla
r. Sie sei für
die Beurteilung aber n
icht relevant
(S. 26
Ziff.
6 Mitte).
Dr.
E._
nannte als rheumatologische Diagnosen mit Relevanz für die Arbeits
fähigkeit einen Verdacht auf eine leichte bis mässige
Tendinopathie
der
Rotato
renmanschette
links und einen Zustand nach anamnestischer
Zervikobrachialgie
links mit leichten Armfunktionsdefiziten bei kongenitalem Blockwirbel C3/
4.
Als Diagnosen ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit nannte er eine ätiologisch unklare Funktionsstörung des linken Hüftgelenks und degenerative Verände
rungen des
lumbosacralen
Übergangs
(S. 26
Ziff.
6 unten).
Das Vorliegen eines Schmerzniveaus von 10/10 auf der Analogskala könne weder
anhand der von der
Beschwerdeführerin
geschilderten Beschwerden
noch
der erhobenen Befunde
nachvollzogen werden (S. 28
Ziff.
7.3). Im Bereich der linken oberen Extremität
zeigten
sich eine gewisse Verminderung der Kraft und
der Sensibilität bei Dermatom C8,
die vermutlich das Relikt einer vor Jahren festge
stellt
en
Zervikobrachialgie
links seien
und die für belastende Tätigkeiten
ein gewisses Handicap darstellten
. Das gleiche gelte für die festgestellte
vermutliche
Tendinopathie
des linken Schultergelenks mit gewissen Auswirkungen auf die Belastbarkeit der Schulter und des Arms (S. 28
Ziff.
7.4).
Für die bisherige Tätig
keit bestehe eine leicht re
duzierte Arbeitsleistung von 20
bis maximal 30
%
durch eine etwas verminderte Einsatzfähigkeit des linken Arms.
Entsprechend liege
eine Arbeitsfähigkeit von 70-80
%
vor
(S. 29
Ziff.
8).
Im Hinblick auf eine angepasste Tätigkeit sei auf mit
grösser
er
Kraft der linken oberen Extremität und mit Hebe
belastung auszuführende
Arbeitsvorgänge
zu verzichten. Nicht möglich seien zudem rasche, repetitive Vorgänge und Arbeitsprozesse mit hoher feinmoto
rischer Anforderung (S. 30 oben). Für eine solche angepasste Tätigkeit
bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(S. 30 Mitte).
4.3.3
Dr.
F._
führte im psychiatrischen Teilguta
chten (
Urk.
7/82/33-49) aus,
die Beschwerdeführerin fühle sich krank und könne wegen der Schmerzen und einer Depression nicht arbeiten. Zur Entwicklung einer Depression sei es durch eine schwere Kindheit und weitere Belastungsfaktoren in ihrem Leben gekommen (S. 34
Ziff.
3.1 unten).
Sie habe sich schon vor der Erkrankung ihres E
hemannes
psychisch schlecht gefühlt und sei wiederholt in psychiatrischer Behandlung gewesen. Die Mehrbelastung aus der Pflege des Ehemannes, der Versorgung des Haushaltes und der Kinder sowie der Arbeit, um den Lebensunterhalt für die Familie sicher zu stellen, habe sie jahrelang massiv belastet. Dennoch sei sie gerne zur Arbeit gegangen. Wegen zunehmender Schmerzen im Stütz- und Bewegungs
apparat habe sie das anfänglich volle Arbeitspensum in der Schokoladenfabrik auf 50
%
reduzieren müssen (S. 35
Ziff.
3.2 oben). Die Beschwerdeführerin leide seit über 25 Jahren an Schmerzen am ganzen Körper. Betroffen seien insbe
sondere die linke
Schulter, der untere Rücken und das linke Bein. Es handle sich um Knochen-, Gelenk- und Muskelschmerzen
. Aktuell betrage die Schmerzinten
sität 10/10 auf der VAS-Skala
(S. 35
Ziff.
3.2
unten
)
.
Eine kinder- und jugendpsychiatrische Behandlung habe nicht stattgefunden. Die Beschwerdeführerin habe sich etwa drei Jahre nach der Immigration in die Schweiz erstmals in psychiatrische Behandlung begeben. Sie habe sich depressiv gefühlt und unter anhaltender Müdigkeit und einem Energieverlust gelitten (S. 36 oben).
Nach dem Hirnschlag des Ehemannes sei es erneut zu einer depressiven Krise gekommen.
Der Arbeitsplatzverlust vor etwa drei Jahren habe zu einer
weiteren
Krise geführt. Seither sei sie bei
Dr.
C._
in ambulanter psychiatri
scher Behandlung (S. 36 Mitte). Bezüglich sozialer Kontakte sehe die Beschwer
deführerin m
ehrmals die Woche ihre Tochter,
deren Familie und die Enkelkinder. Zum Sohn bestehe ebenfalls ein regelmässiger Kontakt
. Darüber hinaus habe sie viele Bekannte und Angehörige in der Schweiz. Zu den Geschwistern bestünden telefonische Kontakte
(S. 37 unten).
Die Beschwerdeführerin habe zum Tagesablauf angegeben, am Vormittag räume sie nach dem Frühstück die Geschirrspülmaschine ein un
d aus und
beginne aufzuräumen und sich um den Haushalt zu kümmern. Anschliessend bereite sie das Mittagsessen vor
, jedoch nicht regelmässig
. Am Nachmittag erledige sie kleine Einkäufe und Besorgungen. Grosse Einkäufe erledige die Tochter (S. 38 oben). Die Beschwerdeführerin bewältige den Haushalt abgesehen von grossen Einkäufen selber. Notfalls könne sie die Hilfe ihrer Tochter beanspruchen (S. 38 unten).
Die Beschwerdeführerin sei etwa seit 2017 bei
Dr.
C._
in ambulanter psychiatrischer Behandlung. Die Behandlung erfolge einmal im Monat. Anfäng
lich sei sie alle zwei bis drei Wochen bei ihm gewesen (S. 39 oben).
4.3.4
Die Beschwerdeführerin habe mit ausreichender Aufmerksamkeit das gesamte Explorationsgespräch verfolgt. Sie habe sich auf die jeweiligen Gesprächsinhalte und Gesprächstempi ein- und umstellen können. Die Konzentration und die Umstellungsfähigkeit hätten auch gegen Ende der Exploration nicht nachge
lassen. Formalgedanklich sei sie geordnet, kohärent und keineswegs depressiv gehemmt oder gar gesperrt gewesen (S. 40
Ziff.
4.3 unten). Das Kurzzeit- und das Langzeitgedächtnis seien im klinisch-psychopathologischen Befund nicht nennenswert beeinträchtigt
gewesen
. Psychomotorisch wirke die Beschwerde
führerin durchaus rege und lebhaft (S. 41 oben).
Auf der Persönlichkeitsebene wirke sie umgänglich. Merkmale einer Persönlichkeitsstörung von Krankheitswert entsprechend den Kriterien des ICD-10 lägen nicht vor. Sie sei auf der Persön
lichkeitsebene emotional hinlänglich stabil (S. 41 unten).
Die Beschwerdeführerin habe anamnestisch über mehrere depressive Episoden in der Vergangenheit berichtet. Bereits wenige Jahre nach der Immigration in die Schweiz sei eine erste psychiatrische Behandlung inklusive einer Psychopharma
kotherapie erfolgt. Eine erneute depressive Dekompensation sei nach der schweren Erkrankung des Ehemannes aufgetreten, wobei sich der psychopatho
logische Befund nach der Schilderung der Beschwerdeführerin innerhalb einiger Monate stabilisiert habe. Mit dem Verlust des Arbeitsplatzes vor etwa drei Jahren sei sie erneut in eine depressive Symptomatik geraten. Die Beschwerdeführerin schildere darüber hinaus körperbezogene Schmerzen, welche nicht vollumfäng
lich durch somatische Befunde zu erklären seien (S. 42
Ziff.
6 unten).
Dr.
F._
nannte als Diagnose mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit bezüglich der letzten Tätigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittel
schwere depressive Episode (ICD-10 F33.1). Als Diagnose ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit nannte
er
eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41, S. 43
Ziff.
6).
Aktuell bestehe vor dem Hintergrund schwieriger, fortbestehender psychosozialer Belastungsfaktoren eine depressive Symptomatik. Diese sei verknüpft mit seit vielen Jahren bestehenden chronischen Schmerzen am Stütz- und Bewegungs
apparat. Es liege eine dysfunktional nach innen gerichtete Selbstwahrnehmung vor. Die sozialen Kontextfaktoren seien problematisch (S. 43
Ziff.
7.1). Unter kontinuierlicher psychiatrisch-psychotherapeutischer Fachbehandlung einschliesslich einer Psychopharmakotherapie sei eine Teilremission der Depres
sion erzielt worden.
Dr.
C._
habe anfänglich eine mittelschwere bis schwere depressive Episode beschrieben. Die Diagnose lasse sich hinsichtlich des Schwe
regrades auf der Basis der erhobenen Befunde nicht mehr aufrechterhalten (S. 43
Ziff.
7.2). Eine Reintegration in die Arbeitswelt sei bisher nicht möglich gewesen. Es sei jedoch auch festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführerin in ihrer Lebens
situation eingerichtet habe und sie sich eine Rückkehr in eine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht mehr vorstellen könne
. Es bestünden passive
Ent
pflichtungs
- und Versorgungswünsche, die einer Reintegration in den Arbeits
markt diametral entgegenstünden
(S. 44
Ziff.
7.2).
Die geschilderten Ganzkörperschmerzen
seien hinsichtlich der Intensität und der Ausgestaltung der Beschwerden nicht konsistent zu den erhobenen psychopatho
logischen Befunden und dem Verhalten der Beschwerdeführerin. Lebhafte Bewe
gungsabläufe passten nicht
zur
geschilderten Schmerzproblematik. Ferner sei festzuhalten, dass der psychopathologische Befund keineswegs so gravierende depressive Züge aufweise, wie die Beschwerdeführerin zunächst dargestellt habe.
Das Aktivitätsniveau im Alltag, die Fähigkeit zur Aufrechterhaltung einer Tages
struktur und der geschilderte Tagesablauf sprächen ebenfalls gegen das Vorliegen einer mittelschweren oder gar schweren depressiven Episode (S. 44
Ziff.
7.3 Mitte). Gegenüber den Angaben von
Dr.
C._
habe sich bezüglich der rezidi
vierenden depressiven Störung eine Stabilisierung (Teilremission) eingestellt (S. 44
Ziff.
7.3 unten). Die Beschwerdeführerin sei durchaus in der Lage, sich an Regeln und Routine anzupassen. Es gelinge ihr, Aufgaben zu planen und zu struk
turieren. Die Flexibilität und die Umstellungsfähigkeit seien ausreichend erhalten. Ausreichende Ressourcen bestünden im Bereich Produktivität und Spontanakti
vitäten. Die Widerstands- und Durchhaltefähigkeit sowie die Selbstbehauptungs
fähigkeit seien vor dem Hintergrund der Affektregulationsstörung leicht beein
trächtigt. Die Interaktions- und
die
Kontaktfähigkeit mit Dritten sei ausreichend erhalten. Die gelte auch für die Gruppenfähigkeit (S. 46
Ziff.
7.4).
Für die bisherige Tätigkeit bestehe eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 20
%
. Dies aufgrund der vermehrt nach innen gerichteten Selbstwahrnehmung und einer Affektregulationsstörung im Zuge der depressiven Erkrankung. Es bestehe daher
bezogen auf ein Pensum von 100
%
eine Arbeitsfähigkeit von 80
%. Die Arbeitsunfähigkeit von 20
%
lasse sich
retrospektiv mit
der Aufnahme der Behandlung bei
Dr.
C._
im Jahr 2017 begründen (S. 45
Ziff.
8). Für eine angepasste Tätigkeit bestehe ebenfalls eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
(S. 46 Mitte).
4.3.5
Die Gutachter des
D._
nannten in der interdisziplinären Beurteilung als rele
vante Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbe
itsfähigkeit (letzte Tätigkeit, S. 6
Ziff.
4.2):
-
Zustand nach anamnestischer
Zervikobrachialgie
links mit leichten Arm
funktionsdefiziten bei kongenitalem Blockwirbel C3/4
-
Verdacht auf leichte bis mässige
Tendinopathie
der
Rotatorenmanschette
links
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelschwere depressive Episode (ICD-10 F33.1)
Die Gutachter stellten sodann folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
S. 6
Ziff.
4.2):
-
funktionelle Hüftgelenksstörung links, unklarer Ätiologie
-
degenerative Veränderungen des
lumbosacralen
Übergangs
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
Für die bisherige Tätigkeit bestehe gesamthaft eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
. Eine psychiatrisch begründete Arbeitsunfähigkeit von 20
%
lasse sich retro
spektiv ab dem Zeitpunkt der Aufnahme der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung
bei
Dr.
C._
im Jahr 2017 begründen. Aus rheumatologischer Sicht könne
als möglicher
Zeitpunkt
die letzte
Anmeldung bei der Invaliden
versicherung im Juni 2019 angenommen werden (S. 8
Ziff.
4.7). In einer leidens
angepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
und eine Arbeits
unfähigkeit von 20
%
(S. 8 f.
Ziff.
4.8). Durch teilweise Addition ergebe sich
für die angestammte Tätigkeit für die
von rheumatologischer Sicht geschätzte Arbeitsunfähigkeit von 20-30
%
und die von psychiatrischer Seite gesch
ätzte Arbeitsunfähigkeit von 20
% gesamthaft eine Arbeitsunfähigkeit von 30
%
. Für eine angepasste Tätigkeit spiele ausschliesslich die aus psychiatrischer Sicht bestehende Leistungseinschränkung von 20
%
eine Rolle (S. 9
Ziff.
4.9).
4.4
Dr.
med. G._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, nahm am
6.
Januar 2021 (
Urk.
7/86 S. 4 ff.) S
tellung zum Gutachten des
D._
vom 1
6.
November 202
0.
Er führte aus, gemäss dem Gut
achten bestünden als Diagnosen mit dauerhafter Auswirkun
g auf die Arbeits
fähigkeit ein
Zustand nach anamnestischer
Zervikobrachialgie
links mit Arm
funktionsdefiziten bei kong
enitalem Blockwirbel C3/4, ein
Verdacht auf eine leichte bis mässige
Tendinopathie
der
Rotatorenmanschette
links und eine rezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelschwere depressive Episode (S. 4 unten).
Ein Gesundheitsschaden sei vorhanden. Für die bisherige Tätigkeit bestehe aus rheumatologischer Sicht eine leicht reduzierte Arbeitsleistung durch eine etwas verminderte Einsatzfähigkeit des linken Arm
s
. Als Belastungsprofil seien leichte bis mittelschwere Tätigkeiten möglich.
Es sei auf
Arbeitsvorgänge
mit grösserer Kraft und einer Hebelbelastung des linken Arms sowie
rasc
he repetitive Arbeits
vorgänge und h
ohe feinmotorische Anforderungen
zu verzichten. Zudem sei die Affektregulationsstörung zu berücksichtigen
. In der bisherigen Tätigkeit als Verpackungsmitarbeiterin und für den Haushalt bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von gesamthaft 30
%
.
Dabei bestehe aus
rheumatologischer Sicht eine Einschrän
kung von 20-30
%
und aus psychiatrischer Sicht von 20
%
. Allfällige Einschrän
kungen im Haushalt sollten durch eine Haushaltabklärung beurteilt werden. In einer angepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
(S. 5 oben). Das Gutachten
des
D._
beruhe auf eigenen Untersuchungen
der Gutachter
, erscheine schlüssig, umfassend und berücksichtige die gesamte Aktenlage sowie sämtliche Beschwerden und Symptome. Auf das Gutachten könne abgestellt werden (S. 6 oben).
4.5
Dr.
C._
gab im Bericht vom 2
0.
Mai 2021 (
Urk.
7/103
=
Urk.
7/106/2-7
) an, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich verschlechtert. Es seien
Symptome für eine schwere depressive Störung aufgetreten. Es handle sich um
eine
Vernachlässigung der eigenen Pflege, Unsicherheit, Zurückhaltung,
eine
herabgesetzte Mimik und Gestik, eine gehemmte Psychomotorik, eine depressive Stimmungsl
age, Verlust von Interesse, ein
vermindertes Denk- und Konzentrati
onsvermögen, ein vermindertes Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, Schuldge
fühle, Suizidgedanken, Schlafstörungen
, ein Stimmungstief am Morgen
etc. (S. 1 Mitte).
Dr.
C._
stellte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.2):
-
rezidivierende depressive Störung, mittlere bis schwere Episode ohne psy
chotische Symptome (ICD-10 F33.2)
-
Angststörung mit Panikattacken (ICD-10 F41.0)
-
chronische Schmerzen mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
Es l
ägen
eine depressive Stimmung, ein Interesseverlust, Freudlosigkeit und ein verminderter Antrieb vor. Weiter bestünden ein vermindertes Selbstwertgefühl und Schuldgef
ühle gegenüber ihren Kindern,
Vergesslichkeit, Konzentrations
schwierigkeiten, eine innere Unruhe und eine gehemmte Psychomotorik (S. 2 oben). Es liege
daher
eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symp
tome vor (S. 2 unten).
Dr.
C._
gab als veränderte Befunde an, die Mimik und Gestik sei unruhig. In der Psychomotorik wirke die Beschwerdeführerin verlangsamt. Die Stimmung sei gedrückt, traurig, hoffnungslos, freudlos und schwermütig. Die Affektivität sei eingeengt, apathisch und weinerlich. Es bestehe ein Mang
el
an Schwung, Spon
tanität und Initiative. Im Antrieb wirke sie gemindert (S. 3 unten).
Des Weiteren seien die
Aufmerksamkeit und Konzentration reduzie
rt und die
Ur
teils- und Kritikfähigkeit sei
nicht ausreichend vorhanden Die kognitive Erlebnis- und Bewertungsebene sei leicht bis mittelgradig beeinträchtigt. Im Lebensalltag stelle sich eine vermehrte Reizbarkeit heraus, bei der die Patientin zu explosiven Gefühlsausbrüchen neige (S. 4 oben).
Die therapeutische Behandlung erfolge in unterschiedlichen Rhythmen, ein- bis dreimal im Monat. Die letzte Behandlung habe am 1
5.
Dezember 2020 stattge
funden (S. 5 oben).
Dr.
C._
bestätigte eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (S. 6 unten).
4.6
Dr.
G._
gab in der Stellungnahme vom 2
7.
Juli 2021 (
Urk.
7/107 S. 3 f.) an, im
Vorbescheidverfahren
seien im Wesentlichen vorbekannte und bereits gut
achterlich gewürdigte Sachverhalte neu dargelegt und juristisch beurteilt worden (S.
3 unten). Im Bericht von
Dr.
C._
finde sich kein Hinweis auf psychische Veränderungen im Rahmen einer durchgemachten Covid-19-Infektion. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin habe selber angegeben, dass sie wieder gesund sei. Eine dauerhafte psychische Alteration könne somit nicht ange
nommen werden Es handle sich nicht
um
objektiv erneuerte Belange, sondern um Aussagen, die im psychiatrischen Teilgutachten
des
D._
bereits kritisch als nicht schlüssig und nachvollziehbar diskutiert worden seien (S. 4 Mitte).
5.
5.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
5.2
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Rentenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode d
er Invalidi
tätsbemessung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE
144
I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren
(vgl. Art. 27 IVV)
sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerb
lichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Mass
gebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsver
fügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungs
recht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125
V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4
; Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2021 vom 11. Mai 2021 E. 3.2 mit Hinweisen
).
5.3
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 IVV per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstä
tigen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätig
keit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads, den die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäfti
gungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
5.4
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf
die Lohnhöhe haben können (BGE
124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen ges
amthaft zu schätzen und darf 25
% nicht übersteigen (
vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2,
134 V
322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsf
ähigkeit eingeschränkt ist (BGE
126
V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (
BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemä
ss BGE
126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliege
nder erscheinen lassen (BGE 137 V
71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesam
thaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgericht
s
9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
5.5
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
5.6
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapiere
sistenz auszuschliessen sei (E.
5.1). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte
Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Res
sourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen
einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1).
Eine leicht- bis mittelgradige depressive Störung ohne nennenswerte Interferen
zen durch psychiatrische Komorbiditäten lässt sich im Allgemeinen nicht als schwere psychische Krankheit definieren. Besteht dazu noch ein bedeutendes therapeutisches Potential, so ist insbesondere auch die Dauerhaftigkeit des Gesundheitsschadens in Frage gestellt. Diesfalls müssen gewichtige Gründe vor
liegen, damit dennoch auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden kann (BGE 148 V 49 E. 6.2.2 mit Hinweis). D
ie Anerkennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu trage
n (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE
144 V 50 E. 4.3).
6.
6.1
Die Beschwerdeführerin meldete sich am
5.
Juni 2019 erneut bei der Invaliden
versicherung an (
Urk.
7/52). Seit Mai 2017 ist sie bei
Dr.
C._
in ambulanter psychiatrischer Behandlung. Der Psychiater nannte im Bericht vom 2
9.
Mai 2019 als Diagnosen eine depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psy
chotische Symptome, eine Angststörung mit Panikattacken und eine chronische Schmerzstörung. Er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (E. 4.1.2 hier
vor).
A
m 2
0.
Mai 2021
berichtete
Dr.
C._
über eine Verschlech
terung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin.
Er bestätigte eine Arbeitsunfähig
keit von 100
%
(E. 4.5).
Die Gutachter des
D._
nannten
dagegen
als Diagnosen
mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
en
Zustand nach anamnestischer
Zervikobrachialgie
links mit leichten Armfunktionsdefiziten bei kongenitalem Blockwirbel C3/4,
einen Verdacht auf eine leichte bis mässige
Tendinopathie
der
Rotatorenmanschette
links und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittel
schwere depressive Episode
. Eine funktionelle Hüftgelenksstörung links, degene
rative Veränderungen des
lumbosacralen
Übergangs und eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
wurden
den
Diag
nosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
z
u
gerechnet
(
vorstehend
E. 4.3.5). Aus
rheumatologischer Sicht wurde für die bisherige Tätigkeit als
Verpa
ckerin
eine Arbeitsfähigkeit von 70-80
%
attestiert
. Für eine angepasste Tätigkeit besteh
e
vo
n
rheumatologischer Seite
eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(E. 4.3.2). Aus psychiatrischer Sicht wurde für die bisherige und eine angepasste Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 20
%
attestiert (E. 4.3.4
hiervor
).
Gesamthaft attes
tierten die Gutachter für die bisherige Tätigkeit
eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
und für eine angepasste Tätigkeit eine solche von 80
% (E. 4.3.5 hiervor). RAD-Arzt
Dr.
G._
schloss sich der Einschätzung
durch die Gutachter
des
D._
an (E. 4.4).
6.2
Zunächst ist
auf die
Statusfrage einzugehen
.
Die Beschwerdegegnerin
stellte
im internen Feststellungsblatt vom
1.
April 2011 darauf ab, dass die Beschwerdeführerin mit einem Anteil von 70
%
erwerbstätig und mit einem Anteil von 30
%
im Haushalt tätig wäre (
Urk.
7/18 S. 3 Mitte; vgl. auch
Urk.
7/17).
Die Einschätzung beruht
e
auf dem dazumal
von der Beschwer
deführerin
bei der
A._
AG ausgeübten Erwerbspensum von 30 Stunden pro Woche (
Urk.
7/9/2
Ziff.
2.9).
Die Beschwerdegegnerin hielt in der Folge an der Qualifikation fest (
Urk.
7/47 S. 3 unten,
Urk.
7/74 S. 3 oben).
Dr.
Z._
attestierte im Gutachten vom 1
7.
Mai 2013 eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(E. 3.2.3). Die Beschwerdeführerin übte in der Folge jedoc
h kein volles Arbeitspensum aus, obwohl
ihr
dies gemäss medizinischer Einschätzung möglich gewesen wäre.
Dass
sie
im Gesundheitsfall mit einem
höheren Erwerbspensum als
70
%
beziehungsweise
gar zu
100
%
gearbeitet hätte, erweist sich daher als nicht überwiegend wahrscheinlich
.
Ausserdem ergeben sich im Vergleich zu 2011 beziehungsweise 2013 keine wesentlichen Veränderungen in den tatsächlichen Verhältnissen, welche eine Änderung in der sozialversicherungsrechtlichen Qualifikation rechtfertigen würden.
Die Beschwerdeführerin ist daher weiterhin als mit einem Anteil vo
n
70
%
im Erwerb
und 30
%
im Haushalt Tätige
zu qualifizieren, was zur Anwendung der gemischten Methode
führt
.
Bei der Bestim
mung der Einschränkung im Haushalt können die
Angaben der Beschwerde
führerin gegenüber den Gutachtern des
D._
zu den im Haushalt zu bewälti
genden Arbeiten herangezogen werden
.
Auf die Durchführung einer Haushaltab
klärung ist daher entgegen der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 6
Ziff.
14) zu verzichten.
6.3
Das Gutachten des
D._
vom 1
6.
November
2020
beruht auf den erforderlichen fachärztlichen Untersuchungen und erweist sich für die streitigen Belange als umfassend.
Die Gutachter gingen
ausreichend auf die geklagten Beschwerden
ein
und setzten sich mit den massgeblichen
Vorakten
auseinander.
Dass die Gutachter
die
gesundheitlichen
Wechselwirkungen
nicht berücksichtigt hätten
, wie die
Beschwerdeführerin beanstandete
(
Urk.
1
S. 5
Ziff.
12),
trifft nicht zu
.
Die Wech
selwirkungen wurden
im Rahmen der
Konsensbeurteilung der Gutachter des
D._
berücksichtigt
.
Insbesondere kann den
festgestellten
Einschränkungen
im Bereich der linken oberen Extremität
gemäss
der Einschätzung durch die Gutach
ter
in einer optimal angepassten Tätigkeit Rechnung getragen werden
.
Im Weiteren besteht d
er Zweck
auch eines
bidisziplinären
Gutachten
s
darin, alle relevanten gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erfassen und die sich daraus je einzeln ergebenden Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in ein Gesamter
gebnis zu bringen. Der abschliessenden, gesamthaften Beurteilung von Gesund
heitszustand und Arbeitsfähigkeit kommt damit dann grosses Gewicht zu, wenn sie auf der Grundlage einer Konsensdiskussion der an der Begutachtung mitwir
kenden Fachärzte erfolgt
(
BGE 143 V 124
E. 2.2.4, 137
V 210 E. 1.2.4; Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_84/2022 vom 1
9.
Mai 2022 E. 5.1,
8C_483/2020 vom 2
6.
Oktober 2020 E. 4.1 mit Hinweisen).
Häufig besteht kein Anlass, unter verschiedenen medizinischen Titeln ausgewiesene Teilarbeitsunfähigkeiten zu kumulieren, da der Umfang der grössten Teileinschränkung auch die weiteren Entlastungserfordernisse abdeckt. Selbst wenn sich beispielsweise neben einer aus psychiatrischer Sicht eingeschränkten Arbeitsfähigkeit zusätzlich noch eine somatisch begründbare "quantitative" Arbeitsunfähigkeit isoliert darstellen liesse, könnte daraus nicht ohne weiteres auf eine Erhöhung der insgesamt, aus sämtli
chen Beschwerden resultierenden Arbeitsunfähigkeit geschlossen werden. Eine einfache Addition verschiedener Teilarbeitsunfähigkeiten kann je nach den konkreten Fallmerkmalen ein zu hohes oder zu niedriges Ergebnis zeitigen (SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43, I 514/06 E. 2.1; Urteile 8C_793/2017 vom
8.
Mai 2018 E. 5.3 und 9C_345/2017 vom 3
0.
August 2017 E. 3.3.1). Ob sich die einzelnen aus mehreren Behinderungen resultierenden Einschränkungsgrade summieren und in welchem Masse, betrifft eine spezifisch medizinische Problematik und Einschät
zung, von der das Gericht grundsätzlich nicht abrückt (Urteil
e des Bundesgerichts
8C_483/2020 vom 2
6.
Oktober 2020 E. 4.1
,
9C_461/2019 vom 2
2.
November 2019 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen).
Vorliegend erklärten die
Gutachter
im Rahmen der Konsensbeurteilung
in nachvollziehbarer Weise, dass es in der angestammten Tätigkeit zu einer teilweisen Addition der somatischen und psy
chischen Einschränkung kommt, sodass eine Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit von
insgesamt
70
%
resultiert. Davon abzuweichen, wie von der Beschwerdeführerin beantragt (vgl.
Urk.
1 S. 5 f.
Ziff.
12), bestehen keine Gründe. In angepasster Tätigkeit zu berücksichtigen ist ferner lediglich die Einschränkung aus psychiatrischer Sicht
,
so dass für
eine
solche Tätigkeit
aus rheumatologischer Sicht
von einer
Ar
beitsfähigkeit
von 100
%
und gesamthaft von 80
%
ausge
gangen werden kann
(E. 4.3.2)
.
Insgesamt vermag d
as Gutachten des
D._
somit
sowohl in Bezug auf die gestellten Diagnosen, die
Beurteilung der
medizinischen Situation
als auch die
Schlussfolgerungen
hinsichtlich die Arbeitsfähigkeit
zu überzeugen.
Es
erlaubt zudem die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens.
Das Gutachten erfüllt
daher die Anforderungen an den Beweiswert eines medizinischen Gutach
tens (vgl. E. 5.1).
Da auf das Gutachten abgestellt werden kann, erübrigen sich wei
tere medizinische Abklärungen.
6.4
Die Gutachter des
D._
konnte
n
den
von
Dr.
C._
festgestellten
Befund und die von ihm gestellten Diagnosen
einer Angststörung mit Panikattacken
und eine
r
mittlere
n
bis schwere
n
depressive
n
Episode nicht bestätigen.
Gemäss
Dr.
F._
wirkte
die
Beschwerdeführerin bei der Begutachtung beispielsweise psychomoto
r
isch durchaus rege und lebhaft
und
konnte
sich auf die jeweiligen Gesprächs
inhalte und G
esprächstempi ein- und
umstellen.
Die
Konzentration und die Umstellungsfähigkeit
hatten auch
gegen Ende der Exploration nicht nachge
lassen.
Gutachter
Dr.
F._
stellte
aufgrund de
r
von ihm erhobenen B
efunde
darauf ab,
dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit Beginn der Behandlung durch
Dr.
C._
im Jahr 2017 im Sinne einer Teilremission der depressiven Symptomatik
verbessert hat
(vorstehend E. 4.3.4)
.
Dass sich der Gesundheitszustand seit der Begutachtung
erneut
verschlechtert haben könnte,
ist dagegen nicht erstellt
.
G
emäss RAD-Arzt
Dr.
G._
erhält der Bericht
von
Dr.
C._
vom 2
0.
Mai 2021
keine neuen Befunde, die nicht bereits
im Rahmen des
psychiatrischen
Teilg
utachtens
diskutiert worden wären (E. 4.6 hier
vor).
Im Bericht vom 2
0.
Mai 2021
wurden
zudem zahlreiche Passagen aus dem früheren Bericht vom 2
9.
Mai 2019
teils wörtlich wiederholt
(vgl.
Urk.
7/54
S. 4,
S.
5 oben,
Urk.
7/103
S. 2 f.
).
Die Einschätzung
durch
Dr.
C._
ist
daher
z
urückhaltend zu bewerten. In diesem Zusammenhang ist zudem auf die Erfah
rungstatsache hinzuweisen, wonach Hausärzte - beziehungsweise regelmässig behandelnde Spezialärzte (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 551/06 vom
2.
April 2007 E. 4.2) - mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen.
Es ist daher auf die Beurteilung durch die Gutachter des
D._
abzustellen.
Im Bericht von
Dr.
C._
vom 2
0.
Mai 2021 finden sich sodann keine Hinweise auf eine du
rchgemachte Covid-19-Infektion
oder auf darauf zurückzuführende bleibende psychische Veränderungen (vgl. auch
Urk.
3 S. 1)
, wie die Beschwer
deführerin geltend machte (
Urk.
1 S. 6
Ziff.
13).
Es ist daher nicht davon auszu
gehen,
dass
aufgrund der durchgemachten Erkrankung die Einschätzung der
D._
-Gutachter nicht mehr zutrifft.
6.5
Gutachter
Dr.
F._
nannte als Diagnose mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelschwere depressive Episode
. Die diagnostizierte chronische Schmerzstörung wirkt sich gemäss
Dr.
F._
nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus
(E. 4.3.4 hiervor)
.
Nach dem
psychiatrische
n
Teilgutachte
n
vo
n
Dr.
F._
erweisen sich die diagnoserele
vanten Befunde
als nicht
schwerwiegend ausgeprägt.
Die Beschwerdeführerin
befindet sich seit
Mai 2017 erneut in ambulanter psychiatrischer Behandlung.
Aktuell erfolgt die Behandlung
jedoch
lediglich mit
einer Frequenz von einer Sitzung
im
Monat (E. 4.3.3).
Im Hinblick auf den
Behand
lungs- und Eingliede
rungserfolg der bisherigen Therapien
besteht daher noch
ein
Verbesserungs
potential im Sinne einer Intensivierung der psychiatrischen Behandlung.
Dr.
F._
wies zudem darauf hin, dass sich die Beschwerdeführerin in ihrer Lebens
situation eingerichtet hat (E. 4.3.4). Der Komplex «Gesundheitsschädigung»
ist daher
nicht schwerwiegend ausgeprägt.
Dr.
F._
verneinte
das Vorliege
n einer Persönlichkeitsstörung (E. 4.3.4). Die Beschwerdeführerin verfügt
sodann
über gute Kontakte in der V
erwandtschaft und über Bekanntschaften
(vorstehend E. 4.3.3).
Eine soziale Isolierung
oder ein sozialer Rückzug besteht somit nicht
. Der psychiatrische Gutachter wies zudem
auf die fehlende Konsistenz der
erhobenen Befunde zur geschilderten Schmerz
problematik
hin
. Nach dem psychopathologischen Befund bestehen zudem keine derart gravierenden depressiven Züge, wie die Beschwerdeführerin zunächst gel
tend machte
(E. 4.3.4). Aus psychiatrischer Sicht ist daher nach
der
Prüfung der Standardindikatoren, wie von den Gutachtern attestiert, von einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 80
%
auszugehen.
6.6
Gesamthaft ist somit
auf das Gutachten des
D._
abzustellen. Im Vergleich zum Zeitpunkt der Verfügung vom 2
3.
September 2013 (
Urk.
7/51), in welchem keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt und eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert wurde (vgl. vorstehend E. 3.2.2), ist somit eine wesent
liche Veränderung des Gesundheitszustandes eingetreten. Zu prüfen bleibt, ob sich diese rentenbegründend auswirkt.
6.
7
Das
von der Beschwerdeführerin zuletzt erzielte Einkommen
, umgerechnet auf ein volles Erwerbspensum
,
von
Fr.
35'831.-- (
Fr.
13'650.-- : 16 x 42
; vgl.
Urk.
7/104/2
Ziff.
2.3,
Urk.
7/104/4
Ziff.
5.1
; vgl. auch
Urk.
7/58
)
, liegt deutlich mehr als 5
%
unter dem gemäss LSE 2018 TA1_tirage_skill_level in einer einfa
chen Tätigkeit körperlicher oder handwerklicher Art (Kompetenzniveau eins) erzielbaren
massgeblichen (Invaliden-)
Einkommen von
Fr.
52'452.
— bei 100
%
(
Fr.
4'371.— x 12; ohne Berücksichtigung der betriebsüblichen Arbeitszeit). Selbst wenn zu Gunsten der Beschwerdeführerin von einer Parallelisierung
(vgl.
BGE 141 V 1 E. 5.4
,
135 V 58 E. 3.1, 135 V 297 E. 6.1.2
,
134 V 322 E. 4.1)
abgesehen, stattdessen
auch
für die Bestimmung des
Valideneinkommens
direkt
auf die
Tabellenlöhne der
LSE abgestellt und
ein
vorliegend
maximal
zu gewährender
leidensbedingte
r
Abzug von
15
%
gewährt
würde
, resultiert kein rentenbegrün
dender Invaliditätsgrad, weshalb die genaue Bezifferung der Vergleichsein
kommen sowie
die
zutreffende
Höhe
eines allfälligen leidensbedingten Abzugs
letztlich
offen gelassen werden kann
.
Raum für einen über 15
%
gehende
n
bezie
hungsweise für den beantragten
leidensbedingte
n
Abzug
von 25
%
(vgl.
Urk.
1 S. 6
Ziff.
15)
besteht keiner
. Nicht nur wurde der beantragte Abzug kaum begrün
det (genannt wurden das fortgeschrittene Alter und verschiedenartige gesund
heitliche Probleme)
.
Vielmehr hielt auch das Bundesgericht in seiner Rechtspre
chung regelmässig fest, dass das fortgeschrittene Alter für sich keinen Abzug rechtfertigt (BGE 146 V 16 E. 7.2.1 mit Hinweisen, Urteile des Bundesgerichts 8C_296/2020 vom 25. November 2020 E. 6.3.2; 9C_439/2020 vom 18. August 2020 E. 4.5.2 und 8C_179/2018 vom 22. Mai 2018 E. 4.2, je mit Hinweisen). Ausserdem
liegen weder
ausgesprochen
viele oder in
ihrer Ausprägung besonders schwere Diagnosen vor (vgl. vorsehend E. 4.3.5), noch vermögen diese die Arbeitsfähigkeit sowohl qualitativ als auch quantitativ stark einzuschränken, weshalb sich selbst ein Abzug von 15
%
nicht aufdrängt (
vgl. vorstehend E. 5.4)
.
Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass es der Beschwerdeführerin zumutbar ist, in der angestammten Tätigkeit einem 70%-Pensum nachzugehen, was ihrem Erwerbspensum entspricht und somit zu keinem (Teil-)Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich führen würde.
Schliesslich
ist zu erwähnen, dass
die Restarbeits
fähigkeit
trotz des fortgeschrittenen Alters
verwertbar ist, zumal auch die ange
stammte Tätigkeit als zu 70
%
zumutbar erachtet
wurde
(vgl.
BGE 145 V 2 E. 5.3.1, 138 V 457 E. 3.1
).
Somit
würde
in Bezug auf das
Invalideneinkommen
ausgehend vom Tabellenlohn
von
Fr.
52'452.
--
(
Fr.
4'371.
--
x 12
) bei
m zumutbaren Pensum von 80
%
bezie
hungsweise beim Erwerbspensum von 70
%
und unter Berücksichtigung eines hypothetischen
maximalen
leidensbedingten Abzugs von
1
5
%
ein Wert von
Fr.
31’209
.-- (
Fr.
52'452.
--
-
3
0
%
-
1
5
%
=
Fr.
31’209
.--) resultieren. Verglichen mit dem
V
alideneinkommen
von Fr. 52'452.--
ergäbe
dies
ein
en
Invaliditätsgrad von
rund 40
%
(
Fr.
52'452.
--
-
Fr.
31’209
.-- =
Fr.
2
1'243.--
;
Fr.
21'243.--
/
Fr.
52'452.
--
=
40
%
)
, der aufgrund der sozialversicherungsrechtlichen Qualifi
kation (vorstehend E. 6.2) mit 0.7 zu multiplizieren ist, was zu einem relevanten gewichteten
(Teil-)
I
nvaliditätsgrad von
28
%
führt.
Selbst bei einer Einschränkung im Haushalt
von
3
0
%
,
wie von
Dr.
G._
attestiert
(E. 4.4)
,
ergibt sich gewichtet (3
0
%
x 0.3)
lediglich
ein
Teilinvaliditäts
grad von
9
%
,
welcher
addiert mit dem
(
hypothetischen
)
Teilinvaliditätsgrad im Erwerbsbereich von 28
%
immer noch
unter 40
%
liegt.
Die Beschwerdeführerin gab bei der Begutachtung im
D._
zudem an, dass
lediglich
schwerere Arbeiten im Haushalt von ihrer Tochter erledigt würden (E. 4.3.1 hiervor), was gegen eine Einschränkung im Haushalt von 30
%
oder mehr spricht
.
Dies gilt umso mehr, als im Bereich des Haushalts eine weitgehende Schadenminderungspflicht zu beach
ten ist.
Somit
besteht keine Veranlassung, eine Haushaltabklärung durchzu
führen, da nicht anzunehmen ist, dass diese an obigen Schlussfolgerungen etwas zu ändern vermöchte (antizipierte Beweiswürdigung, BGE
136 I 229 E. 5.3
)
.
6.
8
Zusammenfassend besteht verglichen mit den Verhältnissen zum Zeitpunkt der Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 2
3.
September 2013 bei Anwendung der gemischten Methode kein Anspruch auf eine Invalidenrente. Die Beschwerde
gegnerin hat einen Rentenanspruch daher zu Recht verneint.
Nach dem Gesagten erweist sich der angefochtene Entscheid als rechtens. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf
Fr.
8
00.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.