Decision ID: bdd5bfe5-fe81-5efa-b58f-9903dd72c3dd
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X, geboren am xx. Juni 1963, wohnt in Y und ist Geschäftsführer der A GmbH. Er
reichte die Steuererklärung für das Jahr 2019 nicht ein und wurde mit Schreiben vom
8. Juni 2020 erstmals gemahnt. Am 6. Juli 2020 erfolgte die zweite Mahnung unter
Androhung einer Ermessensveranlagung und einer allfälligen Busse. Mit der
Bussenverfügung vom 14. September 2020 wurde X nochmals gemahnt und erneut
unter Androhung einer Ermessensveranlagung aufgefordert, bis am 14. Oktober 2020
die Steuerklärung 2019 mit Beilagen einzureichen. Nachdem er darauf nicht reagiert
hatte, wurde er am 30. Dezember 2020 ermessensweise für die Kantons- und
Gemeindesteuern 2019 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 103'000.– und mit
einem steuerbaren Vermögen von Fr. 207'000.– sowie für die direkte Bundessteuer
2019 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 102'900.– veranlagt. Darauf wandte
sich X mit Schreiben vom 8. Februar 2021 an das kantonale Steueramt und verlangte
eine Überprüfung der Ermessensveranlagungen, weil etwas nicht stimmen könne. Das
kantonale Steueramt nahm dieses Schreiben als Einsprache entgegen und trat mit
Entscheiden vom 17. Februar 2021 darauf nicht ein, und zwar mit der Begründung,
dass die offensichtliche Unrichtigkeit der Ermessensveranlagungen nicht habe
nachgewiesen werden können.
B.- Gegen die Einspracheentscheide vom 17. Februar 2021 erhob X mit Eingabe seiner
Rechtsvertreterin vom 12. März 2021 Rekurs und Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK). Er beantragte, die
Einspracheentscheide seien aufzuheben und die Ermessensveranlagung sei unter
Berücksichtigung der nachträglich erstellten Steuererklärung 2019 zu korrigieren; er sei
hinsichtlich der Kantons- und Gemeindesteuern mit einem steuerbaren Einkommen von
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Fr. 78'400.– und einem steuerbaren Vermögen von Fr. 220'000.– sowie für die direkte
Bundessteuer mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 78'700.– zu veranlagen. Mit
Vernehmlassung vom 14. April 2021 beantragte die Vorinstanz, der Rekurs und die
Beschwerde seien abzuweisen. Der Rekurrent und Beschwerdeführer erhielt
Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen, was er mit Schreiben vom 22. April 2021
machte. Er änderte das Rechtsbegehren dahingehend ab, dass er für die Kantons- und
Gemeindesteuern mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 88'961.– und für die
direkte Bundessteuer mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 88'761.– zu
veranlagen sei. Die Vorinstanz verzichtete auf eine weitere Stellungnahme. Die
Eidgenössische Steuerverwaltung verzichtete gänzlich auf eine Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
I. Prozessuales
1.- Angefochten sind die Einspracheentscheide hinsichtlich der Kantons- und
Gemeindesteuern 2019 und der direkten Bundessteuer 2019. Hierbei handelt es sich
um verschiedene Steuern, welche verschiedenen Gemeinwesen zufliessen und welche
Gegenstand getrennter Veranlagungen und Verfahren sind. Dies bedeutet, dass zwei
Entscheide zu fällen sind, die in einem einzigen Dokument enthalten sein können – der
eine für die Kantons- und Gemeindesteuern und der andere für die direkte
Bundessteuer – mit getrennten Begründungen, wobei Verweisungen zulässig sind, und
eigenen Rechtssprüchen (Dispositiven) oder zumindest einem Rechtsspruch, der die
beiden Steuern ausdrücklich auseinanderhält (BGE 130 II 509 E. 8.3 = Pra 94 [2005]
Nr. 114). Dementsprechend werden der Rekurs und die Beschwerde in einem einzigen
Dokument behandelt und die Steuern im gemeinsamen Rechtsspruch
auseinandergehalten. Spätere höchstrichterliche Differenzierungen bezüglich Form und
Inhalt von Entscheiden (BGE 135 II 260 E. 1.3.1 und 142 II 293 E. 1.2) haben an der
Zulässigkeit dieser Vorgehensweise nichts geändert.
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2.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Rekurs
und Beschwerde vom 12. März 2021 sind rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllen
die gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1,
abgekürzt: StG, bzw. Art. 140 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte
Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz
über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 und Art. 48 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Angefochten sind die
Nichteintretensentscheide der Vorinstanz hinsichtlich der Ermessensveranlagungen der
Kantons- und Gemeindesteuern 2019 und der direkten Bundessteuer 2019. Im
Rechtsmittelverfahren kann deshalb lediglich geprüft werden, ob die Vorinstanz auf die
Einsprache zu Recht nicht eingetreten ist. Die Veranlagung als solche ist hingegen
nicht Gegenstand des Rechtsmittelentscheids. Falls das Gericht zum Schluss gelangen
sollte, die Vorinstanz sei zu Unrecht auf die Einsprache nicht eingetreten, wäre die
Angelegenheit zur materiellen Überprüfung der Veranlagung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Soweit der Steuerpflichtige die Veranlagung inhaltlich beanstandet, ist
deshalb nicht darauf einzutreten. Im Übrigen ist auf den Rekurs und die Beschwerde
einzutreten.
II. Kantons- und Gemeindesteuern
3.- a) Nicht umstritten ist, dass die Vorinstanz den Steuerpflichtigen für die Kantons-
und Gemeindesteuern nach Ermessen veranlagt hat. Gemäss Art. 177 StG nimmt die
Veranlagungsbehörde die Veranlagung unter anderem dann nach pflichtgemässem
Ermessen vor, wenn der Steuerpflichtige seine Verfahrenspflichten trotz Mahnung nicht
erfüllt hat. Da der Rekurrent die Steuererklärung für 2019 trotz Mahnung, Busse wegen
Verfahrenspflichtverletzung und Androhung der Ermessensveranlagung nicht
eingereicht hatte, blieb der Vorinstanz nichts Anderes übrig, als eine Veranlagung nach
pflichtgemässem Ermessen vorzunehmen.
b) Das Gericht hat für den Entscheid die für den konkreten Fall massgeblichen
Rechtsnormen von sich aus festzustellen und anzuwenden. Es kann ein Rechtsmittel
auch aus anderen rechtlichen Überlegungen abweisen oder gutheissen als vorgetragen
wurde. Im vorliegenden Fall stellt sich die Frage, ob die Vorinstanz zu Recht nicht auf
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die Einsprache gegen die Ermessensveranlagung der Kantons- und Gemeindesteuern
2019 eingetreten ist. Obwohl der Rekurrent in seiner Eingabe vom 12. März 2021
diesbezüglich nur vage Ausführungen macht und keine Anträge stellt, ist nach dem
Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen im Folgenden darauf einzugehen.
Im Rekurs vom 12. März 2021 bringt der Steuerpflichtige vor, er habe nicht gewusst,
dass es sich bei der Verfügung vom 30. Dezember 2020 um eine
Ermessensveranlagung gehandelt habe. Dies ist nicht nachvollziehbar. Die Vorinstanz
hat eine Veranlagung nach Ermessen wiederholt angedroht. Zudem ist die Verfügung
vom 30. Dezember 2020 mit "Veranlagungsberechnung (nach Ermessen)" betitelt und