Decision ID: 860072d0-9e72-52a2-b5ec-8d7f1b312b3e
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Der Beschwerdeführer - ein chinesischer Staatsangehöriger tibetischer Ethnie - verliess seinen Wohnort B._ (...) gemäss eigenen  am (...). Nach seinen weiteren Aussagen überquerte er die (...) indische Grenze zu Fuss in Begleitung eines Händlers und unter  der Grenzkontrollen. Der Händler habe ihn einem Inder , mit welchem er nach (...) Aufenthalt in Indien auf dem Luftweg über einen ihm unbekannten Flughafen in ein ihm nicht bekanntes Land gelangt sei. Nach einer fünfstündigen Autofahrt habe ihn der  in einen Zug gesetzt und alle seine Papiere an sich genommen. Nach rund zwei Stunden sei er illegal in der Schweiz angelangt, wo er am 2. November 2006 um Asyl nachgesucht hat.
Die summarische Erstbefragung fand am 13. November 2006 im C._ und die Anhörung zu seinen Asylgründen am 19.  2006 durch das D._ statt.
Zur Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer geltend, er sei als (...) Knabe in das in der Nähe von B._  Kloster E._ eingetreten. Im (...) hätten zwei der Mönche im Dorf Dalai Lama-Anhänger verteilt, welche tibetische Händler aus Indien importiert hätten. Zirka (...) später hätten die Chinesen davon erfahren und die beiden im Kloster festgenommen. Ein LKW-Fahrer, welcher für die Chinesen gearbeitet habe, jedoch ihrem Kloster gut  gewesen sei, habe den Klostervorsteher dahingehend informiert, dass auch den anderen Mönchen die Festnahme drohe. Darauf seien drei Mönche geflüchtet, und auf Anraten des Klostervorstehers sowie nach Absprache mit seiner Familie sei schliesslich auch der  weggegangen. Sein Freund, mit dem er habe flüchten wollen, sei beim schon älteren Klostervorsteher zurückgeblieben. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt sei es zu einem Vorfall mit den Chinesen . Damals habe einer der Mönche ein selbstgemaltes Bild des Dalai Lama aufgestellt, woraufhin die Mönche von Chinesen  worden seien.
B. Mit Verfügung vom 27. Februar 2007, welche dem Beschwerdeführer am 1. März 2007 eröffnet wurde, stellte das BFM fest, der  erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylge-
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such ab und ordnete die Wegweisung an. Gleichzeitig wurde jedoch der Wegweisungsvollzug wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer  Aufnahme aufgeschoben.
C. Mit Rechtsmitteleingabe vom 2. April 2007 beantragte der  durch seinen Rechtsvertreter in materieller Hinsicht unter Kosten- und Entschädigungsfolge die Aufhebung der Ziffer 1 ( der Flüchtlingseigenschaft) des Dispositivs der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und der  des Wegweisungsvollzuges sowie die Anordnung der  Aufnahme. In prozessualer Hinsicht beantragte er die  der unentgeltlichen Rechtspflege und den Verzicht auf die  eines Kostenvorschusses.
D. Mit Zwischenverfügung vom 12. April 2007 verzichtete der  des Bundesverwaltungsgerichts auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und hiess das Gesuch um Gewährung der  Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) gut.
E. Das Bundesamt hielt in der Vernehmlassung vom 25. April 2007 an seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
F. Mit Verfügung vom 31. Mai 2007 wurde dem Beschwerdeführer vom Gericht die Möglichkeit eingeräumt, zu den Bemerkungen der  Stellung zu nehmen, wovon er mit Eingabe vom 14. Juni 2007 fristgerecht Gebrauch machte.
G. Mit Schreiben vom 2. April 2009 erkundigte sich der Beschwerdeführer nach dem Stand des Verfahrens und wies auf die wegen seines Status als vorläufig aufgenommener Ausländer beschränkten  hin.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17.  2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht  gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden  und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Der Beschwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung  berührt, hat ein schutzwürdiges Interesse an deren  beziehungsweise Änderung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist  (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG).
1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen  und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2. 2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person , wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu  bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen  ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).
2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft  oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht,
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wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender  für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
3. 3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden  aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den  an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht , weshalb ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Er sei seiner Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen, indem er es trotz  Möglichkeit unterlassen habe, Identitätspapiere zu . Somit könne seine Identität und ebenso seine angebliche  nicht geglaubt werden. Was die begründete Furcht vor  Verfolgung betreffe, so müsse diese verneint werden, weil der Beschwerdeführer China zwar angeblich heimlich verlassen habe,  noch nicht für längere Zeit im Sinne der Rechtsprechung ( und Mitteilungen der Schweizerischen  [EMARK] 2006 Nr. 1) landesabwesend sei. Der  erfülle somit die Flüchtlingseigenschaft nicht, weshalb das  abzulehnen sei.
3.2 In der Rechtsmitteleingabe vom 2. April 2007 wird lediglich die Aufhebung der Ziffer 1 (Nichterfüllen der Flüchtlingseigenschaft) des Dispositivs der angefochtenen Verfügung beantragt, weshalb die  des Asylgesuches (Ziffer 2 des Dispositivs) in Rechtskraft  ist. Aufgrund der Teilanfechtung bilden somit nur noch die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft wegen subjektiver  und das Absehen des Wegweisungsvollzuges wegen  Verfahrensgegenstand vor dem Bundesverwaltungsgericht, weshalb keine Überprüfung der für die Flucht angeblich Ausschlag  Verfolgungen und der Anordnung der Wegweisung  ist.
3.3 In der Beschwerde wird im Wesentlichen die Praxis der  Asylrekurskommission (ARK) betreffend die subjektiven  im Zusammenhang mit der sogenannten Republikflucht aufgegriffen (vgl. EMARK 2006 Nr. 1). Es bleibt demnach zu prüfen, ob der Beschwerdeführer allenfalls durch die illegale Ausreise aus Tibet
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beziehungsweise China und die Asylgesuchseinreichung im Ausland einen Grund für zukünftige Verfolgung durch die chinesischen  gesetzt hat und damit die Flüchtlingseigenschaft wegen  Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG erfüllt.
3.4 Subjektive Nachfluchtgründe sind dann anzunehmen, wenn eine asylsuchende Person erst durch die unerlaubte Ausreise aus dem - oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der  eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Als subjektive Nachfluchtgründe gelten insbesondere unerwünschte  Betätigungen, illegales Verlassen des Heimatlandes ( Republikflucht [s. vorstehend E. 3.3]) oder Einreichung eines Asylgesuchs im Ausland, wenn sie die Gefahr einer zukünftigen  begründen. Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen  zwar kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig  (vgl. EMARK 2000 Nr. 16 E. 5a S. 141 f., mit weiteren Hinweisen).
3.5 Die ARK hat in EMARK 2006 Nr. 1 festgestellt, dass bei illegal aus China ausgereisten Tibetern, welche - ohne sich vorher länger in  oder Nepal aufgehalten zu haben - in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt haben und hier beziehungsweise in einem westlichen Staat über eine längere Zeit verblieben sind, vom Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe auszugehen ist (vgl. EMARK 2006 Nr. 1 E. 6).
Flüchtlingsrechtlich relevante Übergriffe sind gemäss der bisherigen und weiterhin geltenden Praxis insbesondere dann zu befürchten, wenn die chinesischen Behörden bei der Wiedereinreise auf die  Ausreise und die Stellung eines Asylgesuches im westlichen  aufmerksam werden und somit der Verdacht exilpolitischer  oder staatskritischer Äusserungen aufkommt. Diese Gefahr ist umso grösser, je länger der Aufenthalt im Ausland dauerte. Ab  Zeitpunkt das entsprechende Risiko als nur entfernt möglich oder als überwiegend wahrscheinlich und damit flüchtlingsrechtlich  zu beurteilen ist, ist am konkreten Einzelfall zu messen.
Bei der Beschreibung des Reiseweges durch den Beschwerdeführer fällt auf, dass er nach seinen Angaben zu Indien nur noch wenige  Angaben machte; so konnte er beispielsweise weder die bei der Reise benutzten Flughäfen noch Fluggesellschaften benennen. Demgegenüber fielen die Aussagen zur Ausreise aus Tibet recht  aus; so nannte er den Namen des Händlers, welcher ihn über einen Schleichweg mitten in der Nacht zu Fuss über die indische
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Grenze geführt habe, und er gab auch den Namen des Ortes des Grenzübertrittes an. Es ist daher von der Glaubhaftigkeit der  Aussagen auszugehen, zumal sich aus den Akten keinerlei gegenteilige Hinweise ergeben und die Angaben grundsätzlich  und widerspruchsfrei erfolgten. Das Bundesverwaltungsgericht geht somit davon aus, dass der Beschwerdeführer tatsächlich illegal aus China ausreiste.
Gemäss eigenen Angaben handelt es sich beim Beschwerdeführer um einen (...) jungen Mann, der seit seinem (...) Lebensjahr im Kloster aufgewachsen ist, noch nie zuvor im Ausland war und auch keine  im Ausland hat. Den Akten sind keine Hinweise zu entnehmen, welche Zweifel an diesen Aussagen aufkommen lassen könnten,  von deren Zutreffen auszugehen ist. Bereits aufgrund dieser  und der Tatsache, dass der Beschwerdeführer als noch junger Mann unbegleitet unterwegs ist, dürften sich die chinesischen  Fragen zu seinem Auslandaufenthalt stellen. Hinzu kommt, dass er sich im heutigen Zeitpunkt bereits seit (...) Jahren im Ausland aufhält und vor der Weiterreise in die Schweiz lediglich (...) in Indien verbrachte. Diese Umstände dürften vorliegend die  der Grenzkontrollbehörden wecken. Der Beschwerdeführer hat aus diesem Grund begründete Furcht vor gezielten und intensiven Übergriffen im Falle seiner Wiedereinreise.
Damit ist dem Beschwerdeführer begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zuzuerkennen. Es ist davon , dass er bei einer Rückkehr nach China aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe Verfolgung zu befürchten hat. Nachdem die  des Beschwerdeführers einzig aufgrund des  subjektiver Nachfluchtgründe zu bejahen ist, ist eine  gemäss dem Ausschlussgrund von Art. 54 AsylG .
3.6 Abschliessend ist demnach festzustellen, dass die Vorinstanz  des Bestehens subjektiver Nachfluchtgründe die  des Beschwerdeführers zu Unrecht verneint hat.
4. Das BFM hat den Beschwerdeführer in der angefochtenen Verfügung vom 27. Februar 2007 zufolge Unzumutbarkeit des Vollzugs der  vorläufig aufgenommen. Ein Vollzug der Wegweisung des  durch Rückschaffung in die Volksrepublik China er-
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weist sich mithin nicht nur als unzumutbar, sondern muss überdies  erstellter Flüchtlingseigenschaft auch als unzulässig erachtet werden (vgl. Art. 5 Abs. 1 AsylG; Art. 83 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]).
5. Die angefochtene Verfügung ist daher aufzuheben, soweit sie die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint. Die , in welcher einzig die vorläufige Aufnahme als Flüchtling  wird, ist demnach gutzuheissen.
6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der  Rechtspflege wird damit gegenstandslos.
7. Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens eine Parteientschädigung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Kosten zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem  [VGKE, SR 173.320.2]). Die Parteientschädigung umfasst die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere notwendige Auslagen der Partei (Art. 8 VGKE). Der mit der Beschwerde eingereichten  ist ein Arbeitsaufwand von 7 Stunden und 20 Minuten zu  Stundenansatz von Fr. 150.- zu entnehmen, was dem , nicht übermässig komplexen oder umfangreichen Verfahren nicht als vollumfänglich angemessen respektive notwendig im Sinne von Art. 64 Abs. 1 VwVG erscheint. Unter Berücksichtigung der  Bemessungsfaktoren (Art. 9 - 13 VGKE) und der  in Vergleichsfällen ist der zeitliche Vertretungsaufwand für das Beschwerdeverfahren auf insgesamt 6 Stunden festzusetzen. Dem Beschwerdeführer ist somit eine insgesamt auf Fr. 950.- (inkl.  im Betrag von Fr. 50.-) festzusetzende, von der Vorinstanz zu  Parteientschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 10 und Art. 14 Abs. 2 VGKE).
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