Decision ID: 99540a77-26f9-4b15-b652-3e16af6a61bc
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 05.05.2015 Art. 15 Abs. 1 AVIG, Art. 27 Abs. 2 ATSG. Vermittlungsfähigkeit zwischen Anmeldung und Abreise ins Ausland nicht gegeben, da die Beschwerdeführerin dem Arbeitsmarkt nur für kurze Zeit zur Verfügung gestanden hätte. Beratungspflicht bezüglich der Folgen der geplanten Auslandabwesenheit auf die Vermittlungsfähigkeit. Frage des Vertrauensschutzes bei ungenügender Aufklärung. Rückweisung zu weiteren Abklärungen und zur Beurteilung, ob die Beschwerdeführerin bei rechtzeitiger Aufklärung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die Ferien verzichtet hätte (Entscheid des Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vom 5. Mai 2015,AVI 2014/16).Vizepräsidentin Marie-Theres Rüegg Haltinner, Versicherungsrichter Ralph Jöhl,Versicherungsrichterin Marie Löhrer; a.o. Gerichtsschreiberin Michèle HessEntscheid vom 5. Mai 2015in SachenA._,Beschwerdeführerin,gegenRAV St. Gallen, Unterstrasse 4, Postfach, 9001 St. Gallen,Beschwerdegegner,vertreten durch Amt für Wirtschaft und Arbeit, Rechtsdienst, Davidstrasse 35,9001 St. Gallen,betreffendVermittlungsfähigkeit (zeitliche Einschränkung und Vertrauensschutz)Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 29. Oktober 2013 zur Arbeitsvermittlung und stellte Antrag
auf Arbeitslosenentschädigung (act. G 3.1/A3 und A9). Zuvor war sie bei der Universität
B._ als Sachbearbeiterin tätig gewesen, welche ihr am 28. Oktober 2013 wegen
"mutwilliger Manipulation der Zeiterfassung" fristlos kündigte; die Lohnzahlung erfolgte
bis 31. Oktober 2013 (act. G 3.1/A16 und A10). Die Arbeitslosenkasse des Kantons St.
Gallen eröffnete eine Rahmenfrist für den Leistungsbezug ab 1. November 2013 (act. G
3.1/B34).
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A.b Mit Verfügung vom 3. Dezember 2013 stellte die Arbeitslosenkasse die Versicherte
für 36 Tage ab 1. November 2013 ein, weil ihr vorsorglich ein schweres Verschulden an
der Arbeitslosigkeit anzulasten sei. Nach Beendigung des Rechtsstreites mit der
ehemaligen Arbeitgeberin werde die Arbeitslosenkasse allenfalls auf ihre Verfügung
zurückkommen (act. G 3.1/B23).
A.c Am 11. Dezember 2013 meldete die Versicherte den Bezug von Ferien vom 25.
Dezember 2013 bis zum 31. Januar 2014 (act. G 3.1/A25). Daraufhin wurde sie am
18. Dezember 2013 vom Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum St. Gallen (folgend:
RAV) schriftlich aufgefordert, zu ihrer Vermittlungsfähigkeit ab Antragstellung Stellung
zu nehmen, weil sie innerhalb der ersten drei Monate der Arbeitslosigkeit Ferien von
mehr als vier Wochen beziehen wolle und die Anstellungsaussichten daher gering seien
(act. G 3.1/A27). Die Versicherte machte geltend, sie habe im November/Dezember
2013 zwei Vorstellungsgespräche gehabt, und beide Firmen hätten es begrüsst, wenn
sie die jeweilige Stelle, bei Erhalt, vor den Ferien angetreten hätte. Die Stellen habe sie
dann aufgrund mangelnder Erfahrung nicht erhalten. Sie sei also durchaus
vermittlungsfähig gewesen (act. G 3.1/A30). Mit Verfügung vom 17. Januar 2014
sprach das RAV der Versicherten die Vermittlungsfähigkeit für den Zeitraum vom 1.
November 2013 bis zum 31. Januar 2014 ab (act. G 3.1/A32).
B.
B.a Am 12. Februar 2014 erhob die Versicherte gegen diese Verfügung Einsprache
und beantragte sinngemäss deren Aufhebung sowie die Feststellung ihrer
Vermittlungsfähigkeit. Zur Begründung brachte sie vor, es sei bei beiden
Vorstellungsgesprächen im November 2013 gewünscht worden, dass sie die Stelle, bei
einer allfälligen Anstellung, vor ihren Ferien antreten würde. Sie sei klar
vermittlungsfähig gewesen. Eine Temporärstelle sei zu keinem Zeitpunkt ein Thema

gewesen und auch von der RAV-Personalberaterin nicht in Erwägung gezogen worden,
da sie klar vermittelbar gewesen sei (act. G 3.1/A39).
B.b Mit Entscheid vom 13. März 2014 wies das RAV die Einsprache ab. Es begründete
den Entscheid damit, dass die Versicherte vor ihren unbezahlten Ferien lediglich für
sieben Wochen der Arbeitsvermittlung zur Verfügung gestanden habe. Die
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Abwesenheit habe nachweislich über fünf Wochen gedauert. Dass die zwei
Vorstellungsgespräche wegen fehlender Branchenkenntnis nicht zu einer Anstellung
geführt hätten, sei für die Vermittlungsfähigkeit ebenso wenig relevant wie die
Tatsache, dass Temporärstellen zu keinem Zeitpunkt ein Thema gewesen seien.
Längere geplante Ferien zu Beginn des Arbeitsverhältnisses würden nicht gerne
gesehen. Zudem habe die Versicherte, gemäss den Akten, auch nie die Möglichkeit in
Betracht gezogen, zugunsten einer Anstellung auf die geplante Ferienreise zu
verzichten. Indem sie kurz nach Erhalt der Kündigung über einen Monat eine Reise
nach Australien und Asien geplant habe, habe sie in Kauf genommen, bis zur Rückkehr
Ende Januar 2014 sicher keine Anstellung zu finden. Dies ziehe die Verneinung der
Vermittlungsfähigkeit bis zur Rückkehr nach sich (act. G 3.1/A45).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde vom 26. März
2014, mit welcher die Beschwerdeführerin sinngemäss die Aufhebung des
Einspracheentscheids und die Feststellung ihrer Vermittlungsfähigkeit beantragt. Sie
macht geltend, sie habe ihre Ferien bereits beim Erstgespräch vom 7. November 2013
erwähnt. Das RAV habe ihr mitgeteilt, dass Ferien wie "unbezahlte Ferien" behandelt
würden und es ansonsten keine weiteren Einschränkungen gäbe. Sie sei ihren
Verpflichtungen gegenüber dem RAV stets nachgekommen. Eine E-Mail der
Arbeitslosenkasse bestätige zudem, dass spätestens ab Ende Februar 2014 mit
Arbeitslosenentschädigung zu rechnen gewesen sei. Die unbezahlten Ferien habe sie in
Kauf genommen, da eine Annullierung derselben grosse finanzielle Einbussen bedeutet
hätte. Die Verfügung über ihre Vermittlungsfähigkeit sei ihr während ihrer Abwesenheit
im Januar 2014 zugestellt worden, somit habe sie die Ferien zu diesem Zeitpunkt nicht
mehr rückgängig machen können. Sie weist darauf hin, dass sie nun hoch verschuldet
sei (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 6. Mai 2014 beantragt der Beschwerdegegner, die
Beschwerde sei abzuweisen. Zur Begründung verweist er auf den Einspracheentscheid
vom 13. März 2014. Des Weiteren führt er aus, gemäss Protokoll habe die
Beschwerdeführerin anlässlich des Erstgesprächs erwähnt, dass Ende Jahr längere
Ferien geplant seien. Die konkreten Angaben seien dann erst mittels Eingabe des
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Formulars vom 11. Dezember 2013 erfolgt, woraufhin sich die RAV-Beraterin
umgehend telefonisch mit ihr in Verbindung gesetzt und mitgeteilt habe, dass aufgrund
der Ferienabwesenheit sehr wahrscheinlich die Vermittlungsfähigkeit verneint werden
müsse. Die Beraterin habe die Beschwerdeführerin darauf hingewiesen, dass die
Möglichkeit bestehe, sich von der Arbeitslosenversicherung abzumelden und nach
Rückkehr aus den Ferien wieder anzumelden. Eventuell werde bei späterer Anmeldung
das Verschulden der Beschwerdeführerin an der Arbeitslosigkeit milder beurteilt. Auf
Anfrage habe die Beschwerdeführerin dann von der Arbeitslosenkasse die Auskunft
erhalten, dass die verfügten Einstelltage auch bei einer Abmeldung bestehen bleiben
würden und sie jedenfalls erst nach ihrer Ferienrückkehr Taggelder ausbezahlt erhielte.
Somit stehe fest, dass die Beschwerdeführerin schon vor Antritt der Ferien mit der
fraglichen Vermittlungsfähigkeit konfrontiert worden sei. Dass sie dadurch in finanzielle
Schwierigkeiten kommen werde, sei ihr nachweislich bereits vor den Ferien bewusst
gewesen (act. G 3).
C.c Mit Replik vom 30. Mai 2014 (Postaufgabe) macht die Beschwerdeführerin
geltend, sie habe vom RAV und von der Arbeitslosenkasse verschiedene Auskünfte
erhalten. Sofern ihr die Konsequenzen ihres Ferienbezugs klar mitgeteilt worden wären,
hätte sie die Ferien annulliert. Die Folgen seien ihr jedoch erst nach ihrer Rückkehr aus
den Ferien mitgeteilt worden. Die Beschwerdeführerin macht zudem geltend, dass sie
bereit gewesen wäre, ein Vorstellungsgespräch telefonisch (z.B. über Skype) zu tätigen.
Es sei jedoch nicht zu einer Einladung gekommen. Das Stellenangebot über den
Jahreswechsel sei nicht optimal gewesen (act. G 5).
C.d Der Beschwerdegegner verzichtete auf eine weitere Stellungnahme (act. G7).
Erwägungen:
1.
1.1 Der Anfechtungsgegenstand und damit der maximal mögliche Umfang des Streit
gegenstandes wird in der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege durch die Verfügung
bzw. den Einspracheentscheid bestimmt (BGE 131 V 164 f. E 2.1). Streitgegenstand
des vorliegenden Verfahrens ist einzig die Vermittlungsfähigkeit für die Zeit vom
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1. November 2013 bis zum 31. Januar 2014. Die vorsorgliche Einstellung in der
Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit zufolge fristloser
Kündigung ist nicht Gegenstand dieses Verfahrens.
2.
2.1 Eine der Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ist die
Vermittlungsfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 lit. f des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]). Die
arbeitslose Person ist vermittlungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist,
eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen
(Art. 15 Abs. 1 AVIG). Zur Vermittlungsfähigkeit gehört demnach auch die persönliche
Bereitschaft, die Arbeitskraft entsprechend den persönlichen Verhältnissen während
der üblichen Arbeitszeit einzusetzen (BGE 120 V 388 E. 3a mit Hinweisen).
Wesentliches Merkmal der Vermittlungsbereitschaft ist dabei im Allgemeinen die
Bereitschaft zur Annahme einer Dauerstelle (ARV 2004 Nr. 13 S. 126 E. 2.3 mit Hinweis
= Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; ab 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 17. Juni 2003, C 272/02). Die
Bereitschaft der versicherten Person, eine neue Stelle anzutreten, ist aufgrund
objektiver Kriterien zu prüfen. Der Wille allein oder die bloss verbal erklärte
Vermittlungsbereitschaft der versicherten Person genügen nicht (BGE 122 V 266 f. E.
4). Bei fehlenden Aktivitäten oder bei Dispositionen, die der Annahme der
Vermittlungsbereitschaft entgegenstehen, kann sich die versicherte Person nicht darauf
berufen, sie habe die Vermittlung und Suche einer Arbeit gewollt (BGE 122 V 266 f.
E. 4).
2.2 Um vermittlungsfähig zu sein, muss eine versicherte Person für die Amtsstellen in
der Regel innert Tagesfrist erreichbar und täglich zum Antritt einer Beschäftigung oder
arbeitsmarktlichen Massnahme in der Lage sein (vgl. Thomas Nussbaumer, in: Ulrich
Meyer [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit,
2. A., Rz 268). Eine versicherte Person, die auf einen bestimmten Termin anderweitig
disponiert hat und deshalb für eine neue Beschäftigung nur noch während relativ
kurzer Zeit zur Verfügung steht, gilt in der Regel als nicht vermittlungsfähig (BGE
126 V 521 f. E. 3a; AVIG-Praxis ALE, Januar 2014, Rz B226f.). Entscheidend für die
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Beurteilung des Einzelfalls ist dabei, ob mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit
angenommen werden kann, dass ein Arbeitgeber die versicherte Person für die konkret
zur Verfügung stehende Zeit noch einstellen würde (SVR-ALV 2000 Nr. 1 E. 2a mit
Hinweisen). Sind die Anstellungschancen unter den gegebenen Umständen als gering
zu bezeichnen, so muss die Vermittlungsfähigkeit im Sinn von Art. 15 Abs. 1 AVIG
verneint werden (ARV 1991 Nr. 3 S. 24 E. 2a in fine mit Hinweisen). Gemäss
Rechtsprechung und Verwaltungspraxis wird davon ausgegangen, dass die
Vermittlungsfähigkeit zu bejahen ist, wenn die versicherte Person dem Arbeitsmarkt für
mindestens drei Monate zur Verfügung steht. Steht die versicherte Person weniger als
drei Monate dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, so wird die Vermittlungsfähigkeit anhand
der konkreten Umstände näher geprüft (AVIG-Praxis ALE, Rz B227).
2.3 Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdegegner die Vermittlungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin für den Zeitraum vom 1. November 2013 bis 31. Januar 2014
verneint, da diese vom 25. Dezember 2013 bis 31. Januar 2014 landesabwesend
gewesen sei und vor Reiseantritt nur für kurze Zeit der Arbeitsvermittlung zur
Verfügung gestanden habe (act. G 3.1/A32 und A45). Die Beschwerdeführerin stellt
sich auf den Standpunkt, sie sei vermittlungsfähig gewesen, weil bei ihren beiden
Vorstellungsgesprächen die Ferien keinen Hinderungsgrund für eine Einstellung
dargestellt hätten. Zudem macht sie geltend, sie habe sich während den Ferien wie
vorgeschrieben beworben und ein Vorstellungsgespräch hätte telefonisch (z.B. per
Skype) stattfinden können (act. G 5). Die Modalitäten der Erreichbarkeit werden
zwischen der versicherten Person und der zuständigen Amtsstelle vereinbart (Art. 22
Abs. 4 AVIV). Es ist den Akten nicht zu entnehmen, dass abgemacht worden wäre, die
Beschwerdeführerin müsse nicht auch per Post kurzfristig erreichbar sein. Ohne
Abmachung kann die Versicherte nicht einfach davon ausgehen, die telefonische
Erreichbarkeit sei ausreichend. Selbst wenn die Erreichbarkeit als solche bejaht werden
könnte, wäre die Verfügbarkeit zu verneinen, denn die Rückreise an den Wohnort war
zu weit und zu umständlich, als dass eine kurzfristige Verfügbarkeit angenommen
werden könnte. Die Erreichbarkeit innert Tagesfrist und die tägliche Bereitschaft zum
Antritt der Beschäftigung kann während den Ferien der Beschwerdeführerin in
Australien und Asien nicht bejaht werden (vgl. act. G 3). Somit war die
Beschwerdeführerin während den Ferien vom 25. Dezember bis 31. Januar 2014 nicht
vermittlungsfähig. Zuvor ist sie ab 1. November 2013 etwa sieben Wochen der
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Arbeitsvermittlung zur Verfügung gestanden, womit eine Zeitspanne von weniger als
drei Monaten zur Beurteilung steht. Es sind folglich die konkreten Umstände des
Einzelfalls zu betrachten. Das Verhältnis der Zeit der Anwesenheit vor den Ferien zur
Zeit der Abwesenheit (ca. sieben zu ca. fünf Wochen) ist für die Arbeitsvermittlung
ungünstig. So ist in der Regel ein geplanter längerer Ferienbezug gleich zu Beginn
eines Arbeitsverhältnisses einer Anstellung nicht förderlich. Es werden - wie der
Beschwerdegegner in der Beschwerdeantwort zutreffend ausführt - in der Regel
Personen bevorzugt, welche beim gewünschten Stellenantritt zur Verfügung stehen.
Die Beschwerdeführerin selber gab an, dass beide Firmen, mit denen sie ein
Vorstellungsgespräch führte, einen Stellenantritt vor den Ferien gewünscht hätten. In
beiden Fällen erhielt die Beschwerdeführerin eine Absage, weshalb nicht
ausgeschlossen werden kann, dass die eingeschränkte zeitliche Verfügbarkeit eine
Rolle spielte, auch wenn laut Beschwerdeführerin mangelnde Erfahrung als
Begründung angegeben wurde. Wegen anderweitiger Disposition ist demnach die
Vermittlungsfähigkeit auch in der Zeit ab Antragstellung bis Ferienbeginn nicht
gegeben.
3.
3.1 Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin für die Zeit ab Antragstellung bis Ferien
antritt aufgrund einer Verletzung der Beratungspflicht seitens des Beschwerdegegners
so zu stellen ist, wie wenn ihre Vermittlungsfähigkeit gegeben wäre. Für die Zeit des
Ferienbezugs stellt sich die Frage des Vertrauensschutzes zum vorneherein nicht, weil
die Beschwerdeführerin wusste bzw. darauf hingewiesen worden war, dass ein solcher
nur unbezahlt, d.h. ohne Taggeldzahlung erfolgen könnte.
3.2 Gemäss Art. 27 Abs. 2 Satz 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) hat jede Person Anspruch auf
grundsätzlich unentgeltliche Beratung über ihre Rechte und Pflichten. Diese
Bestimmung stipuliert ein individuelles Recht auf Beratung durch den zuständigen
Versicherungsträger. Die Beratungspflicht der Versicherungsträger und
Durchführungsorgane dient dazu, der berechtigten Person positiv den Weg
aufzuzeigen, auf dem sie zu der gesetzlich vorgesehenen Leistung gelangt. Der
Umfang der Beratung richtet sich in erster Linie nach der Schwierigkeit des jeweiligen
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Normenkomplexes und nach dem Grad der Angewiesenheit der leistungsberechtigten
Person auf beratende Hilfe. Zum Kern dieser Beratungspflicht gehört, die versicherte
Person darauf hinzuweisen, dass ihr Verhalten eine der Voraussetzungen des
Leistungsanspruchs gefährden kann (BGE 131 V 479 f. E. 4.3 mit Hinweisen). Wird
diese Beratungspflicht verletzt, so ist dies einer unrichtig erteilten Auskunft des
Versicherungsträgers gleichzusetzen und dieser hat in Nachachtung der Grundsätze
zum Vertrauensprinzip hierfür einzustehen. Dies gilt insbesondere auch für den Fall, wo
eine Auskunft, entgegen gesetzlicher Vorschrift oder obwohl sie nach den im Einzelfall
gegebenen Umständen geboten war, unterbleibt (BGE 131 V 480 f. E. 5).
3.3 Abgeleitet aus dem Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 9 der Bundesverfassung
[BV; SR 101]), der den Bürger und die Bürgerin in ihrem berechtigten Vertrauen auf
behördliches Verhalten schützt, können falsche Auskünfte von Verwaltungsbehörden
unter bestimmten Voraussetzungen eine vom materiellen Recht abweichende
Behandlung der rechtsuchenden Person gebieten. Gemäss Rechtsprechung und
Doktrin ist dies der Fall, 1. wenn die Behörde in einer konkreten Situation mit Bezug auf
bestimmte Personen gehandelt hat; 2. wenn sie für die Erteilung der betreffenden
Auskunft zuständig war oder wenn die rechtsuchende Person die Behörde aus
zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte; 3. wenn die Person die
Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne weiteres erkennen konnte; 4. wenn sie im
Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositionen getroffen hat, die nicht ohne
Nachteil rückgängig gemacht werden können, und 5. wenn die gesetzliche Ordnung
seit der Auskunftserteilung keine Änderung erfahren hat. Bei unterbliebener - gebotener
- Auskunft gelten diese Grundsätze analog (wobei die dritte Voraussetzung diesfalls
lautet: wenn die Person den Inhalt der unterbliebenen Auskunft nicht kannte oder deren
Inhalt so selbstverständlich war, dass sie mit einer anderen Auskunft nicht hätte
rechnen müssen; BGE 131 V 480 f. E. 5).
3.4 Die Beschwerdeführerin macht sinngemäss geltend, sie sei hinsichtlich der
Auswirkungen der Ferien auf die Vermittlungsfähigkeit ungenügend aufgeklärt worden.
Sie habe bei der Anmeldung ihre Ferien angegeben. Hätte sie um die Auswirkungen
des Ferienbezugs auf den Taggeldanspruch gewusst, hätte sie auf die Ferien
verzichtet. Im Beratungsprotokoll der RAV-Beraterin über das Erstgespräch vom 7.
November 2013 ist denn auch angemerkt worden: "Lange Ferien geplant Ende Jahr".
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Ebenfalls aufgeführt ist, dass die Abwesenheitsmeldung erklärt worden sei, namentlich
dass fünf kontrollfreie Bezugstage ab 60 Taggeldern möglich seien (act. G 3.1/A50). Die
Beschwerdeführerin führt aus, die RAV-Beraterin habe ihr mitgeteilt, die Ferien seien
unbezahlt, ansonsten gäbe es keine Einschränkungen (act. G 1, vgl. auch act. G 3.1/B
37). Wenn die Beschwerdeführerin angab, sie plane Ende Jahr lange Ferien, wenn auch
ohne präzise Daten zu nennen, und sich diesbezüglich nach allfälligen
Einschränkungen erkundigte, so ergab sich daraus ein Beratungsbedarf bezüglich der
Vermittlungsfähigkeit. Denn auf Grund der geäusserten Absicht stand eine Disposition
der Beschwerdeführerin über
einen mehrwöchigen Zeitraum innerhalb der ersten drei Monate der Arbeitslosigkeit im
Raum, welche die Vermittlungsfähigkeit in Frage stellte. Weiter steht aufgrund der
Akten fest, dass die Beschwerdeführerin mit Meldung vom 11. Dezember 2013 Ferien
vom 25. Dezember 2013 bis 31. Januar 2014 anzeigte (act. G 3.1/A25) und gemäss
Protokoll am 13. Dezember 2013 von der RAV-Beraterin telefonisch über eine
drohende Aberkennung der Vermittlungsfähigkeit und damit über eine Gefährdung des
Taggeldanspruchs informiert wurde (act. G 3.1/A50). Somit stellt sich die Frage des
Vertrauensschutzes, wenn die Beschwerdeführerin gestützt auf die Auskunft, es gebe
im Zusammenhang mit dem (unbezahlten) Ferienbezug keine weiteren
Einschränkungen, nach dem Erstgespräch vom 7. November 2013 Dispositionen
getroffen hat, die sie nach Erhalt der Informationen durch die RAV-Beraterin am 13.
Dezember 2013 nicht mehr ohne Nachteil rückgängig machen konnte (act. G 3.1/A50).
Diesbezüglich ist der Sachverhalt zu wenig abgeklärt. Der Beschwerdegegner, an
welchen die Sache zurückzuweisen ist, wird zu ermitteln haben, ob und welche
Dispositionen die Beschwerdeführerin in der Zeit zwischen dem Beratungsgespräch
vom 7. November 2013 und der telefonischen Aufklärung vom 13. Dezember 2013
bezüglich ihrer Ferien getroffen hat und ob sie diese nicht ohne Nachteil hätte
rückgängig machen können (z.B. durch Einholen von Reisebuchungsbestätigungen
und Abklärung der Annulationsbedingungen). Aufgrund dieser Abklärungen wird zu
beurteilen sein, ob die Beschwerdeführerin bei rechtzeitiger Aufklärung (beim
Erstgespräch vom 7. November 2013) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die Ferien
verschoben bzw. darauf verzichtet hätte, um den Taggeldanspruch nicht auch für die
Zeit ab Antragstellung bis Ferienantritt zu verlieren.
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3.5 Gestützt auf diese Überlegungen ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde der
angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung
und anschliessenden Neuverfügung an den Beschwerdegegner zurückzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP