Decision ID: 66292899-59c2-521b-ab0c-220afc0e3ad1
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer gelangte am 10. Juni 2014 in die Schweiz. Am
11. Juni 2014 teilte der rubrizierte Rechtsvertreter dem SEM mittels schrift-
licher Eingabe mit, der Beschwerdeführer beabsichtige, in der Schweiz ein
Asylgesuch zu stellen, wobei er gleichzeitig dessen Asylgründe darlegte.
Am 12. Juni 2014 suchte er formell in der Schweiz um Asyl nach. Am
24. Juni 2014 erhob das damalige BFM (Bundesamt für Migration; heute:
SEM) seine Personalien und befragte ihn zu seinem Reiseweg sowie (sum-
marisch) zu seinen Ausreisegründen. Am 23. Juni 2015 hörte die Vor-
instanz den Beschwerdeführer einlässliche Anhörung zu den Asylgründen
an.
Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie – machte zu seiner Person geltend, er sei in B._ (in der
Schweiz) geboren und habe hier bis zum Besuch der vierten Klasse ge-
meinsam mit seinen Eltern sowie seinen beiden jüngeren Geschwistern
gelebt, wobei er über eine Niederlassungsbewilligung C verfügt habe. Im
Jahr 2005 sei er auf Geheiss seines Vaters gemeinsam mit seinen Eltern
und seinen beiden jüngeren Brüdern nach Sri Lanka zurückgekehrt, wo sie
im Dorf C._ in der Nähe von Jaffna gelebt hätten. Er selbst habe
die Schule in Jaffna besucht und diese im Jahr 2012 mit dem O-Level ab-
geschlossen. Anschliessend habe er ein Jahr lang einen Englisch-Sprach-
kurs besucht. Danach habe er bis zu seiner Ausreise im Juni 2014 in einem
(...) gearbeitet.
Zur Begründung seines Asylgesuches führte er aus, er habe in seiner Ver-
wandtschaft mehrere Personen, nämlich drei Tanten väterlicherseits sowie
zwei Onkel mütterlicherseits, die seit Jahrzehnten in Frankreich, England
und in der Schweiz lebten und sich schon seit langem für die tamilische
Sache beziehungsweise für die LTTE ("Liberation Tigers of Tamil Eelam)
eingesetzt hätten. Im April 2014 seien Angehörige der sri-lankischen Armee
in Zivil erschienen und hätten seine Eltern beziehungsweise seine allein
anwesende Mutter nach ihren im Ausland lebenden und die LTTE unter-
stützenden Geschwistern gefragt. Schliesslich hätten sie ihnen eine Frist
zur Zahlung einer hohen Geldsumme bis Ende Mai 2014 angesetzt, an-
sonsten sie ihn (den Beschwerdeführer) als ältesten Sohn entführen wür-
den. Ende Mai 2014 seien die Armeeangehörigen in seiner Abwesenheit
erneut erschienen und hätten damit gedroht, ihn nun endgültig mitzuneh-
men oder gar zu töten. Aus diesem Grund habe er seine Heimat am 7. Juni
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2014 auf dem Luftweg und mit einem gefälschten Pass verlassen. Ergän-
zend fügte der Beschwerdeführer an, er sei nie Mitglied der LTTE gewesen
und habe sich weder in seiner Heimat noch im Ausland regimekritisch be-
tätigt. Nach seiner Ausreise seien seine beiden jüngeren Brüder an seiner
Statt mit ihrer Entführung bedroht gewesen, weshalb sie ihre schulische
Ausbildung zu ihrem Schutz in einem Internat fortgesetzt hätten.
B.
Mit Verfügung vom 16. Dezember 2015 stellte die Vorinstanz fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte dessen
Asylgesuch mangels Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Fluchtgründe
ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der
Wegweisung an.
C.
C.a Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 25. Januar 2016 erhob der
Beschwerdeführer gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesver-
waltungsgericht. Im Verlaufe des Beschwerdeverfahrens wurde mit Ein-
gabe vom 6. Juni 2017 erstmals geltend gemacht, der Beschwerdeführer
habe mittels Zustellung der Anhörungsprotokolle seiner sich seit Sommer
2015 als Asylsuchende in D._ aufhaltenden Eltern (sowie Ge-
schwister) erfahren, dass seine persönliche Verfolgungssituation nicht –
wie bisher angenommen – auf erpresserische Geldforderungen der sri-lan-
kischen Behörden wegen früherer Aktivitäten von seit Jahrzehnten im Aus-
land befindlicher Verwandter, sondern darauf zurückzuführen sei, dass er
selbst, ohne es zu realisieren, während seiner früheren Tätigkeit in einem
(...) unerlaubte Propaganda für die Erstarkung des tamilischen Separatis-
mus beziehungsweise der LTTE betrieben habe, indem er, ohne diese ge-
lesen zu haben, Werbebroschüren im Auftrag von in der Schweiz lebenden
Personen erstellt und an diese versandt habe. Seine Eltern hätten ihm die
wahren Gründe seiner Verfolgung bis anhin verschwiegen, weil sie be-
fürchtet hätten, dass sich sein psychischer Zustand in Sri Lanka, aber auch
in der Schweiz massiv verschlechtern könnte, falls sie ihm die Wahrheit
erzählen würden.
C.b Mit Urteil D-527/2016 vom 29. Mai 2019 lehnte das Bundesverwal-
tungsgericht die am 25. Januar 2016 gegen die erstinstanzliche Verfügung
erhobene Beschwerde des Beschwerdeführers mangels Glaubhaftigkeit
seiner Asylvorbringen ab. Gleichzeitig bestätigte es dessen Wegweisung
aus der Schweiz und die Anordnung des Vollzugs der Wegweisung.
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Seite 4
D.
D.a Mit an das SEM gerichteter Eingabe vom 18. Oktober 2019 sowie de-
ren Ergänzung vom 11. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer durch sei-
nen Rechtsvertreter ein neues Asylgesuch ein. Dieses wurde im Wesentli-
chen damit begründet, das Asylgesuch müsse mit Blick auf die veränderte
politische Situation in Sri Lanka, namentlich die Machtergreifung durch den
neuen Staatspräsidenten Gotabaya Rajapaksa sowie den neuen Armee-
chef Shavendra Silva, neu beurteilt werden. In diesem Zusammenhang
müssten auch seine familiären Verbindungen zu den LTTE und seine lang-
jährige Anwesenheit in einem tamilischen Diasporazentrum im Ausland be-
rücksichtigt werden. Darüber hinaus habe sich sein psychischer Zustand
verschlechtert, weshalb er aufgrund seines auffälligen Verhaltens bei sei-
ner Ankunft auf dem Flughafen in Colombo auffallen, eingehend befragt
und deshalb einem erhöhten Risiko ausgesetzt sein könnte, Opfer von
asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen zu werden. Jedenfalls aber sprä-
chen seine fachärztlich belegten gesundheitlichen Beschwerden (schwere
Depression, übermässiger Drogenkonsum und autodestruktives Verhalten)
gegen die Annahme der Zumutbarkeit eines Wegweisungsvollzugs, sei
doch die Möglichkeit eines Suizids nicht auszuschliessen.
Mit dem Gesuch wurden vom Rechtsvertreter persönlich verfasste Berichte
zur Lage in Sri Lanka in den Fassungen vom 22. Oktober 2018 und vom
23. Januar 2020, ein Länderupdate vom 26. Februar 2020 sowie einen Zu-
satzbericht zur Lagesituation in Sri Lanka, Stand vom 10. April 2020, je-
weils mit Beilagen auf CD-Rom, eingereicht. Im Weiteren wurden drei ärzt-
liche Berichte vom 17. Oktober 2019, 27. April 2016 sowie vom 17. April
2020 den Beschwerdeführer betreffend zu den Akten gereicht.
E.
Mit Verfügung vom 29. Mai 2020 – eröffnet am 5. Juni 2020 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte das Mehrfachgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz
und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegwei-
sung. Gleichzeitig erhob es eine Gebühr von Fr. 600.–.
F.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 6. Juli 2020 reichte der Be-
schwerdeführer gegen diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwal-
tungsgericht ein. Darin wurden folgende Rechtsbegehren gestellt: Das
Bundesverwaltungsgericht habe nach dem Eingang der vorliegenden Be-
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schwerde unverzüglich darzulegen, welche Gerichtspersonen mit der Be-
handlung der vorliegenden Sache betraut würden. Gleichzeitig habe das
Bundesverwaltungsgericht bekannt zu geben, wie diese Gerichtspersonen
ausgewählt worden seien und, falls in diese Auswahl eingegriffen worden
sei, die objektiven Kriterien bekannt zu geben, nach denen diese Gerichts-
personen ausgewählt worden seien. Dazu sei ihm Einsicht in die Datei der
Software des Bundesverwaltungsgerichts zu gewähren, mit welcher diese
Auswahl nach Eingang der Beschwerde kreiert worden sei und es sei of-
fenzulegen, wer diese Auswahl getroffen habe [1]. Die Verfügung des SEM
vom 29. Mai 2020 sei wegen der Verletzung des Anspruches auf das recht-
liche Gehör [2], eventuell wegen Verletzung der Begründungspflicht [3],
eventuell zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserhebli-
chen Sachverhalts [4] aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventuell sei die angefochtene Verfügung
aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl in der
Schweiz zu gewähren [5]. Eventuell sei die angefochtene Verfügung be-
treffend die Dispositivziffern 4 und 5 (recte wohl: 3 und 4) aufzuheben und
es sei die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzuges festzustellen [6].
Als Beweismittel wurden die bereits im Rahmen des Mehrfachgesuchs zu
den Akten gereichten Lageberichte zu Sri Lanka vom 23. Januar 2020,
26. Februar 2020 sowie vom 10. April 2020 inklusive Beilagen auf elektro-
nischen Datenträgern eingereicht. Im Weiteren wurden Kopien der anony-
misierten Botschaftsabklärung vom 6. November 2019 im Fall N (...) be-
ziehungsweise derjenigen vom 10. Januar 2019 im Fall N (...) zur Behand-
lungsmöglichkeit und -zugänglichkeit von psychologischen Behandlungen
in Sri Lanka eingereicht.
G.
Mit Schreiben vom 7. Juli 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
den Eingang der vorliegenden Beschwerde.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 23. Juli 2020 teilte der zuständige Instrukti-
onsrichter des Bundesverwaltungsgerichts dem Beschwerdeführer mit, er
dürfe den Ausgang seines Verfahrens in der Schweiz abwarten. Weiter
teilte er diesem mit, der Spruchkörper setze sich – unter Vorbehalt allfälli-
ger Wechsel bei Abwesenheiten – aus Richter Walter Lang (Instruktion und
Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Jürg Tiefenthal sowie
Gerichtsschreiber Philipp Reimann zusammen. Gleichzeitig teilte er ihm
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mit, der Spruchkörper sei am 7. Juli 2020 durch eine Mitarbeiterin der
Kanzlei der Abteilung IV mit Hilfe eines EDV-basierten Zuteilungssystems
generiert worden, ohne dass eine Änderung am dergestalt bestimmten
Spruchkörper vorgenommen worden sei. Schliesslich forderte er ihn auf,
bis zum 7. August 2020 einen Kostenvorschuss von Fr. 1500.– einzuzah-
len, ansonsten auf die Beschwerde nicht eingetreten werde.
I.
Mit Eingabe vom 7. August 2020 aktualisierte der Rechtsvertreter des Be-
schwerdeführers seine Einschätzung hinsichtlich der Entwicklung der poli-
tischen Lage in Sri Lanka. In diesem Zusammenhang reichte er einen von
ihm selbst verfassten Rapport Ländersituation zu Sri Lanka vom 11. April
bis 26. Juni 2020 inklusive einer CD-Rom mit nummerierten Beweismitteln
ein. Schliesslich ersuchte er um Erlass der Verfahrenskosten und eventuell
um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und fügte seiner
Eingabe diesbezüglich eine auf die Person seines Mandanten ausgestellte
Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung der ORS Service AG des Kantons
E._ vom 3. August 2020 bei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 2
AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37
VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
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Seite 7
1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5).
2.
2.1 Dem in der Beschwerde gestellten Antrag auf Bekanntgabe des
Spruchkörpers hat das Gericht – unter Vorbehalt allfälliger Wechsel bei Ab-
wesenheiten – bereits mit Zwischenverfügung vom 23. Juli 2020 entspro-
chen, auf welche an dieser Stelle zu verweisen ist (vgl. Sachverhalt Bst. H).
Nachdem der bisherige Drittrichter Jürg Tiefenthal inzwischen in eine an-
dere Abteilung des Bundesverwaltungsgerichts übergetreten ist, wurde
durch eine Mitarbeiterin der Kanzlei mittels des EDV-basierten Zuteilungs-
systems am 22. Februar 2022 neu Richter Daniele Cattaneo als Drittrichter
bestimmt.
2.2 Gemäss Art. 26 Abs. 1 VwVG haben die Partei oder ihr Vertreter An-
spruch darauf, in ihrer Sache folgende Akten einzusehen: Eingaben von
Parteien und Vernehmlassungen von Behörden (Bst. a), alle als Beweis-
mittel dienenden Aktenstücke (Bst. b) und Niederschriften eröffneter Verfü-
gungen (Bst. c). Die Software, mit welcher das Bundesverwaltungsgericht
den Spruchkörper bestimmt, welcher die bei ihm eingereichten Rechtsmit-
tel beurteilt, ist als solche keine das konkrete Verfahren betreffende Akte,
in die Einsicht gewährt werden könnte. Der im Rechtsbegehren [1] mitent-
haltene Antrag, es sei Einsicht in die Datei der Software zu gewähren, mit
welcher der Spruchkörper bestimmt worden sei, ist daher abzuweisen.
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 In der Beschwerde vom 6. Juli 2020 werden verschiedene formelle Rü-
gen erhoben (Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, Verletzung
der Begründungspflicht sowie unrichtige und unvollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts). Diese sind vorab zu beurteilen, da sie al-
lenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu
bewirken (vgl. Rechtsbegehren Ziffn. 2–4 der Beschwerde).
4.2
4.2.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
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Seite 8
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die
Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prü-
fen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht
erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten ein-
lässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi-
derlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
4.2.2 Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein fal-
scher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise
falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den
Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
4.3
4.3.1 Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör des Beschwer-
deführers soll vorab vorliegen, weil das SEM ihn nicht erneut zu seinen
Asylgründen angehört habe. Ausserdem hätte ihm die Vorinstanz vor Er-
lass der angefochtenen Verfügung das rechtliche Gehör zu allfälligen wei-
teren Entwicklungen bezüglich der politischen Lage in Sri Lanka bezie-
hungsweise zur persönlichen Verfolgungssituation gewähren müssen (vgl.
Beschwerde S. 8 f. Ziff. 4.1.1).
4.3.2 Diesbezüglich ist festzuhalten, dass das SEM nicht verpflichtet war,
den Beschwerdeführer erneut anzuhören. Der Entscheid über sein erstes
Asylgesuch ist am 29. Mai 2019 mit dem Urteil D-527/2016 des BVGer in
Rechtskraft erwachsen. Das zweite Asylgesuch wurde (am 18. Oktober
2019) innerhalb der Fünfjahresfrist von Art. 111c AsylG eingereicht. Bei
dieser Konstellation ist eine Anhörung gemäss Art. 29 AsylG grundsätzlich
nicht vorgesehen (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.3). Aufgrund der ihm obliegen-
den Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 8 AsylG) war er gehalten, seine (neuen)
Asylgründe bei der Einreichung des Mehrfachgesuchs substanziiert darzu-
tun und mit entsprechenden Beweismitteln zu belegen. Dies hat der an-
waltlich vertretene Beschwerdeführer denn auch auf 54 Seiten (ohne Bei-
lagenverzeichnis) sowie in seiner ergänzenden Eingabe vom 11. Mai 2020
auf weiteren 15 Seiten schriftlich getan. Die Rüge erweist sich als unbe-
gründet.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
D-3427/2020
Seite 9
4.3.3 Darüber hinaus hatte die Vorinstanz entgegen der Behauptung in der
Beschwerde auch keinerlei Veranlassung, dem Beschwerdeführer vor Er-
lass der angefochtenen Verfügung das rechtliche Gehör zu allfälligen wei-
teren Entwicklungen bezüglich der politischen Lage in Sri Lanka bezie-
hungsweise zur persönlichen Verfolgungssituation zu gewähren, wäre es
doch, wie soeben erwähnt, im Rahmen der Mitwirkungspflicht Sache des
Beschwerdeführers gewesen, allfällige weitere Ausführungen unaufgefor-
dert schriftlich einzureichen. Nach dem Gesagten hat das SEM das recht-
liche Gehör des Beschwerdeführers nicht verletzt.
4.3.4 Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass das SEM in seiner Ver-
fügung vom 29. Mai 2020 den vom Rechtsvertreter im Mehrfachgesuch
vom 18. Oktober 2019 lediglich im Fliesstext (vgl. a.a.O. S. 28 oben), nicht
aber in Form eines formellen Rechtsbegehrens gestellten Antrag auf er-
neute Anhörung seines Mandanten nicht explizit behandelt hat, ist diesem
hierdurch doch – wie aus den vorstehenden Erwägungen ersichtlich – kein
Rechtsnachteil erwachsen.
4.4
4.4.1 Weiter wird geltend gemacht, das SEM habe in seiner Verfügung vom
29. Mai 2020 bei der Prüfung der Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs die Tatsache, dass er in der Schweiz geboren sei und bis
zu seiner Ausreise im Jahr 2005 insgesamt elf Jahre hier gelebt habe, nicht
hinlänglich geprüft. Im Weiteren habe es die aktuelle Lage in Sri Lanka
nicht korrekt gewürdigt und damit seine Begründungspflicht verletzt (vgl.
Beschwerde S. 9 ff. Ziff. 4.2).
4.4.2 In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass das SEM in seiner
Verfügung vom 29. Mai 2020 bei der Sachverhaltszusammenfassung auf
Seite 2 festgehalten hat, der Beschwerdeführer sei in der Schweiz aufge-
wachsen, bis die ganze Familie auf Geheiss seines Vaters im Jahr 2005
nach Sri Lanka zurückgekehrt sei. Darüber hinaus hat das SEM diesbe-
züglich bei der Prüfung der Zumutbarkeit zu Recht auf die Ausführungen
des SEM in seiner Verfügung vom 16. Dezember 2015 (vgl. a.a.O. S. 5,
letzter Absatz) und auf diejenigen im Urteil D-527/2016 vom 29. Mai 2019
hingewiesen, in welchem das Bundesverwaltungsgericht festgehalten hat,
dass der Integrationsgrad eines Asylsuchenden bei der Prüfung der Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Art. 83 Abs. 4 des Bundesge-
setzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer
und über die Integration (Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG,
D-3427/2020
Seite 10
SR 142.20) grundsätzlich keine Rolle spielt (vgl. a.a.O. E. 13.4.2 m.w.H.).
Dem ist nichts hinzuzufügen.
4.4.3 Im Weiteren ergibt sich aus der Verfügung des SEM vom 29. Mai
2020, dass dieses eine ausführliche Beurteilung in Bezug auf die aktuelle
politische Lage in Sri Lanka vorgenommen hat (vgl. a.a.O. S. 3 f. Ziff. IV),
wozu sich der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in seiner Be-
schwerde – wenngleich im Zusammenhang mit der gerügten Verletzung
der Begründungspflicht – einlässlich auseinandersetzen konnte (vgl. a.a.O.
S. 9 ff., Ziff. 4.2).
4.4.4 Bei dieser Sachlage ist festzuhalten, dass sich der Vorwurf, das SEM
habe die Begründungspflicht verletzt, als unhaltbar erweist.
4.5
4.5.1 Zusätzlich wird bemängelt, der rechtserhebliche Sachverhalt sei in
Bezug auf seine individuellen Vorbringen des Beschwerdeführers unvoll-
ständig und unrichtig abgeklärt worden. Die Vorinstanz habe eine unvoll-
ständige Würdigung der Asylvorbringen (insbesondere in Bezug auf seinen
langjährigen Aufenthalt in der Schweiz als Hochburg der tamilischen
Diaspora sowie seine familiären LTTE-Verbindungen) vorgenommen und
dementsprechend bei der Entscheidung nicht berücksichtigt. Im Weiteren
hätten der desolate Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und die
im Rahmen des Mehrfachgesuchs eingereichten entsprechenden Arztbe-
richte keinen Niederschlag in Bezug auf die Bewertung der Glaubhaftigkeit
seiner Asylvorbringen gefunden. Darüber hinaus habe die Vorinstanz die
aktuelle Situation in Sri Lanka unvollständig und nicht korrekt abgeklärt.
Namentlich habe sie die asylrelevante Gefährdung des Beschwerdeführers
aufgrund seiner tamilischen Ethnie, der familiären LTTE-Verbindungen und
des langjährigen Aufenthalts in einem tamilischen Diasporaland nicht rich-
tig abgeklärt. Die allgemeine politische Situation in Sri Lanka habe sich seit
der Machtübernahme durch die neue Regierung unter Gotabaya Rajapa-
ksa im November 2019 nachhaltig verschlechtert. Insbesondere sei es zu
einer Abkehr vom Reform- und Versöhnungsprozess unter der früheren
Regierung, einer zunehmenden Machtkonzentration in den Händen des
Rajapaksa-Clans, einer Militarisierung öffentlicher Institutionen und zu an-
haltenden Festnahmen, Übergriffen und Einschüchterungen gegenüber
Menschenrechtsaktivisten, Journalisten und Angehörigen ethnischer Min-
derheiten gekommen (vgl. Beschwerde S. 16–28, Ziff. 4.3).
D-3427/2020
Seite 11
4.5.2 Hinsichtlich des Einwandes, das SEM habe es in der angefochtenen
Verfügung versäumt, die Glaubhaftigkeit seiner Asylvorbringen gestützt auf
die drei im Rahmen des Mehrfachgesuchs eingereichten ärztlichen Be-
richte beziehungsweise seines desolaten Gesundheitszustandes einer
Neuüberprüfung zu unterziehen (vgl. Beschwerde S. 17 unten) ist zu be-
merken, dass das Bundesverwaltungsgericht im Urteil D-527/2016 vom
29. Mai 2019 festgestellt hat, dieser habe anlässlich seiner Anhörung vom
23. Juni 2015 nicht unter nennenswerten psychischen Schwierigkeiten ge-
litten, da sich sein seelischer Zustand aufgrund der Aktenlage erst nach
Kenntnisnahme der negativen Verfügung des SEM (vom 16. Dezember
2015), also mehr als sechs Monate später, verschlechtert habe (vgl. a.a.O.
S. 18 E. 4.1.2). Auch die im Rahmen des Mehrfachgesuchs eingereichten
drei ärztlichen Berichte enthalten faktisch nur ärztliche Wahrnehmungen
der Gemütslage des Beschwerdeführers für die Zeitspanne nach Eröffnung
der Verfügung des SEM vom 16. Dezember 2015, begann dessen ambu-
lante Behandlung gemäss dem ärztlichen Bericht von Dr. med. F._
vom 27. April 2016 doch erst am 16. März 2016. Vor diesem Hintergrund
sind die Ausführungen im Urteil D-527/2016 vom 29. Mai 2019 im Zusam-
menhang mit der Prüfung der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen des Be-
schwerdeführers nach wie vor gültig. Diesbezüglich kann zwecks Vermei-
dung von Wiederholungen auf die entsprechenden Überlegungen des Bun-
desverwaltungsgerichts im vorgenannten Urteil (vgl. a.a.O. S. 22 ff. E. 6.2
und 6.3) verwiesen werden. Bei dieser Sachlage hatte das SEM keinerlei
Veranlassung (und Berechtigung), in der angefochtenen Verfügung eine
Neuüberprüfung der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen des Beschwerde-
führers aufgrund dessen "desolaten Gesundheitszustandes" vorzuneh-
men, weshalb die Rüge jeglicher Grundlage entbehrt.
4.5.3 Sodann ist festzuhalten, dass in der Beschwerde die formellen As-
pekte einer unvollständigen oder unrichtigen Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts mit der Frage der materiellen Würdigung desselben
vermengt werden. Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung alle
wesentlichen Sachverhaltselemente fest und würdigte die Vorbringen des
Beschwerdeführers vor dem Hintergrund der aktuellen Lage in Sri Lanka.
Allein aus dem Umstand, dass das SEM die Situation in Sri Lanka anders
einschätzt und zu einer anderen Würdigung der Vorbringen gelangt, als
vom Beschwerdeführer respektive dessen Rechtsvertreter verlangt, lässt
sich nicht ableiten, dieses habe den rechtserheblichen Sachverhalt unvoll-
ständig erhoben.
D-3427/2020
Seite 12
4.6 Die formellen Rügen erweisen sich demnach als unbegründet, weshalb
keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben
und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbezüglichen Rechtsbegeh-
ren Ziffern 2–4 sind somit abzuweisen.
5.
5.1 In der Beschwerde wird für den Fall einer materiellen Beurteilung der
Beschwerde durch das Bundesverwaltungsgericht folgende Beweisan-
träge gestellt (vgl. Beschwerde S. 27 Ziffn. 6.1 und 6.2): Er sei erneut an-
zuhören, dies zu denjenigen Sachverhalten, zu welchen er sich bisher noch
nicht habe äussern können (Beweisantrag 1). Um sein absolut fehlendes
familiäres und soziales Netz in Sri Lanka festzustellen, sei eine Botschafts-
abklärung über die Schweizer Botschaft in Colombo vorzunehmen (Be-
weisantrag 2).
5.2
5.2.1 Eine erneute Anhörung des Beschwerdeführers erübrigt sich, ist doch
der Sachverhalt, wie vorstehend aus der Erwägung 4 hervorgeht, hinrei-
chend erstellt. Ohnehin besteht – wie ebenfalls bereits erwähnt – im Rah-
men eines Mehrfachgesuches kein Anspruch auf eine erneute Anhörung
(vgl. BVGE 2014/39 E. 4.3). Die neuen Asylvorbringen des Beschwerde-
führers wurden im Gesuch vom 18. Oktober 2019 sowie dessen Ergänzung
vom 11. Mai 2020 auf insgesamt 69 Seiten (ohne Beilagenverzeichnis) dar-
gelegt. Darüber hinaus handelt es sich beim Rechtsvertreter des Be-
schwerdeführers um einen patentierten Rechtsanwalt mit langerjähriger
Erfahrung auf dem Gebiet des Asylrechts, dem nun bereits in vielen von
ihm geführten Verfahren dargelegt wurde, dass gemäss schweizerischem
Asylrecht Mehrfachgesuche schriftlich einzureichen sind und kein An-
spruch auf eine nochmalige Anhörung besteht. Somit ist Beweisantrag 1
abzuweisen.
5.2.2 Weiter wird beantragt, es sei eine Abklärung via die Schweizer Bot-
schaft in Colombo vorzunehmen, um das absolut fehlende familiäre und
soziales Netz in Sri Lanka festzustellen. Diesbezüglich wird in der Be-
schwerde vom 6. Juli 2020 pauschal festgehalten, die beiden in Sri Lanka
lebenden Grosseltern (mütterlicherseits) des Beschwerdeführers seien
beide um die 80 Jahre alt und könnten ihm daher keine Hilfe sein, sich in
seiner Heimat erneut zu integrieren (vgl. a.a.O. S. 36, Abs. 2). Gleichzeitig
wird in der Beschwerde ausgeblendet, dass sich auch noch eine Gross-
mutter väterlicherseits sowie ein Onkel sowie eine Tante mütterlicherseits
des Beschwerdeführers in Sri Lanka aufhalten (vgl. hierzu Urteil des BVGer
D-3427/2020
Seite 13
D-527/2016 vom 29. Mai 2019 S. 29/30 E. 13.4.1). Deshalb erweist sich
auch eine entsprechende Botschaftsabklärung als entbehrlich, weshalb
der diesbezügliche Antrag ebenfalls abzuweisen ist.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
7.
7.1
7.1.1 In der Beschwerde wird im Rahmen der materiellrechtlichen Ausfüh-
rungen darauf beharrt, dass sämtliche vom Beschwerdeführer vorgebrach-
ten Sachverhaltselemente "entweder mittels objektiven Beweismitteln be-
legt oder aber zumindest im neuen Asylgesuch glaubhaft gemacht worden"
seien. So habe als erstellt zu gelten, dass es Ende April 2014 wegen der
Verbindung seiner Familie zu den LTTE und zum tamilischen Separatismus
zu einer Gelderpressung durch bewaffnete Personen in Zivilkleidung ge-
kommen sei, wobei seiner Familie im Falle der Nichtzahlung des Lösegelds
angedroht worden sei, ihn als ältesten Sohn zu entführen oder gar extrale-
gal hinzurichten. Darüber hinaus habe er selbst, ohne es realisiert zu ha-
ben, im Rahmen seiner Beschäftigung in einem (...) unerlaubtes Propa-
gandamaterial für die Wiedererstarkung des tamilischen Separatismus be-
ziehungsweise die LTTE gedruckt, weshalb er ebenfalls ins Visier der sri-
lankischen Behörden gelangt sei (vgl. Beschwerde S. 27 ff. Ziffn. 7, 8 und
9.1).
D-3427/2020
Seite 14
7.1.2 Wie bereits in E. 4.5.2 ausgeführt, bestand kein Grund, im Rahmen
des vorliegenden Mehrfachgesuchs eine Neuüberprüfung der Glaubhaf-
tigkeit der Vorfluchtgründe des Beschwerdeführers vorzunehmen, weshalb
die diesbezüglichen Ausführungen des Bundesverwaltungsgerichts in sei-
nem Urteil D-527/2016 vom 29. Mai 2019 nach wie vor rechtsverbindlich
sind. Die Vorfluchtgründe des Beschwerdeführers sind demnach auch für
das vorliegende Mehrfachgesuch als unglaubhaft einzustufen. Zur Vermei-
dung von Wiederholungen kann vollumfänglich auf die Ausführungen in
E. 6.2–E 6.4 des Urteils D-527/2016 vom 29. Mai 2019 verwiesen werden.
7.2
7.2.1 Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, er erfülle mehrere der im
Referenzurteil E-1866/2016 vom 15. Juli 2016 definierten Risikofaktoren,
namentlich aufgrund seiner familiären Verbindungen zu den LTTE, insbe-
sondere durch mehrere Familienangehörige, die ihre Heimat aufgrund ihrer
LTTE-Verbindungen (vor Jahrzehnten) hätten verlassen müssen und im
Exil weiterhin "regimekritisch und pro-separatistisch engagiert" seien, sei-
nes eigenen Engagements zugunsten der LTTE, seines langjährigen Auf-
enthaltes in der Schweiz (insgesamt 17 Jahre), fehlender gültiger Reisepa-
piere und seines desolaten psychischen Gesundheitszustandes (vgl. Be-
schwerde S. 31 Ziff. 9.2).
7.2.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 (als Referenzurteil publiziert) festgehalten, bestimmte Risiko-
faktoren (Eintrag in die Stop-List, Verbindung zu den LTTE und exilpoliti-
sche Aktivitäten) seien als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie
unter den im Entscheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine ge-
nommen zur Bejahung einer begründeten Furcht führen könnten. Demge-
genüber würden das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine
zwangsweise respektive durch die Internationale Organisation für Migra-
tion (IOM) begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Narben schwach ri-
sikobegründende Faktoren darstellen. Dies bedeute, dass diese in der Re-
gel für sich alleine genommen keine relevante Furcht vor ernsthaften Nach-
teilen zu begründen vermöchten. Jegliche glaubhaft gemachten Risikofak-
toren seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wechselwirkung sowie unter
Berücksichtigung der konkreten Umstände in einer Einzelfallprüfung zu be-
rücksichtigen, mit dem Ziel, zu erwägen, ob mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bejaht werden müsse
(vgl. a.a.O. E. 8.5.5). Dass sich darüber hinaus aufgrund der vom Rechts-
vertreter in der Beschwerde und in der Eingabe vom 7. August 2020 er-
D-3427/2020
Seite 15
wähnten und dokumentierten Ereignisse, welche seit der Ausreise des Be-
schwerdeführers eingetreten sind, in Sri Lanka das Risiko für tamilische
Rückkehrer, im Falle der Rückkehr Menschenrechtsverletzungen zu erlei-
den, generell verschärft hätte, lässt sich entgegen den in den Eingaben
prognostizierten Gefährdungsszenarien nicht feststellen. Die darin doku-
mentierte Entwicklung verdeutlicht vielmehr, dass die im Referenzurteil
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 erwähnten Risikofaktoren, die zu einer
asylrechtlich relevanten Gefährdung von nach Sri Lanka zurückkehrenden
tamilischen Personen führen können, nach wie vor aktuell und dement-
sprechend weiterhin zu prüfen sind.
7.2.3 Nach Auffassung des Gerichts bestehen nach wie vor keine stichhal-
tigen Gründe zur Annahme, dass der Beschwerdeführer einer der im zitier-
ten Referenzurteil genannten Risikogruppen zuzurechnen ist. Nachdem
die Fluchtgründe des Beschwerdeführers (namentlich seine angebliche
Gefährdung infolge einer Gelderpressung durch Angehörige der sri-lanki-
schen Armee wegen mehrerer seit Jahrzehnten im Ausland befindlicher,
die LTTE unterstützender Verwandter beziehungsweise wegen eigener
propagandistischer Unterstützung der LTTE durch seine frühere Tätigkeit
in einem [...]) im ersten Asylverfahren als unglaubhaft beurteilt wurden und
er selbst persönlich keine Verbindung zu den LTTE aufweist, erfüllt er keine
der oben erwähnten stark risikobegründenden Faktoren. Allein aus der
langjährigen Landesabwesenheit und temporären Reisepapieren kann er
keine Gefährdung ableiten. Insgesamt ist aufgrund der Aktenlage auch im
Rahmen des vorliegenden Mehrfachgesuches nicht anzunehmen, dass
dem Beschwerdeführer persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka
ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. Zudem ist
darauf hinzuweisen, dass die Erfüllung von Risikofaktoren nicht per se
ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zur Folge haben (vgl. a.a.O.
E. 8.5.1 Satz 1).
7.2.4 Die im Beschwerdeverfahren eingereichten Beweismittel, sofern sie
überhaupt rechtserheblich sind, vermögen an dieser Einschätzung nichts
zu ändern. Dabei handelt es sich grossmehrheitlich um Dokumente, wel-
che die allgemeine Lage und die politische Situation in Sri Lanka beschrei-
ben. Der Beschwerdeführer kann daraus keine individuelle Verfolgung ab-
leiten.
7.3 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
D-3427/2020
Seite 16
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Mehrfachgesuch demnach
zu Recht abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach wiederum zu Recht angeordnet
(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
D-3427/2020
Seite 17
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.3 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung zutreffend festge-
halten, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschie-
bung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine Anwendung fin-
det und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshindernisse erkenn-
bar sind. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lasse
die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungs-
vollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als generell unzulässig erscheinen.
Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat wie-
derholt festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkeh-
renden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine
Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil
des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11,
Ziff. 37). Vorliegend ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwer-
deführers noch sonstwie aus den Akten konkrete Anhaltspunkte dafür,
dass ihm bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung droht.
Der Vollzug der Wegweisung ist somit zulässig.
9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.4.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Nach einer eingehen-
den Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundes-
verwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvoll-
zug in die Nordprovinz zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen
Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiä-
ren oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte
Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil
des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2).
D-3427/2020
Seite 18
9.4.2 Hinsichtlich des familiären Beziehungsnetzes des Beschwerdefüh-
rers in Sri Lanka sowie seines Gesundheitszustandes ist vorab auf die Er-
wägungen 13.4.1 im Urteil D-527/2016 vom 29. Mai 2019 zu verweisen.
9.4.3 Diesbezüglich ist unter Bezugnahme auf die vorstehenden E. 5.2.2
nach wie vor davon auszugehen, dass dieser in Sri Lanka auch aktuell über
ein hinreichendes familiäres Beziehungsnetz verfügt, um ihm bei der Neu-
begründung einer wirtschaftlichen Existenz zur Seite zu stehen. Im Weite-
ren ist zur Vermeidung von Wiederholungen auf das Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts D- 527/2016 vom 29. Mai 2019 E. 13.4.1, Abs. 1, 2 und 6
zu verweisen.
9.4.4 Bezüglich des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers hat das
Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil D-527/2016 vom 29. Mai 2019
in Kenntnis des ärztlichen Berichts von Dr. med. F._ vom 27. April
2016 (vgl. dortiger Sachverhalt Bst. J.b) ausgeführt, der Beschwerdeführer
leide gegenwärtig an keinen gesundheitlichen Problemen, die einem Weg-
weisungsvollzug entgegenstünden. Aufgrund der Aktenlage seien dessen
psychische Probleme, die nach Bekanntwerden des negativen Asylent-
scheides vom 16. Dezember 2015 aufgetreten seien, nicht mehr aktuell,
weshalb anzunehmen sei, dass er in seiner Heimat einer Erwerbstätigkeit
nachgehen und sich damit eine Existenzgrundlage aufbauen könne. Er-
gänzend hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, selbst wenn sich in Zu-
kunft vor dem Hintergrund einer drohenden Rückweisung in seine Heimat
abermals eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes einstellen
sollte, was ein häufig beobachtetes Phänomen unter abgewiesenen Asyl-
suchenden sei, lasse dies den Wegweisungsvollzug nicht als unzumutbar
erscheinen, da in Sri Lanka und namentlich auch in Jaffna depressive Er-
krankungen und Alkoholprobleme behandelbar seien (vgl. a.a.O. E. 13.4.1
m.w.H.).
Wie dem im Rahmen des Mehrfachgesuchs vom 18. Oktober 2019 neu
eingereichten ärztlichen Bericht von Dr. med. F._ vom 17. Oktober
2019 zu entnehmen ist, hat der Beschwerdeführer die am 16. März 2016
bei ihm begonnene psychotherapeutische und psychiatrische Behandlung
am 8. August 2017 abgebrochen, um sich bei ihm seit dem 28. September
2019 erneut in ärztliche Behandlung zu begeben. Der behandelnde Arzt
diagnostizierte dabei beim Beschwerdeführer in den ärztlichen Berichten
vom 27. April 2016 beziehungsweise vom 17. Oktober 2019 eine Anpas-
sungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21) respek-
D-3427/2020
Seite 19
tive eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion, ge-
mischt (ICD-10: F43.22), die in der Angst vor einer zwangsweisen Rück-
führung in seine Heimat gründe. Darüber hinaus stellte er beim Beschwer-
deführer Alkoholabusus fest, der mittlerweile in eine Alkoholabhängigkeit
(ICD-10: F10.25) mutiert sei. Hinzu kämen psychische und Verhaltensstö-
rungen durch Alkohol: Schädlicher Gebrauch (ICD-10: F10.1). Dr. med.
G._ diagnostizierte beim Beschwerdeführer in seinem ärztlichen
Bericht vom 17. April 2020 eine schwere depressive Episode ohne psycho-
tische Symptome (ICD-10: F32.2), ebenfalls psychische und Verhaltens-
störungen durch Alkohol und zusätzlich psychische und Verhaltensstörun-
gen durch Cannabinoide: Schädlicher Gebrauch (ICD-10: F12.1). Auch
dem ärztlichen Bericht von Dr. med. G._ ist zu entnehmen, dass die
psychischen Probleme des Beschwerdeführers namentlich darauf zurück-
zuführen sind, dass er nicht in seine Heimat zurückkehren möchte, da er
sich der Schweiz verbunden fühlt, gleichzeitig aber darunter leidet, zufolge
seines Status' als Asylsuchender keine Möglichkeit zu haben, in der
Schweiz eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Die vorstehend erwähnten
ärztlichen Berichte bestätigen im Ergebnis aber lediglich, dass sich die im
Urteil D-527/2016 vom 29. Mai 2019 prognostizierte erneute Verschlechte-
rung der Gemütslage des Beschwerdeführers tatsächlich realisiert hat.
Dies ändert freilich, wie bereits im Beschwerdeurteil D- 527/2016 einläss-
lich thematisiert, nichts daran, dass die im Wesentlichen bereits im ärztli-
chen Bericht vom 27. April 2016 diagnostizierten psychischen Probleme
und die Alkoholerkrankung des Beschwerdeführers dessen Wegweisungs-
vollzug nach Sri Lanka nicht als unzumutbar erscheinen lassen. Diesbe-
züglich kann vollumfänglich auf die entsprechenden Erwägungen im Be-
schwerdeurteil vom 29. Mai 2019, namentlich die bestehenden Behand-
lungsmöglichkeiten in Sri Lanka sowie der Hinweis auf die Möglichkeit der
Ausrichtung einer (medizinischen) Rückkehrhilfe, verwiesen werden.
9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
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10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem dieser
jedoch in seiner ergänzenden Eingabe vom 7. August 2020 um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung ersucht hatte, aufgrund der Ak-
tenlage von der prozessualen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszu-
gehen ist und sich die Beschwerde retrospektiv bezogen auf den Zeitpunkt
ihrer Einreichung nicht als aussichtslos erweist, ist das entsprechende Ge-
such gutzuheissen und auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzich-
ten.
(Dispositiv nächste Seite)
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