Decision ID: 978c1d87-4dd2-5a7e-a6d1-b9a2acf3cf5c
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich im November 2007 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an und beantragte die Ausrichtung einer Rente. Seit Januar
2006 arbeite sie als Mitarbeiterin bei der B._ AG (IV-act. 1).
A.b Im Arztbericht vom 9. Dezember 2007 diagnostizierte Dr. med. C._, FMH Innere
Medizin, einen Status nach Acetabulumfraktur links (Unfall 24. Juni 1994), einen Status
nach Osteosynthese, chronische Hüftschmerzen links und Dauerschmerzen im
Rücken. Seit 5. Dezember 2007 bestehe in der bisherigen Tätigkeit eine volle
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 12). Am 1. Februar 2008 veranlasste die IV-Stelle eine
orthopädische Begutachtung bei Dr. med. D._, Orthopädie FMH (IV-act. 20). Im
Gutachten vom 14. Juli 2008 stellte Dr. D._ die Diagnosen Osteochondrose L4/5 und
L5/S1, beginnende Coxarthrose links, verheilte Acetabulumfraktur links nach
Osteosynthese 1994 und Irritation des N. cutaneus femoris lateralis links. Aufgrund
dieser Diagnosen sei der zuletzt innegehabte Arbeitsplatz als angepasste Tätigkeit zu
betrachten. Es seien Wechselpositionen möglich gewesen und es hätten keine Lasten
gehoben werden müssen. Bei einer solchen Beschäftigung wäre aufgrund vermehrter
Positionswechsel und Pausen höchstens eine zeitliche Einbusse von 20% zu
attestieren (IV-act. 24).
A.c Mit Vorbescheid vom 29. Juli 2008 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, dass sie keinen Anspruch auf eine Invalidenrente habe. Die Abklärungen
hätten ergeben, dass sie zu 50% als Erwerbstätige und zu 50% als Hausfrau zu
qualifizieren sei. Aus medizinischer Sicht sei die früher ausgeübte Tätigkeit zu
mindestens 50% zumutbar und auch im Haushalt bestehe keine Einschränkung (IV-act.
28). Gegen den Vorbescheid liess die Versicherte am 30. September 2008 Einwand
erheben (IV-act. 32). Mit Verfügung vom 1. September 2009 eröffnete ihr die IV-Stelle,
dass bei einem Invaliditätsgrad von 20% kein Rentenanspruch bestehe. Aufgrund der
vorgebrachten Einwände sowie der weiteren Abklärungen sei sie zu 100% als
Erwerbstätige einzustufen. Aus medizinischer Sicht sei die bisherige Tätigkeit noch zu
80% zumutbar (IV-act. 44).
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B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Roland
Hochreutener, St. Gallen, eingereichte Beschwerde vom 29. September 2009 mit den
Anträgen, die Verfügung vom 1. September 2009 sei aufzuheben und die Streitsache
sei zur Durchführung weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Auf das Gutachten von Dr.
D._ könne nicht abgestellt werden. Aufgrund von Widersprüchen und Unklarheiten
seien weitere Abklärungen zwingend geboten. Insbesondere seien die ärztlichen
Berichte von Dr. med. E._, Institut für Anästhesiologie des Kantonsspitals St. Gallen,
bei welchem die Beschwerdeführerin nach wie vor in regelmässiger Behandlung
(Schmerztherapie) stehe, und vom behandelnden Psychiater, Dr. med. F._ in die
Beurteilung mit einzubeziehen (act. G 1). Zusätzlich zur Beschwerde legte der
Rechtsvertreter einen Bericht von Dr. E._ vom 18. Juni 2009 sowie einen Bericht von
Dr. C._ vom 21. September 2009 ins Recht (act. G 1.1.2-3).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 23. November 2009 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Das Gutachten von Dr. D._
entspreche den Anforderungen der Rechtsprechung, weshalb sich die
Beschwerdegegnerin zu Recht darauf abstütze. Von zusätzlichen Abklärungen seien
keine weiterführenden Erkenntnisse zu erwarten (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 14. Dezember 2009 hält der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin unverändert an den gestellten Anträgen fest (act. G 6).
B.d Mit Schreiben vom 5. Januar 2010 teilte die Beschwerdegegnerin den Verzicht auf
eine Duplik mit (act. G 8).
B.e Auf die weiteren Vorbringen der Parteien wird, soweit entscheidwesentlich, im
Rahmen der Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
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1.1 Zu prüfen ist vorliegend, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente zu Recht abgelehnt hat.
1.2 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für
einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG
durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
1.3 Die Rentenabstufungen nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) geben bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50% Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 60% Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 70% Anspruch auf eine ganze Rente.
1.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Die Versicherungsträger und die
Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
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Belange umfassend ist, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in
der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten
begründet sind. Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen. Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens vom Versicherungsträger
eingeholten Gutachten von externen medizinischen Fachpersonen, die auf Grund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (zum Ganzen BGE
125 V 353 f. E. 3).
2.
2.1 Zu prüfen ist vorab, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt. Die
Beschwerdegegnerin stützt sich in der angefochtenen Verfügung auf das Gutachten
von Dr. D._ vom 14. Juli 2008 und die darin festgelegte 80%ige Arbeitsfähigkeit in
der angestammten oder einer angepassten Tätigkeit. Die Beschwerdeführerin ist
hingegen der Ansicht, dass auf das Gutachten von Dr. D._ nicht abgestellt werden
könne.
2.2 Konkret beanstandet die Beschwerdeführerin, dass Dr. D._ nicht begründe,
weshalb die zuletzt ausgeübte Tätigkeit - im Widerspruch zur hausärztlichen
Beurteilung - als angepasst und zumutbar zu gelten habe, obwohl sie die Position nicht
regelmässig habe wechseln können.
2.2.1 Die ehemalige Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin teilte im "Fragebogen
für Arbeitgebende" der Beschwerdegegnerin mit, dass die Beschwerdeführerin
während der letzten Tätigkeit jeweils 2 Stunden gesessen und gestanden sei (IV-act.
11/6). Ob die Beschwerdeführerin die Position dabei regelmässig wechseln konnte, ist
dem Schreiben nicht zu entnehmen. Für die vorliegend zu beurteilende Frage des
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Rentenanspruchs ist allerdings unerheblich, ob die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
optimal angepasst zu geltend hat, da die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der
angefochtenen Verfügung nicht mehr in einem Arbeitsverhältnis stand und daher
rechtsprechungsgemäss für die Berechnung des Invalideneinkommens die
Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) heranzuziehen sind (vgl. nachfolgende Erwägung 3.2).
Entscheidend ist somit lediglich, dass Dr. D._ in seinem Gutachten nachvollziehbar
beschrieben hat, dass eine angepasste Beschäftigung die Möglichkeit zum
Positionenwechsel und zu vermehrten Pausen beinhalten müsse und dass bei der
Tätigkeit keine Lasten zu heben seien. Diese Einschätzung steht im Übrigen
weitestgehend im Einklang mit der Beurteilung von Dr. C._ im Bericht vom 21.
September 2009, wonach die Beschwerdeführerin in einer optimal angepassten
Tätigkeit regelmässig ihre Position wechseln können müsse, der Raum warm sein
müsse, regelmässig Pausen eingehalten werden müssten, keine zu schweren Lasten zu
heben seien und Hektik am Arbeitsplatz zu vermeiden sei (act. G 1.1.2). Es sind somit
bei einer angepassten Tätigkeit keine spezifischen Einschränkungen zu
berücksichtigen, die weitere Abklärungen im Sinn einer EFL (Evaluation der
funktionellen Leistungsfähigkeit) oder in einer BEFAS erfordern würden. Da von einer
solchen Abklärung deshalb keine neuen relevanten Erkenntnisse zu erwarten sind,
kann darauf verzichtet werden (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 122 V 157 E.
1d).
2.3 Im Weiteren macht die Beschwerdeführerin geltend, dass Dr. D._ ohne kritische
Auseinandersetzung mit der abweichenden Einschätzung des Hausarztes lediglich von
einer 20%igen Einbusse ausgegangen sei.
2.3.1 Dieser Auffassung der Beschwerdeführerin kann nicht gefolgt werden.
Dr. D._ hat sich im Gutachten vom 14. Juli 2008 hinreichend mit dem Arztbericht von
Dr. C._ vom 9. Dezember 2007 auseinandergesetzt. Insbesondere hat er die
erhobenen Befunde mit seinen eigenen Untersuchungen verglichen und anschliessend
nachvollziehbar eine volle Arbeitsunfähigkeit ausgeschlossen (IV-act. 24/4 und 8). Weil
die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit von Dr. C._ grundsätzlich unbegründet ist und
hauptsächlich auf der subjektiven Einschätzung der Beschwerdeführerin basiert, wäre
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grundsätzlich eine Auseinandersetzung mit der Beurteilung von Dr. C._ ohnehin gar
nicht zwingend notwendig gewesen.
2.4 Letztlich vermögen auch die weiteren Einwände der Beschwerdeführerin an der
Beweiskraft des Gutachtens von Dr. D._ nichts zu ändern. Insbesondere hat die
Einschätzung von Dr. D._, wonach keine therapeutischen Massnahmen zur
Verbesserung des Gesundheitszustands zur Verfügung stehen würden, vorliegend
keinen entscheidwesentlichen Einfluss auf einen allfälligen Rentenanspruch. Auch
wenn Dr. E._ nach der Durchführung einer lumbalen Sympaticusblockade von einer
möglichen Verbesserung des Gesundheitszustands ausgeht, vermag diese Ansicht
noch nicht die Beweiskraft des Gutachtens von Dr. D._ zu schmälern.
2.5 Insgesamt sind keine Indizien auszumachen, welche gegen die Zuverlässigkeit
des Gutachtens von Dr. D._ sprechen würden. Es beruht auf eigenständigen
Untersuchungen (inkl. Anfertigung von neuen Röntgenbildern) und erscheint für die
streitigen Belange umfassend. Die Vorakten und die geklagten Beschwerden der
Beschwerdeführerin wurden hinreichend berücksichtigt und in die Beurteilung mit
einbezogen. Das Gutachten leuchtet in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Vor diesem
Hintergrund vermögen die darin enthaltenen Schlussfolgerungen, insbesondere die
80%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit, zu überzeugen.
2.6 Zu prüfen bleibt, ob aufgrund der vorliegenden Akten für den Zeitraum zwischen
dem Gutachten vom 14. Juni 2008 und dem Erlass der angefochtenen Verfügung am
1. September 2009 weitere medizinische Abklärungen angezeigt gewesen wären. Der
Bericht von Dr. E._ vom 18. Juni 2009 vermag keine Notwendigkeit zur Durchführung
von weiteren Abklärungen zu begründen, namentlich - wie bereits dargelegt -, ist keine
EFL angezeigt, insbesondere auch deshalb nicht, weil sich die Beschwerdeführerin
selbst als 100% arbeitsunfähig erachtet (vgl. IV-act. 12). Der Bericht von Dr. C._ vom
21. September 2009 ist erst nach der angefochtenen Verfügung ergangen. Allerdings
ergäbe sich selbst bei dessen Berücksichtigung kein weiterer Abklärungsbedarf. Der
Bericht ist insofern widersprüchlich, als Dr. C._ darin eine langjährige Depression
beschreibt, der Arztbericht vom 9. Dezember 2007 hingegen keinerlei Hinweise auf eine
psychische Komponente enthält. Im Übrigen macht Dr. C._ insbesondere keine
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Verschlechterung des Gesundheitszustands geltend, im Gegenteil geht er im Bericht
vom 21. September 2009 von einer 80%igen Arbeitsunfähigkeit und somit von einer
Steigerung der Arbeitsfähigkeit (im Bericht vom 9. Dezember 2007 bestand noch eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit) aus. Selbst wenn also von einer psychischen Komponente
auszugehen wäre - die Beschwerdeführerin teilte erstmals in der Beschwerde mit, in
psychiatrischer Behandlung zu stehen - ist damit noch nicht automatisch eine relevante
Auswirkung auf die Restarbeitsfähigkeit erstellt. Aufgrund dieser Aktenlage erscheint
der medizinische Sachverhalt für den massgebenden Zeitraum als genügend abgeklärt.
Von weiteren medizinischen Untersuchungen sind keine neuen Erkenntnisse zu
erwarten, weshalb dem Antrag der Beschwerdeführerin nicht entsprochen werden kann
(antizipierte Beweiswürdigung). Sollte sich der Gesundheitszustand der Versicherten
nach Erlass der angefochtenen Verfügung in rententangierender Weise verschlechtern,
steht es ihr selbstverständlich frei, sich erneut zum Bezug von IV-Leistungen zu
melden.
3.
3.1 Ausgehend von einer Restarbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von 80%
gilt es die erwerblichen Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen.
3.2 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Die
Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Es ist in der Regel vom
letzten Lohn, welchen die versicherte Person vor Eintritt der Gesundheitsschädigung
erzielt hat, auszugehen (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Mai 2001, I 42/01, mit
Hinweisen). Diese Praxis wird mit der empirischen Feststellung begründet, dass die
bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall in der Regel weitergeführt worden wäre (Urteil
des Bundesgerichts vom 29. August 2002, I 97/00). Für die Bestimmung des
Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen,
in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes
Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung
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Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 76 f. E. 3b/aa und
bb, mit Hinweisen).
3.3 Für das Valideneinkommen ist demnach auf das von der Beschwerdeführerin im
Jahr 2006 zuletzt erzielte Einkommen bei der B._ AG abzustellen. Dabei erzielte sie -
aufgerechnet auf ein 100% Pensum - ein Einkommen von Fr. 40'219.-- (vgl. IV-act.
11/3). Der von der Beschwerdeführerin erzielte Lohn liegt deutlich unter dem
Durchschnittslohn für eine Hilfstätigkeit gemäss LSE. Für das Jahr 2006 betrug dieser
Fr. 50'278.-- (LSE 2006 Tabelle TA1, Anforderungsniveau 4, durchschnittliche
wöchentliche Arbeitszeit 41.7 Stunden). Da keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass
die Beschwerdeführerin sich aus freien Stücken mit einem bescheidenen
Einkommensniveau hätte begnügen wollen, sind das Validen- und das
Invalideneinkommen auf der gleichen Grundlage zu bestimmen. Sind demnach
Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom selben Lohn zu berechnen, erübrigt
sich deren genaue Ermittlung. Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung des Abzugs vom Tabellenlohn (sogenannter
Leidensabzug; vgl. zur Parallelisierung der Vergleichseinkommen bei Minderverdienst
SVR 2008 IV Nr. 2 S. 3 E. 5.4).
3.4 Zu beurteilen bleibt daher noch die Frage, in welchem Umfang ein sogenannter
Leidensabzug auf dem Invalideneinkommen vorzunehmen ist. Nach der
Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt werden, um
dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu
verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78 E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung
hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen - auch von invaliditätsfremden
Faktoren - des konkreten Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung,
Alter, Dienstjahre, Nationalität /Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Eine schematische
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Vornahme des Leidensabzugs ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI
2002 S. 62 und BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen). Dabei ist zu beachten, dass
allfällige bereits bei der Parallelisierung der Vergleichseinkommen mitverantwortliche
invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des sogenannten Leidensabzugs nicht
nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 328 E. 5.2).
3.5 Unter Berücksichtigung der gesamten Aktenlage erscheint vorliegend die
Vornahme eines Abzugs vom Tabellenlohn nicht gerechtfertigt. Der Invaliditätsgrad
beträgt dementsprechend 20%, weshalb die Beschwerdegegnerin einen
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht abgelehnt hat.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gegen die Verfügung
vom 1. September 2009 abzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen. Der von ihr geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr daran
anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP