Decision ID: b4727d6d-2f9d-4151-9964-e2383408a394
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorien B seit 21. Juli 1978. Mit Verfügung des
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamts, Abteilung Administrativmassnahmen
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(nachfolgend: Strassenverkehrsamt), vom 20. Februar 2014 wurde er wegen einer
Geschwindigkeitsüberschreitung verwarnt.
B.- Am 15. Oktober 2014 um 20.25 Uhr überschritt X mit dem Personenwagen,
Kontrollschild SG 000000, auf der Autobahn A5 in Deitingen die signalisierte
Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h um 27 km/h.
Nach Eingang des Polizeirapports gewährte das Strassenverkehrsamt X am 20. Januar
2015 das rechtliche Gehör. Es entzog ihm im Zusammenhang mit dem Ereignis vom
15. Oktober 2014 mit Verfügung vom 16. Februar 2015 (zugestellt am 18. Februar
2015) den Führerausweis wegen einer leichten Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer eines Monats.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Schreiben vom 1. März 2015 (Postaufgabe am
4. März 2015) Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem sinngemässen
Antrag, von einem Führerausweisentzug sei abzusehen. Die Vorinstanz verzichtete am
18. März 2015 auf eine Vernehmlassung. Auf die Ausführungen im Rekurs wird, soweit

erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 4. März 2015 (Datum der Postaufgabe)
ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03) ausgeschlossen ist, der
Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
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und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Die leichte Widerhandlung zieht eine Verwarnung oder den Entzug des
Führerausweises nach sich (vgl. Art. 16a Abs. 2 und 3 SVG). In besonders leichten
Fällen wird gemäss Art. 16a Abs. 4 SVG auf jegliche Massnahme verzichtet. Ein
besonders leichter Fall liegt dann vor, wenn die Verletzung von Verkehrsregeln eine
besonders geringe Gefahr für die Sicherheit anderer geschaffen hat und den fehlbaren
Fahrzeuglenker dafür nur ein besonders leichtes Verschulden trifft (vgl. Urteil des
Bundesgerichts [BGer] 6A.52/2005 vom 2. Dezember 2005 E. 2.2.3; Philippe
Weissenberger, Kommentar Strassenverkehrsgesetz, Zürich/ St. Gallen 2011, N 22
zu Art. 16a). Die Auslegung des besonders leichten Falls orientiert sich an den
Verkehrsregelverletzungen, die nach dem Ordnungsbussengesetz erledigt werden und
ebenfalls keine Administrativmassnahmen nach sich ziehen (vgl. BGer 1C_406/2010
vom 29. November 2010 E. 4.2).
a) Im Rekursverfahren wird in tatsächlicher Hinsicht zu Recht nicht bestritten, dass der
Rekurrent am 15. Oktober 2014 auf der Autobahn A5 auf dem Gemeindegebiet von
Deitingen mit einem Personenwagen die signalisierte Höchstgeschwindigkeit von
60 km/h um 27 km/h überschritt.
b) Nach Art. 4a Abs. 1 lit. d der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV)
beträgt die allgemeine Höchstgeschwindigkeit für Fahrzeuge auf der Autobahn unter
günstigen Bedingungen 120 km/h. Zur Vermeidung oder Verminderung besonderer
Gefahren im Strassenverkehr, zur Reduktion einer übermässigen Umweltbelastung
oder zur Verbesserung des Verkehrsablaufs können für bestimmte Strassenstrecken
Abweichungen von den allgemeinen Höchstgeschwindigkeiten angeordnet werden (Art.
108 Abs. 1 der Signalisationsverordnung, SR 742.21, abgekürzt: SSV). Auf Autobahnen
kann die Höchstgeschwindigkeit stufenweise um jeweils 10 km/h bis 60 km/h gesenkt
werden (vgl. Art. 108 Abs. 5 lit. a SSV). Eine solche abweichende signalisierte
Höchstgeschwindigkeit geht den allgemeinen Höchstgeschwindigkeiten vor (Art. 4a
Abs. 5 VRV). Aus Gründen der Rechtsgleichheit hat das Bundesgericht für die
Beurteilung von Geschwindigkeitsüberschreitungen präzise Regeln aufgestellt. Bei
günstigen Umständen liegt ein objektiv leichter Fall dann vor, wenn die
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Geschwindigkeit auf einer Autobahn um 25 km/h bis 30 km/h überschritten wird (vgl.
BGer 6A.65/2005 vom 13. Januar 2006 E. 3.1). Nur wenn die
Geschwindigkeitsüberschreitung auf der Autobahn weniger als 26 km/h beträgt, kommt
das Ordnungsbussenverfahren zur Anwendung (Art. 3 Abs. 1 des
Ordnungsbussengesetzes, SR 741.03, in Verbindung mit Ziff. 303.3 des Anhangs 1 zur
Ordnungsbussenverordnung, SR 741.031).
Es ist erstellt, dass der Rekurrent auf der Autobahn bei Deitingen die signalisierte
Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h um 27 km/h überschritt (vgl. act. 10/15). Nichts zu
seinen Gunsten ableiten kann er aus seinen Vorbringen, jene Stelle sei die einzige auf
einer Autobahn, wo während fast 300 Metern eine Geschwindigkeit von 60 km/h und
nicht 80 km/h zulässig sei. Zudem bestehe dort keine Gefahr und es sei schlecht
signalisiert. Die regelkonform signalisierte Höchstgeschwindigkeit ist selbst dann zu
beachten, wenn man Zweifel an ihrer Rechtmässigkeit hegt bzw. sie für unzulässig hält
(vgl. BGer 1C_404/2011 vom 16. März 2012 E. 3.3). Der Fahrzeuglenker hat sich an die
Geschwindigkeitsbeschränkung zu halten, gleichgültig darum, dass er sie an dieser
Örtlichkeit für unangemessen hält (vgl. BGer 1C_132/2014 vom 1. Juli 2014 E. 4). In
subjektiver Hinsicht ist deshalb ein leichtes und kein besonders leichtes Verschulden
anzunehmen.
c) Demzufolge stellt die Geschwindigkeitsüberschreitung des Rekurrenten vom 15.
Oktober 2014 eine leichte Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im
Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG dar.
3.- Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind die
Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der
Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die
berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen (Art. 16 Abs. 3 SVG). Die
Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Diese beträgt gemäss
Art. 16a Abs. 2 SVG nach einer leichten Widerhandlung mindestens einen Monat, wenn
in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis entzogen war oder eine andere
Administrativmassnahme verfügt wurde.
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Der Rekurrent wurde wegen einer leichten Widerhandlung mit Verfügung der Vorinstanz
vom 20. Februar 2014 verwarnt. Sein Leumund ist daher nicht ungetrübt. Die
vorliegend zu beurteilende leichte Widerhandlung geschah am 15. Oktober 2014 und
damit innerhalb der zweijährigen Frist gemäss Art. 16a Abs. 2 SVG. Die Vorinstanz
entzog den Führerausweis für einen Monat, das heisst für die Mindestdauer. Letztere
darf nicht unterschritten werden (Art. 16 Abs. 3 SVG; BGE 132 II 234 E. 3.2). Das gilt
auch bei einem Lenker, der – wie der Rekurrent – aus beruflichen Gründen auf den
Führerausweis angewiesen ist (BGer 1C_593/2013 vom 25. Juni 2013 E. 2 und
1C_222/2008 vom 18. November 2008 E. 2.5; Weissenberger, a.a.O., Art. 16 N 12). Bei
der Mindestentzugsdauer gibt es keinen Spielraum (vgl. BGer 1C_129/2010 vom
3. Juni 2010 E. 3.3).
4.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu verrechnen.