Decision ID: ac47cfd5-5dfd-493a-8bb5-33db0ea85e73
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1975 geborene
X._
reiste 1988 in die Schweiz ein
, erlernte den Beruf einer
Schuhverkäuferin (Urk. 8/4
)
und
war ab 199
4
bei diversen Arbeitgebern
hauptsächlich als Verkäuferin
tätig
(Urk.
8/8
und Urk. 8/76/4)
.
Am 10. Februar 2006 brachte sie Zwillinge zur Welt. Die Tochter
Y._
verstarb
noch im selben Jahr
.
Für den Sohn
Z._
bezog
sie
eine
Hilflosenentschädi
gung
(
Urk. 8/4/5
).
Am 6. März 2008
meldete
sich
die Versicherte
unter Angabe von Schulterproblemen seit einem am 21. April 2005 erlittenen Unfall sowie psychischer Probleme
infolge
des
Tod
es
der Tochter sowie
Belastung durch die Behinderung des Sohnes
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
erstmals zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (
Urk.
8/4). Die
IV-Stelle
tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen
, wobei sie
einen Auszug aus dem individuellen Konto (
Urk.
8/8), die Akten des Unfall
versicherers (
Urk.
8/9
; Urk.
8/23
)
sowie
Berichte von den behandelnden Ärzten (
Urk.
8/10/8;
Urk.
8/15-16
)
beizog und sich bei der letzten Arbeitgeberin der Versicherten nach dem Arbeitsverhältnis erkundigte
(
Urk.
8/24).
In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine Begutachtung der Versicherten. Das rheumatologisch-psychiatrische Gutachten
des
A._
wurde
am 1
9.
April 2009 erstattet
(Urk.
8/30).
Am 1
4.
August 2009 liess die IV-Stelle ausserdem eine
Haushaltabklärung bei der Versicherten zu Hause
durchführen
(
Abklärungsbericht vom 7. April 2010
,
Urk. 8/38)
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Vorbescheid vom 12. April 2010; Urk. 8/42)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
8.
Juli 2010 einen Ren
tenanspruch der Versicherten
bei einem Invaliditätsgrad von 27 % (Urk.
8/49).
1.2
Nachdem ihr Sohn
Z._
am 21. November 2011 ebenfalls verstorben war, mel
dete sich die Versicherte am 30. März 2012
unter Angabe psychischer Störungen sowie
Rücken- und Schulterschmerzen erneut
zum Leistungsb
ezug an (Urk.
8/50).
Die IV-Stelle tätigte
weitere
medizinische Abklärungen und zog aktuelle Berichte von den behandelnden Ärzten bei
(Urk.
8/59
; Urk.
8/61
)
.
Mit Vorbescheid vom 17. Oktober 2012 stellte die IV-Stelle
für die Zeit vom
1.
März 2012 bis am 30. April 2012
eine befristete
Dreiviertelsrente
der Invalidenversi
cherung
in Aussicht (Urk. 8/
65).
Nachdem d
ie Versicherte
Einwand
erhoben hatte
(Urk.
8/67; Urk.
8/70),
holte die IV-Stelle zunächst einen aktuellen
Bericht der Psychiatrischen Universitätsklinik
B._
vom 1
5.
März 2013 ein
(Urk.
8/72) und
veranlasste
anschliessend
eine
neuerliche
Begutachtung der Versicherten.
Dr.
med.
C._
, S
pezialarzt FMH für Psychiatri
e und Psychotherapie,
erstattete das
Gutachten am 1
3.
Oktober 2013 (
Urk.
8/75).
Nach erneut durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(
Vorbescheid vom
1
4.
Januar 2014
;
Urk.
8/78) wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren
mit Verfügung vom
27.
Februar 2014
abermals
ab
(Urk.
2
[= Urk. 8/84]
).
2
.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 2
1.
März 2014 Beschwerde
und beantragte
, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr die gesetzlich geschuldeten Leistun
gen zu
gewähren (insbesondere eine Invalidenr
ente, eve
ntuell
Eingliederungs
massnahmen). In prozessualer Hinsicht beantragte die Beschwerdeführerin die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
(
Urk.
1).
Mit Beschwerde
antwort vom
6.
Mai 2014 schloss die IV-Stelle auf Abweisung
der Beschwerde (
Urk.
7)
,
was der Beschwerdeführerin am
8.
Mai 2014 angezeigt wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung
1.
1.1
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung [
IVV
]
), so ist im
Beschwerdever
fahren
zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
ATSG
).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die IV-Stelle
, aus medizinischer Sicht
lasse das aktuelle Gutachten von
Dr.
C._
im Vergleich zum MEDAS-Gutachten keine deutliche Verschlechterung des Psychostatus erkennen. Es sei mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der vorhandenen diagnostizierten Gesundheitsleiden in ihrer Arbeits
fähigkeit eingeschränkt sei beziehungsweise gewesen sei. Jedoch handle es sich hierbei um keinen Gesundheitsschaden, welcher eine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Einschränkung im Erwerbs- und Aufgabenbereich begründe. Bei der Beschwerdeführerin dominierten psy
chosoziale Belastungsfaktoren das Vorliegen der gestellten Diagnosen. Eine schwere Depression sei aufgrund der Aktivitäten der Beschwerdeführerin, wie beispielsweise Verlassen des Hauses für Arzttermine und Einkäufe, Benutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln, Aufräumen, tägliches Kochen, Waschen und Bügeln nicht nachvollziehbar (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen im Wesentlichen vor,
die
Beschwerde
gegnerin
gehe mittlerweile auch davon aus, dass sie bei Gesundheit zu 100 % erwerbstätig wäre. Im
A._
-Gutachten im Jahr 2009 sei ihr eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Zu einer
Rentenzusprache
sei es damals nur wegen der Statusfrage nicht gekommen. Es sei von einer 50%igen
Arbeits
tätigkeit
bei Gesundheit ausgegangen worden. Wenn nun der Status als Voller
werbstätige feststehe und die Arbeitsfähigkeit gestützt auf das
A._
-Gutachten 50 % betrage, resultiere daraus ein Anspruch auf mindestens eine halbe Rente. Darauf sei die Beschwerdegegnerin in ihrer Begründung nicht eingegangen. Sodann habe
Dr.
C._
in seinem Gutachten zur Arbeitsfähigkeit Stellung genommen und ihr eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Es sei unver
ständlich, wieso und mit welchen Argumenten die Beschwerdegegnerin vor
liegend eine Überwindbarkeitsrechtsprechung anwenden wolle, welche eine medizinisch ausgewiesene Arbeitsunfähigkeit wieder rechtlich vernichte.
Es liege ein verselbständigter Gesundheitsschaden vor (Urk. 1 S. 5 ff.).
3.
3.1
Im
A._
-Gutachten vom
1
9.
April 2009
, welches dem ersten
rentenabweisenden Entscheid
vom
8.
Juli 2010
(Urk. 8/49)
zugrunde lag, wurde folgende Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt
(
Urk.
8/30/24)
:
Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10: F41.2), mit/bei:
ausgeprägter psychosozialer Belastungssituation
.
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden genannt:
Rezidivierende belastungsabhängige
lumbosakrale
Beschwerden, mit/bei
Ligamentose
L5/S1;
ohne degenerative Befunde radiologisch, respektive Hinweise auf eine
radikuläre
resp. facettengelenksfortgeleitete Schmerzsymptomatik;
anamnestisch zeitweise
Zervikalgien
mit/bei:
Streckhaltung mit
Kyphosierung
zwischen C4 bis C6;
zurzeit schmerzfreie HWS;
diskrete Restbeschwerden im Bereich des linken Schultergelenks mit/bei:
Status nach SLAP-
Repair
bei SLAP
II-Läsion am 28.8.07;
v
ereinzelten Tenderpoints im Schultergürtelbereich;
a
namnestisch beginnendes Lungenem
physem mit/bei:
Nikotinabusus
von ca. 20 pack
years
c
omputertomographisch
bullösen
Lungenveränderungen
bds
.
mittelgradig eingeschränkter Diffusionskapazität mit leichter
Partial
in
suffizienz
;
Verdacht auf Panikstörung (ICD-10: F41.0).
Im psychiatrischen Teilgutachten
des
A._
wurde
ausgeführt,
im Rahmen der Exploration habe sich eine deutlich depressive
Beschwerdeführerin
mit entspre
chend
eingeschränkter
affektiver Schwingungsfähigkeit gezeigt. Ein erheblicher Leidensdruck sei spürbar, die
Beschwerdeführerin
wirke im Rahmen der Explo
ration durchwegs authentisch und auch emotional tangiert.
Eine Tendenz zur Symptomausweitung oder Selbstlimitierung sei nicht erkennbar. Die
Gedächt
nisfunktionen
sowie Aufme
rksamkeit und Konzentration seien
klinisch spürbar beeinträchtigt. Das Antriebsverhalten sei leicht gesteigert, psychomotorisch wirke die
Beschwerdeführerin
unruhig-agitiert. Es bestünden ausgeprägte psy
chosoziale Belastungsfaktoren (schwerstbehindertes 3-jähriges
Kind
, Arbeitslo
sigkeit, Abhängigkeit vom Sozialamt, Drogenprobleme des Ehemanns sowie
Betreibungen
in Höhe von
Fr.
20‘000.-- bis 30‘000.--) und verschiedene trau
matisierende Erlebnisse in der nahen Vergangenheit (Abort von Zwillingen im
3.
Schwangerschaftsmonat 2004 sowie Tod der Tochter in der
6.
Lebenswoche 2005
[richtig 2006]
). Die
Beschwerdeführerin
sei aktuell erheblich verunsichert und verängstigt aufgrund des Gesundheitszustands (nächtliche Atemaussetzer) ihres 3-jährigen Sohnes. Im Rahmen dieser ausgesprochen belastenden
Gesamt
situation
habe sich eine erhebliche Angst und depressive Störung entwickelt, mit Verdacht au
f gelegentlich auftretende Pani
kattacken. Die
Beschwerdeführe
rin
neige aufgrund der symbiotischen Beziehung zu ihrem Sohn zu wiederholter Erschöpfung und psychischer Dekompensation
(
Urk.
8/30/23)
.
Im rheumatologischen Teilgutachten
des
A._
wurde festgehalten
, bei der Beschwerdeführerin bestehe eine erhebliche psychosoziale Belastungssituation bedingt durch die volle Pflegebedürftigkeit ihres 3-jährigen Kindes
,
aber auch durch die Drogenabhängigkeit mit Arbeitslosigkeit ihres Gatten.
Die
lumbo
ver
tebralen
Beschwerden
seien
durch eine einerseits muskulär ungenügende Kon
ditionierung, diskrete Adipositas und andererseits etwas steilem
Kreuzbeinba
siswinkel
mit
Hyperlordosierung
lumbosacral
erklärt
.
Deshalb könne es
unter anhaltenden Belastungen (Pflege des Kin
des) zu Beschwerden kommen
. Bisher sei aber weder eine Physiotherapie durchgeführt
worden
noch
hätten radiolo
gisch eingehende Abklärungen stattgefunden. Der aktuell gemäss Beschwerde
führerin schlechten
Situation
werde
mit
mod
eratem Gebrauch von Voltaren
50
100 mg täglich
begegnet
, sodass bei Vermeiden von erheblichen und repetitiv rückenbelastenden Arbeiten weder ein invaliditätswürdiges Leiden vorliege, noch eine Arbeitsunfähigkeit attestiert werden könne (
Urk.
8/30/36).
Bezüglich Arbeitsfähigkeit ist dem Gutachten zu entnehmen, unter Berücksich
tigung aller Gegebenheiten und Befunde sei die
Beschwerdeführerin
aus rheu
matologischer und internistischer Sicht bezogen auf das
Arbeitsprofil sowohl für die bisherige als auch für eine entsprechende Verweistätigkeit voll arbeitsfä
hig. Aus psychiatrischer Sicht bestehe aktuell
jedoch
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
sowohl für die bisherige als auch für eine entspre
chende Verweistätigkeit (
Urk.
8/30/29-30).
3.
2
Dr.
med.
D._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, behandelnde Ärztin der Beschwerdeführerin seit 2006 (vgl. Urk
. 8/16/1 und Urk. 8/50/5), diagnostizierte
in ihrem Bericht vom 8. Juni 2012
eine mittelgra
dige depressive Episode. Sie hielt
fest, die Beschwerdeführerin
habe
seit Juli 2010 weiterhin unter depressiven Episoden
gelitten
, die
sich
auch unter medi
kamen
töser Behandlung nicht verbessert hätten
. Sowohl die tägliche Pflege des kranken Sohnes als auch die damit verbundene chronische psychische Belas
tung über Jahre hätten zu einer chronischen psychischen Traumatisierung geführt, von der sich die Beschwerdeführerin bis heute nicht habe erholen kön
nen. Als ihr Sohn
dann
im Jahr 2011 verstorben sei, sei es zu einem
präpsycho
tischen
Zustandsbild im Rahmen einer schweren depressiven Episode gekom
men. Die Beschwerdeführerin sei nicht mehr in der Lage gewesen, ihren Haus
halt zu besorgen oder sich adäquat um sich selbst zu kümmern. Einer stationä
ren Behandlung habe sie erst nach längerem Zögern zugestimmt. In der Zeit vom 4. April 2012 bis am 3
0.
April 2012 sei sie in der Psychiatrischen Klinik
E._
behandelt worden. Bei Austritt sei sie psychisch etwas konsolidierter erschienen, sei aber den psychisch belastenden Ereignissen der letzten Jahre weiterhin verhaftet geblieben. Eine 100%ige Arbeitsfähigkeit liege nicht vor.
Von der über Jahre andauernden psychischen Traumatisierung durch die jahre
lange Pflege ihres schwerstbehinderten Sohne
s
habe sie sich bis heute nicht erholt. Es fehle ihr an intrapsychischen Kapazitäten, sich wieder konstruktiv in das normale Leben integrieren zu können
.
Parallel zur psychischen Erkrankung bestünden neu internistische Erkrankungen in Form eines COPD und einer asthmatischen Erkrankung. In dieser Situation sei es sinnvoll, die Arbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin im Rahmen einer Belastungserprobung über mehrere Wochen zu evaluieren
(Urk. 8/59).
3.3
Im
Austrittsb
ericht der Psychiatrischen Universitätsklinik
B._
vom 5. April 2012, wo die Beschwerdeführerin vom
4.
bis
3
0. April 2012 hospitali
siert war, wurden die folgenden Diagnosen aufgeführt
(Urk. 8/61/8)
:
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) mit/bei
p
sychosozialer Belastungssituation nach Tod des sechsjährigen Sohnes
Nikotinabusus
aktuell 15 Zigaretten/d, kumulativ ca. 30 PY
Angaben über die Arbeits
fähigkeit sind dem Bericht nicht
zu entnehmen.
3.4
Im Bericht der
B._
an die Beschwerdegegnerin
vom 15. März 2013
wurden die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt (Urk. 8/72/2):
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1)
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden die folgenden aufgeführt (Urk. 8/72/2):
Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak:
Abhängigkeitssyn
drom
(ICD-10: F17.2)
Trichotillomanie
(ICD-10: F63.3)
Asthma bronchiale
Die Beschwerdeführerin sei vom 3. Januar bis 6. Februar 2013 erneut in statio
närer Behandlung auf der Spezialstation für Depressionen und
Angsterkrankun
gen
gewesen. In dieser Zeit habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Die
posttraumatische Belastungsstörung führe zu den unterschiedlichsten Ein
schränkungen. Im Vordergrund stünden neben der affektiven Symptomatik und der inneren Unruhe insbesondere auch kognitive Einschränkungen, vor allem Konzentrationsstörungen.
Die Symptome führten zu einer ausgeprägten Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit.
Aktuell sei bei der Schwere der Erkrankung eine Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit nicht möglich
(Urk. 7/72/4 ff.)
. Die Beschwerdeführerin leide an einer schweren psychiatrischen Erkrankung, und eine abschliessende Prognose bezüglich Arbeitsfähigkeit zu geben, sei zum gegenwärtigen Standpunkt nicht möglich. Grundsätzlich könne aber davon ausgegangen werden, dass bei konsequenter psychiatrisch-psychotherapeuti
scher Behandlung durchaus mindestens eine teilweise Arbeitsfähigkeit erlangt werden könne. Diesbezüglich sei aber in ca.
vier bis sechs Monaten mit der ambulanten
Behandlerin
Kontakt aufzunehmen (Urk. 8/72/1).
3.5
Dem im vorliegenden Rentenprüfungsverfahren eingeholten Gutachten von Dr.
C._
sind
die
folgende
n
Diagnosen zu entnehmen (Urk.
8/
75/13)
:
Chronische Depression gegenwärtig schweren Grades (ICD-10: F32.2);
Panikstörung (ICD-10: F 41.0);
Adipositas;
COPD.
Dr.
C._
führte aus, in den bisherigen psychiatrischen Berichten sei nicht berücksichtigt worden, dass die Beschwerdeführerin bereits in der Jugendzeit an einer pathologischen Depressivität gelitten habe, einer
Dysthymie
. Eine solche disponiere aber zu späteren chronischen depressiven Entwicklungen, besonders in
Komorbidität
mit Angststörungen. Deshalb greife im Gutachten des
A._
vom April 2009 die Diagnose einer Anpassungsstörung mit depressiver und Angstsymptomatik zu kurz. Die Prognose sei zu günstig gestellt worden. Eine mittelschwere oder schwere depressive Störung sei selbst schon eine
Stress
krankheit
, gleich wie eine posttraumatische Belastungsstörung. In der
pathoge
netischen
Entwicklung sei es bei der Beschwerdeführerin um langdauernde, in allen Lebensphasen vorhandene emotionale Belastungen (psychischen Stress) und weniger um akute psychische Traumata gegangen. Die zusätzliche Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung im Bericht der
B._
vom März 2013 sei deshalb nicht nötig. Gesamthaft betrachtet habe die Beschwerdeführerin praktisch zeitlebens an depressiven Störungen gelitten, früher leichten bis mitt
leren Grade
s
und heute, nach dem Tod des Sohnes im November 2011 und in Anbetracht der heutigen psychischen Belastungen und somatischen
Begleiter
krankungen
wie Adipositas und COPD, schweren Grades. Ausdruck davon sei, dass sich die psychiatrischen
Hospitalisationen
immer mehr gehäuft hätten (Urk. 8/75/13).
Im Gutachten wurde weiter festgehalten, ein Bruder der Beschwerdeführerin leide an Schizophrenie und Drogensucht. Sie selbst habe in der Kindheit erheb
liche emotionale Deprivationen und Belastungen erlebt. Als sie sieben Jahre alt gewesen sei, hätten sich die Eltern scheiden lassen. Beide Elternteile hätten in der Schweiz gelebt, sie sei in
G._
an verschiedenen Orten aufgewachsen und habe keine emotionale Zuwendung erhalten. Sie habe übermässig Verantwor
tung für den Bruder getragen und sei als Arbeitskraft ausgenützt worden. Sie
habe an einer pathologischen De
pressivität,
Dysthymie
mit Traurigkeit, Intro
version, Freudlosigkeit, Bauchschmerzen,
Selbstun
sicherheit
und Ängsten gelit
ten. Mit zwölf Jahren sei sie zu ihrem Vater in die Schweiz gekommen, wo sie dessen Alkoholabhängigkeit und den Streit mit der Stiefmutter mitbekommen habe. Sie sei durch die Stiefmutter vernachlässigt worden. Ihre Leistungsfähig
keit habe darunter gelitten
,
und die Depressivität habe sich fortgesetzt (Urk. 8/75/13). Mit 21 Jahren habe sie in zweiter Ehe einen ungelernten Mann geheiratet, der von
G._
in die Schweiz gekommen sei und hier als Chauffeur und im Service gearbeitet habe. Erst mit den Jahren habe sie bemerkt, dass er drogensüchtig sei. Entsprechend ihrer depressiven Übergewissenhaftigkeit habe sie auch für ihn Verantwortung übernommen, sei aber zunehmend in Stress und Ängste geraten. Zusätzlich habe sie unter einem unerfüllten Kinderwunsch gelitten. 2004 habe sich ein Spontanabort einer Zwillingsschwangerschaft ereignet. Im Februar 2006 habe sie Zwillinge geboren. Nach drei Wochen sei die Tochter an einer Darminfektion gestorben, nach weiteren zwei Wochen habe der Sohn eine Herpesinfektion mit schwerwiegenden neurologischen Störungen erlitten. Er sei schwer pflegebedürftig geworden. Die Beschwerdeführerin habe schon bei der Frühgeburt im sechsten Schwangerschaftsmonat Panikattacken erlitten. Ein agitierter depressiver Zustand mit Ängsten,
Hyperventilationssyn
drom
, Muskelverkrampfungen, Erschöpfung, Le
eregefühl, Traurigkeit, Gereizt
h
eit und Schlafstörungen habe sich nun fortgesetzt und bis heute angehalten. Die Beschwerdeführerin habe
eine ps
ychiatrische Behandlung bei Dr.
D._
aufgenommen und bis heute beibehalten. Im April 2009 sei die Beschwerde
führerin im
A._
begutachtet worden. Es sei ihr eine generelle Arbeitsunfähig
keit von 50 % bescheinigt worden. Prognostisch sei aber innerhalb einer Jahresfrist die Wiedererlangung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit erwartet wor
den. Diese Prognose erscheine aufgrund der oben genannten Argumente als zu optimistisch. Bereits im folgenden Juni sei es zu einer ersten psychiatrischen
Hospitalisation
während eines Monates gekommen mit der ärztlichen Prognose, dass kaum mit einer Besserung der Arbeitsfähigkeit gerechnet werden könne. 2009 hätten Rückenschmerzen eingesetzt, was retrospektiv als somatische Fixierung der Angststörung und Depressivität interpretiert werden könne. Auch die Angststörung habe sich immer mehr zu einer fixierten Panikstörung mit spontanen und mit agoraphobischen Panikattacken ausgebildet. Aufgrund des
sen sei es zu ambulanten Notfallbehandlungen im
H._
Spital wegen Hyperventilation, Atemnot, Verwirrtheit, Einnahme einer Tablettenüberdosis und Brustschmerzen gekommen. Panikattacken seien seither wiederholt in Läden, im Hauptbahnhof oder auf der Strasse aufgetreten. Auch zu Hause sei es zu Panikattacken gekommen mit plötzlichen Blockaden, Schreianfällen, Angst
träumen und Schlafstörungen (Urk. 8/75/14 f.).
Dr.
C._
hielt dafür, die Angststörung werde auf symptomatische Weise von einer Atemwegskrankheit, COPD und Asthma, und die depressive Störung von der Adipositas begleitet. Diese somatischen
Komorbiditäten
könnten den Ver
lauf der psychischen Störungen verschlimmern und
chronifizieren
lassen. Die Depression sei
exazerbiert
, wie es ebenfalls typisch vorkomme, nach dem Tod des pflegebedürftigen Sohnes im November 201
1.
Den Verlauf der Depression belasten würden ferner die Erkrankung des Ehemannes, der schon an Drogen
sucht und Hepatitis C gelitten habe, dessen Myasthenie und die allenfalls bevorstehende Ehetrennung. Die im April 2012 und im Januar 2013 erfolgten
Hospitalisationen
in der
B._
hätten den Langzeitverlauf der Depression nicht positiv beeinflussen können, wie auch die psychopharmakologische Therapie mit verschiedenen Antidepressiva nicht. Die psychische Anamnese und der
Psy
chostatus
gemäss den Berichten der behandelnden Ärzte würden eigentlich die Diagnose einer schweren Depression rechtfertigen, gerade nachdem auch eine Arbeitstherapie während des Klinikaufenthaltes im letzten Jahr habe abgebro
chen werden müssen und die behandelnden Ärzte nach der Entlassung eine ambulante Ergotherapie und eine Betreuung durch die psychiatrisc
he Spitex für nötig erachtet hätten (Urk. 8/75/15).
Dr.
C._
kam zum Schluss, anhand seiner Untersuchung bestehe jedenfalls
ein schwerer depressiver Zustand.
Gesamthaft erscheine damit der psychische Zustand im Vergleich
zur Begutachtung vom April 2009
verschlechtert. Der
Beschwerdeführerin
sei damals eine generelle 50%ige Arbeitsunfähigkeit attes
tiert worden. In den folgenden Jahren scheine ein depressiver Zustand mittleren Schweregrades persistiert zu haben. Nach dem Tod des Sohnes im November 2011 sei die Patientin
gemäss
der behandelnden Psychiaterin in einen schweren depressiven Zustand gefallen und nicht mehr in der Lage gewesen, ihren Haus
halt zu besorgen. Gemäss den vorliegenden Untersuchungsbefunden sei dies plausibel, sodass ab November 2011 eine volle Arbeitsunfähigkeit angenommen werden müsse. Im April 2012 habe sich eine einmonatige psychiatrische
Hospi
talisation
angeschlossen. In der Folge sei der depressive Zustand in etwa von einem mittleren Schweregrad gewesen. Dies würde wieder auf eine
Teilarbeits
fähigke
it
schliessen lassen, dabei werde
jedoch die Einschränkung durch die in den letzten Jahren fixierte Panikstörung nicht berücksichtigt.
Ausserdem sei es quasi regelmässig zu weiteren psychiatrischen
Hospitalisationen
gekommen, die eine theoretische berufliche Anstellung erschwert hätten. Es sei festzuhalten, dass die psychiatrische Prognose zu günstig gestellt worden sei, weil die lebenslange pathologische Depressivität der Patientin nicht einbezogen worden sei. Über den ganzen Zeitraum betrachtet habe somit aus psychiatrischer Sicht seit November 2011 eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden
(Urk. 8/75/15 f.)
.
Was die Arbeitsfähigkeit betreffe, habe Anfang 2009 bis November 2011 wahr
scheinlich eine generelle Arbeitsunfähigkeit von 50
%
, und von November 2011 bis heute von 100
%
bestanden. Die Gründe dafür würden in der
Komorbidität
von psychischen Störungen mit schwerem Krankheitswert liegen, nämlich einer chronischen Depression von heute einem schweren Grad und einer fixierten Panikstörung. Der psychische Zustand habe sich von 2009 bis heute trotz ambulanten und stationären psychiatrischen Behandlungen verschlechtert. Prognostisch sei in Anbetracht dessen und der lebenslangen psychischen Mor
bidität kaum eine Besserung möglich. Die psychiatrischen
Behandlungsmög
lichkeiten
seien ausgeschöpft worden. Berufliche Massnahmen seien wegen der depressiven Energielosigkeit und der Panikstörung unter anderen Leute
n nicht möglich (
Urk.
8/75/16
).
4.
4.1
Vorauszuschicken ist, dass nach der Rechtsprechung die Aufgaben von
Rechts
an
wender
und Arztperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung wie folgt verteilt sind: Sache des (begutachtenden) Mediziners ist es, den Gesund
heits
zustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, das heisst mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersu
chung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Bei der Folgenabschätzung der erhobe
nen gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt der Arztperson hinge
gen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr nimmt die
Arzt
person
zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, das heisst, sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet. Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage für die juristische Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können. Nötigenfalls sind, in Ergänzung der medizinischen Unterlagen, für die Ermittlung des erwerblich nutzbaren Leistungsvermögens die Fachpersonen der beruflichen Integration und Berufsberatung einzuschalten (BGE 140 V 193 E.
3.2 mit Hinweisen).
4.2
4.2.1
Die Beschwerdegegnerin begründet die – neuerliche – Verneinung eines Renten
anspruches der Beschwerdeführerin insbesondere damit, dass sich der psychi
sche Gesundheitszustand seit dem Gutachten des
A._
vom 19. April 2009 nicht massgeblich verschlechtert habe. Sie stützt sich dabei auf die Stellungnahmen von RAD-Ärztin Dr.
I._
, FMH Arbeits- und Allgemeinmedizin, vom 6.
November 2013 (Urk. 8/76/3-4; vgl. demgegenüber noch
die
Stellungnahme von RAD-Arzt Dr. med.
J._
, FMH Allgemeinmedizin, vom gleichen Tag, Urk. 6/76/3) sowie auf die Ergebnisse einer mit ihrem Rechtsdienst durchge
führten Besprechung vom 13. November 2013 (Urk. 8/76/4). RAD-Ärztin Dr.
I._
kam in der genannten Stellungnahme zum Schluss, dass bei einem Vergleich des aktuellen Gutachtens mit demjenigen des
A._
vom 19.
April 2009 keine deutliche Verschlechterung des Psychostatus erkennbar sei, die Aktivitäten beschränkten sich nicht mehr auf den Sohn, welcher damals den Tagesrhythmus bestimmt habe. Der Rechtsdienst hielt anlässlich der Bespre
chung vom 13. November 2013 offenbar dafür, dass die Diagnosen 2009/2010 Angst und depressive Störung gemischt bei ausgeprägter psychosozialer Belas
tung im vorliegenden Fall keinen invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden auszulösen vermöchten. Eine schwere Depression sei auf
grund der Aktivitäten der Beschwerdeführerin nicht nachvollziehbar. Gemäss RAD hätten sich keine Veränderungen am Gesundheitszustand der
Beschwer
deführerin
ergeben. Es sei somit weiterhin kein
invalidenversicherungsrechtli
cher
Gesundheitsschaden ausgewiesen.
4.2.2
Dazu ist vorab zu bemerken, dass anlässlich der erstmaligen Rentenprüfung von einer 50%igen Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall aus
gegangen und dementsprechend die Invaliditätsbemessung aufgrund der gemischten Methode vorgenommen worden war (Urk. 8/38-39 und Urk. 2). Anlässlich des Neuanmeldungsverfahrens machte die Beschwerdeführerin gel
tend, dass aufgrund des Todes ihres Sohnes
Z._
im November 2011 kein Grund für die Annahme einer bloss teilzeitlichen Erwerbstätigkeit im
Gesund
heitsfall
mehr bestehe (vgl. Einwand vom 26. Oktober 2012 resp. 22. Januar 2013 [Urk. 8/67 und Urk. 8/70] gegen den [ersten] Vorbescheid vom 17. Oktober 2012 [Urk. 8/65]). Dies wurde von der Beschwerdegegnerin zu Recht nicht in Frage gestellt (vgl. Urk. 8/76/2
f.
; vgl. Urk. 8/73/3).
4.2.3
Liegt bei einer Neuanmeldung in einem für die Invaliditätsbemessung grund
sätz
lich massgebenden Punkt eine erhebliche Änderung des Sachverhaltes vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, das heisst unter Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung massgebenden Tatsachenspektrums und ohne Bindung an die vorangegangene rentenabweisende Verfügung zu prüfen (Urteile des Bundesgerichtes 8C_436/2011 vom 10. Mai 2012 E. 4 mit Hinweisen und 9C_965/2012 vom 5. August 2013).
Die vorliegende Statusänderung (Qualifikation der Beschwerdeführerin als zu 100 % erwerbstätig anstatt zu 50 % erwerbs- und zu 50 % im Haushalt tätig) stellt fraglos eine erhebliche Sachverhaltsänderung dar. Somit ist vorliegend ein allfälliger Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin ohne Bindung an den der Verfügung vom 8. Juli 2010 (Urk. 8/49) zugrundeliegenden medizinischen (und wirtschaftlichen) Sachverhalt zu prüfen, was der RAD und der Rechtsdienst ebenso verkannt zu haben scheinen wie der/die zuständige Sachbearbeiter/in.
4.2.4
Die Neuanmeldung erfolgte am 30. März 2012 (Urk. 8/50). Die Beschwer
deführe
rin hat demnach frühestens am 1. September 2012 Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG; vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_160/2012 vom 6. Juni 2012 E. 4.1.3), wobei ein solcher aber voraussetzt, dass sie im vorangegangen Jahr, mithin ab 1. September 2011, durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) und anschlies
send zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) war (vgl. E. 1.3). Dies hatte die Beschwerdegegnerin in ihrem (ersten) Vorbescheid vom 17. Oktober 2012 ebenfalls ausser Acht gelassen.
4.3
4.3.1
Nach Art. 7 Abs. 2 ATSG sind für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbs
unfähigkeit ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Der Umstand allein, dass psychosoziale oder soziokulturelle Umstände bei der Entstehung einer Gesundheitsschädigung eine wichtige Rolle spielten, tangiert deren Anspruchserheblichkeit nicht. Keine invalidisierende Gesundheitsschädigung ist indessen gegeben, wenn der medizinische Gutachter im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und sozio
kulturellen Belastungen aufgehen. Denn in einem solchen Fall stellen sich diese als direkte Ursache der Einschränkung im Leistungsvermögen dar; sie sind nicht bloss
pathogenetisch
bedeutsam. Am rechtlich vorausgesetzten Kausalzusam
menhang mit einer selbständigen Gesundheitsschädigung fehlt es daher, solange noch zu erwarten ist, dass mit einem Wegfall der belastenden Lebens
umstände unmittelbar auch die (somit nicht verselbständigte) psychische Stö
rung verschwinden werde. Die massgebende Ursache für Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 6 ATSG bestimmt sich mitunter auch nach dem Leitsatz, dass eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert umso ausgeprägter vorhanden sein muss, je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mit
bestimmen (Urteil 9C_140/2014 vom 07. Januar 2015, E. 3.3 mit weiteren Hin
weisen). Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beein
trächtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren her
rühren, bestehen darf, sondern davon zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unter
scheidbare, andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand (vgl. BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichtes 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2). Auch kann eine depressive Symptomatik
chronifiziert
, damit durchaus verselbständigt sein und dennoch im Rahmen des gesamten Beschwerdebildes nicht genug ins Gewicht fallen, als dass auf eine längerdauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 f. ATSG) geschlossen werden dürfte.
Diesfalls
stellt sich das Problem der gutacht
lichen Abgrenzung und Quantifizierung eigenständiger Beiträge der sozialen Faktoren nicht. Das gilt auch im umgekehrten Fall, wenn eine deutlich ausge
prägte psychische Störung "konkurrierende" soziale Faktoren in den Hinter
grund drängt. Diese sind alsdann so eng mit der Gesundheitsschädigung und ihren funktionellen Auswirkungen verbunden, dass es sich rechtfertigt, den gesamten Ursachenkomplex der Folgenabschätzung zugrunde zu legen: In diesem Sinne können sich soziale Umstände
–
mittelbar –
invaliditäts
begrün
dend
auswirken, indem sie eine (verselbständigte)
Gesundheits
schädigung
auf
rechterhalten oder ihre (unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden) Folgen verschlimmern. In diesen Konstellationen tragen die als solche nicht versicherten sozialen Faktoren zum Umfang der verselbständigten Gesundheitsschädigung bei (Urteil 9C_140/2014 vom 07. Januar 2015, E. 3.3 mit weiteren Hinweisen).
4.3.2
In den Klinisch-diagnostischen Leitlinien der Internationalen Klassifikation psy
chischer Gesundheitsstörungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10 Kapitel V (F),
Dilling
/
Mombour
/Schmidt (Herausgeber),
9. Auflage, Bern 2014, S. 169 f., werden unter F32 die depressiven Episoden (leicht-, mittel-,
schwergradig
) und unter F33 die rezidivierenden Störungen umschrieben.
Bei der
typischen leichten (F32.0), mittelgradigen (F32.1) oder schweren Episode (F32.2 und F32.3) leidet laut diesen Leitlinien die betroffene Person gewöhnlich unter den typischen Symptomen von (a) gedrückter Stimmung, (b)
Interessen
verlust
, Freudlosigkeit und (c) Verminderung des Antriebes, erhöhter Ermüdbar
keit. Andere häufige Symptome sind (1) verminderte Konzentration und Auf
merksamkeit, (2) vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, (3) Schuld
gefühle und Gefühle der Wertlosigkeit, (4) negative und pessimistische Zukunfts
perspektiven, (5) Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzung oder
Sui
zidhandlungen
, (6) Schlafstörungen und (7) verminderter Appetit. Das klini
sche Beschwerdebild zeigt beträchtliche individuelle Varianten; ein untypisches Beschwerdebild ist besonders in der Jugend häufig. In einigen Fällen stehen zeitweilig Angst,
Gequältsein
und motorische Unruhe mehr im Vordergrund als die Depression (vgl. ICD-10 Kapitel V [F], a.a.O., S. 169-170).
Bei einer rezidivierenden depressiven Störung gemäss ICD-10 F33 handelt es sich gemäss den genannten Leitlinien um eine Störung, die durch wiederholte (leichte, mittelgradige oder schwere) depressive Episoden charakterisiert ist. Die einzelnen Episoden dauern zwischen drei und zwölf Monaten. Die Besserung zwischen den einzelnen Episoden ist dabei im Allgemeinen vollständig, wobei nur (aber immerhin) eine Minderheit von Patienten eine anhaltende Depression entwickelt (für welche ebenfalls die Kategorie F33 verwendet werden sollte; vgl. ICD-10 Kapitel V [F], a.a.O., S. 176 f.). Die Unterscheidung zwischen depressiven Episoden (F32) und rezidivierenden depressiven Störungen (F33) legt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes nahe, dass bei letzteren eher von einer ungünstigen Prognose in Bezug auf die Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit auszugehen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_484/2012 vom 26. April 2013 E. 4.3.2.2).
4.3.3
Depressive „Episoden“ sind definitionsgemäss vorübergehender Natur und haben deshalb, zumindest wenn sie leicht bis mittelschwer sind, gemäss der
bundes
gerichtlichen
Rechtsprechung in der Regel keine invalidisierende Wir
kung. Die invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven „Störung“ ist nach der Rechtsprechung nicht schlechthin auszuschliessen. Deren Annahme bedingt indessen insbesondere, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom 3. April 2014 E. 4.2 und 9C_454/2013 vom 29. Oktober 2013 E. 4.1).
4.4
4.4.1
Das Gutachten von Dr.
C._
vom 13. Oktober 2013 basiert auf einer fachärztli
chen Untersuchung, wurde in Kenntnis der und Auseinandersetzung mit den
Vorakten
sowie insbesondere auch unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden erstattet. Auf seine Schlussfolgerung, wonach ab anfangs 2009 bis November 2011 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe und seither eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe, kann indessen aus den nachfolgenden Gründen nicht abgestellt werden.
4.4.2
Es steht ausser Frage, dass die bei der Beschwerdeführerin seit Jahren vorhande
nen ausgeprägten psychosozialen Belastungsfaktoren bei der Entstehung und Aufrechterhaltung bzw. Verschlimmerung des aktenkundigen psychischen Beschwerdebildes eine massgebliche Rolle spielten. Davon geht insbesondere auch Dr.
C._
in seinem Gutachten vom 13. Oktober 2013 aus, wobei er aber darauf hinweist, dass die Beschwerdeführerin schon in der frühen Jugendzeit an einer pathologischen Depressivität (
Dysthymie
) gelitten habe (Urk. 8/75/13). Letzteres scheint aufgrund der vorliegenden Angaben der Beschwerdeführerin (Urk. 8/75/7-12) zwar möglich, echtzeitliche ärztliche Feststellungen, welche die betreffenden Angaben der Beschwerdeführerin bestätigen würden, liegen aller
dings nicht vor.
4.4.3
Aktenkundig ist, dass sich die Beschwerdeführerin erstmals nach dem Tod ihrer Tochter
Y._
Ende Februar 2006 in psychiatrische Behandlung begeben hat, und zwar im April 2006 bei Dr.
D._
(Urk. 8/16/1). In ihrem Bericht vom 14. Juni 2008 (Urk. 8/16) hatte diese festgehalten, dass es bei der Beschwerde
führerin als Reaktion auf die erlittenen und konstanten psychischen Traumati
sierungen zu einer agitierten mittelgradigen depressiven Episode gekommen sei, welche bis heute persistiere. Aktuell sei deshalb keine Arbeitsfähigkeit gegeben. Auf längere Sicht sollte aber eine Arbeitsfähigkeit gegeben sein, und zwar einerseits, wenn sie von der Pflege des schwerstbehinderten Sohnes, welcher eine schwere soziale und psychische Belastung für sie darstelle, entlastet werde, und anderseits nach Besserung der Depression. Dr.
D._
hatte zwar aus
drücklich zwischen den bei der Beschwerdeführerin bestehenden sozialen Belastungen einerseits und einer Depression anderseits und deren Folgen unterschieden und ging demnach von einem verselbständigten psychischen Leiden aus. Der von ihr erhobenen mittelgradigen depressiven Episode ist aber nach dem Gesagten aus rechtlicher Sicht keine invalidisierende Wirkung beizu
messen (vgl. E. 4.3). Ebenso verhält es sich bei den im Gutachten des
A._
vom 19. April 2009 (Urk. 8/30) und im Bericht der
B._
vom 17. September 2009 (Urk. 8/35) gestellten psychiatrischen Diagnosen („Angst und depressive Stö
rung gemischt“ [ICD-10 F41.2] bei ausgeprägter psychosozialer Belastungs
situation resp. leichte depressive Episode bei psychosozialer Belastungssituation [ICD-10 F32.0]). Die Ärzte der
B._
hatten denn im genannten Bericht auch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit mehr sozialer als medizinischer Natur seien (Urk. 8/35/4; vgl. auch Urk. 8/37). Anhaltspunkte dafür, dass sich das psychische Zustandsbild seither bis zum Tod des Sohnes im November 2011 massgeblich verschlechtert haben könnte, liegen nicht vor und ergeben sich insbesondere auch nicht aus dem Bericht von Dr.
D._
vom 8. Juni 2012 (Urk. 8/59). Bis dahin ist daher aus
invalidenver
si
cherungsrechtlicher
Sicht das Vorliegen einer psychisch bedingten Arbeits
unfä
higkeit zu verneinen, weshalb insoweit auf das Gutachten von Dr.
C._
nicht abgestellt werden kann.
4.4.4
Nach dem
Tod des Sohnes im November 2011 kam es laut Dr.
D._
jedoch zu einem präpsychotischen Zustandsbild im Rahmen einer schweren depressi
ven Episode und war die Beschwerdeführerin nicht mehr in der Lage, ihren Haus
halt zu besorgen (Urk. 8/59). Diese Angaben sind – mit Dr.
C._
(Urk.
8/75/16) – als nachvollziehbar zu betrachten, weswegen ab November 2011 zunächst von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist. Dass Auslöser für diese Verschlechterung ein psychosozialer Faktor war, ändert daran ange
sichts der Schwere des von Dr.
D._
beschriebenen psychopatho
logischen Zustandsbildes nichts. Aufgrund des im Bericht der
B._
vom 5. April (richtig wohl: Mai) 2012 betreffend den dortigen (zweiten) stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 4. bis 30. April 2012 erhobenen „psychischen Befun
des bei Eintritt“ (Urk. 8/61/9) ist jedoch davon auszugehen, dass sich ihr psy
chischer Zustand bis dahin wieder massgeblich verbessert hatte. Die Ärzte der
B._
erhoben denn auch bloss eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) bei psychosozialer Belastungssituation (Urk.
8/61/8). Diese Diagnose wurde von Dr.
D._
in ihrem Bericht vom 8.
Juni 2012 bestätigt (Urk. 8/59). Zur Arbeitsfähigkeit hatte sie darin lediglich bemerkt, dass keine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe, weil sich die Beschwerdeführerin von der über Jahre andauernden psychischen Traumatisierung durch die Pflege ihres schwerstbe
hinderten Sohnes bis heute nicht erholt habe und es ihr an
intra
psychischen
Kapazitäten zur konstruktiven Integrierung ins normale Leben fehle. Diese Beurteilung von Dr.
D._
erscheint unter ihrem Blickwinkel als behandelnde Ärztin ohne Weiteres nachvollziehbar. Die von ihr (wie zuvor auch von den Ärzten der
B._
) gestellte Diagnose einer mittelgradigen depressiven „Episode“ vermag jedoch bei mitbestimmenden ausgeprägten psychosozialen
Belastungs
faktoren
aus rechtlicher Sicht keine relevante Arbeitsunfähigkeit zu begründen (vgl. E. 4.3). Ab Austritt aus der
B._
am 30. April 2012 bis zum Bericht von Dr.
D._
vom 8. Juni 2012 ist daher das Vorliegen eines psychischen Leidens mit Krankheitswert zu verneinen.
4.4.5
Zum psychischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in der Zeit zwi
schen dem Bericht von Dr.
D._
vom 8. Juni 2012 und der (dritten)
Hospita
lisation
der Beschwerdeführerin in der
B._
(3. Januar bis 6. Februar 2013) liegen keine konkreten ärztlichen Angaben vor. Im Bericht der
B._
an die Beschwerdegegnerin vom 15. März 2013 wurde, wie erwähnt, eine posttrauma
tische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), bestehend seit 2006, sowie – neu – eine rezidivierende depressive „Störung“, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), erhoben. Diese Diagnose erscheint aufgrund des von den Ärzten der
B._
in diesem Bericht angeführten „ärztlichen Befundes bei Klinikeintritt“ (Urk. 8/72/3) sowie ihrer weiteren Feststellungen nachvollziehbar (vgl. E. 4.3.2).
Dr.
C._
hielt in seinem psychiatrischen Gutachten vom 13. Oktober 2013 (Urk. 8/75) unter dem Titel „Psychostatus“ fest, die Beschwerdeführerin habe einen
betrübten, weinerlichen Gesichtsausdruck. Sie habe eine gute Auffassung und unauffällige kognitive Funktionen und gebe die Daten sehr genau an. Sie rede sehr kohärent, ihre Antworten fielen aber knapp aus, nach einer Antwort bleibe sie jeweils vollkommen still. Ihr Verhalten sei ruhig und apathisch. Die Stimmung wirke monoton und absolut freudlos. Die Beschwerdeführerin mache einen sehr schwachen, energiearmen Eindruck. Sie imponiere als gewissenhaft und gebe bereitwillig Auskunft (Urk. 8/75/12). Vergleicht man diesen – äusserst knapp gefassten – Psychostatus mit dem im Bericht der
B._
vom 15. März 2013 aufgeführten „ärztlichen Befund bei Klinikeintritt“ (Urk. 8/72/3), lässt sich eine seitherige Verschlechterung der psychopathologischen Befunde nicht nach
vollziehen. Die Beschwerdeführerin selbst äusserte sich denn offenbar gegen
über Dr.
C._
auch dahingehend, dass
es im Verlauf in den letzten zwei Jahren immer gleich schwer geblieben sei. Sie sei im April 2012, Januar 2013 und April 2013 in der
B._
und zusätzlich zweimal kurz während dreier Tage in der
B._
hospitalisiert gewesen. Der Grund seien Depressionen gewesen. Einmal habe die psychiatrische
Behandlerin
einen Entzug gewollt, weil sie getrunken habe und sehr aggressiv gewesen sei. Nach der Entlassung aus der Klinik sei der Zustand wieder wie vorher gewesen (Urk. 8/75/10).
4.5
4.5.1
Vor diesem Hintergrund vermag die Beurteilung von Dr.
C._
, wonach anhand seiner Untersuchung heute jedenfalls ein schwerer depressiver Zustand bestehe, nicht einzuleuchten. Hingegen ist aufgrund seiner Angaben sowie derjenigen im Bericht der
B._
vom 15. März 2013 spätestens ab dem Austritt aus dieser Kli
nik am 6. Februar 2013 von einer anhaltenden mittelgradigen depressiven „Störung“ auszugehen (vgl. E. 4.3.2).
Soweit Dr.
C._
der von ihm im Weiteren diagnostizierten Panikstörung (ICD
10 F41.0) einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin beimisst, ist zu bemerken, dass zwar im Gutachten des
A._
vom 19. April 2009 ein Verdacht auf eine solche Störung erhoben worden war (Urk. 8/30/24). Die Ärzte der
B._
sowie Dr.
D._
haben in den vorgenannten Berichten eine solche aber nicht diagnostiziert, weshalb anzunehmen ist, dass die depressive Problematik jedenfalls im Vordergrund steht.
4.5.2
Bei einer anhaltenden mittelgradigen depressiven Störung ist nach dem Gesag
ten – entgegen der von der Beschwerdegegnerin vertretenen Auffassung – eine invalidisierende Wirkung
–
auch bei Vorliegen von psychosozialen
Belastungs
faktoren
– nicht schlechthin auszuschliessen. Wie erwähnt, bedingt deren Annahme indessen, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wurde resp. wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist (vgl. E.
4.3.3). Wie es sich damit verhält, kann aufgrund der vorliegenden Akten nicht beurteilt werden, datiert doch der letzte Bericht der behandelnden Ärztin vom 8. Juni 2012 (Urk. 8/59) und kann doch aus dem Umstand allein, dass die Beschwerde
führerin seither erneut – während knapp fünf Wochen sowie zweimal dreier Tage
–
in der
B._
hospitalisiert war, nicht schon auf eine konsequente
Depres
sionstherapie
geschlossen werden. Zudem fehlt es an einer konkreten ärztlichen Angabe zur Frage, in welchem Ausmass sich die mittelgradige depressive Stö
rung – bei konsequenter Therapie – auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin auswirkt. Während eine depressive Symptomatik schweren Grades in der Regel eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit begründet, ist dies bei einer solchen mittleren Grades nämlich nicht unbedingt der Fall.
4.5.3
Diese Lücken im rechtserheblichen medizinischen Sachverhalt lassen diesen als unzureichend abgeklärt erscheinen. Hinzu kommt, dass die Beschwerdegegnerin bei ihrer Beurteilung von falschen Prämissen ausgegangen ist (vgl. E. 4.2), was nicht zuletzt auch dazu geführt hat, dass eine Abklärung des aktuellen wirt
schaftlichen Sachverhaltes (inklusive Einkommensvergleich) unterblieb. Die angefochtene Verfügung ist deshalb aufzuheben und die Sache zur Vervollstän
digung des medizinischen und wirtschaftlichen Sachverhaltes an die
Beschwer
degegnerin
zurückzuweisen. Dazu gehört insbesondere der Beizug von
Ver
laufsberichten
der behandelnden Psychiaterin (Verlauf seit ihrem Bericht vom 8.
Juni 2012) und der
B._
(Verlauf seit ihrem Bericht vom 15. März 2013) sowie einer umfassenden Stellungnahme des RAD, wobei der betreffende RAD
Arzt – im Gegensatz zu den bisher von der Beschwerdegegnerin ange
fragten RAD-Ärzten (vgl. Urk. 8/76/3-4) – über einen Facharzttitel in Psychiatrie verfügen sollte. Je nach dem Ergebnis dieser sowie allfälliger weite
rer medizinischer Abklärungen hat die Beschwerdegegnerin zu prüfen, ob Ein
gliederungs
mass
nahmen durchzuführen sind (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG). Danach hat sie über einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu zu ver
fügen, unter Berück
sichtigung von Erwägung 4.2.4.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kan
tonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
weigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 600.-- festzusetzen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2),
weshalb die Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin auf
zuerlegen sind.
5.3
Die Beschwerdegegnerin ist zu verpflichten, der vertretenen Be
schwerdeführerin eine Prozessentschädigung (§ 34 des Gesetzes über das
Sozialversicherungsge
richt
[
GSVGer
]) zu bezahlen. Diese ist nach pflichtgemässem Ermessen auf Fr. 2'100.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
5.4
Das Gesuch der Beschwerdeführerin vom 21. März 2014 um unentgeltliche
Pro
zessführung
und
Rechtsverbeiständung
(Urk. 1) ist bei diesem
Verfahrensaus
gang
als gegenstandslos zu betrachten.