Decision ID: ede24b84-4b0a-5dcc-b7bd-5ab377d1d24c
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
P._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Einstellung in der Anspruchsberechtigung (Meldepflicht)
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Sachverhalt:
A.
P._ meldete sich am 5. Juni 2007 zum Bezug von Leistungen bei der
Arbeitslosenversicherung an (90 %, act. G 3.1/34 und 35). Die Kantonale
Arbeitslosenkasse rechnete dabei die weitere temporäre Beschäftigung bei der
bisherigen Arbeitgeberin, der A._ im Umfang von 50 % als Zwischenverdienst an. In
ihrer Bescheinigung über Zwischenverdienst gab die Arbeitgeberin am 30. Oktober
2007 an, die Versicherte habe vom 1. bis 11. Oktober 2007 Ferien bezogen (act. G
3.1/41). In ihren "Angaben der versicherten Person" für den Monat Oktober 2007
kreuzte die Versicherte am 11. Januar 2008 an, weder in den Ferien noch aus anderen
Gründen abwesend gewesen zu sein (act. G 3.1/49). Mit Verfügung vom 18. Februar
2008 stellte die Kantonale Arbeitslosenkasse St. Gallen die Versicherte ab dem 1.
September 2007 für fünf Tage in der Anspruchsberechtigung ein, da sie falsche
Angaben gemacht habe (act. G 3.1/59). Die dagegen erhobene Einsprache vom 28.
März 2008 (nicht bei den Akten) wies die Kasse mit Entscheid vom 4. April 2008 ab
(act. G 3.1/69).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 29. April
2008 mit dem Antrag, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben. Im Jahr
2006 habe sie anlässlich ihrer 25-jährigen Betriebszugehörigkeit bei der A._
zusätzlich zwei Wochen Ferien erhalten. Es sei hinzugekommen, dass sich ihr regulärer
Urlaubsanspruch 2007 auf sechs Wochen erhöht habe, da sie in diesem Jahr 60 Jahre
alt geworden sei. Von diesen Ferien habe sie einen Teil im Jahr 2006 und den Rest im
Jahr 2007 bezogen. Da die Arbeitgeberin verlangt habe, die alten Ferien
aufzubrauchen, habe sie vom 1. bis 11. Oktober 2007 Ferien bezogen. Das heisse aber
nur, dass sie in der genannten Zeit nicht in der A._ gearbeitet habe. Sie habe aber
nachweislich die ganzen "Ferien" zu Hause verbracht und sei somit ständig
vermittlungsfähig gewesen. Sie sei deshalb nicht auf die Idee gekommen, diese
"Ferien" der Arbeitslosenkasse mitzuteilen (act. G 1).
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B.b Mit Beschwerdeantwort vom 12. Juni 2008 beantragt die Verwaltung Abweisung
der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin habe dadurch eine Meldepflichtverletzung
begangen, dass sie die bezogenen Ferien nicht im Formular "Angaben der versicherten
Person" angegeben habe. Gemäss Bundesgericht sei unerheblich, ob ein Formular
versehentlich oder absichtlich falsch ausgefüllt worden sei, da auch eine fahrlässige
Meldepflichtverletzung den Tatbestand von Art. 30 Abs. 1 lit. e AVIG erfülle (act. G 3).

Erwägungen:
1.
Nach Art. 30 Abs. 1 lit. e AVIG ist eine versicherte Person in der
Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie unwahre oder unvollständige Angaben
gemacht oder in anderer Weise die Auskunfts- oder Meldepflicht verletzt hat. Der
Einstellungstatbestand von Art. 30 Abs. 1 lit. e AVIG ist stets erfüllt, wenn eine
versicherte Person, die der Kasse, dem RAV oder der kantonalen Behörde
einzureichenden Formulare nicht wahrheitsgetreu oder unvollständig ausfüllt. Der
Einstellungsgrund von Art. 30 Abs. 1 lit. e AVIG umfasst somit jede Verletzung der
Pflicht der versicherten Person zu wahrheitsgemässer und vollständiger Auskunft sowie
zur Meldung aller leistungsrelevanten Tatsachen. Die Dauer der Einstellung bemisst
sich nach dem Grad des Verschuldens und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis
30 Tage bei mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 30
Abs. 3 Satz 2 AVIG in Verbindung mit Art. 45 Abs. 2 AVIV).
2.
2.1 Vorliegend bezog die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen an ihrem
Arbeitsplatz bei der A._ vom 1. bis 11. Oktober 2007 Ferien (vgl. act. G 3.1/41). Klar
ist sodann, dass sie dies in ihren "Angaben der versicherten Person" vom 11. Januar
2008 nicht angegeben hat (act. G 3.1/49). Die Beschwerdeführerin führt dazu aus, dass
sie während dieser "Ferien" nachweislich zu Hause und damit vermittlungsfähig
gewesen sei. In tatbeständlicher Hinsicht erscheinen die Ausführungen der
Beschwerdeführerin glaubwürdig. So schildert sie bereits in der Stellungnahme vom 8.
Februar 2008, wie sie auf Grund ihrer 25-jährigen Zugehörigkeit zur A._ und ihres
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vollendeten 60. Altersjahrs einen zusätzlichen Ferienanspruch erworben habe. Im
Weiteren wurden die Vermittlungsfähigkeit und die Befolgung der Kontrollvorschriften
während der fraglichen Zeit vom 1. bis 11. Oktober 2007 von der Beschwerdegegnerin
nie in Frage gestellt. Es ist somit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
auch während ihrer "Ferien" ihren Verpflichtungen gegenüber der
Arbeitslosenversicherung nachkam. Es stellt sich somit die Frage, ob in einem solchen
Fall überhaupt ein meldepflichtiger Tatbestand vorliegt.
2.2 Gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. f AVIG haben Versicherte vermittlungsfähig zu sein. Nach
der Anmeldung beim RAV haben sie sodann die Kontrollvorschriften zu befolgen (Art.
17 Abs. 2 AVIG). Nach je 60 Tagen kontrollierter Arbeitslosigkeit innerhalb der
Rahmenfrist haben versicherte Personen sodann Anspruch auf fünf aufeinander
folgende kontrollfreie Tage, die frei gewählt werden können, und während derer sie
auch nicht vermittlungsfähig sein müssen (Art. 27 Abs. 1 AVIV). Will die versicherte
Person solche kontrollfreien Tage (Stempelferien) beziehen, hat sie dies mindestens 14
Tage im Voraus der zuständigen Amtsstelle zu melden (Art. 27 Abs. 2 AVIV).
Vorliegend stellte die Beschwerdeführerin kein solches Gesuch. Auch erfüllte sie
unbestrittenermassen die Kontrollvorschriften und war vermittlungsfähig. Mithin lag
kein Ferienbezug im arbeitslosenrechtlichen Sinn - bzw. eine auszahlungsrelevante
Tatsache - vor, weshalb sie einen solchen auch nicht melden konnte oder musste. Die
Frage Nr. 6 auf dem Formular "Angaben der versicherten Person" bezieht sich denn
auch auf eine Ortsabwesenheit aus Ferien- oder anderen Gründen. Liegt eine solche
Ortsabwesenheit vor, liegt in der Regel eine Vermittlungsunfähigkeit vor, da dann die
versicherte Person ihren Pflichten, etwa zur Stellensuche oder zur täglichen
Erreichbarkeit (Art. 21 Abs. 1 AVIV), nicht mehr nachkommen kann. Das blosse
Beziehen von arbeitsrechtlichen Ferien ohne Ortsabwesenheit oder anderweitige
Beeinträchtigungen der Verfügbarkeit steht dagegen einer normalen Erfüllung der
arbeitslosenrechtlichen Pflichten nicht entgegen. Im Gegenteil stellt vielmehr die
Ausübung einer Zwischenverdiensttätigkeit eine gewisse Beeinträchtigung der
Vermittlungsfähigkeit dar, welche aber im Interesse der Erfüllung der
Schadenminderungspflicht hinzunehmen ist (vgl. Thomas Nussbaumer,
Arbeitslosenversicherung in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, 2. Aufl., Rz
288, mit Hinweisen). Gemäss Art. 27 Abs. 4 AVIV sind schliesslich auch während eines
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Zwischenverdienstes bezogene Ferien von den erworbenen kontrollfreien Tagen
abzuziehen. Indessen bezieht sich auch diese Bestimmung klar auf kontrollfreie Tage,
während welchen die versicherte Person nicht vermittlungsfähig zu sein braucht. Sie
kann im Weiteren nur dahingehend verstanden werden, dass Personen, welchen - wie
vorliegend - aus Arbeitsvertrag mehr als die arbeitslosenrechtlichen
"Stempelferien" (entsprechend rund vier Wochen pro Jahr) zustehen und damit gar
nicht die ganzen vertraglichen Ferien mit kontrollfreien Tagen "auffüllen" können, die
überschiessenden Ferien am Arbeitsplatz zwar beziehen dürfen, der Arbeitsvermittlung
aber trotzdem zur Verfügung stehen müssen. Es muss also einer solchen Person
möglich sein, am Arbeitsplatz Ferien zu beziehen, ohne jedoch während dieser Zeit die
Vermittlungsfähigkeit ruhen zu lassen. Da es sich dabei um bezahlte Ferien handelt,
erwächst der Versicherung auch kein Schaden, da sich der Anspruch auf
Kompensationsleistungen nicht erhöht. Schliesslich ist auch bei Personen, die gar
keinen Zwischenverdienst ausüben, nicht davon auszugehen, dass sie immer Ferien
haben, die dann meldepflichtig wären.
Zusammenfassend hat die Beschwerdeführerin somit arbeitslosenrechtlich in der
fraglichen Zeit vom 1. bis 11. Oktober 2007 keine Ferien bezogen, weshalb sie diese
auch nicht melden musste. Es liegt demnach keine Verletzung der Auskunfts- und
Meldepflicht vor.
3.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene
Einspracheentscheid vom 4. April 2008 aufzuheben. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG