Decision ID: b3e6e043-2c23-410b-8ef4-db5c0711a05a
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. B._, Jahrgang 2017, A._, Jahrgang 2015 und D._,
Jahrgang 2010, sind die Kinder von E._. Letztere ist seit dem 9.
Dezember 2016 mit F._, dem leiblichen Vater von B._,
verheiratet. A._ und D._ haben keinen Kontakt zu ihrem
jeweiligen leiblichen Vater. Die Familie zog am 30. April 2017 in den
Kanton Bern, bevor sie im Februar 2018 wieder in den Kanton
Graubünden, in die Gemeinde G._, zurückkehrten.
2. Zu diesem Zeitpunkt bestand bereits eine Erziehungsbeistandschaft für
die drei Kinder, während die elterliche Sorge und Obhut bei der Mutter lag.
Aufgrund einer Gefährdungsmeldung aus dem Umfeld der Mutter, der
Verweigerung der Zusammenarbeit mit dem Beistand und mit der mit der
Familienbegleitung beauftragten sozialpädagogischen Fachstelle wurden
Verfahren im Kindes- und Erwachsenenschutz eröffnet und geführt.
Aufgrund ihres Suchtmittelkonsums sei die Mutter wohl nicht in der Lage,
sich genügend um die Kinder zu kümmern, und es sei von einer
erheblichen Gefährdung des Kindeswohls auszugehen.
3. Mit verfahrensleitender Verfügung der Kindes- und
Erwachsenenschutzbehörde H._ (nachfolgend: KESB) vom 1.
November 2018 wurde gestützt auf Art. 314abis ZGB Rechtsanwalt Tobias
Brändli als Verfahrensbeistand bzw. Kindsvertreter für die drei Kinder in
den Verfahren betreffend Kindesschutzmassnahmen sowie Entzug
Aufenthaltsbestimmungsrechts und behördliche Unterbringung
eingesetzt. Am 31. Januar 2019 beantragte der Kindsvertreter eine
vorübergehende Unterbringung der Kinder in eine Pflegefamilie oder in
eine geeignete Mutter-Kind-Institution. Nach vorgängigem Gutachten,
Arztbericht und Abklärungsbericht der Sozialpädagogischen Fachstelle
bezüglich der Mutter und der Kinder, Gesprächen mit der KESB und dem
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Nichterscheinen der Eltern zur Anhörung beantragte der Kindsvertreter am
19. März 2019 den Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts über die
Kinder sowie deren Unterbringung in eine SOS-Pflegefamilie.
4. Mit Entscheid der KESB vom 19. März 2019 wurde u.a. das
Aufenthaltsbestimmungsrecht von E._ (Mutter) bzw. E._ und
F._ (Eltern) über D._, A._ und B._ vorsorglich
aufgehoben. Gleichzeitig wurden die Kinder vorsorglich in der SOS-
Pflegefamilie I._ behördlich untergebracht. Zudem wurde das Recht
der Mutter bzw. der Eltern auf persönlichen Verkehr mit den Kindern
vorsorglich eingeschränkt.
5. Mit Entscheid der KESB vom 13. Juni 2019 wurden die drei Kinder
vorsorglich per 1. Juli 2019 neu in der Klinik J._ untergebracht. Dies,
nachdem sich E._ und F._ seit dem 20. bzw. 27. Mai 2019
stationär in der Klinik befanden und es während des Aufenthaltes
wiederholt zu Suchtmittelkonsum kam.
6. Dem Entscheid der KESB vom 13. August 2019 ist zu entnehmen, dass
D._ zusammen mit dem (Stief-)Vater F._ im Hinblick auf den
Schulstart aus der Klinik austraten, während die Mutter mit den jüngeren
beiden Kindern bis Ende September 2019 in der Klinik verbleiben sollte.
Die vorsorglich erlassene Massnahme betreffend D._ wurde
aufgehoben und das Aufenthaltsbestimmungsrecht vorsorglich an die
Mutter zurückgegeben.
7. Anlässlich der Standortbesprechung vom 9. September 2019 äusserte
sich die Mutter dahingehend, dass sie sich aufgrund ihrer Lebenssituation
(insbesondere wegen der Suchtmittelerkrankung) nicht in der Lage fühle,
die Betreuung von A._ und B._ künftig zu übernehmen.
Zusammen mit F._ habe sie deshalb entschieden, die beiden Kinder
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in eine Pflegefamilie zu geben. Am 30. September 2019 wurden A._
und B._ nach Absprache mit den Eltern erneut bei der SOS-
Pflegefamilie I._ untergebracht, bevor sie ihren Aufenthalt per 1.
November 2019 zur Pflegefamilie K._ (Schachen) wechselten. Mit
Entscheid der KESB vom 7. November 2019 wurde das
Aufenthaltsbestimmungsrecht aufgehoben, damit einhergehend die am
13. Juni 2019 vorsorglich angeordnete Aufhebung des
Aufenthaltsbestimmungsrechts in eine ordentliche Massnahme überführt
und A._ und B._ rückwirkend ab 1. November 2019 in der
Pflegefamilie K._ behördlich untergebracht.
8. Mit Stellungnahme der Gemeinde G._ vom 14. Oktober 2019 bzw.
jener der Gemeinde C._ vom 6. November 2019 erachten sich beide
Gemeinden jeweils nicht als zuständig, für die Unterbringungskosten von
A._ und B._ aufzukommen. In Folge dieser Uneinigkeit bat die
KESB den Kindsvertreter mit Schreiben vom 9. Dezember 2019
abzuklären, welche Gemeinde für die Finanzierung der Unterbringung
zuständig sei.
9. Mit Verfügung der Gemeinde C._ vom 26. Mai 2020 betreffend
öffentlicher Unterstützung wurde die Zuständigkeit zur Finanzierung der
Unterbringung von A._ und B._ abgelehnt. Begründend wurde
ausgeführt, die beiden Kinder seien zwar am 15. Mai 2019 in C._
angemeldet worden, hätten aber in C._ nie ihren Wohnsitz begründet.
Sie hätten bis zum 30. Juni 2019 bei der Pflegefamilie in L._, dann in
der Klinik J._ etc. gelebt. Die Anmeldung der Eltern in C._ reiche
nicht aus. Die beiden Kinder seien seit dem 19. März 2019 fremdplatziert,
was für eine Dauerhaftigkeit spreche. Die beiden Kinder hätten somit in
C._ nie Wohnsitz bzw. Unterstützungswohnsitz begründet. Somit
bleibe die Gemeinde G._ zuständig.
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10. Dagegen erhoben A._ und B._ (nachfolgend:
Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 16. Juni 2020 Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Darin beantragten sie, die
Verfügung der Gemeinde C._ vom 26. Mai 2020 sei aufzuheben und
die Gemeinde C._ zu verpflichten, die laufenden Pflegekosten der
beiden Kinder bei der Familie Koster K._ vollumfänglich zu
übernehmen. Es sei sodann festzustellen, dass die Beschwerdeführer
ihren Unterstützungswohnsitz in der Gemeinde C._ hätten.
Begründend brachten die Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, dass
für die Bestimmung des Unterstützungswohnsitzes einzig entscheidend
sei, ob bei Beginn der Fremdplatzierung von Dauerhaftigkeit auszugehen
oder nur eine vorübergehende Lösung beabsichtigt gewesen sei. Zum
Zeitpunkt der ersten beiden Fremdplatzierungen in die SOS-Pflegefamilie
(L._) bzw. in die Klinik sei noch nicht von einer dauerhaften
Unterbringung auszugehen gewesen. Die dauerhafte Fremdplatzierung
der Beschwerdeführer sei zu einem Zeitpunkt erfolgt, als sie in der
Gemeinde C._ ihren Unterstützungswohnsitz gehabt hätten, so dass
die Gemeinde C._ für die Pflegekosten aufzukommen habe.
11. Die Gemeinde C._ (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte
in ihrer Vernehmlassung vom 24. August 2020 die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die Eltern
der Beschwerdeführer hätten nur vorübergehend – zwischen der
Anmeldung vom 15. Mai 2019 bis zum Wegzug im Mai 2020 – Wohnsitz
in C._ gehabt. Die Beschwerdeführer hätten in der fraglichen Zeit
jedoch weder Wohnsitz noch Aufenthalt in C._ gehabt, da sie bei
einer Pflegefamilie in L._ und in der Klinik J._ gelebt hätten. Die
KESB habe am 19. März 2019 den Eltern der Beschwerdeführer das
Aufenthaltsbestimmungsrecht vorsorglich entzogen, was nie rückgängig
gemacht worden sei. Diese Massnahme sei am 13. Juni 2019 in eine
definitive überführt worden. Die Beschwerdegegnerin habe sich bei ihrem
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Entscheid an das Merkblatt "Kostentragung von Massnahmen im Kindes-
und Erwachsenenschutz" gehalten. Die Unterscheidung zwischen
vorsorglichen und definitiven Massnahmen sei unerheblich. Die Eltern der
Beschwerdeführer hätten ab und seit dem 19. März 2019 nicht mehr über
deren Aufenthaltsort bestimmen können. Demnach sei der Wohnsitz der
Beschwerdeführer seitdem nicht mehr vom Wohnsitz der Eltern abhängig
und folglich der Wegzug von G._ nach C._ am 15. Mai 2019 für
den Wohnsitz der Kinder folgenlos. Es läge somit ein Anwendungsfall von
Art. 7 Abs. 3 lit. d ZUG vor. Die KESB sei anzuweisen, den Aufenthaltsort
der Kinder zum fraglichen Zeitpunkt festzustellen.
12. Mit Replik der Beschwerdeführer vom 3. September 2020 (Datum
Poststempel) bzw. Duplik der Beschwerdegegnerin vom 15. September
2020 hielten die Parteien unter Hinweis auf ihre bisherigen Eingaben an
ihren Anträgen fest.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene
Verfügung sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gegen Entscheide von Gemeinden, die – wie vorliegend die angefochtene
Verfügung vom 26. Mai 2020 – nicht bei einer anderen Instanz
angefochten werden können oder nach kantonalem oder
eidgenössischem Recht endgültig sind, ist die Beschwerde an das
Verwaltungsgericht zulässig (Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Als Adressaten der
angefochtenen Verfügung sind die Beschwerdeführer berührt und weisen
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ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung auf,
weshalb sie zur Erhebung der vorliegenden Beschwerde legitimiert sind
(vgl. Art. 50 Abs. 1 VRG). Vorliegend wurde die Beschwerde frist- und
formgerecht (vgl. Art. 38 VRG und Art. 52 VRG) eingereicht, weshalb
darauf einzutreten ist.
2. Strittig und zu prüfen ist vorliegend die Frage nach dem
Unterstützungswohnsitz der Beschwerdeführer und demnach, ob die
Gemeinde C._ für die Kosten der Fremdunterbringung der
Beschwerdeführer aufzukommen hat.
3. Gemäss Art. 115 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) werden Bedürftige von ihrem
Wohnkanton unterstützt. Der Bund regelt die Ausnahmen und
Zuständigkeiten. Das Bundesgesetz über die Zuständigkeit für die
Unterstützung Bedürftiger (ZUG; SR 851.1) bestimmt, welcher Kanton für
die Unterstützung einer bedürftigen Person, die sich in der Schweiz
aufhält, zuständig ist (Art. 1 Abs. 1 ZUG). Im innerkantonalen Verhältnis
kommen das Gesetz über die Unterstützung Bedürftiger (Kantonales
Unterstützungsgesetz [UG]; BR 546.250), die weiteren kantonalen
Bestimmungen wie auch die Richtlinien der Schweizerischen Konferenz
für Sozialhilfe für die Ausgestaltung und Bemessung der Sozialhilfe
(SKOS-Richtlinien; vgl. Art. 1 Ausführungsbestimmungen zum UG
[ABzUG]; BR 546.270) zur Anwendung (vgl. BGE 143 V 451 E.8.2; Urteil
des Bundesgerichts 8C_701/2013 vom 14. März 2014 E.3.2).
3.1. Die unterstützungsbedürftige Person hat ihren Wohnsitz in dem Kanton, in
dem sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält. Dieser
Kanton wird als Wohnkanton bezeichnet (Art. 4 Abs. 1 ZUG). Im
innerkantonalen Verhältnis ist gemäss Art. 5 Abs. 1 UG diejenige
politische Gemeinde unterstützungspflichtig, in der die bedürftige Person
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ihren Wohnsitz hat. Der Bedürftige hat seinen Wohnsitz im Sinne des ZUG
(Unterstützungswohnsitz), welcher nicht zwingend identisch ist mit dem
zivilrechtlichen Wohnsitz (Urteil des Bundesgerichts 2A.134/2006 vom 29.
Juni 2006 E.4.1 mit Hinweis), in der Gemeinde, in der er sich mit der
Absicht dauernden Verbleibens aufhält (Art. 5 Abs. 2 UG). Dabei richten
sich Begründung und Aufgabe des Wohnsitzes gemäss Verweis in Art. 6
Abs. 1 UG nach den Grundsätzen, die gemäss ZUG im interkantonalen
Verhältnis gelten.
3.2. Für minderjährige Kinder gelangt bezüglich des
Unterstützungswohnsitzes die folgende Spezialregelung gemäss Art. 7
ZUG zur Anwendung: Das minderjährige Kind teilt, unabhängig von
seinem Aufenthaltsort, den Unterstützungswohnsitz der Eltern (Abs. 1).
Haben die Eltern keinen gemeinsamen zivilrechtlichen Wohnsitz, so hat
das minderjährige Kind einen eigenständigen Unterstützungswohnsitz am
Wohnsitz des Elternteils, bei dem es überwiegend wohnt (Abs. 2). Es hat
einen eigenen Unterstützungswohnsitz am letzten
Unterstützungswohnsitz nach den Absätzen 1 und 2, wenn es dauernd
nicht bei den Eltern oder einem Elternteil wohnt (Abs. 3 lit. c).
3.3. Letzteres ist der Fall bei Unmündigen, welche unter elterlicher Sorge
stehen, wirtschaftlich unselbstständig sind und dauerhaft nicht bei den
Eltern oder einem Elternteil leben. Erfasst werden durch diese
Bestimmung freiwillige und behördliche Fremdplatzierungen ohne Entzug
der elterlichen Sorge (Urteil des Bundesgerichts 2A.134/2006 vom 29.
Juni 2006 E.4.3.1; THOMET, Kommentar zum Bundesgesetz über die
Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger [ZUG], 2. Aufl., Zürich
1994, Rz. 125). Als eigener Unterstützungswohnsitz des minderjährigen
Kindes gemäss Art. 7 Abs. 3 lit. c in Verbindung mit Abs. 1 und 2 ZUG gilt
der Ort, an dem es unmittelbar vor der Fremdplatzierung gemeinsam mit
den Eltern oder einem Elternteil gelebt bzw. Wohnsitz gehabt hat. Der
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derart definierte Unterstützungswohnsitz bleibt künftig für die gesamte
Dauer der Fremdplatzierung der gleiche, auch wenn die Eltern oder der
sorgeberechtigte Elternteil den Wohnsitz wechseln. Ziel der damaligen,
auf 1. Juli 1992 in Kraft getretenen Gesetzesrevision war es, jeder
unmündigen Person rasch und eindeutig einen Unterstützungswohnsitz
zuweisen zu können, der bei dauernd Fremdplatzierten im Interesse der
Standortgemeinden von Heimen und anderen sozialpädagogischen
Einrichtungen möglichst nicht am Aufenthaltsort sein sollte. Ein eigener
Unterstützungswohnsitz am Aufenthaltsort soll nur bestehen, wenn kein
"letzter gemeinsamer Wohnsitz" mit den Eltern oder einem Elternteil
vorhanden ist (BGE 139 V 433 E.3.2.2 mit Hinweisen; vgl. auch Urteile des
Bundesgerichts 8C_833/2019 vom 17. Juni 2020 E.3.2.4, 8C_701/2013
vom 14. März 2014 E.3.2.2.1).
3.4. Als lediglich vorübergehend – und damit keinen eigenen
Unterstützungswohnsitz des minderjährigen Kindes nach Art. 7 Abs. 3 lit.
c in Verbindung mit Abs. 1 und 2 ZUG begründend – gelten
Fremdaufenthalte in auswärtigen Institutionen, die entweder nur von
kurzer Dauer sind oder bei denen ein enger Kontakt zwischen Kindern und
Eltern aufrechterhalten wird und die Absicht besteht, dass die Kinder nach
einer bestimmten Zeit wieder zu den Eltern ziehen. Kümmern sich die
Eltern hingegen nicht ernstlich um ihre Kinder bzw. nehmen sie ihre
elterliche Sorge nicht wahr und erfolgt die Fremdplatzierung auf
unbestimmte Zeit oder für mehr als sechs Monate, spricht dies in der Regel
für die Dauerhaftigkeit des Fremdaufenthaltes (vgl. THOMET, a.a.O., Rz.
132). Ob dabei die elterliche Sorge entzogen wird oder entsprechende
Bestrebungen bestehen, ist nicht massgeblich. Genauso wenig kommt es
auf die tatsächliche Dauer des Fremdaufenthaltes an. Entscheidend ist
einzig, ob bei Beginn der Fremdplatzierung von Dauerhaftigkeit
auszugehen oder nur eine vorübergehende Lösung beabsichtigt war.
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Andernfalls könnte immer erst nach einer bestimmten Dauer des
Fremdaufenthalts darüber entschieden werden, welche Gemeinde
letztlich die Kosten zu tragen hat, was nicht dem Sinn des Gesetzes
entsprechen kann, will dieses doch gerade für klare Verhältnisse bei der
Zuständigkeitsausscheidung sorgen. Vorübergehend nicht bei den Eltern
lebt ein Kind beispielsweise im Rahmen von Ferien, Spital- oder
Kuraufenthalten, Abklärungen der Invalidenversicherung, für die Dauer
der Unpässlichkeit eines Elternteils oder bei auswärtiger Schul- oder
Berufsausbildung. Anders verhält es sich, wenn die Eltern oder ein
Elternteil sich nicht ernstlich um das fremdplatzierte Kind kümmern bzw.
die elterliche Sorge faktisch nicht wahrnehmen. In diesem Fall sind in der
Regel auch die Voraussetzungen zur Entziehung der elterlichen Sorge
nach Art. 311 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB gegeben. Dass die elterliche Sorge
tatsächlich entzogen wurde, ist indessen für die Begründung des eigenen
Unterstützungswohnsitzes nach Art. 7 Abs. 3 lit. c ZUG nicht erforderlich.
Erfolgt eine Fremdplatzierung demgegenüber auf unbestimmte Zeit oder
für mehr als sechs Monate, so kann grundsätzlich von ihrer
Dauerhaftigkeit ausgegangen werden. Zudem ist der Zweck des
Aufenthaltes massgebend: Therapeutische und der Abklärung dienende
Massnahmen sprechen gegen und Kindesschutzmassnahmen tendenziell
für eine dauernde Fremdplatzierung (vgl. zum Ganzen Urteil des
Bundesgerichts 8C_701/2013 vom 14. März 2014 E.3.2.2.2 m.w.H.).
4.1. Am 31. Januar 2019 beantragte der Kindsvertreter aufgrund der Resultate
der Haaranalyse der Mutter eine vorübergehende Unterbringung der
Kinder in eine Pflegefamilie oder in eine geeignete Mutter-Kind-Institution.
Am 1. Februar 2019 wurde ein Gutachten über die Mutter (insbesondere
über die Auswirkungen des Substanzmissbrauchs) in Auftrag gegeben,
welches zum Schluss kam, der starke Suchtmittelkonsum gefährde das
Kindeswohl. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde H._
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(KESB) führte in ihrem Entscheid vom 19. März 2019 aus, dass den Eltern
bzw. der Mutter während der Suchtmitteltherapie und im Hinblick auf die
anstehenden Aufgaben, die an die Hand zu nehmen seien, ein Freiraum
geschaffen werden solle. Sie befänden sich in einer Übergangszeit, in der
ein neuer Lebensmittelpunkt für die Familie gefunden und geschaffen
werden müsse. Ein Verbleib der Kinder bei den Eltern während dieser
Phase sei nicht zu verantworten. Aus diesen Gründen seien die Kinder
vorsorglich und auf drei Monate beschränkt bei der SOS-Pflegefamilie
unterzubringen, mit anschliessender Neubeurteilung. Persönliche
Kontakte sollten während dieser Unterbringung im geschützten,
begleiteten Rahmen stattfinden (Beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 3,
S. 4 f.).
4.2. Der Entscheid der KESB vom 13. Juni 2019 (Bf-act. 4) hielt fest, das
Gutachten vom 25. März 2019 komme zum Schluss, eine stationäre
Therapie mit anschliessend unterstützenden Massnahmen (z.B.
sozialpädagogische Familienbegleitung) sei der zielführendste Weg und
eine weitere stationäre Therapie sei angezeigt. Der Arzt bot zur
Stabilisierung der Familiensituation die Zusammenführung der Eltern mit
den Kindern in der Klinik J._ an. Die Eltern seien bereit, an ihren
persönlichen Themen zu arbeiten, eine Rückführung der Kinder in die
Familienwohnung zusammen mit den Eltern sei aktuell jedoch verfrüht und
nicht zum Wohl der Kinder. Eine Zusammenführung der Eltern und der
Kinder in der Klinik bilde zumindest während den Sommerferien eine
geeignete Zwischenlösung. Anlässlich einer Besprechung vom 11. Juni
2019 wurden die Eltern über eine Reihe von notwendigen Massnahmen
informiert, die als Voraussetzung für eine erfolgreiche Rückkehr der Kinder
in die Familienwohnung als notwendig erachtet wurden. Unter Einhaltung
dieser Voraussetzung werde auf das neue Schuljahr hin die Rückgabe des
Aufenthaltsbestimmungsrechts an die Eltern in Kombination mit
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unterstützenden Massnahmen in Erwägung gezogen. Sollten diese
Voraussetzungen jedoch nicht erfüllt sein, müsse eine langfristige
Unterbringung der Kinder in einer Institution oder einer Pflegefamilie in
Erwägung gezogen werden (Bf-act. 4, S. 2 f.).
4.3. Der Entscheid der KESB vom 7. November 2019 führte aus, die
Beschwerdeführer seien nach Absprache mit den Eltern erneut
vorübergehend bei der SOS-Pflegefamilie in L._ untergebracht
worden, bevor sie ab dem 1. November 2019 zur Pflegefamilie K._
wechselten. Gemäss der Standortbestimmung vom 9. September 2019
habe die Mutter erklärt, dass sie sich aufgrund ihrer Lebenssituation und
insbesondere aufgrund der Suchtmittelerkrankung belastet und nicht in
der Lage fühle, die Betreuung der beiden Beschwerdeführer künftig zu
übernehmen. Die Eltern hätten sich entschieden, die beiden Kinder in eine
Pflegefamilie zu geben. Zudem wurden die Aufträge des Beistands in
verschiedenen Bereichen erweitert (Regelung des persönlichen Verkehrs
unter Voraussetzung der Suchtmittelabstinenz der Eltern, Finanzierung)
(Bf-act. 6, S. 2 ff.). Das Aufenthaltsbestimmungsrecht der Eltern über die
Beschwerdeführer wurde aufgehoben und damit dessen vorsorglich
angeordnete Aufhebung in eine ordentliche Massnahme überführt (Bf-act.
6, S. 6).
4.4. Bei den Entscheiden der KESB vom 19. März 2019 (Bf-act. 3) und 13. Juni
2019 (Bf-act. 4) handelte es sich explizit um vorsorgliche behördliche
Unterbringungen. Zu jenen Zeitpunkten dieser lediglich vorübergehenden
Unterbringungen, war (noch) keine dauerhafte Fremdunterbringung
beabsichtigt. Es handelte sich dabei um Fremdunterbringungen von nur
kurzer Dauer (drei bzw. ein Monat/e) und es bestand die Absicht, dass die
beiden Beschwerdeführer nach einer bestimmten Zeit wieder zu den
Eltern ziehen würden. Im Zeitpunkt der ersten Fremdunterbringung am 19.
März 2019 wurde die Fremdunterbringung bei einer SOS-Pflegefamilie für
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die maximale Dauer von drei Monaten angeordnet, zumal noch
Abklärungen der KESB im Gange waren. So war einerseits das
forensisch-psychiatrische Gutachten von Dr. M._ über die Mutter
noch ausstehend (Eingang bei der KESB am 27. März 2019), andererseits
gab die KESB am 29. April 2019 eine Haaranalyse der Mutter in Auftrag.
Es wurde im Entscheid der KESB vom 19. März 2019 festgehalten, dass
spätestens im Juni 2019 unter Berücksichtigung der in dieser Zeit erzielten
Fortschritte und Entwicklungen eine Neubeurteilung der Situation
vorzunehmen sei (Bf-act. 3 S. 4). Die mit dem Entscheid vom 13. Juni 2019
beschlossene Zusammenführung der Eltern mit den Kindern in der Klinik
J._ per 1. Juli 2019 machte die am 19. März 2019 vorsorglich verfügte
Einschränkung des persönlichen Verkehrs hinfällig. Auch in diesem
Entscheid vom 13. Juni 2019 kam der provisorische Charakter der
Unterbringung bei den Eltern in der Klinik J._ klar zum Ausdruck, etwa
durch die Bezeichnung der Unterbringung in der Klinik als
"Zwischenlösung". Es wurde zudem darauf hingewiesen, dass, sollten die
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Rückkehr der Kinder in die
Familienwohnung nicht oder nur teilweise erfüllt sein und sollte das Wohl
der Kinder bei einem Zusammenleben mit den Eltern erneut gefährdet
sein, eine langfristige Unterbringung der Kinder in einer Institution oder
einer Pflegefamilie in Erwägung gezogen würde (Bf-act. 4, S. 3). Diese
provisorischen Vorkehren dienten dem vorläufigen Schutz der
Beschwerdeführer und ermöglichten es der KESB, allfällige weitere
Kindesschutzmassnahmen, beispielsweise eine dauerhafte
Unterbringung bei einer Pflegefamilie, näher abzuklären und zu prüfen.
Aufgrund dieser Abklärungen und der weiteren Entwicklung –
insbesondere auch der inzwischen gewonnenen Erkenntnis der Eltern
gemäss Standortbesprechung vom 9. September 2019 (Bf-act. 6, S. 2),
dass sie derzeit nicht in der Lage wären, die Betreuung der
Beschwerdeführer zu übernehmen, und daher einer Fremdunterbringung
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bei einer Pflegefamilie zustimmten – war die KESB im November 2019 in
der Lage, die anfänglich provisorischen Charakter aufweisende
Betreuungssituation in eine dauerhafte Fremdunterbringung zu
überführen.
Erst mit Entscheid der KESB vom 7. November 2019 (Bf-act. 6), bei dem
die vorsorglich angeordnete Aufhebung des
Aufenthaltsbestimmungsrechts in eine ordentliche Massnahme überführt
wurde, wurden die Beschwerdeführer im Sinne der vorstehenden
Erwägungen dauerhaft fremdplatziert (vgl. obige Erwägung 3.4: auf
unbestimmte Zeit oder mehr als sechs Monate). Für die beiden
minderjährigen Kinder wurde somit erst in diesem Zeitpunkt, demzufolge
am 7. November 2019, ein eigener Unterstützungswohnsitz im Sinne von
Art. 7 Abs. 3 lit. c ZUG i. V. m. Art. 7 Abs. 1 und 2 ZUG begründet.
4.5. Für B._ kommt Art. 7 Abs. 3 lit. c i.V.m. Abs. 1 ZUG zur Anwendung.
Für A._, zu deren mutmasslichem Vater kein Kontakt besteht, ist Art.
7 Abs. 3 lit. c i.V.m. Abs. 2 ZUG anwendbar, was zum selben Resultat
hinsichtlich Unterstützungswohnsitz der Beschwerdeführer führt. Zum
Zeitpunkt der von der KESB am 7. November 2019 angeordneten
dauerhaften Unterbringung gilt für die Bestimmung des
Unterstützungswohnsitzes sowohl für B._ als auch für A._ der
Wohnsitz bzw. der Unterstützungswohnsitz der Mutter. Die Mutter – und
im Falle von B._ auch der Vater – hatten zu jenem Zeitpunkt bzw. seit
mindestens 15. Mai 2019 Wohnsitz wie auch Unterstützungswohnsitz in
der Gemeinde C._, was auch von der Beschwerdegegnerin nicht
bestritten wird (siehe die angefochtene Verfügung, Bf-act. 2, S. 1, sowie
die beschwerdegegnerische Vernehmlassung S. 2). Der damit bestimmte
Unterstützungswohnsitz in der Gemeinde C._ der Beschwerdeführer
bleibt für die gesamte Dauer der Fremdunterbringung der
Beschwerdeführer bestehen, selbst wenn die Eltern den Wohnsitz
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angeblich im Mai 2020 gewechselt haben (vgl. vorstehende Erwägung
3.3).
5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Gemeinde C._ als
Unterstützungswohnsitz der beiden Beschwerdeführer ab 15. Mai 2019 gilt
und dass sie für die Kosten der dauerhaften Fremdunterbringung der
Beschwerdeführer ab 1. November 2019 gemäss Entscheid der KESB
vom 7. November 2019 aufzukommen hat. Daran vermag auch der
angebliche Wegzug bzw. die Abmeldung der Eltern im Mai 2020 (und im
Übrigen jeder allfällige weitere Umzug) nichts zu ändern. Die Verfügung
der Gemeinde C._ vom 26. Mai 2020 ist aufzuheben und die
Beschwerde gutzuheissen.
6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Gerichtskosten gestützt
auf Art. 73 Abs. 1 VRG zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Die
Staatsgebühr ist auf CHF 700.00 anzusetzen (Art. 75 Abs. 2 VRG). Die
Beschwerdegegnerin hat die obsiegenden und anwaltlich vertretenen
Beschwerdeführer nach Art. 78 Abs. 1 VRG zu entschädigen. Die
Honorarnote ihres Rechtsvertreters vom 3. September 2020 (vgl.
Gerichtsakte E1) in der Höhe von CHF 2'462.65 (bestehend aus Honorar
für 9.25 Std. à CHF 240.00 [CHF 2'220.00] plus 3 %
Kleinspesenpauschale [CHF 66.60] und 7.7 % Mehrwertsteuer
[CHF 176.07]) erscheint hinsichtlich Aufwand als angemessen, der
Stundenansatz ist allerdings auf CHF 200.00 pro Stunde zu reduzieren,
da dies dem mit der KESB vereinbarten Stundenansatz entspricht (vgl.
verfahrensleitende Verfügung vom 1. November 2018 sowie Art. 2 der
Verordnung über die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen
und Rechtsanwälte [Honorarverordnung, HV; BR 310.250]). Die
Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführern deshalb einen
Parteikostenersatz im Umfang von CHF 2'052.20 (bestehend aus Honorar
für 9.25 Std. à CHF 200.00/Std. [CHF 1'850.00] plus 3 %
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Kleinspesenpauschale [CHF 55.50] und 7.7 % Mehrwertsteuer
[CHF 146.70]) zu leisten.
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