Decision ID: b835617d-d213-42af-a866-5b4ad4f245ef
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) arbeitete seit 2. November 2010 als Gipser bei
der B._ GmbH und war dadurch bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von
Unfällen versichert, als er am 26. Mai 2012 als Fahrzeuglenker einen Auffahrunfall erlitt
(Schadenmeldung vom 14. Juni 2012, act. G 5.1.1; siehe zum Unfallhergang den
Rapport der Kantonspolizei Thurgau vom 20. Juni 2012 act. G 5.1.45, und zur
biomechanischen Bewertung die biomechanische Kurzbeurteilung vom 1. Oktober
2012 act. G 5.1.67, worin von einer kollisionsbedingten Geschwindigkeitsänderung
zwischen 10 bis 15 km/h in Vorwärtsrichtung ausgegangen wurde). Die, den
Versicherten am Unfalltag im Kantonsspital C._ behandelnden medizinischen
Fachpersonen stellten die Diagnose eines craniocervikalen Beschleunigungstraumas.
Nach der zur GCS-Überwachung über Nacht erfolgten Hospitalisation wurde der
Versicherte in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen (Austrittsbericht vom
10. Juni 2012, act. G 5.1.13). Die Suva kam für die Kosten der Heilbehandlung auf und
entrichtete Taggelder (siehe etwa act. G 5.1.2; zu den Taggeldleistungen siehe act.
G 5.2.462). Dr. med. D._, Facharzt für Neurologie, berichtete am 6. Juli 2012, dass er
«keinerlei» Hinweise für eine schwerwiegende Erkrankung gefunden habe und dass
sich die geklagten Beschwerden im Verlauf wieder zurückbilden würden (act. G 5.1.20;
A.a.
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zum im Rahmen einer EEG-Untersuchung erhobenen Normalbefund siehe act.
G 5.1.21; siehe auch den Bericht vom 16. November 2012, worin Dr. D._ ausführte,
dass die bisherige MRT-Bildgebung einen cranio-cerebral vollständig unauffälligen
Befund ergeben habe; act. G 5.1.78; zu den Ergebnissen der cervicalen
Kernspintomographie vom 30. August 2012 siehe act. G 5.1.44, und der MRT- und
MRA-Untersuchung des Neurocraniums vom 14. September 2012 act. G 5.1.58). Der
behandelnde Dr. med. E._, Facharzt für Allgemeine Medizin, bescheinigte dem
Versicherten im Verlauf Arbeitsunfähigkeiten zwischen 50 bis 100% (siehe etwa act.
G 5.1.28).
Zur stationären Behandlung befand sich der Versicherte vom 1. Oktober bis
6. November 2012 in der Rehaklinik Bellikon. Bezogen auf das Unfallereignis vom
26. Mai 2012 diagnostizierten die dort behandelnden medizinischen Fachpersonen eine
HWS-Distorsion «QTF II» sowie eine Anpassungsstörung, Angst und depressive
Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22). Es sei eine mässige Symptomausweitung
beobachtet worden. Aus rein unfallkausaler Sicht wurde dem Versicherten unter
Gewährung eines stufenweisen Wiedereinstiegs ab 1. Januar 2013 eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit für die angestammte Tätigkeit als Gipser bescheinigt. Die Prognose für
eine nachhaltig erfolgreiche berufliche Wiedereingliederung werde angesichts der
Einstellung des Versicherten als eher schlecht bewertet (Austrittsbericht vom
6. November 2012, act. G 5.1.75; zum vorangegangenen, in der Rehaklinik Bellikon
durchgeführten ambulanten Assessment siehe den Bericht vom 26. September 2012,
act. G 5.1.68). Med. pract. F._, Arzt Arbeitsorientierte Rehabilitation an der Rehaklinik
Bellikon, teilte der Suva am 7. November 2012 telefonisch mit, seines Erachtens
würden die noch geltend gemachten Beschwerden des Versicherten nicht mehr durch
den Unfall vom 26. Mai 2012 verursacht, sondern durch die degenerativen
Veränderungen im Bereich der HWS beider Schultergelenke (act. G 5.1.72). Der
Versicherte nahm seine bisherige Arbeit nach dem Austritt aus der Rehaklinik Bellikon
wieder mit einem 50%igem Arbeitspensum bei ganztägiger Präsenz auf (act. G 5.1.81).
A.b.
Mit Verfügung vom 11. Januar 2013 stellte die Suva die bisherigen Leistungen ein,
da der status quo sine erreicht worden sei (act. G 5.1.90). Die behandelnde Dr. med.
G._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete der Suva am
14. Januar 2013, der Versicherte leide an einer posttraumatischen Belastungsstörung
A.c.
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bei Zustand nach Autounfall am 26. Mai 2012 und einer leichten depressiven Episode
mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.01). Aus rein psychiatrischer Sicht sei der
Versicherte 50% arbeitsunfähig (act. G 5.1.92). Auf Einsprache des Versicherten vom
23. Januar 2013 hin (act. G 5.1.93) widerrief die Suva die angefochtene Verfügung am
1. März 2013 (act. G 5.1.98).
Dres. med. H._, Facharzt für Chirurgie, und I._, Fachärztin für Chirurgie, Suva,
Versicherungsmedizin, gelangten in der Beurteilung vom 20. März 2013 zur Ansicht,
der status quo ante sei erreicht. Die Unfallfolgen seien bis spätestens 31. März 2013
erloschen (UV-act. 5.1.103). Am 12. Juni bzw. 3. Juli 2013 fand eine psychiatrisch-
psychologische Untersuchung des Versicherten durch Dr. med. J._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, Leiterin Versicherungspsychiatrischer Dienst der Suva,
und Dr. phil. K._, Diplompsychologin, statt. In der psychiatrisch-psychologischen
Beurteilung vom 14. August 2013 führten sie aus, der Versicherte leide an einer
schweren depressiven Episode (ICD-10: F32.2). Bei der Untersuchung konnten keine
ausreichenden Hinweise auf eine posttraumatische Belastungsstörung gefunden
werden. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sei von einem teilkausalen
Zusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 26. Mai 2012 und der psychischen
Störung des Versicherten auszugehen. Derzeit sei der Versicherte aus psychiatrisch-
psychologischer Sicht allenfalls stundenweise arbeitsfähig (act. G 5.1.132). Vom
3. Februar bis 25. April 2014 befand sich der Versicherte zur teilstationären Behandlung
in der Tagesklinik am Psychiatrischen Zentrum L._. Die dort behandelnden Ärztinnen
diagnostizierten eine posttraumatische Belastungsstörung bei Status nach Autounfall
am 26. Mai 2012 mit HWS-Distorsion (ICD-10: F43.1) und eine schwere depressive
Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.2). Für die gesamte Dauer des
teilstationären Aufenthalts bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Der Versicherte
werde am 1. Mai 2014 seine vorbestehende Arbeit zu 20% wieder aufnehmen
(Austrittsbericht vom 28. April 2014, act. G 5.1.195, und Arztbericht vom 30. Juli 2014,
act. G 5.1.226). Im Bericht vom 3. Juli 2014 führte Dr. D._ aus, die vom Versicherten
geklagten Beschwerden hätten sich exazerbierend im Vergleich zur letzten
Untersuchung von November 2013 gezeigt. U.a. gestützt auf die Ergebnisse einer
cervicalen Kernspintomographie vom 15. Mai 2014 (act. G 5.1.208) wies er darauf hin,
dass sich jedoch beim Versicherten weiterhin «keinerlei» Hinweise für eine
A.d.
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neurologische Ausfallsymptomatik, keine Paresen, keine radikulären Symptome und
keine Sensibilitätsstörungen hätten finden lassen. Zusammenfassend gehe er aufgrund
der gesamthaften Befundkonstellation weiterhin von einem chronifizierten
Schmerzsyndrom i.S. einer somatoformen Schmerzstörung aus. Die Therapieoptionen
seien so ziemlich ausgereizt (act. G 5.1.217).
Im Auftrag der Vaudoise Versicherung wurde der Versicherte am 1. Oktober 2014
zur Abklärung von Ansprüchen aus einer Lebensversicherung durch Dr. med. M._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachtet. Diese diagnostizierte eine
mittelgradige bis schwere agitierte depressive Episode ohne psychotische Symptome
(ICD-10: F32.11/F32.2). Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung hätten
nicht ausreichend festgestellt werden können. Für die Tätigkeit als Gipser bescheinigte
sie dem Versicherten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Bezogen auf zumutbare
Tätigkeiten verfüge der Versicherte höchstens über eine 25%ige Arbeitsfähigkeit
(Gutachten vom 29. Oktober 2014, act. G 5.1.268).
A.e.
Am 24. Oktober 2014 erlitt der Versicherte als Fahrzeuglenker erneut einen
Auffahrunfall, wobei er am Hals eine Prellung erlitten habe (Schadenmeldung vom
15. Januar 2015, act. G 5.3.2; siehe auch die telefonischen Angaben der Ehefrau vom
10. November 2014, wonach nicht so viel passiert sei und der Versicherte auch wieder
am Arbeiten sei, act. G 5.1.241, sowie die Angaben des Versicherten anlässlich der
Besprechung mit der Suva vom 6. Januar 2015, act. G 5.1.275-27 Mitte). Dr. D._
stellte anlässlich einer Untersuchung vom 24. März 2015 fest, der beim Versicherten zu
erhebende klinisch-neurologische Untersuchungsbefund sei unverändert zur
Voruntersuchung vom 1. Juli 2014. Von neurologischer Seite her bestehe keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (act. G 5.1.282, insbesondere S. 2).
A.f.
Im Auftrag der Suva wurde der Versicherte am 20. und 21. September 2016 in der
MEDAS Zentralschweiz bidisziplinär (rheumatologisch durch Dr. med. N._, Facharzt
für Rheumatologie, und psychiatrisch durch Dr. med. O._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie) begutachtet. Die MEDAS-Gutachter stellten folgende Diagnosen:
eine breitbasige Diskusprotrusion C5/6 mit degenerativen Foraminalstenosen beidseits,
Osteochondrose mit mediorechtslateraler Diskushernie C6/7 und Stenosierung des
Neuroforamens rechts, aktuell weitgehend asymptomatisch;
A.g.
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Hinterhauptkopfschmerzen, nicht durch zervikale Pathologie erklärbar; eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41);
chronische, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom
(ICD-10: F32.11) bei komplizierter, protrahierter Trauerreaktion (ICD-10: F38.8);
anamnestisch Karpaltunnelsyndrom rechts, derzeit asymptomatisch; einen Status nach
HWS-Distorsion Grad II durch Auffahrkollision am 26. Mai 2012, keine objektivierbaren
unfallbedingten strukturellen Läsionen; einen Verdacht auf Polyneuropathie unklarer
Ätiologie. Derzeit liessen sich keine unfallbedingten Schäden am Bewegungsapparat
objektivieren. Die degenerativen Veränderungen an der Halswirbelsäule seien
krankhafter Natur. Sie seien derzeit weitgehend asymptomatisch. Die psychiatrischen
Diagnosen seien überwiegend wahrscheinlich unfallbedingt. Die unfallbedingte
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit betrage 50% (MEDAS-Gutachten vom 26. Oktober
2016, act. G 5.2.384, insbesondere S. 30 ff.; zum psychiatrischen Teilgutachten vom
26. September 2016 siehe act. G 5.2.383; zur Kritik der Generali Allgemeine
Versicherungen AG am psychiatrischen Teilgutachten vom 19. Januar 2017 siehe act.
G 5.4.53).
Am 2. November 2016 erlitt der Versicherte als Fahrzeuglenker einen dritten
Auffahrunfall. Dabei habe er sich am Kopf angeschlagen (Schadenmeldung vom
7. November 2016, act. G 5.2.390; zum Unfallhergang siehe etwa das Protokoll der
Landespolizeidirektion Vorarlberg vom 2. November 2016, act. G 5.4.14, die Angaben
der im Landeskrankenhaus P._ erstbehandelnden Ärztin vom 2. November 2016, act.
G 5.4.31, sowie die biomechanische Kurzbeurteilung vom 9. März 2017, act. G 5.4.75).
Bei einer bildgebenden Untersuchung am 16. November 2017 (MRT Arthrographie des
rechten Schultergelenks) wurde eine Ruptur der Supraspinatussehne sowie eine
höhergradige Partialruptur der Infraspinatussehne, DD in erster Linie im Rahmen eines
subakromialen Impingements festgestellt (act. G 5.4.18). Der Kreisarzt Dr. med. Q._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
führte in der Stellungnahme vom 11. Januar 2017 aus, in den Echtzeitbefunden aus
P._ und auf dem Dokumentationsbogen für craniocervikale
Beschleunigungsverletzungen seien keine Angaben dokumentiert, die für eine relevante
Beteiligung des Schultergelenks oder gar Auswirkungen mit Schädigung verschiedener
Sehnenanteile des Schultergelenks sprächen. Der Unfallhergang mit der Hand des
A.h.
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Versicherten am Lenkrad, Auffahrunfall auf ein vor ihm stehendes Auto und das
fehlende Auslösen des Airbags sprächen überwiegend wahrscheinlich für ein eher
bagatelläres Ereignis und damit gegen eine traumatisch bedingte
Rotatorenmanschettenläsion (act. G 5.2.395; zur am 4. Januar 2017 wegen einer
Supraspinatussehnenläsion mit Bizepsinstabilität an der rechten Schulter
durchgeführten Schulterarthroskopie mit subacromialer Dekompression,
Bizepstenodese und plastischer Rekonstruktion der Rotatorenmanschette siehe den
Operationsbericht von Dr. med. R._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, St. Gallen, vom 6. Januar 2017, act.
G 5.4.49). Am 9. März 2017 ergänzte der Kreisarzt Dr. Q._, es sei weder in der Folge
der craniozervikalen Beschleunigungsverletzungen aus dem Jahr 2012 noch der letzten
Verletzung aus dem Jahr 2016 zu bildgebend objektivierbaren strukturellen
Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule gekommen. Bei wiederholten
craniozervikalen Beschleunigungsverletzungen könne bei neuerlichen Unfallereignissen
von einem protrahierten Heilungsverlauf ausgegangen werden, der sich durch
anhaltende Muskelverspannungen im Nacken und Schultergürtel erklären lasse. Es sei
ein Heilungsverlauf abhängig von der Schmerzsymptomatik zwischen 6 und
12 Monaten anzunehmen. Die intraoperativen Befunde der Rotatorenmanschette
sprächen für degenerativ bedingte Schäden, so dass die Behandlung der (rechten)
Schulter einschliesslich der Operation bis 8 Wochen nach der Operation als
Abklärungsmassnahme zu übernehmen sei und dann der Fall bezüglich der Schulter
terminiert werden könne. Zusammenfassend könne davon ausgegangen werden, dass
ohne Nachweis struktureller unfallbedingter Schäden die vom Versicherten beklagte
Beschwerdesymptomatik spätestens 12 Monate nach einem craniozervikalen
Beschleunigungstrauma nicht mehr in kausalem Zusammenhang mit dem
Unfallereignis stehe (act. G 5.2.402).
Im März 2017 wurde über die Arbeitgeberin des Versicherten der Konkurs eröffnet,
weshalb sie das Arbeitsverhältnis mit ihm per 31. März 2017 kündigte (siehe den
Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 16. März 2017, act. G 5.2.405).
A.i.
Am 20. April 2017 erhielt die Suva die von der Generali Allgemeine Versicherungen
AG in Auftrag gegebenen Ermittlungsberichte der S._ vom 20. Mai und 6. Juni 2015
A.j.
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über die im Zeitraum vom 6. bis 18. Mai und vom 30. Mai bis 1. Juni 2015 erfolgte
Observation des Versicherten (act. G 5.2.417).
Im Verlaufsbericht vom 18. Mai 2017 (Datum Posteingang Suva) führte Dr. G._
aus, der Zustand des Versicherten habe sich nach dem 3. Unfall und nach dem Tod
seines Vaters zunehmend verschlechtert. Er habe seit März 2017 erneut eine
ausgeprägte schwere depressiv-agitierte Symptomatik geboten (act. G 5.2.424).
A.k.
Der Kreisarzt Dr. Q._ gelangte in der Stellungnahme vom 3. August 2017 zur
Auffassung, unter Berücksichtigung der Echtzeitbefunde, des Unfallhergangs, der
bildgebenden Dokumente und des intraoperativen Befunds sei überwiegend
wahrscheinlich davon auszugehen, dass die intraoperativ gesicherten Schäden der
Pulleyschlinge und der Rotatorenmanschette nicht in kausalem Zusammenhang mit
dem Unfallereignis vom 2. November 2016 stünden. Durch das erlittene Ereignis mit
Anprall des Schultergelenks nach hinten in den Autositz sei es zu einer
vorübergehenden Verschlimmerung eines unfallunabhängig vorbestehenden
Verschleisszustands des Schultergelenks ohne richtungsgebende strukturelle
Verletzung gekommen. Der status quo sine bezüglich des rechten Schultergelenks sei
unter Berücksichtigung der Anfang Januar 2017 durchgeführten Schulteroperation und
einer postoperativen Rekonvaleszenz von 8 Wochen spätestens Anfang März 2017
erreicht worden (act. G 5.2.445).
A.l.
Die Suva verfügte am 17. August 2017 einerseits die Einstellung der
Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen rückwirkend per 31. Juli 2017 sowie
andererseits die Abweisung des Gesuchs um eine Rente und Integritätsentschädigung.
Zur Begründung führte sie aus, die vom Versicherten noch geltend gemachten
Beschwerden seien organisch nicht hinreichend nachweisbar, weshalb die Adäquanz
gemäss BGE 115 V 133 zu prüfen sei. Die massgebenden Kriterien für deren Bejahung
seien nicht erfüllt (act. G 5.2.451). Dagegen erhob der Versicherte am 18. September
2017 Einsprache und beantragte, die Versicherungsleistungen seien über den 31. Juli
2017 hinaus zu erbringen. Es stehe fest, dass er weiterhin als Folge der erlittenen
Unfälle arbeitsunfähig sei (act. G 5.2.452; siehe auch die ergänzende Begründung vom
20. Oktober 2017, act. G 5.2.457, worin er u.a. eine Verletzung der Begründungspflicht
rügte).
A.m.
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B.
Nach einer Untersuchung des Versicherten vom 26. September 2017 berichtete
Dr. med. T._, Facharzt für Neurochirurgie, führend im Geschehen sei eine
Gleitinstabilität C5/6. Die Veränderungen bei C6/7 dürften auch eine Rolle spielen (act.
G 5.4.140). Dr. D._ vertrat im Bericht vom 17. Oktober 2017 die Sichtweise, der
Versicherte zeige eine Aetiopathogenese mit im Wesentlichen psychopathologischer
Beeinträchtigung von klinischen Beschwerden. Er habe ihm mitgeteilt, dass er
«keinerlei» Hinweise für eine neurologische Krankheit erkennen könne und der
Versicherte lernen solle, seine Beschwerden zu akzeptieren und mit diesen
umzugehen. Angst und Sorge würden ihm nicht weiterhelfen. Eine neurologische
Erkrankung liege nicht vor. Es bestehe eine somatoforme Schmerzstörung bei
psychopathologischen Auffälligkeiten mit vermehrter Ängstlichkeit (act. G 5.2.459).
Vom 2. bis 29. November 2017 befand sich der Versicherte zur stationären Behandlung
in der Reha U._. Die dort behandelnden medizinischen Fachpersonen empfahlen
nach der Stabilisierung der Psyche eine stationäre Behandlung auf einer Spezialstation
für Traumafolgestörungen (Austrittsbericht vom 13. Dezember 2017, act.
G 5.1.465-2 ff., insbesondere S. 4). Dr. G._ bescheinigte dem Versicherten eine volle
Arbeitsunfähigkeit. Er stehe kurz vor der Aufnahme in die Psychiatrische Klinik V._
(Schreiben vom 22. Dezember 2017, act. G 5.2.465).
A.n.
Mit Entscheid vom 4. Mai 2018 wies die Suva die Einsprache vollumfänglich ab
und entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung (act. G 5.2.475).
A.o.
Gegen den Einspracheentscheid vom 4. Mai 2018 erhob der Beschwerdeführer
am 7. Juni 2018 Beschwerde. Er beantragte darin dessen Aufhebung und die
Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung durch die Beschwerdegegnerin; unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung brachte er vor, im
Einspracheentscheid werde eine offensichtlich ungenügende und den Gehörsanspruch
verletzende Verfügungsbegründung geschützt. Zudem sei der im angefochtenen
Einspracheentscheid geäusserte Standpunkt der Beschwerdegegnerin, es lägen keine
objektivierbaren Unfallfolgen vor, in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes
bezogen worden. Es sei ein aktuelles polydisziplinäres Gutachten einzuholen. Die
Adäquanzbeurteilung durch die Beschwerdegegnerin sei unzutreffend. Insbesondere
B.a.
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werde übersehen, dass drei sogenannte mittelschwere Auffahrunfälle in ihrer
Gesamtheit sehr wohl geeignet seien, sich schwer traumatisch auszuwirken (act. G 1).
Mit der Beschwerde reichte der Beschwerdeführer einen Bericht des Medizinischen
Zentrums W._ über dort am 19. Mai und 6. Juni 2019 geführte Vorgespräche ein (act.
G 1.2).
Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom 10. Juli 2018
die Abweisung der Beschwerde. Mit Blick auf die Gehörsrüge brachte sie vor, alleiniger
Anfechtungsgegenstand des Beschwerdeverfahrens sei der Einspracheentscheid vom
4. Mai 2018. Die vorangegangene Verfügung habe mit dessen Erlass jede rechtliche
Bedeutung verloren. Im Übrigen sei die Verfügung gehörig begründet worden. Im vom
Beschwerdeführer geklagten Leidensbild würden psychische Störungen dominieren.
Objektivierbare organische/strukturelle Unfallfolgen im HWS- und Schädelhirnbereich
würden fehlen. Bei mehreren Unfällen sei die Adäquanz für jeden Unfall gesondert zu
prüfen. Bei den vorliegend zu beurteilenden Unfällen habe die Adäquanzprüfung nach
der Psycho-Praxis zu erfolgen. Deren Kriterien zur Bejahung der Adäquanz seien nicht
erfüllt. Alle drei Heckauffahrkollisionen seien als mittelschwere Ereignisse im
Grenzbereich zu den leichten Unfällen zu qualifizieren (act. G 5).
B.b.
Am 12. Juli 2018 wurde das Gesuch des Beschwerdeführers um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das Verfahren vor Versicherungsgericht
bewilligt (act. G 6).
B.c.
In der Replik vom 30. Oktober 2018 hielt der Beschwerdeführer unverändert an
der Beschwerde fest. Es gehe ihm immer schlechter. Aus der Klinik V._, in die er
stationär eingewiesen worden sei, habe man ihn aufgrund seiner Verhaltensstörung
entlassen müssen. Mittlerweile leide er an einer schweren Depression und sei
ausserstande, mit der Aussenwelt auch nur zu kommunizieren. Die
Beschwerdegegnerin übersehe bei ihrer Adäquanzbeurteilung, dass die drei Unfälle im
gesamten Zusammenhang zu würdigen seien (act. G 16).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete stillschweigend auf eine Duplik (act. G 18).B.e.
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Erwägungen
1.
Zunächst ist die Rüge des Beschwerdeführers zu prüfen, die Beschwerdegegnerin
habe mit Bezug auf ihre Verfügung vom 17. August 2017 ihre Begründungspflicht
gemäss Art. 49 Abs. 3 Satz 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) verletzt (act. G 1, Rz 4). Bei seiner Rüge
verkennt der Beschwerdeführer, dass der Anfechtungsgegenstand des vorliegenden
gerichtlichen Beschwerdeverfahrens allein der Einspracheentscheid vom 4. Mai 2018
bildet, wie dies aus Art. 56 Abs. 1 ATSG unmissverständlich hervorgeht. Das dem
vorliegenden Beschwerdeverfahren vorangegangene Verwaltungsverfahren bildete das
Einspracheverfahren nach Art. 52 ATSG, welches mit dem Einspracheentscheid
abgeschlossen wurde. Der Einspracheentscheid tritt dabei an die Stelle der vorgängig
erlassenen Verfügung, und zwar auch dann, wenn diese mit dem Einspracheentscheid
bloss bestätigt wird (vgl. den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 11. Februar
2016, UV 2014/40, E. 1 mit Hinweisen). Der angefochtene Einspracheentscheid enthält
jedenfalls eine ausführliche Begründung und macht die Überlegungen transparent, die
der Leistungseinstellung und der Abweisung der Gesuche um eine Rente und
Integritätsentschädigung zugrunde liegen. Damit muss offenbleiben, ob die Verfügung
vom 17. August 2017 gehörig begründet wurde.
2.
In materieller Hinsicht sind die Leistungsansprüche des Beschwerdeführers umstritten.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über
die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 werden
Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben,
und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach
bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden, nachdem Versicherungsleistungen für
Unfälle vom 26. Mai 2012 (act. G 5.1.1), 20. Oktober 2014 (act. G 5.1.257) und
2. November 2016 (act. G 5.2.390) strittig sind, die bis 31. Dezember 2016 gültigen
Bestimmungen Anwendung.
2.1.
Die Unfallkausalität bildet Anspruchsvoraussetzung für sämtliche
Versicherungsleistungen der Unfallversicherung (Art. 6 Abs. 1 UVG). Eine
2.2.
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3.
Zunächst zu beurteilen ist die von der Beschwerdegegnerin per 31. Juli 2017
angeordnete Einstellung der Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen.
Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht demnach nur für Gesundheitsschäden,
die natürlich und adäquat-kausal mit einem versicherten Unfallereignis
zusammenhängen (vgl. dazu BGE 129 V 181 f. E. 3.1 f.). Für die Beantwortung der
Frage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin
ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten oder Expertinnen
angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber
eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten
Regeln zu beurteilen ist (vgl. Alexandra Rumo-Jungo/ André Pierre Holzer,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Bundesgesetz über die Unfallversicherung
[UVG], 4. Aufl. 2012, S. 55 und 58).
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die beklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind.
Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich
weder dessen Herkunft noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.3.
Der Anspruch auf Heilbehandlung (Art. 10 UVG) und Taggeld (Art. 16 UVG) endet
spätestens zum Zeitpunkt, indem von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine
namhafte Besserung des Gesundheitszustands der versicherten Person mehr erwartet
werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG; vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 8. Dezember
2017, 8C_254/2017, E. 4.3, und vom 18. September 2012, 8C_425/2012, E. 4.2). Bei
nicht objektivierbaren Beschwerdebildern, deren adäquate Unfallkausalität sich nach
der sogenannten Psychopraxis bestimmt (BGE 115 V 133), stellen die nach Abschluss
der Behandlung von somatischen Unfallfolgen noch behandlungsbedürftigen
psychischen Leiden nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts keinen Grund für
einen Aufschub der Einstellung der Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen dar, da
die psychischen Beeinträchtigungen für die Beurteilung der Adäquanz bei der
Psychopraxis unberücksichtigt zu bleiben haben (Urteil des Bundesgerichts vom
29. April 2016, 8C_892/2015, E. 4.1 mit Hinweisen).
3.1.
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Zwischen den Parteien ist zu Recht unbestritten (vgl. etwa act. G 1, S. 6 und S. 8 f.
und act. G 16), dass sich die Prüfung der adäquaten Kausalität für die vom
Beschwerdeführer geklagten organisch nicht nachweisbaren Leiden nach der
Psychopraxis (BGE 115 V 133) richtet. Es kann auf die unbestritten gebliebenen
Ausführungen und Aktenverweise der Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid
verwiesen werden (act. G 5.2.475-11).
3.2.
Bezogen auf die beiden ersten Unfallereignisse führte der rheumatologische
MEDAS-Gutachter ausführlich begründet aus, dass sich keine unfallbedingten Schäden
am Bewegungsapparat objektivieren liessen. Die degenerativen Veränderungen an der
Halswirbelsäule (C5/6 und C6/7, act. G 5.2.384-22) seien krankhafter Natur (act.
G 5.2.384-31). Auch nach dem dritten Unfall vom 2. November 2016 wurden keine
relevanten unfallbedingten Schäden objektiviert. So gehen insbesondere aus dem
Bericht von Dr. T._ vom 26. September 2017 keine entsprechenden Anhaltspunkte
hervor. Vielmehr mass er - gleich wie der rheumatologische MEDAS-Gutachter -
weiterhin den degenerativen Befunden an der Halswirbelsäule C5/6 und C6/7 eine
massgebende Rolle zu (act. G 5.4.140-2). In damit zu vereinbarender Weise gelangte
Dr. D._ in seinen Beurteilungen - zuletzt im Bericht vom 17. Oktober 2017 - zur
Auffassung, dass er «keinerlei» Hinweise für eine neurologische Krankheit erkennen
könne (act. G 5.2.459-2). Zudem legte der Kreisarzt Dr. Q._ in seiner
Aktenbeurteilung vom 3. August 2017 ausführlich und nachvollziehbar begründet dar,
dass die Schäden der Pulleyschlinge und der Rotatorenmanschette nicht in einem
natürlich kausalen Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 2. November 2016
stünden. Dieses habe lediglich zu einer vorübergehenden Verschlimmerung eines
unfallunabhängig vorbestehenden Verschleisszustands des Schultergelenks ohne
richtungsgebende strukturelle Verletzung geführt. Der status quo sine bezüglich des
rechten Schultergelenks sei unter Berücksichtigung der Anfang Januar 2017
durchgeführten Schulteroperation und einer postoperativen Rekonvaleszenz von
8 Wochen spätestens anfangs März 2017 erreicht worden (act. G 5.2.445-7). Hinzu
kommt die bereits früher in der Rehaklinik Bellikon getroffene Feststellung, dass
erhebliche degenerative Veränderungen nicht nur im Bereich der Halswirbelsäule,
sondern auch in beiden Schultergelenken bestünden (Notiz zum Telefongespräch vom
7. November 2012, act. G 5.1.72). Der Kreisarzt Dr. Q._ hielt am 9. März 2017
schlüssig unter Hinweis auf die bildgebenden Untersuchungsergebnisse fest, die
Unfallereignisse der Jahre 2012 und 2016 hätten zu keinen bildgebend objektivierbaren
strukturellen Veränderungen im HWS-Bereich geführt. Ohne Nachweis unfallbedingter
struktureller Schäden sei anzunehmen, dass die vom Beschwerdeführer beklagte
Symptomatik spätestens nach 12 Monaten nicht mehr in kausalem Zusammenhang mit
3.3.
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4.
Zu prüfen ist des Weiteren der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Invalidenrente.
dem Unfallereignis vom 2. November 2016 stehe (act. G 5.2.402). Weder aus den Akten
noch den nicht näher substantiierten Ausführungen des Beschwerdeführers (vgl. etwa
act. G 16, S. 2) ergeben sich Anhaltspunkte, die für das Vorliegen organisch
nachweisbarer Unfallfolgen sprechen. Unter diesen Umständen durfte die
Beschwerdegegnerin im Sinn der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (siehe
vorstehende E. 3.1) spätestens per 31. Juli 2017 davon ausgehen, dass organisch
nachweisbare Unfallfolgen, die einer namhaften Besserung durch ärztliche
Massnahmen noch zugänglich gewesen wären, nicht mehr bestanden. Die Einstellung
der Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen per 31. Juli 2017 erweist sich demnach
im Sinn der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts vom
29. April 2016, 8C_892/2015, E. 4.1 mit Hinweisen) als zulässig. Wie sich aus der
nachfolgenden Beurteilung des Rentenanspruchs ergibt (E. 4), fehlt dem vom
Beschwerdeführer über den 31. Juli 2017 hinaus geklagten psychischen
Gesundheitsschaden die adäquate Unfallkausalität, was - unabhängig von der Frage
nach den psychotherapeutischen Erfolgsaussichten - ebenfalls einem Anspruch auf
Taggeldleistungen und Heilbehandlung ab 1. August 2017 entgegensteht.
Ist eine versicherte Person infolge des Unfalls zu mindestens 10% invalid (Art. 8
ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der (definitive)
Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine
namhafte Besserung des Gesundheitszustands der versicherten Person mehr erwartet
werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung
abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1 Satz 1 UVG).
4.1.
Vorliegend können die Fragen offenbleiben, sowohl ob die vom Beschwerdeführer
geklagten organisch nicht nachweisbaren Leiden eine Beeinträchtigung der
Erwerbsfähigkeit im Sinn von Art. 7 ATSG darstellen (siehe hierzu BGE 141 V 281, 143
V 409 und 143 V 418) als auch ob solche allfälligen Beeinträchtigungen in einem
natürlichen Kausalzusammenhang mit einem der drei erlittenen Unfallereignissen
stehen. Denn wie sich aus der nachstehenden Prüfung der Kriterien nach BGE 115 V
133 ergibt, fehlt den vom Beschwerdeführer noch geklagten Leiden jedenfalls die
adäquate Kausalität.
4.2.
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Den Ausgangspunkt der Adäquanzbeurteilung bildet das (objektiv erfassbare)
Unfallereignis. Im Rahmen einer objektivierten Betrachtungsweise ist zu untersuchen,
ob der Unfall eher als leicht, als mittelschwer oder als schwer erscheint, wobei im
mittleren Bereich gegebenenfalls eine weitere Differenzierung nach der Nähe zu den
leichten oder schweren Unfällen erfolgt. Abhängig von der Unfallschwere sind je
nachdem weitere Kriterien in die Beurteilung einzubeziehen. Diese werden unter
Ausschluss psychischer Aspekte geprüft. Massgebend für die Beurteilung der
Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden
Kräften (siehe zum Ganzen BGE 140 V 359 E. 5.1 mit Hinweisen). Als wichtigste
Kriterien der Adäquanzprüfung sind zu nennen: besonders dramatische
Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die Schwere oder
besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe
Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; ungewöhnlich lange Dauer der
ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerschmerzen; ärztliche Fehlbehandlung, welche
die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche
Komplikationen; Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 115
V 140 E. 6c/aa). Anzufügen ist in diesem Zusammenhang, dass, falls im Anschluss an
zwei oder mehrere Unfälle eine psychische Fehlentwicklung eintritt, die Prüfung der
objektiv zu betrachtenden Schwere des einzelnen Unfallereignisses - entgegen des
nicht näher begründeten Standpunkts des Beschwerdeführers (act. G 1, S. 9, und
G 16, S. 2) - gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts zu den psychischen
Unfallfolgen grundsätzlich für jeden Unfall gesondert zu erfolgen hat (Urteil des
Bundesgerichts vom 10. Juni 2016, 8C_174/2016, E. 2.3.2). Allerdings ist nicht
ausgeschlossen, die wiederholte Betroffenheit desselben Körperteils bei der Prüfung
der unfallbezogenen Adäquanzkriterien zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts
vom 10. Juni 2016, 8C_174/2016, E. 2.3.1 f.).
4.3.
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung der
Adäquanzfrage ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen
kann für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen Unfall und
psychisch bedingter Erwerbsunfähigkeit neben dem Unfall allenfalls ein einziges
Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt,
der zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zählt oder sogar als Grenzfall zu
einem schweren Unfall zu qualifizieren ist. Anderseits kann im gesamten mittleren
Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise
erfüllt ist, wie z.B. eine auffallend lange Dauer der physisch bedingten
Arbeitsunfähigkeit infolge schwierigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem
Einzelkriterium besonderes bzw. ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere
4.4.
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unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der
Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber
dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu
berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die
Adäquanz bejaht werden kann (BGE 115 V 140 f. E.6c/bb).
Die Beschwerdegegnerin begründete unter Einbezug der biomechanischen
Beurteilungen (act. G 5.1.67 und act. G 5.4.75) und in mit den jeweiligen
Polizeirapporten (siehe etwa act. G 5.1.45 und act. G 5.4.14-3 ff.) und den Angaben der
Ehegattin (siehe die Notiz zum Telefongespräch vom 10. November 2014, act.
G 5.1.241) zu vereinbarender Weise überzeugend, weshalb die drei Auffahrunfälle in
den Bereich der mittleren Unfälle an der Grenze zu den leichten Unfällen einzureihen
sind (act. G 5.2.475, S. 12 f.). Darauf ist zu verweisen, zumal der Beschwerdeführer -
abgesehen von der rechtsprechungsgemäss nicht massgeblichen Kritik der fehlenden
gesamtheitlichen Betrachtungsweise (siehe hierzu vorstehende E. 4.3) - nichts
substantiiert vorträgt, was eine andere Qualifikation der Unfallschwere als
naheliegender erscheinen lassen würde.
4.5.
Bezüglich der einzelnen Kriterien ist das Folgende zu beachten:4.6.
Besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit
der einzelnen Unfälle bestehen nicht. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer innert
weniger Jahre dreimal Opfer eines (eher alltäglichen) Auffahrunfalls wurde, ändert
daran für sich allein vorliegend nichts. Angesichts der konkreten Unfallverhältnisse
(siehe etwa act. G 5.1.45 und act. G 5.1.67) ist aus objektiver Sicht nicht
nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer bereits den ersten Auffahrunfall als
schwer traumatisierend empfand («wiederholte eindringliche Erinnerungen und
Wiedererleben des Autounfalls, wird von Schlafstörungen mit Albträumen geplagt»;
«posttraumatische Belastungsstörung bei Z. n. Autounfall am 26.05.2012»; act.
G 5.1.92). Diesbezüglich hielten bereits die Dres. J._ und K._ fest, die
Unfallschilderung des Beschwerdeführers stehe in starkem Kontrast zu den
vorhandenen objektiven Berichten, wonach sich ein bagatellärer Auffahrunfall mit
leichten Verletzungsfolgen ereignet haben solle (act. G 5.1.132-17 oben). Sie und
Dr. M._ sahen denn auch keine ausreichenden Hinweise für eine posttraumatische
Belastungsstörung (act. G 5.1.132-16 und G 5.1.268-13). Auch bezüglich des dritten
Unfallereignisses vom 2. November 2016 sind die Unfallschilderungen des
Beschwerdeführers teilweise nicht mit den Aussagen anderer Beteiligter zu
vereinbaren. So gab er an, «ich war dann sicherlich 3-4 Minuten bewusstlos» (act.
4.6.1.
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G 5.4.65-30). Demgegenüber lässt sich den in diesem Punkt übereinstimmenden
Aussagen der anderen am Unfall beteiligten Fahrzeuglenker X._ und Y._
entnehmen, dass der Beschwerdeführer bereits unmittelbar nach der Kollision
ausgestiegen war (act. G 5.4.65-53 oben; «Der Fahrer des BMW [der
Beschwerdeführer] stieg auch gleich aus und schrie herum», act. G 5.4.65-26 Mitte). Im
Übrigen fällt auf, dass der Beschwerdeführer die von ihm nicht verschuldeten
Auffahrunfälle als sehr dramatisch und eindrücklich empfindet, demgegenüber die von
ihm während der Arbeit «durch Unachtsamkeit» (act. G 5.1.149) verursachten
Autounfälle (u.a. mit «Firmenbus» in eine Garage gefahren, wodurch der «Aufbau kaputt
gemacht» worden sei; beim Retourfahren mit einem parkierten Kran kollidiert; act.
G 5.2.384-18 f.), die zu einem beträchtlichen Schaden der Arbeitgeberin geführt hätten
(act. G 5.1.172-1 unten), offenbar völlig spurlos an ihm vorübergegangen sind. Gegen
eine unfallbedingte schwere Traumatisierung bzw. unfallbedingte posttraumatische
Belastungsstörung aufgrund des ersten Auffahrunfalls spricht zudem, dass der
Beschwerdeführer danach weiterhin in der Lage war, sowohl privat als auch beruflich
ein Fahrzeug zu lenken (vgl. etwa act. G 5.1.172-1 unten; act. G 5.2.384-19 Mitte).
Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer trotz der von ihm geklagten Traumatisierung
(etwa «eindringliche Erinnerungen und Wiedererleben des Autounfalls», act. G 5.1.92-1)
bereit und in der Lage war, im Bewusstsein eines Defekts an den Bremslichtern (act.
G 5.4.65-19 unten) und der damit zwangsläufig verbundenen erhöhten Gefahr von
Auffahrkollisionen - die sich am 2. November 2016 dann auch tatsächlich realisierte -
ein Fahrzeug über eine längere Strecke zu lenken. Vor diesem Hintergrund ist das
Kriterium der dramatischen Begleitumstände und der besonderen Eindrücklichkeit aus
objektiver Sicht sowohl bezogen auf die einzelnen Unfallereignisse als auch im Rahmen
der vom Beschwerdeführer geforderten gesamtheitlichen Würdigung zu verneinen.
Abgesehen von der durch das dritte Unfallereignis vom 2. November 2016
verursachten vorübergehenden Verschlimmerung eines unfallunabhängig
vorbestehenden Verschleisszustands des Schultergelenks ohne richtungsgebende
strukturelle Verletzung (act. G 5.2.445-7) klagte der Beschwerdeführer nach den
Unfällen über organisch nicht nachweisbare bzw. psychische Störungen (siehe hierzu
vorstehende E. 3.2 f.). Es sind demnach keine längerdauernden organisch
nachweisbaren Unfallschäden ausgewiesen, welche die übrigen Adäquanzkriterien
gemäss BGE 115 V 133, (Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen,
insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen
auszulösen; ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche
Dauerschmerzen; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad
4.6.2.
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5.
Zu prüfen bleibt der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Integritätsentschädigung. Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine
dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24
Abs. 1 UVG). Die vom Beschwerdeführer über den 31. Juli 2017 hinaus geklagten
Leiden stehen nicht in einem adäquaten Kausalzusammenhang mit den
Unfallereignissen vom 26. Mai 2012, vom 20. Oktober 2014 oder vom 2. November
2016 (siehe vorstehende E. 4.7), weshalb hierfür kein Anspruch auf eine
Integritätsentschädigung besteht.
6.
und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit), denen mehrheitlich eine
zeitliche Komponente zukommt, erfüllen könnten. Es liegt auch keine ärztliche
Fehlbehandlung vor (siehe auch die Ausführungen der Beschwerdegegnerin in act. G 5,
S. 6 Mitte).
Da kein Kriterium erfüllt ist, fehlt es an einem adäquaten Kausalzusammenhang
zwischen den Unfallereignissen vom 26. Mai 2012, vom 20. Oktober 2014 sowie vom
2. November 2016 und den über den 31. Juli 2017 hinaus geklagten Beschwerden. Die
Beschwerdegegnerin wies deshalb das Rentengesuch des Beschwerdeführers zu
Recht ab.
4.7.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.6.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).6.2.
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Dem Beschwerdeführer ist die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung am 12. Juli 2018 bewilligt worden (act. G 7). Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO;
sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers reichte keine Kostennote ein. In der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit erscheint mit Blick auf vergleichbare Fälle eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 4'000.-- angemessen (vgl. etwa den Entscheid des
6.3.
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