Decision ID: 204e3ede-8210-48e5-9e77-ae50ef9d0481
Year: 2006
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

I. Der Verein Pavillon Nouvel plant, ein von Jean Nouvel für die Arteplage Murten konzipiertes Restaurantgebäude zusammen mit einer Terrasse und einer "Cabane" als Seerestaurant "LA BOITE" im Uferbereich des Greifensees auf einem kantonseigenen Grundstück im Gebiet Seewiesen in Uster zu erstellen. Das Vorhaben liegt in der Grundwasserschutzzone III gemäss dem Schutzzonenreglement der Stadt Uster vom 14. Dezember 1993 (SZR) und im Perimeter der Verordnung der Baudirektion zum Schutz des Greifensees vom 3. März 1994 (SVO) und beansprucht teilweise das öffentliche Gewässer.
Mit Verfügung vom 6. Oktober 2003 stellte das der Volkswirtschaftsdirektion unterstehende Amt für Landschaft und Natur, Abteilung Wald, fest, dass im Baubereich Wald bestehe und verweigerte die Rodungsbewilligung. Da das Vorhaben aber durch eine Verschiebung von mindestens 15 m so platziert werden könne, dass weder Waldareal noch die Grundwasserschutzzone II beansprucht werde, stellte das Amt eine Bewilligung zur Unterschreitung des Waldabstandes in Aussicht.
Ebenfalls am 6. Oktober 2003 erteilte die gleiche Behörde eine nach der SVO notwendige Ausnahmebewilligung für die Beanspruchung der Seeschutzzone V C unter der Bedingung, dass das Vorhaben soweit in südlicher Richtung zu verschieben sei, wie dies aus forstrechtlichen Gründen erforderlich sei.
Die Baudirektion verweigerte am 19. November 2003 die notwendige wasserrechtliche Konzession, die raumplanungsrechtliche sowie die landschaftsschutzrechtliche Bewilligung im Sinne der Erwägungen, bejahte hingegen grundsätzlich die Bewilligungsfähigkeit im Hinblick auf verschiedene andere Aspekte (Grundwasserschutz, Meteorwassereinleitung, Abwasserbeseitigung, Arbeitsschutz).
II.
Gegen die genannten drei Verfügungen erhoben die Stadt Uster sowie der Verein Pavillon Nouvel in separaten Eingaben Rekurs an den Regierungsrat und beantragten die Aufhebung der Bewilligungsverweigerung und den Verzicht auf die Bedingung einer südlichen Verschiebung. Die Akten sollten zur Erteilung der kantonalen Bewilligungen an die zuständige Direktion zurückgewiesen werden, eventuell sei das Seerestaurant an einem um rund 15 m nach Süden verschobenen Standort zu bewilligen.
Nach Einbezug mehrerer Verbände, darunter der Rheinaubund, und Privater als Mitbeteiligte hiess der Regierungsrat die vereinigten Rekurse im Sinne der Erwägungen gut, soweit er sie nicht als gegenstandslos erachtete. Er hob die angefochtenen Verfügungen auf und wies die Sache zum Neuentscheid und insbesondere zur Festlegung des Konzessionsinhalts an die beiden Direktionen zurück. Die Kosten wurden auf die Staatskasse genommen, und dem Verein Pavillon Nouvel wurde eine Parteientschädigung von Fr. 1'600.- zu Lasten der betroffenen Direktionen zugesprochen.
III.
Hiergegen erhob der Rheinaubund am 20. September 2005 Beschwerde an das Verwaltungsgericht und beantragte, der Rekursentscheid sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass für das Vorhaben auch eine Ausnahmebewilligung nach Art. 22 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 1. Juli 1966 über den Natur- und Heimatschutz (NHG) notwendig und diese zu verweigern sei. Weiter seien die erstinstanzlichen Verfügungen im Ergebnis zu bestätigen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerschaft.
Die Staatskanzlei reichte die Akten am 5. Oktober 2005 ein und beantragte für den Regierungsrat ohne weitere Bemerkungen die Abweisung der Beschwerde. Die Baudirektion verzichtete am 21. Oktober 2005 auf Vernehmlassung. Die Stadt Uster und der Verein Pavillon Nouvel beantragten in separaten Beschwerdeantworten vom 24. und 25. November 2005, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschwerdeführers. Die Volkswirtschaftsdirektion liess sich nicht vernehmen.

Die Kammer zieht in Erwägung:
Die Kammer zieht in Erwägung:
1. Der Beschwerdeführer ist eine beschwerdeberechtigte Organisation im Sinne von Art. 12 NHG in Verbindung mit Art. 1 samt Anhang Ziff. 1 der Verordnung vom 27. Juni 1990 über die Bezeichnung der im Bereich des Umweltschutzes sowie des Natur- und Heimatschutzes beschwerdeberechtigten Organisationen (VBO). Die im Streit liegenden Verfügungen betreffen neben dem Schutz von Ufervegetation (Art. 21 f. NHG) das Bauen ausserhalb der Bauzonen (Art. 22/24 des Raumplanungsgesetzes vom 22. Juni 1979, RPG) sowie eine Waldfeststellung bzw. Rodungsbewilligung (Art. 4 ff. des Waldgesetzes vom 4. Oktober 1991, WaG) und bilden damit Verfügungen im Sinne von Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG), die letztinstanzlich mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht angefochten werden können. Die im Weiteren strittige wasserrechtliche Konzession hängt gemäss § 43 des kantonalen Wasserwirtschaftsgesetzes vom 2. Juni 1991 (WasserwirtschaftsG) unter anderem davon ab, dass damit keine öffentlichen Interessen erheblich beeinträchtigt werden. Sie steht damit in direktem Zusammenhang mit dem anzuwendenden Bundesverwaltungsrecht und kann somit ebenfalls mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht angefochten werden. Die Anwendung der genannten Bestimmungen gilt bei gegebenem Bezug zum Natur- und Heimatschutz als Erfüllung einer Bundesaufgabe im Sinne von Art. 2 NHG (Jean-Baptiste Zufferey, Kommentar NHG, Zürich 1997, Art. 2 Rz. 32 ff.; Thomas Widmer Dreifuss, Planung und Realisierung von Sportanlagen, Zürich etc. 2002, S. 426 ff.). Demgemäss ist die Legitimation des Beschwerdeführers gegeben.
Der Beschwerdeführer hat sowohl im Einspracheverfahren betreffend das Konzessionsgesuch als auch im Rekursverfahren der beiden Beschwerdegegner vor Regierungsrat seine Bedenken betreffend Ufervegetation, Landschaftsschutz und Raumplanung vorgebracht. Damit hat er sich rechtzeitig im Sinne von Art. 12a NHG am Verfahren beteiligt. Auf die Beschwerde ist demnach einzutreten.
Der Beschwerdeführer hat sowohl im Einspracheverfahren betreffend das Konzessionsgesuch als auch im Rekursverfahren der beiden Beschwerdegegner vor Regierungsrat seine Bedenken betreffend Ufervegetation, Landschaftsschutz und Raumplanung vorgebracht. Damit hat er sich rechtzeitig im Sinne von Art. 12a NHG am Verfahren beteiligt. Auf die Beschwerde ist demnach einzutreten.
2. 2.1 Das strittige Projekt erfordert verschiedene Bewilligungen mehrerer Behörden. Drei dieser Bewilligungen wurden von zwei kantonalen Behörden ganz oder teilweise verweigert und liegen heute im Streit. Die Realisierung des Projektes würde zusätzliche Bewilligungen voraussetzen, so jedenfalls eine baurechtliche für den Projektbereich ausserhalb des Gewässers und innerhalb der Erholungszone sowie eine gewässerschutzrechtliche, da die Baute in die Grundwasserschutzzone III gemäss dem kommunalen SZR zu liegen kommt. Diese Bewilligungen liegen bis heute nicht vor, da die Beschwerdegegnerin 1 in Absprache mit der Bauherrschaft vorerst nur die genannten drei kantonalen Verfügungen eröffnet hat.