Decision ID: ffc9b423-12a5-4fb2-8556-ea7b9a0a3ccb
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache sexuelle Nötigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Abteilung, vom 2. Oktober 2020 (DG200006)
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Urteil der Vorinstanz: (Urk. 154 S. 151 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte C._ ist schuldig
− der mehrfachen sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB (Dossier 1 und 2)
− der mehrfachen Schändung gemäss Art. 191 StGB (Dossier 3)
− der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB
(Dossier 1-3)
− der Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 1 StGB (Dossier 1)
− der mehrfachen Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 4 Var. 2 StGB (Dossier 1)
2. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird freigesprochen vom Vorwurf der Gewaltdar-
stellung gemäss Art. 135 Abs. 1bis StGB (Dossier 1).
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 6 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 577 Tage durch Haft
sowie durch vorzeitigen Strafantritt bis und mit heute erstanden sind.
4. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB (Behandlung
von psychischen Störungen) angeordnet.
Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zu diesem Zweck aufgeschoben.
5. Dem Beschuldigten wird jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die
einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, lebenslänglich verboten.
6. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 30. März 2020 beschlagnahmte und bei der
Asservatenverwaltung des Bezirksgerichts Meilen gelagerte Buch "Zeig mal", Asservate Nr.
A012'399'074, wird eingezogen und der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung
überlassen.
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 30. März 2020 beschlagnahmten und bei der
Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, gelagerten Gegenstände "Computer, MacBook
Air", Asservate Nr. A012'398'515, sowie "Festplatte (Samsung)", Asservate
Nr. A012'399'234, werden eingezogen und der Lagerbehörde zur gutscheinenden
Verwendung überlassen.
8. Sämtliche übrigen Gegenstände, welche gemäss Verfügung der Staatsanwaltschaft vom
30. März 2020 sichergestellt wurden, sind dem Beschuldigten innert 30 Tagen nach Eintritt
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der Rechtskraft auf erstes Verlangen herauszugeben. Sofern die Herausgabe nicht innert
30 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft verlangt wird, werden die Gegenstände der Lagerbe-
hörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen.
9. Von der Anordnung eines Kontakt- und Rayonverbotes des Beschuldigten gegenüber dem
Privatkläger 1 wird abgesehen.
10. a) Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger 1 aus dem
eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen
Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird der Privatkläger 1
auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 CHF 15'000.– zuzüglich 5 %
Zins ab 19. Februar 2019 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
11. a) Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger 2 aus dem
eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen
Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird der Privatkläger 2
auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 2 CHF 15'000.– zuzüglich 5 %
Zins ab 25. Februar 2010 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
12. a) Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 3 aus dem
eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen
Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird die Privatklägerin 3
auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 3 CHF 10'000.– zuzüglich 5 %
Zins ab 19. Juni 2018 als Genugtuung zu bezahlen.
13. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf CHF 5'500.–. Die weiteren Kosten betragen:
CHF 3'600.– Gebühr Anklagebehörde
CHF 16'428.80 Auslagen (Gutachten)
CHF 858.– Auslagen Anklagebehörde
CHF 4'300.– Auslagen Polizei
CHF 33'038.90 Entschädigung amtliche Verteidigung (inklusive 7.7% MWSt sowie Akon-tozahlung von CHF 18'316.95)
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CHF 12'143.50 Entschädigung unentgeltlicher Rechtsbeistand Privatkläger 2 (inklusive 7.7% MWSt sowie Akontozahlung von CHF 5'520.15)
CHF 9'407.95 Entschädigung unentgeltliche Rechtsbeiständin Privatklägerin 3 (inklusi-ve 7.7% MWSt)
CHF 85'277.15 Kosten Total
14. Die Kosten und Auslagen der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenom-
men diejenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsbeistände der
Privatkläger 2 und 3, werden dem Beschuldigten auferlegt.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsbeistände der Privat-
kläger 2 und 3, werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt ei-
ne Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 bzw. Art. 138 Abs. 1 StPO.
15. Rechtsanwalt lic. iur. Y._ wird für seine Bemühungen und Auslagen als amtlicher Ver-
teidiger des Beschuldigten mit total CHF 33'038.90 (inkl. 7.7% MWSt sowie Akontozahlung
von CHF 18'316.95) aus der Gerichtskasse entschädigt. Die Kasse des Bezirksgerichts
Meilen wird angewiesen, den noch ausstehenden Betrag von CHF 14'721.95 an  lic. iur. Y._ auszubezahlen.
16. Rechtsanwalt MLaw Z._ wird für seine Bemühungen und Auslagen als unentgeltlicher
Rechtsbeistand des Privatklägers 2 mit total CHF 12'143.50 (inkl. 7.7% MWSt sowie Akon-
tozahlung von CHF 5'520.15) aus der Gerichtskasse entschädigt. Die Kasse des Bezirks-
gerichts Meilen wird angewiesen, den noch ausstehenden Betrag von CHF 6'623.35 an Rechtsanwalt MLaw Z._ auszubezahlen.
17. Rechtsanwältin lic. iur. W._ wird für ihre Bemühungen und Auslagen als unentgeltliche
Rechtsbeiständin der Privatklägerin 3 mit total CHF 9'407.95 (inkl. 7.7% MWSt) aus der  entschädigt. Die Kasse des Bezirksgerichts Meilen wird angewiesen, diesen Be-
trag an Rechtsanwältin lic. iur. W._ auszubezahlen.
18. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 für das gesamte Verfahren eine
Prozessentschädigung von CHF 21'427.75 zu bezahlen.
19. (Mitteilungen)
20. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge: (Prot. II S. 7 ff.)
a) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 192 S. 1)
" 1. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 90 Monaten zu bestrafen.
2. Es sei die Verwahrung im Sinne von Art. 64 Abs. 1 lit. a StGB anzuordnen."
b) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 198 S. 1)
" 1. Der Beschuldigte sei des Vorhaltes der mehrfachen sexuellen Nötigung im
Sinne von StGB 189 I sowie des Vorhaltes der mehrfachen Schändung im
Sinne von StGB 191 frei zu sprechen;
2. Der Beschuldigte sei mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten,
unter Anrechnung der erstandenen Haft, zu bestrafen. Die Probezeit sei auf
fünf Jahre anzusetzen. Für die erstandene Überhaft sei er mit einer Genug-
tuung zum Tagesansatz von CHF 200.00 zu entschädigen;
3. Es sei dem Beschuldigten die Weisung zur regelmässigen psychiatrischen
Therapierung bei einem noch zu bestimmenden Therapeuten im Sinne von
StGB 94 zu erteilen;
4. Die beschlagnahmten Gegenstände gemäss Beschlagnahmeverfügung vom
30. März 2020 seien dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft auf
erstes Verlangen auszuhändigen;
5. Dem Privatkläger 1 sei eine Genugtuung in der Höhe von CHF 5'000.00
zzgl. Zins zu 5% ab dem 19. Februar 2019 zuzusprechen;
6. Dem Privatkläger 2 sei eine Genugtuung in der Höhe von CHF 5'000.00
zzgl. Zins zu 5% ab dem 25. Februar 2010 zuzusprechen;
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7. Der Privatklägerin 3 sei eine Genugtuung in der Höhe von CHF 1'000.00
zzgl. Zins zu 5% ab dem 19. Juni 2018 zuzusprechen;
8. Die Verfahrenskosten seien ausgangsgemäss zu veranlagen. Die Kosten
der Strafverteidigung seien dem Beschuldigten aufzuerlegen, wobei Letztere
einstweilen auf die Staatskasse zu nehmen sind."
c) Der Vertretung des Privatklägers 1:
(Urk. 193 S. 2)
" 1. Die Berufung der Staatsanwaltschaft sei vollumfänglich gutzuheissen
2. die Berufung des Beschuldigten sei vollumfänglich abzuweisen
Anschlussberufung:
3. der Beschuldigte sei zu verpflichten, in Abweichung von Ziff. 10 b) des Vor-
urteils, dem Privatkläger eine Genugtuung von CHF 25'000 zuzüglich 5%
Zins seit 19.02.2019 zu bezahlen;
4. im Uebrigen sei das Urteil des Bezirksgerichts Meilen vom 2.10.2020 zu
bestätigen;
5. dem Privatkläger sei zu Lasten des Beschuldigten eine angemessene
Prozessentschädigung zuzusprechen."
d) Der Vertretung des Privatklägers 2:
(Urk. 196 S. 4)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
e) Der Vertretung der Privatklägerin 3:
(Prot. II S. 16)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils; unter Kosten- und Entschädigungs-
folgen zulasten des Beschuldigten
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz
vom 2. Oktober 2020 wurde der Beschuldigte C._ weitestgehend anklage-
gemäss diverser Delikte schuldig gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von
6 Jahren bestraft; sodann wurde für den Beschuldigten eine stationäre Massnah-
me angeordnet, wobei der Strafvollzug zugunsten des Massnahmevollzugs auf-
geschoben wurde (Urk. 154 S. 151). Gegen diesen Entscheid meldeten die An-
klagebehörde und der Beschuldigte durch seine amtliche Verteidigung mit Einga-
ben vom 8. Oktober 2020 respektive 13. Oktober 2020 innert gesetzlicher Frist
Berufung an (Art. 399 Abs. 1 StPO; Urk. 137 und 140). Die Berufungserklärungen
der Anklagebehörde und der Verteidigung gingen ebenfalls innert gesetzlicher
Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3 StPO; Urk. 161 und 163). Der
Rechtsvertreter des Privatklägers 1 (A._) erklärte mit Eingabe vom 3. Mai
2021 Anschlussberufung (Urk. 167). Die Rechtsvertretung des Privatklägers 2
(D._) hat mit Eingabe vom 12. Mai 2021 innert Frist mitgeteilt, dass auf An-
schlussberufung verzichtet wird (Urk. 171; Art. 400 Abs. 2 f. und Art. 401 StPO).
Beweisergänzungsanträge wurden im Berufungsverfahren nicht gestellt (Art. 389
Abs. 3 StPO; Urk. 161, 163 und 167; Prot. II S. 11). Am 11. April 2022 fand die
Berufungsverhandlung statt, zu welcher der Beschuldigte, der amtliche Verteidi-
ger Rechtsanwalt Y._, der Rechtsvertreter des Privatklägers 1 Rechtsanwalt
X._, der Privatkläger 2, der unentgeltliche Rechtsvertreter des Privatklägers
2 Rechtsanwalt Z._, die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin 3
(H._) Rechtsanwältin W._, der Sonderstaatsanwalt Dr. Jäger und die
Staatsanwältin Gigandet erschienen. Gleichentags wurde das Urteil beraten und
mündlich eröffnet (zum Ganzen: Prot. II S. 7 ff.).
2. Die appellierenden Parteien haben ihre Berufungen in ihren Berufungser-
klärungen ausdrücklich teilweise beschränkt (Urk. 161, 163 und 167; Art. 399
Abs. 4 StPO). Gemäss den Anträgen der appellierenden Parteien sind im
Berufungsverfahren nicht angefochten
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- der vorinstanzliche Schuldspruch der mehrfachen sexuellen Handlungen
mit Kindern, Dossier 1-3, sowie der mehrfachen Pornografie, Dossier 1 (Urteils-
dispositiv-Ziff. 1 Lemma 3-5);
- der vorinstanzliche Freispruch vom Vorwurf der Gewaltdarstellung, Dos-
sier 1 (Urteilsdispositiv-Ziff. 2);
- das durch die Vorinstanz gegen den Beschuldigten ausgesprochene Tä-
tigkeitsverbot (Urteilsdispositiv-Ziff. 5);
- (teilweise) die vorinstanzliche Regelung betreffend in der Untersuchung
beschlagnahmte Gegenstände (Urteilsdispositiv-Ziff. 6 und 8);
- der vorinstanzliche Verzicht auf die Anordnung eines Kontakt- und Ra-
yonverbots (Urteilsdispositiv-Ziff. 9);
- (teilweise) die vorinstanzliche Regelung der Zivilforderungen der Privat-
kläger (Urteilsdispositiv-Ziff. 10 a, 11 a und 12 a); sowie
- die vorinstanzliche Regelung betreffend Kosten und Entschädigungen
(Urteilsdispositiv-Ziff. 13-18).
Der Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab mit Beschluss festzu-
stellen (Art. 404 StPO).
II. Schuldpunkt
1.1. Der Beschuldigte ist geständig,
mit dem im Tatzeitraum gut 10 Jahre alten Privatkläger 1 zwischen Oktober 2018
und Februar 2019 (Anklage-Dossier 1),
mit dem im Tatzeitraum 9-10 Jahre alten Privatkläger 2 (dem Sohn seiner –
damals – neuen Lebenspartnerin) zwischen Herbst 2009 und Juli 2010 (Anklage-
Dossier 2) und
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mit der im Tatzeitraum 5-6 Jahre alten Privatklägerin 3 (der leiblichen Tochter von
ihm und seiner Lebenspartnerin) zwischen Oktober 2017 und März 2019 (Ankla-
ge-Dossier 3)
diverse, unterschiedliche sexuelle Handlungen vorgenommen zu haben. Dafür
wurde er rechtskräftig der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss
Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig gesprochen (Urk. 154 S. 151).
1.2. Die Anklagebehörde hatte mit der ursprünglichen Anklageschrift vom
20. April 2020 nur – aber immerhin – betreffend diese drei zitierten Anklagepunkte
den Tatvorwurf der sexuellen Handlungen mit Kindern angeklagt (Urk. 22). In ihrer
ergänzten – die ursprüngliche ersetzenden – Anklageschrift vom 9. September
2020 hielt die Anklagebehörde dafür, der Beschuldigte habe sich gegenüber
sämtlichen drei Privatklägern zusätzlich der sexuellen Nötigung schuldig gemacht
(Urk. 100; vgl. Urk. 96). Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten in der Folge
betreffend seine Handlungen mit den Privatklägern 1 und 2 auch der mehrfachen
sexuellen Nötigung, betreffend seine Handlungen mit der Privatklägerin 3 – in
Abweichung von der ergänzten Anklage und nach Gewährung des rechtlichen
Gehörs (Prot. I S. 88; vgl. Art. 344 i.V.m. Art. 350 StPO) – jedoch der mehrfachen
Schändung schuldig (Urk. 154 S. 151). Diese Schuldsprüche respektive die
entsprechende rechtliche Qualifikation des jeweils erstellten Anklagesachverhalts
ficht der Beschuldigte im Berufungsverfahren an (Urk. 161 S. 2).
2. Dossier 1; Privatkläger 1
2.1. Die Vorinstanz hat vorab Lehre und bisherige Rechtsprechung zum Tat-
bestand der sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 StGB zitiert (Urk. 154 S. 52 ff.).
Anschliessend hat sie ausführlich den aktuellen, einschlägigen Entscheid des
Bundesgerichts Urteil 6B_1265/2019 vom 9. April 2020 (mittlerweile publiziert als
BGE 146 IV 153) wiedergegeben (Urk. 154 S. 54-61). Das Bundesgericht hat in
diesem Urteil stark zusammengefasst das Folgende erwogen:
Sexuelle Übergriffe auf Kinder unter 16 Jahren fallen sowohl unter den Schutzbe-
reich von Art. 187 StGB (Gefährdung der Entwicklung von Minderjährigen: Sexu-
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elle Handlungen mit Kindern) als auch unter den Schutzbereich von Art. 189 ff.
StGB (Angriffe auf die sexuelle Freiheit und Ehre). Sexuelle Nötigung ist gegeben,
sofern das Kind urteilsfähig ist und das Verhalten des Täters die Intensität einer
Nötigung erreicht. Die Anwendung der Nötigungstatbestände erfordert, dass sich
das Opfer bereits einen Willen betreffend seine sexuelle Freiheit bilden kann. Auf
jenen Fall, in dem ein Kind seinen freien Willen betreffend die sexuellen Handlun-
gen noch nicht bilden kann, ist der Tatbestand der Schändung (Art. 191 StGB)
zugeschnitten. Eine allein altersbedingte Urteilsunfähigkeit ist nur zurückhaltend
anzunehmen. Auf die Festlegung einer fixen Altersgrenze ist weiterhin zu verzich-
ten. Vielmehr sind die Umstände des Einzelfalls entscheidend. Für Fälle, in denen
ein "Nein" des Kindes zu den sexuellen Handlungen nicht zu erwarten ist, weil
das Kind die vorgenommenen Handlungen noch gar nicht einordnen kann, ist der
Tatbestand der Schändung einschlägig. Partizipiert ein Kind an sexuellen Hand-
lungen, ohne diese auch nur zu hinterfragen, oder ordnet es diese etwa ohne
diesbezügliche Beeinflussung durch den Täter als Spiel ein, kann dies zumindest
ein Hinweis auf Urteilsunfähigkeit des Kindes sein. Bei Kindern im weit vorpuber-
tären Alter, bei welchen nicht von altersbedingter Urteilsunfähigkeit betreffend se-
xuelle Handlungen ausgegangen wird, ist bei der Auslegung der Voraussetzun-
gen von sexuellen Nötigungshandlungen der entwicklungsbedingten Unterlegen-
heit, der Beeinflussbarkeit der Willensbildung und der längst nicht abgeschlosse-
nen Persönlichkeitsentwicklung Rechnung zu tragen. Eine "tatsituative Zwangssi-
tuation" im Sinne der Tatbestandsvariante des Unter-psychischen-Druck-Setzens
kann beim betroffenen Kind dadurch entstehen, dass der Täter zum Erreichen
seines Ziels auf die Willensbildung und das Bewusstsein des Kindes einwirkt, oh-
ne dass dabei diese Einwirkung mit aktiver Zwangsausübung oder dem expliziten
Androhen von Nachteilen verbunden sein muss. Die Einwirkungsmöglichkeit auf
den Kindeswillen kommt dem Täter aufgrund seiner Bezugspersoneneigenschaft,
seiner kognitiven Überlegenheit, dem Vertrauen, das ihm das Kind entgegenbringt
und seiner daraus resultierenden Machtposition zu. Wer als Bezugsperson einem
von ihm abhängigen Kind in dieser Phase vermittelt, sexuelle Handlungen mit ei-
nem Erwachsenen entsprächen in seinem Alter auch nur ansatzweise einer
Selbstverständlichkeit und Normalität, nimmt in krasser Weise Einfluss auf die
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Bewusstseinsentwicklung dieses Kindes und nimmt dem Kind in Ausnützung sei-
ner Machtposition und seines Alters- und Wissensvorsprungs die Freiheit, zu die-
sen sexuellen Handlungen "Nein" zu sagen und sich dagegen zu wehren. Der Tä-
ter, der dem Kind vorspiegelt, die sexuellen Handlungen seien normal, bewirkt ei-
nen erheblichen psychischen Druck für das Kind. Der Täter, der die Willensbil-
dung des Kindes in dieser Art steuert und manipuliert, schafft eine für das Kind
dermassen ausweglose Situation, wie sie von den sexuellen Nötigungstatbestän-
den erfasst ist (BGE 146 IV 153 E. 3.5.).
2.2. Die Verteidigung machte im Haupt und -Berufungsverfahren zusammen-
gefasst geltend, der Privatkläger 1 habe die Übergriffe des Beschuldigten als eine
Art flüchtigen, kindlichen Spass aufgefasst. Gemäss dem Bericht der Spezialistin
E._ zur Videobefragung seien die Berührungen für den Privatkläger 1 mehr
ein Spiel gewesen. Somit habe der Privatkläger 1 – obwohl sexuell aufgeklärt –,
nicht gewusst, "was es mit der Handlungsweise des Beschuldigten auf sich hatte".
Wenn der Privatkläger 1 nicht in der Lage gewesen sei zu begreifen, was vor sich
gehe, sei das Einwirken des Beschuldigten auf ihn nicht als Überwindung eines
entgegenstehenden Willens zu werten (Urk. 124 S. 4; Urk. 198 S. 5).
2.3. Die Vorinstanz hat vorab zusammengefasst erwogen, der Privatkläger 1
sei entgegen der Verteidigung bereits in der Lage gewesen, sich Gedanken zu
seinen Vorstellungen von Sexualität zu machen. Die Mutter des Privatklägers 1
habe dazu erklärt, dass ihr Sohn aufgeklärt sei, er wisse, was ein steifer Penis
oder ein Kondom sei, sie würden offen darüber sprechen. Der Privatkläger 1 habe
denn auch schildern können, dass der Penis des Beschuldigten hart bzw. steif
gewesen sei. Die Argumentation der Verteidigung, wonach der Privatkläger 1
noch gar nicht in der Lage gewesen sei, zu begreifen, was vor sich gehe, weshalb
kein entgegenstehender Wille habe gebrochen werden können, stehe im Wider-
spruch zu den eigenen Ausführungen des Beschuldigten, wonach die erste "Initia-
tive" vom Privatkläger 1 ausgegangen sei, die Handlungen auch von ihm aus ge-
kommen seien, der Privatkläger 1 diesbezüglich sehr viele Fragen gehabt habe
und er auch sehr selbstbestimmt gewirkt habe. Auch aus den Aussagen des Pri-
vatklägers 1, dass er es interessant gefunden habe und teilweise auch er den An-
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fang gemacht habe, gehe hervor, dass er sich für Sexualität – im weitesten Sinn –
bereits zu interessieren begann, womit seine Bewusstseins- und Persönlichkeits-
entwicklung betreffend Sexualität bereits begonnen habe und er keineswegs als
diesbezüglich gänzlich urteilsunfähig zu bezeichnen sei. Dass seine Entwicklung
betreffend Sexualität aber noch (lange) nicht abgeschlossen bzw. erst beginnend
im Gange war, ergebe sich gerade daraus, dass – wie auch die Verteidigung aus-
führt – das Ganze für den Privatkläger 1 einen spielerischen Kontext hatte. Der
Privatkläger 1 sei betreffend sexuelle Handlungen als urteilsfähig einzustufen,
wobei seine Bewusstseins- und Persönlichkeitsentwicklung betreffend Sexualität
aber zum Tatzeitpunkt erst beginnend im Gange gewesen sei (Urk. 154 S. 65 f.).
2.4. Entgegen der Verteidigung überzeugt die bezirksgerichtliche Ein-
schätzung, dass der Privatkläger 1 für den massgeblichen Tatzeitraum betreffend
sexuelle Handlungen als urteilsfähig einzustufen ist: Der Privatkläger 1 war gut
10 Jahre alt und damit kein Kleinkind mehr. Die Mutter des Privatklägers 1 hat
überzeugend geschildert, dass dieser durch sie sexuell aufgeklärt worden sei.
Somit verfügte er über zumindest rudimentärste Vorstellungen und Kenntnisse,
welche Körperteile Sexualorgane sind und welche Rolle diese bei sexuellen
Handlungen spielen. Wenn der Beschuldigte durch seine Verteidigung behaupten
lässt, der über zehnjährige Privatkläger 1 sei betreffend Sexuelles komplett ur-
teilsunfähig gewesen, widerspricht dies auch eklatant seinen eigenen Darstellun-
gen, wonach erstens heute schon 8- und 9-jährige Kinder auf dem Handy Pornos
schauen würden (Prot. I S. 57; Urk. 191 S. 10) und zweitens der Privatkläger 1
sehr lebendig, aktiv, wissbegierig und "enorm" selbständig gewesen sei (Prot. I S.
45 und S. 48). Entgegen der Verteidigung lässt sich auch aus der Bemerkung der
Spezialistin E._ im Bericht zur Videobefragung, "die Berührungen scheinen
für den Privatkläger 1 mehr ein Spiel gewesen zu sein" (Urk. 5/2 S. 3), nicht ablei-
ten, diese – wenn auch allenfalls spielerischen – Berührungen hätten für den Pri-
vatkläger 1 nicht auch einen erkennbaren Bezug zum Sexuellen gehabt. Hinzu
kommt, dass der Beschuldigte dem Privatkläger 1 ein mittlerweile eingestande-
nermassen pornografisches Buch zeigte, um "in dieser sehr intimen Sache eine
Brücke zu schlagen und ihm darzulegen, dass man mit solchen Sachen vorsichtig
sein muss" (Prot. I S. 59). Der Beschuldigte selber wollte also den Privatkläger 1
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in sexuellen Themen vertiefter aufklären. Dies hätte er selbstredend nicht ver-
sucht, wenn der Privatkläger 1 zum Thema der Sexualität noch gar nicht urteilsfä-
hig gewesen wäre. Der Beschuldigte gab sogar rundweg zu, dass der Privatkläger
1 "Gespräche über Sexualität" begonnen habe (Prot. I S. 82), was ausschliesst,
dass dem Privatkläger 1 die Existenz der Sexualität und entsprechender Hand-
lungen gar nicht bewusst und er diesbezüglich urteilsunfähig gewesen wäre. Die
zentrale Behauptung der Verteidigung, der Privatkläger 1 habe die inkriminierten
sexuellen Handlungen als reines körperliches Spiel ohne jeglichen Bezug zu Se-
xuellem aufgefasst, ist damit in der Tat widerlegt.
2.5. In der Folge hat die Vorinstanz ausführlich erwogen, der Beschuldigte ha-
be bei der Vornahme der inkriminierten Handlungen für den Privatkläger 1 eine
tatsituative Zwangssituation geschaffen (Urk. 154 S. 66-71). Diesbezüglich hat
sich die Verteidigung im Übrigen gar nicht – weder im Haupt- noch im
Berufungsverfahren – substantiiert geäussert (Urk. 124; Urk. 198). Gemäss Vo-
rinstanz habe sich der Beschuldigte anerkanntermassen zur Bezugs- und Ver-
trauensperson des Privatklägers 1 gemacht und innert kurzer Zeit eine wichtige
Rolle im Leben des Privatklägers 1 und seiner Familie eingenommen. Er habe
sehr viel Zeit mit ihm verbracht, sich einen festen Platz in der Familie des Privat-
klägers 1 gesichert und diesen in gewissem Masse von sich abhängig gemacht,
beispielsweise durch die Kontrolle dessen iPad. Der Privatkläger 1 habe dem Be-
schuldigten vertraut. Der Beschuldigte habe aufgrund seiner Eigenschaft als Be-
zugsperson, seiner kognitiven Überlegenheit, dem Vertrauen, das ihm der Privat-
kläger 1 entgegengebracht habe und seiner daraus resultierenden Machtposition
auf den kindlichen Willen des Privatklägers 1 einwirken können. Der Beschuldigte
habe als Bezugsperson dem Privatkläger 1 auf verschiedene Arten vermittelt,
dass sexuelle Handlungen mit einem Erwachsenen in seinem Alter einer Selbst-
verständlichkeit und Normalität entsprächen, womit er in krasser Weise Einfluss
auf die Bewusstseinsentwicklung des Privatklägers 1 genommen und diesem in
Ausnützung seiner Machtposition und seines Alters- und Wissensvorsprungs die
Freiheit genommen habe, zu diesen sexuellen Handlungen "Nein" zu sagen und
sich dagegen zu wehren. Der Beschuldigte habe dem Privatkläger 1 von seinen
früheren sexuellen Erfahrungen mit Kindern erzählt, anerkanntermassen, um sol-
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che gegenüber dem Privatkläger 1 als normal darzustellen. Durch das Zeigen des
pornografischen Buches habe der Beschuldigte sodann beim Privatkläger 1 be-
wirkt, dass dieser sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern mit
einer gewissen Normalität verbunden habe. Schliesslich habe der Beschuldigte
eine Geheimsituation geschaffen, indem er – anerkanntermassen – den Privat-
kläger 1 angehalten habe, das Betrachten des pornografischen Buches nieman-
dem zu erzählen. Die entsprechenden Erklärungsversuche des Beschuldigten
seien Schutzbehauptungen. Indem der Beschuldigte als Bezugsperson dem Pri-
vatkläger 1 vorgespiegelt habe, die sexuellen Handlungen seien normal, habe er
einen erheblichen psychischen Druck auf diesen bewirkt. Er habe zwar keinen ak-
tiven Zwang ausgeübt oder ihm konkrete Nachteile angedroht, aber dennoch auf
die Willensbildung und das Bewusstsein des Privatklägers 1 derart eingewirkt,
dass für diesen eine ausweglose Situation entstanden sei. Der Privatkläger 1 ha-
be eindrücklich geschildert, inwiefern er sich nicht zu wehren gewagt habe. Der
Beschuldigte habe die sexuellen Handlungen in ein Spiel integriert und damit als
Normalität dargestellt. Die Situation sei für den Privatkläger 1 aufgrund der Beein-
flussung durch den Beschuldigten hinsichtlich einer allfälligen Weigerung ausweg-
los und aussichtlos gewesen. Durch das Schaffen einer Geheimnissituation sei
die Zwangssituation noch verstärkt worden. Insgesamt sei im Sinne der neueren
Rechtsprechung des Bundesgerichts von einer sexuellen Nötigung des Privatklä-
gers 1 durch den Beschuldigten auszugehen.
2.6. Der Beschuldigte lernte den Privatkläger 1 auf Initiative des Beschuldigten
an einem Gottesdienst kennen. Nachdem er auch die Mutter des Privatklägers 1
kennengelernt hatte, sei "viel zu schnell" eine Nähe entstanden, die sogar dem
Beschuldigten "etwas unheimlich" gewesen sei. Der Beschuldigte trat dann als
Nachhilfelehrer ins Leben des Privatklägers 1, nahm auf Erziehungsfragen Ein-
fluss (wie dem offenbar problematischen Umgang des Privatklägers 1 mit dem i-
Pad) und ging mit der Mutter an ein Elterngespräch. Eine Vaterrolle habe er nicht
einnehmen wollen, jedoch Zeit mit dem Jungen verbringen, sich persönlich für
den Privatkläger 1 engagieren und seine speziellen Lernmethoden bei ihm an-
wenden, um Ruhe in das Leben des Privatklägers 1 zu bringen (Prot. I S. 48 ff.).
- 15 -
2.7. Die Mutter des Privatklägers 1 schilderte in ihrer polizeilichen Befragung
zusammengefasst, der Beschuldigte habe sich subtil und schleichend in das Le-
ben des Privatklägers 1 und seiner Mutter geschlichen. Es habe mit Nachhilfeun-
terricht begonnen, dann habe sich der Beschuldigte immer mehr in die Erziehung
eingemischt, den Privatkläger 1 beeinflusst und für sich eingenommen. Als sie
versucht habe, den Beschuldigten auf Distanz zu halten, habe dieser sie umgan-
gen und sich direkt an den Privatkläger 1 gewandt. Der Beschuldigte habe den
Privatkläger 1 gegen sie ausgespielt, sich zwischen sie gedrängt und versucht,
sie auseinander zu bringen (Urk. 6/1).
2.8. Der Privatkläger 1 hatte geschildert, der Beschuldigte sei ein bisschen wie
ein Freund für ihn gewesen. Sie hätten manchmal zusammen Spass gehabt
(Urk. 5/1 S. 3).
2.9. Der Beschuldigte war somit im Tatzeitraum für den Privatkläger 1 erstell-
termassen eine äusserst wichtige, zusammen mit dessen Mutter wohl sogar
wichtigste Bezugsperson.
2.10. Die Vorinstanz hat erwogen, der Beschuldigte habe als eben diese wich-
tige Bezugsperson dem Privatkläger 1 vermittelt, die inkriminierten sexuellen
Handlungen entsprächen der Normalität, insbesondere indem er diese in spieleri-
sche Balgereien integriert habe. Der Beschuldigte habe dadurch die Willensbil-
dung und das Bewusstsein des Privatklägers 1 zum Erreichen seines Ziels ge-
steuert. Er habe einen erheblichen psychischen Druck auf den Privatkläger 1
ausgeübt und diesen in eine ausweglose tatsituative Zwangssituation gebracht.
Gemäss Schilderung des Privatklägers 1 habe der Beschuldigte "etwas" mit ihm
gemacht, damit er sich nicht wehre. Er habe die Taten des Beschuldigten nicht
einordnen, deren Unrecht nicht erkennen und sich somit auch nicht dagegen weh-
ren können. Durch das Schaffen einer Geheimnissituation habe der Beschuldigte
die Zwangssituation noch verstärkt und verhindert, dass der Privatkläger 1 auf
anderem Weg erfuhr, dass solche Handlungen keineswegs selbstverständlich o-
der normal seien (Urk. 154 S. 70 f.).
- 16 -
2.11. Die Qualifikation ist überzeugend und zu übernehmen: Der Privatkläger 1
war betreffend den sexuellen Charakter der inkriminierten Handlungen des
Beschuldigten wohl grundsätzlich urteilsfähig, jedoch aufgrund der besonderen
Stellung des Beschuldigten für den Privatkläger 1 und dessen Einwirkung auf die
Möglichkeit des Privatklägers 1, diese Handlungen als abnormal einzuordnen,
ausserstande gesetzt, diese abzulehnen und sich konkret dagegen zu wehren. Es
ist – wie im Wesentlichen bereits von der Vorinstanz aufgezeigt wurde – (vgl. vor-
ne, E. II.2.5.) nochmals zu betonen, was folgt: Dass der Beschuldigte den Privat-
kläger 1 manipulierte zeigt sich auch daran, dass er diesem gegenüber nicht of-
fenlegte, dass es ihm bei "Spielen" letztlich um die Befriedigung seiner Lust ging.
Dass der Privatkläger 1 gewisse Berührungen als Teil eines Spiels betrachtete
führt nicht zur Annahme einer Urteilsunfähigkeit, da der Beschuldigte den Privat-
kläger 1 massiv beeinflusste. Nach dem Gesagten hat der Beschuldigte mit der
Vorinstanz auch den Tatbestand der sexuellen Nötigung mehrfach erfüllt.
3. Dossier 2; Privatkläger 2
3.1. Zur grundsätzlichen Frage der Anwendbarkeit des Tatbestandes der se-
xuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 StGB auf die den Privatkläger 2 betreffen-
de Anklageschilderung wird auf das in diesem Zusammenhang zum Privatkläger
1 Erwogene verwiesen (Urk. 154 S. 52-65; vgl. vorne, E. II.2.1.).
3.2. Die Verteidigung machte zu den Übergriffen des Beschuldigten auf den
Privatkläger 2 im Haupt- und Berufungsverfahren zusammengefasst geltend, der
Privatkläger 2 habe gemäss eigenen Aussagen bei den sexuellen Handlungen
"nicht verstanden, was vor sich gehe". Er habe die Handlungen des Beschuldig-
ten nicht als sexuelle Übergriffe begriffen, weshalb der Beschuldigte nicht zur
Überwindung eines entgegenstehenden Willens des Privatklägers 2 auf diesen
eingewirkt habe. Auch der Privatkläger 2 habe die wirkliche Bedeutung und Trag-
weite seines Verhaltens nicht abschätzen können (Urk. 124 S. 4; Urk. 198 S. 5 f.).
3.3. Die Vorinstanz hat zur Frage der – seitens der Verteidigung bestrittenen –
Urteilsfähigkeit des Privatklägers 2 bezüglich sexuelle Handlungen zusammenge-
fasst erwogen, dieser sei bereits in der Lage gewesen, sich eine Vorstellung und
- 17 -
ein erstes Bewusstsein von Sexualität zu bilden. Er habe die Handlungen gemäss
eigenen Angaben "über sich ergehen lassen", zumindest das Gefühl gehabt, die-
se seien falsch, und sich mit wachsender Erkenntnis über das Unrecht der Taten
auch dagegen wehren können. Er habe realisieren und entscheiden können, dass
die Handlungen des Beschuldigten in seinen Vorstellungen nicht "normal" seien
und diese ihm nicht gefallen würden (Urk. 154 S. 71 ff.).
3.4. Mit diesen Erwägungen hat die Vorinstanz korrekt festgestellt, dass der
im Tatzeitraum 9-10 Jahre alte Privatkläger 2 kein Kleinkind mehr war und seine
Urteilsfähigkeit betreffend Sexuelles – wenn auch noch nicht voll ausgebildet, so
doch bereits grundsätzlich – vorhanden war. Lediglich am Rande – da die
Umstände im konkreten Einzelfall entscheidend sind – sei bemerkt, dass der
Beschuldigte nach eigenen Angaben bereits im Alter von acht / neun Jahren
sexuelle Erfahrungen mit einem 16-jährigen Jugendlichen gesammelt hat, die ihm
positiv in Erinnerung geblieben sind, und er bereits im Alter von sieben Jahren
den Wunsch nach sexueller Stimulation empfunden hat (Urk. 9/8 S. 16 f.; Prot. I
S. 72; Urk. 191 S. 5), was illustriert, dass bereits in frühen Jahren ein Kind eine
Vorstellung davon haben kann, dass es (biologisch) grundsätzlich zwei Ge-
schlechter gibt und es so etwas wie geschlechtliche Lust und damit auch Unlust
gibt.
3.5. Zur Frage, ob der Beschuldigte betreffend den Privatkläger 2 eine für
diesen tatsituative Zwangssituation geschaffen hat, hat die Verteidigung – wiede-
rum – keine substantiierten Bestreitungen angestellt (Urk. 124 S. 4; Urk. 198 S. 5
f.). Die Vorinstanz hat dazu zusammengefasst erwogen, der im Tatzeitraum ca.
neun bis zehn Jahre alte Privatkläger 2 habe mit dem Beschuldigten als Lebens-
partner seiner Mutter, als sein Stiefvater und als Vater seiner Halbschwester
zusammengelebt, weshalb dieser eine wichtige Stellung als Bezugs- und Vertrau-
ensperson eingenommen habe. Durch diese Familienkonstellation sei der Privat-
kläger 2 (die Vorinstanz schreibt fälschlicherweise: der Beschuldigte) zudem
gezwungenermassen in einem Loyalitätskonflikt gewesen. Der Beschuldigte habe
seine Machtposition und seinen Alters- und Wissensvorsprung ausgenutzt, um
beim Privatkläger 2 den Eindruck zu erwecken, es sei normal, dass der Beschul-
- 18 -
digte ihm beim Zubettgehen den Penis frottiert, insbesondere, da der Beschuldig-
te diese Handlungen in Geschichten und ein "Abend-Ritual" verpackt habe.
Dadurch habe der Beschuldigte dem Privatkläger 2 seine Freiheit genommen, zu
diesen sexuellen Handlungen "Nein" zu sagen und sich dagegen zu wehren. Ge-
mäss Schilderung des Privatklägers 2 habe er die Handlungen anfangs nicht rich-
tig einordnen können, jedoch das Gefühl gehabt, diese seien falsch, ohne dies
verbalisieren zu können. Das volle Bewusstsein, dass diese sexuellen Handlun-
gen nicht normal sind, sei erst mit der Zeit gewachsen. Gemäss Vorinstanz sei
der Privatkläger 2 in einer ausweglosen Situation gewesen bis zum Zeitpunkt, in
welchem er sich des Unrechtsgehalts der inkriminierten Handlungen voll bewusst
geworden sei und sich schliesslich dagegen nonverbal zur Wehr setzen konnte
(Urk. 154 S. 72 f.).
3.6. Zu präzisieren ist dies einzig dahingehend, dass der Beschuldigte im
massgeblichen Tatzeitraum nicht als Vater der Halbschwester des Privatklägers 2
eine besondere Stellung als Bezugs- und Vertrauensperson einnahm, da die
Halbschwester Privatklägerin 3 erst nach Begehung der Taten (2012) geboren
wurde. Abgesehen davon ist die vorinstanzliche Würdigung jedoch zutreffend und
zu übernehmen. Zu betonen ist, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatklä-
ger 2 verbarg, dass es ihm beim Ritual letztlich um die Befriedigung seiner sexu-
ellen Lust ging. Dass der Beschuldigte gewisse Berührungen als Teil eines Ritu-
als betrachtete führt nicht zur Annahme von Urteilsunfähigkeit, da der Beschuldig-
te den Privatkläger 2 massiv beeinflusste. Der angefochtene Schuldspruch der
mehrfachen sexuellen Nötigung ist zu bestätigen.
4. Dossier 3; Privatklägerin 3
4.1. Die Vorinstanz hat die sexuellen Handlungen, die der Beschuldigte –
weitgehend anerkanntermassen (vgl. hinten, E. II. 4.5.) – zulasten der Privatklä-
gerin 3 vorgenommen hat, übereinstimmend mit der Verteidigung nicht als sexuel-
le Nötigung qualifiziert, da der Privatklägerin 3 für den massgeblichen Tatzeitraum
die Urteilsfähigkeit betreffend Sexuelles abgesprochen wurde (Urk. 124 S. 5; Urk.
154 S. 73-75). Allerdings hat sie den Beschuldigten diesbezüglich der mehrfachen
- 19 -
Schändung schuldig gesprochen, was die Anklagebehörde, nicht jedoch die Ver-
teidigung akzeptiert (Urk. 161; Urk. 163; Urk. 198).
4.2. Die Vorinstanz hat vorab die aktuelle Bundesgerichtspraxis zur Frage
zitiert, inwiefern ein Täter, welcher an einem betreffend Sexuelles urteilsunfähigen
Kind sexuelle Handlungen vollzieht, sich in Idealkonkurrenz der Schändung
schuldig macht (Urk. 154 S. 77-79). Darauf wird verwiesen. Anschliessend hat sie
zusammengefasst erwogen, der Beschuldigte habe die inkriminierten Handlungen
mit der Privatklägerin 3 in ein Spiel einbezogen und dadurch deren kindliche Un-
bedarftheit und ihr fehlendes Urteilsvermögen betreffend Sexuelles missbraucht.
Durch sein spielerisches Vorgehen habe er bewusst bewirkt, dass die Privatkläge-
rin 3 das Unrecht seiner Taten nicht erkennen konnte. Der gegen den Tatvorwurf
seitens des Beschuldigten erhobenen Behauptung, er habe sein Vorgehen für ein
normales Spiel ohne sexuellen Hintergrund gehalten und persönlich als unprob-
lematisch erachtet (Prot. I S. 92), hat die Vorinstanz entgegengehalten, er habe
genau gewusst, dass sich sein massgebliches Verhalten und seine Vorstellungen
vor der hiesigen Rechtsordnung nicht rechtfertigen lassen würden (Urk. 154 S.
79-81).
4.3. Die Verteidigung hat ihre Berufung diesbezüglich an der Berufungs-
verhandlung im Wesentlichen – wie vor Vorinstanz – damit begründet, dass der
Beschuldigte keine sexuelle Befriedigung angestrebt, sondern bezweckt habe,
dass seine Tochter einen aus seiner unverkrampften Umgang mit dem anderen
Geschlecht erlerne, wobei es ihm an Unrechtsbewusstsein gefehlt habe (Urk. 198
S. 7 f.) Der Beschuldigte selbst gab an, die inkriminierten Handlungen seien nicht
sexuell motiviert gewesen; ihm gefielen Buben und mit Mädchen könne er "herz-
lich wenig anfangen". Es sei völlig ungeplant erfolgt und er habe nicht gedacht,
dass man ihm dies anlasten würde (Prot. I S. 63 ff.; vgl. auch Urk. 191 S. 17).
Dies sind offensichtlich Schutzbehauptungen: Der Beschuldigte ist betreffend se-
xuelle Handlungen mit Kindern mehrfach einschlägig vorbestraft und muss dies-
bezüglich entsprechend sensibilisiert sein (auch wenn diese Vorstrafen heute im
Strafregister gelöscht sind; Urk. 157). Er gibt an, tatzeitaktuell sei es ihm unange-
nehm gewesen, er hätte dies nie wiederholen wollen und habe es abgewürgt
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(Prot. I S. 64 ff.). Somit war ihm schon unmittelbar bei der Vornahme bewusst,
dass sein Vorgehen auch strafrechtlich inakzeptabel und nicht einfach ein norma-
les Spiel ohne Bezug zu Sexuellem war. Im Übrigen sei bemerkt, dass sich Be-
schuldigter und Verteidigung widersprüchlich verhalten, wenn sie den vorinstanz-
lichen Schuldspruch wegen sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art.
187 Ziff. 1 StGB akzeptieren (vgl. vorne, E. I.2.; Urk. 198 S. 18 f.), aber die Quali-
fikation als Schändung in Abrede stellen. Für die Annahme von Vorsatz reicht es
bei beiden Tatbeständen, wenn der Täter nach seiner Vorstellung das Opfer un-
sittlich berührt (vgl. MAIER, in: BSK StGB, 4. Aufl. 2019, Art. 187 N 21 und Art. 191
N 16; je m.w.H.).
4.4. Sodann brachte der Beschuldigte an der Berufungsverhandlung – wie vor
Vorinstanz (Prot. I S. 83) – vor, es sei nur zu zwei Vorfällen mit der Privatklägerin
3 gekommen. Das eine Mal habe sie nach dem Duschen sein Glied berührt. Das
andere Mal habe sie sein Glied "erwischt", als er sich gerade angekleidet habe
(Urk. 191 S. 19). Die Vorinstanz hat sich bereits mit diesem Vorbringen auseinan-
dergesetzt und zutreffend festgehalten, dass gestützt auf die überzeugenden
Aussagen der Privatklägerin 3 erstellt sei, dass der Beschuldigte mit ihr regel-
mässig das Spiel vom "sprechenden Penis" gespielt habe und sie dabei den Pe-
nis angefasst, gestreichelt, gekitzelt, gedrückt, hoch und runter bewegt sowie
massiert habe, wohingegen nicht erstellt sei, dass der Beschuldigte bei einer Ge-
legenheit zum Samenerguss gekommen und dessen Glied von der Privatklägerin
3 frottiert worden sei (Urk. 154 S. 31-41). Darauf wird verwiesen.
4.5. Somit hat der Beschuldigte mit Anklagebehörde und Vorinstanz mehrfach
wissentlich und willentlich die Urteilsunfähigkeit der Privatklägerin 3 zur Vornahme
sexueller Handlungen missbraucht. Auch dieser angefochtene Schuldspruch ist
entsprechend zu bestätigen.
III. Sanktion
1.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 6 Jah-
ren bestraft (Urk. 154 S. 151). Die appellierende Anklagebehörde beantragt ein
Strafmass von 7 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe (Urk. 163; Urk. 192 S. 1). Die ebenfalls
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appellierende Verteidigung beantragt eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten, wobei
sie davon ausgeht, dass der Beschuldigte nicht der mehrfachen sexuellen Nöti-
gung und der mehrfachen Schändung schuldig gesprochen wird (Urk. 161; Urk.
198 S. 1), wie dies jedoch nachstehend erfolgt.
1.2. Die Vorinstanz hat vorab ausführliche Erwägungen zu den theoretischen
Grundsätzen der richterlichen Strafzumessung und zum anwendbaren Recht an-
gestellt sowie anschliessend die mehrfache sexuelle Nötigung zum Nachteil des
Privatklägers 2 als schwerste Tat erkannt, von welcher bei der Beurteilung sämt-
licher Delikte auszugehen ist (Urk. 154 S. 80-93). Dies wird – zu Recht – weder
von der Anklagebehörde noch von der Verteidigung kritisiert (Urk. 161; Urk. 163
S. 2 ff.; Urk. 192 S. 2; Urk. 198 S. 8 ff.).
1.3.1. Anschliessend hat die Vorinstanz zur Tatkomponente der schwersten Tat
erwogen, die sexuellen Handlungen seien über einen längeren Zeitraum von
mehreren Monaten regelmässig erfolgt. Die konkret inkriminierten Handlungen,
das Frottieren des Penis des Privatklägers 2 durch den Beschuldigten während
jeweils rund 15 Minuten, erschienen verglichen mit sämtlichen innerhalb dieses
Tatbestands möglichen Handlungen noch als leicht (Urk. 154 S. 94). Soweit ist
dies überzeugend und zu übernehmen.
1.3.2. Wenn die Anklage "10 bis 20" Handlungen von jeweils "15 bis 25 Minu-
ten" umschreibt, ist vorab zugunsten des Beschuldigten von 10 Handlungen von
jeweils 15 Minuten Länge auszugehen (zum prozessualen Grundsatz "in dubio
pro reo": Urteil des Bundesgerichts 6B_804/2017 vom 23. Mai 2018 E. 2.2.1.). Die
Erwägung der Vorinstanz, es wiege erschwerend, dass der Beschuldigte die Ta-
ten nicht an einem nahe am Schutzalter liegenden Geschädigten begangen habe,
ist sodann nicht korrekt: Die Tatsache, dass sich der Privatkläger 2 in einem Alter
befand, in welchem er wohl betreffend Sexuelles urteilsfähig, seine Bewusstseins-
und Willensbildung jedoch noch nicht abgeschlossen war, konnte überhaupt erst
zu einer tatsituativen Zwangssituation im Sinne des Tatbestandes der sexuellen
Nötigung führen. Oder anders: Hätte der Beschuldigte die inkriminierten Handlun-
gen an einem (normal entwickelten) 15 1⁄2 Jährigen begangen, hätte er damit den
Tatbestand der sexuellen Nötigung nicht erfüllt. Entsprechend ist der vorliegend
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tatbestandsimmanente Faktor des jungen Alters des Opfers nicht – erneut –
erschwerend zu berücksichtigen. Zutreffend ist, dass der Beschuldigte das kind-
liche Vertrauen des Privatklägers 2 missbraucht hat und die Übergriffe im familiä-
ren Umfeld stattgefunden haben, der Beschuldigte jedoch weder Gewalt noch
Drohungen angewandt hat.
1.3.3. Mit der Vorinstanz (Urk. 154 S. 95) handelte der Beschuldigte mit direk-
tem Vorsatz und aus egoistischen Gründen, wobei er seine Triebbefriedigung
über das Wohl des Privatklägers 2 gestellt und keine Rücksicht auf den (mögli-
chen) schädigenden Einfluss auf dessen sexuelle Entwicklung genommen hat.
1.3.4. Wenn die Anklagebehörde zur Begründung ihrer Berufung ausführt, der
Beschuldigte habe "während rund 1 1⁄2 Jahren seine leibliche Tochter beinahe
täglich zu sexuellen Handlungen genötigt" (Urk. 163 S. 2), geht dies komplett an
den eigentlichen Tatvorwürfen vorbei: Betreffend die Privatklägerin 3 wird der
Beschuldigte nicht der sexuellen Nötigung, sondern der mehrfachen Schändung
verurteilt, was die Anklagebehörde anerkennt. Die Anklageschrift umschreibt
sodann einen Tatzeitraum von "ca. 1 bis 1 1⁄2 Jahren", weshalb zugunsten des
Beschuldigten von knapp einem Jahr ("ca. 1 Jahr") auszugehen ist. Sodann be-
zieht sich dies gar nicht auf die Bemessung der Einsatzstrafe: Diese ist wie erwo-
gen in Abgeltung der mehrfachen sexuellen Nötigung zuungunsten des Privatklä-
gers 2 zu bemessen.
1.3.5. Wenn die Vorinstanz für die schwerste Tat, die mehrfache sexuelle
Nötigung des Privatklägers 2, eine Einsatzstrafe von 2 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe
bemessen hat (Urk. 154 S. 96), ist dies – selbst unter Berücksichtigung der erfolg-
ten Korrektur (vgl. vorne, E. III.1.3.2.) – angemessen und zu übernehmen.
1.4. In der Folge hat die Vorinstanz für die mehrfache sexuelle Nötigung des
Privatklägers 1 ebenfalls eine Freiheitsstrafe von 2 1⁄2 Jahren als angemessen
erachtet, in korrekter Berücksichtigung von Art. 49 Abs. 1 StGB zur Einsatzstrafe
eine Straferhöhung von 22 Monaten asperiert und eine (vorläufige) Gesamtstrafe
von 52 Monaten ermittelt. Zur Begründung hat sie zusammengefasst erwogen, im
Vordergrund der sexuellen Handlungen mit dem Privatkläger 1 sei das gegen-
- 23 -
seitige Anfassen der Geschlechtsteile gestanden, was, verglichen mit sämtlichen
innerhalb dieses Tatbestands möglichen sexuellen Handlungen, noch als leicht
erscheine. Die Übergriffe seien über einen längeren Zeitraum und regelmässig er-
folgt. Der Beschuldigte habe die Zwangssituation für den Privatkläger 1 zwar we-
der durch Gewalt noch durch Androhung ernstlicher Nachteile geschaffen. Der
Vertrauensmissbrauch sei aber dennoch geeignet gewesen, den Privatkläger 1 in
seinem Sicherheitsgefühl zu beeinträchtigten. Der Beschuldigte habe direktvor-
sätzlich und mit egoistischem Motiv auf sexuelle Befriedigung gehandelt. Dabei
habe er durch die planmässige und manipulative Art und Weise, wie er sich dem
Opfer genähert habe, erhebliche kriminelle Energie gezeigt. Das Verschulden
wiege insgesamt gerade noch leicht (Urk. 154 S. 96-99). Die appellierende Ankla-
gebehörde kritisiert dies – zu Recht – nicht substantiiert (Urk. 163 S. 2). Entgegen
der Kritik der Verteidigung (Urk. 198 S. 9) ist die Erhöhung der Einsatzstrafe um
22 Monate nicht zu streng, sondern angemessen, zumal die Taten ein anderes
Opfer betrafen. Die Erwägungen der Vorinstanz sind einzig – und ohne Anpas-
sung der im Ergebnis angemessenen Freiheitstrafe und Asperation – dahinge-
hend zu korrigieren, dass das junge Alter des Opfers für die Erfüllung des mass-
geblichen Tatbestandes notwendig war und daher nicht – zusätzlich – erschwe-
rend zu berücksichtigen ist.
1.5. Im Weiteren hat die Vorinstanz für die mehrfache Schändung der Privat-
klägerin 3 eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten bemessen und die vorläufige
Gesamtstrafe um weitere 8 Monate asperierend auf 60 Monate erhöht (Urk. 154
S. 101). Es habe sich grundsätzlich um das Berühren-Lassen des – nicht erigier-
ten – Penis des Beschuldigten durch die Privatklägerin 3 gehandelt. Der Beschul-
digte habe die Privatklägerin 3 gezielt durch ein spielerisches Verhalten animiert
und das Vater-Tochter-Vertrauensverhältnis missbraucht (Urk. 154 S. 100). Dies
trifft zu. Weitere Erwägungen der Vorinstanz, der Beschuldigte habe weder Ge-
walt noch Drohungen angewendet und die Privatkläger 3 habe sich in einem Lo-
yalitätskonflikt befunden, sind unerheblich, da mangels Urteilsfähigkeit kein Wi-
derstand des Opfers zu überwinden war und dieses die fraglichen Handlungen
auch nicht als sexuelle Übergriffe erkannte. Da dem Beschuldigten seine Schutz-
behauptung, er habe einzig liberale Sexualerziehung betreiben wollen, nicht zu
- 24 -
glauben ist, verbleibt auch hier einzig ein egoistisches Tatmotiv. Dass der Be-
schuldigte entgegen der Kritik der Anklagebehörde nicht "während rund 1 1⁄2 Jah-
ren seine leibliche Tochter beinahe täglich zu sexuellen Handlungen genötigt" hat,
wurde bereits behandelt (vgl. vorne, E. III.1.3.4.). Wenn die Vorinstanz das Ver-
schulden insgesamt noch als leicht qualifizierte, ist auch dies – trotz eventualiter
geäusserter, gegenteiliger Auffassung der Verteidigung (Urk. 191 S. 8 i.V.m. S. 9
f.) – zutreffend. Sowohl die bemessene Einzelstrafe als auch die Straferhöhung in
Anwendung des Asperationsprinzips sind angemessen.
1.6.1. Schliesslich hat die Vorinstanz die sexuellen Handlungen, die der Be-
schuldigte mit den Privatklägern 1, 2 und 3 vornahm, abgegolten. Sie hat – kor-
rekt – erwogen, die konkret zu beurteilenden Übergriffe seien vor dem Hinter-
grund aller denkbaren Handlungsweisen von sexuellen Handlungen je einzeln als
vergleichsweise noch leicht einzustufen. Allerdings seien die Privatkläger anläss-
lich der Tatbegehungen mit ihren damals 10 bzw. 6 Jahren weit von der massge-
benden Altersgrenze von 16 Jahren entfernt gewesen. Der Beschuldigte habe mit
Vorsatz bzw. Eventualvorsatz delinquiert. Es sei ihm einzig um die Befriedigung
seiner sexuellen Bedürfnisse und damit um egoistische Motive gegangen (Urk.
154 S. 102).
1.6.2. Die appellierende Anklagebehörde kritisiert diese Straferhöhungen als zu
tief. Dabei interpretiert sie die vorinstanzliche Begründung aber falsch: Die
Vorinstanz hat nicht betreffend die Privatkläger 1 und 2 je eine Einzelstrafe von
7 Monaten und betreffend die Privatklägerin 3 eine solche von 4 Monaten bemes-
sen (Urk. 163 S. 2 f.). Bei den genannten Zahlen handelt es sich bereits um die
asperierten Straferhöhungen. In Tat und Wahrheit hat die Vorinstanz die Einzel-
strafen betreffend die Privatkläger 1 und 2 auf je 12 Monate und betreffend die
Privatklägerin 3 auf 7 Monate festgesetzt. Auch die Verteidigung vermag keine
taugliche Kritik am Vorgehen der Vorinstanz vorzutragen (Urk. 198 S. 10). So-
dann hat die Vorinstanz den Umstand, dass das Alter der Opfer tatzeitaktuell
deutlich unter der Schutzaltersgrenze lag, ausdrücklich – hier zu Recht – berück-
sichtigt (Urk. 154 S. 102 f.). Die vorinstanzlichen Einzelstrafen und deren Berück-
- 25 -
sichtigung bei der Asperation sind angemessen. Die (vorläufige) Gesamtstrafe
von 78 Monaten ist zu übernehmen.
1.7. Zu ergänzen ist schliesslich, dass gemäss psychiatrischer Begutachtung
der Beschuldigte in sämtlichen Tatzeiträumen keinerlei Verminderung der Schuld-
fähigkeit aufgewiesen hat (Urk. 9/8 S. 40; Art. 19 StGB).
1.8. Die von der Vorinstanz festgesetzten Einzelstrafen zur Sanktionierung der
mehrfachen Pornografie von zwei Monaten (betreffend das Buch "Zeig Mal!") und
drei Monaten (betreffend die Bilder auf der Festplatte) basieren auf einer ebenso
ausführlichen wie überzeugenden Begründung des jeweiligen Verschuldens
(Urk. 154 S. 103-105). Darauf wird verwiesen. Obschon zwischenzeitlich die im
Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils noch im Strafregister eingetragene Vorstra-
fe gelöscht wurde, ist – entgegen eventualiter geäusserten Auffassung der Vertei-
digung (Urk. 197 S. 8 i.V.m. S. 11) – auf eine Freiheitsstrafe als Sanktionsart zu
erkennen, zumal diese Taten des Beschuldigten in einem engen Zusammenhang
mit seinen sexuellen Übergriffen standen (namentlich Sexualisierung des Um-
felds) bzw. eine Geldstrafe keine hinreichend abschreckende Wirkung auf den
Beschuldigten hätte. Dass die Vorinstanz die beiden Einzelstrafen bei der Aspera-
tion insgesamt im Umfang von zwei Monaten berücksichtigt hat (Urk. 154 S. 105),
ist angemessen und zu übernehmen. Daraus resultiert – gestützt auf die Tatkom-
ponenten – eine Gesamtfreiheitsstrafe von 80 Monaten.
1.9.1. Zur Täterkomponente hat die Vorinstanz ausführlich den Werdegang und
die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten angeführt (Urk. 154 S. 106-109),
auf welche Ausführungen – mangels wesentlicher Veränderungen seit dem
vorinstanzlichen Urteil (Urk. 191 S. 1 f.) – verwiesen wird. Die persönlichen Ver-
hältnisse des Beschuldigten – unter Ausklammerung der Frage von Vorstrafen
(vgl. dazu den nächsten Abschnitt – wiegen mit der Vorinstanz (Urk. 154 S. 108 f.)
und entgegen der Verteidigung (Urk. 124 S. 13; Urk. 198 S. 11 f.) strafzu-
messungsneutral; insbesondere weist er keine besondere Strafempfindlichkeit
auf.
- 26 -
1.9.2. Im Gegensatz zum Zeitpunkt des Urteils der Vorinstanz (vgl. Urk. 90),
welche die einschlägige Vorstrafe aus dem Jahr 2000 straferhöhend berücksich-
tigte (Urk. 154 S. 109 f.), weist der Beschuldigte heute keinen Strafregistereintrag
mehr auf (Urk. 157). Das entfernte Urteil darf dem Betroffenen nicht mehr entge-
gengehalten werden (Art. 369 Abs. 7 Satz 2). Aufgrund seiner früheren Verurtei-
lungen kann ihm somit bezüglich der Sanktionshöhe kein Nachteil erwachsen
(BGE 135 IV 87 E. 2). Die gegenteilige Auffassung der Anklagebehörde (Urk. 192
S. 6) verträgt sich nicht mit dem Wortlaut der zitierten Gesetzesbestimmung. Hin-
zu kommt, dass die Berufung nach Art. 398 ff. StPO ein reformatorisches
Rechtsmittel ist (Art. 408 StPO), womit das Berufungsgericht – im Falle eines
Schuldspruchs ohne Bejahung eines Strafbefreiungsgrunds – eine Strafzumes-
sung vornimmt und damit an die zitierte Gesetzesvorschrift gebunden ist.
1.9.3. Zum Nachtatverhalten hat die Vorinstanz dem Beschuldigen unter den
Titeln Geständnis, Kooperation/Vereinfachung der Untersuchung, sowie Einsicht
und Reue/Wiedergutmachung mit ausführlicher Begründung eine Strafreduktion
von einem Fünftel, d.h. 16 Monaten Freiheitsstrafe zugestanden, da – zusammen-
fassend – sein Geständnis durchaus hilfreich und deshalb zu berücksichtigen sei,
jedoch nur geringfügig, da es sich nur auf das Minimum der Tatvorwürfe be-
schränkt habe. Auch die Kooperationsbereitschaft des Beschuldigten sowie die
Einsicht in das Unrecht der Tat und die Wiedergutmachung seien stark zu relati-
vieren (Urk. 154 S. 110-115). Die appellierende Anklagebehörde kritisiert, die
Strafminderung aufgrund des Nachtatverhaltens sei zu massiv ausgefallen. Von
einem eigentlichen Geständnis könne nicht die Rede sein. Auch Einsicht und
Reue seien nicht erkennbar. Kooperiert habe der Beschuldigte nur soweit, als es
ihm selber gedient habe. Der Beschuldigte habe sich fast schon renitent unein-
sichtig gezeigt und keine Selbstreflexion an den Tag gelegt. Das Nachtatverhalten
dürfe sich nicht strafreduzierend auswirken (Urk. 163 S. 3; Urk. 192 S. 2-5). Die
Einschätzung der Anklagebehörde weicht gar nicht grundsätzlich von den zitierten
Erwägungen der Vorinstanz ab. Klar erkennbar ist nach wie vor die starke Ten-
denz des Beschuldigten, seine Taten und deren mögliche Auswirkungen auf die
Opfer – insbesondere die Privatklägerin 3 – zu verharmlosen (Urk. 154 S. 112 f.
mit Verweisen; Urk. 191 S. 17). Wenn die Vorinstanz vor diesem Hintergrund dem
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22art.+369+abs.+7%22+%22berufungsverfahren%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-IV-87%3Ade&number_of_ranks=0#page87
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Beschuldigten doch eine sehr substantielle Strafminderung von 16 Monaten oder
einem Fünftel zugestanden hat, ist dies – entgegen der Verteidigung, die das
Nachtatverhalten noch stärker strafreduzierend berücksichtigt haben will (Urk. 198
S. 12 f.) – in dieser Höhe in der Tat allzu milde und um ca. die Hälfte zu reduzie-
ren, womit namentlich dem Umstand Rechnung getragen wird, dass der Beschul-
digte durch sein Geständnis die beförderliche Durchführung der Untersuchung er-
leichterte.
1.9.4. Nach dem Gesagten erfährt der Beschuldigte zur Täterkomponente eine
Strafminderung in geringerem Umfang, allerdings auch keine Straferhöhung infol-
ge seiner – allesamt gelöschten – Vorstrafen.
1.10. Im Resultat erweist sich so die durch die Vorinstanz bemessene Frei-
heitsstrafe von 72 Monaten oder 6 Jahren als sämtlichen, die Taten und den Täter
betreffenden Strafzumessungskriterien angemessen und ist damit zu bestätigen.
2. Der Anrechnung der erstandenen Haft sowie des vorzeitigen Strafvoll-
zugs, insgesamt 1132 Tage, steht nichts entgegen (Art. 51 StGB).
3. Bei dieser Strafhöhe stellt sich die Frage eines (teil-)bedingten Vollzugs
schon objektiv nicht (Art. 42 Abs. 1 und Art. 43 Abs. 1 StGB). Dennoch wird an
dieser Stelle bemerkt, dass der Antrag des Beschuldigten auf Gewährung des
bedingten Strafvollzugs (Urk. 161; Urk. 198 S. 1 und S. 19) auch subjektiv völlig il-
lusorisch ist, attestiert ihm das psychiatrische Gutachten doch eine erhebliche bis
hohe Rückfallgefahr und spricht der vom Beschuldigten propagierten ambulanten
Therapierung jegliche Erfolgsaussichten ab (Urk. 9/8 S. 41 ff.; Urk. 161).
4.1. Die Anklagebehörde hat im Hauptverfahren beantragt, der Beschuldigte
sei zu verwahren (Urk. 116). Die Vorinstanz hat im angefochtenen Urteil von einer
Verwahrung abgesehen, jedoch eine stationäre therapeutische Massnahme an-
geordnet (Urk. 154 S. 151). Die appellierende Anklagebehörde verlangt auch im
Berufungsverfahren die Verwahrung des Beschuldigten (Urk. 163; Urk. 192). Der
appellierende Beschuldigte widersetzt sich auch im Berufungsverfahren einer
stationären Massnahme und lässt vielmehr beantragen, es sei ihm die Weisung
- 28 -
zu erteilen, sich einer ambulanten psychiatrischen Therapie zu unterziehen (Urk.
161 S. 3; Urk. 198 S. 1).
4.2. Die Vorinstanz hat für den Beschuldigten – entgegen sowohl seines wie
auch des Antrags der Anklagebehörde – eine stationäre Massnahme im Sinne
von Art. 59 StGB angeordnet. Zur Begründung hat sie eingangs ausführlich das
entsprechende Theoretische angeführt, worauf verwiesen wird (Urk. 154 S. 116-
118). Zu ergänzen ist, dass das Bundesgericht in seinem Leiturteil BGE 146 IV 1
Ausführungen zum Begriff der psychischen Störung gemacht hat. Es hat dabei –
zusammengefasst – das Folgende erwogen:
Der Rechtsbegriff einer schweren psychischen Störung (Art. 63 und 59 StGB)
bezieht sich auf ein medizinisches Substrat – ein Defizit mit Krankheitswert –, das
anhand diagnostischer Kriterien qualitativ und gegebenenfalls auch quantitativ
(Schweregrade) umschrieben wird. Seine Definition erfolgt aber nicht allein an-
hand medizinischer Kriterien. Der Begriff ist auch mit Blick auf den gesetzlichen
Kontext festzulegen. Danach sind die diagnostischen Erhebungen des psychiatri-
schen Sachverständigen in Bezug zur Delinquenz zu setzen. Die Anlasstat muss
gleichsam als Symptom des zu diskutierenden Zustandes erscheinen. Nur soweit
sich die diagnostizierte Störung im strafbaren Verhalten und in der Gefahr ihrer
Wiederholung manifestiert, kann sich das Ziel der therapeutischen Massnahme –
die Reduktion des Rückfallrisikos – verwirklichen. Der Begriff der schweren psy-
chischen Störung ist funktionaler Natur, da er sich nach dem Zweck der Mass-
nahme richtet. Gegenstand der Massnahme ist eine Therapie, mit welcher der
Zweck verfolgt wird, die "Gefahr weiterer mit dem Zustand des Täters in Zusam-
menhang stehender Taten" zu reduzieren (Art. 63 und 59 StGB, je Abs. 1 lit. b),
d.h. die Legalprognose zu verbessern. Eine Verbesserung des Gesundheitszu-
standes interessiert das Strafrecht grundsätzlich nur insoweit, wie sie der De-
liktsprävention – der Verhinderung von Straftaten und der Wiedereingliederung
des Täters – dient. Diese Zielsetzung umreisst sodann auch den Kreis der Be-
handlungen, die unter den betreffenden Rechtstiteln in Betracht fallen: Therapien
– ob sie nun als sog. kausale auf Krankheitsursachen (Ätiologie) einwirken oder
symptomorientiert sind – können Gegenstand von Art. 59 oder 63 StGB sein, so-
- 29 -
weit sie risikowirksam sind. Durch diesen Massnahmezweck gedeckt sind auch
spezifische Therapien, welche die Störung nur mittelbar behandeln, so das Einü-
ben von gewaltvermeidenden Handlungsalternativen in Konfliktsituationen. Der
funktional konzipierte Begriff der schweren psychischen Störung soll die Fälle
rechtlich indizierter Therapiebedürftigkeit abdecken. Entsprechend auf den ge-
setzlichen Zweck abzustimmen ist der Kreis der Zustände, die Gegenstand ent-
sprechender Therapien bilden. Der funktionale Gesichtspunkt ist indes nicht allein
begriffsbildend. Der funktionale Gesichtspunkt ist indes nicht allein begriffsbil-
dend: Käme es nur auf die Risikowirksamkeit einer Behandlung an, so könnte
sich der Anwendungsbereich der therapeutischen Massnahmen – der eben eine
"schwere psychische Störung" voraussetzt – auf andere Gründe für normabwei-
chendes Verhalten ausdehnen. Eine Abgrenzung etwa der dissozialen Persön-
lichkeit, d.h. einer "massnahmenrechtlich nicht relevanten Dissozialität als Le-
bensstil", gegenüber einer Krankheit, die sich auch in kriminellen Handlungen
äussern kann, wäre letztlich nicht mehr möglich. Gemäss Rechtsprechung und Li-
teratur ist die Feststellung eines pathologischen Substrats und dessen Abgren-
zung zu blossem "sozial abweichendem" Verhalten daran festzumachen, dass die
Persönlichkeitsmerkmale, die in einem Zusammenhang mit der Straftat stehen
(Art. 63 und 59 StGB, je Abs. 1 lit. a), sich daneben auch in verschiedenen (nicht-
deliktischen) Lebensbereichen dysfunktional auswirken. In der Literatur wird diese
Vorgabe vor allem zur Feststellung der Schwere einer psychischen Störung ver-
wendet; zum Tragen kommt sie aber schon bei der grundsätzlichen Weichenstel-
lung, ob es sich um pathologisch grundierte Delinquenz oder (bloss) um durch
nichtpathologische persönliche Eigenschaften begünstigte Kriminalität handelt.
Relevant sein sollen Auffälligkeiten der Persönlichkeit, die sich in unterschiedli-
chen Bereichen des Verhaltens und Erlebens manifestieren, so dass das psycho-
soziale Funktionsniveau ("soziale Kompetenz" in Lebensführung und -gestaltung)
insgesamt stark eingeschränkt ist (BGE 146 IV 1 E. 3.5.3.).
4.3.1. Die Vorinstanz hat in der Folge geschlossen, das Leben des Beschuldig-
ten sei geprägt von seiner pädophilen sexuellen Ausrichtung; diese sei verant-
wortlich für die wiederholten, entsprechenden Delikte des Beschuldigten und da-
her als schwere psychische Störung i.S.v. Art. 59 Abs. 1 StGB zu beurteilen. Es
- 30 -
bestünden weiter sowohl ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der diag-
nostizierten Störung des Beschuldigten und den aktuell zu beurteilenden Delikten
(Art. 59 Abs. 1 lit. a StGB) als auch eine erhebliche Rückfallgefahr bezügliche Se-
xualstraftaten gegen Kinder (Art. 59 Abs. 1 lit. b StGB). Gemäss Gutachter sei
zwar die Pädophilie nicht kurativ behandelbar, jedoch könne die Rückfallgefahr
durch forensisch-therapeutische Massnahmen eingedämmt werden (Urk. 154 S.
119-125).
4.3.2. Hiezu argumentierte die appellierende Anklagebehörde, welche die Ver-
wahrung gestützt auf Art. 64 Abs. 1 lit. a StGB (Verwahrung ohne Vorliegen einer
schweren psychischen Störung) angeordnet haben will, in der Berufungserklä-
rung, der Gutachter habe beim Beschuldigten keine schwere psychiatrische Stö-
rung erkannt. Die Pädophilie des Beschuldigten sei keine Erkrankung und – selbst
wenn – nicht kurativ therapierbar. Ein massgeblicher gefährlichkeitsreduzierender
Effekt einer erneuten psychologischen Behandlung sei nicht zu erwarten (Urk.
163 S. 4 ff.). An der Berufungsverhandlung ergänzte sie im Wesentlichen, dass
die Vorinstanz zwar zunächst richtig erwogen habe, es sei Aufgabe des Gerichts
zu beurteilen, ob das Ausmass der Beeinträchtigung ausreiche, um von einer
schweren psychischen Störung auszugehen, jedoch hätten die Vorderrichter her-
nach zu Unrecht eine solche bejaht. Die sexuelle Störung des Beschuldigten er-
reiche nicht die für eine Massnahme geforderte Schwere, denn sie habe sein Le-
ben – entgegen der Vorinstanz – nicht stark geprägt (Urk. 192 S. 7-10).
4.3.3. Die Verteidigung bestreitet ebenfalls das Vorliegen einer schweren psy-
chischen Störung und macht geltend, die pädophile sexuelle Ausrichtung habe
das Leben des Beschuldigten nicht übermässig geprägt. Die Rückfälle seien nicht
seiner Neigung, sondern einer mangelhaften Impulskontrolle zuzuschreiben
(Urk. 198 S. 16 f.)
4.3.4. Gemäss fachärztlichem Gutachten verfügte der Beschuldigte zur Zeit
der Taten sehr wohl über eine psychische Störung, nämlich in Form einer sexuel-
len Deviation im Sinne einer homosexuellen Pädophilie. Die sexuelle Deviation
präge das Leben des Beschuldigte seit vielen Jahrzehnten. Er führe ein randstän-
diges Leben. Die Ausgestaltung seiner Lebensbezüge sei sehr stark orientiert an
- 31 -
der mit der sexuellen Deviation einhergehenden Faszination für die kindliche Le-
benswelt. Der unstete berufliche Werdegang und die auffälligen Beziehungskons-
tellation sowie die fortgesetzte Straffälligkeit würden insgesamt eine doch erhebli-
che Beeinträchtigung des psychosozialen Funktionsniveaus des Beschuldigten
bedeuten (Urk. 9/8 S. 39). Diese Ausführungen stehen im Einklang mit den Akten
und Aussagen des Beschluldigten. Die früheren einschlägigen wie die aktuell zu
beurteilenden Straftaten des Beschuldigten stehen sodann klar und indiskutabel
im Zusammenhang mit dieser Störung; die Rückfallgefahr ist erheblich bis hoch
(vgl. Urk. 9/8 S. 41). Wenn die Vorinstanz – wie zitiert – insgesamt geschlossen
hat, dass beim Beschuldigten von einer schweren psychischen Störung und von
einer Massnahmebedürftigkeit nach Art. 59 StGB auszugehen ist, trifft dies zu.
Korrekt ist die Feststellung der Anklagebehörde, dass gemäss Gutachter die Pä-
dophilie nicht kurativ behandelbar ist. Allerdings geht aus dem Gutachten klar
hervor, dass es die moderne forensische Psychiatrie pädophilen Straftätern er-
möglichen kann, Hemmmechanismen aufzubauen, die Entwicklung hin zu sexuel-
len Missbrauchsdelikten aufzuhalten, Alternativen zu illegalen Sexualpraktiken zu
etablieren und damit die Rückfälligkeit deutlich zu beeinflussen (Urk. 9/8 S. 41 f.).
Damit ist der Beschuldigte (objektiv) therapiefähig und unter funktionalen Ge-
sichtspunkten eine schwere psychische Störung im Rechtssinne belegt.
4.4.1. In Bezug auf die subjektive Therapiefähigkeit bzw. den Therapiewillen
des Beschuldigten hat die Vorinstanz nach Wiedergabe der gutachterlichen
Einschätzung und der entsprechenden Äusserungen des Beschuldigten (Urk. 154
S. 124-127) erwogen, die Einsicht des Beschuldigten in die Notwendigkeit einer
Therapie sei äusserst vage. Er erkläre sich zwar grundsätzlich dazu bereit,
gleichzeitig mache er aber Vorbehalte und sei selber nicht der Ansicht, dass eine
Therapie notwendig sei. Er scheine nach wie vor davon überzeugt zu sein, ohne
Hilfe von aussen sein Verhalten ändern zu können. Konkrete Handlungskonzepte
habe er jedoch nicht. Wenn er seine vor 15 Jahren erfolgte – und offensichtlich
gescheiterte – Therapie trotz der Rückfälle als erfolgreich bezeichne, sei seine
Wahrnehmung verzerrt: Er sei erneut rückfällig geworden und sein Weltbild habe
sich nicht grundlegend verändert. Da er nun allerdings eingesehen habe, dass
auch sog. "Groomings" nicht gingen und dass das Rückfallrisiko grösser als von
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ihm bisher angenommen sei, da er an der Hauptverhandlung geäussert habe,
dass eine Therapie ihm "eigentlich schon" helfen würde und er in seinem
Schlusswort seine Motivation beteuert habe, sei insgesamt – dennoch – von einer
Therapiebereitschaft des Beschuldigten auszugehen, zumal an die Therapiebe-
reitschaft nicht allzu hohe Anforderungen gestellt werden dürften, da die fehlende
Motivation bei schweren Störungen regelmässig zum Krankheitsbild gehöre und
die Erreichung der Therapiemotivation oftmals den ersten Schritt der Behandlung
darstelle (Urk. 154 S. 127 f.).
4.4.2. Dem widerspricht die appellierende Anklagebehörde im Wesentlichen
wie folgt: Dem Beschuldigten fehle eine genügende Massnahmewilligkeit voll-
ständig. Er zeige keine Einsicht und halte eine – weitere – Therapie für nicht not-
wendig. Er lasse sich ideologisch nicht von der Notwendigkeit eines Abstands-
nehmens von seinem deliktischen Verhalten überzeugen. Die im Schlusswort vor
Vorinstanz geäusserte Therapiemotivation überzeuge nicht und diene nur dazu,
einer Verwahrung zu entgehen. Der Beschuldigte habe gezeigt, dass er seinen
Trieb nicht von seiner Identität lösen könne. Solange er nicht erkenne, dass sein
Trieb das Problem sei, sei eine Therapie sinnlos (Urk. 163 S. 5 f.; Urk. 193 S. 10-
12).
4.4.3. Die Verteidigung hält den Ausführungen der Anklagebehörde entge-
gen, dass der Beschuldigte der Überzeugung sei, dass er zwecks Vermeidung
von Rückfällen engmaschiger therapeutischer Begleitung bedürfe. Er habe auch
anlässlich der Befragung an der Berufungsverhandlung dargetan, sich im Falle
ihrer Anordnung einer stationären Massnahme zu unterziehen (Urk. 198 S. 19 f.).
4.4.4. Zu betonen ist, dass (bereits) gestützt auf die Ausführungen im Gut-
achten (Urk. 9/8 S. 42) der Beschuldigte als therapiewillig zu gelten hat. Auch die
Aussagen des Beschuldigten vor Schranken, namentlich jene anlässlich der
Berufungsverhandlung, lassen keinen gegenteiligen Schluss zu, sondern deuten
vielmehr darauf hin, dass der Beschuldigte heute motivierter ist als noch im Zeit-
punkt seiner Gespräche mit dem Gutachter. Er anerkannte, mit seinen Handlun-
gen den Privatklägern 1 und 2 geschadet zu haben (Urk. 191 S. 17). Sodann gab
er an, sich zum Zweck der Vermeidung von Rückfällen therapeutisch behandeln
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zu wollen, sich im Fall ihrer Anordnung einer stationären Therapie zu unterziehen
und – falls medizinisch angezeigt – auch triebhemmende Medikamente einzu-
nehmen, was er gegenüber dem Gutachter noch abgelehnt hatte (Urk. 191 S. 14-
17, S. 24-28; Urk. 9/8 S. 38 f.). Diese Aussagen können nicht als (rein) taktisch
gewertet werden. So hat der Beschuldigte dargelegt, dass er im jetzigen Frei-
heitsentzug bereits den PPD angefragt habe, mit einer Therapie zu beginnen
(Urk. 191 S. 13). Die Einnahme triebhemmender Medikamente erachtet er als
letztes Mittel, weil er offensichtlich die Nebenwirkungen in Erfahrung gebracht hat
(Urk. 191 S. 18). Dass der Beschuldigte heute eine Weisung zur regelmässigen
psychiatrischen Therapierung bzw. eine ambulante Massnahme gegenüber einer
stationären präferiert, indiziert keinen fehlenden Therapiewillen, zumal er diesen
Standpunkt – nachvollziehbar – damit begründet hat, dass er (rascher bzw. innert
eher absehbarer Frist) bei seiner Familie bzw. seinen Freunden sein möchte
(Urk. 191 S. 23-25).
Sodann kann mit der Vorinstanz kann dem Beschuldigten eine generelle, das
Rückfallrisiko reduzierende Therapierbarkeit nicht rundweg abgesprochen wer-
den. Allerdings macht der Gutachter in der Tat deutlich, dass therapiehemmende
Schwierigkeiten in Form von ungünstig zu wertenden Überzeugungen und Ein-
stellungen und einer Skepsis gegenüber den Interventionen gemäss dem Modell
des PPD bestünden und deshalb keine deutliche Erwartung eines Behandlungs-
erfolgs bestehe. Einer ambulanten Therapie spricht der Gutachter relevante Er-
folgsaussichten ab, namentlich da eine solche bereits früher gescheitert ist und
die Störung des Beschuldigten durch Gespräche wenig beeinflussbar sei (Urk. 9/8
S. 42-44.). Die Vorinstanz hat überzeugend dargelegt, dass eine gewisse
Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Beschuldigte, welcher sich zur Therapie
bereit erklärt, sich zumindest im weiteren Verlauf der Therapie darauf einlassen
und sodann von der Therapie in dem Sinne profitieren kann, als dass die Rück-
fallgefahr erheblich gesenkt wird (Urk. 154 S. 128). Dies steht im Einklang mit den
Ausführungen des Gutachters, der den Erfolg der stationären Massnahme keines-
falls apodiktisch verneint, sondern ihn von den Überzeugungen und Einstellungen
des Beschuldigten bzw. von der Behandlungs- und Veränderungsmotivation
abhängig macht (Urk. 9/8 S. 42 f.). Entscheidend ist somit bei der subjektiven
- 34 -
Therapiefähigkeit des Beschuldigten die Bereitschaft, sich auf den Behandlungs-
ansatz der Forensiker einlassen zu können. Den Aussagen des Beschuldigten,
der noch nie stationär behandelt wurde (vgl. Prot. I S. 39-41; Urk. 9/8 S. 20; Urk.
191 S. 21), an der Berufungsverhandlung lässt sich entnehmen, dass er zwar ei-
ne Vorstellung davon hat, dass im Rahmen der Therapie auch besprochen wer-
den soll, wie er sich in seinem Umfeld als Pädophiler bewegen und mit dem Stig-
ma umgehen kann, er jedoch den im Gutachten erwähnten modernen Behand-
lungsansätzen (namentlich dem Fokus auf das Verhalten bzw. auf den Aufbau
von Hemmmechanismen) nicht rundweg ablehnend gegenübersteht, sondern
vielmehr anerkennt, dass diese Bestandteil einer erfolgreichen Therapie sind
(Urk. 191 S. 14-16). Weitere Umstände, die in der Lehre als Indizien für eine feh-
lende subjektive Therapiefähigkeit betrachtet werden, wie etwa eine Persönlich-
keitsstörung, eine Intelligenzminderung oder ein PCL-R-Wert von über 25
(HEER/HABERMEYER, in: BSK StGB, 4. Aufl. 2019, Art. 59 N. 68 f., N. 76), werden
im Gutachten verneint bzw. nicht erwähnt (Urk. 9/8 S. 23-26 [PCL-R-Wert von 6],
S. 27, S. 33 f. [keine (dissoziale) Persönlichkeitsstörung]). Es besteht eine hinrei-
chende Wahrscheinlichkeit, nicht bloss vage Hoffnung, dass mit der stationären
Massnahme die Gefahr erneuter Sexualstraftaten gegen Kinder bzw. sexueller
Missbrauchsdelikte deutlich reduziert werden kann. Der Beschuldigte weiss, dass
ihm im Falle eines Scheiterns der Therapie bzw. Rückfalls die Verwahrung drohen
kann (Urk. 191 S. 27). Es ist vor diesem Hintergrund damit zu rechnen, dass er
eine Therapie, namentlich unter dem Eindruck der allenfalls drohenden Verwah-
rung, als letzte Chance erkennt und sich seine Offenheit gegenüber dem im
Rahmen der stationären Therapie verfolgten Behandlungsansatz verstärken wird.
Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte therapiewillig bzw. subjektiv therapie-
fähig.
4.5. Zu betonen ist, dass – mit der Staatsanwaltschaft (Urk. 192 S. 9) – der
Gutachter bei der Realprognose (medizinische Prognosestellung) die Vorstrafen
des Beschuldigten, obschon sie heute gelöscht sind, berücksichtigen durfte und
musste (Urteil des Bundesgerichts 6B_1294/2021 vom 10. Januar 2022 E. 1.5.3.).
Die Legalprognose ist – unbesehen der aus dem Strafregister gelöschten ein-
- 35 -
schlägigen Straftaten des Beschuldigten – zweifellos belastet. Die gelöschten
Vorstrafen reduzieren nicht einfach – wie bei einer mathematischen Berechnung –
die Rückfallgefahr (Urteil des Bundesgerichts 6B_1294/2021 vom 10. Januar
2022 E. 1.6.2.). Im Gutachten wird eine hinreichende Anzahl weiterer Umstände
aufgeführt, die auch heute auf eine erhebliche bis hohe Rückfallgefahr betreffend
sexuelle Handlungen mit Kindern bzw. sexuelle Missbrauchsdelikte schliessen
lassen, namentlich homosexuelle Pädosexualität, Problematisierung der gesell-
schaftlichen Verhältnisse, besondere Weltanschauung, vorhandene Risikobereit-
schaft und ausgebliebener früherer Erfolg einer früheren ambulanten Behandlung
(Urk. 9/8 S. 36 f., S. 41). Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass der Gutach-
ter aufgezeigt hat, dass mehrere Institutionen vorhanden sind, in denen die stati-
onäre Behandlung erfolgen kann (Urk. 9/8 S. 44) (Art. 56 Abs. 5 StGB), und die
Anordnung einer stationären Massnahme – trotz des rechtskräftigen lebenslängli-
chen Tätigkeitsverbots – verhältnismässig ist, wie die Vorinstanz zutreffend er-
kannt hat (Urk. 154 S. 129 f.) (Art. 56 Abs. 2 StGB).
4.6. Nach dem Gesagten ist eine stationäre therapeutische Massnahme
(Behandlung von psychischen Störungen) im Sinne von Art. 59 StGB anzuordnen.
5. Bei der Anordnung einer stationären therapeutischen Massnahme fällt die
Anordnung einer Verwahrung im Sinne von Art. 64 Abs. 1 (lit. a) StGB, die ultima
ratio ist (BGE 139 IV 56 E. 1.3.3.; 134 IV 121 E. 3.4.4.), ausser Betracht. Lediglich
der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass es sich bei den vom Beschuldig-
ten begangenen Straftaten zwar um Anlasstaten im Sinne der Generalklausel von
Art. 64 Abs. 1 StGB handelt. Die Rechtsprechung verlangt jedoch bei der Ausle-
gung des zusätzlichen Kriteriums einer "schweren Beeinträchtigung" im Relativ-
satz von Art. 64 Abs. 1 StGB eine "schwere Straftat", durch die der Täter die phy-
sische, psychische oder sexuelle Integrität einer andern Person "schwer" beein-
trächtigte oder beeinträchtigen wollte. Dies gilt sowohl für Katalogtaten bzw. Straf-
taten nach der Generalklausel als Anlasstaten als auch für die ernsthaft zu erwar-
tenden Folgetaten. Von einer schweren Opferbeeinträchtigung ist unter Zugrunde-
legung eines objektiven Massstabs auszugehen, wenn aufgrund der zu beurtei-
lenden Tat nach der allgemeinen Lebenserfahrung mit einer Traumatisierung des
- 36 -
Opfers zu rechnen ist (anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1035/2019
vom 22. Oktober 2019 E. 1.3.2; m.w.H.). Die vom Beschuldigten begangenen De-
likte sind nicht eo ipso "schwere Straftaten" im erwähnten Sinne (BGE 141 IV 423
E. 4.3.4.; Urteile des Bundesgerichts 6B_746/2016 vom 8. Dezember 2016
E. 1.3.2; 6B_109/2013 vom 19. Juli 2013 E. 4.3.1. ff.). Vorliegend ist nicht zu ver-
kennen, dass der Beschuldigte bei einer Gelegenheit den Penis des Privatklä-
gers 1 in den Mund genommen hat. Gleichwohl kann – ohne die Taten bzw. deren
(mögliche) Folgen zu verharmlosen – nicht davon ausgegangen werden, die Ta-
ten würden – bei objektiver Betrachtung – nach der allgemeinen Lebenserfahrung
zu einer schweren Traumatisierung bei einem der Opfer führen. Im Übrigen äus-
sert sich das von der Anklagebehörde in Auftrag gegebene Gutachten – mangels
entsprechender Frage (Urk. 9/1 S. 3) – nicht dazu, ob aus Sicht des Gutachters
eine Verwahrung angezeigt bzw. einer stationären therapeutischen Massnahme
vorzuziehen sei (vgl. Art. 56 Abs. 3 StGB).
6. Gestützt auf Art. 57 Abs. 2 StGB ist die Freiheitsstrafe zugunsten der
stationären therapeutischen Massnahme aufzuschieben.
7. In Anbetracht seiner diversen (gelöschten) einschlägigen Vorstrafen ist
dem Beschuldigten – trotz seiner Einsicht in die vorhandene homosexuelle
Pädosexualität und seiner erkennbaren Motivation bzw. Motivierbarkeit zur Teil-
nahme an einer Behandlung – im Dispositiv, obschon daraus keine Rechtsfolgen
resultieren – für den Fall eines einschlägigen Rückfalls explizit die Verwahrung
anzudrohen.
IV. Zivilforderungen
1. Die Vorinstanz hat den Privatklägern 1 und 2 sowie der Privatklägerin 3
nach eingehender Prüfung und mit ausführlicher Begründung Genugtuungen von
je Fr. 15'000.-- (Privatkläger 1 und 2) respektive Fr. 10'000.-- (Privatklägerin 3)
zugesprochen (Urk. 154 S. 139-144).
2.1. Die appellierende Verteidigung kritisiert dies im Berufungsverfahren wie
folgt:
- 37 -
2.1.1. Hinsichtlich der Genugtuungsforderung des Privatklägers 1 verweist sie
zur Begründung auf ihre Ausführungen vor Vorinstanz und ergänzt im Wesentli-
chen, die Vorinstanz habe mit ihrer Annahme, es seien auch im weiteren Verlauf
Beeinträchtigungen wie bspw. Probleme bei der Sexualentwicklung zu erwarten,
der Einschätzung beider Psychologinnen widersprochen, wonach beim Privatklä-
ger 1 aufgrund seiner guten Ressourcen berechtigte Hoffnung auf einen guten
Heilungsverlauf bestehe. Zudem sei nach wie vor nicht restlos geklärt, welche
Stellung bei den Auffälligkeiten die beim Privatkläger 1 vorhandene konstitutionel-
le Disposition seines ADHS-Leidens einnehme. Eine Genugtuung von Fr. 5'000.--
sei angemessen (Urk. 198 S. 20 f.).
2.1.2. Hinsichtlich der Genugtuungsforderung des Privatklägers 2 verweist sie
ebenfalls auf ihre Ausführungen vor Vorinstanz und hält dafür, der zugesprochene
Genugtuungsbetrag von Fr. 15'000.-- sei übersetzt (Urk. 198 S. 21 f.).
2.1.3. Hinsichtlich der Genugtuungsforderung der Privatklägerin 3 führt sie aus,
dass es sich um relativ leichte Handlungen gehandelt habe, wobei eine künftige
Beeinträchtigung nicht auszumachen sei (Urk. 198 S. 22).
2.2.1. Der Rechtsvertreter des Privatklägers 1 hat im Hauptverfahren eine
Genugtuung von Fr. 30'000.-- nebst Zins verlangt (Urk. 117). Anschlussappellie-
rend verlangt er im Berufungsverfahren noch eine Genugtuung von Fr. 25'000.--
nebst Zins (Urk. 167; Urk. 193 S. 2). Zur Begründung wurde an der Berufungs-
verhandlung vorgebracht, dass die Vorinstanz ausser Acht gelassen habe, dass
der Privatkläger 1 besonders vulnerabel sei, weil er an ADHS leide und der Be-
schuldigte die Übergriffe von langer Hand geplant habe. Aufgrund der besonderen
Verletzlichkeit des Privatklägers 1 und der voraussichtlich grossen Dauer der
negativen Folgen sei von einer Basisgenugtuung von Fr. 18'000.-- auszugehen.
Aufgrund des unbeschreiblichen Ausmass des Verschuldens sei die Basisgenug-
tuung um Fr. 7'000.-- auf Fr. 25'000.-- erhöhen (Urk. 193 S. 4-7).
2.2.2 Der Vertreter des Privatklägers 2 und die Vertreterin der Privatklägerin 3,
welche je die Bestätigung der entsprechenden vorinstanzlichen Regelung bean-
tragen, machten – ohne dies weiter zu substantiieren bzw. zu belegen – Ausfüh-
- 38 -
rungen zu den heute festzustellenden Auswirkungen der Taten auf die beiden Pri-
vatkläger (Urk. 196; Prot. II S. 15 f., S. 22).
2.3.1. Die Ausführungen des Rechtsvertreters des Privatklägers 1 – unter
Hinweis auf den an der Berufungsverhandlung eingereichten (wiederum kurzen)
Zusatzbericht vom 17. Februar 2022 der den Privatkläger 1 behandelnden Psy-
chotherapeutin F._ (Urk. 194/1/2) – lassen die vorinstanzliche Festsetzung
der Genugtuung nicht als unangemessen tief erscheinen. Vielmehr bestätigt der
neuste Bericht die Ausführungen im Bericht derselben Therapeutin vom 14. Sep-
tember 2020, wonach eine Normalisierung der Autonomieentwicklung und eine
Reduktion der Traumafolgesymptomatik im Sinne eines Heilungsprozeses wahr-
scheinlich seien (Urk. 118/3). Dass das ADHS-Leiden besondere Vulnerabilität
begründe und Missbrauch ohne Gewalt viel subtiler und hinterhältiger sei
(Urk. 193 S. 5), blieb unbelegt und kann nicht als allgemein bekannt gelten. Zum
Anderen lassen die Ausführungen der Verteidigung die vorinstanzlich festgesetzte
Genugtuung nicht als überhöht erscheinen. Die Verteidigung gibt die Einschät-
zung der Psychotherapeutinnen F._ und G._ in den Berichten vom 14.
September 2020 resp. 30. August 2020 verkürzt wieder, geht doch aus den The-
rapieberichten hervor, dass beide Psychologinnen davon ausgehen, dass sich die
Übergriffen langfristig nachteilig auf den Privatkläger 1 auswirken werden
(Urk. 106/1, Antworten auf Fragen 5 und 6; Urk. 106/2, Antwort auf Frage 5), wel-
che Einschätzung im neusten Bericht nicht revidiert wird. Die Vorinstanz hat dem
adäquat Rechnung getragen, ohne bei der Bemessung der Genugtuung unsachli-
che Spekulationen über das Ausmass der künftigen Leiden anzustellen (Urk. 154
S. 140). Somit erweist sich der von der Vorinstanz festgesetzte Betrag von Fr.
15'000.-- als angemessen und die dazugehörige Begründung als in allen Punkten
überzeugend.
2.3.2. Betreffend den Privatkläger 2 und die Privatklägerin 3 vermag die
pauschale Kritik der Verteidigung allein mit dem Verweis auf die Fallsammlung
HÜTTE/LANDOLT (Prot. I S. 93 ff. und S. 98 f.) die angefochtenen Regelungen nicht
in Zweifel zu ziehen: Die Vorinstanz hat nicht einfach auf eine Vergleichssamm-
lung abgestellt, sondern vielmehr die konkreten Einzelfälle individuell und – unter
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Vorbehalt der nachfolgenden Einschränkung betreffend die Privatklägerin 3 –
überzeugend gewürdigt. Hinsichtlich der Privatklägerin 3 ist zu ergänzen, dass
diese, wie auch deren Vertreterin erklärte, weder Zeitpunkt der Vorfälle noch heu-
te in der Lage war bzw. ist, das Unrecht der Vorfälle zu erkennen, und sie den
Beschuldigten vermisst (Prot. II S. 15 f.). Der Beschuldigte hat zweifellos die se-
xuelle Integrität der Privatklägerin 3 – bei ihr als Kind verstanden als Recht auf
ungestörte sexuelle Entwicklung – wiederholt beeinträchtigt hat, was eine Genug-
tuung rechtfertigt. Genugtuungsforderungen sind grundsätzlich nicht auf den Zi-
vilweg zu verweisen (SCHMID/JOSITSCH, Praxiskommentar StPO, 3. Aufl. 2018, Art.
126 N 17). Zu berücksichtigen ist deshalb auch – mit der gebotenen Zurückhal-
tung –, dass sich die heute zehn Jahre alte Geschädigte – nur schon aufgrund der
fortdauernden Abwesenheit ihres Vaters – ebenso zweifellos dereinst dem erfah-
renen Unrecht gewahr werden wird, weshalb von einer sich noch manifestieren-
den psychischen Beeinträchtigung auszugehen ist. Da der Eingriff – insoweit mit
der Verteidigung (Urk. 198 S. 22) – dennoch deutlich weniger schwer wiegt als bei
den Privatklägern 1 und 2, ist die Genugtuung der Privatklägerin 3 – in Reduktion
des vorinstanzlich zugesprochenen Betrags – auf Fr. 5'000.-- festzusetzen.
2.4. Die Vorinstanz hat den Beginn der Verzinsung der Genugtuungsforderung
beim Privatkläger 1 auf den 19. Februar 2019, beim Privatkläger 2 auf den
25. Februar 2010 und bei der Privatklägerin 3 auf den 19. Juni 2018 festgesetzt
(Urk. 154 S. 141, S. 143 f.). Diese Regelungen blieben im Berufungsverfahren
allseits unbestritten (Urk. 193 S. 1; Urk. 196 S. 1; Urk. 198 S. 1; Prot. II S. 15 f.,
S. 22) und sind zu übernehmen.
V. Einziehungen
1. Die Vorinstanz hat den beim Beschuldigten beschlagnahmten Computer
sowie eine Festplatte eingezogen und der Lagerbehörde zur gutscheinenden
Verwendung überlassen (Urk. 154 S. 145 und S. 152 Ziff. 7). Die Verteidigung
fordert namens des Beschuldigten – wie bereits im Hauptverfahren (Urk. 129) –
die Herausgabe (Urk. 161; Urk. 198 S. 1, S. 20).
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2. Mit der Vorinstanz sind Computer und Festplatte deliktsrelevante Gegen-
stände im Sinne von Art. 69 Abs. 1 erster Teilsatz StGB, welche dem Beschuldig-
ten zur Begehung einer Straftat gedient haben. Demnach sind diese Gegenstän-
de einzuziehen.
VI. Kosten / Entschädigungen
1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von
Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. § 14 und § 16 Abs. 1 der Gebührenverordnung des
Obergerichts auf Fr. 5'000.-- festzusetzen.
2. Im Berufungsverfahren unterliegt der appellierende Beschuldigte mit
seinen Anträgen fast vollumfänglich und die appellierende Anklagebehörde mit
ihren Anträgen betreffend Straferhöhung und Verwahrung. Somit sind die Kosten
dieses Verfahrens (exkl. Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltli-
chen Privatklägervertretungen) zu 3⁄4 dem Beschuldigten aufzuerlegen und im
verbleibenden Viertel auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 428 StPO).
3.1. Rechtsanwalt Y._ beantragt für seine Bemühungen als amtlicher
Verteidiger im Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 12'558.35
(inkl. MwSt. und Auslagen) (Urk. 188). Der geltend gemachte Aufwand ist ausge-
wiesen und – mit Ausnahme des Aufwands für den Kontakt mit der Lebenspartne-
rin des Beschuldigten, der nicht zu entschädigen ist – angemessen. Unter Be-
rücksichtigung des in der Honorarnote noch nicht veranschlagten Aufwands für
die Teilnahme an der Berufungsverhandlung und die Nachbesprechung ist
Rechtsanwalt Y._ mit Fr. 14'216.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) aus der Ge-
richtskasse zu entschädigen.
3.2. Rechtsanwalt Z._ beantragt für seine Bemühungen als unentgeltli-
cher Rechtsvertreter des Privatklägers 2 im Berufungsverfahren eine Entschädi-
gung von Fr. 1'549.20 (inkl. Auslagen und MwSt.) (Urk. 197). Der geltend ge-
machte Aufwand ist ausgewiesen und angemessen. Unter Berücksichtigung des
in der Honorarnote noch nicht veranschlagten Aufwands für die Teilnahme an der
Berufungsverhandlung und die Nachbesprechung ist Rechtsanwalt Z._ mit
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pauschal Fr. 3'500.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) aus der Gerichtskasse zu ent-
schädigen.
3.3 Rechtsanwältin W._ beantragt für ihre Bemühungen als
unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin 3 im Berufungsverfahren eine
Entschädigung von Fr. 5'118.25 (Urk. 189). Die deutliche Mehrheit des vor der
Berufungsverhandlung betriebenen Aufwands stand indes nicht im Zusammen-
hang mit dem Berufungsverfahren, sondern erfolgte in Ausübung ihres weiteren
Mandats als (zivilrechtliche) Beiständin der Privatklägerin 3 (D3 Urk. 5/3). Zu
entschädigen sind – unter Berücksichtigung des Aufwands für die Teilnahme an
der Berufungsverhandlung und die Nachbesprechung – lediglich 13 Stunden,
wobei die Spesen und die Mehrwertsteuern zu addieren sind. Entsprechend ist
Rechtsanwältin W._ mit pauschal Fr. 3'100.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) aus
der Gerichtskasse zu entschädigen.
3.4. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Privat-
klägervertretungen sind zu 3⁄4 einstweilen und zu 1⁄4 definitiv auf die Gerichtskasse
zu nehmen; vorbehalten bleibt im Umfang von 3⁄4 eine Rückforderung gegenüber
dem Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
4. Der Privatkläger 1 lässt die Zusprechung einer angemessenen Prozess-
entschädigung zulasten des Beschuldigten beantragen und dabei auf die Hono-
rarnote seines Vertreters verweisen, worin ein Honorar in Höhe von Fr. 9'079.10
(inkl. Auslagen und MwSt.) ausgewiesen wird (Urk. 195). Der veranschlagte
Stundenansatz von Fr. 280.-- ist angemessen. Angesichts der Dauer der Beru-
fungsverhandlung erweist sich der vorab geschätzte Aufwand für die Teilnahme
an der Berufungsverhandlung, den Weg und die Instruktion als leicht überhöht.
Die angemessene "ganze" Prozessentschädigung wäre auf Fr. 8'500.-- festzuset-
zen. Beim strittigen Zivilpunkt der Genugtuungshöhe vermag weder der Privatklä-
ger 1 noch der Beschuldigte mit seinem Begehren durchzudringen: Der Privatklä-
ger 1 unterliegt mit seinem Antrag um eine Erhöhung im Betrag von Fr. 10'000.--,
der Beschuldigte unterliegt mit seinem Antrag um Reduktion im selben Betrag.
Beim noch offenen Strafpunkt der sexuellen Nötigung obsiegt der Privatkläger 1,
der Beschuldigte unterliegt. Es rechtfertigt sich somit die Zusprechung einer hälf-
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tigen Prozessentschädigung. Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte ist zu ver-
pflichten, dem Privatkläger 1 für die Rechtsvertretung im Berufungsverfahren eine
reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 4'250.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) zu
bezahlen.