Decision ID: 79ae0f8a-c4b4-446b-80c3-91ea1ab3a984
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1981, reiste im Jahr 2000 in die Schweiz ein. Sie war von 2007 bis zur Kündigung per 3
1.
März 2014 als Mitarbeiterin in der Gastro
nomie tätig
(
Urk.
7/2;
Urk.
7/
3
;
Urk.
7/12)
. Am 1
3.
Juli 2013
wurde
sie als Bei
fahrerin in eine Frontalkollision verwickelt
und erlitt dabei Prellungen an Rücken und Untera
r
m
(
Urk.
7/11)
.
Die AXA Winterthur verneinte ihre Leistungspflicht gemäss Bundesgesetz über die obligatorische Unfallversicherung (UVG) rechts
kräftig mit Verfügung vom
8.
September 2014 (
Urk.
7/27).
Am 2
1.
Januar 2014
meldete sich
die Versicherte
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zü
rich, IV-Stelle, unter Angabe von seit dem Unfall bestehenden Nackenschmerzen, Schmerzen am linken Daumen, Schwindel und täglichen, starken Kopfschmerzen zum Leistungsbezug an (Urk. 7/3). Nachdem die IV-Stelle medizinische und be
rufliche Abklärungen getroffen hatte, verneinte sie nach
durchgeführtem
Vorbescheid
-
verfahren mit Verfügung vom 5. Februar 2015
mangels invalidisierenden Gesundheitsschadens
rechtskräftig den Anspruch auf Leistungen der IV (Urk. 7/35).
1.2
Am 3
0.
April 2016 meldete sich die Versicherte, die seit dem
7.
September 2015 eine neue Stelle als Gastronomie-Mitarbeiterin innehatte, wegen erneuter Ar
beitsunfähigkeit seit dem 2
5.
Januar 2016 wieder zum Leistungsbezug an
(
Urk.
7/37)
.
Zur gesundheitlichen Beeinträchtigung gab ihr Hausarzt,
Dr.
Y._
, Facharzt Allgemeine Medizin FMH, an, dass zurzeit die Diag
nose in der neurologischen Universitätsklinik
Z._
abgeklärt werde. Die IV-Stelle
trat auf die Neuanmeldung ein, tätigte
erwerbliche und medizinische
Ab
klärungen
(
Urk.
7/
43-44;
Urk.
7/47-48;
Urk.
7/58-59
;
Urk.
7/62-63;
Urk.
7/65)
und stellte der Versicherten gestützt auf die Stellungnahme des Regionalen
ä
rzt
lichen Dienstes, RAD
,
(
Urk.
7/66)
mit Vorbescheid vom 1
3.
Februar 2017 die Ab
weisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht, da kein Gesundheitsschaden mit langfristigen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vorliege (
Urk.
7/67).
Dage
gen liess die Versicherte unter Beilage verschiedener Arztberichte Einwände er
heben (
Urk.
7/72;
Urk.
7/76;
Urk.
7/79;
Urk.
7/85-88).
Am
5.
April 2017 nahm die IV-Stelle das
bidisziplinäre
psychiatrisch-neurologische Gutachten
(datiert 2
2.
März 2017)
zuhanden des Krankentaggeldversicherers
SWICA
zu den Akten (
Urk.
7/75)
.
In der Folge
holte
die IV-Stelle
Verlaufsberichte
der behandelnden Ärzte
ein (
Urk.
7/82;
Urk.
7/84)
und nahm die weiteren medizinischen Unterlagen des Krankentaggeldversicherers am 2
8.
August 2017 zu den Akten (
Urk.
7/90).
Nachdem
d
er
Versicherte
n
die Frist zur Stellungnahme mehrmals erstreckt
wurde
,
nahm
sie
am 1
2.
Januar 2018 und am
2.
Februar 2018 unter Beilage weiterer
Arztberichte Stellung
(
Urk.
7/99-102;
Urk.
7/104-108). Weitere Arztberichte reichte sie am
7.
Mai 2018 (
Urk.
7/109-111) und am 2
0.
Juli 2018 (
Urk.
7/115-116) ein. Mit Verfügung vom 1
4.
August 2018 wies die IV-Stelle das Leistungs
begehren mangels invalidisierenden Gesundheitsschadens ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 1
3.
September 2018 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte die Ausrichtung einer ganzen Rente
und eventuell die Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur polydisziplinären Abklärung. Mit Be
schwerdeantwort vom 1
7.
Oktober 2018 (
Urk.
6) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 2
2.
Oktober 2018 (
Urk.
8) mitgeteilt wurde.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie auf die Akten ist, soweit für die
Entscheid
findung
erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.
2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arz
tes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi
cherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Zur Zeit der Rentenbeurteilung im Rahmen der Erstanmeldung lagen zur gesund
heitlichen Situation der Beschwerdeführerin insbesondere
der Bericht der
Klinik
A._
, Psychiatriezentrum
B._
,
vom 1
4.
Mai 2014
(
Urk.
7/19)
,
der Bericht der Uniklinik
C._
vom 3
0.
Mai 2014
(
Urk.
7/21)
sowie schriftliche Auskünfte von
Dr.
D._
, Fachpsychologin FSP und Psychotherapeutin MASP, vom 3
0.
Juni 2014 (
Urk.
7/22) vor, wobei nach Erlass der Verfügung vom
5.
Februar 2015 am 3
0.
März 2015 noch der vom 1
5.
Januar 2015 datierende ausführlichere Bericht zur Behandlung im September 2014 (
Urk.
7/36) einging.
Aus somatischer Sicht wurde aus der Uniklinik
C._
berichtet, dass sich bei der Beschwerdeführerin keine Hinweise auf eine Diskushernie, eine Nervenwur
zelkompression oder eine
Fraktur ergeben hätten. Ebenfalls bestünden neurolo
gisch keine Hinweise auf ein Nervenkompressio
nssyndrom oder eine
Radikulo
path
ie
C6 oder C8 links.
Es liege ein persistierendes
zervikozephales
sowie
zervi
kothorakales
Schmerzsyndrom links vor. Die Ärzte nahmen keine Arbeitsunfä
higkeitsschätzung vor,
gaben aber an, dass
die Beschwerdeführerin
in sehr leich
ten wechselbelastenden Tätigkeiten ohne gehäuftes Heben und Tragen von Lasten über 10 kg bis Lendenhöhe und ohne Zwangshaltungen der HWS zumindest teil
arbeitsfähig
sei
.
Die
Ärzte
der
A._
führten eine mittelgradige de
pressive Episode mit äng
stli
ch
e
n
Komponenten seit Juli 2013 an. Möglicherweise liege seit dem Autounfall auch eine posttraumatische Belastungsstörung vor. Im Vordergrund st
ü
nden
die Schmerz-, die depressive sowie die Angstsymptomatik. Die Beschwerdeführerin berichte von Konzentrationsschwierigkeiten und Vergesslichkeit. Formalgedank
lich sei sie mässig eingeengt auf aktuelle Belastungen mit Grübeln. Die Grund
stimmung sei leicht niedergestimmt und angespannt. Traurige und ängstliche Af
fekte würden beschrieben. Im Schlaf habe sie wiederkehrende
Tr
äume
vom Unfall
. Antrieb und Psychomotorik seien mässig reduziert und es bestehe eine erhöhte Ermüdbarkeit. Die Ärzte empfahlen eine multimodale Therapie (Schmerztherapie, Psychotherapie, Physiotherapie). Ob eine verminderte Leistungsfähigkeit bestehe, könne nicht beurteilt werden.
Dr.
D._
berichtete
(vgl.
Urk.
7/36)
von einer Anpassungsstörung, von Angst und depressiver Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22) seit Juli 201
3.
Eben
falls nannte sie differentialdiagnostisch eine posttraumatische Belastungsstörung. Zudem lägen weitere psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei an
dernorts klassifizierten Krankheiten vor. Die Beschwerdeführerin
klage
über Kon
zentrationsschwierigkeiten und erhöhte Vergesslichkeit.
Sie habe Mühe, sich an die Namen der eingenommenen Medikamente und der Therapeuten zu erinnern. Formalgedanklich sei sie sehr stark auf die aktuelle Belastung, den Unfall und die Schmerzen eingeengt.
Es bestehe s
tarkes Grübeln. Die Grundstimmung sei nie
dergeschlagen. Die Beschwerdeführerin beschreibe teilweise Phasen von starker Traurigkeit und ängstlichem Affekt. Es liege eine erhöhte Ermüdbarkeit und ein phasenweiser sozialer Rückzug vor. Das Unfallereignis liege eineinhalb Jahre zu
rück, weshalb die Symptomentwicklung in die Richtung einer psychosomatischen Symptomausweitung gehe.
Unter Berücksic
htigung dieser Aktenlage führte
der
Regionale ärztliche Dienst (
RAD
)
in seiner Stellungnahme vom
2.
Dezember 2014 an, dass die Beschwerde
führerin –
bei
beginnenden degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule (HWS)
,
jedoch
sowohl somatisch wie auch psychiatrisch
ohne
reg
elmässige Be
handlung
– in der bisherigen Tätigkeit nicht längerfristig funktionell
einge
schränkt
sei
(Feststellungsblatt vom
5.
Februar 2015,
Urk.
7/34)
.
Gestützt darauf wies
die Beschwerdegegnerin
das Rentengesuch mangels IV-relevanten Gesund
heitsschadens mit Verfügung vom
5.
Februar 2015 ab (
Urk.
7/35).
2.2
Auf die Neuanmeldung ein knappes Jahr später am 3
0.
April 2016 trat die IV-Stelle ein,
beurteilte den Anspruch aber nicht anhand eines Vergleichs mit dem
medizinischen Sachverhalt zum Zeitpunkt
der
Verfügung vom
5.
Februar 2015, sondern behandelte die Sache wie eine Erstanmeldung. Sie wies das Gesuch der Beschwerdeführerin mit hier angefochtener Verfügung (
Urk.
2) erneut mit der Be
gründung ab, dass
kein
invalidisierender Gesundheitsschaden
vorliege
. Die Be
schwerdeführerin hingegen hält dafür, dass unter Berücksichtigung der Berichte der behandelnden Ärzte der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente ausgewiesen sei, da sie vollumfänglich arbeits- und erwerbsunfähig sei.
Insbesondere macht sie eine Verschlechterung des psychischen Zustands geltend
Die Beschwerdegeg
nerin
habe
die Situation gestützt auf das SWICA-Gutachten vom 2
2.
März 2017 (7/75/3-74) beurteilt,
obwohl
sich der Gesundheitszustand bis zum Erlass der Ver
fügung am 1
4.
August 2018 weiter verschlechtert habe
(
Urk.
1).
2.3
Streitig und zu prüfen ist damit, ob die Beschwerdegegnerin das erneute Renten
gesuch der Beschwerdeführerin zu
Recht
abgewiesen hat. Ausschlaggebend ist in diesem Zusammenhang
entgegen der Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin
, ob sich die gesundheitliche Situation seit der Verfügung vom
5.
Februar 2015 (
Urk.
7/35) bis zur hier angefochtenen Verfügung vom 1
4.
August 2018 (
Urk.
2
) ren
tenrelevant verändert hat
(E. 1.1)
.
3.
Die medizinische Aktenlage im
genannten
Zeitraum präsentiert sich wie folgt:
3.1
Am 2
8.
Mai 2016 berichtete der Hausarzt der Beschwerdeführerin,
Dr.
Y._
,
zuhanden des Krankentaggeldversicherers SWICA,
dass
die Beschwerdeführerin
seit fünf Monaten über Schmerzen und Missempfindungen im linken
Thoraxbe
reich
klage. Zur Abklärung dieser Beschwerden sei erstmals am 1
7.
Februar 2016 ein MRI durchgeführt worden. Dort habe sich eine
intramedulläre
Raumforderung in Höhe des Wirbelkörpers BWK 4/5 gezeigt. Diese korreliere auch mit den ange
gebenen Beschwerden. Nachdem die Beschwerdeführerin neurochirurgisch unter
sucht
u
nd ein Verdacht auf einen
intramedullären
Tumor geäussert
worden sei
, sei sie an das Universitäts
s
pital
E._
, Neurochirurgie,
überwiesen wor
den. Dort habe man nach erneutem MRI die gleiche Läsi
on festgestellt, allerdings
habe man jetzt von einer Entzündung und nicht mehr von einem Tumor gespro
chen. Es hätten sich Hinweise darauf verdichtet, dass die Beschwerdeführerin eine isolierte
Myelitis erlitten ha
be
. Da aber die Diagnose immer noch unklar sei, werde es zu weiteren MRI-Untersuchungen kommen. Aufgrund dieser diagnosti
schen Odyssee habe ihre Psyche sehr gelitten, weshalb sie zusätzlich unter de
pressiven Symptomen leide. Durch die
intramedulläre
Entzündung und die reak
tive Depression sei es der Beschwerdeführerin zurzeit nicht möglich, einer gere
gelten Arbeit nachzugehen. Es sei gut möglich, dass sich die ganze Situation mit einer eindeutigen Diagnose erheblich verbessern werde (
Urk.
7/44/2-3).
3.2
Am 1
5.
September 2016 berichteten die
E._
-Ärzte, dass sie die Beschwerdefüh
rerin als durch die chronischen Schmerzen stark belastet erlebt hätten. Ätiolo
gisch gehe man derzeit von einer durchgemachten, lokalen Myelitis auf Höhe BWK 4/5 aus. Die Beschwerdeführerin beschreibe eine deutlich lokalisierte
Druck
dolenz
im Bereich des ventralen Rippenbogens und gebe im Liegen annähernd Schmerzfreiheit an. Sie berichte von regelmässiger Schwellung und von einem Gefühl der Wärme; diese Symptomatik habe im Untersuchungszeitraum nicht vorgelegen. Es müsse deshalb aber im Verlauf allenfalls noch eine weitere Bild
gebung zum Ausschluss einer Hernie oder einer anderen lokalen Pathologie
er
folgen
.
Man habe eine systematische Medikamentenaustestung vereinbart. Eine Psychotherapie habe bisher
nicht
stattgefunden, müsste aber in albanischer Spra
che erfolgen (
Urk.
7/58/5-13).
3.3
Am 3
1.
Oktober 2016
nannten
die
E._
-
ä
rzte (Klinik für Neurologie) als Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit chronische Schmerzen der
Thorax
wand
unklarer Zuordnung sowie eine
intramedulläre
Läsion Höhe
BWK
4/
5.
Zur
zeit habe man der Beschwerdeführerin Tramadol und
Gabapentin
verordnet und eine schmerztherapeutische Behandlung angeregt. Die Arbeitsunfähigkeit müsse gutachterlich abgeklärt werden. Im Vordergrund stünden permanente gürtelför
mige Schmerzen unterhalb des Rippenbogens links, die durch Bewegung und Be
lastung verstärkt würden. Ebenfalls habe die Beschwerdeführerin an der linken Ferse Schmerzen beim Berühren und Auftreten. Ausserdem bestehe eine depres
sive Reaktion. Diese Beschwerden würden sich durch eine verminderte Belastbar
keit bei der Arbeit auswirken. Der Verlauf der Schmerztherapie sollte abgewartet werden, wobei angepasste Tätigkeiten im Verlauf wieder möglich sein soll
t
en
(
Urk.
7/63)
.
3.4
Am
1.
März 2017 wurde die Beschwerdeführerin im Auftrag der SWICA
von
Dr.
F._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie und für Neurologie,
psychiatrisch-neurologisch begutachtet
(
bidisziplinäres
psy
chiatrisch-neurologisches Gutachten vom 2
2.
März 2017,
Urk.
7/75)
.
Im psychiatrischen Teilgutachten wurden keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt. Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfä
higkeit wurden genannt
:
(1) eine undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.41), dazu als Differentialdiagnose eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, sowie (2) ein Status nach aktenkundig dokumentierter Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt (ICD-10: 43.22) bei Status nach Auffahrunfall mit Frontalkollision am 1
3.
Juli 201
3.
Gegenwärtig bestehe keine psychiatrische Behandlung; Medikamente wür
den nicht eingenommen. Analog der Parameter der funktionellen Leistungsfähig
keit in Anlehnung an
den Mini-ICF-APP
bestünden allenfalls leichtgradige Stö
rungen der Aktivität und Partizipation, insbesondere im Bereich der Durchhalte
fähigkeit.
Im objektiven psychopathologischen Befund anlässlich der Untersuchung am
1.
März 2017 hätten keine psychopathologischen Auffälligkeiten bestanden. Ins
gesamt habe die Beschwerdeführerin nicht schmerzgequält gewirkt. Im Rahmen der Untersuchung hätten sich keine Beeinträchtigungen der Bewusstseinsklarheit und der Bewusstseinshelligkeit gezeigt. Auch
habe man
weder
Hinweise auf um
fassende und ausgeprägte kognitive Störungen
noch
auf
Auffas
s
ungs-, Gedächt
nis-, Merkfähigkeits-
oder
Aufmerksamkeitsstörungen gefunden.
Die Beschwer
deführerin sei während des ganzen Untersuchungsverlaufs immer aufmerksam gewesen und habe sich auf die gestellten Fragen und die rasch wechselnden The
men einstellen können. Der formale Gedankengang sei kohärent, stringent und im Tempo ungestört gewesen. Es seien keine krankheitswertigen inhaltlichen Denkstörungen und keine strukturellen Ich-Störungen feststellbar gewesen. Die Beschwerdeführerin habe während der Exploration eine breite Variation an emo
tionalen Qualitäten gezeigt. Die Stimmungslage sei unauffällig und ausgeglichen gewesen. Die soziale Teilnahme sei im privaten Bereich nicht eingeschränkt. Es hätten sich keine Hinweise auf entsprechende psychosoziale Probleme von be
sonderem Schweregrad gezeigt. In der Untersuchungs- und Beobachtungssitua
tion seien erhebliche Inkonsistenzen und ein ausgesprochen selbstlimitierendes Verhalten aufgefallen. Die Beschwerdeführerin erlebe sich durch ein subjektives Schmerzsyndrom insuffizient und im Selbstwertgefühl reduziert. Die diagnosti
schen Kriterien für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung seien nicht er
füllt. Aus psychiatrischer
Sicht
seien keine Hinweise vorhanden, die schwere De
fizite aufgrund eines Gesundheitsschadens und/oder eine Unzumutbarkeit zu de
ren Überwindung begründen könnten (zum Beispiel durch fehlende krankheits
bedingte Ressourcen und/oder durch eine fehlend
e Kapazität zur Verarbeitung inn
erpsychischer Konflikte). Die gutachterliche Konsistenzprüfung habe Hinweise
auf nicht im geklagten Umfang vorhandene Funktionsbeeinträchtigungen erge
ben. Es bestünden Diskrepanzen zwischen der subjektiv geschilderten Intensität der Beschwerden und der Vagheit der Beschwerden. Ebenfalls bestünden Diskre
panzen zwischen den massiven subjektiven Beschwerden und der erkennbaren körperlich-psychischen Beeinträchtigung in der Untersuchungssituation.
Auch hätten sich Inkonsistenzen gezeigt zwischen den eigenen Angaben und den fremdanamnestischen Informationen einschliesslich der Aktenlage. Insbesondere habe die Beschwerdeführerin trotz Nachfrage nach früheren psychischen Be
schwerden und Behandlungen keine korrekten Angaben gemacht.
Die
schwere subjektive Beeinträchtigung
stehe im Widerspruch
zum weitgehend intakten psy
chosozialen Funktionsniveau bei der Alltagsbewältigung. Schliesslich sei das Ausmass der geschilderten Beschwerden diskrepant zur bisherigen Inanspruch
nahme von therapeutischer Hilfe. Es erfolge keine medikamentöse Behandlung trotz des Ausmasses der geklagten Beschwerden. Zusammenfassend ergebe sich in Bezug auf die vorliegenden Befunde ein unschlüssiges, inkonsistentes Bild (Ak
tenlage, Eigenanamnese, Beobachtung, Untersuchungsbefunde, Selbsteinschät
zungsskalen).
In der Selbsteinschätzung erlebe sich die Beschwerdeführerin für alle Tätigkeiten auf dem Arbeitsmarkt als zu 100
%
arbeitsunfähig. Aufgrund der im Rahmen der aktuellen Exploration und Untersuchung erhobenen medizini
schen Befunde könne dieser Selbstbeurteilung nicht gefolgt werden. Sowohl in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit in der Gastronomie wie auch in allen anderen in Frage kommenden Tätigkeiten sei die Beschwerde
führerin zu 100
%
arbeitsfähig.
Dem neurologischen Teilgutachten ist zu entnehmen, dass auch hier keine Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden können. Nach einer ausführlichen Auseinandersetzung mit der Anamnese wurde berichtet, dass die Beschwerdeführerin in der neurologischen Untersuchung über diffuse Be
schwerden im Sinne von Schmerzen im Bereich der linken oberen Extremität, Schmerzen über Hautarealen der linken Schulter, entlang der Wirbelsäule, der linken Flanke bis zur medianen Begrenzung des linken Abdomens
und
darüber hinaus über belastungsabhängige Schmerzen im Bereich der linken Ferse geklagt habe. Eine Hypästhesie werde gegenwärtig verneint. Die Schmerzen, die vom Rücken kämen, würden laut Beschwerdeführerin nach vorne strahlen und zu Blockaden führen. Es würden diffuse Blockaden «quasi überall» vorgetragen. Zusätzlich werde auf Nachfrage von Kopfschmerzen ca. viermal pro Monat berichtet und eine Schmerzintensität von 8/10 angegeben. Die klinisch-neurologische Untersuchung habe keine Hinweise auf fokalneurologische Defizite ergeben, insbesondere seien die Pupillen
normoreaktiv
gewesen mit normaler
Okulomotorik
. Es fänden sich keine Hinweise auf einen pathologischen Nystag
mus. Es gäbe keine Hinweise für eine segmentale Muskelatrop
h
ie. Motorik und Tonus seien normal.
Ebenfalls bestünde keine Verminderung der allgemeinen Kraft und keine Paresen einzelner Muskelgruppen. Die Sensibilität sei allseits er
halten. Es lägen keine Koordinationsstörungen vor und auch die Tests nach
Lasègue
und
Bragard
s
eien beidseits negativ. Aktuell
befinde sich die Beschwer
deführerin in keiner neurologischen oder schmerztherapeutischen Behandlung. Die
aktenkundliche
MRI-Untersuchung vom 3
1.
März 2016 habe keine Verände
rung zur Voruntersuchung vom 1
7.
Februar 2016 ergeben. Die MRI-Untersuchung
des
Neurokraniu
ms
vom 1
3.
Mai 2016 habe einzelne, kleinste flaue punktförmige FLAIR-Hyperintensitäten lateral der
Radiatio
optiva
links ergeben, vermutlich ohne klinische Bedeutung. Die Lumbalpunktion vom 2
2.
April 2016 habe eine unauffällige Gesamtzellzahl ergeben. Empfohlen werde aus neurologi
scher Sicht eine symptomatische schmerzdistanzierende Therapie mit dreimaliger
Gabe von
Gabapentin
bis 900 mg p
ro Tag, gegebenenfalls die Behandlung mit
Lyrica
bis auf 300 mg pro Tag und die Behandlung mit
Duloxetin
und
im We
ite
ren die Behandlung mit dem Opi
oid-Analgetikum Tramadol. Die gegenwärtige
n,
von der Beschwerdeführerin vorgetragenen Beschwer
d
en seien auf neurologi
schem Fachgebiet nicht erklärbar. Die Beurteilung der Leistungsfähigkeit auf
grund der geklagten chronischen Schmerzen und funktionellen Auswirkungen stütz
e
sich u.a. auf das Studium der Versicherungsakte, die aktuelle Exploration, die klinisch-neurologische Untersuchung, die apparative Zusatzdiagnostik, die im Rahmen der Untersuchung veranlassten Labortests, insbesondere das Medika
menten-Screening, und die im Rahmen der Exploration und der fachärztlichen Untersuchung gewonnen
en
so genannten indirekten Indizien.
Diese beziehen sich insbesondere auf allgemeine Indizien (unbeobachtetes Gangbild, Schnelligkeit und Ablauf der Bewegungen, Mitschwingen der Arme, Spontanmotorik, spontane Kopfdrehungen, demonstrative Positionswechsel während der Untersuchung, keine entlastenden Körperbewegungen, speditives An- und Auskleiden), Indizien anhand des Tagesprofils, Indizien anhand der Schmerzschilderung sowie ergän
zende Indizien zum Ausschluss hirnorganischer Störungen. Aufgrund dieser hät
ten sich bei der Beschwerdeführerin Hinweise ergeben, dass die Beschwerden nicht im geklagten Umfang vorliegen. Die gutachterliche Konsistenzprüfung
habe
daher Diskrepanzen und Inkonsistenzen ergeben. Die Präsentation einer erhebli
chen Behinderung und die Aussage «ich kann überhaupt nicht mehr arbeiten» würden auf eine ausgesprochene Selbstlimitierung hinweisen und stünden nicht im Einklang mit der Verhaltensbeobachtung während der Exploration und Un
tersuchung. Mit dem erhobenen klinischen Befund seien diese nicht vereinbar und daher nicht plausibel. Bei der Beschwerdeführerin liege keine neurologische
Erkrankung vor, die geeignet wäre, das positive Leistungsbild mittel- und länger
fristig zu mindern. Auch aus neurologischer Sicht sei die Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten und jeder anderen Tätigkeit entsprechend ihren Ressour
cen voll arbeitsfähig. Aus
bidisziplinärer
Sicht könnten bis auf eine
am besten kognitiv ausgerichtete Verhaltenspsychotherapie zum Erlernen von positiven Coping-Strategien im Umgang mit chronischen Schmerzen keine weiteren medi
zinischen Massnahmen empfohlen werden. Es lägen folgende nicht versiche
rungsmedizinisch-relevante
n
psychosoziale
n
Belastungsfaktoren vor: Kündigung der Arbeitsstelle, finanzielle Schwierigkeiten, Migrationshintergrund, fehlende Sprachkenntnisse, fehlende Ausbildung.
3.5
Im Nachgang
zur Expertise
ergänzten
die Gutachter am
3.
April 2017, dass sich aufgrund der
stattgefundenen
elektrodiagnostischen Untersuchung keine neuen Aspekte ergeben hätten, die eine Arbeitsunfähigkeit begründen könnten (
Urk.
7/75).
3.6
Dem Bericht der
Radiologie G._
vom
9.
März 2017 ist zu entnehmen, dass im zeitlichen Verlauf seit dem 1
1.
Oktober 2016 die
intramedullär
gelegene in T2-hyperin
ten
se Läsion auf Höhe BWK 4/5 leicht zurückgegangen sei. Die bildmor
phologischen Veränderungen könnten gut zu einer durchgemachten und in Ab
heilung befindlichen Myelitis passen. Es bestünde kein Anhaltspunkt für ein aktuell entzündliches Geschehen. Bei Beschwerdepersistenz sei die Durchführung eines Schmerzkonsiliums bei
Dr.
H._
, Facharzt FMH für Anästhesiologie
,
zu empfehlen (
Urk.
7/79/7-8).
3.7
Am
1
3.
April 2017 berichtete
Dr.
H._
dass die Ursache der
Thoraxwand
schmerzen
weiterhin ungeklärt sei. Es bestü
nden Hinweise sowohl auf
myofasz
i
elle
als auch auf neuropathische Schmerzen. Wegen des Verdachts auf Fersen
sporn biete sich bei positiver Röntgendiagnostik eine Infiltration mit Steroiden bzw. eine Stosswellentherapie an (
Urk.
7/79/1-2).
3.8
Dem Verlaufsbericht von
Dr.
Y._
vom
7.
Juli 2017 ist zu entnehmen, dass der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin stationär sei bzw. sich ver
schlechtert habe. Als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
Y._
chronische
Thoraxwandschmerzen
und chronische linkssei
tige Wirbelsäulenschmerzen. Zudem habe sich der psychische Zustand aufgrund der Schmerzproblematik weiterhin verschlechtert. Die Arbeitsfähigkeit in der bis
herigen Tätigkeit sei ihm unklar, er müsste dazu das Arbeitsprofil kennen. Die Behandlung bei ihm finde alle vier Wochen statt. Durch Physiotherapie und psy
chiatrische Therapie (Schmerztherapie) könnte die Arbeitsfähigkeit verbessert werden (7/84/1-3).
3.9
Am
7.
Juli 2017 berichtete
Dr.
D._
, dass die Beschwerdeführerin vom 1
5.
Mai bis 1
6.
Mai 2014 Gruppentherapie in der Praxis von
Dr.
I._
besucht habe und zwischen dem
2.
und 3
0.
September 2014 Einzelpsy
chotherapie in der
Praxis J._
stattgefunden habe. Am 1
9.
Mai 2017 habe sich die Beschwerdeführerin erneut für Psychotherapie angemeldet. Diese finde in der
Regel einmal
pro Woche statt. Zum psychopatho
logischen Befund gab
Dr.
D._
an, dass keine Bewusstseins- oder Auffassungs
störungen
vorlägen
, wohl aber Konzentrations- und
Merkfähigkeitstörungen
. Im formalen Denken sei die Beschwerdeführerin sehr auf körperliche Symptome ein
geengt. Es gelinge ihr kaum
,
auf andere Themen zu sprechen zu kommen. Sie habe ein starkes Misstrauen gegenüber dem Medizinsystem (Ausnahme: Haus
arzt). Sie sei stark hypochondrisch. Gemäss ärztlicher Aussage sei abgesehen von einem Entzündungsherd im Bereich des Rückenmarks alles gut. Die Beschwerde
führerin habe aber eine
Karzinophobie
sowie Angst einen Herzschlag zu erleiden. Die körperlichen Symptome linksseitig unter dem Rippenbogen w
ü
rden ständig mit grosser Sorge und Angst beobachtet und deren Bedeutung überbewertet. Seit Februar 2016 seien mehrere ärztliche Untersuchungen erfolgt, die keine somati
sche Aufklärung des Symptomgeschehens gebracht hätten.
Krankheitsbefürch
tungen würden das Gespräch durchgehend prägen. Es best
ünden
wiederkehrende Gedanken mit Zwangscharakter. Es seien auch Phobien vorhanden, aber
ohne
negativen Einfluss auf den Lebensalltag. Gegenwärtig liege eine m
ittelschwere
Deprimiertheit
und
Affektlosigkeit
vor
. Die Beschwerdeführerin sei
in einer de
pressiven Stimmung mit Wut und Angst
fixiert. Es bestünden Störungen der Vitalgefühle, Hoffnungslosigkeit, Ratlosigkeit, innere Unruhe, Gereiztheit, stark ausgeprägte Hilflosigkeit, Verzweiflung sowie Schuld- und Insuffizienzgefühle. Sie sei mittelschwer antriebsarm.
Abends gehe es ihr etwas besser. Es liege ein starker sozialer Rückzug vor, teilweise sogar vo
n
den eigenen Kindern. Der Ehe
mann bestätige eine deutliche Aggressivität. Es bestünden auch Konflikte mit Fachärzten. Das Suizidrisiko sei eher klein. Die Beschwerdeführerin klage auch über Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten. Appetit und Sexualität seien deutlich vermindert. Objektiv sei keine genügende Krankheitseinsicht vorhanden.
Dr.
D._
leitete aus diesem Befund die folgenden Diagnosen ab: rezidivierende depressive Störung (gegenwärtig mittelgradig, ICD-10 F33.1); Verhaltensauffäl
ligkeiten im Zusammenhang mit andernorts klassifizierten Diagnosen (ICD-10 F54.-). Die Beschwerdeführerin weise Symptome weiterer Störungsbereiche auf (Hypochondrie, generalisierte Angststörung, posttraumatische Belastungsstö
rung). Für die Vergabe der einzelnen Diagnosen seien die Kriterien nach ICD-10 jeweils nicht erfüllt; diese müssten aber in der Therapie berücksichtigt werden.
Aufgrund der deutlichen Beeinträchtigung der Fähigkeiten, die auch bei der Aus
führung einfachster Arbeiten vorhanden sein müssen (Konzentrationsfähigkeit, Merkfähigkeit, Verlässlichkeit)
,
könne gegenwärtig von einer vollständigen Ar
beitsunfähigkeit ausgegangen werden. Zurzeit finde eine ambulante Psychothe
rapie mit Schwerpunkt auf kognitive Verhaltenstherapie
statt
. Zusätzlich w
ü
rden auch Methoden wie biopsychosoziale/körperbezogene Psychoedukation und Ent
spannungstechniken angewendet.
Je nach Verlauf müsse ein stationärer Aufent
halt in einer psychosomatischen Klinik in Betracht gezogen werden. In Zusam
menarbeit mit dem Hausarzt sei
Trittico
(50mg) angesetzt worden. Die Wirkung müsse noch abgewartet werden (
Urk.
7/85).
3.10
Am
9.
August 2017 nahm
Dr.
F._
zum Bericht von
Dr.
D._
Stellung
. Er führte an, dass die Beschwerdeführerin die anamnestischen Angaben
, die sich
im Bericht von
Dr.
D._
(Schulzeit, unglückliche Verheiratung,
Kriegserlebnisse, Schwangerschaftsabbruch) f
ä
nden, trotz Nachfrage im Rahmen der Exploration nicht gemacht habe. Er habe die Beschwerdeführerin mehrfach zu psychischen Beschwerden befragt, worauf diese verneint worden seien. Zum Zeitpunkt der Untersuchung habe laut Beschwerdeführerin keine psychiatrische Therapie statt
gefunden, weshalb auf erhebliche Diskrepanzen und Inkonsistenzen hinzuweisen sei. Auf psychiatrischem Fachgebiet lägen keine neuen Fakten vor. Bei den ge
stellten Diagnosen handle es sich nicht um fachärztliche Beurteilungen. Die Be
schwerdeführerin befinde sich trotz des Ausmasses und der Dauer der geltend gemachten Beeinträchtigungen in keiner fachärztlichen Behandlung. Weder seien die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung noch einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastungen nachvollziehbar. Eine erneute fachärztliche Beurteilung sei nicht erforderlich. Sollte sich die Beschwerdeführe
rin in Zukunft in eine fachärztliche Behandlung begeben und sollten sich Wider
sprüche im Hinblick auf die Beurteilung der Leistungsfähigkeit ergeben, sei erst nach Eingang einer entsprechenden fachärztlichen Stellungnahme gegebenen
falls eine erneute Beurteilung erforderlich. Die von der behandelnden Psycholo
gin gestellten Diagnosen seien nicht nachvollziehbar (
Urk.
7/90/3-10).
3.11
Am 1
5.
Dezember 2017 berichtete
Dr.
K._
,
Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
dass sich die Beschwerdeführerin seit dem 1
8.
Juli 2016 bei ihr in ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behand
lung befinde. Im Rahmen der Untersuchungen habe sie die Beschwerdeführerin als hoffnungslose, ausgeliefert wirkende, spürbar besorgte, leicht übergewichtige, erschöpfte Frau erlebt. Diese habe über Bedrücktheit, Gefühl von innerer Leere, mangelnde Lebensfreude mit Rückzugsverhalten, Antriebs- und Motivationsver
lust sowie Durchschlafstörungen mit Morgentief und Albträumen geklagt. Sie träume
davon, eine schwere Krankheit wie Krebs zu haben. Im Behandlungsver
lauf ergebe sich aufgrund des klinischen Eindrucks, der fundierten anamnesti
schen Angaben, der objektiven Befunde, der Fremdanamnese der Familie sowie der betreuenden Ärzteschaft,
d
er Schilderung der Symptomatik während des Be
handlungsverlaufs und der daraus resultierenden Alltagseinschränkungen die Kriterien für eine
chronifizierte
, ängstlich agitierte, gegenwärtig mittelschwer ausgeprägte Störung mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11) mit intermittie
renden Phasen von schwer ausgeprägten Symptomen im Rahmen einer Persön
lichkeitsakzentuierung mit misstrauischen Zügen gegenüber dem Medizinsystem (ICD-10 Z73.1
)
. Zudem lägen auch die Kriterien für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) vor. Bei ihr fänden alle drei bis vier Wochen Ge
spräche statt. Die aktuelle Psychopharmaka-Therapie beinhalte
Trittico
50 mg abends. Die Beschwerdeführerin könne zurzeit keine Arbeitstätigkeit ausüben. Aus rein psychiatrischer Sicht sei
sie
zu 100
%
arbeitsunfähig. Leistungsmin
dernde Faktoren seien: ausgeprägte Antriebsstörung, Schmerzen, verminderte Stresstoleranz, mangelnde Adaptions- und Umstellungsfähigkeit
. Kognitiv lägen Konzentrationsminderung und Vergesslichkeit vor. Durch die beschriebene Symptomatik resultiere eine rasche Erschöpfbarkeit bei minimaler Belastung und fehlendem Durchhaltevermögen.
Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin die Diagnose «Tumor» als hohe Belastung erlebt habe. Rückwirkend sei es aufgrund der falschen Diagnose trotz verschiedener unauffälliger Befunde zu einer
Chronifizierung
der klinischen Symptomatik gekommen. Die Beschwerdeführerin sei fest überzeugt und sehr auf die Schmerzen fixiert. Ebenfalls sei sie sicher, eine bösartige Krankheit zu haben, so dass von einer ungünstigen Prognose auszugehen sei. Neben der Schmerz
problematik habe die Beschwerdeführerin eine
chronifizierte
depressive Erkran
kung entwickelt mit ausgeprägten Insuffizienzgefühlen und Selbstzweifeln. Die psychische Belastbarkeit erscheine deutl
ich herabgesetzt (
Urk.
7/99/3-4
)
.
3.12
Dem Bericht von
Dr.
L._
, Facharzt FMH für Chirurgie,
vom 1
9.
April 2018 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin seit dem Autoun
fall im Jahr 2013 an anhaltenden Nacken- und Kopfschmerzen leide mit deutli
cher Bewegungseinschränkung der HWS sowie neuropsychologischen Beschwer
den mit erhöhter Ermüdbarkeit, Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit, ver
minderter Leistungsfähigkeit und verminderter Belastbarkeit. Seit Januar 2016 seien zunehmend unklare Beschwerden im Rücken im Bereich der linksseitigen
Thoraxwand
mit Ausstrahlung nach ventral aufgetreten. Zunächst sei ein mögli
cher
intramedullärer
Tumor diskutiert worden; diese Diagnose habe man verwor
fen und ein entzündliches Geschehen als Hauptdiagnose diskutiert. Die Beschwer
deführerin sei mehrmals auf der Neurologie am
E._
gewesen ohne Besserung der Beschwerden. Weder eine Therapie mit
Lyrica
(bis 300 mg),
Gabapentin
(bis 900 mg) noch eine antidepressive Therapie mit
Duloxetin
hätten eine Besserung ge
bracht. Physiotherapeutisch habe auch keine Besserung erzielt werden können. Die Beschwerdeführerin berichte
te
über dauerhafte chronische Schmerzen, die vom mittleren Rückenbereich bis
epigast
r
isch
am linken Thorax entlang zögen. Von Zeit zu Zeit würden die Schmerzen auch bis in den linken Fuss ausstrahlen.
Gestützt auf die bildgebende Untersuchung gab
Dr.
L._
an, dass die Be
schwerdeführerin an einer
demyelisierenden
Läsion der
Hinterstränge
auf Höhe BWK
4/5 links leide. Die Läsion befinde sich im Bereich der Schmerzbahnen, was auch die sehr starken Schmerzen und die immer wieder auftretenden Exazerba
tionen der Beschwerden erklären würde. Therapeutisch sollte eine Neurostimula
tion in Erwägung gezogen werden, was mit
Dr.
H._
abgesprochen werde (
Urk.
7/11
1
)
.
3.13
Am 2
0.
Juli 2018 liess die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin den Be
richt zur interdisziplinären Schmerzbehandlung im Zentrum
M._
vom 1
6.
Juli 2018 zukommen. Aus orthopädisch-chirurgischer und anästhesiologischer Sicht wurde im Wesentlichen angeführt, dass die Beschwer
deführerin 2013 einen Autounfall gehabt habe, anschliessend eineinhalb Jahre nicht mehr gearbeitet, dann wieder eine Tätigkeit in einem Restaurant aufgenom
men und nach fünf Monaten Schmerzen links thorakal bekommen habe, welche seit 2016 bis heute anhalten würden.
Die Rheumatests
und
die
MRI
-
und CT
-Aufnahmen
hätten ausser einer leichten S-förmigen Skoliose keine Hinweise auf eine relevante Pathologie ergeben.
Aus neurokognitiver Sicht leide die Beschwer
deführerin zunehmend unter Vergesslichkeit und Konzentrationsproblemen.
Aus psychosomatischer Sicht bestünden Schlafstörungen, Appetitzunahme mit Ge
wichtszunahme, Gedankenkreisen, Sinnlosigkeitsgedanken, Müdigkeit, Rückzug und Antriebslosigkeit. Die Beschwerdeführerin stehe zwischen 5 und 6 Uhr auf, trinke Tee, frühstücke selten und bringe die 11jährige Tochter zur Schule (ca. 200 m). Manchmal habe sie Besuch von Kolleginnen; im Sommer sitze sie auf dem Sitzplatz und spreche mit Leuten. Am Abend gehe sie manchmal mit den Kindern und dem Ehemann spazieren und um ca. 22 Uhr schlafen. Der Ehemann berichte, dass das Denken der Beschwerdeführerin seit dem Unfall sehr pessimistisch sei. Obwohl die Ärzte bestätigt hätten, dass sie keinen Tumor habe, habe sie doch ständig Angst davor, einen zu haben. Sie sei im Gegensatz zu früher reizbarer und aggressiver geworden. Aufgrund der Schmerzen könne sie den Haushalt nicht führen; seine Eltern und die grössere Tochter würden alles erledigen.
Die Ärzte berichteten, die eigenen körperlichen Fähigkeiten würden von der Be
schwerdeführerin subjektiv als sehr stark eingeschränkt wahrgenommen. Die Ar
beitsbelastungsfähigkeit sei aus Sicht der Beschwerdeführerin bei keiner Tätigkeit einzustufen. Bisher sei eine station
äre Behandlung 2015 in der Rehaklinik
N._
erfolgt, kurz eine ambulante Behandlung im Psychiatriezentrum
B._
und
seit 2017 bis heute
eine amb
ulante Behandlung bei
Dr.
K._
.
Z
usätz
lich erfolge
eine ambulante Behandlung im Zentrum
M._
.
Psychotherapie werde regelmässig zweimal im Monat mit motivationsfördernden Strategien zur Steigerung der körperlichen und sozialen Aktivität
durchgeführt
. Der sehr störende thorakale Schmerz sei wohl ein muskulärer Schmerz, der durch einen Chiropraktor behandelt werden könn
t
e, wobei ein entsprechender Versuch noch nie gemacht worden sei. Die medikamentöse Analgesie sei ungenügend, es werde eine Analgesie nach WHO-
Stufenschmea
II empfohlen. Aus psychiatrischer Sicht stehe nach wie vor die ausgeprägte Angst, einen Tumor zu haben, im Vor
dergrund. Die Beschwerdeführerin sei gegenüber Ärzten misstrauisch und lehne weitere Behandlungen vehement ab. Auch im Gespräch sei ein impulsives Ver
halten
mit
verringerter Impulskontrolle zu beobachten gewesen. Aufgrund der zunehmenden Ängste lasse sich ein
e
beginnende, spezifische Phobie vermuten. Die Fähigkeit
en,
in einer Gruppe zu agieren und Konflikte konstruktiv zu lösen, seien deutlich vermindert. Die Belastbarkeit und Anpassungsfähigkeit seien ver
ringert. Die Beschwerdeführeri
n weise äusserst pessimistische
Gedankeninhalte auf und habe Schwierigkeiten, sich von diesen zu lösen. Aus somatischer Sicht sei die Beschwerdeführerin in angepassten Tätigkeiten zu 50
%
arbeitsfähig. Auf
grund der depressiven Störung, den impulsiven Durchbrüchen und der Schwie
rigkeit, sich emotional zu kontrollieren
,
sowie unter Berücksichtigung ihrer Per
sönlichkeit sei die Beschwerdeführerin
aus anästhesiologischer, neurologischer und psychiatrischer Sicht
in jeglichen Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig.
Das Rehabilitationspotenzial wurde von den involvierten Ärzten als gering oder nicht vorhanden eingestuft
(
Urk.
7/116)
.
4.
Ein Vergleich der medizinischen Situation bis am
5.
Februar 2015 und
derjenigen im Zeitpunkt
der hier angefochtenen Verfügung vom 1
4.
August 2018 zeigt
we
der aus somatischer noch aus psychischer Sicht eine leistungsrelevante Verände
rung. So liegt aus somatischer Sicht bei der Beschwerdeführerin nach wie vor ein
chronifiziertes
zervikozephales
und vor allem
zervikothorakales
Schmerzsyndrom vor, für welches
in seinem Ausmass
trotz der zahlreichen bildgebenden und kli
nischen Untersuchungen wie schon im Rahmen der Verfügung vom
5.
Februar
2015 keine
genügende
organische Grundlage festgestellt werden konnte.
Zwi
schenzeitlich wurde für die von d
er Beschwerdeführerin neuerlich
angegebenen Schmerzen im linken
Thoraxbereich
ein Tumorverdacht geäussert, der aber wie
der verworfen wurde. Im
E._
wurde anschliessend festgestellt, dass bei der Be
schwerdeführerin chronische Schmerzen
an
der
Thoraxwand
vorlägen, die keiner Ursache
zugeordnet werden könnten. Ausserdem wurde eine
intramedulläre
Lä
sion auf Höhe BWK 4/5 genannt und Schmerzen in der linken Ferse angeführt. Im Rahmen der Begutachtung zuhanden des Krankentaggeldversicherers wurde angeführt, dass die angegebenen Schmerzen und Beschwerden neurologisch we
der bildgebend noch klinisch erklärbar seien. Es wurde auf erhebliche Diskrepan
zen und Inkonsistenzen hingewiesen. Aus dem Bericht der Radiologie
G._
vom
9.
März 2017 geht ferner hervor, dass sich die Myelitis in Abheilung befinde und keine Anhaltspunkte für ein entzündliches Geschehen vorlägen. Auch dem Bericht des
Zentrums
M._
vom
1
6.
Juli 2018 ist zu ent
nehmen, dass trotz der Schmerzen im linken
Thoraxbereich
weder im MRI,
noch im
CT
,
noch anlässlich der Rheumatests eine relevante Pathologie habe gefunden werden können. Damit
liegt bei der Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht nach wie vor ein
chronifiziertes
Schmerzsyndrom vor. Es sind
seit dem Februar 2015
insbesondere
keine neuen Beschwerden oder Diagnosen hinzugetreten, die sich
nachweislich
längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit auswirken
.
Auch wenn die Beschwerdeführerin eine Verschlechterung der psychischen Situ
ation geltend macht,
hat der
Psychostatus seit dem
5.
Februar 2015 keine
rele
vanten
Veränderungen erfahren.
Wie bereits nach dem Unfall im Jahr 2013 wer
den
bei der Beschwerdeführerin
von den behandelnden Ärzten nach wie vor eine pessimistische Grundstimmung,
depressive Symptome
, Antriebslosigkeit, erhöhte Ermüdbarkeit, Konzentrations- und Merkfähigkeitsprobleme, Schlafprobleme, ein gewisser sozialer Rückzug und verschiedene Ängste beschrieben.
Neu wurden ein gewisses Aggressionspotenzial und eine fehlende Impulskontrolle
der Beschwer
deführerin erwähnt;
diesen
Persönlichkeitsmerkmale
n
kann jedoch
kein selbstän
diger psychopathologischer Charakter zugemessen werden.
D
ie im wesentlichen unveränderte Symptomatik
wurde zwar
von den behandelnden Ärzten in Bezug auf das
vorhandene
Leistungspoten
z
ial negativer interpretiert als
damals durch den
RAD
. Ebenfalls weicht ihre
Arbeitsunfähigkeitsschätzung
von
derjenigen
im SWICA-Gutachten
ab. Dies
ist
angesichts
der
mit dem
Behandlungsauftrag ver
bundenen Optik
der therapeutisch tätigen (Fach-)Personen
verständlich, vermag aber für
die
Klärung der
hier vorliegende
n
Streitfrage
nichts beizutragen. Denn entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin handelt es sich hierbei lediglich um eine unterschiedliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei im Wesentlichen
gleichgebli
ebener
Befundlage
, was im Rahmen der hier zu beurteilenden Neuan
meldung nicht beachtlich ist (vgl. Urteil 8C_133/2013 vom 2
9.
Mai 2013 E. 4.1).
5.
Zusammengefasst
hat sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
damit
nicht anspruchserheblich verändert, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). In diesem Fall sind die Kosten auf 600.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der un
terliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.