Decision ID: 2307084d-e2b8-4a2d-930e-037b1ad7d609
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1955, meldete sich am 1
9.
August 2019 bei der Stadt
Z._
,
Durchführungsstelle für Zusatzleistungen zur AHV/IV
, zum Bezug von Zusatzleistungen an. Mit Verfügung vom 2
0.
August 2019 (
Urk.
12/1 S. 2 f.) lehnte diese das Gesuch infolge mangelnder Zuständigkeit ab und verwies die Versicherte ans Sozialversicherungszentrum Thurgau.
Am 2
3.
August 2019 (eingegangen am 2
6.
August 2019) meldete sich die Versi
cherte daher beim Sozialversicherungszentrum Thurgau zum Bezug von Zusatz
leistungen an (
Urk.
12/2
S. 1-6
). Mit Verfügung vom 2
9.
August 2019 (
Urk.
12/5) trat das Sozialversicherungszentrum Thurgau unter Hinweis auf die mangelnde kantonale Zuständigkeit nicht auf die Anmeldung der Versicherten ein. Die dagegen von der Versicherten erhobene Einsprache (
Urk.
12/12) wies das Sozial
versicherungszentrum Thurgau mit
Einspracheentscheid
vom 2
5.
Mai 2020 (
Urk.
12/26 =
Urk.
2) ab.
2.
Die Versicherte erhob am 1
8.
Juni 2020 Beschwerde gegen den
Einspracheent
scheid
vom 2
5.
Mai 2020 (
Urk.
2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und das Sozialversicherungszentrum Thurgau sei
zur Ausrichtung von Ergänzungsleis
tungen
zu verpflichten
(
Urk.
1 S. 1).
Das Sozialversicherungszentrum Thurgau beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
7.
August 2020 (
Urk.
11) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 1
8.
August
2020
zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
13).
Mit Verfügung vom 1
7.
Juni 2021 (
Urk.
14) wurde die Stadt
Z._
, Durch
führungsstelle für Zusatzleistungen zur AHV/IV, zum Prozess beigeladen und gleichzeitig
wurden
deren Akten in Sachen der Beschwerdeführerin beigezogen. Die Stellungnahme der Beigeladenen vom
7.
Juli 2021 (
Urk.
16) wurde den übri
gen Verfahrensbeteiligten am 1
2.
Juli 2021 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
18).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am
1.
Januar 2021 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) sowie der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlas
senen- und Invalidenversicherung (ELV) in Kraft getreten. Gemäss den allgemei
nen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu
Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechts
folgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Der angefochtene
Einspracheentscheid
ist am 2
5.
Mai 2020 und somit vor Inkrafttreten der neuen Bestimmungen ergangen. Folglich finden die bis 3
1.
Dezember 2020 gültig gewesenen Normen
auf den vorliegenden Fall Anwendung und we
rden in dieser Fassung zitiert.
1.2
Der Bund und die Kantone gewähren Personen, welche die gesetzlichen Voraus
setzungen nach Art. 4-6
ELG
erfüllen, Zusatzleistungen zur Deckung ihres Exis
tenzbedarfs (Art. 2 Abs. 1 ELG).
Zuständig für die Festsetzung und die Auszahlung der Ergänzungsleistung ist der Kanton, in dem der Bezüger Wohnsitz hat (Art. 21 Abs. 1 Satz 1 ELG). Der Wohn
sitz einer Person bestimmt sich gemäss Art. 13 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
nach Art. 23-26 des Zivilgesetzbuches (ZGB).
1.3
Nach Art. 23 Abs. 1
Teilsatz
1 ZGB befindet sich der Wohnsitz einer Person an dem Ort, wo sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält. Für die Begründung eines Wohnsitzes müssen somit zwei Merkmale erfüllt sein: ein objektives äusseres, der Aufenthalt, sowie ein subjektives inneres, die Absicht dauernden Verbleibens, wobei dieses Element aufgrund von erkennbaren Umstän
den objektiv bestimmt werden muss. Zu diesen Umständen zählen die Erwirkung einer Niederlassungsbewilligung, die unangefochtene Inanspruch
nahme der Steuerhoheit, die einwohnerrechtliche Registrierung, die polizeiliche Anmeldung beziehungsweise die Schriftenhinterlegung und die tatsächlichen Wohnverhältnisse. Es geht regelmässig um die Klärung der Frage, wo im konkre
ten Fall der Lebensmittelpunkt liegt (Ueli
Kieser
, Kommentar zum Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, 4. Auflage, Zürich/
Basel/Genf
2020, Art.
1
3 N 16 f. mit Hinweisen).
Der Aufenthalt zum Zweck der Ausbildung oder die Unterbringung einer Person in einer Erziehungs- oder Pflegeeinrichtung, einem Spital oder einer Strafanstalt begründet gemäss Art. 23 Abs. 1
Teilsatz
2 ZGB für sich allein keinen Wohnsitz. Die Unterbringung ist eine Einweisung durch Dritte, die nicht aus eigenem Willen erfolgt. Keine Unterbringung ist der freiwillige, selbst bestimmte Eintritt einer urteilsfähigen Person in eine Anstalt. Wird dadurch der Lebensmittelpunkt in die Anstalt verlegt, wie beispielsweise bei einem Pflegeheim, so begründet dies einen Wohnsitz (vgl. Daniel
Staehelin
in: Basler Komm
entar Zivilgesetzbuch I, 6. Auf
lage, Basel 2018, Art. 23 N 19h).
Gemäss Art. 24 ZGB bleibt der einmal begr
ündete Wohnsitz einer Person be
ste
hen bis zum Erwerb eines neuen Wohnsitzes (Abs. 1). Ist ein früher begründeter Wohnsitz nicht nachweisbar oder ist ein im Ausland begründeter Wohnsitz auf
gegeben und in der Schweiz kein neuer begründet worden, so gilt der Aufent
haltsort als Wohnsitz (Abs. 2).
1.4
Ungeachtet des dargelegten zivilrechtlichen Grundsatzes, wonach mit dem selbst
bestimmten Eintritt in eine Institution Wohnsitz begründet werden kann, bestimmt
Art. 21 Abs. 1 Satz 2 ELG,
dass der Aufenthalt in einem Heim, einem Spital oder einer anderen Anstalt keine neue Zuständigkeit begründet. In diesem Bereich hat der Gesetzgeber somit eine Regelung getroffen, bei welcher - ähnlich wie im Fürsorgebereich - der zivilrechtliche Wohnsitz und die Zuständigkeit für die Festsetzung und die Auszahlung der (Ergänzungs-)Leistung auseinanderfallen können (vgl. BGE 142 V 67 E. 3.2 mit Hinweisen). Der Kanton, in dem die Person ihren Wohnsitz vor der neuen Unterbringung hatte, bleibt weiterhin zuständig. Dies gilt auch dann, wenn die Person am Ort des Heimes, Spitals usw. einen neuen Wohnsitz begründet oder wenn der EL-Anspruch erst bei Beginn oder im weiteren Verlauf des Heimaufenthaltes entsteht (
vgl. Wegleitung über die Ergänzungsleis
tungen zur AHV und IV,
WEL
,
gültig ab
1.
April 2011,
Stand
1.
Januar 2020
,
Rz
1310.02).
1.5
Als Heim
im
Bereich der Ergänzungsleistung
gilt jede Einrichtung, die von einem Kanton als Heim anerkannt wird oder über eine kantonale Betriebsbewilligung verfügt (
Art.
9
Abs.
5
lit
. h ELG im Verbindung mit
Art.
25a
Abs.
1 ELV).
Die Begriffsbestimmung von
Art.
25a
Abs.
1 ELV ist bundesrechtskonform (BGE 139 V 358). Sie entbindet Durchführungsstellen und Gerichte von schwierigen Abgren
zungsfragen, indem sich die genannten Behörden an das rein formelle Kriterium einer kantonalen Heimanerkennung oder einer kantonalen Betriebs
bewilligung als Heim zu halten haben
(BGE 141 V 255 E. 3.1
).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner hielt im angefochtenen
Einspracheentscheid
(
Urk.
2)
im Wesentlichen
fest,
die Beschwerdeführerin habe
durch ihren
Umzug
am
1.
Februar 2012 einen neuen zivilrechtlichen Wohn
sitz im Kanton Zürich begründet. Aus den Akten gehe hervor, dass
das Altersheim A._ in Z._
bereits vor der
Löschung der
Betriebsbewilligung am
8.
April 2019 keinen Heimcharakter mehr aufgewiesen habe
und spätestens seit dem Jahr 2018 nicht (mehr) als Altersheim zu qualifizieren sei. Es habe faktisch seit
dem Bezug der Wohnung im A._
im Februar 2012 einzig ein Mietver
hältnis vorgelegen. Die Räumlichkeiten
von
A._
seien folglich nicht als Heim
zu qualifizieren, weshalb
Art.
21
Abs.
1 Satz 2 ELG nicht zur A
nwendung gelange. Ungeachtet dessen sei festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin Ende Februar 2019 aus der Wohnung im
A._
ausgezogen und während wenigen Tagen obdachlos gewesen sei, womit die Kette von Heim- oder Spitalaufenthalten
seit dem Wegzug aus B._
in jedem Fall unterbrochen worden sei.
Die örtliche kantonale Zuständigkeit ergebe sich deshalb spätestens ab März 2019
aufgrund des Wohnsitzprinzips.
Für die Festsetzung und Auszahlung von Ergän
zungsleistungen sei folglich der Kanton Zürich
örtlich
zuständig (S. 3 ff.).
2
.2
Demgegenüber stellte sich die
Beschwerdeführer
in
im Wesentlichen
auf den Standpunkt (
Urk.
1),
sie sei am
1.
Februar 2012 von B._
ins Altersheim
A._
in
Z._
gezogen
.
I
m Zeitpunkt des Ein
zugs
habe dieses Altersheim
über eine Heimbewilligung verfügt und sei als Altersheim anerkannt gewesen. Es
sei auch auf der Alters- und Pflegeheimliste der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich als Altersheim aufgeführt gewesen.
Die Löschung der Betriebs
bewilligung zur Führung eines Altersheimes sei erst mit Verfügung vom
8.
April 2019 vorgenommen worden. Zu diesem Zeitpunkt
sei
sie allerdings
bereits nicht mehr im Altersheim
A._
wohnhaft gewesen
.
Nach dem Auszug aus dem Altersheim
A._
sei sie während wenigen Tagen obdachlos gewesen, bevo
r sie in die Psychiatrische Klinik C._
eingewiesen worden
sei. Weder die Obdachlosigkei
t noch der Aufenthalt in der C._
würden einen neuen Wohnsitz begründen. Es sei Tatsache, dass das Altersheim
A._
sowohl im Zeitpunkt des Heimeintritts als auch des
Heim
austritts über eine Heimbewilligung verfügt habe und diese erst später entzogen worden sei.
Dabei sei unerheblich, ob das Altersheim das Zimmer gemäss einem Mietvertrag oder mit Heimtaxen in Rechnung stelle.
Wed
er der Heimeintritt ins Altersheim
A._
noch
die
kurze
Obdachlosigkeit, der Aufenthalt
in der C._
oder der spätere Heimeintritt ins Alter
s
-
und Pflegeheim D._
hätten einen neuen Wohnsitz begrün
det. Der Beschwerdegegner sei daher für die Ausrichtung der Zusatzleis
tungen zuständig (S. 1 f.).
2.3
Die Beigeladene hielt im W
esentlichen fest (
Urk.
16)
,
die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich habe die Betriebsbewilligung des Altersheims
A._
mit Mit
teilung vom
8.
April 2019
per sofort aufgehoben. Bis
zu diesem Zeitpunkt
sei das Altersheim
A._
auf der Heimliste des Kantons Zürich gelistet und somit offiziell als Altersheim anerkannt gewesen. Es liege nicht im Zuständigkeits
bereich der Durchführungsstellen Betriebsbewilligungen, welche die Gesundheits
direktion erteilt habe, zu hinterfragen. Die Beschwerdeführerin sei am
1.
Februar 2012 von B._
ins Altersheim
A._
in
Z._
eingetreten. Danach sei sie wenige Tage obdachlos gewesen
,
bevor sie
in die
C._
einge
wiesen worden
sei
. Per 2
3.
Mai
2019 sei sie
so
dann ins
Alters- und Pflegeheim D._
eingetreten. Weder der Aufenthalt im Altersheim
A._
noch
die Obdach
losig
keit, der Aufenthalt in der C._
oder
der aktuelle Aufenthalt im Alters
- und Pflege
heim D._
hätten einen neuen Wohnsitz begrün
det. Dieser liege in B._
. Der Beschwerdegegner sei
somit
für die Festsetzung und Ausrichtung der Ergänzungsleistungen zuständig (S. 2 f.).
2.4
Strittig und zu prüfen ist die Zuständigkeit zur Ausrichtung von Zusatzleistungen an die Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Vorab stellt sich
– bei einem angefochtenen
Einspracheentscheid
des Kantons Thurgau
–
die Frage der örtlichen Zuständigkeit des hiesigen Gerichts zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde.
Nach
Art.
58
Abs.
1 ATSG ist das Ver
sicherungsgericht desjenigen Kantons zuständig, in dem die versicherte Person oder der Beschwer
d
e führende Dritte zur Zeit der Beschwerdeerhebung Wohnsitz
(im zivilrechtlichen Sinn, vgl.
Kieser
, a.a.O.,
Art.
58 N 7)
hat. Das ELG enthält keine Regelung zur örtlichen Zuständigkeit, weshalb
Art.
58
Abs.
1 ATSG anwend
bar ist (vgl. dazu das Urteil des Bundesgerichts 9C_260/2018 vom 1
8.
Dezember 2018, wonach keine Lücke anzunehmen und eine abweichende Regelung nicht zulässig ist).
3.2
Di
e Beschwerdeführerin lebt seit dem 2
3.
Mai 2019 im Alters
- und Pflege
heim D._
(vgl. Pensions- und Pflegevertrag vom 1
8.
Mai 2019 in
Urk.
12/2
/
30 f.
), begründete dort allerdings keinen zivilrechtlichen Wohnsitz.
Denn
der Pensions- und Pflegevertrag wurde nicht durch die Beschwerdeführerin selbst, sondern durch den im Mai 2019 eingesetzten Beistand unterschrieben, welcher gemäss Entscheid der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB)
Z._
vom
7.
Mai 2019 (
Urk.
3/1) unter anderem für eine geeignete Wohn
situation beziehungsweise Unterkunft besorgt sein muss und die Beschwerde
füh
rerin bei allen in diesem Zusammenhang erforderlichen Handlungen umfas
send vertritt.
Ein freiwilliger, selbst bestimmter Eintritt in das Alters- und Pfle
geheim D._
ist daher nicht anzunehmen
, sondern vielmehr eine Unter
bringung durch Dritte, w
omit kein zivilrechtlicher Wohnsitz begründet wurde (
Art.
23
Abs.
1
Teilsatz
2 ZGB
; vgl. auch
Staehelin
, a.a.O.,
Art.
23 N 19h
).
Der zivil
rechtliche Wohnsitz der Beschwerdeführerin befindet sich demnach
aktuell
weiterhin in
Z._
(vgl. zur
Wohnsitz
begründung
in
Z._
die nach
stehenden Ausführungen in E. 4.3
; vgl. zudem auch
den
Aufenthaltsausweis des Einwohneramtes der Stadt
Z._
vom
5.
Juni 2019 in
Urk.
12/2
/
26 sowie
die
Telefonnotiz vom
8.
Mai 2020 in
Urk.
12/19
).
3.3
A
m 1
8.
Juni 2020 (Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung
,
Urk.
1
)
hatte die Beschwer
deführerin
demnach
zivilrechtlichen
Wohnsitz im Kanton Zürich. Die Ausnahmebestimmung des
Art.
21
Abs.
1 ELG bezieht sich nur auf die Zustän
digkeit für die Festsetzung und die Auszahlung der Ergänzungsleistungen und ist somit in Bezug auf die örtliche Zuständigkeit des Versicherungsgerichts nicht anwendbar. Damit ist die Zuständigkeit des hiesigen Gerichts zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde gegeben.
4.
4.1
Die kantonale Zuständigkeit für die Festsetzung und die Auszahlung der Ergän
zungsleistungen wird ebenfalls an den zivilrechtlichen Wohnsitz der
bezugsbe
rechtigten
Pe
rson geknüpft (vorstehend E. 1.2
).
4.2
Diesbezüglich
ist aktenkundig
, dass
die Beschwerdeführerin am
1.
März 2010
von E._
nach B._
gezogen ist und sich dort per 3
1.
Januar 2012
mit Wegzug
nach
Z._
abgemeldet hat (vgl.
Urk.
17/69/3).
Am
1.
Februar 2012 zog sie ins Altersheim
A._
in
Z._
(
vgl.
Urk.
12/15;
Urk.
12/19
).
Gemäss Pensionsvertrag vom 1
3.
Januar 2012 (
Urk.
12/21 S. 2 ff.) begann der Pensionsvertrag und damit das Mietverhältnis am
1
3.
Januar 2012
(vgl. S. 2
Ziff.
4)
.
Dort blieb die Beschwerdeführerin bis zur
Kündigung per 2
8.
Februar 2019
wohnhaft
(vgl. Kündigungsschreiben vom 2
3.
Januar 2019,
Urk.
12/24 S. 2)
.
Anhand der vorhandenen Akten kann nicht abschliessend beurteilt werden, an welchem Tag die Beschwerdeführerin
effektiv
ausgezogen ist. Die Wohnungsübergabe erfolgte am
6.
März 2019 (
Urk.
17/5/1).
Nach Lage der Akten
war die Beschwerdeführerin
nach der Beendigung des Miet
verhältnisses
einige Tage
obdachlos
,
b
evor
sie von der Polizei
auf dem Gelände der Wohnung
aufge
griffen wurde. Der
daraufhin
aufgebotene
Notfallpsychiater
ordnete
eine Fürsorgerische Unterbringung (FU)
an
und die Beschwerdeführerin
wurde
in die C._
eingeliefert (vgl.
Urk.
12/21 S. 6).
Vom
9.
März bis 2
3.
Mai 2019 war d
ie Beschwerdeführerin in der C._
(vgl.
E
-M
ail vom 1
1.
September 2019 in
Urk.
12/8
) und trat
p
er 2
3.
Mai
2019
nahtlos
in das
Alters
- und Pflege
heim D._
ein (vgl. Pensions- und Pflegevertrag vom 1
8.
Mai 2019 in
Urk.
12/2 S. 30 f.).
4.3
Z
wischen den Parteien
ist
unbestritten, dass die Beschwerdeführ
erin im März 2010 in B._
einen zivilrechtlichen Wohnsitz begründet hat
, weshalb sich weitere Ausführungen hierzu erübrigen. Im Februar 2012 zog die Beschwerde
führerin
sodann
ins Altersheim
A._
in
Z._
.
Dabei
liegen keine Hin
weise vor,
wonach
dieser Heimeintritt nicht
selbstbestimmt und
freiwillig erfolgt wäre. Die Beschwerdeführerin unterschrieb den
unbefristeten
Pensionsvertrag vom 1
3.
Januar 2012
eigenhändig
(vgl.
Urk.
12/21 S. 2 ff.)
und
liess
sich in
Z._
nieder (vgl.
Urk.
12/2 S. 26;
Urk.
12/19)
. Somit ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin durch den selbstbestimmten Eintritt in das Alters
heim
A._
ihren Lebensmittelpunkt ins Heim verlegte und damit in dessen Standortgemeinde
Z._
aus rein zivilrechtlicher Optik
einen neuen Wohn
sitz gemäss
Art.
23
Abs.
1 ZGB begründete
(vorstehend E. 1.3)
.
Im weiteren Verlauf hat die Beschwerdeführerin
s
chliesslich
keinen neuen zivil
rechtlichen Wohnsitz mehr begründet.
Weder d
ie
ku
rzzeitige
Obdachlosigkeit
noch
der mittels FU angeordnete
Aufenthalt in der C._
vermög
en gestützt auf
Art.
23
Abs.
1
Teils
atz
2 ZGB
einen zivilrechtlichen Wohnsitz
zu begründen (vor
stehend E. 1.3
).
Auch
mit dem
derzeitige
n
Aufenthalt im
Alters- und Pflegeheim D._
wurde
– wie zuvor schon ausgeführt (vorstehend E. 3.2) -
kein neuer
zivilrechtlicher
Wohnsitz
begründet
.
I
m Zeitpunkt
der Anmeldung zum Bezug von Ergänzungsleistungen (August 2019) war
der zivilrechtliche Wohnsitz der Beschwerdeführerin
demnach in
Z._
.
4.4
Es stellt sich nun die Frage, ob aufgrund der Bestimmung von
Art.
21
Abs.
1 Satz 2 ELG der zivilrechtliche Wohnsitz und die Zuständigkeit für die Festsetzung und
die Auszahlung der Ergänzungsl
eistung
en
auseinanderfallen (vorstehend E. 1.4).
Der Verein
F._
verfügte seit dem 1
7.
April 1997
und damit sowohl im Zeitpunkt des Eintritts der Beschwerdeführerin
ins Altersheim
per
1.
Februar 2012 als auch im Zeitpunkt der Kündigung per Ende Februar 2019 über eine Betriebsbewilligung der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich zur Führung eines Altersheims (ohne Pflege), welche erst per
8.
April 2019 gelöscht wurde (vgl. Verfügung der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich vom
8.
April 2019,
Urk.
12/7;
vgl. auch
Urk.
12/22 S. 169 f.). Auch ergibt sich, dass das Altersheim
A._
auf der kantonalen Alters- und Pflegeheimliste aufgeführt war (
Urk.
12/9). Somit erfüllte das Altersheim
A._
bis zum
8.
April 2019 die mass
gebenden Voraussetzungen im Bereich der Ergänzungsleistungen zur
Bestim
mung
als Heim (vorstehe
nd E. 1.5). Es gibt keinen Anlass
, um von dieser klaren gesetzlichen Regelung und einheitlichen Begriffsbestimmung abzuwei
chen. Die vom Beschwerdegegner geltend gemachten Umstände hinsichtlich der geplanten Entziehung der Betriebsbewilligung sowie des Abschlusses eines Miet
vertrages
(vgl.
Urk.
2 S. 3 ff.) sind bei der vorliegenden Beurteilung des
Bestehens
eines Heimes
im Bereich der Ergänzungsleistungen
nicht massgebend.
Aufgrund des Heimcharakters des Altersheims
A._
wurde
demnach
trotz zivilrecht
lichem Wohnsitz
der Beschwerdeführerin
in
Z._
mit dem Einzug ins Altersheim
dort
keine neue Zuständigkeit für die Festsetzung und die Auszahlung der Ergänzungsleistungen begründet und der Kanton, in dem die Person ihren Wohnsitz zuvor hatte,
wäre
weiterhin zuständig (vorstehend E. 1.4). Dieser
Wohnsitz
befand sich unbestrittenermassen im Kanton Thurgau.
4.5
Allerdings ist mit dem Beschwerdegegner festzu
halten
(vgl.
Urk.
2 S. 5), dass mit dem Auszug der Beschwerdeführerin aus dem Altersheim
A._
Ende Februar 2019 und der darauffolgenden kurzzeitigen Obdachlosigkeit die
Regelung gemäss
Art.
21
Abs.
1 Satz 2 ELG mangels Aufenthalt der Beschwerdeführerin in einem Heim, einem Spital oder einer anderen Anstalt in diesem Zeitpunkt
nicht mehr einschlägig war und
sich die Zuständigkeit für die Festsetzung und die Auszah
lung der Ergänzungsleistungen
daher in
dieser kurzen Zeitspanne
einzig
nach dem Wohnsitzprinzip gemäss
Art.
21
Abs.
1 Satz 1 ELG bestimmt
e
.
Denn es sind keine Anzeichen dafür erkennbar, dass die Beschwerdeführerin - selbst bei im Zeitpunkt der Obdachlosigkeit möglicherweise herabgesetzter Urteilsfähigkeit, an die jedoch in diesem Zusammenhang keine strengen Anforderungen gestellt werden dürfen (
Carigiet
/Koch, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV,
3.
Auflage, S.
113
Rz
288)
-
in diesem Zeitpunkt ihren Lebensmittelpunkt
im Sinne eines Weg
zugs von
Z._
geändert hätte
, wurde sie doch auf dem Gelände der ehema
ligen Wohnung aufgegriffen
.
Der zivilrechtliche Wohnsitz der Beschwerde
füh
rerin verblieb in der Zeit der Obdachlosigkeit
deshalb
weiterhin in
Z._
.
Demnach ging
im März 2019 die Z
uständigkeit von B._
(Kanton Thurgau) auf
Z._
(Kanton Zürich)
über, woran die nachfolgenden Spital- und Heimaufenthalte nichts mehr änderten.
Aufgrund der übergangsrechtlichen Regeln (vgl. vorstehend E. 1.1) findet
auch
Art.
21
A
bs.1
quater
ELG,
wonach
der Wohnsitzkanton zuständig ist, in dem die Person vor Eintritt in das Heim oder die Einrichtung Wohnsitz hatte, wenn eine Person am Standort des Heims oder der Einrichtung neuen Wohnsitz begründet, keine Anwendung.
4.6
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass d
ie Beschwerdeführerin mit dem Um
zug
von B._
(Kanton Thurgau)
nach
Z._
(
Kanton Zürich
)
im Februar 2012
einen
neuen
zivilrechtlichen
Wohnsitz begründet
und diesen in der Folge
nicht mehr aufgegeben
hat.
Da sich die Beschwerdeführerin dort allerdings zunächst in einem Heim gemäss
Art.
25a
Abs.
1 ELV
aufhielt
, verblieb die Zustän
digkeit
im Bereich der Ergänzungsleistungen
vorerst beim Beschwerde
gegner
(vorstehend E. 1.4)
.
Aufgrund der
nach dem Auszug aus dem Altersheim
A._
kurzzeitigen
Obdachlosigkeit
im März 2019 und des Umstandes, dass sich die Beschwerdeführerin somit nicht mehr in einem Heim, einem Spital oder einer anderen Anstalt gemäss
Art.
21
Abs.
1 Satz 2 ELG aufhielt, ging die Zuständigkeit für die Festsetzung und Auszahlung der jährlichen Ergänzungs
leistungen in
diesem Zeitpunkt auf die Wohnsitzgemeinde
Z._
über
und bestand auch im
Zeitpunkt der Anmeldung zum Bezug von Ergänzungsleistungen
(August 2019
).
Der Beschwerdegegner trat folglich zu Recht nicht auf das Leis
tungsgesuch der Beschwerdeführerin ein.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.