Decision ID: f51ff252-693f-5f9f-ab94-1f0e8ff73b66
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Das Grundstück Nr. 0000_, Grundbuch X._/Grundbuchkreis Q._, Y._-strasse
002_, steht im Eigentum von F._. Es ist aktuell mit einem Einfamilienhaus bebaut und
ist mit einer Zufahrt ab der nördlich des Grundstücks liegenden Y._-strasse, eine
Gemeindestrasse 2. Klasse, erschlossen. Die Y._-strasse ist von Richtung Ost nach
West abfallend. Auf der Y._-strasse herrscht ein Verkehrsregime mit Tempo 30 km/h.
Die auf Grundstück Nr. 0000_ bestehende Zufahrt zum Wohngebäude liegt an der
östlichen Grundstücksgrenze (angrenzend zu Grundstück Nr. 0001_) und weist heute
eine Breite von rund 3,4 m bzw. 5,7 m (Einfahrtsbereich) auf (gemessen in: Geoportal,
Karte "Amtliche Vermessung", Bodenbedeckungsfläche, einsehbar unter:
www.geoportal.ch). Die Sicht aus der Zufahrt ist durch beidseitige Bepflanzungen
eingeschränkt (vgl. dazu streetview, einsehbar unter: www.google.ch/maps; vgl. auch
Geoportal Karte "Orthofoto 2019" sowie Beilage zu act. 21 der vorinstanzlichen Akten
zu Verfahren Nr. 18-7222 [nachfolgend vi.-act. [Verfahrensnummer]], vi-act. 32
[18-7323], vi-act. 30 [18-7324], Foto "Y._-strasse. 17/21").
B.
Nach Durchführung eines Vorverfahrens (vgl. vi.-act. 12 [18-7323] Beilagen 14 bis 30)
nach Art. 91 f. des damals geltenden kantonalen Baugesetzes (BauG; nGS 8, 134)
reichte F._ bei der städtischen Baukommission ein (undatiertes) Baugesuch
(Baugesuch-Nr. 55415) ein für den Abbruch des bestehenden Einfamilienhauses und
den Neubau von zwei Mehrfamilienhäusern mit Tiefgarage (vgl. act. 54 der Akten der
Baubewilligungskommission der Politischen Gemeinde X._ [nachfolgend gmde.-act]).
Das Gesuch ging bei der Baubewilligungskommission am 28. November 2017 ein (vgl.
gmde.-act. 54). Während der Auflagefrist erhoben u.a. C._ sowie D._, beide jeweils
vertreten durch Rechtsanwalt Thomas Frey, St.Gallen, sowie A._ und B._, vertreten
durch Rechtsanwalt Dr. Markus Neff, St.Gallen, öffentlich-rechtliche bzw.
privatrechtliche Einsprachen. Die Baukommission der Stadt X._ wies mit Beschluss
vom 10. August 2018 die Einsprachen ab bzw. verwies sie, soweit (auch)
privatrechtliche Einsprachen erhoben wurden, an den Zivilrichter und erteilte F._ die
Baubewilligung unter diversen Auflagen und Bedingungen. Gegen den sie betreffenden
Beschluss erhoben je für sich A._ und B._ am 6. November 2018 (Verfahren
Nr. 18-7222) sowie C._ am 9. November 2018 (Verfahren Nr. 18-7323) und D._
ebenfalls am 9. November 2018 (Verfahren Nr. 18-7324) durch ihre Rechtsvertreter
B.a.
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Rekurs beim Baudepartement (heute: Bau- und Umweltdepartement; vgl. XV.
Nachtragsgesetz zum Geschäftsreglement der Regierung und der Staatskanzlei vom
29. Juni 2021; nGS 2021-066; in Vollzug ab 1. Oktober 2021). Nach Einholen von
Amtsberichten und nach Durchführung eines Augenscheins sistierte das
Baudepartement die Rekursverfahren auf Gesuch von F._ hin.
Am 13. September 2019 ordnete die Baubewilligungskommission der Stadt X._
zugunsten des Grundstücks Nr. 0000_, im Eigentum von F._, und zulasten des
Grundstücks Nr. 0001_, im Eigentum von G._ und H._, eine Sichtzone an
("Anordnung einer Sichtzone zu Baugesuch Nr. 55415 [...]"; vi.-act. 1 [19-7628] Beilage
2). Dieser Beschluss wurde von der Baubewilligungskommission den betroffenen
Grundeigentümern der Grundstücke Nrn. 0000_ und 0001_ am 16. September 2019
eröffnet und vom Baudepartement den Rekurrierenden der obengenannten Verfahren
(vorstehende Ziffer B.a) am 18. September 2019 zugestellt (vgl. vi.-act. 31 [18-7222], vi-
act. 46 [18-7323], vi.-act. 44 [18-7324]). Gegen den ihnen im Rekursverfahren zur
Kenntnis gebrachten Beschluss vom 13. September 2019 erhoben daraufhin A._ und
B._ durch ihren Rechtsvertreter am 27. September 2019 Rekurs (Verfahren
Nr. 19-7628) beim Baudepartement (vgl. vi.-act. 1 [19-7628]).
B.b.
F._ seinerseits reichte ein vom 18. Februar 2020 datiertes Gesuch (bei der
Baukommission eingegangen am 11. März 2020; Baugesuchs-Nr. 55415.01) für eine
Projektänderung (Erschliessung 2. Untergeschoss mit Autolift anstelle Rampe,
Anpassungen Untergeschoss) zu Baugesuch Nr. 55415 ein (vgl. dazu und zum
Folgenden vi.-act. 7 [20-6639] Beilagen 1 bis 37). Dagegen erhoben innert Auflagefrist
am 1. April 2020 D._ und E._ einerseits und C._ andererseits, alle vertreten durch
Rechtsanwalt Thomas Frey, sowie A._ und B._, ihrerseits vertreten durch
Rechtsanwalt Dr. Markus Neff, öffentlich-rechliche bzw. privatrechtliche Einsprachen
bei der Baubewilligungskommission der Stadt X._, welche die Einsprachen mit
Beschluss vom 3. Juli 2020 – unter Verweis der privatrechtlichen Einsprachen an den
Zivilrichter – abwies, soweit sie darauf eintrat. Im nämlichen Beschluss erteilte die
Baubewilligungskommission die Bewilligung für die Änderung zum Baugesuch Nr.
55415 gemäss Korrekturgesuch vom 11. März 2020 unter Auflagen und Bedingungen.
A._ und B._ liessen durch Dr. Markus Neff dagegen am 24. August 2020 Rekurs beim
Baudepartement erheben (Verfahren Nr. 20-6605). Je am 25. August 2020 reichten
auch D._ und E._ (Verfahren Nr. 20-6638) einerseits sowie C._ (Verfahren
B.c.
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C.
Nr. 20-6639) andererseits durch ihren Rechtsvertreter Rekurs beim Baudepartement
ein.
Das Baudepartement vereinigte mit Entscheid vom 10. Dezember 2020 sämtliche bei
ihm in dieser Sache hängigen oder damit zusammenhängenden Rekursverfahren
(Verfahren Nrn. 18-7222, 18-7323, 18-7324, 19-7628, 20-6605, 20-6638 und 20-6639;
dazu vorstehende Ziffern B.a bis B.c) und erledigte diese in einem einzigen Entscheid
(act. 2 der Gerichtsakten [nachfolgend act. G]). Es schrieb darin die Rekurse von A._
und B._ (Verfahren Nr. 18-7222), C._ (Verfahren Nr. 18-7323) sowie D._ (Verfahren
Nr. 18-7324) von der Geschäftsliste ab, soweit sie durch das Korrekturgesuch vom
11. März 2020 gegenstandslos geworden sind (act. G 2 Ziffer 1.a des Dispositivs). Die
Rekurse von A._ und B._ (Verfahrens Nrn. 18-7222 und 20-6605) hiess es teilweise
gut, soweit darauf eingetreten wurde (act. G 2 Ziffer 1.b des Dispositivs). Den Rekurs
von A._ und B._ (Verfahren Nr. 19-7628) hiess das Baudepartement im Sinn der
Erwägungen gut (act. G 2 Ziffer 1.c des Dispositivs). Ebenfalls gutgeheissen, soweit
darauf eingetreten wurde (act. G 2 Ziffern 1.d und 1.e des Dispositivs), hat das
Baudepartement die Rekurse von C._ (Verfahren Nrn. 18-7323 und 20-6639) sowie
von D._ (Verfahren Nr. 18-7324) bzw. D._ und E._ (Verfahren Nr. 20-6638). Ferner
hob es die Beschlüsse der Baubewilligungskommission der Stadt X._ (Bau- und
Einspracheentscheide) vom 10. August 2018 und 3. Juli 2020 auf (act. G 2 Ziffer 1.f des
Dispositivs); ebenso den Beschluss der Baubewilligungskommission
(Sichtzonenverfügung) vom 13. September 2019 (act. G 2 Ziffer 1.g des Dispositivs).
Das Baudepartement begründete die Gutheissung der Rekurse hauptsächlich damit,
dass es dem Bauprojekt an einer hinreichenden Erschliessung mangle, weil die
Sichtweite der geplanten Zufahrt in die Y._-strasse nicht gegeben sei (act. G 2 E. 9).
Im Weiteren erachtete es den Niveaupunkt für nicht richtig ermittelt (act. G2 E. 10.1.1
f.), die zulässige Vollgeschosszahl wegen falsch ermittelter Attikageschossflächen als
überschritten (act. G 2 E. 10.1.3) und die Baugesuchsunterlagen für unvollständig mit
Blick auf fehlende Baugrubenpläne, und es bemängelte den im Zeitpunkt der
Gesuchseinreichung fehlenden geologischen Bericht (act. G 2 E. 10.1.4).
B.d.
Mit Eingabe vom 11. Januar 2021 erhob die Politische Gemeinde X._
(Beschwerdeführerin), vertreten durch den Stadtrat X._, Beschwerde gegen den
Entscheid des Baudepartements (Vorinstanz) vom 10. Dezember 2020 beim
C.a.
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Verwaltungsgericht (act. G 1). Am 9. Februar 2021 ergänzte sie ihre Beschwerde mit
einer Begründung (act. G 5). Sie stellt darin die Rechtsbegehren, es sei Ziffer 1 lit. g
des angefochtenen Entscheids aufzuheben und die Verfügung der
Baubewilligungskommission vom 13. September 2019 betreffend Sichtzonen
(Sichtzonenverfügung) zu bestätigen; eventualiter sei Ziffer 1 lit. g zur Neubeurteilung
an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten
der Beschwerdegegner.
Die Vorinstanz schloss am 19. Februar 2021 mit Bemerkungen auf Abweisung der
Beschwerde, soweit überhaupt darauf einzutreten sei (act. G 7). Rechtsanwalt Alex
Keller, St.Gallen, nahm mit Schreiben vom 12. April 2021 (act. G 26) für F._
(Beschwerdebeteiligter) Stellung zur Beschwerde mit dem Antrag, die Beschwerde sei
gutzuheissen, unter Kostenfolge zuzüglich Mehrwertsteuer. C._ (Beschwerdegegner
2), vertreten durch Rechtsanwalt Thomas Frey, St.Gallen, antwortete mit Eingabe vom
14. April 2021 auf die Beschwerde (act. G 28) und beantragte die Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolge
zulasten der Beschwerdeführerin. Mit gleichem Antrag und mit gleichlautender
Begründung äusserte sich der nämliche Rechtsanwalt gleichentags für D._ und E._
(Beschwerdegegner 3) zur Beschwerde (act. G 29). Mit Eingabe vom 23. April 2021
(act. G 30) beantragen A._ und B._ (Beschwerdegegner 1) durch ihren Rechtsanwalt
Dr. Markus Neff, St.Gallen, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten; eventualiter sei
die Beschwerde abzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich
Mehrwertsteuer zulasten der Politischen Gemeinde X._.
C.b.
In ihrer Replik vom 17. Mai 2021 (act. G 33) hält die Beschwerdeführerin an ihrem
Standpunkt fest. Mit Eingaben je vom 7. Juni 2021 (act. G 37 und G 38) duplizierten die
Beschwerdegegner 2 und 3. Am 30. Juni 2021 reichten die Beschwerdegegner 1
Ausführungen zur Replik der Beschwerdeführerin ein (act. G 41). Die Vorinstanz und
der Beschwerdebeteiligte verzichteten stillschweigend auf weitere Stellungnahmen. Der
Beschwerdeführerin wurde Gelegenheit gegeben, sich zu den eingegangenen
Vernehmlassungen der Beschwerdegegner zu äussern (act. G 42). Davon machte sie
keinen Gebrauch.
C.c.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
C.d.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben ([Art. 46 des
Strassengesetzes; sGS 732.1, StrG, in Verbindung mit] Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeeingabe vom
11. Januar 2021 (act. G 1) erfolgte unter Berücksichtigung der Gerichtsferien (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 30 Abs. 1 VRP und Art. 145 Abs. 1 lit. c der Schweizerischen
Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung; SR 272, ZPO) rechtzeitig und erfüllt
zusammen mit der Ergänzung vom 9. Februar 2021 formell und inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
und 2 VRP).
1.1.
bis
Näher zu prüfen ist die Legitimation der Beschwerdeführerin.
1.2.
Nach Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 2 VRP steht der zuständigen
Behörde einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft das Beschwerderecht zur Wahrung
öffentlicher Interessen zu. Nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts
(vgl. VerwGE 2020/55 vom 12. November 2020 E. 1 mit zahlreichen Hinweisen) ist eine
politische Gemeinde zur Beschwerde legitimiert, wenn sie durch Setzung eigener
Verwaltungsakte lokale öffentliche Interessen zu wahren hat (VerwGE B 2016/224 vom
5. Dezember 2019 E. 1 mit Hinweis auf Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, N 450 ff.; vgl. auch Geisser/Zogg in: Rizvi/Schindler/
Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/
St. Gallen 2020, N 37 ff. zu Art. 45 VRP). Inhalt der strittigen Verfügung der
Beschwerdeführerin ist das Festlegen einer Sichtzone für eine private Ein-/Ausfahrt in
eine der kommunalen Hoheit unterstehende Gemeindestrasse (vgl. Art. 11 Abs. 1 des
Strassengesetzes, sGS 731.1, StrG). Das Strassengesetz umschreibt zwar den Begriff
der Sichtzone in Art. 101 Abs. 2 StrG als Bereich, der aus Gründen der
Verkehrssicherheit für die freie Sicht offenzuhalten ist; er enthält aber – anders als bei
der Regelung der Strassenabstände (s. dazu Art. 101 Abs. 1, Art. 104 bis 108 StrG) –
keine weiteren konkretisierenden Vorgaben (wie bspw. Messweise, konkrete
Masszahlen, Ausnahmetatbestände u.Ä.). Das kantonale Recht ermöglicht vielmehr
ausdrücklich die Festlegung von Sichtzonen in kommunalen Reglementen (vgl. Art. 102
1.2.1.
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Abs. 1 lit. b) oder mittels Verfügungen (vgl. Art. 102 Abs. 1 lit. e StrG). Trotz
anderslautender Auffassung der Beschwerdegegner 2 und 3 (vgl. act. G 28 und
act. G 29 je Ziffer II.A.4.1) belässt die kantonale Vorschrift den Gemeinden insofern also
einen erheblichen Beurteilungsspielraum bei der Festlegung von Sichtzonen für die in
ihrer Hoheit liegenden Strassen. Damit erweist sich die eingangs genannte
Voraussetzung im vorliegenden Fall als erfüllt (vgl. auch VerwGE 2008/10 vom 17. Juni
2008 E. 1 betreffend das Erteilen von Baubewilligungen), weil die Beschwerdeführerin
den Standpunkt vertritt, die von ihr als zuständige Behörde erlassene Anordnung der
Sichtzone sei rechtmässig und die Vorinstanz habe zu Unrecht und unter Verletzung
des der Beschwerdeführerin zustehenden Ermessensspielraums einen Verstoss gegen
die Normen des Schweizerischen Verbands der Strassen- und Verkehrsfachleute
(nachfolgen VSS-Normen) angenommen.
Vorinstanz und Beschwerdegegner stellen allerdings die Beschwerdelegitimation der
Beschwerdeführerin und damit das Vorliegen der Eintretensvoraussetzungen (auch) mit
der Überlegung (zusammengefasst) in Frage, dass die Sichtzonenverfügung das
rechtliche Schicksal der Baubewilligung teile, und dass weder die Beschwerdeführerin
noch insbesondere der Beschwerdebeteiligte den vorinstanzlichen Entscheid – soweit
damit auch (und zudem aus zusätzlichen, anderen Gründen) die Baubewilligung
gesamthaft aufgehoben worden sei – nicht angefochten habe (vgl. act. G 7 Ziffer II/a;
act. G 28 Ziffer II/4.3, act. G 29 Ziffer II/4.3; act. G 30 Ziffer II/A). Daher fehle es der
Beschwerdeführerin an einer eigenen Beschwer, weshalb auf die Beschwerde mangels
Anfechtungsobjekt nicht eingetreten werden könne (vgl. act. G 7 Ziffer II/a; act. G 28
Ziffer II/4.3, act. G 29 Ziffer II/4.3; act. G 30 Ziffer II/A).
Der Beschwerdebeteiligte (bzw. Baugesuchsteller) hält hingegen dafür (vgl. act. G 26
Ziffer II/A), dass er weiterhin sein Grundstück 0000_ einer Überbauung mit zwei
Mehrfamilienhäusern zuführen wolle. Für diese Überbauung bleibe die im vorgängigen
Baugesuchsverfahren geplante Zufahrt massgebend, weil – dem Amtsbericht des
Tiefbauamtes vom 20. Mai 2019 (vi.-act. 19 [18-7222], Beurteilung geplante
Grundstückszufahrt, S 3 f.) entsprechend – für die verkehrssichere strassenmässige
Erschliessung des Grundstücks 0000_ in Bezug auf Lage und Ausgestaltung der
Zufahrt keine Alternative vorhanden sei. Mangels Alternativen für die geplante Zufahrt
sei das aktuelle Interesse der Beschwerdeführerin – und indirekt des
Beschwerdebeteiligten – am Erhalt der streitigen Sichtzone für die weiterhin geplante
Zufahrt auf Grundstück 0000_ und damit an der Aufhebung des angefochtenen
1.2.2.
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Entscheids der Vorinstanz gegeben. Ein weiteres Interesse ergebe sich daraus, dass
bei der von der Vorinstanz geforderten weitreichenden Sichtzone nicht nur der
strassenbegleitende Grünraum im Innenkurvenbereich der Y._-strasse weitgehend
entfernt werden müsste. Vielmehr würde sich eine rechtsgleiche Praxis im ganzen
Siedlungsraum negativ auf die strassenbegleitenden Grünräume auswirken und zudem
die Überbauungs- und Nutzungsmöglichkeiten vieler Grundstücke einschränken.
Die Beschwerdeführerin geht davon aus (vgl. act. G 33 Ziffern 3 f.), dass sich ihre
Legitimation direkt aus Art. 45 Abs. 2 VRP ergebe. Unbestrittenermassen sollten mit
der Beschwerde ausschliesslich wichtige bzw. grundsätzliche öffentliche und
städtische Interessen im Sinn der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung gewahrt
werden, welche sich unmittelbar aus der Gemeindeautonomie ergäben. Es gehe hier
gerade nicht um die privaten Interessen einer Bauherrschaft oder um ein öffentliches
Interesse im Einzelfall bzw. im Zusammenhang mit einem einzelnen Bauvorhaben.
Dementsprechend spiele es für ihre Beschwerdeberechtigung in Bezug auf die
Sichtzonenverfügung weder eine Rolle, ob die Bauherrschaft gegen den für sie
negativen Rekursentscheid eine Beschwerde eingereicht habe oder nicht, noch komme
es darauf an, dass die Rekursinstanz gemäss Ziffer 1 lit. f des Rekursentscheides die
Beschlüsse der Baubewilligungskommission vom 10. August 2018 und 3. Juli 2019
gesamthaft aufgehoben habe. Vielmehr bilde die Sichtzonenverfügung der
Baubewilligungskommission vom 13. September 2019 – dies lasse sich auch dem
Entscheiddispositiv im Rekursentscheid entnehmen – eine eigenständig anfechtbare
Verfügung, gegen welche im Übrigen ebenfalls habe Rekurs erhoben werden müssen
bzw. welche mit separatem Rekurs angefochten worden sei. Auch aus
materiellrechtlichen Gründen müsse, worauf auch der Rechtsvertreter der
Beschwerdebeteiligten zu Recht hinweise, eine solche Anfechtung möglich sein, weil in
jedem Fall eine Prüfung der verfügungsweise durch das Amt für Baubewilligungen
festgelegten Sichtzone unabhängig von einem konkreten Bauvorhaben auf deren
Rechtmässigkeit hin zu ermöglichen sei. Es könne auch keine Rede davon sein, dass
die im Rahmen des Rekursverfahrens von der Baubewilligungskommission erlassene
Sichtzonenverfügung verfahrensrechtlich derart eng mit den gleichzeitig aufgehobenen
Baubewilligungen verknüpft sei, dass sie zwangsläufig deren Schicksal teile. Die
erlassene Sichtzonenverfügung werde nicht bereits deshalb gegenstandslos und nicht
anfechtbar, weil der Beschwerdebeteiligte das Bauprojekt nicht mehr weiterverfolge.
Schliesslich, dies ergebe sich aus der Begründung im Rekursentscheid, werde, anders
als mit den anderen Aspekten des Bauvorhabens, ohne substantielle Begründung
unverhältnismässig und rechtswidrig in die ihr zustehende verfassungsrechtliche
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Gemeindeautonomie eingegriffen und damit die pflichtgemässe Ausübung des ihr als
Stadt zustehenden Ermessens in unzulässiger Weise beschränkt oder verhindert.
Soweit überblickbar ist nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts für die
Bejahung der Legitimation einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft in Bausachen
unerheblich, ob die Interessen der beschwerdeführenden Gemeindebehörde
gleichgerichtet oder gegenläufig zu den Interessen des Baugesuchstellers sind, d.h.
gleichgültig ob pro oder contra Verfügungsadressat Beschwerde erhoben wird.
Entsprechend bejahte das Verwaltungsgericht vereinzelt die Legitimation im
Beschwerdeverfahren eines Gemeinwesens sogar dann, wenn die von der
kommunalen Behörde erteilte, von der Rekursinstanz aber aufgehobene Bewilligung
zwar von der Gemeindebehörde, nicht aber von den Baugesuchstellenden beim
Verwaltungsgericht angefochten wurde (so VerwGE B 2004/120 vom 25. Januar 2005;
vgl. auch VerwGE B 2015/2015 vom 20. Dezember 2016 [wo allerdings gegen den für
die Baugesuchstellenden negativen Rekursentscheid des Baudepartements neben der
Baubewilligungsbehörde auch von diesen beim Verwaltungsgericht Beschwerde
erhoben wurde, jedoch nur in Bezug auf die Kostenverlegung [VerwGE 2015/123 vom
20. Dezember 2016]; vgl. dagegen M. Pflüger, in: Herzog/Daum [Hrsg.], Kommentar
zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, 2. Auflage 2020, N 29
zu Art. 65 VRP BE mit Hinweis auf BVR 1991 S. 352 E. 2b, wonach das Interesse der
Gemeindebehörde an einer Beschwerde dahinfällt, wenn sich der Baugesuchsteller
durch Rückzug seines Gesuchs oder durch Nichtanfechten eines Bauabschlags dafür
entscheidet, auf die Verwirklichung seines Vorhabens zu verzichten; so auch M.
Bertschi, in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar VRG, 3. Auflage 2014, N 84 zu § 21 VRG ZH
mit Hinweisen, welcher der Gemeinde in solchen Fällen das aktuelle Interesse
abspricht; in diese Richtung auch BGer 1P.346/2006 vom 14. August 2006 E. 1.2 f., wo
die Frage allerdings offengelassen wurde). Insofern spielt für die Legitimation einer im
Rahmen ihrer Verfügungskompetenz handelnden Gemeindebaubehörde im Grundsatz
keine Rolle, dass der Beschwerdebeteiligte (als Adressat und Bauherr) den
Bauabschlag nicht weitergezogen hat. Dabei kann offenbleiben, ob die beiden hiervor
erwähnten Urteile des Verwaltungsgerichts einschlägig sind, weil im konkreten Fall so
oder anders eine davon abweichende besondere Konstellation vorliegt: Die strittige
verbindliche Anordnung der Sichtzone stützt sich auf das Strassengesetz, und sie ist
offenkundig auf die gemäss Baugesuch geplante neue Zufahrt abgestimmt. Sie nimmt
aber nicht auf die heute, ohne Berücksichtigung der neu geplanten Zufahrt bestehende
Situation Bezug, wo es zudem an einer rechtlichen Sicherstellung der Sichtzone in
1.2.3.
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westlicher Richtung fehlt und diese aktuell infolge der derzeitigen Bepflanzung
gleichfalls nicht gegeben ist. Sodann spricht auch die streitgegenständliche Anordnung
selbst für eine geplante neue Zufahrt. So beruht die umstrittene Festlegung der
Sichtweite zum einen auf dem Situationsplan gemäss Baugesuch, und zum andern
nimmt die Verfügung ausdrücklich auf das Baugesuch (Bezeichnung des Gegenstands
und Schilderung des Sachverhalts) Bezug. Der abschlägige Rekursentscheid
betreffend Baugesuch selbst (inklusive der darin geplanten geänderten Zufahrt und der
Änderungen hinsichtlich der westlich der Zufahrt gelegenen aktuellen Bepflanzung
entlang der Y._-strasse) ist indessen, wie erwähnt, unangefochten geblieben. Anders
als bei den oben angeführten Entscheiden des Verwaltungsgerichts bildet somit nicht
zugleich der Bauabschlag Gegenstand des Beschwerdeverfahrens, sondern lediglich
die verfügte Sichtzone. Entsprechend kann aber mit der vorliegenden Beschwerde
gegen die Sichtzone auch kein gegenteiliges Ergebnis in Bezug auf den Bauabschlag
erreicht werden. Worin das Interesse der Stadt an der Bestätigung der von ihr
verfügten Anordnung für eine erst geplante neue Einfahrt noch bestehen soll, ist unter
den gegebenen besonderen Umständen nicht ersichtlich. Vielmehr mangelt es der mit
Blick auf das Bauvorhaben angeordneten Sichtzone angesichts des unangefochten
gebliebenen Bauabschlags inhaltlich an einer Rechtfertigung, und zwar ungeachtet des
Umstands, dass nach Auffassung des Beschwerdebeteiligten die geplante, aber nicht
realisierte Einfahrt die einzige mögliche Zufahrtslösung sein soll. Der Erlass einer
Sichtzone für ein mögliches geplantes Bauvorhaben kommt jedoch einer eigentlichen
Verfügung "auf Vorrat" gleich. Einem Beschwerdeführer, der mit seinem Begehren auf
eine Entscheidung auf "Vorrat" abzielt, fehlt es indessen regelmässig an einem
aktuellen Interesse (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 400; Geisser/Zogg in: Rizvi/Schindler/
Cavelti [Hrsg.], a.a.O., N 15 zur Art. 45 VRP; Pflüger in: Herzog/Daum [Hrsg.], a.a.O.,
N 18 zu Art. 65 VRP BE). Das muss entgegen der von der Beschwerdeführerin
vertretenen Ansicht auch dann gelten, wenn eine Gemeinde als Beschwerdeführerin
auftritt und sie öffentliche Interessen verfolgt bzw. im massgeblichen Bereich über
eigene Verfügungskompetenz verfügt. Es ist kein Grund ersichtlich, weshalb an der
Klärung der von der Beschwerdeführerin ins Feld geführten Rechtsfragen unter diesem
Gesichtspunkt noch ein aktuelles Interesse bestehen könnte. Sie bringt auch nichts
vor, weshalb ausnahmsweise auf diese Eintretensvoraussetzung verzichtet werden
könnte (vgl. zu den Ausnahmen vom Erfordernis eines aktuellen Interesses Cavelti/
Vögeli, a.a.O., Rz. 401; Geisser/Zogg, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], a.a.O., N 15 zu
Art. 45 VRP). Zwar dürfte für die Beschwerdeführerin an der Klärung der von ihr
aufgeworfenen Frage ein grundsätzliches Interesse bestehen, weil sich diese jederzeit
unter ähnlichen oder gleichen Umständen wieder stellen könnte. Hingegen macht die
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2.