Decision ID: 1b8420bb-4b71-57b8-a9c6-ad2957bd4b29
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. oec. Fritz Dahinden, Blumenbergplatz 1, 9000 St.
Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 13. Mai 2004 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 6).
Die B._ AG hatte am 13. Februar 2004 bestätigt, dass er als Leiter der Imbissstelle
angestellt sei (IV-act. 11-1). Dr. med. C._, Allg. Medizin FMH, berichtete der IV-Stelle
am 4. Juni 2004 (IV-act. 13), der Versicherte leide an einem persistierenden
zervikozephalen Symptomkomplex (Zervikobrachialgie rechtsbetont, vegetative
Dysregulation, leichte neuropsychologische Funktionsstörungen bei St. n. Contusio
capitis frontalis rechts, HWS-Distorsion und leichte traumatische Hirnverletzung) und
an einer ausgeprägten depressiven Anpassungsstörung. Seit dem 28. Mai 2003 sei er
zu 100% arbeitsunfähig. Es bestehe eine ausgesprochene Schonhaltung im Bereich
der HWS. Deren Beweglichkeit sei deutlich eingeschränkt und es liege eine diffuse
parazervikale Myalgie distalbetont vor. Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, berichtete der IV-Stelle am 18. Juni 2004 (IV-act. 15), der
Versicherte leide an einer ausgeprägten depressiven Anpassungsstörung bei St. n.
Verkehrsunfall am 27. Mai 2003 mit HWS-Distorsion und V. a. leichte traumatische
Hirnverletzung. Der Versicherte arbeite versuchsweise bei seinem Arbeitgeber als
Verpacker dreimal wöchentlich zwei Stunden. Eine Steigerung des Pensums sei wegen
der ausgeprägten Beschwerden und der Instabilität des Zustands bisher nicht möglich
gewesen. Dr. D._ gab weiter an, der Versicherte sei in der Stimmung mittelgradig bis
schwer depressiv, gequält, teilweise verzweifelt, sehr stark auf die Schmerzen fixiert,
ängstlich, antriebslos, lustlos, mit Sexualstörungen. Er wirke psychomotorisch
verlangsamt, angespannt und körperlich steif. Trotz intensiver Behandlung
(antidepressive Medikation, stützend therapeutische Gespräche) sei es bisher nicht zu
einer deutlichen Zustandsbesserung gekommen. Die Prognose sei angesichts der
Therapieresistenz und der langen Krankheitsdauer eher zweifelhaft. Die B._ AG teilte
am 29. Juni 2004 mit (IV-act. 17), sie beschäftige den Versicherten seit dem 1. August
1994. Er sei Leiter Imbiss. Der Lohn betrage Fr. 4'623.-- (x13). Dr. D._ berichtete am
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15. November 2004 (IV-act. 23), zusätzlich zum depressiven Zustandsbild (i.S. einer
depressiven Episode) bestehe der V. a. eine somatoforme Schmerzstörung. Dr. med.
E._ vom RAD notierte am 16. März 2007 (IV-act. 48), die zumutbare Arbeitsfähigkeit
in adaptierten Tätigkeiten sei nicht genügend abgeklärt. Er empfahl eine
polydisziplinäre Begutachtung. Die IV-Stelle beauftragte am 15. Mai 2007 die MEDAS
Ostschweiz mit einer Begutachtung (IV-act. 57).
A.b Die Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz berichteten im Gutachten vom
25. Januar 2008 (IV-act. 61), der Versicherte sei nach seinen eigenen Angaben zuletzt
als Imbissleiter verantwortlich gewesen für Warenbestellungen, zwei bis vier
Angestellte und den Bereich Fastfood. Zudem habe er seine Ehefrau bei deren
Hauswarttätigkeit unterstützt. Das alles sei ihm nun nicht mehr möglich. Seit dem
Unfall leide er unter Nackenschmerzen mit Ausstrahlungen in den Hinterkopf und in die
Stirn bis ins Gesicht sowie rechtsbetont in den Schultergürtel, in beide Arme und
Hände und in den ganzen Rücken. In all den Jahren habe sich die Schmerzintensität
kaum geändert. Im Gegenteil seien Begleitbeschwerden hinzugekommen (plötzliches,
blitzartiges Einschiessen in den Nacken, Taubheitsgefühle sowie Brennen in Armen,
Händen, Fingerspitzen und Gesicht, verbunden mit vielen vegetativen
Begleitbeschwerden). Zwei mehrwöchige Rehabilitationsaufenthalte im Jahr 2004
hätten keine Besserung gebracht. In letzter Zeit arbeite er dreimal 2 bzw. 3 Std.
wöchentlich. Das sei aber mehr ein Beschäftigungsprogramm als eine reguläre Arbeit.
Die Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz führten aus, bei der Untersuchung habe
der Versicherte eine diffus ausgedehnte Druckempfindlichkeit zervikozephal und
brachial bds. sowie lumbofemoral rechts angegeben. Er habe die HWS nur
andeutungsweise bewegt mit sofortigem Gegenspannen bei der passiven Prüfung. Er
sei somit nicht untersuchbar gewesen. Die LWS sei nur zur Hälfte eingeschränkt
bewegt worden. Bildgebend hätten sich leichte degenerative Veränderungen der
unteren HWS und LWS gezeigt, die aber ein altersentsprechendes Ausmass nicht
überstiegen hätten. Zu betonen seien viele Zeichen für ein nicht-organisches
Krankheitsverhalten, so neben der diffusen Symptombeschreibung die hohe
Schmerzbewertung, die weitgehende Erfolglosigkeit der bisherigen Behandlungen, das
nicht plausible Ausmass der demonstrierten Behinderung im Vergleich zu den
verschiedenen klinischen und bildgebenden Beurteilungen, die sehr tiefe Bewertung
der eigenen Leistungsfähigkeit im PACT-Test und weitere Inkonsistenzen. Die
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neurologische Abklärung habe keine harten somatischen Befunde ergeben. Aus
neurologischer Sicht sei der Versicherte als Leiter des Imbiss uneingeschränkt
arbeitsfähig. Die ORL-Abklärung habe eine leichte sensorineurale Einschränkung der
Hörschwelle bds. sowie einen schweren Tinnitus aufgezeigt. Die
Schwindelbeschwerden seien äusserst schwierig zu interpretieren gewesen. Bei der
kalorischen Prüfung sei eine Hyperventilationsproblematik aufgetreten. Der
Leidensdruck sei fünf Monate nach dem Unfall (erster Untersuch 10/03) bezüglich
Hörstörung, Tinnitus und Schwindel noch deutlich geringer gewesen als aktuell. Der
Neuropsychologe habe multifaktoriell bedingte, in der Untersuchung schwankende und
stark ausgeprägte allgemeinkognitive Leistungseinschränkungen und eine
Belastungsminderung bei überlagerten Beschwerden festgestellt. Aus seiner Sicht
seien die Befunde widersprüchlich und unzuverlässig gewesen. Der psychiatrische
Sachverständige habe eine mittelgradige depressive Störung mit somatischem
Syndrom und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert. Er habe
eine akzentuierte Persönlichkeitsstruktur mit leistungsorientierten Zügen betont. Die
Arbeitsfähigkeit sei aus psychiatrischer Sicht um 50% eingeschränkt.
Zusammenfassend wurden als arbeitsfähigkeitsrelevante Diagnosen insbesondere die
mittelgradige depressive Störung mit somatischem Syndrom und das diffuse
Schmerzsyndrom zervikozephal und -brachial rechtsbetont und lumbo-femoral
rechtsbetont angegeben. Die anhaltende somatoforme Schmerzstörung wurde unter
den Nebendiagnosen (ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit)
aufgeführt. Auf die Frage nach der Arbeitsfähigkeit gaben die Sachverständigen der
MEDAS Ostschweiz an, diese werde vordergründig durch ein diffuses chronisches
Schmerzsyndrom mit multiplen vegetativen Begleitbeschwerden eingeschränkt, wobei
die klinischen und bildgebenden Befunde keine Erklärung für die Ausdehnung und die
geäusserte Intensität geben könnten. Von wesentlicher Bedeutung seien die
aufgeführten psychischen Faktoren. Unter Beachtung aller Aspekte betrage die
Arbeitsunfähigkeit 50%. Der Versicherte fühle sich zu praktisch 100% arbeitsunfähig.
Das sei durch die somatischen Befunde nicht zu erklären. An der HWS habe sich der
Versicherte praktisch nicht untersuchen lassen, indem er sich kaum andeutungsweise
in eine Richtung bewegt bzw. bei vorsichtiger Prüfung sofort dagegen gespannt habe.
Das sei somatisch nicht nachvollziehbar gewesen. Rein somatisch bestehe für die
bisherige Tätigkeit als Leiter Imbissstelle keine Arbeitsunfähigkeit. Von medizinischen
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Massnahmen sei keine Verbesserung zu erwarten. Dr. med. F._ vom RAD hielt dazu
am 4. Februar 2008 u.a. fest (IV-act. 62), die mittelgradige depressive Störung mit
somatischem Syndrom sei ein eigenständiges Krankheitsbild; sie sei von der
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung klar abgegrenzt. Es sei gerechtfertigt, von
einer Arbeitsfähigkeit von 50% auszugehen.
A.c Am 21. Mai 2008 wurde dem Versicherten per 31. August 2008 gekündigt, da er
als Leiter der Imbissstelle nicht mehr eingesetzt werden könne und es im Betrieb keine
adaptierte Arbeitsstelle gebe (IV-act. 69-3). Der Rechtsvertreter des Versicherten
übermittelte der IV-Stelle am 9. Dezember 2008 einen Zwischenbericht der
Projektwerkstatt G._ vom 17. November 2008 (IV-act. 83). Laut diesem Bericht war
der Versicherte in seiner Arbeitsfähigkeit stark eingeschränkt, aber in der Lage, eine
leichte, angepasste Tätigkeit zu 50% auszuführen. Der Eingliederungsberater der IV-
Stelle hielt am 19. Dezember 2008 u.a. fest (IV-act. 88), es sei zu klären, ob der
Versicherte gegenüber der Invalidenversicherung einen Anspruch auf eine
Berufsberatung habe. Der Berufsberater und der Eingliederungsberater berichteten am
11. Februar 2009 (IV-act. 100), es könne keine Umschulung empfohlen werden, da der
Versicherte nicht über die erforderlichen intellektuellen Ressourcen verfüge, da seine
Gestaltungsmotivation zu gering sei und da er sich selbst überschätze. Der Versicherte
blieb weiter in der Projektwerkstatt (IV-act. 103). Der Eingliederungsverantwortliche der
IV-Stelle notierte am 24. September 2009 (IV-act. 108), es sei nicht gelungen, für den
Versicherten ein Praktikum oder eine Anstellung zu finden. Dessen Rechtsvertreter
habe mitgeteilt, dass von anderer Seite ein einjähriges Praktikum organisiert worden
sei, so dass die beruflichen Eingliederungsmassnahmen seitens der IV-Stelle eingestellt
werden könnten. Der Fall des Versicherten wurde intern zur Rentenprüfung
weitergeleitet. Dr. med. H._ vom RAD hielt am 8. Januar 2010 fest (IV-act. 113), mit
dem Fallabschluss durch die SUVA im Februar 2007 sei von einer 50%igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen, für die Zeit davor anhand der SUVA-Einschätzung von
einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 100%. Dr. C._ berichtete der IV-Stelle am 29.
Januar 2010 (IV-act. 117), die Befunde entsprächen jenen im MEDAS-Bericht von 2008.
Dr. D._ gab am 16. Februar 2010 an (IV-act. 119), der Versicherte sei in einer
geschützten Umgebung zu 20% arbeitsfähig. Die Halbtagsbeschäftigung in der
Projektwerkstatt habe die Schmerzen verstärkt und zu Schwindel und Schwellungen an
den Händen geführt. Dadurch sei der Versicherte in seiner Konzentration beeinträchtigt
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gewesen. Er habe häufig pausieren müssen und er sei verlangsamt gewesen. Eigentlich
habe er nur Putzarbeiten und Kleinigkeiten erledigt. Dr. H._ bemerkte dazu am 6. Mai
2010 (IV-act. 125), die Einschätzung von Dr. D._ sei lediglich eine andere
Einschätzung eines im Grunde gleich gebliebenen Sachverhalts. Dr. D._ habe keine
neuen Diagnosen oder Symptome angegeben. Demnach könne - auch unter
Berücksichtigung des Berichts von Dr. C._ - von einem stabilen Verlauf seit der
Begutachtung ausgegangen werden. Die Arbeitsfähigkeit betrage immer noch 50%.
Am 1. Juni 2010 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie die
Arbeitsvermittlung abschliesse (IV-act. 127). Der zuständige Mitarbeiter des
Rechtsdienstes der IV-Stelle notierte am 24. Juni 2010 (IV-act. 135), es sei von einer
vollen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen, da eine Komorbidität zu
verneinen sei. Die IV-Stelle verglich ein Valideneinkommen des Versicherten als Leiter
der Imbissstelle von Fr. 62'630.-- mit dem Durchschnittseinkommen der Hilfsarbeiter
aller Branchen von Fr. 59'979.-- als dem zumutbaren Invalideneinkommen und
ermittelte so einen Invaliditätsgrad von 4,23% (IV-act. 138). Mit einem Vorbescheid
vom 14. Juli 2010 teilte sie dem Rechtsvertreter des Versicherten mit (IV-act. 140), dass
sie beabsichtige, das Rentenbegehren abzuweisen. Der Versicherte liess am 2.
September 2010 sinngemäss einwenden (IV-act. 144), er habe einen Anspruch auf eine
Invalidenrente auf der Basis einer Arbeitsunfähigkeit von 50%. Dem MEDAS-Gutachten
komme Beweiskraft zu. Somit sei von den gestellten Hauptdiagnosen auszugehen. Die
somatoforme Schmerzstörung sei unter den Nebendiagnosen aufgeführt worden.
Deshalb bestehe keine Veranlassung, auf die Rechtsprechung zur somatoformen
Schmerzstörung zurückzugreifen. Dr. F._ habe ausdrücklich festgehalten, dass es
sich bei der Hauptdiagnose um ein eigenständiges Krankheitsbild handle und dass die
depressive Störung einen klar abgegrenzten Gesundheitsschaden darstelle, so dass es
gerechtfertigt sei, von einer Arbeitsunfähigkeit von 50% auszugehen. Diese Beurteilung
sei durch Dr. H._ bestätigt worden. Entgegen der Behauptung des Rechtsdienstes
sei also eine Komorbidität bejaht worden. Die übrigen Foerster'schen Kriterien seien
erfüllt, denn es bestünden chronische körperliche Begleiterkrankungen (mittelgradige
komplexe Schwindelbeschwerden, schwerer Tinnitus, chronische Hepatitis B etc.), der
Krankheitsverlauf sei chronifiziert, der Versicherte habe sich aus allen Lebensbelangen
sozial zurückgezogen, die konsequent durchgeführten ambulanten und stationären
Behandlungen seien gescheitert und es liege ein therapeutisch nicht mehr
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beeinflussbarer innerseelischer Verlauf vor. Die Frage nach der Überwindbarkeit
müsste zwingend durch einen medizinischen Sachverständigen (und nicht durch den
Rechtsdienst) beurteilt werden. Mit einer Verfügung vom 28. September 2010 wies die
IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act. 145). Zur Begründung führte sie u.a. an, dem
Versicherten seien erst nach dem Unfallereignis im Zusammenhang mit der
"dramatischen" körperlichen Symptomatik psychische Beschwerden attestiert worden.
In den medizinischen Berichten sei von einer reaktiven Depression und einer
Anpassungsstörung gesprochen worden. Demnach könne die mittelgradige
Depression kein von der Schmerzstörung unabhängiges Leiden sein. Aufgrund des
relativ harmlosen psychopathologischen Befunds sei nicht einzusehen, weshalb der
Versicherte nur zu 50% arbeitsfähig sein sollte. Der psychiatrische Sachverständige
habe das inkonsistente Verhalten nicht ausreichend gewürdigt, obwohl diesem bei der
Prüfung der Plausibilität der geltend gemachten Beschwerden massgebliche
Bedeutung zugekommen sei. Die Feststellung der Komorbidität sei eine Rechtsfrage,
weshalb die medizinische Qualifikation der somatoformen Schmerzstörung als
Nebendiagnose irrelevant sei. Es liege kein mit einer Komorbidität vergleichbarer
sozialer Rückzug vor. Der mehrjährige chronifizierte Krankheitsverlauf sei ebenfalls
irrelevant, denn das gehöre zur "Symptomatik" einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung. Die somatischen Befunde seien harmlos.
B.
B.a Der Versicherte liess am 28. Oktober 2010 Beschwerde erheben (act. G 1) und die
Zusprache mindestens einer halben Invalidenrente rückwirkend ab 1. Mai 2004
beantragen. Sein Rechtsvertreter führte sinngemäss aus, im UV-Verfahren sei von
einem klar im Vordergrund stehenden psychischen Beschwerdebild ausgegangen
worden. Damit sei die gerichtliche Bestätigung der Leistungseinstellung durch die
Unfallversicherung zufolge Wegfalls des adäquaten Kausalzusammenhangs begründet
worden. Das MEDAS-Gutachten erfülle alle von der Rechtsprechung geforderten
Kriterien. Im UV-Verfahren sei ausdrücklich auf das schlüssige und nachvollziehbare
Gutachten abgestellt worden. Dessen Beweistauglichkeit sei vom RAD bestätigt
worden. Dr. F._ habe die mittelgradige depressive Störung mit somatischem
Syndrom als eigenständiges Krankheitsbild bezeichnet und die
Arbeitsfähigkeitsschätzung bestätigt. Auch Dr. H._ habe diese Arbeitsfähigkeit als
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korrekt betrachtet. Damit sei die Auffassung der Beschwerdegegnerin widerlegt, dass
die MEDAS invaliditätsfremde Faktoren berücksichtigt habe. Die MEDAS habe
klagestellt, dass die psychischen Beschwerden von Anfang an im Vordergrund
gestanden hätten. Die psychische Situation habe sich verschlechtert und die
depressive Störung sei immer mehr in den Vordergrund gelangt. Wenn eine depressive
Störung im Mittelpunkt stehe, bestehe keine Grundlage für eine Anwendung der
Rechtsprechung zur somatoformen Schmerzstörung. Selbst wenn die anhaltende
somatoforme Schmerzstörung im Mittelpunkt stehen würde, wäre von einer
Arbeitsunfähigkeit von 50% auszugehen. Mit einer mittelgradigen depressiven Störung
mit somatischem Syndrom liege nämlich eine psychische Komorbidität von erheblicher
Schwere vor. Auch die anderen Foerster'schen Kriterien seien erfüllt, nämlich die
chronischen körperlichen Begleiterkrankungen, der mehrjährige Krankheitsverlauf, die
unbefriedigenden Behandlungsergebnisse trotz konsequent durchgeführter
Behandlungsbemühungen, die gescheiterten Rehabilitationsmassnahmen bei
vorhandener Motivation und Eigenanstrengung und der primäre Krankheitsgewinn.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 4. Januar 2011 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Sie machte geltend, die psychischen Beschwerden seien
zunehmend in den Vordergrund getreten oder hätten die geltend gemachten
körperlichen Leiden abgelöst. Die organischen Leiden seien schon bald durch eine
Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion unterhalten worden. Von einem
eigenständigen, von der Angststörung unabhängigen Leiden in der Form einer
mittelgradigen Depression könne also nicht die Rede sein, zumal diese zusammen mit
einem somatischen Syndrom genannt werde. Die Beurteilung des RAD bezüglich
Komorbidität sei nicht bindend. Der Komorbidität vergleichbare Faktoren seien nicht
gegeben, denn der chronische Krankheitsverlauf gehöre zur
Schmerzverarbeitungsstörung, es fehle an einer ausgeprägten chronischen
Begleiterkrankung und es liege auch kein primärer Krankheitsgewinn vor. In Bezug auf
die Arbeitsfähigkeit könne vom MEDAS-Gutachten abgewichen werden, ohne dem
restlichen Teil dieses Gutachtens den Beweiswert abzusprechen.
B.c Der Beschwerdeführer liess am 23. Februar 2011 u.a. einwenden (act. G 8),
gemäss dem MEDAS-Gutachten stehe die mittelgradige depressive Störung mit
somatischem Syndrom im Vordergrund. Damit sei eine klare Abgrenzung zur
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somatoformen Schmerzstörung erfolgt. Selbst wenn die Rechtsprechung zur
somatoformen Schmerzstörung zur Anwendung gelangen sollte, ergebe sich aus dem
Gutachten eine relevante Komorbidität. Die Beschwerdegegnerin könne die
Foerster'schen Kriterien nicht einfach verneinen, denn sie hätte bei einem allfälligen
Zweifel weitere Abklärungen vornehmen müssen. Die mittelgradigen komplexen
Schwindelbeschwerden, der schwere Tinnitus, die chronische Hepatitis B und die
ausgeprägten kognitiven Leistungseinschränkungen und Belastungsminderungen seien
als relevante chronische körperliche Begleiterkrankungen zu würdigen. Der mehrjährige
Krankheitsverlauf bei unveränderter Symptomatik dürfe nicht in Zweifel gezogen
werden. Dasselbe gelte für den sozialen Rückzug. Der Einkommensvergleich sei nur
rudimentär erfolgt. Die Beschwerdegegnerin hätte einen Tabellenlohnabzug vornehmen
müssen, denn allein schon die Ausübung einer Teilzeittätigkeit hätte einen Abzug von
10% gerechtfertigt.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 4. März 2011 auf eine Duplik (act. G 10).

Erwägungen:
1.
1.1 Ob ein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht, hängt zunächst davon ab, dass
die Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder
herstellen, erhalten oder verbessern kann (Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG). Der
Beschwerdeführer hat angegeben, er habe den Beruf eines Physiklaboranten erlernt. In
der Schweiz hat er diesen Beruf nie ausgeübt. Er ist bereits kurz nach seiner Einreise in
die Schweiz (nach eigenen Angaben im Juli 1992), nämlich ab 1994 im Imbiss der
Metzgerei tätig gewesen. Es ist davon auszugehen, dass er den Beruf des
Physiklaboranten aufgrund des seit der Ausbildung eingetretenen technischen
Fortschritts und aufgrund des seitherigen Verlusts an Berufswissen jetzt nicht mehr
ausüben könnte. Der Beschwerdeführer ist demnach als Hilfsarbeiter (bzw.
Imbissstellenleiter) zu qualifizieren. Durch einen Wechsel in eine andere Hilfsarbeit
könnte er keine Verbesserung erreichen, da er in jeder Art von Hilfsarbeit im gleichen
Ausmass in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt wäre (falls tatsächlich eine
Arbeitsunfähigkeit vorliegen sollte). Als berufliche Eingliederung, die geeignet wäre, bei
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unverändertem Arbeitsunfähigkeitsgrad das zumutbare Invalideneinkommen
anzuheben, käme demnach nur eine sogenannt höherwertige Umschulung in Frage,
d.h. der Beschwerdeführer müsste einen Beruf erlernen (bzw. sich wieder in den Beruf
des Physiklaboranten einschulen lassen). Dazu fehlen ihm aber gemäss den
berufsberaterischen Abklärungen der Beschwerdegegnerin die intellektuellen
Fähigkeiten und die gestaltende Motivation. Zudem überschätzt er sich und sieht
umgekehrt seine Ressourcen zuwenig. Selbst wenn eine Arbeitsunfähigkeit bestehen
sollte, die bezogen auf eine Hilfsarbeit eine Erwerbseinbusse von 40% oder mehr zur
Folge hätte, läge somit kein Anwendungsfall des Grundsatzes "Eingliederung vor
Rente" (vgl. U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2. A., Vorbemerkungen N. 47) vor, denn der
Beschwerdeführer ist nicht höherwertig eingliederungsfähig. Auch in medizinischer
Hinsicht besteht keine Eingliederungsmöglichkeit, wie die Sachverständigen der
MEDAS unter Berufung insbesondere auf die vielen frustranen ambulanten und
stationären Therapien bei einer subjektiv stetig weiteren Verschlechterung festgestellt
haben. Die in Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG geregelte Voraussetzung eines Rentenanspruchs
ist also erfüllt: Die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers lässt sich nicht durch eine
zumutbare Eingliederungsmassnahme verbessern.
1.2 Der Anspruch auf eine Rente setzt weiter voraus, dass die versicherte Person
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen ist (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG). Ist der Beschwerdeführer nach
dem Unfall bis zur Begutachtung durch die MEDAS und darüber hinaus tatsächlich zu
50% arbeitsunfähig gewesen, so ist diese Bedingung erfüllt. Sollte der
Einkommensvergleich also einen rentenbegründenden Invaliditätsgrad liefern, so
besteht ab 1. Mai 2004 ein Rentenanspruch, denn der Verkehrsunfall hat sich im Mai
2003 ereignet und seither wäre in diesem Fall von einer Arbeitsunfähigkeit von
wenigstens 50% auszugehen.
1.3 Die dritte Voraussetzung des Rentenanspruchs besteht in einem Invaliditätsgrad
von 40% (Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG). Der Invaliditätsgrad ist durch einen
Einkommensvergleich (Art. 16 ATSG) zu ermitteln. Dazu ist das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
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(Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
1.3.1 Grundlage der Bemessung des Valideneinkommens bildet jene erwerbliche
Situation, in der sich die versicherte Person befinden würde, wenn sie nicht krank
geworden wäre. Diese hypothetische erwerbliche Situation wird als Validenkarriere
bezeichnet. Ausgehend von dieser Validenkarriere wird das Valideneinkommen
ermittelt. Da keine berufliche Eingliederung in Frage kommt, besteht die Validenkarriere
des Beschwerdeführers in der Tätigkeit als Leiter der Imbissstelle in der Metzgerei,
denn es gibt keinen Hinweis darauf, dass er eine andere (Hilfs-) Arbeit gesucht hätte,
wenn er gesund geblieben wäre. Da das Wartejahr im Jahr 2004 erfüllt ist, falls eine
relevante Arbeitsunfähigkeit vorliegt, steht ein Rentenanspruch ab diesem Jahr zur
Diskussion. Der Einkommensvergleich hat deshalb auf dem Einkommensniveau dieses
Jahres zu erfolgen. Gemäss den Angaben der I._ AG hat der Beschwerdeführer im
Jahr 2004 Fr. 4'623.-- bzw. Fr. 60'099.-- verdient. Dieser Betrag ist als
Valideneinkommen in den Einkommensvergleich einzusetzen.
1.3.2 Die Beschwerdegegnerin hat das zumutbare Invalideneinkommen nicht
nach dem vom Beschwerdeführer als Leiter der Imbissstelle erzielbaren Lohn, sondern
nach dem durchschnittlichen Einkommen der Hilfsarbeiter aller Branchen bemessen.
Sie ist also davon ausgegangen, dass die Tätigkeit als Leiter der Imbissstelle selbst bei
dem von ihr unterstellten Arbeitsfähigkeitsgrad von 100% nicht mehr in Frage komme.
Mit der Kündigung durch die B._ AG lässt sich dies nicht begründen, denn deren
Ursache war der Umstand, dass der Beschwerdeführer nur noch einer sehr leichten
Hilfsarbeit mit einem Beschäftigungsgrad von weit unter 50% nachgegangen ist, die für
die Arbeitgeberin praktisch keinen ökonomischen Wert gehabt haben dürfte. Zu prüfen
ist, ob es dem Beschwerdeführer nicht doch möglich und zumutbar gewesen wäre
(und immer noch wäre), als Leiter der Imbissstelle tätig zu sein. Die Symptome und die
indirekten Folgen der verschiedenen Krankheiten hätten einen erfolgreichen
Arbeitseinsatz an der letzten oder einer vergleichbaren Stelle mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit verhindert. Nach der allgemeinen Lebenserfahrung hätte
insbesondere die Depression dem Beschwerdeführer die Planung des Betriebs der
Imbissstelle und die Leitung des dort beschäftigten Personals erheblich erschwert oder
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gar verunmöglicht. Er wäre dem Druck und dem Stress nicht mehr gewachsen
gewesen. Wenn man zudem von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 50% ausgeht, so
spricht auch dies gegen die Möglichkeit der weiteren Ausübung einer Tätigkeit als
Leiter einer Imbissstelle, denn die Tätigkeit hätte im Job-Sharing erfolgen müssen, bei
dem ein anderer Arbeitnehmer die restlichen 50% hätte arbeiten müssen. Das wäre
schwierig gewesen und zudem hätte die Arbeitgeberin eine solche Lösung wegen der
damit verbundenen Organisationsprobleme wohl auch nicht akzeptiert. Die
Beschwerdegegnerin hat deshalb der Bemessung des zumutbaren
Invalideneinkommens zu Recht eine behinderungsadaptierte, durchschnittlich
entlöhnte Hilfsarbeit in irgendeiner Branche zugrunde gelegt, denn weder die
erwerblichen Kenntnisse noch die Folgen der Gesundheitsbeeinträchtigung sprechen
dafür, dass der Beschwerdeführer die verbliebene Arbeitsfähigkeit mit Vorteil in einer
bestimmten Branche verwerten würde. Die Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz
haben eine Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer der Behinderung
angepassten Erwerbstätigkeit von 50% angegeben, wobei die psychiatrische
Einschätzung ausschlaggebend gewesen ist. Die Beschwerdegegnerin hat in Bezug auf
die Art und das Ausmass der Gesundheitsbeeinträchtigung zwar auf das Ergebnis der
polydisziplinären Begutachtung abgestellt, dann aber die verbliebene Arbeitsfähigkeit
selbständig - und abweichend vom Gutachten - auf 100% geschätzt. Sie hat sich
dabei auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung berufen. Laut dieser Rechtsprechung
ist bei einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und gewissen vergleichbaren
pathogenetisch unklaren syndromalen Zuständen zu vermuten, dass die daraus
resultierende Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung durch eine zumutbare
Willensanstrengung überwunden werden, d.h. keine objektive Arbeitsunfähigkeit
bewirken könne (vgl. etwa BGE 130 V 352 ff., 131 V 49 ff.). Diese Vermutung ist
widerlegt, wenn bestimmte Umstände vorliegen, welche die Überwindung der
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung verhindern, weil die versicherte Person dann nicht
über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Im
Vordergrund steht dabei die psychische Komorbidität von erheblicher Schwere,
Ausprägung und Dauer. Als weitere mögliche Hindernisse können auftreten:
Chronische körperliche Begleiterkrankungen, ein mehrjähriger, chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne länger
dauernde Rückbildung, ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens, ein
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verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an
sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krankheitsgewinn) oder das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten
oder stationären Behandlung trotz kooperativer Haltung der versicherten Person (vgl.
etwa das Bundesgerichtsurteil vom 29. Mai 2009, 9C_803/2008, Erw. 3). Je mehr
dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde
darstellen, desto eher ist - ausnahmsweise - die Zumutbarkeit einer entsprechenden
Willensanstrengung zu verneinen. Die Beschwerdegegnerin hat sich darauf berufen,
dass die Frage, ob eine mittelschwere depressive Störung, die zusätzlich zu einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung diagnostiziert worden sei, eine
psychische Komorbidität zur anhaltenden somatoformen Schmerzstörung oder aber
nur eine - irrelevante - Folgeerscheinung einer solchen Schmerzstörung sei, als
Rechtsfrage zu qualifizieren sei, so dass keine Bindung an die Beurteilung durch die
medizinischen Sachverständigen bestehe. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um
eine Tatsachenfeststellung. Als Rechtsfrage ist nur die Frage zu qualifizieren, ob eine
psychische Komorbidität ausreichend stark sei, um die Vermutung der Überwindbarkeit
umzustossen (vgl. das Bundesgerichtsurteil vom 29. Mai 2009, 9C_803/2008; Erw. 4).
Dr. F._ vom RAD hat am 4. Februar 2008 zu Recht festgehalten, dass die
mittelgradige depressive Störung mit somatischem Syndrom ein eigenständiger, von
der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung klar abzugrenzender
Gesundheitsschaden sei, denn die Ausführungen im Gutachten der MEDAS
Ostschweiz zeigen dies klar auf: Der psychiatrische Sachverständige ist davon
ausgegangen, dass anfänglich eine Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion
bestanden habe, die angehalten habe und dann aufgrund der Vorgaben der ICD-10 in
eine mittelgradige depressive Störung mit somatischem Syndrom habe modifiziert
werden müssen. Erst nach der interdisziplinären Besprechung ist der psychiatrische
Sachverständige davon ausgegangen, dass auch eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung diagnostiziert werden müsse, weil die Symptomatik nicht vollständig
durch ein körperliches Leiden oder einen physiologischen Prozess habe erklärt werden
können. Daraus lässt sich nur der Schluss ziehen, dass die mittelgradige depressive
Störung mit somatischem Syndrom eine Komorbidität zur anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung sein muss, denn sie ist offensichtlich keine - unwichtige -
Begleiterscheinung der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Im Gegenteil
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könnte auch davon ausgegangen werden, dass die somatoforme Schmerzstörung eine
unerhebliche Begleiterscheinung der mittelgradigen depressiven Störung mit
somatischem Syndrom sei. Selbst wenn es sich, wie die Beschwerdegegnerin geltend
gemacht hat, um eine Rechtsfrage handeln würde, könnte die Komorbidität also nicht
verneint werden. Die Frage allerdings, ob die durch die mittelgradige depressive
Episode mit somatischem Syndrom bewirkte Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung des
Beschwerdeführers überwunden werden könne, stellt rechtsprechungsgemäss
tatsächlich eine Rechtsfrage dar. Das kann nur bedeuten, dass die zumutbare
Willensanstrengung abstrakt, d.h. nach einem für alle Versicherten einheitlichen Mass
definiert ist. Es muss also nicht im Einzelfall durch den medizinischen
Sachverständigen geklärt werden, über welches Mass an Willensenergie die
versicherte Person verfügt. Das Mass der zumutbaren Willensenergie mag zwar immer
gleich sein, aber das durch diese Willensenergie zu überwindende Hindernis, die
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung, ist von Fall zu Fall verschieden, denn ihre Stärke
hängt von der konkreten Krankheitssituation ab. Die durch eine leichte depressive
Episode ohne Komorbidität (oder andere Erschwernis) ausgelöste
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung ist offensichtlich viel leichter durch eine zumutbare
Willensanstrengung zu überwinden als jene Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung, die auf
eine schwere depressive Störung zurückzuführen ist. Zwar gilt, dass auch die durch
eine leichte bis mittelgradige depressive Störung bewirkte
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung als durch eine zumutbare Willensanstrengung
vollständig überwindbar betrachtet werden muss. Das gilt aber nur dann, wenn keine
relevante Komorbidität besteht und wenn keine anderen Umstände das durch die
zumutbare Willensanstrengung zu überwindende Hindernis vergrössern. Für den
vorliegenden Fall gilt, dass die Kombination aus einer mittelgradigen depressiven
Störung mit somatischem Syndrom und einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung ein so hohes Hindernis aufrichtet, dass eine vollständige Überwindung
der Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung als unzumutbar erscheinen muss. Die
Einschätzung der Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz und der beteiligten RAD-
Ärzte, dass es dem Beschwerdeführer nur zumutbar sei, zu 50% einer
behinderungsadaptierten Erwerbstätigkeit nachzugehen, erscheint deshalb als
überzeugend, selbst wenn keine weiteren Umstände gegen die Überwindbarkeit
sprechen sollten. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers vermögen die
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Hepatitis B, der Tinnitus und die Schwerhörigkeit die zumutbare Willensanstrengung
nicht zu beeinträchtigen, da sie im Alltag zwar lästig sein mögen, aber nicht erheblich
belastend sind. Das gilt auch für die Schwindelbeschwerden, da sie sich an einem
adaptierten Arbeitsplatz mit der Möglichkeit, bei einem entsprechendem Bedarf selbst
darüber zu bestimmen, wann eine Pause gemacht werden kann, kaum negativ
auswirken. Im Übrigen sind diese Beschwerden, zusammen mit den kognitiven
Leistungseinschränkungen und der Belastungsminderung sowie dem chronischen
Schmerzsyndrom des Rückens, von den Sachverständigen der MEDAS in die
Beurteilung einbezogen worden. In Bezug auf die Kriterien des mehrjährigen
Krankheitsverlaufs, der unbefriedigenden Behandlungsergebnisse und der
gescheiterten Rehabilitationsmassnahmen hat die Beschwerdegegnerin zu Recht
geltend gemacht, dass es zum Wesen der Depression mit somatischem Syndrom und
der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung gehöre, dass die geklagten
körperlichen Beschwerden nicht erfolgreich behandelt werden können, weil sie keine
somatische Ursache hätten oder als weit stärker empfunden würden, als sie aufgrund
ihrer somatischen Ursache eigentlich sein könnten. In Bezug auf die psychische
Beeinträchtigung selbst ist die Voraussetzung der ernstgemeinten langjährigen
Therapie nicht erfüllt. Von einem sozialen Rückzug in allen Belangen des Lebens kann
schon deshalb nicht gesprochen werden, weil der Beschwerdeführer immer an seinem
Arbeitsplatz erschienen ist und dort seine Aufgaben erfüllt hat und weil er sich immer
um seine Familie gekümmert hat. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der
Beschwerdeführer gemäss den überzeugenden Angaben der Sachverständigen der
MEDAS Ostschweiz und der RAD-Ärzte mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nur
noch zu 50% arbeitsfähig ist. Seitens der behandelnden Ärzte ist zwar vor und nach
der Begutachtung eine höhere Arbeitsunfähigkeit attestiert worden, Dies ist aber nicht
auf eine Veränderung im Gesundheitszustand, sondern auf eine abweichende
Beurteilung zurückzuführen. Die medizinischen Unterlagen zeigen nämlich, dass der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers spätestens seit der Erfüllung des
Wartejahrs stationär gewesen ist. Die Abweichung in den Arbeitsfähigkeitsschätzungen
vermag keinen ernsthaften Zweifel an der Richtigkeit der Angaben der
Sachverständigen der MEDAS zu wecken, da die behandelnden Ärzte ihre
Einschätzungen erfahrungsgemäss aus dem therapeutischen Blickwinkel heraus
abgeben und da zwischen ihnen und den Patienten ein Therapieverhältnis besteht, das
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aufgrund der vertraglichen und persönlichen Beziehung zu einer gewissen
(unbewussten) Befangenheit zugunsten der Patienten Anlass gibt. Das muss auch für
die Einschätzung durch die SUVA gelten, selbst wenn diese bis 2007 Taggelder auf der
Basis einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgerichtet hat. Bei der Bemessung des
zumutbaren Invalideneinkommens ist somit von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 50%
auszugehen. Das Durchschnittseinkommen der Hilfsarbeiter aller Branchen hat sich im
Jahr 2004 auf Fr. 57'258.-- belaufen (vgl. den Anhang 2 zu der von der
Informationsstelle AHV/IV herausgegebenen Textausgabe des IVG). Bei einem
Arbeitsfähigkeits- bzw. Beschäftigungsgrad von 50% ergibt das ein Jahreseinkommen
von Fr. 28'629.--. Aus der Sicht eines potentiellen Arbeitgebers weist der
Beschwerdeführer gegenüber gesunden zu 50% tätigen Hilfsarbeitern eine Reihe von
Nachteilen auf, die er mit einem unterdurchschnittlichen Lohn kompensieren müsste.
Dazu gehören eine tendenziell schwankende Leistungsfähigkeit und damit eine
schlechte Planbarkeit in Bezug auf die Arbeitsleistung, ein Bedarf nach Pausen
ausserhalb der üblichen Zeiten, die Gefahr überdurchschnittlicher Krankheitsabsenzen
usw. Diese Nachteile rechtfertigen praxisgemäss einen Abzug von Tabellenlohn von
10%. Das zumutbare Invalideneinkommen beläuft sich somit auf Fr. 25'766.--. Bei
einem Valideneinkommen von Fr. 60'099.-- resultiert eine behinderungsbedingte
Erwerbseinbusse von Fr. 34'333.--. Das entspricht einem Invaliditätsgrad von 57%. Der
Beschwerdeführer hat somit rückwirkend ab 1. Mai 2004 einen Anspruch auf eine halbe
Invalidenrente.
2.
Demnach ist die Beschwerde gutzuheissen. Die Sache ist zur Bemessung der
Rentenleistungen (inklusive allfälliger Zusatzrenten) und zur Ausrichtung der
entsprechenden Nachzahlung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Da der
Beschwerdeführer obsiegt, hat er einen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Diese
ist entsprechend dem durchschnittlichen Vertretungsaufwand praxisgemäss auf Fr.
3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Die unterliegende
Beschwerdegegnerin hat nicht nur diese Parteientschädigung, sondern auch die
Gerichtskosten zu bezahlen. Letztere belaufen sich - entsprechend dem
durchschnittlichen Verfahrensaufwand - praxisgemäss auf Fr. 600.--. Der vom
Beschwerdeführer geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird zurückerstattet.
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP