Decision ID: d4ad1b29-edf6-568b-adb9-a119b4804733
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Die A._ GmbH mit Sitz in X._ bezweckt die Beratung und den Betrieb von Hotels,
Restaurants und Gasthöfen (www.zefix.ch). Sie betreibt sie den Gasthof Y._ in X._.
Mit Gesuch vom 25. Januar 2021 beantragte die Gesellschaft eine finanzielle
Härtefallunterstützung im Zusammenhang mit der Covid-19-Epidemie in der Höhe von
CHF 38'200. Mit Schreiben vom 12. Februar 2021 teilte das Amt für Wirtschaft und
Arbeit der Gesuchstellerin mit, dass die gesetzlichen Voraussetzungen für eine
finanzielle Unterstützung nicht erfüllt seien. Mit Eingabe vom 15. Februar 2021
verlangte die A._ GmbH eine beschwerdefähige Verfügung. Mit Verfügung vom 3. Mai
2021 wies das Volkswirtschaftsdepartement das Gesuch um wirtschaftliche
Unterstützung in Zusammenhang mit der Covid-19-Epidemie ab. Zur Begründung
wurde ausgeführt, dass am Stichtag 15. März 2020 zwei Betreibungen für
steuerrechtliche Forderungen gegen die Gesuchstellerin vorgelegen hätten, womit die
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gesetzlichen Voraussetzungen nicht erfüllt seien. Die Gebühr für die Verfügung wurde
auf CHF 250 festgesetzt (act. 2).
B.
Mit Schreiben vom 15. Mai 2021 und Ergänzung vom 17. Mai 2021 erhob die
A._ GmbH (Beschwerdeführerin) Beschwerde gegen die ablehnende Verfügung des
Volkswirtschaftsdepartements (Vorinstanz) mit dem sinngemässen Antrag, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr sei eine Härtefallunterstützung in der
Höhe von CHF 38'200 zu gewähren. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde
vorläufig verzichtet. Mit Vernehmlassung vom 9. Juni 2021 beantragte die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde. Für die Bearbeitung der Beschwerde wurden
zusätzliche Akten eingefordert und der Beschwerdeführerin zur Kenntnis gebracht.
Auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung und die Ausführungen der
Beteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit für den
Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressat der
ablehnenden Verfügung der Vorinstanz ist der Beschwerdeführer zur Ergreifung des
Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerde wurde mit Eingabe vom 15. Mai 2021 rechtzeitig erhoben und erfüllt
zusammen mit der Ergänzung vom 17. Mai 2021 formal wie inhaltlich die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
bis
Mit der Beschwerde können Rechtsverletzungen geltend gemacht werden. Die
Beschwerdeführerin kann sich auch darauf berufen, die angefochtene Verfügung oder
der angefochtene Entscheid beruhe auf einem unrichtig oder unvollständig
festgestellten Sachverhalt (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP). Die Kognition des
Verwaltungsgerichts ist demnach auf Rechtsverletzungen beschränkt. Falls einer
Behörde beim entsprechenden Entscheid ein Ermessensspielraum zukommt, hat das
Verwaltungsgericht diesen zu respektieren (Looser/Looser-Herzig, in: Rizvi/Schindler/
2.1.
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Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege VRP, Praxiskommentar,
Zürich/St. Gallen 2020, N 3 und 5 zu Art. 61 VRP).
Art. 1 der Verordnung über Härtefallmassnahmen für Unternehmen im Zusammenhang
mit der Covid-19-Epidemie (SR 951.262, Covid-19-Härtefallverordnung) hält den
Grundsatz fest, wonach sich der Bund im Rahmen des von der Bundesversammlung
bewilligten Verpflichtungskredits an den Kosten und Verlusten beteiligt, die einem
Kanton aus seinen Härtefallmassnahmen für Unternehmen entstehen, sofern die
kantonale Regelung die Mindestvoraussetzungen dieser Verordnung bezüglich der
Anspruchsberechtigung der Unternehmen sowie der Ausgestaltung der Massnahmen
erfüllt. Die Federführung liegt beim Kanton. Er definiert die Härtefallmassnahmen. Dabei
liegt der Entscheid, ob und in welchem Umfang Härtefallmassnahmen ergriffen werden,
in dessen alleiniger Zuständigkeit (Erläuterungen der Eidgenössischen
Finanzverwaltung vom 31. März 2021 zur Covid-19-Härtefallverordnung, S. 2,
nachfolgend: Erläuterungen EFV). Gemäss Art. 3 Abs. 1 des Gesetzes über die
wirtschaftliche Unterstützung von Unternehmen in Zusammenhang mit der Covid-19-
Epidemie (sGS 571.3, kantonales Covid-Gesetz) kann der Kanton Unternehmen unter
gewissen Voraussetzungen Härtefallmassnahmen, darunter auch nicht rückzahlbare
Beiträge, gewähren. Als Kann-Vorschrift räumt diese Bestimmung einen gewissen
Ermessensspielraum ein und zwar im Hinblick auf die Entscheidung, ob überhaupt eine
Rechtsfolge angeordnet werden soll (sog. Entschliessungsermessen). Die
Unternehmen können keinen Anspruch auf Finanzhilfen geltend machen (Art. 5 Abs. 3
des kantonalen Covid-Gesetzes).
Die Härtefallmassnahmen sind begrenzt auf die Mittel des Bundes, die er für
Härtefallmass-nahmen im Kanton St. Gallen bereitstellt, und jene des Kantons, die
maximal 95 Millionen Franken betragen (Art. 2 des kantonalen Covid-Gesetzes). Das
zur Verfügung stehende Gesamtvolumen wie auch die Kann-Vorschrift schränken die
Rechtsansprüche auf die nicht rückzahlbaren Beiträge ein oder schliessen solche aus.
Sie zwingen die Behörden zu Ermessensentscheiden. Als leitendes Prinzip soll dabei
die Gleichbehandlung gelten (vgl. BVGer A-2600/2020 vom 16. Februar 2021 E. 4.2 zu
Begleitmassnahmen im Sportbereich zur Abfederung der Folgen der Covid-19-
Epidemie). Es handelt sich daher bei den nicht rückzahlbaren Beiträgen nach dem
kantonalen Covid-Gesetz um Ermessenssubventionen, auf die kein Rechtsanspruch
besteht (vgl. BVGer B-1773/2012 vom 18. Dezember 2014 E. 2.3 mit Hinweis).
Entsprechend hat das Verwaltungsgericht daher sein Ermessen nicht anstelle
2.2.
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3.
Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen vor, die Überlebensfähigkeit des
Unternehmens sei mit den Härtefallmassnahmen gesichert. Sie verfüge über
Bargeldreserven von CHF 178'079 und habe einen Betriebsgewinn von CHF 30'374
erzielt (im Jahr 2019). Am 15. März 2012 (recte wohl 2020) hätten keine Betreibungen
bezüglich Sozialversicherungsbeiträgen bestanden, und es bestehe ein
Zahlungsabkommen mit dem Steueramt. Sodann sei die Mehrwertsteuer 2019 bezahlt.
Der ihr effektive entstandene Schaden sei mit CHF 142'960 mehr als dreimal höher als
der beantragte Kredit. Einem anderen Wirt sei trotz ablehnendem Härtefallentscheid ein
Kredit ausbezahlt worden, da er die Betreibung nachträglich habe einzahlen können. Es
sollten alle Betroffenen gleich behandelt werden.
4.
desjenigen der Vorinstanz zu setzen, sondern den Entscheid mit einer gewissen
Zurückhaltung zu prüfen.
Nach Art. 12 Abs. 1 des Covid-19-Gesetzes kann der Bund auf Antrag eines oder
mehrerer Kantone Massnahmen für Unternehmen unterstützen, die vor dem 1. Oktober
2020 gegründet worden sind oder ihre Geschäftstätigkeit aufgenommen haben und am
1. Oktober 2020 ihren Sitz im jeweiligen Kanton hatten und die aufgrund der Natur ihrer
wirtschaftlichen Tätigkeit von den Folgen von Covid-19 besonders betroffen sind und
einen Härtefall darstellen, insbesondere Unternehmen in der Wertschöpfungskette der
Eventbranche, Schausteller, Dienstleister der Reisebranche, Gastronomie- und
Hotelleriebetriebe sowie touristische Betriebe. Ein Härtefall liegt vor, wenn der
Jahresumsatz unter 60 Prozent des mehrjährigen Durchschnitts liegt. Die gesamte
Vermögens- und Kapitalsituation ist zu berücksichtigen sowie der Anteil an nicht
gedeckten Fixkosten (Art. 12 Abs. 1 des Covid-19-Gesetzes). Der Bundesrat regelt
die Einzelheiten in einer Verordnung, wobei er Unternehmen berücksichtigt, die im
Durchschnitt der Jahre 2018 und 2019 einen Umsatz von mindestens CHF 50'000
erzielt haben (Art. 12 Abs. 4 des Covid-19-Gesetzes). Für Unternehmen, die aufgrund
von Massnahmen des Bundes oder der Kantone zur Eindämmung der Covid-19-
Epidemie ihren Betrieb ab dem 1. November 2020 für mehrere Wochen schliessen
mussten oder die während dieser Dauer in der betrieblichen Tätigkeit erheblich
eingeschränkt wurden, kann der Bundesrat die Anspruchsvoraussetzungen für die
Unternehmen nach diesem Artikel lockern (Art. 12 Abs. 5 des Covid-19-Gesetzes).
Nach Art. 1 Abs. 1 lit. a der Covid-19-Härtefallverordnung beteiligt sich der Bund im
4.1.
bis
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Rahmen des von der Bundesversammlung bewilligten Verpflichtungskredits an den
Kosten und Verlusten, die einem Kanton aus seinen Härtefallmassnahmen für
Unternehmen entstehen, sofern die vom Kanton unterstützten Unternehmen die
Anforderungen nach dem zweiten Abschnitt (Art. 2 bis 6 der Covid-19-
Härtefallverordnung) erfüllen. Nach 12 Abs. 2 des Covid-19-Gesetzes in Verbindung
mit Art. 4 Abs. 1 lit. a der Covid-19-Härtefallverordnung muss das Unternehmen dem
Kanton gegenüber belegt haben, dass es profitabel und überlebensfähig ist. Als
profitabel oder überlebensfähig gilt ein Unternehmen, das sich im Zeitpunkt der
Einreichung des Gesuchs nicht in einem Konkursverfahren oder in Liquidation befindet
(Art. 4 Abs. 2 lit. a der Covid-19-Härtefallverordnung) und das sich am 15. März 2020
nicht in einem Betreibungsverfahren für Sozialversicherungsbeiträge befunden hat, es
sei denn, dass zum Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs eine vereinbarte
Zahlungsplanung vorliegt oder das Verfahren durch Zahlung abgeschlossen ist (Art. 4
Abs. 2 lit. b der Covid-19-Härtefallverordnung).
bis
Der Kanton St. Gallen hat für die Ausgestaltung der Härtefallmassnahmen auf
Grundlage der bundesrechtlichen Bestimmungen gemäss Covid-19-Gesetz und
Covid-19-Härtefallverordnung ein Gesetz über die wirtschaftliche Unterstützung von
Unternehmen in Zusammenhang mit der Covid-19-Epidemie (sGS 571.3, kantonales
Covid-Gesetz) erlassen. Die gestützt auf Art. 75 der Verfassung des Kantons St. Gallen
(sGS 111.1, KV) als Dringlichkeitsrecht erlassene Verordnung war im Zeitpunkt der
angefochtenen Verfügung am 3. Mai 2021 nicht mehr in Vollzug. Die Verordnung fiel
mit Inkrafttreten des kantonalen Covid-Gesetzes am 18. Februar 2021 dahin. Gemäss
Art. 17 jenes Gesetzes wird auf hängige Gesuche für Härtefallmassnahmen das neue
Gesetz und nicht die Verordnung angewendet. Nach Art. 3 des kantonalen Covid-
Gesetzes kann Unternehmen eine Härtefallmassnahme gewährt werden, wenn sie die
Vorgaben nach dem zweiten Abschnitt der Covid-19-Härtefallverordnung erfüllen (lit.
a), ihren Umsatz zu wenigstens 75 Prozent in einer Branche nach Art. 4 dieses Erlasses
erzielen (lit. b), per 1. Oktober 2020 ihren Sitz im Kanton St. Gallen haben, eine
operative Geschäftstätigkeit im Kanton ausüben und per 15. März 2020 Arbeitsplätze
im Umfang von wenigstens 100 Stellenprozent in der Schweiz aufweisen (lit. c), keinen
Anspruch auf branchenspezifische Covid-19-Finanzhilfen des Bundes oder des
Kantons St. Gallen in den Bereichen Kultur, Sport, öffentlicher Verkehr oder Medien
haben (lit. d), per 31. Dezember 2019 nicht überschuldet waren (lit. e), über einen
Nachweis der Überlebensfähigkeit verfügen, der glaubhaft aufzeigt, dass die
Finanzierung des Unternehmens mit der Härtefallmassnahme gesichert werden kann
(lit. f) und sich am 15. März 2020 nicht in einem Betreibungsverfahren für
4.2.
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5.
steuerrechtliche Forderungen befunden haben, das nicht bereits durch eine Zahlung
abgeschlossen oder für das noch keine Zahlungsplanung vereinbart werden konnte (lit.
g). Härtefallmassnahmen werden auf Gesuch hin gewährt (Art. 11 Abs. 1 des
kantonalen Covid-Gesetzes).
Die Behörde oder das von ihr beauftragte Verwaltungsorgan ermittelt den Sachverhalt
und erhebt die Beweise von Amtes wegen durch Befragen von Beteiligten,
Auskunftspersonen und Zeugen, durch Beizug von Urkunden, Amtsberichten und
Sachverständigen, durch Augenschein sowie auf andere geeignete Weise. Sind zur
Wahrung des öffentlichen Interesses keine besonderen Erhebungen nötig, so sind nur
die von den Beteiligten angebotenen und die leicht zugänglichen Beweise über
erhebliche Tatsachen aufzunehmen (Art. 12 Abs. 1 und 2 VRP). Dieser Grundsatz gilt
(mit Einschränkungen hinsichtlich Behauptungs- und Beweisführungslast) auch im
Rechtsmittelverfahren (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen,
2. Aufl. 2003, Rz. 610). Der Untersuchungsgrundsatz wird durch die Mitwirkungspflicht
der Parteien relativiert. Diese Pflicht ist insofern gerechtfertigt, als die Beteiligten den
Sachverhalt nicht nur besser kennen, sondern oft auch ein eigenes Interesse daran
haben, ihre Darstellung des Sachverhalts beweismässig zu untermauern (Cavelti/
Vögeli, a.a.O., Rz. 599). Sie führt dazu, dass die Verfahrensbeteiligten vor allem dort,
wo sie eine Bewilligung oder eine staatliche Leistung beanspruchen, das tatsächliche
Fundament ihres Begehrens weitgehend selbst behaupten und die Beweise dafür
anbieten müssen (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 605 mit Hinweis). Kann von den Privaten
nach den Umständen eine Handlung oder eine Äusserung erwartet werden und bleibt
eine solche aus, so haben die Behörden nicht nach Tatsachen zu forschen, die nicht
aktenkundig sind. Eine Mitwirkungspflicht besteht insbesondere für die Beschaffung
von Unterlagen, welche nur die Parteien liefern können, und für die Abklärung von
Tatsachen, welche eine Partei besser kennt als die Behörde (Häfelin/Müller/Uhlmann,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, Rz. 990 ff. mit Hinweis auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung).
4.3.
Gemäss Erläuterungen der Eidgenössischen Finanzverwaltung zur Covid-19-
Härtefallverordnung vom 31. März 2021 (nachfolgend: Erläuterungen EFV) zu Art. 4
Abs. 2 der Covid-19-Härtefallverordnung darf gegen ein Unternehmen am Stichtag des
15. März 2020 – also vor Beginn der Covid-bedingten Einschränkungen der Wirtschaft
– kein Betreibungsverfahren für obligatorische Sozialversicherungsbeiträge (AHV/IV/EO
5.1.
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St.Galler Gerichte
Gläubiger Betr. Nr. Datum Einleitung Stadium
Betrag
Sozialversicherungsanstalt des Kt. St. Gallen 192739 04.10.2019 Pfändung 13'797.85
Schw. Eidgenossenschaft (EStV) 200037 07.01.2020 Rechtsvorschlag
3'500.00
und ALV) eingeleitet sein. Als Beleg genügt ein aktueller Betreibungsregisterauszug.
Wenn jedoch zum Zeitpunkt der Gesuchseinreichung die Ausgleichskasse gestützt auf
eine vereinbarte Zahlungsplanung einen Zahlungsaufschub gewährt hat oder das
Betreibungsverfahren durch Zahlung abgeschlossen ist, sind die
Anspruchsvoraussetzungen wiederum erfüllt. Da die AHV-Ausgleichskassen in einem
weitestgehend automatisierten Prozess unverzüglich nach Ende der Zahlungsfrist
Mahnungen versenden und Betreibungen einleiten, sobald auf eine Mahnung keine
fristgerechte Zahlung eingeht, stellt diese Bestimmung sicher, dass nur
Unternehmungen von Härtefallmassnahmen profitieren, welche ihre
Sozialversicherungsbeiträge vor Ausbruch von Covid-19 regelmässig bezahlt haben.
Art. 3 Abs. 1 lit. g des kantonalen Covid-Gesetzes legt als zusätzliche Voraussetzung
fest, dass sich ein Unternehmen am 15. März 2020 auch nicht in einem
Betreibungsverfahren für steuerrechtliche Forderungen befunden haben darf, das nicht
bereits durch Zahlung abgeschlossen oder für das noch keine Zahlungsplanung
vereinbart wurde. Als steuerrechtliche Forderungen gelten dabei nebst Forderungen
des kantonalen Steueramts auch solche der Eidgenössischen Steuerverwaltung
(Botschaft der Regierung vom 19. Januar 2021 zum kantonalen Covid-Gesetz, ABl
2021-00.037.159, Ziff. 3.2). Im Hinblick auf die gesetzgeberische Zielsetzung, lediglich
profitablen und überlebensfähigen Unternehmen finanzielle Unterstützung zukommen
zu lassen, erweist sich dieses Kriterium, sowohl in Bezug auf
Sozialversicherungsbeiträge als auch Steuerforderungen, zur Beurteilung der
Vermögens- und Kapitalsituation eines Unternehmens durchaus als geeignet.
Gemäss eigenen Angaben erzielte die Beschwerdeführerin in den Vorjahren Umsätze in
der Höhe von CHF 341'820 (2019) und CHF 285'776 (2020). Da sie ein Restaurant
betreibt und dieses aufgrund der am 18. Dezember 2020 beschlossenen Massnahmen
in der Folge mehr als 40 Tage behördlich geschlossen war, ist sie vom Nachweis eines
Umsatzrückgangs von 60 Prozent befreit. Gemäss Betreibungsregisterauszug vom
27. Januar 2021 bestanden am 15. März 2020 fünf Betreibungen von offenen
Sozialversicherungsbeiträgen und Steuerforderungen gegen die Beschwerdeführerin
(act. 13/2):
5.2.
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Schw. Eidgenossenschaft (EStV) 200038 07.01.2020 Rechtsvorschlag
3'600.00
Kanton St. Gallen (Kant. Steueramt) 200602 02.03.2020 Verwertung
6'198.85
Kanton St. Gallen (Kant. Steueramt) 200603 02.03.2020 Verwertung
5'827.20
Die am 4. Oktober 2019 eingeleitete Betreibung Nr. 192739 für
Sozialversicherungsbeiträgen in der Höhe von CHF 13'797.85 befand sich am
27. Januar 2021 im Pfändungsstadium. Gemäss Bestätigung der
Sozialversicherungsanstalt St. Gallen vom 10. Mai 2021 wurde der gesamte Betrag
mittlerweile vollumfänglich beglichen (act. 7/14). Gegen zwei am 7. Januar 2020
eingeleitete Betreibungen der Eidgenössischen Steuerverwaltung (Nrn. 200037 und
200038) hatte die Beschwerdeführerin Rechtsvorschlag erhoben. Von ursprünglich
CHF 3'500 und CHF 3'600 waren am 31. August 2021 noch CHF 376.36 und
CHF 2'963.65 offen (vgl. Liste der aktuell offenen Betreibungen, act. 20/3). Bei zwei
anderen, am 2. März 2020 eingeleiteten Betreibungen betreffend kantonale
Steuerforderungen von zusammen rund CHF 12'000 (Nrn. 200602 und 200603) erhob
die Beschwerdeführerin am 17. März 2020 Rechtsvorschlag. Am 18. Mai 2020 erteilte
die Einzelrichterin des Kreisgerichts Q._ Rechtsöffnung, die Beschwerde dagegen
wies das Kantonsgericht St. Gallen ab. Anschliessend wurde das Betreibungsverfahren
fortgesetzt und die Verwertung eingeleitet (vgl. act. 7/8). Das Betreibungsamt Z._
schlug der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 21. Januar 2021 vor, die offenen
Forderungen mit monatlichen Abschlagszahlungen von CHF 1'200 zu begleichen (act.
7/8). Zwischen 9. Februar und 14. Mai 2021 leistete die Beschwerdeführerin
Abschlagszahlungen an das Betreibungsamt von insgesamt CHF 4'000 (act. 7/12). Die
Forderungen wurden in der Folge indessen nicht vollumfänglich getilgt, sondern für die
Restbeträge Verlustscheine über CHF 4'239.60 (Nr. 200602) und CHF 3'811.85 (Nr.
200603) ausgestellt (vgl. Auszug aus dem Verlustscheinregister vom 31. August 2021,
act. 20/2).
Das Betreibungsverfahren für die am 15. März 2020 in Betreibung gesetzten
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Sozialversicherungsbeiträge (Nr. 192739) ist mittlerweile mittels Zahlung
abgeschlossen. Die am Stichtag des 15. März 2020 fraglichen Steuerforderungen
waren jedoch weder bei der Gesuchseinreichung am 25. Januar 2021 noch sind sie
heute vollumfänglich getilgt. Bei zwei Forderungen der Eidgenössischen
Steuerverwaltung laufen die Pfändungen; es sind noch Beträge über CHF 3'300 offen.
Für zwei Forderungen des kantonalen Steueramtes führte die Pfändung nicht zur
Befriedigung der Schulden, und für die ungedeckten Beträge (rund CHF 8'000) wurden
Verlustscheine ausgestellt. Daran vermögen die an das Betreibungsamt geleisteten
Zahlungen nichts zu ändern. Abzahlungsvereinbarungen mit der Eidgenössischen
Steuerverwaltung und dem kantonalen Steueramt legte die Beschwerdeführerin weder
bei der Antragstellung noch im angehobenen Beschwerdeverfahren vor, obschon ihr
der Nachweis dafür aufgrund der sie treffenden Mitwirkungspflicht obliegt und sie auf
deren zwingende Einreichung bei der Antragstellung (vgl. Antragsformular unter
www.sg.ch) hingewiesen wurde.
Hinzu kommt, dass nach dem Stichtag des 15. März 2020 neue Betreibungen für
Sozialversicherungsbeiträge und Steuerforderungen hinzugekommen und am
31. August 2021 noch in folgendem Umfang offen sind, was doch gewisse Zweifel an
der Überlebensfähigkeit der Gesellschaft aufkommen lässt (vgl. act. 20/3):
Kanton St. Gallen (Kant. Steueramt) 201258 27.05.2020 Pfändung 1'892.70
Schw. Eidgenossenschaft (EStV) 201330 02.06.2020 Pfändung 3'393.30
Sozialversicherungsanstalt des Kt. St. Gallen 201810 06.08.2020 Pfändung 9'560.30
Schw. Eidgenossenschaft (EStV) 203180 16.12.2020 Pfändung 3'475.75
Schw. Eidgenossenschaft (EStV) 210728 10.03.2021 Pfändung 1'995.80
Schw. Eidgenossenschaft (EStV) 211406 19.05.2021 Rechtsvorschlag
1'580.85
Sozialversicherungsanstalt des Kt. St. Gallen 211906 14.07.2021 Rechtsvorschlag
19'848.55
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6.
Zusammenfassend erfüllt die Beschwerdeführerin vor diesem Hintergrund die
Voraussetzung von Art. 3 Abs. 1 lit. g des kantonalen Covid-Gesetzes für die
Ausrichtung einer Härtefallmassnahme offensichtlich nicht. Die Vorinstanz hat daher
zurecht verfügt, dass die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf finanzielle
Unterstützung im Zusammenhang mit der Covid-19-Epidemie hat. Die Beschwerde ist
daher abzuweisen.
7.
In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder
teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP). Auf die Erhebung von amtlichen
Kosten wird jedoch in der Regel gestützt auf Art. 97 VRP verzichtet, wenn eine
Rechtsfrage in einem Verfahren erstmals entscheiden wird (R. von Rappard-Hirt, in:
Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], a.a.O., N 7 zu Art. 97 VRP). Dem Verfahrensausgang
entsprechend wären die amtlichen Kosten – angemessen ist vorliegend eine
Entscheidgebühr von CHF 1'500 (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12) – der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Da vor der
Beschwerdeerhebung noch keine Entscheide des Verwaltungsgerichts im
Zusammenhang mit Härtefallmassnahmen für Unternehmen aufgrund der Covid-19-
Gesetzgebung ergangen und publiziert worden sind, rechtfertigt es sich, auf die
Erhebung der Kosten zu verzichten.
Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
ausseramtliche Entschädigung (Art. 98 VRP). Der Vorinstanz steht sodann kein
Kostenersatz zu (vgl. VerwGE B 2017/59 vom 23. März 2018 E. 7 mit Hinweis auf R.
Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz,
Lachen/St. Gallen 2004, S. 176 ff.). Sie hat denn auch zurecht keinen
Entschädigungsantrag gestellt.