Decision ID: 7bc4f8df-125e-54a9-9bf0-b619e48b9058
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin – eine ethnische Türkin mit letztem offiziellem
Wohnsitz in B._ − reiste am (...) November 2019 in die Schweiz ein
und stellte gleichentags im Bundesasylzentrum C._ ein Asylge-
such. Am 11. November 2019 fand die Personalienaufnahme und am
4. Dezember 2019 eine Erstbefragung zu den Asylgründen nach Art. 26
Abs. 3 AsylG (SR 142.31) statt.
B.
Am (...) 2020 heiratete die Beschwerdeführerin einen in der Schweiz nie-
dergelassenen Landsmann.
C.
Am 7. Januar 2020 fand eine weitere Anhörung der Beschwerdeführerin
gemäss Art. 29 AsylG statt und am 5. Februar 2020 wurde eine ergän-
zende Anhörung durchgeführt.
D.
D.a Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen vor, sie habe sich während ihres Studiums von (...) bis (...)
an der D._-Universität in E._ für die Gülen-Bewegung en-
gagiert, indem sie den Fluss von Geldern von zwei dieser nahestehenden
Stiftungen organisiert und bei Studienanfängern für die Gülen-Bewegung
geworben habe. Zudem habe sie von (...) bis (...) ein Praktikum bei einem
Arbeitgeber absolviert, der nach dem Putschversuch wegen seiner Verbin-
dungen zur FETÖ (Fethullahçı Terör Örgütü; der Gülen-Bewegung zuge-
rechnete angebliche Terror-Organisation) verhaftet und verurteilt worden
sei. Nach dem Putschversuch habe sie den Kontakt zur Gülen-Bewegung
abgebrochen. Ab Juni 2017 habe sie Repressalien durch den mit ihr be-
freundeten Offizier F._ erlitten, nachdem sie dessen Annäherungs-
versuche zurückgewiesen habe.
D.b Nachdem er sie im (...) 2017 geschlagen habe, als er sie in Begleitung
eines anderen Mannes angetroffen habe, habe sie ihn bei der Polizei an-
gezeigt. Diese habe sich aber als unzuständig erklärt und keine Ermittlun-
gen eingeleitet, weil F._ Angehöriger des Militärs sei. Er sei Leut-
nant in einer Sondereinheit. In der Folgezeit habe er sie telefonisch und
über verschiedene Social-Media-Kanäle belästigt und bedroht. Sie glaube
auch, dass er dafür verantwortlich gewesen sei, dass sie zweimal – im
September 2017 sowie im September 2019 − Arbeitsstellen verloren habe.
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Vom (...) 2019 bis (...) 2019 habe sie sich legal in der Schweiz aufgehalten,
um ihren künftigen Ehemann kennenzulernen, und sei danach in die Türkei
zurückgekehrt. Am (...) 2019 habe F._ sie in der Öffentlichkeit kör-
perlich angegriffen, sie der Mitgliedschaft bei FETÖ beschuldigt und ge-
droht, sie deswegen anzuzeigen. Sie habe sich wegen dieses Übergriffs in
Spitalpflege begeben müssen. F._ habe von ihrem früheren Enga-
gement für die Gülen-Bewegung Kenntnis, weil sie ihm davon erzählt habe.
Nachdem sie am (...) 2019 nach I._ gereist sei, habe sie von ihren
Eltern telefonisch erfahren, dass die Polizei sich bei ihnen in B._
nach ihr erkundigt habe, ohne aber den Grund hierfür zu nennen. Nachdem
Polizisten am (...) 2019 ein weiteres Mal zu Hause nach ihr gesucht hätten,
habe sie sich zur Ausreise entschlossen. Sie sei von G._ aus illegal,
in einem Lastwagen versteckt, in die Schweiz gereist.
D.c Zum Beleg ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin folgende
Beweismittel ein: Notenbestätigung einer (...)schule vom (...) 2009, die der
Gülen-Bewegung zugeschrieben wird; Kontoauszüge und Kontobewegun-
gen sowie Screenshot einer E-Mail-Nachricht der H._ Bank; Aus-
züge aus dem Messenger-Verlauf von Facebook mit Drohungen von
F._; Screenshot Facebook-Messenger von unbeantworteten Anru-
fen eines anderen Offiziers; Auszug aus der Liste der von ihr blockierten
Personen in Facebook; E-Rezept vom (...) 2019; Röntgen-
bericht des (...)zentrums der Universitätsklinik in B._ vom (...)
2019; Busfahrkarte für die Strecke von B._ nach I._; meh-
rere türkische Online-Medienberichte inklusive Links.
E.
Mit Entscheid vom 11. Februar 2020 wurde die Beschwerdeführerin ins er-
weiterte Verfahren zugewiesen.
F.
Mit Verfügung vom 5. März 2021 (gleichentags eröffnet) stellte das SEM
fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und
lehnte ihr Asylgesuch ab. Zudem wurde festgestellt, der Entscheid über ih-
ren weiteren Aufenthalt in der Schweiz falle in die Zuständigkeit der kanto-
nalen Migrationsbehörden.
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Seite 4
G.
Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters an das Bundesverwaltungsgericht vom
6. April 2021 erhob die Beschwerdeführerin Beschwerde gegen die Verfü-
gung der Vorinstanz und beantragte, diese sei aufzuheben, es sei ihre
Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr sei Asyl zu gewähren; eventu-
aliter sei die Sache zur vollständigen und richtigen Abklärung und Würdi-
gung sowie zu Ausfällung eines neuen Asylentscheids an die Vorinstanz
zurückzuweisen und diese anzuweisen, die Zulässigkeit und Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs zu prüfen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht be-
antragte die Beschwerdeführerin die Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung sowie die Beiordnung von Rechtsanwältin Lynn Zürcher als
unentgeltliche Rechtsbeiständin.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 15. April 2020 wies der Instruktionsrichter die
Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung gemäss
Art. 65 Abs. 1 VwVG beziehungsweise Art. 102m Abs. 1 AsylG infolge Aus-
sichtslosigkeit der Beschwerde ab und forderte die Beschwerdeführerin zur
Leistung eines Kostenvorschusses innert Frist auf.
Der Kostenvorschuss wurde am 30. April 2021 fristgerecht einbezahlt.
I.
Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 30. April 2020 hielt die Beschwer-
deführerin an der Glaubhaftigkeit und asylrechtlichen Relevanz ihrer Vor-
bringen fest und reichte die folgenden weiteren Beweismittel zu den Akten:
Arztbericht von Dr. med. J._, K._, vom 16. April 2021;
Arbeitsunfähigkeitsbestätigung der L._ vom 30. April 2021; Bericht
von Solidarité Femmes, K._, vom 24. Februar 2021; Bestätigungs-
schreiben einer Freundin (undatiert) inklusive Übersetzung; Bestätigungs-
schreiben eines früheren Arbeitgebers vom 21. März 2021, inklusive Über-
setzung; Beleg Einzahlung des Kostenvorschusses.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
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von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
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Seite 6
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz wies das Asylbegehren der Beschwerdeführerin mit der
Begründung ab, ihre Vorbringen vermöchten den Anforderungen an die
Glaubhaftigkeit sowie an die Flüchtlingseigenschaft nicht zu genügen. Ihre
Ausführungen betreffend die angebliche Suche der türkischen Sicherheits-
kräfte nach ihr im Oktober 2019 seien widersprüchlich und unsubstanziiert
und daher als unglaubhaft zu erachten. Im Weiteren würden sich aus den
Akten keine konkreten Hinweise dafür ergeben, dass in der Türkei gegen
sie im Zusammenhang mit der FETÖ ein Ermittlungs- oder Strafverfahren
eingeleitet worden wäre. Gemäss ihren Aussagen habe die Beschwerde-
führerin alle Kontakte zur Gülen-Bewegung abgebrochen, habe keine Fa-
milienangehörigen oder nahen Verwandten, die sich bei dieser engagiert
hätten, und habe nicht an einer der mit dieser Bewegung in Verbindung
stehenden Universitäten studiert. Schliesslich habe sie im (...) 2019 ohne
Probleme aus der Türkei aus- und wieder einreisen können. Demnach wür-
den sich aus den Akten keine konkreten Hinweise dafür ergeben, dass ihr
von Seiten der türkischen Behörden asylrechtlich relevante Nachteile dro-
hen würden. Bezüglich der vorgebrachten Repressalien durch den ehema-
ligen Freund F._ der Beschwerdeführerin sei festzustellen, dass der
türkische Staat über eine funktionierende und wirksame Schutzinfrastruk-
tur verfüge und es ihr daher möglich sei, die Unterstützung der türkischen
Behörden gegen dessen Übergriffe in Anspruch zu nehmen. Es könne von
deren Schutzfähigkeit und -willen ausgegangen werden, und es bestehe
kein konkreter Grund zur Annahme. dass ihr die notwendige Unterstützung
verweigert worden wäre. Diesem Vorbringen fehle demnach die asylrecht-
liche Relevanz. Überdies seien die eingereichten Beweismittel nicht geeig-
net, den behaupteten tätlichen Angriff durch F._ am (...) 2019 sowie
die befürchtete Denunziation der Beschwerdeführerin durch ihn wegen ih-
rer früheren Tätigkeit für die Gülen-Bewegung zu belegen.
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5.2 Nach Auffassung des Gerichts ist die Einschätzung der Vorinstanz im
Ergebnis zu bestätigen; die Ausführungen in der Beschwerdeeingabe und
der ergänzenden Eingabe vom 30. April 2020 sowie die eingereichten Be-
weismittel vermögen keine andere Einschätzung zu rechtfertigen.
5.2.1 Vorab ist festzustellen, dass die verfahrensrechtlichen Rügen der Be-
schwerdeführerin sich als unberechtigt erweisen: Die Vorinstanz hat sich
in der angefochtenen Verfügung mit den wesentlichen Aspekten ihrer Asyl-
vorbringen in gebührender Ausführlichkeit auseinandergesetzt und ihre
Schlussfolgerungen hinreichend begründet. Den Akten sind demnach
keine Hinweise auf eine relevante Verletzung des rechtlichen Gehörs oder
des Anspruchs auf ein faires Verfahren zu entnehmen.
5.2.2 Zu Recht wurde in der angefochtenen Verfügung darauf hingewie-
sen, dass die Ausführungen der Beschwerdeführerin zu den vorgebrachten
Erkundigungen der Sicherheitskräfte bei ihren Eltern nach ihr im Jahr 2019
wenig detailliert und uneinheitlich ausgefallen sind und sich deshalb Zwei-
fel an deren Glaubhaftigkeit rechtfertigen. Jedenfalls lassen sich den Akten
keine über blosse Vermutungen hinausgehende, stichhaltigen Anhalts-
punkte für einen Zusammenhang dieser behördlichen Suche nach ihr mit
der von ihr dargelegten früheren Tätigkeit für die Gülen-Bewegung ent-
nehmen. Ferner sind keine konkreten Hinweise ersichtlich, dass sie auf-
grund dieses Engagements im heutigen Zeitpunkt mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit mit Verfolgungsmassnahmen durch die türkischen Behörden
zu rechnen hat. Beim Vorbringen, wonach sie von F._ wegen ihrer
Beziehung zur FETÖ denunziert worden sei, handelt es sich um eine un-
belegte und unsubstanziierte Vermutung. Diese Einschätzung wird na-
mentlich dadurch untermauert, dass keine weitergehenden Massnahmen
der türkischen Sicherheitskräfte – wie die Einleitung von Ermittlungen oder
eines Strafverfahrens gegen sie – aktenkundig sind. Nach dem Gesagten
hat die Beschwerdeführerin keine begründete Furcht vor Verfolgungs-
massnahmen durch die türkischen Behörden glaubhaft dargetan.
5.2.3 Im Weiteren ist in Anbetracht der eingereichten Beweismittel – na-
mentlich der Bestätigungsschreiben einer Freundin sowie eines früheren
Arbeitgebers − zwar als glaubhaft zu erachten, dass die Beschwerde-
führerin Opfer von Repressalien durch den früher mit ihr befreundeten
F._ wurde. Diesen Vorbringen ist aber keine asylrechtliche Rele-
vanz beizumessen. Gemäss gefestigter Rechtsprechung des Gerichts
kann von der Schutzfähigkeit und dem grundsätzlichen Schutzwillen der
türkischen Behörden hinsichtlich des Umgangs mit Gewalt gegen Frauen
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ausgegangen werden. Das türkische Gesetz Nr. 6284 zum Schutz der
Familie und zur Verhütung von Gewalt gegen Frauen aus dem Jahr 2012
zielt auf den Opferschutz und die Anordnung von verschiedenen Sicher-
heits- und Unterstützungsmassnahmen ab, wobei alle Frauen, einschliess-
lich der Unverheirateten, vom Schutz umfasst sind. Bei der Revision des
türkischen Strafgesetzbuchs im Jahre 2004 sind der Strafrahmen für Stra-
fen bei Taten gegen Frauen erhöht und die Strafmilderungsgründe bei Fäl-
len von Ehrenmord und Vergewaltigung aufgehoben worden (vgl. insbe-
sondere das Referenzurteil des BVGer E-1948/2018 vom 12. Juni 2018,
E. 5.2 ff., m.w.H., bestätigt etwa in E-2691/2020 vom 17. Juni 2020 E. 5.2,
E-1175/2020 vom 16. März 2020 E. 7.2.2 sowie in E-4377/2019 vom 8. No-
vember 2019 E. 6.1). Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin allfälligen zukünftigen Übergriffen von F._
nicht schutzlos ausgeliefert und ihr die Inanspruchnahme der staatlichen
Schutzeinrichtungen und rechtlichen Anlaufstellen in der Türkei zuzumuten
wäre. Aus dem Umstand, dass sich gemäss ihrer Darstellung die Polizei-
beamten als unzuständig erklärt hätten, als sie im (...) 2017 eine Strafan-
zeige gegen F._ habe erstatten wollen, kann nicht auf eine gene-
relle Schutzverweigerung geschlossen werden. Überdies besteht auch
kein Grund zur Annahme, dass F._ eine derart hochrangige Funk-
tion bekleidet beziehungsweise über so viel Einfluss verfügt, dass er sich
allfälligen behördlichen Massnahmen entziehen könnte. Die eingereichten
Beweismittel, namentlich die Medienberichte, vermögen keine andere Ein-
schätzung zu rechtfertigen.
5.2.4 Angesichts der zu bejahenden Schutzfähigkeit der türkischen Behör-
den kann überdies davon ausgegangen werden, dass die Beschwerde-
führerin auch allfälligen Repressalien seitens ihrer Herkunftsfamilie im
Zusammenhang mit den Problemen mit ihrem Ehemann nicht schutzlos
ausgeliefert wäre.
5.2.5 Die von der Beschwerdeführerin vorgebrachten und mit mehreren
Berichten belegten psychischen Probleme lassen zwar auf traumatisie-
rende Erlebnisse in der Vergangenheit schliessen und sind somit als Indiz
für die Glaubhaftigkeit der geschilderten Übergriffe durch F._ zu be-
werten. Dies ändert aber nichts an der fehlenden asylrechtlichen Relevanz
dieses Sachverhaltselements.
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5.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es der Beschwerdeführerin
nicht gelungen ist, eine im Sinne von Art. 3 AsylG relevante Verfolgungs-
gefahr nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz hat ihr Asyl-
gesuch demzufolge zu Recht abgelehnt. Gründe für die eventualiter bean-
tragte Rückweisung der Sache an die Vorinstanz sind den Akten nicht zu
entnehmen.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Nachdem die Beschwerdeführerin am (...) 2020 einen türkischen
Staatsangehörigen mit Niederlassungsbewilligung C geheiratet hat, ist ein
grundsätzlicher Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zu be-
jahen, weshalb die konkrete Beurteilung des geltend gemachten An-
spruchs und damit auch der Entscheid über die Wegweisung – und über
allfällige Wegweisungsvollzugshindernisse – in die Zuständigkeit der frem-
denpolizeilichen Behörden fällt (EMARK 2001 Nr. 21 E. 8d S. 175 f.).
6.3 Unter diesen Umständen hat die Vorinstanz zu Recht auf eine Anord-
nung der Wegweisung in Anwendung von Art. 44 AsylG verzichtet. Bei die-
ser Sachlage erübrigen sich Erwägungen zur Durchführbarkeit des Voll-
zugs einer nicht verfügten Wegweisung. An diesen Feststellungen vermag
auch das Vorbringen, die Beschwerdeführerin habe sich mittlerweile von
ihrem Ehemann getrennt (vgl. Beschwerde S. 9 f.), nichts zu ändern.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdefüh-
rerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.− fest-
zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur
Begleichung dieser Kosten zu verwenden.
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