Decision ID: 37d4d1a5-a13e-449c-bda1-23550658f899
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1967, erlitt am 1. Mai 2015 eine Sprunggelenkfraktur des linken Fusses, als sie auf der Strasse umknickte (vgl. Urk. 5/15/1).
Sie war vom 1. Mai bis am 14. August 2015 zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben (Urk. 5/2/16-21). Am 13. Mai 2017 meldete sie sich wegen schweren Rücken- und Nacken
schmerzen, die sich nach der Sprunggelenkverletzung entwickelten, bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Bezug einer
Hilf
losenentschädigung
an (Urk. 5/3). Am 17. Mai 2017 meldete sie sich ebenfalls zum Bezug von Leistungen der
berufliche
n
Integration bzw. einer
Rente an (Urk. 5/9).
Die IV-Stelle traf erwerbliche und medizinische Abklärungen. Sie holte einen IK-Auszug ein (Urk. 5/12), besorgte Arztberichte der
Y._
(Urk. 5/14) und des
Z._
(Urk. 5/15), und zog die Akten der Krankentaggeldversicherung (
KTGV
)
Groupe
Mutuel
bei (Urk. 5/22). Ausserdem
holte
sie eine interne Stellungnahme des Abklärungsdienstes (Urk. 5/19)
ein
.
Gestützt auf ihre Abklärungen, insbesondere die interne Stellungnahme des Ab
klä
rungsdienstes (Urk. 5/19), stellte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbe
scheid vom 4. Juli 2017 (Urk. 5/20) die Verneinung des Anspruchs auf eine
Hilf
losenentschädigung
in Aussicht.
Dagegen wurde kein Einwand erhoben. Mit Verfügung vom 11. September 2017 (Urk. 2= Urk. 5/23) verneinte die IV-Stelle den Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
wie angekündigt.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 7. Oktober 2017 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte sinngemäss, die Verfügung vom 11. September 2017 sei aufzuheben und es sei ihr eine Entschädigung wegen Hilflosigkeit zuzusprechen. Mit
Be
schwer
deantwort
vom 23. November 2017 (Urk. 4) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Die Aufforderung zur Einreichung einer Replik (Urk. 6) konnte der Versicherten nicht zugestellt werden (vgl. Urk. 7), weshalb die Zustellungsfiktion nach Art. 13 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialver
siche
rungsgericht (
GSVGer
) in Verbindung mit Art. 38
Abs.
2
bis
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsgerichts (ATSG) zum Tragen kam (Urk. 8). Am 30. Januar 2018 wurde der Versicherten zur Kenntnis gebracht, dass innert angesetzter Frist keine Replik eingegangen war (Urk. 9).
Auf
die Vorbringen
wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine Hilflo
sen
-
entschädigung. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensver
richtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV). Praxisge
mäss (BGE
121 V 88 E.
3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend (B
GE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E.
4a):
-
Ankleiden, Auskleiden;
-
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
-
Essen;
-
Körperpflege;
-
Verrichtung der Notdurft;
-
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.2
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
e.
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38
IVV
angewie
sen ist.
1.3
Nach
Art.
38
Abs.
1 IVV liegt ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sinne von
Art.
42
Abs.
3 IVG vor, wenn eine volljährige versicherte Person aus
serhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit:
a.
ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen kann;
b.
für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist; oder
c.
ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.
Die lebenspraktische Begleitung beinhaltet weder die (direkte oder indirekte) Dritthilfe bei den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen noch die Pflege noch die Überwachung. Sie stellt vielmehr ein zusätzliches und eigenständiges Insti
tut der Hilfe dar (BGE 133 V 450 E. 9).
1.4
Wie bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Bemessung der Hilflosigkeit in den alltäglichen Lebensverrichtungen ist auch bei der Hilflosigkeit unter dem Gesichtspunkt der lebenspraktischen Begleitung eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen Arzt und Verwaltung erforderlich. Ersterer hat anzu
geben, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen bzw. geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist. Der Versicherungsträger kann an Ort und Stelle weitere Abklärungen vornehmen, wobei bei Unklarheiten über physische und psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen in der All
-
tagspraxis
Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig sind. Genügt der Bericht über die Abklärung vor Ort den einzelnen rechtsprechungsgemässen Beweisanforderungen (siehe dazu im Ein
zel
nen
BGE 130 V 61
E.
6.1.2), greift das Gericht in das Ermessen der die Ab
klärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehlein
schät
zungen vorliegen (zum Ganzen BGE
133 V 450
E.
11.1.1
und Urteil des Bundes
gerichts 9C_18/2008 vom 19. Dezember 2008 E. 2.4).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 11. September 2017 (Urk. 2) vertrat die Beschwerdegegnerin gestützt auf ihre Abklärungen den Standpunkt, dass die Versicherte in keiner alltäglichen Lebensverrichtung tägliche Hilfe benötige. Es
sei weder eine regelmässige noch eine erhebliche Hilfe erforderlich, weshalb zum
heutigen Zeitpunkt kein Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
bestehe.
Dem hielt die Versicherte in ihrer Beschwerdeschrift vom 7. Oktober 2017 (Urk. 1) im Wesentlichen sinngemäss entgegen, sie benötige aufgrund ihrer Schmerzen in alltäglichen Lebensverrichtungen tägliche Hilfe.
2.2
Mit Beschwerdeantwort vom 23. November 2017 (Urk. 4) ergänzte die Beschwer
degegner
in, die Versicherte sei nach d
em Unfall kurzzeitig vom 5. Mai bis 2. Juli 2015 auf die Unterstützung der Pflege- und
Haushaltspitex
angewiesen gewesen. Gelegentliche Zwischenfälle der Hilfsbedürftigkeit könnten jedoch nicht zur Annahme einer Notwendigkeit regelmässiger Dritthilfe führen. Die Hilfe sei erst dann regelmässig, wenn sie die versicherte Person täglich oder eventuell (voraussehbar) täglich benötige.
3.
3.1
Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und die Angaben bezüglich der Hilflosigkeit lassen sich zusammengefasst wie folgt darstellen:
Die Ärzte des
Z._
diagnostizierten am 1. Mai 2015 ein
en
Status nach nicht dislozierter Fraktur
Malleolus
lateralis
Typ Weber B links
(Urk. 5/15/1). Die Beschwerdeführerin habe sich bei ihnen vom 14. April
(recte
:
Mai)
bis am
7.
August 2015 in einer amb
ulanten Behandlung befunden
.
An
lässlich
der letz
ten Verlaufskontrolle am 7. August 2015 habe sich ein sehr zufriedenstellender Heilungsverlauf mit noch leichten Einschränkungen der plantaren Flexion ge
zeigt. Die Fortführung der physiotherapeutischen Bemüh
ungen sei empfohlen worden.
Ab 22. August 2015 prognostizierten die Ärzte wieder eine volle Ein
satzfähigkeit
(Urk. 5/15/2
;
B
ericht vom 13. Juni 2017
[
Urk. 5/1
5]
).
3.2
Die Beschwerdeführerin war ab dem 1
6.
Juni 2016 in einer ambulanten Behandlung in der
Y._
bei Dr. med.
A._
, Fachärztin für Innere Medizin. Die Ärztin erklärte am 16. Juni 2016, die Beschwerde
führerin habe an Ganzkörper
schmerzen im Nacken- und Schulterbereich gelitten, welche nach 4-monatigem Krückengehen (vom Mai bis August 2015) aufge
tre
ten seien. Einmalig sei es vor 3 bis 4 Wochen zu Ausstrahlungen mit Kribbel
pa
rästhesien gekommen, die vom Kleinfinger bis zum Ringfinger rechts gegan
gen seien. Diese seien aktuell ver
schwunden.
Die Ärztin
diagnostizierte einerseits belastungsabhängige Fuss
schmerzen links, welche auf die
Fibul
a
fraktur
im Mai 2015 zurückzuführen sei
en
und mit einer Fussinstabilität mit Knick-/Plattfuss zusammenh
ingen
.
Andererseits nannte sie die Diagnose eines
cervicovertebralen
Schmerzsyndroms rechts, wobei generalisierte Schmerzen
nucheal
und
cervical
, jedoch keine segmentale Dysfunktion und keine neurologischen Befunde festzu
stellen gewe
sen seien. Diese Beschwerden wurden medikamentös und mittels Physiotherapie behandelt (vgl. Urk. 5/14/6-7).
Am
5. August 2016 hielt die Ärztin fest, dass sich die Beschwerden im Vergleich zur ersten Konsultation deutlich gebessert hätten. Es komme aber immer wieder zu Schmerzepisoden für circa 2 bis 3 Tage. Die regelmässige Physiotherapie tue der Beschwerdeführerin gut; sie
habe sich bereits wieder motivieren können mit dem Velo zu fahren und mit Schwimmen aktiv zu werden (Urk. 5/14/7). Am 8. Mai 2017 konstatierte
Dr.
A._
ein
myofasciales
Schmerzsyndrom in der Nacken- und Schulterre
gion. Vor circa 10 Tagen habe die Versicherte nach
dem
Tragen von zwei Ein
kauf
staschen
wieder mehr Beschwerden in der Nacken- und Schulterregion ver
spürt. Ein Chiropraktiker habe diverse Blockaden in der HWS lösen können. Eine manuell-therapeutische Behandlung der Trigger Points (
TrP
) am
Musculus
Trapezius
, am
Musculus
levator
scapuale
, am
Musculus
sternocleidomastoideus
und am
Musculus
rhomboideus
habe zu einer deutlichen Beschwerde
ver
besse
rung geführt (Urk. 5/14/8).
3.3
In ihrer Anmeldung vom 13. Mai 2017 (Urk. 5/3) zum Bezug einer Entschä
digung wegen Hilflosigkeit gab die Beschwerdeführerin an, dass sie in den
beiden Lebensverrichtungskategorien Aufstehen/Absitzen/Abliegen und Ver
rich
tung der Notdurft wegen ihrer Hilflosigkeit und trotz Hilfsmitteln regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen sei. In den übrigen Bereichen der Lebensverrichtung (Ankleiden/Auskleiden, Essen, Körperpflege, Fortbewe
gung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte) ist sie nach eigenen Angaben nicht auf die Hilfe Dritter angewiesen (vgl. Urk. 5/3/4). Sie benötige weder medizinisch-pflegerische Hilfe (vgl. Urk. 5/3/5) noch sei sie auf eine persönliche Überwa
chung angewiesen (Urk. 5/3/6).
Die Beschwerdeführerin erklärt hinsichtlich des Aufstehens, Absitzens und Ab
liegens im Wesentlichen, dass sie an einigen Tagen überhaupt nicht aufstehen könne. Die Physiotherapie zeige zwar etwas Erfolg, aber wenn sie aktiv sei, könne sie danach für 1-3 Tage nicht mehr aufstehen (Urk. 5/3/2). Wenn es ihr schlecht gehe, könne sie das Bett nicht selber verlassen (Urk. 5/3/4). In diesem Zusammenhang gab sie eine Bettlägerigkeit an; sie könne das Bett nur zwischen Null und 8 Stunden pro Tag verlassen (Urk. 5/3/6). Im Weiteren machte die Beschwerdeführerin bezüglich der
Verrichtung der Notdurft geltend,
sie könne nicht Heben oder Putzen. Dies gelte alles seit Mai 2015 (vgl. Urk. 5/3/4).
Zur lebenspraktischen Begleitung für Erwachsene, die nicht in einem Heim wohnen, gibt die Beschwerdeführerin
einerseits an, sie sei wegen der gesund
heitlichen Beeinträchtigungen nicht auf eine lebenspraktische Begleitung ange
wiesen. Andererseits bejahte sie aber, dass eine Hilfeleistung erforderlich sei,
damit sie selbständig wohnen könne und dass sie auf die Anwesenheit einer Dri
tt
person angewiesen sei, um eine Isolation zu verhindern. Ihr Ehemann er
bringe in diesem Zusammenhang die notwendige Unterstützung (Urk. 5/3/6-7).
3.
4
Dr.
A._
reichte am 13. Juni 2017 einen Bericht ein (vgl. Urk. 5/14). Sie meinte, aktuell
im Mai 2017 - habe das Sozialamt der Beschwerdeführerin, die
früher Kellnerin gewesen sei, eine Alternativarbeit mit Veloreparaturen verord
net. Mit den am 8. Mai 2017 aktuellen Nacken-Schulterproblematik sei diese Arbeit aber nicht mehr möglich, weshalb sie vom 8. bis 3
1.
Mai 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die Veloreparaturarbeit attestiert habe. Diese gelte aber lediglich für repetitive Arbeiten mit Heben und Tragen von Ge
wichten von mehr als 5 kg (Urk. 5/14/8).
3
.
5
Im Abklärungsbericht
vom 4. Juli 2017 hielt die Beschwerdegegnerin im Wes
entlichen fest, die Beschwerdeführerin habe die Lebensverrichtung „Notdurft” vermutlich falsch verstanden, da sich die dazugehörigen Bemerkungen auf das Heben und Putzen beziehen würden. Die Beschwerdeführerin gebe überdies an, sie habe schwere Rücken- und Nackenbeschwerden sowie Kopfschmerzen seit einem Unfall im Mai 201
5.
Sie könne sich nicht b
eug
en, keine Handtasche tra
gen, nicht länger als zehn Minuten stehen und nicht regelmässig schlafen. Sie habe gesagt, dass sie sich alle 30 Minuten hinlege und einige Tage über
haupt nicht aufstehen könne. Unter Berücksichtigung dieser Umstände, gestützt auf die telefonische Rücksprache mit der Spitex Zürich Limmat und ausgehend von den beiden Arztberichten des
Z._
und der
Y._
könne zusammenfassend nicht von einer regelmässigen und erheb
lichen Einschränkung in den alltägli
chen Lebensverrichtungen ausgegan
gen werden.
4.
4.1
Fraglich ist zunächst, ob die Beschwerdeführerin eine Hilfsbedürftigkeit im Bereich „Aufstehen/Absitzen/Abliegen” darzutun vermag.
Gemäss
Rz
8015 des
Kreisschreiben
s
über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH]
des Bundesamtes für Sozialversicherungen
(
gültig ab
1.
Januar 2015, Stand: 1. Januar 2018
) liegt eine Hilflosigkeit im Bereich „Aufstehen/Absitzen/Abliegen (inkl. ins Bett gehen oder das Bett verlassen)” vor, wenn die versicherte Person ohne Hilfe Dritter nicht aufstehen, absitzen oder abliegen kann. Die Hilfe ist regelmässig, wenn sie die versicherte Person täglich oder eventuell (nicht voraussehbar) täglich benötigt.
Gelegentliche Zwi
schenfälle der Hilfsbedürftigkeit können nicht zur Annahme einer Notwendig
keit regelmässiger Dritthilfe führen
(Urteil des Bundesgerichts 9C_562/2016 vom 13. Januar 2017 E. 5.3;
Rz
8025
KSIH
). Die in einzelnen seltenen oder ge
legentlichen Bedarfsfällen angeforderte Hilfe stellt keine regelmässige Hilfe dar
(Urteil des Sozialversicherungsgerichts Zürich IV.2010.00219 vom 18. März 2011 E. 7.1.2). Jedoch liegt Regelmässigkeit vor, wenn zuweilen nur alle zwei bis drei Tage unvermittelt und dann oft täglich oder täglich mehrmals Anfälle erfolgen (ZAK 1986 S. 484;
Rz
8025
KSIH
).
In ihrer Anmeldung gibt die Beschwerdeführerin zusammengefasst an, dass sie das Bett bei starken Schmerzen im Rücken- und Nackenbereich nicht verlassen könne (vgl. Urk. 5/3/2; Urk. 5/3/4).
Denkbar ist
, dass die Beschwerdeführerin aufgrund eines
myofaszialen
Schmerzsyndroms phasenweise Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich verspürt (vgl. Urk. 5/14/8). Indessen finden sich
in keinem der ärztlichen Berichte
Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführerin
aufgrund eines gesundheitlichen Leidens
das Bett „regelmässig” ohne Mithilfe nicht verlassen kann
.
Aus
keinem der
Arztbericht
e
gehen Anhaltspunkte für eine tägliche Bettlägerigkeit hervor, wie sie die Beschwerdeführerin angibt (vgl. Urk. 5/3/6).
In diesem Sinne ergab auch die Abklärung bei der Spitex
B._
vom 12. Mai 2017, dass die Beschwerdeführerin einzig unmittelbar nach dem Unfall kurze Zeit Pflege- und
Haushaltspitex
benötigt hatte, ab 2. Juli 2015 jedoch keine Unterstützung mehr brauchte (Urk. 5/8).
Insgesamt ist daher kein regelmäss
iger Hilfsbedarf im Bereich Auf
s
t
ehen/Absitzen/Abliegen ausge
wiesen, was die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung und ihrer Beschwerde
antwort zutreffend festhält (vgl. Urk. 2 S. 2: Urk. 4 S. 2).
4.2
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin in der alltäglichen Lebens
ver
rich
tung „Verrichten der Notdurft (Reinigung, Ordnen der Kleider, Katheterisierung oder ähnliches)” hilfsbedürftig ist. Die Beschwerdeführerin gibt in ihrer Anmel
dung an, dass sie ihre Notdurft nicht verrichten könne, weil sie nicht Heben oder Putzen könne (Urk. 5/3/4). Die Begründung der Beschwerdeführerin liefert Indizien für eine Einschränkung in Alltagssituationen,
die
bei der Frage der Notwendigkeit einer lebenspraktischen Begleitung zu beurteilen ist. Sie vermag aber eine Hilfsbedürftigkeit bei der Verrichtung der Notdurft nicht darzutun, was die Beschwerdegegnerin in ihrem Abklärungsbericht zutreffend festhält (vgl. Urk. 5/19/1). Eine fehlende Selbständigkeit bei der
Notdurftverrichtung
wird auch durch sonstige Vorbringen nicht nachvollziehbar geltend gemacht. Eine solche ist denn auch anhand der medizinischen Akten nicht ersichtlich.
4.
3
Im Weiteren werden in den übrigen alltäglichen Lebensverrichtungen keine medi
zinisch begründeten Einschränkungen angegeben. Solche ergeben sich auch ge
stützt auf die medizinischen Akten nicht.
Die Beschwerdeführerin ist daher nicht in mindestens zwei alltäglichen Lebens
verrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen. Die Voraussetzungen für einen Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
nach Art. 37 Abs. 3
lit
. a IVV sind nicht erfüllt.
4.
4
4.
4
.1
Sofern die Beschwerdeführerin mit den Angaben, Hilfeleistungen seien für ein selbständiges Wohnen erforderlich und die Anwesenheit einer Drittperson sei
notwendig um eine Isolation zu verhindern (vgl. Urk. 5/3/6-7), geltend machen w
ill
, sie brauche eine lebenspraktische Begleitung (vgl.
Art.
42
Abs.
3 IVG in Ver
bindung mit
Art.
38
Abs.
1 IVV), gi
lt
Folgendes:
4.
4
.2
Lebenspraktische Begleitung besteht nur dann, wenn eine Person unter Berück
sichtigung der Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht nicht fähig ist, ihre Grundversorgung sicherzustellen (
Rz
8040
KSIH
). Im Rahmen der Schaden
min
derungspflicht ist insbesondere auch die Mithilfe der Familienangehörigen zu berücksichtigen, vor allem bei der Haushaltsführung.
Dabei ist danach zu fra
gen, wie sich eine vernünftige Familiengemeinschaft einstellen würde, wenn keine Versicherungsleistungen zu erwarten wären (BGE 133 V 504 E. 4.2). Kann
die versicherte Person wegen ihr Behinderung gewisse Haushaltarbeiten nur noch
mühsam und mit viel höherem Zeitaufwand erledigen, so muss sie in erster Linie ihre Arbeit einteilen und in üblichem Umfang die Mithilfe von Familien
angehörigen in Anspruch nehmen. Der übliche Umfang der Mithilfe von Fami
lienangehörigen geht weiter als die ohne Gesundheitsschädigung üblicher
weise zu erwartende Unterstützung (Urteil des Bundesgerichts 9C_373/2017 vom 6. September 2017 E. 3.1 mit Hinweis auf BGE 133 V 504 E. 4.2). Den Familien
angehörigen darf dabei keine unverhältnismässige Belastung entstehen (BGE 133 V 504 E. 4.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_410/2009 vom 1. April 2010 E. 5.5; Urteil des Sozialversicherungsgerichts Zürich IV.2010.00219 vom 18. März 2011 E. 7.3.1).
4.
4
.3
Laut der Beschwerdeführerin könnte sie ohne die Mithilfe ihres Mannes nicht selbständig wohnen (Urk. 5/3/6). Sie braucht nach eigenen Angaben bezüglich Haushaltsführung Hilfe beim Heben, Tragen und Putzen (vgl. Urk. 5/3/4). Den medizinischen Unterlagen lässt sich einzig entnehmen, dass die Beschwerde
führerin aufgrund des
myofaszialen
Schmerzsyndroms vorübergehend vom
8.
bis 31. Mai 2017 keine repetitiven Arbeiten mit Heben und Tragen von Gewichten von mehr als 5 kg ausführen konnte. Ansonsten ist von einer Beschwerdebesserung die Rede (vgl. Urk. 6/14/8). Unter diesen Umständen und im Lichte der vorzitierten Rechtsprechung kann erwartet werden, dass sich das Ehepaar so organisiert, dass die Beschwerdeführerin in einer Phase mit starken Schmerzen beim Heben, Tragen und Putzen die Hilfe ihres Ehemanns in Anspruch nimmt. E
s
ist weder dargetan noch ersichtlich, dass diese Hilfe eine unverhältnismässige Belastung des Ehemanns darstellen würde. Insgesamt hat
die Beschwerdeführerin damit im Rahmen der Schadenminderungspflicht, welche
die zumutbare Mithilfe des Ehemanns miteinschliesst, als in der Lage zu gelten, für ihre Grundversorgung selbständig aufzukommen.
4.
4
.4
Dasselbe gilt bezüglich der Angabe der Beschwerdeführerin, wonach sie auf die Anwesenheit ihres Ehemanns als Drittperson angewiesen sei, um eine Isolation zu verhindern (Urk. 5/3/7; vgl.
Art.
38 Abs. 1
lit
. c IVV). Denn sobald eine part
ner
schaftliche Beziehung besteht, ist die Isolation nicht gegeben (
KSIH
Rz
8052.2)
. Es liegen keine medizinischen Angaben vor, aus denen zu schliessen wäre, die Beschwerdeführerin benötige aufgrund ihres Leidens eine lebenspraktische Begleitung, um eine Isolation zu verhindern. Dafür, dass die Beschwerdeführerin für die Verrichtung und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist (vgl.
Art.
38
Abs.
1
lit
b
IVV
), bestehen ebenfalls keine Anhaltspunkte, weshalb sich Weiterungen dazu erübri
gen.
Insgesamt betrachtet ist ein
Angewiesensein
auf eine lebenspraktische Beglei
tung im Sinne von
Art.
42 Abs. 3 IVG in Verbindung mit
Art.
38 Abs. 1 IVV nicht ausgewiesen.
4.
5
Zusammenfassend ist die Beschwerdeführerin weder in mindestens zwei alltäg
lichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf Hilfe Dritter angew
ie
sen, noch
b
edarf sie einer lebenspraktischen Begleitung im Sinne der Invalidenversicherung. Die Beschwerdegegnerin hat mithin den Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
zu Recht verneint. Damit ist die angefochtene Ver
fügung vom 11. September 2017 zu bestätigen und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen.
5
.
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art.
69
Abs. 1
bis
IVG
) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Verfahrens
ausgang sind sie der
unterliegenden Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.