Decision ID: cda40ae1-012d-44ad-9dd0-4799cedc474f
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Abänderung des Scheidungsurteils
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes (7. Abteilung) des  Zürich vom 28. Oktober 2021; Proz. FP200106
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Rechtsbegehren:
Rechtsbegehren des Klägers: (act. 1 S. 2) "Das Scheidungsurteil des Bezirksgerichtes Bülach vom 11. April 2016 (Geschäfts-Nr. FE120235-C/U) sei in Bezug auf Ziff. 4 des Urteils und die Ziff. 4 und 5 der genehmigten Scheidungsvereinbarung abzuändern und die Unterhaltszahlungspflichten des Klägers mit Wirkung ab  dieser Klage aufzuheben. Eventualiter seien die  an die Tochter auf maximal CHF 300.-- zu reduzieren."
Anlässlich der Hauptverhandlung modifiziertes Rechtsbegehren des Klägers: (act. 26 S. 1 sinngemäss)
Es seien die Unterhaltspflichten des Klägers an die Beklagte und die gemeinsame Tochter bereits per 1. November 2020 aufzuheben bzw. eventualiter zu reduzieren. Eventualiter seien die Unterhaltszahlungen, falls die Beklagte  zu wenig bezahlte Unterhaltszahlungen nachzufordern versuchen sollte, rückwirkend per 1. Januar 2020 aufzuheben bzw. massgeblich zu reduzieren.
Rechtsbegehren der Beklagten: (act. 29 S. 2)
"1.Die Klage auf Abänderung des Scheidungsurteils des  Bülach vom 11. April 2016 (FE120235-C) und auf Aufhebung der Unterhaltsbeiträge für die gemeinsame Tochter gemäss Ziff. 4/4 sowie für die Beklagte gemäss Ziff. 4/5 sei vollumfänglich .
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MwSt.) zu Lasten des Klägers."
Urteil des Einzelgerichtes:
1. In Abänderung der Ziffern 4. und 5. der von den Parteien am 7. April 2016
geschlossenen und durch das Bezirksgericht Bülach mit Urteil vom 16. April
2016 genehmigten Vereinbarung über die Scheidungsfolgen wird der Kläger
mit Rechtskraft des vorliegenden Urteils verpflichtet:
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a) für den Zeitraum vom 1. Dezember 2020 bis am 31. Dezember 2021
für die Tochter C._, geboren am tt.mm. 2006, einen monatlichen
Kinderunterhaltsbeitrag von Fr. 1'800.– sowie einen nachehelichen Un-
terhaltsbeitrag von monatlich Fr. 1'250.–, zahlbar an die Beklagte je-
weils am Ersten jeden Monats im Voraus, zu bezahlen.
Der Kläger wird für berechtigt erklärt, den Wohnrechtszins von
Fr. 2'750.– im Monat mit den Unterhaltsbeiträgen zu verrechnen.
b) für den Zeitraum vom 1. Januar 2022 bis zum 30. September 2022 für
die Tochter C._, geboren am tt.mm. 2006, einen monatlichen Kin-
derunterhaltsbeitrag von Fr. 1'800.– sowie einen nachehelichen Unter-
haltsbeitrag von monatlich Fr. 2'467.–, zahlbar an die Beklagte jeweils
am Ersten jeden Monats im Voraus, zu bezahlen.
Der Kläger wird für berechtigt erklärt, den Wohnrechtszins von
Fr. 2'750.– im Monat mit den Unterhaltsbeiträgen zu verrechnen.
c) für den Oktober 2022 für die Tochter C._, geboren am tt.mm.
2006, einen Kinderunterhaltsbeitrag von Fr. 1'800.– sowie einen nach-
ehelichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 2'087.–, zahlbar an die Beklagte im
Voraus auf den 1. Oktober 2022.
Der Kläger wird für berechtigt erklärt, den Wohnrechtszins von
Fr. 2'750.– im Monat mit den Unterhaltsbeiträgen zu verrechnen.
d) für den Zeitraum vom 1. November 2022 bis zum 1. Oktober 2024 für
die Tochter C._, geboren am tt.mm. 2006, einen monatlichen Kin-
derunterhaltsbeitrag von Fr. 1'800.– sowie einen nachehelichen Unter-
haltsbeitrag von monatlich Fr. 1'500.–, zahlbar an die Beklagte jeweils
am Ersten jeden Monats im Voraus, zu bezahlen.
Der Kläger wird für berechtigt erklärt, den Wohnrechtszins von
Fr. 2'750.– im Monat mit den Unterhaltsbeiträgen zu verrechnen.
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e) ab 1. November 2024 bis zur angemessenen Erstausbildung des Kin-
des, auch über die Volljährigkeit hinaus, für die Tochter C._, gebo-
ren am tt.mm. 2006, einen monatlichen Kinderunterhaltsbeitrag von
Fr. 1'800.–, zahlbar an die Beklagte, solange die Tochter in deren
Haushalt lebt, keine selbständigen Ansprüche gestützt auf Art. 277
Abs. 2 ZGB gegen den Kläger stellt und keine andere Zahlstelle be-
zeichnet, jeweils am Ersten jeden Monats im Voraus, zu bezahlen.
2. Darüber hinausgehende Anträge werden abgewiesen.
3. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 3'500.– die weiteren Gerichtskosten betragen
CHF 645.– Dolmetscher
4. Die Kosten des Entscheids werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt, je-
doch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf
die Gerichtskasse genommen.
Die Parteien werden auf die Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO hin-
gewiesen.
5. Die Parteientschädigungen werden wettgeschlagen.
6./7. [Mitteilungen / Rechtsmittel]
Berufungsanträge:
Des Berufungsklägers (act. 41 S. 2):
"Die Ziff. 1 a – d des erstinstanzlichen Urteils seien aufzuheben und wie folgt abzuändern: Für den Zeitraum 1.12.2020 bis 31.12.2022 sei der nacheheliche
Unterhaltsbeitrag an die Beklagte von CHF 1'250.– auf CHF 950.– zu reduzieren, wobei der Kläger für berechtigt zu erklären sei, den Wohnrechtszins von CHF 2'750.– im Monat mit diesen  zu verrechnen.
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Für den Zeitraum 01.01.2023 – 01.10.2024 sei der monatliche  für die Tochter C._, geb. tt.mm.2006, auf CHF 1'800.– sowie der nacheheliche Unterhaltsbeitrag an die Beklagte auf CHF 1'500.– festzulegen, wobei der Kläger für berechtigt zu erklären sei, den Wohnrechtszins von CHF 2'750.– im Monat mit diesen  zu verrechnen."

Erwägungen:
I. Parteien und Prozessverlauf
1. Die Parteien wurden mit Urteil des Bezirksgerichts Bülach vom 11. April
2016 geschieden und deren Scheidungsvereinbarung in besagtem Scheidungsur-
teil genehmigt. Der Kläger und Berufungskläger (nachfolgend Kläger) machte vor
Vorinstanz mit Eingabe vom 30. November 2020 eine Klage auf Abänderung des
Scheidungsurteils hängig (act. 1). Nachdem an der Einigungsverhandlung keine
Einigung hatte erzielt werden können, fand am 26. März 2021 die Hauptverhand-
lung statt. An dieser Verhandlung erstatteten die Parteien ihre Parteivorträge, zu-
dem erfolgte eine Parteibefragung (Prot. Vi S. 6 ff.). Eine Einigung konnte wiede-
rum nicht herbeigeführt werden. Die Vorinstanz fällte daraufhin ohne förmliches
Beweisverfahren am 28. Oktober 2021 das angefochtene Urteil (act. 31 =
act. 42/A = act. 43/1 [Aktenexemplar], nachfolgend zitiert als act. 43/1).
2. Während laufender Berufungsfrist stellte der Kläger vor Vorinstanz ein Be-
richtigungsgesuch (act. 35). Mit Eingabe vom 19. Januar 2022 erhob der Kläger
sodann rechtzeitig (act. 33 i.V.m. act. 41) die vorliegend zu beurteilende Berufung
mit den oben wiedergegebenen Anträgen. Mit Verfügung vom 11. Februar 2022
nahm die Vorinstanz die beantragte Berichtigung vor, indem Dispositiv-Ziffer 1
des angefochtenen Urteils vom 28. Oktober 2021 (im Wortlaut abgedruckt oben,
S. 2 ff.) wie folgt berichtigt wurde: "d) für den Zeitraum vom 1. November 2022 bis
zum 31. Oktober 2024..." (act. 38 = act. 43/2, Dispositiv-Ziffer 1 [Hervorhebung im Original]). Das Verfahren erweist sich als spruchreif (Art. 312 Abs. 1 ZPO). Der
Beklagten ist mit diesem Entscheid ein Doppel von act. 41 samt Beilagen zuzu-
stellen.
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II. Zur Sache
1.1. Die nach Eingang der Berufung zu prüfenden Rechtsmittelvoraussetzungen
sind erfüllt. Die Berufung wurde form- und fristgerecht erhoben und mit Anträgen
und Begründung versehen. Dem Eintreten steht damit grundsätzlich nichts entge-
gen.
1.2. Der Kläger stellt in seiner Berufungsschrift erstens den Antrag, in Abände-
rung des erstinstanzlichen Urteils für den Zeitraum vom 1.12.2020 bis 31.12.2022
den nachehelichen Unterhalt an die Beklagte von monatlich Fr. 1'250.– auf
Fr. 950.– zu reduzieren, wobei der Kläger für berechtigt zu erklären sei, den
Wohnrechtszins von Fr. 2'750.– im Monat mit diesen Unterhaltsbeiträgen zu ver-
rechnen. Der zweite Antrag bezieht sich auf den nachehelichen Unterhaltsbeitrag
im Zeitraum ab dem 1.1.2023 (vgl. die Anträge im Wortlaut oben, S. 4 f.).
Das angefochtene Urteil setzte den nachehelichen Unterhalt indes nur für
den Zeitraum vom 1.12.2020 bis 31.12.2021 auf Fr. 1'250.– fest, während es für
den Zeitraum vom 1.1.2022 bis 31.12.2022 nacheheliche Unterhaltsbeiträge von
Fr. 2'467.– (bis 30.9.2022) bzw. von Fr. 2'087.– (Oktober 2022) bzw. von
Fr. 1'500.– (November und Dezember 2022) festgelegt hat (act. 43/1, Disp.-Ziff. 1
lit. b-d [im Wortlaut oben, S. 2 f.]). Aus der Begründung der Berufungsschrift
(act. 41 S. 5 f.) ergibt sich indes, dass der Kläger beantragt, über den gesamten
Zeitraum hinweg – d.h. vom 1.12.2020 bis 31.12.2022 – die Unterhaltszahlungen
so zu reduzieren, dass er der Beklagten keinen Unterhalt schulde, der über das
Wohnrecht im Wert von Fr. 2'750.– pro Monat hinaus geht, mit welchem die Un-
terhaltszahlungen zu verrechnen seien. Damit scheint das erste Rechtsbegehren
des Klägers so zu verstehen zu sein, dass er über den gesamten Zeitraum vom
1.12.2020 bis 31.12.2022 die auf Fr. 1'250.– resp. Fr. 2'467.– resp. 2'087.– fest-
gesetzten nachehelichen Unterhaltsbeiträge auf Fr. 950.– reduziert haben möch-
te, so dass er bis Ende 2022 keinerlei Unterhaltszahlungen schulde, indem er für
berechtigt zu erklären sei, den monatlichen nachehelichen Unterhaltsbeitrag von
Fr. 950.– sowie den monatlichen Kinderunterhalt von Fr. 1'800.– mit dem Wohn-
rechtszins von Fr. 2'750.– pro Monat zu verrechnen.
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Ist das Vorbringen einer Partei unklar, so greift, falls die Unklarheit nicht auf
vorwerfbarer Unsorgfalt beruht, die gerichtliche Fragepflicht (Art. 56 ZPO). Vor-
bringen im Sinne dieser Bestimmung sind auch die Anträge (OFK ZPO-SARBACH,
2. Aufl. 2015, Art. 56 N 3). Der Kläger wurde daher mit Schreiben vom 31. März
2022 auf die Unklarheit seines Rechtsbegehrens aufmerksam gemacht, und es
wurde ihm mitgeteilt, dass sein Rechtsbegehren ohne Gegenbericht innert Frist
im obgenannten Sinn verstanden würde (act. 46). Mit Schreiben vom 8. April 2022
teilte der Kläger mit, dass die Annahmen des Referenten zuträfen (act. 48). Dem-
nach ist das erste Rechtsbegehren des Klägers so zu verstehen, dass er über
den gesamten Zeitraum vom 1.12.2020 bis 31.12.2022 die auf Fr. 1'250.– resp.
Fr. 2'467.– resp. Fr. 2'087.– resp. Fr. 1'500.– festgesetzten nachehelichen Unter-
haltsbeiträge auf Fr. 950.– reduziert haben möchte, so dass er bis Ende 2022
keinerlei Unterhaltszahlungen schuldet, indem er für berechtigt zu erklären sei,
den monatlichen nachehelichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 950.– sowie den monat-
lichen Kinderunterhalt von Fr. 1'800.– mit dem Wohnrechtszins von Fr. 2'750.–
pro Monat zu verrechnen. Bei dieser Auslegung dient das zweite Rechtsbegehren
der Klarstellung, dass die Regelung gemäss Disp.-Ziff. 1 lit. d des angefochtenen
Urteils erst ab dem 1. Januar 2023 (und nicht schon für die Monate November
und Dezember 2022) gelten soll. Das vorinstanzliche Urteil ist damit einzig bezüg-
lich des nachehelichen Unterhalts angefochten.
2. Es kann mit Berufung sowohl die unrichtige Rechtsanwendung als auch die
unrichtige Feststellung des Sachverhaltes geltend gemacht werden (vgl. Art. 310
ZPO). Die Berufungsinstanz kann sämtliche Mängel (in Tat- und Rechtsfragen)
frei und uneingeschränkt prüfen (sog. volle Kognition in Tat- und Rechtsfragen),
vorausgesetzt, dass sich die Berufung erhebende Partei mit den Entscheidgrün-
den der ersten Instanz auseinandersetzt und konkret aufzeigt, was am angefoch-
tenen Entscheid oder am Verfahren der Vorinstanz falsch sein soll (vgl. ZR 110
[2011] Nr. 80, BGE 138 III 374 ff., E. 4.3.1 = Pra 102 [2013] Nr. 4); blosse Ver-
weise auf die Vorakten genügen nicht (vgl. ZK ZPO-REETZ/THEILER, 3. Aufl. 2016,
Art. 311 N 36 f.).
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Die volle Kognition der Berufungsinstanz in Rechtsfragen bedeutet aber
nicht, dass sie gehalten wäre, von sich aus wie ein erstinstanzliches Gericht alle
sich stellenden rechtlichen Fragen zu untersuchen, wenn der Berufungskläger
diese vor der Berufungsinstanz nicht (mehr) vorträgt; vielmehr hat sie sich – ab-
gesehen von offensichtlichen Mängeln – auf die Beurteilung der in der schriftli-
chen Berufungsbegründung erhobenen Beanstandungen zu beschränken
(vgl. BGE 142 III 413 ff., E. 2.2.4; BGer 4A_629/2017 vom 17. Juli 2018, E. 4.1.4;
4A_418/2017 vom 8. Januar 2018, E. 2.3). Insofern gibt die Berufungsschrift
durch die ausreichend begründet vorgetragenen Beanstandungen das Prüfpro-
gramm vor, mit welchem sich die Berufungsinstanz zu befassen hat. Innerhalb
dieser Beanstandungen ist sie indes weder an die Begründung des Berufungsklä-
gers noch an jene der Vorinstanz gebunden, sondern sie wendet das Recht von
Amtes wegen an (Art. 57 ZPO). Deshalb kann die Berufung auch mit einer ande-
ren Argumentation gutgeheissen oder mit einer von der Argumentation der Vorin-
stanz abweichenden Begründung abgewiesen werden (vgl. BGer 4A_629/2017
vom 17. Juli 2018, E. 4.1.4; 4A_397/2016 vom 30. November 2016, E. 3.1). Ent-
sprechend muss ein Berufungskläger zwar darlegen, dass und inwiefern die Vor-
instanz das Recht aus seiner Sicht unrichtig angewendet hat, zutreffen muss die-
se Begründung – um eine freie Überprüfung durch die Berufungsinstanz zu erwir-
ken – aber nicht (vgl. zur ebenfalls vollen Kognition der Beschwerdeinstanz in
Rechtsfragen OGer ZH PS180131 vom 3. September 2018, E. III./3). Mit anderen
Worten muss die Rechtsschrift eine minimale rechtliche Begründung enthalten,
wenn eine unrichtige Rechtsanwendung geltend gemacht wird (vgl. etwa OGer
ZH LB140047 vom 5. Februar 2015, E. III./1a; LB160044 vom 23. Dezember
2016, E. I./4).
Ist – wie vorliegend – vor der Berufungsinstanz ausschliesslich nacheheli-
cher Unterhalt angefochten, so gilt der Verhandlungsgrundsatz (Art. 277 Abs. 1
i.V.m. Art. 55 Abs. 1 ZPO).
3.1. Neue Tatsachen und Beweismittel dürfen nur noch berücksichtigt werden,
wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht
schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Die-
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jenige Partei, welche vor der Berufungsinstanz das Novenrecht beanspruchen
will, hat darzutun und zu beweisen, dass diese Voraussetzungen vorliegen. Im
Falle unechter Noven hat sie namentlich die Gründe detailliert darzulegen, wes-
halb sie die Tatsache oder das Beweismittel nicht schon vor erster Instanz hat
vorbringen können (vgl. BGer 5A_330/2013 vom 24. September 2013, E. 3.5.1;
OGer ZH LB170050 vom 22. September 2017, E. II./3; LB170028 vom 30. No-
vember 2017, E. II./1.2; LB140047 vom 5. Februar 2015, E. III./1b; LB130063 vom
17. September 2014, E. II./2; LB140014 vom 3. Juni 2014, E. III./2).
3.2. Der Kläger stützt seine Berufungsschrift bzw. seine Anträge, bis Ende 2022
keine und in der Zeit danach reduzierte Unterhaltsbeiträge leisten zu müssen auf
den Umstand, dass er im April 2021 eine sehr beunruhigende medizinische Diag-
nose erhalten habe, welche seine Arbeitsfähigkeit im gesamten Jahr 2021 stark
beeinträchtigt habe (act. 41 S. 3 oben). Einige Absätze weiter macht der Kläger in
der Berufungsschrift geltend, er habe "im Frühsommer 2021, d.h. einige Monate
nach Durchführung der Einigungs- und späteren Hauptverhandlung" eine
schwerwiegende und beunruhigende medizinische Diagnose erhalten (act. 41 S.
3 , letzter Absatz). Allein diese zeitlichen Angaben, treffen so nicht zu, wie sich
aus den (nicht übersetzten) italienischsprachigen Arztzeugnissen ergibt, welche
der Kläger zur Untermauerung seines Vortrags mit der Berufung einreichte: Der
Kläger erhielt die Diagnose eines Karzinoms anlässlich einer Darmspiegelung am
24. März 2021 (act. 42/1, act. 42/3) und damit sogar noch knapp vor der Haupt-
verhandlung vom 26. März 2021. Das Entscheiddatum des angefochtenen Urteils
ist der 28. Oktober 2021, versandt wurde dieses anfangs Dezember 2021 (act. 33
f.), wobei der Kläger nicht geltend macht – und solches wäre auch aus den Akten
nicht ersichtlich –, dass den Parteien vorgängig zum Entscheid angezeigt worden
wäre, die Streitsache befinde sich im Stadium der Urteilsberatung, mit entspre-
chender Auswirkung auf die Berücksichtigung von Noven. Es ist nicht ersichtlich,
weshalb der Kläger in den mehr als sieben Monaten zwischen Hauptverhandlung
und Urteilsfällung das nunmehr mit der Berufung geltend gemachte Novum nicht
bei der Vorinstanz vorbrachte, und der Kläger äussert sich hierzu mit keinem
Wort. Er macht mithin insbesondere auch nicht geltend, dass ihm dies unzumut-
bar gewesen wäre. Solcherlei ist im Übrigen auch aus den nunmehr eingereichten
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Arztzeugnissen und Berichten, welche vor dem vorinstanzlichen Entscheid datie-
ren (act. 42/1-6), nicht ersichtlich.
3.3. Der Kläger ist demnach mit seinem Vortrag, er habe im April resp. Früh-
sommer 2021 [recte: März 2021] eine sehr beunruhigende Diagnose erhalten und
sei infolgedessen im gesamten Jahr 2021 in seiner Arbeitsfähigkeit stark beein-
trächtigt gewesen, im vorliegenden Berufungsverfahren nicht zu hören. Es handelt
sich dabei im Berufungsverfahren um ein unzulässiges unechtes Novum.
4. Über das unzulässige unechte Novum hinaus macht der Kläger keinerlei
Gründe geltend, weshalb das angefochtene Urteil fehlerhaft sein sollte. Das führt
dazu, dass seine Berufung abzuweisen ist.
III. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesen Ausgang des Verfahrens wird der Kläger kostenpflichtig (Art. 106
Abs. 1 ZPO). Die Entscheidgebühr für das Berufungsverfahren wird grundsätzlich
nach den für die Vorinstanz geltenden Bestimmungen bemessen, wobei die Be-
messungsgrundlage das vor der Rechtsmittelinstanz noch Streitige ist (§ 12
Abs. 1 und Abs. 2 GebV OG). Der Kläger verlangt mit der Berufung gegenüber
dem angefochtenen Urteil eine Reduktion der nachehelichen Unterhaltszahlungen
im Umfang von insgesamt Fr. 19'790.– (13 x 300.– plus 9 x 1'517.– [2'467.– mi-
nus 950.–] plus 1'137.– [2'087.– minus 950.–] plus 2 x 550.– [1'500.– minus
950.–]). Die Entscheidgebühr ist demnach gestützt auf § 4 Abs. 1 GebV OG zu
bestimmen und gemäss § 4 Abs. 2 GebV OG zu ermässigen; sie ist damit auf
Fr. 1'700.– festzusetzen.
2. Parteientschädigungen sind keine zuzusprechen: Dem Kläger nicht, weil er
unterliegt, der Beklagten nicht, weil ihr kein Aufwand entstanden ist, der zu ent-
schädigen wäre.
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