Decision ID: 05d1a9ae-ab73-47c5-9511-5489229fb2bd
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 18.01.2017 Art. 53 Abs. 2 ATSG. Wiedererwägung einer Rentenverfügung. Da es bei einer lege artis durchgeführten Interpretation des Art. 53 Abs. 2 ATSG keine Wiedererwägung ex nunc gibt, kann es auch nicht genügen, die zweifellose Unrichtigkeit einer Verfügung mit einer unzureichenden damaligen Sachverhaltsabklärung zu erklären. Da die im Recht liegenden Berichte nicht geeignet sind, die Arbeitsfähigkeit für die Vergangenheit mit dem notwendigen Beweisgrad festzulegen, ist die Sache an die IV-Stelle zur weiteren Abklärung zurückzuweisen. Teilweise Gutheissung der Beschwerde (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18. Januar 2017, IV 2013/247). Entscheid vom 18. Januar 2017
Besetzung
Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin
Huber-Studerus; Gerichtsschreiberin Lea Hilzinger
Geschäftsnr.
IV 2013/247
Parteien
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Filiz-Félice Aydemir Séquin, Magnihalden 7,
Postfach 14, 9004 St. Gallen,
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gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
Gegenstand
Renteneinstellung (Wiedererwägung)
Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Februar 2003 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum
Bezug einer Rente der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, dass sie seit
dem 4. Februar 2002 wegen Depressionen arbeitsunfähig sei. Zuletzt habe sie als
Hilfsarbeiterin bei der B._ AG gearbeitet.
A.b Bereits am 27. November 2002 war die Versicherte von Dr. med. C._, Leiter
Gesundheitszentrum D._ (Niederlassung der SWICA Gesundheitszentren), untersucht
worden (Bericht vom 20. Dezember 2002). Dr. C._ hatte die folgenden Diagnosen
angegeben:
• Depression
- z.T. psychotraumatisierte, reaktive Elemente als Auslöser
- langjährige Mehrfachbelastung Beruf/Familie
- langjährige unterdrückte Wut gegenüber der Kontrolle der Schwiegereltern
• Asthma bronchiale (Nikotinabusus).
Die Versicherte habe über Kraftlosigkeit, Erschöpfung, Schwindel, Kopfschmerzen und
Erbrechen geklagt und sich selbst als depressiv bezeichnet. Die Probleme hätten im
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Januar 2002 begonnen, als sie über drei Wochen lang Schmerzen im rechten Arm und
starke Kopfschmerzen gehabt habe. Am 4. Februar 2002 habe sie einen akuten
Schwächeanfall erlitten. Seither sei sie zu 100 % krankgeschrieben. Dr. C._ hatte
erklärt, dass die Versicherte im Oktober 2002 ein grosses traumatisches Erlebnis
gehabt habe: Sie sei beim Anblick des Gesichts der toten Schwiegermutter fürchterlich
erschrocken. Nach der Rückkehr in die Schweiz habe die Versicherte am Abend vor
der (geplanten) Unterbindung im Spitalzimmer die Schwiegermutter neben sich sitzen
sehen. Die soziale Situation der Versicherten sei schwierig. Der Ehemann sei erschöpft
und es gebe viel Streit. Dr. C._ hatte die Arbeitsunfähigkeit der Versicherten weiterhin
auf 100 % geschätzt. Eine Teilarbeitsfähigkeit könne erst nach Beseitigung des
innerpsychischen Widerstandes, besonders der Konfliktmasse mit der
Schwiegermutter, erwartet werden. Zusätzlich zur konventionellen psychiatrischen
Therapie hatte Dr. C._ einen Heilungsversuch auf der spirituellen seelischen Ebene
empfohlen.
A.c Die B._ AG berichtete am 7. Februar 2003 (IV-act. 3), dass sie die Versicherte
seit dem 1. Dezember 1994 als Betriebsmitarbeiterin (Verpackungsanlage Backwaren)
beschäftige. Der letzte effektive Arbeitstag sei der 3. Februar 2002 gewesen. Die
Versicherte habe ein 100 %-Pensum absolviert. Der AHV-beitragspflichtige Lohn
betrage seit Januar 2003 Fr. 3'976.--.
A.d Dr. med. E._, Innere Medizin FMH, berichtete der IV-Stelle am 30. April 2003 (IV-
act. 11), dass die Versicherte an einer depressiven Entwicklung (somatoforme
Störungen, teilweise reaktiv bei Mehrfachbelastung durch Beruf und Familie) und an
einer Migräne leide. Seit dem 4. Februar 2002 seit sie bis auf Weiteres zu 100 %
arbeitsunfähig. Der Gesundheitszustand sei stationär. Dr. E._ gab ausserdem an,
dass die Versicherte nach dem Tod der Schwiegermutter immer wieder deren sie
anstarrendes Gesicht sehe. Überhaupt sei die Beziehung zu den Schwiegereltern sehr
schwierig, da der Ehemann diese finanziell unterstütze. Die Versicherte fühle sich
dadurch ausgenützt und habe Mühe, ihre eigene Familie durchzubringen. In der Folge
komme es immer wieder zu Synkopen resp. Hyperventilationsanfällen. Die Versicherte
fühle sich ängstlich, schwach und habe Kopf- und Nackenschmerzen. Dies führe zu
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Panikattacken. Seines Erachtens sei die Versicherte nicht mehr eingliederungsfähig. Er
empfehle jedoch, zusätzlich die Meinung des behandelnden Psychiaters Dr. F._
einzuholen.
A.e In einer internen Notiz hielt der zuständige IV-Sachbearbeiter am 9. Mai 2003 u.a.
fest (IV-act. 12), dass die Psychiaterin Dr. med. G._ eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit
ab Juli 2001 bestätigt habe. Mit Verfügung vom 13. August 2003 (IV-act. 16 und 21)
wurde der Versicherten ab dem 1. Februar 2003 bei einem IV-Grad von 100 % eine
ganze IV-Rente zugesprochen.
A.f Am 1. März 2006 reichte die Versicherte den Revisionsfragebogen ein (IV-act. 23).
Sie gab darin an, dass sich ihr Zustand verschlechtert habe (mehr Angstanfälle,
Nervenzusammenbrüche, Angst vor dem Tod etc.), seit ihr Ehemann am 31. Mai 2005
eine Hirnblutung erlitten habe. Dr. med. F._, Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
berichtete der IV-Stelle am 10. April 2006 (IV-act. 29) über einen stationären
Gesundheitszustand. Die Versicherte komme seit drei Jahren regelmässig zu ihm ins
Gespräch. Sie sei sehr klagsam und wenig belastbar. Die Prognose sei schlecht. Die
Ausübung einer Erwerbstätigkeit sei ihr nicht mehr zumutbar. Am 22. Mai 2006 wurde
der Versicherten mitgeteilt, dass sie weiterhin Anspruch auf die bisherige IV-Rente
habe (IV-act. 32).
A.g Am 16. Juni 2011 füllte die Versicherte erneut einen Revisionsfragebogen aus (IV-
act. 35). Sie gab an, dass ihr Gesundheitszustand gleich geblieben sei. Auch Dr. E._
berichtete der IV-Stelle am 30. Juni 2011 (IV-act. 38), dass der Gesundheitszustand
und die Diagnosen unverändert seien. Die Versicherte fühle sich mehrheitlich müde,
antriebslos, abgeschlagen, sehr schwach und habe oft Schmerzen, insbesondere
Kopfschmerzen. Es bestehe ein chronisch-depressives Zustandsbild. Dr. F._
berichtete am 11. Juli 2011 (IV-act. 39) ebenfalls über einen stationären
Gesundheitszustand. Die Diagnosen hätten sich nicht geändert. Die Versicherte
komme weiterhin regelmässig ins Gespräch. Die letzte Kontrolle habe am 28. April
2011 stattgefunden. Die Versicherte sei klagsam, schnell überfordert und neige zum
Überkonsum von Temesta. Eine Erwerbstätigkeit sei ihr nicht mehr zumutbar; selbst im
Alltag sei sie überfordert.
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A.h Am 25. August 2011 fand ein Gespräch zwischen der zuständigen IV-
Sachbearbeiterin, einem Rechtsdienstmitarbeiter und der RAD-Psychiaterin Dr. med.
H._ statt (IV-act. 40). Im Protokoll wurde festgehalten, dass bei der erstmaligen
Rentenzusprache fälschlicherweise ein Bericht von Dr. G._ in den Entscheid
eingebaut worden sei, welcher nicht die Versicherte betroffen habe. Vom
behandelnden Psychiater sei kein Bericht einverlangt worden. Die ursprüngliche
psychiatrische Situation sei nicht rechtsgenüglich erhoben worden. Der aktuelle
psychiatrische Zustand und eventuelle Funktionseinschränkungen seien aus den
aktuellen Zeugnissen nicht klar ersichtlich. Diese Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes stelle einen Wiedererwägungsgrund dar. In einer
Stellungnahme vom 26. August 2011 hielt Dr. H._ ergänzend fest (IV-act. 42), dass
die angebliche psychiatrische Störung nie durch eine psychiatrische Expertise genauer
evaluiert worden sei. Es erscheine als eher unwahrscheinlich, dass die Versicherte
nach so vielen Jahren durch das Erlebnis mit der toten Schwiegermutter nachhaltig
psychisch schwer geschädigt sei. Der behandelnde Psychiater habe vor allem die
Klagen der Versicherten beschrieben. Sie empfehle eine psychiatrische Untersuchung
durch den RAD.
A.i Diese RAD-Untersuchung fand am 2. November 2011 statt (Bericht vom 17.
November 2011, IV-act. 47). Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, gab als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
Panikzustände mit Agoraphobie (ICD-10: F40.0) an. Als Diagnosen ohne Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine Dysthymia (F34.1), akzentuierte
Persönlichkeitszüge (ängstlich-gehemmt, abhängig-selbstwertgestört, Z73.1), eine
Migräne (G43), eine Nekrophobie (Angst vor Toten, F40.2), vagovasale Synkopen und
Hyperventilationszustände (F45.30 und F45.33), einen Verdacht auf Überkonsum von
Temesta (benzodiazepinartiges Anxiolytikum, Z72.2), eine Nikotin-Abhängigkeit (F17.2)
und Probleme in der Beziehung zum Ehepartner (Z63.0). In seiner Beurteilung hielt Dr.
I._ fest, dass die von Dr. C._ gestellten Diagnosen genauso spekulativ seien wie
die Überlegungen zur Therapie auf dem Hintergrund schamanistisch ausgerichteter
Seelenentmischung/-rückholung. Dr. I._ führte weiter aus, dass es aufgrund der
Doppelbelastung Beruf/Familie kein Wunder sei, dass die Versicherte ab dem Jahr
2001 unter einer zunehmenden Erschöpfung gelitten und im Anschluss an einen im
Februar 2002 wegen Querelen am Arbeitsplatz erlittenen Zusammenbruch eine
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depressive Symptomatik entwickelt habe. Mitursächlich seien auch die schon längere
Zeit bestehenden ehelichen Spannungen gewesen. Während Dr. E._ angegeben
habe, dass sich die Begegnung mit der toten Schwiegermutter im Herbst 2001 ereignet
habe, habe Dr. C._ erklärt, dieses Ereignis sei im Oktober 2002 vorgefallen. Auf das
eigentliche Schlüsselerlebnis mit der als demütigend erlebten Personalaussprache vom
4. Februar 2002 sei niemand eingegangen. Diese Aussprache sei jedoch retrospektiv
als der eigentliche Ausgangspunkt für die psychische Dekompensation anzusehen. Die
Begegnung mit der toten Schwiegermutter habe sich nach den Angaben der
Versicherten auch etwas anders abgespielt. Der Schreck habe in dem Augenblick
eingesetzt, als der Ehemann beim Abschiednehmen das Leichentuch weggezogen und
die Versicherte in die offenen Augen ihrer Schwiegermutter geblickt habe. Ein
derartiges Erschrecken bewege sich im absolut normalpsychologischen Rahmen und
sollte nicht mit einer psychischen Traumatisierung gleichgesetzt werden. Auch die
Nacherinnerungen an die offenen Augen stellten keine Nachhallerinnerungen oder ein
Wiedererleben der traumatisierenden Situation dar, sondern seien im Zuge einer
allenfalls noch zu unterstellenden akuten Belastungsreaktion in eine Nekrophobie
übergegangen. Das Selbstbild, welches von der Versicherten anlässlich der aktuellen
Untersuchung geboten worden sei, sei sehr zwiespältig und wenig selbstintrospektiv
gewesen. Symptome einer Dysthymie hätten schon lange vor dem Jahr 2002
bestanden; diese hätten ihre Wurzeln in den Umständen der Ursprungsfamilie. Die
Versicherte habe anlässlich der Untersuchung zunächst einen regelrechten Teppich
von sie leidend machenden Symptomen, grau, düster und lebensunwert, geschildert,
um dann in einem anderen Gesprächszusammenhang, bei gezielten Fragen nach der
Depression und ihrem Lebensgefühl, doch auch ‒ mit einer gewissen Begeisterung und
Spontanität ‒ sagen zu können, sie erlebe durchaus Tage, an denen sie fröhlich sei und
sich glücklich fühlend voller Kraft und Freude erlebe. Dies sei die lehrbuchhafte
Symptomkonstellation der Dysthymie. Diese Diagnose erkläre auch, weshalb die
behandelnden Ärzte keine Änderung festgestellt hätten. Aufgrund ihrer etwas
ängstlichen, insbesondere abhängigen und selbstwertgestörten Persönlichkeitsstruktur
produziere die Versicherte ein doppelbödiges Verhalten, indem sie ihren Mann für alles
verantwortlich mache, dann aber, wenn sie springen müsste, immer ein erklärend-
entschuldigendes "aber" parat habe. Wenn sie nichts ändern müsse, wolle oder könne,
dann sei das Klagen zwar eine Ablenkung, jedoch kein funktionaler, sondern ein
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dysfunktionaler, eben neurotisch unterlegter Lösungsweg. Problematisch sei der
Temesta-Gebrauch, der einerseits unzweckmässig und andererseits ein zur
Abhängigkeit führender dysfunktionaler Umgang mit Problemen und Befindlichkeiten
sei. Weder auf der somatischen noch auf der sozialen Ebene bestünden
Funktionseinschränkungen. Die geistig-seelische Ebene weise eine Reihe von
psychogenen Reaktionsmustern und eine reduzierte psychische Belastbarkeit auf.
Entscheidend sei das Gesamtbild: Es lägen psychische Mechanismen vor, auf welche
die Versicherte willentlich nur wenig Einfluss habe. Gesamthaft sei bei einem Pensum
von 100 % von einer Leistungseinschränkung von 20 % auszugehen. Zu empfehlen
seien Tätigkeiten in eher geräuscharmer Umgebung und in einem kleineren Team ohne
Nachtschicht und ohne zeittaktgebundene Verrichtungen. Wegen der langen
Arbeitsentwöhnung und einer möglicherweise notwendigen innerfamiliären
Umorganisation (Betreuung des Ehemannes, falls nötig) sollte ein
Arbeitsbelastungstraining von bis zu drei Monaten mit einem Pensum von 50 % (bei
20%iger Leistungsverminderung) durchgeführt werden.
A.j Am 22. November 2011 ging beim RAD ein Untersuchungsbericht des Spitals
J._ vom 20. August 2011 betreffend eine Untersuchung vom 11. August 2011 ein (IV-
act. 48). Die Klinikärzte hatten die folgenden Diagnosen angegeben: Migräne (Schädel
CT [08/11]: Keine Hinweise auf Blutung oder frische Ischämie; Kopfschmerzen,
Sensibilitätsstörungen, kurzzeitige Verwirrtheit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit;
deutliche Besserung der Beschwerden unter Therapie mit Maxalt), Depression und
Hypercholesterinämie.
A.k RAD-Ärztin Dr. H._ hielt am 13. Dezember 2011 fest (IV-act. 49), dass der
Bericht von Dr. I._ umfassend und ausführlich sei, alle Klagen berücksichtige und
bestens nachvollziehbar sei. Der Bericht des Spitals J._ bringe keine neuen
Erkenntnisse. Die Zustände mit Stürzen, Kribbeln, Hitze etc. seien im Rahmen der
Angsterkrankung im RAD-Bericht ausführlich erwähnt und in Bezug auf die
Arbeitsfähigkeit gewürdigt worden. Dr. I._ habe bezüglich des Arbeitsplatzes einige
Empfehlungen abgegeben (möglichst geräuscharm etc.), die aber keine strengen
Ausschlusskriterien darstellten. Wegen der langen Entwöhnung von der Arbeitswelt
habe er entsprechende Trainingsmassnahmen empfohlen. Dies heisse jedoch nicht,
dass die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit niedriger sei als 80 %.
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A.l Mit Vorbescheid vom 1. März 2012 (IV-act. 54) kündigte die IV-Stelle der
Versicherten die wiedererwägungsweise Aufhebung der Rentenverfügungen vom 13.
August 2003 und 14. März 2007 und die Aufhebung der Rente nach der Zustellung der
Verfügung auf das Ende des folgenden Monats hin an. Zur Begründung hielt sie fest,
dass im ersten Rentenentscheid der Untersuchungsgrundsatz verletzt worden sei,
indem die ursprüngliche psychiatrische Situation nicht rechtsgenüglich erhoben
worden sei. Der Rentenentscheid sei daher zweifellos unrichtig gewesen. Nach den zur
Verfügung stehenden Unterlagen sei die Versicherte in sämtlichen Hilfstätigkeiten in
einem Pensum von 100 % zu 80 % leistungsfähig. Sie könne also ein
Jahreseinkommen von Fr. 41'094.-- erzielen (vgl. IV-act. 51). Gegen diesen
Vorbescheid liess die Versicherte am 23. April 2012 einwenden (IV-act. 59), dass ihr die
Rente nicht von heute auf morgen entzogen werden dürfe. Zur Begründung brachte die
Rechtsvertreterin vor, dass die Versicherte gemäss den RAD-Ärzten vorerst nur zu 50
% (mit 20 %iger Leistungseinschränkung) arbeitsfähig sei. Zudem habe Dr. F._ die
Versicherte für einen Klinikaufenthalt angemeldet. Mit dem Verfügungserlass müsse
deshalb bis zum Klinikaustritt zugewartet werden. Einem beigelegten Zeugnis von Dr.
F._ vom 17. April 2012 (IV-act. 60) war zu entnehmen, dass das Ziel die Erreichung
eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit sei. Die Versicherte werde demnächst in die Klinik K._
eintreten, um sich von den übermässig konsumierten Temesta zu entwöhnen und sich
emotional zu stabilisieren. Am 30. April 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-
act. 62), dass berufliche Eingliederungsmassnahmen durchzuführen seien, bevor die
Rente aufgehoben werde.
A.m Die Klinik K._ berichtete am 11. Juni 2012 über einen stationären Aufenthalt vom
8. Mai bis 2. Juni 2012 (IV-act. 67). Als Diagnosen wurden angegeben:
- Mittelgradige depressive Episode (F32.1)
- spezifische (isolierte) Phobien (F40.2)
- psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa und Hypnotika:
Abhängigkeits-syndrom (F13.2)
- somatoforme autonome Funktionsstörung (F45.33)
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- psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhängigkeitssyndrom (F17.2)
- Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (Z73)
- Migräne;
- Hypercholesterinämie, medikamentös therapiert.
Die Oberärztin erklärte, dass aufgrund der derzeit bestehenden Einschränkungen (z.B.
eingeschränkter Aktionsradius) und aufgrund der phobischen Ängste und der
wechselnden Tagesbefindlichkeit weiterhin von einer 100 %igen Arbeitsunfähigkeit
ausgegangen werde. Die Versicherte leide seit vielen Jahren an einer
Angstsymptomatik und an einer depressiven Symptomatik mit ausgeprägten
Schlafstörungen sowie unter einer psycho¬sozialen Belastungssituation. Es sei
mindestens von einem schädlichen Gebrauch von Lorazepam auszugehen. Aufgrund
der drohenden Aberkennung der IV-Rente sei es zu einer weiteren Verschlechterung
der Symptomatik gekommen, die durch Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit geprägt
gewesen sei. Aufgrund der Möglichkeit, sich in der Klinik von dem als belastend
erlebten Alltagsumfeld zu distanzieren und wahrscheinlich als Folge einer
Intensivierung der antidepressiven Therapie und des Benzodiazepinabbaus sei im
Verlauf eine deutliche Verbesserung der Stimmung und des Antriebs sowie der
Schlafqualität verzeichnet worden. Die körperliche und die psychische Belastbarkeit
seien jedoch weiterhin deutlich eingeschränkt.
A.n RAD-Ärztin Dr. H._ erklärte in einer Stellungnahme vom 12. Juli 2012 (IV-act. 68),
dass die Versicherte durch die Ankündigung des Verlusts der Rente und durch den
Auszug des Sohnes eine psychische Krise entwickelt habe, die anfangs als
mittelgradige Depression eingeschätzt worden sei. Die Symptomatik habe sich aber
insgesamt durch die stationäre Behandlung wieder deutlich gebessert und die
Klinikärzte seien davon ausgegangen, dass sich das Bild unter entsprechenden
ambulanten Therapien noch weiter bessern werde. Aus ihrer Sicht handle es sich nur
um eine vorübergehende Akzentuierung der schon bekannten und gewürdigten
psychischen Probleme. Eine dauerhafte zusätzliche Einschränkung der
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Leistungsfähigkeit bestehe nicht. Weitere Abklärungen seien ihres Erachtens nicht
erforderlich.
A.o Am 16. August 2012 besuchte die Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle die
Versicherte zu Hause (IV-act. 71-2 f.). Im Protokoll hielt sie fest, die Versicherte habe
auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne, wieder zu arbeiten, berichtet, sie sei nach
der Vereinbarung des heutigen Termins so nervös gewesen, dass sie drei Tabletten
Temesta à 2.5 mg habe einnehmen müssen. Ohne Temesta werde sie völlig kribbelig,
bekomme Krämpfe und müsse erbrechen. Sie sei oft nervös. Beim Einkaufen
bekomme sie plötzlich Panik und Hitzewallungen und müsse den Laden fluchtartig
verlassen. Die Versicherte habe weiter berichtet, dass sie in den letzten Jahren viele
Schicksalsschläge habe erleben müssen. Einige Familienmitglieder seien verstorben,
ihr Ehemann benehme sich seit einer Hirnblutung vor sieben Jahren wie ein Kind und
eine Schwiegertochter habe eine Fehlgeburt erlitten. Auf die Frage, ob sie
Unterstützung bei der Stellensuche annehmen wolle, habe die Versicherte erklärt, dass
sie krank sei und ihr Zustand nicht besser werde. Am 24. August 2012 teilte die IV-
Stelle der Versicherten mit (IV-act. 74), dass sie das Gesuch um berufliche
Massnahmen abweise, weil sich die Versicherte nicht in der Lage fühle, einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen.
A.p Am 12. Oktober 2012 teilte die IV-Stelle der Rechtsvertreterin der Versicherten mit
(IV-act. 75), sie gehe weiterhin davon aus, dass die Versicherte zu 80 % arbeitsfähig sei
und ihr deshalb keine Rente mehr zustehe. Die IV-Stelle forderte die Rechtsvertreterin
zur Stellungnahme im Sinne einer zweiten Anhörung auf. Die Rechtsvertreterin
antwortete am 2. November 2012 (IV-act. 76), dass der Versicherten weiterhin eine
ganze Rente zustehe. Die Klinik K._ habe neu eine mittelgradige depressive Episode
diagnostiziert und die Arbeitsunfähigkeit auf 100 % geschätzt. Aus dem Bericht gehe
nicht hervor, dass es sich nur um eine vorübergehende Verschlechterung des
Gesundheitszustandes handle. Der RAD-Bericht sei aufgrund des Berichts der Klinik
K._ und des Umstandes, dass er sehr kurz ausgefallen sei, nicht genügend
aussagekräftig. Die Einholung eines Gutachtens sei daher unumgänglich.
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A.q Das Spital J._ berichtete am 22. November 2012 über einen stationären
Aufenthalt vom 25. bis 30. Oktober 2012 wegen Oberbauchschmerzen (IV-act. 77). Als
Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gab das Spital eine Depression an.
Allerdings wurde angemerkt, dass die Diagnose nicht durch das Spital gestellt worden
sei. Keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten passagere
Oberbauchschmerzen unklarer Ursache (am 25. Oktober 2012; DD: somatoform,
ösophageale Refluxbeschwerden), eine arterielle Hypertonie und eine Dyslipidämie (von
Hausarzt diagnostiziert). Das Psychiatrie-Zentrum L._ informierte die IV-Stelle am 28.
Dezember 2012 darüber (IV-act. 79), dass die Versicherte nur in der Gruppentherapie
sei, weshalb die Arbeitsfähigkeit nicht beurteilt werden könne. Dr. F._ berichtete der
IV-Stelle am 17. Februar 2013 (IV-act. 81), dass die Versicherte an einer Dysthymia bei
akzentuierten Persönlichkeitszügen und Panikzuständen mit Agoraphobie leide. Keinen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe der Temestamissbrauch (F13.1). Dr. F._ gab an,
dass der Temestakonsum wieder zugenommen habe. Es bestehe ein chronifizierter
Zustand mit vielfältigen Ängsten, der verhaltenstherapeutisch nicht angehbar sei. Die
Versicherte sei sehr klagsam und in den Alltagsaktivitäten durch die Ängste
eingeschränkt. Sie sei auf Körpersensationen fixiert und habe eine negative
Wahrnehmung. Er sehe sie etwa einmal im Monat. Zurzeit nehme sie abends 5 mg
Temesta ein, teilweise zusätzlich auch tagsüber. Sie sei als Hilfsarbeiterin zu 50 - 100
% arbeitsunfähig. Als Gründe gab er Insuffizienzgefühle und eine durch viele Ängste
und körperliche Beschwerden bedingte mangelnde Belastbarkeit an. Zudem bestehe
eine verminderte Leistungsfähigkeit, deren Ausmass wegen der jahrelangen
Arbeitsabsenz jedoch unklar sei. In einer adaptierten Tätigkeit sei die Versicherte 1-2
Stunden pro Tag leistungsfähig. In Ziff. 3 des Fragebogens gab Dr. F._
demgegenüber an, dass der Versicherten wegen der durch Schonhaltung bedingten
körperlichen Limite auch keine adaptierten Arbeiten mehr zumutbar seien.
A.r RAD-Ärztin Dr. H._ erklärte am 14. März 2013 (IV-act. 82), dass sich aus dem
Bericht von Dr. F._ keine neuen wesentlichen Aspekte ergäben. Es sei
nachvollziehbar, dass die Versicherte durch die angekündigte Rentenaufhebung
verunsichert sei und vermehrt die Hilfe ihrer Kinder in Anspruch nehme (sekundärer
Krankheitsgewinn). Daraus abzuleiten, dass sich ihre gesundheitliche Situation relevant
und nachhaltig verschlechtert habe, sei medizinisch jedoch nicht begründet. Die
Einschätzung von Dr. F._ stelle ihres Erachtens nur eine andere Einschätzung des im
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Wesentlichen unveränderten Sachverhalts dar. Die Versicherte gehe nur einmal im
Monat zur Behandlung, was gegen eine schwere psychische Erkrankung spreche. Dr.
F._ gehe davon aus, dass die Angsterkrankung nicht (mehr) verhaltenstherapeutisch
beeinflussbar sei. Dies sei nicht ganz nachvollziehbar, zumindest dann nicht, wenn die
Versicherte erheblich unter den Attacken leiden würde. Denn grundsätzlich seien
Panikattacken mit Verhaltenstherapie gut behandelbar. Eine Behandlungsauflage biete
sich bei fehlender Motivation und ablehnender Haltung des Therapeuten nicht an. An
der bisherigen Beurteilung könne festgehalten werden.
A.s Mit Verfügung vom 30. April 2013 (IV-act. 83) hob die IV-Stelle die Verfügungen
vom 13. August 2003 und vom 14. März 2007 auf und kündigte die Einstellung der
Rente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats hin an. Die
Begründung entsprach jener des Vorbescheids. Bezüglich der Einwendungen gab die
IV-Stelle im Wesentlichen die Angaben von Dr. H._ vom 14. März 2013 wieder.
Zudem wies sie darauf hin, dass den Stellungnahmen des RAD voller Beweiswert
zukomme, da sie schlüssig erschienen und nachvollziehbar begründet sowie in sich
selbst widerspruchsfrei seien.
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 4. Juni 2013 Beschwerde erheben (act. G 1) und die Aufhebung der Verfügung und
die Weiterausrichtung einer ganzen Rente (eventualiter einer Viertels- bis
Dreiviertelsrente) beantragen. Eventualiter sei ein psychiatrisches/neurologisches/
neuropsychologisches Gutachten einzuholen. Zudem sei der Beschwerdeführerin die
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung) zu gewähren. Zur Begründung machte die Rechtsvertreterin in
Ergänzung zu den Einwänden im Verwaltungsverfahren geltend, dass die
Voraussetzungen einer Wiedererwägung nicht erfüllt seien. Der
Untersuchungsgrundsatz sei nicht verletzt worden, da der fälschlicherweise in die
Rentenbeurteilung miteinbezogene Bericht von Dr. G._ am Entscheid nichts geändert
habe. Im Jahr 2003 seien Rentenzusprachen gestützt auf Berichte des Hausarztes
üblich gewesen. Im vorliegenden Fall habe zudem eine unabhängige Beurteilung des
Swica-Vertrauensarztes vorgelegen. Die Beurteilung der materiellen
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Anspruchsvoraussetzungen erscheine daher vor dem Hintergrund der seinerzeitigen
Praxis als vertretbar. Weiter gehe aus der Verfügung nicht hervor, welche tatsächlichen
und rechtlichen Überlegungen zur Rentenaufhebung geführt hätten. Die
Rechtsvertreterin brachte ausserdem vor, dass sich der medizinische Sachverhalt seit
der RAD-Untersuchung wesentlich verändert habe. Zudem sei die Verfügung schon
deshalb aufzuheben, weil die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) gegen die
Begründungspflicht verstossen habe. Einem beigelegten Zeugnis von Dr. F._ vom 3.
Juni 2013 (act. G 1.1 Beilage 5) war zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin
neben der Dysthymia immer wieder an Depressionen gelitten habe, weshalb sie im Jahr
2012 hospitalisiert gewesen sei.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 26. Juli 2013 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung machte sie geltend, aus der
Verfügungsbegründung gehe klar hervor, dass die Rente gestützt auf eine
Wiedererwägung aufgehoben worden sei. Eine Verletzung der Begründungspflicht liege
somit nicht vor. Der RAD-Bericht von Dr. I._ sei ausführlich und seine
Schlussfolgerungen und seine Arbeitsfähigkeitsschätzung erschienen als begründet.
Eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes sei nicht ausgewiesen. Die
Verschlechterung sei mit dem negativen IV-Vorbescheid begründet worden. Hierbei
handle es sich um einen psychosozialen Belastungsfaktor, der für sich allein keine
Invalidität begründe. Die Klinik K._ habe zudem vorwiegend auf die Angaben der
Beschwerdeführerin abgestellt.
B.c Am 14. August 2013 bewilligte das Gericht die unentgeltliche Rechtspflege für das
Beschwerdeverfahren (act. G 6). Am 12. September 2013 reichte die Rechtsvertreterin
eine Kostennote über den Betrag von Fr. 2'808.-- ein (act. G 8.1) und erklärte, sie
verzichte auf eine Replik (act. G 8).

Erwägungen
1.
1.1 Die Beschwerdeführerin liess geltend machen, die Beschwerdegegnerin habe ihre
Begründungspflicht verletzt, indem sie in der angefochtenen Verfügung nicht dargelegt
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habe, welche tatsächlichen und rechtlichen Überlegungen zur Rentenaufhebung
geführt hätten.
1.2 Verfügungen sind zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll
entsprechen (Art. 49 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1). Die Begründungspflicht ist ein
wesentlicher Bestandteil des in Art. 42 ATSG geregelten Anspruchs auf rechtliches
Gehör. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung soll die Begründungspflicht
zum einen verhindern, dass sich die Verwaltungsbehörde von unsachlichen Motiven
leiten lässt. Zum anderen soll sie es der betroffenen Person ermöglichen, die Verfügung
gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. In der Entscheidbegründung müssten
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die
Verwaltungsbehörde hat leiten lassen und auf welche sich ihre Verfügung stützt. Dies
bedeute indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen müsse. Vielmehr
könne sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken
(BGE 124 V 180 E. 1a mit Hinweisen).
1.3 Die Beschwerdegegnerin hat in der Verfügungsbegründung erklärt, dass sie die
früheren Rentenverfügungen wiedererwägungsweise aufhebe und auf die
entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen verwiesen. Sie hat ausserdem geltend
gemacht, dass die Aufhebung der früheren Rentenverfügungen wegen der Verletzung
des Untersuchungsgrundsatzes erfolge, namentlich weil die psychiatrische Situation
ursprünglich nicht rechtsgenüglich abgeklärt worden sei. Sie hat weiter angegeben,
dass der Einkommensvergleich auf einer Arbeitsfähigkeit von 80 % basiere. Die
Verfügung enthält somit alle Informationen, die für eine sachgerechte Anfechtung der
Verfügung notwendig sind. Die Beschwerdegegnerin hat daher ihre Begründungspflicht
nach Art. 49 Abs. 3 ATSG erfüllt.
2.
2.1 Als Nächstes ist zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung der
ursprünglichen Leistungsverfügung vom 13. August 2003 erfüllt gewesen sind.
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2.1.1 Laut dem Art. 53 Abs. 2 ATSG kann ein Sozialversicherungsträger auf eine
formell rechtskräftige Verfügung (oder einen formell rechtskräftigen
Einspracheentscheid) zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig ist und wenn die
Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Gemäss der aktuellen Rechtsprechung
des Bundesgerichtes zu Art. 53 Abs. 2 ATSG dient die Wiedererwägung der Korrektur
einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung „einschliesslich unrichtiger Feststellung
im Sinne der Würdigung des Sachverhalts“ (vgl. etwa das Urteil des Bundesgerichtes
vom 18. Juli 2016, 9C_201/2016 E. 4.3 mit Hinweisen). Diese vom Bundesgericht
immer wieder verwendete Formulierung gibt den Zweck der Wiedererwägung nicht
ganz korrekt wieder: Gegenstand des Wiedererwägungsverfahrens kann nicht die
Korrektur einer Rechtsanwendung sein, denn eine Rechtsanwendung lässt erst dann
für eine versicherte Person und für den Sozialversicherungsträger eine Rechtswirkung
entstehen, wenn sie in einer Verfügung (oder einem Einspracheentscheid) durch ein
entsprechendes Dispositiv umgesetzt worden ist. Dementsprechend ist in Art. 53 Abs.
2 ATSG nicht von einem Zurückkommen auf eine Rechtsanwendung, sondern vom
Zurückkommen auf eine Verfügung (oder einen Einspracheentscheid) die Rede. Das
kann nur so interpretiert werden, dass eine früher erlassene rechtswidrige Verfügung
aufgehoben und durch eine rechtmässige Verfügung ersetzt wird (vgl. RALPH JÖHL,
Zur Praxis der substituierten Begründung der Wiedererwägung bei zu Unrecht
ergangenen Anpassungsverfügungen, in: AJP 8/2004 S. 1001 ff.). Das Bundesgericht
geht in seiner aktuellen Rechtsprechung zu Art. 53 Abs. 2 ATSG davon aus, dass diese
Bestimmung zwei grundlegend verschiedene Arten der Wiedererwägung regle, nämlich
zum einen die rückwirkende Wiedererwägung bzw. die Wiedererwägung ex tunc und
andererseits die Wiedererwägung nur für die Zukunft bzw. die Wiedererwägung ex
nunc (vgl. das bereits genannte Urteil des Bundesgerichtes vom 18. Juli 2016, 9C_201/
2016 E. 4.3 mit Hinweisen).
2.1.2 Die (seit Jahrzehnten bekannte) Wiedererwägung ex tunc besteht darin, dass
die ursprüngliche, zweifellos unrichtige Verfügung aufgehoben und an ihrer Stelle eine
neue, rechtmässige Verfügung erlassen wird. Damit wird nicht nur dem Wortlaut des
Art. 53 Abs. 2 ATSG („Zurückkommen“ und „Berichtigung“), sondern auch dem Sinn
und Zweck dieser Gesetzesbestimmung, nämlich der Beseitigung einer rechtswidrigen
Verfügung und dem Erlass einer rechtmässigen Verfügung zur richtigen Umsetzung des
materiellen Rechts im Einzelfall, Rechnung getragen. Im Leistungsrecht der
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Sozialversicherung resultiert aus der Wiedererwägung ex tunc in aller Regel entweder
eine Leistungsnachzahlung (bzw. die nachträgliche Ausrichtung einer Sachleistung)
oder eine Leistungsrückerstattung (Art. 25 Abs. 1 ATSG). Die Geltendmachung der
Nachzahlung und der Rückerstattung bilden aber nicht Teil des
Wiedererwägungsverfahrens. Vielmehr handelt es sich im weitesten Sinn um einen
Vollzug der im Wiedererwägungsverfahren mit Wirkung ex tunc erlassenen
rechtmässigen Verfügung (was insbesondere bei der Leistungsnachzahlung
offenkundig ist, da sie nicht verfügt werden muss). Trotzdem sind die Nachzahlung und
die Rückerstattung im Zusammenhang mit der Auslegung des Art. 53 Abs. 2 ATSG von
Bedeutung, denn das Bundesgericht macht insbesondere unter Verweis auf Art. 88bis
IVV geltend, es gebe eine Wiedererwägung ex nunc, bei der es weder zu einer
Nachzahlung noch zu einer Rückerstattung von Leistungen komme. Auf den ersten
Blick scheint der Art. 88bis IVV tatsächlich eine Ausführungsbestimmung zu Art. 53
Abs. 2 ATSG zu sein, mit der die Wiedererwägung ex nunc umgesetzt wird. Bei
sorgfältiger Interpretation ist Art. 88bis IVV aber eine Ausführungsbestimmung zur
(gesetzlich nicht näher geregelten) Nachzahlung und zu Art. 25 Abs. 1 ATSG, der sich
mit der Rückerstattung befasst. Art. 88bis Abs. 1 lit. c IVV verbietet aus einem nicht
nachvollziehbaren Grund eine vollständige Nachzahlung bei einer Wiedererwägung ex
tunc zugunsten der versicherten Person und Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV sieht einen
Verzicht des Sozialversicherungsträgers auf die Rückforderung der zu Unrecht
bezogenen Leistungen bei einer Wiedererwägung ex tunc zu Ungunsten der
versicherten Person vor. Das Bundesgericht hat den Art. 53 Abs. 2 ATSG also aus
einem falsch verstandenen Art. 88bis IVV heraus (fehl-) interpretiert, indem es
argumentiert hat, wenn Art. 88bis IVV die Wiedererwägung (für einen Teil der Fälle) nur
ex nunc wirken lassen, dann müsse der Art. 53 Abs. 2 ATSG neben der
Wiedererwägung ex tunc notwendigerweise auch eine Wiedererwägung ex nunc
vorsehen. Im Rahmen dieser auf den Kopf gestellten Auslegung des Art. 53 Abs. 2
ATSG, bei der eine Bestimmung der Vollzugsverordnung den Inhalt der zu
vollziehenden Gesetzesbestimmung definieren soll, hat das Bundesgericht nicht nur
Art. 88bis Abs. 1 lit. c und Abs. 2 lit. a IVV fehlinterpretiert, sondern auch den Wortlaut
und den Sinn und Zweck des Art. 53 Abs. 2 ATSG ignoriert. Die Interpretation ist
offensichtlich nicht lege artis erfolgt und vermag deshalb nicht zu belegen, dass es
neben der Wiedererwägung ex tunc auch eine Wiedererwägung ex nunc gibt.
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2.1.3 Eine Gesetzbestimmung, welche die Korrektur ursprünglich unrichtiger
Verfügungen regelt, kann nämlich nach ihrem offensichtlichen Sinn und Zweck nur so
interpretiert werden, dass eine rechtswidrige Verfügung aus der Welt geschafft, d.h.
aufgehoben werden muss, um Platz zu machen für eine rechtmässige Verfügung, mit
deren Erlass das Wiedererwägungsverfahren dann abgeschlossen wird. Eine
Interpretation des Art. 53 Abs. 2 ATSG, die es zulassen würde, die rechtswidrige
Verfügung bewusst für die Vergangenheit weiter bestehen zu lassen und sie – in
teilweise analoger Anwendung des Art. 17 ATSG – nur ex nunc, d.h. für die Zeit nach
dem Abschluss des Wiedererwägungsverfahrens, durch eine rechtmässige Verfügung
abzulösen, könnte gar nicht überzeugend begründet werden, denn mit einer solchen
Wiedererwägung ex nunc würde – in völligem Widerspruch zum eigentlichen Sinn und
Zweck des Art. 53 Abs. 2 ATSG – gegen den Rechtsmässigkeits- und gegen den
Gleichbehandlungsgrundsatz verstossen. Der Sozialversicherungsträger würde nämlich
eine als rechtswidrig erkannte Verfügung entgegen seiner Bindung an das Recht nicht
aufheben und damit die betroffene versicherte Person anders behandeln als alle
anderen Versicherten, denen er eine rechtmässige Verfügung eröffnet hat (oder noch
eröffnen wird). Er könnte aber offensichtlich weder seinen Verstoss gegen das
Rechtmässigkeitsprinzip noch die Ungleichbehandlung rechtfertigen. Bei einer dem
Sinn und Zweck und den genannten Verfassungsprinzipien Rechnung tragenden
Interpretation des Art. 53 Abs. 2 ATSG, bei der Art. 88bis 1 lit. c und Abs. 2 lit. a IVV
seinem Sinn und Zweck nach als Ausführungsbestimmung zur Nachzahlung und zur
Rückerstattung betrachtet wird, kann es keine Wiedererwägung ex nunc geben. Wenn
eine Verfügung zweifellos unrichtig ist und wenn die Berichtigung dieser Verfügung von
erheblicher Bedeutung ist, dann kann das Wiedererwägungsverfahren nur damit enden,
dass diese Verfügung aufgehoben und durch eine rechtmässige Verfügung ersetzt
wird. Daran vermag auch die dem Sozialversicherungsträger in Art. 53 Abs. 2 ATSG
eingeräumte Willkürfreiheit nichts zu ändern, denn diese Willkürfreiheit kann sich nur
auf die Frage beziehen, ob ein Wiedererwägungsverfahren eröffnet werden soll. Dass
der Gesetzgeber dem Sozialversicherungsträger die Möglichkeit hätte einräumen
wollen, sich im Rahmen des Wiedererwägungsverfahren nach freiem Belieben an das
materielle Recht zu halten oder aber einzelne Bestimmungen zu ignorieren und andere
einzuhalten, ist absurd. Dasselbe muss natürlich für die vom Bundesgericht behauptete
Freiheit des Sozialversicherungsträgers gelten, im Wiedererwägungsverfahren völlig frei
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zu bestimmen, ab wann er das eigentlich massgebende materielle Recht auf einen
Sachverhalt anwenden will bzw. ob er die ursprüngliche, unrichtige Rechtsanwendung
für einen bestimmten Zeitabschnitt (in der Regel für die Zeit vor dem Abschluss des
Wiedererwägungsverfahrens) beibehalten will. Bei einer lege artis vorgenommenen
Interpretation des Art. 53 Abs. 2 ATSG findet sich nicht der geringste Hinweis darauf,
dass es eine solche über das Eintreten hinausgehende zulässige Willkür der
Sozialversicherungsträger geben sollte. Die vom Bundesgericht aufgestellte
Behauptung, es gebe eine freie Wahl zwischen der Wiedererwägung ex tunc und der
Wiedererwägung ex nunc, lässt sich wohl nur so erklären, dass das Bundesgericht
einen Bedarf für ein neues Instrument zur Korrektur formell rechtskräftiger Verfügungen
ortet, bei dessen Anwendung die lästige Hürde des Nachweises einer zweifellosen
Unrichtigkeit ausgeschaltet und durch den Nachweis ersetzt ist, dass der aktuelle
Sachverhalt nicht mit der früher formell rechtskräftig zugesprochenen
Sozialversicherungsleistung übereinstimmt. Dabei ist das Bundesgericht, soweit
überblickbar, immer nur bei Verfügungen über Sozialversicherungsleistungen und dort
nur bei zu hohen Leistungen von einem Anwendungsfall der Wiedererwägung ex nunc
ausgegangen, was klar gegen eine Verankerung im für alle Arten von unrichtigen
Verfügungen anwendbaren Art. 53 Abs. 2 ATSG spricht.
2.1.4 Die aktuellste Rechtsprechung des Bundesgerichtes geht noch einen Schritt
weiter, indem zusätzlich auch noch dem Erfordernis der ursprünglichen zweifellosen
Unrichtigkeit „die Zähne gezogen werden“: Eine Verfügung soll bereits dann zweifellos
unrichtig sein, wenn sie sich auf eine ungenügende Sachverhaltsabklärung stützt (vgl.
abermals das bereits mehrfach genannte Urteil des Bundesgerichtes vom 18. Juli
2016, 9C_201/2016 E. 4.3 mit Hinweisen). Gemeint dürfte sein, dass bei einer aktuellen
Neuwürdigung der damaligen Aktenlage auch die Auffassung vertreten werden kann,
der Sachverhalt sei damals nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt gewesen. Diese „zahnlose“ Auslegung des
Begriffs der zweifellosen Unrichtigkeit kann nur zusammen mit einer Wiedererwägung
ex nunc zur Anwendung gelangen. Die Wiedererwägung ex tunc zwingt nämlich dazu,
einen bei der ursprünglichen Sachverhaltsermittlung begangenen Fehler zu korrigieren,
d.h. den damaligen Sachverhalt nun mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu ermitteln. Da sich dabei natürlich herausstellen
kann, dass der Sachverhalt trotz der damals unzureichenden Abklärungsbemühungen
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richtig ermittelt worden war, kann das Verfügungsdispositiv nämlich trotz des damals
nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ermittelten
Sachverhaltes richtig gewesen sein. Ist das Dispositiv einer Verfügung aber
rechtmässig, dann kann diese Verfügung nicht zweifellos unrichtig und die Berichtigung
dieser Verfügung kann nicht von erheblicher Bedeutung sein. Andernfalls bestünde die
Wiedererwägung nämlich darin, eine Verfügung mit einem rechtmässigen Dispositiv
durch eine Verfügung mit demselben rechtmässigen Dispositiv zu ersetzen, was absurd
wäre. Soweit überblickbar hat das Bundesgericht nie eine Wiedererwägung ex tunc nur
mit der Begründung einer ursprünglich unzureichenden Sachverhaltsabklärung
aufgehoben. Es war sich offensichtlich des Umstands bewusst, dass das Dispositiv der
wiederzuerwägenden Verfügung ohne eine nachgeholte Abklärung des damaligen
Sachverhalts nicht als rechtmässig oder eben als unrechtmässig qualifiziert werden
kann. Diese Qualifikation setzt nämlich notwendigerweise eine Subsumtion des nun mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ermittelten Sachverhalts unter
den massgebenden Gesetzestatbestand voraus. Die Erkenntnis allein, dass der
Sachverhalt damals nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
ermittelt worden war, lässt natürlich noch keine Subsumtion unter den massgebenden
Gesetzestatbestand zu, weil der zu subsumierende überwiegend wahrscheinliche
Sachverhalt ja noch gar nicht bekannt ist. Die Wiedererwägung ex nunc hätte aus der
Sicht des wiedererwägungswilligen Sozialversicherungsträgers den Vorteil, dass sie
von der nachträglichen Ermittlung des damaligen Sachverhalts „dispensieren“ würde,
weil ja nur noch der aktuelle Sachverhalt massgebend wäre. Die Behauptung, es
genüge, eine unzureichende damalige Sachverhaltsermittlung festzustellen, um damit
die Wiedererwägungsvoraussetzung der zweifellosen Unrichtigkeit zu erfüllen, kann
also nur in Kombination mit einer Wiedererwägung ex nunc aufgestellt werden. Da es
aber nach dem oben Ausgeführten bei einer lege artis durchgeführten Interpretation
des Art. 53 Abs. 2 ATSG keine Wiedererwägung ex nunc gibt, kann es auch nicht
genügen, die zweifellose Unrichtigkeit einer Verfügung mit einer unzureichenden
damaligen Sachverhaltsabklärung zu erklären. Die aktuellste bundesgerichtliche
Rechtsprechung erweist sich also nicht nur bezüglich der Existenz einer
Wiedererwägung ex nunc, sondern auch bezüglich der zweifellosen Unrichtigkeit in der
Form einer unzureichenden Sachverhaltsabklärung als gesetzwidrig.
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2.2 Die Beschwerdegegnerin hat die ursprüngliche Verfügung vom 13. August 2003
und die Verfügung vom 14. März 2007, mit welcher die ursprüngliche Verfügung
bestätigt worden ist, wiedererwägungsweise ex nunc aufgehoben (wobei hier
anzumerken ist, dass die Verfügung vom 14. März 2007 durch die Wiedererwägung der
ursprünglichen Verfügung vom 13. August 2003 automatisch aufgehoben worden
wäre). Da eine Wiedererwägung nach dem Gesagten nicht mit Wirkung ex nunc
erfolgen kann und deshalb nicht anhand des aktuellen Sachverhalts geprüft werden
kann, ob und gegebenenfalls welcher Leistungsanspruch besteht, ist nachfolgend zu
prüfen, ob die Voraussetzungen für eine wiedererwägungsweise Aufhebung der
Verfügung vom 13. August 2003 mit Wirkung ex tunc erfüllt sind.
2.3 Der ursprüngliche Rentenentscheid ist gestützt auf einen Bericht von Dr. C._
vom 20. Dezember 2002, gestützt auf einen Bericht des Hausarztes Dr. E._ vom 30.
April 2003 und − irrtümlicherweise − gestützt auf einen – nicht die Beschwerdeführerin
betreffenden − Bericht einer Psychiaterin ergangen. Weder der Bericht von Dr. C._,
welcher von einer Privatversicherung in Auftrag gegeben worden ist, noch jener des
Hausarztes überzeugen: Als Diagnose haben diese Ärzte eine Depression resp. eine
depressive Entwicklung angegeben, wobei sie es unterlassen haben, einen
Schweregrad anzugeben. Auch finden sich in den Berichten keine bzw. nur sehr
rudimentäre Angaben zum psychopathologischen Status. Beide Berichte wecken
zudem den Anschein, dass die Ärzte bei ihrer Arbeitsfähigkeitsschätzung hauptsächlich
auf die Schilderungen der Beschwerdeführerin abgestellt haben. Ausserdem handelt es
sich weder bei Dr. C._ noch bei Dr. E._ um psychiatrische Fachärzte, sondern um
Fachärzte für Innere Medizin (bzgl. Dr. C._ siehe Ärzteverzeichnis der FMH,
www.doctorfmh.ch, besucht am 2. Dezember 2016). Gerade bei psychiatrischen
Erkrankungen, bei denen es sich um innerseelische Vorgänge handelt, ist es jedoch
unerlässlich, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung durch einen psychiatrischen Facharzt
vorgenommen wird. Hinzu kommt, dass sich die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt
der Sachverhaltsabklärungen durch die Beschwerdegegnerin in psychiatrischer
Behandlung befunden hat und der Hausarzt explizit angeraten hat, die Meinung des
Psychiaters einzuholen. Auch die im dem vorliegenden Beschwerdeverfahren zugrunde
liegenden Verwaltungsverfahren eingeholten medizinischen Berichte, insbesondere der
RAD-Bericht vom 17. November 2011, sind nicht geeignet, die Arbeitsfähigkeit
rückwirkend ab dem Jahr 2002 mit dem notwendigen Beweisgrad festzulegen. Denn
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die Untersuchungspersonen können grundsätzlich nur den Gesundheitszustand bzw.
die Arbeitsfähigkeit im Untersuchungszeitpunkt feststellen. Demzufolge reichen die im
Recht liegenden Unterlagen nicht aus, um die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
in der Vergangenheit, d.h. ab Februar 2002 (geltend gemachter Zeitpunkt des Eintritts
der Arbeitsunfähigkeit), rechtsgenüglich zu ermitteln. Liegt keine brauchbare
Arbeitsfähigkeitsschätzung im Recht, kann auch der IV-Grad nicht ermittelt werden.
Folglich steht auch nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, ob die Beschwerdeführerin ab Februar 2002 einen
Rentenanspruch gehabt hat oder nicht. Die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung
ex tunc sind somit gestützt auf die im Recht liegenden medizinischen Berichte nicht
erfüllt. Die Sache ist daher gestützt auf Art. 43 Abs. 1 ATSG für weitere Abklärungen an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin wird alle noch
vorhandenen, die psychiatrische Situation betreffenden medizinischen Berichte der
behandelnden Ärzte für die Zeit ab Februar 2002 einfordern müssen. Danach wird sie
entscheiden müssen, ob gestützt auf diese Berichte die Arbeitsfähigkeit für die
Vergangenheit rechtsgenüglich rekonstruiert werden kann und falls ja, ob die
Voraussetzungen für eine Wiedererwägung ex tunc erfüllt sind.
2.4 Sollten die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung ex tunc nicht erfüllt sein, ist
im Sinne eines obiter dictum darauf hinzuweisen, dass es der Beschwerdegegnerin
natürlich immer noch offen steht, ein Revisionsverfahren nach Art. 17 Abs. 1 ATSG
durchzuführen. Denn wenn die ursprüngliche Leistungsverfügung nicht in
Wiedererwägung ge¬zogen werden kann, d.h. als nicht zweifellos unrichtig zu
betrachten ist, muss davon ausgegangen werden, dass die Arbeitsunfähigkeit ab
Februar 2002 100 % betragen hat.
2.5 Anzumerken bleibt, dass RAD-Psychiater Dr. I._ im Untersuchungszeitpunkt (2.
November 2011) nur eine leichtgradige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit hat feststellen können. Allerdings hat die Klinik K._ der
Beschwerdeführerin in ihrem Bericht vom 11. Juni 2012 eine 100 %ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert und neue Diagnosen, namentlich eine mittelgradige
depressive Episode und psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder
Hypnotika und durch Tabak (Abhängigkeitssyndrom), angegeben. RAD-Ärztin Dr. H._
hat am 12. Juli 2012 erklärt, dass die Klinikärzte die Symptomatik anfangs als
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mittelgradige Depression eingeschätzt hätten. Dem Bericht der Klinik K._ ist
allerdings nicht zu entnehmen, dass es sich hierbei um eine Diagnose handelt, die
lediglich aufgrund einer vorübergehenden Verschlechterung gestellt worden ist. Soll ein
Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, sind
an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen
Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4).
Die Wiedererwägungsverfügung datiert vom 30. April 2013. Die RAD-Untersuchung ist
somit rund eineinhalb Jahre und der Bericht der Klinik K._ rund 10 Monate vor
Verfügungserlass erfolgt. Der Bericht der Klinik K._ lässt zumindest insoweit Zweifel
an der Einschätzung von Dr. I._ wecken, als dass es nach der RAD-Untersuchung,
aber noch vor Verfügungserlass, zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes
der Beschwerdeführerin gekommen sein könnte. Im Rahmen eines Wiedererwägungs-
oder Revisionsverfahrens wäre daher die Durchführung einer unabhängigen
psychiatrischen Begutachtung notwendig. Im Übrigen ist der sehr hohe Temesta-
Konsum der Beschwerdeführerin augenfällig (5mg allein vor dem Schlafengehen, siehe
IV-act. 81-2). Würde ein Wiedererwägungs- oder ein Revisionsverfahren durchgeführt,
wäre auch abzuklären, ob die Notwendigkeit für einen Medikamentenentzug besteht
und ob der Beschwerdeführerin ein solcher aus medizinischer Sicht aufgrund ihrer
Schadenminderungspflicht zumutbar wäre. Sollte sich die Beschwerdeführerin einer
zumutbaren und notwendigen Behandlung verweigern, wäre vor der Kürzung oder
Verweigerung von Leistungen ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren nach Art. 21 Abs. 4
ATSG durchzuführen.
2.6 Demnach ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und die Sache gestützt auf
Art. 43 Abs. 1 ATSG zur Vornahme weiterer Abklärungen und zur anschliessenden
Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.
3.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
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Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Die Bewilligung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege ist bei diesem
Verfahrensausgang gegenstandslos geworden.
3.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Die
Rechtsvertreterin hat eine Honorarnote zufolge UP-Gewährung über den Betrag von Fr.
2'808.-- eingereicht (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer). Der veranschlagte
Stundenansatz hat Fr. 200.-- betragen (vgl. act. G 8.1) und entspricht damit dem um
einen Fünftel herabgesetzten Honorar bei unentgeltlicher Prozessführung (Art. 31 Abs.
3 des AnwG [sGS 963.70]). Die Honorarnote hat sich somit nur auf den Fall bezogen,
dass die Beschwerdeführerin unterliegt, da ihre Rechtsvertreterin nur in diesem Fall
vom Staat hätte entschädigt werden müssen. Für die Berechnung der von der
Beschwerdegegnerin zu bezahlenden Parteientschädigung ist daher auf das mittlere
Honorar für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte abzustellen, welches Fr. 250.-- je
Stunde beträgt (Art. 24 Abs. 1 HonO). Die Rechtsvertreterin hat ein Honorar von Fr.
2'500.-- (exkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) in Rechnung gestellt, was 12.5
Stunden entspricht. Bei einem Stundenansatz von Fr. 250.-- beträgt das Honorar Fr.
3'125.--. Hinzu kommt ein pauschaler Betrag für Barauslagen von 4 %, d.h. Fr. 125.--
(Art. 28bis Abs. 1 HonO). Zuzüglich der Mehrwertsteuer von 8 % (Fr. 160.--) ergibt sich
ein Betrag von Fr. 3'510.--. Diese Entschädigung erscheint angemessen, da es sich um
einen Fall mit mittlerem Aufwand und Schwierigkeitsgrad gehandelt hat und das
Gericht in einem solchen Fall praxisgemäss eine Pauschalentschädigung von Fr.
3'500.-- ausrichtet. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin entsprechend
mit Fr. 3'510.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.