Decision ID: dbb8fa07-f028-4661-8592-1bc8e4cd5332
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
R._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
R._, Jahrgang 1948, wurde von der IV-Stelle mit Verfügung vom 22. November 2007
rückwirkend ab 1. Juni 2006 bei einem Invaliditätsgrad von 53% eine halbe
Invalidenrente zugesprochen (EL-act. 22-1). Im Februar 2008 meldete er sich zum
Bezug von Ergänzungsleistungen (EL) zur Rente an (EL-act. 21). Mit zwei Verfügungen
vom 4. Juni 2008 sprach ihm die Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen als EL-
Durchführungsstelle für das Jahr 2007 eine monatliche EL von Fr. 514.- zu und
verweigerte für das Jahr 2008 die Ausrichtung einer EL (EL-act. 10). Eine gegen diese
Verfügungen gerichtete Einsprache vom 23. Juni 2008 (EL-act. 9) mit ergänzender
Begründung vom 21. Juli 2008 (EL-act. 2) hiess der Rechtsdienst der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) in Vertretung der EL-
Durchführungsstelle mit Entscheid vom 13. August 2008 teilweise gut und sprach dem
Versicherten für das Jahr 2007 monatliche EL in der Höhe von Fr. 558.- zu. Für das
Jahr 2008 bestätigte er die EL-Abweisung (act. G 1.1).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die Beschwerde von Rechtsanwalt lic. iur.
Roland Hochreutener in Vertretung des Versicherten vom 9. September 2008. Er
beantragt die Aufhebung des Einspracheentscheids betreffend die Jahre 2007 und
2008. Für das Jahr 2007 sei der monatliche EL-Anspruch auf Fr. 973.-, für das Jahr
2008 auf Fr. 22.- festzusetzen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Umstritten sei
lediglich noch die Höhe der auf der Einnahmenseite anrechenbaren Einkünfte aus
unbeweglichem Vermögen. Für die Bemessung des Eigenmietwerts der vom
Eigentümer bewohnten Wohnung sei nach Art. 12 Abs. 1 ELV auf die Grundsätze der
Gesetzgebung über die direkte kantonale Steuer im Wohnsitzkanton abzustellen. Im
Kanton St. Gallen entspreche dieser Eigenmietwert dem um 30%, jedoch (ab 2007)
höchstens um Fr. 9'000.- herabgesetzten mittleren Preis, zu dem Grundstücke gleicher
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oder ähnlicher Grösse, Lage oder Beschaffenheit in der betreffenden Gegend vermietet
würden. Wenn die Beschwerdegegnerin die pauschale Reduktion mit der Begründung
verweigere, diese könne bei der EL-Berechnung nicht vorgenommen werden, so setze
sie sich in Widerspruch zum klaren Wortlaut des Art. 12 Abs. 1 ELV (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 24. September
2008 die Abweisung der Beschwerde. Gemäss Rz. 2099 WEL seien die Grundsätze der
kantonalen Steuern für die EL anzuwenden. Dies heisse aber nicht, dass gleichzeitig
alle kantonalen Sonderregelungen übernommen werden müssten. Die spezielle
Bestimmung des Art. 34 Abs. 3 des st. gallischen Steuergesetzes sei bei der EL-
Berechnung nicht zu berücksichtigen. Auch die Praxis des kantonalen
Versicherungsgerichts sehe nicht vor, dass der Eigenmietwert noch zu reduzieren sei.
Diesbezüglich verweist die Beschwerdegegnerin auf die Entscheide EL 2007/20 vom
17. Juli 2007 und EL 2006/19 vom 21. März 2007. Überdies würden im Steuerrecht
auch Vermögensfreibeträge für Alleinstehende, Verheiratete usw. existieren, die bei der
EL ebenfalls unberücksichtigt bleiben würden (act. 3).
B.c In der Replik vom 30. Oktober 2008 lässt der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen festhalten. Die Beschwerdegegnerin lege nicht dar, aus welchen Gründen
entgegen dem klaren Wortlaut von Art. 12 Abs. 1 ELV eine Ausnahme vom generellen
Verweis auf die kantonalen Bewertungsgrundsätze im Steuerrecht Platz greifen sollte.
Die von der Beschwerdegegnerin zitierten Urteile des Versicherungsgerichts seien für
die vorliegende Beurteilung nicht einschlägig, zumal die Frage der Berücksichtigung
des steuerlichen Pauschalabzugs in den genannten Verfahren nicht streitig gewesen
und dementsprechend vom Gericht nicht überprüft worden sei. Dass im Steuerrecht
auch Vermögensfreibeträge für Alleinstehende, Verheiratete etc. existieren würden, die
bei der EL ebenfalls unberücksichtigt blieben, sei vorliegend nicht entscheidend, zumal
der EL-Gesetzgeber im Bereich der Vermögensfreibeträge eine bewusste Abweichung
bezweckt und auch explizit im Gesetz aufgenommen habe (act. G 7).
B.d Die Beschwerdegegnerin hält am 10. November 2008 an ihren Anträgen fest und
verzichtet auf eine weitere Stellungnahme.

Erwägungen
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1.
Auf den 1. Januar 2008 ist das neue Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen zur
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30) in Kraft getreten.
Es ersetzt das ELG vom 19. März 1965 in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen
Fassung. Die ELV vom 15. Januar 1971 wurde per 1. Januar 2008 teilweise revidiert. In
Bezug auf die vorliegend interessierenden Fragen hat die Rechtslage materiell keine
Änderung erfahren.
2.
2.1 Die jährliche EL entspricht dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die
anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG bzw. Art. 3a Abs. 1 aELG).
Die anerkannten Ausgaben und die anrechenbaren Einnahmen, worin in bestimmtem
Umfang auch das Vermögen einbezogen ist, werden nach den in den Art. 10 und
Art. 11 ELG (Art. 3b und 3c aELG) und nach den in Art. 11 bis 18 ELV festgelegten
Bestimmungen ermittelt. Als Einnahmen anzurechnen sind nach Art. 11 lit. b ELG
(Art. 3c Abs. 1 lit. b aELG) unter anderem Einkünfte aus unbeweglichem Vermögen.
Diese umfassen den Mietwert der eigenen Wohnung, sofern er nicht schon im
Erwerbseinkommen enthalten ist (Rz. 2092 WEL). Für die Bemessung des Mietwerts
der vom Eigentümer oder Nutzniesser bewohnten Wohnung sind nach Art. 12 Abs. 1
ELV die Grundsätze der Gesetzgebung über die direkte kantonale Steuer im
Wohnsitzkanton massgebend.
2.2 Gemäss Art. 34 Abs. 1 lit. b des st. gallischen Steuergesetzes (StG; sGS 811.1) ist
der Mietwert von Grundstücken, soweit sie dem Steuerpflichtigen aufgrund von
Eigentum oder aufgrund eines unentgeltlichen Nutzungsrechts für den Eigengebrauch
zur Verfügung stehen, steuerbar. Dieser Mietwert entspricht nach Abs. 2 dem mittleren
Preis, zu dem Grundstücke gleicher oder ähnlicher Grösse, Lage und Beschaffenheit in
der betreffenden Gegend vermietet werden. Der Mietwert des Eigenheims, das der
Steuerpflichtige an seinem Wohnsitz dauernd selbst bewohnt, wird um 30%, jedoch
höchstens um Fr. 9'000.- herabgesetzt (Abs. 3).
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2.3 Art. 10 Abs. 1 lit. b ELG (Art. 3b Abs. 1 lit. b aELG) bezeichnet den Mietzins einer
Wohnung als abzugsfähig. Diese Bestimmung findet praxisgemäss auch Anwendung
bei versicherten Personen, die in ihrer eigenen Liegenschaft wohnen, obwohl diese
faktisch keinen Mietzins bezahlen. Diese sich gegen den Wortlaut richtende Praxis
beruht auf Gleichbehandlungsüberlegungen. Wäre der Eigenmietwert der
selbstbewohnten Liegenschaft nicht als "Mietzins" abzugsfähig, würde derjenige EL-
Ansprecher, der seine Liegenschaft vermietet und selbst in einer gemieteten Wohnung
wohnt, EL-rechtlich besser gestellt als derjenige, der in der eigenen Liegenschaft
wohnt. Im ersten Fall gleichen sich die Einnahmen aus der Vermietung der eigenen
Liegenschaft und die Ausgaben für die Wohnungsmiete grundsätzlich aus, d.h. sie
beeinflussen die Höhe des EL-Anspruchs nicht. Im zweiten Fall käme hingegen der
Eigenmietwert als Einnahme in der EL-Berechnung voll zum Tragen, wenn er nicht
gleichzeitig auch als "Mietzins" abzugsfähig wäre. Aus wirtschaftlicher Sicht besteht
zwischen den beiden Fällen kein Unterschied. Die Vermietung der eigenen
Liegenschaft bei gleichzeitiger Miete einer fremden Wohnung darf in Bezug auf den EL-
Anspruch nicht "lukrativer" sein als das Wohnen in der eigenen Liegenschaft (Ralph
Jöhl, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in SBVR XIV-Meyer, Soziale Sicherheit, 2. Aufl.,
Basel 2007, S. 1700, Rz. 95).
2.4 Die Berücksichtigung des Eigenmietwerts sowohl auf der Einnahmenseite als
auch als "Mietzins" auf der Ausgabenseite läuft grundsätzlich auf ein Nullsummenspiel
hinaus, weshalb in der Lehre mitunter dafür plädiert wird, auf die Anrechnung dieser
hypothetischer Einnahmen- und Ausgabenposition zu verzichten (Jöhl, a.a.O., S. 1701,
Rz. 96, vgl. auch Fn. 308; S. 1780, Fn. 703).
2.5 Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen war bereits im Entscheid
EL 2000/128 vom 13. Dezember 2001 davon ausgegangen, dass der gemäss
Steuergesetzgebung gekürzte Eigenmietwert für die EL-Berechnung massgebend sei
(S. 5 f.). Zwar verweist Art. 12 ELV auf die Anwendbarkeit der "Grundsätze" der
kantonalen Steuergesetzgebung. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin bietet
dies jedoch keine Grundlage, Art. 34 Abs. 3 StG im Gegensatz zu Abs. 1 und Abs. 2
nicht zur Anwendung zu bringen. Ein solches Vorgehen mutet willkürlich an und lässt
sich auch nicht sachlich begründen. Den von der Beschwerdegegnerin zitierten
Entscheiden EL 2007/20 und EL 2006/19 lässt sich nichts Gegenteiliges entnehmen.
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Bei der Einnahmenposition "Ertrag aus selbstbewohnter Liegenschaft" ist demnach
vom um 30% reduzierten Eigenmietwert gemäss Schätzungsprotokoll (EL-act. 19-1)
auszugehen, was dem Betrag von Fr. 11'648.- entspricht (vgl. auch die
Steuerveranlagung 2006 bzw. den Entwurf jener des Jahrs 2007 in EL-act. 20-11 bzw.
14-13).
2.6 Bei dieser Korrektur kann es jedoch entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers nicht sein Bewenden haben. Vielmehr ist auch auf der
Ausgabenseite bei der Position "Bruttomiete" lediglich der reduzierte Betrag von
Fr. 11'648.- anzuerkennen. Zuzüglich Nebenkostenpauschale von Fr. 1'680.- ergibt
sich ein anrechenbarer Betrag von Fr. 13'328.-.
2.7 Obwohl der Beschwerdeführer demnach in Bezug auf die Berücksichtigung des
Eigenmietwerts gegenüber der Berechnung der Beschwerdegegnerin bessergestellt
wird, resultiert ab Januar 2008 noch immer ein Einnahmenüberschuss. Diesbezüglich
ist der angefochtene Entscheid im Ergebnis somit nicht zu beanstanden. Für das Jahr
2007 besteht hingegen bei anerkannten Ausgaben von total Fr. 59'971.- und
anrechenbaren Einnahmen von Fr. 49'965.- (vgl. betreffend die übrigen
Einnahmenpositionen das Berechnungsblatt in EL-act. 1) ein höherer EL-Anspruch von
Fr. 834.- monatlich.
3.
3.1 Der angefochtene Einspracheentscheid ist in Bezug auf die EL-Abweisung ab
Januar 2008 im Ergebnis nicht zu beanstanden. Betreffend das Jahr 2007 ist der
Entscheid hingegen aufzuheben. Der Beschwerdeführer hat im Jahr 2007 Anspruch auf
EL in der Höhe von Fr. 834.- monatlich.
3.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
3.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses unter
Berücksichtigung des Ausmasses des Obsiegens bemessen wird (Art. 61 lit. g ATSG;
vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Beschwerdeführer obsiegt betreffend EL-
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Anspruch für das Jahr 2007 teilweise und unterliegt betreffend das Jahr 2008.
Angemessen erscheint daher eine Parteientschädigung von Fr. 2'000.- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG