Decision ID: 36f6766a-a91e-4499-a36b-97b5b4aea513
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
X._ ist als Rechtsanwalt und Wirtschaftsberater tätig und im Anwaltsregister des
Kantons St. Gallen eingetragen. Gegen ihn erhob am 4. Mai 2021 A._ bei der
Anwaltskammer Anzeige wegen Verstosses gegen die Berufsregeln.
B.
Zwischen Rechtsanwalt X._ und A._ hatte ein Auftragsverhältnis in einer
strassenverkehrsrechtlichen Angelegenheit bestanden, in dessen Verlauf Rechtsanwalt
X._ A._ mehrfach anerbot, ihm Investments zu vermitteln (vgl. act. 8/12, Beilagen 1
und 2). Am 2./4. April 2018 schlossen die beiden eine "Darlehensvereinbarung" ab,
nach welcher X._ als "Darlehensnehmer" A._ als "Darlehensgeber" die "Möglichkeit
vermittelte", "den Betrag von CHF 150'000 ... in der Klientel des Darlehensnehmers zu
platzieren". Die Laufzeit war auf "genau" zwei Jahre, die Verzinsung auf jährlich sieben
Prozent, zahlbar in jeweils einer Jahrestranche, festgelegt. Der "Darlehensnehmer"
sicherte dem Darlehensgeber zu, "den Betrag zur Absicherung ... als eigene
Forderung" anzunehmen und persönlich für die Rückzahlung des Betrags haftbar zu
sein (act. 8/2 Beilage 3). Das Darlehen wurde vereinbarungsgemäss auf ein Konto des
Darlehensnehmers bei der Schwyzer Kantonalbank ausbezahlt (act. 8/2 Beilage 4).
Am 6. Dezember 2018 entzog A._ Rechtsanwalt X._ das Mandat in der
Strassenverkehrsangelegenheit (vgl. act. 8/2 Beilage 5, E-Mail vom 7. Dezember 2018
09:44) und forderte ihn zur vorzeitigen Rückzahlung des Darlehens auf (act. 8/2 Beilage
6, E-Mail vom 6. Dezember 2018 16:58). Weil X._ der Aufforderung nicht nachkam,
beschritt A._ den betreibungs- und zivilrechtlichen Prozessweg. Auf sein Gesuch hin
erliess das Betreibungsamt K._ nach entsprechender richterlicher Bewilligung am
21. November 2020 einen Arrestbefehl für sämtliche auf X._ lautende Guthaben bei
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der Schwyzer Kantonalbank (act. 8/2, Beilagen 24 und 25). Rechtsanwalt X._
widersetzte sich den Forderungen, indem er Verrechnung mit
Schadenersatzansprüchen aus dem Mandatsverhältnis geltend machte, und betrieb
seinerseits A._ am 20. Januar 2021 auf dreissig Millionen Franken samt fünf Prozent
Zins (act. 8/2 Beilage 31).
C.
Die Anwaltskammer eröffnete am 10. Mai 2021 gegen Rechtsanwalt X._ ein
Disziplinarverfahren zum Vorwurf eines Interessenkonflikts und gab ihm Gelegenheit
zur Stellungnahme. Für den Fall einer strafrechtlichen Verurteilung behielt sie sich vor,
ein weiteres Disziplinarverfahren gegen ihn zu eröffnen oder das vorliegende
auszudehnen (act. 8/3). Mit Eingabe vom 14. Juni 2021 informierte A._ die
Anwaltskammer über eine weitere von X._ ihm gegenüber am 31. Mai 2021
eingeleitete Betreibung über eine Schadenersatzforderung von CHF 100'000 zuzüglich
fünf Prozent Zins seit 1. Dezember 2020. Mit Eingaben vom 15. und 25. Juni 2021
nahm X._ Stellung im Disziplinarverfahren. Am 29. Juni 2021 ergänzte A._ die
Aufsichtsanzeige und brachte der Anwaltskammer eine E-Mail von X._ vom 25. Juni
2021 zur Kenntnis, in welcher letzterer A._ auf offene Forderungen in der Höhe von
dreissig Millionen Franken (Sicherheitsleistung), CHF 100'000 (Schadenersatz) und
CHF 2'647.59 (Kosten der unberechtigten Verfahren) hinwies und Zahlung "in Kürze"
verlangte. Die Anwaltskammer gab Rechtsanwalt X._ Kenntnis von dieser zusätzlichen
Eingabe. Am 21. Juli 2021 forderte sie ihn auf, einerseits die Verwendung des von A._
erhaltenen Darlehens vollständig zu dokumentieren, insbesondere den mit dem Dritten
abgeschlossenen Vertrag und einen Beleg für die Weiterleitung des Darlehens
einzureichen, und anderseits seine Liquidität vor Abschluss des Darlehensvertrags und
im mutmasslichen Zeitpunkt der Rückzahlung zu belegen. X._ verwies am 9. August
2021 auf Vergleichsgespräche mit A._. Zu den verlangten Belegen machte er geltend,
seine Mandanten hätten ihm bei Konventionalstrafe die Offenlegung ihrer
Businesspläne und des Mittelverwendungsplans untersagt. Seine Liquidität sei stets
gegeben und gegeben gewesen. Wie viele andere auch, habe er immer rund CHF/
EUR 200'000 zuhause. Seine Privatkonti seien nicht für die Augen der
"Anwaltskommission" bestimmt.
Am 7. Dezember 2021 stellte die Anwaltskammer fest, Rechtsanwalt X._ habe die
Pflicht zur Unabhängigkeit und das Verbot von Interessenkollisionen verletzt, und
büsste ihn mit CHF 3'000. A._ informierte sie über den Ausgang des Verfahrens.
D.
Rechtsanwalt X._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 9. Dezember 2021
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versandten Entscheid der Anwaltskammer (Vorinstanz) mit Eingabe vom 3. Januar 2022
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Rechtsbegehren, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid nach durchgeführter mündlicher
Verhandlung aufzuheben. Er reichte eine von der Steuerverwaltung des Kantons
Schwyz für das Steuerjahr 2018 erstellte interkantonale Steuerausscheidung ein,
wonach sich sein steuerbares Einkommen im Steuerjahr 2018 auf knapp 2.3 Millionen
Franken und sein Reinvermögen per 31. Dezember 2018 auf knapp 0.8 Millionen
Franken beliefen.
Mit Vernehmlassung vom 31. Januar 2022 verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen
im angefochtenen Entscheid und beantragte, die Beschwerde sei abzuweisen. Der
Beschwerdeführer erhielt Einsicht in die Akten und nahm am 16. März 2022 Stellung.
Die Vorinstanz verzichtete stillschweigend auf eine weitere Äusserung.
Auf die Erwägung im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 34 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte [Anwaltsgesetz];
SR 935.61, BGFA, in Verbindung mit Art. 6 Abs. 2 des st. gallischen Anwaltsgesetzes;
sGS 963.70, AnwG). Der Beschwerdeführer ist Adressat des angefochtenen Entscheids
und hat ein eigenes schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, zumal er von der
Feststellung, Berufsregeln verletzt zu haben, und von der ihm auferlegten
Disziplinarmassnahme besonders berührt ist. Er ist daher zur Beschwerdeerhebung
befugt (Art. 34 Abs. 1 BGFA und Art. 41 AnwG in Verbindung mit Art. 64 und Art. 45
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die
Beschwerde gegen den am 9. Dezember 2021 versandten Entscheid der Vorinstanz
wurde mit Eingabe vom 3. Januar 2022 unter Berücksichtigung des Fristenstillstandes
über die Weihnachts- und Neujahrstage (Art. 30 VRP in Verbindung mit Art. 145 Abs. 1
Ingress und lit. c der Schweizerischen Zivilprozessordnung; SR 272) rechtzeitig
erhoben und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 34 Abs. 1 BGFA und Art. 41 AnwG in Verbindung mit Art. 64 und
Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
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2.
Die Vorinstanz stellte fest, der Beschwerdeführer habe im Mandatsverhältnis mit dem
Anzeiger sowohl die Pflicht zur Unabhängigkeit (Art. 12 Ingress und lit. b BGFA) als
auch das Verbot von Interessenkollisionen (Art. 12 Ingress und lit. c BGFA) verletzt und
damit gegen die anwaltlichen Berufspflichten verstossen. In rechtlicher Hinsicht ging
sie davon aus, das Gebot der (wirtschaftlichen) Unabhängigkeit des Anwalts von
seinem Klienten sei eine Frage des Masses, welche sich nur im Einzelfall beurteilen
lasse. Die konkrete Gefahr eines standeswidrigen Interessenkonfliktes schaffe der
Anwalt, wenn er in finanziell prekärer Lage von seinem Mandanten ein Darlehen
entgegennehme (vgl. Erwägung 2 des angefochtenen Entscheides). Die Vorinstanz
qualifizierte die auf zwei Jahre ausgerichtete Darlehenssumme als erheblich. Dies gelte
umso mehr als gestützt auf die Akten davon ausgegangen werden müsse, die
finanzielle Situation des Beschwerdeführers bei Vereinbarungsabschluss und auch in
den Jahren danach sei – entgegen seinen anderslautenden Beteuerungen – äusserst
angespannt gewesen. Er habe sich in einer prekären finanziellen Situation befunden
und sei gar nicht in der Lage gewesen, das vom Anzeiger erhaltene Darlehen samt Zins
zurückzuzahlen. Dadurch habe er den Anzeiger in die Rolle des Klägers gezwungen,
um die mandatsfremde Geldforderung, deren Einbringlichkeit mit Blick auf die
monetäre Situation unsicher gewesen sei beziehungsweise sei. Dies wiederum führe zu
einer finanziellen Zusatzbelastung des Anzeigers. Dessen finanzielle Schadloshaltung
sei aber offenbar nicht im Interesse des Beschwerdeführers gelegen, wie es im
Darlehensvertrag vereinbart worden sei. Die divergierende Interessenlage zeige sich
auch in der einseitigen Mandats- und ausserordentlichen Darlehensvertragsauflösung
durch den Anzeiger, gefolgt vom betreibungs- und zivilrechtlichen Rechtsstreit.
3.
Der Beschwerdeführer rügt seinerseits eine unvollständige Abklärung des Sachverhalts
durch die Vorinstanz.
Die Vorinstanz stellte für die Beurteilung des Masses der wirtschaftlichen Abhängigkeit
des Beschwerdeführers als Darlehensnehmer vom Anzeiger und Mandanten als
Darlehensgeber auf die den Beschwerdeführer betreffenden Auszüge aus den
Betreibungsregistern von K._/SG und M._/SZ ab. Aus ihnen sind ab 2014, mit
Schwerpunkt in den Jahren 2018 bis 2020, vierzig Betreibungen über mehrheitlich vier-
bis fünf-, vereinzelt auch tiefe sechsstellige Forderungen von Behörden, darunter der
Anwaltskommission des Kantons Schwyz, sowie von Versicherungs- und
Immobiliengesellschaften und im Jahr 2019 eine Pfändung ersichtlich. Einzelne
3.1.
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Forderungen wurden beglichen (vgl. act. 8/2, Beilagen 34 und 35). Die Vorinstanz hielt
fest, dass der Beschwerdeführer die am 2./4. April 2018 gegenüber dem Anzeiger
eingegangene Schuldverpflichtung von CHF 150'000 (zuzüglich zwei Jahreszinse von
sieben Prozent) bisher nicht beglich, sondern mit allen möglichen rechtlichen Mitteln
bekämpfte beziehungsweise deren Begleichung verzögerte. Da er zudem keine
Dokumente zu seiner "angeblichen Liquidität" (Aufbewahrung von CHF/EUR 200'000)
und zu seinem "vorgeblichen Millionenvermögen" (Oldtimer und Immobilien) sowie zur
Verwendung des Darlehensbetrags vorlegte, ging sie diesbezüglich von
Schutzbehauptungen aus.
Im Beschwerdeverfahren reicht der Beschwerdeführer nun eine von der
Steuerverwaltung des Kantons Schwyz für das Steuerjahr 2018 erstellte interkantonale
Steuerausscheidung zu seinen Steuerdomizilen K._/SG und Z._/SZ ein. Danach
beliefen sich sein steuerbares Einkommen auf knapp 2.3 Millionen Franken und sein
Reinvermögen per 31. Dezember 2018 auf knapp 0.8 Millionen Franken (act. 3).
Ergänzend bringt er dazu vor, weitere Vermögenswerte von über sechs Millionen
Franken seien darauf wegen seines Hauptwohnsitzes in Österreich nicht ersichtlich.
In tatsächlicher Hinsicht ist davon auszugehen, dass Beschwerdeführer und Anzeiger
im Jahr 2018 sowohl ein anwaltsrechtliches Mandatsverhältnis als auch ein
Darlehensverhältnis – in der Vereinbarung vom 2./4. April 2018 wird der Anzeiger als
Darlehensgeber und der Beschwerdeführer als Darlehensnehmer bezeichnet, der
Beschwerdeführer haftet indes dabei nicht als Bürge, zumal den entsprechenden
Formvorschriften (vgl. Art. 493 Abs. 2 des Schweizerischen Obligationenrechts; SR
220, OR) nicht Rechnung getragen wurde – eingingen. Unbestritten ist auch, dass das
Mandatsverhältnis im Dezember 2018 durch den Anzeiger aufgelöst wurde und er vom
Beschwerdeführer zudem die vorzeitige Rückzahlung des geliehenen Geldes verlangte.
Die zweijährige Laufzeit des Darlehens ist mittlerweile abgelaufen und die Forderung
des Anzeigers gegenüber dem Beschwerdeführer samt zwei Jahreszinsen von sieben
Prozent fällig. Der Beschwerdeführer machte im Verfahren der Zwangsvollstreckung
geltend, er bringe die Forderungen mit eigenen Schadenersatzforderungen gegenüber
dem Anzeiger aus dem Mandatsverhältnis zur Verrechnung. Das Bundesgericht hat
zwischenzeitlich eine Beschwerde, welche der Beschwerdeführer mit dem
entsprechenden Vorbringen im Verfahren der provisorischen Rechtsöffnung erhoben
hatte, abgewiesen (BGer 5A_977/2020 vom 5. Mai 2021). Auch seine Einsprache gegen
den Arrest blieb erfolglos (Entscheid der Einzelrichterin, 2. Abteilung des Kreisgerichts
Y._ vom 7. Januar 2021; act. 8/2, Beilage 29). Ob und wenn ja, wie das vom
3.2.
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4.
Zu prüfen ist, ob das Verwaltungsgericht den ergänzten Sachverhalt selbst rechtlich
würdigt oder die Angelegenheit gestützt auf Art. 41 AnwG in Verbindung mit Art. 64
und Art. 56 Abs. 2 VRP zur allfälligen Ergänzung des Sachverhalts und zur neuen
Entscheidung zurückweist. Eine Rückweisung ist insbesondere dann gerechtfertigt,
wenn die erstverfügende Behörde – vorliegend die Anwaltskammer – über spezifische
Sachkenntnisse verfügt oder wenn dem Beschwerdeführer in der noch zu prüfenden
Frage der volle Instanzenzug offengehalten werden soll. Geht es beim Neuentscheid
sodann vorwiegend um Ermessensausübung, ist eine Rückweisung geboten (vgl. T.
Kamber, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Praxiskommentar zum Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Zürich/St. Gallen 2020, N 20 zu Art. 56 VRP mit Hinweisen
auf die Rechtsprechung).
Die mittlerweile vorliegenden (interkantonalen) Steuerfaktoren des Beschwerdeführers
für das Jahr 2018 sind ein Indiz dafür, dass er die Darlehensvereinbarung mit dem
Anzeiger nicht einging, weil seine finanzielle Situation angespannt war, und er im
Dezember 2018, als der Anzeiger die Darlehenssumme von CHF 150'000 vorzeitig
zurückforderte, bei einem steuerbaren Einkommen von knapp 2.3 Millionen Franken
auch über die erforderlichen Mittel zur Rückzahlung verfügt hätte. Wie dargelegt, ergibt
sich aus den rechtlichen Erwägungen der Vorinstanz, dass für die Beurteilung der
Frage, ob ein Klientendarlehen zu einer die Berufspflicht verletzenden (wirtschaftlichen)
Unabhängigkeit oder Interessenkollision führt, die Umstände des Einzelfalls von
massgeblicher Bedeutung sind. Für die Vorinstanz war sodann – wenn auch nicht allein
– ausschlaggebend, dass der Beschwerdeführer sich im Zeitpunkt der
Darlehensvereinbarung und auch im (mutmasslichen) Zeitpunkt der Fälligkeit in einer
prekären finanziellen Situation befand und er zur Rückzahlung der Darlehenssumme
Beschwerdeführer dagegen beim Einzelrichter des Kantonsgerichts am 25. Januar
2021 (act. 8/2, Beilage 30) angehobene Beschwerdeverfahren abgeschlossen wurde,
ist den Akten nicht zu entnehmen. Trotz dieser – teilweise rechtskräftigen –
Beurteilungen der Sach- und Rechtslage im Betreibungsverfahren ist der
Beschwerdeführer seinen Zahlungspflichten aus dem Darlehensverhältnis bisher –
soweit aktenkundig – nicht nachgekommen.
Mittlerweile liegt mit der interkantonalen Steuerausscheidung 2018 ein Beleg zu den
wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschwerdeführers im Jahr 2018 vor. In tatsächlicher
Hinsicht ist deshalb der Sachverhalt insoweit zu ergänzen, als der Beschwerdeführer
im Jahr 2018 ein steuerbares Einkommen von knapp 2.3 Millionen Franken erzielte und
per Ende 2018 über ein Reinvermögen von knapp 0.8 Millionen Franken verfügte.
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und zur Zahlung der Zinsen mutmasslich nicht in der Lage war. Im
Beschwerdeverfahren hat sich die Vorinstanz zur Bedeutung der Steuerfaktoren für die
Beurteilung der Streitsache nicht ausdrücklich geäussert, sondern einzig auf die
Erwägungen in ihrem Entscheid verwiesen und die Abweisung der Beschwerde
beantragt. Ausführungen dazu, aus welchen Gründen der neue, im
Beschwerdeverfahren eingereichte Beleg zu den wirtschaftlichen Verhältnissen des
Beschwerdeführers ihrer Auffassung nach an der rechtlichen Beurteilung nichts zu
ändern vermag, hat sie nicht gemacht. Die Vorinstanz entscheidet im
Disziplinarverfahren als erstinstanzliche Behörde und verfügt dementsprechend über
einen erheblichen Ermessensspielraum, in welchen das Verwaltungsgericht nicht
einzugreifen befugt ist (vgl. Art. 41 in Verbindung mit Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP).
Deshalb erscheint es geboten, die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Soweit sie es als erforderlich erachtet, ist es ihr
selbstverständlich unbenommen, weitere Abklärungen zum Sachverhalt zu treffen.
5.
Die Beschwerde ist dementsprechend gutzuheissen und die angefochtene Verfügung
der Anwaltskammer vom 7. Dezember 2021 aufzuheben. Die Angelegenheit ist zur
weiteren Abklärung des Sachverhalts soweit erforderlich und zur neuen Entscheidung
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Bei diesem Ausgang erübrigt sich die Durchführung
der vom Beschwerdeführer beantragten mündlichen Verhandlung im
Beschwerdeverfahren.
6.
Gemäss Art. 95 Abs. 2 Satz 2 VRP hat jeder Beteiligte die Kosten zu übernehmen, die
durch nachträgliches Vorbringen von Beweismitteln entstehen, deren rechtzeitige
Geltendmachung ihm möglich und zumutbar gewesen wäre. Gründe, weshalb es dem
Beschwerdeführer nicht möglich und zumutbar gewesen wäre, die Steuerausscheidung
2018 der Steuerverwaltung des Kantons Schwyz – welche das Datum vom 16. Februar
2019 trägt – bereits im vorinstanzlichen Verfahren einzureichen, sind nicht ersichtlich
und werden auch seitens des Beschwerdeführers nicht geltend gemacht. Im Übrigen
hat ihn die Vorinstanz mit Schreiben vom 21. Juli 2021 – wenn auch nicht
"aufgefordert", so doch immerhin – "ersucht", zu seiner Liquidität im Zeitpunkt am
31. März 2018 (vor Abschluss der Darlehensvereinbarung) und am 31. März 2020
(mutmasslicher Zeitpunkt der Rückzahlung) – wenn auch nicht "Beweismittel", so doch
immerhin – "Belege" einzureichen (vgl. act. 8/16). Da dem Beschwerdeführer die
Einreichung des erst im Beschwerdeverfahren vorgelegten Beweismittels im
vorinstanzlichen Verfahren möglich und zumutbar im Sinn von Art. 95 Abs. 2 Satz 2
VRP gewesen wäre, kann schliesslich offenbleiben, ob die Vorinstanz – wovon der
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Beschwerdeführer auszugehen scheint – verpflichtet gewesen wäre, von Amtes wegen
Steuerveranlagungen einzuverlangen und beizuziehen. Dementsprechend sind die
amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Eine Entscheidgebühr von CHF 2'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Sie ist mit dem vom Beschwerdeführer in der
gleichen Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen.
Bei dieser Verlegung der amtlichen Kosten hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch
auf eine ausseramtliche Entschädigung für das Beschwerdeverfahren (vgl. Art. 98
Abs. 1 und Art. 98 VRP; A. Linder, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], a.a.O., N 18 zu
Art. 98 VRP; R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen SZ/St. Gallen 2004, S. 182 und 185).