Decision ID: 47df047e-cc90-4009-919d-5e2e5cc4a1d9
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1973,
Mutter von vier Kindern (
geboren 1995, 1996, 1999 und 2008),
arbeitete seit dem
1.
August 2005
in einem 60%-Pensum
als Mitarbei
terin Hausdienst beim Spital in Y._
(
Urk.
7/14/6-7). Am
7.
Juni 2016 (Eingangsdatum)
meldete
sich die Versicherte
unter Hinwei
s auf Lenden
wirbelsäulen-
Beschwerden und eine Depression
bei der Sozialversicherungs
an
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/4).
Die IV-Stelle
nahm beruflich-erwerbliche und medizinische Abklärungen vor.
Per 3
0.
April 2017 löste das Spital
das Arbeitsverhältnis mit der Versicherten auf (
vgl.
Urk.
7/27).
Mit Vorbescheid vom
9.
Juni 2017 stellte
die IV-Stelle
der Versicher
ten die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/26), wogegen diese am 2
2.
Juni 2017 Einwand erhob (
Urk.
7/29). Daraufhin tätigte die IV-Stelle w
eitere medizinische Abklärungen. Vom 1
3.
März bis zum 1
0.
April 2019 wu
rde
die Versicherte in der Rehaklinik Z._
behandelt (
Urk.
7/89/8). In der Folge
gab
die IV-Stelle
beim
A._
ein polydiszi
pli
näres Gutachten in Auftrag, das am
4.
Februar 2020
erstattet wurde (
Urk.
7/105
; vgl. auch ergänzende Stellungnahme des
A._
vom 3
1.
März 2020,
Urk.
7/112
).
Vom 2
8.
Juni bis zum 1
8.
Juli 2020 wurde die Versicherte in
der
K
linik B._ der C._
behandelt (
Urk.
7/126/14).
Mit Vorbescheid vom 1
6.
Februar 2021, der den Vorbescheid vom
9.
Juni 2017 ersetzte, stellte die IV-Stelle
erneut die Ab
weisung des
Rentenbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/130).
Da
gegen erhob die Versich
erte am 22.
März 2021 Einwand (
Urk.
7/134). Wie ange
kündigt, verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
6.
April 2021 einen An
spruc
h auf eine Invalidenrente (Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 2
5.
Mai 2021 Beschwerde und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu ver
pflichten,
eine medizinische Begutachtung durchzuführen und
ihr die ge
setz
lichen Leistungen auszurichten
(
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
Juni 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin am
5.
Juli 2021 angezeigt wurde (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
ver
sicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gege
n
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, so
lange
nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
im Rahmen der
interdisziplinären Begutachtung
beim
A._
umfassend abgeklärt worden sei. Die Beschwerde
füh
rerin sei
in der angestammten Tätigkeit
als Mitarbeiterin Hausdienst
seit Juni 2017 zu 20
%
arbeitsunfähig.
Die nochmalige Prüfung durch den Regionalen
Ärztlichen Dienst (RAD) habe ergeben, dass auch vor Juni 2017 keine
höher
gra
dige
Arbeitsunfähig
keit vorgelegen habe.
Eine über ein
Jahr andauernde, durch
schnittliche Arbeitsunfähigkei
t von mindestens 40
%
sei damit nicht ausge
wiesen
. Ein Anspruch auf ein
e
Invalidenrente sei daher nicht entstanden.
Von weiteren
medizinischen
Abklärungen seien keine relevante
n neuen
Erkenntnisse zu erwarten. Die geplan
te neuropsychologische Untersuchung
sei deshalb nicht
abzuwarten (
Urk.
2
).
2.2
Die Beschwerdeführerin m
achte demgegenüber geltend,
dass die Diagnose einer progredienten
entzündlichen
Erkrankung des zentralen Nervensystems
gemäss Stellungnahme des RAD vom 2
3.
Januar 2018 nachvollziehbar sei. Der RAD habe die
berichteten Beschwe
rden (Erschöpfung, Missempfindungen
in de
n Extremi
täten und
Kopfschmerzen)
und
eine Arbeitsunfähigkeit von 60
%
als
plausibel
erachtet.
Das in der Folge beim
A._
in Auftrag gegebene
Gutachten
sei
nicht schlüssig. Die Gutachter
des
A._
seien
insbesondere nicht auf die geklagten Beschwerden ein
gegangen und hätten
sich mit den zahlreichen medizinischen
Vorakten
nicht auseinander
gesetzt
. Im Weiteren fehle auch eine Gesamtschau der Beschwerden. Schliesslich stehe die Arbeitsu
nfähigkeitsbeurteilung der Gutachter
des
A._
in offensichtlichem Widerspruch zu den Ergebnissen
der
am 1
1.
Mai 2021
in der Klinik für Neurologie des
Universitätsspitals D._
durch
ge
führten
neuropsychologischen Untersuchung
(
Urk.
1 S. 4 ff.
).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente.
3.
3.1
Med.
p
ract
. E._
, FMH P
raktischer Arzt, stellte im Bericht vom 2
3.
Juni 2019 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/89/1):
-
chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom
-
chronische Schmerzstörung
mit primär somatischen und sekundär psychischen
Faktoren
-
Fibromyalgie
-
systemische
Sarko
idose
(EM 2016, Erstdiagnose Januar
2018)
-
depressive Stimmung
Med.
pract
.
E._
gab an, dass der Beschwerdeführerin noch keine Arbeit zumut
bar sei. Es sei fraglich, ob eine Belastbarkeit für Massnahmen der Wiederein
glied
erung im Umfang von mindestens zwei
Stunden/Tag bestehe. Hierzu sei die behandelnde Psychiaterin zu befragen (
Urk.
7/89/
1
-3).
3.2
Die Ärzte des
A._
stellten im Gutachten vom
4.
Februar 2020 folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/105/8):
(1)
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10
F45.41)
-
chronisches unspezifisches
multilokulär
es
Schmerzsyndrom (ICD-10 R52.9)
-
funktionelle Gefühlsstörung (ICD-10 R20.8)
(2)
Sarkoidose
mit wahrscheinlicher
Neurosarkoidose
(ICD-10 G05.8)
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Ärzte des
A._
(
Urk.
7/105/9):
(1)
chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom ohne Anhalt für
radikuläre
Beteiligung (ICD-10 M53.1/M54.4)
-
anamnestisch lumbales Wurzelreizsyndrom L4 links ohne aktuelle Symptomatik
(2)
Adipositas mit BMI von 30 kg/m
2
(ICD-10 E66.00)
(3)
Nikotinabusus (ICD-10 F17.1)
Die Ärzte des
A._
erklärten, dass in der bisherigen Tätigkeit eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit bei erhöhtem Pausenbedarf bestehe. Die Beschwerdeführer
in
sei zu 80
%
arbeits- und leistungsfähig
. Für die Tätigkeit im Haushalt bestehe bei freier Zeiteinteilung eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit unter 15
%
(Ur
k.
7/105/10
-11
).
3.3
In der Stellungnahme vom 3
1.
März 2020 legten die Ärzte des
A._
dar, dass sich der erhöhte Pausenbedarf
aus neurologischer Sicht
aus dem organischen Anteil des
Fatigue
-Syndroms ergebe. Dies sei bei der wahrscheinlichen
Neur
osarkoi
dose
, der Einnahme von
I
murek
und der früheren
Kortisoneinnahme
plausibel. Auch wenn die
Neurosarkoidose
nur als wahrscheinlich aufgeführt werde, sei dies unter der früheren Differenzialdiagnose der
Encephalomyelitis
disseminata
zu sehen. Aufgrund des entzündlichen
Liquorsyndroms
bes
tehe an einer ent
zündlichen
Erkrankung
des zentralen Nervensystems
kein Zweifel
. Eine Symp
tomausweitung schliesse eine gleichzeitige chronische Schmerzstörung nicht aus
. Die
Symptomausweitung sei
zusätzlich zum
Verdacht auf
eine Schmerzfehlver
arbeitung
festgestellt worden, weil manche der Inkonsistenzen über das übliche Mass bei «einfachen Schmer
zstörungen» hinausgehen würden
(
Urk.
7/
112).
3.4
Dr.
med. F._
, Oberärztin i.V. der Klinik für
Konsiliarpsychiatrie
und Psychosomatik des
D._
,
diagnostizierte im an den damaligen Rechtsvertreter
der Beschwerdefüh
rerin gerichteten Bericht vom 1
8.
Juni 2020 (1) eine chro
ni
sche
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) und (2) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel- bis
schwer
gradige
depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.1 bis F33.2).
Dr.
F._
erklärte, dass
die Beschwerdeführerin langfristig zu 100
%
arbeits
unfähig sei, auch in einer angepassten Tätigkeit (
Urk.
7/126/1-3).
3.5
Die medizinischen Fachpersonen
d
er Klinik für Neurologie des D._
gaben
im
an
Dr.
F._
gerichteten
Bericht vom 1
1.
Mai 2021
an,
dass
die
gleichentags durchgeführte
neuropsychologische
Standortbestimmung
aufgrund einer
massi
ven Erschöpfung der Beschwerdeführerin habe abgekürzt werden müssen.
Die Defizite, soweit bei frühzeitiger Beendigung der Untersuchung feststellbar, wür
de
n
formal einer mittelschweren kognitiven Funktionsstörung entsprechen. Es zeig
e sich ein diffuses Befundmuster mit vordergründig
attentionalen
Minder
leistungen. Ein genaueres neuropsychologisches Ausfallmuster sei nicht
eruier
bar
. Bei unauffälliger Symptomvalidierung sei von grundsätzlich validen
Unter
suchungsergebnissen auszugehen, welche jedoch durch die schwere
Fatigue
, An
triebsminderung und Schmerzsymptomatik sekundär negativ beeinflusst und durc
h die konsekutive psychische Überlastung
übe
rlagert seien. Bei bildgebend
festgestellten
demyelisierenden
cerebralen
Läsionen (zuletzt im MRI vom 1
1.
Juni 2020 bestätigt)
sei
die
Fatigue
-Symptomatik, welche als Leitsymptom der
Neuro
sarkoidose
gelte, ätiologisch am ehesten im Rahmen der Grunderkrankung
zu
interpretieren (
Urk.
3 S. 4 f.
).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der an
gefochtenen Verfügung in medi
zi
nischer Hinsic
ht im Wesentlichen auf das poly
disziplinäre Gutachten des
A._
vom
4.
Februar 2020
(
Urk.
7/105) und
auf
die Stellungnahme von
RAD-Arzt PD
Dr.
med. G._
, Facharzt für Neurologie,
vom 2
0.
Mai 2020 (Urk.
7/129/7-8
).
4.2
Das Gutachten des
A._
basiert auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen
(
allgemeininternistisch, orthopädisch, neurologisch und psychiatrisch
) und wurde
in Kenntnis der und Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben. Die
Gut
achter des
A._
haben detaillierte Befunde erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander
gesetzt. Zudem haben sie die medizinischen Zustände und Zusam
menhänge ein
leuchtend dargelegt. Das genannte Gutachten erfüllt demnach grundsätzlich die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräf
tige ärztliche Ent
s
cheidungsgrun
dlage (vgl. E. 1.5
).
4.3
Die Gutachter
des
A._
legten dar, dass der Befund bei
der neurologischen Unter
suchung unauffällig
gewesen sei
. Es
hätten Hinweise für eine funkti
onelle Kom
ponente der Beschwerden bzw. eine Symptomausweitung
bestanden
. Aus
neuro
logischer Sicht bestehe
aufgrund eines erhöhten Pausenbedarfs eine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit von 20
%
für die bish
erige
Tätigkeit
und
für
angepasste
Tätigkeiten. Bei der orthopädischen Untersuchung der Wirbelsäule
habe die Be
schwerdeführerin
eine erheblich bis vollständig eingeschränkte Beweglichkeit sämtlicher Abschnitte
demonstriert.
Es
hätten jedoch
Inkonsistenzen
mit besserer
Beweglichkeit
in abgelenkter Situation vorgelegen.
An den oberen und unteren
Extremitäten
habe
eine weitgehend freie Beweglichkeit
bestanden, mit Ausnahme der Schulter im Ü
berko
pfbereich. Fünf von fünf
Waddell
-Zeichen
seien
positiv
gewesen. Dies
als Hinweis auf
eine nicht-organische Besc
hwerdekomponente.
Radiologisch seien
an der Wirbelsäule zervikale
Disk
opathien
ohne klaren Hin
weis
auf
eine Neurokompression sowie eine
Osteochondrose
des
Lendenwirbel
kör
per
s
4/5
samt linksseitiger
Diskusprotrusion
und möglicher
radikulärer
Affek
tion
festgestellt worden
.
Die
von der Beschwerdeführerin
äusserst diffus beklag
ten Beschwerden
würden sich
durch die klinischen, radiologischen und
infiltra
tiven
Befunde keinesfalls klar begründen
lassen
. Es
seien
Hinweise für ein im Vorder
grund stehendes nicht-organisches Geschehen
gegeben
.
Aus orthopädischer Sicht bestehe
für die bisherige Tätigkeit und andere körperlich leichte bis gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten eine volle Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Bei der allgemeinint
ernistischen Untersuchung habe
keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden
können und es bestehe
eine volle Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Bei der p
sychiatrischen Untersuchung sei
auf
gefallen
, dass das Ausmass der geklagten körperlichen Beschwerden und die subjektive K
rank
heitsüberzeugung,
nicht mehr arbeiten zu können, durch die somatischen Befunde nicht hinreichend
habe
objektiviert w
erden könn
en. Es müsse
eine psy
chische Ü
berlagerung
angenommen werden. Dabei handle
es sich um eine chro
nische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Aus psychia
trischer Sicht
bestehe
für
die bisherig
e
und andere berufliche Tätigkeit
en
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20
%
. Die Einschränkungen aus psychia
trischer und neurologischer Sicht würden sich nicht addieren, sondern ergänzen.
Für vermehrte Pausen könnten die gleichen Z
eitabschnitte
verwendet werden
. Zudem sei die Symptomatik der Beschwerden nicht sicher trennbar
. Die Ein
schränkung bestehe seit Juni 2017
(
Urk.
7/105/9
-10
).
RAD-Arzt
Dr.
G._
ergänzte
in der Stellungnahme vom 2
0.
Mai 2020
, dass
auf
grund der
im Gutachten des
A._
gelieferten Datenfülle
kein
H
inweis
darauf be
stehe
, dass die Beschwerdeführer
in
vor Juni 2017
mehr als 20
%
in der Arbeits
fähigkeit eingeschränkt gewesen sei
. Die Aussagen des
A._
könnten als ab
schliessend, frühere
Stellungnahmen ersetzend und
weiterhin geltend beurteilt werden (
Urk.
7/129/8).
4.4
Diese
ärztlichen
Beurteilung
en
sind
einleuchtend
und plausibel
.
Bei der fest
ge
stellten
Sarkoidose
mit wahrscheinlicher
Neurosarkoidose
handelt es sich um eine
neurologische
Diagnose.
Zu deren
Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit
nahm
zu Recht
zunächst
der neurologische
Gutachter
des
A._
Stellung (
Urk.
7/105/42-44) -
und im Rahmen der interdisziplinären Beurteilung dann alle Gutachter
.
Dass
der neurologische Gutachter des
A._
auch
noch
darauf hinwies
,
dass
die Auswirkungen der systemischen
Sarkoidose
im
internistischen G
ebiet zu beurteilen
seien
(
Urk.
7/105/43
; vgl. auch
Urk.
7/112
)
, ist zwar etwas missver
ständlich.
Dies ändert aber nichts daran, dass
die interdisziplinäre
Beurteilung, wonach die Beschwerdeführerin aufgrund des
Fatigue
-Syndrom
s
und der
chroni
schen Schmerzstörung
zu 20
%
arbeitsunfähig sei, nachvollziehbar erscheint.
Bei der Einschätzung
von RAD-Arzt med.
pract
. H._
, Facharzt für Neurologie, vom 2
3.
Januar 2018
(
Urk.
7/129/2)
, wonach eine
Arbeitsunfähigkeit von 60
%
ausreichend nachvollziehbar sei,
handelte es sich
lediglich
um vor
übergehende
(Akten-)
Beurteilung der medizinischen Situation. RAD-Arzt
H._
wies
in
derselben S
tellungnahme
darauf hin, dass die Grunderkrankung noch nicht habe festge
stellt werden können und deshalb
keine Aussagen zur
Behand
lungs
- und Besserungsfähigkeit sowie zur Prognose möglich seien. In diesem Sinne sei das Abwarten der weitere
n Diagnostik zu empfehlen.
In der Folge
wurde das
A._
-
Gutachten in Auftrag gegeben,
welchem
–
wie dargelegt - volle Be
weiskraft zuzuerkennen ist.
Wie
RAD-Arzt
Dr.
G._
in der Stellungnahme vom 2
0.
Mai 2020
zutreffend
feststellte, wurden frühere Stellungnahmen wie jene von RAD-Arzt
H._
dadurch ersetzt.
Zum Bericht von
Dr.
F._
vom
1
8.
Juni 2020
bemerkte
RAD-
Arzt
Dr.
G._
in der Stellungnahme vom
3.
Februar 2021,
dass
Dr.
F._
vom psychia
trischen G
utachter des
A._
am 1
0.
Dezember 2019 telefonisch kontaktiert worden sei.
Dr.
F._
habe die Beschwerdeführerin schon damals als depressiv erlebt. Als Diagnose habe sie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren genannt. Diese Diagnose sei vom Psychiater des
A._
bestätigt worden. Das Ausmass der vorg
ebrachten Einschränkungen habe
von
den Gutachtern des
A._
nic
ht nachvollzogen werden können, was der psychia
trische G
ut
achter detailliert erläutert habe
. Im Weiteren hätten sich auch bei der somatischen Begutachtung deutl
iche Inkonsistenzen gezeigt. RAD-Arzt
Dr.
G._
kam zum Schluss, dass es sich bei
der Beurteilung von
Dr.
F._
um eine anderslautende Beurteilung der funktionellen Leistungsfähigkeit eines im Wes
ent
lichen unveränderten Gesundheitszustands
handle
(
Urk.
7/129/10).
Diese
Ein
schätzung von
Dr.
G._
ist
ebenfalls
nachvollziehbar. Dies auch vor dem Hinter
grund, dass die Beschwerdeführerin
, die im Zeitpunkt der Begutachtung
im
A._
led
iglich einmal pro Monat bei Dr.
F._
in Therapie war,
etwa nach wie
vor Auto fährt,
regelmässig in den Kosovo in
die Ferien
reist
(
letztmals im
S
ommer
2019)
, soziale Kontakte pflegt und eine sehr gute Beziehung zu ihren Familien
mitgliedern hat (
Urk.
7/
105/
30 und
Urk.
7/105/
35). Dieses
Aktivitätenniveau
ist mit der von
Dr.
F._
im Bericht vom 1
8.
Juni 2020
festgestellten
mittel- bis
schwergradigen
depressiven Symptomatik
kaum
in Einklang zu bringen.
Im Weiteren ist in diesem Zusammenhang
auch
darauf hinzuweisen, dass eine psy
chiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respe
ktieren sind, sofern der Experte
– wie vorliegend - lege
artis
vorgegangen
ist.
Daher und unter Beachtung der Divergenz von medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag kann es nicht angehen, eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise
stets
dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte nachher zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an solchen vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten (
Urteil des Bundesgerichts 9C_338/2016 vom 2
1.
Februar 2017 E. 5.5 mit Hin
weis).
Hinsichtlich der damals
geplante
n
n
europsychologische
n
Abklärung in der Klinik für Neurologie des
D._
wies
RAD-Arzt
Dr.
G._
am 1
6.
April 2021
schliesslich
darauf hin
, dass eine umfassende Abklärung stattgefunden habe. Auf die Ein
wände
der Beschwerdeführerin
sei eingegangen
worden
und
dem
A._
seien
Rück
fragen
gestellt
worden
. Demnach könne nun eine Verfügung erlassen werden (
Urk.
7/137/2).
Auch dies
e Einschätzung ist überzeugend
, zumal aufgrund der psy
chiatrischen Befunderhebung im
A._
kein Anlass für eine zusätzliche neu
ro
psychologische Abklärung bestand.
So hielt d
er
psychiatrische Gutachter des
A._
fest, dass sich während der Untersuchung keine Zeichen von Konzentra
tions
schwäche gezeigt hätten. Die Beschwerdeführerin habe auf die gestellten Fragen gut eingehen können. Die Merkfähigkeit und die
Gedächtnisleistungen seien intakt gewesen. Ihre Ausführungen seien anschaulich gewesen und das Denken nicht eingeengt. Sie habe kein Gedankenabreissen, keine Neologismen und keine Gedankenleere gezeigt (
Urk.
7/105/32-33).
Wie dem Bericht der Klinik für Neurologie
des D._
vom
1
1.
Mai 2021 zu entnehmen ist, waren die Ergebnisse der gleichentags durchgeführten, vorzeitig abgebrochenen
neuropsychologischen
Untersuchung
dur
ch die
Fatigue
, Antriebsminderung, Schmerzsymptomatik und psychische Überlastun
g
negativ beeinflusst. Die Untersuchungsergebnisse sind daher
nur beschränkt aussagekräftig. Zur Frage der Arbeitsfähigkeit haben sich die medizinischen Fachpersonen d
er Klinik für Neurologie des D._
sodann
nicht geäussert.
Der
Bericht d
er Klinik für Neurologie
des D._
vom 1
1.
Mai 2021
vermag
di
e Beurteilung der Gutachter des
A._
nicht in Zweifel zu ziehen.
Auf die Beurteilung
en
der Gutachter des
A._
und von RAD-Arzt
Dr.
G._
kann demnach abgestellt werden.
Von weiteren medizinischen Abklärungen sind keine
entscheidrelevanten
neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abgesehen werden kann
(antizipierte Beweiswürdigung; vgl.
BGE 144 V 361 E. 6.5, 136 I 229 E. 5.3, je mit Hinweisen)
.
4.
5
Mangels einer
durchschnittlich mindes
tens 40
%
igen A
rbeitsunfähig
keit während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
hat die Beschwerdegegnerin einen Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf eine Invalidenrente
zu Recht verneint (vgl.
E. 1.4
).
5.
Di
e angefochtene Verfügung vom 2
6.
April 2021
erweist sich somit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr.
700.--
anzusetzen und ausgangsgemäss der unterliegen
den Beschwerdeführerin aufzuerlegen.