Decision ID: b2ec6a26-a05b-46e1-8fdb-93d827eef69a
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Verfügung vom 18. Januar 2016 anerkannte das SEM die Beschwer-
deführer – die eigenen Angaben zufolge Syrien am (...) 2013 verlassen
haben – als Flüchtlinge und gewährte ihnen Asyl. Anlässlich der Befragung
zu Person vom 14. Januar 2014 und der Anhörung vom 30. Juli 2014
machte der Beschwerdeführer zu seiner familiären Situation geltend, er sei
seit 2012 mit der Beschwerdeführerin verheiratet, mit der er bereits in Sy-
rien zusammengelebt und einen Sohn namens D._ habe. Zudem
habe er Eltern, Geschwister, Onkel und Tanten.
B.
Mit Eingabe vom 27. Dezember 2021 ersuchten die Beschwerdeführer
beim SEM um Familienzusammenführung mit C._, geboren am (...)
in E._. Zur Begründung ihres Gesuches führten sie aus, in Syrien
sei er (der Beschwerdeführer) mit F._ verheiratet gewesen. Dieser
Ehe entstamme sein Sohn C._. Die Ehe sei bereits vor seiner
Flucht aus Syrien geschieden worden; seither habe sein Sohn bei dessen
Mutter gelebt. Da seine Ex-Frau nach der Scheidung jeglichen Kontakt zu
ihm (dem Beschwerdeführer) abgebrochen habe und er habe fliehen müs-
sen, sei es ihm nach seiner Flucht unmöglich gewesen, mit diesem Sohn
in Kontakt zu bleiben. Im Juni 2021 habe er jedoch erfahren, dass seine
Ex-Frau wieder geheiratet habe und C._ nun bei seiner Grossmut-
ter lebe, da der neue Mann seiner Ex-Frau das Kind nicht akzeptiere.
C._s Grossmutter lebe als Flüchtling alleine im Irak. Sie habe ihn
kontaktiert, da sie krank sei und aus gesundheitlichen sowie finanziellen
Gründen nicht mehr für C._ sorgen könne. Die Mutter von
C._ weigere sich, C._ zu sich zu nehmen und habe die bei-
gelegte Erklärung zukommen lassen. Mit dieser notariell beglaubigten Er-
klärung vom (...) habe sie auf die Erziehungsberechtigung für den gemein-
samen Sohn verzichtet und ihr Einverständnis gegeben, dass er (der Be-
schwerdeführer) fortan für C._ sorge.
C.
Mit Verfügung vom 31. Januar 2022 lehnte das SEM die Erteilung einer
Einreisebewilligung für C._ und das Gesuch um Familiennachzug
ab.
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D.
Mit Eingabe vom 7. März 2022 reichten die Beschwerdeführer unter Bei-
lage bereits aktenkundiger Beweismittel im Original, einer Kopie einer Be-
stätigung des UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees)
vom 7. Oktober 2021 über ein hängiges Asylverfahren von C._ so-
wie eine Kopie einer als Todesurkunde der Grossmutter mütterlicherseits
bezeichneten Urkunde beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein
und beantragten, es sei die angefochtene Verfügung des SEM vom 31. Ja-
nuar 2022 aufzuheben, die Sache zur vollständigen, richtigen Abklärung,
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung
zurückzuweisen. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben, das Gesuch
um Einreise in die Schweiz und das Gesuch um Familiennachzug zu be-
willigen. In prozessualer Hinsicht beantragten sie, es sei vollumfänglich
Einsicht in diejenigen Akten des Asylverfahrens des Vaters zu gewähren,
auf die in der angefochtenen Verfügung Bezug genommen worden seien,
eventualiter sei das rechtliche Gehör zu diesen Akten zu gewähren und
hiernach sei eine angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerde-
ergänzung anzusetzen. Auf die Erhebung von Verfahrenskosten sowie ei-
nes Kostenvorschusses sei zu verzichten, eventualiter sei eine angemes-
sene Frist zur Bezahlung des Kostenvorschusses anzusetzen.
E.
Mit Schreiben vom 9. März 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
den Eingang der Beschwerde.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 17. März 2022 hiess der Instruktionsrichter
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und
verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig hiess
er die Gesuche um Akteneinsicht sowie anschliessende Beschwerdeer-
gänzung gut und wies das SEM an, den Beschwerdeführern Einsicht in die
Aktenstücke A4/10 (Protokoll Befragung zur Person des Beschwerdefüh-
rers) sowie A15/22 (Protokoll Anhörung des Beschwerdeführers) zu ge-
währen.
G.
Mit Schreiben vom 22. März 2022 gewährte das SEM den Beschwerdefüh-
rern Einsicht in die Aktenstücke A4/10 und A15/22.
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H.
Mit Eingabe vom 8. April 2022 reichten die Beschwerdeführer ihre Be-
schwerdeergänzung ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der
Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le-
gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie
Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
2.2 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der
Regel in der Besetzung mit drei Richterinnen oder Richtern (Spruchkörper;
Art. 21 Abs. 1 VGG).
3.
3.1 Die Beschwerdeführer machen formelle Rügen geltend, die vorab zu
prüfen sind, da sie zu einer Kassation der angefochtenen Verfügung führen
können.
3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass
eines Entscheides dar, der in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift.
Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass ei-
nes solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise bei-
zubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträ-
gen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entwe-
der mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch
auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse,
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die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren
Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1,
BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.).
Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form- und fristgerechten
Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit-
frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so ab-
gefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachge-
recht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen nen-
nen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren
Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor-
bringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
Aus dem Akteneinsichtsrecht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs folgt,
dass grundsätzlich sämtliche beweiserheblichen Akten den Beteiligten of-
fenzulegen sind, sofern in der sie unmittelbar betreffenden Verfügung da-
rauf abgestellt wird (vgl. BGE 132 V 387 E. 3.1 f.). Die Wahrnehmung des
Akteneinsichts- und Beweisführungsrechts durch die von einer Verfügung
betroffene Person setzt die Einhaltung der Aktenführungspflicht der Ver-
waltung voraus, gemäss welcher die Behörden alles in den Akten festzu-
halten haben, was zur Sache gehört und für den Entscheid wesentlich sein
kann (vgl. BGE 130 II 473 E. 4.1 m.w.H.). Der Anspruch auf Akteneinsicht
setzt eine geordnete, übersichtliche und vollständige Aktenführung (Ab-
lage, Paginierung und Registrierung der vollständigen Akten im Aktenver-
zeichnis) voraus (vgl. BVGE 2012/24 E. 3.2, 2011/37 E. 5.4.1).
3.3 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel (Ur-
kunden, Auskünfte der Parteien, Auskünfte oder Zeugnis von Drittperso-
nen, Augenschein und Gutachten von Sachverständigen). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind. Die Sachverhaltsfeststellung ist demgegenüber unvollständig,
wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände be-
rücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren
und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 630). Der
Amtsgrundsatz zur Feststellung des Sachverhalts findet seine Grenze an
der Mitwirkungspflicht der Partei (Art. 8 AsylG).
http://links.weblaw.ch/BVGE-2012/24
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4.
4.1 Es ist festzuhalten, dass die Rügen betreffend Einsicht in die Akten
A4/10 und A15/22 (Protokolle Befragung zur Person und Anhörung des Be-
schwerdeführers, auf die in der angefochtenen Verfügung Bezug genom-
men wurde) sowie die Anträge um Gewährung des rechtlichen Gehörs be-
ziehungsweise um Ansetzung einer Nachfrist zur Beschwerdeergänzung
bereits mit Zwischenverfügung vom 17. März 2022 behandelt wurden.
Durch die verweigerte Akteneinsicht hat die Vorinstanz – wenn auch ge-
ringfügig – das rechtliche Gehör der Beschwerdeführer verletzt. Die Ent-
scheidreife konnte das Gericht mit vertretbarem Aufwand durch die vorste-
hend aufgeführte Instruktion herstellen. Darüber hinaus ist eine Rechts-
frage betroffen, die das Bundesverwaltungsgericht mit gleicher Kognition
wie die Vorinstanz überprüfen kann. Der geltend gemachte Verfahrens-
mangel ist somit als geheilt zu erachten; der rechtserhebliche Sachverhalt
ist erstellt. Eine Kassation der Sache ist nicht angezeigt (vgl. BGE 142 II
218 E. 2.8.1, BVGE 2014/22 E. 5.3 m.w.H., PATRICK SUTTER, in: Auer/Mül-
ler/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal-
tungsverfahren, 2. Aufl. 2019, Art. 29 N. 17 ff. sowie BERNHARD WALD-
MANN/JÜRG BICKEL, in: Bernhard Waldmann/Philippe Weissenberger
[Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 29 N. 106 ff.). Der Ge-
hörsverletzung ist allerdings im Rahmen der Kosten- und Entschädigungs-
folge Rechnung zu tragen (vgl. E. 9.2). An dieser Stelle ist die Vorinstanz
daran zu erinnern, dass Markierungen jeglicher Art in originalen Aktenstü-
cken – sei es mit Bleistift oder Marker – zu unterlassen sind.
4.2 Weiter war die Vorinstanz im Gegensatz zur Auffassung der Beschwer-
deführer nicht gehalten, diese vor Erlass der ablehnenden Verfügung zum
Familiennachzugsgesuch anzuhören beziehungsweise ihnen das rechtli-
che Gehör zur beabsichtigten Ablehnung zu gewähren, da der Sachverhalt
durch ihr Gesuch und die Aussagen in den Befragungen des Asylverfah-
rens als erstellt erachtet werden durfte. Zudem obliegt den Beschwerde-
führern gemäss Art. 8 AsylG eine Mitwirkungspflicht und damit auch die
Pflicht, ihr Gesuch gehörig zu begründen und von sich aus zur Feststellung
des Sachverhalts beizutragen. Die entsprechenden Rügen erweisen sich
als unbegründet.
4.3 Den Beschwerdeführern ist zwar Recht zu geben, dass sich die
Vorinstanz in den Erwägungen der angefochtenen Verfügung nicht aus-
drücklich zu den eingereichten Beweismitteln geäussert hat. Sie hat diese
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aber aufgeführt (vgl. angefochtene Verfügung S. 1 f.) und in ihren Erwä-
gungen ausreichend dahingehend gewürdigt, indem sie feststellte, vorlie-
gend könne offengelassen werden, ob es sich tatsächlich um den Sohn
des Beschwerdeführers handle. Bei der Frage, ob dies in casu tatsächlich
offengelassen werden kann, handelt es sich indessen um eine materielle
Frage, die – zusammen mit der Frage, ob allenfalls eine DNA-Analyse
durchzuführen wäre – an entsprechender Stelle zu behandeln sein wird
(vgl. E. 7). Alleine der Umstand, dass die Vorinstanz zu einer anderen ma-
teriellen Würdigung der Vorbringen gelangt, als von den Beschwerdefüh-
rern gefordert, stellt jedenfalls weder eine fehlerhafte Sachverhaltsfeststel-
lung noch eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar.
4.4 Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz den Sachverhalt ausreichend
sowie zutreffend festgestellt und ist ihrer Begründungspflicht ausreichend
nachgekommen. Insgesamt besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Das entsprechende Beschwerdebegehren ist
abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und
ihre minderjährigen Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl,
wenn keine besonderen Umstände dagegen sprechen. Anspruchsberech-
tigte Personen nach Art. 51 Abs. 1 AsylG haben gemäss Art. 51 Abs. 4
AsylG einen Anspruch auf Erteilung einer Einreisebewilligung, sofern sie
sich noch im Heimatstaat oder im Ausland aufhalten und durch die Flucht
des in der Schweiz asylberechtigten Flüchtlings getrennt wurden (vgl.
BVGE 2012/32 E. 5.1). Die Erteilung einer Einreisebewilligung setzt eine
vorbestandene Familiengemeinschaft sowie die fest beabsichtigte Famili-
envereinigung in der Schweiz voraus. Zweck der Bestimmung von Art. 51
Abs. 4 AsylG ist folglich einzig die Wiedervereinigung von im Zeitpunkt der
Flucht aus dem Heimatstaat vorbestandenen Familiengemeinschaften
(vgl. BVGE 2018 VI/6 E. 5.1 m.w.H.). Als «Zeitpunkt der Flucht» gilt dabei
die asylrechtlich relevante Ausreise aus dem Heimatland.
5.2 Zentrale Bedingung für den Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft im
Sinn von Art. 51 Abs. 4 AsylG ist, dass bereits vor der Flucht aus dem Ver-
folgerstaat eine Familiengemeinschaft zwischen der gesuchstellenden und
der anspruchsberechtigten Person bestanden hat. Das Familienasyl dient
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insbesondere nicht der Aufnahme von vor der Flucht noch gar nicht geleb-
ten familiären Beziehungen oder der Wiederaufnahme zuvor abgebroche-
ner Beziehungen (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.4.2 m.w.H.).
Bei Familien, die bereits vor der Ausreise des asylberechtigten Mitglieds im
Heimatstaat getrennt lebten, geht das Gericht ausnahmsweise gleichwohl
von einer vorbestandenen gelebten Familiengemeinschaft aus, wenn zwin-
gende Gründe für das Getrenntleben in der Heimat vorgelegen haben (vgl.
hierzu BVGE 2018 VI/6 E. 5.2).
6.
6.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
C._ habe nach der Scheidung des Beschwerdeführers von seiner
ersten Ehefrau bei dieser gelebt. Nach der Flucht aus Syrien habe der Be-
schwerdeführer keinen Kontakt mehr zu ihm aufgebaut. Der Beschwerde-
führer habe ihn sodann weder anlässlich der Befragung zur Person noch
der Anhörung erwähnt, obschon er ausdrücklich auf die Anzahl seiner Kin-
der angesprochen worden sei. Seit seiner letzten Heirat im Jahre 2012
seien mittlerweile rund zehn Jahre vergangen, in denen er sich nicht um
die Wiederaufnahme des Kontaktes mit C._ bemüht habe. Es sei
daher davon auszugehen, dass der Grund für den Familiennachzug die
Wiederaufnahme eines bereits abgebrochenen Kontaktes sei, weshalb die
Voraussetzungen für einen Familiennachzug nicht gegeben seien. Vor die-
sem Hintergrund könne offenbleiben, ob es sich beim erwähnten Kind tat-
sächlich um einen Sohn des Beschwerdeführers handle, weshalb sich
auch allfällige weitergehende Instruktionsmassnahmen erübrigen würden.
6.2 Die Beschwerdeführer stellen dem in der Beschwerde im Wesentlichen
entgegen, die Kindsmutter habe jeglichen Kontakt mit ihm (dem Beschwer-
deführer) abgebrochen und diesem den Kontakt zu seinem Sohn verwehrt,
womit er den fehlenden Kontakt zu seinem Sohn nicht zu verschulden
habe. Zudem habe er den Kontakt umgehend wiederaufgenommen, nach-
dem die Kindsmutter ihren Sohn verstossen habe. Vorliegend komme es
nicht auf den Zeitpunkt der Wiederverheiratung des Beschwerdeführers,
sondern auf den Zeitpunkt des Verstossenes der Mutter ihres Sohnes an.
Schliesslich habe sich die Situation des Sohnes insgesamt verschlechtert,
da die Grossmutter mütterlicherseits inzwischen verstorben sei.
6.3 In der Beschwerdeergänzung wird ausgeführt, aus der Befragung zur
Person gehe zwar hervor, er (der Beschwerdeführer) habe gesagt, nur ei-
nen Sohn zu haben. Es sei aber offensichtlich, dass er sich dabei nicht auf
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seinen Sohn in Syrien bezogen habe. Im Übrigen habe die Kindsmutter
den Kontakt abgebrochen und es ihm damit verunmöglicht, mit seinem
Sohn Kontakt aufzunehmen. C._ sei im Zeitpunkt der Ausreise sei-
nes Vaters noch ein kleines Kind gewesen; der Kontakt sei mit einem derart
kleinen Kind gegen den Willen der Kindsmutter nicht möglich gewesen.
Hinzu komme, dass er aufgrund seiner asylrelevanten Verfolgung nicht in
der Lage gewesen sei, in den ordentlichen Strukturen Syriens um das Kon-
taktrecht zu kämpfen und aus der Schweiz dürfe er keinen Kontakt mit den
syrischen Behörden aufnehmen.
7.
7.1 Die vorinstanzliche Schlussfolgerung, wonach die Voraussetzungen für
die asylrechtliche Familienzusammenführung gemäss Art. 51 Abs. 1 und 4
AsylG nicht erfüllt sind, ist zu bestätigen.
7.2 Vorliegend ist das Verwandtschaftsverhältnis zwischen dem Beschwer-
deführer und C._ nicht durch Abstammungsgutachten ausgewie-
sen, was aber vor dem Hintergrund der nachfolgenden Ausführungen of-
fengelassen werden kann. Der Beweisantrag, es sei eine angemessene
Frist zur Einreichung einer DNA-Abklärung anzusetzen, ist abzuweisen
(vgl. Beschwerde S. 6).
7.3 Zunächst ist festzustellen, dass aufgrund der Erklärungen im Gesuch
um Familienzusammenführung und in der Rechtsmitteleingabe die Tren-
nung der Familiengemeinschaft des Beschwerdeführers mit C._
spätestens seit der Scheidung von seiner Ex-Ehefrau und vor seiner Flucht
aus Syrien erfolgte (vgl. z. B. Gesuch um Familienzusammenführung S. 1,
SEM-eAkten 1/12). Für die Trennung des Beschwerdeführers von seiner
ersten Familie spricht auch, dass er geraume Zeit vor seiner Ausreise seine
zweite Ehefrau heiratete, mit ihr zusammenlebte und eine neue Familie
gründete (vgl. z. B. SEM-Akten A4/10 Ziff. 1.14, 3.02, 3.04 und A15/22 F24,
F38 f.).
Dass im Zeitpunkt der Flucht keine Familiengemeinschaft des Beschwer-
deführers mit C._ mehr bestanden hat, ergibt sich auch aus folgen-
dem Aspekt. Der Beschwerdeführer hat im Rahmen des Asylverfahrens
weder seine Ex-Frau, noch ansatzweise den nun nachzuziehenden Sohn
erwähnt (vgl. insb. SEM-Akten A4/10 Ziff. 3.02 und A15/22 F5 ff.). Darüber
hinaus gehen aus den Akten des Asylverfahrens auch keine Hinweise zum
Bestehen einer damals gelebten familiären Beziehung mit diesem Sohn
hervor. Die Erklärung in der Beschwerdeergänzung, er habe seine Antwort
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nicht auf den Sohn in Syrien bezogen, vermag nicht zu überzeugen, hat er
C._ doch auch nicht an anderer Stelle erwähnt.
Die Behauptung, die Ex-Frau habe dem Beschwerdeführer den Kontakt zu
seinem Sohn jahrelang untersagt, untermauert schliesslich die Schlussfol-
gerung, dass die Familiengemeinschaft nicht durch die Flucht des Be-
schwerdeführers, sondern vielmehr durch die Scheidung getrennt worden
war. Gemäss den Darlegungen wäre eher von einer Wiederaufnahme der
längst getrennten familiären Beziehungen auszugehen. Dafür ist das Fa-
milienasyl jedoch nicht vorgesehen. Da die erste Familiengemeinschaft
des Beschwerdeführers wegen eines innerfamiliären Konflikts (Scheidung)
– und nicht wegen zwingender Gründe für das Getrenntleben – aufgelöst
wurde, fällt auch die Anwendung der Ausnahmeregelung (vgl. E. 5.2) aus-
ser Betracht. Die Voraussetzung, dass eine Trennung der Familienmitglie-
der durch die Flucht eines Antragsstellers erfolgt sein muss, ist demnach
nicht erfüllt.
7.4 Hinzu kommt, dass auch – ungeachtet der Erklärungsversuche auf Be-
schwerdeebene – die Voraussetzung eines erkennbaren Willens zur
schnellstmöglichen Wiedervereinigung der Familie nach der Flucht nicht
erkennbar ist. Die Beschwerdeführer stellten das Gesuch um Familienzu-
sammenführung erst knapp sechs Jahre nach der Asylgewährung. Dies
wird zwar dahingehend erklärt, der Beschwerdeführer sei bis anhin von
seiner Ex-Frau hieran gehindert worden. Wie bereits erwähnt, geht jedoch
weder aus den Asylakten noch aus dem Gesuch um Familiennachzug her-
vor, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz seine Familie aus erster
Ehe – jedenfalls hinsichtlich des Sohnes C._ – wiedervereinigen
wollte. Es ist in diesem Zusammenhang zu ergänzen, dass das Gesuch
um Familienzusammenführung auch erst über acht Jahre nach der Regist-
rierung von C._ im Irak gestellt wurde, was ebenfalls nicht für einen
erkennbaren Willen spricht, sich mit seinem Kind schnellstmöglich wieder-
zuvereinigen, hätte die Möglichkeit um entsprechende Bemühungen doch
– ungeachtet einer opponierenden Ex-Frau – spätestens seit damals be-
standen (vgl. Beweismittel, UNHCR asylum seeker certificate vom 7. Ok-
tober 2021, wonach C._ am 21. April 2013 im Irak vom UNHCR
registriert worden ist). Dass die Grossmutter angeblich inzwischen verstor-
ben sein soll, vermag einen Anspruch auf Familiennachzug des beim UN-
HCR registrierten Sohnes – der sich sowohl an die zuständigen Stellen als
auch weiterhin an seine Mutter wenden kann – ebenfalls nicht zu begrün-
den; auf das entsprechende Beweismittel ist nicht weiter einzugehen.
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7.5 Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen der asylrechtlichen Fa-
milienzusammenführung nicht erfüllt und die Vorinstanz hat das Gesuch
um Einreisebewilligung zugunsten von C._ zu Recht gestützt auf
Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG abgelehnt.
8.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachver-
halt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be-
schwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-
deführern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung ist jedoch auf die Erhebung von Ver-
fahrenskosten zu verzichten.
9.2 Praxisgemäss ist eine anteilmässige Parteientschädigung zuzuspre-
chen, wenn – wie vorliegend – eine Verfahrensverletzung (vgl. E. 4.1) auf
Beschwerdeebene geheilt wird (vgl. BVGE 2007/9 E. 7.2). Gestützt auf die
in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist den
Beschwerdeführern für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht
zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von insgesamt
Fr. 300.– auszurichten.
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