Decision ID: 25ed6c58-1863-4c79-9417-c245092da85c
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit Verfügung vom 29. Mai 2019
(Urk. 2 [=Urk. 7/80]) wie
s
die Beschwerdegegnerin das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers vom 8. November
2016 (Urk. 7/11) ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, aufgrund der Akten
habe
keine abschliessende Diagnose festgestellt werden
können
. Wegen fehlenden Therapien stufe sie den Schweregrad der Beeinträchtigung und des
Leidensdrucks als gering ein und es würden wenig ausgeprägte objektivierbare Befunde vorliegen.
Mithin lasse sich eine invalidisierende gesundheitliche Einschränkung im Sinne der Invalidenversicherung nicht begründen.
2.
2.1
Dagegen liess der Beschwerdeführer am 1. Juli 2019 Beschwerde (Urk. 1) erheben und beantragen,
die angefochtene Verfügung
sei
aufzuheben und ihm
sei
rückw
irkend ab 1. Juli 2017 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen
.
E
ventualiter seien ergänzende medizinische Abklärungen vorzunehmen und anschliessend über
seinen
Anspruch neu zu entscheiden
.
S
ubeventualiter
seien
ih
m berufliche Massnahmen der Invalidenversicherung zuzusprechen (Urk. 1
S. 2
). Zur Begründung führte er zusammengefasst aus,
er sei am 18. Juli 2016 während einer Präsentation plötzlich von Wortfindungsstörungen ergriffen worden, seine Sprache sei lallend und das Sehen unscharf gewesen, weshalb er mit Verdacht auf einen Hirnschlag notfallmässig ins Kantonsspital
A._
eingeliefert
worden sei. Nach medizinischen Untersuchungen, Therapien und zweimaligem Ve
r
s
uch von beruflichen Massnahmen sei im Arztbericht
von Dr.
med.
Z._
die psychiatrische Diagnose ICD-10
:
F
98.9
diagnostiziert worden. Es
würden
eindeutig
e
neuropsychologische Befunde
bestehen
, die ursächlich für seine
mentalen und kognitiven Defizite seien.
Ein
Gesundheitsschaden mit Krankheitswert sei daher ausgewiesen. Die Ausprägung des diagnostizierten Gesundheitsschadens sei vom funktionellen Schweregrad her erheblich.
E
r habe sich entgegen
den Vorhaltungen der Beschwerdegegnerin durchgehend in psychiatrisch-psycho
therapeutischer Behandlung befunden. Es bestehe daher seit dem 18. Juli 2016 eine Arbeitsunfähigkeit
, weshalb ihm ab
Juli 2017
eine ganze Invalidenrente auszurichten sei.
2.2
Mit Beschwerdeantwort vom 6. August 2019 (Urk. 6) beantrag
t
e die Beschwerdegegnerin die teilweise Gutheissung der Beschwerde in dem Sinne, dass die Sache zu wei
teren Abklärungen an sie zurückge
wiesen werde. Dazu führte sie aus, es sei zu Recht darauf hingewiesen worden, dass der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit umfassend abzuklären seien. Es seien daher weitere medizinische Abklärungen in Form einer
bidisziplinären
oder polydisziplinären Begutachtung
vorzunehmen und anschliessend
sei
über den Leistungsanspruch des Beschwerde
führers neu zu entscheiden.
2.3
Mit Verfügung vom 8. August 2019 (Urk. 8) wurde dem Beschwerdeführer Frist angesetzt
, um sich zum beschwerdegegnerischen Antrag auf Rückweisung zu äussern. Mit Stellungnahme vom 26. August 2019 (Urk. 10) erklärte der Beschwer
deführer, er sei mit der Rückweisung einverstanden.
Da
s Gericht

zieht in Erwägung
:
1.
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
di
ger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Pro
zess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu
treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
Die Parteien beantragen übereinstimmend die Rückweisung der Angelegenheit zu weiteren Abklärungen, was mit der Rechts- und Aktenlage in Einklang steht. Die Beschwerdegegnerin
stützte sich
insbesondere
auf
die
neuropsychologische Einschätzung durch Dr. med.
Z._
vom
24. September 2018 (Urk. 7/64
)
,
wonach
verhaltensneurologisch
-
neuropsychologisch
nur minimale kognitive
Ein
schrän
kungen bestünden
,
jedoch
eine fachpsychiatrische
Behandlung empfohlen werde
sowie auf den Umstand, dass eine eigentliche depressive Störung nicht attestiert worden sei und eine psychiatrische Behandlung nicht stattfinde, weshalb es an einer Diagnose respektive an einem invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden mangle (Urk. 7/68/7, 7/78/3).
Durch die Beschwerdegegnerin wurde hingegen nicht berücksichtigt, dass im Bericht
vom 15. Dezember 2017 (Urk. 7/77)
von einer reduzierten Arbeitsfähigkeit ausgegangen
wu
rd
e
, da der Beschwerdeführer aus rein neuropsychologischer Sicht bei den beruflichen Anforderungen
um
70 %
eingeschränkt sei
. Obschon
im fachpsychiatrischen Attest
von Dr.
med.
B._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
20. Oktober 2018
sowie dem beigelegten Bericht des
C._
(Urk. 7/64)
festgehalten wurde
, dass eine eigentliche depressive Störung nicht vorliege
,
vermag dies den
Widerspruch zum Bericht vom 15. Dezember 201
7
nicht ohne Weiteres zu erklären
.
Der Beschwerdeführer führte
zudem
aus,
er
sei
bereits seit etwa Oktober 2014 in wöchentlicher und ab Dezember 2018 in zweiwöchentlicher
psychiatrisch-psychotherapeutischer
Behandlung bei Dr. med.
D._
, Fachärztin Psychiatrie, und Dr. phil.
E._
, Neuropsychologie
(Urk. 1 S. 13).
Mithin liegen sowohl hinsichtlich der Inanspruchnahme von psychiatrischen Therapien durch den Beschwerdeführer als auch in Bezug auf die Einschätzung seiner Leistungsfähigkeit widersprüchliche Angaben vor. Gestützt auf die aufliegenden Akten ist damit eine abschliessende
Beurteilung des Gesundheitszustandes und dessen Auswirkungen auf die Erwer
bs
fähigkeit des Beschwerdeführers nicht möglich, weshalb sich weitere Abklärungen aufdrängen.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde in dem
Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 29. Mai 2019 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese die notwendigen medizinischen und er
werblichen Abklärungen vornehme
und hernach über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu entscheide.
3
.
3
.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) kostenpflichtig. Die
Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt und vorliegend auf Fr. 400.
--
fest
gesetzt.
Die Rückweisung an die Verwaltung gilt nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
3
.2
Zudem hat der obsiegende Beschwerdeführer Anspruch auf eine Parteientschädigung (§ 34 Abs. 1
GSVGer
). Nachdem die Ve
rtreterin des Beschwerdeführers
keine Zusammenstellung über ihren Aufwand in diesem Verfahren einreichte,
erfolgt die Festsetzung der Entschädigung nach Ermessen. Die Prozessentschädigung wird auf der Grundlage des praxisgemässen Stundenansatzes von Fr. 18
5.-
- ermessensweise auf Fr. 1’6
00.-- (inklusive Barauslagen und 7.7 % Mehrwertsteuer) festgesetzt.