Decision ID: fbe6d4bb-ab8f-4fb1-a2bd-8421c5aec5f6
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 31. Juli 2017 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum
(RAV) B._ zur Arbeitsvermittlung an (act. ALK 39 und 46). Am 3. August 2017 stellte
er einen Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab 1. August 2017 (act. ALK 36).
A.b Mit Verfügung vom 24. August 2017 wies die Arbeitslosenkasse des Kantons St.
Gallen den Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab, weil der Versicherte nicht in der
Schweiz wohne (act. ALK 31).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte mit Schreiben vom 25. September
2017 Einsprache. Er beantragte, dass sein Wohnsitz in der Schweiz anzuerkennen und
ihm Arbeitslosenentschädigung ab 1. August 2017 auszurichten sei. Der
Wohnsitzbescheinigung des Einwohneramtes C._ könne entnommen werden, dass
er seit Geburt im 1957 in C._ gemeldet und am D._ in C._ wohnhaft sei. Sein
Haus am D._ sei vor ein paar Tagen neu geschätzt worden, was er mit
entsprechendem Schreiben belege. Als weiteren Beleg für seinen Wohnsitz in C._
möge die Leistungsabrechnung der SWICA dienen, die natürlich auch an den D._
gesendet worden sei (act. ALK 24).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.b Im Rahmen des Einspracheverfahrens bat die Arbeitslosenkasse das Steueramt
der Stadt C._ um Amtshilfe bezüglich der Frage, ob sich der steuerrechtliche
Wohnsitz des Versicherten in C._ befinde (act. ALK 21). Das Steueramt teilte mit,
dass der Versicherte seinen steuerrechtlichen Wohnsitz in Österreich habe. In der
Gemeinde C._ sei der Versicherte lediglich aufgrund seines Liegenschaftsbesitzes
registriert (act. ALK 20). In seiner Stellungnahme vom 7. November 2017 bringt der
Versicherte vor, die Auskunft des Steueramtes stehe im Widerspruch zur
Wohnsitzbescheinigung des Meldeamtes C._ vom 25. August 2017. Das Steueramt
schicke selber die Unterlagen zu seiner Steuererklärung stets an seinen Wohnsitz in
C._ am D._ (act. ALK 15 und 16). Als Beilage reichte er Kopien des Briefkopfs
seiner Steuererklärung der Jahre 2015 und 2016 ein (act. ALK 17).
B.c Mit Entscheid vom 22. November 2017 wies die Arbeitslosenkasse die Einsprache
ab. Im Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 3. August 2017 habe der Versicherte
angegeben, in Österreich zu wohnen. Auch habe er auf allen der Arbeitslosenkasse
vorliegenden Unterlagen die Wohnadresse in E._ angegeben, so auch im
Arbeitsvertrag mit der F._, den er am 29. April 2016 unterschrieben habe. Sämtliche
Lohnabrechnungen seien an die Wohnadresse in E._ zugestellt worden. Aus den
Unterlagen sei ebenfalls ersichtlich, dass die Ehefrau und der Sohn G._ an der H._
in E._ wohnen würden. Da auch das Steueramt bei der Festlegung der Steuerpflicht
auf den Lebensmittelpunkt abstelle, müsse die steuerrechtliche Einordnung als starkes
Indiz gegen einen Wohnsitz in der Schweiz gelten. Nach den Abklärungen sei nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass das Erfordernis des Wohnens in der
Schweiz erfüllt sei. Vielmehr sei anzunehmen, dass sich der Lebensmittelpunkt des
Versicherten bei seiner Familie in E._/Österreich befinde (act. ALK 7).
C.
C.a Mit Beschwerde vom 20. Dezember 2017 (Postaufgabe) beantragt der
Beschwerdeführer die Aufhebung der Verfügung vom 24. August 2017 bzw. des
Einspracheentscheides vom 22. November 2017 und die Ausrichtung von
Arbeitslosenentschädigung ab 1. August 2017. Er habe seit jeher seinen Wohnsitz in
der Schweiz und habe diesen nie aufgegeben. Das Einfamilienhaus in C._ gehöre ihm
und werde derzeit auch nur von ihm allein bewohnt. Sein Hausarzt sei seit jeher in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C._ und alle seine Versicherungen habe er bewusst immer in der Schweiz
abgeschlossen, um sicher zu gehen, dass er im Bedarfsfall hinreichend und nach
schweizerischen Verhältnissen versichert sei. Zum Beispiel sei er für Behandlungen
und Operationen immer nur in Schweizer Spitälern gewesen. Er sei in der Schweiz
wahlberechtigt und bekomme auch die Wahl- und Abstimmungsunterlagen immer an
seinen Wohnsitz am D._ in C._. Auch das Schweizer Steueramt sende die
Unterlagen für die Steuererklärung seit jeher immer an seinen Wohnsitz in C._. Bevor
er per 1. August 2017 arbeitslos geworden sei, habe er für ein Jahr fast ausschliesslich
an seinem damaligen Arbeitsort in F._, dort in einer eigens dafür angemieteten
Unterkunft gewohnt und den Schwerpunkt seiner Lebensbeziehungen gehabt. Es sei
korrekt, dass er im österreichischen E._ bei seiner Familie einen Wohnsitz habe und
die österreichische Steuerbehörde deshalb verlange, dass er seine Hauptsteuern in
Österreich entrichte (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 16. Januar 2018 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. In seinen ersten Angaben habe der Beschwerdeführer
stets angegeben, er wohne in Österreich. Diese Angaben würden unbefangener und
zuverlässiger erscheinen als die späteren Schilderungen, die bewusst oder unbewusst
von Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein könnten.
Aufgrund der gesamten Aktenlage sei die Voraussetzung des Wohnens in der Schweiz
nicht gegeben (act. G 3).
C.c Mit Replik vom 27. Februar 2018 hält der Beschwerdeführer an seinem Antrag fest
und weist darauf hin, dass der Arbeitsmarktservice E._ seinen am 30. November
2017 gestellten Antrag auf Zuerkennung von Arbeitslosengeld mit Bescheid vom 7.
Februar 2018 abgewiesen habe, weil er seit November 2017 als Aushilfslehrer in I._
tätig sei und nicht als arbeitslos gelte (act. G 5.1). Es handle sich dabei um eine
vorübergehende Stellvertretung für einen erkrankten Lehrer mit einem 17%-Pensum (5
Lektionen Mathematik pro Woche an einer gymnasialen Unterstufe). Im Übrigen seien
die Arbeitslosenleistungen in Österreich deutlich tiefer und würden in keiner Weise
einer adäquaten Sicherung des Einkommens entsprechen. Nachdem er über all die
Jahre in der Schweiz gearbeitet und Beiträge an die Arbeitslosenversicherung bezahlt
habe, könne es nicht sein, dass er völlig leer ausgehe. Das von ihm allein bewohnte
Haus am D._ in C._ sei als Wohnsitz in der Schweiz anzuerkennen (act. G 5). Die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdegegnerin verzichtet mit Schreiben vom 5. März 2018 auf die Einreichung
einer Duplik (act. G 7).

Erwägungen
1.
1.1 Im konkreten Fall ist strittig, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung in der Schweiz hat. Die Beschwerdegegnerin hat einen
solchen Anspruch verneint, weil der Beschwerdeführer nicht in der Schweiz, sondern in
Österreich wohne. Da es sich mithin um einen grenzüberschreitenden Sachverhalt
handelt, muss die Streitigkeit im Lichte der Bestimmungen des Abkommens vom 21.
Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der
Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die
Freizügigkeit [FZA; SR 0.142.112.681] und der Verordnungen, auf die dieses in seinem
Anhang II verweist, entschieden werden.
1.2 Gemäss Art. 8 FZA koordinieren die Vertragsparteien die Systeme der sozialen
Sicherheit, um die vereinbarten Grundprinzipien (lit. a bis e) zu gewährleisten. Zu
diesem Zweck wurden die Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der
sozialen Sicherheit, geändert durch Verordnung (EG) Nr. 988/2009 vom 16. September
2009 (nachfolgend Verordnung Nr. 883/2004; SR 0.831.109.268.1), und die Verordnung
(EG) Nr. 987/2009 vom 16. September 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die
Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 (SR 0.831.109.268.11) erlassen,
welche beide am 1. April 2012 für die Schweiz in Kraft traten. Die Vorschriften
betreffend Leistungen bei Arbeitslosigkeit regeln die Ausrichtung von Leistungen bei
Verlust einer Arbeitsstelle sowie Kurzarbeit oder sonstigem vorübergehendem
Arbeitsausfall (Art. 61 bis 65a der Verordnung (EG) Nr. 883/2004).
1.3 Grundsätzlich ist für die Leistungen bei Arbeitslosigkeit derjenige Mitgliedstaat
zuständig, in dem die versicherte Person zuletzt arbeitete (Grundsatz der lex loci
laboris; Art. 11 Abs. 3 lit. a und Art. 61 Abs. 2 der Verordnung Nr. 883/2004; BETTINA
KAHIL-WOLFF, La coordination européenne des systèmes nationaux de sécurité
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sociale, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Bd. XIV, 3.
Aufl. 2016, S. 231 N 87; THOMAS NUSSBAUMER, Arbeitslosenversicherung, in:
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Bd. XIV, 3. Aufl. 2016, S.
2572 N 993). Art. 65 der Verordnung Nr. 883/2004 sieht eine vom
Beschäftigungslandprinzip abweichende Zuständigkeitsregelung vor für Personen, die
in einem anderen als dem zuständigen Mitgliedstaat gewohnt haben (Grenzgänger).
Gemäss Art. 65 Abs. 2 der Verordnung Nr. 883/2004 muss sich eine vollarbeitslose
Person, die während ihrer letzten Beschäftigung oder selbstständigen Erwerbstätigkeit
in einem anderen als dem zuständigen Mitgliedstaat gewohnt hat und weiterhin in
diesem Mitgliedstaat wohnt oder in ihn zurückkehrt, der Arbeitsverwaltung des
Wohnmitgliedstaats zur Verfügung stellen. Gemäss Art. 65 Abs. 2 in Verbindung mit
Abs. 5 lit. a der Verordnung Nr. 883/2004 beziehen diese Personen Leistungen in ihrem
Wohnmitgliedstaat, wie wenn die Rechtsordnung dieses Staates für sie bereits
während ihrer letzten Anstellung gegolten hätte. Zusätzlich verfügen sie jedoch über
die Möglichkeit, sich bei der Arbeitsverwaltung des Staates ihrer letzten Beschäftigung
zu melden, um dort Wiedereingliederungsleistungen in Anspruch zu nehmen. Diese
Möglichkeit soll dem Grenzgänger aufgrund der Bindungen zum letzten
Beschäftigungsstaat zu besseren Aussichten auf berufliche Wiedereingliederung
verhelfen. Die dem Grenzgänger offenstehende Arbeitsvermittlung im letzten
Beschäftigungsstaat verleiht jedoch nicht das Recht zum Bezug von
Arbeitslosenentschädigung, welches grundsätzlich allein gegenüber dem
Wohnmitgliedstaat besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 1. September 2017,
8C_186/2017, E. 7.3; BGE 142 V 590 E. 4.3 S. 594; Urteil des Europäischen
Gerichtshofs vom 11. April 2013 in Sachen Jeltes, Rs. C-433/11 N 31 ff.;
NUSSBAUMER, a.a.O., S. 2572 N 995). Seit Inkrafttreten der Verordnung Nr. 883/2004
ist die Unterscheidung zwischen echten und unechten oder atypischen Grenzgängern
nicht mehr zuständigkeitsbestimmend (vgl. Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom
11. April 2013 in Sachen Jeltes, Rs. C-433/11 N 18 ff.; NUSSBAUMER, a.a.O., S. 2572
N 997). Gemäss Art. 1 lit. f der Verordnung Nr. 883/2004 ist ein (echter) Grenzgänger
eine Person, die in einem Mitgliedstaat eine Beschäftigung oder eine selbstständige
Erwerbstätigkeit ausübt und in einem anderen Mitgliedstaat wohnt, in den sie in der
Regel täglich, mindestens jedoch einmal wöchentlich zurückkehrt. Als unechter oder
atypischer Grenzgänger gilt eine Person, die weniger als einmal pro Woche in ihren
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Wohnstaat zurückkehrt. Im Gegensatz zur früheren Praxis gemäss dem Urteil Miethe
des Europäischen Gerichtshofs besteht unter der Geltung der Verordnung Nr.
883/2004 weder für echte noch unechte Grenzgänger die Möglichkeit, im letzten
Beschäftigungsstaat Arbeitslosenentschädigung zu beziehen (zur früheren Praxis vgl.
Urteil des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen vom 17. Juni 2005, AVI
2005/19).
1.4 Gemäss Art. 1 lit. j der Verordnung Nr. 883/2004 bezeichnet der Ausdruck Wohnort
den Ort des gewöhnlichen Aufenthalts einer Person. Diese Begriffsumschreibung deckt
sich mit dem Begriff des Wohnens im Sinne von Art. 8 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes
über die Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0),
welche Bestimmung das Wohnen in der Schweiz als Anspruchsvoraussetzung festhält.
Der Wohnort als gewöhnlicher Aufenthalt befindet sich an demjenigen Ort, an welchem
eine Person den Mittelpunkt ihrer Lebensführung und Interessen hat (NUSSBAUMER,
a.a.O., S. 2320 N 182; BGE 138 V 538 f. E. 4.2; BGE 142 V 590 E. 5 S. 594 ff.).
2.
2.1 Zur Wohnortsfrage bringt der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren vor, das
Einfamilienhaus in C._ gehöre ihm und werde nur von ihm allein bewohnt. Er habe
seit Geburt Wohnsitz in der Schweiz, respektive in C._, welchen er nie aufgegeben
habe. Vor Eintritt der Arbeitslosigkeit habe er ein Jahr lang fast ausschliesslich am
Arbeitsort in F._ gewohnt. Es sei korrekt, dass er auch im österreichischen E._ bei
seiner Familie einen Wohnsitz habe und die österreichische Steuerbehörde deshalb
von ihm verlange, die Hauptsteuern in Österreich zu entrichten. Bei der Anmeldung zur
Arbeitsvermittlung am 31. Juli 2017 sowie im Antrag auf Arbeitslosenentschädigung
vom 3. August 2017 gab der Beschwerdeführer die H._ in E._ als Wohnadresse an.
Dem Verlaufsprotokoll des RAV ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer bei der
Anmeldung zur Arbeitsvermittlung angab, seit 2002 Grenzgänger zu sein und seit
mehreren Jahren in E._ zu wohnen. Da er immer in der Schweiz gearbeitet habe und
Schweizer sei, wolle er den Anspruch in der Schweiz prüfen lassen. Im Erstgespräch
am 3. August 2017 wiederholte der Beschwerdeführer gemäss Protokoll, immer in der
Schweiz gearbeitet zu haben, aber in Österreich zu wohnen (act. ALK 35). Im Antrag
auf Arbeitslosenentschädigung strich der Beschwerdeführer den vorgedruckten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Wohnort in J._ durch und gab handschriftlich seine Adresse in E._ an.
Gleichentags unterzeichnete er in E._ zwei weitere Formulare (act. ALK 41 und 44).
Dem Formular betreffend Unterhaltspflicht gegenüber Kindern ist zu entnehmen, dass
die beiden Söhne an gleicher Adresse in E._ wohnen (act. ALK 41). Im Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung gab der Beschwerdeführer an, er habe seine letzte
Arbeitsstelle aus familiären Gründen aufgegeben, weil er in F._ von der Familie
getrennt und einsam gewesen sei. Im Arbeitsvertrag zwischen dem Beschwerdeführer
und der F._ ist für den Arbeitnehmer die Adresse in E._ angegeben. Der Vertrag
wurde vom Beschwerdeführer am 2. Mai 2016 in E._ unterzeichnet (act. ALK 38). Die
Lohnabrechnungen wurden dem Beschwerdeführer jeweils nach E._ geschickt.
Diesen Abrechnungen ist zu entnehmen, dass von den Lohneinkünften jeweils
Quellensteuer abgezogen wurde (act. ALK 27 und 43). Gemäss Angaben des
Steueramts befindet sich der steuerrechtliche Wohnsitz des Beschwerdeführers bei
seiner Familie in Österreich. In C._ sei er lediglich aufgrund des (in der Schweiz zu
versteuernden) Liegenschaftsbesitzes registriert.
2.2 Anhand der vorliegenden Akten und der Angaben, welche der Beschwerdeführer
bei seiner Anmeldung und der Antragstellung auf Arbeitslosenentschädigung machte,
ist davon auszugehen, dass er in E._ wohnhaft ist. Im Rahmen der Anmeldung beim
RAV sowie im Erstgespräch betonte er, immer in der Schweiz gearbeitet zu haben,
jedoch in Österreich zu wohnen. Auf sämtlichen Unterlagen, welche der
Beschwerdeführer der Arbeitslosenkasse vor Erlass der Verfügung am 24. August 2017
einreichte, gab er bei der Unterzeichnung E._ als Wohnort an. An der angegebenen
österreichischen Adresse, der H._ in E._, wohnen denn auch die Ehefrau und die
beiden jüngeren Kinder des Beschwerdeführers. Die Angabe des Kündigungsgrundes,
er habe das Arbeitsverhältnis wegen der Trennung von der Familie und der Einsamkeit
in F._ aufgegeben, deutet ebenfalls darauf hin, dass sich der Schwerpunkt seiner
Lebensbeziehungen dauerhaft in E._ befindet. Die Miete eines Zimmers am
Arbeitsort bestätigt die Angabe des Beschwerdeführers, zumindest teilweise am
Arbeitsort in F._ übernachtet zu haben. Dabei ist davon auszugehen, dass er in F._
Wochenaufenthalter war und sich der Primärwohnsitz bzw. Lebensmittelpunkt in E._
befand. Wie der Beschwerdeführer selbst angibt, bezahlt er die Hauptsteuern in E._,
was ebenfalls ein Indiz für den Wohnsitz in Österreich darstellt. Der Umstand, dass das
Steueramt die Steuerunterlagen für die Liegenschaft sowie die Gemeinde die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Wahlunterlagen an die Adresse in C._ sendet, rechtfertigt keine andere
Betrachtungsweise. Da der Beschwerdeführer somit nicht im Sinne von Art. 1 lit. j der
Verordnung 883/2004 bzw. Art 8 Abs. 1 lit. c AVIG in der Schweiz wohnhaft ist, hat die
Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid seinen Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung zu Recht abgelehnt.
3.
Gemäss Art. 65 Abs. 2 Satz 1 der Verordnung Nr. 883/2004 ist der Beschwerdeführer
als arbeitslose Person, die während ihrer letzten Beschäftigung in einem anderen als
dem zuständigen Mitgliedstaat gewohnt hat und weiterhin in diesem Mitgliedstaat
wohnt, verpflichtet, sich der Arbeitsverwaltung seines Wohnmitgliedstaats zur
Verfügung zu stellen. Nebst der Anmeldung bei der Arbeitsverwaltung in Österreich
besteht gestützt auf Art. 65 Abs. 2 Satz 2 der Verordnung Nr. 883/2004 zusätzlich die
Möglichkeit, sich der Arbeitsverwaltung der Schweiz, d.h. dem RAV, zur Verfügung zu
stellen, um Wiedereingliederungsleistungen in Anspruch zu nehmen. Den Anspruch auf
Arbeitslosengeld kann der Beschwerdeführer einzig bei der zuständigen Stelle im
Wohnmitgliedstaat geltend machen. Dass er diesbezüglich vom Arbeitsmarktservice
E._ einen abschlägigen Bescheid erhielt, vermag an dieser Zuständigkeitsordnung
nichts zu ändern. Die Abweisung des Antrags erfolgte nicht unter Berufung auf einen
fehlenden Wohnsitz in E._, sondern mangels Erfüllung einer anderen
Anspruchsvoraussetzung (vgl. act. G 5.1).
4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, SR 830.1).