Decision ID: 95da4d94-2c3e-4bad-9256-50fa5c12d5c8
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
Die Kantonale Staatsanwaltschaft erliess gegen den Beschuldigten am
18. September 2019 den folgenden Strafbefehl:
" Sachverhalt:
1. Misswirtschaft, Art. 165 StGB i.S. B. AG
Der Beschuldigte hat durch Misswirtschaft, namentlich durch ungenügende
Kapitalausstattung, unverhältnismässigen Aufwand und arge Nachlässigkeit
in der Berufsausübung und Vermögensverwaltung die Überschuldung und
Zahlungsunfähigkeit der B. AG herbeigeführt und verschlimmert sowie im
Bewusstsein der Zahlungsunfähigkeit deren Vermögenslage verschlimmert.
Tatort: Q. (Sitz B. AG)
Tatzeit: 13.05.2016 - 14.06.2017 (Ablösung durch Nachfolger C.
im Handelsregister als Organ der B. AG, VO 1, act. 42)
Deliktssumme: mind. CHF 649'498.87 (VO 1, act. 363)
Der Beschuldigte war vom 13.05.2016 bis zum 14.06.2017 als Mitglied des
Verwaltungsrates der B. AG im Handelsregister eingetragen (VO 1, act. 42).
Über den Einsatz als Verwaltungsrat existiert eine Vereinbarung zwischen
dem Beschuldigten und dem Alleinaktionär D., in welchem auf die
statutarischen und gesetzlichen Pflichten verwiesen wird (VO 1, act. 373).
Am 05.12.2016 wurde die B. AG zweimal betrieben, unter anderem für
Baumaterialien (VO 1, act. 331). Damit erkannte der Beschuldigte
spätestens in diesem Zeitpunkt, dass sich die B. AG in einer finanziell
schwierigen Situation befand und dass begründete Besorgnis einer
Überschuldung bestand (Besorgniszeitpunkt). Trotzdem unterliess es der
Beschuldigte unter Verletzung der entsprechenden gesetzlichen Pflichten,
gemäss Art. 725 OR, unverzüglich eine Zwischenbilanz zu erstellen und
diese durch einen zugelassenen Revisor prüfen zu lassen sowie
gegebenenfalls das zuständige Gericht mittels Überschuldungsanzeige zu
informieren. Stattdessen wurde die B. AG weiter zum Beladen mit Schulden
missbraucht und mit verschiedenen Organwechseln versuchte sich der
Beschuldigte seiner Verantwortung zu entziehen.
Am 31.03.2017 erklärte der Beschuldigte seinen Rücktritt aus dem
Verwaltungsrat und sollte durch E. ersetzt werden. Der Beschluss wurde
jedoch nicht vollzogen, respektive später aufgehoben und der Beschuldigte
blieb im Handelsregister eingetragenes Organ. Kurz darauf verkaufte der
Alleinaktionär D. sämtliche Aktien der längst hoffnungslos überschuldeten
Unternehmung an C. und dieser wurde am 14.06.2017 anstelle des
Beschuldigten als neues Organ im Handelsregister eingetragen (VO 1, act.
42, 261, act. 296 ff, 377). Im Zeitpunkt des Austritts des Beschuldigten als
Organ waren im Betreibungsregister diverse Betreibungen, Pfändungen,
Konkursandrohungen und Verlustscheine verzeichnet und es handelte sich
- 3 -
bei der B. AG lediglich noch um eine Wegwerfgesellschaft. Anschliessend
wurde als letzte Person G. als Organ eingetragen. C. ist zur Verhaftung
ausgeschrieben und aus der Schweiz ausgereist. Bei G. handelt es sich um
einen Firmenbestatter (VO 1, act. 161).
Mit Entscheid vom 07.12.2017 wurde der Konkurs über die B. AG eröffnet.
Zu diesem Zeitpunkt bestanden gegen die B. AG Betreibungen oder
Verlustscheine im Forderungsbetrag von total CHF 649'498.87 (VO 1, act.
363). Am 26.07.2018 wurde das Konkursverfahren mangels Aktiven
eingestellt. Der ganze Forderungsbetrag blieb offen.
Infolge der Untätigkeit des Beschuldigten hatte sich die finanzielle Lage der
Gesellschaft zwischen dem Besorgniszeitpunkt vom 05.12.2016 bis zu
seinem Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat bzw. bis zur
Konkurseröffnung im Umfang von über CHF 600'000.00 weiterhin
verschlechtert.
Durch pflichtgemässes Handeln des Beschuldigten, welches eine
rechtzeitige Konkurseröffnung nach sich gezogen hätte, wären die diversen
Schulden (insbesondere auch Steuern, Sozialversicherungsabgaben sowie
Dauerschuldverhältnisse wie Leasing- und Mietkosten, etc.) nicht
angefallen.
Indem der Beschuldigte es, wie geschildert, unterliess, trotz Anzeichen der
Überschuldung die für diese Situation vorgeschriebenen Kapitalschutz-
massnahmen, gemäss Art. 725 Abs. 2 OR, zu ergreifen, verletzte er seine
Pflicht als Organ der Gesellschaft. Diese Pflichtverletzung hatte die
Verschleppung des Konkurses und damit die vorstehend beschriebene
Verschlimmerung der Vermögenslage der B. AG, zum Nachteil der
Gläubiger, zur Folge. Dies hat der Beschuldigte zumindest ernsthaft für
möglich gehalten und in Kauf genommen.
Mit dem geschilderten Verhalten hat sich der Beschuldigte der
Misswirtschaft durch arge Nachlässigkeit in der Berufsausübung im Sinne
von Art. 165 StGB strafbar gemacht.
2. Unterlassen der Buchführung, Art. 166 StGB i.S. B. AG
Der Beschuldigte hat die ihm gesetzlich obliegende Pflicht zur
ordnungsgemässen Führung und Aufbewahrung von Geschäftsbüchern und
zur Aufstellung einer Bilanz verletzt, so dass sein Vermögensstand nicht
ersichtlich war.
Tatort: Q.
Tatzeit: 13.05.2016 - 14.06.2017 (Ablösung durch Nachfolger C.
im Handelsregister als Organ der B. AG)
Dem Beschuldigten oblag als Organ der B. AG ab dem 13.05.2016 bis
14.06.2017 die unübertragbare und unentziehbare Aufgabe der
Ausgestaltung des Rechnungswesens, der Finanzkontrolle sowie der
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Finanzplanung und der Erstellung des Geschäftsberichts. Am 17.12.2017
wurde über das Unternehmen der Konkurs eröffnet. Der Beschuldigte
unterliess es im Zeitraum seiner Organtätigkeit für die B. AG eine
Buchhaltung zu erstellen und/oder den mandatierten Buchhalter mit den
erforderlichen Informationen zu bedienen und zu überwachen. Über den
gesamten Zeitraum liegt keine Buchhaltung vor. Der Beschuldigte wusste,
dass er zur Buchführung verpflichtet war, oder rechnete mindestens damit.
Dennoch erstellte er willentlich keine Buchhaltung, so dass der
Vermögensstand der Gesellschaft für den genannten Zeitraum nicht
ersichtlich ist.
Durch das geschilderte Verhalten hat sich der Beschuldigte der
Unterlassung der Buchführung im Sinne von Art. 166 StGB strafbar
gemacht.
Dieses Verhalten ist strafbar gemäss:
Art. 165 Ziff. 1 StGB, Art. 166 StGB, Art. 42 StGB, Art. 44 StGB, Art. 47
StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 106 StGB
Der Beschuldigte wird verurteilt zu:
1. Einer Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu je CHF 130.00, bedingt
aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren.
2. Einer Busse von CHF 2'000.00
Bei schuldhafter Nichtbezahlung tritt an die Stelle der Busse eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 16 Tagen.
3. Den Kosten
- Strafbefehlsgebühr CHF 1'700.00
Rechnungsbetrag CHF 3'700.00
Über Auslagen, die nach Erlass des vorliegenden Strafbefehls eingehen,
wird separat verfügt.
4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.
5. Die Schadenersatzforderung folgender Zivilpartei wird auf den Zivilweg
verwiesen:
H., [...]
6. Das Urteil wird im Strafregister eingetragen."
- 5 -
2.
Der Beschuldigte erhob dagegen am 26. September 2019 Einsprache. Die
Kantonale Staatsanwaltschaft hielt am Strafbefehl fest und überwies die
Akten mit Verfügung vom 2. Dezember 2019 dem Bezirksgericht Baden zur
Durchführung des Hauptverfahrens.
3.
3.1.
Am 16. Dezember 2020 fand die Hauptverhandlung vor dem Präsidenten
des Bezirksgerichts Baden mit Befragung des Beschuldigten statt.
3.2.
Die Zivil- und Strafklägerin des erstinstanzlichen Verfahrens, die H., wurde
mit Verfügung des Bezirksgerichts Baden vom 11. November 2020 von der
Teilnahme an der Hauptverhandlung dispensiert. Sie stellte indes bereits
mit Eingabe vom 11. Juni 2020 die folgenden Anträge:
" Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin die folgenden Beträge zu bezahlen: - CHF 2'242.00 für den Zeitraum vom 1. Mai 2016 bis 30. Juni 2016,
nebst 5% Zins ab 1. Januar 2017; - CHF 12'077.20 für den Zeitraum vom 1. Juli 2016 bis
31. Dezember 2016, nebst 5% Zins ab 1. Januar 2017; - CHF 12'095.50 für den Zeitraum vom 1. Januar 2017 bis 30. Juni 2017,
nebst 5% Zins ab 1. Januar 2018;
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beklagten."
3.3.
Der Beschuldigte stellte anlässlich der Hauptverhandlung die folgenden
Anträge:
" 1. Es sei der Beschuldigte in Bezug auf die Anklage vom 2. Dezember 2019
vollumfänglich von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Auf die Zivilklage sei nicht einzutreten. Eventualiter sei die Zivilklage auf den
Zivilweg zu verweisen.
3. Es seien die Verfahrenskosten auf die Staatskasse zu nehmen. Die
Verteidigung sei gemäss eingereichter Kostennote zu entschädigen."
3.4.
Der Präsident des Bezirksgerichts Baden erkannte am 16. Dezember 2020:
" 1.
Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf:
- des Unterlassens der Buchführung i.S.v. Art. 166 StGB.
- 6 -
2.
Der Beschuldigte ist schuldig
- der Misswirtschaft i.S.v. Art. 165 Ziff. 1 StGB.
3.
Der Beschuldigte wird hierfür in Anwendung der genannten Gesetzesbestimmungen sowie Art. 34 StGB und Art. 47 StGB,
mit 60 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 150.00, d.h. total Fr. 9'000,
bestraft.
4.
Der Vollzug der ausgefällten Geldstrafe wird gestützt auf Art. 42 StGB
aufgeschoben. Die Probezeit wird gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB auf 2 Jahre
festgesetzt.
5.
Die Schadenersatzansprüche der Zivil- und Strafklägerin H. werden auf den
Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 StPO).
6.
6.1
Die Verfahrenskosten bestehen aus:
a) der Gerichtsgebühr Fr. 1'200.00
b) der Anklagegebühr Fr. 1'700.00
c) den Spesen Fr. 212.40
d) den Kosten der schriftlichen Urteilsbegründung Fr. 60.00
Total Fr. 3'172.40
6.2
Dem Beschuldigten werden die Gebühren gemäss lit. a) und b) sowie die
Kosten gemäss lit. c) und lit. d) im Gesamtbetrag von Fr. 3'172.40 zu 4/5 mit
Fr. 2'537.90 auferlegt. Die restlichen Verfahrenskosten gehen zu Lasten des
Staates.
7.
Die Gerichtskasse wird angewiesen, dem Beschuldigten 1/5 seiner
Parteikosten in Höhe von Fr. 1'013.45 (inkl. MWST 7.7 % von Fr. 72.45) zu
ersetzen. Die restlichen Parteikosten trägt der Beschuldigte selbst."
3.5.
Gegen das den Parteien im Dispositiv zugestellte Urteil meldete der
Beschuldigte am 4. Januar 2021 und die Kantonale Staatsanwaltschaft am
5. Januar 2021 die Berufung an. Das begründete Urteil wurde den Parteien
am 16. August 2021 zugestellt.
- 7 -
4.
4.1.
Mit Berufungserklärung vom 20. August 2021 stellte die Kantonale
Staatsanwaltschaft gemäss Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO folgende Anträge auf
Abänderung des erstinstanzlichen Urteils:
" - Der Beschuldigte sei wegen des angeklagten Sachverhaltes wegen
Unterlassung der Buchführung gemäss Art. 166 StGB zu verurteilen.
- Der Beschuldigte sei zu einer angemessenen Geldstrafe nicht unter
160 Tagessätzen zu je CHF 130.00, bedingt aufgeschoben bei einer
Probezeit von 2 Jahren, sowie einer Busse von CHF 2'000.00 zu
verurteilen.
- Die Verfahrens- und Parteikosten sind vollumfänglich dem Beschuldigten
aufzuerlegen."
4.2.
Der Beschuldigte teilte mit Eingabe vom 29. September 2021 mit, dass er
darauf verzichte, einen Nichteintretensantrag zu stellen bzw. die
Anschlussberufung zu erklären.
4.3.
Mit Berufungsbegründung vom 29. September 2021 hielt die Kantonale
Staatsanwaltschaft an ihren gestellten Berufungsanträgen fest.
4.4.
Mit Berufungsantwort vom 22. November 2021 beantragte der
Beschuldigte die Abweisung der Berufung der Kantonalen Staatsan-
waltschaft unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
5.
Die Berufungsverhandlung mit Befragung des Beschuldigten fand am
8. April 2022 statt.

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Die Berufung richtet sich gegen das Urteil des Präsidenten des
Bezirksgerichts Baden vom 16. Dezember 2020, mit welchem der
Beschuldigte wegen Misswirtschaft zu einer bedingten Geldstrafe von
60 Tagessätzen à Fr. 150.00 verurteilt wurde. Vom Vorwurf der
Unterlassung der Buchführung wurde der Beschuldigte freigesprochen.
1.2.
Die Kantonale Staatsanwaltschaft wendet sich mit der Berufung gegen den
Freispruch des Beschuldigten vom Vorwurf der Unterlassung der
- 8 -
Buchführung sowie gegen die Bemessung der Strafe und die Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Die übrigen Punkte des Urteils sind unangefochten
geblieben und im Berufungsverfahren nicht mehr zu überprüfen (Art. 404
Abs. 1 StPO).
2.
2.1.
Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, sich der Unterlassung der
Buchführung schuldig gemacht zu haben. Er habe es im Zeitraum seiner
Organtätigkeit für die B. AG (13. Mai 2016 - 14. Juni 2017) unterlassen,
eine Buchhaltung zu erstellen und/oder den mandatierten Buchhalter mit
den erforderlichen Informationen zu bedienen und zu überwachen. Über
den gesamten Zeitraum würde keine Buchhaltung vorliegen (Strafbefehl
Anklageziffer 2, Gerichtsakten [GA] act. 3).
2.2.
Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten vom Vorwurf der Unterlassung
der Buchführung frei. Sie gelangte zum Ergebnis, dass der Beschuldigte
zwar vom 13. Mai 2016 bis 14. Juni 2017 als Verwaltungsratsmitglied der
B. AG im Handelsregister eingetragen war, aufgrund der
Mandatsvereinbarung vom 5. Mai 2016 sei er jedoch verpflichtet gewesen,
ausschliesslich nach den Anweisungen von D., dem zweiten
Verwaltungsratsmitglied, zu handeln. Der Beschuldigte habe nie Einblick in
die finanziellen Belange der B. AG gehabt. D. sei die Aufgabe der
Geschäftsführung und damit auch die Einhaltung der Buchführungspflicht
zugeteilt gewesen. Es könne daher nicht – unabhängig davon, inwiefern
überhaupt eine tatbestandsmässige Handlung vorliege oder nicht – von
einem (eventual-)vorsätzlichen Handeln des Beschuldigten ausgegangen
werden. Für den Beschuldigten hätten während seiner Zeit als
Verwaltungsrat auch keine erkennbaren Anzeichen bestanden, dass die
Buchführung der B. AG nicht ordnungsgemäss erfolgt sei (vorinstanzliches
Urteil, E. 8).
2.3.
Die Kantonale Staatsanwaltschaft rügt mit Berufung im Wesentlichen, dass
die Mandatsvereinbarung vom 5. Mai 2016 zwischen dem Beschuldigten
und D. nicht eine rechtsgültige Delegation der Buchführungspflicht
innerhalb des Verwaltungsrates darstelle. Gemäss Ziffer 3 der genannten
Vereinbarung habe dem Beschuldigten die Einsicht in sämtliche
Geschäftsakten der B. AG jederzeit offen gestanden. Der Beschuldigte
hätte damit seinen gesetzlichen Mandatspflichten nachkommen können.
Weiter habe der Beschuldigte für seine Tätigkeit im Verwaltungsrat auch
eine monatliche Pauschale zuzüglich Spesen erhalten.
D., welcher unter finanziellen, geschäftlichen und gesundheitlichen
Problemen gelitten habe, sei als Verwaltungsrat eingesetzt worden, um die
- 9 -
zivil- und strafrechtliche Verantwortung auf ihn abschieben zu können. Zu
diesem Zweck habe ihn der Beschuldigte auch eine Mandatsvereinbarung
unterzeichnen lassen, welche sämtliche Haftung D. zuschiebe. D. habe es
indes an den grundlegenden Kenntnissen der hiesigen Rechtsordnung und
den Fähigkeiten zur Ausübung eines Verwaltungsratsamtes gemangelt.
Der Beschuldigte sei über seine gesamte Mandatsdauer vollumfänglich
buchführungs- bzw. rechnungslegungspflichtig gewesen und er habe um
seine entsprechenden Pflichten gewusst (Berufungsbegründung, S. 3 f.).
3.
3.1.
Der Schuldner, der die ihm gesetzlich obliegende Pflicht zur
ordnungsmässigen Führung und Aufbewahrung von Geschäftsbüchern
oder zur Aufstellung einer Bilanz verletzt, so dass sein Vermögensstand
nicht oder nicht vollständig ersichtlich ist, wenn über ihn der Konkurs
eröffnet oder in einer gemäss Art. 43 SchKG erfolgten Pfändung gegen ihn
ein Verlustschein ausgestellt worden ist, macht sich der Unterlassung der
Buchführung gemäss Art. 166 StGB strafbar. Die Eröffnung des Konkurses
bildet objektive Strafbarkeitsbedingung (Urteil des Bundesgerichts
6B_1340/2017 vom 24. September 2018 E. 1.2). Die möglichen Tatobjekte
ergeben sich aus Art. 957 ff. OR und umfassen die kaufmännische
Buchführung und Rechnungslegung samt Bestandteilen. Die Buch-
führungspflicht wird verletzt, wenn die Buchführung ganz unterbleibt oder
mangelhaft erfolgt und dadurch die Vermögenslage des Schuldners nur mit
erheblichem Aufwand überblickt werden kann (Urteil des Bundesgerichts
6B_893/2018 vom 2. April 2019 E. 1.1.1).
3.2.
3.2.1.
Anhand des Auszugs des Handelsregisteramts des Kantons Zürich der B.
AG ist erstellt, dass der Beschuldigte vom 13. Mai 2016 bis am
17. August 2016 als einziger Verwaltungsrat mit Einzelunterschrifts-
berechtigung und anschliessend bis am 14. Juni 2017 als Mitglied des
Verwaltungsrats ohne Zeichnungsberechtigung im Handelsregister
eingetragen war (Untersuchungsakten [UA] act. 1/42). Dies wird vom
Beschuldigten auch nicht bestritten (UA act. 1/207). Dass die B. AG
gestützt auf Art. 957 Abs. 1 Ziff. 2 OR als juristische Person der Pflicht zur
Buchführung und Rechnungslegung unterlag, ist ebenfalls unbestritten.
Nachfolgend ist einerseits zu prüfen, ob eine Buchführung vorliegt bzw.
diese den gesetzlichen Anforderungen entspricht und andererseits, ob dem
Beschuldigten die Pflicht zur Buchführung oblag.
3.2.2.
Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 7. Februar 2019 sagte D.
aus, dass er E., dem Vater des Beschuldigten, die Buchführung faktisch
- 10 -
übergeben und dieser sie auch ausgeführt habe (UA act. 1/240). Der
Beschuldigte sagte vor der Kantonspolizei Zürich am 24. Januar 2019 aus,
dass die Buchführungspflicht D. als "Chef der Firma" zugekommen sei und
er nichts damit zu tun gehabt habe. Er wisse nicht, wer über welchen
Zeitraum die Buchhaltung der B. AG geführt habe (UA act. 1/208 f.). Im
Rahmen der staatsanwaltlichen Einvernahme vom 19. November 2019
gab der Beschuldigte hingegen an, dass die Buchhaltung gemacht worden
sei. Einen Teil habe sein Vater gemacht und einen Teil vorher die I. (UA
act. 4/8). E. führte in seiner Einvernahme durch die Kantonspolizei Zürich
vom 21. Januar 2019 aus, dass es betreffend Buchführung ab circa August
2016 einen Mandatsvertrag zwischen der J. und der B. AG gegeben habe.
D. habe die Geschäftsunterlagen aber erst Ende Januar resp. anfangs
Februar 2017 übergeben. Zuvor sei ein Treuhandbüro in S. mit der
Buchhaltung betreut gewesen. Gemäss den Aussagen von E. war er an der
Gesellschaft, welche die Buchführung übernommen habe, beteiligt, da er
selber angab, dass die Buchhaltung bis circa Ende Mai 2017 durch "uns"
geführt worden sei. Es sei aber nicht sein eigenes Mandat gewesen,
sondern dasjenige von K., Mitarbeiterin der L., weshalb er keine
detaillierten Auskünfte erteilen könne (UA act. 1/171 f.). Dass E. die
Buchführung ausführte, bestätigten auch G. und C. anlässlich der Einver-
nahme durch das Betreibungs- und Konkursamt Liestal vom 15. März 2018
(UA act. 1/326).
Anhand der Aussagen erscheint soweit erstellt, dass die B. AG die
Buchführung nicht selber ausführte, sondern an externe Firmen übergab
und E. dabei beteiligt war. Welche Firma über welchen Zeitraum die
Buchführung übernommen hat, ergibt sich indes aus den vorliegenden
Akten nicht abschliessend. Es ist der für die Buchführungspflicht
verantwortliche Person erlaubt, einen Buchhalter anzustellen oder eine
Buchhaltungsstelle zu beauftragen, wenn sie bildungsmässig
ausserstande ist, die Bücher selbst zu führen. Wird der Auftrag frühzeitig
erteilt, dass mit der Fertigstellung der Bilanz vor Ablauf der Abschlussfrist
gerechnet werden darf, beschränkt sich seine Pflicht allein auf Auswahl,
Instruktion und Kontrolle des mit der Bilanzierung Betrauten (Urteil des
Bundesgerichts 6S.132/2000 vom 24. August 2000 E. 3).
3.2.3.
Der Vater des Beschuldigten, E., übergab der Kantonspolizei anlässlich der
Einvernahme vom 21. Januar 2019 einen USB Stick. Der Stick enthalte den
gesamten bis zum Zeitpunkt der Einvernahme gesicherten Datenbestand
der B. AG (UA act. 1/169). Auf dem abgegebenen USB Stick befand sich
indes einzig die Buchhaltung für das Jahr 2015 (UA act. 1/160). Der
Beschuldigte selbst reichte im Rahmen seiner Schlusseinvernahme durch
die Kantonale Staatsanwaltschaft vom 19. November 2019 weitere zur
Buchhaltung gehörende Akten ein (UA act. 4/11 ff.). Die eingereichten
- 11 -
Unterlagen habe er von seinem Vater erhalten. Die neuen Besitzer (der B.
AG) hätten diese nicht abgeholt (UA act. 4/9).
Vorliegend bestehen zwar buchhalterische Geschäftsunterlagen der B. AG,
die durch den Beschuldigten und dessen Vater eingereichten Unterlagen
entsprechen jedoch nicht den gesetzlichen Voraussetzungen einer
kaufmännischen Buchführung nach Art. 957 ff. OR. Für das Geschäftsjahr
2016 liegen ausschliesslich die Bilanz, die Erfolgsrechnung und das
Kontoblatt der Buchführung- und Beratungsaufwands vor. Weitere
Kontoblätter sowie Belege der jeweiligen Buchungen fehlen gänzlich. Das
Gleiche gilt für die Unterlagen des Geschäftsjahrs 2017; detaillierte
Kontoblätter oder Belege befinden sich nicht bei den Akten. Anhand der
eingereichten Unterlagen kann die Vermögenslage der B. AG nicht
überblickt resp. nicht nachvollzogen werden. Die Unterlagen erfüllen die
gesetzlichen Vorgaben einer vollständigen Buchführung bei Weitem nicht.
Im Übrigen entsprechen die Geschäftsunterlagen des Jahres 2017 auch
inhaltlich – soweit aus den Akten ersichtlich – nicht einer
ordnungsgemässen und wahrheitsgetreuen Buchführung. Der in der Bilanz
2017 ausgewiesene Betrag des Kontos F von Fr. 8'557.54 stimmt
nachweislich nicht mit dem effektiven Betrag des Kontos per
31. Dezember 2017 überein (UA act. 1, 350 ff.). Weiter dürften die per
31. Dezember 2017 ausgewiesenen Debitoren bei der anfangs Dezember
2017 in Konkurs gefallenen Aktiengesellschaft und im Sinne von Art. 230
SchKG mangels Aktiven eingestellten Konkursverfahrens nicht vorhanden
gewesen sein (UA act. 1/308 ff.).
3.2.4.
Die Buchführungspflicht verlangt fortlaufend systematische, vollständige
und klare rechnerische Aufzeichnungen über die Geschäftsvorgänge
(BGE 114 IV 31 E. 2; BGE 77 IV 164 E. 1). Nach dem Gesagten wurde die
Buchführungspflicht vorliegend verletzt. Wie aufgezeigt entspricht die
kaufmännische Buchführung der B. AG nicht den gesetzlichen Vorgaben
von Art. 957 ff. OR. Aufgrund der mangelnden Buchführung konnte die
Vermögenslage der B. AG nicht überblickt werden und es erfolgte demnach
eine Verschleierung des tatsächlichen Vermögensstandes der B. AG.
Dabei ist es unbeachtlich, ob die Buchführung nicht durch die B. AG selber
geführt wurde. Sollte der Auftrag zur Buchführung frühzeitig an eine
geeignete Drittperson übergeben worden sein, oblag dem Verwaltungsrat
weiterhin die Pflicht zur Instruktion und Kontrolle des mit der Bilanzierung
Betrauten (vgl. oben E. 3.2.2). Sofern eine verspätete Aufgabenerteilung
erteilt worden sein sollte, bestand die Pflicht zur Buchführung mithin beim
Verwaltungsrat (vgl. hienach E. 3.3)
3.3.
Gemäss Art. 716a Abs. 1 Ziff. 3 OR kommt dem Verwaltungsrat einer
Aktiengesellschaft die unübertragbare und unentziehbare Aufgabe zu, eine
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Buchführung zu führen sowie ist er verantwortlich, dass die Rechnungs-
legung ordnungsgemäss erfolgt. Die gesetzliche Pflicht besteht
grundsätzlich für den ganzen Verwaltungsrat, unabhängig davon, wer im
inneren Verhältnis der Verwaltungsratsmitglieder als Geschäftsführer
auftritt.
Die Vorinstanz ging davon aus, dass der Beschuldigte aufgrund der
Vereinbarung vom 5. Mai 2016 zwischen ihm und D. (UA act. 1/373 f.)
verpflichtet gewesen sei, ausschliesslich weisungsgebunden zu handeln
und nichts zu unternehmen, was nicht mit D. abgesprochen gewesen sei.
Da der Beschuldigte nie Einsicht in die finanziellen Belange der B. AG
gehabt habe, sei die Einhaltung der Buchführungspflicht nicht seine
Aufgabe gewesen (vorinstanzliches Urteil, E. 8). Der Vorinstanz ist insofern
zuzustimmen, als dass gemäss Ziffer 8 der unterzeichneten Vereinbarung
der Beschuldigte zwar weisungsgebunden die Interessen der B. AG zu
vertreten hatte und sich mit D. für sein Handeln absprechen musste, dies
aber nur soweit, als dadurch nicht gesetzliche oder statutarische Normen
verletzt werden. Wie obstehend ausgeführt, besteht bei einer
Aktiengesellschaft die gesetzliche Pflicht zur Buchführung, worauf auch die
durch den Beschuldigten unterzeichneten Statuten (UA act. 1/282) sowie
die Vereinbarung in Ziffer 11 verweisen. Weiter bestand für den
Beschuldigten nach Ziffer 3 der Vereinbarung jederzeit die Möglichkeit,
Einsicht zu nehmen in sämtliche Geschäftsakten der B. AG. Der
Beschuldigte sagte zwar mehrfach aus, er habe nicht über die finanzielle
Lage der B. AG Bescheid gewusst und sich auf die mündliche Zusicherung
von D. verlassen, dass alles in Ordnung sei. Es sei nicht seine Aufgabe
gewesen, sich um die Buchführung zu kümmern (UA act. 1/208 ff; GA
act. 78; Protokoll Berufungsverhandlung, S. 2 ff.). Er macht hingegen nicht
geltend, D. hätte ihm auf sein Verlangen hin das ihm gemäss Vereinbarung
zustehende Einsichtsrecht in die Geschäftsakten verweigert. Der
Beschuldigte bestätigte mithin, dass er nichts unternommen habe, damit
die korrekte Buchhaltung der B. AG gewährleistet gewesen wäre
(UA act. 1/209 f.).
Jeder Verwaltungsrat einer AG muss dafür sorgen, dass die Gesellschaft
eine Buchhaltung führt. Dies gehört gemäss Art. 716a Abs. 1 Ziff. 3 OR zu
seinen unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben. Aus der in der
Vereinbarung formulierten Weisungsgebundenheit kann sich der
Beschuldigte als Mitglied des Verwaltungsrats der B. AG eben gerade nicht
der unentziehbaren und unübertragbaren Pflicht zur Führung einer
korrekten Buchhaltung entziehen. Selbst unter der Annahme, dass der
Beschuldigte grundsätzlich treuhänderisch tätig war im Verwaltungsrat
(Berufungsantwort S. 3) und die Geschäftsführung D. zukam, bestand für
ihn als im Handelsregister eingetragenes Verwaltungsratsmitglied trotzdem
eine gesetzliche Aufsichtspflicht über die B. AG. Für eine rechtsgültige
Delegation von (delegierbaren) Aufgaben nach Art. 716b OR bräuchte es
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zudem eine Grundlage in den Statuten, woran es vorliegend fehlt. Die
Weisungsgebundenheit wird durch die zwingenden Gesetzes- und
Statutenbestimmungen beschränkt, wie dies auch in Ziffer 8 der
Vereinbarung zwischen dem Beschuldigten und D. festgehalten wurde. Der
Beschuldigte durfte somit nicht einfach untätig bleiben. Schliesslich wurde
der Beschuldigte gemäss Ziffer 9 der Vereinbarung für seine Tätigkeit im
Verwaltungsrat mit einer Honorarpauschale von monatlich Fr. 500.00
entschädigt. Nach eigenen Aussagen habe er die Entschädigung dafür
erhalten, dass er "dort drinnen stehe", gemeint war damit das
Handelsregister (GA act. 79; Protokoll Berufungsverhandlung, S. 6). Auch
wenn der Beschuldigte die B. AG vom 13. Mai 2016 bis am
17. August 2016 als einziger Verwaltungsrat mit Einzelunterschrifts-
berechtigung führte, habe er über die Rechte und Pflichten einer
Firmenführung "eigentlich nichts" gewusst. Ihm sei gesagt worden, was er
zu tun habe, weshalb er sich auch nicht mit den Pflichten zur Firmenführung
vertraut gemacht habe (UA act. 1/209). Dem Beschuldigten musste jedoch
schon aufgrund seiner Tätigkeit in mehreren Verwaltungsräten (vgl.
UA act. 1/360; Protokoll Berufungsverhandlung, S. 6 f.) bewusst sein, dass
das Mandat als Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft auch Pflichten mit
sich bringt. Selbstverständlich vermag den Beschuldigten auch nicht zu
entlasten, dass er sich schlicht und einfach nicht für die Finanzen und die
Organisation der AG (inkl. Buchhaltung) interessiert hat (vgl. Protokoll
Berufungsverhandlung, S. 3 ff.).
3.4.
Zusammenfassend liegt keine den gesetzlichen Vorgaben von Art. 957 ff.
OR entsprechende kaufmännische Buchhaltung vor. Des Weiteren ist
aufgrund der Vereinbarung vom 5. Mai 2016 zwischen D. und dem
Beschuldigten sowie dessen Aussagen nicht von einer rechtsgültigen
Delegation der Buchführung innerhalb des Verwaltungsrats auszugehen.
Der Beschuldigte konnte sich schliesslich auch nicht von der
unübertragbaren und unentziehbaren Aufgabe entbinden, eine korrekte
Buchführung sicherzustellen. Nachdem auch die objektive Strafbarkeits-
bedingung des eröffneten Konkurses erfüllt ist (Konkurseröffnung am
7. Dezember 2017 [UA act. 1/308 ff.]), hat der Beschuldigte den objektiven
Tatbestand der Unterlassung der Buchführung erfüllt.
3.5.
3.5.1.
In subjektiver Hinsicht verlangt Art. 166 StGB Vorsatz, wobei Eventual-
vorsatz genügt. Dieser muss sich einerseits auf die Verletzung der
Buchführungs- oder Aufbewahrungspflicht, andererseits aber auch auf die
daraus hervorgehende Konsequenz der Verschleierung der
Vermögenslage beziehen, hingegen muss die Verschleierung nicht das
eigentliche Handlungsziel darstellen (HAGENSTEIN, in: Basler Kommentar,
- 14 -
Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N 40 zu Art. 166 StGB mit zahlreichen
Hinweisen).
3.5.2.
Der Beschuldigte hat oder hatte in mehreren Verwaltungsräten von
Aktiengesellschaften Einsitz (UA act. 1/360). Zudem hat er im Zeitpunkt der
Sitzverlegung der B. AG von T. nach Q. und der entsprechenden Annahme
der Wahl als einziges Mitglied des Verwaltungsrats mit Einzelunterschrift
die neuen Statuten am 4. Mai 2016 unterzeichnet (UA act. 1/272 ff.). Artikel
9 der Statuten führt unter dem Titel "Buchführung" unter anderem aus, dass
die Jahresrechnung, bestehend aus Erfolgsrechnung, Bilanz und Anhang,
gemäss den Vorschriften des Schweizerischen Obligationenrechts,
insbesondere der Art. 957 ff. zu erstellen sei (UA act. 1/282). Durch seine
Unterschrift unter die Statuten bestätigte der Beschuldigte, damit
einverstanden zu sein und auch davon Kenntnis genommen zu haben,
dass eine Buchführungspflicht besteht. Im Übrigen bestätigte der
Beschuldigte selbst, dass er unter dem Begriff der Buchhaltung die
Finanzübersicht einer Firma verstehe (UA act. 1/206). Der Beschuldigte
brachte anlässlich der Berufungsverhandlung vor, nicht einmal zu wissen,
was Statuten sind (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 7) resp. nicht mehr
zu wissen, was er unterschrieben habe (Protokoll Berufungsverhandlung,
S. 8). Dieser Hinweis ist unglaubhaft und als Schutzbehauptung zu
verstehen. Zwar hat der Beschuldigte eine Schreib- und Leseschwäche
(vgl. Protokoll Berufungsverhandlung, S. 7), allerdings konnte er eine Lehre
erfolgreich abschliessen und besucht momentan eine Weiterbildung
(Protokoll Berufungsverhandlung, S. 8 f.). Insofern ist nicht anzunehmen,
dass er ausser Stande gewesen ist, den Inhalt der Statuten wahrzunehmen
und/oder entsprechende Abklärungen zu tätigen. Aus dem Gesagten ist zu
schliessen, dass der Beschuldigte um die Buchführungspflicht einer
Aktiengesellschaft wusste. Wie bereits ausgeführt (vgl. oben E. 3.3),
verlangte der Beschuldigte zu keinem Zeitpunkt Einsicht in die
Geschäftsbücher der B. AG. Als er realisiert habe, dass die B. AG in
finanzielle Schwierigkeiten geraten sei, habe er bei D. nachgefragt, wobei
ihm versichert worden sei, dass alles in Ordnung sei (UA act. 1, 211 f.; GA
act. 78). Er habe dann nicht weiter nachgefragt. Erst als er gemerkt habe,
dass kein Baumaterial mehr vorhanden gewesen sei, habe er das
Schreiben bezüglich Rücktritt aus dem Verwaltungsrat aufgesetzt (GA
act. 79). Indem der Beschuldigte zu keinem Zeitpunkt Einsicht in die
Geschäftsakten verlangte, obwohl er um die Buchführungspflicht der
Aktiengesellschaft wusste, untätig blieb und lediglich auf das Wort von D.
vertraute, ohne solches zu hinterfragen, nahm er zumindest in Kauf, dass
es zu Unklarheiten über den Vermögensstand und Verschleierung der
Vermögenslage kommen würde. Entgegen den Ausführungen der
Vorinstanz (vorinstanzliches Urteil, E. 8) ist daher auch der subjektive
Tatbestand erfüllt.
- 15 -
3.6.
Nachdem keine Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe ersichtlich
sind, hat sich der Beschuldigte der Unterlassung der Buchführung nach
Art. 166 StGB schuldig gemacht. Die Berufung der Kantonalen
Staatsanwaltschaft ist in diesem Punkt gutzuheissen.
4.
4.1.
Der Beschuldigte hat sich der Unterlassung der Buchführung gemäss
Art. 166 StGB sowie der Misswirtschaft i.S.v. Art. 165 Ziff. 1 StGB schuldig
gemacht.
Der Strafrahmen von Art. 165 Ziff. 1 StGB erstreckt sich von Freiheitsstrafe
bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Die Unterlassung der Buchführung sieht
einen Strafrahmen von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe
vor.
4.2.
Der Deliktszeitpunkt umfasst die Jahre 2016 sowie 2017 und liegt damit vor
Inkrafttreten des neuen Sanktionenrechts (ab 1. Januar 2018). Das neue
Sanktionenrecht zeitigt auf den vorliegenden Fall indessen keine
Auswirkungen und erweist sich nicht als milder (vgl. sog. "lex mitior", Art. 2
Abs. 2 StGB), weshalb in Bezug auf das Sanktionenrecht das im
Tatzeitpunkt geltende Recht zur Anwendung gelangt.
4.3.
Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB wiederholt dargelegt. Entsprechendes gilt für die Bildung der
Einsatzstrafe und der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB in
Anwendung des Asperationsprinzips (vgl. BGE 144 IV 313;
BGE 144 IV 217; BGE 141 IV 61 E. 6.6.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4). Darauf
kann verwiesen werden.
Hat das Gericht eine Tat zu beurteilen, die der Täter begangen hat, bevor
er wegen einer andern Tat verurteilt worden ist (sog. retrospektive
Konkurrenz), so bestimmt es die Zusatzstrafe in der Weise, dass der Täter
nicht schwerer bestraft wird, als wenn die strafbaren Handlungen
gleichzeitig beurteilt worden wären (Art. 49 Abs. 2 StGB). Die Bestimmung
will im Wesentlichen das in Art. 49 Abs. 1 StGB verankerte
Asperationsprinzip auch bei retrospektiver Konkurrenz gewährleisten. Der
Täter, der mehrere gleichartige Strafen verwirkt hat, soll nach einem
einheitlichen Prinzip der Strafschärfung beurteilt werden, unabhängig
davon, ob die Verfahren getrennt durchgeführt werden oder nicht. Es ist
mithin in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 und 2 StGB eine Gesamtstrafe
auszufällen, soweit es sich um gleichartige Strafen handelt (BGE 144 IV
- 16 -
217, E. 2.2 ff.; BGE 142 IV 265, E. 2.3.1; BGE 141 IV 61 E. 6.1.2; BGE 138
IV 113 E. 3.4.1 mit Hinweis).
4.4.
Mit Strafbefehl vom 5. Februar 2020 der Staatsanwaltschaft Muri-
Bremgarten wurde der Beschuldigte wegen Nichtabgabe von Ausweisen
und/oder Kontrollschildern zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tages-
sätzen à Fr. 100.00 und einer Busse von Fr. 300.00 verurteilt. Die
vorliegend zu beurteilenden Delikte hat der Beschuldigte vor dieser
Verurteilung begangen. Aufgrund der Vorstrafenlosigkeit des
Beschuldigten und da auch keine weiteren Anhaltspunkte dafür vorliegen,
dass eine Geldstrafe aus präventiven Überlegungen nicht zweckmässig
wäre (vgl. BGE 134 IV 82 E. 4.1), kann für beide vorliegend zu beurteilen-
den Delikte eine Geldstrafe (zusammen mit einer Verbindungsbusse) als
Sanktionsart ausgesprochen werden. Aufgrund der Gleichartigkeit der
Strafen ist daher eine Zusatzstrafe auszusprechen.
4.5.
4.5.1.
Das schwerste Delikt bildet vorliegend die Misswirtschaft. Diesbezüglich ist
die Einsatzstrafe festzulegen:
Der Tatbestand der Misswirtschaft schützt im Speziellen das Vermögen der
Gläubiger sowie das Zwangsvollstreckungsverfahren als solches (Urteil
des Bundesgerichts 6B_1279/2018 vom 26. März 2019 E. 1.2.1). Im
Zeitpunkt der Konkurseröffnung der B. AG am 7. Dezember 2017 beliefen
sich die offenen Forderungen auf einen Gesamtbetrag von Fr. 649'498.87.
Es handelt sich dabei um einen namhaften Betrag, insbesondere, wenn
man berücksichtigt, dass die Gesellschaft lediglich vier bis fünf Mitarbeiter
hatte (UA act. 1/175; UA act. 1/213). Damit einhergehend ist der Taterfolg
nicht zu bagatellisieren. Auch wenn der Beschuldigte gemäss der
unterzeichneten Vereinbarung vom 5. Mai 2016 weisungsgebunden zu
handeln hatte und D. als Geschäftsführer der B. AG mit
Einzelzeichnungsbefugnis waltete, bestand für den Beschuldigten als
Verwaltungsratsmitglied gemäss Art. 716a Abs. 1 Ziff. 7 OR die
unübertragbare und unentziehbare Pflicht, i.S.v. Art. 725 Abs. 2 OR im
Zeitpunkt der begründeten Besorgnis einer Überschuldung entsprechende
Vorkehrungen zu treffen. Dem Beschuldigten waren die Pflichten eines
Verwaltungsrates, nicht zuletzt wegen seiner Tätigkeit in gleich mehreren
Verwaltungsräten, ohne Weiteres bekannt. Er hat jedoch ausschliesslich
auf die Zusicherung von D. vertraut, anstatt selber Einsicht in die
Geschäftsakten zu nehmen, was ihm sogar gemäss Vereinbarung explizit
auch zugestanden wurde und somit für den Beschuldigten
unmissverständlich klar war (vgl. UA act. 1/373). Entsprechend zeigt das
Verhalten des Beschuldigten, dass er sich schlicht nicht für die finanziellen
Belange interessiert hat, obwohl er um seine Pflichten als Verwaltungsrat
- 17 -
wusste. Der Beschuldigte verfügte trotz der gemäss Vereinbarung
vorhandenen Weisungsgebundenheit über ein hohes Mass an
Entscheidungsfreiheit, da es ihm jederzeit freistand, die Geschäftsakten
einzusehen oder aus dem Verwaltungsrat zurückzutreten, wenn er die
damit einhergehenden Pflichten nicht auf sich nehmen wollte. Dem
Beschuldigten war somit ein rechtmässiges Verhalten zumutbar und das
Delikt ohne Weiteres vermeidbar.
Insgesamt ist hinsichtlich der Misswirtschaft in Relation zum Strafrahmen
und den davon erfassten Deliktssummen und Verhaltensweisen von einem
nicht mehr nur leichten Verschulden auszugehen. Unter Berücksichtigung
der noch auszufällenden Verbindungsbusse (siehe unten) ist die
Einsatzstrafe auf 120 Tagessätze festzusetzen.
4.5.2.
Durch sein Verhalten hat der Beschuldigte ebenfalls den Tatbestand der
Unterlassung der Buchführung erfüllt.
Art. 166 StGB soll gewährleisten, dass der Vermögensstatus eines
Unternehmens stets vollständig ersichtlich ist (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_1340/2015 vom 17. März 2017 E. 5.3). Geschützt wird
mit Art. 166 StGB der Anspruch der Gläubiger, in der Zwangsvollstreckung
auf das Vermögen des Schuldners zu greifen und sich daraus zu
befriedigen. Zudem sollen die zivilrechtlichen Normen, die der Sicher-
stellung der Buchführung und damit der Dokumentation des Vermögens-
stands eines Unternehmens im Interesse der beteiligten Personen dienen,
strafrechtlich geschützt werden (HAGENSTEIN, a.a.O., N 1 f. zu Art. 166
StGB). Der Beschuldigte war als Verwaltungsratsmitglied gemäss Art. 716a
Abs. 1 Ziff. 3 OR zur Buchführung verpflichtet (vgl. E. 3.3). Durch die
Unterlassung der Buchführung konnte die Vermögenslage der B. AG nicht
überblickt werden, dementsprechend wurden die geschützten Rechtsgüter
verletzt. Die Art und Weise der Tatbegehung ging jedoch nicht wesentlich
über die blosse Erfüllung des Tatbestands hinaus. Zudem handelte der
Beschuldigte eventualvorsätzlich. Wie bereits vorstehend ausgeführt,
verfügt der Beschuldigte indes über ein hohes Mass an
Entscheidungsfreiheit, da er die Geschäftsakten jederzeit hätte einsehen
können und dementsprechend erkannt hätte, dass keine ausreichende
kaufmännische Buchführung vorliegt. Unter Berücksichtigung sämtlicher
Umstände wiegt das Verschulden des Beschuldigten aber noch leicht und
es wäre eine dafür angemessene Geldstrafe von 90 Tagessätzen
festzusetzten.
In Anwendung des Asperationsprinzips und in Anbetracht des engen
zeitlichen, räumlichen und sachlichen Zusammenhangs mit der
Misswirtschaft, was den Gesamtschuldbeitrag als geringer erscheinen
- 18 -
lässt, ist die Einsatzstrafe von 120 Tagessätzen um 40 Tagessätze auf
160 Tagessätze zu erhöhen.
4.5.3.
Im Rahmen der Täterkomponenten wirkt sich die Vorstrafenlosigkeit des
Beschuldigten neutral aus. Mit der Vorinstanz bleiben auch die
Strafempfindlichkeit, die beruflichen und familiären Verhältnisse sowie das
Nachtatverhalten ohne Auswirkung auf die Strafzumessung (vorin-
stanzliches Urteil, E. 9.5.3), weshalb es bei einer Geldstrafe von
160 Tagessätzen sein Bewenden hat.
4.5.4.
Zuletzt ist die gebildete Gesamtstrafe unter Berücksichtigung der
Grundstrafe angemessen zu erhöhen. Die Grundstrafe beläuft sich auf eine
Geldstrafe von 10 Tagessätzen. Entsprechend ist eine Asperation im
Umfang von 5 Tagessätzen vorzunehmen.
4.6.
Zusammengefasst ergibt sich somit eine hypothetische Gesamtstrafe von
165 Tagessätzen Geldstrafe. Hiervon ist die rechtskräftige Grundstrafe von
10 Tagesätzen in Abzug zu bringen, womit sich eine Zusatzstrafe von
155 Tagessätzen ergibt.
4.7.
4.7.1.
Ein Tagessatz beträgt höchstens Fr. 3'000.00. Das Gericht bestimmt die
Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen und wirtschaftlichen
Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach
Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien- und
Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum (aArt. 34 Abs.
2 StGB). Ausgangspunkt ist das Nettoeinkommen, das der Täter im
Zeitpunkt des Urteils durchschnittlich erzielt bzw. alle geldwerten
Leistungen, die ihm zufliessen (BGE 134 IV 60 E. 6.1).
4.7.2.
Die Tagessatzhöhe bestimmt sich nach den persönlichen und
wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils (Art. 34
Abs. 2 StGB). Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte der
Beschuldigte, als Bauleiter in einer befristeten 50%-Prozent Anstellung
tätig zu sein und monatlich Fr. 4'900.00 zu verdienen. Der Beschuldigte ist
seit Anfang Jahr verheiratet, wobei seine Frau selber berufstätig ist, und
nach wie vor kinderlos (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 9). Nach einem
Pauschalabzug von 20% für Krankenkasse und Steuern resultiert somit ein
Tagessatz in Höhe von Fr. 130.00, d.h. die Zusatzgeldstrafe beläuft sich
auf insgesamt Fr. 20'150.00.
- 19 -
4.8.
Unter Verweis auf die Ausführungen der Vorinstanz (vorinstanzliches Urteil,
E. 10.2) ist die Geldstrafe aufzuschieben bei einer Probezeit von zwei
Jahren (Art. 44 Abs. 1 StGB).
4.9.
4.9.1.
Um dem Verschulden des Beschuldigten gerecht zu werden sowie um
neben der bedingten Geldstrafe eine Warnwirkung zu erzielen, kann das
Gericht zusätzlich zur bedingten Geldstrafe eine Verbindungsbusse
aussprechen (Art. 42 Abs. 4 StGB i.V.m. Art. 106 StGB). Die Vorinstanz
verzichtete darauf, eine Verbindungsbusse auszusprechen, nachdem die
bedingte Geldstrafe dem Verschulden des Beschuldigten hinreichend
Rechnung trage (vorinstanzliches Urteil, E. 10.2).
Nach Ansicht des Obergerichts ist der Auffassung der Vorinstanz nicht zu
folgen. Auch wenn dem Beschuldigten für die Zukunft keine
Schlechtprognose zu stellen und die Geldstrafe dementsprechend
aufzuschieben ist, scheint es vorliegend dennoch angezeigt, unter
spezialpräventiven Gesichtspunkten das eher geringen Drohpotential der
bedingten Geldstrafe zu erhöhen und dem Beschuldigten den Ernst der
Lage aufzuzeigen.
Unter Berücksichtigung der untergeordneten Bedeutung der Verbindungs-
busse gegenüber der bedingten Geldstrafe, der wirtschaftlichen
Verhältnisse des Beschuldigten und dessen Verschulden, erscheint eine
Verbindungsbusse in der Höhe von Fr. 1'100.00 als angemessen und mit
der bundesgerichtlichen Praxis im Einklang (vgl. BGE 135 IV 188 E. 3.4.4).
Diese Busse ist gemäss den obigen Ausführungen (siehe E. 4.3) mit der
Grundstrafe von Fr. 300.00 Busse zu asperieren. Aufgrund des fehlenden
sachlichen und zeitlichen Zusammenhangs erscheint eine Erhöhung um
Fr. 200.00 angemessen. Von der hypothetischen Gesamtbusse von
Fr. 1'300.00 ist die rechtskräftige Busse von Fr. 300.00 in Abzug zu
bringen, womit eine Busse von Fr. 1'000.00 als Zusatzstrafe resultiert.
4.9.2.
Für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, spricht das
urteilende Gericht eine Ersatzfreiheitsstrafe aus, welche den Verhältnissen
der Beschuldigten angemessen ist (Art. 106 Abs. 2 und 3 StGB).
Gestützt auf einem der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des
Beschuldigten entsprechendem Umrechnungsschlüssel von Fr. 130.00
(BGE 134 IV 60 E. 7.3.3), ergibt sich eine Ersatzfreiheitsstrafe von 8 Tagen.
- 20 -
5.
5.1.
Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei
im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon
ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge
gutgeheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_330/2016 vom
10. November 2017 E. 4.3).
Im Berufungsverfahren obsiegt die Kantonale Staatsanwaltschaft
vollständig. Der Beschuldigte unterliegt mit seinen Berufungsanträgen
vollumfänglich und hat ausgangsgemäss die Kosten des Berufungs-
verfahrens zu tragen.
5.2.
Nachdem der Beschuldigte mit seinen Berufungsanträgen vollumfänglich
unterliegt, hat er seine eigenen Parteikosten selber zu tragen (Art. 436
Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario).
6.
6.1.
Fällt die Rechtsmittelinstanz selbst einen neuen Entscheid, so befindet sie
darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428
Abs. 3 StPO).
Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die
erstinstanzlichen Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Vorliegend hat
die Vorinstanz den Beschuldigten vom Vorwurf der Unterlassung der
Buchführung freigesprochen und ihm die erstinstanzlichen Verfahrens-
kosten zu 4/5 auferlegt (vorinstanzliches Urteil, E. 12.2). Nachdem der
diesbezügliche Freispruch der Vorinstanz aufgehoben und der
Beschuldigte der Unterlassung der Buchführung schuldig gesprochen wird,
hat er die erstinstanzlichen Verfahrenskosten vollumfänglich zu tragen.
6.2.
Da dem Beschuldigten die erstinstanzlichen Verfahrenskosten vollum-
fänglich auferlegt werden, hat er seine eigenen Parteikosten selber zu
tragen.
7.
Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es
ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO,
Art. 81 StPO).