Decision ID: 0b154603-2d0d-579d-9e48-e31081e8a203
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerinnen reichten am 7. Januar 2013 bei der Gemeinde Frutigen
ein Baugesuch ein für das "Erstellen einer Profilträgerhalle Nutzung als Lagerraum;
Erstellen eines Kiesplatz Nutzung Parkplatz und Materialumschlag; Erstellen eines
Kiesplatz Nutzung Materialbewirtschaftung Humus Kies und Holz" auf Parzelle Frutigen
Grundbuchblatt Nr. J._. Die Parzelle liegt in der Arbeitszone AII. Am 11. Februar
2013 reichten die Beschwerdegegnerinnen ein zweites Baugesuch ein für das "Erstellen
einer Profilträgerhalle Nutzung Lagerraum; Erstellen eines Kiesplatz Nutzung Parkplatz,
Materialumschlag und Schreddern Frisch- und Altholz; Erstellen eines Kiesplatz Nutzung
Aufbereitung und Lagerung mineralische Bauabfälle, sortieren gemischte Bauabfälle",
welches die Gemeinde als Projektänderung entgegennahm. Am 2. September 2013
reichten die Beschwerdegegnerinnen ein drittes Baugesuch ein für das "Erstellen einer
Profilträgerhalle Nutzung Lagerraum; Erstellen eines Kiesplatz Nutzung Parkplatz,
Materialumschlag und Schreddern Frischholz; Erstellen eines Kiesplatz Nutzung
Aufbereitung und Lagerung mineralische Bauabfälle, Brecher" welches die Gemeinde
wiederum als Projektänderung entgegennahm. Gegen das Bauvorhaben inklusive den
beiden Projektänderungen erhoben unter anderen die Beschwerdeführenden Einsprache.
Mit Gesamtentscheid vom 31. März 2014 erteilte die Gemeinde Frutigen die
Baubewilligung.
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer 1 am 28. April 2014 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt die
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Aufhebung des Gesamtentscheids vom 31. März 2014 und sinngemäss die Erteilung des
Bauabschlags. Zudem sei auf der Bauparzelle ein Baustopp zu verfügen bis die
umstrittene Zonenänderung vom 28. November 2010 durch eine Abstimmung rückgängig
gemacht werden könne. Schliesslich sei die Bauparzelle unverzüglich für die
landwirtschaftliche Nutzung herzurichten.
Am 2. Mai 2014 erhoben die Beschwerdeführenden 2-7 gemeinsam Beschwerde bei der
BVE. Sie beantragen, der Gesamtentscheid vom 31. März 2014 sei aufzuheben und dem
Bauvorhaben sei der Bauabschlag zu erteilen. Eventualiter beantragen sie, der
Gesamtentscheid sei aufzuheben, die Sache sei zur Fortsetzung im Sinne der Erwägungen
an die Vorinstanz zurückzuweisen und die Anlage für den Steinbrecher unter Terrain sei
mit der Auflage zu ergänzen, eine schall- und staubdichte Einhausung zu erstellen.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Das Amt für Berner Wirtschaft (beco),
die Gemeinde Frutigen und das Amt für Wasser und Abfall (AWA) stellen in ihren
Stellungnahmen vom 26. Mai, 2. Juni und 4. Juni 2014 keine Anträge zu den beiden
Beschwerden. Die Beschwerdegegnerinnen beantragen in ihrer Beschwerdeantwort vom
3. Juni 2014 die Abweisung der Beschwerden, soweit darauf einzutreten sei. Nachdem das
Rechtsamt vom beco und vom Oberingenieurkreis I (OIK I) des Tiefbauamts des Kantons
Bern (TBA) zusätzliche Fragen hatte beantworten lassen, erhielten die
Verfahrensbeteiligten Gelegenheit, zum Ergebnis des Beweisverfahrens Stellung zu
nehmen.
4. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdelegitimation wird nicht bestritten, ist jedoch von
Amtes wegen zu prüfen. Die Beschwerdeführenden haben sich als Einsprecher am vor-
instanzlichen Verfahren beteiligt und sind mit ihren Anliegen nicht durchgedrungen. Damit
sind sie formell beschwert.
c) Neben der formellen Beschwer bedarf es auch der materiellen Beschwer: Nach
Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG sind nur Personen zur Einsprache befugt, welche durch das
Bauvorhaben unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen sind. Nach Lehre
und Rechtsprechung ist eine Person in schutzwürdigen Interessen berührt, wenn sie durch
ein Bauvorhaben in höherem Mass als die Allgemeinheit betroffen ist und zum
Streitgegenstand eine besondere Beziehungsnähe hat.4 In einer besonders nahen
Beziehung zur Streitsache stehen naturgemäss die Nachbarn des Baugrundstücks. Der
Kreis der betroffenen Nachbarschaft kann nicht allgemein festgelegt werden, sondern
muss im Einzelfall nach den konkreten Verhältnissen bestimmt werden. Die Legitimation
von Nachbarn reicht so weit wie die allfälligen nachteiligen Auswirkungen des
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 4 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 35-35c N. 16 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung; VGE 22721/22725 vom 30. Mai 2007 E. 1.2.1
5
Bauvorhabens. Dabei muss die mögliche Störung deutlich wahrnehmbar sein und objektiv
als Nachteil empfunden werden. Bei grossflächigen Immissionen kann ein sehr weiter Kreis
Betroffener zur Einsprache legitimiert sein.5
Die Beschwerdeführenden wohnen maximal 500 m von der Bauparzelle entfernt.
Gegenstand des Baugesuchs sind unter anderem ein Holzschredder und ein Brecher für
Bauabfälle. Solche Anlagen sind erfahrungsgemäss mit erheblichen Lärm- und
Staubemissionen verbunden. Insbesondere die Lärmemissionen können in der
Nachbarschaft auch in 500 m Entfernung Immissionen zur Folge haben, die bei objektiver
Betrachtung als Nachteil empfunden werden, zumal sich die Bauparzelle im Talboden
befindet. Demzufolge sind alle Beschwerdeführenden zur Beschwerde legitimiert. Auf die
beiden form- und fristgerecht eingereichten Beschwerden ist daher einzutreten.
2. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden 2-7 machen eine Verletzung ihres rechtlichen Gehörs
geltend. Ihnen sei das massgebende Lärmgutachten vom 31. Oktober 2013 im
vorinstanzlichen Verfahren nicht zugestellt worden. Erst am 3. April 2014 und nach Erhalt
des Gesamtbauentscheids sei ihnen das Gutachten per E-Mail zugestellt worden. Auch die
Amtsberichte des beco vom 18. November 2013 und des AWA vom 3. Oktober 2013
hätten sie nie zu Gesicht bekommen.
b) Die Gemeinde bestreitet zwar die Gehörsverletzung. Sie legt jedoch nicht dar, wann
den Beschwerdeführenden das fragliche Gutachten bzw. die beiden Amtsberichte
zugestellt oder sie zumindest über deren Eingang informiert worden wären. Auch aus den
Vorakten ist nicht erkennbar, dass die Beschwerdeführenden über das Vorhandensein der
fraglichen Unterlagen informiert oder ihnen diese Unterlagen zugestellt worden wären.
Somit ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden im vorinstanzlichen
Verfahren keine Kenntnis von diesen Unterlagen hatten. Zwar wurde bei den
Einspracheverhandlungen auf das noch ausstehende Lärmgutachten aufmerksam
gemacht. Die Beschwerdeführenden mussten sich deshalb aber nicht bei der Gemeinde
danach erkundigen, da die Gemeinde die Verfahrensbeteiligten von sich aus über
5 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 35-35c N. 17 f., mit Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung
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sämtliche Gutachten und Amtsberichte informieren muss. Zumal bei den
Einspracheverhandlungen angekündigt wurde, dass eine Kopie des Gutachtens zugestellt
werde. Somit ist von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die Vorinstanz
auszugehen.
c) Nach der Praxis des Bundesgerichts kann eine solche im Rechtsmittelverfahren
jedoch „geheilt“ werden, sofern die obere Instanz dieselbe Überprüfungsbefugnis hat wie
die verfügende Behörde, den Beschwerdeführenden daraus kein Nachteil erwächst und es
sich nicht um eine besonders schwere Verletzung der Parteirechte handelt.6 Gemäss
Art. 40 Abs. 3 BauG kommt der BVE als Beschwerdeinstanz die volle
Überprüfungsbefugnis zu. Es ist nicht ersichtlich, dass den Beschwerdeführenden 2-7
durch die Heilung der Gehörsverletzung ein Nachteil erwachsen würde. Zumal sie gemäss
ihrer eigenen Aussage die fraglichen Unterlagen am 3. April 2014 erhielten und ihre
Baubeschwerde vom 2. Mai 2014 daher in Kenntnis der Unterlagen verfassen konnten.
Damit konnten die Beschwerdeführenden 2-7 ihre Rechte im Beschwerdeverfahren
vollumfänglich wahrnehmen. Die Voraussetzungen für eine Heilung der Gehörsverletzung
sind somit erfüllt.
3. Abbruch Wohnhaus
a) Die Beschwerdeführenden 2-7 rügen, das heute bestehende Wohnhaus auf der
Bauparzelle sei lärmschutzmässig nicht zulässig. Daher müsse es offenbar entfernt
werden, was einer Baubewilligung bedürfe. Aus dem Baugesuch gehe aber der Abbruch
nicht hervor. Im Situationsplan sei das Haus zwar "weggetippext", jedoch nicht wie üblich
"gelb" als Abbruch markiert. Auch im angefochtenen Gesamtentscheid fehle der Abbruch,
weshalb er ungültig sei.
b) Das fragliche Gebäude steht in der Arbeitszone AII. In dieser Zone ist keine
Wohnnutzung erlaubt (vgl. Art. 211 Abs. 5 GBR7). Auf den baubewilligten Plänen ist das
Gebäude eingetragen und nicht als Abbruch gekennzeichnet. Auch im Baugesuch wird
kein Abbruch erwähnt. Dementsprechend wurde ein solcher mit dem angefochtenen
Gesamtentscheid auch nicht bewilligt. Gemäss Aussage der Beschwerdegegnerinnen in
6 BGE 126 I 68 E. 2; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 21 N. 4 und 16 7 Baureglement der Einwohnergemeinde Frutigen vom 28. November 2010
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ihrer Beschwerdeantwort ist ein solcher Abbruch aber auch nicht vorgesehen. Das
Wohnhaus stehe leer und den Grundstückeigentümern sei bewusst, dass das leerstehende
Haus keiner Wohnnutzung zugeführt werden dürfe, da dies nicht zonenkonform wäre.
Demzufolge ist nicht zu beanstanden, dass für das Gebäude weder ein Abbruchgesuch
gestellt noch eine entsprechende Baubewilligung erteilt wurde. Das Haus muss nicht
abgebrochen werden, es darf lediglich nicht zonenwidrig genutzt werden. Dies ist jedoch
nicht der Fall. Sollte sich daran etwas ändern, wäre dagegen baupolizeilich vorzugehen.
c) In ihrer Stellungnahme zum Ergebnis des Beweisverfahrens machen die
Beschwerdeführenden 2-7 zwar geltend, das Wohnhaus dürfe aufgrund der
Besitzstandsgarantie nach wie vor als solches genutzt werden. Dem ist jedoch entgegen
zu halten, dass eine aufgegebene und nach neuem Recht nicht mehr zulässige Nutzung
nicht gestützt auf die Besitzstandsgarantie wiederaufgenommen werden kann.8 Diese
Rüge erweist sich demzufolge als unbegründet.
4. Strassenabstand
a) Die Beschwerdeführenden 2-7 rügen, für den bestockten Erdwall im
Bauverbotsstreifen entlang der F._ Strasse sei keine Ausnahmebewilligung nach
Art. 81 SG9 beantragt und erteilt worden. Die Publikation des Bauvorhabens müsse daher
mit der Bezeichnung der beanspruchten Ausnahme wiederholt werden.
b) Gemäss Ziff. 4.3.2.34 des angefochtenen Gesamtentscheids ist die Bauparzelle
unter anderem gegenüber der Gemeindestrasse mit einem bestockten Humus-Depot-Wall
zu umgeben. Der Erdwall ist mit einem Lebhag zu bepflanzen. Die Gesamthöhe des Walls
inklusive Lebhag beträgt gegenüber der Gemeindestrasse 2.5 m. Gemäss Ziff. 4.3.2.41
des Gesamtentscheids hat der bestockte Erdwall (Sichtschutzbepflanzung entlang der
Strasse) mit einer Gesamthöhe von 2.5 m einen Strassenabstand ab Fahrbahnrand von
1.8 m einzuhalten.
c) Soweit das zuständige Gemeinwesen in Nutzungsplänen oder in der Gesetzgebung
nichts anderes festlegt, gilt für Bauten und Anlagen an Gemeindestrassen ein Abstand von
8 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 3 N. 2 9 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11)
8
3,6 m ab Fahrbahnrand (Art. 80 Abs. 1 Bst. b SG). Die Gemeinde Frutigen hat für den
Abstand von Gemeindestrassen nichts anderes festgelegt, der Strassenabstand beträgt
gegenüber Gemeindestrassen für Hauptbauten 3.6 m (Art. A147 Abs. 1 GBR). Für Bauten
und Anlagen, die weder die Verkehrssicherheit beeinträchtigen noch den Ausbau der
Strasse erschweren, legt der Regierungsrat geringere Abstände fest. Der Regierungsrat
regelt die Abstände für Pflanzen, Bäume, Wälder und für Strassenreklamen durch
Verordnung (Art. 80 Abs. 1 und 2 SG). Für Einfriedungen und Zäune bis zu einer Höhe von
1.2 m gilt ein Strassenabstand von 0.5 m ab Fahrbahnrand. Höhere Einfriedungen und
Zäune sind um ihre Mehrhöhe zurückzuversetzen (Art. 56 Abs. 1 und 2 SV10). Für die nicht
hochstämmigen Bäume, Hecken, Sträucher, landwirtschaftlichen Kulturen und dergleichen
gelten die Vorschriften über Einfriedungen (Art. 57 Abs. 2 SV).
d) Beim 2.5 m hohen bestockten Humus-Depot-Wall entlang der F._ Strasse
handelt es sich um eine Einfriedung beziehungsweise um eine Hecke. Beides hat bis zu
einer Höhe von 1.2 m seitlich mindestens 0.5 m Abstand zum Fahrbahnrand einzuhalten
und ist bei einer Mehrhöhe um diese zurückzuversetzen. Bei einer Mehrhöhe von 1.3 m
ergibt sich somit ein Strassenabstand von 1.8 m. Gemäss den Auflagen im
Gesamtentscheid hat der bestockte Humus-Depo-Wall eben diesen Abstand einzuhalten
und entspricht damit den gesetzlichen Vorgaben. Somit bedarf der Wall keiner
Ausnahmebewilligung, diese Rüge ist unbegründet.
5. Hauszufahrt
a) Die Beschwerdeführenden 2-7 rügen, gemäss Gesamtentscheid werde der Plan für
die Hauszufahrt in ein separates Behördenverfahren verwiesen. Beim Hausanschluss an
die F._ Strasse handle es sich jedoch um ein wesentliches Element des
Bauvorhabens, weshalb es in einem einheitlichen Verfahren geprüft werden müsse. Zudem
verletzte ein Behördenverfahren die Mitwirkungsrechte der Einsprechenden.
b) Gemäss Ziff. 4.3.1 des Gesamtentscheids ist der Strassenaufsichtsbehörde ein
überarbeiteter Plan mit den berücksichtigten Auflagen zu den Strassenanschlüssen zur
Genehmigung einzureichen.
10 Strassenverordnung vom 29. Oktober 2008 (SV; BSG 732.111.1)
9
c) Die Baubewilligungsbehörde kann mit der Baubewilligung verfügen, dass die
Unterlagen über untergeordnete Gegenstände des Bauvorhabens wie beispielsweise
Einzelheiten der Gebäudeinstallation oder die Haustechnik erst vor Baubeginn zur
Genehmigung vorgelegt werden müssen. Dieses Genehmigungsverfahren ist nicht
zulässig, wenn die Unterlagen zur Beurteilung und zum Entscheid über das Baugesuch
notwendig sind oder wenn wegen diesen untergeordneten Gegenstände Dritten
Parteirechte zustehen (Art. 44 Abs. 1 und 2 BauG).
d) Der Strassenanschluss betrifft die Erschliessung. Diese ist eine der Voraussetzungen
für die Erteilung der Baubewilligung. Zudem betrifft der Strassenanschluss die
Verkehrssicherheit und damit ein wichtiges öffentliches Interesse. Somit kann der
Strassenanschluss grundsätzlich nicht ausserhalb des Baubewilligungsverfahrens geprüft
werden, dadurch würden nicht zuletzt auch die Mitwirkungsrechte der Nachbarn verletzt.
Allerdings wurden im vorliegenden Fall die Strassenanschlüsse im
Baubewilligungsverfahren geprüft. Die Einfahrt Südwest und die Ein- und Ausfahrt Nordost
sind in den baubewilligten Plänen inklusive den Sichtweiten enthalten. Die Vorinstanz ist
zum Schluss gekommen, dass das Bauvorhaben den geltenden Strassenbauvorschriften
insbesondere bezüglich der Sichtverhältnisse bei den Strassenanschlüssen entspricht. Die
Bedingung, wonach der Strassenaufsichtsbehörde ein überarbeiteter Plan zu den
Strassenanschlüssen zur Genehmigung einzureichen ist, bezieht sich lediglich auf die in
den Auflagen angeordnete Sichtschutzbepflanzung entlang der F._ Strasse. Die
Vorinstanz will mit dieser Bedingung sicherstellen, dass diese Auflage so umgesetzt wird,
dass dadurch die Sichtverhältnisse bei den Strassenanschlüssen nicht beeinträchtigt
werden.
Somit wird nichts von Bedeutung in ein späteres Verfahren verlagert, sondern lediglich
sichergestellt, dass das im Baubewilligungsverfahren Angeordnete korrekt umgesetzt wird.
Dies ist nicht zu beanstanden, handelt es sich doch bei dieser Sicherstellung der korrekten
Umsetzung lediglich um eine Vollzugsfrage. Aufgrund der bewilligten Pläne sind die
vorgesehenen Strassenanschlüsse und deren Sichtverhältnisse erkennbar und bekannt.
Die Beschwerdeführenden konnten sich daher im Baubewilligungsverfahren zu allen
wesentlichen Fragen betreffend die beiden Strassenanschlüsse äussern, womit ihre
10
Mitwirkungsrechte durch die fragliche Bedingung nicht verletzt werden. Diese Rüge ist
daher unbegründet.
6. Ortsplanungsrevision, Streitgegenstand
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, die Bevölkerung sei bei der Einzonung
der Bauparzelle von der Landwirtschaftszone in die Arbeitszone AII im Rahmen der
Ortsplanungsrevision nicht über das Bauvorhaben der Beschwerdegegnerinnen informiert
worden, obschon die Gemeinde schon davon Kenntnis gehabt habe.
b) Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz. Der Streitgegenstand braucht
sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses
hinausgehen. Innerhalb dieses Rahmens bestimmen die Parteien den Streitgegenstand.
Sowohl für das Einleiten eines Beschwerdeverfahrens als auch für dessen Umfang und
eine allfällige vorzeitige Beendigung gelten somit die Verfügungs- oder Dispositionsmaxime
sowie das Rügeprinzip. Die Parteien können den Streitgegenstand im Verlauf des
Verfahrens nicht erweitern, sondern nur einschränken.11
c) Die Rüge, die Bevölkerung sei bei der Einzonung der Bauparzelle nicht korrekt
informiert worden, betrifft die Ortsplanungsrevision. Ein Nutzungsplan ist unmittelbar an
seine Festsetzung anfechtbar und kann im Anwendungsfall in der Regel nicht mehr
akzessorisch überprüft werden.12 Eine akzessorische Überprüfung ist ausnahmsweise
möglich, wenn die betroffene Person beim Planerlass keine Anfechtungsmöglichkeit hatte
oder das Ausmass der Beschränkung für sie noch unklar war oder wenn sich die
tatsächlichen Verhältnisse oder die Grundlagen in einer Weise geändert haben, dass das
öffentliche Interesse am Planinhalt dahingefallen sein könnte.13 Vorliegend sind keine
dieser Voraussetzungen erfüllt. Die Bewilligungsfähigkeit des Bauvorhabens ist gestützt
auf die geltende Ortsplanung zu beurteilen, die rechtskräftige Einzonung der Bauparzelle in
11 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6 bis 8 12 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band II, Bern 2010, Art. 57 N. 6a 13 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band II, Bern 2010, Art. 60 N. 9
11
die Arbeitszone AII kann im Rahmen des vorliegenden Verfahrens nicht mehr in Frage
gestellt werden.
Soweit der Beschwerdeführer 1 auf den Bau des NEAT-Tunnels unter dem Niederfeld
verweist und geltend macht, es sei widersprüchlich, in diesem Gebiet lautes Gewerbe
anzusiedeln, betrifft dies die Zweckmässigkeit der Umzonung der Bauparzelle und damit
ebenfalls die Ortsplanung. Auch auf diese Rüge kann daher nicht eingetreten werden.
d) Analoges gilt für weitere Rügen. Soweit die Beschwerdeführenden die Vorkommnisse
im Zusammenhang mit dem vom Regierungsstatthalteramt Frutigen verfügten Baustopp
ansprechen, so betrifft dies ein Baupolizeiverfahren, welches es vom
Baubewilligungsverfahren zu unterscheiden gilt. Auch dies liegt daher ausserhalb des
Streitgegenstands, weshalb auch darauf nicht eingetreten werden kann.
Soweit der Beschwerdeführer 1 geltend macht, das Grundstück Nr. J._ sei nur zur
Hälfte der Arbeitszone AII zugeordnet, so liegt auch dies ausserhalb des
Streitgegenstands. Das Bauvorhaben liegt nicht auf diesem Grundstück. Im Übrigen ist
nicht ausgeschlossen, dass eine Parzelle verschiedenen Zonen zugeteilt wird, die
Zonengrenzen müssen nicht mit den Parzellengrenzen übereinstimmen.
e) Der Beschwerdeführer 1 rügt zudem, die Beschwerdegegnerinnen hätten
angekündigt, dass die Leichtbauhalle nur eine Übergangslösung sei. Somit wisse man
heute nicht, was eigentlich gebaut werden solle. Dass die Beschwerdegegnerinnen
anscheinend beabsichtigen, die Leichtbauhalle zu einem späteren Zeitpunkt zu ersetzen,
ist im vorliegenden Verfahren jedoch irrelevant. Gegenstand des Verfahrens ist das im
Baugesuch umschriebene Vorhaben. Dieses ist ausreichend klar, womit es beurteilt
werden kann. Sollten die Beschwerdegegnerinnen die Halle später ersetzen wollen,
müssten sie dafür ein neues Baugesuch einreichen.
7. Zonenkonformität
a) Die Beschwerdeführenden bestreiten die Zonenkonformität des Bauvorhabens. Die
Beschwerdegegnerinnen seien im ganzen Frutigtal tätig und es werde auch Material von
ausserhalb des Tals zugeführt, dies hätten die Beschwerdegegnerinnen selber öffentlich
erklärt. Die Grösse der geplanten Anlage liege denn auch weit über dem Bedarf von
12
Frutigen. Um die gewünschte Kapazität auszuschöpfen, müssten in der Gemeinde Frutigen
jährlich rund 33 durchschnittliche Oberländerhäuser abgebrochen werden, was niemals der
Fall sei. Deshalb fehle es am lokalen Bezug, wie dies das Gemeindebaureglement für die
Arbeitszone AII fordere. Es sei vielmehr von einem Gewerbe mit überlokalem Bezug
auszugehen. Im Tal gebe es im Übrigen bereits genügend ähnliche Betriebe, die genügend
Baumaterial bereitstellen könnten.
b) In der Arbeitszone AII sind unter anderem Gewerbe- und Lagerbetriebe zugelassen
(Art. 211 Abs. 5 GBR). Gemäss zugehörigem Kommentar im Gemeindebaureglement ist
die Arbeitszone AII Gewerbe mit lokalem Bezug und mässigem Verkehrsaufkommen ohne
lärmempfindliche Nutzungen vorbehalten. Zulässig sind namentlich Werkhöfe,
Reparaturbetriebe, etc.
Bei dieser Bestimmung handelt es sich um kommunales Recht. Es ist somit vorab Sache
der Gemeinde zu bestimmen, wie sie ihre eigene Vorschrift verstanden haben will. Wird die
Anwendung einer solchen Bestimmung Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens, haben
die Rechtsmittelinstanzen nur zu prüfen, ob die von der Gemeinde geltend gemachte
Auslegung rechtlich haltbar ist. Sie auferlegen sich mit anderen Worten eine gewisse
Zurückhaltung gegenüber der Auffassung der Gemeinde, indem sie sich der Prüfung
enthalten, ob eine andere Bedeutung der umstrittenen Bestimmung ebenfalls möglich und
rechtlich vertretbar wäre. Sie sind nicht befugt, die kommunale Auslegung der Norm durch
ihr eigenes Verständnis zu ersetzen, wenn die Rechtsauffassung der Gemeinde betreffend
den Inhalt, den Sinn und die Tragweite der interessierenden Vorschrift rechtlich vertretbar
erscheint.14
c) In der Stellungnahme vom 2. Juni 2014 führt die Gemeinde aus, die erwähnte
Bedingung des kommunalen Rechts sei nicht derart eng zu verstehen, dass ein Gewerbe
nicht auch in Nachbargemeinden tätig sein könne. Jeder Handwerksbetrieb habe heute
Kunden aus mehreren Gemeinden. Mit lokalem Bezug sei bloss gemeint, dass das
Schwergewicht der Aktivitäten nicht auf eine ganze Region ausgerichtet sein dürfe.
Unzulässig wären damit etwa regional ausgerichtete Verkaufsgeschäfte.
14 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band II, Bern 2010, Art. 65 N. 3 mit Hinweisen auf die entsprechende Rechtsprechung
13
Diese Auslegung der Gemeinde überzeugt und ist daher rechtlich vertretbar.
Problematischer wäre eher eine engere Auslegung, wonach ein Gewerbe ausschliesslich
einen lokalen Bezug haben darf. Der Begriff "lokaler Bezug" schliesst nicht aus, dass ein
Gewerbe, das einen solchen hat, nicht auch einen darüber hinausgehenden Bezug haben
kann.
d) Ob die Beschwerdegegnerinnen einen lokalen Bezug haben, vermag die Gemeinde
aufgrund ihrer Ortskenntnisse grundsätzlich am Besten zu beurteilen. Die Gemeinde geht
davon aus, dass die Bauherrschaft auch in Zukunft überwiegend in der Gemeinde Frutigen
bzw. der unmittelbaren Nachbarschaft (Kandergrund, Reichenbach) verankert sein wird
und ihre Aufträge in unmittelbarer geografischer Nähe und damit lokalem Bezug ausführen
wird. Dies deckt sich mit der Aussage der Beschwerdegegnerinnen in ihrer Beschwerde-
antwort. Demnach sind sie primär im Bereich Frutigen und Kandertal tätig. Lediglich
vereinzelt würden Aufträge von ausserhalb dieses Gebiets eingehen. Beide
Unternehmungen hätten zusammen etwa 10 Angestellte, die ihren Wohnsitz überwiegend
in Frutigen und ausnahmslos im Kander- oder Engstligental hätten. Die Berechnungen der
Beschwerdeführenden betreffend abgebrochene Häuser seien irrelevant, da der grösste
Teil des von der Beschwerdegegnerin 1 verarbeiteten Materials aus Aushubmaterial
bestehe. Die Herkunft des Materials stamme aus dem Kandertal. Das Herbeiführen von
Bauschutt aus anderen Gebieten wäre unrentabel. Der Brecher müsse zu den Steinen
geführt werden und nicht umgekehrt. Aus diesem Grund werde auch mit einem mobilen
Gerät gearbeitet.
Demzufolge ist mit der Gemeinde davon auszugehen, dass ein lokaler Bezug vorhanden
ist, wie ihn der Kommentar im Gemeindebaureglement zur Arbeitszone AII verlangt.
Welche rechtliche Bedeutung dem Kommentar überhaupt zukommt, braucht unter diesen
Umständen nicht geprüft zu werden. Selbst wenn diesem normativer Charakter
zugesprochen wird, ist das Bauvorhaben insoweit zonenkonform.
e) Die von den Beschwerdeführenden vorgebrachten Argumente und Beweismittel
vermögen keine Zweifel am Vorhandensein eines entsprechenden lokalen Bezugs zu
wecken. Dies gilt nicht zuletzt auch für das von den Beschwerdeführenden 2-7 zusammen
mit ihrer Stellungnahme zum Ergebnis des Beweisverfahrens eingereichte Tischset aus
einem Restaurant in Steffisburg. Die Argumente und Beweismittel deuten lediglich darauf
hin, dass neben dem lokalen auch ein überlokaler Bezug besteht. Das ist jedoch ebenso
14
unbestritten wie irrelevant. Dass die Beschwerdegegnerinnen auch einen lokalen Bezug
haben, wird von den Beschwerdeführenden nicht bestritten. Daher ist der Beweisantrag der
Beschwerdeführenden 2-7, die Beschwerdegegnerinnen seien aufzufordern, die Standorte
ihrer Abbruchaufträge der letzten drei Jahre offenzulegen, mangels Relevanz abzuweisen.
f) Die Beschwerdeführenden 2-7 bestreiten die Zonenkonformität weiter damit, dass
gemäss Gemeindebaureglement in der Arbeitszone AII Gewerbe ohne lärmempfindliche
Nutzung zugelassen sei. Bei einem Brecher, der aufgrund der Mengenbeschränkung
knapp nicht der Pflicht zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP)
unterliege und der den Planungswert nur knapp einhalte, liege kein Fall einer nicht
lärmempfindlichen Nutzung vor.
Gemäss Art. 211 Abs. 5 GBR ist die Arbeitszone AII der Lärmempfindlichkeitsstufe (ES) IV
zugeteilt. In der ES IV sind stark störende Betriebe zugelassen (Art. 43 Abs. 1 Bst. d
LSV15). Dementsprechend schliesst der Kommentar in der Arbeitszone AII nicht
lärmintensive, sondern im Gegenteil lärmempfindliche Nutzungen aus. Da es sich
vorliegend zweifellos nicht um eine lärmempfindliche Nutzung handelt, erweist sich das
Bauvorhaben auch insoweit als zonenkonform.
g) Soweit der Beschwerdeführer 1 geltend macht, es seien besser geeignete
Alternativstandorte vorhanden und es sei nun auch am Kanton, eine Lösung zu finden, ist
ihm entgegenzuhalten, dass ein Anspruch auf Erteilung der Baubewilligung besteht, wenn
die gesetzlichen Vorgaben erfüllt sind (vgl. Art. 2 Abs. 1 BauG). Alternative Standorte
müssen für Bauvorhaben in der Bauzone nicht gesucht werden.16 Das Bauvorhaben ist als
Gewerbe- und Lagerbetrieb zu qualifizieren. Es ist damit in der Arbeitszone AII, der die
Bauparzelle zugeteilt ist, zonenkonform.
8. Auflagen, UVP-Pflicht
a) Die Beschwerdeführenden 2-7 rügen, gemäss der abfallrechtlichen
Betriebsbewilligung sei die Menge der verarbeiteten Abfälle auf 10'000 t pro Jahr und die
Zeitdauer auf maximal 10 Tage pro Jahr beschränkt, wobei nicht klar sei, ob nur der
Steinabbruch mit der Mengenbeschränkung oder auch der Holzschredder gemeint sei. Die
15 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41) 16 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 2 N. 1
15
Beschwerdegegnerinnen würden jedoch mit je 10'000 m3 Holzschredder und Steinabbruch
und zudem 200 Betriebsstunden pro Jahr rechnen. Das könne nicht aufgehen. Zudem
unterstehe die Anlage mit insgesamt 20'000 t pro Jahr der Pflicht zur Durchführung einer
UVP, die verarbeiteten Mengen Holz und der Steinabbruch müssten für die UVP-Pflicht
zusammen gerechnet werden.
b) Das Lärmgutachten der I._ AG vom 31. Oktober 2013 geht sowohl für den
Steinbrecher als auch den Holzschredder von je 200 Betriebsstunden und je 10'000 m3
Brechermaterial bzw. Holzschnitzel aus.
Die abfallrechtliche Betriebsbewilligung vom 4. Oktober 2014 wurde für die
Entgegennahme und Behandlung von mineralischen Bauabfällen erteilt und hat daher nur
den Steinbrecher zum Gegenstand. Die Bewilligung erlaubt die Verarbeitung von maximal
10'000 t Abfällen. In seiner Stellungnahme vom 4. Juni 2014 bestätigt das AWA, dass
Frischholz nicht unter die Abfallgesetzgebung falle und deshalb nicht zur Abfallmenge
hinzuzurechnen sei. Der Einsatz des Steinbrechers wird in der abfallrechtlichen
Betriebsbewilligung auf maximal 10 Tage beschränkt, der Holzschredder ist davon nicht
betroffen.
Gemäss Ziff. 4.3.2.8 und 4.3.2.30 des angefochtenen Gesamtentscheids darf die Menge
der insgesamt verarbeiteten Abfälle 10'000 t nicht erreichen. In Ziff. 4.3.2.7 wird der Einsatz
des Holzschredders und Steinbrechers auf insgesamt 10 Arbeitstage beschränkt, gemäss
Ziff. 4.3.2.31 darf der Steinbrecher maximal 10 Tage betrieben werden.
c) Diese Beschränkungen betreffend Betriebsdauer des Brechers und Schredders
sowie der damit verarbeiteten Materialmengen sind uneinheitlich. In Ziff. 4.3.2.7 des
angefochtenen Gesamtentscheids wird der Einsatz des Holzschredders und Steinbrechers
jedoch auf insgesamt 10 Arbeitstage beschränkt. Diese Auflage wurde von den
Beschwerdegegnerinnen nicht angefochten. In ihrer Beschwerdeantwort anerkennen sie
sogar ausdrücklich, dass die Beschränkung auf 10 Betriebstage für den Brecher und
Schredder insgesamt gelte. Damit ist diese Auflage verbindlich, auch wenn sie strenger ist,
als die abfallrechtliche Betriebsbewilligung verlangen würde, und enger ist, als das
Lärmgutachten angenommen hat. Die Menge des mit dem Brecher und Schredder
verarbeiteten Materials ist hinsichtlich der Lärmimmissionen ohnehin von untergeordnetem
16
Interesse, dafür sind primär die Betriebsstunden des Brechers und Schredders
entscheidend.
d) Entscheidend ist die Materialmenge jedoch für die UVP-Pflicht. Gemäss Art. 1 i.V.m.
Anhang Ziff. 40.7 UVPV17 sind unter anderem Abfallanlagen für die Trennung oder
mechanische Behandlung von mehr als 10'000 t Abfällen pro Jahr der UVP unterstellt. Mit
dem Schredder soll gemäss Aussage der Beschwerdegegnerinnen in ihrer
Beschwerdeantwort lediglich Frischholz verarbeitet werden. Bei Frischholz handelt es sich
nicht um Abfall, was auch vom AWA in seiner Stellungnahme vom 4. Juni 2014 bestätigt
wird. Der Schredder unterliegt damit nicht der UVP-Pflicht und das mit ihm verarbeitete
Frischholz ist nicht zur Abfallmenge hinzuzurechnen. Demgegenüber sollen mit dem
Brecher Bauabfälle behandelt werden. Mit der Auflage in Ziff. 4.3.2.8 und 4.3.2.30 des
angefochtenen Gesamtentscheids, wonach die Menge der insgesamt verarbeiteten Abfälle
10'000 t nicht erreichen darf, ist jedoch sichergestellt, dass der Schwellenwert für die UVP-
Pflicht von 10'000 t Abfall pro Jahr nicht überschritten werden darf. Für das Bauvorhaben
der Beschwerdegegnerinnen muss daher keine UVP durchgeführt werden.
e) Die Beschwerdeführenden rügen, die Nachbarn könnten die Einhaltung der
Betriebszeiten und Mengenbeschränkung für den Brecher und den Schredder nicht
kontrollieren. Eine zuverlässige Kontrolle könne nur durch eine automatische Messanlage
auf dem Gelände erfolgen, es fehle an einem Kontrollsystem.
Gemäss Ziff. 1.11 der abfallrechtlichen Betriebsbewilligung vom 4. Oktober 2013 bzw.
Ziff. 4.3.2.26 des angefochtenen Gesamtentscheids ist der Materialumschlag mit
Lieferscheinen zu dokumentieren. Diese Dokumentation muss bei der Inspektion durch
eine anerkannte Prüfstelle zur Einsicht vorliegen, zu der die Beschwerdegegnerinnen
gemäss Ziff. 1.9 der abfallrechtlichen Betriebsbewilligung bzw. Ziff. 4.3.2.24 des
Gesamtentscheids einmal jährlich verpflichtet ist. Damit ist die Kontrolle der
Mengenbeschränkung sichergestellt. Im Übrigen lässt sich die Mengenbeschränkung auch
indirekt über die Betriebstage kontrollieren. Gemäss Angabe des AWA in seiner
Stellungnahme vom 4. Juni 2014 hat ein effizienter Brecher eine Kapazität von maximal
1'000 t pro Tag. Mit der Beschränkung der Einsatztage des Brechers auf 10 Tage pro Jahr
ist es daher unmöglich die Mengenschwelle von 10'000 t pro Jahr zu überschreiten.
17 Verordnung des Bundesrates vom 19. Oktober 1988 über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPV; SR 814.011)
17
Die Betriebszeiten des Schredders und Brechers lassen sich insofern kontrollieren, als
diese Geräte angemietet werden und somit entsprechende Unterlagen vorhanden sind.
Zudem können die Nachbarn die Einhaltung der Betriebszeiten aufgrund eigener
Beobachtung relativ einfach selber kontrollieren. Auch diese Rüge ist somit unbegründet.
9. Lärmgutachten
a) Der Beschwerdeführer 1 rügt, in der Baubewilligung werde auf das Lärmgutachten
der I._ AG abgestellt, obschon dieses Gutachten an einem Informationsabend
durch den Gemeinderat für ungültig erklärt worden sei.
b) Tatsächlich wurde das erste Lärmgutachten der I._ AG vom 13. August 2013
überarbeitet und durch ein zweites Gutachten vom 31. Oktober 2013 ersetzt. Dadurch
wurde das erste Gutachten ungültig. Die Baubewilligung stützt sich jedoch nicht auf dieses
ungültige erste Gutachten, sondern auf das überarbeitete zweite Gutachten ab. Diese
Rüge ist damit unbegründet.
c) Die Beschwerdeführenden 2-7 rügen, das Lärmgutachten der I._ AG sei von
der Bauherrschaft bestellt und bezahlt worden. Als solches habe es gemäss BGE 140 II 24
die Beweiskraft eines Parteigutachtens.
d) Zunächst existiert kein Bundesgerichtsentscheid mit diesem Index. Und auch in BGE
140 II 16 findet sich auf Seite 24 nichts Einschlägiges. Im Übrigen ist diese Rüge auch in
der Sache unbegründet. Gemäss Art. 25 Abs. 1 USG18 dürfen ortsfeste Anlagen nur
errichtet werden, wenn die durch diese Anlagen allein erzeugten Lärmimmissionen die
Planungswerte in der Umgebung nicht überschreiten; die Bewilligungsbehörde kann eine
Lärmprognose verlangen. Die Behörde ist also nicht verpflichtet, die erforderlichen
Untersuchungen selber durchzuführen oder in Auftrag zu geben. Sie kann vielmehr vom
Anlagebetreiber ein Lärmgutachten verlangen.19 Letzteres Vorgehen ist beispielsweise im
Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung explizit so vorgesehen. Der
Umweltverträglichkeitsbericht, der die Auswirkungen der Anlagen auf die Umwelt
18 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 19 VGE Nr. 22986 vom 13. Februar 2008 E. 4.2
18
untersucht und darstellt, muss vom Anlagebetreiber selber erstellt werden (Art. 7 UVPV).
Die Umweltschutzfachstelle untersucht lediglich, ob die für die Prüfung erforderlichen
Angaben im Bericht vollständig und richtig sind (Art. 13 Abs. 1 UVPV). Gestützt auf den
Bericht beurteilt sie anschliessend, ob die geplante Anlage den Vorschriften über den
Schutz der Umwelt entspricht (Art. 13 Abs. 3 UVPV).
Im vorliegenden Fall haben die Beschwerdegegnerinnen bei der I._ AG ein
Lärmgutachten erstellen lassen. Dabei wurde ein erstes Gutachten vom 13. August 2013
durch ein überarbeitetes Gutachten vom 31. Oktober 2013 ersetzt. Bei der I._ AG
handelt es sich um ein unabhängiges und qualifiziertes Ingenieurbüro. Das Gutachten vom
31. Oktober 2013 wurde vom beco als zuständige Fachbehörde (Art. 3 Abs. 2 Bst. c
KLSV20) im Amtsbericht vom 18. November 2013 auf Vollständigkeit, Plausibilität und
Korrektheit kontrolliert, womit die Objektivität der Sachverhaltsermittlung sichergestellt ist.
Gestützt auf das als vollständig, plausibel und korrekt befundene Gutachten hat das beco
anschliessend die Einhaltung der Umweltschutzvorschriften geprüft. Dieses Vorgehen
entspricht sowohl der Praxis als auch den gesetzlichen Vorgaben und ist daher nicht zu
beanstanden. Demzufolge leidet das Gutachten der I._ AG vom 31. Oktober 2013
an keinem formellen Mangel, weshalb grundsätzlich darauf abgestellt werden darf.
e) Die Beschwerdeführenden 2-7 rügen, durch das Lärmgutachten der I._ AG
sei nicht nachvollziehbar belegt, wie man auf den Reduktionsfaktor von 18 dB(A) mit
Hindernis komme. Es sei nicht nachgewiesen, dass durch die Tieferlegung des Brechers
eine derart grosse Lärmverminderung stattfinde. Vielmehr habe die vorgesehene
Anordnung die Wirkung eines Schalltrichters nach oben.
f) Bei dem Lärmgutachten handelt es sich um eine Prognose, die zwangsläufig mit
gewissen Unsicherheiten behaftet ist. Dies gilt auch für die Annahme betreffend
Schalldämpfung eines Hindernisses. Ein Nachweis, dass die Tieferlegung des Brechers
den Lärm teilweise um 18 dB(A) vermindert, kann daher nicht erbracht und deshalb nicht
verlangt werden. In seiner Stellungnahme vom 26. Mai 2014 weist das beco darauf hin,
dass die Schalldämpfung nicht in allen Richtungen so hoch veranschlagt wurde. Das
Tieferlegen des Brechers und das teilweise Anbringen von Lärmschutzwänden um die
Senke würden bewirken, dass kein Direktschall mehr entstehe. Das beco erachtet die
20 Kantonale Lärmschutzverordnung vom 14. Oktober 2009 (KLSV; BSG 824.761)
19
angenommenen Schalldämpfungen als plausibel und die BVE sieht keine Veranlassung,
an der Einschätzung der Fachbehörde zu zweifeln. Auch die Beschwerdeführenden
vermögen nicht konkret darzulegen, weshalb diese Annahme falsch ist. Zur befürchteten
Schalltrichterwirkung nach oben führt das beco aus, der Schall breite sich nach oben aus
und werde nicht reflektiert. Insofern ist nicht erkennbar, inwiefern eine mögliche
Schalltrichterwirkung nach oben für die umliegenden Liegenschaften relevant sein sollte,
auch auf diesem Weg gelangt kein Direktschall zu den Immissionsorten. Diese Rüge ist
somit unbegründet.
Sollte sich jedoch erweisen, dass die getroffenen Annahmen nicht korrekt sind, müssten
die Beschwerdegegnerinnen die entsprechenden Konsequenzen tragen. Sollte sich
insbesondere zeigen, dass die Lärmschutzwände nicht die erwartete Wirkung haben und
deshalb die Grenzwerte überschritten werden, müsste der Betrieb der
Beschwerdegegnerinnen entsprechend angepasst werden.
10. Lärmimmissionen
a) Der Beschwerdeführer 1 rügt, damit eine sichere Ausfahrt auf die F._
Strasse möglich sei, müsse der Lärmschutzwall genügend geöffnet werden. Der Lärm
könne sich so aber ungehindert durch die Ausfahröffnung im Lärmschutzwall bis zur
Schulanlage Winklen ausbreiten.
b) Beim Wall entlang der Strasse, der eine Öffnung für die Ausfahrt aufweist, handelt es
sich nicht um einen Lärmschutzwall, sondern um einen Sichtschutz. Die Lärmschutzwand
ist rund um das 4 m abgesenkte Terrain für den Brecher bzw. Holzhacker geplant. Die
Lärmschutzwand weist zwar im Bereich der Rampe eine Öffnung auf. Aufgrund des 4 m
abgesenkten Terrains kann sich der Lärm durch diese Öffnung aber nicht ungehindert
ausbreiten. Diese Rüge ist daher unbegründet.
c) Weiter rügen die Beschwerdeführenden 2-7 pauschal, verschiedene Einstufungen im
Lärmgutachten der I._ AG seien zu hinterfragen und die "Arbeitsanleitung für die
Vollzugspraxis des Kantons Bern zur Lärmbeurteilung von neuen mobilen Brechern" des
beco sei nicht korrekt umgesetzt worden. Was konkret fehlerhaft wäre, ist daraus nicht
ersichtlich. In der Sache rügen die Beschwerdeführenden 2-7 damit aber übermässige
Lärmimmissionen.
20
d) Die Lärmemissionen einer neuen ortsfesten Anlage müssen laut Art. 7 Abs. 1 LSV
nach den Anordnungen der Vollzugsbehörde so weit begrenzt werden als dies technisch
und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist und dass die von der Anlage allein
erzeugten Lärmimmissionen die Planungswerte nicht überschreiten. Sämtliche relevanten
Parzellen befinden sich in der Lärmempfindlichkeitsstufe ES III. Für Industrie- und
Gewerbelärm gilt in der ES III am Tag ein Immissionsgrenzwert von 65 dB(A) und ein
Planungswert von 60 dB(A) (Anhang 6 Ziff. 2 LSV).
In Anhang 6 Ziff. 3 LSV ist geregelt, wie die Beurteilungspegel zu ermitteln sind. Gemäss
den „Grundlagen Industrie- und Gewerbelärm“ des Bundesamtes für Umwelt (BAFU)21 und
der Checkliste Industrie- und Gewerbelärm des beco (Ausgabe April 2009)22 war es
zulässig, den Lärm eines mobilen Brechers auf die Betriebszeit des Gesamtbetriebs zu
verdünnen. Nachdem das Verwaltungs- und das Bundesgericht diese Vollzugspraxis des
beco und des BAFU zu mobilen Brechern als unzulässig beurteilt haben,23 erarbeitete das
beco eine neue "Arbeitsanleitung für die Vollzugspraxis des Kantons Bern zur
Lärmbeurteilung von neuen mobilen Brechern".24 Gemäss dieser Arbeitsanleitung wird auf
einer ersten Stufe der Teilbeurteilungspegel des Brechers als alleinige Lärmphase
ermittelt. Dabei darf der Lärm des Brechers von 8 Stunden (Arbeitstag) auf 12 Stunden
(akustische Tageszeit) verdünnt werden; eine Verdünnung auf die Betriebszeit des
Gesamtbetriebs ist jedoch nicht mehr zulässig. Der so ermittelte Teilbeurteilungspegel des
Brechers allein muss den Immissionsgrenzwert einhalten. Auf einer zweiten Stufe werden
die Teilbeurteilungspegel sämtlicher Lärmphasen des Gesamtbetriebs ermittelt und zu
einem Gesamtbeurteilungspegel zusammengerechnet. Dabei darf der Lärm des Brechers
auf die Betriebszeit des Gesamtbetriebs verdünnt werden. Der so ermittelte
Gesamtbeurteilungspegel muss den Planungswert einhalten.
e) Das Lärmgutachten setzt diese Arbeitsanleitung des beco zwar nicht in allen Punkten
exakt um. Dies jedoch nicht zu Gunsten der Beschwerdegegnerinnen, sondern zu deren
21 http://www.cerclebruit.ch/cerclebruit/publikat/diverses/Grundlagen-Industrie-Gewerbelaerm.pdf (Stand: 8. Januar 2015) 22 http://www.cerclebruit.ch/cerclebruit/publikat/diverses/gewerbelaerm-checkliste.pdf (Stand: 8. Januar 2015) 23 VGE 100.2010.229/236 vom 6. April 2011 und BGer 1C_237/2011 vom 6. Juni 2012 24 http://www.vol.be.ch/vol/de/index/luft/laerm.assetref/dam/documents/VOL/BECO/de/Wirtschaft/Industrie_ Gewerbe/beco-wirtschaft-industrie-gewerbe-laerm-arbeitsanleitung_DE.pdf (Stand: 8. Januar 2015)
http://www.cerclebruit.ch/cerclebruit/publikat/diverses/Grundlagen-Industrie-Gewerbelaerm.pdf(Stand:%2023 http://www.cerclebruit.ch/cerclebruit/publikat/diverses/Grundlagen-Industrie-Gewerbelaerm.pdf(Stand:%2023
21
Ungunsten. So wurde der Lärm des Brechers in der ersten Stufe nicht auf 12 Stunden pro
Tag verdünnt, obschon dies gemäss der Arbeitsanleitung des beco zulässig wäre. Zudem
wurde bei der Pegelkorrektur K3 der Wert 6 dB(A) verwendet, obschon gemäss
Arbeitsanleitung des beco der Wert 4 dB(A) einzusetzen ist. Wenn man diese Korrekturen
berücksichtigt, ergibt sich auf der ersten Stufe ein um rund 3.5 dB(A) verringerter
Teilbeurteilungspegel für den Brecher.
f) Eine andere Frage ist, ob die Arbeitsanleitung des beco die Vorgaben des
Verwaltungs- und des Bundesgerichtsentscheids richtig umsetzt. Fraglich ist dies
insbesondere mit Blick auf die erste Stufe gemäss Arbeitsanleitung. Diese verlangt, dass
der Brecher alleine und ohne Verdünnung des Lärms auf die Betriebstage der gesamten
Anlage den Immissionsgrenzwert einhalten muss.
Das Verwaltungs- und das Bundesgericht scheinen jedoch die Ansicht zu vertreten, dass
bei einem Einsatz eines mobilen Brechers für die Beurteilung des Industrie- und
Gewerbelärms zwei Betriebe zu unterscheiden sind. Ein "normaler" Betrieb, an den Tagen
ohne Einsatz eines Brechers, und ein Brecherbetrieb, an den Tagen mit Einsatz eines
Brechers. Dabei müssen beide Betriebe für sich die Lärmgrenzwerte einhalten, d.h. auch
der Brecherbetrieb muss grundsätzlich, unter Vorbehalt einer Privilegierung für eine
beschränkte Anzahl von Tagen, den Planungswert einhalten.
Zudem ist es nicht nachvollziehbar, warum nach der Arbeitsanleitung auf der ersten Stufe
lediglich der Lärm des Brechers berücksichtigt werden soll. Wenn das Verwaltungs- und
das Bundesgericht verlangen, dass der Brecherbetrieb die Lärmgrenzwerte ohne
Lärmverdünnung auf die Gesamtbetriebszeit einzuhalten hat, muss sämtlicher Lärm
berücksichtigt werden, welcher der Betrieb des Brechers mit sich bringt. Daher muss auf
der ersten Stufe der Arbeitsanleitung auch der Lärm "Brecherbeschickung" aus dem
Lärmgutachten der I._ AG berücksichtigt werden. Analoges gilt für den Schredder,
bei dem der Beschickungslärm ebenfalls mitberücksichtigt werden muss.
g) Im Ergebnis spielen diese beiden Punkte jedoch keine Rolle. Das beco hat in seinen
Berichten vom 2. September und 13. Oktober 2014 nachgewiesen, dass der Brecher- und
Brecherbeschickungslärm bzw. der Schredder- und Schredderbeschickungslärm den
Planungswert ohne Lärmverdünnung auf die Gesamtbetriebszeit an sämtlichen vier
Immissionsorten einhält.
22
Zwar ist das beco dabei lediglich von einer Betriebsdauer des Brechers bzw. Schredders
von 8 Stunden pro Tag und einer Betriebsdauer der Brecher- bzw. Schredderbeschickung
von 4 Stunden pro Tag ausgegangen und hat den Lärm dementsprechend von 8
respektive 4 Stunden auf 12 Stunden verdünnt. Gemäss dem angefochtenen
Gesamtentscheid dauert die Betriebszeit mit Lärm jedoch von 07.30 bis 12.00 Uhr und
13.00 bis 17.00 Uhr. Theoretisch könnte der Brecher bzw. Schredder somit 8.5 Stunden
pro Tag betrieben werden. Und auch die Brecher- bzw. Schredderbeschickung ist
theoretisch in diesem zeitlichen Umfang zulässig. Werden diese beiden Lärmquellen nur
von 8.5 auf 12 Stunden verdünnt, ergibt sich für den Brecher- und den Schredderbetrieb
am Immissionsort A ein Gesamtpegel von knapp 63 dB(A) und damit eine Überschreitung
des Planungswerts. An den übrigen drei Immissionsorten wird der Planungswert nach wie
vor eingehalten.
Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass das beco die Pegelkorrekturen aus dem
Lärmgutachten unverändert übernommen hat. Dies obschon gemäss beco ein Bagger
keinen Impulsgehalt hat. Ersetzt man den K3-Wert für die Brecherbeschickung aus dem
Lärmgutachten von 6 durch 0 und den K3-Wert für die Schredderbeschickung aus dem
Lärmgutachten von 4 durch 0, ergibt sich für den Brecher- und den Schredderbetrieb am
Immissionsort A ein Gesamtpegel von rund 58 dB(A). Damit ist der Planungswert
eingehalten. Zumal es gemäss beco unrealistisch ist, dass die Brecher- bzw.
Schredderbeschickung tatsächlich gleich lang dauert wie der Brecher- bzw.
Schredderbetrieb selber. Gemäss beco ist tatsächlich mit einer rund halb so langen
Beschickungsdauer zu rechnen.
h) Im Übrigen ist zu berücksichtigen, dass das Verwaltungs- und das Bundesgericht
nicht ausgeschlossen haben, den Einsatz eines mobilen Brechers über einen beschränkten
Zeitraum von insgesamt wenigen Tagen pro Jahr auf einem Betriebsareal
lärmschutzrechtlich zu privilegieren. Im Zusammenhang mit einer Privilegierung wurde
dabei der Einsatz eines Brechers an 10, 15 oder 18 Tagen pro Jahr genannt. Im damals zu
beurteilenden Fall stand der Einsatz eines Brechers an 36 Tagen pro Jahr zur Diskussion,
weshalb gemäss Verwaltungs- und Bundesgericht keine Privilegierung im Sinne einer
Lärmverdünnung in Frage kam.25 Mit maximal 10 Brecher- bzw. Schreddertagen pro Jahr
liegt hier somit ein Fall vor, bei dem eine Privilegierung zu prüfen wäre.
25 VGE 100.2010.229/236 vom 6. April 2011 E. 3.3 und BGer 1C_237/2011 vom 6. Juni 2012 E. 5
23
Gemäss Bundesgericht setzt eine solche Privilegierung weiter voraus, dass der
Immissionsgrenzwert nicht überschritten wird.26 Diese Voraussetzung ist hier in jedem Fall
erfüllt: Selbst wenn man für Brecher bzw. den Schredder und deren Beschickung von einer
täglichen Betriebsdauer von 8.5 Stunden ausgehen und die Pegelkorrekturen aus dem
Lärmgutachten unverändert übernehmen würde, hielte der Gesamtpegel mit knapp
63 dB(A) den Immissionsgrenzwert von 65 dB(A) ein. Damit dürfte der Brecher- bzw.
Schredderbetriebslärm im Sinne einer lärmschutzrechtlichen Privilegierung allenfalls auf
die Betriebszeit des Gesamtbetriebs verdünnt werden.
i) Dies entspricht der Prüfung auf der zweiten Stufe der neuen Arbeitsanleitung des
beco. Dem Lärmgutachten der I._ AG und den Berichten des beco lässt sich
entnehmen, dass der Gesamtbeurteilungspegel, errechnet aus den Teilbeurteilungspegeln
sämtlicher Lärmphasen des Gesamtbetriebs inklusive dem verdünnten Brecher- bzw.
Schredderbetriebslärm, den Planungswert an allen vier Immissionsorten einhält. Dabei ist
zu beachten, dass der mit dem angefochtenen Gesamtentscheid bewilligte Betrieb den
Planungswert deutlicher einhält, als im Lärmgutachten ausgewiesen. Das Gutachten ist
von je 200 Betriebsstunden pro Jahr für den Brecher und den Schredder, also insgesamt
400 Betriebsstunden ausgegangen. Tatsächlich bewilligt sind aufgrund der Auflage im
angefochtenen Gesamtentscheid jedoch insgesamt nur 10 Betriebstage für den Schredder
und den Brecher zusammen. Bei maximal 8.5 Betriebsstunden pro Tag ergibt dies
höchstens 85 Betriebsstunden für den Brecher und Schredder zusammen. Analoges gilt für
die Dauer der Brecher- und Schredderbeschickung. Zudem wurden auch die
Pegelkorrekturen im Lärmgutachten sehr vorsichtig gewählt, insbesondere beim Brecher
und Schredder sowie der Brecher- und Schredderbeschickung.
k) Schliesslich ist es gemäss Stellungnahme der Beschwerdegegnerinnen vom 27. Juni
2014 weder geplant noch aufgrund der räumlichen Verhältnisse möglich, den Schredder
und den Brecher gleichzeitig zu betreiben. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführenden 2-7 in ihrer Stellungnahme zum Ergebnis des Beweisverfahrens
müssen die Lärmwerte des Brechers und Schredders daher nicht gesamthaft ermittelt
werden.
26 BGer 1C_237/2011 vom 6. Juni 2012 E. 5.2
24
l) Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass aufgrund einer Lärmprognose davon
auszugehen ist, dass das nachgesuchte Bauvorhaben sämtliche relevanten
Lärmgrenzwerte einhält. Sowohl der Brecher- bzw. Schredderbetrieb als auch der
"normale" Betrieb ohne Einsatz des Brechers bzw. Schredders halten den Planungswert
ein. Dabei wäre eine Bewilligung des Bauvorhabens gestützt auf eine lärmschutzrechtliche
Privilegierung des mobilen Brechers bzw. Schredders selbst dann nicht ausgeschlossen,
wenn der Planungswert durch den Brecher- bzw. Schredderbetrieb überschritten würde.
11. Vorsorgeprinzip
a) Die Beschwerdeführenden 2-7 rügen, im angefochtenen Gesamtentscheid seien
keine vorsorglichen Massnahmen im Sinne von Art. 11 Abs. 2 USG geprüft worden.
Insbesondere dränge sich eine komplette Einhausung auf. Da der Brecher 4 m tief in den
Boden versenkt werde, dürften die Überdachungskosten gering sein.
b) Unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung sind Emissionen im Rahmen der
Vorsorge so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und
wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11 Abs. 2 USG; für Lärmemissionen vgl. Art. 7 Abs. 1 Bst. a
LSV).
c) Das beco führt zu dieser Rüge in seiner Stellungnahme vom 26. Mai 2014 aus, dass
die totale Einhausung des Brechers aus betriebstechnischen Gründen nicht möglich sei.
Das Befüllen des Brechers und das Handling mit dem gebrochenen Material wären bei
einer Einhausung nicht mehr möglich. Aus diesen Ausführungen des beco ergibt sich, dass
diese Massnahme ungeeignet und damit unverhältnismässig wäre. Im Übrigen wäre eine
solche Einhausung auch angesichts der damit verbundenen Kosten und der Tatsache,
dass maximal an 10 Tagen pro Jahr gebrochen werden darf, unverhältnismässig.
Dies gilt auch für eine grössere Halle, die nicht nur den Brecher umfassen würde. Eine
solche Halle wäre zwar betrieblich möglich, aber für lediglich 10 Brechertage pro Jahr
aufgrund der noch grösseren Kosten unverhältnismässig.
Weiter legt das beco dar, als weitere Massnahme wäre das Auskleiden des
Aufgabetrichters mit Gummimatten denkbar. Dies bringe jedoch nur eine geringe
25
Reduktion des Lärms und sei wenig praxistauglich, da sie schon nach kurzer Zeit ihre
Wirkung verliere. Somit sind hier gestützt auf das Vorsorgeprinzip keine weiteren
Massnahmen zu verfügen.
d) Analoges gilt für eine staubdichte Einhausung des Brechers, wie sie die
Beschwerdeführenden 2-7 sowohl in ihrer Beschwerde als auch in ihrer Stellungnahme
zum Ergebnis des Beweisverfahrens ansprechen. Der Brecher ist gemäss Ziff. 4.3.2.9 des
angefochtenen Gesamtentscheids zur Eindämmung der Staubentwicklung mit einer
Berieselungsanlage zu betreiben; bei trockenen Witterungsverhältnissen ist das
Brechermaterial zusätzlich von Hand mit Wasser zu berieseln. Damit ist dem
Vorsorgeprinzip ausreichend Rechnung getragen. Eine staubdichte Einhausung kann
gestützt auf das Vorsorgeprinzip nicht verlangt werden, dies wäre unter Berücksichtigung
der Kosten und der geringen Anzahl Brechertage unverhältnismässig. Dass durch das
Bauvorhaben Emissionsgrenzwerte aus der Luftreinhalteverordnung (LRV)27 überschritten
werden könnten und eine Einhausung deshalb verlangt werden könnte, wird von den
Beschwerdeführenden 2-7 zu Recht nicht geltend gemacht. Gemäss Amtsbericht des beco
vom 18. November 2013 ist nicht mit übermässigen Staubemissionen zu rechnen.
12. Ortsbild
a) Der Beschwerdeführer 1 rügt, das Bauvorhaben verletze das Ortsbild des eine
landschaftliche Einheit bildenden letzten unverbauten Talbodens im Kandertal. Der Erdwall
und die 2.5 m hohe Hecke entsprächen nicht dem bestehenden Ortsbild, bestehend aus
dem Ortsbildschutzgebiet "J._", der geschützten Baumgruppe "K._" und
den im ganzen Niederfeld verteilt liegenden Baudenkmälern.
Auch die Beschwerdeführenden 2-7 rügen eine Verletzung des Ortsbildes. Der Betrieb
werde durch Lärm- und Staubentwicklung schon von weitem her zu beobachten sein. Die
mit PVC-Folie bezogene Leichtbau-Lagerhalle passe wie eine Faust aufs Auge in die
ländlich geprägte Tallandschaft. Die gemäss Gemeindebaureglement verlangte gute
Gesamtwirkung werde mit der Occasion-Lagerhalle, den offenen Schutthügeln und der
Grube für die Brecheranlage nicht erreicht. Der Ortseingang von Frutigen mit rund 14 als
27 Luftreinhalte-Verordnung des Bundesrates vom 16. Dezember 1985 (LRV; SR 814.318.142.1)
26
schützens- oder erhaltenswert eingestuften Objekten und einem Ortsbildschutzgebiet in
der Umgebung dürfe nicht mit einer banalen Werkhofarchitektur verschandelt werden.
b) Bauten, Anlagen, Reklamen, Anschriften und Bemalungen dürfen Landschaften,
Orts- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen (Art. 9 Abs. 1 BauG). Diese Vorschrift stellt
die „ästhetische Generalklausel“ im Sinne eines allgemeinen Beeinträchtigungsverbots dar.
Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur bestehenden
Überbauung schafft, der erheblich stört. Die Gemeinden dürfen eigene Ästhetikvorschriften
erlassen, die über die kantonalen Vorschriften hinausgehen können. Derartige Vorschriften
müssen, um selbständige Bedeutung zu erlangen, konkreter gefasst sein als die
Anordnungen des kantonalen Rechts, sie dürfen Letztere nicht bloss allgemein anders
formulieren.28
Das Baureglement der Gemeinde Frutigen enthält insbesondere die Bestimmungen,
wonach Bauten und Anlagen so zu gestalten sind, dass zusammen mit ihrer Umgebung
eine gute Gesamtwirkung entsteht (Art. 411 Abs. 1 GBR). Diese Bestimmung geht weiter
als Art. 9 Abs. 1 BauG; ihr kommt daher selbständige Bedeutung zu. Der Begriff „gute
Gesamtwirkung“ stellt einen unbestimmten kommunalen Gesetzesbegriff dar, bei dessen
Auslegung die kommunalen Behörden einen gewissen Beurteilungsspielraum haben.
Jedoch dürfen auch an das Erfordernis der guten Gesamtwirkung nicht unverhältnismässig
hohe Ansprüche gestellt werden. Die gute Gesamtwirkung ist weder an geringen noch an
besonders hohen architektonischen Qualitäten zu messen. Das bedeutet bei
durchschnittlichen örtlichen Gegebenheiten, dass das Mittelmass der Umgebung nicht
gestört werden darf und sich eine neue Baute oder Anlage an den qualitativ
hochwertigeren Bauten und Anlagen der Umgebung zu orientieren hat.29
c) Die Beschwerdeführenden scheinen sich grundsätzlich weniger an der konkreten
Gestaltung des Bauvorhabens zu stören, sondern an diesem Ort eine entsprechende
Nutzung mit Blick auf das Orts- und Landschaftsbild prinzipiell als problematisch zu
erachten. Damit wenden sie sich letztlich nicht gegen das Bauvorhaben, sondern sie sind
der Meinung, dass die Bauparzelle aus Gründen des Ortsbildschutzes nicht in die
28 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.°9/10 N. 4 und 13; BVR 2009 S. 328 E. 5.2 mit Hinweisen 29 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 4a; BVR 2009 S. 329 E. 5.3, BVR 2006 S. 491 E. 6.3.1
27
Arbeitszone AII hätte eingezont werden dürfen. Dies betrifft jedoch die Ortsplanung, die wie
bereits erläutert nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist. Das Bauvorhaben ist
zonenkonform (vgl. Erwägung 7). Gestützt auf Vorschriften des allgemeinen Ortsbild- und
Landschaftsschutzes dürfen in der Regel Art oder Mass der nach der Zonenordnung
zulässigen Nutzung nicht eingeschränkt werden.30 Soweit sich die Beschwerdeführenden
nicht gegen die konkrete Gestaltung des Bauvorhabens wenden, ist ihre Rüge, das
Bauvorhaben verletze das Orts- und Landschaftsbild, daher verspätet. Sie hätten sich
insoweit bereits gegen die Einzonung der Bauparzelle in die Arbeitszone AII zur Wehr
setzen müssen.
d) Konkret stört sich der Beschwerdeführer 1 am Erdwall und der 2.5 m hohen Hecke.
Gemäss Art. 211 Abs. 5 GBR ist in der Arbeitszone AII längs der Strasse und der Bahnlinie
eine angemessene Sichtschutzbepflanzung mit einheimischen Bäumen und Sträuchern
vorzusehen; gegenüber angrenzenden Zonen ist ein Lebhag von mind. 1.5 m Höhe zu
pflanzen und ständig zu pflegen. Die Vorinstanz hat erwogen, dass angesichts der
Sichtexposition des Geländes die minimale Höhe dem Ortsbildschutz nicht genüge.
Zweckmässig erscheine, die Bauparzelle gegenüber der F._ Strasse mithilfe eines
mit einem Lebhag bestockten Humus-Depot-Walls von insgesamt 2.5 m Höhe
abzugrenzen. Der Erdwall gewährleiste das gute Wachstum der Pflanzen. Für die an die
Landwirtschaftszone und das Bahnareal angrenzenden Grundstückseiten genüge eine
1.5 m hohe Sichtschutzbepflanzung.
Die vom Beschwerdeführer 1 gerügte Hecke ist demzufolge im Gemeindebaureglement
vorgeschrieben. Diese Rüge ist im vorliegenden Verfahren damit verspätet, der
Beschwerdeführer 1 hätte bereits im Rahmen der Ortsplanungsrevision die mangelnde
Ortsbildverträglichkeit der in Art. 211 Abs. 5 GBR vorgeschriebenen Sichtschutzhecke
geltend machen müssen. Im Übrigen dient die aus einheimischen Pflanzen bestehende
Hecke gerade dem Ortsbildschutz indem sie dafür sorgt, dass die Anlagen, Materialhaufen
und Parkplätze von den umliegenden Standorten weiniger stark einsehbar sind. Insofern ist
diese Rüge auch inhaltlich unbegründet.
e) Die Beschwerdeführenden 2-7 stören sich konkret an der mit PVC-Folie bezogenen
Leichtbau-Lagerhalle. Sie führen jedoch nicht aus, welche Gestaltungslemente aus
30 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 15 mit Hinweisen
28
welchem Grund zu einer Beeinträchtigung des Ortsbildes führen würden. Letztlich erachten
sie eine solche Halle grundsätzlich als nicht ortsbildverträglich, weil es sich dabei um eine
banale Werkhofarchitektur handle. Ein Werkhof ist jedoch gemäss Kommentar im
Gemeindebaureglement in der Arbeitszone AII zulässig und damit muss auch eine
entsprechende Werkhofarchitektur erlaubt sein. Ansonsten würde über die Vorschriften des
allgemeinen Ortsbild- und Landschaftsschutzes Art oder Mass der nach der Zonenordnung
zulässigen Nutzung eingeschränkt, was nicht zulässig ist. Bei der beantragten
Profilträgerhalle handelt es sich um einen industriellen Zweckbau, wie er in einer
Arbeitszone üblich ist. Mit ihrer braunen Farbe fällt sie im Übrigen nicht besonders auf.
Zumal sich die Bauparzelle in einem Spickel, gebildet aus der BLS-Bahnlinie und der
F._ Strasse, befindet. Die südliche Nachbarparzelle befindet sich ebenfalls in der
Arbeitszone AII. Somit handelt es sich nicht um ein ästhetisch besonders anspruchsvolles
Gebiet. Die Bauparzelle liegt weder in einem Ortsbildschutzgebiet noch ist die unmittelbare
Umgebung von Schutzobjekten betroffen. Da die baupolizeilichen Masse eingehalten sind,
ist die Profilträgerhalle daher bewilligungsfähig. Diese Rüge ist unbegründet.
f) Die Beschwerdeführenden 2-7 verlangen in ihrer Beschwerde eine Begutachtung des
Bauvorhabens durch die Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK). Es
sei ohnehin nicht nachvollziehbar, dass die OLK nicht bereits im erstinstanzlichen
Verfahren beigezogen worden sei.
Die Baubewilligungsbehörde konsultiert die zuständigen kantonalen Fachstellen, wenn
gegen ein Vorhaben Bedenken oder Einwände bezüglich Beeinträchtigung des Ortsbildes
oder der Landschaft bestehen, die nicht offensichtlich unbegründet sind (Art. 22 Abs. 1
Bst. a BewD31). Da die Bedenken der Beschwerdeführenden 2-7 hinsichtlich des Ortsbilds
offensichtlich unbegründet sind, musste die OLK demzufolge von der Vorinstanz nicht
beigezogen werden.
Analoges gilt für das Beschwerdeverfahren. Die Parteien haben zwar Anspruch auf
rechtliches Gehör (Art. 21 VRPG32). Die Behörde ist deshalb verpflichtet, die ihr rechtzeitig
und formrichtig vorgelegten Beweismittel abzunehmen. Dies gilt aber nicht, wenn die
Beweismittel eine nicht erhebliche Tatsache betreffen, wenn sie offensichtlich untauglich
sind, über die streitige Tatsache Beweis zu erbringen, oder wenn der Richter seine
31 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 32 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
29
Überzeugung aufgrund bereits abgenommener Beweise schon willkürfrei hat bilden
können.33 Aufgrund der offensichtlichen Unbegründetheit der fraglichen Bedenken waren
von einer Konsultation der OLK keine relevanten Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf
verzichtet werden konnte.
13. Verkehrssicherheit
a) Die Beschwerdeführenden rügen, das Bauvorhaben gefährde die Verkehrssicherheit
auf der F._ Strasse. Die Ausfahrt aus der Anlage in einen Ausserortsbereich mit
Höchstgeschwindigkeit 80 km/h werde sehr gefährlich. Beim Einbiegen auf die F._
Strasse Richtung Frutigen müsse gar auf die Gegenfahrbahn gefahren werden. Aber auch
die Einfahrt in die Anlage sei gefährlich. Beim Linkseinbiegen von der F._ Strasse
in den Werkhof aus Reichenbach kommend bestehe kein Warteraum. Das
Rechtseinbiegen von der F._ Strasse in den Werkhof aus Frutigen kommend
bedürfe eines scharfen Abbremsens. Der Verkehr dahinter werde vollständig auf Null
gebremst, was auch gefährliche Staus bewirke. Ausfahrten von Werkhöfen und
Lagerbetrieben erforderten Vorsondierspuren und Aufweitungen der Strasse oder ähnliche
Massnahmen.
b) Bauten und Anlagen sind so zu erstellen, dass weder Personen noch Sachen
gefährdet werden (Art. 21 Abs. 1 BauG). Bei der Erstellung der Bauten sind die
anerkannten Regeln der Baukunde einzuhalten. Die Normen und Empfehlungen der
Fachverbände sind ergänzend zu beachten (Art. 57 Abs. 1 und 2 BauV34). Einschlägig sind
unter anderem die Normen des Schweizerischen Verbandes der Strassen- und
Verkehrsfachleute (VSS).35
Für die Verkehrssicherheit wesentlich sind insbesondere die Sichtverhältnisse bei der
Ausfahrt aus dem Betriebsgelände auf die F._ Strasse. Die VSS-Norm SN 640
273a regelt die Sichtverhältnisse in Knoten in einer Ebene. Zur Bestimmung der
Knotensichtweite ist zunächst die Beobachtungsdistanz (Abstand zwischen dem
Beobachtungspunkt und dem nächstliegenden Rand des vortrittberechtigten Fahrstreifens
33 BGE 124 I 242 E. 2, 285 E. 5; BGE 122 II 464 E. 4a 34 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 35 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 21 N. 7
30
bwz. dem vorderen Rand der Halte- oder Wartelinie) festzulegen. Gemäss Ziff. 11 der
VSS-Norm wird generell Innerorts eine Beobachtungsdistanz von 3 m und Ausserorts eine
solche von 5 m empfohlen, wobei die Beobachtungsdistanz 2.5 m jedenfalls nicht
unterschreiten soll. Bei einer Zufahrtsgeschwindigkeit der vortrittsberechtigten
Motorfahrzeuge gilt gemäss Ziff. 12 der VSS-Norm bei einem Knoten ohne Gehweg eine
Knotensichtweite zwischen 110 und 140 m.
c) Der Baugesuchsplan geht von einer Beobachtungsdistanz von 2.5 m und einer
Sichtweite von 120 m aus. Demgegenüber müssen gemäss Auflage in Ziff. 4.3.2.46 des
angefochtenen Gesamtentscheids die erforderlichen Sichtweiten stets frei einsehbar sein;
dabei definieren sich die Sichtfelder aus einer Beobachtungsdistanz von 3 m ab
Fahrbahnrand auf einer Länge von mindestens 120 m in beiden Richtungen auf die
jeweilige Fahrspurmitte. Damit geht die Auflage zwar von der gleichen Sichtweite, jedoch
von einer grösseren Beobachtungsdistanz aus als der Baugesuchsplan. Allerdings kann
dem Baugesuchsplan entnommen werden, dass die Sichtweite auch bei einer
Beobachtungsdistanz von 3 m eingehalten werden kann, wenn der Wall mit
Sichtschutzbepflanzung entsprechend positioniert wird. Dass dies auch tatsächlich so
umgesetzt wird, ist mit der Auflage in Ziff. 4.3.1 des angefochtenen Gesamtentscheids,
wonach der Strassenaufsichtsbehörde ein überarbeiteter Plan mit den berücksichtigten
Auflagen zu den Strassenanschlüssen zur Genehmigung einzureichen ist, sichergestellt.
d) Der OIK I weist in seinem Fachbericht vom 5. September 2014 darauf hin, dass die
Grundstückszufahrten nicht in allen Belangen den geforderten Normwerten entsprächen.
Dies weil für die Beobachtungsdistanz nur 2.5 m statt der gemäss VSS-Norm
vorgesehenen 5 m gewählt worden seien. Dafür sei die Knotensichtweite mit 120 m
gewählt worden, gemäss OIK I würden 110 m reichen. Der OIK I kommt zum Schluss, dass
die freizuhaltenden Sichtfelder ohne grosse Änderungen an die geforderten Normwerte
angepasst werden können. Aus dem Baugesuchsplan kann aber herausgelesen werden,
dass dies fraglich ist: Würde man tatsächlich eine Beobachtungsdistanz von 5 m
verlangen, müsste der Sichtschutzwall erheblich zurückversetzt werden, wofür es
insbesondere im Bereich der geplanten Profilträgerhalle kaum genügend Platz hätte.
Nachdem das Rechtsamt den OIK I darauf hingewiesen hat, dass gemäss Auflage im
angefochtenen Gesamtentscheid eine Beobachtungsdistanz von 3 m verlangt werde,
kommt der OIK I in seinem ergänzenden Fachbericht vom 24. Oktober 2014 jedoch zum
31
Schluss, dass eine Beobachtungsdistanz von 3 m aufgrund der konkreten Verhältnisse
ausreichend sei. Die Anwendung einer Beobachtungsdistanz von 3 m bei
Grundstückzufahrten ausserorts entspreche der langjährigen Praxis des TBA. Diese
Einschätzung überzeugt. Bei der Ausfahrt vom Baugrundstück auf die F._ Strasse
macht es keinen Unterschied, ob diese inner- oder ausserorts stattfindet. Das Manöver ist
das gleiche, die Fahrzeuge müssen vor der Ausfahrt anhalten oder zumindest auf
Schritttempo abbremsen. Unter diesen Umständen macht es keinen Sinn, die
Beobachtungsdistanz zu vergrössern. Zudem wird die Ausfahrt im vorliegenden Fall
aufgrund der beantragten Nutzung hauptsächlich von Lastwagen befahren werden. Diese
sind heute normalerweise als Frontlenker gebaut, weshalb sie zwischen Fahrzeuglenker
und vorderem Teil des Fahrzeugs einen sehr kleinen Abstand aufweisen. Auch dieser
Umstand rechtfertigt die Anwendung einer Beobachtungsdistanz von 3 m, die noch im
gemäss VSS-Norm zulässigen Bereich von mindestens 2.5 m liegt. Aufgrund der
grösseren Ausserortsgeschwindigkeit der Fahrzeuge auf der F._ Strasse muss
nicht die Beobachtungsdistanz, sondern die Sichtweite vergrössert werden. Diesem
Umstand wird im vorliegenden Fall mit einer Sichtweite von 120 m Rechnung getragen.
Unter Berücksichtigung von Ziff. 4.3.2.46 des angefochtenen Gesamtentscheids ist die
Ausfahrt aus dem Betriebsgelände auf die F._ Strasse somit bewilligungsfähig.
Die Verkehrssicherheit wird dadurch nicht gefährdet.
e) Die Verkehrssicherheit bei den beiden Einfahrten von der F._ Strasse auf
das Betriebsgelände ist grundsätzlich weniger problematisch als die Ausfahrt. Zwar
müssen die Fahrzeuge, die auf das Betriebsgelände einbiegen wollen, auf der F._
Strasse abbremsen oder in gewissen Fällen gar anhalten. Dies ist aber nicht ungewöhnlich
und damit muss auf einer solchen Strasse gerechnet werden, hat es doch zahlreiche
Abzweigungen. Die beiden Einfahrten befinden sich auf einem relativ geraden und
übersichtlichen Strassenabschnitt. Zudem handelt es sich bei der F._ Strasse
lediglich um eine Gemeindestrasse, der Grossteil des Verkehrs dürfte auf der parallel
verlaufenden Kantonsstrasse anfallen. Wenn man berücksichtigt, dass durchschnittlich
weniger als ein Lastwagen pro Stunde das Betriebsgelände anfahren wird, kann unter
diesen Umständen nicht von einer Verkehrsgefährdung gesprochen werden. Unter diesen
Umständen ist auch nicht zu erwarten, dass es zu gefährlichen Staus kommen wird.
32
f) Soweit der Beschwerdeführer 1 rügt, der Schattenwurf des Erdwalls mit
Sichtschutzbepflanzung werde im Winter einen vermehrten Einsatz von Streusalz
erfordern, so ist darauf hinzuweisen, dass der Schattenwurf von Reglements konformen
Bauten und Anlagen hinzunehmen ist. Das gilt nicht nur für private Nachbarn, sondern
auch bei Strassen. Im vorliegenden Fall hält der Erdwall mit Sichtschutzbepflanzung den
vorgeschriebenen Strassenabstand ein und er bedarf keiner Ausnahmebewilligung (vgl.
Erwägung 4).
g) Soweit der Beschwerdeführer 1 rügt, bei der Umfahrungsstrasse Frutigen sei extra
eine zusätzliche Ausfahrt zum Industriegebiet "L._" gebaut worden, um den
Lastwagenverkehr auf der F._ Strasse zu vermindern, betrifft dies die
Zweckmässigkeit der Ortsplanung und liegt damit ausserhalb des Streitgegenstands.
Lastwagenverkehr ist auf der F._ Strasse nicht verboten, womit die Bauparzelle
für das vorgesehene Bauvorhaben genügend erschlossen ist.
Analoges gilt für die Ausführungen der Beschwerdeführenden 2-7 in ihrer Stellungnahme
zum Ergebnis des Beweisverfahrens, wonach die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der
F._ Strasse herabgesetzt werden müsse, weil eine Arbeitszone ausgeschieden
worden sei. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der F._ Strasse ist nicht
Gegenstand dieses (Beschwerde-)Verfahrens.
h) Die Beschwerdeführenden verlangen, dass zwingend eine Radwaschanlage
vorgeschrieben werden müsse, um Verunreinigungen und Unfälle auf der F._
Strasse zu verhindern. Es reiche nicht, eine solche nötigenfalls zu verlangen.
Im angefochtenen Entscheid findet sich die Auflage, wonach der Strassenanschluss
mindestens auf den ersten 5 m mit einem staubfreien Belag versehen sein müsse. Im
Bereich der Ausfahrt sei jegliches Verschmutzen der öffentlichen Strasse untersagt.
Nötigenfalls sei eine vorschriftsgemässe Radwaschanlage zu erstellen. Diese Auflage der
Vorinstanz berücksichtigt das Verhältnismässigkeitsprinzip, das unter anderem verlangt,
dass eine Massnahme erforderlich sein muss. Eine Radwaschanlage zu verlangen,
obschon die Sauberkeit der F._ Strasse vermutlich auch ohne solche
gewährleistet werden kann, wäre unverhältnismässig. Dieser Forderung kann daher nicht
stattgegeben werden.
33
i) Damit erweisen sich die beiden Beschwerden als unbegründet. Sie werden daher
abgewiesen, soweit auf sie eingetreten werden kann, und der vorinstanzliche Entscheid
wird bestätigt. Nicht eingetreten werden kann unter anderem auf die beiden Forderungen
des Beschwerdeführers 1, es sei ein Baustopp zu verfügen, bis die umstrittene
Zonenplanänderung rückgängig gemacht werden könne, und das Baugrundstück sei
unverzüglich für die landwirtschaftliche Nutzung herzurichten. Beides liegt ausserhalb des
Streitgegenstands.
14. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine
Pauschalgebühr von Fr. 200.-- bis Fr. 4'000.-- je Beschwerde erhoben (Art. 19 Abs. 1
i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV36). Die gesamte Pauschalgebühr kann angemessen erhöht
werden, wenn mehrere Parteien gemeinsam Beschwerde führen (Art. 20 Abs. 2 GebV). In
Anwendung dieser Bestimmungen werden die Pauschale für die Beschwerde des
Beschwerdeführers 1 auf Fr. 1’800.-- und die Pauschale für die Beschwerde der
Beschwerdeführenden 2-7 auf Fr. 2'400.-- festgelegt. Werden in einem einzigen Entscheid
mehrere Beschwerden beurteilt, so kann die Pauschalgebühr für die einzelnen
Beschwerdeführerinnen und Beschwerdeführer angemessen reduziert werden (Art. 21
Abs. 3 GebV). Dementsprechend werden die Pauschalen auf je zwei Drittel, d.h. auf
Fr. 1’200.-- und 1'600.-- reduziert. Insgesamt betragen die oberinstanzlichen
Verfahrenskosten somit Fr. 2’800.--.
b) Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Bei
diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden und haben daher
grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen. Der Beschwerdeführer 1 hat demzufolge
Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'200.-- zu tragen.
36 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21).
34
Bei den Beschwerdeführenden 2-7 ist jedoch zu berücksichtigen, dass sie zu Recht eine
Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör im Baubewilligungsverfahren gerügt
habe (vgl. Erwägung 2). Diese Gehörsverletzung ist bei der Kostenverlegung zu
berücksichtigen.37 Zumal sie ihre Bedenken gegen das Lärmgutachten erstmals im
Beschwerdeverfahren vorbringen konnten. Dabei haben sich diese Bedenken teilweise als
berechtigt herausgestellt, auch wenn sich dadurch im Ergebnis nichts ändert. Die
Beschwerdeführenden 2-7 haben daher 9/10 ihrer Verfahrenskosten, ausmachend
Fr. 1'440.--, zu bezahlen. Sie haften für die ihnen auferlegten Verfahrenskosten solidarisch
für den gesamten Betrag.
Die Beschwerdegegnerinnen haben in ihrer Beschwerdeantwort die Meinung vertreten,
dass selbst wenn eine Gehörsverletzung vorliege, diese im Kostenpunkt nicht zu
berücksichtigen sei. Sie gelten daher diesbezüglich als unterliegend und haben die
restlichen Verfahrenskosten, ausmachend Fr. 160.--, zu bezahlen. Die
Beschwerdegegnerinnen haften für die ihnen auferlegten Verfahrenskosten solidarisch für
den gesamten Betrag.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG).
d) Der Beschwerdeführer 1 hat den Beschwerdegegnerinnen somit die Hälfte ihrer
Parteikosten zu ersetzen. Die Kostennote des Anwalts der Beschwerdegegnerinnen vom
15. Dezember 2014 beläuft sich auf Fr. 5'538.80 (Honorar: Fr. 5'000.--; Auslagen:
Fr. 128.50; Mehrwertsteuer: Fr. 410.30). Die Beschwerdegegnerinnen sind jedoch
mehrwertsteuerpflichtig,38 weshalb nach neuer Praxis des Verwaltungsgerichts die
Mehrwertsteuer bei der Bestimmung des Parteikostenersatzes für die
Beschwerdegegnerinnen nicht zu berücksichtigen ist.39 Die Parteikosten der
Beschwerdegegnerinnen belaufen sich daher auf Fr. 5'128.50. Der Beschwerdeführer 1 hat
den Beschwerdegegnerinnen somit Parteikosten in der Höhe von Fr. 2'564.25 zu ersetzen.
37 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 21 N. 16 mit Hinweisen 38 Siehe Unternehmens-Identifikationsnummer-Register, einsehbar unter: <https://www.uid.admin.ch> 39 VGE 2013/137 vom 26. Mai 2014, E. 6
35
Die andere Hälfte der Parteikosten der Beschwerdegegnerinnen haben grundsätzlich die
Beschwerdeführenden 2-7 zu tragen. Allerdings haben sie davon aufgrund ihrer zu Recht
vorgebrachten Rüge betreffend Gehörsverletzung nur 9/10 zu bezahlen. Die
Beschwerdeführenden 2-7 haben den Beschwerdegegnerinnen daher Parteikosten in der
Höhe von Fr. 2'307.85 zu ersetzen. Sie haften solidarisch für den gesamten Betrag.
Im Gegenzug haben die Beschwerdegegnerinnen den Beschwerdeführenden 2-7 einen
Zehntel ihrer Parteikosten zu ersetzen. Die Kostennote des Anwalts der
Beschwerdegegnerinnen vom 16. Dezember 2014 beläuft sich auf Fr. 7'793.50 (Honorar:
Fr. 6'670.--; Auslagen: Fr. 546.20; Mehrwertsteuer: Fr. 577.30). Die Parteikosten umfassen
den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1
VRPG). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV40 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen
Beschwerdeverfahren Fr. 400.-- bis Fr. 11'800.-- pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs
bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3
KAG41). Im vorliegenden Fall ist der gebotene Zeitaufwand als knapp durchschnittlich zu
werten, da neben dem Schriftenwechsel lediglich eine Stellungnahme zum Ergebnis des
Beweisverfahrens zu verfassen war. Angesichts des Streitgegenstands und den
umstrittenen Rechtsfragen sind auch die Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit
des Prozesses insgesamt als durchschnittlich einzustufen. Daher erscheint ein Honorar
von Fr. 5'000.-- als angemessen. Somit ergeben sich bei den Beschwerdeführenden 2-7
Parteikosten in der Höhe von Fr. 5'989.90 (Honorar: Fr. 5'000.--; Auslagen: Fr. 546.20;
Mehrwertsteuer: Fr. 443.70). Davon haben die Beschwerdegegnerinnen einen Zehntel,
ausmachend Fr. 599.--, zu bezahlen. Sie haften solidarisch für den gesamten Betrag.