Decision ID: f6ce1f9d-1b54-4489-97d5-d38672211155
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1958,
war zuletzt von
September
2004
bis
Juli 2014
als Pflegehelferin
SRK
in einem Pensum von 70
%
in einem Altersheim
tätig
(
Urk.
9/
3/4 und 9/
11/3
sowie 9/49/70
)
.
Unter Hinweis auf eine angerissene Sehne im Hüftgelenk
me
ldete sich die Versicherte am 1
7.
März 2014 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/3
).
Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte
in der Folge
die Akten der Krankentaggeldversicherung
- insbesondere ein orthopädisches Gutachten der
Y._,
Zürich (nachfolgend
Y._
;
Gutachten vom 2
1.
Juli 2015 [
Urk.
9/49/49-60]
)
-
ein (
Urk.
9/7
,
Urk.
9/49
), klärte
die medizinische und erwerbliche Situation ab und
gewährte der Versicherten
Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche sowie von Juli 2016 bis Januar 2017 ein Arbeitstraining (
Urk.
9/59 und 9/67).
Es gelang jedoch nicht, die Versicherte erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren, und die Arbeitsvermittlung wurde a
m 1
3.
Januar 2017 abgeschlossen
(
Urk.
9/88).
Nach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/112,
Urk.
9/117 ff.)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
1
8.
Oktober
2018 einen Anspruch der Versicherten auf eine Invali
denrente (
Urk.
9/128 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen liess
X._
am
6.
November 2018
- mit Ergän
zung vom
9.
November 2018 -
Beschwerde erheben und beantragen, es sei ihr mit Wirkung ab dem
1.
September 2014 eine ganze Rente zuzusprechen, eventu
aliter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese wei
tere Abklärungen in medizinischer Hinsicht vornehme und nachher über den Rentenanspruch neu entscheide (
Urk.
1
S. 2
,
Urk.
5
und
Urk.
6
S. 2
).
Mit Beschwerdeantwort vom
1
1.
Dezember
2018 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde
(
Urk.
8)
, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
1
3.
Dezember
2018 zur Kenntnis gebracht wurde
(
Urk.
10
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG
).
1.3
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines
Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Verfügung vom 1
8.
Oktober 2018 dahin
gehend, dass
der
Beschwerdeführerin
ihre bisherige Tätigkeit als Pflegehelferin nicht mehr zumutbar sei, dass sie aber seit Januar 2014 in einer angepassten Tätigkeit 100
%
arbeitsfähig sei.
Im Haushaltsbereich
sei die Beschwerdeführerin nicht eingeschränkt.
Dem orthopädischen Gutachten
der
Y._
vom 2
1.
Juli 2015
, welches durch die Krankentaggeldversicherung eingeholt wurde, komme dabei voller Beweiswert zu. Seit der Begutachtung im Juni 2015 habe sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nicht verändert, so dass sich eine erneute medizinische Abklärung erübrige
. Unter Anwendung der gemischten Methode errechnete die
Beschwerdegegnerin
einen nicht rentenanspruchsbegrün
denden Invaliditätsgrad
von 9
%
(
Urk.
2).
2.2
Dagegen bracht
e die Beschwerdeführerin vor, dass auf
das von der Krankentag
geldversicherung in Auftrag gegebene, mittlerweile mehr als drei Jahre alte Gutachten
der
Y._
vom 2
1.
Juli 2015
nicht abgestellt werden könne; auf
grund des weiteren Fortschrittes degenerativer Veränderungen sei eine aktuelle Neubeurteilung nötig. Überdies komme dem Gutachten lediglich der Wert einer Parteibehauptung zu (
Urk.
6 S. 4). Auch inhaltlich
überzeuge
das Gutachten
nicht. Die gestellte Diagnose sei
falsch, so dass auch der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) von falschen Voraussetzungen ausgegangen sei (
Urk.
6 S. 5 f.). Die prak
tische Erprobung im Rahmen der durchgeführten Eingliederungsmassnahmen habe überdies gezeigt, dass
s
ie den Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes nicht genüge und die Belastung sogar zur Verschlechterung der gesundh
eitlichen Situation geführt hätt
e (
Urk.
6 S. 7).
Damit habe sich die Einschätzung des behandelnden Arztes bestätigt, wonach sie auch wechselbelastende oder überwie
gend sitzende Tätigkeiten nicht mehr ausüben könne, selbst wenn sie leicht seien (
Urk.
6 S. 7).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht gestützt auf das orthopädische Gutachten
der
Y._
vom 2
1.
Juli 2015 verneint hat.
3.
3.1
Dr.
med.
Z._
,
Facharzt für o
rthopädische Chirurgie und Traum
atologie des Bewegungsapparates und
Oberarzt Orthopädie der
A._
,
diagnosti
zierte
anhand eines durchgeführten MRIs der Hüfte rechts
(
Urk.
9/12/4)
bei der Beschwerdeführerin am 1
2.
September 2013 eine Partialläsion de
r
glutealen
Seh
nenplatte mit Bur
sitis
trochanterica
rechts, eine beginnende
Coxarthrose
rechts sowie ein chronisches
lumbo
-
spondylogenes
Schmerzsyndrom
.
Dr.
Z._
führte
zur Behandlung
eine lokale therapeutische Infiltration am Trochanter
major
durch
, verschrieb der Beschwerdeführerin Physiotherapie und attestierte ihr bis Ende Monat eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
9/
7/17
).
3.2
Am 1
0.
April 2014 verfasste
Dr.
med.
B._
,
Facharzt für o
rthopädische Chi
rurgie und Traum
atologie des Bewegungsapparates und
Oberarzt Sportmedizin der
A._
,
einen Bericht
und nannte als Diagnosen ebenfalls eine Partialläs
ion der
glutealen
Sehnenplatte
n
sowie
eine
degenerative Veränderung vor allem L5/S1 und ISG beidseits und ein
en
überbelastungsbedingte
n
Knieerguss
rechts.
Dr.
B._
berichtete über eine
Behandlung durch
Infiltration von Plasma an den Ansatz der
glutealen
Sehnenplatte
und attestierte der Beschwer
deführerin für 10 Tage eine vollständige Arbeitsunfähigkeit und anschliessend eine solche von 50
%
bis auf Weiter
e
s
(
Urk.
9/12/1).
3.3
Am 1
7.
April 2014 wurde das rechte Knie der Beschwerdeführerin mittels MRI untersucht.
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Radiologie und diagnostische Neuroradiologie
,
fand ätiologisch unklare ödematöse ausgeprägte Veränderungen kranial der Patella sowie nach lateral ausgedehnt zwischen dem lateralen
Femur
kondylus
und dem
Retina
kulum
patellae
, einen minimalen Reizzustand des ansetzenden lateralen
Retinakulum
patellae
am
Patellarand
und eine
initiale
Chondromalazie
femorotibial
medial und lateral sowie ein präpatellares und
infrapatellares
, subkutanes Ödem (
Urk.
9/12/3).
3.4
Am
1.
Juli 2014
nahm
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Chirurgie
,
bei der Beschwerdeführerin am rechten Knie eine Arthroskopie vor, nachdem eine kon
servative Therapie die Symptomatik bei Innen- und Aussenmeniskusriss, Gonarthrose Grad II, einem freien Gelenkkörper sowie
Plica
medio- et
infrapatel
laris
und einer
Synovitis
weiter verschlechtert hatte.
Dr.
D._
resezierte die beiden
Meniski
und die
Plica
, entfernte den Gelenkkö
rper und glättete den Knor
pel und nahm eine
Teilsynovektomie
vor
(
Urk.
9/34/13)
.
3.5
Dr.
Z._
untersuchte die Beschwerdeführerin am 2
0.
November 2014
erneut
,
nachdem zahlreiche konservative Therapiemassnahmen durchgeführt worden waren
,
und notierte
folgende Diagnosen:
-
Part
ialläsion der
glutealen
Sehn
e
nplatte mit
Bursitis
trochanterica
Hüfte rechts
-
Beginnende
Coxarthrose
rechts
-
Status nach Kniearthroskopie rechts bei Meniskusläsion und beginnender Gonarthrose (
2.
Juli 2014)
-
Chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
sowie folgende Nebendiagnosen:
-
Arterielle Hypertonie
-
Adipositas
-
Substituierte Hypothyreose
Dr.
Z._
hielt fest, dass die konservativen Therapiemassnahmen ausgeschöpft seien und die Situation auch operativ schwierig behandelbar sei. Als minimale operative Variante sei eine Weichteilrevision
der Hüfte
durchführbar.
Dr.
Z._
erachtete aufgrund der verschiedenen Probleme am Bewegungsapparat
eine rein stehende oder körperlich belastende Tätigkeit als nicht mehr zumutbar.
Wenn möglich
,
sollte die
Beschwerdeführerin hinsichtlich eines vorwiegend sitzenden Berufes oder einer wechselnd belastenden Tätigkeit beraten werden
. Vorerst sei sie bis Ende des Jahres weiterhin vollständig arbeitsunfähig
(
Urk.
9/27)
.
3.6
Nach ihrer Knieoperation klagte die Beschwerdeführerin erneut über Schmerzen und Einschränkungen, so dass am 2
9.
Dezember 2014 ein weiteres MRI erstellt wurde, in welchem eine
Valgusgonarthrose
sowie later
al eine Knorpelschädigung,
eine
Meniskusdegeneration,
ein horizontaler Riss des Restmeniskus plus ein Ödem mit Geröllzystenbildung
sowie ein Riss des vorderen Kreuzbandes
erkannt wur
den (
Urk.
9/34/9).
Dr.
Z._
hielt
am 1
2.
Januar 2015
anlässlich der Besprechung der geplanten Weichteilrevision der rechten Hüfte
fest
, dass
der Leidensdruck der Beschwerdeführerin erheblich sei und sie verunsichert sei, ob zunächst das rechte Knie oder die rechte Hüfte versorgt werden solle.
Dr.
Z._
diskutierte die Mög
lichkeit eines Kniegelenkersatzes und hielt fest, dass eine alleinige laterale Schlit
tenprothesenversorgung bei VKB-Ruptur, diffusen Beschwerden und Adipositas nicht angezeigt sei
(
Urk.
9/34/7
). Am 2
7.
Februar 2015 berichtete
Dr.
D._
bei den bekannten Diagnosen
, dass
die Beschwerdeführerin
bei stehender
, knien
der und gehender Tätigkeit eingeschränkt sei
und aufgrund der Hüftgelenksprob
lematik nur
kurz statisch sitzen könne
.
Mit dem Fortschreiten der Gonarthrose beidseits sei zu rechnen
(
Urk.
9/34
/1
, vgl. hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit auch den Bericht vom 1
3.
März 2015 in
Urk.
9/49/62-63
).
3.7
Am
6.
März 2015 wurde
n
bei der Beschwerdeführerin eine offene
Bursektomie
an der rechten Hüfte
und
eine
Abduktorenrevision
durchgeführt; anlässlich der Verlaufskontrolle am
2.
Juni 2015 schilderte
sie
gegenüber
Dr.
Z._
einen wei
terhin grossen
Leidensdruck und
eine
Symptomatik wieder wie vor der Operation.
Im Bereich der Hüfte
stünden
eine rasche Ermüdbarkeit und Kraftlosigkeit im Vordergrund, am rechten Knie hingegen die klassischen
Gonarthrosebeschwer
den
. Die
rechtsseitigen
Hüftbeschwerden
waren gemäss
Dr.
Z._
glaubwürdig und am ehesten auf die
Abduktorenpathologie
zurückzuführen, dies da auch eine Hüftinfiltration die Beschwerden weitgehen
d
unbeeinflusst gelassen habe. Die therapeutischen Möglichkeiten seien eingeschränkt.
Im Knie werde noch eine the
rapeutische Infiltration durchgeführt.
Die Beschwerdeführerin habe neu auch über Schmerzen im linken Knie geklagt.
D
ie Arbeitsfähigkeit der Beschwerdefüh
rerin
erachtete
Dr.
Z._
zumindest im angestammten Beruf und in körperlich aktiven Tätigkeiten
für
nicht gegeben (
Urk.
9/40/3-4)
.
3.8
Am 1
2.
Juni 2015 wurde das linke Kniegelenk der Beschwerdeführerin in einem MRI untersucht.
Dabei wurde
n
eine geringe
mukoide
Degeneration am
Innen
meniskushinterhorn
sowie am vorderen Kreuzband und eine geringe
Enthesiopa
thie
am Ligamentum
patellae
festgestellt, jedoch kein Knorpelschaden und auch keine Arthrose. Passend zu einem geringen Reizzustand wurde eine geringe Flüs
sigkeitseinlagerung in der Bursa prä-/
infrapatellaris
erkannt
(
Urk.
9/39/4)
.
3
.9
D
ie Krankentaggeldversicherung
Elips
Versicherungen AG
gab
zur Prüfung des Versicherungsanspruchs
der Beschwerdeführerin
ein orthopädisches Gut
achten in Auftrag, welches am 2
1.
Juli 2015 durch die
Y._
erstattet wurde
(
Urk.
9/49/49-60)
.
Untersucht wurde die Beschwerdeführerin
am 3
0.
Juni 2015
von
Dr.
med.
E._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, welcher bei der Untersuchung
des Beckens einen Druckschmerz im Bereich des ISG sowie bei der Untersuchung
der Hüftgelenke einen Druckschmerz im Bereich des Trochanter
majors
sowie
myofasziale
Trig
gerpunkte
im Bereich der
glutealen
Muskulatur und des
Musculus
piriformis
feststellte. Ein Bewegungsschmerz sei nicht angegeben worden.
Die Untersuchung der Kniegelenke ergab einzig einen leichten Druckschmerz am lateralen rechten Kniegelenk, insgesamt jedoch mehr den distalen
Tractus
iliot
ibialis
betreffend (
Urk.
9/49/54-55
).
Dr.
E._
führte
folgende
Diagnosen
auf:
-
Myofasziales
Schmerzsyndrom rechte Hüfte bei aktiven
Triggerpunkten
im Bereich der
Gluteal
- und
Piriformismuskulatur
-
Status nach operativer
Abduktorenrevision
Hüfte rechts und offener
Bursektomie
(03/2015)
-
Initiale Gonarthro
se bei Status nach
Teilmeniskektomie
rechts (2015)
-
Adipositas (BMI 32,5 kg/m
2
)
Dr.
E._
hielt fest, dass sich kein namhaftes Funktionsdefizit des rec
hten Hüftgelenks gefunden
habe
. Auffallend seien multiple
myofasziale
Triggerpunkte
im Bereich der
Glutealmuskulatur
und im Bereich des
Musculus
piriformis
. Die Palpation dieser muskulären
Triggerpunkte
führe zum Auslösen der anamnestisch genannten Schmerzausstrahlung. Der übrige Befund zeige ein erhebliches Über
gewicht sowie eine
Insertionstendopathie
des
Tractus
iliotibialis
rechts (
Urk.
9/49/56). Für das rechte Kniegelenk seien bei einer MR-Untersuchung bereits degenerative Veränderungen im Sinne einer initialen
Gonarthrose beschrieben worden.
Dr.
E._
schl
o
ss, dass Tätigkeiten mit hoher Steh- und Gehbelastung sowie schwerem Heben und Tragen auf Dauer ungeeignet seien; dies gelte auch für die Tätigkeit als Pflegehelferin. In körperlich leichter, wechselbelastender oder über
wiegend sitzend ausgeübter Arbeit sei jedoch eine vollständige Arbeitsfähigkeit gegeben, dies
gelte ab
sofort. Notwendig sei
zur Förderung und Erhaltung der Arbeitsfähigkeit
eine konsequente Gewichtsreduktion; dies sei in der bisherigen Therapie nicht ausreichend berücksichtigt worden (
Urk.
9/49/57).
Am 1
8.
August 2015 ergänzte
Dr.
E._
sein Gutachten und teilte der Kran
kentaggeldversicherung auf Anfrage mit, dass die vollständige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auch retrospektiv gelte, anhand der aktenkundigen Daten wahrscheinlich spätestens seit Anfang des Jahres 2014 (
Urk.
9/49/66).
Der RAD
-Arzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie,
stufte
am
3.
November 2015 das
Y._
-
Gutachten als beweiskräftig ein und übernahm die darin attestierte Arbeitsfähigkeit (
Urk.
9/111/4-6).
3.10
Am
1
7.
September 2015
konsultierte die Beschwerdeführerin
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin und leitender Ober
arzt Rheumatologie der
A._
(
vgl.
Urk.
9/46/6-8
und
Urk.
9/107/10-12
), nachdem
Dr.
Z._
seine Behandlung mangels weiterer operativer Optionen abgeschlossen und
der Beschwerdeführerin eine ganzheitliche konservative Betreuung empfohlen hatte (
Urk.
9/45/2
und auch
Urk.
9/107/10
).
Dr.
G._
konnte eine entzündliche beziehungsweise rheumatologische Erkrankung ausschliessen.
Inzwischen bestehe sicher eine tendenzielle Schmerzausweitung.
Dr.
G._
hielt fest, dass er keine unmittelbare Lösung für das langjährige Prob
lem anbieten könne, allenfalls wären Osteopathie oder eine Schmerzbestrahlung eine Option.
3.11
Am
7.
September 2016
diagnostizierte
Dr.
med.
H._
, Facharzt für o
rtho
pädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparate
s
und
leitender Oberarzt Wirbelsäulenchirurgie der
A._
,
chronisch rezidivierende Lumbalgien und
ein
ISG-Syndrom bei beginnender Diskusdegeneration bei gut erhaltener segmentaler Höhe und kleiner A-
Intensitition
und dorsale
m
Anulus
L4/
5.
Es bestehe eine Einschränkung für körperlich belastende Tätigkeiten. Der Beschwerdeführerin werde eine medizinische Langzeit-Trainingstherapie empfohlen (
Urk.
9/104/6-7).
In der Folge nahm der RAD-Arzt
Dr.
F._
am
5.
April 2017 erneut Stellung und hielt fest, dass keine neuen Diagnosen vorlägen und er an seiner bisherigen Beurteilung festhalte (
Urk.
9/111/7-8
).
3.12
Am 1
2.
April 2017 fand in der
A._
nach einer Neubeurteilung mit dem Ziel der Schmerzreduktion eine Hüftgelenksinfiltration rechts mit
Ropivacain
und
Triamcort
statt (
Urk.
9/121/4-5 und 9/121/6-7
). Diese Behand
lung habe den Grundschmerz nicht beeinflussen können (
Urk.
9/122/10), so dass ein MRI in Auftrag gegeben wurde. Demnach würden bei der Beschwerdeführerin altersentsprechende Gelenkverhältnisse mit leichten degenerativen Veränderun
gen vorliegen (
Urk.
9/122/11).
Dr.
F._
vom RAD hielt am
1.
Juni 2018 abschliessend fest, dass keine neuen Befunde oder Diag
n
osen vorlägen, entsprechend
würden keine weiteren Abklä
rungen empfohlen
(
Urk.
9/127
/3-4
).
4.
4.1
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe
Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
Die Beschwerdeführerin macht in erster Linie geltend, dass das Gutachten der
Y._
, auf welchem die leistungsabweisende Verfügung beruht, inhaltlich falsch und ungenügend sei. Wie bereits
ausgeführt
, sind an die Beweistauglichkeit eines Gutachtens der Krankentaggeldversicherung hohe Anforderungen zu stellen
, da diesem
der
Beweiswert einer versicherungsinternen ärztlichen Feststel
lung zukommt (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/201
8 vom 1
4.
November 2018 E. 4.1)
. Bestehen auch nur geringe Zweifel an dessen Tauglichkeit, kann für die versicherungsmedizinische Beurteilung der Leistungsfähigkeit einer versicherten Person nicht auf ein solches
Gutachten
abgestellt werden und es sind weitere Abklärungen zu tätigen.
4.2
Aus den zahlreichen Berichten der behandelnden Ärzte geht hervor, dass bei der Beschwerdeführerin ein
langjähriges,
komplexes Schmerzgeschehen in den Bereichen Lendenwirbelsäule, Hüfte rechts und Knie rechts besteht, welches auch
nach Wahrnehmung
unterschiedlichste
r
konservative
r
wie auch operative
r
The
rapieoptionen
andauerte
(vgl. etwa E. 3.10).
Zunächst ist
aus dem Gutachten
der
Y._
ersichtlich
,
dass die von
Dr.
E._
genannten Diagnosen von denjenigen der
A._
und denjenigen
Dr.
D._
abweichen
(vgl. etwa
Urk.
9/27)
.
Dr.
E._
na
nnt
e
etwa das chronische
lumbospondylogene
Schmerzsyndrom
trotz festgestelltem Druckschmerz im Bereich des ISG
nicht
und begründet
e
dies
e Abweichung
auch nicht
, führt
e
aber
neu
Triggerpunkte
als Auslöser für ein Schmerzsyndrom
der rechten Hüfte
auf
. In keinem der Berichte der
langjährigen und fachkompetenten
Behandler
der Beschwerdeführerin sind solche
Triggerpunkte
aufgeführt.
Dr.
E._
erläutert
e
diese Diagnose
beziehungsweise
deren Konsequenzen oder allfällige Behandlungsoptionen auch nicht weiter.
Die
von
Dr.
E._
als die Arbeitsfähigkeit massgebend beeinflussend
darge
stellte Adipositas wurde von den
b
ehandelnden Ärzten teil
weise
als Nebendiag
nose aufge
führt
, jedoch ni
cht
als
wesentliche Ursache der Einschränkungen
diskutiert
,
insofern bestehen diesbezüglich Widersprüche, die auch vom RAD nicht geklärt wurden
(vgl. nachfolgend E. 4.3)
.
Dr.
E._
nannte
zwar zu Beginn
seines Gutachtens
einige Auszüge
aus den ihm vorgelegenen Akten – ohne dass überprüft werden kann, ob ihm diese
voll
ständig zur Verfügung standen
. Er
hat sich
aber
offensichtlich nicht näher
mit diesen
Akten
resp
ektive
allfällige
n
Abweichungen
auseinander
gesetzt
, sondern lediglich zu Beginn seines Gutachtens Auszüge
daraus
zitiert
. Seine Einschätzung
der Leistungsfähigkeit
beruht
e
im Wesentlichen auf einer körperlichen Untersu
chung der Beschwerdeführerin, i
m Rahmen
welcher er die Funktionalität und Einschränkungen des ges
amten Bewegungsapparates prüfte, ohne
aber nament
lich
auf die bildgebenden und aktenkundigen Befunde aus den verschiedenen MRI
Bezug zu nehmen
.
Auf einzeln
e Befunde, wie etwa den bereits erwähnten
Druckschmerz im Bereich de
s
ISG, ging
Dr.
E._
nicht näher ein. Auch die von der Beschwerdeführerin getätigten Bewegungsradien wurden vom Gutachter in der Folge nicht gewürdigt oder näher kommentiert.
Gemäss der
Ansicht der
behandelnden Ärzte der
A._
präsentiert sich die Schmerzproblematik der Beschwerdeführerin weitaus komplexer und behand
lungsresistenter, als dies vom Gutachter
dargestellt
wurde.
Diese diskrepante Einschätzung liess der Gutachter ohne nähere Begründung unberücksichtigt.
Insofern fällt die Beurteilung von
Dr.
E._
äusserst knapp und
nicht
genü
gend
nachvollziehbar
aus (vgl.
Urk.
9/49/56-57)
.
4.3
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit
sind sich die
Experten
e
inig, dass die bisherige Tätigkeit als Pflegeh
elferin aufgrund der Belastungen auf Dauer ungeeignet und nicht mehr zumutbar ist
. Zur Leistungsfähigkeit in einer Verweistätigkeit beste
hen unterschied
liche Ansichten
,
soweit
sich die
b
ehand
elnden Ärzte
dazu
über
haupt
geäussert hatten)
. So berichtete etwa
Dr.
D._
, dass die Beschwerde
führerin
bei stehender
, kniender und gehender Tätigkeit eingeschränkt sei und aufgrund der Hüftgelenksproblematik nur kurz statisch sitzen könne.
Dr.
Z._
hingegen notierte, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zumindest in körperlich aktiven Tätigkeiten nicht gegeben sei und sie hinsichtlich eines sitzen
den Berufes beraten werden soll
t
e.
Dr.
E._
hat sich mit diesen
a
bweich
enden Beurteilungen
nicht auseinandergesetzt
, weshalb
seine Einschätzung nicht
einzuleuchten vermag
. Ebenso hat er nicht ausgeführt, wieso er auf Nachfrage zum Schluss kam, eine vollständige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätig
keit gelte auch retrospektiv, wahrscheinlich seit
A
nfang 2014 (
Urk.
9/49/66), unterbrochen durch
jeweils
6-8-wöchige
Erholungsphase
n
nach
den operativen
Eingriffen
im Juli 2014 und im März 2015
gemäss der Einschätzung von
Dr.
F._
(
Urk.
9/111/6)
.
Insgesamt fehlt es dem Gutachten damit an
der notwendigen
Schlüssigkeit und Zuverlässigkeit, um
als beweiswertige
versicherungsmedizini
sche
Grundlage zur
Einschätzung der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin
dienen
zu können.
4.4
Seitens RAD wurden
in der Folge
keine Ergänzungen oder eigene Überlegungen vorgenommen.
Dr.
F._
hat das Gutachten der
Y._
in dessen Form
und Schlussfolgerungen
übernommen, ohne es kritisch zu würdigen. Auch auf die Schilderungen der behandelnden Ärzte, wonach ein komplexes Schmerzgesche
hen vorliege sowie die bereits
durchgeführten
Therapien und Behandlungen, ging
Dr.
F._
nicht ein. Zur Leistungsfähigkeit
hielt er einzig fest
, die Einschätzung des Gutachters sei versicherungsmedizinisch nachvollziehbar. Auch auf neu genannte Diagnosen, etwa die von
Dr.
H._
aufgeführten chronisch rezidivierende Lumbalgien und ein ISG-Syndrom bei beginnender Diskusdegene
ration,
oder die Äusserung von
Dr.
G._
, dass eine tendenzielle Schmerzaus
weitung vorliege,
wurde nicht näher eingegangen (vgl.
Urk.
9/111/8).
4.5
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass das
Y._
-
Gutachten zur versiche
rungsmedizinischen Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht
genügt
, da es ihm an
ausreichender
Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit fehlt. Auch die anderen medizinischen Akten und Stellungnahmen lassen keine verlässliche Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu.
Die
Beschwerdegegnerin
ist
somit gehalten, weitere
, eigene
Abklärungen
(insbeson
dere ein Gutachten über den ganzen
relevanten
Beurteilungszeitraum)
vorzuneh
men
und hernach neu über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin zu befinden
. In dem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen und die Verfügung vom 1
8.
Oktober 2018 aufzuheben.
5.
5.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen
ist
, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG)
und ermessensweise auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen
Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
5.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozes
ses sowie dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Mangels Vorliegens einer Honorarnote ist die Prozessentschädigung ermessens
weise festzusetzen. Unter Berücksichtigung der massgebenden Kriterien hat die B
eschwerdegegnerin der
anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer
in
eine Partei
entschädigung in der Höhe von
Fr.
2’000
.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwert
steuer) zu bezahlen.