Decision ID: a8898a4b-a968-48ad-8d6e-8bed190becc6
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
AM._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roger Lippuner, St. Gallerstrasse 46, Post-
fach 945, 9471 Buchs SG 1,
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gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a AM._ meldete sich am 9. November 2004 wegen Rücken-, Schulter- und
Kopfschmerzen zum Bezug von Leistungen der IV an (Berufsberatung act. G 7.1/1).
Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, diagnostizierte in seinem Bericht vom 17.
November 2004 ein chronisches thorakolumbales spondylogenes Schmerzsyndrom
mit/bei Fehlhaltung und muskulärer Dysbalance, Osteochondrosen L4/5 und L5/S1 mit
flachen Diskushernien ohne Kompression, eine Periarthropathia humeroscapularis
beidseits, aktuell AC-Gelenksarthritis mit nur vorübergehend gutem Ansprechen auf
Steroidinfiltration, sowie chronische Kopfschmerzen (Cephalea vom vasomotorischen
Typ). Die Arbeitsfähigkeit in den zuletzt ausgeübten Tätigkeiten als Landwirt und
Lastwagenchauffeur bezifferte Dr. B._ auf 50 % ab 1. Februar 2004. Aktuell betrage
die Leistungsminderung 100 %. Gestützt auf den Austrittsbericht der Klinik Valens vom
22. Oktober 2004, wo der Versicherte vom 15. September 2004 bis zum 12. Oktober
2004 hospitalisiert gewesen war, erachtete Dr. B._ eine wechselbelastende Tätigkeit
mit seltenen Gewichtsbelastungen bis 15 kg in einem noch festzulegenden zeitlichen
Umfang als zumutbar (act. G 7.1/9.1 ff. und 9.9 ff.). Die Klinik Valens hielt ebenfalls die
angestammte schwere Tätigkeit in der Landwirtschaft für nicht mehr zumutbar. Die
Tätigkeit als Lastwagenchauffeur sowie die sitzende Tätigkeit auf landwirtschaftlichen
Maschinen, die sie an sich als ungeeignet erachtete, sollten eine bis zwei Stunden
Sitzdauer nicht überschreiten. Für leichte, wechselbelastende Tätigkeiten bestehe
dagegen eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (act. G 7.1/13.3).
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A.b Mit Bericht vom 10. Mai 2005 stellte der beigezogene IV-Berufsberater fest, dass
der Versicherte bereits vor der Kontaktaufnahme im Kanton Neuenburg einen
Landwirtschaftsbetrieb mit Mutterkuhhaltung gekauft und dadurch selbstständige
Eingliederungspläne verfolgt habe. Auf die berufsberaterische Diskussion sei er nicht
eingestiegen, da die gewählte Eingliederungsvariante für ihn offenbar als die
geeignetste erschienen sei. Da aus geographischen Gründen und wegen des fait
accompli keine erfolgreiche Berufsberatung mehr möglich sei, werde der Auftrag
abgeschlossen (act. G 7.1/21).
In der Folge beauftragte die IV-Stelle St. Gallen die IV-Stelle Neuenburg mit der
Abklärung der Verhältnisse an Ort und Stelle (Geeignetheit und erwerbliche Relevanz
der gewählten Alternative), die ihrerseits aus sprachlichen Gründen die IV-Stelle Bern
hinzuzog (act. G 7.1/23 bis 27). Die Abklärung fand am 26. Oktober 2005 statt. Im
entsprechenden Bericht gleichen Datums (act. G 7.1/31.1 ff.) stellte die IV-Stelle Bern
fest, dass der Versicherte einen Sömmerungsbetrieb (métairie) sowie Mutterkuhhaltung
betreibe. Dabei handle es sich um einen grossen Betrieb im Neuenburger Jura. Die
Mechanisierung sei gut. Die für die Bewirtschaftung notwendigen rund 3'000
Arbeitsstunden pro Jahr würden vom Versicherten und dessen Ehefrau sowie von
Aushilfen geleistet. Die Ehefrau des Versicherten betreibe zudem ein (angegliedertes)
Restaurant, wo auch der Versicherte aushelfe. Sodann berechnete die IV-Stelle Bern
den Invaliditätsgrad. Dabei stellte sie für das Valideneinkommen auf eine
Einkommenszusammenstellung des Treuhandbüros der A._ GmbH und der
Betriebsgemeinschaft AH._ und AM._ ab (vgl. act. G 7.1/28.1) und errechnete ein
Valideneinkommen von Fr. 122'200.--. Bezüglich Invalideneinkommen stellte sie fest,
dass sich das aus der Selbsteingliederung ergebende Einkommen im
Landwirtschaftsbetrieb nicht als Bemessungsbasis eigne, da dem Versicherten diese
Tätigkeit gemäss Arztbericht nicht mehr zumutbar sei. Vielmehr sei auf die
Lohnstrukturerhebung 2002, TA 7, Ziff. 26, Niveau 3, abzustellen. Mithin sei unter
Berücksichtigung eines Leidensabzuges von 15 % von einem Invalideneinkommen von
Fr. 68'605.-- auszugehen, was einen Invaliditätsgrad von 44 % ergebe (act. G
7.1/31.5).
A.c Die IV-Stelle St. Gallen übernahm diese Berechnung und sprach dem Versicherten
mit Verfügung vom 23. Februar 2006 eine Viertelsrente ab 1. Februar 2005 zu (act. G
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7.1/50 und 52). Mit Verfügung vom 13. Januar 2006 hatte sie die Kostengutsprache für
berufliche Massnahmen abgelehnt, da der Versicherte zur Zeit keine Veränderung
seiner beruflichen Situation anstrebe (act. G 7.1/48). Mit Einsprache vom 7. März
2006/8. Mai 2006 beantragte der Rechtsvertreter, dem Versicherten sei eine
Dreiviertels-, eventuell eine halbe Rente auszurichten. Beanstandet wurde im
Wesentlichen die Berechnung des Invaliditätsgrades, d.h. das Valideneinkommen und
das Invalideneinkommen. Beim Valideneinkommen sei zu beachten, dass das bei der
(damaligen) Kollektivgesellschaft (und heutigen A._ GmbH) erzielte Einkommen im
Jahr 2001 rund Fr. 30'000.-- tiefer ausgefallen sei als in den anderen drei
berücksichtigten Jahren. Das Einkommen 2001 sei daher nicht zu berücksichtigen.
Vielmehr sei das Valideneinkommen auf Grund des in den Jahren 2000, 2002 und 2003
erzielten Einkommens zu berechnen und betrage Fr. 130'732.--. Beim
Invalideneinkommen sei auf die Tabellenlöhne 2002 für den Landwirtschaftssektor oder
produktionsnahe Tätigkeiten abzustellen. Zudem sei nicht auf das Niveau 3, sondern
auf das Niveau 4 abzustellen, da der Einsprecher den Beruf wechseln müsste und
damit nur einfache und repetitive Tätigkeiten ausüben könnte. Die Anwendung von LSE
2002, Ostschweiz, TA7, Ziff. 10 - 13, Niveau 4, Mittelwert, Männer, ergebe einen Wert
von Fr. 57'896.--. Allenfalls kämen die Ziffern 23, 27, 31, 37 oder 40 in Betracht, womit
sich ein durchschnittliches Einkommen von Fr. 53'692.-- ergebe. Zudem sei dem
Einsprecher ein Leidensabzug von 20 % zu gewähren. Dieser trage den
invaliditätsbedingten Einschränkungen, der beruflichen Ausbildung, dem Alter und dem
hypothetisch abverlangten Berufswechsel angemessen Rechnung. Der Invaliditätsgrad
betrage damit 67 % (im Dienstleistungssektor) bzw. 64,5 % (in produktionsnahen
Tätigkeiten; act. G 7.1/57 und 62).
A.d In der Folge holte die IV-Stelle St. Gallen - nebst einer Stellungnahme der IV-Stelle
Bern - einen Arztbericht beim neuen Hausarzt des Einsprechers, Dr. med. C._,
Allgemeine Medizin FMH, ein. Dieser diagnostizierte in seinem Bericht vom 29. Januar
2007 nebst den bestehenden neue, d.h. ab 2006 aufgetretene Beschwerden, so ein
beidseitiges Karpaltunnelsyndrom, rezidivierende Knie- und
Halswirbelsäulenbeschwerden sowie ein depressives Syndrom. Die generelle Mobilität
des Versicherten habe sich in den letzten zwei Jahren verschlechtert und die
Schmerzen hätten sich verstärkt. Gewichte heben und tragen sei nicht mehr möglich.
Er müsse sich möglichst viel bewegen. Die Arbeitsfähigkeit (als Hirte) sei nie grösser als
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50 % gewesen. Angesichts der Entwicklung sei nicht mit einer Verbesserung zu
rechnen (act. G 7.1/77).
Da durch diesen Bericht eine Verschlechterung des Gesundheitszustands des
Einsprechers seit der letzten RAD-Beurteilung vom 1. März 2005 möglich erschien,
ordnete die IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung (orthopädisch, neurologisch,
psychiatrisch) durch die Ärztliche Begutachtungsinstitut GmbH, Basel (ABI), an. Diese
diagnostizierte in ihrem Gutachten vom 30. Januar 2008 (act. G 7.1/87.1 ff.) ein
chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik (M54.5)
und chronische Schulterschmerzen beidseits (M79.6) mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte die ABI
eine Schmerzverarbeitungsstörung (F54), chronische Spannungstyp-Kopfschmerzen (G
44.2), Migräne ohne Aura (G 43.0) sowie ein Karpaltunnelsyndrom beidseits (G 56.0).
Die ABI erachtete schwere körperliche Arbeiten als nicht mehr möglich. Für die
landwirtschaftliche Tätigkeit in ihrer ursprünglichen Form bestehe damit seit Februar
2004 bleibend eine volle Arbeitsunfähigkeit. Die derzeitige (nunmehr auf einem
gepachteten Hof) ausgeübte landwirtschaftliche Tätigkeit könne mangels Kenntnis der
genauen Umstände nicht exakt beurteilt werden. Auf Grund der Schilderungen des
Einsprechers sei aber davon auszugehen, dass sie uneingeschränkt zumutbar sei.
Generell bestehe eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit einer Hebe- und Traglimite von 10 kg in
wechselnder Position, die ohne länger dauernde Zwangshaltungen der unteren
Wirbelsäule und ohne repetitive Überkopfbewegungen der Arme durchgeführt werden
könnten. Die medizinische Situation habe sich seit 2004 nicht wesentlich verändert
(act. G 7.1/87.23 f.).
A.e Mit Entscheid vom 5. Juni 2008 wies die IV-Stelle die Einsprache ab. Da das
Einkommen des Einsprechers vor dem Gesundheitsschaden in den Jahren 2000 bis
2003 relativ stark geschwankt habe, sei auf eine mehrjährige Zeitperiode abzustellen.
Es sei nicht zulässig, ein einzelnes Jahr (2001) auszuklammern, zumal sich das
Einkommen ab dem Jahr 2000 (gegenüber früher) mehr als vervierfacht habe. Das
Valideneinkommen betrage damit Fr. 122'200.--. Der Einsprecher übe keine
Erwerbstätigkeit im zumutbaren Ausmass mehr aus. Demnach sei für die Bemessung
des Invalideneinkommens auf die Tabellenlöhne abzustellen. Der Einsprecher habe den
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Beruf des Landwirts erlernt und habe sich Kenntnisse als Lastwagenchauffeur
angeeignet. Zudem sei er Teilhaber der (vormaligen) A._ & Co. gewesen, womit er
auch über unternehmerische Fähigkeiten verfüge. Er könne nicht mit einem
Hilfsarbeiter verglichen werden. Demnach sei zu Recht vom Anforderungsniveau 3
ausgegangen worden. Gemäss LSE 2002, TA 1, aufgerechnet auf 41,7 Stunden,
ergebe dies ein jährliches Einkommen von Fr. 68'717.--. Ein Leidensabzug sei sodann
nicht vorzunehmen, da der Beschwerdeführer auch körperlich mittelschwere
Tätigkeiten ausüben könne. Auch das geltend gemachte Alter, die berufliche
Qualifikation und der erforderliche Berufswechsel rechtfertigten keinen Abzug vom
Invalideneinkommen. Der Invaliditätsgrad betrage somit 44 %, auf Grund dessen der
Einsprecher Anspruch auf eine Viertelsrente habe (act. G 7.1/97).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 1. Juli 2008
mit dem Antrag auf Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids. Dem
Beschwerdeführer sei sodann eine IV-Rente gemäss den gesetzlichen Bestimmungen
zuzusprechen. Begründet wird die Beschwerde summarisch damit, dass das
Invalideneinkommen deutlich tiefer als von der Beschwerdegegnerin angenommen sei
(act. G 1). Innert gesetzter Nachfrist bis 2. September 2008 reichte der Rechtsvertreter
keine ausführliche Begründung seiner Beschwerde ein. Mit Eingabe vom 6. Oktober
2008 teilte der Rechtsvertreter dem Gericht mit, der Beschwerdeführer sei nun beim
Hausarzt Dr. med. D._ sowie bei Dr. med. E._, FMH Arzt für Rheumaerkrankungen,
in Behandlung. Es seien bei diesen Ärzten Verlaufsberichte einzuholen. Nachdem der
Beschwerdeführer zudem geltend mache, ihm seien keine Tätigkeiten im
Dienstleistungssektor zumutbar, die Beschwerdegegnerin jedoch auf die Tabellenlöhne
im Produktions- und Dienstleistungssektor abstellen wolle, hätte diese eine berufliche
Abklärung sowie eine arbeitsmarktlich-medizinische Abklärung vornehmen müssen. Die
Auffassung, der Beschwerdeführer könne Stellen in Industrie und Gewerbe antreten,
sei eine blosse Hypothese. Sofern er nicht ohnehin Anspruch auf eine Dreiviertelsrente,
eventualiter auf eine halbe Rente habe, sei die Angelegenheit zwecks weiterer
Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (act. G 5).
B.b Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Beschwerdeantwort und beantragt
Abweisung der Beschwerde (act. G 7).
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Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE
121 V 366 E. 1b), sind für den sich bis Ende 2007 verwirklichten Sachverhalt die bis
zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen materiellen Bestimmungen anzuwenden.
Für den danach bis zum Einspracheentscheid vom 5. Juni 2008 verwirklichten
Sachverhalt ist auf das aktuelle materielle Recht abzustellen, wobei dieses in Bezug auf
die Anspruchsvoraussetzungen keine Änderung erfahren hat.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) in der bis am 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung (heute: Art. 28
Abs. 2 IVG) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch
auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch
auf eine Viertelsrente. Gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 16 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ist die
Invalidität grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und
nach der Durchführung der notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre.
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2.2 Grundlage der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens ist die
Arbeitsfähigkeitsschätzung. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist nach
der höchstrichterlichen Rechtsprechung entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a
mit Hinweis; RKUV 2000, 214).
3.
3.1 Vorliegend liess die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer im
Einspracheverfahren durch die ABI begutachten, nachdem der Bericht von Dr. C._
vom 29. Januar 2007 eine Verschlechterung des Gesundheitszustands als möglich
erscheinen liess. Der Verdacht konnte jedoch durch das Gutachten nicht erhärtet
werden. Auch bezüglich Arbeitsfähigkeit blieb es dabei, dass der Beschwerdeführer
zwar die angestammte Tätigkeit als Bauer und Lastwagenchauffeur oder andere
schwere Tätigkeiten nicht mehr ausüben konnte, leichte bis mittelschwere Tätigkeiten
mit einer Gewichts- und Traglimite von 10 kg, in wechselnder Position und ohne
dauernde Zwangshaltung der unteren Wirbelsäule dagegen schon (vgl. act. G
7.1/87.23).
Die medizinische Seite ist vorliegend unbestritten. Eine summarische Prüfung des
Gutachtens ergibt denn auch keine offensichtlichen Mängel, so dass darauf abzustellen
ist. Namentlich berücksichtigt es die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der
medizinischen Vorakten sowie neuer Röntgen- und MRI-Bilder ergangen (vgl.
orthopädische Untersuchung, act. G 7.1/87.13 f.) und überzeugt in den
Schlussfolgerungen, zumal es mit den medizinischen Vorakten weitgehend
übereinstimmt. Die von Dr. C._ diagnostizierten, ab 2006 bestehenden Beschwerden
(beidseitiges Karpaltunnelsyndrom, rezidivierende Knie- und
Halswirbelsäulenbeschwerden, depressives Syndrom) konnten entweder nicht
bestätigt werden (depressive und Kniebeschwerden, vgl. act. G 7.1/87.9 und 87.13)
oder wurden als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beurteilt (Karpaltunnelsyndrom,
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vgl. act. G 7.1/87.22). Anzufügen bleibt, dass auf die in der Beschwerdeergänzung vom
6. Oktober 2008 beantragte Einholung weiterer Arztberichte bei den aktuell
behandelnden Ärzten, Dres. D._ und E._, verzichtet werden kann. Es ist nicht
ersichtlich, inwiefern die Angaben dieser Ärzte die überzeugenden Feststellungen des
Gutachtens erschüttern könnten. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers bringt
denn auch nicht den geringsten Hinweis darauf, in welcher Richtung das Gutachten
nicht schlüssig sein sollte. Sofern die behandelnden Ärzte zudem nur Angaben über
den Gesundheitszustand nach dem 5. Juni 2008 (Erlass Einspracheentscheid) machen,
könnte darauf im vorliegenden Verfahren ohnehin nicht eingegangen werden.
Umstritten bleibt damit nur noch die Bemessung des Valideneinkommens sowie des
Invalideneinkommens, bzw. - streng nach Begründung im Beschwerdeverfahren - nur
noch des Invalideneinkommens. Darauf ist nachfolgend einzugehen.
3.2 Beim Valideneinkommen stellte die Beschwerdegegnerin auf die Angaben der IV-
Stelle Bern in ihrem Bericht vom 26. Oktober 2005, und diese wiederum auf die
Angaben der F._ AG, Treuhand und Steuerberatung, vom 26. Oktober 2005 ab. Darin
deklarierte die Treuhänderin ein ahv-pflichtiges Einkommen des Beschwerdeführers
von Fr. 130'740.-- (2000), Fr. 96'580.-- (2001), Fr. 123'772.-- (2002) sowie
Fr. 137'684.-- (2003; act. G 7.1/28.1). Daraus berechnete die IV-Stelle Bern ein
(aufgerundetes) Valideneinkommen von Fr. 122'200.-- (act. G 7.1/31.5). Demgegenüber
führte der Rechtsvertreter in seiner Einsprache vom 8. Mai 2006 noch aus, das
Einkommen des Jahres 2001 habe unberücksichtigt zu bleiben, da es gegenüber den
anderen Jahren um rund Fr. 30'000.-- abfalle (act. G 7.1/62.2). In der vorliegenden
Beschwerde bestreitet er das Valideneinkommen nicht mehr explizit. Mit der
Beschwerdegegnerin ist davon auszugehen, dass für das Valideneinkommen ein
Einkommen vor Februar 2004 (Eintritt des Gesundheitsschadens) zu berücksichtigen
ist. Wie die Einträge im Individuellen Konto zeigen, betrugen die gemeldeten
Einkommen des Beschwerdeführers aus selbstständiger Erwerbstätigkeit in Jahren vor
2000 nur zwischen Fr. 11'100.-- (1997) und Fr. 36'300.-- (1992; act. G 7.1/44). Wie die
Beschwerdegegnerin bemerkte, ist das Einkommen des Beschwerdeführers ab 2000
sprunghaft angestiegen. Es ist deshalb nichts dagegen einzuwenden, wenn die
Beschwerdegegnerin den Durchschnittswert aus den vier der Invalidität
vorangegangenen Jahren bildet. Da auch diese Einkommen, wie bei Selbstständigen
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üblich, schwankten, rechtfertigt es sich nicht, das Jahr 2001 unberücksichtigt zu
lassen. Auch dieses Einkommen von Fr. 96'580.-- liegt noch weit über den vor 2000
erzielten Einkommen. Mithin ging die Beschwerdegegnerin zu Recht von einem
Valideneinkommen von Fr. 122'200.-- aus, wie auch der Rechtsvertreter im
vorliegenden Verfahren nicht mehr ernsthaft bestreitet.
3.3 Für das Invalideneinkommen berücksichtigte die Beschwerdegegnerin zunächst
ein Invalideneinkommen von Fr. 68'605.--. Dieses wurde von der IV-Stelle Bern
gestützt auf die Lohnstrukturerhebung 2002, TA7, Ziff. 26 (Verkauf von Grundstoffen
und Investitionsgütern), Niveau 3, Männer, Zentralwert, mit Fr. 6'452.-- : 40 X 41,7 X 12
= Fr. 80'712.-- errechnet. Davon gewährte die IV-Stelle Bern einen Leidensabzug von
15 %, was den auch von der Beschwerdegegnerin verwendeten Wert von Fr. 68'605.--
ergibt (vgl. act. G 7.1/31.5). In ihrem Einspracheentscheid vom 5. Juni 2008 ging die
Beschwerdegegnerin sodann von der LSE 2002, TA1, Niveau 3, Gesamtwert, Männer
aus (Fr. 5'493.--), was - auf 41,7 Stunden hochgerechnet, und ohne Berücksichtigung
eines Leidensabzugs - den ähnlichen Wert von Fr. 68'717.-- ergibt (act. G 7.1/97 S. 4).
Indem die Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid nur noch den
Durchschnittswert gemäss TA1 und nicht mehr den spezifischeren Wert gemäss TA7,
Ziff. 26 (Verkauf von Grundstoffen und Investitionsgütern) verwendete, trug sie den
Ausführungen des Rechtsvertreters in dessen Einspracheschrift vom 8. Mai 2006
bereits dahingehend Rechnung, dass nicht von einer qualifizierteren Tätigkeit im
Verkauf ausgegangen werden kann. Nachdem der Beschwerdeführer gelernter
Landwirt ist und die Lastwagenprüfung abgelegt hatte (vgl. act. G 7.1/21.1), erscheint
eine solche Tätigkeit tatsächlich als nicht adäquat. Im Weiteren ist unbestritten, dass
der Beschwerdeführer in der zuletzt ausgeübten landwirtschaftlichen Tätigkeit
(Selbsteingliederung) weniger verdient als in einer unselbstständigen Tätigkeit, weshalb
auf die Tabellenlöhne abzustellen ist. Umstritten ist dagegen, ob dem
Beschwerdeführer eine Tätigkeit auf Niveau 3 oder nur auf Niveau 4 möglich ist und ob
ihm zusätzlich ein Leidensabzug zu gewähren sei.
Diesbezüglich führte der Rechtsvertreter in seiner Einsprache aus, der
Beschwerdeführer sei ausgebildeter Landwirt und habe im gemeinsamen Betrieb mit
seinem Bruder als Chauffeur gearbeitet. Es kämen daher vor allem Tätigkeiten im
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Landwirtschaftssektor oder produktionsnahe Tätigkeiten in Frage. Auf Grund des
Umstandes, dass der Beschwerdeführer den Beruf wechseln müsste, könnten bei ihm
offensichtlich keine Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt werden. Es seien nur
einfache und repetitive Tätigkeiten, also Niveau 4, möglich. Demgegenüber geht die
Beschwerdegegnerin davon aus, dass der Beschwerdeführer mit seiner Ausbildung als
Landwirt, seinen Kenntnissen als Lastwagenchauffeur sowie seinen unternehmerischen
Fähigkeiten im Niveau 3 anzusiedeln ist.
Zwar ist mit der Beschwerdegegnerin grundsätzlich davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer mit seinen Fähigkeiten in der Lage wäre, eine Tätigkeit im Niveau 3
auszuüben, da er nicht bloss als Hilfsarbeiter, sondern als Berufsmann anzusehen ist.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin ist indessen fraglich, ob er dieses
Niveau ohne berufliche Massnahmen erreichen kann, sind dem Beschwerdeführer
doch gerade die erlernten Tätigkeiten als Landwirt und Lastwagenchauffeur aus
gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich. Nachdem die Beschwerdegegnerin
davon ausgeht, der Beschwerdeführer schöpfe mit seiner jetzigen
(belastungsreduzierten) selbstständigen Tätigkeit seine erwerblichen Möglichkeiten
nicht voll aus, weshalb dem Beschwerdeführer eine unselbständige Erwerbstätigkeit
zumutbar sei, nützen ihm sodann auch seine unternehmerischen Fähigkeiten wenig.
Die Beschwerdegegnerin bleibt denn in ihrer Aufzählung der verbleibenden
Möglichkeiten vage. Insbesondere ist nicht ohne Weiteres davon auszugehen, der
Beschwerdeführer könne in einem anderen als dem erlernten Beruf (oder sogar in
einem anderen Sektor wie dem Dienstleistungssektor) eine Tätigkeit ausüben, die
Berufs- und Fachkenntnisse voraussetzt und zudem seine medizinisch unbestrittenen
Einschränkungen berücksichtigt. Mit dem Beschwerdeführer ist davon auszugehen,
dass er ohne Umschulung wohl nur einfache und repetitive Tätigkeiten ausüben kann.
So sind denn auch die von der Beschwerdegegnerin genannten
Überwachungsfunktionen eher im Niveau 4 anzusiedeln.
Insgesamt scheinen somit die beruflichen Möglichkeiten zu wenig abgeklärt. Die
Streitsache ist demzufolge an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese
konkret auszuübende Tätigkeiten festsetzt und den Beschwerdeführer zu einer
allfälligen Umschulung aufbietet. Erst dann - und nach einem allfällig nötigen Mahn-
und Bedenkzeitverfahren gemäss Art. 21 Abs. 4 ATSG (vgl. auch Entscheid des
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Bundesgerichts vom 27. Mai 2008 [9C_24/08], E. 2.3.3, mit Hinweis auf SVR 2008 IV
Nr. 7 S. 19 [I 824/06]) - lässt sich beurteilen, welches Einkommen dem
Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit zuzumuten ist. Sollte dabei wiederum
auf Tabellenlöhne abgestellt werden müssen, wird auf der Grundlage der ergänzten
erwerblichen Abklärungen die Frage zu beantworten sein, ob vom Anforderungsniveau
3 oder 4 auszugehen und ob ein Leidensabzug anzurechnen ist. Anhand des neu
ermittelten Invalideneinkommens hat die Beschwerdegegnerin sodann über den
Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu zu verfügen.
4.
4.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist der angefochtene
Einspracheentscheid vom 5. Juni 2008 aufzuheben und die Sache zwecks
Spezifikation der zumutbaren Tätigkeiten und allfälliger Umschulung bzw. allfälliger
Durchführung des Mahn- und Bedenkzeitverfahrens und zu neuer Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Die Novelle des Art. 69 Abs. 1 IVG trat per 1. Juli 2006 in Kraft. Nachdem zu
diesem Zeitpunkt das Einspracheverfahren noch hängig war, sind für dieses Verfahren
keine Gerichtskosten zu berechnen (Art. 61 lit. a ATSG in Verbindung mit
Übergangsbestimmungen lit. b zur Änderung vom 16. Dezember 2005).
Dementsprechend ist dem Beschwerdeführer der (irrtümlich verlangte)
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückzuerstatten.
4.3 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend, der praxisgemäss als vollständiges
Obsiegen gilt, hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der Parteikosten (Art. 61
lit. g ATSG). Eine Entschädigung von Fr. 2'500.-- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) erscheint vorliegend als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG