Decision ID: 54e58183-2cf5-5281-9863-7484a0376716
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1956, ist seit 1998 als Schneider und Modeberater selb
ständig erwerbstätig (
Urk.
6/3/6). Am
1.
Dezember 2015 meldete er sich unter Hinweis auf seit 2011 bestehende Schwindelbeschwerden bei der Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/3/6).
Die IV-Stelle tätigte Abklärungen in medizinischer und beruflich-erwerblicher Hinsicht.
Mit Vorbescheid vom 2
4.
Februar 2016 kündigte sie dem Versicherten die Abweisung seines Leistungsbegehrens an (
Urk.
6/15). Dagegen erhob er am 2
4.
März 2016 Einwand (
Urk.
6/16). Am 2
8.
April 2016
reichte
er eine
ergänzende
Einwandbegründung
ein
(
Urk.
6/21)
. Daraufhin
zog
die IV-Stelle
den Bericht von
Dr. A._
, Spezialarzt FMH für Otorhinolaryngologie Hals- und Gesichtschirurgie,
b
ei (
Urk.
6/23). Dazu
liess sich
der Versicherte am
7.
September 2016
vernehmen
(
Urk.
6/27).
Hernach
ersuchte
die IV-Stelle
Dr.
A._
um eine Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit des Versicherten (
Urk.
6/29).
Dr.
A._
erstattete seine Antwort
am
7.
Dezember 2016 (
Urk.
6/30). Am 2
0.
Dezember 2016 bat die IV-Stelle den Versicherten um die Bekanntgabe der weiteren
neuro-oto
metrischen
Abklärungen (
Urk.
6/31).
Der Versicherte teilte ihr
a
m
3.
Januar 2017
mit, dass diese Abklärungen bislang noch nicht durchgeführt worden seien (
Urk.
6/32
). Am
1.
Februar 2017 nahm er sodann zum Schreiben von
Dr.
A._
vom
7.
Dezember 2016 Stellung (
Urk.
6/36).
Nach der Prüfung des Einwandes des Versicherten
und der beigezogenen Unterlagen
verfügte die IV-Stelle am 2
8.
Feb
ruar 2017 wie vorbeschieden die Abweisung des Leistungsbegehrens (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 2
7.
März 2017 Beschwerde und beantragte
(
Urk.
1 S. 2 f.)
:
"1.
Das Verfahren sei an die Beschwerde
gegnerin
zurückzuweisen
.
2.
Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, weitere medizinische Abklärungen vor
zunehmen, namentlich soll die von
Dr.
A._
vorgeschlagene
funktionalopto
metr
ische
Untersuchung durch Frau B._
durchgeführt werden und allenfalls zusätzlich eine MRI-Spektroskopie
.
3.
Die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, im Anschluss an die Abklärungen ein unabhängiges medizinisches Gutachten gemäss
Art.
44 ATSG einzuholen, wobei zwingend eine neuro-
otologische
Teilbegutachtung vorzunehmen ist
.
4.
Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, gemäss
Rz
. 3029 ff. KSIH, durch eine beigezogene Fachperson vertiefte Abklärungen bezüglich der erwerblichen Aus
wir
kungen der teilweisen Arbeitsunfähigkeit auf die Einkommenssituation als selbstän
dig erwerbstätiger Schneider mit Hilfe eines Berufsberaters vorzunehmen, allenfalls im Rahmen einer BEFAS (
Rz
. 5018 ff. KSVI)
.
5.
Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, einen vor Ort, in der Firma des Beschwerdeführers, erhobenen Bericht durch den Abklärungsdienst einzuholen, gemäss
Rz
. 2114 ff. KSVI
.
6.
Bei der Berechnung des Invaliditätsgrades sei den Besonderheiten einer selbstän
di
gen Tätigkeit Rechnung zu tragen. Das Validen- und das Invalideneinkommen seien neu zu bestimmen, gemäss den nachfolgenden Ausführungen.
7.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zugunsten des Beschwerdeführers
.“
Mit Beschwerdeantwort vom 19. Mai 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (Urk. 5, unter Beilage der IV-Akten [Urk. 6/1-44]),
was dem Beschwerdeführer am 2
2.
Mai 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf Invaliden
leis
tungen der Beschwerdegegnerin hat.
2.
2.1
2.1.1
Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körper
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Un
fähigkeit, im bis
herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgaben
bereich berücksichtigt (
Art.
6
des Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
2.
1.
2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Er
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglich
keiten auf dem in Betracht kom
menden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.
2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
3
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtge
mäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozial
versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stam
men, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allsei
tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
4
2.
4
.1
Gemäss
Art.
43
Abs.
1
ATSG
prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein. Mündlich erteilte Auskünfte sind schriftlich festzuhalten.
Der Untersuchungsgrundsatz gilt gemäss Art. 61
lit
. c ATSG auch im Verfahren vor dem kantonalten Versicherungsgericht.
2.
4
.2
Art.
43
Abs.
1 ATSG
statuiert die Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen, wobei es im Ermessen des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln diese zu erfolgen hat. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt ihm ein
grosser
Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und
Zweckmässigkeit
von medizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der jeweiligen Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungs
grundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungs
an
spruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann
(Urteil des Bundesgerichts
9C_1037/
2010
vom 1
0.
Oktober 2011 E. 5.1)
. Die Annahme einer Beweislosigkeit ist erst möglich, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen der Abklärungspflicht aufgrund der Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahr
schein
lichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen
(
Urteil des Bundesge
richts 9C_254/2017 vom 2
1.
August 2017 E.
4.4
).
3.
3.1
Die Hausärztin des Beschwerdeführers,
Dr.
C._
, Innere Medizin FMH, nannte in ihrem Arztbericht vom
7.
Dezember 2015 als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seit 2004 immer wieder auftretende Schwindelepisoden sowie
einen
Verdacht auf
eine
depressive Entwicklung (
Urk.
6/7/1). Dazu hielt sie fest, dass beim Beschwerdeführer seit 2004 immer wieder Schwindel
atta
cken mit Konzentrationsstörungen und Ohrensausen aufge
treten seien. Deswegen verbringe der Beschwerdeführer teilweise einen ganzen Tag im Bett.
Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers als selbständiger Schnei
der führte sie sodann aus, dass
er
sich
wegen der Schwindelbeschwerden bislang
nicht bei ihr gemeldet habe. Er falle
aber
seit Jahren tageweise aus (
Urk.
6/7/2). Die bisherige Tätigkeit sei ihm noch zu 50
%
zu
mut
bar, wobei der zeitliche Rah
men schwer einschätzbar sei, da die Schwindel
beschwerden unvorhersehbar seien (
Urk.
6/7/3). Die Frage, ob sich die Ein
schrän
kungen durch medizinische Mass
nahmen vermindern lassen würden, sei auf
grund des Berichts der Neurologin zu beantworten (
Urk.
6/7/3).
3.2
Die von Dr. D._
befundete
native und kontrast
mittel
ver
stärkte MR-Untersuchung des Schädels, speziell der hinteren Schädelgrube vom 16. Dezem
ber 2015 ergab intrakraniell kein
en
pathologische
n
Befund. Das Gehirn war strukturell völlig unauffällig. Es ergaben sich keine Hinweise auf vaskuläre Lä
si
onen. Der Befund am Innenohr, im inneren Gehörgang und im Klein
hirn
brücken
winkel beidseits war unauffällig. Zudem zeigte sich eine alters
übliche zerebrale
Trophik
und ein normaler
kraniozervikaler
Übergang (
Urk.
6/11/4).
3.3
Dr.
E._
, Fachärztin FMH für Neurologie,
führte in ihrem Bericht vom 1
8.
Dezember 2015 die Diagnosen unspezifische Schwindel
be
schwerden ohne Hinweis für zentralnervöse Ursache sowie Diabetes mellitus II, labile Hypertonie,
Dyslipidämie
und Adipositas als vaskuläre Risikofaktoren an (
Urk.
6/11/2). In ihrer Beurteilung hielt sie fest, dass die Art der beklagten Beschwerden, der jetzt normale Befund klinisch neurologisch,
dopplersonogra
phisch
an den hirnzuführenden Arterien und auch am Schädel keinen Hinweis für eine
zugrundeliegende
zentralnervöse oder
zerebr
o
vaskuläre
Ursache geben würden. Differentialdiagnostisch sei am Rande an eine
periphervestibuläre
Stö
rung zu denken. Dafür fänden sich klinisch im jetzigen beschwerdefreien Intervall aber keine Anhaltspunkte.
Differ
e
ntialdiagnostisch sei auch eine psych
o
s
omati
sche depressive Komponente
möglich
(
Urk.
6/11/3).
Dazu hielt sie weiter fest, dass aus neurologischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe (
Urk.
6/11/1).
3.4
In seinem Bericht
vom 2
6.
Mai 2016 führte
Dr.
A._
unter anderem
aus, obwohl die neuro
logische Untersuchung keinen Hinweis für eine zentral-nervöse Ursache
für
chroni
fizierte
Schwindel- und Gleichgewichtsbeschwerden des Beschwerdeführers er
geben hätten, würden die jetzt erhobenen Befunde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für eine im Vordergrund liegende zent
ral-vesti
buläre Funktions
störung sprechen
.
Da in der
Kernspinotomographie
des
Neuro
craniums
mor
phologisch keine von der Norm abweichenden Befunde fest
zu
stellen seien, sei
en die zentral-
verstibulär
und
visuo-oculomotorische
Funk
tions
störun
gen mit einer Funktions
störung auf Neurotransmitter-Ebene er
klärbar und wären möglicherweise durch eine MRI-Spektroskopie erfassbar (Urk. 6/23/7). Zusätzlich sei anhand der erhobenen neuro-
otometrischen
Befunde eine er
gän
zende
funktionaloptomet
rische
Untersuchung bei Frau B._
,
Funk
tionalop
tometristin
in Solothurn,
i
ndiziert, da sich anhand dieser Befunde zusätzlich the
rapeutische Aspekte im Sinne eines
Visualtrainings
ergeben könn
ten (
Urk.
6/23/8).
Dr.
A._
hielt in seinem Schreiben an die Beschwerdegegnerin vom
1.
Juli 2016 sodann fest, dass ihn der Beschwerdeführer im April 2016 konsultiert habe. Er habe den Beschwerdeführer jedoch nicht arbeitsunfähig geschrieben (
Urk.
6/23/1).
Alsdann schrieb Dr.
A._
der Beschwerdegegnerin am
7.
Dezember 2016,
dass
von ihm anhand der neuro-
otometrischen
Befunde weitere Untersuchungen indiziert worden seien, um auch präziser therapeutische Massnahmen treffen zu können. Nach seinen Kenntnissen seien die weiteren notwendigen Unter
suchun
gen noch nicht alle durchgeführt worden. Die Ergebnisse dieser Unter
suchungen seien jedoch für die genaue Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdefüh
rers notwen
d
ig.
Die Schwindel
beschwerden würden schon ca. 10 Jahre andauern. E
r
habe
den Beschwerdeführer nur einmal untersucht
und
bisher keine Verlaufs
kontrolle durchgeführt
.
Er habe den Beschwerdeführer noch nie arbeitsunfähig geschrieben. Er sei daher nicht in der Lage
,
die Fragen der Beschwerdeführerin betreffend Auswirkungen der Schwindelsymptomatik auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers als selbs
tändig erwerbstätiger Schneider sowie zum Beginn der Arbeitsunfähigkeit (Urk. 6/28/1) zu beantworten. Die Beschwerdegegnerin müsse sich diesbezüglich an die Hausärztin des Beschwerde
führers wenden (
Urk.
6/30).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer bringt vor, die Beschwerdegegnerin habe den Unter
su
chungsgrundsatz verletzt, weil sie keine weitere
n
medizinische
n
Abklärungen durchgeführt habe. Sie hätte insbesondere die von Dr.
A._
vorgeschlagene
funktionaloptometri
sche
Untersuchung durch Frau B._
und allenfalls zusätzlich eine MRI-Spektroskopie
veranlassen müssen
(
Urk.
1 S. 5 ff.
)
.
4.2
Die Hausärztin des Beschwerdeführers berichtete am 7. Dezember 2015 von seit 2004 immer wieder auftretenden Schwindelepisoden, welche die Konzentrations
fähigkeit einschränken würden. Sodann hielt sie fest, dass ihr Patient immer gearbeitet habe und bloss tageweise ausgefallen sei; dies habe zu einem massiven Umsatzeinbruch geführt. An und für sich sei die Arbeit als Schneider gut geeig
net; sie sei ihm indes bloss im Umfang von 50 % zumutbar, da er infolge der unvorhersehbaren Schwindelattacken nur schwer einsetzbar sei (Urk. 6/7). Dr.
E._
, bei welcher die Hausärztin eine fachärztliche Abklärung ver
anlasst hatte, kam zum Schluss, dass aus neurologischer Sicht keine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit bestehe (Urk. 7/11). Auch Dr.
A._
konnte nach seiner neuro-
otologischen
Untersuchung, worüber er am
26. Mai 2016 berichtete (Urk. 6/23/2 ff.), keine Arbeitsunfähigkeit attestieren (Urk. 6/23/1). Wenn er spä
ter auf Nachfrage der IV
Stelle hin ausführt, die von ihm empfohlenen Untersu
chungen seien noch nicht durchgeführt worden, deren Ergebnisse seien jedoch für die "genaue Beurteilung" der Arbeitsfähigkeit des Patienten notwendig, ver
mag dies nicht zu überzeugen, zumal er die Indikation für zusätzliche Untersu
chungen zunächst mit der Möglichkeit begründete, präzisere therapeutische Mass
nahmen treffen zu können (Urk. 6/30). Von der Krankenversicherung zu übernehmende Leistungen müssen wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sein (Art. 32 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung, KVG). Bezeich
nenderweise verweigerte die Krankenkasse des Beschwerdeführers die Kosten
übernahme der von Dr.
A._
als indiziert erachteten weiteren Untersuchun
gen (Urk. 6/32). Bei seiner Argumentation übersieht der Beschwerdeführer, dass der im Verwaltungsverfahren geltende Untersuchungsgrundsatz nicht verlangt, dass der Gesundheitsstatus einer Person ohne Anlass bezüglich sämtlicher mög
licher Fachdisziplinen im Sinne einer unentgeltlichen Vorsorgemassnahme
vom Versicherungsträger abzuklären wäre; wenn behandelnde Ärzte trotz Verdacht auf eine Gesundheitsstörung eines bestimmten Fachgebietes keine Überweisung an einen entsprechend spezialisierten Facharzt für notwendig halten respektive veranlassen, besteht auch für die Invalidenversicherung keine Pflicht, diesbezüg
lich weitere Nachforschungen zu tätigen und Abklärungen durchzuführen. Im vorliegenden Fall haben zwar sowohl die Hausärztin als auch die konsiliarisch tätige Neurologin eine depressive Komponente nicht ausgeschlossen (Urk. 6/7/1, 6/11/3). Eine Notwendigkeit weiterer Abklärungen in dieser Hinsicht hielten sie - wie auch Dr.
A._
- indes nicht für gegeben.
Ebensowenig
besteht eine Pflicht zur Durchführung von Massnahmen, für welche die Voraussetzungen einer Kos
tenübernahme durch die Krankenversicherung nicht erfüllt sind. Entsprechend kann der IV
Stelle nicht vorgeworfen werden, sie habe notwendige Abklärungs
massnahmen im Sinne von Art. 43 ATSG unter-lassen.
4.3
Aus dem IK-Auszug geht hervor, dass der Beschwerdeführer im Jahr 1999 eine selbständige Tätigkeit aufgenommen hat. In der Folge rechnete er folgende bei
tragspflichtigen Einkommen ab (Urk. 6/8):
-
1999
Fr.
5'715.--
-
2000
Fr.
7'623.--
-
2001
Fr.
7'623.--
-
2002
Fr.
9'600.--
-
2003
Fr.
13'000.--
-
2004
Fr.
8'307.--
-
2005
Fr.
8'307.--
-
2006
Fr.
48'700.--
-
2007
Fr.
20'500.--
-
2008
Fr.
34'700.--
-
2009
Fr.
28'200.--
-
2010
Fr.
45'100.--
-
2011
Fr.
23'100.--
-
2012
Fr.
27'200.--
-
2013
Fr.
9'333.--
(Verlust von Fr. 445.--, Urk. 6/13/28 f.)
-
2014
Fr.
20'971.--
(Urk. 6/13/15 ff.)
-
2015
Fr.
21'066.--
(Urk. 6/20)
Entgegen der vom Beschwerdeführer vertretenen Auffassung kann aus diesen Einkommenszahlen nicht geschlossen werden, dass je ein krankheitsbedingter Gewinneinbruch stattgefunden hat. Seit je erzielte der Beschwerdeführer bloss bescheidene Gewinne; lediglich in den Jahren 2006 und 2010 erwirtschaftete er ein Einkommen von über Fr. 40'000.--. Auch die Gewinne der Jahre 2013 bis 2015 bewegten sich nicht ausserhalb der langjährigen Bandbreite. Vor diesem Hintergrund erweist sich die Annahme der Hausärztin vom 7. Dezember 2015, der Beschwerdeführer sei bloss im Umfang von 50 % arbeitsfähig, da seine gesundheitlichen Beschwerden zu einem massiven Umsatzeinbruch geführt hät
ten, als spekulativ. Zu letzterem ist anzumerken, dass der Umsatz zwischen 2010 und 2014 zwar zurückgegangen, indes auch der Aufwand für angestelltes Perso
nal und für den Materialeinkauf gleichermassen abgenommen hat (vgl. die Jah
resrechnungen 2010 bis 2014, Urk. 6/13). Entsprechend kann aus dem im Bereich der üblichen Schwankungen liegenden Umsatzrückgang nicht auf eine Beein
trächtigung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers geschlossen werden.
4.4
Gestützt auf die überzeugende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch Dr.
E._
und die dargelegte Einkommensentwicklung kann mit dem im Sozialver
sicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit erstellt werden, dass weder die Arbeits- noch die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers in invalidenversicherungsrechtlich relevanter Weise beein
trächtigt sind.
5.
Nach dem Gesagten ist es nicht zu beanstanden, dass die IV
Stelle mit der ange
fochtenen Verfügung einen Leistungsanspruch des Beschwerdeführers verneint hat. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten in der Höhe von
Fr.
7
00.--
dem unterliegenden Beschwerde
führer
aufzuerlegen.