Decision ID: 792992d6-bd24-579c-b33d-dc2600ed1222
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Entscheid Verwaltungsgericht, 19.02.2015 Ausländerrecht. Art. 63 Abs. 1 lit. b und 62 lit. b AuG (SR 142.20). Bestätigung der Rechtmässigkeit des Widerrufs einer Niederlassungsbewilligung wegen Verschuldung und erheblicher Straffälligkeit des Beschwerdeführers. Von einer Freiheitsstrafe von über einem Jahr war unter Berücksichtigung (Addierung) der Zusatzstrafen auszugehen. Die Vorinstanz war nicht verpflichtet, den Sachverhalt von Amtes wegen kurz vor der Entscheidfällung zu aktualisieren. Es war vielmehr am Beschwerdeführer aufgrund seiner Mitwirkungspflicht (Art. 90 AuG), bereits im vorinstanzlichen Verfahren alle entscheidwesentlichen Tatsachen vorzubringen und nachzuweisen sowie dem Verwaltungsgericht allfällige für den Verfahrensausgang relevante Entwicklungen der tatsächlichen Umstände mit entsprechenden Belegen zur Kenntnis zu bringen (Verwaltungsgericht, B 2013/260).Entscheid vom 19. Februar 2015 BesetzungPräsident Eugster; Verwaltungsrichter Linder, Heer, Rufener, Bietenharder; Gerichtsschreiber SchmidVerfahrensbeteiligteX.Y.,Beschwerdeführer,vertreten durch Rechtsanwalt Jürg Federspiel, Lindenstrasse 37, Postfach 356, 8034 Zürich,gegenSicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen, Oberer Graben 32, 9001 St. Gallen,Vorinstanz,GegenstandWiderruf der NiederlassungsbewilligungDas Verwaltungsgericht stellt fest:A.
a. X.Y., geb. 1978, serbischer Staatsangehöriger, reiste im Oktober 1988 in die
Schweiz ein. Er verfügt über eine Niederlassungsbewilligung (act. G 7/4 Dok 79/99).
Nach seinen Angaben heiratete er im Oktober 1998 eine Landsfrau (act. G 7/4 Dok
92/99); von Seiten der Einwohnerkontrolle seines Wohnortes wurde er im September
2005 mit Zivilstand "ledig" vermerkt (act. G 7/4 Dok 49/99). In den Jahren 1997 bis
2004 wurde X.Y. verschiedentlich strafrechtlich verurteilt (vgl. dazu nachstehende E.
3.1). Mit Verfügung vom 25. August 2004 drohte das Ausländeramt (heute:
Migrationsamt) ihm insbesondere wegen der strafrechtlichen Verurteilungen die
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Wegweisung aus der Schweiz bzw. den Widerruf der Niederlassungsbewilligung an
und hielt fest, im Übrigen komme er seinen finanziellen Verpflichtungen nicht
ordnungsgemäss nach (act. G 7/4 Dok 56/99).
b. Nachdem X.Y. in den Folgejahren bis 2012 erneut straffällig geworden war, widerrief
das Migrationsamt nach Einräumung des rechtlichen Gehörs (act. G 7/4 Dok 18/99) mit
Verfügung vom 5. Juni 2013 die Niederlassungsbewilligung. Das Verhalten von X.Y.
habe sowohl in strafrechtlicher als auch in finanzieller Hinsicht zu Klagen Anlass
gegeben, weshalb er den Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes
über die Ausländerinnen und Ausländer (SR 142.20; AuG) erfülle. Obwohl er zeitweise
drogensüchtig gewesen sei und sich derzeit in einem Methadonprogramm befinde,
wiege sein Verschulden schwer. Sein Verhalten zeige, dass er nicht gewillt und nicht in
der Lage sei, sich an die schweizerische Rechtsordnung zu halten. So hätten ihn weder
Strafverfahren, laufende Probezeiten und eine Verwarnung im Jahr 2004 davon
abgehalten, wiederholt und massiv straffällig zu werden. Aufgrund der Verurteilungen
und der dabei geäusserten kriminellen Energie könne auch nicht von einer guten
Integration gesprochen werden. Eine Rückfallgefahr müsse nicht hingenommen
werden. Er habe einen Teil seiner Kindheit im Herkunftsland verbracht und sei mit den
dortigen Lebensumständen vertraut. Als Erwachsener sei er nicht auf den Beistand der
in der Schweiz lebenden Eltern und Geschwister angewiesen (act. G 7/4 Dok 4/99).
Den gegen diese Verfügung von Rechtsanwalt Jürg Federspiel, Zürich, für X.Y.
erhobenen Rekurs (act. G 7/4 Dok 2/99) wies das Sicherheits- und Justizdepartement
des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 22. November 2013 ab (act. G 2).
B.
a. Gegen diesen Rekursentscheid erhob Rechtsanwalt Federspiel für X.Y. mit Eingabe
vom 12. Dezember 2013 Beschwerde (act. G 1). Er beantragte Aufhebung des
angefochtenen Entscheids und der zugrunde liegenden Verfügung vom 5. Juni 2013
(Ziff. 1). Es sei auf den Widerruf der Niederlassungsbewilligung zu verzichten und der
Beschwerdeführer stattdessen zu verwarnen (Ziff. 2). Eventualiter seien weitere
Sachverhaltsabklärungen vorzunehmen; subeventualiter sei auf eine Wegweisung zu
verzichten und dem Beschwerdeführer zumindest eine Aufenthaltsbewilligung zu
erteilen (Ziff. 3).
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Auf die Darlegungen in dieser Eingabe wird, soweit für den Entscheid relevant, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.
b. In der Stellungnahme vom 17. Januar 2013 (richtig: 2014) beantragte die Vorinstanz
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die Erwägungen im
angefochtenen Entscheid (act. G 6).

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 in Verbindung
mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 12. Dezember 2013
rechtzeitig erhoben und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf
die Beschwerde ist grundsätzlich - d.h. mit Ausnahme des Antrags Ziff. 3, der
unbegründet blieb - einzutreten. Im Weiteren ist auf das Begehren, die Verfügung des
Migrationsamtes vom 5. Juni 2013 sei aufzuheben (Beschwerdeantrag Ziff. 1), nicht
einzutreten, da der angefochtene Rekursentscheid an deren Stelle getreten ist
(Devolutiveffekt; vgl. BGE 129 II 438 E. 1).
2.
2.1. Streitig ist, ob der vom Migrationsamt verfügte Widerruf der
Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers im vorinstanzlichen Entscheid zu
Recht bestätigt wurde. Zum Subeventualstandpunkt des Beschwerdeführers (act. G 1
Anträge Ziff. 3) ist - soweit darauf eingetreten werden könnte - festzuhalten, dass es
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ausgeschlossen ist, anstelle der
widerrufenen Niederlassungsbewilligung eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen (BGer
2C_634/2011 vom 27. Juni 2012 E. 4.3 mit Hinweisen). - Die Niederlassungsbewilligung
von Ausländern, die sich seit mehr als fünfzehn Jahren ununterbrochen und
ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten, kann nur aus Gründen von Art. 63 Abs. 1 lit.
b AuG (schwerwiegender Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung oder
Gefährdung der inneren oder äusseren Sicherheit) oder Art. 62 lit. b AuG (Verurteilung
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zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe oder Anordnung einer strafrechtlichen
Massnahme) widerrufen werden (Art. 63 Abs. 2 AuG). Nach einem ununterbrochenen
und ordnungsgemässen Aufenthalt von über fünfzehn Jahren ist also ein Widerruf der
Niederlassung auch im Falle dauerhaften, erheblichen und auch in Zukunft zu
erwartenden Sozialhilfebezugs (vgl. Art. 63 Abs. 1 lit. c AuG) ausgeschlossen (vgl.
Spescha/Thür/Zünd/Bolzli, Migrationsrecht, 3. A. 2012, Rz 12 zu Art. 63 AuG). Gegen
die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG wird
gemäss Art. 80 Abs. 1 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit
(SR 142.201; VZAE) unter anderem dann verstossen, wenn gesetzliche Vorschriften
und behördliche Verfügungen missachtet (lit. a) oder öffentlich- oder privatrechtliche
Verpflichtungen mutwillig nicht erfüllt werden (lit. b). Von einer Gefährdung der
öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG ist
auszugehen, wenn konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Aufenthalt des
Ausländers in der Schweiz mit erheblicher Wahrscheinlichkeit zu einem Verstoss gegen
die öffentliche Sicherheit und Ordnung führt (Art. 80 Abs. 2 VZAE). Ist der Ausländer
hinsichtlich seiner Schulden bereits verwarnt worden, ist ein Widerruf nur angebracht,
wenn keine wesentliche Verbesserung eingetreten ist und das vom Gesetz als
unerwünscht bezeichnete Verhalten fortgesetzt wurde. Die betreffende Person muss
also trotz Androhung ausländerrechtlicher Nachteile weiterhin mutwillig Schulden
gemacht haben. Allein aus einem Anstieg der Betreibungen kann hingegen nicht ohne
weiteres auf Mutwilligkeit geschlossen werden. Es kommt vielmehr darauf an, welche
Anstrengungen zur Sanierung zwischenzeitlich unternommen worden sind (vgl.
BGer 2C_273/2010 vom 6. Oktober 2010, E. 3.4).
2.2. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung muss in jedem Fall
verhältnismässig sein (vgl. dazu BGE 139 I 16 E. 2.2; 135 II 377 E. 4.3 und 4.5). Dabei
sind namentlich die Schwere des Delikts und des Verschuldens des Betroffenen, der
seit der Tat vergangene Zeitraum, das Verhalten des Ausländers während diesem, der
Grad seiner Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die ihm und
seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (BGE 135 II 377 E. 4.3). Die
Niederlassungsbewilligung eines Ausländers, der sich schon seit langer Zeit hier
aufhält, soll nur mit Zurückhaltung widerrufen werden. Bei wiederholter bzw. schwerer
Straffälligkeit ist dies jedoch selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn er hier geboren
ist und sein ganzes bisheriges Leben im Land verbracht hat (vgl. BGer 2C_562/2011
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vom 21. November 2011 E. 3.3 [Widerruf der Niederlassungsbewilligung eines hier
geborenen 43-jährigen Türken]). Bei schweren Straftaten und bei Rückfall bzw.
wiederholter Delinquenz besteht regelmässig ein wesentliches öffentliches Interesse
daran, die Anwesenheit eines Ausländers zu beenden, der die Sicherheit und Ordnung
derart beeinträchtigt (vgl. BGE 139 I 145 E. 2.4 und 2.5; BGer 2C_903/2010 vom 6. Juni
2011 E. 3.1; BGE 130 II 176 E. 4.4.2). Die ein Jahr überschreitende Dauer einer
"längerfristigen" Freiheitsstrafe (BGE 135 II 377) muss sich dabei zwingend auf ein
einziges Strafurteil stützen. Eine Zusammenrechnung von mehreren kürzeren Strafen,
die in ihrer Gesamtheit mehr als ein Jahr ausmachen, ist nicht zulässig (BGE 137 II 297
E. 2). Nach der Rechtsprechung des st. gallischen Verwaltungsgerichts kann jedoch im
Fall einer Zusatzstrafe im Sinn von Art. 49 Abs. 2 des Schweizerischen
Strafgesetzbuches (SR 311.0; StGB) zur Beurteilung, ob der Widerrufsgrund der
längerfristigen Freiheitsstrafe erfüllt ist, auf die Gesamtstrafe abgestellt werden
(VerwGE B 2013/17 vom 8. November 2013, E. 2.1.1; www.gerichte.sg.ch). Eine
Person verstösst in der Regel dann "in schwerwiegender Weise" gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung, wenn durch ihre Handlungen besonders hochwertige
Rechtsgüter wie namentlich die körperliche, psychische und sexuelle Integrität eines
Menschen verletzt oder gefährdet wurden. Vergleichsweise weniger gravierende
Pflichtverletzungen können gegebenenfalls in ihrer Gesamtheit als "schwerwiegend"
bezeichnet werden (BGE 137 II 297 E. 3).
3.
3.1. Den strafrechtlichen Verurteilungen des Beschwerdeführers in den Jahren
1997 bis 2012 lagen Widerhandlungen gegen die Betäubungsmittelgesetzgebung
(Strafbescheid vom 31. Dezember 1997 [Busse], act. G 7/4 Dok 95/99; Entscheid
Bezirksgericht Sargans vom 11. Dezember 2001 [12 Monate Gefängnis bedingt], act. G
7/4 Dok 75/99), gegen das Strassenverkehrsrecht (Urteil Bezirksamt Sargans vom 18.
August 1998 [Busse], act. G 7/4 Dok 96/99; Entscheid Kreisgericht Werdenberg-
Sargans vom 16. März 2004 [3 Monate Gefängnis, Busse], act. G 7/4 Dok 63/99;
Strafmandat vom 15. September 2004 [1 Monat Gefängnis, Busse], act. G 7/4 Dok
54/99; Strafmandat vom 26. Oktober 2006 [3 Monate Gefängnis, Busse], act. G 7/4
Dok 39/99; Strafbefehl vom 26. September 2011 [Geldstrafe], act. G 7/4 Dok 26/99)
und gegen das Ausländerrecht (Strafbescheid vom 8. Februar 2000 [6 Wochen
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Gefängnis, Busse], act. G 7/4 Dok 87/99) zugrunde. Im Weiteren liegen strafrechtliche
Verurteilungen wegen falscher Anschuldigung (Strafbescheid vom 21. Februar 2003 [2
Monate Gefängnis], act. G 7/4 Dok 67/99), wegen mehrfacher Drohung
(Bussenverfügung vom 11. November 2008 [Geldstrafe], act. G 7/4 Dok 33/99), wegen
Betrugs (Strafbescheid vom 21. September 2010 [Geldstrafe], act. G 7/4 Dok 30/99)
und wegen eines Vergehens gegen das Bundesgesetz über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (Strafbefehl vom 13. Dezember
2012 [Geldstrafe], act. G 7/4 Dok 28/99) vor.
3.2. Die Vorinstanz kam im angefochtenen Entscheid unter anderem zum Schluss,
der Beschwerdeführer sei seit seinem 19. Altersjahr wiederholt und regelmässig
straffällig geworden. Die Verurteilungen seien erfolgt, weil er von Anfang 1997 bis
Anfang 1999 mit Drogen gehandelt, eine Person wider besseres Wissen eines
Vergehens im Drogenhandel beschuldigt, einen entwendeten Personenwagen trotz
Führerausweiseinzug gelenkt und wiederum mit Betäubungsmitteln gehandelt habe.
Auch nach der Verwarnung durch das Migrationsamt vom 25. August 2004 habe er
teils gravierende Straftaten begangen. Ab September 2004 habe er wiederholt
Motorfahrzeuge seiner Familienangehörigen entwendet und diese trotz
Führerausweisentzug gelenkt. Am 18. August 2011 habe er ein Motorfahrzeug in
fahrunfähigem Zustand (Blutalkohol 0.8 Promille) gelenkt und dabei die erlaubte
Geschwindigkeit auf Autobahnen um 37 bzw. 51 km/h überschritten. Im Jahr 2006
habe er einen Mann mit SMS-Nachrichten derart bedroht, dass dieser seine Familie
nicht mehr aus dem Haus gelassen habe. Im Weiteren bestünden offene
Verlustscheine. Der Beschwerdeführer habe sich von verwaltungs- und strafrechtlichen
Massnahmen nicht beeindrucken lassen und komme seinen finanziellen
Verpflichtungen nicht nach. Hätten vor der Verwarnung vom 25. August 2004 noch fünf
Verlustscheine im Betrag von rund Fr. 3'700.-- vorgelegen, seien es per 18. Januar
2013 bereits 57 Verlustscheine über rund Fr. 62'100.--. Er habe vor allem beim Fiskus,
bei kantonalen Ämtern und bei der Krankenkasse Schulden (act. G 7/4 Dok 24/99 und
61/99). Beim Sozialamt würden sich die Ausstände auf rund Fr. 11'300.-- belaufen (act.
G 7/4 Dok 20/99). Massnahmen oder Bemühungen zur Schuldensanierung seien nicht
ersichtlich. Die gesamten Umstände würden darauf schliessen lassen, dass er nicht
gewillt oder fähig sei, sich an die Rechtsordnung zu halten. Der Widerrufsgrund nach
Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG sei erfüllt (act. G 2 S. 6-8). Der Beschwerdeführer lässt geltend
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machen, ein schwerwiegender Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung
(Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG) liege nicht vor. Er sei zwar strafrechtlich wiederholt in
Erscheinung getreten. Auch habe er Sozialhilfe bezogen, und es lägen auch
Betreibungen und Verlustscheine vor. Ein Widerrufsgrund bestehe aber seit 2004
weder in finanzieller Hinsicht noch in Bezug auf sein strafrechtliches Verhalten. Das
öffentliche Interesse an der Wegweisung sei sodann aktuell nicht mehr besonders
gross, da es seit der Verwarnung im Jahr 2004 zu keinen gröberen Delikten mehr
gekommen und er aufgrund der Drogenabstinenz auf dem besten Weg sei, keine
Delikte mehr zu begehen. Es bestehe keine wesentliche Rückfallgefahr. Nicht weil er
die Drogenproblematik nicht überwunden habe (act. G 2 S. 9), sondern damit er auch
drogenabstinent bleibe, sei er am 17. September 2013 freiwillig in die Psychiatrische
Klinik Wil eingetreten. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung würde für den
Beschwerdeführer eine nicht zumutbare Härte darstellen. Er lebe seit rund 25 Jahren in
der Schweiz. Hier würden seine Eltern und seine beiden Geschwister sowie alle
Personen leben, die ihm etwas bedeuten würden. Sein ganzes Umfeld und
Beziehungsnetz liege in der Schweiz. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung sei
nicht verhältnismässig (act. G 1).
4.
4.1. Der im Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen Entscheids 35-jährige
Beschwerdeführer hält sich seit seinem 10. Lebensjahr in der Schweiz auf. Das
Migrationsamt drohte ihm mit Verfügung vom 25. August 2004 insbesondere wegen
der strafrechtlichen Verurteilungen die Wegweisung aus der Schweiz und damit implizit
auch den Widerruf der Niederlassungsbewilligung an. Das Amt hielt damals überdies
fest, dass der Beschwerdeführer seinen finanziellen Verpflichtungen nicht
ordnungsgemäss nachkomme. Er sei mit laufenden Betreibungen in Höhe von Fr.
20'265.75 und Verlustscheinen von Fr. 3'668.45 verzeichnet und gehe zur Zeit keiner
Erwerbstätigkeit nach. Er müsse durch das Sozialamt laufend unterstützt werden (act.
G 7/4 Dok 56/99). - Fest steht, dass der Beschwerdeführer auch nach dieser
Verwarnung strafbare Handlungen beging. Dabei handelte es sich zum einen um eine
Verurteilung im Jahr 2006 zu einer Gefängnisstrafe von 3 Monaten wegen Entwendung
eines Personenwagens zum Gebrauch, Fahrens trotz Führerausweisentzugs,
Verletzung der Verkehrsregeln und Angabe von falschen Personalien (act. G 7/4 Dok
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39/99) sowie um eine Verurteilung zu einer Geldstrafe im Jahr 2011 wegen falscher
Anschuldigung, Fahrens in fahrunfähigem Zustand, grober Verletzung der
Verkehrsregeln, Entwendung eines Fahrzeugs zum Gebrauch und Fahrens trotz
Ausweisentzug (act. G 7/4 Dok 26/99). Zum anderen wurde der Beschwerdeführer im
Jahr 2008 wegen mehrfacher Drohung (G 7/4 Dok 33/99), im Jahr 2010 wegen Betrugs
(act. G 7/4 30/99) und Ende 2012 wegen Vergehens gegen die ALV-Gesetzgebung (act.
G 7/4 28/99) zu Geldstrafen verurteilt. Dieses Verhalten des Beschwerdeführers
offenbart zweifelsohne eine Gleichgültigkeit gegenüber der schweizerischen
Rechtsordnung. Die Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe von 12 Monaten im Jahr
2001 wegen Betäubungsmitteldelikten, welche teilweise im Zusammenhang mit dem
eigenen Drogenkonsum bzw. der Drogensucht des Beschwerdeführers gestanden
haben dürfte (vgl. act. G 7/4 Dok 75/99 S. 8), lag im Zeitpunkt des Erlasses des
angefochtenen Entscheids zwar bereits zwölf Jahre zurück. Dennoch kann die frühere
Verurteilung für das vorliegende Verfahren nicht ausser Betracht bleiben, auch wenn
sie ausländerrechtlich zunächst nicht die Wegweisung, sondern lediglich deren
Androhung nach sich zog. Von einer Freiheitsstrafe von über einem Jahr (vgl.
vorangehende E. 2.2) ist insofern auszugehen, als der Entscheid vom 11. Dezember
2001 (act. G 7/4 Dok 75/99) als Zusatz zum Strafbescheid vom 8. Februar 2000 (vgl.
act. G 7/4 87/99) und der Strafbescheid vom 21. Februar 2003 (act. G 7/4 Dok 67/99)
als Zusatz zum Entscheid vom 11. Dezember 2001 und zum Strafbescheid vom 8.
Februar 2000 ergangen war. Aber selbst wenn die früheren Verurteilungen im neuen
ausländerrechtlichen Verfahren nicht zur Begründung eines Widerrufsgrundes im Sinn
von Art. 62 Ingress und lit. b AuG herangezogen werden könnten, wären diese bei der
Prüfung, ob ein anderer Widerrufsgrund erfüllt ist, zu berücksichtigen, zumal der
Beschwerdeführer seit der Verwarnung im Jahr 2004 bei erneuten strafrechtlichen
Verurteilungen und Nichterfüllung der finanziellen Verpflichtungen mit dem Widerruf der
Niederlassungsbewilligung rechnen musste (act. G 7/4 Dok 56/99). Mit Blick auf die
dargelegten Umstände sind die vom Beschwerdeführer zu verantwortenden Straftaten
insgesamt als "schwerwiegende" Verstösse gegen die öffentliche Sicherheit und
Ordnung i.S. von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG zu werten (vgl. BGE 137 II 297 E. 3.4 sowie E.
2.1 und 2.4).
4.2.
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4.2.1. Das Vorliegen von Betreibungen und Verlustscheinen kann unter Umständen
einen Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung bzw. eine entsprechende
Gefährdung darstellen oder mitbegründen, wobei selbst Ausstände im Bereich von Fr.
100'000.-- oder darüber nicht leichthin als schwerwiegender Verstoss im Sinn von Art.
63 Abs. 1 lit. b AuG zu qualifizieren sind. Entscheidend ist die Frage, ob der
Schuldenzuwachs als mutwillig erscheint und keinerlei Bemühungen ersichtlich sind,
Schulden abzubauen (Spescha/Thür/Zünd/Bolzli a.a.O., Rz 10 zu Art. 63 AuG). Der
aktenmässig dokumentierte Umstand, dass es dem Beschwerdeführer bislang nicht
gelungen ist, trotz der im Jahr 2004 erfolgten ausländerrechtlichen Verwarnung aus der
seither fortlaufend verschlimmerten Schuldenlage (vgl. vorstehende E. 3.2)
herauszukommen, reicht zwar für sich allein zur Annahme der in Art. 80 Abs. 1 VZAE
vorausgesetzten Mutwilligkeit des Schuldenmachens nicht aus (vgl. BGE 2C_273/2010
vom 6. Oktober 2010, E. 3.3, 3.4. und 4.3). Wurde jedoch eine Verwarnung nach Art. 96
Abs. 2 AuG - wie vorliegend - ausgesprochen, kann dies bei einer Fortsetzung des
fraglichen Fehlverhaltens zu einer definitiven Massnahme führen. Erforderlich ist dafür,
dass keine wesentliche Besserung eintritt bzw. dass eben das vom Gesetz als
unerwünscht erachtete Verhalten auch nach der Verwarnung fortgesetzt wird. Dabei
muss ein Vergleich zwischen der Ausgangslage im Zeitpunkt der Androhung der
Massnahme mit der aktuellen Situation, in der diese endgültig ergriffen werden soll,
gezogen werden. Das frühere Verhalten ist zwar nicht unbedeutend; es vermag aber
nicht für sich allein - abgesehen von den rechtlichen Voraussetzungen der Zulässigkeit
eines Rückkommens auf eine Verfügung - die definitive Massnahme zu begründen. Das
Fehlverhalten muss vielmehr angedauert haben oder wiederholt worden sein. Für den
Fall der Schuldenwirtschaft als Widerrufsgrund bedeutet dies, dass die ausländische
Person auch nach der Androhung ausländerrechtlicher Folgen weiterhin mutwillig
Schulden gemacht haben muss. Von Bedeutung ist dabei, welche Anstrengungen zur
Sanierung unternommen worden sind. Positiv wäre etwa der Abbau vorbestandener
Schulden zu würdigen (vgl. BGE 2C_273/2010 a.a.O., E. 4.3).
4.2.2. Beim Beschwerdeführer besteht nach Lage der Akten schon seit Jahren eine
Drogensucht; diese hatte auch zu entsprechenden Delikten geführt (vgl. vorstehende E.
4.1). Gemäss ärztlichem Zeugnis von med. pract. A.B., S., vom 28. Februar 2013 wurde
der Beschwerdeführer von diesem Arzt seit August 2009 betreut. Er stand im
Berichtszeitpunkt in einem Methadonprogramm (act. G 7/4 Dok 6/99). Seit Januar 2013
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führten die Sozialen Dienste Sarganserland mit ihm eine Suchtberatung durch (act. G
7/4 7/99). Am 17. September 2013 war er - offenbar freiwillig, um die Drogensucht in
den Griff zu bekommen - zur stationären Behandlung in die Psychiatrische Klinik Wil
eingetreten (act. G 7/9 mit Beilage). Im vorinstanzlichen Entscheid ist der letztgenannte
Umstand zwar erwähnt (act. G 2 S. 9). Die Hintergründe und das Ergebnis der
Behandlung sind in den Akten jedoch nicht dokumentiert. Die Vorinstanz war nicht
verpflichtet, den Sachverhalt von Amtes wegen kurz vor der Entscheidfällung zu
aktualisieren. Es war vielmehr am Beschwerdeführer aufgrund seiner Mitwirkungspflicht
(Art. 90 AuG), bereits im vorinstanzlichen Verfahren alle entscheidwesentlichen
Tatsachen vorzubringen und nachzuweisen sowie dem Verwaltungsgericht allfällige für
den Verfahrensausgang relevante Entwicklungen der tatsächlichen Umstände mit
entsprechenden Belegen zur Kenntnis zu bringen (vgl. BGer 2C_103/2014 vom 13.
Januar 2015, E. 2). Ein entsprechender Bericht - wie auch ein solcher der
Suchtberatung - wurde vom Beschwerdeführer jedoch nicht eingereicht. Damit kann
nicht als dargetan gelten, dass der Beschwerdeführer - wie er geltend machen lässt -
seine Drogensucht in den Griff bekommen hat und drogenabstinent lebt (act. G 1 S. 6).
Sodann wird vom Beschwerdeführer ein Abbau vorbestandener Schulden weder
behauptet noch belegt.
4.3. Insgesamt ist festzuhalten, dass gestützt auf die gegebene Aktenlage vom
Beschwerdeführer zu verantwortende schwerwiegende Verstösse gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung i.S. von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG zureichend dargetan sind.
Lediglich der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass der Widerrufsgrund der
Sozialhilfeabhängigkeit (Art. 63 Abs. 1 lit. c AuG) vorliegend mit Blick auf die rund
25jährige Anwesenheitsdauer des Beschwerdeführers ausser Betracht fällt (vgl.
vorstehende E. 2.1). Soweit die Vorinstanz auf Ausstände gegenüber dem Sozialamt
bzw. die Sozialhilfeabhängigkeit verweist (act. G 2 S. 6, 7 und 9), erweisen sich diese
Darlegungen als nicht einschlägig.
5.
5.1. Der Beschwerdeführer hielt sich im Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen
Entscheids seit 25 Jahren in der Schweiz auf. Der langen Anwesenheit ist im Rahmen
der Verhältnismässigkeitsprüfung ein entsprechendes Gewicht beizumessen (vgl. BGE
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130 II 281 E. 3.2.1; BGer 2C_512/2013 vom 17. Februar 2014, E. 3.1 f. mit Hinweisen).
Der Beschwerdeführer hat nach Lage der Akten eine Anlehre als Elektriker
abgeschlossen, war indessen nie regelmässig erwerbstätig (act. G 2 S. 9). Er ist
gemäss den vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen verschuldet. Angesichts der
Tatsache, dass er wiederholt und erheblich straffällig geworden ist, kann er auch nicht
als sozial integriert gelten. Insbesondere erwiesen sich die Verwarnung und die
Massnahmen der Strafverfolgung als wirkungslos. Sodann ist nicht dargetan, dass
seine Delinquenz allein auf Drogenabhängigkeit zurückzuführen ist. Der
Beschwerdeführer lebt soweit ersichtlich im Rahmen seiner Familiengemeinschaft.
Nach seinen Darlegungen liegt in der Schweiz auch das gesamte Beziehungsnetz (act.
G 1 S. 7; G 2 S. 10). Ein Abhängigkeitsverhältnis zu seinen Verwandten (Eltern,
Geschwister) ist durch die erforderliche Methadoneinnahme nicht dargetan. Die
Beendigung seiner Anwesenheit ist für den Beschwerdeführer zweifelsohne mit einer
grossen Härte verbunden. Immerhin dürften dem kinderlosen Beschwerdeführer die
sozio-kulturellen Gegebenheiten seiner Heimat durch seine Eltern vertraut sein, auch
spricht er unbestrittenermassen die Sprache seines Herkunftlandes. Zwar sind die
privaten Interessen des Beschwerdeführers nach einer sehr langen Anwesenheit in der
Schweiz zweifellos bedeutend; sie vermögen in Anbetracht der wiederholten
Delinquenz und der Verschuldung das sicherheitspolizeiliche Interesse an der
Wegweisung indessen nicht zu überwiegen.
5.2. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Vorinstanz keine
Ermessensverletzung bzw. willkürliche Ermessensausübung vorgeworfen werden kann,
wenn sie vorliegend das öffentliche Interesse am Widerruf der
Niederlassungsbewilligung schwerer gewichtete als das private Interesse des
Beschwerdeführers an der Verlängerung der Bewilligung. Weitere Gründe dafür, dass
die Vorinstanz die Wegweisung zu Unrecht als verhältnismässig erachtet hat, lassen
sich den Akten und den Eingaben des Beschwerdeführers nicht entnehmen. Bei
fehlendem Nachweis einer Ermessensüberschreitung bzw. eines
Ermessensmissbrauchs und einer Verletzung des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes
lässt sich der angefochtene Entscheid nicht beanstanden. Die Beschwerde ist deshalb
abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
6. (...).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/12
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