Decision ID: e6684685-03bc-4adc-8e90-daea02a5eb02
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Mit Meldung vom 30. April 2021 zeigte die Eidgenössische Zollverwal-
tung (nachfolgend: EZV) der Stiftung Antidoping Schweiz (seit 1. Januar
2022: Stiftung Swiss Sport Integrity; nachfolgend Vorinstanz) an, der Zoll
Zürich, Mülligen, habe im Rahmen einer Postkontrolle eine Sendung mit
90 Tabletten 7-Keto Dehydroepiandrosteron Acetat à 100 mg, 150 Tablet-
ten Dehydroepiandrosteron (nachfolgend DHEA) à 50 mg und 270 Kapseln
Pregnenolon à 50 mg zurückgehalten, welche an A._ (nachfolgend
Beschwerdeführer) adressiert sei. Mit der gleichen Meldung überwies die
EZV die Angelegenheit zur Überprüfung und allfälligen Einleitung der er-
forderlichen Massnahmen an die Vorinstanz (vgl. Akten im Beschwerde-
verfahren [B-act.] 7 Beilage 1).
A.b Mit Vorbescheid vom 27. Mai 2021 informierte die Vorinstanz den Be-
schwerdeführer über die Zurückhaltung der 150 Tabletten DHEA à 50 mg,
deren unzulässige Einfuhr sowie die dabei anfallende Gebühr in Höhe von
Fr. 400.– für die Einziehung und Vernichtung und räumte ihm gleichzeitig
die Möglichkeit ein, Stellung zu nehmen (vgl. B-act. 7 Beilage 2).
A.c Mit E-Mail vom 28. Mai 2021 ersuchte der Beschwerdeführer um Frei-
gabe der kompletten Sendung (eventuell ohne DHEA) beziehungsweise
um raschen Bescheid, weil er aus gesundheitlichen Gründen (diverse Ge-
lenksleiden, ausgeprägtes Rheuma und Arthritis/Entzündungen) darauf
angewiesen sei. Es habe sich nämlich gezeigt, dass DHEA neben konven-
tionellen Medikamenten für ihn ohne Nebenwirkungen sehr günstig wirke.
In diesem Zusammenhang verwies er zudem auf zwei Internetquellen. Ent-
sprechend brachte er sein Nichteinverständnis mit dem Vorbescheid zum
Ausdruck (vgl. B-act. 7 Beilage 3).
A.d Am 31. Mai 2021 bestätigte die Vorinstanz gegenüber dem Beschwer-
deführer den Eingang seiner Stellungnahme ebenfalls via E-Mail und legte
dar, dass die Einfuhr von DHEA verboten sei. Eine medizinische Indikation
sei jedoch ein Grund, der die Freigabe ansonsten verbotener Produkte er-
möglichen könne. Entsprechend werde ihm die Gelegenheit gewährt, die
Indikation mittels Auszug aus dem medizinischen Dossiers und/oder Ein-
reichung eines gültigen Schweizer Arztzeugnisses (ausgestellt vor dem
lmportversuch, nicht älter als ein Jahr) nachzuweisen (vgl. B-act. 7 Bei-
lage 4).
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A.e Der Beschwerdeführer führte gleichentags in einer weiteren E-Mail
aus, er verwende DHEA nicht als Doping, sondern zur Schmerzlinderung
und Verlangsamung degenerativer Krankheiten. Das medizinische Dossier
sei kein Problem, aber es werde wohl ein Präzedenzfall – wenn es sein
müsse auch medienwirksam – geschaffen. Er könne nachweisen, dass er
keinen Sport oder Profisport betreibe; ausserdem sei die wissenschaftliche
Lage, was die Wirksamkeit bei seiner Erkrankung angehe, eindeutig. Er
bitte um die vollständige Lieferung, mit Ausnahme des DHEA (B-act. 7 Bei-
lage 5).
A.f Am 7. Juni 2021 gab die Vorinstanz die zurückbehaltene Sendung, mit
Ausnahme der 150 Tabletten DHEA, frei (B-act. 7 Beilage 6). Mit Verfügung
vom 9. Juni 2021 ordnete die Vorinstanz sodann die Einziehung und Ver-
nichtung der zurückbehaltenen 150 Tabletten DHEA an und auferlegte dem
Beschwerdeführer eine Gebühr von Fr. 400.–. Zur Begründung führte sie
aus, es fehle eine ärztliche Verschreibung für die betreffende Substanz.
Die verbotene Substanz müsse, wenn sie nicht durch ein ärztliches Rezept
gerechtfertigt sei, vernichtet werden (B-act. 7 Beilage 7).
B.
B.a Hiergegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 30. Juni
2021 Beschwerde und beantragte sinngemäss die Aufhebung der Verfü-
gung vom 9. Juni 2021. Zur Begründung führte er insbesondere aus, DHEA
sei für ihn bei schwerer Arthrose, Rheuma und Bewegungseinschränkung
eine wertvolle Therapie. Das Rezept wäre kein Problem gewesen und er
werde es für künftige Bestellungen auch haben, aber aufgrund von Corona
habe sein Arzt aus München nicht in die Schweiz kommen können. Aus-
serdem stehe im Gesetz nicht, dass er ein Rezept haben müsse. Er könne
jedoch beweisen, dass es nicht für die Anwendung als Doping sei (vgl. B-
act. 1).
B.b Da der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeeingabe zudem die
unentgeltliche Rechtspflege sowie die unentgeltliche Rechtsverbeistän-
dung beantragte, wurde er am 5. August 2021 aufgefordert, das Formular
«Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege» ausgefüllt und mit Beilagen ver-
sehen einzureichen sowie einen in einem kantonalen Anwaltsregister in der
Schweiz eingetragenen Anwalt als Rechtsvertreter zu bezeichnen (vgl.
B-act. 5).
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Seite 4
B.c Die Vorinstanz reichte auf Aufforderung hin (vgl. B-act. 5) eine Ver-
nehmlassung vom 13. September 2021 ein und beantragte, die Be-
schwerde sei vollumfänglich abzuweisen und die Verfügung vom 9. Juni
2021 zu bestätigen, alles unter Kostenfolge zulasten des Beschwerdefüh-
rers. Zur Begründung brachte sie insbesondere vor, der Beschwerdeführer
habe zu keinem Zeitpunkt ein ärztliches Attest, in welchem ihm DHEA ver-
schrieben werde, eingereicht. Die eingereichten Unterlagen würden nicht
ausreichen, um einen legitimen medizinischen Grund nachzuweisen und
den Import einer ansonsten verbotenen Substanz zu rechtfertigen (vgl.
B-act. 7).
B.d Mit Zwischenverfügung vom 22. September 2021 wurde – nach der
Einreichung weiterer Unterlagen durch den Beschwerdeführer (vgl.
B-act. 8) – das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung schliesslich gut-
geheissen, wohingegen das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung wegen mangelnder Notwendigkeit einer anwaltli-
chen Vertretung abgewiesen wurde (vgl. B-act. 9).
B.e In seiner Replik vom 19. Oktober 2021 hielt der Beschwerdeführer
sinngemäss an seinem Antrag fest (vgl. B-act. 11) und reichte diverse wei-
tere Unterlagen ein, insbesondere ein Arztzeugnis vom 19. Oktober 2021
von Dr. C._. Der «Spezialarzt für Psychiatrie/Psychotherapie» hielt
darin fest, der Beschwerdeführer habe im November und Dezember 2020
«die Therapie seiner körperlichen Beschwerden mit DHEA in Anspruch ge-
nommen». In dieser Zeit habe auch er gemerkt, dass der Beschwerdefüh-
rer weniger intensive Schmerzen gehabt und sich gleichzeitig auch dessen
psychischer Zustand vorübergehend einigermassen gebessert habe (vgl.
B-act. 11 Beilage 2).
B.f Mit Duplik vom 16. Dezember 2021 hielt die Vorinstanz ebenfalls voll-
umfänglich an den bereits gestellten Rechtsbegehren fest. Zum einge-
reichten ärztlichen Attest führte sie zudem aus, dem Beschwerdeführer sei
damit kein DHEA verschrieben worden, sondern das Attest stelle lediglich
eine physische und psychische Situation fest (vgl. B-act. 15).
B.g Mit Instruktionsverfügung vom 22. Dezember 2021 wurde dem Be-
schwerdeführer die Duplik der Vorinstanz zur Kenntnis gebracht und der
Schriftenwechsel abgeschlossen (B-act. 16).
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Seite 5
C.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird
– soweit erforderlich – im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einge-
gangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich im Wesent-
lichen nach dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Verwal-
tungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG, SR 172.021) und
dem Bundesgesetz vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht
(Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32).
1.1 Die Zuständigkeit zur Beurteilung der vorliegenden Streitsache ergibt
sich aus Art. 31 ff. VGG. Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss
Art. 33 Bst. h VGG Beschwerden gegen Verfügungen der Instanzen oder
Organisationen ausserhalb der Bundesverwaltung, die in Erfüllung der
ihnen übertragenen öffentlich-rechtlichen Aufgaben des Bundes verfügen.
Da die Stiftung Antidoping Schweiz beziehungsweise deren Nachfolgeror-
ganisation (vgl. dazu Auszug aus dem Handelsregister, abrufbar unter
https://www.zefix.ch/de/search/entity/list/firm/915580 bzw. https://be.chre-
gister.ch/cr-portal/auszug/auszug.xhtml?uid=CHE-114.410.712; vgl. auch
https://www.swiss-athletics.ch/de/blog/2021/12/27/swiss-sport-integrity-er-
setzt-antidoping-schweiz-und-ombudsstelle/; alle zuletzt besucht am
19. Mai 2022) eine solche Organisation darstellt (vgl. Art. 19 Abs. 2 und 20
des Bundesgesetzes über die Förderung von Sport und Bewegung vom
17. Juni 2011 [SpoFöG; SR 415.0], Art. 73 Abs. 1 und 2 der Verordnung
über die Förderung von Sport und Bewegung vom 23. Mai 2012 [Sportför-
derungsverordnung, SpoFöV; SR 415.01]), die angefochtene Anordnung
ohne Zweifel als Verfügung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 VwVG zu qualifizie-
ren ist und zudem keine Ausnahme gemäss Art. 32 VGG vorliegt, ist das
Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde
zuständig.
1.2 Der Beschwerdeführer hat als Adressat der angefochtenen Verfügung
vom 9. Juni 2021 am vorinstanzlichen Verfahren als Partei teilgenommen,
ist durch diesen Entscheid besonders berührt und hat an dessen Aufhe-
bung oder Änderung ein schutzwürdiges Interesse (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
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Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (vgl. Art. 50 Abs. 1
und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
2.
2.1 Der Beschwerdeführer kann im Rahmen des Beschwerdeverfahrens
die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs oder
der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unangemes-
senheit des Entscheids rügen (Art. 49 VwVG).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der Rechts-
anwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der Begehren der
Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG).
2.3 Nach den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln sind in verfah-
rensrechtlicher Hinsicht diejenigen Rechtssätze massgebend, welche im
Zeitpunkt der Beschwerdebeurteilung Geltung haben (BGE 130 V 1
E. 3.2), unter Vorbehalt spezialgesetzlicher Übergangsbestimmungen. In
materiell-rechtlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze
massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Sach-
verhalts Geltung haben (BGE 130 V 329 und 130 V 445).
Vorliegend wurden die strittigen 150 Tabletten DHEA à 50 mg seit dem
30. April 2021 von der Eidgenössischen Zollverwaltung zurückgehalten
und die Vorinstanz hat am 9. Juni 2021 darüber verfügt. In materiell-recht-
licher Hinsicht sind die Bestimmungen des SpoFöG und der SpoFöV in
derjenigen Fassung anwendbar, die bis zum Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügung vom 9. Juni 2021 beziehungsweise des zu
Rechtsfolgen führenden Sachverhalts in Kraft gewesen sind (vgl. BGE 129
V 1 E. 1.2 m.H.), das heisst die Bestimmungen des SpoFöG in der Fas-
sung vom 1. Januar 2021, die SpoFöV in der Fassung vom 1. Dezember
2020, die Verordnung des VBS über die Gebühren des Bundesamts für
Sport vom 15. November 2017 in der Fassung vom 1. Januar 2018 (GebV-
BASPO, SR 415.013) und die Allgemeine Gebührenverordnung vom
8. September 2004 in der Fassung vom 1. Januar 2013 (AllgGebV,
SR 172.041.1). Anzumerken bleibt, dass sich der Import eines Arzneimit-
tels in die Schweiz nach schweizerischem Recht richtet und nicht nach den
Bestimmungen der Vereinigten Staaten von Amerika (USA), woher die Tab-
letten bezogen wurden und worauf sich der Beschwerdeführer beruft (vgl.
B-act. 1 S. 2).
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Seite 7
3.
Im Folgenden werden die für die Streitsache wesentlichen Bestimmungen
dargestellt.
3.1 Der Bundesrat kann die Kompetenz, Massnahmen gegen Doping zu
ergreifen, ganz oder teilweise an eine nationale Agentur zur Bekämpfung
von Doping übertragen, und diese erlässt die erforderlichen Verfügungen
(Art. 19 Abs. 2 SpoFöG). Dieser Kompetenzeinräumung ist der Bundesrat
mit der Schaffung der Nationalen Agentur zur Bekämpfung von Doping,
Antidoping Schweiz, nachgekommen (vgl. Art. 73 SpoFöV). Die Vorinstanz
ist beauftragt worden, Massnahmen gegen Doping durch Ausbildung, Be-
ratung, Dokumentation, Forschung und Information sowie die Massnah-
men nach Art. 20 Abs. 3 SpoFöG zu ergreifen (Art. 73 Abs. 2 SpoFöV). Am
1. Januar 2022 sind diese Aufgaben an die Stiftung Swiss Sport Integrity
übertragen worden (vgl. oben E. 1.1).
3.2 Gemäss Art. 20 SpoFöG arbeiten die Verwaltungseinheiten des Bun-
des, das Schweizerische Heilmittelinstitut, die zuständigen kantonalen
Stellen sowie die nach Art. 19 für Massnahmen gegen Doping zuständige
Stelle zusammen, um die Verfügbarkeit von Dopingmitteln und -methoden
einzuschränken (Abs. 1). Die Zollverwaltung ist berechtigt, bei Verdacht ei-
ner Zuwiderhandlung gegen dieses Gesetz Dopingmittel an der Grenze
oder in Zolllagern zurückzuhalten und die nach Art. 19 für Massnahmen
gegen Doping zuständige Stelle beizuziehen. Diese nimmt die weiteren Ab-
klärungen vor und trifft die erforderlichen Massnahmen (Abs. 3). Die nach
Art. 19 für Massnahmen gegen Doping zuständige Stelle kann unabhängig
von einem allfälligen Strafverfahren die Einziehung und Vernichtung von
Dopingmitteln oder von Gegenständen, die der unmittelbaren Entwicklung
und Anwendung von Dopingmethoden dienen, verfügen (Abs. 4).
3.3 Der Bundesrat legt in der Verordnung die Mittel und die Methoden fest,
deren Verwendung oder Anwendung strafbar sind (Art. 19 Abs. 3 SpoFöG).
Wer zu Dopingzwecken Mittel nach Artikel 19 Absatz 3 herstellt, erwirbt,
einführt, ausführt, durchführt, vermittelt, vertreibt, verschreibt, in Verkehr
bringt, abgibt oder besitzt oder Methoden nach Artikel 19 Absatz 3 bei Drit-
ten anwendet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe
bestraft (Art. 22 Abs. 1 SpoFöG). Soweit Herstellung, Erwerb, Einfuhr, Aus-
fuhr, Durchfuhr oder Besitz ausschliesslich zum Zweck des eigenen Kon-
sums erfolgen, bleibt die Täterin oder der Täter allerdings straflos (vgl.
Art. 22 Abs. 4 SpoFöG).
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3.4 Verbotene Dopingmittel im Sinne von Art. 19 Abs. 3 SpoFöG sind ge-
mäss Art. 74 Abs. 1 SpoFöV: a) die im Anhang aufgeführten Stoffe; b) de-
ren Salze, Ester, Ether und optische Isomere; c) die Salze, Ester und Ether
der optischen Isomere; und d) Präparate, die diese Stoffe enthalten. Die
verbotenen Stoffe sind im Anhang zur SpoFöV in Ziffer I aufgelistet. Dazu
gehören unter anderem Anabolika und andere anabol wirkende Substan-
zen (vgl. Ziff. I.2 Bst. b des Anhangs).
4.
Vorliegend ist strittig und zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht die Einzie-
hung und Vernichtung der zurückbehaltenen 150 Tabletten DHEA à 50 mg
verfügt und dem Beschwerdeführer dafür eine Gebühr von Fr. 400.– aufer-
legt hat.
4.1 Die EZV hat im konkreten Fall eine verdächtige Sendung mit 150 Tab-
letten DHEA à 50 mg gestützt auf Art. 20 Abs. 3 SpoFöG zurückgehalten
und an die Vorinstanz zur weiteren Abklärung weitergeleitet. Die Vorinstanz
ist gemäss Art. 20 Abs. 4 SpoFöG befugt, die Einziehung und Vernichtung
von Dopingmitteln zu verfügen (vgl. auch oben E. 3.2).
In der Sendung an den Beschwerdeführer wurde Dehydroepiandrosteron
(DHEA) gefunden, welches unter den verbotenen Mitteln in Ziffer I.2.b des
Anhangs SpoFöV aufgeführt wird. Damit ist das eingeführte DHEA eine
Substanz, die gemäss Art. 74 Abs. 1 SpoFöV unter die aufgezählten Do-
pingmittel fällt (vgl. auch oben E. 3.4). Der geltend gemachte Eigenge-
brauch ist für die verwaltungsrechtlichen Massnahmen nicht von Relevanz.
Diesbezüglich nimmt Art. 22 Abs. 4 SpoFöG dahingehend eine Differenzie-
rung vor, dass der Erwerb und die Einfuhr zum Zweck des eigenen Kon-
sums straflos bleiben (vgl. auch oben E. 3.3).
4.2 Der Beschwerdeführer macht in diesem Zusammenhang sinngemäss
geltend, er verwende das DHEA nicht zu Dopingzwecken im Sport, denn
er sei aufgrund seiner gesundheitlichen Situation nicht in der Lage, Sport
zu treiben und an (Hobby-)Wettkämpfen teilzunehmen (vgl. B-act. 1 und
11).
4.2.1 Hierzu ist festzustellen, dass kein strafrechtliches Verfahren eingelei-
tet wurde, zumal der (hier unstreitige) Eigenkonsum straflos bleibt (vgl.
auch oben E. 3.3). Allerdings zielt das SpoFöG auf die Einschränkung der
Verfügbarkeit von Dopingmitteln ab, indem unabhängig von einem allfälli-
gen Strafverfahren die Einziehung und Vernichtung von Dopingmittel als
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Seite 9
verwaltungsrechtliche Massnahmen gegen Doping in Art. 20 Abs. 4
SpoFöG vorgesehen ist. Gemäss Botschaft des Bundesrates sollen Bund
und Vorinstanz Massnahmen gegen den Handel von Dopingmitteln ergrei-
fen (vgl. Botschaft des Bundesrates vom 11. November 2009 zum Sport-
förderungsgesetz und zum Bundesgesetz über die Informationssysteme
des Bundes im Bereich Sport [BBl 2009 8189, S. 8220 ff., nachfolgend:
Botschaft SpoFöG 2009]). Das Bundesverwaltungsgericht ist in seiner bis-
herigen Rechtsprechung zum Schluss gekommen, dass der Gesetzgeber
damit bereits die Einfuhr von Mitteln verbietet, die zu Doping dienen könn-
ten, ohne dabei an eine Sportlereigenschaft anzuknüpfen (vgl. dazu Urteil
des BVGer C-2493/2020 vom 4. Juni 2021 E. 4.3.2 mit Hinweis auf
BVGE 2015/46 E. 3.4 und Urteil des BVGer C-1351/2013 vom 19. Februar
2015 E. 10).
4.2.2 Damit fällt der Erwerb von DHEA sowie dessen Import in die Schweiz
unabhängig von einer sportlichen Betätigung des Beschwerdeführers unter
die vom SpoFöG untersagte Einfuhr. Dieses Importverbot sowie die ver-
fügten Massnahmen, die Einziehung und Vernichtung, bezwecken die Do-
pingbekämpfung. Im Unterschied zum Strafverfahren, welches einen Vor-
satz in Bezug auf den Dopingzweck verlangt, was sich aus dem Begriff «zu
Dopingzwecken» ergibt (vgl. Botschaft SpoFöG 2009, S. 8240) ist im Ver-
waltungsverfahren bereits der Erwerb inklusive der Import ohne Dopingab-
sicht untersagt (vgl. dazu auch Urteil C-2493/2020 E. 4.3.3).
4.3 Der Beschwerdeführer stellt sich ausserdem sinngemäss auf den
Standpunkt, es liege gestützt auf einen medizinisch legitimierten Zweck
eine Ausnahme zum Importverbot von Dopingmitteln vor (vgl. B-act. 1 und
11). In diesem Zusammenhang reichte der Beschwerdeführer im vor-
instanzlichen Verfahren bereits einen (unvollständigen) Arztbericht der Kli-
nik B._ vom 17. Juli 2019 ein (vgl. B-act. 7 Beilage 3.2). Im Be-
schwerdeverfahren hat er neben diversen Internetquellen (vgl. B-act. 1
Beilagen 5-7; 11 Beilagen 3-7) zusätzlich ein Arztzeugnis vom 19. Oktober
2021 (vgl. B-act. 11 Beilage 2; vgl. auch oben Bst. B.e) nachgereicht.
4.3.1 Der Botschaft SpoFöG 2009 ist zu entnehmen, dass der Bund mit
seinem Beitritt zu internationalen Übereinkommen unter anderem
Massnahmen zur Einschränkung der Verfügbarkeit von verbotenen Sub-
stanzen und Methoden ergreifen muss, mit Ausnahme bei Vorliegen eines
legitimen medizinischen Zweckes (vgl. Botschaft SpoFöG 2009, S. 8220).
Art. 20 Abs. 4 SpoFöG ermächtigt die Vorinstanz im Sinne einer Kann-Be-
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stimmung, die Einziehung und Vernichtung von Dopingmitteln als Mass-
nahme zur Dopingbekämpfung zu verfügen. Daraus folgt, dass die Vor-
instanz beim Vorliegen legitimer medizinischer Zwecke von einer Einzie-
hung und Vernichtung absehen kann. Gemäss Website der Vorinstanz
könne ein medizinisch berechtigter Zweck die Freigabe verbotener Pro-
dukte im Sinne eines Ausnahmefalles allenfalls erlauben. Dazu müssten
innert vorgeschriebener Frist ein Auszug des medizinischen Dossiers
und/oder ein gültiges Schweizer Arztrezept (Ausstellungsdatum vor dem
Import) sowie ein schriftlicher Antrag um Freigabe eingereicht werden (vgl.
dazu https://www.sportintegrity.ch/anti-doping/recht/importverbot, «Aus-
nahmefälle»; zuletzt besucht am 19. Mai 2022).
4.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich bereits früher mit dieser Aus-
nahme zum Importverbot auseinandergesetzt, wobei es im Urteil
C-1351/2013 vom 19. Februar 2015 in Erwägung 8.6 die Frage mangels
Vorliegens einer ärztlichen Verschreibung offenliess und im Urteil
C-864/2018 vom 16. Oktober 2020 in den Erwägungen 6.6. und 9.3 aus-
geführt hat, dass die Voraussetzungen nicht erfüllt seien, zumal das Arzt-
rezept verspätet eingereicht worden sei und das medizinische Dossier
fehle. Im Urteil C-2493/2020 vom 4. Juni 2021 hat das Bundesverwaltungs-
gericht sodann in Erwägung 4.4.5 festgestellt, dass die nach dem Import
ausgestellte Bestätigung als nachträglicher Legitimierungsversuch einer
grundsätzlich unzulässigen Handlung zu werten sei. Im Zusammenhang
mit dem in diesem Fall eingereichten medizinischen Dossier hat das Ge-
richt die Ausnahmeregelung im Lichte des Heilmittelrechts ausgelegt und
zusammenfassend in Erwägung 4.6.2 festgehalten, es sei mit Blick auf die
Einfuhr von Arzneimitteln aus dem Ausland durch Privatpersonen die Be-
achtung desselben Regelungsstandards, wie er auch für den Bezug von
Arzneimitteln im Inland vorgeschrieben sei, angezeigt. Entsprechend sei
es zur Sicherstellung dieses Regelungsstandards für Arzneimittel, die auf
der Dopingliste geführt würden, erforderlich, dass ein in der Schweiz zuge-
lassener Arzt, der mit der schweizerischen Behandlungs- und Arzneimittel-
abgabepraxis vertraut sei, das Vorliegen eines medizinisch legitimierten
Zweckes mittels ärztlicher Verschreibung bestätige.
4.3.3 Im vorliegenden Fall ist der Vorinstanz beizupflichten, dass kein ak-
tuelles, vor dem Import ausgestelltes Rezept eingereicht wurde. Das Arzt-
zeugnis vom 19. Oktober 2021 wurde einerseits nach dem Import vom
30. April 2021 ausgestellt und andererseits enthält es keine Verschreibung
von DHEA, sondern Dr. C._ führt lediglich aus, der Beschwerdefüh-
rer habe dies im November und Dezember 2020 eingenommen und er als
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Arzt habe einen Einfluss auf den Gesundheitszustand des Beschwerdefüh-
rers feststellen können.
Entsprechend kann der Beschwerdeführer vor dem Hintergrund der darge-
legten Rechtsprechung (vgl. oben E. 4.3.2) aus dem Arztzeugnis vom
19. Oktober 2021 nichts zu seinen Gunsten ableiten.
4.3.4 Was sodann das eingereichte «medizinische Dossier» betrifft, ist
festzuhalten, dass der unvollständige Arztbericht der Klinik B._ vom
17. Juli 2019 keine Hinweise auf eine ärztlich angeordnete Behandlung mit
DHEA enthält. Belegt werden in diesem Bericht lediglich die im Jahr 2019
aktuellen physikalischen Diagnosen und Probleme. Damit ist der unvoll-
ständige Arztbericht nicht geeignet, eine aktuelle Behandlungsnotwendig-
keit im Sinne eines medizinisch legitimierten Zweckes für den Import von
DHEA aufzuzeigen.
5.
Aufgrund der obigen Ausführungen steht fest, dass die zurückgehaltenen
150 Tabletten DHEA à 50mg verbotene Dopingmittel gemäss Anhang
Ziff. I.2.b SpoFöV sind. Die nach Art. 19 Abs. 2 und Art. 20 SpoFöG in Ver-
bindung mit Art. 73 SpoFöV zuständige Vorinstanz hat zu Recht die Einzie-
hung und Vernichtung der am 30. April 2021 zurückgehaltenen 150 Tablet-
ten DHEA à 50 mg angeordnet. Eine Ausnahme vom Importverbot liegt
mangels Vorliegen eines legitimen medizinischen Grundes beziehungs-
weise mangels Einreichung der erforderlichen Unterlagen nicht vor.
6.
Abschliessend ist die Erhebung einer Verwaltungsgebühr in der Höhe von
Fr. 400.– zu beurteilen.
6.1 Die Vorinstanz kann in Anwendung von Art. 20 Abs. 3 und 4 i.V.m.
Art. 19 Abs. 2 SpoFöG Abklärungen vornehmen und erforderliche Mass-
nahmen verfügen. Die Gebührenpflicht des Beschwerdeführers für die ver-
fügten Massnahmen stützte sie auf die GebV-BASPO und die AllgGebV.
Für amtliche Leistungen werden gemäss Art. 1 und 2 GebV-BASPO i.V.m.
Art. 2 AllgGebV vom Veranlasser Gebühren erhoben. Aufgrund der Einfuhr
und des versuchten Erwerbs von Dopingmitteln ist der Beschwerdeführer
als direkter Verursacher der verfügten Einziehung und Vernichtung der Do-
pingmittel zu betrachten, womit er gebührenpflichtig wird.
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6.2 Die Gebühr wird nach Zeitaufwand berechnet, falls im Anhang kein An-
satz festgelegt ist (Art. 6 Abs. 2 GebV-BASPO). Der Stundenansatz beträgt
zwischen Fr. 50.– und Fr. 250.–. Die verfügungsweise auferlegte Gebühr
in der Höhe von Fr. 400.– entspricht, ausgehend von einem durchschnittli-
chen Stundenansatz von Fr. 120.–, einem Zeitaufwand von nicht einmal
3.5 Stunden, was aufgrund des aktenkundigen Aufwandes der Vorinstanz
angemessen erscheint.
7.
Zusammenfassend ist die Beschwerde vom 30. Juni 2021 gegen die Ver-
fügung vom 9. Juni 2021 vollumfänglich abzuweisen.
8.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
8.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig, wobei die Verfahrenskos-
ten grundsätzlich der unterliegenden Partei auferlegt werden (vgl. Art. 63
VwVG). Dem unterliegenden Beschwerdeführer sind jedoch keine Verfah-
renskosten aufzuerlegen, weil seinem Gesuch um unentgeltliche Prozess-
führung mit Zwischenverfügung vom 22. September 2021 stattgegeben
wurde (vgl. B-act. 9).
8.2 Weder dem unterliegenden Beschwerdeführer noch der obsiegenden
Vorinstanz ist eine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1
e contrario und Art. 7 Abs. 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).