Decision ID: 6f719b7c-98ed-52e6-a166-455a15a33320
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Am 8. September 2015 stellte der Beschwerdeführer – ein sri-lanki-
scher Staatsangehöriger tamilischer Ethnie – sein erstes Asylgesuch in der
Schweiz.
Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er sei von den sri-lankischen
Behörden in der Vergangenheit mehrere Male befragt worden, weil er an
Kundgebungen teilgenommen und ehemaligen Lagerinsassen geholfen
habe. Ende 2013 sei er vom Criminal Investigation Departement (CID) ver-
folgt worden, weil er der Tamil National Alliance (TNA) bei Wahlkampagnen
behilflich gewesen sei. Im August/September 2014 sei er vom CID mitge-
nommen und zu zwei den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) nahe-
stehende Personen befragt worden. Als er sich in der Folge nach Colombo
habe begeben wollen, sei er verhaftet, in ein Lager verbracht und dort vom
CID befragt und gefoltert worden. Nach einigen Tagen sei er unter Auflage
einer Meldepflicht entlassen worden. Daraufhin sei er im November 2014
respektive Juli 2015 aus Sri Lanka ausgereist. In der Schweiz habe er im
September 2016 an einem Protestumzug teilgenommen, und im November
2017 sei er Mitglied der Tamil Youth Organization (TYO) geworden.
A.b Mit Verfügung vom 6. April 2018 verneinte das SEM die Flüchtlingsei-
genschaft des Beschwerdeführers und lehnte das Asylgesuch ab. Gleich-
zeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Voll-
zug an.
A.c Das Bundesverwaltungsgericht wies die dagegen erhobene Be-
schwerde vom 9. Mai 2018 mit Urteil D-2726/2018 vom 12. Juli 2019 voll-
umfänglich ab. Dabei wurde im Wesentlichen ausgeführt, das SEM habe
die Asylvorbringen zu Recht als überwiegend unglaubhaft erachtet. Der
Beschwerdeführer habe zentrale Vorbringen erst in der Anhörung geltend
gemacht, zudem bestünden Ungereimtheiten hinsichtlich des Ausreisezeit-
punktes sowie des Verbleibs der Identitätsdokumente. Die vom SEM
durchgeführte Prüfung des Risikoprofils des Beschwerdeführers sei nicht
zu beanstanden. Es sei dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die Flücht-
lingseigenschaft glaubhaft zu machen, und es sei nicht davon auszugehen,
dass er einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen
sei oder begründete Furcht habe, künftig einer solchen ausgesetzt zu wer-
den. Die Vorinstanz habe zudem zu Recht erwogen, der Vollzug der Weg-
weisung sei zulässig, zumutbar und möglich.
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B.
B.a Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 10. Oktober 2019
liess der Beschwerdeführer um Revision des Urteils D-2726/2018 vom
12. Juli 2019 ersuchen. Zur Begründung wurde vorgebracht, es liege ein
neues Beweismittel im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG vor (eine un-
datierte Bestätigung der Human Rights Commission of Sri Lanka betref-
fend eine Befragung seines Vaters vom 24. Juni 2019), welches ihm erst
nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zugegangen sei. Ergän-
zend wurde auf die veränderte sicherheitspolitische Lage in Sri Lanka auf-
grund der bevorstehenden Wahlen hingewiesen.
B.b Das Bundesverwaltungsgericht wies das Revisionsgesuch mit Urteil
D-5387/2019 vom 14. November 2019 vollumfänglich ab. Zu Begründung
wurde im Wesentlichen ausgeführt, das eingereichte Beweismittel sei als
revisionsrechtlich nicht erheblich zu qualifizieren. Die geltend gemachte
Veränderung der sicherheitspolitischen Lage im Zusammenhang mit den
Wahlen stelle keinen Revisionsgrund dar.
C.
C.a Mit Eingabe an das SEM vom 20. Dezember 2019 liess der Beschwer-
deführer ein «Asylgesuch resp. Mehrfachgesuch, eventualiter qualifiziertes
Wiedererwägungsgesuch, sub-eventualiter einfaches Wiedererwägungs-
gesuch sowie Gesuch um Vollzugsstopp (Ausschaffungshaft)» einreichen.
C.b Zur Begründung wurde vorgebracht, aufgrund der Machtübernahme
des Rajapaksa-Clans am 17. November 2019 müsse das Asylgesuch des
Beschwerdeführers neu überprüft werden; denn die Sicherheitslage in Sri
Lanka habe sich massiv verschlechtert, und der Beschwerdeführer gehöre
nun zur Gruppe der stark gefährdeten Personen. Der neu gewählte Präsi-
dent, Gotabaya Rajapaksa, sei früher Verteidigungsminister gewesen und
trage die Verantwortung für die «white van abductions». Er habe ab dem
21. November 2019 seinen Bruder Mahinda als Premierminister einge-
setzt, welcher seinerseits von 2005 bis 2015 das Amt des Präsidenten in-
negehabt und in dieser Zeit dafür gesorgt habe, dass die Sicherheitskräfte
unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung unzählige Menschen-
rechtsverletzungen gegen die tamilische Bevölkerung begangen hätten.
Der Rajapaksa-Clan scheue keine Opfer, um das Entstehen einer neuen
tamilischen separatistischen Bewegung zu unterbinden. Der Vorfall in der
Schweizer Botschaft in Colombo am 25. November 2019 (Entführung einer
Botschaftsangestellten, keine Untersuchung des Vorfalls durch die sri-lan-
kischen Behörden) sei in diesem Zusammenhang zu sehen. Sämtliche
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durch das SEM bisher herangezogenen Berichte und Länderanalysen
seien vor diesem Hintergrund nicht mehr aktuell; die Sicherheitslage
müsse neu überprüft werden. Der Beschwerdeführer müsse bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka damit rechnen, verhaftet, gefoltert und allenfalls
gar beseitigt zu werden, zumal er sich seit mehreren Jahren im Ausland
befinde, aufgrund seiner Vorverfolgung den Behörden bereits bekannt sei
und sich überdies exilpolitisch betätigt habe. Selbst wenn die Vorflucht-
gründe des Beschwerdeführers weiterhin als nicht glaubhaft erachtet wür-
den, so sei anhand der neu eingereichten Beweismittel betreffend die Si-
cherheitslage in Sri Lanka belegt, dass er bei einer Rückkehr verfolgt
würde. Er gehöre zur bestimmten sozialen Gruppe der abgewiesenen ta-
milischen Asylgesuchsteller mit vermeintlichen LTTE-Verbindungen. Zu-
dem laufe gegen den Beschwerdeführer ein Gerichtsverfahren, und es be-
stehe ein Haftbefehl. Aus diesen Gründen sei ihm Asyl zu gewähren. Even-
tuell sei er infolge Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs vorläufig aufzunehmen.
Der Eingabe lagen verschiedene Medienberichte bei.
C.c Das SEM nahm die Eingabe vom 20. Dezember 2019 als Mehrfachge-
such entgegen und trat darauf mit Verfügung vom 13. Januar 2020 – eröff-
net am 14. Januar 2020 – nicht ein. Es verfügte zudem die Wegweisung
aus der Schweiz, ordnete den Wegweisungsvollzug an und erhob eine Ge-
bühr.
D.
Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 20. Januar 2020 liess
der Beschwerdeführer diesen Entscheid anfechten. Dabei wurde bean-
tragt, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und die Sache sei zur
Neubeurteilung und materiellen Behandlung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen. Eventuell sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers
festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Subeventuell sei er infolge Unzu-
lässigkeit und/oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig
aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht wurde beantragt, die kantonale
Migrationsbehörde sei anzuweisen, den Vollzug der Wegweisung auszu-
setzen. Ausserdem sei dem Beschwerdeführer die vollumfängliche unent-
geltliche Rechtspflege, unter Beiordnung des Rechtsvertreters als unent-
geltlichen Rechtsbeistand, zu gewähren.
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Der Beschwerde lagen folgende Unterlagen bei: eine Vollmacht vom
16. August 2019, eine Kopie der angefochtenen vorinstanzlichen Verfü-
gung, eine Kopie der Verfügung des SEM vom 9. Januar 2020 betreffend
eine Drittperson (N [...]) sowie mehrere Medienberichte betreffend die
Lage in Sri Lanka.
E.
Mit superprovisorischer Verfügung vom 21. Januar 2020 setzte der Instruk-
tionsrichter den Vollzug der Wegweisung einstweilen aus.
F.
Der Instruktionsrichter forderte den Beschwerdeführer mit Zwischenverfü-
gung vom 23. Januar 2020 auf, innert Frist entweder einen Beleg für die
geltend gemachte prozessuale Bedürftigkeit nachzureichen oder einen
Kostenvorschuss von Fr. 750.– zu überweisen, ansonsten auf die Be-
schwerde nicht eingetreten werde.
G.
Am 7. Februar 2020 überwies der Beschwerdeführer zuhanden der Ge-
richtskasse den angeforderten Kostenvorschuss. Daraufhin wies der In-
struktionsrichter die in der Beschwerde gestellten Gesuche um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung und Beiordnung eines amtlichen
Rechtsbeistandes mit Verfügung vom 19. Februar 2020 ab. Gleichzeitig
wurde das SEM eingeladen, innert Frist eine Vernehmlassung einzu-
reichen.
H.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 3. März 2020 vollumfänglich
an seiner Verfügung fest. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
replizierte darauf mit Eingabe vom 14. Januar 2019, hielt dabei an seinen
Anträgen fest und reichte eine Honorarnote zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer
Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das
Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt.
Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung
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von Beschwerden gegen Entscheide des SEM, welche in Anwendung des
Asylgesetzes ergangen sind, und entscheidet in diesem Bereich endgültig,
ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor wel-
chem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG;
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme besteht vorliegend nicht.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art.108 Abs. 3 AsylG;
Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägung in Ziff. 3 –
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Prüfungsgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist die
Frage, ob die Vorinstanz zu Recht gestützt auf Art. 111c Abs. 1 AsylG auf
das Mehrfachgesuch nicht eingetreten ist. Die Beschwerdeinstanz enthält
sich daher, sofern sie den Nichteintretensentscheid als unrechtmässig er-
achtet, einer selbständigen materiellen Prüfung; stattdessen hebt sie die
angefochtene Verfügung diesfalls auf und weist die Sache zu neuer Ent-
scheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 m.w.H.). Auf
den Eventualantrag, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und
Asyl zu gewähren, ist demnach nicht einzutreten. Die Frage der Rechtmäs-
sigkeit der verfügten Wegweisung sowie des angeordneten Wegweisungs-
vollzugs wird hingegen materiell geprüft.
4.
4.1 Das SEM führte zur Begründung seines Entscheids im Wesentlichen
aus, die Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 und der damit ver-
bundene vollständige Machtwechsel in Sri Lanka stünden in keinem Bezug
zur Person des Beschwerdeführers. Zwar treffe es zu, dass nach der Wahl
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von Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten, der interimistischen Ernen-
nung seines Bruders Mahinda zum Premierminister und der Einsetzung
von General Shavendra Silva zum neuen Armeechef die Überwachungs-
aktivitäten zugenommen hätten und die Befürchtung bestehe, dass damit
eine vermehrte Repression von Menschenrechtsaktivisten, Journalisten,
Oppositionellen, regierungskritischen Personen und Minderheiten einher-
gehe. Dennoch gebe es im aktuellen Zeitpunkt keinen Anlass zur An-
nahme, dass nun ganze Personengruppen kollektiv einer Verfolgungsge-
fahr ausgesetzt seien. Es reiche im Übrigen nicht aus, pauschal auf politi-
sche Entwicklungen oder mögliche Zukunftsszenarien zu verweisen; Vo-
raussetzung für die Annahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der Präsi-
dentschaftswahlen vom November 2019 sei ein persönlicher Bezug der
asylsuchenden Person zu diesem Ereignis. Der Beschwerdeführer habe
jedoch in seinem Gesuch nicht hinreichend dargetan, inwiefern ein solcher
Bezug bestehe. Das Gesuch sei daher nicht gehörig begründet. Die einge-
reichten Medienberichte, welche sich - ohne auf die Person des Beschwer-
deführers Bezug zu nehmen – lediglich zur allgemeinen Lage respektive
politischen Entwicklung äusserten, würden an dieser Einschätzung nichts
ändern. Die geltend gemachten Risikofaktoren sowie die Zugehörigkeit zu
einer bestimmten sozialen Gruppe hätten im Übrigen bereits vor dem Urteil
D-2726/2018 vom 12. Juli 2019 bestanden, weshalb die angeblich damit
verbundene Gefährdung allenfalls revisionsweise beim zuständigen Ge-
richt vorzubringen sei. Demnach sei auf das Mehrfachgesuch gestützt auf
Art. 111c AsylG i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht einzutreten. Der Wegwei-
sungsvollzug sei zulässig, zumutbar und möglich.
4.2 In der Beschwerde wird vorgebracht, das SEM habe das Mehrfachge-
such willkürlich beurteilt und sei darauf zu Unrecht nicht eingetreten. Aus-
schlaggebend für das Mehrfachgesuch sei die Machtübernahme des Raja-
paksa-Clans am 17. November 2019 gewesen. Im Gesuch seien ferner die
politischen Hintergründe des Beschwerdeführers dargelegt und auf die
drohenden Folgen des Machtwechsels für den Beschwerdeführer hinge-
wiesen worden. Das Willkürverbot sei insofern verletzt worden, als die Be-
gründung des Nichteintretensentscheids offensichtlich unhaltbar sei und
mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch stehe. Die Vorinstanz
sei in analogen Fällen auf die Mehrfachgesuche eingetreten und habe die
Vorbringen materiell beurteilt. Dazu wäre das SEM auch im vorliegenden
Fall verpflichtet gewesen. Die angefochtene Verfügung sei daher zu kas-
sieren. Im Weiteren wird gerügt, das SEM habe den rechtserheblichen
Sachverhalt unvollständig und unrichtig abgeklärt, indem es sich nicht mit
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sämtlichen Vorbringen und Beweismitteln des Beschwerdeführers ausei-
nandergesetzt habe. Es liege somit eine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör vor. Im Gesuch sei die individuelle Gefährdungslage für
den Beschwerdeführer ausführlich begründet und mit aktuellen Medienbe-
richten belegt worden. Das SEM habe die Gefährdungslage des Beschwer-
deführers aufgrund der Machtübernahme des Rajapaksa-Clans sowie des
«Bombenfundes» respektive das Vorliegen der vom Bundesverwaltungs-
gericht im Referenzurteil (gemeint ist damit wohl das Urteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016) definierten Risikofaktoren nicht unter Würdigung aller
Vorbringen und Beweismittel geprüft. Tamilen mit dem Profil des Beschwer-
deführers (bestehende Vorfluchtgründe, namentlich Registrierung als ver-
dächtige Person, mehrjähriger Auslandaufenthalt) respektive Angehörige
der bestimmten sozialen Gruppe der abgewiesenen Asylgesuchsteller mit
tamilischer Abstammung und – vermeintlichen – LTTE-Verbindungen seien
nach dem Machtwechsel besonders gefährdet. Weiter wird vorgebracht,
das SEM habe Art. 111c Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG falsch
angewendet. Es treffe nicht zu, dass der Beschwerdeführer seine Mitwir-
kungspflicht im Sinne von Art. 13 Abs. 2 VwVG verletzt habe, indem er kei-
nen hinreichenden Bezug zwischen der politischen Lage und seiner Per-
son hergestellt habe. Die Mitwirkungspflicht richte sich im Asylverfahren
nach Art. 8 AsylG. Der Beschwerdeführer habe dem SEM alle relevanten
Dokumente und Informationen offenbart und ausgeführt, weshalb gerade
er zu einer gefährdeten Gruppe gehöre, daher sei auf sein Gesuch einzu-
treten. Er erfülle das vom Bundesverwaltungsgericht definierte Risikoprofil.
Gemäss dem Bericht der Working Group on Arbitrary Detention vom
23. Juli 2018 sowie dem Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe
(SFH) vom 12. Januar 2018 (Entführung von tamilischen Personen im Dis-
trikt Jaffna und Nordprovinz) seien insbesondere tamilische Personen, wel-
che nach einer Asylgesuchstellung im Ausland nach Sri Lanka zurückkehr-
ten und/oder eine Verbindung zu den LTTE aufwiesen sowie Journalisten,
Personen, welche die Regierung kritisierten, Angehörige von LTTE-Mitglie-
dern sowie politische Häftlinge gefährdet. Aufgrund des Konflikts mit der
Schweizer Botschaft sowie des Urteils des Bundesgerichts vom 8. Novem-
ber 2019 (vgl. 6B_383/2019) seien aus der Schweiz zurückkehrende Tami-
len besonders gefährdet. Die angefochtene Verfügung sei demnach auf-
grund der sich überschlagenden Ereignisse aufzuheben. Das SEM habe
sich bei seinem Entscheid auf eine nicht mehr aktuelle Länderanalyse ge-
stützt. In der Beschwerde wird ferner vorgebracht, das SEM habe die Be-
urteilung der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs nicht korrekt und voll-
ständig vorgenommen, da aus der Begründung nicht hervorgehe, inwiefern
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im konkreten Fall der Vollzug der Wegweisung zulässig sei. Die angefoch-
tene Verfügung sei auch aus diesem Grund aufzuheben. Auch wenn die
Flüchtlingseigenschaft verneint werde, so müsse von der Unzulässigkeit
des Wegweisungsvollzugs ausgegangen werden, da der Beschwerdefüh-
rer aufgrund seines Profils damit rechnen müsse, im Falle der Rückkehr
verhaftet und gefoltert zu werden. Zudem sei der Wegweisungsvollzug un-
zumutbar, da der Beschwerdeführer im Falle seiner Rückkehr der konkre-
ten Gefahr einer Festnahme, Misshandlung, Verschleppung oder Tötung
durch Sicherheitskräfte ausgesetzt wäre. Das SEM habe in der angefoch-
tenen Verfügung bezüglich der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs le-
diglich eine pauschale Einschätzung vorgenommen, anstatt eine individu-
elle Prüfung vorzunehmen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklun-
gen in Sri Lanka sei die Zumutbarkeitseinschätzung des SEM ohnehin
falsch.
4.3 Das SEM wiederholt in seiner Vernehmlassung, es sei kein persönli-
cher Bezug des Beschwerdeführers zur Präsidentschaftswahl vom 16. No-
vember 2019 respektive deren Folgen dargetan worden. Es fehle an einer
hinreichenden Subsumption im Einzelfall. Auch auf Beschwerdeebene
seien lediglich allgemeine Länderberichte eingereicht worden, welche kei-
nen konkreten Bezug zum Beschwerdeführer aufwiesen.
4.4 In der Replik werden die Ausführungen des SEM bestritten. Der Nicht-
eintretensentscheid sei zu Unrecht erfolgt und nicht rechtsgenüglich be-
gründet worden, was eine Verletzung des Gehörsanspruchs darstelle. Das
SEM habe sich ungenügend mit der neuen Gefährdungslage des Be-
schwerdeführers auseinandergesetzt und den Sachverhalt unvollständig
und unrichtig abgeklärt. Zudem habe es die Zulässigkeit und Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs ungenügend geprüft. Das Vorgehen des SEM
sei willkürlich. Entgegen der Schlussfolgerung des SEM bestehe eine kon-
krete persönliche Gefährdung des Beschwerdeführers. Das SEM habe in
Bezug auf die aktuelle politische Lage seine Ermittlungspflicht gemäss
Art. 3 i.V.m. Art. 1 EMRK missachtet. Zudem basiere der angefochtene Ent-
scheid auf nicht mehr aktuellen Länderinformationen. Im Hinblick auf das
Refoulement-Verbot von Art. 3 EMRK obliege dem Staat im Bereich der
Sachverhaltsfeststellung und –würdigung eine Sorgfaltspflicht (Verweis auf
das von Prof. Walter Kälin erstellte Rechtsgutachten vom 23. Februar
2014). Die Gefährdungssituation des Beschwerdeführers müsse nach der
Wahl von Präsident Rajapaksa am 16. November 2019 neu eruiert werden,
da der Beschwerdeführer zur gefährdeten Personengruppe gehöre. Die
Anordnung der Wegweisung ohne Prüfung der Zumutbarkeit respektive
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Zulässigkeit stelle eine grobe Sorgfaltsverletzung dar. Ausserdem habe
das SEM die Aussagen des Beschwerdeführers ignoriert. Die Asylvorbrin-
gen des Beschwerdeführers seien glaubhaft, zudem habe er sich exilpoli-
tisch engagiert und sei dem Geheimdienst bereits bekannt. Personen mit
dem Profil des Beschwerdeführers seien nach der Machtübernahme des
neuen Präsidenten gefährdet. Die Ausführungen des SEM seien somit
nicht einzelfallgerecht und realitätsfremd.
5.
In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, welche
vorab zu prüfen sind, da sie allenfalls geeignet sein könnten, eine Kassa-
tion der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
5.1 Der Beschwerdeführer rügt, der Nichteintretensentscheid des SEM
verletzte sowohl das Willkürverbot (Art. 9 BV) als auch das Rechtsgleich-
heitsgebot (Art. 8 BV), zumal die Vorinstanz in analogen Fällen, namentlich
im Fall «N (...)» (recte: N [...]), auf das Gesuch eingetreten sei und dieses
materiell behandelt habe.
5.1.1 Gemäss Lehre und ständiger Rechtsprechung liegt Willkür in der
Rechtsanwendung nicht schon dann vor, wenn eine andere Lösung eben-
falls als vertretbar oder gar zutreffender erscheint, sondern nur dann, wenn
der angefochtene Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächli-
chen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unum-
strittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem
Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Der angefochtene Entscheid wird
nur aufgehoben, wenn nicht bloss die Begründung, sondern auch das Er-
gebnis unhaltbar ist (vgl. dazu beispielsweise BGE 140 III 167 E. 2.1,
S. 168, m.w.H.).
Gemäss dem Gebot der Rechtsgleichheit soll Gleiches gleich und Unglei-
ches ungleich behandelt werden (BGE 134 I 23 E. 9.1; ULRICH HÄFE-
LIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht,
7. Aufl. 2016, Rz. 572). Das Rechtsgleichheitsgebot ist verletzt, wenn hin-
sichtlich einer entscheidwesentlichen Tatsache rechtliche Unterscheidun-
gen getroffen werden, für die kein vernünftiger Grund in den zu regelnden
Verhältnissen besteht, oder wenn Unterscheidungen unterlassen werden,
die aufgrund der Verhältnisse hätten getroffen werden müssen (vgl. JÖRG
PAUL MÜLLER/MARKUS SCHEFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl.
2008, S.11; BGE 136 V 231 E. 6.1). Ein Anspruch auf Gleichbehandlung
im Unrecht wird nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung indes nur
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Seite 11
ausnahmsweise anerkannt (BGE 132 II 485 E. 8.6, m.w.H.). Hierzu bedarf
es, dass eine rechtsanwendende Behörde eine eigentliche gesetzeswid-
rige Praxis pflegt und überdies zu erkennen gibt, auch in Zukunft nicht da-
von abweichen zu wollen.
5.1.2 Vorliegend hat das SEM in seiner Verfügung vom 13. Januar 2020
(s. dort Erwägungen IV) einlässlich dargelegt, weshalb auf das Mehrfach-
gesuch nicht einzutreten sei. Es stellte dabei insbesondere fest, dass das
Gesuch mit einer angeblichen Veränderung der objektiven Gefährdungs-
lage für die Person des Beschwerdeführers begründet worden sei. Der Be-
schwerdeführer habe indessen nicht in substanziierter Weise dargetan,
weshalb gerade er infolge des Machtwechsels in Sri Lanka im Falle einer
Rückkehr in asylbeachtlicher Weise verfolgt würde. Es sei kein persönli-
cher Bezug des Beschwerdeführers zu den von ihm vorgebrachten Ereig-
nissen ersichtlich. Die geltend gemachten Risikofaktoren hätten zudem be-
reits vor Erlass des Beschwerdeurteils D-2726/2018 bestanden. Das SEM
kam aus diesen Gründen zum Schluss, das Mehrfachgesuch sei nicht ge-
hörig begründet worden, weshalb darauf gestützt auf Art. 111c Abs. 1 AsylG
i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht einzutreten sei. In der Praxis ist das Nicht-
eintreten auf ein nicht gehörig begründetes Mehrfachgesuch ausdrücklich
vorgesehen und wird durch die Rechtsprechung geschützt (vgl. BVGE
2014/39 E. 7). Die Bezugnahme auf andere, angeblich analoge Fälle, in
welchen die Vorinstanz einen materiellen Entscheid getroffen habe, ver-
mag daran nichts zu ändern. Im Übrigen wird seitens des Beschwerdefüh-
rers nur ein einziger konkreter Fall angeführt. Daraus kann offensichtlich
nicht auf das Bestehen einer eigentlichen gesetzeswidrigen Praxis der Vo-
rinstanz geschlossen werden. Demnach ist vorliegend weder eine Verlet-
zung des Willkürverbots noch des Gleichheitsgebots ersichtlich.
5.2 Weiter wird gerügt, das SEM habe den rechtserheblichen Sachverhalt
unvollständig und unrichtig abgeklärt (Art. 12 VwVG) sowie die ihm oblie-
gende Prüfungs- und Begründungspflicht respektive allgemein den An-
spruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 35
Abs. 1 VwVG) verletzt. Diese Rügen erweisen sich ebenfalls als unbegrün-
det. Es ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz im vorliegen-
den Fall auf das Mehrfachgesuch nicht eingetreten ist und folgerichtig
keine materielle Prüfung der Gesuchsgründe vorgenommen hat. In einem
solchen Fall kann sich die Behörde darauf beschränken, den für die Frage
des Nichteintretens wesentlichen Sachverhalt zu eruieren und den fallspe-
zifischen Nichteintretensgrund darzulegen. Die angefochtene Verfügung
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Seite 12
enthält – im angemessenen Rahmen der Begründung eines Nichteintre-
tensentscheids – eine ausreichende Darstellung des rechtserheblichen
Sachverhalts. Zudem hat das SEM in seiner Verfügung rechtsgenüglich
und nachvollziehbar dargelegt, weshalb es das Mehrfachgesuch für unzu-
reichend begründet im Sinn von Art. 111c AsylG erachtet (vgl. dazu bereits
vorstehend E. 4.1 sowie 5.1.2). Ferner entspricht auch die vom SEM vor-
genommene Prüfung und Begründung der Zulässigkeit des Wegweisungs-
vollzugs den gesetzlichen Anforderungen; das SEM beurteilte diese Frage
unter Berücksichtigung der einschlägigen völkerrechtlichen und landes-
rechtlichen Normen, verwies auf die fehlende Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers und erwog, es ergäben sich aus den Akten keine An-
haltspunkte dafür, dass dem Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr
nach Sri Lanka eine menschenrechtswidrige Behandlung drohe. Die aus-
führliche Beschwerdeeingabe zeigt im Übrigen, dass eine sachgerechte
Anfechtung der vorinstanzlichen Verfügung ohne weiteres möglich war.
5.3 Die formellen Rügen erweisen sich nach dem Gesagten allesamt als
unbegründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Ver-
fügung aufzuheben und die Sache zur neuen Beurteilung und Entschei-
dung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das entsprechende Rechtsbe-
gehren ist daher abzuweisen.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politi-
schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder
begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Die
Flüchtlingseigenschaft muss nachgewiesen oder zumindest glaubhaft ge-
macht werden (Art. 7 AsylG).
6.2 Bei Asylgesuchen, die innert fünf Jahren nach Eintritt der Rechtskraft
des Asyl- und Wegweisungsentscheides eingereicht werden, hat die Ein-
gabe schriftlich und begründet zu erfolgen (Art. 111c Abs. 1 AsylG).
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Seite 13
6.3 Gemäss Art. 13 Abs. 2 VwVG braucht die Behörde auf Begehren einer
Partei, die ihr Verfahren selber einleitet, nicht einzutreten, wenn die Partei
die notwendige und zumutbare Mitwirkung verweigert.
7.
7.1 Der Beschwerdeführer führte zur Begründung seines Mehrfachge-
suchs im Wesentlichen aus, die Sicherheitslage in Sri Lanka habe sich seit
der Machtübernahme des Rajapaksa-Clans am 17. November 2019 mas-
siv verschlechtert. Aufgrund seines Profils (tamilische Ethnie, Vorverfol-
gung, exilpolitische Tätigkeit, Rückkehrer aus dem Ausland mit abgewie-
senem Asylgesuch) gehöre er spätestens jetzt zur Gruppe der stark ge-
fährdeten Personen und müsse im Falle seiner Rückkehr nach Sri Lanka
mit einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung rechnen. Diese Begrün-
dung wurde vom SEM zu Recht als unzureichend qualifiziert. Es trifft zwar
zu, dass im Mehrfachgesuch die Ausführungen zu den (sicherheits-)politi-
schen Ereignissen in Sri Lanka seit den Wahlen vom 17. November 2019
ausreichend substanziiert ausgefallen sind. Weshalb und inwiefern diese
(sicherheits-)politischen Veränderungen gerade beim Beschwerdeführer
zum Entstehen einer neuen asylbeachtlichen Verfolgungsgefahr geführt
haben sollen, kann der Begründung des Mehrfachgesuchs indessen nicht
schlüssig entnommen werden. Die angebliche Verfolgungsgefahr wird le-
diglich in pauschaler Weise sowie unter Hinweis auf die bereits im ersten
Asylverfahren vorgebrachten Vor- und Nachfluchtgründe behauptet. Im Be-
schwerdeurteil vom 12. Juli 2019 wurde indessen festgestellt, die im ersten
Asylverfahren geltend gemachten Asylgründe seien unglaubhaft, die vom
SEM durchgeführte Prüfung des Risikoprofils des Beschwerdeführers sei
nicht zu beanstanden, und es sei nicht davon auszugehen, dass er einer
Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen sei oder begrün-
dete Furcht habe, künftig einer solchen ausgesetzt zu werden (vgl. dazu
bereits vorstehend Abschnitt A.c). Den Vorbringen des Beschwerdeführers
im Mehrfachgesuch kann nicht entnommen werden, dass sich sein Risi-
koprofil zwischenzeitlich in relevanter Weise verändert hätte. Der Auffas-
sung des SEM, wonach es im vorliegenden Fall an einer gehörigen Be-
gründung des Mehrfachgesuchs fehlt, ist aus diesen Gründen zuzustim-
men.
7.2 An dieser Einschätzung vermögen auch die eingereichten Beweismittel
nichts zu ändern, handelt es sich dabei doch ausschliesslich um Medien-
berichte betreffend den Machtwechsel in Sri Lanka und die Ereignisse im
Zusammenhang mit der Schweizer Botschaft, welche keinen konkreten
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Bezug zur Person des Beschwerdeführers aufweisen. Schliesslich ist fest-
zustellen, dass das SEM die Frage der (nicht) gehörigen Begründung zu-
treffend in Anwendung von Art. 13 Abs. 2 VwVG (und nicht in Anwendung
von Art. 8 AsylG) geprüft hat; denn es handelt sich dabei nicht um ein spe-
zialgesetzliches, sondern um ein allgemeines verwaltungsrechtliches Kri-
terium (vgl. dazu BVGE 2014/39 E. 7).
7.3 Nach dem Gesagten ist das SEM zu Recht und mit zutreffender Be-
gründung in Anwendung von Art. 111c Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 13 Abs. 2
VwVG auf das Mehrfachgesuch nicht eingetreten (vgl. zum Ganzen bei-
spielsweise auch die Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E-723/2020
vom 4. März 2020 und E-76/2020 vom 16. April 2020).
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an (Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen
gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweis-
standard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie
sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls we-
nigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
9.1.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
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Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
9.1.2 Das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot schützt nur Personen,
welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer
nach wie vor nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist demnach
unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich wei-
terhin weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Ak-
ten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Sri
Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK
oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Dies-
bezüglich ist vollumfänglich auf die nach wie vor zutreffende Einschätzung
im Beschwerdeurteil D-2726/2018 vom 12. Juli 2019 (E. 7.2) zu verweisen.
Es besteht kein Grund zur Annahme, dass sich die jüngsten politischen
Entwicklungen in Sri Lanka in konkreter und relevanter Weise auf den Be-
schwerdeführer auswirken könnten. Der Vollzug der Wegweisung des Be-
schwerdeführers nach Sri Lanka ist somit nach wie vor sowohl im Sinne
der asylgesetzlichen als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zu-
lässig zu erachten.
9.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
Bezüglich der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ist eben-
falls auf die Ausführungen im Beschwerdeurteil D-2726/2018 vom 12. Juli
2019 (E. 7.3) zu verweisen. Die Vorbringen des Beschwerdeführers zur
allgemeinen Lage in Sri Lanka lassen nach wie vor nicht darauf schliessen,
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dass dort eine Situation allgemeiner Gewalt herrscht. Der Beschwerdefüh-
rer macht zudem im vorliegenden Verfahren keine konkreten individuellen
Unzumutbarkeitsgründe geltend. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich
daher weiterhin als zumutbar.
9.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten ist.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss
ist zur Begleichung der Verfahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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