Decision ID: f86aedd3-4433-5524-b31e-ce16929513b1
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 28. Februar 2014 beantragte der aus der Republik Kosovo stammen-
de B._ (geb. 1932, im Folgenden: Gesuchsteller/Eingeladener) bei
der Schweizerischen Botschaft in Pristina ein Schengen-Visum für die
Dauer von 90 Tagen. Als Zweck der beabsichtigten Reise gab er an, sei-
ne im Kanton Bern wohnhafte Enkelin A._ (im Folgenden: Gast-
geberin bzw. Beschwerdeführerin) und deren Familie besuchen zu wol-
len. Diese hatte bereits am 18. Februar 2014 ein entsprechendes Einla-
dungsschreiben – für einen dreimonatigen Besuchsaufenthalt ihres
Grossvaters – an die Schweizer Botschaft gerichtet.
B.
Mit Formularentscheid vom 3. März 2014 lehnte es die Schweizer Vertre-
tung in Pristina ab, das gewünschte Visum auszustellen. Sie begründete
ihre Haltung mit der ihrer Auffassung nach fehlenden Gewähr für die frist-
gerechte Wiederausreise des Eingeladenen aus dem Schengen-Raum
nach Ablauf des Visums. Zudem fehlten Nachweise und Belege zur Fi-
nanzierung der Reise und des Aufenthalts in der Schweiz.
Gegen diesen Entscheid erhob die Gastgeberin mit Eingabe vom
13. März 2014 beim Bundesamt für Migration (BFM) Einsprache.
C.
Nachdem der Migrationsdienst des Kantons Bern bei der Gastgeberin er-
gänzende Auskünfte eingeholt und an das BFM weitergeleitet hatte, wies
die Vorinstanz die Einsprache am 3. Juni 2014 ab. Dabei teilte sie die
Einschätzung der Schweizerischen Auslandvertretung, wonach die an-
standslose und fristgerechte Wiederausreise nach einem Besuchsaufent-
halt nicht als hinreichend gesichert betrachtet werden könne. Der Ge-
suchsteller lebe in einer Region, aus welcher als Folge der schwierigen
wirtschaftlichen Verhältnisse ein anhaltend starker Zuwanderungsdruck
festzustellen sei. Im Weitern seien aus den persönlichen und familiären
Verhältnissen des verwitweten Gesuchstellers keine Umstände ersicht-
lich, die besondere Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise bieten
könnten, zumal sämtliche Familienangehörigen im Ausland lebten.
D.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 10. Juni bzw. 26. Juni 2014 beantragt die
Beschwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht sinngemäss die
Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung des ge-
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wünschten Besuchervisums an den Gesuchsteller. Zur Begründung bringt
sie im Wesentlichen vor, es verstehe sich von selbst, dass ihr mittlerweile
82-jähriger Grossvater nicht in die Schweiz kommen werde, um Arbeit zu
suchen. Im Weitern versichert sie, dass der Eingeladene nach seinem
Besuchsaufenthalt anstandslos in sein Heimatland zurückkehren werde.
E.
In ihrer Vernehmlassung vom 18. Juli 2014 spricht sich die Vorinstanz für
die Abweisung der Beschwerde aus. Laut den Angaben der Beschwerde-
führerin hätten die engsten Familienangehörigen des Eingeladenen –
seine Kinder – allesamt den Kosovo verlassen und befänden sich in der
Schweiz. In Anbetracht der Lebensumstände im Heimatland des allein
stehenden und verwitweten Gesuchstellers erscheine dessen bisheriger
Lebensmittelpunkt im Kosovo nach Ansicht des BFM nicht geeignet, ihn
verlässlich davon abzuhalten, den Entscheid für eine Emigration zu fällen.
F.
Mit verfahrensleitender Anordnung vom 23. Juli 2014 wurde der Be-
schwerdeführerin die Möglichkeit gewährt, zur Vernehmlassung der Vor-
instanz Stellung zu nehmen. Die hierfür gesetzte Frist blieb ungenutzt.
G.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwä-
gungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter
Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen
Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer in Art. 33 VGG aufge-
führten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügungen des
BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen-Visums zu Be-
suchszwecken verweigert wird. In dieser Materie entscheidet das Bun-
desverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, rich-
tet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem
VwVG (Art. 37 VGG).
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1.3 Die Beschwerdeführerin ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Be-
schwerde berechtigt. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als
Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62
Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann
die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage
zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
3.
Der angefochtenen Verfügung liegt das Gesuch eines kosovarischen
Staatsangehörigen um Erteilung eines Visums für einen 90-tägigen Auf-
enthalt in der Schweiz zugrunde. Da sich der Gesuchsteller nicht auf die
EU/EFTA-Personenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beab-
sichtigte Aufenthaltsdauer drei Monate nicht überschreitet, fällt die vorlie-
gende Streitsache in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbe-
reich der Schengen-Assoziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den
Schengen-Besitzstand und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen
Rechtsakte übernommen hat. Das Ausländergesetz (AuG, SR 142.20)
und seine Ausführungsbestimmungen gelangen nur soweit zur Anwen-
dung, als die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden
Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 - 5 AuG).
4.
4.1 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines
Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Er-
teilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch –
grundsätzlich nicht verpflichtet, ausländischen Personen die Einreise zu
gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es sich
dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz
über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002
3774; BGE 135 II 1 E. 1.1). Das Schengen-Recht schränkt die national-
staatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraussetzungen
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für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die
Einreise bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraussetzungen nicht
erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise bzw. Visum vermittelt jedoch
auch das Schengen-Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.5).
4.2 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-
Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit-
raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku-
mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein
Visum, falls ein solches nach Massgabe der Verordnung (EG)
Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 zur Aufstellung der Liste der
Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Aussengren-
zen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer,
deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind, erforderlich
ist. Kein Visum benötigen Drittstaatsangehörige, die Inhaber eines gülti-
gen Aufenthaltstitels sind oder über ein gültiges Visum für den längerfris-
tigen Aufenthalt verfügen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG, Art. 2 Abs. 1 der
Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumertei-
lung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung
[EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der
Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK,
ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32], Art. 4 VEV).
4.3 Im Weiteren müssen Drittstaatsangehörige den Zweck und die Um-
stände ihres beabsichtigten Aufenthalts belegen und hierfür über ausrei-
chende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 Abs. 1
VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. a-c der
Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [nach-
folgend: Visakodex]). Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu
belegen, dass sie den Schengen-Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien
Aufenthaltes verlassen, bzw. ausreichende Gewähr für eine fristgerechte
Wiederausreise zu bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako-
dex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu EGLI/MEYER, in: Stämpflis Hand-
kommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer,
2010, Art. 5 N. 33). Des Weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im
Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausge-
schrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere
Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehun-
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gen eines Mitgliedstaats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1
Bst. d und e SGK).
4.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1
Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige
Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen-Raums fristge-
recht wieder zu verlassen (vgl. dazu EGLI/MEYER, a.a.O., Art. 5 N. 33; fer-
ner Urteil des deutschen Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom
11. Januar 2011 Rz. 29). Die Behörden haben daher zu prüfen und dritt-
staatsangehörige Personen zu belegen, dass die Gefahr einer rechtswid-
rigen Einwanderung oder einer nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht
(Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesi-
cherten Wiederausreise, wie sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein
vorübergehender Aufenthalt vorgesehen ist, steht mit dieser Regelung im
Einklang (vgl. BVGE 2009/27 E. 5 mit Hervorhebung des Zusammen-
hangs zum Einreiseerfordernis des belegten Aufenthaltszwecks nach
Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK).
4.5 Sind die vorerwähnten Einreisevoraussetzungen (Visum ausgenom-
men) nicht erfüllt, darf ein für den gesamten Schengen-Raum geltendes
"einheitliches Visum" (Art. 2 Ziff. 3 Visakodex) nicht erteilt werden (Art. 12
VEV, Art. 32 SGK). Hält es jedoch ein Mitgliedstaat aus humanitären
Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder aufgrund interna-
tionaler Verpflichtungen für erforderlich, so ist er berechtigt, der dritt-
staatsangehörigen Person, welche die ordentlichen Einreisevorausset-
zungen nicht erfüllt, ausnahmsweise ein "Visum mit räumlich beschränk-
ter Gültigkeit" zu erteilen (Art. 2 Ziff. 4 Visakodex). Dieses Visum ist
grundsätzlich nur für das Hoheitsgebiet des ausstellenden Staates gültig
(Art. 32 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; unter denselben Voraus-
setzungen kann einer drittstaatsangehörigen Person die Einreise an den
Aussengrenzen gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK).
5.
5.1 Die Vorinstanz verweigerte die Erteilung des beantragten Schengen-
Visums mit der Begründung, die anstandslose und fristgerechte Wieder-
ausreise erscheine nicht als hinreichend gesichert.
5.2 Wie oben erwähnt, unterliegt der Gesuchsteller als kosovarischer
Staatsangehöriger der Visumspflicht (vgl. Anhang I zur Verordnung [EG]
Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einrei-
sevoraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK stehen die Fragen nach dem
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Zweck des geplanten Aufenthalts und nach der gesicherten Wiederaus-
reise im Vordergrund. Dazu lassen sich in der Regel keine gesicherten
Feststellungen, sondern nur Prognosen treffen. Dabei sind alle Umstände
des Einzelfalles zu würdigen. Anhaltspunkte zur Beurteilung der Gewähr
für eine fristgerechte Wiederausreise können sich auch aus der allgemei-
nen Situation im Herkunftsland der Besucherin oder des Besuchers erge-
ben. Namentlich bei Einreisegesuchen von Personen aus Staaten bzw.
Regionen mit politisch oder wirtschaftlich ungünstigen Verhältnissen
rechtfertigt sich eine kritische Prüfung bzw. eine strenge Praxis, da die
persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht mit dem Ziel
und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht
(vgl. Urteile des BVGer C-3777/2012 vom 28. Januar 2013 E. 5.2 sowie
C-4142/2010 vom 15. August 2011 E. 7.2).
5.3 Dass im Heimatland des Gesuchstellers grosse Teile der Bevölkerung
von wirtschaftlich ungünstigen Verhältnissen betroffen sind, kann nicht in
Abrede gestellt werden. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) je Einwohner im
Kosovo lag 2013 nach Schätzung des Internationalen Währungsfonds
(IWF) bei 2'794 Euro, das BIP insgesamt bei etwas über 5 Mrd. Euro.
Damit bleibt Kosovo das ärmste Land auf dem Balkan. Die Einkommens-
verhältnisse bewegen sich auf konstant tiefem Niveau (das monatliche
Durchschnittseinkommen lag 2011 bei ca. 300 Euro) und die Hälfte aller
Einwohner lebt an oder unter der Armutsgrenze. Überweisungen aus dem
Ausland stellen eine wichtige Einkommensquelle und damit einen bedeu-
tenden Wirtschaftsfaktor dar (Quellen: Deutsches Auswärtiges Amt,
www.auswaertiges-amt.de > Aussen- und Europapolitik > Länderinforma-
tionen > Kosovo > Wirtschaftspolitik, Stand: September 2014; UNDP Ko-
sovo Human Development Report 2014, www.kosovo.undp.org > Re-
search & Publications > Human Development > Kosovo Human Deve-
lopment Report 2014, beide Websites besucht im Oktober 2014; vgl. auch
Urteil des BVGer C-2108/2012 vom 26. März 2014 E. 5.3 m.H.).
Auf entsprechend hohem Niveau bewegt sich der Anteil derer, die sich
zur Emigration entschliessen. Besteht im Ausland bereits ein soziales Be-
ziehungsnetz von Verwandten oder Freunden, so begünstigt dies die
Tendenz, sich dort unter besseren Lebensbedingungen eine (neue) Exis-
tenz aufzubauen. Vor diesem Hintergrund ist es naheliegend, dass Fami-
lienangehörige oftmals versuchen, auch ihre Eltern oder Grosseltern, für
welche sie sich verantwortlich fühlen, in die Schweiz nachzuziehen. Dies
insbesondere dann, wenn diese – altersbedingt ohne berufliche Verpflich-
http://www.auswaertiges-amt.de/ http://www.kosovo.undp.org/
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tungen – alleine im Heimatstaat zurückbleiben und/oder aus gesundheitli-
chen Gründen nicht mehr für sich selbst sorgen können.
5.4 Bei der Risikoanalyse sind aber nicht nur solch allgemeine Umstände
und Erfahrungen, sondern auch, wie oben ausgeführt, sämtliche Ge-
sichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer
gesuchstellenden Person im Heimatland beispielsweise eine besondere
berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verantwortung, kann dies die
Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünstigen (vgl. Urteil
des BVGer C-2785/2012 vom 17. Juli 2013 E. 6.4). Andererseits muss bei
Personen, die in ihrer Heimat keine besonderen Verpflichtungen haben,
das Risiko für ein ausländerrechtlich nicht regelkonformes Verhalten
(nach bewilligter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) als hoch einge-
schätzt werden.
6.
6.1 Beim Gesuchsteller handelt es sich um einen 82-jährigen, verwitwe-
ten Mann, der im eigenen Haus im Kosovo leben soll und offenbar noch
nie ins Ausland gereist ist. Zu den familiären Verhältnissen wurden von
den Beteiligten weder im Gesuchsverfahren noch auf Beschwerdeebene
nähere Angaben gemacht, sondern lediglich angeführt, der eingeladene
Grossvater sei unabhängig. Gemäss den (unwidersprochen gebliebenen)
Feststellungen der Schweizer Vertretung in Pristina lebt der Eingeladene
allein im Kosovo (vgl. auch die vom Gesuchsteller zuhanden der Visums-
behörden unterzeichnete Erklärung vom 5. Februar 2014 ["Declaration on
joint household"]), wonach keine weiteren Familienangehörigen im selben
Haushalt lebten). Es sind daher keine sozialen oder familiären Verpflich-
tungen ersichtlich, welche besondere Gewähr für eine Rückkehr des Ge-
suchstellers ins Heimatland bieten könnten. Tritt hinzu, dass in Situatio-
nen angespannter wirtschaftlicher und/oder politischer Verhältnisse selbst
zurückbleibende nahe Angehörige regelmässig nicht verlässlich davon
abhalten können, den Entscheid für eine Emigration zu fällen. Zudem
dürfte der Gesuchsteller – als Rentner – kaum in wirtschaftlich günstigen
Verhältnissen leben, die das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederaus-
reise nach einem Besuchsaufenthalt in der Schweiz entscheidend herab-
setzen könnte. Die Schweizerische Botschaft in Pristina hielt diesbezüg-
lich fest, der Eingeladene habe keinen Nachweis über seine finanziellen
Mittel erbringen können.
6.2 Demgegenüber verfügt der Gesuchsteller mit seinen hierzulande
lebenden Angehörigen, bei denen es sich um seine Grosskinder han-
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deln dürfte, über enge Bezugspersonen in der Schweiz (vgl. Stellung-
nahme der Beschwerdeführerin vom 16. April 2014). In diesem Zu-
sammenhang gilt es insbesondere dem Umstand Rechnung zu tragen,
dass offenbar sämtliche Familienangehörige des Gesuchstellers ihr
Heimatland definitiv verlassen haben und in die Schweiz (oder in an-
dere Länder Westeuropas) übersiedelt sind, woraus auf einen konkre-
ten Migrationswillen im nächsten Umfeld des Eingeladenen ge-
schlossen werden kann. Vor diesem Hintergrund müssen die Be-
teuerungen auf Beschwerdeebene, dieser werde die Schweiz nach
seinem dreimonatigen Besuchsaufenthalt fristgerecht wieder ver-
lassen, als nicht ausschlaggebend bezeichnet werden.
6.3 Nicht zuletzt altersbedingte gesundheitliche Probleme, aber auch
die misslichen Verhältnisse im Heimatland bergen ein erhöhtes Risiko
in sich, der seit letzten Dezember verwitwete Gesuchsteller könnte
nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in der Schweiz geneigt sein,
den Lebensabend doch noch im Umfeld seiner in der Schweiz leben-
den nächsten Angehörigen zu verbringen oder sich über die be-
antragte Visumsdauer hinaus hierzulande aufzuhalten. Insofern könn-
ten gewisse Festsetzungstendenzen bestehen und demzufolge be-
gründete Zweifel am deklarierten Aufenthaltszweck (Besuchsaufent-
halt; vgl. Art. 16 i.V.m. Art. 12 Abs. 2 Bst. c in fine VEV) berechtigt sein.
6.4 Vor dem allgemeinen und persönlichen Hintergrund konnte die Vor-
instanz demnach willkürfrei davon ausgehen, dass keine hinreichende
Gewähr für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise des
Eingeladenen nach einem Besuchsaufenthalt besteht. An dieser Ein-
schätzung vermögen auch die gegenteiligen Zusicherungen der Gast-
geberin und Beschwerdeführerin nichts zu ändern. Als solche kann sie
mit rechtlich verbindlicher Wirkung zwar für gewisse finanzielle Risiken
im Zusammenhang mit dem Besuchsaufenthalt, nicht aber für ein be-
stimmtes Tun oder Unterlassen ihres Gastes einstehen (vgl. in diesem
Zusammenhang BVGE 2009/27 E. 9). Der (durchaus verständliche)
Wunsch der Beschwerdeführerin, ihrem im Kosovo lebenden Grossva-
ter das Lebensumfeld in der Schweiz zeigen zu können, hat somit in
den Hintergrund zu treten.
7.
7.1 Bleibt zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die Ausstellung eines Vi-
sums mit räumlich beschränkter Gültigkeit vorliegen (vgl. E. 4.5). Ein sol-
ches kann – wie erwähnt – erteilt werden, wenn ein Mitgliedstaat es aus
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humanitären Gründen, aus Gründen des nationalen Interesses oder auf-
grund internationaler Verpflichtungen für erforderlich hält. Die damit ein-
hergehende Abweichung von den allgemeinen Einreisevoraussetzungen
erfordert eine sorgfältige Abwägung der sich gegenüberstehenden Inte-
ressen, die nicht leichthin zur Erteilung eines auf nationales Hoheitsgebiet
beschränkten Visums führen darf (vgl. BVGE 2011/48 E. 6.1).
7.2 Zwar stellt der persönliche Kontakt zwischen dem Eingeladen und der
Gastgeberin und ihrer Familie eine grundsätzlich unter den Schutz von
Art. 8 EMRK sowie Art. 13 Abs. 1 BV fallende familiäre Beziehung dar,
auch wenn es sich nicht um die sog. "Kernfamilie" (Eltern und ihre min-
derjährigen Kinder) handelt. Das vermag jedoch zu keinem anderen Re-
sultat zu führen. Denn nur Beeinträchtigungen des Familienlebens von
gewisser Mindestschwere stellen rechtfertigungsbedürftige Eingriffe in die
genannten Garantien dar. Ob diese Mindestschwere im vorliegenden Fall
erreicht wird, erscheint unter den gegebenen Umständen als fraglich;
immerhin wäre der hierzulande eingebürgerten Beschwerdeführerin auch
eine Reise in ihr ursprüngliches Heimatland zuzumuten, was ebenso für
die übrigen, in der Schweiz lebenden Grosskinder des Gesuchstellers
gelten muss, welche alle zumindest über eine Niederlassungsbewilligung
verfügen. Doch auch wenn dem so sein sollte, handelte es sich nur um
einen eher untergeordneten Eingriff in das Familienleben, der durch die
auf dem Spiel stehenden öffentlichen Interessen gerechtfertigt ist (Art. 8
Ziff. 2 EMRK und Art. 36 BV; vgl. Urteil des BGer 2C_190/2011 vom
23. November 2011 E. 4.3.1 sowie Urteil des BVGer C-1821/2014 vom
2. Juli 2014 E. 8.1).
7.3 Die geltend gemachten privaten Interessen rechtfertigen solchermas-
sen auch nicht, ein Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit auszustel-
len.
8.
Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung
im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist
daher abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdefüh-
rerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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