Decision ID: 1eb57589-c3ac-5cbb-bd9c-5962ae0d5191
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der 1963 in Polen geborene und seit 1987 in Deutschland wohnhafte deut-
sche Staatsangehörige A._ (nachfolgend: Versicherter oder Be-
schwerdeführer), geschieden und Vater von zwei Kindern (geb. 1987 und
1991), erwarb gemäss eigenen Angaben im Jahr 1985 in Polen die Lizenz
als Tennistrainer und absolvierte im Jahr 1996 in Deutschland eine Ausbil-
dung zum staatlich geprüften Tennislehrer (DTB-B-Trainer). Neben einer
gemäss eigenen Angaben seit 1997 ausgeübten selbständigen Erwerbstä-
tigkeit als Tennislehrer in Deutschland arbeitete der Versicherte mit einer
Grenzgängerbewilligung (G) seit 1. September 2002 bei der Sportcenter
B._ AG/Kanton C._ als (angestellter) Tennislehrer, wobei er
Beiträge an die schweizerische Alters-, Hinterlassen- und Invalidenversi-
cherung (AHV/IV) leistete (vgl. Akten der Vorinstanz [nachfolgend: act.] 1;
act. 2; act. 36, S. 2; act. 20; act. 83).
B.
B.a Am 4. September 2015 meldete sich der Versicherte bei der IV-Stelle
C._ zum Bezug von Leistungen der schweizerischen Invalidenver-
sicherung (berufliche Integration/Rente) an (act. 1). Als gesundheitliche
Beeinträchtigung gab er "Diabetes 2, Krebs" an (act. 1, S. 5). Die IV-Stelle
C._ nahm in der Folge medizinische und erwerbliche Abklärungen
vor.
B.b In erwerblicher Hinsicht teilte der Versicherte auf Nachfrage der IV-
Stelle C._ am 6. August 2016 mit, er habe früher neben der Tätig-
keit bei der Sportcenter B._ AG als selbständig Erwerbender in
Deutschland 20 - 25 Tennisstunden (pro Woche) geleitet, wobei ca. 25 Trai-
nerstunden einem 100 %-Pensum entsprächen. Mit diesem Pensum wäre
er auch im hypothetischen Gesundheitsfall tätig (act. 36).
B.c In medizinischer Hinsicht hielt der Hausarzt des Versicherten, Dr. med.
D._, Innere Medizin, in seinem Bericht vom 21. September 2015
fest, dass sich der Versicherte zurzeit in Abklärung wegen eines möglichen
Pankreaskarzinoms befinde. Zudem bestehe ein Diabetes mellitus Typ II
(insulinpflichtig). Der Versicherte sei in der Tätigkeit als Tennislehrer seit
Juni 2015 und bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Eine angepasste
Tätigkeit sei seit Juli 2015 zu 4 Stunden pro Tag möglich (act. 16). Im Ver-
laufsbericht vom 11. April 2016 gab Dr. D._ an, dass die Diagnostik
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abgeschlossen sei und beim Versicherten kein Karzinom vorliege. Es be-
stehe jedoch eine chronische schmerzhafte Pankreatitis mit instabilem Di-
abetes mellitus. Die bisherige Tätigkeit als Tennislehrer sei höchstens noch
stundenweise zumutbar, wobei eine verminderte Leistungsfähigkeit von
50 % bestehe. Eine angepasste Tätigkeit sei im Umfang von 2 - 3 Stunden
täglich zumutbar (act. 23).
B.d Die Berichte des Hausarztes sowie die weiteren zusätzlich erhaltenen
spezialärztlichen Berichte legte die IV-Stelle C._ ihrem Regionalen
Ärztlichen Dienst (nachfolgend: RAD) zur Beurteilung vor. RAD-Arzt
med. pract. E._, Facharzt für Allgemein Medizin (D) (nicht im Medi-
zinalberuferegister eingetragen, vgl. www.medregom.admin.ch, letztmals
besucht am 13. Februar 2020, sowie unter www.bag.admin.ch), hielt in sei-
ner Stellungnahme vom 16. November 2017 fest, dass die vorliegenden
medizinischen Berichte keine seriöse Einschätzung der gesundheitlichen
Situation des Versicherten erlaubt hätten, weshalb der Versicherte zu ei-
nem Gespräch mit dem RAD eingeladen worden sei. Dieses Gespräch
habe am 15. November 2017 stattgefunden (act. 64). Im entsprechenden
Bericht vom 16. November 2017 gab med. pract. E._ insbesondere
folgende Diagnosen an: (1) chronische Pankreatitis mit exokriner Insuffizi-
enz, (2) insulinpflichtiger Diabetes mellitus, (3) Status nach Pfort-
aderthrombose mit Splenomegalie, Aszites und Oesophagusvarizen. In der
Beurteilung hielt er fest, dass wesentliche Einschränkungen der Arbeitsfä-
higkeit für alle schweren körperlichen Arbeiten, berufliche Fahrtätigkeiten
und Tätigkeiten mit erhöhter Verletzungsgefahr nachvollziehbar seien. Die
zumutbare Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit sei noch unklar.
Es müssten noch weitere Berichte und medizinische Abklärungen abge-
wartet werden (act. 65).
B.e Nach Eingang weiterer medizinischer Berichte kam RAD-Arzt
med. pract. E._ am 11. September 2018 zum Schluss, dass die an-
gestammte Tätigkeit als Tennislehrer seit 2. Februar 2015 nicht mehr bzw.
nur noch sehr eingeschränkt zumutbar sei. Eine angepasste Tätigkeit sei
dem Versicherten mit einem Pensum von 80 % zumutbar. Diese Arbeitsfä-
higkeit bestehe spätestens ab der letzten Kontrolle in der Uniklinik
F._ am 23. Mai 2016 (act. 84).
B.f Mit Vorbescheid vom 17. September 2018 stellte die IV-Stelle
C._ dem Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens be-
treffend eine Invalidenrente in Aussicht (act. 85). Der Versicherte erhob da-
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gegen am 28. September 2018 Einwand und machte im Wesentlichen gel-
tend, sein Gesundheitszustand habe sich in den letzten Monaten ver-
schlechtert. Dem beigelegten ärztlichen Attest vom 25. September 2018
von Dr. D._ sei zu entnehmen, dass er auch körperlich leichte Tä-
tigkeiten nicht einmal mit einem Pensum von 50 % ausführen könne (act.
86). In einer diesbezüglichen Stellungnahme vom 2. Oktober 2018 hielt
RAD-Arzt med. pract. E._ an seiner bisherigen Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit fest. Die vom Hausarzt attestierte Arbeitsfähigkeit in lei-
densangepassten Tätigkeiten von weniger als 50 % sei nicht nachvollzieh-
bar (act. 89).
B.g Mit Verfügung vom 7. November 2018 wies die IV-Stelle für Versicherte
im Ausland (nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz) das Leistungsbegehren
des Versicherten betreffend eine Invalidenrente ab. Zur Begründung wurde
ausgeführt, dass dem Versicherten nach Ablauf des Wartejahres im Feb-
ruar 2016 eine Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit von
80 % zuzumuten sei. In Anwendung der allgemeinen Methode des Einkom-
mensvergleichs und bei Ermittlung des Validen- und Invalideneinkommens
gestützt auf die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung
ergebe sich eine Erwerbseinbusse von Fr. 31'380.-, was einem nicht ren-
tenbegründenden IV-Grad von 37 % entspreche (act. 92).
C.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer, vertreten durch
Rechtsanwalt Rainer Deecke, am 10. Dezember 2018 Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte, die Verfügung vom 7. Novem-
ber 2018 sei aufzuheben und die Vorinstanz zu verpflichten, ihm die ge-
setzlichen Versicherungsleistungen nach IVG, namentlich eine Invaliden-
rente von mindestens 40 %, zu erbringen. Eventualiter sei die Angelegen-
heit an die Vorinstanz zurückzuweisen und diese sei zu verpflichten, eine
unabhängige verwaltungsexterne polydisziplinäre medizinische Begutach-
tung durchzuführen. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass
auf die Beurteilung des RAD-Arztes nicht abgestellt werden könne. Die
letzte Beurteilung beruhe auf einem Gespräch vom November 2017, wel-
ches bereits über ein Jahr zurückliege. Seither habe sich sein Gesund-
heitszustand weiter verschlechtert. Zudem handle es sich bei der RAD-Be-
urteilung vom 15. November 2017 (recte: 16. November 2017) mangels
persönlicher Untersuchung um ein reines Aktenkonsil. Da kein lückenloser
Befund bzw. kein gegenwärtiger Status des Gesundheitszustandes vor-
liege, dürfe darauf nicht abgestellt werden. Ferner verfüge der RAD-Arzt
als Arzt der Allgemeinen Medizin auch nicht über die Fachkompetenz sich
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abschliessend über vorliegende fachfremde Beschwerden zu äussern. Im
Hinblick auf den Einkommensvergleich sei beim Invalideneinkommen ein
leidensbedingter Abzug von mindestens 15 % zu gewähren (Akten im Be-
schwerdeverfahren [nachfolgend: BVGer-act.] 1).
D.
Das beschwerdeweise gestellte Gesuch des Beschwerdeführers um Be-
willigung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung mit dem unterzeichneten Rechtsanwalt (BVGer-act.
1, S. 3) wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Zwischenverfügung vom
9. April 2019 abgewiesen (BVGer-act. 13). Gleichzeitig wurde der Be-
schwerdeführer zur Leistung eines Kostenvorschusses für das vorliegende
Beschwerdeverfahren von Fr. 800.- aufgefordert, welcher in der Folge frist-
gerecht einging (BVGer-act. 15).
E.
Mit Vernehmlassung vom 15. Mai 2019 beantragte die Vorinstanz die Ab-
weisung der Beschwerde und die Bestätigung der angefochtenen Verfü-
gung (BVGer-act. 17). In einer beigelegten, undatierten Stellungnahme
hielt die IV-Stelle C._ fest, sie habe dem Sachverhalt nichts mehr
beizufügen und verweise auf die beiliegenden Akten (Beilage zu BVGer-
act. 17). Auf Aufforderung des Instruktionsrichters vom 22. Mai 2019, sich
einlässlich zur Beschwerde vernehmen zu lassen, reichte die Vorinstanz
mit Eingabe vom 19. Juni 2019 eine ergänzte Vernehmlassung der IV-
Stelle C._ vom 17. Juni 2019 ein (BVGer-act. 19). Darin wurde
hauptsächlich ausgeführt, dass mit der Beschwerde keine neuen oder bis-
her nicht berücksichtigten medizinischen Akten ins Recht gelegt worden
seien. Der RAD habe sämtliche vorliegenden medizinischen Berichte in
seine Beurteilung miteinbezogen (Beilage zu BVGer-act. 19).
F.
Mit Replik vom 30. August 2019 reichte der Beschwerdeführer neue medi-
zinische Berichte ein und hielt unter Aufrechterhaltung seiner beschwerde-
weise gestellten Rechtsbegehren im Wesentlichen fest, dass eine Arbeits-
fähigkeit von 80 % in einer angepassten Tätigkeit nicht mehr möglich sei,
zumal er bei längeren Gehstrecken auf einen Rollator angewiesen sei. Auf-
grund der vorliegenden chronischen Schmerzen und Beschwerden auf di-
versen Ebenen dränge sich eine polydisziplinäre Begutachtung auf. Betref-
fend den Tabellenlohn rechtfertigten insbesondere die aufgrund der ge-
sundheitsbedingten Beeinträchtigungen stark eingeschränkten Arbeits-
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möglichkeiten sowie der durchschnittlich geringere Verdienst von Grenz-
gängern einen Abzug von 15 %, was bereits zu einem IV-Grad von über
40 % führe (BVGer-act. 22).
G.
In ihrer Duplik vom 23. September 2019 hielt die Vorinstanz am Antrag auf
Beschwerdeabweisung fest (BVGer-act. 24). In der beigelegten Stellung-
nahme der IV-Stelle C._ vom 12. September 2019 wurde im We-
sentlichen festgehalten, dass mit den neu eingereichten medizinischen Be-
richten weder eine anhand von objektiven Befunden und Diagnosen nach-
vollziehbare Rollatorbedürftigkeit des Beschwerdeführers noch eine an-
dauernde (zusätzliche) Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgewiesen
sei. Zudem fänden sich in den neuen Berichten keine Befunde und Diag-
nosen, die nicht schon bekannt seien. Es bestehe somit keine Grundlage
für weitere medizinische Abklärungen (Beilage zu BVGer-act. 24).
H.
Auf die weiteren Vorbringen und Beweismittel wird – soweit entscheidwe-
sentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG [SR 831.20]; Art. 40 Abs. 2 IVV [SR 831.201]). Das Verfahren vor dem
Bundesverwaltungsgericht richtet sich grundsätzlich nach dem VwVG
(Art. 37 VGG). Vorbehalten bleiben gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG die be-
sonderen Bestimmungen des ATSG (SR 830.1). Der Beschwerdeführer ist
als Adressat der angefochtenen Verfügung durch diese besonders berührt
und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Abände-
rung, weshalb er zur Erhebung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59
ATSG; Art. 48 Abs. 1 VwVG). Nachdem der Beschwerdeführer den Kos-
tenvorschuss innert Frist geleistet hat (BVGer-act. 15), ist auf die unbestrit-
tenermassen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 10. De-
zember 2018 einzutreten (Art. 63 Abs. 4 VwVG; Art. 50 Abs. 1 und Art. 52
Abs. 1 VwVG; siehe auch Art. 60 ATSG).
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2.
Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstands des vor-
liegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
Verfügung vom 7. November 2018, mit welcher die Vorinstanz einen An-
spruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente abgewiesen hat.
Der durch diese Verfügung definierte Streitgegenstand beschränkt sich
folglich auf den Rentenanspruch und kann sich grundsätzlich nicht auch
auf weitere Ansprüche gegenüber der Invalidenversicherung, namentlich
auf berufliche Eingliederungsmassnahmen, erstrecken. Nun gilt im Sozial-
versicherungsrecht aber der allgemeine Grundsatz "Eingliederung vor
Rente" (vgl. etwa UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Vorbemer-
kungen N 81 ff., mit Hinweisen), laut dem die Zusprache einer Rente die
Unmöglichkeit voraussetzt, die rentenspezifische Invalidität mit einer (me-
dizinischen oder beruflichen) Eingliederung zu minimieren (vgl. auch Art.
28 Abs. 1 Bst. a IVG). Ergäbe sich also, dass ohne Eingliederungsmass-
nahmen ein Rentenanspruch im Raum stünde, so gehörte zum Streitge-
genstand notwendigerweise auch die Frage, ob die Verwaltung den Grund-
satz "Eingliederung vor Rente" beachtet und eine allfällige Pflicht des Be-
schwerdeführers zu Massnahmen korrekt in Anspruch genommen habe
(vgl. auch BGE 145 V 2).
3.
3.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
3.2 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 7. November 2018) eingetretenen Sachver-
halt ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither
verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwal-
tungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
3.3 Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern
das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines
bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der
Richter und die Richterin haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu
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folgen, die sie von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahr-
scheinlichste würdigen (BGE 144 V 427 E. 3.2, 138 V 218 E. 6, 126 V 353
E. 5b, 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen). Der Sozialversicherungsträger als
verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tat-
sache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen
überzeugt sind (Urteil des BGer 8C_494/2013 vom 22. April 2014 E. 5.4.1,
n. publ. in: BGE 140 V 220).
3.4 Das Sozialversicherungsverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz
beherrscht. Danach haben die Verwaltung und im Beschwerdefall das Ge-
richt von Amtes wegen für die richtige und vollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen
nicht uneingeschränkt. Zum einen findet er sein Korrelat in den Mitwir-
kungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, BGE 122 V 157 E. 1a,
je mit Hinweisen); zum anderen umfasst die behördliche und richterliche
Abklärungspflicht nicht unbesehen alles, was von einer Partei behauptet
oder verlangt wird. Vielmehr bezieht sie sich nur auf den im Rahmen des
streitigen Rechtsverhältnisses (Streitgegenstand) rechtserheblichen Sach-
verhalt. Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es ab-
hängt, ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist
(vgl. FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, Bern 1983, S. 43 und
273). In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und Sozialversiche-
rungsgerichte zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen oder zu veran-
lassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus
den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE
117 V 282 E. 4a mit Hinweis; Urteil des BGer 8C_843/2016 vom 8. März
2017 E. 2; zum Ganzen auch BGE 144 V 427 E. 3.2).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer ist deutscher Staatsangehöriger und wohnt in
Deutschland. Damit gelangen das Freizügigkeitsabkommen vom 21. Juni
1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemeinschaft zur
Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II des
FZA, insbesondere die für die Schweiz am 1. April 2012 in Kraft getretenen
Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR 0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009
(SR 0.831.109.268.11), zur Anwendung (BGE 138 V 533 E. 2.1). Seit dem
1. Januar 2015 sind auch die durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010,
Nr. 465/2012 und Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in den Beziehungen
zwischen der Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten anwendbar. Das Vor-
liegen einer anspruchserheblichen Invalidität beurteilt sich indes auch im
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Anwendungsbereich des FZA und der Koordinierungsvorschriften nach
schweizerischem Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des BGer
9C_573/2012 vom 16. Januar 2013 E. 4; Art. 46 Abs. 3 und Anhang VII der
Verordnung (EG) Nr. 883/2004).
4.2 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 143 V 446 E. 3.3; 139 V 335 E. 6.2; 138 V 475 E. 3.1).
Deshalb finden die Vorschriften Anwendung, die spätestens beim Erlass
der Verfügung vom 7. November 2018 in Kraft standen; weiter aber auch
Vorschriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren,
die aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprü-
che von Belang sind.
5.
5.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invali-
dität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun-
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über-
windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beein-
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be-
dingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufga-
benbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die
zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich
berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
5.2 Gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begeh-
ren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt
die erforderlichen Auskünfte ein (Satz 1; vgl. auch Art. 69 Abs. 2 IVG). Das
Gesetz weist somit dem Durchführungsorgan die Aufgabe zu, den rechts-
erheblichen Sachverhalt nach dem Untersuchungsgrundsatz abzuklären,
und zwar richtig und vollständig, so dass gestützt darauf die Verfügung
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Seite 10
über die jeweils in Frage stehende Leistung ergehen kann (Art. 49 ATSG;
BGE 136 V 376 E. 4.1.1).
5.3
5.3.1 Nach Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8
ATSG) bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen,
soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu
erhalten oder zu verbessern (Bst. a); und die Voraussetzungen für den An-
spruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (Bst. b). Die Eingliede-
rungsmassnahmen bestehen unter anderem in Massnahmen beruflicher
Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Ar-
beitsvermittlung und Kapitalhilfe; Art. 8 Abs. 3 Bst. b IVG). Der Begriff der
Invalidität im eingliederungsrechtlichen Sinne lässt sich nicht allgemein de-
finieren, sondern nur unter dem Gesichtswinkel des zur Beurteilung anste-
henden Leistungsanspruchs von Art. 12 ff. IVG (MEYER/REICHMUTH, Recht-
sprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesge-
setz über die Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl., Zürich 2014, Art. 8 N
13). Geeignet kann eine Eingliederungsmassnahme nur sein, wenn die be-
troffene Person – bezogen auf die jeweilige Massnahme – selber wenigs-
tens teilweise objektiv eingliederungsfähig und subjektiv eingliederungsbe-
reit ist (objektive und subjektive Eingliederungsfähigkeit [SILVIA BUCHER,
Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, Bern 2011, Rz. 124, mit
Verweisen auf die Rechtsprechung]). Die Massnahme als solche muss er-
forderlich und notwendig sein (SILVIA BUCHER, a.a.O., Rz. 127).
5.3.2 Schweizerische Staatsangehörige oder Personen mit der Staatsan-
gehörigkeit eines EU-Landes, die – wie der Beschwerdeführer – in der
Schweiz ohne Wohnsitz zu haben eine Erwerbstätigkeit als Arbeitnehmen-
de oder Selbständigerwerbende ausgeübt haben und den schweizerischen
Rechtsvorschriften über die Invalidenversicherung nicht mehr unterliegen,
weil sie ihre existenzsichernde Erwerbstätigkeit in der Schweiz in Folge
Unfalls oder Krankheit aufgeben mussten, gelten in Bezug auf den An-
spruch von Eingliederungsmassnahmen als versichert. Dies gilt auch wäh-
rend der Durchführung dieser Massnahmen, sofern sie keine anderweitige
Erwerbstätigkeit ausserhalb der Schweiz aufnehmen. Dieser aus dem eu-
ropäischen Koordinationsrecht hergeleitete Nachversicherungsschutz (vgl.
dazu BVGE 2017/ V7 E. 6; Anhang XI, Schweiz, Ziffer 8 der VO
Nr. 883/2004) endet hingegen beim Bezug einer (ganzen oder teilweisen)
Invalidenrente, bei abgeschlossener erstmaliger Eingliederung oder beim
Bezug einer Leistung der Arbeitslosenversicherung des Wohnlandes (vgl.
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Seite 11
Ziffer 1011 des Kreisschreibens über das Verfahren zur Leistungsfestset-
zung in der AHV/IV [KSBIL; gültig ab 4. April 2016; Stand 1. Januar 2018]).
Der Beschwerdeführer ist in der Schweiz noch immer als Tennislehrer tätig
(seit 2016 sogar wieder mit höherem Pensum, vgl. Lohnausweise von 2017
und 2018, Beilage 1a zu BVGer-act. 7 und Beilage 4 zu BVGer-act. 11) und
bezieht in Deutschland (Geld-)Leistungen des Jobcenters. Gemäss Be-
scheid des Jobcenters G._ vom 2. August 2018 betreffend die Än-
derung von laufenden Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch wurde dem
Beschwerdeführer aufgrund seines Antrags auf Fortzahlung der Leistun-
gen zur Sicherung des Lebensunterhalts (Arbeitslosengeld II /Sozialgeld)
ab August 2018 ein Betrag von monatlich Euro 895.75 gewährt (Beilage 1b
zu BVGer-act. 7; act. 64, S. 3). In medizinischer Hinsicht wurde die Tätig-
keit als Tennislehrer gemäss den vorliegenden Akten als nicht mehr zumut-
bar erachtet. Sollte sich dies im Rahmen der vorliegend erforderlichen wei-
teren Abklärungen (vgl. E. 6 f. nachfolgend) bestätigen, wäre im Hinblick
auf allfällig zu gewährende Eingliederungsmassnahmen gemäss IVG
("Eingliederung vor Rente", vgl. E. 2) zu prüfen, ob der Beschwerdeführer
in Deutschland Leistungen im Sinne einer beruflichen Eingliederung bezo-
gen hat bzw. bezieht und ob dadurch allenfalls der Nachversicherungs-
schutz des Beschwerdeführers geendet hat, sodass ein Anspruch auf Ein-
gliederungsmassnahmen gemäss IVG nicht (mehr) besteht.
5.4
5.4.1 Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung
hat, wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG) und
beim Eintritt der Invalidität während der gesetzlich vorgesehenen Dauer
Beiträge an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung geleis-
tet hat, das heisst während mindestens drei Jahren laut Art. 36 Abs. 1 IVG.
Aufgrund der Akten ist erstellt, dass der Beschwerdeführer während mehr
als drei Jahren Beiträge geleistet hat (vgl. IK-Auszug, act. 83, S. 2 f.), so
dass die Voraussetzung der Mindestbeitragsdauer für den Anspruch auf
eine ordentliche Invalidenrente erfüllt ist.
5.4.2 Der Rentenanspruch entsteht sodann frühestens nach Ablauf von
sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs und die
Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenan-
spruch entsteht (vgl. Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG). Der Beschwerdeführer hat
sich vorliegend im September 2015 zum Leistungsbezug angemeldet
(act. 1), womit ein allfälliger Rentenanspruch frühestens am 1. März 2016
entstehen konnte.
C-7009/2018
Seite 12
5.4.3 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss nach Art. 28
Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können (Bst. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen
sind (Bst. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid
(Art. 8 ATSG) sind (Bst. c).
5.4.4 Um den Grad der Arbeitsunfähigkeit bzw. der Invalidität beurteilen
bzw. bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das
Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch
andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder
der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die ver-
sicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Aus-
künfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Ar-
beitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können
(BGE 132 V 93 E. 4; 125 V 256 E. 4).
5.4.5 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend,
ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen
Situation einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet
sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a) und ob der Arzt über die
notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (Urteil des 9C_736/2009
vom 26. Januar 2010 E. 2.1).
5.4.6 Bei Vorliegen psychischer Erkrankungen, einschliesslich Abhängig-
keitssyndrome bzw. Substanzkonsumstörungen (BGE 145 V 215), fordert
die neue bundesgerichtliche Praxis für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
einer versicherten Person grundsätzlich die Prüfung systematisierter Indi-
katoren, die – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas-
tungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) an-
derseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einer
versicherten Person einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und
4.1; 143 V 418 E. 6 ff.). Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erwähn-
ten Indikatoren hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V
281 E. 4.1.3): Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3) mit den
C-7009/2018
Seite 13
Komplexen «Gesundheitsschädigung» (Ausprägung der diagnoserelevan-
ten Befunde und Symptome; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
-resistenz; Komorbiditäten [E. 4.3.1]), «Persönlichkeit» (Persönlichkeits-
entwicklung und -struktur, grundlegende psychische Funktionen [E. 4.3.2])
und «sozialer Kontext» (E. 4.3.3) sowie Kategorie «Konsistenz» (Gesichts-
punkte des Verhaltens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleichmässige Einschrän-
kung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen
(E. 4.4.1) und behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewie-
sener Leidensdruck (E. 4.4.2).
6.
Zu prüfen ist vorab, ob die Vorinstanz den in medizinischer Hinsicht rechts-
erheblichen Sachverhalt rechtsgenüglich im Sinne von Art. 43 Abs. 1 ATSG
und 69 Abs. 2 IVV abgeklärt hat, bevor sie die angefochtene Verfügung
erlassen hat.
6.1
6.1.1 Gemäss den vorliegenden Akten wurde der Beschwerdeführer im
Februar 2015 von seinem damaligen Hausarzt, Dr. med. H._, Fach-
arzt für Allgemeinmedizin, am 3. Februar 2015 zur stationären Behandlung
in die Klinik für Suchtmedizin in (...) überwiesen. Dort wurden folgende Di-
agnosen gestellt: Psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol: Ab-
hängigkeitssyndrom (F10.2), psychische und Verhaltensstörung durch Al-
kohol: Entzugssyndrom (F10.3) und nicht näher bezeichneter Diabetes
mellitus: ohne Komplikationen: als entgleist bezeichnet (E14.91; act. 34).
Aufgrund der entgleisten Blutzuckerwerte wurde der Beschwerdeführer am
6. Februar 2015 in das I._-Klinikum in (...), Klinik für Innere Medizin,
verlegt, wo er sich bis zum 20. Februar 2015 aufhielt. Als Diagnose wurde
insbesondere ein entgleister Diabetes mellitus pankreopriv (ED 2005),
HbA1c aktuell 11.63 % bei Zustand nach ödematöser Pankreatitis 2005
angegeben (act. 24, S. 8 ff.). Gestützt auf ein Arztzeugnis von Dr.
H._ vom 21. April 2015, wonach beim Beschwerdeführer aufgrund
der Diagnosen "Panikattacken, Depressionen, entgleister Diabetes melli-
tus" vom 2. Februar bis 10. April 2015 eine 100 %ige und vom 13. bis 24.
April 2015 eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe, erhielt der Be-
schwerdeführer entsprechende Leistungen der zuständigen Krankentag-
geldversicherung (act. 11.1 und 11.2). Im Juli 2015 sollte der Beschwerde-
führer wegen einer Leistenhernie rechts laparoskopisch versorgt werden.
Intraoperativ fand sich allerdings keine Leistenhernie, sondern ein mit der
Bauchwand auffällig verwachsenes Zökum. Eine aus dem Gewebe gewon-
nene Biopsie zeigte sich jedoch unauffällig ohne Hinweis auf Malignität. Es
C-7009/2018
Seite 14
wurde eine CT des Abdomens durchgeführt, wobei sich der Verdacht auf
einen tumorösen Prozess des Colon ascendes mit umgebendem Aszites
sowie eine streifig knotige Darstellung von Peritonealstrukturen im Ober-
bauch und im rechten Unterbauch ergaben. Weiter zeigte sich das Bild ei-
ner chronischen Pankreatitis mit Verdacht auf einen Pankreaskopftumor
mit Kompression des Ductus choledochus im distalen Drittel und konseku-
tivem Stau der intra- und extrahepatischen Gallengänge sowie eine aus-
geprägte Pfortaderthrombose mit dem Bild einer Kollateralisierung der ve-
nösen Gefässe der Leberpforte. Eine durchgeführte Ösophagogastrosko-
pie ergab Ösophagusvarizen Grad II. In der Koloskopie fand sich dann je-
doch kein relevanter Tumor (act. 27, S. 24 ff.).
6.1.2 Im Universitätsklinikum F._ folgten weitere Abklärungen ins-
besondere betreffend den Verdacht auf einen tumorösen Prozess des Co-
lon ascendes sowie den Verdacht auf einen Pankreaskopftumor (act. 27,
S. 2 - 23). Im jüngsten Bericht des Universitätsklinikums F._ vom
24. Mai 2016 (act. 38, S. 2 ff.) wurden folgende Diagnosen angegeben:
- Chronische Pankreatitis ED 2015
o Pfortaderthrombose bei kavernöser Transformation mit Öso-
phagusvarizen II. Grades, Splenomegalie, Aszites, subcardi-
nales Ulcus.
o Varizenbanding in G._.
o ÖGD 1/2016: Ösophagusvarizen Grad I.
o Im langfristigen Verlauf kein Hinweis auf Pankreaskopfkarzi-
nom.
- Verdacht auf tumorösen, DD: entzündlichen Prozess des Colon
ascendes.
o Koloskopie 9.9.2015: unauffällig.
- Exokrine Pankreasinsuffizienz
- Diabetes mellitus Typ 2
- Antrumgastritis Typ C
- Zustand nach akuter Pankreatitis 2000
- Zustand nach C2-Abusus
- Aktiver Nikotinabusus (ca. 25 py)
In der Beurteilung wurde festgehalten, dass im langfristigen Verlauf bei den
Veränderungen im Pankreaskopf eher von einer chronischen Pankreatitis
auszugehen sei. Aktuell stehe der unzureichend eingestellte Diabetes mel-
litus mit einem HbA1c von 12 % im Vordergrund (act. 38, S. 3).
6.1.3 Nach seinen Berichten vom 21. September 2015 und 11. April 2016
(vgl. Sachverhalt B.c) gab der Hausarzt Dr. D._ in einem undatier-
ten, am 13. Februar 2017 bei der IV-Stelle C._ eingegangenen Be-
richt als aktuelle Diagnose eine chronische, sehr schmerzhafte Pankreatitis
C-7009/2018
Seite 15
und einen insulinpflichtigen Diabetes mellitus an. In der Beurteilung hielt er
fest, dass der Beschwerdeführer nach kurzer körperlicher Anstrengung er-
müde. Dieser könne als Tennislehrer höchstens eine Viertelstunde bis eine
halbe Stunde unterrichten. In einer angepassten Tätigkeit (möglichst sit-
zend/stehend, leichte körperliche Arbeit) könne der Beschwerdeführer 3 -
4 Stunden pro Tag arbeiten. Es bestehe eine Leistungsminderung von 70
%. Die festgestellten Einschränkungen bestünden seit Mai 2015 (act. 45,
S. 2 ff.).
6.1.4 Die Augenärztin Dr. med. J._ berichtete am 29. Mai 2017,
dass keine diabetischen Veränderungen der Netzhaut vorlägen und die Ar-
beitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus augenärztlicher Sicht nicht ein-
geschränkt sei (act. 53).
6.1.5 RAD-Arzt med. pract. E._ hielt im Bericht vom 16. November
2017 betreffend die am 15. November 2017 durchgeführte interne "Unter-
suchung" des Beschwerdeführers im Hinblick auf die aktuellen Beschwer-
den fest, dass der Beschwerdeführer vor allem unter Verdauungsbe-
schwerden und Appetitlosigkeit, Schluckbeschwerden sowie häufigem
Stuhlgang (dünn und breiig, mindestens 3 - 4 mal täglich) und ständigem
Wasserlassen (mind. 20 mal täglich) leide. Ausserdem leide er unter häu-
figen Unterzuckerungen und vor allem auch unter einem zunehmenden
Taubheitsgefühl und Schmerzen in den Beinen. Ferner würden rezidivie-
rende Rückenschmerzen beklagt. Med. pract. E._ führte aus, dass
während des 90-minütigen Gesprächs Schmerzen und/oder körperliche
Funktionseinschränkungen nicht erkennbar gewesen seien. Auf eine kör-
perliche Untersuchung sei verzichtet worden. In psychischer Hinsicht sei
eine gewisse Verdeutlichung der Beschwerdesymptomatik nicht zu über-
sehen, ansonsten wirke der Beschwerdeführer unauffällig. Als Diagnosen
gab Med. pract. E._ an: (1) chronische Pankreatitis mit exokriner
Insuffizienz, (2) insulinpflichtiger Diabetes mellitus, (3) Status nach Pfort-
aderthrombose mit Splenomegalie, Aszites und Ösophagusvarizen, (4)
anamnestisch Verdacht auf Polyneuropathie, (5) anamnestisch rezidivie-
rendes LWS-Syndrom, (6) anamnestisch Status nach Alkoholabusus und
(7) anamnestisch Missbrauch von Z-Drugs (Zopiclon), DD Abhängigkeit. In
der Beurteilung hielt er fest, dass aufgrund der vorliegenden Informationen
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit bestünden wegen der chronischen
Pankreatitis und des insulinpflichtigen Diabetes mellitus, welcher nach An-
gaben des Beschwerdeführers mit einem HbA1c von 13 % sehr schlecht
eingestellt sei. Ohne weiteres nachvollziehbar seien wesentliche Ein-
schränkungen der Arbeitsfähigkeit für alle schwere körperlichen Arbeiten,
C-7009/2018
Seite 16
berufliche Fahrtätigkeiten oder auch für alle Tätigkeiten mit erheblicher Ver-
letzungsgefahr. Die zumutbare Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätig-
keit sei noch unklar. Es müssten noch weitere Berichte und medizinische
Abklärungen abgewartet werden, namentlich der Bericht der Gastroskopie-
kontrolle Anfang Dezember 2017, der Bericht der geplanten chirurgischen
Kontrolle am 18. Dezember 2017 sowie die vom Hausarzt einzuverlangen-
den Laborwerte des Jahres 2017, insbesondere die HbA1c-Werte (act. 65;
act. 64, S. 5).
6.1.6 Mit Bericht vom 19. Februar 2018 nahm Dr. D._ Stellung zum
RAD-Bericht vom 16. November 2017 und hielt fest, dass er diesen in allen
Punkten im Wesentlichen bestätigen könne. Die Gastroskopie sowie die
CT-Untersuchung der Lumbalregion seien zwischenzeitlich durchgeführt
worden und hätten keine neuen Gesichtspunkte ergeben bezüglich der Be-
rufsunfähigkeit. Die Ösophagusvarizen seien nicht mehr nachweisbar. Hin-
sichtlich des Rückens zeige sich bei chronischem Lumbalsyndrom kein
Hinweis auf eine Spinalstenose, jedoch lägen ausgeprägte osteoarthroti-
sche Veränderungen vor, welche die Rückenschmerzen erklärten. Es be-
dürfe einer Dauerbehandlung mit Opioiden (Tramadol 100 mg 2 - 3 mal pro
Tag). Betreffend den Diabetes mellitus nach weitgehendem Verlust des
Pankreas erfolge eine intensivierte Insulintherapie mit lang wirkendem und
prandialem Insulin. Die Langzeit-Blutzuckerwerte seien nicht im tolerierba-
ren Bereich (act. 81).
6.1.7 In seiner Stellungnahme vom 11. September 2018 hielt med. pract.
E._ fest, dass die angestammte Tätigkeit des Beschwerdeführers
als Tennislehrer – davon ausgehend, dass dieser selbst spiele – als wirbel-
säulenbelastend einzuschätzen sei. Diese körperliche Arbeit/Belastung sei
wegen der chronischen Pankreatitis, der Pfortaderthrombose und der Wir-
belsäulenproblematik nicht mehr zumutbar. Davon könne seit Februar
2015 ausgegangen werden. Aufgrund der vorliegenden medizinischen In-
formationen seien dem Beschwerdeführer wechselbelastende, körperlich
leichte Arbeiten (Status nach Ösophagusvarizen, chronische Pankreatitis)
ohne repetitive Zwangshaltungen der Wirbelsäule (orthopädische Proble-
matik), ohne Nachtschicht, nicht an laufenden Maschinen, keine Tätigkei-
ten mit erhöhter Verletzungsgefahr, keine beruflichen Fahrtätigkeiten (insu-
linpflichtiger Diabetes, Missbrauch von Z-Drugs, Opiat-Medikation), keine
Tätigkeiten mit erhöhten Anforderungen an das Gleichgewicht (Verdacht
auf Polyneuropathie der Beine) zumutbar. Wegen der Stuhlproblema-
tik/Verdauungsprobleme bei chronischer Pankreatitis müsse eine Toilette
C-7009/2018
Seite 17
rasch erreichbar sein. Solche angepassten Tätigkeiten seien dem Be-
schwerdeführer im Pensum von 80 % zumutbar. Betreffend den Verlauf der
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit lasse sich für das Jahr 2015
und Anfang 2016 keine seriöse Aussage machen. Anfang 2016 dürfte eine
Teilarbeitsfähigkeit vorgelegen haben (nur noch Ösophagusvarizen
Grad I). Spätestens ab der letzten Kontrolle in der Uniklinik F._ am
23. Mai 2016 könne von einer 80 %igen Arbeitsfähigkeit in einer angepass-
ten Tätigkeit ausgegangen werden (act. 84).
6.1.8 Am 25. September 2018 gab Dr. D._ an, dass der Beschwer-
deführer an einem chronischen Schmerzsyndrom mit Oberbauchschmer-
zen als Folge einer chronischen Bauchspeicheldrüsenerkrankung leide.
Der Schmerz trete täglich auf und liege auf einer Schmerzskala von 0 - 10
zwischen 7 und 8. Ausserdem bestehe eine schmerzhafte diabetische Ner-
venerkrankung mit brennenden Schmerzen an beiden Unterschenkeln. Die
Leistungsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt liege auch für körper-
lich leichte Tätigkeiten unter 50 % (act. 87, S. 1). Gemäss den beigelegten
Laborwerten lag der HbA1c-Wert des Beschwerdeführers am 22. Juni 2018
bei 10.3 % und am 20. September 2018 bei 10.4 % (act. 87, S. 2).
6.1.9 Med. pract. E._ hielt am 2. Oktober 2018 fest, dass der Be-
schwerdeführer ihm gegenüber weder brennende Schmerzen an den Un-
terschenkeln noch tägliche Oberbauchschmerzen erwähnt habe. Nachdem
Schmerzen/Funktionseinschränkungen ganz offenbar nicht im Vorder-
grund gestanden hätten bzw. primär nicht erkennbar gewesen seien, habe
er auch auf eine körperliche Untersuchung verzichtet. Bei Pankreatitis
seien abdominelle Schmerzen häufig. Die Einschränkung der Arbeitsfähig-
keit von 20 % sei vor allem auch wegen der grundsätzlich nachvollziehba-
ren (abdominellen) Schmerzen und Verdauungsprobleme sowie wegen
Rückenschmerzen und der Polyneuropathie attestiert worden. Die Labor-
werte bestätigten einen schlecht eingestellten Diabetes mellitus, zeigten
ansonsten aber keine wesentlichen Auffälligkeiten. Die vom Hausarzt at-
testierte Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten von weniger als 50 %
sei mit den Angaben des Beschwerdeführers ihm gegenüber und den ob-
jektivierbaren Befunden gemäss den vorliegenden medizinischen Berich-
ten nicht nachvollziehbar (act. 89).
6.1.10 Die vom Beschwerdeführer mit der Replik eingereichten medizini-
schen Berichte sind erst nach Erlass der vorliegend angefochtenen Verfü-
gung entstanden. Zwar sind grundsätzlich nur die bis zum Verfügungser-
C-7009/2018
Seite 18
lass vorliegenden medizinischen Akten zu berücksichtigen (vgl. E. 3.2 hier-
vor), jedoch können gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung auch
Arztberichte zum Krankheitsverlauf, welche nach Verfügungserlass ent-
standen sind, in die Beurteilung miteinbezogen werden, soweit sie Rück-
schlüsse auf die im Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens
gegebene Situation erlauben (statt vieler: Urteil BGer 8C_71/2017 vom
20. April 2017 E. 8.3).
Gemäss dem eingereichten Bericht des I._-Klinikums (...) vom 26.
April 2019 war der Beschwerdeführer vom 16. bis 29. April 2019 in statio-
närer Behandlung wegen eines akuten Schubs der chronischen Pankrea-
titis. Es wurde festgehalten, dass eine chronische Pankreatitis bei langjäh-
rigem C2-Abusus bekannt sei, laborchemisch erhöhte Leberwerte (insbe-
sondere GGT, GOT, GPT) und Tumormarker festgestellt wurden und es im
Verlauf zu einer Rückbildung der Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, epi-
gastrische Schmerzen und Appetitlosigkeit) gekommen sei. Im CT des Ab-
domens habe sich ein Hinweis für einen Pankreasprozess ergeben. Zur
weiteren Abklärung sei ein MRT des Oberbauchs oder eine Endosonogra-
phie notwendig. Der Beschwerdeführer wünsche (jedoch) keine weitere
Abklärung (Beilage zu BVGer-act. 22). Im Weiteren reichte der Beschwer-
deführer eine Kopie einer ärztlichen Bestätigung von Dr. D._ ohne
ersichtliches Datum ein. Darin wurde festgehalten, dass beim Beschwer-
deführer aufgrund seines Diabetes mit ausgeprägter Polyneuropathie eine
Sturzneigung bestehe, so dass dieser bei längeren Gehstrecken auf einen
Rollator angewiesen sei (Beilage zu BVGer-act. 22).
6.2
6.2.1 Beim Erlass der leistungsabweisenden Verfügung hat sich die
Vorinstanz im Wesentlichen auf die Beurteilung von RAD-Arzt med. pract.
E._ gestützt.
6.2.2 Die RAD können bei Bedarf selber ärztliche Untersuchungen von
Versicherten durchführen; die Untersuchungsergebnisse halten sie schrift-
lich fest (Art. 49 Abs. 2 IVV). Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art.
49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer medizinischer Sachverständigengut-
achten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein
ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson
über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen –
zu denen die RAD-Berichte gehören – kann allerdings nicht abgestellt wer-
C-7009/2018
Seite 19
den und sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen, wenn auch nur ge-
ringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE
139 V 225 E. 5.2; Urteil des BGer 8C_262/2016 vom 22. September 2016
E. 4.2 mit Hinweisen).
6.2.3 Die Stellungnahmen des RAD, welche nicht auf eigenen Untersu-
chungen beruhen, können wie Aktengutachten beweiskräftig sein, sofern
ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fach-
ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachver-
halts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Per-
son in den Hintergrund rückt (vgl. Urteile des BGer 9C_524/2017 vom
21. März 2018 E. 5.1; 9C_28/2015 vom 8. Juni 2015 E. 3.2; 9C_196/2014
vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1, je mit Hinweisen). Enthalten die Akten für die
streitigen Belange keine beweistauglichen Unterlagen, kann die Stellung-
nahme einer versicherungsinternen Fachperson in der Regel keine ab-
schliessende Beurteilungsgrundlage bilden, sondern nur zu weitergehen-
den Abklärungen Anlass geben (vgl. Urteil des BGer 9C_58/2011 vom 25.
März 2011 E. 3.3).
6.2.4 Das vom RAD-Arzt med. pract. E._ veranlasste Gespräch mit
dem Beschwerdeführer vom 15. November 2017 erfolgte, weil der RAD-
Arzt die bis dahin vorliegenden medizinischen Akten als unzureichend er-
achtete, um die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers einzu-
schätzen. Im Rahmen des Gesprächs verzichtete er dann allerdings auf
eine körperliche Untersuchung, weshalb die Bezeichnung des entspre-
chenden Berichts vom 16. November 2017 als "RAD-Untersuchungsbe-
richt" missverständlich erscheint. Der RAD-Arzt erhob eine Anamnese und
befragte den Beschwerdeführer zu dessen aktuellen Beschwerden sowie
den durchgeführten bzw. noch durchzuführenden Therapien/Untersuchun-
gen. Gestützt auf diese Angaben, jedoch im Wesentlichen gestützt auf die
vorliegenden medizinischen Akten stellte er die Diagnosen und nahm eine
Beurteilung der gesundheitlichen Situation und Arbeitsfähigkeit des Be-
schwerdeführers vor. Der RAD-Bericht vom 16. November 2017 ist daher
kein Untersuchungsbericht im eigentlichen Sinne, sondern eine durch Er-
kenntnisse aus mündlicher Befragung hinsichtlich aktuellen Beschwerden
und Therapielage erweiterte Aktenbeurteilung, wobei eine solche – wie be-
reits erwähnt – nur bei einer lückenlosen Befundlage zulässig ist. Gemäss
Bericht vom 16. November 2017 erachtete der RAD-Arzt es für die Beur-
teilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer angepassten
Tätigkeit für notwendig, weitere Abklärungen abzuwarten und medizinische
Berichte einzuholen. Nach Eingang des Berichts des Hausarztes Dr.
C-7009/2018
Seite 20
D._ vom 19. Februar 2018 und des Berichts der im Ärztezentrum
K._ am 18. Dezember 2017 durchgeführten Gastroskopie (act. 76)
nahm der RAD-Arzt am 11. September 2018 abschliessend Stellung zur
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. Dieser sei in der bisherigen Tä-
tigkeit als Tennislehrer seit 2. Februar 2015 zu 100 % arbeitsunfähig. In
einer angepassten Tätigkeit bestehe seit spätestens 23. Mai 2016 eine 80
%ige Arbeitsfähigkeit. Diese abschliessende Beurteilung nahm der RAD-
Arzt vor, obwohl nicht alle Abklärungen und Berichte vorlagen. So hielt er
selber fest, dass der Hausarzt die angeforderten Laborwerte für das Jahr
2017 nicht geschickt habe (act. 84). Im Weiteren liegt kein Bericht betref-
fend die von Dr. D._ in seinem Bericht vom 19. Februar 2018 er-
wähnte CT-Untersuchung der Lumbalregion bei den Akten. Dieser Bericht
erscheint für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit jedoch wesentlich, zumal
Dr. D._ angab, es lägen ausgeprägte osteoarthrotische Verände-
rungen vor, welche die Rückenschmerzen des Beschwerdeführers erklär-
ten (act. 81). Ferner wurde – obwohl der Beschwerdeführer gegenüber
dem RAD-Arzt anlässlich des Gesprächs vom 15. November 2017 ange-
geben hatte, dass im Januar 2018 eine augenärztliche Verlaufskontrolle
stattfinde, und beklagt hatte, dass er schlechter sehe (act. 65, S. 3), – kein
Verlaufsbericht der behandelnden Augenärztin eingeholt. Folglich lag am
11. September 2018 keine lückenlose Befundlage als notwendige Voraus-
setzung für eine abschliessende RAD-Beurteilung vor.
6.2.5 Zum "ärztlichen Attest" von Dr. D._ vom 25. September 2018,
wonach der Beschwerdeführer unter einem chronischen Schmerzsyndrom
mit Oberbauchschmerzen als Folge einer chronischen Pankreatitis sowie
einer schmerzhaften diabetischen Nervenerkrankung mit brennenden
Schmerzen an beiden Unterschenkeln leide und seine Leistungsfähigkeit
auch für körperlich leichte Tätigkeiten unter 50 % liege (act. 87), nahm der
RAD-Arzt am 2. Oktober 2018 Stellung. Er hielt an seiner Einschätzung
einer 80 %igen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in angepassten
Tätigkeiten fest. Dies im Wesentlichen mit der Begründung, dass der Be-
schwerdeführer anlässlich des Gesprächs vom 15. November 2017 ihm
gegenüber weder Oberbauchschmerzen noch brennende Schmerzen an
den Unterschenkeln erwähnt habe (act. 89). Damit stützte sich der RAD-
Arzt auf Angaben des Beschwerdeführers, welche zu diesem Zeitpunkt be-
reits fast ein Jahr zurücklagen. Der Beschwerdeführer hat diesbezüglich
geltend gemacht, sein Gesundheitszustand habe sich seitdem verschlech-
tert (act. 86; BVGer-act. 1, S. 8, Ziff. 1). Tatsächlich lässt sich anhand der
vorliegenden Akten nicht ausschliessen, dass es seit dem 15. November
2017 zu einer arbeitsfähigkeitsrelevanten anhaltenden Verschlechterung
C-7009/2018
Seite 21
des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers gekommen ist. Hin-
sichtlich der chronischen Pankreatitis hielt der RAD-Arzt fest, dass abdo-
minelle Schmerzen häufig seien (act. 89, S. 2). Hinweise, dass die beim
Beschwerdeführer vorliegende Pankreatitis mit zunehmenden Schmerzen
verbunden ist, ergeben sich aus den Berichten von Dr. D._, welcher
am 11. April 2016 von einer chronischen schmerzhaften Pankreatitis und
im Februar 2017 von einer chronischen sehr schmerzhaften Pankreatitis
sprach. Schliesslich gab er am 25. September 2018 an, dass der Be-
schwerdeführer an einem chronischen Schmerzsyndrom mit täglichen
Oberbauchschmerzen (zwischen 7 und 8 auf einer Schmerzskala von 0 -
10) leide (act. 23, S. 1; act. 45, S. 3; act. 87). Insofern ist es ohne Weiteres
denkbar, dass die Intensität und Dauer der Oberbauchschmerzen im Ver-
lauf der chronischen, schubweise verlaufenden Pankreatitis seit dem Ge-
spräch im November 2017 weiter zugenommen haben und die Schmerzen
zu einer zusätzlichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen. Rezidivie-
rende Rückenschmerzen beklagte der Beschwerdeführer bereits anläss-
lich des Gesprächs mit dem RAD-Arzt vom 15. November 2017. Bei der
MR-Untersuchung der Brust- und Lendenwirbelsäule vom 20. Januar 2012
zeigte sich eine Hyperkyphose im Bereich der unteren BWS/thorako-lum-
baler Übergangsbereich. Im Übergangsbereich fanden sich zudem erheb-
liche degenerative Veränderungen in Form von Osteochondrosen, Spon-
dylosen und Spondylarthrosen (act. 35, S. 12). Ob sich der Zustand dies-
bezüglich verschlechtert hat, lässt sich nicht beurteilen, da der RAD-Arzt
weder eine klinische Untersuchung vorgenommen noch den Bericht der
nach dem Gespräch vom 15. November 2017 durchgeführten CT-Untersu-
chung der Lumbalregion eingeholt hat. Schliesslich kann auch nicht aus-
geschlossen werden, dass sich die beim Beschwerdeführer vorliegende
Polyneuropathie, welche in den Akten bereits im Januar 2013 Erwähnung
findet (act. 35, S. 7), in arbeitsfähigkeitsrelevanter Weise verschlechtert
hat. Anlässlich des Gesprächs mit dem RAD-Arzt am 15. November 2017
beklagte der Beschwerdeführer zwar keine brennenden Schmerzen in den
Unterschenkeln, jedoch ein zunehmendes Taubheitsgefühl und Schmer-
zen ("wie ein Krampf") in den Beinen (act. 65, S. 4). Abklärungsbedürftige
Beschwerden lagen somit bereits im Zeitpunkt des Gesprächs vom 15. No-
vember 2017 vor. Dass sich die Beschwerden seitdem noch verschlechtert
haben, ist angesichts des auch im Jahr 2018 noch sehr schlecht eingestell-
ten Diabetes mellitus mit deutlich zu hohen HbA1c-Werten (vgl. act. 87, S.
2; zur Situation im April 2019 vgl. Beilage zu BVGer-act. 22: HbA1c-Wert
von 7.16 %) durchaus denkbar. Gemäss der mit der Replik vom 30. August
C-7009/2018
Seite 22
2019 eingereichten Bestätigung von Dr. D._, soll der Beschwerde-
führer aufgrund der "ausgeprägten" Polyneuropathie bei längeren Gehstre-
cken sogar auf einen Rollator angewiesen sein (Beilage zu BVGer-act. 22).
6.2.6 Nach dem Gesagten sind die Beweisanforderungen, die an einen
RAD-Bericht ohne eigene Untersuchung gestellt werden (lückenlose Be-
fundlage, keine geringen Zweifel) vorliegend nicht erfüllt. Somit vermag die
Beurteilung von RAD-Arzt med. pract. E._ nicht zu überzeugen.
Hinzu kommt, dass dieser als Allgemeinmediziner ohnehin nicht über die
nötigen Facharztqualifikationen (insbesondere Endokrinologie/Diabetolo-
gie, Innere Medizin, Orthopädie und Rheumatologie) verfügt, um die vor-
liegenden diversen somatischen Befunde sowie deren Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers umfassend und abschliessend
zu würdigen. Es besteht folglich weiterer Abklärungsbedarf.
6.2.7 Dies gilt auch für den psychischen Gesundheitszustand des Be-
schwerdeführers. Der RAD-Arzt erhob anlässlich des Gesprächs vom
15. November 2017 einen psychischen Befund und kam zum Schluss,
dass bis auf eine gewisse "unübersehbare Verdeutlichung" der Beschwer-
desymptomatik der Beschwerdeführer psychisch unauffällig wirke und ins-
besondere eine depressive Verstimmung nicht erkennbar sei (act. 65, S.
4). Mangels einer fachärztlichen psychiatrischen Qualifikation kann aller-
dings auf die Aussagen des RAD-Arztes nicht ohne weiteres abgestellt
werden. Psychiatrische Fachberichte finden sich in den vorliegenden Akten
nur seitens der Klinik für Suchtmedizin in (...), wo der Beschwerdeführer
aufgrund von Alkoholintoxikationen im Rahmen einer Alkoholabhängigkeit
erstmals im April 2014 (3 Tage) und dann erneut im Februar 2015 (4 Tage)
stationär behandelt wurde (act. 34; act. 47). Gegenüber dem RAD-Arzt gab
der Beschwerdeführer am 15. November 2017 an, nach seiner Behandlung
im Februar 2015 einen Selbstentzug durchgeführt und seither keinen
Schluck Alkohol mehr getrunken zu haben (act. 65, S. 3). Die Laborwerte
vom 15. November 2017 ergaben denn auch keinen Hinweis auf übermäs-
sigen Alkoholkonsum (act. 67; act. 84, S. 2). Für eine abschliessende Be-
urteilung fehlt es jedoch an einer diesbezüglichen fachärztlichen psychiat-
rischen (Verlaufs-)Beurteilung. Im Weiteren wurde von den behandelnden
somatischen Ärzten wiederholt eine Depression/depressive Verstimmung
erwähnt (act. 11.1; act. 45, S. 3; act. 81; vgl. auch Beilage zu BVGer-act.
22), ohne dass sich ein psychiatrischer Facharzt dazu geäussert hätte. Al-
lenfalls ergibt sich auch aufgrund der vom Hausarzt gestellten Diagnose
eines chronischen Schmerzsyndroms (act. 87) ein Erfordernis für eine psy-
C-7009/2018
Seite 23
chiatrische Beurteilung, sofern für die geklagten Schmerzen nach ausrei-
chender somatischer Abklärung keine vollständige organische Erklärbar-
keit vorliegt (vgl. HENNINGSEN/SCHICKEL, in: Begutachtung bei psychischen
und psychosomatischen Erkrankungen, Schneider et al [Hrsg.], 2. Aufl.
2016, S. 310 Rz. 15). Ob, und falls ja, welche psychiatrischen Erkrankun-
gen beim Beschwerdeführer im vorliegend zu beurteilenden Zeitraum be-
standen haben, bleibt jedenfalls offen und bedarf weiterer Abklärung.
6.2.8 Nach dem Gesagten ist im Sinne eines Zwischenfazits festzuhalten,
dass die Vorinstanz ihrer Untersuchungspflicht nach Art. 43 Abs. 1 ATSG
nicht hinreichend nachgekommen ist und sie den rechtserheblichen medi-
zinischen Sachverhalt bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung nicht
genügend abgeklärt hat.
7.
In beruflich-erwerblicher Hinsicht hat die Vorinstanz den Beschwerdeführer
als im hypothetischen Gesundheitsfall vollzeitlich Erwerbstätigen qualifi-
ziert und entsprechend für die Berechnung des Invaliditätsgrads die allge-
meine Methode des Einkommensvergleichs angewendet.
7.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig
oder als nichterwerbstätig einzustufen ist (Statusfrage), was je zur Anwen-
dung einer anderen Methode der Invaliditätsbemessung führt, ergibt sich
aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen
täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entschei-
dend ist nach der Rechtsprechung nicht, welches Ausmass der Erwerbstä-
tigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden
könnte, sondern in welchem Pensum sie (unter Berücksichtigung der ge-
samten persönlichen, familiären, beruflichen und sozialen Situation) hypo-
thetisch erwerbstätig wäre. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich
bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die
hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Er-
werbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 141 V 15 E. 3.1
mit Hinweisen; Urteile des BGer 9C_883/2017 vom 28. Februar 2018
E. 4.1.1; 9C_552/2016 vom 9. März 2017 E. 4.2).
7.2 Der Beschwerdeführer gab auf Nachfrage der IV-Stelle C._ am
6. August 2016 an, er wäre im Gesundheitsfall mit einem Arbeitspensum
von 100 % tätig. Er sei auch vor Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung
zu 100 % tätig gewesen sei (act. 36). Sollte diese Behauptung zutreffen,
C-7009/2018
Seite 24
würde dies tatsächlich ein gewichtiges Indiz für eine im hypothetischen Ge-
sundheitsfall vollzeitliche Erwerbstätigkeit darstellen (vgl. Urteil des BGer
9C_559/2009 vom 18. Dezember 2009 E. 4). Allerdings sind den Akten
keine klaren Angaben zum Beschäftigungsgrad des Beschwerdeführers in
der Tätigkeit als Tennislehrer zu entnehmen. Die diesbezüglichen Aussa-
gen des Beschwerdeführers erweisen sich als inkonsistent und wider-
sprüchlich. So gab er am 6. August 2016 an, er habe früher neben seiner
Tätigkeit (als angestellter Tennislehrer) bei der Sportcenter B._ AG
als selbständig Erwerbender in Deutschland 20 - 25 Tennisstunden gelei-
tet, wobei ca. 25 Trainerstunden einem 100 %-Pensum entsprächen (act.
36; vgl. auch act. 8; act. 44, S. 4). Gemäss einer Aktennotiz vom 6. April
2017 gab der Beschwerdeführer gegenüber einer Sachbearbeiterin der IV-
Stelle C._ an, er arbeite seit 20 Jahren in der Schweiz und habe
nur ganz am Anfang noch Tenniskurse in Deutschland erteilt. Im Verlauf
des Gesprächs teilte er dann mit, parallel zu seiner Anstellung bei Sport-
center B._ AG ab und zu als selbständiger Tennislehrer in Deutsch-
land gearbeitet zu haben. Schliesslich gab er an "vor einigen Jahren" mit
der selbständigen Erwerbstätigkeit aufgehört zu haben (act. 49), obwohl er
zuvor im Fragebogen für Selbständigerwerbende am 30. Januar 2017 an-
gegeben hatte, nach Eintritt der "Invalidität" noch 3 - 5 Stunden als (selb-
ständiger) Tennislehrer tätig zu sein (act. 44, S. 4). Den eingereichten Steu-
erbescheiden aus Deutschland ist zu entnehmen, dass der Beschwerde-
führer in den Jahren 2010 bis 2013 Einkünfte aus selbständiger Arbeit er-
zielte, allerdings erscheint es aufgrund deren Höhe eher unwahrscheinlich,
dass der Beschwerdeführer tatsächlich im angegebenen Pensum von 20 -
25 Stunden pro Woche tätig war (vgl. act. 48, Jahr 2010: Euro 6'521.-, Jahr
2011: Euro 4'227.-, Jahr 2012: Euro 7'832.-, Jahr 2013: Euro 9'357.-). Ge-
mäss Mitteilung des Finanzamts G._ hatte der Beschwerdeführer
ab 2014 keine steuerpflichtigen Einkünfte mehr (act. 48, S. 9), so dass da-
von auszugehen ist, dass er die Tätigkeit als selbständiger Tennislehrer per
Ende 2013 gänzlich aufgab. Die von der IV-Stelle C._ angeforder-
ten Geschäftsabschlüsse (Bilanzen, Erfolgsrechnungen; vgl. act. 40)
reichte der Beschwerdeführer nicht ein, wodurch die Höhe des in Deutsch-
land geleisteten Pensums unklar bleibt. Selbst wenn der Beschwerdeführer
wöchentlich 20 - 25 Tennisstunden erteilt hätte, ist ohnehin fraglich, ob bei
"ca. 25 Trainerstunden" tatsächlich von einem Vollzeitpensum auszugehen
ist, wie es der Beschwerdeführer ohne weitere Begründung geltend
machte. Hinsichtlich der Tätigkeit in der Schweiz bei der Sportcenter
B._ AG liegt ein Arbeitgeberbericht vom 16. März 2016 in den Ak-
ten, dem zu entnehmen ist, dass der Beschwerdeführer seit 1. September
C-7009/2018
Seite 25
2002 in ungekündigtem Arbeitsverhältnis als Tennislehrer mit einem Pen-
sum von 2 Stunden pro Woche tätig ist (act. 20, S. 3). Dass sich dieses
angegebene Pensum nicht auf die ganze Dauer der Beschäftigung bezie-
hen kann, ergibt sich aus dem IK-Auszug, wonach der Beschwerdeführer
vor 2009 ein erheblich höheres Einkommen erzielte (vgl. act. 83, S. 2 f., im
Jahr 2008: Fr. 32'428.-, im Jahr 2007: Fr. 25'511.-, im Jahr 2006: Fr.
25'608.-). Ab 2009 reduzierte der Beschwerdeführer sein Pensum offenbar
laufend (vgl. act. 83, S. 2 f., im Jahr: 2009: Fr. 13'015.-, im Jahr 2010: Fr.
4'800.- [gemäss Lohnausweis für 2010: Fr. 10'800.-, vgl. act. 36, S. 9], im
Jahr 2011: Fr. 4'800.- [gemäss Lohnausweis für 2011: Fr. 10'800.-, vgl. act.
36, S. 8], im Jahr 2012: Fr. 4'400.- [gemäss Lohnausweis für 2012: Fr.
7'400.-, vgl. act. 36, S. 9], im Jahr 2013: Fr. 4'800.-, im Jahr 2014: Fr. 4'800.-
, im Jahr 2015: Fr. 5'317.- [für die Jahre 2013-2015 übereinstimmend mit
den Lohnausweisen]). Seit Januar 2016 hat der Beschwerdeführer sein
Pensum – trotz seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen – wieder er-
höht (vgl. act. 59 f.: 21 Stunden im Januar 2016, 22.5 im Februar, 20 im
März, 27 im April, 30 im Mai, 28 im Juli etc.; act. 83, S. 2 f.: das Pensum
2016 entspricht knapp jenem von 2009, 2017 ist es höher). Aus welchem
Grund der Beschwerdeführer sein Pensum als Tennislehrer von 2009 bis
2012 laufend reduzierte und die selbständige Tätigkeit als Tennislehrer in
Deutschland per Ende 2013 gänzlich aufgab, ist den vorliegenden Akten
nicht zu entnehmen. Gemäss Behauptung des Beschwerdeführers war die
Pensumsreduktion bzw. Aufgabe der selbständigen Tätigkeit aufgrund sei-
ner gesundheitlichen Beschwerden erfolgt. Eine Arbeitsunfähigkeit wurde
dem Beschwerdeführer gemäss den vorliegenden Akten jedoch erstmals
ab Februar 2015 attestiert (act. 11.1). Ob und inwiefern sich allfällige ge-
sundheitliche Beeinträchtigungen bereits davor auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers auswirkten, bleibt offen und bedarf weiterer Abklärung.
7.3 Nach dem Gesagten ist die Vorinstanz ihrer Untersuchungspflicht nach
Art. 43 Abs. 1 ATSG auch im Hinblick auf den beruflich-erwerblichen Sach-
verhalt nicht genügend nachgekommen. Zu klären sind insbesondere die
Frage nach dem vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung ausge-
übten Beschäftigungsgrad (z.B. durch Einholen von Bilanzen/Erfolgsrech-
nungen betreffend die selbständige Tätigkeit sowie von Lohnabrechnun-
gen und Auskünften bei der Sportcenter B._ AG betreffend den Ver-
lauf des Beschäftigungsgrads des Beschwerdeführers seit 1. September
2002) sowie die Frage, ob die Reduktion des Pensums ab 2009 bzw. die
Aufgabe der selbständigen Tätigkeit per Ende 2013 aus rein gesundheitli-
chen Gründen oder aus freien Stücken erfolgte (durch Einholen von Aus-
C-7009/2018
Seite 26
künften bei der Sportcenter B._ AG und Berichten der damals be-
handelnden Ärzte). Sollte sich im Rahmen der weiteren Abklärungen und
unter einlässlicher Würdigung der gesamten Verhältnisse ergeben, dass
der Beschwerdeführer im hypothetischen Gesundheitsfall nicht als vollzeit-
lich, sondern nur als teilzeitlich Erwerbstätiger zu qualifizieren ist, wäre die
Vorinstanz angehalten, zusätzlich eine Haushaltsabklärung durchzuführen
(zu den Anforderungen an eine Haushaltsabklärung bei im Ausland wohn-
haften Versicherten vgl. Urteile des BVGer C-3961/2014 vom 13. Juli 2016
E. 4.6; C-3269/2016 vom 30. Januar 2018 E. 3.2 ff., insb. E. 3.3.1; C-
3041/2014 vom 28. September 2016 E. 5.1 ff. und E. 7.5 ff.).
8.
Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer bei der Bestimmung des Invaliden-
einkommens geforderte Abzug vom Tabellenlohn kann eine abschlies-
sende Beurteilung erst nach den erforderlichen weiteren Abklärungen in
medizinischer sowie in beruflich-erwerblicher Sicht erfolgen. Ob ein Tabel-
lenlohnabzug aufgrund des Grenzgängerstatus des Beschwerdeführers in
Betracht kommt, ist nicht einzig aufgrund statistischer Werte (hierbei ist oh-
nehin nur das Verhältnis zum allgemeinen durchschnittlichen Lohnniveau
massgebend und nicht das Verhältnis zu den von Schweizerinnen und
Schweizern durchschnittlich erzielten Löhnen, vgl. Urteil des EVG I 215/06
vom 3. November 2006 E. 4.2.3.2), sondern anhand der konkreten Situa-
tion des Beschwerdeführers zu beurteilen (Urteil des BGer 8C_378/2019
vom 18. Dezember 2019 E. 6.2.3).
9.
9.1 Im Ergebnis erweist sich der Sachverhalt bis zum Erlass der angefoch-
tenen Verfügung vom 7. November 2018 weder in medizinischer noch in
beruflich-erwerblicher Hinsicht rechtsgenügend abgeklärt. Demzufolge ist
es nicht möglich, mit dem im Sozialversicherungsrecht erforderlichen Be-
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu beurteilen, ob, gege-
benenfalls in welcher Höhe und ab wann der Beschwerdeführer Anspruch
auf eine Rente der Invalidenversicherung hat.
9.2 Da im vorinstanzlichen Verfahren infolge unvollständiger Feststellung
des rechtserheblichen medizinischen Sachverhalts (vgl. Art. 43 ff. ATSG
und Art. 12 VwVG) entscheidwesentliche Aspekte vollständig ungeklärt ge-
blieben sind, steht einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zu wei-
teren Abklärungen nichts entgegen (vgl. BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4). Vor-
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Seite 27
liegend fehlt es gänzlich an einer iv-rechtlich erforderlichen Gesamtbeur-
teilung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers. Die Vorinstanz
hat es unterlassen, eine umfassende interdisziplinäre Abklärung zu veran-
lassen, obwohl eine solche aufgrund der im Raum stehenden Befunde und
Diagnosen, welche verschiedene medizinische Fachgebiete betreffen, ge-
boten gewesen wäre. Vielmehr hat sie die Beurteilungen von RAD-Arzt
med. pract. E._ vom 16. November 2017/11. September 2018 als
ausreichend betrachtet, obwohl kein lückenloser Befund vorgelegen hat,
eine allfällige Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwer-
deführers seit November 2017 aufgrund der Akten nicht auszuschliessen
ist und der RAD-Arzt als Allgemeinmediziner nicht über die nötigen Fach-
kenntnisse verfügt, um die beim Beschwerdeführer vorliegenden Befunde
und Diagnosen aus medizinischer Sicht umfassend und abschliessend zu
würdigen. Zusammengefasst war vorliegend der zwingend erforderliche
Abklärungsbedarf im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung
offenkundig. Da die Vorinstanz noch kein Gutachten veranlasst hat, und
die Verwaltung nicht von vornherein darauf bauen kann, dass ihre Arbeit in
jedem verfügungsweise abgeschlossenen Sozialversicherungsfall auf Be-
schwerde hin gleichsam gerichtlicher Nachbesserung unterläge, ist von der
Einholung eines Gerichtsgutachtens oder Erhebung anderer Beweisab-
nahmen abzusehen (BGE 137 V 210 E. 4.2; Urteil des BVGer C-1358/2014
vom 11. Dezember 2015 E. 5). Überdies würde den Verfahrensbeteiligten
mit dem Verzicht auf ein Administrativgutachten im Verwaltungsverfahren
der doppelte Instanzenzug, den sich der Beschwerdeführer mit seinem
Eventualantrag auf Rückweisung ausdrücklich erhalten wollte (vgl. BVGer-
act. 1, S. 2), nicht gewahrt (vgl. Urteil des BVGer C-1882/2017 vom 3. April
2018 E. 6.1). Schliesslich ist eine Rückweisung vorliegend umso mehr ge-
rechtfertigt, als die Vorinstanz zusätzlich beruflich-erwerbliche Abklärungen
für die Beurteilung der Statusfrage zu treffen hat (vgl. E. 7 hiervor). Die
Statusfrage beeinflusst auch die Art der Abklärungen betreffend die Aus-
wirkungen des Gesundheitsschadens auf die Arbeits- und Leistungsfähig-
keit. Ein Endentscheid könnte allein mit der Einholung eines Gerichtsgut-
achtens ohne die Ergebnisse der weiteren Abklärungen jedenfalls nicht
herbeigeführt werden (vgl. Urteil des BVGer C-329/2014 vom 8. Juli 2015
E. 6).
9.3 Die Vorinstanz ist daher in Anwendung von Art. 61 Abs. 1 VwVG anzu-
weisen, nach Aktualisierung und Vervollständigung der medizinischen Ak-
ten (insbesondere Einholung des Berichts betreffend die nach dem 15. No-
vember 2017 durchgeführte CT-Untersuchung des Rückens sowie einen
C-7009/2018
Seite 28
augenärztlichen Verlaufsbericht) eine umfassende interdisziplinäre Begut-
achtung des Beschwerdeführers zu veranlassen. Nur so kann sicherge-
stellt werden, dass alle relevanten Gesundheitsschädigungen erfasst und
die daraus jeweils abgeleiteten Einflüsse auf die Arbeitsfähigkeit würdigend
in einem Gesamtergebnis ausgedrückt werden (vgl. dazu SVR 2008 IV Nr.
15 S. 44, E. 2.1), wobei vorliegend bei langjährigem C2-Abusus auch die
neue Rechtsprechung des Bundesgerichts bei Suchterkrankungen (BGE
145 V 215) zu beachten ist (vgl. oben E. 6.1.1, 6.1.10). Mit Blick auf die im
Raum stehenden Befunde und Diagnosen erscheinen Expertisen in den
Fachbereichen Innere Medizin (allenfalls unter Beizug eines Hepatologen,
Gastroenterologen, Endokrinologen), Rheumatologie, Neurologie und Psy-
chiatrie (letztere unter Berücksichtigung der Standardindikatoren gemäss
neuer bundesgerichtlicher Rechtsprechung, BGE 143 V 418; 143 V 409;
141 V 281 und BGE 145 V 215) geboten. Ob neben den genannten Fach-
disziplinen auch noch weitere Spezialisten (etwa Ophthalmologie) beige-
zogen werden, ist dem pflichtgemessen Ermessen der Gutachter zu über-
lassen, zumal es primär ihre Aufgabe ist, aufgrund der konkreten Frage-
stellung über die erforderlichen Untersuchungen zu befinden (vgl. dazu
BGE 139 V 349 E. 3.3; Urteil des BGer 8C_124/2008 vom 17. Oktober
2008 E. 6.3.1; Urteil des BVGer C-4537/2017 E. 8). In diesem Zusammen-
hang ist darauf hinzuweisen, dass die beauftragten Sachverständigen
letztverantwortlich sind einerseits für die fachliche Güte und Vollständigkeit
der interdisziplinär erstellten Entscheidungsgrundlage, andererseits aber
auch für die wirtschaftliche Abklärung (BGE 139 V 349 E. 3.3). Betreffend
den zu beurteilenden Zeitraum ab 2015 haben die Gutachter die Entwick-
lung des Gesundheitszustands und den Verlauf der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers sinnvollerweise bis zum Zeitpunkt der neu durchzufüh-
renden Begutachtung miteinzubeziehen und zu beurteilen.
9.4 Die polydisziplinäre Begutachtung hat vorliegend in der Schweiz zu er-
folgen, da die Abklärungsstelle mit den Grundsätzen der schweizerischen
Versicherungsmedizin vertraut sein muss (vgl. dazu Urteil des BGer
9C_235/2013 vom 10. September 2013 E. 3.2; statt vieler Urteil des BVGer
C-3864/2017 vom 11. März 2019 E. 7.5 m.w.H.) und vorliegend keine
Gründe ersichtlich sind, die eine Begutachtung in der Schweiz als unver-
hältnismässig erscheinen liessen. Im Weiteren ist die Gutachterstelle nach
dem Zufallsprinzip gemäss Zuweisungssystem «SuisseMED@P» zu ermit-
teln (vgl. dazu BGE 139 V 349 E. 5.2.1 und Art. 72bis Abs. 2 IVV) und dem
Beschwerdeführer sind die ihm zustehenden Mitwirkungsrechte einzuräu-
men (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9).
C-7009/2018
Seite 29
10.
Im Ergebnis ist die Beschwerde im Sinne des Eventualantrags gutzuheis-
sen, die Verfügung vom 7. November 2018 aufzuheben und die Sache an
die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese nach erfolgter Abklärung im
Sinne der Erwägungen über den Anspruch des Beschwerdeführers auf
Leistungen der schweizerischen Invalidenversicherung neu verfüge.
11.
11.1 Die Rückweisung der Sache zu erneuter Abklärung gilt für die Frage
der Auferlegung der Gerichtskosten und der Parteientschädigung als voll-
ständiges Obsiegen (vgl. BGE 137 V 210 E. 7.1; 132 V 215 E. 6; Urteil des
BGer 8C_897/2017 vom 14. Mai 2018 E. 4.1).
11.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis i.V.m.
Art. 69 Abs. 2 IVG), wobei die Verfahrenskosten grundsätzlich der unterlie-
genden Partei aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Dem obsiegenden
Beschwerdeführer sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs.
1 VwVG e contrario), weshalb ihm der geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 800.- nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zurückzuerstatten ist.
Der Vorinstanz sind ebenfalls keine Verfahrenskosten aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 2 VwVG).
11.3 Der Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine Parteientschädigung,
die von der Vorinstanz zu leisten ist (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m.
Art. 7 ff. VGKE). Da seitens des Rechtsvertreters keine Kostennote einge-
reicht wurde, ist die Entschädigung aufgrund der Akten festzusetzen (14
Abs. 2 Satz 2 VGKE). Unter Berücksichtigung des Verfahrensausgangs,
des gebotenen und aktenkundigen Aufwands, der Bedeutung der Streitsa-
che und der Schwierigkeit des vorliegend zu beurteilenden Verfahrens so-
wie in Anbetracht der in vergleichbaren Fällen gesprochenen Entschädi-
gungen ist es gerechtfertigt, eine Parteientschädigung von Fr. 2'800.- (inkl.
Auslagen, ohne Mehrwertsteuer [vgl. dazu z.B. Urteil des BVGer C-
1741/2014 vom 28. April 2016 E. 8.3 mit Hinweisen]; Art. 9 Abs. 1 in Ver-
bindung mit Art. 10 Abs. 2 VGKE) festzusetzen.
(Für das Dispositiv wird auf die nächste Seite verwiesen.)
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