Decision ID: fe69fece-3fa5-5e40-9885-974fe37d55c0
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Gesellschaft «Advokatur- und Notariatsbüro A._» (im Folgen-
den: Steuerpflichtige) ist seit dem 1. Juli 1997 im Register der Mehr-
wertsteuerpflichtigen der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) ein-
getragen.
B.
B.a Am 1. und 2. September 2008 führte die ESTV bei der Steuerpflichti-
gen eine Kontrolle gemäss Art. 62 des Mehrwertsteuergesetzes vom
2. September 1999 (aMWSTG, SR 641.20) betreffend die Steuerperioden
1. Quartal 2003 bis 2. Quartal 2008 (Zeitraum vom 1. Januar 2003 bis
30. Juni 2008) durch. Gestützt auf die Kontrollergebnisse forderte die
ESTV mit Ergänzungsabrechnung (EA) Nr. [...] vom 10. September 2008
Mehrwertsteuern im Betrag von Fr. 2'913.- zuzüglich 5 % Verzugszins seit
dem 15. Januar 2008 nach, und zwar mit der Begründung, die Steuer-
pflichtige habe zu Unrecht Geschäftsführerhonorare (recte: durch Ge-
schäftsführung erzielte Umsätze) nicht versteuert.
Am 26. Oktober 2008 bezahlte die Steuerpflichtige unter Vorbehalt den
nachgeforderten Betrag von Fr. 2'913.-.
B.b Auf Verlangen der Steuerpflichtigen erliess die ESTV am 24. August
2009 eine einsprachefähige Verfügung. Darin wurde die Steuernachforde-
rung gemäss der genannten EA vollumfänglich bestätigt. Die ESTV hielt
fest, dass die Steuerpflichtige ihr für die Steuerperioden 1. Quartal 2003
bis 2. Quartal 2008 Fr. 2'913.- Mehrwertsteuern schulde und diesen Be-
trag zu Recht bezahlt habe. Ferner ordnete sie an, dass die Steuerpflich-
tige 5 % Verzugszins auf dem Betrag von Fr. 2'913.- für die Zeit vom
15. Januar bis 26. Oktober 2008 schulde.
Zur Begründung führte die ESTV aus, die Steuerpflichtige habe in den
Jahren 2007 und 2008 für verschiedene in der Schweiz domizilierte Ge-
sellschaften mit beschränkter Haftung Dienstleistungen erbracht und da-
für ausdrücklich «Geschäftsführerhonorare» in Rechnung gestellt. Bei der
Geschäftsführung für Dritte handle es sich um eine zum Normalsatz
steuerbare Dienstleistung. Folglich sei die Nachbelastung der von der
Steuerpflichtigen zu Unrecht als steuerausgenommen deklarierten Ge-
schäftsführungsdienstleistungen gesetzeskonform.
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Seite 3
C.
Die Steuerpflichtige erhob am 23. September 2009 Einsprache und ver-
langte die Aufhebung des Entscheids der ESTV vom 24. August 2009 und
die Rückerstattung des bezahlten Betrages von Fr. 2'913.-.
D.
Mit Einspracheentscheid vom 7. Juni 2013 wies die ESTV (im Folgenden
auch: Vorinstanz) die Einsprache ab (Dispositiv-Ziff. 1). Sie hielt fest, dass
sie bei der Steuerpflichtigen zu Recht für die Steuerperioden 1. Quartal
2003 bis 2. Quartal 2008 Mehrwertsteuern im Betrag von Fr. 2'913.- zu-
züglich Verzugszins vom 15. Januar 2008 (mittlerer Verfall) bis 26. Okto-
ber 2008 (Zahlungseingang) nachgefordert habe. Ferner verfügte sie,
dass keine Verfahrenskosten erhoben würden und keine Parteientschädi-
gung ausgerichtet werde.
In der Begründung des Einspracheentscheids führte die ESTV insbeson-
dere aus, dass gemäss ihrem Orientierungsschreiben vom 27. Dezember
2000 «betreffend die Honorare aus der Tätigkeit als Verwaltungsrat, Stif-
tungsrat oder ähnlichen Funktionen» Honorare, welche statt an den je-
weiligen Funktionsträger an das Unternehmen ausgeschüttet würden, bei
welchem der Funktionsträger angestellt sei, kein Entgelt für eine unselb-
ständige Erwerbstätigkeit bilden würden. Die entsprechenden Umsätze
seien damit steuerbar. Vorliegend seien die im Streit liegenden «Ge-
schäftsführerhonorare» nicht an C._ persönlich, sondern an die
Steuerpflichtige ausgerichtet worden. Folglich habe die ESTV diese «Ge-
schäftsführerhonorare» in Übereinstimmung mit ihrem Orientierungs-
schreiben zu Recht als Entgelt für steuerbare Dienstleistungen qualifi-
ziert.
E.
Die Steuerpflichtige (nachfolgend: Beschwerdeführerin) liess am 10. Juli
2013 Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht erheben. Sie beantragt,
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates seien der
Einspracheentscheid der ESTV vom 7. Juni 2013, der Entscheid der
ESTV vom 24. August 2009 sowie die EA Nr. [...] vom 10. September
2008 aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei der Betrag von
Fr. 2'913.- zurückzuerstatten. Im Wesentlichen bringt sie vor, dass sie ei-
ne Kollektivgesellschaft bilde und einzig als Zahlstelle die «Geschäftsfüh-
rerhonorare» eingetrieben habe. Die Geschäftsführung für die Gesell-
schaften mit beschränkter Haftung sei gestützt auf Geschäftsbesor-
gungsverträge zwischen diesen Gesellschaften und C._, einem
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Gesellschafter der Beschwerdeführerin, erfolgt. Weil C._ als Teil-
haber kein Angestellter der Beschwerdeführerin gewesen sei, sei seine
Geschäftsführungstätigkeit – ebenso wie die Tätigkeit des Verwaltungsra-
tes einer Aktiengesellschaft – mehrwertsteuerlich als unselbständige Tä-
tigkeit zu qualifizieren. Infolgedessen sei die Beschwerdeführerin für die
entsprechenden Leistungen nicht steuerpflichtig.
F.
Mit Vernehmlassung vom 8. August 2013 beantragt die Vorinstanz, die
Beschwerde sei unter Kostenfolge zulasten der Beschwerdeführerin voll-
umfänglich abzuweisen.
G.
Mit Replik vom 11. September 2013 hält die Beschwerdeführerin unter
Beilage neuer Unterlagen (teilweise anonymisierte Honorarnoten für all-
gemeine Arbeiten und Geschäftsführungsmandate) in vollem Umfang an
ihren Beschwerdeanträgen fest.
H.
Mit Duplik vom 4. Oktober 2013 hält die Vorinstanz an ihrem Antrag auf
vollumfängliche Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge zulasten
der Beschwerdeführerin fest.
I.
Mit unaufgefordert eingereichter Eingabe vom 21. Oktober 2013 bekräftigt
die Beschwerdeführerin unter Einreichung nicht anonymisierter Honorar-
noten für allgemeine Arbeiten und Geschäftsführungsmandate ihre Be-
schwerdeanträge.
J.
Auf die übrigen Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die eingereich-
ten Akten wird – soweit entscheidwesentlich – im Rahmen der nachfol-
genden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 VGG Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern keine Ausnah-
me nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt hier nicht vor, und die
Vorinstanz ist eine Behörde im Sinne von Art. 33 VGG. Das Bundesver-
waltungsgericht ist demnach für die Beurteilung der vorliegenden Be-
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schwerde sachlich zuständig. Soweit das VGG nichts anderes bestimmt,
richtet sich das Verfahren nach dem VwVG (Art. 37 VGG).
1.2 Anfechtungsobjekt im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht
bildet einzig der vorinstanzliche Entscheid; dieser ersetzt allfällige Ent-
scheide unterer Instanzen (sog. Devolutiveffekt; vgl. BGE 134 II 142
E. 1.4; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-235/2014 vom 26. Mai
2014 E. 1.2; ANDRÉ MOSER et al., Prozessieren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.7). Soweit die Beschwerdeführerin die
Aufhebung der Verfügung der Vorinstanz vom 24. August 2009 und der
EA Nr. [...] vom 10. September 2008 beantragt, ist daher auf ihr Rechts-
mittel nicht einzutreten.
Mit der genannten Einschränkung ist auf die im Übrigen frist- und formge-
recht eingereichte Beschwerde (vgl. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1
VwVG) einzutreten.
1.3 Am 1. Januar 2010 ist das Mehrwertsteuergesetz vom 12. Juni 2009
(MWSTG, SR 641.20) in Kraft getreten. Dessen Verfahrensbestimmun-
gen finden auf sämtliche im Zeitpunkt des Inkrafttretens hängige Verfah-
ren sofort Anwendung (Art. 113 Abs. 3 MWSTG). In materieller Hinsicht
bleiben die bisherigen Vorschriften auf alle während ihrer Geltungsdauer
eingetretenen Tatsachen, entstandenen Rechtsverhältnisse und erbrach-
ten Leistungen anwendbar (Art. 112 Abs. 1 und 2 MWSTG). Der vorlie-
gende Sachverhalt betrifft Steuerperioden vor dem 1. Januar 2010, aber
nach dem 1. Januar 2001. Er untersteht damit in materieller Hinsicht dem
am 1. Januar 2001 in Kraft getretenen aMWSTG.
1.4 Im Steuerrecht gilt grundsätzlich, dass die Steuerbehörde die Beweis-
last für die steuerbegründenden und -erhöhenden Tatsachen trägt, wäh-
rend die steuerpflichtige Person für die steueraufhebenden und -min-
dernden Tatsachen beweisbelastet ist (statt vieler: Urteil des Bundesge-
richts 2C_232/2012 vom 23. Juli 2012 E. 3.5; Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts A-3031/2013 vom 6. Februar 2014 E. 1.5, mit Hinweisen;
ERNST BLUMENSTEIN/PETER LOCHER, System des schweizerischen Steu-
errechts, 6. Aufl. 2002, S. 454).
2.
2.1 Der Mehrwertsteuer unterliegen die im Inland gegen Entgelt erbrach-
ten Lieferungen von Gegenständen und Dienstleistungen (Art. 5 Bst. a
und b aMWSTG). Zum Entgelt gehört alles, was der Empfänger oder an
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seiner Stelle ein Dritter für die Lieferung oder Dienstleistung aufwendet.
Dies erfasst auch den Ersatz aller Kosten, selbst wenn diese gesondert in
Rechnung gestellt werden (Art. 33 Abs. 2 aMWSTG). Als Dienstleistung
gilt jede Leistung, die keine Lieferung eines Gegenstandes ist (Art. 7
Abs. 1 aMWSTG).
2.2 Damit überhaupt eine steuerbare Leistung vorliegt, muss sie im Aus-
tausch mit einem Entgelt erfolgen (sog. «Leistungsverhältnis»; vgl. hierzu
IVO P. BAUMGARTNER et al., Vom alten zum neuen Mehrwertsteuergesetz,
2010, § 4 N. 3; ALOIS CAMENZIND et al., Handbuch zum Mehrwertsteuer-
gesetz [MWSTG], 3. Aufl. 2012, Rz. 592; FELIX GEIGER, in: Felix Gei-
ger/Regine Schluckebier [Hrsg.], MWSTG Kommentar, 2012, Art. 18
N. 2). Die Entgeltlichkeit stellt – vom Eigenverbrauch abgesehen
(vgl. Art. 5 Bst. c aMWSTG) – ein unabdingbares Tatbestandsmerkmal ei-
ner mehrwertsteuerlichen Leistung dar. Besteht zwischen Leistungserb-
ringer und -empfänger kein Austauschverhältnis im erwähnten Sinn, ist
die Aktivität mehrwertsteuerlich irrelevant und fällt nicht in den Geltungs-
bereich der Mehrwertsteuer (statt vieler: BGE 132 II 353 E. 4.3, mit Hin-
weisen; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-5745/2008 vom 11. Juni
2010 E. 2.3).
2.3 Die Annahme eines solchen Leistungsverhältnisses setzt voraus,
dass zwischen Leistung und Entgelt eine innere wirtschaftliche Verknüp-
fung gegeben ist (BGE 138 II 239 E. 3.2, 132 II 353 E. 4.1, 126 II 443
E. 6a; Urteil des Bundesgerichts 2A.410/2006 vom 18. Januar 2007
E. 5.1). Die Beurteilung, ob ein Leistungsverhältnis besteht, hat in erster
Linie nach wirtschaftlichen, tatsächlichen Kriterien zu erfolgen (sog. «wirt-
schaftliche Betrachtungsweise»). Die zivil- bzw. vertragsrechtliche Sicht
ist nicht entscheidend, hat aber immerhin Indizwirkung (statt vieler: Urteil
des Bundesgerichts 2A.304/2003 vom 14. November 2003 E. 3.6.1;
BVGE 2007/23 E. 2.3.2, mit Hinweisen; Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts A-6001/2011 vom 21. Mai 2013 E. 2.1.3). Für die Annahme eines
Leistungsverhältnisses genügt es, dass Leistung und Entgelt innerlich
derart verknüpft sind, dass die Leistung das Entgelt auslöst. Ausreichend
kann folglich auch sein, wenn einer Leistung ein erwartetes (Üblichkeit)
oder erwartbares Entgelt (nach den Umständen ist erwartbar, dass eine
Leistung die Entrichtung eines Entgelt auslöst) gegenübersteht, d.h. dass
nach den Umständen davon auszugehen ist, die Leistung löse die Ent-
richtung eines Entgelts aus (statt vieler: Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts A-6001/2011 vom 21. Mai 2013 E. 2.1.4, mit Hinweisen).
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Seite 7
2.4 Damit von einem steuerbaren Leistungsverhältnis gesprochen werden
kann, muss die Leistung überdies die betriebliche Sphäre verlassen und
sich an einen Leistungsempfänger richten. Ein Leistungsverhältnis setzt
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bereits begriffsnotwendig
das Vorhandensein mehrerer Beteiligter – eines Leistungserbringers und
eines Leistungsempfängers – voraus (vgl. Urteil des Bundesgerichts
2C_836/2009 vom 15. Mai 2012 E. 5.2; Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts A-3696/2012 vom 14. Juni 2013 E. 2.1.4). Reine Innenleistungen
sind demnach nicht steuerbar. Auch keine (steuerbare) Drittleistung be-
wirkt, wer lediglich seine Arbeitskraft nutzt (CAMENZIND et al., a.a.O.,
Rz. 612).
2.5 Mehrwertsteuerpflichtig ist grundsätzlich, wer eine mit der Erzielung
von Einnahmen verbundene gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbst-
ständig ausübt, sofern seine Lieferungen und seine Dienstleistungen im
Inland jährlich gesamthaft Fr. 75'000.- übersteigen (Art. 21 Abs. 1
aMWSTG). Eine Ausnahme von der Steuerpflicht besteht insofern, als die
nach Abzug der Vorsteuer verbleibende Steuer (sog. Steuerzahllast) re-
gelmässig nicht mehr als Fr. 4'000.- beträgt; diese Ausnahme bleibt auf
Jahresumsätze bis zu Fr. 250'000.- beschränkt (Art. 25 Abs. 1 Bst. a
aMWSTG).
2.6
2.6.1 Beim Begriff der mehrwertsteuerlichen Selbständigkeit handelt es
sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff. Wichtige Indizien für die selb-
ständige Ausübung der Tätigkeit sind insbesondere das Handeln und Auf-
treten in eigenem Namen gegenüber Dritten, das Tragen des unterneh-
merischen Risikos (Gewinn und Verlust), die Wahlfreiheit, eine Aufgabe
anzunehmen oder nicht und diese selbständig organisieren zu können.
Daneben können die Beschäftigung von Personal, die Vornahme erhebli-
cher Investitionen, eigene Geschäftsräumlichkeiten, verschiedene und
wechselnde Auftraggeber sowie die betriebswirtschaftliche und arbeitsor-
ganisatorische Unabhängigkeit eine Rolle spielen. Ob eine Tätigkeit im
mehrwertsteuerlichen Sinn als selbständig oder unselbständig anzusehen
ist, bestimmt sich stets aufgrund einer umfassenden Würdigung sämtli-
cher einschlägiger Faktoren (Urteile des Bundesgerichts 2C_554/2010
vom 21. September 2011 E. 2.2, 2C_426/2008 und 2C_432/2008 vom
18. Februar 2009 E. 2.2, 2C_430/2008 vom 18. Februar 2009 E. 2.2,
2C_518/2007 und 2C_519/2007 vom 11. März 2008, veröffentlicht in
ASA 77 S. 569 E. 2.2; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts
A-6180/2012 vom 3. September 2013 E. 2.2.1, A-3695/2012 vom 30. Juli
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2013 E. 3.2, A-1989/2011 vom 4. Januar 2012 E. 2.2.1, A-4011/2010 vom
18. Januar 2011 E. 2.2.1).
Weitere – aber nicht allein ausschlaggebende – Indizien für die mehr-
wertsteuerliche Behandlung bilden gemäss der genannten Rechtspre-
chung die Art der Abrechnung der Sozialversicherungsbeiträge sowie die
Qualifikation einer Person als selbständig oder unselbständig im Zusam-
menhang mit den direkten Steuern (Urteile des Bundesgerichts
2A.47/2006 vom 6. Juli 2006 E. 3.2, 2A.304/2003 vom 14. November
2003, veröffentlicht in ASA 76 S. 627 E. 3.3.2; Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts A-156/2007 vom 20. April 2009 E. 2.2.2, A-3822/2007 vom
3. Juni 2008 E. 2.1.4). Grundsätzlich ist zwar eine einheitliche Qualifikati-
on des Begriffes der Selbständigkeit (bzw. der Unselbständigkeit) im So-
zialversicherungs- und Steuerrecht anzustreben (vgl. Bericht des Bundes-
rats über eine einheitliche und kohärente Behandlung von selbständiger
bzw. unselbständiger Erwerbstätigkeit im Steuer- und im Sozialversiche-
rungsabgaberecht vom 14. November 2001, Bundesblatt [BBl] 2002
1155 f.). Dabei können aber die verschiedenen Zielsetzungen dieser
Rechtsgebiete nicht ausser Acht gelassen werden. Dem Sozialversiche-
rungsrecht kommt primär die Funktion des Versicherungsschutzes zu,
weswegen etwa im Bereich der AHV der Begriff der Selbständigkeit zum
Schutz des Versicherten eher restriktiv interpretiert wird (Entscheid der
Eidgenössischen Steuerrekurskommission [SRK] 2004-224 / 2004-225
vom 20. Dezember 2005 E. 4a [bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts
2A.47/2006 vom 6. Juli 2006]; hiervor erwähnter Bericht des Bundesra-
tes, BBl 2002 1155 ff.), während er im Mehrwertsteuerrecht aufgrund des
Allgemeinheitsprinzips eher extensiv ausgelegt wird (vgl. dazu sogleich
E. 2.6.2; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-3822/2007 vom 3. Juni
2008 E. 2.1.4; s. zum Ganzen: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
A-156/2007 vom 20. April 2009 E. 2.2.2; Entscheid der SRK 2004-124
vom 23. Juni 2006 E. 2a.bb). Es ist somit durchaus möglich, dass ein und
dieselbe Person in den verschiedenen Bereichen unterschiedlich einge-
stuft wird (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Oktober 1993, veröffentlicht
in ASA 64 S. 732 E. 3d; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts
A-6188/2012 vom 3. September 2013 E. 2.2.2 und E. 3.4, A-3695/2012
vom 30. Juli 2013 E. 3.2.2 und E. 7.2.2, A-2950/2011 vom 8. Februar
2012 E. 2.2.2, A-1989/2011 vom 4. Januar 2012 E. 2.2.2).
2.6.2 Angesichts des Wesens der Mehrwertsteuer als allgemeine
Verbrauchsteuer ist der Begriff der Selbständigkeit eher weit auszulegen
(Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-5460/2008 vom 12. Mai 2010
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E. 2.2, A-156/2007 vom 20. April 2009 E. 2.2.4, A-1572/2006 vom
21. August 2008 E. 2.2; vgl. auch DANIEL RIEDO, Vom Wesen der Mehr-
wertsteuer als allgemeine Verbrauchsteuer und von den entsprechenden
Wirkungen auf das schweizerische Recht, 1999, S. 115 und S. 174 f.).
2.6.3 Gemäss Art. 21 Abs. 1 Satz 2 aMWSTG gilt die Tätigkeit von Ver-
waltungsräten, Stiftungsräten und ähnlichen Funktionsträgern als unselb-
ständige Erwerbstätigkeit.
2.6.3.1 Die Wegleitungen 2001 und 2008 zur Mehrwertsteuer halten (in
Übereinstimmung mit dem aktenkundigen Schreiben der ESTV «Orientie-
rung betreffend die Honorare aus der Tätigkeit als Verwaltungsrat, Stif-
tungsrat oder ähnliche Funktionen» vom 27. Dezember 2000) fest, dass
das von Verwaltungsräten, Stiftungsräten und ähnlichen Funktionsträgern
persönlich vereinnahmte Entgelt nicht der Mehrwertsteuer unterliege, weil
deren Tätigkeit als unselbständige Erwerbstätigkeit gelte. Werde das Ho-
norar jedoch nicht an den betreffenden Funktionsträger, sondern an das
Unternehmen ausgeschüttet, bei welchem dieser angestellt ist, handle es
sich um ein Entgelt für eine zum Normalsatz steuerbare Dienstleistung
(Ziff. 119 der Wegleitung 2008 zur Mehrwertsteuer [gültig vom 1. Januar
2008 bis 31. Dezember 2009; im Folgenden: Wegleitung 2008]; Ziff. 119
der Wegleitung 2001 zur Mehrwertsteuer [gültig vom 1. Januar 2001 bis
31. Dezember 2007; im Folgenden: Wegleitung 2001]).
Gemäss den Ziff. 120 der Wegleitungen 2001 und 2008 unterliegt das
Entgelt (Honorar), sofern es an den Verwaltungs- oder Stiftungsrat aus-
geschüttet wird, beim Arbeitgeber unter anderem dann (mangels Umsat-
zes im Sinne der Mehrwertsteuer) nicht der Steuer, wenn der Verwal-
tungs- oder Stiftungsrat als Gesellschafter in einer Personengesellschaft
tätig ist.
2.6.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat die hiervor (E. 2.6.3.1) ge-
nannten Kriterien der Wegleitung zur Mehrwertsteuer für die Abgrenzung
zwischen selbständiger und unselbständiger Tätigkeit bei Verwaltungsrä-
ten, Stiftungsräten sowie ähnlichen Funktionsträgern in seinem Urteil
A-1137/2012 vom 6. November 2013 soweit hier interessierend über-
nommen (E. 5.2.3 des Urteils). Dabei verwies es insbesondere auf die
analoge Rechtsprechung zum Sozialversicherungsrecht (vgl. E. 5.2.3
Abs. 2 des Urteils). Danach ist ein Verwaltungsratshonorar nur dann und
soweit als Lohn bzw. Entgelt für unselbständige Erwerbstätigkeit zu quali-
fizieren, wenn es durch die betroffene Gesellschaft an den Mandatsträger
A-3931/2013
Seite 10
persönlich bezahlt wird. Übt hingegen der Verwaltungsrat seine Tätigkeit
als Arbeitnehmer eines Dritten aus und wird das Entgelt für die Verwal-
tungsratstätigkeit diesem Dritten ausbezahlt, bildet es sozialversiche-
rungsrechtlich keinen Lohn des Verwaltungsrats (BGE 133 V 498 E. 5.2).
Das Bundesverwaltungsgericht hielt im erwähnten Urteil fest, dass für ei-
ne unselbständige Tätigkeit im Sinne von Art. 21 Abs. 1 Satz 2 aMWSTG
erforderlich sei, dass der Verwaltungsrat (bzw. der betreffende Funktions-
träger) das Honorar für seine Tätigkeit selbst und ohne Verpflichtung zur
Weiterleitung an einen Dritten empfange (Urteil des Bundesverwaltungs-
gerichts A-1137/2012 vom 6. November 2013 E. 6.2.2). Ob im Einzelfall
trotz direkter Zahlung des Honorars an einen Dritten eine unselbständige
Tätigkeit vorliegen kann, muss hier – wie im Folgenden aufgezeigt wird
(vgl. E. 3.2) – nicht geklärt werden.
2.6.3.3 Nach einer in der Literatur vertretenen Auffassung lässt sich allein
gestützt auf den Umstand, dass eine Entschädigung nicht an den betref-
fenden Funktionsträger, sondern an dessen Arbeitgeber ausgerichtet
wird, nicht auf ein mehrwertsteuerlich relevantes Leistungsverhältnis bzw.
eine selbständige Erwerbstätigkeit im Sinne des Mehrwertsteuerrechts
schliessen. Für ein solches Leistungsverhältnis ist nach dieser Lehrmei-
nung erforderlich, dass ein Auftragsverhältnis «zwischen dem Einsatz-
und dem Entsendebetrieb» besteht (so – allerdings zum MWSTG –
GEIGER, a.a.O., Art. 18 N. 43).
2.7 Im Mehrwertsteuerrecht wird in konstanter und höchstrichterlicher
Rechtsprechung der Rechnung zentrale Bedeutung beigemessen. Sie ist
nicht ein reiner Buchungsbeleg, sondern stellt ein wichtiges Indiz oder gar
eine Vermutung dar, dass ein steuerbarer Umsatz stattfand und dieser
durch den Aussteller bewirkt worden ist (BGE 131 II 185 E. 5; Urteil des
Bundesgerichts 2C_561/2009 vom 25. März 2011 E. 4.1, mit Hinweisen;
Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-4950/2013 vom 18. März 2014
E. 2.4.1, A-720/2013 vom 30. Januar 2014 E. 2.5, A-1137/2012 vom
6. November 2013 E. 2.1.4.3, A-1375/2006 vom 27. September 2007
E. 7.1.1; vgl. dazu auch RALF IMSTEPF, Der mehrwertsteuerliche «Aus-
senauftritt», ASA 82 S. 451 ff., S. 459).
3.
3.1 Vorliegend ist zu Recht unbestritten, dass die Beschwerdeführerin ei-
ne Kollektivgesellschaft im Sinne von Art. 552 ff. OR bildet (vgl. Be-
schwerde, S. 5 ff.; Vernehmlassung, S. 3; anders noch Einspracheent-
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Seite 11
scheid, S. 7). Uneinigkeit besteht hingegen unter den Verfahrensbeteilig-
ten bezüglich der mehrwertsteuerlichen Qualifikation von Dienstleistun-
gen an in der Schweiz domizilierte Gesellschaften mit beschränkter Haf-
tung, an welche die Beschwerdeführerin «Geschäftsführerhonorare» in
Rechnung stellte: Während die Beschwerdeführerin den Standpunkt ver-
tritt, diese Dienstleistungen seien von einem ihrer Gesellschafter
(C._) im Rahmen einer unselbständigen Erwerbstätigkeit im Sinne
des Mehrwertsteuerrechts erbracht worden, geht die ESTV davon aus,
dass die Erbringung dieser Dienstleistungen mehrwertsteuerlich als selb-
ständige Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin zu qualifizieren ist und
die Beschwerdeführerin folglich die entsprechenden Umsätze zu versteu-
ern hat.
3.2 Nach den seitens der Beschwerdeführerin eingereichten Handelsre-
gisterauszügen war ihr Gesellschafter C._ bei verschiedenen Ge-
sellschaften mit beschränkter Haftung mit Sitz in der Schweiz Geschäfts-
führer oder Vorsitzender der Geschäftsführung. Es lässt sich nicht ernst-
lich in Abrede stellen, dass er damit eine ähnliche Funktion wie ein Ver-
waltungsrat ausübte (vgl. dazu auch CHRISTOPH SENTI, Die Geschäftsfüh-
rung bei der GmbH: Schnittstellen zwischen Arbeits- und Gesellschafts-
recht, AJP 1/2011, S. 18 ff., S. 20, wonach sich die unübertragbaren und
unentziehbaren Aufgaben der Geschäftsführer einer Gesellschaft mit be-
schränkter Haftung inhaltlich stark an die Kompetenzen des Verwaltungs-
rates einer Aktiengesellschaft anlehnen). Jedenfalls ist nicht von vornhe-
rein ausgeschlossen, dass die erwähnte Tätigkeit C._s als Tätig-
keit eines «ähnlichen Funktionsträgers» im Sinne von Art. 21 Abs. 1
Satz 2 aMWSTG und damit als unselbständige Erwerbstätigkeit qualifi-
ziert werden kann. Indessen fällt vorliegend ins Gewicht, dass die akten-
kundigen Rechnungen für «Geschäftsführerhonorare» alle im Namen der
Beschwerdeführerin ausgestellt wurden. Letzterer Umstand zwingt nach
konstanter sowie höchstrichterlicher Rechtsprechung zur Annahme, dass
aus mehrwertsteuerlicher Sicht die Beschwerdeführerin die entsprechen-
den Leistungen erbracht hat (vgl. E. 2.7).
Auch die Tatsache, dass die Gesellschaften mit beschränkter Haftung die
Geschäftsführungshonorare unbestrittenermassen an die Beschwerde-
führerin und nicht an C._ persönlich bezahlten, spricht gemäss
Rechtsprechung und Praxis (vgl. E. 2.6.2.3) klarerweise gegen eine un-
selbständige Tätigkeit dieses Anwaltes im Sinne von Art. 21 Abs. 1 Satz 2
aMWSTG und für die Richtigkeit der vorinstanzlichen Annahme steuerba-
rer (Geschäftsführungs-)Dienstleistungen der Beschwerdeführerin. Ob
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das hiervor genannte Erfordernis für eine unselbständige Tätigkeit, dass
der betreffende Verwaltungsrat bzw. Funktionsträger das Honorar für sei-
ne Tätigkeit selbst und ohne Weiterleitungspflicht empfängt
(vgl. E. 2.6.3.2), zu relativieren ist, kann hier offenbleiben. Denn zum ei-
nen gebieten vorliegend – wie dargelegt – auch die für die mehrwertsteu-
erliche Würdigung zentralen Rechnungen die Annahme, dass keine un-
selbständige Tätigkeit C._s gegeben war. Zum anderen liegen –
wie im Folgenden aufgezeigt wird (vgl. E. 3.3) – keine Umstände vor,
welche für eine unselbständige Tätigkeit dieses Anwalts im hier interes-
sierenden Kontext sprechen.
3.3 Die von der Beschwerdeführerin angeführten Argumente, weshalb ei-
ne unselbständige Tätigkeit im Sinne von Art. 21 Abs. 1 Satz 2 aMWSTG
anzunehmen ist, überzeugen nicht:
3.3.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe als blosse Zahl-
stelle fungiert.
Aus den vorliegenden Akten ergibt sich nicht, dass die Beschwerdeführe-
rin die im eigenen Namen in Rechnung gestellten und vereinnahmten
Geschäftsführerhonorare direkt an C._ weitergeleitet und in dieser
Weise nur als Zahlstelle gehandelt hätte. Nach der Darstellung in der Be-
schwerde bezogen die Gesellschafter der Beschwerdeführerin von ihr ein
monatliches Fixum und wurde jeweils am Jahresende berechnet, «welche
Gesellschafter in welchem Umfang am Gewinn zu beteiligen sind» und in
welchem Umfang die Gesellschafter Nachzahlungen sowie Rückerstat-
tungen zu leisten haben (Beschwerde, S. 6). Es ist folglich davon auszu-
gehen, dass die fraglichen «Geschäftsführerhonorare» – entsprechend
den dafür ausgestellten Rechnungen – von der Beschwerdeführerin, also
auf gemeinsame Rechnung ihrer Gesellschafter vereinnahmt wurden und
zunächst in den Gewinn oder Verlust der Beschwerdeführerin hineinge-
flossen sind.
Was die Aufteilung dieses Gewinnes oder Verlustes unter den Gesell-
schaftern und Gesellschafterinnen der Beschwerdeführerin (bzw. den
Partnern und Partnerinnen der Anwaltskanzlei) betrifft, ist weder substan-
tiiert behauptet noch aktenkundig, dass diese nach einem Schlüssel er-
folgte, nach welchen C._ für seine Tätigkeit als Geschäftsführer
bzw. Vorsitzender der Geschäftsführung der Gesellschaften mit be-
schränkter Haftung ein im Ergebnis den vereinnahmten Geschäftsführer-
honoraren entsprechendes Entgelt (allenfalls unter Abzug der damit in
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Zusammenhang stehenden Aufwendungen) erhalten hat (nichts daran zu
ändern vermag das aktenkundige, sich nicht auf die hier interessierenden
Jahre 2007 und 2008 beziehende Schreiben der Beschwerdeführerin an
die Eidgenössische Ausgleichskasse vom 23. Juni 2003, wonach seiner-
zeit eine hälftige Aufteilung des nach Abzug aller Aufwendungen verblei-
benden Betrages unter den beiden Gesellschaftern D._ und
C._ erfolgt sein soll). Auch lässt sich nicht vermuten, dass ein sol-
cher Verteilungsschlüssel zur Anwendung gelangte. Letzteres gilt umso
mehr, als bei einer als Kollektivgesellschaft ausgestalteten Anwaltssozie-
tät für die Gewinn- und Verlustbeteiligung unter den Partnern verschiede-
ne Schlüssel gebräuchlich sind wie Umsatz, Anciennität, Akquisitionsleis-
tung und allfällige weitere Kriterien (vgl. THIERRY LUTERBACHER, Kollektiv-
risiko bei Anwaltsgesellschaften, Anwaltsrevue 5/2009, S. 247 ff., S. 248,
mit weiteren Hinweisen).
Für ein allfälliges Inkassomandat fehlte im Übrigen der erforderliche
Nachweis für ein Handeln ausdrücklich im Namen und für Rechnung des
Vertretenen (vgl. Art. 11 Abs. 1 aMWSTG).
3.3.2 Die Beschwerdeführerin behauptet sodann, die Geschäftsfüh-
rungsmandate seien nicht ihr, sondern C._ erteilt worden. Zum
Beweis dieser Aussage legt sie insbesondere als «Mustervertrag» einen
teilweise anonymisierten Vertrag zwischen einem nicht bekannten «Treu-
geber» und C._ betreffend einer noch zu gründenden Gesellschaft
mit beschränkter Haftung ins Recht.
Es ist daran zu erinnern, dass für die Beurteilung, ob ein Leistungsver-
hältnis besteht, die zivil- bzw. vertragsrechtliche Sicht lediglich ein Indiz
bildet und in erster Linie wirtschaftliche, tatsächliche Kriterien massge-
bend sind (E. 2.3). Vorliegend ist unbestritten, dass die Geschäftsführer-
honorare an die Beschwerdeführerin bezahlt wurden. Zudem hat sie die
entsprechenden Rechnungen in eigenem Namen ausgestellt und ist sie
damit als mehrwertsteuerliche Leistungserbringerin aufgetreten. Demge-
genüber steht weder fest, ob sich der eingereichte Vertrag auf eine der
vorliegend in Frage stehenden Gesellschaften mit beschränkter Haftung
bezieht, noch ob entsprechende Verträge bezüglich der weiteren streitbe-
troffenen Gesellschaften mit beschränkter Haftung abgeschlossen wur-
den.
Vor diesem Hintergrund kann dem eingereichten Vertrag keine genügen-
de Beweiskraft zukommen, um mehrwertsteuerliche Leistungsverhältnis-
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se zwischen der Beschwerdeführerin und den vorliegend interessieren-
den Gesellschaften mit beschränkter Haftung auszuschliessen. Vielmehr
ist aufgrund der vorliegenden Rechnungen anzunehmen, dass zwischen
der Beschwerdeführerin und den Gesellschaften mit beschränkter Haf-
tung sogar ein Auftragsverhältnis bestand, wie es nach einem – die Pra-
xis kritisierenden – Teil der Lehre für ein mehrwertsteuerlich relevantes
Leistungsverhältnis bei Tätigkeiten von Verwaltungs- und Stiftungsräten
sowie ähnlichen Funktionsträgern verlangt wird (vgl. E. 2.6.3.3 und
E. 2.7).
Im Übrigen vermag auch der von der Beschwerdeführerin angerufene
Umstand, dass sie allein aufgrund der Reputation C._s als Spe-
zialist auf dem Gebiet des Gesellschaftsrechts organschaftliche Tätigkei-
ten als Verwaltungsrat oder Geschäftsführer angeboten haben soll
(vgl. Beschwerde, S. 10), die sich aufdrängende Annahme, dass die Be-
schwerdeführerin als Leistungserbringerin handelte, nicht zu widerlegen.
3.3.3 Nach Meinung der Beschwerdeführerin ist im Verhältnis zu den Ge-
sellschaften mit beschränkter Haftung auch deshalb von einer unselb-
ständigen Tätigkeit C._s im Sinne von Art. 21 Abs. 1 Satz 2
aMWSTG und nicht von (Geschäftsführungs-)Dienstleistungen der Be-
schwerdeführerin auszugehen, weil zwischen ihr und C._ kein Ar-
beitsverhältnis bestehe.
Bei einer Kollektivgesellschaft sind die Träger von Rechten und Pflichten
die Gesellschafter (BGE 116 II 655). Hingegen tritt die Kollektivgesell-
schaft im Verhältnis zu Dritten ähnlich wie eine juristische Person auf, in-
dem sie handlungs-, prozess- und betreibungsfähig ist (vgl. Art. 562,
Art. 567, Art. 568 und Art. 571 OR sowie statt vieler: LUTERBACHER,
a.a.O., S. 248).
Es mag zutreffen, dass kein Arbeitsvertrag zwischen der eine Kollektivge-
sellschaft bildenden Beschwerdeführerin und ihrem Gesellschaf-
ter C._ bestand. Insofern unterscheidet sich die vorliegende Kons-
tellation namentlich von der in BGE 133 V 498 E. 2 angesprochenen, bei
welcher ein Verwaltungsrat seine Tätigkeit als Arbeitnehmer eines Dritten
ausübt und die Entschädigung für die Verwaltungsratstätigkeit diesem
Dritten ausbezahlt wird (vgl. zu BGE 133 V 498 vorn E. 2.6.3.2). Ent-
scheidend für die hier vorzunehmende mehrwertsteuerliche Beurteilung
ist freilich einzig, dass die vorliegenden Umstände die Annahme gebieten,
dass die Beschwerdeführerin als mehrwertsteuerliche Leistungserbringe-
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rin aufgetreten ist. Das Fehlen eines Arbeitsvertrages zwischen ihr und
C._ ist auch angesichts des Umstandes, dass die Geschäftsfüh-
rerhonorare zunächst von ihr vereinnahmt wurden und nicht lediglich über
die Beschwerdeführerin als Zahlstelle an C._ weiterflossen
(vgl. E. 3.3.1), nicht ausschlaggebend.
3.3.4 Die Beschwerdeführerin macht geltend, es sei vorliegend «kein Fall
einer Vertretung i.S.v. Art. 707 Abs. 3 OR» gegeben (Beschwerde, S. 11)
und das Bundesgericht habe in BGE 133 V 498 ausdrücklich offen gelas-
sen, ob seine in diesem Entscheid gemachten «Ausführungen auch auf
Konstellationen ausserhalb Art. 707 Abs. 3 OR zutreffen» (Replik, S. 5).
Nach Art. 707 Abs. 3 OR ist dann, wenn an einer Aktiengesellschaft eine
juristische Person oder eine Handelsgesellschaft beteiligt ist, letztere als
solche nicht als Mitglied des Verwaltungsrates wählbar, wogegen an de-
ren Stelle deren Vertreter gewählt werden können (eine Art. 707 Abs. 3
OR weitgehend analoge Regelung für die Gesellschaft mit beschränkter
Haftung enthält Art. 809 Abs. 2 OR in der am 1. Januar 2008 in Kraft ge-
tretenen Fassung des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 [GmbH-
Recht sowie Anpassungen im Aktien-, Genossenschafts-, Handelsregis-
ter- und Firmenrecht; AS 2007 4791]). Die Beschwerdeführerin bringt so-
mit sinngemäss vor, sie habe gesellschaftsrechtlich gar nicht selbst als
Geschäftsführerin der streitbetroffenen Gesellschaften mit beschränkter
Haftung handeln dürfen. Wie es sich damit verhält, kann hier dahingestellt
bleiben. Denn einzig ausschlaggebend ist vorliegend, dass die Be-
schwerdeführerin bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise (gemäss ihren
Rechnungen) als Leistungserbringerin aufgetreten ist.
Wirtschaftlich gesehen sind die zugunsten der Gesellschaften mit be-
schränkter Haftung ausgeübten Geschäftsführungstätigkeiten
C._s auch dann der Beschwerdeführerin als Leistungserbringerin
zuzuordnen, wenn sie nach den einschlägigen gesellschaftsrechtlichen
Vorschriften nicht als Geschäftsführerin der Gesellschaften mit be-
schränkter Haftung hätte eingesetzt werden können und eine Entsendung
C._s als ihren Vertreter für die Geschäftsführung ausgeschlossen
gewesen wäre. Infolgedessen ist auch unter diesem Gesichtspunkt davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin Dienstleistungen im Bereich
der Geschäftsführung erbracht hat. Nichts daran zu ändern vermag der
Umstand, dass C._ und nicht die Beschwerdeführerin in den vor-
liegenden Handelsregisterauszügen als Geschäftsführer (bzw. Vorsitzen-
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der der Geschäftsführer) der Gesellschaften mit beschränkter Haftung fi-
guriert.
Selbst wenn zivilrechtlich die Vermutung bestehen sollte, dass ein «Ge-
schäftsführerhonorar» dem betreffenden Geschäftsführer selbst zusteht
(vgl. zur entsprechenden Vermutung bei Verwaltungsratshonoraren Urteil
des Bundesgerichts 2C_95/2013 und 2C_96/2013 vom 21. August 2013
E. 2.6), wird diese Vermutung mehrwertsteuerlich durch die gemäss
höchstrichterlicher Rechtsprechung der Rechnung zukommenden Bedeu-
tung bzw. durch die Annahme, dass der Aussteller der Rechnung der
Leistungserbringer ist, verdrängt (zu den insofern anders gelagerten di-
rektsteuerlichen Verhältnissen vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_95/2013
und 2C_96/2013 vom 21. August 2013 E. 2.2 und E. 2.5 f.).
Im Übrigen hat das Bundesgericht in BGE 133 V 497 zwar – wie die Be-
schwerdeführerin richtigerweise behauptet – offen gelassen, ob seine
Ausführungen nur für Konstellationen im Sinne von Art. 707 Abs. 3 OR
gelten (vgl. E. 5.2 des Entscheids). Damit hat es aber nicht ausgeschlos-
sen, dass das in diesem Entscheid sozialversicherungsrechtlich als
massgebend bezeichnete Kriterium, ob das Honorar direkt an den Ver-
waltungsrat entrichtet oder einem Dritten ausbezahlt wird, auch in ande-
ren Fällen herangezogen werden kann. Zur Tragweite dieses Kriteriums
im Mehrwertsteuerrecht hat sich das Bundesgericht im fraglichen Ent-
scheid ohnehin nicht geäussert.
3.3.5 Die Beschwerdeführerin beruft sich ferner auf ein älteres Schreiben
des Bundesamtes für Sozialversicherungen vom 23. Juli 2003. Mit die-
sem Schreiben bejahte das Bundesamt für Sozialversicherungen an-
scheinend die Frage C._s, ob die von ihm im Rahmen seiner an-
waltlichen Berufsausübung erwirtschafteten Honorare für die Geschäfts-
führung bei schweizerischen Gesellschaften mit beschränkter Haftung
sozialversicherungsrechtlich als ihm und nicht der Beschwerdeführerin
zuzurechnendes Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit zu quali-
fizieren sind (vgl. Beschwerdebeilage 5).
Das erwähnte Schreiben des Bundesamtes für Sozialversicherungen, das
sich nicht auf die vorliegend interessierenden Jahre 2007 und 2008 be-
zieht, vermag die sich aufgrund der Rechnungen aufdrängende Annah-
me, dass die Beschwerdeführerin aus mehrwertsteuerlicher Sicht als
Leistungserbringerin gehandelt hat, nicht zu entkräften. Offen gelassen
werden kann hier, ob die Berufung auf dieses Schreiben auch deshalb
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nicht zu schützen ist, weil sie im Widerspruch zur Argumentation der Be-
schwerdeführerin steht, wonach die Tätigkeit C._s als Geschäfts-
führer mehrwertsteuerlich als unselbständige Tätigkeit zu behandeln ist
(vgl. dazu Vernehmlassung, S. 2).
3.3.6 Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin ist im Übrigen
aus dem Umstand, dass sie andere Leistungen als Geschäftsführungs-
dienstleistungen den fraglichen Gesellschaften mit beschränkter Haftung
separat in Rechnung stellte, nichts zu ihren Gunsten abzuleiten.
4.
Zu Recht nicht bestritten sind die Berechnung der Höhe der gemäss dem
Einspracheentscheid richtigerweise nacherhobenen Steuer und die in
diesem Entscheid erfolgte Festlegung des geschuldeten Verzugszinses
für den Fall, dass die Beschwerdeführerin tatsächlich – wie hiervor aufge-
zeigt – für die im Streit liegenden (Geschäftsführungs-)Dienstleistungen
steuerpflichtig ist.
Der angefochtene Entscheid erweist sich nach dem Gesagten als recht-
mässig. Die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen, soweit dar-
auf einzutreten ist.
5.
Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten, die auf Fr. 700.- festgesetzt
werden, der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG in
Verbindung mit Art. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der
verfahrenskosten zu verwenden.
Eine Parteientschädigung an die Beschwerdeführerin ist nicht zuzuspre-
chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).
(Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.)
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