Decision ID: 75d881cc-14bc-5562-95fe-d7a5778153f8
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Zahner, Studer Rechtsanwalt,
Hauptstrasse 11a, 8280 Kreuzlingen,
gegen
Helsana Unfall AG, Postfach, 8081 Zürich Helsana,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) war bei der B._ AG, tätig und dadurch bei der
Helsana Unfall AG (nachstehend: Helsana Unfall) unfallversichert, als er am 21. März
1999 als Lenker eines Personenwagens einen Verkehrsunfall erlitt. Bei einem
Abbiegemanöver nach links prallte ein entgegenkommendes Auto in die rechte Seite
des Fahrzeugs des Versicherten. Seine Ehefrau wurde beim Unfall getötet (IV-act.
11-3/7, 11-7/7). Die Helsana anerkannte ihre Leistungspflicht (IV-act. 11-5/7). Dr. med.
C._, FMH Psychiatrie/Psychotherapie, bestätigte im Bericht vom 7. Mai 2010, dass
der Beschwerdeführer ab dem 28. März 1999 für 10 Sitzungen bei ihm in Behandlung
gewesen sei. Er habe eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert (UV-act.
M3).
A.b Mit Schreiben vom 15. August 2007 hatte der Versicherte der Helsana
Versicherungen AG unter anderem mitgeteilt, seit dem Unfallereignis von 1999 sei sein
Leben aus den Fugen geraten und er leide seit Jahren an den Spätfolgen des Unfalls.
Die emotionale Belastung, Schuldgefühle gegenüber den Kindern, juristische
Auseinandersetzungen sowie die Angst und Hilflosigkeit, alles allein schaffen zu
können, hätten bei ihm ein Trauma verbunden mit anhaltenden gesundheitlichen
Folgen ausgelöst. Er habe seine Anstellung in einer grossen Treuhandfirma aufgeben
müssen und Besserung in einer Tätigkeit als selbständiger Berater gesucht. In der
Zwischenzeit sei er nicht mehr in der Lage, seinem Beruf nachzugehen (IV-act. 10-1/1).
Mit Schreiben vom 24. Februar 2010 gelangte der Versicherte erneut an die Helsana
Versicherungen AG mit dem Hinweis, dass er in seinen Unterlagen keine
Stellungnahme zu seinem Schreiben vom 15. August 2007 sehe. Er sei nicht sicher, ob
es eine Unklarheit mit der Adresse gegeben habe, da frühere Briefe an die Helsana
jeweils wegen Unzustellbarkeit zurückgekommen seien, oder ob eine Antwort bei ihm
nicht angekommen sei (UV-act. K1). Hierauf gelangte die Helsana Unfall am 5. März
2010 an die ehemalige Arbeitgeberin des Versicherten, an Dr. med. D._, sowie an
das Kantonsspital E._ mit der Mitteilung, dass der Versicherte einen Rückfall zum
Ereignis vom 21. März 1999 angemeldet habe, sie jedoch die Originalakten bereits
vernichtet habe. Sie ersuchte um Zustellung noch vorhandener Akten (UV-act. K5, K7,
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K8). Am 8. März 2010 teilte die ehemalige Arbeitgeberin mit, dass sie keine Unterlagen
von 1999 mehr habe (UV-act. K9). Die Helsana Versicherungen AG sandte dem
Versicherten am 15. März 2010 einen Fragebogen zu (UV-act. K10), welchen dieser in
der Folge ausfüllte (UV-act. K11, K12). Am 4. Mai 2010 gelangte die Helsana
Versicherungen AG an weitere Ärzte und an die Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen mit der Bitte um Zusendung von Kopien von Akten, welche den
Unfall vom 21. März 1999 beträfen (UV-act. K13, K15, K16). Am 2. September 2010
gab die Helsana Unfall dem Versicherten verfügungsweise bekannt, sie habe den Fall
im November 1999 abgeschlossen. Ihr beratender Arzt Dr. med. F._, FMH
Psychiatrie und Psychotherapie (UV-act. M5), habe die medizinischen Akten geprüft.
Ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem damaligen Ereignis und den nun
geltend gemachten Beschwerden sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erstellt. Er habe keinen Anspruch auf Versicherungsleistungen (UV-act. K24). Gegen
diese Verfügung erhob der Versicherte am 29. September 2010 Einsprache und stellte
am 5. Januar und 28. Februar 2011 weitere medizinische Unterlagen in Aussicht (UV-
act. K26, K29, K32).
A.c Im Februar 2010 hatte sich der Versicherte zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung angemeldet (IV-act. 7). Die Klinik für Psychiatrie und
Psychotherapie, Universitätsspital Zürich, erstattete in der Folge am 20. Mai 2011 ein
Gutachten, welches auch zu Unfallkausalitätsfragen Stellung nahm (IV-act. 53). Die IV-
Stelle St. Gallen sprach dem Versicherten gestützt auf das Resultat der Begutachtung
mit Verfügung vom 28. November 2011 ab September 2010 eine ganze Rente auf der
Basis eines IV-Grads von 88% zu (IV-act. 70, 73). Am 10. Februar 2012 reichte
Rechtsanwalt lic. iur. R. Zahner, Kreuzlingen, für den Versicherten eine ergänzende
Einsprachebegründung ein (UV-act. K38). Mit Einspracheentscheid vom 15. Mai 2012
wies die Helsana Unfall die Einsprache gegen die Verfügung vom 2. September 2010
ab. Zur Begründung hielt sie unter anderem fest, die Beurteilung der natürlichen
Unfallkausalität könne offengelassen werden, weil die Adäquanz im Zeitpunkt des
geltend gemachten Rückfalls nicht mehr vorgelegen habe. Zum gleichen Ergebnis
komme man, wenn ein Andauern des Grundfalls angenommen werde. Es müsse
mittlerweile von einem Wegfall der Adäquanz ausgegangen werden (UV-act. K40).
B.
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B.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob Rechtsanwalt Zahner für den
Versicherten am 14. Juni 2012 Beschwerde mit den Anträgen, der Einspracheentscheid
sei aufzuheben und es seien dem Beschwerdeführer die ihm zustehenden Leistungen
von der Beschwerdegegnerin auszurichten. Zur Begründung legte der Rechtsvertreter
unter anderem dar, der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall von
1999 und den bestehenden psychischen Gesundheitsstörungen werde im
psychiatrischen Gutachten des Universitätsspitals Zürich als überwiegend
wahrscheinlich ausgewiesen beurteilt. Die Aktenbeurteilung von Dr. F._ sei nicht
verwertbar. Die Adäquanz sei ebenfalls gegeben. Anhand der Angaben im Gutachten
des Universitätsspitals Zürich könne widerlegt werden, dass der Beschwerdeführer
nach dem Unfall arbeitsfähig gewesen sei. Aus dem Gutachten sei auch ersichtlich,
warum er zwischen 2000 und 2008 nicht in Behandlung gestanden habe. Der
Einspracheentscheid sei mangels Begründung nicht nachvollziehbar. Insgesamt zeige
sich ein Bild, welches nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen
Lebenserfahrung geeignet erscheine, psychische Beschwerden, wie sie beim
Beschwerdeführer eingetreten seien, unfallbedingt herbeizuführen.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 6. August 2012 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die
Darlegungen im angefochtenen Einspracheentscheid und führte unter anderem aus,
auf die Ausführungen zum natürlichen Kausalzusammenhang brauche nicht
eingegangen zu werden, da der adäquate Kausalzusammenhang zu verneinen sei.
Nach der Rechtsprechung sei grundsätzlich von der Überwindbarkeit eines
traumatischen Erlebnisses auszugehen. Wie viel Zeit dies in Anspruch nehme, müsse
von Fall zu Fall geprüft werden. Eine allgemeingültige Regel, wann der Tod eines
geliebten Menschen als überwunden zu gelten habe, könne nicht aufgestellt werden.
Die späteren Problematiken wie die psychischen Probleme der Töchter, das plötzliche
Alleinerzieher-Sein, die Bewältigung der eigenen Trauer, das Begleiten der Trauer der
Töchter, der Verlust des geregelten Tagesablaufs, das Strafverfahren und die
Verurteilung usw. könnten bei der Adäquanzbeurteilung nicht berücksichtigt werden.
Zu beurteilen sei nur, ob das Schreckereignis geeignet gewesen sei, 9.5 Jahre später
eine Erwerbsunfähigkeit und Behandlungsbedürftigkeit hervorzurufen. Dies könne
verneint werden.
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B.c Mit Replik vom 25. September 2012 (act. G 7) und Duplik vom 15. Oktober 2012
(act. G 9) bestätigten die Parteien ihre Standpunkte.
B.d Das Versicherungsgericht zog die Akten der Invalidenversicherung betreffend den
Beschwerdeführer bei. Die Beschwerdegegnerin äusserte sich dazu in einem Schreiben
vom 19. November 2012 (act. G 14).

Erwägungen:
1.
Streitig ist, ob die beim Beschwerdeführer vorliegenden gesundheitlichen/psychischen
Beschwerden, welche ab 2008 ärztliche Behandlung erforderten und zu
Arbeitsunfähigkeit führten, in adäquat-kausalem Zusammenhang zum Unfall vom 21.
März 1999 stehen. Die Beschwerdegegnerin legte die rechtlichen Voraussetzungen des
Bestehens eines adäquaten Zusammenhangs zwischen Gesundheitsbeschwerden und
Unfall im angefochtenen Entscheid (Erw. II.3-II.5) zutreffend dar; darauf ist zu
verweisen.
2.
2.1 Dr. med. D._, Internist FMH, vermerkte im Bericht vom 12. Juni 1999 als Befund
eine schwere reaktive Verstimmung mit Schuldgefühl. Er habe den Beschwerdeführer
an einen Psychiater überwiesen (UV-act. M1 Beilage). Dr. C._ bestätigte am 7. Mai
2010 gestützt auf die bei ihm ab März 1999 erfolgten Behandlungen die Diagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung (UV-act. M3). Dr. med. G._ berichtete am 16.
Juni 2010, er behandle den Beschwerdeführer seit 24. Oktober 2008. Es handle sich
um eine depressive Entwicklung, initial als Belastungsreaktion und aktuell (vom
Ausprägungsgrad und von der Dauer her) als rezidivierende affektive Störung zu
werten. Die Befunde und Diagnose stünden überwiegend wahrscheinlich in einem
Kausalzusammenhang zum Todesereignis der Ehefrau von 1999. Das Unfallereignis
habe einen grossen Einschnitt im Leben des Beschwerdeführers bedeutet. Es hätten
sich mehr oder weniger bewusste ausgeprägte Schuldgefühle entwickelt. Sowohl der
weitere berufliche Werdegang als auch die weitere Beziehungsgestaltung zu seinen
Töchtern (die beide später an Anorexia nervosa erkrankten) stünden aus
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psychologischer Sicht sehr wahrscheinlich in direktem Zusammenhang zu diesem
Ereignis. Nebst diesem bedeutungsvollsten "life event" hätten auch andere
unfallfremde Ursachen zum heutigen Gesundheitszustand beigetragen, wie weitere
psychosoziale Belastungsfaktoren (beruflich und finanziell, Beziehungsprobleme) oder
erhöhte Vulnerabilität durch bestimmte Persönlichkeitsmerkmale. Der Entstehung der
rezidivierenden depressiven Störung liege ein multifaktorieller Pathomechanismus
zugrunde. Das Unfallereignis von 1999 bilde Teilursache der heute noch vorhandenen
gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Die psychosozialen Faktoren stünden letztlich
mit dem Verlustereignis von 1999 im Zusammenhang. Der prozentuale Beitrag der
prämorbiden Persönlichkeitsmerkmale zum aktuellen Heilungsverlauf könne nicht
objektiv geschätzt werden. Ohne Unfall und ohne weitere schwerwiegende
psychosoziale Belastungsfaktoren hätte sich vermutlich gar nie eine rezidivierende
depressive Störung entwickelt. Aufgrund des bisherigen Verlaufs mit partieller
Therapieresistenz könne nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer
wesentlichen weiteren Zustandsbesserung (oder Remission) ausgegangen werden,
sondern allenfalls von einer Symptomreduktion und einer gewissen Funktionserhaltung.
Vermutlich könnten weitere psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlungen dazu
beitragen, seinen Gesundheitszustand bzw. seine Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Vom 17.
Oktober 2008 bis 31. Januar 2009 habe eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden,
vom 1. Februar 2009 bis 31. März 2010 eine solche von 40% und danach von 50%
(UV-act. M4). Diese Angaben bestätigte der Arzt am 12. August 2010 zuhanden der IV
und hielt zusätzlich fest, dass eine behinderungsangepasste Tätigkeit von täglich ca.
vier bis sechs Stunden mit (relativ zu früher) deutlich weniger verantwortungsvollen und
intellektuell fordernden Aufgaben in den letzten beiden Jahren wahrscheinlich möglich
gewesen wäre und auch künftig sein werde (IV-act. 41).
2.2 Der Vertrauensarzt Dr. F._ hielt in einem Aktenbericht zuhanden der
Beschwerdegegnerin vom 17. August 2010 unter anderem fest, aufgrund der
vorliegenden Untersuchungsakten könne nicht von einem Rückfall ausgegangen
werden. Die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls oder einer Spätfolge könne lediglich zu
wenigen Prozenten rein hypothetisch vermutet werden. Bereits auf der Notfallstation
des Kantonsspitals E._ habe der Beschwerdeführer nach dem Unfallereignis vom 21.
März 1999 in psychiatrischer Hinsicht offensichtlich keinen auffälligen Eindruck
hinterlassen, so dass eine weitere Behandlung nicht notwendig gewesen sei. Eine
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körperliche Verletzung habe praktisch nicht resultiert. Die Behandlung bei Dr. C._ sei
bereits nach 10 Sitzungen beendet worden. Die Beratung bei einer Psychologin sei
ebenfalls im Jahr 2000 zu Ende gegangen. Danach hätten bis zur ersten Konsultation
bei Dr. G._ am 24. Oktober 2008 keine weiteren psychiatrischen Behandlungen mehr
stattgefunden. Der Beschwerdeführer habe nach dem Unfallereignis auch voll
gearbeitet. Nach den Angaben von Dr. G._ hätten beträchtliche psychosoziale
Faktoren vorgelegen (Krankheit der Töchter, finanzielle Probleme wegen der
Geschäftsgründung), welche unabhängig vom Unfallereignis zu behandeln seien.
Bereits vor dem Unfallereignis habe der Beschwerdeführer unter einer Schiessangst
gelitten, weswegen er militärdienstuntauglich erklärt worden sei. Dass neuneinhalb
Jahre nach dem Unfall ein Rückfall postuliert werde, sei nicht als realistisch zu
beurteilen, wenn der Beschwerdeführer zuvor in der Lage gewesen sei, sein Leben
auch in beruflicher Hinsicht zu bewältigen. Es könne höchstens eine diskrete
Mitbeteiligung des Unfalls vom 21. März 1999 angeführt werden, ohne dass dieses
Ereignis aktuell wieder in den Vordergrund geschoben werden könne (UV-act. M5). Im
Rahmen einer Abklärung Selbständigerwerbende der IV vom 22. Oktober 2010 hielt die
Abklärungsperson unter anderem fest, als Selbständigerwerbender habe der
Beschwerdeführer "keine besonderen Einkommen" erzielten können. Es sei unklar,
wieso er sich nicht wieder um eine unselbständige Tätigkeit (Rückkehr zur früheren
Arbeitgeberin) bemüht habe. Der Betätigungsvergleich (selbständige Tätigkeit) ergab
eine Einschränkung von 75% (IV-act. 45).
2.3 Eine Begutachtung des Beschwerdeführers in der Klinik für Psychiatrie und
Psychotherapie am Universitätsspital Zürich ergab gemäss Bericht vom 20. Mai 2011
die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, seit dem Autounfall 1999
bestehend, mit aktuell mittelschwerer depressiver Episode mit somatischem Syndrom
sowie einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), seit dem Autounfall 1999
bestehend mit Exazerbation 2005. Bereits seit dem Unfall sei eine depressive
Entwicklung beschrieben mit schwankendem Verlauf zwischen leichtgradigen,
mittelgradigen und schwergradigen depressiven Symptomen. Deutlich werde jedoch,
dass es zwischen den einzelnen Episoden keine ausreichende Remission ohne
depressive Symptomatik gegeben habe und somit sich ein chronisch depressives
Zustandsbild eingeschlichen habe, welches auch durch die ambulante psychiatrische
Behandlung nur ansatzweise zu beeinflussen gewesen sei. Zusätzlich bestehe beim
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Beschwerdeführer eine stark ausgeprägte, quälende Schuldthematik nach dem selbst
verschuldeten Autounfall. Bis zum heutigen Tag würden ihn diese Schuldgefühle
umtreiben. Aufgrund der Aktenlage sei davon auszugehen, dass er vor dem Unfall 1999
gesund und voll leistungsfähig gewesen sei. Nach dem Tod der Ehefrau habe er
versucht, sich über seine Arbeit zu stabilisieren, was zeitweilig ansatzweise gelungen
sei. Die psychischen Erkrankungen der Töchter, die dadurch auch zunehmenden
Schuldgefühle und die gerichtlichen Untersuchungen einschliesslich der Verurteilung
wegen fahrlässiger Tötung hätten zu einer zunehmenden Beeinträchtigung (Störungen
der Konzentration, der Aufmerksamkeit und des Antriebs) in seinen beruflichen und
familiären Funktionen durch die depressive Symptomatik geführt. Die Schuldgefühle,
Schamgefühle und zunehmenden depressiv gefärbten Ängste seien nicht mehr
vereinbar gewesen mit den leitenden, verantwortungsvollen Kadertätigkeiten und dem
Konkurrenzkampf in der Führungsebene. Die Entscheidung zur Selbständigkeit sei
insbesondere vom Wunsch nach Entlastung und höherer Flexibilität getrieben
gewesen. Die Einsamkeit und das Auf-sich-gestellt-sein in der Selbständigkeit ab 2005
hätten dann jedoch zu einer Akzentuierung der depressiven Symptomatik und die
zunehmende Gefangenheit in einem Teufelskreis aus depressiver Symptomatik,
verminderter Leistungsfähigkeit, vermehrten Insuffizienzgefühlen und erhöhten
existenziellen Ängsten zu wiederum vermehrter depressiver Symptomatik geführt.
Diese Negativspirale halte bis zum heutigen Zeitpunkt an. Sodann bestünden
ausgeprägte und alltagsrelevante Symptome der posttraumatischen Belastungsstörung
bereits seit dem Todesfall der Ehefrau. Bei vielen Patienten komme es, nach primärer
Stabilisierung, Jahre nach dem Ereignis zum Auftreten der psychischen Erkrankungen,
erst dann mit massiver Beeinträchtigung des täglichen Lebens und der Arbeitsfähigkeit.
Der Verlauf der Erkrankung sei plausibel und konsistent nachvollziehbar. Auch die
bestehende Komorbidität der depressiven Störung und der PTBS sei gut belegt und
nachgewiesen. Schwierig sei natürlich, dass sich die beiden Störungen gegenseitig
verstärken und beeinflussen würden. Der Beschwerdeführer könne glaubhaft schildern,
dass er die ersten Jahre nach dem Unfall seine depressive Symptomatik durch
Vermeidung und Ablenkung durch die Arbeit zu kontrollieren versucht habe, was ihm
teilweise gelungen sei. Dass er sich innerpsychisch wegen massiver Trauer,
Schuldgefühlen sowie Albträumen und Intrusionen bezüglich des Unfalls stets
depressiv und überfordert gefühlt habe, könne er erst jetzt erkennen, da retrospektiv
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die Situation in der Psychotherapie analysiert worden sei. Durch den sozialen Rückzug
durch die Selbständigkeit mit reduziertem und selbst zu organisierendem
Arbeitspensum habe er die vorübergehende Stabilisierung und Ablenkung durch die
Arbeit nicht mehr aufrecht erhalten können, was schätzungsweise seit 2005 zur
Verschlechterung der Symtome der PTBS und der depressiven Symptomatik geführt
habe. Aus psychiatrischer Sicht bestehe aktuell eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die
angestammte Tätigkeit in einer hohen, verantwortungsvollen Kaderposition.
Wahrscheinlich sei die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bereits in den
Jahren vor 2005, mindestens jedoch seit 2001 um mindestens 20% reduziert gewesen.
Die Arbeitsfähigkeit in der selbständigen Tätigkeit als Berater werde mit 30% attestiert.
Für eine optimal angepasste Tätigkeit mit Struktur, ohne grosse Verantwortung, ohne
Zeitdruck und mit Berücksichtigung der psychiatrischen Einschränkungen könne
aktuell eine Arbeitsfähigkeit von 50% attestiert werden. Diese sollte auch
perspektivisch steigerbar sein. Eine genaue Prognose dahingehend sei noch nicht
möglich. Eine Reevaluation sei innerhalb von zwei Jahren vorzunehmen. Der
Beschwerdeführer könne sich vorstellen, in der Gemeinde oder einer sozialen
Einrichtung mitzuarbeiten und scheine dafür sehr motiviert zu sein. Die Weiterführung
der regelmässigen ambulanten psychiatrischen Behandlung werde empfohlen. Zu
diskutieren sei auch die Möglichkeit eines tagesklinischen Therapieeinsatzes. Die
derzeitige selbständige Tätigkeit sei nicht als positiv für den Exploranden zu bewerten
(IV-act. 53 S. 58-68).
3.
3.1 Die Annahme eines Unfalls bei schreckbedingten plötzlichen Einflüssen auf die
Psyche setzt voraus, dass es sich um ein aussergewöhnliches Schreckereignis,
verbunden mit einem entsprechenden psychischen Schock, handelt; die seelische
Einwirkung muss durch einen gewaltsamen, in der unmittelbaren Gegenwart des
Versicherten sich abspielenden Vorfall ausgelöst werden und in ihrer überraschenden
Heftigkeit geeignet sein, auch bei einem gesunden Menschen durch Störung des
seelischen Gleichgewichts typische Angst- und Schreckwirkungen hervorzurufen. Auch
bei Schreckereignissen kann nicht nur die Reaktion eines (psychisch) gesunden
Menschen als Vergleichsgrösse dienen, sondern es ist auf eine "weite Bandbreite" von
Versicherten abzustellen (BGE 129 V 177 Erw. 2.1; SVR 2008 UV Nr. 7 S. 22 Erw. 2.2).
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Die Beurteilung der Adäquanz zwischen Schreckereignissen, bei welchen die
versicherte Person zwar (auch) körperliche Beeinträchtigungen davonträgt, diese
indessen nicht entscheidend ins Gewicht fallen, und psychischen Schäden hat nach
der allgemeinen Adäquanzformel (gewöhnlicher Lauf der Dinge und allgemeine
Lebenserfahrung) zu erfolgen (SVR 2008 UV Nr. 7 S. 22 Erw. 2.4 mit Hinweisen). An
den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen Schreckereignissen und
nachfolgenden psychischen Beschwerden werden hohe Anforderungen gestellt.
Andererseits ist der Versicherungsschutz wie erwähnt einer weiten Bandbreite von
Versicherten zu gewähren (BGE 129 V 177 Erw. 3.3 mit Hinweisen; SVR 2008 UV Nr. 7
S. 22 E. 2.5, je mit Hinweisen).
3.2
3.2.1 Vorliegend ist im Zusammenhang mit dem Unfall vom 21. März 1999
unbestrittenermassen von einem Schreckereignis auszugehen. Die
Beschwerdegegnerin anerkannte dementsprechend ihre Leistungspflicht für den
Grundfall. Streitig ist hingegen, ob auch die vom Beschwerdeführer als Spätfolge des
Ereignisses gemeldeten gesundheitlich-psychischen Probleme in einem natürlichen
und adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfall von 1999 stehen. Die psychischen
Beschwerden führten gemäss Bescheinigung von Dr. G._ seit Oktober 2008 zu einer
Behandlungsbedürftigkeit mit Arbeitsunfähigkeit.
3.2.2 Die natürliche (teilweise) Unfallkausalität der psychischen Befunde wurde im
Gutachten des Universitätsspitals sowie von Dr. G._ bestätigt, vom Vertrauensarzt
Dr. F._ hingegen verneint. Die Gutachterinnen des Universitätsspitals leiteten ihre
Schlussfolgerungen mit ausführlicher Begründung her und äusserten sich auch zu den
früheren ärztlichen Stellungnahmen. Sie wiesen darauf hin, dass ihre klinische
Einschätzung mit den Beurteilungen des behandelnden Psychiaters Dr. G._
weitgehend übereinstimme. Die beim Beschwerdeführer seit dem Unfall bestehende
PTBS sei jedoch massiv unterschätzt und auch noch nicht ausreichend behandelt
worden. Die Einschätzung von Dr. F._ werde aus den im Gutachten (vgl.
insbesondere S. 58-63) dargelegten Gründen nicht geteilt. Er führe aus, dass kein
Kausalzusammenhang zwischen Unfall und der verzögerten Verschlechterung der
Depression und der PTBS bestehe. Dabei hätten initial klare Symptome einer akuten
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Belastungsstörung bestanden, die auch mit EMDR-Traumatherapieverfahren zu
behandeln versucht worden seien. Nur wegen der nicht angepassten Therapietechnik
und der Persönlichkeit des Therapeuten sei damals die Traumatherapie abgebrochen
worden, nicht wegen Beschwerdefreiheit. Auch sei ein typischer verzögerter
sekundärer Ausbruch oder eine erneute Verschlechterung nach vorübergehender
Stabilisation einer Traumastörung sehr klassisch und widerspreche nicht dem
Kausalzusammenhang mit dem die PTBS und die komorbide depressive Störung
auslösenden Unfallereignis 1999. Bei dem vorher psychisch gesunden Exploranden sei
davon auszugehen, dass er ohne den selbst verursachten Unfall mit Tod der Ehefrau
und dem Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung nicht mit der gegebenen
Gesundheitsentwicklung einhergegangen wäre. Hinweise auf eine leichte Burnout-
Symptomatik, wie von Dr. G._ beschrieben, habe es vor 1999 vielleicht ansatzweise
gegeben. Ohne die beschriebenen Traumaerlebnisse sei jedoch davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer damals über genügend Copingstrategien verfügt hätte, um
sich wieder zu stabilisieren und ein normales Arbeitspensum zu absolvieren. Die
depressive Störung habe sich als komorbide Störung zur PTBS als pathologische
Anpassung an die Unfallsituation entwickelt. Die von Dr. F._ erwähnte Schiessangst
könne im aktuellen Zusammenhang vernachlässigt werden; es sei kein Zusammenhang
ersichtlich zwischen den aktuellen Beschwerden und der Schiessangst (IV-act. 53 S.
63f).
3.2.3 Der RAD-Arzt Dr. med. H._ vermerkte am 9. August 2011, die Stärke des
Gutachtens des Universitätsspitals liege vor allem in der ausführlichen Recherche der
langen Vorgeschichte unter Einbezug der bisherigen Therapeuten (IV-act. 54). Die IV
stellte für die Berentung auf das Gutachten ab (IV-act. 70, 73). Konkrete Anhaltspunkte
dafür, dass es auf unzutreffenden Sachverhalts-Annahmen oder Wertungen beruhen
könnte, sind aus den Akten nicht ersichtlich. Wenn Dr. F._ vermerkt, dass der
Beschwerdeführer nach dem Unfall 1999 auf der Notfallstation des Kantonsspitals
E._ in psychiatrischer Hinsicht keinen auffälligen Eindruck hinterlassen und eine
weitere Behandlung nicht erforderlich gewesen sei (UV-act. M5 S. 4 Ziff. 1), so vermag
diese Feststellung zur Beantwortung der hier streitigen Spätfolgenkausalität
offensichtlich nichts beizutragen. Das Vorbringen von Dr. F._, die beim
Beschwerdeführer vorliegenden psychsozialen Faktoren seien unabhängig vom
Unfallereignis zu betrachten (UV-act. M5 S. 5), trifft insofern nicht zu, als die
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psychosozialen Faktoren (Krankheit der Töchter, finanzielle und berufliche Probleme,
Beziehungsprobleme) letztlich mit dem Verlustereignis von 1999 teilweise in
Zusammenhang stehen (UV-act. M4 S. 4) bzw. daraus teilursächlich resultieren und
sich wechselseitig beeinflusst haben dürften (vgl. IV-act. 53 S. 59). Im Gutachten des
Universitätsspitals findet sich sodann plausibel begründet, dass ein Beschwerdebild,
wie es konkret zur Diskussion steht, nach primärer psychischer Stabilisierung Jahre
nach dem Ereignis zu Tage treten kann und es sich um einen typischen sekundär
verzögerten Krankheitsausbruch handelt (UV-act. 53 S. 62). Angesichts dieses
Sachverhalts ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vom Bestehen eines natürlichen
Kausalzusammenhangs zwischen dem Ereignis vom März 1999 und den psychischen
Spätfolgen mit Behandlung und Arbeitsunfähigkeit ab 2008 auszugehen. Die
Aktenbeurteilung von Dr. F._ ist nicht geeignet, dies in Zweifel zu ziehen, zumal die
gutachterliche Klärung von Fragen mit psychiatrischem Hintergrund in aller Regel eine
persönliche Untersuchung der betroffenen Person voraussetzt (vgl. RKUV 2001 U 438,
345 [U 492/00 E. 3d]).
3.3
3.3.1 Hinsichtlich der Adäquanz des Kausalzusammenhangs ist zunächst festzuhalten,
dass das von der Beschwerdegegnerin in diesem Zusammenhang zitierte Urteil des
Bundesgerichts vom 14. April 2005, U 390/04, vom Sachverhalt her nicht mit dem
vorliegend zur Diskussion stehenden Ereignis verglichen werden kann. Dort ging es um
einen nächtlichen Überfall auf eine Frau durch einen alkoholisierten Mann. Dieses
Ereignis war gemäss Urteil nach der allgemeinen Lebenserfahrung nicht geeignet,
langjährige Angst- und depressive Zustände auszulösen, weshalb die
Leistungseinstellung des Unfallversicherers bestätigt wurde (Urteil, a.a.O., E. 2.1). Nicht
vergleichbar mit den vorliegenden Umständen ist auch der dem Urteil des
Bundesgerichts vom 14. April 2008, U 593/06, zugrunde liegende Sachverhalt (Kellner
wird Opfer eines Raubüberfalls). Die von der Beschwerdegegnerin in der Duplik (act. G
9 Begründung Ziff. 4) zitierte Literaturstelle (David Weiss, Die Qualifikation von
Schreckereignissen als Unfall nach Art. 4 ATSG, in: SZS 2007, S. 47 [Ziff. 3.1] und 55
[Ziff. 3.9]) bezieht sich auf die - vorliegend allseits bejahte - Frage, ob ein
Schreckereignis mit anschliessendem psychischem Schock zu bejahen sei, nicht
jedoch auf die Frage der Kausalität von psychischen Spätfolgen bei anerkanntem
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Schreckereignis. Der erwähnte Autor handelt die Frage der Adäquanz bei
Schreckereignissen weiter unten (Ziff. 4) ebenfalls ab. Bei seiner Feststellung, dass ein
Unfallerlebnis "erfahrungsgemäss in der Regel mit der Zeit psychisch verarbeitet"
werde (David Weiss, a.a.O., S. 56), nimmt er jedoch einzig Bezug auf ein Urteil des EVG
vom 11. April 2005, U 180/04, E. 3.2, welchem als Sachverhalt eine Kollision zwischen
einem Auto und einer Fussgängerin zugrunde lag, in deren Folge beim Autolenker
psychische Störungen auftraten.
3.3.2 Das Ereignis, bei welchem die Ehefrau des Beschwerdeführers in dessen Beisein
sowie in Anwesenheit der Tochter noch am Unfallort verstarb (vgl. dazu E. A.a sowie
IV-act. 27-10/24 [Angaben der Auskunftsperson] und 27-20/24f), war für den
Beschwerdeführer im Sinn eines "grossen Einschnitts" (vgl. UV-act. M4 S. 4) sehr
eindrücklich. Aus objektiver Sicht ist diese Eindrücklichkeit ebenfalls zu bejahen,
weshalb von einer Eignung des Ereignisses, langfristige seelische Auswirkungen zu
zeitigen, mit Blick auf die Darlegungen von Dr. G._ und im Gutachten des
Universitätsspitals grundsätzlich auszugehen ist. Auch der Vertrauensarzt Dr. F._
zieht im Übrigen eine Mitbeteiligung des Unfalls an den psychischen
Gesundheitsproblemen des Beschwerdeführers in Betracht, wobei er diese
Mitbeteiligung nur als "diskret" und nicht im Vordergrund stehend erachtet (UV-act. M5
S. 6). Zum Gutachten des Universitätsspitals nahm er keine Stellung.
3.3.3 Die Beschwerdegegnerin begründet die Verneinung der Adäquanz unter
anderem damit, dass der Beschwerdeführer nach dem Unfall während Jahren nicht in
Behandlung und arbeitsfähig gewesen sei. Hinsichtlich der erwerblichen Umstände in
den Jahren von 1999 bis 2008 lässt sich den Akten entnehmen, dass der
Beschwerdeführer nach dem Unfall weiterhin bei der B._ AG tätig war, wobei die
Jahreseinkommen in den Jahren 1999 bis 2002 sich auf dem gleichen Niveau wie die
Einkommen in den Jahren vor dem Unfall bewegten. Nach Auflösung dieses
Arbeitsverhältnisses auf Ende April 2002 (Kündigung durch ihn selbst) nahm er eine
Tätigkeit bei der Treuhandunternehmung I._ auf. Die daraus resultierenden
Jahreseinkommen lagen ebenfalls auf dem früheren langjährigen Niveau (IV-act.
18-2/3). Dieses Arbeitsverhältnis kündigte er im Jahr 2005 (IV-act. 22-12/41). In der
danach ab April 2005 ausgeübten Tätigkeit als selbständiger Berater ergaben sich
lediglich noch geringe Jahreseinkommen (IV-act. 18-2/3). Dr. G._ vermerkte als
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anamnestische Angabe des Beschwerdeführers, dass sich die erneute berufliche
Neuorientierung im Jahr 2005 im Zug eines internen Machtgerangels bei der bisherigen
Arbeitgeberin ergeben und er sich im Rahmen der Firmengründung
Pensionskassengelder habe auszahlen lassen (IV-act. 41-2/9). In einem Schreiben an
die IV vom 2. November 2010 erklärte der Beschwerdeführer unter anderem, in den
Jahren bis zum Austritt bei B._ im Jahr 2002 habe ihn die Trauerarbeit über den
Verlust seiner Gattin und die Probleme mit seinen Kindern mehr oder weniger existieren
lassen und er habe sich in die Arbeit geflüchtet, sei aber psychisch und physisch schon
ziemlich angeschlagen gewesen. Dem Ausbruch aus den gewohnten Pfaden bei B._
sei dann eine angespannte Situation bei I._ gefolgt (Änderungen im Management,
Weggang von direkten Ansprechpartnern, Gerangel um verbleibende Mandate durch
Übernahme einer grösseren Anzahl von Partnern bei Arthur Andersen). Mit dem damals
auch aus gesundheitlicher Sicht erfolgten Austritt bei I._ und der Aufnahme einer
selbständigen Tätigkeit sei das Einkommen massiv gesunken (IV-act. 45-10/14). Seit
2009 war der Beschwerdeführer im individuellen Konto (IK) als Nichterwerbstätiger
eingetragen (IV-act. 18-2/3).
3.3.4 Bezüglich Traumaerfahrung erachtete das Gutachten des Universitätsspitals
vorab die Reaktion auf den unerwarteten Todesfall des Vaters erwähnenswert, in
welcher der Beschwerdeführer als Jugendlicher ebenfalls die Trauerphase mit primärer
Stabilisierung, Vermeidung bzw. Ablenkung durch Arbeit bewältigt habe, damals aber
ohne psychopathologische Folgestörung (IV-act. 53 S. 64). Eine vergleichbare
Verarbeitungs-Strategie wandte der Beschwerdeführer offensichtlich auch nach dem
Unfall von 1999 an. Hierzu wurde im Gutachten ausgeführt, nach akuter Phase habe
sich der Explorand durch die Arbeit vorübergehend ablenken und stabilisieren können.
Innerlich habe es aber seit dem Unfall bis heute ganz anders ausgesehen. Er sei seit
1999 immer verzweifelt, einsam, traurig und überfordert gewesen, sei mit dem Unfall
und den Folgen kaum klar gekommen, habe stets darunter gelitten, habe aber nach
aussen den Schein zu wahren versucht (IV-act. 53 S. 49). Die posttraumatischen
Symptome seien nie vollständig verschwunden gewesen und hätten insbesondere
nach versuchter Selbständigkeit exazerbiert. Insgesamt zeige sich damit ein typischer
sekundär verzögerter Krankheitsausbruch einer posttraumatischen Belastungsstörung,
wenn die Tagesstruktur und sozialen Kontakte, wie sie zuvor im Rahmen der
Arbeitssituation gegeben gewesen seien und primär zur Stabilisierung der psychischen
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Befindung und des Selbstwerts gedient hätten, wegfallen würden. Der Verlauf der
Erkrankung sei plausibel und konsistent nachvollziehbar (IV-act. 53 S. 61f). Angesichts
dieser Umstände erscheint das Ereignis vom März 1999 nach der allgemeinen
Lebenserfahrung - worunter konkret insbesondere auch die im Gutachten des
Universitätsspitals dargelegte medizinische Erfahrung und die daraus gezogene
Schlussfolgerung (IV-act. 53 S. 69) zu subsumieren sind - als geeignet, acht Jahre nach
dem Ereignis Spätfolgen im Sinn der Behandlungsbedürftigkeit von psychischen
Beschwerden mit Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Die gutachterlichen Feststellungen
zeigen auch auf, dass das Ereignis nicht erst 9.5 Jahre später zu einer Störung des
seelischen Gleichgewichts führte (vgl. act. G 3 S. 6), sondern dass die Störungen latent
(verdeckt) während der ganzen Zeit nach dem Unfall vorhanden waren. Wenn die
Beschwerdegegnerin festhalten lässt, dass die späteren Problematiken (psychische
Probleme der Töchter, plötzliches Alleinerzieher-Sein des Beschwerdeführers,
Bewältigung der eigenen Trauer, das Begleiten der Trauer der Töchter, der Verlust des
geregelten Tagesablaufs, das Strafverfahren) bei der Adäquanzbeurteilung nicht
berücksichtigt werden könnten (act. G 3 S. 6), so ist zu beachten, dass diese Faktoren
- wie bereits erwähnt (E. 3.2.3) - mit dem Verlustereignis von 1999 in Zusammenhang
stehen (UV-act. M4 S. 4) bzw. daraus resultierten und sich wechselseitig beeinflussten
(vgl. IV-act. 53 S. 59). In diesem Sinn müssen sie auch in die Adäquanzbeurteilung,
welche Spätfolgen zum Gegenstand hat, mit einfliessen. Der Umstand, dass die
Spätfolgenkausalität unter Umständen nur eine Teilkausalität darstellt und andere
Ursachen mitwirkten, vermag an der Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin nichts
zu ändern (vgl. Art. 36 UVG). Soweit im Übrigen im Gutachten des Universitätsspitals
ein richterlicher Schuldspruch bzw. eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung
unterstellt wurde (IV-act. 53 S. 59 und 64), trifft dies nicht zu, denn von einer
Bestrafung des Beschwerdeführers (fahrlässige Tötung) wurde wegen der unmittelbar
gravierenden Folgen des Ereignisses für ihn selbst abgesehen (IV-act. 27-22/24). Dies
vermag jedoch den Beweiswert des Gutachtens nicht in Frage zu stellen.
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist der Einspracheentscheid vom 15. Mai 2012
in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache an die
Beschwerdegegnerin zur Prüfung der Versicherungsleistungen aus der ab 2008
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aufgetretenen Behandlungsbedürftigkeit und Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers zurückzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit.
a ATSG). Der Beschwerdeführer hat bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf
Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Es rechtfertigt sich, diese - wie in
vergleichbaren Verfahren üblich - auf pauschal Fr. 4'000.-- (einschliesslich Barauslagen
und Mehrwertsteuer) festzulegen.