Decision ID: 31a4dfec-b884-4743-874a-4525b58b1994
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 27. September 2013 zum Bezug von IV-Leistungen an. Im
Anmeldeformular gab er folgende Beschwerden an: 1. lymphogen metastasiertes, nicht
kleinzelliges Karzinom mit unklarem Primärtumor; 2. Status nach Sigmadivertikulitis; 3.
Status nach Verkehrsunfall vom 25. Juni 2013 mit/bei a) posteriorer Hüftluxation rechts
mit Acetabalumhinterwandfraktur, Plattenosteosynthese dorales Acetabulum mit
Desimpaktierung Knorpel und Allo-Graft sowie b) Tibiaplateaufraktur (IV-act. 1; zum
Unfallereignis siehe die Schadenmeldung vom 3. Juli 2013, fremd-act. 1).
A.b Der Suva-Kreisarzt Dr. med. B._, Facharzt für Physikalische Medizin und
Rehabilitation FMH, untersuchte den Versicherten am 13. August 2014 für eine
Beurteilung der unfallbedingten Gesundheitsfolgen. Im Untersuchungsbericht vom
gleichen Tag führte er aus, erfreulicherweise habe sich bezüglich der Unfallfolgen ein
relativ günstiger Verlauf eingestellt. Im Bereich des rechten Hüftgelenks bestünden
derzeit keine relevanten Beschwerden. Der Versicherte arbeite gegenwärtig bereits
wieder als Silikonverfuger. Gegenwärtig werde eine 50%ige Arbeitsfähigkeit umgesetzt,
wobei der Versicherte kniebelastende Positionen wohl meide oder diese mit Hilfe eines
dicken Schaumstoffes eingeschränkt durchführe. Die kreisärztliche Untersuchung habe
eine deutliche vordere Instabilität (am rechten Kniegelenk) ergeben. Der Versicherte
gebe auch Giving way-Situationen insbesondere beim Treppensteigen an. Er habe
auch beschrieben, dass er beim Besteigen von Leitern oder Tritten ein
Instabilitätsgefühl habe (fremd-act. 139).
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A.c In der Stellungnahme vom 16. September 2014 vertrat die RAD-Ärztin Dr. med.
C._, Praktische Ärztin, die Auffassung, es handle sich beim Versicherten um eine
multimorbide Person. Der aktuell hauptsächlich einschränkende Gesundheitsschaden
bilde die posttraumatische laterale Gonarthrose rechts als Folge der Trümmerfraktur
des lateralen Tibiaplateaus und des Fibulaköpfchens. Die Tumorerkrankung
beeinträchtige das subjektive Befinden des Versicherten offenbar wenig, dürfe aber
nicht unterschätzt werden, denn es liege keineswegs eine Ausheilung vor. Es müsse
jederzeit mit einer erneuten Tumorprogression gerechnet werden. Der
Gesundheitszustand sei somit vorerst stabilisiert, jedoch nicht abschliessend stabil. In
der angestammten kniebelastenden Tätigkeit als Z._ liege eine halbtägige
Arbeitsfähigkeit mit um 20% reduzierter Leistungsfähigkeit aufgrund des
verlangsamten Arbeitstempos vor. Rein medizinisch-theoretisch könne beim 62-
jährigen Versicherten in einer ideal leidensangepassten Tätigkeit eine etwas höhere
Arbeitsfähigkeit von maximal 60% angenommen werden. Auch hier müssten ein
erhöhter Pausenbedarf und ein verlangsamtes Arbeitstempo berücksichtigt werden.
Eine solche Tätigkeit müsse körperlich leicht, rückenadaptiert und wechselbelastend
sein und dürfe keine erhöhten Anforderungen an das Sehvermögen stellen (funktionelle
Einäugigkeit; IV-act. 55; siehe zum Verlust des linken Augenlichts, als der Versicherte
14-Jährig war, den Suva-Rapport vom 5. September 2013, fremd-act. 37-1).
A.d Der Versicherte gab der IV-Stelle am 5. Februar 2015 an, das gegenwärtige
Pensum als selbstständiger Z._ betrage ca. 20%. Das Pensum der
unselbstständigen Erwerbstätigkeit bei seinem Bruder betrage aktuell 0% (IV-act. 61).
A.e Der in der Abteilung Onkologie am Spital D._ behandelnde Konsiliararzt Dr. med.
E._ berichtete am 19. Februar 2015, rund 1 1⁄4 Jahre nach Abschluss einer kurativ
intendierten kombinierten Radio-Chemotherapie habe die aktuell bildgebende
Verlaufskontrolle keine Hinweise für ein Tumorrezidiv ergeben (IV-act. 63-6 ff.; vgl. auch
den Bericht von Dr. E._ vom 15. März 2015 [Datum Posteingang IV-Stelle], IV-act.
64). Die RAD-Ärztin Dr. C._ hielt daraufhin am 12. Mai 2015 fest, beim Versicherten
lägen mehrere gesundheitliche Einschränkungen vor: 1. eine posttraumatische
Valgusgonarthrose rechts mit objektivierbarer antero-posteriorer Instabilität des
Kniegelenks; 2. ein lymphogen metastasiertes nichtkleinzelliges Karzinom mit unklarem
Primärtumor; 3. ein Status nach Leriche-Syndrom 9/13 (Verschluss der Aorta
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abdominalis) mit persistierendem Verschluss iliakal links; 4. eine obstruktive
Ventilationsstörung; 5. eine Spondylolysis LWK 5 beidseits mit Anterolisthesis LWK 5/
SWK 1. Die Funktionseinschränkungen des rechten Kniegelenks stünden im
Vordergrund. Die vom Kreisarzt bescheinigte 50%ige Restarbeitsfähigkeit sei gut
nachvollziehbar. Beim kurz vor dem Pensionsalter stehenden Versicherten sei es nicht
realistisch, dass er die langjährige Tätigkeit als Z._ aufgebe. Die Arbeitsfähigkeit für
eine leidensangepasste Tätigkeit betrage medizinisch-theoretisch 60% (IV-act. 66). In
der Stellungnahme vom 20. Mai 2015 ergänzte sie, die Tumorsituation sei insofern
instabil, als dass es sich um ein metastasiertes, nicht mehr heilbares Leiden handle.
Aktuell sei die Erkrankung nach einer Therapie kontrolliert und nicht progredient. Eine
Verschlechterung sei jedoch jederzeit möglich. Von weiteren medizinischen
Abklärungen seien zum jetzigen Zeitpunkt keine neuen Erkenntnisse zu erwarten. Die
Restarbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit betrage 50%, solange sich die
medizinische Situation nicht verändere (IV-act. 69).
A.f Auf die Anfrage der IV-Stelle vom 4. Juni 2015 (IV-act. 70) antwortete der
Versicherte am 11. Juni 2015, aufgrund des Preisdrucks im Baugewerbe habe er in
Bezug auf die selbstständige Erwerbstätigkeit unter Auftragseinbussen gelitten und
deshalb kein grösseres Einkommen erzielen können. Des Weiteren sei aus denselben
Gründen das Pensum seiner unselbstständigen Erwerbstätigkeit bei der F._ AG
reduziert bzw. teilweise gar aufgehoben worden. Er habe sich mit den erzielten
geringen Einkommen der letzten Jahre keinesfalls zufrieden gegeben und sich stets um
mehr Aufträge sowie eine Pensumerhöhung bemüht. Zeitweise sei er auf die
Gewährung von Darlehen aus seinem Umfeld angewiesen gewesen, um seinen
Lebensunterhalt bestreiten zu können (IV-act. 71).
A.g Mit Vorbescheid vom 11. Juni 2015 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, sein Rentengesuch abzuweisen, da er ohne weiteres noch dasselbe
Jahreseinkommen erzielen könne wie in der bisherigen Tätigkeit (IV-act. 73). Dagegen
erhob der Versicherte am 17. August 2015 Einwand (IV-act. 74). Im Arbeitsblatt
„Einkommensvergleich“ ermittelte die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von
„-355.94%“ (IV-act. 78). Am 3. September 2015 verfügte die IV-Stelle die Abweisung
des Rentengesuchs bei einem Invaliditätsgrad von 0% (IV-act. 79).
B.
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B.a Gegen die Verfügung vom 3. September 2015 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 7. Oktober 2015. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter
Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die rückwirkende Zusprache
mindestens einer halben Rente ab 1. Oktober 2013. Eventualiter sei eine neutrale
polydisziplinäre Begutachtung sowie eine effektive Leistungserhebung durchzuführen.
Im Wesentlichen rügt er die Ermittlung der Vergleichseinkommen durch die
Beschwerdegegnerin. Er bestreitet, dass er sich mit seinen geringen erzielten
Einkommen zufrieden gegeben habe. Des Weiteren seien seine persönlichen Umstände
wie Alter, fehlende Ausbildung und gesundheitliche Einschränkung bei der Bestimmung
des Invalideneinkommens nicht ausreichend berücksichtigt worden (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 23. November
2015 die Abweisung der Beschwerde. Sie hält am Standpunkt fest, dass das
Invalideneinkommen höher als das Valideneinkommen sei und daher kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad resultiere (act. G 5).
B.c Mit Präsidialverfügung vom 3. Dezember 2015 ist dem Gesuch des
Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von
den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung)
entsprochen worden (act. G 6).
B.d In der Replik vom 11. Januar 2016 hält der Beschwerdeführer unverändert an der
Beschwerde fest und reicht eine Kostennote des Rechtsvertreters vom 12. Januar 2016
ein (act. G 8).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
1.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
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Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.2 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
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Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
2.
Gestützt auf die schlüssigen Stellungnahmen der RAD-Ärztin Dr. C._ vom 16.
September 2014 (IV-act. 55-3) sowie vom 12. Mai 2015 (IV-act. 66) und dem
kreisärztlichen Bericht vom 13. August 2014 (fremd-act. 139) ist zwischen den Parteien
zu Recht unbestritten (vgl. act. G 1, III. Rz 3, und act. G 5, II Rz 3), dass der
Beschwerdeführer für die angestammte Tätigkeit als Z._ über eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit verfügt (IV-act. 66; vgl. auch die ergänzende Stellungnahme vom 20.
Mai 2015, IV-act. 69). Die Frage, ob die von der RAD-Ärztin für leidensangepasste
Tätigkeit bescheinigte 60%ige Arbeitsfähigkeit auf 50% zu reduzieren ist, wie der
Beschwerdeführer fordert (act. G 1, III. Rz 3), kann vorliegend mangels Relevanz für
den Rentenanspruch offen bleiben.
3.
Die RAD-Ärztin Dr. C._ gelangte zur Auffassung, es sei nicht realistisch, dass der
Beschwerdeführer die langjährige Tätigkeit als Z._ aufgebe (Stellungnahme vom 12.
Mai 2015, IV-act. 66-2). Deshalb ist nachfolgend zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer
ein Wechsel in eine leidensangepasste Tätigkeit zugemutet werden kann.
3.1 Die Frage, ob und gegebenenfalls welche berufliche Neueingliederung von einer
versicherten Person für die Bestimmung des Invaliditätsgrads im Rahmen ihrer Pflicht
zur Schadenminderung verlangt werden kann, beantwortet sich nach dem Grundsatz
der Zumutbarkeit (so ausdrücklich auch etwa Art. 7 Abs. 1 und Art. 16 ATSG), der als
Teilgehalt im verfassungsmässigen Grundsatz der Verhältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2
der Bundesverfassung [BV; SR 101]) enthalten ist. Von der versicherten Person kann
daher nur eine berufliche Umstellung verlangt werden, die ihr unter Berücksichtigung
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der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar ist,
d.h. es darf sich nicht um realitätsfremde und in diesem Sinn unmögliche oder
unzumutbare Vorkehren handeln. Für die Beurteilung der Zumutbarkeit eines
Berufswechsels sind insbesondere das Alter der versicherten Person, die Art und
Dauer ihrer bisherigen Berufstätigkeit, deren selbstständige oder unselbstständige
Ausübung, die mit einer beruflichen Neueingliederung verbundene Veränderung der
sozialen Stellung der versicherten Person, ihre persönlichen und familiären Verhältnisse
sowie ihre entsprechend grössere oder geringere Flexibilität hinsichtlich ihres Wohn-
und Arbeitsortes massgebend. Ins Gewicht fällt auch die Art und Dauer der
beanspruchten Versicherungsleistungen sowie deren Kosten. Denn die Anforderungen
an die Schadenminderungspflicht sind zulässigerweise dort strenger, wo eine erhöhte
Inanspruchnahme der Sozialversicherung in Frage steht, wie dies beispielsweise bei
Rentenleistungen an relativ junge Versicherte der Fall ist, denen in einer neuen
beruflichen Tätigkeit noch eine lange Aktivitätsperiode verbleibt (Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 23. Dezember 2004, I 316/04, E. 2.2 mit
zahlreichen Hinweisen auf Rechtsprechung und Literatur; siehe auch Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Februar 2013, 8C_654/2012, E. 5.1 mit Hinweisen).
3.2 Vorliegend ist zunächst von Bedeutung, dass die Aufgabe der angestammten
Tätigkeit zugunsten einer leidensangepassten Verweistätigkeit gemäss RAD-Ärztin Dr.
C._ lediglich zu einer „etwas höheren“ (IV-act. 55-2) bzw. um 10% höheren
Restarbeitsfähigkeit führt. Zudem sind zahlreiche qualitative Anforderungen an eine
leidensangepasste Tätigkeit zu beachten, die das mögliche Spektrum an Tätigkeiten
stark und lohnwirksam einschränken (IV-act. 66-2; siehe auch IV-act. 55-2 mit u.a.
Hinweis auf die funktionelle Einäugigkeit). Allein schon aus diesem Grund ist vorliegend
an die Schadenminderungspflicht des Beschwerdeführers keine überhöhte
Anforderung zu stellen. Eine aussagekräftige Schätzung der Arbeitsfähigkeit für eine
leidensangepasste Tätigkeit lag des Weiteren erst nach Erreichen eines stabilisierten
Gesundheitszustands in Form der Arbeitsfähigkeitsschätzung durch die RAD-Ärztin Dr.
C._ vom 16. September 2014 vor (IV-act. 55-3). In diesem massgebenden Zeitpunkt
(vgl. BGE 138 V 457) war der am _ 1952 geborene Beschwerdeführer (IV-act. 1-1)
bereits knapp 62-jährig. Er verfügt über keinen Berufsabschluss (IV-act. 1-4) und
ausserhalb seiner angestammten langjährigen, teilweise selbstständig ausgeübten
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Tätigkeit über keine berufliche Erfahrung (siehe das Strategie-Protokoll vom 28. April
2014, IV-act. 41, sowie das Assessment-Protokoll vom 17. April 2014, IV-act. 43-2). In
damit zu vereinbarender Weise wurde in der Fallzusammenfassung der
Sachbearbeiterin vom 23. Juli 2014 festgehalten, aus medizinischer Sicht bestehe ein
zu geringes Eingliederungspotenzial („EP“; IV-act. 55-1). Hinzu kommt, dass der
multimorbide Beschwerdeführer jederzeit mit einer erneuten Tumorprogression
rechnen muss (RAD-Stellungnahme vom 16. September 2014, IV-act. 55-2; siehe auch
IV-act. 69). Damit ist auch bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt sehr
fraglich, ob der Beschwerdeführer, der teilweise selbstständig und teilweise auf Abruf
beim Unternehmen seines Bruders angestellt ist (IV-act. 55-1), überhaupt eine
Arbeitgeberin findet, die ihn für leidensangepasste Tätigkeiten anstellen würde. Vor
diesem Hintergrund und gestützt auf die Einschätzung der RAD-Ärztin Dr. C._, dass
die Aufgabe der langjährigen Tätigkeit beim kurz vor dem Pensionsalter stehenden
Beschwerdeführer nicht „realistisch“ sei (IV-act. 66-2), ist die Zumutbarkeit der
Aufgabe der angestammten Tätigkeit als Z._ zu verneinen. Damit entsprechen sich
die Grundlagen für die Bestimmung der Vergleichseinkommen, und der Invaliditätsgrad
ist im Rahmen eines Prozentvergleichs zu ermitteln (siehe zum Prozentvergleich etwa
Urteil des Bundesgerichts vom 6. April 2016, 8C_628/2015, E. 5.3.1 mit Hinweisen).
3.3 Die Höhe eines Tabellenlohnabzugs kann vorliegend offen gelassen werden. Denn
da bei der Bestimmung des Invalideneinkommens auf die angestammte Tätigkeit
abgestellt wird und mögliche abzugsrelevante Gesichtspunkte (wie etwa das
fortgeschrittene Alter, die mangelnde Flexibilität sowie leidensbedingte
Gesichtspunkte) bereits bei der Wahl der Vergleichseinkommen berücksichtigt worden
sind (siehe vorstehende E. 3.2), fällt vorliegend jedenfalls ein rentenrelevanter Abzug
von 20% oder höher ausser Betracht.
3.4 Ausgehend von einer 50%igen Restarbeitsfähigkeit beträgt der Invaliditätsgrad im
Rahmen des Prozentvergleichs 50%. Selbst bei Gewährung eines 15%igen
Tabellenlohnabzugs resultierte ein Invaliditätsgrad von aufgerundet 58% (50% + [50%
x 15%]). Damit hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine halbe Rente (Art. 28 Abs.
2 IVG). Die Arbeitsunfähigkeit ist gemäss schlüssiger RAD-Stellungnahme vom 12. Mai
2015 im Juni 2013 eingetreten (IV-act. 66-2). Die Anmeldung des Beschwerdeführers
zum Leistungsbezug erfolgte am 27. September 2013 (IV-act. 1). In Nachachtung von
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Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG entsteht der Rentenanspruch am 1. Juni 2014. Da damit dem
Antrag des Beschwerdeführers auf Zusprache einer halben Rente entsprochen wird,
kann offen bleiben, ob seine Gehörsrüge stichhaltig ist (Verletzung der
Begründungspflicht; act. G 1, III. Rz 1).
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 3. September 2015
aufzuheben und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Juni 2014 eine halbe Rente
zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat eine Honorarnote eingereicht. Dieser liegt
indessen ein mit Rücksicht auf die gewährte unentgeltliche Rechtsverbeiständung
bereits um einen Fünftel gekürzter Stundenansatz (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes
[AnwG; sGS 963.70]) zugrunde. Ausgehend von einem mittleren Honorar von Fr. 250.--
pro Stunde (Art. 24 Abs. 1 der Honorarnote für Rechtsanwälte und Rechtsagenten
[HonO; sGS 963.75]) resultiert beim geltend gemachten zeitlichen Aufwand von 10.9
Stunden eine angemessene Parteientschädigung (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) von aufgerundet Fr. 3'061.-- ([Fr. 2'725.-- x 1.04] x 1.08). Die
Festsetzung einer Entschädigung aus der gewährten unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung (act. G 6) erübrigt sich.
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