Decision ID: 0d640257-cda8-48df-bb30-24562529e69b
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Anstiftung zum Entweichenlassen von Gefangenen und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon, Einzelgericht in
Strafsachen, vom 23. Mai 2017 (GG170006)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 7. Juli 2016
(Urk. 15) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Anstiftung zum Entweichenlassen von Ge-
fangenen im Sinne von Art. 319 StGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1
StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 6 Monaten Freiheitsstrafe.
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
4. Es wird festgehalten, dass mit Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich
vom 21. Dezember 2016 (Geschäfts-Nr. SB160091-O) der mit Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 9. Mai 2014 (A-1/2014/2977) für
eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 70.00 (unter Anrechnung von
2 Tagen Untersuchungshaft) unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren
gewährte bedingte Strafvollzug bereits rechtskräftig widerrufen und der Voll-
zug der Geldstrafe angeordnet wurde.
5. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom
31. Mai 2016 beschlagnahmten Gegenstände (lagernd bei der Bezirksge-
richtskasse Dietikon) werden dem Beschuldigten nach Rechtskraft des Ur-
teils auf erstes Verlangen herausgegeben und ansonsten nach Ablauf von
drei Monaten der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlas-
sen:
− biometrischer Reisepass für Flüchtlinge (Schweiz), lautend auf A._ (A009‘068‘046);
− Membercard ..., lautend auf A._ (A009‘068‘057); − Post Empfangsscheinbuch, lautend auf A._ (A009‘068‘079);
− Umhängetasche Leder, Marke Adidas (A009‘068‘148);
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− diverse Papierware (A009‘009‘078).
6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'100.00 Gebühr für das Vorverfahren.
7. Rechtsanwalt Dr. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger aus der Gerichtskasse mit Fr. 7'375.70 (inkl. 8 % MwSt. und
Barauslagen) entschädigt.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
9. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 60 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Es sei vom Widerruf des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat vom 9. Mai 2014 gewährten bedingten Strafvollzugs abzusehen.
3. Die beschlagnahmten Gegenstände seien auf erstes Verlangen herauszu-
geben.
4. Unter ausgangsgemässer Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich
MwSt).
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b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis:
(Urk. 61, 1.)
1. Der Beschuldigte sei im Sinne des vorinstanzlichen Urteils schuldig zu spre-
chen.
2. Der Beschuldigte sei zu einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten zu verurteilen.
3. Die Freiheitsstrafe sei zu vollziehen.
_

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Erstinstanzliches Verfahren
1.1. Mit Anklageschrift vom 7. Juli 2016 erhob die Staatsanwaltschaft
Limmattal / Albis nach durchgeführter Untersuchung Anklage gegen den Beschul-
digten wegen Anstiftung zum Entweichenlassen von Gefangenen im Sinne von
Art. 319 StGB i.V.m. Art. 24 StGB beim Bezirksgericht Dietikon, Einzelgericht in
Strafsachen (Urk.15).
1.2. Nach Eingang der Anklage am 11. Juli 2016 kam das Bezirksgericht Diet-
ikon, Einzelgericht in Strafsachen, im Rahmen der Anklageprüfung nach Art. 329
StPO zum Schluss, dass eine Bestrafung des Beschuldigten nach Art. 319 StGB
zu unterbleiben habe, da ansonsten die Straflosigkeit der Selbstbegünstigung un-
terlaufen würde. Das in der Anklage umschriebene Verfahren erfülle demnach
keinen Straftatbestand, womit ein Urteil definitiv nicht ergehen könne. Mit Verfü-
gung vom 26. Oktober 2016 stellte das Einzelgericht deshalb das Verfahren ge-
stützt auf Art. 329 Abs. 4 StPO ein (Urk. 24, vgl. auch Urk. 16-19).
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1.3. Auf Beschwerde der Staatsanwaltschaft hin erwog die III. Strafkammer des
Obergerichts des Kantons Zürich, es erscheine nicht als offensichtlich, dass das
angeklagte Verhalten keinen Straftatbestand erfülle, obwohl im Ergebnis durch-
aus beachtliche Argumente für die Rechtsauffassung des Bezirksgerichts spre-
chen mögen. Mit der Einstellung des Verfahrens habe das Bezirksgericht indes-
sen seine Befugnisse überschritten; vielmehr hätte es die Strafbarkeit des Be-
schuldigten materiell beurteilen und diesen gegebenenfalls freisprechen müssen.
Die Beschwerdeinstanz hob deshalb mit Beschluss vom 9. Februar 2017 die erst-
instanzliche Einstellungsverfügung auf und wies das Verfahren im Sinne ihrer Er-
wägungen an das Bezirksgericht Dietikon zurück (Urk. 26).
1.4. Mit Urteil vom 23. Mai 2017 (Urk. 50) sprach das Bezirksgericht Dietikon,
Einzelgericht in Strafsachen, in neuer Besetzung (nachfolgend: die Vorinstanz)
den Beschuldigten der Anstiftung zum Entweichenlassen von Gefangenen im
Sinne von Art. 319 StGB i.V.m. Art. 24 StGB schuldig (Dispositivziffer 1) und be-
strafte ihn mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 6 Monaten (Dispositivziffer 2
und 3). Weiter hielt die Vorinstanz fest, dass der (mit Anklageschrift vom 7. Juli
2016 verlangte) Widerruf des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat vom 9. Mai 2014 gewährten bedingten Strafvollzugs (für eine Geldstrafe
von 120 Tagessätzen zu Fr. 70.00) bereits mit Urteil des Obergerichts des Kan-
tons Zürich vom 21. Dezember 2016 (Geschäfts-Nr. SB160091-O) rechtskräftig
ausgesprochen wurde (Dispositivziffer 4). Sodann ordnete sie die Herausgabe
mehrerer beschlagnahmter persönlicher Gegenstände an den Beschuldigten nach
Urteilsrechtskraft an (Dispositivziffer 5) und befand über die Kostenfolgen (Dispo-
sitivziffer 6-10).
2. Berufungsverfahren
2.1. Mit Eingabe vom 24. Mai 2017 liess der Beschuldigte durch seinen Verteidi-
ger innert Frist Berufung gegen das vorinstanzliche Urteil anmelden (Urk. 42).
Nach Erhalt des begründeten erstinstanzlichen Entscheids am 30. Juni 2017
(Urk. 48/2) erfolgte die Berufungserklärung fristgerecht mit Eingabe vom 13. Juli
2017 (Urk. 51).
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Laut dieser beschränkt sich die Berufung des Beschuldigten ausdrücklich auf die
erstinstanzlichen Dispositivziffern 1, 2, 3 und 8 und verlangt dieser einen vollum-
fänglichen Freispruch unter ausgangsgemässer Kosten- und Entschädigungsre-
gelung (womit über die vorgenannten Ziffern hinaus sinngemäss auch Dispositiv-
ziffer 9 bzw. der darin aufgeführte Nachforderungsvorbehalt gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO angefochten wird).
2.2. Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf ein Rechtsmittel und beantragte die
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 56).
2.3. Unangefochten geblieben ist das vorinstanzliche Urteil demnach hinsichtlich
seiner Dispositivziffern 4 (Feststellung betreffend Widerruf), 5 (Herausgaben) und
6-7 (Kostenfestsetzung). Es ist in entsprechendem Umfang in Rechtskraft er-
wachsen, was vorab festzustellen ist.
Infolge der Rechtskraft von Dispositivziffer 4 (Feststellung betreffend Widerruf,
vgl. auch Urk. 50 S. 17 f.) erweist sich der Antrag des Beschuldigten, es sei vom
Widerruf des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 9. Mai
2014 gewährten bedingten Strafvollzugs abzusehen, als gegenstandslos.
II. Schuldpunkt
1. Sachverhalt
1.1. Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat (Urk. 50 S. 3 Ziff. I.1.), ist der
eingeklagte Sachverhalt aufgrund des zu Beginn der Untersuchung abgelegten
und seither – so auch vor Berufungsgericht (Prot. II S. 10) – aufrechterhaltenen
Geständnisses des Beschuldigten und des damit übereinstimmenden übrigen Un-
tersuchungsergebnisses als anklagegemäss erstellt zu erachten. Dies wird auch
seitens der amtlichen Verteidigung nicht bestritten (vgl. Urk. 60 S. 4).
1.2. Für die nachstehende rechtliche Würdigung ist demnach vom folgenden (hier
zusammengefassten) Sachverhalt auszugehen:
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Am 3. Dezember 2015 sprach der Beschuldigte die Gefängnisaufseherin B._
(separates Verfahren), zu welcher er in zahlreichen Gesprächen ein enges per-
sönliches Verhältnis aufgebaut hatte, darauf an, ihm bei einer Flucht aus dem Ge-
fängnis behilflich zu sein. Obwohl B._ diese Bitte des Beschuldigten anfäng-
lich ablehnte, bat der Beschuldigte sie in den folgenden Monaten immer wieder,
ihm zur Flucht zu verhelfen, bis er sie schliesslich überzeugt hatte: Aufgrund der
konstanten Bitten des Beschuldigten fasste B._ am Sonntag, 7. Februar
2016, den Entschluss, der Bitte des Beschuldigten nachzukommen und ihn aus
dem Gefängnis entweichen zu lassen, um in Freiheit ein gemeinsames Leben
führen zu können. Diesen Entschluss setzte B._ am Montag dem 8. Februar
2016 denn auch in die Tat um. B._ tat dies, obwohl sie als Aufseherin im Ge-
fängnis C._ unter anderem für die Sicherheit verantwortlich war und es ihre
Pflicht war, sicherzustellen, dass kein Gefangener flüchtet. Obwohl der Beschul-
digte von ihrer Stellung als Gefängnisaufseherin und den damit verbundenen
Hauptaufgaben (Sicherheit, Fluchtverhinderung) Kenntnis hatte, weckte er in ihr
den Entschluss, ihn aus dem Gefängnis entweichen zu lassen, indem er sie hier-
zu überredete.
2. Rechtliche Würdigung
2.1. Tatbestandsmässigkeit
2.2.1. Vorbemerkung
Die Vorinstanz hat mit einlässlicher und überzeugender Begründung dargetan,
dass der Beschuldigte sämtliche objektiven wie subjektiven Voraussetzungen des
ihm mit Anklage vom 7. Juli 2016 vorgeworfenen Anstiftungstatbestands zum
Entweichenlassen von Gefangenen im Sinne von Art. 319 StGB in Verbindung mit
Art. 24 Abs. 1 StGB erfüllt hat. Dabei hat sie sich auch eingehend mit den Ein-
wänden der Verteidigung – welche von dieser an der Berufungsverhandlung teils
erneut vorgebracht worden sind – auseinandergesetzt und diese mit stichhaltiger
Argumentation entkräftet. Auf die entsprechenden erstinstanzlichen Ausführungen
kann deshalb vorab vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 50 S. 4-8 Ziff. II.1.;
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Art. 82 Abs. 4 StPO). In Zusammenfassung und teilweiser Ergänzung derselben
ist das Folgende festzuhalten:
2.1.2. Allgemeine Ausführungen
Nach Art. 319 StGB macht sich (u.a.) derjenige Beamte strafbar, der einem Ge-
fangenen zur Flucht behilflich ist oder ihn entweichen lässt. Der Anstiftung zu ei-
nem Entweichenlassen eines Gefangenen macht sich demgegenüber gemäss
Art. 24 StGB diejenige Person schuldig, die einen Gefängnisbeamten zu einer
solchen von diesem verübten Tat vorsätzlich bestimmt hat. Derweil die Tat ge-
mäss Art. 319 StGB ausschliesslich von Beamten begangen werden kann, kann
die Anstiftung zu diesem Sonderdelikt grundsätzlich durch jedermann vorgenom-
men werden.
Zwischen dem motivierenden Verhalten des Anstifters und dem Tatentschluss
des Angestifteten muss ein Kausal- bzw. Motivationszusammenhang bestehen.
Nicht erforderlich ist, dass beim Anzustiftenden Widerstände zu überwinden wä-
ren. Selbst eine zur Tat bereits geneigte Person kann angestiftet werden. Als An-
stiftungsmittel kommt jedes motivierende Tun in Frage, alles, was im andern den
Handlungsentschluss hervorrufen kann. So ist auch eine blosse Bitte, eine Anre-
gung oder konkludente Aufforderung taugliches Anstiftungsmittel. In subjektiver
Hinsicht erfordert die Strafbarkeit wegen Anstiftung Vorsatz, welcher sich zum ei-
nen auf die Herbeiführung des Tatentschlusses und zum andern auf die Ausfüh-
rung der Tat durch den Angestifteten beziehen muss. Der Anstifter muss also zu-
mindest in Kauf nehmen, dass der Angestiftete infolge seines Verhaltens eine
Handlung begehen wird, welche die objektiven und subjektiven Merkmale eines
bestimmten Straftatbestandes erfüllt. Die Tat, zu welcher angestiftet wird, muss
ihrerseits eine Vorsatztat sein (vgl. Bundesgerichtsurteil 6B_17/2016 vom 18. Juli
2017 E. 2.4.2.; BGE 128 IV 15 E. 2.a.; BGE 127 IV 122 E. 2.b.).
2.1.3. Konkrete Prüfung der Tatbestandsmässigkeit
Festgehalten werden kann, dass erwiesenermassen nicht B._ die Idee hatte,
den Beschuldigten freizulassen, und diese seinem Ansinnen zunächst auch nicht
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Folge leisten wollte. Erst durch das mehrmalige und konstante Nachfragen des
Beschuldigten zwischen dem 3. Dezember 2015 und dem 7. Februar 2016 fasste
sie ihren Entschluss am 7. Februar 2016 und setzte sie diesen am 8. Februar
2016 auch in die Tat um. Die Aussage von B._ anlässlich ihrer Hafteinver-
nahme, einmal habe sie dann schon gedacht "hey mann, hör jetzt endlich mal
auf" (Urk. 3/4 S. 24 Rz. 231), deutet darauf hin, dass der Beschuldigte penetrant
bei ihr nachfragte, auch wenn sie ihre Aussagen später zu Gunsten des Beschul-
digten relativierte. Damit ist der erforderliche Kausalzusammenhang zwischen
dem motivierenden Verhalten des Beschuldigten und dem Tatentschluss von
B._ (sowie der von ihr begangenen Tat) gegeben. Dass B._ auf Grund
ihrer familiären und beruflichen Situation allenfalls bereits vor Fassung ihres Ta-
tentschlusses zur Tat geneigt gewesen sein mag, vermag daran nichts zu ändern.
In Anbetracht insbesondere der engen persönlichen Beziehung zwischen B._
und dem Beschuldigten war für diesen voraussehbar und von ihm beabsichtigt,
dass B._ auch auf blosse, zumal mehrfach wiederholte Frage hin tätig wer-
de. Der Beschuldigte wusste selbstverständlich, dass sich B._ auf jeden Fall
strafbar machen würde, wenn sie seinem Wunsch auf Freilassung nachkommen
würde; ist doch als allgemein bekannt vorauszusetzen, dass ein Entweichenlas-
sen eines Gefangenen durch einen Gefängnisbeamten nicht straffrei sein kann.
Aufgrund dieses Wissens und seines Willens, mit ihrer Mitwirkung die Freiheit zu
erlangen, war von ihm zwingend auch mitgewollt, dass sie sich strafbar machen
würde, mochte ihm dies selbst unerwünscht sein. Der Beschuldigte handelte so-
mit klar als Anstifter und nicht als Mittäter, verfügte er doch als Gefangener de-
liktsimmanent weder über Tatherrschaft noch kann von Austauschbarkeit der Rol-
len gesprochen werden. Gegen die Anstiftung spricht auch nicht, dass der Flucht
schliesslich ein gemeinsamer Tatentschluss zu Grunde lag; der Tatentschluss,
den Beschuldigten entweichen zu lassen, konnte begriffsnotwendigerweise alleine
von B._ getroffen und ausgeführt werden.
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2.2. Kein Anwendungsfall der straflosen Selbstbegünstigung
2.2.1. Vorbemerkung
Die Vorinstanz hat ausführlich, sorgfältig und überzeugend dargelegt, dass die
vom Beschuldigten begangene Anstiftung zum Entweichenlassen eines Gefange-
nen im Sinne von Art. 319 StGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 StGB nicht als
straflose Selbstbegünstigung zu qualifizieren ist. Auf ihre Erwägungen kann wie-
derum vorbehaltlos verwiesen werden (Urk. 50 S. 8-11 Ziff. II.2). Diese sind nach-
stehend in den wesentlichen Punkten zusammenzufassen und teilweise zu er-
gänzen.
2.2.2. Allgemeine Ausführungen
Wer jemanden der Strafverfolgung bzw. dem Straf- oder Massnahmenvollzug
entzieht, macht sich der Begünstigung nach Art. 305 Abs. 1 StGB strafbar. Straf-
los bleibt allerdings die blosse Selbstbegünstigung. Nicht strafbar ist deshalb, wer
sich selber der Strafverfolgung oder dem Vollzug einer Sanktion entzieht (BGE
115 IV 230 E.1; 124 IV 127 E. 3.b.aa.). Gleiches gilt, wenn der Verfolgte/Verur-
teilte einen Dritten dazu anstiftet oder diesem dabei Hilfe leistet (BGE 115 IV 230
E.2). Straffrei ist aber lediglich die reine Selbstbegünstigung. Dass derjenige, der
sich der Strafverfolgung oder dem Vollzug einer Strafe entzieht, nicht nach
Art. 305 StGB bestraft wird, bedeutet nach der Rechtsprechung des Bundesge-
richts nicht, dass er in jedem Fall in den Genuss der Straffreiheit kommt. Denn
seine Handlung kann zusätzlich einen anderen Straftatbestand erfüllen.
Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Flucht – vom Flüchtigen beabsich-
tigt – bewirkt, dass ein Beamter an der Vornahme einer ihm obliegenden Amts-
handlung gehindert wird. So macht sich gemäss der Rechtsprechung des Bun-
desgerichts etwa der Verurteilte nach Art. 286 StGB strafbar, welcher, um dem
mit seiner Überführung ins Gefängnis betrauten Polizeibeamten zu entkommen,
die Flucht ergreift und jenen derart an der Erfüllung seines Auftrages hindert. Die
Gründe, die in einem solchen Fall der Anwendung von Art. 305 StGB entgegen-
stehen, gelten im Hinblick auf Art. 286 StGB nicht (BGE 124 IV 127 E.3.b.bb.)
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Dies deshalb, da zu berücksichtigen ist, dass nach der Systematik des Strafge-
setzbuches die beiden Tatbestände der Hinderung einer Amtshandlung und der
Begünstigung verschiedene Rechtsgüter schützen, nämlich Art. 286 StGB den
Schutz der öffentlichen Gewalt und Art. 305 StGB den Schutz der Strafrechtspfle-
ge. Art. 286 StGB stellt daher genauso ein "anderes Delikt" dar wie etwa die An-
stiftung einer Drittperson zu falschem Zeugnis, falsche Anschuldigung eines an-
dern oder Irreführung der Rechtspflege. Das blosse Motiv der Selbstbegünstigung
stellt nach allgemeiner Ansicht keinen Rechtfertigungsgrund für solche und weite-
re Straftaten dar. Kann demnach zwischen Begünstigung und Hinderung einer
Amtshandlung echte Idealkonkurrenz angenommen werden, folgt daraus, dass
die in Selbstbegünstigungsabsicht verübte Widersetzung nicht straffrei bleiben
kann. Denn die Begünstigung deckt den Unrechtsgehalt einer Widersetzung nicht
ab (BGE 124 IV 127 E.3.b.dd.). Die Abgrenzung zwischen strafbarer Hinderung
einer Amtshandlung und strafloser reiner Selbstbegünstigung richtet sich danach,
ob die betreffende Person aktiv in eine bereits hinreichend konkretisierte Amts-
handlung eingreift oder aber einer solchen nur zuvorkommt (BGE 133 IV 97
E. 6.2.3).
2.2.3. Konkrete Prüfung hinsichtlich Art. 319 StGB
2.2.3.1. In analoger Anwendung der vorstehend skizzierten Rechtsprechung ist
zu prüfen, ob Art. 319 StGB, zu dessen Begehung der Beschuldigte B._ als
Haupttäterin angestiftet hat, in seinem Unrechtsgehalt über Art. 305 StGB hinaus-
geht beziehungsweise, ob das Entweichenlassen von Gefangenen gegenüber der
Begünstigung den Schutz von anderen Rechtsgütern beinhaltet.
2.2.3.2. Art. 305 StGB fällt unter den siebzehnten Titel des Strafgesetzbuches
"Verbrechen und Vergehen gegen die Rechtspflege". Geschütztes Rechtsgut von
Art. 305 StGB ist das Funktionieren der Strafrechtspflege. Geschützt sind die In-
teressen der Strafverfolgung, des gerichtlichen Strafverfahrens in allen Instanzen
sowie des Straf- und Massnahmenvollzugs. Erfasst ist (lediglich) die Personen-
begünstigung während Strafverfolgung und -vollzug. Demgegenüber findet sich
Art. 319 StGB unter dem achtzehnten Titel "Strafbare Handlungen gegen die
Amts- und Berufspflicht". Diese Strafnorm schützt das Interesse der Allgemein-
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heit am korrekten Funktionieren des Justizwesens, was im engeren Sinne auch,
aber nicht nur, das korrekte Funktionieren der Strafverfolgung und des Strafvoll-
zuges beinhaltet (BSK StGB II-DELNON/RÜDY, 3. Aufl. 2013, Art. 305 N 5 f. und
Art. 319 N 5; DONATSCH/WOHLERS, Strafrecht IV, Delikte gegen die Allgemeinheit,
4. Aufl. 2011, S. 459 u. S. 564). Die unter dem 18. Titel des StGB eingereihten
Strafnormen wollen nämlich insbesondere auch das eminente öffentliche Interes-
se an der rechtsgetreuen Ausübung öffentlich-rechtlicher Befugnisse durch deren
Träger schützen. Mit Strafe bedroht werden unter diesem Titel deshalb verschie-
dene Arten von ungetreuer und missbräuchlicher Führung öffentlicher Ämter (vgl.
DONATSCH/WOHLERS, a.a.O., S. 525). Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt
hat, zeigt demnach die Systematik des Strafgesetzbuches deutlich, dass mit
Art. 319 StGB auch – bzw. gar in erster Linie – das Interesse an der getreuen
und von Missbrauch freien Führung öffentlicher Ämter geschützt wird. Damit ein-
her geht der Schutz des Vertrauens der Bevölkerung in die Integrität der mit einer
öffentlichen Aufgabe betrauten Personen. Der Schutz dieser Interessen geht
über den Schutzzweck der Strafrechtspflege im Sinne von Art. 305 StGB hinaus.
Während mit Art. 305 StGB die Strafrechtspflege von äusseren rechtswidrigen
Einwirkungen geschützt werden soll, will Art. 319 StGB das Justizwesen vor in-
nerem Machtmissbrauch schützen. Entgegen einem Einwand der Verteidigung
(Urk. 60 S. 6) zeigt im Übrigen sehr wohl bereits die grammatikalische Auslegung
dieser zwei Strafbestimmungen, dass sie nicht deckungsgleich sind: Gemäss
Wortlaut als Täter in Frage kommt bei Art. 305 StGB jedermann, bei Art. 319
StGB indes nur der Beamte.
Die durch Art. 305 StGB und Art. 319 StGB geschützten Rechtsgüter erweisen
sich demensprechend entgegen der Argumentation der Verteidigung (Urk. 60
S. 9 f.) als nicht deckungsgleich. Das Unrecht, das mit Art. 319 StGB begangen
wird, erschöpft sich nicht in der Begünstigung des Gefangenen, dem zur Flucht
verholfen wurde, sondern besteht darüber hinaus in einem Amtsmissbrauch (im
weiteren Sinne) der mit der Bewachung von Gefangenen betrauten Personen und
der damit einhergehenden Erschütterung des besonderen Vertrauens des Staates
und der Bevölkerung in die Integrität solcher Beamten. Art. 319 StGB stellt daher
genauso ein "anderes Delikt" (als Art. 305 StGB) dar wie etwa Art. 286 StGB, die
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Anstiftung einer Drittperson zu falschem Zeugnis, falsche Anschuldigung eines
andern oder Irreführung der Rechtspflege. Auch zwischen Art. 305 StGB und An-
stiftung zu Art. 319 StGB ist echte Idealkonkurrenz gegeben; das Argument der
Verteidigung (Urk. 60 S. 11 und 12), zwischen Art. 305 StGB und Art. 319 StGB
bestehe unechte Konkurrenz bzw. letztere Norm sei die lex specialis zur Ersteren,
gilt nur für den Beamten als Täter des Sonderdelikts nach Art. 319 StGB, nicht
aber im Falle der Anstiftung hierzu durch einen Extraneus.
Der Strafgrund der Anstiftung liegt in der Mitwirkung an dem vom Haupttäter be-
gangenen Unrecht (vgl. BGE 115 IV 230 E. 2). Nach dem vorstehend Gesagten
hat der Beschuldigte, indem er B._ dazu anstiftete, ihn entweichen zu las-
sen, nicht nur sich selbst begünstigt. Vielmehr hat er über diese Selbstbegünsti-
gungsabsicht hinaus B._ bewusst und gewollt zu einem Missbrauch ihrer
amtlichen Befugnisse verleitet und damit (vergleichbar zur vorgenannten Recht-
sprechung betreffend Art. 286 StGB) in deren konkrete Amtstätigkeit eingegriffen.
Der vom Beschuldigten mitgeschaffene Unrechtsgehalt übersteigt denjenigen ei-
ner Begünstigung nach Art. 305 StGB und geht damit auch über den Umfang ei-
ner straflosen reinen Selbstbegünstigung hinaus. Dass seinem Handeln das Mo-
tiv der Selbstbegünstigung zu Grunde lag und eine strafbare Begünstigung ob-
jektiv nicht eintrat, stellt unter diesen Umständen keinen Rechtfertigungsgrund für
die von ihm begangene Straftat dar (sondern lediglich einen Strafminderungs-
grund, vgl. nachstehend Ziff. III).
3. Fazit
Der Beschuldigte ist demnach der Anstiftung zum Entweichenlassen von Gefan-
genen im Sinne von Art. 319 StGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 StGB schuldig
zu sprechen.
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III. Sanktion
1. Strafe
1.1. Keine Zusatzstrafe
Die Vorinstanz hat unter Verweis auf die einschlägige Rechtsprechung (BGE 138
IV 113 E. 3.4.2.f.) zutreffend dargetan, dass eine eigenständige Strafe und nicht
eine Zusatzstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 2 StGB (zum Urteil des Obergericht
des Kantons Zürich vom 21. Dezember 2016; Urk. 39/1) auszusprechen ist, da
sich die vorliegend zu beurteilende Tat nach dem – jenem Urteil des Obergerichts
vorangehenden – erstinstanzlichen Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom
3. Dezember 2015 ereignete. Auf ihre Ausführungen kann deshalb verwiesen
werden (Urk. 50 S. 11-13 Ziff. III.A.4.).
1.2. Strafrahmen
1.2.1. Die Strafandrohung für den Anstifter ist grundsätzlich dieselbe wie diejeni-
ge für den Haupttäter (Art. 24 Abs. 1 StGB). Für das Entweichenlassen von Ge-
fangenen reicht der Strafrahmen von einem Tagessatz Geldstrafe bis zu drei Jah-
ren Freiheitsstrafe (Art. 319 StGB).
1.2.2. Die Vorinstanz hat richtig gesehen, dass vorliegend der Strafmilderungs-
grund der Teilnahme am (hier: echten) Sonderdelikt im Sinne von Art. 26 i.V.m.
Art. 48a StGB zu berücksichtigen ist.
Entgegen ihren weiteren Ausführungen (Urk. 50 S. 11 Ziff. III.A. 1 f.) führt dies al-
lerdings nicht schon zu einer vorgängigen generellen Minderung bzw. Modifikation
des Strafrahmens. Vielmehr ist ein Strafmilderungsgrund gemäss aktueller Bun-
desgerichtspraxis (BGE 136 IV 55 E. 58), wenn keine aussergewöhnliche Um-
stände vorliegen – was hier der Fall ist –, im Rahmen der Strafzumessung als
(normaler) Strafminderungsgrund zu berücksichtigen.
Auch der Umstand, dass das Verhalten des Beschuldigten objektiv nicht zu einer
strafwürdigen Begünstigung geführt und der Beschuldigte subjektiv mit dem Motiv
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der Selbstbegünstigung gehandelt hat und somit das Art. 319 StGB inhärente
Element der Begünstigung diesem nicht vorgehalten werden kann, führt entgegen
der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 50 S. 11 Ziff. III.A.3 und S. 13 Ziff. III.B.2.1.)
nicht zu einer Verkleinerung des Ausgangs-Strafrahmens, sondern ist innerhalb
des ordentlichen Strafrahmens strafmindernd zu berücksichtigen.
Diese Korrekturen an den erstinstanzlichen Ausführungen wirken sich im Ergeb-
nis der Strafzumessung allerdings nicht aus, ist es doch letztlich unerheblich, ob
die diesen Umständen angemessene Strafminderung vorab oder erst im Rahmen
der Würdigung der objektiven und subjektiven Tatkomponente (vgl. nachstehend
Ziff. 1.3.1.1.b. und 1.3.1.2.b.) vorgenommen wird.
1.3. Strafzumessung
1.3.1. Allgemeines
Die Vorinstanz hat die vom Gesetz und der Rechtsprechung für die Strafzumes-
sung aufgestellten Regeln und Grundsätze richtig wiedergegeben, worauf verwie-
sen werden kann (Urk. 50 S. 13 f. Ziff. III.B.1.).
1.3.2. Tatkomponente
1.3.2.1. a) Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist mit der Vorinstanz festzu-
halten, dass sich weder ein allzu raffiniertes Vorgehen noch eine besondere
Rücksichtslosigkeit des Beschuldigten feststellen lässt. Der Beschuldigte wendete
bei seiner Anstiftung von B._ weder Gewalt oder Drohung noch List an.
b) Straf- bzw. verschuldensmindernd ist zu berücksichtigen, dass das Verhalten
des Beschuldigten zu keiner strafbaren Begünstigung geführt hat.
Wie eingangs erwähnt, wirkt sich sodann auch verschuldensmindernd aus, dass
den Beschuldigten die Sonderpflicht eines Gefängnisaufsehers nicht traf (Art. 26
StGB in Verbindung mit Art. 48a StGB; vgl. auch MATHYS, Leitfaden Strafzumes-
sung, 2016, N 114 und 143).
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c) Das objektive Tatverschulden kann damit mit der Vorinstanz als insgesamt
noch leicht qualifiziert werden.
1.3.2.2. a) Der Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz, und es liegt keine
spontane Handlung vor. Die Gefühle des Beschuldigten für B._ können zwar
relativierend angesehen werden, der Beschuldigte hat sich allerdings seinerseits
auch die reziproken Gefühle von B._ zu Nutze gemacht, wenn auch ohne
Ausübung von Druck. Erschwerend ist jedenfalls zu berücksichtigen, dass der
Beschuldigte mit einer gewissen Ausdauer und Hartnäckigkeit agierte, um
B._ zu überzeugen.
b) Erschwerend wirkt sich sodann aus, dass der Beschuldigte der Reputation des
Strafvollzuges aus egoistischen Motiv einen erheblichen Schaden zugefügt hat.
Dies ist allerdings gleich wieder zu relativieren, aufgrund des Umstandes, dass
diese egoistische Motivation des Beschuldigten vorwiegend vom Aspekt der
Selbstbegünstigung getragen war.
b) Im Ergebnis kann die vorinstanzliche Einschätzung des subjektiven Tatver-
schulden als "nicht mehr so leicht" geteilt werden.
d) Gesamthaft betrachtet ist das Verschulden mit der Vorinstanz als nicht mehr
allzu leicht einzustufen, und es erscheint dafür eine Einsatzstrafe von 4 Monaten
als angemessen.
1.3.3. Täterkomponente
1.3.1.1. Hinsichtlich des Vorlebens und der persönlichen Verhältnisse –
hinsichtlich welcher sich gemäss den Ausführungen des Beschuldigten anlässlich
der Berufungsverhandlung keine wesentlichen Veränderungen ergeben haben
(vgl. Prot. II S. 5 ff.) – kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz
verwiesen werden (Urk. 50 S. 14 f. Ziff. III.B.2.1). Aus dem Lebenslauf des Be-
schuldigten lassen sich keine für die Strafzumessung relevanten Aspekte erken-
nen.
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1.3.2.2. Der Schweizerische Strafregisterauszug des Beschuldigten weist zum
heutigen Zeitpunkt drei Vorstrafen auf (Urk. 39/2). Entgegen der (sinngemässen)
Auffassung der Vorinstanz stellt die Verurteilung durch das Obergericht des Kan-
tons Zürich vom 21. Dezember 2015 allerdings keine Vorstrafe im eigentlichen
Sinne dar, da sie nach der heute zu beurteilenden Tat ausgesprochen wurde.
Diesbezüglich ist allerdings zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte während
laufendem Strafverfahren delinquierte, nachdem am 3. Dezember 2015 das ent-
sprechende erstinstanzliche Urteil ausgefällt worden war und der Beschuldigte
dieses am 8. Dezember 2015 anfechten liess (vgl. Urk. 39/1 S. 5). Seine neue Tat
fiel sodann in die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom
9. Mai 2014 ausgesprochene zweijährige Probezeit (Urk. 39/2). Im Ergebnis kann
der Vorinstanz deshalb wieder gefolgt werden, dass die kriminelle Vergangenheit
des Beschuldigten mit einer starken Straferhöhung von drei Monaten zu gewich-
ten ist.
1.3.3.3. Mit der Vorinstanz (Urk. 50 S. 15 Ziff. III.B.3.3.) erscheint sodann eine
leichte Strafminderung um einen Monat aufgrund des Nachtatverhaltens (Ge-
ständnis angesichts ohnehin klarer Beweislage, gewisse Einsicht) angezeigt.
1.3.4. Strafart
Wie im erstinstanzlichen Urteil zutreffend dargetan wurde (Urk. 50 S. 15 f.
Ziff. III.B.4), erscheint angesichts der Vorstrafenbelastung des Beschuldigten ein-
zig die Ausfällung einer Freiheitsstrafe als zweckmässig.
1.4. Fazit
Unter Berücksichtigung sämtlicher relevanter, vorerwähnter Strafzumessungskri-
terien ist somit, wie schon durch die erste Instanz, eine Freiheitsstrafe von 6 Mo-
naten auszufällen.
Die Vorinstanz hat zutreffend ausgeführt (Urk. 50 S. 16 Ziff. III.B.6.), dass dem
Beschuldigten keine Haft anzurechnen ist; auf ihre Ausführungen kann verwiesen
werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
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2. Vollzug
Dass dem Beschuldigten keine günstige Legalprognose gestellt werden kann und
die heute ausgefällte Freiheitsstrafe deshalb zu vollziehen ist, wurde von der Vor-
instanz einlässlich und zutreffend begründet. Es kann darauf verwiesen werden
(Urk. 50 S. 16 f. Ziff. IV.1).
IV. Kostenfolgen
Bei diesem Verfahrensausgang ist die erstinstanzliche Kostenauflage (Dispositiv-
ziffern 8 und 9) zu bestätigen.
Weiter sind dem Beschuldigten auch die Kosten des Berufungsverfahrens aufzu-
erlegen, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, die unter Nachfor-
derungsvorbehalt auf die Gerichtskasse zu nehmen sind.