Decision ID: 10b5b047-87e0-41c2-9986-fe7034333ffd
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
versuchte Schreckung der Bevölkerung und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 4. Dezember 2012 (GB120099)
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Anklage:
Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 4. Oktober 2012 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 21).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 38 S. 14 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der versuchten Schreckung der Bevölkerung im Sinne von
Art. 258 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu Fr. 10.–, wovon
21 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Die Geldstrafe ist zu bezahlen.
4. Die Probezeit der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 2. August 2011
ausgesprochenen Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je Fr. 30.– wird um ein Jahr ver-
längert.
5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten Kantonspolizei
Fr. 900.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. 12'712.– Auslagen Untersuchung
Fr. 506.– amtliche Verteidigung Untersuchung (RA Y._)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten gemäss vorstehender Ziffer sowie die Kosten des Strafbefehls Nr.
E-6/2011/1875 vom 4. Oktober 2012 in Höhe von Fr. 13'612.– werden dem Beschuldigten
auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Staatskasse genommen.
Eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
7. ... (Mitteilung)
8. ... (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 56 S. 2)
1. In Abänderung von Dispositiv Ziff. 1 sei mein Mandant freizusprechen.
2. In Abänderung von Dispositiv Ziff. 2 bis 4 sei keine Strafe auszufällen.
3. In Abänderung von Dispositiv Ziff. 6 seien die Kosten gemäss Dispositiv
Ziff. 5 dem Staat aufzuerlegen.
4. In Abänderung von Dispositiv Ziff. 6 seien die Kosten des Strafbefehls dem
Staat aufzuerlegen.
5. In Abänderung von Dispositiv Ziff. 6 sei von einer Nachforderung der Kosten
der amtlichen Verteidigung abzusehen.
6. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen (inklusive Haftentschädigung) des
vorliegenden Verfahrens seien zu Lasten des Staates zu verlegen.
7. Eventualiter: In Abänderung von Dispositiv Ziff. 5 seien die Auslagen der
Untersuchung auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich; Urk. 48)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Mit Strafbefehl vom 4. Oktober 2012 erkannte die Staatsanwaltschaft Zürich
– Sihl den Beschuldigten A._ der Schreckung der Bevölkerung im
Sinne von Art. 258 StGB schuldig und bestrafte ihn mit einer bedingten Geldstrafe
von 45 Tagessätzen zu je Fr. 30.–, entsprechend Fr. 1'350.–, wovon 21 Tages-
sätze durch Haft erstanden waren. Auf den Widerruf der mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Zürich – Limmat vom 2. Augst 2011 bedingt ausgesprochenen
Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je Fr. 30.–, entsprechend Fr. 1'800.–,
verzichtete die Staatsanwaltschaft Zürich – Sihl. Sie verlängerte indes die
Probezeit von zwei Jahren um ein Jahr (Urk. 21). Dagegen erhob der
Beschuldigte mit Eingabe vom 22. Oktober 2012 innert Frist Einsprache (Urk. 22).
In der Folge erhob die Staatsanwaltschaft Zürich – Sihl am 2. November 2012 im
Sinne von Art. 355 Abs. 3 lit. d StPO Anklage beim Einzelgericht des Bezirks
Zürich (Urk. 24).
2.1. Nach durchgeführter Hauptverhandlung sprach der Einzelrichter den
Beschuldigten mit Urteil vom 4. Dezember 2012 schuldig der versuchten
Schreckung der Bevölkerung im Sinne von Art. 258 StGB in Verbindung mit Art.
22 Abs. 1 StGB und bestrafte ihn mit einer unbedingten Geldstrafe von 45
Tagessätzen zu Fr. 10.– (Urk. 31). Weitere Einzelheiten des Entscheides können
dem Ingress dieses Urteils entnommen werden.
2.2. Gegen das mündlich eröffnete Urteil (Prot. I S. 8) liess der Beschuldigte am
14. Dezember 2012 rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 33). Das Urteil ging dem
Beschuldigten sowie der Staatsanwaltschaft Zürich – Sihl am 28. bzw. 29. August
2013 (Urk. 37/2 und 37/1) in begründeter Fassung zu (Urk. 35).
3.1. Unter dem 14. September 2013 reichte die erbetene Verteidigung der
erkennenden Kammer die Berufungserklärung ein (Urk. 40). Aus dieser geht
hervor, dass vom Beschuldigten ein Freispruch verlangt wird. Für den Fall eines
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Schuldspruchs beanstandete die Verteidigung die Kostenauflage gemäss
Dispositiv
Ziffer 6 des vorinstanzlichen Urteils. Beweisanträge stellte die Verteidigung keine.
Mit Präsidialverfügung vom 19. September 2013 wurde der Staatsanwaltschaft
Zürich – Sihl eine Kopie der Berufungserklärung zugestellt und Frist angesetzt,
um zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben werde, oder um begründet ein
Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Gleichzeitig wurde der
Beschuldigte aufgefordert, das ihm zugestellte Datenerfassungsblatt auszufüllen
und verschiedene Unterlagen betreffend seiner finanziellen Verhältnisse
einzureichen (Urk. 46). In der Folge teilte die Staatsanwaltschaft Zürich – Sihl mit
Eingabe vom 23. September 2013 mit, dass sie keine Anschlussberufung erhebe
und beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 48).
3.2. Am 25. September 2013 erteilte der Beschuldigte Auskunft über seine
finanziellen Verhältnisse (Urk. 49; Urk. 51/1 und 51/2). Bereits unter dem 5.
September 2013 war überdies ein aktueller Strafregisterauszug über den
Beschuldigten
eingeholt worden (Urk. 39), welcher mit dem bereits bei den Akten liegenden
(Urk. 20/2) inhaltlich übereinstimmt.
II. Umfang und Gegenstand der Berufung / Beanstandungen
1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung
aufschiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils
dementsprechend gehemmt (vgl. Schmid, Praxiskommentar, 2. Auflage, Zürich
2013, N 1 zu Art. 402). Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch und als
Folge
davon die Übernahme der Verfahrenskosten auf die Gerichtskasse sowie eine
angemessene Entschädigung. Damit sind sämtliche Ziffern des vorinstanzlichen
Urteils angefochten und stehen zur Disposition.
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2. Gegenstand des Berufungsverfahrens bildet der Sachverhalt gemäss
Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich – Sihl vom 4. Oktober 2012
(Urk. 21). Darin wird dem Beschuldigten zusammengefasst zur Last gelegt, er
habe am tt. März 2012, um ca. 12:00 Uhr, an seinem Wohnort in Zürich auf
seiner Profilseite der Online-Plattform "Facebook" folgenden Text geschrieben:
"FREUT SICH HÜT NIEMERT, DASS ICH GEBORE WORDE BIN..ICH
SCHWÖR, ICH ZAHLS EU ALLNE ZRUG!!! ES ISCH NÖD E FRAG VO DE
HÖFLICHKEIT, SONDERN VOM RESPEKT UND EHRE. ICH VERNICHTE
EUI ALLI, IHR WERDET ES BEREUE, DASS IHR MIR NÖD IM ARSCH
KROCHE SIND, DENN JETZT CHAN EU NIEMERT ME SCHÜTZE...
POW!!!!POW!!!!POW!!!!"
Dieser Eintrag auf der Profilseite des Beschuldigten sei für diejenigen Personen
einsehbar gewesen, welche über die Online-Plattform "Facebook" ein eigenes
Profil erstellt und in Bezug auf den Beschuldigten den Freundschaftsstatus inne
gehabt hätten. Es habe sich um ca. 290 Personen gehandelt, die so Einsicht in
den betreffenden Text hätten nehmen können, was der Beschuldigte gewusst
habe. Aufgrund des so veröffentlichen Textes hätten die mit dem Text
konfrontierten Personen ernsthaft befürchtet, der Beschuldigte würde ihnen oder
einem anderen nicht genau bestimmbaren Personenkreis ein Leid zufügen oder
gar Menschen töten, was der Beschuldigte mit seiner Handlungsweise zumindest
in Kauf
genommen habe.
3. In seiner Berufungserklärung vom 14. September 2013 (Urk. 40) bestreitet
die Verteidigung zum einen, es sei nicht aktenmässig erstellt, dass sich der
Beschuldigte die Schreckwirkung seines Textes überhaupt vorgestellt habe.
Damit habe er diese auch nicht billigend in Kauf nehmen können, weshalb ein
Eventualvorsatz zu verneinen sei (Urk. 40 S. 1). Zum andern macht die
Verteidigung eine unzutreffende rechtliche Würdigung der Vorinstanz geltend. Sie
führt in dieser Hinsicht aus, dass der Beschuldigte die betreffenden Zeilen nur an
seine
Facebook-Freunde und nicht an die – wie vom objektiven Tatbestand gefordert –
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"Bevölkerung" gerichtet bzw. adressiert habe. Zudem könne vorliegend nicht von
einer Drohung gesprochen werden. Von einem Durchschnittsbürger werde der
Text jedenfalls nicht als Drohung interpretiert. Und schliesslich mangle es auch an
der erforderlichen Ernsthaftigkeit der Drohung (Urk. 40 S. 2).
III. Schuldpunkt
1. Erstellung des Anklagesachverhaltes
1.1. Was den äusseren Sachverhalt anbelangt, anerkannte der Beschuldige,
dass er am tt. März 2012, um ca. 12:00 Uhr, an seinem Wohnort in Zürich
den vorstehend aufgeführten Text auf seiner Profilseite der Online-Plattform
"Facebook" verfasst hat. Ebenso bestritt er nicht, dass er mit ca. 290 Personen
auf Facebook befreundet sei und alle diese Personen Einsicht in den Text hätten
nehmen können (Urk. 2 S. 1 ff.; Urk. 3 S. 1 ff.; Urk. 29 S. 1; Urk. 55 S. 5). Das
Geständnis des Beschuldigten entspricht der Aktenlage, so dass der objektive
Teil der Sachverhaltsdarstellung damit rechtsgenügend erstellt ist.
1.2. Im dem Strafbefehl entnommenen Anklagesachverhalt unter Ziffer I. Abs. 4,
welcher gemäss Art. 356 Abs. 1 StPO die Anklage ersetzt, wird dem
Beschuldigten vorgeworfen, er habe mit seiner Handlungsweise zumindest in
Kauf genommen, dass aufgrund des so veröffentlichten Textes die mit dem Text
konfrontierten Personen ernsthaft befürchtet hätten, der Beschuldigte würde ihnen
oder
einem anderen nicht genau bestimmbaren Personenkreis ein Leid zufügen oder
gar Menschen töten (Urk. 21). Damit wird der subjektive Teil der Sachverhalts-
darstellung umschrieben. In dieser Hinsicht machte der Beschuldigte aber stets
geltend und wiederholte dies auch anlässlich der Berufungsverhandlung, dass er
diesen Facebook-Eintrag als Witz gemeint habe. Er sei frustriert und enttäuscht
über die geringe Resonanz seines Geburtstages gewesen. Um Aufmerksamkeit
zu erreichen, habe er mittels Übertreibungen und Zynismus den betreffenden
Eintrag verfasst. Er habe nicht vorgehabt, jemanden zu erschrecken. Seine
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Freunde würden ihn kennen und wissen, dass er solche lustige und sarkastische
Texte verfasse. Es sei ihm nicht bewusst gewesen, dass sein Text irgendwie
negativ aufgefasst und in Verbindung zu Amokläufen oder so gebracht werden
könnte (Urk. 2 S. 1; Urk. 3 S. 2; Urk. 19/8 S. 2; Urk. 29 S. 3 ff.; Urk. 55 S. 6 ff.).
Damit stellt der Beschuldigte – wie die Vorinstanz richtig gesehen hat – in Abrede,
eventualvorsätzlich gehandelt zu haben.
1.3. Was der Beschuldigte wusste, wollte oder in Kauf nahm, gehört zum Inhalt
des subjektiven Tatbestandes. Für den Nachweis des Vorsatzes kann sich das
Gericht – soweit der Täter nicht geständig ist – regelmässig nur auf äusserlich
feststellbare Indizien und auf Erfahrungsregeln stützen, die ihm Rückschlüsse von
den äusseren Umständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben (BGE
130 IV 58 Erw. 8.5). Die Feststellung des subjektiven Tatbestandes ist Bestandteil
der Sachverhaltsabklärung (Urteil des BGer vom 17. August 2011 6B_480/2011
mit Verweis auf BGE 137 IV 1 Erw. 4.2.3 S. 4 f.). Im Rahmen der nachfolgenden
Beweiswürdigung ist somit noch die verbleibende strittige Frage zu prüfen, ob der
Beschuldigte der Schreckwirkung seines Facebook-Eintrages bewusst war und er
diese in Kauf nahm.
1.4. Die Verteidigung bringt vor, der Beschuldigten habe sich anlässlich der
Abfassung des Facebook-Eintrages nicht vorgestellt, dass dieser andere
Personen erschrecken könne (Urk. 40 S. 1). Die Vorinstanz hat in ihrer
Beweiswürdigung zu dieser Frage zusammengefasst erwogen, dass die Drohung
des Beschuldigten für aussenstehende Personen unmissverständlich formuliert
sei. Neben dem Vorwurf des Versäumnisses, ihm zum Geburtstag zu gratulieren,
vermittle der Wortlaut den Eindruck von Enttäuschung, Wut und entsprechenden
Rachegedanken. Der intelligente Beschuldigte sei sich der Schreckwirkung seines
Eintrages durchaus bewusst gewesen. Ebenso sei ihm bewusst gewesen, dass
jemand, der ihn nicht kenne, seine Persönlichkeit und die Ernsthaftigkeit der
Drohung nicht habe einschätzen können (Urk. 38 S. 7 f.).
1.5. Die vorstehend im Ergebnis zitierte Beweiswürdigung der Vorinstanz ist
überzeugend und zu übernehmen. In Betracht zu ziehen ist vorab, dass der
Beschuldigte den Vorwurf, die Schreckwirkung seines Facebook-Eintrags sei ihm
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durchaus bewusst gewesen, grundsätzlich bestreitet bzw. geltend macht, er habe
diesen Eintrag als Witz gemeint. Eine detaillierte Analyse seiner Aussagen
betreffend den fraglichen Eintrag ist damit obsolet. Seine grundsätzliche Haltung
erscheint immerhin als konstant und kohärent. Der Beschuldigte bleibt bei seiner
Darstellung, ohne der Versuchung zu erliegen, seine Aussagen oder seine
Erklärungen dazu anzupassen, was ein Lügensignal wäre. Dennoch vermag sein
Vorbringen nicht zu überzeugen und erscheint unglaubhaft. Der Wortlaut des
Eintrages ist klar und unmissverständlich formuliert. Irgendwelche Hinweise dafür,
dass es sich dabei bloss um einen Spass handeln könnte, finden sich darin nicht.
Im Gegenteil: Der Beschuldigte spricht von "Heimzahlen", Vernichtung",
"Unterlassen von Respekt und Ehre" und damit fehlender Anerkennung sowie
davon, dass
"sie alle es bereuen würden". Die abschliessende Verwendung der Ausdrücke
"Pow", "Pow" Pow", welche nach eigenen Aussagen des Beschuldigten Schüsse
darstellen sollen (Urk. 2 S. 3; Urk. 55 S. 7), verleihen seiner Äusserung – wie die
Erstinstanz zu Recht festhält (Urk. 38 S. 5) – eine noch beängstigendere
Komponente. Hinzu kommt die damalige Gefühlslage und der Beweggrund des
Beschuldigten. Im Vorfeld des zu beurteilenden Ereignisses wies der
Beschuldigte bereits ein fragiles Selbstwertgefühl auf. Die Selbstwertproblematik
akzentuierte sich in der Folge durch verschiedene Belastungen. Er hatte die
Maturaprüfung im ersten Anlauf nicht bestanden und bei der zweiten Prüfung war
er nicht sicher, wie diese ausgefallen war. Dazu kam nun noch die Enttäuschung
und Frustration über die geringe Resonanz an seinem Geburtstag. Er wollte
Anerkennung und Aufmerksamkeit erhalten, weshalb er gemäss eigener Aussage
seinen Facebook-Eintrag "dramatisch aufgebaut" habe (Urk. 19/8). Angesichts all
dieser Umstände war
sich der intelligente Beschuldigte der Schreckwirkung seiner Äusserung durchaus
bewusst. Der subjektive Sachverhalt ist damit erstellt.
2. Rechtliche Würdigung
2.1. Die Vorinstanz hat den erstellten Anklagesachverhalt als versuchte
Schreckung der Bevölkerung im Sinne von Art. 258 StGB gewürdigt. Ihren
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Erwägungen kann in allen Teilen gefolgt und darauf verwiesen werden (Urk. 38
S. 4 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.2.1. Die Verteidigung beanstandet die Annahme der Vorinstanz, dass durch
die Handlungsweise des Beschuldigten die Bevölkerung in Angst und Schrecken
versetzt worden sei. Der Beschuldigte habe den inkriminierenden Facebook-
Eintrag auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Diese sei nur seinem
Freundeskreis zugänglich. Gleichzeitig sei klar gewesen, dass sich die
betreffenden Zeilen nur an seine Freunde gerichtet hätten. Damit sei die
Erklärung für die Öffentlichkeit gerade nicht wahrnehmbar gewesen (Urk. 40 S. 3;
Urk. 55 S. 3 f.).
2.2.2. Nach herrschender Lehre genügt es im Normalfall nicht, wenn die
Androhung nur einen Einzelnen betrifft. Dies wird damit begründet, dass sie die
Bevölkerung in Schrecken versetzten sollte. Daher wird in der Lehre gefordert,
dass die Drohung eine unbestimmte Vielzahl von Personen betreffen müsse
(Stratenwerth/Bommer, Schweizerisches Strafrecht, BT II, 7. Aufl. Bern 2013,
§ 38 N 5; Donatsch/Wohlers, Strafrecht IV, 4. Aufl., Zürich 2011, S. 184;
Schubarth/Vest, Delikte gegen den öffentlichen Frieden, Bern 2007, N 16 zu
Art. 258; Fiolka in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3. Aufl., Basel 2013 N 22 zu
Art. 258). Die I. öffentlich-rechtliche Abteilung des Bundesgerichts hat in einem
Urteil vom 9. November 2005 festgehalten, dass ein falscher Bombenalarm,
welcher die Räumung eines deutschen Landgerichts bewirkt und die
Durchführung der Hauptverhandlung in einer Berufungssache verhindert habe,
nach Schweizer Recht als Schreckung der Bevölkerung strafbar sei (Urteil des
BGer 1A.199/2005 Erw. 3.3.5.). Ebenso kann nach Auffassung des
Bundesgerichtes auch die
Androhung eines Amoklaufs den Tatbestand von Art. 258 StGB erfüllen (vgl. BGE
136 IV 156 Erw. 3.4). Das Kantonsgericht VD hat demgegenüber in einem
Entscheid vom 18. Juli 1994 erwogen, dass für die Drohung das
Tatbestandsmerkmal der Bevölkerung nicht gegeben sei, wenn "alle Beteiligte" an
einem
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bestimmten Ereignis – in casu offenbar einige Mieter des Miethauses – gemeint
waren (SJZ 1996, S. 245 f.).
Das Androhen einer Gefahr muss geeignet sein, "weitere Kreise, die
Bevölkerung" zu erreichen. Die Probleme, die sich bei der Abgrenzung zwischen
der
Bevölkerung und einer Mehrheit von Einzelnen ergeben, lassen den Schluss zu,
dass die Äusserung des Täters öffentlich erfolgen muss (BSK StGB II - Fiolka,
N 29 zu Art. 258). Öffentlich sind gemäss der neuesten Praxis des Bundes-
gerichts alle Äusserungen und Verhaltensweisen, die nicht im privaten Rahmen
erfolgen. Als privat sind Äusserungen anzusehen, die im Familien- und
Freundeskreis oder sonst in einem durch persönliche Beziehungen oder
besonderes
Vertrauen geprägtem Umfeld erfolgen (BGE 130 IV 111 Erw. 5.2.2.; zustimmend
Fiolka, Medialex 4/2004, S. 221 f.). Eine rein numerische Auslegung des Begriffs
der Öffentlichkeit wird hingegen abgelehnt (BGE 126 IV 176 Erw. 2c; BSK StGB II
-Fiolka, vor Art. 258 N 13; Fiolka / Niggli, AJP 2001, S. 540). Der Entscheid, ob
eine Handlung noch im privaten Kreis erfolgt, ist auf Grund der konkreten
Umstände zu treffen. Es liegt auf der Hand, dass dabei die Zahl der anwesenden
Personen ebenfalls eine Rolle spielen kann. Je enger diese miteinander
verbunden sind, umso umfangreicher kann der Kreis sein, ohne den privaten
Charakter zu verlieren. Umgekehrt ist etwa ein Gespräch unter vier Augen auf
Grund der dadurch geschaffenen Vertraulichkeit auch dann dem privaten Kreis
zuzurechnen, wenn sich die involvierten Personen nicht näher kennen. Die Zahl
der Adressaten einer Äusserung kann daher den Entscheid über die Privatheit
bzw. Öffentlichkeit mitbeeinflussen, ohne aber für sich allein ausschlaggebend zu
sein.
2.2.3. Die Kritik der Verteidigung (Urk. 56 S. 3 f.) erweist sich als nicht
zielführend. Der Beschuldigte drohte auf Facebook die Vernichtung all derjenigen
an, die ihm nicht zu seinem Geburtstag gratuliert hatten. Er verwendete dabei
unter anderem die Formulierung "ICH ZAHLS EU ALLNE ZRUG" und "ICH
VERNICHTE EUI ALLI". Angesichts dessen richtete sich die Drohung somit nicht
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gegen eine bestimmte Person bzw. einen klar bestimmten Personenkreis. Der
Kreis möglicher Opfer war daher nicht von vorneherein begrenzt, sondern betraf
grundsätzlich jedermann. Gemäss eigener Aussage des Beschuldigten richtete
sich seine Mitteilung denn auch nicht gegen eine konkrete Person. Facebook sei
so schwammig, die Mitteilung habe er einfach an die gerichtet, die es lesen. Er
habe niemanden konkret im Sinn gehabt (Urk. 2 S. 2; Urk. 55 S. 8). Die
Möglichkeit zum Lesen erhielten zunächst die 290 sogenannten Facebook-
Freunde. Alsdann gemäss Aussagen des Beschuldigten (Urk. 55 S. 8) aber auch
allenfalls deren Freunde, da die betreffende Mitteilung mit einem einfachen
"Handgriff" (Drücken des "like-button") weitverbreitet werden kann. Der
Beschuldigte versuchte mit
seiner Äusserung Aufmerksam zu erreichen (Urk. 19/8 S. 3). Seine Absicht war
augenscheinlich, dass möglichst viele Personen im Rahmen des Facebook
Kenntnis von seiner Mitteilung erhielten. Jedenfalls ging es ihm nicht darum, mit
seiner Mitteilung nur einen klar definierten Kreis von Personen zu erreichen. Das
objektive Tatbestandsmerkmal der "Bevölkerung" ist damit erfüllt.
Von der Androhung des Beschuldigen erhielten (zunächst) 290 sogenannte
Facebook-Freunde des Beschuldigten Kenntnis (Urk. 3 S. 2). Gemäss Angaben
des Beschuldigten, waren die Facebook User nicht alle miteinander bekannt
(Urk. 55 S. 5). Auch soweit sie sich kannten, waren sie nicht alle durch
persönliche Beziehungen miteinander verbunden. Vielmehr habe es unter ihnen
viele
lockere Beziehungen gegeben (Urk. 55 S. 5). Sie bildeten nicht einen sonst wie
durch Vertrauen geprägten engen Kreis von wenigen Personen. Bei einer
derartigen Anzahl von Personen bzw. Facebook-Freunden tritt eine persönliche
Beziehung in den Hintergrund, mögen auch persönliche Beziehungen innerhalb
des gesamten Personenkreises bestehen. Der Umstand allein, dass alle
Empfänger der Mitteilung sogenannte "Facebook-Freunde" des Beschuldigten
waren, vermag keine Privatheit zu begründen. Zu Recht hat die Vorinstanz im
übrigen auch
darauf hingewiesen, dass der Beschuldigte bei einer über Facebook verbreiteten
Mitteilung gerade nicht davon ausgehen konnte, dass Gesagtes nicht
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weitererzählt bzw. weitergezeigt wird (Urk. 38 S. 6). Der Beschuldigte erwähnte
denn auch anlässlich der Berufungsverhandlung, er habe nicht kontrollieren
können, ob die Freunde seiner 290 Facebook-Freunde die Möglichkeit zum Lesen
seiner Mitteilung hätten erhalten können. Wenn seine Freunde etwas "liken" ("like-
button" drücken) würden, hätten es deren Freunde sehr wahrscheinlich sehen
können (Urk. 55 S. 8). Mit zunehmender Anzahl von Adressaten schwinden nicht
nur persönliche, institutionelle etc. Bindungen, sondern eben auch die
Kontrollmöglichkeiten des Äusserers. So erhielten auch Personen, welche nicht
dem Facebook-Freundeskreis des Beschuldigten angehörten, Kenntnis von der
Drohung, wie beispielsweise der Schulleiter B._ (Urk. 8 S. 5). Die
inkriminierenden Äusserungen des Beschuldigten waren daher öffentlich.
2.3.1. Die Verteidigung kritisiert sodann, dass die Vorinstanz den
betreffenden Facebook-Eintrag als Drohung qualifiziert habe. Von einer solchen
könne nur dann gesprochen werden, wenn diese auch ernst zu nehmen sei. Für
gewöhnlich sei hierbei auf das Empfinden eines Durchschnittsbürgers
abzustellen. In diesem Zusammenhang gelte es festzuhalten, dass sich der
Schulleiter der C._-Schule bei der Polizei gemeldet und dieser den
Sachverhalt geschildert habe. Die Polizei habe ihm daraufhin entgegnet, er solle
die Sache nicht so ernst nehmen. Vor diesem Hintergrund sei erstellt, dass der
betreffende Facebook-Eintrag von einem Durchschnittsbürger nicht als Drohung
interpretiert wurde (Urk. 40 S. 3; Urk. 56 S. 4 f.).
2.3.2. Nach herrschender Lehre muss es sich um eine schwerwiegende
Gefahr handeln. Dass ergibt sich schon daraus, dass deren Androhung oder
Vorspiegelung die Bevölkerung "in Schrecken" versetzt (Botschaft 1991, S. 1082).
Die besondere Schwierigkeit des Tatbestandes liegt in der Bestimmung der
Intensität der Gefahr. Die angedrohte Gefahr ist demnach hinsichtlich Art und
Ausmass zu präzisieren (qualitatives Element). Betrachtet man den Zweck der
Norm, kann nicht jede Gefahr für Leib, Leben und Eigentum genügen, sondern
erforderlich ist, dass die Gefahr geeignet ist, die Bevölkerung in Schrecken zu
versetzen. Die Drohung muss sich somit auf eine objektiv schwere, gegen Leib,
Leben oder Eigentum gerichtete Schädigung beziehen. Als Beispiele sind zu
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nennen: Falscher Bombenalarm im Flughafengebäude oder einem Warenhaus,
Katastrophenmeldungen im Radio etc. Heutzutage ist vor allem an eine
Gefährdung durch Sprengstoffe, Chemikalien, biologische Erreger und
radioaktives Material zu
denken (Stratenwerth/Bommer, a.a.O., § 38 N 4; Donatsch/Wohlers, a.a.O.,
S. 184; Schubarth/Vest, a.a.O., N 11 ff. zu Art. 258; BSK StGB II-Fiolka, N 17 ff.
zu Art. 258). Auch die Androhung eines Amoklaufs kann den Tatbestand erfüllen,
da der Kreis möglicher Opfer nicht von vorneherein begrenzt ist (BSK StGB
II-Fiolka, N 19 zu Art. 258 unter Hinweis auf BGE 136 IV 156). Die Androhung
muss sodann nicht erst gemeint sein, sondern es genügt, wenn sie als ernst
gemeint erscheint bzw. als ernstgemeint wahrgenommen werden kann
(BSK StGB II-Fiolka, N 14 zu Art. 258).
2.3.3. Die Vorinstanz hat mit zutreffender Begründung (Urk. 38 S. 5), auf die
verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO), dargelegt, dass die vom
Beschuldigten über Facebook verbreitete Äusserung, er werde alle, die ihm nicht
zum Geburtstag gratuliert hätten, vernichten, objektiv geeignet war, die
Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzten. Diese Androhung stellt den
schwerst möglichen vorstellbaren Nachteil für Leib und Leben dar. Dem
Vorderrichter ist auch darin zu folgen, dass die Verwendung der Formulierung
"Pow", Pow", "Pow" am Schluss der Mitteilung den Eindruck erweckt hat, der
Beschuldigte habe bereits eine konkrete Vorstellung über seine Vorgehensweise
gehabt (Urk. 38 S. 5). Objektive Anhaltspunkte dafür, wonach die Empfänger bzw.
Leser die Äusserung nur als Spass zu verstehen hätten, finden sich weder im
Wortlaut des Textes noch sind solche zwischen den Zeilen auszumachen. Hinzu
kommt, dass der Beschuldigte die Äusserung offensichtlich im Zustand einer
emotionalen Erregung ausgestossen hat. Der Beschuldigte war über die
ausbleibenden Reaktionen zu seinem Geburtstag enttäuscht und frustriert. In
Anbetracht dessen kann vorliegend nicht gesagt werden, den Empfängern habe
klar sein müssen, dass im Zustand der
negativen Erregung oftmals Formulierungen gewählt werden, die nicht auf die
Goldwaage gelegt werden dürfen und die auch nicht so ernst gemeint sind.
Vielmehr muss auf Grund all dieser Umstände, die Äusserung des Beschuldigten
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als schwere Androhung im Sinne von Art. 258 StGB qualifiziert werden, da sie die
Leser – objektiv betrachtet – in Angst und Schrecken versetzte. Der Beschuldigte
selbst war offenbar anfänglich ebenfalls davon ausgegangen, sein Facebook-
Eintrag könne vom Empfänger als schwere Androhung verstanden werden. So
erklärte er anlässlich der Einvernahme vor dem Zwangsmassnahmegericht am
26. März 2012, wenn man das als ernsthaft betrachte, so teile er die Meinung,
dass es sich hierbei um eine schwere Drohung handle. Als Staatsanwalt oder
Richter würde er auch so denken (Urk. 19/8 S. 3).
2.4.1. Die Verteidigung hält schliesslich dafür, dass es vorliegend auch an der
Ernsthaftigkeit der Drohung fehle. Angesichts der Vielzahl von Facebook-
Freunden mit verschiedentlicher Bekanntheitsintensität und des Umstandes, dass
diese Personen geographisch weit verstreut seien, sei offensichtlich, dass die
Möglichkeit der Umsetzung einer derartigen Drohung vollkommen
unwahrscheinlich sei. Dies sei jedem Leser des betreffenden Eintrags klar
gewesen (Urk. 40 S. 3; Urk. 55 S. 6).
2.4.2. Der Einwand der Verteidigung ist unbegründet. Sie verkennt, dass die
drohende Aussage "lediglich" ein Mindestmass an Plausibilität aufweisen muss:
Richtig ist, dass derjenige, der sich als potenzieller Urheber einer Gefahr darstellt,
die er nach allgemeiner Anschauung gar nicht herbeiführen kann, diese auch
nicht nach Art. 258 StGB anzudrohen vermag. Solange jedoch die Herbeiführung
der Gefahr dem Täter nicht offensichtlich unmöglich ist, muss die
Einflussmöglichkeit nicht ausdrücklich dargelegt werden, sondern es genügt, dass
sie aus den Umständen hervorgehen (vgl. hiezu Schubarth/Vest, a.a.O., N 9 zu
Art. 258). Der Beschuldigte hat in seiner Mitteilung vorbehaltlos und klar zu
erkennen gegeben, dass er die Gefahr eigenmächtig herbeiführen könne und
auch bereit sei, dies
zu tun. Insofern macht sich auch bereits der "üble Maulheld" strafbar, welcher
lediglich Aufmerksamkeit für sich beanspruchen will.
2.5.1. Eventualvorsatz ist gegeben, wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs
beziehungsweise die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch
handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm
- 16 -
abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 130 IV 58 Erw. 8.2; 125 IV 242
Erw. 3c; 121 IV 249 Erw. 3a; 103 IV 65 Erw. 2). Eventualvorsatz kann unter
anderem dann angenommen werden, wenn sich dem Täter der Eintritt des
tatbestandsmässigen Erfolgs infolge seines Verhaltens als so wahrscheinlich
aufdrängte, dass sein Verhalten vernünftigerweise nur als Inkaufnahme dieses
Erfolgs gewertet werden kann (BGE 109 IV 137 Erw. 2b). Eventualvorsatz kann
indessen auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs bloss
möglich ist, ja selbst dann, wenn sich diese Möglichkeit statistisch gesehen, nur
relativ selten verwirklicht. Doch darf nicht allein aus dem Wissen des
Beschuldigten um die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme
und damit auf den Eventualvorsatz geschlossen werden. Vielmehr müssen
weitere Umstände hinzukommen (Urteil des BGer 6S.176/22004 vom 17. Oktober
2004 Erw. 11 und 2.2 mit Verweisen).
2.5.2. Für die Frage des Eventualvorsatzes ist vom erstellten Sachverhalt
auszugehen. Danach war sich der Beschuldigte der Schreckwirkung seines
Facebook-Eintrages durchaus bewusst. Gemäss eigenen Angaben hat er
den dramatisierenden Eintrag verfasst, um Aufmerksamkeit zu erhalten (Urk. 19/8
S. 3 Urk. 55 S. 7). Gestützt auf diese Handlungsweise des Beschuldigten ist die
Vorinstanz zu Recht davon ausgegangen, dass sich ihm die Schreckwirkung
seines Facebook-Eintrags als derart wahrscheinlich aufgedrängt hat, dass sein
Verhalten vernünftigerweise nur als Inkaufnahme der Schreckwirkung gewertet
werden kann (Urk. 38 S. 7). Vor dem Hintergrund der allgemein bekannten
Amokläufen in Schulen im Ausland konnte der Beschuldigte bei bestem Willen
nicht darauf vertrauen, dass sich die Mitschüler, die Lehrer und die Eltern
von Mitschülern ob des Eintrages nicht massiv ängstigen würden. Auf solche
Amokläufe anlässlich der Berufungsverhandlung angesprochen, erklärte der
Beschuldigte zunächst auch, er habe sich ein schlechtes Bespiel ausgesucht, um
Aufmerksamkeit zu erregen. Er habe sich gedacht, sein Text sei von der Aktualität
her noch interessant, er habe sich aber in keiner Hinsicht mit diesen Leuten
vergleichen wollen (Urk. 55 S. 7). Vor diesem Hintergrund erscheint die Aussage
des Beschuldigten zu einem späteren Zeitpunkt der Befragung, wonach ihm die
- 17 -
Amokläufe im Hintergrund überhaupt nicht bewusst gewesen wären (Urk. 55
S. 8), als nicht glaubhaft.
2.6.1. Ein Versuch ist gegeben, wenn der Täter, nachdem er mit der
Ausführung eines Verbrechens oder Vergehens begonnen hat, die strafbare
Tätigkeit nicht zu Ende führt oder der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg
nicht eintritt oder dieser nicht eintreten kann (Art. 22 Abs. 1 StGB). Beim Versuch
erfüllt
der Täter sämtliche subjektiven Tatbestandsmerkmale und manifestiert seine
Tatentschlossenheit, ohne dass alle objektiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht
sind (BGE 137 IV 113 Erw. 1.4.2 mit Hinweisen; Urteil des BGer 6B_103/2012
vom 17. August 2012 Erw. 2.3.1).
2.6.2. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass keine objektiven
Anhaltspunkte bestehen, dass durch die Handlungsweise des Beschuldigten eine
grössere Anzahl von Personen tatsächlich in Angst und Schrecken versetzt
wurde. Es kann auf die zutreffenden Erwägungen verwiesen werden (Urk. 38
S. 6; Art. 82 Abs. 4 StPO). Fehlt es wie vorliegend an der Erfüllung des objektiven
Elements der Schreckung, ist folglich der zum Tatbestand gehörende Erfolg nicht
eingetreten, so ist von einem Versuch auszugehen.
2.6.3. Ein vollendeter Versuch liegt vor, wenn die strafbare Tätigkeit zu Ende
geführt wird, aber der tatbestandsmässige Erfolg nicht eintritt (Art. 22 Abs. 1
StGB, alte und neue Fassung). Die Abgrenzung des vollendeten vom unvoll-
endeten Versuch ist auf der Grundlage des konkreten Tatplans vorzunehmen.
Es ist zu fragen, ob der Täter alle Voraussetzungen geschaffen hat, die nach
seinem Plan zum Eintritt des Erfolges hätten führen sollen (Urteil des BGer
6S.46/2005 vom 2. Februar 2006, Erw. 10.4.2.). Es gibt aufgrund der Aussagen
des Beschuldigten keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschuldigte noch weitere
derartige Einträge im Facebook verfassen wollte. Es ist daher davon auszugehen,
dass mit dem vorliegend zu beurteilenden Eintrag die eigentliche Tathandlung zu
Ende war. Mithin ist von einem vollendeten Versuch auszugehen. Es lag nicht im
Wirkungsbereich des Beschuldigten, ob der Erfolg letztlich eintrat oder nicht.
- 18 -
2.7. Somit ist der Beschuldigte der versuchten Schreckung der Bevölkerung
im Sinne von Art. 258 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu
sprechen.
IV.
Sanktion
1. Allgemeines zur Strafzumessung
1.1. Die Vorinstanz hat den vorliegend zur Anwendung gelangenden
Strafrahmen korrekt abgesteckt. Es kann auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 38 S. 8; Art. 82 Abs. 4 StPO). Sie hat in der
Folge auch die theoretischen Grundsätze der richterlichen Strafzumessung
korrekt zitiert,
worauf verwiesen werden kann (Urk. 38 S. 8; Art. 82 Abs. 4 StPO). Insbesondere
hat die Vorinstanz zutreffend erwogen, dass der Richter die Strafe nach dem
Verschulden des Täters zu bemessen hat, wobei er das Vorleben, die
persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters
berücksichtigt (Art. 47 Abs. 1 StGB).
1.2. Wie vorstehend unter Ziffer III. 2.6.3. ausgeführt, ist vorliegend von einem
vollendeten Versuch auszugehen, da es nicht im Wirkungsbereich des
Beschuldigten lag, ob der Erfolg letztlich eintrat oder nicht. Bei der
Verschuldensbewertung spielt es eine Rolle, ob der Täter aus eigenem Antrieb
zurückgetreten
ist. Dies ist ein Umstand, welcher verschuldensmindernd zu gewichten ist. Tritt
dagegen der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht ein, ohne vom Täter
beeinflusst worden zu sein, bleibt das Verschulden unberührt. Gleichwohl hat sich
dieser Umstand aber zugunsten des Täters auszuwirken (BGE 123 IV 49).
Beim vollendeten Versuch geht es um eine Tatkomponente, die sich dadurch
auszeichnet, dass sie verschuldensunabhängig ist. Deshalb wird sie bei der
Gesamteinschätzung des Verschuldens auch nicht einbezogen. Sie hat sich
indessen im Sinne einer Reduzierung der (hypothetischen) verschuldens-
- 19 -
angemessenen Strafe auszuwirken (vgl. Mathys, Zur Technik der Strafzumessung
in: SJZ 100 (2004) Nr. 8 S. 178).
2. Konkrete Strafzumessung
2.1. Die Vorinstanz hat eine im Ergebnis zutreffende Strafzumessung
vorgenommen. Sie hat die massgeblichen belastenden und entlastenden
Faktoren grundsätzlich zutreffend genannt und gewürdigt (Urk. 38 S. 8 ff.; Art. 82
Abs. 4 StPO). Ihre Begründung deckt sich aber hinsichtlich der Tagessatzhöhe
nicht mit dem Urteilsdispositiv. Während in den Erwägungen ein Tagessatz von
Fr. 30.– als angemessen erachtet wird (Urk. 38 S. 11), wird in Dispositivziffer 2
ein solcher von Fr. 10.– festgesetzt (Urk. 38 S. 14).
2.2. Die Vorinstanz fällte eine Geldstrafe in der Höhe von 45 Tagessätzen
zu Fr. 10.– aus. Nachdem die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl keine (Anschluss-)
Berufung erhoben hat, kann die von der Vorinstanz ausgesprochene Geldstrafe
nicht erhöht werden (Art. 391 Abs. 2 StPO).
2.3. Tatkomponente
2.3.1. Vorinstanzliche Erwägungen
Die Vorinstanz hat die objektiven und subjektiven Verschuldenselemente
betreffend Schreckung der Bevölkerung im Sinne von Art. 258 StGB umfassend
und richtig gewürdigt, weshalb auf die entsprechenden Erwägungen vorab
verweisen werden kann (Urk. 38 S. 8 ff.). Die nachstehenden Ausführungen
sind – soweit nicht ausdrücklich als Korrekturen dargestellt – deshalb lediglich als
Präzisierungen bzw. Ergänzungen zu verstehen.
2.3.2. Objektive Tatkomponente
Beim Ausmass des Erfolges ist bei der objektiven Tatschwere grundsätzlich vom
mutmasslich vollendeten Delikt auszugehen. Der Umstand, dass es vorliegend
bei einem vollendeten Versuch blieb, beeinflusst die Verschuldensbewertung
nicht (vgl. Mathys, a.a.O., S. 178). Diese Sichtweise ist auch dadurch
gerechtfertigt, als im Rahmen der Beurteilung des Ausmasses des Erfolgs auch
- 20 -
die Gefährdung resp. das Risiko eine Rolle spielt. Hervorzuheben ist, dass es der
Beschuldige bei einem einzigen drohenden Eintrag beliess. Vom Wortlaut her
handelte es sich aber um eine massive Drohung gegen Leib und Leben. Die
objektive Tatschware erweist sich als noch leicht.
2.3.3. Subjektive Tatkomponente
Was das subjektive Verschulden anbelangt, so ist zunächst festzuhalten, dass der
Beschuldigte „bloss“ mit Eventualvorsatz gehandelt hat, was sein Verschulden
bzw. den Schuldvorwurf geringer erscheinen lässt.
Nach Auffassung des Gutachters PD Dr. med. D._ ist beim Beschuldigten
sodann von einem fragilen und schwankenden Selbstwertgefühl sowie von
kompensatorischen Verhaltensweisen auszugehen, die der
Selbstwertstabilisierung dienen. Im Vorfeld des eingeklagten Geschehens habe
sich die Selbstwertproblematik des Beschuldigten unter dem Einfluss
verschiedener Belastungen akzentuiert. Der Beschuldigte habe die Maturaprüfung
im ersten Anlauf nicht
bestanden. Bei der zweiten Prüfung sei er nicht sicher gewesen, wie diese
ausgefallen sei. Konkreter Anlass für den fraglichen spontanen Facebook-Eintrag
sei dann die Enttäuschung und die Frustration über die geringe Resonanz an
seinem Geburtstag gewesen (Urk. 15/9 S. 24 ff.). Einschränkungen bezüglich der
Schuldfähigkeit sind indes keine vorhanden (Urk. 15/9 S. 30). Insofern die
Vorinstanz ausserdem noch das jugendliche Alter des Beschuldigten – er war im
Tatzeitpunkt immerhin bereits 22 Jahre alt – und die damit einhergehende
Unbesonnenheit mit den Umgang solcher social medias berücksichtigt hat (Urk.
38 S. 9), erscheint dies als gar wohlwollend. Die Vorinstanz qualifizierte das
Verschulden des
Beschuldigten insgesamt zu Recht als leicht (Urk. 38 S. 9).
2.3.4. Hypothetische Einsatzstrafe
Angesichts des dargelegten Tatverschuldens erscheint eine hypothetische
Einsatzstrafe von 40 Tagessätzen Geldstrafe als angemessen.
- 21 -
2.4. Vollendeter Versuch als verschuldensunabhängige Tatkomponente
Schliesslich gilt es in Betracht zu ziehen, dass es beim Versuch blieb. Wie bereits
vorstehend unter Ziffer IV.1.2. ausgeführt hat sich dies im Sinne einer
Reduzierung der (hypothetischen) verschuldensangemessenen Einsatzstrafe
auszuwirken. Das Mass der zulässigen Reduktion der Strafe beim vollendeten
Versuch hängt unter anderem von der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolgs
und von
den tatsächlichen Folgen der Tat ab. Die Reduktion der Strafe wird mit anderen
Worten umso geringer, je näher der tatbestandsmässige Erfolg und je
schwerwiegender die tatsächliche Folge der Tat war. Stets ist aber eine
Herabsetzung der Strafe wegen des Ausbleibens des tatbestandsmässigen
Erfolgs zulässig (BGE 123 IV 49). In casu führt der Versuch zu einer leichten
Strafminderung, was ein Strafe von 35 Tagen Geldstrafe ergibt.
2.5. Täterkomponente
2.5.1. Vorinstanzliche Erwägungen
Mit Bezug auf die Täterkomponente kann vorab ebenfalls vollumfänglich
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 38 S. 9 f.;
Art. 82 Abs. 4 StPO). Die folgenden Ausführungen stellen in erster Linie
Hervorhebungen und Ergänzungen dar.
2.5.2. Vorstrafen
Die Vorinstanz hat richtig gesehen, dass der Beschuldigte eine Vorstrafe erwirkt
hat. Sie hat indes die dadurch bewirkte Straferhöhung nicht gewichtet (Urk. 38
S. 10), was nachzuholen ist. Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat vom 2. August 2011 betraf Strassenverkehrsdelikte und Betäubungs-
mittelkonsum (vgl. Urk. 20/2 = Urk. 39; Urk. 26). Die nicht einschlägige Vorstrafe
des Beschuldigten aus dem Jahre 2011 ist daher nur marginal straferhöhend zu
berücksichtigt. Den Beschuldigten scheinen indes Interventionen durch die
Behörden offenkundig nicht nachhaltig zu beeindrucken, zumindest hat er sich die
Konsequenzen erneuter Verfehlungen nicht verinnerlicht, was seine Delinquenz
- 22 -
während laufender Probezeit zeigt. Insofern die Vorinstanz diesen Umstand als
deutlich straferhöhend gewertet hat (Urk. 38 S. 10), ist diese Einschätzung nicht
zu kritisieren und durch die Berufungsinstanz zu übernehmen.
2.5.3. Vorleben und persönliche Verhältnisse
Die Angaben zum Vorleben und zu den persönlichen Verhältnissen des
Beschuldigten ergeben sich aus den Akten (Urk. 15/9 S. 13 ff. und Urk. 20/1-2).
Anlässlich der Berufungsverhandlung hat der Beschuldigte zur Aktualisierung
bzw. Ergänzung folgendes ausgeführt: Er lebe nach wie vor zusammen mit seiner
Schwester und seinem Bruder bei seinen Eltern. Seine Schwester arbeite als
Coiffeuse und sein Bruder als Kurier. Seine Mutter erhalte aufgrund diverser
gesundheitlicher Beschwerden eine IV-Rente. Sein Vater beziehe aber keine IV-
Rente mehr. Seit dem Entscheid im März 2012, als er die Matura nicht bestanden
habe, habe
er nichts getan. Er habe keine Stelle gesucht, da er vor gehabt habe, die
Zulassungsprüfung der Universität zu machen. Er habe aber Schwierigkeiten
gehabt, um sich zu entscheiden. Die Rekrutenschule habe er auch nicht besucht,
da eine Knieoperation im Januar 2013 erfolgt sei und auch aufgrund dieses
Verfahrens. Fussball spiele er nicht mehr. Er habe auch keine Freundin.
Betäubungsmittel konsumiere er keine mehr und sein Alkoholkonsum halte sich in
Massen (Urk. 55 S. 1 ff.).
Aus den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ergibt sich für die
vorliegende Strafzumessung nichts Relevantes.
2.5.4. Nachtatverhalten
Die Vorinstanz hat sich sodann zum (Teil-)Geständnis des Beschuldigten
betreffend den äusseren Anklagesachverhalt nicht geäussert. Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann ein Geständnis bei der Analyse des
Nachtatverhaltens im Rahmen der Strafzumessung zugunsten des Täters
berücksichtigt werden, wenn es auf Einsicht in das begangene Unrecht oder auf
Reue schliessen lässt oder der Täter dadurch zur Tataufdeckung über den
- 23 -
eigenen Tatanteil beiträgt (vgl. BGE 121 IV 202 E. 2d/cc S. 206). Diese Praxis
fusst auf der Überlegung, dass Geständnisse zur Vereinfachung und Verkürzung
des Verfahrens und zur Wahrheitsfindung beitragen können. Ein Verzicht auf eine
Strafminderung kann sich demgegenüber deshalb aufdrängen, wenn das
Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, namentlich weil der Täter nur
aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder gar erst nach Ausfällung des
erstinstanzlichen Urteils geständig geworden ist (Urteile des BGer 6B_426/2010
vom 22. Juli 2010 Erw. 1.5., 6B_974/2009 vom 18. Februar 2010 Erw. 5.4,
6B_737/2007 vom 14. April 2008 Erw. 1.2 sowie 6S.531/2006 vom 24. Januar
2007 Erw. 3.6.3 mit Hinweisen). Zu bemerken ist zunächst, dass das (Teil-
)Geständnis des Beschuldigten keine echte Reue und Einsicht erkennen lässt.
Immerhin hat das Geständnis betreffend den äusseren Anklagesachverhalt eine
leichte Vereinfachung des
vorinstanzlichen Verfahrens bewirkt, was zu einer marginalen Strafminderung
führt. Reue und eine gereifte Einsicht in das Unrecht seiner Taten sind
schliesslich beim Beschuldigten nicht zu erkennen. Zusammenfassend führt das
Nachtatverhalten des Beschuldigten somit lediglich zu einer marginalen
Strafreduktion.
Eine besondere Strafempfindlichkeit sowie weitere technische
Strafzumessungsgründe sind beim Beschuldigten nicht gegeben.
2.6. Strafhöhe
Bei dieser Sachlage erscheint eine Geldstrafe von 45 Tagessätzen als dem
Verschulden des Beschuldigten angemessen.
2.7. Höhe des Tagessatzes
2.7.1. Das Bundesgericht hat die Kriterien für die Bemessung der Geldstrafe
unlängst in einem Grundsatzentscheid festgehalten (BGE 134 IV 60). Darauf kann
zunächst verwiesen werden. Auch für einkommensschwache Personen muss
das strafrechtliche Nettoeinkommen Grundlage und Ausgangspunkt für die
Bemessung des Tagessatzes sein (sog. Nettoeinkommensprinzip). Um der
- 24 -
schlechten finanziellen Situation Rechnung zu tragen, ist der Tagessatz für Ver-
urteilte, die nahe am oder unter dem Existenzminimum leben, in dem Masse
herabzusetzen, dass einerseits die Ernsthaftigkeit der Sanktion durch den Eingriff
in die gewohnte Lebensführung erkennbar ist und andererseits der Eingriff nach
den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen als zumutbar erscheint. Trotz
der Anpassung an die Einkommensverhältnisse (vgl. Art. 34 Abs. 2 StGB) trifft
eine Geldstrafe einkommensschwache Personen prinzipiell härter als
(wohlhabendere) Straftäter, welche diese bezahlen können, ohne ihr
Existenzminimum anzutasten. Erstere müssen sich in ihren elementaren
Bedürfnissen (wie Nahrung,
Bekleidung, Krankheitskosten, Wohnkosten) einschränken. Dies gilt selbst dann,
wenn die Höhe des Tagessatzes aufgrund ihrer knappen finanziellen Verhältnisse
erheblich reduziert wird. Diese Ungleichbehandlung wurde vom Gesetzgeber
bewusst hingenommen. Zudem sollen Geldstrafen unter general- und spezial-
präventiven Aspekten als ernsthafte Sanktion wahrgenommen werden. Der
Tagessatz darf nicht so weit reduziert werden, dass er lediglich symbolischen
Wert hat, weil die Geldstrafe gleichwertig neben die Freiheitsstrafe treten soll
(Urteil des BGer 6B_610/2009 vom 13.07.2010 Erw. 1.3 mit Hinweisen; vgl. auch
Urteil des BGer 6B_689/2010 und 6B_690/2010 Urteil vom 25.10.2010 Erw. 6.2).
Das Bundesgericht hat sich in einem Urteil mit der Frage auseinandergesetzt,
ab welcher Höhe ein Tagessatz nicht mehr als ernstzunehmende Strafe gilt.
Es hat entschieden, dass die Höhe des Tagessatzes den Betrag von Fr. 10.–
grundsätzlich nicht unterschreiten darf, um nicht als bloss symbolische Strafe
wahrgenommen zu werden (vgl. BGE 135 IV 180 Erw. 1.4).
2.7.2. Der Beschuldigte erzielt – gemäss seinen eigenen Angaben (Urk. 49;
Urk. 55 S. 2 f.) – derzeit kein Einkommen. Die Steuererklärung weist für das Jahr
2012 ebenfalls kein Erwerbseinkommen aus (Urk. 51). Gemäss seinen eigenen
Angaben in der vorinstanzlichen Hauptverhandlung wird der Beschuldigte
momentan von seinen Eltern finanziell unterstützt (Urk. 29). Bei dieser Sachlage
rechtfertigt es sich, einen Tagessatz in der Höhe von Fr. 10.– festzulegen.
- 25 -
2.8. Fazit
Unter Berücksichtigung aller relevanten Strafzumessungsgründe ist der
Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 45 Tagesätzen zu Fr. 10.– zu verurteilen.
Die 21 Tage erstandene Haft sind auf diese Strafe anzurechnen (Art. 51 StGB).
V. Strafvollzug
1.1. Gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geld-
strafe in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint,
um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten.
Bei der Prüfung, ob der Verurteilte für ein dauerndes Wohlverhalten Gewähr
bietet, ist eine Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzunehmen.
In die Beurteilung miteinzubeziehen sind neben den Tatumständen auch das
Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse
auf den Charakter des Täters und die Aussichten seiner Bewährung zulassen. Es
ist unzulässig, einzelnen Umständen eine vorrangige Bedeutung beizumessen
und andere zu vernachlässigen oder ausser Acht zu lassen (BGE 134 IV 140
Erw. 4.4 mit Hinweisen).
1.2. Gemäss Art. 43 Abs. 1 StGB kann das Gericht den Vollzug einer Geldstrafe
nur teilweise aufschieben, wenn dies notwendig erscheint, um dem Verschulden
des Täters genügend Rechnung zu tragen. Die Gewährung des teilbedingten
Geldstrafenvollzugs setzt wie jene des vollbedingten Geldstrafenvollzugs voraus,
dass eine ungünstige Prognose ausgeschlossen werden kann. Ergeben sich aber
– insbesondere aufgrund früherer Verurteilungen – ganz erhebliche Bedenken an
der Legalbewährung des Täters, die bei einer Gesamtwürdigung aller Umstände
eine eigentliche Schlechtprognose noch nicht zu begründen vermögen, so kann
das Gericht den Vollzug der Geldstrafe teilweise aufschieben. Voraussetzung für
den Teilaufschub ist mit anderen Worten, dass der Aufschub wenigstens eines
Teils der Strafe aus spezialpräventiver Sicht erfordert, dass der andere Teil
- 26 -
unbedingt ausgesprochen wird (vgl. BGE 134 IV 1Erw. 5.5.2). Auf diesem Wege
kann es im Bereich höchst ungewisser Prognosen dem Dilemma "Alles oder
Nichts" entgehen. Art. 43 StGB hat die Bedeutung, dass die Warnwirkung des
Teilaufschubs angesichts des gleichzeitig angeordneten Teilvollzugs für die
Zukunft eine weitaus bessere Prognose erlaubt. Erforderlich ist aber stets, dass
der teilweise Vollzug der Strafe für die Erhöhung der Bewährungsaussichten
unumgänglich
erscheint.
Gemäss Art. 43 Abs. 2 StGB darf der unbedingt vollziehbare Teil die Hälfte der
Geldstrafe nicht überschreiten. Bei der Bemessung des aufgeschobenen bzw. zu
vollziehenden Strafteils ist das Verschulden zu beachten, dem in genügender
Weise Rechnung zu tragen ist (Art. 43 Abs. 1 StGB). Das Verhältnis der Strafteile
ist so festzusetzen, dass darin die Wahrscheinlichkeit der Legalbewährung des
Täters einerseits und dessen Einzeltatschuld anderseits hinreichend zum
Ausdruck kommen. Je günstiger die Prognose und je kleiner die Vorwerfbarkeit
der Tat, desto grösser muss der auf Bewährung ausgesetzte Strafteil sein. Der
unbedingte Strafteil darf dabei das unter Verschuldensgesichtspunkten (Art. 47
StGB) gebotene Mass nicht unterschreiten (BGE 134 IV 1 E. 5.6).
2. Die Vorinstanz geht aufgrund der einschlägigen Vorstrafe und des erneuten
Delinquierens innerhalb der Probezeit von einer negativen Legalprognose aus.
Weitere Kriterien nennt sie nicht. Sie nimmt keine Gesamtwürdigung sämtlicher
Prognosekriterien vor. Die Nichtberücksichtigung weiterer Prognosekriterien führt
dazu, dass die Vorinstanz den "Rückfall" zu stark gewichtet. Dass sie die
einschlägige Vorstrafe aus dem Jahr 2011 (Verkehrsunfall mit erheblichem
Sachschaden infolge Fahrt unter Betäubungsmitteleinfluss) negativ gewichtet und
das deliktische Handeln innerhalb der Probezeit als negativen Hinweis auf seine
Haltung gegenüber behördlichen Interventionen ansieht, ist nicht zu beanstanden.
Allein daraus darf aber nicht ohne weiteres darauf geschlossen werden, der
Beschuldigte werde sich in Zukunft weiterhin deliktisch verhalten. Zudem lässt die
Vorinstanz ausser Betracht, dass es sich nicht um eine einschlägige Vorstrafe
handelt. Der Beschuldigte hat im vorliegend zu beurteilenden Fall weder gegen
- 27 -
das Strassenverkehrs- noch gegen das Betäubungsmittelgesetz verstossen.
Ein Warneffekt durch die Verurteilung vom August 2011 kann unter diesen
Umständen nicht pauschal verneint werden, denn es ist zugunsten des
Beschwerdeführers davon auszugehen, dass er seither nicht (verkehrs- bzw.
betäubungsmittelrelevant) delinquiert hat. Mit in die Beurteilung einzubeziehen
ist ferner die Schock- und Warnwirkung des Strafverfahrens und der allenfalls
erlittenen Untersuchungshaft (vgl. BSK StGB I – Schneider/Garré, N 74 zu
Art. 42 StGB). So musste der Beschuldigte eine mehrtägige Untersuchungshaft
(21 Tage) über sich ergehen lassen. Ferner ist zu berücksichtigen, dass
vorliegend auch persönliche Beziehungen bestehen, von denen eine
stabilisierende Wirkung erwartet werden kann. Gemeint ist damit in erster Linie
der familiäre Rahmen (vgl. BSK StGB I – Schneider/Garré, N 63 zu Art. 42 StGB).
Der
Beschuldigte ist ledig und wohnt derzeit bei seinen Eltern. Er erscheint sozial
integriert, was auch durch die Angaben seiner Geschwister und des Schulleiters
belegt ist (Urk. 8 S. 2 f.; Urk. 9 S. 2 f.; Urk. 10 S. 2 f.). Der Beschuldigte wird
vom Schulleiter und den Geschwister als ruhig und höflich beschrieben, der auch
die Meinung anderer gelten lasse (Urk. 8 S. 2 f.; Urk. 9 S. 2 f.; Urk. 10 S. 2 f.).
Zutreffend ist, dass angesichts der nichtbestandenen Matura aktuell noch viele
Fragen bezüglich der weiteren beruflichen und sozialen Perspektiven offen sind.
Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung hat der Beschuldige erklärt,
er wolle Germanistik oder Philosophie studieren (Urk. 29 S. 2). Anlässlich der
Berufungsverhandlung hat er ausgeführt, dass er eine Stelle suche. Er habe
einige Bewerbungen geschrieben, um eine Ausbildung bei einer Bank machen zu
können, er habe aber nur Absagen erhalten (Urk. 55 S. 3).
Dies zeigt, dass der Beschuldigte (auch) in beruflicher Hinsicht aktuell gewillt
und in der Lage ist, konstruktiv mit den vorhandenen Problemen umzugehen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass bei einer Gesamtwürdigung aller
Umstände sich eine eigentliche Schlechtprognose noch nicht begründen lässt. Bei
dieser Sachlage rechtfertigt es sich, den Vollzug der Geldstrafe im Umfang von 24
Tagessätzen aufzuschieben und im Umfang von 21 Tagessätzen zu vollziehen.
- 28 -
3. Der bedingte Vollzug einer (Geld-)Strafe wird gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB
mit einer Probezeit von zwei bis fünf Jahren verbunden. Die konkrete Bemessung
der Probezeit innerhalb des gesetzlichen Rahmens richtet sich nach den
Umständen des Einzelfalles, insbesondere nach der Persönlichkeit und dem
Charakter des Verurteilten, sowie der Gefahr seiner Rückfälligkeit. Je grösser die
Gefahr, desto länger muss die Bewährungsprobe mit ihrem Zwang zum
Wohlverhalten sein (BSK StGB I – Schneider/Garré, N 74 zu Art. 42 StGB). Den
noch verbleibenden Bedenken ist durch Ansetzung einer Probezeit von drei
Jahren Rechnung zu tragen.
VI. Widerruf
1. Zu berücksichtigen ist, dass der Beschuldigte eine frühere Bestrafung
aufweist. Er wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom
2. August 2011 wegen Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrs- und
das Betäubungsmittelgesetz zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu
Fr. 30.– sowie einer Busse von Fr. 1'000.–, unter Ansetzung einer Probezeit von
zwei Jahren, bestraft (Urk. 26/7).
2. Gemäss Art. 46 Abs. 1 StGB widerruft das Gericht eine bedingte Strafe,
wenn der Beschuldigte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen
begeht und deshalb zu erwarten ist, dass er weitere Straftaten verüben wird.
Ist nicht zu erwarten, dass der Beschuldigte, weitere Straftaten begeht, kann das
Gericht vom Widerruf absehen und stattdessen eine Verwarnung aussprechen
oder die im Urteil bestimmte Probezeit um höchstens die Hälfte verlängern
(Art. 46 Abs. 2 StGB).
3. Richtig ist, dass der Beschuldigte noch während laufender Probezeit und nur
gerade sieben Monate nach Ausfällung der Strafe erneut delinquiert hat. Gemäss
dem Gutachten von PD Dr. med. D._ vom 27. April 2012 (Urk. 15/9) hat der
Beschuldigte den Facebook-Eintrag vom tt. März 2012 als Ausdruck einer
situativen Enttäuschung vorgenommen. Diese sei mittlerweile abgeklungen. Aus
- 29 -
klinischer Sicht habe es sich um eine adoleszente Lebenskrise mit einer
Selbstwertproblematik gehandelt, die sich unter psychosozialer Belastung
akzentuiert habe. Der Beschuldigte sei aktuell gewillt und in der Lage, konstruktiv
mit
den vorhanden Problemen (noch offene berufliche und soziale Perspektiven)
umzugehen (Urk. 15/9 S. 27 f.). Soweit die Vorinstanz bei dieser Sachlage vom
Widerruf der am 2. August 2011 ausgefällten Geldstrafe verzichtet und die
Probezeit um ein Jahr verlängert hat, ist dies nicht zu beanstanden. Nachdem die
mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 2. August 2011
angesetzte Probezeit bereits abgelaufen ist, ist die Probezeit mit Wirkung ab
heute um ein Jahr zu verlängern (Art. 46 Abs. 2 StPO, letzter Satz).
VII. Kosten
1. Erstinstanzliche Kosten
1.1. In Bezug auf die erstinstanzlichen Verfahrenskosten ist festzuhalten, dass
der Beschuldigte im Umfang des angefochtenen Schuldspruch verurteilt wurde.
Auch wenn das Gericht im Berufungsverfahren dem Beschuldigten – anders als
die Vorinstanz – den teilbedingten Vollzug der ausgefällten Geldstrafe gewährt
hat, rechtfertigt sich damit noch keine Abänderung der erstinstanzlichen
Kostenauflage.
1.2.1. Die Verteidigung macht vorliegend geltend, die Kosten für die
psychiatrische Begutachtung seien unabhängig vom Schuld- oder Freispruch auf
die Staatskasse zu nehmen. Es habe kein Anlass zur Begutachtung des
Beschuldigten bestanden, weshalb unnötige Kosten vom Verursacher, vorliegend
dem Staat, zu tragen seien (Urk. 56 S. 7).
1.2.2. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Kosten eines Gutachtens zu
den Verfahrenskosten gehören (vgl. Art. 422 Abs. 1 und Abs. 2 lit. c StPO). Eine
Auflage an die beschuldigte Person setzt aber voraus, dass ein Gutachten bei
objektiver Betrachtung auch erforderlich war (Griesser in Donatsch/ Hansjakob/
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Lieber, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Zürich/Basel/Genf
2010, N 12 zu Art. 422). Dabei steht es grundsätzlich im Ermessen von
Staatsanwaltschaft oder Gericht, ob eine sachverständige Person beigezogen
wird oder nicht. Sachverständige Personen werden insbesondere zur Ermittlung
von Sachverhalten, der Vermittlung allgemeiner Erfahrungssätze ihres
Fachgebiets oder zum Ziehen von Schlüssen aus den von den Strafbehörden
bereits festgelegten Tatsachen beigezogen (Schmid, a.a.O, N1 zu Art. 182 StPO).
1.2.3. Die Staatsanwaltschaft hat vorliegend ein Gutachten insbesondere zur
Frage der Gefährlichkeit, der psychischen Störung und der
Behandlungsbedürftigkeit des Beschuldigten in Auftrag gegeben (vgl. Urk. 15/9 S.
1). Nachdem sich aufgrund des vom Beschuldigten veröffentlichen Textes die
Frage stellte, ob der Beschuldigte den mit dem Text konfrontierten Personen oder
einem anderen nicht genau bestimmbaren Personenkreis ein Leid zufügen
könnte, war das Gutachten bei objektiver Betrachtung auch notwendig. Die
Staatsanwaltschaft, welcher eine gewisse Fürsorgepflicht für die Bevölkerung
zukommt, hat ihr Ermessen demnach nicht überschritten. Die Auflage der
Gutachtenkosten an den Beschuldigten ist nicht zu beanstanden.
1.3. Das Kostendispositiv der Vorinstanz (Ziffern 5 und 6 ) ist zu bestätigen.
2. Kosten des Rechtsmittelverfahrens
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt
im Berufungsverfahren mit seinem Antrag auf Freispruch. Lediglich im Rahmen
des Strafvollzuges obsiegt er, wobei es sich hierbei um einen Ermessens-
entscheid der erkennenden Kammer handelt. Es kann daher nicht gesagt werden,
dass es sich dabei um eine wesentliche Abänderung des erstinstanzlichen
Entscheids handeln würde, weshalb der Beschuldigte die Kosten des
Berufungsverfahrens zu tragen hat. Der momentan bescheidenen finanziellen
Situation
des Beschuldigten kann im Zeitpunkt des Kostenbezugs hinreichend – etwa
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durch Ratenzahlung, Stundung etc. – Rechnung getragen werden. Er kann sich
diesbezüglich jederzeit mit der Kasse des Obergerichts in Verbindung setzen.