Decision ID: 3494ecc0-4c7f-4963-a533-7cbd4a4dfe37
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1958 geborene und seit 1. November 1994 als Broker tätige X._ (vgl. Urk. 7/13/1) meldete sich am 17. Juni 2011 (Eingangsdatum)
bei der Sozialversich
erungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, für eine
Hörgerä
teversorgung
an (Urk. 7/1-2), woraufhin ihm am 21. September 2011 Kosten
gutsprache für zwei Hörgeräte erteilt wurde (Urk. 7/11). Am 31. Juli 2014 (Ein
gangsdatum) meldete er sich unter Hinweis auf eine nach Stellenverlust erlit
tene Depression bei der IV-Stelle zum Rentenbezug an (Urk. 11/15). Die
IV-Stelle klärte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab, insbesondere holte sie bei med. pract. Y._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psy
chotherapie, einen Bericht ein (Bericht vom 23. Februar 2015 [Urk. 7/28]) und zog die Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 7/31). Mit Vorbescheid vom 1. Juni 2015 kündigte die IV-Stelle an, das Leistungsbegehren abzuweisen (Urk. 7/34). Dagegen erhob der Versicherte am 29. Juni 2015 Einwand (Urk. 7/35; vgl. auch die ergänzende Eingabe vom 31. August 2015 [Urk. 7/40] sowie den Nachtrag vom 24. September 2015 [Urk. 7/44]), woraufhin die IV-Stelle erneut die Akten der Krankentaggeld-versicherung beizog (Urk. 7/47). Am 3. Dezember 2015 (Urk. 7/52) reichte der Versicherte auf Anordnung der IV-Stelle den Bericht von Prof. Dr. med. Z._, Facharzt FMH für Neu
rologie, vom 20. November 2015 (Urk. 7/53) zu den Akten. Mit Verfügung vom 14. März 2016 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren des Versicherten ab (Urk. 2 [= Urk. 7/57]).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 25. April 2016 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine ganze Invali
denrente, auszurichten (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 27. Mai 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Am 13. Juni 2016 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme ein (Urk. 9), welche der Beschwerdegegnerin am 15. Juni 2016 zugestellt wurde (Urk. 10). Mit Mitteilung vom 28. September 2016 reichte die Beschwerdegegnerin eine Nachricht des Beschwerdeführers vom 24. September 2016
zu den Akten, wonach dieser seit dem 2. August 2016 beim A._ einen Arbeitsversuch mache (Urk. 11-12). Am 13. Juni 2016 nahm der Beschwerde
führer dazu Stellung (Urk. 14) und reichte den am 31. Mai bzw. 3. Juni 2016 unterzeichneten Arbeitsvertrag (Urk. 15/1) sowie die Lohnabrechnungen für die Monate August/September 2016 (Urk. 15/2) zu den Akten.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob eine seelische
Störung
mit Krank
heitswert besteht, welche die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezem
-
ber 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts
8C_616/2014 vom 25. Februar 2015
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG
)
.
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung ist für das Sozialversicherungsgericht in der Regel der Sachverhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwaltungsaktes gegeben war. Tatsa
chen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bilden (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). Sie können indessen, unter Wahrung des rechtlichen Gehörs, berücksichtigt werden, wenn sie kurze Zeit nach dem Erlass des angefochtenen Entscheids eingetreten sind, sich ihre Beachtung aus prozessökonomischen Gründen unbedingt aufdrängt und sie hinreichend klar feststehen (BGE 105 V 156 E. 2d; ZAK 1984 S. 349 E. 1b). Dies ist der Fall, wenn sie mit dem Streitge
genstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurtei
lung im Zeitpunkt des Entscheiderlasses zu beeinflussen (BGE 99 V 98 E. 4 mit Hinweisen).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung erwog die Beschwerdegegnerin, dass gemäss ihren Abklärungen gut behandelbare Befunde vorlägen, welche keinen erhebli
chen und länger andauernden Gesundheitsschaden mit Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit begründeten. Die gesundheitlichen Einschränkungen seien in erster Linie durch psychosoziale Belastungsfaktoren (Verlust langjähriger Arbeitsstelle) ausgelöst worden, welche invaliditätsfremd seien und nicht berücksichtigt werden könnten. Aus neurologischer Sicht seien sodann keine organisch bedingten kognitiven Defizite gefunden worden. Auch aus dem Ein
wand gehe hervor, dass der Gesundheitsschaden durch eine psychosoziale Belastungssituation ausgelöst worden sei (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, die Beschwerdegegnerin habe den Sachverhalt nicht genügend abgeklärt und zudem nicht richtig gewürdigt. Es treffe zwar zu, dass ein psychosozialer Belastungsfaktor, nämlich die Kündigung der Arbeitsstelle, als Auslöser der depressiven Symptomatik gewirkt habe. Wenn solche Faktoren allerdings einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhielten oder den Wirkungsgrad seiner Folgen verschlimmerten, könnten sich diese mittelbar invaliditätsbegründend auswir
ken. Selbst wenn eine Erwerbsunfähigkeit eine psychogene krankhafte Grund
lage habe, die durch eine soziokulturelle Überforderung verursacht worden sei, könne diese invalidisierend sein, wenn es sich um ein verselbständigtes psychi
sches Leiden handle (Urk. 1 S. 5). Insgesamt sei deshalb in einem Gutachten zu prüfen, ob die Diagnose und die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit anders lau
teten, wenn die psychosozialen Faktoren wegfielen. Der behandelnde Arzt stelle heute die Diagnose einer Persönlichkeitsveränderung, womit die verursachende psychosoziale Belastungssituation in den Hintergrund getreten sei (Urk. 1 S. 6).
3.
3.1
Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, diagnosti
zierte in seinem Bericht vom 12. Januar 2014 zuhanden der Kranken
taggeldversicherung eine reaktive Depression nach Arbeitsplatzverlust und attestierte dem Beschwerdeführer ab dem 1. November 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die Prognose sei gut (Urk. 7/31/6-8).
3.2
Med. pract. Y._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte in seinem Bericht vom 2. Februar 2015 zuhanden der Kranken
taggeldversicherung eine Anpassungsstörung (ICD-10 F 43.21) sowie akzentu
ierte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1). Er stellte kurz- und mittelfristig eine ungünstige Prognose. Langfristig sei die Prognose vom Verlauf abhängig. Die Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf als Broker betrage 100 % (Urk. 7/31/9-11).
3.3
Med. pract. Y._ stellte in seinem Bericht vom 23. Februar 2015 (Urk. 7/28) sodann die Diagnosen 1) Anpassungsstörung (ICD-10 F 43.21) mit längeren Depressionsphasen sowie 2) akzentuierte Persönlichkeitszüge ängstlich-unsi
cherer Prägung (ICD-10 Z73.1) und attestierte dem Beschwerdeführer weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Der Beschwerdeführer sei psychisch und geis
tig blockiert, da er sich eine andere Tätigkeit nicht zutraue.
3.4
Im Bericht des Medizinischen Zentrums C._ vom 25. August 2015 (Urk. 7/39) wurden die Diagnosen 1) mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), 2) spezifische (isolierte) Phobien (ICD-10 F40.2) und 3) Hüftarthrose links aufgeführt. Der Beschwerdeführer befinde sich seit dem 23. April 2015 in Behandlung und absolviere gerade eine 8-wöchige tagesklinische Rehabilitati
onsbehandlung (vom 29. Juni bis 4. September 2015, mit Ferienunterbruch zwischen dem 13. und 31. Juli 2015 [vgl. Urk. 7/43/1]). Dazu sei er von der Krankentaggeldversicherung im Rahmen der Schadenminderungspflicht ver
pflichtet worden. Der Beschwerdeführer beklage, seit der Kündigung am 22. Oktober 2013 und dem damit verbundenen Zusammenbruch des sozialen Netzes unter Depressionen zu leiden.
3.5
Im Bericht des Medizinischen Zentrums C._ vom 17. September 2015 (Urk. 7/43) wurden die bereits bekannten Diagnosen (E. 3.4) genannt. Es wurde sodann ein Verdacht auf eine hirnorganische Veränderung (noch keine Abklä
rung erfolgt) geäussert. Weiter wurde im Bericht ausgeführt, aus verhaltensthe
rapeutisch-psychodynamischer Sicht lasse sich die Problematik des Beschwer
deführers wie folgt beschreiben: Er habe mit den Jahren den Leistungsansprü
chen seines Arbeitgebers nicht mehr entsprechen können. Um dies zu kompen
sieren, habe er immer mehr Stunden pro Tag gearbeitet, bis es letztlich trotzdem zur Kündigung und zur totalen Erschöpfung gekommen sei. Der Beschwerde
führer vermeide hinzuschauen, dass sich sein körperlicher Zustand mit den Jahren verschlechtert habe, dies wohl als Folge seiner Angst vor Krankheiten. Der Beschwerdeführer sei am 4. September 2015 in relativ unverändertem Zustand und weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig aus der tagesklinischen Reha
bilitationsbehandlung entlassen worden. Die Depression habe sich etwas ver
stärkt. Die neuropsychologischen Tests würden auf eine mögliche hirnorgani
sche Veränderung hindeuten, weswegen weitere neurologische Abklärungen empfohlen würden. Prognostisch ungünstig für den weiteren Krankheitsverlauf sei die fehlende Tagesstruktur und die Tendenz des Beschwerdeführers, die eigenen Probleme zu verdrängen und sich sozial zurückzuziehen. Es würden weiterhin eine psychotherapeutisch-psychiatrische Behandlung zur Reduzierung der Depression sowie die Teilnahme an einer Gruppentherapie empfohlen.
3.6
Prof. Z._ konnte gemäss Bericht vom 20. November 2015 keine Hinweise für eine organische neurologische Störung finden. In der klinisch-neurologischen Untersuchung hätten sich keine fokalen Defizite gezeigt. Differentialdiagnos
tisch stehe für ihn die depressive Episode als Ursache an erster Stelle (Urk. 7/53).
4.
4.1
Den ärztlichen Berichten lässt sich entnehmen, dass die psychische Beeinträchti
gung durch die Kündigung der Arbeitsstelle ausgelöst worden war. Dabei handelt es sich klar um einen psychosozialen Faktor. Nach Art. 7 Abs. 2 ATSG sind für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichti
gen. Die massgebende Ursache für Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 6 ATSG bestimmt sich mitunter nach dem Leitsatz, dass eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert umso ausgeprägter vorhanden sein muss, je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mit
bestimmen (Urteil 9C_140/2014 vom 07. Januar
2015
, E. 3.3 mit weiteren Hin
weisen). Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beein
trächtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrüh
ren, bestehen darf, sondern davon zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressi
ven Verstimmungszuständen klar unterscheid
bare, andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit ver
gleichbaren psychischen Leidens
zustand (vgl. BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichtes 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2). Auch kann eine depressive Symptomatik chronifiziert, damit durchaus verselbständigt sein und dennoch im Rahmen des gesamten Beschwerdebildes nicht genug ins Gewicht fallen, als dass auf eine längerdau
ernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 f. ATSG) geschlossen werden dürfte. Diesfalls stellt sich das Problem der gutachtlichen Abgrenzung und Quantifizierung eigenständiger Beiträge der sozialen Faktoren nicht. Das gilt auch im umge
kehrten Fall, wenn eine deutlich ausgeprägte psy
chische Störung "konkurrie
rende" soziale Faktoren in den Hintergrund drängt. Diese sind alsdann so eng mit der Gesundheitsschädigung und ihren funktio
nellen Auswirkungen verbun
den, dass es sich rechtfertigt, den gesamten Ursa
chenkomplex der Folgenab
schätzung zugrunde zu legen: In diesem Sinne kön
nen sich soziale Umstände - mittelbar – invaliditäts
begründend auswirken, indem sie eine (verselbständigte) Gesundheits
schädigung aufrechterhalten oder ihre (unabhängig von den invali
ditätsfremden Elementen bestehenden) Folgen verschlimmern. In diesen Kons
tellationen tragen die als solche nicht versicher
ten sozialen Faktoren zum Umfang der verselbständigten Gesundheitsschädi
gung bei (Urteil 9C_140/2014 vom 7. Januar
2015
, E. 3.3 mit weiteren Hinwei
sen).
4.2
Es finden sich keine Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer bereits früher an einer depressiven Symptomatik gelitten hätte, womit der psychosoziale Belastungsfaktor (Kündigung der Arbeitsstelle) klar im Vordergrund steht. Dies räumt der Beschwerdeführer denn auch ein. Dementsprechend erweist sich die von med. pract. Y._ (zunächst) gestellte Diagnose einer Anpassungsstörung als nachvollziehbar (E. 3.2 und E. 3.3). B
ei
einer
Anpassungsstörung mit länge
rer depressiver Reaktion
handelt es sich aber
grundsätzlich um ein vorüberge
hendes und deshalb an sich nicht invalidisierendes Leiden (Urteile des B
undes
gerichts 9C_4/2013 vom 19.
Dezember 2013 E. 2.2 und 8C_322/2010 vom
9.
August
2010 E. 5.2, je mit Hinweisen), worauf die Beschwerdegegnerin zu Recht hinweist.
4.3
Der Beschwerdeführer brachte indessen vor, es liege ein verselbständigtes psychi
sches Leiden vor; med. pract. Y._ stelle heute die Diagnose einer Per
sönlichkeitsveränderung, womit die verursachende psychosoziale Belastungssi
tuation in den Hintergrund getreten sei (Urk. 1). Es trifft zwar zu, dass med. pract. Y._ in seinem kurzen Bericht vom 21. März 2016 an die Rechtsvertre
terin des Beschwerdeführers festhielt, die Anpassungsstörung habe sich offen
sichtlich in eine andauernde Persönlichkeitsveränderung (ICD-10 F62.8) gewan
delt (Urk. 3). Der Bericht datiert jedoch nach Erlass der angefochtenen Verfü
gung und ist somit nur zu berücksichtigen, wenn er die Beurteilung im Zeit
punkt des Entscheiderlasses zu beeinflussen vermag (vgl. E. 1.4). Dem Bericht von med. pract. Y._ vom 21. März 2016 fehlt es indessen an der Nachvoll
ziehbarkeit. Die Diagnose einer Persönlichkeitsveränderung wurde nicht durch Befunde belegt. Vielmehr stützte sich med. pract. Y._ bei seiner Diagnose
stellung im Wesentlichen auf die Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers, wonach seine Arbeitsfä
higkeit zur Zeit höchstens 20-30 % betrage. Hinzu kommt, dass die Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung gemäss ICD-10 F62.0 in Anbetracht des vorliegenden Sachverhalts nicht zu überzeugen vermag. Eine andauernde Persönlichkeitsänderung gemäss ICD-10 F62.0 kann der Erfahrung von extre
mer Belastung folgen. Die Belastung muss allerdings so extrem sein, dass die Vulnerabilität der betreffenden Person als Erklärung für die tiefgreifende Aus
wirkung auf die Persönlichkeit nicht ausreicht. Beispiele hierfür sind Erfahrun
gen in einem Konzentrationslager, Folter, Katastrophen, andauernde lebensbe
drohende Situationen
(Dilling/Mombour/Schmidt [Hrsg.], Internationale Klassi
fikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V(F): Klinisch diagnostische Leitl
inien, 9. Aufl. 2014, S. 286 f.
).
Der Verlust der Arbeitsstelle stellt jedoch keine Erfahrung dar, welche die geforderte Intensität erreicht. Im Übrigen stellt auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer seit dem 2. August 2016 wieder einer 50%igen Arbeitstätigkeit nachgeht (Urk. 12 und Urk. 15), die von med. pract. Y._ im Bericht vom 21. März 2016 gemachte Einschätzung in Frage. Nebenbei ist zu bemerken, dass dem Arbeitsvertrag vom 31. Mai bzw. 3. Juni 2016 (Urk. 15/1) nicht zu entnehmen ist, ob das Arbeitspensum in Zukunft nach Belieben weiter erhöht werden kann; mündlich vereinbart wurde nach Angaben des Beschwerdeführers ein Pensum von etwa 50 % (Urk. 14). Aus dem Hinweis, bei der neuen Tätigkeit handle es sich um eine schlechter qualifizierte Tätigkeit als bei der Brokertätigkeit, weshalb eine Einkommenseinbusse hinzunehmen sei (Urk. 14), kann der Beschwerdeführer sodann nichts zu seinen Gunsten ableiten. Die Einkommenseinbusse kann nicht ohne weiteres auf eine gesundheitliche Beeinträchtigung des Beschwerdeführers zurückgeführt werden. Gemäss seinen eigenen Angaben konnte er bereits vor Verlust der Arbeitsstelle und somit vor dem Auftreten der psychiatrischen Symptomatik
den Leistungsansprüchen sei
nes Arbeitgebers nicht mehr entsprechen
, sodass es schliesslich trotz aller Bemühungen dennoch zur Kündigung kam (E. 3.5)
.
4.4
Der Vollständigkeit halber ist auf die in den Berichten des Medizinischen Zent
rums C._ gestellte Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1) einzugehen.
Depressive „Episoden“ sind definitionsgemäss
vorübergehender Natur und ha
ben deshalb, zumindest wenn sie leicht bis mi
t
telschwer sind, gemäss der bundesge
richtlichen Rechtsprechung in der Regel keine invalidisierende Wirkung. Die invalidisierende Wirkung einer mittel
schweren depressiven „Störung“ ist nach der Rechtsprechung nicht schlechthin auszuschli
essen. Deren Annahme bedingt in
dessen jedenfalls, dass es sich dabei um ein selbständiges, von einem allfälligen psychogenen Schmerzsyndrom und/oder allfäl
ligen psychosozialen Belastungsfak
toren losgelöstes depressives Leiden handelt (vgl. Urteile des 8C_654/2014 vom
6.
März 2015 E. 4.4.1, 9C_689/2014 vom 1
9.
Januar 2015 E. 2.3 und 9C_651/2014 vom 2
3.
Dezember 2014 E. 5.2 mit Hinweisen; vgl. E. 4.2.1).
Über
dies ist erforderlich, dass eine kons
equente Depressionsthera
pie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausw
eist (vgl. Urteile des Bundesge
richts 8
C_774/2013 vom 3. April 2014 E.
4
.2 und 9C_454/2013 vom 29. Okto
ber 2013 E. 4.1).
Wie bereits gesagt, kann nicht von einem selbständigen, von allfälligen psychosozialen Belas
tungsfaktoren losgelösten depressiven Leiden ausgegangen werden. Die anfäng
lich installierte Medikation erwies sich sodann als niedrigdosiert (Citalopram 40, 1 x per die [Urk. 7/28/2]), und eine tagesklinische Rehabilitationsbehandlung wurde erst auf Druck der Krankentaggeldversicherung in Angriff genommen (E. 3.5). Eine konsequente Depressionstherapie wurde somit frühestens ab etwa Sommer 2015 durchgeführt und führte mittlerweile ausgewiesenermassen zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes (vgl. Urk. 14).
4.5
Nach dem Gesagten liegt kein verselbständigtes psychisches Leiden vor, womit
mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit
erstellt ist
,
dass de
m Beschwerdeführer
bei Aufbie
tung allen guten Willens (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen)
eine 100%ige Arbeitstätigkeit in der angestammten Tätigkeit zumutbar ist. Weitere Abklärun
gen erübrigen sich.
4.6
Damit ist die angefochtene Verfügung nicht zu bean
standen und die Beschwerde abzuweisen.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.-- festzulegen und ausgangsgemäss vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).