Decision ID: ac3f1e3a-1d06-4d92-a7a5-9fe3772fac9e
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1986 geborene
X._
, welcher gelernter Metal
l
bauer ist
(vgl. Fähigkeitszeugnis vom 1
7.
August 2007,
Urk.
7/1/5)
, meldete sich am 17.
Oktober 2007 wegen einer Unverträglichkeit für hohe Schuhe/Stahlkappen bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle,
an
und bean
tragte die Umschulung auf eine neue Tätigkeit
(
Urk.
7/2)
. Mit Verfügung vom
5.
Februar 2009
(
Urk.
7/25)
verneinte die IV-Stelle einen Anspruch von
X._
auf berufliche Massnahmen.
Sie
führte zur Begründung an,
X._
könne
die angestammte Tätigkeit
als Metallbauer
nicht mehr aus
üben, weshalb er
grundsätzlich Anspruch auf eine Neuausbildung gemäss
Art.
16 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) habe.
X._
plane die Absolvierung einer Fachhochschule. Eine andere Aus
bildung komme für ihn nicht in Frage. Er erfüll
e zurzeit die Voraussetzungen für die von ihm gewählte Ausbildung an einer Fachhochschule jedoch nicht. Der Leistungsanspruch könne daher erst beurteilt werden, wenn er die entspre
chenden Voraussetzungen erfülle. Die Invalidenversicherung werde aber auch dann nur die Kosten für eine der angestammten Tätigkeit
gleichwertige
Ausbil
dung übernehmen.
Nachdem
X._
die Aufnahmeprüfung für die Technische
Berufsma
turität
bestanden hatte (Bestätigung vom 1
8.
Mai 2009,
Urk.
7/26), sprach ihm die IV-Stelle mit Mitteilung vom 1
2.
Februar 2010
(
Urk.
7/36) Kos
ten
für die
Berufsmatur
a
für die Zeit vom 1
9.
Oktober 2009 bis 17.
September 2010 gut. Sie hielt dabei fest, dass
lediglich für drei Jahre der vierjährigen Aus
bildung, welche neben der
Berufsmatura
ein Bachelorstudium beinhalte, Kosten übernommen würden
.
X._
bestätigte, dass er dies zur Kenntnis genommen habe und damit einverstanden sei.
Mit Verfügungen vom 2
0.
April 2010 (
Urk.
7/40) und vom
8.
Juni 2010 (
Urk.
7/41) sprach die IV-Stelle
X._
zudem
Taggelder für die Zeit vom 19.
Oktober 2009 bis 1
9.
September 2010
zu
.
X._
bestand die
Berufsmaturitätsprü
fungen
(vgl. Scheiben vom 1
2.
Oktober 2010,
Urk.
7/42).
Am 2
7.
September 2011 teilte die IV-Stelle
X._
mit (
Urk.
7/53), dass sie die Kosten für das erste Jahr
des
Bachelorstudi
ums
Betriebsökon
o
mie inkl. Vorbereitungskurse bei der
Y._
,
Z._
vom
8.
August 2011 bis 16.
September 2012
übernehme
.
Sie
wies
X._
dabei darauf hin, dass sie von der gesamten Ausbildung von vier Jahren die Kosten für drei Jahre übernehme. Mit Verfügungen vom
7.
Oktober 2011 (
Urk.
7/56)
,
vom 2.
Dezember 2011 (
Urk.
7/58)
und vom 2
7.
Dezember 2011
(
Urk.
7/59)
sprach die IV-Stelle
X._
zudem
Taggelder für die Dauer vom 19.
September 2
011 bis 1
6.
September 2012
zu
.
Mit Mitteilung vom 1
1.
Oktober 2012 (
Urk.
7/68)
sprach die
IV-Stelle
X._
Kosten
für das zweite Bachelorstudienjahr
vom 10. September 2012 bis 1
4.
Juni 2013
gut
. Sie wies ihn dabei wiederum darauf hin, dass sie nur die Kosten für drei Jahre der vierjährigen Ausbildung übernehme. Mit Ver
fügungen vom 2
3.
Oktober 2012 (
Urk.
7/70) und vom 1
1.
Januar 2013 (
Urk.
7/72) sprach die IV-Stelle
X._
wiederum Taggelder
zu
, nämlich für die Zeit vom 1
7.
September
2012
bis 1
6.
Juni 2013.
Mit Mitteilung vom
8.
Juli 2013
hielt
die IV-Stelle
fest
, dass
d
ie beruflichen Massnahmen
von
X._
abgeschlossen seien (
Urk.
7/77).
X._
machte in der Folge mit undatierter Eingabe geltend, dass er seine Ausbildung noch nicht abgeschossen habe und ersuchte um Erlass einer beschwerdefähigen Verfügung (
Urk.
7/78). Die IV-Stelle erliess daraufhin am 2
2.
August 2013 eine Verfügung
,
mit welcher sie den Abschluss der beruflichen Massnahmen
bestätigte (
Urk.
2)
.
2.
Hiergegen erhob
X._
am 1
7.
September 2013 Beschwerde und beantragte,
es seien
von der
Beschwerdegegnerin auch
für das letzte Jahr
seines
Bachelorst
udiums Kosten zu übernehmen (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin ver
zichtete auf das Erstatten einer Beschwerdeantwort (
Urk.
6), was dem Beschwer
deführer am 2
9.
Okto
ber 2013 mitgeteilt wurde (Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin Kosten für das dritte Jahr des Bachelorstudiums des Beschwerdeführers zu übernehmen hat.
2.
2.1
Nach Art. 16 Abs. 1 IVG haben Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz die
ser Kosten, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten der Versicherten entspricht. Als erstmalige berufliche Ausbildung gilt gemäss Art. 5 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) jede Berufslehre oder
Anlehre
sowie, nach Abschluss der Volks- oder Sonderschule, der Besuch einer Mittel-, Fach- oder Hochschule und die berufliche Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte. Der erstmaligen beruflichen Ausbil
dung gleichgestellt ist laut Art. 16 Abs. 2
lit
. b IVG die berufliche Neuausbil
dung invalider Versicherter, die nach dem Eintritt der Invalidität eine ungeeig
nete und auf die Dauer unzumutbare Erwerbstätigkeit aufgenommen haben.
Andererseits hat die versicherte Person nach Art. 17 Abs. 1 IVG Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich
erhalten oder wesentlich verbessert werden kann. Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit gleichgestellt ist laut Abs. 2 derselben Bestimmung die Wiedereinschulung in den bisherigen Beruf. Als Umschulung gelten gemäss Art. 6 IVV Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erst
maligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder wesentlichen Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen (Abs. 1). Als Umschulungsmassnahmen gelten auch Ausbildungsmassnahmen, die zu einer höherwertigen als die vorhandene Ausbildung führen, sofern sie zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit notwendig sind (
Abs.
1
bis
).
Musste eine erstmalige berufliche Ausbildung wegen Invalidität abgebrochen werden, so ist eine neue berufliche Ausbildung der Umschulung gleichgestellt, wenn das während der abgebrochenen Ausbildung zuletzt erzielte Erwerbseinkommen höher war als das Taggeld nach
Art.
23
Abs.
2 IVG (Abs. 2).
Dieses beträgt 30
%
des Höchstbetrages des versicherten Tagesverdienstes gemäss dem Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG;
Art.
23
Abs.
2 in Verbindung mit
Art.
24
Abs.
1 IVG), das heisst
Fr.
103.80 (Fr. 346.-- x 0,3
;
Art.
15
Abs.
3 UVG in Ver
bindung mit
Art.
22
Abs.
1 der Verordnung über die Unfallversicherung [UVV]).
Eine erstmalige berufliche Ausbildung gilt auch dann als im Sinne von
Art.
6
Abs.
2 IVV abgebrochen, wenn der Versicherte sie nach Eintritt des Versiche
rungsfalles zwar noch abschliesst, eine Betätigung auf dem erlernten Beruf jedoch invaliditätsbedingt als ungeeignet und auf die Dauer nicht zumutbar erscheint (BGE 121 V 186).
2.2
Der Beschwerdeführer absolvierte vom 1
8.
August 2003 bis am 3
0.
Juni 2007 eine Lehre als Metallbauer bei der
A._
AG (vgl. Arbeitgeberbericht
vom
5.
November 2007
,
Urk.
7/9).
Die gesundheitlichen Probleme, das heisst die
idiopathischen
dyshidrosiformen
Fusse
k
zem
e
, welche die Unzum
utbarkeit der Tätigkeit als Met
a
l
lbauer verursachten, lagen bereits während der Lehre des Beschwerdeführers vor (vgl.
Urk.
7/1, Bericht
e
von PD
D
r. med.
B._
, Leitende Ärztin
der
Dermatologischen Kli
nik des
C._
,
vom 1
2.
November 2007,
Urk.
7/10,
und
von
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, vom 2
7.
Oktober 2007,
Urk.
7/8).
Der Beschwerdeführer biss sich
nach seinen eige
nen Angaben durch die Lehre durch (
Urk.
7/19/3, vgl. auch E-Mail vom 6.
Januar 2009,
Urk.
7/22). Es kann daher davon ausgegangen werden,
dass
die Invalidität bereits während der Lehre
des Beschwerdeführers
zum Metallbauer
eingetreten ist
(vgl.
Art.
4
Abs.
2 IVG).
Der Beschwerdeführer
erhielt
im letzten Lehrjahr
einen Lohn
von
Fr. 1‘160.
--zuzüglich 1
3.
Monatslohn
pro Monat
(
Urk.
7/9
/15
).
Sein Einkommen
war somit tiefer als
das
höchste Taggeld gemäss
Art.
23
Abs.
2 IVG (vgl. E. 2.1), weshalb
seine neue Ausbildung trotz
im Sinne von BGE 121 V 186
abgebrochener
Lehre
einer Umschulung
nicht
gleichgestellt ist (
Urk.
6
Abs.
2 IVV
).
Es erweist sich somit als rechtens, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen gestützt auf
Art.
16 IVG (Erstmalige berufliche Ausbildu
ng) und nicht gestützt auf Art.
17 IVG (Umschulung)
ausgerichtet hat.
3.
3.1
Gemäss
Art.
5
Abs.
3 IVV bilden bei Versicherten, welche
n Kosten für eine
Neu
ausbildung
im Sinne von
Art.
16 IVG
gewährt werden und welche
vor Eintritt der Invalidität schon eine Ausbildung begonnen hatten,
die Kosten dieser Aus
bildung die Vergleichsgrundlage für die Berechnung der invaliditätsbedingten zusätzlichen Aufwendungen.
3.2
Die Beschwerdegegnerin
wies den Beschwerdeführer
in den Mitteilungen vom
1
2.
Februar 2010 (
Urk.
7/36), vom 2
7.
September 2011 (
Urk.
7/53) und vom
11.
Oktober 2012 (
Urk.
7/68), mit welchen sie
ihm
die Kosten für die ersten drei Jahre seiner vierjährigen Ausbildung gewährte, darauf hin, dass er
Anspruch
auf
Vergütung der Kosten habe, welche für eine gleichwertige Ausbildung anfielen.
Als Vergleichsbasis hielt sie
dabei
eine dreijäh
rige Lehre als kaufmän
nischer Angestellter fest. Die Beschwerdegegnerin ging dabei davon aus, dass auch die Ausbildung zum Metallbauer drei Jahre daure
, weshalb ihm auch nur eine dreijährige Neuausbildung gewährt werden könne
(vgl.
Verlaufsprotokoll Berufsberatung,
Urk.
7/35
/1
). Entsprechend verneinte sie mit Verfügung vom 2
2.
August 2013 einen weiteren Leistungsanspruch des Beschwerdeführers.
Die Beschwerdegegnerin verkannte
dabei
, dass nicht nur die Lehre des Beschwer
deführers (
Urk.
7/9), sondern generell die Lehre als Metallbauer vier Jahre dauert
(vgl.
http://www.smu.ch/cms/index.php?id=156
).
Der Beschwer
deführer hat daher grundsätzlich Anspruch auf eine Ausbildung, welche seiner vierjährigen Lehre
entspricht (vgl.
Art.
5
Abs.
3 IVV). Es geht
folglich
nicht an, unter dem Hinweis auf die dreijährige Lehr
e
für kaufmännische
Angestellte
die Kostengutsprache auf drei Jahr
e
zu beschränken.
V
ielmehr
sind
die
konkreten invalidität
sbedingten Mehrkosten, welche beim Beschwerdeführer
bis zum Erreichen einer der
vierjährigen
Ausbildung als Metallbauer entsprechenden Ausbildung anfallen
, zu ermitteln
.
Hierzu
ist
– nach Bestimmung einer der Lehre als Metallbauer entsprechenden Ausbildung -
abzuklären, inwieweit dem Beschwerdeführer die abgeschlossene Lehre als Metallbauer bei
der
Neuausbil
dung angerechnet würde
(was zu einer verkürzten Ausbildungsdauer führen könnte)
.
Dies hat die Beschwerdegegnerin unterlassen.
Die Sache ist daher zur Vornahme dieser Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Hernach hat die Beschwerdegegnerin über den Leistungsanspruch des Besch
werdeführers neu zu entscheiden. Da
bei
hat
sie
zu berücksichtigen, dass die Vergleichsrechnung der Kosten immer bezogen auf den gesamten Zeitraum der in Aussicht genommenen Ausbildung durchzuführen und nicht auf einzelne Zeitabschnitte zu beschränken ist (Meyer in:
Murer
/Stauffer, IVG, S. 188 mit Hinweis auf die Rechtsprechung).
4.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG in der seit
1.
Juli 2006 in Kraft stehenden Fas
sung ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--) auf
Fr.
500.
--
festzusetzen
.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die Kos
ten der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
sind
.