Decision ID: d380df56-bcad-4193-b5dd-290a44c1a8e2
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1953, war als Kassierin bei
Y._
tätig und damit bei der SWICA Versicherungen AG
(nachstehend:
Swica
)
obligatorisch unfallversichert, als sie am 1
6.
Oktober 2003 ausrutschte, stürzte und sich eine distale Radiusfrak
tur am linken Handgelenk zuzog (
Urk.
8/1,
Urk.
8/4).
Mit Verfügung vom
4.
August 2009 schloss die
Swica
den Fall ab und sprach der Versicherten eine Invalidenrente entsprechend einem Invaliditätsgrad von 23
% ab 1. Juni 2009
sowie eine Integritätsentschädigung von 5
%
zu (
Urk.
8/150).
1.2
Am
7.
November 2010 erlitt
die Versicherte
einen weiteren, nicht bei der
Swica
versicherten Unfall, bei dem sie sich erneut eine Radiusfraktur am linken Hand
gelenk zuzog (
vgl.
Urk.
13/2 S. 10
Ziff.
2.1.1.1 und S. 7 Mitte,
Urk.
8/189 S.
47
Ziff.
4
).
Mit Verfügung vom 1
9.
Februar 2015 hob die
Swica
die bisher ausgerichtete Rente
per 31. Dezember 2014
auf (
Urk.
8/177). Dagegen erhob die Versicherte am 2
5.
März 2015 Einsprache (
Urk.
8/182). Diese wies die
Swica
mit
Einsprache
ent
scheid
vom 12.
Juni 2017 ab (
Urk.
8/198 =
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
2.
Juni 2017 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am 1
3.
Juli 2017 Beschwerde und beantragte, dieser sei aufzuheben und es sei ihr eine Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 23
%
zuzu
spre
chen (
Urk.
1 S. 2 Mitte
Ziff.
1).
Die
Swica
beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
September 201
7
(
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 2
0.
Oktober 2017 (
Urk.
14) wurde antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2 Mitte
Ziff.
2) die unentgeltliche Rechtsvertretung bewilligt.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbe
zü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts (ATSG)
.
1.2
Anlass zur Revision einer Invalidenrente im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente (zum massgeblichen Vergleichszeitpunkt vgl. BGE 133 V 108 E. 5.4), die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beein
flussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesund
heitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgaben
bereich von Bedeutung; dazu gehört die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf
grund einer Angewöhnung oder Anpassung an die Behinderung. Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.3
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen und E. 6.1). Entsprechend ist gegebenenfalls nicht nur der natürliche Kausal
zu
sammenhang, sondern auch dessen Adäquanz für die Zukunft neu zu prüfen, wobei die im Zeitpunkt der erwogenen revisionsweisen Leistungs
anpassung gegebenen tatsächlichen Verhältnisse massgebend sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_248/2017 vom 24. Mai 2018 E. 3.3 mit Hinweisen).
1.4
Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades ist die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und – sofern Anhaltspunkte für eine Verände
rung der erwerblichen Auswirkungen einer Gesundheitsschädigung bestehen – Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht (BGE 134 V 131 E. 3, 133 V 108 E. 5.3.1 und E. 5.4).
1.5
Der Revisionsordnung geht der Grundsatz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Ein
sprache
entscheide
, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet haben, zurückzukommen, wenn sie zweifellos unrichtig sind und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (
Art.
53
Abs.
2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen
kann die Verwaltung eine Rentenverfügung auch dann abän
dern, wenn die Revisionsvoraussetzungen des
Art.
17 ATSG nicht erfüllt sind.
1.6
Im gegenseitigen Verhältnis zwischen Invaliden- und Unfallversicherung besteht keine Bindungswirkung der Invaliditätsschätzung des einen Versicherers für den jeweils anderen Sozialversicherungszweig. Die IV-Stellen und die Unfallver
siche
rer haben die Invaliditätsbemessung in jedem einzelnen Fall selbständig vorzu
nehmen. Sie dürfen sich ohne weitere eigene Prüfung nicht mit der blossen Über
nahme des Invaliditätsgrades des jeweils anderen Sozialversicherers begnügen (BGE 133 V 549 E. 6.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) davon aus, der am
7.
November 2010 erlittene weitere Unfall sei ein neues Element, welches Anlass zu einer Rentenrevision gemäss
Art.
17 ATSG gebe (S. 5
Ziff.
3.4). Der Einkommensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von weniger als 10
%
(S. 7
f.
Ziff.
3.8). Der Sachverhalt habe sich seit der
Rentenzusprache
im Jahr 2009 wesentlich geändert, und die Leistungseinstellung per 3
1.
Dezember 2014 sei korrekt (S. 8
Ziff.
3.9).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), der Gesundheitszustand der linken Hand oder dessen Auswirkungen auf die Ein
kommenssituation hätten sich nicht wesentlich verändert (S. 4
Ziff.
8). Der Zustand am linken Handgelenk sei seit Jahren stationär (S. 4
Ziff.
9). Unerheblich, da lediglich eine andere Einschätzung des gleichen Sachverhalts, seien die
unter
schiedlichen Angaben zur Arbeitsfähigkeit in verschiedenen Gutachten (S.
4
Ziff.
10). Auch die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung im Sinne von Art.
53
Abs.
2 ATSG seien nicht erfüllt, da die
Rentenzusprache
nicht zweifellos unrichtig gewesen sei (S. 5 f.
Ziff.
12 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Einstellung der bisher ausgerichteten Rente rech
tens ist.
3.
3.1
Am
4.
März 20
08 erstatteten die Ärzte des Z._
ein Gutachten im Auftrag der Invalidenversicherung (
Urk.
7).
Darin
nann
ten sie
unter anderem
folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 20
Ziff.
5.1):
-
chronische Handgelenksschmerzen beidseits bei
-
Status nac
h distaler Radiusfraktur links am 1
6.
Oktober 2003
-
konservative Therapie im Unterarmgips für 6 Wochen
-
Status nach
Tenolyse
, Abtragung
Tuberculum
listeri
und Verlagerung der Extensor
pollicis
longus
-Sehne subkutan links
am
1
5. Juni
20
04
-
mässiggradige
Rhizarthrose
links, ansonsten keine degenerativen Ver
änderungen beider Hände (Röntgen 1
1.
Oktober 20
06)
-
chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom ohne
radikuläre
Ausfälle
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), einen Senkspreizfuss mit
Hallux
valgus
beidseits, eine Medikamenten-
Malcompliance
und einen Nikotinabusus (S.
20
Ziff.
5.2).
Die Gutachter führten unter anderem aus,
das
Röntgen der Hand (2
2.
Februar 2007) zeige eine grenzwertige Mineralisation, eine in guter Stellung konsolidierte Radiusfraktur links, keine wesentlichen degenerativen oder
erosiven
Veränderun
gen, und eine
mässiggradige
Rhizarthrose
links mit leichter Subluxationsfehl
stellung (S. 17).
Aus orthopädischer Sicht wirkten sich die chronischen Handgelenkschmerzen beidseits, trotz
,
abgesehen von der
mässiggradigen
Rhizarthrose
links,
weitge
hendem Fehlen eines klinischen und radiologischen Korrelates, sowie ein chroni
sches panvertebrales Schmerzsyndrom auf die Arbeitsfähigkeit aus. Der ange
stammte Beruf als Kassiererin sei der Beschwerdeführerin somit bleibend nicht
mehr zumutbar
. Für eine körperlich leichte und wechselbelastende Tätigkeit bestehe aus orthopädischer Sicht eine ganztägige Arbeitsfähigkeit mit einer Leistungseinbusse von 20
%
(S. 21
Ziff.
6.2),
bestehend seit dem Unfall im Okto
ber 2003 (S. 21
Ziff.
6.3.).
3.2
Am 1
6.
Oktober 2008 erstatteten die Ärzte der
MEDAS
A._
ein Gut
achten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
8/128). Darin nannten sie unter anderem folgende Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit (S. 22
Ziff.
4.1):
-
chronische Handbeschwerden links
-
Rhizarthrose
-
Residuen nach Radiusfraktur loco
classico
links und Teilruptur der Extensor
pollicis
longus
-Sehne, primär konservative Therapie
-
Status nach
Tenolyse
und Subkutan-Verlagerung dieser Sehne
-
chronische bilaterale
Zervikobrachialgien
und
Zervikozephalgien
-
chronische bilaterale
Lumboischialgien
Zur Arbeitsfähigkeit wurde ausgeführt, die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Kassiererin sei der Versicherte
n
nicht mehr zumutbar (S. 22
Ziff.
5.1). Zumutbar sei eine körperlich leichte, wechselbelastende (also auch nicht ständig sitzende) Tätigkeit ohne Heben schwerer Lasten und ohne repetitives Heben über 10 kg; nicht zumutbar seien Arbeiten, die ein kräftiges Zupacken mit der linken Hand erforderten (S. 22
Ziff.
5.2). Zum Umfang dieser Arbeitsfähigkeit wurde - wohl zustimmend - eine 2008 erfolgte Beurteilung
erwähnt, wonach dieser 50
%
betrage (S. 23
Ziff.
5.4).
Im rheumatologischen Teilgutachten (
Urk.
8/125) wurde unter anderem ausge
führt, o
bjektiv stehe die reduzierte funktionelle Kapazität im Bereich der linken Hand im Vordergrund, wo eine fortgeschrittene
Rhizarthrose
bestehe sowie eine
Volarflexionseinschränkung
nach einer distalen Radiusfraktur mit partieller Ruptur der Sehne des M.
ext
ensor
pollicis
longus
, so dass
später eine
Tenolyse
,
Synovektomie
und Verlagerung habe vorgenommen werden müssen. Durch die deutlich verminderte Faustschlusskraft sowie durch die herabgesetzte Griffsicher
heit werde die Alltagsbewältigung als Hausfrau, aber auch jegliche manuelle kraftaufwändige Arbeit erschwert. Im Weiteren sei die relativ stereotype, mono
tone Belastung der linken Hand bei der Arbeitsausübung als Kassiererin nicht mehr zumutbar, da regelmässige mechanische Beanspruchung des Radiocarpal
gelenks und ebenso des Daumensattelgelenks (Nachschieben und Nachgreifen der gekauften Ware auf dem Laufband, Einpackarbeiten usw.) nicht mehr zumutbar seien (S. 4
).
Das Sturzereignis mit distaler Radiusfraktur
links und
Teilruptur einer Strecksehne sei nur eine Mitursache der festgestellten gesundheitlichen Störung
(S. 6
Ziff.
6.1)
. Mit Bezug auf die Unfallfolgen an der linken Hand sei die
Rhizarthrose
links vorbestehend, wobei die Verschlimmerung durch den Sturz vo
r
bald 5 Jahren heute als abgeklungen erachtet werden könne (S. 6
Ziff.
6.3).
3.3
Am 1
3.
März 2009 beantworteten die Gutachter des
Z._
(vorstehend E. 3.1) ihnen von der Beschwerdegegnerin unterbreitete Ergänzungsfragen (
Urk.
8/139).
Sie führten aus, die
linksseitigen Handgelenkschmerzen seien als einzige Ursache der festgestellten gesundheitlichen Störung nachvollziehbar und somatisch begründbar (S. 1
Ziff.
1.1
).
Die an der linken Hand radiologisch dokumentierte
Rhizarthrose
sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallerei
gnis zurückzuführen. Auch
wenn eine Überlagerungssituation vorhanden sei, könne als eindeutiger somatischer Kern die linke Hand überwiegend wahrscheinlich im überwiegenden Ausmass als unfallkausal ebenfalls begründet werden (S.
1 f. Ziff.
1.2
)
.
Zur Frage des
status
quo
ante wurde ausgeführt, ein solcher könne bei
arthroti
scher
Veränderung grundsätzlich nicht (mehr) erreicht werden. Die zusätzlichen Handbeschwerden sollten im Endzustand vorhanden sein. Eine Verschlechterung oder Verbesserung der Situation sei somit nicht mehr zu erwarten und wäre auch nicht mehr unfallkausal zu begründen (S. 2
Ziff.
1.3).
Aufgrund der erlittenen Verletzung sei die Beschwerdeführerin beim Heben und Tragen schwerer Gegenstände eingeschränkt: Es sollten nur körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten zugemutet werden, das Heben und Tragen von Lasten über 10 kg sollte aufgrund der Verletzung vermieden werden. Ebenso seien häufige
Umwendbewegungen
im Bereich des linken Handgelenks zu vermeiden. Unter diesen Voraussetzungen bestehe aus rein orthopädischer Sicht eine Arbeits
fähigkeit von 80 % bei ganztägigem Pensum mit um 20 % reduzierter Leistung aufgrund eines erhöhten Pausenbedarfs (S. 3
Ziff.
2.2
).
3.4
Ausgehend von der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 20
%
gemäss
Z._
Gutachten und unter Berücksichtigung eine
s Abzugs vom Tabellenlohn von 15
% ermittelte die Beschwerdegegnerin einen Invaliditätsgrad von 23
%
(Urk.
8/148) und sprach mit Verfügung vom
4.
August 2009 eine entsprechende Invaliden
rente zu (
Urk.
8/150).
4.
4.1
2010 erlitt die Beschwerdeführerin als Fussgängerin einen Verkehrsunfall (vgl.
Urk.
13/2 S. 10
Ziff.
2.1.1.1), bei dem sie sich gemäss Arztbericht vom 17.
November 2011 unter anderem eine distale, intraartikuläre dislozierte Radius
fraktur links zuzog (vgl.
Urk.
13/2 S. 7 Mitte).
4.2
Am 1
3.
März 2012 erstatteten die Ärzte des
Z._
ein weiteres Gutachten im Auf
trag der Invalidenversicherung (
Urk.
13/1).
Darin wurden unter anderem folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (S. 22 f.
Ziff.
5.1):
-
persistierende schmerzhafte Funktionseinschränkung linkes Handgelenk
-
Status nac
h volarer Plattenosteosynthese November
2010 bei distaler intraartikulärer dislozierter Radiusfraktur
-
Status nach distaler Radiusfraktur links
Oktober
2003 mit primär kon
servativer Therapie im Unterarmgips sowie nachfolgend
Tenolyse
, Abtragung
Tuberculum
listeri
und Verlagerung der Extensor-
pollicis
-
longus
-Sehne subkutan
Juni 2004
-
anamnestisch und klinisch mögliches CTS
(Karpaltunnelsyndrom)
links
-
chronisches zervikal- und lumbalbetontes
Panvertebralsyndrom
-
Schwerhörigkeit
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) und ein fortgesetzter Nikotin
kon
sum genannt (S. 23
Ziff.
5.2).
In der Beurteilung wurde unter anderem ausgeführt, im
Vordergrund stünden die angegebenen Beschwerden im linken Vorderarm sowie Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen. Die Schmerzen im linken Arm hätten sich seit dem erneuten Unfall verstärkt (S. 23
Ziff.
6.2
).
Die Arbeitsfähigkeit habe sich gegenüber der Untersuchung im Jahr 2008 nicht verändert (S. 25
Ziff.
6.9).
4.3
Am 1
9.
September 2013 erstatteten die Ärzte der
B._
ein Gutachten im Auftrag der Invalidenversicherung (
Urk.
13/2). Darin wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit gestellt (S. 39
Ziff.
4.3.1):
-
residueller
Defekt des
Nervus
medianus
links (leichtgradige
Thenar
-Atro
phie, positives
Tinel
-Zeichen, kein wesentliches sens
ibles Defizit), Karpal
tunnelsynd
rom links
-
Hyposmie
-
linkskonvexe Seitbiegung der Brustwirbelsäule (BWS), Hyperlordose, resultierende leichte
Reklinationsstellung
des
Rumpfes
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde eine leichtgra
dige Adipositas und eine beidseitige Schwerhörigkeit, mit Hörgeräten gut kompensiert, genannt (S. 39
Ziff.
4.3.2).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde ausgeführt, es liege bei der Versicherten in der erlern
ten und jedweder vergleichbaren Tätigkeit oder auch einer anderen Arbeit des allgemeinen Arbeitsmarkts per sofort eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
vor, dies unter Berücksichtigung der Vermeidung hoher manueller Belastungen der linken Hand; namentlich sei eine Arbeit an Supermarktkassen wahrscheinlich auf Dauer ungeeignet und zu vermeiden (S. 38
Ziff.
3).
Bezogen auf den Unfall von 2010 wurde ausgeführt, angesichts des Unfallmusters und der dabei zweifelsfrei erlittenen erheblichen Verletzungen sei eine zumindest
vorübergehende Verschlechterung im Bereich des linken Unterarms und der lin
ken Hand grundsätzlich biologisch plausibel und sehr wahrscheinlich, ebenso die Entwicklung beziehungsweise die Verschlechterung eines linksseitigen Karpal
tunnelsyndroms (S. 40 f.
Ziff.
4.6).
4.4
Am
7.
Oktober 2016 erstatteten die Ärzte der
MEDAS
A._
ein
weiteres
Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
8/189). Darin nannten sie
die
folgende
n, hier teilweise verkürzt angeführten Diagnosen (S. 47
Ziff.
4):
-
eingeschränkte Beweglichkeit des linken Handgelenks nach
-
n
ichtdislozierter Radiusfraktur am 1
6.
Oktober 20
03 und konservativer Behandlung
-
operativer Rekonstruktion der Sehnen des Extensor
pollicis
longus
am
1
5.
Juni 2004
-
O
steosynthese mit volarer Platte
am 1
1.
November 2010
-
Entfernung des
Osteosynthesematerials
im Januar 2012
-
c
hronisches
zervikospondylogenes
und
lumbospondylogenes
Schmerz
syndrom
-
generalisiertes Schmerzsyndrom, Differentialdiagnose (DD): Fibro
myal
gie-Syndrom, chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychi
schen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
m
ittelgradige depressive Episode (
ICD-10
F32.1)
-
Rhizarthrose
beidseits
-
partielle
Rotatorenmanschettenläsion
rechts, klinisch vermutlich wenig relevant (Sonografie November 2004)
-
Hallux
valgus
und Metatarsus
varus
an beiden Füssen
-
Status nach
Bursektomie
am linken Ellbogen am 1
7.
Mai 2016
-
anamnestisch Geschmacks- und Riechstörung seit Unfall vom
7.
No
vem
ber 2010
-
Status nach drei Eingriffen an der Nase 2012 bis 2014
-
Status nach Kataraktoperation beidseits am 2
2.
März und 1
2.
Mai 2016
-
a
namnestisch hyperaktive Blase mit
Urge-lnkontinenz
-
Hypercho
lesterinämie (Laborbefund 1
7.
August
2016)
Zur Arbeitsfähigkeit wurde im orthopädisch-
traumatologischen
Teilgutachten (
Urk.
8/188) ausgeführt, in der angestammten Tätigkeit als Kassierin sei diese nicht mehr gegeben (S. 18 oben). Dies decke sich mit früheren Einschätzungen, und durch das Unfallereignis von 2010 habe sich die Situation am linken Hand
gelenk nicht
verbessert.
Dies bestätige das Verlaufsgutachten des
Z._
. Die im
B._
-Gutachten attestierte volle Arbeitsfähigkeit als Kassierin sei aus näher dargelegten Gründen nicht nachvollziehbar (S. 17).
Betreffend zumutbare Tätigkeiten in einer leidensangepassten Tätigkeit wurde ausgeführt,
die im
Z._
-Gutachten von 2012 formulierte Einschränkung auf kör
perlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten sei nachvollziehbar, nicht aber die zeitliche Einschränkung auf 80
%
. Folgende Tätigkeiten seien nicht mehr zumut
bar (S. 18
Ziff.
7.6):
-
Heben und Tragen von Gewichten über 10 kg mit der linken Hand
-
r
egelmässige r
epetierende
Umwend
-Bewegungen mit der linken Hand
-
andauernde Haltearbeiten mit der linken Hand, beispielsweise das Halten von Werkstücken, Maschinen und Geräten
-
das Besteigen von Leitern oder Regalen wegen der wahrscheinlich einge
schränkten Greifkraft links
Eine anteilmässige Zuweisung auf die beiden Unfallereignisse sei nicht möglich (S. 18 Mitte).
5.
5.1
Die
Rentenzusprache
im Jahr 2009 erfolgte gestützt auf die
2008 erfolgte
Beur
teilung durch die
Z._
-Gutachter (vorstehend E. 3.4), wonach eine unfallbedingte Einschränkung am linken Handgelenk (vorstehend E. 3.3) eine vollständige Arbeitsunfähigkeit als Kassierin und eine näher umschriebene Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten (vorstehend E.
3.1) bestand.
5.2
Im Jahr 2010 erlitt die Beschwerdeführerin einen weiteren Unfall, bei welchem es erneut zu einer Radiusfraktur am linken Handgelenk kam (vorstehend E. 4.1).
Dass dies zu einer Verbesserung hinsichtlich der Einschränkungen am linken Handgelenk geführt haben würde, erschiene einigermassen paradox. Solches wurde denn auch in keinem der später erstatteten Gutachten postuliert. Es wurde im Gegenteil ausgeführt, die Arbeitsfähigkeit habe sich gegenüber 2008 nicht verändert (vorstehend E. 4.2), eine zumindest vorübergehende Verschlechterung im Bereich des linken Unterarms und der linken Hand durch den Unfall von 2010 sei sehr wahrscheinlich (vorstehend E. 4.3), durch das Unfallereignis von 2010 habe sich die Situation am linken Handgelenk
nicht verbessert (vorstehend E.
4.4). Diese
Feststellungen sind im Übrigen gut vereinbar mit dem Umstand, dass
schon
die
Z._
-Gutachter 2009 ausgeführt hatten, eine Verschlechterung oder Verbesserung der die Handbeschwerden betreffenden Situation sei nicht mehr zu erwarten und wäre nicht mehr unfallkausal zu begründen (vorstehend E.
3.3).
5.3
Aufgrund der diesbezüglich übereinstimmenden Beurteilungen in allen erstatte
ten Gutachten steht somit fest, dass der zweite Unfall
keine Veränderung bezüg
lich der
Beeinträchtigung am linken Handgelenk und
der
sich daraus ergeben
de
n
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
bewirkt hat, sondern diese allenfalls vo
rüber
gehend verstärkt
, m
it Sicherheit
aber keine Verbesserung bewirkt hat.
Dass die aktuellen Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit, soweit sie schlüssig sind, leicht divergieren, ändert am Umstand, dass der Zustand im Bereich des linken Handgelenks im Vergleich zu 2009 unve
rändert geblieben ist, nichts.
Somit ist kein Revisionsgrund gemäss
Art.
17 ATSG ausgewiesen, und eine erneute Anspruchsprüfung
ist unter diesem Titel nicht gerechtfertigt.
5.4
Zu prüfen bleibt eine allfällige zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Ver
fügung (vorstehend E. 1.5).
Die Wiedererwägung nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG setzt voraus, dass kein vernünftiger Zweifel an der Unrichtigkeit der Verfügung mög
lich, folglich nur dieser einzige Schluss denkbar ist. In diesem Sinne qualifiziert unrichtig ist eine Verfügung, wenn eine Leistung aufgrund falscher Rechtsregeln beziehungsweise ohne oder in unrichtiger Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zugesprochen wurde (BGE 141 V 405 E. 5.2, 140 V 77 E. 3.1 mit Hinweis). Gleiches gilt bei einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrund
satzes, insbesondere wenn die notwendigen fachärztlichen Abklärungen überhaupt nicht oder nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt wurden (vgl. Art. 43 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2017 vom
2.
August 2018 E. 3.2 mit Hinweisen). Soweit ermessensgeprägte Teile der Anspruchsprüfung vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage einschliesslich der Rechtspraxis im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung in ver
tretbarer Weise beurteilt worden sind, scheidet die Annahme zweifelloser Unrich
tigkeit aus (BGE 141 V 405 E. 5.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bun
desgerichts 9C_766/2016 vom 3. April 2017 E. 1.1.2 mit Hinweisen).
5.5
Die Beschwerdegegnerin legte der
Rentenzusprache
die Beurteilung durch die
Z._
-Gutachter zugrunde (vorstehend E. 3.4). Diese unterschied sich in gewisser Hinsicht von derjenigen im
von der Beschwerdegegnerin eingeholten
Gutachten der MEDAS
A._
. Die
Z._
-Gutachter
erachteten die von ihnen diagnostizierte
Rhizarthrose
als unfallkausal und massgebend für die Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit, und schlossen daraus auf eine Minderung um 20
%
bei einem entsprechend formulierten Belastungsprofil (vorstehend E. 3.3). Im Gut
achten der MEDAS
A._
wurde die
Rhizarthrose
als vorbestehend und damit unfallfremd eingestuft, das Sturzereignis aber als Mitursache der festge
stellten Gesundheitsstörung qualifiziert; der Umfang der Arbeitsfähigkeit in
ähnlich umschriebenen - angepassten Tätigkeiten wurde mit 50
%
beziffert (vor
stehend E. 3.2).
5.6
Bei näherer Betrachtung führen die beiden Beurteilungen zum
fast
gleichen Ergebnis: Laut MEDAS war die Arbeitsfähigkeit um 50
%
eingeschränkt, dies unter anderem durch die als unfallfremd taxierte
Rhizarthrose
. Ohne diese hätte sie also
zwar
mehr als 0
%
, aber w
eniger als 50
%
betragen. Das arithmetische Mittel dieser Werte (25
%
) unterscheidet sich nur noch um 5 Prozentpunkte von der gemäss
Z._
anzunehmenden Einschränkung von 20
%
.
Bei dieser Ausgangslage kann nicht gesagt werden, die eine oder die andere Beurteilung wäre die einzig richtige gewesen und die andere deshalb zweifellos unrichtig.
Mithin kommt auch eine Anpassung unter dem Titel der Wiedererwägung infolge zweifelloser Unrichtigkeit der ursprünglichen
Leistungszusprache
nicht in Frage.
5.7
Zusammengefasst sind also weder die Voraussetzungen für eine revisionsweise Anpassung (vorstehend E. 5.3) noch diejenigen für eine Wiedererwägung (vorste
hend E. 5.6) erfüllt.
Somit hat die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf die ihr zugesprochene Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 23
%
. Mit
dieser
Feststellung ist in Gutheissung der Beschwerde der angefochtene Entscheid aufzuheben.
6.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat von der ihm ein
geräumten Möglichkeit, eine Honorarnote einzureichen (
Urk.
14 S. 2
Ziff.
3
Abs.
2) keinen Gebrauch gemacht. Seine Entschädigung ist deshalb ermessen
weise beim Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2'400.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und aus
gangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.