Decision ID: ede1d429-bf0c-53b3-8edb-2b678aad6a5f
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Rosenbergstrasse 51, Postfach 1121,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
betreffend
Rente und berufliche Massnahmen
Sachverhalt:
A.
M._ erlitt am 14. August 2004 einen Autounfall. Das Kantonsspital St. Gallen,
Departement Innere Medizin, Rheumatologie und Rehabilitation, berichtete dem
Hausarzt Dr. med. A._ am 12. November 2004, die Versicherte leide an einem
chronischen zervikalen und lumbalen Schmerzsyndrom bei St.n. Verkehrsunfall. Das
Syndrom habe sich nach dem Unfall mit einer Latenzzeit von 14 Tagen entwickelt. Die
bildgebende Diagnostik (MRT-HWS) habe keine ossären Läsionen erkennen lassen. Im
Segment C5/6 sei eine deutliche rechts-medio-lateral gelegene Diskushernie zur
Darstellung gekommen. Erfreulicherweise sei es zu einer Rückbildung der Zervikalgien
gekommen. Die Beweglichkeit der HWS sei nur noch endphasig schmerzbedingt
eingeschränkt gewesen. Sensomotorische Ausfälle seien weiterhin nicht zu erkennen
gewesen. Für die Versicherte hätten die Lumbalgien im Vordergrund gestanden. Die
Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen berichtete dem Hausarzt am 3. Dezember
2004, die Versicherte leide an pseudoradikulären Beinschmerzen bei lumbaler
Hyperlordose und an einem Schulter-Armsyndrom bei zervikaler Diskushernie HWK5/6.
Bezüglich der Armschmerzen könnte der Versicherten mit einer
Bandscheibenoperation geholfen werden. Die Nackenschmerzen seien schwieriger
anzugehen. Die Chancen, dass sich eine deutliche Besserung der Beschwerde ergeben
würde, lägen bei 50%. Die Lumbalgien seien durch die Bildgebung nicht zu erklären.
Diese Beschwerdesymptomatik sollte sich durch konservative Massnahmen bessern
lassen. Die Versicherte hielt sich vom 10. bis 27. Januar 2005 zur Rehabilitation in der
Klinik Valens auf. Deren Ärzte führten im Austrittsbericht vom 5. Februar 2005 aus, die
Versicherte leide an einem zervikozephalen Schmerzsyndrom rechts mit/bei Autounfall
am 14. Aug. 2004 mit HWS-Beschleunigungsmechanismus und Kopfprellung,
kernspintomographisch mediorechtslateraler Diskushernie C5/6 rechts, bekannter
Migräneanamnese und bei Eintritt ohne neurologische Defizite, aber mit allseits
endgradig schmerzhafter HWS-Beweglichkeit. Die Ärzte führten weiter aus, beim
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Eintritt hätten die Dysaesthesien im Schulter-/Nackenbereich rechts mit Ausstrahlung
in den Kopf und in den rechten Arm mit Kraftminderung der rechten Hand weit im
Vordergrund gestanden. Die angegebenen Beschwerden seien bei nicht dermatom-
bzw. myotombezogenen Angaben und gesamthaft symmetrischem Reflexstatus als
vorwiegend myogen eingestuft worden. Die Therapie habe deshalb schwergewichtig
der Lösung der muskulären Dysbalance und der Triggerpunktbehandlung gedient.
Seitens der aktenanamnestisch bekannten lumbalen Beschwerden sei die Versicherte
weder subjektiv noch objektiv limitiert gewesen. Gegen Ende des Aufenthalts sei ein
Basistest der körperlichen Belastbarkeit durchgeführt worden. Im entsprechenden
Bericht vom 27. Januar 2005 war angegeben worden, das Problem bestehe in einer
Funktionsstörung der HWS und der LWS mit ungenügender muskulärer
Stabilisationsfähigkeit und Koordination bereits bei geringer Belastung. Ausserdem
liege eine schonungsbedingte massive allgemeine Dekonditionierung vor. Die
Versicherte habe bei Belastung ausstrahlende Schmerzen in den rechten Schulter- und
Oberarmbereich und Schwindel angegeben, wobei letzterer negativ durch die
Dekonditionierung beeinflusst sei. Die körperliche Leistungsfähigkeit entspreche einer
leichten Arbeitsbelastung mit maximalen Gewichtsbelastungen bis 12,5 kg. Die Ärzte
der Klinik Valens gaben abschliessend für die bisherige Haushalttätigkeit eine
Arbeitsfähigkeit von 100% an. Der Kreisarzt der SUVA berichtete am 12. Mai 2005 über
eine Untersuchung der Versicherten. Er gab an, der Zustand sei nach einer
zwischenzeitlichen Verschlimmerung mit Hospitalisation unverändert wie nach Valens.
Zwar seien die Beschwerden endphasig auslösbar lokal im Nackenbereich mit auch
verspanntem Trapezius und dort dolenter Muskulatur, aber es bestünden keine
neurologischen Probleme. Die subjektiven lumbalen Rückenbeschwerden seien
klinisch schwer erklärbar bei nicht eindeutig fassbaren pathologischen Befunden. Bei
der geringen Hyperlordose, der schlecht lokalisierbaren Dolenz in der Mediane resp.
gegen das Iliosakralgelenk zu ohne eindeutig positives Mennelzeichen sowie bei
vollständigem Langsitz gebe es mit Ausnahme einer Physiotherapie keine lokal
angehbaren aetiologischen Therapiemöglichkeiten. Von der zervikalen Pathologie her
sei die Versicherte für leichte Tätigkeiten einsetzbar, wenn dabei repetitive
Überkopfarbeiten und Zwangshaltungen vermieden werden könnten. Mit einer
Verfügung vom 25. Mai 2005 stellte die SUVA ihre Leistungen ein.
B.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Versicherte meldete sich am 29. Mai 2005 bei der IV-Stelle des Kantons Appenzell
A.Rh. zum Bezug von IV-Leistungen an. Im Anmeldeformular gab sie u.a. an, sie habe
zwei Kinder (Jg. 2000 und 2002). Beim B._ habe sie den Beruf der Coiffeuse erlernt.
Die Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen berichtete der IV-Stelle am 22. Juni
2005, die Versicherte leide an einem zervikozephalen Schmerzsyndrom rechtsbetont
bei St. n. Autounfall am 14. August 2004 mit HWS-Beschleunigungsmechanismus und
Kopfprellung, an einer MR-technisch nachgewiesenen Diskushernie HWK 5/6 und an
einem chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndrom ohne Korrelat in der
Bildgebung. Der Gesundheitszustand sei stationär. Bezüglich der Armschmerzen
könnte der Versicherten mit einer Bandscheibenoperation von ventral geholfen werden.
Die Nackenschmerzen seien schwer angehbar. Die Chancen einer deutlichen
Verbesserung beliefen sich auf maximal 50%. Die Lumbalgien seien in keiner Weise
nachvollziehbar. Es bestehe keine Bandscheibendegeneration. Die Versicherte habe
eine sehr niedrige subjektiv empfundene Schmerzkontrolle. Als Hausfrau sei die
Versicherte zu 100% arbeitsfähig. Es sollte eine psychosomatische Mitbeurteilung
erfolgen. Eine Berentung sei von neurochirurgischer Seite her nicht möglich. Die C._
teilte der IV-Stelle am 20. Juni 2005 mit, sie habe die Versicherte bis 28. Februar 2005
als Stoffprüferin beschäftigt. Die Versicherte habe an vier Tagen in der Woche je ca. 5,5
Std. gearbeitet und dabei einen Stundenlohn von Fr. 24.- erzielt (Arbeitszeit jeweils
16:30 Uhr bis 22:00 Uhr). Dr. med. A._ berichtete der IV-Stelle am 27. Juni 2005, die
Versicherte leide an einem lumbospondylogenen Schmerzsyndrom bds. und an einem
zervikospondylogenen Schmerzsyndrom rechtsbetont bei St. n. Autounfall mit
Kopfprellung und kernspintomographisch nachgewiesener DH C 5/6 rechts. Seit dem
16. August 2004 bestehe eine praktisch durchgehende vollständige Arbeitsunfähigkeit
als Fabrikarbeiterin. Bei der Stoffkontrolle habe die Versicherte Stoffrollen mit einem
Gewicht von bis zu 15 kg heben müssen. Lastenheben und längeres Stehen an Ort
verstärkten die Schmerzen im Schultergürtel und in der LWS. Für die DH C5/6 bestehe
nur eine zurückhaltende, relative Indikation zur Operation. Die IV-Stelle fragte die
Versicherte am 8. Juli 2005, zu wieviel Prozent sie aktuell ohne die gesundheitliche
Beeinträchtigung einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen würde, wenn ja,
aus welchen Gründen, und wer während dieser Zeit für die Kinder sorgen würde. Die
Versicherte gab am 22. August 2005 an, sie würde stundenweise zu 60-80% arbeiten.
Sie sei nach 17.15 Uhr arbeiten gegangen, denn um diese Zeit sei ihr Ehemann nach
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Hause gekommen. Er habe sich dann um die Kinder gekümmert. Am 27. September
2005 erfolgte eine Haushaltsabklärung. Anlässlich dieser Abklärung gab die Versicherte
an, sie wäre wie früher zu 52% erwerbstätig, wenn sie gesund wäre. Gemäss dem
Bericht über die Haushaltabklärung bestand im Haushalt eine Invalidität von 41,3%.
Diese Einschätzung beruhte auf den Selbstangaben der Versicherten, reduziert in den
meisten Bereichen der Haushaltarbeit um eine von der Abklärungsperson als zumutbar
betrachteten Mithilfe des Ehemannes. Mit einer Verfügung vom 6. Oktober 2005
verneinte die IV-Stelle einen Anspruch der Versicherten auf
Arbeitsvermittlungsbemühungen, da keine gesundheitliche Einschränkung bei der
Stellensuche bestehe. Ebenfalls am 6. Oktober 2005 wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren ab, da der Invaliditätsgrad nur 23% betrage. Die IV-Stelle hatte einen
anteiligen Invaliditätsgrad im Haushalt von 19,82% (41,3% Haushaltinvalidität bei
einem Haushaltanteil von 48%) und einen anteiligen Invaliditätsgrad im Erwerb von
3,09% (Valideneinkommen Fr. 25'344.-, zumutbares Invalideneinkommen Fr. 23'837.-,
Invaliditätsgrad 5,95% bei einem Erwerbsanteil von 52%) addiert. Auf eine gegen die
Abweisung des Rentenbegehrens erhobene Einsprache trat die IV-Stelle nicht ein. Am
26. Februar 2007 übermittelte die IV-Stelle des Kantons Appenzell A.Rh. die Akten der
Versicherten der IV-Stelle des Kantons St. Gallen, da die Versicherte ihren Wohnsitz in
diesen Kanton verlegt hatte.
C.
Die Versicherte hatte sich am 21. Dezember 2006 erneut zum Bezug von IV-Leistungen
angemeldet. Dr. med. A._ hatte der IV-Stelle am 8. Januar 2007 berichtet, die
Versicherte leide an einem lumbospondylogenen Schmerzsyndrom bds., an einem
zervikospondylogenen Schmerzsyndrom rechtsbetont bei St. n. Autounfall mit
Kopfprellung und kernspintomographisch nachgewiesener DH C5/6 rechts und an
einer deutlichen depressiven Verstimmung. Der Gesundheitszustand sei stationär. Das
Kranksein sei vor allem in den Schmerzen begründet. Die organischen Befunde
lieferten für einen Teil der Schmerzen eine Erklärung. Die Schmerzkrankheit über bald
drei Jahre habe zu einer chronischen, unterschiedlich ausgeprägten depressiven
Verstimmung reaktiver Art geführt. Medizinische Massnahmen seien zwar angezeigt
und notwendig, hätten aber bisher keinen Erfolg gehabt. In der früheren Tätigkeit als
Fabrikarbeiterin sei die Versicherte wegen der dort bestehenden Belastung zu 100%
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
arbeitsunfähig. Eine halbtägige Erwerbstätigkeit sei versuchsweise zumutbar, wenn sie
nicht ausschliesslich sitzend oder stehend auszuüben sei, wenn nicht wiederholt
Gewichte über 7,5 kg gehoben werden müssten und wenn keine Arbeiten über der
Armhorizontalen auszuführen seien. Die Versicherte sei aktuell an zwei Stunden pro
Tag in einem Reinigungsunternehmen tätig. Die D._ gab am 12. Januar 2007 an, sie
beschäftige die Versicherte an 10,5 Std. pro Woche zu einem Stundenlohn von Fr.
16.70. Von einem Gesundheitsschaden der Versicherten wisse man nichts. Der
zuständige Arzt des RAD vertrat am 4. Juli 2007 die Auffassung, Dr. med. A._ habe
am 8. Januar 2007 eine deutliche depressive Verstimmung angegeben. Deshalb sei es
möglich, dass eine Änderung des Gesundheitszustandes eingetreten sei. Die
Versicherte müsse bidisziplinär (rheumatologisch und psychiatrisch) abgeklärt werden.
C.a Med. pract. E._ berichtete in ihrem psychiatrischen Untergutachten vom
16. November 2007, gemäss den Angaben der Versicherten lebten die beiden Kinder
seit März 2006 bei den Grosseltern in Spanien und besuchten dort die Schule. Die
Versicherte habe die Kinder wegen der Krankheit und wegen der häufigen Arztbesuche
nicht mehr selbst betreuen können. Bei der Untersuchung habe die Versicherte immer
freundlich gelächelt und nicht den Eindruck eines schmerzgeplagten Menschen
vermittelt. Sie habe keinerlei Bewegungseinschränkungen gezeigt oder bestimmte
schmerzende Körperstellen demonstriert. Die Versicherte habe mit ausdrucksstarker
Mimik und Gestik berichtet. Sie sei bewusstseinsklar und ausreichend orientiert
gewesen. Es hätten sich keine formalen oder inhaltlichen Denkstörungen, keine
Wahrnehmungsstörungen und keine Ich-Störungen gezeigt. Die Versicherte sei affektiv
sehr zugewandt und gut schwingungsfähig gewesen. Bezüglich der aktuellen
Lebenssituation sei bei der Versicherten kein Leidensdruck spürbar gewesen. Vieles sei
trotz genauen Nachfragens vage und unscharf geblieben. Die Versicherte sei
psychomotorisch unauffällig gewesen. Es habe kein Hinweis auf eine Fremd- oder
Selbstgefährdung bestanden. Med. pract. E._ stellte keine psychiatrische Diagnose,
da keine krankheitswertige psychische Störung vorlag. Insbesondere bestand keine
somatoforme Schmerzstörung, denn weder das Kriterium der früheren anhaltenden
schweren psychosozialen Konflikte oder der emotionalen Probleme seit Kindheit und
Jugend noch das Kriterium der ursächlich am Auftauchen des Schmerzsyndroms
beteiligten psychosozialen Konflikte in den letzten Jahren sei erfüllt. Es habe sich auch
kein Hinweis darauf gefunden, dass die Versicherte eine zu Schmerzen neigende
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Persönlichkeit wäre. Ebenso fehlten Hinweise auf eine affektive Störung, insbesondere
auf ein depressives Syndrom oder auf eine Anpassungsstörung. Die Versicherte habe
sich sehr zugewandt gezeigt und sie habe über freudvolle Aktivitäten berichtet. Es
seien auch keine Anzeichen einer dissoziativen Störung oder einer
Persönlichkeitsstörung vorhanden gewesen. Die Versicherte sei gedanklich inhaltlich
sehr auf ihre Schmerzsymptome und auf ihre Arbeitsunfähigkeit fixiert gewesen. Es
habe eine deutliche Diskrepanz zwischen der subjektiven Beschwerdeschilderung und
der in der Untersuchungssituation demonstrierten Beeinträchtigung bestanden und es
sei nur ein geringer Leidensdruck spürbar gewesen. Das appellativ-demonstrative
Beklagen von Beschwerden habe kein Gefühl des Betroffenseins hervorgerufen. Auch
zwischen den geschilderten Beeinträchtigungen und den zu eruierenden Aktivitäten
(Hobbies, Urlaub, Ausflüge) habe eine deutliche Diskrepanz bestanden. Die Versicherte
sei ohne Einschränkung gut sozial integriert. Es könne von einer bewusstseinsnahen
Symptomausweitung ausgegangen werden. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
C.b Dr. med. F._, Spezialarzt FMH für Innere Medizin, spez. Rheumaerkrankungen,
führte in seinem Hauptgutachten vom 23. November 2007 aus, die Versicherte sei seit
Juli 2007 bei der G._ zweimal wöchentlich für drei bis vier Stunden (mit Pausen)
erwerbstätig. Die Versicherte habe angegeben, sie halte das durch, auch wenn die
Arbeit streng sei; auf keinen Fall könnte sie mehr Stunden arbeiten. Dr. med. F._ gab
als Diagnosen ein zervikospondylogenes Schmerzsyndrom rechtsbetont
(kernspintomographisch 29.10.04 mediorechtslaterale, relativ grosse Diskushernie C
5/6 mit Beeinträchtigung der Nervenwurzel C 5 rechts, neurologisch ohne
entsprechende segmentale Ausfälle ausser einer diskreten C 8-Hypaesthesie rechts)
und ein lumbovertebrales Syndrom (bei skoliotischer Fehlhaltung 8° mit Hyperlordose
ohne Hinweise auf eine lumbale Diskopathie) an. Er führte in seiner
zusammenfassenden Beurteilung aus, aufgrund der zervikalen, die Nervenwurzel C 5
leicht komprimierenden Diskushernie bestehe in einer adaptierten leichten Tätigkeit
eine Arbeitsunfähigkeit von 30%. Die Einschränkung sei auf einen zusätzlichen Bedarf
nach Kurzpausen (20%) und auf eine raschere Ermüdbarkeit bzw.
Belastungsbeschwerden (10%) zurückzuführen. Als Coiffeuse könnte die Versicherte
zu 70% bei voller Leistung während einer reduzierten Arbeitszeit tätig sein. Adaptiert
wäre eine Tätigkeit, die leicht, teils sitzend, stehend und gehend, nicht in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Wechselhaltung auszuüben sei, ohne Heben von Lasten über 7,5 bis 10 kg bis
Tischhöhe, über 3 bis 4 kg bis Schulterhöhe und ohne Überkopfarbeit. In einer solchen
Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 70%. Ungünstig seien eine vorgebeugte,
stark gebückte Arbeitshaltung oder eine Arbeit mit monoton gleichbleibenden
Bewegungsabläufen insbesondere im Schultergürtelbereich. Die Arbeit müsse
gleichmässig auf die Wochentage aufgeteilt sein, um Überlastungsspitzen zu
vermeiden. Aus neurochirurgischer Sicht bestehe ein stationärer bis regredienter
Befund ohne zwingende neurochirurgische Operationsindikation im Zervikalbereich.
Für die frühere Tätigkeit bei der C._ sei die Versicherte nicht mehr geeignet.
D.
D.a Mit Vorbescheiden vom 20. Februar 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie beabsichtige, das Begehren um Arbeitsvermittlung und das Rentenbegehren
abzuweisen. Die geplante Abweisung des Arbeitsvermittlungsbegehrens wurde mit
einer fehlenden gesundheitsbedingten Einschränkung bei der Stellensuche begründet.
Die vorgesehene Abweisung des Rentenbegehrens beruhte auf einer Anwendung der
sogenannten gemischten Methode der Invaliditätsbemessung, wobei ohne erneute
Sachverhaltsabklärung auf die Aufteilung in Erwerb und Haushalt wie bei der ersten
Abweisung des Rentengesuchs im Jahr 2005 abgestellt wurde (Erwerb 52%, Haushalt
48%, Invalidität im Erwerb 4%, anteilig 2,08%, Invalidität im Haushalt 41,3%, anteilig
19,82%). Daraus resultierte ein Invaliditätsgrad von 23%. Gegen den Vorbescheid
betreffend die Arbeitsvermittlung liess die Versicherte am 12. März 2008/4. Juni 2008
einwenden, es sei ihr eine Umschulung, eventualiter eine Arbeitsvermittlung
zuzusprechen; subeventualiter seien weitere Abklärungen vorzunehmen, denn effektiv
habe die Anmeldung zum Leistungsbezug auch die anderen beruflichen
Eingliederungsmassnahmen umfasst, obwohl sie nur die Arbeitsvermittlung angekreuzt
habe. Die Erheblichkeitsschwelle einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20% sei
überschritten. Es bestünden gute Aussichten, dass sie in einer anderen Tätigkeit nach
der Umschulung wieder zu 100% arbeitsfähig wäre. Als Coiffeuse habe sie
grundsätzlich einen Umschulungsanspruch. Relevant für den Anspruch auf
Arbeitsvermittlung sei nicht die krankheitsbedingte Einschränkung bei der
Stellensuche, sondern die aufgrund der bleibenden Arbeitsunfähigkeit von 30%
beeinträchtigten Aussichten, eine Stelle zu finden. Gegen den Vorbescheid betreffend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
das Rentenbegehren liess die Versicherte am 12. März 2008/4. Juni 2008 einwenden,
sie beantrage die Zusprache einer halben Invalidenrente rückwirkend ab Oktober 2005,
eventualiter die Vornahme weiterer Abklärungen, denn Dr. med. F._ hätte neue
Röntgenbilder der HWS anfertigen lassen müssen, um prüfen zu können, ob sich die
Diskushernie C 5/6 verschlechtert habe. Das rheumatologische Gutachten sei deshalb
nicht verwertbar. Die psychiatrische Beurteilung durch med. pract. E._ weiche von
derjenigen des Hausarztes ab, so dass die vorliegenden Arztberichte sich
widersprächen. Die Versicherte sei von Dr. med. F._ auf den Kopf geschlagen
worden. Seither habe sie mehr Schmerzen. Hätte sich die Versicherte gegenüber med.
pract. E._ laut wehklagend vorgestellt, wäre sie als Aggravantin eingestuft worden.
Die Abklärungen der IV-Stelle seien deshalb nicht schlüssig, nicht widerspruchsfrei und
auch nicht aktuell. Die hälftige Aufteilung auf Erwerb und Haushalt sei falsch, denn die
Erwerbstätigkeit sei aus gesundheitlichen Gründen reduziert worden. Die IV-Stelle hätte
an sich eine Haushaltabklärung vornehmen müssen, da ein Umzug von der grossen in
eine ganz kleine Wohnung erfolgt sei. Ohne eine vorgängige umfassende medizinische
Beurteilung wäre eine Haushaltabklärung allerdings nicht zielführend gewesen. Bei der
Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens hätte ein "Leidensabzug" von 15%
berücksichtigt werden müssen.
D.b Dr. med. H._ vom RAD hielt am 21. Juli 2008 fest, die Verhaltensbeschreibung
während einer psychiatrischen Exploration sei ein essentieller Bestandteil der
Befunderhebung. Wenn Mimik, Gestik und Psychomotorik nicht mit den verbalen
Äusserungen korrelierten, dann seien diese Wahrnehmungen in die Überlegungen
hinsichtlich ihrer diagnostischen Plausibilität mit einzubeziehen. Auch die Darstellung
der Tagesaktivitäten erlaube Rückschlüsse auf die körperliche und seelische
Belastbarkeit. Wenn beim Leser eines Gutachtens der Eindruck einer suggestiven
Beeinflussung entstehe, dass sei das ein perzeptives Problem des Lesers. Die vom
Hausarzt am 26. September 2005 mitgeteilte resignativ depressive Grundstimmung der
Versicherten mit wenig Motivation zur Selbsthilfe lasse ebensowenig eine
depressionsbedingte Leistungsminderung erkennen wie der zeitnahere Bericht vom 8.
Januar 2007. Der Hausarzt habe im Übrigen bisher keine fachpsychiatrische
Diagnosestellung und Mitbehandlung in Betracht gezogen. In Bezug auf die MRI-Bilder
machte Dr. med. H._ geltend, es liege ein gleichmässiger Schmerzverlauf vor, der zu
keinen neuen neurologischen Reiz- oder Ausfallerscheinungen geführt habe. Deshalb
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
habe keine Veranlassung bestanden, das bildgebende Verfahren zu wiederholen. Bei
dem "Schlag auf den Kopf" habe es sich um die Prüfung der Zeichen nach Waddell
gehandelt. Dies diene der Plausibilisierung der vorgetragenen Schmerzen. Das
Begutachtungsergebnis sei nachvollziehbar und berücksichtige die Gesamtumstände
in konsistenter Weise. Am 25. Juli 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass
sie einen Auftrag zur Arbeitsvermittlung erteilen werde. Es bestehe kein Anspruch auf
eine Umschulung, weil die Tätigkeit als Coiffeuse nur kurz gewesen sei. Mit einer
Verfügung mit der Überschrift "Kein Anspruch auf Arbeitsvermittlung" vom 12.
September 2008 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf Arbeitsvermittlung und
einen Anspruch auf Umschulungsmassnahmen, ersteres weil keine
gesundheitsbedingte Einschränkung bei der Stellensuche bestehe, letzteres weil die
Versicherte nur kurze Zeit als Coiffeuse und dann aber lange Jahre als Raumpflegerin
und Hilfsarbeiterin beschäftigt gewesen sei. Mit einer zweiten Verfügung vom 12.
September 2008 wies die IV-Stelle auch das Rentenbegehren ab, da sich der
Gesundheitszustand seit dem 6. Oktober 2005 nicht geändert habe. Nach der
gemischten Methode der Invaliditätsbemessung betrage der Invaliditätsgrad nach wie
vor nur 23%.
E.
Die Versicherte liess am 17. Oktober 2008 gegen beide Verfügungen Beschwerde
erheben und die Zusprache einer halben Invalidenrente ab wann rechtens und die
Zusprache von Eingliederungsmassnahmen, insbesondere Umschulungsmassnahmen
beantragen. Ihr Rechtsvertreter ersuchte um die Vereinigung der beiden Verfahren. Er
führte zur Begründung der Beschwerdebegehren an, der Invaliditätsgrad hätte nicht
nach der gemischten Methode ermittelt werden dürfen, denn die Kinder lebten in
Spanien, weshalb die Versicherte im Validenfall einer ganztägigen Erwerbstätigkeit
nachginge. Selbst nach einer Rückkehr der Kinder in die Schweiz wäre die Versicherte
noch zu erheblich mehr als 52% erwerbstätig. Die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten
Erwerbstätigkeit betrage nicht 70%, sondern nur 50%. Die Ermittlung des
anzurechnenden Valideneinkommens sei nicht nachvollziehbar, denn gemäss den IK-
Einträgen habe die Versicherte bereits 1997 bis 1999 jährlich rund Fr. 40'000.- verdient.
Ebenso wenig sei nachvollziehbar, wie die IV-Stelle bei einer Arbeitsfähigkeit von 70%
auf ein Invalideneinkommen von Fr. 24'000.- komme. Da die Versicherte aufgrund ihrer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gesundheitlichen Beeinträchtigung Schwierigkeiten habe, eine geeignete Arbeitsstelle
zu finden, habe sie einen Anspruch auf Arbeitsvermittlung. Da sie zu 30%
arbeitsunfähig sei und einen Beruf erlernt habe, bestehe ein Umschulungsanspruch.
Der Rechtsvertreter der Versicherten ersuchte abschliessend wegen
Arbeitsüberlastung um eine Nachfrist zur Beschwerdeergänzung. Diese Nachfrist
wurde ihm bewilligt und in der Folge immer wieder auf seinen Antrag hin verlängert,
letztmals bis 26. März 2010. Die letzte verfahrensleitende Verfügung enthielt den
Hinweis, dass das Gericht bei einem unbenützten Ablauf der Frist ohne weiteres die IV-
Stelle zur Beschwerdeantwort auffordern werde. Der Rechtsvertreter der Versicherten
liess die Frist unbenützt verstreichen.
F.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 28. Mai 2010 beantragte die IV-Stelle die Abweisung
der Beschwerde. Sie machte geltend, es müsse ohne Abstriche auf das bidisziplinäre
Gutachten abgestellt werden. Der Bericht des Hausarztes sei nicht verwertbar, weil
behandelnde Ärzte erfahrungsgemäss zugunsten ihrer Patienten aussagten und weil
eine allfällige Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit bzw. eine daraus allenfalls
resultierende Arbeitsunfähigkeit von einem Psychiater hätte beurteilt werden müssen.
Ob die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung anwendbar sei oder nicht, könne
offen bleiben, da auch ein reiner Einkommensvergleich keinen Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ergeben würde. Das Valideneinkommen betrage Fr. 38'660.-, das
anhand der Lohnstrukturerhebung ermittelte zumutbare Invalideneinkommen Fr.
25'574.-, was einen Invaliditätsgrad von 34% ergebe. Die Versicherte sei nicht als
gelernte Coiffeuse zu betrachten, da sie nie einen Fähigkeitsausweis erlangt habe und
da sie in diesem Beruf nie ein existenzsicherndes Einkommen erzielt habe. Die
Versicherte sei also Hilfsarbeiterin, womit eine Berufsausbildung im Rahmen einer
Umschulung unverhältnismässig wäre. Im Übrigen scheitere eine Umschulung in
Spanien an der grossen räumlichen Distanz. Ein Wechsel in eine adaptierte Hilfsarbeit
erfordere keine Umschulung. Die Arbeitsvermittlung in Spanien sei nicht möglich.
Ausserdem habe die Versicherte keine behinderungsbedingten Schwierigkeiten bei der
Suche nach einer adaptierten Arbeitsstelle.
G.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Der Rechtsvertreter der Versicherten wandte in seiner Replik vom 18. Oktober 2010
ein, die Versicherte habe in der Anmeldung angegeben, dass sie eine vierjährige Lehre
als Coiffeuse absolviert habe. Davon sei auszugehen. Dem habe der IK- Auszug nicht
zwingend zu widersprechen.
H.
Die IV-Stelle verzichtete am 25. Oktober 2010 auf eine Duplik.

Erwägungen:
1.
Die eine der beiden Verfügungen vom 12. September 2008 ist zwar überschrieben mit
"Kein Anspruch auf Arbeitsvermittlung", aber der Verfügungswortlaut zeigt, dass die
Beschwerdegegnerin damit auch einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
Umschulung verneint hat. Gegenstand dieser Verfügung und damit auch des
entsprechenden Beschwerdeverfahrens ist deshalb nicht nur ein allfälliger Anspruch
auf Arbeitsvermittlung, sondern auch ein allfälliger Anspruch auf eine Umschulung. Da
die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch verneint hat, hat sie nicht über eine
berufliche Eingliederungspflicht (im Sinne des Grundsatzes der Eingliederung vor
Rente, vgl. U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2.A., Vorbemerkungen N. 47), sondern nur
über einen Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen verfügen müssen. Da
die Voraussetzung des Fehlens jeder beruflichen Eingliederungsmöglichkeit – als
zwingende Voraussetzung jeder Zusprache einer definitiven Invalidenrente – also nicht
hat erfüllt werden müssen, ist es korrekt gewesen, über das Gesuch um berufliche
Eingliederungsmassnahmen getrennt vom Rentenbegehren zu verfügen, da es sich um
zwei selbständige Rechtsverhältnisse handelt. Eine Verfahrensvereinigung im engen
Sinn des Wortes ist deshalb, anders als bei einer Rentenzusprache und einer -
notwendigerweise vorgängigen - Verneinung jeder Eingliederungsmöglichkeit, die
untrennbar verbunden sind, nicht möglich. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
hat deshalb nur verlangt, über die beiden Beschwerden sei aus Praktikabilitätsgründen
in einem einzigen Urteil zu befinden. In diesem Sinn rechtfertigt sich eine
Verfahrensvereinigung, denn zu würdigen ist in weiten Teilen ein und derselbe, sowohl
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
für die beruflichen Eingliederungsmassnahmen als auch für die Rente massgebende
Sachverhalt und in beiden Beschwerdeverfahren stehen sich die Beschwerdeführerin
und die Beschwerdegegnerin als Parteien gegenüber.
2.
Ist ein Rentengesuch wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades rechtskräftig
abgewiesen worden, so kann auf ein neues Rentengesuch nur eingetreten werden,
wenn darin glaubhaft gemacht wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den
Anspruch erheblichen Weise geändert habe (Art. 87 Abs. 4 IVV). In der Praxis genügt
es, wenn glaubhaft gemacht wird, dass eine möglicherweise den Invaliditätsgrad
beeinflussende Sachverhaltsveränderung eingetreten sei, denn Sinn und Zweck des
Art. 87 Abs. 4 IVV ist es nur, den IV-Stellen die Erledigung repetitiver (und damit
offensichtlich zur Erfolglosigkeit verurteilter) Neuanmeldungen zu erleichtern. In der
Anmeldung vom 21. Dezember 2006 ist zwar keine relevante Sachverhaltsveränderung
glaubhaft gemacht worden. Da das Anmeldeformular aber keinen Hinweis auf die in
Art. 87 Abs. 4 IVV zusätzlich aufgestellte Eintretensbedingung der Glaubhaftmachung
einer relevanten Sachverhaltsveränderung enthält, weist die Beschwerdegegnerin
entweder nach dem Eingang einer Neuanmeldung auf diese Eintretensbedingung hin
und gibt der sich neu anmeldenden Person die Gelegenheit, noch nachträglich eine
relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu machen, oder sie fordert aus
verfahrensökonomischen Gründen gleich selbst jene Unterlagen ein, die in aller Regel
genügen, um eine Veränderung glaubhaft zu machen, nämlich Berichte des Hausarztes
und des Arbeitgebers. Die Beschwerdegegnerin hat einen Bericht von Dr. med. A._
eingeholt und Dr. med. A._ hat darin eine neue Diagnose angegeben, nämlich eine
deutliche depressive Verstimmung. Damit war eine erhebliche Veränderung des
Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht, denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte noch
kein Hinweis auf eine mögliche Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit der
Beschwerdeführerin bestanden. Die Beschwerdegegnerin ist deshalb zu Recht auf die
Neuanmeldung vom 21. Dezember 2006 eingetreten.
3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.1 Gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG i.V.m. Art. 5 Abs. 1 IVG bestimmt sich die Invalidität
einer erwachsenen Person nach der Unmöglichkeit, sich im bisherigen
Aufgabenbereich zu betätigen, wenn dieser Person nicht zugemutet werden kann, einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen. Dies gilt auch für Personen, die nur zum Teil
erwerbstätig und daneben in einem Aufgabenbereich tätig sind (Art. 28a Abs. 3 IVG).
Gemäss Art. 27bis IVV erfolgt nur ein Einkommensvergleich, wenn anzunehmen ist,
dass die teilerwerbstätige Person ohne den Gesundheitsschaden ganztägig
erwerbstätig wäre. In ständiger Rechtsprechung prüft das Bundesgericht die Frage, ob
und gegebenenfalls in welchem Ausmass eine versicherte Person auch ohne den
Gesundheitsschaden im Aufgabenbereich tätig wäre, anhand der hypothetischen
Verhaltensweise der versicherten Person. Nach Ansicht des Bundesgerichts ist dabei
abzuklären, ob die versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht
auf die gesamten Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art)
erwerbstätig oder im Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle
Notwendigkeit der Aufnahme oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige
Erziehungs- und Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person, deren
berufliche Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen ausschlaggebend sein.
Abzustellen sei auf die hypothetischen Verhältnisse in tatsächlicher Hinsicht, wie sie
sich bis zum massgebenden Zeitpunkt entwickelt haben würden (vgl. etwa BGE 125 V
150). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hält sich seit dem
Bundesgerichtsurteil vom 6. August 2007 (I 126/07) an diese Methode, dies entgegen
einer früheren Praxis, die auf eine objektive Zumutbarkeit im fiktiven "Gesundheitsfall"
abstellte (vgl. statt vieler das Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 26. November 2008, IV 2007/332). Die Beschwerdegegnerin hat keine
Haushaltabklärung vorgenommen. Sie hat sich stattdessen auf den Bericht der IV-
Stelle des Kantons Appenzell A.Rh. über die Haushaltabklärung vom 27. September
2005 abgestützt. Dabei hat sie nicht nur die Aufteilung zwischen Haushaltarbeit und
Erwerbstätigkeit (48% zu 52%), sondern auch den für den Haushalt ermittelten
Invaliditätsgrad (41,3%) übernommen. In den Akten der Beschwerdegegnerin findet
sich keine Begründung für diese Vorgehensweise. Die Beschwerdegegnerin dürfte
davon ausgegangen sein, dass sich der Gesundheitszustand und damit die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Haushalt nicht verändert hätten, so dass
weiterhin auf das Resultat der Abklärung vom 27. September 2005 abgestellt werden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
könne. Damit hat die Beschwerdegegnerin aber dem Umstand nicht Rechnung
getragen, dass die Kinder der Beschwerdeführerin seit dem Frühjahr 2006 bei deren
Grosseltern in Spanien leben und dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann in
eine kleine Wohnung umgezogen sind. Da sich die Hausarbeit damit erheblich
verändert hat, muss angenommen werden, dass sich die Invalidität der
Beschwerdeführerin im Haushalt – trotz möglicherweise gleich gebliebenem
Arbeitsfähigkeitsgrad – erheblich verändert hat. Bereits diese Veränderung führt dazu,
dass die am 27. September 2005 ermittelte Invalidität im Haushalt ab dem hier
massgebenden Zeitpunkt nicht mehr als mit überwiegender Wahrscheinlichkeit richtig
betrachtet werden kann. Erst recht gilt das für das Ausmass der Erwerbstätigkeit der
Beschwerdeführerin im hypothetischen "Gesundheitsfall", denn die
Beschwerdeführerin wäre auch als Valide durch den Wechsel in eine kleine Wohnung
und durch den Auszug der beiden Kinder zu einem grossen Teil von ihren früheren
Haushaltsarbeiten entlastet worden und hätte deshalb ihren Beschäftigungsgrad im
Erwerb deutlich, wenn nicht sogar auf 100% erhöhen können. Ob die
Beschwerdeführerin tatsächlich in eine kleine Wohnung umgezogen ist und ob die
Kinder tatsächlich seit dem Frühjahr 2006 durchgehend bei den Grosseltern in Spanien
leben, ist von der Beschwerdegegnerin nicht abgeklärt worden. Die
Beschwerdegegnerin hat die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung
angewendet, wie wenn sich seit der Abklärung vom 27. September 2005 nichts
verändert hätte. Damit hat sie grundsätzlich ihre Pflicht zur Abklärung des
massgebenden Sachverhalts verletzt, was eigentlich zu einer Aufhebung der
angefochtenen Abweisung des Rentengesuchs und zu einer Rückweisung zur
ergänzenden Sachverhaltsabklärung Anlass geben müsste.
3.2 Die Aufhebung der angefochtenen Abweisung des Rentengesuchs kann dann
unterbleiben, wenn die hypothetische Belastung der Beschwerdeführerin durch den
Haushalt bei voller Gesundheit nicht relevant ist, weil weder die gemischte Methode
der Invaliditätsbemessung noch der reine Einkommensvergleich einen Invaliditätsgrad
von mindestens 40% ergeben. Dr. med. F._ hat in seinem Gutachten vom 23.
November 2007 keine auf einen Standardhaushalt bezogene
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben. Er hat sich nur zur Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten und in einer ideal adaptierten
Erwerbstätigkeit geäussert. Seine Umschreibung einer adaptierten Erwerbstätigkeit, für
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die er eine Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 70% angegeben hat, weist
zwar Einschränkungen auf, die bei gewissen Teilen der Haushaltarbeit zu einer
Behinderung führen können. Es ist aber zu beachten, dass die Besorgung des eigenen
Haushalts es erlaubt, die Arbeit selbständig zu planen und einzuteilen und so den
gesundheitlichen Einschränkungen so gut wie möglich Rechnung zu tragen. Das gilt
insbesondere dann, wenn keine Kinder im Haushalt leben, denn die Versorgung und
Betreuung der Kinder erzwingt in gewissen Bereichen der Haushaltarbeit eine starre
Arbeitseinteilung (Kochen, Helfen bei den Aufgaben usw.). Die Beschwerdeführerin
kann also alle Arbeiten im Haushalt, die monotone und gleichbleibende
Bewegungsabläufe im Schultergürtelbereich erfordern (z.B. Bügeln), frei aufteilen, d.h.
sie kann damit aufhören, sobald sie Schmerzen verspürt. Lasten, die sie im Haushalt
tragen muss, kann sie weitgehend aufteilen (z.B. nasse Wäsche). Das führt zwar zu
einer Verlangsamung bei der Arbeit, aber die daraus resultierende Invalidität im
Haushalt ist erheblich tiefer als diejenige, die resultieren würde, wenn die Versicherte
die nicht adaptierten Haushaltsarbeiten überhaupt nicht mehr ausführen würde.
Angesichts dieser Freiheit der Beschwerdeführerin bei der Arbeits- und
Arbeitsplatzgestaltung im eigenen Haushalt ist es als überwiegend wahrscheinlich zu
betrachten, dass für diese Tätigkeit eine Invalidität von höchstens 30% besteht. Wenn
die Haushaltsarbeit der Beschwerdeführerin im hypothetischen "Gesundheitsfall"
immer noch 48% ausmachen würde (was aber offensichtlich nicht zutrifft, weil der
Haushaltsaufwand erheblich gesunken sein dürfte), beliefe sich der anteilige
Invaliditätsgrad im Haushalt auf maximal 14,4% (48% von 30%). Bei einer tieferen
Haushaltsquote wäre der anteilige Invaliditätsgrad proportional kleiner (für eine
Haushaltsquote von z.B. 20% also 6%).
3.3 Bei einer Anwendung der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung, wie
sie vom Bundesgericht verstanden wird (vgl. Rechtsprechung des Bundesgerichts,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, bearbeitet von Ulrich Meyer, 2.A., S. 336
ff.), könnte so zum vornherein nur ein geringer Gesamtinvaliditätsgrad resultieren, weil
die Beschwerdeführerin ihren Erwerbsanteil von 52% dank der Arbeitsfähigkeit von
70% immer noch vollumfänglich ausnützen könnte. Eine Invalidität im Erwerb würde
nur durch einen allfälligen zusätzlichen Abzug (in der Verwaltungspraxis
missverständlich als "Leidensabzug" bezeichnet) bewirkt. Der Invaliditätsgrad der
Beschwerdeführerin im Erwerb könnte höchstens 10% ausmachen, da die (nur indirekt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
durch die Gesundheitsbeeinträchtigung bewirkten) Konkurrenznachteile der
Beschwerdeführerin gegenüber gesunden Arbeitnehmerinnen für einen adaptierten
Arbeitsplatz nicht als gravierend bezeichnet werden können. Der anteilige erwerbliche
Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin würde also bei einem Erwerbsanteil von 52%
nur 5,2% betragen (52% von 10%), was zusammen mit dem anteiligen Invaliditätsgrad
im Haushalt von maximal 14,4% nur einen Gesamtinvaliditätsgrad von 20% ergeben
würde. Bei einer Verschiebung zugunsten des Erwerbsanteils würde zwar der anteilige
Invaliditätsgrad im Erwerb ansteigen, aber der anteilige Invaliditätsgrad im Haushalt
würde entsprechend sinken, so dass der Gesamtinvaliditätsgrad sich nicht erheblich
verändern und damit immer deutlich unter 40% liegen würde. Nach der gemischten
Methode der Invaliditätsbemessung, wie sie vom Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen früher angewendet worden ist, entspricht die anteilige Invalidität im Erwerb dem
Ergebnis eines Einkommensvergleichs nach Art. 16 ATSG (ohne die vom
Bundesgericht verlangte Beschränkung des Valideneinkommens auf ein
Teilzeiteinkommen). Der entsprechende Invaliditätsgrad wird dann entsprechend der
Erwerbsquote reduziert und mit der ebenfalls anhand der Haushaltsquote reduzierten
Invalidität im Haushalt addiert. Auch die Anwendung dieser Variante der gemischten
Methode würde nicht zu einem Gesamtinvaliditätsgrad von mindestens 40% führen,
wie sich dem im Folgenden darzulegenden Umstand entnehmen lässt, dass auch ein
reiner Einkommensvergleich bei einer Erwerbsquote von 100%, also einer vollzeitlichen
Erwerbstätigkeit im hypothetischen "Gesundheitsfall", keinen Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ergibt.
3.4 Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem
Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
zu setzen zum Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn
sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Die Ermittlung des Validen- und
des zumutbaren Invalideneinkommens setzt die vorgängige Definition der Validen- und
der Invalidenkarriere voraus.
3.4.1 Die Beschwerdeführerin hat bei der Anmeldung vom 21. Dezember 2006
angegeben, sie habe an der B._ den Beruf der Coiffeuse erlernt. Sie hat aber weder
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die Frage nach der Dauer der Ausbildung noch die Frage nach einem
Fähigkeitsausweis beantwortet. Daraus scheint die Beschwerdegegnerin den Schluss
gezogen zu haben, dass die Beschwerdeführerin keine reguläre Berufsausbildung
absolviert habe. In der früheren Anmeldung vom 29. Mai 2005 hatte die
Beschwerdeführerin genauere Angaben gemacht. Sie hatte angegeben, die Ausbildung
habe von 1991 bis 1994 gedauert. Allerdings hatte sie auch dort keinen
Fähigkeitsausweis oder einen anderen Beleg über eine abgeschlossene
Berufsausbildung beigelegt. Ob die Beschwerdeführerin tatsächlich den Beruf der
Coiffeuse erlernt hat, kann offen bleiben, denn der Auszug aus ihrem individuellen
Beitragskonto (IK) belegt, dass sie nach dem Ende der von ihr angegebenen
Berufsausbildung entweder gar nicht oder dann nur für kurze Zeit den erlernten Beruf
ausgeübt hat. Sie hat also jedenfalls keine Berufserfahrung gesammelt, von der sie im
Jahr 2006 als Valide noch hätte zehren können. Hinzu kommt, dass auch der Beruf der
Coiffeuse seit 1994 eine Entwicklung erfahren hat, die es der Beschwerdeführerin nicht
erlauben würde, ohne Wiedereinschulung als Coiffeuse tätig zu sein. Unter diesen
Umständen ist die Beschwerdegegnerin im Ergebnis zu Recht davon ausgegangen,
dass die Beschwerdeführerin als Valide weiterhin einer Hilfsarbeit nachgegangen wäre.
3.4.2 Die Beschwerdeführerin hat die Stelle bei der C._ zwar krankheitsbedingt
verloren, aber daraus kann nicht der Schluss gezogen werden, dass diese Stelle als
Validenkarriere zu betrachten sei. Hilfsarbeiterinnen sind definitionsgemäss an jedem
Hilfsarbeitsplatz einsetzbar, d.h. sie können zwischen den Branchen und den
Arbeitgebern wechseln, ohne dazu eine Umschulung zu benötigen. Das bedeutet, dass
sich nicht nur die Invalidenkarriere, sondern auch die Validenkarriere einer
Hilfsarbeiterin nach dem Durchschnitt aller Hilfsarbeitsplätze richtet, sofern die
Erwerbsfähigkeit der betreffenden Hilfsarbeiterin nicht in irgendeiner Form (z.B. bei
einer herausragenden handwerklichen oder intellektuellen Begabung) deutlich vom
Durchschnitt abweicht. Die Beschwerdeführerin könnte als Valide an jedem anderen
durchschnittlichen Hilfsarbeitsplatz tätig sein. Das Valideneinkommen, das dem
Einkommensvergleich zugrunde zu legen ist, bemisst sich deshalb nach demselben
Durchschnittseinkommen, von dem zur Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens auszugehen ist. Die zumutbare Invalidenkarriere ist hypothetisch
zu ermitteln, da die Beschwerdeführerin keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht. Es
besteht zwar eine ausgeprägte Einschränkung bei den körperlichen Anforderungen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(körperlich leicht, wechselnd zwischen sitzen, stehen und gehen, nur leichte Lasten,
keine Überkopfarbeiten, vorgebeugte Arbeitshaltung), aber das bedeutet nicht, dass
die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit nicht mehr verwerten könnte oder
dass sie auf einen Arbeitsplatz in einer bestimmten Branche angewiesen wäre. Der
allgemeine und ausgeglichene Arbeitsmarkt weist eine Vielzahl geeigneter
Arbeitsstellen auf und zwar verteilt auf praktisch alle Branchen. Es gibt keinen Hinweis
darauf, dass derartige Hilfsarbeiten schlechter als körperlich anspruchsvolle
Hilfsarbeiten entlöhnt würden. Ökonomisch betrachtet rechtfertigen auch jene
Hilfsarbeiten einen mindestens durchschnittlichen Lohn, bei denen Eigenschaften wie
Konzentrationsfähigkeit, Zuverlässigkeit, Reaktionsfähigkeit, Sorgfalt usw. besonders
gefordert sind. In dieser Hinsicht ist die Beschwerdeführerin nicht behinderungsbedingt
beeinträchtigt. Aufgrund ihrer früheren Tätigkeit bei der C._ ist davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin fähig ist, sorgfältig, zuverlässig und speditiv zu arbeiten.
Dies rechtfertigt es, bei der Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens von
demselben Durchschnittslohn auszugehen wie bei der Ermittlung des
Valideneinkommens.
3.4.3 Dr. med. A._ hat am 8. Januar 2007 widersprüchliche Angaben zur
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin am letzten Arbeitsplatz bei der C._ gemacht.
Er hat zunächst angegeben, die Beschwerdeführerin könnte diese Arbeit noch an 4,5
Std. pro Tag ausüben, dann käme es wegen der zu hohen Gewichte von bis zu 15 kg
zu einer Schmerzzunahme. Abgeschlossen hat er seinen Bericht dann aber mit der
Aussage, in der früheren Tätigkeit als Fabrikarbeiterin mit der damaligen Belastung sei
die Beschwerdeführerin zu 100% arbeitsunfähig. In einer adaptierten Tätigkeit sei
versuchsweise ein halbtägiger Einsatz zumutbar. Eine adaptierte Tätigkeit dürfe nicht
ausschliesslich stehend oder ausschliesslich sitzend ausgeübt werden, es dürften
keine Gewichte über 7,5 kg gehoben werden und es dürften keine Arbeiten über der
Armhorizontalen ausgeführt werden. Warum die Beschwerdeführerin in einer solchen
Tätigkeit zu 50%, also ganz erheblich arbeitsunfähig sein soll, obwohl sie doch keine
behinderungsbedingt nachteiligen Arbeiten ausführen oder ungeeignete
Arbeitsstellungen einnehmen würde, ist von Dr. med. A._ nicht erläutert worden. Es
fehlt also eine überzeugende Begründung für diese Arbeitsfähigkeitsschätzung. Hinzu
kommt, dass behandelnde Ärzte erfahrungsgemäss dazu neigen, die Arbeitsfähigkeit
ihrer Patienten allzu pessimistisch einzuschätzen. Unter diesen Umständen kann die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. A._ nicht als mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit richtig qualifiziert werden. Bleibt zu klären, ob diese
Arbeitsfähigkeitsschätzung geeignet ist, Zweifel an der Richtigkeit der
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. F._ und von med. pract. E._ zu wecken,
so dass auch mit dem bidisziplinären Gutachten keine ausreichende Klärung des
massgebenden Sachverhalts erfolgt wäre. Dr. med. A._ hat in seinem Bericht vom 8.
Januar 2007 eine deutliche depressive Verstimmung angegeben. Hätte er die
psychische Beeinträchtigung als gravierend eingestuft, so hätte er nicht von einer
depressiven Verstimmung, sondern von einer Depression gesprochen. Die Diagnose
einer depressiven Verstimmung deutet also darauf hin, dass sogar der behandelnde
Arzt die psychische Beeinträchtigung als von geringer Bedeutung für die
Arbeitsfähigkeit eingeschätzt hat. Es besteht somit keine erhebliche Differenz zur
Einschätzung von med. pract. E._, zumal depressive Verstimmungen kurzfristig
wieder verschwinden können, insbesondere wenn sie medikamentös behandelt
werden. Der Hausarzt und die psychiatrische Sachverständige sind demnach im
entscheidenden Punkt einer Meinung, nämlich dass keine ernsthafte, d.h. die
Arbeitsfähigkeit spürbar beeinträchtigende psychische Krankheit vorliege. In
psychischer Hinsicht weckt der Bericht von Dr. med. A._ also keinen Zweifel an der
Richtigkeit des bidisziplinären Gutachtens. In somatischer Hinsicht stimmen der
Hausarzt und der Sachverständige Dr. med. F._ in Bezug auf die Diagnosen überein.
Lediglich in Bezug auf die daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit besteht eine
Differenz. Dr. med. F._ hat darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin eine
niedrige subjektiv empfundene Schmerzschwelle habe und dass sie eine
Selbstlimitierung zeige. Das lässt vermuten, dass Dr. med. A._ durch das
entsprechende Verhalten der Beschwerdeführerin, das er über längere Zeit hat
beobachten können, zu einer übermässig pessimistischen Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit verleitet worden ist. Das von Dr. med. F._ erstellte Gutachten erfüllt
(ebenso wie dasjenige von med. pract. E._) alle Anforderungen, die an ein
überzeugendes medizinisches Gutachten zu stellen sind. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. A._ vermag keine Zweifel an der Richtigkeit
der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. F._ zu wecken. Die im Gutachten
angegebene Arbeitsunfähigkeit von 30% in einer adaptierten Erwerbstätigkeit ist
deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit richtig. Da das Valideneinkommen und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
das Ausgangseinkommen zur Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens
identisch sind, kann sich der Einkommensvergleich auf einen sogenannten
Prozentvergleich beschränken. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die
Beschwerdeführerin als Invalide nicht nur den Nachteil der Arbeitsunfähigkeit von 30%
zu tragen hat. Als in ihrer Gesundheit beeinträchtigte Hilfsarbeiterin weist sie nämlich
gegenüber gesunden Konkurrentinnen für einen geeigneten Teilzeitarbeitsplatz mit
einem Beschäftigungsgrad von 70% zusätzliche Nachteile auf, die sich aus der Sicht
eines rein ökonomisch denkenden potentiellen Arbeitsgebers in einem Minderlohn
niederschlagen müssen, um das entsprechende zusätzliche Lohnkostenrisiko zu
kompensieren. Zu diesen Nachteilen gehören u.a. die Gefahr überdurchschnittlicher
Krankheitsabsenzen, eine Unfähigkeit, bei Bedarf mehr als 70% oder sogar mehr als
100% zu arbeiten, d.h. Überstunden zu machen, und eine Unfähigkeit, bei Bedarf an
einem anderen, nicht behinderungsadaptierten Arbeitsplatz auszuhelfen. Die
Beschwerdeführerin hat an der letzten Arbeitsstelle bewiesen, dass sie fähig ist,
sorgfältig und konzentriert zu arbeiten. Sie ist also in der Lage, diese Nachteile durch
eine anderweitig überdurchschnittliche Leistung wenigstens teilweise zu kompensieren.
Dies rechtfertigt die Berücksichtigung eines geringen zusätzlichen Abzugs, der zudem
durch den "Teilzeitvorteil" (vgl. etwa die vom Bundesamt für Statistik herausgegebene
Lohnstrukturerhebung 2006, S. 16, Tabelle T2*) noch zusätzlich aufgewogen wird. Ein
zusätzlicher Abzug von 5% erscheint als angemessen. Damit resultiert aus dem
Einkommensvergleich ein Invaliditätsgrad von (aufgerundet) 34%. Die
Beschwerdegegnerin hat also im Ergebnis zu Recht einen Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin verneint.
4.
4.1 Ein Anspruch auf eine Umschulung in eine neue Erwerbstätigkeit besteht, wenn
die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit
voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Art. 17 Abs. 1 IVG). Dabei ist wie
bei der Prüfung eines allfälligen Rentenanspruchs zu beachten, dass nur die
Sachverhaltsentwicklung bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung zu beurteilen ist.
Welches die Folgen der später erfolgten Verlegung des zivilrechtlichen Wohnsitzes
nach Spanien für einen allfälligen Anspruch der Beschwerdeführerin auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen wären, ist deshalb nicht zu beurteilen. Eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
umschulungsspezifische Invalidität liegt rechtsprechungsgemäss dann vor, wenn eine
behinderungsbedingte, dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20% besteht (vgl. U.
Meyer, a.a.O., S. 191). Die Beschwerdeführerin ist dauernd zu 30% arbeitsunfähig. Sie
ist also im Sinne von Art. 17 Abs. 1 IVG invalid. Die Beschwerdegegnerin hat sich denn
auch zur Begründung ihrer Verneinung eines Anspruchs auf eine Umschulung nicht auf
das Fehlen einer umschulungsspezifischen Invalidität, sondern auf das sogenannte
Gleichwertigkeitserfordernis berufen: Der Anspruch auf eine Umschulung ist in
qualitativer Hinsicht auf eine neue Erwerbstätigkeit beschränkt, die der früheren in
Bezug auf das Ausbildungsniveau und insbesondere in Bezug auf die nach der
Eingliederung zu erwartenden Verdienstmöglichkeiten entspricht. Begründet wird das
Gleichwertigkeitserfordernis damit, dass es nicht die Aufgabe der
Invalidenversicherung sei, eine behinderte versicherte Person in eine bessere beruflich-
erwerbliche Stellung zu führen, als sie sie vorher innehatte (vgl. U. Meyer, a.a.O., S.
195). Diese Begründung vermag dann nicht zu überzeugen, wenn nur eine
höherwertige Umschulung geeignet ist, die umschulungsspezifische Invalidität zu
überwinden (vgl. U. Meyer, a.a.O., S. 196). Dieser Ausnahmetatbestand ist im
vorliegenden Fall erfüllt. Mit einer Umschulung in eine verdienstmässig gleichwertige
Tätigkeit wäre die Beschwerdeführerin offensichtlich nicht in die Lage versetzt, die aus
der Arbeitsunfähigkeit von 30% resultierende Erwerbseinbusse zu überwinden, weil sie
auch in all diesen gleichwertigen Tätigkeiten zu mindestens 30% arbeitsunfähig ist. Zur
Überwindung der in allen gleichwertigen Berufen aus der Arbeitsunfähigkeit von 30%
resultierenden Erwerbseinbusse benötigt die Beschwerdeführerin deshalb eine
Umschulung in eine höherwertige Tätigkeit, in der sie mit einem Beschäftigungsgrad
(Arbeitsfähigkeit) von 70% annähernd den Lohn erzielen kann, den sie in der früheren
Tätigkeit bei einem Beschäftigungsgrad (Arbeitsfähigkeit) von 100% erzielen würde. Die
Beschwerdegegnerin hat den Umschulungsanspruch also zu Unrecht mit der
Begründung verneint, die Beschwerdeführerin scheitere als Hilfsarbeiterin am
Gleichwertigkeitserfordernis. Das Lohnniveau des neuen Berufs müsste gegen 50%
über demjenigen der früheren Tätigkeit liegen. Nur ein qualifizierter Beruf wäre
geeignet, das Lohnniveau so stark anzuheben. Ob die Beschwerdeführerin die
schulischen und sprachlichen Voraussetzungen und die intellektuellen Fähigkeiten
mitbringt, die zum Erlernen eines qualifizierten Berufs mit dem erforderlichen
Lohnniveau notwendig sind, ist von der Beschwerdegegnerin nicht abgeklärt worden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Aus der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin nach der Primarschule drei Jahre die
Realschule besucht hat, kann nämlich nicht auf das Fehlen des notwendigen
intellektuellen Potentials geschlossen werden. Die Beschwerdeführerin ist noch jung
und hätte deshalb noch eine lange erwerbliche Aktivitätsphase vor sich, so dass auch
eine längerdauernde Umschulung als verhältnismässig zu betrachten wäre. Da anders
als bei der Invalidenrente eine rückwirkende Leistungsausrichtung nicht möglich ist,
stellt sich die Frage, ob das Rechtsschutzinteresse mit dem Wegzug nach Spanien
nachträglich weggefallen ist. Es ist nicht bekannt, ob der Wegzug nach Spanien
definitiv war oder ob der Entscheid darüber mit dem Ausgang dieses Verfahrens
bezüglich der Umschulungsfrage zusammenhängt. Es kann also nicht davon
ausgegangen werden, dass allein schon mit dem Wegzug nach Spanien jedes
schutzwürdige Interesse an der Beschwerde weggefallen sei, so dass die Beschwerde
als gegenstandslos abgeschrieben werden müsste. Deshalb ist die Sache in
grundsätzlicher Bejahung eines Umschulungsanspruchs zur weiteren Abklärung der
Möglichkeit einer höherwertigen Umschulung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Es bleibt der Beschwerdegegnerin überlassen, wie sie den Wegzug
nach Spanien in Bezug auf das wiederaufzunehmende Verwaltungsverfahren würdigen
will.
4.2 Gemäss Art. 18 Abs. 1 lit. a IVG haben arbeitsunfähige Versicherte, die
eingliederungsfähig sind, Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines
geeigneten Arbeitsplatzes. Wie der Botschaft des Bundesrats zur 5. IV-Revision zu
entnehmen ist, sieht Art. 18 IVG vor, dass alle stellenlosen Personen, die ihre bisherige
Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können, Anspruch auf
Arbeitsvermittlung durch die IV haben, somit auch Hilfsarbeiterinnen und Hilfsarbeiter,
die in einer angepassten Hilfstätigkeit voll arbeitsfähig sind. Durch diese Ausweitung
des Anspruchs auf Arbeitsvermittlung der Invalidenversicherung, die auf die
Vermittlung von gesundheitlich eingeschränkten Personen spezialisiert ist, können die
Eingliederungsinstrumente für unqualifizierte Versicherte verbessert werden. Dabei ist
eine enge Zusammenarbeit mit dem RAV vorgesehen (vgl. BBl 2005 S. 4522 und S.
4524). Der Bundesrat bezeichnet in der Botschaft das bestehende (nun altrechtliche)
System in Bezug auf Arbeitsvermittlung als unzureichend. Ein Anspruch auf
Arbeitsvermittlung sei bisher nur gegeben gewesen, wenn die versicherte Person bei
der Suche einer geeigneten Arbeitsstelle wegen ihres Gesundheitszustands
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schwierigkeiten gehabt oder invaliditätsbedingt spezielle Anforderungen an den
Arbeitsplatz oder den Arbeitgeber gestellt habe. Die Invalidenversicherung sei bisher
nicht für andere Gründe der erschwerten Stellensuche, wie Stellenmangel auf dem
Arbeitsmarkt, eingetreten. Angesichts des angespannten Arbeitsmarktes fänden jedoch
gesundheitlich eingeschränkte Hilfskräfte nur schwer eine neue, der Behinderung
angepasste Stelle, was oft zur Aussteuerung bei der ALV und durch die lange
Arbeitslosigkeit zu einer Verstärkung der ursprünglichen gesundheitlichen Probleme
bzw. zu zusätzlichen psychischen Schwierigkeiten führe (vgl. BBl 2005 S. 4522). Art. 18
Abs. 1 IVG ist vom Parlament unverändert und damit im Sinne der vom Bundesrat
vorgegebenen Interpretation (vgl. das Protokoll der Nationalratssitzung vom 21. März
2006 S. 28 sowie das Protokoll der Ständeratssitzung vom 25. September 2006 S. 3,
Amtliches Bulletin 05.052) angenommen worden. Bei dieser authentischen
Interpretation des Gesetzes ist die bisherige Praxis des Bundesgerichts, den in einer
adaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähigen Hilfsarbeitern einen Anspruch auf
Arbeitsvermittlung zu verwehren, als unzureichend erkannt worden. Demzufolge haben
nun auch die in der bisherigen Tätigkeit gesundheitsbedingt eingeschränkten
Hilfsarbeiter, die in einer adaptierten Tätigkeit vollumfänglich arbeitsfähig sind, einen
Anspruch auf eine Arbeitsvermittlung (vgl. etwa die Entscheide des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. Juni 2009, Erw. 3, IV 2007/493,
und vom 22. Juli 2009, Erw. 2.3, IV 2009/118). Auch die Beschwerdeführerin fällt unter
den Wirkungsbereich dieser neuen Regelung, was die Beschwerdegegnerin übersehen
hat. Sie hat deshalb grundsätzlich einen Anspruch auf eine Arbeitsvermittlung, auch
wenn sie bei der Stellensuche gesundheitlich nicht eingeschränkt ist. Allerdings kann
die Arbeitsvermittlung, die sich notwendigerweise auf die aktuelle berufliche
Qualifikation der Beschwerdeführerin beziehen muss, die also in der Unterstützung bei
der Suche nach einer adaptierten Erwerbstätigkeit bestehen würde, nicht parallel zur
Umschulung erfolgen. Vielmehr ist sie ein an die Umschulung anschliessender, letzter
Schritt der beruflichen Eingliederung. Solange die Umschulungsmöglichkeit nicht
abschliessend geklärt ist, muss die Frage nach einem allfälligen
Arbeitsvermittlungsanspruch notwendigerweise in der Schwebe bleiben. Da die
Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf Arbeitsvermittlung also verfrüht verneint hat,
erweist sich die angefochtene Verfügung diesbezüglich als rechtswidrig. Sie ist deshalb
aufzuheben. Das Gericht kann die Abweisung aber nicht durch eine definitive
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 25/26
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zusprache ersetzen. Vielmehr ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie eine Arbeitsvermittlung zuspreche, wenn ein
Umschulungsanspruch verneint werden muss, oder damit sie die Behandlung des
Arbeitsvermittlungsgesuchs sistiere und erst über es befinde, wenn die Umschulung
abgeschlossen ist.
5.
Gemäss den vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde gegen die Verneinung
eines Rentenanspruchs abzuweisen. Die gegen die Abweisung des Umschulungs- und
Arbeitsvermittlungsgesuchs gerichtete Beschwerde hingegen ist gutzuheissen und die
Sache ist zur Weiterführung der entsprechenden Verwaltungsverfahren an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur Festsetzung der Parteientschädigung und
der Gerichtskosten sind die Beschwerdeverfahren zu trennen. Die Parteientschädigung
bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). Da die Beschwerdeführerin nur in Bezug auf die
beruflichen Eingliederungsmassnahmen – trotz der Rückweisung an die
Beschwerdegegnerin vollumfänglich – obsiegt, hat sie in Bezug auf die Invalidenrente
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Die beiden obgenannten
Bemessungskriterien rechtfertigen eine Parteientschädigung von Fr. 1500.- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer). Die Gerichtskosten für dieses Beschwerdeverfahren
sind durch die Beschwerdegegnerin zu tragen. Sie richten sich nach dem
Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gebühr von Fr. 300.- erscheint als
angemessen. Für das Beschwerdeverfahren betreffend die Invalidenrente trägt die
Beschwerdeführerin die Gerichtskosten. Auch hier ist eine Gerichtsgebühr von Fr. 300.-
als gerechtfertigt zu betrachten. Diese Gebühr ist durch den geleisteten
Kostenvorschuss von Fr. 600.- gedeckt. Der überschüssige Teil des
Kostenvorschusses, nämlich Fr. 300.-, ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP