Decision ID: 433dfd55-fabb-40d1-9ace-9b0d3d18343a
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1970 geborene und als Putzfrau/Wäschereiangestellte tätig gewesene X._ meldete sich am 22. Oktober 2015 unter Hinweis auf einen Unfall am 4. Februar 2010, Arthrose im Knie und Depression bei der Invaliden
ver
sicherung für Berufliche Integration/Rente an (Urk. 6/7). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen, zog den IK-Auszug sowie die Akten des Unfallversicherers bei (Urk. 6/16) und lud die Versicherte zum Gespräch über die berufliche Situation ein (Urk. 6/25). Die verlangte Arbeitsvermittlung (so auch Urk. 6/20) wurde mit Mitteilung vom 11. Mai 2016 abgeschlossen (Urk. 6/47). Auf Einwand der Ver
sicherten hin (Urk. 6/50) wurde in der Folge ein entsprechender Anspruch mit Verfügung vom 22. Juni 2016 verneint (Urk. 6/54), denn die Versicherte werde diesbezüglich bereits durch die Organisation IPT-Integration für alle, Zürich, be
treut, habe an verschiedenen Massnahmen/Kursen der Arbeitslosenversicherung teilnehmen können und ab 1. Februar 2016 eine Teilzeitstelle angetreten. Weiter verfügte die IV-Stelle am 6. Dezember 2016 nach durchgeführtem
Vorbescheid
ver
fahren
(Urk. 6/56) auch die Abweisung des Anspruchs auf eine Invalidenren
te, dies mit der Begründung, die Versicherte sei ab 13. Juni 2013 wieder voll ar
beits
fähig und könne ihrer Teilzeittätigkeit nachgehen (Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 6. Dezember 2016 erhob die Versicherte am 16. Dezember 2016 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte sinngemäss
die Aufhe
bung der angefochtenen Verfügung und die Zuspr
echung
der gesetzlichen Leis
tungen. Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom
26. Januar 2017 (Urk. 5)
auf Abweisung der Beschwerd
e, was der Beschwerdeführerin zur Kenntnis gebracht und zugleich ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet wurde (Urk. 7). Innert angesetzter Frist ging keine Replik ein (Urk. 9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder
herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsren
te
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG.
D
ie Wartezeit im Sinne
von Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit ein
getreten ist. Als erheblich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (AHI 1998 S. 124 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts I 10/05 vom 14. Juni
2005 E. 2.1.1 in
fine
mit Hinweisen). Unter relevanter Arbeits
un
fähig
keit im Sinne dieser Bestimmung ist eine Einbusse an funktionellem Leistungs
vermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen. Das heisst, es muss ar
beitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person an Leistungs
vermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit ent
sprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitsgebers oder durch ge
häufte, aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeits
ausfälle. Mit anderen Worten: Die Leistungseinbusse muss in aller Regel dem seinerzeitigen Arbeitgeber aufgefallen sein. Eine erst nach Jahren rückwirkend festgelegte me
dizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit genügt nicht. Umge
kehrt ist eine in der beruflichen Tätigkeit im Vergleich zu einer gesunden Per
son tatsächlich nur reduziert erbrachte Leistung für sich allein gesehen in aller Regel ebenso wenig ausreichend für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes. Vielmehr bedarf
es dazu regelmässig zusätzlich einer (überzeugenden) medizini
schen Einschätzung, die
ordentlicherweise
echtzeit
licher Natur ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nach
trägliche erwerbliche oder medizinische Annahmen und spekulative Über
le
gun
gen ersetzt werden (Urteil des Bundesge
richts 8C_204/2012 vom 19. Juli 2012 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkom
mensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten
die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5.
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte den Rentenanspruch de
r
Beschwerdeführer
in
mit der Begründung
, dass wieder eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe und die Be
schwerdeführerin bereits einer Teilzeit-Tätigkeit nachgehe (Urk. 2). In der Beschwerdeantwort führte sie weiter aus,
massgebender
Sachverhalt sei derjenige zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses. In diesem Zeitpunkt sei die Beschwerde
führerin ihrer Teilzeitstelle als Reinigungsmitarbeiterin nachge
gangen; Ende April 2016 habe sie einen Arbeitsunfall gehabt, der zu einer vor
übergehenden Arbeitsunfähigkeit von einigen Wochen geführt habe. Mit Arzt
zeugnis vom 15. Juni 2016 habe der Hausarzt ihr ab dem 13. Juni 2016 eine volle Arbeitsfä
higkeit attestiert.
Gemäss
Stellungnahme des Regionalen ärztli
chen Dienstes (RAD) sei die Beschwerdeführerin aus orthopädischer Sicht in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. Eine aktuelle
Bescheinigung einer Arbeitsunfä
higkeit sei seitens der Beschwerdeführerin nicht vorgelegt und auch nicht gel
tend gemacht worden. Daraus resultiere, dass das Wartejahr
gemäss
Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG nicht erfüllt sei und damit ein Rentenanspruch nicht habe ent
stehen können. Bezüglich dem neuen Gesuch vom 6. Januar 2017 um Unter
stützung mit beruflichen
Massnahmen
(Urk. 6/60) rechtfertige es sich aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin, sie warte auf einen Termin für weitere Abklärungen und die Terminierung beidseitiger Knieoperationen, den gesund
heitlichen Status abzuwarten, bevor weitere Schritte unternommen wür
den, und das Schreiben der Beschwerdeführerin einstweilen als Zusatzgesuch entgegen
zunehmen (Urk. 5).
2.2
Demgegenüber stellt sich d
ie
Beschwerdeführer
in in der Beschwerdeschrift auf den
Standpunkt
, aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation sei es ihr nicht mehr möglich, in der Reinigung tätig zu sein. Zudem habe sich ihre Situation ver
schlechtert (Urk. 1; siehe auch Urk. 6/60, Urk. 10 und 11).
3.
3.1
Im Bericht vom 25. November 2015 (Urk. 6/17) zu Händen der IV-Stelle stellte Dr. med. Y._, Allgemeine Medizin FMH, Hausarzt der Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2000, die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, ge
genwärtig mittelgradige Episode (ICD: F33.10), bestehend seit 2010, sowie einer medialen Gonarthrose links, aktiviert nach Kniedistorsion am 4. Februar 2010 (zum Unfall siehe auch Urk. 6/16/15 und 16). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine Adipositas (BMI 47.6), mindestens seit 2010. Er gab an, die Patientin sei bis zur Kniedistorsion 2010 beschwerdefrei und voll leistungsfähig gewesen. Seither immer wieder Schwellung linkes, in der letzten Zeit auch rechtes Knie. Abklärung 2013 durch Dr. med. Z._, FMH Orthopädie A._,
welcher eine mittelschwere Gonarthrose, vor allem links, diagnostiziert habe. Seither sei die Gehbelastung deutlich eingeschränkt, sowohl geradeaus, wie auch beim Treppensteigen; das Knien sei nicht möglich. Die Ar
beit als Putzfrau sei in der Folge sehr belastend geworden, und da die Patientin langsamer geworden sei, habe sie die Putzstellen jeweils nicht lange Zeit behal
ten können. Die Prüfung einer beruflichen Umstellung aus medizinischer Sicht befürwortete er und hielt eine behinderungsangepasste Tätigkeit 30-40 Stunden pro Woche seit dem 20. September 2015 für zumutbar (siehe dazu auch Ziff. 5.1: Medizinische Beurteilung der physischen und psychischen Ressourcen der Versicherten). Ergänzend fügte er an: «Normal gearbeitet bis 4.6.2013, an
schliessend Arbeitseinsätze von RAV: zu 50 % 27.11.14 - 16.3.15, zu 100 % 18.3.15 – 30.5.15 und 13.7.15 -19.9.2015. Seit 20.9.2015 nicht mehr gearbeitet».
Seinen Ausführungen legte Dr. Y._ einen Bericht von Dr. Z._ vom 16. Juli 2013 bei (Urk. 6/17/8-9). In einem weiteren Schreiben vom 27. August 2013 (Überschrift «Betrifft Zumutbarkeit der Arbeit») an Dr. Y._ (Urk. 6/38) hielt Dr. Z._ fest, aus orthopädischer Sicht sei die Beschwerdefüh
rerin in einer angepassten Tätigkeit 100 % arbeitsfähig. Sie könne eine haupt
sächlich gehende Tätigkeit durchführen, wobei längere Gehdistanzen zu ver
mei
den seien, ebenso Gehen auf unebenem Boden oder viel Treppengehen. Eine dauernd sitzende oder auch hauptsächlich stehende Tätigkeit sei der Beschwer
deführerin zumutbar. Regelmässige Hebebelastungen bis 10 kg seien ebenfalls zumutbar, höhere Lasten entscheidend eingeschränkt. Bezüglich Hantieren mit Werkzeugen sei die Beschwerdeführerin bei gesunden Armgelenken gut einsetz
bar, aufgrund der Kraft nicht für schwer grob manuelle Tätigkeiten.
3.2
Am 30. Mai 2016 beantwortete Dr. Y._ die ihm von der IV-Stelle gestell
ten Fragen (Urk. 6/51/1-7). Er führte im entsprechenden Bericht aus, die Be
schwerdeführerin sei am 23. April 2016 auf die rechte Körperseite gestürzt und habe eine massive Kontusion mit Hämatom vor allem über dem Trochanter rechts erlitten. Keine Fraktur. Sie sei aktuell deswegen zu 100 % arbeitsunfähig. Die Beschwerdeführerin sei in einer delegierten Psychotherapie gewesen wäh
rend der Jahre 2002-2010. Aktuell sei eine Überweisung an einen Psychiater er
folgt (dieser habe jedoch keine neuen Patienten angenommen, aktuell scheine die Beschwerdeführerin einen Psychiater gefunden zu haben). Es sei mehrmals über eine Gewichtsreduktion gesprochen und die Beschwerdeführerin auch mehrmals diätetisch beraten worden. Das Erreichen eines Gewichts von 80 kg wäre nur mit einer
Magenbypassoperation
erreichbar, was aber der Beschwerde
führerin sicher nicht vorgeschrieben werden könne.
Er stellte weiter die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, ge
gen
wärtig leichtgradige Episode (ICD: F33.0) seit 2002 und einer medialen Gon
arthrose links, aktiviert nach einer Kniedistorsion am 4. Februar 2010. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er erneut Adiposi
tas.
Als Befund stellte er eine Schwellung beider Knie mit leichtem Kniegelenkser
guss fest. Radiologisch bestünden schwere Arthrosen, links stärker als rechts. Psychisch sei die Beschwerdeführerin noch oft traurig, aber nicht eigentlich freudlos und hoffnungslos. Zur Prognose gab er an, sie sollte eine geeignete Arbeit nach Abheilen des aktuellen Unfalls wieder durchführen können. Betref
fend die Arbeitsfähigkeit hielt er fest, die Beschwerdeführerin sei bis zum 23. April 2016 zu circa 25 % arbeitsfähig gewesen, seither bestehe eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit. Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht noch 4-5 Stun
den zumutbar, wobei eine verminderte Leistungsfähigkeit
bei schwerer kör
per
li
cher Arbeit bestehe. Aktuell sie die Beschwerdeführerin nicht arbeits
fähig, aber eine 50 % Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit sollte ab circa dem 10. Juni 2016 möglich sein.
3.3
Dr. Y._ hielt im Arztzeugnis vom 15. Juni 2016 (Urk. 6/53) zu Händen der Arbeitslosenversicherung fest, die Beschwerdeführerin sei wegen Unfall vom 23. April bis 12. Juni 2016 100 % arbeitsunfähig. Ab 13. Juni 2016 sei sie wie
der voll arbeitsfähig. Sie könne keine schweren körperlichen Tätigkeiten aus
füh
ren, nicht über 1 km gehen, keine Lasten über 20 kg tragen.
3.4
RAD-Arzt Dr. med. B._, Facharzt für Chirurgie, hielt in seiner Stellung
nahme vom 30. Juni 2016 (Urk. 6/55/3-4) als Diagnosen mit dauerhafter Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mediale Gonarthrose links, aktiviert nach Kniedistorsion am 4. Februar 2010 (Arztbericht Dr. Y._) fest. Als Diagno
sen ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er Adipositas, rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode ICD-10 F33.0 seit 2002 (Arztbericht Dr. Y._). Ein fachpsychiatrischer Arztbericht mit Befundung und Therapie liege nicht vor. Versicherungsmedizinisch liege aber kein IV-relevanter Gesundheitsschaden vor.
Betreffend Einschränkungen in Bezug auf die bisherige Tätigkeit als Wäsche
rei/Reinigungs-Mitarbeiterin hielt er fest, bei Schädigung des linken Kniegelen
kes bestehe aus medizinisch-theoretischer Sicht eine verminderte Belastbarkeit für regelmässiges mittelschweres und schweres Heben, Tragen und Transportie
ren von Lasten, für Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, für ausschliesslich ste
hende Tätigkeiten, für häufiges Bücken sowie für Tätigkeiten in körperlichen Zwangshaltungen wie Knien, Kriechen, Hocken, für Arbeiten mit erhöhten An
forderungen an die Stand- und Gangsicherheit und für dauerhaftes Gehen und Stehen auf
unebenem Grund. Als angepasste Tätigkeit («Belastungsprofil») kön
ne eine überwiegend sitzend ausgeübte Arbeit mit leichter Wechselbelastung, teils sitzend, teils ebenerdig gehend, auch mit gelegentlichem Heben und Tragen von Lasten bis 10 kg körpernah medizinisch-theoretisch weiterhin zugemutet werden. Auch könne eine hauptsächlich gehende Tätigkeit, wobei längere Geh
distanzen zu vermeiden seien, durchgeführt werden. Zu vermeiden sei Gehen auf unebenem Boden oder viel Treppengehen.
In der bisherigen Tätigkeit in der Wäscherei/Reinigung sei die Beschwerde
führerin vom 20. September 2015 bis 23. April 2016 75 %, ab 24. April bis 12. Juni 2016 100 % arbeitsunfähig gewesen. Ab 13. Juni 2016 sei sie 100 % arbeitsfä
hig (Dr. Y._). In einer angepassten Tätigkeit gemäss Belastungs
profil sei die Beschwerdeführerin aus orthopädischer Sicht 100 % arbeitsfähig in ange
passter Tätigkeit – siehe Bericht vom 27. August 2013 (Dr. Z._).
Eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes sei nicht wahrscheinlich. Die Gonarthrose werde sich auf Dauer weiter verschlechtern und eine protheti
sche Versorgung notwendig werden. Allerdings gelte dann auch weiterhin das oben genannte Belastungsprofil. Als weitere medizinische Massnahmen nannte er die Fortsetzung der medizinischen Massnahmen und eine Gewichtsabnahme.
4.
4.1
Im Feststellungsblatt für den Beschluss (Urk. 6/55/4-5) hielt die Beschwerde
gegnerin gestützt auf die erwähnten Angaben von RAD-Arzt Dr. B._ (E. 3.4) fest, dass die Wartezeit am 20. September 2015 zu eröffnen sei, wobei aber bereits ab 12. Juni 2016 wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit «ange
stammt» be
stehe. Es trifft zu, dass Dr. B._ ab 20. September 2015 bis 12. Juni 2016 die Beschwerdeführerin als arbeitsunfähig - bis 23. April 2016
zu 75%, dann zu 100% - erachtete. Er wiederum stützte sich auf die ent
spre
chenden An
gaben von Dr. Y._ (E. 3.2. und 3.3), welche er vollumfänglich übernahm. Nachdem sich die Beschwerdeführerin am 22. Oktober 2015 bei der IV-Stelle angemeldet hat, wäre der frühestmögliche Zeitpunkt zur Auszahlung einer Ren
te der 1. April 2016 gewesen. In jenem Zeitpunkt war aber die Beschwerdefüh
rerin noch nicht während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch
schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen (Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG; E. 1.2). Angesichts des Umstandes, dass die Beschwerde
führerin für die Zeit von September 2013 bis Dezember 2014 Taggelder der Arbeitslosenversicherung - bei einer von ihr angegebenen 100%igen Ver
mittlungsfähigkeit (Urk. 6/27, vgl. auch IK-Auszug Urk. 6/11) - bezog und ab November 2014 bis September 2015 diverse RAV-Arbeitseinsätze – anfänglich im Umfang von 50 %, dann ab 18. März 2015 zu 100 % (vgl. E. 3.1) – machte, fehlen Anhaltspunkte für einen früheren Beginn der Wartezeit. Solange aber die gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit nicht erfüllt ist, kann auch kein Anspruch auf eine Rente entstehen. Das Fazit, dass die Beschwerdegegnerin auf ihrem Feststellungsblatt für den Be
schluss zog, nämlich «Abweisung, WZ (=Wartezeit) nicht erfüllt», ist demzufolge korrekt. Die angefochtene Verfügung vom 6. Dezember 2016 (mit einem beige
legten Auszug über die relevanten gesetz
lichen Grundlagen, unter anderem Art. 28 IVG), in welcher sie zur Hauptsache ausführte, es sei infolge wiederer
langter voller Arbeitsfähigkeit kein Anspruch auf eine IV-Rente entstanden, er
weist sich somit als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
4.2
Nachdem lediglich der (abgelehnte) Anspruch auf eine Rente der Invalidenversi
cherung Gegenstand der angefochtenen Verfügung vom 6. Dezember 2016 bil
dete und dieser Zeitpunkt rechtsprechungs- und
praxisgemäss
auch die zeitliche Schranke der richterlichen Überprüfung bildet, ist hier
weder auf das Schreiben der Beschwerdeführerin vom 6. Januar 2017, welches die Beschwerdegegnerin einst
weilen als Zusatzgesuch entgegennahm (siehe E. 2.1), noch auf die weitere dem Gericht im Verlauf des Beschwerdeverfahrens überwiesene Korrespondenz (Urk. 10 und 11) näher einzugehen.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr. 7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie vo
n der
unter
liegenden Beschwerdeführer
in
zu tragen.