Decision ID: 802f95c5-6300-4be3-99b1-2f05346560cf
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X wohnt in A im Fürstentum Liechtenstein. Am 12. Februar 2018 um 14.15 Uhr
beabsichtigte er, als Lenker eines Lieferwagens beim Zollamt Oberriet in die Schweiz
einzureisen. Dabei konnte er keinen Führerausweis vorweisen. Nachforschungen der
Kantonspolizei St. Gallen im Fahrberechtigungsregister FABER ergaben, dass ihm der
liechtensteinische Führerausweis mit Wirkung ab 7. Februar 2018 entzogen war. Die
Polizei aberkannte ihm den Führerausweis daraufhin vorläufig mit sofortiger Wirkung.
B.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt eröffnete aufgrund dieses Vorfalls ein
Administrativmassnahmeverfahren und gewährte X mit Schreiben vom 23. Februar
2018 das rechtliche Gehör. Nachdem sich dieser innert Frist nicht hatte vernehmen
lassen, verfügte das Strassenverkehrsamt wegen Fahrens trotz Entzugs am 23. März
2018 eine Aberkennung des liechtensteinischen Führerausweises für drei Monate
(Vollzug vom 12. Februar bis 11. Mai 2018).
Mit Strafbefehl des Untersuchungsamts Altstätten vom 28. März 2018 wurde X im
Zusammenhang mit dem Vorfall vom 12. Februar 2018 des Führens eines
Motorfahrzeugs trotz Entzugs des Ausweises schuldig gesprochen und zu einer
bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je Fr. 60.– sowie einer Busse von
Fr. 600.– verurteilt. Der Strafbefehl erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.- Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 11. April 2018 erhob X Rekurs gegen die
Aberkennung seines Führerausweises mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung
des Strassenverkehrsamts vom 23. März 2018 sei aufzuheben, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Mit Vernehmlassung vom 23. April 2018 beantragte die
Vorinstanz die Abweisung des Rekurses. Im Rekursverfahren wurden zusätzliche
Abklärungen getätigt, deren Ergebnis den Parteien zur Kenntnis gebracht wurde. Auf

die Ausführungen der Beteiligten ist, soweit erforderlich, in den Erwägungen
einzugehen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
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Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 11. April 2018 ist rechtzeitig eingereicht
worden und erfüllt in formeller und materieller Hinsicht die Anforderungen von Art. 41
lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1,
abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Streitig und zu prüfen ist, ob die Vorinstanz dem Rekurrenten den ausländischen
Führerausweis zu Recht für die Dauer von drei Monaten aberkannte.
a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03) ausgeschlossen ist, der
Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz
unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und
schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Das Führen eines Motorfahrzeugs trotz
Ausweisentzugs stellt eine schwere Widerhandlung dar (Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG).
Ausländische Führerausweise können nach den gleichen Bestimmungen aberkannt
werden, die für den Entzug des schweizerischen Führerausweises gelten (Art. 45 Abs. 1
der Verkehrszulassungsverordnung, SR 741.51, abgekürzt: VZV). Dadurch wird dem
Inhaber des ausländischen Führerausweises das Recht aberkannt, diesen auf dem
Hoheitsgebiet der Schweiz zu verwenden (siehe Art. 42 Abs. 1 Ingress des
Übereinkommens über den Strassenverkehr, SR 0.741.10).
b) Der Rekurrent macht im Wesentlichen geltend, die Annahme der Vorinstanz, er habe
ein Fahrzeug trotz Entzugs des Ausweises gelenkt, beruhe auf einem Irrtum. Mit
rechtskräftiger Verfügung der Motorfahrzeugkontrolle des Fürstentums Liechtenstein
(nachfolgend: MFK Vaduz) vom 15. Januar 2018 sei ihm der Führerausweis für die
Dauer von drei Monaten entzogen worden, und zwar mit Wirkung vom 1. März bis
27. Mai 2018. Im Februar 2018 sei er in eine Polizeikontrolle geraten und darauf
hingewiesen worden, dass sich bei seinem Führerausweis die Perforationsfolie ablöse
und er diesen erneuern müsse. Daraufhin habe er sich am 7. Februar 2018 zur MFK
Vaduz begeben und den Führerausweis im dortigen Briefkasten deponiert, um ihn
erneuern zu lassen. Offensichtlich seien die zuständigen Mitarbeiter der MFK Vaduz
irrtümlich davon ausgegangen, dass er mit diesem Vorgehen seinen Führerausweis
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bereits vorzeitig habe abgeben wollen. Das Schreiben, worin die Abgabe des
Führerausweises ab 7. Februar 2018 bestätigt worden sei, habe er erst am 14. Februar
2018 erhalten. Am 12. Februar 2018 habe er folglich noch keine Kenntnis davon haben
können, weshalb ihm kein Fehlverhalten vorgeworfen werden könne.
Die Vorinstanz hielt dem entgegen, der kommentarlose Einwurf des Ausweises in den
Briefkasten der MFK Vaduz sei von der Massnahmebehörde als vorzeitige Abgabe
gewertet worden. Durch sein unbedarftes Handeln habe der Rekurrent nicht gutgläubig
annehmen dürfen, der Entzug beginne erst am 1. März 2018, wie ursprünglich
festgelegt worden sei, zu laufen.
c) Nach Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder
Geldstrafe bestraft, wer ein Motorfahrzeug führt, obwohl ihm der Lernfahr- oder
Führerausweis verweigert, entzogen oder aberkannt wurde. Diese Bestimmung
entspricht Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG, wonach eine schwere Widerhandlung begeht, wer
ein Motorfahrzeug trotz Ausweisentzugs führt. Das Führen eines Motorfahrzeugs trotz
eines Ausweisentzugs setzt voraus, dass der Führer im massgeblichen Zeitpunkt kein
Motorfahrzeug führen darf, weil ihm der entsprechende Ausweis entzogen wurde.
Dabei kommt es nicht darauf an, aus welchem Grund und in welchem Verfahren der
Entzug erfolgte. Ob gegenüber dem Lenker zum Zeitpunkt seiner Fahrt ein Sicherungs-
oder ein Warnungsentzug vollstreckt wird oder ob ihm der Führerausweis von der
Polizei abgenommen wurde, ist unerheblich. Jedoch muss der Entzug rechtmässig
erfolgt sein.
Mit Verfügung der MFK Vaduz vom 15. Januar 2018 war dem Rekurrenten der
liechtensteinische Führerausweis für die Dauer von drei Monaten entzogen worden. Als
Vollzugszeitpunkt wurde der Zeitraum vom 1. März bis 27. Mai 2018 bestimmt. Am 7.
Februar 2018 ging der Führerschein des Rekurrenten in einem unfrankierten Couvert
bei der MFK Vaduz ohne Begleitschreiben ein (act. 24/2). Aufgrund der
Entzugsverfügung vom 15. Januar 2018 und der kommentarlosen Übermittlung des
Führerausweises ging die MFK Vaduz davon aus, dass der Rekurrent seinen
Führerausweis vorzeitig abgeben wollte. Auf diese Möglichkeit wurde in der
Entzugsverfügung hingewiesen, wo es heisst, dass die Entzugsdauer allenfalls mit der
Abgabe des Ausweises auf der Post zu laufen beginne, was selbstredend auch für eine
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vorzeitige Abgabe auf der MFK Vaduz gilt (act. 8/28). Die Richtigkeit dieser Annahme
wird zusätzlich dadurch bestätigt, dass der Rekurrent am 8. Februar 2018 um 14.30
Uhr persönlich am Schalter der MFK Vaduz vorsprach und nachfragte, ab wann der
Führerausweisentzug nun gültig sei. Dabei machte er geltend, dass er den
Führerausweis bereits am 16. Januar 2018 der Post übergeben habe. Da das Couvert
nicht frankiert war und damit auch ein Poststempel fehlte, kann dies nicht überprüft
werden. Hinzu kommt, dass er die Verfügung vom 15. Januar 2018 erst am 30. Januar
2018 entgegengenommen hatte (act. 8/6), was dafür spricht, dass die entsprechenden
Angaben des Rekurrenten falsch waren. Die Mitarbeiterin der MFK Vaduz teilte ihm mit,
dass der Führerausweis am 7. Februar 2018 eingegangen sei und der dreimonatige
Entzug ab jenem Datum zu laufen begonnen habe (act. 24/1). Es sind keine Gründe
ersichtlich, an der glaubwürdig und detailliert geschilderten, gleichentags in einer
Aktennotiz festgehaltenen Darstellung des Sachverhalts durch die Mitarbeiterin der
MFK Vaduz zu zweifeln. Diese wurde vom Rekurrenten zudem nicht bestritten. Im
Gegensatz dazu erscheint seine Version nicht plausibel. Es trifft zwar zu, dass der
Führerausweis tatsächlich beschädigt war. Wenn der Rekurrent diesen jedoch lediglich
hätte erneuern lassen wollen, hätte er dies entweder am Schalter persönlich mitteilen
oder eine entsprechende Begleitnotiz beilegen müssen. Bei der kommentarlosen
Abgabe musste er aufgrund der rechtskräftigen Entzugsverfügung damit rechnen, dass
die MFK Vaduz den Führerausweis zwecks Vollzugs der Administrativmassnahme
einbehalten würde. Offensichtlich handelt es sich dabei deshalb um eine
Schutzbehauptung.
Es ist deshalb erstellt, dass der Führerausweis mit Wirkung ab 7. Februar 2018
entzogen war und der Rekurrent spätestens ab dem 8. Februar 2018 davon Kenntnis
hatte. Er wusste somit am 12. Februar 2018, dass er nicht berechtigt war, ein Fahrzeug
zu lenken. Daran vermag die ihm erst am 14. Februar 2018 zugestellte schriftliche
Abgabebestätigung mit dem neuen Vollzugstermin (7. Februar bis 2. Mai 2018) nichts
zu ändern.
Hinzu kommt, dass der Rekurrent den Strafbefehl des Untersuchungsamts Altstätten
vom 28. März 2018, worin er des Führens eines Motorfahrzeugs trotz Entzugs des
Ausweises schuldig gesprochen worden war, nicht anfocht. Die Verwaltungsbehörde
darf von den tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil nur dann abweichen, wenn sie
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Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zu Grunde legt, die dem Strafrichter
unbekannt waren oder die er nicht beachtet hat, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt,
deren Würdigung zu einem anderen Entscheid führt, wenn die Beweiswürdigung durch
den Strafrichter den feststehenden Tatsachen klar widerspricht, oder wenn der
Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht sämtliche
Rechtsfragen abgeklärt hat, namentlich die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln
übersehen hat (BGE 124 II 103 E. 1c; Urteil der Verwaltungsrekurskommission
IV-2016/141 vom 23. Februar 2017 E. 3, im Internet abrufbar unter:
www.gerichte.sg.ch). Die Verwaltungsbehörde hat vor allem dann auf die Tatsachen im
Strafurteil abzustellen, wenn dieses im ordentlichen Verfahren ergangen ist. Die
Bindungswirkung an die Sachverhaltsdarstellung besteht aber auch dann, wenn die
Strafsache mit einem Strafbefehl erledigt wurde, welcher sich ausschliesslich auf den
Polizeirapport stützt, sofern der Betroffene wusste oder angesichts der Schwere der
ihm angelasteten Übertretung voraussehen musste, dass gegen ihn auch ein Verfahren
wegen Führerausweisentzugs eingeleitet wird oder er darüber informiert worden ist,
und er es im Rahmen des summarischen Strafverfahrens unterlassen hat, seine
Verteidigungsrechte wahrzunehmen. Unter diesen Umständen darf er nicht das
Verwaltungsverfahren abwarten, um allfällige Rügen vorzubringen und Beweisanträge
zu stellen (Urteil des Bundesgerichts 1C_476/2014 vom 29. Mai 2015 E. 2.3; BGE 123 II
97 E. 3c/aa). Dies ist beim Rekurrenten, dem der Führerausweis polizeilich auf der
Stelle aberkannt wurde, der Fall. Auch von daher rechtfertigt es sich nicht, im
Administrativmassnahmeverfahren vom Sachverhalt im rechtskräftigen Strafbefehl
abzuweichen.
d) Somit steht fest, dass der Rekurrent am 12. Februar 2018 bei der Einreise in die
Schweiz in Oberriet ein Fahrzeug lenkte, obschon ihm der liechtensteinische
Führerausweis entzogen war. Er beging damit eine schwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG. Deshalb ist ihm
der Führerausweis gestützt auf Art. 16 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 16 Abs. 3
SVG und Art. 45 Abs. 1 VZV abzuerkennen.
3.- a) Nach einer schweren Widerhandlung wird der ausländische Führerausweis für
mindestens drei Monate aberkannt (Art. 45 VZV in Verbindung mit Art. 16c Abs. 2 lit. a
SVG). Bei der Festsetzung der Dauer der Führerausweisaberkennung sind gemäss
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Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die
Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestaberkennungsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden, ausser wenn
die Strafe nach Art. 100 Ziff. 4 Satz 3 SVG gemildert wurde (Art. 16 Abs. 3 SVG).
b) Die Vorinstanz hat die Mindestaberkennungsdauer von drei Monaten angeordnet, die
nicht unterschritten werden darf. Folglich ist die angefochtene Verfügung auch
hinsichtlich der Massnahmedauer zu bestätigen. Eine allfällige berufliche
Angewiesenheit auf den Führerausweis kann daher nicht massnahmemindernd
berücksichtigt werden. Der Rekurs ist somit abzuweisen.
c) Wird während eines Führerausweisentzugs ein Motorfahrzeug geführt, so tritt die
Dauer der Aberkennung wegen einer Widerhandlung nach Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG an
die Stelle der noch verbleibenden Dauer des laufenden Entzugs (Art. 16c Abs. 3 SVG).
Der Vollzug des Führerausweisentzugs gemäss Verfügung der MFK Vaduz vom
15. Januar 2018 wurde auf die Zeit vom 7. Februar bis 2. Mai 2018 angesetzt. Die
Massnahme lief auch weiter, als der Rekurrent am 11. April 2018 Rekurs gegen die
dreimonatige Aberkennung des ausländischen Führerausweises erhoben hatte
(Verfügung vom 23. März 2018). Auch wenn einem Rekurs gegen einen
Warnungsentzug grundsätzlich die aufschiebende Wirkung zukommt (Art. 51 Abs. 1
VRP), war der Rekurrent aufgrund des liechtensteinischen Führerausweisentzugs bis
2. Mai 2018 bis zu diesem Tag in der Schweiz gleichwohl nicht fahrberechtigt. Folglich
sind an die Aberkennungsdauer von drei Monaten 81 Tage (12. Februar bis 2. Mai
2018, unter der Annahme, dass jeder Monat 30 Tage hat) anzurechnen; die noch zu
vollziehende Restdauer beträgt 9 Tage.
4.- Zusammenfassend ist der Rekurs abzuweisen. Bei diesem Verfahrensausgang sind
die amtlichen Kosten dem Rekurrenten aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu
verrechnen.
Es besteht kein Anspruch auf Entschädigung der ausseramtlichen Kosten (Art. 98
VRP).
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