Decision ID: 0bfeb540-aafe-5b9e-b710-ec835eff5678
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass die Beschwerdeführenden am 24. August 2019 in der Schweiz um
Asyl nachsuchten,
dass A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) zur Begründung ihres
Asylgesuchs im Wesentlichen geltend machte, sie sei eine russisch-geor-
gische Doppelbürgerin und habe bis 2007 in D._, Russische Föde-
ration, gelebt,
dass sie 2005 E._ (nachfolgend J.G.), Sohn eines Geschäftspart-
ners ihres Vaters und aus einer mächtigen Familie stammend, habe heira-
ten müssen,
dass sie J.G. nach regelmässigen schweren Misshandlungen im Mai 2007
verlassen habe und mithilfe einer Freundin nach Georgien gereist sei, wo
Ersterer mit einem Einreiseverbot belegt sei,
dass sie dort F._ (nachfolgend R.S.) kennengelernt und im März
2009 geheiratet habe, welcher auch der Vater ihrer beiden Kinder sei,
dass R.S. sie am 15. August 2019 angerufen und mitgeteilt habe, ihn hätten
Personen in Tbilissi aufgesucht und unter Druck gesetzt, wobei es sich um
ihre Familienangehörigen aus D._ handle, welche sie suchen wür-
den,
dass sie am 16. August 2019 am Flughafen in Tbilissi mit Ihrem Vater in
Russland telefoniert habe, der ihr bedeutet habe, sie habe mit der neuen
Familie in Georgien die Ehre seiner Familie beschmutzt, sowie sie und ihre
Kinder mit dem Tode bedroht habe,
dass sie anschliessend mit ihren Kindern über Istanbul und Paris in die
Schweiz gereist sei,
dass sie als Beweismittel ihre originale georgische ID-Karte (Ausstellungs-
datum 30. Oktober 2018), ihren am 20. August 2010 abgelaufenen russi-
schen Pass, ihre Heiratsurkunde mit R.S. sowie Fotokopien der georgi-
schen Geburtsurkunden ihrer Kinder einreichte,
dass sie in der Stellungnahme ihrer Rechtsvertretung vom 15. Oktober
2019 zum Entscheidentwurf im Wesentlichen auf die Angaben in der An-
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hörung verwies, die georgische Identitätskarte habe sie durch ein Freund-
schaftsnetzwerk erhalten und diese verleihe ihr nicht die georgische
Staatsangehörigkeit,
dass das SEM mit Verfügung vom 17. Oktober 2019 die Asylgesuche der
Beschwerdeführenden ablehnte und die Wegweisung sowie deren Vollzug
aus der Schweiz anordnete,
dass es seinen Entscheid im Wesentlichen damit begründete, Georgien sei
ein verfolgungssicherer Staat und die Beschwerdeführerin habe dort nie
mit Behörden oder Dritten konkrete Probleme gehabt,
dass sie den Schutz der georgischen Behörden nicht in Anspruch genom-
men habe und stattdessen aus Georgien ausgereist sei,
dass die behaupteten Nachteile im Zusammenhang mit J.G. in Russland
ebenso nicht asylrelevant seien, weil diese zeitlich auf die Jahre 2005 bis
2007 zurückzuführen seien und sie diese Probleme überdies den Behör-
den nicht bekanntgemacht habe,
dass in Russland schliesslich die Möglichkeit bestehe, sich anderswo nie-
derzulassen,
dass ihre Einwände betreffend die georgische Staatsangehörigkeit nicht
überzeugten, zumal sie eine originale – als echt zu erachtende – Identitäts-
karte vorgelegt habe, mit der sie geheiratet habe, die 2018 erneuert worden
sei und mit welcher sie 2019 Georgien habe verlassen können,
dass der Vollzug der Wegweisung sowohl nach Georgien als auch nach
Russland zulässig, zumutbar und möglich sei,
dass es sich bei der Beschwerdeführerin um eine junge, gesunde, schu-
lisch und universitär gebildete Frau handle, welche zudem über umfas-
sende Berufserfahrung als (...) verfüge und mit ihrem Ehemann in Geor-
gien, mit dem sie weiterhin in gutem Kontakt stehe, auf ein familiäres Be-
ziehungsnetz zurückgreifen könne,
dass Letzterer seinerseits wirtschaftlich gut gestellt sei als Selbständiger
und Inhaber einer (...),
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dass die Beschwerdeführerin mit ihrer Ausbildung und Berufserfahrung
ebenso in Russland eine Tätigkeit finden und damit für sich und ihre Kinder
sorgen könnte, dies auch in einem anderen Landesteil,
dass das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-5573/2019 vom 6. No-
vember 2019 die gegen die Verfügung erhobene Beschwerde vom 24. Ok-
tober 2019 abwies,
dass es auf die gültige georgische Identitätskarte und deren Funktion als
Nachweis der georgischen Staatsangehörigkeit für ihre Inhaberin, den ab-
gelaufenen russischen Reisepass und die georgischen Geburtsurkunden
der Kinder hinwies,
dass es vor diesem Hintergrund festhielt, eine weitere Prüfung zum Beste-
hen der Staatsangehörigkeit gehe weit über das hinaus, was nach dem
Untersuchungsgrundsatz von der Vorinstanz zu verlangen sei,
dass die Modalitäten des Erwerbs der Identitätskarte nicht massgeblich
seien, wenn man davon ausgehe, allein der Besitz bescheinige die Staats-
angehörigkeit und den Genuss der sich daraus ergebenden Rechte,
dass es der Beschwerdeführerin deshalb zumutbar sei, den Schutz der ge-
orgischen Behörden in Anspruch zu nehmen,
dass es schliesslich die vorinstanzlichen Ausführungen zum Fehlen von
Wegweisungsvollzugshindernissen stützte,
dass die Beschwerdeführenden am 23. Januar 2020 mit einer als «Wieder-
erwägungsgesuch» bezeichneten Eingabe ihrer aktuellen Rechtsvertrete-
rin an das SEM gelangten,
dass die Beschwerdeführerin im Wesentlichen ihre Vorbringen aus dem
ersten Verfahren wiederholte und weiter vorbrachte, die Ehe mit R.S. sei
ungültig, nachdem jene mit J.G. nie aufgelöst worden sei,
dass es ihr daher nie möglich gewesen sei, die georgische Staatsangehö-
rigkeit zu erlangen und auch nicht klar sei, ob ihr in Georgien eine gültige
Aufenthaltsbewilligung zustünde,
dass J.G. dem R.S. Geld angeboten habe, um sie zur Rückkehr nach Ge-
orgien zu bewegen, und ihn auch bedroht sowie geschlagen habe, sodass
er sich derweil aus Angst von ihr habe scheiden lassen,
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dass sie in Russland mittlerweile polizeilich gesucht werde, weil J.G. gegen
sie eine Strafanzeige eingereicht habe,
dass sie zur Stützung ihrer Vorbringen einen Registerauszug vom 30. De-
zember 2019 des Zivilstandsamts D._ zur Eheschliessung mit J.G.
im Jahr 2005, ein georgisches Scheidungsurteil vom 29. Oktober 2019, ei-
nen russischen Haftbefehl beziehungsweise Strafregisterauszug vom
30. Dezember 2019, einen Auszug von SMS-Nachrichten vom 20. Novem-
ber 2019, Fotos von ihren Misshandlungen, zwei ärztliche Bescheinigun-
gen betreffend sie und R.S. vom Februar 2020, ein Schreiben ihrer georgi-
schen Rechtsanwältin vom Februar 2020 sowie ein Unterstützungsschrei-
ben ihrer russischen Freundin zu den Akten reichte,
dass das SEM diese Eingabe samt Beweismitteln am 27. Januar 2020 an
das Bundesverwaltungsgericht zur revisionsweisen Prüfung weiterleitete,
welches dieses jedoch mit Schreiben vom 30. Januar 2020 zuständigkeits-
halber an das SEM zurück überwies,
dass das SEM daraufhin die Eingabe vom 23. Januar 2020 als Mehrfach-
gesuch an die Hand nahm und den zuständigen Kanton anhielt, von Voll-
zugsmassnahmen einstweilen abzusehen,
dass es mit Instruktionsschreiben vom 21. Februar 2020 einen Fragenka-
talog an die Beschwerdeführerin richtete und sie zur Übersetzung der ein-
gereichten Dokumente aufforderte,
dass die Beschwerdeführenden zwischenzeitlich, am 21. Februar 2020, ein
Revisionsgesuch beim Gericht einreichten, welches sie jedoch mit Schrei-
ben vom 3. März 2020 zurückzogen, weshalb das Revisionsgesuch mit
Abschreibungsentscheid D-1054/2020 vom 9. März 2020 als gegenstands-
los geworden abgeschrieben wurde,
dass die Beschwerdeführerin nach mehrmaliger Fristerstreckung mit
Schreiben ihrer Rechtsvertreterin vom 23. März 2020 den Fragenkatalog
beantwortete und die Übersetzungen der Dokumente zu den Akten reichte,
dass sie darin im Wesentlichen ergänzte, es sei ihr unklar, wie sich R.S.
von ihr in Abwesenheit habe scheiden können, rechtlich habe auch keine
Ungültigkeitserklärung dieser Ehe vorgelegen,
dass J.G. sie seit Jahren suche und sie nun von ihrer Mutter aus Moskau
erfahren habe, er habe sie wegen versuchten Mordes angezeigt,
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dass sie nicht wisse, was sie nach einer Rückkehr in Georgien erwarten
würde, es könnte aber sein, dass J.G. auch bei der georgischen Polizei
eine Anzeige erstattet habe, und Georgien liefere eine polizeilich gesuchte
russische Person nach Russland aus,
dass ihr in Georgien ein Verfahren wegen Scheinehe drohe, falls sie bei
den georgischen Behörden um Schutz nachsuche, weil die Ehe mit R.S.
ungültig sei,
dass das SEM mit Verfügung vom 27. März 2020 – frühestens eröffnet am
31. März 2020 (vgl. Aufgabedatum 30. März 2020 und Eingangsstempel
1. April 2020 auf dem Rückschein, vorinstanzliche Akte 1060825-21/2) – in
Anwendung von Art. 111c AsylG (SR 142.31) i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG
auf das Asylgesuch nicht eintrat, sofern es die Vorbringen nicht ohnehin
formlos abschrieb, die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug
anordnete, auf die Erhebung einer Gebühr verzichtete und das Gesuch um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung ablehnte,
dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom
7. April 2020 (vgl. Poststempel) gegen diesen Entscheid beim Bundesver-
waltungsgericht Beschwerde erhoben und beantragten, die angefochtene
Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben und die Sache zur rechtsgenüg-
lichen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventua-
liter sei die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und in
der Schweiz ein materielles Asylverfahren durchzuführen, weiter eventua-
liter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung nach Georgien und
Russland unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei, und die vorläufige
Aufnahme sei anzuordnen,
dass sie in prozessualer Hinsicht beantragten, der vorliegenden Be-
schwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen, und im Sinne einer
superprovisorischen vorsorglichen Massnahme seien die Vollzugsbehör-
den anzuweisen, von einer Überstellung nach Georgien beziehungsweise
nach Russland abzusehen, bis das Gericht über die Erteilung der aufschie-
benden Wirkung entschieden habe,
dass sie weiter um Einräumung einer angemessenen Frist zur Einreichung
weiterer Beweismittel und von Originalen der bereits eingereichten Beweis-
mittel sowie zur Beschwerdeverbesserung ersuchten,
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dass sie schliesslich die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und die Be-
stellung der Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin beantragten,
dass sie mit der Beschwerdeschrift in Kopie einen Ausdruck einer «Inter-
netseite» einreichte, wonach sie in Russland strafrechtlich gesucht werde,
dass das Bundesverwaltungsgericht am 8. April 2020 den Eingang der Be-
schwerde bestätigte,
dass die vorinstanzlichen Akten am 8. April 2020 eintrafen,
dass die Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 20. April 2020 in Kopie
eine Bescheinigung des georgischen Justizministeriums vom 8. April 2020
und ein Schreiben ihrer georgischen Rechtsanwältin, jeweils mit deutscher
Übersetzung, zu den Akten reichten sowie um mehr Zeit für die Beibrin-
gung der Originaldokumente ersuchten,

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel
und so auch vorliegend endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen
(Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass die Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht worden ist und die
Beschwerdeführenden beschwerdelegitimiert sind (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG), weshalb auf die
Beschwerde einzutreten ist,
dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5),
dass Prüfungsgegenstand vorliegend die Frage bildet, ob das SEM auf die
als Mehrfachgesuch entgegengenommene Eingabe der Beschwerdefüh-
renden gemäss Art. 111c Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG zu Recht
nicht eingetreten ist,
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dass es in Bezug auf die Vorbringen zu Georgien zwar anmerkte und im
Dispositiv festhielt, auf das Mehrfachgesuch werde nicht eingetreten, «so-
fern die Vorbringen nicht ohnehin formlos abgeschrieben werden»,
dass dem SEM gemäss Art. 111c Abs. 2 AsylG auch die Möglichkeit einge-
räumt wird, unbegründete oder wiederholt gleich begründete Mehrfachge-
suche formlos abzuschreiben,
dass es seinen Entscheid aber sowohl in Bezug auf Georgien als auch auf
Russland letztlich gestützt auf Art. 111c AsylG i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG
begründete,
dass aus dieser für die Beschwerdeführenden günstigeren Prüfung keine
rechtlichen Nachteile erwachsen, weshalb insoweit auf die Frage der form-
losen Abschreibung nicht weiter einzugehen ist,
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen,
die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die
Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht
eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.),
dass sich demnach die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintre-
tensentscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbstständigen materi-
ellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache
zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. BVGE 2014/39
E. 3 m.w.H.),
dass die Frage der Wegweisung und des Vollzugs jedoch materiell geprüft
wird, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kogni-
tion zukommt,
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb das Urteil
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
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dass die Beschwerdeführenden zunächst die formelle Rüge der unrichti-
gen und unvollständigen Sachverhaltsfeststellung und sinngemäss der
Verletzung der Begründungspflicht geltend machen,
dass diese vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine
Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken, sich aber im Sinne
nachstehender Erwägungen unter keinem Gesichtspunkt als berechtigt er-
weisen,
dass die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht einen
Beschwerdegrund bildet (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass gemäss Art. 29 VwVG die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör
haben, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse einer Partei umfasst,
damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung brin-
gen kann, einschliesslich dem Recht auf Akteneinsicht (vgl. BGE 135 II 286
E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.H.),
dass mit diesem Anspruch die Pflicht der Behörden korreliert, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
angemessen zu berücksichtigen, wobei die Begründung sich nicht mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne Vor-
bringen ausdrücklich widerlegen muss (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1),
dass das SEM wie von den Beschwerdeführenden selbst in ihrer Be-
schwerdeschrift angemerkt, die relevanten Beweismittel in seinem Ent-
scheid festhielt, weshalb sich schon insoweit keine Hinweise auf eine un-
vollständige oder unrichtige Sachverhaltsfeststellung ergeben,
dass sich der Einwand der fehlenden Berücksichtigung der Beweismittel
auf die Frage der Verletzung der Begründungspflicht bezieht,
dass das SEM etwa den Haftbefehl sehr wohl einer antizipierten Beweis-
würdigung unterzog, diese an sich allerdings aber die materielle Würdi-
gung des Sachverhalts betrifft und nicht das rechtliche Gehör oder die
Sachverhaltsfeststellung,
dass abgesehen davon das SEM auf das Gesuch der Beschwerdeführen-
den im Asylpunkt aufgrund wiederholter gleicher Begründung nicht eintrat,
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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dass es sich bei dieser Einschätzung des Sachverhalts in der Tat nicht ge-
halten sehen musste, jene Beweismittel vertieft zu würdigen, welche
rechtskräftig bereits als nicht relevant erachtete Vorbringen erneut belegen
sollten,
dass die Frage, ob das SEM zu Recht auf das Gesuch nicht eingetreten
ist, im Rahmen der materiellen Würdigung zu beurteilen ist, die sogleich
erfolgt,
dass nach dem Gesagten eine Aufhebung der Verfügung und Rückwei-
sung der Sache zur Neubeurteilung an das SEM ausser Betracht fällt und
das Gericht in der Sache zu entscheiden hat (vgl. Art. 61 Abs. 1 VwVG),
dass das SEM in seinem Entscheid vom 6. April 2020 ausführte, die Be-
schwerdeführerin habe das Mehrfachgesuch wie das erste Asylgesuch da-
mit begründet, sie sei von ihrem ersten Ehemann J.G. oder dessen Entou-
rage in Georgien verfolgt worden,
dass sie zwar die Vorbringen dahin ergänzt habe, J.G. habe ihrem zweiten
Ehemann zunächst Geld angeboten und ihn danach bedroht; auch sei neu
eine Scheidungsurkunde ihrer in Georgien geschlossenen Ehe mit R.S.
vorhanden,
dass die neuen Vorbringen aber letztlich nur die bereits im ersten Asylver-
fahren geltend gemachten und erwogenen Argumente wiederholten, wo-
nach der georgische Staat im Fall der Beschwerdeführenden nicht schutz-
fähig sei, weil sie keine Georgier seien und demnach von Georgien nach
Russland ausgeliefert würden,
dass bereits in der Verfügung vom 24. August 2019 (recte: 17. Oktober
2019) festgestellt worden sei, aus den Asylakten würden keine Hinweise
ersichtlich, die geeignet wären, die Regelvermutung der relativen Verfol-
gungssicherheit Georgiens als sicherer Herkunftsstaat umzustossen, und
dass die neuen Vorbringen daran nichts zu ändern vermöchten,
dass die Einschätzung der Vorinstanz in Bezug auf das Nichteintreten auf
das Mehrfachgesuch zu bestätigen ist und auf diese verwiesen werden
kann,
dass an dieser Stelle offenbleiben kann, ob sämtliche Vorbringen und Be-
weismittel tatsächlich im Rahmen eines Mehrfachgesuches oder vielmehr
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wiedererwägungsweise durch das SEM oder revisionsrechtlich hätten ge-
prüft werden müssen, da mit der umfassenden Prüfung durch das SEM als
Mehrfachgesuch den Beschwerdeführenden jedenfalls kein Rechtsnach-
teil erwachsen ist,
dass entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden aus den mit der
Eingabe vom 23. Januar 2020 eingereichten Beweismitteln keine neuen
Sachverhaltselemente entnommen werden können, die ihr Mehrfachge-
such nunmehr stützen könnten,
dass diese letztlich wiederholt nur belegen sollen und können, der Be-
schwerdeführerin drohe in Georgien und Russland Verfolgung durch oder
mittels ihres ersten Ehemannes, was im ersten Asylverfahren unter Ver-
weis auf die Schutzfähigkeit und -willigkeit des georgischen Staates als
verfolgungssicherer Drittstaat abschliessend verneint wurde,
dass hinsichtlich des konkreten Begehrens gegenüber der Vorinstanz und
auf Beschwerdeebene, die rechtskräftige Feststellung im Urteil
D-5573/2019 umzustossen, bei der Beschwerdeführerin handle es sich
auch um eine georgische Staatsangehörige, weiterhin keine substantiier-
ten Angaben gemacht oder rechtsgenügliche Beweise vorgelegt wurden,
dass nicht zu überzeugen vermag, angesichts des Scheidungsurteils oder
einer ungültigen Eheschliessung – deren Glaubhaftmachung vorbehalten
– würde die Beschwerdeführerin, zumal als Mutter zweier georgischer Kin-
der und eigenem Geburtsort und über zehnjährigem Aufenthalt in Geor-
gien, ihrer Staatsangehörigkeit in Georgien beraubt,
dass sodann die Bestätigung durch die Anwältin als Gefälligkeitsschreiben
mit schwacher Beweiskraft qualifiziert werden muss und die Bestätigung
durch das Justizministerium lediglich in Kopie vorliegt,
dass Folgegesuche beziehungsweise ausserordentliche Rechtsmittel pra-
xisgemäss nicht damit begründet werden können, relevante Beweismittel
würden zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht,
dass in diesem Zusammenhang auch darauf hinzuweisen ist, dass die er-
wähnten Beweismittel bei Beachtung der zumutbaren Sorgfalt bereits im
ordentlichen Asylverfahren hätten beigebracht werden können,
dass daher der diesbezügliche Antrag auf Fristerstreckung zur Nachrei-
chung der Beweismittel und zur Beschwerdeverbesserung abzuweisen ist,
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dass aber ohnehin im Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung festzu-
halten ist, dass den eingereichten behördlichen Dokumenten eine geringe
Beweiskraft zukommen dürfte, zumal – wie von der Beschwerdeführerin
selbst vorgebracht – entsprechende Dokumente in Georgien leicht erhält-
lich sind sowie leicht gefälscht werden können,
dass sämtliche Beweismittel damit nicht geeignet erscheinen, die Feststel-
lung der georgischen Staatsangehörigkeit der Beschwerdeführerin zu er-
schüttern,
dass dies auch im Hinblick auf die angekündigte Nachreichung eines Ori-
ginals zum Ausdruck betreffend die Ausschreibung der Beschwerdeführe-
rin auf dem Internetportal für gesuchte Personen in Russland gilt,
dass mit der Vorinstanz jedenfalls davon auszugehen ist, die Beschwerde-
führenden können – auch im Sinne nachfolgender Erwägungen zum Weg-
weisungsvollzug – als georgische Staatsangehörige nach Georgien zu-
rückkehren, weshalb sich entsprechende Ausführungen zu einer mögli-
chen Verfolgung in Russland erübrigen,
dass es damit ebenso wenig der Nachreichung eines «Originals» betref-
fend die Ausschreibung auf der «Internetseite» bedarf, bei der es sich oh-
nehin bislang nur um einen Ausdruck aus einem russischen Email-Account
handeln dürfte (vgl. [...]),
dass nach dem Gesagten das SEM in Anwendung von Art. 111c Abs. 1
AsylG i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG zu Recht auf das Asylgesuch der Be-
schwerdeführenden nicht eingetreten ist,
dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat
(Art. 44 AsylG), vorliegend insbesondere der zuständige Kanton keine Auf-
enthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer
solchen besteht (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.), wes-
halb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestim-
mungen steht und demnach vom Staatssekretariat ebenfalls zu Recht an-
geordnet wurde,
dass das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim-
mungen über die vorläufige Aufnahme regelt, wenn der Vollzug der Weg-
weisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]),
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dass im ersten Asylverfahren mit Entscheid vom 17. Oktober 2019 festge-
stellt und mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5573/2019 vom
6. November 2019 rechtskräftig bestätigt wurde, der Vollzug der Wegwei-
sung der Beschwerdeführenden sei sowohl im Sinne der asyl- als auch der
völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig,
dass an dieser Stelle allerdings der Vollständigkeit halber anzumerken ist,
dass angesichts der offengelassenen Prüfung einer Verfolgung in Russ-
land ein Wegweisungsvollzug dorthin konsequenterweise ausgeschlossen
bleiben muss,
dass die Vorbringen im vorliegenden Verfahren keine andere Einschätzung
rechtfertigen, da in Bezug auf Georgien weiterhin nicht von einer asylrele-
vanten Gefährdung der Beschwerdeführenden auszugehen ist, weshalb
bei einem Vollzug der Wegweisung in diesen Staat das flüchtlingsrechtliche
Non-Refoulement-Prinzip nicht tangiert ist, und keine anderweitigen völker-
rechtlichen Vollzugshindernisse erkennbar sind,
dass der Vorinstanz namentlich darin zuzustimmen ist, die Vorbringen be-
treffend eine allfällige angehängte Strafverfolgung in Russland – ungeach-
tet der Frage des Beweiswertes des Haftbefehls beziehungsweise Strafre-
gisterauszugs – seien von vornherein unerheblich und bildeten keinen re-
levanten Verfahrensgegenstand, zumal sich der Wegweisungsvollzug
nach Georgien im Sinne nachfolgender Erwägungen auch als zumutbar
und möglich erweist,
dass mit dem erwähnten Urteil D-5573/2019 des Weiteren die Zumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs hinsichtlich Georgien bestätigt wurde,
dass der Vorinstanz seither keine Gründe dargetan wurden, die den Weg-
weisungsvollzug der Beschwerdeführenden nunmehr als unzumutbar er-
scheinen lassen würden,
dass auch bei – als zutreffend unterstellter – Scheidung von ihrem zweiten
Ehemann davon auszugehen ist, die Beschwerdeführerin könne sich an-
gesichts ihrer schulischen und universitären Bildung sowie ihrer jahrelan-
gen Berufserfahrung als (...) ohne den familiären Bezug in Georgien wie-
der eine ausreichende Existenz für sich und ihre Kinder aufbauen,
dass der Vollzug der Wegweisung den Beschwerdeführenden nach Geor-
gien schliesslich möglich ist (Art. 83 Abs. 2 AIG), und es ihnen obliegt, bei
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der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4
AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12),
dass die aktuellen aber jedenfalls nur temporären Auswirkungen der
Corona-Pandemie auf den Reiseverkehr allenfalls im Rahmen der Rück-
führungsmodalitäten nach Georgien zu beachten sind,
dass nach dem Gesagten der vom SEM verfügte Vollzug der Wegweisung
nach Georgien zu bestätigen ist,
dass vor dem Hintergrund vorstehender Ausführungen auch nicht zu bean-
standen ist, dass die Vorinstanz auf die Erhebung einer Gebühr verzichtete
und das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im vorinstanzli-
chen Verfahren ablehnte,
dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechts-
erheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1
AsylG) und – soweit überprüfbar – angemessen ist, weshalb die Be-
schwerde abzuweisen ist,
dass sich bei diesem Ausgang des Verfahrens weitere Ausführungen zur
aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und zu allfälligen vorsorglichen
Massnahmen erübrigen,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten den Beschwerdefüh-
renden aufzuerlegen und praxisgemäss bei Aussichtslosigkeit auf insge-
samt Fr. 1'500.– festzusetzen sind (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]),
dass die mit der Beschwerde vom 6. April 2020 eingereichten Gesuche um
unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertre-
terin angesichts der Aussichtslosigkeit der Eingabe abzuweisen sind.
(Dispositiv nächste Seite)
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