Decision ID: d8b8b2e6-ce9e-4b29-9072-b92f516786c0
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung (vorsorgliche Massnahmen)
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichtes im ordentlichen  des Bezirksgerichtes Dietikon vom 29. Juni 2022; Proz. FE210204
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Rechtsbegehren:
des Klägers (act. 6/60):
"1. Es sei der Beklagten die Weisung zu erteilen, das gemäss Dispositiv-Ziffer 3 des Urteils vom 20. Juni 2017 geltende Besuchsrecht umzusetzen, im Krankheitsfalle eine andere Person zu beauftragen, C._ in den D._ zu bringen und ausgefallene Besuche nachzuholen.
2. Dem vorstehenden Antrag ist superprovisorisch, ohne vorgängige Anhörung der Beklagten zu entsprechen.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer von 7.7 % zulasten der Beklagten."
der Beklagten (act. 6/72):
"1. Es sei auf das Gesuch des Klägers vom 19. Juni 2022 nicht einzutreten. Eventualiter sei das Gesuch des Klägers vom 19. Juni 2022 abzuweisen.
2. Es sei das Scheidungsverfahren FE210204 bis zum Abschluss des  betreffend die Anfechtung der Vaterschaft zu sistieren.
3. Es seien die Akten betreffend die Abänderung der vorsorglichen  sowie die Anfechtung der Vaterschaft beim Bezirksgericht Dietikon .
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zulasten des ."
Verfügung des Einzelgerichtes: (act. 6/84 = act. 5 [Aktenexemplar])
1. Der Beklagten wird im Sinne einer vorsorglichen Massnahme die Weisung
erteilt, das gemäss Dispositiv Ziffer 3 des Eheschutzurteils vom 20. Juni
2017 geltende bzw. jedes zukünftige gerichtlich oder behördliche angeord-
nete oder geregelte Besuchsrecht konsequent umzusetzen, namentlich
− C._ jeweils rechtzeitig zu den angeordneten bzw. geregelten Be-
suchen (zurzeit zu den begleiteten Besuchen im D._) zu bringen,
− im Verhinderungsfalle damit eine andere Person zu beauftragen (bspw.
eine der Halbgeschwister von C._),
− die Ferien- und Freizeitplanung frühzeitig mit der Beiständin zu bespre-
chen und dabei auf den Besuchsrhythmus Rücksicht zu nehmen oder
in Absprache mit der Beiständin Hand zu bieten für ein Nachholen in-
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folge Ferien oder anderer nicht zwingender Abwesenheiten ausgefalle-
ner Besuche.
2. Dem Kläger und der Beklagten werden im Sinne vorsorglicher Massnahmen
folgende Weisungen erteilt:
a) In der Gegenwart von C._ – d.h. im direkten Gespräch mit
C._, aber auch in Anwesenheit von ihr im Gespräch mit Dritten –
sind jegliche Äusserungen über eheliche Streitigkeiten, über die mit
Einstellung des Strafverfahrens verworfenen Missbrauchsvorwürfe und
über gerichtliche Verfahren, sowie jegliche negativen Äusserungen
über den anderen Elternteil zu unterlassen.
b) In der Gegenwart von C._ – d.h. im direkten Gespräch mit
C._, aber auch in Anwesenheit von ihr im Gespräch mit Dritten –
sind jegliche Gespräche über die Anfechtung der Vaterschaft des Klä-
gers bzw. die Rolle des (mutmasslichen) biologischen Vaters und des
Klägers als (zumindest) sozialen Vaters nur in kindesgerechter Art und
Weise zu führen.
c) Der Kläger und die Beklagte haben je in Anwesenheit oder zumindest
unter Anleitung einer Fachperson (namentlich der Beiständin selbst
oder einer von ihr zu bezeichnenden Fachperson) bis spätestens Ende
August 2022 C._ in einem kindsgerechten Rahmen je zu erklären,
dass sie einen biologischen und zudem einen sozialen Vater habe, sie
beide lieb haben dürfe und sie zu beiden gleichermassen den Kontakt
pflegen dürfe (wenn sie dies wünsche).
3. Der Beklagten wird für den Fall der schuldhaften Widerhandlung gegen die
Weisung gemäss Ziffer 1 auf Art. 292 StGB aufmerksam gemacht, wonach
mit Busse bis Fr. 10'000.– bestraft wird, wer Ungehorsam gegen eine amtli-
che Verfügung leistet.
4. Die Aufgaben der Beiständin werden im Sinne einer vorsorglichen Massnah-
me wie folgt erweitert:
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− die konsequente Umsetzung der Besuche im Sinne der Weisung ge-
mäss Ziffer 1 sicherzustellen und gegebenenfalls auf die gütliche Fest-
legung eines Ersatztermins für ausgefallene Besuche hinzuwirken;
− den Kläger und die Beklagte bei der Umsetzung der Weisungen ge-
mäss Ziffer 2 a) und b) zu unterstützen; namentlich ihnen je aufzuzei-
gen, wie eine Widerhandlung C._ schaden kann, Alternativen auf-
zeigen und das Fernhalten von eigenen Ängsten und Frustrationen ge-
genüber dem Ehegatten von C._ thematisieren;
− den Kläger und die Beklagte je auf das Gespräch mit C._ gemäss
Ziffer 2 c) vorzubereiten sowie gegebenenfalls das Gespräch anzulei-
ten oder eine geeignete Fachperson für diese Aufgabe zu bestimmen;
− im Falle der Widerhandlung gegen die erteilten Weisungen gemäss Zif-
fer 1 und 2 dem Gericht in jedem Fall unaufgefordert zu berichten und
bei Verstoss gegen die Weisung gemäss Ziffer 1, soweit ein schuldhaf-
tes Verhalten nicht ausgeschlossen werden kann, eine Strafanzeige
gegen die Beklagte wegen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen
bei der Polizei zu erstatten.
5. Die Kostenregelung bleibt dem Endentscheid vorbehalten.
6./7. (Mitteilung / Rechtsmittel).
Berufungsanträge:
der Beklagten und Berufungsklägerin (act. 2):
1. Es seien Dispositivziffern 1 - 4 der Verfügung vom 29. Juni 2022 des Bezirksgerichts Dietikon mit Geschäftsnummer FE210204 aufzuheben und wie folgt zu ersetzen:
1. Das Gesuch des Klägers vom 19. Juni 2022 wird .
2. (ersatzlos aufgehoben) 3. (ersatzlos aufgehoben) 4. (ersatzlos aufgehoben)
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2. Eventualiter seien Dispositivziffern 1 - 4 der Verfügung vom 29. Juni 2022 des Bezirksgerichts Dietikon mit Geschäftsnummer FE210204 aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zur  Beurteilung zurückzuweisen.
3. Es sei der Berufungsbeklagte zu verpflichten, der  für das vorliegende Verfahren einen Kostenvorschuss für  Anwaltskosten von einstweilen CHF 2'500.00 zu bezahlen.
Eventualiter sei der Berufungsklägerin die unentgeltliche  für das vorliegende Verfahren zu gewähren und es sei ihr in der Person der Unterzeichnenden eine unentgeltliche  beizugeben.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich  zulasten des Berufungsbeklagten.
des Klägers und Berufungsbeklagten (act. 12):
1. Die Berufungsanträge der Beklagten seien abzuweisen. 2. Es seien die Dispositiv-Ziffern 1-4 der Verfügung vom 29. Juni
2022 des Bezirksgerichts Dietikon (Geschäfts-Nr. FE210204) zu bestätigen.
3. Es sei auf den Aufschub der Vollstreckbarkeit der mit Verfügung vom 29. Juni 2022 des Bezirksgerichts Dietikon (Geschäfts-Nr. FE210204) angeordneten vorsorglichen Massnahmen zu  und die vorsorglichen Massnahmen für vollstreckbar zu .
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich  von 7.7 % zulasten der Beklagten.
Prozessualer Antrag: 5. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger einen Prozesskos-
tenvorschuss in der Höhe von einstweilen Fr. 3'000.– zu .
Eventualiter sei dem Kläger für das vorliegende  die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und ihm in der Person der Unterzeichnenden eine unentgeltliche  zu bestellen.

Erwägungen:
1. Sachverhalt / Prozessgeschichte
1.1 Die Parteien haben am tt.mm.2016 in E._ geheiratet. Rund vier Monate
vorher, am tt.mm.2016 kam die gemeinsame Tochter C._ zur Welt
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(vgl. act. 6/3). C._ hat zwei Halbgeschwister auf Seiten ihres Vaters und, so-
weit ersichtlich, drei Halbgeschwister auf Seiten ihrer Mutter.
Fünf Monate nach der Heirat gaben die Parteien das Zusammenleben auf.
Zuvor kam es zu Vorfällen von häuslicher Gewalt, zu verbalen und physischen
Übergriffen des Vaters gegenüber der Mutter und zur Verletzung des Kontakt-
und Rayonverbots (vgl. act. 6/8/44, act. 6/8/46; act. 6/8/54 S. 12 ff.).
1.2 Mit Entscheid des Eheschutzgerichts Dietikon vom 20. Juni 2017
(act. 6/8/54) wurde Vormerk genommen, dass die Parteien seit dem 19. Januar
2017 getrennt leben. Ferner wurde die Obhut über C._ der Mutter (der Be-
klagten und Berufungsklägerin, nachfolgend: Berufungsklägerin) zugeteilt und der
Vater (Kläger und Berufungsbeklagter, nachfolgend: Berufungsbeklagter) für be-
rechtigt erklärt, C._ zwei Mal pro Monat im Rahmen eines Besuchstreffs des
Kantons Zürich zu besuchen (D._; Dispositiv Ziffer 3 des Entscheides des
Eheschutzgerichts vom 20. Juni 2017). Mit genanntem Entscheid vom 20. Juni
2017 ordnete das Eheschutzgericht für das Kind auch eine Beistandschaft nach
Art. 308 Abs. 2 ZGB an und übertrug der Beistandsperson die Aufgaben der Vor-
bereitung, Sicherstellung und Festlegung der Modalitäten des Besuchsrechts
(Dispositiv Ziffer 4 des Eheschutzentscheides).
Die Besuche konnten weitestgehend nicht stattfinden. Einerseits ist gemäss
Bericht der Beiständin F._ vom 20. Dezember 2021 die Mutter zunächst un-
tergetaucht. Im Juli 2019 sei dann mit dem Vater besprochen worden, dass er und
die Beiständin sich zunächst kennen lernen sollten, damit danach das D._ in
Zürich organisiert werden könne. Dem schon damals in G._ wohnhaften Va-
ter sei es sodann wichtig gewesen, so die Beiständin weiter, die Kostenübernah-
me für die Reise von G._ nach E._ bzw. Zürich mit der Sozialhilfe zu
klären, bevor die Besuche umgesetzt würden. Im Januar 2020 sei der Vater dann
zu einem Gespräch bezüglich Anmeldung für das D._ eingeladen worden, er
sei aber unentschuldigt ferngeblieben (vgl. act. 6/10). Die Finanzierung der Reise
von G._ nach Zürich zog sich gemäss Bericht der Beiständin hin. Der Vater
habe aber für die Zeit ab Juni 2021 erklärt, er vermöge regelmässig nach Zürich
zu fahren. Im Juli 2021 habe der Vater dann aber gemeldet, dass er von einer
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Person angegriffen worden und im Koma gewesen sei, er aufgrund seines Ge-
sundheitszustandes erst im August 2021 Termine wahrnehmen könne (vgl. act.
6/10).
Der erste Besuch nach Massgabe des Eheschutzentscheides vom 20. Juni
2017 konnte am 19. September 2021 stattfinden. Weitere Besuche folgten am
3. Oktober 2021 und 7. November 2021. Der Besuchstag vom 17. Oktober 2021
wurde vom Vater abgesagt, weil er im Spital war und derjenige vom 21. Novem-
ber 2021 wurde von der Mutter wegen Zahnschmerzen abgesagt. Der Besuchs-
tag vom 5. Dezember 2021 wurde von beiden Eltern abgesagt (act. 6/10 S. 2).
Die Aufgabe der Beiständin besteht nach wie vor darin, die festgelegten Besuche
nach Massgabe des Eheschutzentscheides vom 20. Juni 2017 umzusetzen (vgl.
z.B. act. 6/41a).
1.3 Mit Entscheid vom 30. Mai 2022 setzte die Kindes- und Erwachsenen-
schutzbehörde Bezirk Dietikon eine Prozessbeiständin gemäss Art. 306 Abs. 2
ZGB ein und betraute sie mit der Aufgabe, die Interessen von C._ bezüglich
der Anfechtung der Vaterschaft zu wahren und gegebenenfalls im Interesse des
Kindes Klage einzureichen (act. 6/46). Mit Eingabe vom 15. Juni 2022 focht die
Prozessbeiständin die Vaterschaft des Berufungsbeklagten am Bezirksgericht
Dietikon an (act. 6/75/2).
1.4 Mit Eingabe vom 25. November 2021 reichte der Berufungsbeklagte vor
dem Einzelgericht im ordentlichen Verfahren des Bezirksgerichtes Dietikon (nach-
folgend: Vorinstanz) Klage auf Scheidung gestützt auf Art. 114 ZGB ein (act. 6/1).
Nach diversen Abklärungen und Verschiebungen der Einigungsverhandlung
konnte am 1. Juni 2022 die (neunstündige) Einigungsverhandlung stattfinden
(Prot. Vi. S. 3-46), die bezüglich der Kinderbelange erfolglos blieb (vgl. act. 6/50).
1.5 Mit Eingabe vom 19. Juni 2022 (act. 6/60) beantragte der Berufungsbeklagte
der Vorinstanz, es sei der Berufungsklägerin die Weisung zu erteilen, das gemäss
Dispositiv Ziffer 3 des Eheschutzurteils vom 20. Juni 2017 geltende Besuchsrecht
umzusetzen, im Krankheitsfalle eine andere Person zu beauftragen, C._ in
den D._ zu bringen und ausgefallene Besuche nachzuholen, wobei dem An-
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trag superprovisorisch, ohne vorgängige Anhörung der Berufungsklägerin zu ent-
sprechen sei. Der Berufungsbeklagte begründete seinen Antrag im Wesentlichen
damit, dass die Berufungsklägerin anlässlich der Einigungsverhandlung vom 1.
Juni 2022 durch das Gericht unmissverständlich darüber aufgeklärt worden sei,
dass das gemäss Eheschutzurteil vom 20. Juni 2017 geltende Besuchsrecht bis
zum Vorliegen eines anderslautenden Entscheids umzusetzen sei, und zwar un-
geachtet des Resultats des ohne Einverständnis des sorgeberechtigten Beru-
fungsbeklagten durchgeführten Vaterschaftstests. Die Berufungsklägerin habe
den am 5. Juni 2022 geplanten Besuchskontakt kurzfristig mit Verweis auf eine
Krankheit ihrerseits absagen lassen, woraufhin die Rechtsanwältin des Beru-
fungsbeklagten am 7. Juni 2022 eine E-Mail an die Rechtsanwältin der Beru-
fungsklägerin verfasst habe, um diese unter anderem zu bitten, dafür besorgt zu
sein, dass das Besuchsrecht künftig umgesetzt würde. Diese E-Mail sei bis heute
unbeantwortet geblieben. Der geplante Besuchskontakt am 19. Juni 2022 sei
wiederum abgesagt worden, diesmal, weil C._ krank gewesen sei. Weiter
führte der Berufungsbeklagte aus, dass die Berufungsklägerin aus egoistischen
Gründen versuche, das geltende Besuchsrecht zwischen C._ und ihm zu
verhindern. Auch wenn dies nicht mit letzter Konsequenz bewiesen werden kön-
ne, sei leider davon auszugehen, dass es sich nicht um einen Zufall handle, dass
am Tag des ersten Besuchs nach der Verhandlung die Berufungsklägerin und
nun am Tag des zweiten Besuchs C._ krank seien. Die D._ Mitarbeiter
wie auch die Beiständin F._ seien der Ansicht, dass die Besuche wichtig und
durchzuführen seien (vgl. act. 6/60).
Nach Abweisung des Gesuchs des Berufungsbeklagten um superprovisori-
sche Anordnung und der Einholung einer Stellungnahme der Berufungsklägerin in
welcher sie Abweisung der Anträge beantragte (act. 6/72), erliess die Vorinstanz
mit Verfügung vom 29. Juni 2022 (act. 5 [Aktenexemplar] = act. 6/84) – wie ein-
gangs wiedergegeben – der Sache nach Kindesschutzmassnahmen als vorsorgli-
che Massnahmen zur Durchsetzung des begleiteten Besuchsrechts des Beru-
fungsbeklagten.
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1.6 Gegen diese Verfügung erhebt die Berufungsklägerin mit Eingabe vom
11. Juli 2022 (act. 2) Berufung mit den eingangs wiedergegebenen Anträgen.
1.7 Die Vorinstanz lud die Parteien zu einer Verhandlung betreffend vorsorgliche
Massnahmen auf den 22. August 2022 vor (act. 6/91), nachdem die Berufungs-
klägerin mit Eingabe vom 21. Juni 2022 (act. 6/74) um Aufhebung des mit dem
erwähnten Eheschutzurteil festgesetzten Besuchsrechts des Berufungsbeklagten
und der Berufungsbeklagte mit Eingabe vom 30. Juni 2022 (act. 6/88) um Aufhe-
bung des darin festgesetzten Kinderunterhalts je als vorsorgliche Massnahme er-
sucht hatten. Anlässlich dieser Verhandlung hatten die Parteien Gelegenheit, zum
Gesuch des jeweils anderen mündlich Stellung zu nehmen (vgl. act. 6/93).
1.8 Die vorinstanzlichen Akten wurden von Amtes wegen beigezogen (vgl.
act. 6/1-99, inkl. den Akten des Gewaltschutzmassnahme- [act. 6/76] und des
Haftverfahrens [act. 6/7] sowie den Akten des Eheschutzverfahrens [act. 6/8]). Mit
Verfügung vom 11. August 2022 (act. 9) wurde die Vollstreckbarkeit der vorsorgli-
chen Massnahmen von Amtes wegen einstweilen aufgeschoben und den Parteien
Frist angesetzt, um dazu Stellung zu nehmen. Gleichzeitig wurde dem Beru-
fungsbeklagten Frist angesetzt, um die Berufung zu beantworten. Die Stellung-
nahme der Berufungsklägerin (act. 11) und des Berufungsbeklagten sowie des-
sen Berufungsantwort (act. 12 und act. 14/1-5) erfolgten je fristgerecht (vgl. act. 9
i.V.m. act. 10/1-2 i.V.m. act. 11 und act. 12). Mit Eingabe vom 24. August 2022
(act. 15) reichte der Berufungsbeklagte das Tagesprotokoll des D._ vom 3.
Juli 2022 (act. 16/6) ein. Die jeweiligen Eingaben wurden je den Parteien zur
Wahrung ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör zugestellt (vgl. act. 17 und 18).
Weitere Eingaben sind nicht eingegangen. Der Beizug von Akten der KESB und
des Vaterschaftsanfechtungsverfahrens erscheint nicht erforderlich, weshalb da-
rauf zu verzichten ist (vgl. dazu insb. nachfolgend E. 3.6.2). Das Verfahren ist
spruchreif.
2. Prozessuales
2.1 Erstinstanzliche Entscheide über vorsorgliche Massnahmen sind mit Beru-
fung anfechtbar (Art. 308 Abs. 1 lit. b ZPO). Gegenstand des vorliegenden Beru-
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fungsverfahrens betreffend vorsorgliche Massnahmen sind Kindesschutzmass-
nahmen zur Durchsetzung des Besuchsrechts. Damit liegt eine nicht vermögens-
rechtliche Streitigkeit vor (vgl. etwa BGer 5A_789/2019 vom 16. Juni 2020, E. 1).
2.2 Die Berufung ist bei der Rechtsmittelinstanz innert der Rechtsmittelfrist
schriftlich und begründet einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Aus einer Rechts-
mittelschrift muss hervorgehen, dass und weshalb der Rechtsuchende einen Ent-
scheid anficht und inwieweit dieser geändert oder aufgehoben werden soll. Die
Berufungseingabe muss demnach auch Rechtsbegehren enthalten (vgl. BGE 137
III 617 ff., E. 4.2.2). Im Rahmen der Begründung hat sich die Berufung führende
Partei mit den Erwägungen der Vorinstanz im Einzelnen auseinanderzusetzen
und konkret aufzuzeigen, was am angefochtenen Urteil oder am Verfahren des
Bezirksgerichts falsch war (Begründungsobliegenheit). Es genügt nicht, lediglich
auf die vor erster Instanz vorgetragenen Vorbringen zu verweisen, sich mit Hin-
weisen auf frühere Prozesshandlungen zufriedenzugeben oder den angefochte-
nen Entscheid in allgemeiner Weise zu kritisieren (vgl. BGE 138 III 374 ff.,
E. 4.3.1). Soweit Beanstandungen konkret vorgebracht werden, wendet die Beru-
fungsinstanz das Recht von Amtes wegen an (vgl. Art. 57 ZPO). Fehlt hingegen
eine hinreichende Begründung, tritt die Berufungsinstanz insoweit auf die Beru-
fung nicht ein (vgl. BGE 138 III 374 ff., E. 4.3.1; BGer 4A_290/2014 vom 1. Sep-
tember 2014, E. 3.1; BGer 5A_438/2012 vom 27. August 2012, E. 2.2). Dies gilt
auch im Bereich des (eingeschränkten und uneingeschränkten) Untersuchungs-
grundsatzes (vgl. ZK ZPO-REETZ/THEILER, 3. Aufl. 2016, Art. 310 N 5 f. und
Art. 311 N 36 ff., insbes. N 37 m.w.H.), das heisst auch im hiesigen Verfahren.
2.3 Im Berufungsverfahren kann sowohl die unrichtige Rechtsanwendung als
auch die unrichtige Feststellung des Sachverhaltes geltend gemacht werden
(Art. 310 ZPO). Zur unrichtigen Rechtsanwendung gehört auch die falsche Er-
messensausübung, weshalb sie im Gesetz nicht eigens erwähnt wird. Da die Be-
rufungsinstanz somit in Tatfragen über eine volle Kognition verfügt und das Recht
von Amtes wegen anwendet, das heisst in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht,
einschliesslich der Frage richtiger Ermessensausübung, über eine uneinge-
schränkte Prüfungsbefugnis verfügt (vgl. BGer 5A_184/2013 vom 26. April 2013,
https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/d14b19c8-5e79-4de6-89de-e2501acd79f5/c8d6598e-abac-4f12-a140-599e39aa11b5?source=document-link&SP=5|f343v2
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E. 3.1), kann sie die Berufung auch mit einer anderen Argumentation gutheissen
oder diese auch mit einer von der Argumentation der ersten Instanz abweichen-
den Begründung abweisen (vgl. BGer 4A_397/2016 vom 30. November 2016,
E. 3.1). Grundsätzlich auferlegt sich die Berufungsinstanz bei der Überprüfung
von Ermessensentscheiden der Vorinstanz jedoch insoweit Zurückhaltung, als sie
nicht eigenes Rechtsfolgeermessen ohne Weiteres an die Stelle des vorinstanzli-
chen stellt, insbesondere dann, wenn es örtliche und persönliche Verhältnisse zu
berücksichtigen gilt, denen das Sachgericht nähersteht (vgl. BK ZPO-STERCHI,
Bern 2012, Art. 310 N 3; KURT BLICKENSTORFER, DIKE-Komm ZPO, 2. Aufl. 2016,
Art. 310 N 10). Mit anderen Worten setzt die Berufungsinstanz nicht einfach ihr
eigenes Ermessen an die Stelle desjenigen der Vorinstanz. Vielmehr beschränkt
sie sich darauf, in Ermessensentscheide einzugreifen, wenn dazu ein hinreichen-
der Anlass besteht (vgl. etwa OGer ZH LY160036 vom 21. Februar 2017, E. 3a
m.w.H.).
2.4 Gemäss Art. 272 ZPO gilt in eherechtlichen Summarverfahren grundsätzlich
der eingeschränkte Untersuchungsgrundsatz, wonach das Gericht den Sachver-
halt von Amtes wegen feststellt. Dies bedeutet, dass es die Tatsachen unabhän-
gig von etwaigen Parteivorbringen und Beweismittel zu ermitteln und zu berück-
sichtigen hat. Soweit jedoch – wie hier – Kinderbelange betroffen sind, findet der
sog. uneingeschränkte Untersuchungsgrundsatz Anwendung, wonach das Ge-
richt den Sachverhalt von Amtes wegen erforscht (vgl. Art. 296 Abs. 1 ZPO). Da-
nach hat das Gericht alle Tatsachen, die für Anordnungen über die Kinder von
Bedeutung sind, von Amtes wegen zu erforschen. Der eingeschränkte wie auch
der uneingeschränkte Untersuchungsgrundsatz wird indes durch die von den Par-
teien begründet vorzutragenden Beanstandungen in ihrem sachlichen Umfang
beschränkt (vgl. BGer 5A_141/2014 vom 28. April 2014, E. 3.4; 5D_65/2014 vom
9. September 2014, E. 5.1). Er führt nicht dazu, dass die Parteien von der Mitwir-
kung gänzlich entbunden wären. Denn in aller Regel sind sie über die massge-
benden Verhältnisse selber am besten informiert und dokumentiert. Wo sie ihrer
Obliegenheit zur Mitwirkung nicht oder nur ungenügend nachkommen und wo die
so erstellten Grundlagen eines Entscheids nicht offenkundig unrichtig sind, darf
das Gericht zulasten der nachlässigen Partei darauf abstellen und auf weitere ei-
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gene Abklärungen verzichten (vgl. OGer ZH LY160050 vom 18. April 2017,
E. II./3.2; LC130019 vom 8. Mai 2013, E. 3.1).
In Kinderbelangen können Noven in Abweichung von Art. 317 Abs. 1 ZPO
auch noch im Berufungsverfahren vorgebracht werden (vgl. BGE 144 III 349 ff.,
E. 4.2.1; BGer 5A_1032/2019 vom 9. Juni 2020, E. 4.2; OGer ZH LY160019 vom
21. Juli 2016, E. 2.2.1.2; LY160035 vom 14. Dezember 2016, E. 2.3; LY160050
vom 18. April 2017, E. II./3.2). Mit anderen Worten können die Parteien im Beru-
fungsverfahren Noven auch dann vorbringen, wenn die Voraussetzungen
von Art. 317 Abs. 1 ZPO nicht erfüllt sind, wenn (oder zumindest soweit) das Ge-
richt den Sachverhalt von Amtes wegen erforscht, d.h. der uneingeschränkte Un-
tersuchungsgrundsatz gilt (vgl. auch BGE 144 III 349 ff., E. 4.2.1).
In Bezug auf Kinderbelange kann das Gericht ohne Bindung an die Parteian-
träge entscheiden (sog. Offizialmaxime, Art. 296 Abs. 3 ZPO).
3. Materielles
3.1 Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, trifft die Kindesschutzbehörde oder –
wie vorliegend – das Gericht (vgl. Art. 315a Abs. 1 ZGB) die geeigneten Mass-
nahmen zum Schutz des Kindes, wenn das Wohle des Kindes gefährdet ist und
die Eltern nicht von sich aus für Abhilfe sorgen oder dazu ausserstande sind
(Art. 307 Abs. 1 ZGB). Damit eröffnet der Gesetzgeber den zuständigen Behör-
den einen grossen Ermessensspielraum. Kindesschutzmassnahmen müssen
stets erforderlich sein und es ist immer die mildeste Erfolg versprechende Mass-
nahme anzuordnen (Proportionalität und Subsidiarität); diese soll elterliche Be-
mühungen nicht ersetzen, sondern ergänzen (Komplementarität). Die Anordnung
einer Massnahme setzt kein Verschulden der Eltern voraus und ist auch nicht
Sanktion, sondern hat als einziges Ziel, trotz einer Gefährdungslage das Wohl
des Kindes zu bewahren oder wiederherzustellen. Unerheblich ist daher auch, auf
welche Ursachen die Gefährdung zurückzuführen ist: Sie können in der Anlage
oder in einem Fehlverhalten des Kindes, der Eltern oder der weiteren Umgebung
liegen (vgl. etwa BGer 5A_379/2019 vom 26. September 20219, E. 3.4.1). Zuläs-
sig ist zusammengefasst, was das Kindeswohl erfordert, innerhalb des Rahmens
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der elterlichen Sorge ist und dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit Rechnung
trägt (vgl. CANTIENI/BLUM, in: FOUNTOULAKIS/AFFOLTER-FRINGELI/BIDERBOST/STECK,
Fachhandbuch Kindes- und Erwachsenenschutzrecht, Zürich 2016, Rz. 15.33
m.w.H.).
Die Behörden können Eltern im Rahmen von Kindesschutzmassnahmen
insbesondere ermahnen oder ihnen bestimmte Weisungen erteilen (vgl. Art. 307
Abs. 3 ZGB). Ermahnungen und Weisungen sind nicht scharf voneinander zu un-
terscheiden, lassen sich kombinieren und können sich auf ein konkretes Tun oder
Unterlassen richten. Weisungen unterscheiden sich von der Ermahnung kaum in
der sachlichen Stossrichtung, sondern in der verbindlicheren Formulierung, wel-
che indes mit strafrechtlichen Mitteln erzwungen werden kann. Sie können sämtli-
che Bereiche elterlichen Handelns erfassen (vgl. BGer 5A_993/2016 vom 19. Juni
2017, E. 4.2.2; BSK ZGB I-BREITSCHMID, 6. Aufl. 2018, Art. 307 N 4 und 18 ff.).
Insbesondere wenn sich die Ausübung oder Nichtausübung des Besuchs- bzw.
Umgangsrechts für das Kind nachteilig auswirkt oder wenn eine Ermahnung oder
eine Weisung aus anderen Gründen geboten ist, kann die Kindesschutzbehörde
oder – wie vorliegend – das Gericht (vgl. Art. 315a Abs. 1 ZGB) Eltern, Pflegeel-
tern oder das Kind ermahnen und ihnen Weisungen erteilen (Art. 273 Abs. 2
ZGB). Weisungen gemäss Art. 273 Abs. 2 ZGB stellen Kindesschutzmassnahmen
dar (vgl. Art. 307 Abs. 3 ZGB) und dienen der Durchsetzung des Besuchs- bzw.
Umgangsrechts (vgl. KUKO ZGB-MICHEL/SCHLATTER, 2. Aufl. 2018, Art. 275 N 8;
BSK ZGB I-SCHWENZER/COTTIER, 6. Aufl. 2018, Art. 275 N 13).
Massnahmen des Kindesschutzes können – wie hier – für die Dauer des
Verfahrens vorsorglich angeordnet werden (Art. 314 Abs. 1 i.V.m. Art. 445 Abs. 1
ZGB; zur sinngemässen Anwendbarkeit von Art. 445 im Kindesschutzverfahren
vgl. BGE 140 III 529 ff., E. 2.2.1). Die Anordnung einer vorsorglichen Massnahme
setzt allerdings – im Kindesschutzverfahren wie auch sonst – Dringlichkeit voraus.
Es muss sich daher als notwendig erweisen, die fraglichen Vorkehren sofort zu
treffen. Beim Entscheid, ob eine vorsorgliche Massnahme anzuordnen ist, kommt
der Behörde ein grosser Ermessensspielraum zu (vgl. BGer 5A_339/2017 vom
8. August 2017, E. 4.4.1 m.w.H.).
- 14 -
3.2 Gegenstand des Berufungsverfahrens sind die von der Vorinstanz im ange-
fochtenen Entscheid als vorsorgliche Massnahmen zur Durchsetzung des beglei-
teten Besuchsrechts des Berufungsbeklagten angeordneten Kindesschutzmass-
nahmen. Die Vorinstanz hat damit somit weder über die von der Berufungskläge-
rin als vorsorgliche Massnahme beantragte Aufhebung des im erwähnten Ehe-
schutzurteil geregelten Besuchsrechts des Berufungsbeklagten entschieden (vgl.
oben E. 1.4) noch das Eheschutzurteil hinsichtlich des Besuchsrechts – sofern die
Berufungsklägerin dies geltend machen wollte (vgl. act. 2 Rz. 18) – abgeändert
(vgl. act. 5 E. 4.1).
3.3 Die Vorinstanz erwog im Wesentlichen, zurzeit stelle die Ausübung des Be-
suchsrechts für C._ eine gewisse Belastung dar (act. 5 E. 4.2). Die Gründe
hierfür erblickte die Vorinstanz zum einen im Umgang der Berufungsklägerin mit
dem Besuchsrecht und in ihrer Einstellung zum Umgang von C._ mit dem
Berufungsbeklagten. Und zum anderen darin, dass sich die Ängste und Befürch-
tungen der Berufungsklägerin auf C._ übertragen und die Umsetzung der
Besuche nicht konsequent funktionieren würden (vgl. a.a.O., E. 4.2 f.). Es falle
auf, dass die Besuchskontakte, welche zunächst – trotz langem Kontaktabbruch
von vier Jahren – erfolgreich, für C._ emotional erfüllend sowie konfliktfrei
verlaufen seien und regelmässig stattgefunden hätten, plötzlich konfliktbehaftet
gewesen und/oder ausgefallen seien. Die Berufungsklägerin habe offenbar diver-
se Besuche ohne Grund oder zumindest aus nicht zwingenden Gründen ausfallen
lassen (a.a.O., E. 4.2 mit Verweis auf act. 6/70/2, insb. D._ Tagesprotokolle
vom 19. September 2021, 3. Oktober 2021, 7. November 2021).
Weiter hielt die Vorinstanz fest, diese Art von Konfliktsituation könne eine
Kindeswohlgefährdung darstellen. Das Kind werde in einen Loyalitätskonflikt ge-
drängt. Es geniesse offenkundig den Umgang mit dem Berufungsbeklagten, ver-
letze, verärgere oder verstimme damit aber die Berufungsklägerin als ihre Haupt-
umgangsperson. Jeder ausgefallene Besuchstag berge das Risiko einer gewissen
Entfremdung und Verlust der Vertrautheit, welche bei zukünftigen Besuchen wie-
der aufzubauen sei (a.a.O., E. 4.4 mit Verweis auf D._ Tagesprotokoll vom 9.
Januar 2022).
- 15 -
Die dargelegte Kindeswohlgefährdung lasse sich grundsätzlich nur auf zwei
Arten lösen: Entweder werde das Besuchsrecht aufgehoben oder werde konse-
quent, regelmässig und mit voller Unterstützung durch beide Parteien umgesetzt.
Im ersten Fall gehe C._ definitiv der bisherigen Vaterfigur in der Person des
Berufungsbeklagten als (zumindest) sozialem Vater verlustig und ob eine andere
Person, etwa der mutmassliche biologische Vater die Vaterrolle künftig einneh-
men könne, sei heute nicht voraussehbar; immerhin habe sich die Berufungsklä-
gerin für den Berufungsbeklagten als Ehemann – eigenen Aussagen zufolge – im
Wissen darum entschieden, dass sie von einem anderen Mann mit C._
schwanger sei. Weil im vorliegenden Entscheid nicht über den zukünftigen Fort-
bestand des Besuchsrechts zu befinden sei, sei die Kindeswohlgefährdung so zu
beseitigen, dass die Probleme bei der Umsetzung des Besuchsrechts durch An-
ordnung von Kindesschutzmassnahmen angegangen würden. Dies gelte umso
mehr, als ein weiterer und länger andauernder Kontaktabbruch prima vista zum
definitiven Untergang der wieder erfolgreich aufgebauten Beziehung zwischen
C._ und dem Berufungsbeklagten führen könne. Eine einstweilige Fortfüh-
rung der Besuche mit konsequenter Umsetzung eröffne C._ die Möglichkeit
der späteren Kontaktpflege zum Berufungsbeklagten. Der Kontakt zum Beru-
fungsbeklagten könne für C._ gegebenenfalls durchaus eine Ressource dar-
stellen, die es einstweilen im Kindeswohl zu schützen gelte, selbst wenn ein Kin-
desverhältnis zum biologischen Vater begründet werden würde (a.a.O., E. 4.5).
Daher erteilte die Vorinstanz der Berufungsklägerin und den Parteien die ein-
gangs wiedergegebenen Weisungen (act. 5 Dispositiv-Ziffern 1-3) und erweiterte
die Aufgaben der Beiständin (act. 5 Dispositiv-Ziffer 4) (a.a.O., E. 5.1 ff.); dies
grösstenteils von Amtes wegen (vgl. oben E. 1.5). Die Bestrafung wegen Unge-
horsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von Art. 292 StGB drohte die Vo-
rinstanz der Berufungsklägerin von Amtes wegen für den Widerhandlungsfall an,
weil sie diverse Besuche grundlos oder aus nichtigem Grund habe ausfallen las-
sen, weshalb von einer gewissen Renitenz auszugehen sei (a.a.O., E. 5.3).
3.4 Die Berufungsklägerin ist demgegenüber im Wesentlichen der Ansicht, es
liege keine Kindeswohlgefährdung vor. Sie bestreitet, dass sie falsche ärztliche
Zeugnisse erwirkt habe und C._ gar nicht krank gewesen sei (vgl. act. 2 Rz.
- 16 -
11). Ausserdem verdrehe die Vorinstanz die D._ Tagesprotokolle. So sei am
9. Januar 2022 bloss die Behauptung des Berufungsbeklagten wiedergegeben
worden und es sei auch nicht alles protokolliert worden. Gemäss der Beiständin
habe es z.B. einen Vorfall gegeben, wo der Berufungsbeklagte C._ stark am
Arm gepackt habe und sie seither nicht mehr habe gehen wollen (a.a.O., Rz. 12
i.V.m. act. 6/41a). Weiter verkenne die Vorinstanz, dass C._ den Berufungs-
beklagten beinahe vier Jahre (anfangs 2017 bis Herbst 2021) nicht gesehen ha-
be. Er habe zu C._ grundsätzlich nur in den ersten Monaten nach der Geburt
effektiv Kontakt gehabt. Es habe am Interesse des Berufungsbeklagten gefehlt
bzw. er habe sie freiwillig nicht gesehen (vgl. act. 2 insb. Rz. 15 f., 22). Es habe
zahlreiche Gründe gegeben, weshalb die Besuche über Jahre hinweg nicht statt-
gefunden hätten. Insbesondere wegen Verfahren wegen häuslicher Gewalt, weil
der Berufungsbeklagte teilweise völlig betrunken die KESB angerufen habe, weil
er C._ stark am Arm gepackt habe, weil er gemäss H._, ihrer älteren
Tochter, Heroin konsumiere und sie und ihre Halbschwester schlecht behandle.
Es sei völlig aus der Luft gegriffen, dass sie schuld daran sei, dass die Besuche
nicht konsequent funktionieren würden (a.a.O., Rz. 10 i.V.m. act. 4/1). Von einer
wiederaufgebauten Beziehung könne nicht ausgegangen werden, da es bloss zu
wenigen Kontakten seit Herbst 2021 gekommen sei (a.a.O., Rz. 15 und 17). Ein
"paar ausgefallene Besuche" – für welche sie nicht verantwortlich sei – hätten da-
her keinerlei Auswirkungen auf die Beziehung und würden kein Risiko einer Ent-
fremdung bergen (vgl. act. 2 insb. Rz. 15 f., 22).
3.5 Der Berufungsbeklagte hält dem im Wesentlichen entgegen, es liege auf-
grund eines wachsenden Loyalitätskonfliktes bei C._ eine Kindeswohlge-
fährdung vor (vgl. act. 12 Rz. 5-25). Aus den Akten gehe hervor, dass die Beru-
fungsklägerin ihn aus dem Leben von C._ streichen wolle (a.a.O., Rz. 8). Die
Berufungsklägerin versuche, ihm die Schuld zu geben dafür, dass die Besuche
über Jahre hinweg nicht hätten stattfinden können. Bei den meisten der angege-
benen Gründe handle es sich aber um wahrheitswidrige Anschuldigungen. Insbe-
sondere sei das Verfahren betreffend sexuelle Handlungen mit Kindern eingestellt
worden (a.a.O., Rz. 12). Auch bestreite er, kein Interesse am Kontakt zu seiner
Tochter gehabt zu haben. Vielmehr sei es ihm eine Zeit lang nicht erlaubt gewe-
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sen, seine Tochter zu sehen. Weiter sei die Berufungsklägerin monatelang mit
C._ untergetaucht, weshalb es ihm unmöglich gewesen sei, den Kontakt zu
seiner Tochter aufrechtzuerhalten (a.a.O., Rz. 12 und 26). Dass die Besuchskon-
takte zwischen November 2021 und Juni 2022 so oft ausgefallen seien, sei die
Schuld der Berufungsklägerin (a.a.O., Rz. 13). Die Berufungsklägerin beeinflusse
C._; diese habe, "gecoacht" durch die Berufungsklägerin, an der Kinderan-
hörung (vom 8. Juli 2022, vgl. act. 6/81, 6/87) erklärt, ihre Mutter möge den Beru-
fungsbeklagten nicht und – quasi als logische Schlussfolgerung – sie möge ihn
auch nicht (a.a.O., Rz. 8 und 28). Auch treffe nicht zu, dass er C._ grob am
Arm gepackt habe (a.a.O., Rz. 17). Die ehrlichste und realistischste Einschätzung
über das Empfinden von C._ ihm (dem Berufungsbeklagten) gegenüber kön-
ne der D._ machen. Es sei bezeichnend, dass genau da, wo es am schwie-
rigsten sei, ein Kind zu beeinflussen (nämlich im D._), die Rückmeldungen
positiv seien (a.a.O., Rz. 28). Dass die Berufungsklägerin derart abgeneigt sei, im
Verhinderungsfalle eine Drittperson mit der Übergabe zu beauftragen, bestätige,
wie wenig sie eine Beziehung zwischen C._ und ihm zuzulassen bereit sei.
Auch wisse sie, dass die Zeit für sie arbeite, da sie anwaltlich vertreten sei
(a.a.O., Rz. 31).
3.6.1 Der Berufungsbeklagte hat C._ als seine Tochter anerkannt und ist
ihr rechtlicher Vater (vgl. act. 3; Prot. Vi. S. 9). Aufgrund dieses Kindesverhältnis-
ses haben der Berufungsbeklagte und C._ – und unabhängig von der Frage,
ob er ihr genetischer Vater ist – ein gegenseitiges Umgangsrecht (Art. 273 ZGB).
Im Eheschutzurteil vom 20. Juni 2017 wurde der Berufungsklägerin die Ob-
hut über C._ zugeteilt und dem Berufungsbeklagten ein begleitetes Besuchs-
recht eingeräumt (vgl. act. 6/8/54). Diese (eheschutzrechtliche) Besuchsrechtsre-
gelung gilt bis zu deren Abänderung – etwa durch eine Abänderung im Rahmen
vorsorglicher Massnahmen während des Scheidungsverfahrens, wie es die Beru-
fungsklägerin beantragte (vgl. oben E. 1.7), oder durch eine neue Regelung im
Scheidungsurteil. Darauf, dass diese Regelung nach wie vor gilt, hat bereits die
Vorinstanz an der Einigungsverhandlung vom 1. Juni 2022 hingewiesen (vgl. Prot.
Vi. S. 43).
- 18 -
3.6.2 Aus den Akten ist ersichtlich, dass sich C._ aufgrund des Konfliktes
ihrer Eltern in einem Loyalitätskonflikt befindet, der eine Gefährdung ihres Wohls
begründet.
Erkennbar wird dies etwa am Verhalten von C._, das die Prozessbei-
ständin Rechtsanwältin Z._ in der Vaterschaftsanfechtungsklageschrift vom
15. Juni 2022 (act. 6/75/2) beschreibt, aus welcher die Berufungsklägerin zitiert
(vgl. act. 2 Rz. 8): Im Rahmen der Anhörung durch die Prozessbeiständin am 8.
Juni 2022 traute sich C._ offenbar nur vage zu äussern, schien über den Be-
rufungsbeklagten nicht reden zu wollen und zeigte sich recht verschlossen; auch
die Berufungsklägerin bestätigte gegenüber der Prozessbeiständin, dass C._
(auch) mit ihr nicht über die begleiteten Besuche sprechen wolle (vgl. act. 6/75/2
Rz. 7). Angesichts des Umstandes, dass den Tagesprotokollen des Begleiteten
Besuchstreffs – wie bereits die Vorinstanz feststellte – zu entnehmen ist, dass
C._ den Kontakt zum Berufungsbeklagten schätzt und die Besuchskontakte
(vom 9. September 2021 bis 21. November 2021, bevor die Besuche immer häu-
figer ausfielen, aber auch wieder ab dem Frühling 2022) trotz des langen Kon-
taktabbruchs von vier Jahren erfolgreich, für C._ emotional erfüllend sowie
konfliktfrei verliefen und regelmässig stattfanden (vgl. insb. act. 5 E. 4.2 f.), ist
diese Zurückhaltung von C._ Ausdruck dieses Loyalitätskonfliktes. Die Beru-
fungsklägerin geht über diesen Loyalitätskonflikt ihrer Tochter hinweg, indem sie
nicht auf den in den D._ Protokollen als herzlich beschriebenen Umgang des
Berufungsbeklagten mit C._ sowie den grundsätzlich positiven Verlauf der
Besuche – welcher auch bei den jüngsten Besuchen, die stattgefunden haben, zu
verzeichnen war (vgl. act. 6/70/2) – eingeht, sondern einzig darauf verweist, dass
C._ gegenüber der Prozessbeiständin gesagt habe, dass sie sich jeweils
nicht darauf freue, den Berufungsbeklagten zu sehen (vgl. act. 2 Rz. 8). Entgegen
der Ansicht der Berufungsklägerin (a.a.O., Rz. 9) erscheint vor diesem Hinter-
grund nachvollziehbar, dass die Vorinstanz – auch ohne persönliche Anhörung
von C._ – zu einer diametral anderen Bewertung des Kindesinteresses ge-
langt, als die Prozessbeiständin, die mit der Anhörung von C._ am 8. Juni
2022 (im Hinblick auf das Vaterschaftsanfechtungsverfahren) der Vorinstanz
(welche die Anhörung zu koordinieren beabsichtigte, vgl. Prot. Vi. S. 44) zuvorge-
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kommen ist. Wenn sich C._ ambivalent oder scheinbar widersprüchlich ver-
hält, sollte dies den Parteien vor allem eines aufzeigen: dass sich ihre Tochter in
einem Loyalitätskonflikt befindet; ihr ist offensichtlich nicht entgangen, dass ihre
Eltern in Bezug auf den Kontakt von ihr zum Berufungsbeklagten (auch den künf-
tigen) miteinander in Konflikt stehen.
Dies zeigt sich insbesondere auch darin, dass die Berufungsklägerin
C._ mit ihrem zweiten Vornamen "C'._" anspricht, während der Beru-
fungsbeklagte sie bei ihrem ersten Vornamen "C''._" nennt (vgl. insb. Prot.
Vi. S. 11; act. 6/61/27 S. 2; act. 5 E. 4.2). Die Berufungsklägerin stellt in ihrer Be-
rufungsschrift in Abrede, dass C._ gegenüber Mitarbeitern des Begleiteten
Besuchstreffs angegeben habe, sie wünsche sich, im Begleiteten Besuchstreff
und mit dem Berufungsbeklagten als C''._ angesprochen zu werden – so wie
dies im D._ Tagesprotokoll vom 22. Mai 2022 vermerkt ist (act. 6/70/2 S. 15)
–, und verweist darauf, dass sich C._ laut Protokoll vom 15. Mai 2022 (vgl.
act. 6/61/27) – als C'._ vorgestellt habe (vgl. act. 2 Rz. 13). Sie scheint Wert
darauf zu legen, dass C._ sich mit dem von ihr (der Berufungsklägerin) ge-
wählten Namen identifiziert und diesen verwendet. Dasselbe scheint auch für den
Berufungsbeklagten zu gelten, da er seinerseits darauf besteht, dass C._
C''._ und nicht C'._ sei (vgl. act. 6/61/27 S. 2). Haltungen wie diese
bringen C._ in einen Loyalitätskonflikt und/oder befeuern diesen. Denn Kin-
der registrieren auf der emotionalen Ebene, was Elternteile von ihnen erwarten
und geraten insbesondere dann in einen Loyalitätskonflikt, wenn diese Erwartun-
gen sich nicht miteinander in Einklang bringen lassen (wie hier in Bezug auf den
Vornamen). Es ist gerichtsnotorisch, dass Kinder, die sich in einem Loyalitätskon-
flikt befinden, dazu neigen, demjenigen Elternteil, bei dem sie sich gerade aufhal-
ten, diejenigen Dinge zu sagen, von denen sie wissen oder spüren, dass sie die-
sem Elternteil wichtig sind (vgl. dazu auch FamKomm SCHEIDUNG/SCHREINER,
3. Aufl. 2017, Anh. Psych N 54 m.w.H.). Es ist daher naheliegend, dass C._
im Umgang mit der Berufungsklägerin mit C'._ und während den begleiteten
Besuchen mit dem Berufungsbeklagten mit C''._ genannt werden will, zumal
ihre Elternteile sie ja auch so nennen. Mit dieser Anpassungsleistung versucht
- 20 -
C._, potentielle Konflikte zwischen den Parteien zu vermeiden, um nicht ins
Konfliktfeld zu geraten.
Die Berufungsklägerin stellt denn auch nicht in Abrede, dass die Ausübung
des Besuchsrechts für C._ zurzeit eine gewisse Belastung darstellt
(vgl. act. 5 E. 4.2 und 4.3 mit act. 2 Rz. 14) und sich das Mädchen in einem Loya-
litätskonflikt befindet (vgl. act. 5 E. 4.4 mit act. 2 Rz. 15). Sie weist vielmehr – so
auch der Berufungsbeklagte (vgl. insb. act. 12 Rz. 24) – die Verantwortung und
die Schuld für diesen Loyalitätskonflikt ihrer Tochter von sich (vgl. insb. act. 2
Rz. 10, 12, 15 f., 18, 27). Da die Anordnung von Kindesschutzmassnahmen kein
Verschulden voraussetzt und auch nicht Sanktion ist, ist es für die Anordnung von
Kindesschutzmassnahmen nicht entscheidend, welcher Elternteil oder welche
sonstigen Umstände zum Loyalitätskonflikt von C._ wie beigetragen hat oder
haben. Entscheidend ist vielmehr, dass dieser Konflikt eine Gefährdung des
Wohls von C._ darstellt.
3.6.3 Eine Anordnung der angefochtenen Weisungen im Rahmen von Kindes-
schutzmassnahmen, wie sie die Vorinstanz von Amtes wegen über die Parteian-
träge hinaus vorgenommen hat, scheint – mit Ausnahme der Weisung gemäss
Dispositivziffer 1 Spiegelstrich 1 – ohne vorgenommene Aktualisierung der Ver-
hältnisse indes nicht sachgerecht und zu aktivistisch. Insbesondere ist es den El-
tern zu überantworten, ob und wie sie ihr sechsjähriges Kind über seine Abstam-
mungsverhältnisse orientieren wollen. Dies ist eine persönliche Angelegenheit der
Eltern, die keiner Weisung eines Gerichts bedarf. Hinzu kommt, dass es mit Blick
auf das hängige Verfahren betreffend vorsorgliche Aufhebung des vor über fünf
Jahren eheschutzgerichtlich geregelten Besuchsrechts des Berufungsbeklagten
(vgl. oben E. 1.7) und die Verhandlung über die vorsorglichen Massnahmen vom
22. August 2022 nicht notwendig erscheint, umgehend Kindesschutzmassnahmen
anzuordnen. Hingegen erscheint es sachgerecht, der Berufungsklägerin die Wei-
sung zu erteilen, das (nach wie vor geltende) Besuchsrecht konsequent umzuset-
zen und C._ jeweils rechtzeitig zu den angeordneten bzw. geregelten Besu-
chen (zurzeit zu den begleiteten Besuchen im D._) zu bringen. Die Besuche
sollen der Tochter die Gelegenheit bieten, ein möglichst unbefangenes und eige-
- 21 -
nes Bild ihrer Eltern zu erhalten. Ob das Besuchsrecht des Berufungsbeklagten
auch zukünftig – insbesondere nach Abschluss des laufenden Vaterschafts-
anfechtungsverfahrens – fortbestehen und ob der mutmassliche genetische Vater
von C._ eine Vaterrolle einnehmen können wird, ist nicht vorwegzunehmen
und kann aber auch offen bleiben; darüber ist im vorliegenden vorsorglichen Mas-
snahmeverfahren nicht zu befinden.
3.7 Nach dem Gesagten ist die Berufung in Bezug auf die angefochtene Wei-
sung gemäss Dispositivziffer 1 Spiegelstrich 1 (Konsequente Umsetzung des Be-
suchsrechts/rechtzeitiges Bringen von C._) abzuweisen und im Übrigen gut-
zuheissen. Demnach sind die von der Vorinstanz angeordneten Kindesschutz-
massnahmen zur Durchsetzung des Besuchsrechts des Berufungsbeklagten mit
Ausnahme von Dispositivziffer 1 Spiegelstrich 1 aufzuheben.
4. Kosten- und Entschädigungsfolgen
4.1.1 Die Vorinstanz behielt sich vor, über die Kosten- und Entschädigungsfol-
gen im Endentscheid zu befinden (vgl. act. 5 Dispositiv-Ziffer 5). Mangels Anfech-
tung bleibt es bei dieser Anordnung.
4.1.2 Über die Kosten- und Entschädigungsfolgen des Berufungsverfahrens ist
bereits im vorliegenden Entscheid zu befinden.
Im Rechtsmittelverfahren bemisst sich die Gebühr nach Massgabe dessen,
was vor der Rechtsmittelinstanz noch im Streit liegt (§ 12 Abs. 2 GebV OG).
Grundlage der Gebührenfestsetzung im vorliegenden Zivilprozess bilden das tat-
sächliche Streitinteresse, der Zeitaufwand des Gerichts und die Schwierigkeit des
Falls, wobei die Gebühr bei nicht vermögensrechtlichen Streitigkeiten – wie der
vorliegenden (vgl. oben E. 2.1) – in der Regel Fr. 300.– bis Fr. 13'000.– beträgt
(§ 6 Abs. 1 und § 5 Abs. 1 GebV OG). Unter Berücksichtigung der Reduktion auf-
grund des summarischen Verfahrens (vgl. § 8 Abs. 1 GebV OG) ist die zweitin-
stanzliche Entscheidgebühr auf Fr. 1'000.– festzusetzen.
4.2.1 Die Kosten werden in der Regel nach Obsiegen und Unterliegen verteilt
(vgl. Art. 106 ZPO). Davon kann in familienrechtlichen Verfahren abgewichen
- 22 -
werden (vgl. Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO). Ausgangsgemäss und nachdem beide
Parteien unter dem Gesichtspunkt der Interessen des Kindes gute Gründe zur An-
tragstellung hatten bzw. sie sich den Anträgen mit guten Gründen widersetzten,
sind die Kosten des Verfahrens den Parteien je hälftig aufzuerlegen und die Par-
teientschädigungen wettzuschlagen (vgl. zum Ganzen BGE 145 III 153 ff. E. 3.2.1
und 3.3.2.; zuletzt OGer ZH PQ220048 vom 27. Juli 2022).
4.2.2 Die Berufungsklägerin beantragt, der Berufungsbeklagte sei zu verpflich-
ten, ihr für das Berufungsverfahren einen (Prozess-)Kostenvorschuss von einst-
weilen Fr. 2'500.– zu bezahlen, eventualiter sei ihr die unentgeltliche Rechtspfle-
ge zu gewähren (vgl. act. 2 S. 2).
Der Berufungsbeklagte beantragt, die Berufungsklägerin sei zu verpflichten,
ihm für das Berufungsverfahren einen Prozesskostenvorschuss in der Höhe von
einstweilen Fr. 3'000.– zu bezahlen, eventualiter sei ihm die unentgeltliche
Rechtspflege zu gewähren (vgl. act. 12 S. 2).
Die Berufungsklägerin (act. 2 Rz. 25 i.V.m. act. 6/36/8-9) und der Beru-
fungsbeklagte beziehen beide Sozialhilfe (vgl. act. 12 Rz. 47 i.V.m. act. 14/1-2).
Ihre Mittellosigkeit ist demnach glaubhaft. Da die Anträge der Parteien im Beru-
fungsverfahren nicht aussichtslos erscheinen, sind ihre beiden Gesuche um un-
entgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und ihre Anträge jeweils die Prozessge-
genseite zur Leistung eines Prozesskostenvorschusses zu verpflichten, abzuwei-
sen. Die beiden unentgeltlichen Rechtsbeiständinnen sind – nach Einreichung
entsprechender Honorarnoten – mit separaten Beschlüssen aus der Gerichtskas-
se zu entschädigen (vgl. Art. 122 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 ZPO). Vorbehalten bleibt
die Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO.