Decision ID: 8bd9912a-2307-46fc-8bee-b06cb3ba38fb
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1966,
meldete sich
unter Hinweis auf eine
Makulade
generation
und den Verlust der zentralen Sehfähigkeit
am
2
7.
August
2018
bei der Invalidenversicherung
zum Bezug einer Hilflosenentschädigung
an
(
Urk.
6/4
Ziff.
3.1)
. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die
medizinische und erwerbliche Situation ab
und sprach dem Versicherten mit Ver
fügung vom 3
1.
Oktober 2018 eine Hilflosenentschädigung wegen leichter Hilflo
sigkeit
ab
1.
Juni 2018
zu (
Urk.
6/13 in Verbindung mit
Urk.
6/12).
1.2
Unter Hinweis auf eine
Makuladegeneration
, einen Unfall am rechten Auge in der Kindheit sowie eine schizoaffektive Störung
meldete sich der Versicherte
am 2
1.
April 2020
erneut
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
(
Urk.
6/14
Ziff.
6.1).
Am
2
7.
Oktober 2020
teilte die IV-Stelle
dem Versicherten
mit
, dass die Eingliederung
smassnahmen abgeschlossen worden seien
(
Urk.
6/33).
Mit Schreiben vom
3.
November 2020 (
Urk.
6/35) lud sie
ihn
zu einem Untersuch durch de
n Regionalärztlichen Dienst ein,
zu
welchem d
er Versicherte unentschul
digt
nicht erschienen ist
.
Mit Einschreiben
vom
1.
Dezember 2020 (
Urk.
5)
for
derte die IV-Stelle den Versicherten schliesslich ein letztes Mal auf,
bis spätes
tens am 1
5.
Dezember 2020 mit ihr Kontakt aufzunehmen
. Dabei wies sie
ihn auf seine Mitwirkungspflicht
hin.
Nach ergangenem Vorbescheid (
Urk.
6/37) lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
8.
Februar 2021
eine
Kostengutsprache für Leistungen der Invalidenver
sicherung ab (
Urk.
6/41 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
8.
März 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
8.
Februar 2021 (
Urk.
2) und machte geltend
, es seien ihm
Eingliederungsmass
nahmen zu gewähren (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeant
wort vom 3
0.
April 2021 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
4). Mit Gerichts
verfügung vom
4.
Mai 2021 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet und dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zugestellt
(
Urk.
7)
. Der Beschwer
deführer reichte innert angesetzter Frist keine Replik ein, was der Beschwerde
gegnerin am 1
5.
Juni 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1
.2
Die Leistungen können gemäss
Art.
7b
des Bundesgesetzes über die Invalidenver
sicherung (
IVG
)
nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person den Pflichten nach
Art.
7 dieses Gesetzes oder nach
Art.
43 Absatz 2 ATSG nicht nachgekommen ist (
Abs.
1). Die Leistungen können in Abwei
chung von
Art.
21
Abs.
4 ATSG ohne Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person:
a.
trotz Aufforderung der IV-Stelle nach
Art.
3c
Abs.
6 nicht unverzüglich eine Anmeldung vorgenommen hat und sich dies nachteilig auf die Dauer oder das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit oder der Invalidität auswirkt;
b.
der Meldepflicht nach
Art.
31
Abs.
1 ATSG nicht nachgekommen ist;
c.
Leistungen der Invalidenversicherung zu Unrecht erwirkt oder zu erwirken versucht hat;
d.
der IV-Stelle die Auskünfte nicht erteilt, welche diese zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgabe benötigt (
Abs.
2).
Beim Entscheid über die Kürzung oder Verweigerung von Leistungen sind alle Umstände des einzelnen Falles, insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person, zu berücksichtigen (
Abs.
3). In Abweichung von
Art.
21 Abs. 1 ATSG werden
Hilflosenentschädigungen
weder verweigert noch gekürzt (Abs. 4).
1.3
Gemäss
Art.
43
Abs.
1 Satz 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erfor
derlichen Auskünfte ein. Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen
zu unterziehen (
Art.
43
Abs.
2 ATSG). Kommt die Leistungen beanspruchende Person den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger auf Grund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Per
so
nen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (
Art.
43
Abs.
3 ATSG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus,
dass sie den Beschwerdeführer mehrmals erfolglos telefonisch sowie per E
Mail kontaktiert habe, weshalb
sie
die Eingliederungsmassnahmen mit Mit
teilung vom 2
7.
Oktober
2020
(
vgl.
Urk.
6/33
)
schliesslich
abgeschlossen
habe
. Auch
die Einladung zu einem Untersuch durch den Regionalärztlichen Dienst
mit
Schrei
ben vom
3.
November 2020 (
vgl.
Urk.
6/35)
sei unbeantwortet geblieben (S. 1). Aufgrund der fehlenden Mitwirkungspflicht
habe sie weder den
Gesund
heitszu
stand noch die Arbeitsfähigkeit prüfen können. E
ine versicherungsmedi
zinische Beurteilung habe nicht erfolgen können. Mit Schreiben vom
1.
Dezember 2020 (
vgl.
Urk.
5
) sei der Beschwerdeführer auf seine Mitwirkungspflicht und die Säumnisfolgen aufmerksam gemacht worden. Der Aufforderung zur Kontaktauf
nahme sei er bis heute nicht nachgekommen. Daher würden alle Leistungen der Invalidenversicherung abgelehnt (S. 2).
In der Beschwerdeantwort vom
3
0.
April 2021 (
Urk.
4) führte die Beschwerdegeg
nerin aus, es sei nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer bis zum Erhalt der Verfügung keinerlei Kenntnis von den Massnahmen gehabt habe. Vielmehr sei er nach mehreren Kontaktversuchen mit dem Schreiben v
om
1.
Dezember 2020 (vgl.
Urk.
5
) sowie dem Vorbescheid
vom
8.
Januar 2021 (vgl.
Urk.
6/37
) auf die Mitwirkungspflicht und deren Säumnisfolgen hingewiesen worden. Zudem erscheine es als sehr unwahrscheinlich, dass mehrere Schreiben nicht ange
kommen seien. Des Weiteren sei darauf hinzuweisen, dass der Beschwerde
führer dafür verantwortlich sei, sicherzustellen, dass ihn die Post erreiche und bei einer Abweichung der Korrespondenzadresse eine richtige Aufenthaltsadresse anzugeben. Hervorzuheben sei, dass der Beschwerdeführer keinerlei gesundheit
liche Gründe angebe, wieso er nicht auf die Kontaktaufnahme hätte reagieren können
. Er sei durchaus in der Lage gewesen, die angefochtene Verfügung sowohl innert Frist anzufechten als auch rational zu begründen
(S. 1
f.
).
Da vorliegend
aufgrund des Verhaltens des Beschwerdeführers der Leistungsanspruch nicht
habe geklärt werden können, sei eine Invalidität nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit ausgewiesen. Der Leistungsanspruch sei daher mangels Nachweis eines invalidisierenden Gesundheitsschadens zu verneinen. Sobald der Beschwer
deführer bereit sei, seinen Mitwirkungspflichten nachzukommen, stehe es ihm frei, eine Neuanmeldung einzureichen (S. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend (
Urk.
1),
er stehe für jede mögliche Eingliederungsmassnahme oder anderweitige Mitwir
kung zur Verfügung. Die im Brief erwähnten Massnahmen seien ihm bis zum Erhalt der Verfügung nicht bekannt gewesen. Diese seien auch jetzt noch unvoll
ständig dargelegt, da keine Belege beigelegt worden seien. Seit Ausbruch der Pandemie habe er sich in der Wohnung seines Vaters zurückgezogen, was zur Folge habe, dass auch immer mal wieder ein Brief im Mehrfamilienhaus ins f
alsche Postfach geraten könne od
er versehentlich bei seinem Vater untergehe
. Relevante Mitteilungen seien ihm nochmals schriftlich und/oder per E-Mail zu senden. Auch telefonisch stehe er jederzeit zur Verfügung
(S
. 1
).
Bevor ihm eine
fehlende
Mitwirkung vorgeworfen werden könne, sei in jedem Fall sicherzu
stellen, dass er tatsächlich in Kenntnis der gewünschten Mitwirkung gesetzt worden sei. Er beantrage die Wiedererwägung und die umgehende gesicherte Zustel
lung des geforderten Termin
s
sowie der erwähnten Massnahmen zur Wie
dereingliederung (S. 2).
2.3
Streitig und zu prüfen ist
, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
gestützt auf eine Verletzung der
Mitwirkungsp
f
licht
einen Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der Invalidenversicherung verneinte.
3.
3.1
Die Ärzte der
Klinik Y._
AG, Privatklinik für Psychiatrie und Psychothe
rapie, berichteten am 2
1.
April 2020 über die Hospitalisation vom 2
1.
März bis 2
1.
April 2020 (
Urk.
6/23/1-5) und nannten die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
schizoaffektive Störung, gegenwärtig depressiv
-
CT und MRI des Schädels unauffällig (Februar 2019)
-
Retinopathien des Augenhintergrundes und Veränderungen der Netzhaut
gefässe
-
am ehesten exsudative
M
akuladegeneration
-
Amaurosis
beidseitig
-
links 100
%
, rechts 20
%
-
Vitamin B12-Mangel
,
ED (Erstdiagnose) April 2020
Der Patient sei
per fürsorgerische Unterbringung (FU)
in die Klinik zugewiesen worden
. In der psychiatrischen Vorgeschichte fänden sich
eine
rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.1), eine unklare Persönlichkeits- und Verhaltens
störung mit selektivem
Mutismus
und formalgedanklichen Störungen (ICD-10 F69) sowie eine bipolare Störung. Differenzialdiagnostisch seien eine akut poly
morphe psychotische Störung (ICD-10 F23) und eine Konversionsstörung (ICD-10 F44) diskutiert worden (S. 1 unten).
Psychopathologisch habe der Patient ein
mutistisches
bis
kataton
anmutendes Zustandsbild präsentiert, wobei dieses immer wieder habe durchbrochen werden können (S. 3 unten). Nach einer initi
alen leichten Verbesserung des Zustandes mit leicht vermehrten verbalen Äusse
rungen und Bewegungen habe sich sein Zustand am 2
4.
März 2020 erneut ver
schlechtert. Er habe kaum gegessen und getrunken
und habe sich fast vollständig blockiert gezeigt. Am 2
5.
März 2020 habe er sich vollständig blockiert bis
kataton
gezeigt und habe keine Nahrung oder Flüssigkeit mehr zu sich genommen. Auf
grund dessen sei er
intramuskulär
zwangsmediziert
worden, nachdem er auf das Angebot einer oralen Zwangsmedikation nicht reagiert habe.
Ab dem
2
7.
März bis
5.
April 2020 sei
eine tägliche Zwangsmedikation erfolgt. Hierunter sei es zu einer deutlichen Verbesserung des Zustandsbilds gekommen. Er habe vereinzelt mit verbalen Äusserungen begonnen, habe wieder Nahrung und Flüssigkeit zu sich genommen und habe unter Anleitung der Körperhygiene selbständig nach
gehen können. Im weiteren Verlauf sei es zu einer vollständigen Remission gekom
men
. Eine weitere, freiwillige Einnahme der angebotenen Medikamente habe der Patient abgelehnt. Der Patient sei in stabilisiertem Zustandsbild und ohne Anhalt auf Selbst- oder Fremdgefährdung in die vorbestehenden Wohn- und Lebensverhältnisse ausgetreten (S. 4). Für eine Fortführung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung im ambulanten Setting, welche zur weiteren Stabilisierung und Rückfallprophylaxe empfohlen werde, habe er nicht moti
viert
werden können. Sollte es zu einer erneuten
katatonen-mutistischen
Krise kommen, sei dem Patienten eine erneute stationäre Vorstellung empfohlen worden (S. 4 f.).
3.2
Am 2
7.
Oktober 2020 nahm
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Re
gionaler Ärztlicher Dienst (RAD)
,
Stellung zum medizinischen Sachverhalt (
Urk.
6/36 S. 4).
Er führte aus, dass im Rahmen der stationären Behandlung eine schizoaffektive Störung diagnostiziert
worden sei (vgl. vorstehend E. 3.1
). Diese Diagnose sei nicht zwingend nachvollziehbar, da keine psychotischen Symptome festgestellt worden seien. Gleichzeitig werde aber eindeutig ein
katatoner
Zustand festgestellt. Die Zwangsmedikation habe zu einer Zustandsverbesserung geführt, wobei der
Beschwerdeführer
sich für eine weitere
Behandlung nicht habe motivieren lassen. Es sei unklar, in welchem Zustand d
ies
er die
Klinik Y._
verlassen habe. Aktuell
melde er sich weder beim RAV (
Regio
nales Arbeitsvermittlungszentrum
) noch bei der IV, was negative Folgen für die Existenz haben könne. Somit sei ein relevanter Gesundheitszustand nicht auszu
schliessen. Zur Abklärung sei der
Beschwerdeführer
zur psychiatrischen RAD-Unter
suchung aufzubieten.
In seiner Stellungnahme vom 1
7.
November 2020 (
Urk.
6/36 S. 4-5) hielt RAD-Arzt
Dr.
Z._
fest, dass der
Beschwerdeführer
nicht zur RAD-Unter
su
chung erschienen sei. Aufgrund des bisherigen Verlaufs sei eine zweite Einladung nicht indiziert. Aus somatischer Sicht bestehe aufgrund einer
Makula
degenera
tion
ein hochgradiger Visusverlust. Diesbezüglich bestehe eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit, wobei keine versicherungsmedizinische Beur
teilung vorliege.
An
hand der
Gesprächsnotiz vom 3
1.
Juli 2020 (vgl.
Urk.
6/24,
Urk.
6/36 S. 3 oben)
sei zu eruieren, dass sich der
Beschwerdeführer
trotz feh
lender psychiat
risch-psychotherapeutischer
Behandlung
besser
und
im ersten Arbeitsmarkt arbeits
fähig fühle. Daraufhin sei der Fall ins
Gatekeeping
weiterge
leitet worden, wobei sich der
Beschwerdeführer
ab diesem Zeitpunkt weder bei der IV noch beim RAV gemeldet habe
. In der Gesamtschau sei es durchaus möglich, dass
sich
der
Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers
erneut ver
schlechtert habe und er
sich krankheitsbedingt nicht mehr melde. Es sei aber auch möglich, dass es ihm bessergehe. Eine versicherungsmedizinische
Beurteilung könne nicht mit dem Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit abschliessend beurteilt werden (S. 4).
4.
4.1
Gemäss Aktenlage erfolgte
erstmals
am 1
2.
Mai 2020 ein
telefonisches
Standort
gespräch, anlässlich welchem
der Beschwerdeführer
die IV-Stelle
um Unt
erstüt
zung bei der Stellensuche
ersuchte (
Urk.
6/19,
Urk.
6/36 S. 1 unten).
Im Rahmen
einer weiteren
telefonischen Besprechung vom 3
1.
Juli 2020 liess der Beschwer
deführer verlauten, dass es ihm
bessergehe
und er nun wieder arbeiten gehen könne
, weshalb er auch die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung beendet habe. Anschliessend wurde sein Dossier an die Eingliederungsberaterin wei
tergeleitet (
Urk.
6/24,
Urk.
6/36 S. 3 oben).
Am
1.
September 2020 fand ein Erstgespräch in der Eingliederungsberatung statt
,
anlässlich welchem
der Beschwerdeführer erneut seinen Wunsch nach Unterstüt
zung bei der Stellensuche
äusserte
(
Urk.
6/34 S. 6).
Bezüglich seines psychischen Gesund
heitszustand
s
teilte er mit,
sich
momentan rech
t stabil
zu fühlen. Seitens
der Eingliederungsberaterin wurde die psychische Stabilität
indes
in Frage gestellt
(
Urk.
6/34 S
. 3
und S. 6
).
In der Folge
ersuchte
die Eingliederungsberaterin
den
Beschwerdeführer per E-Mail
um weitere Unterlagen und
bat ihn
, sich in psychi
atrisch-psychotherapeutische Behandlung zu begeben, um den Erfolg allfälliger Eingliederungsmassnahmen mög
lichst sicherstellen zu können. Der
Beschwerde
führer
liess
ihr die entsprechenden Dokumente
zugleich
per E-Mail zukommen (
Urk.
6/29,
Urk.
6/34 S. 7).
A
uf weitere Versuche der Kontaktaufnahme
seitens der IV-Stelle
via E-Mail
vom
2.
September und
2
9.
September 2020 sowie
hin
ter
legter M
ailboxnachricht vom 1
7.
September 2020
reagierte der Beschwerde
führer nicht mehr
(
Urk.
6/34 S. 8)
.
4.2
Am 2
7.
Oktober
2020
fand eine Telefonkonferenz
zwischen der Kundenberaterin und RAD-Arzt
Dr.
Z._
statt. Gemäss RAD-Arzt sei
überwiegend
wahr
scheinlich
, dass der Kunde aufgrund des Gesundheitszustands nicht mitwirke (
Urk.
6/34 S. 8 unten,
Urk.
6/36 S. 3 unten). Weitere Abklärungen der IV-Stelle beim zuständigen RAV-Berater ergaben, dass der Beschwerdeführer auch die diesbezügl
ich nötigen Unterlagen und
Arbeitsbemühungen nicht einreichte (
Urk.
6/34 S. 9).
Aus Sicht der Eingliederungsberaterin untermauere dieser Um
stand die Einschätzung, dass das Verhalten des Beschwerdeführers im Zusam
menhang mit seiner gesundheitlichen Situation stehe, insbesondere, da das Ni
cht
einreichen der Unterlagen seine
Existenzsicherung betreffe.
Sie erachtete den Beschwer
deführer als
nicht eingliederungsfähig (
Urk.
6/34 S. 2
,
Urk.
6/36 S. 3
).
Mit Mitteilung vom 2
7.
Oktober 2020 wurden die Eingliederungsmassnahmen schliess
lich abgeschlossen (
Urk.
6/33).
Um die medizinischen Voraussetzungen für die Leistungen der Invalidenver
sicherung zu prüfen, wurde der Beschwerdeführer mit
Schreiben vom
3.
Novem
ber 2020 zu
einer psychiatrischen RAD-
Untersuch
ung
eingeladen (
Urk.
6/35). In der Folge
wurde seitens der IV-Stelle
vergebens versucht, den Beschwerdeführer
telefonisch zu erreichen (
Urk.
6/36 S. 4).
4.3
Mit Einschreiben vom
1.
Dezember 2020 (
Urk.
5) forderte die
Beschwerdegeg
nerin
den Beschwerdeführer schliesslich ein letztes Mal auf, bis spätestens am 1
5.
Dezember 2020 mit der IV-Stelle Kontakt aufzunehmen. Dabei wies sie ihn a
uf seine Mitwirkungspflicht hin und verwies hinsichtlich der Rechtsfolgen auf
Art.
43
ATSG (vgl. vorstehend E. 1.3
)
. Falls er dieser Aufforderung nicht recht
zeitig nachkomme, würde sie die A
bklärungen einstellen
und auf Grund der vor
handenen Unterlagen entscheiden. Dies könne dazu führen, dass sein Gesuch um Leistungen der Invalidenversicherung abgewiesen werde.
Im Vorbescheid (
Urk.
6/37) sowie in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) wurde indes
festgehalten
, dass aufgrund der fehlenden Mitwirkung weder der Gesund
heitszustand noch die Arbeitsfähigkeit habe geprüft werden können, weshalb keine versicherungsmedizinische Beurteilung
habe er
folgen k
önnen
.
Die Beschwer
degegnerin war somit - gemäss eigenen Angaben - nicht in der Lage «auf Grund der vorhandenen Unterlagen» zu entscheiden und nach Massgabe von
Art.
43
Abs.
3 ATSG zu verfügen
u
nd damit einen (materiellen) Entscheid in der Sache zu erlassen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_282/2018 vom 1
8.
Dezember 2018 E. 4.2.1.1)
.
4.4
Die Regelungen von
Art.
43
Abs.
3 ATSG (Nichteintreten oder Sachentscheid auf
grund der Akten) und
Art.
7b
Abs.
1 IVG (Kürzung oder Verweigerung der Leistung) sind
indes
grundsätzlich nebeneinander anwendbar (Urteile des Bun
des
gerichts 9C_309/2019 vom
7.
November 2019 E. 4.2.4 mit Hinweisen und 9C_744/2011 vom 3
0.
November 2011 E. 5.1, vgl. ferner Urteil des Bundes
ge
richts 9C_28/2010 vom 1
2.
März 2010 E. 5).
Die Beschwerdegegnerin begrün
dete die Leistungsabweisung im Wesentlichen mit der
- aus ihrer Sicht - schuld
haften
Verweigerung der Mitwirkung
und folglich gestützt auf formelle Gesichts
punkte.
Vorliegend einschlägig ist somit die Sanktionsnorm des
Art.
7b
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
43
Abs.
2 ATSG
, welche die Leistungskürzung respektive -verweigerung vorsieht
(vgl. vorstehend E. 1.2-1.3
)
.
Es bleibt zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer eine schuldhafte Verletzung der Mitwirkungspflicht vorzuwerfen ist.
5.
5.1
Sowohl
das
Verwaltungsverfahren wie auch der erstinstanzliche Sozialversiche
rungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (vgl.
Art.
43
Abs.
1 ATSG;
Art.
61 Bst. c ATSG;
Art.
12
VwVG
). Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdeverfahren das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollstän
dige Abklärung des erheblichen Sachverhalts zu sorgen (vgl. BGE 136 V 376 E.
4.1.1). Sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, gilt im Sozialver
sicherungsrecht der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 143 V 168 E. 2; 138 V 218 E. 6).
Der Untersuchungsgrundsatz gilt indessen nicht unbeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2).
Art.
28
Abs.
1 ATSG hält in einem allgemeinen Grundsatz fest, dass die Versicherten beim Vollzug der Sozialversicherungsgesetze unentgeltlich mitzuwirken haben. Wer Versicherungsleistungen beansprucht, muss nach
Art.
28
Abs.
2 ATSG
unent
geltlich alle Auskünfte erteilen, die zur Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der Versicherungsleistungen erforderlich sind. Weiter hat sich die versicherte Person, soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beur
teilung notwendig und zumutbar sind, diesen zu unterziehen (
Art.
43
Abs.
2 ATSG).
5.2
Eine Leistungskürzung respektive -verweigerung im Sinne von
Art.
7b
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
43
Abs.
2 ATSG
setzt insbesondere eine schuldhafte Ver
letzung der Mitwirkungspflicht voraus.
Dies ist dann der Fall, wenn kein Recht
fertigungsgrund erkennbar ist oder sich das Verhalten der versich
erten Person als
völlig un
verständlich erweist (Urteile des Bunde
sgerichts 8C_528/2009 vom
3.
No
vember 2009 E. 7 und I 166/06 vom 3
0.
Januar 2007 E. 5.1
; vgl.
Ki
eser
, ATSG-Kommentar,
4.
Auflage 2020
, Rn
103 zu
Art.
43
). Anders verhält es sich, wenn die Verletzung der Mitwirkungspflicht auf entschuldbaren Gründen beruht,
etwa
weil sie der versicherten Person nicht zugerechnet werden kann, da sie krankheitshalber oder aus anderen Gründen nicht in der Lage war, ihren Pflichten nachzukommen (vgl. Urteil
e des Bundesgerichts
9C_994
/2009 vom 2
2.
März 2010 E. 5.2;
vgl. auch
Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenver
siche
rung,
3.
Auflage 2014, Rn 35 zu
Art.
7-
7b
).
5.3
Dem Austrittsbericht vom April 2020
ist zu entnehmen,
dass
der Beschwerde
führer
mit Zuweisung per FU
vom 2
1.
März bis 2
1.
April 2020
in der
Klinik Y._
AG
psychiatrisch hospitalis
iert wurde (vgl. vorstehend E. 3.1
).
Gemäss diesem Bericht habe sich der Beschwerdeführer bereits
von
Mitte Februar bis Anfang März 2019 in stationäre
r
Behandlung in
A._
b
efunden
(vgl.
Urk.
6/23 S
.
2)
, wobei diesbezüglich kein Bericht aktenkundig ist.
Anlässlich der Hospitalisation
in der
Klinik Y._
AG
zeigte
sich
das Zustandsbild des Beschwer
deführer
s
mutistisch
bis
kataton
. Er nahm insbesondere keine
Nahrung od
er Flüssigkeit mehr zu sich und musste in der Folge
zwangsmediziert
werden,
was schliesslich zu einer
Verbesserung des Zustandsbilds
führte.
RAD-Arzt
Dr.
Z._
äusserte sich
zum Austrittsbericht
in seiner Stellung
nahme vom Oktober 2020
dahingehend
, dass die Diagnose einer
schizoaffektiven
Störung nicht zwingend nachvollziehbar sei, gleichzeitig werde aber eindeutig ein
katatoner
Zustand festgestellt. Ein relevanter Gesundheitszustand sei aus seiner Sicht nicht auszu
schliessen (vorstehend E. 3.2
).
Dem Protokolleintrag zur Tele
fonkonferenz
zwischen der Kundenberaterin und RAD-Arzt
Dr.
Z._
vom 2
7.
Oktober 2020 ist
ferner
zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer aus Sicht des RAD-Arztes überwiegend wahrscheinlich aufgrund des Gesund
heitsschadens nicht mitwirke.
Überdies
erachteten sowohl der RAD-Arzt als auch die
Eingliederungsberaterin den Beschwerdeführer als wahrscheinlich nicht ein
g
liederungsfähig (vorstehend E. 4.2
).
Der RAD-Stellungnahme vom November 2020
ist sodann zu e
ntnehmen, dass der RAD-Arzt
es al
s
durchaus möglich erachtete
, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers erneut ver
schlechtert habe und er sich krankheitsbedingt nicht mehr melde. Es sei aber auch möglich, dass es ihm bessergehe. Eine versicherungsmedizinische Beurteilung könne nicht mit dem Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit abschliessend b
eurteilt werden (vorstehend E. 3.2
).
5.4
Nach dem Gesagten liegen konkrete
A
nhaltspu
nkte
vor
, die auf
eine
auf krank
heitsbedingten
G
ründen
beruhende Verweigerung der Mitwirkung
hindeuten.
Sowohl der RAD-Arzt als auch die Eingliederungsberaterin erachteten
es als durchaus möglich
respektive sogar als wahrscheinlich
, dass
sich
der Beschwerde
führer aufgrund des Ges
undheitsschadens nicht mehr melde
(vorstehend E. 3.2 und 4.2
)
, was
sich i
n Anbetracht des im Austrittsbericht beschriebenen
mutisti
schen
bis
kataton
en
Zustandsbild
es, welches insbesondere eine
Behandlung
unter
Zwangsmedikation
erforderlich machte,
a
ls nachvollziehbar
erweist
.
Dass d
er
unver
tretene
Beschwerdeführer
die fehlende Mitwirkung
selber nicht explizit auf seine gesundheitliche Situation zurückführt, sondern geltend macht, weder von den E-Mails und Telefonanrufen noch von den Briefen Kenntnis genommen zu haben
(vorstehend E. 2.2)
, vermag
die anhand der Aktenlage vorhandenen Hin
weise auf einen möglichen krankheitsbedin
gten Zusammenhang nicht
in Zweifel zu ziehen.
Aus
dem Austrittsbericht
vom 2
1.
April 2020
geht diesbezüglich
her
vor, dass
der Beschwerdeführer
sowohl die freiwillige Einnahme der Medikamente als auch die empfohlene Fortführung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung im ambulanten Setting zur Stabilisierung und Rückfallprophylaxe st
r
ikt ablehnte (vorstehend E. 3.1
). Obwohl der Beschwerdeführer stets beteuerte, dass es ihm recht gut gehe
und
er sich arbeitsfähig
fühle
, stellte die Eingliederungsberaterin bereits anlässlich des Erstgesprächs
seine psychische Stabilität
in Frage (vg
l. vor
stehend E. 4.1
).
Somit
lassen sich der
zwar nur
spärlich vorhanden
en
Akten
lage Hinweise
auf eine möglicherweise fehlende
Krankheitseinsicht
entnehmen
.
Der
Umstand, dass
es dem Beschwerdeführer im März 2021 möglich war, die Verfü
gung fristgerecht anzufechten,
lässt sodann
nicht ohne Weiteres
auch
auf Schuld
fähigkeit
im vorgenenannten (E.
5.2) Sinne
schliessen, zumal ein psychischer Gesund
heitsschaden grundsätzlich Schwankungen unterliegen kann.
Des Wei
teren ist anzumerken, dass sich der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom März 2021 (
Urk.
1)
explizit
bereit erklärte,
an den erforderlichen Untersuchungen und Massnahmen teilzunehmen (vorstehend E. 2.2).
5.5
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass anhand der v
orhandenen
Akten
eine
fehlende Mitwirkung aus krankheitsbedingten Gründen nicht
ausgeschlossen werden kann.
Jedenfalls kann nicht gesagt werden, dass ein Rechtfertigungs
grund nicht einmal ansatzweise erkennbar ist und sich das Verhalten des Beschwer
deführers als völlig unverständlich er
weist (vgl. vorstehend E. 5.2
;
Kieser
, ATSG-Kommentar,
4.
Auflage 2020, Rn
103
zu
Art.
43).
Für die der Kürzung oder Verweigerung der Versicherungsleistungen unterlie
genden Tatsachen trägt die Versicherung die Beweislast (BGE 111 V 186 E. 3b und 197 E. 6b). Können die den Vorwurf rechtfertigenden Tatsachen, insbeson
dere auch die Kausalität des verpönten Verhaltens zum eingetretenen Erfolg, nicht mit mindestens überwiegender Wahrscheinlichkeit bewiesen werden, darf keine Leistungseinschränkung erfolgen (Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage 2014, Rn 38 zu
Art.
7-
7b
; vorstehend E
. 5.1
).
Vorliegend ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass
der Beschwer
deführer seine Mitwirkungspflicht schuldhaft verletzte, weshalb
die Abweisung seines Leistungsbegehrens durch die Beschwerdegegnerin zu Unrecht erfolgte.
6.
6.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02
vom 10. September 2003 E. 5.2).
6.2
Nach dem Gesagten kann dem Beschwerdeführer keine Verletzung der Mitwir
kungspflicht vorgeworfen werden, ein abschliessender materieller Entscheid gestützt auf die vorhandenen medizinischen Akten ist indes nicht möglich.
In seiner Beschwerde
vom März 2021 (
Urk.
1) erklärte
sich
der Beschwerdeführer
bereit, an weiteren Abklärungen
und
Massnahmen teilzunehmen.
Die Sache ist
demnach in Aufhebung der angefochtenen Verfügung an die Beschwerdegeg
nerin zur weiteren Prüfung zurückzuweisen, damit sie
nach Vornahme der notwendigen medizinischen und beruflichen Abklärungen
über den Leistungs
anspruch
(Eingliederungsmassnahmen und Rente)
des Beschwerdeführers neu verfüge.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.