Decision ID: 4354d29a-d0e4-4e0e-9ff1-341030bf372b
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X lenkte am 5. Juli 2008 ein Motorfahrrad ohne gültigen Führerausweis. Der
Lernfahrausweis wurde ihm deshalb ab Erreichen des 14. Altersjahres für die Dauer von
6 Monaten verweigert. Da er eine Lehre als Chauffeur absolvierte, erhielt er den
Lernfahrausweis für Motorwagen der Kat. B bereits im 17. Altersjahr, durfte Lernfahrten
jedoch nur mit Fahrlehrern oder Ausbildern durchführen; dies wurde im
Lernfahrausweis mit dem Code 112 vermerkt. X bestand die praktische Prüfung für die
Kategorie B am 15. März 2013.
Am 2. April 2013 lenkte X ein Fahrzeug in Begleitung seiner Mutter, als er anlässlich
einer Verkehrskontrolle von der Polizei angehalten wurde. Er besass zu diesem
Zeitpunkt immer noch seinen vom 11. Februar 2013 bis 11. Februar 2015 gültigen
Lernfahrausweis der Kat. B, der ihn für Lernfahrten nur mit Fahrlehrer oder Ausbilder
berechtigte. Das Strassenverkehrsamt eröffnete daraufhin gegen X ein
Administrativmassnahmeverfahren und entzog ihm – ohne das Ergebnis des
Strafverfahrens abzuwarten – den Lernfahrausweis mit Verfügung vom 14. Mai 2013 für
die Dauer eines Monats. Der Führerausweisentzug wegen Lenkens eines
Personenwagens ohne die vorgeschriebene Begleitperson wurde vom 20. Mai bis
19. Juni 2013 vollzogen. Das von der Jugendanwaltschaft wegen dieses Vorfalls
eröffnete Strafverfahren wurde mit Verfügung vom 29. Mai 2013 eingestellt, was einem
Freispruch gleichkam. Der Jugendanwalt kam zum Schluss, X habe – trotz des
Vermerks im Lernfahrausweis – nicht wissen können, dass er auch nach bestandener
praktischer Fahrprüfung nur in Begleitung eines Fahrlehrers oder Ausbilders fahren
dürfe. Er sei in seinem Unwissen zu schützen.
B.- Am 17. August 2013 war X mit seinem Motorrad in A unterwegs. Dabei überschritt
er die
zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 22 km/h. Die Jugendanwaltschaft
sprach X deswegen mit Strafbefehl vom 5. September 2013 der Überschreitung der
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allgemeinen Höchstgeschwindigkeit innerorts schuldig und verurteilte ihn zu einer
Busse von Fr. 250.–. Dagegen wurde kein Rechtsmittel ergriffen.
Mit Schreiben vom 19. September 2013 leitete das Strassenverkehrsamt gegen X ein
Administrativmassnahmeverfahren ein und teilte ihm im Rahmen der Gewährung des
rechtlichen Gehörs mit, es qualifiziere den Verstoss gegen die
Strassenverkehrsvorschriften vom 17. August 2013 als mittelschwere
Verkehrsregelverletzung. Weil der Führerausweis innerhalb der letzten zwei Jahre
bereits einmal wegen einer mittelschweren Widerhandlung entzogen worden sei,
müsse er mit einer Entzugsdauer von vier Monaten rechnen. X brachte dagegen vor,
die Administrativmassnahme vom 14. Mai 2013 sei widerrechtlich gewesen. Wie sich
im Strafverfahren gezeigt habe, sei ihm damals kein schuldhaftes Verhalten
vorzuwerfen gewesen. Das Strafverfahren sei aus diesem Grund eingestellt worden.
Das Strassenverkehrsamt folgte dieser Argumentation nicht und entzog X mit
Verfügung vom 6. Dezember 2013 den Führer- und Lernfahrausweis für die Dauer von
vier Monaten. Es erwog, die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 14. Mai 2013
sei unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Eine materielle Wiedererwägung
rechtfertige sich nicht, da die Einstellungsverfügung der Jugendanwaltschaft vom 29.
Mai 2013 keine neue wesentliche Tatsache sei.
C.- Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 19. Dezember 2013 erhob X Rekurs bei
der Verwaltungsrekurskommission und beantragte, die Verfügung des
Strassenverkehrsamts vom 6. Dezember 2013 sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge aufzuheben. Das Strassenverkehrsamt beantragte mit
Vernehmlassung vom 21. Januar 2014 die Abweisung des Rekurses.
Auf die Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, in den

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 19. Dezember 2013 (Poststempel)
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wurde rechtzeitig eingereicht und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent hält dafür, es sei völlig unverständlich, wenn die Vorinstanz ausführe,
die Einstellungsverfügung der Jugendanwaltschaft vom 29. Mai 2013 stelle keine neue
wesentliche Tatsache dar. Weshalb kein Anspruch auf materielle Wiedererwägung
bestehen solle, begründe die Vorinstanz nicht.
a) Gestützt auf Art. 16b Abs. 2 lit a SVG wurde dem Rekurrenten der Führer- und
Lernfahrausweis wegen einer mittelschweren Widerhandlung (lenken eines
Personenwagens ohne die vorgeschriebene Begleitperson) für die Dauer eines Monats
entzogen. Diese Verfügung wurde vom Rekurrenten nicht angefochten; vielmehr reichte
er den Ausweis bereits am 20. Mai 2013 bei der Vorinstanz ein. Die
Administrativmassnahme endete somit am 19. Juni 2013. Fest steht weiter, dass die
Jugendanwaltschaft das Strafverfahren gegen den Rekurrenten mit Verfügung vom
29. Mai 2013 einstellte, weil sie von einem sogenannten Verbotsirrtum (Irrtum über die
Rechtswidrigkeit) ausging und den Rekurrenten in seinem Unwissen schützte. Die
Einstellung kommt einem Freispruch gleich.
b) Nach Art. 27 VRP sind Wiedererwägungsgesuche zulässig, begründen aber keinen
Anspruch auf eine Stellungnahme der Behörde in der Sache und hemmen den
Fristenlauf nicht. Dass die Behörde eine Verfügung von Amtes wegen in
Wiedererwägung zu ziehen bzw. zu widerrufen hat, ist im Gesetz nicht vorgesehen
(Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl. 2010, N. 1033). Ist der
Verfügungsadressat mit einer Verfügung nicht einverstanden, liegt es an ihm, sich mit
den entsprechenden Mitteln dagegen zur Wehr zu setzen. Der Rekurrent hat es
indessen unterlassen, die Verfügung vom 14. Mai 2013 anzufechten und geltend zu
machen, dass das parallel laufende Strafverfahren noch nicht abgeschlossen sei.
Darauf wies er durch seinen Rechtsvertreter erst am 19. November 2013 hin, als ihm
wegen der Geschwindigkeitsüberschreitung vom 17. August 2013 ein viermonatiger
Führerausweisentzug in Aussicht gestellt wurde. Entgegen der Ansicht des
Rekurrenten war die Vorinstanz nicht verpflichtet, die Verfügung vom 14. Mai 2013 von
Amtes wegen in Wiedererwägung zu ziehen. Hinzu kommt, dass der Rekurrent vor der
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Vorinstanz nicht die Aufhebung der Verfügung vom 14. Mai 2013 beantragte. Er
verlangte nur zu berücksichtigen, dass ihm der Führerausweis wegen dieser Verfügung
unzulässigerweise wegen eines Monats entzogen gewesen sei, weshalb von einer
Massnahme nach der Geschwindigkeitsüberschreitung vom 17. August 2013
abzusehen sei. Dass die Vorinstanz darin ein Wiedererwägungsgesuch erblickte, ändert
nichts daran, dass der Rekurrent nicht ausdrücklich den Widerruf der Verfügung vom
14. Mai 2013 beantragte.
Der Rekurrent war demnach mit einem einmonatigen Führerausweisentzug im
Administrativmassnahmen-Register (ADMAS) verzeichnet, als die Vorinstanz am
19. September 2013 im Zusammenhang mit der Geschwindigkeitsüberschreitung vom
17. August 2013 ein neues Administrativmassnahmeverfahren einleitete.
3.- Im Rekurs ist zu Recht unbestritten, dass es sich bei der Überschreitung der
zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 22 km/h (innerorts) vom 17. August
2013 um eine mittelschwere Widerhandlung nach Art. 16b des
Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) handelte, die grundsätzlich den
Entzug des Lernfahr- oder Führerausweises für mindestens einen Monat zur Folge hat
(Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG). Dies entspricht der konstanten bundesgerichtlichen
Rechtsprechung (vgl. Philippe Weissenberger, Kommentar zum
Strassenverkehrsgesetz, Zürich/St. Gallen 2011, N 8 zu Art. 16a SVG). Zu prüfen ist, ob
angesichts der Einstellungsverfügung der Jugendanwaltschaft ein Rückfalltatbestand
im Sinne des SVG vorliegt, der zu einem Entzug für die Dauer von mindestens vier
Monaten führt (Art. 16b Abs. 2 lit. b SVG).
4.- Gemäss Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer
mittelschweren Widerhandlung für mindestens einen Monat entzogen. War der Ausweis
in den vorangegangenen zwei Jahren einmal wegen einer schweren oder
mittelschweren Widerhandlung entzogen, dauert der Entzug mindestens vier Monate (lit
b). Dieser Wortlaut setzt eine vollzogene Massnahme voraus ("entzogen war"), weshalb
die zweijährige Rückfallfrist mit dem Ablauf des Ausweisentzugs beginnt (Urteil des
Bundesgerichts 1C_180/2010 vom 22. September 2010).
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a) Dem Rekurrenten war der Ausweis in den zwei dem Ereignis vom 17. August 2013
vorangegangen Jahren wegen einer mittelschweren Widerhandlung für einen Monat
entzogen. Die Verfügung der Vorinstanz vom 14. Mai 2013 erwuchs unangefochten in
Rechtskraft. Damit wären die Voraussetzungen für die Anwendung der
Rückfallregelung erfüllt und der Lernfahrausweis wäre grundsätzlich gestützt auf
Art. 16b Abs. 2 lit. b SVG für die Dauer von mindestens vier Monaten zu entziehen.
b) Der Rekurrent macht geltend, die Vorinstanz habe den Grundsatz, wonach die
Administrativmassnahmebehörde mit ihrer Verfügung zuzuwarten habe, bis ein
rechtskräftiges Strafurteil vorliege, in unzulässiger Weise missachtet. Dies habe zu
einem widerrechtlichen Führerausweisentzug geführt. Die Vorinstanz hält ungeachtet
der strafrechtlichen Qualifikation an ihrer Beurteilung fest. Sie bringt vor, bei der Fahrt
vom 2. April 2013 habe es sich trotz bestandener Fahrprüfung um eine Lernfahrt
gehandelt, die nur in Begleitung eines Fahrlehrers oder Ausbilders habe durchgeführt
werden dürfen. Eine derartige Verkehrsregelverletzung stelle nach gefestigter Praxis
eine mittelschwere Widerhandlung dar, die zu einem Entzug des Ausweises für
mindestens einen Monat führe. Der Vorfall vom 2. April 2013 bzw. die
Entzugsverfügung vom 14. Mai 2013 sei deshalb bei der Beurteilung der
Widerhandlung vom 17. August 2013 zu berücksichtigen.
c) aa) Die Anordnung eines Warnungsentzugs setzt – abgesehen vom Tatbestand der
Verwendung eines Motorfahrzeugs zur Begehung eines Verbrechens oder mehrfacher
vorsätzlicher Vergehen – eine schuldhaft begangene Verkehrsregelverletzung voraus
(Weissenberger, a.a.O., N 5 vor Art. 16 ff. SVG). Im Rahmen des Strafverfahrens wurde
der Rekurrent vom Jugendanwalt einvernommen und der Prüfungsexperte als
Auskunftsperson befragt. Gestützt auf diese Aussagen kam der Jugendanwalt zum
Schluss, der Rekurrent habe nicht wissen können, dass er nach bestandener
praktischer Prüfung Lernfahrten weiterhin nur unter Aufsicht eines Fahrlehrers bzw.
nicht in Begleitung seiner Mutter habe durchführen dürfen. Er sei einem Verbotsirrtum
unterlegen und deshalb in seinem Unwissen zu schützen. Die Einstellung des
Strafverfahrens erfolgte demnach gestützt auf Art. 21 StGB (SR 311.0), der auch im
Jugendstrafrecht zur Anwendung kommt (vgl. Art. 1 des Bundesgesetzes über das
Jugendstrafrecht (SR 311.1, abgekürzt: JStG). Danach handelt nicht schuldhaft, wer
bei der Begehung der Tat nicht weiss und nicht wissen kann, dass er sich rechtswidrig
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verhält. War der Irrtum vermeidbar, so mildert das Gericht die Strafe. Nach Ansicht des
Jugendanwalts war dem Rekurrenten somit kein Verschulden vorzuwerfen, was eine
Verurteilung nach Art. 16a ff. SVG an sich ausschliesst. Die Vorinstanz setzte sich
ihrerseits in der Verfügung vom 14. Mai 2013 mit der Schuldfrage nicht auseinander.
Sie hielt lediglich fest, beim Vorfall vom 2. April 2013 habe es sich um eine
mittelschwere Widerhandlung gehandelt, und ging damit zumindest von einem leichten
Verschulden des Rekurrenten aus. Für die Beantwortung der Fragen, ob sich der
Rekurrent in einem Irrtum hinsichtlich seiner Fahrerlaubnis befand und in welchem
Ausmass der Irrtum verschuldet war, kommt es jedoch wesentlich auf den inneren
Sachverhalt, d.h. das Wissen und Wollen des Rekurrenten an. Für derartige
Abklärungen ist die persönliche Einvernahme – wie sie vom Jugendanwalt durchgeführt
wurde – besonders geeignet. Umso mehr hätte die Vorinstanz den Ausgang des
Strafverfahrens abwarten müssen; denn nach der Rechtsprechung ist die
Administrativbehörde grundsätzlich an die Feststellungen in einem Strafurteil
gebunden. Die für den Führerausweisentzug zuständige Behörde darf von den
Sachverhaltsfeststellungen des Strafrichters nur dann abweichen, wenn sie ihrem
Entscheid Tatsachen zugrunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren, wenn sie
zusätzliche Beweise erhebt oder wenn der Strafrichter nicht alle sich mit dem
Sachverhalt stellenden Rechtsfragen abklärte (Urteil des Verwaltungsgerichts B
2010/241 vom 26. Januar 2011 E. 2.1; BGE 124 II 103; BGE 6A.64/2006 vom 20. März
2007 mit Hinweis auf BGE 124 II 103; BGE 1C_7/2008 vom 24. Juli 2008). Da die
Vorinstanz am 14. Mai 2013 einen einmonatigen Führerausweisentzug verfügte,
besteht nunmehr ein Widerspruch zur strafrechtlichen Beurteilung. Dies wurde vom
Rekurrenten jedoch erst im vorliegenden Rekursverfahren gerügt (vorne E. 2).
bb) Nach der Auffassung des Strafrichters liess sich der Rekurrent am 2. April 2013
keine Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz zu Schulden kommen. Wäre
die Vorinstanz zur selben Einschätzung gelangt – aus den Akten im
Administrativmassnahmeverfahren ergeben sich keine Anhaltspunkte, welche die
Einstellungsverfügung vom 29. Mai 2013 als falsch erscheinen lassen würden –, hätte
sie Art. 16b Abs. 2 lit. b SVG nicht anwenden dürfen, denn nach dieser Norm ist der
Lernfahr- oder Führerausweis nur dann mindestens vier Monate zu entziehen, wenn in
den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis bereits einmal wegen einer schweren
oder mittelschweren Widerhandlung entzogen war. Diese Norm ist Teil eines
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Kaskadensystems, mit dem Fahrzeugführer und Fahrzeugführerinnen, die innert
bestimmter Fristen wiederholt verkehrsgefährdende Widerhandlungen begehen, härter
angefasst werden. Der Gesetzgeber führte gesamtschweizerisch einheitliche
Mindesttarife für die Anordnung von Administrativmassnahmen ein, die für den
Wiederholungsfall stufenweise verschärft werden und bis zum unbefristeten
Führerausweisentzug führen. Damit soll eine besonders gefährliche Minderheit von
Rückfälligen härter angefasst werden (vgl. Botschaft zur Änderung des
Strassenverkehrsgesetzes, 31. März 1999, BBl 1999 4462). Nachdem feststeht, dass
sich der Rekurrent anlässlich der begleiteten Fahrt vom 2. April 2013 nicht strafbar
machte, ist er nicht der Gruppe der Wiederholungstäter zuzuordnen. Ihm ist höchstens
vorzuwerfen, die Rechtsmittel nicht ausgeschöpft zu haben, um einen Eintrag im
ADMAS-Register bzw. den Entzug des Ausweises für die Dauer von einem Monat zu
verhindern. Auch wenn die Vorinstanz nicht verpflichtet war, auf die Verfügung vom
14. Mai 2013 zurückzukommen, hätte sie den Umstand, dass das Verfahren wegen des
Vorfalls vom 2. April 2013 gegen den Rekurrenten vom Jugendanwalt eingestellt
wurde, bei der Beurteilung des Ereignisses vom 17. August 2013 berücksichtigen
müssen. Das formale Abstützen auf den Eintrag im Register für
Administrativmassnahmen allein führt im vorliegenden Fall zu einem Ergebnis, das sich
nicht mit Sinn und Zweck der Norm vereinbaren lässt (vgl. zu den
Auslegungsmethoden Häfelin/Haller/Keller, Bundesstaatsrecht, N 75 ff.). Der Rekurrent
würde als Wiederholungstäter härter bestraft; und zwar nicht, weil er sich im Verkehr
bereits früher rechtswidrig verhalten hatte, sondern weil er es unterliess, sich gegen
eine – wie sich im Nachhinein herausstellte – zu Unrecht erlassene Verfügung der
Administrativbehörde zu wehren.
cc) Somit ergibt sich, dass ein Entzug des Führerausweises auf der Grundlage von
Art. 16b Abs. 2 lit. b SVG nicht zulässig ist. Dies erscheint auch deshalb gerechtfertigt,
weil die Vorinstanz das Strafverfahren entgegen der allgemeinen Übung nicht
abwartete und damit wesentlich dazu beitrug, dass sich die Frage nach dem Vorliegen
eines Rückfalltatbestandes überhaupt erst stellt. Somit kommt Art. 16b Abs. 2 lit. a
SVG zur Anwendung, wonach der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer
mittelschweren Widerhandlung für mindestens einen Monat zu entziehen ist. Die
Verfügung der Vorinstanz vom 6. Dezember 2013 ist deshalb aufzuheben, und die
Sache wäre grundsätzlich zur Festlegung der Entzugsdauer gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG
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an die Vorinstanz zurückzuweisen. Darauf kann jedoch verzichtet werden, da die
entsprechende Beurteilung bereits in der streitigen Verfügung vorgenommen wurde.
Die Vorinstanz kam darin zum Schluss, unter Berücksichtigung aller
Beurteilungskriterien nach Art. 16 Abs. 3 SVG (Schwere des Verschuldens, Leumund
als Motorfahrzeugführer, berufliche Angewiesenheit, ein Motorfahrzeug zu führen) sei
es möglich, die Entzugsdauer auf das gesetzliche Minimum zu beschränken. Es
besteht kein Anlass, von dieser Beurteilung abzuweichen. Der Lernfahr- und
Führerausweis ist dem Rekurrenten somit für die Dauer eines Monats zu entziehen (Art.
16b Abs. 2 lit. a SVG). Diese Mindestentzugsdauer kann gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung selbst in Ausnahmesituationen nicht unterschritten werden (vgl. BGE
120 Ib 504 ff., 115 Ib 159 ff., 118 Ib 233 f.). Zu prüfen bleibt hingegen noch, ob unter
den gegebenen Umständen auf einen Entzug des Lernfahr- und Führerausweises
verzichtet werden kann, wie im Rekurs geltend gemacht wird.
5.- Der Rekurrent beantragt, von einer Massnahme sei gänzlich abzusehen; selbst ein
Entzug des Führerausweises für die Dauer eines Monats komme nicht in Frage, da er
diese Massnahme aufgrund der Verfügung vom 14. Mai 2013 bereits verbüsst habe.
Der Gesetzgeber hat den vorübergehenden Entzug des Führerausweises als fühlbare
Warnung an jene Motorfahrzeuglenker konzipiert, deren Verhalten voraussehen lässt,
dass sie es an Sorgfalt und Rücksichtnahme fehlen lassen werden. Die Behörden
sollten durch frühzeitige Warnung der gefährlichen Fahrer Unfällen zuvorkommen. Auch
für das Bundesgericht stellt der Warnungsentzug eine Administrativmassnahme mit
präventivem und erzieherischem Charakter dar. Sie bezwecke, den Lenker zu mehr
Sorgfalt und Verantwortung zu erziehen und ihn dadurch von weiteren Verkehrsdelikten
abzuhalten. Der fehlbare Lenker soll nach den Vorstellungen des Gesetzgebers für eine
gewisse Zeit vollständig vom Führen eines Motorfahrzeugs ausgeschlossen werden
(BGE 128 II 173 E. 3b).
Aufgrund seines erzieherischen Charakters kann der Warnungsentzug seine Wirkung
nur dann erzielen, wenn er möglichst zeitnah zur Widerhandlung verfügt wird. Unter
dem Eindruck der Massnahme und im Wissen um die zweijährige Probezeit soll der
Betroffene von weiteren Verletzungen der Strassenverkehrsvorschriften abgehalten
werden. Dies schliesst eine Kompensation mit einer früheren – wenn auch zu Unrecht
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ergangenen – Sanktion aus, weil damit der präventive Charakter der
Administrativmassnahme unterlaufen würde. Im Übrigen verfehlte der Ausweisentzug
vom 20. Mai bis 19. Juni 2013 seinen erzieherischen Zweck, den Rekurrenten künftig
von weiteren Verletzungen der Strassenverkehrsvorschriften abzuhalten. Er beging
bereits am 17. August 2013 eine mittelschwere Widerhandlung
(Geschwindigkeitsüberschreitung). Es erscheint deshalb sachgerecht, den Rekurrenten
mit einem Warnungsentzug zu belegen.
Nicht anders wäre zu entscheiden, wenn auf die Bestimmungen des allgemeinen Teils
des Strafgesetzbuches, die auch in einzelnen Fragen im
Administrativmassnahmeverfahren zur Anwendung gelangen können, abgestützt würde
(vgl. Urteil der Verwaltungsrekurskommission IV-2012/122 vom 28. Februar 2013 E. 3a,
publiziert unter: www.gerichte.sg.ch). Ein Verzicht auf eine Massnahme wäre nur bei
geringfügiger Schuld bzw. Tatfolge oder bei besonderer Betroffenheit des Rekurrenten
möglich (Art. 52 u. Art. 54 StGB). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Die Tatsache, dass
dem Rekurrenten der Lernfahr- und Führerausweis zu Unrecht für einen Monat
entzogen war, begründet keine derartige Betroffenheit. Darauf lässt auch schliessen,
dass er die ihm zur Verfügung stehenden Rechtsmittel nicht ausschöpfte und den
Führerausweisentzug akzeptierte.
6.- Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Rekurs teilweise gutzuheissen und
Ziffer 1 der Verfügung der Vorinstanz vom 6. Dezember 2013 aufzuheben ist. Der
Führer- und Lernfahrausweis ist dem Rekurrenten gestützt auf Art. 16b Abs. 2 lit. a
SVG für die Dauer eines Monats zu entziehen.
7.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten zu einem Viertel
dem Rekurrenten aufzuerlegen; drei Viertel der Kosten sind vom Staat zu tragen
(Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint angemessen (vgl.
Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von
Fr. 1'200.– ist bis zum Betrag von Fr. 300.– zu verrechnen und dem Rekurrenten im
Mehrbetrag zurückzuerstatten.
Bei diesem Verfahrensausgang sind dem Rekurrenten die ausseramtlichen Kosten zur
Hälfte zu entschädigen, soweit sie als notwendig und angemessen erscheinen
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(vgl. Art. 98 VRP; R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 182 ff.). Im Rekursverfahren war
der Beizug eines Rechtsbeistandes geboten. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote
eingereicht. Im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar als
Pauschale ausgerichtet; der Rahmen liegt zwischen Fr. 1'000.– und Fr. 12'000.–
(Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS
963.75, abgekürzt: HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das Grundhonorar nach den
besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der
Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten,
bemessen (Art. 19 HonO). Unter Berücksichtigung des Aufwandes für die Eingabe
erscheint ein Honorar von Fr. 1'800.– (Barauslagen und Mehrwertsteuer inbegriffen,
Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 HonO) als angemessen. Der Rechtsvertreter ist folglich mit
Fr. 900.– zu entschädigen; entschädigungspflichtig ist der Staat (Strassenverkehrs-
und Schifffahrtsamt).