Decision ID: ee5cdb1b-7afc-4ac6-a1e0-c90c71f758b6
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1968, Inhaber des Einzelunternehmen
s Y._
, ist der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Züric
h, Ausgleichskasse, seit dem
1.
August 2017
als
Selbständigerwer
bender
angeschlossen (
Urk.
6/1 und
Urk.
6/14 im Verfahren Nr. EE.2022.00001
).
A
m 2
7.
April 2020
(Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte bei der Aus
gleichskass
e zum Bezug einer Erwerbsersatz
entschädigung (H
ärtefall-Regelung
) gestützt auf die Ver
ordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im Zusammenhang mit dem
Coronavirus
(Covid-19-Verordnu
ng Erwerbsausfall) an. Mit Verfügung vom 2
9.
April 2020 verneinte die Ausgleichskasse einen Anspruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung, da der Versicherte im Jahr 2019 ein Einkommen von weniger als
Fr.
10'000.-- abgerechnet habe. Am
4.
Mai 2020 ging bei der Ausgleichskasse die Steuermeldung betreffend das Jahr 2018 ein, welche ein Einkommen des Versicherten aus selbständiger Erwerbstätigkeit in der Höhe von
Fr.
40'000.-- auswies (
Urk.
6/74-76 im Verfahren Nr. EE.2022.00001). In der Folge richtete die Ausgleichskasse dem Versicherten in der Periode vom 1
7.
März bis zum 3
1.
Dezember 2020 eine auf einem Tages
ansatz von
Fr.
43.20 beruhende Corona-Erwerbsersatzentschädigung aus (
Urk.
6/78-79, Urk.
6/104
105,
Urk.
6/113,
Urk.
6/119,
Urk.
6/138 und
Urk.
6/154; vgl. auch Anmeldungen vom 16., 3
0.
November 2020 und
7.
Januar 2021 [Eingangsdatum],
Urk.
6/128,
Urk.
6/136 und
Urk.
6/141 im Verfahren Nr.
EE.2022.00001). Mit Anmeldungen vom
1.
Februar,
2.
März,
5.
April,
4.
Mai, 1.
Juni,
1.
Juli,
1.
August,
1.
September und
3.
Oktober 2021 (Eingangsdatum) machte der Versicherte einen Anspruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung wegen wesentlicher Einschränkung der Erwerbstätigkeit/erheblicher Erwerbsein
busse für den Zeitraum vom
1.
Januar bis zum 3
0.
September 2021 geltend, welcher gemäss den auf den betreffenden Formularen enthaltenen Vermerken der Ausgleichskasse in den Monaten Januar bis Mai, Juli und Septem
ber 2021
(mehrheitlich)
bejaht wurde (
Urk.
6/156,
Urk.
6/184, Urk. 6/189, Urk.
6/219,
Urk.
6/223,
Urk.
6/228,
Urk.
6/231,
Urk.
6/237 und Urk. 6/241 im Verfahren Nr. EE.2022.00001
;
das Leistungsbegehren abweisende Verfügungen für diese Zeit
periode finden sich nicht in den Akten
).
1.2
A
m
2.
November 2021
(Eingangsdatum)
machte
der
Versicherte
einen Anspruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung wegen erheblicher Erwerbseinbusse für
den Monat Oktober 2021
geltend
.
Mit Verfügung vom
4.
November 2021 ver
neinte die Ausgleichskasse einen entsprechenden
Anspruch.
Dagegen erhob der Versicherte am
5.
November 2021 Einsprache (
Urk.
6/
243-
245
im Verfahren Nr.
EE.2022.00001
), welche die Ausgleichskasse mit Entscheid vom
8.
Dezember 2021 abwies.
Dagegen erhob der Versicherte am 2
1.
Januar 2022 Beschwerde (
Urk.
1
-2 im Verfahren Nr. EE.2022.00001).
1.3
A
m
3.
Dezember 2021
(Eingangsdatum) machte der Versicherte einen Anspruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung wegen erheblicher Umsatzeinbusse für den Monat November 2021 geltend. Mit Verfügung vom
7.
Dezember 2021 ver
neinte die Ausgleichskasse einen entsprechenden Anspruch
.
Dagegen erhob der Versicherte am 2
1.
Januar 2022 Einsprache (
Urk.
6/251-252 und
Urk.
6/260
im Verfahren Nr. EE.2022.00001).
A
m 1
0.
Januar 2022
(Eingangsdatum) machte der Versicherte einen Anspruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung wegen erheblicher Umsatzeinbusse für den Monat Dezember 2021 geltend. Mit Verfügung vom 1
1.
Januar
2022 ver
neinte die Ausgleichskasse einen entsprechenden Anspruch (
Urk.
6/258-259 im Verfahren Nr. EE.2022.00001).
Dagegen erhob der Versicherte am 2
6.
Februar 2022 Einsprache (
Urk.
9/2).
Mit Entscheid vom 1
4.
März 2022 wies die Ausgleichskasse die Einsprachen des Versicherten vom 2
1.
Januar und 2
6.
Februar 2022 ab (
Urk.
2).
2
.
Dagegen erhob der Versicherte am 3
0.
April 2022 Beschwerde und beantragte, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Beschwerdegegnerin anzu
weisen, ihm für die Monate November und Dezember 2021 Corona-Erwerbersatz
entschädigung auszuzahlen (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
3.
Juni 2022 auf Abweisung der Besch
werde (
Urk.
8), was dem Beschwerdeführer
am
7.
Juni 2022 angezeigt wurde (
Urk.
10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 185 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV) kann der Bundesrat Ver
ordnun
gen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar dro
hen
den schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusseren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen (und zwar auf [maximal] sechs Monate, vgl. Art. 7d Abs. 2
lit
. a des Regierungs- und Verwal
tungsorganisationsgesetzes, RVOG).
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat
–
nebst anderen Verordnungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, die sich teilweise (auch) auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (
Epidemiengesetz
,
EpG
) stützten
–
am 2
0.
März 2020 die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall. Die Verordnung wurde rückwirkend per 1
7.
März 2020 in Kraft gesetzt (
Art.
11
Abs.
1 und 2 der Covid-19-Verordnung Erwerbs
ausfall vom 2
0.
März 2020). Mit dem Bundesgesetz über die gesetzlichen Grund
lagen für Verordnungen des Bundesrates zur Bewältigung der Covid-19-Epide
mie vom 2
5.
September 2020 (Covid-19-Gesetz) wurde rückwirkend per 1
7.
Sep
tem
ber 2020 eine gesetzliche Grundlage für die Covid-19-Verordnung Erwerbs
ausfall geschaffen (
Art.
15 in Verbindung mit
Art.
21
Abs.
3 Covid-19-Gesetz). Seit ihrem Inkrafttreten per 1
7.
März 2020 wurde die Covid-19-Verordnung Erwerb
sausfall vom Bundesrat mehrfach geändert.
1.2
Gestützt auf Art. 7
EpG
erliess der Bundesrat unter anderem die Covid-19-Ver
ordnung 2, welche vom 13. März bis 22. Juni 2020 in Kraft war. Sie ordnete Massnahmen gegenüber der Bevölkerung, Organisationen und Insti
tutionen sowie den Kantonen zur Verminderung des Übertragungsrisikos und zur Bekämpfung des
Coronavirus
(Covid-19) an (Art. 1 Abs. 1 dieser Verordnung). Gemäss Art. 6 Abs. 1 der Covid-19-Verordnung 2 in der ab 17. März 2020 gültig gewesenen Version war es verboten, öffentliche oder private Veranstaltungen durchzuführen. Ferner empfahl der Bundesrat den Arbeitenden, wo möglich, Homeoffice zu machen (vgl. die Medienmitteilung des Bundesrates vom 13. März 2020). In der Folge beschloss der Bundesrat am 27. Mai 2020
eine weit
gehende Lock
er
ung der noch geltenden Massnahmen zur Bekämpfung de
s
Corona
virus
per 6. Juni 2020. U
nter der Bedingung, dass für alle Einrichtungen und Ver
an
stal
tungen Schutz
konzepte vorhanden sind (Art. 6d
Abs.
1 Covid-19-Ver
ordnung 2 in der ab
6.
Juni 2020 gültig gewesenen Version),
waren Veran
stal
tungen mit bis zu 300 Personen wieder erlaubt. Die Homeoffice-Empfehlung blieb bestehen
(vgl. die Medien
mitteilung des Bundesrates vom 2
7.
Mai 2020).
Nach einer Zunahme der Ansteckungen mit dem
Coronavirus
im Herbst und Winter 2020 wurden weitere Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
beschlossen. Mit der Änderung der Verordnung über Massnahmen in der be
son
deren Lage zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie (Covid-19-Verordnung besondere Lage) vom
19. Oktober
2020 (
aufgehoben mit
Art.
30 Covid-19-Ver
ord
nung besondere Lage vom 2
3.
Juni 2021
)
wurde die Empfehlung, die Arbeits
pflichten von zu Hause aus zu erfüllen, in Art. 10 Abs. 3 dieser Verordnung auf
genommen. Bei Veranstaltungen mit bis zu 1000 Personen hatte neben der Erhe
bung der Kontaktdaten eine Unterteilung in Sektoren mit höchstens 100 Per
so
nen zu erfolgen (Art. 6 Abs. 1 der Covid-19-Verordnung besondere Lage). Ab 18. Januar 2021 galt eine Homeoffice-Pflicht (Art.
10
Abs.
3 der Covid-19-Ver
ordnung besondere Lage in der seit 1
8.
Januar 2021 geltenden Version
, vgl.
auch
Medienmitteilung des Bundes
rates vom 1
3.
Januar 2021).
Ausserdem wur
de mit Art. 6
Abs. 1
der Covid-19-Verordnung beson
dere Lage die Durch
führung von Veranstaltungen mit wenigen Ausnahmen wieder
verbo
ten. Erst per 19. April 2021 konnten Veran
stal
tungen mit Publikum mit Ein
schränkungen wieder statt
finden. Die maximale Besucherzahl wurde draussen auf 100 Personen und drin
nen auf 50 Personen beschränkt (Art. 6 Abs. 1
bis
lit
. a der Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 19. April 2021 geltenden Ver
sion). Am 31. Mai 2021 erfolgte ein weiterer Öffnungsschritt und die Homeoffice-Pflicht wurde für jene Betriebe, die wieder
holt testeten, in eine Homeoffice-Emp
fehlung umgewandelt (Art. 10 Abs. 3
bis
der Covid-19-Verord
nung besondere Lage in der ab 31. Mai 2021 geltenden Fassung; vgl. auch Medien
mit
tei
lung des Bun
desrates vom 26. Mai 2021).
Weiter beschloss der Bundesrat in seiner Sitzung vom 2
6. Mai 2021,
wann und in welcher Form Grossveran
stal
tungen wieder statt
finden
konnten.
Demnach
waren mit einer Bewilligung der zuständigen kan
tonalen Behörde
ab
1.
Juli 2021 Grossveran
staltungen mit bis zu 1000 Per
sonen
wieder zulässig (Art. 6a Abs. 1 Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 27. Mai 2021 gültig gewesenen Version). Per 26. Juni 2021 wurde sodann die Pflicht ein
geführt, ein Schutz
kon
zept zu erarbeiten und um
zusetzen. Zusätz
lich bestand ab diesem Zeitpunkt bei Gross
veranstaltungen die Zerti
fi
kats
pflicht für alle Per
so
nen ab 16 Jahren (Art. 17 der Covid-19-Ver
ord
nung beson
dere Lage in der ab 26. Juni 2021 gültig gewesenen Version). Hingegen wurde die Home
office-Pflicht aufgehoben (vgl. Art. 10 der Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 26. Juni 2021 geltenden Fassung; vgl. auch Medienmitteilung des Bundesrates
vom 23. Juni 2021). Die Zertifikatspflicht wurde per 13. September 2021 auf alle Veranstaltungen in Innenräumen ausge
weitet (vgl. Medienmittei
lung des Bun
desrates vom 8. September 2021
; zu den Ausnahmen vgl. den am 13. September 2021 in Kraft getretenen Art. 14a der Covid-19-Verordnung besondere Lage
). Ab 20. Dezember 2021 wurden die Massnahmen abermals verschärft. Zu
Veranstal
tungen im Innern
hatten
nur noch geimpfte und genesene Personen (2G
-Regel
)
Zugang
. Ausserdem wurde die Homeoffice-Pflicht
wieder eingeführt
(Art. 14 und Art. 25 Abs. 5 der Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 20. Dezember 2021 geltenden Fassung, vgl. auch Medien
mitteilung vom 17. De
zember 2021). Schliesslich wurden die Homeoffice-Pflicht per 3. Februar 2022 (vgl. Art. 25 Abs. 5 der Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 3. Februar 2022 gel
tenden Fassung; vgl. auch Medienmitteilung des Bundesrates vom 2. Februar 2022) und die Zertifikatspflicht per 17. Februar 2022 (vgl. Medi
enmitteilung des Bundesrats vom 16.
Februar 2022) wieder aufgehoben.
1.3
I
n zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 130 V 445 E. 1.2.1).
Weiter stellt das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b).
Vorliegend streitig
ist der Anspruch
des Beschwerdeführers auf eine Corona-Er
werbsersatzentschädigung
für die Monate November und Dezember 2021
.
Ent
sprechend sind die in diesen
Monat
en
gültigen Bestimmungen anwend
bar.
1.4
Laut
Art.
1 der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (gemäss sämtlichen Fassun
gen) sind die Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG) auf die Entschädigungen gemäss dieser Verordnung anwendbar, soweit die nachstehenden Bestimmungen nicht aus
drück
lich eine Abweichung vom ATSG vorsehen. Nach
Art.
8
Abs.
5 der Covid-19-Ver
ordnung Erwerbsausfall (gemäss sämtlichen Fassungen) wird die Ent
schä
di
gung im formlosen Verfahren nach Artikel 51 ATSG festgesetzt. Dies gilt in Abweichung von Artikel 49 Absatz 1 ATSG auch für erhebliche Entschädi
gungen
.
1.5
1.5.1
Nach Art. 2 Abs. 3 der Covid-19-Verordnung Erwer
bsausfall (Stand: 2
8.
Oktober
2021) sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von Artikel 12 ATSG und Perso
nen nach Artikel 31 Absatz 3 Buchstaben b und c des Bundesgesetzes über die obli
ga
to
rische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
unter der Voraussetzung von Absatz 1
bis
Buchstabe c anspruchsberechtigt, wenn sie:
a.
ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie unterbrechen müssen; und
b.
einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden.
1.5.2
G
emäss
Art.
2
Abs.
3
bis
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (Stand:
2
8.
Oktober
2021
) sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von
Art.
12 ATSG, die nicht
unter Absatz 3 fallen
, anspruchsberechtigt wenn:
a.
ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie massgeblich eingeschränkt ist;
b.
sie einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden; und
c.
sie im Jahr 2019 für diese Tätigkeit ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen von mindestens Fr. 10'000.-- erzielt haben; diese Voraussetzung gilt sinn
ge
mäss, wenn die Tätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen wurde; wurde die Tätigkeit nicht während eines vollen Jahres ausgeübt, so gilt diese Voraus
setzung proportional zu deren Dauer.
Die Erwerbstätigkeit gilt gemäss
Art.
2
Abs.
3
ter
Satz 1 Cov
id-19-Verordnung Erwerbsausfall
als massgeblich eingeschränkt, wenn pro Monat eine
Umsatz
ein
busse von mindestens 3
0 Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen monat
li
chen Um
satz der Jahre 2015–2019 vorliegt.
Wurde die Tätigkeit nach 2015 und vor 2020 aufgenommen, so ist der Durchschnitt der entsprechenden Erwerbs
dauer massgebend. Personen, die ihre Erwerbstätigkeit nach dem Jahr 2019 auf
ge
nom
men haben, müssen nachweisen, dass pro Monat eine Umsatzeinbusse von min
destens 30 Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen Umsatz von min
des
tens drei Monaten vorliegt; massgebend ist der Durchschnitt der drei Monate mit den höchsten Umsätzen (
Art.
2
Abs.
3
ter
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid damit,
dass der Zusammenhang zwischen der geltend gemachten Einschränkung
der
Tätig
keit
des Beschwerdeführers
und den noch bestehenden behördlichen Mass
nahmen (Zertifikatspflicht) nicht erwiesen sei.
In gemieteten Räumlichkeiten, bei Kunden zu H
aus
e und im Rahmen von
online
-Veranstaltungen habe
keine
Zertifikatspflicht
bestanden
. Eine fehlende Technikaffinität
eines Teils der Kund
schaft
des Beschwerdeführers
generiere
keinen Zusammenhang zu den vom Bund erlassenen Massnahmen
zur Bekämpfung des
Coronavirus
(
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, dass
sich für die
geplanten
Anlässe
im November und Dezember 2021
, im R
ahmen derer
er über die finan
zielle Altersplanung referiert hätte, aufgrund der Zertifikatspflicht zu wenig Per
sonen angemeldet hätten.
Im November 2021 sei
zudem eine doppelte Beratungs
stunde aus
gefallen, durch welche
ihm mehr als
Fr.
300.-- entgangen seien
.
Ein
Bestandeskunde
habe
sich Ende November
2021
in Amsterdam
befunden
und
nach der
Rückkehr
in die Schweiz
in Quarantäne
begeben
müssen
. Diese Mass
nahme
sei
vom Bundesrat aufgrund der
damals
neuen Omikron-Variante erlassen und am
4.
Dezember 2021 wieder aufgehoben
worden
.
Im Hotel Z._
(und nicht nur dort) seien die Regeln
seit September 2021
eindeutig. Bei e
inem
Anlass in ein
em ihrer Sitzungszimmer
handle es sich
um
eine Veranstaltung mit Zertifikatspflicht.
Ein
Raum
mit 60 m
2
koste ca.
Fr.
750.
.
Um einigermassen kostendeckend arbeiten zu können,
hätte er mindestens sechs bis acht
T
eilnehmer benötigt. Leider seien beinahe die Hälfte
der
Interessenten
ungeimpft
und nicht bereit gewesen, für einen
Covid-19-
Test Fr.
90.-- zu bezahlen (
Urk.
1).
3.
3.1
Der Beschwerdeführer ist bei der Beschwerdegegnerin
seit dem
1.
August 2017
als
selbständigerwerbende
Person
im Bereich Consulting gemeldet. Sein
Geschäftsmodell
hat er
im Rahmen der Anmeldung bei der Beschwerdegegnerin erläutert (
Urk. 6/1 und
Urk.
6/6-14 im Verfahren Nr. EE.2022.00001
). Im Zeit
raum vom 1
7.
März 2020 bis zum 3
0.
September 2021 richtete die Beschwerde
gegnerin ihm (
allenfalls
mit kürzeren Unterbrüchen) gestützt auf
Art. 2 Abs. 3
bis
und Abs. 3
ter
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung infolge Härtefalls/erheblicher Umsatzein
bussen aus (vgl. Sachverhalt
Ziff.
1
.1
).
Dass der Beschwerdeführer im
November und Dezember 2021
eine Umsatzeinbusse von mindestens 30 Prozent im Ver
gleich zum Zeitraum vom
1.
August 2017 bis zum 3
1.
Dezem
ber 2019 erlitten hat, hat er in den
Anmeldeformular
en
vom
3.
Dezember 202
1 und
vom
1
0.
Ja
nuar 2022 (Eingangsdatum,
Urk.
6/251 und
Urk.
6/258
im Verfahren N
r.
EE.2022.00001
) substantiiert dargetan und kann als ausgewiesen gelten.
3.2
Entgegen dem Einwand der Beschwerdegegnerin bestand f
ür die vom Beschwer
deführer
geplanten
Infoveranstaltung
en betreffend finanzielle Altersplanung
seit
dem 1
3.
September 2021 eine Zertifikatspflicht (vgl. E. 1.2).
Zudem mussten Per
sonen
(
auch geimpfte und genesen
e Personen sowie Berufsreisende)
ab dem 2
6.
November 2021
bei der Einreise
in die Schweiz
aus Ländern, in denen die damals neue Virusvariante Omikron aufgetreten war,
einen negativen Covid-19-T
est vorlegen und sich
in Quarantäne begeben
. Letztere Massnahme wurde per
4.
Dezember 2021 wieder aufgehoben
(vgl. die Medienmitteilung
en
des Bundes
rates vom 3
0.
November
und
3.
Dezember
2021).
In Anbetracht dessen
greift die Argumentation der Beschwerdegegnerin,
dass die erhebliche Umsatzeinbusse nicht auf vom Bund oder von den Kantonen angeordnete Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
zurückzuführen sei, zu kurz.
In
Rz
. 1040.2 des Kreisschreibens über die Entschädigung zur Bekämpfung des
Coronavirus
- Corona-Erwerbsersatz (KS CE) wird ausgeführt, dass ab dem 1.
September 2021, in Anbetracht der Aufhebung des generellen Veranstaltungs
verbotes und des Fehlens des erforderlichen Nachweises na
ch
Rz
.
1037 ff. (Anspruch infolge eines geltenden Veranstaltungs
verbotes oder infolge Nichtge
nehmigung der Veranstaltung aufgrund von Massnahmen zur Bekä
mpfung des
Coronavirus
),
Selbständigerwerbende
, die aufgrund von Mass
nahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
einen Erwerbsausfall erlitten,
Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz infolge massgebender Einschränkung der Erwerbstätigkeit geltend machen könnten. Diese Randziffer wurde mit der Version 19 des KS CE (gültig ab 17. September 2021, vgl. dazu das Vorwort zur
Version 19) eingefügt, nachdem
im Vorwort zur Version 18 festgehal
ten worden war, dass es aktuell kaum noch
behördliche Einschränkungen gebe. Deshalb müssten die Ausgleichs
kassen ihr Augenmerk besonders au
f die Gründe richten, welche
die Versicherten für eine erhebliche Einschränkung geltend machten. Diese Gründe müssten im Zusammenhang mit den Massnahmen zur Bekämp
fung des
Coronavirus
stehen. Es
i
st der Beschwerdegegnerin somit
beizupflichten, dass eine Umsat
zeinbusse, die (allein
) darauf zurückzuführen ist, dass sich das ökonomische Umf
eld auf
grund der Pandemie geändert hat
, nicht durch die Corona-Erwerbsersatzentschä
digung abgedeckt wird. Jedoch wies der Beschwerdeführer
in nachvollziehbarer Weise darauf hin, dass
er
die geplanten
Infoanlässe
wegen mangelnder Nachfrage aufgrund der
Zertifikatspflicht und der in diesem Zusammenhang für die
Inte
ressenten
entstehenden Kosten absagen musste.
Dass solche Infoveranstaltungen, an welchen ein direkter Kontakt mit potentiellen Kunden möglich ist, zwecks Aufbau eines Vertrauensverhältnisses im Hinblick auf eine allfällige weiterge
hende Beratungstätigkeit des Beschwerdeführers von erheblicher Bedeutung sind, leuchtet ein.
Ebenso erscheint plausibel, dass mit Online-Meetings nicht vertraute
baldige Pensionäre nicht mit online durchgeführten Infoveranstaltungen ange
sprochen werden können.
Eine Anpassung des Geschäftsmodells ist
insoweit
nicht möglich. Es ist deshalb davon
auszugeh
en, dass
die
Massnahmen des Bun
des
ein wesentlicher
Grund für die Umsatzeinbusse des Beschwerdeführers war
en
, auch wenn die allgemeine, im Herbst 2021 sich verschlechternde Pandemie
situation mit
ei
ne Rolle
gespielt haben dürfte.
Damit ist ein Anspruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung ausgewiesen.
4.
4.1
Die Sache ist demnach zur Berechnung der Erwerbsausfallentschädigung gemäss Art. 2 Abs. 3
bis
Covid-19-Verordnung Erwerb
sausfall für die Monate November und Dezember 2021
an die Beschwe
rdegegnerin zurückzuweisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
4.2
Mit Urteil Nr. EE.2022.00001 von heute hat das Sozialversicherungsgericht (auch) einen Anspruch des Beschwerdeführers auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung für den Monat Oktober 2021 bejaht und die Sache zwecks Berechnung der Erwerbsausfallentschädigung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.