Decision ID: 0d601768-1035-46fa-8005-295040d9847c
Year: 2009
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
I.
A.
A und B machten in der Steuererklärung 2004 ein Verrechnungssteuerguthaben von Fr. 1'312'796.75 geltend. Mit provisorischer Rechnung vom 17. Mai 2005 für die Steuerperiode 2005 stellte die Gemeinde C einen mutmasslichen Steuerbetrag von Fr. 356'900.- in Rechnung, wovon sie Fr. 1'312'796.75 Verrechnungssteuer Fälligkeiten 2004 in Abzug brachte, was einen Saldo von Fr. 955'896.75 zugunsten der Eheleute A und B ergab.
Per 23. Mai 2005 verlegte das Ehepaar seinen Wohnsitz in den Kanton D.
Da für die Steuerpflicht der Wohnsitz am Ende der Steuerperiode massgebend war, rechnete das Gemeindesteueramt C am 31. Mai 2005 über die Staats- und Gemeindesteuern 2005 ab. In der Folge wurde den Eheleuten A und B der deklarierte mutmassliche Verrechnungssteuerbetrag mit am 13. Juni 2005 zurückerstattet.
B.
Mit Einschätzungsentscheid des kantonalen Steueramts vom 19. Oktober 2006 für die Staats- und Gemeindesteuern 2004 wurde der Verrechnungssteueranspruch (Fälligkeitsjahr 2004) korrigiert und auf Fr. 1'313'259.90 heraufgesetzt. Nach Eintritt der Rechtskraft des Einschätzungsentscheids erstellte das Gemeindesteueramt C gestützt darauf am 15. Dezember 2006 die Schlussrechnung für die  Gemeindesteuern 2004. Die Rechnung setzte sich zusammen aus den geschuldeten Steuern von Fr. 389'599.45 abzüglich der bereits bezahlten Steuern von Fr. 356'490.20 zuzüglich Verrechnungssteuern von insgesamt Fr. 1'313'750.30 für die Jahre 2003 (Fr. 490.40) und 2004 (Fr. 1'313'259.90) sowie Zinsen von Fr. 34'241.15. Dies ergab einen Saldo von Fr. 1'314'882.20 zugunsten der Eheleute A und B. Dieser Betrag wurde ihnen am 18. Dezember 2006 überwiesen.
C.
Nachdem die Steuerkontrolle des kantonalen Steueramts am 8. Januar 2009 festgestellt hatte, dass die Verrechnungssteuer mit Fälligkeitsjahr 2004 zweimal zurückerstattet worden war, forderte das Gemeindesteueramt C A und B mit korrigierter Schlussrechnung und Einschätzungsmitteilung für die  Gemeindesteuern 2005 gleichentags auf, den provisorisch zurückerstatteten Verrechnungssteuerbetrag (Fälligkeit 2004) von Fr. 1'312'796.75 samt Zins von Fr. 93'719.10, insgesamt Fr. 1'406'515.85, zurückzuzahlen. Die dagegen erhobene Einsprache wies das Gemeindesteueramt C am 30. Januar 2009 ab.
II.
Das kantonale Steueramt wies den hiergegen gerichteten Rekurs von A und B mit Entscheid vom 4. Juni 2009 ebenfalls ab und verpflichtete diese, den Betrag von Fr. 1'312'796.75 (zuzüglich Zinsen) der Gemeinde C zurückzuerstatten.
III.
Mit Beschwerde vom 24. Juni 2009 beantragten die Eheleute A und B dem Verwaltungsgericht, es sei der Rekursentscheid des kantonalen Steueramts aufzuheben. Zudem verlangten sie die Zusprechung einer Parteientschädigung.
Sowohl das Gemeindesteueramt C als auch das kantonale Steueramt schlossen auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.
Die Kammer

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerde richtet sich gegen einen Entscheid des kantonalen Steueramts vom 4. Juni 2009 betreffend Steuerbezug. Gemäss § 178 Abs. 3 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) entscheidet das kantonale Steueramt als letzte Instanz. Nach kantonalem Recht ist sein Entscheid demzufolge endgültig.
1.2
Gemäss der seit 1. Januar 2009 zu gewährleistenden Rechtsweggarantie (Art. 29a der Bundesverfassung vom 18. April 1999 [BV]; Art. 130 Abs. 3 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005) hat jede Person bei Rechtsstreitigkeiten Anspruch auf Beurteilung durch eine richterliche Behörde, welche die Streitigkeit unter rechtlichen und tatsächlichen Gesichtspunkten umfassend überprüfen kann. Da das kantonale Steueramt als verwaltungsinterne Rechtsmittelinstanz die Anforderungen an eine richterliche Behörde im Sinn von Art. 29a BV nicht erfüllt, hat das Verwaltungsgericht auf Beschwerden gegen Steuerbezugsentscheide des kantonalen Steueramts einzutreten.
Der angefochtene Entscheid ist am 4. Juni 2009 und somit nach dem Stichtag für die Gewährleistung der Rechtsweggarantie ergangen, weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist.
2.
2.1
Mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht können laut § 153 Abs. 3 StG alle Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, und die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts geltend gemacht werden.
Dem Gericht ist es indessen verwehrt, das vom kantonalen Steueramt in Übereinstimmung mit dem Gesetz ausgeübte Ermessen auf Angemessenheit hin zu überprüfen und so sein Ermessen anstelle desjenigen der Finanzdirektion zu setzen. Die Prüfungsbefugnis des Verwaltungsgerichts erstreckt sich
lediglich auf rechtsverletzende Ermessensfehler, insbesondere auf Ermessensmissbrauch (RB 1999 Nr. 147).
2.2
Anders als bei der Beschwerde gegen Entscheide der Steuerrekurskommissionen, die erste gerichtliche Instanzen sind, besteht bei der Beschwerde gegen Entscheide des kantonalen Steueramts kein Novenausschluss, weil das Verwaltungsgericht hier als einziges Gericht amtet. Infolgedessen sind bis zum Ablauf der Beschwerdefrist neue tatsächliche Behauptungen und Beweismittel zulässig.
3.
3.1
Im vorliegend zu beurteilenden Fall ist umstritten, ob das zum zweiten Mal an die Beschwerdeführenden zurückerstattete Verrechnungssteuerguthaben (inklusive Zins) für das Fälligkeitsjahr 2004 an die Gemeinde C zurückzuzahlen ist.
3.2
Vorab ist zu prüfen, ob die Steuerrechnung vom 31. Mai 2005 für die Staats- und Gemeindesteuern 2005 auch für die Festsetzung der Verrechnungssteuer mit Fälligkeitsjahr 2004 in Rechtskraft erwachsen ist.
Das Veranlagungsverfahren wird mit dem Einschätzungsentscheid abgeschlossen, in welchem gemäss § 139 Abs. 1 StG die Steuerfaktoren und der Steuertarif festgesetzt werden. Dabei werden dem Steuerpflichtigen die Abweichungen von der Steuererklärung mitgeteilt (§ 126 Abs. 1 StG). Falls die Einschätzung der vom Steuerpflichtigen eingereichten Steuererklärung entspricht, wird sie dem Steuerpflichtigen durch die Schlussrechnung angezeigt (§ 126 Abs. 4 StG). Diese wird somit erst nach Vornahme der Einschätzung zugestellt (§ 173 Abs. 3 StG). Eine durch die Schlussrechnung im Sinn von § 126 Abs. 4 StG mitgeteilte Einschätzung entfaltet die gleiche Wirkung wie ein Einschätzungsentscheid im Sinn von § 139 Abs. 1 StG (RB 2001 Nr. 91). Solange keine Einschätzung vorliegt, kann demnach auch eine als Schlussrechnung bezeichnete Rechnung keine Rechtswirkung entfalten. Desgleichen ist eine Steuerrechnung, die nicht der Einschätzung entspricht, unverbindlich (RB 1962 Nr. 68 = ZBl 64, 505). Dieselbe Regelung gilt auch für den Rückerstattungsanspruch für die Verrechnungssteuer (§ 12 Abs. 2 lit. a und b der Verordnung über die Rückerstattung der Verrechnungssteuer vom 17. Dezember 1997).