Decision ID: 5b5df3a9-ddf4-4c54-bfef-711e2d7b7daa
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a A._ meldete sich am 20. August 2008 zum Bezug von IV-Leistungen an. Sie
berichtete, an Lymphdrüsenkrebs zu leiden (act. G 4.1). Die IV-Stelle erteilte am
27. August 2008 eine jährliche Kostengutsprache für Perücken oder anderen
Haarersatz einschliesslich Reparaturen und Pflege (act. G 4.4). Da der Ehemann der
Versicherten am 10. September 2008 der IV-Stelle mitteilte, seine Frau beanspruche
lediglich Hilfsmittel in Form einer Perücke, wurde der Fall abgeschlossen (act. G 4.12;
vgl. auch act. G 4.3).
A.b Die Versicherte meldete sich am 5. November 2008 erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an (act. G 4.13). Anlässlich des Frühintervention-Gesprächs vom 11.
Dezember 2008 berichtete der Hausarzt Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeine Innere
Medizin FMH, dass die Versicherte seit Juni 2008 an einem Non-Hodgkin-Lymphom
leide und seither zu 100% arbeitsunfähig sei. Zurzeit sei die Versicherte in
chemotherapeutischer Behandlung (act. G 4.29). Die behandelnde Dr. med. C._,
Fachärztin für Medizinische Onkologie und Allgemeine Innere Medizin FMH,
bescheinigte der Versicherten im Bericht vom 30. März 2009 eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten (act. G 4.35). Am 9. Juli 2009
berichtete sie, dass der Gesundheitszustand der Versicherten stationär sei.
Grundsätzlich handle es sich um ein chronisches Leiden, das jederzeit rezidivieren
könne (act. G 4.37).
A.c Im Einverständnis mit der Versicherten verfügte die IV-Stelle am 24. November
2009 den Abschluss der Arbeitsvermittlung (act. G 4.52).
A.d Am 9. Februar 2010 führte die IV-Stelle eine Abklärung im Haushalt der
Versicherten durch. Im Bericht vom 22. Februar 2010 hielt die Abklärungsperson fest,
dass die Versicherte seit 1993 mit einem Beschäftigungsgrad von ungefähr 25% im
Betrieb des Ehegatten mitgearbeitet habe. Zusätzlich sei sie im Rahmen eines 35%igen
Pensums als selbstständige Masseurin tätig gewesen. Bezogen auf den mit 40%
gewichteten Haushaltsbereich schätzte die Abklärungsperson die Einschränkungen der
Versicherten auf 9% (act. G 4.56).
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A.e Dr. C._ berichtete am 12. April 2010 von einem stationären
Gesundheitszustand. Bis anhin sei die Versicherte unter Erhaltungstherapie mit
Mabthera tumorfrei. Es bestehe aber eine chronische Erkrankung, die zu Rückfällen
neige (act. G 4.58). Am 28. und 30. Juni 2010 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-
Stelle polydisziplinär (internistisch, orthopädisch und psychiatrisch) begutachtet. Die
Gutachter stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: ein
follikuläres Non-Hodgkin-Lymphom Stadium IIa G2 mit fokalem Übergang in ein G3a,
eine Urge-Symptomatik und intermittierende Stuhlinkontinenz, beginnende Arthrosen,
ein belastungsabhängiges lumbovertebrales Schmerzsyndrom, einen Hallux valgus
links, eine atypische Angststörung nach Krebserkrankung sowie eine leicht bis
mittelgradig depressive Episode mit somatischem Syndrom. Sie bescheinigten der
Versicherten für die angestammten
Tätigkeiten eine 70%ige und für leidensangepasste Tätigkeiten eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit (act. G 4.63).
A.f Mit Vorbescheid vom 30. September 2010 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Zusprache einer Viertelsrente ab 1. Juni 2009 in Aussicht (act. G 4.70). Dagegen erhob
die Versicherte am 5. Oktober 2010 Einwand (act. G 4.71). Am 1. Februar 2011 verfügte
die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid vom 30. September 2010 (act. G 1.1).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 1. Februar 2011 richtet sich die Beschwerde vom
5. Februar 2011 (Datum Postaufgabe). Die Beschwerdeführerin beantragt darin deren
Aufhebung und die Zusprache mindestens einer halben Rente. Im Wesentlichen bringt
sie vor, dass sie zu 100% arbeitsunfähig sei. Mit der Invaliditätsbemessung der
Beschwerdegegnerin sei sie nicht einverstanden (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 14. März
2011, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass die
Beschwerdeführerin keinen Rentenanspruch habe (act. G 4). Da die
Beschwerdeführerin als teilerwerbstätige Person zu qualifizieren sei, finde für die
Invaliditätsbemessung die gemischte Methode Anwendung. Bei der Ermittlung des
Invalideneinkommens sei einzig die Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten
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Tätigkeit massgebend. Unter Berücksichtigung der statistischen Tabellenlöhne
resultiere im mit 60% gewichteten Erwerbsbereich eine höchstens 25%ige
Einschränkung. Zusammen mit dem im Haushalt bestehenden IV-Grad resultiere ein
gewichteter Invaliditätsgrad von 24%. Hinzu komme, dass die Einschränkungen im
Haushaltsbereich "relativ grosszügig" bemessen worden seien. Selbst wenn mit der
Beschwerdeführerin von einem 75%igen Erwerbspensum ausgegangen würde,
resultierte kein rentenbegründender Invaliditätsgrad (act. G 4).
B.c In der Replik vom 21. April 2011 hält die Beschwerdeführerin an ihrer Beschwerde
fest. Sie bestreitet, über eine 50%ige Restarbeitsfähigkeit zu verfügen. Im
Gesundheitsfall hätte sie ihr Erwerbspensum auf 80% ausgebaut. Ferner sei es nicht
so, dass sie einer Wiedereingliederung nicht entsprochen habe. Ende 2008 habe ihr die
Beschwerdegegnerin mitgeteilt, dass davon abgesehen werde. Bei einer mündlichen
Nachfrage sei ihr gesagt worden, dass es wegen ihres Berufes als selbstständige
Therapeutin keine Wiedereingliederungsmassnahme gebe. Später habe niemand mehr
ernsthaft davon gesprochen (act. G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine begründete Duplik (act. G 8).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Rentenleistungen
umstritten.
1.1 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit, es sei denn eine versicherte Person sei vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen, und es habe ihr auch nicht
zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In diesem Fall gilt
gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
als Invalidität. Die Invalidität gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG wird durch einen
Einkommensvergleich ermittelt (Art. 16 ATSG). Die Methode zur Bemessung der
konkreten Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wird vom ATSG nicht
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geregelt. Diese Lücke füllt Art. 28a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20): Es ist darauf abzustellen, in welchem Mass die betreffende Person
behindert ist, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. Art. 28a Abs. 3 IVG regelt die
sogenannte gemischte Methode der Invaliditätsbemessung bei Personen, die zum Teil
erwerbstätig und zum Teil im Aufgabenbereich tätig sind. In einem solchen
"gemischten" Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im
Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad ist entsprechend der
Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen. Ist bei einer Person, die nur zum Teil
erwerbstätig ist, anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs
ohne den Gesundheitsschaden vollzeitlich erwerbstätig wäre, so ist die
Invaliditätsbemessung ausschliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu
bemessen (Art. 27 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.
Zunächst ist der Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich zu ermitteln. Da die
Beschwerdeführerin ihre selbstständige Tätigkeit als Masseurin bereits aufgegeben hat
(act. G 4.45) und sich die Vergleichseinkommen bezogen auf diese Tätigkeit
zuverlässig bestimmen lassen, hat - wie auch bezogen auf die unselbstständige
Tätigkeit im Betrieb des Ehegatten - die Invaliditätsbemessung anhand eines
Einkommensvergleichs zu erfolgen. Es besteht daher kein Anlass für die Vornahme
eines Betätigungsvergleichs (vgl. BGE 128 V 30 f. E. 1), was von der
Beschwerdeführerin auch nicht bestritten wird.
2.1 Gemäss Art. 16 ATSG setzt der Einkommensvergleich zur Ermittlung der für den
Rentenanspruch massgebenden Invalidität den Abschluss allfälliger
Eingliederungsmassnahmen bzw. die Feststellung voraus, dass keine Eingliederung
möglich ist. Diese Bedingung der Rentenzusprache wird als Grundsatz der
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"Eingliederung vor Rente" bezeichnet (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Auflage,
Zürich 2009, Rz 22 zu Art. 16 sowie Rz 15 zu Art. 7). Es handelt sich hierbei um eine
Komponente der allgemeinen Schadenminderungspflicht (Kieser, a.a.O., Rz 47 zu
Vorbemerkungen). Nach diesem Grundsatz soll keine Invalidenrente ausgerichtet
werden, bevor nicht alles Mögliche und Zumutbare versucht worden ist, um die
behinderungsbedingte Erwerbseinbusse zu beseitigen oder zumindest zu reduzieren.
Dies geschieht in der Regel mittels beruflicher Eingliederungsmassnahmen (vgl. Urteil
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. Dezember 2008, IV
2008/45, E. 5.2 mit Hinweis auf unveröffentlichtes Urteil des Versicherungsgerichts
vom 12. Dezember 2006, IV 2005/127, E. 3a). Beim genannten
Eingliederungsgrundsatz handelt es sich nicht nur um einen Anspruch der versicherten
Person auf Eingliederungsmassnahmen, sondern auch um eine Eingliederungspflicht,
die von der Beschwerdegegnerin gegebenenfalls in einem Mahn- und
Bedenkzeitverfahren durchzusetzen wäre (Art. 21 Abs. 4 ATSG; Urteil des
Versicherungsgerichts vom 27. April 2011, IV 2010/186, E. 3.4 mit Hinweis).
2.1.1 Anlässlich des Gesprächs mit der zuständigen
Eingliederungsverantwortlichen vom 1. Oktober 2009 gab die Beschwerdeführerin an,
sie fühle sich zu wenig stabil und möchte sich die Suche nach einer Stelle ersparen. Sie
bat um die Vornahme der Rentenprüfung (act. G 4.45; vgl. auch den Schlussbericht der
beruflichen Eingliederung vom 1. Oktober 2009, wonach die Beschwerdeführerin Hilfe
bei der Stellensuche dankend abgelehnt habe, act. G 4.46). Im Rahmen der
Haushaltsabklärung vom 9. Februar 2010 äusserte sich die Beschwerdeführerin
dahingehend, dass sie sich in der jetzigen Phase ausschliesslich auf die Tätigkeit als
Hausfrau beschränke. Des Weiteren habe sie gegenüber ihrer Mutter eine
Betreuungsfunktion wahrzunehmen (act. G 4.56). Allerdings berichtete die
Beschwerdeführerin gegenüber den MEDAS-Gutachtern, sie könne sich schon
vorstellen, beruflich wieder etwas in Angriff zu nehmen. Sie könne nur ihre derzeitige
Belastbarkeit schwer selbst einschätzen (act. G 6.63-35). Damit geht einher, dass sich
die Beschwerdeführerin selbst als teilweise arbeitsfähig einschätzte und die Gutachter
konkrete Eingliederungsvorschläge und eine vorsichtig günstige Prognose machten
(act. G 6.63-18 und 23 f.; vgl. auch die Äusserungen zu den
Eingliederungsmöglichkeiten von Dr. C._ im Verlaufsbericht vom 12. April 2010, act.
G 4.58). Im Einwand kritisierte die Beschwerdeführerin, dass die Beschwerdegegnerin
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von einer Wiedereingliederung absehe und sie sich mit einer Viertelsrente zufrieden
geben müsse (act. G 4.71).
2.1.2 Vor diesem Hintergrund kann nicht gesagt werden, die
Beschwerdegegnerin hätte sämtliche zumutbaren Eingliederungsmöglichkeiten vor der
Rentenzusprache ausgeschöpft. Vielmehr beschränkte sich die Beschwerdegegnerin
einzig auf Unterstützung bei der Stellensuche (vgl. act. G 4.45 f.; vgl. ferner die
Verfügung vom 13. Oktober 2009 betreffend Abschluss der Arbeitsvermittlung, act.
G 4.47), obschon der RAD-Arzt in der Stellungnahme vom 8. September 2009 empfahl,
im Rahmen der Eingliederung eine berufliche Alternative zur Masseurin "zu
überlegen" (act. G 4.42). Dass die versicherungsmässigen Voraussetzungen für
berufliche Massnahmen erfüllt sind, ist unbestritten (vgl. zur Bejahung
Abklärungsauftrag berufliche Massnahmen vom 17. September 2009, act. G 4.43). Die
Gutachter bestätigten eine objektive Eingliederungsfähigkeit und hielten entsprechende
Massnahmen - auch ausserhalb der angestammten Tätigkeit - für unterstützenswert
(act. G 4.63-18). Die Beschwerdeführerin zeigte sich damals (zur Selbsteinschätzung
vgl. act. G 4.63-18) als subjektiv eingliederungsfähig. Dass sich seither etwas daran
geändert hätte, ergibt sich nicht aus den Akten. Vielmehr kritisierte die
Beschwerdeführerin im Einwand das Absehen der Beschwerdegegnerin von
Eingliederungsbemühungen (act. G 4.71). Diese Kritik wiederholte sie im
Beschwerdeverfahren (act. G 6, S. 2 letzter Abschnitt). Es ist daher davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin sämtliche Voraussetzungen für über die
Arbeitsvermittlung hinausgehende berufliche Massnahmen erfüllt. Daran ändert nichts,
dass die Beschwerdeführerin eine Unterstützung bei der Stellensuche ablehnte
(Schlussbericht vom 1. Oktober 2009, act. G 4.46). Denn dieser Verzicht bezog sich
einzig auf die Arbeitsvermittlung, nicht jedoch auf weitergehende berufliche
Massnahmen. Solche wurden mit der Beschwerdeführerin gemäss Akten - trotz
entsprechender Anregung des RAD-Arztes (act. G 4.42: "berufliche Alternativen") -
weder besprochen, noch wurde sie auf die entsprechenden Möglichkeiten
(Berufsberatung oder Umschulung) hingewiesen.
3.
Zu prüfen bleibt noch die Frage, ob der Beschwerdeführerin trotz Verletzung des
Eingliederungsgrundsatzes eine Rente zuzusprechen ist.
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3.1 Ist eine versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
zu durchschnittlich 40% arbeitsunfähig gewesen, entsteht ein Rentenanspruch (Art. 28
Abs. 1 lit. b IVG). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen geht in ständiger
Praxis davon aus, dass ein (vorläufiger) Rentenanspruch auch für jene Fälle besteht, in
denen die Eingliederung bei Ablauf des sogenannten Wartejahres noch nicht
abgeschlossen ist bzw. in denen die Eingliederungsfähigkeit bei Ablauf des
Wartejahres noch nicht definitiv verneint werden kann (vgl. Urteile des
Versicherungsgerichts vom 22. Januar 2007, IV 2006/58, E. 1a mit Hinweisen, vom
11. Dezember 2008, IV 2008/45, E. 5.3, und vom 27. April 2011, IV 2010/186, E. 3.4
bestätigt in Urteil des Bundesgerichts vom 22. September 2011, 9C_490/2011). Auch
die einen vorläufigen Rentenanspruch begründende Invalidität ist durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dieser Einkommensvergleich stützt sich aber - in
Abweichung von Art. 16 ATSG - auf die Arbeitsfähigkeit im bisherigen Beruf (Art. 6
Satz 1 ATSG), es sei denn, der versicherten Person wäre zumutbar, durch die ohne
jede Eingliederung mögliche Ausübung eines anderen Berufs den Eintritt einer
rentenbegründenden vorläufigen Invalidität zu verhindern oder zumindest den
Invaliditätsgrad zu reduzieren (Art. 6 Satz 2 ATSG).
3.2 Vorliegend bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die Aufnahme einer
leidensadaptierten Tätigkeit ohne jede Eingliederungsvorkehr der Beschwerdeführerin
objektiv oder subjektiv nicht zugemutet werden könnte. Dabei ist entscheidend, dass
der Beschwerdeführerin als leidensangepasste Tätigkeit eine leichte Bürotätigkeit
zugemutet werden kann, die sie teilweise bereits ausgeübt hatte (act. G 4.63-23), ihre
bisherigen Erwerbstätigkeiten aufgegeben hat und ausdrücklich um die Vornahme der
Rentenprüfung ersuchte (act. G 4.45; vgl. auch den Schlussbericht der beruflichen
Eingliederung vom 1. Oktober 2009, wonach die Beschwerdeführerin Hilfe bei der
Stellensuche dankend abgelehnt habe, act. G 4.46). Demnach ist im Rahmen der
Ermittlung des Invalideneinkommens nicht auf die Arbeitsfähigkeit in der
angestammten, sondern in einer leidensangepassten Tätigkeit abzustellen, was im
Übrigen unbestritten ist.
3.3 In medizinischer Hinsicht ist für die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit auf das
MEDAS-Gutachten abzustellen (act. G 4.63). Dabei fällt ins Gewicht, dass es auf
eigenständigen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange umfassend ist. Die
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medizinischen Vorakten wurden verwertet und die von der Beschwerdeführerin
geklagten Beschwerden berücksichtigt und gewürdigt. Die Bescheinigung einer
50%igen Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten leuchtet in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation ein. Weiter bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv
wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden wären. Damit geht einher, dass
auch die Beschwerdeführerin keine konkreten Mängel an der Begutachtung ins Feld
führt, sondern ihr lediglich die eigene Einschätzung entgegenhält (act. G 4.71).
3.4 Zu prüfen bleibt noch das hypothetische Erwerbspensum im Gesundheitsfall. Die
Beschwerdegegnerin ging von einem 60%igen Pensum aus (act. G 4.56-8 und
G 4.73-2). Demgegenüber bringt die Beschwerdeführerin vor, sie sei vor Eintritt des
Gesundheitsschadens zu 75% (25% unselbstständig und 50% selbstständig als
Masseurin) erwerbstätig gewesen und hätte dieses Pensum im Gesundheitsfall
weiterhin verrichtet (act. G 4.71). Der von der Beschwerdeführerin vertretene
Standpunkt wird durch die Akten gestützt. Dabei ist von Bedeutung, dass die
Beschwerdeführerin im Jahr 2008 eine erhebliche Umsatzsteigerung in der
selbstständigen Erwerbstätigkeit verzeichnete, was sich mit der Feststellung der
Abklärungsperson deckt. Diese anerkannte bezogen auf die selbstständige
Erwerbstätigkeit eine "erhebliche Umsatzsteigerung" im Jahr 2008 (act. G 4.56-11).
Ergänzend ist auf die plausible handschriftliche Ergänzung der Beschwerdeführerin im
Abklärungsbericht vom 22. Februar 2010 hinzuweisen, wonach der Umsatz von
Fr. 19'558.-- im Jahr 2008 in 6 Monaten erzielt worden sei (act. G 4.56-4). Diese
Sichtweise wird durch die übrige Aktenlage bestätigt. So führte Dr. B._ im Gespräch
mit dem RAD-Arzt vom 11. Dezember 2008 aus, die Beschwerdeführerin sei im Jahr
2008 zu 75% (50% selbstständig und 25% unselbstständig) erwerbstätig gewesen
(Gesprächsprotokoll vom 11. Dezember 2008, act. G 4.24; zur Ausweitung der
selbstständigen Tätigkeit vgl. auch die Angabe der Beschwerdeführerin anlässlich der
psychiatrischen Begutachtung vom 30. Juni 2010, act. G 4.63-37). Entsprechende
Erwerbspensen gab die Beschwerdeführerin bereits zuvor in der Anmeldung vom
5. November 2008 an (act. G 4.13-8), ohne dass Hinweise dafür bestehen, diese
Angaben beruhten auf rein versicherungstechnische Überlegungen. Vor diesem
Hintergrund ist die davon abweichende Einschätzung der Abklärungsperson, wonach
die Beschwerdeführerin zu 35% als selbstständig Erwerbende bzw. insgesamt als zu
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60% erwerbstätig zu qualifizieren sei, nicht stichhaltig. Dies umso weniger, als sich
diese Aussage auf einer abstrakten Berechnung anhand des vor allem im Jahr 2007
erzielten Umsatzes als Masseurin stützt (act. G 4.56-3). Eine Erwerbstätigkeit von
jedenfalls 75% erscheint damit überwiegend wahrscheinlich.
3.5 Bei einem 60%igen Erwerbspensum entspricht das Valideneinkommen im Jahr
2008 unbestrittenermassen Fr. 34'000.-- (act. G 4.56-11). Da mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, die Beschwerdeführerin wäre im
Gesundheitsfall jedenfalls zu 75% erwerbstätig gewesen (vgl. vorstehende E. 3.4), ist
ein Valideneinkommen von Fr. 42'500.-- ([Fr. 34'000.-- / 60] x 75) zu berücksichtigen.
Das Invalideneinkommen auf der Grundlage des Jahres 2008 beträgt gestützt auf die
LSE-Tabellenlöhne, Anforderungsniveau 4, angepasst an die betriebsübliche
wöchentliche Arbeitszeit (Fr. 51'368.--), unter Berücksichtigung einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit sowie eines Abzugs von 10% aufgrund des gesundheitsbedingt nur
noch engen Spektrums an Verweistätigkeiten (psychiatrischerseits: keine speziellen
Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit, die Stress- und Frustrationstoleranz
sowie an die die emotionale Belastbarkeit und soziale Kompetenz, act. G 4.63-23; zu
den somatischen Einschränkungen vgl. act. G 4.63-22) Fr. 23'116.--. Daraus resultiert
eine Erwerbseinbusse von Fr. 19'384.-- (Fr. 42'500.-- - Fr. 23'116.--), ein ungewichteter
Teilinvaliditätsgrad von aufgerundet 46% ([Fr. 19'384.-- / Fr. 42'500.--] x 100) bzw.
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein an das 75%ige Erwerbspensum
gewichteter Teilinvaliditätsgrad von 34.5% (45.6% x 0.75).
4.
Die von der Beschwerdegegnerin anlässlich der Haushaltsabklärung ermittelte
Einschränkung von ungewichtet 23% (act. G 4.56-8) wird von der Beschwerdeführerin
anerkannt. Es bestehen keine Hinweise für eine unrechtmässige Berechnung, weshalb
darauf abgestellt werden kann. Ergänzend ist zu bemerken, dass entgegen der im
Beschwerdeverfahren vertretenen Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht von einer
grosszügigen Ermittlung die Rede sein kann (act. G 4, Rz 5 der Begründung). Denn die
MEDAS-Gutachter bestätigten - wenn auch ohne Berücksichtigung der zumutbaren
Mithilfe Dritter - eine Einschränkung im Haushaltsbereich von 40% (act. G 4.63-17). Bei
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einem 25%igen Pensum im Haushaltsbereich resultiert ein gewichteter
Teilinvaliditätsgrad von gerundet 6% (23% / 4).
5.
Unter Berücksichtigung der Teilinvaliditätsgrade im Erwerbsbereich von 34.5% und im
Haushaltsbereich von 6% ergibt sich ein Gesamtinvaliditätsgrad von aufgerundet 41%
und damit ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Die verfügte Rentenzusprache erweist
sich damit im Ergebnis als richtig.
6.
6.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde in dem Sinn abzuweisen, als die verfügte
Zusprache einer Viertelsrente bestätigt wird. Zur Prüfung und allfälligen Durchführung
von Eingliederungsmassnahmen ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Da die Rentenverfügung im Ergebnis bestätigt wird und die
Sache lediglich zwecks Prüfung von allfälligen Eingliederungsmassnahmen an die
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, ist bei der Gebührenverteilung von einem
Unterliegen der Beschwerdeführerin auszugehen. Sie hat daher die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu tragen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.--
wird ihr daran angerechnet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP