Decision ID: 49a81745-eed4-5a6a-9939-7318d07e832e
Year: 2005
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X.Y. ist als Verkaufsleiter bei der A. AG angestellt. Am 31. August 2002 trennte er
sich von seiner Ehefrau, bei der anschliessend auch das gemeinsame Kind (geb. 1995)
lebte, und zog von B./TG nach C./SG.
B.- X.Y. deklarierte für 2002 ein steuerbares Einkommen von Fr. 56'027.-- und kein
steuerbares Vermögen. Die Veranlagungsbehörde nahm Aufrechnungen bei den
Abzügen für Berufskosten und für Versicherungsprämien und Sparzinsen vor und liess
den geltend gemachten Kinderabzug von Fr. 6'000.-- nicht zu. Sie veranlagte X.Y. mit
einem steuerbaren Einkommen von Fr. 72'300.-- und ohne steuerbares Vermögen. Die
dagegen erhobene Einsprache hiess das kantonale Steueramt mit Entscheid vom 1.
Juli 2004 teilweise gut. Sie erhöhte den Abzug für Weiterbildungs- und
Umschulungskosten, liess jedoch weiterhin keinen Kinderabzug zu. Es ergab sich ein
steuerbares Einkommen von Fr. 69'500.-- und kein steuerbares Vermögen.
C.- Gegen diesen Einsprache-Entscheid erhob X.Y. mit Eingabe vom 29. Juli 2004
(Poststempel: -1.-8.04) Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag,
der Kinderabzug sei für die Periode vom 1. Januar bis 30. November 2001 pro rata
temporis zu gewähren und - im Gegenzug - der Abzug für geleistete Unterhaltsbeiträge
zu streichen.
Mit Vernehmlassung vom 8. Oktober 2004 beantragte die Vorinstanz die Abweisung
des Rekurses unter Kostenfolge. Unaufgefordert nahm der Rekurrent dazu mit Eingabe
vom 28. Oktober 2004 Stellung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung der Anträge wird,
soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 29. Juli 2004 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
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(Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist
einzutreten.
2.- Mit der zusätzlichen Eingabe vom 28. Oktober 2004 nahm der Rekurrent Stellung zu
den in der Vernehmlassung von der Vorinstanz erstmals gemachten Ausführungen zu
den Möglichkeiten, zwischen dem Abzug von Unterhaltsbeiträgen und dem
Kinderabzug zu wählen und den Kinderabzug pro rata temporis zu gewähren. Zur
Wahrung des Anspruchs auf rechtliches Gehör erweist sich die Eingabe deshalb im
Sinn einer Ausnahme vom Grundsatz des einfachen Schriftenwechsels als zulässig (vgl.
Art. 53 Abs. 1 VRP; Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St.
Gallen 2003, Rz. 949 ff.).
3.- Im Rekurs ist unbestritten, dass der Rekurrent gemäss Art. 19 Abs. 1 und 3 StG in
Verbindung mit Art. 68 Abs. 1 StHG trotz Wohnsitzwechsels per 1. September 2002
vom Kanton Thurgau in den Kanton St. Gallen für die gesamte Steuerperiode 2002 im
Kanton St. Gallen unbeschränkt steuerpflichtig ist. Unbestritten ist auch, dass
angesichts der während der gesamten Steuerperiode geltenden Steuerpflicht des
Rekurrenten Art. 48 Abs. 3 StG, wonach die Sozialabzüge anteilmässig gewährt
werden, wenn die Steuerpflicht nur während eines Teils der Steuerperiode gilt, nicht zur
Anwendung kommen kann. Umstritten ist jedoch, ob der Rekurrent bei der Ermittlung
des steuerbaren Einkommens Anspruch auf die Gewährung des Abzugs für
Versicherungsprämien und Sparzinsen von pauschal Fr. 600.-- sowie des
Kinderabzugs von Fr. 6'000.-- für seinen 1995 geborenen Sohn hat.
a) Der Rekurrent bringt vor, er habe vom 1. Januar bis 31. August 2002 in B. gewohnt
und sei voll für den Unterhalt des Kindes aufgekommen. Nach dem Umzug nach C. sei
er bis zum 30. November 2002 weiterhin für den Unterhalt der ganzen Familie
zuständig gewesen und habe die Voraussetzungen für die Geltendmachung eines
Kinderabzugs erfüllt. Ab diesem Zeitpunkt habe er Unterhaltszahlungen geleistet.
Leider sei in der Wegleitung nicht explizit erklärt, dass die Beanspruchung des Abzugs
für Unterhaltszahlungen auch nur für einen Monat die Zulässigkeit des Kinderabzugs
entfallen lasse. Er verzichte deshalb auf den Abzug für geleistete Unterhaltsbeiträge
gemäss Art. 45 Abs. 1 lit. c StG. Dass kein Wahlrecht zwischen Abzug der
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Unterhaltsbeiträge und dem Kinderabzug bestehe, werde in der Wegleitung nicht
explizit angegeben. Der Rekurrent fragt sich sodann, ob der Kinderabzug selbst bei
einem gleichzeitigen Wegzug aus dem Kanton nicht pro rata temporis gewährt würde.
Die Nichtgewährung des Kinderabzugs bringe eine echte Benachteiligung mit sich, da
er eine doppelte Belastung erleiden würde, zumal er für den Unterhalt aufgekommen
sei und dies nicht abgezogen werden könne.
Die Vorinstanz bringt dagegen vor, mit dem Abzug der geleisteten Unterhaltsbeiträge
entfalle die Zulässigkeit des Kinderabzugs gemäss Art. 49 Abs. 1 StG. Ein Wahlrecht
zwischen dem Abzug für Unterhaltsbeiträge und dem Kinderabzug sei gesetzlich nicht
gegeben. Der Kinderabzug sei als Sozialabzug ausgestaltet und werde nach den
Verhältnissen am Ende der Steuerperiode festgelegt. Das Steuerrecht sehe keine
Aufteilung des Kinderabzugs pro rata vor.
b) Ist Art. 46 lit. b StG aufgrund der Bundesgesetzgebung über die
Steuerharmonisierung nicht mehr anwendbar, kommt der Steuerpflichtige für den
Unterhalt zur Hauptsache auf und beansprucht er keinen Abzug gemäss Art. 45 Abs. 1
lit. c StG, wird gemäss Art. 49 Abs. 1 Ingress und lit. b StG anstelle des Abzugs
gemäss Art. 48 Abs. 1 lit. a StG als Kinderabzug Fr. 6'000.-- für jedes unter der
elterlichen Gewalt oder Obhut des Steuerpflichtigen stehende oder volljährige Kind,
das in der schulischen oder beruflichen Ausbildung steht, gewährt. Dabei werden
gemäss Art. 48 Abs. 2 StG die Sozialabzüge nach den Verhältnissen am Ende der
Steuerperiode oder der Steuerpflicht festgelegt. Besteht die Steuerpflicht nur während
eines Teils der Steuerperiode, werden die Sozialabzüge anteilmässig gewährt; für die
Bestimmung des Steuersatzes werden sie voll angerechnet (Art. 48 Abs. 3 StG).
c) Zwischen den Verfahrensbeteiligten ist zu Recht unbestritten, dass mit dem Ablauf
der Übergangsfrist gemäss Art. 72 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der
direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (SR 642.14, abgekürzt: StHG) am 31.
Dezember 2000 die Bundesgesetzgebung über die Steuerharmonisierung, die diesen
Abzug nicht vorsieht, der Weiterführung des Abzugs der Ausbildungskosten gemäss
Art. 46 lit. b StG entgegensteht und sich der Kinderabzug damit nicht nach Art. 48 Abs.
1 lit. a StG, sondern nach Art. 49 StG richtet. Bei der Anwendung von Art. 49 StG ist
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zudem unbestritten, dass das 1995 geborene Kind am 31. Dezember 2002 auch noch
unter der elterlichen Sorge des Rekurrenten und in schulischer Ausbildung stand.
d) Umstritten ist hingegen, ob die weiteren Voraussetzungen für die Gewährung des
Abzugs gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. b StG für den Sohn des Rekurrenten für die
Steuerperiode 2002 erfüllt sind. Dabei fragt sich zunächst, ob das für die Gewährung
der Sozialabzüge vorgesehene Stichtagsprinzip als solches haltbar ist (vgl. nachfolgend
E. 2d/aa). Sodann ist die Bestimmung auf den konkreten Fall anzuwenden. Dabei fragt
sich, ob dem Rekurrenten ein Wahlrecht zwischen dem Abzug der für seinen Sohn
Enrique geleisteten Unterhaltsbeiträge und dem Kinderabzug zukommt (vgl.
nachfolgend E. 2d/bb) und ob er am 31. Dezember 2002 zur Hauptsache für den
Unterhalt seines Sohns aufkam (vgl. nachfolgend E. 2d/cc).
aa) Steuersystematisch ist zwischen organischen Abzügen (umfassend die
Gewinnungskosten, die im Zusammenhang mit bestimmten Einkünften stehen und zum
Nettoeinkommen führen), anorganischen Abzügen (umfassend allgemeine Abzüge für
besondere Auslagen, die zum Reineinkommen führen) und Sozialabzügen (bzw.
Freibeträgen, die der persönlich-wirtschaftlichen Situation des Steuerpflichtigen
Rechnung tragen und zum steuerbaren Einkommen führen) zu unterscheiden (vgl.
Blumenstein/Lo-cher, System des schweizerischen Steuerrechts, 6. Aufl. 2002, S. 241
ff.). Mit den Sozialabzügen trägt das Steuergesetz, ähnlich wie mit den allgemeinen
Abzügen, den besonderen wirtschaftlichen Belastungen der Steuerpflichtigen
Rechnung. Anders als die allgemeinen Abzüge lassen sie jedoch nicht den Abzug
angefallener Aufwendungen zu; vielmehr kann bei Vorliegen bestimmter persönlicher
Verhältnisse ein gesetzlich festgelegter Betrag beansprucht werden (vgl. Weidmann/
Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch das st. gallische Steuerrecht, 6. Aufl. 1999, S.
165). Sie sind nicht unmittelbar auf die Berücksichtigung von effektiven Aufwendungen
der Steuerpflichtigen, sondern auf Gruppendifferenzierung ausgerichtet. Sie sind
deshalb ein Element der Tarifgestaltung bzw. Tarifvariationen oder Tarifverfeinerungen
und wirken als solche grobschlächtig. Sie tragen den konkret verausgabten Mitteln
bloss typisiert Rechnung (vgl. M. Reich, in: Kommentar zum schweizerischen
Steuerrecht, Band I/1, 2. Aufl. 2002, N 67 zu Art. 9 StHG). Die vereinfachende
Typisierung ist für diese Abzüge begriffswesentlich, können sie doch zwangsläufig die
spezifischen persönlich-wirtschaftlichen Verhältnisse nur stark vergröbernd
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berücksichtigen (vgl. P. Locher, Praktikabilität im Steuerrecht, in: Festschrift Höhn,
Bern/Stuttgart/Wien 1995, S. 209 f.).
Da die Gewährung von Sozialabzügen an das Vorliegen bestimmter Verhältnisse
anknüpft, gilt für deren Festsetzung gemäss Art. 48 Abs. 2 StG das Stichtagsprinzip.
Dass dem Wegfall der Voraussetzungen während der Steuerperiode keine Rechnung
getragen wird, stellt eine zulässige Schematisierung zwecks Vereinfachung der
Rechtsanwendung dar (zum Recht der direkten Bundessteuer vgl. P. Locher,
Kommentar zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, I. Teil, Therwil/Basel
2001, N 69 zu Art. 35 DBG; ders., Praktikabilität, a.a.O., S. 209 ff.). Das
Stichtagsprinzip ist ein typisches Beispiel einer gesetzlichen Vereinfachung im Rahmen
des Steuervollzugs, indem Veränderungen in den persönlichen Verhältnissen nicht
laufend, sondern (grundsätzlich) nur einmal in der Steuerperiode berücksichtigt
werden. Dem Stichtagsprinzip liegt eine Gesamtbetrachtung zugrunde, bei der in Kauf
genommen wird, dass im Einzelfall eine steuerliche Bevorzugung oder Benachteiligung
eines Pflichtigen eintreten kann. Entscheidend ist, dass - soweit eine absolut korrekte
Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit nicht erreicht werden kann -
es im Sinn der bundesgerichtlichen Rechtsprechung genügt, wenn die gesetzliche
Regelung nicht in genereller Weise zu Ungerechtigkeiten führt. Eine solche generelle
Benachteiligung gewisser Kategorien von Pflichtigen tritt beim Stichtagsprinzip gerade
nicht ein, indem allen Pflichtigen ein Sozialabzug bzw. der Tarif, der sich zu ihrem
Vorteil auswirkt, auch dann gewährt wird, wenn die Veränderung in den persönlichen
Verhältnissen erst kurze Zeit bestand. Auch wenn es durchaus bedenkenswert wäre,
den Kinderabzug pro rata temporis zuzulassen, verbietet der klare Wortlaut von Art. 48
Abs. 2 StG zum heutigen Zeitpunkt eine entsprechende Gesetzesauslegung (vgl.
allgemein Bosshard/Bosshard/Lüdin, Sozialabzüge und Steuertarife im
schweizerischen Steuerrecht, S. 109 ff. mit Hinweis auf BGE 120 Ia 337).
Hingegen trifft es - worauf der Rekurrent hinweist - zu, dass auch das Stichtagsprinzip
zu einer anteilmässigen Gewährung der Sozialabzüge führt, wenn aufgrund des
Wegzugs und der damit verbundenen Beendigung der Steuerpflicht im Kanton St.
Gallen die Steuerpflicht nicht während der ganzen Steuerperiode bestand (vgl. Art. 48
Abs. 3 StG). Dabei handelt es sich aber nicht um eine eigentliche Berücksichtigung pro
rata, weil die Steuerpflicht als solche nicht während des gesamten Steuerjahrs
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bestand. Dieser Fall unterscheidet sich von jenem, bei welchem für die gesamte
Steuerperiode besteuert wird und sich die - zu verneinende - Frage stellt, inwieweit
Veränderungen trotz des Stichtagsprinzips Rechnung getragen werden soll.
Immerhin ist es bei der nachfolgenden Prüfung, ob die gesetzlichen Voraussetzungen
für die Gewährung des umstrittenen Kinderabzugs am Stichtag erfüllt sind oder nicht,
an sich nicht ausgeschlossen, aufgrund einer teleologischen bzw.
verfassungskonformen Auslegung deren Vorhandensein zu bejahen und den Abzug zu
gewähren, auch wenn der reine Gesetzeswortlaut zu einer Verweigerung führen müsste
(vgl. Bosshard/Bosshard/Lüdin, a.a.O., S. 112 f.).
bb) Art. 49 Abs. 1 Ingress StG setzt für die Gewährung des Kinderabzugs voraus, dass
der Steuerpflichtige keinen Abzug gemäss Art. 45 Abs. 1 lit. c StG "beansprucht".
Dieser Wortlaut des Gesetzes schliesst ein Recht des Steuerpflichtigen, zwischen dem
Kinderabzug und dem Abzug für geleistete Unterhaltsbeiträge zu wählen, nicht aus. Die
in der Wegleitung zur Steuererklärung 2002 (S. 20), auf welche der Rekurrent Bezug
nimmt, gewählte Formulierung ("Der Kinderabzug entfällt für das Kind, für welches
Unterhaltsbeiträge gemäss Ziff. 12.2 geltend gemacht werden.") verstärkt diesen
Eindruck. Steuersystematische Überlegungen sprechen jedoch gegen das Bestehen
eines solchen Wahlrechts. Weil das Gegenstück des Abzugs der Unterhaltsbeträge
gemäss Art. 45 Abs. 1 lit. c StG die Aufrechnung der Leistung beim Empfänger als
steuerbares Einkommen im Sinn von Art. 36 lit. f StG darstellt (vgl. Weidmann/
Grossmann/Zigerlig, a.a.O., S. 155) und weil der Kinderabzug bei getrennter
Besteuerung aus Gründen der Rechtsgleichheit nicht beiden Elternteilen gewährt
werden kann (vgl. Art. 48 Abs. 1 lit. a StG; GVP 2001 Nr. 31), setzt der Entscheid des
Leistenden gegen den Abzug der Unterhaltsbeiträge und für den Kinderabzug einen
entsprechenden Entscheid des Empfängers voraus. Dieser müsste zugunsten der
Nichtberücksichtigung der Unterhaltsleistungen beim steuerbaren Einkommen auf den
Kinderabzug verzichten. Da - wie die vorliegende Konstellation zeigt - die Interessen
der betroffenen Steuerpflichtigen nicht gleichgerichtet sind, kann nicht erwartet
werden, dass sie sich zu korrespondierenden Entscheiden finden. Die Steuerbehörde
hätte sich in diesen Fällen also ohne objektives Kriterium für die Lösung des einen oder
des anderen Steuerpflichtigen zu entscheiden. Unter diesen Umständen ist deshalb
davon auszugehen, dass geleistete Unterhaltszahlungen gemäss Art. 45 Abs. 1 lit. c
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StG in jedem Fall als allgemeine Abzüge vom Nettoeinkommen zu berücksichtigen sind
und gleichzeitig kein Sozialabzug im Sinn von Art. 49 Abs. 1 StG gewährt werden kann.
Dementsprechend kann der Kinderabzug dem Rekurrenten nicht gewährt werden, weil
ihm gemäss Art. 45 Abs. 1 lit. c StG der Abzug der von ihm geleisteten
Unterhaltsbeiträge zusteht und damit eine der kumulativen Voraussetzungen gemäss
Art. 49 Abs. 1 Ingress und lit. b StG nicht erfüllt ist. Weil die Unterhaltsleistung erst
während eines Monats erbracht wurde, ist dieser Abzug im vorliegenden Fall
tatsächlich erheblich tiefer als der Kinderabzug. Da dem Steuerpflichtigen kein
Wahlrecht zwischen dem Abzug der geleisteten Unterhaltsbeiträge und dem
Kinderabzug zusteht, trifft ihn der mit dem Stichtagsprinzip bei den Sozialabzügen in
bestimmten Konstellationen in der Tat verbundene Nachteil relativ stark, aber immerhin
geringfügiger als in jenen Fällen, in denen zudem keine Unterhaltszahlungen abziehbar
sind. Weil das vom Gesetz vorgesehene Stichtagsprinzip einen zulässigen
Schematismus darstellt, hat der Rekurrent diesen Nachteil hinzunehmen.
cc) Der Sohn des Rekurrenten stand seit dem 1. Dezember 2002 unter der Obhut der
Mutter, die - wie im Rekurs selbst ausgeführt wird - für den Unterhalt aufkam. Zu
diesem Unterhalt trug der Rekurrent gemäss seiner Deklaration mit einer Zahlung von
Fr. 800.-- bei. Zu prüfen ist deshalb, ob der Rekurrent am massgebenden Stichtag für
den Unterhalt seines Sohns zur Hauptsache aufkam.
Unter dem Begriff "zur Hauptsache" ist - wie im üblichen Sprachgebrauch - nicht exakt
"mehr als die rechnerische Hälfte" zu verstehen. Erforderlich ist aber, dass der
Unterhalt des Kindes im Wesentlichen oder in erster Linie vom betreffenden
Steuerpflichtigen erbracht wird. Zudem ist es unvermeidlich, zur Abschätzung des
Unterhaltsbedarfs auf Tabellen mit Durchschnittswerten zurückzugreifen und diese,
falls sie den wahren Verhältnissen nicht gerecht werden, zu modifizieren. Dabei geht
die Verwaltungsrekurskommission von der allgemein als geeignet anerkannten Tabelle
aus, die den "Empfehlungen des Jugendamtes des Kantons Zürich zur Bemessung von
Unterhaltsbeiträgen" zugrunde liegt (vgl. GVP 2001 Nr. 31).
Das Gesetz sieht einerseits in Art. 45 Abs. 1 lit. c StG den Abzug geleisteter und
anderseits in Art. 36 lit. f StG die Besteuerung erhaltener Unterhaltsbeiträge vor. Darin
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kommt zum Ausdruck, dass steuerlich der Empfänger der Beiträge die Kosten des
Unterhalts des Kinds trägt. Deshalb kann beim Leistenden die Unterhaltszahlung bei
der Beurteilung, ob er für den Unterhalt zur Hauptsache im Sinn von Art. 49 Abs. 1
Ingress StG aufkommt, nicht berücksichtigt werden (zum diesbezüglich vergleichbaren
Recht der direkten Bundessteuer BGE vom 12. Januar 1999, publiziert in: StE 1999 B
29.3, Nr. 15, E. 3). Abgesehen davon ist fraglich, ob aus einer monatlichen Zahlung von
Fr. 800.-- für ein Kind im Alter von sieben Jahren geschlossen werden kann, der
Leistende komme für den Unterhalt zur Hauptsache auf. Der Kinderabzug kann dem
Rekurrenten dementsprechend auch deshalb nicht zugestanden werden, weil er am
massgebenden Stichtag, d.h. am 31. Dezember 2002, nicht zur Hauptsache für seinen
Sohn aufkam,
dd) Allerdings ist nicht zu verkennen, dass der in Art. 49 Abs. 1 Ingress StG
geschaffene Zusammenhang zwischen dem als Sozialabzug ausgestalteten
Kinderabzug einerseits und dem allgemeinen Abzug für Unterhaltsbeiträge zu einer im
Einzelfall über den mit dem Stichtagsprinzip ohnehin eher grobschlächtigen
Schematismus hinausgehenden ungünstigen steuerlichen Behandlung einzelner
Steuerpflichtiger führt. Dies trifft insbesondere auf den Fall des Rekurrenten zu, dessen
allgemeiner Abzug für Unterhaltsbeiträge tief ist, weil er sie lediglich während eines
Monats der Steuerperiode erbrachte. Umgekehrt profitiert die Empfängerin vom
gesamten Kinderabzug, obwohl bei der Ermittlung ihres steuerbaren Einkommens nur
geringe Unterhaltsbeiträge zu berücksichtigen sind. Indessen ist dieser Schematismus
im System des Gesetzes angelegt. Dieser Schematismus ist weder für sich betrachtet
willkürlich noch führt er in der Anwendung im Einzelfall zu einer Benachteiligung, die als
willkürlich im Sinn von Art. 9 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, abgekürzt: BV) einzustufen ist. Einerseits baut die Lösung
wie dargelegt auf ernsthaften sachlichen Gründen auf und ist weder sinn- noch
zwecklos (vgl. BGE 124 I 299 E. 3b). Anderseits ist ein Entscheid nicht schon dann
willkürlich, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar
vorzuziehen wäre, sondern erst, wenn er offensichtlich unhaltbar ist, zur tatsächlichen
Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen
Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken
zuwiderläuft (vgl. BGE 127 I 70 E. 5a). Selbst wenn aber die gesetzgeberische Lösung
als willkürlich einzustufen wäre, könnte das Gericht angesichts der verschiedenen
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denkbaren Regelungssysteme nicht dem Gesetzgeber den ihm zustehenden Entscheid
abnehmen.
e) Steht fest, dass dem Rekurrenten kein Anspruch auf den Kinderabzug gemäss Art.
49 Abs. 1 lit. b StG zukommt, erhöht sich auch der Maximalabzug für die Einlagen,
Prämien und Beiträge für die Lebens-, die Kranken- und die nicht obligatorische
Unfallversicherung sowie die Zinsen von Sparkapitalien gemäss Art. 45 Abs. 1 lit. g StG
nicht um Fr. 600.--. Der Rekurs ist somit abzuweisen.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 800.-- ist angemessen
(vgl. Ziff. 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr.
600.-- ist zu verrechnen.