Decision ID: f0a6e9dc-3832-5cc3-96e4-bb09c6b5fe7e
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Stephanie Bialas, Oberer Graben 44, Postfach,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a S._ meldete sich im Juli 2001 zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung
an (IV-act. 1). Med. pract. A._ bestätigte im Bericht vom 31. August 2001 die
Diagnose eines chronisch rezidivierenden Lumbovertebralsyndroms sowie eine volle
Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit (als Bodenleger) seit 31. Januar
2001 (IV-act. 4). Die Invalidenversicherung übernahm nach Durchführung einer
medizinischen Begutachtung im ABI Basel (IV-act. 20) die Kosten für den Vorkurs zum
technischen Kaufmann (IV-act. 33) sowie den Vorkurs für die Umschulung zum
Hochbautechniker (IV-act. 51) und richtete ihm in der Zeit vom 14. November 2002 bis
26. Januar 2003 sowie vom 6. Oktober bis Ende 2004 ein Taggeld aus (IV-act. 42, 47,
56, 59, 68). Da die Umschulungsmassnahmen nicht zufriedenstellend verliefen, wurde
eine Abklärung in der BEFAS Appisberg angeordnet. Die BEFAS erstattete ihren
Bericht am 22. Dezember 2004 (IV-act. 61, 77). Daraufhin verfügte die IV-Stelle am
21. April 2005 und, da die berufliche Massnahme wegen Krankheit des Ausbildners
nicht durchgeführt werden konnte, erneut am 6. September 2005 die Übernahme der
Kosten für eine Umschulung des Versicherten zum Gitarrenbauer mit Dauer vom 8.
August 2005 bis 7. August 2007 bei einem anderen Ausbildner (vgl. IV-act. 82, 87, 89,
92, 98, 104, 113, 119).
A.b Nach Einholung eines medizinischen Verlaufsgutachtens beim ABI Basel (IV-act.
135), und nachdem der Versicherte die berufliche Massnahme erfolgreich
abgeschlossen hatte, eröffnete die IV-Stelle ihm mit Verfügung vom 30. November
2007, nach den zur Verfügung stehenden Unterlagen sei ihm heute sowohl die Tätigkeit
als Gitarrenbauer als auch jede andere körperlich leichte Arbeit zu 90% zumutbar. Es
bestehe keine gesundheitliche Einschränkung bei der Stellensuche. Die beruflichen
Massnahmen würden somit abgeschlossen (IV-act. 147). Zu dieser Verfügung liess der
Versicherte eine Stellungnahme seiner Rechtsvertreterin vom 3. Januar 2008 einreichen
mit dem Hinweis, dass er auf eine Beschwerde verzichte (IV-act. 151). Im Vorbescheid
vom 25. Januar 2008 stellte die IV-Stelle die Rentenablehnung in Aussicht mit der
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Begründung, in einer seiner Behinderung angepassten Tätigkeit sei der Versicherte zu
90% arbeitsfähig. Dabei könne er (auf der Basis der LSE-Tabelle 2007, privater Sektor,
Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt, und unter Berücksichtigung einer 10 %igen
Leistungsminderung) unabhängig von der Tätigkeit als Gitarrenbauer aufgrund seiner
beruflichen Qualifikation ein zumutbares Jahreseinkommen von Fr. 61'506.-- erzielen.
Aus der Gegenüberstellung mit dem ohne Behinderung erzielbaren Einkommen von
jährlich Fr. 85'030.-- resultiere ein IV-Grad von 28% (IV-act. 160). Nach Eingang der
Einwände der Rechtsvertreterin des Versicherten vom 25. Februar und 17. März 2008
(IV-act. 164, 166) verfügte die IV-Stelle am 17. April 2008 im Sinn des Vorbescheids (IV-
act. 168).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhebt Rechtsanwältin lic. iur. S. Bialas, St. Gallen, für den
Versicherten mit Eingabe vom 21. Mai 2008 Beschwerde. Sie beantragt, es sei die
Verfügung aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer eine halbe Rente
auszurichten. Es sei die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren. Zur
Begründung führt die Rechtsvertreterin unter anderem aus, seine Arbeitsfähigkeit
beurteile der Beschwerdeführer hinsichtlich angepasster Tätigkeiten als um 50%
eingeschränkt. Es falle auf, dass die Schlussfolgerungen im ABI-Gutachten 2007 in
krassem Widerspruch zu den bereits vor über drei Jahren gemachten Feststellungen
des Appisberg-Gutachtens 2004 stünden. Seit der Appisberg-Begutachtung habe sich
der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nicht verbessert. Gegenteilige
Feststellungen würden auch im ABI-Gutachten 2007 nicht gemacht. Solche wären
auch überraschend, liege es doch in der Natur von degenerativen Veränderungen des
Skeletts, dass die bestehende Abnützung nicht durch medizinische Massnahmen
wiederhergestellt werden könne. Diese Auffassung teile auch der Hausarzt des
Beschwerdeführers (act. G 1.1.11). Zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit könne auf die
im ABI-Gutachten 2007 bzw. im Appisberg-Gutachten 2004 festgestellten Diagnosen
abgestellt werden. Dabei sei aber hinsichtlich der Diagnose aus dem Jahr 2004 zu
beachten, dass die degenerativen Veränderungen heute noch ausgeprägter vorhanden
seien, als sie es damals schon gewesen seien. Die Beschwerden im Hals/Schulter-
Bereich seien belastungsabhängig. Bei solchen Beschwerden genüge es nicht, den
Patienten einmal anzusehen, sondern es seien umfassendere Abklärungen erforderlich.
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Die tatsächliche Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer angepassten Tätigkeit
betrage aufgrund der gegenüber 2004 ausgeprägteren degenerativen Veränderungen
heute höchstens noch 70%. Falls dieser Einschätzung nicht gefolgt werde, so sei die
Arbeitsfähigkeit ein weiteres Mal in seriöser Art und Weise im Appisberg oder in einer
ähnlichen Einrichtung abzuklären. Auch der Hausarzt befürworte eine detaillierte
Abklärung. Es sei offenkundig, dass das ABI unter der Leitung von Dr. med. B._, der
mit seinen eigenmächtigen Methoden inzwischen massiver öffentlicher Kritik
ausgesetzt gewesen sei, den Beschwerdeführer nicht objektiv habe beurteilen können,
sondern die ursprüngliche Fehlbeurteilung aus dem Jahr 2002 habe rechtfertigen
wollen. Angesichts dieses Umstands wäre es angezeigt gewesen, eine andere
Gutachterstelle mit der Abklärung zu beauftragen. Beim Invalideneinkommen sei eine
Hilfsarbeit zugrunde zu legen und höchstens von einem Betrag von Fr. 59'028.--
(100%-Pensum) auszugehen. Bei einer Restarbeitsfähigkeit von 70% und einem
Leidensabzug von 15% ergebe sich im Vergleich zum Valideneinkommen ein
Invaliditätsgrad von 61.82%.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 11. Juli 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung legt sie unter anderem dar, der
Aufenthalt in der BEFAS Appisberg sei keine medizinische Begutachtung, sondern eine
Evaluation der funktionellen Möglichkeiten im Hinblick auf eine Umschulung gewesen.
Der Beschwerdeführer habe sich selbst sowohl 2002 wie 2007 auch als Gitarrenbauer
lediglich zu 50 % arbeitsfähig betrachtet. Subjektiv habe sich somit der
Gesundheitszustand nicht verändert. Es sei nicht einzusehen, wieso nicht auf das ABI-
Gutachten abgestellt werden solle. Es sei davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit eine Leistung von 90 % der Norm
erbringen könne. Ein sogenannter Leidensabzug werde bereits mit der
Berücksichtigung dieser Teilleistungsfähigkeit vollständig abgegolten. Aufgrund der
Ausbildung des Beschwerdeführers und seiner Erfahrung dürfe als Valideneinkommen
(richtig wohl: Invalideneinkommen) selbstverständlich nicht der Hilfsarbeiterlohn
berücksichtigt werden. Die angefochtene Verfügung sei im Ergebnis richtig.
B.c Am 14. Juli 2008 bewilligt der Abteilungspräsident die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das vorliegende Verfahren.
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B.d Mit Replik vom 18. September 2008 bestätigt die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers ihren Standpunkt. Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine
weitere Stellungnahme.

Erwägungen:
1.
Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente hat. Nach Art. 28
Abs. 1 IVG in der ab 1. Januar 2004 gültigen Fassung besteht der Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf
eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente. Für die
Bestimmung des Invaliditätsgrades wird nach Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Die Invalidität des
Beschwerdeführers ist unbestrittenermassen nach der allgemeinen Methode des
Einkommensvergleichs zu bemessen.
2.
2.1 Eine medizinische Abklärung im ABI Basel ergab gemäss Gutachten vom 4.
November 2002 die Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eines
lumbospondylogenen Schmerzsyndroms beidseits sowie weitere Diagnosen ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Die Gutachter kamen zum Schluss, die bisherige
Tätigkeit als Bodenleger sei dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar. Für
sämtliche, körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten bestehe demgegenüber
eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit, solange das Einhalten einer fixierten
Körperposition über längere Zeit (d.h. Sitzen über eine Stunde, Stehen an Ort über eine
Stunde) und die Durchführung von repetitiven Bewegungsmustern sowie das Tragen
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und Heben von repetitiv schweren Lasten über 10kg vermieden werden könne (IV-act.
20). Gegenüber den BEFAS-Abklärungspersonen äusserte der Beschwerdeführer den
Wunsch, Gitarrenbauer zu werden (IV-act. 77-10/15, 77-14/15). Im Schlussbericht der
BEFAS vom 22. Dezember 2004 wurde unter anderem dargelegt, im weiteren Verlauf
sei es beim Beschwerdeführer neu zunehmend zu linksseitigen Cervicobrachialgien
gekommen. Ein MRI der HWS vom 5. April 2004 habe multiple mässige bis deutlich
ausgeprägte degenerative Bandscheibenveränderungen C4-C7, einhergehend mit
Spondylarthrosen gezeigt. Zudem sei eine mittelgrosse dorsale Discushernie C5/C6
mediolateral bis foraminal links festgestellt. Eine fragliche Reizsymptomatik C6 sei
schon zuvor durch den Neurologen Dr. med. C._ (Bericht vom 27. Oktober 2003)
abgeklärt worden, wobei vor allem elektrodiagnostisch bei Status nach beidseitiger CT-
Operation die elektrodiagnostische Untersuchung keine eindeutige Diagnose erlaubt
habe. Der betreuende Chiropraktor Dr. D._ habe in seinem Bericht vom 30.
September 2004 von einer Cervicobrachialgie C6 links gesprochen. Im Appisberg
hätten phasenweise Kribbelparästhesien im Bereich des dritten und vierten Fingers
links provoziert werden könne (entsprechend in etwa dem Dermatom C7 links). Unter
Beachtung der aktuellen medizinischen Situation und der Abklärungsresultate könnten
zur Zeit unter behinderungsgerechten Arbeitsbedingungen Arbeitsleistungen
entsprechend einer 75%-Arbeitsfähigkeit erzielt werden. Dies sei unter Verwertung
während sechs Stunden täglich bei verschiedenen Tätigkeiten geprüft worden
(vorzeitiger Arbeitsschluss am Nachmittag bei belastungsabhängig im Tagesverlauf
akzentuierter Schmerzsymptomatik lumbal und etwas weniger ausgeprägt
cervicobrachial links). Eine leichtere und wechselbelastend ausübbare Tätigkeit sollte
keine repetitiven Hebe- und Traglasten über 10 kg fordern und zudem nicht mit
längerdauernden oder repetitiven Arbeitseinsätzen in für den Rücken ungünstigen
Körperpositionen einhergehen. Insbesondere seien wiederholte Überkopfarbeiten
sowie längerdauerndes Tätigsein mit stark geneigtem oder rotiertem Oberkörper zu
vermeiden. Manuelle Tätigkeiten sollten vorwiegend auf Tischhöhe ausgeübt werden
können. Tätigkeiten sollten zudem nicht mit dem Besteigen hoher Gerüste oder
Sprossenleitern einhergehen. Neben der verminderten lumbalen Belastbarkeit müsse
ergänzend zur Begutachtung im ABI eine auch unter behinderungsangepassten
Arbeitsbedingungen gegebene Minderbelastbarkeit durch die linksseitige
Cervicobrachialgie festgehalten werden, weshalb eine Attestierung einer
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Arbeitsfähigkeit über 75% auch bei optimal behinderungsadaptierten
Arbeitsbedingungen nicht mehr sinnvoll erscheine, wolle man überlastungsbedingte
Zustandsverschlechterungen und Arbeitsausfälle nicht provozieren. Der
Beschwerdeführer sehe für sich die grössten Wiedereingliederungschancen bei einer
Tätigkeit als Gitarrenbauer. Dabei handle es sich um eine wechselbelastende Tätigkeit
ohne grössere Kraftaufwendungen, wie er im Rahmen eines Schnupperpraktikums
habe erfahren können. Aus aktueller medizinischer Sicht sei eine 75%ige
Arbeitsfähigkeit bei einer selbständigen Tätigkeit als Gitarrenbauer zumutbar. Hierbei
werde neben der manuellen Tätigkeit genügend Wechselbelastung ermöglicht durch
administrative Arbeiten und Kundenkontakte bei Verkauf und Beratung. Ebenfalls
zumutbar seien dem Beschwerdeführer leichte behinderungsadaptierte Lager-,
Speditions-, Kurier-, Konfektions- oder Hauswartarbeiten. Die guten administrativen
und buchhalterischen Kenntnisse würden auch einen (teilzeitlichen) Einsatz im Büro
erlauben. Aus berufsberaterischer Sicht werde der Vorschlag des Beschwerdeführers
betreffend Umschulung zum Gitarrenbauer als sinnvoll erachtet. Ob die Umschulung
sich später als finanziell rentabel erweisen werde, müsse in die Verantwortung des
Beschwerdeführers gelegt werden. Eine Umschulung, die einen grossen Anteil an
Schulstunden beinhalte, wie z.B. zum technischen Kaufmann, könne aufgrund der
Abklärungsresultate nicht empfohlen werden (IV-act. 77).
2.2 Im Verlaufsgutachten des ABI vom 31. August 2007 wurden die Diagnosen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eines chronischen panvertebralen Schmerzsyndroms,
von mässiggradigen degenerativen Veränderungen im mittleren Abschnitt der
Halswirbelsäule, einer Diskusprotrusion L4/L5 mit Einengung der Neuroforamina und
Kontakt zu den Nervenwurzeln L4 beidseits, MR-tomographisch ohne sichtbare
Kompression derselben, sowie von degenerativen Veränderungen der gesamten
Lendenwirbelsäule und Status nach thorakolumbalem Morbus Scheuermann
festgehalten. Die Gutachter kamen zum Schluss, körperlich schwere und überwiegend
mittelschwere Tätigkeiten seien dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar.
Körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne Heben und Tragen von Lasten
über 5 kg und ohne Einnahme von Zwangshaltungen seien ihm aus orthopädischer
Sicht vollschichtig zumutbar, mit einer 10%igen Leistungseinbusse. Eine 90 %ige
Arbeits- und Leistungsfähigkeit, ganztägig realisierbar mit leicht vermindertem
Rendement, sei für leichte Tätigkeiten, wie die aktuell ausgeübte als Gitarrenbauer,
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auch aus polydisziplinärer Sicht zu bestätigen. Der Beschwerdeführer scheine seinen
Idealberuf gefunden zu haben. Weitere Massnahmen seien nicht vorzuschlagen, da von
Verweistätigkeiten keine höhere medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit anzunehmen
sei. Da der Beschwerdeführer bereits im Jahr 2002, damals noch für administrative
Tätigkeiten, wie auch heute für die leichte Arbeit als Gitarrenbauer, für sich nur ein 50
%-Pensum gewünscht habe, müsse diese Selbsteinschätzung so zur Kenntnis
genommen werden (IV-act. 135). Diese Beurteilung wurde vom RAD am 6. September
2007 bestätigt (IV-act. 136). Med. pract. A._ hielt im Bericht vom 11. März 2008 zur
Frage der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, ob degenerative Veränderungen
der Wirbelsäule im Jahr 2004 zu einer Belastungsgrenze von 25 % und von 10 % im
Jahr 2007 führen könnten, fest, dass degenerative Veränderungen von Natur aus nicht
besser würden. Sie würden im besten Fall gleich bleiben. Normalerweise würden sie
sich mit der weiteren Belastung und Alterung verschlechtern. Seit der
Beschwerdeführer bei Räumungsarbeiten auf dem Bau arbeite, sei er am 13. und 14.
Februar 2008 100 % arbeitsunfähig und mit Schmerzmitteln seit dem 15. Februar 2008
wieder 50 % arbeitsfähig gewesen. Es habe sich wie früher gezeigt, dass er unter
vermehrter körperlicher Belastung erneute Rückfälle von Seiten seiner
Rückenbeschwerden erlitten habe. Beim Beschwerdeführer könne nicht nur von einer
Untersuchung aus die Arbeitsfähigkeit festgelegt werden. Eher sei hier ein längerer
Belastungstest am Arbeitsplatz oder in einem Zentrum durchzuführen (IV-act.
166-8/11, 174). Am 10. April 2008 nahm der RAD erneut Stellung (IV-act. 167).
3.
3.1 Nachdem die ABI-Gutachter im Jahr 2002 die Arbeitsfähigkeit für eine körperlich
leichte, wechselbelastende Tätigkeit aufgrund der Diagnosen im lumbalen Rücken als
nicht eingeschränkt bezeichnet hatten (IV-act. 20), schätzten die Berichterstatter der
BEFAS die Arbeitsfähigkeit unter zusätzlicher Berücksichtigung von Einschränkungen
im Halswirbelsäulen-Bereich im Jahr 2004 auf 75 % für eine adaptierte Tätigkeit (IV-
act. 77). Im Jahr 2007 bestätigten die ABI-Gutachter unter Einbezug der degenerativen
Veränderungen im HWS-Bereich eine 90 %ige Arbeitsfähigkeit. Zur Begründung
vermerkten sie unter anderem eine freie Kopfbeweglichkeit ohne relevante
Verspannungen der Nackenmuskulatur sowie an den oberen Extremitäten eine freie
und schmerzlose Beweglichkeit sämtlicher Gelenke bei sehr guter Kraftentfaltung,
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insbesondere am Schultergürtel und an den Händen. Hinweise auf die anamnestisch
angegebenen Dysästhesien der Arme würden sich nicht finden lassen und die
Symptomatik sei heute auch nicht provozierbar (IV-act. 135 S. 14f). Die
Schmerzsymptomatik, wie sie der Beschwerdeführer anlässlich der BEFAS-Abklärung
angegeben hatte, zeigte sich drei Jahre später bei der Verlaufsbegutachtung des ABI
nicht mehr. Anhaltspunkte, welche es erlauben würden, von einer "recht
oberflächlichen" Begutachtung zu sprechen (act. G 1 S. 6), sind nicht ersichtlich, zumal
an der Begutachtung ein Orthopäde, ein Internist und ein Psychiater beteiligt waren.
Aus medizinischen Diagnosen allein oder aus einem Diagnosen-Vergleich (act. G 1 S. 6
Mitte) lässt sich im Übrigen noch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ableiten.
Massgebend ist in jedem Fall die Auswirkung derselben auf die Leistungsfähigkeit mit
dem Ergebnis einer zu Tage tretenden Einschränkung. Vor dem geschilderten
medizinischen Hintergrund erscheint die Einschätzung der ABI-Gutachter
nachvollziehbar und begründet. Unbestrittenermassen konnte der Beschwerdeführer
seine Ausbildung zum Gitarrenbauer im Rahmen einer ganztätigen Tätigkeit absolvieren
(act. G 1 S. 6 unten). Wenn er einwenden lässt, es sei ihm dort jederzeit möglich
gewesen, zwischendurch Entlastungsübungen durchzuführen (act. G 1 S. 7), so ist
festzuhalten, dass die ABI-Gutachter gerade mit der Bestätigung einer 10%igen
Leistungsverminderung der Pausenbedürftigkeit ebenfalls Rechnung trugen. Wenn der
Hausarzt im Nachgang zur ABI-Begutachtung bestätigte, seit der Durchführung von
Räumungsarbeiten auf dem Bau sei der Beschwerdeführer zuerst 100 % und dann ab
15. Februar 2008 wieder 50 % arbeitsfähig gewesen (IV-act. 167), so ist festzuhalten,
dass Räumungsarbeiten auf dem Bau zu den schwereren Tätigkeiten zählen dürften.
Solche sind dem Beschwerdeführer unbestrittenermassen nicht mehr zumutbar. Der
geltend gemachte Umstand, dass sich unter vermehrter körperlicher Belastung
Rückfälle von Seiten der Rückenbeschwerden ergaben (IV-act. 167), erscheint somit
nicht verwunderlich. Dies vermag jedoch die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch
das ABI, welche sich ausdrücklich auf eine leichte Tätigkeit bezieht, nicht in Frage zu
stellen.
3.2 Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers macht im Weiteren geltend, es sei
offenkundig, dass das ABI Basel unter der Leitung von Dr. med. B._, der mit seinem
eigenmächtigen Methoden inzwischen massiver öffentlicher Kritik ausgesetzt gewesen
sei, den Beschwerdeführer nicht habe objektiv beurteilen können, sondern die
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ursprüngliche Fehlbeurteilung aus dem Jahr 2002 habe rechtfertigen bzw. in ein
besseres Licht habe stellen wollen. Dazu ist festzuhalten, dass sich im Nachgang zur
ABI-Begutachtung im Jahr 2002 zusätzliche Einschränkungen und Diagnosen
betreffend die Halswirbelsäule ergaben, wie sie bereits im Jahr 2004 von den BEFAS-
Abklärungsper-sonen bestätigt wurden. Anlässlich der ABI-Begutachtung im Jahr 2002
hatte der Beschwerdeführer ausschliesslich über lumbale Einschränkungen, zum Teil
mit Ausstrahlung in beide Schultern, geklagt. Er erwähnte darüberhinaus lediglich
Kopfschmerzen als Folge eines HWS-Traumas. Eigentliche gesundheitliche Probleme
oder Schmerzen im (cervikalen) HWS-Bereich brachte er jedoch damals nicht zur
Sprache (IV-act. 20 S. 4f). Anhaltspunkte für eine Fehlbeurteilung im Jahr 2002 sind von
daher nicht ersichtlich. Die an der Abklärung 2007 beteiligten Gutachter, d.h. der
Internist Dr. med. B._, der Psychiater Dr. med. E._ und der Orthopäde Dr. med.
F._, unterzeichneten das Gutachten auf Seite 21. Die Konsensbeurteilung weicht im
Ergebnis nicht von den Beurteilungen der einzelnen Fachärzte ab (vgl. IV-act. 135). Ein
konkreter Anlass für die Annahme einer unkorrekten Beurteilung ist bei diesem
Sachverhalt nicht ersichtlich. Im Übrigen war es auch gerechtfertigt und vom Ablauf her
sinnvoll, das Verlaufsgutachten im Jahr 2007 wieder bei der gleichen Gutachterstelle,
welche das Gutachten 2002 erstellte, einzuholen. Nachstehend ist somit von der
Einschätzung der ABI-Gutachter auszugehen.
4.
4.1 Zu prüfen ist die Höhe des Einkommens, welches der Beschwerdeführer ohne
Gesundheitsschaden erzielen könnte (Art. 16 ATSG). Auch beim Valideneinkommen
handelt es sich - wie beim Invalideneinkommen - um einen hypothetischen Wert (A.
Rumo-Jungo, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. A., 122). In den Jahren
1978 bis 1982 war der Beschwerdeführer im gelernten Beruf als Bodenleger
selbständig erwerbend tätig. Dem Auszug aus dem individuellen Konto sind für diese
Jahre Einkommen zwischen Fr. 3'525.-- und Fr. 46'400.-- zu entnehmen. Danach war
er in verschiedenen Anstellungsverhältnissen tätig. Von 1986 bis 1990 übte er erneut
eine selbständige Tätigkeit aus mit IK-Einkommen von jährlich rund 90'000.-- Franken.
Ab 1990 rechnete er aus seiner Tätigkeit in der von ihm zusammen mit einem Partner
gegründeten G._ AG Jahreseinkommen von zwischen 38'000.-- und 98'000.--
Franken als Lohn ab. Ab Juli 1998 war der Beschwerdeführer in der H._ GmbH seiner
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Ehefrau angestellt (IV-act. 106). Hieraus kamen Monatslöhne von Fr. 4'500.-- (1998), Fr.
5'000.-- (1999), Fr. 6'000.-- (2000) und Fr. 6'500.-- (2001; prognostische Angabe) zur
Abrechnung (IV-act. 5). Die H._ GmbH wurde 2001 aufgelöst (IV-act. 186). Die
Einkommen der Jahre 2001 bis 2003 bestanden aus einem unselbständigen
Nebenerwerb und (zum grössten Teil) aus Versicherungstaggeldern (IV-act. 110). Das
von der Beschwerdeführerin zugrunde gelegte Valideneinkommen von Fr. 85'030.--
(2007) blieb unbestritten. Es lässt sich aufgrund der vorangehenden Darlegungen nicht
beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin bei der Bemessung des
Valideneinkommens auf das von der letzten Arbeitgeberin angegebene Einkommen (Fr.
6'500.-- x 12 bzw. Fr. 78'000.-- für 2001; IV-act. 5) abstellte und es auf die
Nominallohnverhältnisse des Jahres 2007 aufrechnete. Im Sinn eines Vergleichs bleibt
festzuhalten, dass im angestammten Bereich des Beschwerdeführers (Baugewerbe)
tätige Männer nach den Lohnstrukturerhebungen 2006 des Bundesamtes für Statistik
im Niveau 1+2 (anspruchsvolle und schwierige bzw. selbständige und qualifizierte
Arbeiten) Fr. 6'202.-- pro Monat bzw. Fr. 74'424.-- pro Jahr erzielten. Aufgerechnet auf
die Nominallohnverhältnisse des Jahres 2007 und unter Berücksichtigung der
betrieblichsüblichen Wochenstundenzahl (41.7 Stunden) ergibt sich ein Wert von Fr.
78'828.--. Es erscheint auch vor diesem Hintergrund gerechtfertigt, den Betrag von
Fr. 85'030.-- als Valideneinkommen anzunehmen.
4.2 Die Parteien stimmen darin überein, dass das zumutbare Invalideneinkommen
anhand der Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik zu ermitteln und
dabei auf Tabelle 1 (Privater Sektor) abzustellen sei. Nicht einig sind sie sich jedoch bei
der Frage, welcher Tabellenlohn bzw. welches Anforderungsniveau dabei massgeblich
sei (act. G 1 S. 9 oben). Im Rahmen der Verfügung der Übernahme der
Umschulungskosten zum Gitarrenbauer hatte der Beschwerdeführer am 12. April 2005
die ihm von der Beschwerdegegnerin vorgelegten, folgenden Bedingungen
unterzeichnet: Bei der Prüfung eines allfälligen Rentenanspruchs nach Abschluss der
beruflichen Massnahme werde mindestens auf das Einkommen abgestellt, welches er
ohne berufliche Eingliederungsmassnahme mit der Behinderung auf einem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt erzielen könnte. Es werde nicht auf ein tieferes
Einkommen als Gitarrenbauer abgestellt. Weitere berufliche Massnahmen seien nach
Ende der Ausbildung zum Gitarrenbauer nicht geschuldet (IV-act. 89).
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Zu dieser Abmachung ist vorweg festzuhalten, dass eine anlässlich der Bewilligung
einer Umschulung getroffene Vereinbarung, mit welcher die Modalitäten eines
allfälligen Invalideneinkommens nach Abschluss der Umschulung im Voraus festgelegt
werden, für die spätere Rentenbemessung nicht beachtlich sein kann. Die tatsächliche
Situation im Zeitpunkt der Rentenbemessung lässt sich nicht durch eine früher
getroffene Vereinbarung zum vornherein ausklammern. In einer
Umschulungsbewilligung sind im Hinblick auf die Rentenfrage getroffene Absprachen
unzulässig, mit welchen ein künftig in jedem Fall anrechenbares Mindest-
Invalideneinkommen präjudizierend festgelegt wird. In der IV ist eine antizipierte
Invaliditätsbemessung grundsätzlich unzulässig (BGE 97 V 58; 109 V 24; 131 V 165, E.
2.3.3). Indem die Beschwerdegegnerin im erwähnten Schreiben vom 21. März 2005
festhielt, es bestehe in der Ostschweiz keine Chance, nach Abschluss der Ausbildung
eine entsprechende Anstellung zu finden (IV-act. 89-3/4), brachte sie ausschliesslich
arbeitsmarktliche Aspekte zur Sprache, welche sich zudem einzig auf die damalige
Wohnregion des Beschwerdeführers bezogen. Die hier bereits bei Bewilligung der
Umschulungsmassnahme in Betracht gezogene Arbeitslosigkeit des
Beschwerdeführers nach Abschluss der Ausbildung tangiert nicht die Frage der
Invalidität, indem sie die Erzielbarkeit eines rentenausschliessenden Einkommens auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt nach
Umschulungsabschluss und damit die Tauglichkeit der Umschulung nicht per se
ausschliesst. Solange nicht geklärt ist, welches Einkommen der Beschwerdeführer mit
der Ausbildung als Gitarrenbauer in einer Region erzielen könnte, welche solche
Arbeitsplätze auch bereithält, kann ihm nicht ein Tabellenlohn als Invalideneinkommen
entgegengehalten werden. Wenn m.a.W. die Umschulung bewilligt und in der Folge
auch abgeschlossen wurde, kann nicht auf die Abklärung des mit der umgeschulten
Tätigkeit erzielbaren Einkommens verzichtet und stattdessen auf statistische Löhne
abgestellt werden. Vorerst wird somit, z.B. bei einem einschlägigen Berufsverband, das
als Gitarrenbauer erzielbare Einkommen zu eruieren sein.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde in dem Sinn teilweise
gutzuheissen, dass die Verfügung vom 17. April 2008 aufgehoben und die Sache zur
Abklärung des Invalideneinkommens und zu anschliessender neuer Verfügung an die
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Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird. Bei diesem Verfahrensausgang wird die
bewilligte unentgeltliche Rechtsverbeiständung gegenstandslos. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1 IVG). Unter Berücksichtigung
des Verfahrensaufwandes wird die der unterliegenden Beschwerdegegnerin zu
auferlegende Gerichtsgebühr auf Fr. 600.-- festgesetzt. Der Beschwerdeführer hat bei
diesem Verfahrensausgang Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g
ATSG). Es rechtfertigt sich, diese auf pauschal Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen
und Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG