Decision ID: 2fe75084-f99b-411f-832a-40583e630eff
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1956 geborene
X._
war bei der
Unia
Arbeitslosenkasse als arbeitslos gemeldet und damit bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) im Rahmen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) gegen die Folgen von Nichtberufsunfällen versichert. Am 27. März 2010
erlitt sie in ei
nem von ihrem Ehemann gelenkten Personenfahrzeug einen Auffahrunfall, als dieser
hinter einer Fahrzeuglenkerin, die nach links abbiegen wollte, anhielt, worauf der nachfolgende Personenwagen (PW) mit dem Heck ihres Fahrzeugs kollidierte. Daraufhin wurde das Auto der Versicherten in den davor stehenden PW geschoben (Urk. 8/1
und Urk. 8/10 S. 2
). Sie zog sich dabei eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS; Québ
e
c Task Force-Klassifikation Grad II) zu
(Urk. 8/178 und Urk. 8/180). In der Folge erbrachte die SUVA die gesetzlichen Leis
tungen. Mit Verfügung vom
24. April 2012 stellte sie diese – unter Hinweis auf das Fehlen eines adäquaten Kausalzusammenhangs
zwischen dem
Unfallereig
nis
und den geklagten Beschwerden
–
per 31. Mai 2012 ein
(Urk. 8/164). Die dagegen erhobene Einsprache vom 28. Mai / 12. Juli 2012 (Urk. 8/168
/1-4
und Urk. 8/172
/1-2
) wies sie mit Entscheid vom 5. April 2013 ab (Urk. 8/18
5
= Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 5. April 2013 (Urk. 2) erhob d
ie
Versi
cherte am 8. Mai 2013 Beschwerde und beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, es seien ihr für die Unfallfolgen Leistungen gemäss UVG aus
zurichten
und es sei ihr für das Verwaltungsverfahren die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
zu gewähren. In prozessualer Hinsicht
ersuchte sie
auch für das vorliegende Verfahren
um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsver
beiständung
(Ur
k. 1), was mit
in Rechtskraft erwachsener
Gerichtsverfügung vom 15. Mai 2013
mangels Bedürftigkeit abgewiesen wurde
(Urk. 5). Mit
Be
schwerdeantwort
vom 5. Juni 2013 schloss die SUVA auf Abweisung der Be
schwerde
(Urk. 7)
.
Mit Replik vom 4. Oktober 2013
hielt die Beschwerdeführerin ihre Anträge um Aufhebung des
Einspracheentscheids
und um
Weiterausrich
tung
der Leistungen gemäss UVG aufrecht (Urk. 13).
Am 16. Oktober 2013 be
antragte die Beschwerdegegnerin
erneut die Abweisung der Beschwerde (Dup
lik, Urk. 17), was der Beschwerdeführerin am 21. Oktober 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 18).
3.
Mit Verfügung vom
16. November 2012
verneinte die
Sozialversicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, einen Leistungsanspruch der Beschwerde
führerin.
Die dagegen am 4. Januar 2013 erhobene Beschwerde wurde mit heu
tigem
Urteil
des hiesigen Gerichts abgewiesen (Prozess-Nr. IV.2013.00013).
4.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unteralgen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 10 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Un
fallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
), so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie in
folge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1
UVG
).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sin
ne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des na
türli
chen Kau
salzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die al
leinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
digende Ereignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
perliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit an
dern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene gesund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang be
steht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im
Be
schwerdefall
das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden
Be
weis
würdigung
nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
1.3
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U 172/94 vom 26. April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Ge
sundheitsschadens
muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000
Nr. U 363 S. 45; BGE 119 V 7 E. 3c/
aa
). Da es sich
hiebei
um eine
anspruchsaufhe
bende
Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang ge
geben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b, 1992 Nr. U 142
S. 76).
1.4
Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörun
gen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit,
Visusstörungen
, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung und so weiter vor, so ist der natürliche Kausal
zusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen. Es ist zu beto
nen, dass es gemäss obiger Begriffsumschreibung für die Bejahung des natürli
chen Kausalzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte ge
sundheitliche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 359 E. 4b).
1.5
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129
V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.6
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte ihre weitere Leistungspflicht damit, dass den geklagten
gesundheitlichen Beeinträchtigungen
an der Halswirbelsäule
(HWS)
kein unfallbedingtes organisch hinreichend nachweisbares Substrat zugrunde liege.
Diesbezüglich komme auch der
im Auftrag der Beschwerdeführerin er
stellten neurologischen Beurteilung von Dr.
med.
Y._
,
Facharzt FMH für
Neurologie
,
kein Beweiswert zu. Denn die Funktionscomputer- und
Funktions
magnetresonanztomographie
stelle kein geeignetes Beweismittel zur Beurteilung der Unfallkausalität von Beschwerden nach HWS-Distorsionen dar.
Die Adä
quanz beurteile sich nach der in BGE 134 V 109 festgehaltenen Rechtsprechung (Urk. 7 S. 8).
Die Prüfung der Adäquanzkriterien ergebe, dass
weder
eines in besonders ausgeprägter Weise noch mehrere
in gehäufter Weise erfüllt seien
. Die Leistungseinstellung sei deshalb zu Recht erfolgt (Urk. 2
, 7 und 17
)
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
Dr.
Y._
habe mittels Funktions-Computertomographie (Funktions-CT) – des
sen Beweistauglichkeit von der Rechtsprechung bestätigt
worden sei
– eine strukturelle Schädigung der HWS bildgebend bewiesen. Folglich erübrige sich die Prüfung der Adäquanz. Im Übrigen sei diese verfrüht erfolgt, da der Endzu
stand der Auswirkungen des unfallbedingten
Gesundheitsschadens nicht er
reicht sei. Der Vollständigkeit halber sei darauf hinzuweisen, dass ein Grossteil der Adäquanzkriterien – die besondere Art der erlittenen Verletzung, die fort
gesetzte spezifische, belastende ärztliche Behandlung, die erheblichen Be
schwerden, der schwierige Heilverlauf und erhebliche Komplikationen sowie die erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen –
in ausge
prägtem Ausmass erfüllt sei (Urk. 1
und Urk. 13
).
3.
Hinsichtlich der Beschwerden an der rechten Schulter teilte die
Beschwerdegegne
rin
am 22. Juni 2011 mit, zw
ischen der geklagten
Gesund
heitsstörung
und dem Unfallereignis vom 27. März 2010 bestehe kein sicherer oder wahrscheinlicher Kausalzu
sammenhang. Ihre
diesbezüglich
e
Leistungs
pflicht
sei deshalb zu verneinen
(Urk. 8/13
1
)
.
Dieser Entscheid hat mangels fristgerechter Intervention rechtliche Wirksamkeit erlangt, obwohl er grund
sätzlich zu Unrecht nicht in Verfügungsform, sondern formlos mitgeteilt wurde (BGE 134 V 145 E. 4 ff. und Urteil des Bundesgerichts 8C_506/2008 vom 5. März 2009 E. 2.1). Die Leistungspflicht betreffend die Beschwerden an der rechten Schulter bildet demnach nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens.
4
.
4
.1
Die Erstbehandlung fand am Unfalltag durch Dr. med.
Z._
, Assistenzarzt Chirurgie am Spital
A._
, statt. Er diagnostizierte eine HWS-Distorsion (QTF-Klassifikation Grad II)
und führte aus,
d
ie Computertomographie des Schädels und der HWS habe keine pathologischen Befunde ergeben,
weshalb
eine weitere Therapie nicht indiziert sei (Urk. 8/178
; vgl. auch Urk. 8/80
). Im ebenfalls von Dr.
Z._
ausgefüllten Dokumentationsfragebogen für
Erstk
on
sultationen
nach
kranio-cervic
alem
Beschleunigungstrauma gab die Beschwer
deführerin an, sofort nach dem Unfall unter Kopf- und Nackenschmerzen gelit
ten zu haben. Schwindel sei eine halbe Stunde später aufgetreten (Urk. 8/
2
/4
)
.
4
.2
Nachdem er die Beschwerdeführerin am 30. März, 7. und 21. April 2010 unter
sucht hatte, führte Dr. med.
B._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, am
4. Mai 2010 aus, die Versicherte
klage
über eine Dysästhesie der Finger links, Kopfschmerzen und Schlafstörungen mit Tagesmüdigkeit. Sie gebe auch Schmerzen im Bereich der HWS und des Rückens an. In der klinischen Untersu
chung habe er keine neurologischen Ausfälle objektivieren können (Urk. 8/180).
4
.3
Dr. med.
C._
,
Allgemeine Medizin
,
diagnostizierte am 5. Juni 2010 eine HWS-Distorsion,
eine
Zepha
l
ea
,
ein
cervico
brachiales
Syndrom und eine post
traumatische Belastungssymptomatik. Die Beschwerdeführerin leide seit dem Unfallereignis unter Kopf-, Nacken
-
und linksseitigen Armschmerzen. Zwi
schenzeitlich seien zusätzlich Augen- und Ohrbeschwerden aufgetreten
(Urk. 8/13).
4
.4
Das im Spital
D._
erstellte MRI der Halswirbelsäule vom 16. Juni 2010 zeigte nebst einer Fehlhaltung der HWS eine deutliche
Diskopathie
mit
Unkarthrosen
auf den Etagen der Halswirbelkörper (HWK) 5/6 und HWK 6/7
und beidseitiger Komprimierung der linksseitigen C6- und C7-Wurzeln
. Es be
stehe
– so Dr. med.
E._
, Facharzt FMH für Radiologie –
eine wenig ausge
prägte Kompression auf der Etage HWK 3/4 mit linksseitiger Komprimierung der C4-Wurzel. Eine ähnliche Kompression sei auch bei der Wurzel C5 rechts
seitig ersichtlich.
Myelopathiezeichen
seien keine beobachtbar (Bericht vom
17. Juni 2010 [Urk. 8/23 S. 2]).
4
.5
Gestützt auf das ambulante Assessment vom 12. Juli 2010 stellte
n
die Ärzte der
Klinik F._
am 20. Juli 2010 (Urk. 8/26) folgende Diagnosen (S. 1):
HWS-Distorsion QTF II
Cervico
vertebrales
Syndrom
Anpassungsstörung mit einer leichten depressiven Reaktion und Angst (ICD-10 F43.1)
Sie berichteten,
w
ährend des ärztlichen Anamnesegesprächs habe die Beschwer
deführerin einen psychisch stark alterierten
Eindruck gemacht. Bei gewissen Schilderungen habe sie unvermittelt zu weinen angefangen. Es sei zudem eine erhebliche Symptomausweitung beobachtbar gewesen. Diese könnte Folge einer psychischen Störung mit Krankheitswert sein. Sie gingen davon aus, dass eine erhebliche Verbesserung der Beschwerden und der arbeitsbezogenen Belastbar
keit bei guter Kooperation und Leistungsbereitschaft mit einer optimalen Thera
pie zu erreichen sei. Die Erfolgschancen seien aber aufgrund der erwähnten Schwierigkeiten eher fraglich. Sie empfahlen deshalb
nebst einer stationären Rehabilitation eine
psychosomatische Evaluation
bei der ebenfalls an der
Klinik F._
tätigen Dr. med.
G._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
(S. 2 f.).
4
.6
Das psychosomatische Konsilium vom
21. Juli 2010 ergab eine
Anpassungsstö
rung
mit leichter depressiver Reaktion und Angst gemischt (ICD-10 F43.22)
ohne
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (Bericht Dr.
G._
vom 27. Juli 2010 [Urk. 8/31]).
4
.
7
Die an der Klinik
H._
, Z
entrum für Neurologie
, tätigen Ärzte nannten am 27. Juli 2010 (Urk. 8/32) folgende Diagnose (S. 1):
Chronisches
cervicoc
ephales
und –brachiales Schmerzsyndrom mit/bei
Status nach HWS-Distorsion nach Auffahrunfall am 27. März 2010
d
epressiver Entwicklung und möglicher Symptomausweitung (Tinni
tus, Sehstörung)
Sie führten aus, elektrophysiologisch würden sich keine Hinweise auf eine Affek
tion der unteren
cervic
alen
Wurzeln linksseitig, eine
Plexusaffektion
oder ein Karpaltunnelsyndrom links finden lassen. Wie beim Ehemann der Be
schwerdeführerin scheine die Symptomatik trotz ambulanter Therapie progre
dient und sich ausweiten
d
, weshalb sie eine gemeinsame Neuroreha
bilitation
der
Eheleute empfehlen würden (S. 3).
4
.8
Dr.
C._
stellte am 13. September 2010 nachstehende Diagnosen (Urk. 8/50 S. 2):
Chronisches
cervicocephales
und –brachiales Schmerzsyndrom links bei Status nach Distorsion nach Auffahrunfall am 27. März 2010
Verdacht auf
cervicogene
Ohrensymptome
Dekompensierte
Hyperopie
mit Konvergenzschwäche nach
HWS-Distorsi
onstrauma
Depressive Entwicklung
4
.9
Nach dem stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der
Klinik F._
vom 29. September bis 28. Oktober 2010 stellte
n
die Ärzte im
Aus
trittsbericht
vom 3. November 2010 (Urk. 8/64) folgende Diagnosen (S. 1)
Unfall vom 27. März 2010: Heckkollision als Beifahrerin
HWS-Distorsion QTF II
Röntgen und CT Schädel / HWS: keine pathologischen Befunde
16. Juni 2010 MRI HWS: Fehlhaltung der HWS. Deutliche
Diskopa
thie
mit
Unkarthrosen
auf Etage C5/6/7 mit Kompression der C6- und C7-Wurzel beidseits. Wenig ausgep
rägte Kompression der Wurzeln C
3/4 (betont C4 links und C5 re
chts). Keine
Myelopathie
zeichen
Cervicovertebrales
Syndrom
Anpassungsstörung mit einer leichten depressiven Reaktion und Angst (ICD-10 F43.1)
Sie führten aus, gesamthaft betrachtet seien die aktuell beklagten Beschwerden aufgrund der klinischen und radiologischen Befunde in diesem Umfang nur un
genügend zu erklären. Die vorliegenden degenerativen Veränderungen an der HWS, die vorbestehend seien, könnten allenfalls gewisse Restbeschwerden er
klären. Das gesamte Beschwerdebild werde durch eine erhebliche
Symptomaus
weitung
überlagert beziehungsweise akzentuiert. Die festgestellte
Symptomaus
weitung
könne durch die diagnostizierte Anpassungsstörung mitbedingt sein
.
Die Versicherte habe während der Rehabilitation einen nicht adäquaten Umgang mit Schmerzen gezeigt. Sie sei nur eingeschränkt bereit gewesen, ein gewisses Mass an Schmerzen zu tolerieren und sich bis an die beobachtbare funktionelle Leistungsgrenze belasten zu lassen.
Es sei zu hoffen, dass es mit Hilfe der vor
geschlagenen psychosomatischen Behandlung bald gelinge, die Beschwerde
führerin an ein normales Alltagsleben heranzuführen
. Physiotherapeutische Massnahmen seien nicht indiziert, da weder eine physiotherapeutische Schmerzbehandlung noch die medikamentöse Analgesie die Beschwerden der Versicherten positiv beeinflusst hätten
(S. 3)
.
Im Vorfeld der stationären Reha
bilitation habe
zudem klinisch und elektrophysiologisch eine Läsion des zent
ralen oder peripheren Nervensystems ausgesch
lossen werden können (S. 2).
4
.10
Nachdem die Ärz
te der
Klinik F._
die Einleitung einer psychiatrischen Behandlung empfohlen hatten
(Urk. 8/64 S. 3)
, berichtete Dr. m
ed.
I._
, Oberärztin an der
J._
,
K._
, am 3. März 2011 von keiner grossen Veränderung des psychischen
Zustandbilds
trotz ambulanter psychiatrischer Therapie
. Im Vordergrund stehe die depressive Symptomatik (Urk. 8/95).
4
.11
Dr. med.
L._
, Facharzt FMH für Neurologie, diagnostizierte am 8. April 2011 ein posttraumatisches
cervicocephales
Schmerzsyndrom bei Status nach Beschleunigungstrauma der HWS am 27. März 2010
. Als relevante Befunde er
hob er eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit der HWS mit
palpatorisch
verdickter und
druckdolenter
Nacken- und Schultermuskulatur. Bei normalen neurologischen Befunden seien Verletzungen am Nervensystem nicht anzuneh
men. Das Beschwerdebild sei daher ausschliesslich weichteilbedingt
(Urk. 8/110).
4
.12
Die Ärzte der Klinik
H._
, Zentrum für Neurologie,
diagnostizierten am 15. April 2011 ein chronisches
myofasziales
Cervicalsyndrom
bei normalem neurologischem Untersuchungsbefund und Status nach HWS-Distorsion nach Auffahrunfall am 27. März 2010 (Urk. 8/112 S. 1).
4
.13
Med.
pract
.
M._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychothera
pie,
Versicherungspsychiatrischer Dienst der Beschwerdegegnerin,
bestätigte am 5. Mai 2011 die Diagnose einer Anpassungsstörung.
Er führte aus, der Unfall habe sich zu einem Zeitpunkt ereignet, in welchem die Beschwerdeführerin zwar psychisch stabil gewesen sei, ihre bis anhin vertrauten Ressourcen hätten mög
licherweise jedoch kaum zum Wiedergewinn eines Ausgleichs beitragen können.
Des Weiteren sei ein regressives Verhalten beobachtbar, das die
Selbstlimitie
rung
, Symptomausweitung, fehlende Selbstmotivation und Verknüpfung mit dem Schicksal beziehungsweise der Behandlung des Ehemannes erklären lasse (Urk. 8/114 S. 4).
4
.14
Dr.
I._
berichtete am 14. September 2011, nach einer Intensivierung der Psychotherapie sei eine leichte Besserung des psychischen
Zustandbilds
erfolgt,
weshalb die Beschwerdeführerin im Juli 2011 eine Tätigkeit mit einem 50%igen Pensum aufgenommen habe. Sie leide aber
immer noch unter depressiven Symptomen und somatischen Besch
werden (Urk.
8/
145).
4
.15
Der psychiatrischen Beurteilung von Dr.
M._
vom 26. Januar 2012 (Urk. 8/153) kann entnommen werden, dass
aufgrund der Intensivierung der therapeutischen Massnahmen
eine leichte Besserung der Anpassungsstörung mit depressiven und ängstlichen Anteilen
eingetreten i
st.
Die
Gesundheitsstö
rung
sei auf die erlebten Schmerzen und auf belastende Leb
ensereignisse zu
rückzuführen
(S. 3).
4
.16
Gestützt auf die Ergebnisse der
am
20. Dezember
2011 in der
N._
durchgeführten internistischen, orthopädi
schen und psychiatrischen Untersuchungen
(Expertise vom 31
.
Januar 2011 [Urk. 8/160/3-25
]
) stellten die
Guta
chter folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 21):
Chronisches
cervicocephales
und
-
brachiales Schmerzsyndrom ohne
radi
kuläre
Symptomatik (ICD-10 M53.0/M53.1)
mässiggradige
degenerative Veränderungen der unteren
Halswirbel
säule
, akzentuiert in den Segmenten HWK 5/6 und HWK 6/7, MR-to
mographisch mit
Kompromittierung
der Nervenwurzel C6 links und C7 rechts mehr wie links, bislang jedoch ohne klinisches oder
elektro
physiologisches
Korrelat (ICD-10 M50.2)
leichtgradiges
subakromiales
Impingement
, AC-Gelenksarthrose und Verdacht auf
Tendinopathie
der langen
Bizepssehne
Schulter rechts, klinisch und bildgebend ohne Hinweise auf eine relevante Läsion der
Rotatorenmanschette
(ICD-10 M75.4 / M75.2 / M19.11)
teilweise nicht ganz adäquat wirkendes Schmerzverhalten und Symp
tomausweitung
Als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beurteilten sie nachfolgende Diagno
sen (S. 21):
Leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
Übergewicht mit BMI von 27 kg/m
2
(ICD-10 E66.9)
Nikotinabusus
(ICD-10 F17.1)
Die internistische Untersuchung habe – so Dr. med.
O._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin – das Bild einer 55-jährigen, übergewichtigen Versi
cherten in unauffälligem Allgemeinzustand ergeben (S. 9 f.).
Aus internistischer Sicht lasse sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen (S. 22).
Dem psychiatrischen Teilgutachten von Dr. med.
P._
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, kann entnommen werden,
dass die Beschwer
deführerin seit dem Unfallereignis einen leichten sozialen Rückzug zeig
t
e. Gele
gentlich beklage sie einen „
Lebensverleider
“, distanziere sich aber von
Sui
zidgedanken
und Suizidimpulsen. Bei der klinischen Untersuchung sei die Stimmung herabgesetzt und leicht depressiv gewesen. Die Versicherte sei seit August 2008 arbeitslos, es bestünden zunehmend wirtschaftliche Schwierigkei
ten und bis Mitte 2011 habe sie keine Arbeitsstelle gefunden. S
ie
leide seit dem Unfall
zudem
unter körperlichen Beschwerden. Dies habe zur depressiven Ent
wicklung beigetragen; die depressive Störung sei
leichtgradig
ausgeprägt.
Die Beschwerdeführerin sei in der Lage, sich weitgehend
selbständig
um den Haus
halt zu kümmern.
Seit Sommer 2011 arbeite sie zudem zu 50 % als Hauswartin.
Es sei ihr im August 2011 auch möglich gewesen, nach dem Tod ihres Bruder
s
nach
Q._
zu fahren. Nebst einer leichten depressiven Episode könnten daher keine weiteren psychiatrischen Diagnosen gestellt werden.
Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit (S. 12 f.).
Dr. med.
R._
,
Facharzt FMH für
Orthopädische Chirurgie, berichtete in sei
nem orthopädischen Fachgutachten, Zeh
e
n-, Fersen- und Rückwärtsgang seien unauffällig möglich
gewesen
. Die Beschwerdeführerin
könne
auch während mehrerer Schritte im Kauergang gehen, was als Zeichen einer noch gut erhalte
nen Belastbarkeit der unteren Körperhälfte angesehen werden dürfe. Bei der Untersuchung des Rumpfes zeige sich eine gewisse Selbstlimitation, indem sich der
initial
gemessene Finger-Boden-Abstand von 21 cm später im
Langsitz
auf etwa 0 cm relativiere. Die Bewegungen der Explorandin würden auch in den übrigen Ebenen
sehr zögerlich wirken, obwohl anamnestisch über keine Ein
schränkungen im
thorakolumbalen
Bereich berichtet w
ürden
. Die ausgiebige Palpation des Rückens habe keine Hinweise auf strukturelle Alterationen bei eher schwach entwickelter paravertebraler Muskulatur ergeben. Bei der Prüfung der Kopfbeweglichkeit zeige sich eine sehr ausgeprägte Selbstlimitation. So habe die Beschwerdeführerin nach Aufforderung die Rotation in beide Richtun
gen auf ein Minimum reduziert, bei gleichzeitiger Ablenkung seien hingegen vollkommen freie Drehbewegungen des Kopfes ohne Schmerzäusserungen mög
lich gewesen. Auch die ausgiebige Palpation der Nackenmuskulatur gelinge im Liegen – wiederum bei gleichzeitiger Ablenkung – ohne Hinweise auf irgend
welche Verhärtungen (S. 1
7
).
Der Gutachter führte weiter aus, eine kursorische neurologische Untersuchung
habe keine Hinweise für
das Vorliegen einer Pathologie im Bereich des peri
pheren Nervensystems
ergeben
. Insbesondere könne eine spinale
Kompressions
problematik
und die Läsion eines grösseren peripheren Nervs klinisch weitge
hend ausgeschlossen werden.
Eine MR-Tomographie der HWS zeige deutlich degenerative Veränderungen vor allem im unteren Abschnitt. Bildgebend ent
stehe der Eindruck einer Neurokompression der Nervenwurzeln C6 links und C7 rechts mehr wie links. Klinische Korrelate würden sich – in Übereinstimmung mit früheren fachärztlich-neurologischen Abklärungen – dafür aber keine fin
den lassen
(S. 18)
.
Dr.
R._
führte zusammenfassend aus, die von der Beschwerdeführerin angege
ben
en
Beschwerden hätten sich anlässlich der klinischen Untersuchung nur sehr eingeschränkt objektivieren lassen. Auffallend sei eine deutliche Selbstlimitation, die sich insbesondere bei Bewegungen des Kopfes manifestiere
. Durch die objektivierbaren st
r
u
kturellen
Alterationen an der HWS und in deut
lich geringerem Ausmass an der rechten Schulter sei zwar plausibel, dass eine etwas verminderte Belastbarkeit vorliege.
Für eine körperlich leichte, wechsel
belastende Tätigkeit ohne repetitive Bewegungen der Arme oberhalb der Hori
zontalen mit einer Hebe- und
Traglimite
von zehn Kilogramm bestehe eine zeit
lich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
(S. 18).
Zur Frage der Arbeitsfähigkeit führten die beteiligten Spezialärzte zusammenfas
send aus, körp
erlich mittelschwere und schwere Arbeiten seien der Beschwerdeführerin nicht mehr zumutbar. Für körperlich leichte, adaptierte Tä
tigkeiten – worunter
voraussichtlich
auch die bisher ausgeübte Arbeit im Labor falle – bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (S. 22).
4
.17
Dr.
Y._
diagnostizierte in seinem Gutachten vom 11. April 2012
(Urk. 8/168/7-19)
einen Status nach HWS-Distorsion am 27. März 2010 mit Symptomenkomplex, vor allem
Cervicocephalea
und
Cervicobrachialgien
, und klinischer und radiologischer starker Einschränkung der Beweglichkeit der HWS ohne neurologische Ausfälle.
Die von ihm durchgeführte
Funktions-
CT-Unter
suchung zeige
rotatorische
Fehlstellungen, vor allem von C2, sowie erhebliche Segmentstörungen C1/2 und C3/4 bei ausgeprägter Hypermobilität nach rechts (S. 1
1 f.
).
Anlässlich seiner Untersuchung habe er – im Gegensatz zu den
N._
-Gutachtern – keine Selbstlimitierung
feststellen
können (S. 10).
In den früheren CT-Untersuchungen (in der Neutralposition)
– so
Dr.
Y._
weiter –
seien die
rotatorischen
Fehlstellungen nicht
vorhanden gewesen, weshalb sie sich im Verlauf der
Chroni
fizierung
entwickelt haben müss
t
en (S. 10). Die von ihm er
hobenen Befunde würden eine verminderte Belastbarkeit, die bei Überschreitung zwangsläufig zu Exazerbationen führe, belegen (S. 11). Neurologische Aus
fallerscheinungen würden keine bestehen. Hingegen könnten bei Belastungen und aufgrund der degenerativen Veränderungen der HWS mit Einengung der
Foramina
Reizerscheinungen im Verlauf der Nerven, vor allem von C6, auftre
ten. I
n therapeutischer Hinsicht soll
e zur Stabilisierung der Situation und zur Verhinderung einer Verschlechterung die
Myotonolyse
im Vordergrund stehen. Im Anschluss daran könne ein langsamer Muskelaufbau mittels fachkundig be
gleiteter medizinischer Trainingstherapie durchgeführt werden (S. 12
; vgl. auch
Urk. 14/2
).
4
.
18
Die
am 26. Oktober 2010 von der
S._
erstattete biomechanische
Kurzbe
urteilung
ergab für das Fahrzeug der Beschwerdeführerin
in Bezug auf die Heckkollision
eine kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung (Delta-v)
zwischen 10 – 15 km/h. Die Gutachter führten
hiezu
aus, aufgrund der techni
schen Bewertung und der medizinischen Unterlagen ergebe sich aus biomecha
nischer Sicht, dass die anschliessend an das Unfallereignis bei der Beschwerde
führerin festgestellten, von der HWS ausgehenden Beschwerden
und Befunde durch die Kollisionseinwirkung im Normalfall eher erklärbar seien. Unter Be
rücksichtigung, dass die Beschwerdeführerin degenerative Veränderungen der HWS (einschliesslich
Diskopathien
mit Wurzelkompression) aufweise, würden sich weitere Erklärungsmöglichkeiten ergeben (Urk. 8/59 S. 3 f.).
5
.
5.1
Zum Zeitpunkt des Fallabschlusses ist festzuhalten, dass ein Versicherer – so
fern allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abge
schlossen sind – die Heilbehandlung (und das Taggeld) nur so lange zu gewäh
ren hat, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann (BGE 134 V 109 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen).
Ob damit zu rechnen ist, dass mittels weiterer therapeutischer
Massnahmen
noch eine namhafte Besserung der gesundheitlichen Situation im Sinne von Art. 19 Abs. 1 UVG erzielt werden kann, bestimmt sich namentlich nach
Mass
gabe
der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähig
keit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Dabei muss die durch weitere Heilbehandlungen zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen. Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht (BGE 134 V 109 E. 4.3 mit weiteren Hinweisen).
Nicht zu beanstanden ist, dass die Beschwerdegegnerin den Fallabschluss per 31. Mai 2012 vornahm. So unterzieht sich die Beschwerdeführerin schon seit längerer Zeit keiner Physiotherapie mehr (Urk. 8/160/3-25 S. 9; vgl. auch Urk. 8/168/7-19 S. 7), weil die fragliche Behandlung keinen wesentlichen Erfolg mehr zeitigte (Urk. 8/110 S. 2 und Urk. 8/160/3-25 S. 10 und S. 14). Die von
Dr.
Y._
abgegebene Therapieempfehlung legt sodann den Fokus auf die Stabili
sierung respektive Verhinderung einer Verschlechterung des Gesundheitszu
stands (Urk. 8/168/7-19 S. 12). Unter diesen Umständen ist eine ins Gewicht fallende Besserung des somatischen Gesundheitszustands nicht mehr zu ver
muten. In psychischer Hinsicht diagnostizierten die
N._
-Gutachter eine leichte depressive Episode und bescheinigten eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/160/3-25 S. 12). Diese Beurteilung wird durch den Bericht von Dr.
I._
vom 2. März 2012 (Urk. 14/3) – da nicht schlüssig begründet - nicht in Frage gestellt. Sodann kann h
insichtlich der umstrittenen Qualifikation der de
pressiven Symptomatik offen bleiben, ob die fraglichen Beschwerden im Rah
men einer leichten oder einer mittelgradigen depressiven Episode zu interpre
tieren sind
. Im Übrigen unterscheidet Dr.
I._
in ihrer Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht zwischen somatischen und psychischen Einschränkungen. Vor diesem Hintergrund ist auch aus psychischer Sicht kein als namhaft im Sinne von Art. 19 Abs. 1 UVG zu taxierender Erfolg mehr zu erwarten.
5
.
2
Aus den zitierten
medizinischen Akten geht übereinstimmend hervor, dass
sich die Beschwerdeführerin anlässlich der Auffahrkollision vom 27. März 2010 eine Distorsion der HWS zugezogen hatte
und in der Folge unter für diese Verlet
zung typischen Beschwerden (vgl. E. 1.4) in Form von Kopf-, Nacken- und Rü
ckenschmerzen, einer eingeschränkten Beweglichkeit der HWS,
Visusstörungen
, Tagesmüdigkeit
und Schwindel litt
.
Was
die
Hyperopie
betrifft, ist diese gemäss Bericht von Dr. med.
T._
, Fach
arzt FMH für Ophthalmologie, vom 18. August 2010 (Urk. 1
9/1
) vorbestehend
. Inwiefern der nach dem Unfallereignis aufgetretenen
dekompensierten
Hy
peropie
mit Akkom
m
odations- und Konvergenzschwäche
eine einschränkende Wirkung auf die Arbeitsfähigkeit zukommen soll, ist nicht ersichtlich, zumal
es
mit Hilfe einer Gleitsichtbrille
zu einer Besserung kommen sollte und
in den jüngsten medizinischen Berichten keine entsprechenden B
eschwerden
mehr
aufgeführt sind
. Nicht überwiegend wahrscheinlich erscheint sodann die Ur
sächlichkeit der
beklagten Ohrenbeschwerden mit der
Kollision
.
So
stellte
Dr. med.
U._
, Facharzt FMH für Ohren-Nasen-Halskrankheiten,
am
6. August 2010
– obwohl er von multiplen sichtbaren Läsionen im Bereich der HWS be
richtete – einzig eine Verdachtsdiagnose und berichtete von einem d
eutlich subjektiven Leidensdruck
(
Urk.
19/2
; vgl. auch den Bericht von Dr.
G._
vom 27. Juli 2010, wonach der Tinnitus erst zwei Wochen nach dem Unfall aufge
treten sei
[
Urk. 8/31 S. 2
]
).
Unabhängig davon ist
mangels einer ärztlich attes
tierten Arbeitsunfähigkeit seitens der behandelnden Ärzte
– insbesondere von Dr.
U._
–
davon auszugehen, dass den Ohrenbeschwerden keine ein
schränkende Wirkung auf die Arbeitsfähigkeit zukommt.
In Übereinstimmung damit führte die Hausärztin Dr.
C._
die betreffende Diagnose in ihrem Verlaufsbericht vom 16. Mai 2011 nicht mehr auf (Urk.
8/123).
5
.
3
Dass
den noch geklagten Gesundheitsstörungen ein – unfallbedingtes – (hinrei
chend) objektivierbares organisches Substrat zugrunde läge, ist
im Lichte der
medizinischen Unterlagen
entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin
(Urk. 1
S. 9) nicht anzunehmen.
So zeigte weder die am Unfalltag erstellte Com
putertomographie der HWS und des Schädels
(Urk. 8/80) noch die am 16. Juni 2010 durchgeführte MRI-Untersuchung der HWS (Urk. 8/24) traumatisch be
dingte Läsionen.
Dr.
L._
beurteilte das Beschwerdebild ausschliesslich als weichteilbedingt (Urk. 8/110).
Selbst der von der Beschwerdeführerin beigezo
gene Neurologe Dr.
Y._
beschreibt in seinem Gutachten
vom
11. April 2012 (Urk. 8/168/7-19)
und in seiner Stellungnahme vom
27. September 2012 (Urk. 14/2)
zur Hauptsache lediglich
rotatorische
Fehlstellungen (
Urk. 8/168/7-19
S.
8 und S.
10 f.
und Urk. 14/2 S. 1
).
Die festgestellte Hypomobilität C2 bis C3 und die Segmentstörungen C1/2 und C3/4 beurteilte er sodann als muskulär bedingt (S. 8).
Daraus kann nicht auf eine bleibende neurologische Schädigung ge
schlossen werden, zumal
sogar der betreffende Arzt – in Übereinstimmung mit den weiteren involvierten Medizinern – von keinen neurologischen Ausfällen berichtete (S. 12).
Eine Unfallkausalität der von Dr.
Y._
erhobenen Befunde erscheint ausserdem aufgrund der zeitlichen Gegebenheiten als unwahrschein
lich.
Unklar ist im Übrigen auch die Art der von ihm verwendeten Computerto
mographie, wenn die
Durchführung eines "Funktions-CT" angegeben wird. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass insbesondere der
Beweis
wert
eines mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (
fMRT
,
fmri
) erho
benen Befundes für die Beurteilung der Unfallkausalität von Beschwerden nach Schleudertraumen der HWS und äquivalenten Unfallmechanismen nach dem aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft verneint wird (
Urteil des Bun
desgerichts 8C_173/2009
vom 22. Juli 2009
E. 5.2 mit Hinweis auf
BGE 134
V 231
E. 5.2-5.5
).
Hinzu kommt, dass nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine traumati
sche Verschlimmerung eines klinisch stummen degenerativen
Vorzu
standes
an der Wirbelsäule in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätes
tens aber nach einem Jahr als abgeschlossen zu betrachten ist (Urteile des Bun
desgerichts 8C_326/2013 vom 4. Juni 2014 E. 2.3 und 8C_563/2011 vom 29. August 2011 E. 3, je mit weiter
e
n Hinweisen).
Ein organisches Substrat der geklagten gesundheitlichen Störungen im Sinne einer bildgebend oder sonst wie nachweisbaren strukturellen Veränderung ist mithin klar auszuschliessen, was auch für das
diagnostizierte
cervicocephale
und
cervicobrachiale
Schmerzsyndrom und
für
Verhärtungen und
Verspannun
gen der Muskulatur, eine
Druckdolenz
im Nacken oder eine Einschränkung der HWS-Beweglichkeit
gilt
(
Urteile des Bundesgerichts 8C_498/2007 vom 28. De
zember 2007 E. 4.2 und
8C_369/2007 vom 6. Mai 2008 E. 3)
.
6
.
6
.1
Mangels objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen im Sinne nachweisba
rer s
truktureller Veränderungen (E. 5
.2) stellt sich die Frage nach der Adäquanz der von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden.
Die Parteien sind sich einig, dass die Adäquanzprüfung nach den für Schleudertraumen der HWS (BGE 117 V 359 und BGE 134 V 109) geltenden Regeln zu erfolgen hat (vgl. Urk. 1 S. 11 ff.
,
7 S. 8
und 13 S. 4
), was nicht zu beanstanden ist
(vgl. E.
5
.
2
hievor
)
.
6
.2
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Un
fall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Be
einträchtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zu
rückzuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Bundesge
richts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Stö
rungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- bezie
hungsweise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adä
quate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträch
tigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittle
ren Bereichs weitere Krite
rien in die Beurteilung mit einzubeziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig da
von, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des
Un
falls;
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
erhebliche Beschwerden;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bun
desgericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Be
urteilung des ad
äquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und ei
ner psychischen Fehl
entwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Be
schwerden auf eine Differenzie
rung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht ent
scheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als orga
nischer und/oder psy
chischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109 ff.; RKUV 2001 Nr. U 442
S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117
V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
6
.3
6
.3.1
Bei der Adäquanzprüfung ist die Schwere des Unfalls aufgrund des augenfälli
gen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu beurteilen (BGE 134 V 109 E. 10.1).
Beim Unfall vom 27. März 2010 hielt der Eheman
n der Beschwerdeführerin hin
ter
einer Fahrzeuglenkerin an, die nach links abbiegen wollte und kurz warten musste, weil ihr auf der Gegenfahrbahn ein Motorradfahrer entgegen kam. We
niger Sekunden später prallte
der nachfolgende Personenwagen ins Heck des Autos der Beschwerdeführerin, wodurch ihr Fahrzeug nach vorne geschoben wurde und das Heck des vorderen Autos leicht berührte (Urk. 8/18 S. 8
und
S. 11
).
Die am 26. Oktober 2010 von der
S._
erstattete biomechanische Kurzbeurteilung ergab für das Fahrzeug der Beschwerdeführerin in Bezug auf die Heckkollision eine kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung (Delta-v) zwischen 10 – 15 km/h, was
durch das unfallanalytische Gutachten vom
28. Februar 2011 bestätigt wird (Urk. 14/1 S. 1).
Im betreffenden Gutachten wurde überdies eine kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung beim zweiten An
stoss des Autos der Beschwerdeführerin zwischen 3.8 und 6.1 km/h festgestellt. Am Auto der vorausfahren
den
Lenkerin entstand kein sichtbarer Scha
den (Urk.
8/18 S. 7). Von einer massiven Krafteinwirkung
aufgrund der
beiden Kol
lision
en
kann daher – entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführerin –
nicht die Rede sein.
Auch die nach dem Unfall erstellten Lichtbilder lassen keinen ande
ren Schluss zu (vgl. Urk. 14/1).
Aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs und der sich dabei entwickelten Kräfte ist das fragliche
Geschehen – entspre
chend der Praxis in vergleichbaren Fällen
(vgl. etwa Urteile des Bundesgerichts 8C_327/2008 vom 16. Februar 2009 E. 4, 8C_124/2008 vom 17. Oktober 2008 E. 9, 8C_655/2008 vom 9. Oktober 2008 E. 3 und 8C_252/2007 vom 16. Mai 2008 E. 6.2) – den mittelschweren Unfällen im Grenzbereich zu den leichten Er
eignissen zuzuordnen. D
er Umstand, dass der Personenwagen der Beschwerde
führerin d
urch den Aufprall in das vor ihr
stehende Fahrzeug geschoben wurde,
rechtfertigt sodann
bei objektiver Betrachtungsweise und unter Berücksichti
gung der gesamten Verhältnisse keine andere Beurteilung
(vgl. Urteile des Bun
desgerichts 8C_252/2007 vom 16. Mai 2008 E. 6.2 und 8C_580/2010 vom 30. August 2010 E. 5.2.2)
. Da
ran vermö
g
en auch die zwar nicht unerheblichen, aber auch nicht als gravierend zu bezeichnenden Beschädigungen am Fahrzeug der Beschwerdeführerin
nichts zu ändern. Die Qualifikation als mittelschwerer Un
fall an der Grenze zu den leichten entspricht im Übrigen der im unangefochten in Rechtskraft erwachsenen Urteil im Prozess-Nr. UV.2012.00179 des Eheman
nes der Beschwerdeführerin vorgenommenen Beurteilung.
Die Adäquanz wäre daher zu bejahen, wenn ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder mindestens vier der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben wären
(Urteil des Bundesgerichts 8C_487/2009 vom 7. Dezember 2009 E. 5)
.
6
.3.2
Die Kollision hat sich weder unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet noch war sie von besonderer Eindrücklichkeit.
6
.3.3
In Bezug auf das Kriterium der schweren oder besonders gearteten Verletzung bringt die Beschwerdeführerin vor, dieses sei aufgrund der Degenerationen an einer Vielzahl von HWS-Wirbelkörpern mit
Diskopathien
und
Wurzelkompres
sionen
in ausgeprägtem Ausmass erfüllt (Urk. 1 S. 11 f.). Zwar ist nach der bun
desgerichtlichen Rechtsprechung eine HWS-Distorsion, welche eine bereits durch einen früheren Unfall erheblich vorgeschädigte Wirbelsäule trifft, speziell geeignet, die „typischen“ Symptome hervorzurufen, weshalb sie als Verletzung besonderer Art qualifiziert werden kann.
D
amit
wird indes
einzig der durch ei
nen früheren Unfall verursachten dauerhaften Vorschädigung der HWS
im Rahmen der Beurteilung der einzelnen Kriterien Rechnung getragen (Urteile des Bundesgerichts 8C_563/2011 vom 29. August 2011 E. 5.2.2 und 8C_321/2010 vom 29. Juni 2010 E. 5.2.1, je mit weiteren Hinweisen). Vorliegend handelt es sich jedoch nicht um eine durch ein früheres Trauma vorgeschädigte HWS, son
dern um degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule. Überdies ist ange
sichts der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin vor dem Unfallereignis laut ei
genen Angaben voll arbeitsfähig war und sich als gesund bezeichnete
(Urk. 8/168/7-19 S. 6
,
8/160/3-25 S. 11
und 13 S. 3
), nicht davon auszugehen, dass die Wirbelsäule in einem Ausmass vorgeschädigt war,
dass die beim Unfall er
littene
Distorsion als Verletzung besonderer Art zu qualifizieren wäre (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_277/2013 vom 7. Juli 2013 E. 4.2.2 mit Hinweis). Das Kriterium ist daher nicht erfüllt.
6
.3.4
Zu prüfen ist weiter das Kriterium der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztli
chen Behandlung bis zum Fallabschluss
am 31. Mai 2012.
Dieses Kriterium bedingt, gesamthaft betrachtet, eine kontinuierliche, mit einer gewissen Plan
mässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztli
che Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer. Blosse ärztliche
Verlaufskontrol
len
und Abklärungsmassnahmen sowie
manualtherapeutische
und medikamen
töse Behandlungen vermögen das Kriterium nicht zu erfüllen
(Urteil des Bun
desgerichts 8C_62/2013 vom 11. September 2013 E. 8.3).
Einzig aufgrund d
es Umstandes, dass die Beschwerdeführerin ihre
Schmerzen seit dem Unfall bei verschiedenen Ärzten und Institutionen zu lindern versuchte
und aufgrund der psychischen Beschwerden
eine Gesprächstherapie begann (Urk.
8/160/3-25 S. 10)
, kann noch nicht auf eine spezifische, belastende ärztlich
e Behandlung geschlossen werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_910/2009 vom 13.
Januar 2010 E. 4.4
), zumal die Beschwerdeführerin zwischenzeitlich keine Schmerzmittel mehr einnimmt
und keine Physiotherapie durchführt
(Urk. 8/160/3-25 S. 10 und Urk. 8/168/7-19 S.
7).
6
.3.5
Adäquanzrelevant können nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem
Fallab
schluss
ohne wesentlichen Unterbruch bestehende erhebliche Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Per
son durch die Beschwerden im
Le
bensalltag
erfährt (Urteil des Bundesgerichts 8C_62/2013 vom 11. September 2013 E. 8.4). Die Beschwerdeführerin leidet hauptsächlich an Kopfschmerzen. Daneben berichtet sie über diverse andere Leiden
(Urk. 1 S.
12). Folglich kann das Kriterium der erheblichen Beschwerden bejaht werden. Es ist jedoch nicht in besonders ausgeprägter Weise erfüllt. Denn die Beschwerdeführerin verzichtet auf die Einnahme von lindernden Schmerzmitteln und erledigt weiterhin selb
ständig
– bei schwereren Arbeiten hilft der Ehemann oder die Kinder –
den Haushalt
. Des Weiteren
arbeitet
sie
seit Sommer 2011 zu 50 %
im Hausdienst
(Urk. 8/160/3-25 S. 10
f.
; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_209/2008 vom 2. Dezember 2008 E. 5.5
).
6
.3.6
Mangels entsprechender Anhaltspunkte in den Akten kann nicht von einer ärztli
chen Fehlbehandlung, die die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, gesprochen werden.
6
.3.7
Ohne Weiteres zu verneinen ist sodann das Kriterium des schwierigen
Heilungs
verlaufs
und der erheblichen Komplikationen.
Hiefür
bedürfte es besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben. Dass Beschwerden trotz der durchgeführten Behandlungen persistieren, genügt ebenso wenig (vgl.
hiezu
etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_1015/2008 vom 6. April 2009 E. 5.4.3) wie der Umstand, dass die versicherte Person unter verschiedenartigen Symptomen leidet, die sich im Rahmen umfassender medizinischer Untersuchungen keinem organisch nachweisbaren Substrat zuordnen lassen, handelt es sich dabei doch gerade um ein für eine Schleudertrauma-Verletzung charakteristisches Phäno
men (vgl. BGE 117 V 359 E. 4b).
6
.3.8
Was schliesslich das Kriterium der
erheblichen
Arbeitsunfähigkeit
trotz ausgewie
sener Anstrengungen
anbelangt, ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass bei leichten bis mittelschweren Schleudertraumen der HWS ein längerer oder gar dauernder Ausstieg aus dem Arbeitsprozess vom medizinischen Stand
punkt aus als eher ungewöhnlich erscheint. Nicht die Dauer der Arbeitsunfähig
keit ist daher massgebend, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als sol
che, die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unter
nimmt. Darin liegt der Anreiz für die versicherte Person, alles daran zu setzen, wieder ganz oder teilweise arbeitsfähig zu werden. Gelingt es ihr trotz solcher Anstrengungen nicht, ist ihr dies durch Erfüllung des Kriteriums anzurechnen. Konkret muss ihr Wille erkennbar sein, sich durch aktive Mitwirkung
schnellst
möglich
wieder optimal in den Arbeitsprozess einzugliedern. Solche Anstren
gungen der versicherten Person können sich insbesondere in ernsthaften
Ar
beitsversuchen
trotz allfälliger persönlicher Unannehmlichkeiten manifestieren. Dabei ist auch der persönliche Einsatz im Rahmen von medizinischen
Thera
piemassnahmen
zu berücksichtigen. Sodann können Bemühungen um alterna
tive, der gesundheitlichen Einschränkung besser Rechnung tragende Tätigkeiten ins Gewicht fallen. Nur wer in der Zeit bis zum Fallabschluss nach Art. 19
Abs.
1 UVG in erheblichem Masse arbeitsunfähig ist und solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann das Kriterium erfüllen (
BGE 134 V 109
E. 10.2.7 mit Hinweisen).
Gestützt auf die nach dem stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 29. September bis 28. Oktober 2010 abgegebene Beurteilung der Ärzte der
Klinik F._
ist von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer
behin
derungsangepassten
Tätigkeit ab Ende Oktober 2010 (Urk.
8/64
S. 2) auszuge
hen. Diese Einschätzung wird durch die
N._
-Gutachter bestätigt (Urk.
8
/
160
/
3-25
S. 22), was sich auch darin zeigt, dass ihrer Expertise keine zwischenzeitlich eingetretene gesundheitliche Verschlechterung entnommen
werden kann. Was die von den behandelnden Ärzten abgegebenen Beurteilungen der Arbeitsfähig
keit betrifft, ist anzumerken, dass diese sich entweder nur auf die angestammte Tätigkeit beziehen oder nicht durch – ihre Fachrichtung umfassende – Befunde einleuchtend untermau
ert wurden
.
Zu ergänzen
ist in diesem Zusammenhang, dass Schmerzen an sich noch keine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bedingen (vgl. Urteil des Bundes
gerichts I 994/06 vom 29. August 2007 E. 3.3 mit Hinweisen) und keine medizi
nischen Gründe – so auch nicht die von den behandelnden Ärzten angegebene Bewegungseinschränkun
g der HWS (vgl. Urk. 8/110 S. 3, 8/112
S.
2
,
8/168/
7
-19 S. 12 und
14/3
) – ersichtlich sind, welche die Erfüllung eines Vollzeitpensums in einer behinderungsangepassten Tätigkeit unzumutbar erscheinen liessen, zu
mal neurologische Ausfälle von den involvierten Ärzten negiert werden.
Auch die von Dr.
M._
am 5. Mai 2011 (Urk.
8/114
) abgegebene Beurteilung lässt keinen anderen Schluss zu. Zwar empfahl der genannte Arzt die Anbindung der Beschwerdeführerin an ein Arbeitstraining, gegebenenfalls einen geschützten Arbeitsplatz oder ein tagesklinisches Programm; gleichzeitig brachte er indes zum Ausdruck, dass eine berufliche Wiedereingliederung nach einer Anpassungsphase durchaus möglich ist. Die von ihm vorgeschlagene wohlwollende und behutsame Ressourcenaktivierung kann daher nur so ver
standen werden, dass er auf die bei der Beschwerdeführerin offenbar eingetre
tene
Dekonditionierung
Rücksicht nimmt und ihr eine gewisse Anpassungszeit zur Umsetzung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit einräumt. Eine fehlende Einschränkung der funktionellen Leistungsfähigkeit leuchtet im Übri
gen auch vor dem Hintergrund,
dass Anpassungsstörungen (vgl.
Urk.
8/64
S. 1 und Urk.
8/114
S. 4) nach der Rechtsprechung
einer Verwertung der Arbeits
fä
higkeit grundsätzlich nicht entgegensteh
en
(Urteil des Bundesgerichts
8
C_
76
/201
4
vom
30. April
201
4
E.
3
.2) ein. In Übereinstimmung damit attes
tierten Dr.
G._
und die Ärzte der
Klinik F._
aus psychischer Sicht eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit (Urk.
8/31
S. 3 und Urk.
8/64
S. 2).
Dem
N._
-Gutachten kann zudem entnommen werden, dass die Beschwerdeführe
rin auf die
Weiterführung der
physiotherapeutischen Behand
lung
und
auf
die Einnahme von
Schmerz
mitteln
verzichtet. Anstrengungen der Beschwerdeführerin, ihre Leistungsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
voll
zeitlich
zu verwerten, sind ausserdem keine aktenkundig, zumal
die
aktuell aus
geübte Arbeit als Hauswartin
nicht dem Zumutbarkeitsprofil entspricht und deshalb
einzig zu 50 %
ausgeübt werden kann
(Urk.
8/160/3-25 S. 22).
6
.4
Von den sieben relevanten Kriterien ist demnach höchstens eines in nicht beson
ders ausgeprägter Weise erfüllt. Das genügt beim gegebenen
Schweregrad des Unfalls nicht für die Bejahung der Adäquanz.
7
.
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die von der Beschwerdeführerin weiterhin beklagten Gesundheitsstörungen in keinem überwiegend wahrscheinlichen Kausalzusammenhang zum Verkehrsunfall vom 27. März 2010 stehen. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen per 31. Mai 2012 einstellte, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
8.
8.1
Strittig und zu prüfen bleibt der Anspruch der Beschwerdeführerin auf unentgeltli
che Rechtsvertretung im Verwaltungsverfahren.
Die Beschwerdeführerin stellte den entsprechenden Antrag mit Einsprache vom 28. Mai 2012 (Urk. 8/168/1), welches Gesuch sie am 12. Juli 2012 substantiierte (Urk. 8/172/1-2). Die Beschwerdegegnerin führte dazu im angefochtenen
Ein
spracheentscheid
aus, die Einsprache habe sich praktisch einzig auf die Argu
mentation des
fmri
abgestützt. Die diesbezügliche höchstgerichtliche Rechtspre
chung habe dem Rechtsvertreter bekannt sein müssen. Angesichts der klaren Rechtslage sei die Einsprache aussichtslos und somit der Anspruch auf unent
geltliche
Verbeiständung
abzuweisen (Urk. 2 S. 12 f.).
8.2
Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV) räumt jeder Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint, einen Anspruch auf unent
geltlichen Rechtsbeistand ein. Gemäss Art. 37 Abs. 4
A
TSG wird im
Sozialversi
cherungsverfahren
der gesuchstellenden Person ein unentgeltlicher Rechtsbei
stand bewilligt, wo die Verhältnisse es erfordern (BGE 131 V 155 E. 3.1 mit Hinweis auf
Kieser
, ATSG-Kommentar, N 22 zu Art. 37).
Unentgeltliche
Verbeiständung
im Verwaltungsverfahren wird gewährt, wenn die Partei bedürftig ist, die Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheinen und die Vertretung im konkreten Fall sachlich geboten ist (vgl. Art. 29 Abs. 3 BV). Eine anwaltliche Mitwirkung drängt sich nur in Ausnahmefällen auf, wenn schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen dies als notwendig erscheinen lassen und eine
Verbeiständung
durch Verbandsvertreter, Fürsorger oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen nicht in Betracht fällt. Könnte der Einsprecher im Falle des Unterliegens die unentgeltliche
Verbeiständung
be
anspruchen, hat er bei Obsiegen Anspruch auf eine Parteientschädigung (BGE 132 V 200 E. 4.1 mit Hinweisen; vgl. BGE 125 V 32).
8.3
Mit unangefochten in Rechtskraft erwachsener Verfügung vom 15. Mai 2013 wies das Gericht das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche
Rechts
vertretung
im vorliegenden Gerichtsverfahren ab mit der Begründung, die Be
dürftigkeit sei nicht ausgewiesen (Urk. 5).
Bei fehlender Bedürftigkeit sind auch die Voraussetzungen zu Gewährung der unentgeltlichen
Verbeiständung
im Verwaltungsverfahren nicht erfüllt. Die
Be
schwerdegegnerin
hat daher im Ergebnis zu Recht das diesbezügliche Gesuch abgewiesen. Unter diesen Umständen braucht die Frage, ob die Einsprache als aussichtslos zu betrachten war, nicht näher geprüft zu werden.