Decision ID: c2d66a6c-d94b-4e52-93f2-fcdf574a275f
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
berufliche Massnahmen
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ erlitt am 27. September 2007 einen Unfall. Das Metallstück eines
Spanngurts wurde ihm in das linke Auge geschleudert. Dr. med. B._, Facharzt für
Ophthalmologie und Ophthalmochirurgie FMH bei der Suva, hielt am 13. März 2008
fest (Fremdakten), aufgrund des St. n. schwerster Contusio bulbi links sei dieses Auge
praktisch blind. Dr. med. Dipl.-Psych. C._, Oberarzt mbF am Kantonsspital St.
Gallen, berichtete dem Hausarzt am 30. Juni 2008 (Fremdakten), der Versicherte leide
an einer mittelschweren depressiven Episode. Er habe angegeben, der Visusverlust
koste ihn mehr Kraft und Zeit bei der Arbeit. Er werde zunehmend bedrückter und
aggressiver und sei abends nach der Arbeit völlig erschöpft. Dr. C._ ging davon aus,
dass die Arbeitsfähigkeit des Versicherten beeinträchtigt sei. Am 2. Juli 2010 meldete
sich der Versicherte zum Bezug von IV-Leistungen (berufliche Eingliederung) an (IV-act.
1). Er gab an, er sei von 1992 bis Juli 2010 bei der D._ AG angestellt gewesen.
Gemäss einem Diplom einer türkischen Universität hatte er den Beruf eines
Elektrotechnikers erlernt (IV-act. 6-6). In der Schweiz war ihm ein Diplom als PC/LAN-
Supporter SIZ ausgestellt worden (IV-act. 6-3). Dr. med. E._, Arzt für Allgemeine
Medizin FMH, hatte am 31. Mai 2010 in einem Zeugnis ausgeführt (IV-act. 4), der
Versicherte könne wegen des Verlusts der Sehkraft im linken Auge keine
Überkopfarbeiten mehr ausführen. Eine anhaltende posttraumatische
Belastungsstörung mit depressiver Entwicklung verunmögliche Arbeiten mit hohen
Konzentrationsanforderungen und Präzisionsarbeiten. Die Hypertonie schränke die
Stresstoleranz ein. Am 7. Juli 2010 gab er ergänzend an (IV-act. 11), die eingeschränkte
Sehfähigkeit habe auch eine Einschränkung beim räumlichen Sehen und bei der
Ausführung von Präzisionsarbeiten zur Folge. Die psychiatrische Diagnose habe
Einschränkungen bei Arbeiten mit hohen Anforderungen an die Konzentration, die
Verantwortung und die Stressbelastbarkeit zur Folge. Dr. med. F._, Facharzt für
Neurologie und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete der IV-Stelle
am 26. Juli 2010 (IV-act. 25), aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit. Die D._ AG hatte in einem Zwischenzeugnis vom 28. September
2009 (IV-act. 28-3) u.a. ausgeführt, der Versicherte habe ab 2003 ganz in der
Serviceabteilung gearbeitet. 2005 sei er zum stellvertretenden Kundendienstleiter
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ernannt worden. Seine Hauptaufgaben seien: Telephonische Kundenbetreuung und
Betreuung anderer Servicestellen, Annahme und Koordination von Serviceeinsätzen,
Annahme von Ersatzteilbestellungen, Offertstellung, Reparaturen an elektrischen und
elektronischen Modulen, Bearbeitung von Garantiefällen usw. Zusätzlich sei er seit
2007 Netzwerkadministrator der D._ Gruppe. Er stelle die Verfügbarkeit der EDV-
Infrastruktur sicher und sei dabei direkt der Leiterin Zentrale Dienste unterstellt. Der
Versicherte hatte am 30. April 2010 gekündigt, da er aus gesundheitlichen Gründen
nicht mehr fähig sei, bei der D._ AG zu arbeiten (IV-act. 27). Diese gab am 26. Juli
2010 an (IV-act. 31), der Lohn des Versicherten habe ab 1. Januar 2009 Fr. 5'850.--
betragen. Die zuständige Sachbearbeiterin der IV-Stelle notierte am 26. August 2010
(IV-act. 33), der Versicherte habe seine Arbeitsstelle aus persönlichen Gründen
gekündigt. Er hätte gern die Nachfolge seines Chefs angetreten, aber ein jüngerer
Mitarbeiter sei berücksichtigt worden. Dadurch habe er sich herabgesetzt und
diskriminiert gefühlt. Aufgrund des Verlusts der Sehfähigkeit des linken Auges habe er
Reparaturen teilweise nicht mehr ausführen können. Es sei mehrfach zu Kurzschlüssen
gekommen und er habe mit dem heissen Lötkolben Bauteile beschädigt. Ausserdem
habe er etliche Stromschläge hinnehmen müssen. Gemäss den Angaben des
Berufsberaters könne der Versicherte nur noch bedingt feinmanuelle Tätigkeiten
ausführen. Er benötige eine adäquate Einarbeitung und allenfalls ein Arbeitstraining,
damit der bisherige Lohn wieder erreicht werden könne. Der Versicherte wünsche eine
Aus-/Weiterbildung zum Prozessfachmann, Qualitätsmanager oder
Datenbankspezialisten. Sein beruflicher Hintergrund in Elektrotechnik und Elektronik
sei sehr schmal bzw. entspreche nicht einmal einer Berufslehre als Elektroniker. Bei der
D._ AG sei er ein Fachmann gewesen, weil er sich während der langen
Beschäftigungszeit entsprechende Kenntnisse habe aneignen können. Die D._ AG
gab am 21. September 2010 an (IV-act. 30), der Versicherte habe hohe Pikettdienst-
und Überzeitentschädigungen erhalten.
A.b Am 6. Oktober 2010 hielt die zuständige Sachbearbeiterin fest (IV-act. 37), der
Versicherte habe die frühere Stelle nach dem Unfall wieder zu 100% ausgeübt. Die
vorhandene (schmale) berufliche Basis lasse es nicht zu, die gewünschten
Weiterbildungen ohne länger dauernde Basisausbildung umzusetzen. Der
Eingliederungsverantwortliche notierte am 3. August 2010 (IV-act. 38), der Versicherte
könne feinmanuelle Arbeiten in einem empfindlichen Bereich nur noch bedingt
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ausführen. Ideal wäre es deshalb gewesen, wenn er Teamleiter der Reparaturabteilung
geworden wäre. Er werde kaum eine Stelle als Teamleiter in einem neuen
Aufgabenbereich finden, denn er sei Spezialist für Induktionskocher, aber nicht generell
für Elektro- oder Elektronikgeräte. Sein theoretischer Hintergrund in Elektrotechnik und
v.a. in Elektronik sei schmal. Er sei ein angelernter Fachmann für
Induktionsherdanlagen. Nach einer Einarbeitung könnte er bei der Herstellung von
Fertigungsunterlagen für Elektrogeräte tätig sein. Bei dieser Tätigkeit am PC hätte er
als Einäuger keine Einschränkung. Mit einem Vorbescheid vom 3. Januar 2011 (IV-act.
46) teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie beabsichtige, sein
Leistungsgesuch abzuweisen, weil er an seinem Arbeitsplatz bei der D._ AG zu
100% arbeitsfähig sei. Der Versicherte stellte sinngemäss ein Gesuch um die
Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen (IV-act. 48-1). Er legte einen Bericht von
med. pract. G._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 9. Januar 2011
bei (IV-act. 47), laut dem er an einer mittelgradigen depressiven Episode litt, die ihn
sowohl für psychisch anspruchsvolle als auch für psychisch wenig anspruchsvolle
Tätigkeiten zu 50% arbeitsunfähig machte. Der Versicherte hatte die Augenklinik des
Kantonsspitals St. Gallen am 25. Januar 2011 gebeten (IV-act. 48-2), seine
Arbeitsfähigkeit als Elektrotechniker und PC-LAN Supporter anzugeben. Dr. med.
H._, Oberarzt der Augenklinik des Kantonsspitals St. Gallen, teilte am 8. April 2011
mit (IV-act. 49), aufgrund der Monokelsituation seien Präzisionsarbeiten als
Elektrotechniker und PC-LAN Supporter nicht mehr durchführbar. Eine
Berufsumschulung sei notwendig. Med. pract. G._ berichtete der IV-Stelle am 12.
Juni 2011 (IV-act. 52), es bestehe eine leichte bis mittelgradige depressive Episode.
Der Versicherte sei für jegliche Art von Erwerbstätigkeit zu 50% arbeitsunfähig. Diese
Einschränkung lasse sich durch medizinische Massnahmen vermeiden. Am 10.
September 2011 teilte med. pract. G._ mit (IV-act. 63), der Gesundheitszustand sei
unverändert. Es sei aber mit einer Verbesserung zu rechnen. Vermutlich werde die
Arbeitsfähigkeit im nächsten Jahr nicht mehr eingeschränkt sein. Damit wäre dann aus
psychiatrischer Sicht eine Umschulung möglich. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb
das RAV von einer vollen Vermittlungsfähigkeit des Versicherten ausgehe. Mit einem
neuen Vorbescheid vom 11. Oktober 2011 (IV-act. 68) kündigte die IV-Stelle dem
Versicherten die Abweisung des Gesuchs um eine Umschulung an. Sie bejahte einen
Anspruch auf eine Arbeitsvermittlung. Der Versicherte wandte am 24. Oktober 2011 ein
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(IV-act. 70), nach dem Unfall sei er an seinem früheren Arbeitsplatz folgendermassen
eingeschränkt gewesen: Kein dreidimensionales Sehen und Arbeiten mehr, kein
präzises Arbeiten mehr, generell langsameres Arbeiten, bei gefährlicher Arbeit Angst,
das gute Auge auch noch zu verlieren, Belastung durch feine Lötpunkte, Messungen,
Verdrahtungen etc. und Gefahr falscher Diagnosen und Unsicherheiten für komplexe
Schaltungen teilweise im Hochfrequenzbereich und bei hohen Spannungen
(unqualifizierte Arbeit, Stromschlag- und Beschädigungsgefahr). Als PC-LAN Supporter
habe er Computerteile zerstört oder falsch vernetzt. Er habe alle diese Nachteile
versteckt, um seine Arbeitsstelle nicht zu verlieren. Das habe seine Psyche enorm
belastet. Med. pract. G._ führte am 21. Oktober 2011 in einem "Rekurs gegen den
Vorbescheid" aus (IV-act. 71), die Umschulung werde nur aus ophthalmologischen
Gründen gewünscht. Er wundere sich, dass der Versicherte nicht schon damals für die
konkret ausgeübte Tätigkeit arbeitsunfähig geschrieben worden sei. Seit der
Versicherte eine Eingliederungsmassnahme der Arbeitslosenversicherung absolviere,
erfülle er die Kriterien einer depressiven Episode nicht mehr. Der Vorbescheid habe
wieder eine leichte depressive Episode bewirkt. Dadurch sei die Arbeitsfähigkeit um
maximal 20% eingeschränkt. Wenn der Versicherte eine Umschulung beginnen könnte,
würde die depressive Episode schnell verschwinden. Mit einer Verfügung vom 18.
November 2011 (IV-act. 80) wies die IV-Stelle das Gesuch um eine Umschulung ab. Zur
Begründung machte sie geltend, der Versicherte habe nach dem Unfall ohne
wesentliche Ausfälle wieder zu 100% tätig sein können.
B.
B.a Med. pract. G._ erhob am 22. November 2011 "Rekurs" gegen die
Abweisungsverfügung (act. G 1). Er führte aus, der Versicherte habe versucht, seine
Einschränkungen zu verstecken, um eine Kündigung zu vermeiden. Als er gesehen
habe, dass die Einschränkungen zu stark gewesen seien, habe er schliesslich
gekündigt. Aufgrund der Angaben von Dr. H._ stehe ein Umschulungsbedarf fest.
Aus psychiatrischer Sicht spreche nichts gegen eine Umschulung. Der Versicherte
habe nicht aufgrund der psychischen Beeinträchtigung eine Umschulung gewünscht.
Der Versicherte selbst erhob am 16. Dezember 2011 Beschwerde (act. G 4). Am 22.
Dezember 2011 liess er auch noch durch seinen Rechtsvertreter Beschwerde erheben
(act. G 5). Dieser beantragte die Gewährung der gesetzlichen
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Eingliederungsmassnahmen, insbesondere einer Umschulung, eventualiter die
Vornahme weiterer Abklärungen zur Prüfung der behinderungsbedingten
Notwendigkeit einer Massnahme beruflicher Art. Zur Begründung führte der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers insbesondere aus, die Beschwerdegegnerin
habe die Ablehnung des Umschulungsanspruchs damit begründet, dass sich der
Gesundheitszustand aus psychiatrischer Sicht verbessert habe, dass nur noch eine
Arbeitsunfähigkeit von 20% bestehe und dass eine weitere Verbesserung zu erwarten
sei. Daraus dürfe nicht der Schluss gezogen werden, dass keine leistungsrelevante
Einbusse der funktionellen Leistungsfähigkeit mehr bestehe. Diese Berufung auf eine
künftige Verbesserung beruhe auf unzureichenden Abklärungen. Die Ärztin des RAD
habe nicht über die fachliche Qualifikation zur Bewertung des Augenleidens und der
psychischen Erkrankung verfügt. Aus medizinischer Sicht sei die Frage noch
unbeantwortet, welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer im Einzelnen noch möglich
und zumutbar seien. Wenn die Beschwerdegegnerin die Auffassung vertreten sollte,
dass eine angepasste Hilfsarbeit zu 100% möglich sei, so sei darauf hinzuweisen, dass
damit eine Erwerbseinbusse von Fr. 28'000.-- resultieren würde.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 28. Februar 2012 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 12). Sie führte aus, der Beschwerdeführer habe seine bisherige
Tätigkeit nach dem Unfall ohne Einschränkungen wieder ausüben können. Das ergebe
sich aus den Ausführungen des Arbeitgebers vom 26. Juli 2010. Der Beschwerdeführer
habe die von ihm in den Vordergrund geschobenen Reparaturen von elektrischen und
elektronischen Modulen nur noch selten ausführen müssen. Deshalb könne er durch
die Augenverletzung gar nicht spürbar beeinträchtigt gewesen sein. Die Kündigung sei
deshalb nicht krankheitsbedingt erfolgt. Der wahre Grund dürfte darin bestanden
haben, dass der Beschwerdeführer bei einer möglichen Beförderung übergangen
worden sei. Es wäre ihm auch aus psychiatrischer Sicht zumutbar gewesen, seiner
bisherigen Tätigkeit weiterhin nachzugehen. Es sei anzunehmen, dass der
Beschwerdeführer weiterhin ein Einkommen im bisherigen Betrag erzielen könne.
Damit sei der Mindestinvaliditätsgrad von 20% nicht erreicht, zumal der
Beschwerdeführer weiterhin Pikettdienst und Überstunden leisten könne. Im Übrigen
wäre eine Umschulung unverhältnismässig, da das in der Türkei erworbene
theoretische Wissen in der Elektrobranche veraltet sei und sich der Beschwerdeführer
in der Schweiz nicht ausreichend weitergebildet habe.
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B.c Der Beschwerdeführer liess am 27. April 2012 einwenden (act. G 13), die
Reparatur elektrischer und elektronischer Module sei nach wie vor ein wesentlicher
Bestandteil seines Aufgabenbereichs bei der D._ AG gewesen. Die Annahme, dass er
gekündigt habe, weil ein anderer Mitarbeiter bei der Beförderung vorgezogen worden
sei, werde bestritten. Die Kündigung sei das Resultat seines Erschöpfungszustands
nach der längeren Überbeanspruchung seiner psychischen Ressourcen gewesen. Zur
Bemessung des Valideneinkommens sei von seinen in den IK eingetragenen
beitragspflichtigen Löhnen auszugehen. Massgebend für den Umschulungsanspruch
sei, dass er ohne Umschulung auf blosse Hilfsarbeiten angewiesen wäre.
Dementsprechend sei das Invalideneinkommen anhand des Durchschnittslohns der
Hilfsarbeiter zu ermitteln.
B.d Die Beschwerdegegnerin liess sich nicht mehr vernehmen.

Erwägungen:
1.
Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte haben einen Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die
Erwerbsfähigkeit wiederherzustellen, zu erhalten oder zu verbessern, und die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (Art. 8
Abs. 1 IVG). Ein Anspruch auf eine Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit besteht,
wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und wenn dadurch die
Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Art. 17 Abs. 1
IVG). In beiden Gesetzesbestimmungen wird der Begriff der Invalidität verwendet. Die
Invalidität ist gemäss Art. 7 f. ATSG die nach der Eingliederung verbleibende
voraussichtlich bleibende oder länger dauernde Erwerbsunfähigkeit. Nun kann der
Eingliederungsbedarf aber nicht durch jenen Zustand definiert werden, der besteht,
nachdem die Eingliederung durchgeführt worden ist. Invalid i.S. von Art. 17 Abs. 1 IVG
kann also nicht sein, wer nach Art. 7 f. ATSG invalid ist, weil nach diesem allgemeinen
Invaliditätsbegriff ja gar keine Eingliederungsmöglichkeit mehr bestehen darf. Lediglich
Art. 8 Abs. 1 IVG dürfte auf den Invaliditätsbegriff der Art. 7 f. ATSG verweisen, denn
eingliederungsbedürftig dürften tatsächlich jene Versicherten sein, die von einer
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Invalidität bedroht sind. Ausnahmsweise können auch gemäss Art. 7 f. ATSG Invalide
eingliederungsbedürftig sein, nämlich wenn sich der invaliditätsbegründende
Sachverhalt so verändert hat, dass die früher fehlende Eingliederungsfähigkeit oder -
möglichkeit nun eingetreten ist. Das Problem der Anwendung des Invaliditätsbegriffs
gemäss Art. 7 f. ATSG auf die berufliche Eingliederung liegt darin, dass dieser Begriff
auf die rentenspezifische Invalidität ausgerichtet ist, d.h. nur diejenige Invalidität
definiert, die den Art. 28 ff. IVG zugrunde liegt. Das zeigt sich deutlich bei Art. 17 Abs. 1
IVG, denn die einen Umschulungsanspruch begründende Invalidität kann nicht
diejenige der Art. 7 f. ATSG sein. Die Invalidität gemäss Art. 17 Abs. 1 IVG muss die
Umschulungsbedürftigkeit sein. Gemeint ist damit eine voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde Arbeitsunfähigkeit im erlernten und effektiv ausgeübten Beruf. In
der höchstrichterlichen Rechtsprechung wird allerdings nicht von einer auf den
erlernten und bisher effektiv ausgeübten Beruf bezogenen Arbeitsunfähigkeit
ausgegangen. Es wird vielmehr eine Erwerbseinbusse von mindestens 20%
vorausgesetzt, d.h. die Umschulungsbedürftigkeit ergibt sich aus einem
Einkommensvergleich (vgl. Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 2. A.,
bearbeitet von Ulrich Meyer, S. 191). Dabei kann es sich aber nicht um einen
Einkommensvergleich gemäss Art. 16 ATSG handeln, weil dieser sich auf die Art. 7 f.
ATSG abstützt und den Abschluss der Eingliederung voraussetzt, also den
rentenspezifischen Invaliditätsgrad liefert, auf den sich dann die Anwendung der Art. 28
ff. IVG abstützt. Der Einkommensvergleich zur Ermittlung des umschulungsspezifischen
Invaliditätsgrads bzw. einer allfälligen Umschulungsbedürftigkeit kann somit nur im
Vergleich des im fiktiven "Gesundheitsfall" mit der weiteren Ausübung des erlernten
Berufs erzielbaren Einkommens mit dem in diesem Beruf nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung noch erzielten bzw. erzielbaren Einkommen bestehen.
Bei diesem Einkommensvergleich ist es entgegen der von der Beschwerdegegnerin
vertretenen Auffassung nicht zulässig, die Bemessung des nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung noch erzielbaren Einkommens anhand des in einer
behinderungsadaptierten Hilfsarbeit noch erzielbaren Einkommens zu bemessen.
Berufsleuten ist es nämlich nicht zumutbar, bis zur altersbedingten Pensionierung einer
Hilfsarbeit nachzugehen, nur um der Invalidenversicherung die Kosten einer
Umschulung in einen dem bisher ausgeübten gleichwertigen Beruf zu ersparen. Es gibt
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also keine entsprechende Schadenminderungspflicht. Im Übrigen käme es damit zu
einer unzulässigen Ungleichbehandlung zwischen jenen Berufsleuten, die bei der
Ausübung ihres Berufs ein Einkommen erzielt haben, das im Maximum leicht höher als
der durchschnittliche Hilfsarbeiterlohn gewesen ist, und denjenigen Berufsleuten, die
ein Einkommen erzielt haben, das weit höher gewesen ist als der durchschnittliche
Hilfsarbeiterlohn. Erstere hätten nämlich bei der (fiktiven) Ausübung einer
behinderungsadaptierten Hilfsarbeit oft keinen Anspruch auf eine Umschulung, weil der
dabei erzielbare Lohn weniger als 20% unter dem im Beruf erzielbaren Einkommen
läge, während letztere auch bei der fiktiven Ausübung einer behinderungsadaptierten
Hilfsarbeit immer eine Erwerbseinbusse von wenigstens 20% erleiden würden und so
ohne weiteres einen Umschulungsanspruch hätten. Der Einkommensvergleich zur
Ermittlung der umschulungsspezifischen "Invalidität" erfolgt also immer anhand der
Arbeitsunfähigkeit im erlernten und bisher effektiv ausgeübten Beruf.
2.
Die Beschwerdegegnerin hat aufgrund des Umstands, dass sich der Beschwerdeführer
gegenüber der D._ AG nach der eigentlichen Rekonvaleszenzphase nie mehr wegen
der funktionellen Einäugigkeit oder wegen psychischer Probleme krank gemeldet hatte,
den Schluss gezogen, dass der Beschwerdeführer nicht arbeitsunfähig sei. Sie hat
weiter angenommen, dass der Beschwerdeführer bei der D._ AG gekündigt habe,
weil er bei der Neubesetzung einer Vorgesetztenfunktion übergangen worden sei. Da
sie von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen
ist, hat sie es unterlassen abzuklären, wie die Berufstätigkeit des Beschwerdeführers
im Detail ausgesehen hat und ob dieser bei der Arbeit tatsächlich durch die
Gesundheitsbeeinträchtigung objektiv eingeschränkt gewesen ist. Da insbesondere
aufgrund der Angaben von Dr. H._ zu vermuten ist, dass eine relevante
Arbeitsunfähigkeit im erlernten Beruf bestehen könnte, steht der massgebende
Sachverhalt nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest. Die Beschwerdegegnerin hat also aufgrund ihrer Annahme,
dass der Beschwerdeführer uneingeschränkt arbeitsfähig sei, den
Untersuchungsgrundsatz verletzt. Der Beschwerdeführer hat bei der D._ AG eine
Erwerbstätigkeit ausgeübt, die offenbar aus drei Komponenten bestanden hat, nämlich
aus der handwerklichen Tätigkeit bei der Reparatur der von der D._ AG vertriebenen
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elektrischen und elektronischen Geräte, aus der Administration der Reparaturabteilung
der D._ AG und schliesslich aus der EDV-Netzwerkadministration bzw. dem EDV-
Support. Entgegen der von den Parteien implizit vertretenen Auffassung kann die
Tätigkeit für die D._ AG nicht dem massgebenden Beruf gleichgesetzt werden, nach
welchem der umschulungsspezifische Invaliditätsgrad zu bemessen ist, denn es ist
durchaus möglich, dass einzelne Komponenten dieser Tätigkeit vom Beschwerdeführer
nur Hilfsarbeiten gewesen sind (wie im Verwaltungsverfahren im Hinblick auf die
Reparaturen an den von der D._ AG vertriebenen elektrischen und elektronischen
Geräten behauptet worden ist) oder aber dass der Beschwerdeführer mit einzelnen
Tätigkeiten fachlich eigentlich überfordert gewesen ist. Die massgebende
Arbeitsunfähigkeit ist deshalb anhand jener - hypothetischen - Erwerbstätigkeit zu
bestimmen, die der Beschwerdeführer auf dem allgemeinen und ausgeglichenen
Arbeitsmarkt ausüben könnte, ohne dabei fachlich unter- oder überfordert zu sein. Das
setzt voraus, dass die berufliche Qualifikation des Beschwerdeführers im Detail
berufsberaterisch abgeklärt wird. Es muss bekannt sein, welche Qualifikation der
Beschwerdeführer im erlernten Beruf als Elektrotechniker aufweist, ob er also nur ein
angelernter Fachmann für die von der D._ AG vertriebenen Geräte ist oder ob er
generell als qualifizierter Elektrotechniker eingesetzt werden könnte, ob er über
administrative Berufskenntnisse verfügt, die es ihm erlauben würden, in einem anderen
Betrieb eine Abteilung zu verwalten und zu leiten oder ob er in der Reparaturabteilung
der D._ AG nur in diese Funktion hineingewachsen ist und deshalb in einem anderen
Betrieb fachlich überfordert wäre, sowie ob seine EDV-Kenntnisse ausreichen würden,
um den Netzwerksupport oder andere EDV-spezifische Funktionen auch in einem
anderen Betrieb wahrzunehmen, obwohl das EDV-System nicht mit demjenigen der
D._ AG identisch wäre. Die nachzuholende berufsberaterische Abklärung der
Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen des Beschwerdeführers kann also nicht
mittels eines auf den letzten Arbeitsplatz fokussierten Blicks erfolgen, wie es vorliegend
- ansatzweise - geschehen ist. Abklärungsziel muss die berufliche Qualifikation als
solche und nicht die Einsetzbarkeit am letzten Arbeitsplatz bei der D._ AG sein. Erst
wenn die berufliche Qualifikation feststeht, kann auch die Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers objektiv bestimmt werden, womit dann auch die massgebende
Erwerbseinbusse bzw. der umschulungsspezifische "Invaliditätsgrad" ermittelt werden
kann. Die dem Gericht vorliegenden Akten, die in spezifisch berufsberaterischer
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Hinsicht wohl nicht auf einer direkten Abklärung, sondern nur auf einer rudimentären
Aktenwürdigung beruhen dürften, reichen offensichtlich nicht aus, um die berufliche
Qualifikation des Beschwerdeführers mit dem notwendigen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu bestimmen. Auch die medizinische
Arbeitsfähigkeitsschätzung bezogen auf den Beruf des Beschwerdeführers wird erst
dann ein überwiegend wahrscheinlich richtiges Ergebnis liefern können, wenn dieser
Beruf für den medizinischen Sachverständigen klar dokumentiert ist. Die
Beschwerdegegnerin wird also nicht nur eine detaillierte Abklärung der beruflichen
Qualifikation, sondern anschliessend auch die medizinische Arbeitsfähigkeitsschätzung
nachzuholen haben.
3.
Steht der massgebende Sachverhalt in dem oben ausgeführten Umfang mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit fest und ergibt der anschliessend vorzunehmende
Einkommensvergleich eine Einbusse von wenigstens 20%, so ist der
Beschwerdeführer zwar umschulungsspezifisch invalid, aber damit hat er noch keinen
Umschulungsanspruch begründet. Der Tatbestand des Art. 17 Abs. 1 IVG enthält
nämlich neben der umschulungsspezifischen Invalidität noch eine zweite, kumulativ zu
erfüllende Voraussetzung. Es handelt sich um die Fähigkeit der umschulungsspezifisch
invaliden Person, sich erfolgreich einer Umschulung zu unterziehen. Auch in dieser
Hinsicht hat die Beschwerdegegnerin als Folge der Annahme einer uneingeschränkten
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers jede Sachverhaltsabklärung unterlassen. Zur
Prüfung der Umschulungsfähigkeit gehört etwa die Frage nach den bestehenden
sprachlichen, schulischen und beruflichen Kenntnissen, die Frage nach der Fähigkeit
der betreffenden Person, neues Wissen und neue Fertigkeiten auf dem erforderlichen
Niveau zu erwerben, oder die Bereitschaft, sich ernsthaft und zielstrebig den Mühen
einer beruflichen Ausbildung auszusetzen. Die berufsberaterische Abklärung hat auch
diesen Teil des Tatbestands des Art. 17 Abs. 1 IVG zu umfassen. Stehen die
Erwerbseinbusse von wenigstens 20% und die Eingliederungsfähigkeit und -
bereitschaft schliesslich mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
fest, hat die versicherte Person einen Umschulungsanspruch. Damit ist die
Abklärungspflicht der Verwaltung aber noch nicht erschöpft, denn nun wird es darum
gehen, das richtige Umschulungsziel zu ermitteln. Die Rechtsfolgeanordnung in Art. 17
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Abs. 1 IVG ist sehr offen bzw. unbestimmt formuliert. Fest steht nur, dass die
Umschulung geeignet sein muss, die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich zu erhalten oder
zu verbessern, d.h. im Idealfall wieder die Erzielung eines Einkommens zu ermöglichen,
das im ursprünglich erlernten Beruf erzielt werden könnte, wenn keine
Gesundheitsbeeinträchtigung eingetreten wäre. Dieser Teil der Sachverhaltsabklärung
setzt eine intensive Zusammenarbeit mit der versicherten Person voraus. Diesbezüglich
lässt sich den dem Gericht vorliegenden Akten mit Ausnahme einiger
Umschulungsvorschläge des Beschwerdeführers nichts entnehmen. Gegebenenfalls
besteht also auch hier noch ein grosser Abklärungsbedarf.
4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der bei einer Anwendung von Art. 17 Abs. 1
IVG massgebende Sachverhalt nicht so weit abgeklärt ist, dass er mit dem erforder
lichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen würde. Die
angefochtene Verfügung erweist sich aufgrund dieser Verletzung der gesetzlichen
Abklärungspflicht als rechtswidrig. Die Sache ist deshalb zur weiteren Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dazu ist die angefochtene Verfügung
aufzuheben. Der obsiegende Beschwerdeführer hat einen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist ausgehend von einem durchschnittlichen
Vertretungsaufwand praxisgemäss auf Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzusetzen. Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat für die
Gerichtskosten aufzukommen. Auch der Beurteilungsaufwand erweist sich als
durchschnittlich, so dass praxisgemäss eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu erheben
ist. Der Kostenvorschuss von ebenfalls Fr. 600.-- wird dem Beschwerdeführer
zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP