Decision ID: 5be231fe-9d3c-5c10-a0eb-c31effdca822
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Rekurrentin,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Vorinstanz,
betreffend
individuelle Prämienverbilligung 2007
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Sachverhalt:
A.
M._ reichten am 26. Juli 2007 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St.
Gallen (SVA) die Anmeldung zum Bezug einer individuellen Prämienverbilligung (IPV) für
das Jahr 2007 ein. Mit Verfügung vom 2. August 2007 verneinte die SVA den Anspruch
auf IPV. Sie stütze sich dabei auf ein anrechenbares Einkommen für das Jahr 2005 von
Fr. 53'301.-- (Reineinkommen von Fr. 49'935.-- zuzüglich Fr. 3'366.-- des Beitrags an
die berufliche Vorsorge). Damit werde das massgebliche Einkommen überstiegen (act.
G 5.1.1).
B.
Gegen diese Verfügung richtete sich die Einsprache von M._, welche am 8. August
bei der SVA einging (act. G. 5.1.2). Sie beantragten eine Überprüfung der Verfügung,
weil das Netto-Einkommen der Ehefrau von ca. Fr. 4'000.-- für beide genügen müsse.
Die SVA ging auf Grund der Aussteuerung des Ehemannes bei der
Arbeitslosenversicherung von einer dauernden Veränderung aus und prüfte den
Anspruch auf IPV erneut, indem sie auf die tatsächlichen Verhältnisse abstellte. Die
Differenz zwischen den Steuerdaten 2005 und dem bereinigten Ergebnis für das Jahr
2007 betrage 11%. Eine offensichtliche Veränderung der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit liege damit nicht vor. Die SVA wies deshalb mit Entscheid vom 20.
November 2007 die Einsprache ab (act. G. 5.1.12).
C.
Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich der von M._ mit Schreiben vom 2.
Dezember 2007 erhobene Rekurs, womit die Ausrichtung der IPV beantragt wird. Ihrem
Einkommen von ca. Fr. 4'000.-- pro Monat stünden fixe Auslagen wie Miete von Fr.
1'340.--, Krankenkassenprämien von Fr. 227.20 für die Ehefrau sowie Fr. 302.40 für
den Ehemann gegenüber. Der Ehemann könne gesundheitshalber nicht mehr im
angestammten Beruf tätig sein und sei nun von der Arbeitslosenversicherung
ausgesteuert worden. Sie seien deshalb überzeugt, dass sie die Voraussetzungen für
eine IPV erfüllten und würden daher um erneute Überprüfung der Unterlagen bitten.
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D.
Mit Vernehmlassung vom 16. Januar 2008 lässt die SVA die Abweisung des Rekurses
beantragen. Zur Begründung wird ergänzend vorgebracht, dass das anrechenbare
Einkommen für das Jahr 2005 Fr. 49'934.-- und für das Jahr 2007 Fr. 42'975.--
betrage. Beim Abstellen auf die tatsächlichen Verhältnisse des Jahres 2007
(massgebendes Einkommen Fr. 42'975.--) – gegenüber der ursprünglichen
Ausgangslage (anrechenbares Einkommen beruhend auf den Steuerfaktoren 2005 von
Fr. 49'935.--) resultiere lediglich eine Differenz von 14%. Die Rechtsprechung verlange
indessen eine Differenz von 20%, damit auf die tatsächlichen aktuellen Verhältnisse
abgestellt werden könne. Dies sei vorliegend nicht erfüllt, weshalb weiterhin das
Einkommen gemäss der Steuerveranlagung 2005 als massgebend zu betrachten sei.
E.
Die Rekurrenten halten mit ihrer Replik, welche am 31. Januar 2008 der Post
übergeben wurde, an ihrem Begehren fest. Die Tabellen und gesetzlichen
Bestimmungen seien für sie als Nicht-Juristen nicht verständlich. Da sie seit den letzten
drei Jahren nur vom Einkommen der Ehefrau gelebt hätten und über keinerlei
Vermögen verfügten, seien sie der Meinung, dass ihnen eine Prämienverbilligung
zustünde.

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Vorinstanz das Gesuch der Rekurrenten um eine
Prämienverbilligung für das Jahr 2007 zu Recht basierend auf den st. gallischen
Steuerdaten des Jahres 2005 abgelehnt hat.
2.
2.1 Nach Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung
(SR 832.10; KVG) haben die Kantone den Versicherten in bescheidenen
wirtschaftlichen Verhältnissen Prämienverbilligungen zu gewähren. Dazu haben sie
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nach Art. 97 Abs. 1 KVG Ausführungsbestimmungen zu erlassen, bei deren
Ausgestaltung die Bedingungen von Art. 66 KVG sowie Art. 65 Abs. 3 KVG zu beachten
sind (Art. 65 Abs. 2 KVG). Der Kanton St. Gallen ist dieser Verpflichtung durch die Art.
9-16 des Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung
(sGS 331.11; EG-KVG) und den dazugehörigen Vollzugsvorschriften in Art. 9-38 der
Verordnung zum Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die
Krankenversicherung (sGS 331.111; Vo-EG) nachgekommen. Dabei setzte er
insbesondere die persönlichen (Art. 10 EG-KVG) und die einkommensmässigen (Art. 11
EG-KVG) Voraussetzungen sowie die Höhe der Prämienverbilligung (Art. 12 EG-KVG)
fest.
2.2 Eine Prämienverbilligung wird nach Art. 10 Abs. 1 EG-KVG Personen gewährt, die
im Kanton St. Gallen steuerrechtlichen Wohnsitz haben (lit. a) und ein die
Prämienverbilligung auslösendes Einkommen erzielen (lit. b). Massgebend für die
Anspruchsberechtigung auf Prämienverbilligung sind die persönlichen Verhältnisse am
1. Januar des Jahres, für das die Prämienverbilligung beantragt wird (Art. 9 Abs. 1 Vo-
EG in der ab 1. Januar 2007 geltenden Fassung gemäss X. Nachtrag vom 15. Juni
2004 [nGS 39-80]).
2.3 Vorliegend ist unbestritten, dass die Rekurrenten im Kanton St. Gallen
steuerrechtlichen Wohnsitz haben. Bestritten ist hingegen, ob ein Einkommen erzielt
wurde, welches eine Prämienverbilligung auslöst. Grundlage für die Berechnung des
Anspruchs 2007 bildet in der Regel das Einkommen gemäss der Steuerveranlagung
des vorletzten Jahres (Art. 11 Abs. 2 EG-KVG), somit des Jahres 2005. Gemäss Art. 12
Abs. 2 Ziff. 2 Vo-EG entspricht das massgebliche Einkommen dem Reineinkommen
zuzüglich die Beiträge an die gebundene Selbstvorsorge Säule 3a. Die entsprechenden
Werte betrugen gemäss der Steuerveranlagung im Jahr 2005 Fr. 49'935.-- und Fr.
3'366.--. Die Rekurrenten verfügten somit über ein massgebliches Einkommen von Fr.
53'301.-- (act. G. 5.1.10). Diese Steuerveranlagung wurde von ihnen nicht angefochten,
weshalb für die Berechnung der IPV darauf abgestellt werden kann. Diesbezüglich geht
der Einspracheentscheid von einem falschen Wert aus, indem in der Berechnung der
Beitrag für die berufliche Vorsorge nicht berücksichtigt, hingegen Fr. 4'990.-- an
Vermögen angerechnet wurde. Die Rekurrenten verfügten jedoch über kein Vermögen.
Ebenso wird in der Vernehmlassung der Rekursgegnerin vom 16. Januar 2008 der
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Beitrag für die berufliche Vorsorge unkorrekterweise nicht berücksichtigt. Prozessual ist
das als Antrag zu verstehen, von diesen insofern gegenüber dem Einspracheentscheid
veränderten Verhältnissen auszugehen.
2.3.1 Die Rekurrenten sind der Ansicht, dass ihnen bei ihrem aktuell noch
geringeren Einkommen eine IPV zustünde. Sinngemäss berufen sie sich auf eine
dauernde und erhebliche Veränderung ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.
Deshalb müsse auf die tatsächlichen Verhältnisse abgestellt werden.
2.3.2 Nach Art. 11 Abs. 3 EG-KVG wird im Sinne einer Ausnahmebestimmung
nur dann von der letzten definitiven Steuerveranlagung abgewichen, wenn das
ermittelte Einkommen offensichtlich nicht der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
entspricht. Dies stellt eine Abweichung von der Gleichbehandlung dar, indem als
Bemessungsgrundlage die Gegenwartswerte herangezogen werden. Es bedarf deshalb
bestimmter Voraussetzungen, bevor auf die tatsächlichen Verhältnisse abgestellt wird.
Welche Kriterien zu einer Abweichung führen, ist der bisherigen Rechtsprechung zu
Art. 11 Abs. 3 EG-KVG zu entnehmen. Mit der Verwendung des Begriffs "offensichtlich"
in Art. 11 Abs. 3 EG-KVG wird zum Ausdruck gebracht, dass nicht jede Veränderung
der wirtschaftlichen Verhältnisse massgebend sein darf, um von den Steuerdaten
abzuweichen. Die Diskrepanz zwischen der früheren und der neuen wirtschaftlichen
Lage, welche sowohl vom Einkommen als auch vom Vermögen beeinflusst wird, muss
rechtserheblich sein. Praxisgemäss rechtfertigen nur grundlegende und tiefgreifende
Änderungen der Verhältnisse ein Abweichen von der letzten definitiven
Steuerveranlagung. Anders wäre der Vollzug der Prämienverbilligung in einem
einfachen und raschen Verfahren gar nicht zu bewerkstelligen (Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 10. Mai 2005, B 2005/23, E. 2c). Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat betreffend die wirtschaftliche
Veränderung wiederholt verlangt, dass die Differenz 20% betragen müsse (vgl. z.B.
Urteil des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 6. Januar 2005, KV-SG 2004/15 E. 2c
mit Hinweisen). Hinzuweisen ist schliesslich auf den neuen, seit 1. Januar 2008
geltenden Art. 12 Vo-EG (vgl. XV. Nachtrag zur Vo-EG vom 11. Dezember 2007
[nGs 43-10; Abl 2007, 3592 ff. ]), wonach auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
anstelle des ermittelten Einkommens abgestellt wird, wenn sich die
Einkommensgrundlagen dauerhaft verändert haben. Die Abweichung muss im
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Bezugsjahr wenigstens einen Viertel des massgebenden Einkommens des vorletzten
Jahres betragen (Abs. 2). Der Verordnungsgeber hat demnach die Anforderungen
gegenüber der Gerichtspraxis noch erhöht.
2.3.3 Der Ehemann der Rekurrentin erhielt gemäss Angaben der kantonalen
Arbeitslosenkasse St. Gallen im Mai 2003 letztmals Taggelder (act. G. 5.1.5). In der
gemeinsamen Steuerveranlagung 2005 wurde neben den Einkünften aus
unselbständigem Haupterwerb der Ehefrau von brutto Fr. 53'683.-- auch auf
Arbeitslosentaggelder von Fr. 8'069.-- sowie Erwerbsausfallentschädigung von Fr.
1'040.-- als Einkommen abgestellt (act. G. 5.1.10). Den Akten kann weiter entnommen
werden, dass gemäss der Steuererklärung 2006 Krankentaggelder von Fr. 23'116.--
bezogen wurden (act. G. 5.1.7). Aus den Akten kann nicht widerspruchsfrei festgestellt
werden, wann der Rekurrent ausgesteuert worden und somit eine dauerhafte und
qualitative Veränderungen der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten war. Jedoch kann
diese Frage offen gelassen werden, wie sich nachfolgend zeigen wird.
2.3.4 Im Jahr 2007 verfügte der Rekurrent gemäss seinen Angaben über kein
eigenes Einkommen mehr. Für den Lebensunterhalt sorgte damit allein das Einkommen
der Rekurrentin von netto ca. Fr. 4'000.-- pro Monat. Der Ehemann konnte im Jahr
2005 nur einen kleinen Teil zum gemeinsamen Einkommen beitragen. Die SVA hat
dennoch eine bereinigte Berechnung vorgenommen und für das Jahr 2007 ein
massgebendes Einkommen von Fr. 42'975.-- ermittelt. Aus den Akten ergibt sich nichts
Gegenteiliges, weshalb darauf abgestellt werden kann. Die Reduktion des
massgebenden Einkommens von Fr. 53'301.-- auf Fr. 42'975.-- beträgt in quantitativer
Hinsicht 19%. Hinzuweisen ist, dass entgegen der Berechnung für das Jahr 2005 für
das Jahr 2007 keine Angaben vorliegen, ob ein Beitrag an die berufliche Vorsorge
geleistet wurde. Dies würde das massgebende Einkommen für das Jahr 2007 erhöhen
und so die Differenz zum Jahr 2005 wieder verringern. Der Rückgang von 19% erfüllt
die Voraussetzung einer tiefgreifenden Veränderung gemäss Praxis des Gerichts nicht,
wenn zwar auch nur knapp. Vor dem Hintergrund, dass mit dem ab 1. Januar 2008
geltenden Art. 12 Vo-EG neu eine Abweichung von 25% gefordert wird,
rechtfertigt es sich hier nicht, die Abweichung zu Gunsten der Rekurrenten dennoch als
ausreichend zu erachten. Die Einkommensveränderung kann deshalb nicht
berücksichtigt werden. Es ist daher gemäss dem gesetzlichen Regelfall auf die
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vorletzte Steuerveranlagung des Jahres 2005 abzustellen. Die
Einkommensveränderung wird jedoch in den späteren Prämienverbilligungsverfahren
Berücksichtigung finden.
2.4 Es ist daher vom massgebenden Einkommen, wie es aus der Steuerveranlagung
des Jahres 2005 resultiert, auszugehen. Dieses beträgt Fr. 53'301.--. Die
Belastungsgrenze für verheiratete Erwachsenen ohne Kinder beträgt für das Jahr 2007
bei einem Einkommen ab 15'001.-- 9% des massgebenden Einkommens (Art. 2 des
Regierungsratsbeschlusses über die Prämienverbilligung in der Krankenpflege-
Grundversicherung für Personen mit zivilrechtlichem Wohnsitz oder einer
fremdenpolizeilichen Bewilligung zum Aufenthalt im Kanton St. Gallen für das Jahr
2007 vom 12. Dezember 2006; Abl 2007, 27). Für die Rekurrenten ergibt sich damit bei
einem Einkommen von Fr. 53'301.-- eine Belastungsgrenze und somit ein Selbstbehalt
von Fr. 4'797.10. Die Referenzprämie, bei deren Nichterreichen ein Anspruch auf IPV
besteht, belief sich im Jahr 2007 auf Fr. 2'140.-- pro Person, somit Fr. 4'280.--
(Nachtrag zum Regierungsbeschluss über die Prämienverbilligung in der
Krankenpflege-Grundversicherung für Personen mit zivilrechtlichem Wohnsitz oder
einer fremdenpolizeilichen Bewilligung zum Aufenthalt im Kanton St. Gallen für das
Jahr 2007 vom 6. Februar 2007 [nGS 42-70]). Der Selbstbehalt übersteigt damit diese
Referenzprämie um Fr. 517.09, weshalb den Rekurrenten für das Jahr 2007 keine
individuelle Prämienverbilligung zusteht.
3.
3.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die von den Rekurrenten geltend
gemachte Veränderung keinen Anlass für ein Abweichen von den massgeblichen
Werten gemäss Steuerveranlagung für das Jahr 2005 geben. Entsprechend hat es die
Vorinstanz zu Recht abgelehnt, auf die tatsächlichen Verhältnisse für das Jahr 2007
abzustellen. Der Einspracheentscheid ist deshalb im Ergebnis nicht zu beanstanden.
3.2 Gemäss Art. 95 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS
951.1; VRP) hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten des Verfahrens zu tragen,
dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Das wären, nachdem sie
mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen sind, die Rekurrenten. In Anbetracht der
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Umstände rechtfertigt es sich jedoch, in Anwendung von Art. 97 VRP auf die Erhebung
von Gerichtskosten zu verzichten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG