Decision ID: f342fcd7-e0fc-5afb-9486-068d6bbce6d0
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die A._ AG (nachfolgend: Gesellschaft) wurde per (Datum) ins Han-
delsregister des Kantons (...) eingetragen. Seit ihrer Gründung besteht ihr
Zweck unter anderem im Anbieten bzw. Erbringen von Dienstleistungen,
insbesondere bei der Vermittlung von Unternehmen.
B.
Am 10. Juli 2017 verlangte die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV)
im Zuge der Abklärung der Unterstellungspflicht der Gesellschaft als Effek-
tenhändlerin im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b des Bundesgesetzes vom
27. Juni 1973 über die Stempelabgaben (StG, SR 641.10) mit einem Fra-
gebogen Auskunft über deren Tätigkeit. Nach verschiedenen Korrespon-
denzen zwischen der Gesellschaft und der ESTV verfügte diese am
15. Oktober 2018, dass die Gesellschaft ab dem 1. Januar 2012 als Effek-
tenhändlerin (Vermittlerin) der Umsatzabgabepflicht unterstellt werde. In
den Erwägungen dieser Verfügung hielt die ESTV zudem sinngemäss fest,
dass die Erhebung der Umsatzabgabe für die Steuerperioden vor dem Jahr
2012 verjährt sei.
C.
Am 13. November 2018 erhob die Gesellschaft Einsprache gegen die Ver-
fügung vom 15. Oktober 2018 und beantragte deren vollständige Aufhe-
bung. Dies begründete sie hauptsächlich damit, dass sie entgegen dem
Wortlaut von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG weder Anlageberatung noch
Vermögensverwaltung betreibe. Zudem bestehe ihre Tätigkeit nicht aus-
schliesslich oder zu einem wesentlichen Teil darin, den Kauf und Verkauf
von steuerbaren Urkunden zu vermitteln.
D.
Mit Einspracheentscheid vom 10. September 2020 wies die ESTV die Ein-
sprache vom 13. November 2018 ab. Zudem stellte sie fest, dass die Ge-
sellschaft mit Wirkung ab dem 1. Januar 2012 als Effektenhändlerin um-
satzabgabepflichtig sei und dass die Gesellschaft ihr ab dem Jahr 2012 die
anfallende Umsatzabgabe mittels amtlichem Formular 9 umgehend zu de-
klarieren und zuzüglich eines Verzugszinses von 5% – berechnet vom Zeit-
punkt der jeweiligen Fälligkeit bis zum Tag der Entrichtung – zu entrichten
habe. Zur Begründung führte die ESTV im Wesentlichen aus, dass der Ge-
setzgeber den Begriff des gewerbsmässigen Vermittlers mit der Formulie-
rung «als Anlageberater oder Vermögensverwalter» nicht habe einschrän-
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ken wollen. Im Übrigen entspreche die Tätigkeit der Gesellschaft derjeni-
gen einer Anlageberaterin, wobei sich die Gesellschaft ausschliesslich
oder zu einem wesentlichen Teil dieser Tätigkeit widme. Letzteres könne
der eingereichten Mandatsliste für die Jahre 2012 bis 2017 entnommen
werden.
E.
Gegen diesen Einspracheentscheid der ESTV (nachfolgend auch: Vor-
instanz) lässt die Gesellschaft (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am
9. Oktober 2020 Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht erheben und
beantragen, der Einspracheentscheid vom 10. September 2020 sei aufzu-
heben und es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin nicht als Ef-
fektenhändlerin gemäss Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG zu qualifizieren sei
und auch nicht in der Vergangenheit als solche zu qualifizieren gewesen
sei (Beschwerdebegehren 1); dass die Beschwerdeführerin weder in der
Vergangenheit, das heisst konkret ab 1. Januar 2012, umsatzabgabepflich-
tig gewesen sei noch aktuell umsatzabgabepflichtig sei (Beschwerdebe-
gehren 2); und dass die Beschwerdeführerin kein Formular 9 einzureichen
und kein Umsatzregister zu führen habe (Beschwerdebegehren 3); alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Vorinstanz.
F.
In ihrer Vernehmlassung vom 18. November 2020 schliesst die Vorinstanz
auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten
sei, und verweist auf den Einspracheentscheid vom 10. September 2020.
G.
Mit Replik vom 3. Dezember 2020 hält die Beschwerdeführerin an ihren in
der Beschwerde vom 9. Oktober 2020 gestellten Anträgen vollumfänglich
fest.
Auf die detaillierten Vorbringen der Beschwerdeführerin und die Akten wird
– soweit sie für den Entscheid wesentlich sind – in den Erwägungen ein-
gegangen.
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Seite 4

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach
Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt hier nicht vor. Als anfechtbare
Verfügungen gelten auch Einspracheentscheide der ESTV (Art. 5 Abs. 2
VwVG i.V.m. Art. 33 Bst. d VGG). Das Bundesverwaltungsgericht ist für die
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Das Verfahren vor
Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG
nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.2 Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin des angefochtenen Ent-
scheids, mit welchem ihre Begehren abgewiesen wurden, grundsätzlich
zur vorliegenden Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
Gemäss Art. 25 Abs. 1 VwVG kann die in der Sache zuständige Behörde
über den Bestand, den Nichtbestand oder den Umfang öffentlich-rechtli-
cher Rechte oder Pflichten von Amtes wegen oder auf Begehren eine Fest-
stellungsverfügung treffen. Eine von Amtes wegen erlassene Feststel-
lungsverfügung setzt analog zu Art. 25 Abs. 2 VwVG ein öffentliches Fest-
stellungsinteresse voraus (BGE 137 II 199 E. 6.5.1 und 130 V 388 E. 2.4).
Vorliegend hat die ESTV mit Verfügung vom 15. Oktober 2018 von Amtes
wegen den Bestand der Umsatzabgabepflicht ab dem 1. Januar 2012 fest-
gestellt (vgl. Sachverhalt, Bst. B). Eine solche Feststellungsverfügung ist
zulässig (vgl. auch: Art. 38 Bst. b StG). In der Folge wurde diese durch den
Einspracheentscheid vom 10. September 2020 ersetzt (sog. Devolutiv-
effekt; vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundes-
verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, N. 2.7). Die Beschwerdeführerin verlangt
mit ihren Feststellungsbegehren nichts anderes als die Reformation von
Feststellungen der Vorinstanz. Hierfür ist ihr Feststellungsinteresse zu be-
jahen (vgl. dazu: Urteil des BGer 2C_364/2015 und 2C_425/2015 vom
3. Februar 2017 E. 2.4). Somit ist auch die Beschwerde der Beschwerde-
führerin, mit welcher sie sich gegen die Feststellung der Umsatzabgabe-
pflicht ab dem 1. Januar 2012 wehrt, ohne Weiteres zulässig.
1.3 Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist demnach einzutreten.
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1.4 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Einsprache-
entscheid in vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann ne-
ben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrich-
tigen oder unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49
Bst. c VwVG).
Eine Verletzung von Art. 49 Bst. b VwVG liegt beispielsweise dann vor,
wenn eine der Untersuchungsmaxime unterworfene Behörde den Sachver-
halt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder dies unrichtig bzw. nur unvoll-
ständig getan hat. Als unrichtig gilt die Sachverhaltsfeststellung, wenn der
angefochtenen Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zu-
grunde gelegt wurde oder entscheidrelevante Gesichtspunkte nicht geprüft
oder Beweise falsch gewürdigt wurden. Als unvollständig gilt sie, wenn
nicht über alle rechtserheblichen Umstände Beweis geführt wurde oder
eine entscheidrelevante Tatsache zwar erhoben, jedoch nicht gewürdigt
wurde und nicht in den Entscheid einfloss (statt vieler: Urteile des BVGer
A-479/2021 vom 8. September 2021 E. 1.3 und A-5321/2013 vom 23. April
2014 E. 3.2.1 m.w.H.).
1.5
1.5.1 Das Verfahren vor der ESTV wie auch jenes vor dem Bundesverwal-
tungsgericht werden von der Untersuchungsmaxime beherrscht. Danach
muss die entscheidende Behörde den rechtlich relevanten Sachverhalt von
sich aus abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen (statt vie-
ler: Urteile des BVGer A-416/2017 vom 2. Juli 2018 E. 2.3 und A-629/2010
vom 29. April 2011 E. 3.1; MICHAEL BEUSCH/SUSANNE RAAS, in: Zweifel/
Beusch/Bauer-Balmelli [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuer-
recht, Bundesgesetz über die Stempelabgaben [nachfolgend: Kommentar
StG], 2. Aufl. 2019, Art. 39a N. 15).
Der Untersuchungsgrundsatz wird allerdings modifiziert durch die im Steu-
errecht regelmässig gesetzlich vorgesehene Mitwirkungspflicht des Steu-
erpflichtigen. Für die Stempelabgaben ist diese in Art. 35 StG geregelt, wo-
nach der Abgabepflichtige der ESTV über alle Tatsachen, die für die Abga-
bepflicht oder für die Abgabebemessung von Bedeutung sein könnten,
nach bestem Wissen und Gewissen Auskunft erteilen muss (vgl.
BEUSCH/RAAS, Kommentar StG, Art. 39a N. 15).
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Seite 6
1.5.2 Ist der Sachverhalt unklar und daher zu beweisen, endet die Beweis-
würdigung mit dem richterlichen Entscheid darüber, ob eine rechtserhebli-
che Tatsache als erwiesen zu gelten hat oder nicht. Der Beweis ist geleis-
tet, wenn das Gericht gestützt auf die freie Beweiswürdigung zur Überzeu-
gung gelangt ist, dass sich der rechtserhebliche Sachumstand verwirklicht
hat. Gelangt die Entscheidinstanz nicht zum Ergebnis, dass sich der in
Frage stehende Umstand verwirklicht hat, so fragt es sich, wer die Folgen
der Beweislosigkeit zu tragen hat (statt vieler: Urteile des BVGer
A-1878/2014 vom 28. Januar 2015 E. 2.4 und A-629/2010 vom 29. April
2011 E. 3.2).
Gestützt auf die allgemeinen Regeln der Beweislastverteilung trägt die
Steuerbehörde die Beweislast für die steuerbegründenden und -erhöhen-
den Tatsachen und der Steuerpflichtige für die steueraufhebenden und
-mindernden Tatsachen (BGE 140 II 248 E. 3.5 und 121 II 257 E. 4c/aa;
Urteil des BGer 2C_16/2015 vom 6. August 2015 E. 2.5.4; Urteile des
BVGer A-6214/2018 vom 20. April 2020 E. 1.6.2, A-7956/2015 vom
30. Juni 2016 E. 2.4 und A-1335/2014 vom 14. Dezember 2015 E. 2.3).
2.
2.1 Der Bund erhebt Stempelabgaben unter anderem auf dem Umsatz ge-
wisser in- und ausländischer Urkunden (Art. 1 Abs. 1 Bst. b StG). Gegen-
stand dieser Umsatzabgabe ist die entgeltliche Übertragung von Eigentum
an steuerbaren Urkunden, sofern eine der Vertragsparteien oder einer der
Vermittler inländischer Effektenhändler ist (Art. 13 Abs. 1 StG).
Damit die Umsatzabgabe geschuldet ist, müssen demnach folgende Ele-
mente erfüllt sein: Eigentumsübertragung, Entgeltlichkeit, Übertragung von
steuerbaren Urkunden sowie die Beteiligung eines inländischen Effekten-
händlers, sei es als Vertragspartei oder als Vermittler (vgl. THOMAS
JAUSSI/MARKUS PFIRTER, Die eidg. Stempelabgaben, 2. Aufl. 2017, S. 60;
MARTIN BÜELER, Kommentar StG, Art. 13 N. 1).
2.2 Als Effektenhändler gelten gemäss Art. 13 Abs. 3 StG unter anderem
die Banken, die bankähnlichen Finanzgesellschaften im Sinne des Ban-
kengesetzes vom 8. November 1934 (BankG, SR 952.0), die Schweizeri-
sche Nationalbank sowie die zentralen Gegenparteien im Sinne des Fi-
nanzmarktinfrastrukturgesetzes vom 19. Juni 2015 (FinfraG, SR 958.1)
(Bst. a); die nicht unter Bst. a fallenden inländischen natürlichen und juris-
tischen Personen und Personengesellschaften, inländischen Anstalten und
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Zweigniederlassungen ausländischer Unternehmen, deren Tätigkeit aus-
schliesslich oder zu einem wesentlichen Teil darin besteht, (1) für Dritte den
Handel mit steuerbaren Urkunden zu betreiben (Händler) oder (2) als An-
lageberater oder Vermögensverwalter Kauf und Verkauf von steuerbaren
Urkunden zu vermitteln (Vermittler) (Bst. b); die nicht unter die Buchstaben
a und b fallenden inländischen Aktiengesellschaften, Kommanditaktienge-
sellschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung und Genossen-
schaften sowie inländischen Einrichtungen der beruflichen Vorsorge und
der gebundenen Vorsorge, deren Aktiven nach Massgabe der letzten Bi-
lanz zu mehr als 10 Millionen Franken aus steuerbaren Urkunden nach
Abs. 2 bestehen (Bst. d).
2.3
2.3.1 Die Abgabeforderung entsteht mit dem Abschluss des Geschäfts
(Art. 15 Abs. 1 StG). Es ist Sache des Effektenhändlers, die auf dem Ent-
gelt der übertragenen Urkunde berechnete Abgabe (1,5 Promille für inlän-
dische und 3 Promille für ausländische Urkunden) zu leisten (Art. 16 Abs. 1
und Art. 17 Abs. 1 StG). Der Effektenhändler schuldet gemäss Art. 17
Abs. 2 StG (je) eine halbe Abgabe, (i) wenn er vermittelt: für jede Vertrags-
partei, die sich weder als registrierter Effektenhändler noch als von der Ab-
gabe befreiter Anleger ausweist (Bst. a); (ii) wenn er Vertragspartei ist: für
sich selbst und die Gegenpartei, die sich weder als registrierter Effekten-
händler noch als von der Abgabe befreiter Anleger ausweist (Bst. b).
2.3.2 Ein Effektenhändler gilt gemäss Art. 17 Abs. 3 StG als Vermittler, (i)
wenn er mit seinem Auftraggeber zu den Originalbedingungen des mit der
Gegenpartei abgeschlossenen Geschäfts abrechnet (Bst. a); (ii) lediglich
Gelegenheit zum Geschäftsabschluss nachweist (Bst. b); (iii) die Urkunden
am Tag ihres Erwerbs weiterveräussert (Bst. c).
2.4 Das Umsatzabgaberecht kennt mehrere Vermittlerbegriffe. So sind die
jeweils in Art. 13 Abs. 1 StG (E. 2.1), in Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG
(E. 2.2) und in Art. 17 Abs. 3 StG (E. 2.3.2) verwendeten Vermittlerbegriffe
inhaltlich nicht deckungsgleich, da sie verschiedene Zwecke verfolgen
(Urteil des BGer 2C_638/2020 vom 25. Februar 2021 E. 3.2; Urteil des
BGer vom 4. März 1985, veröffentlicht in: ASA 54, S. 599 ff., E. 1b betref-
fend das Verhältnis zwischen Art. 13 Abs. 1 und 17 StG).
2.4.1 Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG definiert die Eigenschaft als Effekten-
händler für eine bestimmte Gruppe von Personen näher. Demnach ist Ef-
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fektenhändler nur, wer gewerbsmässig als Anlageberater oder Vermögens-
verwalter den Kauf und Verkauf von steuerbaren Urkunden vermittelt. Ge-
mäss Gesetzestext muss nämlich die Tätigkeit ausschliesslich oder zu ei-
nem wesentlichen Teil in der beschriebenen bestehen (Urteil des BVGer
A-1480/2019 vom 9. Juni 2020 E. 2.6.1.1 [bestätigt mit Urteil 2C_638/2020
E. 3.2.1]).
Gewerbsmässig handelt insbesondere, wer sich mit der Vermittlung von
Wertpapiergeschäften befasst in der Absicht, sich aus dieser Tätigkeit eine
Quelle dauernden Erwerbs zu verschaffen (Urteil des BVGer A-515/2007
vom 26. März 2010 E. 3.1.3 m.H.).
2.4.2 In Art. 13 Abs. 1 StG geht es hingegen um die konkrete Handlung,
die ein (bereits definierter) Effektenhändler ausführen muss, damit – soweit
die weiteren Voraussetzungen im Sinne der E. 2.1 erfüllt sind – die Um-
satzabgabe zu entrichten ist. Diese Tätigkeit kann auch einmalig sein
(Urteil A-1480/2019 E. 2.6.1.2).
Das Bundesgericht hat sich jüngst im Urteil 2C_638/2020 vom 25. Februar
2021 zur Auslegung des Vermittlerbegriffs gemäss Art. 13 Abs. 1 StG ge-
äussert. Es hat gestützt auf das Mäklervertragsrecht (vgl. Art. 412–418 des
Obligationenrechts vom 30. März 1911 [OR, SR 220]) festgehalten, dass
ein Effektenhändler – wie ein Nachweismäkler – als erster die Gelegenheit
zum Vertragsabschluss nachweisen oder – wie ein Vermittlungsmäkler –
im Rahmen der Vertragsverhandlungen auf die Abschlussbereitschaft der
anderen Vertragspartei einwirken und damit eine kausale Ursache für den
Vertragsabschluss setzen müsse, damit er zu einem Vermittler im Sinne
von Art. 13 Abs. 1 StG werde (Urteil 2C_638/2020 E. 3.4 und 3.9). Des
Weiteren hielt es an der bisherigen Rechtsprechung fest, wonach es uner-
heblich sei, ob der Effektenhändler als Kommissionär, Agent, Makler oder
Beauftragter tätig werde, wobei diese Formulierung insoweit zu präzisieren
sei, als der Effektenhändler, der ein Geschäft als Kommissionär in eigenem
Namen, aber auf fremde Rechnung abschliesse, dieses Geschäft formell-
zivilrechtlich gesehen nicht vermittle, sondern Vertragspartei desselben sei
und deshalb im Rahmen von Art. 13 Abs. 1 StG Vertragspartei und nicht
Vermittler sei, obschon ihn Art. 17 Abs. 3 Bst. a und c StG unter gewissen
Voraussetzungen für den Zweck der Bestimmung des Abgabepflichtigen
als Vermittler qualifiziere (Urteil 2C_638/2020 E. 3.5.2 mit Verweis auf Ur-
teil des BGer vom 4. März 1985, veröffentlicht in: ASA 54, S. 599 ff., E. 1b;
vgl. auch: Urteil A-515/2007 E. 3.1.1). Ebenso sei unerheblich, ob zwi-
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schen dem Vermittler und einer Vertragspartei ein Mäkler- oder ein sonsti-
ges Vertragsverhältnis bestehe, in welcher rechtlichen Beziehung Vermitt-
ler und Vertragsparteien zueinanderstehen oder ob eine Vertragspartei
dem Vermittler bei Geschäftsabschluss ein Entgelt schulde (Urteil
2C_638/2020 E. 3.5.2).
2.4.3 Schliesslich umschreibt Art. 17 StG den Kreis derjenigen Personen,
welche die Umsatzabgabe abzuliefern haben, wenn der Tatbestand von
Art. 13 Abs. 1 StG erfüllt ist.
Zum einen wird ein Effektenhändler als Vermittler im Sinne von Art. 17
Abs. 3 Bst. b StG abgabepflichtig, wenn «er lediglich Gelegenheit zum Ge-
schäftsabschluss nachweist» (E. 2.3.2). Dabei knüpft dieser Vermittlungs-
begriff (alleine) an die für eine Nachweismäkelei typische Leistung an, wo-
bei diese Norm – aufgrund der fehlenden Anknüpfung an Tätigkeiten, die
einen intensiveren Beitrag an das Gelingen einer Transaktion leisten –
keine abschliessende Definition der Vermittlertätigkeit darstellt (Urteil
2C_638/2020 E. 3.2.3 f.).
Zum anderen löst ein Effektenhändler, der steuerbare Urkunden in eige-
nem Namen erwirbt, zwar im Rahmen von Art. 13 Abs. 1 StG die Umsatz-
abgabe bereits als Vertragspartei und nicht (nur) als Vermittler aus. Für die
Bestimmung der abgabepflichtigen Person wird er jedoch nicht als Ver-
tragspartei, sondern wie ein Vermittler behandelt, wenn eine der Konstel-
lationen von Art. 17 Abs. 3 Bst. a oder c StG erfüllt ist (vgl. dazu: E. 2.3.2).
Weil der Effektenhändler als Vermittler die Umsatzabgabe nur schuldet,
wenn sich die Vertragsparteien nicht als Effektenhändler oder befreite An-
leger ausweisen (vgl. dazu: E. 2.3.1), verhindert die Regelung von Art. 17
Abs. 3 Bst. a und c StG Mehrfachbelastungen bei Kettenübertragungen mit
mehreren Effektenhändlern (zum Ganzen: Urteil 2C_638/2020 E. 3.2.2
m.w.H.).
2.4.4 Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass das Kreis-
schreiben Nr. 12 der ESTV vom 10. März 2011 «Umsatzabgabe» keine De-
finition des Vermittlerbegriffs enthält. Soweit eine Definition ansatzweise
enthalten ist, lehnt sich diese an Art. 17 Abs. 3 StG an (z.B. Rz. 50 des
Kreisschreibens).
2.5 Die Umsatzabgabe ist eine Rechtsverkehrssteuer auf dem Abschluss
von Verträgen betreffend die entgeltliche Übertragung von steuerbaren Ur-
kunden. Besteuert wird die Übertragung des Eigentums und nicht etwa wie
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bei der Grundstückgewinnsteuer der Gewinn, den der Veräusserer aus
dem Geschäft erzielt. Für die Festsetzung der Umsatzabgabe ist gemäss
Art. 27 Abs. 1 StG der wirkliche Inhalt der Urkunden oder Rechtsvorgänge
massgebend. Dem formalen Charakter der Stempelabgaben entsprechend
ist grundsätzlich die rechtliche Gestaltung des zu beurteilenden Geschäfts
massgebend und nicht dessen wirtschaftlicher Zweck (zum Ganzen: BGE
143 II 350 E. 2.2 f.; Urteile des BGer 2C_638/2020 vom 25. Februar 2021
E. 3.1 und 2C_996/2015 vom 7. März 2017 E. 2.2; Urteile des BVGer
A-2777/2016 vom 4. Juli 2017 E. 2.3.1 und A-7065/2013 vom 11. Septem-
ber 2014 E. 3.4).
3.
Vorab ist auf die Rüge der Beschwerdeführerin einzugehen, wonach die
Vorinstanz den rechtserheblichen Sachverhalt fehlerhaft und unvollständig
ermittelt habe.
3.1 Die Beschwerdeführerin macht diesbezüglich geltend, dass sich die
Vorinstanz im angefochtenen Einspracheentscheid auf formelle Kriterien
wie den im Handelsregister eingetragenen Zweck, die Bezeichnung der
Verträge und die Inhalte der Webseite etc. berufen habe. Damit habe die
Vorinstanz sich auf formelle Kriterien versteift und es unterlassen, den wirk-
lichen, materiell massgebenden Sachverhalt abzuklären.
3.2 Die ESTV hat in Anwendung der Untersuchungsmaxime den für sie re-
levanten Sachverhalt festzustellen und einen Entscheid zu fällen (E. 1.5.1).
Dies tat sie, wie dem angefochtenen Einspracheentscheid entnommen
werden kann, hauptsächlich gestützt auf die Zweckumschreibung der Be-
schwerdeführerin im Handelsregister und auf diverse, von der Beschwer-
deführerin eingereichte Unterlagen. Letztere umfassen eine Mandatsliste
der Jahre 2012 bis 2017, zwei Musterverträge und stichprobeartig einge-
forderte, tatsächlich abgeschlossene Verträge. Gleichzeitig wurde der Be-
schwerdeführerin umfassend Gelegenheit zur Stellungnahme (bspw. für
eine Ergänzung oder Richtigstellung des Sachverhalts) eingeräumt. Auf
dieser Grundlage kam die ESTV unter Anwendung des Grundsatzes der
freien Beweiswürdigung (E. 1.5.2) zum Schluss, dass sämtliche erforderli-
chen Informationen für die Beurteilung, ob die Beschwerdeführerin Effek-
tenhändlerin sei, vorliegen würden. Mit anderen Worten erachtete die
ESTV den Sachverhalt als genügend erstellt. Dieses Vorgehen ist nicht zu
beanstanden. Dass auch aus Sicht des Bundesverwaltungsgerichts sämt-
liche erforderlichen Informationen zum Sachverhalt vorliegen, wird nach-
folgend zu zeigen sein.
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Seite 11
Im Übrigen ist aktenkundig, dass die ESTV mit Schreiben vom 15. Novem-
ber 2017 bei der Beschwerdeführerin eine Inspektion vor Ort zwecks Kon-
trolle der Umsatzabgabe gemäss Art. 37 StG angekündigt hatte. Die Be-
schwerdeführerin antwortete am 21. November 2017 auf dieses Schreiben
der ESTV, dass sie eine Kontrolle der Umsatzabgabe mit Blick auf ihr am
14. November 2017 eingereichtes (fälschlicherweise als «Einsprache» be-
zeichnetes) Schreiben nicht als angebracht erachte. Vor diesem Hinter-
grund kann der Vorinstanz nicht ernsthaft vorgeworfen werden, dass sie
sich nicht weiter mit dem materiell massgebenden Sachverhalt habe aus-
einandersetzen wollen.
4.
Im vorliegenden Fall ist streitig und zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin
Vermittlerin im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG und deshalb als
Effektenhändlerin zu qualifizieren ist. Demgegenüber ist mit Blick auf die
Voraussetzungen dieser Rechtsnorm (E. 2.2) unbestritten und ergibt sich
aus den Akten, dass die Beschwerdeführerin eine nicht unter Art. 13 Abs. 3
Bst. a StG fallende inländische juristische Person ist.
4.1 Die Geschäftstätigkeit der Beschwerdeführerin kann wie folgt um-
schrieben werden: Die Beschwerdeführerin führt verkaufsinteressierte Un-
ternehmensinhaber durch den gesamten Verkaufsprozess und sorgt für die
Verkaufsabwicklung. Dabei werden eine attraktive Unternehmenspräsen-
tation, bereinigte Geschäftsabschlüsse sowie ein Vermarktungskonzept
ausgearbeitet. Kunden erhalten Zugang zu ihrer Käuferdatenbank sowie
zu ihrer Onlineplattform. Konkret schliesst die Beschwerdeführerin mit ih-
ren Kunden einen «Auftrag Verkauf» ab. In diesem wird Folgendes festge-
halten: «Der Auftragnehmer [die Beschwerdeführerin] sucht für den Auf-
traggeber als Makler für die Gesellschaft einen Käufer/Investor/Kapitalge-
ber/Mieter [...] zum besten marktgängigen Preis. Sämtliche ökonomischen
Entscheide im Zusammenhang mit dem Verkauf liegen beim Auftraggeber
[...].» Das Honorar besteht jeweils aus einer Entschädigung für den Initial-
aufwand sowie insbesondere aus einem prozentualen Anteil am erzielten
Verkaufspreis. Der Vertrag verbietet es dem Kunden, ohne Zustimmung
der Beschwerdeführerin Direktgespräche mit Kaufinteressenten zu führen.
4.2 Als Erstes bestreitet die Beschwerdeführerin, dass sie als Vermittlerin
im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG tätig sei.
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Seite 12
4.2.1
4.2.1.1 Zur Begründung verweist die Beschwerdeführerin auf Art. 17
Abs. 3 Bst. b StG, wonach Vermittler sei, wer Gelegenheit zum Geschäfts-
abschluss nachweise. Dies könne vorliegend zumindest in Frage gestellt
werden, da sie für ihre Tätigkeit unter Umständen auch dann ein Honorar
erhalte, wenn eine Transaktion nicht abgeschlossen werde.
4.2.1.2 Im angefochtenen Einspracheentscheid äussert sich die Vorinstanz
dahingehend, dass die Beschwerdeführerin deshalb als Vermittlerin
handle, weil sie am Abschluss eines Geschäftes zwischen zwei Drittpar-
teien kausal mitwirke, das heisst den tatsächlichen Erfolg des Austausches
der übereinstimmenden Willenserklärung wissentlich verursache oder mit-
verursache.
4.2.2 Nach Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG ist Effektenhändler nur, wer –
unter Vorbehalt der übrigen, dort genannten Voraussetzungen – als Anla-
geberater oder Vermögensverwalter Kauf und Verkauf von steuerbaren Ur-
kunden vermittelt (vgl. auch: E. 2.2 und 2.4.1).
4.2.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Vermittlungstätigkeit (ge-
mäss Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG) letztmals im Urteil A-515/2007 vom
26. März 2010 beleuchtet. Dort hat es mit Blick auf den Anlageberater unter
anderem erwogen, dass dem Stempelsteuergesetz ein weiter Begriff der
Vermittlung zugrunde liege. Massgebend sei, dass kausal am Abschluss
eines Wertpapiergeschäfts mitgewirkt werde, das heisst, dass der tatsäch-
liche Erfolg des Austauschs der übereinstimmenden Willenserklärungen
wissentlich verursacht oder mitverursacht werde. Beschränke sich aber die
Tätigkeit eines Anlageberaters auf eine reine Beratertätigkeit, das heisst,
würde dieser lediglich unverbindlich auf die Möglichkeiten von Käufen und
Verkäufen hinweisen, ohne sich dabei direkt an den entsprechenden Ge-
schäftsabschlüssen zu beteiligen, könne darin kein kausaler Beitrag zum
Umsatz steuerbarer Urkunden liegen (zum Ganzen: Urteil A-515/2007
E. 3.1.1 m.w.H.). In der dort zu beurteilenden Fallkonstellation bejahte das
Bundesverwaltungsgericht eine Vermittlungstätigkeit, weil aufgrund von
Vollmachten Investitionsentscheide unterbreitet worden seien, die konkrete
Käufe und Verkäufe von Wertpapieren zur Folge gehabt hätten (Urteil
A-515/2007 E. 3.1.2).
4.2.2.2 Das Bundesgericht hat sich im Urteil 2C_638/2020 vom 25. Feb-
ruar 2021 zur Auslegung des Vermittlerbegriffs gemäss Art. 13 Abs. 1 StG
A-5038/2020
Seite 13
geäussert und dabei für die Auslegung der Vermittlungstätigkeit (ein-
schliesslich des Kausalzusammenhangs zwischen dieser Tätigkeit und
dem Geschäftsabschluss) auf das Mäklervertragsrecht zurückgegriffen
(Urteil 2C_638/2020 E. 3.5.2; vgl. auch vorangehend: E. 2.4.2). Demnach
vermittelt, wer – wie ein Nachweismäkler – als erster die Gelegenheit zum
Vertragsabschluss nachweist oder – wie ein Vermittlungsmäkler – im Rah-
men der Vertragsverhandlungen auf die Abschlussbereitschaft der anderen
Vertragspartei einwirkt und damit eine kausale Ursache für den Vertrags-
abschluss setzt (E. 2.4.2).
4.2.2.3 Es stellt sich vorab die Frage, ob die bundesgerichtliche Auslegung
der Vermittlungstätigkeit im Sinne von Art. 13 Abs. 1 StG auch für die Ver-
mittlungstätigkeit im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG einschlägig
ist. Dies ist nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts aufgrund folgen-
der Überlegung zu bejahen: Zweck der erstgenannten Rechtsnorm ist die
Umschreibung einer konkreten Handlung – hier interessierend: die Vermitt-
lungstätigkeit –, die ein (bereits definierter) Effektenhändler im Zusammen-
hang mit einem Geschäftsabschluss ausführen muss, damit die Umsatz-
abgabe für diesen Geschäftsabschluss zu entrichten ist (E. 2.4.2). Hinge-
gen will die zweitgenannte Rechtsnorm die Eigenschaft als Effektenhänd-
ler für eine bestimmte Gruppe von Personen näher definieren. Diese
Rechtsnorm sieht unter anderem vor, dass die Vermittlungstätigkeit ge-
werbsmässig ausgeübt werden muss, damit der Vermittler Effektenhändler
ist (E. 2.4.1). Nach dieser Leseart knüpft der Vermittlerbegriff im Sinne von
Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG an die Vermittlungstätigkeit gemäss Art. 13
Abs. 1 StG an und ergänzt diese um weitere subjektive Kriterien wie unter
anderem die Gewerbsmässigkeit.
Nachdem im Ergebnis die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Vermitt-
lungstätigkeit im Sinne von Art. 13 Abs. 1 StG auch für die Vermittlungstä-
tigkeit im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG anwendbar ist, stellt
sich als Zweites die Frage, ob dieser aktuellen Rechtsprechung ein im Ver-
gleich zur bisherigen Rechtsprechung zu Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG
(E. 4.2.2.1) engeres Verständnis der Vermittlungstätigkeit zugrunde liegt.
Während dies eine Stimme in der Literatur bejaht (vgl. STEFAN OESTER-
HELT, Aus der Rechtsprechung im Jahr 2020/2021 [Teil 1], in: IFF Forum
für Steuerrecht [FStR] 3/2021 S. 259 ff., S. 265 f., wonach die neue bun-
desgerichtliche Rechtsprechung von einem zivilrechtlich geprägten, enge-
ren Begriff der Vermittlungstätigkeit ausgehe), scheint das Bundesgericht
selbst eher von einer Präzisierung dahingehend auszugehen, dass für die
A-5038/2020
Seite 14
Beurteilung der Kausalität die wirtschaftlichen Interessen des (potenziel-
len) Vermittlers keine Rolle spielen würden (vgl. Urteil 2C_638/2020
E. 3.5.2 und 3.6.3). Dabei hat das Bundesgericht ausdrücklich bestätigt,
dass die rechtliche Beziehung zwischen Vermittler und Vertragsparteien ir-
relevant sei, mithin auch kein Mäklervertrag im zivilrechtlichen Sinne vor-
liegen müsse (Urteil 2C_638/2020 E. 3.2.4 und 3.5.2).
4.2.3 Nach dem Gesagten ist nachfolgend zu prüfen, ob die Beschwerde-
führerin im Sinne der E. 4.2.2.2 f. als Vermittlerin tätig ist.
4.2.3.1 Aus dem in den Akten liegenden Vertrag «Auftrag Verkauf» wird
klar ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin – bzw. die für sie handelnden
Organe und Hilfspersonen (Arbeitnehmer) – für die Unternehmen ihrer
Kunden einen Käufer sucht (E. 4.1). Der Verkaufsprozess beinhaltet denn
auch die Erstellung der Verkaufsdokumentation, die Kontaktaufnahme mit
Kaufinteressenten sowie die Organisation von Interessentengesprächen
durch die Beschwerdeführerin. Zudem unterstützt sie ihre Kunden in der
Verhandlung der Kaufverträge. Da sich die Kunden dazu verpflichten,
keine Direktgespräche mit Kaufinteressenten ohne Zustimmung der Be-
schwerdeführerin zu führen, kann davon ausgegangen werden, dass sie
die Kaufverträge jeweils selbst verhandelt oder sich zumindest massge-
blich an den Verhandlungen der Kaufverträge beteiligt. Die Tätigkeiten der
Beschwerdeführerin verdichten sich zu einem Gesamtbild, das den
Schluss zulässt, dass sie wie ein Vermittlungsmäkler im Rahmen der Ver-
tragsverhandlungen auf die Abschlussbereitschaft der anderen Vertrags-
partei einwirkt und damit eine kausale Ursache für den Vertragsabschluss
setzt. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass sich die Beschwerdeführerin
im genannten Vertrag selbst ausdrücklich als Maklerin bezeichnet und in
ihrer Beschwerde vom 9. Oktober 2020 einräumt, dass von einer Vermitt-
lungstätigkeit «im weitesten Sinne» ausgegangen werden könne. Dem-
nach entspricht ihr faktisches Handeln dem im Handelsregister aufgeführ-
ten Gesellschaftszweck, der unter anderem explizit die Vermittlung er-
wähnt (vgl. Sachverhalt, Bst. A).
4.2.3.2 Das von der Beschwerdeführerin dagegen vorgebrachte Argument,
es sei höchst fraglich, ob sie einer Vermittlungstätigkeit gemäss Art. 17
Abs. 3 Bst. b StG nachgehe, zumal sie für ihre Tätigkeit unter Umständen
auch dann ein Honorar erhalte, wenn eine Transaktion nicht abgeschlos-
sen werde, vermag indes nicht zu überzeugen. Zum einen stellt diese
Rechtsnorm keine abschliessende Definition der Tätigkeit des Vermittlers
auf, weshalb sich die Beschwerdeführerin nicht auf deren engen Wortlaut
A-5038/2020
Seite 15
berufen kann (E. 2.4.3). Zum anderen ist für das Vorliegen einer Vermitt-
lungstätigkeit irrelevant, ob eine Vertragspartei dem Vermittler bei Ge-
schäftsabschluss ein Entgelt schuldet (E. 2.4.2). In der Konsequenz kann
die im Vertrag vereinbarte Honorarregelung nichts zur Qualifikation der Tä-
tigkeit als Vermittlungstätigkeit beitragen. Die Frage der Honorarregelung
wird erst bei der Prüfung der Gewerbsmässigkeit der Vermittlungstätigkeit
relevant (vgl. nachfolgend: E. 4.3.1).
4.2.4 Als erstes Zwischenfazit ist somit festzuhalten, dass die Beschwer-
deführerin als Vermittlerin im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG tätig
ist.
4.3 Als Zweites moniert die Beschwerdeführerin sinngemäss, die Vor-
instanz sei zu Unrecht von einer gewerbsmässigen Vermittlungstätigkeit
ausgegangen.
4.3.1
4.3.1.1 In dieser Hinsicht verweist die Beschwerdeführerin auf Art. 13
Abs. 3 Bst. b StG, wonach ihre Tätigkeit «ausschliesslich oder zu einem
wesentlichen Teil» in der Vermittlungstätigkeit bestehen müsse, damit sie
als Effektenhändlerin gelten könne. Die Vermittlungstätigkeit dürfe nicht
vernachlässigbar sein, sondern müsse Teil der statutarischen bzw. gesell-
schaftsvertraglichen oder faktischen Geschäftstätigkeit sein. Von ihren Tä-
tigkeiten würden sich nur die Vermarktung und allenfalls das öffentliche
Präsentieren der anonymisierten Verkaufsdokumentation der Vermittlung
zurechnen lassen, was zeitlich etwa die Hälfte ihrer Tätigkeit ausmache.
Darin seien jedoch auch nicht steuerbare Vermittlungen wie diejenigen von
Asset Deals enthalten. Schliesslich führt die Beschwerdeführerin aus, dass
der Fokus der angebotenen Dienstleistungen auf der Organisation des Ver-
kaufs eines Betriebs bzw. eines Unternehmens im Sinne einer Nachfolge-
regelung liege, weshalb die eigentliche Vermittlung nicht als wesentlich be-
zeichnet werden könne.
4.3.1.2 Die Vorinstanz führt im angefochtenen Einspracheentscheid aus,
die Gewerbsmässigkeit sei im vorliegenden Fall zu bejahen, da die Be-
schwerdeführerin mit ihrer Vermittlungstätigkeit beabsichtige, ein Erwerbs-
einkommen zu erzielen, und sie diese Tätigkeit selbständig und fortgesetzt
ausübe mit der Absicht, sich aus dieser Tätigkeit eine dauernde Erwerbs-
quelle zu verschaffen. Zudem erfülle die Vermittlungstätigkeit der Be-
schwerdeführerin die erforderliche qualitative und quantitative Wesentlich-
keit, was sich insbesondere aus der Mandatsliste ergebe. Letztere zeige,
A-5038/2020
Seite 16
dass die Beschwerdeführerin überwiegend den Verkauf von juristischen
Personen und nicht von Personengesellschaften vermittelt habe. Diese Tä-
tigkeit bilde unbestrittenermassen ihre Haupttätigkeit. Schliesslich sei das
Argument der Beschwerdeführerin, sie erbringe ihre Dienstleistungen nur
dem Unternehmensverkäufer, nicht stichhaltig.
4.3.2 Wie bereits ausgeführt, ist nur derjenige Effektenhändler, der ge-
werbsmässig als Anlageberater oder Vermögensverwalter den Kauf und
Verkauf von steuerbaren Urkunden vermittelt. Gemäss Gesetzestext muss
nämlich die Tätigkeit ausschliesslich oder zu einem wesentlichen Teil in der
beschriebenen bestehen. Gewerbsmässig handelt insbesondere, wer sich
mit der Vermittlung von Wertpapiergeschäften befasst in der Absicht, sich
aus dieser Tätigkeit eine Quelle dauernden Erwerbs zu verschaffen
(E. 2.4.1).
4.3.2.1 Die von der Beschwerdeführerin ausgeübte Geschäftstätigkeit zielt
unbestritten auf den Verkauf von Unternehmen ab (E. 4.1). Dies zeigt sich
namentlich darin, dass ihre Tätigkeit – abgesehen vom Initialaufwand –
grundsätzlich nur im Falle eines erfolgreichen Verkaufs entschädigt wird
(sog. Erfolgshonorar). Steht der erfolgreiche Abschluss der Unternehmens-
verkäufe im Rahmen der Tätigkeit der Beschwerdeführerin derart im Vor-
dergrund, kann die Wesentlichkeit der Vermittlungstätigkeit nicht bereits
deshalb verneint werden, weil sie zusätzlich reine Beratungsleistungen (im
Sinne der E. 4.2.2.1) erbringt, auch wenn diese (angeblich) in zeitlicher
Hinsicht überwiegen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Beratungs-
dienstleistungen Teil des gesamten Verkaufsprozesses sind. Demnach
dürfen sie auch nicht als eigenständige Tätigkeit in Abgrenzung zur Ver-
mittlungstätigkeit in der Wesentlichkeitsbeurteilung berücksichtigt werden.
Nach dem Gesagten kann dem Argument der Beschwerdeführerin, wo-
nach ihre Geschäftstätigkeit überwiegend Beratungstätigkeiten und nicht
die eigentliche Vermittlungstätigkeit umfassen würde, nicht gefolgt werden.
Im Übrigen handelt es sich bei der Beratungstätigkeit der Beschwerdefüh-
rerin ohnehin nicht um reine Beratungstätigkeit im Sinne der bundesver-
waltungsgerichtlichen Rechtsprechung, da sich die Beschwerdeführerin
zweifellos an den entsprechenden Geschäftsabschlüssen beteiligt
(E. 4.2.3.1).
4.3.2.2 Des Weiteren ergibt sich aus der aktenkundigen Mandatsliste der
Beschwerdeführerin, dass die von ihr vermittelten Unternehmensverkäufe
überwiegend durch eine Übertragung von steuerbaren Urkunden zustande
kamen. Dementsprechend handelt es sich bei den in den Jahren 2012 bis
A-5038/2020
Seite 17
2017 vermittelten Unternehmen – wie die Vorinstanz zu Recht ausführt –
überwiegend um juristische Personen. Der Anteil der vermittelten juristi-
schen Personen betrug jeweils zwischen 77,9% (Jahr 2015) und 90,5%
(Jahr 2017). Wenn die Beschwerdeführerin dagegen vorbringt, dass auch
bei juristischen Personen ein Verkauf ohne Übertragung von steuerbaren
Urkunden (Asset Deal) möglich sei, ist ihr im Prinzip zuzustimmen. Jedoch
haben die von der Vorinstanz stichprobeartig eingeforderten Verträge ge-
zeigt, dass in 17 von 22 Fällen ein Share Deal vermittelt wurde. Bloss in
fünf Fällen war ein Asset Deal Vertragsgegenstand. Demnach erachtet es
das Bundesverwaltungsgericht in Anwendung der freien Beweiswürdigung
(E. 1.5.2) als erwiesen, dass die Geschäftstätigkeit der Beschwerdeführe-
rin zumindest zu einem wesentlichen Teil darin besteht, den Verkauf von
steuerbaren Urkunden zu vermitteln. Dass die Beschwerdeführerin – ein
gewinnorientiertes Unternehmen – die besagte Tätigkeit damit auch ge-
werbsmässig ausübt, versteht sich von selbst.
4.3.3 Als zweites Zwischenfazit ist damit festzuhalten, dass die Beschwer-
deführerin ihre Vermittlungstätigkeit gewerbsmässig ausübt.
4.4 Als Drittes beanstandet die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe
sie fälschlicherweise als Anlageberaterin qualifiziert.
4.4.1
4.4.1.1 Diesbezüglich führt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus,
dass die Qualifikation als Anlageberaterin ein konstitutives Element von
Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG sei. Das Bundesgericht habe sich in zivil-
rechtlicher Hinsicht mit dem Begriff des Anlageberaters auseinanderge-
setzt und diesen insbesondere vom Vermögensverwalter abgegrenzt.
Ebenso sei dieser Begriff im Bundesgesetz vom 15. Juni 2018 über die
Finanzdienstleistungen (Finanzdienstleistungsgesetz, FIDLEG, SR 950.1)
definiert. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung, die Definition im Finanz-
dienstleistungsgesetz sowie der allgemeine Sprachgebrauch impliziere,
dass unter der Anlageberatung in einem weiten Kontext die «Abgabe von
Empfehlungen zur Anlage von Finanzmitteln» zu verstehen sei. Diese
Dienstleistungen würden in der Regel durch eine Bank erbracht. Es gebe
jedoch weitere «bankennahe» Anbieter, welche ähnliche Dienstleistungen
(das heisst Beratung bei der Anlage von Vermögenswerten) anbieten wür-
den. Zudem scheine es, dass ein Anlageberater seine Kunden über einen
längeren Zeitraum begleiten würde. Demgegenüber betreibe sie ein «typi-
sches Merger & Acquisitions (M&A)-Geschäft». Dem Verkäufer werde nicht
eine bestimmte Anlage empfohlen, er werde vielmehr beim Verkauf seiner
A-5038/2020
Seite 18
Gesellschaft – einem einmaligen Vorgang – unterstützt. Es finde somit ge-
rade der umgekehrte Vorgang einer klassischen Anlageberatung statt.
Weiter beziehe sich ihre Tätigkeit nicht auf einen Anlageentscheid ihrer
Kunden, sondern diene letztlich dazu, den bereits gefassten Entscheid für
einen Unternehmensverkauf umzusetzen. Im Ergebnis «vermittle» sie
zwar die steuerbaren Urkunden, jedoch nicht als Anlageberaterin. Weil die
Vorinstanz im angefochtenen Einspracheentscheid für die Auslegung des
Anlageberaterbegriffs einzig auf die Vermittlungstätigkeit abgestellt habe,
liege aus ihrer Sicht ein unzulässiger Umkehrschluss vor. Eine solche ex-
tensive Auslegung widerspreche ferner dem abgaberechtlichen Legalitäts-
prinzip.
4.4.1.2 Die Vorinstanz entgegnet, dass die Formulierung «als Anlagebera-
ter oder Vermögensverwalter» auf die Teilrevision des Stempelabgabenge-
setzes vom 4. Oktober 1991 zurückgehe. Vor der Teilrevision seien neben
den professionellen Händlern auch gewerbsmässige Vermittler Effekten-
händler gewesen. Bei der Teilrevision sei der umsatzabgabebefreite Han-
delsbestand gemäss Art. 14 Abs. 3 StG eingeführt worden, was eine Ab-
grenzung des Händlers zum Vermittler erforderlich gemacht habe. Dies sei
durch die Formulierung «als Anlageberater oder Vermögensverwalter» ge-
schehen. Im Ergebnis liege dem angefochtenen Einspracheentscheid
keine extensive Auslegung des Begriffs des Anlageberaters zugrunde.
Vielmehr würde eine enge Umschreibung dieses Begriffs dem Grundsys-
tem der Umsatzabgabe zuwiderlaufen. Schliesslich hält die Vorinstanz an
der Qualifikation der Beschwerdeführerin als Anlageberaterin fest.
4.4.2 Vorliegend stellt sich zunächst die Frage, wie die in Art. 13 Abs. 3
Bst. b Ziff. 2 StG enthaltene Formulierung «als Anlageberater oder Vermö-
gensverwalter» zu verstehen ist.
4.4.2.1 Die Konkretisierung einer Norm im Hinblick auf einzelne Lebens-
sachverhalte als Teil der Gesetzesanwendung geschieht durch Auslegung.
Deren Ziel ist die Ermittlung des Sinngehaltes der Bestimmung. Ausgangs-
punkt jeder Auslegung ist der Wortlaut, wobei bei Erlassen des Bundes-
rechts die Fassungen in den drei Amtssprachen gleichwertig sind (vgl. zur
Gleichwertigkeit Art. 14 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 18. Juni 2004
über die Sammlungen des Bundesrechts und das Bundesblatt [PublG,
SR 170.512] sowie BGE 134 V 1 E. 6.1). Ist der Wortlaut nicht ganz klar
bzw. bestehen Gründe für die Annahme, er gebe nicht den wahren Sinn
der Vorschrift wieder, muss unter Berücksichtigung aller Auslegungsele-
mente nach der wahren Tragweite gesucht werden. Diesfalls ist namentlich
A-5038/2020
Seite 19
auf die Entstehungsgeschichte der Norm (historische Auslegung), auf ihren
Sinn und Zweck (teleologische Auslegung) und auf die Bedeutung, die der
Norm im Kontext mit anderen Bestimmungen zukommt (systematische
Auslegung), abzustellen. Das Bundesgericht hat sich dabei stets von ei-
nem Methodenpluralismus leiten lassen (statt vieler: BGE 141 V 197 E. 5.2,
140 II 289 E. 3.2 ff., 138 III 359 E. 6.2, 134 II 249 E. 2.3; Urteil des BVGer
A-3824/2016 vom 14. Juni 2017 E. 2.4.2). Nach bundesgerichtlicher Recht-
sprechung sollen alle jene Methoden kombiniert werden, die für den kon-
kreten Fall im Hinblick auf ein vernünftiges und praktikables Ergebnis am
meisten Überzeugungskraft haben (statt vieler: BGE 134 II 249 E. 2.3;
BVGE 2007/41 E. 4.2; Urteil des BVGer A-2937/2017 vom 30. Januar 2018
E. 2.5).
4.4.2.2 Der deutsche Wortlaut der genannten Rechtsnorm lautet wie folgt:
«Effektenhändler sind die nicht unter Buchstabe a fallenden inländischen
natürlichen und juristischen Personen und Personengesellschaften, inlän-
dischen Anstalten und Zweigniederlassungen ausländischer Unterneh-
men, deren Tätigkeit ausschliesslich oder zu einem wesentlichen Teil darin
besteht, als Anlageberater oder Vermögensverwalter Kauf und Verkauf von
steuerbaren Urkunden zu vermitteln (Vermittler)».
Der deutsche Wortlaut «als Anlageberater oder Vermögensverwalter» im-
pliziert, dass die gewerbsmässige Vermittlungstätigkeit in der Eigenschaft
als Anlageberater oder Vermögensverwalter ausgeübt werden muss, damit
die entsprechende Person als Effektenhändlerin zu qualifizieren ist (vgl.
Duden Online Wörterbuch, Stichwort «als», www.duden.de/rechtschrei-
bung/als_in_ Vergleichen, abgerufen am 14. Oktober 2021, wonach das
Wort «als» die nähere Erläuterung eines Bezugswortes [hier: die Vermitt-
lungstätigkeit] einleitet). Im Umkehrschluss wären diejenigen Personen,
die – ohne Anlageberater oder Vermögensverwalter zu sein – (bloss) eine
gewerbsmässige Vermittlungstätigkeit ausüben, keine Effektenhändler.
Somit ist nachfolgend die Frage zu beantworten, was unter einem Anlage-
berater zu verstehen ist. Weil vorliegend unbestritten ist, dass die Be-
schwerdeführerin keine Vermögensverwalterin ist, erübrigt sich eine Aus-
legung des letztgenannten Begriffes. Nachfolgend ist deshalb lediglich auf
den Begriff des Anlageberaters einzugehen.
4.4.2.3 Das Wort «Anlageberater» setzt sich aus den zwei Wörtern «An-
lage» und «Berater» zusammen. Demnach wäre Anlageberater, wer be-
züglich Anlagen berät. Dass mit dem Begriff «Anlagen» im vorliegenden
Kontext Geschäfte mit steuerbaren Urkunden im Sinne von Art. 13 Abs. 2
A-5038/2020
Seite 20
StG gemeint sind, lässt sich aus dem Umstand schliessen, dass sich die
Formulierung «als Anlageberater» auf die Vermittlungstätigkeit («Kauf und
Verkauf von steuerbaren Urkunden zu vermitteln») bezieht und diese näher
erläutert (E. 4.4.2.2). Somit ergibt der deutsche Wortlaut, dass derjenige
Anlageberater im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG ist, der bezüg-
lich Geschäften mit steuerbaren Urkunden berät. Der französische und ita-
lienische Wortlaut («en tant que conseiller en placement»; «come con-
sulenti in investimenti») führen zum gleichen Ergebnis.
Diese Auslegung ist – wie die Vorinstanz im angefochtenen Einspracheent-
scheid zutreffend ausführt – zumindest insofern im Einklang mit der zivil-
rechtlichen Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Anlageberatungs-
vertrag, als auch dort die Beratungsdienstleistung bezüglich Anlagen im
Zentrum steht. Gemäss dieser Rechtsprechung, die im Zusammenhang
mit Sorgfaltspflichtverletzungen von Banken ergangen ist, zeichnet sich die
Anlageberatung (in Abgrenzung zur reinen Konto-/Depot-Beziehung) näm-
lich dadurch aus, dass der Kunde die Anlageentscheide zwar selber trifft,
die Bank ihm jedoch dabei beratend zur Seite steht (BGE 144 III 155
E. 2.1.1; Urteile des BGer 4A_519/2020 vom 15. Februar 2021 E. 4.1 und
4A_54/2017 vom 29. Januar 2018 E. 5.1.3 je m.w.H.; vgl. auch:
P. CHRISTOPH GUTZWILLER, Rechtsfragen der Vermögensverwaltung, 2008,
S. 27 ff. und 52 ff.).
Nach dem Gesagten ist im Ergebnis festzuhalten, dass nach dem gram-
matikalischen Element der Begriff des Anlageberaters weit auszulegen ist.
Demnach ist derjenige als Anlageberater zu qualifizieren, der bezüglich
Geschäften mit steuerbaren Urkunden berät. Im Folgenden ist unter Be-
rücksichtigung der übrigen Auslegungselemente zu untersuchen, ob diese
weite Auslegung dem wahren Sinn der Norm entspricht oder ob diese eine
engere Auslegung des Begriffs des Anlageberaters nahelegen (E. 4.4.2.1).
4.4.2.4 Um die Entstehungsgeschichte der eingangs genannten Rechts-
norm näher zu beleuchten, soll zunächst ihre alte Fassung betrachtet wer-
den. Im Stempelabgabengesetz in der Fassung bis 31. März 1993 lautete
aArt. 13 Abs. 3 Bst. a StG (AS 1974 11, 17) wie folgt: «Effektenhändler sind
natürliche und juristische Personen und Personengesellschaften, die ge-
werbsmässig den An- und Verkauf von Urkunden im Sinne von Absatz 2
für eigene oder fremde Rechnung betreiben». Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung konnte auch Effektenhändler sein, wer bloss gewerbs-
mässig vermittelt, ohne gleichzeitig im eigenen Namen an Kaufgeschäften
beteiligt zu sein (Urteil des BGer vom 4. März 1985, veröffentlicht in: ASA
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Seite 21
54, S. 599 ff., E. 1c mit Verweis auf PAUL AMSTUTZ/ERNST WYSS, Das eid-
genössische Stempelsteuerrecht, 1930, S. 126 und Botschaft des Bundes-
rates an die Bundesversammlung vom 16. Mai 1917 betreffend den Erlass
eines Ausführungsgesetzes zu Art. 41bis der Bundesverfassung [Bundes-
gesetz über die Stempelabgaben] [nachfolgend: Botschaft aStG], BBl 1917
III 83, 119).
Mit der Teilrevision vom 4. Oktober 1991 wurde unter anderem der umsatz-
abgabebefreite Handelsbestand eingeführt (vgl. Art. 14 Abs. 3 StG, wel-
cher auf die gewerbsmässigen Effektenhändler gemäss Art. 13 Abs. 3
Bst. a und b Ziff. 1 StG verweist). Dabei beabsichtigte der Gesetzgeber,
dass nur die eigentlichen Händler, nicht aber die gewerbsmässigen Ver-
mittler und die übrigen Effektenhändler in den Genuss dieser neuen Befrei-
ung kommen sollten. Der Gesetzgeber sah nämlich die Gefahr, dass ab-
gabepflichtige Holding- und Industriegesellschaften sich als «gewerbsmäs-
sige» Händler bezeichnen, um auf diesem Wege eine Freistellung von der
Umsatzabgabe zu erwirken, obwohl sich ihre Geschäfte auf die nach der
Rechtsprechung nicht als gewerbsmässig geltende Verwaltung des eige-
nen Vermögens beschränken. Aus diesem Grund und mit Blick auf die
Rechtssicherheit wurde der Effektenhändlerbegriff dahingehend konkreti-
siert, dass unter Bst. a (von Art. 13 Abs. 3 StG) die Banken und die bank-
ähnlichen Finanzgesellschaften erwähnt sind, während Bst. b neu die
(nicht unter Bst. a fallenden) gewerbsmässigen Händler und Vermittler auf-
zählt (zum Ganzen: Botschaft vom 5. Juni 1989 zur Neuordnung der Bun-
desfinanzen und zur Änderung des Bundesgesetzes über die Stempelab-
gaben [nachfolgend: Botschaft Teilrevision 1991], BBl 1989 III 1, 69 f.; vgl.
auch: HANS-JOACHIM JAEGER/CHRISTOPHE ADANK, in: Kommentar StG,
Art. 13 N. 61). Dabei wurde in der Botschaft ausdrücklich festgehalten,
dass die in Bst. a und b verwendeten Formulierungen (nur) der Konkreti-
sierung des bisher geltenden Rechts dienen würden und dass der Kreis
der Personen, welche wegen der Ausübung einer gewerbsmässigen Tätig-
keit abgabepflichtig seien, folglich nicht ausgedehnt werde (Botschaft Teil-
revision 1991, BBl 1989 III 1, 70).
Nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts zeigt die Entstehungsge-
schichte auf, dass der Gesetzgeber mit der Teilrevision vom 4. Oktober
1991 die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach gewerbsmässige
Vermittler ebenfalls Effektenhändler gemäss aArt. 13 Abs. 3 Bst. a StG
seien, in das Stempelabgabengesetz integrieren wollte. Dies ergibt sich
auch aus dem in der Botschaft enthaltenen Hinweis auf das entsprechende
A-5038/2020
Seite 22
Bundesgerichtsurteil. Obwohl der Wortlaut des im Gesetz verankerten Ef-
fektenhändlerbegriffs ausgedehnt wurde, stellt die Botschaft klar, dass da-
mit in materieller Hinsicht keine Ausdehnung des abgabepflichtigen Perso-
nenkreises einhergehe, mithin die bestehende Rechtslage unverändert
weiter gelte. Vor diesem Hintergrund ist offensichtlich, dass der Gesetzge-
ber mit der gesetzlichen Verankerung des gewerbsmässigen Vermittlers
erst recht keine Einschränkung des abgabepflichtigen Personenkreises be-
absichtigt haben kann. Insofern überrascht es nicht, dass die Botschaft le-
diglich zu einer möglichen Ausdehnung des Effektenhändlerbegriffs Stel-
lung nimmt (und eine solche verneint).
In Bezug auf die konkrete Bedeutung der Formulierung «als Anlageberater
oder Vermögensverwalter» äussert sich die Botschaft nicht. Allerdings ist
aus dem Kontext ersichtlich, dass sich die Notwendigkeit einer präziseren
Definition des gewerbsmässigen Händlers im Sinne von Art. 13 Abs. 3
Bst. a und b Ziff. 1 StG – neben dem allgemeinen Interesse der Rechtssi-
cherheit – aufgrund der Einführung des umsatzabgabebefreiten Handels-
bestands ergab. Damit war gleichzeitig eine präzisere Definition des ge-
werbsmässigen Vermittlers notwendig, um diesen vom gewerbsmässigen
Händler abzugrenzen (und in der Folge vom umsatzabgabebefreiten Han-
delsbestand auszuschliessen). Daraus lässt sich ableiten, dass die Formu-
lierung «als Anlageberater oder Vermögensverwalter» vor allem der Ab-
grenzung des Vermittlers vom Händler dient (vgl. auch: Urteil 2C_638/2020
E. 3.2.1). Da sowohl der gewerbsmässige Vermittler als auch der gewerbs-
mässige Händler grundsätzlich Effektenhändler sind, kann die erwähnte
Formulierung nach diesem Verständnis nicht dazu verwendet werden, den
Effektenhändlerbegriff einschränkend auszulegen. In Bezug auf die histo-
rische Auslegung des Begriffs des Anlageberaters bedeutet dies in der
Konsequenz, dass dieser ebenfalls nicht einschränkend, sondern – in
Übereinstimmung mit dem grammatikalischen Element (E. 4.4.2.3) – viel-
mehr weit auszulegen ist.
4.4.2.5 Die Umsatzabgabe ist eine Rechtsverkehrssteuer auf dem Ab-
schluss von Verträgen betreffend die entgeltliche Übertragung von steuer-
baren Urkunden (E. 2.5). Dabei werden nicht sämtliche Vertragsab-
schlüsse der Umsatzabgabe unterstellt, sondern bloss jene, an denen ein
inländischer Effektenhändler beteiligt ist (E. 2.1). Dieser wird denn auch
abgabepflichtig (Art. 17 Abs. 1 StG; vgl. auch: E. 2.3.1 und 2.4.3). Die Be-
grenzung der Umsatzabgabe auf Vertragsabschlüsse mit Beteiligung eines
Effektenhändlers war ursprünglich praktisch bedingt (ausführlich: Urteil
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2C_638/2020 E. 3.7.2). So hielt der Bundesrat bei der Einführung der Um-
satzabgabe fest, dass diese Begrenzung bezwecke, die Kontrolle des Ab-
gabebezugs zu sichern (Botschaft aStG, BBl 1917 III 83, 119). Im Zuge der
Teilrevision vom 22. Dezember 1927 präzisierte er, dass die direkten Um-
sätze zwischen Privaten eigentlich auch steuerwürdig wären, diese aber
nicht kontrollierbar seien (Botschaft des Bundesrates an die Bundesver-
sammlung vom 28. Mai 1926 über den Erlass eines Bundesgesetzes be-
treffend die Abänderung der Bundesgesetze vom 4. Oktober 1917 über die
Stempelabgaben und vom 25. Juni 1921 betreffend die Stempelabgabe
auf Coupons [nachfolgend: Botschaft Teilrevision 1927], BBl 1926 I 727,
743 f.). Dass der Gesetzgeber in der Folge den Effektenhändlerbegriff auf
gewisse Private – die nicht-professionellen «übrigen Effektenhändler» –
ausgedehnt hat (vgl. Art. 13 Abs. 3 Bst. d StG), sei an dieser Stelle nur am
Rande erwähnt.
Der Umsatzabgabe liegt somit – soweit hier interessierend – folgende Wer-
tung zugrunde: Grundsätzlich wären sämtliche entgeltlichen Übertragun-
gen von steuerbaren Urkunden steuerwürdig, aber die Erhebung der Um-
satzabgabe bei Übertragungen, an denen kein Effektenhändler beteiligt ist,
ist nicht praktikabel. Diese Wertung führt zur logischen Schlussfolgerung,
dass es nicht im Sinne des Gesetzgebers wäre, den Effektenhändlerbegriff
ohne zwingende Gründe einschränkend auszulegen, insbesondere in Fäl-
len, in welchen die Erhebung der Umsatzabgabe bzw. die Kontrolle des
Abgabebezugs ohne Weiteres praktikabel wäre. Dies muss in der Konse-
quenz auch für die Auslegung des Begriffs des Anlageberaters gelten.
Der Gesetzgeber geht (teilweise implizit) davon aus, dass bei gewerbs-
mässig abgeschlossenen oder vermittelten Geschäften die Praktikabilität
der Abgabenerhebung bzw. die Kontrolle des Abgabenbezugs gegeben ist
(vgl. Botschaft aStG, BBl 1917 III 83, 119; Botschaft Teilrevision 1927,
BBl 1926 I 727, 743 f.). Insofern legt das teleologische Element nahe, dass
– falls eine gewerbsmässige Vermittlungstätigkeit gegeben ist – der Begriff
des Anlageberaters nicht eng ausgelegt werden darf.
4.4.2.6 Eine systematische Betrachtung zeigt, dass der Begriff «Anlagebe-
ratung» ebenfalls im Finanzdienstleistungsgesetz enthalten ist. Dort wird
Anlageberatung definiert als «die Erteilung von persönlichen Empfehlun-
gen, die sich auf Geschäfte mit Finanzinstrumenten beziehen» (Art. 3
Bst. c Ziff. 4 FIDLEG). Diese Definition enthält insofern eine gewisse Ein-
schränkung, als die Beratung auf die persönlichen Bedürfnisse des Auf-
traggebers zugeschnitten sein muss (vgl. DAVID JOST, Der Anlegerschutz
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im Finanzdienstleistungsgeschäft, 2018, S. 51; SANDRO ABEGGLEN/LÉONIE
LUTERBACHER, Transaktionsbezogene vs. portfoliobezogene Anlagebera-
tung unter FIDLEG: keine einfache Abgrenzung, in: SZW 2018 S. 462 ff.,
S. 463). Somit bestätigt das systematische Element grundsätzlich die in
E. 4.4.2.3 dargelegte, weite Auslegung des Begriffs des Anlageberaters im
Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG. Ob dieser, wie derjenige im Fi-
nanzdienstleistungsgesetz, Beratung erbringen muss, die auf die persönli-
chen Bedürfnisse des Auftraggebers zugeschnitten ist, kann vorliegend of-
fenbleiben. Wie nachfolgend zu zeigen ist, würde die Beschwerdeführerin
auch diese etwas engere Definition des Anlageberaters ohne Weiteres er-
füllen (vgl. nachfolgend: E. 4.4.3).
4.4.2.7 Als Ergebnis ist festzuhalten, dass auch die übrigen Auslegungs-
elemente die weite Auslegung des Begriffs des Anlageberaters stützen.
Demnach ist Anlageberater, wer bezüglich Geschäften mit steuerbaren Ur-
kunden berät.
Daran können auch die diversen Einwände der Beschwerdeführerin nichts
ändern:
Die Beschwerdeführerin bringt zunächst vor, dass Art. 13 Abs. 3 Bst. b StG
für bankähnliche Institutionen eingeführt worden sei. Demnach müsse eine
Person eine «Bankennähe» aufweisen, damit sie als Anlageberaterin zu
qualifizieren sei. Mit diesem Einwand vernachlässigt die Beschwerdefüh-
rerin, dass der Gesetzgeber gerade mit Art. 13 Abs. 3 Bst. b StG diejenigen
Personen bezeichnet hat, die – gemäss seiner Auffassung – ähnlich wie
die Banken eine besonders enge Beziehung zum Handel mit steuerbaren
Urkunden pflegen (in diesem Sinne ist wohl auch die von ihr angeführte
Literaturstelle zu verstehen: HANS PETER HOCHREUTENER, Die Eidgenössi-
schen Stempelabgaben und die Verrechnungssteuer, 2013, S. 215
N. 1259). Somit verbleibt für zusätzliche Kriterien wie die «Bankennähe»
keinen Raum. Zudem ist die nicht weiter substantiierte Behauptung der Be-
schwerdeführerin, wonach auch die Entstehungsgeschichte ihren Einwand
stütze, für das Bundesverwaltungsgericht nicht nachvollziehbar, zumal die
obigen Ausführungen das Gegenteil nahelegen (E. 4.4.2.4).
Des Weiteren vertritt die Beschwerdeführerin die Auffassung, dass ein An-
lageberater seine Kunden über einen längeren Zeitraum begleiten müsse.
Diese Ansicht entspricht aber weder der zivilrechtlichen Rechtsprechung
des Bundesgerichts zum Anlageberatungsvertrag (explizit: Urteil
4A_519/2020 E. 4.3, wonach auch «punktuelle Anlageberatungsverträge»
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möglich seien) noch der Legaldefinition im Finanzdienstleistungsgesetz
(VOGEL/HEIZ/LUTHIGER, FIDLEG/FINIG Kommentar, 2020, Art. 3 N. 86).
Die Beschwerdeführerin weist mit Blick auf die Botschaft Teilrevision 1991
(BBl 1989 III 1) ferner darauf hin, dass der Gesetzgeber den Kreis der ab-
gabepflichtigen Personen mit den Begriffen «Anlageberater» und «Vermö-
gensverwalter» bewusst eingeschränkt habe. Sie leitet diese Erkenntnis
von der Tatsache ab, dass der Gesetzgeber beim gewerbsmässigen Händ-
ler ausschliesslich auf die Handelstätigkeit abstelle und auf ein zusätzli-
ches Kriterium wie «als Anlageberater oder Vermögensverwalter» verzich-
tet habe. Dieser Argumentation ist mit Blick auf die Entstehungsgeschichte
entgegenzuhalten, dass der Gesetzgeber mit der Teilrevision vom 4. Okto-
ber 1991 den Kreis der abgabepflichtigen Personen gerade nicht ein-
schränken wollte (E. 4.4.2.4). Im Übrigen kann aus dem Umstand, dass
beim gewerbsmässigen Händler kein zusätzliches Kriterium wie «als Anla-
geberater oder Vermögensverwalter» zu finden ist, keine Erkenntnis für die
Auslegung des Begriffs des Anlageberaters (oder Vermögensverwalters)
gewonnen werden.
Überdies widerspricht eine weite Auslegung des Begriffs des Anlagebera-
ters nicht dem abgaberechtlichen Legalitätsprinzip wie die Beschwerdefüh-
rerin behauptet. Gemäss Art. 127 Abs. 1 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) be-
darf die Erhebung öffentlich-rechtlicher Abgaben grundsätzlich eines
rechtssatzmässigen und formell-gesetzlichen Fundaments (Erfordernis der
Normstufe) und hat das Gesetz die grundlegenden Bestimmungen über
den Kreis der Abgabepflichtigen (Abgabesubjekt), den Gegenstand (Abga-
beobjekt) und die Bemessung der Abgabe (Bemessungsgrundlage und
-tarif) festzulegen (Erfordernis der Normdichte) (zum Ganzen statt vieler:
BGE 146 II 97 E. 2.2.4, 145 I 52 E. 5.2.1 und 142 II 182 E. 2.2.1 f.). Nach
der Rechtsprechung darf das Gebot nach Bestimmtheit rechtlicher Normen
indes nicht in absoluter Weise verstanden werden. Der Gesetzgeber kann
nicht darauf verzichten, allgemeine und mehr oder minder vage Begriffe zu
verwenden, deren Auslegung und Anwendung der Praxis überlassen wer-
den muss (BGE 138 IV 13 E. 4.1, 131 II 271 E. 6.1 und 109 IA 273 E. 4d
m.w.H.; vgl. auch: KLAUS A. VALLENDER/RENÉ WIEDERKEHR, in: Ehrenzeller/
Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg.], Die schweizerische Bundesverfas-
sung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, Art. 127 N. 7; PETER LOCHER,
Das Legalitätsprinzip im Steuerrecht, in: ASA 60 S. 1 ff., S. 6 f.). Vor die-
sem Hintergrund ist aus Sicht des abgaberechtlichen Legalitätsprinzips
nicht zu beanstanden, dass der in Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG – einem
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Gesetz im formellen Sinn – enthaltene Begriff des Anlageberaters ausle-
gungsbedürftig ist. Darüber hinaus liegt nach Ansicht des Bundesverwal-
tungsgerichts keine extensive Gesetzesauslegung vor, wenn der Begriff
des Anlageberaters weit verstanden wird; zumal bereits der Wortlaut eine
entsprechende Auslegung nahelegt (E. 4.4.2.3). Somit kann von einem un-
zulässigen Eingriff in die rechtspolitische Kompetenz des Gesetzgebers
nicht die Rede sein.
Schliesslich ist noch auf den Vorwurf der Beschwerdeführerin einzugehen,
die Vorinstanz habe im angefochtenen Einspracheentscheid den Begriff
des Anlageberaters nicht ausgelegt, sondern bloss mit der gewerbsmässi-
gen Vermittlung gleichgesetzt. Wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, könn-
ten vor allem die Entstehungsgeschichte, aber auch der Sinn und Zweck
der Norm darauf hindeuten, dass der Formulierung «als Anlageberater
oder Vermögensverwalter» keine eigenständige Bedeutung für die Frage
zukommt, ob eine gewerbsmässig vermittelnde Person Effektenhändler ist
(vgl. insbesondere: E. 4.4.2.4). Diese Interpretation würde nahelegen,
dass es sich bei der genannten Formulierung um eine beispielhafte Auf-
zählung einer gewerbsmässigen Vermittlungstätigkeit zum Zwecke der Ab-
grenzung zum gewerbsmässigen Händler handelt. Ob dies zutrifft, kann an
dieser Stelle aber offenbleiben, da die Beschwerdeführerin – wie nachfol-
gend in E. 4.4.3 aufzuzeigen sein wird – ohnehin als Anlageberaterin zu
qualifizieren ist.
4.4.3 Nach dem Gesagten ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin eine
Anlageberaterin im Sinne der E. 4.4.2 ist. Dies trifft zu, wenn sie bezüglich
Geschäften mit steuerbaren Urkunden berät.
Es ist aktenkundig, dass die Beschwerdeführerin diverse Beratungsdienst-
leistungen erbringt, die Teil des gesamten Verkaufsprozesses sind
(E. 4.3.2.1). Darunter fällt insbesondere die persönliche, auf die Bedürf-
nisse des Auftraggebers zugeschnittene Beratung beim Erstellen von Ver-
kaufsdokumentationen, bei der Vermarktung, bei der Due Diligence, in der
Verhandlung sowie bei der Redaktion des Kaufvertrags (vgl. auch: E. 4.1).
Dies wird im Übrigen von der Beschwerdeführerin auch nicht bestritten.
Zudem kann dem Mustervertrag entnommen werden, dass sie ihrem Auf-
traggeber erste Informationen über die (von ihr gefundenen) Interessenten
im Sinne einer Entscheidungsgrundlage zur Verfügung stellt. Ihr Leitfaden
für Verkäufer (www.[...], abgerufen am 14. Oktober 2021) führt zu diesem
Schritt Folgendes aus: «Wir werden Ihnen alle Angebote präsentieren, die
für Ihr Unternehmen abgegeben wurden und alle Vor- und Nachteile mit
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Ihnen abwägen». Damit liegt im Ergebnis auch in dieser Hinsicht eine per-
sönliche Beratungsdienstleistung vor.
Ebenfalls ergibt sich aus den Akten, dass sich diese Beratungsdienstleis-
tungen auf Geschäfte mit steuerbaren Urkunden beziehen. So berät die
Beschwerdeführerin überwiegend Verkäufe von juristischen Personen mit-
tels Share Deal (E. 4.3.2.2). Dabei ist unerheblich, dass sich die Bera-
tungstätigkeiten ausschliesslich auf den Verkauf von steuerbaren Urkun-
den beziehen. Wie bereits dargelegt, ist der Begriff des Anlageberaters weit
auszulegen, so dass Beratung bezüglich Geschäften mit steuerbaren Ur-
kunden grundsätzlich genügt (E. 4.4.2). Insbesondere ist nicht erforderlich,
dass zusätzlich Beratungstätigkeiten ausgeübt werden müssen, die sich
auf den Kauf von steuerbaren Urkunden beziehen. Im Übrigen ist diese
Schlussfolgerung auch im Einklang mit der bisherigen bundesverwaltungs-
gerichtlichen Rechtsprechung, wonach der Vermittler im Sinne von Art. 13
Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG (gewerbsmässig) Wertpapiergeschäfte vermittelt
(Urteil A-515/2007 E. 3.1.3; vgl. auch: E. 4.2.2.1). Ebenso spricht das Bun-
desgericht in diesem Zusammenhang bloss von «Vermittlung steuerbarer
Urkunden» (Urteil 2C_638/2020 E. 3.2.1; Hervorhebung durch das Bun-
desverwaltungsgericht).
Ebenfalls ist für die Qualifikation als Anlageberater unerheblich, wenn die
Beschwerdeführerin vorbringt, ihre Auftraggeber würden mit dem Ziel zur
Desinvestition auf sie zukommen und dabei den Verkaufsentscheid bereits
gefasst haben. Zwar trifft es wohl zu, dass die Auftraggeber den Entscheid,
dass sie ihr Unternehmen verkaufen wollen, bereits gefällt haben. Jedoch
wird dieser Verkaufsentscheid durch die Beschwerdeführerin entscheidend
konkretisiert, indem sie namentlich die Gegenpartei bzw. potenzielle Käu-
fer sucht und sich an den Verhandlungen über die Verkaufsmodalitäten
(Kaufpreis etc.) beteiligt (E. 4.1 und 4.2.3.1).
4.4.4 Als drittes Zwischenfazit ist demnach festzuhalten, dass die Be-
schwerdeführerin auch Anlageberaterin im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b
Ziff. 2 StG – und damit Effektenhändlerin – ist.
4.5 Schliesslich ist auf das verbleibende Argument der Beschwerdeführerin
einzugehen, wonach ihr nicht bekannt sei, dass «andere M&A-Unterneh-
men» gestützt auf Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG als Effektenhändlerinnen
erfasst worden seien. Demnach handle es sich vorliegend um einen nicht
begründeten Einzelfall, der auch dem Gebot der rechtsgleichen Behand-
lung widerspreche.
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Nachdem die Rechtmässigkeit der Qualifikation der Beschwerdeführerin
als Effektenhändlerin bejaht wurde (E. 4.2–4.4), verlangt sie mit obigem
Vorbringen sinngemäss eine Gleichbehandlung im Unrecht. Nach der bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung geht der Grundsatz der Gesetzmässig-
keit der Verwaltung in der Regel der Rücksicht auf die gleichmässige
Rechtsanwendung vor. Der Umstand, dass das Gesetz in anderen Fällen
nicht oder nicht richtig angewendet worden ist, gibt den Bürgern grundsätz-
lich keinen Anspruch darauf, ebenfalls abweichend vom Gesetz behandelt
zu werden. Ausnahmsweise und unter strengen Bedingungen wird jedoch
im Rahmen des verfassungsmässig verbürgten Gleichheitssatzes ein An-
spruch auf Gleichbehandlung im Unrecht anerkannt (Art. 8 Abs. 1 BV; ein-
gehend hierzu: PIERRE TSCHANNEN, Gleichheit im Unrecht: Gerichtsstrafe
im Grundrechtskleid, in: ZBI 112/2011 S. 57 ff.). Die Gleichbehandlung im
Unrecht setzt voraus, dass die zu beurteilenden Fälle in den tatbestands-
erheblichen Sachverhaltselementen übereinstimmen und dieselbe Be-
hörde in ständiger Praxis vom Gesetz abweicht (zum Ganzen statt vieler:
BGE 146 I 105 E. 5.3.1, 139 II 49 E. 7.1, 136 I 65 E. 5.6 und 123 II 248
E. 3c).
Im vorliegenden Fall sind die strengen Voraussetzungen für eine Gleichbe-
handlung im Unrecht nicht erfüllt. Zum einen unterlässt es die Beschwer-
deführerin, substantiiert vorzutragen, inwiefern ihr Fall mit den Fällen «an-
derer M&A-Unternehmen» in den tatbestandserheblichen Sachverhalts-
elementen übereinstimmt. Zum anderen ist auch nicht ersichtlich, inwiefern
eine rechtswidrige Praxis der Vorinstanz vorliegen soll. Da bei den Stem-
pelabgaben das Selbstveranlagungsprinzip gilt (vgl. Art. 34 StG), kann der
Abgabepflichtige nicht geltend machen, der Fiskus habe sein (unkorrektes
oder fehlerhaftes) Verhalten stillschweigend geduldet, selbst wenn die
ESTV dessen Betrieb während längerer Zeit nicht an Ort und Stelle geprüft
hat (Urteile des BVGer A-2777/2016 vom 4. Juli 2017 E. 2.3.2 und
A-515/2007 vom 26. März 2010 E. 3.1.5 m.w.H.). Entsprechend ist der
Schluss der Beschwerdeführerin, wonach die Vorinstanz (angebliche)
Nichtanmeldungen von abgabepflichtigen Konkurrentinnen stillschweigend
dulde, unzulässig.
4.6 Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz die Beschwerdeführerin zu
Recht als Effektenhändlerin im Sinne von Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG
qualifiziert. Damit erweist sich die Beschwerde insgesamt als unbegründet
und ist abzuweisen.
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Abschliessend bleibt über die Kosten- und Entschädigungsfolgen des Be-
schwerdeverfahrens zu befinden.
5.1 Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 5'000.–
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 1–4
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und dem
geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu entnehmen.
5.2 Die unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1
VGKE e contrario). Als Bundesbehörde steht eine solche auch der Vo-
rinstanz nicht zu (Art. 7 Abs. 3 VGKE).
Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.
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