Decision ID: 20e1d59f-0e99-4535-9db2-8660caf64749
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ bezog seit Jahren Ergänzungsleistungen zu einer Rente und einer
Entschädigung der Invalidenversicherung bei einer Hilflosigkeit mittleren Grades. Am 6.
November 2012 liess sie eine Krankheitskostenvergütung als Ersatz für den infolge
ihrer Betreuung anfallenden Erwerbsausfall der Mutter beantragen (act. G 9.2.37). Im
Dezember 2012 teilte sie auf eine Nachfrage der EL-Durchführungsstelle hin mit (act. G
9.2.27), ihre Mutter sei bis Ende Januar 2008 in einem Pensum von 50 Prozent
erwerbstätig gewesen. Der Lohn habe sich im Jahr 2007 auf 30’220.80 Franken
belaufen. Da sie, die EL-Bezügerin, ab Februar 2008 nicht mehr im Wohnheim habe
fremdbetreut werden können, sei ihre Mutter gezwungen gewesen, die Arbeitsstelle
aufzugeben. Sie selbst arbeite von Montag bis Freitag jeweils von etwa 7.30 Uhr bis
etwa 15.30 Uhr, dienstags jedoch nur bis etwa 13.15 Uhr, in einer Tagesstätte. Ihre
Mutter müsse während dieser Zeiten stets auf Abruf verfügbar sein, denn sie sei immer
wieder krank, habe Absenzen und epileptische Anfälle sowie aggressive „Ausraster“.
Im März 2013 gab die EL-Bezügerin auf eine weitere Nachfrage der EL-
Durchführungsstelle hin an (act. G 9.2.21), ihre Mutter habe im Jahr 2012 als
Tagesmutter gearbeitet und dabei 6’702 Franken verdient. Der Beschäftigungsgrad
variiere. Momentan arbeite die Mutter jeweils vom Sonntagabend um 19.00 Uhr bis
zum Mittwochabend um 17.15 Uhr sowie zweimal wöchentlich für 3,5–5 Stunden pro
Tag als Tagesmutter. Die EL-Bezügerin teilte mit, dass sie die Frage, an welchen Tagen
sie sich im Jahr 2012 nicht in der Tagesstätte aufgehalten habe respektive
A.a.
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ausserplanmässig habe abgeholt werden müssen, rückblickend nicht beantworten
könne, da ihre Mutter kein Tagebuch geführt habe.
Im Juni 2013 beauftragte die EL-Durchführungsstelle das
Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen mit einer Abklärung bezüglich der
Anzahl der Stunden pro Tag, die für die Pflege und für die Betreuung der EL-Bezügerin
sowie (separat) für die Haushaltshilfe benötigt würden (act. G 9.2.11). Die EL-
Durchführungsstelle bat zudem um eine subjektive Einschätzung betreffend die
Möglichkeit einer Erwerbsaufnahme der Mutter. Im Juli 2013 ersuchte sie die
Tagesstätte, ihr mitzuteilen (act. G 9.2.4), wie ein gewöhnlicher Tag in der Tagesstätte
ablaufe, wie hoch der Betreuungsaufwand für die EL-Bezügerin sei, wie oft die Mutter
notfallmässig gerufen werden müsse und wie sich die EL-Bezügerin verhalte. Der Leiter
der Tagesstätte antwortete am 29. Juli 2013 (EL 2014/28, act. G 1.1.3), die
wöchentliche Arbeitszeit betrage normalerweise 35 Stunden. Die EL-Bezügerin arbeite
jedoch etwas weniger und verlasse die Tagesstätte jeweils bereits um 15.00 Uhr. Der
Betreuungsaufwand sei sehr hoch, da die EL-Bezügerin zusätzlich zur geistigen
Behinderung unter einer sehr geringen Frustrationstoleranz leide. Diese führe immer
wieder zu Konfliktsituationen bei der täglichen Arbeit. Die Tagesstätte arbeite „sehr
intensiv“ mit der Mutter der EL-Bezügerin zusammen. Es finde ein regelmässiger
Informationsaustausch statt. Für die Tagesstätte sei eine jederzeitige Erreichbarkeit der
Mutter wichtig. Dass die Mutter in der Einrichtung intervenieren müsse, sei aber „eher
selten“. Am 31. Juli 2013 berichtete die Pflegefachfrau B._ im Auftrag des
Gesundheitsdepartementes des Kantons St. Gallen über die am 2. Juli 2013
durchgeführte Abklärung (act. G 9.3.14–8 ff.). Sie hielt fest, die EL-Bezügerin sei
äusserst reinlich, benötige bei der Körperpflege aber Unterstützung und Anleitung. Sie
müsse regelmässig rasiert werden. Sie könne sich die Nägel nicht selbst schneiden.
Morgens, abends, am Wochenende und auch mittags werde ihr das Essen von ihrer
Mutter zubereitet, gerichtet und in mundgerechte Teile zerlegt. Die EL-Bezügerin
benutze kein Besteck. Ausserhalb der elterlichen Wohnung benötige sie Unterstützung
bei der Fortbewegung, da sie örtlich desorientiert sei. Es bestehe eine dauernde latente
Gefahr von epileptischen Anfällen; diese Krankheit habe aber in den letzten Jahren mit
Medikamenten gut eingestellt werden können. Ein Elternteil müsse allerdings stets
telefonisch erreichbar sein. Momentan hänge alles an der Mutter, da der Vater einen
A.b.
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schweren Herzinfarkt erlitten habe und sich in einer Rehabilitation befinde. Ein- bis
zweimal pro Monat werde die Mutter von der Tagesstätte angerufen. Die Einsatzzeit für
die EL-Bezügerin belaufe sich total auf 70,4 Stunden pro Monat für Pflegeleistungen
und auf 65,15 Stunden pro Monat für Hauswirtschafts- und Betreuungsleistungen,
wovon 28,5 Stunden pro Monat auf die Betreuung entfielen. Die Mutter habe fünf bis
sieben Pflegekinder angenommen, um ihre Präsenzzeit sinnvoll nutzen zu können. Sie
habe offensichtlich gute pädagogische Fähigkeiten und könne auch „schwierigen“
Kindern eine „gute Grundlage“ mitgeben. Die Entschädigung für die Pflegekinder sei
gering: Sie betrage acht Franken pro Stunde inklusive eine Entschädigung für die
Mahlzeiten. Sie könne keinesfalls einen Lohnausfall kompensieren. Eine auswärtige
Arbeitstätigkeit sei in der momentanen Situation unvorstellbar. Mit einer Verfügung vom
9. September 2013 wies die EL-Durchführungsstelle das Gesuch der EL-Bezügerin ab
(act. G 9.3.3). Zur Begründung führte sie aus, die EL-Bezügerin befinde sich jeweils
während sieben Stunden in einer Tagesstätte. Aus den Rechnungen der Taxifahrten im
Jahr 2011 gehe hervor, dass sie sich an 197 Tagen in der Tagesstätte aufgehalten und
somit keine erheblichen Abwesenheiten aufgewiesen habe. Laut dem Bericht des
Gesundheitsdepartementes fänden monatlich lediglich ein bis zwei Telefonate
zwischen der Tagesstätte und der Mutter der EL-Bezügerin statt. Die Tagesstätte habe
berichtet, dass Interventionen der Mutter eher selten notwendig seien. Da die Mutter
der EL-Bezügerin ihren eigenen Angaben zufolge fünf bis sieben Pflegekinder betreue,
sei es nicht plausibel, dass sie für allfällige Interventionen das Haus verlassen könne.
Gesamthaft seien keine Umstände ersichtlich, die darauf hindeuten würden, dass die
Mutter der EL-Bezügerin wegen der Betreuung ihrer Tochter nicht im Umfang von 80
Prozent einer Erwerbstätigkeit nachgehen und damit ein Einkommen von 30’220.80
Franken erzielen könnte.
Am 8. Oktober 2013 liess die EL-Bezügerin eine Einsprache gegen die Verfügung
vom 9. September 2013 erheben (act. G 9.4.22). Ihre Rechtsvertreterin beantragte die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprache der gesetzlichen
Leistungen. Zur Begründung führte sie aus (act. G 9.4.18), die Mutter der EL-Bezügerin
beziehe seit dem 1. August 2005 eine Invalidenrente der Suva von 15 Prozent und seit
dem 1. Dezember 2002 eine halbe Rente der Invalidenversicherung. Schon aus diesem
Grund sei es ihr nicht möglich, zu 80 Prozent erwerbstätig zu sein. Der
A.c.
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Abklärungsbericht des Gesundheitsdepartementes belege, dass die notwendige Pflege
und Betreuung der EL-Bezügerin die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit verunmögliche.
Wenn sich die EL-Bezügerin jeweils in der Tagesstätte aufhalte, müsse die Mutter
ständig telefonisch erreichbar sein, um diese nötigenfalls am Telefon beruhigen zu
können. Dieses Erfordernis der ständigen Erreichbarkeit schliesse die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit aus. Zudem komme es immer wieder zu Anfällen und Krankheitstagen,
was jeweils eine entsprechende ausserplanmässige Anwesenheit der EL-Bezügerin
zuhause zur Folge habe. Mit einem Entscheid vom 15. Mai 2014 wies die EL-
Durchführungsstelle die Einsprache ab (act. G 9.4.3). Zur Begründung führte sie an, die
EL-Bezügerin halte sich montags bis freitags während jeweils sieben Stunden pro Tag
in einer Tagesstätte auf. In dieser Zeit könne ihre Mutter einer Erwerbstätigkeit
nachgehen. Die Mutter müsse nur selten telefonisch intervenieren. Folglich stehe der
Pflege- und Betreuungsaufwand für die EL-Bezügerin einer Erwerbstätigkeit in einem
Pensum von 50 Prozent nicht entgegen.
Mit einem Urteil vom 3. November 2015 (EL 2014/28; vgl. act. G 9.5.40) hob das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen den Einspracheentscheid vom 15. Mai
2014 auf. Es hielt fest, das Erfordernis einer hohen telefonischen Erreichbarkeit stehe
der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht entgegen, denn eine jederzeitige
telefonische Erreichbarkeit stelle heute den Normal- und nicht mehr einen
Ausnahmezustand dar. Jede Arbeit, die nicht zwingend ununterbrochen verrichtet
werden müsse, könne problemlos für ein kürzeres Telefonat unterbrochen werden. Für
ein längeres Telefonat könnten sich Angestellte heute in der Regel „ausstempeln“. Da
telefonische Interventionen der Mutter der EL-Bezügerin nur eher selten erforderlich
seien, sei sie dafür nicht auf ein besonderes Verständnis seitens eines potentiellen
Arbeitgebers angewiesen. Die für das Jahr 2011 abgerechneten Taxifahrten belegten
allerdings nur 197 Aufenthalte in der Tagesstätte, was knapp 40 Wochen à fünf
Arbeitstagen entspreche. Die EL-Bezügerin habe sich also rund zwölf Wochen zuhause
aufgehalten, was wohl nicht ausschliesslich mit Ferien und Feiertagen erklärt werden
könne. Den Akten lasse sich der Grund für diese Absenzen nicht entnehmen. Auch
gehe aus den Akten nicht hervor, ob das Jahr 2011 hinsichtlich der Absenzen
repräsentativ sei. Diesbezüglich erweise sich der Sachverhalt als ungenügend
abgeklärt, weshalb die Sache zur Vervollständigung der Sachverhaltsabklärung und zur
A.d.
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anschliessenden neuen Verfügung an die EL-Durchführungsstelle zurückzuweisen sei.
Laut einem medizinischen Gutachten vom Oktober 2006 sei die Mutter der EL-
Bezügerin nur zu 60 Prozent arbeitsfähig (vgl. act. G 9.14.69). Selbstverständlich könne
von ihr nicht erwartet werden, dass sie sich täglich während einer längeren Zeit um die
EL-Bezügerin kümmere und daneben noch zu 60 Prozent einer ausserhäuslichen
Erwerbstätigkeit nachgehe, denn mit einem Pensum von 60 Prozent habe sie die
Grenze ihrer medizinisch zumutbaren Leistungsfähigkeit erreicht, womit kein Raum
mehr für Pflege- und Betreuungsleistungen zuhause verbleibe. Entscheidend sei also,
wie hoch der Pflege- und Betreuungsaufwand für die EL-Bezügerin sei. Der
Abklärungsbericht von Frau B._ belege einen monatlichen Aufwand von 98,9
Stunden, was 22,8 Stunden pro Woche entspreche. Das entspreche bei einer üblichen
Arbeitszeit von 42 Stunden einem Teilpensum von 54 Prozent. Hinzu komme ein Anteil
der gestiegenen Hauswirtschaftsleistungen, denn der Wiedereinzug der EL-Bezügerin
in die elterliche Wohnung dürfte auch mit einem erheblichen Mehraufwand hinsichtlich
der Hausarbeiten verbunden gewesen sein. Der Bericht von Frau B._ enthalte dazu
keine Angaben. Zudem sei jener Bericht in einem Zeitpunkt erstellt worden, in dem sich
der Vater der EL-Bezügerin aufgrund eines Herzinfarktes in einer Rehabilitation
befunden habe, weshalb sich dem Bericht auch nicht entnehmen lasse, ob und
allenfalls in welchem Umfang dem Vater der EL-Bezügerin zugemutet werden könne,
bei der Pflege und Betreuung mitzuhelfen und die Mutter entsprechend zu entlasten.
Der Bericht sei also in einem nicht aussagekräftigen Zeitpunkt erstellt worden, da
damals vorübergehend aussergewöhnliche Umstände geherrscht hätten. Insofern sei
der Bericht als nicht beweiskräftig zu qualifizieren. Auch diesbezüglich werde die EL-
Durchführungsstelle weitere Abklärungen tätigen müssen.
Am 22. Januar 2016 gab die Tagesstätte der EL-Durchführungsstelle auf eine
entsprechende Nachfrage hin an (act. G 9.5.16), im Jahr 2015 habe sich die
Betreuungsintensität leicht reduziert. Die EL-Bezügerin benötige aber nach wie vor sehr
viel Betreuung und Beachtung, weshalb man auch grossen Respekt vor der
Betreuungsarbeit der Eltern zuhause habe. In den vergangenen Jahren seien nur für
das Jahr 2011 übermässige Absenzen zu verzeichnen. In den Jahren 2008–2015 sei die
EL-Bezügerin jeweils an 210–213 Tagen pro Jahr anwesend gewesen; 220
Anwesenheitstage entsprächen einem Pensum von 100 Prozent. Im Jahr 2011 seien es
A.e.
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nur 197 Tage gewesen, weil die EL-Bezügerin aufgrund eines medizinischen Problems
24 ausserordentliche Absenztage aufgewiesen habe. Ansonsten habe sie jeweils ihre
vier Ferienwochen und die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr bezogen. Sicherlich
habe sie jedes Jahr einzelne Tage aus gesundheitlichen Gründen zuhause bleiben
müssen. Aber nur im Jahr 2011 sei es zu einer längeren Absenz gekommen. Die
einzelnen Abwesenheitstage seien meist unerwartet gekommen. Nach wie vor würden
zwei, drei Telefonate pro Monat geführt. Zwei-, dreimal pro Jahr gehe es der EL-
Bezügerin psychisch nicht so gut. In dieser Zeit seien tägliche telefonische Absprachen
notwendig. Wenn sich die EL-Bezügerin in der Tagesstätte aufhalte, sei diese den
ganzen Tag für die Betreuung zuständig, auch wenn es der EL-Bezügerin psychisch
nicht so gut gehe. Es sei schon vorgekommen, dass die Familie in solchen Zeiten die
EL-Bezügerin für einen Tag zuhause behalten habe. Auf eine Rückfrage der EL-
Durchführungsstelle hin führte die Tagesstätte am 11. März 2016 ergänzend aus (act. G
9.5.5), bei den 220 Tagen handle es sich um die „Nettoarbeitstage“ nach Abzug von
vier Wochen Ferien und 13 Tagen über Weihnachten und Neujahr. Die jeweils
fehlenden 7–10 Tage in der Auflistung im Schreiben vom 22. Januar 2016 seien
Krankheitsabsenzen. Am 14. März 2016 forderte die EL-Durchführungsstelle das
Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen auf, eine weitere Abklärung in der
Wohnung der Eltern der EL-Bezügerin durchzuführen (act. G 9.5.4). Frau B._
erstattete am 12. Juli 2016 einen entsprechenden Abklärungsbericht (act. G 9.6.3). Sie
hielt fest, der Betreuungsaufwand sei seit dem Jahr 2013 im Wesentlichen unverändert
geblieben. Seit sechs Monaten leide die EL-Bezügerin aber an einem Herz-
Kreislaufproblem, weshalb alles etwas langsamer angegangen werden müsse. Der
Vater habe sich nach dem zweiten Herzinfarkt recht gut erholt. Auch das durch eine
Fibromyalgie bedingte Schmerzsyndrom sei recht gut behandelt. Er müsse sich nun
aber frühzeitig pensionieren lassen, was eine Erwerbseinbusse von etwa 60 Prozent zur
Folge habe. Dafür habe er jetzt Zeit für die Betreuung der EL-Bezügerin. Seit bekannt
sei, dass die Mutter der EL-Bezügerin eine Beziehung zu einem anderen Mann
eingegangen sei, sei er allerdings psychisch massiv angeschlagen. Die Mutter habe die
Betreuung von Pflegekindern aufgegeben, weil der Aufwand gross und die
Entschädigung klein gewesen sei. Seit vier Monaten befinde sie sich aktiv auf der
Stellensuche. Sie möchte unbedingt 50 Prozent arbeiten, weiterhin für die Tochter da
sein, soweit der Ehemann die Betreuungsleistungen nicht erbringen könne, oder den
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Ehemann wo notwendig unterstützen. Im Rahmen der Abklärung habe sich die Frage
nach der Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit der Mutter gar nicht gestellt. Diese könne
und wolle möglichst rasch eine Arbeitsstelle finden und arbeiten. Bezüglich des
Aufwandes für die Pflege, die Betreuung und die Hausarbeiten sei zu unterscheiden:
Wenn die EL-Bezügerin die ganze Woche zuhause sei, belaufe sich der Aufwand für
Pflegeleistungen auf 70,4 Stunden pro Monat, jener für die Betreuung auf 28,5 Stunden
pro Monat und jener für die Hausarbeiten auf 65,15 – 28,5 = 36,65 Stunden pro Monat;
wenn die EL-Bezügerin arbeite und nur zweieinhalb Tage pro Woche zuhause sei,
belaufe sich der Aufwand für Pflegeleistungen auf 16,65 Stunden pro Monat, jener für
die Betreuung auf 10,1 Stunden pro Monat und jener für die Hausarbeiten auf 26,8 –
10,1 = 16,7 Stunden pro Monat. Damit ergebe sich ein durchschnittlicher Aufwand von
31,62 Stunden beziehungsweise von 7,7 Stunden pro Woche. Mit einer Verfügung vom
26. August 2016 wies die EL-Durchführungsstelle das Begehren um eine
Entschädigung des Erwerbsausfalls der Mutter ab (act. G 9.6.1). Zur Begründung führte
sie aus, die EL-Bezügerin habe sich bis auf einige wenige Krankheitstage an fünf Tagen
pro Arbeitswoche in der Tagesstätte aufgehalten. Der Pflege- und Betreuungsaufwand
sei also mehrheitlich an den Wochenenden angefallen. Der Vater der EL-Bezügerin
habe die Mutter bei der Pflege und Betreuung der EL-Bezügerin unterstützen können.
Seit er frühpensioniert sei, könne er jeden Tag bei der Pflege und Betreuung der EL-
Bezügerin mithelfen. Die Pflege und Betreuung der EL-Bezügerin habe der Aufnahme
einer Erwerbstätigkeit folglich nicht entgegen gestanden, weshalb kein Anspruch auf
eine entsprechende Kostenvergütung bestehe.
Am 26. September 2016 liess die EL-Bezügerin eine Einsprache gegen die
Verfügung vom 26. August 2016 erheben (act. G 9.7.32). Ihre Rechtsvertreterin
beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Vergütung der Kosten
für den Erwerbsausfall der Mutter. Zur Begründung führte sie an, angesichts der
Ehekrise der Eltern könne noch nicht festgestellt werden, wie die Betreuungslösung in
Zukunft aussehen werde. Die EL-Durchführungsstelle habe übersehen, dass sich der
Vater nicht freiwillig, sondern aus gesundheitlichen Gründen habe frühpensionieren
lassen. Er könne die Pflege und Betreuung der EL-Bezügerin nicht übernehmen. Nicht
nachvollziehbar sei, weshalb die EL-Durchführungsstelle den verschiedenen
Sachverhaltskonstellationen in den verschiedenen Phasen des hier massgebenden
A.f.
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Zeitraums keine Rechnung getragen habe. So habe sie insbesondere die Zeit der
Rehabilitationsaufenthalte des Vaters einfach ausgeblendet. Am 10. April 2017 notierte
Dr. med. C._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD; act. G 9.9.3), der
Vater der EL-Bezügerin leide gemäss den älteren Berichten des Spitals D._, des
Kantonsspitals St. Gallen und der Klinik E._ sowie gemäss einer aktuell beim
behandelnden Hausarzt eingeholten Beurteilung an einer koronaren Herzkrankheit, an
einer depressiven Episode nach der Trennung von der Ehefrau sowie an einer
Osteoporose mit wiederholten Rippen-Spontanfrakturen. Angesichts dieser
Einschränkungen bestehe mit Bestimmtheit eine Reduktion der körperlichen
Belastbarkeit bei der Betreuung der Tochter und bei Haushaltarbeiten. Der Vater der
EL-Bezügerin habe ab dem Jahr 2011 nur noch leichte Tätigkeiten verrichten können.
Ab Juni 2013 habe eine Arbeitsfähigkeit von lediglich noch 50 Prozent vorgelegen. Das
belege auch ein Arbeitgeberbericht. Am 29. Juni 2017 liess die EL-Bezügerin darauf
hinweisen (act. G 9.7.8), dass die Ehe ihrer Eltern zwischenzeitlich geschieden worden
sei. Der Vater sei aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Er sei gesundheitlich
so stark angeschlagen, dass er keine Betreuungsleistung erbringen könne. Da die EL-
Durchführungsstelle im Einspracheverfahren weitere Abklärungen, insbesondere zum
Gesundheitszustand des Vaters, getätigt hatte, erliess sie am 31. August 2017 eine
neue, die angefochtene Verfügung vom 26. August 2016 ersetzende Verfügung, mit der
sie das Leistungsbegehren erneut abwies (act. G 9.7.4). Zur Begründung führte sie aus,
sie habe im Einspracheverfahren Abklärungen zum Gesundheitszustand des Vaters
getätigt. Um das Recht auf rechtliches Gehör umfassend zu wahren, verfüge sie
erneut, anstatt direkt einen Einspracheentscheid zu erlassen. Der Vater der EL-
Bezügerin habe gemäss den medizinischen Akten im Juni 2013 einen Herzinfarkt
erlitten, der eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bis und mit September 2013 zur Folge
gehabt habe. Ab Oktober 2013 habe eine Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent für leichte
Tätigkeiten bestanden. Im Dezember 2013 sei die Frühpensionierung erfolgt. Im
Dezember 2015 habe die Mutter der EL-Bezügerin ihre Tätigkeit für den Verein
Tagesfamilien eingestellt. Im Februar 2016 sei der Vater der EL-Bezügerin für zwei
Tage hospitalisiert gewesen. Im Dezember 2016 seien der Auszug des Vaters aus der
gemeinsamen Wohnung und die Ehescheidung erfolgt. Der Vater der EL-Bezügerin
hätte im gesamten hier massgebenden Zeitraum die Mutter bei der Pflege und
Betreuung der EL-Bezügerin unterstützen können. Folglich wäre es der Mutter der EL-
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B.
Bezügerin zumutbar gewesen, einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachzugehen.
Die Voraussetzungen für die Entschädigung eines Erwerbsausfalls der Mutter seien
deshalb nicht erfüllt, weshalb das Begehren abzuweisen sei.
Am 26. September 2017 liess die EL-Bezügerin eine Einsprache gegen die
Verfügung vom 31. August 2017 erheben (act. G 9.7.1). Ihre Rechtsvertreterin
beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprache der
gesetzlichen Leistungen. Zur Begründung führte sie an (act. G 9.8.22 und G 9.8.19), die
EL-Durchführungsstelle sei von einem viel zu tiefen Pflege-, Betreuungs- und
Hauswirtschaftsaufwand ausgegangen. Zudem setze die Berechnung der EL-
Durchführungsstelle voraus, dass die Mutter der EL-Bezügerin komplett auf Ferien
verzichte. Der Vater sei nicht arbeitsfähig. Der Abklärungsbericht von Frau B._ sei in
einer akuten Krisensituation erstellt worden und folglich – wie bereits der erste Bericht
aus dem Jahr 2013 – nicht aussagekräftig. Frau B._ sei befangen, was sich eindeutig
aus ihrer subjektiven Einschätzung der Situation ergebe. Ausserdem sei Frau B._
vorgängig nicht mit sämtlichen Akten bedient worden. Mit einem Entscheid vom 14.
März 2018 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache ab (act. G 9.8.3). Zur
Begründung führte sie aus, der RAD-Arzt Dr. C._ habe am 10. April 2017 ausführlich
Stellung zum Gesundheitszustand des Vaters der EL-Bezügerin genommen. Seine
Aktenwürdigung sei überzeugend. Ausser in der Zeit von Juni bis August 2013 habe
der Vater der EL-Bezügerin bei der Pflege und Betreuung mithelfen können. Mit dem
Auszug des Vaters aus der elterlichen Wohnung habe sich nichts Wesentliches
geändert, denn der Vater könne nach wie vor bei der Pflege und Betreuung der EL-
Bezügerin mithelfen. Die Einwände gegen den Bericht von Frau B._ seien nicht
stichhaltig.
A.g.
Am 27. April 2018 liess die EL-Bezügerin (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 14. März 2018 erheben (act. G
1). Ihre Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheides und die Zusprache der gesetzlichen Leistungen. Zur
Begründung führte sie aus, die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) habe den komplexen und schlechten Gesundheitszustand des
B.a.
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Erwägungen
1.
Der Art. 14 Abs. 1 lit. b ELG verpflichtet die kantonalen Gesetzgeber, den EL-Bezügern
Vaters der Beschwerdeführerin falsch gewürdigt. Die Trennung und Ehescheidung der
Eltern habe eine Mithilfe des Vaters bei der Pflege und Betreuung der
Beschwerdeführerin zusätzlich erschwert. Die Beschwerdegegnerin habe auch nicht
berücksichtigt, dass der Vater der Beschwerdeführerin nach der Rehabilitation im
Zusammenhang mit dem im Juni 2013 erlittenen Herzinfarkt wieder ganztags bei einer
Leistung von 50 Prozent und nicht etwa halbtags gearbeitet habe. Er sei deshalb nicht
in der Lage gewesen, bei der Pflege und Betreuung der Beschwerdeführerin
mitzuhelfen. Die zweite Abklärung von Frau B._ sei zu einem nicht aussagekräftigen
Zeitpunkt erfolgt. Der Abklärungsbericht sei deshalb nicht beweiskräftig. Am 7.
September 2018 führte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ergänzend aus
(act. G 7), nach der Rückweisung zur weiteren Sachverhaltsabklärung durch das
Versicherungsgericht sei man heute, drei Jahre später, noch immer keinen Schritt
weiter. Darunter leide allein die Familie der Beschwerdeführerin, was weder rechtens
noch fair sei. Der Abklärungsbericht von Frau B._ sei nicht verwertbar, weil diese
„offensichtlich grenzüberschreitend befangen und nicht mehr neutral“ gewesen sei und
weil „evident geworden“ sei, dass sie für eine solch komplexe Abklärung nicht
hinreichend qualifiziert sei. Die Rechtsvertreterin bemängelte in diesem
Zusammenhang eine handschriftliche Bemerkung von Frau B._ auf dem
Abklärungsbericht: „Ich hoffe, das passt so!“ Zudem machte sie geltend, dass Frau
B._ mit sämtlichen Akten hätte bedient werden müssen.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 18. September 2018 unter Hinweis auf
die Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der
Beschwerde (act. G 9).
B.b.
Am 24. Oktober 2018 reichte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin einen
Bericht der Tagesstätte vom 4. Oktober 2018 ein (act. G 13). Diesem liess sich
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin auf eine intensive Betreuung angewiesen war
(act. G 13.1.1). Die Beschwerdegegnerin nahm dazu keine Stellung (vgl. act. G 14).
B.c.
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einen gesetzlichen Anspruch auf eine Vergütung der Kosten für die Hilfe, die Pflege und
die Betreuung zuhause und in Tagesstrukturen zu verschaffen. Der Kanton St. Gallen
ist diesem Auftrag nachgekommen, indem er im Art. 4 Abs. 5 ELG/SG (sGS 351.1)
und im Art. 12 Abs. 1 VKB (sGS 351.53) einen gesetzlichen Anspruch auf eine
Kostenvergütung für die Pflege und die Betreuung durch Familienangehörige
geschaffen hat. Dieser Anspruch besteht aber nur, wenn die betreffenden
Familienangehörigen nicht in der EL-Berechnung eingeschlossen sind und wenn sie
durch die Pflege und die Betreuung eine länger dauernde, wesentliche
Erwerbseinbusse erleiden. Der Umfang der Pflege und der Betreuung wird durch eine
vom Gesundheitsdepartement bezeichnete Stelle festgelegt (Art. 12 Abs. 2 VKB). Pro
Stunde werden 25 Franken vergütet. Die Kosten werden im ausgewiesenen Umfang,
aber höchstens in der Höhe des Erwerbsausfalls berücksichtigt (Art. 12 Abs. 3 VKB).
Bei der Berechnung der Überentschädigung wird die Hilflosenentschädigung bei einer
schweren Hilflosigkeit zu zwei Dritteln und bei einer mittleren Hilflosigkeit zur Hälfte
angerechnet (Art. 12 Abs. 4 VKB).
2.
bis
Zunächst ist die Frage zu beantworten, wie hoch der Aufwand für die Pflege und
Betreuung ist, die die Beschwerdeführerin benötigt. Zur Beantwortung dieser Frage ist
gemäss dem Art. 12 Abs. 2 VKB eine Abklärung durch eine vom
Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen bezeichnete Stelle erforderlich. Der
Wortlaut dieser Verordnungsbestimmung dürfte zu eng sein, denn wenn man ihn ernst
nehmen würde, wäre die Ermittlung des Pflege- und Betreuungsaufwandes mit
anderen Abklärungsmassnahmen zum Vorneherein ausgeschlossen, was den
Grundsatz der freien Beweiswürdigung verletzen würde, zumal nicht ersichtlich ist,
weshalb der Pflege- und Betreuungsaufwand nicht auch auf eine andere Weise mit
dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit sollte ermittelt
werden können. Andererseits liegt es durchaus nahe, eine Abklärung durch eine vom
Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen bezeichnete Stelle in aller Regel als
das geeignetste Mittel zur erforderlichen Sachverhaltsabklärung zu betrachten. Mit
Blick auf den Grundsatz der freien Beweiswürdigung ist der Art. 12 Abs. 2 VKB so zu
interpretieren, dass der Pflege- und Betreuungsaufwand in aller Regel durch eine vom
Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen bezeichnete Stelle zu ermitteln ist. Im
vorliegenden Fall haben zwei solche Abklärungen stattgefunden. Wie dem Urteil
EL 2014/28 des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen vom 3. November 2015
zu entnehmen ist, hat auf den ersten Abklärungsbericht nicht abgestellt werden
können, weil dieser in einer Zeit ausserordentlicher und deshalb nicht aussagekräftiger
2.1.
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Umstände erstellt worden war, nämlich dann, als sich der Vater der
Beschwerdeführerin in einer Rehabilitation nach einem Herzinfarkt befunden hatte.
Zudem hat jener Abklärungsbericht nicht alle Angaben enthalten, die für die
Rechtsanwendung erforderlich gewesen wären. Das bedeutet aber nicht, dass der
erste Abklärungsbericht keinerlei Beweiswert hätte, wie offenbar beide Parteien trotz
der diesbezüglich eindeutigen Ausführungen im Urteil EL 2014/28 anzunehmen
scheinen. Er enthält nämlich eine überzeugend begründete Aufstellung des
massgebenden Pflege- und Betreuungsbedarfs der Beschwerdeführerin. Hinweise
darauf, dass Frau B._ den entsprechenden Aufwand falsch erhoben hätte, dass ihr
wesentliche Informationen zur Ermittlung des Pflege- und Betreuungsaufwandes
gefehlt hätten oder dass sie fachlich nicht hinreichend qualifiziert gewesen wäre,
diesen Aufwand zu erheben, sind nicht ersichtlich. Der zweite Abklärungsbericht von
Frau B._ enthält zwar keine ebenso ausführliche Auflistung und Begründung für den
von ihr ermittelten Gesamtaufwand, aber das schadet nicht, da sich der diesbezüglich
massgebende Sachverhalt zwischen den beiden Abklärungszeitpunkten nicht
wesentlich verändert hatte und da sie deshalb zu Recht von einem unverändert
gebliebenen Pflege- und Betreuungsaufwand ausgegangen ist. Der Abklärungsbericht
vom 12. Juli 2016 zeigt deutlich, dass Frau B._ darum besorgt gewesen ist, den
massgebenden Sachverhalt gewissenhaft und objektiv zu erheben. So ist auch die
handschriftliche Notiz („Ich hoffe, das passt so!“) zu interpretieren. Damit hat Frau
B._ nämlich zum Ausdruck bringen wollen, dass sie bemüht gewesen ist, den Bericht
sorgfältig zu erstellen und damit sämtliche relevanten Fragen zu beantworten.
Diesbezüglich scheint die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin auch übersehen zu
haben, dass sowohl das Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen als auch die
Beschwerdegegnerin von Gesetzes wegen zur Objektivität verpflichtet sind. Der
Einwand, der Bericht sei – wie schon der erste Bericht im Juli 2013 – in einem
Zeitpunkt erstellt worden, in der ausserordentliche und damit nicht aussagekräftige
Umstände vorgelegen hätten, überzeugt nicht, denn die damalige angespannte
psychische Situation hat zwar wohl faktisch zu Problemen bei der gemeinsamen Pflege
und Betreuung der Tochter geführt, aber sie hat sich nicht auf die hier allein
massgebende Zumutbarkeit der gemeinsamen Pflege und Betreuung der Tochter
ausgewirkt. Insofern haben – anders als noch im Juli 2013 – keine aussergewöhnlichen
Umstände mehr vorgelegen, die die Beantwortung der in diesem Verfahren relevanten
Fragen verunmöglichen würden. Die Einschätzung, um die Frau B._ von der
Beschwerdegegnerin gebeten worden war, vervollständigt die Sachverhaltsschilderung
und stellt damit eine Hilfe für die richtige Würdigung der Angaben im Abklärungsbericht
dar. Eine „Grenzüberschreitung“ oder eine Persönlichkeitsverletzung ist in diesen
Angaben nicht zu erblicken, hat doch Frau B._ explizit festgehalten, dass ihre
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Ausführungen nur ihre subjektive Einschätzung der Situation widerspiegelten.
Zusammenfassend steht gestützt auf die beiden Abklärungsberichte von Frau B._
vom 31. Juli 2013 und vom 12. Juli 2016 mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass sich der Aufwand für die Pflege der
Beschwerdeführerin im hier massgebenden Zeitraum auf 70,4 Stunden
beziehungsweise auf 16,65 Stunden pro Monat belaufen hat (abhängig davon, ob die
Beschwerdeführerin in der Tagesstätte gearbeitet hat), dass der Aufwand für die
Betreuung 28,5 Stunden respektive 10,1 Stunden pro Monat betragen hat und dass
sich der Mehraufwand für die Hausarbeit auf 36,65 Stunden beziehungsweise auf 16,7
Stunden pro Monat belaufen hat.
Wie bereits im Urteil EL 2014/28 festgehalten entspricht der Aufwand von
insgesamt 70,4 + 28,5 Stunden pro Monat bereits einem Pensum von 54 Prozent,
wenn von einer üblichen Arbeitszeit von 42 Stunden pro Woche ausgegangen wird (vgl.
EL 2014/28, E. 3.1). Zusammen mit den 36,65 Stunden für den Mehraufwand im
Haushalt ergibt sich sogar ein wöchentlicher Aufwand von 31,28 Stunden (= [70,4 +
28,5 + 36,65] × 12 ÷ 52), was einem Pensum von 74,5 Prozent entspricht. Für jene
Wochen, in denen die Beschwerdeführerin in der Tagesstätte gearbeitet hat (und dort
betreut worden ist) ergibt sich ein wöchentlicher Aufwand von rund 10 Stunden (=
[16,65 + 10,1 + 16,7] × 12 ÷ 52), was einem Pensum von 24 Prozent entspricht. Die von
der Beschwerdegegnerin nach der Rückweisung der Sache durchgeführten
Abklärungen haben ergeben, dass die Beschwerdeführerin im hier massgebenden
Zeitraum – ausser im Jahr 2011 – ihrem Arbeitsplatz in der Tagesstätte nicht
übermässig häufig hat fernbleiben müssen. Sie hat regelmässig fünf Wochen Ferien
und die üblichen Feiertage (total 33 Tage) bezogen und sie hat pro Jahr jeweils sieben
bis maximal zehn Tage krankheitsbedingt gefehlt. Nur im Jahr 2011 sind mehr
Krankheitsabsenzen zu verzeichnen gewesen, nämlich 23 Tage, also knapp fünf
Wochen. Im Urteil EL 2014/28 ist bereits festgehalten worden, dass die Eltern der
Beschwerdeführerin mit ihrem üblichen Ferienanspruch insgesamt fünf bis elf Wochen
pro Jahr hätten abdecken können, weil die Mutter das 50. Altersjahr und der Vater das
60. Altersjahr überschritten hätten, sodass sich ihr minimaler gesetzlicher
Ferienanspruch auf fünf beziehungsweise sechs Wochen belaufen habe. Die Eltern
hätten folglich die Pflege und Betreuung ihrer Tochter während der Ferien und der
Feiertage selbst dann vollumfänglich abdecken können, wenn sie voll erwerbstätig
gewesen wären. Die insgesamt nicht allzu häufigen Krankheitsabsenzen der
Beschwerdeführerin fallen nicht entscheidend ins Gewicht. Die Eltern hätten diese mit
ihren verbleibenden Ferientagen abdecken können, wenn sie nicht die gesamten fünf
Wochen gemeinsam Ferien bezogen hätten. Das Versicherungsgericht hat im Urteil
2.2.
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EL 2014/28 festgestellt, dass auch die telefonische Erreichbarkeit der Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit nicht entgegen stehe. Zwar ist der Vater der Beschwerdeführerin
gesundheitlich ebenfalls angeschlagen und deshalb augenscheinlich nicht in der Lage
gewesen, die Pflege und Betreuung der Beschwerdeführerin oder die Haushaltsführung
alleine zu übernehmen. Dennoch ist angesichts der vom RAD-Arzt Dr. C._
überzeugend begründeten Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent für leichte Tätigkeiten davon
auszugehen, dass er wenigstens einen namhaften Anteil an Mithilfe hätte leisten
können. Schliesslich ist auch darauf hinzuweisen, dass die Mutter der
Beschwerdeführerin trotz des hohen Aufwandes für die Pflege und Betreuung ihrer
Tochter und trotz ihrer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit über Jahre hinweg fähig
gewesen ist, bis zu sieben Pflegekinder zu betreuen, was erhebliche Ansprüche an die
Zeit und Kraft der Mutter der Beschwerdeführerin gestellt haben muss und folglich für
eine erhebliche Leistungsfähigkeit der Mutter spricht. Zusammenfassend steht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Eltern
der Beschwerdeführerin – abgesehen von vorübergehenden, besonderen Umständen
(vgl. dazu die nachfolgende E. 2.3) – gemeinsam den Aufwand für die Pflege und die
Betreuung der Beschwerdeführerin sowie den Mehraufwand im Haushalt selbst dann
hätten bewältigen können, wenn die Mutter der Beschwerdeführerin im Umfang von 50
Prozent erwerbstätig gewesen wäre. Überwiegend wahrscheinlich ist die Mutter der
Beschwerdeführerin mit der Betreuung der bis zu sieben Pflegekinder auch tatsächlich
mindestens zu 50 Prozent erwerbstätig gewesen.
Im hier massgebenden Zeitraum ab September 2011 (15 Monate vor der
Einreichung des Gesuchs um eine Kostenvergütung für den Erwerbsausfall der Mutter
ab Februar 2008; vgl. Art. 15 ELG) haben nicht durchgehend „normale“ Umstände
geherrscht, in denen die Eltern die Pflege und Betreuung der Beschwerdeführerin trotz
einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit der Mutter im Umfang von 50 Prozent hätten
gewährleisten können. Im Jahr 2011 hat die Beschwerdeführerin rund einen Monat
mehr Krankheitsabsenzen als in den anderen Jahren aufgewiesen. Diese zusätzlichen,
ausserordentlichen Absenzen müssen gemäss den Abrechnungen des Vereins F._ in
den Monaten Oktober und (hauptsächlich) November eingetreten sein (vgl. act. G
9.2.18). Während dieser Absenzen hätte die Mutter der Beschwerdeführerin
unbezahlten Urlaub beziehen müssen. Folglich besteht für diese Zeit von insgesamt
einem Monat ein Anspruch auf den Ersatz des entsprechenden Erwerbsausfalls. Im
Juni 2013 hat der Vater der Beschwerdeführerin einen Herzinfarkt erlitten. Dieser hat
eine bis September 2013 dauernde Rehabilitation nach sich gezogen, was bedeutet,
dass der Vater der Beschwerdeführerin vier Monate lang keine Hilfe bei der Pflege und
Betreuung seiner Tochter hat leisten können. In dieser Zeit hätte die Mutter der
2.3.
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Beschwerdeführerin also den gesamten Pflege- und Betreuungsaufwand von 24
Prozent eines üblichen Wochenpensums alleine erbringen müssen. Das wäre ihr
angesichts ihrer Arbeitsfähigkeit von 60 Prozent aber nebst einer Erwerbstätigkeit von
50 Prozent offensichtlich nicht zumutbar gewesen. Sie hätte ihr Arbeitspensum folglich
für diese vier Monate um 15 Prozent auf 35 Prozent (respektive um einen Drittel)
reduzieren müssen, denn mit einem Arbeitspensum von 35 Prozent und einem Pflege-
und Betreuungsaufwand von 24 Prozent hätte sie ihre verbliebene Arbeitsfähigkeit
bereits vollumfänglich ausgeschöpft gehabt. Ab Oktober 2013 ist der Vater der
Beschwerdeführerin zwar wieder zu 50 Prozent arbeitsfähig für leichte Tätigkeiten
gewesen, aber er hat diese Restarbeitsfähigkeit vollumfänglich ausser Haus verwertet,
indem er ganztags mit einer Leistung von 50 Prozent gearbeitet hat. Damit sind ihm
keine Ressourcen verblieben, die es ihm erlaubt hätten, einen wesentlichen Anteil an
Hilfe bei der Pflege und Betreuung der Beschwerdeführerin zu leisten. Das bedeutet,
dass die Mutter die Beschwerdeführerin auch in den drei Monaten Oktober, November
und Dezember 2013 alleine hätte pflegen und betreuen müssen. Insgesamt hätte sie ihr
Arbeitspensum also für sieben Monate um einen Drittel reduzieren müssen, nämlich
von Juni bis und mit Dezember 2013. Anschliessend ist der Vater der
Beschwerdeführerin pensioniert gewesen, weshalb er wieder eine wesentliche Mithilfe
bei der Pflege und Betreuung der Beschwerdeführerin hätte leisten können, die es der
Mutter der Beschwerdeführerin erlaubt hätte, wieder zu 50 Prozent ausser Haus zu
arbeiten. Die Hospitalisation des Vaters im Februar 2016, die nur zwei Tage gedauert
hat, hat keine wesentliche Einschränkung seiner Fähigkeit zur Mithilfe bei der Pflege
und Betreuung der Beschwerdeführerin zur Folge gehabt. Die Trennung und die
Scheidung der Eltern der Beschwerdeführerin im Dezember 2016 dürfte zwar faktisch
zu Problemen bei der gemeinsamen Pflege und Betreuung der Tochter geführt haben,
aber es ist nicht ersichtlich, inwiefern sich dadurch etwas an der Zumutbarkeit der
gemeinsamen Pflege und Betreuung der Beschwerdeführerin hätte ändern sollen.
Selbstverständlich sind beide Elternteile trotz der ehelichen Probleme weiterhin
verpflichtet gewesen, die ihnen zumutbare Pflege und Betreuung der
Beschwerdeführerin weiter zu gewährleisten. Insofern haben bei der Erstellung des
zweiten Abklärungsberichtes von Frau B._ – entgegen der Ansicht der
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin – keine ausserordentlichen Umstände
vorgelegen, die es verunmöglicht hätten, den Umfang der zumutbaren Pflege und
Betreuung zu ermitteln. Zusammenfassend ist ein durch die Pflege und Betreuung der
Beschwerdeführerin verursachter und damit entschädigungspflichtiger Erwerbsausfall
der Mutter im Oktober/November 2011 und in der Zeit von Juni bis und mit Dezember
2013 angefallen. Für die Zeit im Oktober/November 2011 ist für einen Monat ein voller
Erwerbsausfall zu entschädigen; für die Zeit von Juni bis und mit Dezember 2013 ist für
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3.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist der angefochtene Einspracheentscheid
aufzuheben und durch die Zusprache einer Entschädigung im Sinne des Art. 12 VKB
von 6’200 Franken zu ersetzen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a
ATSG). Die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat einen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Der Aktenumfang erweist sich zwar als überdurchschnittlich
gross, aber ein wesentlicher Teil des Sachverhaltes ist der Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin bereits aus dem vorangegangenen Verfahren EL 2014/28 bekannt
gewesen, für das bereits eine Parteientschädigung von 3’000 Franken ausgerichtet
worden ist. Der für dieses Verfahren zusätzlich angefallene erforderliche
Vertretungsaufwand (der sich nur auf den Sachverhalt bis zum Erlass der Verfügung
vom 31. August 2017 beziehen konnte) ist als unterdurchschnittlich zu qualifizieren,
sieben Monate ein Erwerbsausfall von einem Drittel zu entschädigen. Bei einem
massgebenden Erwerbseinkommen von 30’221 Franken pro Jahr ergibt sich ein
(hypothetischer) Erwerbsausfall von 2’519 Franken (= 30’221 Franken ÷ 12) plus 5’876
Franken (= 30’221 Franken ÷ 3 ÷ 12 × 7), also total 8’395 Franken.
Für die Zeit im Oktober/November 2011 ist ein wöchentlicher Pflege- und
Betreuungsaufwand von 31,28 Stunden pro Woche angefallen, was einem
Gesamtaufwand von 125 Stunden in diesen vier Wochen und damit unter
Berücksichtigung des Stundenansatzes von 25 Franken gemäss dem Art. 12 Abs. 3
VKB einem Entschädigungsanspruch von 3’125 Franken entspricht. Für die Zeit von
Juni bis und mit Dezember 2013 ist von einem wöchentlichen Pflege- und
Betreuungsaufwand von zehn Stunden pro Woche auszugehen (vgl. E. 2.2), was
gemäss dem Art. 12 Abs. 3 VKB einen Anspruch auf eine Entschädigung von 250
Franken pro Woche ergibt. Da dieser Zeitraum insgesamt (aufgerundet) 31 Wochen
umfasst, beträgt der Entschädigungsanspruch für diese Zeit gesamthaft 7’750 Franken.
Laut dem Art. 12 Abs. 4 VKB muss von diesem Entschädigungsanspruch allerdings die
halbe Hilflosenentschädigung in Abzug gebracht werden. Der Betrag der
Hilflosenentschädigung hat sich im Oktober/November 2011 auf 1’160 Franken und in
den Monaten Juni bis und mit Dezember 2013 auf monatlich 1’170 Franken belaufen
(vgl. die Textausgabe AHV der Informationsstelle AHV/IV, 10. Aufl. 2019, Anh. 3c). Vom
oben erwähnten Entschädigungsanspruch von insgesamt 10’875 Franken ist folglich
ein Betrag von 4’675 Franken (= [1’160 + 7 × 1’1170] ÷ 2) abzuziehen. Die Differenz
beträgt 6’200 Franken. Dieser Betrag ist tiefer als der (hypothetische) Erwerbsausfall (E.
2.3 in fine), weshalb er nicht im Sinne des Art. 12 Abs. 3 VKB zu kürzen ist.
2.4.
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weshalb die Parteientschädigung für dieses Beschwerdeverfahren auf 2’000 Franken
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.