Decision ID: b07ef6f2-8e3d-4cee-b374-8b16dfd64ec5
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._, geb. 1997, besitzt den Führerausweis der Spezialkategorien G und M seit 4. Juni
2011. Am 22. September 2015 verursachte er mit einem landwirtschaftlichen Traktor,
dessen Anhängelast zudem um 195 Prozent überschritten war, einen Verkehrsunfall. In
der Folge wurde ihm der Führerausweis wegen einer mittelschweren Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften für zwei Monate entzogen.
Wiedererwägungsweise wurde die Entzugsdauer wegen beruflicher Notwendigkeit auf
einen Monat reduziert. Der Vollzug endete am 31. März 2016. Am 12. Dezember 2016
erwarb A._ den Führerausweis der Kategorie B.
B.
Am 8. November 2020 lenkte A._ um 02.00 Uhr einen Lieferwagen von R._ nach
S._. Bei der Liegenschaft B._-strasse 00_ in S._ liess er das Fahrzeug mit
laufendem Motor auf dem Radstreifen stehen und ging zu Fuss weiter an seinen knapp
hundert Meter entfernten Wohnort. A._ wurde als Lenker ermittelt. Die ihm um 11.35
Uhr abgenommene Blutprobe ergab für den Zeitpunkt der Fahrt eine
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Blutalkoholkonzentration von mindestens 1,45 und höchstens 2,82 Gewichtspromille.
Das Untersuchungsamt X._ verurteilte A._ am 3. Dezember 2020 wegen mehrfacher
Verletzung der Verkehrsregeln und Führens eines Motorfahrzeugs in fahrunfähigem
Zustand (qualifizierte Alkoholkonzentration) zu einer bedingten Geldstrafe von 50
Tagessätzen zu je CHF 150 und einer Busse von CHF 2'000. Der Strafbefehl wurde
unangefochten rechtskräftig.
C.
Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen entzog A._ am
23. Februar 2021 den Führerausweis wegen einer schweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von sechs Monaten (Ziffer 1 Absatz 1). Bei
der Bemessung der Entzugsdauer wurde berücksichtigt, dass A._ der Führerausweis
für die Spezialkategorien G und M wegen einer mittelschweren Widerhandlung bis
31. März 2016 entzogen war. Gleichzeitig wurde der Vollzug für die Zeit vom
23. August 2021 bis und mit 22. Februar 2022 festgelegt mit der Möglichkeit, den
Führerausweis bereits auf einen früheren Termin einzusenden (Ziffer 1 Absätze 2, 5 und
6). Die Berechtigung, Fahrzeuge der Spezialkategorien G und M zu lenken, sollte auch
während des Vollzugs bestehen bleiben (Ziffer 1 Absatz 3). Die Kosten der Verfügung
wurden A._ auferlegt (Ziffer 2).
Die Verwaltungsrekurskommission hiess den von A._ gegen die Verfügung vom
23. Februar 2021 erhobenen Rekurs am 19. August 2021 teilweise gut. Sie hob die
angefochtene Verfügung hinsichtlich der Entzugsdauer (Ziffer 1 Absatz 2 [richtig: 1])
und der Vollzugsanordnungen (Ziffer 1 Absätze 2, 5 und 6 der Verfügung) auf (Ziffer 1
des Entscheids), entzog A._ den Führerausweis für vier Monate (Ziffer 2 des
Entscheids) und wies die Angelegenheit zur neuen Anordnung des Vollzugs an das
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt zurück (Ziffer 3 des Entscheids). Die Kosten der
Verfügung verblieben bei A._ (Ziffer 4 des Entscheides). Ziffern 5 und 6 betrafen die
Kostenverlegung im Rekursverfahren.
D.
Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt (Beschwerdeführer) erhob gegen den ihm
am 23. August 2021 zugegangenen Entscheid der Verwaltungsrekurskommission
(Vorinstanz) mit Eingabe vom 6. September 2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht
mit dem Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen sei der
angefochtene Entscheid – mit Ausnahme der Bestätigung der Kostentragung durch
den Beschwerdegegner im erstinstanzlichen Verfahren – aufzuheben. Mit Ergänzung
vom 8. Oktober 2021 hat der Beschwerdeführer sodann beantragt, es sei festzustellen,
dass die Vollzugsanordnung jeweils zusammen mit der Entzugsverfügung ergehen
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dürfe.
Mit Vernehmlassung vom 29. Oktober 2021 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde. A._ (Beschwerdegegner) liess sich durch seinen Rechtsvertreter am
16. Oktober 2021 vernehmen und beantragte, die Beschwerde sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge abzuweisen. Der Beschwerdeführer hielt am 6. Dezember 2021
an der Beschwerde fest und nahm zu den Vernehmlassungen Stellung. Dazu äusserten
sich die Vorinstanz am 9. Dezember 2021 und der Beschwerdegegner am 10. Januar
2022.
Auf die Erwägungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen
der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Frage, ob die
verfügende Behörde gleichzeitig mit dem Entzug des Führerausweises zu
Warnzwecken auch den Zeitraum des Vollzugs festlegen darf, hat das
Verwaltungsgericht bisher nicht entschieden. Der Entscheid ergeht deshalb in
Fünferbesetzung (Art. 18 Abs. 3 lit. b Ziff. 1 des Gerichtsgesetzes; sGS 841.1, GerG).
Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt ist als verfügende Behörde zur Erhebung
der Beschwerde befugt (Art. 24 Abs. 2 lit. a des Strassenverkehrsgesetzes; SR 741.01,
SVG). Es ist davon auszugehen, dass der unterzeichnende Abteilungsleiter die
Beschwerde im Einverständnis mit dem Amtsleiter erhoben hat (vgl. Art. 1 Abs. 1 der
Einführungsverordnung zum eidgenössischen Strassenverkehrsgesetz, sGS 711.1 und
Art. 26 Staatsverwaltungsgesetz, sGS 140.1; vgl. auch Ermächtigungsverordnung; sGS
141.41, ErmV). Die Beschwerde gegen den am 23. August 2021 beim
Beschwerdeführer eingegangenen Entscheid wurde mit Eingabe vom 6. September
2021 rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 8. Oktober
2021 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRP und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde
ist dementsprechend grundsätzlich einzutreten.
Ob das vom Beschwerdeführer in der Beschwerdeergänzung vom 8. Oktober 2021
nachträglich gestellte Feststellungsbegehren zur Zulässigkeit der Vollzugsanordnung in
der Sachverfügung rechtzeitig – die richterliche Nachfrist wurde entsprechend dem
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ausdrücklichen Begehren ausschliesslich für die Ergänzung mit der Darstellung des
Sachverhalts und der Begründung angesetzt – erhoben wurde, kann offenbleiben. Der
Beschwerdeführer hat mit Ziffer 1 seines mit der Beschwerde vom 6. September 2021
gestellten Antrags unter anderem die Aufhebung der Ziffer 1 des Dispositivs des
Rekursentscheides beantragt. In dieser Ziffer hat die Vorinstanz insbesondere auch die
Vollzugsanordnung in der angefochtenen Sachverfügung (Ziffer 1 Absatz 2)
aufgehoben. Der Entscheid über Ziffer 1 des Beschwerdeantrags erübrigt deshalb
einen Feststellungsentscheid. Mithin muss der Beschwerdeführer kein selbständiges
Feststellunginteresse bemühen. Auf das Feststellungsbegehren ist deshalb nicht
einzutreten.
2. Streitgegenstand
Der Streit dreht sich zunächst um die Frage der Dauer, für welche dem
Beschwerdegegner der Führerausweis nach der Trunkenheitsfahrt vom 8. November
2020 zu entziehen ist (dazu nachfolgend Erwägungen 3 und 4). Uneinig sind sich
Beschwerdeführer und Vorinstanz sodann darüber, ob die verfügende Behörde
gleichzeitig mit dem Entzug des Führerausweises zu Warnzwecken den Zeitraum des
Vollzugs festlegen darf (dazu nachfolgend Erwägung 5).
3. Entzugsdauer
Der Beschwerdeführer ist davon ausgegangen, es liege ein Rückfall im Sinn von
Art. 16c Abs. 2 lit. b SVG vor, weil dem Beschwerdegegner der Führerausweis bereits
im Jahr 2016 wegen einer mittelschweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften entzogen war, und hat die sechsmonatige
Mindestentzugsdauer verfügt. Die Vorinstanz ist der Auffassung, ein solcher Rückfall
liege nicht vor, weil der frühere Entzug lediglich den Führerausweis der
Spezialkategorien G und M betraf und der Beschwerdegegner den Führerausweis für
die Kategorie B damals noch nicht besass, und hat die Entzugsdauer auf vier Monate
herabgesetzt.
3.1.
Wer ein Motorfahrzeug führt, bedarf des Führerausweises, wer Lernfahrten unternimmt,
des Lernfahrausweises (Art. 10 Abs. 2 SVG). Nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 (SR 314.1, OBG) ausgeschlossen ist, wird
der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen
(Art. 16 Abs. 2 SVG). Bei der Bemessung der Entzugsdauer dürfen die
3.2.
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Mindestentzugsdauern nicht unterschritten werden (Art. 16 Abs. 3 SVG). Die
Mindestentzugsdauern tragen einerseits der Schwere der Widerhandlung und
anderseits dem Umstand Rechnung, ob und wenn ja, wie weit zeitlich zurückliegend
dem Betroffenen der Führerausweis bereits früher entzogen war (sogenanntes
"Kaskadensystem"; vgl. BGE 141 II 220 E. 3.3.3 mit Hinweisen). Nach einer schweren
Widerhandlung beträgt die Mindestentzugsdauer drei Monate (vgl. Art. 16c Abs. 2 lit. a
SVG). War dem Betroffenen der Ausweis in den vorangegangenen Jahren einmal
wegen einer mittelschweren Widerhandlung entzogen, erhöht sich die
Mindestentzugsdauer auf sechs Monate (vgl. Art. 16c Abs. 2 lit. b SVG).
3.3.
Die Frage, ob Art. 16 c Abs. 2 lit. b SVG anzuwenden ist, ist durch Auslegung der
Bestimmung zu beantworten. Massgebend ist in erster Linie der Wortlaut der Norm. Ist
der Text nicht ganz klar und sind verschiedene Interpretationen möglich, so muss nach
der wahren Tragweite der Bestimmung gesucht werden, wobei alle
Auslegungselemente zu berücksichtigen sind (Methodenpluralismus). Dabei kommt es
namentlich auf die Entstehungsgeschichte, auf den Zweck der Norm, auf die ihr
zugrundeliegenden Wertungen und auf den Sinnzusammenhang an, in dem die Norm
steht. Die Gesetzesmaterialien sind zwar nicht unmittelbar entscheidend, dienen aber
als Hilfsmittel, den Sinn der Norm zu erkennen (vgl. BGE 139 III 368 E. 3.2 mit Hinweis
unter anderem auf BGE 138 II 440 E. 13). Entscheidend ist nicht der vordergründig
klare Wortlaut einer Norm, sondern der wahre Rechtssinn, welcher durch die
anerkannten Regeln der Auslegung zu ermitteln ist (BGE 140 III 289 E. 2.1 mit
Hinweisen).
3.3.1.
Gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. b SVG wird "der Lernfahr- oder Führerausweis" für
mindestens sechs Monate entzogen, wenn in den vorangegangenen fünf Jahren "der
Ausweis" einmal wegen einer mittelschweren Widerhandlung entzogen war. Der
Wortlaut stellt in allgemeiner Weise auf den Begriff des Lernfahr- oder Führerausweises
ab und nimmt keinen Bezug auf die Kategorien, Unter- und Spezialkategorien von
Motorfahrzeugen, für die der Ausweis gilt. Der Wortlaut knüpft auch nicht daran an, ob
die erneute Widerhandlung mit einem Motorfahrzeug jener Kategorie, Unter- oder
Spezialkategorie begangen wurde, welche zum früheren Entzug des Ausweises führte.
Hat der Betroffene seit dem ersten Entzug den Führerausweis für weitere Kategorien,
Unterkategorien und Spezialkategorien erworben, deutet der Wortlaut nicht darauf hin,
3.3.2.
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es liege kein Rückfall vor, wenn die erneute Widerhandlung mit einem Fahrzeug einer
Kategorie begangen wurde, zu deren Führen der Betroffene im Zeitpunkt der früheren
Widerhandlung noch nicht berechtigt war. Nach dem Wortlaut von Art. 16c Abs. 2 lit. b
SVG und der weiteren Rückfallbestimmungen sind einzig die Schwere der
Widerhandlungen und die zeitlichen Abstände zwischen ihnen von Belang.
Der Führerausweis wird gemäss Art. 3 der Verordnung über die Zulassung von
Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (SR 741.51, VZV) für einzelne
Kategorien (Abs. 1), Unterkategorien (Abs. 2) und Spezialkategorien (Abs. 3) von
Motorfahrzeugen erteilt. Der Führerausweis einer bestimmten Kategorie berechtigt
auch zum Führen von Motorfahrzeugen bestimmter Unter- und Spezialkategorien
(Art. 4 Abs. 1 VZV), der Führerausweis für bestimmte Unterkategorien zum Führen von
Motorfahrzeugen bestimmter Spezial- und anderer Unterkategorien (Art. 4 Abs. 2 VZV)
und der Führerausweis für bestimmte Spezialkategorien zum Führen von
Motorfahrzeugen anderer Spezialkategorien (Art. 4 Abs. 3 VZV). Gesuchsteller um den
Führerausweis der Spezialkategorien G und M benötigen keinen Lernfahrausweis
(Art. 5 Abs. 1 lit. c VZV). Sie legen – vorbehältlich von Zweifeln an ihrer Fahrkompetenz
– keine praktische Führerprüfung (Art. 22 Abs. 3 lit. b und Art. 28 Abs. 2 VZV) und – wie
die Bewerber für den Führerausweis der Spezialkategorie F – nur eine der
entsprechenden Fahrzeugkategorie angepasste Prüfung der Basistheorie ab (Art. 13
Abs. 5 VZV). Art. 33 VZV regelt den Umfang des Entzugs: Der Entzug des Lernfahr-
oder des Führerausweises einer Kategorie oder Unterkategorie hat den Entzug des
Lernfahr- und des Führerausweises aller Kategorien, aller Unterkategorien und der
Spezialkategorie F zur Folge (Abs. 1). Der Entzug des Führerausweises einer
Spezialkategorie hat grundsätzlich – lediglich – den Entzug des Lernfahr- oder
Führerausweises aller Spezialkategorien zur Folge (Abs. 2), die Entzugsbehörde kann
ihn aber auf den Lernfahr- oder den Führerausweis der Kategorien und Unterkategorien
ausdehnen (Abs. 4 lit. b). Der Entzug des Lernfahr- und Führerausweises erstreckt sich
nur bei entsprechender behördlicher Anordnung auf den Führerausweis der
Spezialkategorien G und M (Abs. 1 und Abs. 4 lit. a).
Die Regeln zum Erwerb und zum Umfang des Entzugs sehen eine besondere
Behandlung des Führerausweises für die Spezialkategorien G und M vor. Ein Entzug
des Lernfahr- oder Führerausweises wirkt grundsätzlich nicht für diese
Spezialkategorien, ein Entzug des Führerausweises für eine Spezialkategorie wirkt
grundsätzlich nicht für den Führerausweis der Kategorien und Unterkategorien. Der
3.3.3.
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Erwerb des Führerausweises für die Spezialkategorien, insbesondere für die
Spezialkategorien G und M ist erleichtert. Die Systematik steht der vorinstanzlichen
Auffassung, bei der Auslegung und Anwendung der Rückfallbestimmung zwischen
dem Entzug des Führerausweises für die Spezialkategorien G und M und dem
Führerausweis für die übrigen Kategorien, Unterkategorien und die Spezialkategorie F
zu unterscheiden, jedenfalls nicht entgegen. Allerdings gelten auch für die
Spezialkategorie F – Motorfahrzeuge, ausgenommen Motorräder, mit einer
Höchstgeschwindigkeit bis 45 km/h (Art. 3 Abs. 3 VZV) – teilweise besondere Regeln,
so dass sich die Frage der Differenzierung auch in diesem Zusammenhang stellen
würde.
Das Bundesgericht hat einen Rückfall im Sinn von Art. 17 Abs. 1 lit. c SVG (in der bis
31. Dezember 2004 geltenden Fassung; AS 1975 S. 1257 ff.) verneint, wenn der frühere
Entzug den Ausweis für Motorfahrräder betraf und die Massnahme nicht auf den
"ordentlichen" Führerausweis ausgedehnt worden war, insbesondere, weil der
Betroffene aufgrund seines Alters einen solchen Ausweis noch nicht besitzen konnte.
Zur Begründung stellte das Bundesgericht darauf ab, dass die mit dem Motorfahrrad
begangenen Widerhandlungen nach Art. 36 Abs. 2 VZV (in der bis 31. März 2003
gültigen Fassung, AS 1976 S. 2423 ff.) bloss fakultativ eine Administrativmassnahme
zur Folge hatten und zur Erlangung des Führerausweises für Motorfahrräder lediglich
eine vereinfachte theoretische Führerprüfung abgelegt und auch kein Kurs zur
Verkehrssinnbildung und Gefahrenlehre beziehungsweise Fahrdynamik, Blicktechnik
und Beherrschung der Fahrzeugbedienung absolviert werden musste (vgl. BGE 128 II
187 E. 1c).
Die Vorinstanz geht davon aus, der Zweck der Rückfallbestimmung rechtfertige es
nicht, dass ein Lenker, der im Zeitpunkt der früheren Widerhandlung lediglich über den
Führerausweis für eine Spezialkategorie – wie vorliegend G und M – und damit noch
nicht über die für die Lenkberechtigung für "höhere" Kategorien – vorliegend B –
erforderliche umfassende Ausbildung verfügt habe, dieselben Konsequenzen tragen
müsse, wie jener Lenker, der im Zeitpunkt der früheren Widerhandlung bereits über
diese Ausbildung verfügt habe.
Verallgemeinert bedeutet die Auffassung der Vorinstanz, dass der Betroffene nicht
rückfällig im Sinn der Rückfallbestimmungen sein soll, wenn er die erneute
Widerhandlung mit einem Motorfahrzeug einer Kategorie, Unterkategorie oder
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Spezialkategorie beging, zu deren Führen er im Zeitpunkt der früheren Widerhandlung
noch nicht berechtigt war. Ein Rückfall läge umgekehrt nur dann vor, wenn der
Betroffene bereits im Zeitpunkt der früheren Widerhandlung zum Führen jener
Kategorie, Unterkategorie oder Spezialkategorie berechtigt war, mit welcher er die
erneute Widerhandlung beging. Der Vorinstanz ist zuzugestehen, dass auch diese
Betrachtungsweise dem Zweck des Warnungsentzugs möglicherweise ausreichend
Rechnung tragen würde und die Überlegungen in der genannten bundesgerichtlichen
Rechtsprechung zumindest grundsätzlich nach wie vor nachvollziehbar sind. –
Einschränkend ist allerdings anzumerken, dass nach dem damaligen Recht der
Führerausweis zum Führen von Motorfahrrädern in Art. 27 VZV (in der bis 31. März
2003 gültigen Fassung, AS 1976 S. 2423 ff.) besonders geregelt war und
Administrativmassnahmen mittlerweile auch für Motorfahrradführer bei gegebenen
Voraussetzungen zwingend angeordnet werden müssen. Anzumerken ist auch, dass
der Beschwerdegegner die frühere Widerhandlung mit einem Traktor beging, welcher
als landwirtschaftliches Motorfahrzeug der Spezialkategorie G damals wie heute einen
Führerausweis im Sinn von Art. 3 VZV voraussetzt.
Hätte der Gesetzgeber beabsichtigt, bei den Rückfallbestimmungen am
Berechtigungsumfang des Ausweises des Bewerbers in den Zeitpunkten der
Widerhandlungen und dem konkreten Umfang des früheren Entzugs anzuknüpfen,
hätte dies im Gesetzeswort – gegebenenfalls in einer allgemeinen Regel zu Art. 16c
Abs. 2 lit. b SVG und den weiteren vergleichbaren Bestimmungen – zum Ausdruck
kommen müssen. Dies gilt umso mehr, wenn er einzig den Führerausweis für die
Spezialkategorien G und M besonders hätte behandeln wollen. Auch der Botschaft
sind keine Hinweise dafür zu entnehmen, dass bei der Bestimmung der
Mindestentzugsdauer unterschieden werden soll, für welche Kategorie der
Führerausweis zuvor entzogen war.
Vielmehr hat der Gesetzgeber mit der am 1. Januar 2005 in Kraft getretenen Revision
des Administrativmassnahmenrechts rückfällige Motorfahrzeuglenker härter anpacken
wollen und für jeden Wiederholungsfall stufenweise längere Mindestentzugsdauern
vorgesehen. Die Abstufung geht von der Schwere der aktuellen verkehrsgefährdenden
Widerhandlung aus (schwer, mittelschwer oder leicht) und hängt von der Anzahl, der
Schwere und dem zeitlichen Abstand der früheren verkehrsgefährdenden
Widerhandlungen ab, die zu Administrativmassnahmen geführt haben (vgl. Botschaft
zur Änderung des Strassenverkehrsgesetzes vom 31. März 1999, in: BBl 1999 S. 4462
3.3.5.
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ff., nachfolgend: Botschaft, S. 4474). Dem Sinn der Verschärfung des
Administrativmassnahmenrechts entsprechend, soll jeder erneute insbesondere
verkehrsgefährdend wirkende Verstoss gegen die Strassenverkehrsregeln zur
Anwendung der Kaskadenordnung führen unabhängig davon, mit welchem
Motorfahrzeug er begangen wurde und für welche Kategorien der Lenker fahrberechtigt
war. Der vom Gesetzgeber verfolgte Zweck der Kaskadenordnung – die Verhinderung
von Rückfällen – würde beeinträchtigt, wenn sie aus dem Wortlaut des Gesetzes nicht
erkennbaren Ausnahmen zugänglich wäre.
Auch der Lenker eines Motorfahrzeugs einer Spezialkategorie darf mit seinem
Fahrverhalten die Verkehrssicherheit nicht gefährden. Dies gilt insbesondere für Lenker
landwirtschaftlicher Traktoren, zumal von diesen Fahrzeugen hinsichtlich ihrer
Dimension und ihres Gewichts eine besondere, im Vergleich zu einem Personenwagen
erheblich grössere Betriebsgefahr ausgeht. Auch aus objektiver Sicht bedeutet die der
Fahrzeugkategorie angepasste Prüfung der Basistheorie (Art. 13 Abs. 4 VZV) nicht,
dass von den Fahrzeugen der Spezialkategorie G eine geringere Gefahr für andere
Verkehrsteilnehmer ausgeht. Die konkreten Umstände der Vortat – also beispielsweise
für die Würdigung des Verschuldens bedeutsame Aspekte wie das Alter und der
Ausbildungsstand – fliessen ebenfalls in die Beurteilung der Vortat. Der
Beschwerdegegner war im Übrigen im Zeitpunkt der ersten Widerhandlung bereits 18-
jährig und damit in einem Alter, in welchem ihm die Gefährlichkeit seines
verkehrswidrigen Verhaltens – Linksabbiegen ohne genügende Rücksichtnahme auf
den nachfolgenden Verkehr, defekter Blinker am Anhänger, Überschreiten der
zulässigen Anhängelast – bewusst sein musste.
Nach der Rechtsprechung ist bei der Beurteilung des erneuten Verstosses auf jene der
Vortat nicht zurückzukommen (vgl. BGer 1C_210/2020 vom 30. November 2020 E. 4.3).
Würde die Kaskade aus Rücksicht auf den Ausbildungsstand nicht zur Anwendung
gelangen, käme dies im Ergebnis einer sehr hohen, erneuten und damit systemwidrigen
Gewichtung eines Teilaspekts des Verschuldens der Erstwiderhandlung gleich, der zu
einer erheblichen Verkürzung der Ausweisentzugsdauer führen würde (vgl. Rütsche,
a.a.O., N 98 zu Art. 16 SVG; vgl. zum Ganzen auch VerwGE B 2021/245 und 246 vom
25. April 2022 E. 4.4.3). Dass die gesetzlich vorgegebene Mindestentzugsdauer, die –
wie dargelegt – nicht unterschritten werden darf, der rechtsanwendenden Behörde im
Einzelfall mit Blick auf die Einschätzung ihrer Erforderlichkeit zur Erreichung der
Besserung als unverhältnismässig streng erscheint, ist nicht ausgeschlossen. Indessen
entspricht diese Härte der Absicht des Bundesgesetzgebers, der schwere und
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4. Dauer und Umfang des Ausweisentzugs
Die Nichterhöhung der Mindestentzugsdauer wird bei der Bemessung von keiner Partei
beanstandet. Mit Blick auf den Alkoholisierungsgrad und die
Massnahmenempfindlichkeit – der getrübte Leumund als Motorfahrzeuglenker hat sich
in der Kaskade niedergeschlagen – erscheint sie als recht- und verhältnismässig. Die
Entzugsdauer ist deshalb auf sechs Monate festzulegen.
Der Umfang des Entzugs, welcher sich nach Art. 33 und Art. 45 VZV richtet und den
der Beschwerdeführer in der Verfügung vom 23. Februar 2021 auf den Entzug aller
Kategorien, Unterkategorien und der Spezialkategorie F sowie die Aberkennung
allfälliger ausländischer und internationaler Ausweise beschränkte (act. 8/14/20 S. 4),
wiederholte Widerhandlungen gegen Strassenverkehrsvorschriften zur Vermeidung von
Toten und Verletzten im Strassenverkehr strenger ahnden wollte (Botschaft S. 4485),
und ist für die rechtsanwendenden Behörden massgebend (vgl. Art. 190 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft; SR 101, BV; vgl. auch B.
Rütsche, in: Basler Kommentar zum SVG, Basel 2014, N 98 zu Art. 16 SVG). Der
Warncharakter sowie der damit einhergehende präventive Zweck der
Kaskadenordnung zum Schutz der Verkehrssicherheit würde mit der Verwehrung einer
Anwendung auf Fälle, in denen der erstmalige Führerausweisentzug sich auf eine
Spezialkategorie beschränkte wurde, vereitelt werden. Gleiches gilt für die
erzieherische Funktion der Kaskadenordnung.
Ergebnis
Zusammenfassend ergibt sich, dass hinsichtlich Erteilung und Umfang des Entzugs
zwischen dem Ausweis der Spezialkategorien G und M (Erteilung) beziehungsweise
aller Spezialkategorien (Umfang des Entzugs) einerseits und dem Ausweis für die
übrigen Kategorien und Unterkategorien zwar Unterschiede bestehen. Mit Blick auf den
Wortlaut der Rückfallbestimmungen und die vom Gesetzgeber mit der
Kaskadenordnung verfolgte Absicht ist Art. 16c Abs. 2 lit. b SVG aber auch dann
anzuwenden, wenn die frühere Widerhandlung einzig den Entzug eines
Führerausweises der Spezialkategorien G und M oder eines Lernfahr- oder
Führerausweises der Spezialkategorie F zum Gegenstand hatte. – Der
Beschwerdegegner beging die schwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 1
lit. b SVG am 8. November 2020, mithin weniger als fünf Jahre nach Ablauf des
einmonatigen Entzugs des Führerausweises der Spezialkategorien G und M am
31. März 2016 aufgrund einer mittelschweren Widerhandlung. Es gelangt somit unter
Berücksichtigung der obenstehenden Auslegung die Mindestentzugsdauer des Art. 16c
Abs. 2 lit. b SVG von sechs Monaten zur Anwendung.
3.4.
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wurde ebenfalls nicht gerügt und ist im Sinne der Verhältnismässigkeit mit Blick auf
den Beruf des Beschwerdegegners als Landschaftspfleger, welcher Motorfahrzeuge
der Kategorie G regelmässig führt, nicht zu beanstanden.
5. Zeitpunkt des Vollzugs
Die Vorinstanz hat mit ihrem Entscheid vom 19. August 2021 die Verfügung des
Beschwerdeführers vom 23. Februar 2021 auch insoweit aufgehoben, als damit der
Zeitpunkt des Vollzugsbeginns auf den 23. August 2021 festgelegt wurde (Ziffer 1
Absatz 2 der Verfügung). Zur Begründung führt die Vorinstanz aus, die angefochtene
Verfügung vermische in unzulässiger Weise Erkenntnis- und Vollstreckungsverfahren,
die sich in wesentlichen Punkten – Rechtsmittelfrist, Zuständigkeit zur
Rekursbeurteilung – unterschieden. Dass ein Rekursverfahren möglicherweise vor dem
angesetzten – spätesten – Beginn des Vollzugs abgeschlossen werde, ändere an der
rechtswidrigen Vorgehensweise nichts.
Der Beschwerdeführer hält dem entgegen, bei den Administrativmassnahmen wegen
Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz handle es sich um
Massenverfahren. In solchen Verfahren sei es erlaubt, eine einzige Verfügung zu
erlassen, die in einer Sache zahlreiche Rechtsverhältnisse regle. Die Behörden der
Massenverwaltung stünden ständig im Spannungsfeld zwischen
Beschleunigungsgebot und Mitwirkungsrechten der Betroffenen. Die von einer
Warnungsmassnahme betroffenen Personen erlitten durch die Ansetzung des Vollzugs
in der Sachverfügung keinen Rechtsverlust. Während der Dauer eines
Rechtsmittelverfahrens seien Sachverfügungen in der Regel nicht vollstreckbar.
Fraglich sei, ob die Rekursinstanz auch rechtliche Fragen überprüfen müsse, welche
nicht gerügt worden seien. Auch in anderen Kantonen, deren
Verwaltungsrechtspflegegesetze gleichermassen zwischen Erkenntnis- und
Vollstreckungsverfahren unterschieden, sei die Festlegung des Vollzugszeitraums in
der Sachverfügung Praxis.
Die Auffassung der Vorinstanz, dass Erkenntnis- und Vollstreckungsverfahren zu
trennen sind, trifft im Grundsatz zu (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 1230). Ebenso trifft – worauf der
Beschwerdeführer hinweist – zu, dass es in Massenverfahren im Sinn der
Verwaltungsökonomie angezeigt sein kann, in der Sachverfügung auch Modalitäten
des Vollzugs zu regeln. Im Schrifttum wird deshalb die Auffassung vertreten, in der
Verfügung, mit welcher die Verwaltung die Administrativmassnahme anordne, sei –
damit keine weitere Verfügung erlassen werden muss – nicht nur die Art und Dauer der
Massnahme festzulegen, sondern es sei auch der genaue Zeitraum festzusetzen,
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während welchem die Massnahme vollzogen wird (vgl. R. Schaffhauser, Grundriss des
Schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band III: Die Administrativmassnahmen,
Bern 1995, Rz. 2727). Dem in der Verfügung festgelegten Vollzugszeitraum kommt nur
Bedeutung zu, soweit die Verfügung auch in der Sache rechtskräftig wird. Dies ist dann
der Fall, wenn gegen die Verfügung kein Rechtsmittel ergriffen wird. Wird ein
Rechtsmittel ergriffen, ist ein Warnungsentzug regelmässig zufolge der aufschiebenden
Wirkung und mangels gegenteiliger Anordnung der verfügenden Behörde nicht
vollstreckbar (vgl. Art. 51 Abs. 1 VRP). Mit der Anfechtung der Verfügung werden
Rechtmässigkeit und Angemessenheit der Massnahme unsicher, und in der Folge tritt
auch wieder Unklarheit über den Wirkungsbeginn ein. Deshalb ist es angezeigt, dass
nach der rechtsmittelweisen Überprüfung der Massnahme der Vollzugszeitraum neu
festgelegt wird.
Die Rechtswirksamkeit tritt beim Warnungsentzug – umso mehr als mittlerweile die
Überprüfbarkeit der Einhaltung der Massnahme mit dem Informationssystem
Verkehrszulassung elektronisch sichergestellt ist (vgl. Art. 89b Ingress und lit. b SVG) –
mit der Rechtskraft der Massnahme ein (vgl. Rütsche, a.a.O., N 87 zu Art. 16 SVG).
Praxis und Rechtsprechung räumen den Betroffenen indessen hinreichend Zeit ein,
sich insbesondere beruflich ohne eigenes Fahrzeug zu organisieren. Die Festsetzung
der Dauer des Aufschubs der Rechtswirksamkeit liegt im Ermessen der mit dem
Vollzug betrauten Behörde; ein Rechtsanspruch besteht nicht (vgl. Schaffhauser,
a.a.O., Rz. 2729 und 2731). Immerhin aber besteht ein Anspruch auf rechtsgleiche
Behandlung der Betroffenen, unabhängig davon, ob sie ein Rechtsmittel gegen eine
Massnahmenverfügung eingereicht haben oder nicht. Der Rechtsgleichheit und der
Klarheit dient es deshalb, wenn der in der Verfügung festgesetzte Vollzugszeitraum
auch dann nicht mehr von Bedeutung ist, wenn der Rechtsmittelentscheid noch vor
dessen Ablauf rechtswirksam wird, und die Rechtsmittelbehörde im Dispositiv die
verfügende Behörde ausdrücklich einlädt, den Zeitraum neu festzusetzen.
Zusammenfassend ergibt sich deshalb, dass die Festsetzung des Vollzugszeitraums
durch den Beschwerdeführer in der Sachverfügung nicht zu beanstanden ist. Mit der
Erhebung des Rechtsmittels gegen die Verfügung, für deren sämtlichen Bestandteile –
wie von der Beschwerdeführerin angeführt – die vierzehntägige Rechtsmittelfrist gilt,
kann der Warnungsentzug nicht rechtswirksam werden. Beanstandet der Betroffene
mit dem Rechtsmittel einzig den Vollzugszeitraum, bleibt es der Rechtsmittelbehörde
unbenommen, darüber gestützt auf Art. 44 beziehungsweise Art. 60 VRP präsidial zu
entscheiden.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 14/15
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St.Galler Gerichte
6. Kosten
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens haben die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Dem Verfahrensausgang
entsprechend sind die amtlichen Kosten des Beschwerde- und des Rekursverfahrens
dem Beschwerdegegner aufzuerlegen. Dass im Beschwerdeverfahren auf das
Feststellungsbegehren des Beschwerdeführers nicht eingetreten wird, ist für die
Kostenverlegung nicht von Bedeutung, da die damit aufgeworfene Frage bereits
aufgrund der Anfechtung des Rekursentscheides zu prüfen war. Eine Entscheidgebühr
für das Beschwerdeverfahren von CHF 1’500 ist angemessen, jene des
Rekursverfahrens von CHF 1'200 liegt innerhalb des der Vorinstanz zukommenden
Ermessensspielraums und ist bezüglich ihrer Höhe nicht angefochten (Art. 7 Abs. 1
Ingress und Ziff. 211 und Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
Ausseramtliche Kosten sind weder für das Rekurs- noch für das Beschwerdeverfahren
zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und 2 und 98 VRP). Auf die Erhebung der Kosten ist
zu verzichten, zumal die sich stellenden Rechtsfragen vom Verwaltungsgericht erstmals
zu beurteilen waren (Art. 97 VRP). Der vom Beschwerdegegner im vorinstanzlichen
Verfahren geleistete Kostenvorschuss in Höhe von CHF 1'200 ist ihm
zurückzuerstatten.