Decision ID: a602fc97-19a5-5b0b-b4cf-50eed246c01c
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X war seit 9. Dezember 2013 im Besitz des Führerausweises der Kategorie B.
Wegen Lenkens eines Motorfahrzeugs in fahrunfähigem Zustand (Übermüdung,
Tatzeitpunkt: 31. August 2012) wurde er ihm mit Verfügung des Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamtes vom 18. Juni 2013 für drei Monate entzogen (schwere
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften).
B.- Am Mittwoch, 29. Juli 2014, um 16.09 Uhr, fuhr X mit einem Personenwagen von A
in Richtung B, als er von der Polizei kontrolliert wurde. Der Drogenschnelltest verlief
positiv, weshalb die Entnahme einer Blut- und Urinprobe angeordnet wurde. Das
Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital St. Gallen (IRM) ermittelte im Blut einen
mittleren Tetrahydrocannabinol(THC)-Gehalt von 24 μg/l sowie einen THC-
Carbonsäuregehalt von 190 μg/l. Die Polizei nahm X den Führerausweis auf der Stelle
ab.
Am Freitagnachmittag, 1. August 2014, beobachtete die Polizei, dass X mit einem
Personenwagen von C in Richtung D unterwegs war, obschon ihm der Führerausweis
drei Tage zuvor abgenommen worden war. Um 16.40 Uhr wurde X bei der Einfahrt in
die Tiefgarage seines Wohnhauses von der Polizei angehalten. Auch dieses Mal fiel der
Drogenschnellest positiv aus, worauf eine Blut- und Urinprobe entnommen wurde. Das
IRM ermittelte im Blut einen mittleren THC-Gehalt von 10 μg/l sowie einen THC-
Carbonsäuregehalt von 83 μg/l.
Mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes E vom 13. Oktober 2014 wurde X wegen
mehrfacher Übertretung nach Art. 19a des Betäubungsmittelgesetzes (Ankauf und
Konsum von Marihuana), mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs in nicht
fahrfähigem Zustand (Drogenkonsum) sowie Führens eines Motorfahrzeugs trotz
Entzugs des Führerausweises zu einer bedingten Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je
Fr. 40.– und einer Busse von Fr. 1'000.– verurteilt. Gleichzeitig wurde eine bedingte
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Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je Fr. 50.– aus einer früheren Verurteilung vollziehbar
erklärt.
C.- Das Strassenverkehrsamt bestätigte gegenüber X am 5. August 2014 die vorläufige
Abnahme des Führerausweises durch die Polizei. Es eröffnete am 28. August 2014 ein
Verfahren zur Abklärung der Fahreignung. Dabei führte es aus, es beständen Zweifel an
seiner Fahreignung, da er bereits zum dritten (richtig: zweiten) Mal unter Einfluss von
Betäubungsmitteln (Cannabis) ein Motorfahrzeug gelenkt und zudem innerhalb von
einem Jahr drei Verkehrsregelverletzungen begangen habe, welche zu einer
Massnahme führten. Es sei daher vorgesehen, ihn zu einer verkehrsmedizinischen und
verkehrspsychologischen Untersuchung aufzubieten. Dazu wurde ihm das rechtliche
Gehör gewährt. Gleichzeitig wurde ihm vorsorglich ab sofort das Führen von
Motorfahrzeugen aller Kategorien verboten. Einen dagegen bei der
Verwaltungsrekurskommission erhobenen Rekurs zog X am 5. September 2014 zurück
(Verfahren IV-2014/126 P).
Mit Zwischenverfügung des Strassenverkehrsamtes vom 3. Oktober 2014 wurde X
aufgefordert, zwecks verkehrsmedizinischer und verkehrspsychologischer
Untersuchung innert zehn Tagen einen Termin mit dem IRM zu vereinbaren.
Gleichzeitig wurde er darauf hingewiesen, dass von einer fehlenden Fahreignung
ausgegangen und der vorsorgliche Führerausweisentzug in einen Sicherungsentzug
umgewandelt werde, sollte er der Aufforderung keine Folge leisten. Nachdem X beim
IRM innert Frist keinen Termin für die Fahreignungsabklärung vereinbart hatte, kündigte
das Strassenverkehrsamt mit Schreiben vom 11. November 2014 an, einen
Führerausweisentzug auf unbestimmte Dauer zu prüfen, und gab ihm eine zehntägige
Frist zur Stellungnahme. Als auch diese Frist ungenutzt verstrichen war, entzog das
Strassenverkehrsamt X den Führerausweis mit Verfügung vom 9. Dezember 2014 auf
unbestimmte Zeit (Sicherungsentzug). Als Bedingung für die Wiederzulassung zum
Verkehr wurde ein positiv lautendes verkehrspsychologisches und
verkehrsmedizinisches Gutachten genannt. Die Verfügung erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
D.- Am 19. Februar 2015 unterzog sich X einer verkehrsmedizinischen und
verkehrspsychologischen Untersuchung am IRM. Im Gutachten vom 19. März 2015
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kamen die Experten zum Schluss, dass die Fahreignung von X aus charakterlichen
Gründen bei verkehrsrelevantem Drogenmissbrauch nicht befürwortet werden könne.
Vor einer Neubeurteilung werde der Nachweis einer mindestens sechsmonatigen
Drogenabstinenz gemäss Info-Blatt mit Haaranalyse in sechs Monaten, monatlichen
Urinkontrollen auf Cannabis und Fachtherapie (Suchtberatungsstelle) samt Einreichung
der Verlaufsberichte empfohlen.
Am 26. November 2015 liess sich X am IRM erneut verkehrsmedizinisch und
verkehrspsychologisch untersuchen. Gemäss Gutachten vom 7. Januar 2016 war die
Fahreignung aus verkehrsmedizinischer und verkehrspsychologischer Sicht aus
charakterlichen Gründen bei verkehrsrelevantem Drogenmissbrauch und zu kurzer
nachvollziehbarer Abstinenz nach wie vor nicht gegeben. Die Gutachter empfahlen eine
mindestens sechsmonatige Drogenabstinenz mit halbjährlicher Haaranalyse und
monatlichen Urinkontrollen auf Cannabis sowie eine Verkehrstherapie von mindestens
zwölf Stunden.
E.- Mit Eingabe vom 21. September 2016 (Eingang beim Strassenverkehrsamt am 12.
Oktober 2016) beantragte X die sofortige auflagenfreie Wiedererteilung des
Führerausweises. Das Strassenverkehrsamt wies das Gesuch mit Verfügung vom 28.
Oktober 2016 ab, da kein positiv lautendes verkehrsmedizinisches und
verkehrspsychologisches Gutachten vorliege. Als Bedingungen für die Wiedererteilung
wurden der Nachweis einer kontrollierten Drogenabstinenz von mindestens sechs
Monaten und einer Verkehrstherapie von mindestens zwölf Stunden, das Einreichen
der Verlaufsberichte sowie eine verkehrsmedizinische und verkehrspsychologische
Neubeurteilung genannt. Einem allfälligen Rekurs entzog das Strassenverkehrsamt die
aufschiebende Wirkung.
F.- Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 15. November 2016 und Ergänzung vom
17. Dezember 2016 erhob X Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem
Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und der Führerausweis
wiederzuerteilen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Das Strassenverkehrsamt
verzichtete auf eine Vernehmlassung. Auf die Ausführungen des Rekurrenten wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 15. November 2016 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 17. Dezember 2016 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45,
47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- a) In formeller Hinsicht macht der Rekurrent geltend, sein Anspruch auf rechtliches
Gehör sei im vorinstanzlichen Verfahren in schwerwiegender Weise verletzt worden. Er
habe sein Gesuch um Wiedererteilung des Führerausweises substantiiert begründet
und sich mit den Gutachten des IRM eingehend auseinandergesetzt. Er habe
dargelegt, dass die erhobenen Befunde seine uneingeschränkte Fahreignung belegen
würden. Die Vorinstanz habe sich mit diesen Ausführungen nicht auseinandergesetzt,
weshalb er sie mit Schreiben vom 21. Oktober 2016 ausdrücklich auf die
Begründungspflicht aufmerksam gemacht habe. Ungeachtet dessen habe die
Vorinstanz ihre pauschal ablehnende Haltung in der angefochtenen Verfügung nicht
weiter begründet. So habe der Rekurrent nicht nachvollziehen und prüfen können, ob
seine Argumente von der Vorinstanz tatsächlich gehört, berücksichtigt und gewürdigt
worden seien. Es sei ihm daher nicht möglich, die Verfügung sachgerecht anzufechten;
die Begründungspflicht sei verletzt worden.
b) Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 201, abgekürzt: BV) gewährt den Parteien
Anspruch auf rechtliches Gehör. Daraus leitet das Bundesgericht in ständiger
Rechtsprechung die Pflicht der Behörde ab, ihre Verfügungen und Entscheide zu
begründen (vgl. BGE 133 III 439 E. 3.3, 133 I 270 E. 3.1, 129 I 236 E. 3.2, 126 I 102
E. 2b). Als persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht verlangt dieser Grundsatz, dass
die Behörde die Vorbringen der in ihrer Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich
hört, prüft und berücksichtigt und ihre Verfügung oder ihren Entscheid vor diesem
Hintergrund begründet (vgl. G. Steinmann, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 49 zu
Art. 29 BV). Der Betroffene soll wissen, warum die Behörde entgegen seinem Antrag
entschieden hat; die Begründung muss deshalb so abgefasst sein, dass er die
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Verfügung oder den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (BGE 133
III 439 E. 3.3, 129 I 232 E. 3.2; vgl. auch Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 1070 f.). Dies ist nur möglich, wenn sowohl der
Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite der Verfügung oder
des Entscheids ein Bild machen können; in diesem Sinne müssen wenigstens kurz die
Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche
sie sich stützt.
Allerdings bedeutet dies nicht, dass sich die Behörde ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen
muss; vielmehr kann sie sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE
133 I 270 E. 3.1; Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 1071). Umfang und Dichte der
Begründung richten sich generell nach den Umständen (Steinmann, a.a.O., N 49 zu
Art. 29 BV). Ist die Sachlage klar und sind die anwendbaren Normen bestimmt, kann
ein Hinweis auf diese Rechtsnormen genügen, während ein weiter Spielraum der
Behörde – aufgrund von Ermessen oder unbestimmten Rechtsbegriffen – und eine
Vielzahl von in Betracht fallenden Sachverhaltselementen eine ausführliche
Begründung gebieten (BGE 112 Ia 110 E. 2b, 104 Ia 213 E. 5g; Steinmann, a.a.O., N 49
zu Art. 29 BV; Tschannen/Zimmerli, Allgemeines Verwaltungsrecht, 2. Aufl. 2005, § 29
N 13). Die Begründungspflicht, welche aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör im
Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV fliesst, hat der st. gallische Gesetzgeber für Verfügungen in
Art. 24 Abs. 1 lit. a VRP ausdrücklich festgehalten; nach dieser Bestimmung soll die
Verfügung unter anderem die Gründe enthalten, auf die sie sich stützt (vgl. zum Ganzen
VerwGE B 2009/211 vom 18. März 2010 E. 2.1).
c) Der Rekurrent stellte mit Schreiben vom 21. September 2016 (Eingang bei der
Vorinstanz am 12. Oktober 2016) ein Gesuch um Wiedererteilung des Führerausweises.
Er legte darin dar, bei ihm bestehe keine Drogenproblematik. Die
Cannabistotalabstinenz sei mittels Urinproben für mindestens zehn Monate belegt. Der
Nachweis von Amphetamin in den Haaren vermöge dies nicht zu widerlegen. Die
Kontamination der Haare könne auch von aussen erfolgt sein, was die Rechtsprechung
anerkannt habe. Das Leistungsverhalten sei in allen Bereichen genügend, bei den
Persönlichkeitstests habe der Rekurrent grösstenteils gute bis sehr gute im
Normbereich liegende Resultate erzielt. Er habe sein Verhalten geändert, den Konsum
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von Cannabis eingestellt und Einsicht in sein Fehlverhalten gewonnen. Er habe die im
Gutachten des IRM vom 19. März 2015 geforderten Auflagen erfüllt, weshalb seine
Fahreignung sowohl in verkehrsmedizinischer als auch verkehrspsychologischer
Hinsicht aufgrund des Gutachtens des IRM vom 7. Januar 2016 befürwortet werden
müsse. Die anderslautenden Ausführungen in jenem Gutachten seien nicht
nachvollziehbar.
Die Vorinstanz teilte dem Rekurrenten mit Schreiben vom 17. Oktober 2016 mit, dass
im Gutachten des IRM vom 7. Januar 2016 diverse Wiedererteilungsbedingungen
aufgeführt worden seien (Nachweis einer sechsmonatigen Drogenabstinenz, Einreichen
von Verlaufsberichten, Fortsetzung der Massnahmen bis zur Wiedererteilung,
verkehrsmedizinische und verkehrspsychologische Neubeurteilung). Jenes Gutachten
zeige keine offenkundigen Mängel, welche dessen Richtigkeit und Schlüssigkeit in
Frage stellen würden. Aufgrund der Tatsache, dass kein positiv lautendes
verkehrsmedizinisches und verkehrspsychologisches Gutachten vorliege, könne dem
Gesuch um Wiedererteilung nicht entsprochen werden. Mit Schreiben vom 21. Oktober
2016 führte der Rekurrent dazu aus, die pauschal ablehnende Haltung der Vorinstanz
erfülle die Anforderungen an eine hinreichende Begründung nicht.
Die Vorinstanz wies daraufhin das Gesuch um Wiedererteilung mit Verfügung vom 26.
Oktober 2016 ab. Zur Begründung führte sie aus, dass kein positiv lautendes
verkehrsmedizinisches und verkehrspsychologisches Gutachten eingereicht worden
sei. Ferner wiederholte sie die Wiedererteilungsbedingungen gemäss Gutachten vom 7.
Januar 2016 und erwog, dass sich aus dem von ihm erwähnten Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission aufgrund der veränderten Ausgangssituation
(Führerausweisentzug auf unbestimmte Zeit) nichts zu seinen Gunsten ableiten lasse.
Es werde darauf verzichtet, auf die weiteren Ausführungen detailliert einzugehen. Das
verkehrsmedizinische und verkehrspsychologische Gutachten erscheine in allen Teilen
als schlüssig und vermöge in seiner Gesamtheit zu überzeugen.
d) Nachdem, wie nachfolgend zu zeigen sein wird (vgl. E. 5c), das Gutachten vom
7. Januar 2016 für die Ablehnung des Gesuchs um Wiedererteilung keine
entscheidende Rolle spielt und deshalb nicht eingehend zu würdigen ist, liegt keine
Verletzung der Begründungspflicht vor. Vielmehr wies die Vorinstanz korrekt darauf hin,
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dass kein positiv lautendes verkehrsmedizinisches und verkehrspsychologisches
Gutachten vorliege, und das Gesuch um Wiedererteilung deshalb abzuweisen sei.
Zudem nahm sie Bezug auf den vom Rekurrenten erwähnten Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission, indem sie zutreffend ausführte, dass sich daraus
aufgrund der veränderten Ausgangssituation nichts zu seinen Gunsten ableiten lasse.
Der Rekurs zeigt schliesslich, dass es dem Rekurrenten ohne weiteres möglich war, die
Verfügung sachgerecht anzufechten; dies spricht ebenfalls gegen eine Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör. Die entsprechende Rüge des Rekurrenten ist somit
unbegründet.
3.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz das Gesuch um Wiedererteilung des
Führer-ausweises zu Recht abgewiesen hat. Der Rekurrent macht im Wesentlichen
geltend, aus den zwei Gutachten des IRM gehe hervor, dass die geltend gemachte
Drogenabstinenz nachvollziehbar gewesen sei, insbesondere bezüglich Cannabis,
wofür die Untersuchungen letztlich angeordnet worden seien. Das im ersten Gutachten
noch behauptete Konsummuster, das ein erhebliches psychisches Verlangen zum
Konsum von Cannabis gezeigt habe, sei damit offenkundig widerlegt worden. Es habe
sich vielmehr herausgestellt, dass wohl gar nie eine Drogenproblematik bestanden
habe. Im Sommer 2014 habe der Rekurrent lediglich zweimal wöchentlich am
Wochenende Cannabis konsumiert, womit nur ein Gelegenheitskonsum vorgelegen
habe. Eine andere Drogenproblematik (Ecstasy, MDMA, Amphetamine) sei nie Thema
gewesen, insbesondere nicht im Zusammenhang mit der Teilnahme am Verkehr. Bei
den zahlreichen Urin- und Blutproben sei nie eine andere Stoffgruppe als jene der
Cannabinoide festgestellt worden. Es sei widersprüchlich, dem Rekurrenten einerseits
vorzuwerfen, er leide in höchstem Mass an einer unkontrollierbaren verkehrsrelevanten
Drogensucht, andrerseits aber nie derartige Stoffe in Urin- oder Blutproben
nachzuweisen. Der Rekurrent habe die vom IRM geforderte Drogentotalabstinenz über
mindestens sechs Monate eingehalten und damit den Tatbeweis angetreten, dass
seine Fahreignung nicht beeinträchtigt sei. Hinzu komme, dass eine Haarprobe
anerkanntermassen auch von aussen kontaminiert werden könne. Es gehe daher zu
weit, die Abstinenz nur mit einem absolut negativen Ergebnis als erwiesen zu
betrachten; das Resultat bezüglich Amphetamin liege zudem mit 270 pg/mg im
Grenzbereich. All dies hätten sowohl das IRM als auch anschliessend die Vorinstanz
ausser Acht gelassen.
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Das verkehrspsychologische Gutachten, das von einer bislang nicht überwundenen
Drogenproblematik ausgehe, stehe mit der tatsächlichen Situation im klaren
Widerspruch, nachdem beim Rekurrenten eben keine solche vorliege. Damit erwiesen
sich auch die Ausführungen in verkehrspsychologischer Hinsicht, wonach der
Rekurrent unfähig sei, auf den Konsum von Drogen zu verzichten und es ihm
diesbezüglich an Offenheit mangle, als verfehlt. Das Leistungsverhalten des
Rekurrenten sei durchwegs unauffällig. Auch bei den Persönlichkeitstests seien ihm
grossmehrheitlich gute bis sehr gute Ergebnisse attestiert worden. Es sei einzig
bemängelt worden, dass es ihm weiterhin an der Einsicht in sein Fehlverhalten mangle.
Hier übersehe der Gutachter jedoch, dass der Rekurrent im Untersuchungszeitpunkt
seit rund einem Jahr totalabstinent von jeglichen Drogen gelebt habe. Er habe zudem
differenziert erklären können, weshalb sich solche Vorfälle in Zukunft nicht mehr
ereignen würden. Die nicht besuchte Fachtherapie könne ihm unter diesem Blickwinkel
nicht vorgeworfen werden. Offensichtlich habe er sie nicht nötig gehabt. Dies zeige
auch das Testergebnis zur Selbstreflexion, das sich von Prozentrang 90 auf
Prozentrang 69 verbessert habe.
Zusammenfassend ergebe sich, dass der Rekurrent die von ihm im ersten Gutachten
des IRM geforderten Empfehlungen und Auflagen alle vollständig eingehalten habe und
deshalb seine Fahreignung sowohl in verkehrsmedizinischer als auch
verkehrspsychologischer Hinsicht gegeben sei. Die anderslautenden
Schlussfolgerungen im Gutachten vom 9. Januar 2016 seien unvollständig,
widersprüchlich sowie nicht nachvollziehbar und damit nicht verwertbar.
4.- a) Bestehen Zweifel an der Fahreignung einer Person, so wird diese einer
Fahreignungsuntersuchung unterzogen (Art. 15d Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes,
SR 741.01, abgekürzt: SVG). Wird festgestellt, dass die gesetzlichen Voraussetzungen
nicht oder nicht mehr bestehen, muss der Führerausweis entzogen werden (Art. 16
Abs. 1 SVG). In diesen Fällen dient der Entzug des Ausweises der Sicherung des
Verkehrs vor ungeeigneten Fahrzeugführern (Sicherungsentzug). Der Entzug wird
grundsätzlich auf unbestimmte Dauer ausgesprochen (Art. 16d Abs. 1 Ingress SVG).
Der auf unbestimmte Zeit entzogene Führerausweis kann bedingt und unter Auflagen
wiedererteilt werden, wenn eine allfällige gesetzliche oder verfügte Sperrfrist
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abgelaufen ist, und die betroffene Person die Behebung des Mangels nachweist, der
die Fahreignung ausgeschlossen hat (Art. 17 Abs. 3 SVG).
Der Untersuchungsgrundsatz verlangt von der Verwaltung und vom Gericht die richtige
und vollständige Abklärung des massgeblichen Sachverhalts, d.h. die Ermittlung der
materiellen Wahrheit. Je tiefer in den Persönlichkeitsbereich eingegriffen wird, desto
sorgfältiger ist diesem Grundsatz nachzuleben (vgl. R. Schaffhauser, Zur Entwicklung
von Recht und Praxis des Sicherungsentzugs von Führerausweisen, in: AJP 1/1992
S. 17 ff., insbesondere S. 33 N 58). Da ein Sicherungsentzug stark in den
Persönlichkeitsbereich eingreift, ist eine genaue Abklärung der persönlichen
Verhältnisse des Betroffenen in jedem Fall und von Amtes wegen vorzunehmen. Das
Ausmass der notwendigen behördlichen Nachforschungen, namentlich die Frage, ob
ein Gutachten eingeholt werden soll, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls
und liegt im pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde (vgl. BGE 129 II 82 E. 2.2).
Die Beweismittel unterliegen der freien richterlichen Beweiswürdigung (Art. 21 Abs. 3 in
Verbindung mit Art. 58 Abs. 1 VRP). Verweigert eine Person bei Massnahmen zur
Untersuchung der Fahreignung die Mitwirkung, können daraus negative Schlüsse auf
ihre Fahreignung gezogen werden (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_445/2012 vom
26. April 2013 E. 3.3 mit Hinweis auf BGE 124 II 559 E. 5a).
Wegen fehlender Fahreignung wird einer Person der Führerausweis entzogen, wenn sie
an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst (Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG).
Die Rechtsprechung bejaht eine Drogensucht, wenn die Abhängigkeit von der Droge
derart ist, dass der Betroffene mehr als jede andere Person der Gefahr ausgesetzt ist,
sich ans Steuer eines Fahrzeugs in einem – dauernden oder zeitweiligen – Zustand zu
setzen, der das sichere Führen nicht mehr gewährleistet. Im Interesse der
Verkehrssicherheit setzt die Rechtsprechung den regelmässigen Konsum von Drogen
der Drogenabhängigkeit gleich, sofern dieser seiner Häufigkeit und Menge nach
geeignet ist, die Fahreignung zu beeinträchtigen (BGE 127 II 122 E. 3c).
Ferner ist der Führerausweis auf unbestimmte Zeit zu entziehen, wenn eine Person
aufgrund ihres bisherigen Verhaltens nicht Gewähr bietet, dass sie künftig beim Führen
eines Motorfahrzeuges die Vorschriften beachten und auf die Mitmenschen Rücksicht
nehmen wird (Art. 16d Abs. 1 lit. c SVG). Aus charakterlichen Gründen sind jene
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Personen zum Führen von Motorfahrzeugen nicht geeignet, die nicht über ein Minimum
an Verantwortungsbewusstsein, Beständigkeit und Selbstbeherrschung verfügen, die
gleichzeitig ungeschickt, unbeholfen und ohne Entscheidungssinn sind, die übertrieben
optimistisch und ganz ohne Bewusstsein für Gefahren sind oder die dazu neigen, sich
immer im Recht zu glauben und völlig hemmungslos sind (vgl. M. Perrin, Délivrance et
retrait du permis de conduire, Fribourg 1982, S. 49). Diejenigen Personen sollen nicht
zugelassen werden, von denen anzunehmen ist, dass sie aufgrund ihrer
Persönlichkeitsstruktur eine besondere Gefahr für die anderen Verkehrsteilnehmer
darstellen.
b) Am 3. Oktober 2014 forderte die Vorinstanz den Rekurrenten auf, sich einer
verkehrsmedizinischen und verkehrspsychologischen Untersuchung zu unterziehen; da
er zum dritten (richtig: zweiten) Mal unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln
(Cannabis) gefahren sei und zudem innerhalb von einem Jahr drei
Verkehrsregelverletzungen begangen habe, bestünden Zweifel an seiner Fahreignung.