Decision ID: 071c994b-f605-4c1e-a81e-9636af85f49d
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1957, meldete sich am
8.
November 2002 bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/3). Die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, verneinte mit Verfügung vom 1
8.
Juni 2003 (
Urk.
6/16) und Einspracheentscheid vom 2
1.
Oktober 2003 (
Urk.
6/23) einen Rentenanspruch, was vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 3
0.
Juni 2004 (
Urk.
6/35) und vom Bundesgericht mit Urteil vom 2
2.
Dezember 2004 (
Urk.
6/37) bestätigt wurde.
Nach erneuter Anmeldung am 1
5.
April 2005 (
Urk.
6/43) verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch mit Verfügung vom
3.
März 2008 (
Urk.
6/82), was vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 1
3.
Oktober 2009 im Verfahren Nr.
IV.2008.00343 (
Urk.
6/90) und vom Bundesgericht mit Urteil vom 1
8.
März 2010 (
Urk.
6/98) bestätigt wurde.
1.2
Am
2.
Oktober 2012 meldete sich der Versicherte ein weiteres Mal an (
Urk.
6/100). Die IV-Stelle holte Arztberichte ein (
Urk.
6/108-109) und veran
lasste ein
bidisziplinäres
Gutachten, das am 2
9.
April 2013 erstattet wurde (
Urk.
6/116/16).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/120,
Urk.
6/122,
Urk.
6/126)
, in dessen Verlauf ein weiterer Arztbericht einging (
Urk.
6/130)
, verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
3.
November 2013 einen Renten
anspruch (
Urk.
6/134 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 1
0.
Dezember 2013 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
3.
November 2013 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm ab Oktober 2012 eine ganze Rente zuzusprechen; eventuell sei die Sache zwecks ergänzender medizinischer Abklärungen an die Vorinstanz zurückzu
weisen (
Urk.
1 S. 2 oben
Ziff.
1-2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
Januar 2014 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 1
4.
März 2014 wurden antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2 oben
Ziff.
3) die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsvertretung bewilligt (
Urk.
7).
Am 2
9.
August 2014 (
Urk.
8) reichte der Beschwerdeführer einen weiteren
Arztbe
richt
vom 1
3.
August 2014 ein (
Urk.
9). Die Beschwerdegegnerin verzich
tete darauf, dazu Stellung zu nehmen (12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Eine fach
ärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien
(mitunter als Foerster-Kriterien be
zeichnet)
. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne län
gerdauernde Rückbildung; ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belan
gen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; „Flucht in die Krankheit"); ein
unbefriedigendes Behandlungsergebnis
trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Behandlung (auch mit unterschiedlichem the
rapeutischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhan
dener Motivation und Eigenanstrengung (kooperative Haltung) der versicherten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entspre
chenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Vorausset
zun
gen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3).
Die im Bereich der
somatoformen
Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze werden rechtsprechungsgemäss bei der Würdigung des invalidisierenden Cha
rakters von Fibromyalgien (BGE 132 V 65 E. 4), dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen (Urteil des Bundesgerichts
9C_1
0/2014 vom 20. August 2014 E. 3.3, SVR 2007 IV Nr. 45 S. 150, I 9/07 E. 4 am Ende),
und
Konver
sionsstörungen
/dissoziativen Bewegungsstörungen (Urteile des Bundesgerichts 8C_810/2013 vom
9.
April 2014 E. 5.2.2 mit Hinweisen, 9C
_903/2007 vom 30. April 2008 E.
3.4)
sowie bei
Chronic
Fatigue
Syndrome (CFS; chronisches Müdigkeitssyndrom) und Neurasthenie (Urteile
des Bundesgerichts
9C_
662/2009 vom 17. August 2010 E.
2.3
,
9C_98/2010 vom 28. April 2010 E. 2.2.2 und I
70/07 vom 14. April 2008 E.
5), bei einer HWS-Verletzung (Schleudertrauma) ohne organisch nachweisbare Funktionsfälle (BGE 136 V 279, vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_136/2013 vom 16. Februar 2014 E. 4.1-2) sowie bei nicht organischer
Hypersomnie
(BGE 137 V 64 E. 4.1 und 4.2 mit Hinweisen) analog angewendet
.
Pathogenetisch
-ätiologisch unklare
syndromale
Beschwerdebilder ohne nach
weis
bare organische Grundlage
lassen den direkten Nachweis einer
anspruchs
begrün
den
den
Arbeitsunfähigkeit nicht zu. Der primäre Mangel an Beweisbar
keit rechts
erheblicher Tatsachen führt jedoch erst dann und insoweit zu einer Ableh
nung des Leistungsanspruchs, wenn die Indizien, wie sie bei einer umfassenden,
kriteriengeleiteten
Prüfung (BGE 130 V 352) zutage gefördert wurden, nicht hinreichend Grund zur Annahme bieten, eine Erwerbstätigkeit sei ganz oder teil
weise unzumutbar (BGE 139 V 547 E. 7.2).
1.3
Die genannte Praxis
ist ebenso auf eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) anwendbar
(Urteile
8C_483/201
vom
4.
Dezember 2012
E. 4.2,
9C_209/2011 vom 2
7.
Mai 2011 E. 3.2
,
9C_554/2009 vom 1
8.
August 2009 E. 7
,
I 203/06 vom 2
8.
Dezember 2006 E. 4.5
,
I 696/05 vom 2
0.
April 2006 E. 3.1 und 3.2.2).
Hingegen ist
eine zuverlässig diagnostizierte, die Arbeitsfähigkeit wesentlich beeinträchtigende depressive Störung
r
echtsprechungsgemäss
nicht als unklares, (im Sinne von
Art.
7
Abs.
2 ATSG) überwindbares Beschwerdebild zu qualifi
zieren (Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_771/2014
vom 1
9.
Februar 2015
E. 4.2.3, 8
C_14/2014
vom 3
0.
April 2014
E. 4.2.5,
8C_251/2013 vom 1
4.
Februar 2014, E. 4.2.2 und 4.2.3).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu
bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.
5
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, nament
lich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bun
desamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebun
gen
(LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standar
di
sierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E.
4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, wes
halb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche
Wo
chen
arbeitszeit
aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
1.
6
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kür
zen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad
Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest
)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der
Vergleichsein
kommen
mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
1.
7
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV)), so ist im
Beschwerdeverfah
ren
zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.
8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2
.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus,
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sei in psychischer Hinsicht
nicht
in
versicherungsrelevanter Weise beeinträchtigt (S. 3 oben), auch nicht aufgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung (S. 3 f.). Dem Beschwer
de
führer wäre eine Tätigkeit im Bereich der Metallherstellung zumutbar (S. 3 oben), ein Abzug vom Tabellenlohn sei nicht angezeigt (S. 3), und es resultiere (bei einem
Valideneinkommen
von
Fr.
69‘097.--)
e
in Invaliditätsgrad von 9
%
(S. 4 Mitte).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (S. 1), der Beurteilung von behandelnder Seite, wonach er an einer posttraumatischen Belastungsstörung leide, komme mehr Gewicht zu als derjenigen im psychiatri
schen Teilgutachten (S. 5 ff.
lit
. a). Auch gemäss dem genannten Gutachten bestehe eine Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen von 35
%
(S. 7 f.
lit
.
b). Das
Valideneinkommen
betrage
Fr.
68‘284.-- (S. 8
Ziff.
c/
aa
), beim
Inva
lideneinkommen
sei ein Abzug von 15
%
vorzunehmen (S. 8
Ziff.
c/
bb
), und der Invaliditätsgrad betrage 100
%
beziehungsweise jedenfalls 49
%
(S. 9
)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, wie es sich mit dem Gesundheitszustand und
der ver
sicherungsrelevanten allfälligen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers
,
und damit dem Invaliditätsgrad
,
verhält.
3.
3.1
Die Ärzte des
Zentrums Y._
erstatteten am 1
5.
März 2007 ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
9/63).
Der rheumatologische Begutachter diagnostizierte ein
chronifiziertes
lumbospon
dylogenes
Schmerzsyndrom, welches nicht klar auf ein strukturelles Korrelat zurückzuführen sei.
Die vom Beschwerdeführer beklagten Beschwerden seien sehr diffus, an strukturellen Pathologien würden sich bildgebend geringfügige Diskuspathologien L5/S1 und weniger L4/5 finden. Die klinische Untersuchung zeige dann aber ganz klar keine Konkordanz der beklagten Beschwerden zu diesen nicht altersunüblichen Segmentpathologien im unteren LWS-Bereich. Eine schwere körperliche Tätigkeit sei sicher nicht als ideal zu betrachten, da allen
falls aufgrund der Segmentveränderungen L5/S1 weniger L4/5 eine
Schmerz
exazerbation
entstehen könnte. Für eine mittelschwere oder leichte körperliche Tätigkeit ohne repetitives Heben von Gewichten über 10 kg bestehe aus strukturell-rheumatologischer Sicht keine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit (S. 11 f.).
Die Fachärztin für Psychiatrie nannte als Diagnosen eine anhaltende
somato
forme
Schmerzstörung sowie eine Symptomatik, wie sie im Rahmen einer zumin
dest leichten depressiven Störung mit somatischem Syndrom zu finden sei (S. 14). Das
somatoforme
Beschwerdebild der Rückenschmerzen stehe in zeitlichem Zusammenhang zur ausgeprägten Konfliktsituation innerhalb der Familie, die entstanden sei, als die beiden Söhne des Beschwerdeführers aus erster Ehe in die Schweiz gekommen seien und dies schliesslich zur Trennung und Scheidung von seiner zweiten Frau geführt habe (S. 14 und S. 17). Aus
psychiatrischer Sicht ergebe sich aufgrund der erhobenen Befunde eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit um etwa 30
%
(S. 14).
Zusammenfassend und unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befun
de sei der Beschwerdeführer in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Metall
bauer
und Monteur nicht mehr einsetzbar. In einer
behinderungsan
gepassten
Tätigkeit bestehe global gesehen eine Restarbeitsfähigkeit von 70
%
(S. 17).
3.2
Im Urteil des hiesigen Gerichts vom 1
3.
Oktober 2009 wurde unter anderem ausgeführt (
Urk.
6/90 S. 12 E. 5.5):
Die Gesamtwürdigung der bei Fehlen einer psychischen Komorbidität zu beachtenden massgebenden Kriterien ergibt, dass lediglich von einer zwar chronischen, aber mässig ausgeprägten somatischen Begleiterkrankung auszu
gehen ist. Aus dieser kann nicht gefolgt werden, eine Schmerzbewältigung sei ausnahmsweise unzumutbar.
Somit ist der Regelfall der zumutbaren Überwindbarkeit gegeben, so dass die aufgrund der diagnostizierten anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung at-testierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Umfang von 30
%
im
versi
cherungsrechtlichen
Rahmen ausser Betracht bleibt.
Demzufolge ergibt sich auch in psychischer Hinsicht keine zu berücksichti
gende Arbeitsunfähigkeit (...).
3.3
Das Bundesgericht führte in seinem Urteil vom 1
8.
März 2010 (
Urk.
6/98) unter anderem aus, die vorinstanzliche Beweiswürdigung sei nicht willkürlich (S. 6 E.
4.2), und bestätigte die Schlussfolgerung, eine allfällige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer
somatoformen
Schmerzstörung sei nicht invali
disierend (S. 5 E. 4.1).
4.
4.1
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, der den Beschwer
deführer seit April 2003 behandelt (vgl.
Urk.
6/53/5-6
lit
. D.1), führte in seinem Bericht vom 1
3.
November 2012 unter anderem aus, er behandle den Beschwer
deführer vor allem wegen seines Rückenleidens. Verschiedene Versuche der Rein
tegration in den Arbeitsprozess seien gescheitert. Letztlich sei wahrschein
lich nicht ganz klar zu entscheiden, aus welchen Gründen der Patient arbeits
unfähig sei; diesbezüglich dürfte die psychiatrische Beurteilung entscheidend sein (
Urk.
6/108).
4.2
Lic
. phil. A._
, Psychologin, und
Dr.
med.
B._
,
Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie, Oberarzt,
Ambulatorium für Folter- und Kriegs
opfer,
Spital C._
,
führten in ihrem Bericht vom
5.
Dezember 2012 (
Urk.
6/109) unter
anderem aus, sie behandelten den Beschwer
deführer seit
dem
1
9.
Januar 2011; er komme 14-täglich zu therapeu
tischen Sitzungen, alternierend mit 14-täglichen bewegungstherapeutischen Sit
zungen. Der Gesundheitszustand habe sich seit der letzten Begutachtung 2007/200
8 wesentlich verschlechtert. Neb
en der
somatoformen
Schmerzstörung müsse von einer schweren depressiven Episode und einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) ausgegangen werden. Daneben sei eine weitgehende psychosoziale Desintegration festzustellen.
4.3
Am 2
6.
April 2013 erstattete
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für All
gemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6/115).
Als rheumatologische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie ein
lumbovertebrales
bis
lumbospondylogenes
Syndrom links bei degenera
tiven Veränderungen vor allem L5/S1 und einer Diskushernie L5/S1, ohne
radi
kuläre
Zeichen (S.
67
Ziff.
7.1).
Betreffend Arbeitsfähigkeit führte sie unter anderem aus, wegen des
Rückenlei
dens
könne der Beschwerdeführer Lasten bis zu 10 kg heben oder tragen (leich
tes Belastungsniveau); dafür betrage die Arbeitsfähigkeit 100
%
(S.
69
Ziff.
9.3).
4.4
PD
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstat
tete am 2
9.
April 2013 ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6/116
/1-15
).
Der Gutachter nannte (aus psychiatrischer Sicht) folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 7
Ziff.
4.1):
leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0 / F32.1)
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er (S. 7
Ziff.
4.2):
noch teilweise Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
In seiner Beurteilung (S. 7 f.) führte der Gutachter unter andere
m
die folgenden anamnestischen Element
e
an: Nach fünf Jahren Schulbesuch arbeitete der Be
schwerdeführer während Jahren in der Türkei auf dem elterlichen Bauernhof. Von 1976 bis 1986 war er ein erstes Mal verheiratet; der Ehe entsprossen sechs Kinder. Nach Inhaftierungen und Foltererfahrungen aufgrund seiner kurdischen Abstammung kam er 1988 als Flüchtling in die Schweiz. Von 1990 bis 2003 war er als Metallarbeiter angestellt. Er erlitt zweimal ein
Verhebetrauma
; dasje
nige von 1991 blieb folgenlos, nach dem zweiten im Januar 2002 gelang es ihm
nicht mehr, an die frühere Stelle zurückzukehren (S. 7). Im Zeitpunkt des zwei
ten
Verhebetraumas
stand er bereits in einer schwierigen psychosozialen Situa
tion, namentlich
2002 die Trennung und
2004 Scheidung der zweiten
, von ihm als harmonisch erlebten,
Ehe
(S. 8).
Der Gutachter führte weiter aus, die genannten Erlebnisse dürfte
n
dafür mit
verantwortlich gewesen sein, dass es zu einer psychischen Fehlentwicklung auf mehreren Ebenen gekommen sei. Der Explorand habe eine - schon im Gutach
ten von 2006 festgestellte - depressive Störung entwickelt. Ebenso habe er eine
- schon in einem Bericht im April 2004 festgehaltene - anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung entwickelt. Zudem sch
ien
en unterdessen nun auch einzelne Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung aufgeflackert zu sein, und zwar seit der Explorand nicht mehr einer ausserhäuslichen Arbeit nachgehe und auch die sozia
le Situation durch die Trennung/
Scheidung von seiner zweiten Gattin etwas brüchiger geworden sei (S. 8 Mitte).
Aktuell könne die depressive Störung, aus näher genannten Gründen, als leicht- bis mittelgradig eingestuft werden, nicht aber als
schwerergradig
(S. 9 Mitte).
Die posttraumatische Belastungsstörung sei nicht in vollem Ausmass ausge
prägt. Es dürfte dem Exploranden über viele Jahre gelungen sein, durch seine tägliche Arbeit und die gute ehelich-soziale Integration die entsprechenden
trau
ma
-assoziierten Symptome zu binden, die nun vereinzelt, auch im Rahmen der Psychotherapie, aufflackerten (S. 9 f.).
Der Explorand berichte, dass er regelmässig spazieren gehe, auch seine Kollegen treffe und in den letzten Jahren mehrfach zu bestimmten Anlässen in der Türkei
ge
wesen sei (S. 10).
Aufgrund der depressiven Störung resultiere eine Funktions
einbusse in der Höhe von 35
%
(S. 10 unten).
Einzelne der sogenannten Foerster-Kriterien (vgl. vorstehend E. 1.2) seien er
füllt, so dass dem Exploranden nicht mehr eine vollumfängliche aktive Leistung zur Überwindung der Körperschmerzen zugemutet werden könne. Die daraus resultierende Einbusse sei aber bereits in der sich aus der depressiven Störung ergebenden Einbusse berücksichtigt (S. 11 oben).
Die posttraumatische Belastungsstörung beziehungsweise die einzelnen Symp
tome dieser nicht vollständig ausgebildeten Störung führten zu keiner Einbusse der Arbeitsfähigkeit. Der Explorand erlebe diese Symptome nur bei grösseren psychischen Belastungen, sei aber im Alltag diesbezüglich häufig beschwerde
frei (S. 11 Mitte).
4.5
In der
bidisziplinären
Beurteilung vom 2
9.
April 2013 kombinierten
Dr.
D._
und PD
Dr.
E._
ihre in den beiden genannten Gutachten erfolgte
n
Beurteilungen (
Urk.
6/116/16).
4.6
Im Feststellungsblatt vom 1
2.
Juni 2013 (
Urk.
6/118) wurde unter dem Titel „Stel
lungnahme KB“ und mit dem Visum „
F._
“ am 1
1.
Juni 2013 ausgeführt, es sei davon auszugehen, dass es sich bei der leichten depressiven Störung mit symptomatischem
(richtig: somatischem)
Syndrom und der
somatoformen
Schmerzstörung um ein reaktive
s
Geschehen handle und dass die Depression im Wesentlichen Folge von Problemen mit der Berufstätigkeit und der psychosozi
alen Belastungssituation sei.
Eine solche von belastenden Lebensumständen nicht verselbständigte Depression vermöge nach der Rechtsprechung (BGE 127 V 394) keine bleibende oder länger dauernde Erwerbsunfähigkeit zu bewirken. Ausserdem lägen auch keine weiteren Befunde wie beispielsweise eine ernst
hafte Persönlichkeitsstörung
vor, die es dem Versicherten verunmöglich
t
en, die Folgen der bestehenden leichten Depression zu überwinden. Ein kompletter sozialer Rückzug sei nicht ausgewiesen. Aus somatischer Sicht sei der Versicherte für angepasste Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsfähig. Da keine psy
chische Beeinträchtigung mit invalidisierender Wirkung vorliege, bestehe - ent
gegen dem Gutachten - eine volle Arbeitsfähigkeit für angestammte (richtig: angepasste) Tätigkeiten (S. 5).
4.7
Am 2
4.
Oktober 2013 erstatteten die Fachpersonen des
Spitals C._
(vorstehend E. 4.2) eine Stellungnahme zum Vorbescheid (
Urk.
6/130). Sie hielten als Befunde fest, der Patient zeige alle für eine PTBS symptomatischen Merkmale (Intrusionen, Vermeiden, erhöhtes Erregungsniveau); als e
rschwerend für das Krankheitsbild sei anzusehen, dass es sich um eine sequentielle Mehrfachtraumatisierung mit Beginn bereits in der Kindheit handle (S. 2).
Sie nannten folgende Diagnosen (S. 4 oben):
ICD-10 F43.1 posttraumatische Belastungsstörung, chronisch
ICD-10 F45.4 anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
ICD-10 F33.1 rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgra
dige Episode
Differentialdiagnose (DD) ICD-10 F62.0 anhaltende
Persönlichkeits
störung
nach Extrembelastung
Betreffend die diagnostische Beurteilung führten sie aus, die Symptome einer PTBS seien beim Patienten objektivierbar vorhanden, es werde „aber nur ein Teil seiner Beschwerden - Wiedererleben,
Hyperarousal
und Vermeidung - durch das nach ICD-10 reduktionistisch formulierte PTBS-Konzept abgedeckt“. Über die Kernsymptome der PTBS hinaus bestünden wesentliche weitere
(
näher
benannte
)
Symptome, welche dem Charakter einer dysfunktionalen
Persönlich
keitsprägung
entsprächen und diagnostisch anderweitig abgedeckt werden müssten
. Zwar sei nach ICD-10 die Co-Diagnose einer PTBS und einer
Persön
lichkeitsveränderung
nach Extrembelastung formal ausgeschlossen; es wäre aber eine gleichzeitige Diagnostizierung klinisch
in diesem Fall durchaus sinn
voll
(S. 5 Mitte).
Eine chronische, meist
somatoforme
Schmerzstörung sei häufig mit dem Erleben sequentieller interpersoneller Gewalt vergesellschaftet und trete bei praktisch allen Patienten des Ambulatoriums für Folter- und Kriegsopfer auf (S. 5 unten).
Ferner führten sie unter anderem aus, ein grosses Hindernis für eine
Arbeits
tätig
keit
seien die konstanten Schmerzen, die gemäss der Beschwerdegegnerin für den Patienten mit einer zumutbaren Willensanstrengung vermutlich überwind
bar seien. Die geforderte Willensanstrengung sei dem Patienten, auch wenn er sich Mühe gebe, nicht ausreichend möglich, dies als direkte Folge der Folter, deren Ziel es sei, den Willen eines Menschen zu brechen (S. 7 oben).
Die sogenannten Foerster-Kriterien (vgl. vorstehend E. 1.2) seien weitgehend erfüllt und sprächen für eine schlechte Prognose
. Aus psychiatrisch-psychothe
rapeutischer Sicht empfehlenswert wäre eine flexible und den eingeschränkten Möglichkeiten des Patienten angepasste, geschützte Beschäftigung, bei der er sich bewegen und pausieren könne, von zirka 2-4 Stunden pro Woche
(S. 7 unten).
Zusammenfassend führten sie aus, es zeige sich ein stark
chronifiziertes
Zustands
bild
mit massivem Leidensdruck, der sich gemäss ihrer Einschätzung seit dem Urteil vom Oktober 2009 weiter verschlechtert habe und das sich trotz der regelmässigen psychotherapeutischen Gespräche und der medikamentösen Therapie nur wenig verändern lasse (S. 8 oben).
4.8
Am 1
3.
August 2014 berichtete
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, über sein
e
am
8.
Juli 2014 erfolgte Untersuchung des Beschwerdeführers (
Urk.
9).
Der Beschwerdeführer gehe gemäss seinen Angaben einmal monatlich zu sei
nem Hausarzt und regelmässig zu
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychi
atrie und Psychotherapie (S. 2 Mitte).
Dr.
G._
nannte folgende Diagnosen (S. 5 oben):
leichte thorakal links-, lumbal rechtskonvexe Skoliose
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
muskuläre
Dysbalance
der Wirbelsäulenmuskulatur
cervicothorakales
Schmerzsyndrom links mit Sensibilitätsstörung im Be
reich des linken Schultergürtels und des linken Oberarms (neurologisch nicht abgeklärt)
Lumboischialgie
links mit Sensibilitätsstörung im Bereich der gesamten linken unteren Extremität
Diskushernie L5/S1 mit möglicher Kompression der linken Wurzel S1 (MRI vom
7.
Oktober 2003
- richtig möglicherweise: 1
8.
April 2013; vgl. S. 4 unten
–
Spital I._
)
somatoforme
Schmerzverarbeitungsstörung, leichte bis mittlere Depres
sion, posttraumatische, chronische Belastungsstörung
Betreffend Arbeitsfähigkeit führte
Dr.
G._
aus, aufgrund der Akten und der Schilderungen des Patienten gelange er zur Auffassung, dass im Sinne einer leichten Beschäftigungstherapie 50-70
%
Arbeitsfähigkeit erreicht werden sollte, vorerst zweimal wöchentlich und später bei guter Integration täglich 4-6 Stun
den pro Tag. Es sollten keine Gewichte über 5 kg repetierend getragen oder gestossen werden, Arbeiten in gebückter Haltung seien zu vermeiden. Vorzuziehen sei eine leichte Tätigkeit, die wechselnd in stehender, sitzender Position durch
geführt werden könne (S. 7 oben).
5.
5.1
Bezüglich der Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) folgt das Bundesgericht einer engen Lesart der in der ICD-10 formulierten Leitlinien und
verlangt „eine
Latenz von in der Regel höchstens sechs Monaten
“ (Urteile 9C_687/2013 vom 2
4.
Juni 2014 E. 4.2, 9C_636/2013 vom 2
5.
Februar 2014 E.
4.3.2
; vgl.
auch
Urteile
I 894/06
vom 1
6.
Oktober 2007 E. 4,
I 750/06 vom 2
2.
August 2007 E. 3.2.1,
8C_103/2007 vom 1
7.
August 2007 E. 3.3
),
bezie
hungsweise
führt aus, die Diagnose dürfe „
nur gestellt werden, wenn die Symptomatik innerhalb von sechs Monaten nach einem belastenden Ereignis aufgetreten ist
“ (Urteil 8C_242/2007 vom 2
0.
Februar 2008 E. 2.3.3)
oder be
tont, es sei „
festzuhalten, dass die Diagnose einer PTBS gemäss ICD-10 voraus
setzt, dass die Störung innerhalb von sechs Monaten nach einem traumatischen Ereignis von aussergewöhnlicher Schwere auftritt
“ (Urteil
U
439/06 vom 2
9.
Mai 2007 E. 3.4)
.
5.2
Das Bundesgericht nimmt dabei auf folgende Passagen der ICD-10 Bezug (H.
Dil
ling
, W.
Mombour
, M. H. Schmidt: Internationale Klassifikation psychi
scher Störungen, ICD-10 Kapitel F, Klinisch-Diagnostische Leitlinien,
9.
Auf
lage, Bern 2014
, S. 208 oben
):
„Die Störung folgt dem Trauma mit einer Latenz, die Wochen bis Monate dauern kann (doch selten mehr als 6 Monate nach dem Trauma). Der Verlauf ist wechselhaft, in der Mehrzahl der Fälle kann jedoch
eine Heilung erwartet werden. Bei wenigen Patienten nimmt die Störung über viele Jahre
einen chronischen Verlauf und geht dann in eine dauernde
Persön
lich
keitsänderung
über (...).“ Im Rahmen der Leitlinien heisst es unter anderem (S. 208):
Diese Störung soll nur diagnostiziert werden, wenn sie innerhalb von 6 Mona
ten nach einem traumatisierenden Ereignis von aussergewöhnlicher Schwere aufgetreten ist. Eine „wahrscheinliche“ Diagnose kann auch dann gestellt wer
den, wenn der Abstand zwischen dem Ereignis und dem Beginn der Störung mehr als 6 Monate beträgt, vorausgesetzt, die klinischen Merkmale sind typisch und es kann keine andere Diagnose (...) gestellt werden. (...)
Späte,
chronifizierte
Folgen von extremer Belastung, d.h. solche, die noch Jahr
zehnte nach der belastenden Erfahrung bestehen, sind unter F62.0 (andau
ernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung) zu klassifizieren.
5.
3
Im Rahmen der Beweiswürdigung
weist
das Bundesgericht
regelmässig auf die Verschiedenheit von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag hin (etwa Urteile
8C_386/2012 vom 2
0.
Juni 2012 E. 3.2, 9C_65/2012 vom 2
8.
Februar 2012 E.
4.3, 9C_768/2011 vom
8.
Februar 2012 E. 2.3,
9C_683/2011 vom
9.
Januar 2012 E. 3.3
,
9C_665/2011 vom 2
1.
November 2011 E. 2.3
, 9C_81/2011 vom 2
8.
März 2011 E. 3.3,
9C_842/2009 vom 1
7.
November 2009 E. 2.2
).
In einem Fall formulierte es gar, die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
durch eine
auf Folterfolgen spezialisierte
Ärztin
vermittle den „
Eindruck, dass darin die Auseinandersetzung mit der belastenden Vorgeschichte zu sehr im Mittel
punkt der Untersuchung stand und dadurch ein verzerrtes Bild der Versicherten gezeichnet wurde. Diese stand ja auch wegen der Folterproblematik
im
Zentrum
.
in therapeutischer Behandlung, welches sie bereits aus diesem Grund in einem belasteten Zustand erlebte. Dem ist im Rahmen der Beweiswürdigung Rechnung zu tragen.
“ (Urteil I 715/05 vom 2
7.
Januar 2006 E. 6.2).
5.4
Vor dem Hintergrund der geltenden Rechtsprechung (vorstehend E. 5.1) er
scheint es als ausgesprochen fraglich, ob der von den Fachpersonen des
Spitals C._
gestellten (und auch vom psychiatrischen Gutachter angesprochenen) Diagnose einer PTBS gefolgt werden kann. Hingegen unterliegt die - wenn auch nur als Differentialdiagnose - ebenfalls genannte Persönlichkeitsänderung nach
Ext
rem
belastung
(F62.0)
gerade
nicht dem von der Rechtsprechung betonten Latenz-Vorbehalt und entspricht sinngemäss auch den diagnostischen Empfeh
lungen der ICD-10 (vorstehend E. 5.2).
5.5
Als Zwischenfazit ergeben sich als
massgebende
psychiatrische
Diagnosen eine
anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
,
eine - gemäss Gutachten leichte bis mit
telgradige (vorstehend E. 4.4), gemäss
Spital C._
mittelgradige (vorstehend
E.
4.7)
- depressive Episode beziehungsweise Störung
,
und eine
subsyndromale
PTBS ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Gutachten) beziehungsweise eine Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (
Spital C._
).
Auf die anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung ist praxisgemäss die Recht
sprechung anwendbar, gemäss welcher zusätzliche Kriterien erfüllt sein müssen, damit eine damit verbundene Arbeitsunfähigkeit anspruchsrelevant ist (vorste
hend E. 1.2).
5.6
Im Vordergrund steht eine mögliche psychische
Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer
. In diesem Zusammenhang ist zwar zu beachten, dass das Bundesgericht eine solche mitunter mit
der Begründung
verneint,
mittelgradige depressive Episoden stellten grundsätzlich keine von de
pressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im Sinne eines verselbständigten Gesundheitsschadens dar
(so etwa die Urteile
9C_736/2011 vom
7.
Februar 2012 E. 4.2.2.1, 8C_958/2010 vom 2
5.
Februar 2011 = SVR 2011 IV Nr. 57 E. 6.2.2.2, 9C_803/2008 vom 2
9.
Mai 2009 E. 5.3.2
). Zu beachten ist aber im vorliegenden Fall auch, dass der psychiatrische Gut
achter der diagnostizierten Depression immerhin soviel Gewicht beigemessen hat, dass sie gemäss seiner Beurteilung eine Arbeitsunfähigkeit von 30
%
zu begründen vermag (vorstehend E. 4.4). Weiter fällt ins Gewicht, dass nebst der Schmerzstörung und der erwähnten Depression
eine weitere psychiatrische Diag
nose gestellt wurde, nämlich vom psychiatrischen Gutachter eine
subsyn
dromale
PTBS (wenn auch ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit), von den Fachpersonen des
Spitals C._
(differentialdiagnostisch) eine Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung.
Die wertende Würdigung dieser Umstände in ihrer Gesamtheit führ
t
zum Schluss, dass das Vorliegen einer relevanten Komorbidität zu bejahen ist.
Dementsprechend ist die Arbeitsunfähigkeit, die - nachvollziehbar - mit der Beeinträchtigung durch die Schmerzstörung begründet ist, auch
versicherungs
rechtlich
relevant.
5.7
PD
Dr.
E._
attestierte in seinem psychiatrischen Gutachten (
Urk.
6/116/1-15) eine Arbeitsunfähigkeit von 35
%
. Hauptsächlich begründete er diese mit der depressiven Störung (S. 10 unten). Gleichzeitig führte er aus, aus der
Schmerz
störung
resultiere eine Einbusse, die aber bereits bei der sich aus der depressiven Störung ergebenden Einbusse berücksichtigt sei (S. 11 oben), mithin ebenfalls mit (maximal) 35
%
zu veranschlagen ist.
Geht man, wie dargelegt, davon aus, dass die depressive Störung im Gesamtkontext das Kriterium der Komorbidität zu erfüllen vermag (vorstehend E. 5.6), so ergibt sich aus dem psychiatrischen
Gutachten, dass eine der Schmerzstörung zugeordnete, anspruchsrelevante Ein
busse von 35
%
besteht.
Die Fachpersonen des
Spitals C._
postulierten eine Arbeitsfähigkeit von 2-4 Stunden
pro Woche unter gewissen Randbedingungen (vorstehend E. 4.7), wa
s
einer Ein
bus
se von gerundet 80-90
%
entsprechen würde. Eine überzeugende Begrün
dung dafür, dass der Beschwerdeführer in einem
derartigen, nahezu vollständi
gen Ausmass an jeglicher Tätigkeit gehindert sein sollte, findet sich nicht. Vielmehr ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Beurteilung offenkundig in erster Linie aus therapeutischem Blickwinkel erfolgt ist, so dass sie nicht unbesehen auf die Ebene der Anspruchsprüfung übertragen werden kann (vorstehend E.
5.3). Dafür ist vielmehr auf die nachvollziehbare gutachterliche Einschätzung abzustellen. Bemerkenswerterweise resultiert dabei mit 65
%
eine anzunehmen
de Arbeitsfähigkeit, welche in der gleichen Grössenordnung liegt wie diejenige, die der konsultierte Chirurg aus somatischer Sicht postulierte (vorstehend E.
4.8), ohne dass Anzeichen bestünden, dass Einschränkungen somatischer und psychischer Art sich kumulieren würden.
Somit ist der medizinische Sachverhalt dahingehend erstellt, dass
für eine wech
selbelastende Tätigkeit mit Tragbelastungen bis 5 oder 10 kg eine Arbeits
fähigkeit von 65
%
besteht.
6.
6.1
Das
Valideneinkommen
hat die Beschwerdegegnerin mit
Fr.
69‘097.-- im Jahr 2013 beziffert (vorstehend E. 2.1). Davon ist auszugehen.
6.2
Für das Invalideneinkommen sind praxisgemäss die Tabellenlöhne der LSE heran
zuziehen (vorstehend E. 1.5).
Aktuell verfügbar sind die Ergebnisse der
LSE 2012 (
Urk.
15)
.
Im Total aller Wirtschaftszweige erzielten Männer
mit
ein
fa
chen Tätigkeiten
körperlicher oder handwerklicher Art
im Jahr 201
2
ein Ein
kom
men von
Fr.
5‘210
.-- (Tab. TA1
_tirage_skill_level
, Total, Niveau
1
). Umge
rechnet auf ein Jahr und eine Wochenarbeitszeit von 41.7 Stunden (Die Volkswirtschaft 3/4-2015, S. 88
, Tab. B 9.2, Total) sowie der Nominallohnentwicklung von 0.7
%
im Jahr 2013 (Die Volkswirtschaft 3/4-2015, S. 89, Tab. B 10.2, Total)
angepasst, ergibt dies
bei einer
Arbeitsfähigkeit von 65
%
im Jahr 2013
rund
Fr.
42‘662
.--
(
Fr.
5‘210
.-- x 12 : 40.0 x 41.7 x 1.007 x 0.65)
.
Dem Beschwerdeführer ist gemäss ärztlicher Beurteilung nur ein Teilpensum zumutbar, was bei männlichen Hilfsarbeitern praxisgemäss mit einem Abzug
(vorstehend E. 1.6) von 10
%
zu berücksichtigen ist, womit ein hypothetisches Invalideneinkommen von rund
Fr.
38‘396.-- (
Fr.
42‘662.-- x 0.9) resultiert.
6.3
Beim
Valideneinkommen
von
Fr.
69‘097.-- (vorstehend E. 6.1) und dem
Invali
deneinkommen
von
Fr.
38‘396
.-- (vorstehend E. 6.2) beträgt die
Einkommens
ein
busse
Fr.
30‘701
.--, was einen Invaliditätsgrad von
rund
44
%
ergibt.
Bei diesem
Invaliditätsgrad
besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
.
Nachdem die erneute Anmeldung vom
2.
Oktober 2012 datiert, besteht der Ren
tenanspruch ab
1.
April 2013 (vgl.
Art.
29
Abs.
1 und 3 IVG).
7.
7.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
800.-- fes
tzusetzen und ausgangsgemäss de
r
Beschwerde
gegnerin
aufzuerl
egen
.
7.2
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat mit Honorarnote vom
2
4.
März 2015 einen Aufwand von 6.7 beziehungsweise 6.76 (
Fr.
1‘352.
-- :
200.-- = 6.76) Stunden und Barauslagen von
Fr.
125.-- geltend gemacht (
Urk.
14/2). Beim praxisgemässen Stundenansatz für bis Ende 2014 angefalle
nen Aufwand von
Fr.
200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist sie somit
von der Beschwerdegegnerin
mit
Fr.
1‘595.15 (inklusive Barauslagen und Mehrwert
steuer) zu entschädigen.
Das Gericht
erkennt:
1.
In
teilweiser
Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der
Sozialversiche
rungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 1
3.
November 2013 mit der Feststel
lung aufgehoben, dass der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Viertelsrente
mit Wir
kung ab
1.
April 2013 hat.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der unentgeltlichen Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, Rechtsanwältin Petra Oehmke, Affoltern am Albis,
eine
Prozess
ent
schädigung
von
Fr.
1'595.15
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
Rechtsanwältin Petra
Oehmke
, unter Beilage einer Kopie von Urk.15
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage von Kopien der
Urk.
14/1-2 und
Urk.
15
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.