Decision ID: e01c0fe0-438d-42ac-832d-c39b4aa0842e
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Verletzung der Verkehrsregeln
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, Einzelgericht, vom 30. Januar 2020 (GC190022)
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Strafbefehl:
Der Strafbefehl des Statthalteramtes des Bezirks Bülach vom 1. November 2018,
der vorliegend als Anklageschrift gilt (Art. 356 Abs. 1 Abs. 1 StPO), ist diesem Ur-
teil beigeheftet (Urk. 2/6).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 34 S. 18 ff.)
1. Der Beschuldigte ist schuldig der vorsätzlichen einfachen Verkehrsregelver-
letzung im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 26 Abs. 1
und 34 Abs. 3 SVG.
2. Der Beschuldigte ist des Fahrens ohne Licht (Art. 41 Abs. 1 SVG) nicht
schuldig und wird freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Busse von Fr. 400.–.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen.
5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 800.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 460.– Gebühr und Auslagen Anklagebehörde
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten werden dem Beschuldigten auferlegt.
7. [Mitteilungen]
8. [Rechtsmittel]
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Berufungsanträge:
Des Beschuldigten:
(Urk. 49 S. 2)
1. Es seien Dispositiv-Ziffern 1, 3, 4, 5, 6 des Urteils des Bezirksgerichts
Bülach vom 30. Januar 2020 aufzuheben.
2. Der Beschuldigte und Berufungskläger sei vollumfänglich von Schuld
und Strafe freizusprechen, insbesondere auch vom Vorwurf der einfa-
chen Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Ver-
bindung mit Art. 26 Abs. 1 SVG sowie Art. 34 Abs. 3 SVG.
3. Sämtliche Verfahrenskosten seien auf die Gerichtskasse zu nehmen,
bzw. der Kasse des Statthalteramtes Bezirk Bülach zur Abschreibung
zu überlassen.
4. Dem Beschuldigten und Berufungskläger sei eine angemessene Ent-
schädigung für das Untersuchungs-, für das erstinstanzliche Verfahren
und für das Berufungsverfahren (je zuzüglich MwSt) zuzusprechen.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermei-
dung von Wiederholungen auf die Erwägungen der Vorinstanz im angefochtenen
Entscheid verwiesen werden (Urk. 34 S. 4; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Mit Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, Einzelgericht, vom 30. Januar 2020
wurde der Beschuldigte der Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 1
SVG in Verbindung mit Art. 26 Abs. 1 und Art. 34 Abs. 3 SVG schuldig gespro-
chen. Vom Vorwurf des Fahrens ohne Licht im Sinne von Art. 41 Abs. 1 SVG
wurde der Beschuldigte freigesprochen. Der Beschuldigte wurde mit einer Busse
von Fr. 400.– bestraft. Die gesamten Verfahrenskosten, mit Ausnahme der Dol-
metscherkosten, wurden dem Beschuldigten auferlegt (Urk. 34 S. 19). Das Urteil
wurde mündlich eröffnet und den Parteien am 30. bzw. am 31. März 2020 schrift-
lich in begründeter Form zugestellt (Prot. I S. 33 f.; Urk. 33).
3. Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte mit Eingabe vom 31. März
2020 innert Frist Berufung an (Urk. 28). Die Berufungserklärung des Beschuldig-
ten folgte fristgerecht mit Eingabe vom 8. April 2020 (Urk. 36). Die Berufungsbe-
gründung erstattete der Beschuldigte ebenfalls innert Frist (Urk. 47; Urk. 49). Das
Statthalteramt meldete keine Berufung an. Ebenfalls verzichtete es auf An-
schlussberufung (Urk. 39) und die Erstattung einer Berufungsantwort (Urk. 54).
Das Verfahren erweist sich als spruchreif.
II. Umfang der Berufung
Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-
sprechend gehemmt. Das vorinstanzliche Urteil blieb einzig hinsichtlich des Frei-
spruches vom Vorwurf des Fahrens ohne Licht (Dispositivziffer 2) unangefochten
(Urk. 36 S. 2; Urk. 49 S. 2). Folglich ist die Dispositivziffer 2 (Freispruch) des vor-
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instanzlichen Urteils in Rechtskraft erwachsen, was vorab in einem Beschluss
festzustellen ist.
III. Prozessuales
1. Beurteilung sämtlicher Anklagepunkte gemäss Strafbefehl
1.1. Die Verteidigung rügt, das vorinstanzliche Urteil erledige den durch die An-
klageschrift vorgegebenen Prozessgegenstand nicht erschöpfend (Urk. 49 S. 3).
Nachstehend ist der Anklagesachverhalt zusammengefasst darzulegen:
1.2. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, auf der B._-Strasse in Fahrtrich-
tung C._ fahrend rechts in die D._-Strasse eingebogen zu sein. Nach
dem Einbiegen in die D._-Strasse habe er die Fahrtrichtung geändert und sei
auf derselben Fahrspur links an der Verkehrsinsel vorbeigefahren und habe da-
nach seine Fahrt auf der B._-Strasse fortgesetzt. Ferner soll der Beschuldig-
te ohne Licht gefahren sein.
Unmittelbar nachdem der Beschuldigte seine Fahrtrichtung geändert habe, sei die
Lenkerin des Personenwagens mit dem Kennzeichen ZH ... von der D._-
Strasse nach rechts in die B._-Strasse eingebogen, zumal sie darauf ver-
trauen habe dürfen, dass der Beschuldigte seine angezeigte und angesetzte
Fahrt durch die D._-Strasse weiterführe. Hernach sei es zwischen dem Be-
schuldigten und der Lenkerin des Personenwagens mit dem Kennzeichen ZH ...
zur Kollision gekommen, obwohl der Beschuldigte mit genügender Aufmerksam-
keit hätte rechtzeitig anhalten und die Kollision vermeiden können. Der Beschul-
digte habe durch sein Fahrverhalten eine unklare Verkehrssituation geschaffen.
Deshalb habe er nicht davon ausgehen dürfen, dass die Kollisionsgegnerin diese
Gefahr durch erhöhte Vorsicht ausgleichen werde.
Durch dieses Verhalten habe sich der Beschuldigte zum einen der vorsätzlichen
einfachen Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbin-
dung mit Art. 34 Abs. 1 SVG und Art. 7 Abs. 3 VRV und zum anderen der fahrläs-
sigen einfachen Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung
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mit Art. 26 Abs. 2 SVG, Art. 31 Abs. 1 SVG, Art. 3 Abs. 1 VRV und Art. 41 SVG
schuldig gemacht.
1.3. Die Vorinstanz erachtete es als erstellt, dass der Beschuldigte auf der
B._-Strasse in Fahrtrichtung C._ fahrend rechts geblinkt habe und her-
nach rechts in die D._-Strasse eingebogen sei. Nachdem sich der Beschul-
digte – so die Vorinstanz weiter – nahezu vollständig in der D._-Strasse be-
funden habe, sei er unversehens wieder auf die B._-Strasse eingebogen, wo
es vor der Einmündung der D._-Strasse in die B._-Strasse zur Kollision
mit der Zeugin E._ gekommen sei (Urk. 34 S. 13). Dieses Verhalten würdigte
die Vorinstanz – in Abweichung vom Strafbefehl – als vorsätzliche einfache Ver-
kehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 26
Abs. 1 und 34 Abs. 3 SVG (Urk. 34 S. 15, S. 18).
1.4. Die Verteidigung wendet in Bezug auf die rechtliche Würdigung der Vo-
rinstanz ein, diese habe den Beschuldigten bezüglich des vom Statthalteramt er-
hobenen Vorwurfs, dass er nach dem Einbiegen in die D._-Strasse gewen-
det bzw. die Fahrtrichtung geändert habe und auf derselben Fahrspur links an der
Verkehrsinsel vorbei zurück auf die B._-Strasse gefahren sein soll (Art. 90
Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 34 Abs. 1 SVG und Art. 7 Abs. 3 VRV), nicht verurteilt. Die
Vorinstanz, so die Verteidigung weiter, habe sich zu diesem Tatvorwurf nicht ge-
äussert. Gemäss der Verteidigung sei demzufolge festzuhalten, dass der Be-
schuldigte vom Vorwurf, auf derselben Fahrspur links an einer Verkehrsinsel vor-
beigefahren zu sein, freizusprechen sei (Urk. 49 S. 3).
1.5. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung muss der Urteilsspruch den
durch die zugelassene Anklage vorgegebenen Prozessgegenstand erschöpfend
erledigen. Ob dies der Fall ist, beurteilt sich anhand eines Vergleichs zwischen
Dispositiv und zugelassener Anklage. Wird diese durch die Verurteilung nicht
ausgeschöpft, hat eine Einstellung oder ein Freispruch zu ergehen (BGE 142 IV
E. 1.3).
1.6. Kein Freispruch hat zu erfolgen, wenn im Falle von Tateinheit (in der Ankla-
ge) nicht wegen aller Delikte eine Verurteilung erfolgt. Das Urteil kann bei ein und
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derselben Tat nur einheitlich auf Verurteilung oder Freispruch lauten. Würdigt das
Gericht den Anklagesachverhalt lediglich rechtlich anders als die Anklagebehörde
und behandelt diesen vollständig, erfolgt kein Freispruch; dies gilt auch bei Even-
tual- und Alternativanklagen, die nicht zu einer Verurteilung führen (SCHMID,
Schweizerische Strafprozessordnung [StPO], Praxiskommentar, 3. Aufl., Art. 351
N 2). Sofern hingegen nicht eine Verurteilung wegen aller Delikte erfolgt, welche
gemäss der Anklage in Tatmehrheit begangen worden sein sollen, muss – soweit
es nicht zur Verurteilung oder einer Einstellung kommt – ein Freispruch erfolgen.
Erst dann wurde die Anklageschrift erschöpfend behandelt. Beim Wegfall tat-
mehrheitlich angeklagter Delikte aufgrund der Annahme einer (rechtlichen) Be-
wertungseinheit ist der Beschuldigte hingegen auch bei einem Schuldspruch we-
gen einfacher Tatbegehung nicht freizusprechen, wenn sich die weggefallenen
materiell-rechtlich selbstständigen Taten als Bestandteil der Tat erweisen, de-
rentwegen eine Verurteilung erfolgt. In einem solchen Fall wird der gesamte Ver-
fahrensgegenstand durch die Verurteilung erschöpfend erledigt. Hingegen hat
dann ein Teilfreispruch zu ergehen, wenn eine oder mehrere der angeklagten Ta-
ten nicht erwiesen sind und somit nicht Bestandteil der durch die Verurteilung zu
einer Bewertungseinheit zusammengefassten Taten sind (BGE 142 IV 378 E.
1.3).
1.7. Das Gericht ist an den in der Anklageschrift wiedergegebenen Sachverhalt
gebunden, nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebehörde
(BGE 133 IV 235 E. 6.3 S. 245 mit Hinweis; Art. 350 Abs. 1 StPO). Legt das Ge-
richt bei einer abweichenden tatbestandsmässigen oder rechtlichen Beurteilung
dem Urteil einen anderen als den zur Anklage gebrachten Straftatbestand zu-
grunde, insbesondere anstelle eines qualifizierten Tatbestands den entsprechen-
den Grundtatbestand, hat kein Freispruch respektive kein Teilfreispruch zu erfol-
gen (Urteil des Bundesgerichts 6B_574/2012 vom 28. Mai 2013, E.2.4.2). Ent-
sprechendes gilt, wenn sich die Anklage auf eine Tat bezieht, die nach Ansicht
der Staatsanwaltschaft mehrere Tatbestände erfüllen soll (Idealkonkurrenz). Eine
Verurteilung gestützt auf einen Teil der Tatbestände hat lediglich in Form eines
diesbezüglichen Schuldspruchs zu ergehen. Dasselbe gilt bei der Annahme eines
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anderen Tatbestandes als desjenigen, der von der Anklagebehörde beantragt
wurde (BSK StPO-HEIMGARTNER/NIGGLI, 2. Aufl., Art. 351 N 6 StPO).
1.8. Vorliegend wird dem Beschuldigten vorgeworfen, mit einem Fahrmanöver
gegen verschiedene Verkehrsregeln verstossen zu haben (vgl. vorstehend Ziffer
III.1.2). Das dem Beschuldigten vorgeworfene Verhalten bildet somit eine Tatein-
heit. Auch wenn die Vorinstanz in ihrer Sachverhaltserstellung nicht explizit darauf
Bezug nimmt, dass der Beschuldigte die Verkehrsinsel links umfahren habe, gilt
dieser Lebenssachverhalt als von der vorinstanzlichen Sachverhaltserstellung im-
plizit miterfasst. Die Vorinstanz erwog in diesem Zusammenhang, dass der Be-
schuldigte, nachdem er in die D._-Strasse eingebogen sei, unversehens
wieder auf die B._-Strasse zurückgekehrt sei (Urk. 34 S. 13). Angesichts der
massgeblichen Verkehrsführung muss der Beschuldigte gemäss den vor-
instanzlichen Feststellungen links an der Verkehrsinsel vorbeigefahren sein, an-
sonsten es nicht zur Kollision mit der Kollisionsgegnerin gekommen wäre. Die
Vorinstanz würdigte somit den Anklagesachverhalt lediglich rechtlich anders als
die Anklagebehörde, behandelt diesen aber im Ergebnis vollständig. Somit muss-
te kein Freispruch hinsichtlich des Tatvorwurfs erfolgen, der Beschuldigte habe
die Verkehrsinsel links umfahren (Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 34 Abs. 1 SVG).
2. Beweisanträge der Verteidigung
2.1. In prozessualer Hinsicht wendet die Verteidigung zunächst ein, die von ihr
gestellten Beweisanträge seien vor Vorinstanz zu Unrecht abgewiesen worden.
Die Abweisung der gestellten Beweisanträge stellten zudem eine Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör dar, welche zur Folge hätten, dass das vor-
instanzliche Urteil rechtsfehlerhaft und folglich zwingend aufzuheben sei (Urk. 49
S. 4-5). Im Berufungsverfahren hält die Verteidigung an den gestellten Beweisan-
trägen fest (Urk. 49 S. 6).
2.2. Die Verteidigung beantragte anlässlich der Hauptverhandlung, dass die
Skizze, welche der Zeuge F._ anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme
erstellt habe, beizuziehen sei. Falls die Skizze nicht erhältlich gemacht werden
könne, seien die beiden mit der Sache betrauten Polizisten als Zeugen zum Ver-
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bleib der Skizze zu befragen (Prot. I S. 29). Ferner wurde von der Verteidigung
anlässlich der Hauptverhandlung beantragt, dass der Fahrtenschreiber des vom
Beschuldigten gefahrenen Taxis beigezogen und ausgewertet werde. Daraus
würde erhellen, ob eine Verlangsamung stattgefunden habe (Prot. I S. 30).
2.3. Der Beizug der von der Verteidigung genannten Beweismittel ist zur Sach-
verhaltserstellung nicht notwendig. Dafür kann auf die verwertbaren Zeugenaus-
sagen der Zeugin E._ abgestellt werden. Darüber hinaus muss aufgrund des
Aussageverhaltens des Zeugen F._ an einem zusätzlichen Erkenntnisgewinn
einer scheinbar von ihm direkt nach dem Unfallereignis angefertigten Skizze ge-
zweifelt werden, zumal die Aussagen des Zeugen F._ zum Unfallhergang im
Wesentlichen mit denjenigen des Beschuldigten übereinstimmen. Der Sachver-
haltserstellung dienliche Hinweise bzw. solche, welche die Glaubhaftigkeit der
Angaben der Zeugin E._ erschüttern könnten, sind keine zu erwarten. In die-
sem Sinne erübrigt sich auch eine Befragung der Polizisten zum Verbleib der
Skizze.
2.4. In Bezug auf die Auswertung des Fahrtenschreibers des Taxis des Beschul-
digten ist festzuhalten, dass ein solcher durchaus geeignet sein kann, darüber
Aufschluss zu geben, ob es zu einer Verlangsamung der Fahrt des Beschuldigten
gekommen ist, was dieser grundsätzlich in Abrede stellt (Prot. I. S. 27). Eine
durch die Auswertung eines Fahrtenschreibers feststellbare Verlangsamung wäre
einzig dafür von Relevanz, um ein weiteres Indiz für ein vom Beschuldigten be-
strittenes Rechtsabbiegen in die D._-Strasse zu erlangen. Für eine ab-
schliessende Beurteilung der Fahrweise des Beschuldigten an der vorliegend
massgeblichen Stelle vor und auf der Abzweigung der B._-Strasse in die
D._-Strasse sind die Aussagen der Zeugin E._ ausreichend. Ein Beizug
bzw. eine Auswertung des Fahrtenschreibers ist nicht erforderlich.
2.5. Die Vorinstanz hat die Beweisanträge somit zu Recht abgewiesen. Folglich
liegt keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor. Nach dem Dargelegten sind die
Beweisanträge des Beschuldigten im Berufungsverfahren ebenfalls abzuweisen,
nachdem die Verteidigung vollumfänglich an diesen festgehalten hat (Urk. 49
S. 6).
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3. Verwertbarkeit der Dashcam-Aufnahmen und Verwertbarkeit der Aussagen
des Zeugen G._
3.1. Die Verwertbarkeit der Dashcam-Aufnahmen ist nicht abschliessend zu prü-
fen. Die Vorinstanz hat zur Sachverhaltserstellung nicht auf diese abgestellt. Auch
im Berufungsverfahren können die Dashcam-Aufnahmen im Rahmen der Über-
prüfung der vorinstanzlichen Sachverhaltserstellung unberücksichtigt bleiben.
3.2. Die Verteidigung stellt sich sodann auf den Standpunkt, die Aussagen des
Zeugen G._ seien gestützt auf Art. 141 Abs. 4 StPO nicht verwertbar, da die-
se hauptgewichtig auf den nicht verwertbaren Dashcam-Aufnahmen beruhen
würden (Urk. 24 S. 3; Urk. 49 S. 7-8). Die Aussagen des Zeugen G._ seien
nachweislich durch die Dashcam-Aufnahmen als unzulässiges Beweismittel be-
einflusst worden, weshalb auch diese Aussagen nicht verwertbar seien (Urk. 49
S. 7-8).
3.3. Der Verteidigung ist insoweit beizupflichten, als nicht ausgeschlossen wer-
den kann, dass die Aussagen des Zeugen G._ durch die Ansicht der
Dashcam-Aufnahmen beeinflusst worden sind. Selbst wenn er vor Vorinstanz an-
gab, seine Zeugenaussagen beruhten auf seinen Erinnerungen (Prot. I S. 24),
kann zu Ungunsten des Beschuldigten nicht davon ausgegangen werden, dass
die Schilderungen des Unfallhergangs losgelöst von den durch die Einsicht in die
Dashcam-Aufnahmen gewonnenen Eindrücken erfolgten. Dies kann letztlich auch
nicht zuverlässig festgestellt werden. Für die Sachverhaltserstellung ist somit in
erster Linie auf die Aussagen der Zeugin E._ abzustellen.
IV. Sachverhalt
1. Der eingeklagte Sachverhalt ergibt aus den Ausführungen unter Ziffer III.1.2.
Darauf kann verwiesen werden.
2. Die Vorinstanz erwog, dass die Aussagen der Zeugen E._ und G._
keine Widersprüche aufweisen würden (Urk. 34 S.12). Ferner seien die Aussagen
der Zeugen E._ und G._ frei von Übertreibungen und Anschuldigungen.
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Im Gegenteil entlaste die Zeugin E._ den Beschuldigten sogar vom Tatvor-
wurf des Fahrens ohne Licht. Auch werde der Beschuldigte betreffend diesen
Tatvorwurf nicht vom Zeugen G._ belastet. Das Aussageverhalten der bei-
den Zeugen liesse es zudem entgegen dem Vorbringen der Verteidigung für we-
nig wahrscheinlich erscheinen, dass sich diese abgesprochen haben könnten. Für
diese Annahme sei kein Grund ersichtlich. Insgesamt spreche nichts gegen die
Annahme der Glaubwürdigkeit der Aussagen der Zeugen E._ und G._
(Urk. 34 S. 11-12).
3.1. Der Schlussfolgerung der Vorinstanz, die Aussagen der Zeugin E._
seien glaubhaft, ist im Ergebnis zuzustimmen. Sie sagte anlässlich ihrer Zeugen-
aussage vor Vorinstanz aus, dass sie auf der D._-Strasse fahrend rechts in
die B._-Strasse habe abbiegen wollen. Indes habe sich der Beschuldigte von
links auf der B._-Strasse herkommend genähert und habe in Fahrtrichtung
rechts geblinkt. In der Folge sei er rechts in die D._-Strasse abgebogen. Das
Fahrzeug des Beschuldigten habe sich vollständig in der D._-Strasse befun-
den. Danach habe sich von links kein weiteres Fahrzeug auf der B._-Strasse
genähert. Sie habe nochmals nach rechts geschaut, weil sich dort ein Fussgän-
gerstreifen befunden habe, und sei dann losgefahren, um in die B._-Strasse
einzumünden (Prot. I S. 14-17). Diese Aussagen weisen keinerlei Unstimmigkei-
ten auf. Insbesondere stimmt das darin geschilderte Kerngeschehen mit den vom
Polizisten anlässlich der Tatbestandsaufnahme rapportieren Aussagen der Zeugin
E._ überein (Urk. 1 S. 3). Ferner ist auch nicht ersichtlich, weshalb die Zeu-
gin E._ den Beschuldigten zu Unrecht belasten bzw. ein angeblich eigenes
Fehlverhalten abstreiten sollte, zumal ihr betreffend den verfahrensgegenständli-
chen Sachverhalt gemäss eigenen Angaben keine strafrechtlichen Konsequenzen
mehr drohen (Prot. I S. 13), was auch von der Verteidigung unbestritten blieb. Wie
die Vorinstanz sodann festhielt, entlastet die Zeugin E._ den Beschuldigten
sogar vom Tatvorwurf des Fahrens ohne Licht, woraus ersichtlich wird, dass die
Zeugin E._ den Beschuldigten nicht zu Unrecht bzw. übermässig belastet.
Die Verteidigung wendet betreffend die Aussagewürdigung sodann ein, es müsse
berücksichtigt werden, dass die Zeugin E._ ein erhebliches Interesse am
Ausgang des Verfahrens habe, zumal die zivilrechtlichen Folgen des Unfalls noch
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ungeregelt seien (Urk. 49 S. 7). Hierzu ist festzuhalten, dass die Glaubhaftigkeit
einer konkreten Aussage, welche darauf überprüft wird, ob die auf ein bestimmtes
Geschehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des Aussagenden
entspringen, gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung für die Wahrheitsfin-
dung weitaus bedeutender sind als die generelle Glaubwürdigkeit des Einver-
nommenen (BGE 133 I 33 E. 4.3). Das Vorbringen, dass vorstehend allfällige zi-
vilrechtliche Forderungen noch unbeurteilt geblieben seien, vermag die Glaub-
würdigkeit der Zeugin E._ nicht grundsätzlich in Frage zu stellen, auch wenn
zutreffend ist, dass ihre Aussagen vor diesem Hintergrund mit einer gewissen Zu-
rückhaltung zu würdigen sind. Insbesondere vermag dieser Einwand die insge-
samt konsistenten Aussagen der Zeugin E._ in ihrer Eindeutigkeit und
Glaubhaftigkeit nicht zu erschüttern.
3.2. Weiter moniert die Verteidigung, es sei unberücksichtigt geblieben, dass
sich die Zeugin E._ durch den Beschuldigten auf dem Unfallplatz angeblich
bedrängt gefühlt habe, wobei sie um die Unterstützung des Zeugen G._ froh
gewesen sei. Zudem habe die Zeugin E._ bestätigt, sich mit dem Zeugen
G._ unterhalten zu haben, was insgesamt unweigerlich die Vermutung auf-
kommen lasse, dass sich die beiden über den Unfallhergang ausgetauscht und
eine gemeinsame Version desselben geschildert hätten (Urk. 49 S. 7).
Vorliegend bestehen für derlei Mutmassungen konspirativen Charakters keinerlei
Raum. Dass die Zeugen E._ und G._ vor Ort wegen scheinbar vorhan-
dener Animositäten den Entschluss gefasst hätten, einen falschen Unfallhergang
zu Protokoll zu geben, erscheint nicht zuletzt deshalb als lebensfremd, weil sich
der Zeuge G._ im Wissen um die Aufnahmen seiner Dashcam wohl kaum
dazu veranlasst gesehen haben könnte, das Unfallgeschehen falsch bzw. zu Un-
gunsten des Beschuldigten zu schildern. Dass einerseits die Zeugin E._ da-
ran kein Interesse haben konnte, wurde bereits vorstehend dargelegt (Ziffer
IV.3.1.). Andererseits ergeben sich auch keinerlei Anhaltspunkte aus den Akten,
dass die Zeugin E._ wahrheitswidrig ausgesagt hätte.
3.3. Die Vorinstanz hat somit die Aussagen der Zeugin E._ zutreffend und
willkürfrei als glaubhaft qualifiziert.
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3.4. In Bezug auf die Würdigung der Aussagen des Beschuldigten und des Zeu-
gen F._ kann grundsätzlich auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen
werden (Urk. 34 S. 10, S. 12). Vorerst ist hervorzuheben, dass die Schilderung
des Unfallhergangs durch den Beschuldigten von derjenigen der Zeugin E._
nicht nur leicht bzw. in Einzelheiten abweicht, sondern dieser diametral entgegen-
steht. Der Beschuldigte sagte aus, nie abgebremst und rechts in die D._-
Strasse abgezweigt zu sein. Er sei lediglich mit 30 km/h in Fahrtrichtung C._
gefahren (Prot. I S. 26-27). Aufgrund des unter Ziffer IV.3.1 Dargelegten erscheint
es als unplausibel, dass sich die Zeugin E._ in ihrer Wahrnehmung des Un-
fallhergangs irrte bzw. diesen bewusst wahrheitswidrig schilderte. Zudem weist
das Aussageverhalten des Beschuldigten einige Auffälligkeiten auf. Zum einen ist
festzuhalten, dass der Beschuldigte dazu tendiert, die Schuld von sich zu weisen.
Beispielsweise gab er auf die Frage, weshalb zwei Zeugen aussagen sollten, er
habe rechts geblinkt und sei zumindest teilweise nach rechts abgebogen, an, der
Zeuge G._ sei stark alkoholisiert gewesen und habe die Zeugin E._,
welche sich direkt nach dem Unfall bei ihm entschuldigt habe, zu einer Falsch-
aussage angestiftet (Prot. I S. 28). Dafür, dass der Zeuge G._ alkoholisiert
gewesen sein soll, bestehen keinerlei Anhaltspunkte. Darauf, dass sich die beiden
Zeugen eivernehmlich auf eine den Beschuldigten belastende Version des Unfall-
hergangs geeinigt haben sollten, ist nach dem vorstehend Dargelegten nicht wei-
ter einzugehen. Ebenfalls ist kein Motiv ersichtlich, weshalb der Zeuge G._
die Zeugin E._ zu einer Falschaussage hätte anstiften sollen. Weiter ver-
suchte der Beschuldigte auch die Zeugin E._ in ein schlechtes Licht zu rü-
cken, indem er angab, gesehen zu haben, dass die Zeugin E._ während der
Fahrt telefoniert habe (Prot. I S. 28), nachdem er zuvor aussagte, beobachtet zu
haben, dass sich die Zeugin E._ vor dem Unfall nach ihrem Kind auf der
Rücksitz umgedreht habe (Prot. I S. 26). Auf die Nachfrage des Einzelrichters, wie
er dies habe feststellen wollen, relativierte der Beschuldigte seine Aussage und
korrigierte, dass er lediglich vermute, dass die Zeugin E._ telefoniert habe
(Prot. I S. 28). Die Relativierung seiner Aussage ist ein weiteres Indiz dafür, dass
der Beschuldigte versucht, von einem eigenen Fehlverhalten abzulenken und
zwecks dessen die Verantwortung für die Kollision der Zeugin E._ zuzu-
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schieben. Dass die Zeugin E._ telefoniert habe, lässt sich gestützt auf diese
Aussagen des Beschuldigten zumindest nicht erstellen. Weiter fällt mit der Vo-
rinstanz auf, dass der Beschuldigte ausweichend aussagte. Zur Stellungnahme
zum Tatvorwurf aufgefordert, führte der Beschuldigte einzig aus, der Strafbefehl
sei ungerecht und unverhältnismässig. Weiter führte der Beschuldigte in diesem
Zusammenhang aus, dass er seine Ausbildung zum Fahrlehrer aufgrund eines
Unfalles nicht habe fortsetzen können (Prot. I S. 26). Zum Vorwurf nahm er keine
Stellung. Auf die Frage zum genauen Unfallhergang sagte er zwar nach den wie-
derum sachfremden Ausführungen, dass der Fahrgast im Protokoll als Kollege
bezeichnet worden sei, aus, geradeaus gefahren zu sein (Prot. I S. 26). Auf die
Wiederholung der Frage gab der Beschuldigte dann lediglich apodiktisch an, dass
alle Taxifahrer Profis seien, ihr Fahrzeug beherrschten und während der Fahrt
sehr konzentriert wären, was auch auf ihn zutreffe (Prot. I S. 27). Aufgrund dieses
ausweichenden Aussageverhaltens sowie der festgestellten Tendenz des Be-
schuldigten, die Schuld an der Kollision zu externalisieren, verfiel die Vorinstanz
nicht in Willkür, wenn sie erwog, dass die Aussagen des Beschuldigten keine
Zweifel an den Aussagen der Zeugin E._ aufzubringen vermögen und
schliesslich schlussfolgerte, der Beschuldigte bediene sich einer Schutzbehaup-
tung, wenn er angebe, lediglich geradeaus gefahren zu sein (Urk. 34 S. 13).
3.5. Schliesslich bleibt fraglich, ob die Schilderung des Unfallhergangs durch die
Zeugin E._ durch die Aussagen des Zeugen F._ in Zweifel gezogen
wird. Gemäss der Verteidigung sind die Aussagen des Zeugen F._ glaubhaft
und konsistent (Urk. 49 Rz. 26 S. 9).
3.6. Der Zeuge F._ kann zum Unfallhergang keine konkreten Angaben ma-
chen. Diesbezüglich führte er lediglich aus, dass während der Fahrt plötzlich ein
Auto in das Fahrzeug des Beschuldigten hineingefahren sei. Sie seien geradeaus
gefahren. Sämtliche weiteren Aussagen geben keinerlei Aufschluss über den Un-
fallhergang. Der Zeuge F._ gab einzig an, dass vor dem Unfall nichts ge-
schehen sei (Prot. I S. 10). Auch an die Verkehrsführung konnte er sich nicht er-
innern (Prot. I S. 11). Ob der Beschuldigte nach der Bushaltestelle weiter auf der
B._-Strasse gefahren sei oder abgebremst und die Fahrtrichtung geändert
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habe, wisse er nicht. Im Wesentlichen verwies er einzig auf eine von ihm angeb-
lich angefertigte Skizze des Unfallortes und auf seine Aussagen anlässlich der
Tatbestandsaufnahme (Prot. I S. 11). Gemäss Polizeirapport habe sich der Zeuge
F._ vor Ort sinngemäss gleich wie der Beschuldigte geäussert. Ergänzende
Angaben habe er nicht machen können (Urk. 1 S. 4).
3.7. An die vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 34 S. 10-11) anknüpfend ist fest-
zuhalten, dass der Zeuge F._ sichtlich darauf bedacht war, klarzustellen,
dass er mit dem Beschuldigten keine persönliche oder gar freundschaftliche Be-
ziehung pflege, sondern lediglich dessen Dienste als Taxifahrer er in Anspruch
nehme. Fermer betonte er auch, bei Gott zu schwören, heute – nachdem er vom
Beschuldigten zum Gericht gefahren sei – mit diesem nicht über den Vorfall ge-
sprochen zu haben (Prot. I S. 9-10). Aus diesem Aussageverhalten drängt sich
der Eindruck auf, dass es dem Zeugen F._ ein wichtiges Anliegen ist, zu un-
terstreichen, ganz unbefangen über den Vorfall aussagen zu können. Vorliegend
ist zumindest nicht abwegig, anzunehmen, dass der Zeuge F._ aufgrund sei-
ner Beziehung zum Beschuldigten, selbst wenn diese keine freundschaftliche sein
sollte, dazu geneigt sein könnte, die Sachverhaltsschilderung des Beschuldigten
zu stützen. Somit sind auch die Aussagen des Zeugen F._ mit der gebote-
nen Zurückhaltung zu würdigen. Wie vorstehend dargelegt, sind die Aussagen
des Zeugen F._ zum Kerngeschehen knapp und einer Würdigung daher nur
beschränkt zugänglich. Massgeblich ins Gewicht fällt hingegen mit der Vorinstanz,
dass der Zeuge F._ auf die Kernfrage, ob der Beschuldigte bei der Kreuzung
in einem Zug durchgefahren sei, abgebremst oder die Fahrtrichtung geändert ha-
be, zunächst die Auseinandersetzung nach der Kollision zwischen dem Zeugen
G._ und dem Beschuldigten schilderte. Erst auf Wiederholung der Frage gab
er an, sich daran nicht erinnern zu können (Prot. I S. 10). Aus den Aussagen geht
hervor, dass der Zeuge F._ versuchte, den Ablauf nach der Kollision und
insbesondere die entstandenen Spannungen zwischen den Beteiligten in den
Vordergrund zu rücken. Er vermochte mit seinen vagen Aussagen zum Fahrver-
halten des Beschuldigten, dieser sei geradeaus gefahren und plötzlich sei ein Au-
to in ihr Fahrzeug gefahren, keine Zweifel an den widerspruchsfreien Aussagen
der Zeugin E._ aufzubringen.
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3.8. Im Weiteren bringt die Verteidigung vor, dass der Beschuldigte entgegen
den Aussagen der Zeugen E._ und G._ den Blinker nicht nach rechts
gestellt haben könne. Wenn dies der Fall gewesen wäre, würde dies aus der Vi-
deoaufnahme hervorgehen (Urk. 49 S. 9). Dieser Ansicht ist nicht zu folgen.
Wenn der Beschuldigte von der B._-Strasse rechts in die D._-Strasse
abgebogen ist, was sich aufgrund der Aussagen der Zeugin E._ erstellen
lässt, und danach wieder in die B._-Strasse eingebogen ist, ist durchaus
plausibel, dass der Blinker nach dem Abbiegen nicht mehr nach rechts gestellt
gewesen ist.
4. Selbst wenn – abweichend von der Vorinstanz – für die Sachverhaltserstel-
lung in erster Linie auf die Aussagen der Zeugin E._ abgestellt wird, lässt
sich erstellen, dass der Beschuldigte auf der B._-Strasse in Richtung
C._ gefahren und – wie mit dem Blinker angezeigt – in die D._-Strasse
eingebogen ist, dann aber sein Fahrzeug wieder zurück auf die B._-Strasse
gelenkt hat. Bezüglich des rechts Blinkens und Abbiegens in die D._-Strasse
kann sodann festgehalten werden, dass dieser Vorgang durch die Aussagen des
Zeugen G._ bestätigt wird (Prot. I S. 20 f.); diesbezüglich muss er aus eige-
ner Beobachtung berichtet haben, da dieses Manöver auf der Dash-Cam-
Aufnahme nicht ersichtlich ist (Urk. 2/3). Insoweit sind die Aussagen des Zeugen
G._ verwertbar. Aufgrund des Abbiegemanövers des Beschuldigten sah sich
die Zeugin E._ sodann veranlasst, ihre Fahrt fortzusetzen und von der
D._-Strasse in die B._-Strasse abzubiegen, wobei es hernach zur Kolli-
sion mit dem Beschuldigten gekommen ist. Dieser Sachverhalt ist dem Urteil als
erstellt zugrunde zu legen. Auf den subjektiven Sachverhalt ist im Rahmen der
rechtlichen Würdigung einzugehen.
V. Rechtliche Würdigung
1. Das Statthalteramt würdigte das dem Beschuldigten vorgeworfene Verhalten
als vorsätzliche einfache Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 1
SVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 1 SVG und Art. 7 Abs. 3 VRV sowie als fahr-
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lässige einfache Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung
mit Art. 26 Abs. 2 SVG, Art. 31 Abs. 1 SVG, Art. 3 Abs. 1 VRV und Art. 41 SVG.
2. Die Vorinstanz wich von dieser rechtlichen Würdigung ab und sprach den
Beschuldigten der vorsätzlichen einfachen Verkehrsregelverletzung im Sinne von
Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 26 Abs. 1 und Art. 34 Abs. 3 SVG
schuldig.
3.1. Gegen die rechtliche Würdigung der Vorinstanz wendet die Verteidigung im
Wesentlichen ein, die Vorinstanz habe den Sachverhalt rechtlich anders qualifi-
ziert als das Statthalteramt. Dem Beschuldigten sei in Bezug auf diese abwei-
chende rechtliche Würdigung das rechtliche Gehör nicht gewährt worden. Zudem
könne auch nicht von einer vorsätzlichen Tatbegehung ausgegangen werden,
zumal das Statthalteramt von Fahrlässigkeit ausgegangen sei. Ferner seien die
von der Vorinstanz angerufenen Bestimmungen vorliegend nicht anwendbar. Zum
einen sei vorliegend weder von Gegenverkehr noch von überholenden Fahrzeu-
gen im Sinne von Art. 34 Abs. 3 SVG auszugehen. Art. 26 Abs. 1 SVG sei hinge-
gen deshalb nicht anwendbar, da dieser ein Auffangtatbestand sei, welcher nicht
zur Anwendung gelange, wenn dem Beschuldigten wie vorstehend vorgeworfen
werde, insbesondere Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 3 Abs. 1 VRV verletzt zu haben
(Urk. 49 S. 10-11).
3.2. Sodann bringt die Verteidigung vor, dass der Beschuldigte nicht für die Kolli-
sion verantwortlich gemacht werden könne. Er sei weder ungenügend aufmerk-
sam gewesen, noch hätte er den Unfall vermeiden können: Gemäss der Verteidi-
gung habe der Zeuge G._ insbesondere nicht ausschliessen können, dass
der Beschuldigte – bevor er wieder in die B._-Strasse eingemündet sei –
wieder nach links geblinkt habe. Es sei deshalb zu Gunsten des Beschuldigten
davon auszugehen, dass dieser nach Abbruch seines Abbiegemanövers in die
D._-Strasse den Blinker wieder nach links gesetzt habe. Angesichts dessen
hätte die Kollisionsgegnerin nicht darauf vertrauen dürfen, dass der Beschuldigte
den Abbiegevorgang weiter fortsetzen würde, sondern dass er als vortrittsberech-
tigter seine Fahrt auf der B._-Strasse fortsetzen würde (Urk. 49 S. 12).
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Die Vorinstanz habe unberücksichtigt gelassen, dass der Beschuldigte auch bei
Anwendung der pflichtgemässen Sorgfalt die Kollision nicht hätte vermeiden kön-
nen. Aus der Fotodokumentation ergebe sich, dass infolge der Kollision das Fahr-
zeug des Beschuldigten auf der rechten Seite, und dasjenige der Kollisionsgegne-
rin links vorne beschädigt worden sei. Demzufolge sei die Kollisionsgegnerin in
die rechte Seite des Beschuldigten gefahren. Der Beschuldigte sei folglich bereits
fast an der Kollisionsgegnerin vorbeigefahren, als diese losgefahren sei (Urk. 49
S. 12). Wenn man davon ausgehe – so die Verteidigung weiter –, dass der Be-
schuldigte in die D._-Strasse eingebogen sei, so hätte er die Verkehrsinsel
passieren müssen. Er hätte sich somit wieder seit einiger Zeit auf der B._-
Strasse befinden müssen. Als er die Verkehrsinsel passiert habe, sei die Kollisi-
onsgegnerin noch an der Kreuzung gewesen. Anzeichen dafür, dass diese ein-
fach losfahren würde, hätten keine bestanden (Urk. 49 S. 12). Schliesslich habe
die Zeugin E._ ausgesagt, dass nach dem Einbiegen des Beschuldigten in
die D._-Strasse von links kein weiteres Fahrzeug gekommen sei. Aus der
Videoaufnahme gehe aber hervor, dass von links zusätzlich ein silbriger Merce-
des herangefahren sei, welcher den Beschuldigten anfangs der Kreuzung über-
holt habe. Das Übersehen dieses Fahrzeuges belege, dass die Zeugin E._
dem von links kommenden Verkehr zu wenig Beachtung geschenkt habe. Sie hät-
te vor dem Abbiegen nochmals nach links schauen müssen, was sie unterlassen
habe. Hätte sie nach links geschaut, hätte sie den Beschuldigten wahrnehmen
und diesem den Vortritt gewähren müssen (Urk. 49 S. 13).
4. Gemäss Art. 26 Abs. 2 SVG ist im Strassenverkehr besondere Vorsicht ge-
boten gegenüber Kindern, Gebrechlichen und alten Leuten, ebenso wenn Anzei-
chen dafür bestehen, dass sich ein Strassenbenützer nicht richtig verhalten wird.
Sodann muss der Führer das Fahrzeug gestützt auf Art. 31 Abs. 1 SVG ständig
so beherrschen, dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann. Beherr-
schen im Sinne von Art. 31 Abs. 1 SVG bedeutet, jederzeit in der Lage zu sein,
auf die jeweils erforderliche Weise auf das Fahrzeug einzuwirken und auf jede
Gefahr ohne Zeitverlust genügend schnell und zweckmässig zu reagieren (BGE
120 IV 63 E. 2a mit Hinweis auf BGE 76 IV 53 E. 1). Dies verlangt, dass Fahr-
zeugführer jederzeit die volle Kontrolle über ihr Fahrzeug ausüben und die Ver-
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kehrsregeln beachten können. Der Fahrzeugführer muss jederzeit in der Lage
sein, auf selbst überraschende Verkehrsverhältnisse mit einer durchschnittlichen
Reaktionszeit angemessen reagieren zu können (Kommentar SVG-WEISSBERGER,
Art. 31 N 1). Gestützt auf Art. 3 Abs. 1 Satz 1 VRG muss der Fahrzeugführer sei-
ne Aufmerksamkeit der Strasse und dem Verkehr zuwenden. Eine unzureichende
Beherrschung des Fahrzeugs kann namentlich auf ungenügende Aufmerksamkeit
im Verkehr zurückzuführen sein (Kommentar SVG-WEISSBERGER, Art. 31 N 3;
Art. 31 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 VRV).
4.1. Infolge des Abbiegemanövers des Beschuldigten von der B._-Strassse
in die D._-Strasse musste er damit rechnen, dass sich die Kollisionsgegne-
rin, welche vorerst vorschriftsgemäss bei der Kreuzung B._-Strasse /
D._-Strasse angehalten hatte, zum Einmünden in die B._-Strasse ver-
anlasst sah, da diese aufgrund des Fahrverhaltens des Beschuldigten davon aus-
gehen durfte, dass er seine Fahrt auf der D._-Srasse fortsetzen werde. Inso-
fern hätte sich der Beschuldigte, als er seine Fahrt wiederum auf der B._-
Strasse fortsetzte, vergewissern müssen, ob die Kollisionsgegnerin sein Fahrma-
növer wahrgenommen hatte und ihm folglich – nach Abbruch des Abbiegemanö-
vers – den Vortritt gewähren würde. Hätte er dies nicht pflichtwidrig unterlassen,
hätte der Beschuldigte rechtzeitig erkennen können, dass die Kollisionsgegnerin
ihre Fahrt trotz seines Vortrittsrechts fortgesetzt hat. Insofern lässt die Fahrweise
des Beschuldigten darauf schliessen, dass er seiner Vorsichtspflicht, seine Auf-
merksamkeit dem von rechts kommenden Verkehr zuzuwenden, nicht gehörig
nachgekommen ist und somit sein Fahrzeug nicht zureichend beherrscht hat (Art.
31 Abs. 1 VRG, Art. 3 Abs. 1 VRV).
4.2. Ferner ist festzuhalten, dass sich ein Fehlverhalten eines anderen Verkehrs-
teilnehmers auch aus der Unklarheit oder Ungewissheit einer bestimmten Ver-
kehrslage aufdrängen kann, die nach allgemeiner Erfahrung die Möglichkeit frem-
den Fehlverhaltens unmittelbar in die Nähe rücken lässt. In einer solchen Situati-
on liegen zwar keine konkreten Anzeichen im Sinne von Art. 26 Abs. 2 SVG für
unrichtiges Verhalten vor, doch ist angesichts der besonderen Gefahrenneigung
der Umstände risikoarmes Verhalten gefordert (BGE 125 IV 83 E. 2b). Zumal die
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Kollisionsgegnerin in die B._-Strasse einbog, obwohl der Beschuldigte als
Vortrittsberechtigter seine Fahrt auf eben dieser Strasse wiederaufnahm, bestan-
den Anzeichen für ein Fehlverhalten der Kollisionsgegnerin (Art. 26 Abs. 2 SVG).
Selbst wenn vorliegend davon ausgegangen wird, es hätten keine Anzeichen für
ein Fehlverhalten der Kollisionsgegnerin bestanden, wäre vom Beschuldigten an-
gesichts der von ihm verursachten unklaren Verkehrssituation zu verlangen ge-
wesen, dass er seine Aufmerksamkeit in genügendem Masse dem von rechts
kommenden Verkehr zuwendet, um sich zu versichern, ob ihm der Vortritt trotz
seines angesetzten Abbiegemanövers gewährt würde. Dies hätte einem situati-
onsadäquaten, risikoarmen Verhalten entsprochen. Das Mass der Aufmerksam-
keit, das vom Fahrzeugführer zu verlangen ist, richtet sich nach den gesamten
konkreten Umständen, namentlich der Verkehrsdichte und den voraussehbaren
Gefahrenquellen (BGE 127 II 302 E. 3c). Ein erhöhtes Mass an Aufmerksamkeit
war in dieser Situation nicht einzig wegen der Witterungsverhältnisse – gemäss
Angaben des rapportierenden Polizisten habe Schneefall geherrscht (Urk. 5) –
und des von rechts herkommenden Verkehrs geboten gewesen (Art. 31 Abs. 1
SVG; Art. 3 Abs. 1 VRV), sondern gerade auch wegen der Fahrweise des Be-
schuldigten, welche an dieser Verkehrslage eine Gefahrenquelle begründete.
4.3. Sodann dürfen sich Verkehrsteilnehmer auf das Zeichen, durch das ein
Fahrzeugführer eine Richtungsänderung ankündigt (Art. 39 SVG und Art. 28
VRV), so lange verlassen, als nicht nach den Umständen an der Zuverlässigkeit
des Zeichens zu zweifeln ist (Kommentar SVG-WEISSBERGER, Art. 26 N 36). Wer
aus einer Nebenstrasse nach rechts in eine Hauptstrasse abbiegen will, darf des-
halb darauf vertrauen, dass der von links kommende Fahrzeuglenker, der seinen
rechten Blinker gestellt hat, durch diese Anzeige auf sein Vortrittsrecht verzichtet
(Urteil des Bundesgerichts 6B_306/2008 vom 9. Oktober 2008, E. 2.3.). Vorlie-
gend durfte sich die Kollisionsgegnerin darauf verlassen, dass der Beschuldigte
seine Fahrt auf der D._-Strasse fortsetzt und nicht wieder auf die B._-
Strasse einbiegt. Umstände dafür, dass die Kollisionsgegnerin an der Zuverläs-
sigkeit des Zeichens des Rechtsabbiegens hätte zweifeln müssen, sind keine er-
sichtlich. Ferner hätte sie auch nicht damit rechnen müssen, dass der Beschuldig-
te sein Abbiegemanöver abbricht und seine Fahrt auf der B._-Strasse fort-
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setzt. Insofern kann auch nicht davon ausgegangen werden, die Kollisionsgegne-
rin hätte den Beschuldigten wahrnehmen müssen, weil sich dieser infolge des
Umfahrens der Verkehrsinsel wieder seit einiger Zeit auf der B._-Strasse be-
funden haben müsse (Urk. 49 S. 12). Für die Kollisionsgegnerin drängte sich ein
zweiter Blick nach links nach dem Abbiegemanöver des Beschuldigten nicht auf.
4.4. Zumal die Kollisionsgegnerin von rechts in die B._-Strasse eingebogen
ist, kann zudem entgegen der Verteidigung (Urk. 49 S. 12) nicht davon ausge-
gangen werden, dass sie hätte sehen können, wenn der Beschuldigte links ge-
blinkt hätte. Selbst wenn der Beschuldigte tatsächlich links geblinkt hätte, hätte
ihn dies nicht von der Pflicht entbunden, sich zu vergewissern, ob die Kollisions-
gegnerin auf der D._-Strasse tatsächlich angehalten hat bzw. den Beschul-
digten passieren lässt. Auch hätte sich der Beschuldigte nicht darauf verlassen
dürfen, dass die Kollisionsgegnerin ein angebliches links Blinken nach dem Ab-
biegen des Beschuldigten beobachtet hätte bzw. hätte wahrnehmen können.
Aus dem Schadensbild lässt sich sodann nichts zu Gunsten des Beschuldigten
ableiten. Das Fahrzeug des Beschuldigten weist sowohl vorne als auch hinten
rechts einen Schaden auf (Urk. 4). Daraus ergibt sich nicht, dass die Kollisions-
gegnerin die Fahrt erst fortsetzte, als der Beschuldigte schon fast an ihr vorbeige-
fahren war und der Beschuldigte die Kollision somit nicht mehr hätte verhindern
können. Dies kann entgegen der Verteidigung auch nicht aus den Videoaufnah-
men abgeleitet werden (Urk. 49 S. 12).
4.5. Die Zeugin E._ sagte anlässlich der Hauptverhandlung aus, hinter dem
Beschuldigten sei kein Fahrzeug gekommen (Prot. I S. 15). Aus dieser Aussage
geht entgegen der Verteidigung gerade nicht hervor, dass sie verkennt, dass von
links auch ein Mercedes herangefahren sei. Ihre Aussage bezog sich offenkundig
lediglich darauf, dass dem Beschuldigten unmittelbar kein weiteres Fahrzeug folg-
te, was auch von der Verteidigung nicht geltend gemacht wird. Infolgedessen ist
die Aussage der Zeugin E._, es sei von links ausser dem Beschuldigten kein
Fahrzeug auf die Kreuzung zugefahren (Prot. I S. 18,) nicht dahin gehend zu in-
terpretieren, dass die Zeugin E._ ausser dem Beschuldigten keine weiteren
Verkehrsteilnehmer auf der B._-Strasse wahrgenommen habe. Folglich ist
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auch die Schlussfolgerung der Verteidigung, die Kollisionsgegnerin hätte dem von
links kommenden Verkehr zu wenig Beachtung geschenkt (Urk. 49 S. 13), nicht
zutreffend.
5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vom Beschuldigten angesichts der
von ihm verursachten unklaren Verkehrssituation zu verlangen gewesen wäre,
dass er seine Fahrt auf der B._-Strasse solange nicht fortsetzt, bis er sich
vergewissert hat, ob die Kollisionsgegnerin ihm nach dessen Abbiegemanöver
den Vortritt gewährt. Er hätte seine Aufmerksamkeit spätestens dann dem von
rechts kommenden Verkehr zuwenden müssen, als er nach dem Abbiegemanö-
ver wieder auf die B._-Strasse einbog. Dass es nach dem Fortsetzen der
Fahrt auf der B._-Strasse zur Kollision gekommen ist, belegt, dass es der
Beschuldigte in pflichtwidriger Weise fahrlässig unterlassen hat, seine Aufmerk-
samkeit dem von rechts kommenden Verkehr zuzuwenden und aufgrund der von
ihm geschaffenen Verkehrssituation erhöhte Vorsicht walten zu lassen. Wäre der
Beschuldigte seiner Vorsichtspflicht in genügendem Masse nachgekommen, hätte
er die Anzeichen für das Fehlverhalten der Kollisionsgegnerin auch erkennen
können. Da sich die Kollisionsgegnerin darauf verlassen konnte, dass der Be-
schuldigte nach dem Abbiegen seine Fahrt auf der D._-Strasse fortsetzt,
durfte dieser nicht davon ausgehen, dass sie ihm den Vortritt gewährt. Somit hat
sich der Beschuldigte der fahrlässigen einfachen Verkehrsregelverletzung nach
Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 100 Ziff. 1 SVG, Art. 26 Abs. 2 SVG,
Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 3 Abs. 1 VRV schuldig gemacht. Ferner ist darauf
hinzuweisen, dass gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO die Rechtsmittelinstanz Ent-
scheide nicht zum Nachteil der beschuldigten Person abändern darf, wenn das
Rechtsmittel nur zu deren Gunsten ergriffen worden ist. Dies trifft vorliegend zu,
denn allein der Beschuldigte hat Berufung erhoben (vgl. Ziffer I. 3.). Ob er durch
seine Fahrweise eine weitere Verkehrsregelverletzung beging, indem er die Ver-
kehrsinsel links umfahren hat (Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 34 Abs.
1 SVG und Art. 7 Abs. 3 VRV), muss folglich offengelassen werden.
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V. Sanktion
1. Grundlage für die Strafzumessung bildet der ordentliche Strafrahmen. Bei
der vom Beschuldigten begangenen Verkehrsregelverletzung handelt es sich um
eine Übertretung, welche mit einer Busse zu sanktionieren ist. Der gesetzliche
Strafrahmen reicht vorliegend bis Fr. 10'000.– Busse (Art. 90 Abs. 1 SVG sowie
Art. 102 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 103 und Art. 106 Abs. 1 StGB). Die
Busse und Ersatzfreiheitsstrafe sind je nach den Verhältnissen des Täters so zu
bemessen, dass dieser die Strafe erleidet, die seinem Verschulden angemessen
ist (Art. 106 Abs. 2-3 StGB). Wie vorstehend dargelegt, ist nachfolgend das Ver-
schlechterungsgebot zu beachten, weshalb das Berufungsgericht insofern an die
von der Vorinstanz ausgefällte Sanktion gebunden ist, als sie diese nicht zum
Nachteil des Beschuldigten verändern kann. Da sie aber dennoch berechtigt ist,
ihre Überlegungen in der Urteilsbegründung bekannt zu geben (BGE 139 IV 282
E. 2.6; Urteil des Bundesgerichtes 6B_1368/2016 vom 15. November 2017 E. 4.1;
zur Publ. in AS vorges.), ist vorab die Strafzumessung frei vorzunehmen.
2. Der Beschuldigte stellte mit seiner unberechenbaren Fahrweise vorliegend
ein erhöhte Gefahr für die anderen Verkehrsteilnehmer dar. Diese Gefahr reali-
sierte sich in der verfahrensgegenständlichen Kollision, bei welcher jedoch weder
ein Personen- noch ein beträchtlicher Sachschaden entstand. Insgesamt wiegt
das objektive Tatverschulden daher gerade noch leicht. In subjektiver Hinsicht ist
das Tatverschulden als sehr leicht zu qualifizieren, zumal der Beschuldigte fahr-
lässig handelte.
3. Im Berufungsverfahren gab der Beschuldigte an, monatlich netto Fr. 2'200.–
zu verdienen. Ferner habe er Unterhaltsverpflichtungen von Fr. 1'000.–. Die
Wohnkosten würden Fr. 2'000.–, die Krankenkassenprämie Fr. 610.– und Steuern
Fr. 1'200.– monatlich betragen. Zudem habe er Schulden von Fr. 150'000.–
(Urk. 46/1). Es liegen weder strafmindernde noch straferhöhende Täterkompo-
nenten vor.
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4. In Würdigung der konkreten Umstände, des Verschuldens und der finanziel-
len Verhältnisse des Beschuldigten erweist sich die Bestrafung mit einer Busse
von Fr. 400.– als angemessen.
5. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist die Ersatzfreiheitsstrafe auf 4 Ta-
ge festzusetzen.
VI. Kosten
1. Ausgangsgemäss sind die Kosten der Untersuchung und des erstinstanz-
lichen Gerichtsverfahrens dem Beschuldigten vollumfänglich aufzuerlegen, da
der Beschuldigte verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ih-
res Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob bzw. inwieweit eine
Partei im Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt davon ab, in
welchem Ausmass ihre vor der zweiten Instanz gestellten Anträge gutgeheissen
werden (Urteil des Bundesgerichtes 6B_1025/2014 vom 9. Februar 2015 E. 2.4.1
mit Hinweisen; bestätigt in 6B_10/2015 vom 24. März 2015 E. 4.2.1). Die Kosten
des Berufungsverfahrens sind dem Beschuldigten aufzuerlegen, da er mit seinem
Antrag auf Freispruch unterliegt (Art. 428 Abs. 1 StPO).