Decision ID: 4c20ff5a-78f0-4278-a59c-d7c704f6742e
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 27.02.2013 Art. 43 Abs. 1 ATSG, Art. 55 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 12 lit. e VwVG und Art. 57 ff. BZP. Sachverhaltsabklärung mittels medizinischer Gutachten. Die ABI GmbH ist weder zum Vornherein zugunsten der Invalidenversicherung befangen noch ist zum Vornherein davon auszugehen, dass die Gutachten der ABI GmbH nicht jene Qualität aufwiesen, die notwendig sei, um einen medizinischen Sachverhalt mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.Gallen vom 27. Februar 2013, IV 2011/136).
Vizepräsident Joachim Huber, Versicherungsrichterinnen Christiane Gallati Schneider
und Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiber Ralph Jöhl
Entscheid vom 27. Februar 2013
in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Eliano Mussato, Bellevuestrasse 1b, Postfach,
9401 Rorschach,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 6. August 2008 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act.
1). Er gab an, er habe nach dem Hauptschulabschluss keinen Beruf erlernt. Dr. med.
B._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, teilte am 15./19. August 2008 mit (IV-act.
13-1), der Versicherte leide an einem chronischen panvertebralen Schmerzsyndrom bei
leichten Degenerationen und an einer Neurodermitis der Hände. Er reichte einen
Bericht von Dr. med. C._, Rheumatologie, vom 26. April 2005 ein (IV-act. 13-3), laut
dem der Versicherte für leichte Arbeiten ohne häufiges Bücken und ohne
regelmässiges Heben von Lasten über 5-10 kg aus rheumatologischer Sicht voll
arbeitsfähig gewesen war. Dr. med. D._, Facharzt für Arbeitsmedizin, vom RAD
berichtete am 12. September 2008 über eine von ihm selbst vorgenommene
Untersuchung (IV-act. 22). Er gab an, er habe folgende Diagnosen erhoben:
Chronifiziertes panvertebrales Schmerzsyndrom (bei St. n. M. Scheuermann und
multiplen mehrsegmentalen Degenerationen ohne neurologische Symptomatik) und
Neurodermitis bei (anamnestisch) Polyallergie. Er führte weiter aus, der Versicherte
habe die früher ausgeübte Tätigkeit als Lagerist wegen der Rückenbeschwerden
aufgegeben. Von 1999 bis 2001 habe der Versicherte als Maschinenführer eine
sitzende, leichte Tätigkeit ausgeübt. Seither habe er im Erwerbsleben nicht mehr Fuss
fassen können. Die Rückenbeschwerden stellten sich vor allem belastungsabhängig
dar, so dass mittelschwere und schwere Belastungen nicht mehr möglich seien.
Rückenadaptierte Arbeiten seien aber relativ uneingeschränkt zumutbar. Problematisch
sei die exazerbierte Neurodermitis. Kortikosteroide seien bisher erfolglos gewesen. Der
Versicherte sollte stationär dermatologisch begutachtet werden. Dabei sollten die
erforderlichen diagnostischen Massnahmen (inklusive Allergietestung) konsequent
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durchgeführt werden, um Rücksicht auf eine potentielle Arbeitsstelle nehmen zu
können. Es interessiere aber auch, ob der derzeitige Zustand durch eine Therapie
optimierung nachhaltig verbessert werden könne. Prof. Dr. E._ und Dr. med. F._
von der Dermatologischen Klinik des Kantonsspitals X._ berichteten in ihrem
Gutachten vom 26. März 2009 (IV-act. 37), der Versicherte habe angegeben, er leide
seit seiner Kindheit an Neurodermitis insbesondere an den Händen, aber auch im
Bereich der Arme und Beine. Mehrmals jährlich komme es zu Schüben mit
Exazerbationen. Die Hautbeschwerden bestünden ganzjährig. Sie verstärkten sich bei
mechanischer Belastung und bei Feuchtarbeiten. Die Schübe seien auch psychisch
getriggert und verstärkten sich in Stresssituationen. Es bestehe ein anhaltender, zum
Kratzen verleitender Juckreiz. Die beiden Gutachterinnen stellten folgende Diagnosen:
Atopische Dermatitis und atopisches Handekzem, chronisches panvertebrales,
lumbalbetontes Schmerzsyndrom und - ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit -
perenniale Rhinitis, V. a. perenniales Asthma bronchiale. Sie führten weiter aus, es sei
eine Behandlung mit topischen Kortikosteroiden unter Zinkleimverbänden durchgeführt
worden. Damit habe eine deutliche Verbesserung des Hautzustands erreicht werden
können. Unter einer regelmässig durchgeführten täglichen Lokaltherapie könne von
einem anhaltend zufriedenstellenden Hautbefund ausgegangen werden. Ein Auftreten
von Ekzemexazerbationen könne aber nicht ausgeschlossen werden. Bei einem
Arbeitsplatz in möglichst staubfreier Umgebung und ohne Feuchtarbeit oder
übermässig starke manuelle Arbeit bestehe aus dermatologischer Sicht eine volle
Arbeitsfähigkeit. Es sei unklar, inwieweit sich die psychische Belastung auf das
Krankheitsgeschehen auswirke. Zu empfehlen sei eine psychologische/psychiatrische
Abklärung. Dr. D._ hielt dazu am 27. April 2009 fest (IV-act. 40), aus
rheumatologischer Sicht sei der Versicherte in einer adaptierten Tätigkeit voll
arbeitsfähig. Anlässlich der RAD-Untersuchung habe sich keine Pathologie der Psyche
gezeigt. Die vom Hausarzt festgestellte leichte Obstruktion der Lunge sei angesichts
des Nikotinabusus nicht verwunderlich. Die Sehstörungen seien nicht relevant, denn es
gebe keine Hinweise auf eine ophthalmologische Therapie. Die vom Hausarzt so
dramatisch geschilderten Rückenschmerzen könnten nur eine kurzzeitige,
vorübergehende Verschlechterung sein. Mit einem Vorbescheid vom 30. April 2009
kündigte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung seines Rentenbegehrens an (IV-
act. 43). Der Versicherte liess am 2. Juni 2009 eine Begutachtung durch einen
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Rückenspezialisten und durch einen Psychiater beantragen (IV-act. 48). Dr. D._
verneinte am 17. Juni 2009 einen Begutachtungsbedarf (IV-act. 49). Mit einer
Verfügung vom 19. Juni 2009 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act. 50).
A.b Der Versicherte liess am 24. August 2009 Beschwerde erheben (IV-act. 58). Dr.
med. G._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, berichtete dem
Rechtsvertreter des Versicherten am 15. September 2009 (IV-act. 60), letzterer leide an
einem leichten chronischen depressiven ZB (gegenwärtig durch wenig äussere
Stressfaktoren ausgeglichen im Sinn einer larvierten Depression, die sich v.a. über
somatische Schmerzen zeige), an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit
schizoiden, selbstunsicheren und unreifen Anteilen und an einem V. a. eine
somatoforme Schmerzstörung. Dr. D._ empfahl am 16. Dezember 2009 eine
polydisziplinäre Begutachtung (IV-act. 64). Am 16. Dezember 2009 widerrief die IV-
Stelle ihre Abweisungsverfügung (IV-act. 68), worauf das Beschwerdeverfahren
abgeschrieben wurde (IV-act. 74). Mit der Begutachtung wurde die ABI Ärztliches
Begutachtungsinstitut GmbH in Basel betraut. Der psychiatrische Sachverständige
führte im Gutachten der ABI GmbH vom 3. Mai 2010 (IV-act. 78) aus, der frühe
Werdegang des Versicherten spreche eher für eine Charakterneurose als für eine
Persönlichkeitsstörung. Der Versicherte sei ein Aussenseiter, der nicht an sich selbst,
sondern an der Gesellschaft leide. Diagnostisch könne aufgrund der Schlafstörung, der
Gleichgültigkeit und dem Verlust der Lebensfreude eine leichtgradige depressive
Episode vermutet werden. Zusätzlich scheine eine regressive Verarbeitung als Folge
der devianten sozialen Entwicklung vorzuliegen. Der Versicherte übernehme keine
Verantwortung und lege sein Schicksal in die Hände der Gesellschaft, von der er sich
distanziert habe. Die organisch kaum erheblichen Rückenbeschwerden dürften
funktionellen Charakter haben. Deshalb sei zusätzlich von einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung auszugehen. Die Diagnose lautete: Leichte depressive
Episode ohne somatisches Syndrom, V. a. nicht näher bezeichnete
Persönlichkeitsstörung und - ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - V. a. anhaltende
somatoforme Schmerzstörung. Der psychiatrische Sachverständige schätzte die
Arbeitsunfähigkeit des Versicherten auf 25%. Er wies darauf hin, dass eine
Pharmakotherapie die depressive Episode aufhellen könne, dass bei der passiven
Tagesgestaltung keine Besserung der Schlafstörung zu erwarten sei und dass der
Abfall an Selbstvertrauen immer mehr in eine Schonhaltung mit physischer und
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psychischer Dekonditionierung münde. Eine Aktivierung sei aber jederzeit umsetzbar.
Der rheumatologische Sachverständige der ABI GmbH führte im Gutachten aus, das
Beschwerdebild entspreche einem lumbal- und thorakalbetonten Panvertebralsyndrom
auf mechanisch-degenerativer Grundlage bei St. n. M. Scheuermann. Die fassbaren
Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule entsprächen einer mässiggradigen
Pathologie. Die Diskushernie L5/S1 stelle eine relevante Pathologie dar. Allerdings
fehlten Zeichen einer neurologischen Komplikation. Die geschilderten
Rückenbeschwerden könnten durch die radiomorphologischen Veränderungen erklärt
werden, eindeutige Hinweise für ein gesteigertes Schmerzverhalten hätten sich in der
klinischen Untersuchung nicht gezeigt. Die Diagnose laute: Chronisches lumbal- und
thorakalbetontes Panvertebralsyndrom. Der rheumatologische Sachverständige ging
davon aus, dass der Versicherte für eine geeignete, körperlich leichte Tätigkeit mit
leichter Rückenbelastung sowie der Möglichkeit zu Wechselpositionen und ohne
monoton-repetitive Haltungen oder Bewegungen zu 100% arbeitsfähig sei. Als
arbeitsfähigkeitsrelevante Diagnosen kamen schliesslich noch die atopische Dermatitis
und das atopische Handekzem hinzu. Dazu wurde ausgeführt, gemäss den
anamnestischen Angaben des Versicherten und den Untersuchungsbefunden habe
sich der Hautzustand seit der stationären Abklärung in der dermatologischen Klinik
Z._ nicht verändert, weshalb auf eine dermatologische Abklärung habe verzichtet
werden können. Aus dermatologischer Sicht bestehe in einer adaptierten Tätigkeit
keine Arbeitsunfähigkeit. Aus der Konsensdiskussion aller beteiligten Sachverständigen
resultierte eine Arbeitsunfähigkeit von 25% bezogen auf eine in jeder Hinsicht
adaptierte Erwerbstätigkeit.
A.c Die IV-Stelle verglich den durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn als
Valideneinkommen mit einem um einen Viertel reduzierten durchschnittlichen
Hilfsarbeiterlohn als Invalideneinkommen und ermittelte so einen Invaliditätsgrad von
25% (IV-act. 86-2). Mit einem Vorbescheid vom 20. Oktober 2010 kündigte sie dem
Versicherten erneut die Abweisung seines Rentenbegehrens an (IV-act. 88). Der
Versicherte liess am 23. Dezember 2010 eine Stellungnahme von Dr. G._ vom 6.
Dezember 2010 (IV-act. 93) einreichen. Dieser hatte angegeben, im Gutachten sei eine
leicht behandelbare Störung suggeriert worden. Das sei nicht richtig, die Symptomatik
sei viel schwerer zu gewichten. Es liege eine schwere Persönlichkeitsstörung mit
schizoiden, abhängigen und unreifen Anteilen vor. Vom tiefen Medikamentenspiegel im
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Blut dürfe nicht auf einen geringen Leidensdruck geschlossen werden. Es sei falsch,
dem Versicherten zu unterstellen, dass er sich der Verantwortung entziehe. Dieser habe
nämlich nach dem Umzug in die Ostschweiz grosse Bemühungen gemacht, eine Arbeit
zu finden. Erst nach Jahren habe er sich innerlich zurückgezogen. Dieser Rückzug
habe ausserdem eine gewisse Schutzfunktion. Die Schlafstörungen seien primär
stressbedingt und nicht durch den Tagesablauf zu erklären. Zusammenfassend hielt Dr.
G._ fest, der psychiatrische Sachverständige der ABI GmbH habe das Krankheitsbild
deutlich heruntergespielt und die Arbeitsfähigkeit unrealistischerweise viel zu hoch
angesetzt. In der freien Wirtschaft sei der Versicherte zu höchstens 30% arbeitsfähig.
Dr. D._ wies am 24. Januar 2011 darauf hin (IV-act. 94), dass bis zum abweisenden
Entscheid im Jahr 2009 nie eine psychiatrische Diagnose gestellt worden sei. Just mit
der Abweisung sei dann vom Rechtsvertreter des Versicherten ein Psychiater
beigezogen worden, der nicht nachvollziehbar eine kombinierte Persönlichkeitsstörung
attestiert und daraus eine vollständige, dauerhafte Invalidität abgeleitet habe. Die
Persönlichkeitsstörung bestehe bekanntlich seit der Jugendzeit. Der Versicherte habe
aber bis zum 35. Altersjahr beruflich reüssieren können, was absolut gegen eine
invalidisierende Auswirkung der Persönlichkeit spreche. Der psychiatrische
Sachverständige der ABI GmbH nahm am 15. Februar 2011 Stellung (IV-act. 96). Er
führte aus, der Versicherte sei trotz seiner Charakterneurose während gut 15 Jahren
einer Erwerbstätigkeit nachgegangen. Es sei deshalb nicht nachvollziehbar, weshalb
diese Störung nun plötzlich der Grund für eine völlige Arbeitsunfähigkeit sein solle. Es
werde nicht in Abrede gestellt, dass der Versicherte an einer psychischen
Fehlentwicklung mit Krankheitswert leide, die eventuell psychotherapeutisch
aufgearbeitet werden könne. Was aber aus therapeutischer Sicht als schwierige
Störung im Sinn der Behandelbarkeit imponiere, wirke sich u.U. nur wenig auf eine
Erwerbstätigkeit aus. Dieses nicht-lineare Verhältnis führe bei den behandelnden
Ärzten immer wieder zu Irritationen. Die Einwände von Dr. G._ seien nicht stichhaltig.
Mit einer Verfügung vom 1. März 2011 wies die IV-Stelle das Rentengesuch ab (IV-act.
97).
B.
B.a Der Versicherte liess am 5. April 2004 Beschwerde erheben und die Zusprache
einer vollen (richtig: ganzen) Invalidenrente beantragen (act. G 1). Am 2. Mai 2011
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stellte sein Rechtsvertreter neu das Begehren, es sei eine Oberbegutachtung
anzuordnen (act. G 3). Er verwies auf eine erneute Stellungnahme von Dr. G._ vom
17. März 2011 (act. G 3.2). Dr. G._ hatte geltend gemacht, die Diagnose einer
Persönlichkeitsstörung sei nicht ausschlaggebend für eine Arbeitsfähigkeit. Es komme
vielmehr auf den aus der gestörten Wahrnehmung resultierenden Leidensdruck an.
Dieser zeige sich in der Form der depressiven Entwicklung, die sich im Lauf der Jahre
bis zur vollständigen Arbeitsunfähigkeit entwickeln könne. Dass ein Mensch mit 60
Jahren oft psychisch weniger belastbar sei als ein 20-jähriger, sei eine ganz normale
Entwicklung. Bei Persönlichkeitsstörungen sei diese Entwicklung oft beschleunigt. Die
Arbeitseinsätze des Beschwerdeführers seien sehr fragil gewesen und eher an
geschützten Arbeitsplätzen als in der freien Wirtschaft erfolgt (allesamt kurz, oft nur
temporär und mit monatelangen Unterbrüchen). Die Argumentation des
psychiatrischen Sachverständigen der ABI GmbH, dass sich u.U. nur wenig auf eine
Erwerbstätigkeit auswirke, was aus therapeutischer Sicht als schwerwiegende Störung
i.S. der Behandlung imponiere, sei nicht verständlich. Mache man medizinisch-fachlich
korrekte Beurteilungen oder mache man theoretische gutachterliche Konstrukte, die
durch realitätsfremde Schlussfolgerungen imponierten? Der Rechtsvertreter machte
gestützt auf diese Ausführungen sinngemäss geltend, das psychiatrische Gutachten sei
widerlegt. Es könne deshalb weder auf das Gutachten der ABI GmbH noch auf die
Angaben des RAD abgestellt werden. Nur mit einem Obergutachten könne
sichergestellt werden, dass eine neutrale Begutachtung erfolge. Bei einer Rückweisung
an die Beschwerdegegnerin würde diese nur ein ihr zugetanes Institut beauftragen.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 23. Juni 2011 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Sie verwies auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, laut
welcher die ABI GmbH als unabhängige und unbefangene Gutachterstelle zu
qualifizieren sei. Weiter machte sie geltend, der behandelnde Psychiater habe keine
stichhaltigen Indizien geliefert, die geeignet gewesen wären, das Ergebnis der
psychiatrischen Begutachtung in Frage zu stellen. Im Übrigen könnte der
Beschwerdeführer trotz der Beeinträchtigung seiner psychischen Gesundheit mittels
einer zumutbaren Willensanstrengung zu 100% einer Erwerbstätigkeit nachgehen.
B.c Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wandte am 5. April 2011 ein (act. G
12), mit auffälliger Regelmässigkeit qualifiziere die ABI GmbH die Exploranden als
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gesund. Die Gutachterurteile anderer Abklärungsstellen seien weit differenzierter. Alle
von ihm vertretenen Exploranden hätten unisono von extrem kurzen Untersuchungen
berichtet. In psychiatrischer Hinsicht gehe es nicht darum, dass ein Psychiater
bezüglich der Arbeitsfähigkeit eine andere Beurteilung vornehme als ein anderer.
Vielmehr solle die von Dr. G._ gestellte Diagnose einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit schizoiden, selbstunsicheren und unreifen Anteilen nicht
beachtet werden. Dr. G._ habe detailliert dargelegt, wie er zu seiner Diagnose
gekommen sei. Das vermöge das Gutachten der ABI GmbH zwar nicht auszuhebeln,
aber es wecke ernsthafte Zweifel an dessen Vollständigkeit und Richtigkeit, so dass
sich eine neutrale Begutachtung im Rahmen eines Obergutachtens aufdränge.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 27. September 2011 auf eine Duplik (act.
G 14).

Erwägungen:
1.
Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können (Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG), die während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (Art. 28
Abs. 1 lit. b IVG) und die nach Ablauf eines Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art.
28 Abs. 1 lit. c IVG). Beträgt die Arbeitsunfähigkeit in einer ohne berufliche
Eingliederung zumutbaren adaptierten Erwerbstätigkeit weniger als 40% und ist davon
auszugehen, dass sich ein direkt darauf abstützender "vorläufiger"
Einkommensvergleich (Prozentvergleich) eine behinderungsbedingte Erwerbseinbusse
von weniger als 40% ergibt, so wird eine Prüfung der genannten gesetzlichen
Anspruchsvoraussetzungen unterbleiben, denn es kann zum Vornherein keine
rentenbegründende (Art. 28 Abs. 2 IVG) Invalidität von wenigstens 40% vorliegen.
Demnach kann ein Rentengesuch direkt gestützt auf den "vorläufigen"
Einkommensvergleich abgewiesen werden. Davon ist die Beschwerdegegnerin gestützt
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auf die im Gutachten der ABI GmbH angegebene Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers von 25% (bzw. 0%) ausgegangen. Der Beschwerdeführer hat
keinen Beruf erlernt und er hat sich im Lauf seines Erwerbslebens keine beruflichen
Kenntnisse und Erfahrungen angeeignet, die es zuliessen, ihn als qualifizierten
Berufsmann zu behandeln. Seine Validenkarriere besteht deshalb in einer
durchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeit. Die Einschränkungen wie eine staubfreie
Arbeitsumgebung und eine Beschränkung auf körperlich leichte Arbeiten lassen
erfahrungsgemäss nicht darauf schliessen, dass ein Hilfsarbeiter nur noch besonders
unqualifizierte und damit unterdurchschnittlich entlöhnte Tätigkeiten ausüben kann. Die
Invalidenkarriere besteht deshalb ebenfalls in einer grundsätzlich durchschnittlich
entlöhnten Hilfsarbeit. Allerdings ist dabei dem Umstand Rechnung zu tragen, dass ein
potentieller Arbeitgeber das Risiko überdurchschnittlich häufiger Krankheitsabsenzen,
einer phasenweise reduzierten Konzentrations- und Belastungsfähigkeit, eines Bedarfs
nach einer besonderen Rücksichtnahme seitens des direkten Vorgesetzten und der
Kollegen u. ä. nur akzeptieren und den Beschwerdeführer anstellen würde, wenn diese
Nachteile, die betriebswirtschaftlich betrachtet (schwer bezifferbare) zusätzliche
Lohnkosten sind, durch einen deutlich unterdurchschnittlichen Lohn bei
durchschnittlicher Arbeitsleistung kompensiert würden. Selbst bei einem angesichts
der unbedeutenden Nachteile des Beschwerdeführers grosszügigen Abzug von 15%
vom zumutbaren Invalideneinkommen (75%) würde nur eine Erwerbseinbusse von
(abgerundet) 36% resultieren. Beträgt die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers
also 25% oder weniger, so kann die Abweisung des Rentenbegehrens bestätigt
werden, ohne die Anwendung von Art. 28 Abs. 1 lit. a bis c IVG im Detail zu prüfen.
2.
2.1 Die Vorbehalte des Beschwerdeführers gegenüber der ABI-GmbH beruhen auf
Vorkommnissen, die schon lange zurückliegen und auch damals nicht dazu geführt
haben, dass ein Gutachten schon wegen der aufgrund dieser Vorkommnisse
erhobenen Vorwürfe nicht anhand seines Inhalts auf seine Überzeugungskraft geprüft
worden wäre. Die pauschalen und unbelegten Rügen des Beschwerdeführers sind
nicht stichhaltig. Deshalb ist auch das Gutachten vom 3. Mai 2010 ausschliesslich
anhand seines Inhalts auf seine Überzeugungskraft zu prüfen.
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2.2 Der im Gutachten der ABI GmbH als Ergebnis der polydisziplinären Untersuchung
angegebene Arbeitsunfähigkeitsgrad von 25% beruht auf der Beeinträchtigung der
psychischen Krankheit. Die somatischen Beeinträchtigungen haben (soweit sie nicht
funktioneller Natur sind) nur die qualitative Komponente der Arbeitsfähigkeit, d.h. die
Anforderungen an einen Arbeitsplatz, beeinflusst. An einem entsprechend adaptierten
Arbeitsplatz haben die somatischen Beeinträchtigungen also keine Verminderung des
Arbeitsfähigkeitsgrads zur Folge. Der psychiatrische Sachverständige der ABI GmbH
hat eine leichte depressive Episode, einen Verdacht auf eine nicht weiter bezeichnete
Persönlichkeitsstörung und einen Verdacht auf eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung angegeben. Er ist davon ausgegangen, dass diagnostisch eher von
einer Charakterneurose als von einer Persönlichkeitsstörung auszugehen sei.
Begründet hat er dies mit der Feststellung, dass der Beschwerdeführer, wenn er
gefordert worden sei, sich dem immer entzogen habe und dass er sich aus diesem
Grund schliesslich von der Gesellschaft zurückgezogen habe. Er hat diese
Charakterneurose als Persönlichkeitsstörung gewertet, er hat ihr Krankheitswert
beigemessen und er hat die Arbeitsunfähigkeit von 25% nicht nur auf die leichte
depressive Episode zurückgeführt. Er ist also davon ausgegangen, dass die
Überzeugung des Beschwerdeführers, vollumfänglich arbeitsunfähig zu sein, objektiv
nicht bzw. nur im Umfang von 25% gerechtfertigt sei. Nach der Auffassung der
psychiatrischen Sachverständigen der ABI GmbH könnte der Beschwerdeführer seine
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung also durch eine zumutbare Willensanstrengung
überwinden und ganztags, mit einem um 25% reduzierten Rendement, arbeiten. Der
behandelnde Psychiater Dr. G._ ist von einer weit stärkeren Beeinträchtigung der
psychischen Gesundheit ausgegangen. Er hat eine schwere Persönlichkeitsstörung mit
schizoiden, abhängigen und unreifen Anteilen diagnostiziert und daraus auf einen
Arbeitsunfähigkeitsgrad von wenigstens 70% schlossen. Seiner Auffassung nach ist
der Beschwerdeführer also nur noch zu 30% arbeitsfähig. Dr. D._ vom RAD hat beim
Versuch, diesen Widerspruch aufzulösen, geltend gemacht, die psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung durch Dr. G._ sei erst nach der ersten
Ankündigung einer möglichen Abweisung des Rentenbegehrens durch den
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers initiiert worden. Seiner Vermutung nach hat der
Beschwerdeführer also nur versucht, sich durch eine weitgehend unnötige
psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung den Anschein einer schweren
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psychischen Beeinträchtigung zu verschaffen, um so doch noch zu einer Invalidenrente
zu kommen. Das zeitliche Zusammenfallen der drohenden Abweisung des
Rentengesuchs und der Aufnahme der Behandlung durch Dr. G._ ist aber nicht
stichhaltig für die Vermutung von Dr. D._, da grundsätzlich auch eine ernsthafte, aber
erst vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers angesprochene Beeinträchtigung der
Psyche zu einer Aufnahme der Behandlung geführt haben kann. Erheblich
bedeutsamer als Indiz ist der Eindruck, den der erfahrene und aufgrund seiner
Ausbildung zum Arbeitsmediziner mit dem Fachgebiet der Psychiatrie vertraute Dr.
D._ anlässlich der RAD-Untersuchung vom psychischen Zustand des
Beschwerdeführers gewonnen hat. Er hat angenommen, dass der Beschwerdeführer
keinen Grund gesehen habe, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, dass es ihm aber
zumutbar gewesen wäre, zu arbeiten. Dr. D._ hat also bei seiner Untersuchung des
körperlichen Zustands des Beschwerdeführers keine Anzeichen für eine schwere
Persönlichkeitsstörung gesehen. Dr. G._ hat die Auffassung vertreten, der
Beschwerdeführer sei schon sehr lange, also schon zu der Zeit, in der er noch einer
Erwerbstätigkeit nachging, eigentlich arbeitsunfähig gewesen. Begründet hat Dr. G._
diese Auffassung mit häufig wechselnden Anstellungen und der Qualität der
Arbeitsplätze, die quasi "geschützt" gewesen seien. Tatsächlich lässt aber nichts
darauf schliessen, dass die Arbeit als Staplerfahrer und als Maschinenführer in einem
weitgehend geschützten Rahmen ausgeführt worden wären. In einem modernen
Industriebetrieb kann weder die Logistik noch die Produktion so ausgestaltet sein, dass
die konkrete Arbeitsleistung eines Staplerfahrers oder Maschinenführers weitgehend
von dessen jeweils aktuellem Gesundheitszustand abhängen darf. Zwar mag es
vereinzelt solche Arbeitsplätze geben, aber es fehlt jedes Indiz dafür, dass der
Beschwerdeführer in dieser Weise an seinem Arbeitsplatz geschont worden wäre. Die
im individuellen Beitragskonto (IK) eingetragenen Löhne lassen darauf schliessen, dass
der Beschwerdeführer nicht vollzeitlich erwerbstätig gewesen ist. Das spricht gegen
das Vorliegen einer so schweren Persönlichkeitsstörung, dass der Beschwerdeführer
nur noch zu 30%, und das auch nur noch an einem quasi-geschützten Arbeitsplatz,
hätte tätig sein können. Fehlt es aber bis 2003 an der von Dr. G._ angegebenen
schweren Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit und damit an der hohen
Arbeitsunfähigkeit, dann ist die Auffassung des psychiatrischen Sachverständigen der
ABI GmbH überzeugender, dass sich der Beschwerdeführer zwar nach dem Umzug in
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die Ostschweiz anfangs noch um eine Arbeitsstelle bemüht habe, sich aber bald -
seinem Charakter entsprechend - mit der Arbeitslosigkeit/Sozialhilfeabhängigkeit
abgefunden und keine Arbeitsstelle mehr gesucht habe. Gegen die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. G._ spricht auch die Erfahrung, dass
behandelnde Ärzte aufgrund ihrer spezifisch therapeutischen Sicht dazu neigen, die
pessimistische Selbsteinschätzung ihres Patienten zu übernehmen und sich dann
gegen abweichende medizinische Einschätzungen durch unabhängige Gutachter zu
verwahren. Die Stellungnahmen von Dr. G._ deuten darauf hin, dass dies auch bei
ihm in einem erheblichen Ausmass der Fall gewesen ist. So hat Dr. G._ am 6.
Dezember 2010 (vgl. act. G 3.1) u.a. sinngemäss geltend gemacht, der Begriff der
Neurose werde in der psychiatrischen Diagnostik kaum mehr verwendet; der
psychiatrische Sachverständige habe diesen veralteten Begriff nur verwendet, um eine
leicht behandelbare Störung zu suggerieren, was sicher falsch sei. Damit unterstellt er
dem psychiatrischen Sachverständigen, dass dieser mehr oder weniger bewusst den
psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers besser dargestellt habe, als
er effektiv sei. Er hat weiter geltend gemacht, dass der Wert für das Antidepressivum
im Blut unter der Nachweisgrenze gewesen sei, lasse sich vielleicht damit erklären,
dass der Beschwerdeführer ein sogenannter Poor-Metabolizer sei (was aber gemäss
den Angaben des psychiatrischen Sachverständigen der ABI GmbH nur sehr selten
auftritt). Auf die aus der Alternative, nämlich dass der Beschwerdeführer das
Antidepressivum vielleicht nicht korrekt einnimmt, zu ziehende Schlussfolgerung ist Dr.
G._ gar nicht eingegangen. Dr. G._ hat den durchaus sachlichen Argumenten des
psychiatrischen Sachverständigen einen subjektiven Gehalt unterschoben,
beispielsweise indem er argumentiert hat, es sei negativ wertend, wenn angegeben
werde, der Beschwerdeführer entziehe sich der Verantwortung, indem er weiter geltend
gemacht hat, es sei billig zu behaupten, der Beschwerdeführer müsse nur seinen
Tagesablauf ändern, um am Abend müde zu sein und schlafen zu können, oder indem
er ausgeführt hat, es sei heikel, von wenig Motivation zu sprechen, denn Affektarmut
sei ein Zeichen der Krankheit. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Diagnosen
und die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. G._ nicht zu überzeugen vermögen. Sie
sind auch nicht geeignet, ernsthafte Zweifel an der Richtigkeit der im Gutachten der
ABI GmbH gestellten Diagnosen und die dort angegebene Arbeitsunfähigkeit von 25%
zu wecken. Deshalb steht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
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Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer in einer behinderungsadaptierten
Erwerbstätigkeit zu maximal 25% arbeitsunfähig ist. Demnach besteht kein Bedarf
nach einer gerichtlichen Oberbegutachtung.
2.3 Damit kann der eingangs auf der Grundlage einer noch nicht gesicherten
Arbeitsunfähigkeit von 25% durchgeführte "vorläufige" Einkommens- bzw.
Prozentvergleich in einen definitiven Einkommensvergleich umgewandelt werden. Es
steht fest, dass der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers bei einem angemessenen
Tabellenlohnabzug von höchstens 15% unter den erforderlichen 40% (Art. 28 Abs. 2
IVG) liegt. Damit kann offen bleiben, ob die im Gutachten angegebene
Arbeitsunfähigkeit von 25% objektiv besteht oder ob sie als reine
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung mit einer zumutbaren Willensanstrengung vollständig
überwunden werden könnte. Die Beschwerde ist abzuweisen.
3.
Der unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung, weshalb das entsprechende Begehren abzuweisen ist. Er trägt
die Verfahrenskosten, die ausgehend von einem als durchschnittlich zu qualifizierenden
Beurteilungsaufwand praxisgemäss auf Fr. 600.-- festzusetzen sind. Diese
Gerichtsgebühr ist durch den vom Beschwerdeführer im Umfang von Fr. 600.--
geleisteten Kostenvorschuss gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP