Decision ID: f0252af6-e6d1-56e7-b730-473c9e4bd46b
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a
Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie mit letztem Wohnsitz in B._, (Ostprovinz) – verliess seinen
Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 27. November 2015 auf dem
Luftweg und reiste über Dubai nach Italien. Von dort gelangte er auf dem
Landweg am 2. Dezember 2015 in die Schweiz und stellte gleichentags im
Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel ein Asylgesuch, wo er am
15. Dezember 2015 summarisch zu seinen Gesuchsgründen und zu seiner
Person befragt wurde. Am 31. August 2017 fand die einlässliche Anhörung
zu seinen Asylgründen statt. Bei diesen beiden Befragungen trug der Be-
schwerdeführer im Wesentlichen folgendes vor:
A.b Zu seinen persönlichen Verhältnissen gab er an, die Schule 12 Jahre
lang, bis zum A-Level (2005), besucht zu haben. Seine Mutter und drei Ge-
schwister (drei Brüder und eine Schwester) würden nach wie vor in
B._ leben; sein Vater sei verstorben; seine Brüder würden alle beim
Staat arbeiten.
Er habe – wie seine übrige Familie – nach 2007 die TNA (Tamil National
Alliance) unterstützt, deren Wahlversammlungen mitorganisiert und Propa-
gandatätigkeiten ausgeführt. Im Weiteren sei ein Cousin bei den LTTE ge-
wesen. Er sei selbst nicht – wie sein Bruder – eingeschriebenes TNA-Mit-
glied gewesen. Wegen dieser Unterstützung habe er ab 2008 Probleme
mit der bewaffneten militanten TMVP (Tamil Makkal Viduthalai Pulligal [Be-
freiungstiger des Tamilischen Volkes]), mit der Karuna-Gruppe und mit dem
Sekretär der TMVP, C._, bekommen. Diese Gruppierungen hätten
sich von den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) abgespalten und ins-
besondere Personen, die früher die LTTE unterstützt hätten, entführt.
Heute arbeite die TMVP mit den staatlichen Polizeibehörden zusammen.
Er und weitere Angehörige seines Sportvereins hätten für die Karuna-
Gruppe zwangsweise zivile Ungehorsamsakte und (...) ausgeführt. Der
Karuna-Gruppe habe es nicht gepasst, dass er bei den Provinz Council
Wahlen für die TNA gearbeitet habe. Sie seien dabei einmal von den STF
(Special Task Force) gefasst, festgenommen und geschlagen worden. Er
habe auch viele Drohanrufe erhalten.
Angehörige der TMVP respektive der Karuna-Gruppe hätten ihn am
14. Juni 2009 verhaftet, auf ihren Motorfahrrädern in ihr Camp entführt,
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massiv geschlagen und gefesselt. Er sei von seinen Peinigern aufgefordert
worden, bei ihnen mitzumachen. Es sei ihm gelungen, aus einem oberen
Stockwerk des Camps zu fliehen, indem er einem der beiden Wächter am
Kontrollpunkt eine Waffe entrissen habe. Anschliessend habe er sich im
angrenzenden Wald versteckt und sei nach Hause gegangen. In Beglei-
tung seiner Mutter habe er zunächst bei der Polizei eine Anzeige erstattet
und habe sich dann drei Tage lang in Spitalpflege begeben. Die Polizei
habe aber die Karuna-Gruppe geschützt. In der Folge habe er sich bei Ver-
wandten aufgehalten, habe kaum mehr gearbeitet und sei nur manchmal
nach Hause gegangen. Nach seiner Flucht aus ihrem Camp hätten die Ka-
runa-Leute ihn nicht mehr persönlich zu Hause gesucht; sie hätten aber
telefonische Drohungen ausgestossen.
Wegen dieser Schwierigkeiten habe er die folgenden vier Jahre, von Okto-
ber 2010 bis Dezember 2014, in Saudi Arabien verbracht und dort für eine
(...) gearbeitet. Im Dezember 2014 sei er nach Sri Lanka zurückgekehrt,
nachdem zwei Personen, die seine Probleme im Heimatstaat verursacht
hätten, gestorben seien. Am 10. Januar 2015 sei er von mehreren Bewaff-
neten in Zivilkleidung zu Hause aufgesucht worden; er wisse nicht, wer
diese Leute gewesen seien, aber er habe später erfahren, dass er im Zu-
sammenhang mit den Wahlen gesucht worden sei. Die Bewaffneten hätten
mehrere Hausratsgegenstände zerstört. Er selbst habe durch die Hintertür
fliehen können, sei zu nahen Verwandten gegangen und habe sich nicht
mehr oft zu Hause aufgehalten. Am 17. Januar 2015 habe er eine Vorla-
dung erhalten, in welcher er aufgefordert worden sei, zur Karuna-, Pillayan-
und C._-Gruppe zu einer Einvernahme zu erscheinen. Er sei dieser
Aufforderung nicht nachgekommen. Seine Peiniger hätten häufig zu Hause
angerufen und sich nach ihm erkundigt. Zudem seien seine Freunde sowie
sein Bruder D._ öfters angehalten und nach seinem Verbleib ge-
fragt worden.
Am 26. Mai 2015 sei ein Freund respektive befreundeter Sozialarbeiter von
C._ und seinen Anhängern erschossen worden. Danach sei der Be-
schwerdeführer gesucht und die ganze Familie terrorisiert worden. Seine
Mutter habe diese Vorfälle bei der Polizei und bei einer Menschenrechts-
organisation angezeigt. In der Folge habe er sich in E._ versteckt.
Er werde nach wie vor von der Karuna-Gruppe respektive der TMVP ver-
folgt, weil er 2009 aus ihrer Haft geflohen sei und dabei eine ihrer Waffen
entwendet habe.
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Am 26. August 2017 sei sein Onkel entführt worden. Dabei habe man ihn
ausgezogen und zusammengeschlagen. Am Folgetag sei er am Strand
von B._ gefunden worden. Sein Onkel wisse bis heute nicht, was
ihm zugestossen sei.
Sein Reisepass sei ihm vom Schlepper abgenommen worden. Seine Iden-
titätskarte habe er bereits vor Jahren verloren; er habe sich jedoch eine
diesbezügliche beglaubigte Kopie beim Dorfvorsteher (Grama Seveka) be-
schafft und zu den Akten gereicht.
A.c Zur Stützung seiner Vorbringen legte der Beschwerdeführer folgende
Beweismittel ins Recht (Nummerierung gemäss Beweismittelverzeichnis
des SEM; vgl. A15):
- Beweismittel (BM) Nr. 1 und 10: Geburtsregisterauszug vom (...) (im
Original) inklusive zwei Übersetzungen;
- BM Nr. 2: Führerausweis des Beschwerdeführers (im Original), ausge-
stellt am (...);
- BM Nr. 3: beglaubigte Kopie der Identitätskarte;
- BM Nr. 4: fremdsprachiges Schreiben der «TMVP», datiert 13. Januar
2015, inklusive Übersetzung (im Original);
- BM Nr. 5: Schreiben der «(...)» vom 9. Dezember 2015 (Arbeitsbestä-
tigung; im Original);
- BM Nr. 6: «Diagnosis Ticket», ausgestellt am 19. Juni 2009 (Arztbericht
betreffend Spitalaufenthalt des Beschwerdeführers im «(...) Hospital in
B._»; im Original);
- BM Nr. 7: Bestätigungskarte der “Human Rights Commission of Sri
Lanka (HRCSL), Regional Office, F._”, datiert 15, September
2015, wonach die Mutter am 15. September 2015 dort eine Anzeige
eingereicht habe (im Original);
- BM Nr. 8 und 9: fremdsprachige Auszüge aus dem “First Information
Book” der Polizeistation in G._ vom 12. September 2015 res-
pektive der Polizeistation in B._ vom 16. Juni 2009, inklusive
Übersetzungen (im Original);
- BM Nr. 11: fremdsprachige Todesanzeige (betreffend den Sozialarbei-
ter; in Kopie);
- BM Nr. 12: sieben fremdsprachige Zeitungsartikel (in Kopie) zum
Thema:
o zur Tötung eines Sozialarbeiters in H._ resp. F._,
sowie Aufruf zur diesbezüglichen Kundgebung;
o zur Erschiessung zweier Jugendlichen;
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o zur Demonstration wegen einer verschollenen Person;
o Bericht, wonach zurückkehrende Tamilen vorsichtig sein müss-
ten;
- BM Nr. 13: mehrere fremdsprachige Dokumente betreffend Tätigkeit
des Beschwerdeführers als Wahlbeobachter, insbesondere eine Karte
mit Vordruck «2015.08.17» (im Original);
- BM Nr. 14: fremdsprachige Unterlagen zu sri-lankischen Lokalwahlen
im Jahr 2002 («Letter of Introduction») und Schreiben zur Kandidatur
bei den Wahlen des «B._ Municipal Council», ausgestellt am
4. März 2002 (in Kopie respektive mit Originalstempel);
- BM Nr. 15: fremdsprachiges Schreiben der TELO (Tamil Eelam Libera-
tion Organization), datiert 24. Juli 2016, mit Übersetzung, (Bestätigung,
dass der Beschwerdeführer die TELO respektive die TNA unterstützt
habe, von bewaffneten Unbekannten bedroht, entführt und bestraft
worden sei und dass die Familienangehörigen des Beschwerdeführers
von bewaffneten Unbekannten bedroht worden seien; im Original);
- BM Nr. 16: fremdsprachiges Schreiben des «(...) Provincial Council»
datiert 26. Juni 2017, mit Übersetzung (Bestätigung, dass der Be-
schwerdeführer die TNA unterstützt, deren Treffen organisiert, sich in
der Propagandaarbeit betätigt habe und von einer bewaffneten Grup-
pierung gesucht worden sei; im Original);
- BM Nr. 17: zwei weitere fremdsprachige Zeitungsartikel (gemäss Über-
setzung [vgl. Akte A17]: Berichte, wonach in B._ fünf Jugendli-
che getötet worden seien und Armeeangehörige dahinterstehen wür-
den; es sei ein Verfahren eingeleitet worden; in Kopie);
- BM Nr. 18: drei fremdsprachige Zeitungsauszüge mit Fotos (auf wel-
chen der Beschwerdeführer und seine Geschwister bei einer Feier mit
[dem ehemaligen] Staatspräsidenten Maithripala Sirisena abgebildet
werden respektive in welchen berichtet wird, dass am ersten Trauerjahr
nach dem Tod des Vaters des Beschwerdeführers ein Wettkampf orga-
nisiert worden sei; in Kopie).
Hierzu wurde ergänzend ausgeführt, in ihrem Schreiben halte die TMVP
fest, dass es «Sachen» gebe, die sie mit dem Beschwerdeführer diskutie-
ren müssten, weshalb er zu ihrem Hauptbüro in I._ bestellt werde.
Dieses Schreiben sei dem Beschwerdeführer von C._, der den
Decknamen J._ verwendet und als TMVP-Kandidat für das Provinz
Council kandidiert habe, per Post zugestellt worden.
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B.
Das SEM hielt in einer Aktennotiz den summarischen Inhalt der Beweismit-
tel Nr. 12 und 17 (Zeitungsartikel) fest (vgl. Akte A17).
C.
Mit Verfügung vom 8. Januar 2020 – eröffnet 10. Januar 2020 – lehnte das
SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, weil seine Vorbringen
den Anforderungen an die Asylrelevanz nicht genügen würden.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Vorbringen zur In-
haftierung und zu den Misshandlungen durch die sri-lankischen Behörden
im Juni 2009 seien zwar bedauerlich, aber nicht asylrelevant, nachdem der
Beschwerdeführer im Dezember 2014 freiwillig und ohne Furcht wieder von
Saudi Arabien in sein Heimatland zurückgekehrt sei. Die vorgetragenen
Ereignisse im Jahr 2015, insbesondere die Suche durch bewaffnete Unbe-
kannte, beruhten auf Mutmassungen und seien als Verfolgung durch Dritte
einzustufen, gegen welche staatlicher Schutz in Anspruch genommen wer-
den könne. Es sei dem Beschwerdeführer daher nicht gelungen, ein nach-
vollziehbares, flüchtlingsrechtlich relevantes Verfolgungsinteresse an sei-
ner Person darzutun, woran die eingereichten Beweismittel nichts zu än-
dern vermöchten. Der Wegweisungsvollzug wurde als zulässig, zumutbar
und möglich eingestuft.
D.
D.a Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 10. Februar 2020 liess der
Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben
und beantragen, die Verfügung der Vorinstanz sei wegen Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör (Rechtsbegehren 2), eventualiter wegen
Verletzung der Begründungspflicht (Rechtsbegehren 3) respektive zwecks
Feststellung des vollständigen und richtigen Sachverhalts (Rechtsbegeh-
ren 4) aufzuheben und die Sache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen; eventualiter sei er als Flüchtling anzuerkennen und ihm
in der Schweiz Asyl zu erteilen (Rechtsbegehren 5) respektive die Disposi-
tivziffern 4 und 5 der vorinstanzlichen Verfügung seien aufzuheben und die
Unzulässig oder zumindest die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzu-
ges sei festzustellen (Rechtsbegehren 6).
In prozessualer Hinsicht wurde beantragt, es sei das Spruchgremium mit-
zuteilen und zu bestätigen, dass dieses tatsächlich zufällig ausgewählt
worden sei; andernfalls seien die objektiven Kriterien für die Auswahl des
Spruchgremiums bekannt zu geben (Rechtsbegehren 1).
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Im Weiteren wurden drei Beweisanträge gestellt: Der psychische Gesund-
heitszustand des Beschwerdeführers sei von Amtes wegen abzuklären
(Beweisantrag 1); es sei eine erneute Anhörung durchzuführen (Beweisan-
trag 2) und das SEM sei anzuweisen abzuklären, ob unter den erpressten
Daten beim Vorfall der Entführung einer Mitarbeiterin der Schweizer Bot-
schaft in Sri Lanka auch der Name des Beschwerdeführers zu finden sei
(Beweisantrag 3).
D.b Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, das SEM habe
mehrere Verfahrensfehler begangen (falsche, nicht vollständige Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts; Durchführung einer mangelhaf-
ten Anhörung; mangelhafte Beweisabnahme und fehlerhafte Beweiswürdi-
gung, Verletzung des rechtlichen Gehörsanspruchs und der Begründungs-
pflicht), welche zwingend zur Kassation der angefochtenen Verfügung füh-
ren müssten (vgl. Ziffer 4 der Beschwerde).
Die vom Beschwerdeführer vorgetragenen Asylgründe würden Asylrele-
vanz entfalten. Unter Mitberücksichtigung der aktuellen politischen Lage in
Sri Lanka seit dem Amtsantritt des neuen Staatspräsidenten Gotabaya
Rajapaksa am 18. November 2019 erfülle er die Flüchtlingseigenschaft.
Mehrere stark risikobegründende Faktoren im Sinne des Referenzurteils
des Bundesverwaltungsgerichts zur Gefährdung von rückkehrenden tami-
lischen Asylsuchenden E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 würden vorliegen
(Ziffer 9.3 der Beschwerde). Zudem gingen aus den Schilderungen Hin-
weise auf sexuelle Misshandlung hervor. Schliesslich sei der Wegwei-
sungsvollzug aufgrund des Risikoprofils des Beschwerdeführers unzuläs-
sig respektive unzumutbar.
Auf die weiteren Ausführungen wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen
eingegangen.
D.c Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer folgende
Beweismittel nach:
- sechs Farbfotokopien (Abbildungen der Narben des Beschwerdefüh-
rers);
- ein vom Advokaturbüro des Rechtsvertreters recherchierter und ver-
fasster 90-seitiger Bericht zur aktuellen Lage in Sri Lanka vom 23. Ja-
nuar 2020 (inkl. CD-ROM mit Quellen);
- eine Kopie des bereits beim SEM eingereichten fremdsprachigen Be-
weismittels Nr. 13.
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E.
Mit Zwischenverfügungen vom 12. Februar und 20. Februar 2020 hielt die
zuständige Instruktionsrichterin des Bundesverwaltungsgerichts fest, der
Beschwerdeführer könne den Ausgang des Asylverfahrens in der Schweiz
abwarten. Gleichzeitig wurde ein Kostenvorschuss von Fr. 1'500.– erho-
ben.
Dieser Kostenvorschuss wurde fristgerecht am 5. März 2020 geleistet.
F.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 5. März 2020 liess der Beschwer-
deführer eine CD-ROM mit einer Aktualisierung des von seinem Rechts-
vertreter verfassten Länderberichts «Update Ländersituation Sri Lanka
vom 26. Februar 2020» inklusive Ausführungen dazu nachreichen.
G.
Mit Vernehmlassung vom 26. März 2020 hielt das SEM an seinen bisheri-
gen Erwägungen fest und nahm zu den Beschwerdevorbringen Stellung.
H.
Mit Replikeingabe vom 17. April 2020 nahm der Beschwerdeführer zur Ver-
nehmlassung des SEM Stellung. Gleichzeitig wurde eine Kostennote des
Rechtsvertreters (Stand 17. April 2020) eingereicht.
I.
Mit Eingabe vom 21. September 2021 wurde ein weiterer, 84-seitiger vom
Rechtsvertreter verfasster Bericht zur aktuellen Lage in Sri Lanka vom
16. August 2021 nachgereicht.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das vorliegende Verfahren richtet sich nach altem Recht (Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG [SR 142.31] vom
25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83) ist unverändert vom AuG ins AIG übernommen wor-
den.
1.3 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.4 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.5 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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3.
3.1 Der Antrag auf Bekanntgabe des Spruchgremiums wird mit Erlass des
vorliegenden Urteils gegenstandslos. Zudem wurde mit Instruktionsverfü-
gung vom 20. Februar 2020 das ursprünglich, durch das EDV-basierte Zu-
teilungssystem generierte Spruchgremium mitgeteilt.
3.2 Nachdem die ursprünglich vom elektronischen Zuteilungssystem als
Drittrichterin eingesetzte Richterin per Ende Dezember 2021 aus dem Bun-
desverwaltungsgericht ausgeschieden ist, wurde die Spruchkörperzusam-
mensetzung betreffend Drittrichter/in von der Abteilungspräsidentin der Ab-
teilung V wiederum mit Hilfe des elektronischen Zuteilungssystems neu ge-
neriert. Weitere Eingriffe in das Spruchkörpergenerierungssystem wurden
nicht getätigt. Aus organisatorischen Gründen wurde das Verfahren Ge-
richtsschreiberin Sandra Bodenmann übertragen.
4.
4.1 Die Vorinstanz stellt sich in ihrem Asylentscheid auf den Standpunkt,
die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Ereignisse würden keine
Asylrelevanz entfalten. Die vorgetragene Inhaftierung und Misshandlungen
durch die sri-lankischen Behörden seien zwar sehr bedauerlich, das
Schweizer Asylrecht diene jedoch nicht dem Ausgleich bereits erfolgter
Verfolgung, sondern schütze vor künftiger Verfolgung.
Den Aussagen des Beschwerdeführers und den Akten seien keine konkre-
ten Anhaltspunkte zu entnehmen, die darauf hinweisen würden, dass er
aufgrund des Vorfalls im Juni 2009 eine begründete Furcht im Sinne des
Asylgesetzes gehabt habe. Er habe nach seiner Flucht aus dem Karuna-
Camp noch 16 Monate im Heimatland gelebt, bevor er nach Saudi Arabien
ausgereist sei, und habe sich dabei teilweise zu Hause oder bei Verwand-
ten aufgehalten. Zudem habe er sich in der fraglichen Zeit eine Identitäts-
karte sowie einen Führerschein ausstellen lassen. Dieser Lebensstil deute
nicht auf ein verstecktes Leben in Angst hin. Er habe zwar angegeben,
vorsichtig gewesen zu sein; es sei bei Freunden nach ihm gefragt und zu
Hause angerufen worden. Er sei nach dem geltend gemachten Vorfall im
Juni 2009 jedoch nicht mehr zu Hause aufgesucht worden. Im Dezember
2014 sei er freiwillig und ohne Furcht in seinen Heimatstaat zurückgekehrt.
Er bringe zwar das Ereignis vom 10. Januar 2015, bei welchem bewaffnete
Unbekannte bei ihm zu Hause vorgesprochen hätten, in einen Zusammen-
hang mit dem Ereignis im Jahr 2009. Er habe jedoch weder genau ge-
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wusst, wer diese Personen gewesen seien, noch weshalb sie ihn aufge-
sucht hätten. Seine Annahme, es handle sich bei seinen Peinigern um An-
gehörige der TMVP, beruhe auf einer blossen Vermutung. Es sei deshalb
von einer Verfolgung durch Dritte auszugehen. Eine solche sei nur bei Ver-
neinung eines adäquaten Schutzes durch die heimatlichen Behörden asyl-
relevant. Die sri-lankischen Behörden seien grundsätzlich schutzwillig und
schutzfähig, auch der tamilischen Bevölkerung gegenüber. Den Akten sei
zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer sowohl im Jahr 2009 als auch
2015 bei der Polizei Anzeige erstattet habe. Es sei ihm daher zuzumuten,
den Schutz des sri-lankischen Staates in Anspruch zu nehmen und sich
bei allfälligen Übergriffen erneut an die heimatlichen Behörden zu wenden.
Aus dem Schreiben der TMVP lasse sich keine asylrelevante Verfolgung
ableiten. Die Gründe, weshalb er aufgefordert worden sei, sich beim Haupt-
büro der Organisation zu melden, seien nicht ersichtlich. Ausserdem habe
sein Nichterscheinen vonseiten der TMVP keine erkennbaren Konsequen-
zen nach sich gezogen, obwohl er sich nach Erhalt des Briefes weiterhin
fast ein Jahr lang im Heimatstaat aufgehalten habe. Zudem habe er eine
innerstaatliche Aufenthaltsalternative, nachdem die TMVP gemäss seinen
eigenen Ausführungen nicht in allen Ortschaften Sri Lankas präsent seien.
Bereits im Jahr 2015 habe er sich bei Verwandten aufgehalten und somit
gefährliche Gegenden meiden können, weshalb er sich bei Bedarf auch
erneut zu Verwandten begeben könne.
Alleine der Umstand, dass ein Cousin Mitglied der LTTE gewesen sei, ver-
möge das Interesse der heimatlichen Behörden an seiner eigenen Person
nicht zu wecken. Es sei nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka in den Fokus der Behörden geraten und im Sinne des Re-
ferenzurteils des Bundesverwaltungsgerichts zur Gefährdung von rückkeh-
renden tamilischen Asylsuchenden E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 eine
begründete Furcht vor künftigen Verfolgungsmassnahmen haben sollte. Er
weise zwar körperliche Narben auf, die ihm beim Vorfall vom Juni 2009
durch TMVP-Mitglieder zugefügt worden seien. Diese Narben würden je-
doch als schwach risikobegründender Faktor und ohne weitere, stark risi-
kobegründenden Verdachtsmomente nicht zu einer Verhaftung oder gar zu
Folter führen. Die im November 2019 erfolgte Präsidentschaftswahl ver-
möge diese Einschätzung nicht umzustossen. Es gebe keinen Anlass zur
Annahme, dass ganze Volksgruppen, wie die tamilische Bevölkerung, un-
ter Präsident Gotabaya Rajapaksa kollektiv einer Verfolgungsgefahr aus-
gesetzt seien.
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Der Wegweisungsvollzug sei unter Verweis auf das familiäre Beziehungs-
netz des Beschwerdeführers, dessen Berufserfahrung in der (...) und dem
wirtschaftlichen Hintergrund seiner Familie als zulässig, zumutbar und
möglich einzustufen.
4.2 In der Beschwerde wird vorgetragen, das SEM habe den rechtlichen
Gehörsanspruch des Beschwerdeführers verletzt, den rechtserheblichen
Sachverhalt weder vollständig noch richtig abgeklärt und die Begründungs-
pflicht verletzt.
Einige wichtige Sachverhaltselemente – namentlich die angedeutete sexu-
elle Misshandlung während der Folter im Jahr 2009, die Entführung des
Onkels, der LTTE-Hintergrund des Cousins, die systematische Verfolgung
von Personen aus dem Netzwerk des Beschwerdeführers durch die TMVP,
der Tod des Sozialarbeiters im Mai 2017, der Gesundheitszustand, die er-
littene Folter und die exilpolitische Tätigkeit des Beschwerdeführers, die
Identität der Peiniger beim Entführungsversuch im Januar 2015 sowie das
pro-tamilische Engagement des Vaters – seien nicht erfragt worden. Das
oppositionspolitische Engagement des Beschwerdeführers, insbesondere
seine Aktivitäten zugunsten der TNA, sei zu wenig abgeklärt worden. Zu
den beiden namentlich genannten Kandidaten, die der Beschwerdeführer
unterstützt habe, hätten weitergehende Abklärungen durchgeführt werden
müssen. Es hätte auch eine fachärztliche Begutachtung des Beschwerde-
führers vorgenommen werden müssen.
Die Anhörung sei wegen Zeitmangel und Zeitdruck auf ungenügende
Weise durchgeführt worden und habe zu lange gedauert. Die freie Bericht-
erstattung des Beschwerdeführers sei an mehreren Stellen unterbunden
worden. Die Hilfswerksvertretung habe entsprechende Mängel festgehal-
ten. Die eingereichten Beweismittel seien in der Anhörung nicht genügend
thematisiert und nicht beachtet worden. Die Aktenführung des SEM weise
Mängel auf; die zahlreichen Beweismittel seien nicht chronologisch respek-
tive falsch erfasst worden. Die genannten Verletzungen von Verfahrensga-
rantien müssten zwingend zur Kassation des SEM-Entscheides führen.
Der Umstand, dass der Beschwerdeführer an einer Langzeittraumatisie-
rung leide, müsse bei der Beurteilung seiner Flüchtlingseigenschaft mitbe-
rücksichtigt werden.
Das SEM habe die Asylrelevanz der Vorbringen zu Unrecht verneint. Der
Beschwerdeführer habe die im Januar 2015 vorsprechenden Personen
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zwar nicht persönlich gekannt, es seien aber mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit Karuna-Leute gewesen. Es sei deshalb von einer asylbe-
achtlichen Verfolgung auszugehen, gegen welche er keinen staatlichen
Schutz in Anspruch nehmen könne.
Im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka müsse der Beschwerdeführer auf-
grund der persönlich vorliegenden, stark risikobegründenden Faktoren im
Sinne des Referenzurteils E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 (Ziffer 9.3 der
Beschwerde) mit Verfolgung rechnen. Sein Name sei mit Sicherheit bei den
Behörden registriert worden. Er habe die TNA unterstützt und weise fami-
liäre Verbindungen zu den LTTE auf; er sei wiederholt ins Visier der sri-
lankischen Behörden geraten; er sei in der Schweiz exilpolitisch aktiv und
werde entsprechende Beweismittel beschaffen. Er verfüge über vom SEM
nicht bestrittene und mit Fotoaufnahmen dokumentierte, sichtbare Folter-
narben; er halte sich bereits seit über vier Jahren in der Schweiz auf und
verfüge über keine Einreisepapiere (vgl. Ziffer 9.3 der Beschwerde). Zu-
dem gingen aus seinen Schilderungen Hinweise auf sexuelle Misshand-
lung hervor. Das SEM habe seine länderspezifische Einschätzung auf eine
dreieinhalb Jahre zurückliegende Länderanalyse abgestützt und die aktu-
elle politische Situation seit der Machtergreifung durch den neuen Staats-
präsidenten Gotabaya Rajapaksa nicht mitberücksichtigt. Die Menschen-
rechtssituation habe sich seit Antritt der neuen Regierung drastisch ver-
schlechtert, insbesondere für tamilische Asylgesuchstellende aus der
Schweiz.
Beim Wegweisungsvollzug sei die neue politische Ausgangslage in Sri
Lanka seit Antritt des neuen Präsidenten mitzuberücksichtigen. Ausgehend
von den Abklärungen zwecks Papierbeschaffung über das Konsulat in
Genf würden die heimatlichen Behörden sofort in Kenntnis gesetzt über die
politische Vergangenheit des Beschwerdeführers.
4.3 In seiner Vernehmlassung vom 26. März 2020 führte das SEM ergän-
zend aus, aus dem Protokoll gingen keine Hinweise hervor, dass der Be-
schwerdeführer seine Fluchtgründe nicht ausreichend habe darlegen kön-
nen. Bei den in der Beschwerde referenzierten Textstellen handle es sich
nicht um durch Zeitdruck verursachte Befragungsunterbrüche. Das SEM
erachte den Sachverhalt als erstellt und es sei keine ergänzende Anhörung
angezeigt. Auf Beschwerdestufe seien auch keine relevanten Sachver-
haltsergänzungen angeführt worden. Auch wenn die Anhörung 20 Minuten
länger als gemäss SEM-Handbuch vorgesehen gedauert habe, könne
nicht auf ein unbrauchbares Protokoll geschlossen werden.
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Alle eingereichten Beweismittel seien vom SEM sowohl beschriftet als
auch nummeriert worden. Das Beweismittel Nr. 13 – Unterlagen zur Tätig-
keit als Wahlbeobachter – sei tatsächlich nicht übersetzt worden. Die Über-
setzung von Beweismitteln falle in die Mitwirkungspflicht der asylsuchen-
den Person, ausser sie sei aufgrund von Mittellosigkeit nicht in der Lage,
eine solche zu veranlassen. Die Akten würden keine entsprechenden An-
haltspunkte oder Eingaben enthalten. Der Beschwerdeführer habe das be-
treffende Dokument an der Anhörung persönlich eingereicht und entspre-
chend betitelt. Er habe bei der Anhörung auch vorgetragen, bei den Wahlen
mitgeholfen zu haben. Die politischen Hilfstätigkeiten würden nicht in Ab-
rede gestellt. Die Beweismittel Nr. 12 und 17 seien vom internen Dolmet-
scher am 7. Januar 2020 gesichtet und der Inhalt der Zeitungsartikel sum-
marisch in einer Aktennotiz (Akte A17) festgehalten worden. Diese Akte sei
dem Rechtsvertreter im Rahmen der Akteneinsicht zugestellt worden. In
keinem der Zeitungsartikel gehe es um den Beschwerdeführer persönlich.
Die Fotos (Beweismittel Nr. 18) seien von diesem selbst beschriftet wor-
den. In der Rechtsmitteleingabe seien keine Ausführungen zum letzten Bild
zu entnehmen, weshalb davon ausgegangen werden müsse, dass der
Sachverhalt korrekt erstellt worden sei.
Die behaupteten Probleme im Jahr 2008 mit der TMVP hätten nicht Teil der
vorinstanzlichen Verfügung gebildet, seien indessen auch für die Flucht
des Beschwerdeführers nach Saudi Arabien nicht ausschlaggebend gewe-
sen. Die fluchtauslösende Entführung seitens der TMVP im Jahr 2009 sei
im SEM-Entscheid abgehandelt worden.
Zu den behaupteten exilpolitischen Tätigkeiten sei in den letzten vier Jah-
ren keine Eingabe eingegangen. Auch aus der Rechtsmitteleingabe gingen
keine entsprechenden Hinweise hervor.
Weder die politischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers noch diejenigen
seiner Familie hätten das Interesse der sri-lankischen Behörden zu wecken
vermocht. Der Beschwerdeführer sei selbst nie Mitglied der TNA gewesen.
Seine Brüder, auch derjenige, der TNA-Mitglied gewesen sei, würden beim
Staat arbeiten. Im Weiteren habe der Onkel den auf ihn verübten Überfall
bei der Polizei angezeigt und es seien Ermittlungen im Gang. Beim Tod des
Freundes respektive Sozialarbeiters bestehe kein konkreter und enger
Konnex zum Beschwerdeführer selbst. Weder die Narben noch die illegale
Flucht oder das Fehlen von gültigen Einreisepapieren stellten stark risiko-
begründende Faktoren dar, welche sein Risikoprofil dermassen geschärft
hätten, dass von einer flüchtlingsrelevanten Gefährdung auszugehen sei.
E-802/2020
Seite 15
Der Beschwerdeführer habe zwar in der BzP erwähnt, dass es ihm auf-
grund der erlebten Folter nicht sonderlich gut gehe und das SEM habe in
den beiden Interviews diesbezüglich keine weiteren Fragen gestellt. Er
habe jedoch weder im vorinstanzlichen noch im Beschwerdeverfahren ak-
tuelle Dokumente zu allfälligen medizinischen Behandlungen oder zum
Gesundheitszustand eingereicht. Die eingereichten Arztberichte zu einem
dreitägigen Spitalaufenthalt im Jahr 2009 vermöchten nichts über den ak-
tuellen Gesundheitszustand auszusagen. Es seien auch keine konkreten
Hinweise auf sexuelle Misshandlungen, die über das bereits Berichtete hin-
ausgingen, ersichtlich. Das SEM sehe keine Veranlassung für weitere dies-
bezügliche Abklärungen. Zudem seien ambulante und stationäre psychiat-
rische Behandlungen in der Herkunftsgegend des Beschwerdeführers
durchführbar.
Es gebe keinen Anlass zur Annahme einer kollektiven Verfolgungsgefahr
für ganze Volks- oder Berufsgruppen unter Präsident Gotabaya Rajapaksa.
4.4 In der Replikeingabe wurde ergänzend ausgeführt, die fehlerhafte An-
hörung beschlage die vollständige und korrekte Ermittlung des rechtser-
heblichen Sachverhalts. Der darauf fussende Entscheid des SEM sei nicht
korrekt ergangen. Es wurden Ergänzungen zu den bereits in der Be-
schwerde vorgebrachten formellen Rügen angebracht, auf welche in der
nachfolgenden Erwägung 5 näher eingegangen wird.
5.
In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, die
vorab zu beurteilen sind, da sie im Falle ihrer Berechtigung geeignet wären,
eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
5.1 Der Beschwerdeführer moniert zunächst, die Vorinstanz habe seinen
Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt.
5.1.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Dieser Anspruch umfasst als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse, die
einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Stand-
punkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE
2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die
Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prü-
fen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
E-802/2020
Seite 16
erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten ein-
lässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi-
derlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
5.1.2 Konkret wurde in der Rechtsmitteleingabe diesbezüglich ausgeführt,
die Anhörung des Beschwerdeführers sei erst mehr als zwei Jahre nach
seiner Asylgesuchseinreichung und somit nicht zeitnah durchgeführt wor-
den. Das Interview selbst habe zu lange gedauert und sei unter Zeitdruck
durchgeführt worden. Der Beschwerdeführer sei in seinem freien Bericht
mehrmals unterbrochen worden. Die anwesende Hilfswerksvertretung
habe selbst angemerkt, der Sachverhalt habe sich als komplexer erwiesen
als vom SEM ursprünglich angenommen und dass der Dolmetscher ab
16:00 Uhr Ermüdungserscheinungen aufgewiesen habe. Durch die man-
gelhafte Anhörung seien nicht alle Parteivorbringen vollständig erfasst und
somit auch der rechtserhebliche Sachverhalt nicht korrekt erhoben worden.
5.1.3 Vorliegend ist nicht ersichtlich und es wird auch nicht schlüssig dar-
gelegt, inwiefern dem Beschwerdeführer aus dem Umstand, dass die ein-
lässliche Befragung 21 Monate nach der Asylgesuchseinreichung durch-
geführt wurde, konkret ein Nachteil entstanden sein soll. Er wurde am
31. August 2017 einlässlich zu seinen Asylgründen befragt und konnte
seine Asylvorbringen uneingeschränkt vortragen. Aus dem Anspruch auf
rechtliches Gehör ergeben sich keine Vorgaben für das SEM, innert einer
klar definierten Frist nach der Gesuchseinreichung zu entscheiden. Die
entsprechende Rüge geht somit fehl.
5.1.4 Der Beschwerdeführer rügt die zeitliche Abfolge seiner Anhörung
vom 31. August 2017.
Es ist aktenkundig, dass die einlässliche Anhörung zu den Asylgründen um
11:15 Uhr begann und um 19:20 Uhr beendet wurde. Von 12:45 bis 13:30
Uhr wurden eine Mittagspause und von 15:10 bis 15:30 Uhr sowie von
16:30 bis 16:40 Uhr zwei weitere Kurzpausen gemacht (vgl. A14, S. 1, 7,
12, 17 und 20). Selbst wenn im SEM-Handbuch vorgesehen ist, dass eine
Anhörung grundsätzlich bis 18:00 Uhr durchzuführen ist und nur um eine
Stunde verlängert werden soll, führt die Überschreitung dieses Zeitrah-
mens um 20 Minuten alleine nicht zur Einschränkung der Verwertbarkeit
des Protokolls vom 31. August 2017. Auch der Beschwerdeführer stellt sich
in seiner Eingabe vom 17. April 2020 auf den Standpunkt, die 20-minütige
Überschreitung sei nicht «unbedingt wesentlich» (vgl. Ziffer 8). Ferner ist
E-802/2020
Seite 17
der Beschwerdeführer mit seiner handschriftlichen Unterzeichnung des An-
hörungsprotokolls und der damit expliziten Bestätigung, dass das Protokoll
seine Angaben korrekt und vollständig widergebe (vgl. A14, S. 20), zu be-
haften.
5.1.5 Es finden sich im fraglichen Protokoll auch keine sonstigen Hinweise
für den behaupteten ausserordentlichen Zeitdruck oder Anzeichen für Er-
müdungserscheinungen des Dolmetschers. Wenn der Dolmetscher – oder
der anwesende Befrager – an Erschöpfung gelitten hätte, wäre dem Be-
schwerdeführer kaum im tatsächlich erfolgten Ausmass Gelegenheit ein-
geräumt werden, seine Asylvorbringen zu detaillieren. Die behaupteten
kognitiven Einschränkungen des Dolmetschers finden weder im BzP- noch
im Anhörungsprotokoll eine stützende Grundlage. Alleine der Umstand,
dass die Hilfswerksvertretung auf angebliche Einschränkungen hindeutete,
vermag ohne entsprechende untermauernde Grundlage im Protokoll selbst
keine mangelhafte Befragung darzutun.
5.1.6 Zu den in der Rechtsmitteleingabe und der Eingabe vom 17. April
2020 (vgl. Ziffer 8) gerügten «Unterbrüchen» bei Frage 30, 45 und 59 der
Anhörung nahm das SEM in seiner Vernehmlassung einlässlich Stellung
und legte schlüssig dar, weshalb diese nicht als Hinweise dafür gewertet
werden können, dass der Beschwerdeführer seine Asylvorbringen nicht
ausreichend hätte darlegen können. Zur Vermeidung von Wiederholungen
ist auf die Vernehmlassung (vgl. Sachverhalt oben, E. 4.3) zu verweisen.
Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer selbst einräumt, dass er sich
auch nach der «Intervention des Befragers» (d.h. dessen Aufforderung [bei
Frage 46], sich auf das Wesentliche zu beschränken) weiterhin ausführlich
hat äussern können (vgl. Eingabe vom 17. April 2020: Ziffer 8, mit Verweis
auf Frage 61 der Anhörung).
5.1.7 Auch der weitere in der Eingabe vom 17. April 2020 erhobene Vor-
halt, der Befrager habe nach seiner «Intervention» bei Frage 46 keine der
in Aussicht gestellten «Nachfragen» gestellt (vgl. Ziffer 8), trifft nicht zu.
Dem Beschwerdeführer wurde unter anderem in den Fragen 51, 58, 60 und
66 Gelegenheit gegeben, auf konkrete Nachfragen zu antworten und aus-
führlich über Vorfälle, mit denen er sein Asylgesuch begründet, zu berich-
ten. Der Befrager kam bei Frage 55 auf eine bereits im früheren Verlauf der
Anhörung gestellte Frage sogar explizit zurück, weil der Beschwerdeführer
diese noch nicht konkret beantwortet hatte. Der Beschwerdeführer erhielt
auch bei Frage 61 Gelegenheit, sich im Rahmen eines freien Berichts zu
seinen nach 2008 entstandenen Problemen einlässlich zu äussern; seine
E-802/2020
Seite 18
diesbezüglichen Schilderungen umfassen mehr als eine ganze A4-Seite,
ohne dass er unterbrochen oder zur Kürze angehalten worden wäre. Er
wurde immer wieder aufgefordert, seine kurzen Antworten näher zu kon-
kretisieren (vgl. A14, Antworten 51, 58, 60, 66, 71, 85 und 87).
Die vom Befrager angewandte Befragungstechnik ist nicht zu beanstanden
und spricht gegen den behaupteten Zeitdruck.
5.2 Der Beschwerdeführer rügt weiter eine Verletzung der Begründungs-
pflicht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs.
5.2.1 Die behördliche Begründungspflicht soll dem von einem Entscheid
Betroffenen ermöglichen, den Entscheid sachgerecht anzufechten, was
nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmitte-
linstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl.
BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 2008/47 E. 3.2).
5.2.2 Die Vorinstanz hat nachvollziehbar und hinreichend differenziert auf-
gezeigt, von welchen Überlegungen sie sich leiten liess. Entgegen der in
der Beschwerde vertretenen Auffassung hat sie sich mit sämtlichen we-
sentlichen Vorbringen in der gebotenen Tiefe, insbesondere auch mit der
aktuellen Lage in Sri Lanka, auseinandergesetzt und ist zum Schluss ge-
kommen, dass weder die individuellen Vorbringen des Beschwerdeführers
noch die aktuelle Lage in Sri Lanka eine Verfolgung nahelegen.
5.2.3 Alleine der Umstand, dass die Vorinstanz in ihrer Länderpraxis zu Sri
Lanka einer anderen Linie folgt, als vom Beschwerdeführer vertreten, und
sie aus sachlichen Gründen auch zu einer anderen Würdigung der Vorbrin-
gen gelangt, als vom Beschwerdeführer verlangt, spricht nicht für eine un-
genügende Sachverhaltsfeststellung oder eine Verletzung der Begrün-
dungspflicht. Die entsprechenden Argumente sind Bestandteil der materi-
ell-rechtliche Prüfung des Asylgesuches. Auch das Vorbringen, sämtliche
Sachverhaltselemente beziehungsweise Risikofaktoren und damit die indi-
viduelle Fluchtgeschichte des Beschwerdeführers hätten vor dem Hinter-
grund der aktuell verfügbaren Länderinformationen beurteilt werden müs-
sen, beschlägt die rechtliche Würdigung des Sachverhalts. Schliesslich
zeigt die ausführliche Beschwerdeeingabe deutlich auf, dass eine sachge-
rechte Anfechtung des Entscheids der Vorinstanz ohne Weiteres möglich
war. Eine Verletzung der Begründungspflicht liegt daher nicht vor.
E-802/2020
Seite 19
5.2.4 Dem Beschwerdeführer ist es insgesamt nicht gelungen, eine recht-
liche Gehörsverletzung substanziiert darzutun.
5.3 Im Beschwerdeverfahren wird weiter beanstandet, das SEM habe den
rechtserheblichen Sachverhalt nicht hinreichend erstellt.
5.3.1 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet ei-
nen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
5.3.2 Konkret wird geltend gemacht, das SEM habe den Beschwerdeführer
zu diversen Sachverhaltselementen nicht befragt und dadurch den Sach-
verhalt nicht korrekt ermittelt (vgl. Beschwerde Ziffer 4.1, S. 10ff.). Ferner
habe das SEM in der Vernehmlassung die vollständige Erhebung des
Sachverhalts bloss vermutet (vgl. Eingabe vom 17. April 2020, Ziffer 14).
Die bei der Anhörung abgegebenen Beweismittel seien zwar aufgenom-
men und protokolliert worden; eine Prüfung dieser Unterlagen habe jedoch
entgegen der amtseigenen Weisungen zur Durchführung einer Anhörung
nicht stattgefunden.
5.3.3 Es trifft nicht zu, dass dem Beschwerdeführer nicht Gelegenheit ein-
geräumt worden sei, sich einlässlich zum politischen Hintergrund seiner
Familienangehörigen zu äussern. In der Anhörung trug er vor, sein ältester
Bruder sei Mitglied der TNA, sein Vater Mitglied der TULF und sein Cousin
sei bei den LTTE gewesen. In seinem fast drei Seiten umfassenden freien
Bericht in Frage 41 schilderte er die Entführung seines Onkels und dessen
Anzeige bei der Polizei einlässlich. Auf das Attentat auf den Sozialarbeiter
kam er bei Frage 84 zu sprechen, ohne dass er einen Zusammenhang zu
seiner eigenen Situation schlüssig dargelegt hätte. Die Rüge, man habe
ihm keine hinreichende Gelegenheit gegeben, sich zu diesen Aspekten sei-
ner Asylvorbringen zu äussern, stösst deshalb ins Leere.
In der Replikeingabe räumt der Beschwerdeführer selbst ein, dass er im
bisherigen Verlauf des Rechtsmittelverfahrens keine Beweismittel zu exil-
politischen Tätigkeiten eingereicht hat. Entgegen den diesbezüglichen
E-802/2020
Seite 20
Ausführungen ist das SEM jedoch nicht gehalten, nach etwaigen exilpoliti-
schen Aktivitäten eines Asylsuchenden zu forschen. Er wurde bereits ein-
gangs der BzP auf seine Mitwirkungspflicht hingewiesen und ausdrücklich
aufgefordert, dem SEM allfällige Informationen über politische Tätigkeiten
in der Schweiz weiterzuleiten (vgl. A3, Einleitung, Bst. h.). Wenn der Be-
schwerdeführer – wie in der Rechtsmittelschrift nachhaltig behauptet
wurde – tatsächlich entsprechende Tätigkeiten in der Schweiz entfaltet
hätte, wäre es an ihm gelegen, entsprechende Vorbringen zu substanziie-
ren und mit Beweismitteln zu untermauern. Von einer Verletzung von Ver-
fahrensrechten oder einer unvollständigen Feststellung des rechterhebli-
chen Sachverhalts kann vorliegend jedoch keine Rede sein.
5.3.4 Zu den Rügen betreffend Beweismittel ist das Folgende festzuhalten:
Der Beschwerdeführer wurde eingangs der Anhörung gefragt, ob er sich
direkt zu den Beweismitteln äussern oder bei der Schilderung seiner Asyl-
gründe auf diese eingehen wolle, worauf er zu Protokoll gab, es sei ihm
«egal» (vgl. A14, Antwort 5). Nachdem das SEM an den Tatsachen, die mit
den eingereichten Beweismitteln belegt werden sollten, namentlich den Er-
halt eines Schreiben der TMVP, eines Spitalberichts und einer Bestätigung
der Menschenrechtskommission in F._ sowie den Umstand, dass
er in den Jahren 2009 und 2015 eine Polizeianzeige eingereicht habe und
im Rahmen von Wahlen tätig gewesen sei, keine Zweifel anzubringen hatte
und die betreffenden Umstände als solche nicht bestritten wurden, waren
auch keine weitergehenden Untersuchungen zu diesen Beweismitteln er-
forderlich. Das SEM hat sich in seinem Asylentscheid mit dem Inhalt des
Schreibens der TMVP auseinandergesetzt (vgl. Ziffer II, S. 4, letzter Ab-
schnitt) und dazu festgehalten, dass die eingereichten Unterlagen entwe-
der das von ihm Geschilderte bestätigen oder ihn nicht persönlich betreffen
würden. Die Beweismittel als solche wurden jedoch nicht in Zweifel gezo-
gen. Dem Beschwerdeführer ist im Rahmen der Akteneinsicht die von ei-
nem SEM-amtsinternen Dolmetscher vorgenommene summarische Über-
setzung der Beweismittel Nr. 12 und 17 (Zeitungsartikel) zur Kenntnis ge-
bracht worden. Er hat im Rahmen des Beschwerdeverfahrens nicht darge-
legt, inwieweit er konkret von diesen Berichten persönlich betroffen wäre.
Von einem vom SEM unvollständig erstellten Sachverhalt kann auch hin-
sichtlich der Beweismittel nicht die Rede sein.
5.3.5 In der Eingabe vom 17. April 2020 wird weiter die vom SEM vorge-
nommene Aktenführung beanstandet und daraus ein unvollständig festge-
stellter Sachverhalt abgeleitet. Es sei über die eingereichten Beweismittel
E-802/2020
Seite 21
weder ein Aktenverzeichnis erstellt, noch seien diese Unterlagen einzeln
erfasst worden. Bei Beweismittel Nr. 10, 12 und 18 sei der Inhalt pauschal
mit «diverse Zeitungsartikel», «Internetartikel» und «Kopien Bilder/Fotos»
zusammengefasst worden, obwohl diese unterschiedliche Sachverhalts-
elemente betreffen würden. Zudem sei das Beweismittel Nr. 13 mit dem
Titel «Unterlagen Tätigkeiten als Wahlbeobachter» erfasst worden, obwohl
der Beschwerdeführer während der Anhörung nie über eine solche Tätig-
keit gesprochen habe (vgl. Beschwerde, Ziffer 4.2.2). Das SEM habe ferner
zu Unrecht auf die Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers verwiesen
und die summarischen Übersetzungen der Zeitungsartikel erst am Tag vor
dem SEM-Entscheid in einer Aktennotiz festgehalten (vgl. Ziffer 17-20).
Auch diese Rügen sind unbegründet: In Akte A15 (Beweismittelcouvert)
wurden sämtliche eingereichten Beweismittel einzeln aufgenommen, num-
meriert und betitelt. Bei Beweismittel 17 und 18 wurden die «Zeitungsarti-
kel» respektive «Bilder/Fotos» zusammengefasst. Auf den Fotos (Beweis-
mittel Nr. 18) wurde der Inhalt dieser Aufnahmen vom Beschwerdeführer
selbst bestimmt und beschriftet. Wie das SEM in der Vernehmlassung zu-
treffend feststellt, beruhen die Inhaltszusammenfassungen auf den eige-
nen Angaben des Beschwerdeführers. Die Kritik, Beweismittel Nr. 13 sei
falsch gekennzeichnet, ist ebenfalls zurückzuweisen. Der Beschwerdefüh-
rer trug in der Anhörung selbst vor, dass er «für die Wahlen tätig» gewesen
sei (vgl. Antwort 47) respektive bei den Wahlen Aufgaben wahrgenommen
und die Versammlungen mitorganisiert habe (vgl. Antworten 50 und 51).
Bei dieser Sachlage war die Inhaltsangabe des SEM zu diesem Beweis-
mittel offensichtlich zutreffend. Auch der weitere Vorhalt in der Replikein-
gabe, wonach das SEM bezüglich der nicht übersetzten Beweismittel
Nr. 12 und 17 zu Unrecht auf die Mitwirkungspflicht verwiesen habe, er-
weist sich als unbehelflich. Wenn der Beschwerdeführer aus den besagten
Unterlagen – Zeitungsartikel – konkrete Tatsachen und Schlussfolgerun-
gen für sein Asylverfahren ableitet, wäre es an ihm gelegen, Entsprechen-
des darzutun und spezifisch zu begründen, weshalb er welche Umstände
referenziert. In keinem der Zeitungsartikel geht es um den Beschwerdefüh-
rer persönlich, weshalb das SEM nicht gehalten war, weitere diesbezügli-
che Abklärungen zu tätigen. Schliesslich ist auch der gerügte Umstand,
dass das SEM am Tag vor seiner Entscheidfällung die summarischen
Übersetzungen der eingereichten Zeitungsartikel in einer Aktennotiz zu-
sammengefasst hat, nicht zu beanstanden. Von Relevanz ist vielmehr der
Umstand, dass diese Aktennotiz (Akte A17) der Akteneinsicht unterstellt
worden war und der Beschwerdeführer somit Gelegenheit hatte, im Rah-
men seiner Beschwerdeeingabe hierzu Stellung zu beziehen.
E-802/2020
Seite 22
5.3.6 In der Beschwerde wird schliesslich geltend gemacht, das SEM habe
es unterlassen, den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers fachärzt-
lich begutachten zu lassen (vgl. Ziffer 9.1.2).
Der Beschwerdeführer gab zwar in der BzP an, es gehe ihm aufgrund der
erlittenen Misshandlungen gesundheitlich nicht gut (vgl. A3, Ziffer 8.02).
Wie das SEM in der Vernehmlassung aber zutreffend festhielt, reichte er
weder im vorinstanzlichen Verfahren, noch im Verlauf des Rechtsmittelver-
fahrens Unterlagen zum aktuellen Gesundheitszustand ein. Unter diesen
Umständen ist nicht zu beanstanden, dass sich das SEM zu keinen weite-
ren medizinischen Abklärungen veranlasst sah. Auch in diesem Zusam-
menhang kann nicht von einem mangelhaft festgestellten Sachverhalt aus-
gegangen werden.
5.4 Die formellen Rügen erweisen sich nach dem Gesagten als unbegrün-
det. Das Bundesverwaltungsgericht stellt keine Verletzungen der Verfah-
rensvorschriften fest. Der Sachverhalt wurde nach dem Gesagten korrekt
und vollständig erstellt. Es wurden keine stichhaltigen Gründe vorgetragen,
die indizieren würden, dass das BzP- und/oder das Anhörungsprotokoll
nicht oder nur unter Vorbehalt für die Beurteilung des vorliegenden Asyl-
verfahrens beizuziehen und mitzuberücksichtigen wären.
Es besteht auch keine Veranlassung, von Amtes wegen den Gesundheits-
zustand des Beschwerdeführers weiter abzuklären, weitere Untersuchun-
gen im Zusammenhang mit dem Vorfall der Entführung einer Mitarbeiterin
der Schweizerischen Botschaft durchzuführen oder den Beschwerdeführer
erneut anzuhören. Die in der Beschwerde (vgl. Ziffer 6) gestellten Beweis-
anträge werden daher abgewiesen.
Damit besteht kein Anlass, die Verfügung aus formellen Gründen aufzuhe-
ben. Die entsprechenden auf eine Kassation lautenden Rechtsbegehren 2-
4 sind deshalb abzuweisen.
Auf die rechtliche Prüfung der Asylvorbringen ist in den nachstehenden Er-
wägungen weiter einzugehen.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
E-802/2020
Seite 23
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
7.
Nach Durchsicht der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Be-
schwerdeführers verneint und folglich das Asylgesuch abgewiesen hat.
7.1 Der Beschwerdeführer macht Verfolgungsmassnahmen geltend, die
ihm im Jahr 2009 seitens der Karuna-Gruppe respektive der TMVP zuge-
fügt worden sein sollen.
7.1.1 Hierzu ist festzuhalten, dass diesbezüglich nicht von einer anhalten-
den, gezielten Verfolgungssituation ausgegangen werden kann.
Der Beschwerdeführer gab zwar zu Protokoll, er sei am 14. Juni 2009 von
Angehörigen der Karuna-Gruppe respektive der TMVP entführt worden. Es
sei ihm in der Folge dann aber gelungen, aus dem Camp dieser Gruppie-
rungen zu fliehen. Er gab weiter an, nach seiner Flucht aus diesem Camp
seien seine Peiniger nicht mehr bei ihm zu Hause vorbeigekommen, sie
seien hingegen häufig der Strasse seines Wohnhauses entlanggegangen
(vgl. A14, Antworten 41, und 62-72). Bereits dieses Verhalten der Karuna-
Gruppe respektive der TMVP spricht gegen ein intensives Interesse dieser
Gruppierungen am Beschwerdeführer. Wenn diese den Beschwerdeführer
im behaupteten Ausmass zu verfolgen beabsichtigt hätten, wäre es ihnen
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gelungen, ihn zu fassen, nachdem
er angab, sich nach seiner Flucht aus dem Camp zu Hause und bei nahen
Verwandten aufgehalten zu haben (vgl. A14, Antworten 41, S. 9 und 67).
E-802/2020
Seite 24
7.1.2 Gemäss eigenen Angaben hielt sich der Beschwerdeführer nach der
Flucht aus dem Camp weitere 16 Monate in Sri Lanka auf, bis er im Okto-
ber 2010 das Land Richtung Saudi Arabien verliess.
Bei dieser Sachlage muss der vom Asylgesetz geforderte sachliche und
zeitliche Kausalzusammenhang zwischen den Vorfällen im Jahr 2009 – so-
wie den Problemen, die der Beschwerdeführer bereits im Jahr 2008 mit der
Karuna-Gruppe gehabt haben soll (vgl. A14, Antwort 61) – und der ersten
Ausreise aus Sri Lanka im Oktober 2010 verneint werden.
7.1.3 Der Umstand, dass der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben
im Dezember 2014 freiwillig und auf Anraten seiner Familie (vgl. A14, Ant-
wort 30) von Saudi Arabien nach Sri Lanka zurückgekehrt ist, spricht eben-
falls gegen die behauptete Verfolgungssituation. Wenn er sich aufgrund der
erlittenen Ereignisse im Jahr 2009 als verfolgt erachtet hätte, ist nicht nach-
vollziehbar, weshalb er sich im Dezember 2014 zur freiwilligen Rückkehr in
den Heimatstaat entschlossen hat.
7.1.4 Hinzu kommt, dass dem Beschwerdeführer im (...) 2010 seitens der
sri-lankischen Behörden eine Identitätskarte und im (...) 2010 ein Führer-
schein ausgestellt wurden. Die entsprechenden behördlichen Kontakte
sprechen ebenfalls gegen das Vorliegen einer Verfolgungssituation im frag-
lichen Zeitpunkt.
7.1.5 Schliesslich spricht auch der Umstand, dass dem Beschwerdeführer
im Dezember 2014 die Rückkehr ins Heimatland offenbar gelang, ohne
dass ihm bei der Wiedereinreise an der Grenze Probleme entstanden sind,
dagegen, dass er im damaligen Zeitpunkt im Visier der heimatlichen Be-
hörden stand.
7.2 Der Beschwerdeführer machte weiter geltend, er sei am 10. Januar
2015 zu Hause von bewaffneten Unbekannten aufgesucht worden. Er
selbst habe aus dem Wohnhaus fliehen können. Nach der Tötung des So-
zialarbeiters unweit seines Wohnhauses am 26. Mai 2015 habe er sich bei
Verwandten und Bekannten aufgehalten (vgl. A14, Antwort 85).
7.2.1 Er gab zu diesem Vorfall zu Protokoll, nicht zu wissen, um wen es
sich bei den Vorsprechenden gehandelt habe. Die Personen seien bewaff-
net und in Zivilkleidung erschienen (vgl. A14, Antwort 73). Er mutmasst,
dass es sich dabei um Angehörige der TMVP gehandelt habe.
E-802/2020
Seite 25
7.2.2 Das SEM hat hierzu erwogen, aufgrund der Angaben des Beschwer-
deführers sei von einer Verfolgung durch Dritte auszugehen, welche nur
asylbeachtlich sei, wenn vom Fehlen der staatlichen Schutzfähigkeit und
des Schutzwillens ausgegangen werden müsse, was vorliegend nicht der
Fall sei.
7.2.3 Das Gericht teilt diese Einschätzung der Vorinstanz. Der Beschwer-
deführer war nicht in der Lage, die vorsprechenden Peiniger mit hinreichen-
der Wahrscheinlichkeit einer staatlichen Behörde zuzuschreiben oder dar-
zulegen, weshalb er von diesen zu Hause gesucht worden sei. Alleine der
Umstand, dass die Unbekannten in Zivilkleidung erschienen sein sollen
und die Angehörigen der Karuna-Gruppe auch keine Uniformen zu tragen
pflegen, wie der Beschwerdeführer angibt (A14, Antwort 73), genügt nicht,
um die Einschätzung des SEM zu widerlegen. Die zu Protokoll gegebenen
Angaben sind nicht hinreichend, um mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
von einer Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden oder diesen nahe-
stehende Gruppierungen auszugehen.
7.3 Der Beschwerdeführer trug weiter vor, er habe ein Schreiben der TMVP
erhalten (vgl. A15, Beweismittel Nr. 4), in welcher er aufgefordert worden
sei, in ihrem Hauptbüro zu erscheinen.
7.3.1 Wie das SEM zutreffend ausgeführt hat, lässt der Inhalt dieses
Schreibens nicht auf eine asylbeachtliche Verfolgungssituation schliessen.
Die Einladung oder Vorladung zu einer Vorsprache im Hauptbüro vermag
für sich alleine keinen flüchtlingsrechtlichen Konnex herzustellen.
7.3.2 Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer auf die Frage, wie die
TMVP reagiert habe, als er ihrer Forderung zum Erscheinen im Hauptbüro
nicht gefolgt sei, angab, sie hätten «nicht offen reagiert» (vgl. A14, Antwort
86). Er machte nicht geltend, dass ihm aus der Nichtbefolgung des TMVP-
Schreibens konkrete flüchtlingsrelevante Nachteile entstanden wären. Er
führte diesbezüglich lediglich aus, sie hätten ihn gesucht; sie seien jedoch
nicht zu seinem Haus gekommen und hätten ihn nicht zu Hause gesucht
(vgl. A14, Antwort 89). Diese Angaben sprechen gegen eine konkrete,
nachhaltige und gezielt gegen seine Person gerichtete Verfolgung.
7.3.3 Nach dem Gesagten kommt auch das Bundesverwaltungsgericht
zum Schluss, dass den sich im Jahr 2015 behauptungsgemäss zugetrage-
nen Ereignissen die Asylrelevanz abgesprochen werden muss.
E-802/2020
Seite 26
7.4 Der Beschwerdeführer bringt schliesslich vor, er sei aufgrund seiner
Unterstützung respektive Nähe zur TNA ins Visier der sri-lankischen Be-
hörden geraten. Dazu führte er aus, nie eingeschriebenes Mitglied der TNA
gewesen zu sein (vgl. A14, Antwort 32). Er habe jedoch nach 2007 begon-
nen, die TNA zu unterstützen, und namentlich bei den Wahlen die Ver-
sammlungen mitorganisiert (vgl. A14, Antworten 32, 30 und 100). Sein Bru-
der sei TNA-Mitglied gewesen, seine übrige Familienangehörigen seien
«für die TNA» gewesen (vgl. A14, Antworten 33 und 35).
7.4.1 Der Beschwerdeführer hat nie geltend gemacht, konkret wegen sei-
ner seit 2007 (vgl. A14, Antwort A14, Antwort 54) ausgeübten TNA-Unter-
stützung das Augenmerk der sri-lankischen Behörden auf seine Person ge-
lenkt zu haben. Wenn er sich wegen seines vor seiner Ausreise nach Saudi
Arabien bestehenden TNA-Engagements als verfolgt erachtet hätte, ist
nicht plausibel, warum er im Dezember 2014 von Saudi Arabien nach Sri
Lanka zurückgekehrt ist. Nachdem er im Weiteren angab, dass seine drei
Brüder alle bei staatlichen Behörden angestellt seien, ist ebenso wenig
nachvollziehbar, weshalb seine übrige Familie in Sri Lanka unbehelligt lebt,
wenn alleine die TNA-Zugehörigkeit oder -Nähe behördliche Repressalien
auslösen soll.
7.4.2 Das geltend gemachte, verhältnismässig niederschwellige Engage-
ment in der TNA als Wahlhelfer erscheint nicht zuletzt vor dem Hintergrund
der Tatsache, dass diese Allianz in den Parlamentswahlen der Vergangen-
heit eine grössere oppositionelle Kraft bildete (vgl. Urteil E-7267/2015 vom
19. September 2017, E. 5.2), nicht geeignet, den Beschwerdeführer als
missliebigen Oppositionellen ins Visier der heimatlichen Behörden zu rü-
cken.
7.5 Auch der familiäre Hintergrund des Beschwerdeführers vermag nicht
auf eine konkret ihn betreffende Verfolgungsgefahr zu schliessen.
7.5.1 Der Umstand, dass ein Cousin bei den LTTE sein soll, vermag für
sich alleine kein behördliches Interesse am Beschwerdeführer wegen
staatfeindlicher Gesinnung auszulösen. Der Beschwerdeführer hat zudem
im Rahmen seines Sachverhaltsvortrages nie geltend gemacht, dass er
wegen der LTTE-Zugehörigkeit seines Cousins ins Visier der Behörden ge-
raten sei.
7.5.2 Betreffend die Entführung seines Onkels wies das SEM in der Ver-
nehmlassung zutreffend darauf hin, dass der Onkel den auf ihn verübten
E-802/2020
Seite 27
Überfall bei der Polizei angezeigt hat. Zudem gab der Beschwerdeführer
zu diesem Vorfall an, sein Onkel habe nicht gewusst, was ihm zugestossen
sei (vgl. A14, Antwort 41, S. 9 unten). Nachdem dieser Onkel offenbar in
einem (...) arbeitet und der Beschwerdeführer aus der mutmasslichen Ent-
führung seines Onkels für sich keine persönlichen Konsequenzen schlüs-
sig dargelegt hat, wurde seitens des SEM zu Recht auf die fehlende Asyl-
relevanz dieses Ereignisses geschlossen.
7.6 Der Beschwerdeführer verwies in seiner Anhörung schliesslich auf den
Tod eines mit ihm befreundeten Sozialarbeiters (vgl. Antwort 84) und
reichte dazu Unterlagen ein (vgl. A15, Beweismittel Nr. 11 sowie 12 [Zei-
tungsberichte]). Entgegen den Vorbringen in der Beschwerde vermögen
weder seine eigenen Schilderungen noch die dazu eingereichten Beweis-
mittel darzulegen, dass der Tod dieser Person für den Beschwerdeführer
flüchtlingsrechtlich relevante Nachteile nach sich gezogen hätte. Die ent-
sprechenden Vorbringen sind deshalb auch als nicht asylrelevant zu quali-
fizieren.
7.7 Andere Vorfluchtgründe hat der Beschwerdeführer nicht geltend ge-
macht.
7.8 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen,
flüchtlingsrechtlich relevante Nachteile im Sinne von Vorfluchtgründen als
überwiegend wahrscheinlich darzutun. Hieran vermögen die eingereichten
Beweismittel nichts zu ändern, nachdem sie entweder Tatsachen unter-
mauern, die vom Gericht nicht in Zweifel gezogen werden, oder Aussagen
zu Ereignissen enthalten, die nicht den Beschwerdeführer persönlich be-
treffen.
8.
Zu prüfen bleibt, ob aus heutiger Sicht eine begründete Furcht vor Verfol-
gung anzunehmen ist.
8.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich nach Beendigung des Bürger-
krieges im Mai 2009 wiederholt und eingehend mit der (nach wie vor pre-
kären) Menschenrechtslage in Sri Lanka im Allgemeinen und mit der Situ-
ation von Rückkehrenden tamilischer Ethnie im Besonderen befasst (sog.
Returnee-Problematik; vgl. insb. BVGE 2011/24 E. 8, und Urteil
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 [als Referenzurteil publiziert] E. 8 je mit
umfassender Quellenanalyse). Nach wie vor besteht seitens der sri-lanki-
schen Behörden gegenüber Personen tamilischer Ethnie, die aus dem
E-802/2020
Seite 28
Ausland zurückkehren, eine erhöhte Wachsamkeit. Indessen kann nicht
generell angenommen werden, jeder aus Europa oder der Schweiz zurück-
kehrende tamilische Asylsuchende sei alleine aufgrund seines Ausland-
aufenthaltes der ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter
ausgesetzt (vgl. Urteil E-1866/2015 E. 8.3).
8.2 Im Kern geht die Rechtsprechung davon aus, dass jene Rückkehrer
eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3
AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden Bestrebungen
zugeschrieben werden, den nach wie vor als Bedrohung wahrgenomme-
nen tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen respektive den
sri-lankischen Einheitsstaat zu gefährden. Das Gericht orientiert sich bei
der Beurteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nach-
teile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risi-
kofaktoren. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene
Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der sogenannten „Stop-List“ und
die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden da-
bei als stark risikobegründende Faktoren eingestuft. Demgegenüber stel-
len das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri
Lanka, Narben und eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen
Land schwach risikobegründende Faktoren dar. Das Gericht hat im Einzel-
fall die konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren in einer Gesamtschau
sowie unter Berücksichtigung der konkreten Umstände zu prüfen und zu
erwägen, ob mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich
relevante Verfolgung droht (vgl. a.a.O. E. 8).
8.3 Die Vorinstanz nahm in ihrem Asylentscheid vom 8. Januar 2020 (vgl.
S. 5 und 6) eine Prüfung anhand dieser Risikofaktoren unter Berücksichti-
gung der Entwicklung seit den Präsidentschaftswahlen vom November
2019 vor. Sie hielt fest, die Vorfluchtgründe des Beschwerdeführers wür-
den keine Asylrelevanz entfalten. Er sei bis Dezember 2015 im Heimatstaat
wohnhaft gewesen und habe somit – seinen Aufenthalt in Saudi Arabien
mitberücksichtigt – nach Kriegsende noch zwei Jahre in Sri Lanka gelebt.
Alleine der Umstand, dass einer seiner Cousins Mitglied der LTTE gewe-
sen sei, vermöge das Interesse der sri-lankischen Behörden nicht zu we-
cken. Es sei anhand der Akten nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rück-
kehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten oder
verfolgt werden sollte. Er weise zwar sichtbare Körpernarben auf, die ihm
durch die TMVP zugefügt worden seien. Es gebe indessen keine Hinweise
darauf, dass die schwach risikobegründenden Narben ohne weitere Ver-
dachtsmomente zu einer Verhaftung oder gar Folter führen würden. Ein
E-802/2020
Seite 29
gefährdungsrelevanter Bezug des Beschwerdeführers zu den Präsident-
schaftswahlen Ende 2019 sei weder erkennbar noch geltend gemacht wor-
den.
8.4 Der Beschwerdeführer hält dem entgegen, er erfülle mehrere Risiko-
faktoren im Sinne des zitierten Referenzurteils: Er sei vorverfolgt worden;
er habe die TNA unterstützt und verfüge über familiäre Verbindungen zu
den LTTE. Zudem sei er exilpolitisch tätig, weise sichtbare Folternarben
auf, sei seit vier Jahren in der Schweiz und verfüge über keine gültigen
Reisepapiere (vgl. Ziffer 9.3 der Beschwerde).
8.5
8.5.1 In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist das Vorliegen eines rele-
vanten Risikoprofils zu verneinen. Der Beschwerdeführer hat gemäss ei-
genen Angaben keine persönlichen Verbindungen zu den LTTE gehabt.
Dasselbe gilt auch für seine Kernfamilie. Alleine der Umstand, dass ein
Cousin bei den LTTE gewesen sein soll, vermag ihn nicht in das Licht eines
Oppositionellen, welcher den tamilischen Separatismus schürt, zu rücken.
Abgesehen von niederschwelligen Unterstützungen der TNA war er nicht
exponiert politisch aktiv. Der Beschwerdeführer hat nicht schlüssig darge-
legt, sondern bloss behauptet, dass er wegen seines politischen Engage-
ments bei den Behörden registriert wurde (vgl. Beschwerde, Ziffer 9.1, S.
40). Es bestehen insgesamt keine Anhaltspunkte, die auf ein politisches
Profil hinweisen, welches das Augenmerk der heimatlichen Behörden auf
ihn lenken würde.
8.5.2 Der Beschwerdeführer hat keine im Nachgang zu den im November
2019 erfolgten Präsidentschaftswahlen persönlich erlittenen Nachteile gel-
tend gemacht.
8.5.3 Er dokumentiert zwar mit Farbfotokopien Körpernarben ([...]). Auf
den Aufnahmen sind Narben am (...) sichtbar. Vom Gericht wird nicht be-
stritten, dass er im Juni 2009 in Sri Lanka im Zusammenhang mit erlittenen
Verletzungen im Spital behandelt wurde (vgl. dazu: A15, Beweismittel Nr.
6). Es gibt jedoch keine stichhaltigen Hinweise dafür, dass diese Verletzun-
gen in einen flüchtlingsrelevanten, ihn bei einer Rückkehr gefährdenden
Konnex zu stellen wären. Die leicht abdeckbaren Narben am (...) sind für
sich alleine nicht als stark risikobegründend im Sinne der Rechtsprechung
einzustufen. Dasselbe gilt für die mehrjährige Landesabwesenheit des Be-
schwerdeführers.
E-802/2020
Seite 30
8.5.4 Aus den Darlegungen des Beschwerdeführers lassen sich insgesamt
keine Anhaltspunkte ersehen, die den Schluss nahelegen würden, der sri-
lankische Staat könnte in ihm jemanden vermuten, der dem tamilischen
Separatismus zum Wiedererstarken verhelfen wollte. Es kann folglich nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass
er bei einer Rückkehr Ziel behördlicher Verfolgungsmassnahmen in flücht-
lingsrelevantem Ausmass werden könnte. An dieser Einschätzung vermö-
gen vorliegend auch die im Zuge des Regierungswechsels veränderte po-
litische Lage in Sri Lanka und die diesbezüglichen Beweismittel nichts zu
ändern. In einer Gesamtwürdigung ist seine geltend gemachte subjektive
Furcht, im Heimatland asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt zu sein, ob-
jektiv nicht begründet.
8.6 Das SEM hat zusammenfassend die Flüchtlingseigenschaft des Be-
schwerdeführers zu Recht verneint und dessen Asylgesuch zutreffend ab-
gelehnt.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
E-802/2020
Seite 31
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
10.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
10.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus seinen Aussagen noch aus den Akten An-
haltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimat-
staat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder
Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss
Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) so-
wie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer
eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass
ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung
drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008,
Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch der EGMR hat sich
mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine EMRK-widrige Behand-
lung namentlich für Tamilen, die aus einem europäischen Land nach Sri
Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl. EGMR, R.J. gegen
Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Nr. 10466/11; T.N. gegen Dä-
nemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Nr. 20594/08; P.K. gegen Dänemark,
Urteil vom 20. Januar 2011, Nr. 54705/08; J.G. gegen Polen, Entscheidung
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Seite 32
vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass
nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen
drohe eine unmenschliche Behandlung. An dieser Einschätzung vermögen
die politischen Entwicklungen insbesondere im Umfeld der Kommunalwah-
len vom Februar 2018 (vgl. Urteil des BVGer D-5880/2018 vom 12. Februar
2019 E. 11.2.2) sowie die Ende 2019 erfolgten Präsidentschaftswahlen
nichts Grundlegendes zu ändern.
Es bestehen aufgrund der Akten keine konkreten Hinweise, dass der Be-
schwerdeführer bei einer erneuten Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen
so genannten "Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tä-
tigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich
gefährdet wäre. Seine in der Beschwerdeschrift geäusserten Mutmassun-
gen über Massnahmen seitens der Strafverfolgungsbehörden gegen ihn
sind rein spekulativer Art.
Weder die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat noch indi-
viduelle Faktoren in Bezug auf die Situation des Beschwerdeführers lassen
demnach den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt als unzulässig
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
10.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Frage der generellen Zumut-
barkeit der Wegweisung nach Sri Lanka im schon erwähnten Referenzur-
teil E-1866/2015 (E. 13) geprüft und sich im Sinne einer Aufdatierung der
davor letzten Lagebeurteilung (BVGE 2011/24) eingehend mit der aktuel-
len politischen und allgemeinen Lage in Sri Lanka auseinandergesetzt
(E. 13.2 f.). Dabei kam es zum Schluss, der Vollzug der Wegweisung in die
Nord- und Ostprovinz sei grundsätzlich zumutbar, sofern das Vorliegen der
individuellen Zumutbarkeitskriterien bejaht werden können, insbesondere
die Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes
sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation.
E-802/2020
Seite 33
Die Vorinstanz stellte im angefochtenen Entscheid (Ziff. III/2) vorab die all-
gemeine Sicherheitslage in Sri Lanka vor dem Hintergrund der neueren
Entwicklung dar und kam zum Schluss, es liege keine Situation allgemei-
ner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG vor. Ausgehend vom genannten
Referenzurteil E-1866/2015 (E. 13.3.3), prüfte sie die individuellen Zumut-
barkeitskriterien und stufte den Wegweisungsvollzug als zulässig, zumut-
bar und möglich ein.
10.3.2 Der Beschwerdeführer stammt aus B._ (Ostprovinz). Er
wurde in Sri Lanka sozialisiert und besuchte die Schule bis zum A-Level
(vgl. A3, Ziffer 1.17.04 respektive A14, Antwort 14). Er verfügt über eine
mehrjährige Berufserfahrung im Ausland. Seine Familie (Mutter, drei Ge-
schwister) ist im B._ wohnhaft. Seine drei älteren Brüder arbeiten
alle beim sri-lankischen Staat (A14, Antworten 10 und 11), und die Familie
ist verhältnismässig gut situiert (vgl. A14, Antworten 27 und 28). Er kann
somit auf ein tragfähiges Beziehungsnetz und eine gesicherte Einkom-
mens- und Wohnsituation im Heimatland zurückgreifen. Nachdem, wie
oben bereits festgestellt, keine fachärztlichen Unterlagen eingereicht wur-
den, die auf ein medizinisches Wegweisungshindernis hinweisen würden,
ist der Vollzug der Wegweisung als zumutbar zu qualifizieren.
10.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG),
weshalb das Rechtsbegehren 6 abzuweisen ist.
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten von
Fr. 1'500.– dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
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Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Verfahrenskos-
ten verwendet.
(Dispositiv nächste Seite)
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