Decision ID: b8959d0c-8852-4bcc-a14c-27f26218d2b2
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1969
, ist verheiratet und Mutter dreier in den Jahren
2001, 2002 und 2005 geborener Kinder. In ihrer Heimat absolvierte
sie
eine zwei
jährige
Ausbildung zur Schneiderin, wobei sie diesen Beruf in der Folge ni
e
aus
übte (Urk. 10/34/8).
In den Jahren 2008 und 2009 war sie in einem Pensum von 60 % auf dem
Y._
als Flugzeugreinigerin beschäftigt (Urk. 10/3/1
, 10/34/12
). Seit
2010
reinigt sie während
rund zwei
Stunden
pro Woche
die Räumlichkeiten eines
Kulturz
entrums
(Urk. 10/34/18
, 10/36/3
).
Am 21. Januar 2015 meldete sich die Versicherte
unter Angabe
einer schweren Depression und häufige
r Anfälle
mit Bewusstseinsverlust bei der Invalidenver
si
cherung zum Leistungsbezug
an (Urk. 10/6). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
nahm
medizinische (Urk. 10
/17, 10/19 und 10/21
) und erwerblic
he (Urk. 10/3, 10/9, 10/14 und 10/36) Abklärungen vor
und klärte den Umfang der hypothetischen Erwerbstätigkeit der Versicherten ab
mit dem Ergebnis, dass sie als Vollerwerbstätige zu qualifizieren sei
(
Urk.
10/36).
Zudem gab sie bei Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein Gutachten in Auftrag, das am 17. März 2016 (Urk. 10/34) erstattet wurde.
Nach Einholung einer Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom
6.
Mai 2016 (
Urk.
10/37/3-4) und einer Beurteilung durch
eine Fachexpertin
der
IV-Stelle vom 2
1.
Oktober 2016 (
Urk.
10/37/5-6) erliess die IV-Stelle am
28. Okto
ber 2016
den Vorbescheid, mit dem
sie
die Verneinung eines Leistungs
an
spruchs in Aussicht
stellte
(Urk. 10/39). Dagegen
liess
die Versi
cherte am 25. November 2016
durch Rechtsanwalt Peter
Bolzli
(Urk. 10/43) Ein
wand erhe
ben
.
Am 16
. Januar 2017 (Urk. 10/47)
ergänzte Rechtsanw
a
lt
Bolzli
d
en Ein
wand
und
reichte einen Bericht
des Neurologen
Dr.
med.
A._
vom 11. Januar 2017 (Urk. 10/46) ein. Zudem
stellte
er das
Gesuch um Bestellung als unentgeltliche
r
Rechtsvertreter
im Verwaltungsverfahren
(Urk. 10/47)
.
Wie angekündigt ver
nei
nte die IV-Stelle mit Verfügung vom 16. März 2017 (Urk. 2) einen Leistungs
anspruch.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung wies sie mit Verfü
gung vom
11. Juli 2017 (Urk.
14/2
)
ab
.
2
.
2.1
G
egen
die Verfügung vom 1
6.
März 2017 (
Urk.
2)
liess
X._
am
4. Mai 2017
Beschwerde erheben (
Urk. 1
) mit dem Antrag,
es sei ihr aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit von 40
%
in einer angepasste
n Tätigkeit eine
Invali
den
rente
zuzusprechen, eventualiter sei die
Sache zur Durchführung eines Ein
kom
mensvergleichs auf der Grundlage einer 40%igen Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit und
anschliessendem
Erlass einer neuen Verfügung
an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
. In prozessualer Hinsicht
liess
sie
d
as
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
Rechtsvertre
t
ung stellen.
Mit Beschwerdeantwort vom 7. Juni 2017 (Urk. 9) schloss die
IV-Stelle
auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 9. Juni 2017 (Urk. 12) zur Kenntnis gebracht wurde. Mit der gleichen Ver
fügung wurden der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung ge
währt und Rechtsanwalt
Bolzli
als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt.
2.2
Gegen die Verfügung vom 11. Juli 2017 (Urk. 14/2)
liess die Versicherte
am 8. September 2017 Beschwerde
erheben und beantragen,
Rechtsanwalt
Bolzli
sei als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das
Einwandverfahren
zu bestellen und
da
für entsprechend zu entschädigen
(Urk. 14/1).
In prozessualer Hinsicht ersuchte
sie um Vereinigung der beiden Beschwerdeverfahren
(Urk. 14/1 S. 2)
. Mit
den
Ge
richtsverfügung
en
vom 21. September 2017 (Urk. 14/4
, 15
) wurde dieser unter
der Verfahrensnummer IV.2017.00920 registrierte
Prozess mit dem vorliegenden Prozess vereinigt und
als
dadurch erledigt abgeschrieben.
Mit Beschwerde
ant
wort vom 27. Oktober 2017 (Urk. 17)
schloss
die Beschwerdegegnerin
auf Ab
wei
sung
der Beschwerde
gegen die Verfügung vom 11. Juli 2017
, was der Be
schwerdeführerin mit Verfügung vom 2. November 2017 (Urk. 19) zur Kenntnis gebracht wurde.
Am 2
0.
Februar 2019 reichte Rechtsanwalt
Bolzli
seine Honorarnote ein (
Urk.
20
).
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
träch
tigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sacht
e und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbsein
kom
men zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
r
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähig
keit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hin
weisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Mit BGE 143 V 418
vom 3
0.
November 2017
entschied das Bundesgericht, dass
grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbei
ts
fähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind.
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indi
ka
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas
tungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ande
rer
seits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schät
zen
(BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundes
gerichts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchs
frei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141
V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (
BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März
2018 E. 7.4).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Janu
ar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.3
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, da
s heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflicht
ge
mäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozial
versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wür
digen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arzt
be
richtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätz
lich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der mit
BGE 143 V 418 geän
derten Rechtsprechung
eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert
verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit
seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bun
desrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im konkreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten – allen
falls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurtei
lung anhand der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Ab
klä
rungstiefe und -dichte kann zudem unter Umständen eine punktuelle Ergän
zung genügen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 5.2.2 und 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalidenein
kommen
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander ge
gen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
di
tätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte in der angefochtenen Verfügung
vom 16. Mä
rz 2017
den
Anspruch auf eine Invalidenrente
im Wesentlichen
mit der Begründung, der Gesundheitsschaden der Beschwerdeführerin sei gut therapier
bar und daher aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht nicht relevant.
Bis anhin
habe nie eine andauernde, regelmässige fachpsychiatrische Behandlung stattgefunde
n. Werde das Leiden behandelt, sei die
Prognose
gut.
Die Beschwer
deführerin verfüge über deutliche Ressourcen (Urk. 2 S. 1). Mehrere äussere Fak
toren belasteten die Genesung. Eine
belastende
psychosoziale Situation sei invaliditätsfremd und könne
bei der
Prüfung des Leistungsanspruchs nicht be
rück
sichtigt werden.
Die Gesamtwürdigung aller Einschränkungen und Res
sourcen führe zum Ergebnis, dass es der Beschwerdeführerin trotz
ihres Leidens
zumutbar sei, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Es bestehe keine invaliden
versicherungsrechtlich relevante psychische Einschränkung.
2.2
Dem h
ält
die Beschwerdeführerin
zusammengefasst
entgegen,
Dr.
Z._
habe fest
gehalten,
dass
trotz soziokultureller und psychosozialer Faktoren
ein psy
chisches Leiden mit Krankheitswert
bestehe
(Urk. 1 S. 6). Trotz der vorhandenen Ressourcen sei er von einer Arbeitsunfähigkeit von 40 % ausgegangen, was sich im Wesentlichen mit der Auffassung des behandelnden Arztes
Dr.
A._
decke. Die Beschwerdegegnerin verweise auf die Therapierbarkeit des Leidens und die noch nicht ausgeschöpften Therapieoptionen. Damit verkenne sie, dass die The
rapierbarkeit eines psychischen Leidens
die Entstehung eines Rentenanspruchs
nicht grundsätzlich verhindere, solange die erwerbsmässige Einschränkung wäh
rend mindestens eine
s
Jahr
es
andauere. Sie leide seit vielen Jahren an den Anfällen. Eine Panikstörung sei erstmals i
m
Bericht des Spitals
B._
vom 11. März 2011 diagnostiziert worden
,
und bei Dr.
A._
stehe sie deswegen seit März 20
1
4 in Behandlung. Auch
Dr.
Z._
beziehe seine gutachterlichen Fest
stellungen auf den Zeitraum ab Januar 201
5.
Die zeitlichen Kriterien an die Dauerhaftigkeit seien daher erfüllt. Der Hinweis auf fehlende Therapieresistenz und noch vorhandene Ressour
cen scheine sich am Prüfungsraster bei psycho
so
matischen Leiden zu orientieren. Dies gehe fehl, da die gutachterlich diag
nos
tizierte Panikstörung nicht in d
ie Kategorie der
pathogenetisch
-ä
tiologisch un
kla
ren Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage falle
(Urk. 1 S. 7).
3.
3.1
In medizinischer Hinsicht
lagen
der
Beschwerdegegnerin
ärzt
liche Berichte
von Dr.
A._
(Urk.
10
/
17
,
10
/
21
und
10
/
46
)
und von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
(Urk. 10/19)
vor
.
Zudem
liess
sie
die Beschwerde
führerin durch Dr.
Z._
psychiatrisch begutachten (Urk.
10
/3
4
).
D
iese medizi
nischen Akten
legte sie
ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur Beurtei
lung vor
(Urk. 10/37/2-4
).
3.2
Am 25. Februar 2015
berichtete
Dr.
A._
der Beschwerdegegnerin
,
die Beschwer
deführerin
stehe seit März 2014 regelmässig in seiner Behandlung. Als Diag
nosen nannte er (Urk. 10/17/1):
-
Langdauernde ausgeprägte Depression, Angst- und Panikattacken gemischt
-
Sehr häufige anfallsartige Zustände mit Bewusstseinsänderungen, teils
syn
kopal
, teils psychogen
.
Aktuell und auf längere Sicht seien der Beschwerdeführerin sowohl in der freien Wirtschaft als auch in einem Beschäftigungsprogramm keine Tätigkeiten zumutbar (Urk. 10/17/2).
Am 10. Juni 2015 teilte
Dr.
A._
der Beschwerdegegnerin mit, seit Februar 2015
sei bei unverändertem Verlauf keine nennenswerte Änderung eingetreten (Urk. 10/21/3)
.
3.
3
Dr.
C._
orientierte die Beschwerdegegnerin am 2
3.
März 2015 über die haus
ärztliche Behandlung der Beschwerdeführerin. Er diagnostizierte eine
d
e
pres
sive Stimmungslage, Angst- und Panikattacken, psychogen bedingte
präsynkopale
Episoden bei schon nur leicht erhöhtem Stress/Belastung
, eine b
elastende psy
cho
soziale Situation
, einen s
ekundäre
n
funktionelle
n
Symptomenkomplex und
ein
weichteilrheumatische
s
Schmerzsyndrom (Urk. 10/19/6)
.
Betreffend
die
Arbeitsfähigkeit hielt er fest, er
habe keine Arbeitsunfähig
keits
zeugnisse ausgestellt
; bei den ausgeprägten psychischen Einschränkungen und dem sekundären weichteilrheumatischen Beschwerdebild sei eine Tätigkeit indes kaum möglich
(Urk. 10/19/7).
3.4
Gestützt auf die von der IV-Stelle zur Verfügung gestellten medizinischen Akten und das am 2
0.
Januar 2016 durchgeführte Untersuchungsgespräch erstattete
Dr.
Z._
der Beschwerdegegnerin am 17. März 2016 (Urk. 10/34)
das
psychiatrische Gutachten.
Anlässlich der Anamneseerhebung klagte die Beschwerdeführerin, es gehe ihr nicht gut. Manchmal
,
wenn sie zuhause sitze
,
komme ein Unwohlgefühl
mit Atem
not auf.
Bei schweren Zuständen habe sie
sich
auch schon ins Spital
be
geben
müssen. Diese Attacken kämen plötzlich, sie könne dann nicht auf
stehen.
S
ie
leide
unter Weichteilrheuma
;
die
Rheumaschübe führten zu einem Ameisen
laufen. Trotz Entspannungsübungen verkrampfe sie sich nachts und knirsche mit den Zähnen. Zusätzlich habe sie das
«unruhige-Beine-Syndrom»
(Urk. 10/34/10).
Dr.
Z._
hielt fest, der Erstkontakt mit der Explorandin habe am 11. Januar 2016 stattgefunden.
Weil vergessen worden sei, einen Dolmetscher zu organi
sieren, habe der Untersuchungstermin verschoben werden müssen.
Anlässlich der
Mitteilung der Verschiebung des Gesprächstermins
sei ein Krampfzustand von insgesamt zehn Minuten
Dauer
zu beobachten gewesen. Davor habe die Explo
randin eine Phase von Hyperventilation und starker Unruhe gezeigt. Sie sei währenddessen nicht ansprechbar gewesen, habe aber das Bewusstsein nicht ver
loren. Das Explorationsgespräch vom 20. Januar 2016 habe ohne Störungen durchgeführt werden können. Dabei hätten sich leichte kognitive Einschrän
kungen und eine reduzierte Stimmungslage mit leichtgradig
er Einschränkung der affektiven
Schwingungsfähigkeit gezeigt
(Urk. 10/34/19). Diagnostisch liege eine Panikstörung im Rahmen von paroxysmal episodischer Angst vor. Die Panik
störungen seien in der Vergangenheit offenbar auch durch Engegefühle bei der Ausübung von Reinigungsarbeiten in Flugzeugen getriggert worden. Insofern kämen auch
klaustrophobische
Anteile in Betracht. Beim beobachteten Krampfanfall handle es sich am ehesten um eine Konversionssymptomatik im Rahmen einer dissoziativen Störung. Vom Ehemann sei bestätigt worden, dass sich häufig analoge Anfälle zu
H
ause ereignen würden. Die Kriterien für eine depressive Episode seien in der Untersuchung nicht erfüllt gewesen.
S
oziokulturelle und psychosoziale Faktoren
seien
in
Form
der Erkrankung und Arbeitsunfähigkeit des Ehemannes, einer fehlenden sozialen Integration bei unge
nügenden Deutschkenntnissen und offenbar enge
r finanzieller Verhältnisse vorhanden
. Dennoch bestehe ein psychisches Leiden mit Krankheitswert. Unter Berücksichtigung der genannten psychosozialen und soziokulturellen Faktoren bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten, bei
spielsweise Reinigungsarbeiten oder einfache Hausarbeiten, welche die Versi
cherte
selbständig
ausüben könnte.
Die entsprechende Arbeitsunfähigkeit betrage
40 %.
In dieser Einschätzung sei berücksichtigt, dass die Explorandin über deut
liche Ressourcen verfüge. So könne sie ihren Tagesablauf gestalten, sei in der Lage
,
Hausarbeiten
zu erledigen
, im Garten zu arbeiten, zu kochen, zu backen, ihre Beziehungen zu pflegen
und sich körperlich zu bewegen
(Urk. 10/34/20
).
Dr.
Z._
stellte folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 10/34/17)
:
Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst) (ICD-10: F41.0)
DD: zusätzlich
d
issoziative Störung, im Sinne dissoziativer Krampfanfälle (ICD-10: F44.5)
.
Aufgrund der Panikstörung mit
klaustrophobischer
Komponente
sollte die Arbeit
in engen räumlichen Verhältnissen vermieden werden. Für die Tätigkeit als Rei
ni
gungsmitarbeiterin in der Flugzeugreinigung bestehe eine 80%ige Ein
schrän
kung der Arbeitsfähigkeit. Angesichts der bestehenden psychischen Stö
rungen im Sinne einer Panikstörung
mit
anzunehmenden dissoziativen Krampf
anfällen betrage die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit unter Berücksich
ti
gung von IV-fremden Faktoren
60 %. Einschränkungen lägen im Bereich der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit,
der
Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit,
der
Durchhaltefähigkeit und der Selbstbehauptungsfähigkeit vor. Die Angaben hätten seit Anfang 2015 Geltung. Aufgrund fehlender psychiatrischer Akten sei eine Einschätzung vor diesem Datum nicht möglich (Urk. 10/34/21).
Die Panik
störung könne u
nter einer adäquaten psychiatrisch-psychotherapeutischen Be
hand
lung in
der Mutters
prache
günstig beeinflusst werden
, insbesondere durch verhaltenstherapeutische Massnahmen. Zur Behandlung der
wahrscheinlich zusätzlich bestehenden
dissoziativen
Störung
sei von einem längeren thera
peu
tischen Prozess auszugehen.
Dabei
soll
t
e
n
auch tiefenpsychologische Ansätze verfolg
t werde
n. Unter einer solchen Therapie könne nach rund sechs Monaten medizinisch-theoretisch von einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit ausge
gangen werden. Diese in ihrem Ausmass zu beziffern
,
sei aktuell nicht möglich (Urk. 10/34/24).
3.5
Der RAD nahm am
6.
Mai 2016 zum Gutachten von
Dr.
Z._
Stellung und hielt abschliessend fest, unter Durchführung
geeigneter Therapien sei eine opti
mistische Prognose zu stellen. Es wäre dann mit einer Erhöhung der Arbeits
fähigkeit, eventuell mit einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätig
keit zu rechnen (
Urk.
10/37/4).
In der Folge nahm die Fachexpertin der IV-Stelle eine
Indikatorenprüfung
vor mit dem Ergebnis,
es lägen soziokulturelle und psy
chosoziale Faktoren vor; die Beschwerdeführerin verfüge über deutliche Res
sourcen, und der Leidensdruck erscheine gering (
Urk.
10/37/6).
Gestützt darauf erliess die IV-Stelle am 2
8.
Oktober 2016 den Vorbescheid (
Urk.
10/39).
3.6
Am 11. Januar 2017 nahm
Dr.
A._
zum Vorbescheid
Stellung
und hielt fest, in einer einfachen, körperlich leichten Tätigkeit in einem nicht lärmigen, nicht stressigen Umfeld mit guten zwischenmenschlichen Beziehungen sei eine Arbeits
fähigkeit von 40-50 % möglich (Urk. 10/46/2).
4.
4.1
Aufgrund der Aktenlage steht fest, dass die Beschwerdeführerin keine soma
tischen Störungen aufweist, die sich massgeblich auf die Arbeitsfähigkeit aus
wirken. Solche werden von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht. Streitig und zu prüfen ist, in welchem Ausmass sie aus psychischen Gründen in der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit eingeschränkt ist.
4.2
Das G
utachten
von
Dr.
Z._
vom 1
7.
März 2016 (
Urk.
10/34)
beruht auf einer eingehenden Untersuchung der Beschwerdeführerin, berücksichtigt die Anam
nese ebenso wie
die
persönlichen Angaben der Beschwerdeführerin, die Aus
künfte des Ehemannes und die eigenen Beobachtungen.
Dr.
Z._
standen sämt
liche Akten zur Verfügung,
die er umfassend würdigte. S
eine Unter
su
chungen sind vollständig und basieren sowohl auf den eigenen Erhebungen als auch auf einem allgemein gestalteten Testverfahren. Die Schlussfolgerun
g
en sind begründet und leuchten ein. Damit erfüllt das Gutachten sämtliche von der Rechtsprechung geforderten Kriterien, so dass grundsätzlich darauf abgestellt werden kann. Das Gutachten wurde denn auch vom RAD nicht in Frage gestellt und wird auch von der Beschwerdeführerin nicht bestritten.
4.
3
Da das Gutachten von
Dr.
Z._
vor dem 3
0.
November 2017
und damit vor Erlass von BGE 143 V 418
datiert, enthält es noch keine Beurteilung der Ar
beits
fähigkeit gemäss den nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts beach
tlichen Standardindikatoren. Indes hat die Fachexpertin der IV-Stelle am 2
1.
Oktober 2016 gestützt auf BGE 141 V 281
eine solche Indikatoren-Prüfung vorgenommen (
Urk.
10/37/5-6).
In zutreffender Würdigung der Akten und insbesondere des Gutachtens von
Dr.
Z._
hat sie den Schweregrad der Panikstörung und der als Differen
tial
diagnose erhobenen dissoziativen Störung als leicht bis mittelgradig
eingestuft
. Weder das medizinische Gutachten noch die Ausführungen der Beschwerde
füh
rerin und ihres Ehemannes, wie sich die Panikattacken und die Bewusstseins
verluste äussern, noch die übrigen ärztlichen Unterlagen geben Anlass dazu, von einer schweren Gesundheitsschädigung zu sprechen.
Ebenso kann ihrer Beurteilung zum Thema «Behandlungs- und Eingliede
rungs
erfolg oder –
resistenz
» gefolgt werden.
Ausser der Behandlung bei
Dr.
A._
, von dem die Beschwerdeführerin seit 2014 regelmässig betreut wird, und der haus
ärztlichen Behandlung
nimmt die
Beschwerdeführerin keine ärztlichen The
rapie
n in Anspruch
. Die
Gespräche beim Psychiater brach
sie mit der Be
grün
dung ab, sie spreche nicht gerne über ihre seelische Befindlichkeit. Es kann daher nicht auf eine Behandlungsresistenz geschlossen werden.
Zum Indikator
«
Komorbiditäten
»
ist einerseits auf die Berichte von
Dr.
A._
vom 2
5.
Februar 2015 (
Urk.
10/17
)
und von
Dr.
C._
vom
2
3.
März 2019
(
Urk.
10/19)
hinzuweisen, in denen eine
ausgeprägte Depression beziehungs
weise
eine depressive Stimmungslage
attestiert wurde, und anderseits auf das Gutach
ten von
Dr.
Z._
, der keine depressiven Symptome mehr fe
ststell
en konnte
(
Urk.
10/34/20), hingegen als Differentialdiagnose eine dissoziative Störung im Sinne dissoziativer Krampfanfälle erwähnte (
Urk.
10/34/17).
Das Vorliegen massgeblicher ressourcenhemmender Komorbiditäten ist daher zu verneine
n
, auch wenn gewisse Begleitkrankheiten nicht ausgeschlossen werden können.
Weiter hat die Fachexpertin der IV-Stelle
zum Komplex
«
Persönlichkeit
»
zu Recht darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin keine Persönlich
keits
störung aufweist, über einen strukturierten Tagesablauf verfügt und nebst der üblichen Haushaltsführung im Familiengarten tätig ist,
bäckt, strickt und näht.
Zudem verrichtet sie am Wochenende während etwa zwei Stunden Reini
gungs
arbeiten im türkischen Zentrum. Bei dieser Ausgangslage darf mit der Fachex
pertin von erheblichen Ressourcen ausgegangen werden.
Das Gleiche gilt für den Komplex «sozialer Kontext». Die Beschwerdeführerin
hat einen Freundeskreis und lebt in einer intakten Familie
mit einem hilfsbe
reiten Ehemann
(
Urk.
10/34/9)
.
Was sodann die Kategorie «Konsistenz» betrifft, ist auf die oben erwähnten Tätig
keiten im Haushalt und im Garten zu verweisen, die nicht auf eine mass
gebliche Einschränkung für körperlich nicht allzu schwere Tätigkeiten schliesse
n lässt.
Wenn die Beschwerdeführerin gegenüber dem Gutachter
Dr.
Z._
vor
brachte, bei der Reinigung in den Flugzeugen habe sie oft Engegefühle gehabt (
Urk.
10/34/
12)
, so ist dies nachvollziehbar, wobei eine weitere Tätigkeit in der Flugzeugreinigung auch nicht zur Diskussion steht. Ebenfalls nachvollzie
h
bar
ist das Vorbringen der Beschwerdeführerin, sie habe bei der Arbeit Mühe ge
habt, wenn der Vorgesetzte geschimpft habe und wenn es im Team unterein
an
der nicht gut gelaufen sei (
Urk.
10/34/12). Dabei handelt es sich nicht um eine krankheitsbedingte Überempfindlichkeit, sondern eine normale Empfindung, die auch gesunde Menschen in solchen Situationen haben. Im Übrigen ist auf die
Aus
führungen der
Fachexpertin der IV-Stelle zu verweisen (
Urk.
10/37/6), denen
insbesondere hinsichtlich der Beurteilung des Leidensdrucks nichts beizufügen ist.
Wenn die Fachexpertin der IV-Stelle bei dieser Ausgangslage den Schluss zog, die Beschwerdeführerin verfüge über erhebliche Ressourcen, ist dieser Beurtei
lung zuzustimmen.
4.
4
Die Beschwerdeführerin lässt einwenden, Panikattacken stellten keine
pathoge
ne
tisch-ätiologisch
unklaren
syndromalen
Beschwerden ohne nachweisbare orga
nische Grundlage dar, weshalb die Indikatoren-Prüfung nicht anzuwenden sei (
Urk.
1 S. 7).
Es trifft zu, dass das Bundesgericht im massgeblichen BGE 143 V 418 in Erwä
gung 7.1 ausgeführt hat, aus Gründen der Verhältnismässigkeit könne von einem
strukturierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder nicht geeignet sei. Das könne etwa bei Störungsbildern wie Schizophrenie
, Zwangs-, Ess- und Panikstörungen der Fall sein
. Bei diesen Störungen habe eine vertie
fende Prüfung hinsichtlich des funktionellen Schweregrades und insbesondere der Konsistenz nur zu erfolgen, wenn Hinweise auf Inkonsistenzen, auf Aggra
vation oder Simulation bestünden.
Desungeachtet
wandte das Bundesgericht in der Folge in den Urteilen 9C_78/2917 vom 2
6.
Januar 2018, 9C_21/2017 vom 2
2.
Februar 2018 und 8C_175/2018 vom 2
7.
September 2018 bei Panikstörungen, die im Zusammen
hang mit depressiven Störungen diagnostiziert worden waren, die
Indikatoren
prüfung
an, unter anderem mit dem Hinweis, im Rahmen der
Indikatoren
prü
fung
seien sämtliche Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beachtlich. Das strukturierte Beweisverfahren, wie es in BGE 141 V 281 definiert worden sei, stehe einer Aufteilung von Einbussen auf einzelne Leiden entgegen, da es auf einer ergebnisoffenen Gesamtbeurteilung in Berücksichtigung der Wechsel
wirkungen basiere (Urteil 9C_21/2017 vom 2
2.
Februar 2018 E. 4.2).
Unter diesem Gesichtspunkt ist es nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle angesichts der
neben der Panikstörung diagnostizierten depressiven Störungen respektive der als zusätzliche Differentialdiagnose genannten dissoziativen Stö
rung die
Indikatorenprüfung
vornahm.
4.
5
Richtig ist, dass
das Bundesgericht seine Rechtsprechung, wonach behandelbare psychische Leiden, insbesondere depressive Störungen, wegen ihrer Therapier
bar
keit grundsätzlich keinen Rentenanspruch bewirken können, mit
BGE 143 V 409
fallen liess. Soweit die angefochtene Verfügung vom 1
6.
März 2017
den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente mit dieser Begrün
dung ablehnt, ist sie daher überholt.
Ebenfalls richtig ist, dass
die IV-Stelle keinen Einkommensvergleich vornahm,
weil sie sich offenbar auf den Standpunkt stellte, die Beschwerdeführerin ver
fü
ge über ausreichend Ressourcen, um eine angepasste Tätigkeit uneinge
schränkt auszuüben.
Die letzte feste Anstellung hatte die Beschwerdeführerin in den Jahren 2008 und
2009, als sie als Flugzeugreinigerin tätig war. Gemäss ihren eigenen Angaben belief sich das Pensum auf 60
%
(
Urk.
10/34/12).
Wie sich
dem Auszug aus dem individuellen Konto
(
Urk.
10/3/1) entnehmen lässt, erzielte die Beschwerde
füh
rerin von Juni bis Dezember 2008 ein Einkommen von total
Fr.
7'991.- und von Januar bis Juli 2009 ein solches von
Fr.
7'741.-. Umgerechnet auf das ganze Jahr und hochgerechnet auf ein 100%-Pensum ist von einem Einkommen von
Fr.
22'831.40 (7'
991 :
7 x 12 : 60 x 100) im Jahr 2008 und einem Einkommen von
Fr.
22'117.10 (7'741 : 7 x 12 : 60 x 100) im Jahr 2009 auszugehen.
Angepasst an die Nominallohnentwicklung resultiert für das Jahr 2015, in dem ein allfälliger Rentenanspruch entstanden sein könnte, ein Einkommen von
Fr.
24'
532
.
20
(Bunde
samt für Statistik, Nominallohnindex 1993 = 100,
Frauen
, 2008:
123,5
Punkte, 2015:
132,7
Punkte; abrufbar im Internet) beziehungsweise von
Fr.
23’274
.
7
0 (2009:
126,1
Punkte, 2015:
132,7
Punkte).
Gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) belief sich das durch
schnittliche Einkommen der Frauen für e
infache Tätigkeiten im Jahr 2014
auf
Fr.
4
'
300.- im Monat (LSE 2014,
Privater Sektor, TA1_triage_skill_level
). Umge
rechnet auf die betriebsübliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden pro Woche (Bun
des
amt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftszweigen, im Internet abrufbar) und angepasst an die Nominallohnerhöhung
(2014
:
132,1
Punkte, 2015:
132,7
Punkte)
resultiert für das Jahr 2015 ein Einkommen von
Fr.
54
'0
37
.
3
0
(4
'
300
:
40 x 41,7 x 12
:
132,1 x 132,7
).
Selbst mit einem Pensum von nur 60
%
(60
%
von
Fr.
54'
0
37
.
3
0 =
Fr.
32
'
422
.
40
) und unter zusätzlicher Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs von 10
%
würde sich das von der Beschwerdeführerin erzielbare Ein
kommen auf
Fr.
29
'1
80
.
2
0 (
Fr.
33
'
422
.
40
x 90
%
) belaufen und damit weit mehr
als das bei der Flugzeugreinigung erzielte Einkommen von
Fr.
24'53
2
.
2
0 betra
g
en.
Die Schlussfolgerung der IV-Stelle, dass kein Rentenanspruch besteht, erweist sich somit als korrekt, und die Beschwerde gegen die Verfügung vom
1
6.
März 2017 ist abzuweisen.
5.
5.1
Ebenfalls zu beurteilen ist die Beschwerde vom
8
.
September 2017
(Urk. 1
4
/1) gegen die Verfügung der IV-Stelle vom
11
.
Juli 2017
(Urk. 1
4
/2), mit welcher die
se
das Gesuch der Beschwerdeführerin (Urk.
10
/
47/4
) um Bestellung von
Rechts
anwalt
Bolzli
als unentgeltlichen Rechtsvertreter für das
Vorbescheid
ver
fahren
abwies.
5.2
Gemäss Art. 37 Abs.
4 ATSG wird der gesuchstellenden Person im Sozialver
siche
rungsverfahren ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo die Ver
hält
nisse es erfordern. Unentgeltliche
Verbeiständung
im Verwaltungsverfahren wird gewährt, wenn die Partei bedürftig ist, die Rechtsbegehren nicht aus
sichts
los erscheinen und die Vertretung im konkreten Fall
sachlich geboten ist (vgl. Art.
29 Abs
.
3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
). Eine anwaltliche Mitwirkung drängt sich nur in Ausnahmefällen auf, wenn schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen dies als notwendig erscheinen lassen und eine
Verbeiständung
durch Verbandsvertreter, Fürsorger oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen nicht in Betracht fällt.
5.3
In Bezug auf die Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung im Verwaltungs
verfahren gilt ein sehr strenger Massstab (vgl. das Urteil des Bundesgerichts
8C_717/2012 vom 8. November 2012 E. 3.5
).
Für d
ie
Annahme einer Notwen
dig
keit
anwaltlicher Vertretung wird
namentlich
vorausgesetzt, dass
de
r Fall
besondere Schwierigkeiten aufweist
.
Die von der Beschwerdeführerin einzig
vor
ge
brachten
fehlende
n
Rechts- und Deutschkenntniss
e (vgl. Urk. 1 S. 9 in Ver
bindung mit Urk. 14/1 S. 2) vermögen solche nicht zu begründen (Urteil des Bundesgerichts 8C_323/2013 vom 15. Januar 2014 E. 5.2.2).
Auch sonst bestehen keine Anhaltspunkte für besondere Schwierigkeiten des Falles.
Vielmehr
ist von einem
sachverhaltlich
und rechtlich relativ einfach gelagerten Verwaltungsverfahren auszugehen. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hätte sich die Beschwerdeführerin deshalb mit dem
Beizug
von
Fach- und Vertrauenspersonen sozialer Institutionen oder unentgeltlicher Rechts
beratungen behelfen können (Urteil des Bundesgerichts 8C_996/2012 vom 28. März 2013 E. 4.3.1 und 4.3.2 mit Hinweis auf das Urteil
8C_438/2012 vom 28.
Juni 2012 E. 2.2.1
).
Im Verfahren vor den kantonalen Versicherungsgerichten sind an die Notwen
dig
keit einer anwaltlichen Vertretung weniger strenge Anforderungen zu stellen als
im
Verwaltungsverfahren (Urteil des Bundesgerichts 9C_908/2012 vom 22. Februar 2013 E. 6). Damit kann die Beschwerdeführerin aus der Bestellung von Rechtsanwalt
Bolzli
als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das gerichtliche Beschwerdeverfahren n
ichts zu ihren Gunsten ableiten (vgl.
Urk.
14/1 S. 2).
Da
weder
die Vorbringen
der Beschwerdeführerin noch die Akten auf die Not
wendigkeit einer anwaltlichen Vertretung im
Vorbescheidverfahren
schliessen
lassen, bestand kein Anspruch auf unentgeltliche Rechtsvertretung
.
Die ange
fochtene
Verfügung vom 11. Juli 2017 (Urk. 14/2)
erweist sich
daher ebenfalls
als
rechtens, was zur Abweisung
auch
der Beschwerde
vom 8. September 2017
führt
.
6
.
6
.1
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um
die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invaliden
versiche
ru
ng vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art.
61
lit
. a ATSG kostenpflichtig, was für das Beschwerdeverfahren gegen die
Verfügung vom
16. März 2017 (Urk. 2)
gilt.
Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgesetzt. Vorliegend erweist sic
h eine Kostenpauschale von Fr. 7
00.--
als angemessen.
Ausgangsgemäss
ist sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, jedoch zufolge der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6
.2
Mit der Kostennote vom 2
0.
Februar 2019 (
Urk.
20) machte der unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
,
Rechtsanwalt Peter
Bolzli
für das einzig zu entschädigende Beschwerdeverfahren
einen Aufwand von
9
Stunden und
20
Minuten und Barauslagen von
Fr.
42.60
geltend, was der Sache angemessen ist. Dementsprechend ist er
mit
Fr.
2'095.90
zuzüglich
Fr.
167.40 Mehrwertsteuer (
8
%
auf
Fr.
1'998.20 und 7,7
%
auf
Fr.
97.70), gesamthaft mit
Fr.
2'263.30
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.