Decision ID: 42d97da7-31b5-5f91-b976-662116cd7732
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer ersuchte am 16. Oktober 2014 erstmals die
Schweiz um Asyl.
A.b Das SEM lehnte mit Verfügung vom 9. November 2017 das Asylge-
such ab, verfügte die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der
Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
A.c Die dagegen beim Bundesverwaltungsgericht erhobene Beschwerde
vom 14. Dezember 2017 wurde mit Urteil E-7106/2017 vom 15. Februar
2018 abgewiesen. Zur Begründung führte das Bundesverwaltungsgericht
im Wesentlichen aus, die Asylvorbringen des Beschwerdeführers seien un-
glaubhaft und nicht asylrelevant.
B.
Mit als «neues Asylgesuch» bezeichneter Eingabe vom 21. August 2018
gelangte der Beschwerdeführer erneut an das SEM.
Zur Begründung führte er – nebst den bereits im ersten Asylverfahren gel-
tend gemachten Vorbringen – aus, er habe aufgrund bisher verschwiege-
ner sowie neuer Asylgründe bei einer Rückkehr in sein Heimatland eine
asylrelevante Verfolgung zu befürchten. Wegen seines exilpolitischen En-
gagements (mehrmalige Teilnahme an Veranstaltungen und Gedenkfeiern
zum tamilischen Heroes Day in B._ und C._) sei er bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka gefährdet. Auch die familiären Beziehungen zu
ehemaligen Mitgliedern der Liberation Tigers of Tamil Eelam (nachfolgend:
LTTE), insbesondere zu seinem Bruder D._ (ZEMIS-Nr. [...]), dem
in der Schweiz Asyl gewährt worden sei, würden eine zusätzliche Gefähr-
dung begründen. Die bisherigen Asylvorbringen – die Hilfstätigkeiten zu-
gunsten der LTTE, die Unterstützung eines Mitglieds der Tamil National Al-
liance (nachfolgend: TNA) bei dessen Wahlkampf sowie die Vorkommnisse
im Zusammenhang mit einem Jobvermittlungs-Anlass der SLA (Sri Lanka
Army) an seinem College – vermöge er mittels neuer Beweismittel zu un-
termauern sowie zusätzlich zu präzisieren. Im Weiteren schätze das SEM
die aktuelle Menschenrechtslage in Sri Lanka – insbesondere in Bezug auf
die tamilische Minderheit – falsch ein. Schliesslich habe das SEM durch
die Beantragung von Ersatzreisepapieren einen umfassenden Back-
groundcheck in Sri Lanka ausgelöst, weshalb ihm bei einer Rückkehr asyl-
relevante Verfolgung drohe.
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Der Beschwerdeführer reichte als Beweismittel seiner Vorbringen insbe-
sondere zwei undatierte Fotos seiner exilpolitischen Aktivitäten, den Auf-
enthaltstitel seines Bruders in der Schweiz (in Kopie) ausgestellt am (...)
2018, eine Todesurkunde aus dem Jahr 2006 (in Kopie, samt Überset-
zung), seinen Studentenausweis aus dem Jahr 2010 (in Kopie), eine Job-
vermittlungseinladung aus dem Jahr 2014 (im Original, samt Übersetzung),
einen Wahlflyer (im Original) und eine Kandidatenliste (in Kopie) hinsicht-
lich einer Wahl im Jahr 2013 (im Original) und Zeitungsartikel betreffend
Freunde, die nach seiner Ausreise erschossen worden seien (im Original),
zu den Akten.
Für den weiteren Inhalt des Gesuchs samt den weiteren 53 eingereichten
Beweismitteln wird auf die Akten verwiesen.
C.
Mit Verfügung vom 27. September 2018 lehnte die Vorinstanz die Anträge
auf Durchführung einer Anhörung und auf Fristansetzung zur Einreichung
weiterer Beweismittel ab und stellte fest, dass der Beschwerdeführer die
Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Das Mehrfachgesuch und das qualifi-
zierte Wiedererwägungsgesuch lehnte sie – nach Beizug der Asylakten
des (angeblichen) Bruders – ab, soweit sie auf diese eintrat. Auf das Revi-
sionsgesuch trat sie nicht ein. Gleichzeitig erhob sie eine Gebühr, verfügte
die Wegweisung und beauftragte den Kanton E._ mit dem Vollzug
der Wegweisung.
D.
D.a Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 8. November 2018 ge-
gen diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und
ersuchte um Aufhebung der Verfügung vom 27. September 2018, um Fest-
stellung seiner Flüchtlingseigenschaft und um Asylgewährung. Eventuali-
ter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Subeventualiter sei die Unzulässigkeit und/oder die Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme zu verfü-
gen. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgelt-
lichen Rechtspflege, unter Beiordnung der Unterzeichnenden als unent-
geltliche Rechtsbeiständin. Zudem seien die Asylakten von D._
(ZEMIS-Nr. [...]) – angeblich ein Cousin des Beschwerdeführers – als Ver-
weisdossier beizuziehen und die Schweizer Vertretung zu beauftragen, im
Rahmen einer botschaftlichen Abklärung die eingereichten Urkunden (Ein-
ladung für Jobvermittlung, Todesurkunde betreffend F._ – sein
E-6357/2018
Seite 4
früherer Nachbar und Lehrer, dem er geholfen habe, LTTE-Kämpfer zu ver-
sorgen – und den Zeitungsbericht [...] 2016) auf Echtheit zu überprüfen.
D.b Im Sinne eines Subeventualantrages ersuchte der Beschwerdeführer
darum, es sei die vorliegende Beschwerde als Revisionsgesuch entgegen-
zunehmen und im wiederaufzunehmenden Beschwerdeverfahren sei die
Verfügung vom 27. September 2018 aufzuheben, seine Flüchtlingseigen-
schaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren, sowie eventualiter die Sa-
che zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, subeventualiter
die Unzulässigkeit und/oder die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme zu verfügen.
Das solchermassen gestellte Revisionsgesuch wurde beim Gericht unter
der Verfahrensnummer E-7484/2018 registriert und weitergeführt. Das vor-
liegende Verfahren wird mit diesem koordiniert behandelt.
D.c Der Beschwerde vom 8. November 2018 lagen mehrere Zeitungsbe-
richte – wovon jener vom (...) 2016 inklusive Übersetzung – bei.
E.
Am 9. November 2018 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-
gang der Beschwerde.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 23. November 2018 forderte die zuständige
Instruktionsrichterin Rechtsanwältin Clivia Wullimann auf, innert Frist eine
Vollmacht sowie einen Bedürftigkeitsbeleg des Beschwerdeführers nach-
zureichen.
G.
Mit Eingabe vom 10. Dezember 2018 reichte die Rechtsvertreterin die Ko-
pie der Anwaltsvollmacht, eine Unterstützungsbestätigung sowie eine Ein-
willigungserklärung von D._ betreffend Akteneinsicht ein.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 27. Februar 2019 hiess die zuständige Instruk-
tionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Gleichzeitig wies sie das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung ab
und lud die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung innert Frist
ein.
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Seite 5
I.
In ihrer Vernehmlassung vom 5. März 2019 hielt die Vorinstanz vollumfäng-
lich an ihren Erwägungen fest und führte an, sie habe die Asylverfahrens-
akten des angeblichen Cousins des Beschwerdeführers bereits bei der Be-
urteilung des Mehrfachgesuchs vom 21. August 2018 als Verweiserdossier
beigezogen. Im Mehrfachgesuch vom 21. August 2018 sei dieser als Bru-
der des Beschwerdeführers bezeichnet worden; eine Kopie von dessen
Aufenthaltsbewilligung B liege als Beweismittel in den Akten.
Das Doppel der Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am
8. März 2019 zur Kenntnis zugestellt.
J.
Mit Schreiben vom 19. Februar 2021 beantwortete die zuständige Instruk-
tionsrichterin eine Verfahrensstandanfrage des Migrationsamts des Kan-
tons E._ vom 12. Februar 2021.
K.
Mit unter Verfahrensnummer E-7484/2018 eingegangener Revisionsver-
besserung vom 3. September 2021 zeigte der Beschwerdeführer die neus-
ten Entwicklungen der Gefährdungslage in Sri Lanka auf, welche sich di-
rekt auf ihn auswirken würden und im vorliegenden Beschwerdeverfahren
zu berücksichtigen seien.
Der Eingabe waren mehrere öffentliche Berichte betreffend die allgemeine
Lage in Sri Lanka beigelegt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
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Seite 6
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1
VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-
treten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und
Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.5 Die Beschwerdebegehren beschränken sich in materieller Hinsicht
sinngemäss auf die Anfechtung der Nichtanerkennung der Flüchtlingsei-
genschaft, der Ablehnung des Asyls sowie der Anordnung der Wegweisung
sowie des Wegweisungsvollzugs, mithin die Dispositivziffern 3 – 5 und
8 – 10 der angefochtenen Verfügung. Die Verfügung des SEM vom
27. September 2018 ist demnach hinsichtlich der Dispositivziffern 1, 2, 6
und 7 in Rechtskraft erwachsen.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Wird nach einem erfolglos durchlaufenen Asylverfahren ein Gesuch um
Feststellung der Flüchtlingseigenschaft aufgrund neuer Vorbringen einge-
reicht, ist dieses als neues Asylgesuch unter den Voraussetzungen des
Art. 111c AsylG zu prüfen (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.6). Ein Wiedererwä-
gungsverfahren im Sinne von Art. 111b AsylG wird eingeleitet, wenn sich
die nachträgliche Veränderung der Sachlage (nur) auf den Wegweisungs-
vollzugspunkt bezieht.
Werden indessen nach Abschluss des ordentlichen Beschwerdeverfahrens
neue Beweismittel nachgereicht, die erst nach dem Urteil erstellt wurden,
mit denen aber vorbestandene Tatsachen belegt werden sollen, ist von ei-
nem sogenannten «qualifizierten Wiedererwägungsgesuch» auszugehen
(vgl. BVGE 2013/22 E. 5.4 und E. 11.4. f. m.w.H.). Massgeblich ist in die-
sem Fall Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG.
4.
Die Vorinstanz qualifizierte die Vorbringen des Beschwerdeführers und
seine neu eingereichten Beweismittel in Anwendung der massgebenden
Gesetzesbestimmungen über ausserordentliche Rechtsmittel und Mehr-
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Seite 7
fachgesuche zu Recht differenziert als Mehrfachgesuch respektive zweites
Asylgesuch und (qualifiziertes) Wiedererwägungsgesuch. Erhöhte Former-
fordernisse sind im Rahmen von ausserordentlichen Rechtmitteln zulässig
respektive vom Gesetzgeber ausdrücklich so gewollt (vgl. BVGE 2014/39
E. 4.5).
5.
Der Beschwerdeführer rügt eine unvollständige und unrichtige Sachver-
haltsabklärung und damit eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör (vgl. Beschwerde S. 5 f. und 10). Diese formellen Rügen sind vorab
zu prüfen, da sie allenfalls zur Kassation und Rückweisung der Sache an
die Vorinstanz führen können.
5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE
2009/35 E. 6.4.1 m.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der
Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in
ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich
ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-
einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen
Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver-
haltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach-
verhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind;
unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen
Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal-
tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013,
Rz. 1043).
5.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, die Vorinstanz habe sich nicht mit
sämtlichen Vorbringen und den neu eingereichten Beweismitteln auseinan-
dergesetzt respektive nicht sämtliche Umstände gewürdigt. Das SEM habe
pauschal festgestellt, dass die Gefährdung trotz der neuen Beweismittel
nicht gegeben sei. Die geltend gemachten neuen Gefährdungsmerkmale
hätte das SEM als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch prüfen müssen.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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Seite 8
Indem es auf diverse Vorbringen (u.a. betreffend sein exilpolitisches Enga-
gement und die Vorbringen in Zusammenhang mit der Tötung des Lehrers
und der Freunde) nicht eingetreten sei, habe es den Anspruch auf rechtli-
ches Gehör verletzt (vgl. Beschwerde S. 5 f. und 10).
5.3 Nach Prüfung der Akten erweisen sich weder die Rügen der Verletzung
der Begründungspflicht (vgl. BVGE 2016/9 E. 5.1) noch der unrichtigen
Sachverhaltsfeststellung (vgl. BVGE 2016/2 E. 4.3) als begründet. Viel-
mehr ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die (sich aus dem Un-
tersuchungsgrundsatz ergebende) Frage der Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhalts mit derjenigen der rechtlichen Würdigung dieses
Sachverhalts vermengt. Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfü-
gung – unter Berücksichtigung der eingereichten Beweismittel (Fotos be-
treffend exilpolitische Tätigkeiten, Aufenthaltsbewilligung des angeblichen
Bruders, diverse ältere Beweismittel betreffend die bereits im ersten Ver-
fahren geprüften Fluchtgründe, zahlreiche Berichte betreffend die allge-
meine Lage in Sri Lanka) – die wesentlichen Überlegungen genannt, von
denen sie sich hat leiten lassen. Die angefochtene Verfügung enthält eine
angemessene und hinreichende Darstellung des massgeblichen Sachver-
halts, die es erlaubt, die Erwägungen der Vorinstanz nachzuvollziehen, na-
mentlich weshalb sie sich teilweise als funktionell unzuständig erachtet
oder das Mehrfachgesuch respektive qualifizierte Wiedererwägungsge-
such ablehnt beziehungsweise darauf nicht eintritt. Die Vorinstanz hat auch
mögliche Wegweisungsvollzugshindernisse ausreichend geprüft. Wie die
vorliegende Beschwerde zeigt, war eine sachgerechte Anfechtung der vor-
instanzlichen Verfügung möglich. Ob die Vorinstanz zu Recht auf das Ge-
such teilweise nicht eingetreten ist und der Umstand, dass sie aus sachli-
chen Gründen zu einer anderen Würdigung der Vorbringen gelangt, als
vom Beschwerdeführer verlangt, spricht nicht für eine ungenügende Sach-
verhaltsfeststellung, sondern ist nachfolgend – gegebenenfalls im Rahmen
der materiellen Würdigung der Argumente der Parteien – zu prüfen (vgl.
E. 9).
5.4 Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, die Verfügung aus
formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzu-
weisen. Das entsprechende Rechtsbegehren ist abzuweisen.
6.
6.1 Die Vorinstanz führt zur Begründung der angefochtenen Verfügung
aus, hinsichtlich des exilpolitischen Engagements sowie der verwandt-
schaftlichen Beziehungen des Beschwerdeführers zu mutmasslichen ehe-
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Seite 9
maligen LTTE-Mitgliedern liege ein wiederholt gleichbegründetes Mehr-
fachgesuch vor, auf das nicht einzutreten sei. Weder aus den Ausführun-
gen in der Eingabe vom 21. August 2018 noch aus den eingereichten Be-
weismitteln (zwei undatierte Fotos, die ihn anlässlich der Teilnahme an ei-
ner tamilischen Veranstaltung zeigen würden) gehe hervor, dass er sich
über das bereits im ersten Beschwerdeverfahren bekannte Engagement
hinaus politisch betätigen würde. Es sei zudem nicht ersichtlich, inwiefern
das mit Eingabe vom 21. August 2018 geltend gemachte Vorbringen, wo-
nach der angebliche Bruder in der Schweiz über eine Aufenthaltsbewilli-
gung verfüge, eine neue Sachlage in Bezug auf seine Flüchtlingseigen-
schaft zu begründen oder an der vom Gericht vorgenommenen Risikoein-
schätzung etwas zu ändern vermöchte. Ebensolches würde auch in Bezug
auf allfällige weitere Unterlagen zu Familienmitgliedern mit angeblichem
LTTE-Hintergrund gelten, weshalb der Antrag auf Fristansetzung zur Ein-
reichung weiterer Beweismittel abzuweisen sei.
Das Gesuch um qualifizierte Wiedererwägung und das Mehrfachgesuch
hinsichtlich der Ereignisse und Entwicklungen betreffend die aktuelle Men-
schenrechtslage in Sri Lanka (seit Rechtskraft des Asylentscheids und in
Berücksichtigung der Beweismittel, die nach dem Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts vom 15. Februar 2018 entstanden seien) seien abzuweisen.
Die aufgeführten Entwicklungen und eingereichten Beweismittel vermöch-
ten zu keiner anderen Einschätzung der Gefährdungslage des Beschwer-
deführers zu führen, zumal diese keinen erkennbaren und direkten Bezug
zu ihm aufweisen würden. Die in diesem Zusammenhang eingereichten
Beweismittel seien somit nicht rechtserheblich.
Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lasse den Wegwei-
sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als generell unzulässig erschei-
nen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) habe
mehrfach festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurück-
kehrenden Tamilinnen und Tamilen drohe in Sri Lanka unmenschliche Be-
handlung. Weder aus dem Mehrfachgesuch, dem qualifizierten Wiederer-
wägungsgesuch noch aus den weiteren Akten würden sich Anhaltspunkte
dafür ergeben, dass dem Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in den
Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK
verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Ferner sei der Wegweisungsvoll-
zug in die Nordprovinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zu-
mutbarkeitskriterien bejaht werden könne. Aus den Akten würden sich
keine individuellen Gründe ergeben, die seinen Wegweisungsvollzug nach
Sri Lanka als unzumutbar erscheinen lassen würden. Seine Familie lebe
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Seite 10
nach wie vor in Sri Lanka, so dass davon auszugehen sei, dass er vor Ort
über ein bestehendes soziales Beziehungsnetz verfüge und auf eine gesi-
cherte Wohnsituation zurückgreifen könne. Angesichts seiner Schulbildung
und Arbeitserfahrung sei zu erwarten, dass er in der Lage sein werde, sich
eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen. Darüber hinaus sei er jung und
seine Landesabwesenheit betrage derzeit lediglich rund (...) Jahre.
6.2 Auf Beschwerdeebene entgegnet der Beschwerdeführer im Wesentli-
chen, sämtliche vorhandenen Beweismittel – inklusive der mit Beschwerde
eingereichte Zeitungsbericht im Zusammenhang mit der Tötung des Nach-
bars, welcher durch die Botschaft zur Abklärung zu unterbreiten sei – wür-
den die Glaubhaftigkeit und die asylrelevante Verfolgung des Beschwerde-
führers untermauern. Aufgrund des aktuellen «Polit-Putsches» in Sri Lanka
sei die Lage für den Beschwerdeführer noch dramatischer geworden. Zu-
dem gehöre er zur bestimmten sozialen Gruppe der abgewiesenen Asyl-
gesuchsteller, welche bei der Rückkehr nach Sri Lanka mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit systematisch aufgrund eines Generalverdachtes der
Unterstützung der LTTE durch die sri-lankischen Behörden verhaftet und
gefoltert würden. Er weise ein Profil auf, welches ihn bei einer Rückkehr in
asylrelevanter Weise in Gefahr bringen würde. Wegen der Mitgliedschaft
bei den LTTE sowie der Vorfälle unmittelbar vor seiner Ausreise sei er
staatlichen Verfolgungsmassnahmen in Sri Lanka ausgesetzt. Zudem
werde er dort auch seit seiner Ausreise weiterhin behördlich gesucht. Auf-
grund der verschiedene und kumulierten Risikofaktoren sei von seiner
Flüchtlingseigenschaft auszugehen.
Der Beschwerdeführer, mit seiner Vorgeschichte und durch seinen Aufent-
halt im Ausland, falle in die bestimmte Gruppe zurückgeschaffter tamili-
scher Asylgesuchsteller, die jederzeit Opfer einer Verhaftung und von Ver-
hören unter Anwendung von Folter werden könnten, weshalb die Unzuläs-
sigkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen sei. Des Weiteren würden
bei ihm keine begünstigenden Faktoren vorliegen, gemäss welchen man
einen Wegweisungsvollzug nach Sri Lanka als zulässig (recte: zumutbar)
erachten könnte.
6.3 In ihrer Vernehmlassung hält die Vorinstanz vollumfänglich an ihren Er-
wägungen fest und ergänzt, sie habe die Asylverfahrensakten des angeb-
lichen Cousins des Beschwerdeführers bereits bei der Beurteilung des
Mehrfachgesuches vom 21. August 2018 als Verweiserdossier beigezo-
gen. Die fragliche Person sei im Mehrfachgesuch vom 21. August 2018
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Seite 11
noch als sein Bruder bezeichnet worden; eine Kopie dessen Aufenthalts-
bewilligung B liege als Beweismittel Nr. 3 (vgl. Akte B2) bei den Akten.
6.4 In seiner Eingabe vom 3. September 2021 weist der Beschwerdeführer
unter Hinweis auf entsprechende öffentlich zugängliche Berichte ergän-
zend auf die aktuelle Lage in Sri Lanka hin, die bei der Prüfung des vorlie-
genden Verfahrens zu berücksichtigen sei.
7.
7.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
7.2 Nach Art. 54 AsylG (subjektive Nachfluchtgründe) wird Flüchtlingen
kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder
Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge
im Sinne von Art. 3 AsylG wurden. Personen mit subjektiven Nachflucht-
gründen erhalten zwar kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig
aufgenommen. Massgebend ist dabei einzig, ob die heimatlichen Behör-
den das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und
dieser deswegen bei einer Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung
im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben damit die Anforde-
rungen an den Nachweis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und
7 AsylG; vgl. zum Ganzen auch BVGE 2009/29 E. 5.1 und 2009/28 E. 7.1).
7.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
8.
Die Gründe des Beschwerdeführers, die diesen zum Verlassen des Landes
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Seite 12
im August 2014 veranlasst haben sollen (Engagement für die TNA, Verfol-
gung durch die sri-lankischen Behörden und die SLA) wurden bereits
rechtskräftig für nicht glaubhaft beziehungsweise – mangels Angaben kon-
kret erlittener Nachteile und konkreten Verfolgungsinteresses der sri-lanki-
schen Behörden – nicht asylrelevant befunden (vgl. Urteil E-7106/2017
vom 15. Februar 2018 E. 12.2).
Die mit Eingabe vom 21. August 2018 eingereichten Beweismittel im Zu-
sammenhang mit den Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend die
Hilfstätigkeiten zugunsten der LTTE, die Unterstützung eines Mitglieds der
TNA bei dessen Wahlkampf, die Vorkommnisse im Zusammenhang mit
dem Jobvermittlungsanlass der SLA an seinem College sowie einige Artikel
hinsichtlich der allgemeinen Lage in Sri Lanka datieren allesamt vor dem
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 15. Februar 2018. Entgegen
der Einschätzung des Beschwerdeführers, wonach diese als qualifiziertes
Wiedererwägungsgesuch zu prüfen gewesen wären (vgl. Beschwerde
S. 5), hat die Vorinstanz zu Recht festgehalten, dass diese Vorbringen im
Rahmen des Revisionsgesuchs zu prüfen sind.
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist somit einzig, ob die nunmehr
neuen  nach dem letzten rechtskräftigen Urteil vom 15. Februar 2018 ent-
standenen  Sachverhalte und dazu gehörigen Beweismittel (weitere fami-
liäre Verbindungen zu den LTTE, Risikoprofil bei der Rückkehr aufgrund
der neuen politischen Lage im Heimatland, und sein exilpolitisches Enga-
gement) zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft führen.
9.
Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die vorinstanzlichen Erwägungen zu bestätigen sind. Zur
Vermeidung von Wiederholungen ist somit vorab auf diese zu verweisen.
9.1 Die Vorinstanz hat das Gesuch vom 21. August 2018 betreffend das
exilpolitische Engagement und der familiären Verbindungen zu den LTTE
des Beschwerdeführers sowie die neuesten politischen Ereignisse mit Be-
zug auf die Flüchtlingseigenschaft zu Recht als Mehrfachgesuch im Sinne
von Art. 111c AsylG behandelt, da damit hauptsächlich Vorbringen darge-
legt werden, die eine neue Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft im Sinne
von Art. 3 AsylG betreffen und das Gesuch zudem die formellen Voraus-
setzungen (schriftliche, begründete Eingabe innert fünf Jahren nach Eintritt
der Rechtskraft, vgl. dazu auch: BVGE 2014/39 E. 4.3 und E. 5.5) erfüllt.
E-6357/2018
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9.1.1 Den beiden mit Eingabe vom 21. August 2021 eingereichten Fotos,
welche den Beschwerdeführer bei der Teilnahme an einer tamilischen Ver-
anstaltung zeigen sollen, lässt sich nicht entnehmen, wann diese aufge-
nommen worden sind. Weder in der erwähnten Eingabe noch auf Be-
schwerdeebene wird ausgeführt, inwiefern sich das vom Bundesverwal-
tungsgericht mit Urteil vom 15. Februar 2018 als niederschwellig einge-
stufte exilpolitische Engagement seither intensiviert hätte, so dass eine
Schärfung seines Profils angenommen werden müsste. Dementsprechend
hat die Vorinstanz zutreffend festgehalten, dass das Begehren des Ge-
suchstellers im Wesentlichen auf die Neubeurteilung eines Sachverhalts
abzielt, mit dem sich das Bundesverwaltungsgericht bereits materiell aus-
einandergesetzt hatte (vgl. Urteil E-7106/2017 vom 15. Februar 2018
E. 12.3), und ist zu Recht auf das Mehrfachgesuch mangels funktioneller
Zuständigkeit – sollten die Fotografien von vor dem rechtskräftigen Urteil
vom 15. Februar entstanden sein – respektive wegen wiederholt gleichbe-
gründetem Mehrfachgesuch nicht eingetreten.
9.1.2 Die mit Eingabe vom 21. August 2018 eingereichte Aufenthaltsbewil-
ligung des Bruders respektive Cousins des Beschwerdeführers, der ein
identisches Risikoprofil aufweise, wurde bereits vor dem erstinstanzlichen
bundesverwaltungsgerichtlichen Urteil ausgestellt. Die entsprechenden
Asylverfahrensakten wurden von der Vorinstanz beigezogen (vgl. B4 S. 5).
Aus dem vorgebrachten Dokumente geht nicht hervor, dass wegen diesem
angeblichen Verwandtschaftsverhältnis eine (neue) flüchtlingsrechtlich re-
levante Gefährdungslage vorliegt. Die Vorinstanz hält daher zu Recht fest,
dass das Bundesverwaltungsgericht bereits in seinem Urteil vom 15. Feb-
ruar 2018 ausführte, der Beschwerdeführer vermöge aus den geltend ge-
machten verwandtschaftlichen Beziehungen zu ehemaligen LTTE-Mitglie-
dern keine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung seiner Person abzu-
leiten. Die Vorinstanz ist damit zu Recht aufgrund der wiederholt gleichen
Asylbegründung sowie mangels Erheblichkeit (recte: Unbegründetheit) des
eingereichten Beweismittels nicht auf das Mehrfachgesuch eingetreten.
9.2 Auch unter Berücksichtigung der nach Abschluss des letzten Asylver-
fahrens entstandenen, auf der eingereichten CD-ROM abgespeicherten
Beweismittel (welche sich im Wesentlichen auf die allgemeine Situation in
Sri Lanka beziehen, ohne dabei einen konkreten Bezug zum Beschwerde-
führer erkennen zu lassen) bestehen weiterhin keine stichhaltigen Gründe
zur Annahme, dass der Beschwerdeführer einer der im Referenzurteil
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 genannten Risikogruppen zuzurechnen ist.
An dieser Schlussfolgerung vermag auch der schwach risikobegründende
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Faktor der Herkunft aus dem Norden des Landes nichts zu ändern. Es sind
aufgrund der derzeitigen Aktenlage keine massgeblichen Hinweise dafür
ersichtlich, dass er ins Visier der sri-lankischen Behörden geraten könnte
und diese ein potenzielles Verfolgungsinteresse an ihm haben könnten.
Die jüngsten politischen Entwicklungen haben nicht zu einer Situation ge-
führt, die zu einer Änderung der im Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 (E. 8) entwickelten Risikoprofile Anlass geben könnte, die
auch nach dem Machtwechsel vom November 2019 Gültigkeit haben (vgl.
statt vieler Urteil des BVGer E-6312/2019 vom 5. August 2021 E. 5.2.1).
Auch wenn mit dem aufgrund der Präsidentschaftswahl erfolgten Macht-
wechsel von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage von Per-
sonen mit einem Risikoprofil im Sinne des Referenzurteils E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 (E. 8) auszugehen ist, besteht zum heutigen Zeitpunkt
weder Grund zur Annahme, dass ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv ei-
ner Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären, noch dass der Beschwerdeführer
individuell in den Fokus der Behörden geraten wäre. Die Vorinstanz hat
das Mehrfachgesuch (in Bezug auf die nachträgliche Veränderung der
Sachlage) und das qualifizierte Wiedererwägungsgesuch (in Bezug auf die
neuen Beweismittel) zu Recht abgewiesen.
10.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die Flücht-
lingseigenschaft nicht erfüllt und das SEM auch sein zweites Asylgesuch
sowie Wiedererwägungsgesuch zu Recht abgelehnt hat, soweit es darauf
eintrat.
Die Anträge um Beizug der Asylakten seines Bruders respektive Cousins
sowie um Überprüfung auf Echtheit der eingereichten Dokumente (Einla-
dung für Jobvermittlung, Todesurkunde und Zeitungsbericht vom [...] 2016)
im Rahmen einer botschaftlichen Abklärung sind entsprechend ebenfalls
abzuweisen.
11.
11.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-1866/2015 http://links.weblaw.ch/BVGer-E-1866/2015
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11.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
12.
12.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
12.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
12.2.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
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12.2.2 Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den
Akten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.). Dies gelingt ihm nicht. Die allgemeine Menschenrechtssituation in
Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als
unzulässig erscheinen (vgl. dazu BVGE 2011/24 E. 10.4 und Referenzur-
teil E-1866/2015 E. 12.2). Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssitua-
tion namentlich für Tamilen, die aus einem europäischen Land zurückkeh-
ren müssen, wiederholt befasst (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil
vom 19. September 2013, Nr. 10466/11; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom
20. Januar 2011, Nr. 20594/08; P.K. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Ja-
nuar 2011, Nr. 54705/08; Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen
Polen, Entscheidung vom 11. Juli 2017, Beschwerde Nr. 44114/14). Der
EGMR hat dabei festgehalten, dass nicht in genereller Weise davon aus-
zugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Be-
handlung.
12.2.3 Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte da-
für, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über
einen sogenannten «Background Check» (Befragung und Überprüfung
von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er
persönlich gefährdet wäre.
12.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zur Einschätzung, dass sich
die jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka nicht in relevanter
Weise auf den Beschwerdeführer auswirken dürften. Die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heu-
tigen Zeitpunkt weiterhin nicht als unzulässig erscheinen.
12.2.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
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Seite 17
12.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG  die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
12.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt; dies gilt auch unter
Berücksichtigung der (sicherheits-)politischen Ereignisse in den vergange-
nen Jahren (vgl. statt vieler Urteil des BVGer D-1211/2021 vom 30. August
2021 E. 9.3.1). Gemäss nach wie vor gültiger Rechtsprechung ist der Weg-
weisungsvollzug in die Ost- und Nordprovinz weiterhin zumutbar, wenn das
Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz
eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aus-
sichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht wer-
den kann (vgl. Referenzurteile E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2 und
D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5).
Auch die politischen Entwicklungen, namentlich der im Nachgang an die
Terroranschläge in Sri Lanka im April 2019 ausgerufene Notstand und die
Terrorbekämpfung, der beschriebene Kompetenzzuwachs des Militärs so-
wie die Präsidentschaftswahl im Jahr 2019 lassen keine andere Einschät-
zung zu. Angesichts der jüngsten politischen Geschehnisse herrscht eben-
falls keine gänzlich unsichere, von bewaffneten Konflikten oder anderen
unberechenbaren Unruhen dominierte Lage im Heimatstaat, aufgrund de-
rer Rückkehrer unabhängig ihres individuellen Hintergrunds konkret ge-
fährdet sind.
12.3.2 Der Wegweisungsvollzug wurde im Übrigen bereits im ersten Asyl-
verfahren als zumutbar erachtet. Mangels gegenteiliger Angaben in der Be-
schwerde ist davon auszugehen, dass weiterhin diverse Verwandte in Sri
Lanka leben. Somit wird der Beschwerdeführer nach seiner Rückkehr in
sein Heimatland sowohl auf die Unterstützung seiner Angehörigen zählen
können und eine Unterkunftsmöglichkeit vorfinden, als auch in der Lage
sein, sich dank seiner beruflichen Erfahrungen wirtschaftlich wieder zu in-
tegrieren.
12.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
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12.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
12.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 14 AIG).
13.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und  soweit diesbezüglich
überprüfbar  angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
14.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde das mit Be-
schwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 27. Feb-
ruar 2019 gutgeheissen. Den Akten ist nicht zu entnehmen, dass der Be-
schwerdeführer arbeitstätig wäre, weshalb nicht von einer veränderten fi-
nanziellen Situation auszugehen ist. Somit sind keine Verfahrenskosten zu
erheben.
(Dispositiv nächste Seite)
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