Decision ID: d7aa13a7-ce85-5152-a2f1-343eb9bbe02f
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marco Bivetti, Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich am 3. Dezember 2007 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1).
Die B._AG teilte der IV-Stelle im Dezember 2007 mit, sie beschäftige die Versicherte
als Küchenhilfe. Das Arbeitspensum betrage 34 Std. bei einer betrieblichen Arbeitszeit
von 42 Std. Der AHV-beitragspflichtige Lohn habe sich 2007 auf Fr. 31'412.- belaufen
(Stundenlohn Fr. 20.33, 13. Monatslohn Fr. 2209.75). Gemäss den Lohnausweisen
hatte die Versicherte 2005 Fr. 29'179.- und 2006 Fr. 31'673.- verdient (IV-act. 11). Dr.
med. C._, Arzt für Allgemeine Medizin, berichtete der IV-Stelle am 14. Dezember
2007, die Versicherte leide an einem panvertebralen Syndrom. Sie sei seit dem 10.
Oktober 2007 in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig. In einer
leichten bis mittelschweren Arbeit wäre eine Beschäftigung in einem reduzierten
zeitlichen Ausmass denkbar (IV-act. 12). Dr. med. D._, Rheumatologie, hatte Dr.
C._ am 14. Dezember 2006 folgende Diagnosen mitgeteilt: Verdacht auf ein
Carpaltunnelsydrom bds., chronisches zervikobrachiales Syndrom bds. (bei
segmentalen Dysfunktionen und muskulären Dysbalancen), beginnende
Dupuytren'sche Kontraktur IV bds., St. n. komplizierter Unterschenkelfraktur links mit
Weichteildefekt (1981), chronische nächtliche Oberbauchbeschwerden (IV-act. 12-6/9
bis 9/9). Die Klinik Stephanshorn hatte dem Hausarzt am 12. Oktober 2007 angegeben,
eine lumbale-vertebrospinale Kernspintomographie habe u.a. eine Diskushernie L4/5
aufgezeigt, die möglicherweise eine Wurzelirritation ohne Kompression bewirke (IV-act.
12-5/9). Dr. med. E._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete der IV-Stelle
am 21. Februar 2008, die Versicherte leide an einer anhaltenden depressiven Störung
mittelschwerer Ausprägung mit im Vordergrund stehenden generalisierten
panvertebralen Rückenschmerzen mit Symptomausweitung in den ganzen Körper,
emotionaler Labilität, Störung der Vitalgefühle und schweren Schlafstörungen (ICD-10
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F38.8). Die Versicherte klage über intensive, andauernde panvertebrale Rücken-, vor
allem Kreuzschmerzen, die sich in alle vier Extremitäten, vor allem in das linke Bein bis
in die Zehenspitzen ausdehnten. Sie müsse andauernd die Position wechseln
(abwechslungsweise sitzen, stehen, laufen, liegen), um die Beschwerden zu erleichtern.
Schmerzen im linken Nackenbereich verbreiteten sich blitzschlagartig in den linken
Kopfteil, worauf sich dieser wie eingeschlafen anfühle. Weiter klage die Versicherte
über periodisch auftretende starke Nacken- und Kopfschmerzen. Beim Laufen oder
Stehen während mehr als einer Viertelstunde trete ein Schwächegefühl mit Zittern in
beiden Beinen auf, worauf sie sich sofort hinsetzen oder hinlegen müsse. Die
dauernden Schmerzen hätten zur Folge, dass die Versicherte sehr erschöpft und
kraftlos sei. Sie schlafe wegen der Schmerzen in der Nacht nur zwei bis drei Stunden.
Manchmal gebe es drei schlaflose Nächte hintereinander. Die Versicherte wolle alles
versuchen, um wieder ein schmerzfreies Leben führen zu können. Dr. E._ führte
weiter aus, während des Untersuchs habe die Versicherte nicht ruhig auf dem Stuhl
sitzen können. Sie sei mehrmals aufgestanden und dann schonend-vorsichtig, langsam
und nach vorn gebeugt in der Praxis hin und her gelaufen. Psychopathologisch habe
sie sich bewusstseinsklar und allseits orientiert präsentiert. Sie sei aber
psychomotorisch antriebsarm und antriebsgehemmt gewesen. Die Mnestik sei nicht
grob beeinträchtigt gewesen. Das Denken sei geordnet, jedoch langsam, etwas
umständlich und teilweise undifferenziert, inhaltlich auf die gesundheitlichen Umstände
fokussiert gewesen. Affektiv habe sich eine affektarme und andauernde
Grundstimmung mittelschwerer Ausprägung mit im Vordergrund stehenden
panvertebralen Rückenschmerzen mit Symptomausweitung in den ganzen Körper,
Unwohlsein bei Alleinsein, schwerer Störung der Vitalgefühle und schweren
Schlafstörungen präsentiert. Trotz guter Motivation und regelmässiger Therapie sei die
Prognose ungünstig. Die Versicherte sei in jeder Art von Tätigkeit zu 100%
arbeitsunfähig. Dr. E._ begründete das mit den generalisierten panvertebralen
Rückenschmerzen mit Symptomausweitung in den ganzen Körper ohne genügendes
Ansprechen auf Analgetika und mit der depressiven Entwicklung mit schweren
Schlafstörungen (IV-act. 21). Dr. med. F._ vom RAD empfahl am 25. Februar 2008
eine bidisziplinäre Begutachtung (IV-act. 22).
B.
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Dr. C._ teilte der IV-Stelle am 25. März 2008 mit, die Versicherte sei im Auftrag des
Krankenversicherers durch die Klinik Valens interdisziplinär abgeklärt worden (IV-act.
26). Die Ärzte der Klinik Valens hielten in ihrem Bericht vom 7. März 2008 an den
Krankenversicherer fest, im Rahmen der klinisch rheumatologischen Untersuchung
hätten sie eine deutliche Fehlform der Wirbelsäule (Hohl-Rundrücken, lumbal links-,
thorakal rechtskonvexe Skoliose, Shift der Wirbelsäule nach links, deutliche
Haltungsinsuffizienz) gesehen. Zudem seien deutliche muskuläre Befunde im Bereich
der unteren BWS, der LWS und des Beckengürtels linksbetont zu finden gewesen. Die
Wirbelsäulenbeweglichkeit sei im BWS- und im LWS-Bereich mässiggradig
eingeschränkt gewesen. Neurologisch habe sich trotz einer medialen Diskushernie L4/5
mit Anulusriss aktuell keine lumbale radikuläre Ausfallsymptomatik objektivieren lassen.
Die angegebenen Hyposensibilitäten im ganzen linken Bein seien diffus und nicht
dermatombezogen gewesen. Von rheumatologischer Seite sei die Diagnose eines
chronischen lumbospondylogenen Syndroms zu stellen. Aufgrund der
Nackenschmerzen, die ebenfalls auf die Fehlform und Fehlhaltung der Wirbelsäule und
auf die muskulären Befunde zurückzuführen seien, könne die Diagnose eines
zervikozephalen und zervikospondylogenen Syndroms links angefügt werden.
Ergonomisch bestehe das arbeitsbezogene Hauptproblem in einer allgemein
verminderten Leistungsbereitschaft und Belastungstoleranz. Die Versicherte sei kaum
bereit gewesen, sich in der Untersuchung und in den Belastungstests zu belasten und
dabei ein gewisses Mass an unvermeidbaren Schmerzen zu tolerieren. Sie sei stark auf
ihre Schmerzen fixiert gewesen und habe ein demonstratives Schmerzverhalten
gezeigt. Psychiatrischerseits sei ein aktuell leichtes, reaktiv depressives Geschehen im
Sinn einer Anpassungsstörung, am ehesten mit vorwiegender Beeinträchtigung von
anderen Gefühlen (leichte Depression, Zukunftsängste, Sorgen, Anspannung,
Reizbarkeit bzw. Ärger), festzustellen gewesen. Eine multimodale stationäre
Rehabilitation sei geeignet, den Zustand rasch und nachhaltig zu bessern. Neben einer
muskelstabilisierenden und die Kraftausdauer fördernden Physiotherapie müsste die
antidepressive Therapie forciert werden. Aktuell sei die Versicherte für eine sehr leichte
und wechselbelastende Arbeit zu 50% arbeitsfähig. Mittels des empfohlenen
Therapieprogramms könnte die Arbeitsfähigkeit nachhaltig verbessert werden, so dass
eine erfolgreiche Wiedereingliederung ins Erwerbsleben ermöglicht würde (IV-act.
27-9/20 bis 12/20). Der psychosomatische Dienst der Klinik Valens hatte am 3. März
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2008 angegeben, bei der depressiven Verstimmung sei die Versicherte zu mindestens
50% arbeitsfähig. Sobald die Versicherte besser schlafe, sollte sich die Arbeitsfähigkeit
verbessern (IV-act. 27-8/20). Dr. F._ vom RAD hielt am 9. April 2008 fest, der
Ausgang der stationären Rehabilitation in Valens müsse abgewartet werden (IV-act.
28). Die Klinik Valens berichtete am 21. Mai 2008, folgende Diagnosen seien erhoben
worden: chronisches lumbospondylogenes Syndrom (Fehlform und Fehlhaltung der
Wirbelsäule, muskuläre Dysbalance, Chondrose L4/5, Hyperlaxizität,
Karpaltunnelsyndrom bds., Anpassungsstörung (medikamentös eingestellt) sowie -
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - arterielle Hypertonie (medikamentös eingestellt).
Der Gesundheitszustand sei besserungsfähig. Die Versicherte habe motiviert und
regelmässig an allen Therapien teilgenommen. Sie habe dadurch eine gute
Verbesserung von Kraft und Ausdauer erreicht. Die Psychopharmaka seien mit einer
guten klinischen Besserung angepasst worden. Zu Ende der Behandlung habe man die
aus medizinisch-theoretischer Sicht fehlende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für
eine leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit angesprochen. Die
Versicherte habe sich diesbezüglich einsichtig gezeigt. Man habe mit ihr eine
Reintegration am bisherigen Arbeitsplatz zu 50% mit schneller Steigerung auf das volle
Pensum vereinbart. Für eine leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit
bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit (IV-act. 33).
C.
Die Eingliederungsberaterin der IV-Stelle hielt am 18. Juni 2008 fest, am 13. Juni 2008
habe ein Beratungsgespräch bei der Versicherten zuhause stattgefunden. Die
Versicherte sei auf dem Sofa gelegen. Schon bei kleinsten Bewegungen habe sie vor
Schmerzen das Gesicht verzogen. Sie habe von heftigen Rückenschmerzen erzählt
und angegeben, dass sie nachts nicht schlafen könne, dass sie nervös sei und sich
kratzen müsse, dass sie ein Ameisenlaufen in den Händen habe, dass die
Medikamente nichts nützten, dass sie keine Kraft in den Beinen und den Armen habe
und dass ihr schwindelig werde, wenn sie laufe, stehe oder sitze. Die
Eingliederungsberaterin führte aus, sie habe der Versicherten die Situation "aus der
Sicht der IV" erklärt. Diese fühle sich absolut nicht in der Lage, einer Arbeit
nachzugehen und wolle deshalb keine Eingliederungsmassnahmen, sondern die
Prüfung des Rentenbegehrens. Die Eingliederungsberaterin schloss den Fall ab, da der
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Gesundheitszustand aus der Sicht der Versicherten als nicht verbesserbar erscheine
(IV-act. 39/40). Dr. F._ vom RAD notierte am 25. August 2008, mit einer leichten
Depression bzw. Anpassungsstörung sei keine dauerhafte schwerwiegende
Leistungseinschränkung verbunden. In einer selbstbestimmten Haushalttätigkeit
bestehe eine höchstens 20%ige Arbeitsunfähigkeit (vermehrter Pausenbedarf bzw.
Hilfe bei körperlich schweren Arbeiten). In der angestammten Tätigkeit sei für Oktober
2007 bis April 2008 von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit und danach von einer
50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. In einer adaptierten Tätigkeit (körperlich leicht
und wechselbelastend) bestehe seit April 2008 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act.
43). Die Versicherte füllte am 12. Dezember 2008 den "Fragebogen zur
Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt" aus. Sie gab dabei für
sämtliche Arbeiten im Haushalt an, sie sei vollständig oder ganz erheblich auf die Hilfe
ihres Ehemanns und ihrer Tochter angewiesen (IV-act. 45). Dr. med. G._, Facharzt
FMH für Kardiologie/Innere Medizin, berichtete dem Hausarzt am 13. Februar 2009, es
gebe keinen Hinweis auf eine kardiologische Ursache der von der Versicherten
geklagten Dyspnoe. Die Atmungsprobleme seien wahrscheinlich
hyperventilationsbedingt (IV-act. 49). Am 25. Februar 2009 erfolgte eine
Haushaltabklärung. Dabei gab die Versicherte an, ohne Behinderung ginge sie aus
finanziellen Gründen im Umfang von 80% einer Erwerbstätigkeit nach. Die Stelle bei
B._AG habe nicht auf 100% erhöht werden können. Die Abklärungsperson hielt in
ihrem Bericht vom 13. März 2009 fest, die von der Versicherten angegebenen
Einschränkungen bei der Haushaltarbeit könnten nicht nachvollzogen werden. Für die
Mithilfe der Tochter könne eine Einschränkung von 10% gewährt werden. Die restliche
Einschränkung könne durch die Mithilfe des Ehemanns kompensiert werden (IV-act.
53). Die IV-Stelle nahm einen Einkommensvergleich vor, bei dem sie das Einkommen
2008 als Küchenhilfe von Fr. 32'298.- einem durchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohn
in gleicher Höhe gegenüberstellte, so dass für den Erwerbsanteil (80%) keine Invalidität
resultierte. Für den Haushaltanteil ging die IV-Stelle von einem anteiligen
Invaliditätsgrad von 2% (10% von 20%) aus (IV-act. 54-2/2).
D.
Mit einem Vorbescheid vom 23. April 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass
sie beabsichtige, das Leistungsbegehren abzuweisen, da der Invaliditätsgrad unter
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40% liege (IV-act. 58). Die Versicherte liess am 25. Mai/10. Juni 2009 einwenden, Dr.
E._ habe sie wegen einer zunehmenden depressiven Entwicklung zur teilstationären
Behandlung bei der Tagesklinik angemeldet. Offensichtlich habe sich ihr
Gesundheitszustand in der Zwischenzeit verändert. Deshalb sei es sinnvoll, weitere
Abklärungen zu tätigen bzw. die Behandlung abzuwarten. Es sei zu der befürchteten
Chronifizierung gekommen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine mindestens 50%ige
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 65). Dr. F._ vom RAD hielt am 18. Juni 2009 fest, es liege
ein neuer instabiler Gesundheitszustand vor, der erst einmal behandelt werden müsse.
Die "Verfügung" von April 2009 sei richtig, da zum damaligen Zeitpunkt der
medizinische Sachverhalt bezüglich der zurückliegenden Zeit ab der IV-Anmeldung
richtig eingeschätzt worden sei. Er schlage vor, die Verfügung zu stützen, aber dem
Rechtsvertreter der Versicherten mitzuteilen, dass eine Neuanmeldung erfolgen könne,
wenn sich zeigen sollte, dass die jetzt intensivierte Therapie nach einer angemessenen
Behandlungszeit (ca. ein halbes Jahr) nicht zum Erfolg führe. Eine Begutachtung des
instabilen und noch besserbaren Gesundheitszustands sei nicht zielführend (IV-act.
67). Mit einer Verfügung vom 29. Juni 2009 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
ab, da der Invaliditätsgrad nur 2% betrage, so dass kein Rentenanspruch bestehe. In
der Verfügungsbegründung wurde u.a. ausgeführt, es liege ein neuer, instabiler
Gesundheitszustand vor, der zuerst einmal behandelt werden müsse. Die Versicherte
könne eine Neuanmeldung einreichen, wenn sich zeigen sollte, dass die Behandlung
nach einer angemessenen Zeit nicht zum Erfolg führe (IV-act. 68).
E.
Die Versicherte liess am 2. September 2009 Beschwerde erheben und die Zusprache
einer Invalidenrente ab dem 3. Juni 2008 beantragen. Ihr Rechtsvertreter machte
geltend, es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von erheblichem Umfang. Die
Beschwerdeführerin befinde sich wieder in stationärer psychiatrischer Behandlung. Da
er sich noch mit den behandelnden Ärzten absprechen müsse, ersuche er um die
Einräumung einer angemessenen Nachfrist (act. G1). In der Beschwerdebegründung
vom 27. Oktober 2009 liess die Beschwerdeführerin die Ausrichtung einer ganzen
Invalidenrente beantragen. Zur Begründung dieses Antrags führte ihr Rechtsvertreter
aus, die Anwendung der gemischten Methode zur Invaliditätsbemessung sei nicht
richtig, weil die Beschwerdeführerin heute klar zu 100% arbeiten würde. Sie habe
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nämlich immer so viel wie möglich gearbeitet und zudem sei die Tochter inzwischen
erwachsen. Der Invaliditätsgrad müsse anhand eines Einkommensvergleichs ermittelt
werden. Die angenommenen Arbeitsunfähigkeiten/Einschränkungen entsprächen nicht
den tatsächlichen Gegebenheiten. Dr. E._ habe die Beschwerdeführerin am 9. Juni
2009 wegen einer zunehmenden depressiven Entwicklung auf dem Hintergrund eines
Schmerzsyndroms zu einer teilstationären Behandlung in der Tagesklinik angemeldet.
Offensichtlich habe sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin also in der
Zwischenzeit nochmals erheblich verschlechtert. Dr. med. H._ vom Psychiatrischen
Zentrum habe am 21. Oktober 2009 ausführlich Stellung genommen. Er habe bei der
Beschwerdeführerin eine anhaltende depressive Störung schwerer Ausprägung
gesehen, die mit im Vordergrund stehenden generalisierten panvertebralen
Rückenschmerzen mit Symptomausweitung in den ganzen Körper, mit emotionaler
Labilität, mit Störungen der Vitalgefühle und mit schweren Schlafstörungen
vergesellschaftet gewesen sei. Zusätzlich habe eine posttraumatische
Belastungsstörung bestanden, die durch einen schweren Busunfall in Bosnien, den die
Beschwerdeführerin schwer verletzt überlebt habe, ausgelöst worden sei. Nach der
Auffassung von Dr. H._ bestehe keine Arbeitsfähigkeit mehr. Diese Situation bestehe
spätestens seit dem 10. Oktober 2007. Ab dann sei die Beschwerdeführerin zu 100%
arbeitsunfähig gewesen. Falls nicht auf diese Einschätzung der behandelnden Ärzte
abgestellt werden könne, sei eine unabhängige Begutachtung anzuordnen. Das
Schreiben von Dr. H._ fehlte in den Beilagen zur Beschwerdebegründung (act. G5).
F.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 15. Januar 2010 die Abweisung der
Beschwerde. Die Begründung beschränkte sich auf die Feststellung, dass aufgrund der
vorhandenen medizinischen Unterlagen eine Arbeitsfähigkeit in einer angepassten
Tätigkeit von 100% erstellt sei, so dass offen bleiben könne, ob die
Beschwerdeführerin als teil- oder als vollerwerbstätig zu betrachten sei. So oder anders
habe die Beschwerdeführerin mangels Erwerbseinbusse und aufgrund einer minimalen
Einschränkung im Haushalt keinen Rentenanspruch (act. G8).
G.
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Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin verzichtete am 8. Februar 2010 auf eine
Replik, da die Beschwerdeantwort nichts Wesentliches hervorbringe (act. G10). Am
24. März 2010 reichte er einen Austrittsbericht von Dr. H._ vom Psychiatrischen
Zentrum vom 18. März 2010 an Dr. E._ ein. Dr. H._ hatte darin folgende Diagnosen
angegeben: anhaltende depressive Störung mittelschwerer Ausprägung mit im
Vordergrund stehenden generalisierten panvertebralen Rückenschmerzen mit
Symptomausweitung in den ganzen Körper, emotionale Labilität, Störung der
Vitalgefühle und schwere Schlafstörungen. Dr. H._ hatte weiter ausgeführt, die
Beschwerdeführerin sei an drei Tagen in der Woche in der Tagesklinik gewesen. Sie
habe jedoch nicht immer erscheinen können. Während des gesamten Aufenthalts habe
sie unter starken körperlichen Schmerzen vor allem im Rücken, in den Beinen und in
den Händen gelitten. Dennoch habe sie eine schnelle Auffassungsgabe gezeigt und
sich schnell einen Überblick verschaffen können. Hinsichtlich ihres Krankheitsbilds
habe die Beschwerdeführerin Fortschritte gemacht. Sie habe sich sehr lärmempfindlich
gezeigt und sie sei durch die Schmerzsymptomatik in ihrem Bewegungsradius und in
ihren Beschäftigungsmöglichkeiten stark eingeschränkt gewesen. In sämtlichen
Arbeitsbereichen habe sie laufend vom Sitzen zum Stehen und zurück gewechselt.
Trotz aller Beschwerden habe sie versucht, an den Therapien teilzunehmen. Die
Behandlung in der Tagesklinik sei durch einen Spitalaufenthalt zur Gallenresektion
unterbrochen worden, worauf die Beschwerdeführerin eine längere Rekonvaleszenz
benötigt habe. In der Folge seien erneut Schmerzen im Nierenbereich und im
abdominellen Bereich aufgetreten. Die Beschwerdeführerin habe von der Behandlung
in der Tagesklinik profitieren können und sei nun auf einem Niveau, das sie aushalten
könne. Da keine weitere Verbesserung zu erwarten sei und da die Beschwerdeführerin
immer weniger erschienen sei, habe man sich entschlossen, die Behandlung zu
beenden (act. G12). Am 11. März 2011 reichte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin den fehlenden Bericht von Dr. H._ vom 21. Oktober 2009 nach
(act. G16). Die Beschwerdegegnerin liess sich nicht vernehmen (act. G17).

Erwägungen:
1.
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Gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG hat die Beschwerdegegnerin den massgebenden
Sachverhalt zu ermitteln (Untersuchungsgrundsatz). Diese Aufgabe ist erfüllt, wenn die
beschafften Beweismittel den massgebenden Sachverhalt mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegen (vgl. U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2.A. Art.
43 N. 70 ff.). Der für den Rentenanspruch massgebende Sachverhalt besteht u.a. aus
dem Invaliditätsgrad (Art. 8 Abs. 1 ATSG, im vorliegenden Fall möglicherweise i.V.m.
Art. 28a Abs. 3 IVG). Dieser lässt sich nicht direkt nachweisen, da er sich aus
verschiedenen Sachverhaltselementen zusammensetzt. Dazu gehören insbesondere
die hypothetische Validenkarriere, die zumutbare Invalidenkarriere und - als in der
Regel wichtigstes Element - die Arbeitsfähigkeit in der zumutbaren Invalidenkarriere.
Die Rentenzusprache erfolgt im Normalfall für die Zukunft. Das zwingt dazu, einen
"zukünftigen" Sachverhalt, nämlich die "zukünftige" Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Erwerbstätigkeit, zu "ermitteln". Dabei kann es sich naturgemäss nur um
eine Prognose über die wahrscheinlichste zu erwartende Entwicklung der
Arbeitsfähigkeit handeln. Diese Prognose stützt sich auf den aktuellen Sachverhalt.
Dieser ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu ermitteln, da
er Realität (und nicht Zukunftserwartung) ist. Für die zukünftige Entwicklung der
Arbeitsfähigkeit ist das naturgemäss ausgeschlossen. Sie kann nicht überwiegend
wahrscheinlich nachgewiesen, sondern nur prognostiziert werden. Massgebend ist die
plausibelste aller möglichen Varianten der zukünftigen Entwicklung. Das Beweismass
besteht also in der Höhe der "Plausibilität". Der mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu ermittelnde aktuelle Arbeitsfähigkeitsgrad kann
allerdings nur dann die Grundlage der Arbeitsfähigkeitsprognose für die Zukunft bilden,
wenn er auf einem stabilen Gesundheitszustand beruht, weil nur dann mit
ausreichender Plausibilität die Prognose gestellt werden, dass der aktuelle
Arbeitsfähigkeitsgrad in Zukunft unverändert bestehen bleiben werde. Ist der
Gesundheitszustand (noch) labil, kann nicht mit ausreichender Plausibilität gesagt
werden, der aktuelle Arbeitsfähigkeitsgrad werde sich in Zukunft nicht ändern.
Aufgrund der bei einem labilen Gesundheitszustand jederzeit möglichen Veränderung
erscheint nämlich auch eine Veränderung der Arbeitsfähigkeit als plausibel. Es wird in
der Regel nicht möglich sein, das Ausmass der möglichen Veränderung des
Gesundheitszustands und damit der Arbeitsfähigkeit mit ausreichender Plausibilität zu
prognostizieren. Das erklärt, warum eine Invaliditätsbemessung, die der Festsetzung
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der Invalidenrente für die Zukunft dient, nur möglich ist, wenn sich der
Gesundheitszustand stabilisiert hat: Ohne eine ausreichend stabile gesundheitliche
Situation kann keine ausreichend plausible Arbeitsfähigkeitsprognose (und damit
indirekt auch keine ausreichend plausible Prognose des Invaliditätsgrads) als
Grundlage des Entscheids über den zukünftigen Rentenanspruch abgegeben werden.
Ergeht eine Rentenverfügung, bevor sich das Krankheitsgeschehen ausreichend
stabilisiert hat, ist sie demnach als rechtswidrig zu qualifizieren, da sie sich nicht auf
eine langfristige Arbeitsfähigkeitsprognose, sondern auf eine zufällig ausgewählte,
aktuelle und jederzeit veränderliche Arbeitsfähigkeit stützt. Der so ermittelte
Invaliditätsgrad kann nicht ausreichend plausibel und damit nicht richtig sein.
2.
Im Gutachten der Klinik Valens ist am 7. März 2008 noch von einer Arbeitsfähigkeit von
50% in einer sehr leichten und wechselbelastenden Tätigkeit ausgegangen worden,
wobei die Durchführung eines Therapieprogramms eine nachhaltige Besserung bringen
könne, so dass eine erfolgreiche Wiedereingliederung ins Erwerbsleben möglich sei
(vgl. IV-act. 27-11/20). Im Bericht vom 21. Mai 2008 haben die Ärzte der Klinik Valens
dann bereits eine volle Arbeitsfähigkeit in einer leichten bis mittelschweren Arbeit
angegeben (vgl. IV-act. 33-5/6). Dr. F._ vom RAD hat am 23. April 2009 darauf
hingewiesen, dass der Hausarzt im Februar 2009 eine unveränderte gesundheitliche
Situation angegeben habe und dass der Kardiologe - ebenfalls im Februar 2009 - keine
für die Arbeitsfähigkeit relevante Diagnose erhoben habe. Gestützt darauf hat Dr. F._
für eine adaptierte Hilfsarbeit eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestätigt (vgl. IV-
act. 56). Zu diesem Zeitpunkt hat die Beschwerdegegnerin aufgrund der ihr
vorliegenden Akten also tatsächlich davon ausgehen können, dass ein stationärer
Gesundheitszustand vorliege, der es erlaube, eine ausreichend plausible langfristige
Arbeitsfähigkeitsprognose abzugeben, so dass über die Rentenberechtigung verfügt
werden könne. Dementsprechend hat die Beschwerdegegnerin am 23. April 2009 einen
Vorbescheid verschickt (vgl. IV-act. 58). Die Annahme der Beschwerdegegnerin, es
liege ein langfristig stabiler Gesundheitszustand vor, ist mit der Mitteilung des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin vom 10. Juni 2009, die behandelnde
Psychiaterin Dr. E._ habe die Beschwerdeführerin wegen einer zunehmenden
depressiven Entwicklung zu einer teilstationären Behandlung in der Tagesklinik
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angemeldet (vgl. IV-act. 65), nicht mehr haltbar gewesen. Das hat auch Dr. F._ vom
RAD erkannt, der am 18. Juni 2009 festgehalten hat, es liege ein instabiler Zustand vor,
der erst einmal behandelt werden müsse (vgl. IV-act. 67). Bei dieser Aktenlage war der
stabile Gesundheitszustand als notwendiges Fundament einer langfristigen
Arbeitsfähigkeitsprognose nicht mehr mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen. In dieser Situation hätte die korrekte
Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin darin bestanden, den Vorbescheid zu
widerrufen und das Verwaltungsverfahren so lange zu sistieren, bis sich das labile
Krankheitsgeschehen wieder stabilisiert hätte, um dann eine langfristig plausible
Arbeitsfähigkeitsschätzung einzuholen. Dass dies nicht geschehen und stattdessen
eine (dem von der Sachverhaltsentwicklung überholten Vorbescheid entsprechende)
Verfügung ergangen ist, dürfte auf die Ausführungen von Dr. F._ vom RAD vom 18.
Juni 2009 zurückzuführen sein, der vorgeschlagen hat, eine das Rentenbegehren
abweisende Verfügung zu erlassen, weil "zum damaligen Zeitpunkt der medizinische
Sachverhalt bezüglich der zurückliegenden Zeit ab der IV Anmeldung richtig
eingeschätzt" worden sei, und dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
vorzuschlagen, eine Neuanmeldung einzureichen, wenn die intensivierte psychiatrische
Therapie nach einer angemessenen Behandlungszeit nicht erfolgreich sein sollte (IV-
act. 67). Diesem Erledigungsvorschlag gemäss hat die Beschwerdegegnerin am 29.
Juni 2009 die angefochtene Abweisungsverfügung erlassen und dem Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin vorgeschlagen, eine Neuanmeldung einzureichen, falls sich
der Gesundheitszustand trotz der Therapie nicht bessern sollte. Sie hat also im Wissen
um den labilen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin, der es verunmöglichte,
eine ausreichend plausible langfristige Arbeitsfähigkeitsprognose abzugeben, eine
Invaliditätsbemessung nicht nur für die Vergangenheit, sondern auch für die Zukunft
vorgenommen und sich dabei auf eine Arbeitsfähigkeitsschätzung gestützt, die sich auf
eine kurze stabile Phase in der Vergangenheit bezogen hat. Damit hat sie ihre Pflicht
zur Abklärung des massgebenden Sachverhalts nach Art. 43 Abs. 1 ATSG nicht richtig
erfüllt. Da der massgebende Sachverhalt im Zeitpunkt des Verfügungserlasses nicht
bekannt gewesen ist, erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtswidrig,
weshalb sie aufzuheben ist.
3.
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Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat im Lauf des Beschwerdeverfahrens
einen Verlaufsbericht des Psychiatrischen Zentrums vom 21. Oktober 2009 und einen
Austrittsbericht derselben Institution vom 18. März 2010 eingereicht. Seiner Meinung
nach hat er mit diesen beiden medizinischen Berichten eine relevante
Arbeitsunfähigkeit und damit eine leistungsbegründende Invalidität der
Beschwerdeführerin belegt. Die Höhe des Arbeitsfähigkeitsgrads während und
unmittelbar nach einer teilstationären Therapie ist aber dann nicht relevant, wenn sich
die gesundheitliche Situation bis dahin noch nicht ausreichend stabilisiert hat, damit
eine plausible langfristige Prognose zur Arbeitsfähigkeit in einer der Behinderung
angepassten Erwerbstätigkeit abgegeben werden kann. Die Ärzte des Psychiatrischen
Zentrums sind nicht gefragt worden, ob der Gesundheitszustand nun stabil sei und wie
sie gegebenenfalls die langfristige Arbeitsfähigkeit einschätzten. Selbst wenn sie also
eine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben hätten, wären die Voraussetzungen einer
Invaliditätsbemessung aber noch nicht erfüllt, wäre doch nach wie vor offen, ob sich
diese auf eine stabile oder auf eine nach wie vor labile gesundheitliche Situation der
Beschwerdeführerin stütze. Die Sache ist deshalb zur weiteren Abklärung des
Sachverhalts und zur anschliessenden neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
4.
Dieser Verfahrensausgang ist praxisgemäss in Bezug auf die Verfahrenskosten als
vollumfängliches Obsiegen der Beschwerdeführerin zu qualifizieren. Die
Beschwerdeführerin hat deshalb einen Anspruch auf eine volle Parteientschädigung.
Diese bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit
des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). Unter Berücksichtigung dieser beiden Kriterien ist
von einem durchschnittlichen Beschwerdeverfahren auszugehen, so dass
praxisgemäss eine Parteientschädigung von Fr. 3500.- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen erscheint. Die vollumfänglich unterliegende
Beschwerdegegnerin hat nicht nur für diese Parteientschädigung, sondern auch für die
Gerichtskosten aufzukommen. Diese bemessen sich nach dem Verfahrensaufwand
(Art. 69 Abs. 1 IVG). Auch in dieser Hinsicht ist von einem durchschnittlichen
Verfahren auszugehen, so dass die Gerichtsgebühr praxisgemäss auf Fr. 600.-
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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festzusetzen ist. Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss ist
zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP