Decision ID: f60ec27c-c799-44a9-8aa8-a62155fc4086
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Zusammenfassung des Sachverhalts:
Die Eheleute A. und B. leben seit dem 29. Juli 2019 getrennt. Mit Entscheid des
Familienrichters vom 8. Mai 2020 betreffend Eheschutzmassnahmen wurden die
beiden gemeinsamen Söhne C. und D. in die Obhut der Mutter, B., gegeben. Die
ehemals eheliche Liegenschaft in Z. wurde der Ehefrau und den Kindern zur alleinigen
Nutzung zugewiesen. Gegen diesen Entscheid erhob der Ehemann, A., Berufung,
weshalb die Sache beim Einzelrichter in Familiensachen des Kantonsgerichts St Gallen
hängig ist. Mit Eingabe vom 15. Juli 2020 macht der Ehemann geltend, seine Ehefrau
plane, zusammen mit den Kindern C. und D. nach ...., Deutschland, umzuziehen. Er
stellte den Antrag, die Ehefrau sei superprovisorisch, d.h. ohne vorherige Anhörung, zu
verpflichten, die Schweizer wie auch die Deutschen Pässe der beiden gemeinsamen
Söhne beim Kantonsgericht zu hinterlegen. Der Ehefrau sei unter Strafandrohung
gemäss Art. 292 StPO superprovisorisch zu verbieten, die Schweiz mit den Söhnen zu
verlassen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/3
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Aus den Erwägungen:
[...]
3. Nachdem beim Einzelrichter im Familienrecht des Kantonsgerichtes u.a. die
zweitinstanzliche Regelung eines Teils der Elternrechte und -pflichten hängig ist, ist
dieser auch für Regelung der weiteren, damit zusammenhängenden Elternrechte und -
pflichten zuständig.
4. Eine superprovisorische Verfügung ergeht, wenn einerseits aufgrund einer
angemessen klaren Tatsachen- und Rechtslage hervorgeht, dass der geltend
gemachte Anspruch besteht, und andererseits die Dringlichkeit von der
antragstellenden Partei nicht selbst verschuldet ist. Wenn die Dringlichkeit von der
antragstellenden Partei verursacht ist, darf keine Verfügung ergehen und es ist die
andere Partei vor dem Erlass des Entscheides anzuhören.
1. Was die zweitgenannte Voraussetzung betrifft, [...]
6. Zur erstgenannten Voraussetzung ist Folgendes zu sagen: Gemäss BGE 142 III
481 E. 2.6 geht es im Rahmen der Prüfung einer Bewilligung des Wegzuges eines
Elternteils mit den Kindern ins Ausland nicht um die Frage, "ob es für das Kind besser
wäre, wenn beide Elternteile im Inland verbleiben würden. Die entscheidende
Fragestellung ist vielmehr, ob sein Wohl besser gewahrt ist, wenn es mit dem
auswanderungswilligen Elternteil wegzieht oder wenn es sich beim zurückbleibenden
Elternteil aufhält (vgl. ....)." Nachdem der vorinstanzliche Familienrichter die Obhut für
die Kinder der Mutter übertragen hat, kann nicht von vorne herein davon die Rede sein,
dass das Wohl der Kinder bei einem Wegzug mit der Mutter nach Deutschland nicht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/3
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gewahrt wäre. Es ist nicht von vorne herein eine angemessen klare Verletzung des
Kindeswohls zu erkennen.
[Der Antrag auf Erlass einer superprovisorischen Verfügung wurde abgelehnt.]
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Kantonsgericht, 16.07.2020 Art. 301a ZGB: Im Rahmen der Prüfung einer Bewilligung des Wegzuges eines Elternteils mit den Kindern ins Ausland geht es nicht um die Frage, ob es für das Kind besser wäre, wenn beide Elternteile im Inland verblieben. Die entscheidende Fragestellung ist vielmehr, ob sein Wohl besser gewahrt ist, wenn es mit dem auswanderungswilligen Elternteil wegzieht oder wenn es sich beim zurückbleibenden Elternteil aufhält (Kantonsgericht, Einzelrichter im Familienrecht, 16. Juli 2020, ZV.2020.135).
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2021-08-06T02:15:06+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen