Decision ID: 04b208af-995c-493f-82c6-d6a6e24f236f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1981, hat eine Ausbildung zum Landwirt
absolviert und ist seit 2009 als solcher selbständig erwerbstätig (
Urk.
10/8, 10/13/2)
.
Am 12. Juli 2016 meldete er sich unter Hinweis auf eine Erschöpfungsdepression sowie starke körperliche Beeinträchtigungen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
10/9).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte nebst Auszügen aus dem individuellen Konto (
Urk.
10/1 ff., 10/5 und 10/13) Akten des Krankentaggeldversicherers (
Urk.
10/16, 10/20) sowie einen Arztbericht ein (
Urk.
10/18). Im Rahmen von Frühinterventionsmass
nahmen übernahm sie mit Mitteilung vom 3
0.
Mai 2017 Beratungskosten des
Y._
für die Betriebsneuausrichtung (
Urk.
10/31). Mit Schreiben vom
4.
Juli 2017 erklärte sie die Eingliederung für abgeschlossen und stellte betreffend Rente eine separate Verfügung in Aussicht (
Urk.
10/34)
. Nach Kenntnisnahme
weiterer Unterlagen des Krankentaggeldversicherers (
Urk.
10/
39) gab die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 2
1.
November 2017 bekannt, dass sie gedenke, das Leistungsbegehren abzuweisen (
Urk.
10/41). Nach
dem der Versicherte dagegen am
2.
Dezember 2017 Einwand erhoben (
Urk.
10/42)
und die IV-Stelle weitere Arztberichte zu
den Akten
genommen hatte (
Urk.
10/44, 10/50/2 ff.), holte sie beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) eine Stellung
nahme ein (
Urk.
10/57/4 f.). Mit Verfügung vom
2.
Oktober 2018 wies sie das Leistungsbegehren wie angekündigt ab (
Urk.
10/58 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 2
9.
Oktober 2018 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihm sei spätes
tens ab dem
1.
Januar 2017 eine ganze Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei ein neutrales und umfassendes psychiatrisches Gutachten unter Beachtung der neuen Schmerzrechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 in Auftrag zu geben (
Urk.
1 S. 2). Mit Eingabe vom 2
6.
November 2018 (
Urk.
6) reichte der Beschwer
deführer einen weiteren Arztbericht zu den Akten (
Urk.
7). Mit Beschwerdeant
wort vom
5.
Dezember 2018 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9), worüber der Beschwerdeführer mit Verfügung vom
6.
Dezember 2018 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
A
TSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen,
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungs
-
hindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensations
-
potentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturel
len Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person
dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklä
rung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad sei
ner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom
2.
Oktober 2018
(
Urk.
2)
zusammengefasst,
die gestellte psychiatrische Diagnose begründe per se keinen dauerhaften Gesundheitsschaden. Unter Therapie und bei einer Abnahme der psychosozialen Belastungsfaktoren könne sich der Gesundheitszu
stand wesentlich verbessern. Ein Rentenanspruch könne daher nicht entstehen.
Die im
Vorbescheidverfahren
vorgenommenen zusätzlichen Abklärungen hätten keine andere Beurteilung zur Folge (
Urk.
2).
2.2
In seiner Beschwerdeschrift vom 2
9.
Oktober 2018 machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, an einer
chronifizierten
, schweren depressiven Störung mit Krankheitswert zu leiden, weshalb er zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Spätestens ab dem
1.
Januar 2017 bestehe demnach Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.
Falls dieser
Argumentation nicht gefolgt werden könne, müsse zur Beurteilung des Gesundheitsschadens
im Sinne des Eventualantrages
ein umfassendes psy
chiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben werden.
So sei d
ie angefochtene Ver
fügung mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach sämtliche psychische Erkrankungen dem
indikatorengeleiteten
Beweisverfahren zu unter
ziehen seien, nicht haltbar
(
Urk.
1 S. 8 f.).
2.3
Mit Beschwerdeantwort vom
5.
Dezember 2018 (
Urk.
9) betonte die Beschwerde
gegnerin, dass in Anbetracht der psychosozialen Faktoren mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht von einem selbständigen psychischen Leiden mit rele
vantem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit auszugehen sei.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer befand sich vom 1
4.
Mai bis 2
6.
Juni 2015 in der Psychi
atrischen Klinik des
Z._
in stationärer Behandlung
. I
m Austrittsbe
richt vom 1
0.
August 2015
wurde die Diagnose einer
schwergradigen
depressiven Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2) gestellt.
Bei Eintritt habe
d
er
Beschwerdeführer
über viele Probleme geklagt; insbesondere
über Schulden in der Höhe von ungefähr Fr. 900'000.--. Ferner
könne
er
den mit der Arbeit auf dem Bauernhof verbundenen Auflagen kaum nachkommen
und
habe nun das Gefühl, den Boden unter den Füssen zu verlieren.
Des Weiteren
leide
er
unter Ein- und Durchschlafstörungen sowie ausgeprägtem Gedankenkreisen.
Auch
habe er bei sich ein Zittern und Kraftlosigkeit bemerkt. Der Appetit und die Libido seien ebenfalls vermindert. Die affektive Grundstimmung sei deutlich gedrückt
; kurz
zeitig seien auch erstmals Suizidgedanken aufgetreten. Sozial habe er sich nicht zurückgezogen, sondern eher vermehrt Kontakte gesucht. Die Konzentration und Aufmerksamkeit seien noch etwas vermindert (
Urk.
10/16/18).
Aus psychiatrischer Sicht sei ein affektiver Rapport herstellbar gewesen. Psycho
motorisch habe der Beschwerdeführer etwas verlangsamt gewirkt. Denk-,
Wahr
nehmungs
- oder Ich-Störungen hätten nicht eruiert werden können. Die affektive Grundstimmung habe beim affektstarren und -armen Beschwerdeführer deutlich gedrückt gewirkt. Suizidgedanken habe er aktuell glaubhaft verneint
. Im Thera
pieverlauf sei die depressive Symptomatik unter medikamentöser Behandlung rückläufig gewesen. Zum Zeitpunkt des Austritts habe jedoch immer noch eine rasche Erschöpfbarkeit bestanden, sodass von einer fortbestehenden
höhergradi
gen
Arbeitsunfähigkeit ausgegangen worden sei. Während des stationären Auf
enthalts habe sich ausserdem eine ausgeprägte Paarproblematik entwickelt, da sich die Ehefrau des Beschwerdeführers in einen anderen Mann verliebt habe. Dennoch habe der Austritt am 2
6.
Juni 2015 wie geplant durchgeführt werden können
. B
is einschliesslich 1
2.
Juli 2015
wurde
eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (
Urk.
10/16/19
; vgl. auch
Urk.
10/16/9
).
3.2
Im Anschluss an den stationären Aufenthalt besuchte der Beschwerdeführer jeweils an zwei Halbtagen pro Woche die Psychiatrische Tagesklinik des
Z._
. Mit Bericht vom 2
8.
September 2015 wurde
bei unveränderter Diag
nose
festgehalten, dass
es aufgrund der Paarproblematik und des hohen Arbeits
volumens zu instabilen Phasen gekommen sei, weshalb die antidepressive Medi
kation wieder verordnet worden sei.
Belastungsfaktoren seien ab Oktober 2015 der anstehende Umzug sowie die Geburt des dritten Kindes. Zudem falle der Hilfs
arbeiter über die Wintermonate weg, weshalb der Beschwerdeführer einen Teil des Viehs von November 2015 bis Ende März 2016 abgebe, um die Arbeitsbelas
tung reduzieren zu können.
Es sei davon auszugehen, dass sich
sein
Zustand bis April 2016 genügend stabilisiere, damit
er
die Unterstützung der T
agesklinik nicht mehr benötige (
Urk.
10/16/10 f.).
3.3
In weiteren Berichten des
Z._
vom 2
7.
Januar 2016 und 1
7.
Juni 2016 wies
Dr.
med. A._
, Oberarzt Psychiatriestützpunkt
,
darauf hin, dass die depressive Symptomatik
in mittelgradiger Schwere
weiterbes
tehe
und ein Auslassversuch der antidepressiven Medikation zu einer Verschlechterung des Zustandsbilds geführt habe. Die Komplexität des Berufes als Landwirt stelle für den Beschwerdeführer derzeit aufgrund der deutlich verminderten Belastbarkeit und Flexibilität eine nicht beherrschbare Anforderung dar (
Urk.
10/16/16 f.).
Der Versuch eines stationären Aufenthalts in der auf Erschöpfungsdepression spezia
lisierten
B._
habe nach kurzer Zeit zu einer Dekompensation geführt, sodass die Behandlung habe abgebrochen werden müssen. Seither
besuche der Beschwerdeführer wieder regelmässig die Psychiatrische Tagesklinik (
Urk.
10/16/12 f.).
3.4
In seinem Bericht vom 2
6.
August 2016 hielt
Dr.
A._
fest, dass eine mittelgra
dige depressive Episode (ICD-10 F32.1) vorliege (
Urk.
10/18/1). Es bestehe wei
terhin ein 80%ige Arbeitsunfähigkeit sowohl in Bezug auf die Tätigkeit als Land
wirt als auch für behinderungsangepasste Tätigkeiten, was auf die geringe psy
chische Belastbarkeit zurückzuführen sei. Infolgedessen komme es rasch zu Erschöpfung und längere Erholungsphasen seien notwendig (
Urk.
10/18/3 f.).
3.5
Nachdem er zwischenzeitlich davon ausgegangen war, dass der Beschwerdeführer innert des ersten Halbjahres 2017 wieder eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
errei
chen könne (
Urk.
10/20/7),
informierte
Dr.
A._
die Beschwerdegegnerin
wäh
rend des
Vorbescheidverfahrens
mit Bericht vom 1
4.
Dezember 2017 dahinge
hend, dass
sich der Beschwerdeführer seit dem 2
9.
September 2017 wieder in sta
tionärer psychiatrischer Behandlung befinde. Es liege eine rezidivierende depres
sive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome vor (ICD-10 F33.2), wobei die Symptomatik namentlich durch eine Insomnie, Antriebslosigkeit und neu auch Suizidalität geprägt sei
. Mit hoher Wahrschein
lichkeit sei für längere Zeit von einer Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit von mehr als 50
%
auszugehen
(
Urk. 10/44).
3.6
Im Austrittsbericht des
Z._
vom 1
5.
Februar 2018 wurde festgehal
ten, dass im Rahmen des stationären Aufenthalts eine Teilremission der depres
siven Symptomatik habe erreicht werden können.
Aufgrund des zunächst schein
bar therapierefraktären Zustandsbilds habe sich der Beschwerdeführer zeitweise verzweifelt gezeigt und habe insbesondere im Dezember 2017 mit suizidalen Kri
sen reagiert. Unter einer antidepressiven Kombinationstherapie sei es im Laufe des Januars 2018 nicht nur zu einer Stabilisierung der Stimmung, sondern auch schrittweise zu einer deutlichen Besserung des Nachtschlafs gekommen.
Mit der Befundbesserung seien zunehmend die psychosozialen Belastungsfaktoren wie die Frage nach der Zukunft des Bauernhofes in den Vordergrund getreten.
Unge
klärt sei zudem, wie es mit der Ehe weitergehe.
Aus psychiatrischer Sicht sei zu konstatieren, dass der Beschwerdeführer nach der Ersterkrankung im Jahr 2015 nie zu einer Vollremission gefunden habe, sodass mittlerweile von einer
chronifizierten
Depression gesprochen werden müsse
. Die weitere Prognose bezüglich der Restitution der vollen psychischen und körperli
chen Leistungsfähigkeit müsse daher aktuell eher skeptisch-zurückhaltend beur
teilt werden.
Die verminderte berufliche Leistungsfähigkeit mit der Notwendig
keit, entweder externe Kräfte beizuziehen oder die Art der Bewirtschaftung des Hofes umzugestalten, erweise sich aus ärztlicher Sicht als krankheitsbedingt (
Urk.
10/50/3 f.).
3.7
In ihrer Stellungnahme
zu den Akten
vom 1
0.
Juli 2018
hielt
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom RAD
namentlich fest, dass eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig schwerer Epi
sode ohne psychotische Symptome vorliege (ICD-10 F33.2), welche seit 2015 nicht vollständig remittiert sei. Die medizinischen Berichte seien nachvollziehbar und konsistent; ein dauerhafter Gesundheitsschaden sei ausgewiesen.
Es bestün
den erhebliche
psychosoziale Belastungsfaktoren. Im Weiteren
stelle
die Tätigkeit als selbständig erwerbender Landwirt eine dauerhafte Überforderung für d
en Beschwerdeführer dar
.
Die Belastbarkeit in dieser Tätigkeit sei derzeit auf 20-30 % limitiert. Langfristig sei im Falle einer Besserung und Stabilisierung des Gesundheitszustandes eine vorsichtige Steigerung auf 40
%
denkbar.
Leidensan
gepasste Tätigkeiten ohne oder mit nur geringen Anforderungen an die Flexibi
lität, das Umstellungsvermögen sowie die Fähigkeit zur Strukturierung und Pla
nung von Aufgaben seien bei ruhiger Atmosphäre ohne Zeitdruck zunächst zu 30
%
möglich. Bei positivem Krankheitsverlauf und zunehmender Adaptierung am Arbeitsplatz sei langsam und sukzessive eine Erhöhung der Leistungsfähigkeit auf mindestens 70
%
, bestenfalls auf ein Vollzeitpensum, realistisch (
Urk.
10/57/4 f.).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Rente der Invalidenversicherung.
Die Beschwerdegegnerin verneinte dies im Wesentlichen mit der Begründung, es liege kein Leiden mit dauerhafter und erheblicher Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor. Mittels therapeutischer Massnahmen und einer Reduktion der psychosozialen Belastungsfaktoren
könne eine erhebliche Besserung des Gesundheitszustandes erzielt werden (vgl. E. 2.1 vorstehend).
4.2
Soweit die Beschwerdegegnerin auf die Therapier
barkeit des Leidens
Bezug nimmt, greift ihre Argumentation zu kurz.
Der Beschwerdeführer weis
t
zu Recht darauf hin, dass
die Frage der Auswirkungen einer gesundheitlichen Beeinträch
tigung
auf das funktionelle Leistungsvermögen
entscheidend ist. Gemäss der seit November 2017 geltenden bundesgerichtlichen Praxis (BGE 143 V 409 und 418) gelangt
in diesem Zusammenhang grundsätzlich
für sämtliche psychischen Lei
den das
indikatorengeleitete
Beweisverfahren im Sinne von B
GE
141 V 281 zur Anwendung
.
Dabei bildet die Behandlungs- und Eingliederungsresistenz nur einen der
einzubeziehenden
Faktoren
(vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1 und E. 1.3 vorstehend).
Weder die Berichte der behandelnden Ärzte noch die Stellungnahme des RAD vom 1
0.
Juli 2018 lassen jedoch eine abschliessende Beurteilung der massgeben
den Indikatoren zu. Entsprechend oberflächlich ist denn auch die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Ressourcenprüfung ausgefallen
, insbeson
dere in Bezug auf den beweisrechtlich entscheidenden Aspekt der Konsistenz
(vgl.
Urk.
10/57/6 f.).
In Anbetracht des geltenden Untersuchungsgrundsatzes (
Art.
43
Abs.
1 ATSG) erweisen sich weitere psychiatrische Abklärungen deshalb
in dieser Hinsicht
als unumgänglich.
4.3
Die vorzunehmenden Abklärungen werden sich ausserdem
vertieft
auf die
The
matik
zu beziehen haben, ob
ein invalidisierender psychischer Gesundheitsscha
den vorliegt
. So kann der Beschwerdegegnerin zwar insofern beigepflichtet wer
den, als
ursprünglich
im Jahr 2015
in erster Linie
psychosoziale Faktoren wie
unter anderem
Schulden in der Höhe von mehreren Hunderttausend Franken
, eine
erhöhte Arbeitsbelastung,
Eheprobleme
sowie die Geburt des dritten Kindes
(vgl.
Urk.
10/16/12, 10/16/18 und 10/22/3)
zu einer Erschöpfungsdepression geführt haben.
Entgegen ihrer Auffassung ist bei derzeitigem Stand der
medizinischen
Akten jedoch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auszuschliessen, dass diese Belastungsfaktoren
im weiteren Verlauf eine
eigentliche Beeinträchtigung der psychischen Integrität
b
e
wirkt haben
,
indem sie einen verselbständigten Gesundheitsschaden
in Form der zuletzt diagnostizierten rezidivierenden depressiven Störung
(vgl.
Urk.
10/50/2, 10/57/4)
aufrechterhalten oder den Wir
kungsgrad seiner
Folgen verschlimmert haben
(vgl. E. 1.4 vorstehend)
.
In diesem Zusammenhang
ist festzuhalten, dass
der Beschwerdeführer von Mai 2015 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung nicht nur
verschiedene
mehr
monatige
stationäre
psychiatrische Behandlungen in Anspruch genommen,
sondern
auch
regelmässig
an zwei bis drei Halbtagen pro Woche die Psychiatrische Tagesklinik des
Z._
besucht hat (vgl.
Urk.
10/16/10 ff., 10/18/3,
10/20/6, 10/44 und 10/50/2 ff.).
Insbesondere anlässlich des letzten stationären Aufenthalts vom 2
9.
September 2017 bis 1
2.
Februar 2018
schien das Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von belastenden psychosozialen Faktoren herrüh
ren, bestanden zu haben, sondern wies davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde in Form von Insomnie, Antriebslosigkeit sowie Suizidalität auf (vgl.
Urk.
10/44, 10/50/2 ff.).
Es bestehen damit
gewisse
Anhaltspunkte dafür, dass
eine verselbständigte psychische Störung mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit vorliegen könnte.
Von fachärztlicher Seite wurde dies allerdings bis anhin
nicht a
u
s
reichend beleuchtet, da weder aus den Berichten der behan
delnden Ärzte noch der Stellungnahme des RAD
eindeutig
hervorgeht,
ob die psychosozialen Belastungsfaktoren als invaliditätsfremde Gesichtspunkte bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ausgeklammert wurden oder nicht (vgl.
diesbe
züglich
Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom
7.
Mai 2019 E. 5.2.1 ff.).
5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die
medizinische
Aktenlage für eine a
bschlies
sende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers und damit des Invaliditätsgrades als unzureichend erweist. Folg
lich ist die angefochtene Verfü
gung vom
2.
Oktober 2018 (Urk. 2) in Gutheissung der Beschwerde aufzu
heben und die Angelegenheit ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach ergänzender Abklärung im Sinne der obigen Erwägungen eine neue Beurteilung vornehme und sodann über den L
eistungsanspruch des Beschwerde
führers neu verfüge.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens erübrigen sich Weiterungen zur Frage, ob das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers im Verwaltungsverfahren hinrei
chend gewährt wurde. Denn
ihm wurde vor Erlass des angefochtenen Entscheids weder von den
im
Vorbescheidverfahren
eingegangenen Arztberichten
noch von der
Stellungnahme
des RAD
Kenntnis gegeben, weshalb er sich nicht dazu äus
sern konnte.
6.
6.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr. 700.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
6.2
Nach § 34 Abs. 1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses sowie dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Mangels Vorliegens einer Honorarnote ist die Prozessentschädigung ermessens
weise festzusetzen. Unter Berücksichtigung der massgebenden Kriterien hat die Beschwerdegegnerin dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer eine Partei
entsc
hädigung in der Höhe von
Fr.
2'0
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwert
steuer) zu bezahlen.