Decision ID: 74b3a26f-96c8-5b0c-978c-dc606c0f0585
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Gesuchstellerin ersuchte am 1. Oktober 2018 in der Schweiz um Asyl.
Mit Verfügung vom 28. Februar 2020 stellte die Vorinstanz fest, die Ge-
suchstellerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch
ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Wegwei-
sungsvollzug an. Mit Urteil E-1480/2020 vom 6. April 2020 wies das Bun-
desverwaltungsgericht die gegen die Verfügung vom 28. Februar 2020 er-
hobene Beschwerde ab.
B.
Mit Eingabe vom 3. Juni 2020 ersuchte die Gesuchstellerin um Wiederer-
wägung der Verfügung der Vorinstanz vom 28. Februar 2020. Mit Verfü-
gung vom 15. Juni 2020 wies die Vorinstanz das Wiedererwägungsgesuch
ab. Die dagegen erhobene Beschwerde vom 1. Juli 2020 wies das Bun-
desverwaltungsgericht mit Urteil E-3350/2020 vom 17. Juli 2020 ab.
C.
Am 8. September 2020 reichte die Gesuchstellerin bei der Vorinstanz ein
zweites Wiedererwägungsgesuch ein. Mit Verfügung vom 17. September
2020 wies die Vorinstanz das Wiedererwägungsgesuch ab. Sie erklärte die
Verfügung vom 28. Februar 2020 für rechtskräftig und vollstreckbar und
stellte fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wir-
kung zu.
D.
Mit Eingabe vom 10. Oktober 2020 reichte die Gesuchstellerin beim Bun-
desverwaltungsgericht eine Beschwerde gegen die Verfügung vom
17. September 2020 ein. Mit Zwischenverfügung vom 28. Oktober 2020
wies die zuständige Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung ab und setzte der Gesuchstellerin zur Be-
zahlung eines Kostenvorschusses eine Frist bis zum 12. November 2020,
verbunden mit der Androhung, bei Ausbleiben der Zahlung innert Frist
werde auf die Beschwerde nicht eingetreten.
E.
Am 30. Oktober 2020 reichte die Gesuchstellerin bei der Vorinstanz ein
drittes Wiedererwägungsgesuch ein. Mit Verfügung vom 9. November
2020 wies die Vorinstanz das Wiedererwägungsgesuch ab. Sie erklärte die
Verfügung vom 28. Februar 2020 für rechtskräftig und vollstreckbar und
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stellte fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wir-
kung zu.
F.
Mit E-Mail vom 11. November 2020, welche über keine gültige elektroni-
sche Signatur der Gesuchstellerin respektive deren Rechtsvertreter ver-
fügte, teilte sie dem Bundesverwaltungsgericht den Rückzug ihrer Be-
schwerde vom 10. Oktober 2020 mit.
G.
Mit Urteil E-5022/2020 vom 19. November 2020 trat das Bundeverwal-
tungsgericht auf die Beschwerde nicht ein, da die Gesuchstellerin den Kos-
tenvorschuss nicht innert Frist leistete. Es auferlegte ihr Verfahrenskosten
in der Höhe von Fr. 250.–.
H.
Am 24. November 2020 ersuchte die Gesuchstellerin beim Bundesverwal-
tungsgericht um Revision des Urteils E-5022/2020 vom 19. November
2020. Sie beantragt, das Revisionsgesuch sei für zulässig zu erklären. Das
Urteil des Bundeverwaltungsgerichts vom 19. November 2020 (Geschäfts-
Nr. E-5022/2020) sei aufzuheben. Der Wegweisungsvollzug sei im Sinne
einer provisorischen Massnahme auszusetzen und es sei festzustellen,
dass die Gesuchstellerin den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz ab-
warten dürfe. Die Sache sei im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Es sei die unentgeltliche Prozessführung und Beiordnung
ihres Rechtsvertreters zu gewähren sowie auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses zu verzichten.
Die Gesuchstellerin reichte eine E-Mail vom 10. November 2020 an das
Bundesverwaltungsgericht mit dem Betreff "retrait de recours" sowie eine
E-Mail vom 10. November 2020 an die Vorinstanz mit dem Betreff "raport"
ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 AsylG
(SR 142.31) auf dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig über Be-
schwerden gegen Verfügungen des SEM (vgl. zur Ausnahme Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG). Es ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die
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es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (BVGE 2007/21
E. 2.1).
1.2 Die Gesuchstellerin ist durch das Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts vom 19. November 2020 besonders berührt und hat ein schutzwür-
diges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung. Sie ist daher zur
Einreichung des Revisionsgesuchs legitimiert (Art. 89 Abs. 1 BGG).
1.3 Gemäss Art. 45 VGG gelten für die Revision von Urteilen des Bundes-
verwaltungsgerichts die Art. 121–128 BGG sinngemäss. Nach Art. 47 VGG
findet auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesuches Art. 67
Abs. 3 VwVG Anwendung.
1.4 Mit vorliegendem Urteil ist das Gesuch um aufschiebende Wirkung ge-
genstandslos geworden.
2.
2.1 Das Revisionsgesuch ist ein ausserordentliches Rechtsmittel, das sich
gegen einen rechtskräftigen Beschwerdeentscheid richtet. Wird das Ge-
such gutgeheissen, beseitigt dies die Rechtkraft des angefochtenen Ur-
teils, und die bereits entschiedene Streitsache ist neu zu beurteilen (ANDRÉ
MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER Prozessieren vor dem Bun-
desverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 5.36).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht zieht seine Urteile auf Gesuch hin aus
den in Art. 121-123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG).
Gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. c BGG kann die Revision eines Urteils in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten verlangt werden, wenn Anträge unbe-
urteilt geblieben sind.
2.3 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der Besetzung mit drei
Richtern oder Richterinnen (Art. 21 Abs. 1 VGG), sofern das Revisionsge-
such nicht in die Zuständigkeit des Einzelrichters beziehungsweise der Ein-
zelrichterin fällt (vgl. Art. 23 VGG).
3.
3.1 Die Gesuchstellerin macht vorliegend geltend, der Rückzug ihrer Be-
schwerde via Inca Mail vom 11. November 2020 sei im Urteil E-5022/2020
vom 19. November 2020 des Bundesverwaltungsgerichts nicht erwähnt
und auch nicht berücksichtigt worden. Die Verfahrenskosten in der Höhe
von Fr. 250.– seien somit zu Unrecht erhoben worden.
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3.2 Dem Beschwerderückzug vom 11. November 2020 kam infolge ungül-
tiger Signatur der Gesuchstellerin keine Wirksamkeit zu. Ein Revisions-
grund liegt nicht vor, da mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
E-5022/2020 vom 19. November 2020 implizit entschieden wurde, dass
der Rückzug der Beschwerde aufgrund dessen ungültig ist (Urteil des BGer
1F_27/2018 vom 29. Oktober 2018 E. 2.1). Im Übrigen wären der Ge-
suchstellerin beim Beschwerderückzug wie beim Nichteintretensentscheid
Verfahrenskosten in der gleichen Höhe auferlegt worden (Art. 63 Abs. 1
VwVG; Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Angesichts dessen, dass sie keine weiteren materiellen Revi-
sionsgründe geltend macht, ist eine Prüfung der Verletzung von Art. 3 der
Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) respektive Art. 33 des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR
0.142.30) nicht angezeigt.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine revisionsrechtlich relevan-
ten Gründe dargetan sind. Das Gesuch um Revision des Urteils des Bun-
desverwaltungsgerichts E-5022/2020 vom 19. November 2020 ist demzu-
folge abzuweisen.
4.
4.1 Das Revisionsgesuch erweist sich als aussichtslos, weshalb die Gesu-
che um unentgeltliche Prozessführung und Beiordnung eines amtlichen
Rechtsbeistandes ungeachtet einer allfälligen prozessualen Bedürftigkeit
abzuweisen sind (Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG).
4.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Gesuchstel-
lerin aufzuerlegen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 1'500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses ist mit vorliegendem Urteil gegenstandslos ge-
worden.
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