Decision ID: 5bfa8119-a988-4e9a-b536-cfa44087eeb3
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_SRK
Chamber: ZH_SRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. Die im Bereich der mechanischen und galvanischen Oberflächenbearbei-
tung tätige A AG, in C (nachfolgend die Pflichtige), erwarb am 17. Juli 2008 eine
75%-Beteiligung an der branchenverwandten D AG, in E (vormals F AG, nachfolgend
D AG), zum Preis von Fr. 1'502'247.-. Per Ende des Geschäftsjahrs 1.10.2007-
30.9.2008 nahm sie auf dieser Beteiligung eine Abschreibung von Fr. 502'247.-
(= 33.4%) vor, womit gut zwei Monate nach dem Erwerb ein Bilanzwert von exakt
Fr. 1'000'000.- verblieb.
Im Einschätzungsverfahren betreffend die Steuerperiode 1.10.2007-30.9.2008
verlangte der Steuerkommissär mit Auflage vom 20. August 2010 den detaillierten
Nachweis der geschäftsmässigen Begründetheit dieser Abschreibung.
Der Vertreter der Pflichtigen gab am 29. September 2010 zur Antwort, dass er
beim Bilanzabschluss 2007/2008 eine Bewertung der Beteiligung gemäss Weisung der
Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) vorgenommen und festgestellt habe, dass
das Gesetz bzw. Art. 665 OR eine Wertberichtigung verlange. Seine Bewertung, wel-
che per 31. Dezember 2007 einen Beteiligungswert von Fr. 937'922.- aufführte (= 75%
vom Unternehmenswert von Fr. 1'250'63.-), legte er bei.
Mit Vorschlägen vom 1. Oktober 2010 unterbreitete der Steuerkommissär der
Pflichtigen die folgende Einschätzung bzw. Veranlagung:
Staats- und Gemeindesteuer Fr.
Steuerbarer Reingewinn ZH 652'600.-
Gewinnsteuersatz 8%
Steuerbares Eigenkapital ZH 4'549'000.-
Kapitalsteuersatz 0.75‰
Direkte Bundessteuer
Steuerbarer Reingewinn 1'263'600.-
Eigenkapital per 30.9.2008 11'687'000.-
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Dabei betrachtete er die Abschreibung auf der Beteiligung als nicht ge-
schäftsmässig begründet, weil deren Wert per 30. September 2008 dem Preis entspre-
che, welcher kurz vor diesem Stichtag unter unabhängigen Dritten bezahlt worden sei.
Nachdem die Pflichtige dazu mit Schreiben vom 25. Oktober 2010 ablehnend
hatte Stellung nehmen lassen, hielt der Steuerkommissär an seiner Auffassung fest
und erliess am 3. November 2010 einen entsprechenden Einschätzungsentscheid für
die Staats- und Gemeindesteuer bzw. Hinweis für die direkte Bundessteuer. Die Bun-
dessteuerveranlagung wurde mit Schlussrechnung vom 22. November 2010 formell
eröffnet.
B. Die hiergegen am 2./6. Dezember 2010 erhobenen Einsprachen, mit wel-
chen sich die Pflichtigen gegen die Aufrechnung der Beteiligungsabschreibung wand-
ten, wurden vom kantonalen Steueramt am 5. Januar 2011 abgewiesen.
C. Mit Rekurs und Beschwerde vom 3. Februar 2011 liessen die Pflichtigen
erneut die geschäftsmässige Begründetheit der Beteiligungsabschreibung verfechten
und dementsprechend beantragen, gemäss ihrer Selbstdeklaration eingeschätzt bzw.
veranlagt zu werden.
Das kantonale Steueramt schloss mit Stellungnahme vom 21. Februar 2011
auf Rekurs- und Beschwerdeabweisung. Die ESTV liess sich nicht vernehmen.
Im Rahmen eines angeordneten 2. Schriftenwechsels hielten die Parteien mit
Replik vom 6. April 2011 und Duplik vom 19. April 2011 an ihren Standpunkten fest.
Auf die Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften ist, soweit erfor-
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
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Die Kammer zieht in Erwägung:
1. Streitig ist einzig, ob die von der Pflichtigen per 30. September 2008 ver-
buchte "Abschreibung" auf ihrer 75%-Beteiligung an der D AG geschäftsmässig be-
gründet war und daher gewinnsteuerrechtlich zum Abzug zuzulassen sei oder nicht,
wobei die Beantwortung dieser Frage zwingend auch entsprechende Auswirkungen auf
den kapitalsteuerlich relevanten Wert der Beteiligung hat.
2. a) Der steuerbare Reingewinn einer Aktiengesellschaft berechnet sich nach
Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember
1990 (DBG) bzw. § 64 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) aufgrund
des Saldos der Erfolgsrechnung (lit. a bzw. Ziff. 1), erhöht um die der Rechnung be-
lasteten, geschäftsmässig nicht begründeten Aufwendungen, wie beispielsweise ver-
deckte Gewinnausschüttungen oder geschäftsmässig nicht begründete Abschreibun-
gen und Rückstellungen (lit. b bzw. Ziff. 2 lit. b).
b) aa) Der Wert eines Aktivpostens in der Bilanz kann mittels Abschreibungen
oder Wertberichtigungen herabgesetzt werden. In beiden Fällen wird die Verbuchung
erfolgswirksam über die Gewinn- und Verlustrechnung vorgenommen, wodurch der
ausgewiesene Gewinn vermindert wird (Art. 28 DBG; § 27 Abs. 2 lit. a StG). Unter ei-
ner Abschreibung ist die gewinnmindernde Herabsetzung des Ertragssteuerwerts eines
Aktivums auf den massgebenden Bilanzwert zu verstehen (RB 1986 Nr. 40 = StE 1987
B 23.43.2 Nr. 4). Sie ist dazu bestimmt, Wertminderungen auszugleichen, wobei ange-
nommen wird, die Entwertung sei bis zum Bilanzstichtag tatsächlich eingetreten; damit
hat sie definitiven Charakter (Peter Locher, Kommentar zum DBG, I. Teil, 2001, Art. 28
N 3, auch zum Folgenden). Mit der Wertberichtigung wird demgegenüber lediglich vo-
rübergehenden Wertveränderungen auf Anlage- und Umlaufvermögen Rechnung ge-
tragen (VGr, 25. Juni 2008, SB.2007.00084). Wegen ihres vorübergehenden Charak-
ters werden Wertberichtigungen in der steuergesetzlichen Terminologie zu den
Rückstellungen gezählt (vgl. Art. 29 Abs. 1 lit. b und c DBG; Locher, Art. 29 N 25 ff.;
Reich/Züger, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, 2. A., 2008,
Art. 28 N 44; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. A., 2009,
Art. 28 N 17 DBG).
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bb) Laut Art. 29 Abs. 1 DBG sind Rückstellungen zulasten der Erfolgsrech-
nung zulässig für im Geschäftsjahr bestehende Verpflichtungen, deren Höhe noch un-
bestimmt ist (lit. a), für Verlustrisiken, die mit Aktiven des Umlaufvermögens, insbeson-
dere mit Waren und Debitoren, verbunden sind (lit. b), für andere unmittelbar drohende
Verlustrisiken, die im Geschäftsjahr bestehen (lit. c) und – unter gewissen Bedingun-
gen – für künftige Forschungs- und Entwicklungsaufträge (lit. d). Der Rückstellungs-
begriff von Art. 29 DBG erfasst damit neben eigentlichen Rückstellungen (vgl. Art. 669
OR) zusätzlich auch Wertberichtigungen und Rücklagen zu Sonderzwecken (vgl. zur
steuerlichen Terminologie: Reich/Züger, Art. 29 N 4). Die Rückstellungen gemäss die-
ser Bestimmung unterscheiden sich von den Abschreibungen nach Art. 28 DBG eben
dadurch, dass Erstere eine vorübergehende und Letztere eine endgültige Wertkorrek-
tur eines Aktivums betreffen (vgl. Locher, Art. 29 N 2 f.; Reich/Züger, Art. 29 N 4; Mar-
kus Reich, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/1, 2. A., 2002, Art.
10 N 18 StHG). Die steuerlich anzuerkennenden geschäftsmässig begründeten Rück-
stellungen bilden die natürliche und notwendige Ergänzung zu den geschäftsmässig
begründeten Abschreibungen (BGr, 23. August 2010, 2C_392/2010, www.bger.ch). Für
das kantonale Recht sind die Rückstellungen in § 27 Abs. 2 lit. b StG gleich geregelt.
cc) Gemäss der zitierten Rechtsprechung umfasst der steuerrechtliche Begriff
der Rückstellung u.a. nicht nur vorübergehende Wertberichtigungen auf Aktiven des
Umlaufvermögens, sondern auch auf Aktiven jedweder Art (Locher, Art. 28 N 3 und
Art. 25). Somit können Beteiligungen ebenfalls davon betroffen sein. Abschreibungen
auf Wertschriften und Beteiligungen sind steuerlich nur zulässig, wenn ein tieferer Ver-
kehrswert nachgewiesen und der Wertverlust mutmasslich von Dauer ist (Reich/Züger,
Art. 28 N 54). Zulässig sind Rückstellungen und vorübergehende Wertberichtigungen
steuerlich dann, wenn sie der Abdeckung unmittelbar drohender Verlustgefahren bzw.
mit Bestimmtheit eingetretener Entwertungen dienen, deren Ursache im Geschäftsjahr
liegt (Reich/Züger, Art. 29 N 10, auch zum Folgenden). Das heisst, dass eine erfolgs-
wirksame Berücksichtigung mittels Bildung einer Rückstellung bzw. einer vorüberge-
henden Wertberichtigung nur dann erfolgen darf (und muss), wenn der betreffende
Aufwand unter den konkreten Umständen wirtschaftlich dem entsprechenden Ge-
schäftsjahr zuzuordnen ist. Massgeblich sind bei alledem grundsätzlich die Verhältnis-
se am Bilanzstichtag.
http://www.bger.ch/
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c) Grundlage für die Gewinnermittlung bilden die nach den handelsrechtlichen
Vorschriften ordnungsgemäss geführten Bücher (sog. Massgeblichkeit der Handelsbi-
lanz; Karl Käfer, in: Berner Kommentar, 1976, Grundlagen N 5.53; Markus Reich, in:
Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, 2. A., 2008, Art. 18 N 22
DBG; Reich, Art. 8 N 23 ff. StHG). Die Handelsbilanz bleibt für die Steuerbehörden
massgebend, solange sie nicht gegen zwingende Bestimmungen des Handels- oder
Steuerrechts verstösst (BGE 119 Ib 111 E. 2c; BGr, 21. Juni 2004, 2P.184/2003, E.
2.2, www.bger.ch; Peter Locher, Kommentar zum DBG, II. Teil, 2004, Art. 57 N 82 und
Art. 58 N 11 ff.).
d) Die Buchhaltung dient gemäss Art. 957 OR dazu, die Vermögenslage des
Geschäfts und die mit diesem zusammenhängenden Schuld- und Forderungsverhält-
nisse sowie die Ergebnisse der einzelnen Geschäftsjahre festzustellen. Art. 959 OR
schreibt diesbezüglich vor, dass die Buchhaltung nach allgemein anerkannten kauf-
männischen Grundsätzen vollständig, klar und übersichtlich aufzustellen ist, damit die
Beteiligten einen möglichst sicheren Einblick in die wirtschaftliche Lage des Geschäfts
erhalten (sogenannte Bilanzwahrheit und -klarheit). Bilanz und Jahresrechnung haben
demnach vollständig zu sein (formelle Wahrheit), wobei die ausgewiesenen Positionen
angemessen bewertet sein müssen (materielle Wahrheit; vgl. Neuhaus/Blättler, in:
Basler Kommentar, 3. A., 2008, Art. 959 N 13 OR). Eingeschränkt wird das Gebot der
materiellen Bilanzwahrheit durch den kaufmännischen Buchhaltungsgrundsatz der
Vorsicht (vgl. Karl Käfer, in: Berner Kommentar, 1981, Art. 959 N 131), gemäss dem
Aktiven und Erträge eher tiefer zu bewerten sind, während Verbindlichkeiten und Auf-
wendungen tendenziell höher anzusetzen sind (Käfer, Art. 959 N 428; vgl. auch Ernst
Bosshard, in: Zürcher Kommentar, 1984, Teilband V/6/3b, Vorbemerkungen N 60). Ob
auch das aus dem Vorsichtsprinzip abgeleitete Imparitätsprinzip – nach dem Verluste
schon vor, Gewinne dagegen erst nach ihrer Realisierung zu verbuchen sind – zu den
allgemein anerkannten kaufmännischen Grundsätzen im Sinn von Art. 959 OR zählt,
ist umstritten (bejahend: Bosshard, Art. 957 N 244; Cagianut/Höhn, Unternehmungs-
steuerrecht, 3. A., 1993, § 4 N 50 f.; verneinend: Käfer, Art. 959 N 77).
Art. 960 Abs. 2 OR enthält eine allgemeine Bewertungsregel für die Aktiven der
Bilanz, welche allerdings nur das zulässige Maximum vorschreibt: Die Aktiven dürfen
höchstens zum Wert bilanziert werden, der ihnen am Bilanzstichtag für das Geschäft
zukommt. Mangels Sondervorschriften sind auch die Guthaben des Unternehmens
sowie Beteiligungen nach dieser allgemeinen Regel zu bewerten. Mithin sind Beteili-
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=2&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Wertberichtigung&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F119-IB-111%3Ade&number_of_ranks=0#page111
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gungen höchstens zu jenem Ansatz zu bilanzieren, der ihrem mutmasslichen Wert am
Bilanzstichtag zukommt. Die Bewertung am Stichtag setzt deshalb eine Abschätzung
des Risikos voraus, dass die Beteiligung an Wert eingebüsst hat. Im Rahmen dieser
Bewertung sind allenfalls Einzelabklärungen vorzunehmen und ist alsdann über eine
Wertberichtigung dem vorsichtig geschätzten Minderwert Rechnung zu tragen
(vgl. Bosshard, Art. 957 N 230, Art. 958 N 79 und Art. 960 N 62 ff.; Käfer, Art. 958 N
545 f. und Art. 960 N 211 ff.). Dergestalt wird eine korrekte und periodengerechte Beur-
teilung des Aufwands sichergestellt (vgl. Bosshard, Art. 958 N 143).
e) Wertberichtigungen, welche handelsrechtlich geboten sind, qualifizieren
sich als geschäftsmässig notwendig und sind steuerlich zu beachten. Dies gebietet das
Massgeblichkeitsprinzip. Der steuergesetzliche Begriff der geschäftsmässigen Begrün-
detheit geht darüber hinaus; nicht allein das, was handelsrechtlich als notwendig er-
scheint, ist von steuerlicher Relevanz. Allerdings heisst dies nicht, dass das Steuer-
recht alles übernimmt, was das Handelsrecht noch zulässt; insofern beinhalten die
fiskalischen Rückstellungsvorschriften (vorn E. 2a/bb) steuergesetzliche Korrekturnor-
men, welche das handelsrechtliche Ergebnis unter Umständen korrigieren (müssen).
Eine solche handelsrechtlich (noch) zulässige Korrektur erweist sich steuerlich eben
nur dann als geschäftsmässig begründet, wenn sie der bis zum Bilanzstichtag eingetre-
tenen Entwertung entspricht (StE 2005 B.23.43.2 Nr. 11; Reich/Züger, Art. 28 N 13).
3. Tatsachen, die Abschreibungen bzw. Wertberichtigungen als geschäftsmäs-
sig begründet erscheinen lassen, sind steuermindernd und deshalb von der Steuer-
pflichtigen nachzuweisen (RB 1975 Nr. 55). Um die Beurteilung der geschäftsmässigen
Begründetheit von geltend gemachten Abschreibungen oder Wertberichtigungen zu
ermöglichen, ist der Steuerpflichtige kraft der ihn treffenden gesetzlichen Obliegenhei-
ten gehalten, an der Abklärung der solchen Aufwendungen zu Grunde liegenden Tat-
sachen mitzuwirken, wobei er für deren Verwirklichung beweisbelastet ist (vgl. RB
1987 Nr. 35). Insbesondere hat er spätestens vor dem Rekursgericht binnen der Re-
kursfrist eine substanziierte Sachdarstellung vorzutragen und die Beweismittel für de-
ren Richtigkeit beizubringen oder zumindest unter genauer Bezeichnung anzubieten.
Substanziiert ist die Sachdarstellung dann, wenn aus ihr Art, Motiv und Rechtsgrund
der geltend gemachten Aufwendungen oder des Verzichts auf Einkünfte in der Weise
hervorgehen, dass bereits gestützt darauf – aber unter Vorbehalt der Beweiserhebung
– die rechtliche Beurteilung der geschäftsmässigen Begründetheit möglich ist (vgl. RB
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1992 Nr. 32). Fehlt es an einer in diesem Sinn genügenden Substanziierung, so hat
das Rekursgericht von sich aus keine Untersuchung zu führen, um sich die erforderli-
chen Grundlagen zu beschaffen (RB 1987 Nr. 35, RB 1981 Nr. 90). Solchenfalls hat
eine Beweisabnahme zu unterbleiben mit der Wirkung, dass der Nachweis der ge-
schäftsmässigen Begründetheit von Aufwendungen zu Ungunsten des hierfür beweis-
belasteten Steuerpflichtigen als misslungen zu betrachten ist (VGr, 30. September
2009, SB.2009.00038, E. 2.4.2, www.vgrzh.ch; vgl. z.B. RB 1980 Nr. 72). Namentlich
kann eine solche Darstellung nicht im Beweisverfahren nachgeholt werden. Nur aus-
nahmsweise kann sich der beweisbelastete Steuerpflichtige, wenn ihm die Substanziie-
rung und/oder Beweisleistung aus Gründen, die nicht er zu vertreten hat, unmöglich
oder unzumutbar ist, auf Schätzungen berufen, sofern ihre Sachdarstellung wenigstens
hinreichende Schätzungsgrundlagen enthält (RB 1975 Nr. 54).
4. a) Die Pflichtige hat die streitbetroffene 75%-Beteiligung an der D AG am
17. Juli 2008 zum Preis von Fr. 1'502'247.- erworben. Führt sie die Beteiligung per
Bilanzstichtag 30. September 2008 nach der vorgenommenen "Abschreibung" (im
Grunde genommen handelt es sich um eine Wertberichtigung, ist doch eine definitive
Entwertung von vornherein nicht dargetan) nur noch mit Fr. 1'000'000.- in ihren Bü-
chern, hat sie den Nachweis zu erbringen, dass innert der in Frage stehenden Zeit-
spanne von lediglich gut zwei Monaten eine entsprechende Wertverminderung stattge-
funden hat.
b) Zur diesbezüglichen Begründung verwies sie in der Auflageantwort vom
29. September 2010 (T-act. 52) zunächst auf eine nach Massgabe der "Weisung der
EStV" (gemeint ist die mit Kreisschreiben Nr. 28 der Schweizerischen Steuerkonferenz
am 21. August 2006 erlassene Weisung zur Bewertung von Wertpapieren ohne Kurs-
wert für die Vermögenssteuer, nachfolgend Kreisschreiben Nr. 28) erstellte Eigenbe-
wertung per Stichtag 31. Dezember 2007. Diese sich an den Ertragswerten 2006 und
2007 sowie am Substanzwert der D AG orientierende Bewertung ergab einen Unter-
nehmenswert von Fr. 1'250'563.-, woraus sich ein Wert für die 75%-Beteiligung der
Pflichtigen von Fr. 937'922.- ableitete.
aa) Dazu ist zunächst festzuhalten, dass aus einer Bewertung per 31. De-
zember 2007 von vornherein nicht auf eine hier in Frage stehende Wertverminderung
zwischen Mitte Juli und Ende September 2008 geschlossen werden kann. Zudem er-
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folgte die streitbetroffene "Abschreibung" nicht auf den errechneten Wert, sondern auf
Fr. 1'000'000.-; insoweit ist die in der Auflageantwort abgegebene Begründung weder
schlüssig noch ohne Widerspruch. Das Abstellen auf eine Unternehmensbewertung
nach Massgabe der erwähnten Weisung erweist sich aus den folgenden Gründen aber
ohnehin als unbehelflich:
bb) Massgeblich für die Bestimmung eines allfälligen Wertberichtigungsbe-
darfs ist der Verkehrswert der D AG-Beteiligung per Bilanzstichtag. Der Verkehrswert
definiert sich dabei als der Preis, welcher bei der Veräusserung eines Vermögensob-
jekts im gewöhnlichen Geschäftsverkehr mutmasslich zu erzielen wäre; m.a.W., wel-
chen ein unbefangener Käufer unter normalen Umständen zu zahlen bereit wäre (BGE
128 I 240 E. 3.1.2). Wohl stellt das Kreisschreiben Nr. 28 Regeln über die hilfsweise
Ermittlung des Verkehrswerts auf. Wie allein schon die Präambel besagt, bezweckt die
Wegleitung indes einzig eine einheitliche Bewertung von inländischen und ausländi-
schen Wertpapieren, die an keiner Börse gehandelt werden, im Rahmen der Vermö-
genssteuer natürlicher Personen innerhalb der Schweiz. Insofern dient sie der Steuer-
harmonisierung zwischen den Kantonen. Ihr kommt ausschliesslich für die Vermögens-
steuer natürlicher Personen Bedeutung zu (vgl. auch Ziff. II.1 der Weisung der Finanz-
direktion über die Bewertung von Wertpapieren und Guthaben für die Vermögenssteu-
er vom 21. August 1998; ZStB I Nr. 22/200). Abgesehen davon stellt sie – da von kei-
ner Bundesbehörde erlassen – nicht einmal Bundesrecht dar (BGr, 12. Juni 2009,
2C_800/2008 E 5.1, auch zum Folgenden). Als blosse Verwaltungsverordnung ver-
möchte sie die Justizbehörden aber ohnehin nicht zu binden. Die Bewertung nach
Massgabe des Kreisschreibens Nr. 28 erweist sich im Übrigen als sehr summarisch
und schematisch. Der nach den Regeln der Wegleitung ermittelte Verkehrswert weicht
vom objektiven Wert oft erheblich ab, namentlich nach unten. Es kann daher bei der
Beurteilung der geschäftsmässigen Begründetheit einer Abschreibung oder Wertbe-
richtigung darauf nicht ankommen. Namentlich kann damit der Nachweis der Notwen-
digkeit einer solchen Korrektur nicht erfolgreich geführt werden.
Hinzu kommt, dass gemäss Kreisschreiben Nr. 28 bei nicht kotierten Wertpa-
pieren, für die keine (ausserbörslichen) Kursnotierungen bekannt sind, keine Bewer-
tung nach Massgabe der Wegleitung vorzunehmen ist, wenn für solche Titel eine
massgebliche Handänderung unter unabhängigen Dritten stattgefunden hat; in solchen
Fälle gilt als Verkehrswert der entsprechende Kaufpreis, wobei dieser Wert solange
berücksichtigt wird, als sich die wirtschaftliche Lage der Gesellschaft nicht wesentlich
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verändert hat (Ziff. A.2 Abs. 5). Unbestrittenermassen hat die Pflichtige ihre Beteiligung
von einem unabhängigen Dritten erworben, womit demzufolge der am 17. Juli 2008
bezahlte Kaufpreis grundsätzlich auch den Verkehrswert per 30. September 2008 vor-
gibt. Nur wenn sich die wirtschaftliche Lage der D AG zwischen Kauf und Bilanzstich-
tag wesentlich verändert hätte, wäre eine Neubewertung nach den Vorgaben des
Kreisschreibens zulässig. Dass eine solche Veränderung (hier: Verschlechterung) in
lediglich gut zwei Monaten stattgefunden hat, wäre wiederum von der Pflichtigen nach-
zuweisen:
c) Wie schon in ihrer Einsprache lässt die Pflichtige beschwerde- und rekurs-
weise vorbringen, die streitbetroffene 75%-Beteiligung sei seinerzeit vom Insolvenz-
verwalter der G AG in H (D) "im Bietverfahren dem Meistbietenden" zum Kauf angebo-
ten worden. Sie, die Pflichtige, sei damals von der Gründerfamilie und Besitzerin der
restlichen 25% auf den Verkauf aufmerksam gemacht worden. Die einzigen Grundla-
gen, welche die Kaufinteressenten erhalten hätten, seien die Bilanzen und Erfolgs-
rechnungen der Geschäftsjahre 2005, 2006 und 2007 gewesen; zudem hätten die Zah-
len über die eindrückliche Umsatzsteigerung im ersten Halbjahr 2008 vorgelegen und
habe neben Gesprächen mit der Geschäftsleitung der D AG ein Augenschein in der
Unternehmung in E stattgefunden. Eine detaillierte interne Bewertung habe die Käufer-
schaft nicht vorgenommen, weil dies gestützt auf die vorhandenen rudimentären Unter-
lagen gar nicht möglich gewesen sei. Nach dem heutigen Wissensstand habe sie für
die Beteiligung einen zu hohen Preis bezahlt. Dabei habe sie "die Ereignisse zwischen
Kauf und Bilanzstichtag 30. September 2008, die Insolvenzerklärung der Lehmann
Brothers in den USA, die die ganze Weltwirtschaft in die tiefste Weltwirtschaftskrise sei
den Dreissigerjahren gestürzt habe", nicht voraussehen können. Diese Ereignisse hät-
ten dazu geführt, dass über Nacht der ganze Glanz und die optimistische Zukunftsbe-
urteilung, die von den steigenden Umsätzen genährt worden sei, weggefallen sei.
"Keinerlei Hoffnung und Phantasie über zukünftige positive Entwicklung oder Ge-
schäftserfolg" habe den Unternehmenswert mehr steigern können. Im Gegenteil habe
die Angst vor den noch unbekannten Folgen der Weltwirtschaftskrise und den damit in
Zusammenhang stehenden Problemen nur noch negative Zukunftserwartungen er-
zeugt. Unter diesen Umständen sei die Unternehmensbewertung per Bilanzstichtag 30.
September 2008 unter Abstellen auf die vorhandenen nackten Zahlen ohne jeden Zu-
kunftsbonus vorgenommen worden (verwiesen wird in diesem Zusammenhang wie-
derum auf die Aktienbewertung per 31. Dezember 2007). Die pessimistische Sicht sei
durch die drastischen Umsatzeinbrüche von über 40% im Jahr 2009 dann auch bestä-
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tigt worden. In letzterem Jahr seien Kurzarbeit und Finanzengpässe im Zentrum der
Verwaltungsrats- und Geschäftsleitungssitzungen gestanden.
aa) Wie die Pflichtige selber ausführt, basiert ihre per 31. Dezember 2007
vorgenommene Bewertung auf den nackten Zahlen der vergangenheitsbezogenen
Jahresrechnungen der D AG. Diese schematische Formelbewertung war ihr demnach
auch beim Beteiligungskauf im Sommer 2008 bekannt. Dass sie für die Verkehrswert-
bestimmung untauglich ist, ergibt sich gerade daraus, dass die Pflichtige weiter anführt,
beim Kauf seien ihr auch Zahlen über die eindrückliche Umsatzsteigerung im ersten
Halbjahr 2008 vorgelegen, weshalb sie die geschäftliche Zukunft optimistisch beurteilt
habe. Wenn die Pflichtige in dieser Ausgangslage als "Meistbietende in einem Bietver-
fahren" am 17. Juli 2008 für die Beteiligung einen Preis von Fr. 1'502'247.- bezahlt hat,
definiert dieser Preis zwangsläufig den objektiven Verkehrswert, welcher eben auch
Elemente wie stille Reserven, Goodwill, Zukunftsaussichten etc. berücksichtigt. Damit
kann aber keine Rede davon sein, dass für die D AG ein zu hoher Preis bezahlt wor-
den ist (wobei andernfalls die Wertberichtigung schon bei der Einbuchung der Beteili-
gung hätte vorgenommen werden müssen, so dass per Ende September 2008 kein
Korrekturbedarf verblieben wäre).
bb) Damit bleibt weiterhin nachzuweisen, dass nach dem Kauf Mitte Juli 2008
bis zum Bilanzstichtag per Ende September 2008 Veränderungen stattgefunden ha-
ben, welche zu einer Wertminderung der Beteiligung um einen Drittel führten. Mit dem
allgemeinen Hinweis auf die Insolvenzerklärung der Lehmann Brothers in den USA,
welche die ganze Weltwirtschaft in die Krise gestürzt und über Nacht die Hoffnungen
auf eine positive Geschäftsentwicklung der D AG zerstört habe, lässt sich dieser
Nachweis nicht erbringen. Liesse man blosse Hinweise auf Konjunkturschwankungen
als Begründung gelten, müssten weltweit alle Beteiligungen im Geschäftsvermögen
laufend in ihrem Wert berichtigt, d.h. bei einer Rezession ab- und bei einem Auf-
schwung aufgewertet werden. Der Nachweis, dass eine Gesellschaftsbeteiligung an
Wert verloren hat, erheischt selbstredend eine konkrete, unternehmensbezogene Be-
gründung. Eine solche hat die Pflichtige jedoch nicht abgegeben. Ihrer allgemein ge-
haltenen Begründung ist im Übrigen Folgendes entgegenzuhalten:
cc) Die Investmentbank Lehman Brothers ging wohl am 15. September 2008
in Konkurs (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Lehman_Brothers). Hintergrund war die
Finanzkrise, welche bereits anfangs 2008 amerikanische Grossbanken wie Citigroup
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und Merril Lynch und im Frühjahr 2008 auch die UBS erfasst hatte. In der "realen Wirt-
schaft" schien die sich zunehmend verschärfende Finanzkrise in dieser Zeit aber noch
nicht allzu viele Befürchtungen auszulösen. Die Frühjahrsprognose der Konjunktur-
forschungsstelle der ETH (KOF) ging für das laufende Jahr nämlich noch von einem
Wirtschaftswachstum von rund 2% aus. Erst im Juni 2008 zeigten sich die Konjunktur-
forscher etwas beunruhigt über die Entwicklung der Wirtschaft, wobei die Wachstums-
prognosen für das Jahr 2009 aber nur leicht von 2% auf 1.8% (KOF) korrigiert wurde;
das Seco (Staatssekretariat für Wirtschaft) rechnete zu gleicher Zeit mit einem Wachs-
tum von 1.3%. Erst Ende September 2008 sprach die KOF in ihrer Herbstprognose
davon, dass die Schweiz von "einer milden Rezession" betroffen sein dürfte. Derweil
rechneten die Bundesökonomen des Seco noch immer nicht mit einem Konjunktur-
einbruch; nur wenn sich die Lage in der EU weiter verschlechtere, sei in der Schweiz
eine Wachstumsmarke unter 1% zu erwarten (vgl. NZZ Online vom 22. Dezember
2008: Von der Finanzkrise in die Wirtschaftskrise; http://www.nzz.ch/nachrichten/wirt-
schaft/aktuell/rueckblick_wirtschaft_1.1549724.html).
dd) Die D AG ist, wie die Pflichtige selbst, im Bereich der Entwicklung, Her-
stellung und Veredelung von Hartmetall tätig. Wieso die sich im Jahr 2008 ausbreiten-
de Finanzkrise im hier interessierenden Zeitraum zwischen Mitte Juli und Ende Sep-
tember 2008 derart schnell auf die Metallbranche hätte auswirken sollen, dass die D
AG-Beteiligung in dieser Zeit einen Drittel ihres Werts hätte einbüssen können, ist nicht
nachvollziehbar. Dies stünde nicht nur in völligem Widerspruch zu den vorerwähnten
Wirtschaftsprognosen, sondern auch zum Hinweis der Pflichtigen auf die eindrückliche
Umsatzsteigerung im ersten Halbjahr 2008. Gerade Letzteres zeigt, dass die Finanz-
krise jedenfalls bis Mitte 2008 keinerlei negativen Auswirkungen auf den Betrieb der D
AG hatte. Unter diesen Umständen wäre es Aufgabe der Pflichtigen gewesen, entspre-
chende negative Auswirkungen der Finanzkrise im 3. Quartal 2008 substanziiert darzu-
tun und mit geeigneten Fakten zu untermauern; zu denken ist in diesem Zusammen-
hang etwa an einen Vergleich der Quartalzahlen (welche einen Einbruch im 3. Quartal
2008 ausweisen müssten) oder an Zahlen, welche eine plötzlich einsetzende Rückläu-
figkeit des Auftragsvolumens ab Sommer 2008 belegten. Solche Zahlen hat die Pflich-
tige nie angesprochen oder vorgelegt. Der aktenkundigen Erfolgsrechnung 1.1.-
31.12.2008 der D AG ist sodann zu entnehmen, dass der Betriebsertrag 2008 gegen-
über dem Vorjahr 2007 von Fr. 5'157'662.44 auf Fr. 5'488'131.47 zugenommen hat,
was also nicht dafür spricht, dass nach den von der Pflichtigen erwähnten Umsatzstei-
gerung im ersten Halbjahr ein massiver Einbruch stattgefunden haben könnte. Wie sich
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1 DB.2011.17 1 ST.2011.30
die Geschäfte im Folgejahr 2009 entwickelten, kann aus Gründen der Periodizität hier
offen bleiben.
d) Nach alledem muss es dabei sein Bewenden haben, dass der Pflichtigen
der ihr obliegende Nachweis misslungen ist, dass die Mitte Juli 2008 erworbene D AG-
Beteiligung bereits per 30. September 2008 um einen Drittel abzuschreiben bzw.
wertmässig zu berichtigen war. Demzufolge hat der beim Kauf eingebuchte Bilanzwert,
welcher dem bezahlten Kaufpreis entspricht, steuerlich per Ende des Geschäftsjahrs
nach wie vor Bestand und fehlt der vorgenommenen Abschreibung bzw. Wertberichti-
gung die geschäftsmässige Begründetheit.
Damit erweist sich die steueramtliche Gewinnkorrektur als rechtens und hat
dies zwingend auch zur Folge, dass mit Bezug auf die Staats- und Gemeindesteuer
das steuerbare Vermögen im Vergleich zur Selbstdeklaration entsprechend höher fest-
zusetzen war.
5. Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde und des Rekur-
ses.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Pflichtigen aufzuer-
legen (Art. 144 Abs. 1 DBG; § 152 Abs. 1 StG). Die Zusprechung einer Parteientschä-
digung (im Bereich der direkten Bundessteuer auch ohne Antrag von Amts wegen zu
prüfen) entfällt (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968).