Decision ID: bc8b71ec-508e-45e6-8b38-ba90c0d72203
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1962 geborene
X._
, Mutter zweier Kinder und promo
vierte Chemikerin, arbeitete ab dem 1. Februar 2001 als Produktionsleiterin für die Firma
Y._
AG und war bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen Unfälle versichert, als sie am 1. Januar 2010 in einen Auffahrunfall verwickelt wurde (
Urk.
9/1
,
Urk.
9/11
). Die Ärzte des Spitals
Z._
, welche die Versicherte noch am Unfalltag notfallmässig behandel
ten, diagnostizierten ein
exazerbiertes
LWS-Syndrom bei bekannter Diskushernie
L3/4 und Kopfschmerzen nach dem Auffahrunfall (
Urk.
9/3).
Die Hausärztin
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Allgemeinmedizin,
untersuchte die Versicherte erstmals am 21. Januar 2010
,
ordnete
eine
Behandlung mit Analgetika und Physiotherapie an
(
Urk.
9/4)
und
attestierte
der Versicherten
vom 1.
bis 17
. Ja
nuar 2010 eine 100%ige und ab
18. Januar 2010 eine 50%ige
Arbeitsunfähig
keit
(
Urk.
9/5
)
.
Die
Suva
anerkannte ihre Leistungspflicht
,
richtete Taggelder aus und kam für die Heilbehandlung auf
(vgl.
Urk.
9/129)
.
1.2
Auf Veranlassung der Suva
(
Urk.
9/9) gab die Hausärztin bei
Dr.
med.
B._
, Fachärztin
für Neurologie
,
ein neurologisches Konsilium
inklusive MRI-Untersuchung (
Urk.
9/24)
in Auftrag, welches
am 2
2.
April 2010
die Diagnose eines
am 1. Januar 2010 erlittenen
Kraniozervikalen
Beschleunigungstraumas mit typischen Folgeschäden (
Zervikalsyndrom
, posttraumatisches Kopfweh, neurovegetative Beschwerden, reaktiv depressive Stimmungslage, Exazerbation eines
lumbospondylogenen
Syndroms) ergab (
Urk.
9/15).
Ferner zog die Suva
das unfallanalytische Kurzgutachten
vom 6. April 2010
, gemäss welchem das Auto der Versicherten anlässlich des Unfalls eine kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung (Delta-v) von 8,9 bis 12,9 km/h erf
ahren hatte
(
Urk.
9/17)
,
und die biomechanische Kurzbeurteilung der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik vom 3. Juni 2010 (
Urk.
9/34) bei. Da
die
Beschwerden
persistierten
, die Versi
cherte
ab 21. Juni 2010 wieder zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben war und wegen
ihrer depressiven
Störung
seit Juli 2010 von
Dr.
med.
C._
, Fachärztin
für Psychiatrie und Psychotherapie,
behandelt
werden musste
(
Urk.
9/33,
Urk.
9/41
,
Urk.
9/46
,
Urk.
9/51
,
Urk.
9/66
)
, ordnete die Suva eine k
reisärztliche Untersuchung
a
n.
Kreisarzt
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Chirurgie, bestätigte gestützt auf seine Untersuchung vom 21. Juli 2010 die 100%ige Arbeitsunfä
higkeit (
Urk.
9/58
)
.
Die Arbeitgeberin kündigte das Arbeitsverhältnis mit der Versicherten per 30. November 2010 (
Urk.
9/71
,
Urk.
9
/74
,
Urk.
9/97
).
Nach dem
Beizug
weiterer Verlaufsberichte der behandelnden Ärzte und zweier kreisärztlicher Stellungnahmen (
Urk.
9/94,
Urk.
9/138)
stellte die Suva die Versi
cherungsleistungen mit Verfügung vom 27. Oktober 2011 per 31. Oktober 2011 ein, da zwischen den
anhaltenden
Beschwerden und dem Unfallereignis kein adäquater Kausalzusammenhang bestehe (
Urk.
9/146).
Auf Einsprache der
Ver
sicherte
n hin
(
Urk.
9/150
,
Urk.
9/155
)
hielt
die Suva, nachdem sie die
Beurtei
lung der Unfallkausalität der Beschwerden vom 3. Mai 2012 durch den beraten
den Arzt der Haftpflichtversicherung,
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Innere Medizin, zu den Akten genommen hatte (
Urk.
2 S. 3,
Urk.
9/177),
m
it
Einspracheentscheid
vom
5. November 2012
an ihrer Auffassung fest (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Tobias
Figi
, mit Eingabe vom 5. Dezember 2012 Beschwerde und beantragte, es seien ihr auch nach dem 31. Oktober 2011 die gesetzlichen Leistungen zu erbringen
; nach Erreichen des medizinischen Endzustands seien ihr eine angemessene Rente und eine Integritätsentschädigung zuzusprechen; eve
ntualiter sei eine neutrale poly
disziplinäre Begutachtung mit Beteiligung der Fachrichtungen Orthopädie, Neurologie und Psychiatrie anzuordnen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 13. Februar 2013 beantragte die Suva die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8
).
Auf Antrag der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 4) zog das Gericht die Akten der Invalidenversicherung, insbesondere auch das
bidisziplinäre
, psychiatrisch-orthopädische Gutachten der Klinik
F._
vom 14. Mai 2012 (
Urk.
13/43/9), bei.
Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien an ihren Anträgen fest (
Urk.
17,
Urk.
22).
Auf die Vorbringen der Parteien und die Akten wird - soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich - in den nachfolgenden Erwägungen eingegan
gen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung setzt grundsätzlich das Vorliegen eines Berufsunfalles, eines Nichtberufsunfalles oder einer Berufskrankheit voraus (Art. 6
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfall
versicherung [UVG]). Wie die Vorinstanz im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 5. November 2012 zutreffend dargestellt hat, haftet der Unfallversicherer für einen Gesundheitsschaden jedoch nur insoweit, als dieser in einem natürli
chen sowie in einem adäquaten Kausalzusammenhang zu einem versicherten Ereignis steht (vgl. BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3.2 sowie die detaillierten Ausfüh
rungen in
Urk.
2 S. 3 und 8 ff.).
1.2
1.2.1
Bei Unfällen mit
Schleudertraumaverletzung
der Halswirbelsäule, einer dem Schleudertrauma äquivalenten Verletzung oder einem erlittenen Schädel-Hirn-T
rauma (vgl. BGE 117 V 382 f. E
. 4b) bilden zuallererst die medizinischen Fakten, wie die fachärztlichen Erhebungen über Anamnese, objektiven Befund, Diagnose, Verletzungsfolgen, unfallfremde Faktoren, Vorzustand usw. die mass-geblichen Grundlagen für die Kausalitätsbeur
teilung durch Verwaltung und Ge
richtsinstanzen. Das Vorliegen eines Schleudertraumas oder einer äquivalenten Verletzung wie seine Folgen müssen somit durch zuverlässige ärztliche Anga
ben g
esichert sein (BGE 134 V 122 E
. 9.1 ff.
; BGE 119 V 340 E
. 2b/
aa
).
Dabei geht die Praxis davon aus, dass
bei Diagnosestellung
ein
es
Schleudertrauma
s
der Halswirbelsäule
, einer äquivalenten Verletzung oder eines Schädel-Hirntraumas
und
Vorliegen
ein
es
für diese Verletzung
en typischen
Beschwerdebild
es
mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse
n
Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüd
barkeit,
Visusstörungen
, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung und so weiter der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen
ist
. Es ist zu betonen, dass es gemäss obiger Begriffsumschreibung für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte gesundheitliche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 359 E. 4b).
1.2
.2
Bei Unfällen mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule, äquivalenter Verletzung oder Schädel-Hirntrauma spielt bei klar ausgewiesenen organischen Unfall-folgen die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung praktisch keine Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne
Weiteres
zu bejahen (BGE 127
V 103 E
. 5b/
bb
, 123 V 102 E. 3b, 118 V 291 f. E. 3a, 117 V 365 E
. 5d/
bb
mit Hinwei
sen). Bei der Beurteilung der Adäquanz von organisch nicht (hinreichend) nachweisbaren Unfallfolgeschäden
muss bei Ereignissen mit Schleu
dertrauma der Halswirbelsäule, äquivalenter Verletzung oder Schä
del-Hirn
trauma dagegen zunächst geprüft werden, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträc
htigungen zwar teilweise vorlie
gen, im Ver
gleich zur ausgeprägten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten oder die physischen Beschwerden im Verlaufe der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt gesamthaft nur eine sehr unterge
ordnete Rolle gespielt haben. Trifft dies zu, sind für die Adä
quanz
beurteilung die in
BGE 115 V 140 E
. 6c/
aa
für Unfälle mit psychischen Folgeschäden auf
gestellten Grundsätze massgebend; andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adä
quanz gemäss den in BGE 134 V 109 ff. fü
r das Schleuder
trauma festgelegten
Kriterien (vgl. BGE 123 V 99 E
. 2a; vgl. auch RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437 ff. sowie Urteil des Bundesgerichts in Sachen E. vom 2
2.
August 2008, 8C_266/2008, E
. 3.1.2 mit Hinweisen).
1.3
1.3.1
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinwei
sen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei - ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf - folgende Einteilung vorgenommen wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352
E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
Bei der Einteilung der Unfälle mit psychi
schen Folgeschäden in leichte, mittel
-
schwere und schwere Unfälle ist nicht das Unfallerlebnis des Betroffenen massgebend, sondern das objektiv erfassbare Unfallereignis (vgl. BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
, 115 V 133 E. 6; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237, 1995 Nr. U 215 S. 91).
1.3.2
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Un
falls;
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen
, insbesondere ihre erfahrungs
gemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
körperliche Dauerschmerzen;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genü
gen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Krite
rium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie z.B. eine auffallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwierigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungsweise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Ver
neinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.4
Das Bundesgericht hat in
BGE 134 V 109
erkannt, dass der Unfallversicherer den Fall gestützt auf Art. 19
Abs.
1 UVG unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung in dem Zeitpunkt abzuschliessen hat, in welchem von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesund
heitszustandes des Versicherten mehr erwartet werden kann und allfällige Ein
gliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (
BGE 134 V 109
E. 3 und 4
). Sind die Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversi
cherung noch nicht abgeschlossen, so hindert dies den Fallabschluss nicht: In diesen Konstellationen ist indessen ni
cht eine Invalidenrente, sonder
n eine Übergangsrente nach Art. 30
der Verordnung über die Unfallversicherung (
UVV
)
zuzusprechen (Urteil des Bundesgerichts 8C_304/2008 vom 1. April 2009, E. 3.1.2).
Ob
eine namhafte Besserung
des Gesund
heitszustandes
noch möglich ist, bestimmt sich namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder
Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Dabei verdeutlicht die Verwendung des Begriffes "namhaft" durch den Gesetzgeber, dass die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen muss. Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht (
BGE 134 V 109
E. 4.3
).
Die bei den psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall anläss
lich der Adäquanzprüfung einzig zu berücksichtigenden physischen Kom
ponenten lassen sich im Zeitpunkt, in welchem von einer Fortsetzung der auf die somatischen Leiden gerichteten ärztlichen Behandlung keine namhafte Bes
serung mehr erwartet werden kann, zuverlässig beurteilen (BGE 134 V 109 E. 6.1); mithin sind in solchen Fällen
behandlungsbedürftige
psychische
Gesund
heitsschäden
kein Hindernis für den Fallabschluss (vgl. das Urteil des Bundes
gerichts 8C_347/2008 vom 1. Mai 2009, E. 4.5 sowie
Rumo-Jungo
/Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungs
-
recht, Bundesge
setz über die Unfallversicherung, 4. Auflage, Zürich 2012, S. 144).
2.
2.1
Die Suva
begründete die Einstellung der Versicherungsleistungen per 31. Okto
ber 2011 damit,
d
ie Invalidenversicherung sei bereits im Dezember 2010 zum Schluss gelangt, dass berufliche Eingliederungsmassnahmen nicht möglich seien; die von der Beschwerdeführerin absolvierte Massnahme sei nicht von der Invalidenversicherung, sondern vom RAV initiiert worden.
Ferner habe im Zeit
punkt des Fallabschlusses von einer weiteren Behandlung keine Steigerung der Arbeitsfähigkeit mehr erwartet werden können. Der Fallabschluss sei somit nicht zu früh erfolgt
, zumal die Beschwerdeführerin damals auch unter unfallfremden Beschwerden
ge
litt
en habe
. Da sich in den Akten bereits viele, sich ergänzende Beurteilungen von Spezialärzten verschiedener Fachrichtungen befunden hätten, welche eine vollständige Beurteilung der medizinischen Situa
tion ermöglicht hätten, habe keine polydisziplinäre Begutachtung angeordnet werden müssen.
Von der beantragten multidisziplinären Begutachtung seien keine
neuen Erkenntnisse zu erwarten.
Nach dem Unfall hätten keine unfallbedingten organisch-strukturellen Veränderungen nachgewiesen werden können.
Die nach dem
Ereignis vom 1. Januar 2010, welches als mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen zu qualifizieren sei,
aufgetretenen Beeinträchtigungen gehörten dagegen zum typischen
Beschwerdebild nach einem Schleudertrauma der Halswirbelsäule un
d einer äquivalenten Verletzung.
Während die Beschwerdegegnerin deshalb in der Verfügung und im
Einspracheentscheid
den adäquaten Kausalzusammenhang nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Schleudertrauma geprüft
hatte, befand sie in der Beschwerdeantwort, dass die
zum typischen Beschwerdebild
des Schleudertraumas
gehö
renden Beeinträchtigungen
nach einiger Zeit im Verhältnis zu den psychischen Beschwerden in den
Hintergrund
getreten seien.
Somit
sei
die
Unfalla
däquanz
der
fortbestehenden
Bes
chwerden aufgrund der in BGE 115
V
133
für psychi
sche Störungen nach einem Unfall
definierten
Kriterien
zu eruieren
. Da
keines dieser
Kriterien
gegeben sei
, müsse die
U
nfalladäquanz
der anhaltenden Beschwerden verneint werden
(
Urk.
2
,
Urk.
8
,
Urk.
22
).
2.2
Die
Beschwerdeführer
in
macht demgegenüber geltend, Fallabschluss und Adäquanzprüfung durch die Suva se
ien zu früh erfolgt, da momentan noch eine Eingliederungsmassnahme der Invalidenversicherung
- beziehungsweise des eng mit dieser zusammen arbeitenden RAV
-
laufe
, welche bis mindestens 24. März 2013
andauern werde
.
Zudem könne durch die Fortführung der psychothera
peutischen und antidepressiven Behandlung
gemäss der gutachterlichen Beur
teilung von
Dr.
med.
G._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 14. Mai 2012
noch eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit und damit eine nam
hafte Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands erreicht werden.
Aus diesen Gründen habe sie nach wie vor Anspruch auf Taggelder und die Über
nahme der Heilungskosten
, und zwar ungefähr bis zur Einstellung der Invalidenversicherungsleistungen per Ende Februar 2013.
Da die unfallbedingte mit
telgradige Depression gemäss
Dr.
G._
hauptursächlich für die Arbeitsunfähig
keit sei, müss
t
e eine allfällige Adäquanzprüfung
unter Berücksichtigung
der für psychische Gesundheitsschäden nach Unfall entwickelten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) durchgeführt werden.
Weil
mindestens fünf von sieben Adäquanzkriterien gemäss BGE 115 V 133
(Besondere Art der erlittenen Verletzung, un
gewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung, körperliche Dauerschmerzen, Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit, schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen)
erfüllt seien, müsste die
Unfalladäquanz
der fortbestehenden Beschwerden bejaht werden.
Dabei müss
t
e auch berücksichtigt werden, dass sie im Jahr 1998 bereits ein HWS-Distorsionstrauma erlitten habe, was rechtsprechungsgemäss bei erneuter Traumatisie
rung die Entwicklung der typischen Symptome nach einem Schleudertrauma speziell begünstige.
Eventuell – sollte das Gericht dem Hauptantrag nicht folgen
–
werde die Einholung eines neutralen polydisziplinären Gutachtens mit Beteili
gung der Fachdisziplinen Orthopädie, Neurologie und Psychiatrie beantragt. Die Suva habe nämlich bis anhin
kein solches Gutachten in Auftrag gegeben, ob
wohl die Rechtsprechung eine Begutachtung als angezeigt
erachte, wenn die Beschwerden bereits längere Zeit angehalten hätten und nicht von einer baldi
gen, wesentlichen Besserung ausgegangen werden könne
. Dass der Sachverhalt noch nicht genügend abgeklärt sei, lasse sich auch durch die von der Invaliden
versicherung im Mai 2013 angeordnete erneute psychiatrische Begutachtung erschliessen
(
Urk.
1 S. 2 und 11 ff.
,
Urk.
17
).
3.
3.1
D
as von den erstbehandelnden Ärzten des Spitals
Z._
nach dem Unfall diagnostizierte
exazerbierte
LWS-Syndrom bei vorbestehender Diskushernie L3/4 (
Urk.
9/3; vgl. auch
Urk.
9/4) mit Ausstrahlungen ins rechte Bein war bereits anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 21. Juli 2010 völlig verschwunden (
Urk.
9/58 S. 3 und 5).
Die in der ersten Zeit nach dem Unfall noch nicht erwähnten (vgl.
Urk.
9/3-4,
Urk.
9/8,
Urk.
9/15), im späteren Verlauf aufgetretenen Schmerzen und
Parästhesien
im rechten Arm und in der rechten Hand mit rezidivierenden Schwel
lungen auch der Finger, welche von
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Chirurgie, speziell Handchirurgie, am
2.
Mai 2011 einmalig mit einer Steroid-Infiltration des Carpalkanals behandelt wurden (
Urk.
9/130; vgl. auch
Urk.
9/92,
Urk.
9/111,
Urk.
9/121), besserten danach ebenfalls, so dass unbestrittenermassen keine weitere Behandlung nötig war (
Urk.
17 S. 3,
Urk.
9/136). Zudem hielt Suva-Kreisarzt
Dr.
med.
I._
in seiner Stellungnahme vom 14. Juli 2011 fest, diese Problematik sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht unfallkausal, weil sie im Bericht über das neurologische Konsilium von
Dr.
B._
vom 2
2.
April 2010 (
Urk.
9/15)
nicht festgehalten worden sei (
Urk.
9/138). Die
se Beurteilung überzeugt.
Bezüglich der Beeinträchtigungen in der Lendenwirbelsäule und im rechten Arm stehen mithin keine weiteren Leistungen
der Suva
zur Diskussion.
3.2
Es ist unbestritten und belegt, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen des Auf
fahrunfalls vom
1. Januar 2010
ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule
(
Kraniovzervikales
Beschleunigungstrauma)
erlitten hatte
(
Urk.
9/1,
Urk.
9/4,
Urk.
9/8,
Urk.
9/15) und dass d
a
nach mittels apparativer Untersuchungen
(MRI-Unte
r
suchung des Schädels und der Halswirbelsäule vom 16. März 2010 [
Urk.
9/24])
keine
traumatischen
organisch-strukturellen Läsionen im Bereich der Halswirbelsäule festgestellt werden konnten
(
Urk.
9/15).
Die Hausärztin
Dr.
A._
hielt am 6. Februar 2010 im Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach
kranio
-zervikalem Beschleunigungstrauma fest,
die Beschwerdeführerin habe anlässlich der Untersuchung bei ihr am 21. Januar 2010 angegeben, sofort nach dem Unfall Kopf- und Nackenschmerzen verspürt
zu haben. 2-3 Stunden nach dem Unfall sei es zu Übelkeit gekommen. Zudem seien danach Schlafstörungen aufgetreten. Die
Untersuchung vom 21. Januar 2010
ergab ein
e
eingeschränkte Beweglichkeit der Halswirbelsäule sowie Druckschmerzen im
Nacken und Hinterkopf (
Urk.
9/4
; vgl. auch
Urk.
9/1
).
Glei
ches ergibt sich aus
dem
am 3. März 2010 ausgefüllten
Erhe
bungsblatt der Suva für die Abklärung von HWS-Fällen
, wobei die Beschwerdeführerin neu angab, die Nacken- und Kopfschmerzen
nähmen zu, wenn sie sich konzentrieren müsse
(
Urk.
9/8
S. 3
).
Anlässlich der
neurologische
n
Untersuchung bei
Dr.
B._
vom 19. April 2010
klagte die Beschwerdeführerin
über Schlafstörungen, einen dauernden, unterschiedlich starken Druck im Kopf, welcher bei Konzent
ration zunehme, dauernde Schmerzen im Nacken, eine Gewichtsabnahme und eine
depressive
Stimmung
slage
.
D
ie Beweglichkeit der Halswirbelsäule
war
massiv eingeschränkt und allseits schmerzhaft
, und es bestanden
Myogelosen
der paravertebralen zervikalen Muskulatur und der
Trapezii
(
Urk.
9/15).
Das Vorliegen eines für
Schleudertraumaverletzungen
typischen Symptomenkom
plexes ist damit erstellt, womit rechtsprechungsgemäss auch vom Bestehen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem erlittenen Schleudertrauma und der danach aufgetretenen Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist
(vor
stehend E. 1.2.1)
.
3.3
Sodann steht aufgrund der Akten fest
,
dass die erstmals im
Bericht
der Neurolo
gin
Dr.
B
._
vom 2
2.
April 2010 erwähnte depressive Symptomatik (
Urk.
9/15)
etwa nach einem halben Jahr
die somatischen Unfallfolgen
zuneh
mend in den
Hintergrund drängte
und
sich
zu einer
auch bei der Einstellung der Unfallversicherungsleistungen
vorhandenen, eigenständigen
, mindestens mittel
gradigen
Depression
entwickelte
(vgl. die
Verlaufsberichte des b
ehandelnden Psychiaters
Dr.
C
._
vom
9. August und 25. Oktober
2010 sowie vom
5. April
und 26. September
2011
[
Urk.
9/66,
Urk.
9/90,
Urk.
9/116,
Urk.
9/143]
,
das
bidisziplinäre
, psychiatrisch-orthopädische Gutachten der Klinik
F._
vom 14. Mai 2012 [
Urk.
13/43/9]
und den weiteren Bericht von
Dr.
B
._
vom 18. Dezember 2010 [
Urk.
9/121]
)
.
Die Beschwerdeführerin weist selbst darauf hin, dass ihre mittelgradige Depression hauptursächlich für die anhaltende Ar
beitsunfähigkeit sei (
Urk.
1 S. 13).
Im Gegensatz zur psychischen Entwicklung nach dem Unfall besserten sich die somatischen Unfallfolgen
, insbesondere die von der Halswirbelsäule ausgehenden, relativ geringfügigen Beeinträchtigun
gen,
zunächst kontinuierlich.
Dies zeigt unter anderem die Steigerung der Arbeitsfähigkeit von 0 auf 50 % ab 18. Januar 2010 (
Urk.
9/5) sowie der Umstand, dass die Beschwerdeführerin der Neurologin
Dr.
B
._
am 2
2.
April 2010
angab, die
Symptomatik
habe sich verbessert (
Urk.
9/15 S. 1). Die anschliessende erneute Akzentuierung der Kopf-, Nacken- und
Rückenbeschwerden wurde von
Dr.
B
._
mit der rapiden Verschlechterung der psychischen Verfassung im Juli 2010 in Verbindung gebracht. Ab dann ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die von der Beschwerdeführerin geklagten, von der Halswirbelsäule ausgehenden Beeinträchtigungen auch psychische Ursachen haben können, etwa die von den
Ärzten erwähnten u
nfallfremden Belastungsfaktoren (durch den Unfall ausgelöste Identifizierung mit dem ähn
lich verursachten Unfalltod der Mutter; Verlust der Arbeitsstelle; Krebserkrankung des Vaters [
Urk.
13/43/12 f.,
Urk.
9/121 S. 1]).
E
ine
Prüfung der
Unfalladäquanz
d
er fortbestehenden Symptomatik
– ein teilweiser natürlicher Kausal
zusammenhang
der psychischen Beschwerden
mit dem Unfall ist unter anderem durch
das Gutachten der Klinik
F._
vom 14. Mai 2012
ausgewiesen (
Urk.
13/43/12 f.
)
–
müsste deshalb
nach den
in BGE 115 V 140 E
. 6c/
aa
für Unfälle mit psychischen Folgeschäden aufgestellten Grundsätze
n erfolgen
(vor
stehend E.1.2.2)
.
Davon gehen mittlerweile beide Parteien aus
(
vgl.
Urk.
1 S. 13)
;
d
ie Suva, welche die Adäquanz der fortbestehenden Beschwerden im angefochtenen
Einspracheentscheid
noch nach den
in BGE 134 V 109 ff. fü
r das Schleuder
trauma festgelegten
Kriterien beurteilt hatte (
Urk.
2 S. 9), revidierte ihre Sichtweise und ging
in der Beschwerdeantwort
ebenfalls von einer Adäquanzprüfung nach BGE 115 V 140 E. 6c/
aa
aus
(
Urk.
8 S. 7)
.
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist
weiter
, ob die Suva den Fall trotz fortbestehender Beschwerden
per 31. Oktober 2011 (
Urk.
2 S. 12)
abschliessen durfte
.
Dies
hängt
davon ab, ob
zu diesem Zeitpunkt von
der Fortsetzung der ärztlichen Behand
lung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden
konnte
– wobei hierfür
eine
zu erwartende
Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit
massgeblich ist -
und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen waren
(
Urk.
19
Abs.
1 UVG;
vorste
hend E.
1.4
)
.
4.2
B
ald nach dem Unfall
trat
eine gewisse Besserung ein
:
Die Hausärztin konnte die Arbeitsfähigkeit bereits ab 18. Januar 2010 wieder auf 50 % erhöhen (
Urk.
9/5), und
Dr.
B
._
erwähnte in ihrem Bericht vom 2
2.
April 2010 eine um 20
-
30 % verbesserte Symptomatik (
Urk.
9/15).
Die erneute Ver
schlechterung der Befindlichkeit wurde von
Dr.
B
._
in ihrem Verlaufsbericht vom 18. Dezember 2010 mit der ab Juli 2010 stark verschlechterten psychischen Situation in Verbindung gebracht (
Urk.
9/121).
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, welcher die Therapie der Halswirbelsäulenbeschwerden überwachte, berichtete am 27. September 2010,
durch die physiotherapeutische Behandlung hätten inzwischen eine verbesserte Beweg
lichkeit der Halswirbelsäule und ein deutlicher Kraftzuwachs erreicht werden können
. Die Behandlungen könnten wahrscheinlich Ende Oktober 2010 abge
schlossen werden (
Urk.
9/81; vgl. auch
Urk.
9/60).
Anlässlich einer Besprechung bei
der
Suva vom 9. März 2011 gab die Beschwerdeführerin an, sie habe keine ständigen Nackenschmerzen mehr, und die Beweglichkeit beim Drehen des Kopfes sei deutlich besser geworden (
Urk.
9/111 S. 1).
Im o
rthopädischen Teil des
bidiszi
plinären
Gutachtens der Klinik F._
vom 14. Mai 2012, welcher unter anderem auf der körperlichen Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 27. März 2012 basierte,
wurde zwar ein
leichtgradiges
zervikales
Vertebralsyndrom
mit muskulärem Hartspann diagnostiziert. Der Gutachter gelangte aber zum Schluss, dadurch
sei
die Leistungsfähigkeit in der angestammten Arbeit und in vergleichbaren Tätigkeiten nicht wesen
tlich beeinträchtigt
; die Beschwerden könnten nebst einer vollschichtigen Tätigkeit physiotherapeutisch behandelt werden (
Urk.
13/43/24 ff.).
Es
kann davon ausgegangen werden
, dass die von der Halswirbelsäule ausgehen
den Beeinträchtigungen
bereits
im
Zeitpunkt des Fallabschlusses
per 31. Oktober 2011
so weit
zurückgegangen
waren,
dass sie die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit nicht mehr wesentlich beeinträchtigten.
D
ie uneingeschränkte Leistungsfähigkeit aus somatischer Sicht
wurde zwar
erstmals aufgrund der gutachterlichen Untersuchung in der Klinik
F._
vom 14. Mai 2012 attestiert.
Aufgrund des aktenmässig belegten Verlaufs dieser
Problematik
ist
es allerdings überwiegend wahrscheinlich, dass die Beurteilung der Arbeits
fähigkeit im Gutachten der Klinik
F._
aus
somatischer
Sicht bereits für den Zeitpunkt des Fallabschlusses Gültigkeit beanspruchen kann. Die von
der Beschwerdeführerin a
nlässlich der Besprechung bei der Suva vom 9. März 2011 angegebenen Beeinträchtigungen
sind nämlich nicht wesentlich schwerer als diejenigen, welche der orthopädische Gutachter der Klinik
F._
feststellte. Mithin steht fest, dass bei Fallabschluss
aus somatischer Sicht
von einer weite
ren ärztlichen
Behandlung keine wesentliche Verbesserung der Arbeitsfähigkeit mehr zu erwarten
war
.
Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte wei
tere Behandlungsbedürftigkeit der psychischen Beschwerden steht unter diesen Umständen einem Fallabschluss
per 31. Oktober 2011
nicht entgegen, da
sich
jedenfalls
die bei den psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall anlässlich der Adäquanzprüfung einzig zu berücksichtigenden physischen Komponenten im Zeitpunkt, in welchem von einer Fortsetzung der auf die somatischen Leiden gerichteten ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung mehr erwartet werden konnte, zuverlässig beurteilen lässt (Urteil des Bundesgerichts 8C_347/2008 vom 1. Mai 2009, E. 4.5 mit Hinweisen)
.
4.3
Schliesslich standen dem Fallabschluss per 31. Oktober 2011 entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin auch keine laufenden beruflichen Eingliede
rungsmassnahmen der Invalidenversicherung
im Sinne von Art. 19
Abs.
1 UVG (vorstehend E. 1.4)
entgegen.
Aus den beigezogenen Akten ergeben sich näm
lich keine Anhaltspunkte, dass seitens der Invalidenversicherung noch berufli
che Eingliederungsmassnahmen
in Form einer Umschulung
geplant
gewesen
wären (vgl. insbesondere die Mitteilung der IV-Stelle vom 2
8.
Dezember 2010 [
Urk.
13/13] sowie den Vorbescheid und das Feststellungsblatt vom
4.
Februar 2013 [
Urk.
13/54,
Urk.
13/56]).
Die
von der IV-Stelle
im Dispositiv des Vorbe
scheids vom
4.
Februar 2013
angebotenen
(
Urk.
13/57/3)
und
im dagegen erho
benen Einwand vom
1.
März 2013
beantragten
beruflichen Massnahmen in Form von
Arbeitsvermittlung
(
Urk.
13/59/2)
wirken sich nicht auf die (unfal
lbedingte) Arbeitsfähigkeit aus
, so dass sie einem Fallabschluss nicht entgegenste
hen
(vgl. das Urteil des Bundesgerichts U 31/05 vom 1
8.
Mai 2005, E. 5)
.
Schliesslich handelt es sich bei
der
von der Be
schwerdeführerin angesprochenen Eingliederungsmassnahme bei der BNF (Biomedizin – Naturwissenschaft – Forschung) der Universität
K._
(
Urk.
1 S. 12,
Urk.
3/4,
Urk.
17 S. 4,
Urk.
18/1)
nicht um eine Eingliederungsmassnahme der Invalidenversicherung, sondern eine solc
he der Arbeitslosenversicherung. Dies ergibt sich aus dem Einsatzvertrag (
Urk.
3/4).
4.4
Weil
der Zeitpunkt des Fallabschlusses bereits aufgrund der vorliegenden
fachärzt
lichen Berichte
zuverlässig bestimmt werden kann, sind diesbezüglich keine weiteren Abklärungen nötig.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der Fallabschluss per 3
1.
Oktober 2011 rechtens ist.
5.
5.1
Einfache Auffahrunfälle werden rechtsprechungsgemäss in der Regel als mittel
schwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert. Bei Heckkollisionen bildet praxisgemäss eine kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung innerhalb oder oberhalb eines Bereiches von 10-15 km/h die Harmlosigkeitsgrenze für nicht unerhebliche HWS-Beschwerden (Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_51/2007
vom
2
0.
November 2007
,
E. 4.3.1
sowie U 422/05 vom 1
2.
September 2006 E. 5.1
mit Hinweisen).
Aufgrund der Akten und dabei insbesondere mit Blick auf das unfallanalytische Kurzgutachten vom
6.
April 2010 (
Urk.
9/17: Geschwindigkeitsänderung bei Frontalkollision [Delta-v] von höchstens 8,9 bis 12,9 km/h) und die biomecha
nische Kurzbeurteilung der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik vom
3.
Juni 2010
(
Urk.
9/34) steht fest, dass der Unfall
vom
1.
Januar 2010
den leichteren Fällen im mittelschweren Bereich zuzuordnen ist.
Bei dieser Sachlage
wäre d
ie Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu bejahen, wenn ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden Kriterien
gemäss
in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise gegeben wären
(vorstehend E. 1.3
.2
).
5.2
5.2.1
Der Unfall vom
1.
Januar 2010 hat sich nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet und war – objektiv betrachtet – auch nicht beson
ders Eindrücklich. Dieses Kriterium ist unbestrittenermassen nicht erfüllt (
Urk.
1 S. 14).
Ebenso
wenig steht eine ärztliche Fehlbehandlung zur Diskussion.
5.2.2
Da die Adäquanz einer psychischen Fehlentwicklung nach einem Schleudertrauma allein nach dem erlittenen körperlichen Gesundheitsschaden und dessen objektiven Folgen zu beurteilen ist, fällt
unter alleiniger Berücksichtigung des Schleudertraumas
das Adäquanzkriterium der besonderen Art der erlittenen Verletzung unter Anwendung der Rechtsprechung zu den psychischen Unfall
folg
en praxisgemäss ausser Betracht.
Es ist sodann nicht erstellt, dass die
von der
Beschwerdeführerin
vorgebrachte (
Urk.
17 S. 8)
, im Jahr 1998 erlittene,
aber
seit langem folgenlos ausgeheilte HWS-Distorsion
(
Urk.
9/58 S. 4,
Urk.
9/59)
eine
Vorschädig
ung der Halswirbelsäule bewirkte
, welche geeignet
ist
, die
Retraumatisierung
der Halswirbelsäule am
1.
Januar 2010
als Verletzung besonderer Art
zu
qualifizier
en
. Ein erhebliches Ausmass der Vorschädigung ist nämlich mangels Zusprechung einer entsprechenden Rente nicht ausgewiesen
(vgl.
das Urteil des Bundesgerichts
8C_416/2011
vom
9.
November 2011, E. 9.2 mit Hinweisen
)
.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
(
Urk.
1 S
.
14
,
Urk.
17 S. 7 f.
)
lässt sich dem psychiatrischen Gutachten der Klinik
F._
vom 1
4.
Mai 2012 nichts anderes entnehmen. Dort wird nämlich lediglich festgehalten, der Unfall
habe die psychische Erkrankung
angestossen;
gleichzeitig wird aber auch
erwähnt
, dass unfallfremde Aspekte für die
psychische
Erkrankung entscheidend
gewesen seien
: Die
durch den Unfall ausgelöste Identifizierung mit dem ähnlich verursachten Unfalltod der Mutter sowie der damit zusammenhängende Verlust der Arbeitsstelle (
Urk.
13/43/12 f.).
Auch im Bericht von
Dr.
B
._
vom 1
8.
Dezember 2010 wird auf unfallfremde, die Psyche belastende Faktoren hin
gewiesen, nämlich die Kündigung der Arbeitsstelle und die Krebserkrankung des Vaters der Beschwerdeführerin (
Urk.
9/121 S. 1).
Die am
1.
Januar 2010 zusätzlich erlittene
Verletzung der Lendenwirbelsäule
(
Exazerbation des vorbestehenden LWS-Syndroms bei bekannter Diskushernie L3/4
) war ebenfalls
nicht derart schwer oder besonders, dass sie erfahrungsge
mäss geeignet
gewesen wär
e
, eine psychische Fehlentwicklung auszulösen.
Das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen ist mithin nicht erfüllt.
5.2.3
Es kann
auch
nicht von einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behand
lung der
unfallbedingten
somatischen
Beschwerden
– nur diese sind bei der Adäquanzprüfung zu berücksichtigen (vorstehend E. 5.1) -
gesprochen wer
den.
Die anfänglich
konservativ mit
Medikamenten und
Physiotherapie behan
delten
(
Urk.
9/4 S. 3)
, von der Halswirbelsäule ausgehenden Beschwerden
bes
serten bereits nach kurzer Zeit, so dass
die Hausärztin die Arbeitsfähigkeit bereits ab 1
8.
Januar 2010 wieder auf 50 % erhöhen konnte (
Urk.
9/5) und die
Beschwerdeführerin selbst der
Neurologin
Dr.
B
._
am 2
2.
April 2010
angab, die
Symptomatik habe sich um 20
-
30 % verbessert
(
Urk.
9/15
S. 1
). In der Folge
kam es just
zusammen mit der rapiden Verschlechterung der psychi
schen Befindlichkeit im Juli 2010
, welche von der Beschwerdeführerin als „totaler Zusammenbruch“ umschrieben wurde (
Urk.
13/43/18),
zu einer Akzen
tuierung der Schmerzsymptomatik.
Die erneute Verschlechterung wurde von
Dr.
B
._
in ihrem Verlaufsbericht vom 1
8.
Dezember 2010 denn auch mit dem starken psychischen Tief in Verbindung gebracht (
Urk.
9/121).
Es ist deshalb davon auszugehen, dass die spätestens ab Juli 2010
deutlich
im Vordergrund stehenden psychischen Beschwerden
die körperliche Symptomatik überlagerten und deren
adäquate Behandlung verunmöglichten
beziehungsweise
verzögerten
. Die in der Folge notwendig gewordenen Massnahmen, insbesondere auch die
von der Beschwerdeführerin erwähnten
mehrwöchigen
stationär
en
Thalasso
-Therapien (
Urk.
1 S. 15,
Urk.
9/79)
,
sind in diesem Lichte zu sehen und erfüllen das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung der körperlichen Beeinträchtigungen nicht
.
5.2.4
Das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen ist ebenfalls nicht erfüllt, da durch die ärztlichen Berichte belegt wird, dass die
unfallbedingten
körperlichen Beschwerden (hauptsächlich
Kopf- und Nackenschmerzen, eine eingeschränkte Beweglichkeit der Halswirbelsäule sowie
Myogelosen
der paravertebralen zervi
kalen Muskulatur und der
Trapezii
[
Urk.
9/15 S. 1 f.
,
Urk.
9/58 S. 5
]
) relativ geringfügig waren
, anfänglich besserten und sich erst
im Zusammenhang mit der Verschlechterung der psychischen Befindlichkeit im Juli 2010 wieder akzentuierten. Ab dann ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die von der Beschwerdeführerin geklagten, von der Halswirbelsäule ausgehenden Beschwer
den auch psychische Ursachen haben können, etwa die von den Ärzten erwähnten unfallfremden belastenden Faktoren
.
5.2.5
Anhaltspunkte für einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikatio
nen hinsichtlich der somatischen Beschwerden bestehen
nicht. E
nt
gegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
genügen die anhaltenden Therapien und die persistierenden Beschwerden nicht zur Bejahung dieses Kriteriums (
Urk.
1 S. 16)
. Insbesondere
ist
die Akzentuierung der psychischen Beschwerden ab Juli 2010, welche den Heilungsverlauf mitbeeinflusste
beziehungsweise ver
zögerte
,
nicht hinreichend, um dieses Kriterium als erfüllt betrachten zu kön
nen.
Von der Rechtsprechung werden b
esondere
Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben
, verlangt (Urteil des Bundesgerichts
8C_833/2012
vom 2
9.
November 2012, E. 5.3.4). Solche sind nicht ersichtlich.
5.2.6
Die Beschwerdeführerin nahm die Arbeit rund zwei Wochen nach dem Unfall, am 1
8.
Januar 2010, wieder zu 50
%
auf. Die
erneute
, längere Zeit an
dauernde
100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 2
1.
Juni 2010 (
Urk.
9/41,
Urk.
9/46)
ist auf
grund des dargelegten Verlaufs der Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlich
keit auf
die psychische
Dekompensation rund sechs Monate nach dem Unfall zurückzuführen und nicht durch die somatischen Beeinträchtigungen bedingt.
Die Beschwerdeführer weist denn auch selbst darauf hin, dass ihre mittelgradige Depression hauptursächlich für die Arbeitsunfähigkeit sei (
Urk.
1 S. 13).
Deshalb ist auch das Kriterium „Grad und Dau
er der physisch bedingten Arbei
t
s
unfähig
keit“ nicht gegeben.
5.3
Abschliessend ergibt sich, dass
kein Adäquanzkriterium erfüllt ist und deshalb die Adäquanz des Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall vom
1.
Januar 2010 und den anhaltenden Beschwerden verneint werden muss. Die Leistungseinstellung per 3
1.
Oktober 2011 erfolgte deshalb im Ergebnis zu Recht
.
Auf die mit dem Eventualantrag verlangte Einholung eines neutralen polydisziplinären Gutachtens
(
Urk.
1 S. 2)
kann
in antizipierter Beweiswürdigung
verzichtet werden. Die strittigen Fragen können gestützt auf die bei den Akten liegenden fachärztlichen Berichte nämlich zuverlässig beurteilt werden, wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt. Von der beantragten Begut
achtung
sind
deshalb
keine
relevante
n
neuen
Erkenntnisse
zu erwarten
.
D
ie Beschwerde ist abzuweisen.