Decision ID: 1aca9ca1-9b05-55e9-bb41-9445c14babd9
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A./ Das Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen hat mit den Entscheiden B 2009/71
und 2009/72 vom 18. März 2010 rechtskräftig Beschwerden gegen die Baubewilligung/
Neuordnung Signalisation der Parkplätze auf dem Güterbahnhofareal in St. Gallen
gutgeheissen. Damit wurde letztlich auch die Bewilligung des Baugesuches Nr. 00001
der P. GmbH als Betreiberin des Lokals Kultur am Gleis (abgekürzt Kugl) aufgehoben.
Am 14. Januar 2011 stellte die P. GmbH ein neues Baubewilligungsgesuch zur
Änderung der Öffnungszeiten des KuGl sowie zur Verbreiterung des Vordaches und zur
Erstellung von Schallschutzwänden beim Eingangsbereich zum KuGl. Am 30. Juni 2011
hiess die zuständige Baubewilligungskommission der Stadt St. Gallen das Baugesuch
Nr. 00002 unter Bedingungen und Auflagen (Zeitpunkt der Realisierung der baulichen
Massnahmen, Überprüfung der Musikanlage durch das Amt für Umwelt und Energie,
Verbindlichkeit des Nutzungs- und Betriebskonzeptes vom 21. April 2011) gut und wies
die öffentlich-rechtliche und die privatrechtliche Einsprache von A. K. jeweils im
Hauptantrag ab.
B./ Gegen den Beschluss der Baubewilligungskommission der Stadt St. Gallen erhob
A. K. mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 8. Juli 2011 Rekurs beim
Baudepartement mit dem Antrag, der Beschluss der Baubewilligungskommission der
Stadt St. Gallen sei kosten- und entschädigungspflichtig aufzuheben. Zur Ergänzung
des Rekurses ersuchte der Rechtsvertreter von A. K. um Einräumung einer Frist bis
zum 12. August 2011. Am 12. Juli 2011 verlängerte das Baudepartement die Frist
antragsgemäss bis zum 12. August 2011. Mit Schreiben des Baudepartements vom
25. Juli 2011 wurde der Rekurs zur weiteren Bearbeitung dem Departement des Innern
überwiesen.
Mit Eingabe vom 11. August 2011 ersuchte der Rechtsvertreter von A. K. das
Departement des Innern um Fristerstreckung zur Rekursergänzung bis zum
15. September 2011. Das Erstreckungsgesuch wurde im Wesentlichen damit
begründet, dass das Güterbahnhofareal, auf dem sich das KuGl befinde, im Herbst
2011 von den Schweizerischen Bundesbahnen (abgekürzt SBB) an den Kanton
St. Gallen verkauft werde. A. K. habe Gespräche mit der zukünftigen
Grundeigentümerin aufgenommen, um die Probleme rund um das KuGl endgültig
erledigen zu können. Es bestehe die nicht unerhebliche Wahrscheinlichkeit, dass das
vorliegende Rekursverfahren gegenstandslos werde bzw. anders als durch einen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Entscheid erledigt werden könne. Am 15. August 2011 gewährte das Departement des
Innern dem Rechtsvertreter von A. K. – unter Hinweis auf die Säumnisfolgen – eine
nochmalige Frist zur Rekursergänzung bis zum 15. September 2011 und hielt
gleichzeitig fest, dass diese Frist nicht mehr erstreckt werden könne.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 15. September 2011 ersuchte A. K. um
Sistierung des Verfahrens bzw. Fristerstreckung zur Rekursergänzung bis zum
15. Dezember 2011. Das Gesuch wurde im Wesentlichen mit den laufenden
Einigungsverhandlungen mit dem Baudepartment sowie den komplexen
Rechtsverhältnissen rund um das Güterbahnhofareal begründet. Das Departement des
Innern gab den Verfahrensbeteiligten am 20. September 2011 Gelegenheit, zum
Gesuch Stellung zu nehmen.
Das Baudepartement äusserte sich in seiner Stellungnahme vom 23. September 2011
dahingehend, dass der Sistierung resp. Fristerstreckung nichts entgegen stehe. Die
Baubewilligungskommission beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 27. September
2011 die Weiterführung des Verfahrens. Der Rechtsvertreter der P. GmbH beantragte
am 28. September 2011 unter anderem, auf den Rekurs sei nicht einzutreten oder er
sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen unverzüglich abzuweisen.
Die Leiterin Rechtsdienst des Departements des Innern wies mit verfahrensleitender
Anordnung vom 10. Oktober 2011 das Gesuch um Sistierung des Rekursverfahrens
bzw. um Fristerstreckung zur Rekursergänzung ab. Als Begründung wurde
hauptsächlich vorgebracht, dass die für die Sistierung geltend gemachten
"Einigungsverhandlungen" nicht Verhandlungen zwischen den Rekursbeteiligten,
sondern Gespräche mit dem künftigen Eigentümer des Güterbahnhofareals betreffen
würden. In Abwägung der gegensätzlichen Interessen bestehe kein Grund, das
Rekursverfahren zu sistieren. Auch das Gesuch um Fristerstreckung sei abzulehnen, da
dem Rechtsvertreter von A. K. insgesamt eine Nachfrist von mehr als neun Wochen
gewährt worden sei. Das Gesuch sei zudem erst nach Ablauf der Frist beim
Departement des Innern eingetroffen, obwohl Fristerstreckungsgesuche vor Fristablauf
bei der Behörde eintreffen müssten. Wer am letzten Tag der Frist ein
Erstreckungsgesuch stelle, trage das Risiko der Abweisung des Gesuches. Daher sei
A. K. keine "Notfrist" einzuräumen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ebenfalls am 10. Oktober 2011 trat das Departement des Innern kosten- und
entschädigungspflichtig nicht auf den Rekurs von A. K. ein und entzog für die Dauer
eines allfälligen Beschwerdeverfahrens die aufschiebende Wirkung. Der Entscheid
wurde im Wesentlichen damit begründet, dass angesichts der Ablehnung des
Sistierungs- resp. Fristerstreckungsgesuchs und des Nichteinreichens einer
Rekursergänzung innert Frist auf den Rekurs gemäss Art. 48 Abs. 3 des Gesetzes über
die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, abgekürzt VRP) nicht eingetreten werde.
C./ Mit Eingaben seines Rechtsvertreters vom 26. Oktober 2011 und 9. November
2011 erhebt A. K. Beschwerde beim Verwaltungsgericht und beantragt, der Entscheid
des Departements des Innern vom 10. Oktober 2011 sei kosten- und
entschädigungspflichtig vollumfänglich aufzuheben. Die Beschwerde wurde
insbesondere damit begründet, dass sich bei den Vergleichsgesprächen mit dem
Baudepartement am 14. September 2011 herausstellte, dass die Abklärung der
komplexen Rechtsverhältnisse und die Durchführung substanzieller Einigungsverfahren
nicht vor dem 15. Dezember 2011 abgeschlossen werden könnten. Deshalb sei am
15. September 2011 nochmals eine Fristerstreckung resp. eine Sistierung des
Verfahrens bis zum 15. Dezember 2011 beantragt worden. Der Vorinstanz seien diese
laufenden Vergleichsverhandlungen seit dem Erstreckungsgesuch vom 15. August
2011 bekannt gewesen und sie habe die am 15. August 2011 gewährte
Fristerstreckung zu Unrecht als letztmalig bezeichnet. Dies verletze insbesondere das
Gebot des rechtlichen Gehörs und das Verbot des überspitzten Formalismus gemäss
Art. 29 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt BV). Diese Garantien seien auch
durch die Ablehnung des Sistierungs- und Fristerstreckungsgesuches verletzt worden.
Zumindest hätte ihm die Vorinstanz nach Ablehnung des Sistierungs- resp.
Fristerstreckungsgesuches am 10. Oktober 2011 eine kurze Nachfrist zur
Rekursergänzung ansetzen müssen.
Nach Einreichung der Beschwerde am 26. Oktober 2011 wurde dem Rechtsvertreter
von A. K. durch das Departement des Innern Einsicht in die Rekursakten gewährt. Mit
Schreiben vom 8. November 2011 informierte die SBB das Verwaltungsgericht, dass
das Grundstück Nr. C0001 per 1. Oktober 2011 an den Kanton St. Gallen verkauft
worden sei. Das Baugesuch Nr. 00001 betreffe das vom Kanton St. Gallen erworbene
Grundstück Nr. C0001 wie auch das bei der SBB verbleibende Grundstück Nr. C0002.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Das Departement des Innern nimmt mit Eingabe vom 15. November 2011 Stellung zur
Beschwerde und beantragt die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. Zur
Begründung wird im Wesentlichen vorgebracht, dass die glaubhaft geltend gemachten
Interessen an der Fortsetzung des Verfahrens gegen eine Sistierung gesprochen
hätten. Bei der Gewährung einer Nachfrist von insgesamt mehr als neun Wochen –
nebst der zweiwöchigen Rekursfrist – könne keineswegs von einem überspitzten
Formalismus gesprochen werden. Die Baubewilligungskommission der Stadt St. Gallen
beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 29. November 2011 ebenfalls die Abweisung
der Beschwerde. Mit Schreiben vom 30. November 2011 verzichten die SBB auf eine
Vernehmlassung. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 30. November 2011 nimmt
die P. GmbH Stellung zur Beschwerde und beantragt deren kosten- und
entschädigungspflichtige Abweisung. Begründet wird der Antrag auf Abweisung der
Beschwerde unter anderem damit, dass A. K. das Sistierungsgesuch vom
15. September 2011 mit angeblichen Vergleichsverhandlungen begründe. Die P. GmbH
wie auch die Stadt St. Gallen seien indessen nie in die Vergleichsverhandlungen
involviert gewesen. Weiter seien für A. K. und seinen Rechtsvertreter die Verhältnisse
nicht derart komplex, als dass sie keine Rekursergänzung hätten einreichen können.
Das Verhalten und die Eingabe vom 15. September 2011 seien offensichtlich
rechtsmissbräuchlich und trölerisch. Mit einer zusätzlichen Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 27. Dezember 2011 verlangt P. GmbH, dass die SBB und der
Kanton St. Gallen im vorliegenden Verfahren kein Verfahrensbeteiligungsrecht hätten.
Zudem reicht sie ein Schreiben von Regierungsrat Willi Haag vom 21. Dezember 2011
ein, wonach mit Herrn A. K. bis dato keine Vergleichsverhandlungen stattgefunden
hätten. Mit Schreiben vom 9. Januar 2012 verzichtete das Baudepartement auf eine
Stellungnahme und einen Antrag in der Beschwerdesache.
Nach mehrmals erstreckter Frist nahm A. K. mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
23. Januar 2012 Stellung zu den Vernehmlassungen. Darin wird am Antrag im
Beschwerdeverfahren festgehalten und im Wesentlichen vorgebracht, dass die Prüfung
des Sistierungsantrags vom 15. September 2011 durch das Departement des Innern
aufgrund einer umfassenden Interessenabwägung aufzeige, dass der Sistierungsantrag
substantiell gewesen sei und damit auch nach dessen Ablehnung hinreichende Gründe
für ein Fristerstreckungsgesuch bestanden hätten. Die Aussage des Regierungsrates
Willi Haag im Schreiben von 21. Dezember 2011 widerspreche seinem Vorbringen,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dass zwischen ihm und dem Kanton St. Gallen Einigungsverhandlungen stattgefunden
hätten, nicht, da A. K. den Gesprächen mit dem Baudepartement im Gegensatz zum
Regierungsrat Vergleichscharakter zumesse, auch wenn keine Angebote erfolgt seien.
Auf die weiteren von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird –
soweit wesentlich – in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Vorliegend ist der Streitgegenstand einzig die Frage, ob die Vorinstanz am 10.
Oktober 2011 zu Recht auf den Rekurs des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist.
Die Leiterin Rechtsdienst der Vorinstanz lehnte das Sistierungs- und
Fristerstreckungsgesuch des Beschwerdeführers gleichentags mit einer
verfahrensleitenden Anordnung ab. Gegen diese verfahrensleitende Anordnung
bestand keine Rechtsmittelmöglichkeit, und sie bildet unmittelbare Grundlage und
Bestandteil des Nichteintretensentscheids der Vorinstanz. Die Ablehnung der
Sistierung und Fristerstreckung hätte auch im Nichteintretensentscheid erfolgen
können. Daher ist auch die Rechtmässigkeit der Ablehnung der Sistierung und der
Fristerstreckung zu beurteilen. Nicht Gegenstand des Beschwerdeverfahrens stellen
hingegen materielle Fragen zum Baugesuch Nr. 00002 der Beschwerdegegnerin dar,
wenngleich zu bemerken ist, dass das Verwaltungsgericht zu den materiellen Fragen im
rechtskräftigen Urteil vom 18. März 2010 bereits umfangreich Stellung genommen hat.
3. Die Beschwerdegegnerin macht geltend, dass die SBB und der Kanton St. Gallen,
vertreten durch das Baudepartement, nicht als Beschwerdebeteiligte zugelassen
werden dürften. Die Beteiligung am Rechtsmittelverfahren setze voraus, dass der
Betroffene von Anfang an am Verfahren beteiligt gewesen sei. Die SBB hätten sich am
vorinstanzlichen Verfahren nie beteiligt und sich nie zum derzeitigen
Verfahrensgegenstand geäussert. Dass die SBB Verfahrensbeteiligte im
Beschwerdeverfahren sind, war für die Beschwerdegegnerin bereits aus dem
Schreiben des Verwaltungsgerichts vom 27. Oktober 2011 ersichtlich. Selbst die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
verfassungs- und konventionsrechtlichen Rechtsweggarantien mit ihren Anforderungen
an die Kognition des Verwaltungsgerichts befreien die Beschwerdegegnerin nicht
davon, Rechtsbegehren zu stellen und in tatsächlicher Hinsicht zu begründen. Dies
bedingt auch, dass die Beschwerdegegnerin die entsprechenden Begehren rechtzeitig
vorbringt (VerwGE B 2011/8 vom 18. Oktober 2011 E. 2.4, abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch mit Hinweisen). Ihr ist daher anzulasten, dass sie ihre Rüge
betreffend die Verfahrensbeteiligung der SBB bereits in ihrer Eingabe vom
30. November 2011 hätte vorbringen können. Abgesehen davon waren die SBB bereits
im Rekursverfahren Beteiligte. Zudem verzichteten sie im Beschwerdeverfahren auf
eine Vernehmlassung, sodass keine nachteiligen Wirkungen für die
Beschwerdegegnerin entstehen.
Hinsichtlich des Kantons St. Gallen als Beschwerdebeteiligten verweist die
Beschwerdegegnerin auf die Ausführungen zur SBB, da der Kanton St. Gallen als
neuer Grundeigentümer die Prozesshandlungen der SBB erbe. Daher ist diesbezüglich
auf die vorherigen Erwägungen zur verspäteten Rüge zu verweisen, da der
Beschwerdegegnerin spätestens am 27. Oktober 2011 bekannt war, dass die SBB als
Rechtsvorgängerinnen des Kantons St. Gallen als Beschwerdebeteiligte auftreten.
Hinzu kommt, dass die Beschwerdegegnerin lediglich beantragt, dass die Einladung
zur Vernehmlassung an die Adresse des Kantons St. Gallen ohne Verzug
zurückzunehmen sei und eine allfällige Vernehmlassungsantwort aus dem Recht zu
weisen sei. Da der Kanton St. Gallen, vertreten durch das Baudepartement, mit
Schreiben vom 9. Januar 2012 auf eine Vernehmlassung verzichtete, erübrigt sich
dieser Antrag der Beschwerdegegnerin ohnehin. Sodann ist noch anzumerken, dass
letztlich die Beschwerdegegnerin selbst eine Stellungnahme des Kantons St. Gallen
einreichte, nämlich das Schreiben von Regierungsrat Willi Haag vom 21. Dezember
2011.
Aufgrund des Gesagten sind die SBB und der Kanton St. Gallen im vorliegenden
Verfahren als Beschwerdebeteiligte zuzulassen. Dies hat zur Folge, dass ihnen das
Urteil zugestellt wird. Weitere Auswirkungen hat ihre Zulassung indessen nicht.
4. Damit auf einen Rekurs eingetreten wird, müssen die Voraussetzungen von Art. 48
Abs. 1 und 2 VRP eingehalten sein. Mit der Eingabe vom 8. Juli 2011 stellte der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers einen Antrag und unterzeichnete die Eingabe.
Eine Darstellung des Sachverhalts sowie die Begründung fehlten indessen. Dazu setzte
die Vorinstanz dem Beschwerdeführer gemäss Art. 48 Abs. 2 unter Hinweis auf die
Säumnisfolgen gemäss Art. 48 Abs. 3 VRP eine Nachfrist zur Rekursergänzung bis zum
12. August 2011 an. Am 15. August 2011 gewährte die Vorinstanz dem
Beschwerdeführer eine als "letztmalig" bezeichnete Fristerstreckung bis zum
15. September 2011 und trat nach Ablehnung des Fristerstreckungs- und
Sistierungsgesuches des Beschwerdeführers vom 15. September 2011 mit Entscheid
vom 10. Oktober 2011 auf den Rekurs mangels Vorliegen einer Rekursergänzung nicht
ein.
4.1. Im Gegensatz zur gesetzlichen Rekursfrist nach Art. 47 Abs. 1 VRP ist die Frist zur
Einreichung der Rekursergänzung nach Art. 48 Abs. 2 VRP erstreckbar. Soweit das
VRP keine besonderen Regelungen beinhaltet, finden gemäss Art. 30 Abs. 1 VRP die
Bestimmungen der Schweizerischen Zivilprozessordnung (SR 272, abgekürzt ZPO)
über die Fristen sachgemässe Anwendung. Das VRP enthält keine Regelungen über
Erstreckungsgesuche, sodass diesbezüglich Art. 144 ZPO als Teil der Bestimmungen
über die Fristen und die dazugehörige zivilprozessuale Praxis Anwendung finden. Hinzu
kommt, dass die Regelung in der ZPO und die dazugehörige Praxis zu
Erstreckungsgesuchen und ihrem Einfluss auf richterliche Fristen allgemeinen
Grundsätzen des Verfahrensrechts entsprechen, die auch im Verwaltungsprozessrecht
angewendet werden können. Eine Regelung über die Sistierung des Verfahrens findet
sich im VRP ebenfalls nicht. Dennoch wird sie als zulässig erachtet, zumal die
Möglichkeit der Verfahrenssistierung als allgemein anerkannter verfahrensrechtlicher
Grundsatz gilt.
4.2. Als erstes ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer rechtzeitig ein Fristerstreckungs-
und Sistierungsgesuch eingereicht hat. Nach Ansicht der Vorinstanz ist das Gesuch
erst nach Ablauf der erstreckten Frist zur Rekursergänzung eingetroffen, nämlich am
16. September 2011. Nach anerkannter Praxis im Zivilprozessrecht wie auch im
Verwaltungsverfahrensrecht ist für eine fristgerechte Fristerstreckung erforderlich, dass
das Fristerstreckungsgesuch am letzten Tag der Frist der Post übergeben wird. Ein
Eintreffen des Fristerstreckungsgesuchs bei der zuständigen Instanz vor Fristablauf ist
hingegen nicht erforderlich (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gallen, 2. Aufl., St. Gallen 2003, Rz. 947; J. Benn, in: Spühler/Tenchio/ Infanger (Hrsg.),
Basler Kommentar ZPO, Basel 2010, N 6 zu Art. 144 ZPO mit Hinweis; B. Merz, in:
Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, Kommentar,
Zürich/St. Gallen 2011, N 10 f. zu Art. 144 ZPO; Leuenberger/Uffer-Tobler,
Schweizerisches Zivilprozessrecht, Bern 2010, N 8.58; Hauser/Schweri, Kommentar
zum zürcherischen Gerichtsverfassungsgesetz, Zürich 2002, N 31 zu § 195 GVG). Der
Beschwerdeführer hat sein Fristerstreckungs- und Sistierungsgesuch am
15. September 2011 abgeschickt, sodass die Frist gewahrt war und daher geprüft
werden musste, ob ein zulässiges Fristerstreckungs- oder Sistierungsgesuch vorlag.
4.3. Weiter stellt sich vorliegend die Frage, ob die Vorinstanz das Sistierungsgesuch zu
Recht ablehnte.
4.3.1. Die Sistierung eines Verfahrens liegt im Ermessen der urteilenden Instanz (vgl. M.
Kaufmann, in: Brunner/Gasser/ Schwander [Hrsg.], Schweizerische
Zivilprozessordnung, Zürich/ St. Gallen 2011, N 4 zu Art. 126) und ermöglicht ihr damit
das Treffen einer sachgemässen Entscheidung im Einzelfall. Das Verwaltungsgericht
hat diesen Spielraum zu respektieren und sich nach Art. 61 Abs. 1 VRP auf eine
Rechtskontrolle zu beschränken, eine Überprüfung der Ermessensbetätigung steht ihm
dagegen nicht zu (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 739 f.; VerwGE B 2011/118 vom
11. August 2011 E. 2.3, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). Der Beschwerdeführer
macht geltend, dass die Verweigerung der Sistierung sein rechtliches Gehör verletze
und übertrieben formalistisch sei.
4.3.2. Eine Sistierung des Verfahrens ist anzuordnen, wenn sie gesetzlich
vorgeschrieben ist oder wenn ein anderes Verfahren anhängig ist, dessen Ausgang von
präjudizieller Bedeutung ist. Zulässig ist sie zudem, wenn sie aus wichtigen Gründen
geboten erscheint und ihr keine überwiegenden öffentlichen oder privaten Interessen
entgegenstehen (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1093). Es ist daher eine Abwägung
zwischen glaubhaft geltend gemachten Interessen an einer Sistierung und solchen an
der Fortsetzung des Verfahrens vorzunehmen (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1095).
4.3.3. Der Beschwerdeführer begründete das Sistierungsgesuch mit
Vergleichsverhandlungen. Solche Verhandlungen sind indessen für die Verfahren
http://www.gerichte.sg.ch/
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
hinsichtlich des Baugesuchs Nr. 00002 nur insoweit relevant, als sie dieses Verfahren
betreffen. Der Beschwerdeführer legt nicht genügend umfassend dar, inwieweit dies
der Fall ist. Er bringt zwar vor, dass der Abschluss dieser Verhandlung zur
Gegenstandslosigkeit des Verfahrens vor der Vorinstanz hätte führen können, es fehlen
aber diesbezügliche Beweisofferten und eine ausführliche Begründung.
Weiter setzt eine Sistierung aufgrund aussergerichtlicher Vergleichsverhandlungen
grundsätzlich voraus, dass beide Parteien sie beantragen oder ihr zumindest
zustimmen. Erforderlich ist zudem, dass bei Vergleichsverhandlungen ernsthafte
Aussicht auf einen zeitlich absehbaren Abschluss besteht (R. Bornatico, in: Basler
Kommentar ZPO, a.a.O., N 9 zu Art. 126 ZPO). Daraus ist auch ersichtlich, dass eine
Vergleichsverhandlung die Beteiligung sämtlicher Betroffener voraussetzt, was
vorliegend gemäss der Eingabe der Beschwerdegegnerin vom 30. November 2011
nicht der Fall gewesen ist, da diese nicht daran beteiligt war. Der Beschwerdeführer
anerkennt auch in der Eingabe seines Rechtsvertreters vom 23. Januar 2012 selbst,
dass eine Einigung zwingend den Einbezug sämtlicher Beteiligter erfordere. Dazu
gehört aber nicht nur der Kanton St. Gallen als neuer Grundeigentümer, sondern auch
die Beschwerdegegnerin.
Die Verhandlungen mit dem Baudepartement sind daher wohl weniger als
Vergleichsverhandlungen, sondern eher als Gespräche über die künftige
rechtskonforme Nutzung des Güterbahnhofsareals zwischen dem betroffenen
Beschwerdeführer und dem künftigen Eigentümer zu betrachten. In diesem Sinne
gestand der Beschwerdeführer in der Eingabe seines Rechtsvertreters vom 23. Januar
2012 implizit selbst ein, dass die Gespräche mit dem Baudepartement aus Sicht eines
Regierungsrates und Politikers wohl nicht als "eigentliche" Vergleichsverhandlungen
bezeichnet werden könnten. Zudem ergibt sich aus der Eingabe des Baudepartements
an die Vorinstanz vom 23. September 2011 nicht ausdrücklich, dass
Vergleichsverhandlungen zwischen dem Beschwerdeführer und dem Baudepartement
stattfanden, sondern lediglich, dass das Baudepartement Abklärungen vornehmen
werde. Eine Sistierung aufgrund von Vergleichsverhandlungen war deswegen nicht
angebracht.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schliesslich wertete die Vorinstanz das Interesse der Beschwerdegegnerin an einer
raschen Entscheidung und der Schaffung von Klarheit hinsichtlich der Öffnungszeiten
und des Lärmschutzes des KuGl als gewichtiger ein als den Ausgang der Gespräche
zwischen dem Baudepartement und dem Beschwerdeführer sowie den Abschluss der
Abklärungen hinsichtlich der komplexen Rechtsverhältnisse rund um das
Güterbahnhofareal. Diese Schlussfolgerung ist in Anbetracht des Ermessensspielraums
der Vorinstanz nicht rechtswidrig, sodass die Ablehnung des Sistierungsgesuches
diesbezüglich weder das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt noch als
überspitzt formalistisch erscheint.
4.3.5. Der Beschwerdeführer bringt sodann noch vor, dass die Vorinstanz durch die
Ablehnung des Sistierungsgesuches vom 15. September 2011 ihrer eigenen
Entscheidung in gleichartiger Sache widerspreche. So habe sie am 7. November 2011
im Rekursverfahren gegen den Einspracheentscheid betreffend Neuordnung und
Erweiterung Parkplatz, Nutzungsänderung und Beurteilung der bestehenden Nutzung,
GS-Nr. C0002, X-Strasse 0-0 das Verfahren wegen geplanten Einigungsverhandlungen
zwischen dem Beschwerdeführer und dem Baudepartement bis Ende Dezember 2011
sistiert. Der Umstand, dass die Vorinstanz zwei Monate nach dem hier angefochtenen
Entscheid die Situation in einem vergleichbaren Fall anders beurteilt, lässt die
Beurteilung vom 10. Oktober 2011 nicht nachträglich als rechtswidrig erscheinen. Die
Rechtmässigkeit der Ablehnung des Sistierungsgesuches muss im Zeitpunkt des
Entscheids gegeben sein. Der Beschwerdeführer legt nicht dar, auf welcher
tatsächlichen Grundlage die Vorinstanz den Entscheid vom 7. November 2011 fällte.
Allenfalls standen ihr damals neue Fakten zur Verfügung, die sie am 10. Oktober 2011
noch nicht kannte und die im vergleichbaren Fall eine andere Beurteilung des
Sistierungsgesuchs verlangten.
4.3.6. Es lässt sich somit festhalten, dass die Vorinstanz ihr Ermessen bei der
Ablehnung des Gesuchs um Sistierung am 10. Oktober 2011 nicht rechtswidrig
ausübte.
4.4. Weiter stellt sich die Frage, ob die Vorinstanz dem Beschwerdeführer auf sein
Gesuch hin zu Recht eine weitere Fristerstreckung ablehnte, nachdem sie ihm am
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
15. August eine als "letztmalig" bezeichnete Fristerstreckung bis zum 15. September
2011 gewährte.
4.4.1. Die Entscheidinstanz hat über ein Fristerstreckungsgesuch im Einzelfall und im
Hinblick auf das Beschleunigungsgebot zu entscheiden, ob die geltend gemachten
Gründe ausreichend sind und ob die verlangte Dauer der Fristerstreckung angemessen
ist (Leuenberger/Uffer-Tobler, a.a.O., N 8.58; Benn, a.a.O., N 8 und 12 zu Art. 144).
Auch diesbezüglich hat das Verwaltungsgericht wiederum den Ermessensspielraum
der Vorinstanz zu berücksichtigen und muss sich nach Art. 61 Abs. 1 VRP auf eine
Rechtskontrolle zu beschränken.
4.4.2. Die Vorinstanz bezeichnete die Fristerstreckung des Beschwerdeführers zur
Rekursergänzung bis zum 15. September 2011 als letztmalig. Dies ist zulässig und
bringt zum Ausdruck, dass weitere Fristerstreckungen nicht mehr gewährt werden
(Leuenberger/Uffer-Tobler, a.a.O., N 8.58). Dabei steht es im Ermessen der
Entscheidinstanz, wann sie eine gewährte Fristerstreckung als letztmalig bezeichnet.
Dies schliesst indessen entgegen der Ansicht der Vorinstanz nicht aus, dass auch bei
einer letztmaligen Fristerstreckung aufgrund schwerwiegender Gründe oder bei
Vorliegen der Zustimmung der Gegenpartei ausnahmsweise nicht noch einmal eine
Fristerstreckung möglich ist (Benn, a.a.O., N 14 zu Art. 144 ZPO; Hauser/Schweri,
a.a.O., N 27 zu § 195 GVG; Amstutz/ Arnold, in: Niggli/Uebersax/Wiprächtiger (Hrsg.),
Basler Kommentar BGG, 2. Aufl., Basel 2011, N 7 zu Art. 47 BGG; U. P. Cavelti, in:
Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das
Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, N 18 zu Art. 22 VwVG). In diesem Sinne
entschied das Bundesgericht, dass nach der Gewährung einer letztmaligen
Fristerstreckung eine weitere Erstreckung nur noch in eigentlichen Notfällen in Betracht
kommt. Der Notfall muss überdies hinreichend bescheinigt werden (BGer 6P.115/2006
vom 17. August 2006 E. 1).
Dies hat zur Folge, dass die Entscheidinstanz auch nach der Gewährung einer
letztmaligen Fristerstreckung bei Eintreffen eines neuerlichen fristgerechten
Fristerstreckungsgesuchs prüfen muss, ob nicht schwerwiegende Gründe oder ein
Notfall vorliegen, die eine nochmalige Fristerstreckung rechtfertigen, auch wenn
diesbezüglich ein strenger Massstab gilt.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.4.3. Der Beschwerdeführer sieht solche schwerwiegende Gründe darin, dass mit dem
neuen Eigentümer im Zeitpunkt des Gesuchs um Fristerstreckung am 15. September
2011 Vergleichsverhandlungen gelaufen seien. Dies stellt keinen "eigentlichen" Notfall
im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung dar, zumal der Beschwerdeführer
nicht hinreichend darlegt, wieso gerade angebliche Vergleichsverhandlungen als ein
solcher Notfall zu betrachten sind. Beispiele solcher Notfälle im Sinne der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind eher plötzliche Todesfälle oder unerwartete
Spitalaufenthalte.
Aus dem Gesagten folgt daher, dass die Vorinstanz das Gesuch um eine weitere
Fristerstreckung angesichts der bereits grosszügig gewährten Fristerstreckungen, der
vorher erfolgten Ankündigung der letztmaligen Erstreckung und unter Berücksichtigung
des Beschleunigungsgebotes sowie des Fehlens von schwerwiegenden Gründen für
eine weitere Erstreckung rechtskonform ablehnte.
4.5. Nachfolgend ist sodann prüfen, was die Folgen eines abgelehnten Sistierungs-
resp. Fristerstreckungsgesuchs auf den Fristenlauf für die fristgebundenen
Prozesshandlungen - wie etwa die Einreichung einer Rekursergänzung - sind.
4.5.1. Falls ein Fristerstreckungsgesuch abgelehnt wird, setzt die Entscheidinstanz der
betreffenden Partei in der Regel eine letzte Frist von wenigen Tagen an, damit diese die
fristgebundene Handlung noch vornehmen kann (Leuenberger/Uffer-Tobler, a.a.O.,
N 8.58; Cavelti, a.a.O., N 16 zu Art. 22 VwVG). Eine Partei darf daher nicht als säumig
betrachtet werden, wenn ihr nicht mitgeteilt wurde, dass und in welchem Umfang ihrem
Fristerstreckungsgesuch entsprochen worden ist (Hauser/Schweri, a.a.O., § 195 N 46
mit Hinweis). Dies gilt selbst dann, wenn es sich um eine von der Entscheidinstanz als
letztmalig bezeichnete Frist handelt, sofern die angegebenen Gründe für eine weitere
Verlängerung in Betracht fallen. Wird das Erstreckungsgesuch dann doch als
unbegründet abgewiesen, so ist eine kurze Nachfrist anzusetzen, sofern das Gesuch
nicht als trölerisch bewertet werden muss (Hauser/Schweri, a.a.O., § 195 N 45 mit
Hinweisen; Merz, a.a.O., N 17 zu Art. 144 mit Hinweis). Der von der Vorinstanz und der
Beschwerdegegnerin angerufene Entscheid des bernischen Verwaltungsgerichts (BVR
1999, S. 382) ändert an dieser Sachlage nichts. Zwar sieht dieser Entscheid bei
Abweisung des Fristerstreckungsgesuches keine Verpflichtung vor, eine Not- resp.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nachfrist einzuräumen. Dieser Entscheid stimmt indessen nicht mit der soeben
erwähnten Praxis zur ZPO überein, die gemäss Art. 30 Abs. 1 VRP in st. gallischen
Verfahren vor Verwaltungsbehörden und vor der Verwaltungsjustiz Anwendung findet.
4.5.2. Die Beschwerdegegnerin macht geltend, dass das Sistierungs- resp.
Fristerstreckungsgesuch vom 15. September 2011 trölerisch und rechtsmissbräuchlich
sei, da die Rechtsverhältnisse auf dem Güterbahnhof nicht derart komplex seien, als
dass sie keine Rekursergänzung zuliessen und da angesichts des Ausstandes des
Baudepartements und der Nichtbeteiligung der Beschwerdegegnerin keine
verfahrensrelevanten Vergleichsverhandlungen hätten geführt werden können. Das
Gesuch des Beschwerdeführers vom 15. September 2011 habe nur dazu gedient, die
Säumnisfolgen zu umgehen oder das Verfahren ungebührlich zu verzögern. Zur
Darlegung des trölerischen Handelns des Beschwerdeführers reicht die
Beschwerdegegnerin mit ihrer Eingabe vom 27. Dezember 2011 ein Schreiben von
Regierungsrat Willi Haag vom 21. Dezember 2011 ein, wonach mit dem
Beschwerdeführer bis dato keine Vergleichsverhandlungen stattgefunden hätten.
Der Beschwerdeführer lässt mit Eingabe vom 23. Januar 2012 dagegen vorbringen,
dass aufgrund des Schreibens des Baudepartements vom 23. September 2011
erwiesen sei, dass Verhandlungen zwischen ihm und dem Baudepartement
stattgefunden hätten. Er habe im August 2011 die zuständigen Stellen des
Baudepartements daran erinnert, dass widerrechtliche Nutzungen auf dem durch den
Kanton St. Gallen erworbenen Güterbahnhofareal nicht zugelassen werden dürften.
Das Baudepartement habe zustimmend zur Kenntnis genommen, dass der
Beschwerdeführer zu einer gesamthaften, über das ganze Güterbahnhofareal sich
erstreckenden Vergleichslösung Hand bieten würde. Danach habe das
Baudepartement die Mietverhältnisse auf dem Güterbahnhofareal im Einvernehmen mit
dem Beschwerdeführer selbstständig abgeklärt, was Anfang Dezember 2011
abgeschlossen worden sei. Danach habe es unter anderem das KuGl aufgefordert,
einen rechtskonformen Betrieb sicherzustellen, da andernfalls die Mitte 2012
ablaufenden Verträge nicht erneuert würden.
4.5.3. Wie bereits in Erw. 4.3.3. ausgeführt, sind die Gespräche zwischen dem
Baudepartement und dem Beschwerdeführer mangels Anwesenheit der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdegegnerin und aufgrund des Schreibens des Regierungsrates vom
21. Dezember 2011 nicht als eigentliche Vergleichshandlungen aufzufassen. Das
Baudepartement hielt indessen in seiner Vernehmlassung vor der Vorinstanz vom
23. September 2011 explizit fest, dass vertiefte Abklärungen für eine Bereinigung der
grösstenteils nicht bewilligten Nutzungssituation beim Güterbahnhofareal erforderlich
seien und einer Fristverlängerung resp. Sistierung des Verfahrens vor der Vorinstanz
nichts entgegen stehe. Damit werden die Aussagen des Beschwerdeführers insofern
bestätigt, als das Baudepartement tatsächlich Abklärungen für eine rechtskonforme
Nutzung des Güterbahnhofareals durchführte. Hinzu kommt, dass der
Beschwerdeführer in einer Eingabe vom 15. September 2011 explizit festhielt, dass für
allfällige Rückfragen über die Einigungsverhandlungen mit dem Kanton St. Gallen das
Baudepartement zur Verfügung stehe. Diesen Hinweis hätte der Beschwerdeführer
wohl nicht angebracht, wenn keine Gespräche mit dem Baudepartement stattgefunden
hätten.
4.5.4. Angesichts des Hintergrunds der Gespräche zwischen dem Baudepartement und
dem Beschwerdeführer sowie der Bestätigung des Baudepartements, dass
Abklärungen notwendig seien, kann nicht gesagt werden, dass das Sistierungs- resp.
Fristerstreckungsgesuch des Beschwerdeführer vom 15. September 2011 trölerisch
resp. rechtsmissbräuchlich war. Auch wenn die Vorinstanz ohne das Recht zu verletzen
der Ansicht war, dass keine zureichenden Gründe für eine weitere Fristerstreckung
resp. eine Sistierung des Verfahrens gegeben waren, hätte sie daher dem
Beschwerdeführer nach Ablehnung des Erstreckungs- und Sistierungsgesuchs noch
eine Frist von wenigen Tagen ansetzen müssen, damit dieser die Rekursergänzung
hätte vornehmen können
4.6. Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass die Vorinstanz mit der
Nichtgewährung einer kurzen Nachfrist zur Rekursergänzung nach Ablehnung des
Sistierungs- resp. Fristerstreckungsgesuches und dem damit verbundenen
Nichteintretensentscheid gegen die anerkannten verfahrensrechtlichen Grundsätze zur
Fristwahrung verstossen hat. Damit hat sie zugleich auch das rechtliche Gehör des
Beschwerdeführers gemäss Art. 29 Abs. 2 BV verletzt, und der
Nichteintretensentscheid erscheint als überspitzt formalistisch.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Vorinstanz hat daher dem Beschwerdeführer eine Nachfrist zur Rekursfrist
anzusetzen, die aber angesichts der zeitlichen Differenz zur letzten Eingabe des
Beschwerdeführers zum materiellen Gegenstand nicht allzu kurz angesetzt werden
darf. Diese Nachfrist ist angesichts der bereits zahlreichen Erstreckungen als letztmalig
zu bezeichnen und kann nur bei Vorliegen eines wirklichen Notfalls resp.
schwerwiegenden Gründen nochmals verlängert werden.
5. Auf die weiteren Rügen einer Verletzung des rechtlichen Gehörs hinsichtlich der
Zustellung des Sistierungs- und Fristerstreckungsgesuches an die übrigen
Verfahrensbeteiligten des Rekursverfahrens, der Zustellung der Vernehmlassungen zu
seinem Sistierungs- und Fristerstreckungsgesuch erst mit dem
Nichteintretensentscheid sowie hinsichtlich des Entzugs der aufschiebenden Wirkung
durch die Vorinstanz ist aufgrund der vollständigen Gutheissung der Beschwerde nicht
einzugehen.
6. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht