Decision ID: 8f3aa8cd-413f-45c3-8ffe-61c53ab41034
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1982 geborene
X._
war
vom 1. September
2014 bis 3
0.
April 2015 bei der
Z._
Klinik
B._
als Personalassistentin
in einem 60 %-Pensum angestellt und im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei der
Pensionskasse Y._
berufsvorsorgeversichert (Urk. 2/4 und Urk. 13/4). Vom 15. Juni 2015 bis 28. Februar 2018 war sie bei der
A._
in einem 60 %-Pen
sum als Mitarbeiterin Human Resources angestellt und im Rahmen dieses Arbeits
verhältnisses bei der Sammelstiftung Vita berufsvorsorgeversichert (Urk. 2/2 und Urk. 2/17).
Die IV-Stelle des Kantons Solothurn, bei der sich die
Versicherte am
4.
Dezember 2015 unter Hinweis auf eine Erschöpfung als Symptom der Multiplen Sklerose
(nachfolgend: MS) und
Sehprobleme (
Sehnerventzündung
MS) zum Leistungs
bezug angemeldet hatte (Urk.
17/8/6), sprach ihr mit Verfügung vom 1
4.
März 2017
– unter Hinweis auf die per 1
5.
Juni 2015 eröffnete Wartezeit – ab
1.
Juni 2016 eine
Viertelsrente
und ab
1.
Januar 2017 eine halbe Rente der Invaliden
versicherung zu (
Urk.
13/6). Mit Verfügung vom 2
7.
September 2019 sprach sie ihr ab
1.
November 2017 eine ganze Invalidenrente zu (
Urk.
2/18).
Auf entsprechende Gesuche der Versicherten hin (Urk. 2/20 und Urk. 2/22) lehnten die
Pensionskasse Y._
und die Sammelstiftung Vita die Ausrich
tung von Invalidenleistungen ab (Urk. 2/21 und Urk. 2/23).
2.
Mit Eingabe vom 7. September 2020 erhob die Versicherte Klage gegen die Sammelstiftung Vita und die
Pensionskasse Y._
mit folgendem Rechts
begehren (Urk. 1 S. 2):
«1.
Es sei die Beklagte 1 zu verpflichten, der Klägerin sämtliche statutarischen und gesetzlichen Invalidenleistungen aus der beruflichen Vorsorge, insbe
sondere eine Invalidenrente sowie Beitragsbefreiung rückwirkend ab 01.11.2017 nach Massgabe eines Invaliditätsgrades von 83 % zuzüglich Zins von 5 % seit 04.09.2020 zu entrichten.
2.
Eventualiter zu Ziffer 1 sei die Beklagte 2 zu verpflichten, der Klägerin sämtliche statutarischen und gesetzlichen Invalidenleistungen aus der beruf
lichen Vorsorge, insbesondere eine Invalidenrente sowie Beitragsbefreiung rückwirkend ab 01.11.2017 nach Massgabe eines Invaliditätsgrades von 83 % zuzüglich Zins von 5 % seit 04.09.2020 zu entrichten.
3.
Subeventualiter
zu Ziffer 1 und Ziffer 2 sei festzustellen, dass die Beklagte 1 nach Art. 26 Abs. 4 BVG vorleistungspflichtig ist und es sei diese zu verpflichten, der Klägerin als Vorleistung sämtliche statutarischen und gesetz
lichen Invalidenleistungen aus der beruflichen Vorsorge, insbesondere eine Invalidenrente sowie Beitragsbefreiung rückwirkend ab 01.11.2017 nach Massgabe eines Invaliditätsgrades von 83 % zuzüglich Zins von 5 % seit 04.09.2020 zu entrichten.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.»
Am 13. November 2020 beantragte die Sammelstiftung Vita, die Klage gegen sie und der Eventualantrag betreffend Vorleistungspflicht der Sammelstiftung Vita seien abzuweisen (Urk. 10). Am 20. November 2020 beantragte die
Pensionskasse Y._
, die Klage gegen sie sei abzuweisen (Urk. 12). Nachdem mit Gerichts
verfügung vom 25. November 2020 (Urk. 14) die Akten der Invalidenversi
che
rung beigezogen worden waren (Urk. 17/1-126), hielt die Klägerin im Rahmen der Replik (Urk. 20) an den gestellten Anträgen fest und legte mit Eingabe vom 5. Februar 2021 (Urk. 23) weitere Akten auf (Urk. 24/24-30). Mit Dupliken vom 8. April 2021 (Beklagte 1; Urk. 32) und vom 20. April 2021 (Beklagte 2; Urk. 33) hielten die Beklagten an den gestellten Anträgen fest. Die Dupliken und weitere Unterlagen wurden den jeweils anderen Parteien mit Verfügungen vom 27. April 2021 (Urk. 34) und 16. Juni 2021 (Urk. 35) zur Kenntnis gebracht.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 24 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinter
lassenen und Invalidenvorsorge (BVG) hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er mindes
tens zu 40 % invalid ist. Gemäss Abs. 1 von Art. 26 BVG gelten für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestim
mungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (Art. 29 des Bundes
ge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG). Die Invalidenleistungen nach BVG
werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den An
spruch
erhebende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses angeschlossen war. Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Eintritt der Arbeits
un
fähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl. Art. 23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähigkeit (nach einer Wartezeit von einem Jahr gemäss Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG in Verbindung mit Art. 26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschieden ist und daher nicht mehr dem Obligatorium unterstanden hat (BGE 123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.2
Die Versicherteneigenschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit Sinn und Zweck der Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später invalid
werden. Für eine einmal aus
während der Versicherungsdauer aufgetre
tene
Arbeitsunfähigkeit geschuldete Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeein
richtung somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach Beendigung des Vor
sorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft kein Erlöschungsgrund (Art. 26 Abs. 3 BVG e contrario; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E. 5).
1.3
Art. 23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorge
ein
richtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit be
reits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenver
siche
rung zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach Art. 23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der inva
lidisierenden Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Be
endigung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invalidität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krank
heit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten.
Bei der Prüfung dieser Frage sind die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen, namentlich die Art des Gesundheits
schadens, dessen prognostische Beurteilung durch den Arzt sowie die Beweggründe, welche die versicherte Person zur Wiederaufnahme oder Nichtwiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben. Zu den für die Beurteilung des zeitlichen Konnexes relevanten Umständen zählen auch die in der Arbeitswelt nach
aussen
in Erscheinung tretenden Verhältnisse, wie etwa die Tatsache, dass ein Versicherter über längere
Zeit hinweg als voll vermittlungsfähiger Stellensuchender Taggelder der Arbeits
losenversicherung bezieht. Allerdings kann solchen Zeiten nicht die gleiche Be
deutung beigemessen werden wie Zeiten effektiver Erwerbstätigkeit (BGE 134 V 20 E. 3.2.1 mit Hinweisen). Mit Bezug auf die Dauer der den zeitlichen Konnex unterbrechenden Arbeitsfähigkeit kann die Regel von Art. 88a Abs. 1
der Verord
nung über die Invalidenversicherung (IVV)
als Richtschnur gelten. Nach dieser Bestimmung ist eine anspruchsbeeinflussende Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in jedem Fall zu berücksichtigen, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Bestand wäh
rend mindestens drei Monaten wieder volle Arbeitsfähigkeit und erschien gestützt darauf eine dauerhafte Wiedererlangung der Erwerbsfähigkeit als objektiv wahr
scheinlich, stellt dies ein gewichtiges Indiz für eine Unterbrechung des zeitlichen Zusammenhangs dar. Anders verhält es sich, wenn die fragliche, allenfalls mehr als dreimonatige Tätigkeit als
Eingliederungsversuch zu werten ist oder
mass
geblich
auf sozialen Erwägungen des Arbeitgebers beruhte und eine dauerhafte Wiedereingliederung aber unwahrscheinlich war (BGE 134 V 20 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
1.4
Die Arbeitsunfähigkeit ist relevant, wenn sie mindestens 20 % beträgt und sich
auf das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirkt oder ausgewirkt hat. Es muss ar
beits
rechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person im bisherigen
Beruf an Leistungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leis
tungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitge
bers oder durch gehäufte, gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Der Zeitpunkt des
Eintritts der berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit muss mit dem
im Sozial
versicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit grundsätzlich echtzeitlich nachgewiesen sein. Dieser Nach
weis darf nicht durch nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_91/2013 vom 17. Juni 2013 E. 4.1.2 mit Hinweisen).
1.5
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invaliden
ver
sicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (Art. 6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des
Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer
gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklä
run
gen
freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Fest
legung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorgeeinrichtung beziehungs
weise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesgerichts 9C_49/2010 vom 23. Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens)
ins
Vorbescheidverfahren
(Art.
73
ter
IVV) einbezogen und ihr die Rentenverfü
gu
ng formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts 9C_81/2010 vom
16.
Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbstän
di
ges
Be
schwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbe
ziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-rechtliche Festsetzung des Inva
lidi
täts
gra
des (grundsätzlich, masslich und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrach
tungsweise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, so
weit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfahren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invaliditätsbe
messung der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1).
2.
2.1
Die Klägerin führte zur Klagebegründung aus, die relevante Arbeitsunfähigkeit aufgrund der MS, welche schliesslich zur Invalidität geführt habe, habe sich frü
hestens im Juli 2015 bemerkbar gemacht. Erst im September 2016 - also während der Anstellung bei der
A._
- sei sie über längere Zeit (teilweise) und ab August 2017 vollständig krankgeschrieben worden. Selbst wenn die gesund
heitliche Schädigung bereits vor dem Versicherungsverhältnis mit der Beklagten 1
eingetreten sein sollte, so habe diese damals noch keine relevante Leistungs
ein
schränkung zur Folge gehabt. Die Leistungspflicht der Beklagten 1 sei ohne Weiteres zu bejahen (Urk. 1 S. 8). Sollte die Leistungspflicht der Beklagten 1 wider Erwarten verneint werden, so wäre in logischer Konsequenz die Beklagte 2 leis
tungspflichtig, habe der erste Schub doch im April 2015 und damit während des Versicherungsverhältnisses mit der Beklagten 2 stattgefunden. Sofern wider Erwarten davon ausgegangen werden sollte, dass weder die Beklagte 1 noch die Beklagte 2 leistungspflichtig seien, sei die Beklagte 1 vorleistungspflichtig, habe sie - die Klägerin - doch zuletzt der Beklagten 1 angehört. Der grundsätzliche An
spruch auf Invalidenleistungen sei klar erstellt, strittig wäre bloss noch, welche Vorsorgeeinrichtung leistungspflichtig sei, womit die Voraussetzungen für die Bejahung der Vorleistungspflicht der Beklagten 1 erfüllt seien (S. 9-10). Für den Fall, dass weder auf eine definitive Leistungspflicht einer der beiden Beklagten
noch auf die Vorleistungspflicht der Beklagten
1 geschlossen werden könne, werde
eine externe objektive Expertise zur Beurteilung des Eintritts der berufsvorsor
gerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit beantragt (S. 11-12).
Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hielt die Klägerin fest, sie habe ihre Anstellungen nicht aufgrund einer berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsun
fähigkeit bloss in einem Pensum von 60 % aufgenommen. Nebst den Anstel
lungen habe sie seit 2014 selbständig eine Hundeschule betrieben. Das reduzierte
Arbeitspensum habe nichts mit der Erkrankung MS zu tun gehabt (Urk.
20 S.
4-5).
Dass sie bereits kurze Zeit nach Stellenantritt bei der
A._
zu 100
% arbeitsunfähig geworde
n sei, sei nicht zutreffend (S.
9).
2.2
Die Beklagte
1 begründete die Leistungsverweigerung damit, dass die Klägerin ab 1
5.
Juni 2015 die Tätigkeit bei der
A._
krankheitsbedingt in einem reduzierten Pensum von 60
%
aufgenommen h
abe. Bereits bei der
Z._
K
linik
B._
habe sie aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation in einem redu
zierten Pensum arbeiten müssen. Die Erstdiagnose einer schubförmig verlaufen
den MS sei im Mai 2015 gestellt worden. Mindestens ab Ende April 2015 sei sie teilarbeitsunfähig gewesen. Kurz nach der Anstellung bei der
A._
sei es dann bereits zu mehrwöchigen 100%igen Arbeitsunfähigkeiten gekommen. Der Beginn der Wartefrist sei per 1
5.
Juni 2015 angesetzt worden. Die Teil
arbeitsunfähigkeit sei auf die MS zurückzuführen gewesen, die dann Ursache für die nachfolgende Invalidität
gewesen sei. Somit hätten die relevanten Arbeits
unfähigkeiten bereits vor der Aufnahme der Tätigkeit bei der
A._
bestanden. Die Beklagte 1 sei deshalb nicht leistungspflichtig (
Urk.
10 S.
2-4). Da eine Vorleistungspflicht einen grundsätzlichen Anspruch auf Invalidenleistungen voraussetze, stehe die Beklagte 1 nicht in der Vorleistungspflicht. Sollte der Even
tualantrag gegen die Beklagte 2 abgewiesen werden, stehe die Beklagte
1
nicht in der Vorleistungspflicht, da keine andere Vorsorgeeinrichtung in die Haupt
leistung gefasst werden könne (S. 5). Es sei nicht zutreffend, dass die Klägerin die Stelle bei der
A._
ohne Einschränkung habe antreten können. Mit der Erhöhung des Arbeitsunfähigkeitsgrades sei kein berufsvorsorgerechtlicher Anspruch entstanden, bestehe doch grundsätzlich kein A
nspruch gegenüber der Beklagten
1 (S. 6).
Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels ergänzte die Beklagte 1 (Urk. 32), die Klägerin selbst habe bei der IV-Anmeldung angegeben, dass sie seit Jahren auf Grund von Erschöpfung eine verminderte Arbeitsfähigkeit habe. Im Gesprächs
protokoll zur Früherfassung sei erwähnt, dass ihr Arbeitspensum aus gesund
heit
lichen Gründen auf 60 % reduziert gewesen sei. Die Tätigkeit in einer Hunde
schule müsse als Hobby eingestuft werden. Da eine Teilarbeitsunfähigkeit im Umfang von mindestens 40 % bereits bei Stellenantritt bei der
A._
bestanden habe, bestehe bei der Beklagten 1 keine Versicherungsdeckung für die Invalidität der Klägerin. Die Klägerin habe Ende April 2015 eine deutliche Ein
busse der Sehschärfe bemerkt, welche ihre Arbeitsfähigkeit zusätzlich beein
trächtigt habe. Eine Erschöpfung sei ein häufiges Symptom einer MS. Es sei daher überwiegend wahrscheinlich, dass diese Symptomatik bereits auf die MS zurück
zuführen gewesen sei (S. 2).
2.3
Die Beklagte 2 führte zu ihrem Antrag auf Klageabweisung aus, während der Versicherungszeit bei ihr sei keine berufsvorsorgerechtlich massgebende und arbeitsrechtlich in Erscheinung getretene Arbeitsunfähigkeit erstellt. Die Klägerin selbst habe im Rahmen ihrer Anmeldung bei der Invalidenversicherung ausge
führt, der Beginn ihrer Arbeitsunfähigkeit datiere auf Juni 2015 und damit auf einen Zeitpunkt nach der Versicherungszeit bei der Beklagten 2. Erste Arbeits
unfähigkeitszeiten würden sich gar erst ab dem 27. Juli 2015 belegen lassen (Urk. 12 S. 2-3). Bei Eintritt der dauerhaften und erheblichen Arbeitsunfähigkeit, welche später zur Invalidität geführt habe, sei die Klägerin bei der Beklagten 1 berufsvorsorgeversichert gewesen. Bei der Berechnung des Invaliditätsgrades sei zudem zu berücksichtigen, dass die Klägerin lediglich in einem Pensum von 60 % tätig gewesen sei (S. 4).
Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels ergänzte die Beklagte 2 (Urk. 33), der erste MS-Schub im April 2015 habe während der Versicherungszeit bei ihr nicht zu einer Arbeitsunfähigkeit geführt. Der zweite MS-Schub habe sich unbe
strittenermassen nach der Versicherungszeit bei ihr ereignet. Eine Einbusse an
Leistungsvermögen der Klägerin sei während der Versicherungsdauer mit der Beklagten 2 nicht in Erscheinung getreten (S. 3-4).
3.
3.1
Dr. med.
C._
, Leitender Arzt Neurologie am Kantonsspital
D._
, hielt in seinem Bericht vom 16. Juli 2015 (Urk. 17/15/21-22) fest, die Klägerin sei un
ge
fähr am 29. April 2015 morgens erwacht und habe eine deutliche Einbusse der Sehschärfe des linken Auges bemerkt, wobei ein «grauer Film» im zentralen Gesichtsfeld vorhanden gewesen sei. «Bereits zu diesem Zeitpunkt deutlich einge
schränkte Sehkraft links, über 1-3 Tage leichte Verschlechterung, seither stabile Sehkraft links. Erst im Verlauf Entwicklung jeweils über den Tagesverlauf zu
nehmender linksfrontaler Kopfschmerzen über 2-3 Wochen. Seither keine Kopf
schmerzen mehr (S. 1).»
3.2
Dr.
C._
stellte in seinem Bericht vom 25. September 2015 (Urk. 17/15/11-12) folgende Diagnose (S. 1):
-
hochgradiger Verdacht auf schubförmige MS
-
aktuell Verdacht auf
demyelinisierende
Affektion des Chiasma
opticum
rechts und der
retrochiasmalen
Sehbahn links
-
Verdacht auf stattgehabte
Retrobulbärneuritis
links 05/2015
-
Schädel-MRI vom 23. Juli 2015: vereinzelte
kleinvolumige
infra- und
supratentorielle
ZNS-Läsionen
-
MRI spinale Achse 24. September 2015: keine Myelopathie, Verdacht auf
Syringohydromyelie
thorakal
-
VEP vom 16. September 2015: deutlich linksbetonte P100-Latenzver
zö
gerung, rechts neu pathologischer Befund im Vergleich zu 07/2015
-
Lumbalpunktion vom 24. Juli/16. September 2015: hinsichtlich Routine
pa
ra
meter unauffällig; 24. Juli 2015: negative oligoklonale Banden 07/2015
-
NMO-Antikörper negativ
Dazu führte er aus, es bestehe subjektiv eine leichte Besserung der Sehkraft links, in etwa unverändertes «Unscharf- und Schattensehen» des rechten Auges. Er habe die Klägerin heute informiert, dass sie mit grosser Wahrscheinlichkeit unter einer schubförmigen MS leide. Formal wären auch die Diagnosekriterien erfüllt, da zwei Schubereignisse vorlägen und sich zwei der vier T2-hyperintensen ZNS-Läsionen an typischer Lokalisation (periventrikulär und infratentoriell) befänden (S. 1-2).
3.3
Dr. med.
E._
, Fachärztin für Arbeitsmedizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst BE-FR-SO (RAD), führte in ihrer Stellungnahme vom 8. Juli 2016 (Urk. 17/17/2-4) folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf:
-
schubförmig remittierende MS, Erstdiagnose Mai 2015, mit progredientem Verlauf unter
Copaxonetherapie
Dazu hielt sie fest, bei der Klägerin bestehe eine schubförmig verlaufende MS, die im Frühsommer 2015 erstmals diagnostiziert worden sei. Erstmanifestation sei eine
Retrobulbärneuritis
(
Sehnerventzündung
) zunächst links, mit anschliessend einem zweiten Schub im Sinne einer
Sehnerventzündung
rechts gewesen. Wegen eines relevanten Gesichtsfeldausfalls sei deshalb durch den behandelnden Neurologen zunächst ein Fahrverbot ausgesprochen worden. Am 23. Juli 2015 seien im Schädel MRI vereinzelte ZNS-Läsionen nachgewiesen und die Diagnose einer MS bestätigt worden. Mit der MS-spezifischen Therapie (Copaxone) sei Ende Oktober 2015 begonnen worden (S. 2).
Als alleinige Symptomatik der MS bestehe eine Fatigue Symptomatik. Die Sehstörung habe sich inzwischen zurückgebildet. Die Fatigue Symptomatik sei typischerweise mit einer MS assoziiert, die daraus resultierende Leistungs
min
derung könne jedoch schwer quantifiziert werden. Zusätzlich mit zu berück
sichtigen sei auch eine allfällige affektive Symptomatik. Die Klägerin sei bereits als Jugendliche im Rahmen einer Anorexie und einer anschliessenden depres
si
ven Verstimmung in mehrjähriger psychiatrischer Therapie gewesen. Sie schildere relativ unspezifisch, sie sei schon immer müde gewesen und deswegen vermindert arbeitsfähig. Seit 2011 befindet sie sich ihren Angaben nach kontinuierlich in Psychotherapie (S. 3).
3.4
Die behandelnde Fachpsychologin für Psychotherapie FSP
F._
führte in ihrem Bericht vom 29. August 2016 (Urk. 17/19) folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 1):
-
MS, diagnostiziert und behandelt durch Dr.
C._
, Neurologe, KS
D._
, be
stehend seit Juni 2015
-
mittelgradige depressive Episode nach Burnout, bestehend seit September 2012
Dazu hielt sie fest, die Klägerin habe selbständig ihr Pensum sukzessive reduziert seit Lehrabschluss und besonders seit dem Burnout im Jahr 2012 (S. 1). Im Alter von 13 bis 24 Jahren habe sie unter Anorexie gelitten und sei im Jahr 2000 in der
Psychiatrie G._
hospitalisiert gewesen. Sie habe ihre Lehre im KV-Bereich aufgrund der steten Müdigkeit nur in einem Teilzeitpensum absolvieren können. Heute könne davon ausgegangen werden, dass es sich dabei um das bei
MS sehr häufig vorangehende Fatigue Syndrom gehandelt habe. Seit der Anorexie
erlebe sie sich immer als eher instabil, daher sei ihr nur eine Teilzeitarbeit möglich gewesen. Bereits damals sei eine IV-Anmeldung im Raum gestanden, doch da sie ein Pensum von 60 % bestritten habe, sei eine Anmeldung nicht in Frage ge
kommen. Seit Eintritt ins Berufsleben arbeite die Klägerin nur Teilzeit wegen der psychischen Instabilität, insbesondere wegen der raschen Erschöpfung bezie
hungs
weise dem Fatigue Syndrom. Im September 2014 habe sie eine Hundeschule eröffnet, die sie inzwischen nur noch sehr reduziert betreiben könne auf Grund der gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Seit Juni 2015 arbeite sie an ihrer aktu
ellen Stelle, zwei Wochen vor Stellenantritt sei der erste MS-Schub gekommen. Sie sei stets bemüht, ihr Pensum zu erfüllen, aber wegen der gesundheitlichen Problematik sei es seit der Anstellung bereits zu 5 Wochen von 100%iger und 2 Wochen von 50%iger Arbeitsunfähigkeit gekommen.
Diese Fehlzeiten seien für die Klägerin sehr problematisch, da sie die Kolleginnen nicht mit Mehrarbeit belasten möchte und für sich den Anspruch habe, ihr Pensum zu erfüllen (S. 2). Die Klägerin habe eine verringerte Stresstoleranz, ihre Konzentration sei nicht stabil und stark reduziert. Diese Symptome seien typisch für eine Fatigue, die bei MS oft auftrete. Die Müdigkeit breite sich über den ganzen Tag aus und könne nur durch Erholung kompensiert werden. Die bisherige Tätigkeit sei aktuell nur im Rahmen von 60 % zumutbar (S. 4).
3.5
Dr.
E._
vom RAD führte in ihrer Stellungnahme vom 19. Dezember 2016 (Urk. 17/33) aus, die inzwischen stattgefundene psychiatrische
Reevaluation
habe das Vorliegen einer relevanten depressiven Störung ausschliessen können. Eine medikamentöse Therapie sei aktuell nicht indiziert. Somit müsse die bestehende ausgeprägte Fatigue Symptomatik durch die neurologische Grunderkrankung erklärt werden. Die Arbeitsfähigkeit als HR Fachfrau betrage ab Juni 2015 60 %, mit Eintritt des neuen MS-Schubes betrage sie ab Oktober 2016 maximal 50 %. Die angestammte Tätigkeit sei als angepasst zu sehen, auch in anderen Tätig
keitsbereichen könne keine höhere Arbeitsfähigkeit erreicht werden.
3.6
Dr.
E._
vom RAD führte in ihrer Stellungnahme vom 16.
Mai
2019 (Urk
. 17/109) aus, im Rahmen der ausgeprägten organisch bedingten Fatigue Symptomatik bei bekannter schubweiser MS sei es im Sommer 2017 bei per
manenter Überforderung zur Entwicklung einer zusätzlichen depressiven Störung gekommen. Unter Psychotherapie und medikamentöser Therapie habe sich die psychische Situation wieder stabilisieren und die depressive Symptomatik zu
rückbilden können, jedoch habe sich gezeigt, dass es jeweils bei erhöhter Be
lastung/Anforderung zu einer wiederkehrenden verstärkt depressiven Reaktion gekommen sei. Unter reduzierter Belastung (20 %-Pensum mit Verteilung auf zwei Tage) und mit konsequent eingehaltenen Pausen während des Tages und zwischen den Arbeitstagen sei die depressive Episode aktuell in Remission. Weiterhin sei die Fatigue Symptomatik schwer ausgeprägt und hauptbegründend für die Leistungseinschränkung (S. 2). Seit dem 21. August 2017 sei eine Ver
schlechterung ausgewiesen, seither bestehe eine 20%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als HR-Fachfrau. Auch in einer Verweistätigkeit bestehe keine höhere Arbeitsfähigkeit (S. 3).
4.
4.1
Die Invalidenrente wurde der Klägerin aufgrund ihrer durch die MS bedingten Beschwerden zugesprochen. Der sachliche Zusammenhang zwischen Arbeitsun
fähigkeit und Invalidität ist vorliegend ausgewiesen und nicht umstritten. Um
stritten ist hingegen, ob die durch die MS verursachte Arbeitsunfähigkeit i
n der Zeit eintrat, während der sie bei der Beklagten 2 oder 1 vorsorgeversichert war, mithin
im Zeitraum vom 1. August 2014 bis 30. Mai 2015 beziehungsweise
15. Juni 2015 bis 30. März 2018
.
4.2
Während ihrer 9monatigen Tätigkeit für die
Z._
Klinik
B._
sind lediglich 11.5 Krankheitstage aktenkundig (Urk. 17/3/3-4). Die Arbeitgeberin war mit den Leistungen der Klägerin zufrieden und bedauerte ihren Austritt ausser
ordentlich (Urk. 17/50/3-4). Gehäufte, gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle während der Versicherungszeit bei der Beklagten 2 sind damit ebenso wenig auszumachen wie eine sonstige arbeitsrechtlich in Erscheinung getretene Ein
busse an Leistungsvermögen. Wohl fand der sich in einer Einschränkung der Sehschärfe des linken Auges manifestierende erste MS-Schub am 29. April 2015 und entsprechend noch während der Anstellungsdauer bei der
Z._
Klinik
B._
statt (E. 3.1 hiervor). Zu einer Arbeitsunfähigkeit führte er jedoch nicht (vgl. Urk. 17/3/4), weshalb eine Leistungspflicht der Beklagten 2 ausser Betracht fällt.
4.3
Nach Antritt ihrer Anstellung bei der
A._
war die Klägerin ab dem 27. Juli 2015 wiederholt zu 100 % arbeitsunfähig (vgl. etwa Urk. 17/13/5). Am 14. September 2015 erlitt sie einen zweiten MS-Schub (vgl. Urk. 17/15/15). Dr.
C._
berichtete am 18. September 2015 erstmals über einen hochgradigen Verdacht auf eine
demyelinisierende
ZNS-Erkrankung (Urk. 17/15/15). In der Folge verschlechterte sich der Gesundheitszustand der Klägerin mehrmals und sie ist infolge der im Zusammenhang mit der MS-Erkrankung stehenden organisch bedingten Fatigue Symptomatik seit dem 21. August 2017 in jeglicher Tätigkeit zu 80 % arbeitsunfähig (E. 3.6 hiervor). Die
A._
kündigte das Arbeitsverhältnis per 28. Februar 2018 (Urk. 2/17). Es ist damit echtzeitlich nach
gewiesen, dass die Klägerin während des Vorsorgeverhältnisses mit der Beklagten
1
deutlich an Leistungsvermögen eingebüsst hat.
4.4
Soweit die Beklagte 1 ihre Leistungspflicht verneinte mit dem Hinweis auf eine
vorbestehende berufsvorsorgerechtlich relevante Teilarbeitsunfähigkeit der Kläge
r
in, kann ihr nicht gefolgt werden. Die Klägerin war sowohl bei der
Z._
Klinik
B._
als auch bei der
A._
in einem 60 %-Pensum angestellt.
Zwar gab sie selbst an, die Stellen aus gesundheitlichen Gründen lediglich in reduziertem Pensum angetreten zu
haben
,
und kann e
ine Reduktion des Arbeits
pensums ein gewichtiges Indiz für das Vorliegen einer berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit sein. Sie genügt allein in der Regel jedoch nicht
für den Nachweis einer gesundheitlich bedingten funktionellen Leistungsein
busse
. Dies gilt insbesondere, wenn die Reduktion aus einem subjektiven Krank
heits
gefühl heraus erfolgt oder wenn konkurrierende Gründe bestehen (beispielsweise der Wunsch nach mehr Zeit für bestimmte [Freizeit-]Aktivitäten oder für eine berufsbegleitende Weiterbildung). Es braucht grundsätzlich eine echtzeitliche ärztliche Bestätigung, dass die
Pensenreduktion
gesundheitlich bedingt notwen
dig
ist, weil etwa die weitere Verrichtung der Berufsarbeit nur unter der Gefahr der Verschlimmerung des Gesundheitszustandes möglich wäre. Davon kann ab
gesehen werden, wenn andere Umstände, wie etwa krankheitsbedingte Absenzen vor der Arbeitszeitreduktion, den Schluss nahelegen, dass dieser Schritt auch objektiv betrachtet aus gesundheitlichen Gründen erfolgt und insoweit eine arbeitsrechtlich in Erscheinung getretene (sinnfällige) Leistungseinbusse zu be
jahen ist
(Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2021 vom 29. September 2021 E. 5.2.1).
Eine echtzeitliche ärztliche Bestätigung, dass die
Pensenreduktion
der Klägerin gesundheitlich bedingt notwendig war, lässt sich den Akten jedoch ebenso wenig entnehmen wie eine echtzeitliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für die Zeit vor dem 15. Juni 2015, weshalb davon auszugehen ist, dass die Reduktion des Arbeitspensums lediglich aus einem
subjektiven Krankheitsgefühl
der Klägerin
heraus erfolgt
ist. Zwar nahm die behandelnde Fachpsychologin
F._
(fach
fremd) an, bei der steten Müdigkeit der Klägerin habe es sich um das bei MS sehr
häufig vorangehende Fatigue Syndrom gehandelt. Dies ist jedoch nicht erstellt. Der Nachweis einer Leistungseinbusse darf
nicht durch nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden. Die
Klägerin fühlte sich bereits während ihrer Lehre im KV-Bereich müde. Dass sie bereits rund 15 Jahre vor dem ersten MS-Schub an einer MS-bedingten Fatigue gelitten haben soll, ist wenig plausibel. Hinzu kommt, dass die Klägerin sich zur Hundetrainerin ausgebildet und ab 2014 eine Hundeschule betrieben hat (vgl. Urk. 23 und Urk. 24/24-30). Ob diese Tätigkeit aus finanzieller Perspektive betrachtet als selbständiger Neben
erwerb oder als Hobby zu qualifizieren ist, ist nicht relevant, lässt sich doch in beiden Fällen das reduzierte Arbeitspensum der Klägerin ebenso mit ihrem Wunsch nach mehr Zeit für diese (Freizeit-)Aktivität erklären wie mit – echt
zeitlich nicht belegten - allfälligen gesundheitlichen Beschwerden. Eine ge
sundheitsbedingte
Pensenreduktion
ist damit lediglich möglich, was für eine Ver
neinung der Leistungspflicht der diesbezüglich beweisbelasteten Beklagten 1 nicht
ausreicht.
Zusammenfassend trat eine Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen erst während des Vorsorgeverhältnisses bei der Beklagten 1 arbeitsrechtlich in Er
scheinung und ist das von ihr geltend gemachte Vorbestehen einer berufsvor
sorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit nicht mit überwiegender Wahr
schein
lichkeit ausgewiesen. Die Beklagte 1 ist demnach für die Invalidität der Klägerin
leistungspflichtig.
5.
5.1
Gemäss
Ziff.
4.6.1 des Vorsorgereglements der Beklagten 1 (Urk.
11/3)
besteht Anspruch auf die vollen reglementarischen Leistungen, wenn der Invaliditätsgrad
mindestens 70 % beträgt
. Bezüglich Teilzeiterwerbstätigkeit findet sich keine spezielle Regelung im Vorsorgereglement.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bemisst sich der vorsorgerechtlich relevante Invaliditätsgrad aufgrund eines
Valideneinkommens
entsprechend dem Grad der Teilerwerbstätigkeit und nicht im Verhältnis zu einer (hypothetischen) Vollzeiterwerbstätigkeit (BGE 144 V 63 E. 6.2). Für den Fall, dass die Invaliden
versicherung den Invaliditätsgrad bezogen auf ein Vollzeitpensum ermittelt hat, bietet sich als klarster und einfachster Berechnungsvorgang an, dass die Vor
sorgeeinrichtung das von der Invalidenversicherung festgesetzte
Validenein
kommen
, an das sie grundsätzlich gebunden ist, auf das ausgeübte Teilzeitpensum herunterrechnet und gestützt darauf (sowie auf die übrigen grundsätzlich bin
denden Parameter) einen neuerlichen Einkommensvergleich durchführt (E. 6.3.2).
Die Invalidenversicherung ging in ihrer rentenzusprechenden Verfügung vom 27.
September 2019 (
Urk.
2/18) von einem
Valideneinkommen
von Fr.
55'348.80 in einem 60
%
-Pensum und einem Invalideneinkommen von Fr.
15'360.-- aus,
woraus
sich ein Invaliditätsgrad von 73
%
ergibt, weshalb
ab 1. November 2017
Anspruch auf
die vollen reglementarischen Leistungen besteht (vorbehältlich Lohnfortzahlung, während welcher der Rentenanspruch aufgeschoben wäre, Ziff. 4.6.2 des Vorsorgereglements)
.
5.2
Nach
Ziff. 4.6.4 des
Vorsorgereg
l
ement
s der Beklagten 1
(
Urk.
1
1
/
3
)
sind nach Massgabe des Invaliditätsgrades keine Beiträge mehr zu bezahlen, wenn die Erwerbsunfähigkeit einer versicherten Person länger als die im Vorsorgeplan festgelegte Wartefrist (vorliegend 6 Monate, Urk. 11/2 S. 2) dauert. Die Erwerbs
unfähigkeit der Klägerin dauerte am 1. November 2017 bereits mehr als 6 Monate, weshalb ihr - wie von ihr beantragt (Urk. 1 S. 2) -
ab diesem Zeitpunkt
im Umfang eines Invaliditätsgrades von 73 % die Beitragsbefreiung zu gewähren ist.
6.
Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen geschuldet, wobei grundsätzlich Art. 105 Abs. 1 des Obligationenrechts (OR) anwendbar ist (BGE 119 V 131). Danach ist der Verzugszins vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der ge
richtlichen Klage an geschuldet. Der Zinssatz beträgt 5 %, sofern das Reglement der Vorsorgeeinrichtung keine andere Regelung kennt (BGE 119 V 135 E. 4c).
Das Vorsorgereglement der Beklagten 1 (Urk. 11/3) sieht in Ziff. 4.2.4 in Verbin
dung mit Ziff. 9.4 einen Verzugszinssatz entsprechend dem BVG-Mindestzins plus einem Prozent vor. Der BVG-Mindestzinssatz betrug ab 1. Januar 2017 1 % (Art. 12
lit
. j der
Verordnung über die berufliche Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenvorsorge,
BVV 2)
. Die Klägerin erhob am 7. September 2020 Klage (Urk. 1), womit ihr ab diesem Datum ein Verzugszins von 2 %
für die bis zu diesem Zeitpunkt fällig gewordenen
Rentenbetreffnisse
und für die übri
gen ab dem jeweiligen Fälligkeitsdatum
zuzusprechen ist.
7.
Da seitens der Klägerin kein beziffertes Klagebegehren vorliegt, ist die Klage ge
mäss ständiger Praxis in dem Sinne gutzuheissen, dass die Beklagte 1 zu ver
pflichten ist, der Klägerin ab 1. November 2017
eine auf einem Invaliditätsgrad von
73
% beruhende
reglementarische
Invalidenrente auszurichten
und ihr ab diesem Zeitpunkt im
entsprechenden Umfang die Beitragsbefreiung zu gewähren
, dies zuzüglich
Verzugszins wie oben dargelegt.
Die genaue ziffernmässi
ge Berechnung der einzelnen Ren
tenbetreffnisse ist der Beklagten 1 zu überlassen (wogegen im Streitfalle wiederum eine Klage zulässig wäre; vgl. BGE 129 V 450).
8.
8.1
De
r
Klägerin
steht eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rück
sicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit
des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festgesetzt wird (§
34 Abs.
1
und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Die
unter
liegende Beklagte 1 ist deshalb zu verpflichten,
ihr
eine solche
von Fr.
3‘100.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.
8
.2
Im sozialversicherungsrechtlichen Verfahren darf obsiegenden Behörden oder mit
öffentlichrechtlichen
Aufgaben betrauten Organisationen in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen werden. Das hat grundsätzlich auch für die Trägerinnen oder Versicherer der beruflichen Vorsorge gemäss BVG zu gelten (BGE 128 V 124 E. 5b mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 9C_159/2019 vom 31. Oktober 2019 E. 8).
Es besteht kein Grund, bei der
Beklagten 2
- trotz ihres entsprechenden Antrages
(Urk. 12 S. 1)
- anders zu verfahren.