Decision ID: 92af324a-8063-4fa8-b417-530fe79ece16
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1970,
absolvierte vo
n
1991 bis 1993
eine Aus
bildung zur Bürokauffrau
(Urk.
8
/
9
/1, Urk.
8
/
9/
5
)
. Einer Erwerbstätig
keit ging s
ie
letzt
mals im Januar 2009 nach (Urk. 8/13/3).
Sie wird vom Sozialdienst der Gemeinde
Y._
finanziell unterstützt (vgl. Urk. 8/6, Urk. 8/19/5, Urk. 8/22, Urk. 8/26/3).
Am 1
3
.
Februa
r 20
20
(Eingangs
datum) meldete sich
X._
unter Hinweis
auf
chronische
Fussschmerzen
(
Urk.
8/9/6)
bei der
Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk.
8
/
9
, Urk.
8
/
12
, Urk. 8/21
). Die IV-Stelle
nahm zunächst
den Auszug aus dem Individu
ellen Konto (IK)
der Versicherten
vom 24
.
Februa
r 20
20
(
Urk. 8/13
)
zu den Akten. Hernach holte sie
den Bericht
des Hausarztes der Versicherten,
Dr.
Z._
, Innere Medizin FMH, speziell Nephrologie, vom
6.
April
2020 (
Urk.
8/15)
ein
.
Am
2.
Juli 2020 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien und sie den Anspruch auf eine Invalidenrente prüfe (
Urk.
8/23). In der Folge ging der IV-Stelle der Arzt
bericht von med.
pract
. A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie sowie für Neurologie, vom 18. Septem
ber 2020 (
Urk.
8/26) zu
. Am
7.
Okto
ber 2020 na
hm
dipl.-med.
B._
, Fachärztin für Innere Medi
zin/Prävention und Gesund
heits
wesen,
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle, Stellung (
Urk.
8/27/4-6).
Gestützt auf diese Stellungnahme kün
digte die IV-Stelle
X._
m
it Vorbescheid vom 2
1
.
Okto
ber
20
20
an, dass sie ihr Gesuch um Ausrichtung
von
Invaliden
leistun
gen
ab
weisen werde (Urk.
8
/
28
).
Zur Begründung führte sie aus, dass die Ver
sicherte in ihrer gelernten Tätigkeit als Bürokauffrau
vollumfänglich arbeitsfähig sei und sitzende Arbeiten ohne weiteres verrichten könne (
Urk.
8/28/2).
Dagegen erhob die Ver
sicherte am
3
.
November
20
20
Einwand (Urk.
8/29
). Nach Prüfung
des Ein
wandes
(vgl.
Urk. 8/32
) wies die IV-Stelle das Gesuch des Versicherten um Aus
richtung
von Invalidenleistun
gen
mit Verfügung vom
5
.
Februar
2021 wie vor
beschieden ab (Urk. 2).
2.
2.1
Dagegen erhob
X._
am
10
. M
ärz
2021 Beschwerde (Urk. 1).
Sie beantragte, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom
5. Feb
ruar 2021 sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr
die ihr zustehenden Leistungen
, insbesondere eine Invalidenrente
ab Antragstellung
a
m 13.
Februar 2020
,
aus
zu
richten (
Urk.
1 S. 1).
2.2
In der Folge ersuchte sie am 1
5.
März 2021 um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
5, unter Beilage der Unterstützungsbestätigung des Sozial
dienstes der Gemeinde
Y._
vom 1
1.
März 2021,
Urk.
6/3).
2
.
3
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 3. Mai 2021 Abweisung der Beschwerde (Urk. 7, unter Beilage der IV-Akten, Urk. 8/1-34).
2
.
4
Mit Gerichtsverfügung vom 17. Mai 2021 wurde der Beschwerdeführerin die un
ent
geltliche Prozessführung gewährt. Zudem wurde ihr eine Kopie der Beschwer
de
antwort der Beschwerdegegnerin vom 3. Mai 2021 (Urk. 7) zur Kennt
nis
nahme zugestellt (Urk. 9).
2
.
5
Alsdann liess die Beschwerdeführerin, nunmehr vertreten durch Rechts
anwältin Andrea Steiner
Lettoriello
, mit Eingabe vom 21. Juni 2021 die folgenden Anträge stellen (Urk. 11 S. 2):
«
1.
Es sei der Beschwerdeführerin für das vorliegende Beschwerdeverfahren in der Person der Unterzeichneten eine unentgeltliche Rechtsvertreterin zu be
stellen.
2.
Es seien der Unterzeichneten die vollständigen Akten (inklusive beigezogene Akten der Vorinstanz) zur Einsicht zuzustellen.
3.
Es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl.
MWSt
) zu Lasten der
Be
schwerdegegnerin.»
2
.
6
Danach wurde der Beschwerdeführerin mit Gerichtsverfügung vom 1
5.
Juli 2021 - zusätzlich zur bereits mit Verfügung vom 17. Mai 2021 gewährten unent
gelt
lichen Prozessführung - in Bewilligung des Gesuchs vom 21. Juni 2021 mit Wir
kung ab diesem Datum Rechtsanwältin Andrea Steiner
Lettoriello
, Zürich, als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren bestellt
(
Urk.
13 S. 4)
.
Mit derselben Verfügung wurde
überdies
ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet und der Beschwerdeführerin
Frist für eine Replik angesetzt (
Urk.
13 S. 4).
2.7
Die Replik wurde - n
ach zweimaliger Fristerstreckung (
Urk.
17-
18) und Gewäh
rung einer Notfrist (
Urk.
22) wegen einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit von Rechts
anwältin Andrea Steiner
Lettoriello
(
Urk.
20)
-
am 1
6.
Dezember 2021 ein
gereicht (
Urk.
24).
D
ie Beschwerdeführerin liess
F
olgendes
beantragen (
Urk.
24 S.
2):
«
1.
Es sei die Verfügung vom
5.
Februar 2021 vollumfänglich aufzuheben.
2.
Es seien der Beschwerdeführerin Leistungen der Invalidenversicherung (be
ruf
liche Massnahmen / Eingliederungsmassnahmen und/
oder eine Rente sowi
e Hilfsmittel etc.) zuzusprechen und auszurichten.
3.
Eventualiter sei die Sache zur Durchführung von ergänzenden Abklärungen (bi- oder polydisziplinäre Begutachtung, und/oder BEFAS-Abklärung etc.) an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
Subeventualiter
sei ein Gerichtsgutachten anzuordnen und in Auftrag zu geben.
5.
Unter Kost
en- und Entschädigungsfolgen (zzgl.
MWSt
) zu Lasten der
Be
schwerdegegnerin.»
2.8
Die Beschwerdegegnerin teilte dem Gericht mit Eingabe vom 1
8.
Januar 2022 mit, dass sie auf das Einreichen einer Duplik verzichte (
Urk.
26). Dies wurde der Be
schwerdeführerin mit Verfügung vom 2
6.
Januar 2022 mitgeteilt (
Urk.
27).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Strittig und zu prüfen
ist
, ob die Beschwerdeführerin
Anspruch auf Invaliden
leistun
gen
hat.
1.2
In der angefochtenen Verfügung vom
5.
Februar 2021
(
Urk.
2) erwog die Be
schwerdegegnerin, dass sie diverse Unterlagen eingeholt habe, um die beruf
liche und gesundheitliche Situation zu prüfen. Die Beschwerdeführerin sei seit meh
reren Jahren in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Die ihr vorliegenden Unter
lagen würden jedoch ausweisen, dass
die
Beschwerdeführerin
in ihrer ge
lernten Tätigkeit als Bürokauffrau vollumfänglich arbeitsfähig sei und sitzende Arbeiten ohne weiteres verrichten könne
. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei es der Beschwerdeführer
in somit möglich, eine Arbeit entsprechend ihrer Aus
bildung zu leisten. Dabe
i wäre eine gute Strukturierung von Vorteil
(
Urk.
2
S. 1
).
Der Ein
wand der Beschwerdeführerin vom
4.
November 2020 gegen den Vor
bescheid
vom 2
1.
Oktober 2020 führe zu keiner anderen Beurteilung, weil die Beschwer
deführerin
mit dieser Eingabe
keine weiteren medizinischen Unterlagen einge
reicht habe.
Die
Beschwerdeführerin
habe
somit
keinen Anspruch auf Leistungen
der Invalidenversicherung, weder auf berufliche Massnahmen noch auf eine Re
nte (
Urk.
2 S. 2).
In ihrer Beschwerdeantwort vom
3.
Mai 2021 führte die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen aus, dass
der RAD
ihr zur Beurteilung
der medizinischen Voraus
setzungen des Leistungsanspruches
zur Verfügung stehe
. Die RAD-Ärztinnen und -Ärzte könnten bei Bedarf selber Untersuchungen durchführen. Falls nötig, könn
ten sie medizinische Gutachten erstellen lassen. Ein gesetzlicher Anspruch darauf bestehe jedoch nicht (
Urk.
7 S. 1). Vorliegend habe sie alle medizinischen Berichte eingeholt und sie dem RAD zur Beurteilung vorgelegt. Die Berichte der behan
delnden Ärzte hätten ausgereicht, um eine Beurteilung vornehmen zu können. RAD-Ärztin
dipl.-med.
B._
sei zum Schluss gekommen, dass ein Gesund
heitsschaden, welcher sich längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin in ihrer angestammten Tätigkeit auswirke, nicht festgestellt werden könne. Aus versicherungsmedizinisch-theoretischer Sicht sollte die Beschwerde
führerin in der Lage sein, eine Tätigkeit entsprechend ihrer Ausbildung im kauf
männischen Bereich zu leisten.
Aufgrund der Fussbeschwerden
seien über
wie
gend stehende Tätigkeiten
zu vermeiden. Es seien weder eine
Untersuchung durch die RAD-Ärztin noch
eine
Begutachtung notwendig. Aus de
m
von der Be
schwer
deführerin mit ihrer B
eschwerde vom 1
0.
März 2021
eingereicht
en Be
richt des Spitals C._
vom
9.
Oktober 2020
ergebe sich, dass
gastro
sko
pisch
und
kolonoskopisch
keine relevante Pathologie zur Erklärung der Beschwerden
habe gefunden werden können
. Im Arztbericht von
Dr. med. D._
, Facharzt FMH für Kardiologie und Allgemeine Innere Medizin,
vom 1
5.
Dezember 2020 finde sich
sodann
kein Nachweis für eine strukturelle Herz
krankheit. Im Übrigen habe die Beschwerdeführerin
mit ihrer Beschwerde
ledig
lich Terminbestätigungen aufgelegt
(Urk. 7 S. 2)
.
1.3
Die Beschwerdeführerin bringt demgegenüber
im Wesentlichen
vor,
dass i
n soma
tischer Hinsicht eine
Fasci
i
tis
plantaris
, ein Senkspreizfuss beidseits mit
Hallux
valgus
- und
Bunionette
-Deformität linksbetont, eine Hammerzehen-De
for
mität
Dig
2 und 3 links bei Überlänge,
muskuloskelettale
Schmerzen und Varikosen an beiden Beinen diagnostiziert worden
seien (
Urk.
24 S.
3
)
.
Zudem schmerze es sie seit Neustem auch im Rücken und im Nacken (
Urk.
1 S. 2). Als
dann sei darauf hinzuweisen, dass
s
ie seit fünf Jahren vom
Psychiater
med.
pract
.
A._
behandelt
werde
. Er habe die Diagnose
histrionische
Persönlichkeits
störung (ICD-10: F60.4) gestellt
(
Urk.
24 S. 2).
Die RAD-Ärztin
dipl.-med.
B._
sei Fachärztin
für Innere Medizin/Prävention und Gesundheitswesen (
Urk.
24 S. 4). Es sei
somit
zunächst
zu beanstanden, dass die medizinische Beur
teilung des RAD trotz ihrer klaren, fachärztlich detailliert und nachvollziehbar beschriebenen orthopädischen und psychischen Leiden durch eine M
edizinerin erfolgt sei, welche über keinen Facharzttitel in Orthopädie oder Psychiatrie ver
füge. Ihre Beurteilung vermöge
die Fachbeurteilungen, insbesondere diejenige des behandelnden
Psychiaters med
.
pract
.
A._
,
somit nicht zu entkräften (
Urk.
24 S. 5).
Die Beschwerdegeg
nerin habe dessen Bericht gar nicht berück
sichtigt (
Urk.
1 S. 2).
Des Weiteren sei sie nicht erst seit 2016 in psychiatrischer Behandlung. Sie sei bereits in jungen Jahren bei verschiedenen Psychiatern in Therapie gewesen. Danach gefragt habe die Beschwerdegegnerin jedoch nie. Aus diesem Grunde gehe es nicht an, dass die Beschwerdegegnerin einfach behaupte, es liege
deswegen
keine Persönlich
keitsstörung vor, weil
diese Diagnose erst im Alter von 46 Jahren ges
t
ellt und
kein Beginn in der Kindheit/Jugend ausgewiesen sei
(
Urk.
24 S. 6
; vgl.
Urk.
8
/27/6
).
D
ie Beschwerdegegnerin habe ihre unbestän
dige Erwerbsbiografie
ebenfalls be
merkt. Eine solche unbeständige Erwerbs
bio
grafie
könne
ein klares Indiz für eine Persönlichkeitsstörung sein (
Urk.
24 S. 5).
Aus rein somatischer Sicht sei bezüg
lich der RAD-Beurteilung zu monieren, dass sie auch eine überwiegend sitzende Tätigkeit nicht ausüben könne. Ihre Fuss-
und Beinbeschwerden, welche sich als massive und konstante Schmerzen äussern würden,
führten dazu, dass sie bereits nach einer kurzen Gehstrecke (z. B. zum Einkaufen und wieder zurück) erschöpf
t
sei.
Diese Einschränkung würde ebenfalls bestehen, wenn sie einen Arbeitsweg zurücklegen müsste.
Und schliesslich wäre die Beschwerde
gegnerin
gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
bei den vorliegenden somatischen und psychiatrischen Diagnosen sowie der Schmerz
problematik
zu einer
Indikatoren-
Prüfung
verpflichtet gewesen
. Hierzu sei zu bemerken, dass sie gemäss den Be
rich
ten ihres Hausarztes und des behandelnden Psychiaters über keinerlei Res
sourcen verfüge. Das Sozialamt habe zudem bestä
tigt, dass für sie Eingliede
rung
s
massnah
men nicht möglich seien (
Urk.
24 S.
6).
2.
2.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
ver
sicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind - vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regel
ungen - grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je
mit Hinweisen), sind vorliegend
die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwend
bar, die nachfol
gend auch in dieser Fassung zitiert wer
den.
2
.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3
2.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3.2
Gemäss BGE 143 V 418 E. 7.2
sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkran
kungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unter
zie
hen
(vgl.
auch
BGE 143 V 409 E. 4.5.1).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt syste
ma
tisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
2.
4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2
.
5
2
.5.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
gegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.5.2
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
Eine reine Aktenbeurteilung des RAD kann beweiskräftig sein, sofern ein lücken
loser Befund vorliegt und es im Wesent
lichen nur um die fach
ärztliche Beurtei
lung eines an sich feststehenden medi
zinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche
Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteile des Bundesgerichts 9C_730/2018 vom 27. März 2019 E. 5.1.3, 9C_335/2015 vom 1. September 2015 E. 3.1 und 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1 mit Hinweisen). Bei einer Aktenbeurteilung des RAD handelt es sich um eine versicherungsinterne Stellungnahme, weshalb bei der Beweiswürdigung die oben erwähnten Grundsätze zu beachten sind.
2.6
Im Sozialversicherungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Danach haben der Versicherungsträger oder das Durchführungsorgan und im Beschwerdefall das kantonale Versicherungsgericht von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61
lit
. c
in Verbindung mit Art. 2 ATSG).
Der Untersuchungsgrundsatz
schliesst
die Beweislast im Sinne einer Beweisfüh
rungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen ge
bliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller
dings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Unter
su
chungs
grundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (Urteil des Bundesgerichts 8C_765/2020 vom 4. März 2021 E. 3.2.2 mit Hinweis auf BGE 144 V 427 E. 3.2).
2.
7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
3.
3.1
Dr.
me
d. E._
, Facharzt FMH Allgemein- und Unfallchirurgie, hielt am 1
1.
Juni 2015 fest, er bestätigte als behandelnder Arzt der Beschwerde
füh
rerin, dass
diese aus medizinischen Gründen
nicht längere Zeit stehen sollte (
Urk.
8/7/6).
3.2
3.2.1
Dr.
med. F._
, leitende Ärztin Fusschirurgie,
Klinik G._
,
führte
im Be
richt vom 2
9.
Mai 2018 die Diagnose
plantarseitige
Fersenschmerzen links
betont, Differentialdiagnos
e (DD):
Fasci
i
tis
plantaris
,
Senkspreizfuss beidseits mit
Hallux
valgus
- und
Bunionette
-Deformität linksbetont
an
(
Urk.
8/7/7).
In ihrer Beurteilung hielt
Dr.
F._
fest, dass sich die Beschwerdeführerin mit mehreren Fussproblemen vorgestellt habe, wobei aktuell die Fersenschmerzen immer noch im Vordergrund stehen würden. Bevor die Indikation zu einem operativen Eingriff mit Korrektur der linksbetonten
Hallux
valgus
-Fehlstellung diskutiert werde, sollte zunächst versucht werden, die Fersenschmerzen mittels den zur Verfügung stehenden konservativen Therapien zu behandeln (
Urk.
8/7/8).
3.2.2
Bei ihrer Untersuchung vom 2
1.
August 2018 stellte
Dr.
F._
sodann
fest, dass der Befund
mit deutlicher Schmerzangabe am Ursprung der
Fascia
plantaris
sowie links betonter
Hallux
valgus
-Deformität zur Voruntersuchung unverändert sei. Es hätten sich zudem funktionelle Hammerzehen-Deformitäten mit gut
redressier
baren
Hammerzehen
Dig
2 und 3 links bei Überlänge dieser Zehen gezeigt (
Urk.
8/7/9). Unter «Beurteilung und Procedere» notierte
Dr.
F._
, sie sei mit der
Beschwerdeführerin so verblieben, dass sie sich bei
einem
Operationswunsch bezüg
lich Vorfussdeformitäten jederzeit wieder melden könne (
Urk.
8/7/9).
3.3
Dr.
Z._
führte in seinem Bericht
zuhanden der Beschwerdegegnerin
vom
6.
April 2020 als Untersuchungsbefunde dif
fuse
muskuloskelettale
Schmerzen an (
Urk.
8/15
/4
)
. Er attestierte der Beschwer
de
führerin seit November 2008 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten (
Urk.
8/15/3). Auf die Frage, welche Funktionsein
schränkungen bestünden, antwortete er, dass die Beschwer
de
führerin an generellen Schmerzen leiden würde
(Urk. 8/15/5)
.
Die Schmerzen am ganzen Körper würden der Eingliederung in das Erwerbsleben im Wege stehen (Urk. 8/15/6). Auch verfüge s
ie
über
keine Ressourcen, die für eine Eingliederung hilfreich sein könnten (
Urk.
8/15/5).
3.4
Der Psychiater med.
pract
.
A._
nann
te
in seinem Bericht vom 18. Septem
ber 2020 (
Urk.
8/26) die Diagnose
histrionische
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.4
)
.
Die Diagnose sei im September 2016 gestellt worden.
Zum psychopatho
logischen Befund hielt er fest, dass die Beschwerdeführerin wach und allseits orientiert sei. Die Konzentration sei unauffällig, die Aufmerksamkeit leicht redu
ziert/schwankend. Es bestünden keine Merkfähigkeitsstörungen
, keine formalen
Denkstörungen,
inhaltlich auf Misstrauensinhalte fokussiert. Es lägen
keine wahn
hafte Störung, keine Wahrnehmungsstörungen, keine Ich-Störung, keine Ein- und
Durchschlafstörungen, keine Zwänge und kein An
halt für eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung
vor
. Die Schwingungsfähigkeit sei erhalten und der An
trieb gesteigert. Die Beschwerdeführerin sei psychomotorisch und im Ausdruck ange
trie
ben
histrionisch
und leicht distanzgemindert, in der Grundstimmung wech
selnd zwischen gehoben und bedrückt, im Kontaktverhalten distanzge
mindert und im Gespräch ausschweifend und themeninkohärent (
Urk.
8/26/2).
Aus psychiatrischer
S
ich
t
liege im Rahmen der genannten Diagnose eine Ein
schrän
kung in ihrer Fähigkeit, organisiert ihre beruflichen wie privaten Ange
legen
heiten suffizient zu erledigen
, vor
. Zusätzlich
bestehe
eine sehr emotionale Verarbeitung kompliziertere
r
sozialer Interakti
onen
. Diese hindere die Beschwer
de
führerin, zielgerichtet auch einfache Angelegenheiten zu erledigen
(Urk. 8/26/2
)
.
Er könne keine besonderen Ressourcen
benennen
, die für eine Eingliederung hilfreich sein könnten (
Urk.
8/26/3).
Seinerseits sei keine Arbeitsunfähigkeit atte
stiert worden (Urk. 8/26/1). Die Beschwerdeführerin gehe seit langer Zeit keiner beruflichen Tätigkeit nach. Sowohl die bisherige als auch eine leidensangepasste Tätigkeit wäre zwei bis drei Stunden täglich zumutbar (Urk. 8/26/5).
3.5
3.5.1
RAD-Ärztin
dipl.-med.
B._
hielt in ihrer Stellungnahme vom
7.
Oktober 2020 fest, dass
bei der Beschwerdefüh
r
erin
keine Diagnosen mit dauerhafter Aus
wirkung auf die Arbeits
fähigkeit bestünden. (
Urk.
8/27/4
).
Sie nannte die folgen
den Diagnosen ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
8/27/5)
:
-
Histrionische
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.4): Aus versicherungs
medizinisch-theoretischer Sicht nicht belegt, eher Persönlich
keits
akzen
tuierung
-
Varikosis
-
Hallux
valgus
-
Knick-Senk-Spreizfuss
-
Fersensporn
3.5.2
Dazu hielt
dipl.-med.
B._
fest, dass ein Gesundheitsschaden, welcher sich längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auswirke, nicht habe festgestellt werden können. Eine Persönlichkeitsstörung, wie vom behandelnden Psychiater
festgestellt
, sei nicht ausgewiesen. Unter Persönlich
keitsstörungen würden tief verwurzelte, anhaltende und weitgehend stabile Ver
haltensmuster verstanden, die sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeigen würden. Die Störung gehe mit per
sön
lichem Leiden und gestörter sozialer Funktionsfähigkeit einher. Gegenüber der Mehrheit der Bevölkerung würden sich deutliche Abweichungen im Wahr
neh
men, Denken, Fühlen und in Beziehungen zu anderen zeigen
(
Urk.
8/27/5). Eine Persönlichkeitsstörung trete in der Kindheit/Jugend zutage und manifestiere sich auf Dauer im Erwachsenenalter. Sie werde nur diagnostiziert, wenn die Symp
tome nicht direkt auf eine Hirnschädigung oder eine andere psychische Störung zurückzuführen seien, wenn das abnorme Verhaltensmuster andauernd, tiefgrei
fend und in persönlichen und sozialen Situationen eindeutig unpassend se
i, wenn ein deutliches subjektives Leiden bestehe und wenn deutliche Ein
schrän
kungen der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit bestehen würden. Vorliegend sei die Diagnose erst im Alter von 46 Jahren gestellt worden. Es sei kein Beginn in der Kindheit/Jugend ausgewiesen. Die Hausärztin (richtig: der Hausarzt) beurteile die Beschwerdeführerin als zu 100
%
arbeitsunfähig aufgrund einer
Varikosis
und aufgrund von Fussbeschwerden. Im Jahr 2018 habe sich die Beschwerdeführerin zweimalig in der
Klinik G._
vorgestellt. Dort sei neben konservativen Massnahmen zu einem späteren Zeitpunkt die Operation des
Hallux
valgus
emp
fohlen worden.
Aus den Unterlagen gehe nicht hervor, dass der operative Eingriff
bereits erfolgt sei, was auf einen geringen Leidensdruck hin
weise. Aus den Fuss
deformitäten resultiere unabhängig davon keine länger
dauernde Arbeitsunfähig
keit. Sitzende Tätigkeiten könnten ohne weiteres ver
richtet werden
(
Urk.
8/27/6)
.
Dipl.-med.
B._
notierte zum Belastungsprofil, dass die Beschwerdeführerin aus versicherungsmedizinisch-theoretischer Sicht in der Lage sein sollte, eine Tätigkeit entsprechend ihrer Ausbildung zu leisten. Dabei wäre eine gute Struk
turierung sinnvoll. Zu vermeiden seien überwiegend stehende Tätigkeiten auf
grund von Fussbeschwerden (
Urk.
8/27/5).
3.
6
Wegen seit Dezember 2019 chronisch
rezidivierende
r
Darmbeschwerden wurden am
9.
Ok
tober 2020 im Spital C._
, Departement Innere Medizin und Spezialdisziplinen Gastroenterologie und Hepatologie eine Gastroskopie und eine
Ileo
-Koloskopie durchgeführt (
Urk.
3/1 S. 1).
Im Bericht
des Spitals C._
wurde festgehalten, dass sich
g
astroskopisch
und
kolonoskopisch
keine relevante Pathologie zur Erklärung der
B
eschwerden gezeigt habe (
Urk.
3/1 S. 2).
3.7
Der Kardiologie
Dr.
D._
notierte in seinem Bericht vom 1
5.
Dezember 2020, dass
sich die Beschwerdeführerin in der hausärztlichen Sprechstunde wegen in letzter Zeit wiederholt aufgetretenen links
thorako
-lateralen Stichen sowie
Puls
stolperer
, die mit den Stichen nicht gemeinsam auftreten würden, gemeldet habe. Daneben gebe es auch Phasen, mit dem Gefühl, dass das Herz weniger stark schlage. Dabei komme es nicht zu Schwindel oder einem Schwächezustand (Urk. 3/2 S. 1). Er habe festgestellt, dass
es bei der Beschwerdeführerin inter
mit
tierend zu einem Linksschenkelblock (LSB)
komme. In der Regel sei der Wechsel zwischen der normalen Erregungs
ausbreitung und einem (LS-)Blockbild nicht spürbar. Die Patienten würden den Wechsel beziehungsweise das Auftreten eines
Schenkelblocks nur selten bemer
ken.
Dies könnte bei der Beschwerdeführerin
(aber
)
der Fall sein, wobei die geschilderte Symptomatik mit links
thorako
late
ralem
Stechen wenig typisch zu sein scheine. Das aktuelle Ruhe-EKG doku
men
tiere normale QRS-Komplexe und einen unauffälligen Erregungsablauf. Echokardio
graphisch gebe es keine Hinweise auf eine strukturelle Herzkrankheit, insbeson
dere keine Erklärung, weshalb intermittierend ein Linksschenkelblock auf
trete. Auch wenn vor sechs Jahren eine MR-Untersuchung unauffällig gewe
sen sei, sei entschieden worden, diese bildgebende kardiale Diagnostik zu wieder
holen,
d
ies mit der Frage nach einer allfälligen koronaren Ischämie oder Auffäl
ligkeiten in den Myokardstrukturen
(
Urk.
3/2 S. 2)
.
3.8
Med.
pract
.
A._
hielt in seinem Schreiben zuhanden der Beschwerde
gegnerin vom 2
2.
Februar 2021 fest, dass die Beschwerdeführerin aus psychiat
rischer Sicht eine Arbeitsintegrationsmassnahme absolvieren sollte. Es sei zu bedenken, dass
die Beschwerdeführerin seit vielen Jahren nicht mehr arbeitstätig sei und ein beruflicher Einstieg über das Regionale Arbeitsver
mitt
lungs
zentrum (RAV) wenig erfolgsversprechend scheine. Zudem befinde sich die Beschwerde
führerin derzeit in diversen medizinischen Abklärungen
(
Urk.
6/2).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stellte in medizinischer Hinsicht auf die Stellungnahme
von RAD-Ärztin
dipl.-med.
B._
vom 7. Oktober 2020
ab
(Urk. 2, Urk
. 8/27/4-
6
).
Darin ist
dipl.-med.
B._
auf die vom Hausarzt in seinem Bericht vom 6. April 2020 erwähnten
dif
fuse
n
muskuloskelettale
n
Schmerzen
(E.
3.3) mit keinem Wort eingegangen. Stattdessen führte sie aus, dass der Hausarzt die Be
schwerdeführerin aufgrund einer
Varikosis
und aufgrund von Fussbeschwerden als zu 100
%
arbeitsunfähig beurteilt habe (E. 3.5.2). Das kann dem Bericht von
Dr.
Z._
vom 6. April 2020 (E. 3.3) so aber nicht entnommen werden
. Alsdann wurde die Beschwerdeführerin gemäss den vorliegenden Akten letztmals am 2
1.
August 2018 in der Fusschirurgie der
Klinik G._
untersucht
.
Am
1.
Juli 2020 teilte die Beschwerdeführerin
der Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin telefonisch mit, dass sie wegen den Füssen aktuell nicht in Behandlung sei. Dies liege daran, dass sie von ihrer Wohnung kaum zum Arzt beziehungsweise zur Physiotherapeutin laufen könne.
Je
mehr sie die Füsse belaste,
desto
mehr habe sie Schmerzen (
Urk.
8/21).
D
iese
Akten
lage lässt
die
von
dipl.-med.
B._
ge
troffene Schlussfolgerung, wonach die nicht durchge
führte Fussoperation auf einen geringen Leidensdruck hinweisen würde (E. 3.5.2)
,
nicht zu. Aus diesen Gründen ist die Stellungnahme von RAD-Ärztin
dipl.-med.
B._
nicht be
weis
kräftig.
Es kommt hinzu, dass sich aufgrund des rudimen
tären Berichts des Hausarztes
Dr.
Z._
vom 6. April 2020 (E. 3.3) der aktuelle Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nicht vollumfänglich beurteilen lässt.
Aktenkundig ist, dass
die Beschwerdeführerin wegen ihrer Fussbeschwer
den zuletzt am 2
1.
August 2018 von einer Fach
ärztin untersucht
wurde
. Zudem klagt sie noch über weitere körperliche Beschwerden (
Urk.
1 S. 2-3), zu welchen die Akten kein vollständiges Bild geben.
Die Voraus
setzun
gen für eine Aktenbeurteilung (E.
2
.
5
.2) waren somit nicht erfüllt.
4.2
Nach Einschätzung
des
behandelnden Psychiaters med.
pract
.
A._
ist die Beschwerdeführerin
zudem
aufgrund einer
histrionischen
Persönlichkeitsstörung
(ICD-10: F60.4)
in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (
E. 3.4)
.
Dieser Beurteilung ist die RAD-Ärztin nicht gefolgt mit dem H
inweis, dass die
Diagnose aus ver
sicherungsmedizinisch-theoretischer Sicht nicht belegt sei.
Dazu ist vorab zu be
merken, dass die
RAD-Ärztin
dipl.-med.
B._
a
ls
Fachärztin für Innere Medizin/Präven
tion und Gesund
heits
wesen
nicht über die not
wendige fachliche Qualifikation zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus psychischer Sicht
verfügt
.
Auch
verfasste
sie
in
ihr
er Stellung
nahme ein Belastungsprofil betreffend die psy
chischen Einschränkun
gen de
r
Beschwerde
führerin
, für welches sich in den vor
liegenden Akten - insbe
sondere im Bericht
des behandelnden Psychiaters med.
pract
.
A._
vom 18. Septem
ber 2020 (E.
3.4)
- keine Belege finden lassen.
Der behandelnde Psychiater hielt in seinem Bericht vom 18. Septem
ber 2020
fest, dass die Beschwerdeführerin
in ihrer Fähigkeit, ihre beruf
lichen wie privaten Ange
legen
heiten suffizient zu erledigen,
eingeschränkt sei.
Zudem hindere
e
ine
sehr emotionale Verarbeitung kompliziertere
r
sozialer Interak
tionen die Beschwer
de
führerin, zielgerichtet auch einfache Angelegen
heiten zu erle
digen
. Sie sei im Kontaktverhalten distanzgemindert, im Gespräch aus
schweifend und themenin
ko
härent sowie
auf Misstrauensinhalte fokussiert
(E. 3.4)
.
Selbst wenn dem be
handelnden Psychiater bei seiner diagnostischen Einordnung (aus psychiatrischer Sicht) nicht gefolgt werden könnte, hätten die von ihm erhobenen Befunde
und die von ihm angeführten Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
zumindest An
lass zu weiteren Abklärungen gegeben
.
Auffälligkeiten im Kontaktverhalten hat im Übrigen auch die Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin festgestellt: Ge
mäss
Aktennotiz
betreffend Telefongespräch mit der Beschwerdeführerin
vom
1. Juli 2020
,
habe diese einen grossen Redefluss und verliere sich in nebensäch
lichen Informationen; es sei schwierig gewesen, das Gespräch auf das Wesentliche zu lenken (Urk. 8/21; vgl. auch
zum Eindruck des Sozialarbeiters
:
Urk. 8/22)
.
Da keine psychiatrische Stellungnahme vorliegt, welche die Anforderungen an eine beweiskräftige Expertise (E. 2.3.1 f.) erfüllt, erweist sich der medizinische Sach
ver
halt
insbesondere
in psychiatrischer Hinsicht als unzureichend abgeklärt.
4.3
Zur Abklärung des medizinischen Sachverhalts sowie der Arbeits
fä
higkeit de
r
Beschwerdeführer
in
hat die Beschwerdegegnerin
daher ein polydisziplinäres Gut
achten (als
umfassende administrative Erstbegutachtung
,
vgl. BGE 139 V 349 E. 3.2)
einzuholen
.
Das Gutachten muss eine Beurteilung nach Massgabe der Standardindikatoren gemäss der mit
BGE 141 V 281
begründeten Rechtsprechung ermöglichen.
5.
Die angefochtene Verfügung vom
5. Februar 2021
(Urk. 2) ist aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sie hat die Abklärungen im Sinne der Erwägungen durchzuführen und hernach bezüglich des
Anspruch
s
der Beschwerdeführerin auf Invalidenleistungen
eine neue Verfügung zu erlassen. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das vorliegende Verfahren kostenpflichtig
(Art. 69 Abs. 1
b
is
IVG).
Nach stän
diger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung sowohl für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57; vgl. auch BGE 141 V 281 E. 11.1 mit Hinweis), weshalb
die
Gerichts
kosten
in der Höhe von Fr.
6
00.-- der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
6.2
D
ie
unentgeltliche Rechtsvertreter
in
de
r
Beschwerdeführer
in
Rechts
anwältin Andrea Steiner
Lettoriello
, Zürich, machte von der Mö
glichkeit zur Einreichung einer
Honorarnote (vgl. Ziff. 1 der Gerichtsverfügung vom
1
5.
Jul
i 202
1
, Urk. 1
3
) keinen Gebrauch.
Ihre
Entschädigung ist daher nach pflichtgemässen Ermessen festzusetzen. Es rechtfertigt sich eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 1'
8
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat die Prozessentschädigung de
r
unent
geltlichen Rechtsvertreter
in
de
r Beschwerdeführerin
auszurichten.