Decision ID: 96bf5c4d-379f-5251-a428-963603e65dfe
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 25. Juni 2009 bei der Invalidenversicherung (IV) zum
Leistungsbezug an. Sie gab dabei an, seit November 2006 leide sie an sehr starker
Migräne, die sich seit einem Unfall verstärkt habe, an starken Schmerzen an Nacken
und Schulter (Schleudertrauma), sowie an einer Diskushernie (IV-act. 4). Die Versicherte
hatte am 5. November 2006 bei einem durch eine fragliche Synkope verursachten
Verkehrsunfall eine Commotio cerebri und eine HWS-Distorsion erlitten (Fremdakten,
Kurzbericht Kantonsspital Glarus, Klinik für Chirurgie, vom 16. November 2006). Am 29.
Januar 2007 hatte sie einen weiteren Verkehrsunfall erlitten (von hinten aufgefahrener
Wagen, IV-act. 12). Am 26. Oktober 2008 hatte Dr. med. B._, Allgemeine Medizin
FMH, der Unfallversicherung berichtet, dass die Versicherte nun praktisch vollständig
rehabilitiert sei (Fremdakten).
A.b Dr. med. C._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Beratungs- und
Therapiestelle D._, behandelte die Versicherte vom 8. Juni bis 18. November 2009.
Er diagnostizierte eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
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(ICD-10: F32.2) und attestierte der Versicherten für die Behandlungszeit eine
vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 51; Arztbericht vom 19. April 2010).
A.c Zwischenzeitlich, vom 14. September bis 10. Oktober 2009, hatte sich die
Versicherte in der Klinik Valens zur stationären Rehabilitation aufgehalten. Dabei
wurden als Diagnosen unter anderem ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom
linksbetont, ein chronisches cervicospondylogenes Syndrom beidseits, der Verdacht
auf analgetika-induzierten Kopfschmerz, Migräne mit und ohne Aura sowie der
Verdacht auf eine reaktive depressive Episode festgehalten. Es bestünden vor allem
Defizite bei der lumbalen Stabilisationsfähigkeit und bei vorgeneigten Positionen.
Aufgrund der psychosozialen Belastungssituation bestehe zusätzlich eine
psychosomatische Komponente. Die als schwer einzustufende Arbeit als Betreuerin
schwerstbehinderter Menschen sei nicht zumutbar. In leichten bis mittelschweren,
wechselbelastenden Tätigkeiten bzw. in einer leichteren Pflegetätigkeit sei die
Versicherte voll arbeitsfähig (Klinik Valens, Arztbericht zuhanden der IV vom 2.
Dezember 2009, IV-act. 36-1 ff.).
A.d Das Behindertenzentrum E._, wo die Versicherte seit 1. September 2008 als
Betreuerin (Agogin) mit Fachausbildung in einem seit 1. September 2009 auf 80 %
reduziertem Pensum gearbeitet hatte, kündigte das Arbeitsverhältnis aufgrund des
krankheitsbedingten Ausfalls auf den 30. September 2009 (IV-act. 11; IV-act. 15-2; IV-
act. 23).
A.e Am 18. Dezember 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, es seien die
Möglichkeiten einer beruflichen Eingliederung zu prüfen (IV-act. 37). Nachdem am 9.
Februar 2010 eine Bandscheibenoperation durchgeführt wurde, schloss die
Eingliederungsverantwortliche den Fall am 16. Februar 2010 ab (IV-act. 43; vgl. auch
Stellungnahme des RAD vom 17. Februar 2010, IV-act. 44). Die IV-Stelle teilte der
Versicherten am 24. Februar 2010 mit, es seien zurzeit keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich (IV-act. 46).
A.f Dr. med. F._, Allgemeine Medizin FMH, verwies im Arztbericht vom 24. Mai 2010
in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auf die Einschätzung der
Klinik Valens. Es sei trotz der Operation keine Besserung eingetreten. Die
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Einschränkungen liessen sich durch die Umschulung auf einen Beruf ohne körperliche
Belastung vermindern (IV-act. 55-1 ff.). Die IV-Stelle nahm daraufhin die berufliche
Eingliederung am 1. Juli 2010 wieder auf (IV-act. 57, 61). In einem Assessment wurde
übereingekommen, dass die Versicherte vom 1. Dezember 2010 bis 3. Mai 2011 an
einem Eingliederungsprogramm des RAV beim G._ teilnehmen werde
(Ergebnisprotokoll nach Assessmentgespräch vom 22. November 2010, IV-act. 77;
Assessmentprotokoll bis 13. Dezember 2010, IV-act. 78).
A.g Die Versicherte trat am 1. Februar 2011 eine Stelle als Betreuerin mit Fachausweis
im H._ in einem 50 %-Pensum an (IV-act. 89).
A.h Dr. med. I._, Facharzt für Neurochirurgie, berichtete am 5. September 2011, der
Gesundheitszustand habe sich seit 13. Oktober 2010 verschlechtert. Die Versicherte
leide an einem lumbovertebralen Schmerzsyndrom, insbesondere mit Flankenschmerz
links, sowie an Spannungskopfschmerz und zusätzlichen Migräneattacken. Eine höhere
Arbeitsfähigkeit als 50 % sei voraussichtlich nicht zu erreichen (IV-act. 90). Da sich die
Versicherte nicht mehr als 50 % arbeitsfähig fühlte, wurden weitere berufliche
Massnahmen am 29. November 2011 mit Mitteilung an die Versicherte abgewiesen (IV-
act. 98; IV-act. 101).
A.i Am 23. Dezember 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, es sei eine
medizinische Abklärung im Zentrum für Medizinische Begutachtung Basel (ZMB)
durchzuführen (IV-act. 104, 120). Der Arbeitgeber teilte der IV-Stelle am 6. Juni 2012
mit, die Versicherte habe am 4. Juni 2012 während der Begutachtung einen
psychischen Zusammenbruch erlitten und befinde sich aktuell in psychiatrischer
Behandlung (IV-act. 111). Dr. med. J._, Ärztin Psychiatrie, Kantonsspital Glarus,
berichtete am 19. Juli 2012 der Hausärztin Dr. med. K._, Allgemeine Innere Medizin,
die Versicherte sei vom 4. Juni bis 13. Juli 2012 hospitalisiert worden. Die
notfallmässige Aufnahme sei erfolgt nach Panikattacken bzw. Neigung zu
hypochondrischem Dramatisieren und Agieren mit erregten, hoch emotionalen
Auftritten in verschiedenen medizinischen Institutionen. Als Noxen sei tägliches Kiffen
angegeben worden, da die Schmerzen sonst nicht auszuhalten seien. Offensichtlich sei
das bei Bedarf verschriebene Xanax vermehrt eingenommen worden. Als Diagnosen
nannte sie eine Angst- und Somatisierungsstörung bei Persönlichkeit mit histrionischen
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und dependenten Zügen, eine chronische Lumboischialgie sowie Cannabiskonsum und
Tranquilizermissbrauch (IV-act. 119).
A.j Vom 4. bis 8. Februar 2013 wurde die Versicherte im ZMB polydisziplinär
(Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Orthopädie, Neurologie, Psychiatrie) begutachtet
(Gutachten vom 21. März 2013, IV-act. 126). Dabei wurden folgende Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erhoben: eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung, differenzialdiagnostisch eine dissoziative Störung, gemischt
(=Konversionsstörung), eine Angst- und depressive Störung, gemischt, eine
Panikstörung, histrionisch-akzentuierte Persönlichkeitszüge, chronische
cervikothorakale Schmerzen sowie ein chronisches lumbosakrales Schmerzsyndrom
(IV-act. 126-41). Rein somatisch seien der Versicherten körperlich schwere,
insbesondere rückenbelastende Tätigkeiten, sowie Arbeiten in Zwangshaltung nicht
mehr zuzumuten. Alle übrigen Tätigkeiten könne die Versicherte rein somatisch
betrachtet ohne jegliche Einschränkung ausüben. Die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit resultiere aus der chronischen Schmerzsymptomatik, welche dominant
durch das psychosomatische Leiden bedingt sei. Hier sei der Versicherten eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 % zuzubilligen, wovon 40 % auf den
psychosomatischen Anteil und 10 % auf die somatische Komponente entfielen (IV-act.
126-43). Diese Einschätzung gelte seit dem ersten Unfall von 2006 (IV-act. 126-44).
A.k Die Versicherte bestritt am 2. Mai 2013 gegenüber der IV-Stelle, dass sie je täglich
Cannabis konsumiert habe. Sie nehme Cannabis nur bei ausserordentlichen
Schmerzen und in der Freizeit ein (IV-act. 132). Der psychiatrische Gutachter des ZMB,
Dr. med. L._, äusserte sich auf Anfrage der IV-Stelle am 3. Juni 2013, über den
Konsum seien im Austrittsbericht des Kantonsspitals Glarus keine weitere Angaben,
z.B. über dessen Ausmass, vermerkt. Die Versicherte habe einen Abusus psychotroper
Substanzen verneint und es hätten klinisch auch keine Hinweise dafür bestanden. Ein
allfällig wieder aufgenommener Cannabiskonsum würde nicht zu einer zusätzlichen
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen und damit an der Gesamtbeurteilung des
Gutachtens nichts ändern (IV-act. 134).
A.l Der RAD befand am 8. Juli 2013, auf das Gutachten des ZMB könne nicht abgestellt
werden. Der Bericht des Kantonsspitals Glarus beschreibe eine zeitweise ausgeprägte
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Entzugssymptomatik des Tranquilizers Xanax. Der Beginn der Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit im Jahr 2006, die psychiatrisch attestierte 40 %ige Arbeitsunfähigkeit
sowie die Diagnose der Panikstörung seien nicht nachvollziehbar bzw. plausibel
begründet (IV-act. 135).
A.m Dr. med. M._, Oberarzt, Leiter Tagesklinik Psychiatrie-Zentrum N._, hielt im
Arztbericht vom 3. Dezember 2013 fest, die Versicherte werde seit 5. Dezember 2012
ambulant behandelt (zuvor durch Frau O._, Ambulatorium P._). Sie konsumiere
keine psychotropen Substanzen. Es bestehe unter anderem eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) vor dem
Hintergrund einer familiären Belastungssituation und eine aktuell mittelgradige
depressive Episode (ICD-10: F32.1). Die Arbeitsunfähigkeit betrage 50 % (IV-act. 144).
A.n Der RAD hielt am 9. Dezember 2013 dafür, sowohl der Gutachter als auch Dr.
M._ beschrieben ein im Wesentlichen vergleichbares psychisches Zustandsbild im
Sinne einer mittelgradigen depressiven Symptomatik in Kombination mit einer
gestörten Schmerzverarbeitung. Die Diagnosen des Behandlers seien nachvollziehbar
und plausibel. Seit Beginn der Behandlung bei Dr. M._ am 5. Dezember 2012 sei die
Versicherte aus psychiatrischer Sicht zu 50 % in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
(IV-act. 145).
A.o Mit Vorbescheid vom 16. Januar 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Leistungsbegehrens (Rentenanspruch) in Aussicht (IV-act. 148). In der
Folge erhoben die Versicherte am 20. Februar 2014 (IV-act. 152; IV-act. 162) und die
Personalvorsorge Q._ am 16. Mai 2014 (IV-act. 160) gegen den Vorbescheid
Einwand.
A.p Mit Verfügung vom 11. Juli 2014 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
(Anspruch auf eine Invalidenrente) bei einer Qualifikation von 80 % Erwerbstätigkeit
und 20 % Tätigkeit im Haushalt und einem Invaliditätsgrad von 8 % ab. Eine
mittelgradige depressive Episode stelle gemäss gängiger Rechtsprechung keinen
invalidisierenden Gesundheitsschaden dar. Das Leiden sei grundsätzlich therapeutisch
angehbar. Aus den vorliegenden Unterlagen gehe hervor, dass eine Intensivierung der
Therapie indiziert wäre. Deshalb seien die Voraussetzungen zum Bezug einer IV-Rente
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trotz Vorliegens einer medizinisch attestierten Arbeitsunfähigkeit nicht erfüllt (IV-act.
166).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 11. Juli 2014 erhebt A._ am 4. September 2014
Beschwerde. Sie beantragt, die angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen aufzuheben. Es sei ihr rückwirkend ab 22. Juni 2009 eine halbe
IV-Rente zuzüglich Zins von 5 % auszurichten. Bei der Berechnung sei ein
invaliditätsbedingter Abzug von 15 % einzusetzen. Es seien ihr die unentgeltliche
Rechtspflege und die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu bewilligen. Die im
MEDAS-Gutachten (vom 21. März 2013) aufgeführten Diagnosen, welche Einfluss auf
ihre Arbeitsfähigkeit hätten, würden völlig ausser Acht gelassen. Es sei zudem nicht
nachvollziehbar, wieso die Beschwerdegegnerin auf eine mittelgradig depressive
Episode komme und diese als einziges relevantes psychisches Leiden für
erwähnenswert halte. Gemäss dem psychiatrischen Gutachter bleibe offen, ob es
gelinge, sie auf die Hintergründe und anschliessend auf eine Psychotherapie
hinzuführen. Somit sei klar, dass eine Intensivierung der Therapie nicht zwingend zu
einer Verbesserung des Zustandes führe. Der Verweis auf die Rechtsprechung zur
mittelgradigen depressiven Episode sei unzutreffend (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 1. Oktober 2014 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Der RAD habe eine chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren sowie eine mittelgradige depressive Episode
diagnostiziert und die Arbeitsfähigkeit angestammt sowie adaptiert auf 50 %
festgelegt. Es sei möglich, aus juristischer Sicht von den medizinischen
Arbeitsfähigkeitseinschätzungen abzuweichen. Somatisch bedingt werde der
Beschwerdeführerin sowohl von den Gutachtern als auch vom RAD eine lediglich 10
%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierten Tätigkeiten attestiert.
Die Berichte wiesen die Depression zudem klar als therapeutisch angehbares reaktives
Geschehen auf bestimmte belastende Lebensereignisse aus (schwierige familiäre
Verhältnisse, Tod der Mutter). Aus den Berichten ergebe sich ferner, dass die
zumutbaren Behandlungsmöglichkeiten nicht optimal und nachhaltig ausgeschöpft
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worden seien. Es fehle somit an einer dauerhaften Depressionstherapie, deren
Scheitern das Leiden als resistent ausweisen würde (act. G 4).
B.c Mit Verfügung vom 5. Januar 2015 wies die Verfahrensleitung das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege ab (act. G 11).
B.d Die Beschwerdeführerin verzichtet auf eine Replik (act. G 14).
B.e Mit am 18. Februar 2016 beim Versicherungsgericht eingegangener Eingabe
informiert die Beschwerdeführerin über stationäre Aufenthalte in den Kliniken R._
vom 26. bis 27. März 2015 und Valens vom 14. September bis 10. Oktober 2015 und
reicht aktuelle medizinische Unterlagen ein (act. G 15-15.4).

Erwägungen
1.
1.1 Streit- und Anfechtungsgegenstand (vgl. dazu BGE 125 V 414 f. E. 1, 2a und 2b)
des vorliegenden Verfahrens bildet das mit Verfügung vom 11. Juli 2014 abgewiesene
Rentenbegehren. Die richterliche Überprüfung einer Verwaltungsverfügung ist
grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses dieser Verfügung eingetretenen
Sachverhalt beschränkt (BGE 131 V 243 E. 2.1; BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). Die
am 18. Februar 2016 (act. G 15) eingegangenen medizinischen Unterlagen (act. 15.1-4)
gehören daher nicht zum im vorliegenden Verfahren massgeblichen Sachverhalt und
können nur berücksichtigt werden, soweit sie sich auf den zurückliegenden relevanten
Zeitraum beziehen.
1.2 Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) definiert Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Unter
Erwerbsunfähigkeit versteht das Gesetz den durch die gesundheitliche
Beeinträchtigung verursachten Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt
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zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.3 Voraussetzung einer invalidisierenden Gesundheitseinschränkung ist zunächst,
dass diese Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei
diagnostiziert worden ist (BGE 130 V 396; BGE 141 V 285 E. 2.1). Dies bedeutet nicht,
dass eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit gleichbedeutend mit dem
Vorliegen einer Invalidität ist. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der
Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der
Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein (BGE 127 V 298 E. 4c;
BGE 136 V 279 S. 281 E. 3.2.1).
1.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen).
1.5 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 141 V 14 E. 6.3.1; BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
2.
2.1 Zunächst ist zu prüfen, ob der medizinische Sachverhalt ausreichend abgeklärt ist,
insbesondere ob auf das Gutachten des ZMB vom 21. März 2013 abgestellt werden
kann.
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2.2 Das ZMB-Gutachten hält fest, für die geklagten neurologischen Beschwerden mit
Gefühlsstörungen in beiden Beinen könnten neurologisch keine Erklärungen gefunden
werden. Es handle sich um pseudoneurologische Phänomene. Die geklagte
Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule habe bei den nicht orthopädischen und
nicht neurologischen Untersuchungen nicht beobachtet werden können. Organisch
finde sich kein Substrat, welches die geklagte Bewegungseinschränkung und
Schmerzhaftigkeit der Halswirbelsäule erklären könnte (IV-126-42 f.). Rein aufgrund der
somatisch erhebbaren Befunde seien der Beschwerdeführerin körperlich schwere,
insbesondere rückenbelastende Tätigkeiten nach postoperativem Zustand nach
Sequesterentfernung nicht mehr zuzumuten. Die Beschwerdeführerin sollte auch nicht
in Zwangshaltung arbeiten müssen. Alle übrigen Tätigkeiten könne die
Beschwerdeführerin rein somatisch beurteilt ohne jegliche Einschränkung ausüben (IV-
act. 126-43). Das dominante Problem der Beschwerdeführerin bestehe in einer
erheblichen psychosomatischen Entwicklung. Diese könne man als anhaltende
Schmerzstörung bei dominant muskulären Beschwerden vor allem im Rücken
diagnostizieren. Diese Entwicklung könne man aber bei pseudoneurologischen
Beschwerden, Phänomenen wie einer histrionisch anmutenden Panikstörung mit
Zittern, unspezifischen Schwindelzuständen, Übelkeit, Erbrechen und so weiter auch
als eine dissoziative Störung bzw. Konversionsstörung diagnostizieren. Aufgrund der
chronischen, auch somatisch bedingten Schmerzproblematik bestehe eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 %. Hiervon seien 40 % psychosomatisch
und 10 % somatisch bedingt (IV-act. 126-43).
2.3 Die somatische Beurteilung der Gutachter stimmt im Wesentlichen mit derjenigen
der Klinik Valens überein: Diese hatte am 2. November 2009 berichtet, es hätten sich
im Jobmatch vor allem Defizite bei der lumbalen Stabilisationsfähigkeit und bei
vorgeneigten Positionen gezeigt. Die aktuelle Belastbarkeit liege im Bereich einer
leichten bis mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit. Arbeiten über Schulterhöhe
sowie vorgeneigtes Stehen sollten nur selten vorkommen. Somit sei die bisherige
berufliche Tätigkeit als Betreuerin von schwerstbehinderten Menschen im Moment
nicht zumutbar. Die Beschwerdeführerin sei jedoch voll arbeitsfähig für eine andere,
leichtere Pflegetätigkeit (IV-act. 36-3). Der RAD nahm am 9. Dezember 2013 Stellung,
aus rein somatischer Sicht könne vollumfänglich auf die entsprechenden Teilgutachten
des ZMB abgestellt werden. Bei Status nach mikrochirurgischer Sequesterentfernung
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könnten theoretisch Vernarbungen als Schmerzursache angenommen werden. Zudem
liessen sich leichte degenerative Veränderungen feststellen. Für die weiteren geklagten
Beschwerden wie Gefühlsstörungen in den Beinen, Flankenschmerzen links sowie
Bewegungseinschränkung und Schmerzen der HWS finde sich kein organisches
Substrat. Aufgrund dieser Befunde könne eine maximal 10 %ige Arbeitsunfähigkeit für
leidensadaptierte Tätigkeiten (körperlich leichte bis mittelschwere, rückenadaptierte
und wechselbelastende Tätigkeiten ohne Zwangshaltungen der Wirbelsäule und ohne
repetitive Gewichtsbelastungen von 10 kg oder mehr) bestätigt werden (IV-act. 145-3).
Von diesen im Wesentlichen übereinstimmenden fachmedizinischen Beurteilungen
weicht jene von Dr. I._ vom 5. September 2011 ab. Er diagnostizierte ein
lumbovertebrales Schmerzsyndrom sowie Spannungskopfschmerz und zusätzliche
Migräneattacken und schätzte die Arbeitsunfähigkeit auch für adaptierte Tätigkeiten auf
50 %. Dies begründete er im Wesentlichen mit dem Vorliegen einer
Belastungsinsuffizienz und einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes
gegenüber seinem Bericht vom 13. Oktober 2010, wo er noch - wenn überhaupt - eine
Arbeitsunfähigkeit auf höchstens 50 % begrenzen wollte (IV-act. 76-2 f.; IV-act. 90).
Der RAD beurteilte diese Einschätzung eines verschlechterten Gesundheitszustandes
am 29. November 2011 als nicht nachvollziehbar, da die Versicherte seit Februar 2011
in einem 50 %-Pensum die nicht optimal adaptierte Arbeitstätigkeit wieder
aufgenommen habe. In einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit müsste eine ganztägige
Arbeitsfähigkeit - gegebenenfalls mit reduzierter Leistungsfähigkeit aufgrund eines
erhöhten Pausen-/Erholungsbedarfs - realisierbar sein; andernfalls sei eine
Begutachtung angezeigt, die wie dargelegt durchgeführt wurde (IV-act. 102-3). Für
diese Einschätzung spricht auch der Umstand, dass die Hausärztin am 24. Mai 2010
dafür hielt, es sei nach der Operation vom 9. Februar 2010 durch Dr. I._ wieder
derselbe Zustand eingetreten, wie ihn die Klinik Valens beschrieben habe (IV-act. 55).
Es erscheint zudem plausibel, dass Dr. I._ in seine Beurteilung nicht nur organisch
nachgewiesene somatische, sondern auch psychogene Beschwerden einbezogen hat,
hoffte er doch am 8. Februar 2010 noch, dass sich das Beschwerdebild durch die
Operation verbessern lasse und nicht bereits die sekundäre Somatisierung überwiege
(IV-act. 55-10). Aus rein somatischer Sicht ist daher auf das ZMB-Gutachten
abzustellen und von einer um 10 % eingeschränkten Arbeitsfähigkeit für adaptierte
Tätigkeiten auszugehen.
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2.4
2.4.1 Der psychiatrische Gutachter, Dr. L._, hält fest, die Beschwerdeführerin habe
ihre Stimmung als auf und ab gehend, als schwankend zwischen Traurigkeit,
Resignation, Verzweiflung und Kämpfenwollen beschrieben. Sie sei einmal traurig,
dann wieder eher wütend und frustriert. Objektiv entspreche der Affekt der
Selbstbeschreibung. Grundsätzlich werde er getragen von einer eher dominant-
depressiven Stimmungslage, einmal im Sinne einer verzweifelten, ernsthaften, dann
klagenden Berichterstattung. Immer wieder habe die Beschwerdeführerin Tränen in den
Augen, deutlich werde ihre Auflehnung und Frustration über die Erfolglosigkeit aller
Therapien. Durchschnittlich könne von einer leichten bis mittelschweren, vorwiegend
apathisch gehemmten depressiven Stimmungslage gesprochen werden. An laviert-
depressiven Symptomen berichte die Versicherte, dass sie nur mit Seroquel gut
schlafen könne. Der Appetit sei wechselnd, sozial habe sie sich zurückgezogen und
ihre Hobbys, Turnen und Volleyball, aufgeben müssen. Beim inhaltlichen Denken zeige
sich eine deutliche hypochondrische Komponente, die Beschwerdeführerin äussere
Ängste, „durchzudrehen“ oder am liebsten sterben zu wollen, um alle gesundheitlichen,
psychologischen und sozialen Probleme, den durch die Schmerzproblematik
ausgelösten Druck, auf einen Schlag los zu sein. Aus Ängsten, einem Gefühl des Nicht-
mehr-schaffens, meide die Beschwerdeführerin grössere Menschenansammlungen.
Auch das Alleinsein bereite ihr Ängste. Sie berichte weiter über Panikattacken, die ein
Zittern, Hyperventilieren, ein Schlechtwerden und Bauchschmerzen auslösten. Sie
habe Angst, in der Öffentlichkeit ohnmächtig zu Boden zu stürzen und keine Hilfe zu
erhalten. Glücklicherweise habe sie jemanden gefunden, der sie ins ZMB begleitet
habe (IV-act. 126-36 ff.). Beurteilend hielt der Gutachter fest, in der Lebensgeschichte
liessen sich zwei wichtige belastende Faktoren feststellen: Zum einen sei die
Beschwerdeführerin als Kind albanischstämmiger und muslimischer serbischer
Emigranten in der Schweiz aufgewachsen, habe sich persönlich und kulturell als
Schweizerin verstanden und sei damit in Konflikt mit den traditionellen Vorstellungen
ihrer Eltern geraten. Sie habe für ihre Eigenständigkeit gekämpft und diese äusserlich
erreicht, innerlich bestehe ein gewisser Konflikt zu den Massstäben ihrer Eltern und sie
frage sich, ob sich in ihren gesundheitlichen Problemen eine Strafe Gottes
manifestiere. Der zweite belastende Moment sei der unvermittelte Tod ihrer Mutter, die
im Alter von 43 Jahren auf offener Strasse zusammengebrochen und an einem
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Herzinfarkt verstorben sei (vgl. dazu IV-act. 126-33). Dies sei zweifellos für die
Beschwerdeführerin ein Trauma und auch aktuell habe sie selbst Ängste, irgendwo auf
der Strasse umzufallen, keine Hilfe zu erhalten und zu sterben. Der Umstand, dass sie
in ihrem gegenwärtigen Leiden ihre Selbständigkeit und Unabhängigkeit eingebüsst
habe, belaste sie auf bewusster Ebene stark. Sie sei mit sich selbst unzufrieden, lehne
sich gegen ihre Behinderung auf, sei über sich enttäuscht und setze sich unter Druck.
Gleichzeitig sei sie aber unbewusst von dieser Situation überfordert und trage Konflikte
zwischen Selbständigkeit und Abhängigkeit, zwischen erwarteter Rolle und eigenen
Lebensplänen in sich. Dieser unbewusste Konflikt bringe sich in einer deutlichen
psychosomatischen Überlagerung möglicherweise somatisch begründbarer
Beschwerden zum Ausdruck. Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4 [Differenzialdiagnose:
dissoziative Störung gemischt, ICD-10: F41.2]) sowie eine Panikstörung (ICD-10:
F41.0). In der interdisziplinären Beurteilung wurden zusätzlich histrionisch-akzentuierte
Persönlichkeitszüge festgehalten (IV-act. 126-38 und 41). Gesamthaft schätzen die
Gutachter die Arbeitsfähigkeit zu 50 % für eingeschränkt (IV-act. 126-43).
2.4.2 Der die Beschwerdeführerin seit 5. Dezember 2012 in der Tagesklinik des
Psychiatrie-Zentrums N._ behandelnde Dr. M._ berichtete am 1. Oktober (IV-act.
141) bzw. 3. Dezember 2013 (IV-act. 144), aufgrund der depressiven Symptomatik und
der wiederholten Schmerzzustände bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Die
Beschwerdeführerin befinde sich mit der Tätigkeit als Behindertenbetreuerin mit 50 %
Pensum an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit nannte er eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) vor dem Hintergrund einer familiären
Belastungssituation sowie eine aktuell mittelgradige depressive Episode (ICD-10:
F32.1). Dr. M._ beschreibt eine Störung der Affektivität, Affektarmut und eine
deutliche Störung der Vitalgefühle. Die Beschwerdeführerin sei deutlich deprimiert,
hoffnungslos, gereizt, innerlich unruhig und ausgeprägt klagsam. Es bestünden
Anzeichen für Insuffizienzgefühle und Affektstarrheit und ein sozialer Rückzug (IV-act.
144-2, 3).
2.4.3 Es erscheint fraglich, ob bei dieser Aktenlage als ausgewiesen angenommen
werden kann, es liege keine Panikstörung vor, wie der RAD in den Stellungnahmen 8.
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Juli 2013 und 9. Dezember 2013 annimmt (IV-act. 135-2, 145-1). Wesentlich erscheint
aber, dass sowohl der Gutachter wie auch Dr. M._ ein im Wesentlichen
vergleichbares Zustandsbild im Sinne einer mittelgradigen depressiven Symptomatik in
Kombination mit einer gestörten Schmerzverarbeitung beschreiben, wie der RAD am 9.
Dezember 2013 festhält, und die Arbeitsunfähigkeit übereinstimmend auf 50 %
einschätzen (IV-act. 145-2, 3). Dem ist zu folgen. Nachdem sowohl der psychiatrische
Gutachter (Stellungnahme vom 3. Juni 2013, IV-act. 134) als auch Dr. M._ (IV-act.
144-2) einen relevanten Konsum psychotroper Substanzen verneinen, drängen sich
auch keine weiteren Abklärungen auf.
2.5
2.5.1 Rückblickend bezeichneten die Gutachter ihre Beurteilung als seit dem ersten
Unfall 2006 geltend (IV-act. 126-44), allerdings ohne dies zu begründen oder auf die
Vorakten einzugehen, wie der RAD zu Recht kritisch bemerkte (vgl. IV-act. 135-2). Der
RAD führte zum Verlauf aus, die Schmerzen hätten 2006 begonnen. Eine psychische
Komponente im Sinne einer Anpassungsstörung sei erst seit Juni 2009 beschrieben.
Bei der Anpassungsstörung handle es sich in der Regel um eine leichte Symptomatik.
Im Juni 2010 sei erstmals deutlich aus psychiatrischer Sicht der Beginn einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung erwähnt worden. Die anhaltende
Schmerzstörung habe zu einer zunehmenden depressiven Entwicklung geführt. Seit
der Behandlung bei Dr. M._ ab dem 5. Dezember 2012 sei eine mittelgradige
depressive Symptomatik anzunehmen. Seither sei die Beschwerdeführerin in der
bisherigen Tätigkeit als Agogin wie auch in einer angepassten Tätigkeit aus
psychiatrischer Sicht zu 50 % eingeschränkt (IV-act. 145-2 f.).
2.5.2 Die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ist überwiegend durch dem
Fachgebiet der Psychiatrie zuzuordnende Beschwerden eingeschränkt (IV-act. 126-43).
In somatischer Hinsicht attestierte die Klinik Valens der Beschwerdeführerin eine volle
Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten (IV-act. 36-3, Bericht vom 2.
Dezember 2009), welche Einschätzung die Gutachter praktisch übernahmen (IV-act.
126-43). Das Psychiatrie-Zentrum N._ erklärte die Beschwerdeführerin noch im
Sommer 2010 aus psychiatrischer Sicht als Agogin zu 100 % arbeitsfähig; einzig
wegen orthopädischer Beschwerden (Bandscheibenprolaps) habe an der letzten
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Arbeitsstelle eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultiert (IV-act. 64,
Berichteingang am 2. Juli 2010; vgl. auch Austrittsbericht des Kantonsspitals Glarus
vom 12. Februar 2010, IV-act. 55-5 f.). Ab September 2011 erfolgten verschiedene
Abklärungen und Behandlungen (Kopfwehzentrum Klinik S._ [IV-act. 126-62 ff.],
Schmerzzentrum Kantonsspital St. Gallen [IV-act. 126-58 ff.], Behandlung im Spital
T._ wegen dreitägiger Migräneattacke [IV-act. 126-53 ff.], neurologische Abklärung
durch Dr. med. U._ [IV-act. 126-50 f.]). Diese überwiegend somatischen Abklärungen
führten zu keiner Bescheinigung einer Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit. Vom
4. Juni bis 13. Juli 2012 wurde sodann nach einer Panikattacke ein längerer
Spitalaufenthalt notwendig, wonach eine gestufte Wiederaufnahme der Arbeit im
August vorgesehen war (IV-act. 119-3). Indessen schloss sich an den stationären
Aufenthalt zunächst eine tagesklinische Behandlung an (vgl. IV-act. 126-45). Seither
befindet sich die Beschwerdeführerin in anhaltender psychiatrischer Behandlung, wie
aus dem Arztbericht von Dr. M._ zu schliessen ist (IV-act. 144-2). Die erwartete
Besserung trat trotz fortgesetzter Behandlung nicht ein. Das zeigt sich auch daran,
dass die Beschwerdeführerin ab 1. Januar 2013 nur noch im Stundenlohn angestellt
war und einen Beschäftigungsgrad von knapp 50 % erreichte (vgl. act. G 5.6). In
Anbetracht dieses Verlaufes erscheint überwiegend wahrscheinlich, dass die von den
Gutachtern geschätzte Arbeitsunfähigkeit von 50 % seit 4. Juni 2012 bestand.
3.
3.1 Zu beurteilen bleibt die invalidisierende Wirkung der medizinisch festgestellten
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
3.2 Beim Zusammentreffen einer zuverlässig diagnostizierten depressiven Episode
oder Störung mit einer Schmerzstörung sind in erster Linie die (fach-) ärztlichen
Feststellungen zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit massgeblich. Dabei
stellt sich insbesondere die Frage, ob es sich bei der depressiven Problematik um ein
vom Schmerzgeschehen losgelöstes selbständiges Leiden von erheblicher Schwere,
Intensität, Ausprägung und Dauer handelt. Dazu ist fachärztlicherseits Stellung zu
nehmen wie auch zur Bedeutung psychosozialer und soziokultureller
Belastungsfaktoren im Kontext (vgl. Urteil 8C_162/2013 vom 17. Juli 2013 E. 4.2). Das
Bundesgericht hat die Vermutung, Schmerzsyndrome und vergleichbare
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psychosomatische Leiden seien überwindbar, in BGE 141 V 381 aufgegeben. Das
bisherige Regel-/Ausnahme-Modell wurde durch einen strukturierten, normativen
Prüfungsraster ersetzt (BGE 141 V 294 f. E. 3.5 f.). Das funktionelle Leistungsvermögen
sei anhand von Indikatoren zu beurteilen (BGE 141 V 296 f. E. 4.1 und S. 298 ff., E. 4.3).
Diese betreffen den Schweregrad einer Gesundheitsschädigung (zit. Urteil E. 4.3.1), die
Persönlichkeit (zit. Urteil E. 4.1.3 ff.), den sozialen Kontext (zit. Urteil E. 4.3.3) sowie die
Konsistenz (zit. Urteil E. 4.4). Der medizinische Gutachter hat das Leistungsvermögen
einzuschätzen und dabei den einschlägigen Indikatoren zu folgen. Die Rechtsanwender
überprüfen die betreffenden Angaben frei, insbesondere dahin, ob die Ärzte sich an die
massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben, das heisst, ob sie
ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung sind (Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG), sowie, ob die
versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grundlage
erfolgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG). Recht und Medizin tragen in diesem Sinn,
je nach ihren fachlichen und funktionellen Zuständigkeiten, zur Feststellung ein und
derselben Arbeitsunfähigkeit bei. Es gibt keine unterschiedlichen Regeln gehorchende,
getrennte Prüfung einer medizinischen und einer rechtlichen Arbeitsfähigkeit (zit. Urteil,
E. 5.2.2. und 5.2.3).
3.3 Hinsichtlich der invalidisierenden Wirkung führt das Gutachten aus, theoretisch
könne aufgrund der Anamnese davon ausgegangen werden, dass tatsächlich ein
psychischer Konflikt im Hintergrund die Hauptursache der gegenwärtigen
psychosomatischen Problematik sei. Die Beschwerdeführerin habe einerseits ein
Leben lang für ihre Unabhängigkeit und Loslösung aus ihrem primären kulturellen
Umfeld gekämpft. Sie habe sich immer als Schweizerin verstanden und unbedingt ihre
Unabhängigkeit verteidigen wollen, womit sie in einen Konflikt zu ihrer Familie
gekommen sei. Als weiteres belastendes Moment finde sich der überraschende
Todesfall der Mutter im Alter von 43 Jahren; die Beschwerdeführerin sei damals _
Jahre alt gewesen. Auch dieses Ereignis habe nicht adäquat verarbeitet werden
können (IV-act. 126-44; vgl. auch IV-act. 126-38 f.). Die Ursachen der psychischen
Konfliktverhältnisse werden ausführlich und plausibel begründet. Auch Dr. M._
vermerkte, die belastende Familiensituation könnte in einem Zusammenhang mit der
Schmerzverarbeitung der Beschwerdeführerin stehen (IV-act. 144-3). Gegenüber Dr.
J._ berichtete die Beschwerdeführerin, anders als die restlichen Familienmitglieder
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„eine Schweizerin sein“ zu wollen. Ergänzend wird in dieser Anamnese festgehalten,
die Beschwerdeführerin sei im Alter von 20 Jahren zur Eheschliessung mit einem
albanischen Mann gezwungen worden, mit dem sie eine ganz kurze Begegnung gehabt
habe. Nach kurzer Zeit habe sie die Trennung und Scheidung durchgesetzt. Sie lebe
jetzt mit ihrem Schweizer Freund zusammen, was ihr Vater jedoch nicht wissen dürfe
(IV-act. 119-2, Bericht Psychiatrie Kantonsspital Glarus, Psychiatrie, vom 19. Juli 2012).
3.4 Die schwierige familiäre Situation ist zwar gemäss den medizinischen Gutachten
eine wesentliche Ursache dafür gewesen, dass die Beschwerdeführerin erkrankt ist.
Dies ändert aber nichts daran, dass sie gemäss den Einschätzungen der Gutachter und
der behandelnden Ärzte an einer Krankheit leidet, die eine Leistungspflicht der
Invalidenversicherung auslösen kann. Weil es sich bei der Invalidenversicherung um
eine finale Versicherung handelt, ist irrelevant, ob die Gesundheitsbeeinträchtigung die
Folge einer Erkrankung, eines Unfalls, einer psychosozialen Belastung oder einer Sucht
ist. Massgebend sind vielmehr die Schwere der Gesundheitsbeeinträchtigung
respektive deren Auswirkungen. Vorliegend ist die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin durch eine psychosomatisch bedingte chronische
Schmerzsymptomatik beeinträchtigt, für die die Invalidenversicherung grundsätzlich die
gesetzlichen Leistungen zu erbringen hat. Die Sachverständigen haben zwar auf eine
Abhängigkeit der Schwere der Erkrankung von der psychosozialen Belastungssituation
hingewiesen. Daraus kann für die Prüfung des Rentenbegehrens der
Beschwerdeführerin aber nichts abgeleitet werden. Eine psychosoziale Entlastung
dürfte zwar die Erkrankung positiv beeinflussen und damit letztlich eine Steigerung der
Arbeitsfähigkeit bewirken. Die belastende familiäre Situation der Beschwerdeführerin
kann jedoch nicht in dem Sinne beeinflusst werden, als die Gründe für die
psychosomatische Problematik durch eine Veränderung in ihrem Leben entfallen
könnten. Es besteht lediglich die Möglichkeit einer therapeutischen Aufarbeitung der
die Beschwerden verursachenden Konflikte. Der psychiatrische Gutachter führt hierzu
aus, es bleibe offen, ob eine vertiefte Psychotherapie mit Aufdeckung der
hintergründigen und auch unbewussten Konflikte möglich sei. Generell könne dazu
angemerkt werden, dass eine Intensivierung der Therapie auf mindestens eine Sitzung
pro Woche indiziert wäre (IV-act. 126-39). Dr. M._ erwähnt in seinem Bericht vom 3.
Dezember 2013, die Beschwerdeführerin habe sich motiviert gezeigt, die
psychotherapeutische Behandlung wieder intensiver aufzunehmen. Eine
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unterstützende antidepressive medikamentöse Therapie wäre aus psychiatrischer Sicht
sinnvoll. Jedoch habe die Beschwerdeführerin Schwierigkeiten gehabt, sich auf diese
Form der Therapie einzustellen und regelmässig mit starken Nebenwirkungen reagiert
und die Medikation jeweils frühzeitig beendet (IV-act. 144-3). In Anbetracht der
aktenkundigen, ohne durchschlagenden Erfolg verlaufenen Therapieversuche kann
nicht davon ausgegangen werden, die Beschwerden könnten durch eine intensivere
Therapie ohne weiteres überwunden werden. Zusammenfassend ist die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aufgrund einer psychosomatischen
Erkrankung beeinträchtigt, die ihre mögliche Ursache in psychosozialen
Belastungsfaktoren findet. Da zur Zeit auch keine schadenmindernde Massnahme in
Betracht fällt, die eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit infolge einer psychosozialen
Entlastung versprechen würde, kommt der psychosozialen Belastungssituation in
diesem Verfahren keine Relevanz zu. Mangels vorhandener Inkonsistenzen in den
Angaben der Beschwerdeführerin erscheint insgesamt überwiegend wahrscheinlich,
dass das von der Beschwerdeführerin ausgeübte rund 50 %ige Arbeitspensum der
Grenze ihrer zumutbaren Leistungsfähigkeit entspricht. Es besteht daher - auch mit
Blick auf die neue Rechtsprechung (E. 3.2) - kein Anlass, aus rechtlichen Gründen von
der medizinischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit abzuweichen.
4.
4.1 Die angefochtene Verfügung qualifiziert die Beschwerdeführerin als 80 % im
Erwerb und 20 % im Haushalt tätig und begründet dies damit, dass die
Beschwerdeführerin vor Eintritt der gesundheitlichen Einschränkungen zu 80 %
erwerbstätig gewesen sei (IV-act. 166-2). Die Beschwerdeführerin wurde nie
ausdrücklich nach dem hypothetischen Arbeitspensum im Gesundheitsfall gefragt. Die
Angabe von 80 % bis 90 % im Schmerzzentrum des Kantonsspitals St. Gallen (IV-act.
126-59) bezieht sich auf die „nächsten Monate“. Die Beschwerdeführerin war im V._
vom 1. September 2001 bis zum 31. August 2008 zunächst vollzeitlich beschäftigt. Sie
reduzierte ihr Pensum auf den 1. Januar 2005 auf 80 % und ab 16. August 2007 auf 50
% (IV-act. 18-3). Da sie am 4. Juli 2007 ihren Fähigkeitsausweis als Agogin erhielt,
welcher in der dreijährigen Berufsausbildung 1‘200 Lektionen im schulischen Bereich
voraussetzt (IV-act. 15-2 f.), ist davon auszugehen, dass diese Reduktion des Pensums
auf 80 % wegen dieser Ausbildung erfolgte. Die Herabsetzung auf 50 % dürfte bereits
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gesundheitsbedingt erfolgt sein. Vom 1. September 2008 bis 1. September 2009
arbeitete die Beschwerdeführerin im Behindertenzentrum E._ wiederum 100 % (IV-
act. 11). Es fehlen Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin im
Gesundheitsfall nicht vollerwerbstätig wäre. Im Gegenteil gab sie bei der Begutachtung
wiederholt an, ihr Wunsch sei es, wieder vollständig gesund zu werden und wieder zu
100 % berufstätig zu sein (IV-act. 126-20, 34). Es erscheint insgesamt überwiegend
wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigung
vollerwerbstätig wäre. Die Invalidität ist demnach mit einem allgemeinen
Einkommensvergleich zu ermitteln (vgl. nachfolgend E. 4.2).
4.2 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60%, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40% invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
4.3 Die Beschwerdeführerin verdiente als Betreuerin in der Institution V._ im Jahr
2005 (dem Jahr vor ihrem Unfall im November 2006) Fr. 38‘725.-- (Auszug individuelles
Konto, IV-act. 9-2). Dieses Einkommen erzielte sie ab der Pensumreduktion auf 80 %
ab 1. Januar 2005 (IV-act. 18). Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung
(Bundesamt für Statistik [BFS], Lohnentwicklung 2014, T39, Index Frauen 2005: 2386,
2012: 2630) bis zum massgeblichen Jahr 2012 (BGE 129 V 222; vgl. nachfolgend E.
4.5) resultiert ein Jahreseinkommen von Fr. 42‘685.--. Hochgerechnet auf ein
Vollpensum ergibt sich ein Jahreslohn von Fr. 53‘356.--. Indes erzielte die
Beschwerdeführerin im Werkheim H._ im Jahr 2011 ein monatliches Einkommen von
Fr. 2‘884.-- (IV-act. 89-7). Infolge der Orientierung der Gehaltspolitik des Werkheims
H._ an den Anstellungsbedingungen für das Staatspersonal des Kantons Zürich ist
von einem 13. Monatslohn auszugehen , (act. G 19 und http://www.pa.zh.ch/internet/
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finanzdirektion/personalamt/de/anstellungs bedingungen/lohn_leistungen.html, act. G
18, eingesehen am 17. März 2016), woraus sich ein Jahreseinkommen von Fr.
37‘492.-- bei einem ihrer Arbeitsfähigkeit entsprechenden Beschäftigungsgrad von 50
% ergibt. Dies legt nahe, dass sie ohne gesundheitliche Einschränkung ebenso von der
mit der Ausbildung zur Agogin verbundenen Einkommensentwicklung profitiert hätte
und bei vollzeitlicher Tätigkeit den Jahreslohn von Fr. 74‘984.-- erzielen könnte. Unter
Berücksichtigung der Nettolohnentwicklung (Index Frauen 2011: 2604; 2012: 2630)
beträgt das Valideneinkommen Fr. 75‘733.--. Das Valideneinkommen als Lohn, den die
betroffene Person erreichen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, entspricht
somit vorliegend nicht dem ansonsten grundsätzlich massgeblichen letzten Verdienst
vor Eintritt des Gesundheitsschadens (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 19. August
2008, 9C_189/2008, E. 4.2), sondern aufgrund der ausgewiesenen
Einkommensentwicklung dem mutmasslichen Einkommen als Agogin.
4.4
4.4.1 Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht. Übt sie
nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ - besonders
stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr
verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint
zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als
Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein
solches Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach
Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare
neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können die Tabellenlöhne der LSE
herangezogen werden (BGE 135 V 301 E. 5.2; U. MEYER/M. REICHMUTH,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl., Zürich 2014, Art. 28a Rz 79).
4.4.2 Nachdem die Beschwerdeführerin gemäss Angaben der Arbeitgeberin vom 29.
September 2014 im Jahr 2013 bloss noch im Stundenlohn beschäftigt war, im Jahr
2014 mit einem 60 %-Einsatz überfordert war und die Arbeitgeberin durchblicken liess,
dass sie auf Dauer nur begrenzte Möglichkeiten für eine Weiterbeschäftigung habe (vgl.
act. G 5.6), fehlt es dem Arbeitsverhältnis beim Werkheim H._ an der für ein Abstellen
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auf das tatsächliche Einkommen notwendigen Stabilität. Das Invalideneinkommen ist
daher aufgrund des Tabellenlohnes zu ermitteln. Die Beschwerdeführerin verfügt über
einen Ausweis in Pflegeassistenz sowie einen Fähigkeitsausweis als Agogin (IV-act.
15-1 und 15-2). Sie ist daher dem Kompetenzniveau 2 gemäss Lohnstrukturerhebung
(LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS) zuzuordnen. Gemäss Ziff. 86-88
(Gesundheits- und Sozialwesen) LSE 2012, Tab. T1 beträgt der Tabellenlohn demnach
Fr. 5‘152.--. Unter Berücksichtigung einer betriebsüblichen Arbeitszeit von 41,8 Std.
(BFS, Statistik der betriebsüblichen Arbeitszeit [BUA], Ziff. 87) resultiert ein
Jahreseinkommen von Fr. 64‘606.--. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 50 % beträgt es Fr.
32‘303.--. Dies ergibt einen Invaliditätsgrad von 57 %. Ein Grund für einen
Tabellenlohnabzug, welcher nicht gesundheitsbedingt und damit bereits bei der
Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit berücksichtigt ist, ist nicht ersichtlich. Die
Beschwerdeführerin hat somit Anspruch auf eine halbe Rente.
4.5 Zum Zeitpunkt der Entstehung des Rentenanspruchs ist Folgendes festzuhalten:
Die Beschwerdeführerin meldete sich am 25. Juni 2009 bei der IV zum Leistungsbezug
an. Ein Rentenanspruch kann somit gemäss Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG frühestens ab
Dezember 2010 bestehen, sofern zu diesem Zeitpunkt das Wartejahr gemäss Art. 28
Abs. 1 lit. b IVG bestanden war und eine mindestens 40 %ige Invalidität vorlag (Art. 28
Abs. 1 lit. c IVG). Die Klinik Valens, wo die Beschwerdeführerin vom 14. September bis
10. Oktober 2009 stationär behandelt wurde, beurteilte im Arztbericht vom 2.
Dezember 2009 die bisherige Tätigkeit - die Beschwerdeführerin arbeitete damals in
einem 80 %-Pensum im Behindertenzentrum E._ (IV-act. 11) - als nicht mehr
zumutbar (IV-act. 36-3). Somit bestand zwar seit spätestens Dezember 2009 während
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch eine volle Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit. Hingegen attestierten sowohl die Klinik Valens als auch das
Psychiatriezentrum N._ eine volle Arbeitsfähigkeit für leichtere Pflegetätigkeiten bzw.
aus psychiatrischer Sicht (IV-act. 36-3; IV-act. 64-2 f.). Die Beschwerdeführerin war
mithin am 1. Dezember 2009 in adaptierter Tätigkeit voll arbeitsfähig. Da - wie
angeführt - das Einkommen aus adaptierter Tätigkeit als Agogin höher ist als jenes in
der angestammten Tätigkeit als Pflegeassistentin/Behindertenbetreuerin (vgl. E. 4.3),
lag bei Ablauf der einjährigen Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit keine
Invalidität von mindestens 40 % (Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG) vor. Erst ab 4. Juni 2012 liegt
auch in adaptierter Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % vor und aufgrund des
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Einkommensvergleichs eine Invalidität von 57 % (E. 4.4). In Anbetracht der
fortdauernden vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit war das
Wartejahr am 1. Juni 2012 erfüllt. Die Beschwerdeführerin hat somit ab 1. Juni 2012
Anspruch auf eine halbe Rente.
5.
5.1 Die Beschwerde ist dahingehend gutzuheissen, dass die Verfügung vom 11. Juli
2014 aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Juni 2012 eine halbe
Rente zuzusprechen ist. Die Beschwerdeführerin beantragte nebst einer halben Rente
einen Zins von 5 % ab 22. Juni 2009. Darüber ist im Beschwerdeverfahren mangels
Anfechtungsgegenstands nicht zu befinden. Es wird Sache der Beschwerdegegnerin
sein, im Rahmen der Umsetzung dieses Entscheids als erste Instanz auch über die
Zinspflicht zu entscheiden (vgl. Art. 26 ATSG und Art. 7 der Verordnung über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV; SR 830.11). Zur Festsetzung
und Ausrichtung der Rentenleistung samt allfälligen Zinsen ist die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr zurückzuerstatten.
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). In der vorliegenden
Streitsache erscheint eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.