Decision ID: 87dfad76-de93-5b17-825b-7b1745b4260b
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X und Y (beide geb. 1960) sind verheiratet, haben zwei Kinder (Jahrgänge 1987 und
1992) und sind unselbständig erwerbstätig. Die Eheleute X und Y wohnen in ihrem
Einfamilienhaus in A; die Ehefrau ist zudem zur Hälfte Eigentümerin einer fremd
genutzten landwirtschaftlichen Liegenschaft in derselben Gemeinde.
B.- In der Steuererklärung 2011 machten X und Y einen Abzug für den
Liegenschaftsunterhalt des Einfamilienhauses von Fr. 18'256.– geltend. Die
Veranlagungsbehörde nahm diverse Korrekturen vor und liess beim
Liegenschaftsunterhalt lediglich Fr. 4'531.–, und damit den Pauschalabzug, als
Unterhaltskosten zu. Insgesamt wurde für die Kantons- und Gemeindesteuern 2011
das steuerbare Einkommen auf Fr. 87'400.– und das steuerbare Vermögen auf
Fr. 923'000.– und für die direkte Bundessteuer 2011 das steuerbare Einkommen auf
Fr. 86'700.– festgesetzt. Die dagegen erhobenen Einsprachen wies das kantonale
Steueramt mit Entscheiden vom 26. September 2013 ab.
C.- Gegen die Einspracheentscheide erhoben X und Y mit Eingabe vom 24. Oktober
2013 Rekurs und Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag,
die Einspracheentscheide aufzuheben und bei den Abzügen für das Einfamilienhaus in
A die effektiven Liegenschaftsunterhaltskosten von Fr. 15'000.–, eventualiter von
Fr. 12'000.– zum Abzug zuzulassen. Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung
vom 16. Dezember 2013 die Abweisung der Rechtsmittel. Zur vorinstanzlichen
Vernehmlassung nahmen die Rekurrenten und Beschwerdeführer mit Eingabe vom
6. Januar 2014 Stellung. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat stillschweigend auf
eine Vernehmlassung zur Beschwerde verzichtet.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung der Anträge wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Angefochten sind die Einspracheentscheide hinsichtlich der Veranlagungen der
Kantons- und Gemeindesteuern 2011 sowie der direkten Bundessteuer 2011. Zwar
müssen für Rekurs und Beschwerde verschiedene Entscheide ergehen; sie können
indessen in einem einzigen Dokument mit Verweisungen und einem gemeinsamen Dis
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positiv, das die beiden Steuern allerdings ausdrücklich auseinanderhält, enthalten sein
(vgl. BGE 130 II 509 = Pra 2005 Nr. 114 E. 8.3, BGE 135 II 260 = Pra 2010 Nr. 37
E. 1.3.1).
2.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Der Rekurs und die Beschwerde vom 24. Oktober
2013 sind rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllen in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des St. Galler Steuergesetzes,
sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 140 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte
Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz
über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 und Art. 48 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs und die
Beschwerde ist einzutreten.
3.- Im Rekurs und in der Beschwerde ist umstritten, ob anstelle des Pauschalbetrags
die effektiven Liegenschaftsunterhaltskosten von insgesamt rund Fr. 15'000.–
abziehbar sind. Umstritten sind dabei die Positionen im Zusammenhang mit der
Sanierung der Decken im Büro/Korridor sowie Regie- und Malerarbeiten (Rechnung K
AG vom 3. November 2011, Fr. 4'528.–), dem Aufspitzen und neu Montieren der
kontrollierten Lüftung (Rechnung L GmbH vom 14. November 2011, Fr. 1'443.–),
Mauer- bzw. Gartensanierung sowie Sanierung der Rissbildung im Beton/Elektrokasten
(Rechnung M vom 15. Juli 2011, Fr. 4'000.–), Maler- bzw. Sanierungsarbeiten und der
Reinigung (Rechnung N AG vom 29. April 2011, Fr. 4'212.–), der Kanalreinigung
(Rechnung O vom 31. August 2011, Fr. 408.–), der Anpassung der Bruchsteinmauer
(Rechnung P vom 5. Juli 2011, Fr. 454.–) sowie der Kolbenpumpe (Rechnung Q GmbH
vom 1. Juli 2011, Fr. 256.–).
a) Nach Art. 44 Abs. 2 StG und Art. 32 Abs. 2 DBG können bei Liegenschaften im
Privatvermögen Unterhaltskosten, die Kosten der Instandstellung von neu erworbenen
Grundstücken, die Versicherungsprämien und die Kosten der Verwaltung durch Dritte
abgezogen werden. Unterhaltskosten sind Aufwendungen, deren Ziel nicht die
Schaffung neuer, sondern in erster Linie die Erhaltung bereits vorhandener Werte ist
und die nach längeren oder kürzeren Zeitabschnitten erneut getätigt werden müssen
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(Reparaturen, Renovationen). Unterhaltskosten sind Aufwendungen zur Erhaltung der
Liegenschaft im bisherigen Zustand und setzen begrifflich bestehende Bauten und
Anlagen voraus. Unterhaltskosten sind somit all jene Aufwendungen, die ein
Grundstück in denjenigen Zustand versetzen, in dem es sich bereits einmal befunden
hat (Richner/ Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N 37 f.
zu Art. 32 DBG). Demnach können bei Neubauten die Auslagen nie als
Unterhaltskosten abgezogen werden.
Von den Unterhaltskosten zu unterscheiden sind Aufwendungen, welche zur
Wertvermehrung eines Grundstücks führen. Solche sind bei der Einkommenssteuer
nicht abzugsfähig (vgl. Art. 34 lit. d DBG und Art. 47 lit. d StG). Während
Unterhaltskosten der Erhaltung bereits vorhandener Werte dienen, werden mit
wertvermehrenden Aufwendungen zusätzliche neue Werte geschaffen.
Wertvermehrenden Charakter haben alle Aufwendungen, die ein Grundstück in einen
besseren Zustand versetzen, d.h. ein Haus in den Rang eines besser ausgestatteten,
wertvolleren Gebäudes aufrücken lassen. Massgebend ist dabei aufgrund einer
funktionalen Betrachtungsweise, ob das Grundstück durch die Massnahme eine
qualitative Verbesserung und damit eine Wertsteigerung erfahren hat. Die
Aufwendungen für dauernde Grundstückverbesserungen umfassen auch die Kosten
einer zunächst mangelhaften Einrichtung, die nachträglich mit weiteren Kosten
verbessert oder ausgewechselt werden muss. Muss also kurz nach der Fertigstellung
eines Gebäudes eine Sanierung vorgenommen werden, handelt es sich bei diesen
Sanierungskosten nicht um Unterhaltskosten; diese Kosten stehen vielmehr in
kausalem Zusammenhang mit der Gebäudeerstellung (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, a.a.O., N 44 ff. insb. 56 zu Art. 32 DBG mit Hinweisen auf die von den
Rekurrenten und Beschwerdeführern zitierten Bundesgerichtsentscheide). Nicht
abzugsfähig sind daher die aus der Korrektur eines verdeckten Mangels sich
ergebenden Aufwendungen. Sie stellen aufgrund des objektiven Nutzungswertprinzips
Wertvermehrungen dar (B. Zwahlen, in: Zweifel/Athanas, Kommentar zum
schweizerischen Steuerrecht, I/2a, 2. Aufl. 2008, N 17 zu Art. 32 DBG). Bei den
verdeckten Mängeln handelt es sich um eine Erscheinung, welche insbesondere bei
Bauarbeiten an kurz vorher entstandenen Liegenschaften auftritt. Solche verborgenen
Missstände sind beispielsweise Risse im Mauerwerk, Feuchtigkeitsschäden, durch
Grundwasser verursachte Geländeverschiebungen usw. Steuerrechtlich erleidet der
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Käufer einen Vermögensverlust, welcher nicht durch Unterhaltskosten erfolgswirksam
berücksichtigt werden kann (B. Zwahlen, Die einkommenssteuerrechtliche Behandlung
von Liegenschaftskosten, Basel 1986, S. 110 f.).
Für die Beweislastverteilung gilt die Grundregel, dass die Veranlagungsbehörde die
steuerbegründenden oder -erhöhenden Tatsachen zu beweisen hat, die
steuerpflichtige Person dagegen jene Tatsachen, welche die Steuerschuld mildern oder
aufheben (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 77 zu Art. 123 DBG). Daher haben
die Rekurrenten und Beschwerdeführer darzutun, dass der streitige Aufwand
werterhaltend ist.
b) aa) Die K AG stellte am 3. November 2011 für Gipserarbeiten Fr. 4'526.50 in
Rechnung (vgl. act. 6/2.2). Dabei habe es sich gemäss Rekurrenten und
Beschwerdeführer um reine Sanierungs- bzw. Reparaturkosten im Zusammenhang mit
der Lüftungseinrichtung gehandelt. Nachdem die Lüftungseinrichtung erstellt worden
sei, habe sich kurze Zeit später gezeigt, dass im Büro (UG) die Leitungsführung nicht
optimal gewesen sei (Bildung von Kondenswasser). Deshalb sei eine Anpassung bzw.
Verlegung der Lüftungsleitung in der Betondecke erfolgt (act. 6/2.10). Für das dadurch
notwendige Aufspitzen und Neumontieren der Lüftungsanlage stellte die L GmbH am
14. November 2011 eine Rechnung in der Höhe von Fr.1'443.– aus (vgl. act. 6/2.2).
Die Leitungsführung der Lüftungseinrichtung musste angepasst bzw. verlegt werden,
weil diese bereits zu Beginn nicht optimal war. Ob der Einbau bereits vollendet war,
spielt dabei keine Rolle. Es ist daher der Vorinstanz zuzustimmen, dass es sich dabei
um eine klassische Mängelbehebung handelte. Damit handelt es sich um nicht
abziehbare Sanierungsarbeiten, welche in kausalem Zusammenhang mit der
Gebäudeerstellung stehen.
bb) Die Firma M führte im Rahmen einer Gartensanierung Arbeiten zum Preis von
Fr. 4'448.40 aus (act. 6/2.2), da eine undichte Stelle bauseits habe geflickt werden
müssen. Die Rekurrenten und Beschwerdeführer anerkannten dabei, dass die
zusätzlich bzw. neu erstellte Bodenplatte für Fr. 448.40 als Anlagekosten zu gelten
habe (act. 6/2.10). In demselben Kontext (Entfernung der Schimmelbildung in Garage
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und Geräteraum) behandelte die N AG die Sichtbetonflächen und führte Maler- und
Reinigungsarbeiten in Höhe von Fr. 4'212.15 aus (act. 6/2.2, act. 8).
Die Rekurrenten und Beschwerdeführer führen selbst aus, dass es dabei um die
Ausbesserung – und damit um die Behebung – von Mängeln ging (vgl. act. 8). So teilte
auch der Schadeninspektor der V AG den Rekurrenten und Beschwerdeführer mit
Schreiben vom 7. November 2012 mit, im Zusammenhang mit dem Wasser im
Elektrokasten stünde es ihnen frei, Rückgriff auf die dafür am Bau Beteiligten in
Erwägung zu ziehen, wie z.B. der Bauleiter, der die Abdichtung hätte überprüfen
müssen und der Elektriker, der die Abdichtung hätte erstellen müssen (vgl. act. 6/2.2).
Weiter fielen die Arbeiten der N AG gemäss den Rekurrenten und Beschwerdeführer
"analog der Rechnung M" an und stellen Mängelbehebung dar (vgl. act. 6/2.10). Damit
können auch diese Kosten nicht als Unterhaltskosten berücksichtigt werden.
cc) Am 18. August 2011 reinigte die O die Sickerleitung(en) mit Hochdruck und stellte
hierfür am 31. August 2011 Fr. 408.25 in Rechnung (6/2.2). Bei der Kanalreinigung
handelt es sich um normale Unterhaltsarbeiten, weshalb die entsprechenden Kosten
zum Abzug zuzulassen sind.
dd) Im Februar 2011 erstellte P eine Bruchsteinmauer zur Grenze Jud (act. 6/2.2). Der
Rechnung ist nicht zu entnehmen, dass es sich dabei um die Reparatur ging; vielmehr
ist davon auszugehen, dass es sich dabei um eine Neuerstellung handelte. Jedenfalls
wäre es an den Rekurrenten und Beschwerdeführer gelegen, das Gegenteil zu
beweisen. Folglich handelt es sich auch hierbei um wertvermehrende Auslagen, welche
nicht in Abzug gebracht werden können.
ee) Schliesslich ersetzte die Q GmbH die Kolbenpumpe für Fr. 256.05 (act. 6/2.2). Den
Akten ist nicht zu entnehmen, weshalb die Kolbenpumpe ersetzt worden ist. Es
erscheint jedoch nicht abwegig, dass diese aufgrund normaler Abnutzung bereits ein
Jahr nach Einbau ausgetauscht werden muss. Damit sind diese Kosten ebenfalls zum
Abzug zuzulassen.
c) Zusammenfassend sind lediglich die Kosten für die Kanalreinigung in der Höhe von
Fr. 408.25 und diejenigen der Q GmbH von Fr. 256.05 abzugsberechtigt. Die
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Rekurrenten und Beschwerdeführer deklarierten für das Jahr 2011 Fr. 18'256.– als
Unterhalts- und Verwaltungskosten. Nicht als Unterhaltskosten gelten dabei die
Positionen im Zusammenhang mit der K AG (Fr. 4'528.–), der L GmbH (Fr. 1'443.–), der
M (Fr. 4'000.–), der N AG (Fr. 4'212.–) sowie der Einzelfirma P (Fr. 454.–). Damit liegen
die effektiven Unterhaltskosten unter dem von der Vorinstanz berücksichtigten
Pauschalabzug von Fr. 4'531.–, weshalb der Rekurs und die Beschwerde abzuweisen
sind.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des Verfahrens den
Rekurrenten und Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP und Art. 144
Abs. 1 DBG). Da das Rekurs- und Beschwerdeverfahren in ein und demselben
Entscheid behandelt werden, ist eine Entscheidgebühr von je Fr. 600.– (insgesamt
Fr. 1’200.–) angemessen (vgl. Art. 144 Abs. 5 DBG i.V.m. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von total Fr. 1'200.– ist
zu verrechnen.