Decision ID: 7d1e2804-18d4-53d0-a063-387fa2d76683
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1981, wurde
am
«...»
2016 Op
fer eines Schusswaffenangriff
s
.
Am
4
.
Oktober 2017 meldete er sich, unter Hin
weis auf die Folgen des Angriff
s, bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
9
/7
,
9/8
).
In der Folge
unternahm
die IV-Stelle
Anstrengungen zur beruflichen Eingliederung des Versicherten (
Urk. 9
/14, 9/16,
9/27, 9/28,
9/29, 9/32,
9/46
)
,
zog die Akten des involvierten Unfallver
si
cherers
bei (
Urk.
9/10,
9/
65
)
und erteilte Kostengutsprache für eine Potential
ab
klärung (
Urk.
9/34
)
, welche durch den Versicherten
vorzeitig
beendet wurde (Urk. 9/48 S.
1
)
.
Nachdem die bisherige Arbeitgeberin, die
Y._
Ltd., von einem Arbeitsversuch absah
(Urk. 9/
74, 9/76
, 9/77
)
, verlangte
der Versicherte einen Entsch
eid hinsichtlich
des
Rentenanspruch
s respektive den Erlass einer
Rentenverfügung und
das
Zusprechen
einer vollen Rente der Invali
denversicherung (
E-Mail
s
vom 27.
Juni 2018 [
Urk.
9/
75
]
,
vom 27.
Juli 2018 [
Urk.
9/87
] und
vom 10.
August 2018 [Urk.
9/99
]
).
Mit E-Mail vom 2. August 2018 ersuchte der Versicherte um Unterstützung für einen therapeutischen Arbeitsversuch (Urk. 9/91).
Daraufhin
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, sie koordiniere
ihr Verfa
hren mit dem Unfallversicherer
.
Da zunächst die medizi
nische Situation abschliessend geklärt werden müsse,
warte
sie
die Einholung
des
Gutachtens durch den Unfallversicherer
a
b
(
Schreiben vom 13.
Juli 2018 [
Urk. 9/82
]
,
vom 8.
August 2018 [
Urk.
9/94
]
und
vom 13.
August 2018 [Urk.
9/101
]
)
.
Weil der Versicherte die niederschwelligen Anforderungen bei der Potentialabklärung nicht habe einhalten können, seien berufliche Eingliede
rungsmassnahmen ihrerseits
zurzeit
nicht zielführend
. Nach Vorlage des Gutach
tens werde sie den Sachverhalt weiter abklären
(
Schreiben vom 13. August 2018 [U
rk. 9/101
]
).
Hiergegen erhob der Versicherte am 1
7.
August 2018 Beschwerde
(
Urk.
9/
103
)
, welche mit Urteil
des Sozialversicherungsgerichts IV.2018.00663
vom 2
0.
Sep
tember 2018 abgewiesen
wurde
(
Urk.
9/109
)
.
Die dagegen erhobene Beschwerde
vom 12. Oktober 2018 (Urk. 9/111)
wies das Bundesgericht
mit Urteil 9C_709/2018 vom 8.
November 2018
ab
(
Urk.
9/116
)
.
1
.2
Am
12. Oktober 2018
veranlasste
der Unfallversicherer
die
interdisziplinäre
Begutachtung des Versicherten in den Fachrichtungen Psychiatrie, Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates
(Urk. 9/110)
sowie Neuropsycholo
gie
(
Gesprächsnotiz vom 28. Februar 2019 [
Urk.
9/117
]
), wobei dem Versicherten vorgängig Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt wurde (Stellungnahme vom 26. September 2018 [Urk. 9/119 S. 246
-252
]
;
Antworts
chreiben
des
Unfall
versicherer
s
vom 9. Oktober 2018 [Urk. 9/119 S. 244];
Stellungnahme vom
10. Oktober 2018 [Urk. 9/119 S. 238
-240
]
)
.
Die
IV-Stelle
reichte
Zusatzfragen
ein
(
Schreiben vom 25. September 2018 [
Urk. 9/108
]
)
und zog die aktualisierten Akten des Unfallversicherers bei (Urk. 9/119)
.
Am 6. Juni 2019 erstattete die
Abklärungsstelle
Z._
dem Unfallversicherer
das Gutachten (Urk. 9/119 S. 11-133).
1.3
Mit E-Mail vom 12. Juli 2019 beantragte der Versicherte
erneut
eine Verfügung über eine
ganze
Invalidenr
ente (Urk. 9/121)
, woraufhin ihm die IV-Stelle am 19. Juli 2019 mitteilte, sie erwarte die Stellungnahme
ihres
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) und koordiniere anschliessend mit dem Unfallversicherer (Urk. 9/124
;
vgl. auch
Schreiben vom 23. Juli 2019 [Urk. 9/128]
).
Am 19. Novem
ber 2019 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
es
könne zurzeit nicht abschliessend beurteil
t werden
, ob die Einschränkung seiner Erwerbstätigkeit bleibend oder zumindest länger andauernd sei.
Gemäss medizinischer Einschät
zung könne sein Gesundheitszustand mit der Durchführung einer mindestens sechsmonatigen psychiatrischen und störungsspezifischen psychotherapeuti
schen Behandlung verbessert und überwiegend wahrscheinlich eine Arbeitsfähig
keit von mindestens 80 % erreicht werden.
Währenddessen fälle sie keinen Entscheid über einen allfälligen
Invalidenrentenanspruch
.
S
ie prüfe parallel
zur
medizinischen Auflage jedoch erneut berufliche Eingliederungsmassnahmen
und werde nach Abschluss der Behandlungen die Abklärungen wieder aufnehmen
(Urk. 9/127).
In der Folge
nahm
die IV-Stelle
berufliche Eingliederungsmassnahmen
vor
(
Schreiben
vom 22. November 2019 [Urk. 9/145]
,
vom 16. Dezember 2019 [Urk. 9/157
] und vom 19. Dezember 2019
[Urk.
9/158, 9/159]
; Zielvereinbarung vom 19. Dezember 2019 [Urk. 9/175]
),
erteilte Kostengutsprache für ein Belast
barkeitstraining
(Urk. 9/187)
und richtet
e
für die Dauer dieser Massnahme Tag
gelder aus
(
Urk. 9/188
, 9/206
).
1.4
Am 25. September 2019 verfügte der Unfallversicherer, basierend auf einer Ver
einbarung vom 20. August 2019, eine Invalidenrente im Umfang von 70 % (Urk. 9/132). Daraufhin
verlangte
der Versicherte am
27. September 2019 (Urk. 9/13
6
),
am 10. Oktober 2019 (Urk. 9/139)
und am 17. Oktober 2019 (Urk. 9/142)
von der IV-Stelle
eine Rentenverfügung.
Am 22. November 2019 ersuchte er erneut um
eine Invalidenrente
(Urk. 9/146 S. 5
-6
)
, mit Schreiben vom 19. Dezember 2019 beantragte er die unverzügliche Verfügung über eine ganze Invalidenrente sowie die Zustellung der vollständigen Akten (Urk. 9/16
2
S. 6
-7
).
Am 6. Januar 2020 mahnte der Versicherte mit Hinweis auf die Folgen der Rechtsverweigerung die Rentenverfügung erneut
an
(Urk. 9/167).
Mit Schreiben vom 9. Januar 2020 liess der Versicherte der IV-Stelle die
Stel
lungnahme
der p
sychiatrischen
K
linik
A._
vom 31. Dezem
ber 2019 zu den
Chancen und Risiken des Belastbarkeitstrainings aus fachärztli
cher Sicht
zukommen
(Urk. 9/
178
).
Die IV-Stelle orientierte den Versicherten am 14. Januar 2020 darüber, dass aufgrund der fehlenden Bindungswirkung an die Verfügung des Unfallversicherers keine Koordination mit diesem erfolge und sie
aktuell
den Anspruch auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen
prüfe. Ein
en
all
fällige
n
Rentenanspruch werde
sie
erst nach Durchführung der beruflichen Ein
gliederung
prüfen
.
Gemäss
Stellungnahme
n
des RAD
vom 19. Dezember 2019 und vom 14. Januar 2020 könne
aus medizinischer Sicht nicht von einer Über
forderung für die vorgesehenen beruflichen und therapeutischen Massnahmen ausgegangen werden,
weshalb sie
an ihrem bisherigen Vorgehen
und an der medizinischen Auflage
fest
halte
(Urk. 9/197).
2
.
2.1
Am
2
1.
Januar 2020
erhob der Versicherte
erneut Beschwerde
und stellte fol
gende Rechtsbegehren
(
Urk.
1
[
=
Urk.
9/
204
]
)
:
«Anträge:
1.
Es sei festzustellen, dass die Sache / der Anspruch auf IV-Rente vorliegend liquid / verfügungsreif ist, bzw. die Beschwerdegegnerin den Rentenent
scheid rechtswidrig verweigert.
2.
Es sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen und zu verpflichten, die Ver
fügung betreffend Rentenanspruch / Rentenleistung zu erlassen.
Eventuell:
3.
Es sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen und zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen zu erbringen, bzw. eine ganze IV-Rente zu verfügen / nach-, auszuzahlen.
4.
Es sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren.
5.
Unter den Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde
gegnerin.»
2.2
Mit Verfügung vom 2
3.
Januar 2020 wurde der Beschwerdegegnerin die Beschwerde zur Kenntnis gebracht
und eine Frist zur Einreichung ihrer Beschwer
deantwort sowie der vollständigen Akten angesetzt
(
Urk.
3). Mit Eingabe vom 2
7.
Februar 2020 ersuchte die Beschwerdegegnerin um Fristerstreckung
, welche am 2
8.
Februar 2020 bewilligt wurde (
Urk.
5)
.
Der Beschwerdeführer brachte in seiner
Eingabe vom
2.
März 2020
diesbezüglich seine Bedenken zum Ausdruck
(
Urk.
6)
.
Mit
Beschwerdeantwort
vom 2
7.
März 2020 schloss die Beschwerde
gegnerin auf
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8)
, was dem Beschwerdeführer am
1.
April 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10)
.
Mit Eingabe vom
6.
April 2020
reichte
der Beschwerdeführer
eine Verfahrenser
gänzung
(
Urk.
11)
sowie
weitere
Unterlagen
(
Urk.
12/1-11)
und
m
it Eingabe vom
7.
April 2020
eine
Beschwerdereplik
(
Urk.
13)
zu den Akten
.
Mit Eingabe vom 1
1.
Mai 2020
liess
der Beschwerdeführer Verfahrensbeschleunigung beantragen (
Urk.
15)
, worum er unter Hinweis darauf, dass die IV-Stelle das Verfahren bis zum Urteil des Sozialversicherungsgerichts sistiert habe, mit Eingabe vom 26. Mai 2020 erneut
ersuchte
(Urk. 9/16
, 9/17
)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Erlässt der Versicherungsträger, entgegen dem Begehren der betroffenen Person, keinen Entscheid, so kann nach Art. 56 Abs. 2
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
Beschwerde erhoben werden (BGE 131 V 407 E. 1.1).
Diese Bestimmung betrifft Rechtsverweigerungs- und Rechtsverzögerungsbeschwerden
(Urteil des Bundesgerichts 9C_24/2010 vom 31. März 2010 E. 2)
.
Eine Verletzung von
Art.
29
Abs.
1
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (
BV
)
– sowie gegebenenfalls von
Art.
6
Ziff.
1
der Konvention
zum Schutze der Menschenrechte und der Grundfreiheiten
(
EMRK;
BGE 130 I 174 mit Hinweisen) – liegt nach der Rechtsprechung unter anderem dann vor, wenn eine Gerichts- oder Verwaltungsbehörde ein Gesuch, dessen Erledigung in ihre Kompetenz fällt, nicht an die Hand nimmt und behandelt. Ein solches Verhalten einer Behörde wird in der Rechtsprechung als formelle Rechtsverweigerung bezeichnet. Art. 29
Abs.
1 BV ist aber auch verletzt, wenn die zuständige Behörde sich zwar bereit zeigt, einen Entscheid zu treffen, diesen aber nicht binnen der Frist fasst, welche nach der Natur der Sache und nach der Gesamtheit der übrigen Umstände als angemessen erscheint (sog. Rechtsverzögerung).
1.2
W
eder das
ATSG
noch
das Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG) enthalten
indes
eine
Frist, innert welcher
der
Versicherungsträger
seine
n
Ent
scheid
treffen
muss
(Urteil des Bundesgerichts 8C_210/2013 vom 10. Juli 2013 E. 2.1)
.
O
b der
Versicherungsträger
seinen Entscheid in objektiv nicht gerecht
fertigter Weise herauszögert, beurteilt sich aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalls. Massgebend sind in diesem Zusammenhang namentlich die besondere Bedeutung
und die Art des Verfahrens, die Komplexität und Schwierigkeit der Sache sowie das prozessuale Verhalten der Beteiligten (BGE 125 V 188 E. 2a). Die Rechtsprechung lässt
hingegen
nicht zu, dass
ein
Gericht in abstrakter und ver
bindlicher Weise ein für alle Mal festlegen könnte, innerhalb welcher Zeitspanne
eine Verwaltungs
- oder Gerichts
behörde einen Entscheid zu fällen hat, ohne sich dem Vorwurf einer Rechtsverzögerung auszusetzen. Die betroffene Behörde hat
vielmehr
Anspruch darauf, dass
die
gegen sie erhobene
n
Vorwürfe in jedem einzelnen Fall anhand der konkreten Umstände geprüft werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_652/2009 vom 7. Juni 2010 E. 3.1 mit Hinweisen).
In der Gerichtspraxis wurde eine Untätigkeit des
Versicherungsträgers während neun beziehungsweise zwölf Monaten als rechtsverzögernd betrachtet. Abgelehnt wurde eine Rechtsverzögerung hingegen, als die Untersuchungen zwar insgesamt fast zwei Jahre in Anspruch genommen hatten, der Versicherungsträger aber doch regelmässig
etwas
vorgekehrt hatte. Bei Begutachtungen schliesslich sind Warte
zeiten von rund einem Jahr in Kauf zu nehmen (Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl
age
,
Zürich/Basel/Genf
2020, Art. 56
N 35
mit Hinweisen auf die Recht
sprechung).
1.
3
Ausnahmsweise kann auch eine positive Anordnung des Versicherungsträgers
, beispielsweise
in Form
unnötige
r
Beweismassnahmen oder
der
Einräumung über
langer Fristen
, zu einer Rechtsverzögerung führen
(
BGE 131 V 407 E. 1.1
).
Aller
dings
hat der Versicherungsträger nach dem in
Art. 43 Abs. 1 ATSG
verankerten Untersuchungsgrundsatz
den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären
und folglich die
notwendigen Abklärungen von Amtes wegen
vorzu
nehmen
.
Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beur
teilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichend Klarheit besteht
(Urteil des Bundesgerichts 8C_794/2016 vom 28. April 2017 E. 4.1)
.
Dabei kommt dem Versicherungsträger ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Not
wendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von Erhebungen zu
(Urteil des Bundesgerichts 8C_759/2019 vom 22. Januar 2020 E. 4.2.2)
. Bleiben nach
den vorgenommenen
Abklärungen
erhebliche
Zweifel an der Vollständigkeit oder der Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfest
st
ellungen
bestehen
, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesent
liche Kenntnisse zu erwarten sind
(Urteil des Bundesgerichts 8C_794/2016 vom 28. April 2017 E. 4.
2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
ging davon aus
, es gelte der Grundsatz «Eingliederung vor Rente», weshalb ein Rentenanspruch grundsätzlich nicht entstehen könne, bevor
Eingliederungsmassnahmen geprüft und gegebenenfalls durchgeführt wor
den seien. Rentenleistungen seien erst dann auszurichten, wenn keine zumutba
ren Eingliederungsmassnahmen mehr in Betracht fielen.
In ihrer Vernehmlassung vom 27. März 2020 führte sie aus, i
n dem vom Unfall
versicherer eingeholten Gutachten werde festgehalten, dass grundsätzlich aus psychiatrischer Sicht weiterhin Potential
bestehe, an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Nach medizinisch-psychiatrischen Kriterien könne eine relevante Mitwirkungsbereitschaft erwartet und zugemutet werden, zumal eine klinische Verbesserung eingetreten sei. Aus diesem Grund habe sie die Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining erteilt. Sie sei keinesfalls untätig gewesen, sondern habe die vor einem Rentenentscheid angezeigten Eingliederungsmassnahmen in die Wege geleitet und durchgeführt. Da zudem zur
Klärung des Gesundheitszu
stand
s sowie der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers weitere medizinische Abklärungen unumgänglich seien, sei die Sache auch in medizinischer Hinsicht noch nicht spruchreif (Urk. 8).
2.2
Der Beschwerdeführer
brachte
demgegenüber
vor
, er sei am 19. Dezember 2016 Opfer eines Schusswaffenangriffs geworden und bis heute vollständig arbeitsun
fähig, weshalb er Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe. Trotz mehrfacher Aufforderung habe sich die Beschwerdegegnerin bislang geweigert, eine Verfü
gung über den Rentenanspruch zu erlassen. Im Anschluss an eine vom Unfall
versicherer in Auftrag gegebene Begutachtung sei dieser davon ausgegangen, dass ein relativer Endzustand erreicht sei, weshalb er ihm eine Invalidenrente im Umfang von 70 % zugesprochen habe.
Die Beschwerdegegnerin habe hingegen bereits zwei Mal eine Belastbarkeits
prüfung angeordnet, die letzte parallel zu einer fachärztlichen Behandlung. Allerdings sei die Sache vorliegend liquid und er habe folglich Anspruch auf Er
lass der Rentenverfügung, welcher nicht durch ewiges Wiederholen relativ aus
sichts
loser Eingliederungsmassnahmen ausgehebelt werden könne. Die Be
schwerdegegnerin sei deshalb zu verpflichten, die Verfügung betreffend Ren
tenleistung zu erlassen, eventualiter die gesetzlichen Leistungen zu erbringen (Urk. 1).
3.
3.1
Eine Beschwerde nach Art. 56 Abs. 2 ATSG setzt voraus, dass der Betroffene zu
vor ausdrücklich oder zumindest sinngemäss den Erlass einer anfechtbaren Ver
fügung verlangt hat (Urteil des Bundesgerichts 9C_24/2010 vom 31. März 2010 E. 2).
Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer
in den Monaten Juli, September, Oktober, November
und
Dezember 2019
sowie im Januar 2020
um Erlass einer Leistungsverfügung ersucht
hatt
e
(
Urk. 9/121, 9/13
6
, 9/139,
9/142,
9/146, 9/161
, 9/167
)
,
was die Beschwerdegegnerin unter Hinweis darauf,
dass zurzeit nicht abschliessend beurteilt werden könne, ob die Einschränkung der Erwerbstätigkeit bleibend oder zumindest länger andauernd sei
,
und
dass
sie
parallel zur medizinischen Auflage
berufliche Eingliederungsmassnahmen prüfe, vorerst ab
gelehnt hatte
(Urk. 9/127, 9/197).
Aus formeller Sicht steht die Beschwerde vom
21. Januar 2020
(Urk. 1)
folglich im Einklang mit Art. 56 Abs. 2 ATSG
, weshalb zu prüfen ist, ob
der
IV-Stelle
Rechtsverweigerung oder
Rechts
verzögerung
vorzuwerfen ist
,
weil
sie noch keine Verfügung erlassen hat
.
3.2
Streitgegenstand einer Rechtsverweigerungs- oder Rechts
ver
zö
ge
rungs
be
schwer
de ist das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern einer
anbegehrten
Ver
fü
gung, nicht jedoch deren materieller Aspekt
(
Urteil des Bundesgeric
hts I
80/04 vom 12. Juli 2004 E. 5.2.2
)
. Soweit beantragt wird, es sei im vorliegenden Be
schwerde
verfahren über
den Leistungsanspruch zu entscheiden (Urk. 1
S. 2
Eventualanträge), ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
3.
3
Nach Art. 28 Abs. 1
lit
. a IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Invaliden
rente, sofern sie ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe
rei
ch
zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein
glie
de
rungs
mass
nah
men wieder herstellen, erhalten oder verbessern können. Vor diesem Hintergrund gilt der Grundsatz «Eingliederung vor Rente».
Folglich
wird eine Invalidenrente
nur
zugesprochen
, wenn der Versicherte nicht oder in bloss ungenügendem Masse eingegliedert werden kann. Gestützt auf Art. 43 ATSG hat die IV-Stelle von Amtes wegen abzuklären, ob vorgängig der Gewährung einer Invalidenrente Ein
gliederungsmassnahmen durchzuführen sind (vgl. auch Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 3.
Aufl
age
, Zürich/Basel/
Genf 2014, Art. 28 N 7).
4.
4.1
Aus den Akten ist ersichtlich, dass die Beschwerdegegnerin
nach
Empfang
des Gutachtens vom 6. Juni 2019 (Urk. 9/119 S. 11-133)
das Dossier
dem RAD
mehr
fach
vorgelegt
und
medizinisch,
unter Berücksichtigung des Gutachtens
,
hatte
würdigen
lassen
(Urk. 9/123
,
9/144)
.
A
m 12. November 2019
kam sie gestützt auf die Stellungnahmen des RAD (Urk. 9/222 S. 11-13
,
Urk.
9/122 S. 15)
zum Ergeb
nis, dass beim Beschwerdeführer noch kein stabiler Gesundheitszustand
vorlag
und die therapeutischen Massnahmen noch nicht ausgeschöpft
waren
. Weil
sie
durch
begleitende
leitliniengerechte
therapeutische Massnahmen von einer we
sentlichen Verbesserung des Gesundheitszustands
ausging
und auch in beruf
licher Hinsicht noch Steigerungspotential in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit respektive die Eingliederung
sfähigkeit
sah
,
traf
sie
hinsichtlich
eine
r
Invaliden
rente
in diesem Zeitpunkt
noch keinen Entscheid
(Urk. 9/144)
.
Vielmehr
prüfte
sie
, p
arallel zu
einer
medizinischen Auflage (vgl. Urk. 9/127),
berufliche Ein
glie
derungs
mass
nahmen
(Urk. 9/145
,
9/157
,
9/158,
9/159
,
9/175
,
9/187
,
9/188, 9/206)
, welche im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung noch nicht abgeschlossen waren
. Mit
Schreiben vom 19. November 2019
teilte sie dieses Vorgehen
dem Beschwerdeführer mit
(Urk. 9/127).
4.2
Die
beiden vom Beschwerdeführer eingereichten Berichte der
A._
vom 21. November 2019 (
Urk. 9/15
5
)
und vom 31. Dezember 2019 (
Urk. 9/178
)
legte
die Beschwerdegegnerin
zwecks medizinischer Beurteilung
ebenfalls
dem RAD vor
. Dieser empfahl
ein Festhalten an den angeordneten Massnahmen
und
hielt fest
,
dass
aus medizinischer Sicht von keiner Überforderung des Beschwerdefüh
rers für die vorgesehenen beruflichen und therapeutischen Massnahmen auszu
gehen
sei
(vgl. die Stellungnahmen des RAD [Urk. 9/222 S. 17
,
Urk.
9/222 S. 18])
. Daneben forderte
die Beschwerdegegnerin
ihrerseits
am 22. November 2019
direkt einen Bericht bei der
A._
an, welchen sie am 27. Januar 2020 erhielt (Urk. 9/203)
. Mit Schreiben vom 14. Januar 2020 informierte sie den Beschwer
deführer über den Verfahrensstand und bestätigte, dass sie gemäss
dem Grundsatz
«Eingliederung vor Rente» den Rentenanspruch erst nach Durchführung der Ein
glie
de
rungs
mass
nah
me
n
prüfen werde (Urk. 9/197).
4.3
Schliesslich blieb
die Beschwerdegegnerin
auch nach Beschwerdeerhebung
nicht untätig, sondern lud den Beschwerdeführer
am 3. März 2020
zu einem weiteren Gespräch
zwecks
Abklärung seiner beruflichen Situation ein (Urk. 9/213) und informierte ihn am 12. März 2020 darüber, dass die Eingliederungsmassnahme
auf seinen Wunsch hin
abgebrochen und er betreffend Rente später eine separate
Verfügung erhalten
würde
(Urk. 9/218
; Zwischenbericht vom 28. Februar 2020 [Urk. 9/210]; Abschlussbericht vom 12. März 2020 [Urk. 9/220]
).
5.
5.1
Nach dem Gesagten
ist zunächst ersichtlich, dass die Beschwerdegegnerin
nicht
untätig
blieb
und eine Rentenprüfung
auch nicht von
v
ornherein verweigerte
.
So orientierte sie
den Beschwerdeführer
bereits
mit
Schreiben vom
14.
Januar
2020 über den Grundsatz «Eingliederung vor Rente»
(Urk. 9/197)
und mit Schreiben vom
12. März 2020
explizit
dahingehend
,
dass
er
bezüglich Rente eine
separate Verfügung erhalten
werde
(Urk. 9/218)
.
Auch
aus dem Verlaufsprotokoll der Ein
glie
de
rungs
be
ratung vom 12. März 2020
geht
hervor
, dass
nach Abschluss der Eingliederungsmassnahme
eine Rentenprüfung
erfolgen
wird
(Urk. 9/219 S. 3; vgl. auch Urk. 9/222 S. 19).
Der Beschwerdegegnerin kann
ebenso wenig
vorgeworfen werden, sie sei
zu lange untätig
geblieben
oder
zögere ihren Entscheid
in objektiv nicht gerechtfertigter Weise
heraus
. Vielmehr unternahm sie regelmässig Verfahrensschritte im Hin
blick auf ihre Abklärungen, welche sie nach dem Grundsatz «Eingliederung vor Rente» vornahm und
folglich
prüfte, ob
zumutbare
Ein
glie
de
rungs
mass
nah
men
anzuordnen wären.
Aufgrund des Umstands, dass der RAD
unter Würdigung des Gutachtens
Ein
glie
derungs
mass
nahmen für medizinisch-theoretisch möglich erachtete und beim Beschwerdeführer
ent
sprechendes
Potential
erkannte
,
stand es der
Beschwerdegegnerin
offen,
ebensolche an
zu
ordnen
.
Dass sie, in Anbetracht
der Priorität zumutbare
r
Eingliederungsmassnahmen
,
vor
deren
Durchführung
und Abschluss
keinen Rentenentscheid traf, vermag keine
Rechtsverzögerung
zu begründen
.
Auch
darin
, dass die Beschwerdegegnerin nach der
im April 2018
angeordneten
Potentialabklärung
(
Urk.
9/34
)
erneut
eine
berufliche Ein
glie
de
rungs
mass
nahme in Form eines Belastbarkeitstrainings anordnete,
ist
keine Rechtsverzögerung
zu erblicken
.
Die vom Beschwerdeführer vorzeitig
beendete
Potentialabklärung
wurde noch vor
der Begutachtung
angeordnet, somit in einem Zeitpunkt, in wel
chem hinsichtlich
des
Gesundheitszustands
des Beschwerdeführers
offene Fragen bestanden.
Nach Eingang des Gutachtens und nach
mehrfacher
Rücksprache mit dem RAD
konnte
die Beschwerdegegnerin
angesichts der eingetretenen klinischen Verbesserung
jedoch
davon ausgehen, dass eine erneute berufliche Eingliede
rungsmassnahme,
parallel zur
medizinischen Auflage, erfo
lgreich durchgeführt werden könne.
Folglich
ist nic
ht ersichtlich, inwiefern
es sich bei der erneuten (
erst
zweiten
)
Anordnung
einer beruflichen
Ein
glie
de
rungs
mass
nahme
um eine
rech
tsverzögernde
Massnahme
respektive um
«
Beliebigkeitsabklärungen
»
han
deln sollte.
Vor dem Hintergrund
schliesslich
, dass unter
der
psychiatrischen
Behandlung
eine klinische Verbesserung
eingetreten ist
(Urk. 9/
119 S. 23 und 77 [Post
trau
ma
tische Belastungsstörung, teilremittiert]
)
,
mithin aus medizinischer Sicht noch offene Fragen bestehen,
hat
die Beschwerdegegnerin
im Hinblick auf den Renten
e
ntscheid
gegebenenfalls zu prüfen, ob
zur Klärung des Gesundheits
zustandes
ein psychiatrisches Verlaufsgutach
t
en einzuholen wäre.
Abschliessend
ist der Beschwerdegegnerin nicht vorzuwerfen, dass sie den Aus
gang des Beschwerdeverfahrens
ab
wartet, bevor sie
den
Entscheid über einen all
fälligen Rentenanspruch trifft.
5
.2
Zusammenfassend
ist weder eine Rechtsverweigerung noch eine Rechtsverzöge
rung erkennbar
. Die Beschwerde erweist sich folglich als unbegründet,
weshalb sie, soweit darauf einzutreten ist (vgl. oben E. 3.2),
abzuweisen ist.
6
.
6.1
Der Beschwerdeführer beantragte die Gewährung der unentgeltlichen Rechts
pflege (Urk. 1 S.
7
).
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 47).
6.2
Die u
nentgeltliche Rechts
pflege
kann nur gewährt werden, wenn die Beschwerde nicht aussichtslos ist
.
Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Recht
sprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten (ex ante betrachtet) beträchtlich geringer sind als die Verlust
risiken
und welche deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Hingegen gilt ein Begehren
dann
nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlust
risiken
ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde oder nicht. Eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er nichts kostet
(BGE 133 III 614 E. 5 mit Hin
weisen)
.
6.3
Aufgrund der Akten
lage
hätte
de
r
(
anwaltlich vertretene
)
Beschwerdeführer
erkennen müssen
, dass weder eine Rechtsverzögerung noch eine Rechtsver
weigerung seitens der Beschwerdegegnerin vorlag, zumal diese die notwendigen Abklärungen
jeweils
zügig an die Hand nahm
.
Auch
angesichts dessen
, dass
seine
Rechts
ver
zö
ge
rungs
beschwerde in derselben Sache vom hiesigen Gericht
mit Urteil vom 10. September 2018 (
Verfahrensnummer
IV.2018.00663
; vgl. Urk. 9/109
)
abgewiesen
worden war
,
konnte der Beschwerdeführer zu keinem anderen Ergebnis gelangen. Anzumerken ist schliesslich, dass
die
vielen
Eingab
en des Beschwerdeführers
einer
rasche
n
Verfahrenserledigung
nicht
gerade
förder
lich
sind
(vgl.
Ziff. 2 der Sach
ver
halts
dar
stellung
)
.
Folglich
bewegt sich
die
Beschwerde
erhebung
nicht nur im aussichtslosen Bereich, sondern vielmehr
an der Grenze zur Mutwilligkeit
.
Zusammenfassend können die Erfolgsaussichten der Beschwerde nicht als ernst
haft betrachtet werden, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
abzuweisen ist
, soweit es
sich
nicht
als
gegenstandslos
erweist
.
6.4
Bei einer Rechtsverweigerungs- oder Rechtsverzögerungsbeschwerde handelt es sich nicht um eine Leistungsstreitigkeit im Sinne von Art. 69 Abs. 1
bis
IVG, wes
halb keine Verfahrenskosten zu erheben sind.
Das Gesuch um unentgeltliche Pro
zessführung erweist sich folglich als gege
n
standslos.