Decision ID: dc9d1214-8761-4013-b1c2-d4ca14e7a097
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die im Jahre 1955
geborene
X._
war ab
1
5.
Oktober 2007
als
Pflegehelferin in einem Alter
s
heim
erwerbs
tätig und als solche bei der
Con
cordia, Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung AG
,
obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nich
tberufsunfälle
n
versichert. Am 1
0.
Juli 2015
rannte
die Versicherte
in Richtung Bus, um diesen
nicht zu verpassen
,
und
zog sich bei einem Sturz eine Kontusion der Wirbelsäule sowie
der rechten Schulter
zu (Urk. 8
/1
,
Urk.
8/14
).
Die Erstversorgung erfolgte im
A._
, wo die Versicherte vom 1
0.
bis 1
4.
Juli 2015 hospitalisiert war (
Urk.
8/14).
Infolge persistierender Schulterbeschwerden wurde am 2
5.
Februar 2016 eine
MRT-Arthrographie
des rechten Schultergelenkes durchgeführt (
Urk.
8/19).
Mit Schreiben vom 1
3.
April 2016 schloss die Concordia den Versicherungsfall ab, da spätestens per 1
0.
April 2016 von der Erreichung des Status quo sine auszu
gehen sei (
Urk.
8/22). An dieser Einschätzung der Sachlage hielt sie m
it Verfü
gung vom
1
0.
Juli 2015
sowie
Einspracheentscheid
vom
1
2.
Oktober
2016
fest
(
Urk.
8/37,
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die
Vertreterin der
Versicherte
n
am
7.
November 2016 Beschwerde und beantragte, es sei
en der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen auszurichten, eventualiter sei ein Gutachten über die Unfallkausali
tät
bezüglich
der rechten Schulter zu erstellen; alles unter Kosten- und Entschä
digungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
9.
November 2016 beantragte die Beschwerde
gegnerin Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
8.
Dezember 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss
Bundesgesetz über die Unfallversicherung (
UVG
)
setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausal
zusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammen
hangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht
erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheit
licher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht wer
den kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.2
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
).
Die
blosse
Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht.
Da es sich
hiebei
um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die ent
sprechende Beweislast
–
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist
–
nicht bei der versicherten Per
son, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76).
Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten
massge
bend
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E.
2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des
S
tatus quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der
S
tatus quo sine
vel
ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfa
llversicherer gestützt auf Art. 36 Abs.
1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die
Heilbehandlungskosten nach Art.
10 UVG fallen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_637/20
13 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen
Einspracheentscheid
damit, dass
gestützt auf die Einschätzung von
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, die Leistungen mangels Kausalität der Schulterbeschwerden per 1
0.
April 2016 einzustellen seien (
Urk.
2 S. 6 f.).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass
bezüglich der Schulterbeschwerden keine Diskussion über eine richtungsgebende Verschlimmerung der Beschwerden stattgefunden habe. Bezüglich des Sachverhalts sei dabei von einem deutlich schwereren Unfaller
eignis auszugehen
,
als
es
dem
Bundesgerichtsurteil
8C_100/2016
zugrunde gelegen sei
(
Urk.
1 S. 7 ff.).
3.
3.1
Dr.
B._
diagnostizierte im Rahmen seiner orthopädisch-chirurgischen Beurtei
lung vom 1
5.
Januar 2016 einen Sturz am 1
0.
Juli 2015 auf die linke (richtig wohl rechte) Seite mit Schürfungen im Bereich der rechten Hand, der Schulter und des rechten Kniegelenkes sowie eine vorbestehende Gonarthrose rechts. Im Bereich des rechten Knies sei eine vorbestehende Gonarthrose traumatisiert worden, aber ohne posttraumatische strukturelle Läsion, weshalb hier in etwa nach vier Wochen der Vorzustand erreicht sei. Bezüglich der rechten Schulter solle ein
Arthro-MRI
durchgeführt werden, um eine genaue Diagnose zu erhal
ten. Falls auch im Bereich der rechten Schulter keine posttraumatischen struktu
rellen Läsionen zu finden seien, wäre der Status quo sine neun Monate nach dem Unfall als erreicht zu betrachten (
Urk.
8/
17).
3.2
Anlässlich der
MRT-Arthrographie
des rechten Schultergelenkes wurde eine komplette
transmurale
Ruptur der
Supraspinatussehne
ohne Sehnenretraktion, eine
Ansatztendinopathie
der
Infraspinatussehne
und leichtgradige
Tendinopa
thie
der langen
Bizepssehne
sowie eine diskret aktivierte ACG-Arthrose festge
stellt. Weiter wurde ein Verdacht auf
Recessus
sublabralis
geäussert, DD: SLAP-II-Läsion (
Urk.
8/19).
3.3
In seinem Nachtrag
betreffend
Untersuchung vom 2
5.
Januar 2016 (1
7.
März 2016) nahm
Dr.
B._
zur Bildgebung vom 2
5.
Februar 2016 Stellung.
Die Untersuchung habe degenerative Läsionen ergeben, insbesondere im Bereich der
Supraspinatussehne
, wo eine komplette
transmurale
Ruptur diagnostiziert wor
den sei. Bei einer traumatischen Ruptur der
Supraspinatussehne
komme es sehr rasch innert Wochen zu einer Atrophie und zu einer Muskelverfettung. Dies sei hier jedoch nicht der Fall gewesen. Der Muskelbauch werde als normal beschrieben, so dass eine Sehnenschädigung vorliege, welche degenerativ und altersbedingt erfolgt sei. Eine solche Degeneration beginne oft im
40.
Lebensjahr
,
und bei 60-jährigen Patienten würden sich oft solche Befunde finden lassen. Dies werde bestätigt durch andere
Tendinopathien
und auch durch die Einengung des
Subakromialraumes
im Sinne eines
Impingements
; solche würden immer zu einer Minderdurchblutung der
Rotatorenmanschette
und deshalb zu einer langsamen Schädigung derselben führen. Auch die Anam
nese bestätige dies, den
n
manchmal sei die Beschwerdeführerin tagsüber beschwerdefrei. Hier sei demnach eine deutlich
vorgeschädigte
Schulter
trauma
tisiert worden, es sei aber zu keinen posttraumatischen strukturellen Läsionen gekommen. Somit spiele neun Monate nach dem Unfall dieser überwiegend wahrscheinlich im Geschehen der Schulter keine Rolle mehr (Urk. 8/21).
3.4
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie und Traumato
logie des Bewegungsapparates, diagnostizierte in seinem Bericht vom 2
1.
April 2016 eine posttraumatische
Supraspinatusruptur
rechts mit instabiler Bizeps-
longus
-Sehne bei Status nach Sturzereignis vom 1
0.
Juli 2015 mit multiplen Kontusion
en und Distorsion sowie Hyperabd
uktion der rechten Schulter. Mittel
fristig empfehle er bei dieser biologisch sich in sehr gutem Zustand befindlichen Patientin die
Supraspinatusrekonstruktion
(
Urk.
8/27).
Mit Schreiben vom 1
7.
Mai 2016 hielt
Dr.
C._
fest, dass aus seiner Sicht entsprechend der Anamnese wie auch der klinischen Untersuchung und der bildgebenden Befunde mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein direkter Kau
salzusammenhang zwischen der Schulterpathologie mit dem Unfallereignis vom 1
0.
Juli 2015 bestehe (
Urk.
8/31).
Eine
subacromiale
Infiltration der rechten Schulter mit
Lidocain
und
Kenacort
erfolgte am 3
0.
Juni 2016 (
Urk.
8/33).
4.
4.1
Soweit die Beschwerdeführerin den (als Versicherungsmediziner für die Suva tätigen und von der Beschwerdegegnerin als Vertrauensarzt hinzugezogenen [vgl. etwa
Urk.
2 S. 5
Ziff.
1 und 4])
Dr.
B._
sinngemäss als versicherungsin
ternen Arzt (
Urk.
1 S. 7
Ziff.
15) bezeichnet, ist Folgendes festzuhalten: Auch
Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte
kommt
Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich wider
spruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässig
keit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
bb
/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie ei
nem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
vom Versicherungsträ
ger veranlassten Gutachten unabhängiger Sach
verständiger. Soll ein Versiche
rungsfall ohne Einholung eines externen Gutach
tens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderun
gen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versiche
rungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vor
zunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2; BGE 135 V 465 E. 4.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_348/201
6 vom 9. Dezember 2016 E. 2.4).
4.2
Dr.
B._
legt
e
den medizinischen Sachverhalt in seinem Bericht vom 2
5.
Januar 2016 sowie insbesondere
in
der nach dem MRI erstatteten ergänzenden Stel
lungnahme vom 1
7.
März 2016 in einer schlüssigen und nachvollziehbaren Weise dar; insbesondere setzt
e
er sich ausführlich mit dem bildgebenden Mate
rial auseinander und erläutert
e
die Befunde. Seine Einschätzung erscheint dabei widerspruchsfrei, so dass
(unabhängig davon, ob
Dr.
B._
im vorliegenden Fall als versicherungsinterner Arzt zu gelten hat)
grundsätzlich darauf abgestellt werden kann.
Daran vermögen die Ausführungen von
Dr.
C._
nichts zu ändern. Zum einen g
ing
Dr.
C._
in seiner Einschätzung anamnestisch von einer Dis
torsion und Hypera
bduktion der Schulter aus. Ein
solcher Unfallhergang kann den echtzeitliche
n
Akten aber nicht entnommen werden. So diagnost
i
zier
t
en die Fachärzte des erstbehandelnden
A._
eine Kontusion der Wirbel
säule sowie eine Kontusion der Schulter rechts bei Verdacht auf nicht dislozierte Fraktur
Tuberculum
majus
der Schulter (
Urk.
8/14). Auch der ärztliche Zwi
schenbericht vom
2.
November 2015 erwähnt
e
lediglich eine Wirbelsäulenkon
tusion sowie eine schwere Schulterprellung rechts (
Urk.
8/15). Bei dieser Sach
lage ist
hinsichtlich
der Schulterverletzung mit überwiegender Wahrscheinlich
keit lediglich von einer schweren Kontusion auszugehen.
Bezüglich der nun
mehr
allein fraglichen Schulterverletzung erscheint die Unfallschwere mit dem Sachverhalt
,
wie er dem Urteil 8C_100/20
16 zugrunde l
ag
,
vergleichbar. Bei einer
Schulterkontusion
infolge
eines
Leiterstu
rz
es
aus zwei Metern Höhe wurde der Unfallhergang als nicht geeignet bezeichnet
, eine Verletzung der
Rotato
renmanschette
zu bewirken (
erwähntes
Urteil 8C_100/2016 E. 5)
.
Bei dieser Würdigung der medizinischen Akten erscheint es überwiegend wahrscheinlich, dass der Unfall lediglich zu einer vorübergehenden, nicht aber zu einer rich
tungsweisenden Verschlimmerung der degenerativ vorgeschädigten rechten Schulter
geführt hat
. Diesem Sachverhalt wird mit der anerkannten neunmona
tigen Leistungspflicht Rechnung getragen.
Abgesehen davon begründet
e
Dr.
C._
seine Einschätzung der Sachlage nicht
ausführlich;
insbesondere setzt
e
er sich nicht mit den Argumenten von
Dr.
B._
auseinander.
Eine ledig
lich pauschale Anerkennung der Kausalität
aber
vermag den detaillierten Bericht von
Dr.
B._
nicht in Frage zu stellen.
4.3
Nach dem Gesagten erscheint
die Einstellung der Leistungen neun Monate nach dem Unfallereignis per 1
0.
April 2016
als rechtens
.