Decision ID: c4e60f67-e077-591b-a4f3-8649191f77d4
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Am 12. Februar 2009 wurde am damaligen Wohnort von X in A/AR wegen
Verdachts auf eine Indoor-Hanfplantage eine Hausdurchsuchung durchgeführt. In der
polizeilichen Einvernahme gestand er, seinem Mitbewohner beim Aufbau der
Hanfplantage geholfen, sonst aber nichts damit zu tun zu haben. Er erklärte weiter, ein-
bis zweimal pro Woche Haschisch oder Marihuana zu konsumieren. Etwa einmal im
Monat nehme er auch synthetische Drogen (Ecstasy und Amphetamin). Früher habe er
zudem Kokain konsumiert, vor ca. einem Jahr aber damit aufgehört. Bei der
Hausdurchsuchung wurden Marihuana, Haschisch, Ecstasy und Amphetamin (Speed)
sichergestellt und X zugeordnet.
B.- Die Verwaltungspolizei des Kantons Appenzell Ausserrhoden eröffnete aufgrund
des Rapports der Kantonspolizei vom 27. Februar 2009 am 12. März 2009 gegenüber X
ein Verfahren zur Abklärung der Fahreignung und kündigte die Anordnung einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung an. Letztere wurde am 28. April 2009 an der
verkehrsmedizinischen Abteilung des Instituts für Rechtsmedizin am Kantonsspital
St. Gallen (IRM) durchgeführt. Im Gutachten vom 5. Juni 2009 wurde festgestellt, es
müsse von einer nicht unerheblichen verkehrsrelevanten
Drogenmissbrauchsproblematik ausgegangen werden. Die Fahreignung könne nicht
bejaht werden und es lägen zudem Hinweise auf eine Problemverlagerung auf Alkohol
vor. In der Folge entzog die Verwaltungspolizei des Kantons Appenzell Ausserrhoden X
den Führerausweis mit Verfügung vom 9. November 2009 wegen mangelnder
Fahreignung auf unbestimmte Zeit.
C.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen wies am
6. September 2012 ein Gesuch von X, der seinen Wohnsitz in der Zwischenzeit in den
Kanton St. Gallen verlegt hatte, um Wiedererteilung des Führerausweises ab, nachdem
in den Haarprobe vom 27. Juli 2012 das Alkoholabbauprodukt Ethylglucuronid (EtG) im
Ausmass von 30 pg/mg nachgewiesen wurde. Die Analyse auf Drogen verlief dagegen
negativ. In der beiden nächsten Haarproben wurden 29 pg/mg (20. Dezember 2013)
und 40 pg/mg (6. Juni 2014) EtG gemessen, Drogen wurden keine festgestellt. Im
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verkehrsmedizinischen Gutachten vom 28. Juli 2014 wurde die Fahreignung wegen
eines Alkoholmissbrauchs nicht befürwortet. In der Folge wies das
Strassenverkehrsamt mit Verfügung vom 10. September 2014 ein Gesuch um
Wiedererteilung des Führerausweises ab. Im Hinblick auf eine Neubeurteilung wurden
die Weiterführung der Drogenabstinenz sowie eine kontrollierte und fachlich betreute
Alkoholabstinenz (Haaranalyse und Beratungsstelle) von mindestens vier Monaten
empfohlen.
D.- Am 10. April 2015 unterzog sich X erneut einer verkehrsmedizinischen
Untersuchung. Im Gutachten vom 11. Mai 2015 wurde die Fahreignung aus
verkehrsmedizinischer Sicht bejaht unter der Auflage des Nachweises einer Alkohol-
und Drogenabstinenz mittels Haaranalysen, monatlichen Urinproben auf Cannabis und
Fachtherapie für mindestens zwei Jahre und Einreichen von Verlaufsberichten alle
sechs Monate. In der Folge hob das Strassenverkehrsamt mit Verfügung vom 6. Juli
2015 (zugestellt am 9. Juli 2015) den Führerausweisentzug vom 9. November 2009 auf
(Ziffer 1 des Rechtsspruchs) und versah den Führerausweis mit den Auflagen (Ziffer 3),
dass X unter fachlicher Betreuung (Suchtfachstelle und Arzt) eine vollständige,
kontrollierte Alkohol- und Drogenabstinenz (lit. a) mittels Haaranalyse alle sechs
Monate einzuhalten habe (lit. b) mit halbjährlichen Berichterstattungen im Oktober und
April (lit. c). Weiter wurde festgehalten, dass die Auflagen auf unbestimmte Zeit
Gültigkeit haben, eine Aufhebung der Auflagen frühestens in zwei Jahren geprüft
werden könne (lit. d) und bei Missachtung der Auflagen mit dem Entzug des
Führerausweises – allenfalls auf unbestimmte Zeit – zu rechnen sei (lit. e). Aufgrund der
langen Fahrabstinenz von über fünf Jahren wurde X zudem verpflichtet, eine neue
komplette Führerprüfung der Kategorie B zu bestehen, bevor ein neuer Führerausweis
ausgestellt werde (Ziffern 2 und 4). Die Verfahrenskosten wurden auf Fr. 375.–
festgesetzt (Ziffer 5).
E.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 23. Juli
2015 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge seien Dispositivziffer 3, 4 und 5 der Verfügung vom 6. Juli 2015
aufzuheben. In der innert Frist nachgereichten Rekursergänzung vom 10. September
2015 beantragt der Rekurrent, dass unter Kosten- und Entschädigungsfolgen die
Dispositivziffern 3 und 4 der angefochtenen Verfügung aufzuheben seien und ihm der
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Lernfahrausweis und nach erfolgreich bestandener Führerprüfung auch der Führer-
ausweis auf Probe auflagenfrei wiederzuerteilen sei. Die Vorinstanz verzichtete am
29. September 2015 auf eine Vernehmlassung. Auf die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 23. Juli 2015 ist rechtzeitig eingereicht
worden und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 10. September 2015 in formeller
und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent rügt in formeller Hinsicht, die Vorinstanz habe mit der Verfügung vom
6. Juli 2015 die Begründungspflicht, und damit das rechtliche Gehör, verletzt.
a) Art. 29 Abs. 2 BV gewährt den Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Daraus
leitet das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung die Pflicht der Behörde ab, ihre
Verfügungen und Entscheide zu begründen (vgl. BGE 133 III 439 E. 3.3, 133 I 270 E.
3.1, 129 I 236 E. 3.2, 126 I 102 E. 2b). Als persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht
verlangt dieser Grundsatz, dass die Behörde die Vorbringen der vom Entscheid oder
der Verfügung in ihrer Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und
berücksichtigt und ihren Entscheid vor diesem Hintergrund begründet (vgl. Steinmann,
St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 49 zu Art. 29 BV). Der von einem Entscheid oder
einer Verfügung Betroffene soll wissen, warum die Behörde entgegen seinem Antrag
entschieden hat; die Begründung muss deshalb so abgefasst sein, dass er den
Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (BGE 133 III
439 E. 3.3, 129 I 232 E. 3.2; vgl. auch Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 6. Aufl. 2010, Rz. 1706). Dies ist nur möglich, wenn sowohl der
Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein
bis
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Bild machen können; in diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr
Entscheid stützt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass sich die Behörde ausdrücklich
mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1; Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O.,
Rz. 1706). Umfang und Dichte der Begründung richten sich generell nach den
Umständen (Steinmann, a.a.O., N 49 zu Art. 29 BV). Ist die Sachlage klar und sind die
anwendbaren Normen bestimmt, kann ein Hinweis auf diese Rechtsnormen genügen,
während ein weiter Spielraum der Behörde – aufgrund von Ermessen oder
unbestimmten Rechtsbegriffen – und eine Vielzahl von in Betracht fallenden Sachver-
haltselementen eine ausführliche Begründung gebieten (BGE 112 Ia 110 E. 2b, 104 Ia
213 E. 5g; Steinmann, a.a.O., N 49 zu Art. 29 BV; Tschannen/Zimmerli, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 2. Aufl. 2005, § 29 N 13). Die Begründungspflicht, welche aus dem
Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV fliesst, hat der
st. gallische Gesetzgeber für Verfügungen in Art. 24 Abs. 1 lit. a VRP ausdrücklich
festgehalten; nach dieser Bestimmung soll die Verfügung unter anderem die Gründe
enthalten, auf die sie sich stützt (vgl. zum Ganzen VerwGE B 2009/211 vom 18. März
2010 E. 2.1).
b) Der Rekurrent nahm am 3. Juli 2015 ausführlich zum verkehrsmedizinischen
Gutachten vom 11. Mai 2015 und zur geplanten Wiedererteilung des Führerausweises
unter Auflagen Stellung. Er beantragte, der Führerausweis sei ihm nach Bestehen der
Kontrollprüfung auflagenfrei wiederzuerteilen. Er habe die seit 2009 zu Unrecht
geforderte Alkoholabstinenz nun über sechs Monate nachgewiesenermassen
eingehalten. Da dies die noch einzig verbleibende Bedingung in der Verfügung vom
10. September 2014 für die Wiedererteilung des Führerausweises gewesen sei, sei ihm
der Führerausweis und die Fahrberechtigung unverzüglich und ohne weitere Auflagen
wiederzuerteilen. Andere Drogen seien schon in den vergangenen zwei Gutachten des
IRM kein Thema mehr gewesen und er habe seit 2009 den Nachweis der Abstinenz
erbracht. Schliesslich habe er seit Jahren die Suchtfachstelle regelmässig besucht
(act. 3/86 ff.).
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Die Vorinstanz erwog in der angefochtenen Verfügung, sie habe die Stellungnahme des
Rechtsvertreters zur Kenntnis genommen und gestützt darauf das
verkehrsmedizinische Gutachten vom 11. Mai 2015 geprüft. Dieses erscheine in allen
Teilen schlüssig und widerspreche der Aktenlage nicht. Wie daraus eindeutig hervor
gehe, könne in Anbetracht der nachvollziehbaren Drogenabstinenz, der bezüglich
Suchtmitteln nicht belastenden Fremdauskünfte sowie der Haar- und Urinresultate die
geltend gemachte Verhaltensänderung nachvollzogen und die Fahreignung mit
problementsprechenden Auflagen befürwortet werden. Die Wiedererteilung des
Führerausweises werde nach einem Sicherungsentzug regelmässig mit Auflagen
verbunden, da die dauerhafte, erfolgreiche Überwindung einer Sucht einer Behandlung
und Kontrolle bedürfe. Eine Abweichung von den verkehrsmedizinischen
Empfehlungen rechtfertige sich lediglich in seltenen Fällen, wobei hierfür triftige Gründe
nötig seien. Dies sei vorliegend nicht der Fall (act. 2 S. 2).
c) Die Vorinstanz, welche das Gutachten bereits im Hinblick auf die Wiedererteilung
des Lernfahrausweises prüfen musste, gab in der Verfügung lediglich die Einschätzung
der Gutachter wieder, eigene Überlegungen dazu machte sie nicht. Insbesondere ging
sie nicht auf die Einwände des Rekurrenten ein, wonach er seit 2009 eine
Drogenabstinenz eingehalten habe, weshalb auf Auflagen zu verzichten sei. Indem sie
dies nicht tat, verletzte sie den Anspruch des Rekurrenten auf rechtliches Gehör. Auf
die Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz zu neuer Verfügung kann
verzichtet werden, da die Gehörsverletzung im vorliegenden Rekursverfahren geheilt
werden kann. Das Gericht verfügt über volle Überprüfungsbefugnis (Art. 46 Abs. 1
VRP). Der Umstand, dass die Vor-instanz die angefochtene Verfügung nicht
hinreichend begründete, ist jedoch bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen. Dabei
ist zu beachten, dass dem Rekurrenten das verkehrsmedizinische Gutachten, auf
dessen Inhalt sich die Vorinstanz stützte, vorlag. Es war ihm deshalb trotz mangelhafter
Begründung möglich, die Verfügung sachgerecht anzufechten.
3.- Im Rekursverfahren ist umstritten, ob die Vorinstanz den Führerausweis des
Rekurrenten zu Recht mit der Auflage einer fachlich betreuten und mittels Haaranalyse
kontrollierten Alkohol- und Drogenabstinenz wiedererteilt hat. Die übrigen Punkte (neue
komplette Führerprüfung, Kosten) wurden nicht angefochten, weshalb darauf nicht
weiter einzugehen ist.
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a) Eine Grundvoraussetzung für die Erteilung des Führerausweises ist die Fahreignung.
Dieser Begriff umschreibt die körperlichen und geistigen Voraussetzungen, um ein
Fahrzeug im Strassenverkehr sicher lenken zu können. Die Fahreignung muss
grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE 133 II 384 E. 3.1). Nach Art. 14 Abs. 2 lit. c des
Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) verfügt über die Fahreignung,
wer frei von einer Sucht ist, die das sichere Führen von Motorfahrzeugen
beeinträchtigt. Wird nachträglich festgestellt, dass die gesetzlichen Anforderungen zur
Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen, ist der Führerausweis zu entziehen (Art. 16
Abs. 1 SVG). Gemäss Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG wird der Führerausweis einer Person
auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn sie an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung
ausschliesst.
Nach den allgemeinen verwaltungsrechtlichen Grundsätzen ist es im Rahmen der
Verhältnismässigkeit zulässig, aus besonderen Gründen den Führerausweis mit
Auflagen zu versehen, wenn diese der Sicherstellung der Fahreignung und damit der
Verkehrssicherheit dienen sowie mit dem Wesen der Fahrerlaubnis im Einklang stehen
(vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4482). Die Anordnung von Auflagen kommt dann in
Frage, wenn der Lenker die gesetzlichen Anforderungen an die Fahreignung bei
Einhaltung bestimmter Massnahmen erfüllt; ein Entzugsgrund nach Art. 16 SVG muss
dabei nicht gegeben sein. Erforderlich ist zudem, dass sich die Fahreignung nur mit
dieser Massnahme aufrechterhalten lässt und die Auflagen erfüll- und kontrollierbar
sind (BGE 131 II 248 E. 6). Dass ein Fahrzeuglenker zum Missbrauch von Substanzen,
welche die Fahrfähigkeit beeinträchtigen, neigt, stellt einen besonderen Grund dar, der
Auflagen rechtfertigt (zum Alkoholmissbrauch vgl. BGE 131 II 248 E. 6.3). Ein solcher
besonderer Grund liegt bei einem Konsumverhalten vor, bei welchem es überwiegend
wahrscheinlich ist, dass der Betroffene ausser Stande ist, eine drogenkonsumbedingte
zeitweilige Fahruntüchtigkeit rechtzeitig als solche zu erkennen oder trotz einer solchen
Erkenntnis von der aktiven Teilnahme am Strassenverkehr abzusehen (Urteil des
Bundesgerichts [BGer] 6A.11/2006 vom 13. April 2006 E. 3.2). Personen, die zwar nicht
drogensüchtig, aber nachweislich in erheblichem Ausmass suchtgefährdet sind, kann
der Führerausweis deshalb unter einer Abstinenzauflage erteilt werden
(Ph. Weissenberger, Administrativrechtliche Massnahmen bei Alkohol- und
Drogengefährdung, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2004, St. Gallen 2004,
S. 134 f.).
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b) Der Rekurrent wurde – nachdem bei ihm anlässlich einer Hausdurchsuchung diverse
Betäubungsmittel sichergestellt wurden – zur Abklärung der Fahreignung
verkehrsmedizinisch untersucht. Der Gutachter ging im Bericht vom 5. Juni 2009 davon
aus, dass von einer nicht unerheblichen verkehrsrelevanten
Drogenmissbrauchsproblematik ausgegangen werden müsse. Eine Befürwortung der
Fahreignung sei deshalb nicht möglich; zudem lägen Hinweise auf eine
Problemverlagerung auf Alkohol vor. Er empfahl eine mindestens sechsmonatige,
fachtherapeutisch betreute und mit regelmässigen Haaranalysen auf Drogen und
Alkohol sowie mit Urinproben auf Cannabis und CDT-Blutkontrollen kontrollierte
Drogentotalabstinenz (vgl. act. 7/4 S. 5 f.). In der Folge entzog die Verwaltungspolizei
des Kantons Appenzell Ausserrhoden dem Rekurrenten mit Verfügung vom
11. November 2009 den Führerausweis auf unbestimmte Zeit und knüpfte die
Wiedererteilung des Führerausweises an die vom IRM empfohlenen Bedingungen
(act. 3/32 f.). Das ist nicht zu beanstanden, und es wurde dagegen auch kein
Rechtsmittel ergriffen.
Sämtliche Urinproben in der Zeit vom Dezember 2009 bis Juli 2010 verliefen negativ
auf Cannabis (act. 3/11 ff.). Am 7. Mai 2012 stellte der Rekurrent ein Gesuch um
Wiedererteilung des Führerausweises. Die Abstinenzkontrolle vom 30. August 2012
bestätigte die Einhaltung der Drogenabstinenz, jedoch wurde ein EtG-Wert von 30 pg/
mg festgestellt (act. 3/6). In der Folge verweigerte die Vorinstanz die Wiedererteilung
des Führerausweises. Zwar ging sie dabei fälschlicherweise davon aus, dass eine
Alkoholabstinenzauflage bestehe (vgl. act. 3/4). Da der Rekurrent die Abweisung seines
Gesuchs damals jedoch akzeptierte, ist im vorliegenden Verfahren nicht weiter darauf
einzugehen. Am 5. Februar 2014 fand eine weitere verkehrsmedizinische
Verlaufsbeurteilung statt. Die Drogenabstinenz, welche gemäss eigenen Angaben des
Rekurrenten seit 2010 besteht, konnte nachvollzogen werden; in der Haaranalyse
wurde jedoch ein EtG-Wert von 29 pg/mg festgestellt. Die Gutachter empfahlen
aufgrund des fortbestehenden, nicht unerheblichen Alkoholkonsums mit Verdacht auf
eine Problemverlagerung eine verkehrsmedizinische Besprechung (act. 8/1), welche am
6. Juni 2014 durchgeführt wurde. In der Haaranalyse wurden wiederum keine Drogen,
jedoch ein EtG-Wert von 40 pg/mg nachgewiesen. Aufgrund des bisherigen Verlaufs
und der erhobenen Befunde folgerten die Gutachter, dass der Rekurrent trotz
wiederholter Hinweise nicht in der Lage gewesen sei, den Alkoholkonsum zu
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reduzieren. Insgesamt lasse sich daraus ein Alkoholmissbrauch ableiten und eine
Abhängigkeit nach ICD-10 könne nicht ausgeschlossen werden. Sie verneinten die
Fahreignung aus verkehrsmedizinischer Sicht (act. 3/48 ff.). Die Vorinstanz wies in der
Folge am 10. September 2014 ein Gesuch um Wiedererteilung des Führerausweises ab
und knüpfte die Wiedererteilung an die Bedingungen, die Drogenabstinenz
weiterzuführen sowie eine kontrollierte und fachlich betreute Alkoholabstinenz
(Haaranalyse und Beratungsstelle) einzuhalten (act. 3/67 f.). Die Verfügung wurde
unangefochten rechtskräftig und wäre im Übrigen nicht zu beanstanden gewesen.
Insbesondere findet – anders als im Strafverfahren und beim Warnungsentzug – die
Unschuldsvermutung beim Sicherungsentzug keine Anwendung, da diese Massnahme
nicht wegen eines schuldhaften Verhaltens des Betroffenen, sondern im Interesse der
Verkehrssicherheit erfolgt. Damit ist – wie bei der Blutalkoholbestimmung – auf den
ermittelten EtG-Wert abzustellen, da dieser nach unten und nach oben mit der gleichen
Messunsicherheit von 25% behaftet ist (vgl. BGE 140 II 334 E. 6). EtG-Werte von über
30 pg/mg gelten als Nachweis für einen übermässigen Alkoholkonsum (BGer
1C_615/2014 vom 11. Mai 2015 E. 2.3.1).
c) aa) Im verkehrsmedizinischen Bericht vom 11. Mai 2015 hielten die Gutachter fest,
die im Rahmen der Begutachtung erhobenen Analyseresultate (Urin, Haarprobe), die
negativen Cannabisresultate der monatlichen Urinkontrollen seit Oktober 2014 und die
auf gängige Drogen negative Urinkontrolle seien mit der Alkohol- und Drogenabstinenz
vereinbar. Daneben sei zwar ein erhöhter Leberwert aufgefallen. Bei sonst normalen
alkoholrelevanten Blutparametern einschliesslich CDT, unauffälligen Befunden der
Haaranalyse und aufgrund der Fremdauskünfte könne der isoliert erhöhte Leberwert
nicht näher zugeordnet werden. In Anbetracht der nachvollziehbaren Drogenabstinenz,
der bezüglich Suchtmitteln nicht belastenden Fremdauskünften sowie der Haar- und
Urinresultaten könne die vom Rekurrenten geltend gemachte Verhaltensänderung
nachvollzogen und die Fahreignung mit problementsprechenden Auflagen befürwortet
werden (act. 3/72 f.). Aufgrund dessen erteilte die Vorinstanz dem Rekurrent den
Führerausweis wieder unter der Auflage einer vollständigen, mittels Haaranalyse
kontrollierten Alkohol- und Drogenabstinenz.
bb) Gestützt auf die Angaben des Rekurrenten ist er seit ca. 2009 drogenabstinent. Die
seither durchgeführten Urinproben und Haaranalysen bestätigen die von ihm geltend
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gemachte Abstinenz. Gemäss dem Bericht der Suchtfachstelle St. Gallen vom 16. März
2015 wird der Beratungsprozess positiv beurteilt und die Wiedererteilung des
Führerausweises unterstützt. Der Konsum von illegalen Substanzen sei weit weg und
habe keinen Platz mehr in seinem Leben. Er sei sicher in der Abstinenz und im Lösen
schwieriger Momente. Seine Lebenssituation habe sich in den letzten sechs Jahren
sehr verändert und er habe sich einen neuen Bekanntenkreis aufgebaut. Zudem habe
er beruflich mehr Verantwortung (vgl. act. 3/70). Im Weiteren ist zu berücksichtigen,
dass er, auch wenn es sich lediglich um eine Fahrpraxis von einem Jahr handelte, im
Strassenverkehr nicht auffällig wurde. Der Rekurrent hat damit während mehr als fünf
Jahren eine Drogenabstinenz nachgewiesen. Entsprechend wurde die Fahreignung im
Gutachten vom 28. Juli 2014 lediglich noch wegen eines Alkoholmissbrauchs – und
nicht auch noch wegen einer Drogenmissbrauchsproblematik – verneint (act. 3/49). Er
scheint folglich seine Drogenmissbrauchsproblematik überwunden zu haben, weshalb
keine entsprechenden Abstinenzauflagen mehr zu verfügen sind.
cc) Anders verhält es sich mit der Alkoholabstinenzauflage. Ob eine Alkoholsucht bzw.
ein verkehrsrelevanter Alkoholmissbrauch dauerhaft erfolgreich überwunden wurden,
bedarf nach der Wiedererteilung des Führerausweises in der Regel einer weiteren vier
bis fünf Jahre dauernden Kontrolle der Einhaltung einer vollständigen Alkoholabstinenz
und der therapeutischen Begleitung. Dazu sind regelmässige Laboruntersuchungen der
alkoholrelevanten Blut- und Leberwerte erforderlich. Bei günstigem Verlauf kann der
Betroffene frühestens drei Jahre nach Wiedererteilung des Führerausweises aus den
Auflagen bzw. der verkehrsmedizinischen Kontrolle entlassen werden. Es bedarf nach
der Wiedererteilung des Führerausweises noch während mindestens dreier Jahre einer
verkehrsmedizinisch kontrollierten gänzlichen Alkoholabstinenz. Darüber hinaus muss
eine Suchttherapie während mindestens zwei Jahren durchgeführt werden. Die
betroffene Person hat dazu regelmässig eine Beratungs- oder Therapiestelle
(Suchtberatung, Psychologe, Psychiater, Hausarzt usw.) für Beratungsgespräche
aufzusuchen. Sofern eine vollständige Alkoholabstinenz eingehalten wurde, die
Laboruntersuchungen regelmässig erfolgten und die Suchttherapie erfolgreich verlief,
kann nach frühestens zwei Jahren die Therapie sistiert werden, und es müssen dann
nur noch die Laborkontrollen durchgeführt werden (BGer 6A.61/2005 vom 12. Januar
2006 E. 2.1 mit Hinweis auf R. Seeger, Alkohol und Fahreignung, in: Handbuch der
verkehrsmedizinischen Begutachtung, Bern 2005, S. 29).
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Bereits in der verkehrsmedizinischen Begutachtung vom 5. Juni 2009 wies der
Gutachter darauf hin, dass Hinweise auf eine Problemverlagerung auf Alkohol vorlägen
(act. 7/4). In der Haarprobe vom 27. Juli 2012 wurde ein EtG-Wert von 30 pg/mg
nachgewiesen, was im damaligen Zeitpunkt für einen regelmässigen bis regelmässig
vermehrten Alkoholkonsum sprach. Die Gutachter hielten entsprechend fest, der im
verkehrsmedizinischen Gutachten vom Juni 2009 geäusserte Verdacht auf eine
Problemverlagerung auf Alkohol bleibe bestehen (act. 3/6). Die Haaranalyse vom
20. Dezember 2013 wies einen EtG-Wert von 29 pg/mg aus (act. 8/2). Demnach gelang
es dem Rekurrenten nicht, seinen Alkoholkonsum zu reduzieren. Im Auflagenzeugnis
vom 5. Februar 2014 wiesen die Gutachter erneut darauf hin, dass er bis zur
verkehrsmedizinischen Besprechung in ca. drei Monaten den Alkoholkonsum deutlich
reduzieren solle (vgl. act. 8/1); daran hielt er sich aber nicht. Am 6. Juni 2014 wurde
dem Rekurrenten wiederum eine Haarprobe von 5 cm Länge entnommen. Der
festgestellte EtG-Wert von 40 pg/mg lässt auf einen übermässigen Alkoholkonsum in
den vergangenen fünf Monaten schliessen (act. 3/52). Folgerichtig wurde mit Verfügung
vom 10. September 2014 die Wiedererteilung des Führerausweises verweigert und für
eine Neubeurteilung eine Alkoholabstinenz gefordert (vgl. act. 3/67 f.). Seither wurde
kein Alkoholkonsum nachgewiesen; so konnte in der Haarprobe vom 10. April 2015
kein EtG festgestellt werden (act. 3/71). Im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung
vom 6. Juli 2015 betrug der Abstinenznachweis erst ein Jahr, weshalb die
Wiedererteilung des Führerausweises unter der Auflage einer Alkoholabstinenz nicht zu
beanstanden ist.
dd) Mit der Formulierung, dass die Auflagen auf unbestimmte Zeit Gültigkeit haben,
wird lediglich klargestellt, dass diese nicht auf eine bestimmte Dauer befristet sind.
Wäre Letzteres der Fall, hätte dies zur Folge, dass die Auflagen nach Fristablauf
einfach dahinfallen würden, und zwar unabhängig davon, ob noch Bedenken an der
Fahreignung bestehen oder nicht. Vielmehr ist die Aufhebung der Auflagen nach einer
gewissen Frist zu überprüfen. Im Folgenden ist daher zu prüfen, ob die von der
Vorinstanz für die frühestmögliche Überprüfung angesetzte Frist von zwei Jahren
angemessen ist.
Entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wäre eine Entlassung aus den
Auflagen bzw. aus der verkehrsmedizinischen Kontrolle frühestens in drei Jahren nach
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Wiedererteilung des Führerausweises möglich. Eigentlich stellt dies eine Mindestdauer
dar, um eine erfolgreiche Einhaltung der Alkoholabstinenz nachzuweisen. Daneben
muss zwingend während mindestens zwei Jahren eine Suchttherapie durchgeführt
werden (vgl. BGer 6A.61/2005 vom 12. Januar 2006 E. 2.1). Die von der Vorinstanz
angeordneten Auflagen (vollständige Alkoholabstinenz während mindestens zwei
Jahren, zweimal jährliche Überprüfung mittels Haaranalysen, Besuch einer
Suchtfachstelle) liegen folglich unter dem üblichen Rahmen. Zu berücksichtigen ist,
dass der Rekurrent nach eigenen Angaben seit September oder Oktober 2014
alkoholabstinent ist, was durch das verkehrsmedizinische Gutachten vom 11. Mai 2015
nicht widerlegt wird (act. 3/69 ff.). Im Gegenteil bestätigte der Bericht der
Suchtfachstelle St. Gallen vom 16. März 2015, dass der EtG-Wert von 40 pg/mg den
Rekurrenten nachdenklich gestimmt habe. Es sei ihm schon als junger Mann wichtig
gewesen, den Konsum und das Fahren strikt zu trennen. Als Familienvater gewichte er
dies jetzt noch mehr (act. 3/70). Auch fiel er im Strassenverkehr nie auffällig auf. Damit
ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz eine Aufhebung der Abstinenzkontrolle
frühestens in zwei Jahren überprüft. Der Rekurs ist in diesem Punkt abzuweisen.
d) Dementsprechend ist der Rekurs teilweise gutzuheissen, und Ziffer 3 lit. a der
angefochtenen Verfügung der Vorinstanz vom 6. Juli 2015 dahingehend abzuändern,
dass der Rekurrent lediglich eine Alkoholabstinenz einzuhalten hat. Die Auflage einer
Drogenabstinenz ist dagegen aufzuheben.
4.- Mit den Auflagen soll sichergestellt werden, dass der Rekurrent zum Schutz der
Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer nur in fahrfähigem Zustand ein
Motorfahrzeug lenkt. Dieser Zweck wäre gefährdet, müsste er diese Auflagen während
eines Beschwerdeverfahrens nicht einhalten. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb
die vom Gesetz vorgesehene aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 51 VRP).
5.- a) Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten von Fr. 1'200.–
zu einem Drittel dem Rekurrenten und zu zwei Dritteln dem Staat aufzuerlegen (Art. 95
Abs. 1 VRP; Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu verrechnen und dem Rekurrenten im
Restbetrag von Fr. 800.– zurückzuerstatten.
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b) Gemäss Art. 98 Abs. 2 VRP werden im Rekursverfahren ausseramtliche Kosten
entschädigt, soweit sie aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und
angemessen erscheinen. Im Rekursverfahren war der Beizug eines Rechtsbeistandes
geboten. Der Rechtsvertreter reichte keine Kostennote ein, weshalb die Entschädigung
für die Anwaltskosten ermessensweise festzulegen ist. Im Verfahren vor der
Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar als Pauschale ausgerichtet; der
Rahmen liegt zwischen Fr. 1'000.– und Fr. 12'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75; abgekürzt:
HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das Grundhonorar nach den besonderen
Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des
Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten, bemessen (Art. 19 HonO).
Umstritten war die Frage, ob die Wiedererteilung des Führerausweises unter Auflagen
einer Alkohol- und Drogenabstinenz zulässig war. Angesichts des durchschnittlichen
Aktenumfangs und des durchschnittlichen Schwierigkeitsgrads des Falles in rechtlicher
und tatsächlicher Hinsicht erscheint ein Honorar von Fr. 2‘100.– als angemessen.
Entsprechend dem Verfahrensausgang sind dem Rekurrenten die ausseramtlichen
Kosten zu einem Drittel zu entschädigen, das heisst im Betrag von Fr. 700.– (Art. 98
VRP; R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St. Gallen 2004, S. 183). Hinzuzuzählen sind
die Barauslagen von Fr. 28.– und die Mehrwertsteuer von Fr. 58.25 (Art. 28 Abs. 1
und Art. 29 HonO), sodass die ausseramtliche Entschädigung insgesamt Fr. 786.25
beträgt; kostenpflichtig ist der Staat (Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt).