Decision ID: 1a0a2d49-7642-4ec4-aed1-37c9516ca513
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1961, ehemals
Y._
(
Urk.
7/111)
,
arbeitet als
Selbständigerwerbende
im Bereich
Nagel- und Fuss
pflege (vgl.
Urk.
7/14
Ziff.
5.4;
Urk.
7/19). Am
1
3.
August 2008
meldete sie sich
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/14). Mit Verfügung vom 2
3.
November 2011 (
Urk.
7
/
100,
Urk.
7/91
)
sprach die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, der Versicherten rückwirkend ab dem
1.
Juli 2008 und befristet bis 3
0.
Juni 2009 eine ganze Rente zu
. Ab dem
1.
Juli 2009
verneinte
sie einen Rentenanspruch
. Die
von der Versicherten
am
6.
Januar 2012 dagegen erhobene Beschwerde (
Urk.
7/107/3-12) wies das hiesige Gericht m
it Urteil vom 2
9.
Juli 2013
(angelegt unter Prozess-Nr. IV.2012.00013)
ab (
Urk.
7/112/1-16).
1.2
Unter Hinweis auf Gebrechen und ihre Psyche meldete sich die Versicherte am 1
5.
Januar 2018 erneut bei der Invalidenversicherung an
(
Urk.
7/119). Die IV-Stelle
trat auf die Neuanmeldung ein und verneinte
mit
Mitteilung vom
1
2.
Feb
ruar 2018
einen
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen
(
Urk.
7/130). Die IV-Stelle tätigte sodann
erwerbliche (
Urk.
7/126,
Urk.
7/138)
und medizinische (
Urk.
7/137)
Abklärungen und zog Akten des Krankentaggeldversicherers (
Urk.
7/121-122
,
Urk.
7/133
)
zum Verfahren bei
.
Am
7.
Januar 201
9
erliess sie
den Vorbescheid (
Urk.
7/141), wogegen die Versicherte
Einwänd
e (
Urk.
7/147,
Urk.
7/153) vorbrachte.
Mit Verfügung vom 2
2.
Mai 2019 (
Urk.
7/158 =
Urk.
2) verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch.
2.
Die Versicherte erhob am 2
5.
Juni 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
2.
Mai 2019 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verpflichten, ihr Leistungen (Rentenleistungen und berufliche Massnah
men) zuzusprechen. Des Weiteren sei sie durch das Gericht medizinisch begut
achten zu lassen. Eventuell sei die Sache zwecks Begutachtung und anschliessen
dem Neuentscheid an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-4). Ver
fahrensrechtlich beantragte die Versicherte die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung in der Person ihrer Rechtsvertreterin (
Urk.
1 S. 2 unten).
Die IV-Stelle
beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
August 2019 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 1
3.
Sep
tem
ber 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ih
rem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V
547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung
erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (BGE
117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung fest, nach den
nach der Neuanmeldung der Beschwerdeführerin
eingeholten medizinischen Un
terlagen
sei es
per Oktober 2017
zu einer Verschlechterung des Gesundheitszu
standes gekommen
. Mittlerweile habe
sich die Beschwerdeführerin
aber
soweit erholt, dass sie
für eine angepasste Tätigkeit
per November 2018
wieder eine Ar
beitsfähigkeit von 75
%
erlangt habe
. Zusammenfassend
habe die gesundheitli
che Verschlechterung nicht längere Zeit gedauert
(
Urk.
2 S. 1
f.
).
Die Beschwer
degegnerin stellte
für die medizinische Beurteilung
auf ein vom
Krankentaggeld
versicherer
in Auftrag gegebenes
Gutachten
der Z._
vom 1
6.
Juli 2018
ab
(
Urk.
2 S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte vor,
die Gutachter
der
Z._
attestierten für die angestammte Tätigkeit aus orthopädischer und psychiatrischer Sicht eine Ar
beitsunfähigkeit von 50
%
. Für eine angepasste Tätigkeit
werde
ab dem
1.
No
vember 2018 eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
attestiert (
Urk.
1 S. 5
Ziff.
7).
Ge
mäss dem orthopädischen Teilgutachten seien der Beschwerdeführerin leichte bis mittelschwere
Tätigkeiten zu 100
%
zumutbar
(S. 6
Ziff.
13). In psychiatrischer Hinsicht liege der grosse Unterschied in der Beurteilung der Prognose. Während
Gutachter
Dr.
A._
von der Wiedererlangung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit per November 2018 ausgehe, erklärten die behandelnden Ärzte das Fortbestehen einer hochgradigen Arbei
tsunfähigkeit aufgrund der Wechselwirkungen zwischen den physischen und psychischen Beschwerden als wahrscheinlich (S.
7
Ziff.
15).
Die von
Dr.
A._
zitierten Studien und Regelverläufe einer unipolaren Störung würden sich nicht auf das konkrete Beschwerdebild der Beschwerdeführerin und auch
nicht auf Regelfälle beziehen,
in
denen
eine Komorbidität
vorliege
. Eine Erklärung, weshalb die Ergebnisse der Studie zur Beurteilung der Prognose der Beschwerdeführerin herangezogen werden könnten, gebe der Gutachter nicht (S. 8
Ziff.
17). Die Ärzte
der B._
hätten in ihren Beur
teilungen Stellung zu den Wechselwirkungen genommen, was im Gutachten der
Z._
unterlassen worden sei (S. 8
Ziff.
18). Bei der Beurteilung eines psychi
schen
Gesundheitszustandes müsse zudem Stellung genommen werden zu den einzelnen Indikatoren, was im psychiatrischen
Teilg
utachten von
Dr.
A._
eben
falls
nicht erfolgt sei (S. 9
Ziff.
20).
Die Kritik am Gutachten der
Z._
sei bereits
in den Einwänden
gegen den Vorbescheid vorgebracht worden.
Es wäre der Beschwerdegegnerin problemlos möglich gewesen, den Gutachtern Rückfragen
zu stellen
und Ergänzungen zu den Indikatoren zu verlangen oder ein neues Gutachten in Auftrag zu geben, was nicht erfolgt sei (S. 10
Ziff.
24). Die Stellungnahmen des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der Beschwerdegegnerin stammten
sodann
nicht von einem psy
chiatrischen Facharzt.
Dieser
habe sich sodann weder mit der Stellungnahme der Ärzte der
B._
auseinandergesetzt noch habe er begründet, weshalb das Gutach
ten seinen Beweiswert behalte
n solle
(S. 11
Ziff.
27).
2.3
Streitgegenstand bildet die Frage
,
ob
sich der Gesundheitszustand der Beschwer
deführerin verglichen mit den Verhältnissen zum Zeitpunkt der Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 2
3.
November 2011 massgeblich
verändert hat
und ob neu ein Rentenanspruch besteht. Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob auf das
vom
Krankentaggeldversicherer
in Auftrag gegebene
Gutachten der
Z._
vom 1
6.
Juli 2018 abgestellt werden
kann
.
Nachfolgend ist auf die medizinische Aktenlage einzugehen.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin
wurd
e am
6.
September 2007 und am 2
6.
Juni 2008 in der
C._
am Rücken
operiert (
vgl.
Urk.
7/6,
Urk.
7/12).
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte im Bericht vom
1.
September 2008 (
Urk.
7/25) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2
Ziff.
1.1):
-
Status nach
interlaminärer
Fensterung L5/S1 rechts und Entfernung einer grossen Diskushernie vom
6.
September 2007
-
Status nach
interlaminärer
Fensterung L5/S1 links und
Entfernung
einer grossen Dis
k
ushernie vom 2
6.
Juni 2008
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
er
eine depressive Verstimmung (S. 2
Ziff.
1.2).
Dr.
D._
attestierte für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
ab dem
2.
August 2007 ein
e Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und ab dem 1
2.
Februar 2008 eine zwischen 66 und 100
%
schwankende Arbeitsunfähigkeit
(S. 2
Ziff.
2).
3.2
Dr.
med.
E._
,
Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin und für Rheu
matologie,
erstattete am 1
6.
Dezember 2008 (
Urk.
7/31/5-8) zuhanden des Kran
kentaggeldversicherers einen Konsiliarbericht.
Dr.
E._
nannte als Diagnosen (S. 3):
chronifizertes
lumbovertebrales
und
myofasciales
Schmerzsyndrom linksbe
tont mit fortgeleiteten
Missempfindungen
in die linke untere Extremität
•
Differentialdiagnose:
rest
radikuläre
Reiz- und Ausfallsymptomatik der Wurzel S1 links
•
Ligamentose
interspinal L5/S1 und
mässige Hartspannbildung
para
L
4 bis S1 beidseits
•
Status nach zweimaliger
Fenestrierung
L5/S1, rechts mit
Sequestre
k
tomie
am
6.
September 2007 und links mit Diskusmaterialentfernung am 2
6.
Juni 2008
3.3
Dr.
med. F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie des Bewegungsapparates, erstattete am 2
4.
August 2009 (
Urk.
7/47) im Auf
trag der Beschwerdegegnerin ein orthopädisches Gutachten.
Dr.
F._
stellte folgende Diagnosen (S. 5
Ziff.
IV):
-
chronifiziertes
lumbovertebrales
und
lumboradikuläres
Syndrom links mehr als rechts (seit 2007)
-
Status nach Diskushernien-Operation L5-S1 rechts (September 2007)
-
Status nach Diskushernien-Operation L4-5 links (Juni 2008
)
-
passagère
depressive Verstimmung, in wesentlicher Besserung seit Ende 2008 und Anfang 2009
Der Gutachter
führte
in seiner Beurteilung aus
, die Beschwerdeführerin leide seit dem Jahr 2007 an ausstrahlenden Rückenschmerzen, zunächst mehr rechts und später mehr links.
Die beiden Operationen
in der
C._
seien vorübergehend erfolgreich gewesen. Es seien aber Ischialgien beidseits verblieben mit Sensibilitätsstörungen und einer diskreten Parese (Fussheber) rechts.
Bei einer attestierten Arbeitsfähigkeit von 25
% habe
die Beschwerdeführerin
seit dem
1.
Januar 2009 in
ihrer
selb
ständigen Tätigkeit
so
gar zu 50
%
gearbeitet (S. 6
Ziff.
V oben). In der Tätigkeit als Kosmetikerin
in einem Fusspflege- und Nagel
studio
stelle eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
die oberste
Grenze dar, die die Be
schwerdeführerin leiste könne. Dies vor allem aufgrund einer begrenzten Sitzleis
tung. Für eine maximal angepasste Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 75
%
.
Als Belastungsprofil sei von einer
leichten
Tätigkeit
auszugehen
, ausgeübt vornehmlich in Wechselbelastung in relativ raschem Wechse
lrhythmus (ohne langes Sitzen). Das
Tragen und Heben von Gegenständen
sei
bis maximal 5 kg pro Seite
möglich
ohne asymmetrische Lasteinwirkung
en
(S. 6
Ziff.
V unten).
In der bisherigen Tätigkeit bestehe seit Sommer 2007 eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Zwischenzeitlich habe operationsbedingt
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
% bestanden (S. 7
Ziff.
2).
3.4
Dr.
F._
gab am 1
4.
September 2009 (
Urk.
7/49) auf Nachfrage der Beschwer
degegnerin ergänzend an, seit Sommer 2007
bestehe
für
jede Tätigkeit eine Ar
beitsunfähigkeit
von 50
%
. Operationsbedingt habe zwischenzeitlich eine Ar
beitsunfähigkeit von 100
%
bestanden.
3.5
Dr.
med. G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
RAD
, führte in der Stellungnahme vom 2
0.
Oktober 2009 (
Urk.
7/51 S. 7) aus, gemäss den
Angaben von
Dr.
F._
habe von Juli 2007 bis Dezember 2008 in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
bestanden. Ab Januar 2009 bestehe
in der bisherigen Tätigkeit als Kosmetikerin weiterhin eine Arbeits
fähigkeit von 50 %. Für eine angepasste Tätigkeit bestehe ab diesem Zeitpunkt eine Arbeitsfähigkeit von 75
%
.
3.6
In der
Stellungnahme vom 1
1.
Juni 2010 (
Urk.
7/90 S. 3 unten)
gab
Dr.
G._
an
, nach dem Gutachten von
Dr.
F._
sei seit Juni 2007 von einem mehr oder weniger gleichen Gesundheitszustand auszugehen, unterbrochen durch die Ope
ration im Juni 200
8.
Somit
habe von Juni bis Dezember 2008 für alle Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestanden. Von Januar bis März 2009 habe für die bisherige Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 25
%
und
erst
ab April 2009 von 50
%
bestanden. Wie von
Dr.
F._
definiert könne für eine angepasste Tätigkeit a
b
Januar 2009 von einer Arbeitsfähigkeit von 75
%
ausgegangen wer
den.
3.7
Mit Verfügung vom 2
3.
November 2011 (
Urk.
7/100,
Urk.
7/91) sprach die Be
schwerdegegnerin der Beschwerdeführerin ab dem
1.
Juli 2008 befristet bis 3
0.
Juni 2009 eine ganze Rente zu. Ab dem
1.
Juli 2009 verneinte sie
ausgehend von einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 75
%
in einer angepassten Tätigkeit
einen Rentenanspruch.
Eine
von der Beschwerdeführerin dagegen erhobene Be
schwerde
vom
6.
Januar 2012 wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 2
9.
Juli 2013 ab (
Urk.
7/112/1-16).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin ist
seit dem 2
6.
Juni 2015
in der
B._
in ärztlicher Be
handlung (
Urk.
7/121/1
Ziff.
1).
In einem von
H._
,
B._
,
unterzeichneten und am
2
3.
November
2017
(
Urk.
7/121/1-3)
beim Krankentaggeldversicherer
eingegangen Bericht
wurden folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit
gestellt
(
Ziff.
3):
-
schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2), in Zusammenhang mit
Ver
dacht auf somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Verdacht auf emotional instabile Persönlichkeit (ICD-10 F60.30)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde ein schädlicher Gebrauch von Cannabis (ICD-10 F12.1) genannt (
Ziff.
3.1).
H._
führte weiter aus
, es finde
eine psychotherapeutische inklusive einer medikamentösen Behandlung statt
.
Die
Beschwerdeführerin
erhalte zudem
Un
terstützung durch die Sozialberatung
(
Ziff.
5).
Für die aktuelle Tätigkeit bestehe maximal eine
Arbeitsfähigkeit von 50
%, phasenweise liege die Arbeitsfähigkeit tiefer (
Ziff.
7.1).
Am aktuellen Arbeitsplatz habe v
om
9.
Oktober bis 1
2.
Novem
ber 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bestanden. Vom 1
2.
bis
vorerst
3
0.
November 2017
bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 75
%
(
Ziff.
8).
4.2
4.2.1
Die Helsana Versicherungen AG
als Krankentaggeldversicherer
gaben
bei der
Z._
ein
bidisziplinäres
Gutachten in Auftrag, das am 1
6.
Juli 2018 (
Urk.
7/133/2-41) erstattet wurde.
Das Gutachten
beruht auf der psychiatrischen Untersuchung vom 2
7.
Juni 2018 (
Urk.
7/133/2) und der orthopädischen Unter
suchung vom 2
8.
Juni 2018 (
Urk.
7/133/23) und ist von
Dr.
med. I._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
apparates,
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Prof.
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Neurologie, unterzeichnet (
Urk.
7/133/22).
Die Gutachter führten im psychiatrischen Teilgutachten (
Urk.
7/133/2-20) zur Anamnese aus, die Beschwerdeführerin sei weiterhin
sehr empfindlich und
dünn
häutig und
weine
aus
nichtigem Grund. Der Zustand schwanke tageweise
.
Der Antrieb
habe sich etwas gebessert und
die Angst sei ebenfalls
zurückgegangen. Eigentlich habe sie vor allem Angst.
Weiterhin
bestünden eine
starke innere Un
ruhe und eine Anspannung
(S. 2
Ziff.
1.1). Seit Dezember 2017 nehme sie
Cipralex
und
Surmontil
ein
und daneben
Tibolon
,
Nexium
,
Condrosulf
und
Sir
dalud
. Eine Steigerung
des Medikamentes
Cirpralex
sei wegen unerwünschter Arzneimittelwirkungen nicht möglich gewesen (S. 2
Ziff.
1.2).
Die Beschwerde
führerin sei bereits in der Kindheit impulsiv gewesen und habe sich schlecht kon
zentrieren können (S. 2
Ziff.
1.3). Nach einer schweren Operation 1990 und nach den Rückenoperationen
2007/2008
seien depressive Phasen au
fgetreten.
Sie sei psychotherapeutisch und psychiatrisch behandelt worden.
Seit Ende letzten Jah
res
fühle sie sich psychisch erneut
belastet. Im November 2017 sei es sehr schlimm gewesen. Auslöser sei der Tod ihres Lebenspartners gewesen (S. 3
Ziff.
1.3).
Sie schlafe gut, erwache aber schmerzbedingt
und könne nicht wieder einschlafen
. Es bestünden Rücken- und Nackenschmerzen sowie Beschwerden im Bereich der Hüfte und des rechten Knies
(S. 3
Ziff.
1.5).
Bereits in der
Schulzeit
sei
e
n ihr
das
Konzentrieren
und
Stillsitzen schwergefallen
. Sie habe in der Schulzeit stets gestört
(S. 4
Ziff.
1.7 Mitte).
Die Beschwerdeführe
rin
habe eine Ausbildung zur
Coiffeuse
absolviert und bis 2002
in diesem
Beruf gearbeitet. Wegen der Rückenschmerzen habe sie eine Umschulung zur Hand- und Fusspflegerin absolviert. Parallel
dazu
habe sie in der Gaststätte ihres Le
bensgefährten gearbeitet.
Sie
sei zweimal verh
eiratet gewesen und geschieden. Der langjährige
Lebensgefährte
der Beschwerdeführerin
sei
letztes Jahr verstor
ben. Seit dem Jahr 1999 sei sie als selbständige Fusspfleger
in tätig. Momentan übe sie ein Pensum von etwa 25
% aus
. Die Beschwerdeführerin habe zwei oder drei Kollegen. Derzeit pflege sie wenige Kontakte und sie habe sich sozial sehr zurückgezogen
(S. 4
Ziff.
1.7 unten).
Ihren Hobbys Tanzen und Velofahren könne sie nicht mehr nachgehen (S. 5
Ziff.
1.7).
4.2.2
Die Beschwerdeführerin habe
bei der
Untersuchung
phasenweise
psychisch
be
einträcht
igt gewirkt
(S. 10
Ziff.
3 unten).
Der Antrieb
habe vermindert gewirkt und d
ie
Mimik und Gestik seien etwas zurückgenommen
erschienen
. Weiter habe
sie
über lebensmüde Gedanken berichtet
(S. 12
Ziff.
3 oben).
Die Gutachter nannten als psychiatrische Diagnosen eine teilremittierte mittel
gradige depressive Episode bei rezidivierender depressiver Störung, bei zugrun
deliegendem adultem ADHS (ICD-10 F33.1 und F90)
,
sowie Alkohol
-
,
Opioid- und Cannabis-Fehlgebrauch
(S. 12
Ziff.
4).
Die Beschwerdeführerin habe über eine erhebliche affektive Irritabilität berichtet sowie über eine depressive Ver
stimmun
g, Lust- und Antriebslosigkeit, e
rhebliche Ängste, lebensmüde Gedan
ken,
eine
Grübelneigung
sowie über weitere kognitive und vegetative Beeinträch
tigungen. Anamnestisch
sei von
rezidivierenden
depressiven Episoden 1990, 2007/2008 und zuletzt seit 2017
auszugehen
. Im AMDP-konform erhobenen psy
chiatrischen Befund seien Beeinträchtigungen der Stimmung, des Antriebes und der affektiven Schwingungsfähigkeit zu objektivieren. Es se
i daher
die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung mit aktuell mittelgradig ausgeprägter depressiver Episode zu stellen.
Es werde
aber
eine Teilremission der aktuellen Episode unter der aufgenommenen therapeutischen sowie medikamentösen anti
de
pressiven Behandlung berichtet (S. 12
Ziff.
5 unten). Den Beschwerden lägen
k
onzentrative
Defizite
zugrunde,
eine Unruhe sowie expansive Verhaltensauffäl
ligkeiten, die seit der Kindheit beziehungsweise seit der Jugend bestünden und die durchgängig vorgelegen hätten. Wahrscheinlich liege ein adultes ADHS vor. Anamnestisch liessen sich eine persistierende Symptomatik herausarbeiten im Sinne von Impulsivität, Ungeduld und schnellem
Gelangweiltsein
sowie affekti
ver Irritabilität (S. 12 f.
Ziff.
5
). Anamnestisch seien weiter ein zurückliegender Alkohol- sowie ein fortgesetzter Cannabis- und Opioid-Missbrauch herauszuar
beiten
. Die Beschwerdeführerin habe
diesbezüglich
aber
über einen
deutlich re
duzierten Konsum berichtet.
Aufgrund der deutlichen affektiven und vegetativen Beeinträchtigungen im Rahmen der psychiatrischen Morbidität liege derzeit eine auf 25
%
herabgesunkene Arbeitsfähigkeit vor (entsprechen
d einem Pensum von 50
%
und ein
Rendement von 50
%
, S. 13 oben).
Die Beschwerdeführerin
befinde sich in
einer ambulanten psychiatrisch-psycho
therapeutischen Behandlung. Die eingenommene Medikation sei teilweise wirk
sam.
Notwendig seien die
Mitbehandlung des ADHS sowie eine Intensivierung und Modifikation der Therapie. Bei einer deutlich zögerlichen Remissionstendenz sei eine medikamentöse Augmentation und Umstellung der Medikation zu erwä
gen. Weiter solle die Abstinenz von sämtlichen Suchtmitteln etabliert, kontrolliert und dokumentiert werden (S. 13 Mitte).
Hinsichtlich der depressiven Symptome sei die Prognose günstig. Aufgrund des rezidivierenden Krankheitsgeschehens und der psychiatrischen Komorbidität sei ein weiterhin protrahierter Verlauf wahrscheinlich. Somit sei erst per
1.
Septem
ber 2018 mit der Wiedererlangung einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
zu rechnen. Per
1.
November 2018 sei mit einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
zu rechnen.
Die erwogene Diagnose einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung
lasse sich nicht
bestätigen. Vor dem Hintergrund der Symptomschilderung und der Längs
schnittanamnese liege wahrscheinl
ich ein ADHS vor (S. 13 unten).
In
der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit
sei der Beschwerdeführerin
ein Pensum von 4.5 Stunden täglich zumutbar (S. 14
Ziff.
6.5 a). Eine Anpassung der Tätigkeit sei aus psychi
atrischer Sicht nicht geeignet, den Heilungsverlauf zu beschleunigen und die Ar
beitsfähigkeit rascher zu steigern, da sich die affektiven und vegetativen Störun
gen in jeder Tätigkeit gleichrangig negativ auswirkten (S. 15
Ziff.
6.6 a).
Dr.
A._
äusserte sich im Anhang des psychiatrischen Teilgutachtens unter Hin
weis auf die Fachliteratur zur Prognose
unipolarer
Depressionen (S. 16 ff.).
4.2.3
Die Gutachter führten im orthopädischen Teilgutachten (
Urk.
7/133/23-41) zur Anamnese aus,
die Beschwerdeführerin habe über Ausstrahlungen vom Nacken bis in die rechte Hand berichtet mit teilweiser Taubheit der ersten drei Finger rechts. Die Beschwerden best
ünden seit Jahren, wobei sich die Symptomatik
zu
letzt verschlechtert
habe
. Weiter habe sie über eine Bewegungseinschränkung und über Schmerzen
cervical
berichtet, welche vor allem bei der Arbeit nach zwei bis drei Stunden auftreten würden. Wenn sie sich hinlege oder bei einem selbst durchgeführten Dehnungsprogramm, würden die Schmerzen nachlassen. Die Be
schwerdeführerin
habe
die Schmerzen auf einer Skala mit 4-5 im Minimum, 8-9 im
Maximum
und aktuell 4-5
bewertet
(S. 2
Ziff.
1.1 oben). Weiter habe sie über lumbale Beschwerden geklagt. Längeres Stehen
und das Sitzen bei der Arbeit
verursachten Schmerzen
. Die Schmerzen
seien
auf der Skala mit 4-5 im
Mini
mum
, 9 im Maximum und aktuell 5 angegeben
worden
. Zuletzt habe
die Be
schwerdeführerin
einen Kraftverlust der Zehenstreckung am rechten Fuss (Zehen zwei bis fünf) seit den Operationen am Rücken angegeben (S. 2
Ziff.
1.1 Mitte).
Die Beschwerdeführerin arbeite selbständig
in der eigenen Wohnung
, aktuell mit einem Pensum von 30 bis 40
%
. Es handle sich um zirka zwei Kunden pro Tag
. Pro Kunde benötige sie 1.5 bis 2 Stunden
(S. 3
Ziff.
1.4).
Die Gutachter nannten als orthopädische Diagnosen einen Status nach Diskusher
nien
-O
peration LWK5/SWK1 beidseits und
einen
zervikale
n
Triggerpunkt
(S. 16
Ziff.
5). Die Beschwerdeführerin habe vorrangig über
cervikale
Beschwerden
ge
klagt mit Ausstrahlung bis in die rechte Hand und Sensibilitätsstörungen der Fin
ger eins bis drei. Die klinische Untersuchung habe keine klinischen Zeichen für ein bestehendes Carpaltunnelsyndrom
ergeben.
Hingegen finde sich ein aktiver
myofaszialer
Triggerpunkt
im Bereich des
Musculus
trapezius
rechtsseitig, dessen Palpation die Symptomatik provoziere. Darüber hinaus finde sich eine geringe Einschränkung der
Beweglichkeit der Halswirbelsäule (HWS) in allen Ebenen ohne Einschränkung der spontanen Bewegung (S. 16
Ziff.
6 oben).
Im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) finde sich eine reizlose Narbe und eine geringe Tonuserhöhung der paravertebralen Muskulatur beidseits sowie bei der orthopädisch-neurologischen Untersuchung eine mögliche
Fussheberschwäche
rechts. Der Fersengang sei jedoch seitengleich
erfolgt
. E
ine erhebliche Parese könne
also nicht vorliegen, zumal der Kennreflex bei L4 auslösbar sei. Zudem sei eine funktionell nicht erheblich generalisierte Hypästhesie des rechten Beins an
gegeben worden
, was zudem
radikulär
nicht plausibel zuzuordnen sei
. Auffallend sei eine Diskrepanz zwischen dem ermittelten Finger-Zehen-Abstand und dem Finger-Boden-Abstand, wofür es keine biologische Plausibilität gebe und was für eine Aggravation spreche. Mittel
s
therapeutischer Behandlung inklusive
einer Be
handlung
des
Triggerpunktes
und einem Eigenübungsprogramm sei eine Verbes
serung des zervikalen Befundes zeitnah zu erwarten. Lumbal sei von einem End
zustand mit einem objektiv guten operativen Ergebnis auszugehen (S. 16
Ziff.
6 unten).
Aufgrund des
postoperativen lumbalen Status seien
körperlich schwere Arbeiten dauerhaft
nicht mehr möglich
. Für körperlich leichte bis mittelschwere, vorwie
gend wechselbelastende Arbeiten bestehe jedoch
eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
. Für die angestammte Tätigkeit im Bereich Fuss- und Handpflege, welche mit länger anhaltenden Zwangspositionen verbunden sei, bestehe aufgrund der spinalen Limitation eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(Pensum von 50
%
bei einem Rendement von 100
%
, S. 16 f.
Ziff.
6).
In dieser Tätigkeit sei
der Beschwerde
führerin
ein Pensum von 4.5 Stunden täglich zumutbar (S. 17
Ziff.
7.5 a). In einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe eine zumutbare Leistungsfähigkeit von 9 Stunden täglich beziehungsweise
von
100
%
(S. 18
Ziff.
7.6).
4.2.4
Die Gutachter führten
zur
Konsensbeurteilung
vom 1
6.
Juli 2016 (
Urk.
7/133/21-22)
aus, die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei derzeit
aus psychiatri
scher Sicht
für jede Tätigkeit auf 25 % limitiert. Von psychiatrischer Seite sei jedo
ch eine
Verbesserung
zu erwarten. Aus orthopädischer Sicht sei die Arbeits
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit dauerhaft auf 50
%
reduziert. Nur in einer angepassten Tätigkeit sei künftig eine volle Arbeitsfähigkeit zu erreichen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe dabei per
1.
September 2018 eine Arbeitsfähig
keit von 50
%
und erst per
1.
November 2018 von 100
%
(S. 1).
4.3
Lic
. phil. K._
, Therapeutin FSP, und
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Oberarzt,
B._
, nahmen
im Bericht vom
2.
November 2018 (
Urk.
7/137/9-10) Stellung zum Gutachten der
Z._
vom 1
6.
Juli 201
8.
Sie führten aus, aus dem orthopädischen Teilgutachten gehe klar hervor, dass die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit dauerhaft auf 50 % reduziert sei. Nur in einer angepassten Tätigkeit werde künftig eine volle Arbeitsfähigkeit zu erreichen sein.
Der Gutachter
Dr.
A._
habe
aus psychiatrischer Sicht
ab dem
1.
September 2018 eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
postuliert. Per
1.
November 2018 habe er gar eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
vorausgesagt. Die Vorhersage stütze sich jedoch auf Studien, welche sich mit der Behandlung unipolarer depressiver Störungen be
fassten. Zu erwähne
n
sei, dass bei solchen Studien stets Patienten untersucht würden, die keine weiteren
komorbiden
Störungen aufweisen würden
.
Ferner habe sich selbst in diesen
Studien gezeigt, dass bei einem Drittel der behandelten Patienten eine gewisse Restsymptomatik bestehen bleiben könne beziehungs
weise die Behandlung der affektiven Störung länger als die vorhergesagten sechs bis acht Wochen benötigen
könne
(S. 1 Mitte).
Im Fall der Beschwerdeführerin habe die aktuelle depressive Episode ihren Aus
löser im Tod ihres langjährigen Lebenspartners. Zu den aufrechterhaltenden Fak
toren zählten die chronischen Schmerzen, unter welchen die Patientin seit den Operationen an der Wirbelsäule leide und welche sie in ihrer Arbeitsfähigkeit und auch in ihrer alltäglichen Funktionsfähigkeit massiv eingeschränkten (Komorbi
dität). Hinzu
komme die Diagnose einer instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ, welche
Dr.
A._
jedoch eher im Sinne eines adulten ADHS in
terpretiert habe. Mit dem Erreichen einer Stabilisierung der Patientin sei ein gros
ses Ziel erreicht (Abklingen der akuten Suizidalität, Verbesserung der Stimmung, Wiedererlangung einer geregelten Tagesstruktur
)
. Die Stabilisierung stehe vor dem Hintergrund der anhaltenden Schmerzsymptomatik, welche als Ursache für die fortbestehende depressive Symptomatik angesehen werden könne. Eine Ver
besserung sei weder von einem Wechsel der Medikation zu erwarten noch von einer Erhöhung der Dosis von
Cipralex
20mg/d.
Der Grund liege darin,
dass
nicht die depressive Störung im Vordergrund der Behandlung stehe, sondern die Le
bensumstände, in welchen sich die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer
physi
schen
Verfassung befinde (S. 1 unten).
Bei der Diagnose eines adulten ADHS habe
Dr.
A._
ausser Acht gelassen, dass die im Gutachten beschriebenen Symptome den komplexen und ausserordentlich belastenden familiären Verhältnissen geschuldet sein
könnten
, in welchen die
Patientin aufgewachsen sei. Weiter sei ausser Acht gelassen worden, dass sich die von
Dr.
A._
beschriebenen Defizite, besonders im Rahmen der Konzentrations
fähigkeit, nicht im psychopathologischen Bef
und wiederspiegelten.
Eine
Vermin
derung der Auffassung, der Aufmerksamkeit oder der Konzentration
seien eben
falls nicht
beschrieben worden, was bei einem adulten ADHS jedoch zu erwarten wäre. Die Patientin sei vielmehr als kooperativ, freundlich und ruhig beschrieben worden. Das formale Denken sei weiter als geordnet und auf das Wesentliche beschränkt beschrieben worden. Dies seien alles Hinweise, welche eindeutig ge
gen ein ADHS sprechen würden (S. 1 f.).
Eine rasche Reizbarkeit und
die
Ungeduld, die die Patientin beschrieben habe, seien viel mehr vor dem Hintergrund der anhaltenden Schmerzen zu interpretie
ren, welche die Patientin einschränkten und täglich aufs Neue an den Rand ihrer Kräfte
treiben würden
. Die zugrundeliegende Persönlichkeitsstörung begünstige ferner impulsives Verhalten, welches sich besonders ab dem Jugend- und dem frühen Erwachsenenalter abzuzeichnen begonnen habe (S. 2 oben).
Eine Absti
nenz von Opiaten sei nicht möglich, da die Beschwerdeführerin diese in Form von Schmerzmitteln einnehmen müsse. Dementsprechend könne hier nicht von einem Missbrauch gesprochen werden. Das Trinken von Alkohol halte sich im gesellschaftlichen Rahmen (S. 2 Mitte).
4.4
Dr.
D._
führte im ärztlichen Zeugnis vom
6.
Dezember 2018 (
Urk.
7/137/7-8) aus, es bestehe eine persistierende Problematik mit chronischen Rückenschmer
zen (
Ziff.
2.1).
Die persistierenden Beschwerden
von Seiten der Diskushernie mit sensiblen und motorischen Ausfällen im rechten Bein schränkten die Beschwer
deführerin ein. Sie könne nur noch kurze Strecken an einem Stück gehen. Akti
vitäten wie Joggen oder Tanzen seien undenkbar. Zudem bestehe der Verdacht auf eine
cervikale
Diskushernie, die interm
ittierend zu Beschwerden führe, bei
spielsweise
zu
Schmerzen bei Drehbewegungen und
einer
Schmerzausstrahlung in beide Hände (
Ziff.
2.2).
Dr.
D._
nannte als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ei
nen Verdacht auf eine Diskushernie bei C6/7 und Restbeschwerden nach den Ope
rationen 2007 und 200
8.
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er ein Reizdarmsyndrom mit ausgeprägten Flatulenzen und unmittelba
rem Stuhldrang seit
einer
Operation 1989 (
Ziff.
2.5 und 2.6).
Es bestehe die Hoffnung, dass die Beschwerdeführerin die aktuelle Tätigkeit als Hand- und Fusspflegerin
mit intermittierender Physiotherapie
und dem Einsatz von Medikamente
n
beibehalten könne (
Ziff.
2.7).
Sie
arbeite gegenwärtig
zu 50
%
. Das
Coiffeur- und Nagelstudio habe sie aus Kostengründen aufgelöst. Seit
her arbeite sie als Nagel- und Fusspflegerin. Die aktuelle Arbeit sei sehr anstren
gend, da die Beschwerdeführerin mehrere Stunden am Tag in gebeugter Stellung sitzen müsse (
Ziff.
3.2 und 3.3). Die bisherige Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin drei bis vier Stunden pro Tag zumutbar.
Eine
Eingliederung
stehe nicht im Vor
dergrund
, sondern
der
Erhalt
der aktuellen Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit mit einem Pensum
von 50
%
(
Ziff.
4.1-4.4).
4.5
Dr.
med. M._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie des Bewegungsapparates, RAD
,
nahm am 1
8.
Dezember 2018 (
Urk.
7/140 S. 3 f.) Stellung zu den medizinischen Akten. Er führte aus,
Dr.
D._
habe im ärztlichen Zeugnis vom
6.
Dezember 2018 keine neuen Diagnosen gestellt und keine Befunde beschrieben, die nicht schon in den Berichten
von
2011 erwähnt worden
seien
.
In der Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit unterscheide
er sich eben
falls nicht von früheren Beurteilungen
(S. 3 oben). Im Gutachten der
Z._
werde ein Status nach Diskushernien-Operationen L5/S1 beidseits diagnostiziert sowie eine teilremittierte mittelgradige depressive Episode bei
einer rezidivieren
den depressiven
Störung bei zugrundeliegendem ADHS und ein Fehlgebrauch von Alkohol, Opioiden und Cannabis (S. 3 Mitte).
Im
Sinne
des
Belastungsprofils
seien
der Beschwerdeführerin
körperlich leichte wechselbelastende Tätigkeiten
zumutbar
, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten,
ohne
häufige wirbelsäulen
belastende Zwangshaltungen,
häufige Rumpfrotationen und ohne häufiges Gehen auf unebenem Gelände. Ebenso zu vermeiden seien andauernde Vibrationsbelas
tungen und Nässe-/Kälteexposition (S. 3 unten).
In der bisherigen Tätigkeit als Nagel- und Fusspflegerin bestehe aus orthopädi
scher Sicht seit 2009 und auf Dauer eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
. Aus psy
chiatrischer Sicht habe vom
9.
Oktober bis 1
2.
November 2017 eine Arbeitsunfä
higkeit von 50
%
und vom 1
2.
November 2017 bis 3
1.
August
2018
eine solche von 75
%
bestanden. Seit dem
1.
September 2018 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
. In einer angepassten Tätigkeit
gemäss Belastungsprofil
bestehe aus orthopädischer Sicht weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 25
%
. Aus psychiat
rischer Sicht bestehe
nach einer Arbeitsunfähigkeit ab dem
9.
Oktober 2017
ab dem
1.
November 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 0
%
. Insgesamt bestehe ab dem
1.
November 2018 wieder eine Arbeitsunfähigkeit von 25
%
(S. 4 oben).
4.6
Lic
. phil
.
K._
führte im Bericht vom 2
9.
März 2019 (
Urk.
7/150) zum er
hobenen Befund aus,
die Beschwerdeführerin sei zu allen vier Qualitäten hin ori
entiert. Die
Auffassung, die Aufmerksamkeit, die Konzentration und das Gedächt
nis seien im
Normbereich. Das formale Denken sei logisch und kohärent und
in
haltlich
auf die aktuelle Situation um das Sozialamt, die Invalidenversicherung und die massiven Einschränkungen der alltäglichen Leistungsfähigkeit eingeengt. Die Beschwerdeführerin sei im Affekt deutlich niedergestimmt. Weiter würden
Gefühle der Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und eine
Perspektivlosigkeit be
schrieben. Mit der persistierenden Schmerzsymptomatik würden sich diese in ei
ner sozialen Isolation niederschlagen
.
Schamgefühle, die Kontrolle über das Le
ben vollkommen verloren zu haben, verstärkten die depressiven Symptome noch
(S. 1
Ziff.
2 Mitte).
Eine
Antriebs- und Machtlosigkeit
werde
oft von impulsiven Durchbrüchen ab
gelöst, in deren Rahmen die Patientin keine Geduld mehr habe, massiv gereizt reagiere und sie auch die Beherrschung verlieren würde.
Affektiv sei sie mässig spür- und auslenkbar und kaum schwingungsfähig.
Motorisch sei sie verlangsamt bei gleichzeitiger Unruhe
. Die Schmerzen machten es der Patientin nahezu un
möglich, lange in derselben Position zu sitzen. Weiter bestehe eine deutliche Ver
armung der Gestik und Mimik
(S. 1
Ziff.
2 unten).
Lic
. phil.
K._
nannte als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ (ICD-10 F60.30)
,
und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Epi
sode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2). Als Diagnosen ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie psychische und Verhaltensstörung durch
Cannabinoide
, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F12.1)
,
und psychische und Verhal
tensstörung durch Alkohol, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F10.1, S. 1
Ziff.
3).
Die psychotherapeutischen Gespräche fänden
regelmässig alle zwei Wochen statt. Die depressive Symptomatik werde mit
Cirpalex
, die Schlafstörungen mit
Sur
montil
unterstützend medikamentös behandelt. Das Ziel sei in erster Linie die langfristige Stabilisierung der Patientin (S. 2
Ziff.
4).
Lic
. phil.
K._
gab zur Arbeitsfähigkeit an, in erster Linie bestehe bereits
seit dem
jungen
Erwachsenenalter eine Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ. Die Störung sei gekennzeichnet durch eine deutliche Tendenz, unerwartet und ohne Berücksichtigung der Konsequenzen zu handeln. Weiter bestünden eine Neigung zu Wutausbrüchen und
die
Unfähigkeit zur Kontrolle explosiven Ver
haltens, Schwierigkeiten in der Beibehaltung von Handlungen, die nicht unmit
telbar belohnt würden, sowie eine unbeständige und launische Stimmung. Auf der Basis der anhaltenden Schmerzen, die die Patientin einschränkten und auch täglich aufs Neue
an den Rand ihrer Kräfte treiben würden, werde das genannte Verhalten der Beschwerdeführerin zudem begünstigt. Erschwerend komme die depressive Symptomatik hinzu, welche nebst einer niedergeschlagenen Stimmung und einem massiven Antriebsmangel
sich in einem verminderten Selbstwert- und einem Insuffizienzgefühl niederschlage sowie in Schuldgefühlen und einer Min
derwertigkeit. Nicht selten komme es im Rahmen von derartigen Episoden auch zu Suizidgedanken.
Aufgrund der physischen Leiden der Patientin komme es zu einer derartigen psy
chischen Belastung, dass vor dem Hintergrund der langjährigen psychischen Er
krankung eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
zu attestieren sei. Sofern sich der physische Zustand der Patientin nicht deutlich bessere,
sei
auch die Prognose hinsichtlich des psychischen Zustandes ungünstig (S. 2
Ziff.
6).
4.7
RAD-Arzt
Dr.
M._
nahm am 1
4.
Mai 2019 (
Urk.
7/157 S. 2 f.) Stellung zu den Einwänden der Beschwerdeführerin.
Er
führte aus, das Gutachten der
Z._
beantworte die gestellten Fragen umfassend. Es berücksichtige die geklagten Be
schwerden,
sei
in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstellt
worden
und leuchte in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein. Di
e gezogenen Schlussfolgerungen seien sodann nachvollziehbar hergeleitet wor
den.
Aus medizinsicher Sicht erfülle das Gutachten die Anforderungen für die Belange der Invalidenversicherung.
5
.
5
.1
Die Beschwerdeführerin rügte eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (
Urk.
1 S. 10 ff.
Ziff.
24 ff.).
Die
Beschwerdegegnerin
habe es
unterlassen, auch nur im An
satz zu begründen, weshalb dem Gutachten der
Z._
trotz der vorgebrachten Kritik Beweiswert zukommen könne (
Urk.
1 S. 12
Ziff.
33).
5.2
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Darstel
lung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2 ATSG). Die Begründung eines Ent
scheides muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechts
mittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet
indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand
auseinander setzen
muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Ge
sichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann ge
mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt wer
den, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entscheidenden Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den
beschwerdeführenden
Parteien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen kön
nen und der Rechtsmittelinstanz volle Kognition zukommt (BGE 107
Ia
1).
Ge
mäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann es jedoch nicht der Sinn des durch die Rechtsprechung geschaffenen Instituts der Heilung des rechtlichen Ge
hörs sein, dass Versicherungsträger sich über den elementaren Grundsatz des rechtlichen Gehörs hinwegsetzen und darauf vertrauen, dass solche Verfahrens
mängel in einem vom durch den Verwaltungsakt Betroffenen allfällig angehobe
nen Gerichts
verfahren behoben würden. Der Umstand, dass eine solche Heilungs
möglichkeit besteht, rechtfertigt es demnach nicht, auf die Anhörung des Be
troffenen vor Erlass eines Entscheides zu verzichten. Denn die nachträgliche Ge
währung des rechtlichen Gehörs bildet häufig nur einen unvollkommenen Ersatz für eine unterlassene vorgängige Anhörung. Abgesehen davon, dass ihr dadurch eine Instanz verloren gehen kann, wird der betroffenen Person zugemutet, zur Verwirklichung ihrer Mitwirkungsrechte ein Rechtsmittel zu ergreifen.
5
.3
Die Beschwerdeführerin brachte im Einwand vom
1.
April 2019 unter anderem vor,
nach der Rechtsprechung
des Bundesgerichts (BGE 141 III 433) sei ein durch den Krankentaggeldversicherer eingeholtes Gutachten prozessual als blosse Par
teibehauptung zu erachten (
Urk.
7/153 S. 5
Ziff.
9).
In
psychiatrischer Hinsicht seien
im Gutachten der
Z._
die Wechselwirkun
gen beziehungsweise Komorbiditäten
der Beschwerden
und deren ressourcen
hemmende Wirkung
unbeachtet geblieben.
Dies stelle eine Verletzung der Abklä
rungspflicht nach
Art.
43 ATSG dar.
Die Gutachter hätten sich auch nicht mit der Beurteilung durch den behandelnden Facharzt auseinandergesetzt
und es sei keine genügende Diskussion bezüglich der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung erfolgt
(S. 7
Ziff.
15 und 16). RAD-Arzt
Dr.
M._
sei des Weiteren
nicht kom
petent, abschliessend über eine psychiatrische Erkrankung zu urteilen (S. 7 f.
Ziff.
18).
Die Beschwerdegegnerin ist nicht auf die im
Vorbescheidverfahren
erhobenen Einwänden der Beschwerdeführerin
zum
Beweiswert des Gutachtens der
Z._
eingegangen. Der angefochtenen Verfügung vom 2
2.
Mai 2019 ist hierzu einzig zu entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin das Gutachten als beweistauglich erachtet
e
(
Urk.
2 S. 2).
Dr.
M._
nahm
ebenfalls nicht substantiiert Stellung
zu
den
Einwänden der Beschwerdeführerin
(vorstehend E. 4.7)
. Vor diesem Hinter
grund genügt die angefochtene Verfügung den
Anforderungen an eine
ausrei
chende Begründung, die der versicherten Person die sachgerechte Anfechtung des Entscheides erlauben würde,
nicht
.
Der angefochtene Entscheid ist daher bereits
aufgrund
einer
Verletzung
des rechtlichen Gehörs der Beschwerdeführerin aufzu
heben.
6.
6.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
6
.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete
versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
6.
3
Die Beschwerdeführerin ist
aus orthopädischer Sicht
seit den Rückenoperationen von 2007/2008
in ihrer Arbeits- und Leistungsfähigkeit eingeschränkt
.
Seit der Neuanmeldung der Beschwerdeführerin bestehen zudem psychische Beschwer
den.
Die behandelnden Ärzte der
B._
nannten
im
Bericht vom 2
3.
November 2017
als psychiatrische Diagnose
n
eine schwere depressive
Episode im Zusam
menhang mit einem Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung und einen Verdacht auf eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung (vorstehend E. 4.1).
Im Bericht vom 2
9.
März 2019 bestätigte
lic
. phil.
K._
die
zuvor als Ver
dacht gestellte Diagnose einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung
sowie die Diagnose einer schweren depressiven Episode
. Sie attestierte eine Arbeitsun
fähigkeit von 100
%
(E. 4.6).
Die Gutachter der
Z._
nannten als psychiatrische Diagnosen eine teilremit
tierte mittelgradige depressive Episode bei rezidivierender depressiver Störung bei zugrundeliegendem adultem
ADHS
sowie Alkohol-,
Opiod
- und Cannabis-Fehl
gebrauch (vorstehend E. 4.2.2). Als orthopädische Diagnosen nannten die Gut
achter einen Status nach Diskushernien
-O
perationen und
einen
zervikalen
Trig
gerpunkt
(E.
4.2.3).
Die Gutachter der
Z._
und die behandelnden Ärzte stimmen darin überein, dass in der angestammten Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Nagel- und Fuss
pflegerin
dauerhaft
nur noch
eine eingesc
hränkte Arbeitsfähigkeit von 50
% be
steht.
Die
Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten
,
angepassten Tätigkeit
wird unterschiedlich beurteilt
.
Nach den vorliegenden Akten bestand aus psychiatri
scher Sicht
ab dem
9.
Oktober 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
und ab dem 1
2.
November 2017 von 75
%
(vorstehend E. 4.1).
Nach der Einschätzung durch die Gutachter der
Z._
besteht infolge der angenommenen Remission der depressiven Symptomatik
ab dem
1.
September 2018
wieder
eine Arbeitsfä
higkeit von 50
%
und ab dem
1.
November 2018 von 100
%
(E. 4.2.2 und 4.2.4).
RAD-Arzt
Dr.
M._
attestierte für eine angepasste Tätigkeit aus orthopädischer Sicht eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 75
%
(E. 4.5).
6.4
Zum Gutachten der
Z._
ist zu sagen, dass sich die Gutachter
nicht mit der abweichenden Beurteilung durch die Ärzte der
B._
auseinandergesetzt habe
n
.
Die Beschwerdegegnerin hat es
dabei
unterlassen, den Gutachtern die aktuellen Berichte von
lic
. phil.
K._
und
Dr.
L._
vom
2.
November 2018 und vom 2
9.
März 2019 zur
Stellungnahme zu unterbreiten, nachdem das Gutachten nicht von ihr in Auftrag gegeben worden ist.
Gemäss der Kritik der behandelnden Ärzte
würden sich die von Gutachter
Dr.
A._
im psychiatrischen Teilgutachten
aufgeführten
Studien auf unipolare Depressionen ohne Komorbiditäten und damit nicht auf das Beschwerdebild der Beschwerdeführerin beziehen. Hierzu hat weder
Dr.
A._
noch RAD-Arzt
Dr.
M._
Stellung genommen.
Weiter fehlt eine ergänzende Stellungnahme des Gutachters zur von den behandelnden Ärzten gestellten Diagnose einer Persön
lichkeitsstörung anstelle eines adulten ADHS
und zu den Wechselwirkungen zwi
schen den somatischen Schmerzen und den psychiatrischen Diagnosen
. Wie die Beschwerdeführerin zu Recht beanstandete (
Urk.
1 S. 11
Ziff.
27), hätten die ge
gen
das psychiatrische Teilgutachten
erhobenen Einwände zudem nicht
Dr.
M._
, sondern einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie des RAD zur Stellungnahme unterbreitet werden
müsse
n
. Es bestehen daher
Zweifel
an der Beurteilung
durch die
Gutachter
der
Z._
und der von
Dr.
A._
angenommen gesundheitlichen Verbesserung.
Das psychiatrische Teilgutacht
en enthält sodann keine Angaben, die eine Prüfung der mit
BGE 141 V 281 eingeführten Standardindikatoren
(vgl. vorstehend E. 6.2)
erlauben würde
.
Das Gutachten der
Z._
genügt aus diesen Gründen
nicht
den Anforderungen an den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens
. Die vorlie
genden Berichte der behandelnden Ärzte der
B._
und von
Dr.
D._
erlauben ebenfalls ke
ine abschliessende Beurteilung
der Frage
nach einer Veränderung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin.
6.5
Mit den vorliegenden Berichten der behandelnden Ärzte der
B._
ist
jedenfalls
nicht auszuschliessen
, dass
sich der psychiatrische
Gesundheitszustand der Be
schwerdeführerin seit der
Zusprache
einer befristeten Rente im November 2011 verschlechtert haben könnte, nachdem zu diesem Zeitpunkt die somatischen
Be
schwerden
im Vordergrund standen.
6.6
Zusammenfassend fehlt es an ausreichenden medizinischen Abklärungen
zur Frage, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der
Renten
zusprache
vom November 2011 verändert hat
und ob neu ein Rentenanspruch und gegebenenfalls ein
Anspruch auf berufliche Massnahmen besteht
. Die ange
fochtene Verfügung vom
2
2.
Mai 201
9
ist zudem bereits wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs der Beschwerdeführerin aufzuheben.
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie im Sinne der Erwägungen verfahre. Anschliessend hat sie über
einen
Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf berufliche Massnahmen und eine Rente
erneut zu ent
scheiden. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
7.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf
Fr.
800.-- festzusetzen und der unterliegenden Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach
ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwer
deführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin ist bei einem praxisgemässen Stun
denansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) mit
Fr.
2'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Bei dieser Ausgangslage erweist sich das Gesuch um Gewährung der unentgeltli
chen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung (
Urk.
1 S. 2 un
ten) als gegenstandslos.