Decision ID: 7033f184-7ab9-4f44-8e34-1f3430396477
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1968,
Mutter von zwei Kindern (geboren 1993 und 1996)
,
gelernte Kleinkindererzieherin,
seit 2005 als pädagogische Mitarbeiterin an einer heilpädagogischen Schule angestellt
, meldete sich unter Hinweis auf eine a
m
2
5.
Februar 2008 erlittene unfallbedingte Knieverletzung am
5.
Januar 2009 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/3
Ziff.
3.1,
6.2
, 6.3
und 7.1-3).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
nahm eine Begutachtung in Aussicht (
Urk.
6/113,
Urk.
6/116)
, die dann nicht umgehend erfolgen konnte, worauf sie
der Versicherten
mit Vorbescheid
vom 10. November 2011
die
Zusprache
einer bis April 2011 befristeten Rente in Aus
sicht
stellte
(
Urk.
6/87). M
it Verfügungen vom 1
0.
Dezember 2013
sprach sie ihr
eine be
fristete ganze Rente von Juli 2009 (
Urk.
6/158) bis April 2011 (
Urk.
6/164
)
zu
, wo
bei sie die am 2
6.
Januar 2012
gegen den Vorbescheid
erhobenen Ein
wände (vgl.
Urk.
6/93) als Verschlechterungsgesuch einstufte (
Urk.
6/136 S.
5 oben)
.
1.2
Nach Eingang von am
1
0.
Mai 2014 (
Urk.
6/179) und 2
5.
Juli 2014 (
Urk.
6/193)
erstatteten Gutachten sowie durchgeführtem
V
orbescheid
verfahren
(
Urk.
6/196
,
Urk.
6/206
)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
0.
Februar 2015 einen Rentenanspruch (
Urk.
6/208 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 1
3.
März 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom
10. Februar
2015 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihre eine Invalidenrente entsprechend einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50
%
zu
zusprechen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1)
. Sie habe eigene medizinische Beurteilungen
in Auftrag gegeben
,
die sie im Rahmen des beantragten
zweite
n
Schriften
wechsel
s
(
Urk.
1 S. 2
Ziff.
2)
einbringen werde (S. 3
Ziff.
6)
.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
4.
Mai 2015 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde.
Nach entsprechender Nachfrage des Gerichts am 2
4.
Mai 2016 (
Urk.
9) reichte die Beschwerdeführerin a
m 2
9.
August 2016 (Postaufgabe;
Urk.
12) einen
Arzt
bericht
vom 1
0.
August 2016 (
Urk.
13
/1
)
und am 1
7.
Januar 2017 eine Replik (
Urk.
20) ein. Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 2
3.
Februar 2017 auf Duplik (
Urk.
23), was der Beschwerdeführerin am 2
7.
Februar 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
24).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Im Falle einer erneuten Anmeldung ist abzuklären, ob seit der zuletzt ergange
nen Verfügung, mit welcher ein Rentenanspruch verneint oder befristet worden war, eine Veränderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist; dabei ist wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17 ATSG (nachstehend E. 1.3) vorzugehen (vgl. BGE 117 V 198 E. 3a).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszu
stan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheent
scheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
b
e
messung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.1 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus
, gemäss den eingeholten Gutachten bestehe aus rheumatologischer Sicht weiterhin eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 75
%
in angepasster Tätigkeit und aus psychiatrischer Sicht liege keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor; es sei weiterhin ein Invaliditätsgrad von 33
%
ausgewiesen (S. 1).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber unter Hinweis auf verschie
dene Arztberichte auf den Standpunkt (
Urk.
1), es könne nicht zweifelhaft sein, dass sie über Mitte Januar 2011 hinaus in ihrer Arbeits- und Erwerbsfähigkeit erheblich beeinträchtigt gewesen sei (S. 8
Ziff.
27), und stellte in Aussicht, von ihr veranlasste medizinische Beurteilunge
n einzureichen (S. 3
Ziff.
6).
2.3
Strittig ist, ob über
die b
is April 2011 befristete
Rentenzusprache
hinaus
auf
grund einer revisionsrelevanten Veränderung ein Rentenanspruch besteht.
3.
3.1
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 1
5.
Februar 2011 ein Gutachten im Auftrag einer
Erwerbsausfallversiche
rung
(
Urk.
6/61/2-8)
.
Der Gutachter kam zum Schluss, es seien aus psychiatrischer Sicht weder Diag
nosen mit noch solche ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu stellen (S. 5
Ziff.
5).
Auch bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
sowohl in der
bisherigen (
ange
stammten
)
Tätigkeit
als auch in anderen (adaptierten) Tätigkeiten (S. 6
Ziff.
7).
3.2
Am 2
1.
Februar 2011
erstattet
e
n die Fachpersonen des
A._
einen Bericht im Auftrag des gleichen Versicherers
(
Urk.
6/61/9-13)
, basierend auf e
ine
r
am 17./1
8.
Januar 2011 er
folgte
n
Funktionsorie
ntierte
n
Medizinische
n
Abklärung (FOMA)
.
Sie nannten
als Diagnose ein multifaktoriell bedingtes Schmer
zsyndrom am rechten Kniegelenk/
Bein
, das sie
wie folgt näher umschrieben (S. 2
Ziff.
1):
Status nach
Patellaluxation
2004
Status nach 3-maligen operativen Eingriffen am rechten Kniegelenk (2004, 2005, 2006)
S
tatus nach
Patellarezentrierung
,
Trochleaplastik
und Rückverlagerung der
Tuberositas
tibiae
und Rekonstruktion des lateralen
Retinaculums
rechts am 2
5.
Februar 2008
Status nach
arthroskopischer
Arthrolyse
am
8.
Oktober 2008
postoperativ
complex
regional
pain
syndrome
(CRPS)
aktuell: komplexe Schmerzsymptomatik mit neuropathischen Schmerz
anteilen, leichten
residuellen
trophischen Störungen, dysfunktionalem Schmerzverhalten
aktive Bewegungseinschränkung
radiologisch mässige Gonarthrose
Das arbeitsbezogene relevante Problem bestehe in einer verminderten
Belas
tungstoleranz
des rechten Kniegelenkes. Die Belastbarkeit liege allgemein im Bereich einer vorwiegend sitzenden Arbeit; leichte Gewichte bis 10 kg könnten selten hantiert werden (S. 3
Ziff.
3.1). Die Belastbarkeit sei für das Führen und Begleiten von zum Teil schwer behinderten Jugendlichen nicht genügend (S. 4
Ziff.
3.2). Sehr leichte, vorwiegend sitzende Arbeit sei ganztägig zumutbar mit der Möglichkeit zur Wechselbelastung, zusätzlichen Pausen von insgesamt zirka 2 h pro Tag und sofern das Sitzen mit genü
gend Beinfreiheit verbunden sei
und regelmässig unterbrochen werden könne (S. 4
Ziff
3.3).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde ausgeführt, die Tätigkeit als pädagogische Mitar
beiterin in einer Schule mit mehrfach behinderten Kindern sei der Versicherten aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar (S. 5
Ziff.
6.1). Aus rheumatolo
gisch-orthopädischer Sicht wäre der Versicherten medizinisch-theoretisch eine überwiegend sitzende Arbeit an einem ergonomisch eingerichteten Arbeitsplatz ganztags zumutbar, dies mit einem erhöhten Erholungsbedarf von 2 Stunden pro Tag, entsprechend einer 75%igen Arbeitsfähigkeit optimal adaptiert. A
us psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt (S. 5
Ziff
6.2).
3.3
Gemäss Feststellungsblatt vom 1
0.
November 2011 (
Urk.
6/82)
schloss
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD)
,
in ihrer
Beurteilung vom
1.
April 2011 aus den vorstehend ge
nannten Gutachten auf eine 75%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ab dem Zeitpunkt der
A._
-Untersuchung (Januar 2011), der seit der Operation im Februar 2008 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorangegangen war (S. 7 oben). Der darauf basierende Einkommensvergleich ergab einen 70
%
übersteigenden Invaliditätsgrad ab
Februar
2009 (S.
8 f.)
und einen
Invaliditäts
grad
von rund 33
%
ab 1
7.
April 2011 (S. 10)
.
4.
4.1
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in einem Verlaufsbericht vom 2
0.
Januar 2012 (
Urk.
6/121) aus, er betreue die Be
schwerdeführerin seit Juli 201
1.
Er nannte folgende Diagnosen:
chronisches Schmerzsyndrom des rechten Beines mit neuropathischem Schmerzcharakter, invalidisierend
nach 5 Knieoperationen ab 2004 und Entwicklung eines CRPS rechtes Knie 2008
reaktiver psychophysischer Erschöpfungszustand persistierend
rezidivierende depressive Episoden, Differentialdiagnose (DD):
Zyklothy
mia
posttraumatische Belastungsstörung (Schädelhirntrauma Sohn 2002).
Seit seiner Betreuung betrage aus seiner ärztlichen Sicht die Arbeitsunfähigkeit 100
%
und die Leistungsunfähig
keit auch zwischen 70 und 80
%
.
4.2
Vom 1
7.
Januar bis 2
8.
März 2013 weilte die Beschwerdeführerin stationär in der
D._
, worüber am
3.
April
2013
berichtet wurde
(
Urk.
6/170/6-10 = 6/179/112-116)
. Es wurden folgende Diagnosen genannt (S.
1):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01)
Als Zuweisungskontext wurden eine schleichende depressive Dekompensation im Verlauf der letzten zwei Jahre aufgrund chronischer Schmerzen (rechtes Knie) und Panikattacken genannt. Bei Eintritt hätten stark ausgeprägte
Schlaf
probleme
, psychische Anspannung, Schwermut und ausgeprägter sozialer Rück
zug im Vordergrund gestanden (S. 1 Mitte).
Die Entlassung der Patientin sei in gebessertem Zustand erfolgt (S.
4 unten). Attestiert wurde eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bis 1
1.
April 2013 (S.
5 oben).
4.3
Dr.
C._
(vorstehend E. 4.1) nannte in seinem Bericht vom
1.
Januar 2014 (
Urk.
6/170/1-5)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 1):
rezidivierende mittelschwere depressive Störung (ICD-10 F33.1) seit min
destens 2010
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01) seit Jahren
komplexe neuropathische Schmerzen rechtes Bein seit zirka 2007 bei Sta
tus nach mehreren Knieoperationen rechts
Er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit der ersten Operation 2008 und führte aus, die Beschwerdeführerin könne so keiner Arbeit nachgehen (S. 2 unten).
4.4
Am 1
0.
Mai 2014 erstattete
Dr.
med.
E._
,
Dr.
med. und
Dr.
sc. nat. ETH, Fachärztin
für Allgemeine Innere Medizin und
für Rheumatologie, ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6/179/1-102)
. Sie stützte sich auf die ihr überlassenen Akten (S. 5 ff.), d
ie
Angaben der Beschwerdefüh
rerin (S. 2 f., S. 86 f.) und d
ie
im Rahmen der internistisch-rheumatologischen Untersuchung am 1
4.
April 2014 (S. 2
Ziff.
1) erhobenen Befunde (S. 88 ff.).
Sie nannte
als
rheumatologische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit eine verminderte Belastbarkeit und Beschwerden im rechten Knie und Bein bei (S. 95
Ziff.
9.1):
komplexer Schmerzsymptomatik mit neuropathischen Schmerzanteilen bei
Status nach CRPS Typ I ab etwa Oktober 2008 bei Status nach multip
len Knie-Operationen von August 2004 bis Oktober 2008 we
gen rezidivierender Patella-Luxationen ab 1
5.
März 2004 mit
mässiger
Synovitis
und wenig Reizerguss sowie mässigen degenerativen Veränderungen mit
kurzstre
ckiger
Tendinitis der Patellarsehne (2 cm) im oberen Anteil, sonst jedoch intakten
Meniski
und Bändern
bildgebend seit Jahren im wesentlichen unverändert (MRI April 2014 gegenüber MRI August 2012 und Januar 2010) mit
normaler Knochendichte an beiden Schenkelhälsen
jedoch rechts etwas geringere Knochendichte als links (DEXA April 2014) mit
leicht vermindertem Wadenumfang rechts zu links und seitengleichen Oberschenkelumfängen
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie einen Vita
min D-Mangel (S. 95
Ziff.
9.2).
In ihrer Beurteilung führte die Gutachterin aus, bei der Beschwerdeführerin be
stünden strukturelle Veränderungen im Bereich des rechten Knies, die ihre Leis
tungsfähigkeit einschränkten. Die vorhandenen Befunde erklärten jedoch das
Ausmass ihrer Beschwerden nicht. Sie könne eine angepasste Tätigkeit zu 100
%
ausüben, dies mit maximal einer Stunde zusätzlicher Pause pro
Halbtag
, um sich
zu erholen und zu lockern (S. 97 Mitte).
Zur Arbeitsfähigkeit führte sie
aus, die Beschwerdeführerin sei durch die einge
schränkte Funktion des rechten Knies limitiert, und sie zitierte die folgende Umschreibung gemäss Swiss Insurance
Medicine
(S. 99 oben):
Kniegelenk: Aus
Gonarthrosen
mit Gelenkinstabilität können sich Einschrän
kungen für das Besteigen von Leitern und Gerüsten, das Arbeiten in kauernder, kniender oder (bedingt) stehender Position sowie das Gehen in unebenem Gelände, längeres Abwärtsgehen oder Hinunterspringe
n
ergeben. Meist keine Ein
schränkungen für wechselbelastende Tätigkeiten und für im Sitzen zu ver
rich
tende Tätigkeiten ohne Zwangshaltung für das betroffene Bein (z.B.
Pedal
be
dienung
) respektive genügend Beinfreiheit für Spontanbewegungen.
Die Beschwerdeführerin könne Lasten bis zu 10 kg heben oder tragen. Die ange
stammte Tätigkeit als pädagogische Mitarbeiterin sei nicht angepasst, diese könne sie nicht mehr ausüben. Dagegen sei die Tätigkeit als
Ernährungsberate
rin
oder eine andere leichte, hauptsächlich sitzende Tätigkeit angepasst. Diese könne sie zu 100
%
ausüben, wobei sie pro
Halbtag
maximal eine Stunde zu
sätzliche Pause benötige, um sich zu erholen und zu lockern. Sie sei daher in einer angepassten Tätigkeit zu mindestens 75
%
arbeitsfähig (S. 99 Mitte).
In der angestammten Tätigkeit sei sie seit dem 2
5.
Februar 2008 nicht mehr arbeitsfähig. Vom 2
5.
Februar 2008 bis 1
6.
Januar 2011 habe eine Arbeitsun
fähigkeit
in jeglicher Tätigkeit bestanden. In einer angepassten Tätigkeit sei sie ab 1
7.
Januar 2011 gemäss dem genannten Profil im beschriebenen Umfang
arbeitsfähig, dies (auch) gemäss der Einschätzung des Rheumatologen des
A._
im Januar 2011
(vgl. vorstehend E. 3.2). Seither sei keine wesentliche Änderung eingetreten (S. 99
Ziff.
11.2).
4.5
Am 2
5.
Juli 2014 erstattete
med.
pract
.
F._
, Fachärztin für Psychi
atrie und Psychotherapie, ein Gutachten im Auftrag der
Beschwerdegeg
nerin
(
Urk.
6/193/1-30
)
. Sie stützte sich auf die ihr überlassenen Akten (S. 3 ff.), das rheumatologische Gutachten von
Dr.
E._
(vorstehend E. 4.4) und ihre eigene Untersuchung am 1
4.
Juli 2014 (S. 1 unten).
In ihrer Beurteilung führte die Gutachterin unter anderem aus,
bei der aktuellen Untersuchung habe bei der Beschwerdeführerin keine depressive Symptomatik mehr festgestellt werden können. Sie habe aktuell vor allem andauernde Schmerzen im rechten Bein beschrieben, Stimmungsschwankungen seien von ihr aktuell nicht beschrieben worden, auch ke
ine aktuellen Angstzustände und
/oder Panikattacken. Die von ihr angegebene ‚Antriebslosigkeit
‘
und die von ihr angegebenen Ängste liessen sich aus gutachterlicher Sicht nicht mit den von ihr beschriebenen Freizeitaktivitäten und den angegebenen sozialen Kontakten ver
einbaren; ein relevantes Rückzugs- oder Vermeidungsverhalten habe sich aktu
ell nicht eruieren lassen (S. 23 f.).
Sie habe vor allem mit einem etwas eigenwillig anmutenden subjektiven
Krank
heitskonzept
mit einem aus psychiatrisch-gutachterlicher
Sicht
inadäquaten Schon- und Vermeidungsverhalten imponiert. Im Rahmen der aktuellen gut
achterlichen Untersuchung habe sich eine Diskrepanz zwischen den von ihr angegebenen psychischen und psychosomatischen Beschwerden und dem erho
be
nen psychiatrischen Befund ergeben. Die von ihr angegebenen psychischen Be
schwerden liessen sich nicht mit den von ihr angegebenen Aktivitäten im Rah
men der Freizeitgestaltung vereinbaren; sie liessen sich auch nicht mit dem ak
tuellen Verzicht auf eine adäquate ambulante psychiatrisch-psychothera
peu
ti
sche Behandlung vereinbaren. Aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht sei der Eindruck von Verdeutlichungstendenzen der Beschwerden bei einem eigenwilli
gen subjektiven Krankheitskonzept und vor dem Hintergrund eines hohen sekun
dären Krankheitsgewinns entstanden (S. 24 oben).
A
ktuell
hätten
keine
depressiven Symptome festgestellt werden k
önn
en, welche sich zu einer
depressiven Episode subsumieren
li
essen. Es
sei
von einer weitge
henden
Remission der seit 2009 wiederholt beschriebenen depressiven Episoden
auszugeben. Eine Angststörung
habe
aktuell nicht (mehr) festgestellt
werden können. Bei einem aktuell weitestgehend
unauffälligen
psychischen Befund
rückten bei der Beschwerdeführerin
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit
histri
o
nischen
und narzisstischen Anteilen und psychosoziale Belastungsfaktoren in den Vordergrund. Die akzentuierten Persönlichkeitszüge stellten eine
Normvari
ante
und keine Krankheit dar. Eine manife
ste Persönlichkeitsstörung liege
nicht vor, die erforderlichen Leitlinien von Persönlichkeitsstörungen nach ICD-10 seien nicht erfüllt (S. 24 Mitte).
Der von der Explorandin geschilderte Schmerz und ihre subjektiv gefühlten Ein
schränkungen in der Lebensführung durch diesen Schmerz seien durch die so
matischen Befunde nicht ausreichend erklärt. Aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht
sei
bei der Explorandin - unter Berücksichtigung der Kriterien der ICD-10
- von einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung auszugeben (S. 24 un
ten), wobei die sich daraus ergeben
d
en Beeinträchtigungen aus näher darge
leg
ten Gründen
zumutbarerweise
überwindbar seien (S. 25 unten).
Die Gutachterin nannte dementsprechend als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 25
Ziff.
6.2) eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstö
rung
(ICD-10 F45.4) sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge mit
histrionischen
und narzisstischen Anteilen (ICD-10 Z73.1).
In der angestammten Tätigkeit bestehe aus rein psychiatrischer Sicht eine Arbeits
unfähigkeit von 0
%
, ebenso im Haushalt (S. 27
Ziff.
7.1). Für die Dauer stationärer Aufenthalte habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden (S.
27
Ziff.
7.2).
In adaptierten Tätigkeiten sei aus psychiatrischer Sicht von einer Arbeitsunfähigkeit von 0
%
auszugehen (S. 27
Ziff.
7.3.). Als ideal adap
tierte Tätigkeiten seien zu nennen die angestammte und die erlernte Tätigkeit sowie andere Tätigkeiten, die
normale
Anforderungen an die Stress- und
Frust
rati
onstoleranz
, die emotionale Belastbarkeit oder die sozialen Kompetenzen be
in
halteten und 46-jährigen Frauen zugemutet werden könnten (S. 27
Ziff.
7.4).
4.6
Die beiden Gutachterinnen führten in der
interdisziplinäre
n
Zusammenfassung
vom 2
5.
Juli 2014 (
Urk.
7/193/31
-34)
aus, in der angestammten Tätigkeit be
trage die Arbeitsfähigkeit 0
%
und im Haushalt 100
%
(S. 32 oben).
In einer
dem im Gutachten von
Dr.
E._
genannten Profil angepassten Tätig
keit
betrage die Arbeitsfähigkeit mindestens 75
%
(S. 32
Ziff.
9.3), dies seit dem 1
7.
Januar 2011 (S. 32
Ziff.
9.2).
Der psychische Gesundheitszustand der Explorandin sei zwar gewissen Schwan
kungen bei einer rezidivierenden depressiven Störung unterlegen, eine andau
ernde Veränderung
/Verschlechterung des psychischen Zustand
es
habe sich aber
im Vergleich zum
Vorgutachten vom Februar 2011 nicht entwickelt (S. 33
Ziff.
10.1).
4.7
PD
Dr.
med.
G._
, Chefarzt Rheumatologie,
H._
, der die Beschwerdeführerin jedenfalls
von
1
5.
Januar
2009
(vgl.
Urk.
6/179/127-128, S.
1 oben) bis Mitte 2014 (
Urk.
13 S.
2 oben) b
ehandelt
hat,
nahm auf Anfrage ihres Rechtsvertreters am
1
0.
August 2016
zum rheu
matologischen Gutachten Stellung
(
Urk.
13
/1
)
. Er führte aus, seines Erachtens fehle in der Anamnese und der klinischen Untersuchung eine konzise und struk
turierte Erfassung der neuropathischen Schmerzproblematik. Auf
Symp
tom
ebene
seien die Schmerzintensität nicht und die Schmerzqualität kaum er
fasst. Im Status fehle eine strukturierte klinisch-neurologische Untersuchung des betroffenen Beines (S. 1). In der Gesamtschau seien die Symptome, die damit verbundenen Einschränkungen und die
klinischen Befunde ungenügend erho
ben und dokumentiert worden. Im Rahmen einer Begutachtung mit Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei dies jedoch von entscheidender Bedeutung (S. 2 oben).
Sodann äusserte er sich zum aktuellen Zustand, wobei er für Details auf einen Konsultationsbericht vom 1
6.
Januar 2016 verwies und keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit machte (S. 2).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich beim Erlass der angefochtenen Verfügung auf die von ihr eingeholten Gutachten (vorstehend E. 2.1). Die Beschwerdefüh
rerin führte demgegenüber in der im März 2015 erhobenen Beschwerde aus, sie habe eigene Beurteilungen in Auftrag gegeben (
Urk.
1 S. 3
Ziff.
6). Im Mai 2016 erkundigte sich das Gericht nach dem Verbleib der entsprechenden Berichte (
Urk.
9), worauf die Beschwerdeführerin im August 2016 einen Arztbericht (
Urk.
13) einreichte; dabei blieb es auch im Rahmen der im Januar 2017 erstat
te
ten Replik (
Urk.
20).
Somit ist
die Stellungnahme
von PD
Dr.
G._
vom August 2016 die einzige von der Beschwerdeführerin gegen die eingeholten Gutachten ins Feld geführte medizinische Beurteilung.
5.2
PD
Dr.
G._
führte aus, im rheumatologischen Gutachten fehle in der Anam
nese und der klinischen Untersuchung eine konzise und strukturierte Erfassung der neuropathischen Schmerzprobl
ematik; eine solche wäre für die gutachterli
che Beurteilung der Arbeitsfähigkeit von entscheidender Bedeutung (vorstehend E. 4.7).
Warum dem so sein soll, ergibt sich weder aus der eine Textseite umfassenden Stellungnahme von PD
Dr.
G._
noch aus dem von ihm beigelegten wis
sen
schaftlichen Beitrag betreffend die Diagnostik bei neuropathischen Schmer
zen
(
Urk.
13/2)
, der keine Ausführungen
betreffend
Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit enthält.
Dass die Gutachterin die neuropathische Komponente - nach wie auch immer konventioneller oder speziell darauf fokussierter Untersuchung - sehr wohl er
fasst hat, wird schon dadurch deutlich, dass sie als Diagnose unter anderem eine komplexe Schmerzsymptomatik mit neuropathischen Schmerzanteilen nannte (vorstehend E.
4.4). Inwiefern sich daraus andere als die von ihr gezogenen Schlussfolgerungen betreffend Arbeitsfähigkeit hätten ergeben sollen, legte PD
Dr.
G._
nicht dar; weder bezeichnete er die von ihr attestierte Arbeitsfähig
keit explizit als unzutreffend noch machte er dazu eigenen Angaben.
Aus diesen Gründen ist seine Stellungnahme nicht geeignet, die Beurteilung durch
die Gutachterin in Frage zu stellen.
5.3
In der Replik brachte die Beschwerdeführerin gegen die Gutachterin
Dr.
E._
vor, sie sei Spitzenreiterin bezüglich der Gutachtensaufträge der
Beschwerde
gegnerin
und sie erscheine nicht ausreichend qualifiziert, denn es sei nicht nachvollziehbar, weshalb
vorliegend
(lediglich) eine Fachärztin für Innere Medi
zin mit einer Begutachtung beauftragt werde, für die viel eher ein Neuro
loge, ein Orthopäde und gegebenenfalls noch ein Rheumatologe federführend sein müsste (
Urk.
20 S. 3
Ziff.
6).
Zum Stellenwert des Auftragsvolumens, unter anderem insbesondere desjenigen von
Dr.
E._
, hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert, letzt
mals im Urteil 8C_
445/2016 vom
7.
Februar
2017 (E.
5.3 mit Hinweis auf frühere Urteile). Darauf ist zu verweisen.
Dr.
E._
ist nicht nur Internistin, sondern auch Fachärztin für Rheumato
logie, wie sich dem
Medizinalberuferegister
auf der Website des Bundesamtes für Gesundheitswesen entnehmen lässt. Auch dieser Einwand erweist sich somit als unzutreffend.
5.4
Schliesslich wandte die Beschwerdeführerin ein, die Gutachterinnen hätten sich nicht an den gemäss BGE 141 V 281 bezüglich der Auswirkung chronischer Schmerzstörungen und
somatoformer
Schmerzbilder zu beachtenden
Standar
dindikatoren
orientiert (
Urk.
20 S. 10 f.)
Das genannte Urteil datiert vom
3.
Juni 2015 und wurde im September 2015 amtlich publiziert. Wie sich die Gutachterinnen beim Verfassen ihres Gutach
tens im Mai/
Juli 2014 an den erst über ein Jahr später in Änderung der bis dahin geltenden Rechtsprechung bekannt gemachten Indikatoren hätten orien
tieren sollen oder können, ist nicht ersichtlich und wurde in der Replik auch nicht näher ausgeführt.
Zu beachten ist
zudem
, dass nach altem Verfahrensstand eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert verlieren (BGE 141 V 281 E. 8).
Das im Juli 2014 erstattete psychiatrische Gutachten (vorstehend E. 4.5) wurde zwar ohne Bezug
nahme auf die - damals noch gar nicht existierende - heute massgebende Ter
mi
nologie verfasst. Inhaltlich aber genügt es den mit BGE 141 V 281 for
mulier
ten Anforderungen, denn alle der zu beachtenden Standardindikatoren
–
näm
lich (im Hinblick auf die Gesundheitsschädigung) die Ausprägung der
diag
nose
rele
vanten
Befunde, der Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
–
misser
folg
und allfällige
Komorbiditäten
, sodann die Persönlichkeit, der soziale Kontext und (im Hinblick auf die Konsistenz) die gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen sowie der
be
hand
lungs
- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesene Leidensdruck (BGE 141 V 281 E.
4.1.3) - sind in der gutachterlichen Beurteilung in einer Weise thema
ti
siert, die den Schluss auf
eine aus psychiatrischer Sicht uneinge
schränkte Leis
tungsfähigkeit als auch nach dem neuen Standard nachvollzieh
bar und über
zeugend begründet erscheinen lässt.
5.5
Somit erweisen sich die gegen die eingeholten Gutachten erhobenen Einwände alle als nicht stichhaltig. Die Gutachten genügen den praxisgemässen Kriterien (vorstehend E. 1.4) vollumfänglich, so dass auf sie abzustellen ist.
Der Sachverhalt ist also dahingehend erstellt, dass ab Januar 2011 für dem formu
lierten Anforderungsprofil angepasste Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 75
%
besteht und dass sich
die
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit seit dem für die Rentenbefristung massgebenden Zeitpunkt (Januar 2011) abgesehen von einem 10-wöchigen Klinikaufenthalt (vorstehend E.
4.2) nicht verändert und insbesondere nicht verschlechtert hat.
Dies führt zur Feststellung, dass die Beschwerdegegnerin
zu Recht
einen über
die zugesprochene befristete Rente hinausgehenden Rentenanspruch verneint hat
. Die angefochtene Verfügung erweist sich somit als rechtens, was zur Ab
weisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
6.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
li
denversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
800.-- festzusetzen und
aus
gangsgemäss
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.