Decision ID: b9b67575-0f30-43dc-81d2-2651d1b7d317
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1962, arbeitet
e
seit 1997 zunächst in ei
nem Pensum von
80
%
und
seit 2007 in einem Pensum von 100
%
als Verkäu
ferin bei
der
Y._
(
Urk.
10/2/5,
Urk.
10/15/1-6,
Urk.
10/30/2
). Am 1
5.
April 2010 meldete sie sich unter Hinweis auf Na
cken
/Schulterschmerzen, Blockade bei Nackenbewegungen, Schwindel, Kopf
schmerzen
sowie
Kribbeln und Gefühlsschwäche in Armen und Händen bei Ar
beitsunfähigkeit seit
9.
März 2010
bei der Invalidenversicherung
zum Rentenbe
zug an (Urk. 10/2).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen. Weil die Versicherte die Arbeitsvermittlung nicht als möglich erachtete, schloss die IV
Stelle diese mit Mitteilung vom
3.
Februar 2011 ab (
Urk.
10/32-33).
Am 2
7.
Mai 2011 erstatteten
Dr.
med.
Z._
, Spezialarzt Orthopädie FMH,
und
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
B._
die von der IV-Stelle veranlass
te (
Urk.
10/35) Expertise (
Urk.
10/38).
1.2
Mit Vorbescheid vom 2
6.
August 2011
stellte die IV-Stelle die Abweisung des Rentenanspruchs bei einem Invaliditätsgrad von 24
%
in Aussicht (
Urk.
10/54). Auf Einwand der Versicherten
hin
(
Urk.
10/64)
gab
die IV-Stelle am 15. März 2012 eine psychiatrische Begutachtung
in Auftrag
(
Urk.
10/79). Nach Erstattung der Expertise durch
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera
pie,
a
m
8.
Mai 2012 (
Urk.
10/91) stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 1
0.
Juli 2012 erneut die Verneinung des Rentenanspruchs in Aussicht (
Urk.
10/95).
Dagegen erhob die
Versicherte
am
3.
September 2012 Einwand
(
Urk.
10/
100
)
, worauf
die IV-Stelle am
6.
Februar 2014
eine
polydisziplinäre
Untersuchung
an
ordnete
(
Urk.
10/
115
)
,
woran sie mit
letztlich unangefochten in Rechtskraft erwachsenen
Zwischenverfügung
en
vom 2
1.
März 2014
(
Urk.
10/126) und vom 2
8.
Oktober 2014 (
Urk.
10/149) fest
hielt
.
Das
Gutachter
der
MEDAS
D._
GmbH erging am
1
4.
Juli 2015 (Urk. 10/163).
1.3
Daraufhin sprach die IV-Stelle der Versicherten - n
ach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(
Urk.
10/171,
Urk.
10/176)
-
mit Verfügung vom 1
8.
März 2016 mit Wirkung ab
1.
April 2011 bei einem Invaliditätsgrad von 48
%
eine
Vier
telsrente
zu (Urk. 10/185,
Urk.
10/189 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
2.
Mai 2016 Beschwerde und beantragte die
Zusprache
einer ganzen Rente ab
9.
März 2011
(Ablauf der War
tefrist)
; eventualiter sei die Sache zur Überprüfung der Zumutbarkeitsfrage an die IV-Stelle zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um unent
geltl
iche Rechtspflege (
Urk.
1 S. 2), welches Gesuch si
e
am 2
3.
Mai 2016 sub
stantiierte (
Urk.
6-
8
). Die IV-Stelle schloss am
9.
Juni 2016 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9), wovon der Beschwerdeführerin am 1
3.
Juni 2016 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsren
te
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkom
men zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hin
weisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indi
katoren,
die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder
äusserer
Belas
tungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ande
rerseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundes
gerichts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen
Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchs
frei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.
1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) auf den Standpunkt,
im Zeitpunkt des
Ablauf
s
des Wartejahres
im April 2011
sei der Beschwerdeführerin die bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar. In einer
- näher beschriebenen -
angepassten Tätigkeit bestehe
indes
eine Arbeitsfähig
keit von 50
%
(S. 4
f.
). Eine leichte
bis
mittelschwere depressive Episode be
gründe keinen Gesundheitsschaden im Sinne der Invalidenversicherung. In Be
zug auf das
Valideneinkommen
führte sie aus, die
seitens der Beschwerdeführe
rin
geltend gemachte
Lohnerhöhung von Fr. 3‘000.
habe gemäss Auszug aus dem Individuellen Konto (IK-Auszug)
in den vergangenen Jahren
nicht stattge
funden (S. 5).
2.
2
Dagegen brachte d
ie Beschwerdeführerin
hinsichtlich der
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
vor
(
Urk.
1)
, anlässlich der MEDAS-Begutachtung sei in allen Teilbereichen nur eine Teilarbeitsfähigkeit festgestellt worden (allein im psychiatrischen Bereich
von nur
40
%
). Die Beschwerdegegnerin habe nur i
m
somatisch bedingten Be
schwerdebild eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit gesehen. Die Arbeitsfä
higkeit
von 50
%
in leidensangepasster Tätigkeit sei allerdings nicht
nachvoll
ziehbar, sei doch aus neurologischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
und aus rheumatologischer Sicht
eine solche
von 20
%
bescheinigt worden, was allein schon 70
%
ergebe
. E
s fehle
e
ine Begründung, weshalb die Beschwerde
gegnerin die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht ig
noriert habe
(S. 14).
Für die von den Gutachtern diagnostizierte leichte depres
sive Episode (S. 15) fehle eine Aufzählung der Symptome. Psychische Störungen würden sowohl vom behandelnden Psychiater als auch im psychiatrischen Teil
gutachten bestätigt, was von der Beschwerdegegnerin stillschweigen
d
übergan
gen werde. Zusätzlich zur Depression leide sie an weiteren psychischen Störun
gen (S. 16), so dass die Frage der Überwindbarkeit der Arbeitsunfähigkeit im Lichte der jüngeren bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu prüfen sei (S. 17).
Zusamm
enfassend
postulierte sie
, aufgrund des im MEDAS-Gutachten beschrie
benen somatischen Beschwerdebildes und der psychischen Störungen bestehe seit Ablauf des Wartejahres
im
März 2011 eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit, weshalb ihr eine ganze Rente zustehe (S. 17).
Zudem be
stritt
die Beschwerdeführerin
das
Valideneinkommen
;
die Beschwer
degegnerin hätte das
Valideneinkommen
bei der Arbeitgeberin genau abklären beziehungsweise auf
Fr.
53'404.-- im Jahr 2011 festlegen müssen,
anstatt dieses mittels den statistischen Reallohnerhöhungen zu ermitteln
(S.
17 f.).
2.3
Strittig ist die Höhe der der Beschwerdeführerin zustehenden Invalidenrente. Dabei ist zunächst zu prüfen, wie es sich mit ihrer Arbeitsfähigkeit verhält.
Obschon umfangreiche medizinische Abklärungen
, insbesondere mehrere Be
gutachtungen
erfolgten, stützte
n
sich b
eide Parteien
auf das
durch die Ärzte der
MEDAS
D._
erstattete Gutachten
und zogen daraus
ihre
- jeweils unter
schiedliche
n
- Schlüsse. Es rechtfertigt sich daher,
vorab
die
besagte
Expertise
näher
zu
beleuchten
.
3.
3.1
3.1.1
Im
MEDAS-
Gutachten vom
1
4.
Juli 2015
(
Urk.
10/163)
stützten si
ch
die Ärzte
auf die ihnen
überlassenen
umfangreichen
Vora
kten
(S. 3 ff.), die Angaben der
Beschwerdeführerin
(S. 19 ff.) und die im Rahmen der Untersuchungen
am
23.
/26.
Februar
und am
15.
April 2015 (S. 1) erhobenen
internistischen
(S.
24
f.),
rheumatologischen
(S.
26
ff.)
,
neurologischen (S. 28 f.) und p
sychiatrischen (S.
29
ff.) Befunde sowie
auf
das Ergebnis einer
konsensualen
Beurteilung
(S.
3
1
ff.
)
. Die G
utachter
nannten
zusammenfassend
folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
31)
:
1.
Zervikale Myelopathie mit leichtgradiger linksbetonter
Tetraspastik
(M50.0)
2.
Zervikovertebrales
Syndrom mit
vertebragenem
mechanischem Charak
ter bei dokumentierten
mehrsegmentären degenerativen Kaskaden und anamnestisch Hinweise auf mögliche erneute
ze
rv
ikale Myelopathie (M54.02)
3.
Dringender Verdacht auf potenziell chronische Frak
tur/sinterungsaktive Osteoporose (M80.09)
4.
Status nach Osteosynthese einer mehrfragmentären intraartikulären Radiusfraktur links
, 2
7.
März 2015
5.
Intermittierend akzentuierte Beschwerden aufgrund degenerativer Ver
änderungen des
Handgelenkes rechts (M25.09)
6.
Intermittierendes
Lumbovertebralsyndrom
mit aktuell bei der Epikrise eingrenzbaren leichten
Facettengelenksre
i
zungen der unteren
Lenden
wirbelsäule (
LWS
)
, linksbetont (M54.05)
7.
Unvollständig remittierte depressive Störung auf dem Niveau einer eher leicht- als
mittelgradigen depressiven Episode (F32.8)
8.
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41)
9.
Posttraumatische Störung in
subsyndromaler
Präsentation imponierend (F43.1)
10.
Auffällige Persönlichkeitszüge mit instabilen und depressiven, aber auch leistungsorientierten
Zügen (Z73)
Der weiter diagnostizierten somatoformen Sensibilitätsstörung mit chronischer Schmerzstörung (F45.41) massen die Gut
acht
er keine
Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit
bei
(S. 31)
.
3.1.2
Für den
Neurologe
n stand fest, dass die Beschwerdeführerin an einer linksbe
tonten
Tetraspastik
infolge einer Erkrankung des zervikalen
Myelons
lei
d
et, dies seit mindestens 201
0.
Aufgrund dieser Erkrankung seien körperlich mittel
schwere und s
chwere Arbeiten nicht zumutbar (S. 33).
In Bezug auf
die linksseitige Sensibilitätsstörung
fand der Neurologe in seiner Untersuchung
keine Anhaltspunkte für eine Schädigung.
Er führte aus, dass es sich
möglicherweise um eine Ausgestaltung aufgrund der subjektiv empfunde
nen Schw
ä
che der linken Körperseite
handle. D
iese Sensibilitätsstörung
habe
keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, zumal die
Beschwerdeführerin
Rechts
händerin sei.
Diese sei i
n der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin zu 100
%
arbeitsfähig
(richtig wohl arbeitsunfähig; vgl. dazu auch
Dr.
med.
E._
, Fach
arzt Anästhesiologie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst [RAD] der Beschwerde
gegnerin,
Urk.
10/169/11
und nachfolgend E. 3.2
)
mit reduzierter körperlicher Belastbarkeit
;
in einer angepassten Verweistätigkeit bestehe eine Arbeitsfähig
keit von 50
%
, unverändert seit März 2010
(S. 33; vgl. auch neurologisches Teilgutachten, Urk. 10/163/83)
.
3.1.3
Im
rheumato
l
ogischen
Teilg
utachten
wurde
n
das
ze
rv
ikovertebrale
Syndrom mit
vertebragenem
, mechanische
m
Charakter bei
dokumentierten mehrsegmentären degenerativen Kaskaden und zumindest anamnestischen
Hinweisen auf mögli
che erneute zervikale Myelopathie (M54.02) hervorgehoben.
Der Rheumatologe
legte dar
,
dass
t
rotz
Laminektomie
(am 2
5.
September 2014; vgl. dazu
Urk.
10/142/1)
die Möglichkeit einer erneuten
myelopathischen
Problematik nicht ausser Acht
gelassen werden
dürfe
. Wenn die von der
Beschwerde
f
ührerin
genannten Sensationen
,
Beschwerden und Störungen
gesamthaft betrachtet
würden
, sei es nachvollziehbar, dass das Beschwerdebild
in
einem
„Ganzkörper
syndrom" gipfle
, auch wenn keine
Tenderpoints gefunden
worden seien
.
Aus rheumatologischer Sicht sei die Beschwerdeführerin
medizinisch-theoretisch zu 80
%
arbeitsfähig mit einer Einschränkung der
Leistungsfähigkeit
von 20
%
, auch für
eine geeignete
Verweistä
t
igkeit. Die Einschränkungen müss
t
en zuge
standen werden durch vermehrten
Pausenbedarf, verlangsamtes Arbeitstempo
sowie
Sicherstellung der Ausführung von Lockerungs- und
Gymnastikübungen. Ebenso müss
t
en ergonomische Empfehlungen eingehalten werden
(S. 34)
.
3.1.4
Laut psychiatrischem Teilgutachten
kämen
bei den gestellten Diagnosen
grund
sätzlich einfache Tätigkeiten in Frage. Ausscheiden w
ü
rden
aufgrund des stän
digen Stresserlebens
Arbeiten mit erhöhter
Konzentrationsaufforderung
und
Schichtarbeiten
;
Arbeiten mit Kundenkontakt ersch
ie
nen als nicht sinnvoll. Aus
psych
i
atrischen Gründen
werde
eine Tätigkeit von
zweimal zwei
Stunden pro Tag in Form von Heimarbeit
gesehen, dies bei einem Gesamtrendement von 80
%. Dies erg
ebe
eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischen Gründen von 60
%
. Damit seien
ein vermehrter Pausenbedarf und
die höchste Anpassung an das komplexe Krankheitsprofil enthalten.
Verbunden mit der Möglichkeit einer
nicht
einfachen Persönlichkeit sei d
ie Möglichkeit zur rein willentlichen
Überwindbarkeit
ganz erheblich eingeschränkt. In der erwähnten Arbeitsunfähigkeit
sei
eine
Willensanstrengung bereits enthalten
(S. 35 Mitte)
.
Der Psychiater beschrieb ferner einen sozialen
Rückzug in allen Belangen. Die Symptomatik erschein
e
nicht als nicht mehr therapeutisch
angehbar
und Be
handlungsversuche seien
nicht unbefriedigend verlaufen. Grundsätzlich
seien
der
Beschwerdeführerin
alle
Massnahmen zumutbar, etwa
Pharmako
-
und Psy
chotherapie. Ebenfalls könn
t
en
soziothe
rapeutische Elemente
,
zum Beispiel am
bulante psychiatrische Spitex,
eingesetzt
und
eine tagesklinische Behandlung begonnen werde
n.
Die Bes
chwerdeführerin
habe
Ressourcen
und bemüh
e
sich. Die Arbeitsfähigkeit k
önne
mit medizinischen Massnahmen durchaus noch ge
steigert werden,
eventuell durch eine verbesserte Pharmakotherapie
; d
ie Antide
pressiva könnten zum Beispiel
vielleicht noch optimiert werden
. Die Psychothe
rapie erscheine als zielführend und werde auch so erlebt
(S. 35
unten
).
3.1.5
Zusammenfassend
legten die Gutachter dar, die
Abklärungen
hätten
ergeben, dass die
Beschwerdeführerin
an einem
mehrschichtige
n
Symptomenkomplex leide, wobei sich die Faktoren gegenseitig in der
Beeinträchtigung der Arbeits
fähigkeit beeinfluss
t
en. Auf der einen Seite st
ünden
die ausgeprägten
degenera
tiven Veränderungen an der
Wirbelsäule
, diese
hätten
vor allem an der Ha
l
swir
belsäule
(HWS)
zu einer
Spinalstenose geführt. I
m
neurologischen Teilgutachten
werde
die leichtgradige linksbetonte
Tetraspas
t
i
k
mit einer zervikalen Myelopa
thie als Folge der degenerativ bedingten Spinalstenose
erwähnt. Die in der Folge reduzierte Kraft, verminderte Stabilität, verminderte Gehstrecke und die
ver
minderte Geschicklichkeit
seien
die Folge. So
könne
auch der Sturz im Frühling 2014
mit
der
(operativ versorgten; vgl.
Urk.
10/127/1-3,
Urk.
10/142/1)
mehr
fragmentären Radiusfraktur links auf diese Faktoren
zurückgeführt werden. Der
auch im rheumatologischen Gutachten erwähnte Vitamin-D-Mangel sowie die radiologisch
imponierende
Osteopenie
/Osteoporose
könn
t
e
n
eine Rolle spielen. Radiologisch könn
t
en diesbezüglich
Veränderungen an der Brustwirbelsäule
(B
WS
)
im Sinne von sinterungsaktiven Kei
l
wirbelbildungen gesehen
werden. Die degenerativen Veränderungen der
Lendenwirbelsäule (
LWS
)
seien
an der Schmerzent
s
tehung
beteiligt, hätten
aber keinen direkten Einfluss auf die Ar
beitsfähigkeit. Ohne Bedeutung
sei
zurzeit die
Hemisakralisation
im Bereich des
lumbosakralen
Überganges. Die lange dauernden, radiologisch erstmals
2001 dokumentierten degenerativen Veränderungen der HWS
hätten
zu den
chronifi
zierten
Schmerzen im Bereich Nacken, Hals, obere Extremität geführt
(S. 36).
Im
psychiatrischen Gutachten f
i
nde sich
das Bild einer chronischen Schmerzstö
rung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41)
.
P
sychische Faktoren, wie auch
vormalige traumatische Erlebnisse wie der sexuelle Missbrauch durch den Vater w
ä
hrend der
praktisch gesamten Kind- und Jugendzeit, die problema
tische erste Ehe mit unter anderem der
Betreuung des schwer behinderten Kin
des
,
auch aktuelle Belastungen, zum Beispiel die gescheiterte
zweite Ehe
,
könn
t
en für die Aufrechterhaltung verantwortlich gemacht werden. Zum Zeitpunkt der psychiatrischen Exploration
erscheine
die depressive
Störung nicht im Voll
bild einer völlig abgesenkten Stimmung, aber mit anhaltender Ängstlichkeit,
die auch auf die
komorbide
Störung des posttraumatischen Erlebens (F43.1) sowie auf den ständigen Stress durch die Schmerzstörung
zurückgehe
. Das Ganze
sei
verbunden mit einer
nicht einfachen Persönlichkeit
(
Z73
)
. Somit
sei
die Mög
lichkeit der rein willentlichen
Über
win
d
barkeit
ganz erheblich eingeschränkt
(
S. 36).
Daraus folg
e
eine Arbeitsfähigkeit von zirka zweimal
zwei
Stunden am Tag
in Form von Heimarbeit, damit ein eigener Rhythmus gefunden werden
könne
. Das Gesamtrendement
betr
age
80
%
von diesen vier
Stunden, was einer Ge
samteinschränkung der Arbeitsfähigkeit von
etwa
66
%
entspr
e
ch
e
. Eine Wil
lensanstrengung
sei
in dieser Arbeitsfähigkeit von 34
%
bereits
enthalten. Die im
rheumatologischen und neurologischen Fachgutachten festgestellten
medizi
nisch-theoretischen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit
seien
entsprechend der auch im
psychiatrischen Gutachten festgestellten Leistungseinschränkung von 20
%
enthalten
(S. 37)
.
Zu den
Fragen der Beschwerdegegnerin hielten die Gutachter
im Weiteren
fest, e
s
best
ünden
sowohl körperliche wie auch psychische Leiden mit Krankheits
wert, die einander
gegenseitig beeinfluss
t
en.
Aus rheumatologischer Sicht
sei die bisherige Tätigkeit
ohne Einschränkung des zeitlichen Rahmens
zumutbar
, aus psychiatrischer
Sicht
sei sie nicht mehr zumutbar. Die Leistungsfähigkeit sei
seit April 2010
aus rein rheumatologischer Sicht um 20
%
vermindert, aus psy
chiatrischer Sicht um 100
%
(S. 38).
Andere
Tätigkeiten
befanden
die Gutachter für zumu
tbar.
Grundsätzlich kämen einfache Tätigkeiten in Frage, Arbeiten mit erhöhter Konzentrationsforderung und Schichtarbeit würden ausscheiden; Kundenkontakt sei nicht sinnvoll. Stö
rende Lichtverhältnisse und Lärmbelästigungen ergäben Probleme. Sie
schlos
sen, dass
eine Form von Heimarbeit
sinnvoll wäre
, so dass ein eigener Rhyth
mus
gefunden werden
könne
.
Entsprechend angepasste
Tätigkeiten seien der Beschwerdeführerin im Umfang von zweimal zwei Stunden pro Tag zumutbar (S. 39) bei einer verminderten Leistungsfähigkeit von 20
%
(S. 40).
Weiter legten die Gutachter dar, dass d
ie A
rbeitsfähigkeit durch Optimierung der
Pharmako
-
und der Psychotherapie
verbessert werden
könne
. Empfehlens
wert
seien
auch
soziotherapeutische Elemente, zum Beispiel ambulante psy
chiatrische Spitex im Sinne von mehr
Mobilisation und zu Hause. Von hier aus könne möglicherweise auch eine tagesklinische Behandlung
begonnen werden
.
Aus rheumatologischer Sicht
seien
regelmäss
i
ge Pausen erforderlich, damit die
Beschwerdeführerin
Lockerungsübungen etc. durchführen
könne
(S. 40).
Ferner äusserten sich die Gutachter zu den
(damals geltenden; vgl. vorstehend E. 1.3.2) «Förster-Kriterien»
(S. 43 f.).
3.2
Dr.
med.
E._
, Facharzt
Anästhesiologie
FMH, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin
erachtete
das
MEDAS-
Gutachten
in sei
ner Stellungnahme vom
1
8.
August 2015 für umfassend; es beruhe auf allseiti
gen Untersuchungen, berücksichtige die geklagten Beschwerden und die Vorak
ten, die Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sei einleuchtend und die medizinischen Schlussfolgerungen
seien
beg
ründet
. In der bisherigen Tätig
keit bestehe seit April 2010 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
, in einer lei
densangepassten Tätigkeit
- wohl eine Arbeitsfähigkeit -
von etwa vier Stunden (zweimal zwei Stunden) täglich
(
Urk.
10/169/10).
Auf Rückfrage der Sachbearbeiterin,
wonach
im MEDAS-Gutachten aus rheu
matologischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
und aus neurologischer Sicht eine solche von 100
%
beschrieben
werde,
aber in einer angepassten Tä
tigkeit lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(
Urk.
10/169/11 oben), ergänzte der
RAD-Arzt
a
m 16.
September 2015,
die vom Neurologen angeführte Arbeits
fähigkeit von 100
%
in der angestammten Tätigkeit beruhe auf einem Ver
schr
ieb
. Aus dem Kontext gehe zweifelsfrei eine
Arbeitsunfähigkeit
von 100 % hervor. Die Arbeitsfähigkeit in angepasster leichter Tätigkeit aus neurologischer beziehungsweise somatischer Sicht betrage 50
%
. A
us psychiatrischer Sicht h
ät
ten die
Gutachter eine Arbeit
sunfähigkeit von 66
%
errechnet (etwa vier Stun
den täglich mit Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 20
%
).
Im Weiteren prüfte der RAD-Arzt die
Standardi
ndikatoren, jedoch ohne
daraus einen
Schluss
zu ziehen
(Urk. 10/169/11), worauf die Beschwerdegegnerin
verfügungsweise
unter Berücksichtigung allein der somatischen Einschränkungen
auf eine Ar
beitsfähigkeit von 50
%
in einer Verweistätigkeit
erkannte
(
Urk.
10/169/12).
4.
4.1
Der Beweiswert des polydisziplinären
Gutachten
s wird von keiner Partei
grund
sätzlich
in Frage gestellt.
Wie
Dr.
E._
v
om RAD zutreffend festhielt (E.
3.2
hie
vor
), sind die
Voraussetzungen
, welche die Rechtsprechung
für die
Beweiskraft eines medizinischen Gutachtens
aufstellt
(
vorstehend
E.
1.4)
,
vollumfänglich er
füllt.
D
ie Beschwerdeführerin
rügte
zur Hauptsache, dass die
Beschwerdegegnerin die psychischen Einschränkungen
unberücksichtigt
gelassen ha
be
, was nachfolgend zu prüfen ist.
4.2
D
ie Gutachter
erachteten
aus psychiatrischer Sicht
nurmehr
eine Arbeitsfähig
keit von zweimal zwei Stunden am Tag und ein
Rendement von 80
%, mithin von
34
%
beziehungsweise
bei e
iner betriebsüblichen Arbeitszeit von
41.7 Wo
chen- oder 8.34 Tagesstunden (vgl. Bundesamt für Statistik,
Betriebsübliche Ar
beitszeit nach Wirtschaftsabteilungen
,
T 03.02.03.01.04.01
, Total) von 38
%
(100
%
:
8.34 x 4 x 80
%
)
,
für zumutbar (vorstehend E.
3.1.5)
.
Dagegen
verneinte d
ie Beschwerdegegnerin
eine
Arbeitsunfähigkeit
aus psy
chiatrischer Sicht
, wobei sie - wie gesagt (vorstehend E. 2.1
) - z
ur Begründung
an
führte, eine leichte bis mittelschwere depressive Episode begründe keinen Ge
sundheitsschaden im Sinne der Invalidenversicherung (Urk.
2 S. 5).
Im Lichte der Rechtsprechung des Bundesgerichts zu den psychischen Störungen, worun
ter auch ein depressives Geschehen zu begreifen ist, lässt sich diese Würdigung nicht halten
(vgl. dazu etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_917/2012 vom 14. August 2013 E. 3.2).
Da
rüber hinaus
liess die Beschwerdegegnerin vollständig ausser Acht, dass die Gutachter auch eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychi
schen Faktoren wie auch ei
n
e posttraumatische Störung in
subsyndromaler
Prä
sentation diagnostiziert
en
(vorstehend E. 3.1.1).
Diese Erkrankungen fallen un
ter die psychischen Gesundheitsschäden, bei denen nunmehr rechtsprechungs
gemäss
anhand der Standardindikatoren zu prüfen
ist
, ob
die
aus psychiatri
scher Sicht bescheinigte Arbeitsunfähigkeit invalidenversicherungsrechtlich be
deutsam ist.
4.3
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen
von psychischen Leiden
sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat
(
BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4)
.
4.
4
Gemäss
der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann die ärztliche Arbeitsfähig
keitsschätzung, zumindest ohne einlässliche Befassung mit den spezifischen normativen Vorgaben und ohne entsprechende Begründung, zwar den rechtlich geforderten Beweis des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 Abs. 2 ATSG) nicht erbringen, weil sie weitgehend vom Ermessen des medizinisch-psychiatrischen Sachverständigen abhängt. Die medizinische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ist aber eine wichtige Grundlage für die
anschliessende
juristi
sche Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2). Dabei gilt, dass die versicherte Person als grundsätzlich gesund anzusehen ist und sie ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen kann (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.7.2). Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit haben sich sowohl die medizinischen Sachverständigen als auch die Organe der Rechtsanwendung bei ihrer Einschätzung des Leistungs
vermögens an den normativen Vorgaben zu orientieren; die Gutachter im Ideal
fall
gemäss
der entsprechend formulierten Fragestellung (BGE 141 V 281 E. 5.2). Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere da
raufhin, ob die Ärzte sich an die
massgebenden
normativen Rahmenbedingun
gen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellun
gen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit
schliessen
lassen (BGE 143 V 418 E. 6). Im Rahmen der Beweiswürdigung obliegt es den Rechtsanwendern zu überprüfen, ob in
concreto
ausschliesslich
funktionelle Ausfälle bei der medizinischen Einschätzung berücksichtigt wurden und ob die Zumutbarkeitsbeurteilung auf einer objektivierten Grundlage erfolgte (BGE 141 V 281 E. 5.2.2; Art. 7 Abs. 2 ATSG). Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach
Massgabe
des strukturierten Beweisverfahrens statt
finden (BGE 141 V 281 E. 5.2.3; vgl. auch Andreas Traub, in: Ueli
Kieser
[Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2016, S. 142
Ziff.
3.3.3), sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen (BGE 141 V 281 E. 6; Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2017 vom 1. Dezember 2017 E. 4.2.4). Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts
abschliessend
nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung
der
massgeblichen
Beweisthemen
im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Kon
sistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der
Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person aus
wirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3, 143 V 418 E. 6
).
Von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit kann damit aus rechtlicher Sicht abgewichen werden, ohne dass ein
-
wie vorliegend grundsätz
lich beweiskräftiges
-
Gutachten dadurch seinen Beweiswert verlöre (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_106/2015 vom
1.
April 2015 E. 6.3).
Im Folgenden ist daher die gutachterlich bescheinigte Arbeitsunfähigkeit
dem strukturierten Beweisverfahren zu unterziehen
.
4.5
4.5.1
Was den Komplex „Gesundheitsschädigung" respektive den Indikator der „Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde“ angeht, ist festzuhalten, dass nur dort, wo bereits in den Diagnosekriterien ein Bezug zum Schweregrad gefordert wird, ein solcher nicht erreichter Schweregrad gegebenenfalls bereits den Aus
schluss einer krankheitswertigen Störung erlauben würde. Verallgemeinert auf sämtliche psychiatrischen Diagnosen angewendet, greift diese Auffassung je
doch zu kurz. Fehlt in der Diagnose die Schweregradbezogenheit, zeigt sich die Schwere der Störung in ihrer rechtlichen Relevanz erst bei deren funktionellen Auswirkungen (vorgenannter BGE 143 V 418 E. 5.2.2).
D
ie MEDAS-Gutachter
beschreiben zwar verschiedene psychische Störungen, welche die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen, doch sind der Expertise keine Hin
weise für eine besonders schwere Ausprägung der
psychischen
Befunde zu ent
nehmen. In Bezug auf die depressive Symptomatik sprachen sie sogar in der Diagnostik von einer eher leicht- als mittelgradigen depressiven Störung (vor
stehend E. 3.1.1). Die Gutachter erwähnten auch IV-fremde psychosoziale Belas
tungsfaktoren, wie die problematische erste Ehe mit der Betreuung des schwer behinderten Kindes und di
e gescheiterte zweite Ehe (Urk.
10/163/36 Mitte), wel
che für die Aufrechterhaltung der psychischen Leiden verantw
ortlich gemacht werden können. Daneben erwähnten die Gutachten jedoch eine posttraumati
sche Störung aufgrund des sexuellen Missbrauchs durch
den
Vater während praktisch der gesamten Kind- und Jugendzeit, was
kaum
mehr als leicht gelten kann.
Darüber hinaus
schilderten die Gutachter ausgeprägte, bildgebend nachgewiese
ne somatische Störungen. Der
mehrschichtige
Symptomen
komplex beeinflusse sich gegenseitig
(vorstehend E. 3.1.5)
, so dass allein schon aus somatischer Sicht
nurmehr
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in einer Verweistätigkeit
zumutbar ist
.
In Anbetracht
dieser
ausgeprägten Befunde ist dem RAD-Arzt
beizupflichten
, der von eine
r beträchtlichen
Gesundheitsschädigung sprach (
Urk.
10/169/11).
4.5.2
Bezüglich des Indikators „Behandlungs-
und Eingliederungserfolg oder
–
resis
-
tenz
“
ist dem Gutachten zu entnehmen, dass die Psychotherapie zwar ziel
-
führend und mit entsprechenden Resultaten befolgt
wird
.
Doch hielt der be
gutachtende Psychiater die Symptomatik nicht
für therapieresistent
. Er empfahl den Einsatz von soziotherapeutischen Massnahmen wie ambulante psychiatri
sche Spitex, aber auch eine
tagesklinische Behandlung (Urk.
10/163/30), welche die Beschwerdeführerin wegen der Kinder ablehne (Urk.
10/163/67 oben). Mit
tels geeigneter medizinischer Massnahmen, namentlich einer verbesserten Pharmakotherapie könne d
ie Arbeitsfähigkeit durchaus noch gesteigert werden
(Urk. 10/163/35).
Wenn
auch
der Beschwerdeführerin die seit 2010 anhaltende ambulante psy
chiatrische Behandlung
(
Urk.
10/163/67 oben)
wie auch die
Medikamentencom
pliance
(
Urk.
10/163/70 oben) zu Gute zu halten sind
,
hat sie sich
das fehlende Ausschöpfen von Therapien mit unterschiedlichen therapeutischen Ansätzen
entgegenhalten zu lassen, so dass letztlich nicht von einer Behandlungsresistenz gesprochen werden kann.
Die Beschwerdeführerin hat auch trotz der verbliebenen Restarbeitsfähigkeit keinerlei Eingliederungsversuche mehr unternommen (Urk. 10/163/20 oben),
4.5.3
Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich be
deutsame Komorbiditäten in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressour
cenhemmende Wirkung beizumessen ist (vorgenannter BGE 143 V 418 E.
8.1).
D
ie
Beschwerdeführer
in
leidet an
ausgeprägten,
objektiv
ausgewiesenen
und am 25.
September 2014 operativ
erfolglos
versorgte
n
Beschwerden im Nackenbe
reich,
welche linksseitig eine leichte
Tetraspastik
nach sich ziehen,
wie auch
im Lendenbereich sowie an degenerativen Veränderungen im rechten Handgelenk
(
Urk.
10/163/43). Allein aus neurologischer Sicht ist die Arbeitsfähigkeit
in einer Verweistätigkeit
im Zusammenhang mit der zervikalen Myelopathie zu 50
%
eingeschränkt. Obwohl
sich für
die linksseitig angegebene Sensibilitätsstö
rung kein o
rganisches Korrelat ergab (Urk.
10/163/83) und
diese
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bleibt,
wohnt den übrigen
somatischen
Störungen ein
erheblicher Krankheitswert inne.
Die durch das Mischbild von
syndromalen
und somatischen Gesundheitsschäden hervorgerufene Wechselwirkungen
beein
trächtigen die Leistungsfähigkeit zweifellos negativ.
4.5.4
Zu
m
Komplex „Persönlichkeit“
legten die Gutachter dar, die Beschwerdeführerin leide an auffälligen Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73). Diesen mass der begut
achtende Psychiater mit Blick auf die Möglichkeit der willentlichen Überwind
barkeit erhebliche Einschränkungen zu
, was in der formulierten
Ar
beits
(
un
)
-
fähigkeit
enthalten ist
(
Urk.
10/163/74).
Rechtsprechungsgemäss vermögen akzentuierte Persönlichkeitszüge zwar kei
nen rechtserheblichen Gesundheitsschaden zu begründen (Urteil des Bundesge
richts 8C_558/2015 vom 22. Dezember 2015 E. 4.2.4), allerdings ist eine ent
sprechende Persönlichkeitsstruktur
- mit de
n MEDAS-Gu
tachter
n
-
ressourcen
mindernd zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 9C_468/2107 vom 1
1.
September 2017 E. 4.2.2).
4.5.6
Hinsichtlich des
„soziale
n
Kontext
es
“ ergibt sich Folgendes:
Die Beschwerdeführeri
n lebt mit der Tochter in einer Wohnung. Sie hat einen Freund oder Kollegen, mit dem sie sich hauptsächlich am Wochenende
triff
t und der sie zur Begutachtung gefahren hat.
Sie hat eher wenige Bekannte, da es ihr unangenehm ist, wenn diese sie
in der Wohnung aufsuchen. Im Jahr vor der Begutachtung ist sie nicht in die Ferien gefahren und im Vorjahr hat sie in Ne
apel ihren kranken Vater besucht (
Urk.
10/163/66
; vgl. auch
Urk.
10/169/11
).
Zum Tagesablauf gab die Beschwerdeführerin
dem begutachtenden Psychiater
an, dass sie am Vortag zu
r
Begutachtung gegen 8.30 Uhr aufgestanden sei, Kaf
fee getrunken habe und im Trainer 20 Minuten mit dem Hund spazieren gegan
gen sei. Zu Hause habe sie ihre Physioübungen durchgeführt, sich ausgeruht und am Mittag eine Kleinigkeit zu sich genommen. Nachmittags sei sie wieder mit dem Hund und der Tochter spazieren gegangen.
Dann habe man ferngese
hen, Gespräche geführt und sie habe sich wieder ausgeruht. Abend
s
habe man gekocht und gegessen, nochmals ferngesehen und gegen 22.00 Uhr sei sie zu Bett gegangen,
habe
aber gar nicht gut geschlafen
(
Urk.
10/163/66
; vgl. dazu auch
Urk.
10/163/20 f.)
.
Die Beschwerdeführerin
hat
demnach
eine
regelmässige
Tagesstruktur,
spaziert regelmässig
mit dem Hund und pflegt
offenbar
eine gute Beziehung mit der Tochter, mit der sie
zusammen lebt
.
D
ie
Gutachter spr
echen
nicht von einem schweren sozialen Rückzug
(
Urk.
10/163/43)
, doch gibt es ausser mit
einer der drei
Töchtern keine intakten Beziehungen
, ausser monatliche Treffen mit zwei Freundinnen (Urk. 10/163/21)
. Der Kontakt zum Vater
gestaltet sich
schwierig, genauso wie zum neuen Freund. Aus dem sozialen Umfeld kann die Beschwer
deführerin mithin kaum positive, mobilisierende Ressourcen gewinnen.
4.5.7
In der Kategorie „Konsistenz“
zielt
der Indikator „gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen“ auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichter
werbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensberei
chen (z.B. Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist, wobei das Aktivi
tätsniveau der versicherten Person stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_296/2016 vom 2
9.
Juni 2016 E. 4.1.1).
Wie bereits dargelegt, hat
die
Beschwerdeführer
in
einen geregelten Tagesablauf.
Ausser dem regelmässigen Spazieren
berichtete sie über einige
Aktivitäten
im Haushalt
wie staubsaugen; wegen der Schmerzen könne sie
indes
nicht länger kochen und Dranbleiben an den Dingen (
Urk.
10/163/63 oben). Weitere Aktivi
täten im und ausser de
m
Haus sind nicht ersichtlich.
Der begutachtende Psychia
ter
vermutete
ein geringe
s
Aktivitätsniveau (
Urk.
10/163/42),
welchem Schluss zu folgen ist, da
insgesamt keine Inkonsistenzen ersichtlich
sind.
Dies gilt umso mehr, als die
Beschwerdeführerin
neben ihrer Passivität im Alltag auch
seit Längerem
keine Ferienreisen untern
immt und nicht Auto fährt (Urk. 10/163/66
)
.
Der Gutachter erhob auch eine Angst, das Haus zu verlassen (
Urk.
10/163/37).
Unter diesen Umständen
ist von einem
eher passiven
Verhalten
auch im Alltag
auszugehen,
das
die gutachterlich bescheinigte Arbeitsunfähigkeit stützt.
4.5.8
Im Rahmen des Indikators „behandlungs- und eingliederungsanamnestisch aus
gewiesener Leidensdruck“ weist die Inanspruchnahme von therapeutischen Op
tionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex „Gesundheitsschädi
gung") auf den tatsächlichen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu berück
sichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine versi
cherte Gesundheitsbeeinträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 2
9.
Juni 2016 E. 4.1.2).
Die Beschwerdeführerin steht laut dem begutachtenden Psychiater seit 2010 bei
Dr.
med.
F._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie (vgl.
Urk.
10/163/
67)
, in als adäquat erachteter psychiatrischer Behandlung. Anhaltspunkte dafür, dass sie die verordnete Medikation nicht befolgt, sind keine ersichtlich und auch nicht geltend gemacht. In somatischer Hinsicht unterzog sie sich am
2
5.
September 2014
gleichzeitig mit der Entfernung des störenden
Osteosynthesematerials
nach der Handgelenkfraktur links
einem Eingriff an der Halswirbelsäule (Urk.
10/142/1
). Diese laufenden Behandlungsmassnahmen lassen auf einen an
haltenden und erheblichen Leidensdruck schliessen
(vgl. dazu auch RAD-Arzt
Dr.
E._
,
Urk.
10/169/11)
.
Die Beschwerdeführerin
hat zwar in psychiatrischer Hinsicht die therapeutischen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft, doch ist nicht aktenkundig
und wird seitens der Beschwerdegegnerin auch nicht geltend ge
macht
, dass der behandelnde Arzt
- anders als später die Gutachter -
Behand
lungen
mit anderen
therapeutischen
Ansätzen
empfohlen und sie sich diesen widersetzt hätte.
4
.5.9
Zusammenfassend ist bei gesamthafter Betrachtung über die massgeblichen In
dikatoren und insbesondere mit Blick auf die gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus
in allen Lebensbereichen die Einschätzung des Leistungsver
mögens durch die MEDAS-Gutachter nicht zu beanstanden.
Gestützt darauf ist
unter Berücksichtigung sowohl der somatischen als auch der psychischen Be
schwerden
von einer Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit von zweimal zwei Stunde
n
pro Tag und einer zusätzlichen Einschränkung von 20
% auszu
gehen (vorstehend E. 3.1.5), was - wie gesagt - eine Restarbeitsfähigkeit von
38
%
ergibt (vorstehend E. 4.2).
Diese gutachterliche Einschätzung der zumut
baren Arbeitsfähigkeit ist das Ergebnis der
konsensualen
Besprechung der be
fassten Fachärzte. Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin kann in Anbetracht dieser Sachlage nicht einfach die aus somatischer Sicht attestierte Arbeitsunfähigkeit zu der aus psychiatrischer Sicht hinzugezählt und eine min
destens 70%ig
e Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
1 S.
14) angenommen werden.
Daran
ändert
auch nichts, dass
seinerzeit
die Gutachter des
B._
eine
höhere
Arbeitsfähigkeit
von 75
%
in einer Verweistätigkeit (
Urk.
10/38/
24
)
für
zumut
bar erachtet hatten. Die MEDAS-Gutachter
erläuterten
hiezu
nachvollziehbar, dass jene Beurteilung
trotz der
beschriebenen
Befunde
die
Myelopathie
nicht zutreffend
gefasst hatte (
Urk.
10/163/42).
Auch das Gutachten von
Dr.
C._
vom
8.
Mai 2012 ist nicht geeignet, das MEDAS-Gutachten in Zweifel zu ziehen.
Dr.
C._
ging allein aus psychiatri
scher Sicht von einer
vollständigen
Arbeitsunfähigkeit
aus (Urk.
10/91/16). Al
lerdings führte er
dazu
aus, dass er die chronischen Schmerzen n
icht bezie
hungsweise doch wenigstens als
teilweise überwindbar erachte (Urk. 10/91/15). D
a
auch er immerhin von einer teilweisen Überwindbarkeit ausging, vermag
die von ihm bescheinigte
vollständige
Arbeitsunfähigkeit nicht zu überzeugen. Überdies darf der polydisziplinären MEDAS-Abklärung höhere
r
Beweiswert zu
gemessen werden, da
dabei
auch die erheblichen somatischen Beeinträchtigun
gen in die Beurteilung miteinbezogen w
u
rden.
Dr.
C._
wies zwar im Zusam
menhang mit dem Schmerzsyndrom auf somatisch orthopädische Ursachen hin
(
Urk.
10/91/13)
und hielt die Schmerzen teilweise für somatisch bedingt (
Urk.
10/91/16);
als Psychiater
war er jedoch
nicht in der Lage, deren
Einfluss auf das Krankheitsgeschehen abschliessend zu beurteilen.
Dr.
C._
selbst be
schrieb
zudem
die Gesamtsituation als komplex und er
erwähnte „multiple(n) Krankheitsstränge“ (
Urk.
10/91/1
5
)
, was der von der Beschwerdegegnerin in der Folge zu Recht angeordneten umfassenden polydisziplinären Begutachtung be
d
u
rfte.
5
.
5
.1
Es bleiben die erwerblichen Auswirkungen der eingeschränkten Arbeitsfähigkeit zu prüfen.
5
.2
Die Beschwerdegegnerin stellte dem
Valideneinkommen
von
Fr.
51'732.--
ein
-
unter Heranziehung der
Schweizerische Lohnstrukturerhebung
(
LSE
) 2010 er
mitteltes
-
mit einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
zu realisierendes, unbestritten gebliebenes Invalideneinkommen von
Fr.
26'291.64 (richtig
Fr.
26'691.65;
vgl.
auch Feststellungsblatt,
Urk.
10/169/12) gegenüber und
berechnete
eine Er
werbseinbusse von
Fr.
25'040.35 und somit einen Invaliditätsgrad von 48
%
(
Urk.
2 S. 5).
Bei einer Restarbeitsfähigkeit von
nurmehr
38
%
beläuft sich das Invalidenein
kommen auf
Fr.
20'286.-
-
(
Fr.
26'691.65 x
2
x 38
%
)
,
die Erwerbseinbusse
folg
lich
auf
Fr.
31'446.-- (
Fr.
51'732.
-- .
/.
Fr.
20'286.--) und der Invaliditätsgrad auf 61
%
.
5
.3
Hinsichtlich des
Valideneinkommens
brachte die Beschwerdeführerin vor, es sei gestützt auf die Bestätigung ihrer ehemaligen Arbeitgeberin, der
Y._
(
Urk.
3/3)
,
von einem Lohn von
Fr.
53'404.--
im Jahr 2011
auszuge
hen (
Urk.
1 S. 18).
Bei
diesem
Valideneinkommen
resultiert eine Erwerbseinbusse von
Fr.
33’118.--(
Fr.
53'404.
-- .
/.
Fr.
20'286.--
) und
somit
ein Invaliditätsgrad von 62
%
, so dass sich Weiterungen dazu erübrigen
.
Denn s
owohl ein Invaliditätsgrad von 61
%
als auch ein solcher von 62
%
begründen einen Anspruch auf eine
Dreiviertels
rente
(vorstehend E. 1.2)
.
5
.4
Die Beschwerdegegnerin nahm keinen leidensbedingten Abzug vom Invaliden
einkommen vor, was unbeanstandet blieb.
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss sich auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_113/2015 vom 2
6.
Mai 2015 E. 3.2 und 8C_808/2013 vom 1
4.
Februar 2014 E. 7.1.1 mit Hinweisen).
Vorliegend sind keine Anhaltspunkte ersichtlich oder geltend gemacht, die ei
nen Leiden
s
abzug rechtfertigen würden
. Insbesondere kann nicht gesagt wer
den, dass das medizinische Anforderungs- und Belastungsprofil eine zum zeit
lich zumutbaren Arbeitspensum tretende qualitative oder quantitative Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit darstellt, wodurch in erster Linie das Spektrum der erwerblichen Tätigkeiten (weiter) eingegrenzt wird, welche unter Berück
sichtigung der Fähigkeiten, Ausbildung und Berufserfahrung der versicherten Person
realistischerwei
se
noch in Frage kommen. Damit ist kein Leidensabzug angezeigt.
5
.5
Die Beschwerdeführerin rügte sodann den Rentenbeginn, den die Beschwerde
gegnerin auf
1.
April 2011 festgesetzt hatte (
Urk.
2), und berief sich darauf, dass das Wartejahr nicht im April 2011, sondern bereits am
9.
März 2011 abgelaufen sei.
Die Darstellung der Beschwerdeführerin, sie habe im März 2010 ihre Tätigkeit zu 50
%
und ab April 2010 zu 100
%
niederlegen müssen (
Urk.
1 S. 3;
vgl. auch
Urk.
10/2/7
Ziff.
6.4)
,
wird durch den Bericht des seit 1
2.
März 2010 behandeln
den Psychiaters
Dr.
med.
F._
insofern gestützt, als er am 31. Mai 2010 ab März 2010 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit be
scheinigte (
Urk.
10/11/10).
Der
behandelnde
Internist
Dr.
med.
G._
bestätigte am 1
0.
Juli 2010 ein im März 2010 aufgetretenes depressives Geschehen und attestierte seinerseits eine Arbeitsunfähigkeit ab 1
4.
März 2010 (
Urk.
10/14/6-8).
Die Arbeitgeberin bezeichnete als letzten
effektiven
Arbeitstag den 3
1.
März 2010 und wies auf eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
ab
9.
März 2010 und von 100
%
ab
1.
April 2010 hin (
Urk.
10/15 S. 3 und S. 6).
Die
RAD-Ärztin
ging am 2
6.
November 2010 auch von einer Arbeitsunfähigkeit seit 1
4.
März 2010 und gleichzeitiger Wartezeiteröffnung aus (
Urk.
10/33/3).
Die MEDAS-Gutachter führten ohne nähere Begründung aus, die von ihnen als zumutbar erachtete Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit gelte seit April 20
10 (
Urk.
10/163/38). Dabei äusserte sich
der begutachtende Psychiater
nicht zur seitens
der Beschwerdegegnerin
unterbreiteten
Frage
, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit
„
seit dem März 2010
“
verhalte
(
Urk.
10/163/75). Insofern er
weist sich das MEDAS-Gutachten nicht als schlüssig. Ebenso wenig
ist
dem Feststellungsblatt der Beschwerdegegnerin oder der Verfügung zu entnehmen, weshalb sie die ab März 2010 ausgewiesene Arbeitsunfähigkeit ausser Acht ge
lassen hat (vgl. dazu
Urk.
10/169/12).
Aufgrund der echtzeitlichen Akten ist
nach dem Gesagten
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit seit März 2010 zu 50
%
arbeitsunfähig war, so dass in diesem Zeit
punkt das Wartejahr (vorstehend E. 1.2) zu eröffnen ist. Da sie sich bereits am 1
5.
April 2010 zum Leistungsbezug angemeldet hatte (
Urk.
10/2/9), entstand der Rentenanspruch mit Ablauf des Wartejahres im März 2011.
6
.
Zusammenfassend ist
die
angefochtene
Verfügung
dahingehend abzuändern, als die Beschwerdeführerin ab
1.
März 2011
Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
hat.
Dies führt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde.
7
.
7
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
1’000.
festzusetzen.
Da die Beschwerdeführerin in einem wesentlichen Umfang obsiegt, sind die ge
samten Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7
.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Innert der vereinbarten Frist (vgl.
Urk.
12) hat die Rechtsvertreterin keine Kos
tennote eingereicht. Die Prozessentschädigung ist daher von Amtes wegen auf Fr. 2'900.
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen und von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen.
7
.3
Bei diesem Ausgang erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um unent
geltliche Rechtspflege (
Urk.
1 S. 2) als gegenstandslos.