Decision ID: 327bb160-0ef3-43fe-8bf4-528782e3e5b1
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 1. Juli 1995 zum Bezug von Eingliederungsleistungen bei
der IV-Stelle an (IV-act. 1). Diese wies das Gesuch um berufliche Massnahmen mit
Verfügung vom 30. Dezember 1997 ab (IV-act. 27).
A.b Am 23. August 2004 meldete sich der Versicherte zum Bezug von
Rentenleistungen bei der IV-Stelle an. Er brachte vor, an einer Hepatitis C, Depression
und Drogensucht zu leiden (IV-act. 29). In der Folge holte die IV-Stelle verschiedene
medizinische Beurteilungen ein. Mit Verfügung vom 4. Mai 2012 wies die IV-Stelle im
Rahmen eines Aktenentscheids infolge Verletzung der Mitwirkungspflicht
(Suchtmittelabstinenz) das Leistungsgesuch ab (IV-act. 197). Die dagegen erhobene
Beschwerde hiess das Versicherungsgericht mit Entscheid vom 12. Dezember 2013, IV
2012/216, teilweise gut. Es hob die angefochtene Verfügung auf und wies sie Sache an
die IV-Stelle zurück, damit sie das Abklärungsverfahren fortführe und über das
Leistungsgesuch erneut entscheide (siehe hierzu sowie zum zurückliegenden
Sachverhalt, IV-act. 218).
A.c Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeinmedizin, berichtete am 9. April 2014, der
Versicherte leide mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an einer Polytoxikomanie bei
Persönlichkeitsstörung mit Labilität, Methadonsubstitution, chronischer Depression,
intermittierender Suizidalität und an einer Zirrhose bei chronischer Hepatitis C. Der
Versicherte sei sowohl für die angestammte Tätigkeit als Maurerpolier als auch für jede
andere Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig (IV-act. 222). RAD-Arzt Dr. med. C._,
Facharzt u.a. für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in der Stellungnahme vom 11.
Juni 2014 fest, der Versicherte habe sich insgesamt im Rahmen seiner Möglichkeiten
an die geforderte Suchtmittelabstinenz (Amphetamine, Cocain-Metaboliten und
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Alkohol) gehalten. Ein schwerwiegender Beigebrauch von illegalen Drogen zum
Methadon liege nicht vor. Die relativ hohe Dosis Benzodiazepin von 4x10mg sei ärztlich
verordnet. Es mache bei dessen labilem Gesundheitszustand sodann wenig Sinn, die
40mg Valium pro Tag zu entziehen. RAD-Arzt Dr. C._ empfahl, den Versicherten in
einer MEDAS zu begutachten (IV-act. 227).
A.d Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte im Zeitraum vom 20. bis 24.
Oktober 2014 im ZMB Zentrum für Medizinische Begutachtung, Basel, polydisziplinär
(allgemein-internistisch, ophthalmologisch, orthopädisch und psychiatrisch)
begutachtet. Im Gesamtgutachten vom 2. Dezember 2014 erwähnten die Experten
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung (dissozial, narzisstisch, emotional instabil); Störungen durch
multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen,
Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwachten
Entzugs-Ersatzdrogenprogramm (Methadon) mit Beikonsum (Heroin); eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode mit Status nach
multiplen Suizidversuchen; eine chronische Hepatitis C (Genotyp 3a) mit Zirrhose bei
Relaps; ein chronisches lumbovertebrales beziehungsweise lumbospondylogenes
Syndrom (bildgebend Discushernie L2/3; schwere Discopathien von L3 abwärts mit
Spondylarthrose); eine fortgeschrittene Coxarthrose rechts mit Schmerzsyndrom. Die
angestammten Tätigkeiten als Maurer und als Kranführer seien dem Versicherten
sowohl aus orthopädischer als auch aus psychiatrischer Sicht nicht mehr zumutbar.
"Psychiatrisch-medizinisch" bescheinigten die ZMB-Gutachter dem Versicherten eine
80%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 233).
A.e RAD-Arzt Dr. C._ gelangte bei der Würdigung des ZMB-Gutachtens zur
Auffassung, es seien verschiedene Punkte ungeklärt geblieben. Er formulierte
verschiedene Rückfragen (Stellungnahme vom 22. Dezember 2014, IV-act. 238-1 bis
-3; siehe auch IV-act. 236). Hierzu nahm der psychiatrische ZMB-Gutachter am 11.
Februar 2015 Stellung (IV-act. 237). RAD-Arzt Dr. C._ vertrat den Standpunkt, auf
das allgemein-internistische, orthopädische und ophthalmologische ZMB-
Teilgutachten könne abgestellt werden. Die offenen Punkte seien vom psychiatrischen
ZMB-Gutachter nicht beantwortet worden. Dessen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
könne aufgrund weiterer Inkonsistenzen nicht gefolgt werden. Eine kombinierte
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Persönlichkeitsstörung sei nicht ausgewiesen. Es liege eine primäre Sucht vor. Diese
ausgeklammert bestehe gestützt auf die Einschätzung des orthopädischen ZMB-
Gutachters seit 2010 eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten.
Die medizinischen Abklärungsmöglichkeiten seien voll ausgeschöpft (Stellungnahme
vom 18. Februar 2015, IV-act. 238-4 f.).
A.f Ausgehend von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
ermittelte die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von 18% und stellte dem Versicherten mit
Vorbescheid vom 8. Mai 2015 die Abweisung seines Rentengesuchs in Aussicht (IV-
act. 241). Dagegen erhob der Versicherte am 8. Juni 2015 Einwand (IV-act. 242).
Nachdem sich RAD-Arzt Dr. C._ am 2. Juli 2015 aus medizinischer Sicht zum
Einwand geäussert hatte (IV-act. 244), verfügte die IV-Stelle gleichentags die
Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 245).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 2. Juli 2015 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 27. August 2015. Der Beschwerdeführer beantragt darin deren Aufhebung und die
Zusprache einer ganzen Invalidenrente; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Im
Wesentlichen bringt er zur Begründung vor, gestützt auf die beweiskräftige
Einschätzung der ZMB-Gutachter sei von einer seit dem Rentengesuch vom 23.
August 2004 bestehenden 80%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 26. Oktober
2015 die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie aus, gestützt auf die
Beurteilung durch RAD-Arzt Dr. C._ bestehe keine psychisch bedingte
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (act. G 3).
B.c Mit Präsidialverfügung vom 4. November 2015 wird dem Gesuch des
Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von
den Gerichtskosten) entsprochen (act. G 4).
B.d In der Replik vom 15. Dezember 2015 hält der Beschwerdeführer unverändert an
den gestellten Anträgen fest (act. G 6; zum der Replik beigelegten Bericht der Klinik für
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Gastroenterologie/Hepatologie am Kantonsspital St. Gallen [KSSG] vom 24. September
2015 siehe act. G 6.1).
B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 8).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der am 23. August
2004 angemeldete Rentenanspruch des Beschwerdeführers (IV-act. 29).
1.1 Am 1. Januar 2003 ist das Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1), am 1. Januar 2004 sind die neuen
Normen der 4. IV-Revision und am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision
revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20), der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des
ATSG in Kraft getreten. Am 1. Januar 2012 sind schliesslich die aufgrund der IV-
Revision 6A geänderten Bestimmungen des IVG in Kraft getreten. In materiellrechtlicher
Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene
Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids
beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen
Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E. 1, 126 V 136
E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am 2. Juli 2015 ergangen (IV-
act. 245), wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist (Anmeldung vom 23. August 2004, IV-
act. 29), der vor dem Inkrafttreten des ATSG und der revidierten Bestimmungen der 4.
und 5. IV-Revision begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit
eine Dauerleistung betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist
entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31.
Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen, ab 1. Januar 2008 auf die
neuen Normen der 5. IV-Revision und ab 1. Januar 2012 auf die neuen Normen der 6A
IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Nachfolgend werden die seit 1.
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Januar 2012 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben, soweit nicht
ausdrücklich auf die altrechtlichen Bestimmungen verwiesen wird.
1.2 Anspruch auf eine Invalidenrente hat eine versicherte Person, wenn sie ihre
Erwerbsfähigkeit durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen nicht wieder herstellen,
erhalten oder verbessern kann, während einer einjährigen Wartefrist durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid ist (Art. 28 Abs. 1 IVG). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG hat die
versicherte Person Anspruch auf eine ganze IV-Rente, wenn sie mindestens zu 70%
invalid ist; bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% besteht ein Anspruch auf
eine Dreiviertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% Anspruch auf
eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% Anspruch auf
eine Viertelsrente.
1.3 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.4 Alkoholismus, Medikamentenmissbrauch und Drogensucht begründen keine
Invalidität im Sinn des Gesetzes. Vielmehr wird eine solche Sucht
invalidenversicherungsrechtlich erst bedeutsam, wenn sie ihrerseits eine Krankheit
oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger die
Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder aber
wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist,
welchem Krankheitswert zukommt. Dabei ist das ganze für die Sucht massgebende
Ursachen- und Folgespektrum in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen, was impliziert,
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dass einer allfälligen Wechselwirkung zwischen Suchtmittelabhängigkeit und
psychischer Begleiterkrankung Rechnung zu tragen ist. Was die krankheitsbedingten
Ursachen der Sucht betrifft, ist für die invalidenversicherungsrechtliche Relevanz der
Abhängigkeit erforderlich, dass der Sucht eine ausreichend schwere und ihrer Natur
nach für die Entwicklung einer Suchtkrankheit geeignete Gesundheitsstörung zugrunde
liegt, welche zumindest eine erhebliche Teilursache der Sucht darstellt. Mit dem
Erfordernis des Krankheitswerts einer allfälligen verursachenden psychischen Krankheit
wird verlangt, dass diese die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit einschränkt. Wenn der
erforderliche Kausalzusammenhang zwischen Sucht und krankheitswertigem
psychischem Gesundheitsschaden besteht, sind für die Frage der noch zumutbaren
Erwerbstätigkeit die psychischen und die suchtbedingten Beeinträchtigungen
gesamthaft zu berücksichtigen. Die Frage nach der objektiv zu verstehenden
Zumutbarkeit einer Tätigkeit beurteilt sich entscheidend nach dem, was der Arzt, im
Kontext der Psychiater als Facharzt, dazu sagt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23.
Mai 2014, 8C_906/2013, E. 2.2).
1.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
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medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
2.
Zunächst zu prüfen ist die Frage, ob der medizinische Sachverhalt für die Beurteilung
des Rentengesuchs spruchreif ist.
2.1 Die Beschwerdegegnerin stützte die Abweisung des Rentengesuchs in
medizinischer Hinsicht auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch RAD-Arzt Dr.
C._ (30%ige Arbeitsunfähigkeit aus orthopädischer Sicht; IV-act. 238). Angesichts
der gegenüber dem ZMB-Gutachten in psychiatrischer Sicht diametral
widersprechenden Beurteilung (100%ige Arbeitsfähigkeit) und dem Umstand, dass
RAD-Arzt Dr. C._ den Beschwerdeführer nicht persönlich untersucht hat, ist seine
Einschätzung nicht geeignet, die Frage nach der Restarbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers schlüssig zu beantworten. Hinzu kommt, dass sich seine
Ausführungen im Wesentlichen auf eine - teilweise aktenwidrige (vgl. hierzu
nachstehende E. 2.2.3 und E. 2.2.5) - Kritik am psychiatrischen Teil des ZMB-
Gutachtens beschränken und er keine eigene begründete Einschätzung der komplexen
psychischen Situation des Beschwerdeführers vorgenommen hat. RAD-Arzt Dr. C._
legt insbesondere nicht dar, auf welcher Befundgrundlage oder Diagnosediskussion er
zu seinen Schlussfolgerungen gelangt. Die weitere Voraktenlage lässt er - namentlich
bei seiner nicht näher begründeten Verneinung einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung - vollständig unberücksichtigt. Ob die Kritik von RAD-Arzt Dr.
C._ geeignet ist, die Beweiskraft des ZMB-Gutachtens zu erschüttern, wird
nachfolgend beurteilt.
2.2 Die Beweiskraft des allgemein-internistischen, orthopädischen und
ophthalmologischen Teils des ZMB-Gutachtens ist zwischen den Parteien unbestritten
geblieben (vgl. auch die RAD-Stellungnahme vom 18. Februar 2015, IV-act. 238). Aus
den Akten ergeben sich keine Gesichtspunkte, die Zweifel daran entstehen lassen.
Hingegen hält die Beschwerdegegnerin den psychiatrischen Teil des ZMB-Gutachtens
aus verschiedenen Gründen für nicht beweiskräftig (vgl. insbesondere die Kritik von
RAD-Arzt Dr. C._ vom 18. Februar 2015, IV-act. 238-4 f.).
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2.2.1 Zwar wäre es der Vollständigkeit halber wünschenswert gewesen, wenn der
psychiatrische Teilgutachter und Leiter des ZMB - wenigstens auf Nachfrage hin - eine
isoliert fachpsychiatrische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit kenntlich gemacht hätte.
Ein Mangel an der gesamtgutachterlichen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung, die im Rahmen
einer alle Gutachter einschliessenden Konsenskonferenz erarbeitet wurde (IV-act.
233-55 ff. und -63; zur Signatur durch sämtliche Teilgutachter siehe IV-act. 233-64), ist
damit allerdings nicht dargetan. Von Bedeutung für die Beurteilung des
Rentenanspruchs ist nämlich allein die gesamtgutachterlich bescheinigte
Arbeitsunfähigkeit. Es ist ferner in der Praxis nicht unüblich, dass ein fallführender
medizinischer Experte die aus seinem Fachgebiet zu bescheinigende
Arbeitsunfähigkeit ausschliesslich im Rahmen der gesamtgutachterlichen
Arbeitsfähigkeitsschätzung - die letztlich für die Erwerbsunfähigkeit allein entscheidend
ist - einfliessen lässt. Sinn und Zweck der gemeinsamen Einschätzung der am
Gutachten beteiligten Fachärzte ist es denn auch, - allenfalls abweichend von einzelnen
Experten - eine einhellige Auffassung zu finden (Urteil des Bundesgerichts vom 22.
März 2016, 9C_955/2015, E. 3.4). Im Übrigen ergibt sich aus der Diagnoseliste,
welchen psychischen Leiden der psychiatrische ZMB-Gutachter einen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit beigemessen hat (IV-act. 233-56). Deren Schweregrad und
Wirkungsweise hat er im psychiatrischen Teil sowie im Rahmen der
gesamtgutachterlichen Beurteilung ausführlich beschrieben (IV-act. 233-46 ff.; IV-act.
233-59). Er wies sodann darauf hin, dass die Persönlichkeitsstörung - unabhängig des
Suchtmittelkonsums - die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers beeinflusst (IV-
act. 233-60), was er auf Nachfrage hin nochmals bestätigt hat (IV-act. 237-2). Damit hat
der psychiatrische ZMB-Gutachter sämtliche Gesichtspunkte und Überlegungen
transparent gemacht, die in die gesamtgutachterliche Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
eingeflossen sind.
2.2.2 Der Vorwurf von RAD-Arzt Dr. C._, eine kombinierte Persönlichkeitsstörung sei
nicht ausgewiesen (IV-act. 238-4), erweist sich als unbegründet. Der psychiatrische
ZMB-Gutachter hat nicht bloss die ihm mitgeteilten Fakten zur Kindheits- und
Jugendentwicklung berücksichtigt. Vielmehr stützte er seine Diagnose auf die im
Rahmen der eigenen Untersuchungen und gestützt auf eine ausführliche Diskussion
der Voraktenlage gewonnenen Erkenntnisse (IV-act. 233-52 ff. und -61 ff.). Die
Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung u.a. mit narzisstischen Zügen
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deckt sich sodann nicht bloss mit der Erkenntnis des psychiatrischen Gutachters der
MEDAS Ostschweiz (Gutachten vom 5. November 2008, IV-act. 108, insbesondere IV-
act. 108-26 ff., -31 f. und -35; zum psychiatrischen Consiliargutachten vom 10.
September 2008 siehe IV-act. 108-41 ff.), sondern auch mit derjenigen der Experten
der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (Gutachten vom 17. Mai 1989, IV-act.
51-19 ff. [hinsichtlich der narzisstischen Züge siehe insbesondere IV-act. 51-25]; zur
entsprechenden von den vom 16. bis 18. August 2011 stationär behandelnden
medizinischen Fachpersonen der Psychiatrischen Klinik D._ erhobenen
Verdachtsdiagnose siehe IV-act. 195-2 und -4; vgl. auch den Bericht der Fachstelle für
Sozialpsychiatrie und Psychotherapie vom 18. Juni 2004, IV-act. 43-25 ff., und siehe
auch den Bericht von E._, Psychotherapeut SPV, vom 12. Mai 2007, IV-act. 64).
2.2.3 Die Behauptung von RAD-Arzt Dr. C._, es bestünden Inkonsistenzen in Form
von unterschiedlichen Angaben zur Menge des eingenommenen Methadons (IV-act.
238-3 und -4, je lit. d), erweist sich als aktenwidrig. Sowohl der allgemein-internistische
Gutachter (IV-act. 233-32) als auch der psychiatrische Experte (IV-act. 233-50 und -56)
hielten eine Menge von 70 mg fest. Diese Dosis blieb in der Folge offenbar unverändert
(Bericht des KSSG vom 24. September 2015, act. G 6.1, S. 2).
2.2.4 Aus der Sicht von RAD-Arzt Dr. C._ ist der psychiatrische Teil des ZMB-
Gutachtens auch deshalb mangelhaft, da eine Differenzierung zwischen der Einnahme
von Methadon "versus Beigebrauch von Heroin" nicht durchgeführt worden sei. Ob
eine aktuelle Heroinbeeinflussung bestanden habe, werde nicht einmal
differentialdiagnostisch erwogen. Der psychiatrische ZMB-Gutachter sei auch nicht auf
die Diskrepanz zwischen der angegebenen Einnahme des Antidepressivums und dem
festgestellten Medikamentenspiegel eingegangen (IV-act. 238-4). Der psychiatrische
ZMB-Gutachter war darüber im Bild, dass der Beschwerdeführer "nebenbei" noch
Heroin "sniffe" (IV-act. 233-50 und -54; vgl. auch die Angabe gegenüber dem
allgemein-internistischen Experten in IV-act. 233-35). Dieser Beikonsum fand in die
Diagnoseliste Eingang (IV-act. 233-51 oben und -56). Sodann gelangte er
nachvollziehbar zur Auffassung, dass eine Drogenabstinenz keinen Einfluss auf die
grundlegende Persönlichkeitsstörung habe (IV-act. 233-60). Es ist unter diesen
Umständen weder ersichtlich noch von RAD-Arzt Dr. C._ näher begründet worden,
inwiefern unter dem Aspekt des Heroin-Beikonsums ein Mangel an der gutachterlichen
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Beurteilung besteht, zumal er in der Stellungnahme vom 11. Juni 2014 noch der
Auffassung war, eine vollständige Abstinenz sei für eine aussagekräftige Begutachtung
nicht erforderlich (IV-act. 227-2). Zu ergänzen bleibt, dass der vom Beschwerdeführer
anlässlich der Untersuchung im KSSG angegebene gelegentliche nasale Konsum vor
der Begutachtung bestätigt wurde. Es ergeben sich keine Anhaltspunkte, dass der
Beschwerdeführer den Heroinkonsum vor oder während der Begutachtung gesteigert
haben könnte und dies von den ZMB-Gutachtern übersehen worden wäre. Was die
Medikation mit einem Antidepressivum anbelangt, so räumte RAD-Arzt Dr. C._ selbst
ein, dass dieses im Medikamentenspiegel nachgewiesen worden sei (IV-act. 238-4). Im
Übrigen begründete er nicht und es bleibt damit unklar, inwiefern die Angabe zum
Medikamentenkonsum - selbst wenn sie unzutreffend wäre -, eine mit Blick auf das für
die quantitative Arbeitsunfähigkeit im Vordergrund stehende, nicht depressive Leiden
einer kombinierten Persönlichkeitsstörung eine Inkonsistenz zu begründen vermöchte
(siehe hierzu auch die Antwort des psychiatrischen ZMB-Gutachters in IV-act. 237-2).
2.2.5 Sodann wendet RAD-Arzt Dr. C._ - ohne Angabe einer konkreten Fundstelle -
ein, einmal werde "rezidivierende depressive Störung, ggw. leichte Episode mit Status
nach multiplen Suizidversuchen" mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und dann
wiederum "leichte depressive Episode" ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
aufgeführt (IV-act. 238-5). Auch diese Kritik erweist sich insoweit als aktenwidrig, als
sowohl im psychiatrischen (IV-act. 233-51) sowie im gesamtgutachterlichen Teil (IV-act.
233-57) sich die Diagnose rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte
Episode mit Status nach multiplen Suizidversuchen findet. Zwar fand im
psychiatrischen Teil keine Wertung der Diagnosen nach dem Gesichtspunkt des
Einflusses auf die Arbeitsfähigkeit statt, woraus aber kein Schluss auf die Frage nach
der Arbeitsfähigkeitsrelevanz bzw. auf eine fehlende Auswirkung geschlossen werden
kann. Im gesamtgutachterlichen Teil hingegen, der entscheidend ist (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 22. März 2016, 9C_955/2015, E. 3.4), wird der Diagnose eine
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bescheinigt (IV-act. 233-56).
2.2.6 Nach der Auffassung von Dr. C._ stehen den vom psychiatrischen ZMB-
Gutachter dargelegten Funktionsbeeinträchtigungen die selbstständige Anreise an den
Begutachtungsort, die Besorgung einer preiswerten Unterkunft und das Erfreuen am
Szenenwechsel gegenüber. Ausserdem kümmere er sich um die Erledigung seiner
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basalen Alltagsangelegenheiten (IV-act. 238-5). Vorab ist darauf hinzuweisen, dass der
psychiatrische und die übrigen Gutachter über sämtliche der genannten Aspekte im
Bild waren und davon ausgegangen werden kann, dass sie diese im Rahmen der
Gesamtbeurteilung nicht ausser Acht gelassen haben (siehe etwa IV-act. 233-48).
Ferner wird dem Beschwerdeführer nicht eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt, sondern immerhin noch eine Arbeitsfähigkeit von 20% zugemutet, was
insbesondere mit dem Besorgen der "basalen Alltagsangelegenheiten" zu vereinbaren
ist. Angesichts des vom Beschwerdeführer beklagten schwierigen persönlichen
Umfelds an seinem Wohnort leuchtet es sodann ein, dass er zur Auffassung gelangte,
ein Szenenwechsel tue ihm gut. Wie er im Übrigen zutreffend ausführt (act. G 6, Rz 4),
änderte der Szenenwechsel nichts an den vom psychiatrischen ZMB-Gutachter
festgestellten Befunden (u.a. "traurig, gehemmt und resigniert", zum Ganzen IV-act.
233-48 f.).
2.2.7 Die nicht begründete Einschätzung von RAD-Arzt Dr. C._, es liege eine primäre
Sucht vor (IV-act. 238-5), steht nicht nur im Widerspruch zur ZMB-Beurteilung (zum
unabhängig von der Suchtproblematik bestehendem Leiden siehe IV-act. 233-60 und
IV-act. 237-2), sondern auch zur Einschätzung der Experten der MEDAS Ostschweiz
(zum sekundären Charakter der "Suchterkrankung" siehe IV-act. 108-34). Sie beruht
offenbar wesentlich auf seiner unzutreffenden, teilweise sogar aktenwidrigen Kritik am
ZMB-Gutachten.
2.3 Bei der Würdigung der Beurteilung des psychiatrischen ZMB-Gutachters fällt
ausserdem ins Gewicht, dass sie auf eigenständigen Abklärungen beruht und für die
streitigen Belange umfassend ist. Insbesondere verschaffte er sich ein Bild über die
Ressourcen des Beschwerdeführers. Die medizinischen Vorakten wurden sodann
verwertet und die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden berücksichtigt und
gewürdigt. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür und solche ergeben sich namentlich
auch nicht aus der Stellungnahme von RAD-Arzt Dr. C._, dass objektiv wesentliche
Tatsachen nicht berücksichtigt worden wären. Solche gehen auch nicht aus der
Beschwerdeantwort vom 26. Oktober 2015 (act. G 3) hervor. Es besteht daher kein
Anlass, von der polydisziplinär bescheinigten 80%igen Arbeitsunfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten abzuweichen. Wie der psychiatrische ZMB-Gutachter in
der ergänzenden Antwort klargestellt hat, besteht die gesundheitliche Einschränkung
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bereits seit Jahrzehnten (IV-act. 237-2). Es ist daher mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass bereits im Zeitpunkt des frühestmöglichen
Rentenbeginns (1. August 2003; vgl. Art. 48 Abs. 2 aIVG, in der vorliegend
massgebenden bis 31. Dezember 2007 gültigen Fassung) eine 80%ige
Arbeitsunfähigkeit seit mehr als einem Jahr bestanden hat.
3.
Im Rahmen eines mangels repräsentativer Grundlage für die Bestimmung der
Vergleichseinkommen (siehe den IK-Auszug, IV-act. 34) anwendbaren
Prozentvergleichs resultiert selbst bei einem allfälligen Verzicht auf einen
Tabellenlohnabzug ein Invaliditätsgrad von 80% und damit ein Anspruch auf eine
ganze Rente mit Wirkung ab 1. August 2003 (vgl. vorstehende E. 2.3).
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, die Verfügung vom 2. Juli
2015 aufzuheben und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. August 2003 eine
ganze Rente zuzusprechen. Die Sache ist im Sinn der Erwägungen zur Festsetzung
und Ausrichtung der Rentenleistung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
4.3 Die Zusprache einer Parteientschädigung gemäss Art. 61 lit. f ATSG fällt ausser
Betracht, da der Beschwerdeführer durch das Sozialamt vertreten wird (vgl. die im
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 18. November 2011, IV 2009/341, E. 5.2,
begründete Praxisänderung).