Decision ID: 11655ca3-9c47-45b5-b884-0b6add4677cd
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb am 25. November 2004 den Führerausweis für die Fahrzeugkategorie B.
Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen entzog diesen mit
Verfügung vom 6. März 2008 für einen Monat, nachdem X wegen unvorsichtigen
Überholens und Nichtbeherrschens des Fahrzeugs am 29. November 2007 einen
Verkehrsunfall verursacht hatte (Führerausweisabgabe vom 7. April bis 6. Mai 2008).
Am 29. Juni 2008 überschritt er die signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h
um 30 km/h, was einen weiteren Führerausweisentzug für einen Monat zur Folge hatte
(Führerausweisabgabe vom 17. November bis 16. Dezember 2008). Eine
Geschwindigkeitsübertretung vom 25. April 2012 wurde zudem mit einer Verwarnung
registriert (Verfügung vom 10. Juli 2012).
Am 27. September 2014 fuhr X mit einem Personenwagen auf der Burietstrasse in
Staad. Auf der Höhe "Beton Dudler" wurde er anlässlich einer
Geschwindigkeitskontrolle bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h mit
einer rechtlich relevanten Geschwindigkeit von 110 km/h gemessen. Das
Strassenverkehrsamt entzog ihm deswegen mit Verfügung vom 17. April 2015 den
Führerausweis wegen schwerer Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von drei Monaten. Gegen diese Verfügung
erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 30. April 2015 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Dieses Rekursverfahren (IV-2015/97) ist wegen des
noch hängigen, parallel laufenden Strafverfahrens seit 22. Mai 2015 sistiert.
B.- Am 3. Juli 2015 erhielt das Strassenverkehrsamt Kenntnis davon, dass X am
3. August 2014 auf der Tauernautobahn im Gebiet der Gemeinde Weissenstein
(Kärnten, Österreich) um 3.44 Uhr die zur Nachtzeit zulässige Höchstgeschwindigkeit
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von 110 km/h nach Abzug der Messtoleranz um 93 km/h überschritten habe. Die
Bezirkshauptmannschaft Villach-Land verurteilte ihn deswegen mit Straferkenntnis vom
3. Februar 2015 zu einer Geldstrafe von € 730.–. Eine dagegen erhobene Beschwerde
wies das Landesverwaltungsgericht Kärnten mit Entscheid vom 2. Juni 2015 ab.
Nachdem dieser Entscheid in Rechtskraft erwachsen war, sprach die
Bezirkshauptmannschaft Villach-Land mit Bescheid vom 3. Juli 2015 ein
dreimonatiges, für das Gebiet Österreichs geltendes Fahrverbot aus.
C.- Am 21. Juli 2015 eröffnete das Strassenverkehrsamt wegen des Ereignisses in
Österreich ein Administrativverfahren gegen X, stellte eine verkehrspsychologische
Untersuchung in Aussicht, gab Gelegenheit zu einer schriftlichen Stellungnahme und
entzog den Führerausweis vorsorglich ab sofort. Ein dagegen erhobener Rekurs wurde
mit Präsidialentscheid vom 3. Dezember 2015 abgewiesen (vgl. VRKE IV-2015/168 P).
Dieser Entscheid wurde vor Verwaltungsgericht erfolglos angefochten (vgl. VerwGE
B 2015/315 vom 2. Mai 2016). Mit Zwischenverfügung vom 2. August 2016 ordnete das
Strassenverkehrsamt eine verkehrspsychologische Untersuchung an. Letztere wurde
am 11. Oktober 2016 am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich (IRM)
durchgeführt. Im Gutachten vom 17. Oktober 2016 wurde die charakterliche
Fahreignung von X positiv beurteilt und die Wiedererteilung des Führerausweises nach
Ablauf der Entzugsdauer oder einer allfälligen zweijährigen Sperrfrist befürwortet. Am
31. Oktober 2016 stellte das Strassenverkehrsamt einen Führerausweisentzug von
mindestens zwei Jahren in Aussicht und gewährte dem Rechtsvertreter das rechtliche
Gehör. Mit Eingabe vom 4. November 2016 nahm dieser schriftlich Stellung. Am
8. November 2016 wurde der vorsorgliche Führerausweisentzug vom 21. Juli 2015
aufgehoben und X der Führerausweis wiedererteilt.
D.- Mit Verfügung vom 15. Dezember 2016 (zugestellt am 20. Dezember 2016) entzog
das Strassenverkehrsamt den Führerausweis für die Dauer von zwei Jahren (Ziffer 1
des Rechtsspruchs), unter Anrechnung der Entzugsdauer vom 21. Juli 2015 bis und mit
8. November 2016 (Ziff. 2). Es forderte X auf, den Führerausweis und allfällig
vorhandene weitere Ausweise spätestens bis 15. März 2017 abzugeben (Ziff. 3).
Gleichzeitig stellte es fest, dass das Führen von Motorfahrzeugen aller Kategorien und
Unterkategorien sowie der Spezialkategorie F während der Dauer des Entzugs
untersagt sei (Ziff. 4) und die Massnahme auch den Entzug allfälliger Lernfahrausweise
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und internationaler Führerausweise sowie die Aberkennung ausländischer
Führerausweise zur Folge habe (Ziff. 5). Die Gebühr für die Verfügung wurde auf
Fr. 425.– festgesetzt (Ziff. 6) und X auferlegt.
E.- Dagegen erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 3. Januar 2017 (Datum
der Postaufgabe) Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge sei die Verfügung vom 15. Dezember 2016
aufzuheben. In der Rekursergänzung vom 10. März 2017 beantragte der Rekurrent,
dass unter Kosten- und Entschädigungsfolgen die Dispositivziffern 1, 3, 4, 5 und 6 der
angefochtenen Verfügung aufzuheben seien. Der Führerausweis sei für eine
angemessene Dauer, maximal für drei Monate zu entziehen und der vorsorgliche
Führerausweisentzug vom 21. Juli 2015 bis und mit 8. November 2016 vollumfänglich
anzurechnen; mithin sei festzustellen, dass der anzuordnende Warnungsentzug bereits
vollzogen sei. Die Vorinstanz verzichtete am 27. März 2017 auf eine Vernehmlassung.

Auf die Ausführungen des Rekurrenten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 3. Januar 2017 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 10. März 2017 in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- a) Im Zusammenhang mit dem administrativen Führerausweisentzug unterscheidet
das Gesetz zwischen der leichten, mittelschweren und schweren Widerhandlung
(Art. 16a bis c des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Eine leichte
Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr
für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft
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(Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch
Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in
Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Eine schwere Widerhandlung begeht, wer durch
grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Die Annahme einer schweren
Widerhandlung setzt kumulativ eine qualifizierte objektive Gefährdung und ein
qualifiziertes Verschulden voraus. In objektiver Hinsicht wird verlangt, dass die
Verkehrssicherheit ernsthaft gefährdet wurde. Dabei genügt nach der Rechtsprechung
eine erhöhte abstrakte Gefährdung, die vorliegt, wenn in Anbetracht der jeweiligen
Verhältnisse des Einzelfalls der Eintritt einer konkreten Gefährdung oder gar einer
Verletzung nahe liegt. Subjektiv erfordert der Tatbestand der groben
Verkehrsregelverletzung ein rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend
verkehrswidriges Verhalten, d.h. ein schweres Verschulden, bei fahrlässiger Begehung
grobe Fahrlässigkeit (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_50/2017 vom 16. Mai 2017
E. 4.1 mit Hinweisen).
b) Der Gesetzgeber hat im Rahmen des Handlungsprogramms des Bundes für mehr
Sicherheit im Strassenverkehr ("Via sicura") die Straf- und
Administrativmassnahmenbestimmungen des SVG per 1. Januar 2013 verschärft (AS
2012 6291; BBl 2010 8447). Bei den Warnungsentzügen hat er es zwar bei den drei
bisherigen Kategorien – leichte, mittelschwere und schwere Widerhandlungen –
belassen. Bei den schweren Widerhandlungen sieht er in Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG
für die sogenannten Raser indessen eine massiv erhöhte Entzugsdauer von zwei
Jahren vor. Diese Mindestentzugsdauer gilt unabhängig davon, ob der Führerausweis
früher bereits (wegen mittelschwerer oder schwerer Widerhandlung) entzogen war
(BSK SVG-Bernhard Rütsche/Denise Weber, Art. 16c N 52 f.). Als Raser gilt unter
anderem, wer durch vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln das hohe
Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingeht, namentlich durch
besonders krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit (Art. 90 Abs. 3
SVG). In Art. 90 Abs. 4 SVG wird sodann aufgelistet, welche
Geschwindigkeitsübertretungen in jedem Fall den Rasertatbestand erfüllen. So liegt
eine qualifiziert grobe Geschwindigkeitsüberschreitung im Sinn von Art. 90 Abs. 3 SVG
vor, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit um mindestens 80 km/h überschritten
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wird, wo die Höchstgeschwindigkeit mehr als 80 km/h beträgt (Art. 90 Abs. 4 lit. d SVG;
BGer 1C_397/2014 vom 20. November 2014 E. 2.2).
c) Nachdem der Rekurrent die Täterschaft zunächst bestritten hatte, ist mittlerweile
unbestritten, dass er am 3. August 2014, 3.44 Uhr, auf der Tauernautobahn im
österreichischen Bundesland Kärnten (Gemeindegebiet Weissenstein) die zur Nachtzeit
zulässige Höchstgeschwindigkeit auf österreichischen Autobahnen von 110 km/h um
93 km/h überschritt. Zu prüfen bleibt, ob und welche administrativrechtlichen
Konsequenzen diese Auslandtat in der Schweiz hat.
3.- a) Gemäss Art. 16c SVG wird der Führerausweis nach einer Widerhandlung im
Ausland entzogen, wenn im Ausland ein Fahrverbot verfügt wurde (Abs. 1 lit. a;
nachfolgend E. 3b) und die Widerhandlung nach den Artikeln 16b und 16c als
mittelschwer oder schwer zu qualifizieren ist (lit. b, nachfolgend E. 3c). Beide
Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein. Mit Art. 16c SVG hat der
Gesetzgeber die zuvor fehlende gesetzliche Grundlage für Führerausweisentzüge nach
einem im Ausland begangenen Verkehrsdelikt geschaffen. Aus dem gesetzlichen
Verweis auf Art. 16b und Art. 16c SVG und dem Hinweis, dass die gesetzlichen
Mindestdauern unterschritten werden dürfen, ergibt sich, dass grundsätzlich die für
Inlandtaten geltenden Vorschriften anzuwenden sind, sofern sich aus Art. 16c SVG
nichts anderes ergibt (vgl. BGer 1C_392/2013 vom 23. Januar 2014 E. 2.2 mit Verweis
auf 1C_47/2014 vom 17. April 2012 E. 2.2; so auch die Botschaft zur Änderung des
Strassenverkehrsgesetzes vom 28. September 2007, in BBl 2007 S. 7622 f.).
b) Die Bezirkshauptmannschaft Villach-Land verurteilte den Rekurrenten wegen des
Ereignisses vom 3. August 2014 mit Straferkenntnis vom 3. Februar 2015 zu einer
Geldstrafe von € 730.–. Eine dagegen erhobene Beschwerde wies das
Landesverwaltungsgericht Kärnten mit Entscheid vom 2. Juni 2015 ab. Der Rekurrent
war in jenem Verfahren anwaltlich vertreten. Es bestehen keine Hinweise darauf, dass
das ausländische Strafverfahren nicht ordnungsgemäss durchgeführt wurde. Nachdem
der Strafentscheid in Rechtskraft erwachsen war, sprach die Bezirkshauptmannschaft
Villach-Land mit Bescheid vom 3. Juli 2015 ein dreimonatiges Fahrverbot aus für das
Gebiet Österreichs. Die Voraussetzung von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG, wonach im
Ausland ein Fahrverbot verfügt wurde, ist demnach erfüllt.
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c) In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten (vgl. act. 12 Ziff. 4), dass der Rekurrent am
3. August 2014 auf der Tauernautobahn im Gebiet der Gemeinde Weissenstein
(Kärnten, Österreich) um 3.44 Uhr die zur Nachtzeit zulässige Höchstgeschwindigkeit
von 110 km/h um 93 km/h überschritt. Er erfüllte damit den Rasertatbestand im Sinn
von Art. 90 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 90 Abs. 4 lit. d SVG und es liegt eine schwere
Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG vor, weshalb die
Voraussetzung von Art. 16c Abs. 1 lit. b SVG ebenfalls erfüllt ist. Unerheblich ist, aus
welchen Gründen die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf österreichischen
Autobahnen von 130 km/h in den Nachtzeiten um 20 km/h herabgesetzt ist. Denn die
Gefährdung korrekt fahrender Fahrzeuglenker steigt mit der Zunahme der
Geschwindigkeitsüberschreitung. Auf die Intensität dieser Gefährdung hat das Motiv
der Begrenzung der Geschwindigkeit keinen Einfluss (BGer 1C_224/2010 und
1C_238/2010 vom 6. Oktober 2010 E. 3.3). Der Rekurrent und die Vorinstanz stimmen
darin überein, dass der Führerausweis aufgrund der massiven Geschwindigkeit in
Österreich auch in der Schweiz zu entziehen ist. Hinsichtlich der angemessenen
Entzugsdauern gehen die Meinungen jedoch weit auseinander. Während der Rekurrent
eine maximale Entzugsdauer von drei Monaten beantragt, hält die Vorinstanz zwei
Jahre für angemessen. Wie es sich damit verhält, ist im Folgenden zu prüfen.
4.- Begeht eine Person mit schweizerischem Wohnsitz im Ausland ein
Strassenverkehrsdelikt, kann der Tatortstaat eine Administrativmassnahme allein mit
Wirkung für das eigene Staatsgebiet aussprechen. Den schweizerischen Führerausweis
als solchen kann er nicht entziehen. Die Wirkung der im Ausland verfügten
Administrativmassnahme ist daher beschränkt. Deshalb sieht Art. 16c SVG unter den
erwähnten Voraussetzungen den Entzug des schweizerischen Führerausweises durch
die hiesige Behörde vor. Das darf jedoch nicht zu einer doppelten Sanktionierung
führen. Die im Ausland und in der Schweiz ausgesprochenen Massnahmen müssen in
ihrer Gesamtheit schuldangemessen sein. Daher sind gemäss Art. 16c Abs. 2 Satz 1
SVG bei der Festlegung der Entzugsdauer die Auswirkungen des ausländischen
Fahrverbots auf die betroffene Person angemessen zu berücksichtigen. Damit wird
dem Umstand Rechnung getragen, dass das ausländische Fahrverbot den Fehlbaren
unterschiedlich stark oder gar nicht treffen kann. So gibt es Fahrzeuglenker, die im
Tatortstaat oft unterwegs sind, weshalb sie das dortige Fahrverbot erheblich belastet.
Umgekehrt gibt es Personen, die praktisch nie im Tatortstaat ein Fahrzeug lenken,
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weshalb sie das ihnen dort auferlegte Fahrverbot kaum oder überhaupt nicht trifft.
Massgeblich sind die Umstände des Einzelfalles. Gegebenenfalls kann sich das
Unterschreiten der Mindestentzugsdauer rechtfertigen, was Art. 16c Abs. 2 Satz 2
SVG ausdrücklich zulässt (BGE 141 II 256 E. 2.3). Bei Personen, die im
Administrativmassnahmen-Register gemäss Art. 104b SVG nicht verzeichnet sind, darf
die Entzugsdauer das am Begehungsort verfügte Fahrverbot nicht überschreiten
(Art. 16c Abs. 2 SVG; BGer 1C_47/2012 vom 17. April 2012 E. 2.2). Handelt es sich
demgegenüber um Rückfalltäter, kann die Schweizer Behörde über die Dauer des am
Begehungsort verfügten Fahrverbots hinausgehen (BGE 141 II 256 E. 2.4). Gesamthaft
darf der angeordnete Entzug mit der ausländischen Massnahme zusammen nicht
strenger erscheinen als der Entzug, der ausgesprochen worden wäre, wenn die
Anlasstat in der Schweiz begangen worden wäre (Th. Scherrer, Administrativrechtliche
Folgen von "Auslandtaten", in: R. Schaffhauser, Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht
2003, S. 252).
Art. 16c Abs. 2 SVG enthält demnach verschiedene Vorgaben, wie die Entzugsdauer
nach einer Auslandtat zu bemessen ist. So sind die Auswirkungen des ausländischen
Fahrverbots auf die betroffene Person angemessen zu berücksichtigen und die
Mindestentzugsdauer (gemäss Art. 16b Abs. 2 und Art. 16c Abs. 2 SVG) darf
unterschritten werden (nachfolgend E. 4b). Schliesslich darf die Entzugsdauer bei
Personen, die im Administrativmassnahmen-Register (Art. 104b SVG) nicht verzeichnet
sind, die am Begehungsort im Ausland verfügte Dauer des Fahrverbots nicht
überschreiten (nachfolgend E. 4a).
a) Aus Art. 16c Abs. 2 SVG ergibt sich, dass bei der Bemessung der Entzugsdauer
grundsätzlich von den Sanktionsdrohungen gemäss Art. 16b Abs. 2 und Art. 16c Abs. 2
SVG auszugehen ist. Dies gilt nur dann nicht, wenn die am Begehungsort im Ausland
verfügte Dauer des Fahrverbots – im vorliegenden Fall drei Monate – nicht
überschritten werden darf, und zwar weil die betroffene Person im
Administrativmassnahmen-Register nicht eingetragen ist. Der Rekurrent ist mit zwei
Führerausweisentzügen nach jeweils mittelschweren Widerhandlungen und einer
Verwarnung nach einer leichten Widerhandlung im Administrativmassnahmen-Register
eingetragen, weshalb für ihn eine Begrenzung des oberen Sanktionsrahmens auf der
Höhe des im Ausland ausgesprochenen Fahrverbots von drei Monaten nicht in Frage
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zu kommen scheint. Die Entstehungsgeschichte der Norm und deren Sinn und Zweck
lassen sich jedoch mit dem Wortlaut nicht in Einklang bringen.
In der bundesrätlichen Botschaft zur Änderung des Strassenverkehrsgesetzes
(Führerausweisentzug nach Widerhandlung im Ausland) war in E-Art. 16c Abs. 2 SVG
nur vorgesehen, dass bei der Festlegung der Entzugsdauer die Auswirkungen des
ausländischen Fahrverbots auf die betroffene Person angemessen zu berücksichtigen
seien und die Mindestentzugsdauer unterschritten werden dürfe (BBl 2007 7617 ff. und
7625). Während der parlamentarischen Beratung wurde ein Antrag gestellt, wonach die
Entzugsdauer die am Begehungsort verfügte Dauer des Fahrverbots nicht
überschreiten dürfe. Der Antragsteller hielt dafür, dass das Kaskadensystem gemäss
Art. 16b Abs. 2 und Art. 16c Abs. 2 SVG nach einer Auslandtat nicht zur Anwendung
gelangen solle (z.B. Amtl. Bull. NR, Frühjahrssession 2008, Dreizehnte Sitzung,
19.03.08, 08h20, 07.079 [Votum Müller]). Dieser Antrag wurde schliesslich nicht Gesetz
und die Räte einigten sich auf einen Kompromiss. Es wurde entschieden, dass die
Dauer des ausländischen Fahrverbots nur bei Ersttätern, also bei Personen, die im
Administrativmassnahmen-Register nicht verzeichnet sind, die Obergrenze für die
Entzugsdauer in der Schweiz bilde. So werde verhindert, dass Wiederholungstäter wie
Ersttäter behandelt werden und Wiederholungstäter, die im Ausland zum Beispiel die
Geschwindigkeitsvorschriften krass missachten, gegenüber Wiederholungstätern in der
Schweiz privilegiert behandelt werden (Amtl. Bull. SR, Frühjahrssession 2008, Zehnte
Sitzung, 18.03.08, 08h15, 07.079 [Votum Bieri]). Mit der Gesetz gewordenen Fassung
wollte der Gesetzgeber eine faktische Aushebelung des in der Schweiz geltenden
Kaskadensystems verhindern. Das Kaskadensystem gemäss Art. 16b Abs. 2 und
Art. 16c Abs. 2 SVG kommt dann zur Anwendung, wenn der betroffene Fahrzeuglenker
wiederum eine mittelschwere oder schwere Widerhandlung begeht und die im Gesetz
vorgesehenen Rückfallfristen, welche zwischen 2 und 10 Jahren dauern und nach dem
Vollzug des Führerausweisentzugs beginnen, noch nicht abgelaufen sind. Vor diesem
Hintergrund ist die Gesetzesredaktion, wonach der Führerausweisentzug in der
Schweiz nur für Personen, die im Administrativmassnahmen-Register nicht verzeichnet
sind, nicht länger als die Dauer des ausländischen Fahrverbots ausfallen darf, ungenau.
Letztlich kann es nur darum gehen, dass die betroffene Person nicht mit einer
Administrativmassnahme wegen mittelschwerer oder schwerer Widerhandlung
eingetragen oder eine entsprechende Rückfallfrist abgelaufen ist. Hier gibt es keinen
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Rückfall im Sinn des Kaskadensystems, weshalb die Dauer des Führerausweisentzugs
nicht über die Dauer des ausländischen Fahrverbots hinausgehen soll. Es verhält sich
damit nicht anders, wie bei einer neuerlichen schweren Widerhandlung gegen die
Verkehrsregeln in der Schweiz, wenn zwar bereits früher einschlägig verstossen wurde,
die Rückfallfrist indessen im Zeitpunkt der neuen Widerhandlung abgelaufen ist; hier
kommt das Kaskadensystem ebenfalls nicht zur Anwendung. Schliesslich kann
anderen Einträgen wie etwa einer Verwarnung (Art. 104 Abs. 3 lit. e SVG),
verkehrspsychologischen und verkehrsmedizinischen Untersuchungen (lit. f) oder
Teilnahme am Verkehrsunterricht (lit. i) keine Bedeutung zukommen mit Bezug auf die
Begrenzung der Entzugsdauer auf die Höhe der Dauer des ausländischen Fahrverbots,
weshalb der generelle Verweis in Art. 16c Abs. 2 SVG auf Art. 104b SVG auch
deshalb an der Sache vorbeigeht.
Der Rekurrent ist im Administrativmassnahmen-Register zwar mit zwei Eintragungen
wegen mittelschwerer Widerhandlungen verzeichnet, und zwar für das Jahr 2008. Da
die Rückfallfristen von zwei Jahren schon lange abgelaufen sind, kommt für ihn das
Kaskadensystem nicht zur Anwendung. Entsprechend darf der schweizerische
Führerausweisentzug die Dauer des österreichischen Fahrverbots von drei Monaten
nicht überschreiten. An diesem Zwischenergebnis ändert auch nichts, dass der
Gesetzgeber in der Zwischenzeit die Rasernorm mit einer Mindestentzugsdauer von
zwei Jahren geschaffen hat. Es gibt keine Hinweise, dass für Auslandtaten in diesem
Bereich Art. 16c SVG nicht gilt. Der Gesetzgeber hat sich dazu, soweit überblickbar,
jedenfalls nicht geäussert. Dass der Rekurrent wesentlich milder zu sanktionieren ist,
als dies die Vorinstanz getan hat, hängt damit zusammen, dass krasse
Geschwindigkeitsüberschreitungen in Österreich viel weniger hart sanktioniert werden
als in der Schweiz, und ist hinzunehmen (BGE 141 II 256 E. 2.6).
b) Es bleibt zu prüfen, welche Auswirkungen das dreimonatige Fahrverbot in Österreich
für den Rekurrenten hatte. Er macht geltend, dieses habe just während der
Sommerferien und damit der Zeit gegolten, als er jeweils mit dem Auto via Österreich in
seine Heimat in die Ferien fahre (vgl. act. 12 S. 6 lit. c). Dies rechtfertigt indessen ein
Unterschreiten der maximalen Entzugsdauer von drei Monaten nicht. Ausser in
Österreich war der Rekurrent in den übrigen Ländern fahrberechtigt. Und wenn er
während dieser Zeit tatsächlich in die Ferien fahren wollte, hätte er Österreich umfahren
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oder für die Fahrt durch Österreich einen Mitfahrer ans Steuer lassen können. Andere
Verkehrsmittel wären ebenfalls zur Verfügung gestanden (etwa Reisecar, Zug,
Flugzeug). Vielleicht hätte er auch mit jemandem mitfahren können.
c) Zusammenfassend sind die angefochtene Verfügung aufzuheben und der
Führerausweis für drei Monate zu entziehen. Diese Massnahme ist indessen bereits
vollzogen. Denn der Führerausweis war aufgrund eines vorsorglichen
Führerausweisentzugs bereits vom 21. Juli 2015 bis 8. November 2016 entzogen. Dass
eine Entzugsdauer von drei Monaten als angemessen erscheint, ändert nichts daran,
dass der Rekurrent fortan mit einer schweren Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 2
lit. a SVG im Administrativmassnahmen-Register verzeichnet ist. Insbesondere
beginnen auch die Rückfallfristen gemäss Art. 16b Abs. 2 und Art. 16c Abs. 2 SVG für
allfällige weitere mittelschwere oder schwere Widerhandlungen zu laufen. Sollte der
Rekurrent in den nächsten fünf Jahren gar noch einmal gegen die Raserstrafnorm
verstossen, gälte er als unverbesserlich und der Führerausweis würde für immer
entzogen (Art. 16d Abs. 3 lit. b SVG). Ein solcher Führerausweisentzug könnte
frühestens nach fünf Jahren und nur dann aufgehoben werden, wenn der Betroffene
glaubhaft macht, dass die Massnahme nicht mehr erforderlich ist (Philippe
Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2015, Art. 16d
N 49).
5.- a) Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten vom Staat zu tragen
(Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint angemessen
(Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von
Fr. 1'200.– ist dem Rekurrenten zurückzuerstatten. Hingegen bleibt es dabei, dass die
Gebühr für das erstinstanzliche Verfahren von Fr. 425.– vom Rekurrenten zu bezahlen
ist.
b) Der vollständig obsiegende Rekurrent liess sich anwaltlich vertreten. Er hat gemäss
Art. 98 Abs. 2 und Art. 98 VRP Anspruch auf eine vollständige Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten, soweit diese als notwendig und angemessen erscheinen. Der
Beizug eines Rechtsvertreters war im vorliegenden Rekursverfahren geboten.
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Im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar als Pauschale
ausgerichtet. Es beträgt zwischen Fr. 1'000.– und Fr. 12'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten [sGS 963.75; abgekürzt
HonO]). Innerhalb dieses Rahmens wird das Grundhonorar nach den besonderen
Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeiten
des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten bemessen (Art. 19
HonO). Der Rechtsvertreter reichte eine Kostennote über Fr. 4'773.60 (Honorar
Fr. 4'250.–, Barauslagen Fr. 170.– und Mehrwertsteuer Fr. 353.60) ein. Das geltend
gemachte Honorar erscheint eindeutig zu hoch. Zu berücksichtigen ist, dass der
Sachverhalt unbestritten war und sich nur, wenn auch nicht ganz einfache,
Rechtsfragen stellten. Letztlich ging es im Wesentlichen um die Auslegung der
Bestimmung von Art. 16c Abs. 2 SVG. Der Aktenumfang lag etwas über dem
Durchschnitt. Insgesamt erscheint damit ein Pauschalhonorar von Fr. 2'400.– als
angemessen. Hinzuzuzählen sind die Barauslagen von Fr. 96.– (4% von Fr. 2'400.–)
und die Mehrwertsteuer von Fr. 199.70 (8% von Fr. 2'496.–; Art. 28 Abs. 1 und
Art. 29 HonO). Entsprechend der Verlegung der amtlichen Kosten sind dem
Rekurrenten die ausseramtlichen Kosten im Betrag von Fr. 2'695.70 vollständig zu
entschädigen (Art. 98 Abs. 1 VRP); entschädigungspflichtig ist der Staat
(Strassenverkehrsamt).