Decision ID: 5654c299-1067-4551-954f-868b1f894343
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache grobe Verletzung der Verkehrsregeln etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Pfäffikon, Einzelgericht
Strafsachen, vom 4. November 2015 (GG140018)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 14. Juli 2014
(Urk. 27) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist
− der Hinderung einer Amtshandlung i.S.v. Art. 286 Abs. 1 StGB,
− der mehrfachen groben Verletzung der Verkehrsregeln i.S.v. Art. 90
Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 41 Abs. 1 aSVG, Art. 4a
Abs. 1 VRV und Art. 68 Abs. 1bis SSV,
− der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln i.S.v. Art. 90 Abs. 1 SVG
i.V.m. Art. 39 Abs. 1 SVG sowie
− des Fahrens in fahrunfähigem Zustand i.S.v. Art. 91 Abs. 1 aSVG
schuldig.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu
Fr. 50.– sowie mit einer Busse von Fr. 500.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre
festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen.
5. Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 30. November
2011 für eine Rest-Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je Fr. 70.–, unter An-
setzung einer Probezeit von 3 Jahren gewährte bedingte Strafvollzug wird
widerrufen, abzüglich 1 Tagessatz, der durch Haft erstanden ist.
- 3 -
6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'400.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'200.– Gebühr Anklagebehörde,
Fr. 3'530.95 Auslagen Untersuchung,
Fr. 7'443.– amtliche Verteidigung (8% MwSt. inbegriffen).
Die Kosten, inklusive derjenigen der amtlichen Verteidigung werden dem
Beschuldigten auferlegt.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 74 S. 1)
1. Es sei das angefochtene Urteil des Bezirksgerichts Pfäffikon, Einzel-
richter in Strafsachen, vom 4. November 2015 aufzuheben.
2. Es sei der Beschuldigte schuldig zu sprechen des Fahrens in fahrunfä-
higem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 1 aSVG sowie der übersetz-
ten Geschwindigkeit sowie des vergessenen Blinkerstellens und des
vergessenen Anschaltens des Lichts, alles im Sinne von Art. 90 Abs. 1
SVG. Er sei dafür angemessen mit einer Busse zu bestrafen.
3. Im Übrigen sei der Beschuldigte von Schuld und Strafe vollumfänglich
freizusprechen.
4. Es sei vom Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
See/Oberland vom 30. November 2011 ausgefällten Strafe abzusehen.
5. Es sei der Beschuldigte für das Verfahren zu entschädigen.
- 4 -
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(Urk. 67, schriftlich)
Keine Anträge
_

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Verfahrensgang
1.1. Zur Prozessgeschichte bis zur Ausfällung des erstinstanzlichen Urteils
kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 60 S. 1 f.).
1.2. Der Beschuldigte liess mit Eingabe vom 5. November 2015 gegen das
eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil der Vorinstanz vom 4. November
2015 fristgerecht Berufung anmelden (Urk. 54). Nach Erhalt des begründeten
Entscheids am 28. Januar 2016 (Urk. 59/1) liess er mit Eingabe vom 11. Februar
2016 innert Frist die Berufungserklärung einreichen (Urk. 61).
Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf Anschlussberufung und die Stellung
eines Antrags (Urk. 67).
2. Umfang der Berufung
Der Beschuldigte focht mit seiner Berufung das gesamte erstinstanzliche Ur-
teil an mit Ausnahme des Schuldspruchs betreffend Fahren in fahrunfähigem Zu-
stand im Sinne von Art. 91 Abs. 1 aSVG (vgl. Urk. 61 S. 2).
- 5 -
Im entsprechenden Umfang (Dispositivziffer 1 Alinea 4) ist das vorinstanzli-
che Urteil in Rechtskraft erwachsen, was vorab festzustellen ist.
Zu prüfen sind die drei weiteren, mit Anklage vom 14. Juli 2014 erhobenen
Vorwürfe betreffend Hinderung einer Amtshandlung, mehrfacher grober Verlet-
zung der Verkehrsregeln und einfacher Verletzung der Verkehrsregeln (sowie die
entsprechenden Nebenfolgen).
II. Schuldpunkt
A. ZUR VERWERTBARKEIT EINZELNER BEWEISMITTEL
1. Aussagen der Polizeibeamten B._ und C._
Der Verteidiger brachte vor Vorinstanz vor, die Angaben und Aussagen der
Polizeibeamten B._ und C._ (gemeint offenbar: Urk. 1, 3, 19 und 21)
seien "als Beweismittel völlig untauglich" (Urk. 41 S. 12 und Prot. I S. 6; Urk. 74
S. 2 und 3). An diesem Standpunkt hielt er auch vor Berufungsgericht fest:
"Glaubhaft und als einziges Beweismittel verwertbar sind die Aussagen [der Poli-
zisten] sicher nicht " (Urk. 74 S. 3).
Ob der Verteidiger mit diesen Ausführungen ausschliesslich geltend machen
will, dass den genannten Beweismittel keine bzw. allenfalls bloss geringe Aussa-
gekraft zukomme, oder ob er diese für vorweg unverwertbar hält, erscheint unklar.
Ein konkreter Grund, weshalb die Angaben und Aussagen der zwei Polizisten, ei-
ner Verwertung nicht zugänglich sein sollten, wurde von ihm jedenfalls nicht ge-
nannt und ist im Übrigen auch nicht ersichtlich, nachdem diese Belastungsperso-
nen unter Wahrung der erforderlichen Gültigkeits- und Ordnungsvorschriften ein-
vernommen wurden. Die Aussagen der beiden Polizeibeamten stellen deshalb ein
verwertbares Beweismittel dar.
2. Filmaufnahmen
Der Verteidiger führte weiter aus, die Filmaufzeichnungen (Urk. 12) seien
manipuliert worden. Authentisches Filmmaterial läge offenkundig nicht vor, nach-
- 6 -
dem die Originalaufnahmen nicht lesbar seien. Vielmehr gebe es nur die abge-
filmten Videoaufnahmen. Ob und wie viele Segmente (der Originalaufnahmen) bei
dieser abgefilmten Version übernommen oder gelöscht oder gefälscht worden
seien, sei nicht bekannt. Fest stehe einzig, dass das (abspielbare) Filmmaterial
manipuliert worden sei und damit "nicht mit dem ursprünglichen Material und ver-
mutlich nicht mit den tatsächlichen Zeitspannen übereinstimmt" (Urk. 41 S. 16 und
Prot. I S. 7). Es sei davon auszugehen, dass das Originalvideo während des Ab-
filmens schneller laufen gelassen worden sei, was andere (Fahrt-)Geschwindig-
keiten ergeben habe. Damit der Gutachter dieser Manipulation nicht auf die Schli-
che kommen sollte, habe man das Originalvideo unlesbar gemacht (Prot. I S. 14).
Im Ergänzungsgutachten werde die Möglichkeit einer Manipulation ausdrücklich
nicht ausgeschlossen (Urk. 74 S. 3).
Der Verteidiger will damit sinngemäss die Nicht-Verwertbarkeit dieser Auf-
nahmen geltend machen (vgl. Urk. 50 S. 4), worin ihm aber nicht gefolgt werden
kann. Der seitens der Verteidigung erhobene Vorwurf der willentlichen Manipula-
tion der Ablaufgeschwindigkeit wirkt konstruiert und erscheint nicht plausibel (vgl.
dazu nachstehend Ziff. II.C.2.1.3.). Zutreffend ist zwar, dass die Originaldateien
aus der Videokamera des Polizeifahrzeugs nicht abspielbar sind, sondern ledig-
lich eine Aufnahme, die offenbar durch händisches Abfilmen dieser Originaldatei-
en ab Bildschirm entstanden ist (vgl. Urk. 12, Datei "provisorisch abgefilmte Vide-
oaufnahme"; vgl. hiezu auch Urk. 13/3 S. 2). Aufgrund dessen kann nicht mit letz-
ter Sicherheit gesagt werden, ob diese abspielbare Filmaufnahme die abgefilmte
Originalaufnahme in unveränderter Geschwindigkeit wiedergibt, nachdem es ge-
mäss Metas-Ergänzungsgutachten vom 21. April 2015 unter rein technischen As-
pekten theoretisch möglich ist, die Ablaufgeschwindigkeit zu verändern (vgl.
Urk. 44 S. 2). Zudem ist davon auszugehen, dass ein "Kopieren" unterschiedli-
cher Filmmedien durch händisches Abfilmen schon per se keine genaue Syn-
chronisation garantiert.
Dieser Umstand führt aber nicht zu einer Unverwertbarkeit der Filmaufnah-
me, sondern schmälert lediglich den Beweiswert derselben sowie des Metas-
Gutachtens vom 2. Juni 2014 – und dies lediglich in Bezug auf die (gestützt auf
- 7 -
diese Aufnahmen ermittelte) durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit des Fahr-
zeugs des Beschuldigten (vgl. Urk. 44 S. 2). Der Manipulationsvorwurf der Vertei-
digung bezieht sich denn auch – wie schon die Vorinstanz zutreffend anmerkte
(Urk. 60 S. 7) – ausschliesslich auf diese Frage der Fahrgeschwindigkeit. Zu kei-
nem Zeitpunkt wurde indes vorgebracht, die vorliegend abspielbare Filmaufnah-
me sei in visueller Hinsicht manipuliert worden bzw. gebe inhaltlich die originalen
Aufnahmen aus dem Polizeifahrzeug nicht zutreffend wieder oder zeige nicht die
Fahrt des Beschuldigten. Mag dem abspielbaren Video in Bezug auf die einge-
klagte Geschwindigkeit des Beschuldigten keine entscheidende Beweiskraft zu-
kommen (vgl. hiezu nachstehend Ziff. II.C.2.1.), so gilt dies jedenfalls nicht für
weitere Aspekte des zu prüfenden Sachverhalts. Auf die Filmaufnahme kann ab-
gestellt werden. Diese stellt ein verwertbares und wichtiges Beweismittel dar.
3. Metas-Gutachten vom 3. Juni 2014
Der Verteidiger sieht weiter im Metas-Gutachten vom 3. Juni 2014
(Urk. 13/3) kein "gültiges Beweismittel". Die Metas sei befangen oder erwecke
zumindest den Anschein der Befangenheit im Sinne von Art. 56 lit. f StPO
(Urk. 41 S. 15).
Das Vorbringen, der Metas-Gutachter sei befangen, ist unbegründet, nach-
dem dieser vor Erstellung seines Gutachtens zu keinem Zeitpunkt mit der vorlie-
genden Sache schon zu tun gehabt hatte (vgl. hiezu Bundesgerichtsurteil
6B_520/2014 vom 26. Januar 2016, E. 1.3 m.w.H.). Der Verwertbarkeit des Me-
tas-Gutachtens vom 3. Juni 2014 – sowie des Ergänzungsgutachtens der Metas
vom 21. April 2015 (Urk. 44) – steht deshalb nichts im Wege. Wie bereits ausge-
führt wird indes im Rahmen der Beweiswürdigung zu berücksichtigen sein, dass
dem Gutachten hinsichtlich der fraglichen Geschwindigkeit des Beschuldigten
bloss eine eingeschränkte Beweiskraft kommt.
4. Kurzbericht des Forensischen Institutes Zürich vom 23. Dezember 2013
Mit obgenanntem Kurzbericht wurde der im Polizeifahrzeug installierte RAG-
Datenträger ausgewertet (Urk. 5). Der Verteidiger führte aus, die Aufzeichnung
- 8 -
auf diesem Restwegschreiber sei – wie sich aus dem Metas-Gutachten ergebe –
ungenau und deshalb nicht verwertbar. Der sich auf dieses unklare Aufzeich-
nungsdokument stützende Kurzbericht sei somit "selber per se unbrauchbar"
(Urk. 41 S. 16).
Soweit der Verteidiger damit primär die Nicht-Verwertbarkeit des Kurzbe-
richts geltend zu machen scheint, kann ihm nicht gefolgt werden. Im Metas-
Gutachten wird ausgeführt, es könne nicht beurteilt werden, wie alt die Kalibration
des Restwegschreibers sei und ob die Reifendimensionen (am Polizeifahrzeug)
zwischenzeitlich gewechselt worden seien (Urk. 13/3 S. 2). Dieser Unsicherheits-
faktor macht den Kurzbericht des Forensischen Institutes Zürich indes nicht un-
verwertbar, sondern wirkt sich lediglich auf dessen Beweiskraft hinsichtlich der
aufgezeichneten momentanen Fahrgeschwindigkeit des Polizeifahrzeugs aus
(auch dazu nachstehend Ziff. II.C.2.1.).
B. HINDERUNG EINER AMTSHANDLUNG
1. Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten wird zunächst vorgeworfen, am Samstag, 21. Dezember
2013, ca. 01.27 Uhr, den Personenwagen mit dem Kontrollschild ZH ... an der
Bahnhofstrasse 13 in D._ aus einem Parkfeld heraus in Fahrtrichtung ...-
Strasse ohne Licht in Betrieb gesetzt zu haben, indem er leicht angefahren sei.
Daraufhin sei eine Patrouille der Stadtpolizei Uster neben das vom Beschuldigten
gelenkte Fahrzeug gefahren und habe versucht, ihn auf sein Fehlverhalten auf-
merksam zu machen, indem ihn der Polizeibeamte B._ sowohl mündlich als
auch mit den Händen gestikulierend aufgefordert habe, das Fenster hinunter zu
lassen. Der Beschuldigte habe gegen das Polizeifahrzeug geschaut und für einige
Sekunden angehalten, dann habe er aber Gas gegeben, das Parkfeld verlassen
und massiv in Richtung ...-Strasse beschleunigt. Daraufhin habe die Polizeipat-
rouille zur Verfolgungsfahrt mit eingeschaltetem Blaulicht, Cis-Gis-Horn und der
Matrix-Leuchte "Stop Polizei" angesetzt. Der Beschuldigte habe – anstatt anzu-
halten und der Aufforderung der Polizei Folge zu leisten – die Fahrt in rücksichts-
loser Art und Weise (über die in der Anklageschrift genau beschriebene Strecke)
- 9 -
fortgesetzt. Dies habe er getan, um sich der Kontrolle durch die Polizei zu entzie-
hen. Erst beim Ortseingang E._, nach der Unterführung, habe er von der Po-
lizeipatrouille überholt und um 01.29 Uhr angehalten werden können. Der Be-
schuldigte habe wohl gewusst, dass eine solche Kontrolle in der Kompetenz der
Polizei gelegen habe.
2. Unbestrittener Sachverhalt
Der Beschuldigte hat zu keinem Zeitpunkt in Abrede gestellt, dass er zur an-
gegebenen Tatzeit aus dem besagten Parkfeld herausfuhr und anschliessend die
in der Anklage beschriebene Strecke bis zur Ortseinfahrt E._ zurücklegte
(vgl. Urk. 2 S. 2,Urk. 17 S. 3, Urk. 42/1-2, Urk. 49). Dieses Teilgeständnis deckt
sich mit dem (übrigen) Untersuchungsergebnis, womit der entsprechende Teil des
Sachverhaltes erstellt ist.
3. Bestrittener Sachverhalt
3.1. Der Beschuldigte bestreitet indessen, dass er sich einer Polizeikontrolle
habe entziehen wollen und macht geltend
• dass er nicht mitbekommen habe, dass er auf dem Parkplatz vom Bei-
fahrer des Polizeifahrzeugs mündlich und mit den Händen gestikulie-
rend zum Anhalten aufgefordert worden sei (vgl. Urk. 2 Frage 11),
• dass er auch nicht mitbekommen habe, dass das Polizeifahrzeug ihn
darauf mit den eingeschalteten Warnsignalen Blaulicht, Cis-Gis-Horn
und Matrix-Leuchte "Stop Polizei" verfolgt habe (vgl. Urk. 2 Frage 13 f.
und 23, Urk. 17 S. 3) bzw.
• dass er vielmehr das Polizeifahrzeug erst bei der Ortseinfahrt in
E._ gesehen habe (vgl. Urk. 1 Frage 18, Urk. 17 S. 3, Urk. 42/1-
2).
3.2. Bezüglich dieser Sachverhaltselemente ist der Sachverhalt somit zu er-
stellen.
- 10 -
4. Grundsätze der Beweiswürdigung
Die Vorinstanz hat sich zu den Grundsätzen der Beweiswürdigung zutref-
fend geäussert (Urk. 60 S. 6 Ziff. 3.1.). Darauf kann verwiesen werden.
5. Beweiswürdigung
5.1. Geschehnisse beim Parkfeld
5.1.1. Aus der vorerwähnten abspielbaren Filmaufnahme (Urk. 12) ist er-
sichtlich, wie der auf einem Parkfeld am rechten Strassenrand seitwärts parkierte
Personenwagen des Beschuldigten ohne Licht in Gang gesetzt wird (ab Zeitstem-
pel 00.15). Der Personenwagen des Beschuldigten befindet sich auf dem zweit-
vordersten Parkfeld, derweil das vorderste durch ein parkiertes Drittfahrzeug be-
setzt ist (Zeitstempel 00.14 - 00.16). Kurz darauf hält das auf der rechten Fahr-
spur entgegenkommende Polizeifahrzeug auf Höhe des (nunmehr nicht mehr
sichtbaren) Fahrzeugs des Beschuldigten und bleibt rund 10 Sekunden so stehen
(Zeitstempel 00.17 - 00.28). Im weiteren zeigt die Filmaufnahme, wie das Polizei-
fahrzeug über den Busbahnhof wendet (Zeitstempel 00.29 - 00.35) und die Ver-
folgung des Fahrzeugs des Beschuldigten aufnimmt (dazu nachstehend
Ziff. 5.2.1.).
5.1.2. Die beschriebene Sequenz der Filmaufnahme stützt die Aussagen
der zwei Polizeibeamten. Diese gaben (sinngemäss) übereinstimmend an, dass
sie gesehen hätten, wie der Beschuldigte ohne Licht habe wegfahren wollen, und
aus diesem Grund neben dessen Fahrzeug angehalten hätten. Der Polizeibeamte
B._ habe dann auf der Beifahrerseite des Polizeifahrzeugs die Scheibe her-
unter gelassen und dem Beschuldigten verbal und mittels Handgesten zu verste-
hen gegeben, er solle anhalten und das Fenster herunterlassen. Der Beschuldigte
habe sie ihrer Auffassung nach gesehen und aufgrund der Gestik auch verstehen
müssen, was sie von ihm gewollt hätten. Er habe aber keine Anstalten gemacht,
das Fenster herunter zu lassen oder anzuhalten, sondern sei relativ schnell davon
gefahren, was sie als Fluchtversuch gedeutet hätten. Sie hätten daraufhin die
- 11 -
Verfolgung aufgenommen, wozu sie zuerst beim Busbahnhof D._ hätten
wenden müssen (Urk. 19 S. 3 f. / Urk. 21 S. 3 f.).
Diese Darstellung der Polizeibeamten ist glaubhaft. Der Einwand des Ver-
teidigers (Urk. 41 S. 2; Urk. 74 S. 2), wonach "profilierungssüchtige" Polizeibeam-
ten den Beschuldigten im Hinblick auf eine ersehnte Beförderung zu Unrecht be-
lastet haben sollen, erscheint konstruiert, vermag er sich doch vorliegend nicht
auf objektive Anhaltspunkte zu stützen. Vielmehr erscheint in Anbetracht der ob-
jektiven Filmaufnahme mehr als plausibel, dass die Polizeibeamten deshalb ne-
ben dem Fahrzeug des Beschuldigten anhielten, weil sie ihn auf das fehlende
Licht aufmerksam machen wollten. Auch ihre weiteren Aussagen sind grundsätz-
lich nicht anzuzweifeln, nachdem ihre Darstellung zusammen mit den Filmauf-
nahmen ein stimmiges Ganzes ergibt.
5.1.3. Die Aufnahme vermag nicht zu zeigen, was der Beschuldigte nach
Anhalten des Polizeifahrzeugs getan hat und wann und wie er das Parkfeld ver-
lässt, sie zeigt aber, wie das Polizeifahrzeug zuvor auf der rechten Fahrspur un-
mittelbar neben dem Fahrzeug des Beschuldigten anhält. Aus dem Umstand,
dass sich das Polizeifahrzeug rund 10 Sekunden später wieder in Bewegung
setzt, lässt sich folgern, dass der Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt oder allenfalls
kurz zuvor weggefahren sein muss und demnach der Aufforderung der Polizei
zum Öffnen des Fensters nicht Folge leistete. Dafür, dass der Beschuldigte die
Polizisten gesehen und deren Aufforderung verstanden haben wird, spricht einer-
seits die glaubhaften Darstellung derselben, namentlich auch die authentisch wir-
kende Aussage von B._, wonach er mit dem Beschuldigten Blickkontakt ge-
habt und gesehen habe, dass dieser studiert habe, was er machen solle, bevor er
abgefahren sei (Urk. 19 S. 3; bestätigt in den Angaben von C._ in seinem
Wahrnehmungsbericht vom 23. Januar 2014, Urk. 3). Dass dem Beschuldigten
das klar als solches gekennzeichnete Polizeifahrzeug kaum entgangen sein konn-
te, ist andererseits auch aus den räumlichen Gegebenheiten zu erschliessen, wie
sie sich aufgrund der Filmaufnahme rekonstruieren lassen. Da er im Begriffe war,
sein Parkfeld zu verlassen, – und er hiezu zur Vermeidung einer Kollision mit al-
lenfalls entgegenkommenden Fahrzeugen vorerst zweifellos die rechte Fahrspur
- 12 -
zu beobachten hatte – kann mit grosser Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen
werden, dass das entgegenkommenden Polizeifahrzeug bereits unmittelbar vor
dessen Anhalten in seinem Blickfeld war. Spätestens aber, nachdem das Polizei-
fahrzeug neben seinem Fahrzeug angehalten hatte, war dieses samt dem darin
sitzenden gestikulierenden Polizeibeamte B._ für den Beschuldigten auf-
grund der kurzen Distanz mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht zu übersehen.
Auch noch beim Wegfahren muss sich das Polizeifahrzeug höchstwahrscheinlich
in seinem Blickfeld befunden haben. Er musste es wohl deshalb im Auge behal-
ten, weil er – wie es vom Polizeibeamten C._ lebensnah beschrieben wurde
(Urk. 21 S. 4) – sein Fahrzeug zwischen diesem und dem auf dem ersten Parkfeld
parkierten Drittfahrzeug herauszirkeln musste.
5.1.4. Aufgrund dieser Umstände ist das Vorbringen des Beschuldigten, er
habe das Polizeifahrzeug erstmals nach dem Kreisel bzw. der Unterführung in
E._ gesehen (Urk. 17 S. 3; Urk. 42/1-2), wenig glaubhaft. Dieser Darstellung
kommt auch deshalb keine grosse Überzeugungskraft zu, da sich der Beschuldig-
te damit selbst widerspricht. Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom
21. Dezember 2013 gab er noch zu Protokoll, er habe "gesehen, dass sie [ge-
meint: die Polizeibeamten] neben mir gehalten haben ja" und machte lediglich
geltend, "nicht gesehen und nicht verstanden" dass er verbal und gestikulierend
zum Anhalten aufgefordert worden sei (Urk. 2 S. 2).
5.1.5. Aufgrund der glaubhaften Darstellung der Polizisten einerseits und
den wenig überzeugenden Aussagen des Beschuldigten andererseits kann als
erstellt gelten, dass der Beschuldigte das Polizeifahrzeug auf dem Parkplatz an
der Bahnhofstrasse ... in D._ gesehen hatte und in der Folge das Parkfeld
ohne eine Reaktion auf die Aufforderung der Polizisten verliess. Der Sachverhalt
gemäss Anklageschrift ist damit in Bezug auf die Vorgänge beim Parkplatz an der
Bahnhofstrasse ... in D._ grundsätzlich erstellt.
Nicht nachgewiesen werden kann indes, dass er der Aufforderung der Poli-
zisten, das Fenster zu öffnen, bewusst nicht Folge leistete. Trotz glaubhafter Be-
obachtungen derselben in diesem Sinne kann in Nachachtung des Grundsatzes
in dubio pro reo nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschuldigte den gesti-
- 13 -
kulierenden Polizisten B._ übersah oder dessen Gesten nicht verstand. Die-
sen Umstand gilt es bei der rechtlichen Würdigung zu berücksichtigen.
5.2. Geschehnisse während der Verfolgungsfahrt
5.2.1. Wie ausgeführt kann der Filmaufnahme im weiteren entnommen wer-
den, dass sich das Polizeifahrzeug rund 10 Sekunden nach dem Anhalten wieder
in Bewegung setzt, über den Busbahnhof wendet (Zeitstempel 00.29 - 00.35) und
die Verfolgung des Fahrzeugs des Beschuldigten aufnimmt. Pulsierende blaue
Reflexionen auf der Motorhaube des Polizeifahrzeugs und auf den umgebenden
Hausfassaden lassen deutlich erkennen, dass inzwischen das Blaulicht einge-
schaltet wurde (vgl. z.B. um Zeitstempel 00.38). Das Fahrzeug des Beschuldigten
haben die Polizisten zunächst offensichtlich aus dem Sichtfeld verloren. Kurz vor
der Kreuzung ...-Strasse/...-Strasse taucht es wieder auf (ab Zeitstempel 00.50);
es ist an den aufleuchtenden Bremslichter erkennbar und fährt offensichtlich noch
immer ohne Licht. Ab diesem Moment bleibt das Fahrzeug des Beschuldigten
über den Rest der Strecke (mit Ausnahme des Abbiegevorgangs des Polizeifahr-
zeugs an der Kreuzung) trotz des nicht eingeschalteten Lichts im Sichtfeld der im
Polizeifahrzeug installierten Videokamera. Die Aufnahme zeigt, wie der Beschul-
digte vor der Kreuzung das Rotlicht überfährt und, ohne den Blinker zu stellen,
nach links abbiegt (Zeitstempel 00.53. - 00.55). Etwas später befährt er den Krei-
sel ...-Strasse/...-Stasse wiederum ohne das Stellen des Blinkers (Zeitstempel
01.16 - 01.19). Die Filmaufnahme zeigt schliesslich (ab Zeitstempel 01.31), dass
der Beschuldigte abzubremsen und rechts heranzufahren beginnt und das Poli-
zeifahrzeug zum Überholmanöver ansetzt.
5.2.2. Dem Kurzbericht des Forensischen Instituts zur Auswertung des
RAG-Datenträgers und dem dazugehörigen Übersichtsprotokoll geht hervor, dass
während der Verfolgungsfahrt sowohl das Blaulicht als auch das Cis-Gis-Horn
eingeschaltet waren (Urk. 5).
5.2.3. Die Aussagen der zwei Polizeibeamten fügen sich mit den auf der
Filmaufnahme erkennbaren Geschehnissen und den Erkenntnissen aus der Aus-
wertung RAG-Datenträgers betreffend die Warnsignale zu einem stimmigen Gan-
- 14 -
zen. B._ und C._ gaben übereinstimmend (sinngemäss) an, dass sie
während des Wendevorgangs auf dem Bahnhofplatz Blaulicht, Horn und die Mat-
rix-Leuchte "Stop Polizei" eingeschaltet hätten (Urk. 19. S. 3 und 4 / Urk. 20 S. 3),
dass sie das Fahrzeug des Beschuldigten zuerst aus dem Blickfeld verloren, kurz
vor der Kreuzung aber wieder gesehen hätten; dabei beobachtet hätten, wie es
das Rotlicht überfahren habe, und ihm von da an in Sichtdistanz hätten folgen
können (Urk. 19. S. 4 / Urk. 20 S. 4). Am Wahrheitsgehalt dieser Aussagen, die in
sämtlichen wesentlichen Punkten eine Entsprechung in den objektiven Beweismit-
teln der Filmaufnahme und des Fahrtenschreibers finden, kann nicht gezweifelt
werden.
5.2.4. Gleichwohl lässt sich allein anhand dieser Aussagen der Polizisten
und der Filmaufnahme die Darstellung des Beschuldigten – wonach er auf der
Strecke vor dem Kreisel in E._ nicht bemerkt haben will, dass er von der Po-
lizei mit Blaulicht, Cis-Gis-Horn und Matrix-Leuchte "Stop Polizei" verfolgt wurde –
nicht widerlegen. Die Filmaufnahme zeigt zwar, dass (nachdem das Polizeifahr-
zeug dasjenige des Beschuldigten kurz vor der Kreuzung ...-Strasse/...-Strasse
wieder aufgeholt hatte) das Auto des Beschuldigten, obwohl es ohne Licht fuhr,
aus Sicht des Polizeifahrzeugs durchwegs erkennbar war. Indes blieb die Distanz
zwischen den Fahrzeugen über diese Strecke bis zum Kreisel in E._ doch
durchwegs relativ gross. Aufgrund dessen kann nicht zwingend geschlossen wer-
den, dass der Beschuldigte schon auf diesem Streckenabschnitt realisiert haben
musste, dass er hätte anhalten müssen. Selbst unter der Annahme, dass er das
mit Blaulicht hinter ihm herfahrende Polizeifahrzeug im Rückspiegel gesehen hat-
te, kann zu seinen Gunsten nicht ausgeschlossen werden, dass er nicht erkannte,
dass die Polizeifahrt ihm galt, zumal auch die Matrix-Leuchte "Stop Polizei" auf
diese Distanz wohl nicht lesbar gewesen sein dürfte.
5.2.5. Beide Polizisten gaben schliesslich an, dass der Beschuldigte letztlich
nicht selber angehalten habe, sondern hiezu durch Überholen und Ausbremsen
habe gezwungen werden müssen (Urk. 19. S. 4 / Urk. 20 S. 5), wobei der Polizei-
beamte C._ differenzierend hinzufügte, der Beschuldigte habe vor dem
Überholen abgebremst, vermutlich, weil er gesehen habe, dass es keinen Sinn
- 15 -
mehr mache (Urk. 20 S. 3). Diese Aussagen sind zwar glaubhaft, stellen indes na-
turgemäss weniger eine direkte Beobachtung, denn eine Interpretation des Beo-
bachteten dar. Da der Beschuldigte gemäss Aussage von C._ bereits vor
Ansetzen des Überholmanövers abbremste und dies auch auf der Videoaufnah-
me ersichtlich ist, kann nicht mit rechtserforderlicher Sicherheit gefolgert werden,
dass er seine Fahrt erst aufgrund des unmittelbaren Zwangs der Polizei abbrach.
Vielmehr kann zu seinen Gunsten nicht ausgeschlossen werden, dass er erst in
jenem Moment, als das Polizeiauto nach dem Kreisel in E._ zu ihm auf-
schloss, kapierte, dass die Polizeifahrt ihm galt, und sich darauf zum Anhalten
entschloss.
5.3. Fazit
Zusammengefasst muss zu Gunsten des Beschuldigten davon ausgegan-
gen werden, dass der Beschuldigte während seines Herausfahrens aus dem
Parkplatz das herannahende und neben ihm anhaltende Polizeifahrzeug zwar ge-
sehen hatte, indes nicht wahrnahm oder nicht verstand, dass ihm der Polizist
B._ mit Gesten zu verstehen gab, er solle anhalten und das Fenster öffnen.
Zu Gunsten des Beschuldigten ist weiter davon auszugehen, dass er das seine
Verfolgung aufnehmende Polizeifahrzeug erst wieder wahrnahm, als dieses nach
Passieren des Kreisels in E._ zu ihm aufschloss und auch erst in diesem
Augenblick realisierte, dass die Polizeibeamten ihn mittels der Matrix-Leuchte
"Stop Polizei" zum Anhalten aufforderten, und dass er dieser Aufforderung darauf
auch Folge leistete.
6. Rechtliche Würdigung
Den Tatbestand von Art. 286 StGB erfüllt, wer eine Behörde, ein Mitglied ei-
ner Behörde oder einen Beamten an einer Handlung hindert, die innerhalb ihrer
Amtsbefugnisse liegt. Nicht strafbar ist demgegenüber die blosse Nichtbefolgung
der Anordnung eines Beamten, wenn sich dessen Tätigkeit im Erteilen von Ver-
haltensanweisungen erschöpft (vgl. Trechsel/Vest - StGB PK, Art. 286 N 5).
- 16 -
Dass der Beschuldigte der Aufforderung des Polizeibeamten B._, an-
zuhalten und das Fenster zu öffnen, nicht Folge leistete, kann demnach noch
nicht unter den Tatbestand von Art. 286 StGB subsumiert werden, selbst wenn
davon ausgegangen werden müsste, dass der Beschuldigte den gestikulierenden
Polizeibeamten wahrgenommen und verstanden hatte. Auch mit seiner Fahrt
nach E._ hat sich der Beschuldigte keiner Hinderung einer Amtshandlung
schuldig gemacht, nachdem zu seinen Gunsten davon ausgegangen werden
muss, dass er der mittels Matrix-Leuchte "Stop Polizei" kommunizierten Aufforde-
rung zum Anhalten nachkam, sobald er realisierte, dass die Polizeifahrt ihm galt.
Der Beschuldigte ist demnach vom Vorwurf der Hinderung einer Amtshand-
lung freizusprechen.
C. VERLETZUNG DER VERKEHRSREGELN
1. Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten wird zudem vorgeworfen
• dass er auf der Fahrt von der Bahnhofstrasse ... zur Kreuzung ...-
Strasse / ...-Strasse trotz Nachtzeit und herrschender Dunkelheit kein
Licht am Fahrzeug eingeschaltet habe,
• dass er an der vorerwähnten Kreuzung das auf Rot stehende Lichtsig-
nal missachtet habe,
• dass er es beim Abbiegen an dieser Kreuzung und danach am Kreisel
...-Strasse / ...-Strasse je unterlassen habe, die Richtungsanzeige zu
betätigen,
• dass er die signalisierte zulässige Innerortsgeschwindigkeit von 50
km/h überschritten habe
o um "durchschnittlich mindestens 30 km/h" auf der Fahrt von der
Bahnhofstrasse ... bis zur Kreuzung ...-Strasse / ...-Strasse
- 17 -
o und um "ca. 30 km/h" von da an bis zum Kreisel ...-Strasse / ...-
Strasse (Urk. 27 S. 2).
2. Sachverhalt
2.1. Geschwindigkeitsüberschreitung
2.1.1. Die Anklage stützt ihren Vorwurf der Geschwindigkeitsüberschreitung
um mindestens 30 km/h vornehmlich auf die Auswertung des im Polizeifahrzeug
installierten RAG-Fahrtenschreibers (Urk. 5) und auf das Metas-Gutachten vom
3. Juni 2014 (Urk. 13/3).
2.1.2. Wie bereits ausgeführt (vorstehend Ziff. A.2. f.), wohnt diesen beiden
Beweismitteln in Bezug auf die Frage der Geschwindigkeit je ein Unsicherheitsfak-
tor inne. Einerseits ist nicht bekannt, ob der RAG-Fahrtenschreiber – welcher
durch den Kurzbericht des Forensischen Institutes Zürich (Urk. 5) ausgewertet
wurde – eine exakte Kalibration aufgewiesen hatte (vgl. die Ausführungen des Me-
tas-Gutachters im Gutachten vom 3. Juni 2014, Urk. 13/3 S. 2 und 8). Anderer-
seits ist nicht gesichert, dass die abspielbare Filmaufnahme (Urk. 12) – auf welche
sich das Metas-Gutachten abstützt – die Originalaufnahmen aus der im Polizei-
fahrzeug installierten Videokamera in exakter Geschwindigkeit wiedergeben (vgl.
die Ausführungen des Metas-Gutachters im Ergänzungsgutachten vom 21. April
2014, Urk. 44 S. 2). Der Metas-Gutachter hat ausgeführt, dass die gutachterlich
vor Ort mittels eines kalibrierten Messrads ermittelten Wegstrecken respektive die
darauf resultierenden Geschwindigkeiten im Gutachten vom 3. Juni 2014 sich
nicht vollständig decken würden mit der im Kurzbericht des Forensischen Institu-
tes vorgenommenen Auswertung der Wegstrecke des Restwegschreibers. Die Ur-
sache für diese Abweichungen könne in einer fehlerhaften Software bei der Ach-
senskalierung oder einer falschen Kalibrierung des Restwegschreibers liegen. Der
genaue Grund könne nicht beurteilt werden. Das Problem liege auch darin, dass
der Restwegschreiber die momentane Geschwindigkeit aufzeichne, derweil an-
hand der Videoaufnahmen die durchschnittliche Geschwindigkeit ermittelt werde.
Auch könne der momentane Geschwindigkeitsverlauf des Polizeifahrzeugs auf-
- 18 -
grund der verschiedenen Geschwindigkeitsveränderungen nicht direkt dem vor-
ausfahrenden Fahrzeug zugeordnet werden (Urk. 13/3 S. 8 und Urk. 44 S. 1).
2.1.3. Das Vorbringen der Verteidigung, welches diese Abweichungen auf
eine willentliche Manipulation der Polizei beim Abfilmen des originalen Videoma-
terials durch zurückführen will, ist konstruiert und kann verworfen werden. Wie
vorstehend gezeigt wurde (Ziff. B.), haben die Polizisten B._ und C._
die Geschehnisse vom 21. Dezember 2013 glaubhaft geschildert. Ihre Darstellung
deckt sich mit den vorhandenen Filmaufnahmen, welche jedenfalls visuell, d.h. in
dem was sie zeigen, nicht manipuliert worden sein können. Es ist deshalb auch
kein Grund ersichtlich, weshalb die Polizisten das Videomaterial hinsichtlich der
Ablaufgeschwindigkeit mit Absicht verändert haben sollten, noch finden sich für
eine solche Hypothese sonstwie objektive Anhaltspunkte. Die fehlende exakte
Übereinstimmung der Wegstrecken und Geschwindigkeiten zwischen Kurzbericht
und Gutachten mag vielmehr auf technische Unzulänglichkeiten zurückzuführen
sein, wie sie vom Gutachter angesprochen wurden.
2.1.4. Die festgestellten und nicht auflösbaren Ungenauigkeiten führen
gleichwohl dazu, dass der Beweiswert des Gutachtens vom 3. Juni 2014 als ein-
geschränkt zu betrachten ist. Dessen Schluss, wonach die "durchschnittliche
kurzzeitige Geschwindigkeit" des Fahrzeugs des Beschuldigten "sicher über 80
km/h, möglicherweise bis gegen 90 km/h" betragen habe, bzw. die "durchschnittli-
che Geschwindigkeit" des Fahrzeugs des Beschuldigten "vor der Fahrt um den
Kreisel phasenweise im Bereich von 80 km/h" gewesen sei (Urk. 13/3 S. 8), ver-
mag deshalb nicht restlos zu überzeugen. Abgesehen davon spricht der Gutach-
ter ohnehin von kurzzeitiger bzw. phasenweiser (also nicht: permanenter) durch-
schnittlicher Geschwindigkeit von 80 km/h. Der Vorwurf der Anklage, dass der
Beschuldigte die zulässige Innerortsgeschwindigkeit bis zur Kreuzung um durch-
schnittlich mindestens 30 km/h, und ab da bis zum Kreisel um ca. 30 km/h über-
schritten habe, lässt sich in dieser Absolutheit deshalb nicht erstellen (selbst wenn
auf das Gutachten abzustellen wäre).
2.1.5. Keine Zweifel bestehen aber, dass der Beschuldigte jedenfalls mit
deutlich überhöhter Geschwindigkeit unterwegs war. Die Abweichungen der Ge-
- 19 -
schwindigkeiten des Polizeifahrzeugs, wie sie einerseits durch den Fahrten-
schreiber aufgezeichnet und andererseits gutachterlich im Durchschnitt anhand
der Filmaufnahmen errechnet wurden, sind nicht derart gravierend (vgl. hiezu die
Grafiken 1 und 2 im Gutachten vom 3. Juni 2014, Urk. 13/3 S. 2 und 8), dass zu
Gunsten des Beschuldigten von einer Geschwindigkeit im Rahmen der zulässigen
Innerortsgeschwindigkeit ausgegangen werden könnte. Vielmehr zeigen die Da-
tenkurven aus beiden Instrumenten, dass das Polizeifahrzeug durchgehend mit
einer Geschwindigkeit von deutlich über 50 km/h, meist sogar über 60 km/h un-
terwegs war. Trotz der vorstehend genannten Ungenauigkeiten und auch wenn zu
berücksichtigen ist, dass die Polizisten zuerst den Beschuldigten einholen muss-
ten und danach nicht unmittelbar hinter diesem herfuhren und die tatsächliche
Geschwindigkeiten grossen Schwankungen unterlag, lassen die von einander un-
abhängig erhobenen Geschwindigkeitswerte aus Fahrtenschreiber und Filmmate-
rial immerhin den Schluss zu, dass auch der Beschuldigte deutlich schneller als
mit 50 km/h bzw. grösstenteils mit mindestens 60 km/h gefahren sein musste.
Dass der Beschuldigte mit einer überhöhten Geschwindigkeit unterwegs
war, geht sodann auch aus der im Polizeirapport deponierten Beobachtung des
Polizeibeamten B._ hervor, wonach der Fahrstil des Beschuldigten "als rück-
sichtslos und halsbrecherisch" zu bezeichnen sei (Urk. 1 S. 6).
Hinzu kommt, dass der Beschuldigte selber nie geltend gemacht hatte, die
zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h eingehalten zu haben. Vielmehr
gab er konstant an, mit "höchstens 60-70 km/h" bzw. "etwa 60 km/h bis 65 km/h"
(vgl. Urk. 2 S. 2; Urk. 17 S. 3 f.; Urk. 42/1-2) gefahren zu sein. Auch vor Vorinstanz
stellte er seine früheren Geschwindigkeitsangaben nicht in Abrede (Urk. 49 S. 2).
Auch anlässlich der Berufungsverhandlung anerkannte der Beschuldigte, dass er
mit einer Geschwindigkeit von wenigstens 60 km/h unterwegs gewesen sei (vgl.
Prot. II S. 9 und 12).
In Anbetracht der genannten Umstände bestehen keine rechtserheblichen
Zweifel, dass der Beschuldigte jedenfalls mit einer Geschwindigkeit von mindes-
tens 60 km/h gefahren war und damit die zulässige Höchstgeschwindigkeit um
mindestens 10 km/h überschritten hatte.
- 20 -
2.2. Fahren ohne Licht
Anhand der Filmaufnahmen und der damit übereinstimmenden Aussagen
der Polizisten B._ und C._ ist nachgewiesen, dass der Beschuldigte oh-
ne Licht vom Parkfeld am Bahnhof wegfuhr und auch noch kurz vor der Kreuzung
...-Strasse / ...-Strasse bis zum Ende seiner Fahrt ohne Licht unterwegs war. Auf-
grund dieses Befunds kann ohne erhebliche Zweifel davon ausgegangen werden,
dass der Beschuldigte auch in der Zeit dazwischen, während der er für die Polizis-
ten und die am Polizeifahrzeug installierte Videokamera nicht sichtbar war (d.h.
zwischen den Zeitstempeln 00.16 bis 00.53 der Filmaufnahme, Urk. 12), das Licht
am Fahrzeug nicht eingeschaltet hatte. Die widersprüchlichen Aussagen des Be-
schuldigten, welcher den Vorwurf des Fahrens ohne Licht zuerst eingestand (vgl.
Urk. 2 S. 3), sein Geständnis danach relativierte (vgl. Urk. 17 S. 7) und schliess-
lich gänzlich widerrief (vgl. Urk. 22 S. 2), vermögen an diesem klaren Ergebnis
nichts zu ändern. Anlässlich der Berufungsverhandlung räumte der Beschuldigte
denn auch wieder sinngemäss ein und liess auch seinen Verteidiger ausführen,
dass es sein könne, dass er ohne Licht unterwegs gewesen sei (vgl. Prot. II S. 11;
Urk. 74 S. 1 und 16). Der Sachverhalt des Fahrens ohne Licht ist damit rechtsge-
nügend erstellt.
2.3. Missachtung des Lichtsignals
Das Überfahren des Rotlichts ist auf der Filmaufnahme eindeutig zu erken-
nen und wird auch durch die Aussagen der beiden Polizisten bestätigt. Damit sind
die widersprüchlichen Aussagen des Beschuldigten klar widerlegt, der einmal die
Lichtsäule bei Gelb passiert (Urk. 2 S. 2) und ein anderes Mal gar davor angehal-
ten und das grüne Signal abgewartet haben will (Urk. 42/1-2). Der eingeklagte
Sachverhalt ist damit erstellt.
2.4. Unterlassen der Richtungsanzeige
Die Filmaufnahme zeigt klar, dass der Beschuldigte weder bei der Kreuzung
...-Strasse / ...-Strasse (Urk. 12, Zeitstempel 00.53. - 00.55) noch beim Kreisel ...-
Strasse / ...-Strasse (Zeitstempel 01.16 - 01.19) den Blinker betätigte, womit der
- 21 -
Sachverhalt auch diesbezüglich rechtsgenügend erstellt ist. Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung wurde dieser Punkt denn auch seitens des Beschuldigten und
seines Verteidigers anerkannt (Prot. II S. 13 und Urk. 74 S. 1).
3. Rechtliche Würdigung
3.1. Einleitung
Hinsichtlich der theoretischen Ausführungen zur groben und einfachen Ver-
letzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 und 2 SVG kann vorab
auf die einlässlichen und zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 60 S. 25-28). Bei der Bestimmung des Qualifikationsniveaus ist auf
die jeweiligen Tathandlungen abzustellen. Die Erfüllung mehrerer Tatbestände
führt nicht per se dazu, dass die Handlungen zu einer qualifizierten Verkehrsre-
gelverletzung zusammengefasst werden. Selbst uno actu begangene Verkehrsre-
gelverletzungen stehen zueinander grundsätzlich in echter Konkurrenz. Es ist al-
lerdings nicht ausgeschlossen, dass spezifische, für sich allein nicht unter eine
Qualifikation fallende Verhaltensweisen gerade in ihrer Kombination dazu führen,
dass der Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung erfüllt ist (vgl. BSK SVG
- Fiolka, Art. 90 N 166 und 176).
3.2. Missachtung des Rotlichts
3.2.1. Im vorliegenden Fall überfuhr der Beschuldigte das Rotlicht, während
er gleichzeitig ohne Licht unterwegs war und die zulässige Innerortsgeschwindig-
keit um (mindestens) 10 km/h überschritt. Unter diesem kumulativen Umständen
verursachte der Beschuldigte eine sehr erhebliche Gefahr und manifestierte er
auch ein rücksichtloses Verhalten. In dieser Kombination ist die Missachtung des
Rotlichts als grobe Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2
SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 68 Abs. 1bis SSV zu werten.
- 22 -
3.3. Geschwindigkeitsüberschreitung, Fahren ohne Licht, Unterlassen der
Richtungsanzeige
Der Beschuldigte fuhr auch ausserhalb seiner Missachtung des Rotlichts mit
einer um 10 km/h übersetzten Geschwindigkeit und ohne Licht. Damit hat er sich
der einfachen Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Ver-
bindung mit Art. 41 Abs. 1 aSVG und Art. 30 Abs. 1 VRV sowie der einfachen
Verkehrsregelverletzung i.S.v. Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 27
Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV schuldig gemacht. Mit seinem (zweima-
ligen) Unterlassen der Richtungsanzeige hat er sich sodann einer weiteren einfa-
chen Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG – hier in Verbin-
dung mit Art. 39 Abs. 1 SVG – schuldig gemacht.
3.4. Fazit
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich der Beschuldigte durch sein
Verhalten schuldig gemacht hat:
• der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90
Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 68 Abs. 1bis SSV sowie
• der mehrfachen einfachen Verletzung der Verkehrsregeln i.S.v.
Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 41 Abs. 1 aSVG und Art. 30 Abs. 1 VRV
sowie Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV sowie Art. 39
Abs. 1 SVG.
III. Sanktion
1. Strafzumessung
1.1. Einleitung
Hinsichtlich der Strafzumessungsregeln kann auf die zutreffenden Erwägun-
gen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 60 S. 32 f.).
- 23 -
1.2. Sanktionsart
Auch dass vorliegend keine Gründe gegeben sind, die zwingend für eine
Freiheitsstrafe sprechen würden, und deshalb auf eine Geldstrafe zu erkennen ist,
wurde vom Vorderrichter überzeugend dargetan (Urk. 60 S. 34 f.).
Für die Übertretungen (mehrfache einfache Verkehrsregelverletzung / Fah-
ren in fahrunfähigem Zustand) ist eine Busse auszusprechen.
1.3 Geldstrafe
1.3.1. Strafmass
Das Verschulden des Beschuldigten bezüglich der groben Verletzung der
Verkehrsregeln ist als insgesamt "nicht mehr leicht" zu qualifizieren. Der Beschul-
digte missachtete nachts ein Rotlicht, während er mit übersetzter Geschwindigkeit
und ohne Licht unterwegs war. Damit schuf er für andere Verkehrsteilnehmer eine
abstrakte Gefahr erheblichen Ausmasses.
Die zwei Vorstrafen des Beschuldigten (Urk. 63) sowie sein getrübter auto-
mobilistischer Leumund (Urk. 24/2) wirken sich straferhöhend aus. Die relativ lan-
ge Verfahrensdauer ist strafmindernd zu berücksichtigen. Straferhöhend hinzu
kommt weiter, dass der Beschuldigte während der laufenden, mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 30. November 2011 angesetzten Probezeit
delinquiert hat. Die straferhöhenden Faktoren überwiegen den strafmindernden
klar.
Im Übrigen wirkt sich die Biographie des Beschuldigten – der in einem Ar-
beitsverhältnis steht und mit seiner Ehefrau sowie zwei minderjährigen Kindern
zusammenlebt (vgl. Prot. II S. 6 f.; Urk. 49 S. 2 ff.; Urk. 17 S. 10 f.) – strafzumes-
sungsneutral aus.
In Berücksichtigung aller relevanter Umstände ist die grobe Verletzung der
Verkehrsregeln mit 60 Tagessätzen zu sanktionieren.
- 24 -
1.3.2. Tagessatz
Der von der Vorinstanz auf Fr. 50.– festgesetzte Tagessatz (Urk. 60 S. 34)
erweist sich in Anbetracht der im Wesentlichen bis heute unveränderten finanziel-
len Verhältnisse des Beschuldigten (vgl. Urk. 71 und 72/1-4) als angemessen.
1.4. Busse
1.4.1. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz dürfen mehrere Einzelbus-
sen nicht einfach kumuliert werden. Vielmehr gilt unter dem neuen Recht auch
bei der Ausfällung von Bussen für mehrere Übertretungen das Asperationsprinzip
(vgl. BSK Strafrecht I - Heimgartner, Art. 104 N 13).
Die Übertretungen des Beschuldigten – die mehrfache einfache Verkehrs-
regelverletzung und das Fahren in fahrunfähigem Zustand ist demgemäss mit ei-
ner Busse von Fr. 500.– zu sanktionieren. Einem höheren Bussenbetrag steht
heute die reformatio in peius entgegen.
1.4.2. Eine weitere Korrektur der erstinstanzlichen Ausführungen ist hin-
sichtlich der Ersatzfreiheitsstrafe (Art. 106 Abs. 2 StGB) anzubringen. Wird nebst
einer Busse eine Geldstrafe ausgesprochen, erscheint es sachgerecht, die Ta-
gessatzhöhe als Umrechnungsschlüssel zu verwenden, indem der Betrag der
Busse durch jene dividiert wird (vgl. BGE 134 IV 77 E. 7.3.3). Somit ist vorliegend
die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse
auf 10 Tage festzusetzen.
1.5. Fazit
Der Beschuldigte ist demnach mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu
Fr. 50.– sowie mit einer Busse von Fr. 500.– zu bestrafen.
2. Vollzug der Strafe
Die Vorinstanz erwog, dass die Vorstrafen des Beschuldigten vorliegend
nicht einschlägig seien und die Vermutung einer günstigen Legalprognose des-
halb nicht zu widerlegen vermöchten. Der Beschuldigte sei sodann zwar im Stras-
- 25 -
senverkehr bereits mehrfach negativ aufgefallen. Dabei habe es sich jedoch nicht
um schwerwiegende Verfehlungen mit strafrechtlicher Relevanz gehandelt, son-
dern lediglich um Verwarnungen der Administrativbehörde. Darüber hinaus sei
davon auszugehen, dass mit dem Widerruf des bedingten Vollzugs der mit Straf-
befehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 30. November 2011 angeordne-
ten Rest-Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 70.– (vgl. hiezu nachstehende
Ziff. 3) dem Beschuldigten eine genügende Warnwirkung vor Augen geführt wer-
de. Unter Gesamtwürdigung der Umstände könne dem Beschuldigten der beding-
te Strafvollzug im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB somit gerade noch einmal ge-
währt werden, wobei es aufgrund vorhandener Restbedenken als angemessen
erscheine, die Probezeit auf vier Jahre festzusetzen.
Diese Einschätzung der Vorinstanz kann geteilt und für die heute ausgefällte
Strafe übernommen werden. Der Vollzug der vorstehend festgelegten Geldstrafe
ist somit aufzuschieben und die Probezeit auf 4 Jahre festzusetzen.
3. Widerruf
Die vorliegend zu beurteilenden Straftaten ereigneten sich innerhalb der
dreijährigen Probezeit der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland
vom 30. November 2011 wegen Raufhandels ausgefällten bedingt vollziehbaren
Rest-Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 70.– (vgl. Urk. 24/7 und 63). Die er-
neute Straffälligkeit zeigt offensichtlich, dass sich der Beschuldigte weder von den
Verwarnungen des Strassenverkehrsamtes noch von den Sanktionen der in der
Vergangenheit verübten Delikte genügend beeindrucken liess. Unter diesen Um-
ständen erscheint es mit der Vorinstanz angezeigt, den mit vorgenanntem Straf-
befehl angeordneten bedingten Teilvollzug der Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu
Fr. 70.–, abzüglich 1 Tagessatz, der als durch Haft erstanden gilt, in Anwendung
von Art. 46 Abs. 1 StGB zu widerrufen. Erst mit diesem Widerruf kann dem Be-
schuldigten die günstige Legalprognose gestellt werden, die es erlaubt, für die
heute ausgefällte Geldstrafe den bedingten Vollzug zu gewähren.
- 26 -
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Bei diesem Verfahrensausgang ist die erstinstanzliche Kostenfestsetzung zu
bestätigen. Sodann rechtfertigt es sich, dem Beschuldigten die Kosten des ge-
samten Verfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, ledig-
lich zur Hälfte aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind auf die Gerichtskasse zu neh-
men, unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht des Beschuldigten im Umfang der
Hälfte.
Das Honorar der amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren ist aus-
gehend von deren angemessen erscheinenden Kostennote vom 22. April 2016
(Urk. 76), zuzüglich 4 Std. für die Berufungsverhandlung, inkl. Weg und Nachbe-
sprechung, auf Fr. 4'050.– (inkl. MwSt.) festzusetzen.