Decision ID: b26a31c2-10b9-44d3-8d8d-4b8ba2bc77d2
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1962, war von August 1997 bis Januar 2008 bei der Y._ AG, als Bodenleger tätig, wobei der letzte Ar
beitstag am 25. April 2007 war (vgl. Urk. 7/21/10 ff.). Am 23. Januar 2008 mel
dete sich der Versicherte unter Hinweis auf psychische Beschwerden und Rückenbeschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/10). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm mit Verfügung vom 26. Januar 2011 bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Rente ab September 2008 zu (Urk. 7/52).
1.2
Nach Eingang eines am 19. Mai 2014 ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk. 7/78) zog die IV-Stelle unter anderem ein von der Pensionskasse des Ver
sicherten veranlasstes psychiatrisches Gutachten vom 10. April 2014 (Urk. 7/82) sowie eine Stellungnahme der Gutachterin vom 10. Juni 2014 zum Videomate
rial der von der Pensionskasse veranlassten Observation des Versicherten (Urk. 7/83) bei. Sodann gab sie ein bidisziplinäres (rheumatologisch-psychiatrisches) Gutachten in Auftrag, das am 28. Oktober 2015 erstattet wurde (Urk. 7/147). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/155, Urk. 7/159, Urk. 7/164
)
stellte die IV-Stelle mit Verfügung vom 23. Dezember 2016 die bisher ausgerichtete Rente
wegen Verletzung der Meldepflic
ht durch den Versicherten
rückwirkend
per 1. August 2013 ein (Urk. 7/177 = Urk. 2).
1.3
Am
9. September 2014 hatte sich der
Versicherte zudem zum Bezug einer Hilf
losenent
schädigung angemeldet (Urk. 7/93
).
Die IV-Stelle führte
am
26. Januar 2015
beim Versicherten zu Hause eine Abklärung durch (Urk. 7/156) und wies das Leistungsbegehren - nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/157, Urk. 7/159, Urk. 7/164) - mit Verfügung vom 18. Januar 2017 ab (Urk. 7/179 = Urk. 15/2).
2.
2.1
Der Versicherte erhob am 27. Januar 2017 Beschwerde gegen die
rentenaufhe
bende
Verfügung vom
23. Dezember 2016 (Urk. 2
)
u
nd beantragte,
diese sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihm die gesetzlich geschuldeten Leistungen weiterhin zu bezahlen, insbesondere eine Invalidenren
te (Urk. 1 S. 2).
Dieses Verfahren wurde unter der Prozessnummer
des vorlie
genden Verfahrens Nr.
IV.
2017.00112
angelegt.
Mit Beschwerdeantwort vom 9. März 2017 (Urk. 6) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde,
was dem Beschwerdeführer am
18. April 2017
zur
Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Am 18. Mai 2017 liess sich der Beschwerdeführer unter Beilage eines weiteren Arztberichts (Urk. 11) erneut vernehmen (Urk. 10). Am 7. Juni 2017 erklärte die Beschwerdegegnerin den Verzicht auf das Einreichen einer Stellungnahme (Urk. 13). Dies wurde dem Beschwerdeführer am 9. Juni 2017 zur Kenntnis ge
bracht (Urk. 14).
2.2
Am 15. Februar 2017 erhob der Versicherte zudem
Beschwerde gegen die
Ver
fügung betreffend Hilflosenentschädigung vom
18. Januar 2017
(
Urk. 15/
2) und bea
ntragte, diese sei aufzuheben u
nd
die Beschwerdegegnerin sei zu verpflich
ten, ihm die gesetzlich geschuldeten Leistungen zu bezahlen, insbesondere eine Hilflosenentschädigung
(
Urk. 15/1 S. 2
). Dieses Verfahren wurde unter der Pro
zessnummer
IV.2017.00208
angelegt.
Mit Beschwerdeantwort vom
4. Mai 2017 (Urk. 15
/
6) beantragte die IV-Stelle die
Abweisung
der Beschwerde
.
Mit Verfügung
vom
23. Juni 2017 (Urk. 16)
wurde der Prozess Nr.
IV.2017.00208
antragsgemäss (Urk. 15/1 S. 2)
mit d
em vorliegenden Prozess Nr. IV.2017.00112 vereinigt
und als dadurch
erledigt
abgeschrieben
.
Gleichzeitig wurde dem Beschwerdeführer
die Beschwerdeantwort vom
4. Mai 2017
zur Kenntnis gebracht.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
o
der teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen).
1.3
Die massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditäts
grad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem In
validitätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisi
onsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich der zeitlichen Wirkung einer Rentenaufhebung ist Folgendes zu berücksichtigen: Wenn invalidenversicherun
gsrechtliche Aspekte zur Diskus
sion stehen, gilt es grundsätzlich, mit Wirkung ex nunc et pro futuro einen rechts
konformen Zustand herzustellen. Die Herabsetzung oder Aufhebung einer Rente erfolgt in diesem Bereich daher in der Regel auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats. Rückwirkend wird die Rente nur herabgesetzt oder aufgehoben, wenn die unrichtige Ausrichtung einer Leistung darauf zu
rückzuführen ist, dass der Bezüger sie unrechtmässig erwirkt hat oder er der ihm gemäss Art. 77 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) zu
mutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist (Art. 85 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 88bis Abs. 2 IVV [in der bis zum 31. Dezember 2014 gültig gewesenen Fassung]; Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2015, Rz. 17 zu Art. 25). Trifft dies zu, sind solcherart widerrechtlich bezogene Leistungen gemäss den Vorgaben von Art. 25 ATSG zurückzuerstatten (Urteile des Bundes
gerichts 8C_191/2013 vom 16. August 2013 E. 4.3 und 9C_491/2012 vom 22. Mai 2013 E. 2.2).
1.6
Gemäss
Art.
42
Abs. 1 IVG
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Auf
enthalt (
Art.
13 ATSG) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitli
chen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der Verordnung über die Invalidenversiche
rung,
IVV). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgen
den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
-
Ankleiden, Auskleiden;
-
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
-
Essen;
-
Körperpflege;
-
Verrichtung der Notdurft;
-
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.8
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweisfüh
rungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislo
sigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewie
sen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift al
lerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Unter
suchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der renten
aufhebenden
Verfügung (Urk.
2)
da
von aus, dass dem Beschwerdeführer die Ausübung der bisherigen Tätigkeit als Bodenleger weiterhin nicht möglich sei. Gestützt auf das von ihr eingeholte Gutachten sei jedoch eine Verbesserung seines psychischen Gesundheitszu
stands und damit ein Revisionsgrund ausgewiesen und sei der Beschwerdeführer in angepassten Tätigkeiten wieder als uneingeschränkt arbeitsfähig zu erachten. Dies stehe auch im Einklang mit den in den Observationsberichten dokumen
tierten Alltagsaktivitäten (S. 2 oben, S. 3 oben). Vor dem Hintergrund der gut
achterlich festgestellten, im Vordergrund stehenden hochgradigen Selbstlimita
tion sowie des mindestens teilweise bewusst ablaufenden Malingerings seien von einer erneuten Begutachtung keine relevanten Erkenntnisse in Bezug auf die Plausibilisierung allfälliger Einschränkungen zu erwarten. Die Beweislosig
keit für das Vorliegen eines allfälligen psychischen Gesundheitsschadens gehe zu Lasten des Beschwerdeführers (S. 2 unten, S. 3 oben). Es sei mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass spätestens ab dem Zeitpunkt der ersten Observation keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund eines psychischen Gesundheitsschadens mehr vorgelegen habe, womit von einer Ver
besserung ab 1. August 2013 auszugehen sei. Da der Beschwerdeführer diese nicht gemeldet habe, sei er seiner zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekom
men (S. 3 unten). Da der errechnete Invaliditätsgrad seit 1. August 2013 unter 40 % liege und der Beschwerdeführer der Meldepflicht nicht nachgekommen sei, sei die Invalidenrente rückwirkend aufzuheben (S. 2 Mitte).
Bezüglich Hilflosenentschädigung
(Urk. 15/2)
erwog
die Beschwerde
gegnerin
,
aus medizinischer Sicht lägen keine Hinweise auf handicapierende Funktions
einschränkungen in der Konzentration, der Aufmerksamkeit und der Interaktion vor. Ebenso bestehe keine Pflegebedürftigkeit. Somit sei der Beschwerdeführer in sämtlichen alltäglichen Lebensverrichtungen selbständig und bedürfe keiner medizinisch pflegerischen Hilfe und keiner persönlichen Überwachung. Auch im lebenspraktischen Bereich bestehe keine Einschränkung (Urk. 15/2 S. 2 unten).
2.2
D
e
r Beschwerdeführer
machte
in seiner
Beschwerde betreffend
den Rentenent
scheid (Urk. 1)
demgegenüber zusammengefasst geltend, die von der Pensions
kasse in Auftrag gegebene Observation sei nicht rechtmässig gewesen, weshalb das
Datenmaterial
und die psychiatrischen
Gutachten, die das Datenmate
rial als Grundlage genommen hätte
n,
aus den Akten zu entfernen seien. Es liege ein di
agnostisches Problem vor, welches sich wie ein roter Faden durch die Akten ziehe. Das von der Beschwerdegegnerin eingeholte psychiatrische (Teil-) Gut
achten setze sich nicht seriös mit den Grundlagen für die Diagnostik der im Raum stehenden Störung in Abgrenzung zu einer allfälligen Aggravation ausei
nander. Gerade das vom Gutachter festgestellte bizarre Verhalten, aufgrund des
sen sich der Gutachter ausser Stande gesehen habe, eine exakte psychiatrische Diagnose zu stellen, sei häufig und typisch für Diagnosen gemäss ICD-10 F2. Weil ein solches Verhalten eben Symptom der Krankheit sei, könne es seriö
serweise nicht dazu
„missbraucht“ werden, die Diagnose als Diagnose ohne Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit einzuordnen. Der Gutachter habe seine Aufgabe in der Abgrenzung von Diagnosen, Symptomen und Aggravation verpasst und keine seriöse Längsschnittbeurteilung vorgenommen. Namentlich hinsichtlich der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei das Gutachten zudem nicht gemäss den Qualitätsleitlinien erstellt
worden
(S. 5 ff. Ziff. 4
).
Aus dem von der Be
schwerdegegnerin eingeholten Gutachten werde
sodann kein Revisionsgrund im Sinne einer Verbesserung des Gesundheitszustands ersichtlich
. Es handle sich nur um eine andere Würdigung des gleichen Sachverhalts. Abgesehen davon habe er kurz vor Erlass der angefochtenen Verfügung erneut in der
Z._
hospi
talisiert werden müssen und es habe sich ein weiteres Mal gezeigt, dass sein Verhalten nicht auf Aggravation beruhe, sondern Ausdruck seiner unter die Schizophreniediagnose fallenden Erkrankung sei (S.
14 ff. Ziff.
5). Im Übrigen
sei
insbesondere das von der Beschwerdegegnerin eingeholte psychiatrische (Teil-) Gutachten – aus näher dargelegten Gründen – nicht beweiswertig
(S. 19 ff. Ziff. 7). Auch den (nicht verwertbaren) Observationsakten könne nicht ent
nommen werden, dass sich sein Gesundheitszustand verbessert hätte und noch viel weniger, dass es ihm bereits zum Zeitpunkt der ersten Observation deutlich besser gegangen sei. Vielmehr habe er immer wieder hospitalisiert werden müs
sen und werde er dauerhaft medikamentös behandelt. Die
Annahme einer Mel
depflichtverletzung sei absurd (S.
17 ff. Ziff.
6). Die Beschwerdegegnerin gehe zu Unrecht von Beweislosigkeit aus. Die Beweislast liege aber bei ihr
und der Beweis
sei gestützt auf das eingeholte Gutachten nicht erbracht (S.
23 f. Ziff.
8).
Bezüglich de
s
die Hilflosenentschädigung betreffenden Entscheid
s
brachte der Beschwerdeführer zusammengefasst vor, die Beschwerdegegnerin verletze die
Begründungspflicht, indem sie nicht zum Einwand Stellung genommen habe, wonach sich aus dem von ihr eingeholten Gutachten nichts zur Frage der Hilflosigkeit ergebe. Das Abklärungsverfahren sei nicht wie im KSIH vorgesehen durchgeführt worden. Die vor Ort durchgeführte Abklärung habe verschiedene ausgewiesene Bereiche für die Hilflosigkeit ergeben. Weshalb diese keine zu be
rücksichtigende Grundlage sein solle, sei weder aus den Akten noch aus der an
gefochtenen Verfügung ersichtlich. Die Beschwerdegegnerin habe ihre Abklä
rungspflicht gemäss Untersuchungsgrundsatz verletzt, da sie mit den Observati
onsunterlagen und dem eingeholten Gutachten argumentiere, sich daraus aber keine Abklärungen/Aussagen/Feststellungen zur Hilflosigkeit ergäben und den Gutachtern auch keine Fragen zur Hilflosigkeit gestellt worden seien. Im Übri
gen sei das Gutachten keine beweiswertige Grundlage für die Beurteilung des Leistungsanspruchs (Urk.
15/1 S.
4 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist zum einen, ob die revisionsweise Aufhebung der zuge
sprochenen Invalidenrente rechtens ist und wenn ja, ob diese rückwirkend per 1. August 2013 erfolgen durfte, und zum anderen, ob der Beschwerdeführer An
spruch auf eine Hilflosenentschädigung hat.
3.
3.1
Der Verfügung vom 26. Januar 2011 mit der dem Beschwerdeführer eine ganze Rente zugesprochen wurde (Urk. 7/52), lagen im Wesentlichen folgende me
dizinische Berichte zu Grunde:
3.2
Am 19. September 2007 (
Urk.
7/25/2-
1
5
) berichteten die Ärzte des A._ über die im Auftrag des Kran
kentaggeldversicherers durchgeführte Abklärung des Versicherten, welche unter anderem eine
Evaluation der arbeitsbezogenen f
unktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) sowie eine psychiatrische Beurteilung durch Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (vgl. Urk. 7/25/16-21), beinhaltete. Die Ärzte nannten folgende Diagnosen (S. 1 unten):
-
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom rechts bei/mit
-
im Computertomogramm (CT) nachgewiesener medio-lateraler rechts
seitiger Diskushernie L4/5 sowie
-
rechtsseitigem Prolaps L5/S1
-
Spondylarthrose
-
leichtgradige bis mittel
schwere
depressive Anpassungsstörung
bei chro
nischer
Schmerzproblematik
und medizinalfremden psychosozialen
Kon
textfaktoren
.
Die Ärzte führten aus, das arbeitsbezogene relevante Problem bestehe in einem ausgeprägten Schmerz- und Schonverhalten. Der Beschwerdeführer habe bei keinem der Tests an seine funktionelle körperliche Belastbarkeit herangeführt werden können und sich aufgrund von Schmerzen im Rücken und im rechten Bein selbst limitiert. Die Leistungsbereitschaft werde als nicht zuverlässig beur
teilt. Die Konsistenz bei den Tests sei schlecht gewesen. Die demonstrierte Be
lastbarkeit sei nur minimal gewesen. Infolge erheblicher Symptomausweitung, Selbstlimitierung und Inkonsistenzen seien die Resultate der Belastbarkeitstests für die Beurteilung nicht verwertbar (S. 3 oben).
Aus som
atischer Sicht sei
me
dizinisch-theoretisch zumindest eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit
ganz
tags möglich
(S.
4 Ziff.
6
.1-2
).
Die psychiatrische Untersuchung ergab
ein af
fektpathologisches Störungsbild mit höchstens leichtgradig obj
ektivierbarem
Krankheitswert
im Sinne einer gemischten Anpassungsstörung (ICD-10 F43.21) als reaktive, Schmerz fokussierte stereotype Fehlverarbeitung bei persistierender Schmerzproblematik. Dr. B._ ging medi
zinisch-theoretisch
von einer Ar
beitsunfähigkeit von höchstens 20 % (bis 30 %) aus
(Urk.
7/25/20
f.
). Aus inter
disziplinärer Sicht
attestierten die Ärzte des A._ dem Beschwerdeführer
für lei
densangepasste Tätigkeiten eine Arbei
tsfähigkeit von 70 %
(Urk.
7/25
/
5
).
3.3
Am 28. Juli 2008 berichtete Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (Urk. 7/30), der Beschwerdeführer stehe seit Juni 2007 in seiner Behandlung (Ziff. 4.1). Dr. C._ diagnostizierte eine seit etwa dem Frühjahr 2007 bestehende schwere depressive Entwicklung und Angstsymptomatik sowie eine seit längerem bestehende Schmerzausweitung mit diversen körperlichen Beschwerden (Ziff. 2.1). Als Differenzialdiagnose (DD) nannte er eine psychoti
sche Dekompensation (Urk. 7/30/8 oben). Dr. C._ attestierte dem Beschwer
deführer seit Frühsommer 2007 sowohl im angestammten Beruf als auch für behinderungsangepasste Tätigkeiten eine 100%ige oder allenfalls eine ganz knapp darunterliegende Arbeitsunfähigkeit (Urk. 7/30/9 unten).
3.4
Am 15. Juli 2010 erstattete Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (Urk.
7/38
). Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er
eine
depressive Entwicklung, gegenwärtig schwe
rgradig ausgeprägt, mit psychotischen
Symp
tomen
(ICD-10 F32.2). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine chronische
Schmerzstörung
mit somatischen und psychischen Faktoren, ICD-10 F45.41 (S. 11 unten)
.
Dr. D._ führte aus, p
sychopatholo
g
isch
habe sich
(unter anderem)
ein ausgeprägtes depressiv-gehemmtes Zu
standsbild gezeigt.
Die Grundstimmung sei gedrückt-depressiv, gehemmt, freud
los, zum Teil leicht dysphorisch und die affektive Modulationsfähigkeit deutlich vermindert gewesen, ohne jegliche Aufhellung im Verlauf des Gesprächs. Die A
ufmerksamkeit
habe während des Gesprächs nicht durchgehend aufrechterhal
ten werden können, habe deutlich fluktuiert mit phasenweisem Abdriften von mehreren Sekunden
.
Es seien psychotische Symptome in Form von Stimmenhö
ren sowie Hinweise auf ein pseudodementielles Syndrom («weiss net»)
eruierbar gewesen (S. 13 Mitte). Es habe sich ein konsistentes Bild depressiver Hemmung gezeigt. Auf den Fremdbeurteilungsskalen (Hamilton, MADRS) habe sich psychometrisch ein schwergradig depressives Syndrom abgebildet. Der
Verlauf
der Störung
sei gesamthaft durch eine weitgehende Fixierung der Beschwerden
im Sinne einer Chronifizierung der depressiven Symptomatik
gekennzeichnet
(S. 13 unten)
.
Die depressive Störung und die Schmerzstörung stünden in un
günstiger Wechselwirkung. Gegenwärtig stehe auf syndromaler Ebene eindeutig das depressive Syndrom im Vordergrund (S. 14 oben).
Hinweise für eine wil
lentliche Herbeiführung oder massive Verdeutlichung psychischer oder körperli
cher Störungen im Sinne einer Aggravation oder Simulation hätten sich nicht gezeigt (S. 14 unten).
Aufgrund des schwergradig depressiven Zustandsbildes liege – unter Ausschluss von invaliditätsfremden Faktoren - eine 100%ige Ar
beitsunfähigkeit für jedwede Tätigkeit vor, dies seit Juli 2008 (S. 15 f., S. 16 un
ten). Das Störungsbild erscheine trotz adäquater Behandlung bereits deutlich chronifiziert (S. 17 oben).
3.5
In seiner Stellungnahme vom 27. August 2010 verneinte der Arzt des Regiona
len Ärztlichen Dienstes (RAD) der Beschwerdegegnerin eine verwertbare Ar
beitsfähigkeit in der freien Wirtschaft seit Juli 2008 (Urk. 7/40 S. 4 oben).
4.
4.1
Der
rentenaufhebende
n
Verfügung vom 2
3.
Dezember 2016 (Urk.
2)
lagen im Wesentlichen folgende medizinische Berichte zu Grunde:
4.2
Am 10. April 2014
erstattete
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Psychiat
rie und Psychotherapie, ein Gutachten im Auftrag der Pensionskasse des
Be
schwerdeführers
(Urk.
7/82).
Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit nannte die Gutachterin eine nicht näher bezeichnete schizoaffektive Stö
rung, ICD-10 F25.8 (S. 13 oben). Sie führte aus, die diagnostische Einschätzung des psychischen Leidens des Beschwerdeführers sei nicht ohne weiteres möglich und werfe etliche Fragen auf. Die anamnestischen Angaben und die medizi
nisch-psychiatrischen Akten legten eine Erkrankung aus dem schizoaffektiven Formenkreis nahe (S. 13 oben). In der Untersuchung habe ein vielgestaltiges Be
schwerdebild gefunden werden können. Einerseits mache der Beschwerdeführer kognitive Einbussen geltend, vor allem Gedächtnisprobleme, andererseits gebe er ein lebhaftes halluzinatorisches Geschehen an sowie eine leichte depressive Stimmungslage (S. 14 unten, S. 15 oben). Am auffälligsten sei das initiale Auf
treten des Beschwerdeführers gewesen. Er habe sich von der Ehefrau ins Sprechzimmer führen und stützten lassen, wie jemand, der gehbehindert sei. Dann habe er – ohne Anwesenheit der Ehefrau – zu Beginn der ersten Untersu
chung während einigen Minuten ein bizarres Grimassieren und Hin-und-her-Bewegen der Augen, Schmatzen und Lecken mit der Zunge sowie Nesteln und Ringen mit den Händen gezeigt. Darauf angesprochen sei er sofort in der Lage gewesen, das Verhalten einzustellen und normal am Gespräch teilzunehmen. Im weiteren Verlauf der Untersuchung und in der zweiten Untersuchung sei der Be
schwerdeführer problemlos zum Gehen fähig gewesen, habe bei Bedarf (für die Testpsychologie) den Stuhl und für die Blutentnahme in flüssigem Gang den Raum wechseln können. Das Entkleiden des Jacketts und Hochkrempeln des Ärmels für die Blutentnahme habe er problemlos bewältigt. Es sei nie mehr zu einem Grimassieren und Händeringen oder Nesteln und Verdrehen der Augen gekommen. Erst beim Verlassen des Sprechzimmers, im Wartezimmer, jeweils im Beisein der Ehefrau, sei er wieder scheinbar ganz und gar hilfsbedürftig ge
wesen und habe sich ankleiden lassen müssen (Jacke). Es sei der Eindruck des Theatralischen entstanden (S. 15 Mitte). Die stark zur Schau gestellten Beein
trächtigungen erschwerten die Feststellung effektiver Krankheitssymptome und geböten, hauptsächlich auf die objektivierbaren Befunde nach AMDP abzustüt
zen. Stimmungsmässig sei eine leichte depressive Stimmung objektivierbar ge
wesen, inhaltlich bezogen auf eine unbefriedigende finanzielle Situation und mangelnde Beschäftigung und Perspektive. Das Resultat der Hamilton Depressi
on-Skala bestätige diese Einstufung (S. 15 unten). Halluzinationen, wie sie der Beschwerdeführer angebe, könnten untersucherseits nie abschliessend objekti
viert werden (S. 16 oben). Die vom Beschwerdeführer geltend gemachte defizi
täre Gedächtnisleistung sei derart inkonsistent gewesen, dass keine klare Prü
fung möglich gewesen sei. Das testpsychologische Ergebnis habe auf ein Über
treiben oder Vortäuschen kognitiver Einbussen hingewiesen. Kognitive Einbus
sen seien nicht schlüssig objektivierbar gewesen. Auch das Resultat der Symp
tomvalidierung habe Hinweise auf eine Übertreibung von Beschwerden und Symptomen ergeben. Das Vortäuschen von Symptomen könne weder bestätigt noch ausgeschlossen werden (S. 16 Mitte). Insgesamt sei die diagnostische Ein
schätzung nicht zweifelsfrei und zwanglos nach ICD-10 vorzunehmen. Die gel
tend gemachten Beschwerden und festgestellten subjektiven und objektiven Symptome seien am ehesten einer nicht näher bezeichneten bipolaren affekti
ven Psychose zuzuordnen (S. 16 unten).
Der reproduzierbare Wechsel im Funktionsniveau des Beschwerdeführers gebe Hinweise auf eine gewisse Steuerbarkeit im Verhalten. Überall, wo der Be
schwerdeführer mit seiner Ehefrau erscheine, entstehe das Bild eines (pseu
do)dementen, hilflosen Mannes. Ohne Beisein der Ehefrau zeige er ein durchaus ordentliches Funktionsniveau. Des Weiteren bemerkenswert seien die Divergen
zen zwischen den Angaben des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau, was den Alltag betreffe. Gemäss Ehefrau sei der Beschwerdeführer ein fluchtgefährdeter, völlig hilfloser Mann, der nie allein gelassen werden könne. Gemäss Beschwer
deführer sei er ein unzufriedener und unglücklicher Rentner, der wenig mit sich und seiner Zeit anzufangen wisse, der aber durchaus zum Coiffeur gehe, Kleider kaufe und über seine knappen Finanzen Bescheid wisse. Es sei nicht möglich, hier eine objektive Wahrheitsfindung durchzuführen. Es stünden sich zwei un
terschiedliche Darstellungen gegenüber, die der Beschwerdeführer beim Versuch der Klärung lapidar mit «weiss nicht»
quittiere (S. 16 f.).
Belege für eine schwere depressive Episode, die das Vorliegen von psychoti
schen oder halluzinatorischen Symptomen erklären könnten, liessen sich nicht finden. Anamnestisch seien die Belege für Phasen schwerer Depressivität, wie sie im Gutachten Dr. D._ beschrieben werde, dürftig und fraglich, vor allem vor dem Hintergrund der Untersuchung im Beisein der Ehefrau (S. 18 oben).
Zusammenfassend seien aus psychiatrischer Sicht gewisse Kriterien für eine schizoaffektive Störung vorzufinden, namentlich die Angabe von halluzinatori
schem Erleben bei gleichzeitiger leichter affektiver Beeinträchtigung (leichte de
pressive Symptomatik). Diese führten zur diagnostischen Annahme einer nicht näher bezeichneten bipolaren affektiven Störung (ICD-10 F25.8; vgl. S. 13 oben). Damit seien aber weder die subjektiven Gedächtnisprobleme, noch die Verhaltensauffälligkeiten, noch das Grimassieren noch die angebliche Hilflosig
keit erklärt.
Der
Verdacht auf eine das Zustandsbild prägende Selbstlimitation bleibe im Raum und könne durch objektive Befunde nicht entkräftet werden (S. 18 unten). Die zahlreichen Hinweise auf Selbstlimitation und die Diskrepan
zen in den Angaben erschwerten die Einschätzung des Leidens, insbesondere des Schweregrads, erheblich, indem effektiv vorhandene Symptome möglicher
weise maskiert würden (S. 19 oben).
Aufgrund der diagnostizierten psychiatrischen Erkrankung sei eine medizinisch-psychiatrisch begründete Teilarbeitsunfähigkeit anzunehmen. Bei einem Ge
samtbild mit starker Selbstlimitation sei das
Mass der objektiven Beeinträchti
gung nicht sicher festzustellen.
Ein Tätigkeitsprofil könne nicht skizziert werden beziehungsweise erst nach erfolgter Behandlung (S. 19 unten), wobei d
ie bishe
rige Behandlung
– in näher dargelegter Weise (S. 20 f.) -
zu diskutieren
sei.
4.3
Am 10. Juni 2014 (
Urk.
7/83
) nahm Dr. E._ Stellung zum ihr von der Pensi
onskasse vorgelegten Videomaterial der in der Zeit vom 18. Juli bis 26. Oktober 2013 und vom 27. Februar bis 3. März 2014 durchgeführten Observation des Beschwerdeführers (vgl. Observationsunterlagen, Urk. 7/109/1-28, Urk. 8/1-3).
Zusammenfassend hielt sie fest,
die vorgelegten Video-Beobachtungen
sprächen
gegen das
vom Beschwerdeführer geltend gemachte,
d
auernd vorhandene schwere psychische
Leiden mit Beeinträchtigung des Gefühlslebens, der Kogni
tion, Stimmenhör
en und sozialem Rückzug
. Die
bereits
in der Untersuchung aufgefallenen Diskrepanzen
zwischen den geltend gemachten Beeinträchtigun
gen und den objektivierbaren Befunden
erhärte
te
n sich. Der Eindruck, dass der
Beschwerdeführer
in der ärztlichen Untersuchung bewusstseinsnah den Ein
druck des L
eidenden vermitteln wolle, sei nicht von der Hand zu weisen (S. 5).
4.4
In seinem Bericht vom 28. Juli 2014 (Urk. 7/89) führte Dr. C._ (vorstehend E. 3.3
) aus, die ganze Befundung leide am schlechten Kontakt und der einge
schränkten Mitteilungsfähigkeit des Beschwerdeführers (S.
5 oben). Der Verlauf und die klinische Akzentuierung liessen heute aber eher
eine psychotische De
kompensation an
nehmen
als eine schwere depressive Episode. Aufgrund der Begleitsymptoma
tik könne inzwischen eine chronische
Mischpsychose ange
nommen werden
(S. 5 f.)
.
Die
Prognose
sei ungünstig.
Mit einer Wiederherstel
lung der Arbeitsfähigkeit sei nicht zu rechnen (S. 6 oben). Das O
bservation
sma
terial
se
i
äusserst dürftig und
nicht beweiskräftig.
Es sei insbesondere a
uch nic
ht absonderlich, dass bei psychischen
Leiden Schwankungen in der Befind
lichkeit
aufträten (S. 6 unten).
Dass
d
er
Beschwerdeführer
alleine deutlich auto
nomer reagiere als
im Beisein der Ehefrau sei
trivial.
Sich auf die Hilfe eines Stärkeren zu stützen, sei ein normalpsychologisches Phänomen (S. 7 oben).
4.5
Am 18. September 2014 berichteten die Ärzte der Z._ über eine erste stationäre Behandlung des Beschwerdefüh
rers im Zentrum für Akute Psychiatrische Erkrankungen vom 29. Juli bis 5. September 20
14
(Urk. 7/140/16-20). Als Diagnosen nannten sie eine s
chwere
depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F32.3) sowie einen
Verdacht auf
eine
paranoide Schizophrenie
(ICD-10 F20.0)
.
Sie führten aus, der Beschwerdeführer sei auf Anraten der ihn begleitenden Ehefrau und Dr. C._s wegen eines psychotischen Zustandsbildes und Suizidalität vor dem Hinter
grund des Verdachts auf eine paranoide Schizophrenie in die Z._ eingetreten (S. 1 unten). Im stationären Umfeld sei er nach wenigen Tagen klar von einer Suizidalität distanziert gewesen. Die für ihn sehr belastende psychotische Symp
tomatik mit akustischen und visuellen Halluzinationen habe mittels neurolepti
scher Medikation gut eingestellt werden können (S. 3 Mitte).
Für
die
Abgren
zung
der an ein dementielles Geschehen erinnernden
Symptomatik sei
eine neu
ropsychologische
Testung durchgeführt worden
(vgl. hierzu Urk. 7/140/22-25)
.
Diese h
abe mit grosser Wahrscheinlichkeit Hinweise auf eine Aggravation der Einschrä
nkungen in der
Konzentration und
der Merkfähigkeit
sowie
dem
Ver
ständnis der Aufgaben ergebe
n (S. 3 unten
).
4.6
Am 8.
Oktober 2014 (Urk.
7/99)
berichtete Dr. C._, der
Zustand
des Be
schwerdeführers sei
tendenziell noch schlechter als vor
dem
(ersten) Eintritt in die Z._. U
nklar
bleibe, wievie
l Verweigerung oder Aggravation in diesem Zu
stand verborgen sei. Movens dahinter sei jedenfalls eindeutige Angst. Die Lage wirke unberechenbar gefährlich und die Ehefrau sei mit der Betreuung völlig überfordert sowie zunehmend verängstigt. Es bestehe unverändert eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit (S. 2 Mitte).
4.7
Am 27. Oktober 20
14
berichteten die Ärzte der
Z._
über eine
zweite stationäre Behandlung
des Beschwerdeführers vom 19. September bis 17. Oktober 20
14
(
Urk.
7/140/11-15). Sie führten aus, der Beschwerdeführer sei kurz nach der letzten Entlassung aufgrund einer Exazerbation der psychotischen Symptomatik mit Stimmenhören und soweit unklarer parasuizidaler Handlung - nach Anga
ben seiner Ehefrau sei er vom Balkon im ersten Stock gestiegen und direkt auf den nahegelegenen Fluss zumarschiert (vgl. S. 1 unten) - erneut durch Dr. C._ zugewiesen worden (S. 2 unten).
Als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Ärzte der Z._ in ihrem Bericht vom 15. Dezember 2014 (Urk. 7/106) eine schwere depres
sive Episode mit psychotischen Symptomen seit mindestens anfangs 2014 und einen Verdacht auf eine paranoide Schizophrenie (S. 2 oben). Sie führten aus, beim Beschwerdeführer
bestünden krankheitsbedingte Einschränkungen durch die depressive Erkrankung
und die psychotische
Symptomatik
. Es
fehle
ihm
die Möglichkeit, sich zu konz
entrieren und sich zu orientieren. Er sei affektiv schwankend und seine
Leistungsfähigkeit massiv herabgesetzt
(S. 4 unten)
. Möglicherweise bessere sich die Leistungsfähigkeit mittel- bis langfristig nach Etablierung einer festen Tagesstruktur für einen begrenzten Einsa
tz im ge
schützten Arbeitsmarkt (S. 5 unten).
Im ersten Arbeitsmarkt sei der Beschwerde
führer aufgrund der teils schwer depressiven/psychotischen Symptomatik auch auf längere Sicht nicht arbeitsfähig (S. 1 unten).
4.8
In ihrem Bericht vom 4. April 2015
über eine dritte
stationäre Behandlung
des Beschwerdeführers vom 27. Februar bis 4. April 2015 (Urk. 7/122) diagnostizier
ten die Ärzte der
Z._
eine p
aranoide Schizophrenie
, ICD-10 F20.0 (S. 1 Mitte)
.
Sie führten aus, die Zuweisung sei durch Dr. C._ erfolgt bei Selbstgefähr
dung aufgrund von exazerbiertem Stimmenhören und damit in Zusammenhang stehenden diffusen Ängsten (S. 1 unten). Unter der eingeleiteten Medikation mit Clozapin (vgl. S. 3 unten) sei insgesamt eine deutliche subjektive und objektive Zustandsverbesserung mit Rückgang der Positiv- und Negativsymptomatik zu verzeichnen gewesen (S. 4 oben).
4.9
Am 28. Oktober 2015 erstattete Dr.
med.
F._
, Facharzt für Innere Me
dizin sowie für Rheumatologie,
sein Fachgutachten im Auftrag der Beschwerde
gegnerin (
Urk.
7/147/1-62
). Er stützte sich
auf die ihm überlassenen
und weitere
Akten
samt Observationsunterlagen sowie die fremdanamnestischen Angaben der Ehefrau
(S.
6 ff
.
)
, die Angab
en des Beschwerdeführers (S. 39 ff
.) und die von ihm am
14. Oktober 2015 (S. 1 unten
) erhobenen Befunde (S.
43 ff.). Dr. F._ nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 50 oben):
-
unspezifische Rückenschmerzen bei
-
l
eichter Fehlstellung und Fehlform der Wirbelsäule
-
Haltungsinsuffizienz
-
Osteochondrose L5/S1
-
Diskushernie L4/5 und L5/S1 rechts (MRI 2007 und 2008)
Sodann nannte er folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (S. 50 Mitte):
-
unklares chronifiziertes Beschwerdebild mit/bei
-
Schmerzen und Schwäche im Bereich der Extremitäten rechts
-
Kopfschmerzen
-
multiplen unspezifischen Beschwerden
-
fehlendem organischem Korrelat
-
Adipositas Grad I
-
Nikotinabusus
Dr. F._ führte aus, generell habe der Beschwerdeführer ein wechselndes und demonstratives Bewegungsverhalten mit multiplen Selbstlimitierungen gezeigt (S. 57 unten). Es hätten Diskrepanzen bestanden zwischen den angegebenen Be
schwerden, den minimalen klinischen Befunden, die nicht einmal sicher patho
logisch seien, und den angegebenen Limitierungen. Letztere hätten sich auf
grund der Akten, der Angaben des Beschwerdeführers sowie der aktuellen Un
tersuchung nicht plausibilisieren lassen.
Wie bereits 2007 könn
t
e
n
aufgrund der heutigen Untersuchung keine Belast
ungslimiten plausibel definiert werden (S. 58). Medizinisch-theoretisch sei dem Beschwerdeführer aufgrund der objek
tivierbaren Degenerationen sowie den muskulären Defiziten die angestammte, körperlich schwere Tätigkeit als Bodenleger nicht mehr zumutbar. Eine ange
passte, körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit ohne Zwangshaltungen und ohne gehäufte Tätigkeiten in der Höhe sollten jedoch immer noch vollzeitig möglich sein (S. 59 oben, vgl. auch S. 51). Die Akten liessen seit 2008 keine we
s
entliche, objektivie
rbare Verschlechterung des somatischen Gesundheitszu
stands erkennen (S. 60 oben).
4.10
Am 2. November 2015 erstattete
Prof.
Dr.
med.
G._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie,
sein Fachgutach
ten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
7/147/66-176
), dies gestützt
auf die ihm überlassenen Akten samt Observationsunterlagen (S. 7
ff.), die Angaben des Beschwerdeführers (S.
81
ff.) und die von ihm am
26. Oktober 2015 (S.
1 unte
n) erhobenen Befunde (S. 90 ff.).
Prof. G._
führte keine psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkung a
uf die Arbeitsfähigkeit auf. A
ls psychiatrische Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannte er
einen
Verdacht auf eine nicht näher bezeichnete schizoaffektive Störung (ICD-10 F25.9) sowie einen Verdacht auf psychologi
sche Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Krankhei
ten, ICD-10 F54
(S. 107 oben).
Der Gutachter führte aus, aufgrund der durchgeführten Untersuchung, des vom Beschwerdeführer in der Untersuchung gezeigten Verhaltens, des Abgleichs mit den Observationsunterlagen und in Kenntnis der Vorakten könne er die Ein
schätzung durch Dr. E._ teilen. Der Beschwerdeführer habe beim Untersuch ein ähnlich bizarres Bild wie zu Beginn der Begutachtung durch Dr. E._ ge
zeigt. Das vorgetragene Verhalten sei im Gesamten nicht vereinbar mit einer psychiatrischen Störung, wie sie im ICD-10 beziehungsweise DSM-V klassifi
ziert werde. Er stimme mit Dr. E._ überein, dass aktuell keine schwere De
pression mehr zu diagnostizieren sei. Die vorgetragenen Gedächtnisstörungen seien in sich inkonsistent und entsprächen einer Pseudodemenz. Wie bei Dr. E._ seien auch in der aktuellen Untersuchung keine Erststrangsymptome einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis fassbar gewesen. Der Be
schwerdeführer habe nicht über Stimmenhören oder andere produktive Symp
tome geklagt. Eine somatoforme Schmerzstörung sei in Übereinstimmung mit Dr. E._ ebenfalls nicht zu diagnostizieren. Im Vordergrund gestanden habe wiederum eine hochgradige Selbstlimitation. Das Verhalten des Beschwerdefüh
rers habe bizarr gewirkt und sei bisher in dieser Form ausschliesslich in gut
achterlichen Situationen beschrieben worden (S. 99).
Im Vergleich zum rentenbegründenden Vorgutachten durch
Dr. D._
könne
aktuell keine schwere depressive Episode
mehr beschrieben werden und sei diesbezüglich eine Verbesserung des psychischen
Zustandsbildes
zu konstatie
ren (S. 100 oben).
Wie bereits Dr. E._ angemerkt habe, erschwere das bizarre Verhaltensmuster eine abschliessende psychiatrische Diagnostik und maskiere möglicherweise effektive Krankheitssymptome.
Objektiv fassbare handica
pierende Fähigkeitsstörungen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
seien
nicht mit absoluter Sicherheit festzustellen gewesen (S. 100 unten).
Die Aktenlage zur psychiatrischen Erkrankung des Beschwerdeführers s
e
i
höchst divergent
(S. 102 Mitte)
.
E
ine affektiv-wahnhafte Störung
könne
nicht ausge
schlossen werden. Warum diese in gutachterlichen Situationen nicht fassbar werde und sich hingegen
dramatisch
beim behandelnden Psychiater darstelle, bleibe unklar
(S. 102 unten)
.
Das b
iza
rre
Verhalten
des Beschwerdeführers
ve
r
unmögliche leider eine exakte psychiatrische
Diagnosestellung.
Es gelinge aber, allfällige schwere Krankheitsbilder wie eine schwere Depression auszuschliessen (S. 103 oben).
A
ffektiv depressive Symptome seien
in der Untersuchung nicht fassbar gewesen (S. 103 Mitte)
. Gemäss Aktenlage könne eine gemischt affek
tiv-wahnhafte Störung nicht mit Sicherheit ausgeschlossen, aber auch nicht be
stätigt werden.
Im Abgleich mit den Observationsunterlagen, unter Berücksich
tigung des Verhaltens des Beschwerdeführers in Begutachtungssituationen so
wie multipler Inkonsistenzen seien berechtigte Zweifel an einer psychiatrischen Erkrankung anzumelden. Die «Ausgestanztheit» des bizarren Verhaltens in Be
gutachtungssituationen lasse an eine zumindest teilweise bewusstseinsnahe Ausgestaltung (Malingering) denken (S. 103 unten). Ein sicher nachvollziehba
rer psychischer Gesundheitsschaden könne nicht beschr
i
eben
, jedoch auch nicht aus
geschlo
ssen
werden (S. 104 Mitte).
4.11
In der bidisziplinären Zusammenfassung vom 2. November 2015 (Urk. 7/147/63-65) nannten Prof. G._ und Dr. F._ die in ihren Fachgut
achten (vorstehend E. 4.9-10) gestellten Diagnosen mit und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und attestierten dem Beschwerdeführer in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit. In einer adaptierten, körper
lich leichten bis mittelschweren Tätigkeit ohne Zwangshaltungen und häufiges Hantieren über Schulterhöhe erachteten sie eine volle Einsetzbarkeit als gegeben (S. 3).
4.12
In seiner Stellungnahme vom 26. November 2015 (Urk. 7/154/7-8) ging der RAD-Arzt gestützt auf das eingeholte bidisziplinäre Gutachten von einer Ver
besserung des psychischen Gesundheitszustands aus, dies seit April 2014 (Gut
achten Dr. E._) oder sogar seit dem Zeitpunkt der Observation.
4.13
Am 3. November 2016 berichteten die Ärzte der Z._ über einen stationären Aufenthalt vom 22. September bis 20. Oktober 2016 (Urk. 3/3). Sie führten aus, der Beschwerdeführer sei freiwillig, auf Zuweisung des ambulanten Psychiaters, vor dem Hintergrund einer Verschlechterung einer bekannten paranoiden Schi
zophrenie in die Klinik eingetreten (S. 1 unten). Das von der Ehefrau berichtete nächtliche Aufstehen und Nach-draussen-Drängen beziehungsweise Sich-aus-dem-Fenster-stürzen-Wollen habe während der gesamten Hospitalisation nie festgestellt werden können (S. 4 unten). Aufgrund der fraglichen psychotischen Symptomatik, welche unter anderem durch die Suggestibilität des Beschwerde
führers relativiert worden sei (beispielsweise habe man ihn fragen können, ob er manchmal auch einen Geist sehe, was er sogleich und dezidiert mit «ja» beant
wortet habe), und wegen des fehlenden Ansprechens auf sämtliche bislang ver
abreichten Neuroleptika sei von einer weiteren antipsychotischen Medikation abgesehen worden (S. 5 Mitte).
4.14
Am 9. November 2016 berichteten die Ärzte der Z._, Zentrum für Integrative Psychiatrie, über einen stationären Aufenthalt vom 20. Oktober bis 11. November 2016 (Urk. 3/4). Sie führten aus, die einzige antipsychotische Me
dikation sei in der Z._, Zentrum für Akute Psychiatrische Erkrankungen, aus unbekannten Gründen gestoppt worden. Die antipsychotische Medikation sei etabliert worden. Es sei im Verlauf zu einer geringen Verbesserung der Symp
tomatik gekommen. Es hätten sich zu keinem Zeitpunkt Gefährdungsaspekte gezeigt.
4.15
In seiner Stellungnahme vom 10. April 2017 merkte Dr. C._ zum Gutachten von Prof. G._ an (Urk. 11), er habe den Beschwerdeführer in wesentlichen Facetten nicht so leicht wiedererkannt. Er halte einige vom Gutachter festge
stellte Befunde in sich nicht für konsistent. Die zusammenfassende Beurteilung zeige genau das, was für den psychiatrischen Gutachter oft das verleugnete Problem darstelle, er sehe aus einem weitgefächerten Spektrum einen äusserst begrenzten Ausschnitt und sollte daraus auch noch ein diagnostisches Bild for
men (S. 3 f.). Aus Verlauf und klinischer Akzentuierung der Symptome liesse sich eine psychotische Dekompensation annehmen. Aufgrund der Begleitsymp
tomatik könne eine chronische Mischpsychose (ICD-10 F25.10) angenommen werden (S. 10 Mitte).
5.
5.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung entbehren durch die IV-Stelle ver
anlasste Überwachungen einer genügenden gesetzlichen Grundlage (BGE 143 I 377 E. 4). Gleich verhält es sich wohl mit - wie vorliegend - durch einen ande
ren Versicherungsträger veranlasste, der IV-Stelle zur Verfügung gestellte Überwachungen.
Deren Ergebnisse im Einzelfall sind indessen nicht von vorn
herein unverwertbar.
Für den Entscheid über die Verwertbarkeit des rechtswid
rig erlangten Beweises ist hauptsächlich die Interessenabwägung zwischen pri
vaten und öffentlichen Interessen massgebend (E. 5.1.1). Im Sozialversiche
rungsrecht herrscht ein absolutes Verwertungsverbot insoweit, als es sich um Beweismaterial handelt, das im nicht öffentlich frei einsehbaren Raum zusam
mengetragen worden ist (E. 5.1.3).
Vorliegend
handelt es sich um (unbeeinflusste) Handlungen des Beschwerdefüh
rers, die im öffentlichen Raum aufgenommen wurden
. Die Überwachung fand während zwei Zyklen mit einer Dauer von einmal 2 Monaten und einmal einer Woche statt (vgl. Urk. 7/77). Sie war insgesamt
auf
14
Tage
begrenzt, wobei
der Beschwerdeführer an 7 Tagen ausserhalb seines Wohnortes beobachtet werden konnte. D
ie einzelnen Überwachungsphasen
dauerten
zwischen
einer Viertel
stunde
und
9 1/4
Stunden
(vgl. Urk. 8/3)
. Der Beschwerdeführer war somit we
der einer systematischen noch ständigen Überwachung ausgesetzt und erlitt in dieser Hinsicht einen relativ bescheidenen Eingriff in seine grundrechtliche Po
sition. Stellt man diesen Aspekten das erhebliche und gewichtige öffentliche In
teresse an der Verhinderung des Versicherungsmissbrauchs (vgl. dazu Urteil 8C_239/2008
des Bundesgerichts
vom 1
7.
Dezember 2009 E. 6.4.1
Abs.
2 und dortige Hinweise) entgegen, ergibt sich, dass der vorliegende Observationsbe
richt (inklusive Fotodokumentation und Videoaufnahmen) in die Beweiswürdi
gung miteinbezogen werden k
an
n.
Der Verwertbarkeit steht somit nichts entgegen. Unter diesen Umständen ist es auch nicht zu beanstanden, dass die Gutachter
Dr. F._ und Prof. G._
die Observationsergebnisse – nebst zahlreichen weiteren Aspekten – in ihre Beurtei
lung miteinfliessen liessen.
5.2
In somatischer Hinsicht hat sich laut Gutachter Dr. F._ (E. 4.9) unbestritte
nermassen keine Veränderung des Gesundheitszustands ergeben, und es ist da
von auszugehen, dass der Beschwerdeführer allein aus somatischen Gründen nur noch in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist.
5.3
Betreffend den psychischen Gesundheitsschaden stützte sich die Beschwerde
gegnerin auf das psychiatrische Gutachten von Prof. G._ (E. 4.10). Dieses ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf der medizinischen Proble
matik entsprechenden allseitigen Untersuchungen und wurde in Berücksichti
gung der geklagten Beschwerden und in Kenntnis der Aktenlage abgegeben. Schliesslich leuchtet es in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und ist nachvollziehbar begründet, indem insbesondere angesichts des bizarren Verhaltens des Be
schwerdeführers anlässlich der Begutachtung darauf hingewiesen wurde, dass eine exakte psychiatrische Diagnosestellung unmöglich sei. Was der Beschwer
deführer gegen das Gutachten vorbrachte (Urk. 1 S. 19 Ziff. 7), vermag es nicht zu entkräften.
5.4
Es trifft keinesfalls zu, dass Prof. G._ unbesehen eine gesundheitliche Ein
schränkung insgesamt verneinte. Viel mehr wies er darauf hin, dass das vom Beschwerdeführer vorgetragene Verhalten im Gesamten nicht vereinbar sei mit einer psychiatrischen Störung, wie sie im ICD-10 beziehungsweise DSM-V klas
sifiziert werde, und äusserte den Verdacht auf eine nicht näher bezeichnete schizoaffektive Störung, ICD-10 F25.9, sowie auf psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Krankheiten, ICD-10 F54. Prof. G._ legte differenziert dar, weshalb berechtigte Zweifel an einer psychiat
rischen Erkrankung anzumelden seien, und wies auf eine erhebliche Diskrepanz der beschriebenen psychopathologischen Bilder zwischen dem Behandler und in den Begutachtungssituationen bei Dr. F._ und Dr. E._ hin. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers kann dem Gutachter nicht angelastet werden, dass er auf Ungereimtheiten keine Erklärungen abgab, die sich aus seiner Sicht nicht erklären liessen, wies er doch auf seinen Erklärungsnotstand hin. Sein Unvermögen, das bizarre Verhalten des Beschwerdeführers zu durchschauen und diagnostisch einem Krankheitsbild zuzuordnen, gestand er offen ein und gab gleichzeitig seiner Befürchtung Ausdruck, dass hierdurch psychopathologi
sche Symptome verborgen bleiben könnten, und schloss nicht aus, dass eine psychiatrische Erkrankung auf der Grundlage eines international anerkannten psychiatrischen Klassifikationsschemas vorliegen könnte.
5.5
Das von Prof. G._ beobachtete Verhalten des Beschwerdeführers deckt sich im Wesentlichen mit dem von Dr. E._ beobachteten Verhalten (E. 4.2). Sie stellte ohne Kenntnis des Observationsmaterials fest, dass die stark zur Schau gestellten Beeinträchtigungen die Feststellung effektiver Krankheitssymptome erschwerten, und die diagnostische Einschätzung insgesamt nicht zweifelsfrei und zwanglos nach ICD-10 vorgenommen werden könne. Sie fand zahlreiche Hinweise auf Selbstlimitation und Diskrepanzen in den Angaben, was ihr die Einschätzung des Leidens, insbesondere des Schweregrads, erheblich erschwerte. Auch sie befürchtete, dass effektiv vorhandene Symptome möglicherweise mas
kiert würden.
5.6
Insoweit der Beschwerdeführer monierte, Prof. G._ habe keine fremd
anamnestischen Abklärungen vorgenommen, insbesondere habe er keine Rück
sprache mit dem behandelnden Dr. C._ und den Ärzten der Z._ genommen, ist ihm entgegenzuhalten, dass dem Gutachter sämtliche Berichte der behan
delnden Ärzte bis auf diejenigen Berichte, die erst nach der Begutachtung er
stattet wurden (E. 4.13-15), vorlagen und er dazu ausführlich Stellung nahm. Bezeichnenderweise vermochte auch Dr. C._ (E. 4.15), der den Beschwerde
führer seit Jahren behandelt, das Verhalten des Beschwerdeführers anlässlich der Begutachtungen nur in der Theorie zu erklären, und er minderte die psychi
atrische Einschätzung durch Prof. G._ in verallgemeinernder Weise als oberflächlich herab. Was die Berichte der Z._ (E. 4.5, 4.7-8 und 4.13-14) an
geht, kann diesen entnommen werden, dass zumindest während des ersten sta
tionären Aufenthaltes (E. 4.5) Unsicherheiten in der Diagnostik aufgetreten wa
ren, weshalb eine neuropsychologische Testung durchgeführt wurde. Diese ergab mit grosser Wahrscheinlichkeit Hinweise auf eine Aggravation der Ein
schränkungen in der Konzentration und der Merkfähigkeit sowie dem Ver
ständnis der Aufgaben. Eine Auseinandersetzung mit diesen Ergebnissen fand im Bericht indessen nicht statt, jedoch stellten die Ärzte der Z._ im Austrittsbe
richt vom 3. November 2016 (E. 4.13) fest, dass die fragliche psychotische Symptomatik unter anderem durch die Suggestibilität des Beschwerdeführers relativiert und von der Weiterführung der antipsychotischen Medikation abge
sehen worden sei.
5.7
Im Vergleich zum Gutachten von Dr. D._ (E. 3.4), auf welches sich die Be
schwerdegegnerin bei der erstmaligen Rentenzusprache stützte, liegt beim Be
schwerdeführer spätestens seit der Begutachtung durch Prof. G._ (Gutach
ten vom 2. November 2015) eine Veränderung des Gesundheitszustandes in dem Sinne vor, als keine auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose mehr erhoben werden kann, und damit die Voraussetzungen eines psychischen Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG nicht mehr gegeben sind. Da
ran ändert auch der Umstand nichts, dass Prof. G._ einräumte, dass ein psychischer Gesundheitsschaden nicht sicher ausgeschlossen werden könne, trägt der Beschwerdeführer doch die Beweislast dafür, dass ein psychischer Ge
sundheitsschaden nicht mehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewie
sen ist (BGE 117 V 261 E. 3b).
Nachdem der Beschwerdeführer diesen Umstand nicht gemeldet hatte, machte er sich einer Meldepflichtverletzung schuldig.
6.
6.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Valideneinkommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Laut Arbeitgeberbericht der Y._ AG vom 6. Februar 2008 (Urk. 7/21) hätte der Beschwerdeführer im Jahr 2008 ohne Gesundheitsschaden ein Jahreseinkommen von Fr. 83'070.-- erzielen können (Ziff. 2.11). Unter Be
rücksichtigung der Entwicklung der Nominallöhne der Männer von 2'092 Punk
ten im Jahr 2008 und 2'226 Punkten im Jahr 2015 (BFS, Entwicklung der No
minallöhne, T 39) ergibt dies ein Valideneinkommen von Fr. 88’391.-- im Jahr 2015.
6.2
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtspre
chung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik (BFS) periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Ta
bellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der ak
tuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalidenein
kommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Ein
zelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth, IVG, 3. Aufl., N 55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Das durchschnittliche Einkommen für Männer im untersten Kompetenzniveau betrug im Jahr 201
4
Fr.
5'
312.-- (LSE 2014
TA1_triage-skill-level
Ziff.
05-96). Unter Berücksichtigung einer betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden (BSF, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen) ergibt dies unter Berücksichtigung der Entwicklung der Nominallöhne der Män
ner von 2’
220 Punkten im Jahr 2014
und 2’
226
Punkten im Jahr 201
5
(BFS, a.a.O.)
ein hypothetisches Jahreseinkommen von Fr.
66'633.
-- im Jahr 201
5. Verglichen mit dem Valideneinkommen von Fr. 88’391.-- resultiert eine Einkommensdifferenz von Fr. 21'758.-- beziehungsweise ein Invaliditätsgrad von 24.6 %. Daraus erwächst kein Rentenanspruch.
6.3
Zusammenfassend sind die Rentenleistungen rückwirkend per 1. Dezember 2015 einzustellen.
7.
Laut dem betreffend Invalidenrente unbestritten gebliebenen (Teil-)Gutachten von Dr. F._ leidet der Beschwerdeführer an unspezifischen Rückenschmerzen, einem unklaren chronifizierten Beschwerdebild mit Schmerzen und Schwäche im Bereich der Extremitäten rechts, Kopfschmerzen und multiplen unspezifi
schen Beschwerden bei fehlendem organischen Korrelat. Dr. F._ stellte sich auf den Standpunkt, dass dem Beschwerdeführer eine angepasste, körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit ohne Zwangshaltungen und ohne gehäufte Tätigkeiten in der Höhe zu 100 % zumutbar seien (E. 4.9).
Auch wenn sich Dr. F._ nicht zu einer allfälligen Hilflosigkeit in den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen äussert, ist aus seinem Bericht unschwer zu erkennen, dass der Beschwerdeführer in den körperlichen Funktionen nicht ein
geschränkt ist. Was die Einschränkung der geistigen Funktionen betrifft, ist eine solche nicht ausgewiesen (vgl. vorstehende E. 5). Somit liegt beim Beschwerde
führer die Grundvoraussetzung für den Anspruch auf Hilflosenentschädigung, nämlich die Einschränkung der körperlichen und/oder geistigen Funktionen, nicht vor, weshalb die Beschwerdegegnerin das Leistungsbegehren zu Recht ab
gewiesen hat.
8.
Nach dem Dargelegten sind die Beschwerden in dem Sinne teilweise gutzuheis
sen, dass der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente per 1. Dezember 2015 aufzuheben ist.
9.
9.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr
. 1’000
.-- anzusetzen.
Entsprechend dem Ausgang des Verfah
rens sind dem Beschwerdeführer 3/4 und der Beschwerdegegnerin 1/4 der Kos
ten aufzuerlegen.
9.2
Nach
Art.
61 lit. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht
(GSVGer)
hat die obsiegende beschwerdeführende Person Anspruch auf den vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Be
deutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeit
aufwand und den Barauslagen festzusetzenden Ersatz der Parteikosten. Der teilweise obsiegende vertretene Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine
um 3⁄4 reduzierte
Parteientschädigung, die vorliegend beim praxisgemässen Stunden
ansatz von
Fr.
220.-- (zu
züglich Mehrwertsteuer) auf Fr. 600
.-- (inklusive Bar
auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen ist.