Decision ID: c343805b-8815-5086-bd72-50d98823be08
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer stellte am 27. September 2021 ein Asylgesuch in
der Schweiz. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank
Eurodac ergab, dass er am 7. Oktober 2020 in Bulgarien um Asyl ersucht
hatte. Anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 7. Oktober 2021 gab er an, er
sei in Bulgarien gewesen, habe aber kein Asylgesuch gestellt. Er sei nach
Deutschland weitergereist. Dort seien seine Fingerabdrücke abgenom-
men, er sei interviewt und sein Asylgesuch abgelehnt worden. Am 27. Sep-
tember 2021 sei er in die Schweiz eingereist. Die Vorinstanz gewährte ihm
das rechtliche Gehör zur möglichen Zuständigkeit Bulgariens sowie
Deutschlands und zur Wegweisung dorthin.
Der Beschwerdeführer reichte eine Kopie seiner irakischen Identitätskarte
ein. Im Weiteren liegen eine migrationsmedizinische Abklärung vom
30. September 2021, eine medizinische Verlaufsabklärung vom 30. Sep-
tember 2021 und 10. Oktober 2021, ein medizinisches Verlaufsblatt vom
12. Oktober 2021 bis 2. November 2021, einen Arztbericht vom 13. Okto-
ber 2021 von Dr. med. B._, C._, sowie ein PCR-Testergeb-
nis vom 1. November 2021 in den Akten.
B.
Gestützt auf den Eurodac-Abgleich und die Angaben des Beschwerdefüh-
rers ersuchte die Vorinstanz am 7. Oktober 2021 die bulgarischen Behör-
den um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b
der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur
Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).
Am 21. Oktober 2021 hiessen die bulgarischen Behörden das Übernahme-
ersuchen im Sinne von Art. 18 Abs. 1Bst d Dublin-III-VO gut.
C.
Mit Verfügung vom 15. November 2021 (eröffnet am 17. November 2021)
trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein,
ordnete dessen Wegweisung nach Bulgarien an und forderte ihn auf, die
Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Zudem
stellte sie fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme
keine aufschiebende Wirkung zu. Ferner wurden die editionspflichtigen Ak-
ten gemäss Aktenverzeichnis ausgehändigt.
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D.
Am 24. November 2021 erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerde. Er beantragte, es sei die Verfügung der
Vorinstanz vom 15. November 2021 vollumfänglich aufzuheben und sie sei
anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten. Eventualiter sei die ange-
fochtene Verfügung zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung an die
Vorinstanz zurückzuweisen, da eine vertiefte Abklärung seines medizini-
schen Sachverhalts fehle. Im Sinne einer vorsorglichen Massnahme sei
der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und
die Vollzugsbehörde unverzüglich anzuweisen, von seiner Überstellung
nach Bulgarien abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Er-
teilung der aufschiebenden Wirkung entschieden habe. Es sei ihm die un-
entgeltliche Prozessführung zu gewähren und von der Erhebung eines
Kostenvorschusses abzusehen.
E.
Am 25. November 2021 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovi-
sorischen Vollzugsstopp an.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs-
gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu-
ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist zur
Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3
AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
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Seite 4
2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb
sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines
zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e
AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-
scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer rügt eine unvollständige Abklärung des rechts-
erheblichen Sachverhaltes sowie eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
und der Begründungspflicht. Hierbei handelt es sich um formelle Rügen,
welche vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kas-
sation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
3.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG gerügt werden. Unrichtig ist
die Sachverhaltsfeststellung beispielsweise dann, wenn der Verfügung ein
aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt
wurde. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde
trotz der geltenden Untersuchungsmaxime (Art. 12 ff. VwVG) den Sachver-
halt nicht von Amtes wegen abgeklärt, oder nicht alle für den Entscheid
wesentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl. Benjamin Schindler,
in: Kommentar zum VwVG, 2. Aufl. 2019, Art. 49 N. 29).
Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör,
welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei ein-
zuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur
Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1).
Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Be-
gründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65
E. 5.2).
3.3 Der Beschwerdeführer rügt, die Sache sei wegen unvollständiger Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzu-
weisen. Obwohl gesundheitliche Probleme diagnostiziert worden seien,
habe es die Vorinstanz unterlassen, weitere Abklärungen von einem Fach-
spezialisten zu veranlassen. Bei der Diagnose vom 13. November 2021 sei
unklar, durch wen diese erfolgt sei. Zudem würde kein Arztbericht betref-
fend seine Suizidandrohungen vorliegen.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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Seite 5
Am 30. September 2021 fand eine migrationsmedizinische Abklärung statt,
der zu entnehmen ist, dass sich der Beschwerdeführer nicht krank fühle,
indes bei Magenbrennen Pantaparazol und MCP Stada einnehme. Anläss-
lich des Dublin-Gesprächs vom 7. Oktober 2021 gab der Beschwerdefüh-
rer an, er habe Kopfschmerzen, Schmerzen am ganzen Körper, insbeson-
dere am Arm, und leide an Schlafstörungen. Zudem drohte er mit Suizid.
Ab dem 30. September 2021 suchte er die Dienste des Pflegefachperso-
nals auf und liess sich Medikamente gegen Magenbeschwerden und
Schlafprobleme geben. Entgegen seiner Ansicht in der Beschwerde liegt
ein Arztbericht von Dr. med. B._, C._, vom 13. Oktober
2021 vor, wonach ihm Schlafstörungen bei psychophysischer Belastung
sowie eine (Stress-)Gastritis bei Nikotinabusus diagnostiziert und Medika-
mente verschrieben wurden. Den medizinischen Verlaufsblättern mit Ein-
trägen vom 30. September bis 2. November 2021 sind keine Vermerke be-
treffend Suizidabsichten zu entnehmen (vgl. SEM-Akte 1110322-23/6
[A23], im Aktenverzeichnis als vom Beschwerdeführer bekannte Akten pa-
giniert). Gemäss Rückmeldung der medizinischen Betreuung vom 15. No-
vember 2021 (vgl. A25) waren keine weiteren Arzttermine geplant. Die Vo-
rinstanz war angesichts dieser Umstände nicht gehalten, weitere medizini-
sche Abklärungen zu veranlassen. Sie hat den rechtserheblichen Sachver-
halt somit richtig und vollständig festgestellt.
3.4 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe seinen An-
spruch auf rechtliches Gehör verletzt. Seinem Rechtsvertreter sei kein
Arztbericht vorgelegt worden, weshalb es diesem nicht möglich gewesen
sei, im vorinstanzlichen Verfahren einen Antrag auf weitere medizinische
Abklärungen zu stellen.
Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer die medizinischen
Unterlagen erhalten und an seinen Rechtvertreter weitergeleitet hat (vgl.
Klassierung der A23 im Aktenverzeichnis). Im Dublin-Verfahren ist zudem
keine Einladung zu einer Stellungnahme vor dem Entscheid durch das
SEM vorgesehen (vgl. Art. 102j und 102k AsylG a contrario). Auch hat der
zugewiesene Rechtsvertreter kein Akteneinsichtsgesuch gestellt. In der
Beschwerde war es ihm zudem möglich, die Verfügung sachgerecht anzu-
fechten, da ihm die medizinischen Berichte vorlagen. Eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs liegt somit nicht vor.
3.5 Der Beschwerdeführer moniert, die Vorinstanz habe die Begründungs-
pflicht verletzt, indem sie seine Rücküberstellung nach Bulgarien nur mit
dem generellen Verweis, er habe keine konkreten Hinweise dartun können,
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Seite 6
Bulgarien würde die ihm zustehenden minimalen Lebensbedingungen vor-
enthalten, begründet und sich nicht mit seinen medizinischen Unterlagen
auseinandersetzt habe.
Die Vorinstanz hat sich in der Begründung ausführlich zu seinen gesund-
heitlichen Problemen und den völkerrechtlichen Verpflichtungen Bulgari-
ens geäussert und die aktuelle Rechtsprechung des Bundesverwaltungs-
gerichts zur Wegweisung nach Bulgarien im Rahmen des Dublin-Verfah-
rens zitiert. Es liegt somit keine Verletzung der Begründungspflicht (Art. 35
Abs. 1 VwVG) vor.
3.6 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-
begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfü-
gung aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das
entsprechende Rechtsbegehren ist somit abzuweisen.
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-
gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals
ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des
Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich
keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr
statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1).
Die bulgarischen Behörden stimmten dem Übernahmeersuchen der Vor-
instanz innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO festgelegten Frist zu. Die
Zuständigkeit Bulgariens ist somit grundsätzlich gegeben und wird in der
Rechtsmitteleingabe auch nicht bestritten.
4.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den als zuständig
bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche Gründe für die
Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
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Seite 7
Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-
sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-
lung im Sinne des Artikels 4 der EU–Grundrechtecharta mit sich bringen,
so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat die Prüfung der in Ka-
pitel III vorgesehenen Kriterien fort, um festzustellen, ob ein anderer Mit-
gliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. Kann keine Überstellung
gemäss diesem Absatz an einen aufgrund der Kriterien des Kapitels III be-
stimmten Mitgliedstaat oder an den ersten Mitgliedstaat, in dem der Antrag
gestellt wurde, vorgenommen werden, so wird der die Zuständigkeit prü-
fende Mitgliedstaat der zuständige Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-
VO).
4.4 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-
nannte Selbsteintrittsrecht wird durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1
vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss dieser
Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen
auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat
zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche Überstellungshinder-
nisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (BVGE 2015/9 E. 8.2.1).
5.
5.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, dass er beim Grenzübertritt nach Bul-
garien unter prekären Bedingungen 30 Tage inhaftiert und unter Gewaltan-
wendung gezwungen worden sei, Dokumente zu unterschreiben. Er habe
somit am eigenen Leib erlebt, unter welchen Umständen Asylsuchenden in
Bulgarien der Zugang zum Asylverfahren durch Inhaftierung verwehrt
werde. Er leide an Kopfschmerzen und sein rechter Arm würde ihm durch
die Schläge durch die bulgarischen Beamten Schmerzen bereiten. Auf-
grund des Erlebten komme er nicht zur Ruhe. In Bulgarien sei ihm jeglicher
Zugang zu medizinischer Hilfe verweigert worden. Das bulgarische Asyl-
verfahren und Aufnahmesystem würden systemische Mängel aufweisen.
5.2 Bulgarien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
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Seite 8
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-
kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben. Das Bundesverwaltungsgericht geht nach ausführli-
cher Lageanalyse davon aus, dass das bulgarische Asylsystem trotz Be-
stehens von Unzulänglichkeiten keine systemischen Mängel aufweist (vgl.
Referenzurteil F-7195/2018 vom 11. Februar 2020 E. 6 ff.). Der Beschwer-
deführer bringt nichts vor, das Anlass zur Änderung der Rechtsprechung
geben könnte. Eine Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist daher
nicht gerechtfertigt.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, eine vertiefte Auseinanderset-
zung mit der Lage in Bulgarien und eine Abklärung seines Gesundheitszu-
standes würden ergeben, dass er eine vulnerable Person sei und ihm bei
einer Überstellung nach Bulgarien eine Verletzung von Art. 3 EMRK drohe.
Die Schweiz habe daher ihr Recht auf Selbsteintritt auszuüben.
6.2 Hinsichtlich der Lage in Bulgarien kann auf Erwägung 5.2 verwiesen
werden. Gemäss Arztbericht vom 13. Oktober 2021 leidet der Beschwer-
deführer an Schlafstörungen bei psychischer Belastung sowie
(Stress-)Gastritis bei Nikotinabusus. In der Beschwerde äusserte er Suizid-
absichten. Nach Rechtsprechung des Bundesgerichts und des Bundesver-
waltungsgerichts stellt Suizidalität kein Vollzugshindernis dar (Urteil des
BGer 2C_856/2015 vom 10. Oktober 2015 E. 3.2.1; Urteile des BVGer
E-1770/2021 vom 29. April 2021 E. 10.1; F-21/2021 vom 25. Februar 2021
E. 9.2). Seine gesundheitlichen Probleme sind damit jedoch nicht derart
gravierend, als dass eine Überstellung nach Bulgarien eine tatsächliche
Gefahr (real risk) einer Verletzung von Art. 3 EMRK mit sich bringen würde
(vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung des EGMR
sowie Urteil des EGMR P. gegen Belgien vom 13. Dezember 2016
[Nr. 41738/10]). Sollte er dennoch nach der Rückkehr nach Bulgarien eine
medizinische Behandlung benötigen, so ist darauf hinzuweisen, dass Bul-
garien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt. Die Mit-
gliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellern die erforderliche medizini-
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sche Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt er-
forderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Stö-
rungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 der Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/33/EU vom 26. Juni 2013
zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internati-
onalen Schutz beantragen [sog. Aufnahmerichtlinie]). Antragstellenden mit
besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische oder sonstige
Hilfe, einschliesslich psychologischer Betreuung, zu gewähren (Art. 19
Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise vor, wonach Bulga-
rien dem Beschwerdeführer eine adäquate medizinische Behandlung ver-
weigern würde. Es droht keine Verletzung von Art. 3 EMRK, weshalb die
Schweiz nicht zum Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO verpflich-
tet ist. Auch humanitäre Gründe i.S.v. Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 liegen nicht
vor. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei
der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über
einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Das Gericht be-
schränkt seine Beurteilung im Wesentlichen darauf, ob das SEM den Sach-
verhalt diesbezüglich korrekt und vollständig erhoben, allen wesentlichen
Umständen Rechnung getragen und seinen Ermessensspielraum korrekt
ausgeübt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a und b AsylG). Die angefochtene
Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbeson-
dere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder
ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen Das
Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserun-
gen.
6.3 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er-
messenklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Folglich ist auch sein Antrag von
den bulgarischen Behörden Garantien betreffend Zugang zum Asylverfah-
ren, angemessene Unterbringung und (medizinische) Versorgung einzuho-
len, abzuweisen. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass die Dub-
lin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prü-
fenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3).
6.4 Somit bleibt Bulgarien der für die Behandlung der Asylgesuche des Be-
schwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO. Bulgarien
ist verpflichtet, das Asylverfahren gemäss Art. 23 ff. und Art. 29 Dublin-III-
VO wiederaufzunehmen.
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7.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Mit dem vorliegen-
den Urteil fällt der am 25. November 2021 angeordnete Vollzugsstopp da-
hin. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist gegen-
standslos geworden.
8.
8.1 Die Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ungeachtet einer allfälli-
gen prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
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