Decision ID: b5408894-c42b-515e-9853-9ffb2efe5b9c
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der am (...) 1968 geborene, französische Staatsangehörige A._
(nachfolgend: Beschwerdeführer) war in den Jahren 1998 bis 2015 als
Grenzgänger bei der B._ AG in (...) erwerbstätig und leistete Bei-
träge an die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversi-
cherung (AHV/IV; Akten der Vorinstanz [act.] 3 S. 2 f., 5 S. 2 f., 8 S. 2). Zu-
letzt war er in der Funktion als Finance Manager tätig (act. 12 S. 2). Am
7. August 2015 meldete sich der Beschwerdeführer bei der IV-Stelle des
Kantons C._ zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
an und nannte als gesundheitliche Beeinträchtigung ein schweres Burnout
(act. 1). Mit Mitteilung vom 11. Februar 2016 teilte die IV-Stelle des Kan-
tons C._ dem Beschwerdeführer mit, dass zurzeit keine Eingliede-
rungsmassnahmen durchgeführt würden und der Anspruch auf eine Rente
geprüft werde (act. 22). Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens
(act. 53 ff.) wies die IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA (nachfol-
gend: Vorinstanz) mit Verfügung vom 7. Februar 2018 das Leistungsbe-
gehren des Beschwerdeführers ab. Zur Begründung führte sie im Wesent-
lichen aus, nach fachärztlicher Beurteilung hätten die Persönlichkeitsstö-
rung und die Neurasthenie keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. So-
dann führe eine mittelgradige bis leichte depressive Episode nicht zu einer
Invalidität, wenn sie therapierbar sei. Im Fall des Beschwerdeführers habe
sich nach der stationären Therapie eine Besserung ergeben. Die Ausfüh-
rung der bisherigen Tätigkeit sowie jeglicher anderer Tätigkeiten seien im
Pensum von 100 % zumutbar (act. 64).
B.
Gegen die Verfügung vom 7. Februar 2018 erhob der Beschwerdeführer
mit Eingabe vom 14. Februar 2018 Beschwerde beim Bundesverwaltungs-
gericht und beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 7. Februar 2018
und die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente ab August 2016 [recte:
Mai 2016; vgl. Beschwerdebegründung], unter o/e-Kostenfolge. Zur Be-
gründung machte der Beschwerdeführer insbesondere geltend, die bislang
von der Vorinstanz vorgenommenen Abklärungen würden der neuen bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung, wonach sämtliche psychischen Erkran-
kungen einem strukturierten Beweisverfahren zu unterziehen seien, nicht
genügen. Ferner sei im Gutachten vom 21. Oktober 2016 praktisch
1 1⁄2 Jahre nach dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit bestätigt worden, dass
der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsunfähig sei. Daher sei ihm gemäss
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Art. 28 und Art. 29 IVG spätestens ab Mai 2016 eine Rente auszurichten
(vgl. Akten im Beschwerdeverfahren [BVGer act.] 1).
C.
Der Beschwerdeführer wurde mit Zwischenverfügung vom 16. Februar
2018 aufgefordert, einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.– bis
zum 19. März 2018 der Gerichtskasse zu überweisen (BVGer act. 3). Der
einverlangte Kostenvorschuss ging am 26. Februar 2018 in der Gerichts-
kasse ein (BVGer act. 5).
D.
D.a Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 26. April 2018 die
Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung der angefochtenen Ver-
fügung. Dabei verwies sie zudem auf die Stellungnahme der IV-Stelle des
Kantons C._ vom 19. April 2018 (BVGer act. 7).
D.b Mit Instruktionsverfügung vom 4. Mai 2018 wurde die Vernehmlassung
der Vorinstanz vom 26. April 2018 samt Stellungnahme der IV-Stelle des
Kantons C._ vom 19. April 2018 zurückgesendet, da es sich bei der
in der Stellungnahme vom 19. April 2018 thematisierten F. S. um eine Frau
mit einem anderen Geburtsdatum und einem anderen Anmeldedatum zum
Bezug von IV-Leistungen gehandelt hatte (BVGer act. 8).
D.c In der Folge beantragte die Vorinstanz mit Vernehmlassung vom
31. Mai 2018, die Beschwerde sei teilweise gutzuheissen, dem Beschwer-
deführer sei ab 1. Mai 2016 bis 31. Mai 2017 eine befristete ganze Invali-
denrente zuzusprechen, eventualiter sei die Beschwerde abzuweisen. Da-
bei verwies sie zudem auf die Stellungnahme der IV-Stelle des Kantons
C._ vom 28. Mai 2018. Dort wurde insbesondere ausgeführt, dass
der Beschwerdeführer aufgrund der vorliegenden, leider sehr dürftigen
Arztberichte der behandelnden Ärzte nach Ablauf des Wartejahres im Mai
2016 vollständig arbeitsunfähig gewesen sei. Aufgrund dieser Berichte
könne keine unbefristete Invalidenrente gesprochen werden, da sie keine
objektivierbaren Befunde und damit auch keine nachvollziehbaren Diagno-
sen beinhalten würden. Aufgrund des Gutachtens vom 21. Oktober 2016
und der dazumal noch vorliegenden vollen Arbeitsunfähigkeit stehe dem
Beschwerdeführer trotz der ungenügenden Aktenlage ab Mai 2016 eine
ganze befristete Rente zu. Die nachfolgende stationäre Behandlung bis
Februar 2016 [recte: 2017] habe sodann eine gesundheitliche Besserung
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zur Folge gehabt, weshalb die ganze Invalidenrente bis 31. Mai 2017 zu
befristen sei (BVGer act. 9).
E.
Der Beschwerdeführer hielt mit Replik vom 27. Juni 2018 vollumfänglich
an seiner Beschwerde fest (BVGer act. 11).
F.
Die Vorinstanz hielt mit Duplik vom 24. Juli 2018 unter Verweis auf die Stel-
lungnahme der IV-Stelle des Kantons C._ vom 20. Juli 2018 an ih-
ren Anträgen fest (BVGer act. 13).
G.
G.a Mit Instruktionsverfügung vom 30. Juli 2018 wurde der Schriftenwech-
sel unter Vorbehalt weiterer Instruktionsmassnahmen per 10. August 2018
abgeschlossen (BVGer act. 14).
G.b Der Beschwerdeführer hielt mit unaufgefordert eingereichter Stellung-
nahme vom 2. August 2018 weiterhin an seiner Beschwerde fest (BVGer
act. 15).
G.c Mit Instruktionsverfügung vom 3. August 2018 wurde das Doppel der
unaufgefordert eingereichten Stellungnahme vom 2. August 2018 der Vor-
instanz zugestellt. Betreffend Abschluss des Schriftenwechsels wurde auf
die Instruktionsverfügung vom 30. Juli 2018 verwiesen (BVGer act. 16).
H.
Auf die Ausführungen der Parteien und die Beweismittel ist, soweit erfor-
derlich, in den folgenden Erwägungen näher einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung der Vorinstanz vom 7. Februar
2018, mit welcher das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers um Aus-
richtung einer IV-Rente abgewiesen wurde.
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1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat seine Zuständigkeit von Amtes we-
gen zu prüfen (Art. 7 Abs. 1 VwVG). Gemäss Art. 40 Abs. 2 IVV (SR
831.201) ist zur Entgegennahme und Prüfung der Anmeldungen von
Grenzgängern die IV-Stelle zuständig, in deren Tätigkeitsgebiet der Grenz-
gänger eine Erwerbstätigkeit ausübt. Dies gilt auch für ehemalige Grenz-
gänger, sofern sie bei der Anmeldung ihren ordentlichen Wohnsitz noch in
der benachbarten Grenzzone haben und der Gesundheitsschaden auf die
Zeit ihrer Tätigkeit als Grenzgänger zurückgeht. Die Verfügungen werden
von der IVSTA erlassen. Entsprechend war die IV-Stelle des Kantons
C._ für die Entgegennahme und Prüfung des Rentengesuchs zu-
ständig und hat die Vorinstanz die angefochtene Verfügung vom 7. Februar
2018 erlassen. Das Bundesverwaltungsgericht ist somit zur Behandlung
der vorliegenden Beschwerde zuständig (Art. 31, Art. 32 und Art. 33 Bst. d
VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b IVG [SR 831.20]).
1.3 Der Beschwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt
und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung, womit er zur
Erhebung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59 ATSG [SR 830.1]).
1.4 Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht geleistet, sodass auf die frist-
und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 14. Februar 2018 einzutre-
ten ist (Art. 60 ATSG; Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
2.2 Das Gericht ist gemäss dem Grundsatz der Rechtsanwendung von
Amtes wegen nicht an die Begründung der Begehren der Parteien gebun-
den (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Im Rahmen seiner Kognition kann es die Be-
schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-
sen oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung
bestätigen, die von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. Urteil des BGer
2C_393/2015 vom 26. Januar 2016 E. 1.2; BGE 132 II 47 E. 1.3 m.H.).
2.3 Nach ständiger Rechtsprechung beschränkt sich die Prüfung des So-
zialversicherungsgerichts auf die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass
der angefochtenen Verwaltungsverfügung (hier: 7. Februar 2018) entwi-
ckelt haben (vgl. Urteil des BGer 8C_489/2016 vom 29. November 2016
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E. 5.2 m.H. auf BGE 132 V 215 E. 3.1.1; 130 V 138 E. 2.1; 121 V 362
E. 1b). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen
im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein
(BGE 121 V 362 E. 1b).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer ist französischer Staatsangehöriger, wohnt ak-
tuell in Frankreich und war als Grenzgänger in der Schweiz erwerbstätig.
Damit gelangen das Freizügigkeitsabkommen vom 21. Juni 1999 (FZA, SR
0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemeinschaft zur Koordinierung
der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II des FZA zur An-
wendung. Der Invaliditätsgrad bestimmt sich jedoch auch nach dem Inkraft-
treten des FZA allein nach schweizerischem Recht (vgl. BGE 130 V 253
E. 2.4).
3.2 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
gebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 132 V 215 E. 3.1.1), weshalb jene Vorschriften An-
wendung finden, die spätestens beim Erlass der Verfügung vom 7. Februar
2018 in Kraft standen, weiter aber auch Vorschriften, die zu jenem Zeit-
punkt bereits ausser Kraft getreten waren, die aber für die Beurteilung al-
lenfalls früher entstandener Leistungsansprüche von Belang sind.
4.
Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung hat,
wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG) und beim
Eintritt der Invalidität während der gesetzlich vorgesehenen Dauer Beiträge
an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) geleis-
tet hat, das heisst während mindestens drei Jahren laut Art. 36 Abs. 1 IVG.
Diese Voraussetzungen müssen kumulativ gegeben sein; ist eine davon
nicht erfüllt, so entsteht kein Rentenanspruch, selbst wenn die andere zu
bejahen ist. Der Beschwerdeführer hat unbestrittenermassen während
mehr als drei Jahren Beiträge an die schweizerische AHV/IV geleistet (vgl.
act. 5 S. 2 f.), so dass die Voraussetzung der Mindestbeitragsdauer für den
Anspruch auf eine ordentliche Invalidenrente erfüllt ist.
5.
5.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
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Seite 7
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
5.2 Anspruch auf eine Rente haben laut Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä-
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstel-
len, erhalten oder verbessern können (Bst. a), während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig
(Art. 6 ATSG) gewesen sind (Bst. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu min-
destens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. c). Art. 29 Abs. 1 IVG sieht
vor, dass der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten
nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG,
jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahrs
folgt, entsteht.
5.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invalidi-
tätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Vier-
telsrente. Nach Art. 29 Abs. 4 IVG werden Renten, die einem Invaliditäts-
grad von weniger als 50 % entsprechen, nur an Versicherte ausbezahlt, die
ihren Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der
Schweiz haben, soweit nicht völkerrechtliche Bestimmungen eine abwei-
chende Regelung vorsehen. Eine solche Ausnahme gilt seit dem 1. Juni
2002 für die Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates der EU und der
Schweiz, sofern sie in einem Mitgliedstaat der EU Wohnsitz haben (vgl.
Art. 4 und Art. 7 Verordnung [EG] Nr. 883/2004 [SR 0.831.109.268.1];
BGE 130 V 253 E. 2.3 und 3.1). Die Regelung in Art. 29 Abs. 4 IVG stellt
dabei nicht eine blosse Auszahlungsvorschrift, sondern eine besondere
Anspruchsvoraussetzung dar (BGE 121 V 275 E. 6c).
5.4 Bei der rückwirkenden Zusprechung einer abgestuften und/oder befris-
teten Rente sind die Revisionsbestimmungen (Art. 17 Abs. 1 ATSG;
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Seite 8
Art. 88a Abs. 1 IVV) analog anwendbar, weil noch vor Erlass der ersten
Rentenverfügung eine anspruchsbeeinflussende Änderung eingetreten ist
mit der Folge, dass dann gleichzeitig die Änderung mitberücksichtigt wird
(vgl. Urteile des BGer 8C_87/2009 vom 16. Juni 2009 E. 2.2; 8C_71/2017
vom 20. April 2017 E. 3 m.H.). Revisionsbegründend kann unter anderem
eine Änderung des Gesundheitszustandes oder der erwerblichen Auswir-
kungen sein (BGE 141 V 9 E. 2.3). Ist eine anspruchserhebliche Änderung
des Sachverhalts nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt,
bleibt es nach dem Grundsatz der materiellen Beweislast beim bisherigen
Rechtszustand (vgl. Urteil des BGer 9C_273/2014 vom 16. Juni 2014
E. 3.1.1 m.H.). Die Frage, ob eine erhebliche, d.h. mit Bezug auf den Inva-
liditätsgrad rentenwirksame Änderung der tatsächlichen Verhältnisse ein-
getreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im
Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung bestanden hat, mit demje-
nigen im Zeitpunkt der streitigen Revisionsverfügung (BGE 130 V 343
E. 3.5.2; vgl. auch 133 V 108). Wird rückwirkend eine abgestufte oder be-
fristete Rente zugesprochen, sind einerseits der Zeitpunkt des Rentenbe-
ginns und anderseits der in Anwendung der Dreimonatsfrist von Art. 88a
Abs. 1 IVV festzusetzende Zeitpunkt der Rentenherabsetzung oder -auf-
hebung die massgebenden Vergleichszeitpunkte (Urteil des BGer
8C_87/2009 vom 16. Juni 2009 E. 2.2). Dabei unterliegen auch die unbe-
stritten gebliebenen Rentenbezugszeiten der richterlichen Prüfung (vgl.
BGE 125 V 413 E. 2d).
5.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be-
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4; 125 V 256 E. 4).
5.6 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter-
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-
gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der me-
dizinischen Situation einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der Expertin
oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351
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Seite 9
E. 3a) und ob der Arzt oder die Ärztin über die notwendigen fachlichen
Qualifikationen verfügt (Urteil des BGer 9C_736/2009 vom 26. Januar
2010 E. 2.1).
6.
Die Vorinstanz hat das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers mit der
angefochtenen Verfügung vollumfänglich abgewiesen. Demgegenüber hat
der Beschwerdeführer namentlich unter Hinweis auf das psychiatrische
Gutachten von Dr. med. D._ vom 21. Oktober 2016 die Ausrichtung
einer ganzen Invalidenrente spätestens ab Mai 2016 beantragt. Im Rah-
men des hier zu beurteilenden Beschwerdeverfahrens hat die Vorinstanz
nunmehr ebenfalls im Wesentlichen gestützt auf das Gutachten vom
21. Oktober 2016 die Zusprache einer ganzen Rente ab Mai 2016 bean-
tragt, wobei diese zu befristen sei.
6.1 Zu prüfen ist zunächst, ob das psychiatrische Gutachten von Dr. med.
D._ vom 21. Oktober 2016 den beweisrechtlichen Anforderungen
genügt und ob gestützt darauf dem Beschwerdeführer – entsprechend dem
insofern übereinstimmenden Antrag der Verfahrensbeteiligten – ab Mai
2016 eine ganze Invalidenrente zugesprochen werden kann.
6.2 Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
stellte in seinem psychiatrischen Gutachten vom 21. Oktober 2016 fol-
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: abhängige Per-
sönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7) mit rezidivierender depressiver Stö-
rung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode (ICD-10 F33.0/F33.1);
erhebliche Neurasthenie (ICD-10 F48.0); Agoraphobie mit Panikstörung
(ICD-10 F40.01). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannte er folgende: Störung durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom, gegen-
wärtig abstinent (ICD-10 F10.20); Störungen durch Cannabinoide, Abhän-
gigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F12.20); Störungen durch
Sedativa, Abhängigkeitssyndrom, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10
F13.25; act. 29 S. 12). Zu den qualitativen Funktionsfähigkeiten führte
Dr. med. D._ aus, dass diese aktuell vollständig darniederliegen
würden. Beim Beschwerdeführer bestehe eine schwerste Psychopatholo-
gie. Er sei insbesondere aufgrund seiner erheblichen Erschöpfung und sei-
ner ausgeprägten Ängste nicht in der Lage, einer ausserhäuslichen Tätig-
keit nachzugehen. Er bringe die notwendige psychische Belastbarkeit ak-
tuell in keiner Weise mit. Schon allein geringste Konfrontationen mit The-
men, die ihn an seine bisherige Arbeitsstelle erinnern würden, würden zu
einer erneuten erheblichen Exazerbation der neurasthenischen Symptome
C-922/2018
Seite 10
führen. Er sei nur unter hohen Dosierungen von Valium in der Lage, ausser
Haus zu gehen und sich unter Menschen zu begeben. Er könne einzelnen
Tagesaktivitäten nachgehen, jedoch nur vormittags. Nachmittags unter-
nehme er praktisch nichts mehr, hole noch seinen Sohn von der Schule ab
und mache mit ihm Hausaufgaben. Unterdessen lebe der Beschwerdefüh-
rer eine regelrechte «vita minima», die sich in beinahe grotesker Weise von
jenem hochaktiven Leben unterscheide, welches er zuvor geführt habe. Im
Weiteren hielt Dr. med. D._ fest, der Beschwerdeführer leide unter
einer Persönlichkeitsstörung, welche zu klinisch manifesten psychiatri-
schen Symptomformationen geführt habe, sodass diese Persönlichkeits-
störung nicht gesondert von diesen spezifischen Symptomformationen dis-
kutiert werden könne, wenn es um die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
gehe. Ferner würden keinerlei Hinweise für Aggravation, Begehrlichkeit,
Krankheitsgewinne oder als invaliditätsfremd zu bezeichnende psychoso-
ziale Faktoren vorliegen. Zusammenfassend bestehe aufgrund dieser Be-
urteilung beim Beschwerdeführer aktuell und seit Ende Mai 2015 eine volle
Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt (act. 29 S. 17 f.).
6.3 Das im Verfahren nach Art. 44 ATSG durch die Vorinstanz bei Dr. med.
D._ eingeholte Gutachten vom 21. Oktober 2016 basiert auf den
Vorakten sowie der persönlichen psychiatrischen Untersuchung vom
13. Oktober 2016 durch einen entsprechend qualifizierten Facharzt. Im
Gutachten werden die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers wie-
dergegeben. Ferner enthält es die durch Dr. med. D._ erhobene
detaillierte Anamnese, die festgestellten objektiven Untersuchungsbefunde
sowie die gestellten Diagnosen. Die Beurteilung und Einschätzung der Ar-
beitsfähigkeit des Beschwerdeführers ist unter Berücksichtigung der Per-
sönlichkeitsstruktur des Beschwerdeführers, der geklagten Beschwerden
sowie der Vorgeschichte ausführlich und nachvollziehbar begründet.
Schliesslich nimmt der Gutachter auch Bezug zu den früheren medizini-
schen Berichten. Einem solchen Gutachten ist grundsätzlich volle Beweis-
kraft zuzuerkennen.
6.4 Gemäss BGE 143 V 418 sind fortan sämtliche psychischen Erkrankun-
gen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unter-
ziehen und sind die funktionellen Folgen sämtlicher psychischer Befunde
anhand des strukturierten Beweisverfahrens gesamthaft zu beurteilen. An-
hand eines Kataloges von Indikatoren erfolgt eine ergebnisoffene symmet-
rische Beurteilung des – unter Berücksichtigung leistungshindernder
äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen
(Ressourcen) andererseits – tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens
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Seite 11
(BGE 141 V 281 E. 3.6). Diese neue Rechtsprechung ist auf alle im Zeit-
punkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden und ist
somit auch im vorliegenden Fall massgebend (vgl. Urteil des BGer
9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1). Gemäss altem Verfahrens-
standard eingeholte Gutachten verlieren nicht per se ihren Beweiswert.
Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit
seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entschei-
dend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweis-
grundlagen vor Bundesrecht standhält. In sinngemässer Anwendung auf
die nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in je-
dem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen administrativen und/
oder gerichtlichen Sachverständigengutachten – gegebenenfalls im Kon-
text mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung im
Lichte der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklä-
rungstiefe und -dichte kann zudem unter Umständen eine punktuelle Er-
gänzung genügen (BGE 141 V 281 E. 8).
6.5 Das Gutachten vom 21. Oktober 2016 ist zwar vor der bundesgericht-
lichen Ausweitung des strukturierten Beweisverfahren auf sämtliche psy-
chischen Erkrankungen gemäss BGE 143 V 418 erstellt worden, doch hat
die Vorinstanz bereits bei der Erteilung des Gutachtensauftrags auf die in
BGE 141 V 281 entwickelten Standardindikatoren ausdrücklich hingewie-
sen (vgl. act. 27). Entsprechend hat Dr. med. D._ bei Abgabe sei-
nes Gutachtens die Standardindikatoren mitberücksichtigt (vgl. act. 29
S. 22 ff.), sodass sich das Gutachten vom 21. Oktober 2016 auch im Lichte
der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung als beweisrechtlich ver-
wertbar erweist.
6.6 Nach dem Gesagten kann – in Übereinstimmung mit dem Beschwer-
deführer und der Vorinstanz – auf das psychiatrische Gutachten vom
21. Oktober 2016 abgestellt werden. Demnach ist erstellt, dass der Be-
schwerdeführer seit Mai 2015 bis mindestens zum Begutachtungszeitpunkt
im Oktober 2016 aus psychischen Gründen vollumfänglich arbeitsunfähig
gewesen ist. Das Wartejahr im Sinn von Art. 28 Abs. 1 Bst. b IVG ist im Mai
2016, mithin mehr als sechs Monate nach der IV-Anmeldung vom 7. Au-
gust 2015, abgelaufen (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG). Demzufolge hat der Be-
schwerdeführer ab dem 1. Mai 2016 Anspruch auf eine ganze Rente der
Invalidenversicherung.
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Seite 12
7.
Umstritten ist sodann, ob die ab Mai 2016 dem Beschwerdeführer zu-
stehende ganze Invalidenrente zu befristen ist. Die Vorinstanz geht dabei
ab Februar 2017 – nach erfolgter stationärer Behandlung – von einer ge-
sundheitlichen Besserung aus, weshalb die Rente bis 31. Mai 2017 zu be-
fristen sei. Demgegenüber erachtet der Beschwerdeführer eine Befristung
als nicht gerechtfertigt, zumal sein tatsächlicher Gesundheitszustand nicht
abgeklärt worden sei. Zu prüfen ist somit, ob eine erhebliche rentenwirk-
same Änderung der tatsächlichen Verhältnisse im Sinne von Art. 17 Abs. 1
ATSG eingetreten ist, welche die rückwirkende Befristung bzw. Aufhebung
der Rente rechtfertigt.
7.1 Die relevante medizinische Aktenlage für die Zeit ab der stationären
Behandlung präsentiert sich im Wesentlichen folgendermassen:
7.1.1 Gemäss Austrittsbericht der Klinik E._ vom 8. März 2017
habe sich der Beschwerdeführer vom 12. Januar 2017 bis 9. Februar 2017
in stationärer Behandlung befunden. Die Entwicklung des Zustands des
Beschwerdeführers während des Aufenthaltes wird zusammenfassend wie
folgt umschrieben: ruhig; kohärente Sprache; keine dissoziativen oder
wahnhaften Elemente; komplexe Symptomatik mit Neigung zur früheren
Alkoholabhängigkeit; zerbrechliche Persönlichkeit; generalisierte Angst
und Panikattacken; Sorge um die Leistung; Bedürfnis, seinen Wert zu de-
monstrieren; keine Elemente, die für eine mögliche Bipolarität sprechen;
Mood Disorder Questionnaire (MDQ) negativ. Der Beschwerdeführer sei
mit seinem stationären Aufenthalt zufrieden gewesen. Ferner war von einer
symptomatischen Regression, einer Distanzierung der Gedanken an den
Alkoholkonsum sowie von einer Wiederaufnahme einer regelmässigen kör-
perlichen Aktivität die Rede. Bei Austritt wurden dem Beschwerdeführer di-
verse Medikamente verschrieben. Überdies wurde ihm bis zum 28. Feb-
ruar 2017 eine Arbeitsunfähigkeit attestiert. Abschliessend wurden fol-
gende Diagnosen angeführt: emotionale labile Persönlichkeitsstörung; mit-
telgradige depressive Episode; generalisierte Angst; Panikstörung; Alko-
holabhängigkeit (act. 36).
7.1.2 Der Therapeut F._ nannte in seinem Bericht vom 9. März
2017 folgende Diagnosen: generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1); re-
zidivierende depressive Störung (ICD-10 F33); Borderline-Persönlichkeits-
störung (ICD-10 F60.31); Alkoholabhängigkeit (ICD-10 F10.2). Sodann
führte er aus, die physische und psychische Erschöpfung würden eine Wie-
C-922/2018
Seite 13
deraufnahme der Arbeit verunmöglichen. Stimulierungen im Zusammen-
hang mit der B._ AG würden psychische Beschwerden auslösen.
Die Stimmung sei fragil und werde durch die verbleibenden depressiven
Elemente beeinflusst. Der Alkoholkonsum sei reguliert. Der Behandlungs-
verlauf entwickle sich nur langsam. Eine Prognose abzugeben sei schwie-
rig. Eine Therapie sei jedoch angezeigt (act. 34 S. 8).
7.1.3 Gemäss Gesprächsnotiz des Krankentaggeldversicherers vom
16. März 2017 habe die Psychiaterin Dr. G._ das Weiterhin Beste-
hen der Diagnosen bestätigt und erklärt, dass in der Klinik die Medikamen-
teneinstellung optimiert worden sei. Der Beschwerdeführer habe eine Ver-
besserung seines Befindens und das Weiterhin Vorhandensein seiner Be-
schwerden bestätigt. Dr. G._ sei ferner der Ansicht gewesen, es
könne ein Arbeitsversuch im Umfang von 10 % (maximal 2 Stunden täglich
während 2 Tagen wöchentlich) mit langsamem Anstieg auf maximal 50 %
gestartet werden (act. 35).
7.1.4 Die Psychiaterin Dr. G._ beschrieb in ihrem Bericht vom
26. April 2017 kurz den Verlauf des Gesundheitszustands des Beschwer-
deführers seit Mai 2015. Von Juni bis Dezember 2015 habe sich der klini-
sche Zustand kontinuierlich verschlechtert, was eine Zunahme der medi-
kamentösen Behandlung erfordert habe. Die Therapie bei F._ habe
nur eine langsame Entwicklung gezeigt. Der stationäre Aufenthalt in der
Klinik E._ habe eine Präzisierung der Diagnose ermöglicht und die
medikamentöse Behandlung verstärkt. Der psychische Zustand des Be-
schwerdeführers habe sich in einem defizitären Modus stabilisiert und er-
laube keine Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit (act. 37).
7.1.5 Dr. med. H._ vom Regionalen ärztlichen Dienst (RAD), Fach-
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erachtete in seinem Bericht vom
27. Juni 2017 die rezidivierende depressive Störung mit leichter bis mittel-
gradiger Episode als für die Arbeitsunfähigkeit massgebend. Die komorbid
vorliegende abhängige Persönlichkeitsstörung könne keine wesentliche
oder gar volle Arbeitsunfähigkeit begründen, da Persönlichkeitseigen-
schaften definitionsgemäss überdauernd seien und der Beschwerdeführer
Jahrzehnte lang bis Mai 2015 in einem vollen Pensum ein rentenaus-
schliessendes Einkommen erzielt habe. Auch die Komorbidität der Neuras-
thenie begründe im vorliegenden Fall keine wesentliche Arbeitsunfähigkeit.
Bezüglich der Komorbidität der Agoraphobie mit Panikstörung sei im Aus-
trittsbericht der Klinik E._ ein Rückgang der Symptome beschrie-
C-922/2018
Seite 14
ben worden. Im Ergebnis hielt Dr. med. H._ fest, aufgrund der leich-
ten bis mittelgradigen depressiven Episode und der Agoraphobie könne
nach Auswertung der Komorbidität und der Behandlungsoptionen keine
dauerhafte und erhebliche Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätig-
keit als Finance Manager bestätigt werden (act. 38).
7.1.6 Mit (ergänzendem) psychiatrischen Gutachten vom 15. September
2017 nahm Dr. med. D._ Stellung zu den vorerwähnten Berichten
und beantwortete die von der Vorinstanz gestellten Zusatzfragen (act. 44).
7.1.6.1 Zum Austrittsbericht der Klinik E._ vom 8. März 2017 stellte
er fest, die dort angeführten Diagnosen seien nirgends begründet worden.
Auch lasse sich nicht nachvollziehen, weshalb eine emotional instabile Per-
sönlichkeitsstörung diagnostiziert worden sei. Dem Bericht sei sodann zu
entnehmen, dass es zu einer Rückbildung der Symptome gekommen sei
mit einer Distanzierung der Gedanken an den Alkoholkonsum bzw. an ent-
sprechendes Konsumverhalten. Die Erhebung mit dem MDQ sei als kli-
nisch irrelevant zusammengefasst worden, wobei für Dr. med. D._
nicht ganz klar sei, weshalb der MDQ angewendet worden sei. Der MDQ
sei nämlich zur psychometrischen Erfassung einer bipolaren affektiven
Störung entwickelt worden und umfasse ausschliesslich Fragen, welche
manische Symptome erfassen würden. Wenn beim Beschwerdeführer
anamnestisch das eine oder andere Item zugetroffen habe, so sei dies als
Phänomen zu interpretieren, welches der Bandbreite der Norm entspre-
che. Insgesamt handle es sich beim Austrittsbericht um einen auffallend
rudimentär verfassten Bericht, der zwar verschiedene Lebensbereiche er-
fasse, diese jedoch nur sehr knapp zusammenfasse und in welchem aber
vor allem die Krankheitsentwicklung während der Hospitalisation nicht wei-
ter beschrieben werde. Stütze man sich auf die im Austrittsbericht aufge-
führten Fakten, insbesondere, dass es zu einem Rückgang der Symptome
gekommen sei, so könne das durchaus dahingehend interpretiert werden,
dass bei Austritt keine relevante Psychopathologie mehr vorgelegen habe
(act. 44 S. 2 f.).
7.1.6.2 F._ habe die im Bericht vom 9. März 2017 gestellten Diag-
nosen ebenfalls nicht begründet. Es bleibe daher unklar, weshalb eine
Borderline-Persönlichkeitsstörung vorliegen solle. Der Schweregrad der
rezidivierenden depressiven Störung werde nicht näher angegeben. So-
dann seien einige wenige subjektive Angaben des Beschwerdeführers zu-
sammengefasst worden, jedoch würden jegliche objektive Untersuchungs-
befunde fehlen (act. 44 S. 4).
C-922/2018
Seite 15
7.1.6.3 Bezüglich der Gesprächsnotiz vom 16. März 2017 hielt Dr. med.
D._ insbesondere fest, dass nicht begründet worden sei, weshalb
bei langsamem Anstieg über längere Zeit lediglich eine Arbeitsfähigkeit von
50 % erreicht werden könne (act. 44 S. 5).
7.1.6.4 Sodann würden sich im Bericht von Dr. G._ vom 26. April
2017 keine Begründungen zu den aufgeführten psychiatrischen Diagnosen
finden und es würden jegliche objektive Untersuchungsbefunde fehlen
(act. 44 S. 5).
7.1.6.5 Dr. med. D._ erachtete die Beurteilung im RAD-Bericht vom
27. Juni 2017 in den meisten Teilen nachvollziehbar. Jedoch könne aus
dem in der Klinik E._ erhobenen MDQ keine massgebliche Remis-
sion abgeleitet werden, da der Fragebogen einzig und allein manische und
nicht depressive Symptome erfasse. Überdies würden sich – entgegen der
Darstellung im RAD-Bericht – im Austrittsbericht der Klinik E._
keine explizite Erwähnung einer Reduktion von depressiven Symptomen
oder eines Rückgangs des Grübelns und von negativen Gedanken finden
(act. 44 S. 6).
7.1.6.6 Zur Frage, warum trotz einer Berufstätigkeit von fast 20 Jahren
beim gleichen Arbeitgeber und einer stabilen, während 25 Jahren dauern-
den Ehe, eine Persönlichkeitsstörung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
vorliegen soll, verwies Dr. med. D._ zunächst auf sein psychiatri-
sches Gutachten vom 21. Oktober 2016, wo er die innerpsychische Struk-
tur des Beschwerdeführers im Detail gewürdigt und auch diskutiert habe,
weshalb er eine abhängige Persönlichkeitsstörung diagnostiziert habe. Zu-
dem erwähnte er ausdrücklich, dass die in den ihm zwischenzeitlich zuge-
stellten Akten aufgeführte Diagnose einer emotional instabilen Persönlich-
keitsstörung aufgrund der Anamnese und der subjektiven Angaben des Be-
schwerdeführers anlässlich der Begutachtung vom 13. Oktober 2016 nicht
nachvollziehbar sei. Bei einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung
würde gerade jene Konstanz und Kontinuität in der Berufs- wie auch in der
Beziehungsanamnese vollständig fehlen und man würde es klassischer-
weise mit einer Berufsanamnese zu tun haben, die von zahlreichen Abbrü-
chen und in aller Regel von eher kurzdauernden Anstellungen geprägt
wäre. Alsdann diskutierte Dr. med. D._ im Detail die diagnostischen
Kriterien gemäss ICD-10 für eine spezifische Persönlichkeitsstörung sowie
anschliessend diejenigen für eine abhängige Persönlichkeitsstörung und
bestätigte seine bereits im psychiatrischen Gutachten vom 21. Oktober
C-922/2018
Seite 16
2016 gestellte Diagnose einer abhängigen Persönlichkeitsstörung gemäss
ICD-10 (act. 44 S. 7 ff.).
7.1.6.7 Zur stationären Behandlung in der Klinik E._ und deren Aus-
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers hielt Dr. med.
D._ fest, dass weiterhin keine leitliniengerechte psychiatrische Be-
handlung vorliege. Seiner Ansicht nach würde zwischenzeitlich ein deutlich
verbesserter psychischer Zustand vorliegen, wäre von Beginn der Arbeits-
unfähigkeit im Mai 2015 eine leitliniengerechte psychiatrische Behandlung
eingeleitet worden. Entsprechend der klinischen Erfahrungen müsse man
davon ausgehen, dass der Beschwerdeführer spätestens zum jetzigen
Zeitpunkt, möglicherweise aber schon bedeutend früher, psychisch wieder
soweit stabilisiert gewesen wäre, dass er nicht nur eine Teilzeitarbeitsfä-
higkeit, sondern seine volle Arbeitsfähigkeit wiedererlangt hätte. Die Beur-
teilungen der behandelnden Psychiaterin wie auch des Psychotherapeuten
seien hinsichtlich Prognose und Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar. In-
sofern könne er im Gegensatz zu seinem psychiatrischen Gutachten vom
21. Oktober 2016 festhalten, dass die beim Beschwerdeführer vorliegende
abhängige Persönlichkeitsstörung keine Auswirkungen mehr auf die Ar-
beitsfähigkeit habe und dass auch allfällige weitere psychiatrische Diagno-
sen, so sie denn noch bestehen würden (depressive Episode, Neurasthe-
nie sowie Agoraphobie mit Panikstörung), ebensowenig die Arbeitsfähig-
keit einschränken würden. Ab wann eine volle Arbeitsfähigkeit hätte wie-
dererlangt werden sollen, könne aufgrund der rudimentär verfassten Akten
nicht konklusiv bestimmt werden. Unter Würdigung einer grosszügigen
Formulierung klinischer Erfahrungen hätte aber nach einem Zeitraum von
maximal zwölf Monaten mit optimierter, leitliniengerechter Behandlung
(adäquate Psychopharmakotherapie sowie teilstationäre Behandlung) eine
volle Arbeitsfähigkeit vorliegen müssen (act. 44 S. 11 ff.).
7.1.7 Gemäss Bericht von Dr. G._ vom 17. Oktober 2017 habe sich
der psychische Zustand des Beschwerdeführers wieder verschlechtert mit
einer Zunahme der Angststörung, insbesondere im Zusammenhang mit
der unsicheren Zukunft (bevorstehende Kündigung Ende Jahr, Frage der
Invalidenrente). Die depressive Episode sei weiterhin mittelgradig ausge-
prägt. Der psychische Zustand des Beschwerdeführers erlaube ihm keine
Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit (act. 45 f.).
7.1.8 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens verfasste RAD-Arzt Dr. med.
H._ am 22. Dezember 2017 eine weitere Stellungnahme. Darin
C-922/2018
Seite 17
führte er bezüglich des neusten Berichts von Dr. G._ vom 17. Ok-
tober 2017 aus, bei den von ihr angeführten Faktoren (finanzielle Unsicher-
heit, Kündigung, IV-Entscheid) handle es sich um invaliditätsfremde Fakto-
ren, die nicht geeignet seien, eine invalidenversicherungsrechtlich rele-
vante dauerhafte und erhebliche Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Sodann
gebe es keine Hinweise, dass die Dekompensation abhängiger Persönlich-
keitszüge die Leistung am Arbeitsplatz geschmälert habe. Beeinträchti-
gend seien vielmehr eine Kombination von Suchtmitteln, depressiven und
Angstsymptomen, die sich jedoch inzwischen in Remission befänden. Die
bestehende Persönlichkeitsstörung habe die Arbeitsfähigkeit während des
Arbeitslebens aktenkundig nicht beeinflusst und es gebe keine plausiblen
Gründe, dass sie die Arbeitsfähigkeit fortan beeinflussen werde, zumal auf
den übrigen Achsen des Lebens keine deletären Auswirkungen vorhanden
seien. Ferner könne die depressive Störung nicht als therapieresistent ein-
geschätzt werden, zumal die Hospitalisation ergeben habe, dass durchaus
eine Besserung erreicht werden könne. Auch die Angstsymptome seien
behandelbar. Schliesslich führte Dr. med. H._ mit Blick auf die neue
bundesgerichtliche Rechtsprechung zu den psychiatrischen Erkrankungen
aus, dass diese unter anderem auch eine Beurteilung von Konsistenz und
Plausibilität verlange. Beim Beschwerdeführer, der eine stabile Beziehung
führe und sozial keineswegs vollständig zurückgezogen sei, liege kein in
jeglicher Lebenssituation nicht überwindbarer schwerer psychiatrischer
Gesundheitsschaden vor (act. 61).
7.2 Im Folgenden ist zu prüfen, ob aufgrund der vorliegenden medizini-
schen Akten für die Zeit nach der stationären Behandlung eine Verbesse-
rung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers ausgewiesen ist.
7.2.1 Im Austrittsbericht der Klinik E._ vom 8. März 2017 ist von ei-
ner symptomatischen Regression die Rede, wobei nicht spezifiziert wird,
um welche Symptome es sich dabei konkret handelt. Weiter wird eine Dis-
tanzierung der Gedanken an den Alkoholkonsum sowie eine Wiederauf-
nahme einer regelmässigen körperlichen Aktivität erwähnt. Zudem sei der
Beschwerdeführer mit seinem stationären Aufenthalt zufrieden gewesen.
Diese Umstände deuten zwar auf eine positive Krankheitsentwicklung hin,
jedoch gibt der Austrittsbericht keine Auskunft darüber, inwiefern sich der
Gesundheitszustand effektiv verbessert hat, geschweige denn, inwiefern
sich gegebenenfalls eine solche Verbesserung auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers auswirkt. In diesem Zusammenhang ist ausserdem
festzuhalten, dass nach dem Austritt am 9. Februar 2017 ohne nähere Be-
gründung noch bis zum 28. Februar 2017 eine Arbeitsunfähigkeit attestiert
C-922/2018
Seite 18
worden ist. Zudem wurden dem Beschwerdeführer weiterhin Medikamente
verschrieben. Mit dem Gutachter Dr. med. D._ räumte die Vor-
instanz denn auch selbst ein, dass der Austrittsbericht der Klinik E._
hinsichtlich der objektiven Befunde sehr dürftig und diagnostisch nicht
nachvollziehbar sei. Aus diesem Bericht kann somit keine erhebliche ren-
tenwirksame Änderung der tatsächlichen Verhältnisse im Sinne von Art. 17
Abs. 1 ATSG abgeleitet werden.
7.2.2 Die Berichte des behandelnden Therapeuten F._ bzw. der
Psychiaterin Dr. G._ vom 9. März bzw. 26. April 2017 deuten auf
keine rentenrelevante Verbesserung des Gesundheitszustandes hin. Sie
sprechen vielmehr von einer nur langsamen Entwicklung des Krankheits-
verlaufs. Zwar hält Dr. G._ anlässlich eines Gesprächs mit dem
Krankentaggeldversicherer einen Arbeitsversuch für möglich, allerdings in
einem nur sehr geringen und langsam ansteigenden Umfang. Im Ergebnis
attestieren die behandelnden Spezialisten dem Beschwerdeführer eine
volle Arbeitsunfähigkeit. Wie auch Dr. med. D._ in seinem ergän-
zenden Gutachten vom 15. September 2017 ausführte, erweisen sich je-
doch auch diese Berichte als rudimentär und unvollständig. So werden die
gestellten Diagnosen nicht anhand objektiver Untersuchungsbefunde be-
gründet und es finden sich keine detaillierten Angaben dazu, inwiefern die
funktionelle Leistungsfähigkeit (weiterhin) eingeschränkt sein soll. Auch
diese Berichte sind daher nicht geeignet, in invalidenversicherungsrecht-
lich relevanter Hinsicht verlässliche Auskunft über den Gesundheitszu-
stand des Beschwerdeführers zu geben.
7.2.3 Das psychiatrische Gutachten vom 15. September 2017 von
Dr. med. D._ basiert nicht auf einer persönlichen psychiatrischen
Untersuchung des Beschwerdeführers. Die Vorinstanz hat Dr. med.
D._ vielmehr die neu hinzugekommenen medizinischen Berichte
unterbreitet und ihn um eine (ergänzende) Stellungnahme ersucht. Zu-
nächst erörtert Dr. med. D._ einlässlich, weshalb die neuen Be-
richte der behandelnden Spezialisten rudimentär und in diagnostischer
Hinsicht nicht nachvollziehbar sind. Er stellt dabei auch fest, dass die ob-
jektiven Untersuchungsbefunde nur ungenügend bzw. gar nicht erhoben
worden sind. Alsdann begründet und bestätigt er anhand der Kriterien nach
ICD-10 die von ihm bereits im psychiatrischen Gutachten vom 21. Oktober
2016 gestellte Diagnose einer abhängigen Persönlichkeitsstörung noch-
mals ausführlich. Zudem bemängelt er, dass trotz seiner entsprechenden
Empfehlungen im Gutachten vom 21. Oktober 2016 bislang immer noch
keine leitliniengerechte Behandlung des Beschwerdeführers stattgefunden
C-922/2018
Seite 19
habe. Es versteht sich von selbst, dass auf dieser Grundlage eine zuver-
lässige Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustands des Beschwerde-
führers nicht möglich ist. Die Schlussfolgerung von Dr. med. D._,
wonach die abhängige Persönlichkeitsstörung sowie die weiteren psychi-
atrischen Diagnosen, so sie denn noch bestehen würden, keine Auswir-
kung mehr auf die Arbeitsfähigkeit hätten, beruht letztlich auf der blossen
Annahme, dass unter Würdigung einer grosszügigen Formulierung klini-
scher Erfahrungen nach einem Zeitraum von maximal zwölf Monaten mit
optimierter, leitliniengerechter Behandlung eine volle Arbeitsfähigkeit vor-
liegen müsste. Für eine rückwirkende Befristung bzw. Aufhebung einer
Rente im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG ist aber der Eintritt einer tatsäch-
lichen Veränderung erforderlich. Eine bloss positive Behandlungsprognose
genügt im vorliegenden Fall nicht. Auf die darauf gestützte Einschätzung
von Dr. med. D._ kann daher nicht abgestellt werden.
7.2.4 Der letzte Bericht von Dr. G._ vom 17. Oktober 2017 ent-
spricht, was den bisherigen Verlauf betrifft, demjenigen vom 26. April 2017.
Mit Blick auf den aktuellen psychischen Zustand spricht Dr. G._ so-
dann von einer Verschlechterung und hält zudem eine Erhöhung der Me-
dikation fest. Insgesamt fällt aber auch dieser Bericht knapp aus und ent-
hält weder objektive Untersuchungsbefunde noch detaillierte Ausführun-
gen zur funktionellen Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers. Damit er-
laubt auch dieser Bericht weder eine abschliessende Beurteilung des ak-
tuellen Gesundheitszustands noch der Entwicklung desselben seit der sta-
tionären Behandlung. Im Übrigen deutet dieser Bericht jedenfalls nicht auf
eine Verbesserung des Gesundheitszustands hin, womit die Vorinstanz da-
raus nichts für ihren Standpunkt ableiten kann.
7.2.5 Was die RAD-Stellungnahmen vom 27. Juni 2017 und 22. Dezember
2017 anbelangt, ist festzuhalten, dass solche Berichte ebenfalls den allge-
meinen beweisrechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht ge-
nügen müssen (vgl. E. 5.6 vorstehend). Ihre Funktion besteht darin, aus
medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizini-
schen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den
Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachver-
halt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört,
bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen
und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder
aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei (Urteile des BGer
8C_756/2008 vom 4. Juni 2009 E. 4.4, in: SVR 2009 IV Nr. 50;
9C_692/2014 vom 22. Januar 2015 E. 3.3). Zu berücksichtigen ist zudem,
C-922/2018
Seite 20
dass die Ärztinnen und Ärzte des RAD ihre Beurteilungen nicht aufgrund
eigener Untersuchungen abgeben, sondern lediglich die vorhandenen Be-
funde aus versicherungsmedizinischer Sicht zu würdigen haben. Ihre Stel-
lungnahmen können – wie Aktengutachten – beweiskräftig sein, sofern ein
lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztli-
che Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts
geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in
den Hintergrund rückt (vgl. Urteile des BGer 9C_28/2015 vom 8. Juni 2015
E. 3.2 und 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1 m.w.H.). Im vorliegen-
den Fall erweisen sich die medizinischen Akten jedoch – wie soeben aus-
geführt – für die Zeit ab der stationären Behandlung des Beschwerdefüh-
rers in mehrfacher Hinsicht als unvollständig. Insbesondere fehlen objek-
tive Untersuchungsbefunde, Ausführungen zur funktionellen Leistungsfä-
higkeit des Beschwerdeführers sowie die aktualisierten Grundlagen, wel-
che die Prüfung des tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens im
Lichte der massgeblichen Indikatoren nach BGE 141 V 281 erlauben wür-
den. Die auf einem unvollständig abgeklärten medizinischen Sachverhalt
beruhenden Stellungnahmen des RAD-Arztes Dr. med. H._ vermö-
gen somit den beweisrechtlichen Anforderungen nicht zu genügen, wes-
halb auf sie nicht abgestellt werden kann.
7.2.6 Nach dem Gesagten erlauben die vorliegenden medizinischen Be-
richte weder zuverlässige Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers nach erfolgter stationärer Behandlung im Februar
2017 noch eine abschliessende Beurteilung der Frage, ob und gegebenen-
falls inwiefern sich sein Gesundheitszustand im Vergleich zum Zeitpunkt
des Rentenbeginns am 1. Mai 2016 verändert hat. Hinzu kommt, dass den
ohnehin schon rudimentären Berichten auch keinerlei aktualisierte Anga-
ben betreffend die Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 entnom-
men werden kann, womit auch die Durchführung des in der Regel erforder-
lichen strukturierten Beweisverfahrens nicht möglich ist. Demzufolge ist –
entgegen der Ansicht der Vorinstanz – aufgrund der stationären Behand-
lung vom 12. Januar 2017 bis 9. Februar 2017 keine erhebliche rentenwirk-
same Änderung der tatsächlichen Verhältnisse im Sinne von Art. 17 Abs. 1
ATSG ausgewiesen, weshalb mindestens bis zum 28. Februar 2017 beim
bisherigen Rechtszustand zu bleiben hat. Im Übrigen erweist sich der me-
dizinische Sachverhalt für die Zeit ab 1. März 2017 als ungenügend abge-
klärt.
C-922/2018
Seite 21
7.3 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet die Beschwerdeinstanz in
der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen Wei-
sungen an die Vorinstanz zurück.
7.3.1 Angesichts des für die Zeit ab dem 1. März 2017 nicht abgeklärten
Verlaufs des Gesundheitszustands und dessen funktionellen Auswirkun-
gen rechtfertigt sich im vorliegenden Fall die Rückweisung an die Vor-
instanz zur weiteren Abklärung (vgl. Urteil des BGer 8C_580/2017 vom
9. Februar 2018 E. 3.1; BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4). Mit Blick auf die psy-
chischen Leiden des Beschwerdeführers ist die Vorinstanz anzuweisen,
den Beschwerdeführer in der Schweiz und unter Berücksichtigung der In-
dikatoren nach BGE 141 V 281 zumindest psychiatrisch begutachten zu
lassen. Der Beizug allfälliger weiterer Spezialisten ist in das pflichtgemässe
Ermessen der Vorinstanz bzw. der Gutachter zu stellen.
7.3.2 Das Gutachten hat dabei nicht nur Auskunft über den aktuellen Ge-
sundheitszustand und die funktionelle Leistungsfähigkeit des Beschwerde-
führers zu geben, sondern auch darüber, ob und gegebenenfalls inwiefern
sich die Verhältnisse im Vergleich zu denjenigen im Zeitpunkt des Renten-
beginns im Mai 2016 effektiv verändert haben.
7.3.3 Sodann ist darauf hinzuweisen, dass nach der Rechtsprechung ein
invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden nur gegeben sein
kann, wenn das klinische Beschwerdebild nicht einzig in psychosozialen
und soziokulturellen Umständen seine Erklärung findet, sondern davon
psychiatrisch unterscheidbare Befunde umfasst. Lediglich depressive Ver-
stimmungszustände genügen somit nicht. Vielmehr muss eine davon klar
unterscheidbare fachärztlich befundete Depression oder ein damit ver-
gleichbares psychisches Leiden gegeben sein. In diesem Sinne verselb-
ständigte Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähig-
keit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden
kann (Urteil des BGer 9C_648/2017 vom 20. November 2017 E. 2.3.1 m.H.
auf BGE 127 V 294 E. 5a). Indessen verliert eine psychische Erkrankung
nicht jegliche Relevanz im Sinne eines rein invaliditätsfremden Gesche-
hens, nur weil sie auch auf psychosoziale Faktoren zurückgeführt werden
kann (vgl. Urteil des BGer 9C_116/2018 vom 17. April 2018 E. 3.2.2).
7.3.4 Im Zusammenhang mit der aktenkundigen Suchtproblematik des Be-
schwerdeführers (Alkohol- und Drogenkonsum) wird weiter zu berücksich-
tigen sein, dass nach der Rechtsprechung Alkoholismus und Drogensucht
als solche keine Invalidität begründen. Dagegen wird eine solche Sucht im
C-922/2018
Seite 22
Rahmen der Invalidenversicherung relevant, wenn sie eine Krankheit oder
einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger Ge-
sundheitsschaden eingetreten ist, oder aber wenn sie selber Folge eines
körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, welchem Krank-
heitswert zukommt. Aus letzterem Leitsatz folgt nicht, dass die Auswirkun-
gen einer Sucht, die ihrerseits auf einen Gesundheitsschaden zurückgeht,
per se invaliditätsbegründend sind. Die zitierte Praxis setzt vielmehr den
Grundsatz um, dass funktionelle Einschränkungen nur anspruchsbegrün-
dend sein können, wenn sie sich als Folgen selbständiger Gesundheits-
schädigungen darstellen. Insofern verhält es sich ähnlich wie im Verhältnis
zwischen psychosozialen oder soziokulturellen Umständen und fachärzt-
lich festgestellten psychischen Störungen von Krankheitswert: Wo die Gut-
achter im Wesentlichen nur Befunde erheben, welche in der Sucht ihre hin-
reichende Erklärung finden, gleichsam in dieser aufgehen, ist kein invalidi-
sierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben. Dies trifft zu, wenn
davon auszugehen ist, dass sich beispielsweise ein depressives Zustands-
bild bei einer (angenommenen) positiven Veränderung der suchtbedingten
psychosozialen Problematik wesentlich bessern (und die damit verbun-
dene Beeinträchtigung des Leistungsvermögens sich entsprechend verrin-
gern) würde. Angesichts der insoweit finalen Natur der Invalidenversiche-
rung ist nicht entscheidend, ob die Sucht Folge eines körperlichen oder
geistigen Gesundheitsschadens ist oder ob die Sucht ausserhalb eines
Kausalzusammenhangs mit dem versicherten Gesundheitsschaden steht.
In beiden Konstellationen sind reine Suchtfolgen IV-rechtlich irrelevant, so-
weit sie als solche allein leistungsmindernd wirken. Hingegen sind sie
gleichermassen IV-rechtlich relevant, soweit sie in einem engen Zusam-
menhang mit einem eigenständigen Gesundheitsschaden stehen. Dies
kann der Fall sein, wenn die Sucht – einem Symptom gleich – Teil eines
Gesundheitsschadens bildet; dies unter der Voraussetzung, dass nicht al-
lein die unmittelbaren Folgen des Rauschmittelkonsums, sondern wesent-
lich auch der psychiatrische Befund selber zu Arbeitsunfähigkeit führt. So-
dann können selbst reine Suchtfolgen invalidisierend sein, wenn daneben
ein psychischer Gesundheitsschaden besteht, welcher die Betäubungsmit-
telabhängigkeit aufrecht erhält oder deren Folgen massgeblich verstärkt.
Umgekehrt können die Auswirkungen der Sucht (unabhängig von ihrer Ge-
nese) wie andere psychosoziale Faktoren auch mittelbar zur Invalidität bei-
tragen, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der Folgen eines Gesund-
heitsschadens beeinflussen (vgl. Urteil des BGer 9C_620/2017 vom
10. April 2018 E. 2.2.1 f. m.H.).
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Seite 23
8.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer aufgrund
seiner psychischen Einschränkung ab dem 1. Mai 2016 bis 28. Februar
2017 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zusteht. Da sich anhand
der vorliegenden medizinischen Aktenlage nicht beurteilen lässt, ob und
gegebenenfalls in welchem Ausmass und zu welchem Zeitpunkt eine – im
Vergleich zum Zeitpunkt des Rentenbeginns am 1. Mai 2016 – invaliden-
versicherungsrechtlich relevante Verbesserung des Gesundheitszustands
eingetreten ist, ist diesbezüglich eine weitere medizinische Abklärung unter
Berücksichtigung der massgeblichen Indikatoren nach BGE 141 V 281 er-
forderlich. Die Beschwerde ist daher insoweit gutzuheissen, als die ange-
fochtene Verfügung aufzuheben ist. Sodann ist festzuhalten, dass der Be-
schwerdeführer ab dem 1. Mai 2016 bis 28. Februar 2017 Anspruch auf
eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat. Im Übrigen ist die Sache
an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie, nach erfolgter Abklärung über
den Verlauf des Gesundheitszustands und dessen funktionellen Auswir-
kungen, neu entscheide, ob ab 1. März 2017 weiterhin Anspruch auf Ren-
tenleistungen der Invalidenversicherung besteht. Die Vorinstanz ist dabei
anzuweisen, den Beschwerdeführer in der Schweiz psychiatrisch begut-
achten zu lassen. Der Beizug allfälliger weiterer Spezialisten ist in das
pflichtgemässe Ermessen der Vorinstanz bzw. des Gutachters zu stellen.
9.
9.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis und 2
IVG), wobei die Verfahrenskosten gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG in der Re-
gel der unterliegenden Partei auferlegt werden. Da eine Rückweisung pra-
xisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führenden Partei gilt (BGE 137
V 57 E. 2.1 m.H.), sind dem Beschwerdeführer keine Verfahrenskosten
aufzuerlegen. Ihm ist der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800.– nach
Eintritt der Rechtskraft des Urteils zurückzuerstatten. Der Vorinstanz kön-
nen ebenfalls keine Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 63 Abs. 2
VwVG).
9.2 Der obsiegende, anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat Anspruch
auf eine Parteientschädigung zu Lasten der Vorinstanz (Art. 64 Abs. 1
VwVG, Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Da keine Kostennote eingereicht wurde, ist die Entschädigung
aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Unter Be-
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rücksichtigung des Verfahrensausgangs, des gebotenen und aktenkundi-
gen Aufwands, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
vorliegend zu beurteilenden Verfahrens erscheint eine Parteientschädi-
gung von Fr. 2‘800.– (inkl. Auslagen) angemessen (Art. 9 Abs. 1, Art. 10
Abs. 2 VGKE).