Decision ID: f15367e1-c466-5035-820e-856e59efbdfb
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Am 27. Mai 2020 reichte die Agencia Tributaria, Oficina Nacional de
investigación del Fraude, Equipo Central de Información, Madrid, Spanien
(nachfolgend «AT») gestützt auf Art. 25bis des Abkommens vom 26. April
1966 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und Spanien zur
Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom
Einkommen und vom Vermögen (SR 0.672.933.21, nachfolgend: DBA CH-
ES) bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung (nachfolgend: ESTV oder
Vorinstanz) ein Amtshilfeersuchen betreffend B._ (nachfolgend:
«betroffene Person») ein. Die AT begründete im Wesentlichen, sie führe
eine Prüfung der Einkommenssteuern der betroffenen Person für die Jahre
2015 und 2016 durch. Diese habe zwar eine Steuererklärung eingereicht,
aber kein im Ausland erzieltes Einkommen deklariert. Indessen verfüge die
AT über die Information, dass die betroffene Person Inhaberin einer mit
Nummer identifizierten Kreditkarte der C._, sei. Diese werde vor al-
lem für Konsumausgaben in Spanien verwendet. Die betroffene Person sei
zur Stellungnahme betreffend diese Verbindung aufgefordert worden, habe
aber keine Informationen geliefert. Die Möglichkeiten, die Informationen in
Spanien zu erlangen, seien ausgeschöpft worden.
A.b Im Einzelnen verlangte die AT mit dem genannten Ersuchen (Akten der
Vorinstanz [vi-act.] 1) Folgendes:
“In order to ensure the proper assessment of taxes in Spain for B._, we
would be grateful if you could provide us with the following information for
years 2015 and 2016:
– Identification of the bank account linked to the banking card number (...) held by B._ issued by C._, Identification of holders,  or beneficial owners of the bank account.
– Bank statements of the above mentioned bank account.
– The date of opening or cancellation, or, as the case may be, the dates of granting and revocation of the authorisation.
– The balances of the accounts at 31 December and the average balance corresponding to the last quarter of the year for years 2015 and 2016.
In case other bank accounts, credit cards, safe deposit accounts would exist
at the entity C._ or any Bank linked to the above-mentioned banking
card resp. used to credit it, with the card holder as the holder, the beneficial
owner or an authorized person, please provide for these the information:
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a. Identification (name, last name, address, date of birth) of the account
holder(s), the beneficial(s) owner(s) or the authorized person(s);
b. The copy of account opening form(s) (incl. Form A or other documents
assessing the beneficial ownership) or application form.
c. Statements of assets as at each 1 January from 2015 to 2016;
d. Account statements from 1 January 2015 to 31 December 2016.
B.
Mit Editionsverfügung vom 5. Juni 2020 verlangte die ESTV von der
C._, die vorstehend (Bst. A.b) aufgeführten Informationen betref-
fend den Zeitraum vom 1. Januar 2015 bis zum 31. Dezember 2016 (vi-
act. 4).
C.
Auf diese Aufforderung hin teilte die C._, der ESTV am 18. Juni
2020 mit, es handle sich bei der genannten Bankkarte um eine Kreditkarte
«(...)», die im Januar 2014 durch eine ebensolche mit der Nummer (...)
ersetzt worden sei. Diese Verbindung sei im April 2018 gekündigt worden.
Beim eigenen Institut bestehe kein mit dieser Karte verbundenes Konto.
Die Rechnungen würden zu Lasten eines Kontos bei der D._ aus-
geglichen. Ferner bestätigte die Bank, der Kundin das für sie bestimmte
Informationsschreiben der ESTV übergeben zu haben (vi-act. 6).
D.
Mit Editionsverfügung vom 3. Juli 2020 verlangte die ESTV von der
D._ folgende Informationen für den Zeitraum vom 1. Januar 2015
bis zum 31. Dezember 2016 (vi-act. 7):
– ldentification of the bank account linked to the banking card number (...) [remplacée par (...)] held by B._ issued by C._.  of holders, signatory or beneficial owners of the bank account.
– Bank statements of the above mentioned bank account.
– The date of opening or cancellation, or, as the case may be, the dates of granting and revocation of the authorisation.
– The balances of the accounts at 31 December and the average balance corresponding to the last quarter of the year for years 2015 and 2016.
In case other bank accounts, credit cards, safe deposit accounts would exist
at the entity C._ or any Bank linked to banking card number (...) [rem-
placée par (...)] resp. used to credit it, with the card holder as the holder, the
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beneficial owner or an authorized person, please provide for these the infor-
mation:
a. Identification (name, last name, address, date of birth) of the account
holder(s), the beneficial(s), owner(s) or the authorized person(s);
b. The copy of account opening form(s) (incl. Form A or other documents
assessing the beneficial ownership) or application form;
c. Statements of assets as at each 1 January from 2015 to 2016;
d. Account statements from 1 January 2015 to 31 December 2016.
E.
Auf diese Aufforderung hin teilte die D._ der ESTV am 16. Juli 2020
mit, bei dem mit der Kreditkarte verbundenen Konto handle es sich um die
Geschäftsbeziehung mit der Kontostammnummer (...), Kontoinhaber sei
die E._ mit Sitz in Panama (nachfolgend: «Kontoinhaberin»); das
Konto sei am 15. August 2005 eröffnet und am 7. Januar 2020 geschlossen
worden. Beigelegt waren die angeforderten Konto-Auszüge sowie die Er-
öffnungsformulare, Unterschriftenkarten und Deklarationen. Aus der «Dec-
laration of identity of the beneficial owner (Form A pursuant to Art. 3 and 4
CDB)” vom 21. Oktober 2015 ergibt sich A._ als wirtschaftlich be-
rechtigte Person. Gemäss Unterschriftenkarte vom 6. Juli 2005 waren die-
ser und die betroffene Person je einzeln unterschriftsberechtigt (vi-act. 9).
F.
Gegenüber der betroffenen Person und der Kontoinhaberin hatte die ESTV
bereits am 6. November 2020 je eine Schlussverfügung betreffend die ge-
genüber der AT zu leistenden Amtshilfe erlassen (vgl. Beschwerdebeilagen
10 und 12). Auf die von diesen beiden Parteien je am 9. Dezember 2020
erhobenen Beschwerden trat das Bundesverwaltungsgericht mit Urteilen
A-6234/2020 respektive A-6235/2020 vom 12. Januar 2021 nicht ein.
G.
Nachdem A._ mit Schreiben vom 2. Dezember 2020 verlangt hatte,
er sei als beschwerdeberechtigte Person zu berücksichtigen, eröffnete ihm
die ESTV am 8. Dezember 2020, resp. in korrigierter Version am 21. De-
zember 2020 das rechtliche Gehör betreffend die vorgesehene Amtshilfe
(vi-act. 12, 15).
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Seite 5
H.
Mit Schlussverfügung vom 10. März 2021 (eröffnet am 11. März 2021) ver-
fügte die ESTV, sie werde der AT Personendaten von A._ übermit-
teln, welche auf dem Formular A und der Unterschriftenkarte zum Konto
Nr. (...) bei der D._ vorkommen (Dispositiv-Ziff. 1). Gleichzeitig
werde die AT darauf hingewiesen werden, dass die so übermittelten Infor-
mationen nur in Verfahren gegen die betroffene Person und nur für den im
Auskunftsersuchen genannten Sachverhalt verwertet werden dürften
(Ziff. 2 Bst. a) und diese nur Personen oder Behörden zugänglich gemacht
werden dürften, die mit der Veranlagung, Erhebung, Vollstreckung, Straf-
verfolgung oder mit der Entscheidung von Rechtsmitteln hinsichtlich der in
Art. 25bis DBA CH-ES genannten Steuern befasst seien; diese wiederum
dürften die Informationen nur für diese Zwecke verwenden (Ziff. 2.b). Das
Sistierungsgesuch wurde abgewiesen (Ziff. 3) und es wurden keine Kosten
erhoben (Ziff. 4) (vi-act. 29, fortan: «angefochtene Verfügung»; vi-act. 30).
I.
Mit Eingabe vom 12. April 2021 lässt A._ (nachfolgend: Beschwer-
deführer) gegen die angefochtene Verfügung Beschwerde erheben. In der
Hauptsache beantragt er die Aufhebung der Schlussverfügung vom 10.
März 2021 unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zudem stellt er die fol-
genden Anträge:
I Es sei das Verfahren (...) bis auf Weiteres zu sistieren.
II. Im Falle einer Übermittlung an die ersuchende Behörde seien in der von
der Beschwerdegegnerin zur Übermittlung an die ersuchende Behörde
vorgesehenen Kontounterlagen gewisse, vom Beschwerdegegner ge-
kennzeichnete Stellen zu schwärzen.
III. Der Umfang der Schlussverfügung vom 10. März 2021 sei dahingehend
zu erweitern, als dass auch die Übermittlung der in der an die betroffene
Person adressierten Schlussverfügung vom 6. November 2020 genannten
enclosures 2, 3 und 4 Bestandteil derselben ist.
J.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 17. Juni 2021 auf
Abweisung der Beschwerde.
K.
In seiner – nach mehrfach erstreckter Frist – am 16. November 2021 ein-
gelegten Replik hält der Beschwerdeführer an den Anträgen der Be-
schwerde fest.
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Seite 6
Auf die detaillierten Vorbringen der Verfahrensbeteiligten wird – soweit ent-
scheidwesentlich – im Rahmen der folgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32) be-
urteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen
nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Ver-
waltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG, SR 172.021).
Die ESTV gehört als Behörde nach Art. 33 VGG zu den Vorinstanzen des
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist
folglich für die Beurteilung der vorliegenden Sache zuständig.
1.2 Die Durchführung des DBA CH-ES richtet sich nach dem Bundesge-
setz über die internationale Amtshilfe in Steuersachen vom 28. September
2012 (SR 651.1, Steueramtshilfegesetz, StAhiG). Zu beachten sind dabei
insbesondere die auf den 1. Januar 2017 in Kraft getretenen Änderungen;
diese erfolgten mit dem Bundesbeschluss vom 18. Dezember 2015 über
die Genehmigung und die Umsetzung des Übereinkommens des Europa-
rats und der OECD über die gegenseitige Amtshilfe in Steuersachen (SR
0.652.1; nachfolgend: Amtshilfeübereinkommen; vgl. zum Bundesbe-
schluss AS 2016 5059 ff.). Allenfalls abweichende Bestimmungen des vor-
liegend anwendbaren DBA CH-ES gehen vor (Art. 1 Abs. 2 StAhiG).
1.3 Das Beschwerdeverfahren richtet sich nach den Bestimmungen über
die Bundesrechtspflege und somit nach dem VwVG, soweit das VGG oder
das StAhiG nichts anderes bestimmen (Art. 5 Abs. 1 und Art. 19 StAhiG,
Art. 37 VGG).
1.4 Zur Beschwerde berechtigt ist im Steueramtshilfeverfahren in erster Li-
nie die betroffene Person (Art. 3 Bst. a StAhiG). Dritte sind es nur, wenn
sie über ein schutzwürdiges Interesse verfügen (Art. 48 VwVG i.V.m.
Art. 19 Abs. 2 StAhiG). Da sie Schutz durch das Spezialitätsprinzip genies-
sen (nachstehend, E. 2.4), ist dies nur ausnahmsweise in besonderen
Konstellationen zu bejahen (BGE 146 I 172 E. 7.1, insb. 7.1.3; Urteil des
BGer 2C_687/2019 vom 13. Juli 2020 E. 6.1). Dritte, deren Beschwerdebe-
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Seite 7
rechtigung nicht offenkundig ist, müssen von der ESTV nicht informiert wer-
den; sie sind, soweit sie sich gegen die Übermittlung ihrer Personendaten
wenden wollen, grundsätzlich auf die datenschutzrechtlichen Rechtsbe-
helfe verwiesen. Melden sie sich von sich aus bei der ESTV, so gesteht
ihnen diese praxisgemäss die Parteistellung zur Wahrnehmung ihres aus
Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihei-
ten (SR 0.101, EMRK) und Art. 13 der Bundesverfassung (SR 101, BV)
fliessenden Rechts auf informationelle Selbstbestimmung zu. Das Bundes-
gericht heisst diese Praxis ausdrücklich gut (BGE 146 I 172 E. 7.3.3; Urteil
des BGer 2C_687/2019 E. 6.). Indessen geniessen sie in diesem Zusam-
menhang nur Parteistellung, soweit es der Wahrung ihrer eigenen Interes-
sen, also ihrer eigenen Rechte, die aus der informationellen Selbstbestim-
mung fliessen, dient (vgl. Urteil des BVGer A-6854/2018, A-6862/2018, und
A-1349/2019 vom 3. März 2020 E. 1.3.2; BGE 139 II 404 E. 11.1).
Der Beschwerdeführer ist somit mit Blick auf die ihn betreffenden, nach der
angefochtenen Verfügung an die AT zu übermittelnden Informationen ma-
teriell beschwert. Das gilt vorliegend umso mehr, nachdem die ersuchende
Behörde explizit um die Offenlegung der Personendaten des wirtschaftlich
Berechtigten des mit der betreffenden Kreditkarte verbundenen Kontos er-
suchte (vgl. BGE 139 II 404 E. 2.1.3). Der Beschwerdeführer hat sich am
vorinstanzlichen Verfahren beteiligt und ist Adressat der angefochtenen
Verfügung. Er ist nach alledem als nicht formell betroffene Person, soweit
er die Schwärzung seiner Daten verlangt hat, zur Beschwerde berechtigt
(vgl. Art. 19 Abs 2 StAhiG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG; vgl. BGE 146 I 172
E. 7.2 und 7.3.3; Urteil des BGer 2C_687/2019 vom 13. Juli 2020 E. 6.3).
1.5 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 50
Abs. 1 i.V.m. Art. 20 Abs. 3 VwVG und Art. 5 Abs. 2 StAhiG; 52 Abs. 1
VwVG), und der eingeforderte Kostenvorschuss wurde fristgerecht bezahlt
(Art. 63 Abs. 4 VwVG).
1.6 Auf die Beschwerde ist folglich einzutreten.
1.7 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann vorliegend die
Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich der Überschreitung und des
Missbrauchs des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit ge-
rügt werden (Art. 49 VwVG). Im Beschwerdeverfahren gilt die Untersu-
chungsmaxime, wonach der Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen
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ist (vgl. zum Ganzen: ULRICH HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Ver-
waltungsrecht, 8. Aufl. 2020, N. 1146 ff.; PIERRE TSCHANNEN et al., Allge-
meines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 30 N. 23). Weiter gilt der Grund-
satz der Rechtsanwendung von Amtes wegen; das Gericht ist an die Be-
gründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch
aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abwei-
sen (Art. 62 Abs. 4 VwVG; vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.w.H.).
1.8
1.8.1 Gebunden ist das Gericht demgegenüber an den Streitgegenstand.
Dieser besteht im Rechtsverhältnis, das Gegenstand der angefochtenen
Verfügung – und zwar in der Regel im Dispositiv – ist, soweit es im Streit
liegt, also angefochten ist. Der Streitgegenstand kann sich im Beschwer-
deverfahren nur verengen, nicht ausweiten. Fragen, über welche die erst-
instanzlich verfügende Behörde nicht entschieden hat, darf die zweite In-
stanz nicht beurteilen; spiegelbildlich sind neue Rechtsbegehren, die den
Streitgegenstand über den Verfügungsgegenstand hinaus erweitern, nicht
zulässig. Sehr ausnahmsweise sind Erweiterungen aus prozessökonomi-
schen Gründen zulässig, wenn sie in einem (sehr) engen Zusammenhang
mit dem Streitgegenstand stehen und die Verwaltung im Laufe des Verfah-
rens Gelegenheit hatte, sich zu der neuen Streitfrage zu äussern (vgl. MO-
SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsge-
richt, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.8 ff., 2.208 ff.; MOSER, in: Auer/Müller/Schindler,
Kommentar VwVG, 2. Aufl. 2018, Rz. 3 zu Art. 52 VwVG).
1.8.2 Der Streitgegenstand wie ihn die Beschwerdeanträge eingrenzen,
hat sich somit grundsätzlich innerhalb der Grenzen zu bewegen, die das
gegenständliche Dispositiv – und zwar namentlich dessen Ziffern 1 und 2
– zieht. Dazu stehen die Beschwerdeanträge II und III in einem Span-
nungsverhältnis: Der Beschwerdeantrag III zielt schon seinem Wortlaut zu-
folge auf eine Erweiterung des Verfahrens ab. Bei der Auslegung des Wort-
lautes des Beschwerdeantrags II anhand der Beschwerdebegründung
(Ziff. 16 ff.) ergibt sich, dass dieser nicht nur auf Schwärzungen der Unter-
schriftenkarte und des Formulars A (zusammen: «Enclosure 2») abzielt,
sondern auch auf die Kontoauszüge, die als «Enclosure 4» auch Gegen-
stand des Antrages III sind.
Der Beschwerdeführer macht zu Antrag III geltend, er sei der einzige wirt-
schaftliche Berechtigte an der Kontoinhaberin. Die betroffene Person –
seine Ehefrau – wisse um deren Existenz gar nicht, zeichnungsberechtigt
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Seite 9
für diese Gesellschaft sei sie nur für den Fall des Verlusts seiner Urteilsfä-
higkeit. Er bezahle über dieses Konto die Kreditkartenbezüge seiner Gat-
tin. Die Logik gebiete, dass er als der wirtschaftlich Berechtigte ein rechtlich
geschütztes Interesse daran haben müsse, die Übermittlung der Daten der
Kontoinhaberin überprüfen zu lassen – ebenso wie seine Gattin als be-
troffene Person, die mit der Kontoinhaberin nichts zu tun habe; andernfalls
sei sein rechtliches Gehör verletzt (Beschwerde Ziff. 23-26). Zu Antrag II
argumentiert er vorab materiell.
Die Vorinstanz führt in der Vernehmlassung dazu an, sie habe bei der Ent-
scheidfindung die «Enclosures» 2 bis 4 berücksichtigt, das rechtliche Ge-
hör des Beschwerdeführers sei diesbezüglich gewahrt worden. Er sei nicht
betroffene, sondern einzig beschwerdeberechtigte Person mit einge-
schränkter Beschwerdelegitimation; gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung verleihe die wirtschaftliche Berechtigung nicht umfas-
sende Legitimation oder Parteistellung, er könne sich einzig gegen die
Übermittlung seiner Personendaten wehren. Es sei weiter davon auszuge-
hen, dass er als wirtschaftlich Berechtigter an der Kontoinhaberin vom
Amtshilfeverfahren gewusst habe – gleichwohl habe er in eigenem Namen
vorerst passiv abgewartet, um sich erst nach Erlass der Schlussverfügun-
gen betreffend die betroffene Person und die Kontoinhaberin als beschwer-
deberechtigte Person bei der Vorinstanz zu melden – vorab nur mit zustell-
bevollmächtigtem Rechtsanwalt, der sich später eine neuerliche Frist zur
Stellungnahme habe einräumen lassen. Das Verhalten laufe Treu und
Glauben zuwider und sei nicht zu schützen. Die Schlussverfügungen ge-
genüber der Kontoinhaberin und der betroffenen Person seien mit den
Nichteintretensentscheiden des Bundesverwaltungsgerichts rechtskräftig
und deren Wiedererwägung stehe deshalb ausser Frage.
1.8.3 Die «Enclosures 3-4» sind nicht Gegenstand der angefochtenen Ver-
fügung, wohl aber der Schlussverfügungen betreffend die Kontoinhaberin
und der betroffenen Person (vgl. Beschwerdebeilagen 10, 12). Sie konnten
in jenen Verfahren angefochten werden, indessen wurde auf beide Be-
schwerden wegen nicht bezahlten Kostenvorschusses nicht eingetreten.
Das prozessuale Verhalten des Beschwerdeführers ist zumindest wider-
sprüchlich: Er macht vorliegend unter Berufung auf seine wirtschaftliche
Berechtigung an der Kontoinhaberin geltend, es müsse ihm in seinem Ver-
fahren vollständige Parteistellung zuerkannt werden – davor aber provo-
zierte die von ihm wirtschaftlich beherrschte Kontoinhaberin einen Nicht-
eintretensentscheid in dem Verfahren, in welchem die Beilagen Verfü-
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Seite 10
gungsgegenstand waren, die es nun nach dem Willen des Beschwerdefüh-
rers in seinem Verfahren wiederum sein sollen. Unabhängig von der Frage,
wie dieses Verhalten unter dem Aspekt von Treu und Glauben zu beurteilen
ist, kann dem Begehren um Ausweitung des Verfahrens auf Fragen, die im
Verfahren der Kontoinhaberin und der betroffenen Person offenkundig Ver-
fügungsgegenstand waren (und rechtskräftig beurteilt sind) kein prozess-
ökonomischer Nutzen beigemessen werden.
1.8.4 Der prozessuale Antrag III auf Erweiterung des Streitgegenstandes
ist demzufolge abzuweisen. Soweit der Beschwerdeführer sich gegen die
Übermittlung von Informationen wehrt, die nicht Gegenstand der angefoch-
tenen Verfügung sind, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. Dies betrifft
den Antrag II, soweit über «Enclosure 2» hinausgehend.
1.8.5 Nicht den Anträgen, wohl aber der Begründung der Beschwerde ist
zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer auch die Aufhebung der
Schlussverfügung vom 6. November 2020 in der Sache der betroffenen
Person verlangt (Beschwerde, Ziff. 27 und 29). Diese ist nach dem Nicht-
eintretensentscheid des Bundesverwaltungsgerichts in jener Sache (vorne,
Sachverhalt Bst. F) rechtskräftig und befindet sich von vornherein aus-
serhalb des Verfügungs- und damit auch des Streitgegenstandes (vgl.
auch soeben, E. 1.8.3). Hierauf ist ebenfalls nicht einzutreten.
2.
2.1 Staatsvertragliche Grundlage für die Leistung von Amtshilfe in Steuer-
sachen gegenüber Spanien ist Art. 25bis DBA CH-ES sowie Ziff. IV des da-
zugehörigen Protokolls vom 29. Juni 2009 (nachfolgend: Protokoll) in den
geltenden Fassungen gemäss Art. 9 bzw. Art. 10-12 des Änderungsproto-
kolls vom 27. Juli 2011 (von der Bundesversammlung genehmigt am
15. Juni 2012, in Kraft seit 24. August 2013, und im Fall von Einkommens-
und Vermögenssteuern anwendbar auf die Steuerjahre seit 1. Januar
2010; Art. 13 Abs. 2 Bst. [iii] des Änderungsprotokolls, AS 2013 2367,
2375 f.; BBl 2011 9153). Gemäss Art. 25bis Abs. 1 DBA CH-ES tauschen
die zuständigen Behörden der Vertragsstaaten diejenigen Informationen
aus, die zur Durchführung des Abkommens oder zur Anwendung oder
Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts über Steuern jeder Art und Be-
zeichnung, die für Rechnung der Vertragsstaaten, ihrer politischen Unter-
abteilungen oder lokalen Körperschaften erhoben werden, voraussichtlich
erheblich sind, soweit die diesem Recht entsprechende Besteuerung nicht
dem Abkommen widerspricht. Der Informationsaustausch ist dabei durch
die Art. 1 und 2 DBA CH-ES nicht eingeschränkt.
A-1679/2021
Seite 11
2.2
2.2.1 Das Verbot der Beweisausforschung ist Ausdruck des Verhältnismäs-
sigkeitsgrundsatzes. Es sollen soweit als möglich relevante Informationen
ausgetauscht werden können, ohne dass ein Vertragsstaat «fishing expe-
ditions» eines anderen Staates unterstützen oder Informationen liefern
muss, deren Relevanz unwahrscheinlich ist (BGE 144 II 206 E. 4.2; Urteil
des BVGer A-4192/2020, A-4194/2020, A-4196/2020 vom 25. März 2021
E. 2.3.1 mit Hinweisen).
2.2.2 Ziff. IV Abs. 3 des Protokolls hält dementsprechend fest, dass der
Zweck der Verweisung auf Informationen, die voraussichtlich erheblich
sind, darin besteht, einen möglichst weit gehenden Informationsaustausch
in Steuerbelangen zu gewährleisten, ohne den Vertragsstaaten zu erlau-
ben, «fishing expeditions» zu betreiben oder um Informationen zu ersu-
chen, deren Erheblichkeit hinsichtlich der Steuerbelange einer bestimmten
steuerpflichtigen Person unwahrscheinlich ist. Ziff. IV Abs. 2 des Protokolls
sieht zwar wichtige verfahrenstechnische Voraussetzungen für die Vermei-
dung von «fishing expeditions» vor; seine Bst. a-e sind jedoch nicht so aus-
zulegen, dass sie einen wirksamen Informationsaustausch behindern (Ur-
teile des BVGer A-4192/2020 vom 25. März 2021 E. 2.3.2, A-5737/2019
vom 26. August 2020 E. 4.2.1 [das BGer ist mit Urteil 2C_842/2020 vom
14. Oktober 2020 auf die Beschwerde nicht eingetreten]).
2.2.3 Als zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts
voraussichtlich erheblich gelten Informationen, die für den ersuchenden
Staat notwendig sind, um eine dort steuerpflichtige Person korrekt zu be-
steuern. Ob eine Information in diesem Sinne erheblich ist, kann in der Re-
gel nur der ersuchende Staat abschliessend beurteilen. Die Rolle des er-
suchten Staates beschränkt sich dabei darauf, zu überprüfen, ob die vom
ersuchenden Staat verlangten Informationen und Dokumente mit dem im
Ersuchen dargestellten Sachverhalt zusammenhängen und ob sie mög-
licherweise dazu geeignet sind, im ausländischen Verfahren verwendet zu
werden (sog. Plausibilitätskontrolle; zum Ganzen: BGE 144 II 29 E. 4.2.2,
142 II 161 E. 2.1.1, je mit weiteren Hinweisen; Urteil des BVGer
A-4192/2020 vom 25. März 2021 E. 2.3.4).
Vor diesem Hintergrund darf der ersuchte Staat Auskünfte mit der Begrün-
dung, die verlangten Informationen seien nicht notwendig, nur verweigern,
wenn ein Zusammenhang zwischen den verlangten Angaben und der im
ersuchenden Staat durchgeführten Untersuchung unwahrscheinlich er-
A-1679/2021
Seite 12
scheint (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.2, 141 II 436 E. 4.4.3 mit weiteren Hin-
weisen; Urteil des BVGer A-4192/2020 vom 25. März 2021 E. 2.3.4; vgl.
zum Kriterium der voraussichtlichen Erheblichkeit auch Art. 26 Abs. 1 des
Musterabkommens der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung zur Vermeidung der Doppelbesteuerung von Einkommen
und Vermögen [nachfolgend: OECD-MA]). In letzterem Sinne ist auch
Art. 17 Abs. 2 StAhiG zu verstehen, wonach Informationen, welche voraus-
sichtlich nicht erheblich sind, nicht übermittelt werden dürfen (Urteil des
BVGer A-2175/2021 vom 22. September 2021 E. 2.2.1; vgl. auch Art. 4
Abs. 3 StAhiG). Keine Rolle spielt dagegen, wenn sich nach der Beschaf-
fung der Informationen herausstellt, dass diese nicht relevant sind (BGE
143 II 185 E. 3.3.2 mit Hinweisen).
2.2.4 Die Voraussetzung der voraussichtlichen Erheblichkeit ist demnach
erfüllt, wenn im Zeitpunkt der Gesuchstellung eine vernünftige Möglichkeit
besteht, dass sich die angefragten Angaben als in diesem Sinn erheblich
erweisen werden. Die voraussichtliche Erheblichkeit von geforderten Un-
terlagen oder Auskünften muss sich bereits aus dem Amtshilfegesuch er-
geben (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.2; Urteil des BVGer A-3810/2020 vom
16. März 2021 E. 2.2.3). Soweit die Behörden des ersuchenden Staates
verpflichtet sind, den massgeblichen Sachverhalt darzulegen, kann von
ihnen nicht erwartet werden, dass sie dies bereits lückenlos und völlig wi-
derspruchsfrei tun. Dies wäre mit Sinn und Zweck der Amtshilfe nicht ver-
einbar, sollen doch aufgrund von Informationen und Unterlagen, die sich
im ersuchten Staat befinden, bisher im Dunkeln gebliebene Punkte erst
noch geklärt werden. Daher ist gemäss Rechtsprechung von der ersuchen-
den Behörde nicht der strikte Beweis des Sachverhalts zu verlangen, doch
muss sie hinreichende Verdachtsmomente für dessen Vorliegen dartun
(Urteil des BVGer A-3810/2020 vom 16. März 2021 E. 2.4 mit Hinweisen).
2.2.5 Die Übermittlung von Informationen zu Personen, die nicht betroffene
Personen sind, ist gemäss Art. 4 Abs. 3 StAhiG unzulässig, wenn diese In-
formationen für die Beurteilung der Steuersituation der betroffenen Person
nicht voraussichtlich relevant sind oder wenn berechtigte Interessen von
Personen, die nicht betroffene Personen sind, das Interesse der ersuchen-
den Seite an der Übermittlung der Informationen überwiegen.
Rechtsprechungsgemäss ist der Begriff der «nicht betroffenen Person»
nach Art. 4 Abs. 3 StAhiG restriktiv zu verstehen (vgl. BGE 142 II 161
E. 4.6.1 f.). Damit sollen in Anwendung des Verhältnismässigkeitsprinzips
nur Personen geschützt werden, die schlichtweg nichts mit dem im Amts-
A-1679/2021
Seite 13
hilfeersuchen geschilderten Sachverhalt zu tun haben, deren Namen also
rein zufällig in den weiterzuleitenden Dokumenten auftauchen (« fruit d'un
pur hasard »; Botschaft des Bundesrates vom 5. Juni 2015 zur Genehmi-
gung des Übereinkommens des Europarats und der OECD über die ge-
genseitige Amtshilfe in Steuersachen und zu seiner Umsetzung [Änderung
des StAhiG], BBl 2015 5585, 5623; statt vieler: Urteil des BVGer
A-3791/2017 vom 5. Januar 2018 E. 5.2.2 m.w.H.). In gewissen Konstella-
tionen ist es aber unumgänglich, auch über Personen Informationen zu er-
teilen, welche nicht betroffene Personen sind. Können die ersuchten Infor-
mationen für die Steuerpflicht der im ersuchenden Staat zu besteuernden
Person « voraussichtlich erheblich » sein und ist ihre Übermittlung unter
Verhältnismässigkeitsgesichtspunkten erforderlich, d.h. wenn die Ausson-
derung, Schwärzung oder anderweitige Unkenntlichmachung der Informa-
tionen den Zweck des Amtshilfeersuchens vereiteln würden, so sind sie
dem ersuchenden Staat zu übermitteln (vgl. ausführlich mit Beispielen:
BGE 144 II 29 E. 4.2.2 ff., 143 II 506 E. 5.2.1, 142 II 161 E. 4.6.1; Urteile
des BGer 2C_67/2021 vom 28. Januar 2021 E. 3.1, 2C_387/2016 vom
5. März 2018 E. 5.1; zum Ganzen statt vieler: Urteil des BVGer
A-2177/2021 vom 22. September 2021 E. 3.3.4).
Das Bundesgericht hat insbesondere die Namen von an Banktransaktio-
nen beteiligten Dritten, da sie geeignet waren, den Wohnsitz des Steuer-
pflichtigen zu ermitteln, als voraussichtlich erheblich qualifiziert und somit
deren Ermittlung zugelassen (BGE 142 II 161 E. 4.6.2; vgl. auch Urteil des
BGer 2C_545/2019 vom 13. Juli 2020 E. 4.3). Dasselbe hat das Bundes-
gericht bezüglich der Namen von an einem Bankkonto einer Gesellschaft
wirtschaftlich Berechtigten entschieden, wenn ein genügend enger Zusam-
menhang zum Steuersachverhalt besteht und davon auszugehen ist, dass
dessen Identität geeignet ist, Letzteren weiter zu erhellen (Urteil des BGer
2C_545/2019 vom 13. Juli 2020 E. 4.4; vgl. auch Urteil des BGer
2C_387/2016 vom 5. März 2018 E. 5.2 f., wobei das Bundesgericht im
Sinne eines Spezialfalls nur die Namen der wirtschaftlich Berechtigten mit
demselben Familiennamen wie der Steuerpflichtige als voraussichtlich er-
heblich qualifizierte).
2.3 Ein wichtiges Element in der internationalen Behördenzusammenarbeit
bildet der Grundsatz, wonach – ausser bei offenbarem Rechtsmissbrauch
oder bei berechtigten Fragen im Zusammenhang mit den in Art. 7 StAhiG
genannten Konstellationen – prinzipiell kein Anlass besteht, an Sachver-
haltsdarstellungen und Erklärungen anderer Staaten zu zweifeln (sog. völ-
kerrechtliches Vertrauensprinzip; BGE 144 II 206 E. 4.4, 143 II 224 E. 6.3,
A-1679/2021
Seite 14
je mit weiteren Hinweisen; Urteil des BVGer A-2175/2021 vom 22. Septem-
ber E. 2.3). Auf diesem Vertrauen gründet letztlich das ganze Amtshilfever-
fahren. Dementsprechend ist die ESTV an die Darstellung des Sachver-
halts im Ersuchen insoweit gebunden, als diese nicht wegen offensichtli-
cher Fehler, Lücken oder Widersprüche sofort entkräftet werden kann (vgl.
BGE 139 II 451 E. 2.2.1; Urteile des BVGer A-2175/2021 vom 22. Septem-
ber E. 2.3, A-674/2020 vom 24. August 2021 E. 3.9). Gleiches gilt für die
vom ersuchenden Staat abgegebenen Erklärungen. Werden diese sofort
entkräftet, kann der ersuchte Staat ihnen nicht mehr vertrauen (vgl. Urteil
des BVGer A-674/2020 vom 24. August 2021 E. 3.9). Folglich ist die Wah-
rung des Grundsatzes erst bei konkreten Anhaltspunkten auf eine zweck-
widrige Verwendung im ersuchenden Staat zu überprüfen (vgl. BGE 128 II
407 E. 3.2; Urteil des BGer 2C_653/2018 vom 26. Juli 2019 E. 7.3; Urteil
des BVGer A-5034/2020 vom 7. Mai 2021 E. 2.4.1). Es liegt dabei an der
betroffenen Person, den Sachverhalt mittels Urkunden klarerweise und
entscheidend zu widerlegen (vgl. BGE 139 II 451 E. 2.3.3; Urteile des
BVGer A-674/2020 vom 24. August 2021 E. 3.9, A-5034/2020 vom 7. Mai
2021 E. 2.4.1).
2.4
2.4.1 Nach ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts bedeutet das
Spezialitätsprinzip, dass der ersuchende Staat die vom ersuchten Staat
erlangten Informationen einzig in Bezug auf Personen oder Handlungen
verwenden darf, für welche er sie verlangt und der ersuchte Staat sie ge-
währt hat (statt vieler und ausführlich hergeleitet: Urteile des BVGer
A-1348/2019 vom 3. März 2020 E. 4.5.1, A-108/2018 vom 13. Februar
2020 E. 10.1, A-5046/2018 vom 22. Mai 2019 E. 2.5). Die in den Unterla-
gen erwähnten Personen sind damit durch das Spezialitätsprinzip ge-
schützt, welches auch eine persönliche Dimension aufweist (BGE 147 II 13
E. 3.4.3 und 3.5, 146 I 172 E. 7.1.3).
2.4.2 Das völkerrechtliche Vertrauensprinzip (oben E. 2.3) spielt auch eine
Rolle in Bezug auf das Spezialitätsprinzip. Gestützt auf das Vertrauens-
prinzip kann grundsätzlich als selbstverständlich vorausgesetzt werden,
dass der Spezialitätsgrundsatz durch Staaten eingehalten wird, die mit der
Schweiz durch einen Amts- oder Rechtshilfevertrag verbunden sind, ohne
dass die Einholung einer ausdrücklichen Zusicherung notwendig wäre (vgl.
BGE 128 II 407 E. 3.2 und 4.3.1, 115 Ib 373 E. 8, 107 Ib 264 E. 4b; Urteil
des BGer 2C_653/2018 vom 26. Juli 2019 E. 7.3; BVGE 2018 III/1 E. 2.9.1;
zum Ganzen: Urteil des BVGer A-2177/2021 vom 22. September 2021
E. 3.5.2).
A-1679/2021
Seite 15
2.5
2.5.1 Nach dem in Ziff. IV Abs. 1 des Protokolls erwähnten Subsidiaritäts-
prinzip (vgl. dazu und zur vergleichbaren Regelung in Art. 6 Abs. 2 Bst. g
StAhiG statt vieler: Urteil des BVGer A-2725/2019 vom 25. Februar 2020
E. 2.6.1 mit Hinweisen) besteht Einvernehmen darüber, dass der ersu-
chende Vertragsstaat ein Begehren um Austausch von Informationen erst
dann stellt, wenn er zur Beschaffung der Informationen alle in seinem in-
nerstaatlichen Steuerverfahren vorgesehenen üblichen Mittel ausge-
schöpft hat, sofern dies nicht mit unverhältnismässigen Schwierigkeiten
verbunden ist.
2.5.2 Aufgrund des völkerrechtlichen Vertrauensprinzips (vgl. oben E. 2.3)
besteht rechtsprechungsgemäss kein Anlass, an einer von der ersuchen-
den Behörde abgegebenen Erklärung der Ausschöpfung aller üblichen in-
nerstaatlichen Mittel zu zweifeln, es sei denn, es liege ein gegen die Ein-
haltung des Subsidiaritätsprinzips sprechendes sowie ein ernsthafte Zwei-
fel an der Richtigkeit der Erklärung begründendes konkretes Element vor
(vgl. BGE 144 II 206 E. 3.3.2; Urteile des BVGer A-2175/2021 vom
22. September 2021 E. 2.5.2, A-5034/2020 vom 7. Mai 2021 E. 2.5.2).
3.
Im vorliegenden Fall bringen Vorinstanz und Beschwerdeführer vor, was
folgt:
3.1 Die Vorinstanz hält in der angefochtenen Verfügung fest, sie gehe dem
völkerrechtlichen Vertrauensprinzip folgend davon aus, die AT habe alle für
den fraglichen Zeitraum (Steuerjahre 2015 und 2016) nach innerstaatli-
chem Verfahren üblichen Auskunftsquellen ausgeschöpft. Gemäss Amts-
hilfeersuchen lägen Hinweise vor, wonach die betroffene Person in Spa-
nien einer Steuerpflicht unterstehe und die ersuchten Informationen sich
als notwendig erwiesen, den vermuteten Sachverhalt – nicht deklarierte
Einkommen und Vermögenswerte in der Schweiz – aufzuklären und Aus-
wirkungen auf die Steuer zu prüfen. Die AT habe die Erheblichkeit genü-
gend klar dargelegt. Über die Leistung der Amtshilfe sei mit den Schluss-
verfügungen in den Verfahren der betroffenen Person und der Kontoinha-
berin entschieden worden. Eine Drittperson habe gemäss der Rechtspre-
chung nur im Zusammenhang mit der Schwärzung der sie betreffenden
Informationen ein schutzwürdiges Interesse und könne die Amtshilfe als
solche nicht in Frage stellen.
A-1679/2021
Seite 16
Das Vorbringen zum angeblich verletzten Subsidiaritätsprinzip sei nicht zu
hören, da über die Amtshilfe an sich bereits entschieden worden sei. Ge-
mäss Ziff. IV des Protokolls zum DBA CH-ES sei vom ersuchenden Staat
erwartet, dass er die zumutbaren, verhältnismässigen innerstaatlichen Mit-
tel ausschöpfe, nicht alle (auch mit unverhältnismässigen Schwierigkeiten
verbundenen) möglichen. Aufgrund des völkerrechtlichen Vertrauensprin-
zips sei die Vorinstanz im Grundsatz an die Sachverhaltsdarstellungen der
ersuchenden Behörde gebunden; deren entsprechende Erklärung reiche
aus. Mit dem vorliegend zu beurteilenden Ersuchen würden keine Informa-
tionen erfragt, die der AT infolge des die Steuerjahre 2012 und 2013 betref-
fenden Gesuches vom 30. Oktober 2017 schon vorlägen. Es werde die
Übermittlung zusätzlicher Informationen erbeten, was die AT in Kenntnis
des hängigen Verfahrens für die Jahre 2012 und 2013 für notwendig er-
achtet habe. Sie, die Vorinstanz, habe nur zu prüfen, ob das Ersuchen
keine offensichtlichen Fehler, Lücken oder Widersprüche aufweise, was
nicht ersichtlich sei. Schliesslich begründe der Beschwerdeführer nicht,
weshalb die betroffene Person die Informationen nicht offenlegen müsse
und weshalb die Informationen zum Ersuchen von 2017 ausreichen sollten.
Das Subsidiaritätsprinzip sei nicht verletzt. Sistierungen seien nur restriktiv
zu bewilligen, da unnötige Verzögerungen das Beschleunigungsgebot ver-
letzten und den völkerrechtlichen Verpflichtungen zum wirksamen Informa-
tionsaustausch zuwiderliefen. Zwingende Gründe, die folglich für eine Sis-
tierung notwendig wären, lägen nicht vor.
Informationen zu Personen, die nicht betroffene Personen seien, seien un-
zulässig, wenn diese Informationen für die Beurteilung der betroffenen Per-
sonen nicht voraussichtlich relevant seien oder wenn deren Interessen die-
jenigen der ersuchenden Behörde überwögen. Vorliegend habe die AT die
Identität der wirtschaftlich berechtigten und zeichnungsberechtigten Perso-
nen explizit erfragt; die Information, dass es sich dabei um den Beschwer-
deführer handle, sei für die Beurteilung der Steuersituation der betroffenen
Person voraussichtlich erheblich. Mit der Übermittlung der Daten werde die
AT auf die Einschränkung der Verwendbarkeit dieser Informationen und
den Spezialitätsvorbehalt des Art. 25bis Abs. 2 DBA CH-ES aufmerksam
gemacht.
3.2 Der Beschwerdeführer verweist auf das Amtshifeersuchen der AT vom
30. Oktober 2017, dem mit Bundesgerichtsurteil 2C_287/2019,
2C_288/2019 entsprochen worden sei. Der Inhalt des Amtshilfeersuchens
vom 20. Mai 2020 beschlage «exakt denselben angeblichen Sachverhalt»
wie jenes vom 30. Oktober 2017 – dieses sei einfach, inklusive mittlerweile
A-1679/2021
Seite 17
veralteter Kartennummer, kopiert worden. Es handle sich um ein Aus-
kunftsersuchen auf Vorrat, eine eigentliche «fishing expedition». Beim Stel-
len des Gesuchs vom 20. Mai 2020 habe die AT die auf das Gesuch von
2017 hin übermittelten Unterlagen noch nicht sichten können. Sie sei an-
zuhalten, dies zu tun. Die Zusicherung, die im innerstaatlichen Verfahren
verfügbaren Mittel ausgeschöpft zu haben, treffe nicht mehr zu. Die be-
troffene Person sei nicht verpflichtet, die erfragten Informationen offenzu-
legen; sehe die AT dies anders, habe sie dies anhand der übermittelten
Unterlagen zu belegen. Mangels Ausschöpfens der innerstaatlichen Mög-
lichkeiten sei das Subsidiaritätsprinzip verletzt. Die Sichtung und Beurtei-
lung der bereits übermittelten Unterlagen sei offensichtlich für die nun zu
entscheidende Übermittlung präjudiziell, weshalb das Verfahren zu sistie-
ren sei.
Für den Fall der Weiterführung des Verfahrens legt der Beschwerdeführer
Versionen der «Enclosures» 2 und 4 mit eigenen Schwärzungen vor, die
über jene der Vorinstanz hinausgehen. Es gehe dabei um nicht betroffene
Personen im Sinne von Art. 3 Bst. b [recte: a] StAhiG, wozu auch er, der
Beschwerdeführer, gehöre. Auf die Steuerjahre 2015 und 2016 sei die bis
Ende 2016 geltende Fassung von Art. 4 Abs. 3 StAhiG anwendbar, gemäss
welcher die Übermittlung von Informationen über nicht betroffene Personen
generell unzulässig sei. Selbst unter der Annahme, es komme das heute
geltende Recht zur Anwendung, seien diese Informationen gestützt auf das
Bundesgerichtsurteil 2C_287/2019, 2C_288/2019 E. 5.3 als voraussicht-
lich nicht erheblich zu qualifizieren. Das Konto, dessen Daten übermittelt
werden sollten, sei vorliegend nicht erheblich: Der Beschwerdeführer zahle
einfach die Kreditkartenrechnungen seiner Frau über dieses Konto, das
formell einer Firma gehöre, von deren Existenz diese gar nicht wisse. Im
Bestreitungsfall sei die Erheblichkeit mittels eines Gutachtens zu klären.
Infolge der Verletzung des Subsidiaritätsprinzips sei nicht nur das Verfah-
ren zu sistieren, sondern sei die vorliegend angefochtene Schlussverfü-
gung (und jene betreffend die betroffene Person) aufzuheben, da die Vo-
raussetzungen zum Stellen des Ersuchens nicht erfüllt gewesen seien. Die
Zusicherung der ersuchenden Behörde, die innerstaatlichen Mittel seien
ausgeschöpft, könne nur Bestand haben, wenn kein Anlass zu Zweifel an
dieser bestehe. Die Vorinstanz wisse nun aber genau, dass sie der ersu-
chenden Behörde die erforderlichen Unterlagen bereits im Vollzug des Er-
suchens vom 30. Oktober 2017 übermittelt habe; sie könne nicht vom gu-
ten Glauben der AT ausgehen.
A-1679/2021
Seite 18
4.
4.1 Vorab ist die Frage der Einhaltung des Subsidiaritätsprinzips (vgl. dazu
im Allgemeinen vorne, E. 2.5) zu beantworten. Wie ersichtlich, rügt der Be-
schwerdeführer, die ersuchende Behörde habe mit dem Ersuchen vom
27. Mai 2020 ein gleichlautendes Gesuch wie am 30. Oktober 2017 ge-
stellt, bevor sie die damals eingeforderten Informationen überhaupt erhal-
ten habe und habe sichten können. Die Frage der einkommenssteuerrecht-
lichen Relevanz beantworte sich aufgrund der erst noch vorzunehmenden
Beurteilung jener Informationen.
4.2 Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Das Gesuch vom 30. Ok-
tober 2017 beschlug die Steuerjahre 2012 und 2013, für welche die be-
troffene Person gemäss der ersuchenden Behörde keine Steuerklärung
eingereicht hatte. Das Gesuch vom 27. Mai 2020 dagegen betrifft die Steu-
erjahre 2015 und 2016; wiederum gemäss der ersuchenden Behörde habe
die betroffene Person zwar eine Steuererklärung eingereicht, aber keine
Werte im Ausland deklariert und auf Rückfragen zu der bekannten Kredit-
kartenverbindung nicht reagiert. Die Sachverhalte decken sich bereits an-
hand der Eckdaten nicht. Von dieser formalen Betrachtungsweise abgese-
hen können sich Bankbeziehungen und wirtschaftliche Verhältnisse be-
kanntlich auch kurzfristig ändern. Selbst wenn die ersuchende Behörde
mittlerweile über Angaben zur fraglichen Kreditkartenbeziehung und zur
Kontoverbindung in den Steuerjahren 2012 und 2013 verfügt, ist damit über
eine Beurteilung der Verhältnisse in den Steuerjahren 2015 und 2016
nichts gesagt. Massgeblich sind die Verhältnisse der jeweils zu beurteilen-
den Steuerperiode. Es mag sein, dass sich die Verhältnisse und die Beur-
teilung aus innerspanischer steuerrechtlicher Sicht für die beiden Perioden
decken, doch ist dies einerseits nicht zwingend und anderseits nicht durch
die Behörden des ersuchten Staates zu entscheiden. Folglich vermag der
Umstand, dass die ersuchende Behörde über die am 30. Oktober 2017
angefragten Informationen mittlerweile verfügt, keinen Anlass zu begrün-
den, der an der Erklärung über die Ausschöpfung der innerstaatlichen Mit-
tel zweifeln liesse (vorne, E. 2.5.2).
4.3 Verfahrenssistierungen im Bereich der Steueramtshilfe tangieren das
Beschleunigungsgebot (Art. 4 Abs. 2 StAhiG) und laufen den völkerrechtli-
chen Verpflichtungen der Schweiz zu einem wirksamen Informationsaus-
tausch zuwider, welche die Schweiz seit der Übernahme des internationa-
len Standards von Art. 26 des Musterabkommens der OECD (OECD-MA)
gegenüber ihren Vertragspartnern eingegangen ist (vgl. im Verhältnis zu
Spanien Art. 25bis Abs. 1 DBA CH-ES). Sie sind – wie das Bundesgericht
A-1679/2021
Seite 19
im von Vorinstanz und Beschwerdeführer zitierten Urteil 2C_804/2019 vom
21. April 2020 (E. 3.4) festhält – nur äusserst restriktiv anzuordnen und ge-
nerell zu vermeiden, wenn sie eine substantielle Verzögerung zur Folge
haben. Davon unabhängig, dass kein zwingender Grund für eine Verfah-
renssistierung ersichtlich ist – insbesondere nicht die behauptete Verlet-
zung des Subsidiaritätsprinzips –, verbietet bereits letztere Überlegung
eine weitere Verzögerung des Verfahrens, das in der Hauptsache mit der
Rechtskraft der Schlussverfügungen vom 6. November 2020 abgeschlos-
sen wäre und massgeblich durch den späten Verfahrenseintritt des Be-
schwerdeführers und mehrere Fristerstreckungen von seiner Seite na-
mentlich im Beschwerdeverfahren in die Länge gezogen wird.
Nichts hilft dem Beschwerdeführer schliesslich der Hinweis auf die vom
Bundesgericht im soeben genannten Entscheid zitierte « Konstellation [für
eine ausnahmsweise Sistierung], in der sich in einem Verfahren vor der
Vorinstanz die gleiche entscheidwesentliche Rechtsfrage grundsätzlicher
Bedeutung stellt, die bereits in einer anderen Sache vor dem Bundesge-
richt hängig ist ». Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist
diese Konstellation nicht gegeben. Es ist nicht nachgewiesen, dass bezüg-
lich der angeblich grundsätzlichen Frage – wie oft eine ersuchende Be-
hörde ein Ersuchen mit identischem angeblichem Sachverhalt stellen
könne (Replik Ziff. 4) – ein Pilotfall hängig wäre. Davon abgesehen stellt
sich diese Frage vorliegend gar nicht, da die Identität der beiden Ersuchen
zu verneinen ist (soeben, E. 4.2).
5.
Die Vorinstanz beabsichtigt, die zur Übermittlung vorgesehenen Unterla-
gen an einzelnen Stellen zu schwärzen. Der Beschwerdeführer verlangt
mit der Beschwerde weitergehende Schwärzungen betreffend «Enclosure
2». Soweit er auch Schwärzungen betreffend «Enclosures 3-4» verlangt,
wurde darauf bereits nicht eingetreten, weil diese nicht Streitgegenstand
des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden (E. 1.8.4).
5.1
5.1.1 Der Beschwerdeführer macht zunächst geltend, für die Steuerjahre
2015 und 2016 sei die alte Fassung des Art. 4 Abs. 3 StAhiG anwendbar,
gemäss welcher die Übermittlung von Informationen zu Personen, die nicht
betroffene Personen seien, generell unzulässig sei.
5.1.2 Die bis zum 31. Dezember 2016 geltende Fassung der genannten
Bestimmung lautete «Die Übermittlung von Informationen zu Personen, die
A-1679/2021
Seite 20
nicht vom Ersuchen betroffen sind, ist unzulässig» (AS 2013 232). Mit der
auf den 1. Januar 2017 in Kraft gesetzten Änderung des Steueramtshilfe-
gesetzes ist sie nun unzulässig, «wenn diese Informationen für die Beur-
teilung der Steuersituation der betroffenen Person nicht voraussichtlich re-
levant sind oder wenn berechtigte Interessen von Personen, die nicht be-
troffene Personen sind, das Interesse der ersuchenden Seite an der Über-
mittlung der Informationen überwiegen». Diese Ergänzung des Gesetzes-
wortlautes ist nur vermeintlich eine materielle Rechtsänderung. Bereits in
der alten Fassung war Art. 4 Abs. 3 StAhiG so auszulegen, dass er den
Zweck von Amtshilfebestimmungen in Doppelbesteuerungsabkommen
nicht vereitelt, deren Vollzug das Steueramtshilfegesetz nach Art. 1 Abs. 1
Bst. a StAhiG gerade bezweckt und denen dieses Gesetz im Konfliktfall
nachgeht. Das bedeutet, dass Art. 4 Abs. 3 StAhiG der Übermittlung von
Informationen zu Dritten (wie z.B. deren Namen) in der alten wie auch der
neuen Fassung nicht entgegensteht, wenn diese Informationen für den gel-
tend gemachten Steuerzweck voraussichtlich erheblich sind und ihre Über-
mittlung erforderlich ist, d.h. die Aussonderung, Schwärzung oder ander-
weitige Unkenntlichmachung der Informationen den Zweck des Amtshil-
feersuchens vereiteln würde (vgl. BGE 144 II 29 E. 4.2.3; 143 II 136 E. 4.1;
142 II 161 E. 4.6.1; vgl. zusammenfassend Urteil des BGer 2C_687/2019
vom 13. Juli 2020 E. 1.4.1).
5.1.3 Mithin ist mit der Vorinstanz – unbesehen von der Frage des anwend-
baren Rechts – nicht von einer generellen Unzulässigkeit der Übermittlung
von Daten zu Drittpersonen auszugehen, sondern nur im Falle der fehlen-
den voraussichtlichen Erheblichkeit.
5.2 Der Beschwerdeführer beantragt betreffend das «Enclosure 2» die
Schwärzung faktisch aller Daten, die über die Identitätsdaten der betroffe-
nen Person und der Kontoinhaberin hinausgehen (vgl. Beschwerdebei-
lage 7).
5.2.1 Wie vorstehend (E. 1.4) ausgeführt, geniesst der Beschwerdeführer
Parteistellung nur, soweit es der Wahrung seiner eigenen Interessen, also
seiner eigenen Rechte, die aus der informationellen Selbstbestimmung
fliessen, dient. Daraus folgt, dass er nicht legitimiert ist, die Löschung von
Personendaten zu fordern, die nicht seine eigenen sind. Soweit er also die
Schwärzung der Personennamen, Unterschriften und Funktionsbezeich-
nungen aus dem Umfeld der Kontoinhaberin fordert, ist auf sein Begehren
nicht einzutreten.
A-1679/2021
Seite 21
5.2.2
Es bleibt zu prüfen, ob die Personendaten des Beschwerdeführers, die sich
aus dem «Enclosure 2» ergeben und die ihn als an dem Konto wirtschaft-
lich Berechtigten und zeichnungsberechtigte Person (inkl. Funktionsbe-
zeichnung) ausweisen, zu schwärzen sind.
5.2.2.1 Gemäss den Ausführungen der ersuchenden Behörde im Amtshil-
feersuchen – auf die grundsätzlich abzustellen ist (vorne, E. 2.3) – habe
die betroffene Person zwar eine Steuererklärung für die fragliche Steuer-
periode eingereicht, aber kein Einkommen im Ausland angegeben. Man
habe ihr Rückfragen zu der konkreten, der Behörde bekannten, Kreditkar-
tenbeziehung gestellt, sowie generell zu « income and assets abroad », sie
habe indessen keine Antwort geliefert. Gemäss den edierten Unterlagen
werden die Belastungen der besagten Kreditkarte vom bekannten, der in
Panama domizilierten Kontoinhaberin gehörenden, Bankkonto gedeckt.
Dessen wirtschaftlich Berechtigter soll ausweislich der Unterlagen des
«Enclosure 2» der Beschwerdeführer sein, der seinen Wohnsitz in der Re-
publik Kap Verde habe. Zeichnungsberechtigt für das Konto, je mit Einzel-
unterschrift und identischer Funktionsbezeichnung, sind einzig der Be-
schwerdeführer und die betroffene Person.
5.2.2.2 Die betroffene Person bezieht mithin Geldwerte von einem Konto
bei einer schweizerischen Bank, das vordergründig einer im Ausland domi-
zilierten Gesellschaft gehört, aber der wirtschaftlichen Sphäre ihres Ehe-
gatten zuzuordnen scheint und für das dieser und sie (einzige) Zeichnungs-
berechtigte sind. Die Klärung der Hintergründe dieser Geldflüsse ist aus
Sicht des ersuchten Staates voraussichtlich erheblich zur Klärung der
Steuerpflicht der betroffenen Person. Mit Bestimmtheit kann die Erheblich-
keit nicht als nachgerade unwahrscheinlich angesehen werden (vgl. vorne,
E. 2.2.3 Abs. 2 und E. 2.2.5 Abs. 2). Die Identität der wirtschaftlich an der
Kontoinhaberin (resp. deren Bankkonto) berechtigten Person ist gerade in
der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Konstellation in auf der
Hand liegender Weise voraussichtlich erheblich: Seine Darstellung, vorlie-
gend beziehe die betroffene Person nicht Einkünfte von einer im Ausland
domizilierten Unternehmung, sondern zahle letztlich einfach ein Ehepart-
ner die Konsumauslagen des anderen, kann schwerlich verifiziert werden,
wenn die Identität des wirtschaftlich Berechtigten nicht offengelegt wird. Ob
die Ausführungen des Beschwerdeführers zu den Hintergründen der Ange-
legenheit zutreffen und ob die betroffene Person verpflichtet war, diese
Geldflüsse gegenüber der AT offenzulegen, ist nicht durch die Behörden
des ersuchten Staates zu entscheiden.
A-1679/2021
Seite 22
5.2.3 Die Schwärzungsanträge des Beschwerdeführers sind folglich abzu-
weisen, soweit auf diese überhaupt einzutreten ist.
6.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist, so-
weit auf diese einzutreten ist.
7.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese werden in
Anwendung der massgeblichen Grundsätze (vgl. Art. 1 ff. des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) auf Fr. 5’000.– festgesetzt
und dem geleisteten Kostenvorschuss entnommen. Eine Parteientschädi-
gung steht dem unterliegenden Beschwerdeführer nicht zu (Art. 64 Abs. 1
VwVG).
8.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h des Bundesgerichtsgesetzes vom
17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) innerhalb von 10 Tagen nur dann mit
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesge-
richt weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzli-
cher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen
besonders bedeutenden Fall im Sinne von Art. 84 Abs. 2 BGG handelt
(Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist, entscheidet
im Anfechtungsfall das Bundesgericht.
(Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.)
A-1679/2021
Seite 23