Decision ID: b91335e5-e96b-4e2c-91da-c667c3f6a5bd
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1969, war als Servicefachangestellte tätig (Urk. 7/
4). Am 27. Dezember 2005 brach sie sich bei einem Sturz beide Handgelenke
(Urk. 7/25/130) und meldete sich deswegen am 18. April 2007 bei der Inva
liden
versicherung an (Urk. 7/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen.
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
(Urk. 7/60; Urk. 7/67) holte die IV-Stelle ein polydisziplinäres Gutachten ein, welches am 8. November 2011 erstattet wurde (Gutachten der Gutachtensstelle Y._; Urk. 7/77). Ge
stützt darauf sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 27. März 2012 (Urk. 7/84) eine von Dezember 2006 bis November 2007 befristete ganze Rente zu (vgl. Urk. 7/82). Die dagegen am 26. April 2012 erhobene Beschwerde (Urk. 7/86/3-8) wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 21. Oktober 2013 in dem Sinne teilweise gutgeheissen, als es der Versicherten eine von
Dezember 2006 bis Februar 2008 befristete ganze Rente
zusprach (Prozess Nr. IV.2012.00448; Urk. 7/96).
1.2
Mit Urteil vom 1
4.
Januar 2013 im Verfahren 8C_244/2012
hob das Bundes
gericht das Urteil des hiesigen Gerichts vom
1.
Februar 2012 im Verfahren UV.2010.00226, mit welchem die seitens der SUVA erfolgte
Zusprache
einer In
va
lidenrente entsprechend einem Invaliditätsgrad von 10 % ab
1.
September 2009
und einer Integritätsentschädigung von 17.5 % bestä
tigt
worden war
, sowie den
Einspracheentscheid
der SUVA vom 2
4.
Juni 2010
(Urk. 7/53) auf
und wies die Sache zu weiteren Abklärungen und Erlass einer neuen Verfügung an die SUVA zurück.
Mit Verfügung vom 9. Januar 2014 (Urk. 7/98) sprach die Suva der Versicherten gestützt auf neue Abklärungen ab
1.
September 2009 eine Rente basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von 61
%
sowie eine Entschädigung für eine Integri
tätseinbusse von
30 % zu.
1.3
Am 20. März 2014 (Urk. 7/105) machte die Versicherte gestützt auf die Ergeb
nisse der neuen unfallversicherungsrechtlichen Abklärungen eine Verschlech
terung geltend (vgl. auch Urk. 7/108). Die IV-Stelle veranlasste daraufhin eine erneute polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten (Gutachten des Medi
zinischen Gutachtenzentrums Z._, vom 14. Dezember 2014;
Urk.
7/129).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/137-138; Urk. 7/140
; Urk. 7/164), in dessen Rahmen weitere Stellungnahmen des Gutachtenzentrums Z._ (Urk.7/145; Urk. 7/158-159)
sowie ein Arztbericht (Urk. 7/163) ergingen, ver
neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 30. August 2016 einen Rentenanspruch der Versicherten (Urk. 7/166 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 30. August 2016 (Urk. 2) erhob die Versicherte am 3. Oktober 2016 Beschwerde mit dem Antrag
auf deren Aufhebung und
Zu
sprache
einer ganzen Invalidenrente (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 7. November 2016 (Urk. 6) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 23. November 2017 mitgeteilt wurde (Urk. 8). Am 3. April 2017 reichte die Beschwerdeführerin weitere Arztberichte (Urk.10/1-4) ein, wovon die Beschwerdegegnerin am 4. April 2017 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
wind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder
herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Renten
be
zügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heits
zustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spra
cheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
ten
anspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3;
Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.1 mit Hin
wei
sen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (Urk. 2) wie folgt: Die Beschwerdeführerin habe vom 1. Dezember 2006 bis zum 29. Februar 2008 Anspruch auf eine befristete ganze Rente gehabt. Ab November 2007 habe sich ihr Zustand so verbessert, dass ihr leidensangepasste Tätigkeiten im Rahmen von 80 % zumutbar gewesen seien. Dies sei gerichtlich bestätigt worden. Die im März 2014 geltend gemachte Verschlechterung sei psychisch bedingt. Die Beschwerdeführerin verfüge jedoch über genügend Ressourcen, um die leichte bis mittelgradige depressive Störung zu überwinden. Aus somatischer Sicht habe sich der Gesundheitszustand nicht verändert und es könne weiterhin von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % für leidensangepasste Tätigkeiten ausge
gangen werden. Dies entspreche dem bisherigen Invaliditätsgrad von 9 %. Gut
achterlich werde bestätigt, dass die psychische Erkrankung noch behandelbar sei. Der Suva-Gutachter habe zudem nicht angegeben, auf welche Akten und MRI-Befunde er sich stütze, und habe die
Gewichtslimite
nicht festgelegt. Für den Zeitraum bis November 2011 habe das hiesige Gericht auf das Gutachten der Y._ vom November 2011 abgestellt (S. 2 f.).
2.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen (Urk. 1), gemäss der von der Suva veranlassten handchirurgischen Begutachtung durch Dr. A._ seien nur noch wenige Tätigkeiten zumutbar, weshalb die Suva ihr eine Rente von 61 % zuge
sprochen habe. Auf die Beurteilung durch die Ärzte
des Z._ könne dagegen nicht abgestellt werden, insbesondere die Beurteilung durch Dr. B._ sei widersprüchlich und nicht genügend begründet. Auch verursache aus psychia
trischer Sicht bereits ihre Depression eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % und
diese Einschränkung werde durch eine somatoforme Schmerzstörung noch erhöht
. Es sei eine
Indikatorenprüfung
vorzunehmen, welche zeige, dass die soma
toforme Schmerzstörung nicht überwindbar sei. Weiter sei aufgrund ihrer Einschränkungen der maximale Abzug vom Tabellenlohn zu gewähren. Sie habe Anspruch auf eine ganze Rente (S. 5 ff.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob seit Erlass der Verfügung vom 27. März 2012 (Urk. 7/84), mit der der Beschwerdeführerin eine vom 1. Dezember 2006 bis
30. November 2007 befristete ganze Rente zugesprochen wurde, beziehungs
weise
seit dem Urteil des hiesigen Gerichts vom 21. Oktober 2013 (Urk. 7/96), mit welchem der Anspruch bis 29. Februar 2008 verlängert wurde, eine anspruchs
rele
vante Veränderung eingetreten ist. Dabei ist festzuhalten,
dass
keine
Bindungswirkung
der Invaliditätsschätzung der Unfallversicherung für die
Inva
li
den
versicherung
besteht, obwohl dem Grundsatz nach bei gleichem Gesund
heits
schaden die Invaliditätsbemessung in der Invalidenversicherung, der obli
ga
torischen Unfallversicherung und in der Militärversicherung denselben Inva
liditätsgrad ergeben soll (BGE 133 V 549, 126 V 288 E. 2a S. 291 mit Hin
weisen). Vielmehr habe
n
IV-Stellen und die Unfallversicherer die Invaliditäts
bemessung in jedem einzelnen Fall selbständig vorzunehmen. Keinesfalls dürfen sie sich ohne weitere eigene Prüfung mit der
blossen
Übernahme des Invalidi
tätsgrades des Unfallversicherers oder der IV-Stelle begnügen (BGE 133 V 549 E. 6.1 S. 533). Rechtskräftig abgeschlossene Invaliditätsschätzungen dürfen
aber
nicht unbeachtet bleiben. Vielmehr müssen sie als Indizien für eine zuverlässige Beurteilung gewertet und als solches in
den Entscheidungsprozess erst später verfügender Versicherungsträger miteinbezogen werden (BGE 133 V 549 E. 6.3 S. 554 mit Hinweis).
3.
3.1
Die für die bisherige befristete
Rentenzusprache
massgeblichen medizinischen Grundlagen wurden im Urteil des hiesigen Gerichts vom 21. Oktober 2013 in E. 3.2 ff. wie folgt wiedergegeben:
3.2
In seinem Bericht vom
3.
Mai 2007 (Urk. 7/6) nannte Dr. med.
C._
, Praktischer Arzt FMH, als Diagnose beidseitige Radiusfrakturen mit Fehlstellung der Brüche sowie eine sekundäre depressive Entwicklung seit etwa Mitte 2006 (Ziff. 2.1). Er attestierte der Beschwerdeführerin eine volle Arbeitsunfähigkeit seit 2
7.
Dezember 2005 (Ziff. 3) und führte aus, dass eine Arbeitsfähigkeit in den nächs
ten ein bis zwei Jahren kaum in Frage komme (Ziff. 4.7).
3.3
Die Ärzte
des Universitätsspitals D._
, Klinik für Wiederherstellungs
chi
rurgie, nannten in ihrem Bericht vom 2. Mai beziehungsweise 1
9.
Juni 2007 (Urk. 7/9/2-9) folgende Diagnosen (Ziff. 2.1):
-
chronische Schmerzen und Bewegungseinschränkung Handgelenk rechts
-
Status nach distaler Radiusfraktur beidseits am 2
4.
(richtig: 27.) De
zember 2005
-
Status nach je zweimaliger Reposition und Gipsretention, aktuell: Ver
heilung in Fehlstellung;
-
Status nach Korrektur-Osteotomie distaler Radius rechts, Interposition eines
tricorticalen
Spans plus Spongiosa vom Beckenkamm links und palmarer Platten
osteosynthese vom 1
7.
November 2006 (vgl. Operati
onsbericht vom 2
4.
November 2006, Urk. 7/9/12-13)
Sie führten aus, bis heute habe eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden. Für die Aus
übung handwerklicher Tätigkeiten sei die Beschwerdeführerin in Zukunft nicht mehr geeignet. Leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten, die mit beiden Händen ausgeübt werden, seien indes ganztägig möglich (Ziff. 1.2). Eine behinde
rungsangepasste Tätigkeit wäre ab sofort zumutbar (Ziff. 6.2).
3.4
Am
5.
September 2007 wurde die Beschwerdeführerin im
Universitätsspitals D._
, Klinik für Wieder
herstellungschirurgie, operiert (Operationsbericht vom
6.
September 2007, Urk.
7/25/32
). Die Operation beinhaltete die Entfernung des
Osteosynthesematerials
im distalen Radius rechts sowie das offene Spalten des
Retinaculum
flexorum
rechts.
3.5
Vom
8.
Oktober bis 1
4.
November 2007 weilte die Beschwerdeführerin in der
Reha
klinik
E._
, wo gemäss Austrittsbericht vom 19. November 2007 (Urk. 7/27/1-5
) als aktuelle Probleme belastungsverstärkte Schmer
zen an beiden Handgelenken, Vor
derarmen und Schultergelenken, eine Beweg
lichkeitseinschränkung beider Hand- un
d Ellbogengelenke, eine verminderte Mus
kelkraft der Hände beidseits sowie eine depressive Verstimmung erhoben wurden (S. 1 Mitte). Die Ärzte führten aus, als Hauptziel für die aktuelle Phase der Rehabilitation sei die allgemeine Vorbereitung auf die berufliche und schu
lische Reintagration festgelegt worden (S. 2 Mitte). Die Tätig
keit als Mitarbeite
rin im Service-Bereich sei der Beschwerdeführerin aktuell nicht zumutbar. Die Beschwerdeführerin befinde sich noch in der medizinischen Phase, weshalb weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe, und weshalb eine Beur
tei
lung der Zumutbarkeit ander
er beruflicher Tätigkeiten zurz
eit noch nicht mög
lich sei (S. 2 oben, S. 3 oben).
3.6
Am 22. November 2007 (Urk. 7/24) berichteten die Ärzte des
Universitätsspitals D._
, Klinik für Wiederherstellungschirurgie, die Beschwerdeführerin zuletzt am 2
3.
Oktober 2007 untersucht zu haben (S. 2
lit
. D.2). Ihr Gesundheitszustand sei stationär (
S. 1
lit
. C.1). Im Vergleich zu
Juni 2007 bestehe eine unveränderte Situation (S. 2 Mitte). Anam
nestisch bestünden belastungs- und bewegungsabhängige Hand
ge
lenksschmerzen beidseits, rechtsbetont (S. 2
lit
. D.3). Die bisherige Tätigkeit sei der Beschwer
de
-
führerin nicht mehr zumutbar. In einer behinderungsange
passten Tätigkeit bestehe seit 2
0.
November 2007 eine ganztägige Arbeitsfähig
keit (S. 4 unten).
3.7
Am
9.
April 2008 berichtete SUVA-Kreisarzt Dr. med.
F._
, Fach
arzt FMH für Physikalische Medizin und Rehabilitation (Urk. 7/35/8-12), wel
cher die Beschwerdeführerin gleichentags untersucht hatte. Er führte aus, bei der Unter
suchung habe sich eigentlich beidseitig eine relativ gute Beweglichkeit in den Hand
gelenken gezeigt (S. 4 unten). Die verbleibende Funktionsfähigkeit scheine aber durch ein sich mittlerweile ausbreitendes und chronifiziertes Schmerzsyn
drom erheblich eingeschränkt zu sein (S. 5 oben). Zur Verringerung der Schmer
zen empfehle er eine gezielte schmerztherapeutische Behandlung durch eine in der Schmerztherapie erfahrene ambulante Einrichtung sowie be
gleitend dazu die Fortsetzung einer Physio
therapie mit wöchentlichen Terminen sicher für ein weiteres Jahr. Operative Massnah
men wie eine
Handgelenksarth
rodese
und Ar
throskopie erachte er als nicht wirklich
erfolgversprechend (S. 5 Mitte). Es be
stehe keine Perspektive, dass die Beschwerde
führerin ihre Tätigkeit als Serviertochter jemals wieder ausüben können werde. Nach Durchführung ei
ner ambulanten Schmerztherapie werde es eventuell erforderlich sein, eine Evaluation der funk
tionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchzuführen, um die
Belastungslimite
besser ausloten zu können, als dies im Rahmen einer kreisärzt
lichen Untersuchung mög
lich sei (S. 5 unten).
Am 2
6.
Mai 2009 berichtete SUVA-Kreisarzt Dr.
F._
über seine gleichen
tags durchgeführte Abschlussuntersuchung (Urk. 7/44). Er führte aus, ein Jahr nach der vorausgegangenen kreisärztlichen Untersuchung habe sich vielleicht noch eine minimale Besserung ergeben. Von weiteren Behandlungsmassnahmen erwarte er keine wesentliche Änderung mehr, sodass er vom medizinischen End
zustand ausgehe (S. 5 oben). Die geklagten Beschwerden im Bereich der Handgelenke seien nicht vollumfänglich mit Unfallfolgen, welche sich radiolo
gisch durchaus zeigten, erklärbar. Hier sei eine Überlagerung durch das soma
toforme Schmerzsyndrom anzunehmen. Entsprechend den objektivierbaren ra
diologischen Befunden, den heutigen Beobach
tungen des spontanen Einsatzes der Hände sowie den Untersuchungsbefunden sehe er folgende Zumutbarkeit für Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt als gegeben: leichte Tätigkeiten mit beiden Händen ganztags, dabei kein repetitives kraftvolles Zupacken mit den Händen beiderseits sowie keine forcierten oder repetitiven Pro- und
Supina
ti
onsbewegungen
im Handgelenk rechts, keine Tätigkeiten mit Maschinen, wel
che Vibrationen und Schläge auf die Handgelenke übertragen würden sowie für beide Hände keine Tätigkeiten, bei welchen maximale Extensions- und Flexi
onsbewegungen repetitiv oder über einen längeren Zeitraum erforderlich seien (S. 5 Mitte).
3.8
Am
8.
November 2011 erstatteten die Ärzte des
Y._
ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (Urk. 7/77). Sie stützten sich auf die zur Verfügung gestellten und nachträglich eingegangenen Akten (S. 3 ff. Ziff. 2) sowie die von ihnen am 2
3.
August und am 1
3.
September 2011 durchgeführte internis
tisch/ allgemeinmedi
zinische (S. 9 ff. Ziff. 3), psychiatrische (S. 11 ff. Ziff. 4.1) und handchirurgische (S. 16 ff. Ziff. 4.2) Untersuchung (vgl. S. 1).
Die Gutachter nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit (S. 24 Ziff. 5.1):
-
chronisches Schmerzsyndrom Handgelenke beidseits, rechtsbetont
-
Status nach distaler vollständig intraartikulärer Radiusfraktur beid
seits am 2
7.
Dezem
ber 2005
-
Status nach Korrekturosteotomie distaler Radius rechts mit Interposi
tion eines
kortikospongiösen
Beckenkammspans und Spongiosa am 1
7.
November 2006
-
Status nach Metallentfernung und Carpaltunnelspaltung rechts am
5.
September 2007
aktuell:
-
leichtgradiges
ulnocarpales
Impaction
-Syndrom bei
Ulnaplusvari
anz
und Verdacht auf TFCC-Läsion rechts
-
Verdacht auf posttraumatische leichtgradige Radiocarpalarthrose
ra
dioulnär
bzw. distales
Radioulnargelenk
rechts
-
klinisch dorsales Handgelenksganglion beidseits
Als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie unter anderem eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, ICD-10 F45.4 (S. 24 Ziff. 5.2).
Im Rahmen ihrer Gesamtbeurteilung führten die Gutachter aus, bei der hand
chirur
gischen Untersuchung hätten sich einige Inkonsistenzen bezüglich der sub
jektiv geäusserten Schmerzangaben und der objektiven klinischen Befunde er
geben. Hin
weise auf ein durchgemachtes oder noch anhaltendes komplexes regionales Schmerz
syndrom (CRPS) hätten sich klinisch nicht ergeben. Die
Be
schwielung
beider Hände sei unauffällig gewesen und es hätten sich keine Atro
phien der Haut, der Hautbinnen- sowie der Vorderarmmuskulatur beidseits ge
zeigt. Die Vorderarmumfänge seien symmetrisch gewesen. Die radiologische Be
ur
teilung habe anatomische Stellungsver
hältnisse des linken
Carpus
und ana
to
mische Gelenkwinkel der linken Handgelenke sowie nur leichtgradige de
gene
rative Veränderungen im Bereich des rechten Radio
carpalgelenkes ergeben. Beide Handgelenke wiesen radiologisch einen unauffälligen Mineralsalzgehalt auf ohne Hinweise auf eine
Inaktivitätsosteopenie
. Aus handchi
rurgischer Sicht bestehe für die angestammte Tätigkeit als Serviceangestellte seit dem 2
7.
De
zember 2005 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Tätigkeiten, welche Vibrati
onsbelastungen der Hände sowie das Tragen schwerer Gewichte über 5 Kilo
gramm sowie Ar
beiten bei Kälte oder Hitze beinhalteten, seien nicht empfeh
lenswert, das Ar
beiten auf Leitern oder Gerüsten sei aufgrund der unzureichen
den Haltefunktion nicht statthaft. In behinderungsangepassten, leichten manu
ellen Tätigkeiten bestehe hinge
gen eine 80%ige Arbeitsfähigkeit (S. 24 unten, S. 25 oben).
Bei der psychiatrischen Untersuchung sei aufgefallen, dass das Ausmass der ge
klagten Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeugung, nicht mehr ar
beiten zu
können, durch die somatischen Befunde nicht hinreichend objekti
viert werden könnten
.
Es müsse eine psychische Verlagerung angenommen werden. Vor dem Hintergrund einer jahrelangen psychosozialen Belastungssitu
ation könne die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung gestellt wer
den. Daneben könnten keine weite
ren psychiatrischen Diagnosen gestellt wer
den und die Arbeitsfähigkeit sei aus psychiatrischer Sicht nicht ein
ge
schränkt (S. 25 Mitte).
Auch aus allgemein internistischer Sicht könne keine Diagnose mit Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Die multiplen, unspezifischen Be
schwerden seien organisch nicht zuordenbar und würden beschreibend einem
multilokulären
Schmerz
syndrom entsprechen (S. 25 Mitte).
Aus polydisziplinärer Sicht bestehe bei der Beschwerdeführerin in der ange
stam
mten Tätigkeit als Serviceangestellte seit 2
7.
Dezember 2005 eine bleibende Arbeitsun
fähigkeit.
Für angepasste, leichte manuelle Tätigkeiten bestehe ab dem 2
0.
November 2007 eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80 %.
Das Pensum könne vollschichtig
umgesetzt werden mit einem erhöhten Pausenbedarf von 10 Minuten pro Stunde (S. 25
Mitte und Ziff. 6.3, S. 26 Ziff. 6.9).
3.9
In seiner Stellungnahme vom 25. November 2011 (Urk. 7/81/3-4) führte
Dr. med.
G._
, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie FMH, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, aus, auf das
Y._
-Gut
achten könne abgestellt werden. Ab 27. Dezember 2005 sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für die bisherige sowie für angepasste Tätigkeiten auszugehen. Für angepasste Tätigkeiten sei
ab 20. November 2007 (Arztzeugnis
Universitätsspitals D._
vom 22. November 2007) von einer 100%igen und ab August 2011 (Zeit
punkt der
Y._
-Begutachtung) von einer 80%igen (100 %-Pensum abzüglich 20 % für erhöhten Pausenbedarf) Arbeits
fähigkeit auszugehen
, unter Berück
sichti
gung des folgenden Belastungsprofils: körperlich leichte Arbeiten (Trage
arbeiten bis 5 Kilogramm) ohne Tätigkeiten mit Vibrationsbelastungen der Hände, keine Ar
bei
ten unter Hitze- und/oder Kälteeinfluss und aufgrund der eingeschränkten Hal
tefunktion keine Arbeiten auf Leitern und Gerüsten.
3.2
Das hiesige Gericht kam bei dieser Aktenlage zum Schluss, es bestünden ausser dem beidseitigen Handleiden keine weiteren invalidenversicherungsrechtlich rele
vanten gesundheitlichen Beeinträchtigungen, was beschwerdeweise auch nicht geltend gemacht werde (E. 4.1). Die angestammte Tätigkeit als Serviceangestellte sei der Beschwerdeführerin
seit Dezember 2005 nicht mehr zumutbar (E. 4.2). Die Y._-Gutachter, auf deren Beurteilung abzustellen sei, hätten den
Zeitpunkt der Wiedererlangung einer relevanten Restarbeitsfähigkeit in Über
ein
stimmung mit der Beurteilung der Ärzte des Universitätsspitals D._ ebenfalls auf den 20. Novem
ber 2007 festgelegt, wobei die Einschätzung im Y._-Gutachten von einem Handchirurgen vorgenommen worden sei. Davon sei auszugehen; dass sich die Ärzte der Rehaklinik E._ ausserstande gesehen hätten, die Restarbeits
fähig
keit der Beschwerdeführerin zu beurteilen, stehe der Annahme einer revisions
relevanten Restarbeitsfähigkeit ab Ende November 2007 nicht entgegen (E. 4.3-4).
Dass die Unfallversicherung der Beschwerdeführerin per 1. September 2009 eine Rente zugesprochen habe, schliesse nicht aus, dass bereits vor Fallabschluss durch die Suva eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Restarbeitsfähig
keit gegeben gewesen sei, denn gemäss Art.
19
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) entsteh
e
der Rentenanspruch, wenn von der Fort
setzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheits
zustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversiche
rung abgeschlossen sind (E. 4.5). Die Verbesserung sei nach drei Monaten zu berücksichtigen, womit sich ein bis 29. Februar 2008 befristeter Anspruch ergebe (E. 4.7). Die
Restarbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit betrage per Ende November 2007 100
%
und ab August 2011 80
% (E. 5.1).
Dieses Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
4.
4.1
Im Auftrag der Suva erstattete Dr. med. A._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates sowie für Handchirurgie, Leitender Arzt Handchirurgie am Kantonsspital H._, am 18.
September 2013
ein Gutachten (Urk. 7/106/2-10 = Urk. 3/5). Dabei stützte er sich auf die von der Suva zur Verfügung gestellten Akten und Röntgenbilder sowie eine Untersuchung der Beschwerdeführerin und veranlasste eine aktuelle Röntgen
unter
suchung (vgl. S. 1). Dr. A._ stellte folgende Diagnosen (S. 6):
-
chronifiziertes Schmerzsyndrom Hand, Arm rechts
-
Status nach konservativer Behandlung intraartikulärer Radiusfrakturen beidseits
-
Status nach Korrekturosteotomie Radius rechts
-
Status nach Dekompression N. medianus rechts
-
posttraumatische Arthrose Radiokarpalgelenk rechts mehr als links
-
Arthrose
Radioulnargelenk
rechts
-
angedeutete leichte Tendovaginitis
stenosans
de
Quervain
rechts
-
Schädigung Ramus
palmaris
N. medianus rechts
Hinsichtlich weiterer Therapiemöglichkeiten hielt Dr. A._ fest, es seien noch Korrekturen möglich. Bezüglich einer Arthrose des rechten Handgelenks sei anzu
merken, dass die Beschwerdeführerin beim Tragen einer Handgelenks
man
schette deutlich weniger Beschwerden habe. Die Handgelenksmanschette könne nur teilweise, aber gleichwohl bis zu einem gewissen Grad die Möglichkeiten einer
Arthrodese
simulieren (S. 7).
Bezugnehmend auf das alleinige handchirurgische Problem könnten sämtliche manuellen Arbeiten wie auch Lastentragen, Heben von Lasten sowie das Hantie
ren mit Werkzeugen und Überkopfarbeiten nicht mehr zugemutet werden (S. 7).
Beim Treppensteigen sei entscheidend, inwieweit die Patientin von Seiten der Kniegelenke behindert sei. Leiternsteigen sollte vermieden werden, da bei Leitern die
Hand zur Hilfeleistung und zum Stützen benötigt werde. Die Patientin sollte möglichst wechselnde Körperhaltungen einnehmen können. Die rechte Hand könne lediglich als Hilfehand für leichteste Arbeiten eingesetzt werden, zudem müsste in dieser Situation der Patientin auch genügend Zeit für Erholung eingeräumt werden. Es zeige sich auch bei Haushaltarbeiten, dass bereits nach einer Stunde die Belastbarkeit der rechten Hand
dekompensiere
und die Arbeit unterbrochen werden müsse. Insgesamt liege die mögliche zeit
liche Arbeit bei etwa drei bis höchstens vier Stunden. Die
Traglimite
sei nicht festzustellen beziehungsweise nicht messbar, da Tragen von Lasten höchstens der linken Hand zugemutet werden könnten und die Belastung bei etwa 5 kg liegen würde. Mit der rechten Hand sei das Heben und Tragen von Lasten un
möglich. In einer angepassten Tätigkeit sei der Patientin vielleicht zu Beginn eine halbtätige (richtig wohl: halbtägige) Arbeit zumutbar, unter Einhaltung von entsprechenden Möglichkeiten, genügend lange Pausen einzusetzen. Eine weitere Steigerung könnte eventuell je nach Verlauf bei dieser entsprechenden Tätigkeit festgestellt werden. Dies lasse sich aufgrund der Beschwerden, wie sie sich jetzt präsentieren, nicht feststellen (S. 8).
4.2
Dr. med. I._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
ma
tologie des Bewegungsapparates, J._ Klinik, stellte mit Bericht vom 9. April 2014 (Urk. 7/113/3-4) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Fibromyalgiforme
Schmerzen an beiden Schultern, rechts mehr als links
-
sonographisch intakte
Rotatorenmanschette
Als Nebendiagnosen nannte Dr. I._
-
Status nach Korrekturosteotomie nach distaler Radiusfraktur 11/2006 rechts bei Status nach beidseitiger Radiusfraktur 2005
-
chronische, rechtsbetonte Knieschmerzen
Bildgebend bestehe im Vergleich zu den Voraufnahmen ein identischer Befund. 2008 sei die Ultraschalluntersuchung unauffällig gewesen. Die aktualisierte radiologische Bildgebung zeige ein tadelloses Gelenk. Neben einer aktivierenden
Physiotherapie mit Ziel der Kräftigung und der Haltungsverbesserung seien lokal
e Massnahmen im Bereich des
scapulo
-thorakalen Gelenks sowie eine Mobilisation desselben zu empfehlen (S. 1 unten f.).
4.3
Dr. med. K._ und Dr. med. L._, Facharzt für Chirur
gie und für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa
rates
, J._ Klinik, stellten mit Bericht vom 14. Mai 2014 (Urk. 7/113/1-2 = Urk. 3/6) folgende Diagnosen (S. 1):
-
mediale Gonarthrose
-
Fibromyalgie vor allem Schmerzen an beiden Schultern, rechts grösser als links
-
Status nach Korrekturosteotomie nach distaler Radiusfraktur 11/2006 rechts bei Status nach beidseitiger Radiusfraktur 2005
Im MRI finde sich ein retropatellarer Knorpelschaden. Ein begleitendes Knochen
marksödem sei nicht nachweisbar. Es seien die konservativen Therapie
massnahmen auszuschöpfen (S. 1).
4.4
Dr. med. M._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte mit Bericht vom 12. Juni 2014 (Urk. 7/114 = Urk. 3/8) folgende Diagnosen (Ziff. 1):
-
anhaltende mittelgradige depressive Episode vor dem Hintergrund mehrerer Belastungsfaktoren bei Persönlichkeit mit depressiven Anteilen (ICD-10 F32.2)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
spezifische Phobie Höhenangst (ICD-10 F40.8)
Die Depression schränke die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin um 50 % ein, diese Einschränkung werde jedoch durch die Schmerzstörung noch relevant erhöht. Dies
sei die versicherungsmedizinisch-theoretische Einschätzung. Aus klinisch-psychiatrischer Erfahrung heraus erscheine es aber überwiegend unwahrscheinlich, dass die Patientin in der Lage sei, etwas zu leisten. Dafür sei sie mittlerweile zu sehr von ihren Beschwerden chronisch eingenommen und frustriert (Ziff. 2).
Es sei im Verlauf der Therapie immer wieder insbesondere in Belastungs-situa
tionen zu einer Zustandsverschlechterung und Zunahme der depressiven Symptomatik gekommen. Mittels Intensivierung der Therapie habe eine weitere Ver
schlechterung abgewendet und eine erneute Stabilisierung erreicht werden können, nicht jedoch eine anhaltende und stabile Erhöhung der emotionalen und psychischen Belastbarkeit (Ziff. 4).
4.5
Mit Bericht vom 2. Juli 2014 (Urk. 7/116) stellte Dr. med. N._, Ober
arzt Rheumatologie und Rehabilitation, J._ Klinik, folgende Diagnosen (S. 1):
-
zunehmend belastungsabhängige Schmerzen im Kniegelenk rechts mehr als links
-
MRI Kniegelenk rechts Mai 2014: schwere
retropatelläre
Chondro
pathie
, leichte Degeneration der
Menisci
-
anamnestisch bestehend seit Unfallereignis am 27. Dezember 2005
-
persistierende Schmerzen Handgelenke beidseits
-
zunehmend Schmerzen Schultergelenke beidseits
Bislang hätten die Handgelenksschmerzen im Vordergrund gestanden. Im Ver
lauf hätten sich aber zunehmend belastungsabhängige Schmerzen im Bereich der Kniegelenke rechts mehr als links wie auch Schultergelenkschmerzen beid
seits entwickelt (S. 1).
4.6
Die Gutachter des Z._ erstatteten ihr Gutachten vom
1
4.
Dezember 2014
(Urk. 7/129 = Urk. 3/4) nach Berücksichtigung der Akten,
Erhebung der Anam
nese, Veranlassung aktueller bildgebender Darstellung und
Durchführung einer internistischen, orthopädischen und psychiatrischen Untersuchung. Sie stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 50):
-
leichte Arthrose im distalen
Radioulnargelenk
sowie im Radio
carpal
gelenk mit fortgeschrittener Degeneration des TFCC bei leichter
Ulna
-plus-Variante nach Korrekturosteotomie des distalen Radius mit Span-Interposition November 2006,
Osteosynthesematerialentfernung
und Spalten des
Retinaculum
flexorans
September 2007 nach konservativ in Fehlstellung verheilter distaler Radiusfraktur rechts Dezember 2005
-
fortgeschrittene
retropatelläre
Chondropathie
bei Nullachse und kleiner
Kniekehlenzyste
rechts
-
rezidivierende depressive Störung mit leichten bis mittelgradigen depres
si
ven Episoden, bestehend seit etwa 2006, ICD-10 F33.0, F33.11
Die folgenden Diagnosen hätten keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin (S. 50):
-
Bursitis
subacromialis
rechts und eventuell auch links
-
Status nach konservativer Behandlung einer distalen Radiusfraktur links Dezember 2015
-
Verdacht auf
retropatelläre
Chondropathie
links
-
Senk-Spreizfüsse
-
leichte laterale Bandinstabilität am linken oberen Sprunggelenk
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung, ICD-10 F45.4
-
Migräne ohne Aura
-
Hypothyreose
-
anhaltender Nikotinkonsum (20 pack
years
)
Aus internistischer Sicht fühle sich die Probandin gesund und voll leistungs
fähig; sie gebe keine kreislaufrelevanten oder respiratorischen Beschwerden an. Diese Beurteilung entspreche auch der internistischen gutachterlichen Einschät
zung (S. 46).
Der orthopädische Gutachter hielt fest, die Schulterschmerzen rechts und die abnormen Untersuchungsbefunde der rechten Schulter könnten nur teilweise auf die im MRI sichtbare Bursitis
subacromialis
zurückgeführt werden und das Ausmass der Schmerzen, insbesondere auch der subjektiven Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit, könne mit dem nicht sehr ausgeprägten abnor
men Befund nur ungenügend erklärt werden. Wahrscheinlich bestehe auch links ein analoger Befund und dementsprechend könnten auch diese Beschwerden nur unvollständig nachvollzogen werden. Die Schmerzen im rechten Handge
lenk und die pathologischen objektivierbaren Befunde desselben seien durch die im MRI dokumentierte leichte
Ulna
-Plus-Variante mit fortgeschrittener Degene
ration des TFCC und leichter Arthrose im distalen
Radioulnargelenk
sowie Radio
carpalgelenk bedingt. Die Schmerzen im linken Handgelenk könnten bei unauffälligem Untersuchungsbefund sowie radiologischem Befund nicht plausi
bilisiert werden. Die Kniegelenksschmerzen rechts und die pathologischen Unter
suchungsbefunde des rechten Kniegelenks seien Folge der im MRI nach
gewiesenen fortgeschrittenen
retropatellären
Chondropathie
. Aufgrund des Unter
suchungsbefundes könnten auch die Schmerzen im linken Kniegelenk im Rahmen einer
femoropatellären
Chondropathie
interpretiert werden, seien aber weniger ausgeprägt (S. 12).
Körperlich schwere Arbeiten in kalter und feuchter Umgebung, die mit häufi
gem Laufen, insbesondere auf Treppen und Leitern sowie mit knienden Positio
nen und Kraftanwendung der Hände verbunden seien, könnten aufgrund der leichten
Ulna
-plus-Variante mit fortgeschrittener Degeneration des TFCC und leichten Arthrose im distalen
Radioulnargelenk
und Radiocarpalgelenk rechts nach zweifacher Voroperation sowie der ausgeprägten
retropatellären
Chondro
pathie
rechts bei Nullachse nicht
mehr vollumfänglich zugemutet werden (S. 12).
Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Serviceangestellte, einer vorwiegend gehenden und stehenden Tätigkeit mit Kraftanwendung der Hände, betrage seit Mai 2014 bei voller Stundenpräsenz 35 %. Körperlich leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen, die nicht mit häufigem Laufen, insbesondere auf Treppen und Leitern, verbunden seien, sowie ohne kniende Positionen und ohne Kraftanwendung der Hände seien spätestens seit November 2011 zu 100 % zumutbar (S. 13).
Zu den früheren Begutachtungen hielt der orthopädische Gutachter fest, das Y._-Gutachten sei nicht ganz logisch, wenn darin Inkonsistenzen zwischen subjektiven Beschwerden und objektiven Befunden geäussert würden, anderer
seits aber in der bisherigen Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert werde. Des Weiteren habe es das Y._ verpasst, die einige Monate zuvor durch
geführte computertomographische Untersuchung des rechten Handgelenks in die Beurteilung mit einzubeziehen, und die adaptierten Tätigkeiten seien nicht genau umschrieben worden. Weiter bleibe im Gutachten von Dr. A._ unklar, weshalb Dr. A._ auf eine Auflistung der zur Verfügung gestellten Akten
ver-zichtet
habe. Er erwähne in seiner Diagnoseliste keine TFCC-Läsion links, disku
tiere aber eine „Rekonstruktion der zerrissenen TFCC-Anteile“, wobei unklar sei, auf welcher Basis diese Beurteilung erfolgt sei, zumal kein MRI vorliege. Eine Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit habe er explizit nicht festgelegt. Eine
Gewichtslimite
könne erst nach Testung mittels Evaluation der Funktio
nellen Leistungsfähigkeit (EFL) angegeben werden; die angegebenen 5 kg seien spekulativ. Die Einschätzung, dass zunächst eine halbtägige Arbeit in adap
tierter Tätigkeit möglich sei, könne unterstützt werden, wobei die Arbeits
fähig
keit im Verlauf gesteigert werden könne (S. 13).
Der psychiatrische Gutachter führte aus, die Beschwerdeführerin stehe nach eigenen Angaben zwischen 7 und 10 Uhr auf, trinke Kaffee und versuche, etwas im Haushalt zu machen. Sie zwinge sich zu jeder Tätigkeit. Manchmal, wenn sie Lust habe, würde sie etwa zwei Stunden spazieren. Manchmal würde sie das Mittagessen kochen. Nach dem Mittagessen sei sie zu Hause oder gehe mit einer Kollegin spazieren. Manchmal liege sie auch im Bett, schlafe oder weine. Dann komme der Ehemann nach Hause und sie würde sich mit ihm unterhalten. Dann würde sie zu Abend essen, manchmal fernsehen, und gehe zwischen 22 und 23 Uhr ins Bett (S. 29).
Aus psychiatrischer Sicht habe die Beschwerdeführerin nach einem Sturz im Dezember 2005 mit Radiusfraktur beidseits und nachfolgenden Operationen im Zusammenhang mit der anhaltenden Schmerzsymptomatik eine rezidivierende depressive Störung mit leichten bis mittelgradigen depressiven Episoden ent
wickelt. Diese Störung werde durch die anhaltende Schmerzsymptomatik und verschiedene psychosoziale Faktoren (Partnerprobleme oder Todesfälle nahe
steh
ender Personen) aufrechterhalten. Zum Untersuchungszeitpunkt könnten
Symptome einer leichten bis mittelgradigen depressiven Episode erhoben werden,
gekennzeichnet durch bedrückte Stimmung mit leichter Affektlabilität mit weiner
lichem Verhalten beim Gespräch über ihre Beschwerden und Belas
tungen. Bei Ablenkung sei die Beschwerdeführerin aufhellbar mit adäquatem Lachen. Der Antrieb erscheine eher vermindert und sie wirke im Denken
nega
tivistisch
auf ihre körperlichen Beschwerden eingeengt. Sie zeige wenig Moti
vation und wenige Interessen. Auch zeige sie soziale Rückzugstendenzen, daneben liessen sich aber auch kurze Stimmungsaufhellungen erheben (S. 35).
Die Beschwerdeführerin habe im Zusammenhang mit der chronischen Schmerz
symptomatik eine rezidivierende depressive Störung entwickelt; es handle sich
dabei nicht
um eine eigenständige depressive Erkrankung. Der psychiatrische Gut
achter ging nach Diskussion der Foerster-Kriterien von einer zumutbaren
Willensanstrengung zur Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit aus (S.
35
f.).
Trotz der rezidivierenden depressiven Störung mit leichten bis mittelgradigen depressiven Episoden liessen sich Ressourcen erheben. Die Beschwerdeführerin zeige zumindest gewisse Aktivitäten tagsüber mit teilweiser Versorgung des Haus
haltes, oder mache Spaziergänge, koche das Mittagessen oder spaziere manchmal mit einer Kollegin, halte Kontakt mit ihrer Familie und habe offen
sichtlich auch soziale Kontakte. Auch liessen sich zum Untersuchungszeitpunkt nur Symptome einer leichten bis mittelgradigen depressiven Störung erheben (S. 36).
Aus rein psychiatrischer Sicht könne ohne Berücksichtigung der körperlich begründbaren Beschwerden und unter Ausschluss psychosozialer Faktoren in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Servicekraft eine 70%ige Arbeitsfähigkeit seit etwa 2006 angenommen werden (S. 37). In einer leidensangepassten Tätig
keit sei seit dem gleichen Zeitpunkt eine Arbeitsfähigkeit von 80 % anzu
neh
men. Bei adaptierten Tätigkeiten sollte es sich um solche ohne erhöhte emo
tionale Belastung, ohne erhöhten Zeitdruck, ohne erforderliche geistige Flexibili
tät, ohne vermehrte Kundenkontakte und ohne überdurchschnittliche Dauer
be
lastung handeln (S. 38).
Die Prognose erscheine nach dem bisherigen Krankheitsverlauf eher ungünstig. Die Beschwerdeführerin erhalte seit 2006 eine psychiatrische und psychothera
peutische Behandlung, kombiniert mit antidepressiver Medikation. Trotzdem habe bisher keine anhaltende Besserung erreicht werden können. Es könne nach dem bisherigen Krankheitsverlauf angenommen werden, dass auch teilstationäre oder stationäre Behandlungen bei der psychogenen Überlagerung der Beschwer
de
symptomatik keine
wesentliche Besserung des psychischen Zustandsbildes mit Leistungssteigerung bringen dürfte (S. 39).
Aus psychiatrischer Sicht sei seit der letzten Revision 2011 eine Verschlech
terung des Gesundheitszustandes eingetreten und es könne eine rezidivierende
depressive Störung mit leichten bis mittelgradigen depressiven Episoden erho
ben
werden, die nach den anamnestischen Angaben bereits seit etwa 2006 zu erhe
ben sei (S. 41).
In der Konsensbeurteilung kamen die Gutachter zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit aus psychischen Gründen seit 2006 zu 70 % und aus somatischen Gründen (Handgelenk und Knie) seit Mai 2014 zu 35 % arbeitsfähig sei. Der vorangehende Zeitraum könne ortho
pädisch retrospektiv nicht beurteilt werden, da die jetzigen Diagnosen von den früheren abwichen und nicht klar sei, seit wann sie effektiv bestehen würden (S. 50 unten f.). In einer angepassten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin
seit 2006 zu 80
%
arbeitsfähig
, wobei es sich um Arbeiten ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne Stressbelastung, ohne erforderliche geistige Flexibilität, ohne Kundenkontakte und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung handeln sollte und ab November 2011 zusätzlich um körperlich leichte Tätigkeiten in tempe
rierten Räumen, die nicht mit häufigem Laufen, insbesondere auf Treppen und Leitern, oder mit knienden Positionen verbunden sind und bei denen keine Kraft
anwendung der Hände notwendig sei (S. 51).
4.7
Die Ärzte der Universitätsklinik O._, Rheumatologie, stellten mit Bericht vom 17. Juli 2015 (Urk. 3/7) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Epicondylopathia
humeri
radialis
rechts
-
scapulo
-thorakale Dysfunktion
-
Status nach
Korrekturoesteotomie
distaler Radius rechts November 2006
-
Status nach distalen Radiusfrakturen beidseits Dezember 2005
-
Hypothyreose, substituiert
-
Depression
-
aktenanamnestisch symptomatische Gonarthrose beidseits
-
MRI Knie rechts 13. Mai 2014: schwere
retropatelläre
Chondropathie
, leichte Degeneration der
Menisci
ohne Meniskusriss, kleiner Gelenks
erguss
Die Patientin beklage seit Jahren bestehende rechtsseitig führende Ellbogen
schmerzen mit Exazerbation seit etwa einem Jahr (S. 1). Die Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule sei frei beweglich. Im Bereich der Wirbelsäule bestünden keine
Druckdolenzen
. Der rechte Ellbogen sei
inspektorisch
unauffällig, jedoch bestehe eine starke
Druckdolenz
im Bereich des Ursprunges der Handgelenks
extensoren mit Schmerzprovokation ebenfalls durch isometrische Aktivierung (S. 2). Anamnestisch bestünden die Ellbogenschmerzen rechts und die Schulter
schmerzen mit chronischen Handgelenksbeschwerden seit den distalen Radius
frakturen 2005. In der klinischen Beurteilung zeige sich eine lokale
Druckdolenz
entsprechend der Verdachtsdiagnose einer
Epicondylopathie
und eine gering
fügige Beweglichkeitseinschränkung des Ellbogens, welche allerdings eher durch
Handgelenksschmerzen verursacht würden. Auffällig seien zudem
myofasziale
Druckdolenzen
der rechtsseitigen Schultergürtelmuskulatur und ein gestörter
scapulo
-thorakaler Rhythmus rechts (S. 3).
4.8
Dr. med. P._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Z._, hielt am 25. Mai 2016 (Urk. 7/158) ergänzend fest, dass die therapeutischen Optionen nicht ausgenützt seien. Insbesondere seien keine teilstationären oder stationären Behandlungen durchgeführt worden. Auch könnte die antidepres
sive Medikation intensiviert werden, worunter eine Besserung der Schlaf
stö
rungen und auch eine Stimmungsstabilisierung zu erwarten wären. Ausserdem sei
mittels stationärer oder teilstationärer Behandlung eine Besserung des psy
chischen Zustandsbildes möglich, wobei sich vor allem auch die psychogenen Überlagerungen der Beschwerdesymptomatik bisher im Krankheitsverlauf nega
tiv auswirkten.
4.9
Dr. med. B._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
ma
tologie des Bewegungsapparates,
Gutachtenzentrum Z._
, hielt am 26. Mai 2016 (Urk. 7/159/1)
ergänzend fest, Dr. A._ habe in seinem Gutachten nicht explizit festgelegt, ab wann eine halbtägige Arbeit in adaptierter Tätigkeit möglich sei. Es könne davon ausgegangen werden, dass nach Abschluss der Rehabilitation zunächst eine halbtägige Arbeit in adaptierter Tätigkeit möglich sei und diese im Verlauf gesteigert werden könne, so dass im November 2011 eine volle Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit in jedem Fall bestehe.
4.10
Dr. N._ stellte mit Bericht vom 15. Juni 2015 (Urk. 7/163) folgende, verkürzt wiedergegebene Diagnosen (S. 1):
-
zunehmend belastungsabhängige Schmerzen im Kniegelenk rechts mehr als links
-
persistierende Schmerzen Handgelenke beidseits
-
zunehmend Schmerzen Schultergelenke beidseits
Die letzte Injektionsbehandlung im Bereich des rechten Kniegelenks im Septem
ber 2014 habe wieder zu einer recht deutlichen Verbesserung der belastungsab
hängigen Kniegelenksschmerzen bis etwa im Frühling geführt. Nun hätten die Schmerzen wieder deutlich zugenommen. Daneben bestünden auch zunehmend starke Schmerzen im linken Kniegelenk und verschiedene Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates, aktuell stünden Schmerzen in der Ellenbogenregion rechts im Vordergrund (S. 1). Im linken Kniegelenk bestehe mit grösster Wahr
scheinlichkeit ebenfalls eine Retropatellararthrose. Allerdings bestehe
sicher auch eine Tendenz zu einem chronischen Schmerzsyndrom (S. 2).
5.
5.1
Den vorstehend erwähnten Berichten von Dr. I._ (E. 4.2), Dr. K_ und Dr. L._ (E. 4.3), der Ärzte der Klinik O._ (E. 4.7) sowie den Berichten von Dr. N._ (E. 4.5) sind keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu entnehmen, da es sich um Berichte über durchgeführte Untersuchungen und Behandlungen handelt. Dies gilt auch für die na
ch dem Erlass der vorliegend strittigen Verfügung vom 3
0. August 2016 ergangenen Berichte
von
Dr. N._
über die bildgebende Untersuchung des Beckens und der Lendenwirbelsäule der Beschwerdeführerin sowie die am 3
1.
Januar 2017 durchgeführte Facettengelenksinfiltration (
Urk.
10/1-4)
; auch diesen
sind keine Angaben über die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu entnehmen, wes
halb sie zur hier zu beurteilenden Frage von untergeordneter Bedeutung sind.
5.2
Dr. A._ stützte sich gemäss eigenen Angaben bei der Anfertigung seines Gutachtens (vorstehend E. 4.1) auf die von der Suva zur Verfügung gestellten Akten, hielt jedoch fest, er verzichte bewusst auf eine Auflistung (vgl. S. 1 des Gutachtens; Urk. 7/106/2-10). Dadurch wird, auch wenn Dr. A._ in der Anam
nese einzelne Berichte auszugsweise wiedergab (vgl. S. 2 f.), die Nachvoll
ziehbarkeit erheblich erschwert. Insbesondere gab Dr. A._ die Beurteilungen des Kreisarztes Dr. F._ (vgl. vorstehend E. 3.1 bzw. 3.7) nicht wieder und erwähnte hinsichtlich des Y._-Gutachtens lediglich, dass dabei eine Arbeits
fähig
keit von 80 % bei geeigneter Arbeit festgehalten worden sei (vgl. S. 4 des Gutachtens). Eine Auseinandersetzung mit der kreisärztlichen und der gutach
terlichen Beurteilung fehlt. Zudem nahm Dr. A._ keine Stellung dazu, dass der
Y._
-
Gutachter, welcher ebenfalls Handchirurg ist, einige Inkonsistenzen zwi
sch
en den subjektiv geäusserten Schmerzangaben und den objektiven klini
schen Befunden feststellte (vgl. vorstehend E. 3.1 bzw. 3.8). Der vom Bundesgericht im unfallversicherungsrechtlichen Verfahren geforderten Beurteilung der restlichen Arbeitsfähigkeit (vgl. E. 3.2 des Urteils vom 14. Januar 2013, 8C_244/2012) fehlt es somit an einer genauen und schlüssigen Auseinandersetzung mit
vorhe-rigen
Einschätzungen.
Darüber hinaus vermag die Beurteilung durch Dr. A._ auch aus anderen Grün
den den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise (vgl. vorstehend E. 1.4) nicht zu genügen. So stellte Dr. A._ fest, dass die Be
schwerdeführerin beim Tragen einer Handmanschette deutlich weniger Beschwer
den habe. Es ist jedoch nicht ersichtlich, ob diese Feststellung in die Beurteilung ihrer Arbeitsfähigkeit einfloss, und warum die rechte Hand dennoch lediglich nur noch als Hilfshand eingesetzt werden kann. Dass die Belastbarkeit der rechten Hand bereits nach einer Stunde Haushaltarbeit
dekompensiere
, ist einzig auf die Angaben der Beschwerdeführerin zurückzuführen und wurde von Dr. A._ offenbar nicht überprüft. Insbesondere ist jedoch die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit zu vage ausgefallen, als dass darauf abgestellt werden könnte: Gemäss Dr. A._ sei der Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätig
keit „vielleicht zu Beginn eine halbtägige Tätigkeit“ zumutbar, und eine weitere Steigerung könne „eventuell je nach Verlauf“ festgestellt werden, was sich aber aufgrund der jetzigen Beschwerden nicht feststellen lasse. Als versi
che
rungsmedizinische Beurteilung genügt dies nicht, weshalb dieses Gutachten im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren von untergeordneter Bedeutung ist. Mit anderen Worten erweist sich die aufgrund des Gutachtens von Dr. A._ vorgenommene unfallversicherungsrechtliche Invaliditätsschätzung nicht
als Indiz für eine zuverlässige Beurteilung (vgl. vorstehend E. 2.3) und es kann für die vorliegend zu prüfende Frage nach einer Verschlechterung nicht darauf ab-ge
stellt werden.
5.3
Auch der Bericht von Dr. M._ vom 12. Juni 2014 (vorstehend E. 4.4) ist nicht geeignet, eine anspruchsrelevante Verschlechterung zu begründen, fehlt es doch an einer Anamnese sowie an einer genauen Auflistung der Befunde und Anga
ben dazu, seit wann die Diagnosen bestehen. Weiter fehlen Angaben zu einer medikamentösen Behandlung und zum Therapieintervall. Die Annahme, die Beschwerdeführerin sei zu 50 % arbeitsunfähig, wird somit zu wenig schlüssig begründet, als dass darauf abgestellt werden könnte.
5.4
Das Gutachten des Z._ (vorstehend E. 4.6) erging unter Berücksichtigung und Auflistung sämtlicher Akten, Erhebung der Anamnese, Veranlassung aktu
eller bildgebender sowie Durchführung allseitiger Untersuchungen. Es ist, wie nachfolgend gezeigt wird, für die streitigen Belange umfassend und in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizi
nischen Fragen schlüssig. Die Schlussfolgerungen wurden nachvollziehbar begründet, und die Gutachter nahmen zu früheren Berichten Stellung. Es ent
spricht somit den praxisgemässen Anforderungen an eine medizinische Exper
tise (vgl. vorstehend E. 1.4).
5.5
In somatischer Hinsicht gingen die Gutachter davon aus, dass Beeinträch
tigungen des rechten Handgelenks und des rechten Kniegelenks in Form einer leichten Arthrose im rechten Handgelenk mit fortgeschrittener Degeneration des TFCC bei leichter
Ulna
-plus-Variante sowie einer fortgeschrittenen
Chondro
pathie
bei Nullachse und kleiner
Kniekehlenzyste
rechts Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin haben. Die diesbezüglichen pathologischen Befunde seien objektivierbar und führten
dazu, dass körperlich schwere Arbei
ten in kalter und feuchter Umgebung mit häufigem Laufen, insbesondere auf Treppen und Leitern, verbunden mit knienden Positionen und Kraftanwendung der Hände nicht mehr vollumfänglich zugemutet werden könnten. Aufgrund dieser Diagnosen bestehe in der angestammten Tätigkeit im Service seit Mai 2014 eine 35%ige Arbeitsfähigkeit (Arbeitsunfähigkeit von 65 %).
Körperlich leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen, die nicht mit häufigem Laufen, ins
besondere auf Treppen und Leitern,
verbunden seien
sowie ohne kniende Positionen und ohne Kraftanwendung der Hände seien spätestens seit November 2011 zu 100
%
zumutbar
(vorstehend E. 4.6).
Weiter hielt der orthopädische Z._-Gutachter fest, dass hinsichtlich der Schulterschmerzen nur teilweise ein organisches Korrelat feststellbar sei und die subjektive Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit mit dem nicht sehr ausgeprägt abnormen Befund nur ungenügend erklärt werden könne. Dies
bezüglich gingen auch Dr. I._ von
fibromyalgiformen
Schmerzen (vor
steh
end E. 4.2) und Dr. K_ und Dr. L._ von Fibromyalgie aus (vor
stehend E. 4.3). Hinsichtlich des linken Handgelenks könnten die Schmerzen bei
unauffälligem Untersuchungsbefund und Bildgebung nicht plausibilisiert werden
. Im linken Knie sei zwar von einer
femoropatellären
Chondropathie
auszugehen, die Schmerzen seien aber weniger ausgeprägt. In Übereinstimmung mit diesen Feststellungen wurden die entsprechenden Diagnosen als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eingeordnet (vorstehend E. 4.6), was zu überzeugen vermag.
Hinsichtlich der mit Bericht vom 17. Juli 2015 diagnostizierten Beeinträchti
gung des rechten Ellbogens (vgl. vorstehend E. 4.7) ist festzuhalten, dass die
Beschwerdeführerin anamnestisch von seit Jahren bestehenden Ellbogen
schmer
zen
und einer Exazerbation seit etwa einem Jahr, somit seit Juli 2014, berich
tete. Anlässlich der
Begutachtung im Oktober 2014 (vgl. Urk. 7/126) erwähnte sie jedoch keine diesbezüglichen Beeinträchtigungen (vgl. S. 4 des Gutachtens) und der Gutachter erhob keine Befunde (vgl. S. 8 f. des Gutachtens). Es ist deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszu
gehen, dass keine gravierende Beeinträchtigung des rechten Ellbogens besteht.
Aus somatischer Sicht besteht somit eine behinderungsangepasste Arbeitsfähig
keit von 100 % (vgl. S. 13 des Gutachtens).
5.6
In psychischer Hinsicht diagnostizierten die Gutachter eine rezidivierende de
pres
sive Störung mit leichten bis mittelgradigen Episoden, welche seit etwa 2006
bestehe und Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe, indem der Beschwerde
führerin behinderungsangepasst eine Tätigkeit im Umfang von 80 % zumutbar sei (vgl. S. 41 und S. 51 des Gutachtens). Demgegenüber stellten die Y._-Gut
achter im Jahr 2011 mit Ausnahme der anhaltenden somatoformen Schmerz
störung ausdrücklich keine weitere psychiatrische Diagnose (vgl. vorstehend E.
3.1
bzw. 3.8). Der psychiatrische Z._-Gutachter stützte sich bei seiner Annahme offenkundig auf die anamnestischen Angaben (vgl. S. 34 Mitte des Gutachtens) und begründete seine abweichende Beurteilung, wonach die Beein
trächtigung bereits seit 2006 bestehe, nicht. Nebst dieser psychiatrischen Diag
nose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellten die Gutachter diejenige einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, welche jedoch keine Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit habe (vgl. vorstehend E. 4.6).
5.7
Wie in BGE 141 V 281 festgehalten (E. 5.2.1), hat sich das Bundesgericht ver
schiedentlich, so auch jüngst, über das Zusammenwirken von Recht und Medi
zin bei der konkreten Rechtsanwendung geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgege
ben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorgegebenen
Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht (BGE 137 V 64 E. 5.1). Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheit
lichen Beeinträchtigungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juris
tische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2; Ulrich Meyer, Der Rechts
begriff der Arbeitsunfähigkeit und seine Bedeutung in der Sozialversicherung, namentlich für den Einkommensvergleich in der Invaliditätsbemessung, in: Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, Schaffhauser/
Schlauri
[Hrsg.], 2003, S. 49).
In diesem Sinne lautet die normativ bestimmte Gutachterfrage, wie die sachver
ständige Person das Leistungsvermögen einschätzt, wenn sie dabei den ein
schlägigen Indikatoren folgt. Die Rechtsanwender überprüfen die betreffenden Angaben frei, insbesondere dahin, ob die Ärzte sich an die massgebenden nor
mativen Rahmenbedingungen gehalten haben, das heisst, ob sie ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind (Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG), sowie, ob die versi
che
rungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grundlage er
folgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG; vgl. BGE 137 V 64 E. 1.2 in
fine
). Dies sichert die einheitliche und rechtsgleiche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (BGE 140 V 290 E. 3.3.1, 135 V 201 E. 7.1; E. 5.2.2).
5.8
Es ist somit aus rechtlicher Sicht zu beurteilen, ob aufgrund der psychiatrischen Diagnosen eine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen ist. Die rezidivierende depres
sive Störung mit leichten bis mittelgradigen Episoden ist nach Beurteilung der Gut
achter nicht eine eigenständige Krankheit, sondern habe sich im Zusam
men
hang mit der
chronischen Schmerzsymptomatik entwickelt (vgl. vorstehend E.
4.6).
In E. 8.1 des zur amtlichen Publikation als BGE be
stimmten Urteils 8C_130/2017 vom 30. November 2017 hat das Bundesgericht jedoch festgehal
ten, dass Störungen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbidität in Betracht fallen, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcenhemmende Wirkung beizumessen ist. Bei der Prüfung des funktio
nellen Schweregrades des Leidens der Beschwerdeführerin ist somit von der im Vordergrund stehenden somatoformen Schmerzstörung auszugehen, jedoch – soweit ressourcenhemmend – das depressive Störungsbild als Komor
bidität zu berücksichtigen (vgl. nachfolgend E. 5.9 f.).
5.9
G
emäss
der mit
BGE 130 V 352
begründeten und seither stetig weiter ent
wickelten Rechtsprechung vermochten eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnos
tizierte somatoforme Schmerzstörung und vergleichbare psychosomatische Leiden
(
BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3
) in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG führende Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Viel
mehr bestand die Vermutung, dass solche Beschwerdebilder oder ihre Folgen m
it einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar seien und nur be
stimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant be
hin
dern, den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machten, weil die ver
sicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt (zur Entstehungsgeschichte dieser Praxis:
BGE 135 V 201
E.
7.1.2;
Urteil des Bundesgerichtes 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 2.1
).
Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien (so genannte „Foerster-Kriterien“, vgl. BGE 130 V 352, BGE 131 V 39 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3.2.3).
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht die Überwindbarkeitsvermutung auf
ge
geben und das bisherige
Re
gel-/Ausnahme-Modell durch ein strukturiertes
normative
s
Prüfungsraster ersetzt. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tat
sächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beur
teilt,
indem
gleichermassen
den
äusseren
Belastungsfaktoren wie den vorhan
denen Ressourcen Rechnung getragen wird (BGE 141 V 574 E. 4.2 mit Hinweisen;
Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2 mit Hinwei
sen
). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindi
katoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
scheinlich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweis
losig
keit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2; Urteil des Bundesgerichts 8C_28/2016 vom 15. April 2016 E. 3.2).
Gemäss E. 4.5.1 des zur amtlichen Publikation als BGE bestimmten Urteils des Bundesgerichts 8C_841/2016 vom 30. November 2017 sind alle psychischen
Erkrankungen im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit den somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren psy
cho
soma
tischen Leiden gleich zu stellen.
In intertemporalrechtlicher Hinsicht ist sinngemäss wie in BGE 137 V 210 (betreffend die rechtsstaatlichen Anforderungen an die medizinische Begutach
tung) vorzugehen. Nach diesem Entscheid verlieren gemäss altem Verfahrens
standard eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Ge
gebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vor
handenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält. In sinngemässer
Anwendung der nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prü
fen, ob die beigezogenen admi
nistrativen und/oder gerichtlichen Sachverständi
gengutachten – gegebe
nen
falls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berich
ten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren er
laube
n.
5.10
Die
massgeblichen
Indikatoren
hat
das Bundesgericht wie folgt systematisiert
(
BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungs
hin
dernder
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
so
urcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4):
Der Indikator einer
gleichmässigen
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufga
ben
bereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitge
staltung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Dabei ist das bisherige
Kriterium des sozialen Rückzugs (wiederum) so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Ein
schränkungen auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann ein krank
heitsbedingter Rückzug aber auch Ressourcen zusätzlich vermindern. Soweit erhebbar, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung. Das Aktivitätsniveau der versicherten Person ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das
heisst
das
Ausmass
, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex "Gesundheitsschädigung") auf den tatsächlichen Leidensdruck hin. Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist. Nicht auf fehlen
den Leidensdruck zu
schliessen
ist, wenn die Nichtinanspruchnahme einer empfohlenen und zugänglichen Therapie oder die schlechte Compliance klarer
weise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurückzu
führen ist. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versi
cherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsi
sten
tes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E.
4.1.2).
5.11
Zum Komplex Gesundheitsschädigung ist festzuhalten, dass verschiedene soma
tische Diagnosen bestehen, jedoch deren Befunde unterschiedlich ausgeprägt sind. So sind die Schulterbeschwerden nur teilweise auf ein organisches Korrelat zurückzuführen, und das Ausmass der Beschwerden
könne damit nicht genü
gend erklärt werden. Dies gelte auch für die Beschwerden im linken Hand
gelenk. Die Schmerzen im linken Kniegelenk seien weniger ausgeprägt. Somit sind einzig die Befunde im rechten Hand- und im rechten Kniegelenk ausge
prägt. Diesbezüglich ist von geringem Behandlungserfolg auszugehen. Die
Beschwer
deführerin hat jedoch trotz bestehender Restarbeitsfähigkeit von 80 u
nd 100 % seit November 2007 keinen Eingliederungserfolg erzielt oder ange
strebt. Als Komorbidität besteht die rezidivierende depressive Störung, leicht- bis mittelgradig.
Der Leidensdruck aufgrund der depressiven Störung scheint mode
rat zu sein, wurden doch bisher die Therapiemöglichkeiten nicht optimal aus
geschöpft.
Eine stationäre oder teilstationäre Therapie wurde bislang nach Lage der Akten nicht durchgeführt und es bestehen Möglichkeiten eines Wechsels der Medi
kation (vgl. vorstehend E. 4.8). Weiter ist aufgrund der anlässlich der Z._-Begutachtung erhobenen Befunde davon auszugehen, dass keine schwere, medi
zinisch ausgewiesene psychische Beeinträchtigung besteht; beispielsweise war die Beschwerdeführerin bei Ablenkung aufhellbar. Weiter führten die Gutachter die psychische Beeinträchtigung auch auf psychosoziale Faktoren zurück (vgl. S. 35 des Gutachtens), was jedoch bei der Beurteilung ausser Acht zu bleiben hat. Insgesamt ist somit nicht von einer gravierenden Komorbidität auszugehen.
Zu den Komplexen Persönlichkeit und sozialer Kontext ist festzuhalten, dass die
Beschwerdeführerin trotz gewissen sozialen Rückzugstendenzen über Ressour
ce
n verfügt. Sie lebt mit ihrem Ehemann und den Kindern, mit denen keine Prob
leme bestünden, zusammen. Finanzielle Probleme habe sie derzeit nicht. Sie hat, zwar wenig, aber dennoch Kontakte mit Bekannten und Freunden, vermag sich zu Tätigkeiten zu zwingen, macht etwas im Haushalt, geht manchmal zwei Stunden spazieren, kocht manchmal das Mittagessen, trifft
sich mit einer Kolle
gin, liegt aber auch manchmal im Bett (vgl. S. 28 unten f. des Gutachtens). Sie geht auch in die Ferien (vgl. Urk. 7/127). Insgesamt
sind bei der Beschwer
de
führerin persönliche und soziale Ressourcen erkennbar, welche durch ihre psy
chischen Probleme nicht in Frage gestellt werden.
Zu prüfen ist weiter die Konsistenz.
Hinsichtlich des Gesichtspunkts der
gleich
mässigen
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren L
ebens
bereichen auf die vorgenannten Feststellungen zu sozialem Kontext und Persön
lich
keit zu verweisen; die Beschwerdeführerin hält ein Aktivitätsniveau, welches nicht augenfällig herabgesetzt ist. Es
besteht mit überwiegender Wahrschein
lichkeit keine wesentliche Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen Lebens
bereichen und es ist nicht von einem sozialen Rückzug in allen Belangen des Lebens auszugehen.
Hinsichtlich der Behandlungsanamnese ist ein Leidensdruck vorhanden, denn die
Beschwerdeführerin hat sich seit ihrem Unfall durchgehend behandeln lassen. In beruflicher Hinsicht sind jedoch den Akten keine Hinweise darauf zu entneh
men, dass sie sich seit dem Unfall um eine neue Anstellung bemüht hätte. Dies, obwohl
gemäss
der Ärzte des USZ aus rein somatischer Sicht bereits seit November 2007 eine volle Arbeitsfähigkeit für behinderungsangepasste Tätig
kei
ten bestand (vgl. vorstehend E. 3.1 und 3.6). Dieses Potential hat die Be
schwer
deführerin bislang nicht einmal mittels einer Teilzeitanstellung genutzt, obwohl dies grundsätzlich zumutbar gewesen wäre.
5.12
Die Prüfung der verschiedenen Indi
katoren ergibt, dass diese keine erheblichen funktionellen Auswirkungen der medizinischen Grundlagen zeigen
.
Es besteht somit ein substantielles Leistungsvermögen. Aus
rechtlicher Sicht
ist
nicht zu beanstanden, dass
die
Z._-Gutachter der diagnostizierten anhaltenden soma
to
formen
Schmerzstörung
keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zumassen
.
Auch die depressive Störung in leichtem bis mittelschwerem
Ausmass
vermag keine Arbeitsunfähigkeit zu begründen.
Damit ist die psychische Beeinträch
tigung bei der Bemessung der Arbeitsfähigkeit
ausser
Acht zu lassen.
5.13
Gestützt auf die orthopädische Z._-Beurteilung ist davon auszugehen, dass im vorliegend zu prüfenden Zeitraum ab März 2012 beziehungsweise Oktober 2013 in der angestammten Tätigkeit zunächst eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % und ab Mai 2014 von 65 % bestand. Nachdem einzig somatische Diag
nosen zu berücksichtigen sind, besteht behinderungsangepasst eine Arbeits
fähig
keit von 100 %. Somit ist eine Verbesserung eingetreten. Die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit von 35 % in der angestammten Tätigkeit ist nach
folgend bei der Bemessung der Invalidität nicht zu berücksichtigen, da es der Beschwerdeführerin zumutbar ist, in einem vollen Pensum in einer angepassten Arbeit tätig zu sein.
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalidenein
kommen
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander ge
gen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Inva
lidi
tätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6.2
Die Beschwerdeführerin war zuletzt von Januar 2004 bis Januar 2005 im Restaurant
Ribo
in einem Pensum von 100 % tätig (vgl. Urk. 7/1 Ziff. 6.3.1; Urk. 7/4/1-4). Da sie jedoch seit Jahren nicht mehr erwerbstätig ist, rechtfertigt es sich, zu Berechnung des hypothetischen
Valideneinkommens
auf die vom
Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebene Lohnstrukturerhebung (LSE) abzustellen
.
Der von Frauen für Arbeiten im Jahr 2012 durchschnittlich
für praktische Tätigkeiten ohne Spezialwissen
im Gastgewerbe erzielte Lohn betrug
Fr. 4‘044.-- pro Monat (LSE
2012
, S. 35, Tabelle TA1, Ziff. 55-56, Niveau 2).
Unter Berücksichtigung, dass 2013 im Bereich Gastgewerbe/Beherbergung keine Veränderung der Nominallohnentwicklung im Vergleich zum Vorjahr eintrat (vgl.
Bundesamt für Statistik, T1.2.10 Nominallohnindex,
Frauen
2011-2015,
Gastgewerbe
/Beherbergung, Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent), und der in diesem Bereich im Jahr 2013 betriebsüblichen Arbeitszeit von 42.4 Stunden (
vgl. Bundesamt für Statistik,
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen
,
Gastgewerbe/Beherbergung und Gastronomie
) ergibt sich ein hypothetisches
Valideneinkommen
von Fr. 51‘440.-- (Fr. 4‘044.-- x 12 : 40 x 42.4).
6.3
Das Invalideneinkommen ist gestützt auf den standardisierten Durchschnitts
lohn in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors zu bestimmen und es ist vom mittleren Lohn für
Frauen
, die einfache und repetitive Arbeiten ausführen, auszugehen. Dieser belief sich im Jahre
2012
auf monatlich Fr. 4‘112.-- (LSE
2012
, S. 35, Tabelle TA1, Total, Niveau 1), mithin Fr. 49‘344.--
im Jahr (Fr. 4‘112.-- x 12). Unter Berücksichtigung einer durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Wochenstunden (betriebsübliche Arbeitszeit nac
h Wirtschaftsabteilungen, Total
) sowie der
allgemeinen
Nominallohner
höh
ung im Jahr 2013 von 0.7 % (vgl.
Bundesamt für Statistik, T1.2.10 Nominal
lohnindex
,
Total) ergibt dies für das Jahr 2013 ein Invalideneinkommen von rund Fr. 51‘801.--
bei 100 %
(Fr. 49‘344
.- : 40 x 41.7 x 1.007) und damit keine
Erwerbseinbusse
. Würde man den maximalen Abzug vom Tabellenlohn von 25 %, wie ihn die Beschwerdeführerin wünscht (vgl. Urk. 1 S. 14), gewähren - wofür kein Anlass besteht - ergibt sich ein hypothetisches Invalideneinkommen von Fr. 38‘851.-- (
Fr. 51‘801.--
x 0.75) und damit ein
rentenausschliessender
Invaliditätsgrad von rund 24 %.
6.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin einen Renten
anspruch zu Recht verneinte. Der angefochtene Entscheid ist rechtens.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
unterliegenden
Beschwerdeführerin
aufzuer
legen.