Decision ID: 19bec0b1-c1d0-4302-aa0e-05794add2c31
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 5. März 2012 bei der Invalidenversicherung (IV) zum
Leistungsbezug an (IV-act. 1). Die Versicherte war am 15. August 2007 (Dekompression
L3-S1) und am 8. Februar 2012 (Instrumentierte Spondylodese in TLIF-Technik L3-L5,
Dekompression L3/4, mikroskopische Sequesterektomie und dorsale rechtsseitige
Spondylodese) an der Lendenwirbelsäule operiert worden (Operationsbericht der
Schulthess Klinik vom 8. Februar 2012, IV-act. 18-9 ff.; Austrittsbericht vom 27.
Februar 2012, IV-act. 18-7 f.).
A.b Dr.med. B._, FMH Innere Medizin, führte im Verlaufsbericht vom 18. Juni 2012
aus, der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich verbessert. Bei weiterhin
gutem Verlauf bestehe ab September 2012 eine Arbeitsfähigkeit von 50 % für eine
leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne Heben von Gewichten über 5 bis 7 kg. Da
die Versicherte auch zervikal unter einer schweren Spinalkanalstenose leide, rechne sie
mit einer dauernden Teilarbeitsunfähigkeit von 50 % (IV-act. 14-2 f.) Dr. C._, Stv.
Oberarzt Wirbelsäulenchirurgie Klinik D._, hielt am 12. Juli 2012 fest, die bisherige
Tätigkeit in einer Wäscherei sei aktuell im Rahmen der Rehabilitation und
Heilungsphase nicht zumutbar. Eine Wiederaufnahme der Arbeit sei für Ende Mai/
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Anfang Juni 2012 in Teilzeit mit verminderter Belastung des Rückens geplant gewesen.
In wieweit es zu einer vollständigen Restitution kommen werde, könne derzeit nicht
abgeschätzt werden. Erfahrungsgemäss würden Restbeschwerden verbleiben. In
diesem Falle wäre eine Anpassung des Arbeitsplatzes und des Tätigkeitsbereiches
sinnvoll (IV-act. 17).
A.c RAD-Arzt Dr. E._, Facharzt für Chirurgie FMH und Praktischer Arzt, nahm am 27.
November 2012 Stellung, die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Reinigungsfrau sei nachvollziehbar. Aus versicherungsmedizinischer Sicht könne nicht
nachvollzogen werden, dass die zusätzliche zervikale Spinalkanalstenose zu einer
dauerhaften Arbeitsunfähigkeit von 50 % führe. Nach aktueller Sicht der Aktenlage
bestehe für eine optimal wirbelsäulenadaptierte Tätigkeit (wechselbelastend, leicht,
ohne Heben und Tragen von Lasten über 5 kg, ohne Überkopfarbeiten, ohne
Zwangshaltungen) ab 1. September 2012 eine Arbeitsfähigkeit von 50 %, steigerbar ab
1. Oktober 2012 auf 100 % (IV-act. 28).
A.d Die IV-Stelle machte der Versicherten am 29. November 2012 Mitteilung, es
bestehe kein Anspruch auf berufliche Massnahmen. Sie sei in einer
leidensangepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig und werde durch das RAV bei der
Stellensuche unterstützt (IV-act. 30).
A.e Dr.med. F._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, führte im Arztbericht vom 13.
März 2013 aus, sie behandle die Versicherte seit 2011. Als psychiatrische Diagnose
erwähnte sie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis
mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11), bestehend seit
1992. Die Versicherte sei aus psychiatrischer Sicht in einer (körperlich) adaptierten
Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig (IV-act. 45-2 ff.). Die Ärzte der Klinik D._ hielten in
Berichten vom 16. April 2013 (Muskulo-Skelettal Zentrum, Wirbelsäulenchirurgie und
Neurochirurgie, IV-act. 51) und vom 10. Mai 2013 (Muskulo-Skelettal Zentrum,
Neurologie, IV-act. 61-1 ff.) fest, bei der Versicherten bestünden starke
Nackenschmerzen bei multisegmentaler Osteochondrose der HWS sowie eine
ausstrahlende Schmerzsymptomatik in den rechten Arm und im rechten Bein bei
zervikaler Spinalkanalstenose. Die Schmerzen im Nackenbereich seien
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differenzialätiologisch auf die degenerativen Wirbelsäulenveränderungen
zurückzuführen.
A.f Nach Einholung diverser weiterer medizinischer Berichte sowie nach
abschliessender Stellungnahme des RAD vom 27. Mai 2014 (IV-act. 104) tat die IV-
Stelle mit Vorbescheid vom 26. Juni 2014 der Versicherten die Absicht kund, das
Rentenbegehren abzuweisen (IV-act. 110; Arbeitsfähigkeit adaptiert 100 %,
Invaliditätsgrad 9 %). Hiergegen liess die Versicherte am 1. September 2014 Einwand
erheben (IV-act. 111).
A.g Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte durch die ABI Ärztliches
Begutachtungsinstitut GmbH begutachtet (Gutachten vom 26. Mai 2015, IV-act. 122;
Allgemeine Innere Medizin und Fallführung: Dr.med. G._, Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates: Dr.med. H._, Psychiatrie und
Psychotherapie: Dr.med. I._, Neurologie: Dr.med. J._; Untersuchungen 17. und 18.
März 2015). Die Gutachter kamen zusammengefasst zum Schluss, die Versicherte sei
aus polydisziplinärer Sicht für eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne
höhere Ansprüche an Konzentration und Schnelligkeit zu 80 % arbeits- und
leistungsfähig. Körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten und solche mit
langen Zwangshaltungen und Steh- und Gehphasen, wie sie die Versicherte früher
ausgeübt habe, seien nicht mehr zumutbar (IV-act. 122-25).
A.h Gestützt auf das Gutachten erliess die IV-Stelle am 13. Juli 2015 erneut einen
Vorbescheid, wonach kein Rentenanspruch bestehe (IV-act. 126). Gegen diesen erhob
die Versicherte am 16. September 2015 Einwand. Sie machte geltend, die Schätzung
der Arbeitsfähigkeit der Gutachter sei nicht vollständig nachvollziehbar. Die
Restarbeitsfähigkeit sei nicht mehr verwertbar; es liege eine vollständige Invalidität vor
(IV-act. 127-1 ff.).
A.i Mit Verfügung vom 20. Oktober 2015 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
hinsichtlich Rente ab. In einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von 80 %. Ein Leidensabzug sei nicht geschuldet, weil in Ausübung
der leidensadaptierten Erwerbsmöglichkeit keine leistungsbedingte Lohnminderung zu
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erwarten sei. Bei einem Invaliditätsgrad von 28 % bestehe kein Rentenanspruch (IV-
act. 129).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 20. Oktober 2015 lässt A._, vertreten durch
Rechtsanwältin lic. iur. N. Ley, am 19. November 2015 Beschwerde erheben. Sie
beantragt, die angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge
aufzuheben und es sei ihr eine ganze Rente der Invalidenversicherung auszurichten.
Die Schätzung der Arbeitsunfähigkeit durch die Gutachter sei nicht vollständig
nachvollziehbar und im Ergebnis daher anzuzweifeln. Die Gutachter hätten trotz
weitgehender Übereinstimmung mit den Feststellungen der behandelnden Ärzte auf
eine deutlich geringere Arbeitsunfähigkeit als diese geschlossen, wobei eine Diskussion
dieser Diskrepanz weitgehend fehle. Die angestammte Tätigkeit sei ihr nicht mehr
zuzumuten. Sie müsste sich somit (für die Aufnahme einer zumutbaren Verweistätigkeit)
beruflich völlig umorientieren. Dies sei ihr nicht mehr zumutbar. Im massgeblichen
Zeitpunkt habe sie nicht einmal mehr zwei Jahre vor der ordentlichen
Alterspensionierung gestanden. Es sei auch auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
faktisch ausgeschlossen, dass sich noch ein Arbeitgeber finden lasse, der sie für die
nur noch kurze Zeit bis zur Pensionierung in einer für sie geeigneten Verweistätigkeit
einstelle. Sei die Restarbeitsfähigkeit wirtschaftlich nicht mehr verwertbar, liege eine
vollständige Invalidität vor (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 27. Januar 2016 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Das ABI-Gutachten sei ausführlich abgefasst und
dessen Schlussfolgerungen zusammen mit der Abeitsfähigkeitsschätzung seien in
jeder Hinsicht nachvollziehbar. Die Berichte der behandelnden Ärzte enthielten keine
objektiv feststellbaren Gesichtspunkte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt
geblieben und geeignet seien, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen.
Hilfsarbeiterinnen stünden nach Eintritt der Invalidität eine Vielzahl von Stellen im
Produktions- und Dienstleistungssektor offen. Für die Beschwerdeführerin geeignete
Tätigkeiten seien etwa leichtere Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie
Verpackungsarbeiten, leichtere Arbeiten bei der Lager- und Ersatzteilbewirtschaftung,
eine Beschäftigung am Empfang oder als Telefonistin sowie Kurier- und leichte
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Lieferdienste. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt enthalte zudem Nischenarbeitsplätze, an
denen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen des Arbeitgebers rechnen
könnten. Die Beschwerdeführerin sei im relevanten Zeitpunkt 62 Jahre alt gewesen.
Trotzdem sei von einer Vermittelbarkeit auszugehen, zumal sie über eine hohe
Restarbeitsfähigkeit von 80 % verfüge und ein stabiler Gesundheits¬zustand vorliege
(act. G 4).
B.c Mit Replik vom 16. Juni 2016 macht die Beschwerdeführerin geltend, objektive
und subjektive Umstände könnten sich in der Gesamtwürdigung derart präsentieren,
dass die einer versicherten Person verbliebene Arbeitsfähigkeit selbst auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt werde. Das
fortgeschrittene Alter einer verhältnismässig kurz vor der ordentlichen
Alterspensionierung stehenden Person sei ein wesentlicher solcher Faktor (act. G 12).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 14).

Erwägungen
1.
1.1 Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
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mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
1.4 Für die Invaliditätsbemessung ist nicht massgeblich, ob eine invalide Person unter
den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob
sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn ein
Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften bestünde
(ausgeglichener Arbeitsmarkt, Art. 16 ATSG). An der Massgeblichkeit des theoretisch
ausgeglichenen Arbeitsmarktes vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass es
für die versicherte Person im Einzelfall schwierig oder gar unmöglich ist, im
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tatsächlichen Arbeitsmarkt eine entsprechende Stelle zu finden. Der ausgeglichene
Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und
Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von
Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Eine Unverwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit ist hingegen in denjenigen Fällen anzunehmen, in denen die
zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der
ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden
einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil
des Bundesgerichts vom 28. November 2014, 9C_485/2014, E. 2 und E. 3.3.1 mit
Hinweisen). Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt
eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente begründet (BGE 138 V 460 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen).
1.5 Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
2.
2.1 Medizinische Grundlage der angefochtenen Verfügung vom 20. Oktober 2015
bildet das ABI-Gutachten vom 26. Mai 2015. Zunächst ist dessen Beweistauglichkeit
zu diskutieren.
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2.2 In somatischer Hinsicht befanden die Gutachter in Übereinstimmung mit Dr. B._
(Bericht vom 20. Februar 2013, IV-act. 43) und mit dem RAD (Stellungnahmen vom 31.
Januar 2014, IV-act. 86, und vom 27. Mai 2014, IV-act. 104), dass der
Beschwerdeführerin körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten und die
bisherige Arbeit in Reinigungsdienst und Wäscherei aus orthopädischer und
neurologischer Sicht nicht mehr zumutbar seien (IV-act. 122-24 f.). Der orthopädische
Gutachter diagnostizierte - im Wesentlichen übereinstimmend mit der Orthopädie und
der Neurologie der Klinik D._ und mit dem neurologischen Gutachter - chronische
Nacken- und Schulterbeschwerden bei radiologisch nachgewiesener Osteochondrose
HWK 4 bis 7 mit Spinalkanalstenose HWK 4/5 und HWK 6/7 sowie foraminaler Enge
HWK 4/5/6 beidseits (IV-act. 112-18, 22; Berichte der Schulthess Klinik vom 16. April
und 10. Mai 2013, IV-act. 51 und 61-1 ff.). RAD-Arzt Dr.med. H. E._, Facharzt für
Chirurgie, hatte in einer Stellungnahme vom 27. November 2012 ausgeführt, eine
dauerhafte 50 %ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund der cervikalen Spinalkanalstenose sei
nicht nachvollziehbar (IV-act. 28). Weiter diagnostizierten die Gutachter ein chronisches
lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit residueller Radikulopathie S1 beidseits und
radiologisch deutlicher Degeneration, Diskusprotrusion und Spinalkanalstenose LWK
2/3 und LWK 5/SWK 1 mit Affektion der Nervenwurzel S1 rechts bzw. eine residuelle
Radikulopathie S1 beidseits (IV-act. 122-18, 22). Der neurologische Gutachter
begründete, weshalb er die früher von Dr.med. K._, Facharzt FMH Neurologie
gestellte Diagnose einer leichten sensomotorischen Polyneuropathie (Bericht vom 5.
April 2012, IV-act. 14-6 f.) bzw. einer Myelopathie nicht bestätigen könne (IV-act.
122-22). Die ins rechte Bein ausstrahlenden lumbalen Schmerzen wurden durch die
Klinik D._ abgeklärt und blieben bislang offenbar ohne klares organisches Korrelat
(vgl. insbesondere Berichte Dr. C._, Wirbelsäulenchirurgie Klinik D._, vom 22.
Februar 2013, IV-act. 50-2 f., und vom 16. April 2013, IV-act. 51-1 ff.). Im Bericht der
Klinik D._, Muskulo-Skelettalzentrum, Neurologie vom 10. Mai 2013 wurde
festgehalten, die Beschwerdeführerin klage über Rückenschmerzen mit Betonung im
Nacken. Diese seien differenzialdiagnostisch auf die degenerativen
Wirbelsäulenveränderungen zurückzuführen (IV-act. 63-3). Somit ist nachvollziehbar,
dass der orthopädische sowie der neurologische Gutachter von einer lediglich teilweise
durch die degenerativen Veränderungen im zervikalen und lumbalen Abschnitt
bedingten Symptomatik ausgehen (vgl. IV-act. 122-19, 23).
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2.3 Während die behandelnde Psychiaterin Dr. F._ eine rezidivierende depressive
Störung, leichte bis mittelgradige Episode, diagnostizierte und gestützt darauf die
Arbeitsfähigkeit in einer körperlich adaptierten Tätigkeit mit 50 % einschätzte
(Arztberichte vom 13. März 2013, IV-act. 45-2 ff. und vom 4. Oktober 2013, IV-act. 73),
bezeichnete der psychiatrische Gutachter die Episode als leichtgradig und attestierte
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20 % für anspruchsvolle Tätigkeiten und
von 10 % für Tätigkeiten mit "langsamerer Gangart" und möglichen Pausen (IV-act.
122-12, 13). In Übereinstimmung mit Dr. F._ schloss er die Diagnose einer
somatoformen Schmerzstörung aus, da die Beschwerden in ausreichendem Masse auf
die degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule zurückzuführen seien (IV-act. 122-13
f.; Arztbericht Dr. F._ vom 4. Oktober 2013, IV-act. 73). Die vom psychiatrischen
Gutachter attestierte Arbeitsunfähigkeit erscheint in Anbetracht dessen, dass aus
psychiatrischer Sicht ausschliesslich eine leicht- bis allenfalls mittelgradige depressive
Erkrankung vorliegt, nachvollziehbar. Bei der Einschätzung von Dr. F._ handelt es
sich insofern um eine abweichende Beurteilung desselben medizinischen Sachverhalts,
welche ein grundsätzlich beweistaugliches Gutachten nicht in Frage zu stellen vermag
(Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [seit 1. Januar 2007:
sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 18. April 2006, I 783/05, E. 2.2
mit Verweis).
2.4 Die tiefere Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch die behandelnde Psychiaterin
ist dadurch erklärbar, dass sie auch Auswirkungen der Schmerzen berücksichtigt hat,
soweit diese organisch nicht objektivierbar waren. Diesen kann indes mangels
Objektivierung bzw. Diagnose invalidenversicherungsrechtlich keine Auswirkung auf die
Erwerbsfähigkeit zuerkannt werden (BGE 136 V 281 E. 3.2; BGE 141 V 285 E. 2.1 mit
Verweis auf BGE 130 V 396). Sodann finden sich in den medizinischen Akten keine
Hinweise auf relevante Tatsachen, die von den Gutachtern nicht berücksichtigt wurden
und die geeignet wären, die attestierte 80 %igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit in Zweifel zu ziehen (Urteile des Bundesgerichts vom 29. Juli 2008,
9C_830/07, E. 4.3 und vom 23. Juni 2015, 9C_853/2014, E. 3.1.2). Auf die
Einschätzung der Gutachter kann daher abgestellt werden und es ist von einer 80
%igen Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten auszugehen.
3.
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3.1 Gemäss den Gutachtern sind der Beschwerdeführerin körperlich schwere und
mittelschwere Tätigkeiten und solche mit längeren Zwangshaltungen und Steh- und
Gehphasen wie die bisherige Tätigkeit seit November 2011 nicht mehr zumutbar (IV-
act. 122-25). Die Beschwerdeführerin sei wegen der Rückenschmerzen im November
2011 arbeitsunfähig geworden (IV-act. 122-24). Indes bestand die besagte
Arbeitsunfähigkeit bereits ab 25. Juli 2011 (Krankenkarte, IV-act. 24-3). Das Wartejahr
gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG war demnach im Zeitpunkt des aufgrund der
Anmeldung vom 5. März 2012 frühesten Beginns eines allfälligen Rentenanspruchs am
1. September 2012 (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG) erfüllt. Massgebend für den
Einkommensvergleich ist somit das Jahr 2012 (BGE 129 V 222).
3.2 Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 20. Oktober
2015 von einem Valideneinkommen von Fr. 58'800.-- aus (IV-act. 129-2). Dieses
entspricht dem von der ehemaligen Arbeitgeberin L._ AG angegebenen Jahreslohn
ab 2010 (Angaben vom 6. April 2012, IV-act. 12-2). Diese Stelle wurde der
Beschwerdeführerin aus gesundheitlichen Gründen gekündigt (Kündigung vom 30. Juli
2012, Fremdakten, act. G 4.2). Zusätzlich arbeitete die Beschwerdeführerin vom 1.
Januar 2009 bis 30. September 2012 als Reinigungskraft auf Abruf bei der M._ AG,
welche ab 1. Januar 2012 einen Jahreslohn von Fr. 8'861.50 (Pauschale pro Objekt)
angab. Die Kündigung sei durch die Beschwerdeführerin wegen Krankheit erfolgt
(Angaben der Arbeitgeberin vom 24. Dezember 2012, IV-act. 37; vgl. auch Angaben der
Arbeitgeberin gegenüber der Arbeitslosenversicherung vom 29. August 2012, Antrag
auf Arbeitslosenentschädigung vom 7. September 2012 und Arbeitsvertrag vom 30.
Mai 2007, Fremdakten, act. G 4.2). Für beide Arbeitsverhältnisse ist davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin die Tätigkeiten im Gesundheitsfall im bisherigen Umfang
weitergeführt hätte (vgl. BGE 134 V 325 f. E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts vom 12.
Juli 2017, 9C_648/2016, E. 6.4.1). Gemäss Auszug aus dem Individuellen Konto (IK; IV-
act. 37) erzielte die Beschwerdeführerin zwischen den Jahren 2001 und 2010 folgende
Jahreseinkommen (Nominallohnentwicklung gemäss Bundesamt für Statistik [BFS],
Lohnentwicklung 2014, T 39, Indices Frauen):
L._ N._ M._ Total Inkl. Nominallohnentwicklung
2001 17'338 30'121 20'383 67'841 : 2245 x 2630 = 79'475
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2002 16'102 33'495 17'073 66'670 : 2296 x 2630 = 76'369
2003 15'942 45'820 17'166 78'928 : 2334 x 2630 = 88'938
2004 8'276 50'303 19'761 78'340 : 2360 x 2630 = 87'303
2005 9'959 46'746 18'357 75'062 : 2386 x 2630 = 82'738
2006 11'817 48'586 19'216 79'619 : 2417 x 2630 = 86'635
2007 8'107 44'830 11'792 64'729 : 2454 x 2630 = 69'371
2008 4'431 22'372 12'738 39'541 : 2499 x 2630 = 41'618
2009 6'267 17'457 18'529 42'253 : 2552 x 2630 = 43'544
2010 11'849 45'516 18'624 75'989 : 2578 x 2630 = 77'522
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung bildet aus einem Nebenerwerb erzieltes
Einkommen wie dasjenige aus Überstunden auch bei einem insgesamt über 100 %
liegendem Pensum Bestandteil des Valideneinkommens, sofern es bereits vor dem
Eintritt des Gesundheitsschadens erzielt wurde und im Gesundheitsfall weiterhin erzielt
worden wäre, was vorliegend der Fall ist. Demgegenüber erfolgt bei mehreren
wirtschaftlich gleichbedeutenden Erwerbstätigkeiten für die Bemessung des
Valideneinkommens eine herabgesetzte Anrechnung der Jahreseinkommen
entsprechend einem Gesamtpensum von 100 % (vgl. dazu Urteile des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 3. Februar 2006, I 181/05, E. 2 und vom 23. Juli
2007, I 433/06, E. 4.1.2; Urteile des Bundesgerichts vom 3. Juli 2008, 9C_45/2008, E.
4.2, vom 25. Februar 2011, 8C_671/2010, E. 4.5.2). Gemäss IK-Auszug lag der Anteil
des Einkommens von der M._ AG in den Jahren 2001 bis 2010 (ausser in den Jahren
2007 bis 2009 mit beträchtlichen krankheitsbedingten Ausfällen 2008 und 2009, vgl.
Lohnabrechnungen, act. 12-7 ff.) jeweils in der Grössenordnung von 25 % bis 30 %
des Gesamteinkommens. Auch wenn die Beschwerdeführerin die Arbeit bei der M._
AG neben einem rund (teilweise über) 100 %igen Pensum ausübte (vgl.
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Lohnabrechnungen L._, IV-act. 12-7 ff.), handelt es sich somit nicht um eine
wirtschaftlich bedeutsame Mehrfachbeschäftigung, und das Valideneinkommen ist
unter Einbezug auch des Einkommens bei der M._ AG zu bemessen. Mit Blick auf die
oben wiedergegebenen Einkommen - insbesondere auch die krankheitsbedingten
Ausfälle 2008 und 2009 - ist als Valideneinkommen das teuerungsbereinigte
Gesamteinkommen des Jahres 2010 von Fr. 77'522.- heranzuziehen.
3.3 Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, aufgrund ihres Alters und
der notwendigen beruflichen Neuorientierung sei ihr die Verwertbarkeit ihrer
Restarbeitsfähigkeit nicht mehr zumutbar.
3.3.1 Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in
der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren
persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer
versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren
Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungslast nicht mehr zumutbar ist. Der
Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf
dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen
Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Massgebend
können die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der
absehbare Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang
auch Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung,
beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem
angestammten Bereich sein (BGE 138 V 460 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen; Urteile des
Bundesgerichts vom 22. März 2012, 9C_153/2011, E. 3.1 und vom 28. Mai 2009,
9C_918/2008 E. 4.2.2 mit Hinweisen und vom 21. November 2014, 9C_358/2014, E.
7.1). Von Bedeutung für die Beurteilung der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
sind namentlich deren Ausmass und die verbleibende berufliche Aktivitätsdauer im
Zeitpunkt des Feststehens der medizinischen Zumutbarkeit einer
(Teil-)erwerbstätigkeit. Dieses ist gegeben, sobald die medizinischen Unterlagen eine
zuverlässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (vgl. BGE 138 V 461 f. E. 3.3 f.; Urteile
des Bundesgerichts vom 21. November 2014, 9C_358/2014, E. 7.2; und vom 25. Juli
2016, 8C_324/2016, E. 4.4, wo fünf Jahre erwähnt werden). Mit Blick auf die
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Massgeblichkeit des theoretisch ausgeglichenen Arbeitsmarktes ist eine
Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit nicht leichthin anzunehmen (Urteile des
Bundesgerichts vom 8. Januar 2013, 8C_724/2012, E. 4.3, vom 13. Februar 2013,
8C_12/2013, E. 3.2 und vom 28. November 2014, 9C_485/2014, E. 3.3.1).
3.3.2 Das Bundesgericht verneinte in BGE 138 V 457 die Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit einer 61-jährigen Beschwerdeführerin, die für adaptierte
Tätigkeiten 50 % arbeitsfähig geschätzt wurde, über keine berufliche Ausbildung
verfügte und ausschliesslich im Gastgewerbe gearbeitet hatte, was ihr fortan nicht
mehr zumutbar war. In einem anderen Fall erwog es, beim 60-jährigen
Beschwerdeführer sei selbst bei leichten Montage-, industriellen Fertigungs- oder
Abpackarbeiten mit einem unterdurchschnittlichen Arbeitstempo und vermehrtem
Pausenbedarf zu rechnen. Die gehäuft auftretenden symptomatischen Hypoglykämien
verhinderten darüber hinaus Schichtdienste sowie das Führen von Fahrzeugen und
Maschinen. Realistischerweise könnte der Beschwerdeführer am ehesten noch für
Kontroll- oder Überwachungsarbeiten in der Industrie eingesetzt werden. Hiefür müsste
er aber erneut einen Berufswechsel vollziehen und ein hohes Mass an
Anpassungsfähigkeit aufbringen, was angesichts der während 25 Jahren verrichteten
Arbeit als Portier im gleichen Hotel wenig wahrscheinlich erscheine (Urteil vom 10. Mai
2013, 9C_954/2012, E. 3.2). Schliesslich verneinte das Bundesgericht die
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit, weil wegen der progredienten Erkrankung -
wenn auch zu einem unbekannten Zeitpunkt - mit gehäuften Arbeitsunfähigkeiten zu
rechnen sei (Urteil vom 28. November 2014, 9C_485/2014, E. 3.3.3.1). Demgegenüber
bejahte es die Verwertbarkeit einer 80 %igen Arbeitsfähigkeit in körperlich leichten
Tätigkeiten bei einer verbleibenden Aktivitätsdauer von noch knapp vier Jahren bei
einem Bauarbeiter, dessen Erwerbsbiographie auch Tätigkeiten in anderen, noch
zumutbaren Arbeitsbereichen auswies (Urteil vom 19. Mai 2016, 8C_910/2015, E. 4.3.3
f.). Ebenso entschied es bezüglich einer 80 %igen Arbeitsfähigkeit in im Wesentlichen
leichten Tätigkeiten eines "zwar nicht leicht vermittelbaren" 60-jährigen
Beschwerdeführers aufgrund eines weiten Spektrums verbleibender zumutbarer
Hilfstätigkeiten (Urteil vom 28. Mai 2009, 9C_918/2008, E. 4.1 und 4.3) und hielt in
einem weiteren Entscheid fest, es treffe zwar zu, dass der Beschwerdeführer nicht
leicht vermittelbar sei und ihm lediglich noch 1 1/2 Jahre bis zum Erreichen des AHV-
Alters verblieben. Indessen sei zu berücksichtigen, dass er in einer leidensadaptierten
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Tätigkeit vollschichtig arbeitsfähig sei und nur leichte zusätzliche Einschränkungen
habe (Heben nicht über 10 kg und vorwiegend sitzende Arbeiten). Insbesondere sei er
feinmotorisch nicht beeinträchtigt. Angesichts des erworbenen Handelsdiploms, seiner
Sprachkenntnisse sowie der Berufserfahrung hätte er nebst Sortier- und
Überwachungsaufgaben auch einfache Bürotätigkeiten ausführen können (Urteil vom
30. Dezember 2015, 9C_847/2015, E. 4.3). Auch die Verwertbarkeit einer 80 %igen
Arbeitsfähigkeit eines im massgeblichen Zeitpunkt 61-jährigen Elektromonteurs, dem
Verweistätigkeiten innerhalb der Branche weiterhin zumutbar seien, der allerdings über
keine EDV-Kenntnisse verfüge, hielt es für gegeben (Urteil vom 21. September 2010,
9C_124/2010, E. 5.3).
3.3.3 Ausschlaggebend für die Beurteilung der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
ist vorliegend das Datum des Gutachtens vom 26. Mai 2015. Die Beschwerdeführerin
war damals gut 62 Jahre alt und stand somit rund zwei Jahre vor der ordentlichen
Alterspensionierung. Gemäss eigenen konsistenten Angaben war sie seit Dezember
1986 stets im Zimmerservice sowie der Wäscherei von Hotel-, Internats-, Klinik- und
Gastronomiebetrieben tätig. Ab 1999 war sie in einem Café für Reinigungsarbeiten und
die Wäscherei zuständig. Über eine Berufsausbildung verfügt sie nicht (Lebenslauf, IV-
act. 25; vgl. auch IK-Auszug, IV-act. 7; Gutachten, IV-act. 122-8, 11). Der angestammte
Tätigkeitsbereich ist medizinisch nicht mehr möglich. In einer im Wesentlichen leichten,
wechselbelastenden Tätigkeit ohne höhere Ansprüche an Konzentration und
Schnelligkeit besteht jedoch gemäss Gutachten eine Arbeitsfähigkeit von 80 % ohne
weitere Leistungseinschränkung (IV-act. 122-25). In den Fällen, in denen das
Bundesgericht eine Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit verneinte, war diese
bedeutend tiefer als 80 % und/oder es bestanden zusätzliche Einschränkungen der
Leistungsfähigkeit. Aufgrund der hohen Arbeitsfähigkeit und der nicht besonders
ausgeprägten qualitativen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit ist deren
Verwertbarkeit trotz des fortgeschrittenen Alters und der praktisch ausschliesslichen
Tätigkeit im Bereich Wäscherei/Zimmerservice noch möglich.
3.4 Für die Bemessung des Invalideneinkommens ist vom durchschnittlichen
Tabellenlohn gemäss Lohnstrukturerhebung (LSE) des BFS 2012, Kompetenzniveau 1,
Frauen, auszugehen. Dieser beträgt Fr. 51'441.-- (Informationsstelle AHV/IV, IV,
Ausgabe 2015, Bern 2015, Anhang 2). Entsprechend der 80 %igen Arbeitsfähigkeit
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ergibt sich ein Jahreseinkommen von Fr. 41'153.--. Das Alter der Beschwerdeführerin
und die mit der Aufnahme einer adaptierten Tätigkeit erforderlichen Umstellung
rechtfertigen gemäss vorstehenden Ausführungen zwar nicht die Annahme der
Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit, jedoch einen höheren Tabellenlohnabzug
von 20 %. Damit resultiert bei einem Invalideneinkommen von Fr. 32'922.-- (0,8 x Fr.
41'153.--) und bei einem Valideneinkommen von Fr. 77'522.-- ein Invaliditätsgrad von
57,9 %. Die Beschwerdeführerin hat damit ab 1. September 2012 Anspruch auf eine
halbe Rente. Dieser bestünde im Übrigen selbst bei einem Tabellenlohnabzug von
lediglich 10 % (Invalideneinkommen 0,9 x Fr. 41'153 = Fr. 37'037.--; Invaliditätsgrad 52
%).
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde aufzuheben und die Beschwerdeführerin hat ab 1. September 2012
Anspruch auf eine halbe Rente.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Hinsichtlich der
Beschwerde gegen die Rentenverfügung gilt es zu beachten, dass gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung zur Überklagung in
sozialversicherungsrechtlichen Rentenfällen von einem vollständigen Obsiegen der
Beschwerdeführerin auszugehen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2016,
9C_288/2015, E. 4.2). Die Beschwerdegegnerin hat daher die gesamten Gerichtskosten
von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss ist der Beschwerdeführerin
zurückzuerstatten.
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
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22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat keine Kostennote eingereicht. Aufgrund
der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand ist dem Beschwerdeführer eine
Parteientschädigung von praxisgemäss Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zuzusprechen.