Decision ID: 01931de6-a192-4b24-a025-a1e7327ac4e8
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Die Gemeinde A._ setzt sich aus den sieben Fraktionen
B._, C._, D._, E._, F._,
G._ und H._ zusammen. Westlich der Fraktion
C._ befindet sich der Stausee I._, nordwestlich davon, in
der Nähe des Stauwehrs, die im Jahr 1868 vollendete Steinbogenbrücke
(J._), der K._ Viadukt der RhB und die Strassenbrücke
der Nationalstrasse N29. Alle drei Brücken führen über die L._.
2. Verschiedene Initianten lancierten das Projekt "M._" mit der Idee,
mittels zweier Hängeseilbrücken (mit einer Länge von 120 m und 240 m)
über der L._ zu einer noch zu erstellenden Kaverne in der
gegenüberliegenden, senkrechten Felswand einen Erlebnisweg
(Rundgang) zu realisieren und diesen, verbunden mit
Restaurationsmöglichkeiten, Besucherzentrum, Rastplätzen, etc. in der
neuen Touristikzone, als touristische Attraktion zu nutzen.
3. Das fragliche Gebiet I._ befindet sich teilweise in der Bauzone
(Gewerbezone, Wohnmischzone), im Wald und im übrigen
Gemeindegebiet. Das Projekt tangiert die im Kantonalen Richtplan
(nachfolgend KRIP) aufgeführte qualifizierte Pufferzone des UNESCO-
Welterbe-Objekts "Rhätische Bahn in der Landschaft N._" und
den Gewässerraum der O._. Sowohl die P._ als auch die
J._ sind im Bundesinventar der historischen Verkehrswege der
Schweiz (nachfolgend IVS) als Objekte von nationaler Bedeutung
eingetragen.
4. Die Gemeinde A._ initiierte die für das Projekt erforderliche
Teilrevision der Ortsplanung. Nach Vorprüfung durch das Amt für
Raumentwicklung (nachfolgend ARE) legte sie den Entwurf vom 5. April
bis zum 4. Mai 2019 öffentlich auf. Am 3. Mai 2019 reichten die
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Umweltorganisationen Pro Natura, WWF Schweiz, Stiftung
Landschaftsschutz Schweiz und Mountain Wilderness Schweiz eine
Stellungnahme ein. Andere Stellungnahmen gingen nicht ein.
5. Anlässlich der Gemeindeversammlung vom 19. Juli 2019 stimmte die
Bevölkerung der Teilrevision der Ortsplanung zu. Am 9. August 2019
erfolgte die öffentliche Bekanntgabe des
Gemeindeversammlungsbeschlusses, gleichentags, bis am 7. September
2019, die öffentliche Auflage des Rodungsgesuchs.
6. Am 6. August 2019 reichte die Gemeinde der Regierung des Kantons
Graubünden die verabschiedeten Planungsmittel (Zonenplan 1:2000
Hängebrücke I._, Genereller Erschliessungsplan 1:2000
Hängebrücke I._, Baugesetz der ehemaligen Gemeinde
C._ Art. 7, Art. 10 und Art. 21a) zusammen mit dem Planungs-
und Mitwirkungsbericht vom 23. Juli 2019 zur Genehmigung sowie das
Rodungsgesuch vom 30. Oktober 2019 betreffend 650 m2 Wald im
Bereich der Brückenköpfe und der ersten Meter der Hängeseilbrücken zur
Bewilligung ein.
7. Am 3. September 2019 reichten die Umweltorganisationen Pro Natura,
WWF Schweiz, Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und Mountain
Wilderness Schweiz eine gemeinsame Stellungnahme bezüglich der
Nutzungsplanung sowie gleichentags eine Einsprache gegen das
Rodungsgesuch ein. Im Planungsverfahren beantragten sie die
Verweigerung der Genehmigung, eventualiter die Einholung eines
Gutachtens der eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission
(nachfolgend ENHK) und eines ornithologischen Gutachtens, im
Rodungsverfahren die Verweigerung der Bewilligung.
8. Mit Beschluss vom 5. Mai 2020 genehmigte die Regierung des Kantons
Graubünden die Nutzungsplanung, nämlich die Teilrevision des
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Baugesetzes, den Zonenplan 1:2000 Hängebrücke I._ (mit
Auflage) sowie den Generellen Erschliessungsplan 1:2000 Hängebrücke
I._ (mit Auflagen und Hinweisen) und erteilte gleichzeitig die
Bewilligung zur Rodung von Wald für die Realisierung der zwei
Hängebrücken (unter Bedingungen und Auflagen).
9. Gegen diesen Regierungsbeschluss erhoben die Stiftung
Landschaftschutz Schweiz und die Mountain Wilderness Schweiz
(nachfolgend Beschwerdeführerinnen) am 8. Juni 2020 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Sie stellten folgende
Rechtsbegehren:
"1. Der angefochtene Genehmigungsbeschluss vom 5. Mai 2020, inklusive integrierter Rodungsbewilligung, sei aufzuheben, und den entsprechenden Planungsmitteln sowie dem entsprechenden Rodungsgesuch sei die Genehmigung zu verweigern.
2. Es sei ein Gutachten der ENHK oder der EKD einzuholen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegner."
Im Wesentlichen begründeten sie die Beschwerde damit, dass der
rechtserhebliche Sachverhalt teilweise falsch ermittelt worden sei, dass
mit dem Projekt das Gewässerschutzgesetz verletzt werde, die in der
qualifizierten Pufferzone des UNESCO-Welterbe-Objekts erforderliche
Gestaltungsplanung nicht erfolgt sei und das Projekt auch dem KRIP
UNESCO-Welterbe widerspreche und zu einer Beeinträchtigung des IVS-
Objekts J._ führe, weshalb ein Verkehrskonzept und ein
Gutachten der ENHK
oder der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege (nachfolgend
EKD) hätten eingeholt werden müssen. Auch die Vorschriften über den
Landschaftsschutz würden verletzt, zumal die Interessenabwägung
unvollständig und unkorrekt erfolgt sei sowie Alternativen und
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Ersatzmassnahmen fehlten. Die Voraussetzungen für eine
Ausnahmebewilligung nach dem Waldgesetz seien nicht erfüllt, die
geplante Rodung sei touristisch motiviert und erfolge aus finanziellen
Interessen. Im Übrigen würden verschiedene weitere Aspekte
(Steinschlaggefahr als Sicherheitsproblem, Parkierung und
Verkehrssicherheit, fehlende Angaben zum Rast-/Spielplatz, Vogelschutz)
unzulässigerweise in das nachgelagerte Baubewilligungsverfahren
verlagert.
10. Mit Vernehmlassung vom 16. Juli 2020 beantragte die Regierung des
Kantons Graubünden, handelnd durch das Departement für
Volkswirtschaft und Soziales, (nachfolgend Beschwerdegegnerin 1) die
kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie
grundsätzlich auf die Erwägungen im angefochtenen
Genehmigungsbeschluss und führte ferner aus, Hängebrücken seien
auch andernorts in der Schweiz an viel schützenswerteren Orten erbaut
worden. In Bezug auf die Gestaltungsberatung sei die Denkmalpflege
beigezogen worden. Es reiche, dass sie deren Empfehlung, die
Anschlusspunkte der Hängebrücke müssten in "angemessener
Entfernung" von der J._ angesetzt werden, in den angefochtenen
Regierungsbeschluss aufgenommen habe, zumal geringfügige
Abweichungen vom GEP im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens
zulässig seien. Von einer unberührten Schluchtlandschaft könne
vorliegend nicht gesprochen werden; der Charakter der UNESCO-
Welterbestrecke der RhB werde durch die geplanten Hängebrücken nicht
beeinträchtigt.
11. Mit Vernehmlassung vom 21. Juli 2020 beantragte die Gemeinde
A._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin 2) die kosten- und
entschädigungsfällige Abweisung der Beschwerde. Sie bestritt, dass es
sich bei den beiden Hängebrücken um eine Überdeckung handle und
machte andernfalls geltend, dass die Voraussetzungen für die Annahme
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eines Ausnahmetatbestandes nach Gewässerschutzgesetz vorlägen,
zumal es sich dabei auch um Verkehrsübergänge handle. Die Anliegen
des KRIP UNESCO-Welterbe inkl. Beratungspflicht würden eingehalten,
weshalb die Ortsplanungsrevision auch als richtplankonform beurteilt
worden sei. Die exakte Lage der Anschlusspunkte der Hängebrücke sei
noch nicht bekannt, in jedem Fall würde in die Substanz der historischen
J._ nicht eingegriffen. Im Nutzungsplanverfahren müssten weder
ein Gutachten der ENHK- oder der EKD noch ein Verkehrskonzept
eingeholt werden. Die Ortsplanungsrevision sei im Rahmen der
Gemeindeautonomie beschlossen worden; die Gemeinde beurteile das
Projekt als sehr bedeutend, was sich auch aus dem Kommunalen
Räumlichen Leitbild ergebe. Schliesslich dürften auch touristische und
finanzielle Aspekte berücksichtigt werden; dies legte die
Beschwerdegegnerin 2 sowohl bezüglich der Planung wie auch der
Voraussetzungen für die erforderliche Rodung näher dar.
12. Am 14. September 2020 reichten die Beschwerdeführerinnen die Replik
ein. Sie hielten an ihren in der Beschwerde formulierten Anträgen und
deren Begründung fest und betonten, dass es sich bei den geplanten
Hängebrücken nicht um einen Verkehrsübergang, sondern um eine reine
Freizeitanlage handle. Bezüglich des KRIP UNESCO-Welterbe sei
festzuhalten, dass die Denkmalpflege das Vorhaben in der vorliegenden
Form nicht gutgeheissen habe, weshalb die Anforderungen an ein
Vorhaben innerhalb der qualifizierten Pufferzone des UNESCO-Welterbes
nicht erfüllt seien. Was die Anschlusspunkte der Hängebrücken betreffe,
zeigten die Beschwerdegegnerinnen nicht auf, dass eine Verschiebung im
Baubewilligungsverfahren noch möglich wäre. Auch müssten die
erforderlichen Ersatzmassnahmen für den Landschaftseingriff im
Zeitpunkt des Planerlasses sichergestellt sein, was vorliegend nicht der
Fall sei.
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13. Mit Schreiben vom 29. September 2020 verzichtete die
Beschwerdegegnerin 1 auf die Einreichung einer Duplik.
14. Mit Eingabe vom 19. Oktober 2020 verzichtete die Beschwerdegegnerin 2
auf eine Duplik, wies jedoch darauf hin, dass sie an ihren Ausführungen
betreffend Überdeckung von Fliessgewässern, Vereinbarkeit mit dem
KRIP UNESCO-Welterbe und Beeinträchtigung der historischen Brücke
festhalte.
15. Am 27. Oktober 2020 reichte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerinnen seine Honorarnote ein.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Regierungsbeschluss sowie auf
die weiteren Ausführungen der Parteien wird, soweit entscheidrelevant, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 102 Abs. 1 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton
Graubünden (KRG; BR 801.100) i.V.m. Art. 49 Abs. 1 lit. d des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) beurteilt das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden Beschwerden gegen
Entscheide der Regierung über öffentlichrechtliche Streitigkeiten, soweit
diese nicht nach kantonalem oder eidgenössischem Recht endgültig sind.
Letzteres ist weder gemäss KRG noch nach dem Bundesgesetz über die
Raumplanung (RPG; SR 700) der Fall, womit die Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts zur Beurteilung des angefochtenen
Regierungsbeschlusses vom 5. Mai 2020 (Akten Beschwerdeführerinnen
[Bf-act.] 1, Akten Beschwerdegegnerin 1 [Bg1-act.] 7) gegeben ist. Das
Verwaltungsgericht entscheidet gestützt auf Art. 43 Abs. 2 lit. a VRG in
Fünferbesetzung, zumal eine Beschwerde gegen den Entscheid der
Regierung zu beurteilen ist.
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2. Was die Beschwerdelegitimation betrifft, hat das kantonale Recht gemäss
Art. 33 Abs. 3 lit. a RPG eine solche mindestens im gleichen Umfang wie
für die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das
Bundesgericht zu gewährleisten, womit die Legitimationserfordernisse von
Art. 89 i.V.m. Art. 111 Abs. 1 und Abs. 2 des Bundesgesetzes über das
Bundesgericht (BGG; SR 173.110) auch für das kantonale
Rechtsmittelverfahren gelten. Gemäss Art. 89 Abs. 2 lit. d BGG sind
Personen, Organisationen und Behörden zur Beschwerde in öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten berechtigt, denen ein anderes Bundesgesetz
dieses Recht einräumt. Vorliegend ist die Beschwerdelegitimation der
Beschwerdeführerinnen gestützt auf Art. 55 des Bundesgesetzes über
den Umweltschutz (USG; SR 814.019) und Art. 12 des Bundesgesetzes
über den Natur- und Heimatschutz (NHG; SR 451) i.V.m. Art. 1 der
Verordnung über die Bezeichnung der im Bereich des Umweltschutzes
sowie des Natur- und Heimatschutzes beschwerdeberechtigten
Organisationen (VBO; SR 814.01, Anhang Ziffn. 13 und 31) zu bejahen;
im Übrigen ist die Beschwerdelegitimation auch nicht bestritten. Damit ist
auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten.
3. Gemäss Art. 51 Abs. 1 VRG können mit der Beschwerde
Rechtsverletzungen einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des
Ermessens sowie unrichtige (lit. a) oder unvollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts geltend gemacht werden (lit. b).
3.1. Die Beschwerdeführerinnen rügen, die Beschwerdegegnerin 1 habe den
Sachverhalt teilweise falsch festgestellt, weil sie im angefochtenen
Beschluss davon ausging, die Teilrevision der Ortsplanung betreffe
ausschliesslich die Kulturlandschaft in der "Pufferzone" anstatt in der
"qualifizierten Pufferzone" im Nahbereich des UNESCO-Welterbe-Objekts
"RhB in der Landschaft N._".
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3.2. Im Rahmen ihrer Vernehmlassung vom 16. Juli 2020 räumt die
Beschwedegegnerin 1 ein, dass das Vorhaben innerhalb der qualifizierten
Pufferzone im Nahbereich des UNESCO-Welterbe-Objekts "RhB in der
Landschaft N._" geplant sei, was aber ihrer Ansicht nach keinen
Einfluss auf das Resultat des angefochtenen Regierungsbeschlusses
habe.
3.3. Aus der Interaktiven Karte des KRIP UNESCO-Welterbe (vgl.
www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dvs/are ->
Dienstleistungen/Kantonale Richtplanung/genehmigt Bund/Interaktive
Karte bzw. Geoportal der Kantonalen Verwaltung/Richtplankarte/Unesco
Welterbe, sowie auch Bf-act. 12 und Bf-act. 5/Bg2-act. 1, S. 7) ergibt sich,
dass sich das umstrittene Vorhaben innerhalb der qualifizierten Pufferzone
im Nahbereich des UNESCO-Welterbe-Objekts "RhB in der Landschaft
N._" befindet. Das Gericht geht im Nachfolgenden von diesem
bereinigten Sachverhalt aus.
4. Die Rügen der Beschwerdeführerinnen beziehen sich auf die Themen
Überdeckung von Fliessgewässern, KRIP UNESCO-Welterbe,
IVS/Gutachten ENHK und EKD, Landschaftsschutz und
Ersatzmassnahmen/Gesamtinteressenabwägung, Rodung sowie
Verschiebung diverser zentraler Aspekte in nachgelagerte Verfahren. Im
Nachfolgenden ist im Einzelnen auf diese einzugehen.
4.1. Art. 36a des Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer (GSchG;
SR 814.22) schreibt den Kantonen die Festlegung des Raumbedarfs von
oberirdischen Gewässern vor, der erforderlich ist für die Gewährleistung
der natürlichen Funktionen der Gewässer (lit. a), den Schutz vor
Hochwasser (lit. b) und die Gewässernutzung (lit. c) (Gewässerraum).
Art. 38 Abs. 1 GSchG bestimmt zudem, dass Fliessgewässer nicht
überdeckt
oder eingedolt werden dürfen. Art. 38 Abs. 2 lit. a-e GSchG führt
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Ausnahmen auf, welche die Behörde bewilligen kann
(Hochwasserentlastungs- und Bewässerungskanäle, Verkehrsübergänge,
Übergänge land- und forstwirtschaftlicher Güterwege, kleine
Entwässerungsgräben mit zeitweiser Wasserführung, Ersatz bestehender
Eindolungen und Überdeckungen, sofern eine offene Wasserführung nicht
möglich ist oder für die landwirtschaftliche Nutzung erhebliche Nachteile
mit sich bringt).
4.1.1. Im angefochtenen Regierungsbeschluss führte die Vorinstanz mit Hinweis
auf Art. 36a GSchG i.V.m. Art. 41a der Gewässerschutzverordnung
(GSchV; SR 814.201) aus, das Vorhaben liege mehr als 50 m über der
Schlucht und der Luftraum über diesem Gewässer müsse nicht
mitberücksichtigt werden, weil bei einer Schlucht kein Gewässerraum
festgelegt werde. Die Berufung auf Art. 38 GSchG ziele ins Leere.
4.1.2. Die Beschwerdeführerinnen machen geltend, der Begriff der Überdeckung
sei weit auszulegen, er umfasse auch nur eine kurze Überdeckung mit
Brücken. Unter Hinweis auf das (Rechts-)Gutachten von Rechtsanwalt
Dr. iur. et dipl. chem. Q._ (zur Beurteilung der Zulässigkeit von
geplanten Gewässerüberdeckungen bei der Abfahrtspiste der
internationalen Lauberhornrennen in Wengen/BE vom 30. Januar 2007,
erstellt im Auftrag des Amtes für Umweltkoordination und Energie des
Kantons Bern; Bf-act. 16) sind sie der Ansicht, dass jede bauliche
Konstruktion über dem Lichtraumprofil eines Fliessgewässers eine
Überdeckung im Sinne von Art. 38 GSchG darstelle, weshalb die
geplanten Hängebrücken als solche zu qualifizieren seien. Diese hätten
negative Auswirkungen auf das Gewässer (hinunterfallende oder -
geworfene Gegenstände/Abfälle), auf dessen Erscheinungsbild und auf
den Landschaftsschutz. Für die Bewilligung einer solchen Überdeckung
bedürfe es eines Ausnahmetatbestands nach Art. 38 Abs. 2 GSchG, z.B.
als Verkehrsübergang im Sinne von Art. 38 Abs. 2 lit. b GSchG. Da die
geplanten Hängebrücken als Freizeitanlagen dienten, nicht Bestandteil
- 12 -
des Fuss- und Wanderwegnetzes seien und keine Verbindungsfunktion
hätten, könnten sie nicht als Verkehrsübergänge angesehen werden. Eine
Ausnahmebewilligung dürfe nicht erteilt werden.
4.1.3. Die Beschwerdegegnerin 1 verweist zu diesem Thema auf den
angefochtenen Regierungsbeschluss. Zudem macht sie geltend, überall in
der Schweiz existierten (Hänge-)Brücken als Touristenattraktion, die in
bedeutend schützenswerteren Gebieten als dem hier betreffenden
bewilligt worden seien.
4.1.4. Die Beschwerdegegnerin 2 bestreitet, dass es sich bei den beiden
Hängebrücken überhaupt um eine Überdeckung handle. Durch die
Realisierung der Hängebrücken, die eine gitterrostähnliche Konstruktion
aufweisen und in einer Höhe von 50 bis 70 m über dem Fluss erstellt
werden sollten, würden weder die Gewässerfunktion (Schutz-, Nutz- und
Wohlfahrtsfunktion) noch die Gestalt des Gewässerlaufs gestört. Selbst
wenn von einer Überdeckung ausgegangen würde, liege ein
Ausnahmetatbestand vor. Die von Q._ vertretene Ansicht werde
in Literatur und Rechtsprechung nicht aufgenommen, der Schluss des
Gutachters, der Begriff des Verkehrsübergangs müsse restriktiv ausgelegt
werden, widerspreche der gängigen Praxis im Kanton Graubünden, in
dem Skipisten (entgegen Q._ und der von ihm zitierten Praxis des
Kantons St. Gallen) als Verkehrsübergänge qualifiziert würden. Die
Begriffe Eindolung und Überdeckung seien weitgehend begriffsidentisch
und entsprechend gleichbedeutend, deshalb sei eine Überdeckung erst
dann rechtlich relevant, wenn sie die Intensität einer Eindolung erreiche,
nämlich der Verlegung eines Gewässers in eine Röhre gleichkomme. Da
die beiden Hängebrücken zur Kaverne in der Felswand führten, seien sie
ohne Weiteres auch als Verkehrsübergänge anzusehen und somit einer
Ausnahmebewilligung zugänglich.
- 13 -
4.1.5. Gemäss der Interaktiven Karte Oberflächengewässer des ANU (vgl.
www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/ekud/anu -> Themen/ Wasser/
Oberflächengewässer /Gewässerraum) ist im fraglichen Bereich rund um
die J._ ein minimaler Gewässerraum im Sinne von Art. 36a
GSchG ausgeschieden, was der Behauptung der Beschwerdegegnerin 1,
in Schluchten müsse ein solcher nicht ausgeschieden werden (vgl.
angefochtener Regierungsbeschluss vom 5. Mai 2020, S. 20, Bf-
act. 1/Bg1-act. 7), entgegensteht. Dieser Punkt spielt vorliegend allerdings
keine entscheidende Rolle, ist doch vielmehr die Frage massgebend, ob
es sich bei den beiden Hängeseilbrücken um eine Überdeckung im Sinne
von Art. 38 Abs. 1 GSchG handelt oder nicht.
4.1.6. Der Begriff der Überdeckung wird im Gesetz nicht definiert; vorliegend ist
strittig und unklar, welche Tragweite ihm zukommt, weshalb der Sinn von
Art. 38 Abs. 1 GSchG durch Gesetzesauslegung zu ermitteln ist
(HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, Zürich/St.
Gallen 2020, Rz. 175). Für die Normen des Verwaltungsrechts gelten die
üblichen Methoden der Gesetzesauslegung, wobei die grammatikalische,
historische, zeitgemässe, systematische und teleologische
Auslegungsmethode zur Anwendung gelangen
(HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 177). In der französischen bzw.
italienischen Fassung von Art. 38 Abs.1 GSchG wird bestimmt, dass
Gewässer "ne doivent (...) être couverts" bzw. "non devono essere
coperti". Die Bestimmung steht im 3. Kapitel "Verhinderung und Behebung
anderer nachteiliger Einwirkungen auf Gewässer" (1. Kapitel "Reinhaltung
der Gewässer", 2. Kapitel "Sicherung angemessener
Restwassermengen"). Das heute geltende GSchG wurde 1991 erlassen,
wobei damals der Schutzbereich durch den quantitativen Gewässerschutz
in beachtlicher Weise erweitert worden war, während in den Jahren 1955
der qualitative Gewässerschutz und 1971 der Schutz gegen
Verunreinigungen im Zentrum gestanden hatten (VALLENDER, in:
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HETTICH/JANSEN/NORER, Kommentar zum Gewässerschutzgesetz und
zum Wasserbaugesetz, Zürich 2016, Art. 1 Rz. 1). Demnach weist das
GSchG ein weites Schutzspektrum auf; bezweckt wird der Schutz vor
nachteiligen Einwirkungen durch den Menschen (Art. 1 Abs. 1 GSchG)
(VALLENDER, a.a.O., Art. 1 Rz. 18 f.); Art. 1 Abs. 2 lit. a-h GSchG sagt
beispielhaft, wozu der Schutz zu dienen hat: z.B. der Gesundheit von
Menschen, Tieren und Pflanzen (lit. a), der Erhaltung natürlicher
Lebensräume für die einheimische Tier- und Pflanzenwelt (lit. c), der
Erhaltung von Fischgewässern (lit. d), der Erhaltung der Gewässer als
Landschaftselemente (lit. e).
In der Botschaft zur Volksinitiative "zur Rettung unserer Gewässer" und
zur Revision des GSchG vom 29. April 1987 (vgl. BBl 1987 II 1061) wird
im Zusammenhang mit Art. 38 GSchG nur die Eindolung näher erläutert
(vgl. S. 1143 f.), das Überdecken von Fliessgewässern wird im Titel
erwähnt, es finden sich aber keine Ausführungen dazu, auch nicht in den
übrigen Materialien. Gemäss FRITZSCHE ist der Begriff der "Überdeckung"
umfassend zu verstehen; er beinhaltet sowohl die längsseitige
Überdeckung durch Plätze, ganze Strassenläufe, Gebäude, etc. wie auch
die nur kurze Überdeckung mit Brücken (FRITZSCHE, in:
HETTICH/JANSEN/NORER, Kommentar zum Gewässerschutzgesetz und
zum Wasserbaugesetz, Zürich 2016, Art. 38 Rz. 6; bestätigt im Urteil des
Bundesgerichts 1C_360/2017 vom 14. März 2018 E.9). Gemäss WAGNER
PFEIFER umfasst er auch Überquerungen, namentlich durch
Verkehrsanlagen (Brücken) (WAGNER PFEIFER, in: Umweltrecht,
Besondere Regelungsbereiche, Zürich 2021, S. 344). Das Bundesgericht
hat in BGE 130 II 313 festgehalten, Art. 38 Abs. 2 lit. b GSchG lasse die
Überdeckung eines Fliessgewässers für Verkehrsübergänge zu, d.h. um
die Überquerung eines Gewässers durch Verkehrsanlagen zu
ermöglichen, während es dagegen nicht zulässig sei, ein Gewässer neu
einzudolen oder zu überdecken, um darüber eine Strasse zu errichten
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(E.3.6 [Projekt für eine provisorische Entlastungsstrasse]; bestätigt in den
Urteilen des Bundesgerichts 1C_533/2010 vom 20. Juli 2022 E.4.1.1 und
1C_137/2009 vom 7. September 2009 E.3.4). In der Rechtsprechung der
Kantone scheint der fragliche Begriff keine grosse Bedeutung (gehabt) zu
haben (vgl. HUBER-WÄLCHLI/KELLER, in: URP 2003, S. 1 ff., 10 Jahre
Rechtsprechung zum neuen GSchG, sowie in: URP 2013, S. 201 ff.,
Rechtsprechung zum GSchG 2003-2012). In URP 2003, S. 47, führen
HUBER-WÄLCHLI/KELLER aus, das Überdecken
oder Eindolen von Fliessgewässern stelle einen Sonderfall einer
Verbauung oder Korrektion (im Sinne von Art. 37 GSchG) dar (S. 47); da
es nicht möglich sei, beim Überdecken oder Eindolen von
Fliessgewässern alle Anforderungen von Art. 37 Abs. 2 GSchG
(Beibehaltung des natürlichen Verlaufs des Gewässers, der vielfältigen
Tier- und Pflanzenwelt dienliche Gestaltung, Erhalten der
Wechselwirkungen zwischen ober- und unterirdischem Gewässer,
standortgerechte Ufervegetation) zu erfüllen, habe der Gesetzgeber
folgerichtig das Überdecken oder Eindolen von Fliessgewässern
grundsätzlich verboten (Art. 38 Abs. 1 GSchG) (S. 50; so zitiert und
bestätigt auch in: REGULA HUNGER, Die Sanierungspflicht im
Umweltschutz- und im Gewässerschutzgesetz, Schriftenreihe zum
Umweltrecht, Bd. 22, Zürich 2010, S. 291).
Schliesslich sei noch auf das von den Beschwerdeführerinnen
eingereichte (Rechts-)Gutachten von Rechtsanwalt Dr. iur. et dipl. chem. Q._ vom 30. Januar 2007 hingewiesen (Bf-act. 16). Seiner
Ansicht nach ist der Begriff der Eindolung bzw. Gewässerüberdeckung
weit auszulegen, um dem Gesetzeszweck Rechnung zu tragen (Bf-
act. 16, Rz. 26, S. 8). Diesbezüglich verweist er auf das
Verwaltungsgericht das Kantons Zürich wie auch auf die
Koordinationsstelle Umweltschutz des Kantons Basel-Stadt, die bereits
die Errichtung einer Fussgängerbrücke als Gewässerüberdeckung
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qualifiziert hätten (Bf-act. 16, Rz. 26, S. 8, mit Belegstellen in Fn 18).
Ferner stufe zum Beispiel auch der Rechtsdienst des Tiefbauamts des
Kantons St. Gallen alle Brücken als Gewässerüberdeckung ein (Bf-act. 16,
Rz. 26, S. 8, mit Belegstelle in Fn 19). Ebenso habe der Regierungsrat des
Kantons Schwyz (...) angenommen, dass ins Lichtraumprofil eines Bachs
hineinragende Balkone eine Gewässerüberdeckung im Sinne von Art. 38
GSchG darstellten (Bf-act. 16, Rz. 26, S. 8, mit Belegstelle in Fn 20).
Ferner hält er – zu Recht – fest, dass eine weite Auslegung des Begriffs
der Gewässerüberdeckung auch der Praktikabilität in der
Rechtsanwendung diene, müssten doch sonst abhängig von der
jeweiligen Konstruktion einer Baute schwierige Abgrenzungen
vorgenommen werden (Bf-act. 16, Rz. 26, S. 8). Damit gelangt
Q._ zum Schluss, dass der Begriff der Gewässerüberdeckung mit
Blick auf die Zielsetzung von Art. 38 GSchG weit auszulegen, d.h. eine
solche auch schon bei relativ geringen Eingriffen zu bejahen sei. In diesem
Sinne bilde jede bauliche Konstruktion, welche über dem Lichtraumprofil
eines Fliessgewässers angebracht wird, eine Gewässerüberdeckung
nach Art. 38 GSchG. Dies gelte unabhängig davon, ob sie gleich
gravierende Auswirkungen für das Fliessgewässer zur Folge habe wie
eine Eindolung (Bf-act. 16, Rz. 29).
4.1.7. Auf der Grundlage des Ausgeführten kommt das Gericht zum Schluss,
dass die geplanten Hängeseilbrücken über der L._ als
Überdeckung im Sinne von Art. 38 Abs. 1 GSchG anzusehen sind,
unabhängig davon, dass sie die O._ in einer Höhe von 50 bis
70 m überqueren und dass es sich um eine gitterrostähnliche Konstruktion
handelt, deren Auswirkungen auf das Fliessgewässer (z.B. Lichtentzug
bzw. Schattenwurf), nicht jedoch auf dessen Gestalt (vgl. dazu auch
Erwägungen 4.3, insbesondere 4.3.5, und 4.4.5), im konkreten Fall nicht
besonders intensiv sein dürften. Das Gesetz trifft bezüglich des Begriffs
der Überdeckung keine Unterscheidung, z.B. nach Höhe, Beschaffenheit
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oder Auswirkung, und auch in den Materialien und in der Rechtsprechung
ist eine solche nicht auszumachen. Insofern vermag die Bemerkung der
Beschwerdegegnerin 1, in der Zwischenzeit hätten schweizweit "derart
viele" Hängebrücken über Flüsse bzw. Schluchten realisiert werden
können (angefochtener Regierungsbeschluss vom 5. Mai 2020, S. 20, Bf-
act. 1/Bg1-act. 7), nichts daran zu ändern, dass es sich um eine dem
Grundsatz nach unzulässige Überdeckung handelt (Art. 38 Abs. 1
GSchG), die nur gestützt auf einen Ausnahmetatbestand gemäss Art. 38
Abs. 2 GSchG (vgl. Erwägung 4.1.8) bewilligt werden könnte. In der Tat
nennt die Beschwerdegegnerin 1 keine Namen oder Beispiele für die
"vielen Hängebrücken" sowie die konkreten Umstände und die rechtlichen
Grundlagen bzw. den Ausnahmetatbestand (Art. 38 Abs. 2 GSchG),
aufgrund derer diese bewilligt worden wären. Erstaunlich bzw.
unbefriedigend ist in diesem Zusammenhang, dass die
Beschwerdegegnerin 1 ihre Haltung nicht mit entsprechenden
Stellungnahmen der fachkompetenten Amtsstellen, insbesondere des
Amtes für Natur und Umwelt (ANU), eventuell auch des Amtes für Jagd
und Fischerei (AJF), unterlegt (solche finden sich weder für das
Vorprüfungs- noch für das Genehmigungsverfahren). Darüber hinaus
ergibt auch die ohne Belegstellen aufgestellte Behauptung der
Beschwerdegegnerin 2, eine Überdeckung gelte erst als solche, wenn sie
die Intensität einer Eindolung erreiche, wenig Sinn, ist doch nicht
ersichtlich, weshalb in diesem Fall die entsprechende Unterscheidung
zwischen Überdeckung und Eindolung überhaupt in Art. 38 GSchG
aufgenommen wurde (vgl. Botschaft zur Volksinitiative "zur Rettung
unserer Gewässer" und zur Revision des GSchG vom 29. April 1987 in:
BBl 1987 II 1061, Bemerkungen zu den einzelnen Bestimmungen ab
S. 1104, insbesondere zu Art. 38 auf S. 1143 f.).
4.1.8. Aus dem Gesagten folgt, dass die beiden Hängeseilbrücken dem
Grundsatz nach nicht bewilligungsfähig sind, weil sie mit Art. 38 Abs. 1
- 18 -
GSchG nicht vereinbar sind. Eine Ausnahmebewilligung kann erteilt
werden, wenn ein Tatbestand im Sinne von Art. 38 Abs. 2 GSchG vorliegt.
So lässt beispielsweise Art. 38 Abs. 2 lit. b GSchG die Überdeckung eines
Fliessgewässers für Verkehrsübergänge zu, d.h. um die Überquerung
eines Gewässers durch Verkehrsanlagen zu ermöglichen. Dagegen ist es
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht zulässig, ein
Gewässer neu einzudolen oder zu überdecken, um darüber eine Strasse
zu errichten (BGE 130 II 313 E.6.3; Urteile des Bundesgerichts
1C_533/2010 vom 20. Juli 2011 E.4.1.1 und 1C_137/2009 vom
7. September 2009 E.3.4; FRITZSCHE, a.a.O., Art. 38 Rz. 15, WAGNER
PFEIFER, a.a.O., S. 344). So hat das Bundesgericht diesbezüglich auch
festgehalten, dass die Erneuerung einer Überdeckung (samt
Überdachung) nur soweit bewilligt werden kann, "als sie zwingend als
Verkehrsfläche für den Betrieb der Beschwerdeführerin benötigt wird (...).
Gründe der Bequemlichkeit (grössere Manövrierfläche, Schutz vor
Witterung) oder andere Nutzungsmöglichkeiten (als Lagerfläche) genügen
dafür nicht" (Urteil des Bundesgerichts 1C_360/2017 vom 14. März 2018
E.9).
Vorliegend soll ein neuer touristischer Rundgang, ein Erlebnispfad über
der Schlucht realisiert werden; mittels der Hängeseilbrücken wird mithin
weder eine bereits bestehende Strasse noch ein vorhandener Wanderweg
weitergeführt, womit nicht von einem Verkehrsübergang gesprochen
werden kann. Die Voraussetzungen von Art. 38 Abs. 2 lit. b GSchG für
eine Ausnahmebewilligung sind hier nicht gegeben. Anders hätte allenfalls
entschieden werden können, wenn die Hängeseilbrücken zur Ergänzung
bzw. Weiterführung eines bestehenden Wanderwegnetzes notwendig
gewesen wären, eine solche Verbindungsfunktion kommt diesen hier aber
(zugegebenermassen) nicht zu (vgl. Planungs- und Mitwirkungsbericht,
Ziff. 4.1, S. 11, Bf-act.5/Bg2-act.1).
- 19 -
4.1.9. Sind die Voraussetzungen für eine Ausnahmebewilligung nach Art. 38
Abs. 2 GSchG nicht gegeben, ist das Projekt "M._" in der
vorliegenden Version nicht bewilligbar, weshalb die Beschwerde bereits
aus diesem Grund gutzuheissen ist.
4.2. Die UNESCO-Konvention (Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und
Naturgutes der Welt; SR 0.451.41) ist seit deren Ratifizierung Bestandteil
des Schweizer Rechts. Die Konvention bezieht sich auf Kulturgüter
(Denkmäler, Gebäudegruppen, Stätten) von aussergewöhnlichem
universellem Wert (Art. 1) sowie auf Naturgüter (Teile der Natur, die aus
physikalischen und biologischen Formationen oder Formationsgruppen
bestehen, geologische und physiographische Formationen und genau
abgegrenzte Gebiete, die den Lebensraum bedrohter Tier‐ und
Pflanzenarten bilden, sowie Naturstätten oder genau abgegrenzte
Naturgebiete) von in wissenschaftlicher Hinsicht oder im Hinblick auf ihre
Erhaltung oder ihre natürliche Schönheit aussergewöhnlichem
universellem Wert (Art. 2).
Im KRIP ist das UNESCO-Welterbe-Objekt "RhB in der Landschaft
N._" festgesetzt (Kapitel 8; vgl.
www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dvs/are ->
Dienstleistungen/Kantonale Richtplanung/genehmigt Bund/Interaktive
Karte bzw. Geoportal der Kantonalen Verwaltung/Richtplankarte/Unesco
Welterbe). Das Ziel dieser Festsetzung wird wie folgt umschrieben: Die
Albula/Bernina-Linie der Rhätischen Bahn und die sie umgebende
Kulturlandschaft sollen unter Einhaltung der Schutzbestimmungen eines
Welterbes in einer Weise genutzt und weiterentwickelt werden, dass ihre
Besonderheiten und Qualitäten im Sinne der UNESCO-Konvention
langfristig erhalten bleiben.
Unter Leitüberlegungen/Grundsätze werden Vorgaben für die hier
(unbestrittenermassen, vgl. Erwägung 3.3) massgebliche qualifizierte
- 20 -
Pufferzone formuliert: Bei Neubau, Umbau und Erneuerung von Bauten
und Anlagen gilt in Bezug auf Ausführung und Gestaltung eine erhöhte
Sensibilität in Bezug auf die Einordnung in das Orts- und Landschaftsbild.
Neue Bauten und Anlagen nehmen hinsichtlich Lage, Art und Gestaltung
Rücksicht auf die Vermittlung der besonderen landschaftlichen und
kulturellen Werte. Sie werden derart qualitätsvoll ausgeführt, dass sie den
regionaltypischen Wert der Kulturlandschaft steigern oder zumindest nicht
vermindern. Diese Grundsätze werden schwergewichtig durch eine
Gestaltungsberatung oder andere gleichwertige Massnahmen
sichergestellt.
Die Erläuterungen dazu enthalten u.a. einen Auszug aus dem Bericht der
Expertengruppe vom 29. November 2004: Das Rückgrat der
Kulturlandschaft an der Albula-Bernina-Linie bildet die Rhätische Bahn.
(...) Die Albulabahn galt schon zur Zeit ihrer Entstehung als Meisterwerk.
Die Berninabahn (St. Moritz-Tirano) wurde im Alpenraum Vorbild für viele
projektierte und einige gebaute Überlandbahnen, heute ist sie weltweit
einzigartig: (...) Die Kunstbauten der Bahn (Brücken, Stationsgebäude,
Stellwerke, Tunnel samt ihrer Portale) sind in der besonderen Topographie
begründet und bilden mit der Kulturlandschaft eine Einheit. Die Wahl der
Linienführung, insbesondere die der Berninastrecke, war massgeblich
durch die Vermittlung von touristischen, d. h. landschaftlichen Attraktionen
motiviert. (...) Hinzu kommen wichtige Ortsbilder (einige figurieren im
Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz [ISOS] als von
nationaler Bedeutung) und wertvolle Einzelbauten und -anlagen; dazu im
Inventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS) als von
nationaler Bedeutung bezeichnete Wegstrecken. Diese Elemente einer
weit zurückreichenden Kultur von beispielhafter Kontinuität überlagern
sich mit einer alpinen bis hochalpinen Naturlandschaft von spektakulärer
Schönheit.
- 21 -
4.2.1. Im angefochtenen Regierungsbeschluss äusserte sich die Vorinstanz
nicht zu diesem Punkt. Sie führte unter der – nicht korrekten –
Bezugnahme auf die Pufferzone im Nahbereich des USECO-Welterbe-
Objekts "RhB in der Landschaft N._" lediglich aus, die Teilrevision
der Ortsplanung erweise sich als richtplankonform.
4.2.2. Die Beschwerdeführerinnen machen geltend, das Vorhaben befinde sich
innerhalb der qualifizierten Pufferzone des UNESCO-Welterbes "RhB in
der Landschaft N._" und gemäss KRIP UNESCO-Welterbe
müssten bei Neubau, Umbau und Erneuerung von Bauten und Anlagen
bestimmte Kriterien hinsichtlich Ausführung und Gestaltung erfüllt werden,
weshalb eine Gestaltungsberatung in der qualifizierten Pufferzone – im
Gegensatz zur Pufferzone im Nahbereich – obligatorisch sei.
Diesbezüglich sei die Beschwerdegegnerin 1 ihrer Abklärungs- und
Prüfungspflicht ungenügend nachgenommen. Daher sei es falsch, dass
die Beschwerdegegnerin 1 die Ortsplanungsrevision als richtplankonform
qualifiziert habe. Dem Orts- und Landschaftsbild müsse besondere Sorge
getragen werden; der Bau von zwei sehr langen, gut sichtbaren Brücken,
einer grossen künstlichen Höhle, einer Plattform an der Felswand sowie
die aufgrund der Steinschlaggefahr wohl notwendigen Schutzbauten
schmälere die landschaftlichen Qualitäten dieser wilden und
ursprünglichen Schluchtlandschaft.
4.2.3. Die Beschwerdegegnerin 1 legt (wie bereits erwähnt, vgl. Erwägung 3.2)
dar, die falsche Annahme betreffend Pufferzone habe keinen Einfluss auf
das Resultat des angefochtenen Beschlusses. Die im fraglichen Kapitel
8.1 des KRIP enthaltenen Grundsätze könnten entweder durch eine
Gestaltungsberatung oder auch durch andere gleichwertige Massnahme
sichergestellt werden; erstere sei daher nicht obligatorisch. Abgesehen
davon sei vorliegend eine Gestaltungsberatung effektiv durchgeführt
worden, da die Denkmalpflege ihre Anliegen sowohl im Vorprüfungs- als
auch im Genehmigungsverfahren deponiert habe (mit Hinweis auf den
- 22 -
Vorprüfungsbericht des ARE vom 27. November 2018 und die
Stellungnahme vom 30. September 2019 bzw. das E-Mail des ARE an die
Gemeinde vom 22. Oktober 2019).
4.2.4. Die Beschwerdegegnerin 2 macht geltend, im Planungs- und
Mitwirkungsbericht vom 23. Juli 2019 seien die Anliegen der UNESCO
thematisiert und berücksichtigt worden. Für die vorliegende Teilrevision
gelte Kapitel 8 des KRIP, und Art. 5 des Baugesetzes C._
(nachfolgend BG) sehe für die qualifizierte Pufferzone des UNESCO-RhB-
Perimeters eine obligatorische Beratungspflicht vor. Damit (sic!) seien die
Anforderungen der Beschwerdeführerinnen erfüllt. Die Festlegung im
KRIP enthalte kein Bauverbot. Von einer unnötigen Möblierung der
Landschaft könne keine Rede sein, zumal das betreffende Gebiet ohnehin
weitgehend überbaut sei.
4.2.5. Gemäss Art. 5 BG besteht innerhalb der UNESCO-Kernzone und der
qualifizierten Pufferzone eine Bauberatungspflicht (Abs. 2 Satz 1).
Demnach sind Bauvorhaben vor Ausarbeitung der Projektpläne der
Baubehörde bekannt zu geben; die Bauberatung legt die
Mindestanforderungen an die Gestaltung fest und teilt diese der
Bauherrschaft mit (Art. 5 Abs. 2 Satz 2 und Art. 3 BG). Art. 5 Abs. 3 BG
präzisiert ferner, dass der im KRG vorkommende Begriff der
Gestaltungsberatung der Bauberatung gemäss BG entspricht, und Art. 5
Abs. 1 BG sieht vor, dass die Baubehörde die Denkmalpflege oder externe
Fachleute zur Beurteilung und Bearbeitung von rechtlichen, technischen
oder gestalterischen Fragen beiziehen kann.
Eine Pflicht zum Beizug einer Bauberatung bzw. Gestaltungsberatung
ergibt sich somit bereits aus dem BG, während gemäss KRIP UNESCO-
Welterbe nebst der Gestaltungsberatung auch andere gleichwertige
Massnahmen möglich wären (vgl. Leitüberlegungen/Grundsätze). In den
entsprechenden Erläuterungen zur qualifizierten Pufferzone (im
- 23 -
Nahbereich) wird festgehalten, dass als qualifizierte Experten auch die
Denkmalpflege als Fachstelle, aber auch Architekten, Bauingenieure etc.
beigezogen werden können, wobei festgestellt worden sei, dass die
nötigen planerischen und gesetzlichen Voraussetzungen in den
Baugesetzen der Gemeinden bereits enthalten seien.
Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens wurden der Planungs- und
Mitwirkungsbericht vom 23. Juli 2019 eingereicht (Bf-act. 5/Bg2-act. 1)
sowie eine Stellungnahme der Denkmalpflege vom 30. September 2019
(Bf-act. 10) eingeholt. Der von der Beschwerdegegnerin 1 ebenfalls
erwähnte Vorprüfungsbericht des ARE vom 27. November 2018 liegt nicht
bei den Akten. Im Planungs- und Mitwirkungsbericht vom 23. Juli 2019 (Bf-
act. 5/Bg2-act. 1) wird erwähnt, dass die Grundzüge der Gestaltung
zusammen mit dem zuständigen Fachausschuss der UNESCO und der
Gestaltungsberatung im nachfolgenden Baubewilligungsverfahren
festgelegt würden (vgl. Bf-act. 5/Bg2-act. 1, S. 13). In ihrer Stellungnahme
vom 30. September 2019 (Bf-act. 10) rät die Denkmalpflege, aufgrund der
Bedeutung der J._ sei darauf zu achten, dass das Vorhaben zu
keiner Beeinträchtigung des Objektes führe. Sie erachtete es als
zwingend, dass der Anschlusspunkt der Hängebrücke West im GEP
angepasst werde (Erfordernis einer angemessenen Entfernung; mit
Hinweis auf die Skizze in der Stellungnahme zur Vorprüfungsvorlage vom
23. August 2018). Sollte die Gemeinde hingegen an der vorgesehenen
Linienführung des Erlebnisweges festhalten, müsse die ENHK einbezogen
werden. Ferner verlangte sie u.a., dass im Rahmen der Nutzungsplanung
ein Verkehrskonzept rund um die geplante Hängebrücke erarbeitet werde,
um die bereits heute beeinträchtigte Substanz der Brücke trotz des zu
erwartenden Mehrverkehrs zu erhalten. Mit dem Beizug der
Denkmalpflege als notwendige und zulässige Fachexpertin wurde der
gemäss BG und KRIP UNESCO-Welterbe erforderlichen
Abklärungspflicht zwar in formeller Hinsicht nachgekommen; allerdings
- 24 -
wird inhaltlich nicht näher auf die beanstandeten Punkte (Entfernung der
Anschlusspunkte der Hängebrücke West zur J._,
Verkehrskonzept, Gesamtschau) eingegangen, sondern diesbezüglich auf
das nachfolgende BAB-Baubewilligungsverfahren verwiesen
(angefochtener Regierungsbeschluss vom 5. Mai 2020, Ziff. G/2, S. 13,
und G/4, S. 15, Bf-act. 1/Bg1-act. 7; vgl. auch E-Mail des ARE an die
Gemeinde vom 22. Oktober 2019, Bg1-act. 6). Damit ist fraglich, ob der
Abklärungspflicht auch in materieller Hinsicht Genüge getan wurde (vgl.
dazu nachfolgende Erwägung 4.3).
4.3. Der Bundesrat erstellt nach Anhören der Kantone Inventare von Objekten
von nationaler Bedeutung (Art. 5 Abs. 1 Satz 1 NHG). Durch die
Aufnahme eines Objektes von nationaler Bedeutung in ein Inventar des
Bundes wird dargetan, dass es in besonderem Masse die ungeschmälerte
Erhaltung, jedenfalls aber unter Einbezug von Wiederherstellungs- oder
angemessenen Ersatzmassnahmen die grösstmögliche Schonung
verdient (Art. 6 Abs. 1 NHG).
Ist für die Erfüllung einer Bundesaufgabe der Bund zuständig, so beurteilt
je nach Zuständigkeit das Bundesamt für Umwelt (BAFU), das Bundesamt
für Kultur oder das Bundesamt für Strassen, ob ein Gutachten durch eine
Kommission nach Art. 25 Abs. 1 NHG erforderlich ist; ist der Kanton
zuständig, so obliegt diese Beurteilung der kantonalen Fachstelle nach
Art. 25 Abs. 2 NHG (Art. 7 Abs. 1 NHG). Kann bei der Erfüllung der
Bundesaufgabe ein Objekt, das in einem Inventar des Bundes nach Art. 5
NHG aufgeführt ist, erheblich beeinträchtigt werden oder stellen sich in
diesem Zusammenhang grundsätzliche Fragen, so verfasst die
Kommission zuhanden der Entscheidbehörde ein Gutachten. Die
Kommission gibt darin an, ob das Objekt ungeschmälert zu erhalten oder
wie es zu schonen ist (Art. 7 Abs. 2 NHG). Das Gutachten bildet eine der
- 25 -
Grundlagen für die Abwägung aller Interessen durch die
Entscheidbehörde (Art. 7 Abs. 3 NHG).
4.3.1. Im angefochtenen Regierungsbeschluss hielt die Vorinstanz fest, die
Gemeinde müsse darauf achten, dass das Vorhaben zu keiner
Beeinträchtigung der geschützten J._ führe. Der Anschlusspunkt
der westlichen Hängeseilbrücke müsse in angemessener Entfernung
angesetzt werden. Sofern die Gemeinde an der exakten Linienführung
gemäss GEP 1:2000 Hängebrücke I._ festhalte, könne eine akute
Gefährdung des nationalen Schutzobjektes nicht ausgeschlossen werden,
was möglicherweise den Einbezug der ENHK erforderlich machen würde.
Sie wies darauf hin, dass die kantonale Denkmalpflege das definitive
Bauprojekt im BAB-Baubewilligungsverfahren unter diesem Aspekt prüfen
werde und gegebenenfalls den Einbezug der ENHK verlangen könne.
Ebenfalls im Hinblick auf das BAB-Baubewilligungsverfahren sei die
Ausarbeitung eines Verkehrskonzeptes unabdingbar.
4.3.2. Die Beschwerdeführerinnen verweisen auf die Stellungnahme der
kantonalen Denkmalpflege vom 30. September 2019, in der diese die
akute Gefährdung der J._ monierte, eine angemessene
Entfernung zwischen dieser und dem Anschlusspunkt der Hängebrücke
mit entsprechender Anpassung im GEP sowie die Vorlage eines
Verkehrskonzeptes bereits im Rahmen der Nutzungsplanung verlangte.
Sie rügen dabei, dass die Vorinstanz nicht ausführe, was unter
"angemessener" Entfernung zu verstehen sei. Zudem sei der Spielraum
für eine Verschiebung der Hängeseilbrücke aufgrund der
Rodungsbewilligung, in der die Rodungsfläche exakt festgelegt sei, sowie
aufgrund der technischen Anforderungen und der geologischen
Gegebenheiten gering. Daher könne nicht davon ausgegangen werden,
dass der Anschlusspunkt der westlichen Hängebrücke noch deutlich von
der J._ weg verschoben werde. Auch sei zweifelhaft, ob das
Bundesamt für Strassen der geplanten Neuregelung der Zu- und Wegfahrt
- 26 -
(unter Schonung der J._) voraussichtlich werde zustimmen
können, dies sei aus verschiedenen Gründen zumindest zweifelhaft,
weshalb zwingend bereits im Rahmen der projektbezogenen
Nutzungsplanung ein Verkehrskonzept hätte eingereicht werden und vom
Bundesamt zumindest hätte vorgeprüft werden müssen. Ebenfalls
zwingend hätte ein Gutachten der ENHK oder der EKD eingeholt werden
müssen; der Beizug müsse nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung
frühzeitig erfolgen. Ohne diese Grundlagen hätten weder der GEP
genehmigt noch die Rodungsbewilligung erteilt werden dürfen.
4.3.3. Die Beschwerdegegnerin 1 macht geltend, gemäss Art. 45 Abs. 4 KRG
seien bei der Projektierung geplanter Anlagen geringfügige Abweichungen
gegenüber Festlegungen im GEP zulässig, sofern die konzeptionellen
Vorgaben gewahrt seien. Es stehe den Beschwerdeführerinnen frei, im
Rahmen des BAB-Baubewilligungsverfahrens die erforderlichen
Rechtsmittel zu erheben, wenn im Bauprojekt aus ihrer Sicht der Vorgabe
der "angemessenen Entfernung" nicht genügend Rechnung getragen
werde. Bezüglich Verkehrskonzept verwies sie auf den angefochtenen
Beschluss.
4.3.4. Die Beschwerdegegnerin 2 moniert, die Umweltorganisationen
verkennten den Zweck der Ortsplanungsrevision, welche die Grundzüge
der Gestaltung und Erschliessung des Gemeindegebietes bestimme. Das
konkrete Projekt werde erst im Rahmen der Bau- und BAB-Gesuche
erarbeitet. Deshalb sei der genaue Anschlusspunkt der westlichen
Hängebrücke noch nicht bekannt. Es könne jedoch gesagt werden, dass
die historische J._ in keiner Art und Weise tangiert werde, in
deren Substanz werde nicht eingegriffen, diese solle auch nach dem
Willen der Gemeinde erhalten bleiben. Sowohl gemäss Gesetz wie auch
verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung sei die exakte Lage einer
Verkehrsanlage im GEP nicht erforderlich. Daher sei die Einholung eines
- 27 -
ENHK- oder EKD-Gutachtens im jetzigen Zeitpunkt nicht erforderlich,
ebensowenig ein vom Bundesamt bewilligtes Verkehrskonzept.
4.3.5. Gegenwärtig gibt es drei Bundesinventare für Objekte von nationaler
Bedeutung (Art. 5 und Art. 6 NHG): das Bundesinventar der Landschaften
und Naturdenkmäler (BLN), das Bundesinventar der schützenswerten
Ortsbilder (ISOS) und das Bundesinventar der historischen Verkehrswege
der Schweiz (IVS). Die J._ ist im IVS aufgeführt (Wegabschnitt
GR R._ von nationaler Bedeutung, historischer Verlauf mit viel
Substanz), d.h. sie verdient gemäss Art. 6 Abs. 1 NHG in besonderem
Masse ihre ungeschmälerte Erhaltung bzw. die grösstmögliche Schonung.
Ein Eingriff in ein gemäss IVS geschütztes Objekt darf nur in Erwägung
gezogen werden, wenn – in Erfüllung einer Bundesaufgabe (vgl. dazu
Art. 2 NHG) – gleich- oder höherwertige Interessen von ebenfalls
nationaler Bedeutung entgegenstehen (Art. 6 Abs. 2 NHG). Bei der
Anwendung von Art. 6 Abs. 2 NHG gibt es drei Kategorien von Eingriffen
bzw. Beeinträchtigungen: keine, leichte (= geringfügige) oder
schwerwiegende (= dauerhaft in der Substanz beeinträchtigt) (Art. 7
Verordnung über das Bundesinventar der historischen Verkehrswege der
Schweiz [VIVS; SR 415.13]; WAGNER PFEIFER, a.a.O., Rz. 1154, Fn 30).
Art. 7 Abs. 1 NHG regelt die Frage der Begutachtung entsprechender
Eingriffe (vgl. Erwägung 4.3). Im vorliegenden Fall liegt die Zuständigkeit
für die Genehmigung der (projektbezogenen) Nutzungsplanung sowie die
Erteilung der Rodungsbewilligung beim Kanton (angefochtener
Regierungsbeschluss vom 5. Mai 2020, Bf-act. 1/Bg1-act. 7). Folglich lag
es bei gegebenen Voraussetzungen an der Kantonalen Denkmalpflege als
kantonaler Fachstelle zu beurteilen, ob ein Gutachten der ENHK/EKD
erforderlich ist oder nicht (WAGNER PFEIFER, a.a.O., Rz. 1161 ff., insb.
Rz. 1166). Letzteres ist der Fall, wenn einerseits die Erfüllung einer
Bundesaufgabe in Frage steht, und andererseits, wenn dabei ein Objekt,
das in einem Inventar des Bundes nach Art. 5 NHG aufgeführt ist,
- 28 -
erheblich beeinträchtigt werden kann oder wenn sich in diesem
Zusammenhang grundsätzliche Fragen stellen (Art. 7 Abs. 1 und Abs. 2
NHG; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 1C_361/2008 vom 27. April
2009 E.7.4).
Nach ständiger Rechtsprechung geht es auch dann um eine
Bundesaufgabe, wenn eine kantonale Behörde eine bundesrechtliche
Aufgabe wahrnimmt (BGE 138 II 281 E.4.4). Eine solche wurde
beispielsweise bejaht bei der Erteilung einer BAB-Baubewilligung, einer
Rodungsbewilligung (BGE 138 II 281 E.4.4, grundlegend BGE 112 Ib 70
E.4b; HÄNNI, Plan-ungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, Bern
2016, S. 423) oder einer kommunalen Bewilligung zum Bauen im
Gewässerraum (WAGNER PFEIFER, a.a.O., Rz. 1148; BGE 143 II 77 E.3.1),
nicht aber bei der Genehmigung eines Nutzungsplans (vgl. HÄNNI, a.a.O.,
S. 423 f.; bejaht allerdings im Zusammenhang mit Neueinzonungen
gestützt auf Art. 15 RPG, vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_86/2020 vom
22. April 2020 E.4.1). Die Rodungsbewilligung ist in Art. 2 Abs. 1 lit. b NHG
ausdrücklich erwähnt; darüber hinaus liegt nach ständiger
Rechtsprechung des Bundesgerichts eine Bundesaufgabe auch dann vor,
wenn für ein Projekt eine Rodung in einem koordinierten Verfahren
bewilligt wird oder die Rodungsbewilligung gemäss Art. 21 Abs. 3 der
Verordnung über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPV; SR 814.011)
verbindlich in Aussicht gestellt wird (BGE 138 II 281 E.4.4, BGE 121 II 190
E.3c/cc, BGE 120 Ib 27 E.2c/aa; Urteil des Bundesgerichts 1C_361/2008
vom 27. April 2009 E.7.4).
Vorliegend wurde mit dem angefochtenen Regierungsbeschluss vom
5. Mai 2020 (Bf-act. 1/Bg1-act. 7) auch eine Rodungsbewilligung erteilt,
d.h. die Beschwerdegegnerin 1 erfüllte damit u.a. auch eine
Bundesaufgabe (vgl. HÄNNI, a.a.O., S. 426, WAGNER PFEIFER, a.a.O.,
Rz. 1147 f.). Die kantonale Denkmalpflege wies in ihrer Stellungnahme
vom 30. September 2019 (Bf-act. 10; vgl. Erwägung 4.2.5) auf die
- 29 -
drohende "akute Gefährdung" der J._ hin und verlangte für den
Fall, dass die Linienführung des Erlebnisweges im GEP nicht angepasst
und kein Verkehrskonzept (wegen des zu erwartenden Mehrverkehrs)
erstellt würden, den Einbezug der ENHK.
Unter den gegebenen Umständen durfte die Beschwerdegegnerin 1 die
Forderungen der kantonalen Denkmalpflege bereits gestützt auf Art. 7
NHG nicht einfach in das BAB-Baubewilligungsverfahren verweisen (vgl.
angefochtener Regierungsbeschluss vom 5. Mai 2020, Ziff. G/2 und 4,
S. 13, H/4, S. 20, Bf-act. 1/Bg1-act. 7) (Urteil des Bundesgerichts
1C_361/2008 vom 27. April 2009 E.7.4), zumal im
Genehmigungsverfahren, entgegen der Empfehlung der Denkmalpflege,
kein Verkehrskonzept verlangt sowie an der vorgesehenen Linienführung
unverändert festgehalten wurde (vgl. GEP, Bf-act. 4). Vielmehr wäre in
diesem Fall die Einholung eines Gutachtens der ENHK zwingend bzw.
obligatorisch gewesen, weil die kantonale Denkmalpflege die J._
als nationales Schutzobjekt als akut gefährdet einschätzte, was von der
Beschwerdegegnerin 1 nicht in Frage gestellt wurde. Wenn die
Beschwerdegegnerin 2 demgegenüber mehrfach bekräftigte, in die
Substanz der Brücke werde nicht eingegriffen, so vermag diese Aussage
mangels näherer Ausführungen die Beurteilung der kantonalten
Denkmalpflege nicht zu erschüttern. Zu beachten ist immerhin auch, dass
eine Begutachtung durch die ENHK nicht erst obligatorisch ist, wenn in die
Substanz eines Schutzobjektes eingegriffen wird, – eine solche würde
bereits eine schwerwiegende Beeinträchtigung darstellen (WAGNER
PFEIFER, a.a.O., Rz. 1155; vgl. auch Art. 7 Abs. 3 VIVS) –, sondern bereits
dann, wenn eine erhebliche Beeinträchtigung vorliegt (Art. 7 Abs. 2 NHG).
Darüber hinaus werden im Zonenplan im Bereich des Brückenkopfes West
eine Zone übriges Gemeindegebiet ausgeschieden (vgl. Bg1-act. 1,
Zonenplan) und mit der erteilten Rodungsbewilligung gemäss
Rodungsplan (Bf-act. 9) der Standort der Anschlusspunkte der
- 30 -
Hängeseilbrücke West ziemlich genau definiert. Die Rodungsfläche
befindet sich direkt neben der J._; die gegenteilige Behauptung
der Beschwerdegegnerin 2, man kenne den genauen Anschlusspunkt
noch nicht, erweist sich unter diesen Umständen als unglaubhaft und eine
relevante Anpassung der Anschlusspunkte erst im BAB-
Baubewilligungsverfahren erscheint kaum realistisch. Dies gilt umso mehr,
als dass es, den Plänen und Fotografien nach zu urteilen, aufgrund der
topografischen Gegebenheiten (Gelände, Wald und Fels) schwierig sein
dürfte, valable Varianten bzw. andere Standorte für eine Verschiebung der
Anschlusspunkte der Hängeseilbrücken, insbesondere der
Hängeseilbrücke West, zu finden. Damit vermag der Einwand der
Beschwerdegegnerin 1, dass gemäss Art. 45 Abs. 4 KRG bei der
Projektierung geplanter Anlagen geringfügige Abweichungen gegenüber
dem Generellen Erschliessungsplan zulässig sind (bei Einhaltung der
konzeptionellen Vorgaben), nicht zu überzeugen. Abgesehen davon, wird
in einem projektbezogenen Nutzungsplanverfahren das
Baubewilligungsverfahren weitgehend vorbestimmt, weshalb die
Umweltauswirkungen im Sinne des Koordinationsgrundsatzes (Art. 25a
RPG) bereits im Stadium der Nutzungsplanung zu prüfen sind (Urteil des
Bundesgerichts 1C_346/2014 vom 26. Oktober 2016 E.4.4; BGE 113 Ib
225 E.3 c/aa S. 234; vgl. zur umfassenden Interessenabwägung
nachfolgende Erwägungen 4.4 ff.).
Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass die Anhörung der
Fachkommission des Bundes in einem Verfahrensstadium zu erfolgen hat,
in dem ihre Stellungnahme effektiv noch berücksichtigt werden kann (z.B.
durch Projektänderungen oder Auflagen) (WAGNER PFEIFER, a.a.O.,
Rz. 1166). Wird bereits im Rahmen eines Gestaltungsplanverfahrens in
grundsätzlicher Weise über Fragen der Projektgestaltung entschieden, die
für die Beurteilung des Eingriffs in ein geschütztes Objekt massgeblich
sind, so darf mit der Einholung des Gutachtens der ENHK nicht bis zum
- 31 -
Baubewilligungsverfahren zugewartet werden (BGE 138 II 281 E.4.4.1;
Urteile des Bundesgerichts 1C_583/2017 vom 11. Februar 2019 [=
BGE 145 II 176] nicht publ. E.5.3, 1C_361/2008 vom 27. April 2009 E.7.5;
WAGNER PFEIFER, a.a.O., Rz. 1166, vgl. auch Rz. 1169).
Damit gelangt das Gericht zum Schluss, dass die Vorinstanz bereits im
Genehmigungsverfahren ein Gutachten der ENHK hätte einholen müssen.
Ohne ein solches kann vorliegend nicht entschieden werden, ob gleich-
oder höherwertige Interessen von nationaler Bedeutung im Sinne von
Art. 6 Abs. 2 NHG vorliegen, die eine Beeinträchtigung des
Schutzobjektes rechtfertigen würden (WAGNER PFEIFER, a.a.O., Rz. 1156:
von nationaler Bedeutung ist nicht jede Bundesaufgabe; gemäss Lehre
und Rechtsprechung sind dies Infrastrukturaufgaben, Versorgungs-
/Entsorgungsanlagen, Landesverteidigung etc.). Damit ist die Beschwerde
auch in diesem Punkt gutzuheissen. Von einer Zurückweisung der
Streitsache an die Vorinstanz zur Einholung eines Gutachtens der ENHK
bzw. zur allfälligen Anpassung des Projekts im Sinne der Stellungnahme
der kantonalen Denkmalpflege vom 30. September 2019 (Bf-act. 10) ist
abzusehen, zumal das Projekt bzw. die Teilrevision der Ortsplanung
mangels Vereinbarkeit mit dem Gewässerschutz ohnehin nicht genehmigt
werden kann (vgl. Erwägung 4.1.7).
4.4. Baugesetz, Pläne der Grundordnung sowie Reglemente, soweit diese
Bestandteil der Grundordnung bilden, wie auch Änderungen dieser
Erlasse bedürfen der Genehmigung durch die Regierung und treten mit
dem Genehmigungsbeschluss in Kraft (Art. 49 Abs. 1 Satz 1 KRG). Die
Genehmigung wird erteilt, wenn keine Vorschriften verletzt sind (Art. 49
Abs. 2 KRG). Die Genehmigungsbehörde sorgt für die inhaltliche
Koordination der Genehmigung mit allfälligen Zusatzbewilligungen (Art. 50
Abs. 1 KRG; vgl. auch Art. 12 ff. der Raumplanungsverordnung für den
Kanton Graubünden [KRVO; BR 801.110]). In diesem Zusammenhang ist
die Genehmigungsbehörde zu einer umfassenden Interessenabwägung
- 32 -
verpflichtet (vgl. dazu Art. 25a Abs. 2 lit. d und Abs. 4 RPG, Art. 7 Abs. 3
NHG, Art. 5 Abs. 2 und Abs. 4 des Bundesgesetzes über den Wald [WaG;
SR 921]; HÄNNI, a.a.O., S. 478 f.).
Stehen den Behörden bei Erfüllung und Abstimmung raumwirksamer
Aufgaben Handlungsspielräume zu, so wägen sie die Interessen
gegeneinander ab, indem sie die betroffenen Interessen ermitteln (Art. 3
Abs. 1 lit. a der Raumplanungsverordnung [RPV; SR 700.1]), diese
Interessen beurteilen und dabei insbesondere die Vereinbarkeit mit der
anzustrebenden räumlichen Entwicklung und die möglichen
Auswirkungen berücksichtigen (lit. b) sowie diese Interessen auf Grund
der Beurteilung im Entscheid möglichst umfassend berücksichtigen (lit. c).
Sie legen die Interessenabwägung in der Begründung ihrer Beschlüsse
dar (Abs. 2). Im Hinblick auf den Landschaftsschutz sorgen der Bund,
seine Anstalten und Betriebe sowie die Kantone bei der Erfüllung der
Bundesaufgaben dafür, dass das heimatliche Landschafts- und Ortsbild,
geschichtliche Stätten sowie Natur- und Kulturdenkmäler geschont
werden und, wo das allgemeine Interesse an ihnen überwiegt,
ungeschmälert erhalten bleiben (Art. 3 Abs. 1 NHG).
4.4.1. Im angefochtenen Regierungsbeschluss fällte die Vorinstanz als
Genehmigungsbehörde einen Gesamtentscheid im Sinne von Art. 15
Abs. 3 KRVO. In Bezug auf den Landschaftsschutz hielt sie die
Gesuchstellerin (Beschwerdegegnerin 2) gestützt auf Art. 1 und Art. 3
NHG an, im BAB-Baubewilligungsverfahren sicherzustellen, dass allfällige
Schutzbauten gegen Steinschlaggefahr bei der Kaverne möglichst
landschaftsschonend in die Felswand eingebaut würden (Ziff. E/2, S. 12).
Ansonsten hielt sie fest, dass der Stärkung des förderungswürdigen
Sommertourismus in einer eher entwicklungsschwachen Region ein
hohes öffentliches Interesse zukomme, gegen das die von den
Umweltorganisationen ins Feld geführten (ebenfalls öffentlichen)
- 33 -
naturschützerischen, landschaftlichen und wildbiologischen Interessen in
der Interessenabwägung nicht aufzukommen vermöchten.
4.4.2. Die Beschwerdeführerinnen bringen dagegen vor, bei der
Interessenabwägung sei zu berücksichtigen, dass das Bauen im alpinen
Raum besonders heikel sei. Die beiden geplanten Hängebrücken, die
Kaverne und die Plattform bei der Kaverne inkl. die aufgrund der
Steinschlaggefahr notwendigen Sicherheitsmassnahmen seien in einem
wilden, spektakulären und im betreffenden Bereich unverbauten Abschnitt
der L._ geplant. Das Vorhaben sei von Nah und Fern gut
einsehbar; es sei mit dem Gewässerschutzgesetz, den Grundsätzen und
Zielen des KRIP UNESCO-Welterbes sowie dem Schutz der historischen
Verkehrswege von nationaler Bedeutung nicht vereinbar. Die
beeindruckende Schluchtlandschaft würde mit der aus landschaftlicher
Sicht unerwünschten und störenden Möblierung stark geprägt. Die
Hängebrücken würden zum dominierenden Element, was vermieden
werden müsse (mit Hinweis auf BGE 136 II 214 E.6/Aroser Weisshorn).
Dies gelte umso mehr als den beiden Hängebrücken keine Funktion als
Bestandteil des Fuss- und Wanderwegnetzes bzw. keine
Verbindungsfunktion zukomme. Die grosse künstliche Kaverne in der
Felswand bedeute einen irreversiblen Landschaftseingriff. Für das
Vorhaben sprächen lediglich touristische bzw. finanzielle Aspekte. Es sei
auch nicht gewürdigt worden, dass das Vorhaben im Parc S._ zu
liegen käme, wo gemäss Art. 20 lit. a und lit. c der Verordnung über die
Pärke von nationaler Bedeutung (PäV; SR 451.36) das Landschaftsbild zu
erhalten und soweit möglich zu verbessern sowie bei neuen Bauten,
Anlagen und Nutzungen der Charakter des Landschafts- und Ortsbildes
zu wahren und zu stärken sei (mit Hinweis auf das Urteil des
Bundesgerichts 1C_528/2018 vom 17. Oktober 2019 E.6.4). Den
betroffenen Interessen von höchster (UNESCO-Welterbe, IVS) und hoher
(naturnahe Schluchtlandschaft) Bedeutung stünden einzig touristische
- 34 -
bzw. finanzielle Aspekte von lokaler, maximal regionaler Bedeutung
gegenüber. Wie wichtig diese seien, könne mangels Bedürfnisnachweises
nicht beurteilt werden, zumal Angaben betreffend des zu erwartenden
Besucheraufkommens, der Wertschöpfung und Wirtschaftlichkeit fehlten.
Die Interessenabwägung sei unvollständig, nicht nachvollziehbar,
unverhältnismässig und rechtsfehlerhaft, weshalb der angefochtene
Beschluss aufzuheben sei. Im Übrigen seien auch keine Alternativen und
Varianten geprüft worden (z.B. Verzicht auf die westliche Hängebrücke)
und keine Wiederherstellungs- bzw. Ersatzmassnahmen vorgesehen.
4.4.3. Die Beschwerdegegnerin 1 bringt vor, die beiden Hängebrücken würden
nicht in einer unberührten Schluchtlandschaft erstellt. Das Projekt sei
eingebettet von einem Staudamm, einer Nationalstrasse, der RhB-
Strecke, dem Restaurant I._, einer überbauten Gewerbezone
sowie Brücken aus verschiedenen Zeitepochen. Die bestehende
Infrastruktur ermögliche erst diesen wilden und spektakulären
Schluchtabschnitt (Staudamm), weshalb diese Landschaft für das
geplante touristische Projekt geradezu prädestiniert sei. Die
Hängebrücken tangierten die UNESCO-Welterbestrecke der RhB nicht,
diese befinde sich deutlich oberhalb der geplanten Hängebrücken. Diese
sowie die J._ würden durch das Projekt besser erlebbar gemacht.
Zwar komme den Hängebrücken keine Verbindungsfunktion zu, doch
bildeten deren Zugangsbereiche Bestandteile der regionalen
Mountainbike- und Velostrecke von SchweizMobil sowie eines
Bergwanderweges; diese würden durch das Projekt an Attraktivität
gewinnen. Das Vorhaben sei bewusst als Rundweg konzipiert, weshalb
der Verzicht auf eine der Brücken nicht weiterverfolgt worden sei. Was die
Ersatzmassnahmen angehe, werde das ANU wie üblich dafür sorgen,
dass solche im erforderlichen Ausmass getroffen würden.
4.4.4. Die Beschwerdegegnerin 2 macht geltend, dass sich die beiden
Hängebrücken bestens in die – nicht unverbaute – Landschaft einfügten.
- 35 -
Der Gemeinde komme auch bei Erlass und Änderung der Grundordnung
Autonomie zu; in diesen zulässigen Ermessensspielraum dürften die
Rechtsmittelbehörden nicht eingreifen. Für die Gemeinde sei das Projekt
sehr bedeutend, was auch die Aufnahme in das Kommunale Räumliche
Leitbild dokumentiere; dieses in einer wirtschaftlich und touristisch
schwachen Region zu realisieren, sei ein Lichtblick. Touristische und
finanzielle Aspekte seien zulässig zu berücksichtigende Interessen. Im
Übrigen sei ein Ausbau bzw. eine Erweiterung des Wanderwegnetzes
vorgesehen, weshalb durchaus von einer Erschliessungsfunktion der
geplanten Hängebrücken ausgegangen werden könne.
4.4.5. Vorliegend ist nachvollziehbar, dass das Projekt "M._" für die
Beschwerdegegnerin 2 von grosser touristischer und damit auch
finanzieller Bedeutung ist, auch wenn sich in den Akten keine vertiefteren
Ausführungen dazu finden. Zutreffend ist auch, dass sich die Landschaft
nicht unverbaut präsentiert, wobei allerdings zumindest der Abschnitt
zwischen J._ und Stauwehr tatsächlich unberührt und
spektakulär ist. Die geplanten Hängeseilbrücken würden gerade dort und
die Kaverne mit Plattform und allfälligen Schutzbauten auf der
gegenüberliegenden Seite in der bis anhin unberührten Felswand erstellt
(vgl. Foto im Planungs- und Mitwirkungsbericht, Bf-act. 5/Bg2-act. 1).
Gerade der Einbau der Kaverne stellt einen massiven Eingriff in die
Landschaft dar, der mit dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen wie
Boden, Luft, Wasser, Wald und Landschaft (Art. 1 Abs. 2 lit. a RPG),
einem schonenden Umgang mit der Landschaft (Art. 3 Abs. 2 RPG und
Art. 3 Abs. 1 NHG) und einer natürlichen Einordnung in die Landschaft
(Art. 3 Abs. 2 lit. b RPG) schlecht vereinbar ist. In diesem Zusammenhang
wäre auch zu beachten, dass gemäss KRIP UNESCO-Welterbe
(Leitüberlegungen/Grundsätze zu "Besonderheiten als Teil des
touristischen Angebotes konsolidieren") der Zugang zu den besonderen
Elementen (z.B. Kunstbauten der RhB, historische Verkehrswege, etc.)
- 36 -
nach Möglichkeit auf das bestehende Wegnetz gelegt werden und sich die
angebotenen, angemessenen Rastmöglichkeiten wie selbstverständlich in
die Kulturlandschaft einfügen sollen. Da in einem Nutzungsplanverfahren,
das ein konkretes Projekt zum Gegenstand hat, dessen raum- und
umweltrelevante Auswirkungen bereits erfassbar sind, das
Baubewilligungsverfahren weitgehend vorbestimmt, ist eine umfassende
Interessenabwägung bereits im Stadium der Nutzungsplanung
vorzunehmen, wobei auch dafür zu sorgen ist, dass die erforderlichen
Schutz-, Wiederherstellungs- und Ersatzmassnahmen nach Art. 18
Abs. 1bis und 1ter NHG sichergestellt werden (vgl. dazu Urteil des
Bundesgerichts 1C_346/2014 vom 26. Oktober 2016 E.4.4). Nach dem
Gesagten mangelt es dem angefochtenen Regierungsbeschluss an einer
ausreichenden, bereits im Nutzungsplanungsverfahren vorzunehmenden,
umfassenden Interessenabwägung, insbesondere, weil zur
wirtschaftlichen Bedeutung des Projekts und zum Landschaftsschutz
keine vertiefteren (auch mit Zahlen untermauerten) Ausführungen
gemacht wurden. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist die Beschwerde
daher gutzuheissen.
4.5. Gemäss Art. 5 Abs. 1 WaG sind Rodungen verboten. Eine
Ausnahmebewilligung darf erteilt werden, wenn der Gesuchsteller
nachweist, dass für die Rodung wichtige Gründe bestehen, die das
Interesse an der Walderhaltung überwiegen und zudem die folgenden
Voraussetzungen erfüllt sind: das Werk, für das gerodet werden soll, muss
auf den vorgesehenen Standort angewiesen sein (lit. a), das Werk muss
die Voraussetzungen der Raumplanung sachlich erfüllen (lit. b) und die
Rodung darf zu keiner erheblichen Gefährdung der Umwelt führen (lit. c).
Nicht als wichtige Gründe gelten finanzielle Interessen, wie die möglichst
einträgliche Nutzung des Bodens oder die billige Beschaffung von Land
für nichtforstliche Zwecke (Art. 5 Abs. 3 WaG). Zudem muss dem Natur-
und Heimatschutz Rechnung getragen werden (Art. 5 Abs. 4 WaG).
- 37 -
Die Zuweisung von Wald zu einer Nutzungszone bedarf einer
Rodungsbewilligung (Art. 12 WaG). Die Rodungsbewilligung befreit nicht
von der Einholung der im RPG vorgesehenen Baubewilligung (Art. 11
Abs. 1 WaG). Erfordert ein Bauvorhaben sowohl eine Rodungsbewilligung
als auch eine BAB-Baubewilligung, so darf diese nur im Einvernehmen mit
der nach Art. 6 WaG (Ausnahmebewilligung) zuständigen Behörde erteilt
werden.
4.5.1. Im angefochtenen Regierungsbeschluss wurde ausgeführt, der Bau der
Hängebrücken sei zentraler Bestandteil des Tourismusprojekts, durch das
die Schluchtlandschaft erlebbar gemacht werde, was nicht auf eine
Mittelbeschaffung für nichtforstliche Zwecke reduziert werden könne. Die
Schluchtlandschaft sei nicht unberührt, zumal dort bereits ein Restaurant,
eine Gewerbezone, ein Stauwehr, weitere Brücken und Verkehrsanlagen
bestünden. Die Realisierung der Hängebrücken entspreche einem
öffentlichen Interesse, welches dasjenige an der Walderhaltung
überwiege. Die Hängebrücken seien standortgebunden, weil man nur von
dort aus Einblick in die von Naturkräften und menschlichen Eingriffen
geprägte Landschaft habe. Der Erlebnisweg bzw. der Rundweg, den sie
ermöglichten, ergänze die bestehenden Wanderwege. Das Projekt sei
auch für Wanderer und Mountainbike- bzw. VelofahrerInnen, Familien und
Schulklassen sehr attraktiv. Damit ergäben sich ausreichend objektive
Gründe, welche die Interessen an der Walderhaltung überwiegen würden.
Auch aus raumplanerischer Sicht spreche nichts gegen die Erteilung der
Rodungsbewilligung. Eine erhebliche Umweltgefährdung könne
ausgeschlossen werden, dem Natur- und Heimatschutz werde genügend
Rechnung getragen. Die Vorinstanz wies in der Folge die Einsprache
gegen das Rodungsgesuch aus all diesen Gründen ab. Sie befristete die
Bewilligung bis zum 31. Dezember 2025, verpflichtete die
Beschwerdegegnerin 2 zu Ersatzmassnahmen (Auflichtung einer
Waldweide, Objekt Nr. 3410 gemäss Waldentwicklungsplan) und
- 38 -
auferlegte ihr als Sicherstellungsmassnahme die Pflicht zur
Unterzeichnung einer Leistungsverpflichtung über CHF 6'500.--. Ferner
müsse die Steinschlaggefahr bei der Kaverne beachtet werden, und es
müssten entsprechende Sicherungsmassnahmen vorgenommen werden.
4.5.2. Die Beschwerdeführerinnen halten an den in der Einsprache
vorgebrachten Einwänden, wonach es dem Vorhaben an überwiegenden
Interessen mangle, fest (Rodung aus finanziellen Interessen, fehlende
Erschliessungsfunktion bzw. Standortgebundenheit, ungenügende
Beachtung des UNESCO-Welterbes, Schmälerung der landschaftlichen
Qualitäten der Schlucht) (Bf-act. 15). Zudem rügen sie, die Rodung sei
touristisch motiviert und erfolge aus finanziellen Interessen, was ein
besonders gewichtiges Bedürfnis seitens der Gemeinde voraussetze, das
hier nicht gegeben sei. In den Akten fehle jeglicher Nachweis bezüglich
Wertschöpfung und Wirtschaftlichkeit. Diese und auch andere Interessen
vermöchten die Interessen an der Walderhaltung nicht zu überwiegen. Der
Wald werde nicht nur durch die notwendigen Rodungen, sondern auch
durch die geplante nachteilige Nutzung im Sinne von Art. 16 WaG
beeinträchtigt. Im Übrigen habe die Vorinstanz im Rahmen der
Interessenabwägung keine Alternativen und Varianten geprüft und sich
auch nicht mit dem Aspekt des UNESCO-Welterbes auseinandergesetzt,
weshalb diese unvollständig bzw. rechtsfehlerhaft erfolgt sei.
4.5.3. Zu dieser Rüge verwies die Beschwerdegegnerin 1 auf den
angefochtenen Regierungsbeschluss und verzichtete auf weitergehende
Ausführungen.
4.5.4. Die Beschwerdegegnerin 2 erläutert, die Realisierung der geplanten
Hängebrücken sei für die Gemeinde sowie für die gesamte Region von
grosser touristischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Daraus abzuleiten,
es gehe allein um finanzielle Interessen, ziele an der Sache vorbei. Wie
auch die Vorinstanz ausgeführt habe, gehe es darum, die Landschaft und
- 39 -
die vorhandenen Bauten erlebbar zu machen, somit ein einmaliges Projekt
zu realisieren, das den Vorbeifahrenden die Schönheit der Region
vermitteln und zum Verweilen einladen soll. Hier gehe es um ein Gebiet,
das bisher teilweise touristisch genutzt wurde, aber kaum Wertschöpfung
generiere und gleichzeitig das Einstiegsportal zum O._- tal
darstelle. Die Rodungsfläche sei auf ein Minimum begrenzt worden. Mit
den Hängebrücken solle ein Gebiet erlebbar gemacht werden, das bereits
heute von Durchreisenden stark frequentiert sei, welche die imposante
Landschaft und die Bauwerke bewunderten und fotografierten. Dieses
vorhandene Potential solle ergänzt werden, was durchaus zulässige
öffentliche Interessen seien. Die geforderte Prüfung von Alternativen und
Varianten hätte kaum zu einem anderen Ergebnis geführt, zumal die
beiden Brücken komplementär zueinander seien, wodurch ein Rundgang
entstehe.
4.5.5. Wichtige Gründe, die das Interesse an der Walderhaltung überwiegen,
können durchaus auch touristische Anlagen sein (WAGNER PFEIFER,
a.a.O., Rz. 1715). Vorliegend sind die entsprechenden Interessen, wie
bereits erwähnt, nachvollziehbar (vgl. Erwägung 4.4.5), wenn auch
tatsächlich keinerlei Angaben (inkl. Zahlen) zur wirtschaftlichen
Wertschöpfung des Projekts gemacht werden (vgl. Planungs- und
Mitwirkungsbericht, Bf-act.5/Bg2-act.1, sowie Bf-act. 6, 7) und auch im
Regierungsbeschluss lediglich unspezifisch von einem "deutlichen
Mehrwert" (vgl. z.B. S. 13) die Rede ist. Das Kommunale Räumlichen
Leitbild der Beschwerdegegnerin 2 (Bg2-act. 4, S. 6, vgl. auch S. 17)
nennt immerhin als wirtschaftliche Faktoren die Abnahme der Anzahl
Betriebe, den Beschäftigungsrückgang, die Zunahme des
Pendleraufkommens, etc. Dient ein Projekt als Motor für die touristische
Förderung kann nicht einfach, wie die Beschwerdeführerinnen es tun, von
ausschliesslich finanziellen Interessen gesprochen werden, geht es doch
in nachvollziehbarer Weise um die Stärkung des Tourismus und damit
- 40 -
auch der Wirtschaftskraft einer (strukturschwachen) Region (z.B.
Arbeitsplätze, Bekanntheit des Ortes, etc.) (vgl. auch HÄNNI, a.a.O.,
S. 451).
Selbst wenn aber wichtige Interessen (Art. 5 Abs. 1 WaG) und die
(relative) Standortgebundenheit (Art. 5 Abs. 1 lit. a WaG) angesichts der
topografischen Verhältnisse bejaht würden, fehlte es vorliegend an den
weiteren Voraussetzungen für eine Rodungsbewilligung im Sinne von
Art. 5 Abs.1 lit. b (Raumplanung) und lit. c WaG (keine Gefährdung der
Umwelt, z.B. Gewässerverschmutzung, Naturgefahren,
Lärmeinwirkungen, vgl. WAGNER PFEIFER, a.a.O., Rz. 1723). Wie bereits
ausgeführt, kann die Nutzungsplanung wegen Verletzung des GSchG und
des fehlenden Gutachtens der ENKH nicht bewilligt werden (vgl.
Erwägungen 4.1.7, 4.3.5, 4.4.5), womit die Voraussetzungen der
Raumplanung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 lit. b WaG nicht gegeben sind.
Fraglich ist, wie ebenfalls bereits erwähnt, der Landschaftsschutz (vgl.
Erwägung 4.4.5), zudem ist nicht ersichtlich, dass die erforderliche
umfassende Abklärung von Alternativstandorten stattgefunden hätte
(WAGNER PFEIFER, a.a.O., Rz. 1718). Ob bzw. dass vom Projekt eine
erhebliche Gefährdung der Umwelt ausgeht, ist zwar nicht ersichtlich,
wurde aber in der fraglichen Verfügung des Amtes für Wald vom
27. Dezember 2019 (Bg1-act. 2) bzw. im angefochtenen
Regierungsbeschluss vom 5. Mai 2020 (Bf-act. 1/Bg1-act. 7, S. 5)
ebenfalls nicht näher ausgeführt. Was schliesslich den Natur- und
Heimatschutz angeht (vgl. dazu WAGNER PFEIFER, a.a.O., Rz. 1716),
mangelt es am erforderlichen Gutachten der ENHK (vgl. Erwägung 4.3.5).
Zusammenfassend ergibt sich, dass auch die verschiedenen
Voraussetzungen für die Erteilung einer Rodungsbewilligung nicht bzw.
nicht vollständig gegeben sind, weshalb die Beschwerde auch
diesbezüglich gutzuheissen ist.
- 41 -
4.6. Gemäss Art. 2 RPG erarbeiten Bund, Kantone und Gemeinden die für ihre
raumwirksamen Aufgaben nötigen Planungen und stimmen sie
aufeinander ab (Abs. 1). Sie berücksichtigen die räumlichen
Auswirkungen ihrer übrigen Tätigkeit (Art. 2 Abs. 2 RPG). Die mit
Planungsaufgaben betrauten Behörden achten darauf, den ihnen
nachgeordneten Behörden den zur Erfüllung ihrer Aufgaben nötigen
Ermessensspielraum zu lassen (Art. 2 Abs. 3 RPG).
4.6.1. Im angefochtenen Regierungsbeschluss hielt die Vorinstanz fest, die
Naturgefahrenaspekte (insbesondere die Steinschlaggefahr bei der
Kaverne) müssten im BAB-Baubewilligungsverfahren detailliert analysiert
werden (Ziff. E/2). Auf der Fläche des vorgesehenen Parkplatzes befinde
sich heute ein Holzlagerplatz, für den ein geeigneter Ersatzstandort zu
schaffen sei (Ziff. F/1). Die Lage des Parkplatzes im Bereich der
Einmündung der Strasse von C._ in die P._ sei aus
Gründen der Verkehrssicherheit kritisch zu beurteilen, zumal
BesucherInnen der Hängebrücken zu Fuss drei Fahrspuren überqueren
müssten, auf denen teilweise mit hoher Geschwindigkeit gefahren werde.
Die Vorinstanz nahm zur Kenntnis, dass diesbezüglich die Möglichkeit zur
Langsamverkehrsquerung unterhalb der bestehenden Brücke gegeben
sei (Ziff. F/1). Sie wies auch darauf hin, dass der im Waldareal geplante
Rast- und Spielplatz nicht mit der vorgesehenen Touristikzone
deckungsgleich sei, weshalb eine forstrechtliche Bewilligung für dessen
Realisierung erst nach Vorliegen der Detailplanung und Nachweis der
Standortgebundenheit erteilt werden könne (Ziff. G/1), zudem hielt sie die
Gemeinde an, Massnahmen zur Minimierung von Kollisionen von Vögeln
mit den Abspannseilen der Hängebrücken umzusetzen (Ziff. G/2).
4.6.2. Die Beschwerdeführerinnen bemängeln, dass das Projekt auch aus
verschiedenen anderen Gründen nicht entscheidreif sei, weshalb die
Genehmigung nicht hätte erteilt werden dürfen. So rügen sie zusätzlich,
dass nicht geprüft wurde, ob die Steinschlaggefahr in der Felswand dem
- 42 -
Projekt generell entgegenstehe, zumal bereits eine geringe
Steinschlaggefahr ein Sicherheitsproblem darstellen würde. Als
problematisch erachten sie auch den vorgesehenen Parkplatz auf der
anderen Seite der Kantons- (bzw. National-)strasse; sie bezweifeln, dass
eine Unter- oder Überführung finanziell tragbar sei und weiterverfolgt
würde. Gerügt wird auch, dass Art und Ausmass des geplanten Rast-
/Spielplatzes in den Unterlagen nicht ersichtlich sei; dies verhindere eine
Gesamtbeurteilung. Zudem sei unklar geblieben, ob es Möglichkeiten
gebe, um Kollisionen von Vögeln mit den Abspannseilen der
Hängebrücken zu minimieren.
4.6.3. Die Beschwerdegegnerin 1 führt aus, mit der vorliegenden Teilrevision der
Ortsplanung sei die Verankerung der geplanten Anlage in der
Nutzungsplanung sichergestellt worden. Die Standortgebundenheit sei im
Rahmen des Genehmigungsverfahrens geprüft worden, die Gestaltung
des Projekts (Langsamverkehrsquerung, Ausmass des Rast-
/Spielplatzes, Abspannseile der Hängebrücken) werde stufengerecht im
BAB-Baubewilligungsverfahren geprüft und festgelegt. Auf wichtige
Aspekte des Landschafts- oder Vogelschutzes und der Verkehrssicherheit
habe die Vorinstanz richtigerweise bereits im angefochtenen
Regierungsentscheid hingewiesen.
4.6.4. Auch die Beschwerdegegnerin 2 erachtet eine weitere Klärung auf Stufe
Nutzungsplanung als nicht erforderlich. Die Zu- und Wegfahrt sei
bestehend und es herrschten gute und übersichtliche Sichtverhältnisse.
Was die Steinschlaggefahr betreffe, werde das BAB-
Baubewilligungsverfahren zeigen, welche Massnahmen zu ergreifen
seien. Die Fragen rund um den Parkplatz sowie den Rast- und Spielplatz
würden in den nachfolgenden Verfahren geklärt.
4.6.5. Das Gericht kann die Frage, ob die erwähnten Punkte (Naturgefahren, vgl.
dazu Bf-act. 5/Bg2-act. 1, S. 10, Ersatz Holzlagerplatz, Lage des
- 43 -
Parkplatzes, Massnahmen zum Vogelschutz, Rast- und Spielplatz im
Waldareal) im Nutzungsplanverfahren ungeprüft gelassen bzw. erst im
BAB-Baubewilligungsverfahren geprüft werden durften bzw. dürfen,
angesichts des Verfahrensausgangs offen lassen.
4.7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Projekt "M._" im
Bereich der J._ mit den beiden Hängeseilbrücken über der
O._ Art. 38 GSchG widerspricht und dass damit auch die
Voraussetzungen für die Erteilung einer Rodungsbewilligung im Sinne von
Art. 5 WaG nicht gegeben sind. Ebenso ist festzuhalten, dass die
Vorinstanz ihrer Abklärungspflicht mit Einholung der Stellungnahme der
kantonalen Denkmalpflege teilweise nachgekommen ist, dass jedoch
gemäss Art. 7 und Art. 25 NHG zwingend ein Gutachten der ENHK
einzuholen gewesen wäre. Fraglich, aber letztlich offen gelassen werden
kann die Frage, ob mit dem Projekt der Grundsatz des schonenden
Umgangs mit der Landschaft eingehalten wird (Art. 3 Abs. 2 RPG und
Art. 3 Abs. 1 NHG), ebenso kann offen gelassen werden, ob weitere
Fragen (Naturgefahren, Ersatz Holzlagerplatz, Lage des Parkplatzes,
Massnahmen zum Vogelschutz, Rast- und Spielplatz im Waldareal)
zulässigerweise erst im BAB-Baubewilligungsverfahren geklärt werden
dürfen. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, und der
angefochtene Regierungsbeschluss vom 5. Mai 2020 (Bf-act. 1/Bg1-
act. 7) ist, zumal die Teilrevision der Ortsplanung die Grundlage für die
Realisierung des Projekts "M._" mit den beiden
Hängeseilbrücken bildet, in seiner Gesamtheit aufzuheben
5. Im Rechtsmittelverfahren hat in der Regel die unterliegende Partei die
Kosten zu tragen (Art. 73 Abs. 1 VRG), wobei mehreren Parteien die
Kosten zu gleichen Teilen aufzuerlegen sind, soweit die Behörde nichts
Anderes entscheidet (Art. 73 Abs. 2 VRG). Die Beschwerdegegnerin 1
(Kanton Graubünden bzw. Regierung) amtete vorliegend als
Genehmigungs- und Bewilligungsbehörde im Sinne von Art. 26 RPG bzw.
- 44 -
Art. 49 KRG sowie Art. 5 WaG. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten,
dass der Kanton bzw. die Regierung in dieser Eigenschaft in der Regel
keine Verfahrenskosten zu tragen hat und auch nicht
entschädigungspflichtig wird (vgl. Urteile des Verwaltungsgerichts [VGU]
R 21 51 vom 26. Oktober 2021 E.7.1, R 20 33 vom 16. Juni 2020 E.3.1, je
mit weiteren Hinweisen). Die Verfahrenskosten bestehen aus der
Staatsgebühr, den Gebühren für die Ausfertigungen und Mitteilungen des
Entscheids sowie den Barauslagen (Art. 75 Abs. 1 VRG). Die
Staatsgebühr beträgt höchstens CHF 20'000.--, sie richtet sich nach dem
Umfang und der Schwierigkeit der Sache sowie nach dem Interesse und
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Kostenpflichtigen (Art. 75
Abs. 2 VRG).
5.1. Im vorliegenden Beschwerdeverfahren wird die Staatsgebühr im Sinne
von Art. 75 Abs. 2 VRG auf CHF 4'000.-- festgesetzt. Sie wird zusammen
mit den Kanzleiausgaben dem Ausgang des Verfahrens entsprechend der
unterliegenden Beschwerdegegnerin 2 auferlegt.
5.2. Gemäss Art. 78 Abs. 1 VRG wird die unterliegende Partei in der Regel
verpflichtet, der obsiegenden Partei alle durch den Rechtsstreit
verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen. Bund, Kanton und
Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten
Organisationen wird in der Regel keine Parteientschädigung
zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegen
(Art. 78 Abs. 2 VRG).
5.2.1. Vorliegend wird die Parteientschädigung dem Ausgang des
Beschwerdeverfahrens entsprechend zu Gunsten der obsiegenden
Beschwerdeführerinnen und zu Lasten der unterliegenden
Beschwerdegegnerin 2 zugesprochen.
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5.2.2. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerinnen legte mit Schreiben vom
27. Oktober 2020 eine Honorarnote über CHF 7'862.25 (Honoraraufwand
von 26.15 Stunden à CHF 270.00 [CHF 7'087.50; vgl. auch
Honorarvereinbarung], Auslagen über CHF 212.64 + MWST über
CHF 562.11 [die Beschwerdeführerinnen sind, soweit ersichtlich, nicht
vorsteuerabzugsberechtigt, vgl. dazu VGU R 19 28 vom 25. August 2020
E.6.2.2 mit Hinweisen; PVG 2015 Nr. 19]) ins Recht. Das Gericht erachtet
den geltend gemachten Zeitaufwand angesichts der gesamten Umstände,
der Schwierigkeit der Angelegenheit und des Umfangs des Verfahrens als
angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird die
Beschwerdegegnerin 2 verpflichtet, die Beschwerdeführerinnen
aussergerichtlich mit CHF 7'862.25 zu entschädigen.