Decision ID: 6f8fd460-9f5f-5dfd-a2c6-e70f1b11ec66
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
X._, geboren am [...], war seit dem [...] als [...] bei der Division [...]
der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) tätig.
B.
Am 31. Dezember 2019 wurde Y._ im Zug von [...] nach Zürich nach
dem Grenzübertritt in Buchs (SG) kontrolliert. Anlässlich der Billettkontrolle
verwendete sie einen FIP-Ausweis, eine internationale Ermäßigungskarte
für das Bahnpersonal, die zum Bezug von preisreduzierten Fahrkarten
(FIP-Fahrvergünstigungen) im Ausland berechtigt. Der mitgeführte FIP-
Ausweis war persönlich auf den Namen von Z._, der Ehefrau von
X._, ausgestellt, welche von ihm seit [...] getrennt lebt.
C.
Aus Anlass dieses Ereignisses nahm die SBB durch ihre Fachstelle «Fäl-
schung / Betrug» und anschliessend durch die Compliance-Abteilung Ab-
klärungen hinsichtlich der missbräuchlichen Verwendung von Fahrver-
günstigungen vor. Im Verlauf der Untersuchung stellte sich heraus, dass
X._ Y._ den FIP-Ausweis überlassen hatte und sie seine
neue Partnerin ist. Zudem ergaben sich Hinweise auf weitere Fälle, in de-
nen Y._ auf Zugreisen unrechtmässig von Fahrvergünstigungen
profitierte. Am 4. Februar 2020 fand eine protokollarische Sachverhaltsab-
klärung statt, anlässlich welcher X._ zu den Vorfällen persönlich be-
fragt wurde.
D.
Mit Schreiben vom 10. Februar 2020 stellte die SBB X._ in Aussicht,
das Arbeitsverhältnis wegen eines wichtigen Grundes fristlos auflösen zu
wollen. Gleichzeitig räumte die SBB X._ die Gelegenheit ein, sich
zur Untersuchung, zum Sachverhalt und zur vorgesehenen Kündigung zu
äussern.
E.
Mit Schreiben vom 14. Februar 2020 nahm X._ durch seinen
Rechtsvertreter Stellung und forderte die SBB auf, von der fristlosen Kün-
digung abzusehen, da es an der zeitlichen Nähe zwischen der Pflichtver-
letzung und der beabsichtigten Kündigung fehle und kein schwerwiegen-
des Fehlverhalten vorliege.
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F.
Mit Verfügung vom 17. Februar 2020 löste die SBB das Arbeitsverhältnis
mit X._ fristlos auf. Sie begründete die fristlose Kündigung im We-
sentlichen damit, dass das Vertrauensverhältnis aufgrund der wiederholt
missbräuchlichen Verwendung von Fahrvergünstigungen und des unein-
sichtigen, treuwidrigen Verhaltens während der Sachverhaltsabklärung un-
wiederbringlich zerrüttet sei. Aufgrund des schwerwiegenden Verstosses
gegen arbeitsrechtliche Pflichten sei eine Fortsetzung des Arbeitsverhält-
nisses unzumutbar und sei keine mildere Massnahme, insbesondere keine
Weiterbeschäftigung in anderen Tätigkeitsbereichen, vorstellbar.
G.
Mit Eingabe vom 13. März 2020 erhebt X._ (nachfolgend: Be-
schwerdeführer) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er bean-
tragt, die Vorinstanz sei zu verpflichten, ihm den Lohn bis zum Ablauf der
ordentlichen Kündigungsfrist Ende Juni 2020 zuzüglich 5 % Zins ab dem
30. Juni 2020 zu bezahlen. Weiter sei ihm zu Lasten der Vorinstanz eine
Entschädigung in der Höhe von neun Bruttomonatslöhnen zuzüglich 5 %
Zins ab dem 20. Februar 2020 zuzusprechen.
Im Wesentlichen macht er geltend, die Kündigung sei ungerechtfertigt, da
die Vorinstanz die Reaktionsfrist für eine fristlose Kündigung nicht einge-
halten habe und kein wichtiger Grund bestehe. Überdies sei die Kündigung
unverhältnismässig, da eine Verwarnung ausreichend gewesen wäre.
H.
Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 8. Juni 2020 die voll-
umfängliche Abweisung der Beschwerde. Sie führt aus, die Kündigung sei
angesichts der erforderlichen Sachverhaltsermittlung rechtzeitig erfolgt
und zufolge des schwerwiegenden Fehlverhaltens gerechtfertigt.
I.
Mit Replik vom 10. Juli 2020 hält der Beschwerdeführer im Wesentlichen
an seinen Begehren und Ausführungen fest. Zusätzlich rügt er eine Verlet-
zung des rechtlichen Gehörs und des Akteneinsichtsrechts.
J.
Mit Eingabe vom 4. August 2020 reicht die Vorinstanz die gegen den Be-
schwerdeführer und Y._ erstattete Strafanzeige nach.
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Seite 4
K.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie die sich bei den Akten be-
findlichen Schriftstücke wird – soweit entscheidrelevant – im Rahmen der
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des Arbeitgebers im Sinne von Art. 3 des Bundesperso-
nalgesetzes (BPG, SR 172.220.1) können mit Beschwerde beim Bundes-
verwaltungsgericht angefochten werden (Art. 36 Abs. 1 BPG und Ziff. 182
des am 1. Mai 2019 in Kraft getretenen Gesamtarbeitsvertrags der SBB
vom 26. November 2018 (GAV SBB 2019 [nachfolgend: GAV]).
Bei der angefochtenen Kündigung handelt es sich um eine Verfügung im
Sinne von Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember
1968 (VwVG, SR 172.021), die von der SBB als Arbeitgeberin gemäss
Art. 3 Abs. 1 Bst. d BPG erlassen wurde. Das Bundesverwaltungsgericht
ist daher zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem Verwaltungsverfahrensgesetz, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz
(VGG, SR 173.32) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochtenen Verfügung,
mit welcher die Vorinstanz das bestehende Arbeitsverhältnis fristlos aufge-
löst hat, sowohl formell als auch materiell beschwert. Er ist deshalb zur
Beschwerde legitimiert ist (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG).
1.4 Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (vgl.
Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 VwVG) ist demnach einzutreten.
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung
auf Rechtsverletzungen – einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der
Ausübung des Ermessens – sowie auf Angemessenheit hin (vgl. Art. 49
VwVG). Bei der Prüfung der Angemessenheit auferlegt es sich indes eine
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gewisse Zurückhaltung, soweit es um die Leistungsbeurteilung von Ange-
stellten, um verwaltungsorganisatorische Fragen oder um Probleme der
betriebsinternen Zusammenarbeit und des Vertrauensverhältnisses geht.
In diesen Fällen weicht es im Zweifel nicht von der Auffassung der
Vorinstanz ab und setzt sein eigenes Ermessen nicht an deren Stelle (vgl.
statt vieler Urteil des BVGer A-5997/2017 vom 14. März 2019 E. 2; MOSER/
BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht,
2. Aufl. 2013, Rz. 2.160).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht würdigt die vorgelegten Beweismittel
frei (Art. 40 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bun-
deszivilprozess [BZP, SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG). Der Beweis ist er-
bracht, wenn das Gericht gestützt auf die Beweiswürdigung nach objekti-
ven Gesichtspunkten zur Überzeugung gelangt, dass sich der rechtserheb-
liche Sachverhalt verwirklicht hat. Absolute Gewissheit ist indes nicht erfor-
derlich. Es genügt, wenn es an der behaupteten Tatsache keine ernsthaf-
ten Zweifel mehr hat oder allenfalls verbleibende Zweifel als leicht erschei-
nen (Urteile des BVGer A-6031/2017 vom 3. April 2019 E. 2.2, A-1399/2017
vom 13. Juni 2018 E. 2.2, je mit Hinweisen).
Bleibt eine entscheidrelevante Tatsache unbewiesen, gilt im Bereich des
öffentlichen Rechts grundsätzlich die Beweislastregel von Art. 8 ZGB als
allgemeiner Rechtsgrundsatz. Demnach hat jene Partei die Folgen der Be-
weislosigkeit zu tragen, die aus der unbewiesen gebliebenen Tatsache
Rechte ableitet. Im Beschwerdeverfahren betreffend Kündigungen trägt die
kündigende Behörde daher die (objektive) Beweislast für das Vorliegen ei-
nes rechtsgenüglichen Kündigungsgrundes (zum Ganzen Urteil des
BVGer A-1399/2017 vom 13. Juni 2018 E. 2.2, Urteile des BVGer
A-6031/2017 vom 3. April 2019 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).
2.3 Das Gericht kann auf die Abnahme beantragter Beweismittel verzich-
ten, wenn sie eine unerhebliche Frage betreffen oder der rechtserhebliche
Sachverhalt bereits genügend geklärt ist und die Vorinstanz willkürfrei da-
von ausgehen darf, dass ihre rechtliche Überzeugung durch weitere Be-
weiserhebungen nicht geändert würde (sog. antizipierte Beweiswürdigung:
Urteile des BVGer A-6519/2016 vom 3. Mai 2017 E. 4.2; A-2718/2016 vom
16. März 2017 E. 2.4, je mit Hinweisen).
2.4 Die Bestimmungen über das Dienstverhältnis des Bundespersonals
gelten grundsätzlich auch für das Personal der Vorinstanz (Art. 15 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Schweizerischen Bundesbahnen [SBBG,
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SR 742.31] und Art. 2 Abs. 1 Bst. d BPG). Ergänzend ist auf die (Ausfüh-
rungs-)Bestimmungen des gestützt auf Art. 38 Abs. 1 BPG erlassenen GAV
abzustellen. Nicht zur Anwendung gelangt dagegen die Bundespersonal-
verordnung vom 3. Juli 2001 (BPV, SR 172.220.111.3); sie ist auf das Per-
sonal der Vorinstanz – welche für ihren Bereich stattdessen mit den Perso-
nalverbänden den GAV abgeschlossen hat – nicht anwendbar (vgl. Art. 6
Abs. 3 und Art. 37 f. BPG; Art. 1 BPV; statt vieler Urteil des BVGer
A-5997/2017 vom 14. März 2019 E. 3).
3.
Hinsichtlich des Verfahrens rügt der Beschwerdeführer, die Vorinstanz
habe den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, indem sie ihm anlässlich
der gewährten Akteneinsicht bestimmte Akten vorenthalten habe. Es han-
delt sich dabei um interne E-Mails der Vorinstanz, welche vorwiegend die
inhaltliche und organisatorische Vorbereitung der Befragungen des Be-
schwerdeführers betreffen (Personaldossier, act. 43 und 44).
3.1 Der in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV, SR 101) verankerte
und im VwVG konkretisierte Anspruch auf rechtliches Gehör gilt auch im
öffentlichen Personalrecht uneingeschränkt (vgl. Urteil des BGer
8C_340/2014 vom 15. Oktober 2014 E. 5.2). Er umfasst namentlich das
Recht der Parteien auf Akteneinsicht (Art. 26 ff. VwVG). Demnach besteht
ein Anspruch darauf, alle als Beweismittel dienenden Aktenstücke einzu-
sehen (Art. 26 Abs. 1 Bst. b VwVG). Aus Inhalt und Funktion des Aktenein-
sichtsrechts folgt nach der Rechtsprechung, dass grundsätzlich sämtliche
beweiserheblichen Akten den Beteiligten gezeigt werden müssen. Die be-
troffene Partei kann sich nur wirksam zur Sache äussern und geeignete
Beweise bezeichnen, wenn sie die Möglichkeit erhält, die Unterlagen ein-
zusehen, auf welche sich die Behörde bei ihrer Verfügung stützt (zum Gan-
zen Urteile des BVGer A-6754/2016 vom 10. September 2018 E. 7.1;
A-4389/2016 vom 21. September 2016 E. 3.3.1; A-3436/2015 vom 30. De-
zember 2015 E. 4.4.1 mit Hinweisen).
Da es sich um eine personalrechtliche Angelegenheit handelt, ist in diesem
Zusammenhang auch Art. 34b Abs. 1 Bst. a BPG von Belang. Gemäss die-
ser Bestimmung ist dem Arbeitnehmer eine Entschädigung zuzusprechen,
wenn der Arbeitgeber im Rahmen der Auflösung des Arbeitsverhältnisses
Verfahrensvorschriften – insbesondere den Anspruch auf rechtliches Ge-
hör – verletzt (Urteile des BVGer A-2718/2016 vom 16. März 2017 E. 3.2;
A-4319/2015 vom 16. März 2016 E. 4.2, 5.2.4, A-4054/2015 vom 15. Feb-
ruar 2016 E. 4.2, 8.3.5). Diese Norm bezweckt jedoch nicht, ein allfälliges
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Fehlverhalten des Arbeitgebers nach Erlass der Kündigung zu ahnden.
Vielmehr soll verhindert werden, dass Kündigungen leichtfertig und ohne
Einhaltung der Verfahrensvorschriften ergehen (Urteil des BVGer
A-3436/2015 vom 30. Dezember 2015 E. 4.4.1). Nicht von ihr erfasst ist
daher die Zustellung eines unvollständigen Personaldossiers mit der Kün-
digungsverfügung oder nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses (Urteile
des BVGer A-2718/2016 vom 16. März 2017 E. 3.2, A-3436/2015 vom
30. Dezember 2015 E. 4.4.1).
3.2 Vorliegend hat der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers die
Vorinstanz – nach Anzeige des Vertretungsverhältnisses am 14. Februar
2020 – erst mit Schreiben vom 18. Februar 2020 um Zustellung des Per-
sonaldossiers ersucht (act. 17). Die zur Einsicht gewährten Dokumente
wurden ihm mit Schreiben vom 2. März 2020 (act. 15) und mit E-Mail vom
4. März 2020 zugesandt (act. 24; vgl. Akteneinsichtsgesuch vom
16. Juni 2020). Das Einsichtsgesuch und die Zustellung der Akten ohne die
betroffenen Dokumente erfolgten somit erst, nachdem die Vorinstanz die
Kündigungsverfügung dem Beschwerdeführer am 17. Februar 2020 per-
sönlich ausgehändigt hatte. Diese wurde dem Rechtsvertreter auf dessen
Aufforderung hin am 20. Februar 2020 nochmals zugestellt (act. 16, 17;
vgl. Art. 11 Abs. 3 VwVG). Die Zustellung des unvollständigen Personal-
dossiers hatte jedoch aufgrund des zeitlichen Ablaufs keinen Einfluss auf
die bereits ergangene Verfügung und die zuvor mit Stellungnahme vom
14. Februar 2020 erfolgte Ausübung des rechtlichen Gehörs.
Im Übrigen kann eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des
rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene
Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Rechtsmittelinstanz zu äus-
sern, welche den Sachverhalt und die Rechtslage frei überprüfen kann (Ur-
teil des BVGer A-6277/2014 vom 16. Juni 2015 E. 7.1.4). Die Vorinstanz
hat die betroffenen Unterlagen mit ihrer Vernehmlassung an das Bundes-
verwaltungsgericht weitergeleitet. Dem Beschwerdeführer wurde gemäss
seinem Gesuch vom 16. Juni 2020 Einsicht gewährt. Selbst wenn das
rechtliche Gehör von der Vorinstanz mangels ausreichender Akteneinsicht
verletzt worden wäre, handelte es sich um eine nicht besonders schwer-
wiegende Gehörsverletzung, die im vorliegenden Verfahren geheilt worden
wäre (vgl. Urteil des BVGer A-6277/2014 vom 16. Juni 2015 E. 7.1.4).
Es liegt somit keine zur Gutheissung der gestellten Rechtsbegehren füh-
rende Verletzung des rechtlichen Gehörs vor.
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Seite 8
4.
Streitig und zu prüfen ist im Weiteren hauptsächlich, ob ein wichtiger Grund
vorliegt, der die Vorinstanz zur fristlosen Kündigung des Arbeitsverhältnis-
ses mit dem Beschwerdeführer berechtigte.
4.1 Nach Art. 10 Abs. 4 BPG und Ziff. 176 Abs. 1 GAV können die Vertrags-
parteien das Arbeitsverhältnis aus wichtigen Gründen fristlos kündigen. Als
wichtiger Grund gilt gemäss Ziff. 176 Abs. 2 GAV jeder Umstand, bei des-
sen Vorhandensein der kündigenden Partei nach Treu und Glauben die
Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zugemutet werden darf.
Die Voraussetzung zur fristlosen Auflösung des Arbeitsverhältnisses orien-
tiert sich damit an den "wichtigen Gründen" gemäss Art. 337 Abs. 2 des
Obligationenrechts vom 30. März 1911 (OR, SR 220), der die fristlose Auf-
lösung privatrechtlicher Arbeitsverhältnisse regelt. Um zu beurteilen, ob
eine fristlose Kündigung gerechtfertigt ist, kann somit die zu Art. 337 OR
entwickelte Rechtsprechung angemessen berücksichtigt werden. Den Be-
sonderheiten des öffentlichen Dienstes ist dabei allerdings Rechnung zu
tragen (Urteile des BVGer A-6031/2017 vom 3. April 2019 E. 3.2;
A-5997/2017 vom 14. März 2019 E. 5.3, A-615/2018 vom 22. Januar 2019
E. 5.1 und A-3148/2017 vom 3. August 2018 E. 7.1.1).
Eine fristlose Kündigung ohne vorgängige Verwarnung ist nur bei einem
besonders schweren Fehlverhalten der angestellten Person gerechtfertigt.
Dieses muss einerseits objektiv geeignet sein, die für das Arbeitsverhältnis
wesentliche Vertrauensgrundlage zu zerstören oder zumindest so tiefgrei-
fend zu erschüttern, dass dem Arbeitgeber die Fortsetzung des Arbeitsver-
hältnisses nicht mehr zuzumuten ist; andererseits muss es sich auch tat-
sächlich so auswirken. Wiegen die Verfehlungen weniger schwer, ist die
fristlose Kündigung wie im privaten Arbeitsrecht nur gerechtfertigt, wenn
die Verfehlungen trotz Verwarnung wiederholt begangen werden (Urteile
des BVGer A-6031/2017 vom 3. April 2019 E. 3.2, A-615/2018 vom 22. Ja-
nuar 2019 E. 5.2.1, A-3148/2017 vom 3. August 2018 E. 7.1.2).
4.2 Dem Arbeitgeber kommt beim Entscheid, ob ein wichtiger Grund für
eine fristlose Kündigung vorliegt, ein erheblicher Ermessensspielraum zu.
Er hat aber den Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu beachten und die-
jenige Massnahme zu wählen, die angemessen ist bzw. genügt. Als
strengste ihm zur Verfügung stehende Massnahme darf er die fristlose
Kündigung nur in Ausnahmefällen als letztes Mittel ("ultima ratio") ausspre-
chen. Er hat dabei unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände des kon-
kreten Falls zu prüfen, ob sie gerechtfertigt ist (Urteile des BVGer
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A-6031/2017 vom 3. April 2019 E. 3.2, A-615/2018 vom 22. Januar 2019
E. 5.2.3, A-3148/2017 vom 3. August 2018 E. 7.1.2, A-2718/2016 vom
16. März 2017 E. 5.3 und A-4312/2016 vom 23. Februar 2017 E. 5.3).
4.3 Ein wichtiger Grund für eine fristlose Kündigung kann insbesondere in
einer schweren Verletzung der in Art. 20 Abs. 1 BPG und Ziff. 36 GAV ver-
ankerten Treuepflicht liegen, also der Pflicht der Angestellten, die berech-
tigten Interessen ihres Arbeitgebers wie auch des Bundes zu wahren (sog.
"doppelte Loyalität"). Der Umfang der Treuepflicht ist beschränkt und sie
besteht nur so weit, als es um die Erreichung und Sicherung des Arbeits-
erfolges geht, also soweit ein genügender Zusammenhang zum Arbeits-
verhältnis besteht. Sie hängt daher stark von Funktion und Aufgabe des
Arbeitnehmers und den betrieblichen Verhältnissen ab und ist für jedes Ar-
beitsverhältnis gesondert aufgrund der Umstände und Interessenlage des
konkreten Falls zu bestimmen (Urteile des BVGer A-6031/2017 vom 3. Ap-
ril 2019 E. 3.3, A-3148/2017 vom 3. August 2018 E. 7.1.3, A-4389/2016
vom 21. September 2016 E. 5.5.2). Soweit sich ein Verhalten nicht direkt
auf die Arbeitsleistung des betroffenen Arbeitnehmers (oder allenfalls an-
derer Angestellter) auswirkt, ist die geforderte objektive Schwere nur mit
grosser Zurückhaltung anzunehmen (Urteile des BVGer A-6031/2017 vom
3. April 2019 E. 3.3, A-73/2014 vom 14. Juli 2014 E. 4.1.4; vgl. zum privat-
rechtlichen Arbeitsverhältnis BGE 129 III 380 E. 3.1; Urteil des BGer
4A_507/2010 vom 2. Dezember 2010 E. 3.2).
Die Treuepflicht verlangt namentlich die Unterlassung gewisser das Ar-
beitsverhältnis störender Aktivitäten (vgl. Urteil des BVGer A-969/2014 vom
11. November 2014 E. 5.2.2). Zu unterlassen sind insbesondere strafbare
oder sonstige rechtswidrige Handlungen, die das Arbeitsverhältnis stören
(etwa Veruntreuungen oder Diebstähle), sowie Fehlinformationen (etwa
unwahre Angaben in Arbeits- und Reiserapporten; Urteile des BVGer
A-7515/2014 vom 29. Juni 2016 E. 4.5; A-403/2016 vom 29. August 2016
E. 3.5; A-4312/2016 vom 23. Februar 2017 E. 5.5.3).
4.4 Auch die Kombination verschiedenartiger, für sich allein zu wenig
schwerwiegender Verfehlungen kann, je nach Schwere mit oder ohne Ver-
warnung, zur fristlosen Kündigung berechtigen. Entscheidend sind auch
hierbei sämtliche Umstände des Einzelfalls (Urteil des BVGer A-4389/2016
vom 21. September 2016 E. 5.5.3 mit Hinweisen).
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Seite 10
4.5
4.5.1 Im vorliegenden Fall begründet die Vorinstanz die schwere Verlet-
zung der in Ziff. 36 Abs. 1 GAV und Art. 20 Abs. 1 BPG statuierten Treue-
pflicht mit dem Verstoss gegen Reglemente durch die missbräuchliche Ver-
wendung von Fahrvergünstigungen und mit der fehlenden Einsicht sowie
den wahrheits- und treuwidrigen Aussagen des Beschwerdeführers wäh-
rend der Untersuchung des Sachverhalts.
4.5.2 Was die Fahrvergünstigungen für Mitarbeitende der Vorinstanz bei
Zugreisen im europäischen Ausland anbelangt, bestehen einerseits Re-
geln auf internationaler Ebene im Verhältnis der Bahnunternehmen bzw. -
verwaltungen untereinander und anderseits solche im Verhältnis zwischen
der Vorinstanz und ihren Angestellten:
Die Vorinstanz ist, wie zahlreiche Bahnunternehmen in anderen Ländern,
Mitglied der Vereinigung für die internationalen Fahrvergünstigungen des
Eisenbahnpersonals (nachfolgend: Vereinigung FIP). Die FIP-Vorschrift
vom 1. Januar 2004 (nachfolgend: FIP-Vorschrift) enthält die Bestimmun-
gen, nach denen sich die Mitglieder der Vereinigung gegenseitig Fahrver-
günstigungen («FIP-Fahrvergünstigungen») für ihr Personal zur Verfügung
stellen (Ziff. 11.2). Sie sieht u.a. vor, dass die Internationale Ermässigungs-
karte für Eisenbahnpersonal («FIP-Ausweis»), um die es vorliegend geht,
nicht übertragbar ist (Ziff. 35.1) und nur die Person, auf deren Namen sie
lautet, berechtigt, im Rahmen der Tarifbestimmungen Fahrausweise zu er-
mässigten Preisen zu beziehen (Ziff. 35.2). Die FIP-Vorschrift enthält zu-
dem Regeln in Bezug auf Missbräuche und Unregelmässigkeiten bei der
Inanspruchnahme der FIP-Fahrvergünstigungen (Ziff. 18). Danach sind die
Mitglieder verpflichtet, jeden Missbrauch und jede Unregelmässigkeit nach
ihren eigenen Vorschriften zu verfolgen und die betroffenen Mitglieder zu
verständigen, wie der Fall erledigt worden ist (Ziff. 18.1).
Im Verhältnis zwischen der Vorinstanz und dem Beschwerdeführer als Ar-
beitnehmer hält Ziff. 35 GAV hält fest, dass die Fahrvergünstigungen für
die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter separat geregelt werden. Das seit
1. Mai 2019 gültige Regelwerk K 185.1 der Vorinstanz über Fahrvergünsti-
gungen für das Personal (FVP, nachfolgend: Reglement K 185.1 [act. 40])
enthält ergänzende Bestimmungen zu den Tarifen T639 («FVP Bestim-
mungen über die Fahrvergünstigungen des Personals») und T739 («Fahr-
vergünstigungen des Personals im internationalen Verkehr FIP»). Gemäss
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Seite 11
dem Reglement K 185.1 gilt das Überlassen der Fahrvergünstigungen
(FVP/FIP) an Nichtberechtigte als Missbrauch (Ziff. 2.3.1 Bst. d).
4.5.3 Nach unbestrittenen Feststellungen der Vorinstanz reiste Y._
bei Zugreisen im Ausland mehrfach mit vergünstigten Fahrscheinen auf-
grund von Ermässigungskarten, die der Beschwerdeführer ihr zur Nutzung
überliess oder selbst zur Buchung verwendete:
– Im [...] bestellte der Beschwerdeführer für eine Geschäftsreise nach
[...] Tickets mit FIP-Vergünstigung für seine Begleitung. Die Begleitung
bezeichnete er im E-Mail-Verlauf gegenüber der mit der Buchung be-
fassten SBB-Stelle «Geschäftsreisen» als «meine Frau». Er unterliess
es, die auf den Namen seiner Ehefrau «Z._» vorgenommene
Buchung zu korrigieren. In Wahrheit wurde er auf der Zugfahrt nach
[...] jedoch von Y._ begleitet.
– Am [...] nutzte Y._ für die Strecken [...] eine ihr vom Beschwer-
deführer überlassene Netzkarte der Deutschen Bahn (nachfolgend:
DB-Netzkarte). Diese ist unbestritten nur für Mitarbeitende einer be-
stimmten Abteilung der Vorinstanz im Bereich [...] vorgesehen, welcher
der Beschwerdeführer angehörte.
– In der Nacht vom [...] reiste Y._ im Nachtzug von [...] nach [...]
mit einem vergünstigten Billett und dem FIP-Ausweis der Ehefrau des
Beschwerdeführers.
– Wie ausgeführt verwendete Y._ am 31. Dezember 2019 auf der
Strecke [...] nach Zürich HB ebenfalls den auf Z._ ausgestellten
FIP-Ausweis.
4.5.4 Des Weiteren ist unstreitig, dass der Beschwerdeführer reglements-
widrig handelte, indem er den persönlich für Z._ ausgestellten, nicht
übertragbaren FIP-Ausweis und die DB-Netzkarte Y._ zum Kauf
von vergünstigten Fahrkarten überliess bzw. die FIP-Vergünstigung bei der
Geschäftsreise nach [...] für die Bestellung nutzte. Insbesondere handelte
er dadurch missbräuchlich gemäss Ziff. 2.3.1 Bst. d des Reglements K
185.1, weil er Y._ als Nichtberechtigte in der dargelegten Weise be-
günstigte.
4.5.5 Fest steht zudem, dass Y._ in der relevanten Zeitspanne kei-
nen Anspruch auf Fahrvergünstigungen hatte: Konkubinatspartnerinnen
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Seite 12
können, was der Beschwerdeführer nicht bestreitet, einen FIP-Ausweis be-
ziehen, wenn sie u.a. mit dem Angestellten der SBB und mindestens einem
Kind mit Familienzulage im gleichen Haushalt leben. Verlangt wird eine
Wohnsitzbestätigung. Nach Aussagen des Beschwerdeführers vom 22. Ja-
nuar und 4. Februar 2020 war Y._ in [...] gemeldet, «sodass sie kei-
nen FIP bekommen» könne. Unerheblich ist somit, in welchem zeitlichen
Umfang sie in seinem Haushalt in [...] mit ihm zusammenlebte. Auf die in
diesem Zusammenhang beantragte Parteibefragung und Befragung von
Y._ und U._ als Zeuginnen ist deshalb zu verzichten
(vgl. E. 2.3).
5.
Der Beschwerdeführer macht vorab geltend, die fristlose Kündigung sei
unabhängig davon, ob sie in objektiver Hinsicht gerechtfertigt sei, bereits
deshalb rechtswidrig, weil die Vorinstanz die erforderliche Reaktionszeit
nicht eingehalten habe. Daher rechtfertigt es sich zuerst zu prüfen, ob das
Fehlverhalten des Beschwerdeführers das Vertrauen der Vorinstanz tat-
sächlich im erforderlichen Ausmass erschütterte (vgl. E. 4.1).
5.1 Im Einzelnen bringt der Beschwerdeführer vor, soweit die Vorinstanz
im Vorfall vom 31. Dezember 2019 einen potentiellen Grund für eine frist-
lose Kündigung gesehen habe, sei es nicht gerechtfertigt, dass sie mehr
als 20 Tage für eine einzige Befragung des Beschwerdeführers und weitere
rund 20 Tage für die Kündigungsandrohung habe verstreichen lassen.
Wenn sie ihr Vertrauen in ihn tatsächlich verloren hätte, hätte sie ihn um-
gehend freigestellt. Aufgrund der fehlenden Nähe zwischen Vorfall, Abklä-
rung und Kündigung sei für die Vorinstanz eine Weiterführung des Arbeits-
verhältnisses bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist von vier Mo-
naten zumutbar gewesen.
5.2 Die Vorinstanz führt demgegenüber aus, die Verfehlungen des Be-
schwerdeführers hätten aus ihrer Sicht erst nach der Befragung vom
4. Februar 2020 hinreichend festgestanden. Erst diese habe bestätigt,
dass er die Pflichtverletzungen im Dezember 2019 wissentlich und willent-
lich und weitere Verstösse begangen habe. Zudem habe sich die Beweis-
beschaffung technisch aufwändig und schwierig gestaltet, da der Be-
schwerdeführer stets nur die bewiesenen Einzelheiten eingestanden habe.
5.3 Rechtsprechung und Lehre verlangen in diesem Zusammenhang, dass
der Arbeitgeber die fristlose Kündigung umgehend ausspricht. Andernfalls
A-1508/2020
Seite 13
wird angenommen, die Fortführung des Arbeitsverhältnisses sei für ihn zu-
mutbar. Die Reaktionsfrist läuft allerdings nicht, solange der Arbeitnehmer
keine genügend sichere Kenntnis der Umstände hat und noch Abklärungen
vornehmen muss. Dies muss er zudem zwar beförderlich tun, doch darf er
sich die nötige Zeit nehmen, um die Abklärungen sorgfältig tätigen zu kön-
nen. Zu beachten ist im Weiteren, dass im öffentlichen Dienstrecht die Re-
aktionsfrist länger ist als im privaten Arbeitsrecht. Zum einen ist dem staat-
lichen Arbeitgeber auch bei Vorliegen eines wichtigen Grundes eine ge-
wisse Zeitspanne zur Anordnung entsprechender rechtlicher Konsequen-
zen einzuräumen, wobei insbesondere die speziellen Verfahrensabläufe
innerhalb der Verwaltung zu berücksichtigen sind. Zum anderen ist dem
Angestellten vor der Kündigung das rechtliche Gehör zu gewähren. Zudem
muss die Kündigung in Verfügungsform erfolgen und schriftlich begründet
werden (zum Ganzen Urteil des BGer 8C_204/2020 vom 17. August 2020
E. 4.2.2 ff.; Urteile des BVGer A-7515/2014 vom 29. Juni 2016 E. 6.2,
A-4389/2016 vom 21. September 2016 E. 7.2, je mit Hinweisen).
5.4 Die Vorinstanz weist zutreffend darauf hin, dass der relevante Sachver-
halt nicht von Beginn an klar war. Die Vorfälle des Missbrauchs von Fahr-
vergünstigungen (E. 4.5.3) sowie die Rolle und das Verhalten des Be-
schwerdeführers mussten zuerst hinreichend untersucht werden, wie der
zeitliche Ablauf der Vorgänge deutlich macht:
Bei der Billettkontrolle vom 31. Dezember 2019 hatte Y._ gemäss
dem Bericht des Kontrolleurs angegeben, den FIP-Ausweis von einer
Freundin erhalten zu haben. Wenngleich sich aufgrund der vorgezeigten
Dokumente ein Bezug zum Beschwerdeführer herstellte, war somit unklar,
ob und wie er am Vorfall beteiligt war und in welcher Verbindung Y._
zu ihm stand. Die eingezogenen Dokumente (Billett; FIP-Ausweis) wurden
vom Service-Center «Einvernahmen» in Zürich gescannt und bis am
13. Januar 2020 der Stelle «Corporate Security» (Fachstelle «Fälschung /
Betrug») übermittelt. Zu diesem Zeitpunkt bestand Ungewissheit, wer
Y._ den FIP-Ausweis überlassen hatte, wie die interne Kommuni-
kation zur Vorbereitung der ersten Befragung des Beschwerdeführers
zeigt. Gemäss den von der Fachstelle «Fälschung / Betrug» vorbereiteten
Fragen fiel in erster Linie seine Ehefrau in Betracht (Frage Nr. 4: «Ist dir
bekannt, dass die Ermässigungskarte deiner Frau an eine Freundin aus-
geliehen wurde?»).
Der Beschwerdeführer befand sich in jener Woche im Urlaub, weshalb sein
Vorgesetzter ihm am 20. Januar 2020 die Fragen persönlich unterbreitete
A-1508/2020
Seite 14
und ihn aufforderte, schriftlich Stellung zu nehmen. Am 22. Januar 2020
übermittelte der Beschwerdeführer seine schriftlichen Antworten. Darin
teilte er unter anderem mit, dass Y._ keine Bekannte von
Z._, sondern seine neue Partnerin sei und er selbst ihr den FIP-
Ausweis überlassen habe.
Daraufhin wurde der Fall am 22. Januar 2020 der Abteilung Compliance
übergeben. Diese prüfte laut Vorinstanz die ab September 2018 erfolgten
(Kreditkarten-)Buchungen von Y._ auf Unregelmässigkeiten, d.h.
sie nahm Abgleiche der Ticketpreise mit den entsprechenden FIP-Tarifen
vor. In der Folge wurde die Befragung vom 4. Februar 2020 organisiert und
durchgeführt. Dabei wurde der Beschwerdeführer u.a. mit den eruierten
Vorfällen konfrontiert.
Im Nachgang zur Befragung gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdefüh-
rer am 10. Februar 2020 wie erwähnt das rechtliche Gehör, wovon er am
14. Februar 2020 Gebrauch machte, bevor die Vorinstanz am 17. Februar
2020 die Kündigung aussprach (vorne, Bst. D ff.).
5.5 Demnach vergingen zwischen dem Vorfall vom 31. Dezember 2019
und der Kündigung rund eineinhalb Monate. Der Beginn der Abklärungen
schob sich zum Jahresbeginn zwar aufgrund der Beteiligung mehrerer
Stellen der Vorinstanz und der Übermittlung von Informationen zur Kon-
trolle im Zug etwas hinaus. Ab dem 13. Januar 2020 nahm die Fachstelle
«Fälschung / Betrug» aber zusammen mit den Vorgesetzten des Be-
schwerdeführers nötige Abklärungen vor, welche in der Folge nicht grund-
los ruhten oder zu wenig beförderlich vorangingen. So ist nicht zu bean-
standen, dass die Vorinstanz dem Beschwerdeführer nach seinen Ferien
am 20. Januar 2020 persönlich Fragen stellte und zuerst die Antworten
vom 22. Januar 2020 abwartete, bevor sie weitere Vorkehren traf, zumal
sie erst dann erfuhr, dass er mit Y._ liiert ist und er ihr selbst den
FIP-Ausweis überliess. Entgegen seinem Einwand, die Vorinstanz habe
die Umstände mit der Stellungnahme vom 22. Januar 2020 bereits hinrei-
chend gekannt, ist nachvollziehbar, dass sie aufgrund der gewonnenen Er-
kenntnisse weitere Untersuchungen durch die Compliance-Abteilung vor-
nehmen liess, um das Ausmass der unrechtmässig verwendeten Fahrver-
günstigungen näher zu prüfen und den Sachverhalt gründlich abzuklären.
Wohl trifft zu, dass sein Vorgesetzter bereits im E-Mail vom 20. Januar
2020 dem Leiter der Fachstelle «Fälschung / Betrug» mitteilte, dass der
«Fall eigentlich klar» sei. Doch bezog sich diese Äusserung gemäss dem
E-Mail insbesondere darauf, dass Y._ keine Bekannte der Ehefrau
A-1508/2020
Seite 15
des Beschwerdeführers, sondern seine neue Lebensgefährtin sei. Eben-
falls ging die Vorinstanz am 22. Januar 2020, wie der Beschwerdeführer
richtig feststellt, nach eigenen Angaben noch nicht davon aus, dass es zu
arbeitsrechtlichen Massnahmen kommen würde. Seine hieraus abgeleitete
Schlussfolgerung, sie habe den Vorfall somit im Wissen um die Weitergabe
der Ermässigungen und sein Aussageverhalten nicht als gravierend erach-
tet, greift jedoch zu kurz. Wenngleich die Vorinstanz nun von der miss-
bräuchlichen Überlassung des FIP-Ausweises wusste, verfügte sie in die-
sem Moment noch nicht über ein vollständiges Bild der Vorfälle und seines
Verhaltens während der Untersuchung. Namentlich hat er die Frage, ob er
in weiteren Fällen die Ermässigungskarte an Nichtberechtigte weitergege-
ben habe, mit Stellungnahme vom 22. Januar 2020 verneint, wogegen die
folgenden Abklärungen weitere Ereignisse, namentlich die Reise nach [...],
hervorbrachten. Es besteht kein Anlass daran zu zweifeln, dass die am
22. Januar 2020 involvierte Compliance-Abteilung für den gesamten Zeit-
raum der Gültigkeit des betroffenen FIP-Ausweises ab September 2018
eruieren musste, auf welchen Reisen mit internationalem Bezug unberech-
tigte Vergünstigungen erfolgten. Aus den Akten ist zwar nicht im Detail er-
sichtlich, wieviel Aufwand diese Nachforschungen in technischer und zeit-
licher Hinsicht erforderten. Angesichts der bestehenden Unklarheiten und
des mehrere Ereignisse umfassenden Untersuchungsgegenstands ver-
strich insgesamt jedoch vom 22. Januar 2020 bis am 4. Februar 2020 nicht
ungerechtfertigt viel Zeit für die Ermittlung des Sachverhalts und die Vor-
bereitung und Organisation der mündlichen Befragung.
Vor diesem Hintergrund ist zum einen entscheidend, dass der Beschwer-
deführer zumindest einen Teil der genannten Vorfälle – jedenfalls die bei-
den FIP-Ermässigungen für die Reise nach [...] und die Zugfahrt nach [...]
am [...] – erst im Laufe der Befragung vom 4. Februar 2020 auf Nachfrage
hin eingestand, nachdem er sie zuvor nicht offengelegt hatte (zu den wi-
dersprüchlichen Angaben zur DB-Netzkarte: E. 6.5.2). Zum andern hat die
Vorinstanz, wie sie ausführt, letztlich das (Aussage-)Verhalten des Be-
schwerdeführers während der Befragung vom 4. Februar 2020 endgültig
zur fristlosen Kündigung veranlasst. Nebst der fehlenden Einsicht und dem
Verbergen von Tatsachen nennt sie dabei sein Eingeständnis, dass auf-
grund des Vertrauens unter Eisenbahnern das Risiko gering sei, erwischt
zu werden.
Aufgrund der dargelegten Chronologie der Untersuchung hat die
Vorinstanz somit erst mit dem Gespräch vom 4. Februar 2020 genügend
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Seite 16
sichere Kenntnis von den für die Kündigung ausschlaggebenden Tatsa-
chen erlangt. Erst ab diesem Zeitpunkt war die Vorinstanz daher in der
Lage, über die arbeitsrechtlichen Konsequenzen zu befinden und konnte
die Reaktionszeit zu laufen beginnen.
5.6 Die anschliessende Zeitspanne von der Befragung vom 4. Februar
2020 bis zur Kündigung vom 17. Februar 2020 ist auf die Gewährung des
restlichen Gehörs und darauf zurückzuführen, dass die Kündigung in der
Form der Verfügung und mit schriftlicher Begründung zu ergehen hatte.
Zwischen dem Abschluss der Sachverhaltsermittlung am 4. Februar und
der am 10. Februar 2020 gewährten Gelegenheit, zur vorgesehenen frist-
losen Kündigung Stellung zu nehmen, vergingen lediglich sechs Tage, wo-
von zwei Tage auf das Wochenende fielen. Diese relativ kurze Zeitdauer
zeigt, dass eine Weiterbeschäftigung des Beschwerdeführers für die
Vorinstanz in subjektiver Hinsicht unzumutbar war.
5.7 Abweichend von der Sichtweise des Beschwerdeführers trifft zusam-
menfassend nicht zu, dass die Vorinstanz trotz Kenntnis der vollen Sach-
lage zu lange mit der Kündigung zugewartet und dadurch die Zumutbarkeit
der Fortführung des Arbeitsverhältnisses zum Ausdruck gebracht hat.
6.
Weiter zu prüfen ist, ob die fristlose Kündigung in objektiver Hinsicht ge-
rechtfertigt war.
6.1 Für einen schwerwiegenden Charakter der Treuepflichtverletzung
spricht zunächst, dass der Beschwerdeführer einen mehrfachen bzw. wie-
derholten Missbrauch von Fahrvergünstigungen begangen hat (E. 4.5.3).
Dabei wirkt sich erschwerend aus, dass der Missbrauch mit dem persönlich
auf den Namen von Z._ ausgestellten FIP-Ausweis mit Gültigkeits-
dauer 2018 bis 2020 erfolgte, welche diesen Ausweis nie selbst erhalten
hatte. Die Verfehlung ging somit, über die ohne Anspruch erfolgte Verwen-
dung hinaus, mit einer Täuschung über die Identität der Berechtigten ein-
her.
6.2 Von wesentlicher Bedeutung ist weiter die Funktion des Beschwerde-
führers im Bereich [...].
6.2.1 [Ausführungen zur Funktion].
A-1508/2020
Seite 17
6.2.2 Aufgrund dieser Funktion hatte der Beschwerdeführer im Zusam-
menhang mit [...] und den einschlägigen Reglementen eine erhöhte Treu-
epflicht gegenüber seiner Arbeitgeberin und es durfte ein höheres Mass an
Loyalität und Rechtsbewusstsein von ihm erwartet werden. Insofern wiegt
schwer, dass die missbräuchlich genutzten Ermässigungen und die damit
verbundenen Mindereinnahmen just ausländische Bahnunternehmen und
Geschäftspartner der Vorinstanz betrafen [...]. Die Vorinstanz verweist da-
bei zu Recht auf ihr Ansehen und ihre Vertrauenswürdigkeit als Vertrags-
und Geschäftspartnerin, deren Verminderung der Beschwerdeführer be-
wusst in Kauf genommen hat. Die dargelegten Regeln der FIP-Vorschrift
zu Missbräuchen von FIP-Fahrvergünstigungen bringen in dieser Hinsicht
zum Ausdruck, dass die Vereinigung und ihre Mitglieder der gegenseitigen
Meldung und Verfolgung von Missbräuchen einen hohen Stellenwert bei-
messen (Ziff. 18, E. 4.5.2).
Die Aufgabe und Verantwortung des Beschwerdeführers im Bereich [...]
verleihen den Missbrauchsvorfällen somit besonderes Gewicht. Ob der Be-
schwerdeführer im Rahmen der erwähnten Vorfälle «Spezialkenntnisse»
einsetzen musste oder vertiefte Einblicke ins «Pricing» (Tarifwesen) be-
sass, wie er bestreitet, vermag an dieser Wertung nichts zu ändern.
6.2.3 Durch die bewusst herbeigeführten Einbussen der betroffenen Bahn-
unternehmen hat der Beschwerdeführer zudem das gemäss dem Verhal-
tenskodex der Vorinstanz vom 1. Oktober 2015 (K 600.0) gebotene Verhal-
ten eindeutig missachtet. Dieser sieht vor, dass sich die Mitarbeitenden der
Verantwortung der Vorinstanz als fairer und korrekter Geschäftspartnerin
bewusst zu sein haben (Ziff. 1) und die Vermögenswerte Dritter zu respek-
tieren haben (Ziff. 2.5).
6.2.4 Darüber hinaus räumte der Beschwerdeführer in der Befragung vom
4. Februar 2020 ein, das Risiko, beim falschen Gebrauch von Ermässi-
gungskarten erwischt zu werden, aufgrund des «Bähnler-Vertrauens» un-
ter Eisenbahnern als gering einzuschätzen. Die Vorinstanz schliesst dar-
aus zu Recht, dass er diesen Umstand berechnend zum eigenen Vorteil
verwendete, was massgeblich zum Vertrauensverlust beigetragen habe.
Der Beschwerdeführer hat sich bewusst das erhöhte Vertrauen von Mitar-
beitern (z.B. Kontrolleuren) der ausländischen Vertragspartner und auch
der Vorinstanz (z.B. Stelle «Geschäftsreisen») zu Nutze gemacht. Dies
wirkt sich zusätzlich auf die objektive Schwere der Treuepflichtverletzung
aus.
A-1508/2020
Seite 18
6.2.5 Unter diesen Umständen waren die Verfehlungen des Beschwerde-
führers geeignet, das in ihn gesetzte Vertrauen der Vorinstanz als
Grundlage der Fortführung des Arbeitsverhältnisses und der Zusammen-
arbeit mit Geschäftspartnern zu beeinträchtigen.
6.3 Aufgrund des dargelegten Verhältnisses der Vorinstanz zu den be-
troffenen Bahnunternehmen überzeugt auch der Einwand des Beschwer-
deführers nicht, dass der Vorinstanz kein Schaden entstanden sei, da nicht
sie, sondern die ausländischen Bahngesellschaften Ermässigungen an
Y._ gewährt und ihnen zugleich solche an Z._ erspart ge-
blieben seien. Zwar mag die Vorinstanz letzten Endes durch nachträgliche
Zahlungen des Beschwerdeführers von den Vorfällen wirtschaftlich unbe-
lastet geblieben sein. Die FIP-Vorschrift sieht jedoch Regeln zur Haftpflicht
der Mitglieder der Vereinigung untereinander vor. So haftet jedes Mitglied
den anderen Mitgliedern für deren Forderungen, die durch Missbräuche
und Unregelmässigkeiten ihrer Begünstigten entstanden sind (Ziff. 18.4).
Der Beschwerdeführer hat somit zumindest in Kauf genommen, dass eine
Schadenersatzpflicht der Vorinstanz gegenüber den betroffenen Bahnun-
ternehmen [...] und damit ein Schaden entsteht.
6.4 Ebenso wenig ergibt sich die Zumutbarkeit der Weiterbeschäftigung
des Beschwerdeführers aus der Rüge, er habe die Ermässigungskarten
rein privat überlassen, ohne dass dies seine Arbeitsleistung beeinflusst
habe. Aufgrund der dargelegten Aufgaben und [...] besteht ein klarer Zu-
sammenhang zwischen den Vorfällen und dem Arbeits- und Vertrauensver-
hältnis. Dies gilt umso mehr, als jeder Missbrauch von FIP-Vergünstigun-
gen den betroffenen Mitgliedern der Vereinigung anzuzeigen ist (Ziff. 18.1
FIP-Vorschrift) und [...]. Die Vergünstigungen betreffen das Arbeitsverhält-
nis auch insofern, als einer der Vorfälle die Geschäftsreise nach [...] betraf
und der Beschwerdeführer einzig aufgrund seiner Stellung in der Abteilung
[...] Zugang zur [...] missbräuchlichen verwendeten DB-Netzkarte hatte.
Hinzu kommt, dass sich das Aussageverhalten des Beschwerdeführers
während der Sachverhaltsabklärung auf das Vertrauensverhältnis als
Grundlage der betriebsinternen Zusammenarbeit ausgewirkt hat (siehe
dazu E. 6.5).
6.5
6.5.1 Die Vorinstanz begründet das Vorliegen eines wichtigen Grundes ne-
ben den missbräuchlichen Fahrvergünstigungen nicht zuletzt mit dem Aus-
sageverhalten des Beschwerdeführers während der Untersuchung. Die
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Seite 19
Tatsache, dass er sein Fehlverhalten nie eingesehen oder bedauert und
die Sache zu «vertuschen versucht» habe, habe das Vertrauensverhältnis
schliesslich vollends zerstört. Der Beschwerdeführer habe sich auf mehr-
fache Nachfrage nicht im Detail an die unrechtmässigen Ermässigungen
erinnern wollen und diese erst auf Vorhalt der Buchungsauszüge und
Schalter-Käufe am Bahnhof [...] zugegeben.
Der Beschwerdeführer macht dagegen geltend, die Vorinstanz werfe ihm
zu Unrecht ein uneinsichtiges und treuwidriges Verhalten vor. Die Begrün-
dung der Kündigung sei in dieser Hinsicht aktenwidrig und widersprüchlich.
Zu keinem Zeitpunkt habe er den Sachverhalt vom 31. Dezember 2019
oder die Tatsache bestritten, Y._ den FIP-Ausweis zur Verfügung
gestellt zu haben. Aus seiner Sicht sei die FIP-Ermässigung aber «nach
dem Geiste der Regel» für seine Lebenspartnerin und nicht für seine von
ihm getrenntlebende Frau bestimmt gewesen. Bereits am 22. Januar 2020
habe er den nicht regelgerechten Umgang mit dem FIP-Ausweis anerkannt
und, anders als in der Kündigungsverfügung dargestellt, die Sache nicht
zu verbergen versucht.
6.5.2 Die Vorinstanz stellte dem Beschwerdeführer am 20. Januar 2020 die
Frage, ob er (nebst dem bekannten Vorfall vom 31. Dezember 2019) in
weiteren Fällen Nichtberechtigten die Ermässigungskarte überlassen
habe, was er verneinte. Gemäss dem Protokoll der Sachverhaltsabklärung
vom 4. Februar 2020 beantwortete er die Frage, ob Y._ am 31. De-
zember 2019 erstmals mit dem FIP-Ausweis von Z._ gereist sei, mit
«Ja». Beide Angaben stellten sich im Laufe der Befragung als nachweislich
unwahr heraus (vgl. E. 4.5.3). Nach Fragen zu den Reisen im Dezember
2019 erkundigte sich die Vorinstanz erneut danach, ob Y._ bereits
in der Zeit zuvor den FIP-Ausweis von Z._ benutzt hatte. Darauf
antwortete der Beschwerdeführer, er sei sich nicht sicher, obwohl er für die
Reise nach [...] selbst [...] die entsprechende Buchung im Namen seiner
Ehefrau veranlasste hatte. Erst als die Vorinstanz ihn auf den einschlägi-
gen E-Mail-Austausch zur Buchung ansprach, räumte er ein, dass
Y._ zum FIP-Tarif gereist sei.
Was die unrechtmässige Verwendung der DB-Netzkarte [...] am [...] be-
trifft, konfrontierte die Vorinstanz den Beschwerdeführer bereits am 20. Ja-
nuar 2020 damit, dass er am [...] einen privaten Länderfahrschein für die
Deutsche Bahn bestellt und zusätzlich über die Weihnachtsferien eine der
DB-Netzkarten der Vorinstanz innegehabt habe. Die Frage, ob er diese je-
A-1508/2020
Seite 20
mandem zur Verfügung gestellt habe, beantwortete er mit schriftlicher Stel-
lungnahme vom 22. Januar 2020 nicht, sondern teilte nur mit, den Länder-
fahrschein bestellt zu haben, weil die DB-Netzkarte nur bis zum Ende des
Jahres 2019 gültig gewesen sei. Am 4. Februar 2020 sagte er zunächst
explizit aus, er habe die DB-Netzkarte Y._ nicht zur Benutzung ge-
geben. Angesprochen darauf, dass im System kein Fahrausweis von
Y._ für die Strecke zwischen [...] und [...] auffindbar sei, antwortete
er, dass er sich dies nicht erklären könne. Erst gegen Ende der Befragung
räumte er ein, dass er Y._ die DB-Netzkarte überlassen habe und
sie bis [...] gemeinsam gereist seien.
Insgesamt ergibt sich somit aus den Akten, dass sich der Beschwerdefüh-
rer im Laufe der Untersuchung mehrfach unwahre Angaben gegenüber sei-
ner Arbeitgeberin machte. Sie bestätigen überdies, dass er bei der Befra-
gung weitgehend nur konkret vorgehaltene Sachverhalte eingeräumt und
die Vorfälle trotz mehrfacher Aufforderung nicht kooperativ offenlegte.
Im Übrigen hat der Beschwerdeführer die regelwidrige Verwendung des
FIP-Ausweises nicht umgehend anerkannt, wie er angibt. So führte er am
22. Januar 2020 widersprüchlich aus, dass die Nutzung des FIP-Auswei-
ses zwar «natürlich nicht regelgerecht», aber seines Erachtens «im Sinne
der bestehenden Regeln» gewesen sei. Ähnlich äussert er sich an der Be-
fragung vom 4. Februar 2020, nachdem ihm die Bedingungen der Berech-
tigung zum FIP-Ausweis vorgelegt wurden.
6.5.3 Zwar hat der Beschwerdeführer, anders als die Vorinstanz ihm vor-
wirft, kein komplexes «Lügengebäude» mit aufeinander abgestimmten Lü-
gen konstruiert. Die Fehlinformationen des Beschwerdeführers während
der Untersuchung und die fehlende Reue hinsichtlich des unrechtmässigen
Verhaltens waren jedoch – vor dem Hintergrund der vorangehenden
Pflichtverletzungen – geeignet, das Vertrauensverhältnis der Vorinstanz in
den Beschwerdeführer mit Blick auf die weitere Zusammenarbeit endgültig
zu erschüttern.
7.
Unter Würdigung sämtlicher Umstände ergibt sich demnach, dass der Be-
schwerdeführer schwerwiegend gegen die Treuepflicht verstossen hat,
wodurch die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses für die Vorinstanz unzu-
mutbar geworden ist. In ihrer Gesamtheit stellen die Verfehlungen im Zu-
sammenhang mit dem Missbrauch von Fahrvergünstigungen und den
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wahrheitswidrigen Angaben bei der Untersuchung einen objektiv wichtigen
Grund für die fristlose Kündigung ohne vorgängige Verwarnung dar.
Eine Verwarnung war dabei aufgrund des Fehlverhaltens und dem grund-
legenden Vertrauensverlust nicht als Ausdruck des Verhältnismässigkeits-
prinzips geboten. Nichts Gegenteiliges lässt sich für die streitbetroffenen
Verfehlungen aus den Personalbeurteilungen ableiten, mit denen der Be-
schwerdeführer seine Kritik- und Besserungsfähigkeit nachweisen will, zu-
mal sein persönliches Verhalten im Umgang mit Vorgesetzten und Kolle-
gen gemäss Personaldossier mehrfach zu Schwierigkeiten der Zusam-
menarbeit führte und die Kooperations- und Teamfähigkeit mehrmals be-
mängelt wurde.
8.
Zusammengefasst erweist sich die fristlose Entlassung als gerechtfertigt.
Demzufolge ist dem Beschwerdeführer keine Entschädigung zuzuspre-
chen (Art. 34b Abs. 1 Bst. a; Ziff. 183 Abs. 1 Bst. a GAV) und davon abzu-
sehen, eine Fortzahlung des Lohnes bis zum Ablauf der (hypothetischen)
ordentlichen Kündigungsfrist anzuordnen (Art. 34 Abs. 1 Bst. b BPG;
Ziff. 183 Abs. 1 Bst. b GAV).
9.
Die Beschwerde ist somit unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
10.
Das Beschwerdeverfahren ist in personalrechtlichen Angelegenheiten un-
abhängig vom Verfahrensausgang grundsätzlich kostenlos (vgl. Art. 34
Abs. 2 BPG). Es sind daher keine Verfahrenskosten zu erheben.
11.
Die obsiegende Vorinstanz hat als Bundesbehörde keinen Anspruch auf
eine Parteientschädigung (vgl. Art. 7 Abs. 3 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dem unterliegenden Beschwerdefüh-
rer steht ebenfalls keine solche Entschädigung zu (vgl. Art. 64 Abs. 1
VwVG, Art. 7 Abs. 1 VGKE).
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