Decision ID: 1d2326a7-1d00-4d3a-b92e-1e9aaace8fbb
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
D._,
Beschwerdeführer,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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Sachverhalt:
A.
Der 1950 geborene D._ war bei der A._ angestellt und dadurch bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Unfällen
versichert, als er durch seine Arbeitgeberin mit Unfallmeldung vom 19. August 2008
melden liess, er habe am 24. Juni 2008 in eine Olive gebissen und durch den Kern
einen Zahn beschädigt (Suva-act. 1). Mit Fragebogen vom 25. August 2008 ersuchte
die Suva den Versicherten, in Ergänzung zur Unfallmeldung einige Fragen zu
beantworten. Am 2. September 2008 reichte Dr. med. dent. B._, St. Gallen, einen
sich auf ein Total von Fr. 2'512.55 belaufenden Kostenvoranschlag für die Versorgung
einer Wurzelfraktur der palatinalen Wurzel des Zahns Nr. 27 ein (Suva-act. 3). Der vom
Versicherten ausgefüllte Fragebogen ging der Suva am 11. September 2008 zu (Suva-
act. 2). Mit Verfügung vom 17. September 2008 lehnte die Suva die Ausrichtung von
Versicherungsleistungen ab, weil kein Unfall im Sinn des Gesetzes vorliege (Suva-act.
5).
B.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 2. Oktober 2008 Einsprache, welche
die Suva mit Einspracheentscheid vom 18. Februar 2009 abwies. Im Rahmen des
Einspracheverfahrens hatte die Suva am 28. Oktober 2008 hinsichtlich Ereignishergang
nochmals ein Gespräch mit dem Versicherten geführt (Suva-act. 9).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 18. Februar 2009 richtet sich die
Beschwerde vom 7. März 2009. Der Beschwerdeführer beantragt sinngemäss dessen
Aufhebung bzw. die Anerkennung des Schadenereignisses vom 24. Juni 2008 als
Unfall und damit die Übernahme der Zahnarztkosten durch die Beschwerdegegnerin.
C.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 22. April 2009 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde.
C.c Der Beschwerdeführer verzichtete auf die Einreichung einer Replik.
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C.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die Ausführungen
in den angeführten Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
1.1 Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob der Zahnschaden des
Beschwerdeführers vom 24. Juni 2008 durch einen Unfall verursacht wurde. Als Unfall
gilt die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen
äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der
körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]).
1.2 Im Unfallversicherungsrecht herrscht, wie allgemein im Sozialversicherungsrecht,
der Untersuchungsgrundsatz. Der Unfallversicherer und im Streitfall das Gericht haben
den Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln. Allerdings ist die
leistungsansprechende Person gesetzlich verpflichtet, dabei mitzuwirken. Sie muss die
einzelnen Umstände des Unfallgeschehens glaubhaft machen. Kommt sie dieser
Forderung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche
Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig
erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers (BGE 114 V
305 E. 5b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50). Bei sich widersprechenden Angaben der
versicherten Person über den Unfallhergang kann praxisgemäss auf die Beweismaxime
abgestellt werden, wonach die sogenannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde"
in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die
bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher
oder anderer Art beeinflusst sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung
im Lauf der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht
hat, meistens grösseres Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer
Ablehnungsverfügung des Versicherers (BGE 121 V 47 E. 2a mit Hinweisen; A. Rumo-
Jungo, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
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Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl. Zürich 2003, S. 21). Das Gericht
stellt auf jene Sachverhaltsdarstellung ab, die es von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 117 V 360 E 4a mit
Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn der
Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine Beweislast
insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese
Beweisregel kommt zur Anwendung, wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes
kein wahrscheinlicher Sachverhalt ermittelt werden kann (BGE 114 V 305 E. 2b). Wird
also auf dem Weg der Beweiserhebung das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht
wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt nicht (Th.
Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, Bern 2003, 3. Aufl., S. 451 f.) - so hat
dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der Person auswirkt, die
Anspruch auf Versicherungsleistungen erhebt.
2.
Der Beschwerdeführer machte in der Unfallmeldung vom 19. August 2008 geltend, er
habe am 24. Juni 2008 beim Beissen in eine Olive durch den Kern einen Zahn
beschädigt (Suva-act. 1). In Ergänzung dazu gab er am 9. September 2008 auf die
Frage der Beschwerdegegnerin, wie es zur Zahnschädigung gekommen sei, an, er
habe am 24. Juni 2008 während der Mittagspause ein Sandwich mit Thunfisch,
Zwiebeln und schwarzen Oliven gegessen. Dabei sei ein Olivenstein zwischen zwei
Backenzähne gelangt und habe dort so enormen Druck ausgeübt, dass einer der
Backenzähne höllisch weh getan und zu wackeln begonnen habe (Suva-act. 2). In der
Einsprache vom 2. Oktober 2008 folgte dann erstmals die Darstellung, wonach er am
24. Juni 2008 an seinem Arbeitsplatz gesessen und gerade eine halbe Stunde
Mittagspause gehabt habe. Dabei habe ihn der Lärm der laufenden Maschine gestört.
In einem Wutanfall habe er seinen rechten Fuss, der ihm schon seit sechs Monaten
weh getan habe, zu stark belastet. Um dem Schmerz zu entgehen, habe er sich fallen
lassen. Da er dabei das Essen nicht aus dem Mund habe fallen lassen wollen, habe er
zu fest auf seine Zähne gebissen. So sei der Backenzahn kaputt gegangen (Suva-act.
7). Am 28. Oktober 2008 bestätigte der Beschwerdeführer gegenüber der
Beschwerdegegnerin diese Sachverhaltsschilderung (Suva-act. 9).
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3.
Wenn beim Kauen von Nahrung ein Zahn abbricht, kann grundsätzlich ein
Unfallereignis gegeben sein, so dass der Unfallversicherer leistungspflichtig wird. Dies
setzt jedoch voraus, dass die Ungewöhnlichkeit der Einwirkung bejaht wird (Alfred
Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, Ergänzungsband, Bern 1989, S.
14). Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen
Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet (BGE 116 V 138 f. E. 3b; vgl.
auch SVR 2001 KV Nr. 50 S. 145 E. 3a; Rumo-Jungo, a.a.O., S. 23 mit Hinweisen). Die
Beschwerdegegnerin stellt in Bezug auf den im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung
vom 17. September 2008 bekannt gewesenen Sachverhalt zutreffenderweise fest, dass
der Biss auf einen Olivenstein oder dessen Eindringen zwischen die Zähne nicht
ungewöhnlich gewesen sei, weil Oliven eben auch aus Kernen bestünden (vgl. dazu
Kasuistik zum Kriterium des ungewöhnlichen äusseren Faktors im Zusammenhang mit
Zahnschäden: BGE 122 V 201 mit Hinweisen, insbesondere 205 E. 3b; SVR 2001 KV
Nr. 50 S. 145 E. 3b mit Hinweisen). Nach der Definition des Unfalls bezieht sich die
Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors auf den menschlichen
Körper, sondern nur auf den äusseren Faktor selbst. Ohne Bedeutung für die Prüfung
der Ungewöhnlichkeit ist, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende Folgen
nach sich zieht (BGE 122 V 233 E. 1 = Pra 1997 Nr. 82 S. 415 f.). In Bezug auf den bei
Erlass der Verfügung vom 17. September 2008 bekannten Sachverhalt liegt demnach
keine Ungewöhnlichkeit vor, was an sich auch von Seiten des Beschwerdeführers
unbestritten geblieben ist, womit die Beschwerdegegnerin damals das Vorliegen eines
Unfalls im Sinn von Art. 4 ATSG richtigerweise verneint hat.
4.
4.1 Von einem Unfall ist aktenmässig erstmals in der Einsprache und damit nach
Kenntnis der ablehnenden Verfügung die Rede. Indem der Beschwerdeführer seinen
bereits seit mehreren Monaten schmerzenden Fuss in einem Wutanfall zu stark
belastete und sich fallen liess, um das Gewicht vom schmerzenden Fuss zu nehmen,
wirkte ein ungewöhnlicher äusserer Faktor auf den Körper ein; im vorliegenden Fall mit
indirekter Schadenseinwirkung auf die Zähne.
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4.2 Während die Beschwerdegegnerin geltend macht, dieser später vorgebrachte
Sachverhalt des Beschwerdeführers widerspreche seinen Aussagen der ersten Stunde,
womit darauf nicht abgestellt werden könne, stellt sich der Beschwerdeführer auf den
Standpunkt, er habe angenommen, den Sachverhalt mit der Beschädigung des Zahns
durch einen Olivenstein genügend detailliert beschrieben zu haben. Er habe nicht
wissen können, dass sein schmerzender Fuss in der Geschichte eine so grosse Rolle
spiele bzw. welche Elemente bei einem Ereignis wichtig seien und welche nicht. -
Dieser Sichtweise kann nicht zugestimmt werden. Die Beschwerdegegnerin hat den
Sachverhalt nach Eingang der Unfallmeldung der Arbeitgeberin des Beschwerdeführers
detailliert erhoben (Fragebogen vom 25. August 2008 [Suva-act. 2]) und ist damit ihrer
Verpflichtung zur richtigen und vollständigen Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts nachgekommen. Auf die Fragen, "Wie kam es zur Zahnschädigung (bitte
den Sachverhalt genau schildern)?" (Ziff. 3) und "Hat sich etwas Ungewohntes,
Besonderes zugetragen bzw. ist etwas nicht normal verlaufen? Wenn ja bitte genau
beschreiben." (Ziff. 4), erwähnte der Beschwerdeführer lediglich die Zahnproblematik,
nicht jedoch den stark schmerzenden Fuss und das Fallenlassen. Auch wenn letztlich
eine Schädigung des Zahns zur Diskussion steht, ist es nicht nachvollziehbar, warum
der Beschwerdeführer diese konkreten Fragen nicht präzise hätte beantworten bzw.
einen derart einmaligen Vorfall mit solch bedeutsamen Umständen wie dem
schmerzenden Fuss und dem Fallenlassen nicht auch hätte erwähnen sollen. Der
Umstand, dass die Antworten des Beschwerdeführers vom 9. September 2008 auf die
Fragen der Beschwerdegegnerin vom 25. August 2008 an sich sehr sorgfältig und
genau formuliert sind, verstärkt die Zweifelhaftigkeit der Argumentation des
Beschwerdeführers. Der Unfallversicherer ist sodann nicht gehalten, die versicherte
Person im Nachgang zu umfassenden Erhebungen zur weiteren Substantiierung des
gemeldeten Geschehnisses aufzufordern (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 27. Juni 2002 i/S. M. [U 148/01]). Nach Kenntnisnahme der
ablehnenden Verfügung wurde mithin ein neuer Sachverhalt ohne Kongruenz zum
echtzeitlich angeführten Sachverhalt hinzugefügt, der nicht einfach als ergänzende
Aussage mit einem höheren Detaillierungsgrad qualifiziert werden kann. Die
Zuverlässigkeit bzw. Glaubwürdigkeit des nachträglich dargelegten Sachverhalts wird
durch seine erstmalige Geltendmachung in der Einsprache ernsthaft in Frage gestellt.
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Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass er durch nachträgliche
versicherungsrechtliche Überlegungen beeinflusst wurde. Ein derart einmaliger Vorfall
wäre nämlich von Anfang an unter Ziff. 3 und 4 des Fragebogens erwähnt worden,
hätte er sich so zugetragen. Im Übrigen liesse der fragliche Sachverhalt auf eine
massgebende Fussproblematik mit nachfolgender ärztlicher Behandlung schliessen.
Eine solche ist jedoch aktenmässig nicht ärztlich dokumentiert. Die ärztliche
Verordnung von Schuheinlagen
(Suva-act. 7) vermag nicht als solche zu dienen. Der nachträglich dargelegte
Sachverhalt ist deshalb als unglaubwürdig zurückzuweisen. Entsprechend ist ein
Unfalltatbestand im Sinn von Art. 4 ATSG, von dem mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, er treffe zu, vorliegend nicht ausgewiesen.
Auszugehen ist von den spontanen Aussagen des Beschwerdeführers, die er kurz nach
dem Unfall und ohne Beeinflussung versicherungsrechtlicher Art gemacht hat und
welche eben einzig den Verzehr eines Sandwichs mit schwarzen Oliven beinhalten. Die
Beweislosigkeit für den vom Beschwerdeführer nachträglich dargelegten Sachverhalt
mit dem schmerzenden Fuss und dem Fallenlassen führt demnach zu einem Entscheid
zu Ungunsten des Beschwerdeführers, welcher aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin ableiten wollte (Rumo-
Jungo, a.a.O., S. 21).
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG