Decision ID: 3e9a4269-80d7-542e-9c05-5fa6b9494255
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Mit Verfügungen vom 26. Juni 2019 sprach die IV-Stelle für Versicherte
im Ausland (nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz) A._ (nachfol-
gend: Versicherter oder Beschwerdeführer) für die Zeit vom 1. Mai 2013
bis 31. Januar 2014 sowie vom 1. Mai 2014 bis 31. August 2014 befristete
Invalidenrenten in der Höhe von monatlich Fr. 1’681.- zu. In der Begrün-
dung hielt die IVSTA unter anderem fest, dass die Nachzahlung der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA), dem Sozialamt
B._ und der Arbeitslosenkasse C._ unterbreitet und die Ab-
rechnung in ungefähr 60 Tagen erstellt werde (Akten der IVSTA gemäss
Aktenverzeichnis und -nummerierung vom 30. Oktober 2019; nachfolgend:
act.] 5 und 6).
A.b Mit Schreiben vom 1. Juli 2019 ersuchte der Versicherte, vertreten
durch Rechtsanwältin Nicole Gierer Zelezem, die Vorinstanz, ihm zu be-
stätigen, dass zusätzlich zur Nachzahlung der beiden befristeten Invaliden-
renten ein Verzugszins von 5 % geschuldet sei und zusammen mit der
Nachzahlung ausgerichtet werde (act. 7). Mit Eingabe vom 26. Juli 2019
ersuchte die Rechtsvertreterin die Vorinstanz, die zugesprochenen Renten
auf ihr Klientenkonto überweisen zu lassen, da der Versicherte in der
Schweiz nicht über ein Bankkonto verfüge (act. 14).
A.c Mit Schreiben vom 22. August 2019 teilte die Vorinstanz dem Versi-
cherten mit, dass die Voraussetzungen für eine Rentennachzahlung auf
das Konto seiner Rechtsvertreterin nicht gegeben seien (act. 17).
B.
Gegen die Verfügungen vom 26. Juni 2019 erhob der Beschwerdeführer,
weiterhin vertreten durch Rechtsanwältin Nicole Gierer Zelezen, mit Ein-
gabe vom 28. August 2019 Beschwerde mit den Anträgen, es seien die in
zugesprochenen Rentennachzahlungen im Zeitraum vom 1. Mai 2013 bis
31. Januar 2015 (recte: 31. Januar 2014) sowie vom 1. Mai 2015 bis
31. August 2015 (recte: 1. Mai 2014 bis 31. August 2014) von monatlich
jeweils Fr. 1’681.- ab Anspruchsberechtigung (erstmals ab 1. Mai 2015) mit
einem Verzugszins von 5 % zu verzinsen (Ziff. 1); ferner sei auf die Erhe-
bung amtlicher Kosten zu verzichten (Ziff. 2; Akten im Beschwerdeverfah-
ren [BVGer act.] 1 samt Beilagen).
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Seite 3
C.
C.a Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 5. September 2019 teilte der
Versicherte der Vorinstanz mit, dass er gegen die Verfügungen vom
26. Juni 2019 mit Eingabe vom 28. August 2019 Beschwerde beim Bun-
desverwaltungsgericht erhoben habe; gleichzeitig ersuchte er die Vor-
instanz, im Hinblick auf die Vermeidung weiterer Kosten eine Wiedererwä-
gungsverfügung zu erlassen (act. 18).
C.b Mit Verfügungen vom 30. September 2019 sprach die IVSTA dem Ver-
sicherten Verzugszinsen in der Höhe von Fr. 3’265.- sowie von Fr. 1’513.-
zu (act. 29 und 30).
D.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 24. Oktober 2019 teilte der Be-
schwerdeführer dem Bundesverwaltungsgericht mit, dass die Vorinstanz
mit den Verfügungen vom 30. September 2019 seinem Begehren um Aus-
richtung von Verzugszinsen vollumfänglich nachgekommen sei. Die IVSTA
habe entgegen seinem Antrag während der laufenden Rechtsmittelfrist
keine Zusage hinsichtlich der Leistung von Verzugszinsen gemacht und
dadurch das vorliegende Beschwerdeverfahren verursacht, weshalb ihr
auch die Kosten dieses Verfahrens einschliesslich der Parteientschädi-
gung zu überbinden seien. Mit Blick auf die am 4. November 2019 ablau-
fende Frist zur Bezahlung des Kostenvorschusses ersuche er das Bundes-
verwaltungsgericht, ihm so rasch als möglich mitzuteilen, ob zur Erledigung
der vorliegenden Angelegenheit dennoch ein Kostenvorschuss zu leisten
sei (BVGer act. 8).
E.
Mit Vernehmlassung vom 6. November 2019 stellte die Vorinstanz den An-
trag auf Abweisung der Beschwerde (BVGer act. 10).
F.
Mit Zwischenverfügung vom 15. November 2019 forderte der Instruktions-
richter den Beschwerdeführer auf, bis zum 16. Dezember 2019 einen Kos-
tenvorschuss von Fr. 800.- zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.
Ferner gab er dem Beschwerdeführer Gelegenheit, innert gleicher Frist
eine Replik einzureichen (BVGer act. 11).
G.
Mit Replik vom 16. Dezember 2019 hielt der Beschwerdeführer an seinem
Antrag und seiner Begründung fest (BVGer act. 13).
C-4355/2019
Seite 4
H.
Am 16. Dezember 2019 ging der vom Beschwerdeführer geforderte Kos-
tenvorschuss bei der Gerichtskasse ein (BVGer act. 14).
I.
Mit Duplik vom 9. Januar 2020 hielt die Vorinstanz an ihrem Antrag auf
Abweisung der Beschwerde fest (BVGer act. 16).
J.
Mit Verfügung vom 16. Januar 2020 übermittelte der Instruktionsrichter
dem Beschwerdeführer ein Doppel der Duplik der Vorinstanz und gab dem
Beschwerdeführer Gelegenheit, die Honorarnote seiner Rechtsvertreterin
einzureichen. Ferner teilte er den Parteien mit, dass der Schriftenwechsel
– vorbehältlich weiterer Instruktionsmassnahmen – am 27. Januar 2020
abgeschlossen werde (BVGer act. 17).
K.
Mit Eingabe vom 24. Januar 2020 reichte die Rechtsvertreterin ihre Hono-
rarnote ein und nahm unaufgefordert zu den Ausführungen in der Duplik
Stellung (BVGer act. 18 samt Beilage).
L.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird,
soweit für die Entscheidfindung erforderlich, im Rahmen der nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG [SR 831.20]). Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochte-
nen Verfügung durch diese besonders berührt und hat ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb er zur Erhebung
der Beschwerde legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG; Art. 59 ATSG
[SR 830.1]). Nachdem der Beschwerdeführer den ihm auferlegten Kosten-
vorschuss innert laufender Frist überwiesen hat (BVGer act. 14), ist die
frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde zu prüfen (Art. 50 Abs. 1
und Art. 52 Abs. 1 VwVG; Art. 60 i.V.m. Art. 38 Abs. 4 Bst. b ATSG).
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2.
Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bilden
die Verfügungen vom 26. Juni 2019, mit welchen dem Beschwerdeführer
für die Zeit vom 1. Mai 2013 bis 31. Januar 2014 und vom 1. Mai 2014 bis
31. August 2014 monatliche Invalidenrenten vom Fr. 1'681.- zugesprochen
worden sind. Die Höhe und die Dauer der zugesprochenen (befristeten)
Invalidenrenten ist unter den Parteien unbestritten. Die Parteien sind sich
überdies einig, dass der Beschwerdeführer für die Rentennachzahlungen
verzugszinsberechtigt ist und sich der Verzugszinsanspruch auf total
Fr. 4'778.- beläuft (= Fr. 3’265.- + Fr. 1’513.-; Verfügungen vom 30. Sep-
tember 2019; act. 29 und 30). Streitig und nachfolgend zu prüfen ist aus-
schliesslich die Frage, ob mit den Verfügungen vom 26. Juni 2019 auch
bereits – implizit – über die Frage der Verzugszinsberechtigung entschie-
den worden ist respektive nach richtiger Gesetzesauslegung hätte ent-
schieden werden müssen und ob die Verzugszinsberechtigung einen Teil
des Anfechtungsgegenstandes bildet.
3.
3.1 Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozialversicherungsge-
richt die Gesetzmässigkeit der Verwaltungsverfügungen in der Regel nach
dem Sachverhalt, der zur Zeit des Verfügungserlasses gegeben war (BGE
121 V 362 E. 1b mit Hinweisen). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither
verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwal-
tungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b mit Hinweis). Ausnahmsweise
kann das Gericht das verwaltungsgerichtliche Verfahren aus prozessöko-
nomischen Gründen auf eine ausserhalb des Anfechtungsgegenstandes,
d.h. ausserhalb des durch die Verfügung bestimmten Rechtsverhältnisses
liegende spruchreife Frage ausdehnen, wenn diese mit dem bisherigen
Streitgegenstand derart eng zusammenhängt, dass von einer Tatbestands-
gesamtheit gesprochen werden kann, und wenn sich die Verwaltung zu
dieser Streitfrage mindestens in Form einer Prozesserklärung geäussert
hat (BGE 122 V 34 E. 2a; 110 V 48 E. 3b m.H.; vgl. auch BGE 130 V 138
E. 2.1 m.w.H.).
3.2 Anfechtungsgegenstand im Beschwerdeverfahren ist formell betrach-
tet der Entscheid der Vorinstanz; materiell betrachtet setzt sich der Anfech-
tungsgegenstand zusammen aus den Rechtsverhältnissen, über die sich
die Vorinstanz in ihrem Entscheid ausgesprochen hat. Gegenstand des
streitigen Verwaltungsverfahrens und damit Streitgegenstand bildet das
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durch die Verfügung geregelte Rechtsverhältnis, soweit dieses angefoch-
ten wird. Der Streitgegenstand wird folglich durch zwei Elemente bestimmt:
erstens durch den Gegenstand der angefochtenen Verfügung oder des an-
gefochtenen Entscheids (sog. Anfechtungsgegenstand) und zweitens
durch die Parteibegehren. Dabei bildet das Anfechtungsobjekt den Rah-
men, welcher den möglichen Umfang des Streitgegenstandes begrenzt.
Gegenstand des Beschwerdeverfahrens kann nur sein, was Gegenstand
des erstinstanzlichen Verfahrens war oder nach richtiger Gesetzesausle-
gung hätte sein sollen. Der Anfechtungsgegenstand begrenzt somit in der
Regel den Streitgegenstand (BGE 142 I 155 E. 4.4.2 S. 156; BGE 125 V
413 E. 2.a S. 415). Gegenstände, über welche die erstinstanzlich verfü-
gende Behörde nicht entschieden hat und über die sie nicht zu entscheiden
hatte, sind aus Gründen der funktionellen Zuständigkeit durch die zweite
Instanz nicht zu beurteilen (vgl. zum Ganzen: BGE 136 II 457 E. 4.2 und
131 V 164 E. 2.1; Urteile des BGer 2C_1055/2013 und 2C_1056/2013 vom
30. August 2014 E. 2.1; BVGE 2010/12 E. 1.2.1; ALFRED KÖLZ/ISABELLE
HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 686 ff.; ANDRÉ MOSER et al., Prozes-
sieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.8). Geht die
mit dem Rechtsbegehren aufgestellte Rechtsfolgebehauptung über den
Streitgegenstand hinaus, ist darauf nicht einzutreten (vgl. Urteile des BGer
4A_89/2012 vom 17. Juli 2012 E. 1.2 und 2D.20/2010 vom 20. Mai 2010,
E. 1.3; vgl. Urteil des BVGer A-3274/2012 vom 25. März 2013 E. 1.4.1).
3.3 Sofern die versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht vollumfänglich
nachgekommen ist, werden die Sozialversicherungen für ihre Leistungen
nach Ablauf von 24 Monaten nach der Entstehung des Anspruchs, frühes-
tens aber 12 Monate nach dessen Geltendmachung verzugszinspflichtig
(Art. 26 Abs. 1 ATSG). Keinen Anspruch auf Verzugszinsen haben gemäss
Art. 26 Abs. 4 ATSG die berechtigte Person oder deren Erben, wenn die
Nachzahlung an Dritte erfolgt (Bst. a), Dritte, welche Vorschusszahlungen
oder Vorleistungen nach Art. 22 Abs. 2 ATSG erbracht haben und denen
Nachzahlungen abgetreten worden sind (Bst. b), sowie andere Sozialver-
sicherungen, welche Vorleistungen nach Art. 70 ATSG erbracht haben
(Bst. c). Der genannte Abs. 4 von Art. 26 ATSG schliesst bei bestimmten
Drittzahlungen der Nachzahlung einen Verzugszinsanspruch in doppelter
Weise aus: So hat nach Bst. a die anspruchsberechtigte Person ihrerseits
keinen Verzugszinsanspruch, und nach Bst. b und c steht ein Anspruch bei
einer solchen Ausgangslage auch den betreffenden Dritten nicht zu. Von
dieser Bestimmung erfasst werden sämtliche Vorschusszahlungen und
Vorleistungen (UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 26
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Seite 7
N. 72). Die Nachzahlung an bevorschussende Dritte ist in Art. 85bis der Ver-
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) für den Bereich
der IV-Leistungen im Einklang mit Art. 22 ATSG (vgl. dazu Urteil des Eid-
genössischen Versicherungsgerichts [EVG, ab 1. Januar 2007: Sozial-
rechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] I 518/05 vom 14. August 2006
vom E. 2.1) näher geregelt. Danach können Arbeitgeber, Einrichtungen der
beruflichen Vorsorge, Krankenversicherungen, öffentliche und private Für-
sorgestellen oder Haftpflichtversicherungen mit Sitz in der Schweiz, welche
im Hinblick auf eine Rente der Invalidenversicherung Vorschusszahlungen
erbracht haben, verlangen, dass die Nachzahlung dieser Rente bis zur
Höhe ihrer Vorschussleistung verrechnet und an sie ausbezahlt wird
(Abs. 1). Die Nachzahlung der bevorschussenden Stelle darf dabei höchs-
tens im Betrag der Vorschussleistung und für den Zeitraum, in welchem
diese erbracht worden ist, ausbezahlt werden (Abs. 3). Die koordinations-
rechtlichen Regelungen von Art. 22 ATSG und Art. 85bis IVV bezwecken die
Vermeidung des Doppelbezugs von Leistungen der Invalidenversicherung
und jenen von Dritten für denselben Zeitraum (Urteil I 518/05 E. 2.1; vgl.
dazu auch BGE 136 V 381 E. 4.1 und 4.2; 135 V 2 E. 2).
3.4
3.4.1 Der Beschwerdeführer macht zur Begründung seiner Beschwerde
insbesondere geltend, er habe die IVSTA mit Schreiben vom 1. Juli 2019
um eine Bestätigung ersucht, dass zusätzlich zur Nachzahlung der beiden
befristeten Renten auch der Verzugszins von 5 % geschuldet sei und mit
der Nachzahlung ausgerichtet werde. Sein Schreiben sei unbeantwortet
geblieben, weshalb er mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin innert offener
Frist habe Beschwerde erheben müssen (BVGer act. 1 samt Beilage 6).
Üblicherweise würden in der Rentenleistungsverfügung sowohl die Ren-
tenleistungen als auch die Verzugszinsen ausgewiesen. Mit Blick auf den
explizit gestellten Antrag wäre von der Vorinstanz zu erwarten gewesen,
dass sie eine Verfügung über die Verzugszinsen (z.B. unter dem Vorbehalt
von Art. 26 Abs. 4 ATSG) erlasse (BVGer act. 13). Aus Gründen der Wah-
rung ihrer anwaltlichen Sorgfaltspflicht sei seine Rechtsvertreterin zur Be-
schwerdeerhebung verpflichtet gewesen; denn für den Fall einer rechts-
widrigen Verweigerung der Verzugszinsen hätte nach Ablauf der Rechts-
mittelfrist keine Anfechtungsmöglichkeit mehr bestanden (BVGer act. 18).
3.4.2 Dagegen wendet die Vorinstanz ein, sie habe den Beschwerdeführer
in den angefochtenen Verfügungen dahingehend informiert, dass noch
eventuelle Verrechnungsansprüche der SUVA, des Sozialamtes und der
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Arbeitslosenkasse zu klären seien, weshalb die Abrechnung erst in rund
60 Tagen erfolgen könne. Am 9. Juli 2019 habe der Sachbearbeiter der
Ausgleichskasse zudem das Advokaturbüro kontaktiert und telefonisch mit-
geteilt, dass aktuell noch nicht über den Verzugszinsanspruch entschieden
werden könne (act. 9). Die Rechtsvertreterin hätte mit Blick auf die gesetz-
liche Regelung in Art. 26 Abs. 4 Bst. a ATSG erkennen müssen, dass die
rentenberechtigte Person keinen Anspruch auf Verzugszinsen hat, wenn
die Nachzahlung an Dritte erfolge. Die IVSTA habe zudem in den ange-
fochtenen Verfügungen klar festgehalten, dass es noch verschiedene Ver-
rechnungsansprüche abzuklären gelte und diese Abklärung noch einige
Zeit in Anspruch nehmen werde. In diesem Sinn habe die Ausgleichskasse
das Advokaturbüro auch im Telefongespräch vom 9. Juli 2019 informiert.
Die zwischenzeitlich materiell gegenstandslos gewordene Beschwerde
wäre folglich mangels Anfechtungsgegenstandes durch Nichteintretens-
entscheid zu erledigen gewesen (BVGer act. 10). Die von der Rechtsver-
treterin geforderte gleichzeitige Verfügung über Rente und Verzugszins
wäre einzig dann möglich, wenn von Anfang an feststehe, dass keine Dritt-
auszahlungsansprüche bestehen. Die gegen die Verfügungen vom
26. Juni 2019 erhobene Beschwerde sei ungeeignet und unnötig gewesen,
weshalb dem Beschwerdeführer keine Parteientschädigung zuzusprechen
sei (BVGer act. 16).
3.5
3.5.1 Vorliegend steht fest, dass die Vorinstanz in den angefochtenen Ver-
fügungen noch nicht über die Frage der Verzugszinsberechtigung und de-
ren Höhe befunden hat. Unbestritten ist auch, dass der beschwerdeweise
gestellte Antrag auf Ausrichtung von Verzugszinsen mit dem Erlass der
Verfügungen vom 30. September 2019 (vgl. Sachverhalt, Bst. C.b hievor)
materiell gegenstandslos geworden ist.
3.5.2 Mit Blick auf die gesetzliche Regelung in Art. 26 Abs. 4 ATSG und die
vorliegend zu prüfenden Verrechnungsansprüche der bevorschussenden
Dritten (Arbeitslosenkasse, Sozialhilfebehörde und SUVA) steht allerdings
auch fest, dass die Vorinstanz im Zeitpunkt des Erlasses der angefochte-
nen Verfügungen vom 26. Juni 2019 noch nicht abschliessend über die
Ausrichtung von Verzugszinsen befinden konnte, zumal damals noch offen
war, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang die rückwirkend zugespro-
chenen Invalidenrenten mit Leistungen von bevorschussenden Dritten zu
verrechnen und damit von der Verzugszinsberechtigung ausgeschlossen
sind. Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens kann indes nur sein, was
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Seite 9
Gegenstand des erstinstanzlichen Verfahrens war oder nach richtiger Ge-
setzesauslegung hätte sein sollen (vgl. dazu auch BVGE 2010/12 E. 1.2.1).
Zu beachten gilt es dabei namentlich, dass der Gesetzgeber keinen
Rechtsanspruch auf den Erlass einer sowohl die Renten- als auch die Ver-
zugszinsleistungen umfassenden Verfügung vorsieht.
Daraus folgt, dass der Entscheid über die Verzugszinsberechtigung vorlie-
gend nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügungen vom 26. Juni
2019 war und nach richtiger Gesetzesauslegung auch nicht hätte sein müs-
sen. Der beschwerdeweise gestellte Antrag auf Ausrichtung von Verzugs-
zinsen geht demnach über den Anfechtungsgegenstand hinaus. Hinrei-
chende Gründe für eine sachliche Ausdehnung des Streitgegenstandes
über das Anfechtungsobjekt hinaus, werden nicht geltend gemacht und
sind auch nicht ersichtlich, zumal sich beim Entscheid über die Rentenleis-
tungen nicht dieselben Sach- und Rechtsfragen wie bei der Beurteilung der
Verzugszinsberechtigung stellen.
3.5.3 Soweit der Beschwerdeführer argumentiert, üblicherweise würden in
der Rentenleistungsverfügung sowohl die Rentenleistung als auch der Ver-
zugszins ausgewiesen (BVGer act. 13), kann ihm nicht gefolgt werden.
Denn mit dieser Argumentation lässt er die in der Praxis häufig anzutref-
fende Konstellation einer Drittauszahlung unberücksichtigt. Wie vorste-
hend (E. 3.3 hievor) dargelegt, schliesst Art. 26 Abs. 4 ATSG den Anspruch
auf Verzugszinsen im Umfang der Nachzahlungspflicht an Dritte sowohl für
die berechtigte Person als auch für Dritte aus. Folglich musste die Vor-
instanz zuerst die Nachzahlungsansprüche der Dritten abklären und bezif-
fern, bevor sie abschliessend über den Verzugszinsanspruch betreffend
den für den Beschwerdeführer verbleibenden Nachzahlungsbetrag ent-
scheiden konnte.
Aus dem Umstand, dass in der Praxis über Rentennachzahlungen und Ver-
zugszinsansprüche bisweilen in einer Verfügung entschieden wird, kann
der Beschwerdeführer mithin nichts zu seinen Gunsten ableiten. Denn es
ist unbestritten, dass er von der Vorinstanz in den angefochtenen Verfü-
gungen explizit dahingehend informiert worden ist, dass sie noch eventu-
elle Verrechnungsansprüche der SUVA, des Sozialamtes und der Arbeits-
losenkasse zu klären habe, weshalb die Abrechnung erst in rund 60 Tagen
erfolgen könne. In der Folge wurde die Rechtsvertreterin zudem auch noch
mit telefonischer Mitteilung vom 9. Juli 2019 darüber orientiert (act. 9), dass
die Vorinstanz noch einige Zeit benötige, bis über die Verrechnung der IV-
Rentenleistungen respektive die Verzugszinsberechtigung entschieden
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Seite 10
werden könne. Selbst wenn der Beschwerdeführer nicht auf diese schriftli-
chen und mündlichen Auskünfte der Vorinstanz hätte abstellen wollen,
wäre ihm die Abklärung der Rechtslage durch blosse Konsultation der ge-
setzlichen Bestimmung von Art. 26 Abs. 4 ATSG möglich und zumutbar ge-
wesen, zumal er bereits im vorinstanzlichen Verfahren rechtskundig vertre-
ten war.
3.5.4 Steht mithin fest, dass die IVSTA in den angefochtenen Verfügungen
über die Verzugszinsberechtigung nicht entschieden hat und nach richtiger
Gesetzesauslegung auch nicht darüber hat befinden müssen, so kann auf
die Beschwerde mangels Anfechtungsobjektes nicht eingetreten werden.
4.
Zusammengefasst folgt aus dem Gesagten, dass die Vorinstanz in den an-
gefochtenen Verfügungen vom 26. Juni 2019 zwar über die Höhe der Ren-
tennachzahlungen, nicht aber über die Verrechnung der Rentenleistungen
mit allfälligen Ansprüchen von bevorschussenden Dritten und damit auch
nicht über die Ausrichtung von Verzugszinsen entschieden hat respektive
auch noch nicht hat entscheiden müssen. Dass die Nachzahlung der
SUVA, dem Sozialamt Jona und der Arbeitslosenkasse Unia unterbreitet
werde, hat die Vorinstanz zudem in den Verfügungen explizit festgehalten.
Mit Blick auf die Regelung von Art. 26 Abs. 4 ATSG musste dem rechtskun-
dig vertretenen Beschwerdeführer deshalb klar sein, dass noch kein Ent-
scheid über die Verzugszinsberechtigung gefällt worden ist. Nachdem die
im Beschwerdeverfahren gestellten Anträge über den Anfechtungsgegen-
stand hinausgehen, kann auf die Beschwerde nicht eingetreten werden.
5.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
5.1 Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem Bundesverwaltungsgericht ist
kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis i.V.m. Abs. 2 IVG). Entsprechend dem Aus-
gang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Verfahrenskosten zu
tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind auf Fr. 800.- festzusetzen und
aus dem geleisteten Kostenvorschuss zu entnehmen.
5.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Begehren
eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig
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Seite 11
hohe Kosten zugesprochen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Als Bundesbe-
hörde hat die obsiegende Vorinstanz jedoch keinen Anspruch auf eine Par-
teientschädigung (Art. 7 Abs. 3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).