Decision ID: 64318faf-2388-5a05-aaef-36f32b3f3087
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ C.D. und B.O. sind Eigentümerinnen von Grundstücken im Grundbuchkreis W.
Durch ihren gemeinsamen Rechtsvertreter – Rechtsanwalt lic.iur. P.B., tätig bei
"Rechtsanwälte W.H.N." - ersuchten sie das Grundbuchamt W. am 4. November 2010
um Löschung einer auf ihren Grundstücken lastenden Dienstbarkeit. Ihr Begehren
wurde am 24. Januar 2011 abgewiesen. Dagegen erhoben die Grundeigentümerinnen
am 24. Februar 2011 beim Departement des Innern des Kantons St. Gallen (spezielle)
Grundbuchbeschwerde. Da ihrem Rechtsvertreter die vom Grundbuchamt auftrags des
Departements zugestellten Vorakten unvollständig erschienen, ersuchte er das
Grundbuchamt am 31. März 2011 um deren Ergänzung mit dem Dienstbarkeitsvertrag,
sämtlichen in diesem Zusammenhang erstellten Dokumenten sowie sämtlichen
Grundbuchauszügen der belasteten und berechtigten Grundstücke. Das
Grundbuchamt stellte ihm am 6. April 2011 die Unterlagen zusammen mit der an
"Rechtsanwälte W.H.N." gerichteten Rechnung Nr. 40.211/2011 über Fr. 180.- für neun
Grundbuchauszüge zu. Der Rechtsvertreter machte geltend, das Akteneinsichtsrecht
als Ausfluss des Anspruchs auf rechtliches Gehör sei unentgeltlich zu gewähren. Das
Grundbuchamt hielt an der Rechnung fest mit der Begründung, andere Rechte und
Lasten auf den berechtigten und belasteten Grundstücken seien unerheblich, die
Auszüge seien neu erstellt worden und deshalb nicht Teil der Vorakten gewesen und
eine gesetzliche Grundlage für die Gebührenbefreiung fehle.
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B./ Der Gemeinderat W. wies die Einsprache vom 21. April 2011, mit welcher der
Rechtsvertreter für die Grundeigentümerinnen und die Anwaltskanzlei die Aufhebung
der Rechnung Nr. 40.211/2011 vom 6. April 2011 beantragt hatte, am 17. Mai 2011 ab.
Der Entscheid wurde samt Gebührenrechnung am 23. Mai 2011 dem Rechtsvertreter
zugestellt. Das Departement des Innern (nachfolgend Vorinstanz) trat am 9. März 2012
auf den am 7. Juni 2011 erhobenen Rekurs, soweit er von "Rechtsanwälte W.H.N."
erhoben worden war, nicht ein, und wies ihn, soweit er vom Rechtsvertreter im Namen
der Grundeigentümerinnen und im eigenen Namen erhoben worden war, ab.
C./ Lic.iur. P.B. erhob gegen den Rekursentscheid vom 9. März 2012 im Namen der
"Rechtsanwälte W.H.N." und der Grundeigentümerinnen sowie im eigenen Namen
(nachfolgend Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 26. März 2012 und Ergänzung vom
27. April 2012 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, der
angefochtene Entscheid sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 16. Mai 2012 die Abweisung der
Beschwerde. Die Beschwerdegegnerin schloss sich am 6. Juni 2012 der Auffassung
der Vorinstanz an und beantragte, die Beschwerde sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge abzulehnen. Die Beschwerdeführer nahmen dazu am 22. Juni
2012 Stellung und hielten an ihrem Rechtsbegehren fest.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. In verfahrensrechtlicher Hinsicht stellt sich die Frage nach der Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts. Das Verwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 59bis Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, abgekürzt VRP), sofern kein
ordentliches Rechtsmittel an eine Verwaltungsbehörde oder eine
verwaltungsunabhängige Kommission des Bundes oder an das
Bundesverwaltungsgericht offensteht, Beschwerden gegen Verfügungen und
Entscheide der Departemente. Art. 2 Abs. 1 VRP behält abweichende Vorschriften
eidgenössischer Erlasse und kantonaler Gesetze vor. Gemäss Art. 15 Abs. 1 des
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Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (sGS 961.2, abgekürzt
EG ZPO) entscheidet die Einzelrichterin oder der Einzelrichter des Kantonsgerichtes
über Beschwerden gegen Verfügungen und Entscheide des zuständigen
Departements, soweit es das Einführungsgesetz zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch
(sGS 911.1, abgekürzt EG ZGB) vorsieht. Beschwerden nach Art. 102 bis 104 der
Grundbuchverordnung (SR 211.432.1, abgekürzt GBV) werden gemäss Art. 122 der
Einführungsverordnung zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch (sGS 911.11, abgekürzt
EV ZGB) durch das Departement des Innern beurteilt. Nach Art. 12 Abs. 2 EG ZGB
kann gegen Verfügungen und Entscheide des zuständigen Departementes Beschwerde
an den Einzelrichter des Kantonsgerichts erhoben werden. Die Hauptsache fällt
dementsprechend in die Zuständigkeit der Einzelrichterin oder des Einzelrichters des
Kantonsgerichts (vgl. Botschaft und Entwurf der Regierung vom 18. Oktober 2011 zum
Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über das Kindes- und
Erwachsenenschutzrecht, in: ABl 2011 S. 2846 ff., S. 2895; Entscheid der
Einzelrichterin des Kantonsgerichts St. Gallen im Personen-, Erb- und Sachenrecht BE.
2012.15 vom 5. Juni 2012 E. 1, einsehbar unter www.gerichte.sg.ch).
Die Beschwerdeführer rügen in erster Linie, die Erhebung von Kosten für die Erstellung
der Grundbuchauszüge, welche Teil der Akten seien, verletze ihren
verfassungsmässigen Anspruch auf Akteneinsicht. Nach der Rechtsprechung des
Kantonsgerichts handelt es sich bei den Verfahren vor dem Grundbuchamt und vor der
Vorinstanz um Verwaltungsverfahren, womit das Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege anwendbar ist (vgl. Entscheid der Einzelrichterin des
Kantonsgerichts St. Gallen im Personen-, Erb- und Sachenrecht BE.2012.15 vom
5. Juni 2012 E. 2b, einsehbar unter www.gerichte.sg.ch). Gemäss Art. 94 Abs. 2 VRP
wird die Kostenverfügung von der in der Hauptsache zuständigen Behörde getroffen.
Zum Ersatz der Barauslagen der Behörde kann gemäss Art. 94 Abs. 1 VRP verpflichtet
werden, wer sie veranlasst. Zu den Barauslagen gehören namentlich Ausgaben im
Rahmen von Beweiserhebungen. Nicht zu den Barauslagen sind jene Kosten zu zählen,
die aus einer gebührenpflichtigen Tätigkeit der Verwaltung erwachsen; solche
Aufwendungen sind aus dem Gebührenerlös zu bestreiten (vgl. R. Hirt, Die Regelung
der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 51
f.). Deshalb ist es nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz die Rechnung
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Nr. 40.211/2011 des Grundbuchamtes W. vom 6. April 2011 nicht als Teil der amtlichen
Kosten, sondern – verfahrensrechtlich – als Veranlagung einer Gebühr behandelt hat.
Ob der Rechtsmittelweg unter diesen Umständen über das Departement des Innern
oder nicht vielmehr entsprechend Art. 41 lit. h Ziff. 5 in Verbindung mit Art. 59 Abs. 1
VRP über die Verwaltungsrekurskommission an das Verwaltungsgericht führt, kann im
vorliegenden Fall mit Blick auf den Ausgang des Verfahrens offen bleiben.
2. Indem die Vorinstanz auf den Rekurs der Beschwerdeführer teilweise nicht eintrat
und ihn teilweise abwies, bestätigte sie den abschlägigen Einspracheentscheid des
Gemeinderates der Gemeinde W. und damit die an die "Rechtsanwälte W.H.N."
gestellte Rechnung Nr. 40.211/2011 des Grundbuchamtes W. vom 6. April 2011 über
Fr. 180.- für neun Grundbuchauszüge. Die Beschwerdeführer machen vorab die
Nichtigkeit dieser Rechnung geltend. Die Nichtigkeit von Verfügungen ist jederzeit und
von sämtlichen staatlichen Instanzen von Amtes wegen zu beachten; sie kann auch im
Rechtsmittelweg festgestellt werden (vgl. BGE 132 II 342 E. 2.1 mit Hinweisen auf
weitere Rechtsprechung). Stellt die Rechnung keine vollstreckbare Verfügung dar,
erübrigt sich eine Prüfung der weiteren Vorbringen.
3. Zu klären ist, ob es sich bei der Erhebung einer Grundbuchgebühr um eine
Verfügung handeln kann (vgl. dazu nachfolgend E. 3.1) und ob deren konkrete
Ausgestaltung in der Form der Rechnung Nr. 40.211/2011 vom 6. April 2011 die
unabdingbaren Voraussetzungen, welche an eine Verfügung gestellt werden, erfüllt
(vgl. dazu nachfolgend E. 3.2).
3.1. Die Rechnung Nr. 40.211/2011 vom 6. April 2011 stützt sich auf Nr. 50.03 des
Gebührentarifs für die Grundbuchämter und für die Durchführung der
Grundstückschätzung (sGS 914.5), der seinerseits seine Grundlagen in Art. 954 Abs. 1
des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, abgekürzt ZGB), wonach die Kantone
für die Inanspruchnahme des Grundbuches Gebühren erheben können (vgl. J. Schmid,
in: Basler Kommentar, ZGB II, 4. Aufl. 2011, N 1 zu Art. 954 ZGB), und in Art. 100
Abs. 2 VRP, wonach die Regierung unter anderem die Gebührenansätze regelt, findet.
Sie hat Grundbuchgebühren von Fr. 180.- für die Ausstellung von neun
Grundbuchauszügen (Grundbuchauszug Nr. 25 für die Grundstücke Nrn. 150, 2255,
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2258, 2259, 2260 und 2261, Nr. 26 für die Grundstücke Nrn. 1745 und 1747 und Nr. 27
für das Grundstück Nr. 1749) zum Gegenstand, enthält eine Zahlungsfrist und ist mit