Decision ID: 6dba541f-66b0-555d-a4c1-99317f9279a3
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X besitzt den Führerausweis für die Fahrzeugkategorie B seit dem 6. Juli 2009. Er
ist im Administrativmassnahmen-Register mit einem Eintrag verzeichnet. Wegen
Nichtbeherrschens des Fahrzeugs wurde ihm mit Verfügung des Strassenverkehrs-
und Schifffahrtsamts des Kantons St. Gallen vom 30. Dezember 2013 der
Führerausweis für die Dauer eines Monats entzogen, und zwar vom 31. Januar bis 28.
Februar 2014.
B.- Am Donnerstag, 12. Juni 2014, um etwa 16.55 Uhr, fuhr X mit einem
Personenwagen in St. Gallen von der Schuppisstrasse in die Martinsbruggstrasse
stadteinwärts. Auf der Martinsbruggstrasse näherte sich ein vortrittsberechtigter
Lieferwagen. Gemäss den Aussagen des Lenkers des Lieferwagens bremste X,
nachdem dieser in die Martinsbruggstrasse eingebogen war, ohne ersichtlichen Grund
plötzlich brüsk ab, weshalb er nicht mehr bremsen konnte und in das Heck des von X
gelenkten Personenwagens fuhr. Diesen Unfallhergang hielt die Polizei, welche am
Unfallort entsprechende Bremsspuren feststellen konnte, im Rapport fest.
Mit Strafbefehl vom 11. August 2014 wurde X wegen Verletzung der Verkehrsregeln
(mangelnde Rücksichtnahme auf nachfolgende Fahrzeuge beim Anhalten) zu einer
Busse von Fr. 300.– verurteilt. Der Strafbefehl erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
Mit Verfügung vom 9. Februar 2015 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 12. Juni 2014 wegen
mittelschwerer Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer
von vier Monaten.
C.- Dagegen erhob X mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 26. Februar 2015
Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen sei die Verfügung des Strassenverkehrsamtes aufzuheben und
der Führerausweis sei ihm eventualiter für die Dauer von höchstens zwei Monaten zu
entziehen. Am 9. Juli 2015 ergänzte sie den Rekurs. Zuvor hatte der Verfahrensleiter
ein Gesuch von X um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege abgewiesen. Die
Vorinstanz verzichtete am 29. Juli 2015 auf eine Vernehmlassung. Auf die
Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
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Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 26. Februar 2015 samt Ergänzung vom
9. Juli 2015 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist
einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03, abgekürzt: OBG)
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine
leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden
trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Die leichte Widerhandlung zieht eine Verwarnung oder
den Entzug des Führerausweises nach sich (vgl. Art. 16a Abs. 2 und 3 SVG). In
besonders leichten Fällen wird gemäss Art. 16a Abs. 4 SVG auf jegliche Massnahme
verzichtet. Ein besonders leichter Fall liegt dann vor, wenn die Verletzung von
Verkehrsregeln zu einer besonders geringen Gefahr für die Sicherheit anderer geführt
hat und den fehlbaren Fahrzeuglenker nur ein besonders leichtes Verschulden trifft (vgl.
Urteil des Bundesgerichts [BGer] 6A.52/2005 vom 2. Dezember 2005 E. 2.2.3; Philippe
Weissenberger, Kommentar Strassenverkehrsgesetz, 2. Aufl. Zürich/St. Gallen 2015, N
18 zu Art. 16a). Die Auslegung des besonders leichten Falls orientiert sich an den
Verkehrsregelverletzungen, die nach dem Ordnungsbussengesetz erledigt werden und
ebenfalls keine Administrativmassnahmen nach sich ziehen (vgl. BGer 1C_406/2010
vom 29. November 2010 E. 4.2).
3.- In tatsächlicher Hinsicht wurde im Strafbefehl des Untersuchungsamtes St. Gallen
vom 23. Juli 2014 gestützt auf die Angaben des Unfallberichts und der polizeilichen
Befragung festgestellt, der Rekurrent habe am 12. Juni 2014 auf der
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Martinsbruggstrasse stadteinwärts unerwartet brüsk abgebremst, weshalb der
nachfolgende Lenker nicht mehr rechtzeitig habe bremsen können und ihm ins Heck
gefahren sei. Er wurde wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln (Art. 90 Abs. 1
SVG) zu einer Busse von Fr. 300.– verurteilt. Der Strafbefehl wurde nicht angefochten.
4.- Im Rekurs wird geltend gemacht, der Sachverhalt habe sich anders als von der Vor
instanz geschildert zugetragen. So habe der Rekurrent auf der Martinsbruggstrasse
nicht brüsk gebremst, sondern im Hinblick auf die Fahrzeugkolonne vor ihm lediglich
das Tempo gedrosselt. Der Lenker des nachfolgenden Fahrzeuges sei zum einen nicht
auf die Strasse konzentriert gewesen und habe zum anderen keinen gebührenden
Abstand eingehalten. Er habe deshalb nicht mehr rechtzeitig auf das Bremsmanöver
des Rekurrenten reagieren können. Nur deshalb sei es zur Kollision gekommen. Es sei
nicht ersichtlich, weshalb der Rekurrent für die Unachtsamkeit des Lenkers hinter ihm
sanktioniert werden solle. Ausserdem habe die Motorfahrzeughaftpflichtversicherung
des auffahrenden Lenkers die gesamte Schadenssumme am Fahrzeug des
Rekurrenten bezahlt, was gegen dessen Schuld an der Kollision spreche.
Bezüglich der unterlassenen Anfechtung des Strafbefehls vom 11. August 2014 zwecks
Berichtigung des Sachverhalts moniert der Rekurrent, dass zum Zeitpunkt der
Gewährung des rechtlichen Gehörs durch das Strassenverkehrsamt die Einsprachefrist
gegen den Strafbefehl bereits verstrichen gewesen sei, weshalb er gar keine
Möglichkeit zur Einsprache gehabt habe.
Im Eventualstandpunkt richtet sich der Rekurs gegen die Dauer des
Führerausweisentzugs. Sollte das Gericht zum Schluss kommen, dass dem
Rekurrenten der Führerausweis zu entziehen sei, sei eine Entzugsdauer von maximal
zwei anstatt vier Monaten angemessen und verhältnismässig; denn der Rekurrent sei
beruflich auf das Führen eines Fahrzeugs angewiesen.
5.- Da der Sachverhalt insbesondere in Bezug auf das Fehlverhalten des Rekurrenten
und des Unfallgegners umstritten ist, ist vorab zu klären, auf welche
Sachverhaltsdarstellung abzustellen ist. Nach Strassenverkehrsdelikten befindet das
Strafgericht über die strafrechtlichen Sanktionen (Freiheitsstrafe, Geldstrafe, Busse)
und die Verwaltungsbehörde in einem separaten Verfahren über
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Administrativmassnahmen (insbesondere Führerausweisentzug, Verwarnung). Die
Zweispurigkeit des Verfahrens ist zulässig, kann aber – bei fehlender Koordination –
dazu führen, dass derselbe Lebensvorgang zu voneinander abweichenden
Sachverhaltsfeststellungen von Verwaltungs- und Justizbehörden führt und die
erhobenen Beweise abweichend gewürdigt und rechtlich beurteilt werden. Um dieser
Gefahr entgegenzuwirken, hat die Verwaltungsbehörde gemäss konstanter
bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich mit ihrem Entscheid zuzuwarten,
bis ein rechtskräftiges Strafurteil vorliegt. Denn das Strafverfahren bietet aufgrund der
verstärkten Mitwirkungsrechte des Beschuldigten, der umfassenderen persönlichen
und sachlichen Ermittlungsinstrumente sowie der weiterreichenden prozessualen
Befugnisse besser Gewähr dafür, dass das Ergebnis der Sachverhaltsermittlung näher
bei der materiellen Wahrheit liegt als im nicht durchwegs derselben Formstrenge
unterliegenden Verwaltungsverfahren. An die rechtliche Würdigung durch das
Strafgericht ist die Verwaltungsbehörde nur dann gebunden, wenn diese stark von der
Würdigung von Tatsachen abhängt, die dem Strafgericht besser bekannt sind als der
Verwaltungsbehörde. Für den Betroffenen bedeutet dies auf der anderen Seite, dass er
nicht das Verwaltungsverfahren abwarten darf, um allfällige Rügen vorzubringen und
Beweisanträge zu stellen, sondern nach Treu und Glauben verpflichtet ist, dies bereits
im Rahmen des Strafverfahrens zu tun und allenfalls die nötigen Rechtsmittel zu
ergreifen (BGE 119 Ib 158 E. 2c/bb und 3c/bb; BGE 123 II 97 E. 3c/aa; Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission [VRKE] IV-2009/152 vom 27. Mai 2010, im Internet
abrufbar unter www.gerichte.sg.ch).
Massgeblich ist also der Sachverhalt, wie er im Strafverfahren festgestellt wurde. Nach
konstanter Rechtsprechung darf die Verwaltungsbehörde von den tatsächlichen
Feststellungen im Strafurteil nur dann abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und
ihrem Entscheid zu Grunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht
beachtet hat, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung zu einem anderen
Entscheid führt, wenn die Beweiswürdigung durch den Strafrichter den feststehenden
Tatsachen klar widerspricht, oder wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf
den Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat, namentlich die Verletzung
bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat (BGer 1C_476/2014 vom 29. Mai 2015
E. 2.3; BGE 124 II 103 E. 1c; VRKE IV-2012/126 vom 21. März 2013).
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Die Beteiligten schildern den Unfallablauf unterschiedlich. Der Rekurrent bekräftigt,
dass er nicht unvermittelt und brüsk abgebremst habe; der Lenker des aufgefahrenen
Fahrzeugs behauptet das Gegenteil. Der Rekurrent hatte also die Möglichkeit, sich zum
Vorfall zu äussern, was er auch tat. Anlässlich der Unfallaufnahme stellte die Polizei
Bremsspuren fest, welche dem Rekurrenten zugeordnet werden konnten. Die
verkehrstechnische Auswertung der Bremsspuren ergab, dass der Rekurrent brüsk
abgebremst haben muss. Es wurden im Vorfeld also umfassende Ermittlungen zur
Klärung des Sachverhalts getätigt. Der Rekurrent hätte auch die Möglichkeit gehabt,
Beweisanträge zu stellen; dies machte er aber nicht. Zudem hätte er Einsprache gegen
den Strafbefehl erheben können. Da er den Strafbefehl aber akzeptierte, ist dieser als
Urteil in Rechtskraft erwachsen. Weiter liegen weder neue Beweise vor, noch
widerspricht die Beweiswürdigung durch den Strafrichter feststehenden Tatsachen. Es
ist also auf den Sachverhalt abzustellen, der zur strafrechtlichen Verurteilung führte.
Daran ändert auch nichts, dass die Motorfahrzeughaftpflichtversicherung des
auffahrenden Lenkers die volle Schadenssumme bezahlte.
6.- Strittig ist weiter, ob eine mittelschwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften gemäss Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG vorliegt. Diesbezüglich
sind das Verschulden des Rekurrenten sowie die Gefährdung von Drittpersonen zu
prüfen.
a) Eine Verkehrsgefährdung liegt vor, wenn die körperliche Integrität einer Person
entweder konkret oder zumindest abstrakt gefährdet wurde. Im Recht der
Administrativmassnahmen wird dabei zwischen der einfachen und der erhöhten
abstrakten Gefährdung unterschieden. Erstere zieht keine Administrativmassnahmen
nach sich (vgl. Art. 16 Abs. 2 SVG). Von einem solchen Fall ist jedoch nur dann
auszugehen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten hätten
betroffen werden können. Führte dieses hingegen zu einer Verletzung eines Rechtsguts
oder einer konkreten bzw. einer erhöhten abstrakten Gefährdung der körperlichen
Integrität, hat dies eine Administrativmassnahme zur Folge (R. Schaffhauser, Die neuen
Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 181, Rz. 43 ff.). Innerhalb der erhöhten
abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je
näher die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung liegt, umso
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schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefahr (vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a). Eine konkrete
Gefahr liegt vor, wenn für einen bestimmten, tatsächlich daherkommenden
Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer des Täters die Gefahr einer Körperverletzung
oder gar Tötung bestand (Jürg Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos 1999,
S. 12). Zudem ist das Ausmass der üblicherweise entstehenden Schädigung bei Eintritt
der Rechtsgutverletzung zu berücksichtigen (vgl. VRKE IV-2011/113 vom
24. November 2011 E. 3b).
b) Die Staatsanwaltschaft sprach den Rekurrenten der einfachen
Verkehrsregelverletzung schuldig (Art. 90 Abs. 1 SVG). Art. 90 Abs. 1 SVG umfasst
administrativrechtlich die leichte (Art. 16a SVG) und die mittelschwere Widerhandlung
(Art. 16b SVG). Das straf- und das administrativrechtliche Sanktionensystem sind
insoweit nicht deckungsgleich (BGer 1C_259/2011 vom 27. September 2011 E. 3.4;
1C_282/2011 vom 27. September 2011 E. 2.4). Eine mittelschwere Widerhandlung
gemäss Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG setzt eine Verletzung der Verkehrsregeln sowie eine
Gefahr für die Sicherheit anderer voraus.
c) Art. 37 Abs. 1 SVG bestimmt, dass der Fahrer, der anhalten will, nach Möglichkeit
Rücksicht auf die nachfolgenden Fahrzeuge zu nehmen hat. Hierzu bestimmt Art. 12
Abs. 2 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV), dass brüskes
Bremsen und Halten nur gestattet ist, wenn kein Fahrzeug folgt oder im Notfall (BGE
115 IV 248 E. 2b). Diese Normen stellen wichtige Verkehrsregeln dar, deren
Missachtung ein erhebliches Risiko eines Auffahrunfalls schafft. Wer bei knappem
Abstand brüsk bremst, um das nachfolgende Fahrzeug seinerseits zu einem brüsken
Bremsen zu zwingen, geht bewusst das Risiko ein, dass dessen Lenker nicht
rechtzeitig oder falsch reagiert, und handelt somit subjektiv tatbestandsmässig sogar
im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG, was eine grobe Verletzung darstellen würde
(Weissenberger, a.a.O., N 4 zu Art. 37). Ein Notfall gemäss Art. 12 Abs. 2 VRV liegt nur
vor, wenn wegen äusserer Umstände oder verkehrsbedingt durch einen anderen
Verkehrsteilnehmer, eines plötzlich auf der Fahrbahn auftauchenden Hindernisses,
einer Verkehrsregelung (z.B. Baustelle) oder aus fahrzeugtechnischen Gründen
abgebremst werden muss (Weissenberger, a.a.O., N 5 zu Art. 37). Brüsk bremst, wer
"scharf" oder "einigermassen kräftig" auf die Bremse tritt (BGE 99 IV 100). Nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung wird jedoch bereits eine "mehr als nur
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unwesentliche Verzögerung" als brüsk gewertet (BGE 117 IV 504). Absolut verboten
sind Schikanestopps. Wer aus Schikane stark bremst, um etwa den soeben überholten
Fahrzeuglenker ebenfalls zu starkem Bremsen zu zwingen, verhält sich rücksichtslos
nach Art. 90 Abs. 2 SVG. Ein solcher Stopp bis zum Stillstand (oder nahezu), kann
sogar eine Nötigung gemäss Art. 181 des Strafgesetzbuches (SR 311.0, abgekürzt:
StGB) zum Nachteil des nachfolgenden Fahrzeuglenkers darstellen (Weissenberger,
a.a.O., N 8 zu Art. 37). Zu beachten gilt, dass brüskes Bremsen nur dann eine
Verletzung von Art. 37 Abs. 1 SVG darstellt, wenn dadurch andere Verkehrsteilnehmer
gefährdet werden (BGE 117 IV 504).
d) Die Vorinstanz hielt in tatsächlicher Hinsicht fest, dass der Rekurrent am 12. Juni
2014 auf der Martinsbruggstrasse infolge mangelnder Rücksichtnahme unvermittelt
brüsk abgebremst habe. Anschliessend sei es zu einem Unfall gekommen, da der
nachfolgende Fahrzeuglenker aufgrund des Abbremsens nicht mehr rechtzeitig habe
anhalten können und deshalb in das Heck des Rekurrenten gefahren sei. Im Lichte der
bundegerichtlichen Rechtsprechung ist deshalb von einer Gefährdung im Sinn einer
mittelschweren Widerhandlung gemäss Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG auszugehen. Der
Rekurrent rief durch die Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für sich selbst und
die Sicherheit anderer hervor, welche sich im Auffahrunfall verwirklichte. Die gemäss
Aussage des Rekurrenten vor ihm befindliche Fahrzeugkolonne stellte keine
Notfallsituation nach Art. 12 Abs. 2 VRV dar, weshalb kein Grund für ein unvermitteltes
brüskes Bremsen bestand. Der Rekurrent brachte sich selbst und andere
Verkehrsteilnehmer schuldhaft in eine gefährliche Situation.
7.- Die von der Vorinstanz verfügte Entzugsdauer entspricht der Mindestentzugsdauer
von vier Monaten gemäss Art. 16b Abs. 2 lit. b SVG. Denn dem Rekurrenten war in den
vorangegangenen zwei Jahren der Führerausweis bereits einmal wegen einer
mittelschweren Widerhandlung entzogen. Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung zu Art. 16 Abs. 3 SVG darf die Mindestentzugsdauer selbst bei einer
beruflichen Angewiesenheit des Betroffenen auf den Führerausweis und bei einem
ungetrübten automobilistischen Leumund – was beim Rekurrenten indessen nicht der
Fall ist – nicht unterschritten werden (vgl. BGE 132 II 234 E. 2.3 für einen selbstständig
erwerbenden Taxichauffeur). Die Entzugsdauer von vier Monaten ist demnach ebenfalls
nicht zu beanstanden.
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8.- Zusammenfassend ist der Rekurs abzuweisen. Dem Verfahrensausgang
entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122
der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist
zu verrechnen.