Decision ID: bf83a12d-a70c-5174-8d42-ff3e8b0106cf
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde am 1. Juli 2009 der IV-Stelle im Rahmen der Früherfassung durch
ihren Hausarzt Dr. med. C._, Facharzt für Innere Medizin FMH, gemeldet (IV-act. 1).
Dieser stellte als Diagnose einen Verdacht auf Fibromyalgie (IV-act. 2).
A.b Durch Mitteilung vom 20. August 2009 schloss die IV-Stelle die
Arbeitsvermittlung ab. Da sich die Versicherte subjektiv nicht in der Lage sehe, einer
geregelten Tätigkeit nachzugehen, seien berufliche Eingliederungsbemühungen nicht
erfolgsversprechend (IV-act. 29).
A.c Im Bericht vom 28. Oktober 2009 hielt Dr. med. D._, Radiologie FMH, u.a.
fest, dass sich im Vergleich zur Voruntersuchung vom 20. Februar 2009 ein
unverändert normaler Befund des Neurocraniums habe feststellen lassen und
insbesondere keine Hinweise auf posttraumatische Residuen bestünden. Im Bereich
der HWS zeige sich weiterhin eine regelrechte Darstellung der Bandscheiben ohne
Nachweis einer Diskushernie oder anderweitigen Neurokompression. Es bestünden
Spondylarthrosen vor allem C4/5 und C5/6 beidseits. Im Bereich der oberen BWS
würden leichtgradige Chondrosen mit ventralen Spondylosen sichtbar. Die Darstellung
von Spinalkanal und des Myelon sei regulär (IV-act. 30-11 f.).
A.d Am 31. Mai und 2. Juni 2010 wurde die Versicherte durch die MEDAS
Ostschweiz begutachtet. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielten
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die begutachtenden Ärzte ein diffuses chronisches unspezifisches
weichteilrheumatisches/myofasziales Schmerzsyndrom cervicocephal, pectoral und
panvertebral betont mit vielen vegetativen Begleitbeschwerden sowie eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung, einhergehend mit Existenzängsten, Verstimmungen und
furchtvollen Erwartungen fest. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter
aus, dass die Erwerbssituation nicht ganz durchsichtig sei; die Belastung dürfte
körperlich leicht bis möglicherweise kürzerzeitig mittelschwer sein. Auf Grund der
aufgeführten funktionellen Beschwerden sowie der psychischen Faktoren sei von einer
Einschränkung für solche Tätigkeiten von 20% auszugehen. Auch in adaptierten
Tätigkeiten schätzten sie die Arbeitsunfähigkeit auf 20% (Gutachten vom 5. August
2010; IV-act. 37-8 f.).
A.e Am 12. Januar 2011 fand durch die IV eine Abklärung der Verhältnisse an Ort
und Stelle statt. Anlässlich dieser gab die Versicherte an, sie würde im Gesundheitsfall
zu 100% erwerbstätig sein. Gestützt darauf empfahl der Abklärungsverantwortliche, die
Frage nach der heute wahrscheinlichen Qualifikation auszuklammern. Weil die
Versicherte auf Grund des Umstands, dass der Ehemann ihren bisherigen
Geschäftsbereich nun selber abdecken könne, und sie selber seit Mai 2007 nicht mehr
im Betrieb mitarbeite, erscheine die Einstufung als Erwerbstätige angezeigt. Da der
Einkommensvergleich unter Berücksichtigung des MEDAS-Gutachtens einen
Invaliditätsgrad von 20% ergebe, sei das Rentengesuch abzuweisen (IV-act. 43-12 f.).
A.f Mit Vorbescheid vom 28. Februar 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, den Anspruch auf Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 20%
abzuweisen (IV-act. 46). Mit Schreiben vom 5. April 2011 liess die Versicherte gegen
den Vorbescheid durch ihren Rechtsvertreter Einwand erheben mit dem Antrag, es
seien ergänzende Abklärungen durchzuführen. Der Rechtsvertreter gab an, er habe die
Rheumatologin der Versicherten gebeten, zur Diagnose der MEDAS und deren
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit Stellung zu nehmen. Nach Vorliegen des Berichts
werde sich zeigen, ob zusätzliche medizinische Abklärungen notwendig seien (IV-act.
53). Mit Schreiben vom 2. Mai 2011 informierte der Rechtsvertreter die IV-Stelle über
die Beendigung seines Mandats (IV-act. 55). Am 11. Mai 2011 verfügte die IV-Stelle die
Abweisung des Rentengesuchs. Nachdem keine weiteren neuen Unterlagen bei ihr
eingetroffen seien, halte sie an ihrem Vorbescheid fest (IV-act. 56).
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A.g Am 29. Mai 2012 reichte die Versicherte bei der IV-Stelle das Meldeformular zur
Früherfassung ein (IV-act. 57). Ihre neue Hausärztin Dr. med. E._, FMH
Anästhesiologie, diagnostizierte im Bericht vom 20. Juni 2012 einen Verdacht auf
Fibromyalgie, zusätzlich ein chronisches Wirbelsäulen-Syndrom und eine deutliche
Verschlechterung des Allgemeinzustands. Seit 4. November 2011 sei sie daher bei ihr
in ständiger Behandlung mit instabilen Verbesserungsansätzen. Da die Prognose im
Augenblick noch unklar sei, attestiere sie der Versicherten für diese Zeit eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit mit 100%iger Arbeitsleistungsunfähigkeit. Sie beantrage für die
Versicherte eine Invalidenrente von 60% Arbeitsunfähigkeit und 60%
Arbeitsleistungsunfähigkeit (IV-act. 67).
A.h RAD-Arzt Dr. med. F._ hielt dazu fest, dass die Hausärztin weder Befunde
noch Diagnosen nenne, noch Beschwerden beschreibe, die im Gutachten der MEDAS
vom 5. August 2010 nicht bereits berücksichtigt und für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit gewürdigt worden seien (IV-act. 69). Verglichen mit der
Referenzsituation vom „11. Mai 2012“ (wohl gemeint: Mai 2010) bzw. Zeitpunkt der
MEDAS-Abklärung habe sich der Gesundheitszustand der Versicherten nicht in einer
erheblichen Weise verändert. Damit seien die medizinischen Kriterien für eine
Plausibilisierung einer möglichen Verschlechterung nicht erfüllt (IV-act. 69).
A.i Mit Vorbescheid vom 12. Juli 2012 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, auf das neue Leistungsbegehren nicht einzutreten. Die Versicherte habe nicht
glaubhaft darlegen können, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten
Verfügung wesentlich verändert hätten (IV-act. 73).
A.j Dagegen erhob die Versicherte am 31. August 2012 Einwand. Sie machte
geltend, auf Grund einer seit 2012 vergrösserten Hirnzyste an Schwindel und
Gehörschmerzen zu leiden. Zudem sei auch eine Vergrösserung der Zysten (Tarlov
Zyste) im Rückenbereich aufgetreten. Dazu reichte sie zwei Berichte über ein MRI des
Neurocraniums nativ vom 6. Februar 2012 und ein MRI der Wirbelsäule nativ vom 19.
April 2012 ein (IV-act. 76). RAD-Arzt Dr. F._ befand dazu mit Stellungnahme vom 28.
September 2012, dass auf Grund der neuen Dokumente nicht ganz ausgeschlossen
werden könne, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten im Vergleich zur
Situation zum Zeitpunkt der MEDAS-Begutachtung im Juni 2010 verschlechtert habe.
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Ob diese Befunde seit der Begutachtung aber wirklich frisch aufgetreten seien und ob
sie die von der Versicherten beklagten Beschwerden verursachten, wäre durch einen
Vergleich der Aufnahmen durch einen Radiologen sowie eine neurologische
Untersuchung zu klären. Fürs erste gehe der RAD jedoch davon aus, dass die
Versicherte noch immer über eine über 50%ige Arbeitsfähigkeit verfüge (IV-act. 78).
A.k Nach erneuter Aufnahme von beruflichen Massnahmen äusserte die Versicherte
laut Assessmentprotokoll vom 31. Oktober 2012 den Wunsch, die beruflichen
Massnahmen abzuschliessen und die Rentenprüfung durchzuführen (IV-act. 84-3). Mit
Schreiben vom 29. November 2012 teilte die IV-Stelle ihr daher den Abschluss der
beruflichen Massnahmen mit (IV-act. 87).
A.l Im Bericht vom 19. Dezember 2012 attestierte die Hausärztin Dr. E._ der Ver
sicherten eine Arbeitsunfähigkeit von 100%. Die Versicherte leide unter chronischen
Schmerzzuständen mit rheumapositiven Faktoren. Zusätzlich bestehe eine
Autoimmunerkrankung der Schilddrüse und eine reaktive Depression mittleren Grades
(IV-act. 95). Dr. F._ forderte in der Folge weitere Auskünfte ein (IV-act. 96). Darauf
antwortete Dr. E._ im Schreiben vom 24. April 2013, die Versicherte leide unter
chronischer Müdigkeit und Depression, welche immer wieder zur Verstärkung des
Schmerzsyndroms führten. Auch klage die Versicherte über Beinschmerzen. Sie habe
sich aber nicht in neurologischer Behandlung befunden (IV-act. 100). Dr. F._ folgerte
daraus in der Stellungnahme vom 14. Mai 2013, dass entgegen der ursprünglichen auf
Grund der ungenau beschriebenen Diagnosen und Befunde entstandenen Vermutung,
der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich im Vergleich zur Referenzsituation
im Jahr 2010 erheblich geändert, nach wie vor auf die Einschätzung der MEDAS-
Gutachter vom 5. August 2010 abgestellt werden könne (IV-act.101).
A.m Mit Vorbescheid vom 21. Mai 2013 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, das neue Leistungsbegehren abzuweisen (IV-act.104). Dagegen erhob die
Versicherte am 21. Juni 2013 Einwand. Zur Begründung führte sie verschiedene
Diagnosen auf, welche auf die Unfälle zurückzuführen seien, die sie vor 30 Jahren
erlitten habe. Zudem reichte sie einen Bericht des Radiologiedepartements des Spitals
G._ vom 17. Juni 2013 betreffend MR LWS nativ vom gleichen Tag ein (IV-act.105).
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A.n Mit Verfügung vom 25. Juni 2013 wies die IV-Stelle den Einwand im Sinne des
Vorbescheids ab. Sie begründete dies damit, es würden keine neuen Tatsachen
bekannt gegeben, welche eine Änderung des Entscheids rechtfertigen würden. Der
subjektiven Wahrnehmung der Versicherten würden keine objektivierbaren
arbeitsfähigkeitsrelevanten Befunde zu Grunde liegen (IV-act. 106).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 5. Juli 2013
(Poststempel: 6. Juli 2013) mit dem sinngemässen Antrag auf deren Aufhebung und
Rückweisung zur Konsultation bei einem Vertrauensarzt der Beschwerdegegnerin. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin führte aus, dass sich ihr Krankheitszustand in
den letzten Jahren massiv verschlimmert habe und ihre Depressionen ein soziales
Leben verunmöglichen würden. Demgegenüber sei die Verfügung ergangen, ohne dass
auf die Beschwerdeführerin medizinisch und/oder psychologisch eingegangen worden
sei (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 26. September 2013 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Da es sich um eine Neuprüfung
eines Rentenanspruchs nach rechtskräftiger Rentenablehnung handle und sich im
Rahmen der Abklärungen keine erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse in
gesundheitlicher Hinsicht ergeben habe, bestehe kein Anlass zur Durchführung eines
neuen Einkommensvergleichs (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 25. Oktober 2013 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen fest. In der Beilage reichte sie einen Bericht von Dr. E._ vom 15. Oktober
2013 ein, welcher u.a. auf ein rheumatoformes Geschehen hinwies (act. G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet
(act. G 8).

Erwägungen
1.
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1.1 Vorliegend ist streitig und zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf
eine Rente der Invalidenversicherung hat.
1.2 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für
einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG
durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen)
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60%
invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf
eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.4 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den
Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das
Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es,
den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist
(BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen
und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige
Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten (BGE 125 V 351 E. 3a).
2.
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2.1 Vorab ist die Frage zu beantworten, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
2.2 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung in
medizinischer Hinsicht einerseits auf das MEDAS-Gutachten aus dem Jahr 2010 und
andererseits auf die Beurteilung ihres RAD-Arztes Dr. F._ vom Mai 2013. Dr. med.
H._, Eidg. Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt im psychiatrischen
Consiliargutachten vom 16. Juni 2010 fest, die Beschwerdeführerin verneine vehement
das Vorliegen von psychischen Leiden. Sie bespreche Probleme mit den Freundinnen
oder der Familie. Im Affekt wirke sie aufgestellt und sei durchaus modulationsfähig. Der
affektive Rapport lasse sich gut herstellen, der Antrieb sei angehoben.
Psychomotorisch sei sie äusserlich unruhig. Suizidgedanken würden verneint. Gestützt
auf die HAD (Hospital Anxiety and Depression)-Skala könne eine Angststörung bei 4
von maximal 21 Punkten ausgeschlossen werden. Die in der Symptomgruppe
Depression erzielten 9 Punkte würden sich im Grenzbereich für den Verdacht auf eine
depressive Störung bewegen. Doch die meisten angegebenen depressiven Symptome
(wie Konzentrationsschwierigkeiten, Freudlosigkeit) könnten nicht objektiviert werden.
Die Kriterien zur Diagnosestellung einer Angst und/oder depressiven Störung nach der
ICD-10-Klassifikation würden nicht erfüllt. Gestützt auf seine Begutachtung befand Dr.
H._, da sich die von der Beschwerdeführerin angegebenen Schmerzen durch
physiologische Prozesse oder eine körperliche Störung nicht vollständig erklären
liessen, es sich aus psychiatrischer Sicht dabei um eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F34.3) handle, einhergehend mit Existenzängsten (wegen
ihres Gesundheitszustands und des Ehemanns sowie finanziellen Sorgen),
Verstimmungen und zum Teil furchtvollen Erwartungen in Bezug auf vorhandene
Krankheiten wie Hypertonie und Diabetes, welche jedoch klinisch kompensiert seien.
Die Tendenz zur dramatischen Darstellung der Beschwerden könne einerseits kulturell
bedingt, andererseits aber auch auf akzentuierte histrionische Züge in der
Persönlichkeitsstruktur (ICD-10: Z73.1) zurückzuführen sein. Aus psychiatrischer Sicht
bestehe keine Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und
Dauer. Zwar bestünden chronische körperliche Begleiterkrankungen, welche aus
somatischer Sicht - wie in der interdisziplinären Besprechung vom 3. Juni 2010
festgehalten worden sei - nicht gravierend seien, jedoch die Beschwerdeführerin
beunruhigten. Zudem seien ihre Behandlungsergebnisse für sie unbefriedigend. Die
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Färbung durch ein eigenes, kulturell bedingtes Krankheitskonzept lasse sich hier nur
erahnen. Auf Grund der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung mit
zugrundeliegenden akzentuierten histrionischen Zügen und bei chronischen
körperlichen Begleiterkrankungen liege eine Arbeitsunfähigkeit von 20% für körperlich
adaptierte Tätigkeiten vor (IV-act. 37-15 ff.). Im Gesamtgutachten vom 5. August 2010
diagnostizierten die MEDAS-Gutachter mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in
somatischer Hinsicht ein diffuses chronisches unspezifisches weichteilrheumatisches/
myofasziales Schmerz-syndrom cervicocephal, pectoral und panvertebral betont mit
vielen vegetativen Begleitbeschwerden. Auf Grund der aufgeführten funktionellen
Beschwerden sowie der psychischen Faktoren werde die Einschränkung gesamthaft
auf 20% geschätzt. Die Arbeitsprognose dürfte eher ungünstig sein. Es würden dabei
auch viele soziale, IV-rechtlich invaliditätsfremde Faktoren eine Rolle spielen. Darunter
fielen eine Emigrationsproblematik, fehlende Berufsbildung, das Alter, familiäre
Faktoren sowie subjektive Krankheitsüberzeugungen (IV-act. 37-9 f.). Nach RAD-Arzt
Dr. med. I._ war das Gutachten in sich widerspruchsfrei und plausibel
nachvollziehbar (IV-act. 38). Es führte zu der rentenabweisenden Verfügung vom 11.
Mai 2011, die unangefochten rechtskräftig wurde. Umstritten ist, ob seither eine
relevante Verschlechterung eingetreten ist (vgl. IV-act. 37-17).
2.3 Gemäss dem MRI des Neurocraniums nativ vom 6. Februar 2012 wurden
unauffällige intrakranielle Verhältnisse und eine regelrechte Darstellung der Mark-
Rinden-Struktur der Grosshirnhemisphären festgestellt. Pons, Kleinhirn- und
Hirnstamm waren regelrecht. Es ergab sich kein Hinweis auf Herdbefunde oder
Marklagerläsionen und keine Ödemreaktionen. Die inneren und äusseren Liquorräume
waren regelrecht weit. Es zeigten sich Subarachnoidalzysten im Bereich der hinteren
Schädelgrube links mit 1.3 cm Durchmesser ventral der Kleinhirnhemisphäre links.
Auch hier lagen blande Verhältnisse vor. Zum sicheren Ausschluss muskulärer
Veränderungen empfahl der leitende Arzt Radiologie des Spital G._, Dr. med. J._,
ergänzend die Durchführung eines MR der Halsweichteile (IV-act. 76-3). Am 19. April
2012 wurde ein MRI der Wirbelsäule (Clivus-SWK5) gemacht. Es zeigte eine
Bandscheibenhernie auf Höhe LWK 4/5 mit rezessaler Einengung und konsekutiver
Kompression der Nervenwurzeln L5 beidseits, links ausgeprägter als rechts. Im
Übrigen stellte sich die Wirbelsäule altersentsprechend dar mit leichtgradigen
degenerativen Veränderungen und Osteochondrosen, ohne weitere komprimierende
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Bandscheibenhernien. Als Nebenbefund wurden mehrere Wurzeltaschenzysten entlang
der Nervenwurzel L5-S3 rechts und eine grosse Tarlov-Zyste in der Mittellinie auf Höhe
SWK2 entdeckt (IV-act. 76-2).
2.4 Gestützt auf diese Berichte hielt RAD-Arzt Dr. F._ am 28. September 2012
fest, dass diese morphologischen Phänomene sowie eine beidseitige Kompression der
Nervenwurzeln L5 gestützt auf einen Vergleich mit den schriftlichen Befunden der MRI-
Aufnahmen von 2008 (LWS) und von 2009 (Neurocranium), in den Aufnahmen von 2012
erstmals beschrieben würden. Ob diese Befunde jedoch nach der Begutachtung von
Juni 2010 wirklich frisch aufgetreten seien, lasse sich erst aussagen, wenn ein
Radiologe oder ein Neurologe die besagten Aufnahmen miteinander vergleiche. Auch
die Frage, ob die Befunde die von der Beschwerdeführerin beklagten Beschwerden
auch wirklich verursachten, lasse sich nur durch eine neurologische Untersuchung
endgültig klären. Aus Sicht des RAD könne diesbezüglich aber jetzt schon folgende
Aussage gemacht werden: Bei der Subarachnoidalzyste handle es sich wahrscheinlich
um einen alten, zufällig entdeckten Befund und nicht um eine potentiell
problematischere, erworbene Formation. Wenn die für die Beurteilung zuständige
Radiologin (richtig: der Radiologe J._) schreibe, es lägen blande Verhältnisse vor,
dann schliesse sie bzw. er eine Raumforderung mit konsekutiven Symptomen aus.
Somit stehe für den RAD mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass die von der
Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden wie Schwindel und „Gehörschmerzen“
nicht auf die Subarachnoidalzyste zurückzuführen seien. Auch die Tarlovzyste
provoziere, da in der Mittellinie auf Höhe SWK2 lokalisiert, ebenfalls mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit keine zusätzlichen Rückenschmerzen. Einzig die im Segment L4/5
beschriebene, circumferenzielle Bandscheibenhernie mit relativer
Spinalkanaleinengung sowie mit recessaler Einengung und konsekutiver Kompression
beider Nervenwurzeln L5 könne zu zusätzlichen, radikulären, d.h. in beide Beine
ausstrahlenden Schmerzen führen. Sofern die Beschwerdeführerin solche Schmerzen
beklage - was sie in ihrem Einwand nicht getan habe -, dann müsse sie zur Klärung
dieser Problematik einer klinisch-neurologischen und elektrophysiologischen
Untersuchung zugeführt werden (IV-act. 78). Bezugnehmend auf den Fragekatalog von
Dr. F._ vom 29. Januar 2013 antwortete Dr. E._ am 24. April 2013, dass die
Beschwerdeführerin über Beinschmerzen im gesamten Beinbereich, vermehrt aber in
den muskulären Anteilen, klage. Die Muskeleigenreflexe seien vermindert. Das
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Gangbild sei massiv vom Normalbefund abweichend. Sensibilitätsstörungen im Sinne
einer Polyneuropathie seien vorhanden, besonders in den Unterschenkeln und in den
Füssen. Bei den von der Beschwerdeführerin in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit
geklagten Beschwerden handle es sich um eine chronische Müdigkeit und Depression,
die immer wieder zur Verstärkung des Schmerzsyndroms führten (IV-act. 100-2). Hierzu
führte Dr. F._ am 14. Mai 2013 aus, dass die Hausärztin auf das nachgefragte und
von ihr im letzten Bericht erstmals aufgeworfene Schilddrüsenleiden im neuesten
Bericht mit keinem Wort mehr eingehe. Somit könne davon ausgegangen werden, dass
sich dieser Gesundheitsschaden inzwischen „in Luft aufgelöst“ habe. Was die L5-
Kompression anbelange, gestatteten weder die diffusen Beinschmerzen noch die von
der Hausärztin beschriebenen, neurologischen Befunde eine segmentale Zuordnung.
Vielmehr sei weiterhin anzunehmen, dass diese längst chronifizierten Schmerzen als
Ausdruck der längst bekannten Fibromyalgie zu interpretieren seien. Auch ohne weitere
medizinische Abklärungen gelange man somit zur Schlussfolgerung, dass sowohl
hinsichtlich des Gesundheitszustands als auch hinsichtlich der daraus resultierenden
Arbeitsfähigkeit nach wie vor auf die Einschätzung im MEDAS-Gutachten abzustellen
sei (IV-act. 101). Eine Überprüfung bzw. ein Vergleich der neueren Bilder mit den
älteren aus dem Jahr 2010 durch Spezialisten der Radiologie und Neurologie, wie von
Dr. F._ für eine „endgültige Klärung“ als notwendig erachtet worden war (vgl. IV-
act. 78), unterblieb jedoch. Auch das am 17. Juni 2013 im Spital G._ aufgenommene
MR LWS blieb von der Beschwerdegegnerin unberücksichtigt (IV-act. 105-2). Gemäss
den Ausführungen der Chefärztin Radiologie, Dr. med. K._, zeigen die Bilder
immerhin im Vergleich zum Vor-MRI von April 2012 eine leichte Progredienz einer
breitbasigen links mediolateral betonten Bandscheibenhernie in Höhe L4/5. Zudem
ergab sich eine leichte Zunahme der Spondylarthrose und Ligamentum-flavum-
Hypertrophie, ebenfalls linksbetont, mit Einengung des Recessus lateralis. Im
Recessus lateralis zeigte sich eine mögliche Kompression der linken L5-Wurzel und
durch eine geringe Foramenstenose eine Affektion der austretenden L4-Wurzel mit
möglicher Wurzelirritation. Eine eindeutige Wurzelkompression war zwar nicht
auszumachen und auch rechtsseitig war kein Anhalt für eine Wurzelkompression
gegeben (IV-act.105-2).
2.5 Auf Grund der offensichtlich veränderten Verhältnisse hätten weitere
Abklärungen getätigt werden müssen. Einzig die theoretischen Ausführungen bzw. die
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Deutung des Bildmaterials von 2012 durch den RAD-Arzt in der Stellungnahme vom
28. September 2012 reichen für einen definitiven Ausschluss einer gesundheitlichen
Verschlechterung nicht aus. Dass die Hausärztin zudem offenbar darauf verzichtete,
die Beschwerdeführerin neurologisch abklären zu lassen (vgl. IV-act. 100-2), hätte die
Beschwerdegegnerin nicht einfach zu Lasten der Beschwerdeführerin auslegen dürfen.
2.6 Die Beschwerdeführerin macht schliesslich erstmals in der Replik geltend, in
Behandlung bei Dr. L._, psychiatrische Dienste M._, zu stehen. Dass diese - wie
geltend gemacht wird - seit „geraumer Zeit“ bestehende psychiatrische Begleitung von
der Hausärztin und der Beschwerdeführerin selber nie erwähnt wurde, lässt
möglicherweise nicht auf eine hohe Behandlungsfrequenz schliessen. Dennoch muss
diesem Hinweis ebenfalls nachgegangen und auch in psychiatrischer Hinsicht der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Verlauf abgeklärt werden. Dies umso
mehr, als die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Überwindbarkeit einer
somatoformen Schmerzstörung inzwischen aufgegeben wurde (Urteil des
Bundesgerichts vom 3. Juni 2015, 9C_492/2014).
2.7 Gestützt auf die obigen Ausführungen ist auf Grund der vorliegenden Akten
nicht schlüssig und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass weiterhin vom
selben Gesundheitszustand ausgegangen werden kann, wie er sich zur Zeit der
MEDAS-Begutachtung im Mai/Juni 2010 präsentierte. Damit erweist sich der
Sachverhalt als unzureichend abgeklärt. Daher ist die Sache an die
Beschwerdegegnerin zur Vornahme eines polydisziplinären, d.h. insbesondere eines
rheumatologischen, neurologischen und psychiatrischen, Administrativgutachtens
zurückzuweisen.
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 25. Juni 2013 in
Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache ist zur weiteren Abklärung im
Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
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Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin
zurückzuerstatten.