Decision ID: 1588d1f2-2922-462d-9801-9ef5976964fc
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1957, war von
1.
April 1986 bis 3
0.
September 2012 bei
Y._
als Schlosser tätig, wobei der letzte Arbeitstag am
2
3.
Dezember 2011
war (
Urk.
7/34
).
Nach erfolgter Früherfassung am 1
4.
März 2012 (vgl.
Urk.
7/2) meldete sich der Versicherte
am
5.
April 2012
bei der Inva
liden
versicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/15
). Die Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerb
l
iche Situation ab, zog Akten des
Unfall- und Krankenversicherers
bei (
Urk.
7/11-12;
Urk.
7/32,
Urk.
7/42
) und holte
e
in
psychiatrisches
Gutachten ein, das am
2
2.
Mai 2014
erstattet wurde (
Urk.
7/47
).
Nach durchgeführt
em
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/51
;
Urk.
7/65,
Urk.
7/70
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
8.
September 2016
einen Renten
anspruch (
Urk.
7/80
=
Urk.
2)
.
2.
Der
Versicherte erhob am
2
6.
September 2016
Beschwerde gegen die Verfügung vom
8.
September 2016
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
en
ihm
die gesetzlich geschuldeten Leistungen
zuzuspr
echen, eventuell seien ergänzende medizinische Abklärungen anzuordnen
(
Urk.
1 S. 2
oben
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1.
November 2016
(
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
7.
No
vember
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine
Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die ver
sicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung
der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE
141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl.
Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
tels
rente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
ak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi
nischen Zusammenhänge
und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
leuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf
die medizinischen Abklärungen davon aus, bei psychischen Leiden, welche aufgrund äussere
r
Umstände (z.B. Kündigung langjähriger Arbeitsstelle) ent
standen seien, könne davon ausgegangen werden, dass diese bei zumutbarer Veränderung verschwinden würden. Es fehle diesen Leiden a
m
Charakter der Dauerhaftigkeit uns seien an sich nicht als invalidisierend zu betrachten (S. 2 oben).
Gemäss Gutachten sei beim Beschwerdeführer eine reaktive
schwergra
dige
Depression festgestellt worden. Diese sei gemäss den gesetzlichen Bestimmungen nicht als längerdauernd anzusehen. Sie seien definitionsgemäss vorübergehende Leiden und dauern im Mittel etwa sechs bis zwölf Monate (S. 2 Mitte). Mit der Diagnose einer depressiven Episode sei kein langandauernder Gesundheitsschaden ausgewiesen, denn Episoden seien definitionsgemäss vorübergehende Leiden. Ausserdem werde noch eine Agoraphobie ausgewiesen. Diese Diagnose liege häufig vor bei einer gegenwärtigen oder zurückliegenden depressiven Episode. So sei in diesem Fall davon auszugehen, dass es bei Weg
fall der depressiven Episode zu einer Verbesserung des Beschwerdebildes kommen würde (S. 2 Mitte). Die Arbeitsunfähigkeit sei auf die psychosozialen Belastungsfaktoren zurückzuführen
. Aufgrund der tiefen Behandlungsintensität sei zudem von keiner adäquaten Therapie auszugehen (S. 2 unten).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer im Wesentlichen
auf den Stand
punkt (
Urk.
1),
auf die Arztberichte von
Dr.
Z._
,
Dr.
A._
sowie
Dr.
B._
könne abgestellt werden. Es handle sich um ausgewiesene
Fach
ärzte, welche ihn seit längerer Zeit behandeln
würden
und am besten die gesundheitliche Situation beurteilen kö
nnen. Die Arbeitsfähigkeit sei sowohl in der angestammten als auch in einer leidensangepassten Tätigkeit verneint wor
den. Die Arztberichte seien nachvollziehbar, klar und begründet. Folglich könne auf sie abgestellt werden (S. 8 oben). Auf das psychiatrische Gutachten von
Dr.
C._
könne in psychiatrischer Hinsicht abgestellt werden. Er habe eine reaktive
schwergradige
Depression diagnostiziert und erklärt, dass er weder in der freien Wirtschaft noch auf dem sekundären Arbeitsmarkt eine Tätigkeit ausüben könne.
Die Arbeitsfähigkeit sei in der bisherigen als auch in einer leidensangepassten Tätigkeit verneint worden (S. 8 Mitte). Sowohl
Dr.
D._
als auch
Dr.
E._
des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) würden nicht über die notwendigen Facharzttitel verfügen, um eine - den Fachärzten entge
gengesetzte - Beurteilung vornehmen zu können (S. 8 unten f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
die Arbeitsfähigkeit
des
Beschwerdeführer
s
und ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen invalidisierenden Gesundheitsschaden ver
neint hat.
3.
3.1
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte im Gutachten vom 2
2.
Mai 2014 (
Urk.
7/47) als Diagnosen (S. 9
Ziff.
8.1) eine reaktive
schwergradige
Depression (ICD-10 F32.2) sowie eine chronische Schmerzerkrankung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41).
Dazu führte er aus, b
ei in der Bildgebung eindeutig nach
ge
wiesenen degenerativen Schäden des Achsenskeletts (Segmentdege
neration L2/3 bis L5/S1 mit Spondylarthrose L4/L5 bei Skoliose lumbal) stell
e
sich die Frage nach der Angemessenheit der angegebenen Schmerzen. Gener
ell bestehe gerade bei degenera
tiven Schäden des Bewegungsapparates bekanntlich nur eine schwache
Korrelation zwischen radiologisch erhobenen Befunden und subjekti
ver Schmerzsymptomatik
beziehungsweise daraus resultierenden Funk
tionsein
bussen
.
Anlässlich der stationären Rehabilitation
von
November bis Dezember
2
012
seien
"eindeutige psychosomatische Symptome der chronischen Schmerz
erkrankung" festgestellt
worden
. Auffallend
sei
zudem, dass
der Beschwerde
führer
, vor der Kündigung trotz chronischer Rücken
schmerzen nur selten der Arbeit
fern
geblieben
sei
, nach der Kündigung und der - vermutlich reaktive
n - depressi
ven Entwicklung hin
gegen durch die Schmer
zen subjektiv erheblich ein
geschränkt
sei
. Insofern tr
e
ff
e
die durch die Integrierte Psychiatrie Winterthur gestellte Diagnose einer chronisch
en Schmerzerkrankung mit soma
ti
s
c
hen und psychisch
en Faktoren (ICD-10: F45.41) zu (S. 8 oben).
Aufgrund der berichteten Symptome (deprimierte Stimmung,
Anhedonie
, Grübeln, Ein- und Durchschlafprobleme, Suizidge
danken, sozialer Rückzug) und der zu beobach
teten Nervosität und inneren Unruhe
sei
eine mittel- bis
schwergradige
depres
sive Episode (
ICD-10
F32.1/2) zu diagnostizieren. In diesem Zusammenhang
sei
zu erwähnen, dass die in der Begutachtungssituation zu beobachtende motori
sche Unruhe mit häufigem Aufstehen mehr der depressiven Symptomatik als den Schmerzen geschuldet
gewesen schien (S. 8 Mitte)
.
Die psychopharmakologische Behandlung mit
Venlafaxin
225 mg und
Zyprexa
7.5 mg wäre als lege
artis
und adäquat anzusehen, sofern eine regelmässige Einnahme
vorliegen würde
. Dies schein
e
jedoch nicht der Fall zu sein. Nach Einnahme von
Venlafaxin
in der
Retardform
würden
maximale Plasma
kon
zentrationen nach
zirka
6 Stunden für
Venlafaxin
und nach
zirka
8
.
8 Stunden für den Hauptmetaboliten 0-Desmethylvenlafaxin beschrieben. Die E
l
imina
tions
halbwertszeit
betrage
zirka
5
Stunden
für
Venlafaxin
11
Stunden
für den Haupt
metaboliten. Beim
Beschwerdeführer
sei
die Plasmakonzentration
von
Venlafa
xin
sehr tief
gewesen
, deutlich unterhalb des therapeutischen Bereichs, während die Konzentration des
Hauptmetaboliten als regelrecht anzusehen
sei
. Hätte
der Beschwerdeführer
gemäss des Verordnungsschemas in der Früh
Venlafaxin
genommen gehabt, wäre eine höhere Plasmakonzentration zu erwarten
gewesen. Mögli
cherweise
nehme
er die Präparate also unregelmässig.
Auch die
Olanzapinspiegel
würden
nicht dem
entsprechen
, was man bei einer regelmässigen und verordnungskonfo
rm
en Einnahme erwarten würde, insbe
sondere
sei
die Konzentration des aktiven Metaboliten
Desmethylolanzapin
(der aller
dings geringe bis keine pharmakologische Wirkung haben soll) unter der Nach
weisgrenze.
Da
Venlafaxin
und Olanzapin vom
Beschwerdeführer zwar eingenommen
aber sehr w
ahrschein
lich nicht in der verordneten Art und Weise
ein
genommen würden
, könnte die Abgabe in individuellen, durch eine Apo
the
ke
bereitgestellten Wochenbliste
rn
, hilfreich sein
(S. 8 unten)
.
Entsprechend der vom
Beschwerdeführer
angegeben
en
und der in der U
nter
suchung beobachteten Sympto
matik sowie der rapportierten A
l
ltags
situation (er verbringe seine Zeit liegend zu Hause, unterbrochen durch ku
rze, bis zu 10
minütige Spaziergänge
zirka
alle 2 Stunden; er gehe keinerlei Aktivitäten im Haushalt nach)
sei
von einer fortgeschrittenen Selbstlimitierung und
Dekondi
tionierung
auszugehen
(S. 8 unten)
.
Neben der psychischen und somatischen
beziehungsweise
somatoformen Krankheitssymptomatik
bestünden
psycho
sozi
ale Faktoren (Migrationshintergrund mit vergleichsweise schlechten Deutsch
kenntnissen, fehlende Berufsausbildung, geringe Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt), welche die Krankheitsentstehung begünstigt
hätten
und die Chronifizierung aufrechterhalte.
Selbst mit einer angepassten (
das heisst
weder körperlich noch geistig anspruchsvollen) Tätigkeit auf dem sekundären Arbeitsmarkt wäre der Explorand zum gegenwärtigen Zeitpunkt überfordert. Damit sich
der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers
, und damit
gegebe
nenfalls
in weiterer Folge auch die Arbeitsfähigkeit, verbessern
könne
, wäre in einem ersten Schritt eine Tagesstrukturierung mit Aufbau positiver Aktivitäten,
zum Beispiel
im Setting einer sozialpsychiatrischen
Tagesklinik, nötig und sinn
voll.
Dr.
C._
kam zum Schluss, i
n der bisherigen Tätigkeit, die, ohne entspre
chende Berufsausbildung, der Funktion eines Metallbauschlossers ent
sprochen habe, besteh
e
eine 100%ige Arbeitsun
fä
higkeit
(S. 9
Ziff.
8.2)
.
Auch in einer angepassten Tätigkeit
sei
im derzeitigen Zustand des
Beschwerdeführers
, der durch eine gegenseitige Aufrechterhaltung und Verstärkung von psychi
schen und somatischen/somatoformen Symptomen gekennzeichnet
sei
, weder in der freien Wirtschaft noch auf dem sekundären Arbeitsmarkt eine Tätigkeit vorstellbar
(S. 9
Ziff.
8.3)
.
Beim Beschwerdeführer würden
mehrere prognostisch ungünstige Faktoren vor
liegen. Dazu würden
der mittlerweile 2
.5
-jährige chronifizierende Verlauf
gehören
, familiäre psychosoz
ia
le Belastungen (Steinleiden der Ehefrau, die ebenfalls nicht arbeitstätig
sei
sowie die 30
-
jährige, im gleichen Haushalt lebende, geistig und körperlich behinderte Tochter) und schliesslich der
bildungsferne
Migrationshintergrund mit m
ä
ssiger Beh
errschung der deutschen Sprache. Weiter sei festzuhalten, dass die psychiatrischen Behandlungsmöglich
keiten nicht ausgeschöpft seien (S. 10
Ziff.
8.8).
Der gegenwärtige Gesundheits
zustand
des Beschwerdeführers
und die daraus sich ergebende 100%ige
Arbeits
unfähigkeit sei
durch eine gegenseitige Aufrechterhaltung und Verstär
kung von psychischen und somati
schen/somatoformen Symptomen gekennzeichnet. Begünstigt
worden seien
Krankheitsentstehung wie auch -aufrechterhaltung durch ungünstige psychosoziale Faktoren (Migrationshintergrund mit ver
gleichsweise schlechten Deutschkenntnissen, fehlende Berufsausbildung, schlechte Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt).
Hinweise auf eine Suchter
krankung hätten sich keine ergeben (S. 10
Ziff.
8.9). Es bestehe
keine Restar
beitsfähigkeit, weder in der freien Wirtschaft noch auf dem sekundären Arbeitsmarkt (S. 10
Ziff.
8.10).
3.2
Die Ärzte der
F._
berichteten am
2
2.
September 2015 (
Urk.
7/67) von eine
m
gering verschlechterten Gesundheits
zustand (
Ziff.
1.1) und nannten als Diagnosen eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2) seit Juni 2012, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) seit Juni 2012 sowie eine Agora
phobie ohne Panikattacken (ICD-10 F40.00) seit September 2014 (
Ziff.
1.2). Dazu führten sie aus, der Beschwerdeführer habe keinerlei Ressourcen für eine berufliche Tätigkeit (
Ziff.
2). Weder die bisherige noch eine angepasste Tätigkeit sei möglich (
Ziff.
2.1).
Dabei seien die „Planung und Strukturierung von Aufga
ben“, die „Flexibilität und Umstellung“, die „Anwendung von fachlicher Kom
petenz“, die „Durchhalte- und Selbstbehauptungsfähigkeit“, die „Gruppenfähig
keit“, die „Kontaktfähigkeit zu Dritten“, die „Spontan-Aktivitäten“, die „
Benutzng
öffentlicher Verkehrsmittel“ und die „Fahrtauglichkeit“ schwer ein
geschränkt. Die „Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit“ und die „Selbstpflege“ seien mittel und die „Anpassung an Regeln und Routinen“ sei leicht einge
schränkt. Im Weiteren seien die „Konzentration“, die „Merkfähigkeit“, die „Belastbarkeit im Alltag und im Beruf“ schwer und die Auffassung mittel eingeschränkt (
Ziff.
2.3).
Hinsichtlich Prognose führte
n
die Ärzte aus, nach nun
mehr dreijähriger Behandlungszeit in der Psychiatrischen Poliklinik ohne Ver
änderung des Zustandsbildes sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwer
deführer in absehbarer Zeit in eine Berufstätigkeit eingegliedert werden könne (
Ziff.
3.3).
3.3
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte im Bericht vom 2
1.
Oktober 2015 (
Urk.
7/68/4-5) aus, er sehe den Beschwerde
führer sporadisch wegen
lumbospondylogenen
Schmerzen. Klinisch stehe mög
licherweise die bestehende Depression im Vordergrund.
Der Beschwerdeführer sei diesbezüglich weiterhin am
F._
in Behandlung. In der Sprechstunde sei der Beschwerdeführer durchwegs sehr niedergeschlagen, weine häufig, hadere mit dem Schicksal und klage über Schmerzen am Rücken und in
guinal (
Ziff.
1.3). Er denke, dass eine leichte Tätigkeit durchaus ausgeführt werden könnte, aber nicht im Sinne einer Erwerbstätigkeit sondern eher im Rahmen einer Therapie. Der Beschwerdeführer sei nicht arbeitsfähig (
Ziff.
2.1). Es sei keine massgebende Verbesserung des Zustandes zu erwarten (
Ziff.
3.3).
3.4
Am 1
1.
August 2016 (
Urk.
7/76/4-6) berichteten die Ärzte
des
F._
von einem stationären Gesundheitszustand (
Ziff.
1.1). Es
finde
alle vier Wochen eine psychiatrisch-psychotherapeutische Sitzung statt. Eine häufigere Frequenz sei für den Beschwerdeführer psychisch zu belastend (
Ziff.
3.1)
.
4.
4.1
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens durch die Sozialversicherung recht
mässig eingeholten Gutachten ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht kon
krete Indizien gegen deren Zuverlässigkeit sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/
bb
).
4.2
Für die Beurteilung in medizinischer Hinsicht ist vorliegend auf das
psychiatri
sche
Gutachten
von
Dr.
C._
(vorstehend E.
3.1
) abzustellen. Das Gut
achten berücksichtigt die
vom Beschwerdeführer
geklagten Beschwerden in angemessener Weise, wurde in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet und trägt der konkreten medizinischen Situation Rechnung. Die Beurteilung leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein und die vorgenommenen Schlussfolgerungen werden ausführlich begründet (vgl. vorstehend E. 1.
4
).
Der
Gutachter kam dabei
zum Schluss, dass
aufgrund
de
s
Zustand
s
des Beschwerdeführers, welcher durch eine gegenseitige Aufrecht
erhaltung und Verstärkung von psychischen und somatischen/somatoformen Symptomen gekennzeichnet sei, weder in der freien Wirtschaft noch auf dem sekundären Arbeitsmarkt eine Tätigkeit vorstellbar sei
.
4.3
Inwieweit aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit anzunehmen oder zu verneinen sei, wurde
im psychiatrischen Gutachten
sodann einlässlich erörtert (vorstehend E.
3.1
). Die dem
Gutachten
zu ent
nehmende Begründung vermag den Anforderungen auch der neuen Rechtspre
chung zu genügen, die verlangt, dass das funktionelle Leistungs
vermögen anhand einer Reihe von Standardindikatoren (Ausprägung der diagnoserele
vanten Befunde, Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
resistenz
, Komorbi
ditäten, persönliche Ressourcen, sozialer Kontext, Konsistenz auf der Ebene des Verhaltens) beurteilt wird (BGE 141 V 281 E.
4.1.3).
4.3.1
So hat sich d
er psychiatrische Gutachter - wenn auch, da noch in Unkenntnis der
erst Mitte 2015
eingeführten
bundesgerichtlichen Terminologie, nur
sinn
gemäss
- mit dem funktionellen Schweregrad der Beeinträchtigung auseinander gesetzt: Die Gesundheits
schädigung betreffend wurde die Ausprägung der rele
vanten Befunde thema
tisiert, ebenso der Therapieverlauf und die Frage von begleitenden Erkrankungen (Komorbidität).
So ist angesichts der im psychiatri
schen Gutachten (vgl.
Urk.
7/47 S. 6 unten f.) als auch in den
ü
brigen Berichten (vgl. vorstehend E.
3.2-4
) beschriebenen diagnoserelevanten Befunde ein Leiden von erheblicher Ausprägung ausgewiesen. Weiter erhellt aus den Akten, dass eine psychische Komorbidität in Form einer schweren depressiven Erkrankung vorhanden ist, de
r
en Auswirkungen sich in den letzten Jahren therapeutisch nicht beeinflussen
liessen
.
Sodann
ist d
er Komplex der Persönlichkeit direkt in die Diagnostik eingeflossen und der soziale Kontext wurde im Gutachten ebenfalls angesprochen und berücksichtigt.
Dazu ist festzuhalten, dass p
sychosoziale Faktoren vorliegend
unbestrittenermassen
vor
liegen
.
Die Beschwerdegegnerin verkennt jedoch, dass
neben den psychosozialen Faktoren eine verselbständigte psychische Störung vorliegt, welche die Arbeitsfähigkeit einschränkt
. Mit anderen
Worten ist eine wie im vorliegenden psychiatrischen Gutachten festgestellte psychische Erkran
kung, welche eine andauernde und erhebliche Erwerbsunfähigkeit bewirkt, rele
vant und nicht deshalb invaliditätsfremd, weil sie
(
auch
)
auf psychosoziale Faktoren zurückgeführt werden kann.
4.3.2
Schliesslich
erscheinen u
nter dem Aspekt der Konsistenz sowohl der Umfang der bestehenden Aktivitätseinschränkungen
wie auch der durch die seit 2012 durchgehend in Anspruch genommene ambulante als auch stationäre Behand
lung
belegte Leidensdruck als berücksichtigt.
Soweit die Beschwerdegegnerin
diesbezüglich
vorbringt, dass der jetzige Behandlungsrhythmus nicht adäquat sei, ist ihr ent
gegen zu halten, dass dieser zu Beginn der psychiatrischen
Erkrankung deutlich höher war (vgl.
Urk.
7/32 S.
3 Mitte). Bezüglich des weite
ren (Therapie-)Verlaufs lässt sich den Akten sodann entnehmen, dass
sich die ambulante Behandlung jedoch als nicht ausreichend erwies und die fehlende Fokussierung des Beschwerdeführers auf Verbesserungsziele im Gespräch krankheitsimmanent zu verstehen sei, weshalb eine stationäre rehabilitative Behandlung empfohlen
wurde
(vgl.
Urk.
7/35/7-8). Eine Kostengutsprache für die
H._
wurde
zunächst
abgelehnt. Anlässlich des stationären Aufenthalts in der
I._
konnte
schliesslich
trotz guter Compliance eine Besserung der somatischen als auch psychischen Beschwerden nicht erreicht werden (
vgl. Austrittsbericht vom 1
2.
Dezember 2012;
Urk.
7/35/17).
Nach mehrjähriger erfolgloser Therapie kann folglich trotz Rückgang des Behandlungsrhythmus nicht auf einen fehlenden Leidensdruck respektive auf eine fehlende adäquate Therapie geschlossen werden.
4.3.3
Aus der Gesamtbetrachtung ergibt sich,
dass
aufgrund des
psychiatrische
n
Guta
chen
s
von
Dr.
C._
sowohl eine gesundheitliche Beeinträchtigung von erheblichem Schweregrad als auch deren funktionelle Auswirkungen in erwerblicher Sicht objektiv (vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG), kohärent und wider
spruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen sind.
4.
4
Soweit die Beschwerdegegnerin
einzig
aufgrund der Diagnose einer depressiven Episode die Ansicht vertritt, dass vorliegend kein langandauernder Gesund
heits
schaden ausgewiesen sei (
Urk.
2 S. 2 Mitte),
vermag dies
nach dem Gesag
ten
nicht zu überzeugen
.
Die Beschwerdegegnerin verkennt offenbar, dass neben der
depressiven Erkrankung auch ein unklares Beschwerdebild im Sinne einer chronischen Schmer
zerkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert wurde
.
Die Beschwerdegegnerin übergeht die Diagnose der chro
nischen Schmerzerkrankung einzig gestützt auf die kurze und ergänzende Stel
lungnahme von
Dr.
E._
des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; vgl.
Urk.
7/50/4 oben) vom
4.
Juni 201
4.
Nachdem
Dr.
D._
des RAD gleichentags in seiner Stellungnahme festhielt, dass das psychiatrische Gutach
ten vollständig und schlüssig sei (vgl.
Urk.
7/50/3 unten), erfolgte durch
Dr.
E._
, welche wie
Dr.
D._
einen Facharzttitel für Allgemeine Innere Medizin und nicht etwa für Psychiatrie und Psychotherapie besitzt, eine ergän
zende Stellungnahme, in welcher sie ohne weitergehende Begründung und ent
gegen der fachärztlich-psychiatrischen gutachterlichen Beurteilung davon aus
geht, dass eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit aufgrund einer der Schmerzstörung zugeordneten reaktiven Depression nach Kündigung aus wirtschaftlichen Gründen nicht ganz nachvoll
ziehbar sei. Die Leidensentwicklung habe wegen der psycho-physischen Dekompen
sation begonnen. Es handle sich also nicht um eine eigenständige chronifizierte Depression, sondern um ein Überwiegen von IV-fremden psycho
sozialen Belastungsfaktoren. Es sei die Überwindbarkeit der Schmerz
störung zu überprüfen. Aus dieser Stellungnahme interpretierte die Sach
be
arbeitun
g der Beschwerdegegnerin schliesslich, dass die chronische Schmerz
erkrankung keinen Einfluss auf die Arbeitsunfähigkeit habe und dass das psychische Leiden als überwindbar eingestuft werden könne (
Urk.
7/50/4 Mitte). Dabei bezog sie sich wohl - wie vermutlich auch schon
Dr.
E._
- auf die Aussage von
Dr.
D._
, welcher die chronische Schmerzerkrankung in seiner Stellungnahme als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit auf
führte.
Aus dem psychiatrischen Gutachten ergibt sich weder, dass die depressive Erkran
kung lediglich eine Begleiterscheinung zum unklaren Beschwerdebild ist, noch dass die depressive Erkrankung klar im Vordergrund steht.
Daher lässt sich d
ie strittige Frage, ob vorliegend ein invalidisierender Gesundheitsschaden gegeben ist, nicht einzig mit Blick auf die depressive Störung beurteilen, wie dies die Beschwerdegegnerin
in
der angefochtenen Verfügung offenbar getan hat.
Auf die diesbezüglichen Ausführungen
und Bezugnahmen zur Recht
spre
chung
der Beschwerdegegnerin ist daher nicht weiter einzugehen.
Ange
sichts der vorstehenden Erwägungen vermag die fachfremde ärztliche Beur
teilung des RAD
die gutachterliche Beurteilung nicht in Zweifel zu ziehen.
4.
5
Zusammenfassend steht
damit
fest, dass
der gutachterlichen Einschätzung der vollständigen Arbeitsunfähigkeit sowohl in der bisherigen als auch einer ange
passten Tätigkeit gefolgt werden kann.
5.
5.1
Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der gutachterlich attestierten Arbeitsfähigkeit.
Nach der Rechtsprechung darf ausnahmsweise von der ärztlich geschätzten Arbeitsfähigkeit ohne weiteres auf einen entsprechenden Invaliditätsgrad geschlossen werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_994/2010 vom 12. April 2011 E. 3.2.3). Dies trifft beispielswiese dann zu, wenn die beiden Vergleichs
einkommen ausgehend vom selben Tabellenlohn zu ermitteln sind, was vor
liegend
der Fall
ist. Dem Arbeitgeberfragebogen der
Y._
lässt sich entnehmen, dass die Kündigung des Arbeitsverhältnisses mit
dem
Beschwerdeführer aus wirtschaftlic
hen Gründen erfolgte (vgl.
Urk.
7/34/1-7
),
gleiches geht aus dem Kündigungsschreiben vom 2
3.
Dezember 2011 hervor (vgl.
Urk.
7/
34/8)
.
Der Beschwerdeführer würde deshalb auch ohne Gesund
heitsschaden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht mehr dort arbeiten, womit bei der Bestimmung des
Valideneinkommens
ohnehin nicht vom Lohn bei der besagten Firma ausgegangen werden kann
(vgl. Urteil des Bundes
ge
richts 9C_5/2009 vom 16. Juli 2009 E. 2.3).
Auch hinsichtlich der fehlenden Ausbildung des Beschwerdeführers kann sowohl bezüglich des
(hypo
thetischen)
Valideneinkommens
als auch des Invalideneinkommens derselbe Tätigkeits
be
reich
(Hilfsarbeitertätigkeiten) zugrunde gelegt werden
.
Sind die beiden Ein
kommen ausgehend vom selben
Tabellenlohn
zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung und es rechtfertigt sich ein Prozentvergleich (vgl.
Urteil des Bundesgerichtes 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1).
Folglich
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter Berück
sichtigung eines Abzuges vom Tabellenlohn (vgl. BGE 126 V 75).
Angesichts der vollständigen Arbeitsunfähigkeit kann offen bleiben, ob vorliegend e
in sol
cher Abzug
angezeigt wäre
.
5.2
Die Beschwerde ist somit in dem Sinne
gutzuheissen
, dass die angefochtene Verfügung mit der Feststellung aufzuheben ist, dass der Beschwerdeführer ab
Dezember 2012 (vgl. E. 1.3
; der
Beschwerdeführer
war ab dem 2
3.
Dezember
2011
krankgeschrieben vgl.
Urk.
7/34
Ziff.
2.7
)
Anspruch auf eine ganze Rente hat.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen.
Ausgangsgemäss
sind sie der
Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
6.2
Ausgangsgemäss steht
dem
obsiegenden Beschwerdeführer eine Prozessent
schädi
gung zu, die gemäss
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) – ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen ist. In Anwendung dieser Kriterien ist die Parteientschädigung vorliegend auf
Fr.
2‘000
.-- (inkl. Mehr
wertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen.