Decision ID: 015001ee-c163-4458-b7c6-8fdf7b8718d7
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1966, war zuletzt vom 21. Mai 2013 bis 31. Oktober 2015 bei der Y._ als Head Leadership- & Management-Training tätig, wobei der letzte Arbeitstag der 17. Juli 2015 war (Urk. 6/17). Am 3. Juli 2015 meldete sie sich wegen Nacken- und Rücken
schmerzen bei der Invalidenversicherung an (Urk. 6/2). Die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und veranlasste eine bidisziplinäre Begutachtung durch ihren Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; Urk. 6/24-25).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 6/42-43; Urk. 6/47) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 8. November 2016 einen Leistungsanspruch der Versicherten (Urk. 6/52 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 8. November 2016 (Urk. 2) erhob die Versicherte am 25. November 2016 Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag auf Zusprache beruflicher Massnahmen und einer Rente (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 12. Januar 2016 (Urk. 5) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Nachdem die Beschwerdeführerin nach Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels (Urk. 7) keine Replik eingereicht hatte, wurde Verzicht ange
nommen, wovon die Beschwerdegegnerin am 16. März 2017 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 9).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversiche
rung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gut
achten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.4
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätig
keit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizini
schen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung
(
IVV
)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigne
ten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewisser
massen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben
den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
nehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bun
desgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hin
weisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2
IVV
ist mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD
Berichte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundes
gerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (Urk. 2) wie folgt: Die Beschwerdeführerin sei seit 9. Januar 2015 voll arbeitsunfähig gewe
sen. Dank einer stetigen und permanenten Verbesserung ihres Gesundheitszu
standes habe per 1. September 2015 eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert werden können. Die Wartezeit sei somit nicht erfüllt, weshalb kein Rentenanspruch bestehe. Die vorübergehende Arbeitsunfähigkeit infolge der Operation vom 18. April 2016 sei nur von kurzer Dauer gewesen, weshalb sie nicht berücksich
tigt werde. Da wieder volle Arbeitsfähigkeit bestehe, bestehe auch kein Anspruch auf berufliche Massnahmen. Es seien alle medizinischen Fakten berücksichtigt worden, und aus psychischer Sicht liege kein objektiver Befund vor (S. 1-2). Soweit eine psychische Beeinträchtigung ausgewiesen sei, sei diese aus näher dargelegten Gründen nicht invalidisierend (Urk. 5 S. 2 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend (Urk. 1), es sei nicht richtig, dass ihr per 1. September 2015 eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert worden sei; dies werde von ihren Ärzten bestätigt.
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin und damit die Frage, ob ihr Leistungen der Invalidenversicherung zustehen. Dabei ist unter den Parteien unbestritten und durch die Akten ausgewiesen, dass das Wartejahr (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) am 9. Januar 2015 begann (vgl. Urk. 6/6; Urk. 6/1; Urk. 6/11/4).
3.
3.1
Dr. med. Z._, Facharzt für Rheumatologie und für Allgemeine Innere Medizin, A._, hielt mit Bericht vom 26. Sep
tember 2015 (Urk. 6/19/5) fest, der Beschwerdeführerin seien seit Behandlungs
aufnahme am 9. Januar 2015 wechselbelastende und vorwiegend gehende Tätig
keiten zu 80 % zumutbar. Mit Bericht vom 9. Oktober 2015 (Urk. 6/19/6-9 = Urk. 6/46) stellte er folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (Ziff. 1.1):
-
HWS-Distorsionstrauma vom 7. November 2012 mit und bei
-
chronischem zervikospondylogenem Syndrom rechts
-
bildgebend sehr diskreten degenerativen Veränderungen
-
Neurokompression C6 links
-
ohne Begleitverletzungen
-
mit Tendomyopathie Musculus Trapezius beidseits
-
mit leichtem subacromialem Impingement rechts
Nachdem die Arbeitsunfähigkeit schrittweise habe reduziert werden können (50 % bis 30. Juni 2015, 40 % bis 31. Juli 2015, 30 % bis 31. August 2015, 20 % bis 30. September 2015), sei von einer tendenziell günstigen Prognose auszugehen. Eine abschliessende Beurteilung sei jedoch verfrüht, weshalb eine weitere Beurteilung per März 2016 vorzunehmen sei (S. 3 Ziff. 1.4). Die bisheri
ge Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht noch zumutbar (Ziff. 1.7). Mit einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit könne per 1. Januar 2016 gerechnet werden (Ziff. 1.9).
3.2
Dr. med. B._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, berich
tete am 9. November 2015 (Urk. 6/22/3-4) und diagnostizierte eine depressive Episode mit somatischem Syndrom, zeitweise schweren Grades (ICD-10 F32.11). Vorerst bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Es sei damit zu rechnen, dass die Beschwerdeführerin zu Beginn des Frühlings 2016 wieder schrittweise in die Arbeit zurückkehren könne. Es komme hinzu, dass ihre Anstellung gekündigt worden sei und sie einen Neueinstieg bewältigen müsse (S. 2).
3.3
Am 8. März 2016 fand eine orthopädische und psychiatrische Untersuchung durch den RAD statt. Dr. med. C._, Facharzt für Chirurgie, stellte mit Bericht vom 9. März 2016 (Urk. 6/24) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 7):
-
chronisches zervikospondylogenes Syndrom rechts mit und bei
-
Uncovertebralarthrose C4/5
-
Diskushernie C6 links mit Neurokompression links
-
Gonarthrose rechts mit und bei
-
Status nach vorderer Kreuzbandplastik
-
Status nach Seitenbandrekonstruktion
-
Status nach Unhappy Triad 1986
Die weiter bestehenden Diagnosen einer jeweils beidseitigen Rhizarthrose, Epi
con
dylitis lateralis und Metarsalgie MHK hätten keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Es sei kein somatischer Gesundheitsschaden ausgewiesen, der die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige. In der bisherigen Tätigkeit als Personal
ent
wicklerin bestehe volle Arbeitsfähigkeit seit dem 1. September 2015. Aus ver
sicherungsmedizinischer Sicht bestehe bei Schädigung der Halswirbelsäule eine verminderte Belastbarkeit für regelmässiges mittelschweres und schweres Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, für Arbeiten über Kopf- und Schulterhöhe, auf Leitern und Gerüsten, mit Schlag- und Vibrationsbelastungen des Schultergürtels, für häufiges Bücken sowie für Tätigkeiten in körperlichen Zwangshaltungen (S. 7 unten f.).
Bei Schädigung des rechten Kniegelenks bestehe aus medizinisch-theoretischer Sicht eine verminderte Belastbarkeit für die bereits genannten Tätigkeiten sowie für diejenigen in körperlichen Zwangshaltungen wie Knien, Kriechen, Hocken, für Arbeiten mit erhöhten Anforderungen an die Stand- und Gangsicherheit und für dauerhaftes Stehen und Gehen auf unebenem Grund. Leichte angepasste Tätigkeiten in Wechselbelastung ohne Heben und Tragen sowie Transportieren von Lasten über 10 kg, ohne Verharren in Zwangshaltungen, ohne dauerhafte Armvorhaltebelastungen und Überkopfarbeiten seien weiterhin zumutbar. Die bisherige Tätigkeit als Personalentwicklerin entspreche einer angepassten Tätig
keit und es bestehe ab dem 1. September 2015 eine volle Arbeitsunfähigkeit (richtig: Arbeitsfähigkeit; S. 8).
3.4
Med. pract. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagno
stizierte mit Bericht vom 9. März 2016 (Urk. 6/25) eine leichte depressive Episo
de (ICD-10 F32.1) sowie eine akzentuierte Persönlichkeit, leistungs
orientiert (ICD-10 Z73; S. 4). Aktuell finde wöchentlich eine ambulante Psycho
therapie statt und die Beschwerdeführerin nehme Antidepressiva (S. 3).
Die Beschwerdeführerin sei während der gesamten Untersuchungszeit von über zwei Stunden aufmerksam und konzentriert gewesen. Sie habe mehrmals bei Darstellung ihrer Belastungen geweint, habe aber auch bei Scherzen mitgelacht. Es seien keine klinisch auffälligen Gedächtnisstörungen oder äusserlich erkenn
bare Anzeichen einer erhöhten Ermüdbarkeit festzustellen gewesen (S. 3 unten).
Med. pract. D._ hielt fest, dass die Beurteilung durch Dr. B._ (vorstehend E. 3.2) keinen objektiven Befund enthalte, und dass der Punktwert im BDI Becks Depressions Inventar einer subjektiven Selbsteinschätzung entstamme (S. 5 oben).
Das Funktionsniveau zeige keine grossen Schwierigkeiten, alltägliche Aktivi
täten (Haushalt, mehrere ambulante Therapien, Urlaub) fortzusetzen. Bei diffe
ren
zierter Betrachtung zeigten sich psychosoziale Belastungen durch die Ehe. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seien die depressiven Symptome eine Fol
ge der subjektiven Schmerzen (S. 5 unten). Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit (S. 6).
3.5
Am 18. April 2016 wurde der Beschwerdeführerin rechts eine Knie-Totalpro
these eingesetzt (Urk. 6/35/12). Die Ärzte des E._ hielten im Aus
trittsbericht vom 6. Mai 2016 (Urk. 6/35/9-11) fest, die Beschwerdeführerin habe sich postoperativ unter der verordneten Analgesie zunehmend schmerzfrei gezeigt und habe mit Hilfe der Physiotherapie gut mobilisiert werden können (S. 2). Die Kontrolluntersuchung vom 30. Mai 2016 (Urk. 6/35/8) habe ein erfreuli
ches Ergebnis gezeigt; die Beschwerdeführerin berichte über keinerlei Beschwerden am rechten Kniegelenk und sei bereits ohne Gehstöcke schmerzfrei mobil. Die Beweglichkeit müsse noch etwas verbessert werden.
3.6
Dr. B._ stellte mit Bericht vom 28. Mai 2016 (Urk. 6/31) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
depressive Episode mit somatischem Syndrom / zeitweise schwer (BDI 29 Punkte) nach und bei diversen somatischen Beschwerden
Die Beschwerdeführerin sei seit September 2015 zu 100 % arbeitsunfähig. Im Laufe des Jahres werde sie nach Besserung der somatischen Beeinträchtigung zu 40 bis 50 % arbeitsfähig sein. Langfristig werde voraussichtlich maximal eine Arbeitsfähigkeit von 50 % zu erreichen sein (Ziff. 1.4, 1.6).
3.7
Dr. Z._ berichtete am 30. Juni 2016 (Urk. 6/39) erneut und stellte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
zervikovertebrales Syndrom rechts, chronisch mit und bei
-
Status nach HWS-Distorsionstrauma mit protrahiertem zerviko
spon
dylo
genem Syndrom rechts
-
Bild
gebend diskrete degenerative Veränderungen (Unkovertebral
arthrose C4/5 und C5/6)
-
Neurokompression C6 links
-
leichtes subacromiales Impingement rechts
-
posttraumatische Gonarthrose rechts mit und bei
-
Status nach Kontusion nach Sturz 1986 und 1987
-
Knieeingriffe
-
reaktive Depression mit und bei
-
protrahierter Schmerzsymptomatik
In der angestammten Tätigkeit als Personalentwicklerin bestehe ab sofort eine Arbeitsfähigkeit von 50 %, welche im Verlauf auf 70 bis 100 % steigerbar sei. Dies sei eine angepasste Tätigkeit. Es sei eine wechselbelastende Tätigkeit mit Möglichkeit zu Pausen nötig, welche eine entsprechende Einschränkung der Leistungsfähigkeit beinhalte (Ziff. 2). Die Arbeitsfähigkeit könne durch Physio
therapie verbessert werden (Ziff. 4).
3.8
Dr. B._ nahm am 23. September 2016 (Urk. 6/45) zum Einwand der Beschwerde
führerin gegen den Vorbescheid Stellung und hielt fest, die Beschwer
de
führerin sei immer noch mittel bis schwer depressiv. Dies zeige sich in der folgenden Symptomatik: körperliche und psychische Erschöpfung, wenig Stressresistenz, Stimmungsschwankungen, Verspannungen und Schmerzen im Schulterbereich, Schlafstörungen, Gedankenkreisen, innere Unruhe, Konzentra
tionsstörung, Aufnahmestörungen sowie gegenüber früher sichtbare Leistungs
einbussen. Die Beschwerdeführerin sei zu 50 % arbeitsunfähig; sie sei bereits seit einem Jahr zu 100 % arbeitsunfähig (S. 1-2).
4.
4.1
Dr. Z._ (vorstehend E. 3.1) erachtete die Beschwerdeführerin in somati
scher Hinsicht zunächst in wechselbelastenden und vorwiegend gehenden Tätigkeiten als von Beginn der Behandlung im Januar 2015 an zu 80 % arbeits
fähig, relativierte dies jedoch später dahingehend, dass erst ab 1. Oktober 2015 wieder eine Arbeitsfähigkeit von 100 % bestehe. Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht noch zumutbar, eine abschliessende Beurteilung jedoch ver
früht. Dennoch hielt Dr. Z._ dafür, dass per 1. Januar 2016 mit einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit gerechnet werden könne.
Anlässlich der Untersuchung durch Dr. C._ im März 2016 war in Über
einstimmung mit der Prognose von Dr. Z._ von voller Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit, welche zugleich als behinderungsangepasst betrachtet werden kann, auszugehen. Dr. C._ legte den Beginn der wiedererlangten Arbeitsfähigkeit rückwirkend auf den 1. September 2015 fest (vgl. vorstehend E. 3.3). Dass Dr. Z._ demgegenüber ab 1. September 2015 noch eine Arbeits
unfähigkeit von 20 % attestierte, steht der Einschätzung von Dr. C._ nicht entgegen, da aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht ohnehin erst eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 % relevant ist (vgl. vorstehend E. 1.2).
4.2
In psychischer Hinsicht diagnostizierte Dr. B._ im November 2015 eine depressive Episode mit somatischem Syndrom, welche zeitweise schwergradig sei (vorstehend E. 3.2). Der Bericht enthält jedoch keine genaue Beschreibung der Symptome. Dr. B._ legte somit nicht schlüssig dar, aufgrund welcher Befunde sie von einer sogar schweren Depression ausging. Der Verweis auf das Beck-Depressions-Inventar (BDI, vgl. Urk. 6/22/4) reicht nicht aus, denn recht
sprechungsgemäss
ist dem testmässigen Erfassen der Psychopathologie im Rahmen der psychiatrischen Exploration generell nur eine ergänzende Funktion beizumessen. Ausschlaggebend bleibt die klinische Untersuchung mit Anam
neseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung
(Urteil
des Bun
desgerichts
9C_344/2013 vom 1
6.
Oktober 2013 E. 3.1.5 mit Hinweisen).
Somit ist die von Dr. B._ attestierte volle Arbeitsunfähigkeit zu wenig begründet, als dass darauf abgestellt werden könnte. Dies gilt auch für ihren Bericht vom 28. Mai 2016 (vorstehend E. 3.6). Auch auf den Bericht vom 23. September 2016 (vorstehend E. 3.8) kann nicht abgestellt werden: Zwar beschrieb Dr. B._ nun die Symptomatik, begründete jedoch die Diskrepanz zu den von med. pract. D._ festgestellten vergleichsweise geringen Beeinträchtigungen (dazu nachfolgend E. 4.3) nicht. Es ist angesichts des Umstands, dass Dr. B._ diesen Bericht im Rahmen des Einwandverfahrens verfasste, nicht auszuschlies
sen, dass dabei versicherungstechnische Überlegungen miteinflossen. In diesem Zusammenhang hat das Gericht
der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass nicht nur allgemeinpraktizierende Hausärzte, sondern
auch behandelnde Spezialärzte
im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zwei
felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 353
E
.
3b/cc mit Hinweisen).
4.3
Demgegenüber erstattete RAD-Arzt med. pract. D._ seinen Bericht unter Berück
sichtigung der praxisgemäss geforderten Kriterien (vgl. vorstehend E. 1.3). und legte nachvollziehbar dar, dass aus psychiatrischer Sicht keine Arbeits
unfähigkeit bestehe. Die Beschwerdeführerin sei während der gesamten Untersuchungszeit von über zwei Stunden aufmerksam und konzentriert gewe
sen und habe ein normales Funktionsniveau, welches ihr die Erledigung des Haushalts, die Wahrnehmung verschiedener Therapien und auch Ferien erlaube. Es vermag deshalb zu überzeugen, dass med. pract. D._ lediglich eine leichte depressive Episode diagnostizierte. Angesichts der geringen Beeinträchtigung ist dabei von voller Arbeitsfähigkeit auszugehen.
Die RAD-Berichte von med. pract. D._ und Dr. C._ vermögen den praxisgemässen Kriterien zu genügen; es bestehen keine Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit, weshalb darauf abzustellen ist (vgl. vorstehend E. 1.4).
4.4
Somit bestand ab 1. September 2015 und damit auch bei Ablauf des Warte
jahres im Januar 2016 volle Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit. Die Knieoperation vom 18. April 2016 führte lediglich zu einer vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit, war die Beschwerdeführerin anlässlich der Kontrolluntersu
chung vom 30. Mai 2016 diesbezüglich doch vollständig beschwerdefrei und ohne Gehstöcke schmerzfrei mobil (vgl. vorstehend E. 3.5). Weshalb Dr. Z._ dennoch am 30. Juni 2016 bei - abgesehen vom nach Lage der Akten problemlos verlaufenen Knieeingriff - im Wesentlichen unveränderter Diagnose lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 50 % attestierte, wurde nicht erklärt und vermag nicht zu überzeugen.
4.5
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass das Wartejahr nicht erfüllt wurde und keine dauerhafte, anspruchsrelevante Arbeitsunfähigkeit vorliegt. Damit besteht kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.
Der angefochtene Entscheid ist rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
sind auf Fr. 6
00.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der u
nterliegenden Beschwerdeführerin
aufzuerlegen.