Decision ID: 67c64a3c-d1b8-50b6-b9e9-9161c8df43ca
Year: 2021
Language: de
Court: SG_KG
Chamber: SG_KG_002
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: civil_law

Aus dem Sachverhalt:
C. (2008) ist die Tochter von A. (Mutter, 1990) und B. (Vater, 1989). C. lebt bei ihrer
Mutter und wird zur Hauptsache durch sie betreut. Gemäss Unterhaltsvertrag aus dem
Jahr 2009 bezahlt der Vater folgende Beiträge an den Unterhalt seiner Tochter:
- Fr. 200.00 zzgl. Kinderzulage von der Geburt bis zum vollendeten 6. Altersjahr
- Fr. 700.00 zzgl. Kinderzulage vom 7. bis zum vollendeten 12. Altersjahr
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- Fr. 900.00 zzgl. Kinderzulagen vom 13. Altersjahr bis zur Mündigkeit, oder
darüber hinaus bis zum Abschluss einer angemessenen (Erst-)Ausbildung.
B. heiratete im Jahr 2013 M. Die beiden haben zwei Kinder, nämlich K. (2014) und L.
(2016). Im August 2017 erhob B. Klage gegen C. und verlangte die Abänderung des
Unterhaltsvertrages mit der Begründung, dass sich seine Verhältnisse dauerhaft
verändert hätten. Gegen das Urteil des Kreisgerichtes erhoben sowohl C. als auch B.
Berufung.

Aus den Erwägungen:
7. a) In dieser Erwägung wird auf das in der Bedarfsrechnung zu berücksichtigende
Einkommen von M., der Ehefrau von B., eingegangen. Die Vorinstanz wendete das
Schulstufenmodell auch auf sie an. In der Konsequenz mutete sie ihr bis zum
vollendeten sechsten Altersjahr von L. (Ende August 2022) kein Erwerbseinkommen zu.
Anschliessend sei M. eine Erwerbstätigkeit mit einem Pensum zu 50% und ab dem
zwölften Geburtstag eine solche zu 80% anzurechnen. Bei einem möglichen
Einkommen von Fr. 4'400.00 bei einem Vollpensum ging die Vorinstanz von einem
Einkommen von Fr. 2'200.00 bei einem Pensum zu 50% und von Fr. 3'520.00 bei
einem Pensum zu 80% aus.
[...]
b) Das Einkommen von M. bzw. ihre Möglichkeit, ein Einkommen zu erzielen, ist im
vorliegenden Fall nur indirekt von Bedeutung. Zum einen ist sie wichtig zur Beurteilung
der Frage, ob M. einen eherechtlichen Anspruch gegenüber B. auf Unterhalt hat. Zum
anderen ist sie wichtig beim Entscheid über die Frage, inwieweit den Kindern K. und L.
ein Anspruch auf Betreuungsunterhalt zusteht.
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Aus Art. 276a Abs. 1 ZGB hat das Bundesgericht mittlerweile eine Hierarchie der
Unterhaltsansprüche abgeleitet. Aus den vorhandenen, das Existenzminimum des
Unterhaltsschuldners übersteigenden Mitteln sind demnach in erster Linie der
Barunterhalt der Kinder, sodann deren Betreuungsunterhalt und erst im Anschluss
daran ein ehelicher oder nachehelicher Unterhalt abzudecken (vgl. BGE 144 III 488 E.
4.3 und v.a. auch BGer 5A_311/2019 E. 7.3, vgl. auch Maier, Die konkrete Berechnung
von Kinderunterhaltsbeiträgen, FamPra.ch 2020, S. 314 ff., S. 373; Maier/Niederberger/
Hampel, Die Berechnung von Unterhaltsbeiträgen bei Patchworkfamilien, AJP 2019
S. 879 ff., S. 883 f.). Angesichts der finanziellen Ausgangssituation wird B. keinen
ehelichen Unterhalt schulden. Indessen ist klar, dass K. und L. Anspruch auf Betreuung
haben. Deshalb ist zu prüfen, auf welche Betreuung sie Anspruch haben.
Kern der auf den 1. Januar 2017 in Kraft getretenen Kindesunterhaltsrevision (AS 2015
4299) war die Einführung eines zivilstandsunabhängigen Betreuungsunterhalts, mit
welchem die bestmögliche Betreuung des Kindes gewährleistet werden soll (BGE 144
III 481 E. 4.3 mit Hinweis auf die Botschaft, BBl 2014 530, 552 und 554 f. Ziff. 1.5.2). In
BGer 5A_98/2016 hielt das Bundesgericht zusammenfassend fest, dass die stabile
Bindung an eine Betreuungsperson zur Ausprägung des "Urvertrauens" im ersten
Lebensjahr wichtig sei, jedoch für die weitere Entwicklung des Kindes primär die
Qualität der in verschiedenen Formen möglichen Betreuung entscheidend sei. Deshalb
gebe es nur während des ersten Lebensjahrs eines Kindes eine "besondere
Rechtfertigung" dafür, dass Natural- und Geldunterhalt, gemessen an den objektiven
Bedürfnissen der Kinder, ungleich verteilt werden könnten (BGer 5A_98/2016 E. 3.5).
Mithin, so das Bundesgericht weiter, "kann für all diejenigen Fälle, in welchen sich nicht
an eheliches Vertrauen bzw. an ein bislang partnerschaftlich gewähltes Konzept der
Lastenverteilung anknüpfen und in Anwendung des Kontinuitätsprinzips fortführen
lässt, die persönliche Betreuung des Kindes im ersten Lebensjahr angezeigt sein,
sodass der Mutter insofern eine Erwerbsarbeit nicht zuzumuten ist, soweit sie das Kind
selbst betreut. Für die Zeit danach kann dies bei normal entwickelten Kindern, welche
keine ausserordentlichen Betreuungsbedürfnisse aufweisen, nicht gelten". Es gelte zu
schauen, wie die Leistungskraft des pflichtigen Elternteils in billiger Weise auf die
unterhaltsberechtigten Kinder verteilt werden könne. Schliesslich hält das
Bundesgericht fest, dass dann, wenn die Leistungspflicht gegenüber einem Teil der
Kinder aufgrund der fehlenden Obhut in Geldzahlung bestehe, die Aufnahme oder
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Ausdehnung der Fremdbetreuung für das andere Kind zu prüfen sei, damit nach
Möglichkeit die grundsätzlich gleichgeordneten Obligationen gegenüber allen Kindern
erfüllt werden könnten (BGer 5A_98/2016 E. 3.5).
c) Was die von B. behauptete Arbeitsunfähigkeit seiner Ehefrau anbelangt, so hat
gestützt auf Jungo diejenige Person den Beweis für ihre fehlende
Eigenversorgungskapazität zu erbringen, die – vom Grundsatz der gegebenen
Erwerbsmöglichkeit abweichend – behauptet, kein Erwerbseinkommen erzielen zu
können (vgl. ZK-Jungo, 3. A., Art. 8 ZGB N 572). Kann die Unterhaltsgläubigerin das
Fehlen ihrer Eigenversorgungskapazität nicht beweisen, entsteht keine
Unterhaltsforderung (Jungo, Beweis der nachehelichen Unterhaltsforderung – oder: wer
trägt die Beweislast für die [fehlende] Sparquote?, FamPra.ch 2020 S. 939 ff., 941). Die
Erwerbssituation von M. kann indessen nicht unabhängig von der Betreuungssituation
von K., geb. 20. Januar 2014, und L., geb. 29. August 2014, betrachtet werden. [...]
d) [...; Ergebnis: Zumutbarkeit und Möglichkeit einer Erwerbstätigkeit von M.,
Übergangsfrist bis und mit Ende August 2021.]
e) Dieser Zeitpunkt stimmt zudem mit dem voraussichtlichen Kindergarteneintritt ihrer
jüngeren Tochter L. Mitte August 2021 überein. Ab dann wäre auch gemäss
Schulstufenmodell (vgl. BGE 144 III 481), das auf den Vertrauensschutz des bisher
betreuenden Elternteils im Fall einer Trennung zugeschnitten ist, für jenen eine 50%-
Tätigkeit zumutbar. Obschon sich M. gegenüber C., dem Kind ihres Ehemanns aus
seiner früheren Beziehung, kaum auf einen Vertrauensschutz berufen kann, erscheint
es gerechtfertigt, ihr in analoger Anwendung des Schulstufenmodells ab September
2021 eine 50%-Tätigkeit zuzumuten, womit ihr ein Einkommen von Fr. 1'450.00
anzurechnen ist.
8. Bevor die einzelnen Bedarfsrechnungen erarbeitet werden, sind folgende Regeln
der Unterhaltsrechnung zu erwähnen:
a) Auf eine Vorabzuteilung eines Teilbetrages des Einkommens, um einer
überobligatorischen Erwerbstätigkeit des hauptbetreuenden Elternteils Rechnung zu
tragen, wird verzichtet. Der überobligatorischen Erwerbstätigkeit wird im Rahmen einer
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gebündelten Ermessensbetätigung Rechnung getragen (vgl. BGer 5A_311/2019 E. 7.1;
vgl. auch von Werdt, Fragen aus dem familienrechtlichen Unterhaltsrecht,
Vortragsmanuskript St. Galler Eherechtstagung 2020 vom 1. Dezember 2020, S. 7).
b) Bei der Erstellung der Bedarfsrechnung wird die zweistufig-konkrete Methode
angewendet (vgl. BGer 5A_311/2019 E. 7.3 und von Werdt, a.a.O., S. 6). Das
Bundesgericht beschreibt das Vorgehen wie folgt: "Vorab ist dem oder den
Unterhaltsverpflichteten stets das eigene betreibungsrechtliche Existenzminimum zu
belassen. Aus den weiteren Mitteln ist – jeweils berechnet auf der Basis des
betreibungsrechtlichen Existenzminimums – der Barunterhalt der minderjährigen
Kinder, im Anschluss daran der Betreuungsunterhalt und sodann allfälliger (nach-)
ehelicher Unterhalt zu decken. Erst wenn das betreibungsrechtliche Existenzminimum
aller Berechtigten gedeckt ist, kann es darum gehen, verbleibende Ressourcen in eine
erweiterte Bedarfsrechnung aufzunehmen und auf das – entsprechend dem
dynamischen Begriff des gebührenden Unterhalts je nach finanziellen Verhältnissen
enger oder weiter bemessene [...] – familienrechtliche Existenzminimum aufzustocken,
wobei die verschiedenen Unterhaltskategorien in der genannten Reihenfolge
(Barunterhalt, Betreuungsunterhalt, ehelicher oder nachehelicher Unterhalt) aufzufüllen
sind und etappenweise vorzugehen ist, [...]. Soweit das den Umständen angemessene
familienrechtliche Existenzminimum der Elternteile und der minderjährigen Kinder
gedeckt ist, haben die Eltern aus den allfällig verbleibenden Mitteln den
Volljährigenunterhalt zu bestreiten. Ein danach resultierender Überschuss ist
ermessensweise auf die daran Berechtigten zu verteilen" (BGer 5A_311/2019 E. 7.3).
c) Der Bedarf wird neu gemäss den Richtlinien der Konferenz der Betreibungs- und
Konkursbeamten der Schweiz vom 01. Juli 2009 errechnet (vgl. BGer 5A_311/2019 E.
7.2 und von Werdt, a.a.O., S. 6; im Folgenden: Schweizer Richtlinien). Das
Bundesgericht hat damit eine Praxisänderung vorgenommen. Eine solche
Praxisänderung ist grundsätzlich auf den ganzen Sachverhalt anzuwenden, es wäre
denn, dies würde gegen Treu und Glauben verstossen, was aber hier weder geltend
gemacht wurde noch ersichtlich ist. Die Schweizer Richtlinien finden folglich auf die
Bedarfsberechnung in allen Phasen, d.h. auch rückwirkend, Anwendung.
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d) Das Bundesgericht betonte bereits bisher und tut dies auch seit dem Inkrafttreten
des neuen Kindesunterhaltsrechts, dass grundsätzlich und in erster Linie der nicht
betreuende Elternteil den gesamten Barunterhalt trage. Der vom Betreuenden
geleistete Naturalunterhalt erstrecke sich auch auf die Betreuung zu Randzeiten sowie
auf verschiedenste Aufgaben wie Kochen, Waschen, Einkaufen, Hausaufgabenhilfe,
Krankenbetreuung, Nachtdienste, Taxidienste und Unterstützung bei der Bewältigung
der Alltags- und sonstigen Sorgen des heranwachsenden Kindes. Das bedeute, dass
bei gegebener Leistungsfähigkeit grundsätzlich derjenige Elternteil für den geldwerten
Unterhalt des Kindes aufkommen müsse, welcher nicht die Obhut innehabe und
demzufolge von den vorstehend aufgezählten Aufgaben weitestgehend entbunden sei.
Das höchste Gericht erachtet, dass damit der Gleichwertigkeit von Barunterhalt und
Naturalunterhalt Rechnung getragen werde (vgl. BGer 5A_311/2019 E. 8.1 und BGer
5A_727/2018 E. 4.3.2.1). Von diesem Grundsatz ist abzuweichen, wenn der
hauptbetreuende Elternteil (wesentlich) leistungsfähiger ist als der andere (BGer
5A_311/2019 E. 8.1; BGer 5A_584/2018 E. 4.3; BGer 5A_583/2018 E. 5.1; BGer
5A_339/2018 E. 5.4.3; BGer 5A_727/2018 E. 4.3.2.2).
9. Die Vorinstanz nahm die Berechnung des Unterhalts in folgenden Phasen vor:
1. Phase: 1. Dezember 2017 bis 31. Januar 2020 (K.: 6. Geburtstag)
2. Phase: 1. Februar 2020 bis 30. November 2020 (C.: 12. Geburtstag)
3. Phase: 1. Dezember 2020 bis 31. August 2022 (L.: 6. Geburtstag)
4. Phase: 1. September 2022 bis 31. Januar 2026 (K.: 12. Geburtstag)
5. Phase: 1. Februar 2026 bis 31. August 2028 (L.: 12. Geburtstag)
6. Phase: 1. September 2028 bis zur Volljährigkeit von C. bzw. über diese hinaus bis
zum ordentlichen Abschluss einer angemessenen Ausbildung.
Angesichts der Tatsache, dass die Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für die
Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums für Kinder bis zum 10.
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Geburtstag einen einheitlichen Grundbetrag vorsehen, erscheint neu folgende
Einteilung der Phasen zur Errechnung des Barunterhaltes als angezeigt:
1. Phase: 1. Dezember 2017 bis 30. November 2018 (C.: 10. Geburtstag)
2. Phase: 1. Dezember 2018 bis 31. August 2021 (L.: Kindergarteneintritt)
3. Phase: 1. September 2021 bis 31. Januar 2024 (K.: 10. Geburtstag)
4. Phase: 1. Februar 2024 bis 30. November 2026 (C.: Volljährigkeit)
5. Phase: 1. Dezember 2026 bis zum ordentlichen Abschluss einer angemessenen
Erstausbildung durch C.
Nachdem beide Parteien an den durch die Vorinstanz eingesetzten Bedarfspositionen
und -beträgen keine substantiellen Rügen anbringen, wird von den durch die
Vorinstanz errechneten Zahlen ausgegangen, sofern die hiervor genannten neuen
Vorgaben des Bundesgerichts keine Änderungen gebieten.
Anzupassen ist damit die Höhe der Grundbeträge. Diese betragen gemäss den
Schweizer Richtlinien:
für eine alleinstehende Person Fr. 1'200.00
für eine alleinerziehende Person Fr. 1'350.00
für ein Ehepaar, zwei in einer eingetragenen Partnerschaft
lebende Personen oder ein Paar mit Kindern Fr. 1'700.00
Unterhalt der Kinder
für jedes Kind im Alter bis zu 10 Jahren Fr. 400.00
für jedes Kind über 10 Jahre Fr. 600.00
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Um eine einheitliche, abschliessende Ermessensausübung zu ermöglichen (dazu vgl.
BGer 5A_311/2019 E. 7.1 und von Werdt, a.a.O., S. 7), wird hier und in Zukunft darauf
verzichtet, den – bis anhin gemäss St. Galler Praxis üblichen – Zuschlag von 20% auf
dem Grundbetrag für Kinder einzusetzen.
Im Weiteren wird darauf verzichtet, im Bedarf der Kinder einen Anteil Steuern
vorzusehen. Angesichts des steuerrechtlichen Pauschalabzuges für Kinder von Fr.
10'200.00, wie er im Kanton St. Gallen zulässig ist, sowie der weiteren für den
Kinderbedarf zulässigen Abzüge ist in der Regel nicht davon auszugehen, dass auf
dem Barunterhalt Steuern in wesentlicher Höhe anfallen. Um das Ergebnis der
vorinstanzlichen und von den Parteien gutgeheissenen Berechnung des Bedarfs nicht
unnötig zu verändern, werden die Beträge für Steuern, wie sie die Vorinstanz bei den
Kindern vorgesehen hat, bei den Eltern eingesetzt. Abschliessend ist einzuräumen,
dass der Gebrauch dieser Zahlen die Wirklichkeit nicht zahlengenau widerspiegeln
kann und die Würdigung der Umstände die Ausübung von Ermessen enthält. Sind die
Parteien aber grundsätzlich mit einer bestimmten Rechnung einverstanden, ist
vorbehältlich einer Plausibilitätsprüfung davon auszugehen.
10. a) bis d).... [Berechnungen für die Phasen 1-4]
e) 5. Phase: Volljährigkeit von C. bis zum ordentlichen Abschluss einer angemessenen
Erstausbildung
aa) Die Unterhaltspflicht der Eltern dauert bis zur Volljährigkeit des Kindes. Hat es
dann noch keine angemessene Ausbildung, so haben die Eltern, soweit es ihnen nach
den gesamten Umständen zugemutet werden darf, für seinen Unterhalt aufzukommen,
bis eine entsprechende Ausbildung ordentlicherweise abgeschlossen werden kann (Art.
277 ZGB).
C. ist zurzeit zwölf Jahre alt und es ist noch völlig offen bzw. dem Gericht unbekannt,
wie ihre weitere Ausbildung aussehen wird. Ausserdem könnten sich auch in diesem
Alter vorhandene Pläne noch ändern, bis der Ausbildungsentscheid ansteht. Das
Bundesgericht hielt in seinem Urteil 5A_311/2019 fest, sobald das dort betroffene,
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damals 15jährige Kind volljährig sein werde, entfielen die elterlichen
Betreuungspflichten und der Unterhalt werde ab dem Zeitpunkt des Eintritts der
Volljährigkeit im Verhältnis der dannzumal gegebenen Leistungsfähigkeit der Eltern zu
tragen sein. In jenem Fall war der hauptbetreuende Vater leistungsfähiger, weshalb die
Mutter bis dahin nicht für den gesamten Barunterhalt des beim Vater wohnenden
Kindes aufkommen musste. Für den konkreten Fall ging das Bundesgericht davon aus,
dass es "etwas künstlich" wäre, für die Zeit ab der Volljährigkeit des Kindes beide
Elternteile bereits zu jenem Zeitpunkt zu Unterhalt zu verpflichten, umso mehr, als über
die mutmassliche Situation in der angesprochenen Zukunft nichts bekannt sei. Es
scheine deshalb in jener spezifischen Situation naheliegender, dass sich die Eltern und
das Kind bei dessen Volljährigkeit entsprechend der dannzumaligen und für die weitere
Zeit absehbaren Wohn- und Ausbildungssituation neu über die Tragung des Unterhalts
verständigten, wobei das Verhältnis der in jenem Zeitpunkt gegebenen elterlichen
Überschüsse ein naheliegender Ausgangspunkt sei (E. 8.5).
bb) Im vorliegenden Fall ist die Situation insofern anders, als der Vater – entsprechend
dem Grundsatz der Gleichwertigkeit von Bar- und Naturalunterhalt – den gesamten
Barbedarf von C. zu tragen hat. Zudem merkte das Bundesgericht bei den erwähnten
Ausführungen wiederholt an, dies gelte für jenen konkreten Fall. Es ist damit nicht
davon auszugehen, dass es generell – im Sinne einer neuen Regel – keine Festlegung
des Unterhalts über die Volljährigkeit hinaus mehr zulassen wollte, wenn der
Ausbildungsweg noch nicht feststeht.
Das Bundesgericht spricht im erwähnten Urteil davon, die Eltern und das Kind hätten
sich bei dessen Volljährigkeit gegebenenfalls über die Tragung des Unterhalts zu
verständigen (BGer 5A_311/2019 E. 8.5). Vorliegend ist die Konstellation so, dass
unwahrscheinlich erscheint, dass dannzumal eine solche Verständigung
zustandekommen könnte. Wie sich aus dem vorinstanzlichen Verhandlungsprotokoll
ergibt, hat B. zu C. seit langem keinen Kontakt und es schien ihm auch kein grosses
Bedürfnis zu sein, dies zu ändern und an ihrem Leben teilzunehmen. Der Bereitschaft,
gegebenenfalls freiwillig ihre Ausbildung mitzufinanzieren, ist dieser Umstand wohl
nicht zuträglich. Zudem hat er das vorliegende Abänderungsverfahren angestrengt und
ist seinen Anträgen gemäss nur noch zur Leistung minimaler Unterhaltsbeiträge nicht
einmal bis zur Volljährigkeit bereit. Vor diesem Hintergrund kann nicht davon
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ausgegangen werden, dass bei Volljährigkeit von C. eine einvernehmliche Regelung
des Unterhalts einfach zu erreichen sein wird. Dies würde dazu führen, dass C. gegen
ihren Vater bzw. gegen beide Eltern eine Klage auf Volljährigenunterhalt einreichen
müsste. Dies würde für sie zu einer weiteren Belastung führen. Auch ein soeben
volljährig gewordenes Kind befindet sich im Vergleich zu den Eltern noch in einer
schwächeren und damit verstärkt zu schützenden Position. In diesem Alter muss sich
eine junge Erwachsene vielfältigen Herausforderungen in schulischer/beruflicher und
persönlicher Hinsicht stellen und das Verhältnis zu den Eltern ist häufig ohnehin
angespannt und könnte durch ein Gerichtsverfahren noch weiter beeinträchtigt werden.
Oder, wenn wie vorliegend zum einen Elternteil gar kein Kontakt vorhanden ist, könnte
die Wiederaufnahme eines solchen im Erwachsenenalter noch unwahrscheinlicher
werden. Zudem könnte bis zum rechtskräftigen Abschluss eines Gerichtsverfahrens
viel Zeit vergehen, in der C. im schlimmsten Fall über keinen Unterhalt verfügen würde.
Die Verweisung von C. auf eine (unwahrscheinliche) einvernehmliche Lösung oder den
Klageweg ist ihr folglich sowohl emotional als auch vom Zeithorizont her unzumutbar.
Damit ist für sie die Frage des Unterhalts auch für die Zeit nach Erreichen der
Volljährigkeit zu klären für den (nicht unwahrscheinlichen) Fall, dass sie bis dahin noch
keine angemessene Erstausbildung abgeschlossen hat. Dabei muss zwangsläufig auf
geschätzte Bedarfs- und Einkommenspositionen abgestellt werden. Es besteht so zwar
das Risiko, dass die Berechnungsgrundlagen im betreffenden Zeitpunkt nicht (mehr)
alle stimmen und gegebenenfalls ein Abänderungsverfahren erforderlich wird. Dieser
Nachteil ist jedoch hinzunehmen und den genannten Nachteilen, welche die
Nichtfestlegung jeglichen Unterhalts für C. hätte, immer noch vorzuziehen.
cc) Volljährigenunterhalt ist nur geschuldet, wenn dieser den Eltern in wirtschaftlicher
und persönlicher Hinsicht zumutbar ist (vgl. BGE 129 III 375 E. 3). Zur persönlichen
Zumutbarkeit äusserte sich B. nicht; sie ist zu bejahen, ist doch der fehlende Kontakt
zu C. (auch) ihm zuzuschreiben. Für die wirtschaftliche Zumutbarkeit präzisierte das
Bundesgericht in seinem neuen Urteil 5A_311/2019, zum einen sei die frühere
Rechtsprechung, wonach beim Volljährigenunterhalt dem Unterhaltsverpflichteten ein
um 20% erweiterter Notbedarf zu belassen sei, dahingehend zu präzisieren, dass es
sich neu um das familienrechtliche Existenzminimum handle, welches den
unterhaltspflichtigen Eltern zu belassen sei. Zum anderen könne ein auf die übrigen
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Familienmitglieder aufzuteilender Überschuss erst entstehen, wenn die Verpflichtung
zur Leistung von Volljährigenunterhalt erfüllt sei. Anzufügen bleibe, dass mit dem
Erreichen der Volljährigkeit sämtliche Erziehungs- und Betreuungspflichten der Eltern
wegfielen und deshalb der auf Art. 277 Abs. 2 ZGB gestützte Unterhalt für das
volljährige Kind von beiden Elternteilen entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit in Geld
zu erbringen sei.
dd) Als Ausgangspunkt ist der Grundbedarf von C. zu nehmen, um dessen Deckung
es geht. Was ihren Grundbetrag anbelangt, erscheint es wahrscheinlich, dass sie in
jenem Zeitpunkt entweder noch mit ihrer Mutter oder mit anderen jungen Leuten in
einer Wohngemeinschaft wohnt. Beides kann am ehesten mit einer kostensenkenden
Wohngemeinschaft gemäss Ziffer I der Schweizer Richtlinien zum
betreibungsrechtlichen Existenzminimum verglichen werden, womit der Betrag von Fr.
850.00 (halber Ehegatten-Grundbetrag) einzusetzen ist. Auch mit Blick auf das
mutmassliche Haushaltsbudget in einer Wohngemeinschaft und auf den bis zur
Volljährigkeit geltenden Grundbetrag von Fr. 600.00 erscheint dieser Betrag als
gerechtfertigt (vgl. auch die bisherige Praxis des Kantonsgerichts in: FamPra.ch 2005,
S. 906, 908). Bei den Wohnkosten kann ein Betrag von rund Fr. 550.00 angenommen
werden; zum einen finden sich für diesen Betrag WG-Zimmer z.B. in St. Gallen (vgl.
www.comparis.ch/immobilien/marktplatz/
st-gallen/wg-zimmer/mieten, besucht am 2. Februar 2021), zum andern würde sich ein
solcher leicht höherer Betrag als vor der Volljährigkeit auch als Wohnkostenanteil bei
der Mutter rechtfertigen. Weiter wird C. bei der Krankenkassenprämie den Tarif "junge
Erwachsene" – schätzungsweise monatlich Fr. 180.00 (z.B. bei Helsana, vgl.
Prämienrechner auf www.helsana.ch, besucht am 2. Februar 2021) – bezahlen müssen.
Ob ihr daneben weitere Bedarfspositionen anfallen werden – und wenn ja, in welcher
Höhe –, ist indessen zu ungewiss, als dass dafür bereits jetzt ein Betrag in die
Bedarfsrechnung einbezogen werden könnte. Das Gleiche gilt für ein allfälliges eigenes
Einkommen, das sie dann möglicherweise erzielen wird. Für beides wäre
gegebenenfalls der Weg über ein Abänderungsverfahren einzuschlagen. Es rechtfertigt
sich folglich, bei C. von einem Grundbedarf von Fr. 1'580.00 bzw. nach Abzug der
Ausbildungszulage von einem ungedeckten Bedarf von Fr. 1'300.00 auszugehen.
[...]
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Nach der Deckung des Barbedarfs von K. und L. verbleibt B. ein Überschuss von Fr.
1'570.00 [...]. Betreuungsunterhalt schuldet er nicht mehr, kann M. doch nun ihren
Bedarf decken. Gemäss den erwähnten Ausführungen des Bundesgerichts (BGer
5A_311/2019 E. 8.5) ist für die Frage, welcher Elternteil welchen Anteil am Bedarf von
C. zu tragen hat, vom Verhältnis der bei den Eltern vorhandenen Überschüsse
auszugehen. Der Überschuss von B. ist nun gut eineinhalb Mal so gross wie derjenige
von A. Es erscheint daher angemessen, dass er sich zu 60% am Volljährigenunterhalt
von C. beteiligt. Damit hat er C. ab Dezember 2026 bis zum ordentlichen Abschluss
einer angemessenen Erstausbildung – falls sie bis dann eine solche noch nicht
abgeschlossen hat – einen Unterhaltsbeitrag von Fr. 780.00 zu bezahlen, zuzüglich
allfällig von ihm bezogener Ausbildungszulagen. Da die Mutter nicht als Partei am
vorliegenden Verfahren beteiligt ist, kann über ihre Unterhaltspflicht hier nicht befunden
werden.
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2021-09-23T06:31:24+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen