Decision ID: d32a0809-be70-5ed1-b74a-4294ed240461
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Dr. Y._ betreibt unter der Firma "Y._ Advokatur" ein Rechtsanwalts- und
Notariatsbüro, über welches zwischen dem 20. Oktober 2015 und dem 24. August
2017 im Auftrag von X._ mehrere zivilrechtliche Mandate geführt wurde. Zunächst
wurde X._ von Rechtsanwalt B._ und nach dessen Kündigung von Rechtsanwältin
A._ vertreten. Mit Schreiben vom 8. Februar 2016 wurde ein Kostenvorschuss
einverlangt. Am 5. Dezember 2016 unterzeichnete X._ eine Schuldanerkennung,
wonach sie Rechtsanwalt Dr. Y._ unter Berücksichtigung einer Teilzahlung am
29. November 2016 total CHF 31'311.50 nebst 5 Prozent Verzugszins schulde.
Nachdem X._ der Honorarforderung nicht nachgekommen war, leitete Rechtsanwalt
Dr. Y._ eine Betreibung im Umfang von CHF 37'705.85 zuzüglich 5 Prozent Zins seit
6. Dezember 2017 ein. Gegen den entsprechenden Zahlungsbefehl vom 8. Dezember
2017 erhob X._ am 14. Dezember 2017 Rechtsvorschlag.
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B. Mit Eingabe vom 8. Januar 2018 ersuchte Rechtsanwalt Dr. Y._, vertreten durch
Rechtsanwältin A._, bei der Anwaltskammer um Entbindung vom Berufsgeheimnis zur
Geltendmachung seiner Honorarforderung gegen X._, nachdem diese eine vorgängige
direkte Anfrage abschlägig beantwortet hatte. Mit Entscheid vom 25. April 2018
(Versand am 5. Juni 2018) entband der Präsident der Anwaltskammer Rechtsanwalt
Dr. Y._ vom Berufsgeheimnis gegenüber X._, soweit dies für die Durchsetzung seiner
Honorarforderung notwendig sei.
C. X._ (Beschwerdeführerin) erhob gegen den am 6. Juni 2018 zugestellten Entscheid
der Anwaltskammer (Vorinstanz) mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 20. Juni 2018
Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie beantragte, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid vollumfänglich aufzuheben und
der Antrag von Rechtsanwalt Dr. Y._ (Beschwerdegegner) um Entbindung vom
Berufsgeheimnis abzuweisen. Die Vorinstanz verwies am 22. August 2018 unter
Verzicht einer Vernehmlassung auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid. Am
10. September 2018 liess sich der Beschwerdegegner vernehmen; dazu äusserte sich
die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 27. November 2018. Am 30. November 2018
verzichtete der Beschwerdegegner ausdrücklich auf die Einreichung einer weiteren
Stellungnahme.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit wesentlich,
in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
1.1. (...)
1.2. Streitig und nachfolgend zu prüfen ist einzig die Frage, ob die Vorinstanz den
Beschwerdegegner zu Recht vom Anwaltsgeheimnis entbunden hat. Demgegenüber
hat das Verwaltungsgericht die materielle Begründetheit der vom Beschwerdegegner
geltend gemachten Forderung nicht zu prüfen, da der Entbindungsentscheid keine
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materiellen Rechtswirkungen entfaltet. Er ermöglicht es dem gesuchstellenden Anwalt
bloss, ohne Verletzung des disziplinar- und strafrechtlich geschützten
Berufsgeheimnisses seine behauptete Honorarforderung gerichtlich geltend zu
machen. Auf die entsprechenden Einwände der Beschwerdeführerin bezüglich Höhe
und Begründetheit der Honorarforderung ist deshalb nicht weiter einzugehen (BGer
2C_439/2017 vom 16. Mai 2018 E. 3.3; 2C_704/2016 vom 6. Januar 2017 E. 3.3; vgl.
auch Entscheid des Verwaltungsgerichts Graubünden U 17 5 vom 9. März 2017 E. 1b).
Aus denselben Gründen kann der Vorinstanz auch kein Verstoss gegen das Verbot der
antizipierten Beweiswürdigung vorgeworfen werden.
2. Rechtsanwälte unterstehen zeitlich unbegrenzt und gegenüber jedermann dem
Berufsgeheimnis über alles, was ihnen infolge ihres Berufs von ihrer Klientschaft
anvertraut worden ist (Art. 13 Abs. 1 BGFA; vgl. auch Art. 321 des Schweizerischen
Strafgesetzbuch, SR 311.0, StGB). Das Berufsgeheimnis nach Art. 321 StGB erfasst
alle Informationen, die dem Anwalt im Zusammenhang mit der Ausübung seines Berufs
von Klienten oder von Dritten anvertraut werden oder die er bei der Ausübung seines
Berufs wahrnimmt. Dazu gehört auch die Tatsache der Mandatsführung (W. Fellmann,
Anwaltsrecht, 2. Aufl. 2017, Rzn. 542 und 546). Die klageweise Einforderung einer
Honorarforderung setzt daher eine vorgängige Befreiung des Anwalts von seiner
Schweigepflicht voraus. Verweigert der Mandant die Entbindung vom
Anwaltsgeheimnis, so hat sich der Rechtsanwalt, der sein Honorar auf dem Rechtsweg
einzutreiben sucht, mit einem entsprechenden Begehren an die Aufsichtsbehörde zu
wenden (BGer 2C_704/2016 vom 6. Januar 2017 E. 3.1).
Zuständig für die Entbindung vom Berufsgeheimnis ist die kantonale Aufsichtsbehörde
über die Anwältinnen und Anwälte nach Art. 14 BGFA (Nater/Zindel in: Fellmann/Zindel
[Hrsg.], Kommentar zum Anwaltsgesetz, 2. Aufl. 2011, N 137 f. zu Art. 13 BGFA). Im
Kanton St. Gallen ist die Entbindung vom Berufsgeheimnis Aufgabe des Präsidenten
der Anwaltskammer (Art. 5 Abs. 2 lit. e AnwG in Verbindung mit Art. 5 der Weisung der
Anwaltskammer vom 27. April 2015 über die Übertragung von Aufgaben an den
Präsidenten, das Anwaltsregister und die EU/EFTA-Anwaltsliste sowie den
Geschäftsgang, www.gerichte.sg.ch unter Dienstleistungen/Weisungen
Anwaltskammer). Das begründete Gesuch muss durch den Anwalt selbst und vor der
Preisgabe der vertraulichen Information gestellt werden. Die Entbindung durch die
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Aufsichtsbehörde ist jedoch subsidiär, d.h. sie kommt nur zum Zuge, sofern die
Einwilligung des Klienten nicht eingeholt werden kann oder sie vom Klienten verweigert
wird (Nater/Zindel, a.a.O., N 133 ff. zu Art. 13 BGFA; K. Schiller, Schweizerisches
Anwaltsrecht, Zürich 2009, Rz. 620).
3. Die Beschwerdeführerin wendet zunächst ein, der Beschwerdegegner habe die
Entbindung vom Anwaltsgeheimnis nicht selbst beantragt, sondern sich von seiner
Mitarbeiterin bzw. Kollegin vertreten lassen. Damit sei der Grundsatz der persönlichen
Gesuchstellung verletzt worden.
3.1. Gemäss Art. 321 Ziff. 2 StGB ist der Täter nicht strafbar, wenn er das Geheimnis
aufgrund einer Einwilligung des Berechtigten oder einer "auf Gesuch des Täters"
erteilten schriftlichen Bewilligung der vorgesetzten Behörde oder Aufsichtsbehörde
offenbart hat. Damit ist lediglich gesagt, dass nur der Anwalt berechtigt ist, das Gesuch
zu stellen, nicht aber Dritte, Gerichte oder Behörden. Insbesondere kann das Gesuch
an die Aufsichtsbehörde nicht gegen den Willen des Anwalts gestellt werden (vgl.
Schiller, a.a.O., Rz. 622; Fellmann, a.a.O., Rz. 591).
3.2. Das Gesetz schliesst entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin indes eine
berufsmässige Vertretung durch einen anderen Anwalt nicht aus. Vorausgesetzt wird
lediglich, dass das Gesuch um Entbindung vom Berufsgeheimnis vom Anwalt stammen
muss und nicht gegen seinen Willen gestellt worden ist. Unbestritten ist, dass der
Beschwerdegegner als Inhaber des Einzelunternehmens "Y._ Advokatur" (vgl.
www.zefix.ch) der Beschwerdeführerin im Zeitraum von März 2016 bis August 2017
diverse anwaltliche Leistungen seiner Mitarbeiter in Rechnung gestellt hat (vgl. act.12/1
und 10). Damit ist er zur Stellung des Gesuchs um Entbindung vom Berufsgeheimnis
berechtigt. Zudem erteilte er am 4. Januar 2018 seiner Mitarbeiterin – einer im
Anwaltsregister des Kantons St. Gallen eingetragenen Rechtsanwältin – den Auftrag
und die Vollmacht zur Interessenwahrung im Zusammenhang mit dem entsprechenden
Honorarinkasso (act. 9/2/1). Die Rechtsvertreterin wurde damit nicht gegen den Willen
des Beschwerdegegners, sondern vielmehr in dessen Auftrag tätig. Im Übrigen
untersteht der Geheimhaltungspflicht in einem Anwaltsbüro jeder Anwalt und nicht nur
derjenige, der das Mandat führt. Dass Anwälte innerhalb eines Büros unter sich und mit
dem Hilfspersonal vertrauliche Informationen austauschen, ist unvermeidlich. Das
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Anwaltsbüro ist deshalb eine durchlässige Einheit. Nach dem BGFA sind alle Anwälte
desselben Büros gleichsam als einziger Anwalt zu betrachten. Dies bedeutet, dass
innerhalb des Anwaltsbüros die Vertraulichkeit nicht gewahrt werden muss. Auf der
anderen Seite ist jeder Klient des Büros Klient aller Anwälte des Büros. Jeder Anwalt ist
verpflichtet, das Berufsgeheimnis zugunsten aller Klienten des Büros einzuhalten, und
zwar unabhängig davon, ob eine direkte Vertragsbeziehung zu diesem Anwalt besteht
oder nicht (vgl. GVP 2016 Nr. 75 E. 6 mit Hinweisen auf Schiller, a.a.O., Rzn. 505 und
1159 ff. sowie Fellmann, in: Fellmann/Zindel, a.a.O., N 88 zu Art. 12 BGFA).
4. Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe den in BGE 142 II 307
festgelegten Grundsatz verletzt, wonach in jedem Falle darzulegen sei, weshalb dem
Anwalt eine Kostendeckung über die Erhebung eines Kostenvorschusses nicht möglich
gewesen sei.
4.1. Ob dem Ersuchen um Entbindung vom Anwaltsgeheimnis zu entsprechen ist,
beurteilt sich auf Grund einer Abwägung sämtlicher auf dem Spiel stehenden
Interessen, wobei nur ein deutlich überwiegendes öffentliches oder privates Interesse
eine Entbindung als zulässig erscheinen lässt. Während eine Anwältin oder ein Anwalt
regelmässig über ein schutzwürdiges Interesse an der Entbindung zwecks Eintreibung
offener Honorarforderungen verfügt, steht diesem Interesse ein institutionell
begründetes und je nach Situation auch ein individual-rechtliches Interesse des
Klienten auf Geheimhaltung der Mandatsbeziehung gegenüber. An die Substantiierung
dieses Geheimhaltungsinteresses wiederum dürfen im Verfahren auf Entbindung keine
zu hohen Anforderungen gestellt werden, weil der in Art. 321 Ziff. 1 StGB verankerte
Schutz des Berufsgeheimnisses andernfalls unterlaufen würde (vgl. BGer 2C_704/2016
vom 6. Januar 2017 E. 3.2).
4.2. In dem von der Beschwerdeführerin angeführten BGE 142 II 307 ersuchte ein
Rechtsanwalt in seiner Eigenschaft als Willensvollstrecker des Nachlasses eines
Berufskollegen um Entbindung vom Anwaltsgeheimnis, um eine aus dem Nachlass
stammende Honorarforderung durchzusetzen. Der Erblasser hatte zu Lebzeiten vom
Klienten einen Kostenvorschuss einverlangt, der die Honorarforderung jedoch nur
teilweise abdeckte (nicht publ. E. 4.4). Das Bundesgericht hielt unter anderem fest, bei
der Abwägung der sich entgegenstehenden Interessen im Zusammenhang mit einer
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offenen Honorarforderung sei auch dem Umstand Rechnung zu tragen, dass ein
Anwalt vom Klienten grundsätzlich einen Vorschuss verlangen könne, welcher die
voraussichtlichen Kosten seiner Tätigkeit decke, und, sofern das Mandat für ihn eine
wichtige wirtschaftliche Bedeutung habe, zur Erhebung eines solchen Vorschusses
unter dem Gesichtspunkt des Unabhängigkeitserfordernisses von Art. 12 lit. b BGFA
sogar gehalten sein könne. Abgesehen von Konstellationen, in welchen dem Anwalt die
Erhebung eines Kostenvorschusses von vornherein verwehrt sei, habe ein zwecks
Eintreibung einer offenen Honorarforderung um Entbindung ersuchender Anwalt
darzulegen, weshalb ihm eine Kostendeckung über die Erhebung eines
Kostenvorschusses nicht möglich gewesen sei (vgl. E. 4.3.3). Einen Monat später berief
sich das Bundesgericht (im Urteil 2C_215/2015 vom 16. Juni 2016 in der nicht als Teil
von BGE 142 II 256 publizierten E. 5.2) auf eine konkrete Beweispflicht des Anwalts im
Verfahren der Entbindung.
4.3. Müsste die bundesgerichtliche Rechtsprechung dahingehend verstanden werden,
dass bei einem Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses dem Anwalt die
Entbindung vom Berufsgeheimnis generell verwehrt wäre, würde dieser bei der
genannten Konstellation faktisch seinen Anspruch auf ein Anwaltshonorar ohne
weiteres verlieren. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, ist eine
solche Auffassung aus verschiedenen Gründen abzulehnen, und ihre diesbezügliche
Argumentation vermag zu überzeugen (vgl. E. 3a/bb des angefochtenen Entscheids).
So fehlt es offensichtlich an einer gesetzlichen Grundlage, aufgrund derer ein Anwalt
verpflichtet wäre, von seiner Mandantschaft vorgängig einen Kostenvorschuss
einzuverlangen. Eine solche gesetzliche Verankerung der Kostenvorschusspflicht wäre
jedoch im Hinblick auf die damit einhergehende Einschränkung der Wirtschaftsfreiheit
(Art. 27 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101, BV)
zwingend. Der Anwalt hat damit vielmehr ein Recht, aber keine Pflicht, einen Vorschuss
zu verlangen. Weiter würde eine generelle Kostenvorschusspflicht den Zugang zum
Recht erheblich erschweren, wenn nicht in bestimmten Fällen gar verunmöglichen.
Dies wiederum liegt weder im Interesse der Anwaltschaft noch der Klienten. Aus
ähnlichen Gründen werden die vorstehend in Erwägung 4.2 zitierten Urteile des
Bundesgerichts denn auch in der Lehre hinterfragt (vgl. die in E. 3a/aa des
angefochtenen Entscheids zitierte Literatur).
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4.4. Die vom Bundesgericht in der vorstehend zitierten Rechtsprechung gewählte
Formulierung ist bei Konstellationen wie der vorliegenden daher vielmehr dahingehend
zu verstehen, als dass es die Einholung eines Kostenvorschusses nicht in jedem Fall
zwingend als bedingungslose Voraussetzung für die Eintreibung einer
Honorarforderung erachtet hat, indes aber verlangt, dass diesem Umstand bei der
Abwägung der sich entgegenstehenden Interessen von Anwalt und Privatperson
angemessen Rechnung zu tragen ist. Dies räumt der erstinstanzlich zuständigen
Aufsichtskommission insofern einen gewissen Ermessensspielraum ein, als dass sie
nach einer sorgfältig durchgeführten und den Umstand berücksichtigenden
Interessenabwägung den Anwalt – trotz Fehlens eines Kostenvorschusses – vom
Anwaltsgeheimnis entbinden darf, wenn die Güterabwägung zu seinen Gunsten
ausfällt, das heisst wenn das Interesse an der Offenlegung deutlich höher ist als das
entgegenstehende Geheimhaltungsinteresse des Klienten (vgl. dazu ausführlich Urteil
des Verwaltungsgerichts Graubünden U 17 5 vom 9. März 2017 E. 4b). Diese Ansicht
liegt im Übrigen auch dem zwischenzeitlich ergangenen Urteil des Bundesgerichts
2C_704/2016 vom 6. Januar 2017 zugrunde, wo es ausführte, dass im Rahmen der
Interessenabwägung jene Umstände ebenfalls Berücksichtigung finden können, die es
dem Anwalt eventuell verunmöglichen, einen Kostenvorschuss zu erheben (E. 3.2).
Schliesslich verweigerte das Bundesgericht weder in BGE 142 II 307 und BGE 142 II
256 noch – soweit ersichtlich – anderswo die Entbindung vom Anwaltsgeheimnis
wegen Nichterhebung eines Kostenvorschusses. Es statuierte folglich nicht, dass bei
einem Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses dem Anwalt die Entbindung
vom Berufsgeheimnis generell zu verwehren sei.
5. Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Vorinstanz dem Ersuchen um Entbindung vom
Anwaltsgeheimnis aufgrund einer Abwägung sämtlicher auf dem Spiel stehenden
Interessen zu Recht entsprochen hat.
5.1. Die Vorinstanz hat die massgebenden Interessen festgestellt und sachgerecht
gegeneinander abgewogen. Sie kam zum Schluss, dass der Beschwerdegegner als
freiberuflich tätiger Rechtsanwalt ein Unternehmer- und Inkassorisiko habe und die
Honorare aus der Rechtsvertretung bzw. -beratung in aller Regel die einzige
Einnahmequelle darstellten. Es liege deshalb auf der Hand, dass der
Beschwerdegegner ein hohes Interesse an der Offenlegung des Berufsgeheimnisses
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habe, weil er diese benötige, um seine Honorarforderung durchsetzen zu können. Die
demgegenüber von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Einwände seien
zivilrechtlich für den Bestand bzw. die Höhe der Forderung von Bedeutung und
beträfen die Art und Weise der Mandatsführung, welche nicht im Verfahren vor der
Anwaltskammer zu berücksichtigen, sondern vom Zivilgericht zu beurteilen seien.
Überwiegende Interessen, die gegen die Offenlegung der für die Durchsetzung der
Honorarforderung benötigten Informationen gegenüber dem Betreibungsamt bzw.
Zivilgericht oder einer in diesem Zusammenhang mandatierten Rechtsvertreterin
sprechen würden, seien weder dargetan noch ersichtlich.
5.2. Was die Beschwerdeführerin dagegen vorbringt, vermag an diesem Resultat nichts
zu ändern. Insbesondere versäumt sie es weiterhin, ein massgebliches individuelles
Geheimhaltungsinteresse auch nur andeutungsweise namhaft zu machen. Soweit sie
geltend macht, ihr Ehemann habe als Oberstaatsanwalt in Winterthur ein legitimes
Interesse daran, dass seine höchstpersönlichen Informationen vom ehemaligen
Rechtsvertreter seiner Frau zur Durchsetzung der Honorarforderung nicht breitgetreten
würden (vgl. act. 1 Rz. 51 f.), verkennt die Beschwerdeführerin einerseits, dass es sich
dabei nicht um ein eigenes Interesse ihrerseits handelt. Andererseits wies bereits die
Vorinstanz hin, dass einem diesbezüglichen Geheimhaltungsinteresse der
Beschwerdeführerin (oder ihres Ehemannes) mit geeigneten Massnahmen Rechnung
getragen werden kann. Denn sollte es im Rahmen der Durchsetzung der Forderung zu
einem Gerichtsverfahren kommen (müssen), welches grundsätzlich öffentlich ist
(Art. 54 Abs. 1 der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO), kann der
Richter nach Art. 54 Abs. 3 ZPO die Öffentlichkeit wegen eines schutzwürdigen
Interesses einer beteiligten Person ausschliessen. Ferner sind auch die
Schlichtungsstellen und Gerichte an das Amtsgeheimnis gebunden (Art. 320 StGB).
Dass bei dieser Sach- und Rechtslage ein gewichtiger individual-rechtlicher
Gesichtspunkt einer Entbindung vom Berufsgeheimnis entgegenstehen könnte, ist
daher nicht ersichtlich. Soweit die Beschwerdeführerin dem Beschwerdegegner
Pflichtverletzungen bei der Mandatsführung vorwirft, stellen diese wie dargelegt (vgl.
vorstehende E. 1.2) grundsätzlich ebenfalls nicht Gegenstand des Verfahrens
betreffend Entbindung vom Berufsgeheimnis dar, sondern sind vielmehr im
nachgelagerten Zivilprozess betreffend die Honorarforderung geltend zu machen.
Demgegenüber kann aufseiten des Beschwerdegegners angesichts der im Raum
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stehenden Honorarforderung keineswegs nur von einem geringen Interesse an der
Beschreitung des Prozesswegs die Rede sein. Weiter hat die Vorinstanz den
Umständen Beachtung geschenkt, die dazu führten, weshalb der Beschwerdegegner
seine Honorarforderung – abgesehen vom erstmaligen Einverlangen eines
Kostenvorschusses – nicht über weitere Kostenvorschüsse deckte. So räumte die
Beschwerdeführerin selbst ein, dass der Beschwerdegegner einen Kostenvorschuss
verlangt habe, dieser allerdings schnell konsumiert worden sei (vgl. act. 9/13 Rz. 18).
Ausserdem leistete die Beschwerdeführerin am 29. November 2016 eine Teilzahlung
und unterzeichnete am 5. Dezember 2016 eine Schuldanerkennung (vgl. act. 9/2/6). Die
Vorinstanz wies daher zu Recht darauf hin, dass sich für den Beschwerdegegner
aufgrund des dadurch im Hinblick auf die Zahlungsfähigkeit und -bereitschaft
geschaffenen Vertrauensverhältnisses das Einverlangen weiterer Vorschüsse eben
gerade nicht aufdrängte (vgl. E. 3b des angefochtenen Entscheids). Die Umstände, die
den Beschwerdegegner auf die Erhebung weiterer Kostenvorschüsse verzichten
liessen, sind folglich nicht dazu geeignet, das Interesse an einer Befreiung von der
Geheimhaltungspflicht zu verringern. Einem intakten, schutzwürdigen und erheblichen
Interesse des Beschwerdegegners an einer Entbindung vom Berufsgeheimnis stehen
damit auf Seiten der Beschwerdeführerin keine bedeutenden privaten Interessen
entgegen. Bei dieser Ausgangslage führt nicht schon das institutionelle Interesse an
der Wahrung des Anwaltsgeheimnisses zu einer Verweigerung der Entbindung,
sondern das private Interesse des Anwalts an der Entbindung vom Anwaltsgeheimnis
überwiegt deutlich (vgl. BGer 2C_439/2017 vom 16. Mai 2018 E. 3.5).
5.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz den Beschwerdegegner zu
Recht vom Berufsgeheimnis gegenüber der Beschwerdeführerin entbunden hat, soweit
dies für die Durchsetzung seiner Honorarforderung notwendig ist. Die Beschwerde
erweist sich daher als unbegründet und ist abzuweisen.
6. (...)