Decision ID: 1d8aad74-a908-5b35-86de-4b1efa01f2d1
Year: 2007
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Am 8. März 2006 ersuchte A._ (nachfolgend Beschwerdeführerin) beim Schweizerischen Generalkonsulat in Shanghai um eine  für einen dreimonatigen Besuchsaufenthalt bei ihrem in der Stadt Bern wohnhaften Sohn B._. Die Auslandvertretung verweigerte das beantragte Visum vorerst formlos und übermittelte das Gesuch anschliessend der Vorinstanz zum formellen Entscheid.
B. Mit Verfügung vom 29. März 2006 wies die Vorinstanz das Einreisegesuch ab. Zur Begründung führte sie aus, die schweizerischen Behörden hätten sich zu vergewissern, dass ausländische Staatsangehörige nach Ablauf ihres Aufenthalts hierzulande wieder ausreisten. Wie die Erfahrung zeige, würden Touristen- oder Besuchervisa immer wieder von Personen dazu missbraucht, sich dauerhaft in der Schweiz niederzulassen. Angesichts der wirtschaftlichen und soziokulturellen Verhältnisse im Herkunftsland, aber auch in Berücksichtigung der persönlichen Situation der Gesuchstellerin könne die fristgerechte und anstandslose Wiederausreise in ihrem Falle nicht als gesichert betrachtet werden. Des Weiteren lägen keinerlei  vor, die eine Einreise trotz dieser Bedenken als zwingend notwendig  liessen.
C. Mit Beschwerde vom 1. Mai 2006 an das Eidgenössische Justiz- und  (EJPD) beantragt die Beschwerdeführerin die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung des Besuchervisums.  sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Im Wesentlichen lässt sie zur Begründung vorbringen, sie habe ihren Sohn seit 1990 nicht mehr gesehen. Nur mit Mühe habe B._ vom BFM im Dezember 2005 ein Ersatzreisepapier erhalten, um seine Mutter im Ausland treffen zu können. Leider habe man ihn am Flughafen Zürich nicht ausreisen lassen, weshalb das für anfangs 2006 in Hong Kong geplant gewesene  nicht zu Stande gekommen sei. Ein weiterer wichtiger Grund für eine Einreise liege darin, dass der Gastgeber beabsichtige, in der Schweiz zu heiraten und die Beschwerdeführerin gerne bei diesem Familienereignis dabei sein möchte. Sowohl Mutter als auch Sohn würden im Übrigen für die fristgerechte Wiederausreise garantieren.
D. In der Vernehmlassung vom 30. Mai 2006 schliesst die Vorinstanz auf  der Beschwerde und hebt hervor, Zweifel an der fristgerechten Wiederausreise bestünden namentlich deshalb, weil der  in China keine zwingenden familiären Verpflichtungen oblägen und sie am 5. Juni 2005 ein Einreisegesuch gestellt habe mit der erklärten Absicht, bei ihrem Sohn in Bern Wohnsitz zu nehmen.
E. In der Replik vom 30. Juni 2006 wird nochmals auf die  verwiesen und argumentiert, das private Interesse der , ihren Sohn nach 16 Jahren wieder treffen zu können,  die vom BFM angesprochenen, auf Verallgemeinerungen beruhenden öffentlichen Interessen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des Bundesamtes für Migration (BFM) betreffend  der Einreisebewilligung unterliegen der Beschwerde an das  (Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer [ANAG, SR 142.20] i.V.m. Art. 31 und 33 lit. d des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht [VGG, SR 173.32]).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht übernimmt die Beurteilung der beim  des Verwaltungsgerichtsgesetzes am 1. Januar 2007 bei  Rekurs- oder Schiedskommissionen oder bei  der Departemente hängigen Rechtsmittel. Für die Beurteilung gilt das neue Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 VGG).
1.3 Gemäss Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem  nach dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das  [BGG, SR 173.110]).
1.4 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsbetroffene nach Art. 20 Abs. 1 ANAG i.V.m. Art. 48 VwVG zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die frist- und formgerechte Beschwerde ist einzutreten (Art. 49 – 52 VwVG).
2. Ausländer/-innen sind zur Anwesenheit in der Schweiz berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung besitzen oder wenn sie keiner solchen bedürfen (vgl. Art. 1a ANAG). Die Behörde entscheidet, im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und der Verträge mit dem , nach freiem Ermessen über die Bewilligung von Aufenthalt oder  (Art. 4 ANAG). Daher räumt das schweizerische Recht weder einen Anspruch auf Einreise noch auf Erteilung eines Visums ein (vgl. PETER UEBERSAX, Einreise und Anwesenheit, in: PETER UEBERSAX/PETER MÜNCH/THOMAS GEISER/MARTIN ARNOLD (Hrsg.), Ausländerrecht,  und Ausländer im öffentlichen Recht, Privatrecht, Steuerrecht und Sozialrecht der Schweiz, Basel/Genf/München 2002, S. 143). Dem  Ermessen steht somit im Falle der Erteilung einer  ein weiterer Spielraum offen als beispielsweise bei der Verlängerung einer allmählich den Vertrauensschutz verfestigende . Dies gilt auch für die Beurteilung von Einreiseersuchen zur  von bis zu drei Monaten, die bewilligungsfrei, mitunter aber  sind (vgl. Art. 2 Abs. 1 ANAG i.V.m. den nachstehenden ).
3. Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schweiz grundsätzlich ein Visum (vgl. Art. 1 und Art. 3 der Verordnung vom 14.  1998 über Einreise und Anmeldung von Ausländerinnen und Auslän-
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der [VEA, SR 142.211]). Das Visum wird verweigert, wenn die Ausländerin oder der Ausländer die Einreisevoraussetzungen nach Art. 1 VEA nicht  (vgl. Art. 14 Abs. 1 VEA). So müssen Personen, die in die Schweiz  möchten, unter anderem Gewähr bieten, dass sie fristgerecht wieder ausreisen werden (Art. 1 Abs. 2 Bst. c. VEA). Dazu lassen sich jedoch, da ein künftiges Verhalten zu beurteilen ist, in der Regel keine gesicherten Feststellungen, sondern lediglich Voraussagen machen. Dabei sind  Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen.
4. Die Beschwerdeführerin kann sich auf keine Ausnahmeregelung berufen und unterliegt aufgrund ihrer Nationalität den Visumsbestimmungen (vgl. Art. 1 - 5 VEA).
4.1 Anhaltspunkte zur Beurteilung der fristgerechten Wiederausreise ergeben sich unter anderem aus der allgemeinen Lage im Herkunftsland der  oder des Besuchers. Einreisegesuche von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten beziehungsweise Regionen mit politisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen können darauf hindeuten, dass die persönliche Interessenlage in solchen Fällen nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht.
4.2 Die aktuelle Lage in China zeichnet sich durch ein rasantes  Wachstum auf der einen und eine nur zögerliche gesellschaftliche und politische Öffnung auf der anderen Seite aus. Trotz des  ist der wirtschaftliche Wohlstand der Bevölkerung im  Vergleich noch immer unterdurchschnittlich. China avancierte zwar inzwischen zur viertgrössten Volkwirtschaft und drittgrössten  der Welt. Mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Inlandsprodukt von jährlich knapp über 1'700 Dollar bleibt es aber das weltgrösste . Ungeachtet aller Fortschritte bergen die überkommenen  Chinas mittel- und langfristig Risiken für die wirtschaftliche, soziale und damit auch die politische Entwicklung. Das Wohlstandsgefälle in der chinesischen Gesellschaft nimmt ständig zu. Die ländliche Bevölkerung  West-, Nordost- und Zentralchina werden zu Reformverlierern. Aber auch in den prosperienden Küstenprovinzen klafft die Wohlstandsschere immer weiter auseinander (vgl. www.auswaertiges-amt.de, Stand Oktober 2006 [besucht am 14. März 2007]). Auf entsprechendem Niveau bewegt sich der Anteil derer, die sich zur Emigration entschliessen. Der Wille zur Auswanderung wird erfahrungsgemäss in jenen Fällen noch begünstigt, wo sich Verwandte oder Bekannte im Ausland aufhalten bzw. sich dort  haben.
4.3 Angesichts der dargelegten Verhältnisse ging die Vorinstanz zu Recht  aus, Besucherinnen und Besucher aus dieser Region könnten nach  Einreise versucht sein, ausländerrechtliche Bestimmungen zu , zumal sich der Zuwanderungsdruck auch in den Asylgesuchszahlen niederschlägt. Laut Asylstatistik 2006 ersuchten Staatsangehörige aus China in der Schweiz im vergangenen Jahr mit 475 Gesuchen am  um Asyl. Es wäre jedoch zu schematisch und nicht haltbar,  und ohne spezifische Hinweise ausschliesslich aufgrund der allge-
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meinen Situation im Herkunftsland auf eine nicht hinreichend gesicherte Wiederausreise zu schliessen. Die eben genannten Umstände entbinden die Vorinstanz daher nicht von einzelfallbezogener Beurteilung.
5.
5.1 Gemäss den Akten ist die Beschwerdeführerin 1937 geboren und  verwitwet. Der Sohn B._ lebt seit 1990 in der Schweiz. Besondere familiäre oder gesellschaftliche Verpflichtungen obliegen ihr in ihrem Heimatland keine. Dagegen spricht nur schon, dass die Gesuchstellerin einen Besuchsaufenthalt von drei Monaten anstrebt, was auf eine erhebliche Flexibilität und dementsprechend erhöhte Emigrationstendenzen hindeutet. Hinzu kommt wie eben erwähnt, dass das einzige Kind sich dauerhaft hierzulande niedergelassen hat und sie selber dadurch ebenfalls einen vergleichsweise starken Bezug zur Schweiz aufweist. Bei dieser Sachlage kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin mit vorliegendem Einreisebegehren nicht bloss einen (bewilligungsfreien) Besuchsaufenthalt, sondern einen längerfristigeren Aufenthalt in der Schweiz anstrengt.
5.2 Die Befürchtung der nicht gesicherten Wiederausreise stützt sich aber auch auf ganz konkrete Vorkommnisse. So hat die Beschwerdeführerin am 5. Juni 2005 auf dem Schweizerischen Generalkonsulat in Shanghai mit der Begründung ein Einreisegesuch gestellt, sie wolle bei ihrem Sohn in der Stadt Bern Wohnsitz nehmen. Letzterer hat dies in seinem  vom 2. Juni 2005 ausdrücklich bestätigt. Am 23. Juni 2005 liess die städtische Migrationsbehörde gegenüber der Beschwerdeführerin , die Voraussetzungen für einen Familiennachzug seien nicht erfüllt. Die Betroffene verzichtete in der Folge zwar auf den Erlass einer  Verfügung, laut Darstellung der Auslandvertretung wurde jedoch schon kurz danach ein Visumsantrag für einen Besuchsaufenthalt von drei Monaten eingereicht (vgl. die entsprechende Garantieerklärung von B._ vom 11. August 2005). Das zweite Begehren lehnte das Schweizerische Generalkonsulat am 27. Oktober 2005 formlos ab. Im  dieser Vorgeschichte, die entgegen der Auffassung der  nicht einfach ausgeklammert werden darf, hat das verständliche  von Mutter und Sohn, sich wiederzusehen, zurückzutreten. Gerade die vorliegende Konstellation birgt nämlich ein erhöhtes Risiko in sich, die  könnte nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in der Schweiz geneigt sein, den Lebensabend im Umfeld ihres einzigen Kindes zu verbringen. Im Übrigen wäre es für den Sohn nicht à priori , seine Mutter anderswo zu besuchen. Das BFM hat ihm hierfür im  2005 einen Pass für ausländische Personen ausgestellt. Soweit ersichtlich, scheiterte das in Hong Kong geplante Treffen, weil die  des Flughafens Zürich-Kloten ihn am 28. Januar 2006 nicht ausreisen liessen. Der Gastgeber machte in seinem Gesuch vom 10. März 2006 technische Probleme hierfür verantwortlich (siehe die  des BFM vom 24. Januar 2006 betreffend Identitätsausweis/), laut Replik handelte es sich um ein Versehen. Dessen  bleiben die Zweifel der Vorinstanz an einer fristgerechten Rückkehr be-
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rechtigt.
6. Schliesslich wird hervorgehoben, der Sohn würde für die anstandslose Wiederausreise seiner Mutter bürgen. Auch wenn er die fristgerechte Rückkehr der Beschwerdeführerin zusichert, so geben solche  angesichts der persönlichen Situation der Gesuchstellerin keine hinreichende Gewähr dafür, die Betroffene werde die Schweiz nach Ablauf der Visumsdauer wieder verlassen. Da die Verpflichtung hinsichtlich der Wiederausreise eines ausländischen Gastes rechtlich nicht durchsetzbar ist (vgl. Verwaltungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 57.24), müssen ausschliesslich die Verhältnisse der Beschwerdeführerin ausreichende  für die fristgerechte und anstandslose Wiederausreise bieten.  Sicherheiten als die vom Gastgeber bereits geleisteten können von ihm somit nicht verlangt werden.
7. Aus diesen Gründen ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das  Interesse sowie die Beachtung der geltenden Bestimmungen  gewichtete und der Beschwerdeführerin die Einreise . Die angefochtene Verfügung verletzt daher Bundesrecht nicht. Der rechtserhebliche Sachverhalt wurde richtig und vollständig festgestellt und die Vorinstanz hat das ihr zustehende Ermessen pflichtgemäss ausgeübt (vgl. Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
8. Bei diesem Verfahrensausgang wird die Beschwerdeführerin grundsätzlich kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 und Art. 2 sowie Art. 3 Bst. b des Reglements vom 11. Dezember 2006 über die Kosten und  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2). Dem Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und  ist nicht stattzugeben, da die Beschwerdebegehren zum  aussichtslos waren (Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG).
(Dispositiv Seite 7)
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