Decision ID: 0ff4d440-1fbb-4b1b-b275-0b222c9424ac
Year: 2020
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Die B._ AG schrieb im Zusammenhang mit dem Projekt betreffend
Umbau und Aufstockung des bestehenden Alters- und Pflegeheims
B._ in X._ mit geschätzten Baukosten von Fr. 46.5 Mio., im
Kantonsamtsblatt und auf simpap.ch im offenen Verfahren nach
GATT/WTO die Vergabe von Baumeisterarbeiten aus.
2. Die Zuschlagskriterien wurden dabei wie folgt festgelegt:
- Qualität (Fachkompetenz Firma, Referenzen etc.) 25% - Bauablauf, Baustellenorganisation, Etappierungen 25% - Angebotspreis 50%
Innert angesetzter Frist bis am 2. Juni 2020 reichten vier Anbieter ihre
Offerten ein. Nach der Offertöffnung am 5. Juni 2020 zeigte sich dabei
folgendes Bild:
A._ AG Fr. 7'687'459.97 100.00% C._ AG Fr. 7'986'766.70 103.89% D._ AG Fr. 8'687'499.97 113.01% E._ Fr. 8'877'979.44 115.48%
Nach der Auswertung der Angebote durch das Bewertungsgremium
erzielte die C._ AG 276 Punkte, die A._ AG 275 Punkte und die
beiden anderen Anbieterinnen weniger als 200 Punkte. Am 1. Juli 2020
erteilte die B._ AG der C._ AG den Zuschlag zum Preis von Fr.
7'986'766.70.
3. Gegen diesen Entscheid lässt die A._ AG (Beschwerdeführerin) mit
Eingabe vom 13. Juli 2020 Beschwerde an das Verwaltungsgericht
Graubünden erheben. Sie beantragt dabei kostenfällig und unter
Einräumung der aufschiebenden Wirkung die Aufhebung des
angefochtenen Vergabeentscheids und Vergabe an sich selber,
eventualiter sei der angefochtene Vergabeentscheid aufzuheben und die
Angelegenheit an die Vorinstanz zur Zuschlagserteilung an die
Beschwerdeführerin zurückzuweisen. Zur Begründung bringt die
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Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, dass die Zuschlagsempfängerin
hätte ausgeschlossen werden müssen, weil sie ein unvollständiges und
nicht den Anforderungen der Ausschreibung entsprechendes Angebot
eingereicht habe. Weiter habe die Vergabebehörde das Angebot der
Zuschlagsempfängerin in willkürlicher Art und Weise, etwa beim Kriterium
'Bauplatzinstallation', gewürdigt. Die rechtswidrige und willkürliche
Ausbootung der Beschwerdeführerin mit ihrem um Fr. 302'306.75
günstigeren Angebot verdiene keinen Rechtsschutz.
4. Die B._ AG (Beschwerdegegnerin) beantragt in ihrer Vernehmlassung
vom 3. August 2020 die kostenfällige Abweisung der Beschwerde.
Hinsichtlich des verlangten Ausschlusses rüge die Beschwerdeführerin nur
geringfügige Einzelpositionen im Leistungsverzeichnis, welche entweder
für die Erfüllung des Auftrages unbedeutend seien oder gar nicht bzw. nur
in der ausgedruckten Version fehlten, was auf eine technische
Unzulänglichkeit der elektronischen Vorlage zurückzuführen sei. Ein
Ausschluss wäre überspitzt formalistisch. Auch der Vorwurf betreffend die
Baustellenorganisation sei unbegründet. Schliesslich erwiesen sich die von
der Beschwerdeführerin gerügten Punktevergaben als gerechtfertigt.
5. Die Zuschlagsempfängerin (hiernach Beigeladene) beteiligte sich nicht am
Beschwerdeverfahren.
6. Mit der Replik vom 26. August 2020 ergänzt und vertieft die
Beschwerdeführerin ihre Argumentation. Dasselbe gilt für die Duplik der
Beschwerdegegnerin vom 11. September 2020 sowie den nachfolgend
weitergeführten Schriftenwechsel bis hin zur Quintuplik vom 6. November
2020.
7. Am 6. November 2020 reicht der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
seine angepasste Honorarnote ein.
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II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1 Anfechtungsobjekt ist hier der Zuschlagsentscheid vom 1. Juli 2020, worin
die Beschwerdegegnerin die öffentlich ausgeschriebenen
Baumeisterarbeiten betreffend Umbau und Aufstockung eines
bestehenden Alters- und Pflegeheims für Fr. 7'986'766.70 an die mit der
höchsten Punktzahl (276) bewertete Beigeladene erteilte und somit nicht
das mit der zweithöchsten Punktzahl (275) versehene, preisgünstigere
Angebot von Fr. 7'687'459.97 der Beschwerdeführerin berücksichtigte.
Damit konnte sich die Beschwerdeführerin nicht einverstanden erklären,
weshalb sie dagegen am 13. Juli 2020 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht erhob und die Aufhebung des angefochtenen
Entscheids sowie die Vergabe an sich selber beantragte. Zur Begründung
wurde im Wesentlichen vorgebracht, die Beigeladene sei wegen
Unvollständigkeit ihres Angebots zu Unrecht nicht von der Vergabe
ausgeschlossen worden. Es ist somit vorliegend die Rechtmässigkeit des
angefochtenen Entscheids vom 1. Juli 2020 zu klären und zu entscheiden.
1.2 Die strittige Auftragsvergabe untersteht unbestritten dem öffentlichen
Beschaffungsrecht. Konkret kommen demnach die Normen des
GATT/WTO-Abkommens, der IVöB (SR 172.056.5 [BR 803.510]) sowie
des Submissionsgesetzes für den Kanton Graubünden (SubG; BR
803.300) mit zugehöriger Submissionsverordnung (SubV; BR 310) zur
Anwendung. Das jetzige Verfahren vor Verwaltungsgericht richtet sich
nach dem Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100).
1.3. An der eingereichten Beschwerde gibt es weder bezüglich ihrer Form (=
Erfordernis an Rechtsschriften nach Art. 38 VRG [Rechtsbegehren;
Sachverhalt; Begründung]) noch bezüglich der Wahrung der 10-tägigen
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Rügefrist nach Art. 15 Abs. 2 IVöB und Art. 26 Abs. 1 SubG etwas
auszusetzen, zumal das Ziel der Beschwerde materiell klar erkennbar ist
und die Rechtsschrift vom 13. Juli 2020 gegen den Zuschlagsentscheid
vom 1. Juli, empfangen von der Beschwerdeführerin am 3. Juli 2020, auch
innert gesetzlicher Anfechtungsfrist erfolgt ist. Die Beschwerde ist daher
frist- und formgerecht eingereicht worden.
1.4. Nach Art. 15 Abs. 1 IVöB (Beschwerde an unabhängige kantonale Instanz
zulässig) bzw. Art. 25 Abs. 1 lit. c SubG (Beschwerde ans
Verwaltungsgericht) kann namentlich gegen den Zuschlag sowie den
(Nicht-) Ausschluss vom Vergabeverfahren Beschwerde erhoben werden.
Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des angerufenen
Verwaltungsgerichts ist damit gegeben, da es um die Rechtmässigkeit des
angefochtenen Entscheids geht.
1.5. Zur Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ist
legitimiert, wer durch den strittigen Entscheid berührt ist und ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung hat (Art.
50 VRG). Die Legitimation ist gegeben, wenn die Beschwerdeführerin als
unterlegene Bewerberin eine reelle Chance hat, bei Gutheissung ihres
Rechtsmittels den Zuschlag zu erhalten; ob das zutrifft, ist aufgrund der
Begehren und Rügen der Beschwerdeführerin zu beurteilen. Die
Legitimation ist in diesem Sinne zu verneinen, wenn beispielsweise die
viertrangierte Anbieterin lediglich den Ausschluss der
Zuschlagsempfängerin verlangt, aber zu bejahen, wenn diese Anbieterin
beispielsweise den Ausschluss aller vor ihr platzierten Konkurrenten oder
die Wiederholung des gesamten Verfahrens fordert (vgl. BGE 141 II 14
E.4.1 m.w.H.).
1.6. Im vorliegenden Fall beantragt die Beschwerdeführerin die Aufhebung des
Vergabebeschlusses unter Ausschluss der Beigeladenen und den
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Direktzuschlag der ausgeschriebenen Baumeisterarbeiten an sich selbst.
Da sie den Ausschluss der Beigeladenen verlangt, muss sie im Rahmen
ihrer Beschwerde darlegen, welche gravierenden Mängeln das Angebot
der Beigeladenen aufweist und wieso ihre Offerte eine insgesamt höhere
Bewertung erzielt hätte und somit als wirtschaftlich günstigstes Angebot
den Zuschlag verdient hätte. Da die Beschwerdeführerin – für den Fall,
dass sie mit ihrer Argumentation durchdringen würde – als zweitplatzierte
eine reelle Chance auf den Zuschlag bei Aufhebung des angefochtenen
Entscheids und Ausschluss der erstplatzierten Beigeladenen hätte, muss
sie zur Beschwerdeerhebung nach Art. 50 VRG legimitiert sein, da sie vom
strittigen Entscheid offensichtlich betroffen ist und ein schutzwürdiges
Interesse an dessen gerichtlicher Überprüfung hat. Dem ist hier umso mehr
zuzustimmen, als die zwei Angebote der Beigeladenen (276 Punkte) und
der Beschwerdeführerin (275 Punkte) punktemässig äusserst nahe
beieinanderliegen und somit bereits kleinste Korrekturen eine Änderung
des Gesamtresultats bedeuten könnten. Auf die Beschwerde tritt das
Verwaltungsgericht daher ein.
2. Nach Art. 21 Abs. 1 SubG erhält das wirtschaftlich günstigste Angebot den
Zuschlag. Es können insbesondere Kriterien wie Qualität, Preis, Erfahrung,
Zweckmässigkeit, Termine, technischer Wert, Ästhetik, Betriebskosten,
Nachhaltigkeit, Kreativität, Kundendienst, Infrastruktur und
Lehrlingsausbildung berücksichtigt werden (Art. 21 Abs. 2 SubG). Nach Art.
22 lit. c SubG wird ein Angebot von der Berücksichtigung insbesondere
dann ausgeschlossen, wenn die Anbieterin ein Angebot einreicht, das
unvollständig ist oder den Anforderungen der Ausschreibung nicht
entspricht.
2.1. Im konkreten Fall gilt es in materieller Hinsicht zunächst den Vorwurf der
Beschwerdeführerin des Nichtausschlusses der Beigeladenen wegen
Ungültigkeit deren Angebots zufolge unvollständiger Angaben in ihrer
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Offerte (nachfolgend E.2.1.1.ff.) sowie wegen Nichteinhaltung der
Vorgaben bei der Baustellenorganisation und beim Kran zu klären. Dabei
ist die geltend gemachte willkürliche Bewertung des Angebots der
Beigeladenen – insbesondere die angeblich zu hohe Bewertung der
Beigeladenen für das Kriterium 'Bauplatzinstallation' (E.2.2.1.ff.) und die zu
hohe Bewertung durch den Zusatzpunkt für den Kran 1 (E.2.3.1.ff.) – im
Detail zu klären und damit einer vertieften gerichtlichen Betrachtung und
Würdigung zuzuführen.
2.1.1. Zur Unvollständigkeit der Angaben in der Offerte brachte die
Beschwerdeführerin zu den einzelnen Devis-Positionen im Wesentlichen
was folgt vor:
- NPK 121 Pos. R600 090 Alternative Bausysteme (S. 120): Das Mehrkostenrisiko könne nicht beurteilt werden, weil die Mehr- oder Minderpreise für den SCC-Beton
weder in dieser Position noch in einem Zusatzblatt oder im technischen Bericht
angegeben seien;
- NPK 121 Pos. 613 001 Haftmittel (S. 121): Marke und Typ des Haftmittels seien nicht angegeben; die richtige Wahl des Haftmittels sei massgebend für die
Beurteilung der Kraftübertragung, des Verbunds zwischen den einzelnen Etappen
und der Verhinderung einer zu schnellen Austrocknung;
- NPK 161 Pos. 152 111 / 11101 Spezifikation Wasserableitung aus Absetzbecken in Vorfluter (S. 163): Angabe des Materials der Wasserableitung aus dem
Absetzbecken inkl. baulicher Massnahmen für Fixierung, Lagerhaltung und
dergleichen fehle, weshalb die zum Schutz des Grundwassers notwendige
Materialprüfung nicht möglich sei; häufig komme es noch vor, dass bei
erdverlegten Leitungen und Provisorien PVC-Material zum Einsatz komme, was
verboten sei;
- NPK 161 Pos. 152 131 /13101 Spezifikation Wasserableitung aus Absetzbecken in Neutralisierungsanlage (S. 163): Die Materialangabe für die Ableitung aus der
Neutralisationsanlage fehle -> Hinweis auf PVC;
- NPK 161 Pos. 162 111 /11101 Spezifikation Wasserableitung aus Neutralisierungsanlage in Vorfluter (S. 165): Die Materialangabe fehle -> PVC-
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Problematik; ausserdem sei keine Auseinandersetzung im technischen Bericht
mit den sich stellenden Anforderungen an die Einleitung des Baustellenwassers
in ein Gewässer und insbesondere der Nachweis der rechtskonformen
Baustellenentwässerung nach SIA 431 und den Anforderungen des ANU erfolgt;
- NPK 241 Pos. R061 910 Schalungen für Wände, Stützmauer und Decken mit speziellen Anforderungen (S. 263): Die Angabe der Marke und des Typs des
Schalungstrennmittels fehle; je nach Verwendungstyp und –art des
Schalungstrennmittels würden Verfärbungen und/oder Lunkernbildungen
entstehen oder eine ungenügende Haftung auftreten, was zu Mehrkosten führe;
- NPK 241 Pos. 113 001 / 00101 Spezifikation Haftmittel (S. 265): Die Angabe von Marke und Typ des Haftmittels fehle; ohne diese Angabe könnten die
Anforderungen der Ausschreibung nicht überprüft werden;
- NPK 318 Pos. R191 Arbeitsfugenverschluss (S. 342): Der grösste Teil des verbindlichen Textes dieser Reserveposition gemäss Amtsposition fehle; die
Zuschlagsempfängerin habe nicht ausgeführt, ob allfällig notwendige
Porenverschlüsse im Preis enthalten seien und das Produkt Sika Dur Combiflex
oder ein gleichwertiges Material zur Anwendung komme -> Mehrkostenrisiko;
- NPK 318 Pos. R192 Injektionskanäle (S. 343): Ein verbindlicher Text dieser Reserveposition gemäss Amtsdevis fehle; es fehlte insbesondere die Angabe zur
Systemwahl und Angaben zum Abdichtungskonzept.
2.1.2. Die Beschwerdegegnerin argumentiert, dass das Weglassen einer
(ohnehin unbedeutenden) Position gemäss 'Handbuch öffentliches
Beschaffungswesen' so zu behandeln sei, als wäre die Position mit Fr. 0.00
ausgefüllt, wenn die Anbieterin dies vor einer allfälligen Zuschlagserteilung
schriftlich bestätige. Im vorliegenden Fall sei die Bestätigung telefonisch
vor Zuschlagserteilung eingeholt und nachträglich schriftlich bestätigt
worden (Beilage 14 Beschwerdegegnerin). Ein Ausschluss wäre überspitzt
formalistisch. Die Abwesenheit spezifischer Materialangaben sei in
preislicher Hinsicht unbedeutend und auch von der Qualität her
unbedenklich, weil auch ohne Angaben bzw. mit einer pauschalen Angabe
auf eine Firma von einer mindestens mittleren Qualität auszugehen sei und
somit die Qualitätsanforderungen ohne nennenswertes Mehrkostenrisiko
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erfüllt seien. Dasselbe gelte bei den Leitungen bzw. Rohren, bei denen der
Auftragnehmer ohnehin vertraglich verpflichtet werde, keine
umweltschädlichen Materialien zu verwenden. Auch hier mache die
Abwesenheit der Materialangaben das Angebot nicht ungültig. Die Position
des Schalungstrennmittels sei für die Erfüllung des Auftrags unbedeutend,
denn für die Qualität sei nicht dieses massgeblich, sondern die
Betonoberfläche. Die Textleerstellen könnten nicht als Änderung des
Amtsdevis qualifiziert werden, weil bei der Generierung der Ausdrucksdatei
ein technisches Problem aufgetreten sei, welches dazu geführt habe, dass
im physischen Angebot ein Teil des vorgegebenen Textes fehle. Die Preise
seien sowohl im physischen wie im elektronischen Devis deckungsgleich
ausgefüllt und im Zweifelsfall gelte ohnehin der amtliche
Ausschreibungstext.
2.1.3. Nach Auffassung des Gerichts verhält es sich dazu wie folgt: Selbst wenn
die Sache nicht ganz lupenrein ist, kann sich das Gericht problemlos der
Sichtweise der Beschwerdegegnerin anschliessen, wonach ein Ausschluss
wegen der gerügten geringfügigen Einzelpositionen – die für die
Ausführung des Auftrags unbedeutend sind bzw. kein nennenswertes
Mehrkostenrisiko mit sich bringen - überspitzt formalistisch wäre. Dasselbe
gilt für die Abwesenheit des Ausschreibungstextes, der im ausgedruckten
Text fehlt, nicht aber im elektronischen Devis der Beigeladenen.
2.2.1. Zum Einwand der zu hohen Bewertung der Beigeladenen für das Kriterium
'Baustelleninstallation' brachte die Beschwerdeführerin vor, dass dieses
Unterkriterium willkürlich bewertet worden sei, indem die
Beschwerdegegnerin die bekannt gegebenen Aspekte
- Kran-, Umschlag-/Lagerplatz, Mulden, Container & Sanitäranlagen, Div. (je 1 Punkt) - Vorgaben zu Bauplatzstandort durch Architekt weitgehend eingehalten? - Mehrwert Kranstandort: Kosteneinsparung bei Spengler-/Bedachungsarbeiten
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durch zusätzliche Unter- oder Teilkriterien wie 'Sicherheitsrisiko', 'Störung
der bestehenden sowie umliegenden Infrastruktur' nicht erweitern dürfe;
zudem seien diese Aspekte bereits im Unterkriterium 'Aussagen zum
Bauen während laufendem Pflegebetrieb (Technischer Bericht)' enthalten.
Unterkriterien zweimal zu bewerten sei unzulässig. Entgegen der Ansicht
der Beschwerdegegnerin führe der vorgesehene Einsatz von einem Pneu-
kran oder einem Selbstmontagekran in den Bauetappen 2 und 4 zu keinen
Mehrkosten. Der für den Pneukran vorgesehene Standort sei brauchbar
und durchaus mit dem Pflegebetrieb vereinbar, zumal der Standort in der
Ausschreibung auch vorgegeben gewesen sei. Umschlagflächen für den
Zwischenumschlag vom Kran zum Pneukran könnten in der zweiten
Bauetappe problemlos auf den neuen Betondecken des 2. und 3.
Obergeschosses installiert werden. Damit sei eine klare Trennung
zwischen Baustellenbetrieb und den Nutzern der F._-strasse
gewährleistet.
2.2.2. Dagegen wendet die Beschwerdegegnerin ein, dass gemäss
Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts vorgängig nicht bekannt
gegebene Unter- und Teilkriterien als Hilfsmittel zur Bewertung der
eingereichten Angebote verwendet werden dürften, sofern sich diese den
(zuvor bekannt gegebenen) Zuschlagskriterien zuordnen liessen bzw. mit
diesen in einem sachlichen Zusammenhang stünden und sofern dadurch
die Gewichtung der Zuschlagskriterien nicht geändert werde. Diese
Vorgaben seien vorliegend vollständig eingehalten, einzig der Terminus
'Bauplatzinstallation' sei in diesem Kontext vielleicht etwas unpräzise
gewählt worden, weil damit der Oberbegriff 'Bauablauf' gemäss lit. b) des
Bewertungsblatts gemeint gewesen sei. Jedenfalls gehe der Aspekt
'Sicherheitsrisiko' im Zuschlagskriterium e) 'Beschrieb der
Sicherheitsorganisation auf der Baustelle' auf bzw. stehe damit in
sachlichem Zusammenhang. Weiter gehe der Aspekt 'Störung der
bestehenden sowie umliegenden Infrastruktur' im Zuschlagskriterium d)
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'Beschrieb des Bauvorgangs unter Berücksichtigung: Bauen während
laufendem Pflegebetrieb' auf bzw. stehe damit in einem sachlichen
Zusammenhang. Schliesslich würden die Aspekte 'Total der eingesetzten
Krane und Verhinderung von Mehrkosten bei Drittunternehmern' im
Zuschlagskriterium b) 'Baustellenorganisation pro Bauetappe:
Installationskonzept (Baustelleneinrichtung)' aufgehen bzw. mit diesem in
einem sachlichen Zusammenhang stehen. Somit seien keine Unterkriterien
zweimal bewertet worden.
Das Zuschlagskriterium 'Bauablauf' und dessen Bewertung hat die
Beschwerdegegnerin in der Ausschreibung wie folgt definiert:
Die Beschwerdegegnerin hat schliesslich die beiden hier in Frage
stehenden Angebote wie folgt bewertet (besser lesbar in Beilage 5 der
Beschwerdegegnerin):
Für die Schlussnote in diesem Zuschlagskriterium hat die
Beschwerdegegnerin folgende Notenskala aufgestellt: Note 3 (sehr gut) mit
17 – 20 Punkten; Note 2 (gut) mit 11 – 16 Punkten, Note 1 (genügend) mit
4 – 10 Punkten und Note 0 (ungenügend) mit 0 – 3 Punkten.
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2.2.3. Nach Auffassung des Gerichts sind die Ausführungen der
Beschwerdegegnerin zur Zulässigkeit einer Verfeinerung der
Zuschlagskriterien unter Einhaltung gewisser Rahmenbedingungen
gemäss Rechtsprechung zutreffend (vgl. VGU U 15 66 vom 15. September
2015 E.4b sowie U 15 33 vom 16. Juni 2015 E.4b) und hier auch
eingehalten. Jedenfalls sind für das Gericht die Erklärungen der
Beschwerdegegnerin sachlich und nachvollziehbar. Der einzige nicht
vollauf einleuchtende Punkt ist beim Unterkriterium
'Baustellenorganisation' und dort beim Teilkriterium 'Vorgaben zu
Bauplatzstandort durch Architekt weitgehend eingehalten?' die Note 2 für
beide Anbieterinnen, obschon bei der Beschwerdeführerin steht 'Vorgaben
eingehalten' und bei der Beigeladenen 'Vorgaben z.T. eingehalten (Kran!)'.
Die Beschwerdegegnerin erklärt diese Bemerkung nicht, sondern verweist
einzig auf ihren erheblichen Bewertungsspielraum. Nachdem der von der
Beigeladenen gewählte Standort für den Kran 1 erstens zulässig ist und
zweitens erhebliche Vorteile bringt, kann sich die Kritik nicht auf Kran 1
beziehen. Weshalb diese Kritik dort steht, lässt sich somit nicht eruieren.
Selbst wenn man aber nun hier der Beigeladenen nur einen Punkt geben
würde anstatt zwei, würde sie im Total auf 17 Punkte und damit immer noch
auf die Gesamtnote 3 kommen, wogegen die Beschwerdeführerin bei ihren
16 Punkten und der Gesamtnote 2 verbleiben würde. Umgekehrt erscheint
es dem Gericht nicht ganz einleuchtend, weshalb die Beigeladene im
dritten Unterkriterium 'Aussagen zum Bauen während laufendem
Pflegebetrieb (Tech. Bericht)' in den beiden letzten Teilkriterien ebenso wie
die Beschwerdeführerin null Punkte erhalten hat, obschon die
Beschwerdeführerin zu beiden Teilkriterien keine Aussagen gemacht hat,
die Beigeladene hingegen bei den Aussenräumen deren Nutzbarkeit pro
Etappe aufgezeigt hat und bei den Hygienevorschriften umfassende
Angaben inkl. Aussagen zu Covid-19 gemacht hat. Weil sich die
Beigeladene nicht am Verfahren beteiligt hat, ist dieser Aspekt nicht vertieft
worden, bestätigt aber zusätzlich, dass die Beigeladene in diesem
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Zuschlagskriterium zu Recht eine bessere Bewertung erhalten hat als die
Beschwerdeführerin.
2.3.1. Zur Rüge der zu hohen Bewertung der Beigeladenen durch einen
Zusatzpunkt für Kran 1 argumentiert die Beschwerdeführerin, dass es nicht
angehe bei der Beigeladenen den unzulässigen Kranstandort unter dem
Titel 'Mehrwert Kranstandort' mit einem zusätzlichen Punkt zu bewerten.
Ausserdem sei der angeführte Mehrwert gar nicht ausgewiesen bzw.
bestehe im Vergleich zur Baustelleninstallation der Beschwerdeführerin gar
nicht. Vielmehr liege angesichts der vorhandenen Mehrkosten-,
Sicherheits- und Immissionsrisiken von deren Kran 1 ein Minderwert dieses
Kranstandorts vor. Ausserdem könne Kran 1 der Beigeladenen schwere
Lasten vom Lagerplatz aus gar nicht anheben, vielmehr müsse hierfür ein
Pneukran eingesetzt werden wie von der Beschwerdeführerin vorgesehen.
Vor diesem Hintergrund sei die ungleiche Bewertung (Beschwerdeführerin:
0 Punkte, Beigeladene 1 Punkt) haltlos und stossend.
2.3.2. Gegen diese Rüge wendet die Beschwerdegegnerin ein, dass aufgrund der
Offerte der Beschwerdeführerin der Eindruck entstanden sei, dass sie
insgesamt mehr als zwei Krane offeriere. Ins Gewicht falle in diesem
Zusammenhang aber, dass die Beschwerdeführerin während sämtlicher
Bauetappen permanent Krane auf- und abbauen müsse, was zwangsläufig
zu erheblichen Störungen für den Baustellenbetrieb und den
Eingangsbereich des Alters- und Pflegeheims führe. Im Gegensatz dazu
habe die Beigeladene eine klare Lösung mit einem bzw. zwei fix
installierten und sämtliche Bauobjekte abdeckenden Turmdrehkranen, die
einen weitaus besser organisierten, störungsarmen und sichern Ablauf
bzw. Betrieb gewährleisteten (in der Replik Seite 17 zählt die
Beschwerdegegnerin detailliert die Vorteile des Konzepts der
Beigeladenen und die Nachteile des Konzepts der Beschwerdeführerin
auf). Was den Umschlagplatz betrifft, hält die Beschwerdegegnerin der
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Beschwerdeführerin vor, sich mit der Bauaufgabe nicht genügend
auseinandergesetzt zu haben. So plane sie in der 2. Bauetappe
(Aufstockung) einen Umschlagplatz auf den Betondecken des 2. und 3.
Obergeschosses. Diese Aufstockung erfolge aber mit Holzfertigmodulen.
Ein Umschlagplatz auf Holzfertigmodulen sei schlicht nicht möglich,
weshalb sich die von der Beschwerdeführerin vorgesehenen Flächen als
Umschlagplätze nicht eigneten. Zudem werde das bestehende Dach in
Etappen demontiert und anschliessend würden die Holzfertigmodule
angebracht; dabei müsse so vorgegangen werden, dass stets nur die
kleinstmögliche Fläche der Witterung ausgesetzt sei, denn die unteren
Geschosse seien in dieser Phase bewohnt. Es gebe daher keinen Platz auf
den Obergeschossen, der als Umschlagsplatz genutzt werden könne.
Ausserdem würde der Bauablauf durch den Zwischenumschlag erheblich
verzögert. Weil der Radius ihres ersten Krans das Bauobjekt eben nicht
vollständig abzudecken vermöge und der Umschlagplatz auf den
Obergeschossen nicht zur Verfügung stehe, müsse sie zwangsläufig einen
zusätzlichen Umschlagplatz auf der F._-strasse vorsehen, um den
zweiten Kran während diesen Bauetappen (2 und 4) überhaupt bedienen
bzw. Material anliefern zu können. Dies wiederum widerspreche der
Vorgabe der Beschwerdegegnerin für die Erschliessung. Was das
angebliche Mehrkostenrisiko für die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften
der RhB durch die Beigeladene betrifft, verweist die Beschwerdegegnerin
auf die Vorgaben in den Ausschreibungsunterlagen (NPK 113.512.111-
114), wonach im Einheitspreis die Sicherheitsvorschriften der RhB zu
berücksichtigen seien. Vor diesem Hintergrund könne der
Beschwerdegegnerin nicht vorgeworfen werden, dass sie die
Beschwerdeführerin zu tief bewertet habe.
2.3.3. Aus der Sicht des Gerichts gibt es der Argumentation der
Beschwerdegegnerin nichts hinzuzufügen. Die Beschwerdeführerin
argumentiert in ihrer Triplik noch, dass nur die neue Decke im 3. OG aus
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Holz bestehe und in der Folge die darauf zu stehenden Holzmodule und
das Dach tragen könnten, weshalb ein kurzzeitiger Umschlag eines
Holzmoduls auf der Decke im 3. OG statisch unbedenklich und ohne
weiteres möglich sei; für den Umschlag auf dieser Ebene könne auch bei
Bedarf auf die bestehende Betondecke im 3. OG weiter östlich
ausgewichen werden, welche nicht abgerissen werde. Es komme zu keiner
relevanten Verzögerung des Bauablaufs und die F._-strasse müsse
dafür nicht befahren werden. Dieser Sichtweise entzieht die
Beschwerdegegnerin in ihrer Quadruplik den Boden, indem sie aufzeigt,
dass die Decke im 2. OG ebenso wenig für einen Umschlagplatz zur
Verfügung stehe (Demontage in kleinen Etappen mit sofortiger Installation
der Holzmodule für kürzest mögliche Witterungsaussetzung); weiter
befindet sich die Betondecke im 3. OG weiter östlich ebenfalls unter einem
Dach, welches nicht für einen Umschlagplatz demontiert werde. Ein
Umschlagplatz auf den Holzmodulen wäre statisch nicht eingerechnet und
würde deren geklebten Witterungsschutz beschädigen. In der Quintuplik
versucht dann die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin nochmals
den von Letzterer geplanten Bauablauf zu erklären. Auf die weitere
Argumentation betreffend Sicherheit und RhB-Linie geht das Gericht hier
nicht näher ein, weil seitens der Beschwerdeführerin keine neuen
relevanten Argumente vorgebracht wurden, welche die Sichtweise der
Beschwerdegegnerin in einem anderen Licht erscheinen liesse. Damit
steht die Beschwerdeführerin mit ihrem Standpunkt auf verlorenem Posten,
zumal die Lösung der Beigeladenen auch unabhängig davon, ob der
Bauablauf der Beschwerdeführerin überhaupt funktioniert, objektiv
betrachtet besser ist und deshalb auch höher bewertet werden durfte.
3.1. Zusammengefasst ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin mit allen ihren
Rügen unterliegt; auch wenn die Beschwerdegegnerin bei der Bewertung
einige Unzulänglichkeiten einräumen musste, die sich allerdings nicht auf
das Ergebnis auswirkten. Der Zuschlagsentscheid vom 1. Juli 2020 ist
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damit rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde vom 13. Juli 2020
führt.
3.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf
Art. 73 Abs. 1 VRG der Beschwerdeführerin aufzulegen. Angesichts der
Höhe des Beschaffungsauftrags, des erhöhten Aufwands durch einen
inkomplett vierfachen Schriftenwechsel und der sehr detaillierten Rügen,
erscheint dem Gericht eine Staatsgebühr in der Höhe von Fr. 10'000.--
(zzgl. Kanzleiauslagen) als angemessen (vgl. dazu VGU U 09 28 vom 12.
Mai 2009 sowie U 15 29 vom 26. Juni 2015 mit Auftragssummen von je
knapp über Fr. 2 Mio und einer Staatsgebühr von je Fr. 8000.--).
3.3. Weil sich die Beigeladene gar nicht am Verfahren beteiligt hat, entfällt eine
Parteientschädigung gemäss Art. 78 Abs. 1 VRG. Der
Beschwerdegegnerin steht nach Art. 78 Abs. 2 VRG keine ausseramtliche
Entschädigung zu, da sie lediglich in ihrem amtlichen Wirkungskreis
obsiegt hat.