Decision ID: 1cd74e00-a306-59b1-875e-ee9d123d7671
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1968, meldete sich am 1
7.
September 2003 unter Hin
weis auf Rückenschmerzen erstmals
bei der Invalidenversi
cherung
zum Leis
tungsbezug
an (
Urk. 7/5
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, und sprach der Ver
sicherten mit Verfügung vom 2
0.
Oktober 2005 bei einem Invaliditätsgrad von 51
%
eine halbe Rente ab Januar 2004 zu (
Urk.
7/68).
1.2
In der Folge holte die IV-Stelle unter anderem ein Gutachten ein, das von den Ärzten des
Y._
am 7. August 2014 erstattet wurde (Urk. 7/177). Nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Urk. 7/183-187) stellte die IV-Stelle mit Verfügung vom
1.
Dezember 2014 die bisher ausgerichtete Rente ein (Urk. 7/188). Diese Ver
fügung erwuchs in Rechts
kraft.
1.3
Am
11
.
März
2016 reichte die Versicherte ei
ne erneute Anmeldung ein (Urk. 7
/
195).
Mit Vorbescheid vom
24
.
März 2016
stellte die IV-Stelle in Aussicht, auf die erneute Anmeldung nicht einzutreten (Urk.
7
/
198
), und mit Verfügung vom
1
3.
Mai 2016
trat sie auf die erneute Anmeldung nicht ein (Urk.
7
/
205
).
1.4
Am 1
9.
Mai 2017 reichte die Versicherte wiederum eine Anmeldung ein (Urk. 7/212).
Mit Vorbescheid vom 2
9.
Mai 2017 stellte die IV-Stelle in Aussicht, auf die erneute Anmeldung nicht einzutreten (Urk. 7/217), und mit Verfügung vom
6.
März 2018 trat sie auf die erneute Anmeldung nicht ein (Urk. 7/241 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
23
. April 201
8
Besch
werde gegen die Verfügung vom 6
. März 201
8
(Urk. 2) und beantragte zur Hauptsache, diese sei aufzuheben und die
Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, auf das Leistungsbegehren einzutreten, den Rentenanspruch neu zu
überprüfen und ein polydisziplinäres medizinisches Gutachten in Auftrag zu geben (S. 2
Ziff.
1 und 2).
Die IV-Stelle beantr
agte mit Beschwerdeantwort vom 28
. Mai 201
8
(Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
8.
Juni 2018
wurde antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2 Ziff. 3) die unentgeltliche Prozessführung
bewilligt
und der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmel
dung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invalidi
tätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbe
grün
den
de Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall
obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.2
Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prüfung ver
pflichtet, ob die Vorbringen der versicherten Person überhaupt glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nicht
eintreten. Dabei wird sie unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dement
sprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anforderungen stellen (ZAK 1966 S. 279, vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen). Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grund
sätzlich zu respektieren hat. Daher hat das Gericht die Behandlung der
Eintre
tensfrage
durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist, das heisst wenn die Verwaltung gestützt auf
Art.
87
Abs.
3 IVV Nichteintreten beschlossen hat und die versicherte Person deswegen Beschwerde führt; hingegen unterbleibt eine richterliche Beurteilung der
Eintretensfrage
, wenn die Verwal
tung auf die Neuanmeldung eingetreten ist (BGE 109 V 108 E. 2b).
1.3
Mit
Art.
87
Abs.
3 in Verbindung mit
Abs.
2 IVV soll verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Leistungsverweige
rung immer wieder mit gleich lautenden und nicht näher begründeten, das heisst keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE 109 V 108 E. 2a, 264 E. 3). Hingegen kann diese
Eintretensvorschrift
nicht dahin
gehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Änderung gerade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechts
kräftigen Leistungsabweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Person zumindest die Änderung eines Sachverhalts aus dem ge
samten für die Rentenberechtigung erheblichen Tatsachenspektrum glaubwürdig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungs
be
gehren einzutreten und es in tatsächlicher (wie selbstverständlich auch in recht
licher) Hinsicht allseitig zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3a und E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.4
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tat
sachen
änderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtser
heb
lichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2 mit Hinweisen). Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3 mit Hinweisen auf 8C_1009/2010
vom
7.
April 2011 E. 2.2 und 9C_838/2011 vom 2
8.
Februar 2012 E. 3.3.2).
1.5
Die genannte Bestimmung - wonach die versicherte Person mit dem Revisions
gesuch oder der Neuanmeldung die massgebliche Tatsachenänderung glaubhaft machen muss - hat zur Folge, dass der versicherten Person ausnahmsweise eine Beweisführungslast zukommt. Nur wenn die Verwaltung auf das erneute Leis
tungsbegehren eintritt, hat sie ihrerseits gestützt auf den Untersuchungsgrund
satz von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtser
heblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 130 V 64 f. E. 5.2.5).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) aus,
nach erneuter Überprüfung der gesamten medizinischen Situation sei der Regio
nale Ärztliche Dienst zum Schluss
gekommen, dass nach wie vor eine 100%ige Arbeitsfähigkeit mit 20%iger Leistungseinschränkung in einer angepassten Tätigkeit vorliege. Zudem lägen keine neuen medizinischen Erkenntnisse vor, die eine Veränderung des Gesundheitszustandes ausmachen würden (S. 2).
2.2
Die
Beschwerdeführer
in
hielt in
ihrer
Beschwerde (Urk. 1) fest,
dass vorliegend mehrere Ärzte in der massgebenden Zeitspanne zumindest eine Intensivierung des bisherigen Leidens bescheinigen würden (S. 14 f.). Im Weiteren sei jedoch auch in psychiatrischer Hinsicht eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit 2014 eingetreten. Es sei ihr eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert worden
(S. 15)
.
Zusammenfassend sei festzuhalten, dass mit Blick auf die Arztberichte als glaubhaft dargetan werden müsse, dass eine anspruchserhebliche Verschlechte
rung des Gesundheitszustandes eingetreten sei (S. 16).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
, ob die Voraussetzungen für das Eintreten auf die Neu
anmeldung vom
1
9.
Mai 2017
erfüllt sind.
3.
Der Verfügung vom
1.
Dezember 2014, mit welcher die bis dahin ausgerichtete Rente aufgehoben wurde (Urk. 7/188), lag das am
7.
August 2014 erstattete
Y._
-Gutachten (Urk. 7/177
/1-33
) zugrunde.
Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde Folgende genannt (S. 28
lit
. F):
-
chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom rechts mit intermit
tierender Wurzelreizung und chronisch
lumbospondylogene
m
Schmerzsyndrom rechtsbetont
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden Folgende genannt:
-
rezidivierende depressive Störung, leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
akzentuierte Persönlichkeit (ICD-10 Z73)
-
anamnestisch schädlicher Konsum von Alkohol (ICD-10 F10.1)
Zusammenfassend beurteilten die Gutachter die
Arbeitsfähigkeit
wie folgt
(S. 30 oben):
Die Beschwerdeführerin könne leidensadaptierte Tätigkeiten (beispiels
weise reine Rezeptionistinnen
-
Tätigkeit ohne zusätzliche teilweise
Coiffeusen
-Tätigkeit) 8.5 Stunden täglich mit einer Minderung der Leistungsfähigkeit von 20
%
ausüben, so dass eine Arbeitsfähigkeit in der Grössenordnung von
80
%
resultiere.
Die bisherige Tätigkeit als
Coiffeuse
sei nicht leidensgerecht, sie überschreite das körperliche Leistungsvermögen und daher sei die Arbeitsfähigkeit als aufgehoben zu betrachten (S. 29 unten).
4.
4.1
Die Ärzte der
Z._
berichteten am 2
3.
April 2017
(
Urk.
7/206/7-9)
über die
Hospitalisation
der Beschwerdeführerin vom 2
7.
März bis 2
4.
April 2017 und
nannten neben den
bekannten somatischen Diagnosen
einen Verdacht auf eine
rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige depressive Episode (S. 1 Mitte)
.
Sie führten aus, dass die Beschwerdeführerin oft verzweifelt und depressiv gewirkt habe. Eine antidepressive medikamentöse Behandlung habe sie jedoch – aus Angst vor einer Gewichtszunahme – abgelehnt (S. 2).
4.2
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 1
2.
Juli 2017 (
Urk.
3/4)
und führte aus, dass die Beschwerdeführerin seit dem
3.
Mai 2017 in seiner Behandlung stehe. Er könne die 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestätigen. Diese Beurteilung gelte vorerst für einen Monat.
4.3
Die Ärzte der
B._
berichteten am
1
4.
August 20
17 (
Urk.
7/236)
über die
stationär
e Behandlung der Beschwerde
führerin vom
9.
bis
1
4.
August 20
17
und nannten folgende
Diagnosen
(S. 1)
:
-
Angst und depressive Störung gemischt (
ICD-10
F41.2)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (
ICD-10
F45.41)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, schädlicher Gebrauch (
ICD-10
F10.1)
Sie führten aus, dass der Eintritt freiwillig erfolgt sei auf Zuweisung des Sozial
zentrums bei Exazerbation einer depressiven Symptomatik vor dem Hintergrund einer Depression, somatischen Beschwerden bei degenerativer HWS-Erkrankung und psychosozialer Belastungssituation (S. 1).
Die Beschwerdeführerin sei affektiv niedergestimmt und vermindert schwingungsfähig (S. 4). Im Rahmen der aktuel
len stationären Behandlung habe sich ein gemischtes ängstlich-depressives Zustandsbild gezeigt. Inwieweit möglicherweise eine vorwiegend psychosoma
tische Schmerzstörung vorliege, habe nicht geklärt werden können. Entsprechend sei eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nach Austritt aus der Klinik nicht mög
lich (S. 4 unten).
4.4
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Rheumatologie und für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 1
9.
September 2017
(
Urk.
7/225)
und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1)
:
-
zervikospondylogenes
und
zervikozephales
Schmerzsyndrom
-
segmentale Dysfunktion der HWS
-
myofasziale
Komponente mit aktivierten
Triggerpunkten
-
MRI HWS vom 1
6.
Juni 2014:
breitbasige
Diskusherniation
HWK 6/7 und zusätzlich
unkarthrotische
Veränderungen, hierdurch
rechtsbe
tonte
mässiggradige
Einengung des
Duralschlauches
, höhergradige Einengung des rechtsseitigen
Neuroforamens
aber auch geringe Einen
gung des linksseitigen
Neuroforamens
-
Status nach vorderer mikrochirurgischer Diskektomie C5/6 und C6/7 und Einsetzen einer Bandscheibenprothese Aufstriche C6/6 und C6/7 am
5.
November 2015
-
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom rechts
-
MRI LWS vom 1
3.
Oktober 2015: gering progrediente beginnend sequestrierter paramedian bis
mediolateral
rechtsseitige Diskushernie L4/
5.
Beginnende Kompression der Nervenwurzel L5 rechts
recessal
und deutlicher Kontakt zur Nervenwurzel L5 links
recessal
.
Anulusriss
und diskrete mediane Protrusion L5/S1 ohne Nervenwurzel-Beein
träch
tigung. Leichte Spondylarthrosen betont L3/4.
-
Status nach Diskektomie L4/5 rechts und
dekompressive
Stellung ohne Diskektomie L5/S1 rechts am
1.
April 2010
-
depressive Episode
Sie führte aus, dass in der angestammten Tätigkeit als
Coiffeuse
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe (S. 1
Ziff.
3).
In einer
angepasst
en Tätigkeit bestehe eine
50
%ige
A
rbeitsfähigkeit
(S. 2
Ziff.
4)
. Der Gesundheitszustand der Beschwer
deführerin habe sich seit 2014 wesentlich verschlechtert. Sie leide an einer zunehmenden Schmerzsymptomatik und an depressiven Episoden (S. 2
Ziff.
5).
4.5
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Neurologie und für Psychiatrie und Psy
chotherapie, berichtete am 2
2.
Dezember 2017
(
Urk.
7/232)
und
nannte folgende Diagnosen (S. 1):
-
persistierende
zerviko-vertebragene
und
zervikobrachialgieforme
Schmerzen beidseits bei Status nach HWS-Operation mit Diskektomie
und Implantation von Bandscheibenprothesen HWS 5-7 im November 2015
-
chronisches
lumbovertebrogenes
und
lumboradikuläres
Schmerzsyndrom rechts bei degenerativen LWS-Veränderungen und Diskushernien L4/5 und L5/S1
-
konsekutive depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
Er führte aus, dass sich die klinische Situation nach der Wirbelsäulenoperation im November 2015 für die Beschwerdeführerin nicht nachhaltig verbessert habe. Insbesondere sei es trotz intensiver Physiotherapie nicht gelungen, die Fehlhal
tung der HWS mit persistierender Kopfneigung nach rechts zu korrigieren. Daraus resultierten sekundäre Beschwerden, insbesondere eine im Tagesverlauf zuneh
mende ungerichtete Schwindelsymptomatik, begleitet von Übelkeit.
Im Vorder
grund stünden aber weiterhin Schmerzen im Nackenbereich mit Ausstrahlung in den Hinterkopf. Dazu kämen bereits vorbestehende lumbale Wirbelsäulenbe
schwerden. Die Beschwerdeführerin sei durch diesen Beschwerdekomplex in ihrer Arbeitsfähigkeit mit vorwiegend stehender Tätigkeit und gehender Fortbewegung erheblich beeinträchtigt (S. 1). Von neurologischer Seite sei die Beschwerdefüh
rerin im aktuell ausgeübten Beruf gegenwärtig maximal für ein Pensum von 50
%
arbeitsfähig. Dazu komme die psychiatrische Situation. Die Beschwerdeführerin habe in die HWS-Operation grosse Hoffnungen gesetzt und sei jetzt nachvoll
ziehbar verzweifelt und ernüchtert, da jetzt offensichtlich werde, dass auch lang
fristig keine wesentliche Beschwerdebesserung habe erreicht werden können.
Dies führe zu einer nachvollziehbaren depressiven Reaktion mit zusätzlich entspre
chender Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 2).
4.6
Dr.
D._
berichtete erneut am
1
8.
April 20
18 (
Urk.
3/5)
und führte aus,
dass sich zwischenanamnestisch der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit dem letzten Bericht vom 2
2.
Juli 2017 nochmals verschlechtert habe. Die zwischenzeitliche probeweise Anstellung mit Beratungs-/Verkaufstätigkeit bei der Firma
E._
habe aufgrund zunehmender Beschwerden im Januar aufgege
ben werden müssen, seit dem 1
5.
Januar 2018 sei die Beschwerdeführerin dann durchgehend zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen
(S. 1)
.
Das psychiatrische Krank
heitsbild habe sich in diesem Zeitraum ebenfalls verschlechtert. Hier sei die bereits im Dezember 2017 diagnostizierte depressive Episode jetzt nochmals deutlicher ausgeprägt. Dabei würden sicher die oben genannten körperlichen Beschwerden eine wesentliche Rolle.
Andererseits sei zu vermuten, dass sich das depressive Syndrom seinerseits nochmals verstärkend auf die körperlichen Beschwerden auswirke
(S
.
2 oben)
.
Von der Verschlechterung sei nicht nur die Arbeitsfähigkeit betroffen, sondern auch das Privatleben der Beschwerdeführerin. So sei es ihr kaum
noch
möglich,
eigenen und früher intensiv erfolgten Interessen nachzuge
hen. Ein ausgeprägter sozialer Rückzug in allen Lebensbereichen sei zu konsta
tieren. Die Selbstversorgung sei ihr noch knapp möglich, für verschiedene Haus
haltsarbeiten müsse sie jedoch regelmässig fremde Hilfe in Anspruch nehmen
. Zum
Y._
-Gutachten sei aus neurologischer Sicht zu erwähnen, dass die ortho
pädische und neurologische Beurteilung auf den Untersuchungsbefunden bei Sta
tus vor der HWS-Operation beruhe. Für die jetzigen Beschwerden entscheidend sei aber der Zustand nach der HWS-Operation von November 201
5.
Diese sei nach radiologischen Kriterien prinzipiell erfolgreich verlaufen, ganz offensicht
lich nicht erfolgreich sei jedoch die nachfolgende rehabilitative Behandlung gewesen.
Heute stünden ausgeprägte muskuläre Dysfunktionen, Muskelverkür
zungen und –
atrophien
im Bereich der HWS im Vordergrund. Diese muskulären Fehlstellungen hätten sich vermutlich durch die nach der Operation erforderliche längere Immobilisation der HWS nochmals erheblich verstärkt und hätten dann auch durch die anschliessende stationäre rehabilitative Behandlung in der Reha Klinik
Z._
offensichtlich nicht wegweisend gebessert werden können.
Diese muskuläre Dysfunktion müsse jetzt als chronifiziert angesehen werden, mit prog
nostisch zumindest unsicheren Aussichten auf Besserung
selbst bei optimaler physikalischer/physiotherapeutischer Behandlung
(S. 2)
.
5.
5.1
Die Aufhebung der Rente im Dezember 2014 basierte auf dem
Y._
-Gutachten
vom
August 2014 (vgl. vorstehend E. 3), wobei aus medizinischer Sicht insbeson
dere ein chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom rechts mit intermit
tierender Wurzelreizung und chronisch
lumbospondylogenem
Schmerzsyndrom rechtsbetont
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
vorlag. Diese Einschrän
kung
en
führten gemäss Gutachten zu einer Minderung der Leistungsfähigkeit um 20
%
in einer angepassten Tätigkeit.
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter unter anderem eine rezidivierende depres
sive Störung mit einer leichten depressiven Episode, eine anhaltende somato
forme Schmerzstörung sowie eine akzentuierte Persönlichkeit.
5.2
Im Rahmen der vorliegenden Neuanmeldung vom Mai 2017 (
Urk.
7/212)
reichte die Beschwerdeführerin diverse medizinische Berichte ein, aus welchen sich gewisse Anhaltspunkte für eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin ergeben. Nach Lage der eingereichten Akten besteht insoweit eine glaubhafte
Verschlechterung, als neu fachärztlich die Diagnose Angst und Depression gemischt (ICD-10 F41.2) vor dem Hintergrund einer zwischenzeitlich durchgeführten HWS-Operation ohne Beschwerdelinderung gestellt wurde
.
So
führten die Ärzte der
B._
nachvollziehbar aus,
dass sich die depressive Symp
tomatik
unter anderem vor dem Hintergrund der degenerativen HWS-Erkrankung verschlimmert
habe
, wobei die Beschwerdeführerin
affektiv niedergestimmt und vermindert schwingungsfähig
sei. Es habe sich i
m Rahmen der stationären Behandlung
zudem
ein gemischtes ängstlich-depressives Zustandsbild gezeigt
(vorstehend E. 4.3)
.
Auch
Dr.
D._
machte auf die
unveränderte klinische Situation trotz HWS-Operation aufmerksam und führte aus, dass
die Fehlhaltung der HWS mit persistierender Kopfneigung nach rechts
nicht habe k
orrigier
t wer
den können, woraus
seku
ndäre
somatische
Beschwerden
sowie eine nachvoll
ziehbare depressive Reaktion
resultiert
en.
Die Beschwerdeführerin sei durch die
sen Beschwerdekomplex in ihrer Arbeitsfähigkeit mit vorwiegend stehender Tätigkeit und gehender Fortbe
wegung erheblich beeinträchtigt,
im aktuell ausge
übten Beruf
bestehe
gegenwärtig maximal
eine
50%
ige
A
rbeitsfähig
keit
(vorste
hend E. 4.5
-6
)
.
Nachdem
das Bundesgericht mit BGE 143 V 409 und
BGE 143 V 418
entsch
ieden hat
, d
ass sämtliche psychische Leiden
einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind
, kann vorliegend o
hne materielle Beurteilung je
denfalls nicht von einer
unverändert 100%igen
Arbeits
fähigkeit
mit 20%iger Leistungsminderung
der Beschwerdefüh
rerin
in einer angepassten Tätigkeit ausgegangen werden.
Aufgrund der vorliegen
den medizi
nischen Berichte bestehen
in der Gesamtschau
genügend Anhaltspunkte für eine rechtser
hebliche Sachverhaltsänderung.
5.3
Demnach hat die Beschwerdeführerin eine erhebliche Änderung des Invaliditäts
grades im Sinne von
Art.
87
Abs.
3 in Verbindung mit
Abs.
2 IVV glaubhaft gemacht (vgl. vorstehend E. 1.1-1.4). Folglich ist die Beschwerdegegnerin zu Unrecht nicht auf die Neuanmeldung vom 1
9.
Mai 2017 eingetreten, weshalb die Beschwerde gutzuheissen und die Sache zur materiellen Beurteilung an die Ver
waltung zurückzuweisen ist.
6
.
Die Kosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung (IVG) sind ermessensweise auf Fr. 600.-- festzusetzen und ausgangsge
mäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.