Decision ID: 8d0c8a9c-4193-4236-8635-024d3d6c4dc9
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer ersuchte am 2. Dezember 2015 im damaligen
Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) des SEM in B._ um Asyl
in der Schweiz. Am gleichen Tag und Ort reichte auch sein Bruder
C._ (N [...]) ein Asylgesuch ein. Die Asylgesuche wurden vom SEM
separat behandelt.
A.b Am 9. Dezember 2015 wurde der Beschwerdeführer zu seinen persön-
lichen Umständen sowie zu seinem Reiseweg befragt (vgl. SEM-Akte A6).
Auf eine summarische Befragung zu den Gesuchsgründen wurde aus Ka-
pazitätsgründen verzichtet.
A.c Am 13. April 2016 gab das SEM dem Beschwerdeführer bekannt, dass
in seinem Fall das Dublin-Verfahren beendet worden sei. Sein Asylgesuch
werde daher von der Schweiz geprüft, indem das nationale Asyl- und Weg-
weisungsverfahren durchgeführt werde.
A.d Am 21. April 2016 ging dem SEM eine vom 5. April 2016 datierende
Erklärung der (...) zu, in welcher unter dem Titel "to whom it may concern"
ausgeführt wird, dass der Beschwerdeführer ein Unterstützer der Partei sei
und er nicht in die Heimat zurückkehren könne, da ihm dort Verfolgung
drohe. Es sei ihm Asyl zu gewähren.
A.e Am 21. September 2017 wurde der Beschwerdeführer zu seinen Ge-
suchsgründen angehört (vgl. SEM-Akte A24). Bei dieser Gelegenheit legte
er neben seiner Shenasnameh mehrere Fotografien als Beweismittel vor.
A.f Am 19. Juni 2019 führte das SEM mit dem Beschwerdeführer eine er-
gänzende Anhörung durch (vgl. SEM-Akte A29). Dabei legte er als Beweis-
mittel nochmals zwei Fotografien aus der Heimat vor, worauf die Tätigkeits-
bewilligung und die Visitenkarte seines iranischen Anwalts abgebildet sei.
A.g Während den Anhörungen brachte der Beschwerdeführer im Wesent-
lichen vor, er sei iranischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie und
stamme aus der Stadt D._. Am (...) 1386 ([...] 2008) habe er sich
anlässlich des Festes (...) auf einen Platz namens E._ begeben,
um dort mit anderen ein Feuer anzuzünden und zu feiern. Als vonseiten
der Sicherheitskräfte der Versuch unternommen worden sei, die Feierlich-
keiten zu stoppen, sei es auf dem Platz zu einer grösseren Auseinander-
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setzung gekommen, in deren Verlauf gewisse Leute versucht hätten, irani-
sche Flaggen herunterzureissen und Widerstand zu leisten. Daran habe er
sich aber nicht beteiligt, sondern sei nach Hause gegangen. Noch in der
gleichen Nacht sei er jedoch von den Sicherheitskräften zuhause verhaftet
worden. Er sei danach während fünfzehn Tagen an einem geheimen Ort
inhaftiert worden, wo man ihn mit einem angeblichen Zeugen konfrontiert
habe, der ihm eine massgebliche Beteiligung an den Auseinandersetzun-
gen und den Flaggenverbrennungen unterstellt habe. Anschliessend sei er
dort unter schwersten Misshandlungen zu einem schriftlichen Geständnis
genötigt worden. Nachdem er das erzwungene Geständnis abgegeben
habe, sei er in ein spezielles Spital verlegt worden, da er durch die Miss-
handlungen schwere Verletzungen erlitten habe, namentlich Verbrennun-
gen an den Händen durch heisses Wasser und Verbrennungen auf der
Brust durch Aufdrücken eines heissen Bügeleisens. Nachdem seine Wun-
den einigermassen verheilt seien, sei er einem Richter vorgeführt worden,
der in der Folge schriftlich bestätigt habe, dass er in Haft genommen wor-
den sei und er dabei keine Folter erlitten habe. Während der nächsten
sechs Monate sei er im Gefängnis von D._ in Haft gewesen, dann
sei er nach F._ verlegt worden. Dort sei er zwei Jahre inhaftiert ge-
wesen, bevor er dem Einzelrichter G._ vorgeführt worden sei. Die-
ser habe ihn zu einer Freiheitsstrafe von fünfzehn Jahren verurteilt, nach-
dem er ihn kurz befragt und dabei seinen Einwänden gegen das unter Fol-
ter abgegebene Geständnis keinerlei Gehör geschenkt habe. Über einen
Anwalt habe er damals nicht verfügt und auf einen Einspruch gegen dieses
Urteil an das nächsthöhere Gericht, welches aus drei Richtern bestanden
hätte, habe er verzichtet, da das sowieso nichts gebracht hätte. Eine Kopie
des Urteils könne er nicht vorlegen, da ihm dieses nur mündlich eröffnet
worden sei. Nach seiner Verurteilung habe er die folgenden sieben Jahre
unter schlechten Verhältnissen im Gefängnis von F._ in Haft ver-
bracht, wobei er während dieser Zeit einen Hungerstreik und auch zwei
Selbstmordversuche unternommen habe. Seine Selbstmordversuche im
Jahre (...) durch (...) und (...) durch (...) seien jeweils durch das Eingreifen
von Mithäftlingen vereitelt worden. Im Frühjahr (...) sei ihm schliesslich ein
siebentägiger Hafturlaub gewährt worden, um dessen Erteilung sich der
Anwalt seiner Familie bemüht habe und zu dessen Sicherung sein Vater
eine Grundpfandsicherheit über (...) Tuman habe stellen müssen. Nach-
dem er von seiner Familie vom Gefängnis abgeholt und nachhause ge-
bracht worden sei, habe er sich noch zwei Tage dort aufgehalten, dann sei
er am dritten Tag ([...]) mit dem Einverständnis seines Vaters aus dem Iran
geflohen. Seinem Vater sei dabei durchaus bewusst gewesen, dass seine
Familie dadurch ihr Haus verlieren werde, was in der Folge auch passiert
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sei, seine Sicherheit sei seinem Vater aber wichtiger gewesen. Ein halbes
Jahr später habe er seinen Bruder, der ebenfalls geflohen sei, im Irak ge-
troffen und danach seien sie gemeinsam über mehrere Länder in die
Schweiz gereist.
B.
B.a Am 18. September 2019 gelangte das SEM an die schweizerische Bot-
schaft in H._. Dabei ersuchte es um Abklärungen insbesondere zu
der vom Beschwerdeführer bezeichneten Heimatadresse, zum Zeitpunkt
seiner Ausreise, zur geltend gemachten Verurteilung durch ein Gericht in
F._ und zur vorgebrachten Haftzeit, wie auch um eine Prüfung sei-
nes gegenwärtigen strafrechtlichen Status.
B.b Die Botschaft liess dem SEM am 10. November 2019 einen vom
23. Oktober 2019 datierenden Bericht zukommen, welcher von einem Ver-
trauensanwalt der Botschaft erstellt worden war.
B.c Am 15. Januar 2020 gelangte das SEM mit einer ergänzenden Nach-
frage an die Botschaft, wobei das SEM unter Verweis auf eine eigene In-
ternet-Recherche um präzisierende Angaben zum bisherigen Bericht er-
suchte.
B.d Die Botschaft liess dem SEM am 19. Februar 2020 einen vom 15. Feb-
ruar 2020 datierenden Bericht zukommen, welcher vom Verfasser des ers-
ten Berichts als Ergänzung erstellt worden war.
C.
Aus den Akten geht hervor, dass das Migrationsamt (...) dem SEM zwi-
schenzeitlich zur Kenntnis gebracht hatte, dass der Beschwerdeführer am
(...) 2020 wegen des dringenden Verdachts der Begehung eines schweren
Gewaltdelikts in Haft und anschliessend in Untersuchungshaft versetzt
worden war.
D.
D.a Am 24. März 2020 brachte das SEM dem Beschwerdeführer den we-
sentlichen Inhalt der beiden Botschaftsberichte zur Kenntnis, verbunden
mit der Einladung zur Stellungnahme zwecks Wahrung des rechtlichen Ge-
hörs. Mit seiner Einladung zur Stellungnahme liess das SEM ihm auch ano-
nymisierte Kopien der Anfragen und entsprechenden Botschaftsberichte
zukommen.
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D.b Mit Eingabe vom 16. April 2020 (Poststempel) teilte der Beschwerde-
führer dem SEM mit, dass er sich in Untersuchungshaft befinde und es für
ihn daher unmöglich sei, innert Frist eine Stellungnahme einzureichen.
Gleichzeitig machte er zur Sache geltend, er könne nicht nachvollziehen,
wie das SEM zu solchen Informationen gekommen sei. Die Ausführungen
seien mit Vorsicht zu behandeln, da davon auszugehen sei, dass die Infor-
mationsquelle grösstes Interesse daran habe, dass er wieder in den Iran
zurückkomme. Er ersuchte das SEM um Aufschiebung der Frist bis zur Be-
endigung der Untersuchungshaft und um Kostengutsprache für einen un-
entgeltlichen Rechtsbeistand, da sein Fall nicht aussichtslos erscheine und
der Sachverhalt komplex sei.
D.c Mit Schreiben vom 27. April 2020 erstreckte das SEM die angesetzte
Frist zur Stellungnahme bis zum 26. Mai 2020. Diese Frist liess der Be-
schwerdeführer jedoch unbenutzt verstreichen.
E.
Mit Verfügung vom 14. Juli 2020 – eröffnet am 16. Juli 2020 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
und lehnte dessen Asylgesuch ab, verbunden mit der Anordnung der Weg-
weisung aus der Schweiz und des Wegweisungsvollzugs. Dabei erachtete
das SEM die Vorbringen des Beschwerdeführers über seine angebliche
Verfolgungssituation im Zeitpunkt seiner Ausreise als unglaubhaft und das
von ihm geltend gemachte exilpolitische Engagement als nicht relevant.
F.
Am 21. Juli 2020 ersuchte der Beschwerdeführer um Akteneinsicht, welche
ihm am 5. August 2020 gewährt wurde.
G.
Am 14. August 2020 erhob der Beschwerdeführer – handelnd durch seinen
Rechtsvertreter – gegen jene Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde. In seiner Eingabe beantragte er zur Hauptsache die Aufhe-
bung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache ans SEM,
verbunden mit der Anweisung, ihm sämtliche entscheidrelevante Akten in
genügender Weise offenzulegen und ihm das rechtliche Gehör dazu zu
gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege inklusive Befreiung von der Kostenvorschusspflicht
und um Beiordnung seines Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand.
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H.
H.a Mit Zwischenverfügung vom 25. August 2020 wurde das SEM aufge-
fordert, dem Beschwerdeführer Einsicht in die unwesentlichen sowie die
ihm bereits bekannten Akten zu gewähren. Dem Beschwerdeführer wurde
zudem die Möglichkeit eingeräumt, eine Beschwerdeergänzung nachzu-
reichen.
H.b Aus den Akten folgt, dass das SEM dem Beschwerdeführer mit Schrei-
ben vom 31. August 2020 nochmals Akteneinsicht gewährte, wobei es
auch die unwesentlichen und bereits bekannten Akten zustellte.
I.
Nach zweimal erstreckter Frist reichte der Beschwerdeführer am 5. Okto-
ber 2020 eine Beschwerdeergänzung nach. In dieser Eingabe ergänzte er
seine Anträge dahingehend, dass er neben seinen bereits bekannten An-
trägen betreffend die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rück-
weisung der Sache an die Vorinstanz neu beantragte, eventualiter sei sein
Asylgesuch gutzuheissen und subeventualiter sei er in der Schweiz vorläu-
fig aufzunehmen.
J.
Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer am (...) 2020 vom
Bezirksgericht I._ der versuchten vorsätzlichen (...) schuldig ge-
sprochen und zu einer Freiheitsstrafe von 51⁄2 Jahren verurteilt wurde, wel-
che zu vollziehen sei. Gegen den Beschwerdeführer wurde gleichzeitig ge-
stützt auf Art. 66a StGB eine Landesverweisung von zehn Jahren ausge-
sprochen.
Dieser Entscheid ist gemäss (Abschreibungs-)Beschluss des Obergerichts
des Kantons J._ vom (...) 2021 rechtskräftig.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer macht auf der Rechtsmittelebene geltend, sein
rechtliches Gehör sei verletzt worden. Diese formelle Rüge ist vorab zu
beurteilen, da sie bei berechtigtem Vorbringen zur Kassation der angefoch-
tenen Verfügung führen kann.
3.2 In der Rechtsmitteleingabe vom 14. August 2020 ersuchte der Be-
schwerdeführer um Einsicht in sämtliche Akten. Er machte geltend, durch
die verweigerte Einsicht in die Botschaftsberichte habe die Vorinstanz den
Anspruch auf Akteneinsicht und auf Gewährung des rechtlichen Gehörs
verletzt. Durch die Vorgehensweise der Vorinstanz sei ihm verunmöglicht
worden, den Inhalt der Anfragen an die Schweizerische Vertretung in
H._ und das Zustandekommen der Berichte auch nur ansatzweise
zu prüfen. Mit Zwischenverfügung vom 25. August 2020 hielt die Instrukti-
onsrichterin fest, im Zusammenhang mit den Botschaftsberichten werde
von einer praxisgemäss genügenden Offenlegung ausgegangen. In seiner
Beschwerdeergänzung vom 5. Oktober 2020 konkretisierte er diesbezüg-
lich, der Inhalt sei teilweise unleserlich gemacht und Angaben über Infor-
manten und Quellen seien offenbar bewusst weggelassen worden. Damit
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könnten die Botschaftsberichte nicht überprüft werden, was eine Verwei-
gerung des Anspruchs auf Gewährung des rechtlichen Gehörs darstelle.
Weiter sei nicht gewährleistet, dass die Berichte von einer unabhängigen
Person verfasst seien und deren Inhalt objektiv sei. Ausserdem sei stos-
send, dass die iranischen Behörden dadurch Angaben über den Beschwer-
deführer erhalten hätten, obwohl die Vorinstanz erklärt habe, dass sie seine
Informationen vertraulich behandle und nicht an Behörden im Heimatland
weiterleite. Im Übrigen seien die Botschaftsabklärungen keine beweistaug-
lichen Urkunden, da sie nicht unterzeichnet seien.
3.3 Als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs gewährt das Recht auf Aktenein-
sicht (Art. 26 VwVG) die Möglichkeit, die relevanten Unterlagen einzuse-
hen, auf welche die Behörde ihren Entscheid stützt. Soweit das Recht ein-
geschränkt werden kann, so insbesondere wenn ein überwiegendes öffent-
liches oder privates Interesse an der Geheimhaltung besteht (Art. 27
VwVG), muss die Behörde vom wesentlichen Inhalt der Unterlagen Kennt-
nis sowie die Gelegenheit geben, sich dazu zu äussern und Gegenbeweis-
mittel zu bezeichnen (Art. 28 VwVG; vgl. BVGE 2015/10 E. 3.3).
3.4 Praxisgemäss unterstehen die Akten betreffend Botschaftsabklärun-
gen dem Akteneinsichtsrecht. Dieses Recht kann aufgrund von Geheim-
haltungsinteressen eingeschränkt werden. Das mildeste Mittel zur Ein-
schränkung des Rechts auf Akteneinsicht ist die Bereitstellung der Akten
unter Abdeckung der geheim zuhaltenden Stellen. Die Erstellung einer Zu-
sammenfassung stellt für die Behörden eine weitere Möglichkeit dar, ihrer
Pflicht zur Gewährung der Akteneinsicht bei gleichzeitiger Wahrung öffent-
licher oder privater Geheimhaltungsinteressen nachzukommen. Das SEM
ist dabei gehalten, den wesentlichen Inhalt wiederzugeben und zwar in ei-
ner Weise, die es der betroffenen Person ermöglicht, sich dazu zu äussern
und Gegenbeweismittel zu bezeichnen (vgl. Urteile des BVGer D-36/2018
vom 12. Oktober 2020 E. 3.2 und E-6502/2019 vom 19. März 2020 E. 5.3.).
3.5 Zur eingeschränkten Offenlegung der Botschaftsabklärung ist festzu-
stellen, dass das private und öffentliche Geheimhaltungsinteresse gemäss
Art. 27 Abs. 1 Bst. a und b VwVG an den Quellen von Botschaftsauskünf-
ten und der Arbeitsweise der Botschaft respektive des von ihr beauftragten
Vertrauensanwalts offensichtlich ist. Eine Offenlegung dieser Informatio-
nen würde in künftigen Fällen Abklärungen erschweren beziehungsweise
verunmöglichen (vgl. Urteil des BVGer E-2387/2020 vom 7. Mai 2020
E. 4.2.6 m.w.H.). Es besteht somit keine Veranlassung, die Vorgehens-
weise und Informationsquellen des Vertrauensanwalts offenzulegen. Die
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geschwärzten Angaben umfassen neben Informationen zur Auskunft ge-
währenden Person und deren Quellen andere heikle Informationen, wie
beispielsweise zu Schleppertätigkeiten in der Region oder Möglichkeiten
zur Verschaffung von Asylgründen. Diese überschreiten den Rahmen des
Einzelfallspezifischen, weshalb das SEM zu Recht deren Offenlegung ver-
weigert hat (vgl. Urteil des BVGer E-3126/2021 vom 29. Juli 2021 E. 7.1).
Da die Vorinstanz vor Erlass des Asylentscheids dem Beschwerdeführer
die Botschaftsberichte und Anfragen in anonymisierter Form unter explizi-
ter Einladung zur Stellungnahme zustellte und ihm unter Verweis auf
Art. 27 VwVG der Ergebnisse der Abklärungen bekannt gab, ist sie ihrer
Pflicht zur Offenlegung des wesentlichen Inhalts der Botschaftsberichte ge-
nügend nachgekommen. Dem Beschwerdeführer war es aufgrund der er-
haltenen Informationen möglich, sich zu den ihn persönlich betreffenden
Ergebnissen der Botschaftsabklärung zu äussern und diesbezüglich den
Gegenbeweis anzutreten. Eine Verletzung des Rechts auf Akteneinsicht ist
nicht ersichtlich.
Zwar ist mit dem Beschwerdeführer einig zu gehen, dass die Vertrauens-
würdigkeit von Botschaftsauskünften durch die Asylbehörden und das Ge-
richt einer Prüfung zu unterziehen ist. Diese ist allerdings Bestandteil der
Beurteilung der Glaubhaftigkeit, weshalb auf die entsprechenden materiel-
len Erwägungen zu verweisen ist (vgl. unten E. 6.5). Entgegen seiner Ar-
gumentation ist auch festzuhalten, dass die Botschaftsauskünfte im vorlie-
genden Fall unterzeichnet sind und grundsätzlich als Indizien zur Beurtei-
lung der Glaubhaftigkeit herangezogen werden dürfen.
3.6 Insgesamt besteht keine Veranlassung, die Verfügung aus formellen
Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der entspre-
chende Antrag ist abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
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4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Jedoch wird Flüchtlingen gemäss Art. 53 Bst. c AsylG kein Asyl ge-
währt, wenn gegen sie eine Landesverweisung unter anderem nach
Art. 66a StGB ausgesprochen wurde. Im Verlauf des vorliegenden Verfah-
rens wurde der Beschwerdeführer mit Urteil des Bezirksgerichts I._
vom (...) gestützt auf Art. 66a StGB für die Dauer von zehn Jahren des
Landes verwiesen. Damit ist die Gewährung des Asyls zugunsten des Be-
schwerdeführers ausgeschlossen, und es vermag sich nur noch die Frage
zu stellen, ob er aufgrund seiner Vorbringen als Flüchtling zu anerkennen
sei.
5.
5.1 Das SEM bringt zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen
vor, dass die Schilderungen des Beschwerdeführers teils recht ausführlich
ausgefallen seien und Realkennzeichen wie beispielsweise Interaktions-
schilderungen und detaillierte Beschreibungen von Handlungsabläufen
enthalten würden. Dennoch seien diese teils in zentralen Aspekten nicht
konsistent. Unterschiedlich sei seine Darstellung hinsichtlich der Vorkomm-
nisse am Abend vor seiner Verhaftung. So habe er in der Anhörung vom
21. September 2017 dargelegt, dass er sich mit drei, vier Kameraden auf
den Platz E._ begeben habe, um ein Feuer anzuzünden und zu
feiern. Später seien Beamte vom Ettelaat auf ihre Gruppe zugekommen
und hätten sie daran hindern wollen. Dadurch sei es zu einer Auseinander-
setzung gekommen. Einige hätten versucht, iranische Flaggen herunterzu-
ziehen und Widerstand zu leisten. In der ergänzenden Anhörung vom
19. Juni 2019 habe er indessen ausgeführt, viele Menschen seien an je-
nem Abend unterwegs gewesen und hätten angefangen, Parolen zu rufen
und Flaggen in Brand zu setzen und in Richtung Polizei- und Ettelaatge-
bäude zu marschieren. Die Sicherheitskräfte hätten die Demonstrierenden
angegriffen und verhaftet. Seine Verhaftung habe er ebenfalls widersprüch-
lich geschildert: Im Gegensatz zur ersten Anhörung habe er in der ergän-
zenden Anhörung ausgeführt, er sei zunächst in eine Einzelzelle gebracht
worden, wo er sich, immer noch gefesselt, bis zur Unterhose habe auszie-
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hen müssen. Danach sei er befragt und mit einem Zeugen konfrontiert wor-
den. In zeitlicher Hinsicht seien zudem seine Schilderungen betreffend die
Überstellung in die Haftanstalt von D._ nicht konsistent. So sei er
am (...) 2008 verhaftet und am fünfzehnten Tag der Ettelaat-Haft mit heis-
sem Wasser und einem Bügeleisen misshandelt worden. In der ergänzen-
den Anhörung habe er ausgesagt, er sei am (...) 2008 zum Haftrichter und
anschliessend ins Gefängnis von D._ gebracht worden, was be-
deute, dass nur drei Tage zwischen der geltend gemachten Misshandlung
und Überführung ins Gefängnis von D._ liegen würden. Dies sei
aber mit seiner Angabe nicht vereinbar, dass seine Wunden im Zeitpunkt
der Überführung bereits ziemlich verheilt gewesen seien. Betreffend den
Suizidversuch im Jahr (...) ([...]) habe er in der ersten Anhörung geschil-
dert, er habe zusammen mit einem Gefängniskameraden, der daran ge-
storben sei, (...) genommen. In der ergänzenden Anhörung hingegen habe
er behauptet, dass er zusammen mit drei weiteren Kameraden versucht
habe, sich mit (...) das Leben zu nehmen. Dabei seien zwei Kameraden
gestorben. Diese Aussagen seien ebenfalls widersprüchlich. Weiter sei un-
glaubhaft, dass er im Gefängnis zur Teilnahme an den Wahlen gezwungen
worden sei. Er habe behauptet, erst im Gefängnis sei ein Foto auf seiner
Shenasnameh angebracht worden, wodurch er erstmals zur Teilnahme an
den Wahlen berechtigt gewesen sei. Dennoch zeige ein Stempeleintrag in
seiner Shenasnameh, dass er sich bereits im Jahr (...) ([...]) an den Präsi-
dentschaftswahlen beteiligt habe, weshalb seine Angaben nicht glaubhaft
seien. Weiter könne das SEM ihm nicht glauben, dass er nach seiner Aus-
reise gesucht worden sei, zumal seine diesbezüglichen Vorbringen direkt
im Zusammenhang mit der Fluchtgeschichte seines Bruders stehen wür-
den, die das SEM bereits mit der negativen Verfügung vom 11. Mai 2020
als unglaubhaft qualifiziert habe.
Nicht nachvollziehbar sei sodann, dass er bis anhin keine Beweismittel ein-
gereicht habe. Das SEM gehe davon aus, dass er entsprechende Doku-
mente – namentlich in Bezug auf die Grundpfandsicherheit seiner Familie
für seinen Hafturlaub – eingereicht hätte, wenn seine Vorbringen tatsa-
chenbasiert wären.
Das von ihm geltend gemachte Vorgehen der iranischen Strafverfolgungs-
behörden und hohe Strafmass von fünfzehn Jahren seien unverhältnis-
mässig und schlichtweg nicht nachvollziehbar, da er im Iran vor seiner In-
haftierung nie politisch aktiv gewesen sei und damit nicht über ein signifi-
kantes Profil verfüge. Es sei höchst unwahrscheinlich, dass er aufgrund
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Seite 12
der ihm vorgeworfenen Vergehen eine derart harte Bestrafung zu gewärti-
gen gehabt hätte.
Die Botschaftsberichte würden im Übrigen die Zweifel an der Glaubhaf-
tigkeit seiner Vorbringen vollends bestätigen. Sie würden nahelegen, dass
er den Iran legal verlassen habe und er weder vor Gericht gestanden habe
noch verurteilt worden sei. Aus dem Umstand, dass er den Namen des
vorsitzenden Richters des Revolutionsgerichts in F._ kenne, könne
er nichts zu seinen Gunsten ableiten, da dieser in den Medien regelmässig
namentlich erwähnt werde. Der von ihm bezeichnete Anwalt habe zudem
keine Zulassung, um als Anwalt vor Gericht tätig zu sein. Seine pauschale
Kritik sei nicht geeignet, die Richtigkeit der Abklärungsergebnisse in Ab-
rede zu stellen. Nach dem Gesagten sei das SEM zum Schluss gekom-
men, dass es ihm nicht gelungen sei, seine Vorbringen glaubhaft zu ma-
chen. Daran vermöchten auch seine Narben nichts zu ändern, da diese auf
andere Ursachen zurückzuführen seien als auf die behaupteten Misshand-
lungen.
5.2 Der Beschwerdeführer hielt dem entgegen, seine Schilderungen seien
entgegen der Auffassung der Vorinstanz an beiden Anhörungen in den we-
sentlichen Punkten übereinstimmend und konsistent ausgefallen. Ange-
sichts der Tatsache, dass zwischen den beiden Anhörungen beinahe zwei
Jahre vergangen seien, sei es nicht erstaunlich, dass seine Angaben nicht
mehr in sämtlichen Punkten übereinstimmen und sich bezüglich Zeitab-
läufe, Daten und weiterem unterscheiden würden. Zudem würden seine
Schilderungen mit seinen vorgebrachten Verletzungen übereinstimmen. In
Bezug auf das als unglaubhaft erachtete Strafmass sei festzuhalten, dass
der jüngst bekannt gewordene Vorfall mit dem bekannten Ringer Navid Af-
kari zeige, dass die iranischen Behörden gegen vermeintlich regimekriti-
sche Personen mit den vom Beschwerdeführer geschilderten Methoden
vorgehen, unfaire Prozesse führen und unverhältnismässige Strafen aus-
fällen würden. Die Vorinstanz stütze ihren Entscheid grösstenteils auf ein
falsches Bild über die Vorgehensweise der iranischen Behörden ab. Kurdi-
sche Staatsangehörige, die politische Rechte wahrnehmen würden, wür-
den im Iran konsequent und brutal verfolgt.
6.
6.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-
gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen. Ent-
scheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen
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Seite 13
Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf
eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung
für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine, die eige-
nen Erlebnisse betreffende, substantiierte, im Wesentlichen widerspruchs-
freie und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahr-
heitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist ge-
kennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision und in-
nere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnis-
sen insbesondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder
nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung
geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung be-
züglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substantiiertheit und Plausibilität
der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den
Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn
die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es
demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber
in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Um-
stände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1).
6.2 Nach Durchsicht der Akten ist zunächst in Übereinstimmung mit dem
Beschwerdeführer festzustellen, dass er in der Lage war, die Ereignisse
teilweise ausführlich darzulegen. Überdies enthalten die Schilderungen
auch eine Reihe von Realkennzeichen. Die langen und teilweise detaillier-
ten Redebeiträge hinterlassen den Eindruck von substanziellen Angaben
und sind als Indiz für die Glaubhaftigkeit zu werten.
6.3 Das SEM weist in der angefochtenen Verfügung aber auch zu Recht
auf diverse Unstimmigkeiten in den Ausführungen des Beschwerdeführers
hin. Den Erwägungen zu den Widersprüchen kann sich das Gericht voll-
umfänglich anschliessen, weshalb darauf zu verweisen ist. Das Argument
des Beschwerdeführers, aufgrund der langen Dauer zwischen den Anhö-
rungen seien widersprüchliche Angaben zu erwarten, überzeugt nicht. Es
ist anzunehmen, dass selbst über eine Dauer von mehreren Jahren ein-
schneidende und emotional belastende Erlebnisse widerspruchsfrei und
präzis wiedergegeben werden können. Vor diesem Hintergrund erscheinen
insbesondere die Ungereimtheiten in Bezug auf die Geschehnisse vor sei-
ner Verhaftung, die zeitliche Einordnung der Verlegung ins Gefängnis von
D._ sowie die Anzahl der anlässlich eines gemeinsamen Suizidvor-
habens verstorbenen Mithäftlingen gewichtig. Weiter ist auch davon aus-
zugehen, dass über eine lange Zeit hinweg Misshandlungserfahrungen
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präzise geschildert werden können. So ist nicht ersichtlich, weshalb der
Beschwerdeführer in der ersten Anhörung schilderte, heisses Wasser sei
über seine beiden Hände geschüttet worden (vgl. SEM-Akte A24/F42,
S. 6), und in der ergänzenden Anhörung nur die Verbrühung seiner linken
Hand schilderte (vgl. SEM-Akte A29/F24 S. 6). Zudem ist nicht nachvoll-
ziehbar, weshalb er bei beiden Anhörungen die Misshandlung mit kochen-
dem Wasser und einem Bügeleisen ausführlich beschrieb, aber die übrigen
angeblichen Foltervorfälle und Disziplinarstrafen weder zeitlich einordnete
noch näher erläuterte. Dies erweckt den Eindruck einer einstudierten Ge-
schichte, zumal zu erwarten wäre, dass er bei unterschiedlichen Anhörun-
gen diesbezüglich andere Schwerpunkte legen und damit auch andere De-
tails schildern würde. Daran vermögen auch seine Narben nichts zu än-
dern, da diese nach zutreffender Einschätzung der Vorinstanz nicht
zwangsläufig durch die vorgebrachten Misshandlungen entstanden sein
müssen.
6.4 Bereits gestützt auf diese Widersprüche bestehen an der Glaubhaf-
tigkeit der Vorfluchtgründe erhebliche Zweifel. Diese werden weiter
dadurch bestärkt, dass der Beschwerdeführer bislang keine Beweismittel
einreichte, obwohl anzunehmen ist, dass zumindest in Bezug auf die
Grundpfandsicherheit für seinen Hafturlaub Dokumente erstellt worden
sein müssen. Seine diesbezüglichen Einwendungen überzeugen nicht. So
ist vor allem nicht plausibel, dass er den Freilassungsentscheid für einen
unnötigen Zettel gehalten und ihn nicht aufbewahrt habe. Weiter erscheint
auch lebensfremd, dass er keine Berufung gegen das Urteil einreichte, ob-
wohl er über die Möglichkeit aufgeklärt worden sei und offensichtlich mit
dem Urteil nicht einverstanden gewesen sei. Dass es sowieso nichts ge-
bracht hätte und er deshalb darauf verzichtet habe, überzeugt nicht. Weiter
ist nicht nachvollziehbar, dass ihm ein Hafturlaub bewilligt worden sei, ob-
wohl er noch weitere sieben Jahre Freiheitsstrafe vor sich gehabt hätte. Es
ist anzunehmen, dass den iranischen Behörden gerade mit Blick auf sein
Verhalten während der Haft das immense Fluchtrisiko bewusst gewesen
sein müsste und sie deshalb von einem Hafturlaub abgesehen hätten.
6.5 Die Auskunftsperson der Schweizer Botschaft in H._ hielt im
Botschaftsbericht vom 23. Oktober 2019 fest, dass der Beschwerdeführer
legal ausgereist sei und im Iran weder mit den Behörden jemals Probleme
gehabt habe noch in deren Fokus geraten sei. Er sei auch weder verurteilt
noch inhaftiert worden. Seine Vorbringen seien eindeutig fingiert. Gegen
die Botschaftsberichte brachte er verschiedene Einwände vor, denen das
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Gericht aber nicht folgen kann. So sind die Berichte detailliert und nach-
vollziehbar. Es besteht auch keine Veranlassung, an der Unbefangenheit
des beauftragten Vertrauensanwalts zu zweifeln, zumal seine Hinweise
und Quellen überzeugend sind. Der Vorhalt, die Daten des Beschwerde-
führers würden nicht gebührend sorgfältig behandelt, sowie die Annahme,
der zuständige Vertrauensanwalt liefere aus politisch motivierten Gründen
bewusst falsche Informationen, wurden denn auch nicht stichhaltig begrün-
det. Auch hat das Gericht mehrmals bestätigt, dass Botschaftsabklärungen
der Schweizer Botschaft in H._ als zuverlässig und diskret gelten
(vgl. etwa Urteile des BVGer D-2437/2019 vom 29. Oktober 2021 E. 8.5,
D-982/2021 vom 31. Mai 2021 E. 6.1.4 m.w.H.). Zudem reichte der Be-
schwerdeführer keine Beweismittel ein, die seine Kritik an den Berichten
untermauern würden. Nach dem Gesagten ist daher festzustellen, dass
schliesslich auch die Abklärungsberichte der Schweizer Botschaft in
H._ die Zweifel am Wahrheitsgehalt der Vorbringen bestärken.
6.6 Trotz der eingangs erwähnten Substanz und der geschilderten Real-
kennzeichen kommt das Gericht aufgrund einer Gesamtbetrachtung und
Abwägung der für und gegen die Glaubhaftigkeit sprechenden Elemente,
zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers insgesamt für
unglaubhaft zu erachten sind. So vermögen die teilweise detaillierten Aus-
führungen die gewichtigen Unstimmigkeiten nicht aufzuwiegen. Insgesamt
ist demnach festzuhalten, dass die Vorinstanz zu Recht und mit zutreffen-
der Begründung die Vorbringen des Beschwerdeführers als unglaubhaft im
Sinne von Art. 7 AsylG qualifiziert und seine Flüchtlingseigenschaft ver-
neint hat.
6.7
6.7.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob aufgrund des geltend gemachten exil-
politischen Engagements des Beschwerdeführers subjektive Nachflucht-
gründe im Sinne von Art. 54 AsylG bestehen.
6.7.2 Es ist bekannt, dass die iranischen Behörden die politischen Aktivitä-
ten ihrer Staatsangehörigen auch im Ausland überwachen und erfassen.
Allerdings geht das Gericht davon aus, dass die iranischen Sicherheitsbe-
hörden durchaus in der Lage sind, zwischen politisch engagierten irani-
schen Staatsangehörigen, die das Regime zu gefährden vermögen, und
exilpolitisch engagierten Personen, die es geradezu darauf anlegen, sich
durch ihre Aktionen bekannt zu machen, zu unterscheiden. Es ist anzuneh-
men, dass sich die iranischen Geheimdienste auf die Erfassung von Per-
sonen konzentrieren, die über die massentypischen und niedrigprofilierten
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Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen wahrge-
nommen und/oder Aktivitäten entwickelt haben, die die jeweilige Person
aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen herausheben und als
ernsthaften und gefährlichen Regimegegner erscheinen lassen (vgl.
BVGE 2009/28 E. 7.4.3; vgl. auch das Referenzurteil D-830/2016 vom
20. Juli 2016). Eine solche Prüfung hat stets im Einzelfall aufgrund konkre-
ter Umstände zu erfolgen.
6.7.3 Aufgrund der eingereichten Beweismittel (Bestätigungsschreiben der
(...), Fotos des Beschwerdeführers an Veranstaltungen) gilt als erstellt, das
der Beschwerdeführer in der Schweiz Unterstützer der (...) geworden ist
und auch schon an Parteiveranstaltungen teilgenommen hat. Hingegen
geht aus den Akten nicht hervor, dass der Beschwerdeführer innerhalb der
Partei eine besondere Funktion innehat. Im Gegenteil gibt er lediglich an,
Sympathisant zu sein und an Sitzungen und Aktivitäten gegen die iranische
Regierung teilzunehmen (vgl. SEM-Akte A29/F74 ff.). Daraus geht hervor,
dass er ein Parteianhänger ohne jegliche Entscheidungsbefugnis ist. Er
legt denn auch in seiner Beschwerdeschrift nicht dar, inwieweit er sich
durch seine exilpolitischen Aktivitäten derart exponiert habe, dass er bei
einer Rückkehr nach Iran Furcht vor einer asylrelevanten Verfolgung haben
müsste. Da sich der Beschwerdeführer weder durch seine Persönlichkeit
noch durch Form oder Inhalt seiner politischen Aktivitäten speziell expo-
niert hat, besteht kein Grund zu der Annahme, dass er von den iranischen
Behörden als Regimegegner identifiziert worden wäre oder bei einer Rück-
kehr identifiziert würde und entsprechend gefährdet ist.
6.8 Zusammenfassend liegen keine subjektiven Nachfluchtgründe vor. Der
Beschwerdeführer kann die Flüchtlingseigenschaft weder nachweisen
noch glaubhaft machen. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch demnach zu
Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM ein Asylgesuch ab oder tritt es nicht darauf ein, so ver-
fügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Voll-
zug an (Art. 44 [erster Satz] AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4 und 2009/50
E. 9, je m.w.H.). Diese Regel kommt gemäss Art. 32 Abs. 1 Bst. a–d Asyl-
verordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) dann nicht zur
Anwendung, wenn die asylsuchende Person im Besitze einer gültigen Auf-
enthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist (Bst. a), wenn sie von einer
Auslieferungsverfügung betroffen ist (Bst. b), wenn sie von einer Auswei-
sungsverfügung nach Art. 121 Abs. 2 BV oder nach Art. 68 AIG (SR 142.20)
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betroffen ist, oder aber, wenn sie von einer rechtskräftigen Landesverwei-
sung nach Art. 66a oder 66abis StGB oder nach Art. 49a oder 49abis Militär-
strafgesetz (MStG, SR 321) betroffen ist.
7.2 Im Verlauf des vorliegenden Verfahrens wurde der Beschwerdeführer
mit Urteil des Bezirksgerichts I._ vom (...) 2020 gestützt auf Art. 66a
StGB für die Dauer von zehn Jahren rechtskräftig des Landes verwiesen.
Damit ist die im vorinstanzlichen Verfahren durch das SEM verfügte Weg-
weisung dahingefallen. Gleichzeitig ist das Beschwerdeverfahren in den
Punkten der Wegweisung und des Vollzugs durch den Wegfall der diesbe-
züglichen Anfechtungsobjekte (Dispositivziffern 3–5 der angefochtenen
Verfügung) gegenstandslos geworden.
8.
Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass der Entscheid des
SEM das Bundesrecht nicht verletzt sowie den rechtserheblichen Sachver-
halt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist
folglich abzuweisen, soweit sie nicht gegenstandslos geworden ist (vgl.
E. 7.2).
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Er beantragt
jedoch die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und die Beiord-
nung eines amtlichen Rechtsbeistands.
9.2 Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird von der Erhebung von Verfahrens-
kosten abgesehen, wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel ver-
fügt und ihre Beschwerde nicht aussichtslos erscheint. Die Beschwerde
präsentierte sich nach dem Gesagten nicht von vornherein als aussichtslos
und es ist von der Mittellosigkeit des Beschwerdeführers auszugehen. Das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1
VwVG) ist deshalb gutzuheissen und auf die Erhebung von Verfahrenskos-
ten ist zu verzichten.
9.3 Das Bundesverwaltungsgericht bestellt auf Antrag der asylsuchenden
Person, die von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit wurde, grund-
sätzlich eine amtliche Rechtsbeiständin oder einen amtlichen Rechtsbei-
stand (Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. aArt. 110a Abs. 1 AsylG). Somit ist das
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Gesuch um Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters, der die entspre-
chenden persönlichen Voraussetzungen erfüllt, antragsgemäss gutzuheis-
sen.
9.4 Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht. Auf die Nachforde-
rung einer solchen kann indessen verzichtet werden, weil der Vertretungs-
aufwand zuverlässig abgeschätzt werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). In Anwendung
der genannten Bestimmung und unter Berücksichtigung der massgebli-
chen Bemessungsfaktoren (Art. 8 ff. VGKE) ist dem Rechtsvertreter ein
Honorar im Umfang von Fr. 1200.– (inkl. Auslagen) zu entrichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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