Decision ID: 11cdcce4-de29-5b37-86ff-04fd27e353a4
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Simon Näscher, Alte Landstrasse 106, Post-
fach 101, 9445 Rebstein,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a M._ meldete sich am 8. Dezember 2006 zum Bezug von IV-Leistungen (Rente) an
(act. G 4.8). Im Arztbericht vom 10. Januar 2007 attestierte Dr. med. A._, Facharzt
FMH für Allgemeinmedizin, unter Beilage verschiedener Berichte des Kantonsspitals St.
Gallen (KSSG) sowie der Rheumatologie im Silberturm, der Versicherten eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit vom 14. bis 27. Februar 2005 sowie ab 27. März 2006 bis auf
weiteres (act. G 4.12-4). In der Folge wurde die Versicherte interdisziplinär untersucht
und begutachtet. Zudem wurde eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit
(EFL) durchgeführt. Die psychiatrische Begutachtung erfolgte am 18. April 2007 durch
Dr. med. C._, Facharzt Psychiatrie/Psychotherapie, und Dr. med. B._, Psychiatrie/
Psychotherapie FMH. Die rheumatologische Begutachtung und die EFL erfolgten am 3.
und 4. Mai 2007 in der Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG
(nachfolgend: AEH). Im psychiatrischen Teilgutachten vom 26. April 2007 konnte kein
nach ICD-10 klassifizierbares psychiatrisches Krankheitsbild festgestellt werden (act. G
4.31). Im AEH-Gutachten vom 13. Juni 2007 wurden folgende Diagnosen gestellt: 1. ein
generalisiertes Schmerzsyndrom; 2. ein zervikalbetontes Panvertebralsyndrom mit/bei
degenerativen HWS-Veränderungen, St. n. zervikaler Spondylodese C5-C7 2006,
segmentalen Funktionsstörungen der unteren HWS, muskulären Dysbalancen; 3. eine
PHS calcarea links mit/bei leichter Bewegungseinschränkung, aktuell kein
Impingement; 4. Polyarthrosen mit/bei Heberden- und Bouchard-Arthrosen bds.,
klinisch Rhizarthrose rechts, Coxarthrose rechts, Retropatellararthrosen bds.; 5. eine
allgemeine Dekonditionierung; 6. eine Adipositas, BMI 30 kg/m sowie 7. eine arterielle
Hypertonie, behandelt. Medizinisch-theoretisch sei der Versicherten eine körperlich
leichte, wechselbelastende Tätigkeit unter Beachtung gewisser Belastbarkeitslimiten
zumutbar. Eine optimal adaptierte Tätigkeit sei ganztags zumutbar; unter Beachtung
von kumulativen Aspekten von Belastung und der Anzahl der betroffenen
Funktionsbereiche seien jedoch vermehrte Pausen (zwei Stunden pro Tag) zu
gewähren (act. G 4.37).
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A.b Im Rahmen der Abklärung beruflicher Massnahmen wurde eine
Weiterbeschäftigung bei der (damaligen) Arbeitgeberin der Versicherten geprüft (vgl.
act. G 4.46, 4.56). Mit E-Mail vom 5. November 2007 lehnte die Versicherte es ab, eine
50%ige Tätigkeit aufzunehmen, da sie dazu wegen Schmerzen nicht in der Lage sei
(act. G 4.55-1).
A.c Mit Vorbescheid vom 10. Oktober 2007 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Ablehnung ihres Rentengesuchs in Aussicht (act. G 4.54). Hiergegen erhob die
Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Simon Näscher, am 12. November
2007 Einwand (act. G 4.57), welchen sie am 21. Dezember 2007 begründen liess (act.
G 4.59), und beantragte die Zusprache einer ganzen Invalidenrente. Zur Begründung
verwies sie auf einen Arztbericht von Dr. A._ vom 10. November 2007, wonach sie zu
100% arbeitsunfähig sei (act. G 4.60).
B.
Mit Verfügung vom 18. Januar 2008 wies die IV-Stelle das Rentengesuch der
Versicherten ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 25% ab. Im Einwand würden
keine neuen Tatsachen geltend gemacht, weshalb sie (die IV-Stelle) sich weiterhin auf
das AEH-Gutachten stütze (act. G 4.63).
C.
C.a Mit Eingabe vom 25. Februar 2008 erhebt der Vertreter der Versicherten
Beschwerde und beantragt, die Verfügung vom 18. Januar 2008 sei aufzuheben. Der
Beschwerdeführerin sei eine ganze Invalidenrente auf der Grundlage eines
Invaliditätsgrads von 100% auszurichten. Eventualiter sei ein Obergutachten bezüglich
der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin einzuholen. Subeventualiter sei die Sache
zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zudem beantragt er
die unentgeltliche Prozessführung. Zur Begründung macht er im Wesentlichen geltend,
bei der Beschwerdeführerin sei nicht einmal ein Arbeitsversuch von täglich einer
Stunde erfolgversprechend gewesen. Nur der Umstand, dass der Arbeitgeber Hand
biete für eine Wiedereingliederung in den Betrieb, dürfe nicht Grund dafür sein, dass
ein Rentenanspruch verneint werde. Ausserdem widersprächen die Schlussfolgerungen
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des AEH den Feststellungen von Dr. A._, welcher die Beschwerdeführerin weiterhin
als zu 100% arbeitsunfähig erachte. Schliesslich sei es äusserst bemerkenswert, dass
die Verlautbarungen der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit dem Einwand
gegen den Vorbescheid der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung mit
keinem Wort berücksichtigt würden. Es stelle sich somit die Frage, ob die
Beschwerdeführerin damit nicht gar das rechtliche Gehör verletzt habe, weshalb wohl
eine Rückweisung an die Vorinstanz zur Neubeurteilung geboten sei (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 2. April 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Sie hält im Wesentlichen fest, die Begründung in der
angefochtenen Verfügung sei sehr knapp, weshalb von einer Verletzung des
rechtlichen Gehörs auszugehen sei. Diese sei jedoch leicht, weil es lediglich um die
Würdigung von bereits bekannten Tatsachen gehe. Weil sie (die Beschwerdegegnerin)
in der Beschwerdeantwort zu den Einwänden der Beschwerdeführerin Stellung nehme,
könne die Verletzung des rechtlichen Gehörs geheilt werden, zumal die Ausführungen
der Beschwerdeführerin keine Substanz hätten und leicht zu widerlegen seien. Es gehe
nicht an, die Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person aufgrund der Ergebnisse einer
beruflichen Abklärung festzulegen. Demnach könne die Beschwerdeführerin nichts
Positives aus dem Umstand ableiten, dass sie einen Arbeitsversuch habe abbrechen
müssen. Der Bericht von Dr. A._ überzeuge nicht; es sei auf das AEH-Gutachten
abzustellen (act. G 4).
C.c Am 19. Juni 2008 wird der Beschwerdeführerin mitgeteilt, dass die finanziellen
Voraussetzungen für die unentgeltliche Prozessführung nicht gegeben seien (act. G
13).
C.d Mit Replik vom 3. November 2008 hält der Vertreter der Beschwerdeführerin an
seinen Anträgen fest. Zunächst werde festgestellt, dass die Beschwerdegegnerin
selbst von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs ausgehe. Die Sache sei daher zur
erneuten Abklärung zurückzuweisen. Der abgebrochene Arbeitsversuch der
Beschwerdeführerin zeige nichts anderes, als dass die Erhebungen der Gutachter
falsch, weil befangen, ausgefallen seien (act. G 18). Zudem reicht der Vertreter der
Beschwerdeführerin ein ärztliches Zeugnis von Dr. A._ vom 7. Mai 2008 ein (act. G
18.1).
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C.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf das Einreichen einer Duplik (act. G 20).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E.
1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung erging am 18.
Januar 2008, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der
revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher
und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche
noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen
intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals
geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-
Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1).
2.
2.1 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV; SR 101) haben die Parteien
Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der
Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht
beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift.
Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung
eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen,
Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden
und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest
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zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu
beeinflussen (BGE 132 V 370 f. E. 3.1, mit Hinweisen). Wesentlicher Bestandteil des
Gehörsanspruches ist sodann die Begründungspflicht. Diese soll verhindern, dass sich
die Behörde von unsachlichen Motiven leiten lässt, und es der betroffenen Person
ermöglichen, die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. Dies ist nur
möglich, wenn sowohl sie wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des
Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die
Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf
welche sich ihre Verfügung stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sie sich
ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid
wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (Urteile des Bundesgerichts vom 22. Juni
2007, I 22/07, E. 4.2 sowie vom 4. Februar 2009, 9C_939/2008, E. 2.3.2, je mit
Hinweisen).
2.2 Vorliegend ist unbestritten, dass die angefochtene Verfügung der
Begründungspflicht nicht zu genügen vermag, wird darin doch mit keinem Wort auf
den anlässlich des Einwands vom 21. Dezember 2007 (act. G 4.59) eingereichten
Bericht von Dr. A._ vom 10. November 2007 (act. G 4.60) eingegangen. Aus den
Akten geht jedoch hervor, dass die Beschwerdegegnerin diesen Bericht bei ihrem
Entscheid nicht unberücksichtigt gelassen hat, hat sie diesen doch vor Erlass der
Verfügung dem Regionalen Ärztlichen Dienst der Invalidenversicherung (RAD) zur
Stellungnahme vorgelegt (act. G 4.62). Offenbar hat sie die Stellungnahme des RAD
der Beschwerdeführerin in der Folge nicht zugestellt, worin ebenfalls eine Verletzung
des rechtlichen Gehörs zu erblicken ist. Grundsätzlich wäre die Sache daher aus
formellen Gründen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Davon kann
vorliegend ausnahmsweise abgesehen werden, würde die Rückweisung doch nur zu
einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen, die mit
dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der Beschwerdeführerin an einer
beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 14. Juli 2006, I 193/04 E. 5.1; BGE 116 V 187 E. 3d). Aus der
Beschwerdeantwort geht deutlich hervor, dass die Beschwerdegegnerin wieder
denselben Entscheid fällen würde. Zudem haben sich die Parteien anlässlich des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens zum betreffenden Arztbericht geäussert. Insofern
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kann die Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt betrachtet werden. Zwar führt
die Gehörsverletzung vorliegend ausnahmsweise nicht zu einer Rückweisung, doch
wird ihr im Rahmen der Kosten- und Entschädigungsfolgen Rechnung zu tragen sein.
3.
3.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (aArt. 7 ATSG). Der Grad der für
einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG
durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein
Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
3.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des streitigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
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Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb). Dies
bedeutet nicht, dass Parteigutachten durch den Umstand allein, dass sie von einer
Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wurden, ohne weiteres minder
beweiskräftig sind. Denn auch sie können nützliche Äusserungen zum medizinischen
Sachverhalt enthalten. Daraus folgt wiederum nicht, dass sie den gleichen Rang wie ein
vom Gericht oder vom Sozialversicherer nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht
eingeholtes Gutachten besitzen. Relevant werden sie nur, wenn ihre Aussagen die
Auffassungen und Schlussfolgerungen des förmlich bestellten Gutachtens in
rechtserheblichen Fragen derart zu erschüttern vermögen, dass davon abzuweichen
wäre (BGE 125 V 351 E. 3c). Was Berichte von Hausärzten angeht, muss die
Erfahrungstatsache mitberücksichtigt werden, dass Hausärzte mitunter aufgrund ihrer
auftragsrechtlichen Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher dazu neigen, zu Gunsten
ihrer Patienten auszusagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Bei der Abschätzung des
Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen
allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht
vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden
Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich
einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung
durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen
Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch
tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten
fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 175 E. 4) nicht zu, ein Administrativ-
oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen
zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen
gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung
aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher
Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung
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unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai
2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen).
4.
4.1 Die Beschwerdegegnerin stützt die angefochtene Verfügung in erster Linie auf das
AEH-Gutachten vom 13. Juni 2007 (act. G 4.37) sowie auf das psychiatrische
Teilgutachten vom 26. April 2007 (act. G 4.31). Diese Gutachten beruhen auf
eigenständigen interdisziplinären Abklärungen, mithin auf allseitigen Untersuchungen
und sind damit für die streitigen Belange umfassend. Es wurden die Vorakten verwertet
und die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden berücksichtigt. Die
Gutachten leuchten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation ein. Vor diesem Hintergrund vermögen auch
die darin enthaltenen Schlussfolgerungen, namentlich die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit, zu überzeugen. Die Gutachten erfüllen
mithin alle praxisgemässen Kriterien für beweiskräftige Gutachten (vgl. BGE 125 V 352
E. 3a), so dass grundsätzlich darauf abzustellen ist. Dass dabei die Arbeitsfähigkeit in
der angestammten Tätigkeit aufgrund der fehlenden Arbeitsplatzbeschreibung nicht
vollständig und zuverlässig abgeklärt werden konnte (vgl. act. G 4.37-7), ändert daran
nichts, ist für die Bemessung des Invaliditätsgrads doch in erster Linie
ausschlaggebend, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
verhält; dazu sind dem AEH-Gutachten plausible Angaben zu entnehmen.
4.2 Was die Beschwerdeführerin gegen die Gutachten vorbringen lässt, vermag diese
nicht in Zweifel zu ziehen. Soweit sie eine angebliche Befangenheit der Gutachter rügt,
ist darauf nicht weiter einzugehen. Die entsprechenden Vorbringen sind rein pauschaler
Natur und nehmen keinerlei Bezug auf den vorliegend konkret zu beurteilenden Fall.
Aus den Akten ergeben sich denn auch keinerlei Hinweise auf eine allfällige
Befangenheit einer der mit der Begutachtung betrauten Personen.
Was die abweichende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. A._ anbelangt, so
vermag diese - entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin - nicht zu
überzeugen. Wie die Beschwerdegegnerin in diesem Zusammenhang zu Recht
ausführt, setzt sich Dr. A._ in seinen Beurteilungen mit keinem Wort mit den beiden
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Gutachten auseinander. Seine Arbeitsfähigkeitseinschätzungen sind nicht näher
begründet und stützen sich in erster Linie auf die Angaben der Beschwerdeführerin. Als
Allgemeinmediziner fehlt ihm zudem die fachärztliche Kompetenz, psychiatrische
Diagnosen zu stellen. Schliesslich scheint Dr. A._ in dem anlässlich der Replik
eingereichten ärztlichen Zeugnis vom 7. Mai 2008 eine (zumindest teilweise)
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit nicht
auszuschliessen, doch hält er es für schwierig, eine entsprechende Arbeit zu finden
(act. G 18.1). Dies ist jedoch nicht relevant, wird doch bezüglich der Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit auf den ausgeglichenen Arbeitsmarkt abgestellt, auf dem es
durchaus Tätigkeiten gibt, die mit den Einschränkungen der Beschwerdeführerin
vereinbar sind.
Schliesslich kann auch aus den gescheiterten Arbeitsversuchen nicht ohne Weiteres
auf eine (höhere bzw. vollständige) Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin
geschlossen werden, fühlt sich diese doch subjektiv nicht mehr in der Lage, einer
Arbeit nachzugehen (vgl. act. G 4.37-5). Diese subjektive Einschätzung deckt sich
jedoch nicht mit den Ergebnissen der EFL; bei diesen Tests war die
Leistungsbereitschaft der Beschwerdeführerin als zuverlässig und konsistent beurteilt
worden (vgl. act. G 4.37-9 ff.). Es wurde auch festgehalten, die Beschwerdeführerin
unterschätze ihre eigene Leistungsfähigkeit im Vergleich zur körperlichen Belastbarkeit
deutlich. Aufgrund der durchgeführten 24 Tests (von denen lediglich einer wegen
Selbstlimitierung infolge Schmerzen frühzeitig abgebrochen werden musste) ergab
sich, dass der Beschwerdeführerin eine leichte, wechselbelastende Arbeit ganztags mit
zusätzlichen Pausen von ungefähr zwei Stunden pro Tag mit folgenden
Einschränkungen zumutbar ist: Heben von Boden zu Taillenhöhe bis max. 7.5 kg,
Heben Taillen- zu Kopfhöhe bis max. 5 kg, Heben horizontal bis max. 10 kg; Sitzen
vorgeneigt, Stehen vorgeneigt, wiederholte Kniebeugen bis max. 3 Stunden pro Tag.
Diese Einschätzung ist nachvollziehbar und überzeugend und stimmt auch mit der
medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung der Gutachter überein.
4.3 Zusammenfassend ergibt sich somit, dass auf die interdisziplinäre
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung abgestellt werden kann. Demnach ist die
Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit ganztags arbeitsfähig, wobei sie
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zusätzlich zwei Stunden Pause pro Tag benötigt. Dies entspricht einer rund 75%igen
Arbeitsfähigkeit.
5.
Zu Recht nicht bemängelt wird die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
Bemessung des Invaliditätsgrads anhand eines Prozentvergleichs (Anpassung des
Invalideneinkommens an das Valideneinkommen infolge Minderverdienst; act. G 4.51).
Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt
werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu
verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78 E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung
hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen – auch von invaliditätsfremden
Faktoren – des konkreten Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung,
Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad (BGE 129
V 481 E. 4.2.3, mit Hinweisen). Erfolgt auf Grund eines unterdurchschnittlichen
Valideneinkommens eine Parallelisierung der Vergleichseinkommen, so dürfen
lohnbestimmende Umstände, die bereits bei der Parallelisierung bzw. Heraufsetzung
des Valideneinkommens in Anschlag gebracht worden sind, nicht für die Begründung
eines zusätzlichen Abzugs vom anhand statistischer Werte ermittelten
Invalideneinkommen herangezogen werden. Vielmehr wird sich in solchen Fällen der
Abzug in der Regel auf die Berücksichtigung leidensbedingter Faktoren beschränken
(BGE 134 V 329 f. E. 6.2). Vorliegend erscheint angesichts der zahlreichen
Einschränkungen der Beschwerdeführerin, die erhöhte Anforderungen an einen
adaptierten Arbeitsplatz stellen und eine entsprechende Rücksichtnahme des
betreffenden Arbeitgebers verlangen, ein Leidensabzug in Höhe von insgesamt 10%
als angemessen. Ausgehend von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit und einem 10%igen
Leidensabzug resultiert ein Invaliditätsgrad von (gerundet) 33%. Somit hat die
Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin im Ergebnis zu
Recht verneint.
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6.
6.1 Im Sinne der obigen Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
6.2 Die vollumfänglich unterliegende Beschwerdeführerin hat die Gerichtskosten
grundsätzlich zu tragen. Diese bemessen sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69
Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint als angemessen. Die
Gehörsverletzung und deren Heilung können jedoch nicht ohne Folgen für die
Verfahrenskostenauferlegung bleiben. Das Bundesgericht hat entschieden, bei einer
Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die Verwaltung mit anschliessender Heilung
im gerichtlichen Verfahren rechtfertige es sich, der Gehörsverletzung durch Zusprache
einer reduzierten Parteientschädigung und teilweiser Auferlegung der Gerichtskosten
Rechnung zu tragen (Urteil vom 4. August 2008, 9C_234/2008, E. 5.1). Unklar ist
hierbei, ob eine Entschädigung nur dann geschuldet ist, wenn nennenswerte
(zusätzliche) Kosten entstanden sind, die ohne die Gehörsverletzung nicht angefallen
wären (so das bundesgerichtliche Urteil vom 10. Februar 2006, I 329/2005, E. 2.3.2),
oder ob die Verletzung des rechtlichen Gehörs in jedem Fall eine Entschädigungspflicht
auslöst. In Anbetracht dessen, dass eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
grundsätzlich eine Aufhebung des angefochtenen Entscheids mit entsprechenden
Kosten- und Entschädigungsfolgen nach sich zieht, ist nicht einzusehen, wieso dies -
in angemessenem Verhältnis - nicht auch bei einer Heilung der Gehörsverletzung der
Fall sein sollte. Entsprechend rechtfertigt es sich, der Beschwerdegegnerin die Hälfte
der Gerichtsgebühr aufzuerlegen und sie zur Zahlung einer Parteientschädigung zu
verpflichten (vgl. Lorenz Kneubühler, Gehörsverletzung und Heilung, ZBl 1998 97 ff.
119; Benjamin Schindler, die "formelle Natur" von Verfahrensgrundrechten, ZBl 2005
169 ff. 193). Ausgehend von einer Entschädigung bei vollem Obsiegen von Fr. 3'500.--
erscheint die Zusprache einer Parteientschädigung von pauschal Fr. 1'750.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) konkret angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG