Decision ID: 4e6cb88a-81db-5262-9acf-5a898b1570ba
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit schrieb am 10. März 2014 im Rahmen der
arbeitsmarktlichen Massnahmen zur raschen und dauerhaften Wiedereingliederung
Erwerbsloser ins Erwerbsleben unter anderem für die RAV-Region Rapperswil (Los 4)
die Durchführung von jährlich zehn Kursen "Bewerbungscoaching+" und 16 Kursen
"Bewerbungscoaching" im offenen Verfahren aus (ABl 2014 S. 611 f.). Als
Mindeststandard wurde unter anderem für die Kursleitung und für die beim Kurstyp
"Bewerbungscoaching+" erforderliche Co-Leitung ein Zertifikat des Schweizerischen
Verbandes für Weiterbildung (SVEB) verlangt (Ziffer 4.1 der Ausschreibungsunterlagen,
act. 2/5). Als Zuschlagskriterien wurden "Anbieter und Infrastruktur" (30 Prozent, davon
"Kursanbieter" und "Erfahrung" je neun Prozent, "Aufgabenteilung Kurs- und Co-
Leitung", "Kursort", "Kursraum" und "Aufenthaltsraum/Verpflegungsmöglichkeiten" je
drei Prozent), "Konzept" (33 Prozent, davon "Methodik/Didaktik" und "Probelektion" je
neun Prozent, "Lehrplan Kurs" 15 Prozent), "Kursleitung" (30 Prozent, davon
"Qualifikation und Erfahrung" 18 Prozent und "Anforderungsprofil" zwölf Prozent) und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
"Preis" (27 Prozent; Ziffer 7.8 und Anhang 7 der Ausschreibungsunterlagen; act. 2/8)
aufgeführt.
B. Innert der bis 17. April 2014 laufenden Frist gingen für das Los 4 drei
Angebote von drei Anbietern, unter anderem jenes der Genossenschaft Migros Zürich
zum Preis von CHF 937'614, ein. Die Regierung des Kantons St. Gallen beschloss am
24. Juni 2014, den Zuschlag dem Schweizerischen Arbeiterhilfswerk SAH Zürich, der
sein Angebot zusammen mit der Asyl-Organisation Zürich eingereicht hatte, zum Preis
von CHF 771'576 zu erteilen. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit vollzog die Vergabe am
26. Juni 2014.
C. Die Genossenschaft Migros Zürich (Beschwerdeführerin) erhob gegen die
Zuschlagsverfügung des Amts für Wirtschaft und Arbeit (Vorinstanz) vom 26. Juni 2014
(zugestellt am 30. Juni 2014) mit Eingabe ihrer damaligen Rechtsvertreterin vom 10.
Juli 2014 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Rechtsbegehren, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge sei nach Einsicht in die detaillierten Angaben des
Angebots des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks SAH Zürich und der Asyl-
Organisation Zürich (Beschwerdegegner) unter Wahrung des Geschäftsgeheimnisses
die angefochtene Verfügung aufzuheben und der Zuschlag der Beschwerdeführerin zu
erteilen, eventualiter die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Das von der Beschwerdeführerin gleichzeitig gestellte Gesuch, es sei der Beschwerde
die aufschiebende Wirkung zu erteilen, hiess der Vizepräsident des
Verwaltungsgerichts am 21. Juli 2014 gut. Die Verfügung wurde unangefochten
rechtskräftig.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 29. Juli 2014, die aufschiebende
Wirkung sei der Beschwerde wieder zu entziehen, der Beschwerdeführerin keine
Einsicht in die Offerte der Beschwerdegegner zu gewähren und die Beschwerde –
eventualiter – abzuweisen. Die Beschwerdegegner verzichteten in der Hauptsache
stillschweigend auf eine Vernehmlassung. Mit Eingabe ihrer jetzigen Rechtsvertreterin
vom 21. August 2014 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest und äusserte
sich zur vorinstanzlichen Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit wesentlich,
in den Erwägungen eingegangen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 5 Abs.
2 des Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über das öffentliche
Beschaffungswesen; sGS 841.1, EGöB). Die Beschwerdeführerin, die beim Zuschlag
nicht berücksichtigt wurde, ist zur Beschwerde legitimiert; die Beschwerde wurde
fristgerecht erhoben und erfüllt die Anforderungen in formeller und inhaltlicher Hinsicht
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP; Art 15 Abs. 3 der Interkantonalen
Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen, sGS 841.32, IVöB). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung des Zuschlags an die
Beschwerdegegner. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, da das Angebot
der Beschwerdegegner ungewöhnlich niedrig sei, hätte die Vorinstanz – umso mehr als
sie auf dessen genügende Defizitgarantie verwiesen habe – zusätzliche Abklärungen
zur Sicherstellung der Einhaltung der Teilnahmebedingungen und zum Ausschluss von
Quersubventionen tätigen müssen (dazu nachfolgend Erwägung 3). Beim Angebot des
Beschwerdegegners fehlten sodann die für die Erfüllung des Mindeststandards der
Kursleitung und der Co-Leitung erforderlichen Aus- und Weiterbildungsdokumente.
Werde das Angebot nicht bereits ausgeschlossen, müsse es immerhin beim
Zuschlagskriterium "Kursleitung" mit null, jenes der Beschwerdeführerin mit zwanzig
Punkten bewertet werden (dazu nachfolgend Erwägung 4.1). Schliesslich sei bei der
Bewertung des Preises nicht auf die Summe der Preise für je einen Einzelkurs, sondern
auf den Totalpreis abzustellen (dazu nachfolgend Erwägung 4.2). Hinsichtlich der
Musterlebensläufe habe die Vorinstanz das Angebot der Beschwerdeführerin strenger
und damit rechtsungleich bewertet (dazu nachfolgend Erwägung 4.3).
3. Gemäss Art. 12 Ingress und lit. a VöB kann der Auftraggeber einen Anbieter
vom Vergabeverfahren unter anderem dann ausschliessen, wenn dieser die
Eignungskriterien nicht erfüllt. Ein ungewöhnlich niedriges Angebot ist nur dann
mangels Eignung auszuschliessen, wenn Anlass besteht, an der Fähigkeit des
Anbieters zur Auftragserfüllung zu den angebotenen Konditionen und damit an der
grundsätzlichen Seriosität des Angebots zu zweifeln (vgl. D. Lutz, Angebotspreis:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kalkulationsfreiheit und die Schranken, in: Zufferey/Stöckli [Hrsg.], Aktuelles
Vergaberecht 2014, Zürich/Basel/Genf 2014, S. 295 f.). Die Beweislast liegt bei der
Vergabebehörde (vgl. Lutz, a.a.O., S. 296). Werden ungewöhnlich niedrige Angebote
eingereicht, kann der Auftraggeber gemäss Art. 32 VöB zusätzliche Unterlagen und
Auskünfte verlangen, um die Einhaltung der Teilnahmebedingungen zu prüfen. Bei
einem Angebot, das rund 20 Prozent unter der preislich zweitniedrigsten Offerte liegt,
sind nach der st. gallischen Vergabepraxis und Rechtsprechung zusätzliche
Abklärungen jedenfalls gerechtfertigt (www.beschaffungswesen.sg.ch unter
Vergabeverfahren/Zuschlag/ungewöhnlich niedrige Angebote, Ziffer 5; GVP 2002 Nr.
33). Eine Pflicht besteht nur dann, wenn Anhaltspunkte oder Verdachtsmomente dafür
bestehen, dass der Anbieter Teilnahme- oder Auftragsbedingungen verletzt, wobei
teilweise sogar offensichtliche und krasse Fälle verlangt werden (vgl. Lutz, a.a.O. S.
289 mit Hinweisen).
Wie bereits in der Zwischenverfügung vom 21. Juli 2014 festgestellt, beträgt die
Differenz zwischen dem Angebotspreis der Beschwerdegegner und dem
nächsthöheren Preis 17,6 Prozent. Die Differenz erreicht die nach der st. gallischen
Rechtsprechung geltende Grenze von 20 Prozent zwar nicht. Sie geht indessen zurück
auf unterschiedlich hohe Aufwendungen für Löhne und Gehälter beim Kurstyp
"Bewerbungscoaching+", wo die Anwesenheit von zwei Leitungspersonen gefordert
ist. Bei der Beschwerdeführerin ergeben sich Kosten für Löhne und Gehälter je Lektion
von CHF 152, nämlich CHF 80 für die den Kurs leitende Person und CHF 72 für die Co-
Leitung. Bei den Beschwerdegegnern belaufen sich diese Kosten auf CHF 109.21, bei
der dritten Anbieterin auf CHF 128.57, wobei die Verteilung auf Leitung und Co-Leitung
nicht bekannt ist. Für den Kurstyp "Bewerbungscoaching", der lediglich von einer
Person geführt wird, betragen diese Kosten je Lektion CHF 80 bei der
Beschwerdeführerin, CHF 74.13 bei den Beschwerdegegnern und CHF 99.63 bei der
dritten Anbieterin. Insbesondere der Vergleich der Aufwendungen für Löhne und
Gehälter innerhalb des Angebots der Beschwerdegegner wirft Fragen auf, da die
Kosten für eine Person – wie sie sich für den Kurstyp "Bewerbungscoaching" ergeben
– zwar auch etwas tiefer liegen als bei der Beschwerdeführerin, aber beim Kurstyp
"Bewerbungscoaching+" bei gleicher Entlöhnung der Kursleitung noch ein
Stundenansatz von CHF 35.08 verbliebe. Diese Konstellation ist geeignet, Zweifel
daran zu wecken, ob der Beschwerdegegner in seinem Angebot die verlangten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Mindeststandards erfüllt. Konkret fragt sich, ob die Zahlen den tatsächlich bezahlten
Löhnen und Gehältern entsprechen oder ob Mittel aus anderen Quellen –
Quersubventionen oder Defizitgarantie der öffentlichen Hand – beigezogen werden.
Sollten die tatsächlich bezahlten Löhne und Gehälter nicht höher sein, fragt sich des
weiteren, ob die Beschwerdegegner beim Kurstyp "Bewerbungscoaching+"
ausreichend qualifiziertes Personal für die Co-Leitung einsetzt oder davon ausgeht,
dass diese Person nicht während des gesamten Kurses, das heisst während siebzig
Lektionen anwesend sein muss. Beide Umstände müssten sich auf die Qualität des
Angebots auswirken.
Damit erweist sich die Beschwerde, insoweit damit beanstandet wird, die Vorinstanz
hätte im Zusammenhang mit den ausgesprochen tiefen Aufwendungen der
Beschwerdegegner für Löhne und Gehälter beim Kurstyp "Bewerbungscoaching+"
zusätzliche Abklärungen treffen müssen, als begründet. Die Zuschlagsverfügung ist
dementsprechend aufzuheben und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen im Sinn
der Erwägungen und zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dabei
wird die Vorinstanz je nach Ergebnis der Abklärungen auch darüber zu befinden haben,
ob das Angebot der Beschwerdegegnerin die Mindeststandards gemäss
Ausschreibungsunterlagen erfüllt.
4. Aus prozessökonomischen Gründen ist es angebracht, zu weiteren
Vorbringen in der Beschwerde wie folgt Stellung zu nehmen.
4.1. Die Beschwerdeführerin rügt, die Beschwerdegegner hätten den gemäss
Mindeststandard der Ausschreibungsunterlagen erforderlichen Ausbildungsstand der
Kursleiter nicht nachgewiesen. In tatsächlicher Hinsicht wurde in der
Zwischenverfügung vom 21. Juli 2014 festgehalten, das erforderliche SVEB-Zertifikat
liege lediglich für eine für die Kursleitung vorgesehene Person bei. Bei den weiteren
drei Personen werde im Lebenslauf angegeben: "Eidg. Fachausweis als Ausbilderin
(SVEB II)", "Erwachsenenbildung SVEB I, ibbk, Bülach" sowie Lehrveranstaltungen. mit
Erw. durchführen SVEB1; AEB Zürich", ohne dass sich unter den zahlreichen
Dokumenten die entsprechenden Zertifikate befänden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gemäss Art. 12 Abs. 1 Ingress und lit. h VöB kann vom Vergabeverfahren
ausgeschlossen werden, wer wesentliche Formvorschriften des Vergabeverfahrens
verletzt. Die "Kann-Vorschrift" räumt dem Auftraggeber einen Spielraum bezüglich der
Frage ein, ob ein Anbieter im Einzelfall vom Verfahren ausgeschlossen werden soll. Das
Ermessen ist jedoch pflichtgemäss auszuüben, und insbesondere ist dem
Rechtsgleichheitsgebot, dem Verhältnismässigkeitsprinzip und der Pflicht zur Wahrung
der öffentlichen Interessen Rechnung zu tragen. Ausserdem sind Sinn und Zweck der
gesetzlichen Ordnung zu beachten. Ein wirksamer Wettbewerb als wesentliche
Zielsetzung einer jeden Submission gebietet, bei der Kontrolle der
Bewerbungsunterlagen nicht zu kleinlich vorzugehen (vgl. GVP 2002 Nr. 33). Teilweise
geht die Rechtsprechung davon aus, es sei nicht überspitzt formalistisch, wenn die
Vergabebehörde Angebote, denen verlangte Bescheinigungen (oder andere
Bestandteile) fehlen, ohne weiteres vom Verfahren ausschliesse (vgl. die Hinweise bei
M. Beyeler, Die Rechtsprechung 2012-2013, in: Stöckli/Beyeler [Hrsg.], Das
Vergaberecht der Schweiz, 9. Auflage 2014, S. 465 ff., Nr. 122). Nach Auffassung der
Lehre besteht allerdings kein relevanter Wettbewerbsvorteil darin, einfach zu
erhaltende Bescheinigungen Dritter über so oder so feststehende und feststellbare
Zustände erst nach Ablauf der Offertfrist (aber noch vor dem Zuschlag) einzureichen
(selbst wenn der Bieter die Bescheinigung erst nach Ablauf der Offertfrist anfordert
oder erhält). Allerdings sei die verspätete Einreichung kein Ruhmesblatt für den
Anbieter, sondern weise auf gewisse Organisationsmängel hin (vgl. Beyeler, a.a.O.,
Anmerkung zu Nr. 123).
Wie bereits in der Zwischenverfügung vom 21. Juli 2014 ausgeführt, wurde in den
Ausschreibungsunterlagen das Einreichen des SVEB-Zertifikats nicht ausdrücklich
verlangt. Wenn auch die Belege in Form von Kopien der Zertifikate fehlen, enthalten die
Lebensläufe der für die Kursleitung vorgesehenen Personen immerhin Anhaltspunkte
dafür, dass sie die entsprechende Ausbildung erfolgreich absolviert haben. Unter
diesen Umständen erschiene es einerseits überspitzt formalistisch, das Angebot der
Beschwerdegegner wegen der fehlenden Zertifikate auszuschliessen. Anderseits
verletzt es aber auch den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Gleichbehandlung der
Anbieter (vgl. Art. 1 Abs. 3 Ingress und lit. b IVöB) nicht, wenn die Vorinstanz den
Beschwerdegegnern bei der Neubeurteilung die Möglichkeit einräumt, die Unterlagen
mit Kopien der SVEB-Zertifikate zu ergänzen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.2. Als für die Bewertung massgebender Angebotspreis gilt gemäss den
Ausschreibungsunterlagen der "Totalpreis", nämlich "alle Kurspreise bei 12 Personen
zusammengezählt (entsprechend der Kurse des betreffenden Loses)". Die
Beschwerdeführerin macht geltend, es sei auf den maximalen Gesamtpreis für das Los
abzustellen. Der Totalpreis sei jener Preis, auf den der Zuschlag erfolge. Das Total
Kurskosten, das die Vorinstanz erst im Beschwerdeverfahren als massgeblichen
Totalpreis behandelt haben will, habe schlicht und einfach deshalb in keiner ihrer
Korrespondenzen Eingang gefunden, weil die Kosten nicht den Preis bildeten und sie
für die Bewertung der Angebote irrelevant seien. Die Angebote seien für die
prognostizierte Anzahl Kurse abgegeben worden. Ein bindendes Angebot nur auf einen
Kurs hätte den Anforderungen der Ausschreibung nicht genügt.
Die Vorinstanz stellte auf die durchschnittlichen Kosten bei der Durchführung je eines
Kurses des Typs "Bewerbungscoaching+" und "Bewerbungscoaching" bei 12
Teilnehmern ab mit der Begründung, es könne keine bestimmte Anzahl Kurse oder
Teilnehmende verbindlich zugesichert werden. Zu viele Faktoren beeinflussten den
tatsächlichen Bedarf. Der Begriff "Totalpreis" im Anhang 7 decke sich mit dem Begriff
"Total Kurskosten", wie er im Anhang 6 ("Formular Kosten") und im Fragenkatalog
unter lit. D verwendet werde. Der Begriff "entsprechend" sei mit "in Übereinstimmung"
gleichzusetzen. Mit anderen Worten heisse dies, dass alle Kurspreise, die mit den
jeweiligen Kursen übereinstimmten, zu addieren seien. Daraus werde ersichtlich, dass
hier "nicht ein Volumen bezeichnet" werde, sondern "die Bezugsgrösse
übereinstimmenden Werte pro Kurs".
Gemäss Art. 34 Abs. 2 Ingress und lit. a VöB ist insbesondere der Preis ein Kriterium
für die Ermittlung des wirtschaftlich günstigsten Angebots. Zu klären ist, welcher Preis
für die Bewertung bei einem unbestimmten Mengengerüst massgebend ist. Angesichts
des Ermessensspielraums, welcher der Vergabebehörde bei der Festlegung und
Umschreibung der Zuschlagskriterien zukommt, ist in erster Linie auf die
Umschreibung in den Ausschreibungsunterlagen abzustellen. Die Vorinstanz geht vom
"Totalpreis des Kursanbieters" aus. Es sind "alle Kurspreise ... entsprechend der Kurse
des betreffenden Loses" zusammenzuzählen. Der "Durchschnittspreis", welcher mit 1,5
benotet werden soll, ergibt sich, indem "die Totalpreise der Lose" durch "die Anzahl
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Offerten" geteilt werden. Der Wortlaut der Umschreibung des Preiskriteriums ist damit
unklar.
In der Anleitung wird auf den Anhang 6 der Unterlagen verwiesen. Danach ist als Preis
das "Total Kurskosten" bei 12 Teilnehmern je Kurstyp zu übertragen. Darauf stützt die
Vorinstanz im Wesentlichen ihre Auffassung. Sie lässt aber ausser Acht, dass die
beiden Kurstypen "Bewerbungscoaching+" und "Bewerbungscoaching" mutmasslich
nicht in der gleichen Anzahl durchgeführt werden. Vielmehr geht die Ausschreibung
von einer grösseren Nachfrage nach den Kursen "Bewerbungscoaching" – vorgesehen
sind maximal 16 Kurse jährlich – als nach den Kursen "Bewerbungscoaching+" –
vorgesehen sind maximal zehn Kurse jährlich – aus. Dementsprechend muss bei der
Preisbewertung – was auch im Begriff "Totalpreis der Lose" zum Ausdruck kommt –
diese Gewichtung berücksichtigt werden. Ob dabei auf das gewichtete Mittel je eines
Kurses oder aber auf den "Totalpreis" der ausgeschriebenen Anzahl Kurse des Loses
abgestellt wird, führt zum selben Ergebnis. Dieser Betrachtungsweise entspricht im
Übrigen auch die Tatsache, dass die Vorinstanz den Zuschlag zu den vom
berücksichtigten Anbieter offerierten maximalen Kosten des Loses, das heisst bei
Durchführung von jährlich zehn Kursen "Bewerbungscoaching+" und 16 Kursen
"Bewerbungscoaching" während dreier Jahre, erteilt hat. Wie bereits in der
Zwischenverfügung vom 21. Juli 2014 festgestellt, ist das Angebot der
Beschwerdeführerin beim Kriterium Preis mit einem Punkt zu bewerten.
4.3. Die Beschwerdeführerin beanstandet schliesslich die Benotung ihres
Angebotes unter dem Subkriterium "Kursanbieter". Die Vorinstanz hat das mit neun
Punkten gewichtete Subkriterium in die vier, je mit 2,25 Punkten gewichteten und in
den Ausschreibungsunterlagen bekannt gegebenen Teilbereiche "Portrait", "Leitbild",
"Qualitätsmanagement" und "Beispiel Lebenslauf" gegliedert. Das Angebot der
Beschwerdeführerin wurde im Teilbereich "Beispiel Lebenslauf" mit 1,5 Punkten, in den
übrigen Teilbereichen mit dem Punktemaximum bewertet. Der Abzug beim Lebenslauf
wurde damit begründet, dessen Gestaltung wirke "insgesamt jedoch etwas lieblos".
Die Vorinstanz hat das Subkriterium "Kursanbieter" weiter bis zu einer Gewichtung der
einzelnen Teilbereiche von 2,25 von insgesamt 100 Punkten verfeinert. Dadurch ist es
möglich, die Benotung der Angebote im Detail nachzuvollziehen, und das Gebot der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Transparenz (vgl. Art. 1 Abs. 3 Ingress und lit. c IVöB) wird vorbildlich umgesetzt. Bei
der Benotung nach den einzelnen Kriterien, Subkriterien und Subsubkriterien kommt
der Vergabebehörde, welche über die besonderen fachtechnischen Kenntnisse verfügt,
ein erhebliches Ermessen zu (vgl. BGer 2D_49/2011 vom 25. September 2012 E. 7.4
mit Hinweis auf BGE 125 II 86 E. 6). Die Vergabebehörde hat sich bei der Benotung des
Angebots der Beschwerdeführerin bezüglich der Musterlebensläufe, die aufgrund des
Schrifttyps, der vertikalen und horizontalen Gliederung sowie den Abständen zwischen
den einzelnen Informationen und Themen nicht besonderes übersichtlich erscheinen,
innerhalb dieses Ermessensspielraums bewegt. Insbesondere hat sie die
Beschwerdeführerin gegenüber den Beschwerdegegnern, deren – einziger –
Musterlebenslauf in gestalterischer Hinsicht zu keiner Bemerkung Anlass gab und mit
1,125 Punkten und damit lediglich mit der Hälfte der bei diesem Subsubkriterium
maximal erzielbaren Punktzahl benotet wurde, nicht rechtsungleich behandelt.
5. Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde, soweit damit die Aufhebung
der angefochtenen Zuschlagsverfügung vom 26. Juni 2014 der Vorinstanz beantragt
wird, als begründet. Jedoch kann der Beschwerdeführerin nicht wie ebenfalls beantragt
der Zuschlag für die Kurse "Bewerbungscoaching+" und "Bewerbungscoaching" des
Loses 4 (Rapperswil) erteilt werden. Vielmehr ist die Angelegenheit im Sinn der
Erwägungen zur weiteren Klärung des Sachverhalts und zur erneuten Prüfung der
Angebote der Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegner – der weitere nicht
berücksichtigte Anbieter hat sich mit der Nichtberücksichtigung abgefunden und ist am
Verfahren nicht mehr beteiligt (vgl. Galli/Moser/Lang/Steiner, a.a.O., Rz. 1397; VerwGE
B 2014/61 vom 16. September 2014 E. 4) – sowie zu neuer Entscheidung an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens – die Beschwerde ist teilweise begründet
– sind die Kosten des Hauptverfahrens der Beschwerdeführerin und dem Staat – die
Beschwerdegegner haben sich am Hauptverfahren nicht mehr beteiligt – je zur Hälfte
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 4'000 erscheint
angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Anteil
der Beschwerdeführerin von CHF 2'000 ist mit ihrem Kostenvorschuss von CHF 5'000
zu verrechnen. CHF 3'000 sind ihr zurückzuerstatten. Auf die Erhebung des
Kostenanteils des Staats ist nicht zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Bei diesem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten im Hauptverfahren.
Die Kosten des Zwischenverfahrens – dem Gesuch um aufschiebende Wirkung war
stattzugeben – sind dem Staat und den Beschwerdegegnern – welche Abweisung des
Begehrens beantragten – je zur Hälfte aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 1'000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 211 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung des Kostenanteils des
Staates ist nicht zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Staat und Beschwerdegegner
haben die Beschwerdeführerin für das Zwischenverfahren ermessensweise je mit CHF
1'000 inklusive Barauslagen und ohne Mehrwertsteuer – die Beschwerdeführerin selbst
ist mehrwertsteuerpflichtig – ausseramtlich zu entschädigen.