Decision ID: 127a7016-6316-44de-a584-881af27b0fd0
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war bei der B._ GmbH als Hilfsgärtner tätig und dadurch bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) gegen die Folgen von
Unfällen obligatorisch versichert, als er am 19. August 2011 beim Rasenmähen
stolperte (gemäss Schadenmeldung "mit Rasenschuhen stolperte") und auf die rechte
Schulter fiel (Suva-act. I/1, vgl. Suva-act. I/18). Der am 20. August 2011
erstbehandelnde Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH, diagnostizierte eine
Schulterkontusion rechts und attestierte dem Versicherten vom 20. August bis 18.
September 2011 eine Arbeitsunfähigkeit von 100% (Suva-act. I/2-2, I/6, I/18). Die Suva
kam für die Kosten der Heilbehandlung auf und entrichtete Taggelder (Suva-act. I/3).
A.a.
Die Arbeitgeberin meldete der Suva am 15. November 2011 einen am 27. Oktober
2011 erlittenen Rückfall zum genannten Unfall (Suva-act. I/7). Dr. med. D._, Oberarzt
Orthopädie, Spital E._, listete in seinem Bericht vom 22. November 2011 als
Diagnosen eine ausgedehnte Rotatorenmanschettenläsion rechts, eine proximale
Bicepssehnenläsion rechts und eine Bursitis subacromialis rechts auf (Suva-act. I/16).
Dr. med. F._, Innere Medizin FMH, hatte dem Versicherten ab 9. November 2011 eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% attestiert (Suva-act. I/31). Am 24. November 2011 führte
Dr. D._ eine diagnostische Schulterarthroskopie rechts, eine offene
Rotatorenmanschettenrekonstruktion sowie eine Clavicularesektion rechts durch
(Suva-act. I/20). Die Suva erbrachte wiederum ihre Versicherungsleistungen (Suva-act.
I/23, I/39).
A.b.
Am 20. Februar 2012 befand Dr. D._, der Versicherte sei ab sofort zu 30%
arbeitsfähig. Innerhalb der nächsten Wochen könne die Arbeitsfähigkeit sukzessive auf
bis zu 100% gesteigert werden (Suva-act. I/53). Mit Schreiben vom 22. Februar 2012
A.c.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
teilte die Suva dem Versicherten mit, sie entrichte ab dem 5. März bis zum 18. März
2012 noch ein Taggeld basierend auf einer Arbeitsfähigkeit von 50%. Per 19. März
2012 stelle sie die Taggeldleistungen ein (Suva-act. I/54).
Nachdem Dr. F._ und Dr. D._ den Versicherten weiterhin mindestens teilweise
als arbeitsunfähig erachtet hatten (vgl. Suva-act. I/61 f., I/78), untersuchte Suva-
Kreisarzt Dr. med. G._, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates FMH, den Versicherten am 13. Juni 2012. Gleichentags
beurteilte er, es liege noch eine rezidivierende belastungsabhängige
Schmerzsymptomatik mit Beweglichkeitseinschränkung des rechten Schultergelenks
vor. Weitere zwei bis drei Serien Physiotherapie seien nötig. Die angestammte Tätigkeit
als Hilfsgärtner sei nicht mehr vollschichtig zumutbar, in einer adaptierten Tätigkeit
bestehe jedoch eine Arbeitsfähigkeit von 100% (Suva-act. I/80). Mit Schreiben vom 18.
Juli 2012 teilte die Suva dem Versicherten mit, sie bezahle im Sinne einer
Übergangsfrist bis am 30. November 2012 weiterhin Taggelder. Ab dem 1. Dezember
2012 betrachte sie ihn als voll arbeitsfähig in einer angepassten Tätigkeit und stelle ihre
Taggeldleistungen ein. Für die Kosten der noch notwendigen Behandlung komme sie
weiterhin auf (Suva-act. I/89).
A.d.
Suva-Kreisarzt Dr. G._ befand am 29. Oktober 2012, es lägen noch
objektivierbare Unfallfolgen vor. Von weiteren Behandlungen könne nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit eine namhafte Besserung des unfallbedingten
Gesundheitszustandes erwartet werden (Suva-act. I/101). Mit Schreiben vom 11.
Dezember 2012 teilte die Suva dem Versicherten mit, sie gehe weiterhin von einer
vollen Arbeitsfähigkeit ab 1. Dezember 2012 aus. Sie stelle die Übernahme der
Heilkosten per 31. Dezember 2012 ein (Suva-act. I/107).
A.e.
Gestützt auf die Beurteilung von Dr. G._ (vgl. Suva-act. I/122) sprach die Suva
dem Versicherten mit Verfügung vom 18. März 2013 eine Integritätsentschädigung
basierend auf einer Integritätseinbusse von 5% zu und verneinte einen Rentenanspruch
(Suva-act. I/126). Dagegen erhob der Versicherte am 9. April 2013 Einsprache (Suva-
act. I/130).
A.f.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Dr. med. H._, Orthopädie I._, berichtete am 22. Juli 2013 nach Durchführung
eines MRI (vgl. Suva-act. I/147) über eine Funktionseinschränkung der Schulter rechts
bei kernspintomographisch nachgewiesener partieller Reruptur bei Status nach
Rotatorenmanschettenrekonstruktion rechts und lateraler Clavicularesektion. Es sei
eine Verschlechterung der Situation eingetreten und die aktuelle Arbeitsfähigkeit von
100% im Gartenbau erscheine als nicht realistisch (Suva-act. I/145).
A.g.
Nach einer Untersuchung vom 10. September 2013 empfahl Dr. G._ eine
stationäre Rehabilitation (Suva-act. I/153). Die Suva teilte dem Versicherten am 18.
September 2013 mit, der Fallabschluss sei zu früh erfolgt, sie nehme ihren Entscheid
vom 18. März 2013 vollumfänglich zurück (Suva-act. I/154). Sie entrichtete ihm
rückwirkend ab 1. Dezember 2012 Taggelder basierend auf einer Arbeitsunfähigkeit
von 20% (Suva-act. I/162; im Zeitraum vom 17. Juni bis 4. August 2013 hatte der
Versicherte aufgrund einer unfallbedingten Beinverletzung bereits ein Taggeld
basierend auf einer Arbeitsunfähigkeit von 100% erhalten; vgl. Suva-act. I/156).
A.h.
Vom 18. Dezember 2013 bis 16. Januar 2014 befand sich der Versicherte stationär
in der Rehaklinik Bellikon. Die dort behandelnden Ärzte berichteten am 20. Januar
2014, bei Austritt hätten bewegungs-/belastungsabhängige Schulterschmerzen rechts,
eine deutlich eingeschränkte Schulterbeweglichkeit rechts und eine Kraftminderung
des Arms rechts bestanden. Im Rahmen der stationären Rehabilitation habe keine
namhafte Verbesserung der Beschwerden erzielt werden können. Die Tätigkeit im
Gartenbau sei nicht zumutbar. Die zuletzt ausgeübte angepasste Tätigkeit (kleinere und
auch körperlich leichtere Hilfstätigkeiten im Gartenbau) könne hingegen mindestens
halbtags aufgenommen werden. Eine andere adaptierte Tätigkeit sei ganztags
zumutbar (Suva-act. I/186). Ab 10. Februar 2014 nahm der Versicherte die Tätigkeit bei
seiner Arbeitgeberin in einem Pensum von 50% bei ganztägiger Anwesenheit wieder
auf (vgl. Suva-act. I/189, I/192, I/198).
A.i.
Nach einer weiteren Untersuchung beurteilte Kreisarzt Dr. G._ am 29. April 2014,
es liege eine eingeschränkte, belastungsbedingte Abduktion der rechten Schulter vor.
Es sei mit keiner weiteren Besserung des unfallbedingten Gesundheitszustandes zu
rechnen. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit verwies er auf seine frühere Einschätzung vom
A.j.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
13. Juni 2012 (Suva-act. I/209, vgl. Suva-act. I/80). Den Integritätsschaden schätzte er
auf 10%, wovon 5% bereits entschädigt worden sei (Suva-act. I/210).
Am 23. Mai 2014 teilte die Suva dem Versicherten mit, sie stelle die Heilkosten-
und Taggeldleistungen per 30. Juni 2014 ein (Suva-act. I/212). Mit Verfügung vom 28.
Mai 2014 sprach sie dem Versicherten eine zusätzliche Integritätsentschädigung
basierend auf einer Integritätseinbusse von 5% zu (total 10%) und verneinte einen
Rentenanspruch (Suva-act. I/217).
A.k.
Die Arbeitgeberin meldete der Suva am 6. Oktober 2014 einen weiteren Rückfall
vom 19. September 2014 zum Unfall vom 19. August 2011 (Suva-act. I/236). Dr. H._
berichtete am 27. Oktober 2014, es sei am 19. September 2014 bei einem Sturz zu
einer Retraumatisierung der rechten Schulter gekommen. Kernspintomographisch sei
keine relevante zusätzliche Schädigung sichtbar (Suva-act. I/242, vgl. Suva-act. I/241,
I/248). Dr. F._ hatte dem Versicherten am 19. September 2014 eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% und ab 20. September 2014 eine solche von 50%
attestiert (Suva-act. I/231-2).
A.l.
Kreisarzt Dr. G._ beurteilte am 11. November 2014, es sei keine wesentliche
Verschlimmerung des Befundes festzustellen. An seiner Beurteilung vom 29. April 2014
sei festzuhalten. Eine allfällig attestierte Arbeitsunfähigkeit sei mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht auf eine unfallbedingte Verschlimmerung zurückzuführen. Mit
weiteren Behandlungsmassnahmen sei überwiegend wahrscheinlich keine Besserung
des Schulterbefundes zu erreichen (Suva-act. I/251). Mit Schreiben vom 18. November
2014 teilte die Suva dem Versicherten mit, sie erkläre sich entgegenkommenderweise
dazu bereit, für die Heilbehandlungen sowie die Arbeitsunfähigkeit ab 19. September
bis zur kreisärztlichen Beurteilung vom 11. November 2014 die
Versicherungsleistungen zu erbringen (Suva-act. I/254).
A.m.
Am 3. Februar 2015 suchte der Versicherte wegen vermehrten Schmerzen im
Bereich des Oberarms Dr. H._ auf. Dieser hielt einen im Vergleich zur
Voruntersuchung praktisch unveränderten Befund fest (Suva-act. I/263). Am 19. Mai
2015 führte Dr. H._ eine Infiltration durch und hielt fest, der Versicherte arbeite
A.n.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
derzeit zu 50% (Suva-act. I/268). Mit Schreiben vom 5. Juni 2015 übernahm die Suva
vorläufig die Kosten der weiteren Behandlungsmassnahmen (Suva-act. I/271).
Die Arbeitgeberin teilte der Suva am 27. Dezember 2016 mit, der Versicherte sei
am 13. Dezember 2016 auf dem Weg zur Arbeit ausgerutscht und auf die rechte
Schulter gefallen (Suva-act. I/275; teilweise ist in den Akten auch - scheinbar aufgrund
eines Missverständnisses - von einem Sturz auf die Hand am 9. bzw. 13. Dezember
2016 die Rede; vgl. Suva-act. I/277, II/21). Die Suva kam für die Folgen des Unfalls auf.
Am 1. Februar 2017 hielt sie fest, der Fall habe bereits wieder abgeschlossen werden
können, der Versicherte sei seit 16. Januar 2017 wieder voll arbeitsfähig (Suva-act. II/
36 f.).
A.o.
Dr. med. J._, Orthopädie I._, hatte am 30. Dezember 2016 über ein
posttraumatisches ulnares Handgelenksganglion rechts berichtet. Der Versicherte habe
ihm mitgeteilt, er sei im Herbst 2015 gestürzt und darauf habe sich die zystische
Veränderung am Handgelenk gebildet. Diese hätte im November 2015 entfernt werden
sollen, er sei jedoch nicht zur Operation gegangen. Jetzt habe er zunehmend
Beschwerden. Dr. J._ hielt fest, prinzipiell könne ein Ganglion durch einen Unfall
verursacht oder auch degenerativ bedingt sein. Er könne dies im Nachhinein nicht
beurteilen (Suva-act. I/276). Am 3. April 2017 berichtete Dr. J._, er habe am 31.
Januar 2017 bei einer Synovalektomie mit Partialruptur der Extensor carpi ulnaris
Sehne distal diese operiert und stabilisiert. Diesbezüglich sei der Versicherte
beschwerdefrei, er klage aber über Schmerzen weiter proximal, die er als Folge eines
Unfalles vom 20. März 2017 sehe. Dr. J._ hielt als Diagnose eine (posttraumatische)
Synovalitis der ECU-Sehne rechts fest und führte eine Infiltration durch. Bezüglich des
Handgelenks sei der Versicherte voll arbeitsfähig (Suva-act. II/41).
A.p.
Dr. H._ berichtete am 1. Juni 2017, der Versicherte arbeite weiterhin zu 50%
ganztags mit reduzierter Leistung im Gartenbau. Eine Reevaluation der zumutbaren
Belastbarkeit durch den Suva-Kreisarzt wäre sinnvoll (Suva-act. I/279). Nach einer
kreisärztlichen Abschlussuntersuchung hielt Dr. med. K._ am 15. Juni 2017 als
Diagnose eine Rotatorenmanschettenschädigung der Supraspinatussehne bei
vorbestehender und durch den Unfall aktivierter Acromioclaviculararthrose sowie einen
Zustand nach Bicepssehnenruptur rechts fest. Es sei wieder von einem Abschluss des
A.q.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
Schadenfalles aus dem Jahr 2011 und auch des neuen Unfallereignisses vom
Dezember 2016 auszugehen. In einer adaptierten Tätigkeit könne der Versicherte
vollschichtig eingesetzt werden (Suva-act. I/282). Den Integritätsschaden für das rechte
Schultergelenk schätzte er auf 15%, wovon 10% bereits anerkannt seien (Suva-act. I/
283). Mit Verfügung vom 21. Juli 2017 sprach die Suva dem Versicherten zusätzlich zur
bereits ausgerichteten Integritätsentschädigung eine solche basierend auf einer
Integritätseinbusse von 5% zu (total 15%; Suva-act. I/290).
Die Arbeitgeberin meldete der Suva am 21. Juli 2017 einen weiteren Unfall. Der
Versicherte habe am 26. Juni 2017 einen Mähbalken auffangen wollen, worauf dieser
auf sein Handgelenk gefallen sei (Suva-act. I/292). Dr. F._, welcher den Versicherten
am 3. Juli 2017 deswegen erstmals behandelt hatte, hatte ein Distorsionstrauma der
rechten Hand festgestellt und ihm vom 27. Juni bis 30. Juli 2017 eine Arbeitsfähigkeit
von 100% attestiert (Suva-act. III/19). Dr. J._ hielt am 7. August 2017 fest, es liege
ein Geschwulst des Kleinfingergrundgliedes radiodorsal rechts, am ehesten ein
Ganglion, vor. Ob dies mit dem Unfallereignis zusammenhänge, sei ihm noch nicht klar
(Suva-act. III/12). Kreisarzt Dr. K._ befand am 23. August 2017, es bestehe kein
kausaler Zusammenhang zwischen dem Ganglion und dem Unfallereignis (Suva-act. III/
20). Die Suva teilte dem Versicherten am 24. August 2017 mit, sie übernehme aus
ökonomischen Gründen für das Unfallereignis vom 26. Juni 2017 die bis zur Kontrolle
vom 4. August 2017 bei Dr. J._ angefallenen Kosten. Die Kosten der Entfernung des
Geschwulsts am Kleinfinger trage sie mangels Unfallfolge nicht (Suva-act. III/23, vgl.
Suva-act. III/8).
A.r.
Mit Verfügung vom 5. September 2017 verneinte die Suva einen Rentenanspruch
bezüglich des Rückfalls vom 19. September 2014 und des Unfalls vom 13. Dezember
2016, der sich während des laufenden Rückfalls ereignet hatte (Suva-act. I/301).
A.s.
Gegen die Verfügung vom 5. September 2017 erhob der Versicherte am 26.
September 2017 Einsprache (Suva-act. I/306, vgl. Begründung in Suva-act. I/314).
B.a.
Am 6. Februar 2018 meldete die Arbeitgeberin der Suva einen Unfall vom 29.
Dezember 2017. Der Versicherte sei im Treppenhaus ausgerutscht (Suva-act. IV/3). Dr.
B.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
F._ behandelte den Versicherten deswegen erstmals am 2. Januar 2018 und stellte
eine Kontusion des Handgelenks rechts fest (Suva-act. IV/11). Er attestierte dem
Versicherten vom 29. Dezember 2017 bis 18. Februar 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von
100% (Suva-act. IV/3 f., IV/10). Kreisarzt Dr. K._ beurteilte am 22. Februar 2018, die
Beschwerden seien unfallkausal. Eine Kontusion könne eine Arbeitsunfähigkeit von bis
zu sechs Wochen nach sich ziehen (Suva-act. IV/16). Die Suva kam für die Folgen des
Unfalles vom 29. Dezember 2017 auf (Suva-act. IV/17).
Am 6. März 2018 wurde der Versicherte durch Ärzte des Spitals E._ untersucht.
Diese berichteten am 8. März 2018 über eine Tendinitis der Extensor carpi ulnaris
Sehne rechts. Die Beschwerden des Versicherten hätten sich bei Wiederaufnahme der
Arbeit Mitte Februar 2018 verstärkt. Die Arbeit im Gartenbau könne nur zu 50%
ausgeführt werden (Suva-act. I/320).
B.c.
Nach einer kreisärztlichen Untersuchung vom 18. April 2018 beurteilte Dr. K._
gleichentags, es lägen noch eine Funktions- und Belastungseinschränkung des rechten
Schultergelenks sowie eine Bewegungslimitierung und Krafteinschränkung des rechten
Armes vor. Bezüglich des Handgelenks rechts sei der Status quo sine jeweils
spätestens am 31. Januar 2017, 10. August 2017 bzw. 15. Februar 2018 eingetreten.
Das Handgelenksganglion rechts sei unfallunabhängig und folgenlos ausgeheilt. In
einer adaptierten, schultergelenkschonenden Tätigkeit als Hilfsgärtner bestehe eine
50%ige Arbeitsfähigkeit (Suva-act. I/332).
B.d.
Mit Verfügung vom 26. April 2018 stellte die Suva die für die Folgen des Unfalls
vom 29. Dezember 2017 erbrachten Leistungen per 2. April 2018 ein (Suva-act. I/334).
B.e.
Dr. H._ hielt am 11. Juni 2018 fest, seines Erachtens bestehe weiterhin eine
50%ige Arbeitsfähigkeit für leichte Tätigkeiten im Gartenbau ganztags (Suva-act. I/
335). Die Arbeitgeberin kündigte das Arbeitsverhältnis per Ende Juni 2018 (Suva-act. I/
330).
B.f.
Mit Entscheid vom 25. Juni 2018 wies die Suva die gegen die Verfügung vom 5.
September 2017 erhobene Einsprache ab (Suva-act. I/336).
B.g.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien ist der Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens
umstritten.
Gegen den Einspracheentscheid vom 25. Juni 2018 erhob der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) die vorliegende Beschwerde vom 27. August 2018. Er
beantragte darin, dieser sei aufzuheben und es sei ihm mit Wirkung ab November 2014
eine Invalidenrente von mindestens 40% zuzusprechen. Eventualiter sei der
Einspracheentscheid aufzuheben und eine polydisziplinäre Begutachtung
durchzuführen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Weiter sei ihm die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren (act. G1).
C.a.
Die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 21. September 2018
die Abweisung der Beschwerde. Sie brachte unter anderem vor, die
Handgelenksproblematik sei nicht Gegenstand des Beschwerdeverfahrens (act. G5).
C.b.
Am 25. September 2018 entsprach die Verfahrensleitung dem Gesuch des
Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung (act.
G6).
C.c.
Mit Replik vom 23. November 2018 hielt der Beschwerdeführer an seinen
Rechtsbegehren fest. Eventualiter beantragte er für den Fall, dass das Gericht in einer
Vorbeurteilung zum Schluss kommen sollte, dass die Handgelenksproblematik im
vorliegenden Verfahren nicht einbezogen werden dürfe, die Sistierung des Verfahrens
bis zum Erlass einer Rentenverfügung betreffend die Handgelenksproblematik. Zudem
änderte er seinen Hauptantrag insofern, als er beantragte, es seien ihm für die
Arbeitsunfähigkeit ab November 2014 bis zur Erreichung des medizinischen
Endzustands Taggelder und danach eine angemessene Rente zuzusprechen (act.
G10).
C.d.
In ihrer Duplik vom 10. Januar 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin, die
Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei (act. G12).
C.e.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der
Einspracheentscheid vom 25. Juni 2018 (Suva-act. I/336). Diesem liegt die Verfügung
vom 5. September 2017 zugrunde (Suva-act. I/301). Diese bezog sich einzig auf den
Rentenanspruch bezüglich der Folgen des Rückfalls vom 19. September 2014 (vgl.
Suva-act. I/236, ursprünglicher Unfall vom 19. August 2011; Suva-act. I/1) sowie des
Unfalls vom 13. Dezember 2016 (vgl. Suva-act. I/275). Der Beschwerdeführer
beanstandete in seiner Einsprache vom 26. September 2017 bzw. der Begründung
vom 23. November 2017 dementsprechend die Rentenberechnung bezüglich der
Beschwerden an der rechten Schulter. Er beantragte eine Rente sowie eventualiter eine
Begutachtung (Suva-act. I/306, I/314). Im angefochtenen Einspracheentscheid gab die
Beschwerdegegnerin die Voraussetzungen für einen Rentenanspruch wieder und
verneinte einen solchen gestützt auf die kreisärztlichen Beurteilungen (Suva-act. I/336).
Sie erwähnte zwar im Einspracheentscheid die betroffenen Unfälle bzw. Rückfälle
nicht. Der Anfechtungsgegenstand kann jedoch durch den Einspracheentscheid im
Vergleich zur Verfügung nicht erweitert werden. Zudem wurde die Einsprache
dispositivmässig abgewiesen und in den Erwägungen festgehalten, die Verfügung
könne nicht beanstandet werden (Suva-ac.t I/336). Damit sind folglich vorliegend
lediglich die Rentenansprüche im Zusammenhang mit dem Rückfall vom 19.
September 2014 zum Unfall vom 19. August 2011 und im Zusammenhang mit dem
Unfall vom 13. Dezember 2016 Streitgegenstand. Dr. F._ hatte mit Arztzeugnis vom
9. Januar 2017 über zwei Stürze vom 9. und 13. Dezember 2016 berichtet. Bei
ersterem sei der Beschwerdeführer auf die rechte Schulter und die rechte Hand
geprallt, bei letzterem nur auf die rechte Schulter. Er hatte als Befund unter anderem
eine Schwellung, Schürfung und Druckdolenz am Handrücken rechts erhoben (Suva-
act. II/21). Wie der Beschwerdeführer am 25. Januar 2017 selbst klarstellte, betraf der
Unfall vom 13. Dezember 2016 nur die Schulter, nicht die Hand rechts (vgl. Suva-act. I/
277). Leistungen im Zusammenhang mit der Handgelenksproblematik sind damit
vorliegend nicht Streitgegenstand und es drängen sich dazu keine weiteren
Ausführungen auf. Dies gilt auch bezüglich des Ganglions, dessen Unfallkausalität
umstritten ist. Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, das Ganglion sei infolge eines
Sturzes im Herbst 2015 entstanden (Suva-act. I/276). Diesbezüglich liegt keine
Unfallmeldung vor und das Ereignis war ohnehin nicht Gegenstand des
Einspracheentscheids sowie der diesem zugrundeliegenden Verfügung. Daran ändert
nichts, dass Dr. K._ am 4. April 2018 festgehalten hatte, er halte es für besser,
entsprechend dem Wunsch von Dr. H._ eine kreisärztliche Untersuchung
durchzuführen. So könnten die verschiedenen Fälle unter einen Hut gebracht und die
entsprechenden Fälle alle gegebenenfalls abgeschlossen werden (Suva-act. IV/31).
Auch die Tatsache, dass die kreisärztliche Untersuchung von Dr. K._ vom 18. April
1.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden
2018 die Beschwerden am Handgelenk rechts miteinschloss (vgl. Suva-act. I/332)
erweitert den Streitgegenstand nicht. Dies, zumal es nicht die Aufgabe von Dr. K._
war, sich zum rechtlichen Vorgehen zu äussern. Zudem diente die genannte
Untersuchung auch als Grundlage für die - den Unfall vom 29. Dezember 2017
betreffende - Verfügung vom 26. April 2018 (vgl. Suva-act. I/334). Bei diesen
Gegebenheiten kann die Aussage des Beschwerdeführers in der Replik, der
Hauptantrag sei zu relativieren (vgl. act. G10 S. 7 Rz 11), nicht als Antrag auf
zusätzliches Taggeld verstanden werden, sodass sich auch hierzu Ausführungen
erübrigen.
Weiter stellt der Beschwerdeführer in seiner Replik für den Fall, dass das Gericht
zum Ergebnis gelange, die Handgelenksproblematik sei nicht Streitgegenstand, einen
Antrag auf Sistierung des Verfahrens und Aufforderung der Beschwerdegegnerin, eine
diesbezügliche Rentenverfügung zu erlassen. Alsdann könne die ganze Angelegenheit
gemeinsam beurteilt werden (act. G10). Wie die Beschwerdegegnerin jedoch zu Recht
geltend macht (act. G12), kann sie im vorliegenden Verfahren nicht dazu verpflichtet
werden, eine Rentenverfügung bezüglich der - nicht Streitgegenstand bildenden -
Beschwerden am Handgelenk rechts zu erlassen. Der diesbezügliche Antrag des
Beschwerdeführers ist deshalb abzuweisen. Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass
die Beschwerdegegnerin für die Folgen des Unfalls vom 26. Juni 2017 "aus
ökonomischen Gründen" bis zur Kontrolle vom 4. August 2017 durch Dr. J._ aufkam,
die Unfallkausalität des Geschwulsts am Kleinfinger jedoch verneinte (vgl. Suva-act. III/
20, III/23). Mit Verfügung vom 26. April 2018 stellte sie die Leistungen für die Folgen
des Unfalls vom 29. Dezember 2017 infolge Erreichens des Status quo sine per 2. April
2018 ein und verneinte den Anspruch auf weitere Versicherungsleistungen (Suva-act. I/
334). Sollte der Beschwerdeführer trotz dieser rechtskräftigen Entscheide entgegen der
Beschwerdegegnerin (vgl. act. G12) der Ansicht sein, ein Rentenanspruch in Bezug auf
die Handgelenksproblematik stehe weiterhin zur Diskussion, stünde ihm eine
Rechtsverweigerungsbeschwerde offen (vgl. Art. 56 Abs. 2 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
1.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
daher, nachdem Ereignisse aus den Jahren 2011 (mit Rückfall 2014) und 2016 zur
Diskussion stehen, die bis 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
3.
In materieller Hinsicht umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
(aufgrund von Folgen der obgenannten Unfälle) des Beschwerdeführers gegenüber der
Beschwerdegegnerin.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls mindestens zu 10% invalid, so hat sie
Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Die vorübergehenden
Leistungen (Heilbehandlung, Taggeld) sind einzustellen und der Anspruch auf eine
Invalidenrente zu prüfen, wenn allfällige Eingliederungsmassnahmen der
Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind und von der Fortsetzung der ärztlichen
Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der versicherten
Person mehr erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG).
3.1.
Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht nur für Gesundheitsschäden,
die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis
zusammenhängen (Art. 6 Abs. 1 UVG; BGE 129 V 181, E. 3; vgl. statt vieler: Alexandra
Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 53 ff.). Während es Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist, den
natürlichen Kausalzusammenhang zu beurteilen, obliegt es dem Gericht, die Frage
nach dem adäquaten Kausalzusammenhang zu beantworten (Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 55, 58; BGE 125 V 456; 123 III 110; 143 II 661). Im Bereich klar
ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinn von nachweisbaren strukturellen
Veränderungen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers jedoch
praktisch keine Rolle (vgl. BGE 117 V 359, E. 5d/bb, unten, mit Hinweisen auf Lehre
und Rechtsprechung; BGE 118 V 286, E. 3a).
3.2.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
Der Fallabschluss (Art. 19 Abs. 1 UVG) ist nur insofern umstritten, als der
Beschwerdeführer geltend macht, nach der Rentenprüfung per 1. Juli 2017 (die
kreisärztliche Untersuchung erfolgte im Juni 2017, die Verfügung erging im September
2017; Suva-act. I/282, I/301) hätten sich am 26. Juni und am 29. Dezember 2017 zwei
Unfälle bezüglich des Handgelenks rechts ereignet, weshalb der medizinische
Endzustand noch nicht habe erreicht sein können (vgl. act. G10). Diese Unfälle sind
jedoch wie gesagt vorliegend nicht zu beurteilen und der Fallabschluss per Juli 2017 ist
nicht zu beanstanden. Im Zeitpunkt der Rentenprüfung lagen unbestritten noch
gewisse unfallkausale Restfolgen aus den Ereignissen vom 19. August 2011 und 13.
Dezember 2016 vor. Kreisarzt Dr. K._ hatte am 28. Juni 2017 und 18. April 2018 eine
Funktions- und Belastungseinschränkung des rechten Schultergelenks, eine
Bewegungslimitierung sowie eine Krafteinschränkung des rechten Armes festgehalten
(Suva-act. I/282, I/332). Umstritten und nachfolgend zu prüfen ist jedoch die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers.
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Nach der
Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im
Wesentlichen gestützt auf versicherungsinterne medizinische Beurteilungen zu
entscheiden. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge
Anforderungen in dem Sinn zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende
Abklärungen vorzunehmen sind. Ein Anspruch auf eine versicherungsexterne
Begutachtung besteht gemäss Rechtsprechung nicht (BGE 135 V 465).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.
Dabei ist vorab die Frage zu klären, ob die Leistungseinschränkungen des
Beschwerdeführers rechtsgenüglich abgeklärt wurden. Der angefochtene
Einspracheentscheid stützt sich in medizinischer Hinsicht auf die kreisärztlichen
Beurteilungen vom 13. Juni 2012, 30. April 2014, 28. Juni 2017 und 19. April 2018 (vgl.
Suva-act. I/336). Der Beschwerdeführer spricht diesen die Beweiskraft teilweise ab und
hält ihnen abweichende Beurteilungen der behandelnden Ärzte entgegen (vgl. act. G1,
G10).
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die kontinuierliche Verschlechterung
des Zustandes seiner Schulter sei von der Beschwerdegegnerin bzw. den Kreisärzten
nicht anerkannt worden (vgl. act. G1), ist dies nicht zutreffend. Wie er selbst einräumt,
wurde ihm nach der mit Verfügung vom 18. März 2013 erfolgten Zusprache einer
Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 5% (vgl. Suva-
act. I/26) mit Verfügungen vom 28. Mai 2014 und 21. Juli 2017 jeweils eine zusätzliche
Integritätsentschädigung basierend auf weiteren Integritätseinbussen von 5%
zugesprochen (vgl. Suva-act. I/217, I/290). Dies offensichtlich, weil die
Beschwerdegegnerin gestützt auf die Beurteilungen der Kreisärzte eine
Verschlechterung des Zustandes der rechten Schulter des Beschwerdeführers
anerkannte. Inwiefern die Beschwerdegegnerin die Entwicklung der
Schulterbeschwerden mit dem Rückfall im September 2014 und dem erneuten Sturz im
Dezember 2016 nicht berücksichtigt haben sollte, ist entgegen der Kritik des
Beschwerdeführers (act. G1) nicht ersichtlich.
5.1.
Der Beschwerdeführer war jeweils von ca. Februar bzw. März bis Ende Oktober
bzw. November als Hilfsgärtner beschäftigt und bezog im Winter Arbeitslosentaggelder
(vgl. Suva-act. I/36, I/63, I/79, I/105). Seine ursprüngliche Tätigkeit als Hilfsgärtner ist
dem Beschwerdeführer unbestritten nicht mehr zumutbar (vgl. Suva-act. I/80, I/186).
Die körperlich schwere Tätigkeit wurde ab Frühjahr 2013 insofern angepasst, als der
Beschwerdeführer bei seiner Arbeitgeberin vermehrt leichtere Arbeiten erledigen
konnte. Bereits damals wurde der Beschwerdeführer jedoch von der
Beschwerdegegnerin sowie der IV-Stelle darauf hingewiesen, dass diese Tätigkeit nicht
ideal adaptiert sei und er eine andere Anstellung suchen sollte (vgl. Suva-act. I/105, I/
115). Am 15. Oktober 2013 teilte die Arbeitgeberin der Beschwerdegegnerin mit, der
Beschwerdeführer sei zu 100% anwesend, die Leistung liege jedoch bei lediglich ca.
2/3. Schwere Gegenstände könne er gar nicht heben und Verrichtungen über
Brusthöhe gingen nicht. Dies sei jedoch häufig notwendig, der Beschwerdeführer
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
müsse immer Hilfe beiziehen (Suva-act. I/156). Ab 10. Februar 2014 arbeitete der
Beschwerdeführer bei seiner Arbeitgeberin in einem Pensum von 50% bei ganztägiger
Anwesenheit (vgl. Suva-act. I/189, I/192, I/198). Die Arbeitgeberin führte am 12. März
2014 aus, sie habe einen Auftrag für Unterhaltsarbeiten erhalten, welche der
Beschwerdeführer problemlos ausführen könne. Sie könne den Beschwerdeführer
damit ab April 2014 zu 80% beschäftigen, die 20%ige Einschränkung sei durch die
gelegentlich notwendige Überwachung des Beschwerdeführers bzw. benötigte Hilfe
sowie seine eingeschränkte Mobilität (Transport) bedingt (Suva-act. I/198). Der
Beschwerdeführer leistete jedoch weiterhin nur ein Pensum von 50% bei ganztägiger
Anwesenheit, wobei nicht bekannt ist, ob die Arbeitgeberin ihn wie angekündigt
durchgehend praktisch ausschliesslich mit Unterhaltsarbeiten beschäftigen konnte (vgl.
Suva-act. I/279). Wie sich nachfolgend ergibt, war auch die angepasste Tätigkeit als
Hilfsgärtner nicht ideal adaptiert. Die Kündigung per 30. Juni 2018 erfolgte schliesslich,
da der Vorgesetzte des Beschwerdeführers aufgrund seines Alters seine
Geschäftstätigkeit stark reduzieren wollte (Suva-act. I/330, I/322).
Bezüglich einer adaptierten Tätigkeit befand Kreisarzt Dr. G._ am 13. Juni 2012,
der Beschwerdeführer sei in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit ohne Über-
Kopf-Arbeiten, ohne ausladende körperferne Bewegungen des rechten Armes sowie
ohne repetitive Rotationsbewegungen des Armes vollschichtig vermittelbar (Suva-act.
I/80). Am 29. April 2014 hielt Dr. G._ fest, die Arbeitsfähigkeitsschätzung und das
Zumutbarkeitsprofil vom 13. Juni 2012 behielten Gültigkeit (Suva-act. I/209). Kreisarzt
Dr. K._ beurteilte nach seiner Abschlussuntersuchung vom 14. Juni 2017, dem
Beschwerdeführer seien keine körperfernen Belastungen des rechten Armes auf
Brusthöhe oder Überkopf und keine repetitiven Rotationsbewegungen des (rechten)
Armes mehr zuzumuten. Er könne in einer leichten bis gelegentlich mittelschweren
adaptierten Tätigkeit vollschichtig eingesetzt werden. Beim Heben von Lasten über fünf
Kilogramm sei der Einsatz des rechten Armes über Hüfthöhe nur noch als Zudien-Arm
zum linken Arm zumutbar. Im Grossen und Ganzen entspreche die
Zumutbarkeitsbeurteilung den Einschätzungen der kreisärztlichen Untersuchungen aus
den Jahren 2012 und 2014 (Suva-act. I/282). Wie in E. 5.2 erwähnt, brauchte der
Beschwerdeführer auch in seiner ab Frühjahr 2014 angepassten Tätigkeit als
Hilfsarbeiter gelegentlich Hilfe. So ist es ihm beispielsweise nicht möglich, die
benötigten Geräte aus dem Lieferwagen aus- und einzuladen (vgl. Suva-act. I/198). Die
Arbeitgeberin führte am 12. März 2014 aus, die Unterhaltsarbeiten, die sie zukünftig
vermehrt anbieten könne, würden vor allem Lauben, Rasen mähen, jäten, Rabatten
schneiden oder Häckselarbeiten beinhalten (Suva-act. I/198). Letztere beiden
Tätigkeiten sind kaum mit dem Zumutbarkeitsprofil vereinbar, bedeuten sie doch eine
5.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
körperferne Belastung des rechten Armes auf Brusthöhe bzw. repetitive
Rotationsbewegungen und einen gewissen Krafteinsatz. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
des Beschwerdeführers ist damit nicht als ideal adaptiert zu betrachten. Folglich lässt
sich entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (vgl. act. G1) aus der Tatsache,
dass er auch für leichte Tätigkeiten als Hilfsgärtner nur zu 50% leistungsfähig ist, nicht
schliessen, dass eine volle Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit nicht der
Realität entspricht.
Nach der Untersuchung vom 18. April 2018 befand Dr. K._ schliesslich,
hinsichtlich des rechten Schultergelenks fänden sich im Vergleich zum 14. Juni 2017
identische Untersuchungsbefunde. Dementsprechend sei das formulierte
Zumutbarkeitsprofil weiterhin vollumfänglich gültig. Er führte weiter aus, als Folgen der
- vorliegend nicht zu beurteilenden - Unfallereignisse vom 26. Juni 2017 und vom 29.
Dezember 2017 habe jeweils eine sechswöchige volle Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers bestanden. In den verbleibenden Zeitabschnitten sei er in einer
leidensadaptierten, schultergelenkschonenden Tätigkeit als Hilfsgärtner zu 50%
arbeitsfähig gewesen. Es bestehe aus unfallbedingter Sichtweise seit dem 15. Februar
2018 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. Die vom Hausarzt
attestierten Zeiten der Arbeitsunfähigkeit würden sich nicht nur auf die Unfallfolgen,
sondern auch auf krankheitsabhängige Gesundheitsstörungen beziehen und wichen
demnach von seiner Beurteilung ab (Suva-act. I/332). Wie der Beschwerdeführer zu
Recht geltend macht (act. G10), hielt Dr. K._ in seiner letzten kreisärztlichen
Beurteilung lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 50% fest. Es ist jedoch davon
auszugehen, dass er sich dabei auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit des
Beschwerdeführers bezog, erwähnte er doch ausdrücklich eine "leidensadaptierte,
schulterschonende Tätigkeit als Hilfsgärtner" (Suva-act. I/332). Diese war jedoch wie
gesagt nicht als ideal adaptiert zu betrachten. Zur Arbeitsfähigkeit in einer ideal
adaptierten Tätigkeit auf dem allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt nahm Dr.
K._ am 18. April 2018 nicht konkret Stellung. Da er festhielt, der Befund und das
Zumutbarkeitsprofil betreffend die rechte Schulter seien seit der Untersuchung vom 14.
Juni 2017 unverändert (vgl. Suva-act. I/332), ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, dass er auch die Arbeitsfähigkeit nicht davon abweichend
festlegen wollte. Ansonsten hätte er sich mit seiner vorherigen Beurteilung
auseinandersetzen und seine divergierende Einschätzung begründen müssen. Auch an
der im Anschluss an die kreisärztliche Untersuchung erfolgten Besprechung mit dem
Beschwerdeführer hielt die zuständige Casemanagerin der Beschwerdegegnerin fest,
aufgrund der medizinischen Beurteilung des ärztlichen Dienstes könne für die Zeit ab
5.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dem 20. März 2018 kein Taggeld mehr ausbezahlt werden. Unfallbedingt liege keine
Arbeitsunfähigkeit mehr vor (Suva-act. I/331).
Wie der Beschwerdeführer weiter ausführt, gibt es wenige Tätigkeiten, bei welchen
die Arme nicht über der Hüfthöhe eingesetzt werden müssen (act. G1). Dr. K._ hat
jedoch nur festgehalten, beim Heben von Lasten über fünf Kilogramm sei der Einsatz
des rechten Armes über Hüfthöhe nur noch als Zudien-Arm zum linken Arm zumutbar
(Suva-act. I/282) und hat Arbeiten über Hüfthöhe nicht generell ausgeschlossen. Es
sind damit durchaus Tätigkeiten denkbar, bei denen leichtere Lasten gehoben werden
und die Arme auch über der Hüfthöhe eingesetzt werden können. So zum Beispiel
leichtere Verpackungs- und Sortierarbeiten. Die im Beschwerdeverfahren geltend
gemachten Verspannungen bzw. Schmerzen in der Schulter, welche gemäss
Beschwerdeführer bei längerem Hantieren an einem Tisch sitzend auftreten (act. G1),
sind aufgrund der medizinischen Akten nicht ausgewiesen. Das vom Beschwerdeführer
erwähnte frühzeitige Mitbewegen der Scapula bei Abduktion der Schulter rechts bzw.
die "Verwachsung" (vgl. act. G1, G10) war Dr. K._ bekannt, zumal er den Bericht von
Dr. H._ vom 1. Juni 2017 auszugsweise wiedergab (vgl. Suva-act. I/279, I/282-3 f.).
Die Kreisärzte haben damit alle Beschwerden bezüglich der rechten Schulter des
Beschwerdeführers berücksichtigt.
5.5.
Dr. F._ hatte dem Beschwerdeführer nach der Rückfallmeldung vom 19.
September 2014 eine Arbeitsunfähigkeit von 50% attestiert. Das Arztzeugnis war für
die Arbeitgeberin ausgestellt, weshalb davon auszugehen ist, dass sich die
Arbeitsfähigkeitsschätzung auf die tatsächlich ausgeübte und damit eben auf eine nicht
ideal adaptierte Tätigkeit bezog (vgl. Suva-act. I/231-2). Dr. H._ hielt am 19. Mai 2015
zwar fest, der Beschwerdeführer arbeite zu 50%, äusserte sich jedoch selbst nicht zur
Arbeitsfähigkeit (Suva-act. I/268). Am 1. Juni 2017 berichtete Dr. H._, der
Beschwerdeführer arbeite zu 50% ganztags mit reduzierter Leistung im Gartenbau,
was nach Angaben des Beschwerdeführers einigermassen beschwerdemässig
kompensiert werden könne. Dr. H._ schätzte die Arbeitsfähigkeit erneut nicht selbst,
erachtete aber eine Reevaluation durch den Kreisarzt als sinnvoll (Suva-act. I/279). Die
von Dr. F._ vom 27. Juni bis 30. Juli 2017 sowie vom 29. Dezember 2017 bis 18.
Februar 2018 attestierte volle Arbeitsunfähigkeit bezog sich sodann primär auf die
Verletzungen des Handgelenks rechts (vgl. Suva-act. III/19, IV/3 f., IV/10). Dr. F._
berichtete am 22. März 2018, der Beschwerdeführer habe seine Tätigkeit als
Hilfsgärtner am 27. Februar 2018 zu 50% wiederaufgenommen, habe diese aber
wegen immobilisierender Schmerzen nicht mehr fortsetzen können. Er äusserte sich
jedoch nicht zur objektiven Arbeitsfähigkeit, insbesondere nicht in einer ideal
5.6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
adaptierten Tätigkeit (Suva-act. I/319). Dr. H._ hatte am 8. Januar 2018 ausgeführt,
der Beschwerdeführer habe einen Arbeitsvertrag im Gartenbau für eine 50%-ige
Tätigkeit ganztags, die er realisieren könne. Zur Beurteilung der sozialen Situation
hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit weise er den Beschwerdeführer nochmals dem
Kreisarzt zur Beurteilung zu. Dies insbesondere unter Berücksichtigung der derzeitigen
Problematik der bestehenden Anstellung im 50% Pensum. Sollte eine Steigerung auf
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit festgelegt werden müssen, würde dies für den
Beschwerdeführer den Stellenverlust bedeuten (Suva-act. I/316). Daraus ist zu
schliessen, dass Dr. H._ eine höhere Arbeitsfähigkeit in einer besser adaptierten
Tätigkeit nicht ausschloss, jedoch aus sozialen und finanziellen Gründen der Ansicht
war, der Beschwerdeführer sollte weiterhin an seinem damaligen Arbeitsplatz tätig
bleiben. Die allfälligen unfallfremden Schwierigkeiten des Beschwerdeführers
(mangelnde Sprachkenntnisse, fehlende Ausbildung, eingeschränkte intellektuelle
Fähigkeiten, kein Führerschein; vgl. Suva-act. I/198, act. G1) eine andere Anstellung zu
finden, können jedoch bei der Festlegung der medizinisch-theoretischen
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit nicht berücksichtigt werden. Dr. H._
beurteilte am 11. Juni 2018 sodann, seines Erachtens bestehe weiterhin eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit für leichte Tätigkeiten im Gartenbau ganztags (Suva-act. I/335). Er
setzte sich jedoch nicht mit den Anforderungen dieser (per 30. Juni 2018 gekündigten)
Tätigkeit auseinander und äusserte sich nicht zur Arbeitsfähigkeit in einer ideal
adaptierten Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Die Einschätzungen der
behandelnden Ärzte sind damit nicht geeignet, die kreisärztlichen Beurteilungen in
Zweifel zu ziehen.
Bei der Würdigung der medizinischen Situation fällt weiter ins Gewicht, dass die
kreisärztlichen Beurteilungen auf umfassender Aktenkenntnis sowie eigenen
Untersuchungen beruhen, das gesamte unfallkausale Leidensbild des
Beschwerdeführers berücksichtigen und die auf dieser Grundlage gezogenen Schlüsse
nachvollziehbar sind. Aus den vom Beschwerdeführer vorgebrachten medizinischen
Einschätzungen ergeben sich zudem keine objektiven Gesichtspunkte, welche in den
kreisärztlichen Beurteilungen ausser Acht gelassen worden wären. Weitere
medizinische Abklärungen erübrigen sich.
5.7.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.
Basierend auf einer Arbeitsfähigkeit von 100% in einer adaptierten Tätigkeit ist im
Rahmen eines Einkommensvergleichs der Invaliditätsgrad zu ermitteln.
Für das Valideneinkommen ist massgebend, was die versicherte Person aufgrund
ihrer beruflichen Fähigkeiten und ihrer persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen
Rentenbeginns verdient hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Dabei ist in der
Regel vom zuletzt – d.h. grundsätzlich vor dem Beginn der unfallbedingten ganzen oder
teilweisen Arbeitsunfähigkeit – erzielten Verdienst auszugehen (BGE 139 V 30 E. 3.3.2,
je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 18. März 2015, 8C_590/2014, E. 5.1).
Die durch die Beschwerdegegnerin vorgenommene Festlegung des jährlichen
Valideneinkommens auf rund Fr. 62'246.-- (vgl. Suva-act. I/300), welche sich auf die
Angaben der früheren Arbeitgeberin bezüglich des hypothetischen Jahreslohnes des
Beschwerdeführers im Jahr 2017 ohne erlittenen Unfall stützt (Suva-act. I/298), ist
grundsätzlich nicht zu beanstanden. Auch der Beschwerdeführer wendet gegen die
Berechnung des Validenlohns nichts ein (vgl. act. G1, G10, Suva-act. I/314).
6.1.
6.2.
Nur unter besonderen Voraussetzungen lässt es die Rechtsprechung zu, dass
das Invalideneinkommen dem nach Eintritt der gesundheitlichen Einbussen noch
erzielten Einkommen gleichgesetzt wird. Dabei wird - kumulativ - vorausgesetzt, dass
ein besonders stabiles Arbeitsverhältnis den Bezug auf den allgemeinen Arbeitsmarkt
erübrigt, dass die verbleibende Arbeitsfähigkeit zumutbar voll ausgeschöpft wird und
dass nicht ein Soziallohn ausgerichtet wird (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl.
Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 16 N 46 ff., mit Hinweisen). Vorliegend ist entgegen den
Ausführungen des Beschwerdeführers (vgl. act. G1, G10) nicht auf sein tatsächlich
erzieltes Einkommen abzustellen, da er mit diesem die ihm zumutbare Arbeitsfähigkeit
von 100% nicht voll ausschöpft. Hat die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine an sich zumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können entweder LSE-Tabellenlöhne oder die DAP-
Zahlen herangezogen werden (BGE 129 V 475 E. 4.2.1 mit Hinweisen; Urteil des
Bundesgerichts vom 6. Januar 2010, 8C_579/2009, E. 2.1). Es ist damit grundsätzlich
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin zur Festsetzung des
Invalidenlohns DAP-Daten beigezogen hat. Der Beschwerdeführer beanstandet die
gewählten DAP-Profile und bringt insbesondere vor, er sei nicht zu beidhändigem,
6.2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
feinmotorischen Arbeiten bei längerem Sitzen fähig (vgl. act. G1, G10). Er bezieht sich
dabei vorwiegend auf vorliegend nicht relevante Einschränkungen des Handgelenks
rechts. Das DAP-Profil Nr. 4153 erscheint für den Beschwerdeführer jedoch insofern
als nicht geeignet, als ca. stündlich Gewichte von 5-10kg bis zur Lendenhöhe gehoben
werden müssen (vgl. Suva-act. I/286-4 ff.). Beim DAP-Profil Nr. 4976 ist selten das
Heben von Gewichten bis zu 5kg über die Brusthöhe notwendig (Suva-act. I/286-16
ff.). Es erscheint daher fraglich, ob die beiden ausgewählten DAP-Arbeitsplätze den
Adaptionskriterien des Beschwerdeführers vollumfänglich entsprechen. Aus diesem
Grund ist für die Festlegung des Invalideneinkommens auf die statistischen Daten der
LSE abzustellen. Eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin für eine neue DAP-
Abfrage, wie von dieser beantragt (vgl. act. G5), fällt vorliegend ausser Betracht,
nachdem die Suva die DAP-Erhebungen nicht mehr vornimmt.
Da dem Beschwerdeführer Hilfsarbeitertätigkeiten zumutbar sind, rechtfertigt es
sich, das Invalideneinkommen gestützt auf die LSE 2014, Total sämtlicher
Wirtschaftszweige, Kompetenzniveau 1, Männer, zu bestimmen (die LSE 2016 war zum
Zeitpunkt des Einspracheentscheids noch nicht publiziert und daher nicht anwendbar;
vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. November 2019, 8C_64/2019, E. 6.2.1). Der
entsprechende Lohn belief sich im Jahr 2014 auf Fr. 5'312.-- pro Monat bzw. Fr.
63'744.-- jährlich. Aufgerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von
41.7 Stunden und angepasst an die Nominallohnentwicklung bis 2017 (Index 2014:
2'220, 2017: 2'249) ergibt sich ein massgebliches Jahreseinkommen von Fr. 67'321.--.
Verglichen mit dem Valideneinkommen von 2017 von Fr. 62'246.-- liegt eine
Unterdurchschnittlichkeit von aufgerundet 8% vor. Folglich ist eine Parallelisierung im
Ausmass von 3% vorzunehmen (zum Erheblichkeitsgrenzwert von 5% vgl. BGE 135 V
297 E. 6.2). Es resultiert ein Invalideneinkommen von Fr. 65'301.-- (0.97 x Fr.
67'321.--).
6.2.2.
Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten (Hilfsarbeiter-)Tätigkeiten behindert
sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren
arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand
Rechnung getragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer
versicherten Person, wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben können (BGE 129 V 481 E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2). Wie in E. 5.3
ausgeführt, hat der Beschwerdeführer gewisse qualitative Einschränkungen. Er ist im
6.2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
7.
8.
Da die Gerichtsschreiberin verhindert ist, wird der Entscheid für diese stellvertretend
von einer mitwirkenden Richterin unterzeichnet (Art. 39 Abs. 2 VRP).
Vergleich zu voll leistungsfähigen Arbeitnehmern damit lohnmässig benachteiligt und
muss mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen (vgl. zum Ganzen Philipp
Geertsen, Der Tabellenlohnabzug, in Ueli Kieser/Miriam Lendfers [Hrsg.]: Jahrbuch zum
Sozialversicherungsrecht 2012, S. 139 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Januar
2014, 9C_796/2013, E 3.1.2). Vorliegend rechtfertigt es sich, den Tabellenlohnabzug
auf 10% festzusetzen, womit ein Invalideneinkommen von Fr. 58'771.-- (0.9 x Fr.
65'301.--) resultiert.
Ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 100% in einer adaptierten Tätigkeit bei
einem Valideneinkommen von Fr. 62'246.-- und einem Invalideneinkommen von Fr.
58'771.-- resultiert ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von rund 6%.
6.3.
Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid nicht zu
beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.
7.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).7.2.
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO;
sGS 963.75; in der vorliegend anwendbaren, seit 1. Januar 2019 gültigen Fassung,
siehe Art. 30 HonO) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. In der vorliegend zu
beurteilenden Angelegenheit erscheint eine pauschale Parteientschädigung von
Fr. 4'000.-- als angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des
Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat den Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 3'200.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
7.3.
bis
Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
7.4.
ter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/22
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte