Decision ID: 6537256b-6d36-55eb-a5a4-b0e2ea457e0a
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 1. August 2015/2. September
2015 aufgrund einer axialen Spondyloarthritis zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 1 und 11-2). Zuletzt arbeitete die Versicherte als B._ bei C._ (IV-act. 16).
Dr.med. D._, Facharzt für Innere Medizin FMH und Hausarzt der Versicherten, stellte
ab dem 5. Januar 2015 immer wieder für mehrere Tage eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit fest (IV-act. 11-2).
A.b Der IV-Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) lagen
mehrere Arztberichte der Klinik für Rheumatologie und der Klinik für Psychosomatik
des Kantonsspitals St. Gallen sowie zwei Berichte des Hausarztes Dr. D._ vor (IV-
act. 11 und 21). Gemäss Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes
(nachfolgend: RAD) vom 22. Februar 2016 sei eine polydisziplinäre medizinische
Untersuchung zur Klärung der Leistungsansprüche vorzunehmen (IV-act. 26). Die IV-
Stelle beauftragte am 4. April 2016 die medexperts AG mit der Begutachtung der
Versicherten (IV-act. 28). Am 12. April 2016 wurde der Versicherten mitgeteilt, dass zu
gegebener Zeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-
act. 32).
A.c Die Versicherte wurde am 25. Mai, 26. Mai und 30. Mai 2016 rheumatologisch,
psychiatrisch, pneumologisch sowie allgemeinmedizinisch begutachtet (IV-act. 33).
Das Gutachten datiert vom 4. Juli 2016 und wurde gleichentags versandt (IV-act. 34).
Die Gutachter diagnostizierten eine axiale Spondyloarthritis (verkürzte Wiedergabe),
welche die Arbeitsfähigkeit der Versicherten einschränke (IV-act. 34-39). In körperlich
leichten bis gelegentlich mittelschweren, wechselbelastenden beruflichen Tätigkeiten
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bestehe aus polydisziplinärer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit der Versicherten von 40%
(bezogen auf ein vollschichtiges Arbeitspensum; IV-act. 34-44).
A.d Gemäss Stellungnahme des RAD vom 2. August 2016 erfülle das Gutachten die
versicherungsmedizinischen Anforderungen. Aus hiesiger versicherungsärztlicher Sicht
könne für die administrative Entscheidung auf das Gutachten abgestützt werden. Die
rheumatologische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, welche die 40%ige
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründe, werde vom RAD im Rahmen des
gutachterlichen Ermessensspielraums gesehen (IV-act. 35).
A.e Nach Erhalt des Gutachtens nahm die IV-Stelle die Abklärungen betreffend die
beruflichen Massnahmen wieder auf (IV-act. 37). Am 16. September 2016 traf sich die
Versicherte mit ihrem Ehemann und der älteren Tochter mit der
Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle zum Assessmentgespräch (IV-act. 38).
Aufgrund der gemachten Äusserungen bezüglich der subjektiven Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit wurde am 6. Oktober 2016 das Leistungsbegehren um berufliche
Massnahmen mittels Verfügung abgewiesen (IV-act. 41).
A.f Mit Vorbescheid vom 12. Oktober 2016 wurde auch die Abweisung des
Leistungsbegehrens um eine Invalidenrente angekündigt. Die Beschwerdegegnerin
qualifizierte die Versicherte als zu 40% im Erwerb und als zu 60% im Haushalt Tätige.
Gemäss der medizinischen Beurteilung sei die Versicherte in ihrer bisherigen sowie in
allen anderen leichten bis gelegentlich mittelschweren und wechselbelastenden
Tätigkeiten zu 60% arbeitsfähig. Sie könne ihre 60%ige Restarbeitsfähigkeit optimal im
bisherigen 40% Pensum verwerten. Daraus resultiere ein Invaliditätsgrad von 0% (IV-
act. 44).
B.
B.a Gegen diesen Vorbescheid erhob die Versicherte am 17. November 2016
Einwand. Der Einwand erfolgte zuerst telefonisch, etwas später gleichentags per Email
(IV-act. 45 und 46). Dem Email wurden Kopien von Arztberichten angefügt (IV-act. 47
bis 52).
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B.b Gemäss Stellungnahme des RAD vom 23. November 2016 seien im Arztbericht
vom 7. November 2016 der Klinik für Rheumatologie des Kantonsspitals St. Gallen
keine neuen medizinischen Erkenntnisse zu finden, die nicht schon im Gutachten in
angemessener Form berücksichtigt worden seien (Teile des Berichts in IV-act. 48, 49
und 50, vollständiger Bericht in act. G 1.3). Aus Sicht des RAD könne weiterhin auf das
Gutachten abgestellt werden (IV-act. 53). Mit Verfügung vom 23. November 2016
wurde das Leistungsbegehren wie angekündigt abgewiesen (IV-act. 54).
C.
C.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 9. Januar
2017. Die Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt Thomas Widmer,
beantragt die Aufhebung der Verfügung vom 23. November 2016, die Feststellung
eines Invaliditätsgrads von 70% und des Anspruchs auf eine volle Invalidenrente sowie
die Gewährung unentgeltlicher Rechtspflege (act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 14. Februar 2017
die Abweisung der Beschwerde (act. G 4).
C.c Am 24. Februar 2017 reicht die Beschwerdeführerin mehrere Akten zur Beurteilung
der Voraussetzungen für die unentgeltliche Rechtspflege ein (act. G 5). Mit Schreiben
vom 1. März 2017 teilt ihr das Versicherungsgericht mit, dass dem Gesuch um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege entsprochen werde (act. G 5 und G 6).
C.d Mit Schreiben vom 30. Mai 2017 teilt die Beschwerdegegnerin mit, dass sie auf
eine Replik verzichte (act. G 12).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
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1.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.2 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.4 Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz und der Grundsatz
der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
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Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tasachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbingen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen). Es ist an die Begehren der Parteien
nicht gebunden (Art. 61 lit. d ATSG).
2.
2.1 In einem ersten Schritt ist die Frage zu beantworten, nach welcher Methode (reiner
Einkommensvergleich, gemischte Methode) der Invaliditätsgrad zu ermitteln ist.
2.2 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Bei nichterwerbstätigen Versicherten
im Sinne von Art. 5 Abs. 1 IVG - so namentlich bei im Haushalt tätigen Personen - wird
hingegen für die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in welchem Mass eine
Behinderung besteht, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2
IVG). Als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen versicherten Personen gilt unter
anderem die übliche Tätigkeit im Haushalt und die Erziehung der Kinder bzw. die
Pflege und Betreuung von Angehörigen (Art. 27 der Verordnung über die
Invalidenversicherung in der bis Ende 2017 bzw. in der seither gültigen Version; IVV,
SR 831.201). Bei einer versicherten Person, die nur zum Teil erwerbstätig wäre, wird
die Invalidität diesbezüglich nach Art. 16 ATSG festgelegt. Wäre die versicherte Person
daneben in einem Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind die Anteile der Erwerbstätigkeit und
der Tätigkeit im anderen Aufgabenbereich festzustellen und der Invaliditätsgrad ist
entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG).
Diese Art der Invaliditätsbemessung wird als gemischte Methode bezeichnet. Gemäss
aArt. 27 bzw. Art. 27 Abs. 1 IVV ist der Einkommensvergleich anzustellen, wenn bis bis
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anzunehmen ist, dass die versicherte Person im Zeitpunkt der Prüfung des
Rentenanspruchs ohne den Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wäre.
2.3 In ständiger Rechtsprechung prüft das Bundesgericht die Frage, ob und
gegebenenfalls in welchem Ausmass eine versicherte Person auch ohne den
Gesundheitsschaden im Aufgabenbereich tätig wäre, anhand der hypothetischen
Verhaltensweise der versicherten Person. Dazu ist abzuklären, ob die versicherte
Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht auf die gesamten Umstände
(persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art) erwerbstätig oder im
Aufgabenbereich tätig wäre. Massgebend sind die finanzielle Notwendigkeit der
Aufnahme oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person, deren berufliche Fähigkeiten,
Neigungen und Begabungen. Abzustellen ist auf die hypothetischen Verhältnisse in
tatsächlicher Hinsicht, wie sie sich bis zum massgebenden Zeitpunkt entwickelt haben
würden (vgl. etwa BGE 125 V 150).
2.4 Die Beschwerdegegnerin geht, ohne dass sie den in dieser Konstellation üblichen
Fragebogen zur Abklärung der Haushalttätigkeit hat ausfüllen lassen oder gar eine
Haushaltabklärung vorgenommen hat, davon aus, dass die Beschwerdeführerin im
Gesundheitsfall weiterhin im Umfang von 40% einer beruflichen Tätigkeit nachginge
und die restlichen 60% im Haushalt tätig wäre. Gemäss Sozialamt müsste sie
grundsätzlich einer Vollzeitanstellung nachgehen, wenn sie arbeitsfähig wäre, da die
Kinder im Kinderhort seien (telefonische Auskunft des Sozialamts vom 12. April 2016,
IV-act. 36-4). Gegenüber dem allgemeinmedizinischen und rheumatologischen
Gutachter Dr.med. E._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie,
gab die Beschwerdeführerin selbst an, sich nicht in der Lage zu fühlen, einer
beruflichen Tätigkeit nachzugehen.
Bei voller Gesundheit würde sie aber weiterhin ihrer Arbeit als B._-Mitarbeiterin bei
C._ – ihrem Traumjob – nachgehen. Aktuell (zum Zeitpunkt der Begutachtung am
30. Mai 2016) kriege sie nicht einmal ihre Haushaltarbeiten hin. Da sie ihre Kinder in
einer Kindertagesstätte oder bei einer Tagesmutter platzieren könne, würde sie bei
gutem gesundheitlichem Befinden einem vollen Arbeitspensum nachgehen (IV-
act. 34-15). Im Assessmentgespräch gab sie demgegenüber an, sie könne sich in
keinem Fall mehr vorstellen, zu C._ zurückzugehen, da sie in der Filiale gemobbt
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worden sei. Die Arbeit bei C._ sei eine körperlich schwere Tätigkeit gewesen. Vor der
Einreise in die Schweiz habe sie immer 100% und mehr in einer Bäckerei und
zusätzlich in der Reinigung gearbeitet. Zuvor sei sie im Fleisch- und Wurstverkauf
sowie als Küchengehilfin tätig gewesen (IV-act. 38).
2.5 Die finanziellen Verhältnisse (Abhängigkeit vom Sozialamt, Schulden von ca.
Fr. 70'000.--) sprechen dafür, dass die Beschwerdeführerin bei voller Arbeitsfähigkeit
einer Vollzeittätigkeit nachgehen müsste und deshalb als Vollerwerbstätige zu
qualifizieren ist (vgl. IV-act. 38-3). Die Aussagen gegenüber den Gutachtern, sie würde
bei guter Gesundheit in einem vollen Arbeitspensum arbeiten, deuten ebenfalls den
Status einer Vollerwerbstätigen an (vgl. IV-act. 34-40). Da die Kinderbetreuung
organisiert ist, liegt die Qualifikation als Vollerwerbstätige auf der Hand. Alleine die
Tatsache, dass die Beschwerdeführerin seit ihrer Einreise in die Schweiz und vor dem
Eintritt des Gesundheitsschadens, wenn überhaupt, nur in einem kleinen Pensum tätig
war (vgl. IV-act. 8), rechtfertigt die Qualifikation als Teilzeiterwerbstätige nicht. Denn
bereits die finanzielle Situation erfordert ein möglichst hohes Einkommen und damit
einhergehend ein hohes Arbeitspensum. In der Beschwerde werden zur Qualifikation
zwar keine Vorbringen gemacht, jedoch ist auch gestützt darauf nicht davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin tatsächlich im Gesundheitsfall weiterhin nur
im Umfang von 40% erwerbstätig wäre. Die Beschwerdeführerin ist somit als
Vollerwerbstätige zu qualifizieren und der Invaliditätsgrad mittels reinem
Einkommensvergleich zu ermitteln.
3.
3.1 Es ist zu prüfen, ob das Gutachten vom 4. Juli 2016 (IV-act. 34) eine
rechtsgenügliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
3.2 Dr. E._, Facharzt für allgemeine Medizin und Rheumatologie, Hauptgutachter,
diagnostizierte namentlich monosegmentale Osteochondrose auf Höhe des
Halswirbelkörpers (HWK) 5/6 mit flacher medio bis medio rechtslateraler
Bandscheibenprotrusion ohne signifikante Neuroforamenstenose und ohne neurale
Kompression, diskrete nicht aktivierte Atlantodentalgelenks-Arthrose (DD-itis) sowie
initiale Spondylosis der mittleren und kaudalen Brustwirbelsäule (BWS) p.m. BWK 8/9
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(IV-act. 34-21 f.). Nebst der fachspezifischen Auflistung der Erkenntnisse fehlt an dieser
Stelle eine konkrete Aufteilung der Befunde in Diagnosen mit und ohne Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit sowie eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus
rheumatologischer Sicht.
3.3 Med.prakt. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erkannte keine
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnose ohne Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit stellte er eine Benzodiazepinabhängigkeit bei ständigem
Substanzgebrauch (ICD10, F13.24) fest. Im Explorationsgespräch habe sich keine
wesentliche depressive Symptomatik gezeigt. Eine rezidivierende depressive Störung
könne nicht ausgeschlossen werden, es sei jedoch darauf hinzuweisen, dass die
depressive Symptomatik zur Zeit der Untersuchung remittiert sei. Er sehe vor allem
invaliditätsfremde Faktoren. Neben dem niedrigen Bildungsniveau und fehlender Lehre
stehe vor allem die schwierige wirtschaftliche Situation im Vordergrund. Die
Beschwerdeführerin sehe sich selbst aufgrund von körperlichen Problemen in der
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, nicht aber aufgrund der psychischen Situation. Aus rein
psychiatrischer Sicht sei sie zum Zeitpunkt der Untersuchung weder in der bisherigen
noch in einer adaptierten Tätigkeit eingeschränkt. Eine regelmässige psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung sei indiziert und sollte durchgeführt werden. Dabei
sei es wichtig, die medikamentöse Therapie zu überprüfen, anzupassen und
insbesondere auch den Benzodiazepinkonsum zu reduzieren (IV-act. 34-27 bis 30).
3.4 Dr.med. G._, Facharzt für Pneumologie, konnte keine pneumologische
Erkrankung erkennen. Die Möglichkeit einer lungenparenchymatösen Erkrankung dürfe
aber nicht ganz vergessen werden. Lungenfunktionell solle die Beschwerdeführerin
weitmaschig in 6- bis 12-monatigen Abständen kontrolliert werden. Dr. G._ stellte
keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Er diagnostizierte eine
unspezifische respiratorische Symptomatik bei anhaltendem Nikotinabusus sowie den
Verdacht auf eine derzeit funktionell und klinisch irrelevante rauchen-assoziierte
interstitielle Lungenerkrankung (RB-ILD). Aus pneumologischer Sicht sei sie gewesen,
sei sie und bleibe sie höchst wahrscheinlich für alle Arbeiten 100% arbeitsfähig, dies
auch für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit bei C._. Dr. G._ empfiehlt eine absolute
Nikotinabstinenz sowie lungenfunktionelle Kontrollen (IV-act. 34-33 f.).
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3.5 Gemäss Dr.med. H._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, bestehe eine
Laktoseintoleranz, welche diätisch gut eingestellt sei. Kardialerseits sei die
Beschwerdeführerin beschwerdefrei. Aus allgemein-internistischer Sicht konnte
Dr. H._ keine Erkrankungen von Relevanz und mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
diagnostizieren. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie die
Laktoseintoleranz sowie den Nikotinabusus (IV-act. 34-37 f.).
3.6 Im Rahmen der hauptgutachterlichen Beurteilung und polydisziplinären
Zusammenfassung schreibt Dr. E._, aus rheumatologischer Sicht bestehe ein
chronifiziertes, diffuses, linksseitiges Hemischmerzsyndrom. Die im Mai 2015 gestellte
Diagnose der axialen Spondyloarthritis könne aufgrund des durchgeführten MRI's der
Lendenwirbelsäule nativ und nach Kontrastmittel sowie Sakroiliakalgelenke mit
Kontrastmittel vom 2. Juli 2016 bestätigt werden. Die von der Beschwerdeführerin
geschilderten ausgedehnten muskuloskelettalen Beschwerden seien durch die
objektivierbaren pathologischen klinischen Befunde jedoch nur kleinen Teils erklärbar.
Zum Zeitpunkt der Untersuchung könne eine Arbeitsunfähigkeit in körperlich leichten
bis gelegentlich mittelschweren, wechselbelastenden beruflichen Tätigkeiten über 40%
aufgrund der klinisch und bildgebend objektivierten pathologischen Befunden aus
rheumatologischer Sicht nicht begründet werden. Die subjektive volle
Arbeitsunfähigkeit in jeglicher beruflichen Tätigkeit könne weder aus somatischer noch
psychiatrischer Sicht erklärt werden. Es bestünden deutliche Zeichen eines nicht
organischen Krankheitsverhaltens mit Schmerzausweitung im Sinne eines
generalisierten Hemischmerzsyndroms links, für welches sich aus somatischer Sicht
kein adäquates klinisches oder radiologisches Korrelat finde. Die aus
rheumatologischer Sicht attestierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in körperlich
leichten, bis gelegentlich mittelschweren, wechselbelastenden beruflichen Tätigkeiten
von 40% sei zu begründen mit der entzündlichen Restaktivität der bilateralen
Sakroiliitis bei axialer Spondyloarthritis. Die ausgesprochen tiefe Selbsteinschätzung
der körperlichen Leistungsfähigkeit durch die Beschwerdeführerin könne aufgrund der
objektivierbaren pathologischen klinischen und radiologischen Befunde nicht erklärt
werden. Eine Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sei
retrospektiv nicht möglich. Spätestens ab dem Zeitpunkt der Begutachtung lasse sich
eine Arbeitsunfähigkeit in der im IV-Fragebogen für Arbeitgebende vom 5. November
2015 (vgl. IV-act. 16) als körperlich leicht bis gelegentlich mittelschwer beschriebenen
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Tätigkeit in einem Wochenstundenpensum von maximal 17 Stunden aus
polydisziplinärer Sicht nicht begründen. Zum Schluss hält der Hauptgutachter Dr. E._
fest, die Beschwerdeführerin könne aus polydisziplinärer Sicht sowohl ihre zuletzt
ausgeführte Teilzeittätigkeit als B._ bei C._ als auch andere körperlich leichte bis
gelegentlich mittelschwere berufliche Tätigkeiten in einem Arbeitspensum von 60%
ausüben (IV-act. 34-39 ff.).
3.7 Bei der Würdigung des Gutachtens fällt ins Gewicht, dass es auf eigenständigen
gründlichen Abklärungen aller Gutachter beruht und für die streitigen Belange
umfassend ist. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und diskutiert. Die von
der Beschwerdeführerin geklagten Leiden wurden berücksichtigt und nachvollziehbar
gewürdigt. Die darin vorgenommene Arbeitsfähigkeitsschätzung leuchtet in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation ein. Weiter bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv
wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden wären. Auch die
Beschwerdegegnerin kam in der Beschwerdeantwort zum Schluss, dass auf das
schlüssige Gutachten vorbehaltslos abzustellen sei (act. G 4-3). Gestützt auf das
beweiskräftige Gutachten ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als B bei C._ sowie in
anderer körperlich leicht- bis gelegentlich mittelschweren Tätigkeit im Umfang von
40% arbeitsunfähig ist.
4.
4.1 Auf der Grundlage der von den Gutachtern vorgenommenen
Arbeitsfähigkeitsschätzung verbleibt die Bestimmung des Invaliditätsgrads.
4.2 Angesichts dessen, dass die Beschwerdeführerin in angestammter sowie
adaptierten Tätigkeiten arbeitsfähig ist und überdies keine repräsentative Grundlage für
die Bestimmung des Valideneinkommens besteht (siehe zum Einkommen im IK-
Auszug, IV-act. 8), ist für dessen Festsetzung entsprechend der Ermittlung des
Invalideneinkommens auf die Tabelle TA 1 des Schweizerischen Lohnstrukturerhebung
(LSE) des Bundesamtes für Statistik, Total sämtlicher Wirtschaftszweige, ohne
Kaderfunktion, Frauen, abzustellen. Da die beiden Vergleichseinkommen somit auf
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derselben Grundlage zu berechnen sind, kann ein Prozentvergleich vorgenommen
werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Januar 2011 9C_882/2010, E. 7.1).
4.3 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen
Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn)
allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass
persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung,
Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321
E. 3b/aa). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene
Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/aa). Der
Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im
Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25% nicht
übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2; 126 V 75 E. 5b/bb-cc). Die
Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem
Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich
leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75
E. 5a/bb). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der
medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht
zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer
doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (Urteil des
Bundesgerichts vom 22. März 2017, 8C_805/2016, E.3.2; 9C_846/2014 vom 22. Januar
2015 E. 4.1.1 mit Hinweisen).
4.4 Es gibt keine Anhaltspunkte, dass die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsfähigkeit
aufgrund persönlicher und/oder beruflicher Merkmale auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten könnte.
Weder das Alter, noch die Nationalität oder sprachliche Herausforderungen erschweren
ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die gesundheitlichen Einschränkungen wurden in
der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit umfassend berücksichtigt. Ausserdem gibt es in
ihrem angestammten Tätigkeitsfeld, der Reinigungsbranche, gute Möglichkeiten in
einem reduzierten Pensum tätig zu sein. Es besteht somit kein Raum für die
Gewährung eines Tabellenlohnabzuges, weil der Tabellenlohn in der untersten Stufe
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der beruflichen Stellung bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren
Tätigkeiten umfasst, die Relevanz der langen Abwesenheit vom Arbeitsmarkt im
privaten Sektor abnimmt, je niedriger das Anforderungsprofil ist und Hilfsarbeiten auf
dem hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt nachgefragt werden (Urteil des
Bundesgerichts vom 22. März 2017, 8C_805/2016, E.3.2 ff.). Die Beschwerdeführerin
ist sowohl in ihrer angestammten Tätigkeit als auch in anderen körperlich leicht- bis
gelegentlich mittelschweren Tätigkeiten im Umfang von 60% arbeitsfähig. Auf einen
Tabellenlohnabzug ist zu verzichten. Folglich ist von einem Invaliditätsgrad von 40%
auszugehen, womit die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Viertelsrente hat.
4.5 Die Anmeldung der Beschwerdeführerin zum IV-Leistungsbezug erfolgte am 1.
August 2015 (IV-act. 1). Davor war sie seit Januar 2015 immer wieder während
mehrerer Tage arbeitsunfähig und vom 13. Juli bis 25. Juli 2015 in stationärer
Behandlung (IV-act. 11-2 und 10). Am 18. April 2015 leistete sie ihren letzten effektiven
Arbeitstag (IV-act. 16-2). Das Wartejahr im Sinn von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG war somit
aufgrund des mehr als 30 Tage dauernden Unterbruches vom 19. Januar 2015 bis
23. März 2015 am 24. März 2016 erfüllt (Art. 29 IVV; vgl. act. 11-2 sowie RAD-
Stellungnahme vom 5. Oktober 2015, IV-act. 14). Der Rentenbeginn ist demnach auf
den 1. März 2016 festzusetzen (Art. 28 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Art. 29 Abs. 3
IVG).
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde in Aufhebung der Verfügung vom 23.
November 2016 teilweise gutzuheissen und der Beschwerdeführerin ab dem 1. März
2016 eine Viertelsrente zuzusprechen. Die Sache ist zur Festsetzung und Ausrichtung
der geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen.
Hinsichtlich der Beschwerde gegen die Rentenverfügung gilt es zu beachten, dass
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung zur Überklagung in
ter
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sozialversicherungsrechtlichen Rentenfällen von einem vollständigen Obsiegen der
Beschwerdeführerin auszugehen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2016,
9C_288/2015, E. 4.2). Die Beschwerdegegnerin hat daher die gesamten Gerichtskosten
von Fr. 600.-- zu bezahlen.
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass die Zusprache einer IV-Rente
als volles Obsiegen der Beschwerdeführerin zu betrachten ist. Die Parteientschädigung
wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach
der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen.
In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO;
sGS 963.75; in der vorliegend anwendbaren, seit 1. Januar 2019 gültigen Fassung,
siehe Art. 30 HonO) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin reichte am 21. Juni 2017 eine Honorarnote über einen Aufwand
von 13h bzw. Fr. 3'650.40 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) ein (act. G 14 und
14.1). Diese erscheint angesichts der eher unterdurchschnittlichen Komplexität des
Falles und Akten als zu hoch. Aufgrund der Bedeutung der Streitsache und dem
notwendigen Aufwand ist der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von
maximal Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen (vgl. zur
Praxis des Versicherungsgerichts z.B. IV 2011/89, E. 4.3). Bei diesem Ergebnis erübrigt
sich die Festsetzung einer Entschädigung aus der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung.