Decision ID: c1ba2720-ccb1-5de5-8f57-4412d7714c91
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die im Jahre 1964 geborene
X._
war ab
1.
November 1986 als Disponentin für die
Y._
tätig und als solche bei
der Berner
Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft
(Berner)
obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfälle
n versichert. Am 1
0.
Januar 1987 rutschte die Versicherte auf Eis aus und zog sich einen Riss des vorderen Kreuzbandes sowie eine Zerrung des lateralen Seitenbandes am rechten Knie zu (
Urk.
13/1).
Nach mehreren operativen Eingriffen und umfangreichen medizinischen Abklä
rungen liess der Unfallversicherer die Versicherte begutachten (
Z._
-Gutachten vom 1
4.
Juli 1992,
Urk.
13/43). Mit
Einspracheentscheid
vom 1
3.
Januar 1993 sprach die Berner der Versicherten ausgehend von einem Inva
liditätsgrad von 50
%
eine Rente ab
1.
Februar 1991 zu, neben einer Integritäts
entschädigung bei einem Integritätsschaden von 27.5
%
(
Urk.
13/185).
Am
2.
Dezember 2005 meldete die Versicherte bei der nunmehr zuständigen Allianz Suisse
(Rechtsnachfolgerin)
einen Rückfall, da sie das rechte Bein nicht mehr belasten konnte (
Urk.
13/200).
Am 1
0.
Januar 2007 wurde der Versicher
ten am rechten Knie eine
patellofemorale
Prothese eingesetzt (
Urk.
13/48). Am
5.
Januar 2009 wurde weiter eine Kniearthroskopie rechts mit
Débridement
und
Denervation
der Patella, offener Narbenkorrektur und
Denervation
des
Patella
oberpols
rechts durchgeführt (
Urk.
13/63).
Nach abgeschlossener Rehabilita
tionsphase gab die Allianz ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag (
A._
Gutachten vom 3
0.
März 2012,
Urk.
13/100); ergänzende Stellungnahmen datieren vom 1
1.
November 2015 sowie 1
1.
Februar 2016 (
Urk.
13/108 f.).
Mit Verfügung vom
7.
April 2014 teilte die Allianz der Versicherten mit, dass ab
1.
Juni 2013 d
er Invaliditätsgrad 23
%
betr
a
g
e
(
Urk.
13/296).
Mit
Einsprache
entscheid
vom
7.
September 2016
hielt sie
fest, dass die Versicherte ab dem
1.
Mai 2014
bei einem versicherten Verdienst von
Fr.
36'884.-- und
ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 16
%
Anspruch auf eine Rente hat (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der
Vertreter der Versicherten am
1
2.
Oktober 2016 Beschwerde und beantragte, es sei der Beschwerdeführerin weiterhin eine Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 50
%
und ausgehend von einem versi
cherten Verdienst von
Fr.
41'600.--
auszurichten; unter Kosten- und Entschädi
gungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
1.
Februar 2017 beantragte die Beschwerdegegne
rin die Abweisung der Beschwerde, eventualiter die Veranlassung eines Gerichtsgutachtens (
Urk.
12). Mit Verfügung vom 2
1.
Februar 2017 wurde der
Beschwerdeführerin Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein, Zürich, als unentgeltli
cher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt; weiter wurde ihr die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10
%
invalid (Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts;
ATSG
), so hat sie Anspruch auf eine In
validenrente (Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung;
UVG
). I
nvalidität ist die voraus
sichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsun
fähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der unfallbe
dingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmass
nahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16
ATSG
).
1.2
Anlass zur Revision einer Invalidenrente im Sinne von
Art.
17
Abs.
1
ATSG
gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Zeitlicher Aus
gangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Inva
liditätsgrades ist die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer mate
riellen Prüfung des Rentenanspruchs beruht (
BGE
134 V 131 E. 3 mit Hinweisen;
BGE
133 V 108 E.
5.4).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen
Einspracheentscheid
im Wesentlichen damit, dass das Einsetzen der Prothese eine Veränderung in
den tatsächlichen Verhältnissen
darstelle und nach Erreichen des diesbezüglichen Endzustandes zu einer erneuten Prüfung des Re
ntenanspruchs führe; die Voraussetzung
en
der Rentenrevision seien damit erfüllt
(
Urk.
2 S. 5).
Bezüglich des
Valideneinkommens
sei per 1987 von einem Jahreslohn von
Fr.
41‘600.--auszugehen, was per 2014 einem Einkommen von
Fr.
71‘417.34 entspreche (S. 7). Gestützt auf das
A._
-Gutachten sei in einer angepassten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
auszugehen (S. 8). Unter Berücksichtigung der
statistischen Werte der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (
LSE
, Kompe
tenzniveau 2) sei der Beschwerdeführerin die Erzielung eines Einkommens von
Fr.
60‘148.08 möglich, was zu einem Invaliditätsgrad von 16 % führe (S. 9 f.).
Der versicherte Verdienst sei anhand der Arbeitsverhältnisse bei der
B._
sowie der
Y._
zu ermitteln, was für den Zeitraum
vom 1
1.
Januar 1986 bis zum 1
0.
Januar 1987 zu einem massgebenden Jahresver
dienst von
Fr.
36'884.-- führe (S. 10). Diese Einschätzung wäre auch unter dem Titel
„substituierte Begründung“ im Rahmen einer Wiedererwägung zu schützen (
Urk.
12 S. 7).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass
sich dem
A._
-Gutachten nicht entnehmen lasse, inwiefern eine Verbesserung des Gesundheitszustandes eingetreten sein soll (
Urk.
1 S. 5), auch werde keine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit begründet, so dass keine Grund
lage für eine Revision bestehe (S. 6). Zudem setze sich das
A._
Gutachten nicht mit dem zuhanden der IV-Stelle erstellten orthopädischen
Gutachten von
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie,
auseinander, welches der Beschwerdeführerin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiere; auch aus diesen Gründen erweise sich das
A._
-Gutachten als untaugliches Beweismittel. Bei der Beurteilung des
A._
handle es sich lediglich um eine unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unveränderten Sachverhaltes (
Urk.
S. 7). Das
Valideneinkommen
sei entsprechend dem Vorgehen der IV-Stelle anhand der
LSE
zu ermitteln und auf
Fr.
78‘368.--
, das Invalideneinkommen auf die Hälfte
festzusetzen
. Weiter sei der versicherte Verdienst im Rahmen der erstmaligen Prüfung nicht offensichtlich unrichtig festgesetzt worden
(S. 8).
2.3
Vergleichsbasis im vorliegenden Revisionsverfahren bildet
der
Einsprache
entscheid
der Berner vom 1
3.
Januar 1993 (
Urk.
13/185), welche sich in medizi
nischer Hinsicht auf das Gutachten der
Z._
vom 1
4.
Juli 1992 stützt. Die dafür verantwortlichen Fachärzte
diagnostizierten dannzumal eine mittlere
femorotibiale
und schwere
femoropatelläre
Gonarthrose bei Patella Baja und bei Status nach vorderer Kreuzbandplastik rechts mit freiem Ligamentum
patellae
-Transplantat 1987; ein chronisches
Lumbovertebralsyndrom
mit
pseudoradiku
lären
Ausstrahlungen rechts bei
Sponylose
und
Spondylarthrose
L5/S1 sowie nachgewiesener
Bandscheibenprotrusion
L5/S1 links sowie eine
Epicondylitis
humeri
radialis
rechts (
Urk.
13/43 S. 12). Auch in einer angepassten Tätigkeit sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
auszugehen, wobei hier ursächlich das Knie im Vordergrund stehe, während die Rückenbeschwerden nur wenig ins Gewicht fallen würden (S. 15).
3.
Die für das
A._
-Gutachten vom 3
0.
März 2012 verantwortlichen Fachärzte diagnostizierten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine Gonarthrose rechts Grad II mit liegendem
patellofemoralem
Ersatz (
Avon
-Prothese
). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestehe eine AC-Gelenksarthrose rechts mit
Impi
nge
mentsyndrom
, ein chronisches
Lumbovertebralsyndrom
mit
pseudoradikulären
Ausstrahlungen rechts bei Spondylose und
Spondylarthrose
L5/S1 sowie nach
gewiesener
Bandscheibenprotrusion
L5/S1 rechts und links, ein Verdacht auf akzentuierte Persönlichkeit (abhängig/a
sthenisch, ICD-10: Z73.1), ein
Status
nach somatoformer Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) sowie Migräne
(
Urk.
13/100 S. 49).
Durch die Implantation der
femoropatellaren
Prothese habe seitens des Kniegelenkes eine Beschwerdelinderung erzielt werden können (S.
50).
Bezogen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt sei die
Beschwerdeführerin in der Lage
,
leichte
und gelegentlich mittelschwer
e
Arbeit
en
, möglichst wechselbe
lastend und ohne Zwangshaltungen für die Wirbelsäule und die Kniegelenke
,
aus
zuüben. Zu meiden seien Arbeiten in Zwangshaltungen wie vor
nüber gebeugtes Stehen, langfristiges Stehen und Sitzen sollte mit 30 min limitiert bleiben. Zu meiden seien Arbeiten mit repetitiven Bewegungsanforde
rungen an den Rumpf, mit statischer Beanspruchung der Kniegele
nke wie kniend, hockend, kauernd. Das
Heben, Tragen und Bewegen von Lasten sei mit 15 kg limitiert. In einer solchen angepassten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin voll leistungsfä
hig (S.
58 f.).
Mit Schreiben vom 1
1.
Februar 2016 stellten die
A._
-Gutachter richtig, dass die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Disponentin 30
%
betrage und nicht 10
%
(
Urk.
13/109, vgl.
Urk.
13/100 S. 30 vs. S. 58).
4.
4.1
Unbestritten ist vorliegend, dass der Beschwerdeführerin am 1
0.
Januar 2007 eine
patellofemorale
Prothese
eingesetzt wurde (
Urk.
13/48),
und
ein weiterer
operativer
Eingriff am
5.
Januar 2009
erfolgte
(
Denervation
, Narbenkorrektur;
Urk.
13/63).
Im Rahmen der erstmaligen
Rentenzusprache
wurde die verminder
te Belastbarkeit des rechten Knies in erster Linie mit der posttraumatischen, schmerzhaften
Femoropatellararthrose
begründet (Urk. 13/43 S. 13). Aufgrund des prothetischen Ersatzes w
urde die Situation am rechten Knie
wesentlich ver
ändert
; insbesondere kann sich die nun sanierte
Femoropatellararthrose
nicht mehr auf die Belastbarkeit und damit auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Bei dieser Ausgangslage ist ein Revisionsgrund gegeben und es ist ohne Bindung an die einstmalige Einschätzung zu prüfen, wie sich die allenfalls anderweitig ver
ursachten Kniebeschwerden rechts auf die Arbeitsfähigkeit auswirken.
4.2
Die
A._
-Gutachter legen dabei den medizinischen Sachverhalt in einer schlüs
sigen und nachvollziehbaren Weise dar, insbesondere ergibt sich die aufgrund des prothetischen Ersatzes festgehaltene Verbesserung der Situation auch aus dem diagnostizierten
geringergradigen
arthrotischen
Geschehen. Den zweifels
ohne noch immer bestehenden Kniebeschwerden rechts sowie den lumbalen Beschwerden wird dabei im Rahmen des Anforderungsprofils
Rechnung getra
gen.
Dass sich die Situation dabei seit der erfolgten Begutachtung wesentlich ver
schlechtert hat
,
wird seitens der
beschwerdeführenden
Partei nicht geltend gemacht und ergibt sich auch nicht aus den Akten. Nachdem
Dr.
med.
D._
, Oberarzt an der
Z._
, m
it Bericht vom 1
4.
September 2009 über einen erfreulichen Verlauf bezüglich des Knies
berichtete und festhielt, dass d
ie Beschwerdeführerin in der aktuellen Schlussbilanz vom Eingriff
habe
profitieren können
(
Urk.
13/68), kam es in der Folge schon bald wieder zu einer Zunahme der Beschwerden
(
Bericht vom 1
5.
Juli 2010,
Urk.
13/79; Bericht vom 1
4.
Februar 2011,
Urk.
13/82
).
Dass die Begutachtung demnach in
einer
Phase der vorübergehenden Beschwerdeverbesserung erfolgte, kann bei dieser Sachla
g
e nicht geltend gemacht werden.
Weiter kann den
A._
-Gutachtern auch nicht eine mangelhafte Auseinander
setzung mit der Einschätzung von
Dr.
C._
in ihrem
Gutachten
vom
8.
März 2010 vorgeworfen werden.
Zum einen
war den
A._
-Gutachtern
das entspre
chende Gutachten vorliegend (
Urk.
13/100 S. 11)
,
zum anderen
erging
dieses
in einer Phase, in welcher die Beschwerdeführerin an ersthaften psychischen Prob
lemen litt (
Hospitalisation
vom
3.
Dezember 2009 bis 1
5.
März 2010)
, so dass von der Situation per anfangs 2010 nicht auf jene per März 2012 geschlossen werden kann. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auch auf das am 2
0.
Januar 2011 abgeschlossene
Arbeitsassessment
an der Rheumaklinik und Institut für Physikalische Medizin des
E._
; die dafür ver
antwortlichen Fachpersonen attestierten der Beschwerdeführerin dabei in einer angepassten Tätigkeit eine
100%ige Arbeit
sfähigkeit (
Urk.
13/83), was der Ein
schätzung der
A._
-Gutachter entspricht.
Zudem ist im Rahmen des vorliegen
den Revisions
verfahrens
allein massgebend, inwieweit sich die Situation seit der erstmaligen
Rentenzusprache
massgebend verändert hat.
Zusammen
fassend kann auf die Ergebnisse
des
A._
-Gutachtens abgestellt und in einer angepassten Tätigkeit von einer nunmehr vollständigen Arbeitsfähig
keit ausgegangen werden.
5.
5.1
5.1.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Ein
kommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrschein
lichkeit erstellt sein (
BGE
139 V 28 E. 3.3.2;
BGE
135 V 58 E. 3.1;
BGE
134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
5.1.2
Entsprechend dem Vorgehen der Beschwerdegegnerin
ist
per 1987 von einem Einkommen von
Fr.
41‘600.
-- auszugehen (vgl. dazu auch erstmalige
Leistungs
zusprache
,
Urk.
13/185 S. 3), was in
betraglicher
Hinsicht nicht strittig ist (
Urk.
1 S. 2 und 9).
Nach Berücksichtigung der seither eingetretenen Nominal
lohnentwicklung führt dies zu einem massgebenden Jahreseinkommen von
Fr.
71‘417.35
(
www.bfs.admin.ch
,
T39, Entwicklung der Nominallöhne, der Kon
sumentenpreise und der Reallöhne, Stand 1987: 1557, Stand 2014: 2673
).
5.2
5.2.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtspre
chung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch her
ausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (
LSE
) herangezogen werden (
BGE
139 V 592
E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1,
126 V 75 E. 3b). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der
LSE
zu verwenden (Urteile des Bundesgerichts 9C_699/2015 vom 6. Juli 2016 E. 5.2, 8C_78/2015 vom 10. Juli 2015 E. 4 und 9C_526/2015 vom 11. September 2015 E. 3.2.2; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl.
BGE
142 V 178 E. 2.5.8.1 und
BGE
133 V 545 E. 7.1). Der
Beizug
der
Lohnstatistik erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Inva
lideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (
vgl.
BGE
142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3,
135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
IVG
, 3. Aufl., N 55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hin
weisen auf die Rechtsprechung).
5.2.2
Während die Beschwerdegegnerin das Invalideneinkommen im Rahmen der Verfügung vom
7.
April 2014 noch anhand des Anforderungsniveaus 4 der
LSE
2010 ermittelte (
Urk.
13/296 S. 6), ging sie im Rahmen des
Einspracheentscheid
vom Kompetenzniveau 2 der
LSE
2012 aus. Aus dem angefochtenen
Ein
spracheentscheid
geht dabei hervor, dass die Beschwerdeführerin nach abge
schlossener Realschule eine zweijährige
Anlehre
als
Datatypistin
absolviert hat, welche sie befähigte
, buchhalterische Arbeiten im Bürobereich und als Dispo
nentin auszuführen. Das so gewonnene Know-how wie auch die bei ihrer Arbeitstätigkeit gesammelte Erfahrung rechtfertige die Einordnung im Kompe
tenzniveau 2 (
Urk.
2 S. 9).
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung sind für die Einstufung in die Kom
petenzniveaus die Berufs- und Fachkenntnisse massgebend, welche Folge einer qualifizierten Ausbildung oder langer Erfahrung sein können. So ging das Bun
desgericht in Falle einer jahrelang in ihrem erlernten Beruf als Hebamme täti
gen Versicherten von der Einstufung in das Kompetenzniveau 2 aus (Urteil des Bundesgerichts 8C_198/2016 vom
8.
Juni 2016 E. 3.4). Demgegenüber wurde im Falle einer gelernten Hilfskraft trotz langjähriger Berufserfahrung die Einstu
fung in das Kompetenzniveau 2 verneint (Urteil des Bundesgerichts 8C_198/2016 vom
8.
Juni 2016 E. 3.3). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine besonders qualifizierte Ausbildung noch über
eine längere
Berufser
fahrung; zudem
ist sie seit rund 20 Jahren nicht mehr wesentlich erwerblich tätig (
Urk.
13/332). Vor diesem Hintergrund fällt die Einstufung in das Kompe
tenzniveau 2 ausser Betracht.
Für die Ermittlung des Invalideneinkommens ist
demzufolge
vom Total des Kompetenzniveaus 1 der
LSE
2012 auszugehen.
Der monatliche Bru
ttolohn weiblicher
Arbeitskräfte
betrug im Gesamtdurchschnitt Fr. 4'112
.--
(
LSE
2012 Tabelle TA1 S. 35),
was nach Berücksichtigung
der
betriebsüblichen
durch
schnittlichen Arbeitszeit per 2014 von 41.7 Stunden
(
www.bfs.admin.ch
,
T03.02.03.01.04.01, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftszweigen in Stun
den pro Woche, Total
)
sowie der Nominal
lohnentwicklung
(
www.bfs.admin.ch
,
T39, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne
, Stand 2012: 2630, Stand 2014: 2673
) zu
einem Jahreseinkommen von Fr. 52‘282.15
führt.
Zu prüfen bleibt ob davon ein leidensbedingter Abzug vor
zunehmen ist.
Dabei ist nach neuerer bundesgerichtlicher Rechtsprechung zu beachten, dass d
ie gesundheitlich bedingte Unmöglichkeit, weiterhin körperlich schwere Arbeit zu verrichten, nicht automatisch zu einer Verminderung des hypothetischen Invalidenlohnes
führt
, weil der Tabellenlohn im Anforderungsniveau 4
(Kompe
tenzniveau 1 gemäss
LSE
2012)
bereits eine Vielzahl von leichten und mittel
schweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_455/20
13 vom
4.
Oktober 2013 E. 4.4).
Der Umstand, dass die versicherte Person gemäss den medizinischen Angaben auf eine Tätigkeit angewiesen ist, die im Sitzen verrich
tet werden kann und die Möglichkeit zu gelegentlichen Positionswechseln
bietet, ihre Einsatzmöglichkeiten daher begrenzt sind, ist im Hinblick auf den allein massgeblichen ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
16
ATSG
;
BGE
134 V 64
E. 4.2.1) nicht abzugsrelevant (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_176/20
12 vom 3. September 2012 E. 8). Selbst d
as
Angewiesensein
auf das Entgegen
kommen eines verständnisvollen Arbeitgebers stellt praxisgemäss kein aner
kanntes eigenständiges Abzugskriterium dar (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_176/2012 vom 3. September 2012 E. 8, Urteil 8C_91/2013 vom 2
2.
August 2013 E. 3.3.4).
Bei Würdigung der zitierten Rechtsprechung sowie unter Berück
sichtigung des zumutbaren Anforderungsprofils ist vorliegend kein leidensbe
dingter Abzug angezeigt.
5.3
Zusammenfassend führt dies zu einem Invaliditätsgrad von 27
%
([Fr.
71‘417.35
- Fr.
52‘282.15
] x 100 / Fr.
71‘417.35 = 26.7
9)
. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist der angefochtene
Einspracheentscheid
aufzuheben und es ist festzustellen, dass die per
1.
Mai 2014 erfolgte Reduktion der Rente auf einen Invaliditätsgrad von 27
%
zu erfolgen hat.
6.
6.1
Bezüglich des versicherten Verdienstes ist anzumerken, dass die erstmalige Fest
setzung grundsätzlich für die gesamte Dauer des Rentenanspruchs gilt, insbe
sondere kann eine spätere Rentenrevision nicht dazu dienen, den massgebenden Jahresverdien
st anzupassen (
BGE
127 V 165 E.
3, vgl. auch Urteil U 194/06 des Bundesgerichts vom 2
2.
Februar 2007 E
. 3.1). Vor diesem Hintergrund fällt eine revisionsweise Anpassung des versicherten Verdienstes
wie sie im Rahmen des angefochtenen
Einspracheentscheids
erfolgt ist -
ausser Betracht und es bleiben die Voraussetzungen der Wiedererwägung zu prüfen.
6.2
6.2.1
Dabei kann
auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Be
urteilung gebildet hat, zurückge
kommen
werden
, wenn sich diese als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (
Art.
53
Abs.
2
ATSG
;
BGE
110 V 176 E. 2a
mit Hin
weisen). Das Gericht kann eine zu Unrecht ergangene Revisionsverfügung gege
benenfalls mit der substituierten Begründung schützen, dass die ursprüngliche Rentenverfügung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (
BGE
125 V 368 E. 2 mit Hinweisen; vgl. auch
BGE
128 V 272 E. 5b/
bb
; Urteile des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 3.2.2, 9C_762/2013 vom 2
4.
Juni 2014 E. 4.2 und 9C_562/2008 vom 3. November 2008 E. 2.2 je mit Hinweisen).
6.2.2
Der Vertreter der Beschwerdeführerin führte diesbezüglich im Wesentlichen aus, dass die Bestimmung des versicherten Verdienstes gestützt auf
Art.
22
Abs.
4 Satz 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (
UVV
) aus damaliger Sicht
weise richtig und sicher nicht zweifellos unrichtig gewesen sei.
Hinzu komme, dass
Art.
22
Abs.
4
UVV
der Revision vom 1
5.
Dezember 1997 entstamme, so dass auch aus diesem Grund der behauptete Wiedererwägungs
grund
unbehelf
lich
sei. Schliesslich habe es durchaus auch Argumente für eine Bemessung nach
Art.
24
Abs.
2
UVV
gegeben, so dass der Betrag von Fr. 41'600.-- gewissermassen als bewusster Kompromiss zu
verstehen
sei (
Urk.
1 S. 8 f.).
Die Beschwerdegegnerin machte demgegenüber im Rahmen der Beschwerde
antwort im Wesentlichen geltend, dass
aufgrund des Fehlens einer Verdienst
lücke der versicherte Verdienst bereits im Rahmen der erstmaligen Festsetzung aufgrund des vor dem Unfall effektiv erzielten Einkommens hätte bestimmt werden müssen. Der Betrag von
Fr.
41'600.-- beruhe demgege
nüber auf einer falschen Rechts
anwendung und
sei
demnach zweifellos unrichtig, so dass d
er ange
fochtene
Einspracheentscheid
auch mit der substituierten Begründung zu schützen
wäre
. Weiter habe die Gesetzesnovelle vom 1
5.
Dezember 1997 allein den
3.
Satz von
Art.
22
Abs.
4
UVV
betroffen; dass es sich beim festgesetzten Betrag um einen Kompromiss gehandelt habe, werde bestritten (
Urk.
12 S. 7).
6.2.3
Hinsichtlich der rechtlichen Grundlagen ist anzumerken, dass
Art.
24
Abs.
2
UVV
nur dann Anwendung findet, wenn eine Rente mehr als fünf Jahre nach dem Unfallereignis zu laufen beginnt. Dies ist bei einem Unfall am 1
0.
Januar 1987 und einem Rentenbeginn am
1.
Februar 1991 nicht der Fall. Die Einspra
che vom
5.
Juni 1992 äussert
e
sich denn auch nicht materiell zu
Art.
24
Abs.
2
UVV
, sondern rügte allein den rechtsmissbräuchlich verfrühten Fallabschluss zur Umgehung der genannten Vorschrift (
Urk.
13/168). Die Festsetzung des ver
sicherten Verdienstes gestützt auf
Art.
22
Abs.
4
UVV
ist vor diesem Hinter
grund nicht in Frage zu stellen
, insbesondere kann nicht auf einen Kompromiss zwischen der richtigen Festsetzung gemäss
Art.
22
Abs.
4 Satz 1
UVV
sowie der Festsetzung gemäss
Art.
24
Abs.
2
UVV
geschlossen werden.
Weiter wies die Beschwerdegegnerin zu Recht darauf hin, dass die gesetzlichen Grundlagen, was
Art.
22
Abs.
4 Satz 1 und 2 betrifft
,
in der massgebenden Zeit keine Änderung erfahren haben; die damalige Fassung entspricht wortwörtlich der heutigen. Unbestritten ist, dass die erstmalige Ermittlung des versicherten Verdienstes in der Höhe von
Fr.
41'600.-- allein aufgrund der Anstellung bei der
Y._
erfolgt ist
(vgl. auch vorstehend
E. 5.1).
Dies widersprach der gesetzlichen Regelung und ist zweifellos unrichtig.
Entsprechend der
unbe
stritten gebliebenen
Berechnung
des Einkommens
für die
Zeit vom 1
1.
Januar 1986 bis zum 1
0.
Januar 1987
im angefochtenen
Einspracheentscheid
ist dem
nach von einem
versicherten Verdienst von Fr. 36'884.-- auszugehen; die revi
sionsweise Herabsetzung ist dabei mit der substituierten Begründung (wiederer
wägungsweise) zu schützen.
7
.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem unent
geltlichen Vertreter der Beschwerdeführerin eine angemessene Prozessent
schädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von
Art.
61
lit
. g
ATSG
, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierig
keit des Prozesses sowie nach Einsicht in die Honorarnote vom
2
2.
Dezember 2017 auf Fr. 2'753.2
0 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.