Decision ID: c2598f5c-38b5-579f-9fa6-972c322cf849
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die X._AG ist Eigentümerin der Parzelle Nr. 00_, Grundbuch Y._, welche mit einer
Lagerhalle, Assek.-Nr._, sowie einem Betriebsgebäude mit zwei Wohnungen, Assek.-
Nr._, überbaut ist. Das Grundstück Nr. 01_ steht im Eigentum von Z._, welches mit
einem Wohnhaus, Assek.-Nr._, überbaut ist und von der X._AG auch als Lager
genutzt wird. Nach dem Zonenplan der ehemaligen Politischen Gemeinde E._ sind
diese beiden Grundstücke der Wohn-Gewerbe-Zone WG3 zugewiesen. Die Parzelle
Nr. 00_ grenzt im Süden an die unüberbaute, 2212 m grosse Parzelle Nr. 02_ (im
Eigentum von A._ und B._), welche ebenfalls in der Wohn-Gewerbe-Zone WG3 liegt.
Das Grundstück Nr. 01_ grenzt im Südosten an die unüberbaute Parzelle Nr. 03_ (im
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Miteigentum von C._ und D._), welche auf einer Fläche im Halte von 369 m der
Wohn-Gewerbe-Zone WG3 und auf einer solchen von 623 m der Landwirtschaftszone
zugeordnet ist (act. 11, www.geoportal.ch, www.zefix.ch).
B. Am 1. Januar 2009 wurden die drei ehemaligen politischen Gemeinden F._, E._
und G._ zur Politischen Gemeinde Y._ vereinigt (vgl. Kantonsratsbeschluss über die
Förderbeiträge an die Vereinigung der Gemeinden F._, E._ und G._ zur Gemeinde
Y._ vom 15. April 2008, _, III. Nachtrag vom 15. April 2008 zum alten
Gemeindegesetz vom 23. August 1979, nGS 43-145, sowie Botschaft der Regierung
zum Kantonsratsbeschluss über die Förderbeiträge an die Vereinigung der Gemeinden
F._, E._ und G._ zur Gemeinde Y._ und zum III. Nachtrag zum Gemeindegesetz
vom 4. September 2007, www.ratsinfo.sg.ch). Vom 31. Mai 2016 bis 30. Juni 2016
legte der Gemeinderat Y._ den kommunalen Zonenplan öffentlich auf und machte den
kommunalen Richtplan öffentlich bekannt. Mit Beschluss vom 13. Dezember 2016 zog
er den Zonenplan zurück. Gleichzeitig schrieb er die dagegen erhobenen Einsprachen
ab, darunter diejenige der X._AG vom 6. Juni 2016. Am 23. Mai 2017 schrieb das
Baudepartement einen gegen den Rücknahmebeschluss des Gemeinderates Y._ vom
13. Dezember 2016 erhobenen Rekurs der X._AG ab (act. 9/10/3, 6, 12, 17-30, 30b,
31, 36 f.).
C.
Nach unbestritten gebliebener Darstellung der X._AG zogen A._ und B._ zwei
Baugesuche für die Erstellung eines Einfamilienhauses auf Parzelle Nr. 02_ am
14. März 2016 resp. 21. Juli 2016 zurück. Am 27. September 2018 reichten C._ und
D._ ein Baugesuch für die Erstellung eines Ferienhauses auf Parzelle Nr. 03_ ein,
nachdem sie ein früheres Gesuch vom Herbst 2012 zurückgezogen hatten. Eine gegen
das Baugesuch vom 27. September 2018 von der X._AG erhobene Einsprache ist
offenbar noch hängig (act. 5, S. 8 f. Ziff. III/4-7).
D.
Mit Eingabe vom 17. Mai 2017 beantragte die X._AG durch ihren Rechtsvertreter beim
Gemeinderat Y._, über die Grundstücke Nrn. 03_ und 02_ sei eine Planungszone zu
2
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erlassen, soweit diese der Wohn-Gewerbe-Zone WG3 zugeschieden seien (act. 20). Mit
Verfügung vom 5. Juli 2017 trat der Gemeinderat Y._ auf diesen Antrag kostenpflichtig
nicht ein. Dagegen rekurrierte die X._AG durch ihren Rechtsvertreter am 20. Juli 2017
an das Baudepartement. Mit Rekursergänzung vom 12. September 2017 beantragte
sie zusätzlich, über die Grundstücke Nrn. 03_ und 02_, soweit sie derzeit dem
provisorischen Siedlungsgebiet (WG3) zugeschieden seien, sei durch das
Baudepartement eine kantonale Planungszone zu erlassen. Sofern das
Baudepartement den Nichteintretensentscheid des Gemeinderates Y._ vom
5. Juli 2017 als rechtmässig erachten sollte und auch keine kantonale Planungszone
erlasse, sei der Rekurs als Anzeige an die Aufsichtsbehörde entgegenzunehmen und zu
behandeln. Mit Entscheid vom 19. Dezember 2018 wies das Baudepartement den
Rekurs kostenpflichtig ab, trat auf das Gesuch um Erlass einer kantonalen
Planungszone nicht ein und leistete der aufsichtsrechtlichen Anzeige keine Folge
(act. 2, act. 9/1 und 7).
E.
Gegen den Entscheid des Baudepartements (Vorinstanz) vom 19. Dezember 2018
erhob die X._AG (Beschwerdeführerin) durch ihren Rechtsvertreter am 6. Januar 2019
Beschwerde beim Verwaltungsgericht (act. 1). Am 11. Februar 2019 ergänzte sie die
Beschwerde mit einer Begründung und dem Rechtsbegehren, es sei der angefochtene
Entscheid unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. 4% Barauslagen)
aufzuheben. Die Angelegenheit sei zur nochmaligen Durchführung des
Rekursverfahrens an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei der angefochtene
Entscheid mit Einschluss des Entscheids der Politischen Gemeinde Y._
(Beschwerdegegnerin) vom 5. Juli 2017 aufzuheben und die Angelegenheit an die
Beschwerdegegnerin zum Erlass der beantragten Planungszone zurückzuweisen
(act. 5). Mit Vernehmlassung vom 25. Februar 2019 schloss die Vorinstanz auf
Abweisung der Beschwerde (act. 8). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit
Stellungnahme vom 13. März 2019 Abweisung der Beschwerde (act. 11). Mit Replik
vom 29. April 2019 bestätigte die Beschwerdeführerin ihre Anträge und Ausführungen
(act. 16). Am 8. Mai 2019 duplizierte die Vorinstanz (act. 18). Am 10. Juni 2019 liess
sich die Beschwerdeführerin abschliessend vernehmen (act. 22).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP), weshalb sich die
von der Beschwerdeführerin beantragte (act. 5, S. 3 Ziff. II/3) Überweisung an die
zuständige Stelle (Art. 11 Abs. 3 VRP) erübrigt. Die Beschwerdeeingabe vom
6. Januar 2019 (act. 1) erfolgte unter Berücksichtigung der Gerichtsferien (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 30 Abs. 1 VRP sowie Art. 145 Abs. 1 lit. b der Schweizerischen
Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung; SR 272, ZPO) rechtzeitig und erfüllt
zusammen mit der Ergänzung vom 11. Februar 2019 (act. 5) formal und inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
und 2 VRP). Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin des angefochtenen Entscheids,
mit welchem der Nichteintretensentscheid der Beschwerdegegnerin bestätigt und auf
das Gesuch der Beschwerdeführerin um Erlass einer kantonalen Planungszone nicht
eingetreten wurde, ungeachtet der Legitimation in der Sache ohne Weiteres zur
Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP).
Auf die Beschwerde ist somit grundsätzlich einzutreten. Nicht einzutreten ist auf die
Beschwerde, soweit damit (act. 5, Ziff. I/2, "mit Einschluss") die Aufhebung des
Nichteintretensentscheids der Beschwerdegegnerin vom 17. Mai 2017 beantragt wird
(Devolutiveffekt, vgl. BGer 1C_560/2017 vom 17. Dezember 2018 E. 1.2 mit Hinweis
auf BGE 134 II 142 E. 1.4). Ebenfalls nicht einzutreten ist auf die Beschwerde, soweit
sich die Beschwerdeführerin gegen das Nichteintreten der Vorinstanz auf das Gesuch
um Erlass einer kantonalen Planungszone (vgl. dazu E. 5 des angefochtenen
Entscheids, act. 2, S. 11 f.) wehrt. Die Beschwerdeführerin setzt sich weder in der
Beschwerdeergänzung vom 11. Februar 2019 noch in ihren Eingaben vom
29. April 2019 und 10. Juni 2019 (act. 16 und 22) mit dieser Frage auseinander (vgl.
dazu Art. 64 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 Satz 2 VRP und VerwGE B 2016/208 vom
24. November 2016 E. 1 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch). Zudem wurden im
vorinstanzlichen Entscheid vom 19. Dezember 2018 aufgrund des engen
Sachzusammenhangs zwar sowohl der Rekurs vom 20. Juli 2017 als auch die
gleichzeitig mit der Rekursergänzung vom 12. September 2017 erhobene
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
aufsichtsrechtliche Anzeige gemeinsam behandelt. Ein Entscheid über eine
aufsichtsrechtliche Anzeige (Art. 162 des Gemeindegesetzes; sGS 151.2, GG) kann
indessen nicht Gegenstand eines verwaltungsgerichtlichen Rechtsmittelverfahrens sein
und steht damit vorliegend nicht zur Diskussion (vgl. VerwGE B 2017/29 vom
20. Juli 2018 E. 1 mit Hinweis auf VerwGE B 2013/241 vom 19. Februar 2015 E. 2.1,
www.gerichte.sg.ch).
2.
Die Beschwerdeführerin stellt verschiedene Beweisanträge (act. 5, S. 4-9 Ziff. II/5-7
und III/2-7, S. 16 f. Ziff. V/7b, act. 6, S. 2 f. lit. B-E, act. 22 Ziff. 2, act. 23 lit. B-E): Es
seien eine öffentliche mündliche Verhandlung und ein Augenschein durchzuführen; es
sei Z._ zu befragen; es sei ein Amtsbericht des Amtes für Raumentwicklung und
Geoinformation (AREG) einzuholen; es seien sämtliche "Ausgaben" des
Gemeindeblattes für die Gemeinde Y._, der Zonenplan Y._ und die Akten, auf welche
im angefochtenen Entscheid Bezug genommen werde, vom AREG, die Akten der
Rekursverfahren Nrn. 13-44 und 17-2451 und Auszüge aus dem kantonalen Richtplan
von der Vorinstanz sowie die Akten zu den Baugesuchen Nrn. 2012/126, 2016/28,
2017/19 und 2017/127 und zur abgebrochenen Gesamtrevision Zonenplan 2016 von
der Beschwerdegegnerin beizuziehen.
2.1.
Gemäss Art. 64 in Verbindung mit Art. 55 Abs. 1 und 2 VRP ordnet das
Verwaltungsgericht eine öffentliche mündliche Verhandlung an, wenn sie zur Wahrung
der Parteirechte notwendig ist oder zweckmässig erscheint (vgl. dazu auch Art. 29
Abs. 2 und Art. 30 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft; SR 101, BV, sowie BGE 128 I 288 E. 2.3 und 2.6 je mit Hinweisen,
in: Pra 92/2003 Nr. 80, und BGE 130 II 425 E. 2.1 mit Hinweisen, in: Pra 94/2005
Nr. 71). Nach Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Konvention zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK) besteht ein solcher Anspruch
insbesondere in Streitigkeiten in Bezug auf zivilrechtliche Ansprüche und
Verpflichtungen (vgl. VerwGE B 2018/73 vom 26. Februar 2019 E. 2.4, VerwGE
B 2018/99 vom 13. Januar 2019 E. 2, VerwGE B 2014/182 vom
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
27. April 2016/25. Mai 2016 E. 3.1 sowie VerwGE B 2012/91; B 2013/132 vom
8. November 2013 E. 3.2 je mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch, und P. Hänni,
Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 6. Aufl. 2016, S. 552 f.).
Unabhängig vom betroffenen Sachbereich ist ein Anspruch auf mündliche Verhandlung
indes unter anderem dann zu verneinen, wenn ausschliesslich prozessuale Fragen zu
behandeln sind (vgl. M. Donatsch, in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar zum
Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, § 59 Rz. 17).
2.2.
Im vorliegenden Verfahren zu prüfen ist zum einen, ob die Vorinstanz den
Nichteintretensentscheid der Beschwerdegegnerin zu Recht geschützt hat, zum
andern, ob sie dabei den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör
verletzt hat. Damit stellen sich ausschliesslich prozessuale Fragen, weshalb nach dem
Gesagten von vornherein kein Anspruch auf eine mündliche Verhandlung besteht. Bei
diesem Ergebnis kann dahingestellt bleiben, ob Art. 6 Ziff. 1 EMRK auf den Erlass einer
Planungszone nach Art. 27 des Bundesgesetzes über die Raumplanung
(Raumplanungsgesetz; SR 700, RPG) und Art. 105 ff. des vorliegend noch
anwendbaren, bis 30. September 2017 (nGS 2017-049) gültigen Gesetzes über die
Raumplanung und das öffentliche Baurecht (Baugesetz; nGS 32-47, BauG, in der
Fassung vom 1. Januar 2015, siehe zum übergangsrecht Art. 174 des Planungs- und
Baugesetzes; sGS 731.1, PBG, analog, zur Rechtsnatur der Planungszone A. Ruch, in:
Aemisegger/Moor/derselbe/Tschannen [Hrsg.], Praxiskommentar RPG:
Nutzungsplanung, Zürich 2016, Art. 27 Rz. 27 f., Waldmann/Hänni,
Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Art. 27 Rz. 9, und Art. 44 Abs. 1 PBG und zu den
wesentlichen Neuerungen Art. 44 Abs. 2 Satz 2 und Abs. 3 Satz 1 sowie Art. 45 PBG)
als vorsorgliche Massnahme Anwendung findet (vgl. dazu Zaugg/Ludwig, Baugesetz
des Kantons Bern, Band II, 4. Aufl. 2017, Art. 62-63 Rz. 1, P. Hänni, Planungs-, Bau-
und besonderes Umweltschutzrecht, 6. Aufl. 2016, S. 241, B. Stadler, in: Müller/Feller
[Hrsg.], Bernisches Verwaltungsrecht, 2. Aufl. 2013, S. 423 Rz. 125 f., und Waldmann/
Hänni, a.a.O., Art. 27 Rz. 7, sowie BGE 141 I 241 E. 4.2.1 und BGE 144 I 340 E. 3.3.8 je
mit Hinweisen, anders: Meyer-Ladewig/Harrendorf/König, in: Meyer-Ladewig/
Nettesheim/von Raumer [Hrsg.], EMRK Handkommentar, 4. Aufl. 2017, Art. 6 Rz. 20).
Offengelassen werden kann ferner, ob die Beschwerdeführerin hinreichend dargelegt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
hat, dass es sich beim Erlass der beantragten Planungszone um einen zivilrechtlichen
Anspruch im Sinne der zitierten Bestimmung handelt. Sodann können die Inhalte der
beantragten mündlichen Parteibefragung und Beweisaussagen der
Beschwerdeführerin auch schriftlich vorgetragen werden, weshalb die Durchführung
einer mündlichen Verhandlung auch daher nicht als zweckmässig und geboten
erscheint. Der Antrag der Beschwerdeführerin auf Durchführung einer öffentlichen
mündlichen Verhandlung ist dementsprechend ebenso abzuweisen wie ihr Begehren
um persönliche Anhörung. Auch auf die weiteren beantragten prozessualen Vorkehren
kann verzichtet werden, da sich die entscheidrelevanten tatsächlichen Verhältnisse aus
den Verfahrensakten ergeben (vgl. dazu BGer 1C_13/2018 vom 13. März 2019 E. 3 mit
Hinweisen) und von den beantragten Beweisvorkehren keine entscheidrelevanten
neuen Erkenntnisse zu erwarten sind.
3.
Die Beschwerdeführerin rügt zunächst eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (act. 5,
S. 9-12 Ziff. IV/1-4, V/1a, S. 16 Ziff. V/7, act. 16 lit. A/1-4, act. 22, Ziff. 1). Ihrem Antrag
um Akteneinsicht sei ohne Begründung nicht stattgegeben worden. Auch habe sie
keine Gelegenheit erhalten, zur Eingabe der Beschwerdegegnerin vom
28./29. November 2018 Stellung zu nehmen.
3.1.
Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 4 lit. c der Verfassung des Kantons St. Gallen
(SR 131.225, sGS 111.1, KV), Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 14 Ziff. 1 des Internationalen
Paktes über bürgerliche und politische Rechte (SR 0.103.2, UNO-Pakt II) haben die
Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Dieser ist formeller Natur. Seine Verletzung
führt ungeachtet der materiellen Begründetheit des Rechtsmittels zur Gutheissung der
Beschwerde und zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids (vgl. BGE 144 I 11
E. 5.3 mit Hinweisen). Der Anspruch auf rechtliches Gehörs umfasst das
Akteneinsichtsrecht (Art. 16 Abs. 1 VRP), welches sich auf sämtliche Akten eines
Verfahrens bezieht, die für dieses erstellt oder beigezogen wurden, ohne dass ein
besonderes Interesse geltend gemacht werden müsste und unabhängig davon, ob aus
Sicht der Behörde die fraglichen Akten für den Ausgang des Verfahrens bedeutsam
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sind (vgl. BGE 144 II 427 E. 3.1.1 mit Hinweisen). Weiter ergibt sich aus dem Anspruch
auf rechtliches Gehör das Recht, von allen beim Gericht eingereichten Stellungnahmen
Kenntnis zu erhalten und sich dazu äussern zu können, unabhängig davon, ob die
Eingaben neue oder wesentliche Vorbringen enthalten (sog. Replikrecht, vgl.
BGer 1C_240/2017 vom 11. Dezember 2018 mit Hinweisen und BGer 1C_166/2013
vom 27. Juni 2013 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 138 I 484 E. 2.1-2.4 sowie zum
Replikrecht im Rekursverfahren VerwGE B 2013/37 vom 11. März 2014 E. 2.4.1,
www.gerichte.sg.ch). Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör folgt auch die
Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu begründen (vgl. Art. 58 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 lit. a VRP). Dabei ist es aber nicht erforderlich, dass sie
sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid
wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich
der Betroffene über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller
Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat
leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2 mit
Hinweisen). Eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs
kann ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn der Mangel im Rechtsmittelverfahren
kompensiert wird und die Rechtsmittelinstanz die von der Gehörsverletzung
betroffenen Aspekte mit derselben Kognition überprüfen kann wie die untere Instanz.
Unter dieser Voraussetzung ist darüber hinaus – im Sinne einer Heilung des Mangels –
selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör von
einer Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzusehen, wenn und soweit die
Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen
führen würde, die mit dem Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (vgl. BGer 1C_168/2018 vom
26. Oktober 2018 E. 3.2 mit Hinweisen).
3.2.
Nicht umstritten ist, dass die Beschwerdeführerin Anspruch darauf hatte, in die
Rekursakten Einsicht zu nehmen. Dies gilt auch für die am 28./29 November 2018
beigezogenen Akten der Beschwerdegegnerin (act. 9/32), auf welche in Erwägung 3.1.2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
des angefochtenen Rekursentscheides abgestellt wurde (act. 2, S. 8). Überdies steht
fest, dass die Beschwerdeführerin mit Rekursergänzung vom 12. September 2017
(act. 9/7, S. 4 Ziff. II/4) und damit frühzeitig (vgl. BGer 2C_105/2011 vom 4. April 2011
E. 4.1 mit Hinweisen) beantragte, ihr sei Einsicht in die der Vorinstanz zugestellten
Vorakten zu gewähren, um die Vollständigkeit dieser Akten zu prüfen (vgl. dazu
Art. 52 VRP) und allenfalls eine Stellungnahme einzureichen (vgl. hierzu Art. 15 Abs. 2
Satz 1 VRP). Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin während der Dauer
des vorinstanzlichen Rekursverfahrens auf die beantragte Einsichtnahme in die Akten
ausdrücklich oder konkludent verzichtet hätte (vgl. dazu A. Griffel, a.a.O., § 8 Rz. 10,
und act. 9/15-31), bestehen aufgrund der Akten und der Vorbringen der
Verfahrensparteien keine. Dementsprechend war die Vorinstanz verpflichtet (vgl. Art. 16
Abs. 2 VRP, Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen,
2. Aufl. 2003, Rz. 1125 und 1133, und Waldmann/Oeschger, in: Waldmann/
Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016,
Art. 27 Rz. 44 f.), über diesen Antrag mittels Zwischenverfügung oder im Endentscheid
zu befinden (vgl. zur Zuständigkeit zur Entscheidung über das Einsichtsbegehren
BGE 132 V 387 E. 6.3). Entgegen anderslautender Auffassung der Vorinstanz (act. 8
Ziff. II/2) ändert der Umstand nichts daran, dass sie die Beschwerdeführerin mit
Zwischenverfügung vom 25. Juli 2017 (act. 9/2) – und damit noch vor der Einreichung
der Rekursergänzung vom 12. September 2017 – darauf aufmerksam gemacht hatte,
dass sie die für ihre Rekursergänzung benötigten Akten direkt bei der
Beschwerdegegnerin einsehen oder einholen könne. Soweit die Vorinstanz der
Beschwerdeführerin die Akteneinsicht mit Zwischenverfügung vom 21. Dezember 2017
(act. 9/16) verweigert haben will, indem sie von der Anordnung eines zweiten
Schriftenwechsels absah, verletzte sie den Anspruch der Beschwerdeführerin auf
rechtliches Gehör bereits dadurch, dass sie die Verweigerung der Akteneinsicht darin
nicht begründete (vgl. dazu Uhlmann/Schilling-Schwank, in: Waldmann/
Weissenberger [Hrsg.], a.a.O., Art. 35 Rz. 35). Darüber hinaus ist nicht ersichtlich,
inwiefern wichtige öffentliche oder schutzwürdige private Interessen eine Verweigerung
der beantragten Akteneinsicht gerechtfertigt hätten (vgl. dazu Art. 16 Abs. 1 VRP,
Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1129 ff., und VerwGE K 2016/5 vom 17. Dezember 2018 E.
4.2 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch). Letzteres gilt auch, soweit die Vorinstanz der
Beschwerdeführerin die Verweigerung der Akteneinsicht am 20. Dezember 2017
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(act. 9/15) mündlich eröffnet haben will. Im Weiteren kann nicht gesagt werden, die
anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin habe sich widersprüchlich oder
rechtsmissbräuchlich verhalten (vgl. dazu Art. 5 Abs. 3 BV und Waldmann/Oeschger,
a.a.O., Art. 27 Rz. 14), weil sie nach dem Verzicht der Vorinstanz auf die Anordnung
eines zweiten Schriftenwechsels das Akteneinsichtsbegehren in ihren Eingaben vom
5. März 2018 und 11. Juni 2018 (act. 9/25 und 30) nicht erneuert habe (anders:
Vernehmlassung der Vorinstanz vom 25. Februar 2019, act. 8 Ziff. II/3). Dies umso
weniger, als nicht ersichtlich ist, dass die Vorinstanz die Beschwerdeführerin auf eine
solche Pflicht und mögliche Rechtsfolgen hingewiesen hätte. Indem die Vorinstanz der
Beschwerdeführerin den Zugang zu den Rekursakten verweigerte, verletzte sie somit
deren Anspruch auf rechtliches Gehör.
Erst im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren wurden der
Beschwerdeführerin am 24. Mai 2019 sämtliche Verfahrensakten zur Einsicht- und
Stellungnahme zugestellt (act. 21). Wegen der eingeschränkten Kognition des
Verwaltungsgerichts (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP) fällt eine Heilung der oben
festgestellten Verletzungen des rechtlichen Gehörs im Beschwerdeverfahren indessen
in aller Regel ausser Betracht. Allerdings unterliegt die von der Beschwerdeführerin
aufgeworfene Frage, ob die Beschwerdegegnerin zu Unrecht auf ihr Gesuch um Erlass
einer kommunalen Planungszone nicht eingetreten ist, der verwaltungsgerichtlichen
Kontrolle. Die umschriebenen Mängel im vorinstanzlichen Verfahren können daher
ausnahmsweise als nachträglich geheilt betrachtet und daher von einer Rückweisung
an die Vorinstanz zur korrekten Verfahrensabwicklung abgesehen werden. Die
Beschwerde ist insofern teilweise gutzuheissen, als festzustellen ist, dass die Vor
instanz den Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt hat.
4.
Die Beschwerdeführerin bringt unter Berufung auf den Entscheid BGer 1C_308/2017
vom 4. Juli 2018 weiter vor (act. 5, S. 12-17 Ziff. V/2-8, act. 16 lit. A/5 und B/2, act. 22
Ziff. 3), die Beschwerdegegnerin hätte ihren Antrag auf Erlass einer Planungszone
materiell prüfen müssen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Planungszonen bezwecken die Sicherung der Entscheidungsfreiheit der
Planungsbehörden. Künftigen Nutzungsplänen und -vorschriften wird durch den Erlass
einer Planungszone eine sogenannte negative Vorwirkung zuerkannt, indem
Baubewilligungen nur noch erteilt werden, wenn dadurch die vorgesehene Neuordnung
nicht erschwert wird (vgl. BGer 1C_149/2018 vom 13. September 2018 E. 2.2, BGer
1C_287/2016 vom 5. Januar 2017 E. 3.2 und BGer 1C_298/2010 vom
19. Oktober 2010 E. 2.3 je mit Hinweis auf BGE 136 I 142 E. 3.2 mit Hinweisen). Der
Beschwerdeführerin ist zwar zuzustimmen, dass der Erlass von Planungszonen, selbst
wenn Art. 27 RPG und Art. 105 BauG als Kann-Bestimmungen formuliert sind, nicht im
Belieben der Behörden liegt, sondern dass diese aufgrund ihrer Planungspflicht (Art. 75
Abs. 1 BV, Art. 2 Abs. 1 RPG, Art. 2 Abs. 1 und Art. 4 BauG) zum Erlass von
Planungszonen verpflichtet sind, wenn beabsichtigte Nutzungspläne, namentlich auch
notwendige Auszonungen, tatsächlich gefährdet sind (vgl. BGer 114/2015 vom
10. Juli 2015 E. 5.2, BGer 1C_141/2014 vom 4. August 2014 E. 5.2 und
BGE 113 Ib 376 E. 7, in: Pra 78/1989 Nr. 9, je mit Hinweisen, sowie A. Ruch, in:
Aemisegger/Moor/derselbe/Tschannen [Hrsg.], a.a.O., Art. 27 Rz. 32, siehe auch
Art. 30 Abs. 2 Satz 2 der Raumplanungsverordnung; SR 700.1, RPV). Zuständig für den
Erlass einer Planungszone bleibt aber die zuständige Gemeindebehörde (vgl.
Art. 105 BauG). Deshalb steht es in ihrem Ermessen, ob sie eine Planungszone
erlassen will. Nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung besteht kein
klagbarer Anspruch der Rechtsunterworfenen auf Erlass einer Planungszone (vgl.
BGer 1C_76/2012 vom 6. Juli 2012 E. 3.6 und BGer 1P.785/1999 vom
24. Februar 2000 E. 1a je mit Hinweisen, siehe dazu auch Zaugg/Ludwig, Baugesetz
des Kantons Bern 2017, Band II, 4. Aufl. 2017, Art. 62-63 Rz. 1, E. Häuptli, in:
Baumann/van den Bergh/Gossweiler/Häuptli/dieselbe/Sommerhalder Forestier [Hrsg.],
Kommentar zum Baugesetz des Kantons Aargau, Bern 2013, § 29 Rz. 52, M. Berner,
Luzerner Planungs- und Baurecht, Bern 2012, Rz. 667, und Waldmann/Hänni,
Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Art. 27 Rz. 6). Der von der Beschwerdeführerin
angerufene Entscheid BGer 1C_308/2017 vom 4. Juli 2018 (in: BR 2018, S. 298) ist im
vorliegend zu beurteilenden Zusammenhang daher denn auch nicht einschlägig. Ob es
sich hinsichtlich einer akzessorischen Anfechtung des Zonenplans im
Baubewilligungsverfahren anders verhält, kann hier offenbleiben (vgl. E. 3 des von der
Beschwerdeführerin zitierten Entscheids; Anspruch in Bezug auf Erlass einer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Planungszone für das ganze Gemeindegebiet verneint in BGer 1C_114/2015 vom
10. Juli 2015 E. 5.3). Demzufolge ist der angefochtene Entscheid nicht zu beanstanden,
soweit die Vorinstanz damit den Nichteintretensentscheid der Beschwerdegegnerin
vom 5. Juli 2017 bestätigte. Die Beschwerde erweist sich in dieser Hinsicht als
unbegründet.
5.
Trotz des teilweisen Unterliegens der Beschwerdeführerin rechtfertigt es sich, die
amtlichen Kosten sowohl des Beschwerde- als auch des Rekursverfahrens der
Vorinstanz, welche sich die festgestellten Gehörsverletzungen entgegenhalten lassen
muss (Art. 95 Abs. 2 VRP), aufzuerlegen. Für das Beschwerdeverfahren erscheint eine
Entscheidgebühr von CHF 3'000 angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die im Rekursverfahren verlegten amtlichen
Kosten von CHF 3'000 sind dem Staat (Vorinstanz) zu überbinden. Auf die Erhebung
der amtlichen Kosten im Beschwerde- und im Rekursverfahren ist zu verzichten (Art. 95
Abs. 3 VRP). Der Beschwerdeführerin sind die geleisteten Kostenvorschüsse von
CHF 4'000 (Beschwerdeverfahren) und CHF 1'000 (Rekursverfahren, act. 2 und
act. 9/2) zurückzuerstatten.
Entsprechend der Verlegung der amtlichen Kosten hat die Vorinstanz die
Beschwerdeführerin für das Rekurs- und Beschwerdeverfahren antragsgemäss
ausseramtlich zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 98 VRP).
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine Kostennote eingereicht, weshalb
die Entschädigung nach Ermessen festzulegen ist (vgl. Art. 30 Ingress und lit. b Ziff. 1
sowie Art. 31 Abs. 1 und 2 des Anwaltsgesetzes; sGS 963.70, AnwG, Art. 6 und
Art. 19 der Honorarordnung; sGS 963.75, HonO, in der Fassung vom
28. November 2018, nGS 2019-019). Eine Entschädigung von insgesamt CHF 6‘000 für
das Rekurs- und Beschwerdeverfahren zuzüglich vier Prozent Barauslagen (CHF 240)
ist angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. b und Art. 28 HonO). Die Beschwerdeführerin ist
selbst mehrwertsteuerpflichtig (vgl. www.uid.admin.ch), weshalb sie die in der
Honorarrechnung ihres Anwalts belastete Mehrwertsteuer als Vorsteuer von ihrer
eigenen Steuerschuld wieder abziehen kann. Die Mehrwertsteuer kann deshalb bei der
Bemessung der ausseramtlichen Entschädigung unberücksichtigt bleiben (vgl. VerwGE
bis
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B 2018/26; B 2018/108 vom 12. Januar 2019 E. 4.3.2 mit Hinweisen,
www.gerichte.sg.ch). Ein Mehrwertsteuerzuschlag wurde von der Beschwerdeführerin
denn auch nicht beantragt (vgl. Art. 29 HonO). Mangels Antrag ist über die
Zusprechung einer ausseramtlichen Entschädigung an die Beschwerdegegnerin und
die Beschwerdebeteiligten nicht zu befinden.