Decision ID: f0b399ba-9ef3-4045-8c71-cf5b7309bb43
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Markus Joos, Marktplatz 4, Postfach 646,
9004 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 21. November 2009 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (berufliche Massnahmen). Sie gab an, sie leide akut unter
einem Erschöpfungssyndrom mit Panikattacken, einer Schlafstörung, Nesselfieber,
Ekzemen, Schmerzen beim Gehen, Schmerzen in Nacken und Schultern sowie an
chronischen Luftwegserkrankungen, Depressionen und Ängsten [act. G 6.1/9]).
Gegenüber dem RAD der IV-Stelle St. Gallen gab der behandelnde Dr. med. B._,
FMH Psychiatrie und Psychotherapie, am 3. Dezember 2009 an, die Versicherte leide
an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung (F60.8) sowie einer rezidivierenden
depressiven Störung. Es bestehe seit 4. Mai 2009 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit als Logopädin beim Schulamt der Stadt Z._ mit
Schulhausabklärungen, gutachterlicher Tätigkeit, Gruppengesprächen,
Konzeptarbeiten, grösseren Teamsitzungen und Vorträgen. Einzeltherapien als
Logopädin oder Tätigkeiten, die dem Ausbildungsstand der Versicherten entsprechen
unter Vermeidung der genannten Tätigkeitsbereiche, seien der Versicherten zu
mindestens 50 % zumutbar (act. G 6.1/23). Dr. med. C._, Spezialarzt FMH für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, gab gegenüber dem RAD sodann am
4. Februar 2010 zu Protokoll, im Januar 2009 sei eine Infiltrationstherapie an der LWS
mit anschliessender Besserung der Beschwerden durchgeführt worden. Ein 2008
gemachtes MRT habe multietagere Bandscheibenveränderungen ohne neurale
Kontakte gezeigt. Aus chirurgisch-orthopädischer Sicht spreche nichts gegen einen
sofortigen Beginn der Wiedereingliederung (act. G 6.1/25). Nachdem sich die
Versicherte in der angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig gesehen und die
Rentenprüfung verlangt hatte, schloss die IV-Stelle St. Gallen die Bemühungen um den
Arbeitsplatzerhalt und die Prüfung weiterer beruflicher Massnahmen mit Verfügung
vom 25. Mai 2010 ab (act. G 6.1/34).
A.b Am 25. Mai 2010 stellte die IV-Stelle der Versicherten - diese arbeitete bis zur
Arbeitsunfähigkeit im Mai 2009 als Logopädin bei der Stadt Z._ in einem rund 70 %-
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Pensum (act. G 6.1/21) - den Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend
Erwerbstätigkeit/Haushalt zu, den die Versicherte am 4. Juni 2010 ausfüllte (act.
G 6.1/37). Im Arztbericht vom 1. Oktober 2010 diagnostizierte Dr. B._ eine
rezidivierende depressive Störung (F33.0/33.1/33.2) seit spätestens 1994, eine
Panikstörung (F41.0) ebenfalls seit 1994, eine Persönlichkeitsstörung,
differentialdiagnostisch narzisstisch (F60.8) oder gar Borderline-Typus (F60.31) seit
dem frühen Erwachsenenalter, multiple psychosomatische Krankheiten, teils mit
fulminanter objektivierbarer Symptomatik (F54). Bei Wiederaufnahme der Behandlung
im April 2009 hätten zudem ein Ekzem, eine Urtikaria, ein Colon irritabile,
Stuhlretention, Enuresis, ein generalisiertes Schmerzsyndrom, eine lokalisierte
Schmerzstörung, massive Müdigkeit sowie Schwindel bestanden. In der
angestammten Tätigkeit bestehe eine fragliche Motivation sowie eine fragliche
Zumutbarkeit gegenüber Kindern. Es bestehe eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit
unbestimmten Ausmasses (act. G 6.1/41.2 ff.).
A.c Am 28. Oktober 2010 wurde der Versicherten mitgeteilt, es sei eine medizinische
Abklärung notwendig (act. G 6.1/46). Diese wurde am 13. Dezember 2010 durch
Dr. med. C._, Spezialarzt FMH für Innere Medizin, speziell Rheumaerkrankungen,
und durch Dr. med. D._, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
durchgeführt. Im psychiatrischen Teilgutachten vom 18. Dezember 2010 diagnostizierte
Dr. D._ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Neurasthenie (F48.0), bestehend
seit spätestens Frühjahr 2009, sowie eine Persönlichkeitsstörung mit histrionischen
Zügen (F60.4), bestehend seit dem Erwachsenenalter. Ohne Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit diagnostizierte Dr. D._ eine rezidivierende depressive Störung,
aktuell weitgehend remittiert (F33.4), bestehend seit spätestens 1994, eine
Panikstörung, weitgehend remittiert (F41.0), ebenfalls seit spätestens 1994, sowie
psychologische Faktoren bei psychosomatischen Krankheiten (F54.0) seit spätestens
Frühjahr 2009 (Ekzem, Urtikaria, Colon irritabile, Stuhlretention, Enuresis [act.
G 6.1/50.8]). Dr. C._ diagnostizierte in seinem Gutachten vom 19. Januar 2011 mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine Schmerzverarbeitungsstörung mit Schonverhalten
bei/mit leichter skoliotischer Fehlhaltung der LWS bei geringem Beckenhochstand
links, medialen Bandscheibenprotrusionen L3/4 und L4/5 ohne neurale Kompression
sowie anamnestisch rezidivierenden Lumbalgien. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
diagnostizierte er unter anderem respiratorische Infekte, anamnestisch mit begleitender
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Heiserkeit (Tätigkeit als Sopranistin verhindernd), neurovegetative Beschwerden bei
Neurasthenie sowie eine anamnestische Ekzemneigung (act. G 6.1/51.6). In der
Konsensbeurteilung kamen die Gutachter zum Schluss, bei der Versicherten bestehe
aus somatischer Sicht keine Erkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit,
insbesondere in derjenigen einer Logopädin. In psychiatrischer Hinsicht bestehe das
Vollbild einer Neurasthenie mit unter recht hochdosiger Medikation (Cipralex) kaum
mehr manifester depressiver Symptomatik. In der angestammten Tätigkeit als
Logopädin (was auch einer adaptierten Tätigkeit entspreche) bestehe eine dauerhafte
Arbeitsunfähigkeit von 60 % seit Mai 2009. Damit seien "einfache" logopädische
Behandlungen von 2 Stunden täglich noch zumutbar, wobei auch eine selbstständige,
frei einteilbare logopädische Tätigkeit in gleichem Ausmass zumutbar wäre (act.
G 6.1/51.10 f.).
A.d Am 21. März 2011 fand eine Haushaltsabklärung statt. Diese ergab eine
Einschränkung von 22,6 % (act. G 6.1/60.16). Die Gutachter nahmen dazu am 3. Juli
2011 und am 11. Juli 2011 Stellung. Dabei geht Dr. C._ davon aus, dass aus
rheumatologischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit im Haushalt bestehe (act. G 6.1/65).
Dr. D._ erklärte die ermittelte Einschränkung im Haushalt aus psychiatrischer Sicht
für plausibel (act. G 6.1/72). Ebenso kam der RAD zum Schluss, dass auf das
Gutachten und auf die Haushaltsabklärung abgestellt werden kann (mit der Korrektur,
dass 40 % Arbeitsfähigkeit 3,2 Stunden täglich entspreche [act. G 6.1/73.2]). Mit
Vorbescheid vom 24. Januar 2012 stellte die IV-Stelle St. Gallen der Versicherten die
Abweisung des Rentengesuchs bei einem Invaliditätsgrad von 37 % in Aussicht (act.
G 6.1/76). Trotz dagegen gerichtetem Einwand vom 29. Februar 2012 verfügte die IV-
Stelle am 29. März 2012 wie angekündigt (act. G 6.1/80 und 81).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 8. Mai 2012
mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Der Beschwerdeführerin
sei sodann eine halbe Rente, eventuell eine Viertelsrente, zuzusprechen. Zwar werde
die in Prozent ausgedrückte Arbeitsunfähigkeit von 60 % grundsätzlich anerkannt.
Diese sei aber in Lektionen ausgedrückt nicht zutreffend. Das Wochenpensum der
Beschwerdeführerin habe 21 von 29 Lektionen, mithin 72,4 % und die
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Haushaltstätigkeit somit 27,6 % betragen. Zwei logopädische Therapiestunden pro Tag
ergäben ein Wochenpensum von 10 Lektionen, was bezogen auf das Vollpensum von
29 Lektionen ein noch zumutbares Pensum von 34,5 % ergeben würde. Weiter sei zu
berücksichtigen, dass sich die Nebentätigkeiten (Administration, Organisation der
Therapielektionen mit Kindergärtnerinnen, Lehrpersonen und Eltern, interne
Organisation mit Kolleginnen und Vorgesetzten usw.) nicht proportional zur Höhe des
Pensums veränderten. Die Beschwerdegegnerin habe sich sodann darüber hinweg
gesetzt, dass die Beschwerdeführerin nicht nur zeitlich, sondern auch fachlich
eingeschränkt sei. Es sei deshalb unhaltbar, das Invalideneinkommen einer fachlich
begrenzt einsetzbaren Logopädin mit dem Valideneinkommen einer hochqualifizierten
Logopädin gleichzusetzen. Insgesamt sei von einem (gewichteten) Invaliditätsgrad in
der erwerblichen Tätigkeit von 46,54 % auszugehen. Bei der Berechnung der
Einschränkung im Haushalt sei nicht nachvollziehbar, dass dem Ehegatten eine
Schadenminderungspflicht auferlegt werde. Zudem habe die Beschwerdeführerin vor
Eintritt der Invalidität eine Haushaltshilfe beschäftigt. Die Einschränkung betrage
39,2 % bzw. gewichtet 10,8 %. Der Gesamtinvaliditätsgrad betrage damit 55,6 %
(richtig: 57,34 %). Berücksichtige man zusätzlich, dass die Beschwerdeführerin bereits
ihre Erwerbstätigkeit als Gesangslehrerin krankheitsbedingt habe aufgeben müssen,
mache ihr Invaliditätsgrad über 60 % aus. Ohne Erkrankung von 1994 und 1998 hätte
sie 100 % gearbeitet (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 27. August 2012 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung wird im Wesentlichen ausgeführt,
entgegen den Ausführungen in der angefochtenen Verfügung bestehe weder im Erwerb
noch im Haushalt eine Invalidität. Vielmehr sei eine Neurasthenie vermutungsweise
überwindbar, nachdem vorliegend die Kriterien für eine ausnahmsweise
Unüberwindbarkeit nicht erfüllt seien (act. G 6).
B.c Mit Replik vom 2. November 2012 macht die Beschwerdeführerin im Wesentlichen
geltend, die Gutachter erachteten die Arbeitsunfähigkeit als überwindbar, soweit sie auf
die Neurasthenie zurückzuführen sei, nicht aber, soweit sie auf den komorbiden Faktor
der Persönlichkeitsstörung zurückzuführen sei (act. G 10).
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B.d Mit Duplik vom 22. November 2012 macht die Beschwerdegegnerin geltend,
gemäss gutachterlicher Feststellung stehe bezüglich Arbeitsunfähigkeit die
neurasthenische Symptomatik im Vordergrund. Die Frage, inwieweit eine
Arbeitsunfähigkeit aus medizinisch-psychiatrischer Sicht als invalidisierend im
rechtlichen Sinn anzuerkennen sei, beurteile sich somit nach der mit BGE 130 V 352
begründeten Rechtsprechung. Zudem seien gemäss Definition in der ICD-Klassifikation
die Voraussetzungen für die Annahme einer histrionischen Persönlichkeitsstörung nicht
erfüllt, was gegen das Vorliegen einer von der Neurasthenie losgelösten
Persönlichkeitsstörung von erheblicher Ausprägung und Intensität spreche (act. G 12).

Erwägungen:
1.
1.1 Als Invalidität gilt gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich bleibende
oder länger dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Nach Abs. 3 derselben
Bestimmung gelten Volljährige, die vor der Beeinträchtigung ihrer körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit nicht erwerbstätig waren und denen eine
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, als invalid, wenn eine Unmöglichkeit
vorliegt, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen. Nach Art. 28 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) hat die versicherte
Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie
mindestens zu 50% oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid
ist.
1.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
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demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b).
2.
2.1 Vorliegend ist die medizinische Beurteilung durch die Gutachter Dres. C._ und
D._ nicht umstritten. Die Beschwerdeführerin anerkennt grundsätzlich auch die
gutachterliche Schlussfolgerung, wonach eine (medizinisch-theoretische)
Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit von 60 % bestehe. Demgegenüber geht die
Beschwerdegegnerin im Beschwerdeverfahren neuerdings davon aus, die
diagnostizierten Leiden vermöchten keine invalidisierende Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit zu bewirken. Bestritten wird von der Beschwerdeführerin dagegen die
erwerbliche Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit im genannten Umfang. Mithin ist
zunächst festzustellen, ob die Beschwerdeführerin ein invalidisierendes Leiden geltend
machen kann.
2.2 Gemäss bidisziplinärem Gutachten vom 19. Januar 2011 leidet die
Beschwerdeführerin seit Mai 2009 an einer Neurasthenie (F48.0), seit dem
Erwachsenenalter an einer Persönlichkeitsstörung mit histrionischen Zügen (F60.4), an
einer Schmerzverarbeitungsstörung mit Schonverhalten bei/mit leichter skoliotischer
Fehlhaltung der LWS bei geringem Beckenhochstand links, medialen
Bandscheibenprotrusionen L3/4 und L4/5 ohne neurale Kompression sowie
anamnestisch rezidivierenden Lumbalgien (M54.9, M51.3 [act. G 6.1/51.9]). Nachdem
es sich sowohl bei der Neurasthenie als auch bei der Schmerzverarbeitungsstörung um
pathogenetisch-ätiologisch unklare syndromale Beschwerdebilder ohne nachweisbare
organische Grundlage handelt, ist mit der Beschwerdegegnerin in Anwendung der
einschlägigen Rechtsprechung (BGE 130 V 352; 131 V 49; Entscheid des
Bundesgerichts vom 28. April 2010 [9C_98/2010] E. 2.2.2; BGE 139 V 565 f. E. 9.1)
grundsätzlich von der Überwindbarkeit der vorhandenen Beschwerden auszugehen. Zu
prüfen ist, ob vorliegend ausnahmsweise eine invalidisierende Wirkung der geltend
gemachten Beschwerden angenommen werden kann. Zum Vorliegen der sogenannten
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Foerster-Kriterien nahm der psychiatrische Gutachter Stellung. Dazu führte er aus,
dass sich zur Zeit keine relevante Depression finde, dass hingegen depressive Phasen
und die Neigung, depressiv zu dekompensieren, bekannt seien. Eine schwere
körperliche Begleiterkrankung bestehe nicht, hingegen seien vielfältige
psychosomatische Beschwerden und die Neigung gegeben, unter Stress
psychosomatisch zu dekompensieren. Der Krankheitsverlauf habe im Zeitpunkt des
Gutachtens eindreiviertel Jahre gedauert, bezüglich der Depressivität sei es zu einer
relativen Besserung gekommen. Ein sozialer Rückzug habe teilweise stattgefunden,
eine Flucht in die Krankheit sei zumindest nicht auszuschliessen und eine ambulante
psychiatrische Behandlung werde seit gut anderthalb Jahren wieder durchgeführt. Die
beschriebene Persönlichkeitsstörung könne als weiterer psychischer komorbider
Faktor betrachtet werden, da Anpassungs- und Teamfähigkeit sowie adäquate
Konfliktbewältigung dadurch behindert seien. In Anbetracht all dieser Faktoren gäbe es
doch deutliche Hindernisse, die einer Überwindung der Beschwerden im Wege
ständen, allerdings seien diese nicht absoluter Natur. Es sei eine dauerhafte
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 60 % gegeben (act. G 6.1/50.9 f.).
2.3 Dem ist jedoch entgegen zu halten, dass selbst gemäss psychiatrischem Experten
momentan nicht von einem relevanten depressiven Geschehen auszugehen ist.
Demgemäss ist die anamnestisch bekannte Depression unter medikamentöser
Behandlung weitgehend remittiert. Eine anhaltende Depressivität wurde auch von der
Beschwerdeführerin in der Untersuchung nicht angegeben (act. G 6.1/50.9). An anderer
Stelle geht Dr. D._ davon aus, dass unter Umständen schon bei den früheren
Krankheitsphasen eine Neurasthenie anstelle einer Depression hätte diagnostiziert
werden können (act. G 6.1/50.10). Auch die anamnestische Panikstörung (F41.0) war
zum Untersuchungszeitpunkt weitgehend remittiert (act. G 6.1/50.8). Entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführerin kann eine psychische Komorbidität von erheblicher
Schwere, Ausprägung und Dauer auch nicht in der diagnostizierten
Persönlichkeitsstörung erblickt werden. Insbesondere trifft nicht zu, dass der
psychiatrische Gutachter, bzw. die Gutachter in der interdisziplinären Besprechung, die
postulierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 60 % allein mit der Diagnose einer
Persönlichkeitsstörung begründet hätten. Zwar bezeichnet Dr. D._ diese als
psychisch komorbiden Faktor, dem er "in Anbetracht all dieser Faktoren", also auch
den zuvor aufgezählten, mit der Neurasthenie zusammenhängenden, eine Wirkung auf
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die Arbeitsfähigkeit im Umfang von 60 % zubilligt. Indessen geht er selber davon aus,
dass bezüglich Arbeitsfähigkeit die neurasthenische Symptomatik - rasche
Erschöpfbarkeit, vermehrtes Erholungsbedürfnis, Unfähigkeit sich zu entspannen,
verminderte Konzentrationsfähigkeit, Ablenkbarkeit, Ineffizienz - ganz im Vordergrund
stehe. Er geht weiter davon aus, dass die gesamte Symptomatik der
Beschwerdeführerin dem klassischen Vollbild einer Neurasthenie entspreche. Dazu
erwähnt Dr. D._ explizit, dass die seiner Ansicht nach (im Untersuchungszeitpunkt)
immerhin bestehenden Hindernisse für die Überwindung der Beschwerden nicht
absoluter Natur, mithin also veränderlich oder eben letztlich doch überwindbar sind.
Jedenfalls erhält die Diagnose der Persönlichkeitsstörung in der psychiatrischen
Beurteilung von Dr. D._ kein eigenständiges Gewicht neben jener der Neurasthenie
(act. G 6.1/50.8 ff.). Im Übrigen ist mit der Beschwerdegegnerin festzustellen, dass die
Beschwerdeführerin trotz dieser seit dem (frühen) Erwachsenenalter bestehenden
Störung zwei Ausbildungen (Logopädiestudium, Gesangsstudium) sowie eine Vielzahl
von Weiterbildungen [act. G 6.1/7 und 8]) absolvieren konnte und auch auf ihren
Berufen gearbeitet hat. Somit ist nicht von einer schwerwiegenden psychischen
Komorbidität (auch nicht der Persönlichkeitsstörung) auszugehen. Entgegen der
Ansicht von Dr. D._ reichen auch die übrigen von ihm aufgeführten Umstände nicht
aus, um ausnahmsweise eine invalidisierende Arbeitsunfähigkeit in erheblichem
Ausmass zu begründen. So bestehen gemäss seinen Ausführungen keine eigentlichen
körperlichen Krankheiten, wenngleich vielfältige psychosomatische Beschwerden ge
geben sind, wie die Neigung, unter Stress psychosomatisch zu dekompensieren (act.
G 6.1/50.9 f.). Auch der rheumatologische Gutachter konnte aus somatischer Sicht
keine Erkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, insbesondere jener einer
Logopädin, erkennen. Es fanden sich lediglich diskrete degenerative Abnützungs
erscheinungen an der Lendenwirbelsäule (act. G 6.1/51.6 und 51.9). Eine Flucht in die
Krankheit ist ebenfalls nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen. Des
weiteren kann - selbst unter Anerkennung der in Bezug auf Neurasthenien nur
beschränkten Therapiemöglichkeiten - nicht von einer Ausschöpfung der möglichen
psychotherapeutischen Massnahmen resp. vom Scheitern einer konsequent
durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem
therapeutischem Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicherten Person
ausgegangen werden. So schlägt Dr. D._ die Fortführung der laufenden Behandlung
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bei Dr. B._ vor (act. G 6.1/50.10). Dieser selbst schlug in seinem Bericht vom 26.
August 2010 eine stationäre Psychotherapie in einer auf Borderline-Störungen/
Essstörungen/Psychosomatik spezialisierten Klinik vor, wobei auch er auf die
begrenzten Behandlungsmöglichkeiten hinwies (act. G 6.1/80.9). Ein gewisser sozialer
Rückzug mag stattgefunden haben, insbesondere natürlich im beruflichen Umfeld.
Gemäss psychiatrischem Gutachten pflegt die Beschwerdeführerin aber Kontakte mit
einigen guten Freundinnen, die sie ab und zu zum Mittagessen trifft. Zudem geht die
Beschwerdeführerin zusammen mit ihrem Ehemann gelegentlich in die Oper oder an
ein Konzert (act. G 6.1/50.6). Es kann somit nicht von einem sozialen Rückzug in
sämtlichen Belangen des Lebens gesprochen werden. Ein chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne länger
dauernde Rückbildung lässt sich ebenfalls nicht genügend belegen. Dr. D._ geht von
einer Dauer der neurasthenischen Beschwerden von eindreiviertel Jahren aus (seit
Frühjahr 2009), wobei es bezüglich Depressivität zu einer relativen Besserung
gekommen sei (act. G 6.1/50.10). Selbst wenn, würde dieser Umstand iv-rechtlich
allein nicht ausreichen, um eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % in der adaptierten
Tätigkeit zu begründen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. April 2010
[9C_98/2010] E. 2.2.2). Die von der Beschwerdeführerin angegebenen Zustände
vermehrter Müdigkeit, rascher Erschöpfbarkeit nach geistigen Anstrengungen mit
abnehmender Arbeitsleistung, verminderter Effizienz, selbst bei Bewältigung alltäglicher
Aufgaben, mit unangenehmem Eindringen von ablenkenden Gedankengängen,
Konzentrationsschwäche und allgemeiner Unsicherheit sind damit mangels
rechtserheblichem (psychischem) Gesundheitsschaden nicht versichert. Dies gilt auch
für den Aufgabenbereich. Diesbezüglich begründete die Beschwerdeführerin die
Einschränkungen im Wesentlichen mit den diversen Schmerzen am Bewegungsapparat
(act. G 6.1/60.10). Nachdem diese jedoch gemäss den Angaben von Dr. C._ vom
3. Juli 2011 nicht im geltend gemachten Umfang plausibilisiert werden können (act.
G 6.1/65) und auch Dr. D._ die ermittelte Einschränkung von (lediglich) 22,56 % aus
neurasthenischen Gründen als plausibel erachtet (act. G 6.1/72), ist auch im
Aufgabenbereich nicht von einer rechtlich relevanten Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit auszugehen. Mithin kann auch das Ausmass der Mitwirkungspflicht
des Ehemannes offen
gelassen werden.
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3.
3.1 Im Ergebnis ist die Beschwerde abzuweisen. Bei diesem Verfahrensausgang hat
grundsätzlich die Beschwerdeführerin die Kostenfolgen zu tragen. Indessen ist zu
berücksichtigen, dass die Beschwerdegegnerin die relevante Verneinung eines
invalidisierenden Gesundheitsschadens erst im vorliegenden Beschwerdeverfahren
vorgebracht hat, wenngleich sie auch in der angefochtenen Verfügung von einer
Abweisung des Rentengesuchs mit anderer Begründung ausgegangen ist. Die
Beschwerdeführerin hätte zwar auch bei richtiger Begründung der Verfügung
Beschwerde erheben müssen, um die beantragten Leistungen der
Invalidenversicherung zu erhalten. Indessen hätte sie in diesem Fall die nunmehr erst in
der Replik abgegebene Stellungnahme betreffend die Frage der Überwindbarkeit
bereits in der Beschwerde vorbringen können. Durch das widersprüchliche Verhalten
der Beschwerdegegnerin ist der Beschwerdeführerin ein unnötiger Zusatzaufwand
entstanden, der von der Beschwerdegegnerin zu entschädigen ist. Es rechtfertigt sich
somit, die Kosten der Rechtsvertretung trotz Obsiegens zur Hälfte der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Hätte die Beschwerdeführerin vollständig obsiegt,
wäre praxisgemäss von einer mittleren Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inkl.
Barauslagen und Mehrwertsteuer) auszugehen. Dementsprechend hat die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin mit Fr. 1'750.-- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen (vgl. Entscheid des Bundesgerichts vom
2. Dezember 2013 8C_139/2013] E. 3 mit Hinweis auf Art. 66 Abs. 3 BGG).
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint bei dem vorliegenden durchschnittlichen Beurteilungsaufwand angemessen.
Der unterliegenden Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten in Höhe von Fr. 600.--
aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP/
sGS 951.1]). Mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.-- sind die
Gerichtskosten beglichen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
bis
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