Decision ID: ca0b8a94-73df-5918-b179-bfe9429dd65e
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Tanja Strauch-Frei, Kriessernstrasse 40,
9450 Altstätten SG,
gegen
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Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
A.a Mit Entscheid vom 22. November 1977/24. Januar 1978 hatte das B._ die Ehe
von C._ und A._ geschieden. Als Nebenfolgen der Scheidung war unter anderem
Folgendes angeordnet worden: Der Sohn D._, geboren im 1970, wurde unter die
alleinige elterliche Gewalt der Mutter gestellt, dem Vater wurde das Recht eingeräumt,
den Sohn je am ersten Wochenende des Monats zu sich auf Besuch zu nehmen sowie
mit ihm jährlich einmal während den Schulferien 14 Tage Ferien zu verbringen, und der
Vater wurde verpflichtet, an den Unterhalt des Sohnes monatliche Beiträge von 500
Franken, bis zum Eintritt ins Erwerbsleben, längstens bis zum erfüllten 20. Lebensjahr,
und an den Unterhalt der Versicherten monatliche Beiträge von 300 Franken zu
bezahlen. Die Unterhaltsbeiträge an die Versicherte wurden wie folgt indexiert: Bei
jeder Veränderung des schweizerischen Indexes der Konsumentenpreise um zehn
Prozent, ausgehend vom Indexstand am Ende des Monats, in welchem das
Scheidungsurteil in Rechtskraft erwachse, seien die Unterhaltsbeiträge um jeweils zehn
Prozent zu erhöhen bzw. zu reduzieren (EL-act. 47).
A.b Am 9. Februar 2005 wurde die Versicherte bevormundet (EL-act. 49–2).
A.c Am 22. September 2005 wandten sich die Sozialen Dienste E._ an den
ehemaligen Ehemann der Versicherten. Er gehe zu Unrecht davon aus, dass seine
Pflicht, der Versicherten Unterhaltsbeiträge zu bezahlen, mit seiner Pensionierung er
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loschen sei, weil das Ehescheidungsurteil keine Befristung der Unterhaltsbeiträge vor
sehe. Der monatliche Betrag würde sich aktuell auf 570 Franken belaufen, weil es am
30. November 1980, am 31. Mai 1982, am 30. November 1984, am 31. Dezember
1988, am 30. Juni 1990, am 30. Juni 1991, am 28. Februar 1993, am 31. August 1999
und am 31. Dezember 2004 je zu einer Erhöhung des Unterhaltsbeitrages gekommen
sei. Da er den Unterhaltsbeitrag letztmals im Oktober 2004 bezahlt habe, schulde er
der Versicherten gesamthaft 6’210 Franken (= 2 × 540 + 9 × 570 Franken; EL-act. 49–
3 f.).
B.
B.a Am 22. September 2005 meldeten die Sozialen Dienste E._ die mittlerweile in
einem Wohn- und Pflegeheim wohnhafte und eine Rente der Invalidenversicherung
beziehende Versicherte zum Bezug von Ergänzungsleistungen an. Bezüglich allfälliger
Unterhaltsleistungen wurde in der Anmeldung angegeben: „in Abklärung!“ (EL-act. 50).
B.b Mit Verfügung vom 20. Oktober 2005 wurde der Versicherten eine jährliche Er
gänzungsleistung mit Wirkung ab dem 1. Juli 2005 zugesprochen. Bei der Berechnung
des Anspruchs rechnete die EL-Durchführungsstelle familienrechtliche Unterhaltsbei
träge von 6’840 Franken (= 12 × 570 Franken) an (EL-act. 41).
B.c In der Folge ergingen am 23. März 2006 (EL-act. 37), am 5. April 2006 (EL-
act. 34), am 11. Mai 2006 (EL-act. 32), am 29. Dezember 2006 (EL-act. 29), am
22. März 2007 (EL-act. 27) und am 4. Juli 2007 (EL-act. 25) Anpassungsverfügungen.
Der Betrag der angerechneten Unterhaltsbeiträge wurde dabei nicht verändert.
C.
C.a Am 29. November 2007 wandten sich die Sozialen Dienste E._ an die EL-
Durchführungsstelle. Sie hätten die Nachzahlungsforderung gemäss Schreiben vom
22. September 2005 in Betreibung gesetzt, doch das zuständige Bezirksgericht
H._habe mit Entscheid vom 5. November 2007 das Rechtsöffnungsbegehren
abgewiesen. Da die Versicherte demnach lediglich Unterhaltsbeiträge von monatlich
300 Franken erhalte, werde um entsprechende Korrektur der EL-Berechnung ersucht
(EL-act. 24–1 f.). Der Eingabe lag der Entscheid des Bezirksgerichts H._vom
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5. November 2007 bei. Diesem lässt sich folgendes entnehmen: Der ehemalige
Ehemann der Versicherten habe geltend gemacht, dass er mit der Versicherten
abweichend vom Ehescheidungsurteil vereinbart habe, von einer Indexierung
abzusehen, weil er den Sohn ab 1982 auf Bitte der Versicherten hin jedes Wochenende
zu sich genommen habe, da sie mit dem Sohn überfordert gewesen sei. Die
Versicherte habe gewusst, dass dies für ihn mit höheren Kosten verbunden gewesen
sei und ihr dadurch weniger Betreuungskosten entstanden seien. Die Regelung sei für
ihn und die Versicherte klar gewesen. Probleme mit der mündlichen Vereinbarung habe
es erst gegeben, als die Versicherte handlungsunfähig geworden sei. Ausgehend von
diesen Ausführungen gelangte das Bezirksgericht H._zum Schluss, dass es
angesichts der von 1982 bis 2007 gelebten Vereinbarung krass stossend erscheine,
nachträglich die Indexierung gemäss Ehescheidungsurteil einzufordern, zumal vom
ehemaligen Ehemann damit eine ungerechtfertigte Mehrzahlung verlangt würde und er
im Vertrauen auf die gelebte Vereinbarung auf ein Abänderungsverfahren verzichtet
habe. Die definitive Rechtsöffnung wurde daher verweigert (EL-act. 24–5 ff.).
C.b Mit Schreiben vom 13. Dezember 2007 teilte die EL-Durchführungsstelle den
Sozialen Diensten E._ mit, dass für die Berechnung der jährlichen
Ergänzungsleistung die indexierten Unterhaltsbeiträge zu berücksichtigen seien, da die
Versicherte mit der mündlichen Absprache auf die Differenz verzichtet habe (EL-
act. 23).
D.
D.a Am 21. Dezember 2007 erging eine weitere Anpassungsverfügung. Die EL-Durch
führungsstelle rechnete weiterhin Unterhaltsbeiträge von 6’840 Franken an (EL-act. 22).
D.b Am 21. Februar 2008 veranlassten die Sozialen Dienste E._ die AHV-Zweigstelle
F._, der EL-Durchführungsstelle eine Änderung der wirtschaftlichen Verhältnisse zu
melden. Im entsprechenden Formular wurde unter anderem angegeben, die
Versicherte erhalte familienrechtliche Unterhaltsbeiträge von 3’960 Franken (= 12 × 330
Franken; EL-act. 21–1).
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D.c Am 3. April 2008 erging eine weitere Anpassungsverfügung. Die EL-
Durchführungsstelle rechnete weiterhin Unterhaltsbeiträge von 6’840 Franken an (EL-
act. 19).
E.
E.a Am 15. April 2008 veranlassten die Sozialen Dienste E._ die AHV-Zweigstelle
F._, eine Änderung der wirtschaftlichen Verhältnisse zu melden. Auf dem
entsprechenden Formular wurden einzig familienrechtliche Unterhaltsbeiträge von null
Franken angegeben, versehen mit der Bemerkung: „siehe beiliegende Verfügung des
Obergerichtes des Kantons Zürich“ (EL-act. 17–1). Dem Formular lag der Zirkular-Er
ledigungsbeschluss des Zürcher Obergerichts vom 21. Februar 2008 bei, mit welchem
die Nichtigkeitsbeschwerde gegen die Verfügung des Bezirksgerichts H._ vom 5. No
vember 2007 abgewiesen worden war (EL-act. 17–3 ff.).
E.b Mit Verfügung vom 29. Mai 2008 trat die EL-Durchführungsstelle auf „das Re
visionsgesuch vom 15. April 2008“ nicht ein, da keine neuen Tatsachen vorlägen (EL-
act. 12).
F.
F.a Dagegen erhoben die Sozialen Dienste E._ am 19. Juni 2008 Einsprache. Sie
beantragten die Neuberechnung der jährlichen Ergänzungsleistung ohne Berück
sichtigung hypothetischer Unterhaltsbeiträge rückwirkend „ab EL-Anmeldung vom
8. November 2005“ und führten zur Begründung aus, die Versicherte sei eine kognitiv
schwache Persönlichkeit und wohl bereits im Zeitpunkt der Vereinbarung mit dem ehe
maligen Ehemann krank (hirnorganische Veränderungen) gewesen, weshalb sie sich
nicht gegen die Vereinbarung habe wehren können. Sie erhalte lediglich Unterhalts
beiträge von 330 Franken pro Monat. Das G._ Obergericht habe die Differenz zu den
aktuell gemäss Ehescheidungsurteil geschuldeten Unterhaltsbeiträgen von
570 Franken als nicht vollstreckbar erachtet, weshalb diesbezüglich kein Verzicht im
Sinne des Ergänzungsleistungsrechts vorliegen könne (EL-act. 8).
F.b Mit Entscheid vom 4. August 2008 wies die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache ab. Der Sohn der Versicherten sei zum Zeitpunkt des Antrags um
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Herabsetzung der Unterhaltsbeiträge (15. April 2008) bereits 37 Jahre alt gewesen,
weshalb das Argument, er verursache seinem Vater höhere Kosten, schon längst nicht
mehr stichhaltig sei. Es liege somit auf jeden Fall für den massgeblichen Zeitraum ein
Einkommensverzicht vor. Die gemäss Ehescheidungsurteil zu indexierenden
Unterhaltsbeiträge seien zu Recht in die EL-Berechnung eingeflossen (EL-act. 51).
G.
G.a Dagegen richtet sich die am 3. September 2008 erhobene Beschwerde, mit der
die Anrechnung der effektiv geleisteten Unterhaltsbeiträge von monatlich Fr. 330.-- be
antragt wird (act. G 1).
G.b Auf entsprechenden Antrag der Beschwerdeführerin hin (vgl. act. G 1) wurde das
Beschwerdeverfahren bis zum Vorliegen eines Zivilurteils sistiert. Die Sistierung wurde
auf entsprechenden Antrag der Beschwerdeführerin vom 30. April 2012 hin (vgl.
act. G 21) am 2. Mai 2012 aufgehoben (act. G 22).
G.c Am 22. Mai 2012 liess die Beschwerdeführerin ihre Beschwerde ergänzen. Nach
einer sorgfältigen Analyse der Prozessaussichten sei man zum Schluss gekommen,
dass eine Abänderungsklage aussichtslos sei. Erstens sei davon auszugehen, dass das
Gericht auch in einem ordentlichen Zivilverfahren eine Wiederaufnahme der
Indexierung nach über 25 Jahren als rechtsmissbräuchlich betrachten würde. Zweitens
sei anzunehmen, dass das Gericht auch in einem solchen Verfahren annehmen würde,
der Verzicht auf die Indexierung sei als Gegenleistung für die Mehrauslagen im
Zusammenhang mit der Betreuung des Sohnes erfolgt. Weil der Verzicht während mehr
als 25 Jahren Bestand gehabt habe, würde das Gericht wohl von einem
lebenslänglichen Verzicht ausgehen. Drittens sei damit zu rechnen, dass der damalige
Ehemann sich auf verschlechterte finanzielle Verhältnisse berufen würde, womit die
Gefahr bestünde, dass eine Abänderungsklage einen Entscheid zu Ungunsten der
Beschwerdeführerin bewirken könnte. Die Beschwerdeführerin sei ihrer
Schadenminderungspflicht genügend nachgekommen, indem sie versucht habe, die
Nachforderung auf dem Betreibungswege durchzusetzen (act. G 23).
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G.d Die Beschwerdegegnerin schliesst gemäss Beschwerdeantwort vom 5. Juni 2012
unter Hinweis auf die Erwägungen des angefochtenen Einspracheentscheides auf Ab
weisung der Beschwerde (act. G 25).
G.e Mit Replik vom 1. Oktober 2012 liess die Beschwerdeführerin an ihrem Antrag
festhalten (act. G 33).
G.f Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine weitere Stellungnahme (vgl. act.
G 35).

Erwägungen:
1.
1.1. In materieller Hinsicht dreht sich das vorliegende Verfahren um die Frage, ob die
Beschwerdeführerin auf einen Teil der ihr zustehenden nachehelichen Unterhalts
beiträge verzichtet hat bzw. ob ihr bei der Berechnung des Anspruchs auf eine jährliche
Ergänzungsleistung ein entsprechendes Verzichtseinkommen gemäss Art. 11 Abs. 1
lit. g des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30) anzurechnen ist. Entscheidend ist, ob die
mündliche Vereinbarung zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem ehemaligen
Ehemann im Jahr 1982 – der Verzicht auf eine weitere Indexierung der Unterhalts
beiträge im Gegenzug für eine weitergehende Betreuung des gemeinsamen Sohnes
durch den ehemaligen Ehemann – als Verzichtshandlung im Sinne von Art. 11 Abs. 1
lit. g ELG zu qualifizieren ist.
1.2 Bevor diese materielle Frage geprüft werden kann, ist allerdings zuerst zu klären,
ob die formellen Voraussetzungen dafür erfüllt sind. Die Beschwerdegegnerin hat
nämlich erstmals mit der leistungszusprechenden Verfügung vom 20. Oktober 2005
entschieden, die gemäss Ehescheidungsurteil geschuldeten Unterhaltsbeiträge anzu
rechnen. Da diese Verfügung in formelle Rechtskraft erwachsen ist, kann bzw. konnte
auf die Höhe der anzurechnenden Unterhaltsbeiträge nicht frei zurückgekommen
werden. Ein Zurückkommen ist bzw. war nur unter restriktiven Voraussetzungen zu
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lässig, nämlich entweder im Rahmen einer (so genannt prozessualen) Revision oder im
Rahmen einer Wiedererwägung gemäss Art. 53 Abs. 1 bzw. Abs. 2 des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1).
Eine Anpassung gemäss Art. 17 Abs. 2 ATSG fällt bzw. fiel von vorneherein nicht in Be
tracht, weil sich der massgebende Sachverhalt – der Verzicht auf eine weitere
Indexierung im Gegenzug für eine weitergehende Betreuung – bereits bei der An
meldung zum Bezug von Ergänzungsleistungen längst verwirklicht hatte und sich
naturgemäss nicht mehr verändern konnte.
2.
2.1. Die Beschwerdeführerin hat erstmals am 29. November 2007 um Korrektur der An
spruchsberechnung ersucht. Die Beschwerdegegnerin ist auf das Gesuch eingetreten
und hat es am 13. Dezember 2007 abgewiesen. Weder dem Gesuch noch dem Ent
scheid lässt sich entnehmen, ob es sich dabei um eine Wiedererwägung oder um eine
Revision gehandelt hat. Korrekterweise hätte die Beschwerdegegnerin entweder eine
Rückfrage an die Beschwerdeführerin, ob sie um Wiedererwägung oder um Revision
ersuche, richten oder aber beides prüfen und über beides entscheiden müssen. Der
Entscheid hätte sodann in Verfügungsform eröffnet werden müssen (vgl. Art. 49 Abs. 1
ATSG). Weil sich die Beschwerdeführerin aber nicht gegen den Entscheid gewendet
hat, hat er Rechtsbeständigkeit im Sinne einer formell rechtskräftigen Verfügung erlangt
(vgl. BGE 134 V 415). Die Rechtmässigkeit des Entscheides lässt sich daher nun in
diesem Verfahren nicht mehr frei überprüfen. In Frage kommt wiederum einzig noch
eine allfällige Korrektur im Sinne einer Wiedererwägung oder Revision.
2.2 Die Beschwerdeführerin hat am 15. April 2008 erneut um Korrektur der Anspruchs
berechnung ersucht. Sie hat dafür ein Formular „Änderung der wirtschaftlichen Ver
hältnisse“ verwendet und angegeben, sie erhalte keine familienrechtliche Unterhalts
beiträge. Dem Formular hat sie den Zirkular-Erledigungsbeschluss des Zürcher Ober
gerichts vom 21. Februar 2008 beigelegt. Auch dieses Gesuch ist als Gesuch um
Korrektur einer formell rechtskräftigen Verfügung zu qualifizieren. Dabei stellt sich
wiederum die Frage, ob es sich um ein Wiedererwägungs- oder um ein Revisions
gesuch handelt; trotz Verwendung des Formulars kann es sich nicht um ein An
passungsgesuch handeln. Zudem stellt sich die Frage, auf welche Verfügung es sich
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bezieht. Weil die Beschwerdegegnerin mit formlosem Entscheid vom 13. Dezember
2007 die leistungszusprechende Verfügung vom 20. Oktober 2005 bestätigt hat, kann
sich das Gesuch auf ersteren oder auf letztere beziehen.
2.3 Die Beschwerdegegnerin hat das Gesuch zuerst als Revisionsgesuch qualifiziert
und am 29. Mai 2008 entschieden, darauf nicht einzutreten. Auf die dagegen erhobene
Einsprache mit materiellem Antrag und materieller Begründung ist die Beschwerde
gegnerin eingetreten. Sie hat in ihrem Einspracheentscheid vom 4. August 2008 die
Einsprache mit materieller Begründung abgewiesen. Damit hat sie den Gegenstand des
Verfahrens auf materielle Fragen ausgedehnt. Weil im Rahmen dieses Beschwerde
verfahrens die Rechtmässigkeit des Einspracheentscheides zu überprüfen ist, hat es
sich nicht auf die Frage zu beschränken, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das
Gesuch vom 15. April 2008 nicht eingetreten ist. Die Beschwerdegegnerin hat mit
ihrem Einspracheentscheid vom 4. August 2008 sinngemäss die Verfügung vom
29. Mai 2008 aufgehoben, ist auf das Gesuch eingetreten und hat es direkt mittels
Einspracheentscheid abgewiesen. Diese materielle Abweisung bildet Gegenstand
dieses Beschwerdeverfahrens.
3.
3.1 Weil die Beschwerdegegnerin die Frage der nachträglichen Korrektur der
leistungszusprechenden Verfügung vom 20. Oktober 2005 hinsichtlich der Höhe der
anzurechnenden familienrechtlichen Unterhaltsbeiträge bereits einmal geprüft hat, kann
diese Frage nicht noch einmal aufgegriffen werden. Das Gesuch der Beschwerde
führerin vom 15. April 2008 – ob es nun ein Wiedererwägungs- oder ein Revisions
gesuch ist – kann sich daher nur gegen den Entscheid vom 13. Dezember 2007 richten.
3.2 Würde das Gesuch vom 15. April 2008 als Revisionsgesuch qualifiziert, käme eine
Gutheissung nur in Frage, wenn erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel
aufgefunden wurden. Eine neue Tatsache oder ein neues Beweismittel könnte einzig
der Zirkular-Erledigungsbeschluss des Zürcher Obergerichts darstellen, weil nach
Erlass des Entscheides vom 13. Dezember 2007 bezüglich der Frage der Höhe der
anzurechnenden Unterhaltsbeiträge ansonsten keine Beweismittel eingereicht worden
sind. Der Beschluss des Zürcher Obergerichts ist allerdings nicht als neue Tatsache zu
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qualifizieren. Zum einen handelt es sich dabei nicht um eine Tatsache, sondern um eine
rechtliche Würdigung, zum andern lässt sich dem Beschluss nichts Neues entnehmen,
wurde doch einzig die vorinstanzliche Würdigung als rechtmässig qualifiziert. Als recht
liche Würdigung kann der Beschluss auch nicht als Beweismittel qualifiziert werden; er
beweist auch nichts, das nicht schon anderweitig hätte bewiesen werden können –
dass nämlich die Beschwerdeführerin im Jahr 1982 mit ihrem Ehemann eine mündliche
Vereinbarung betreffend Abänderung des Ehescheidungsurteils getroffen hat. Als Re
visionsgesuch wäre das Gesuch vom 15. April 2008 demnach abzuweisen.
3.3 Als Wiedererwägungsgesuch wäre das Gesuch vom 15. April 2008 nur gutzu
heissen, wenn der Entscheid vom 13. Dezember 2007 als zweifellos unrichtig zu quali
fizieren und die Berichtigung von erheblicher Bedeutung wäre. Die erhebliche Be
deutung ist ohne Weiteres zu bejahen, da die beantragte Korrektur den EL-Anspruch
monatlich um 240 Franken erhöhen würde, was über die gesamte zu erwartende Lauf
zeit der jährlichen Ergänzungsleistung eine erhebliche Mehrleistung nach sich zieht.
Hinsichtlich der zweifellosen Unrichtigkeit des Entscheides vom 13. Dezember 2007 ist
– wovon die Beschwerdeführerin fälschlicherweise auszugehen scheint – nicht ent
scheidend, ob der Differenzbetrag der Unterhaltsbeiträge vom ehemaligen Ehemann
zwangsweise eingefordert werden kann oder nicht. Entscheidend ist vielmehr, ob die
Beschwerdeführerin im Jahr 1982 im Sinne des Ergänzungsleistungsrechts auf An
sprüche verzichtet hat. Die Beschwerdeführerin hat mit dem Verzicht auf eine weitere
Indexierung ihrer Alimente die Mehrkosten des ehemaligen Ehemannes für die zusätz
liche Betreuung des Sohnes abgegolten. Sie hat mit anderen Worten eine Gegen
leistung dafür erhalten. Der Sohn ist im Juni 1988 volljährig geworden, womit für den
Zeitraum zwischen der Vereinbarung und dem Erreichen der Volljährigkeit des Sohnes
zwei Indexierungen „übersprungen“ wurden, nämlich jene am 31. Mai 1982 und jene
am 30. November 1984. Die weitergehende Betreuung wurde mit anderen Worten
während gut zwei Jahren mit 30 Franken pro Monat und weiteren dreieinhalb Jahren
mit 60 Franken pro Monat entschädigt. Diese Entschädigung ist eher als zu tief denn
als zu hoch und damit klarerweise nicht als Verzicht im ergänzungsleistungsrechtlichen
Sinne zu qualifizieren. Dass die Beschwerdegegnerin bei der Berechnung des EL-
Anspruchs einen monatlichen Unterhaltsbeitrag angerechnet hat, der diesen
Umständen nicht Rechnung trägt, obwohl die wesentlichen Akten im Recht lagen, ist
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als zweifellos unrichtig zu qualifizieren. Der Entscheid vom 13. Dezember 2007 ist
daher wiedererwägungsweise aufzuheben.
4.
4.1 Die wiedererwägungsweise Aufhebung eines Entscheides hat zur Folge, dass das
entsprechende Verfahren gewissermassen wieder auflebt. Mit der Aufhebung des ver
fahrensabschliessenden Entscheides erweist sich das Verfahren nämlich als nicht ab
geschlossen bzw. zur Erledigung offen. Im Zuge der Wiedererwägung muss daher stets
ein neuer, verfahrensabschliessender Entscheid gefällt werden. Dieser Entscheid muss
der Natur des Verfahrens entsprechen. Wird beispielsweise eine
leistungszusprechende Verfügung wiedererwägungsweise aufgehoben, muss im
Wiedererwägungsentscheid über die erstmalige Leistungszusprache entschieden
werden. Wird eine Anpassungsverfügung aufgehoben, muss im
Wiedererwägungsentscheid über das Anpassungsgesuch neu befunden werden. Wird
ein Wiedererwägungsentscheid im Rahmen eines zweiten
Wiedererwägungsentscheides aufgehoben, ist ein neuer („erster“) Wiederer
wägungsentscheid zu fällen.
4.2 Der Entscheid vom 13. Dezember 2007 ist als Wiedererwägungsentscheid be
treffend die leistungszusprechende Verfügung vom 20. Oktober 2005 zu qualifizieren.
Es kann sich beim Entscheid vom 13. Dezember 2007 ebensowenig um einen Re
visionsentscheid handeln wie bei der Verfügung vom 29. Mai 2008 bzw. beim Ein
spracheentscheid vom 4. August 2008, denn als neue Tatsache oder Beweismittel
könnte einzig die Verfügung des Bezirksgerichts H._ vom 5. November 2007 quali
fiziert werden, welche aber – wie auch der Beschluss des Zürcher Obergerichts – die
Voraussetzungen dafür nicht erfüllt. Im Zuge der wiedererwägungsweisen Aufhebung
des Entscheides vom 13. Dezember 2007 ist daher über das mit Gesuch vom 29. No
vember 2007 eingeleitete Wiedererwägungsgesuch neu zu befinden. Dieses ist mit
obiger Begründung gutzuheissen bzw. die leistungszusprechende Verfügung vom
20. Oktober 2005 ist bezüglich der Höhe der anzurechnenden familienrechtlichen
Unterhaltsbeiträge wiedererwägungsweise zu korrigieren.
5.
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5.1 Damit stellt sich die Frage, in welcher Höhe Unterhaltsbeiträge anzurechnen sind.
Aufgrund der eher ungewöhnlichen Gegenleistung für die zusätzliche Betreuung –
naheliegender wäre es gewesen, die Beiträge an den Unterhalt des Sohnes ange
messen zu reduzieren – hat der ehemalige Ehemann der Beschwerdeführerin während
der Dauer der effektiven Betreuung (1982–1988) eine eher zu tiefe Gegenleistung
erhalten. Für die Zeit danach erweist sich die Gegenleistung dagegen als deutlich zu
hoch. Obwohl keine Betreuungskosten mehr angefallen sind, entschädigt die Be
schwerdeführerin den ehemaligen Ehemann nach wie vor mit mittlerweilen monatlich
240 Franken.
5.2 Es läge angesichts dessen nahe, der Beschwerdeführerin entgegen zu halten, sie
habe im Sinne des Ergänzungsleistungsrechts auf Einkommen verzichtet, das heisst
sich ohne Rechtsgrund mit einem niedrigeren Einkommen begnügt, ohne dafür eine
adäquate Gegenleistung zu erhalten. In diesem Sinne hat die Beschwerdegegnerin im
angefochtenen Einspracheentscheid argumentiert. Es fehlt allerdings an einer ent
sprechenden Verzichtshandlung beziehungsweise ist eine solche nicht nachgewiesen.
Es wäre realitätsfremd, der Beschwerdeführerin zu unterstellen, sie habe im Jahr 1982
bewusst auf Lebzeiten auf sämtliche weiteren Indexierungen des Unterhaltsbeitrages
verzichtet. Es bestehen auch keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass dies ihr Wille gewesen
sein soll. Wahrscheinlicher ist, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 1982 damit einver
standen war, vorerst auf weitere Indexierungen der Unterhaltsbeiträge zu verzichten,
sofern der geschiedene Ehemann den gemeinsamen Sohn statt nur an einem Wochen
ende pro Monat an sämtlichen Wochenenden betreuen würde. Weshalb die Be
schwerdeführerin im Jahr 1988, also im Zeitpunkt, als der Sohn volljährig wurde, nicht
auf der Bezahlung eines höheren, gemäss Ehescheidungsurteil geschuldeten Unter
haltsbeitrages an sie bestanden hat, kann rückblickend nicht eruiert werden. Erwiesen
ist einzig, dass sie sich mit den tieferen Unterhaltsbeiträgen begnügte. Sie verzichtete
damit jeweils jeden Monat neu auf einen Teil des ihr gemäss Ehescheidungsurteil zu
stehenden Unterhaltsanspruchs. Daraus folgt aber nicht, dass sie einmalig auf einen
Teil des Stammrechts verzichtet hat. Für eine entsprechende Verzichtshandlung, die
allein für eine EL-rechtlich relevante Verzichtshandlung massgebend sein könnte,
liegen – wie erwähnt - keine Anhaltspunkte vor. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen,
dass die Beschwerdeführerin offenbar bereits damals an erheblichen psychischen oder
geistigen Beeinträchtigungen gelitten hat, was Zweifel an der Gültigkeit einer allfälligen
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derart weitreichenden Gestaltungserklärung wecken könnte (vgl. EL-act. 47–4). Hätte
die Beschwerdeführerin im Jahr 1988 auf der Bezahlung des voll indexierten
Unterhaltsbeitrages bestanden, wären ihre Chancen, die im Ehescheidungsurteil
getroffene Regelung gewissermassen wieder aufleben zu lassen, wohl nicht schlecht
gestanden. Indem sie jedoch weiterhin Monat für Monat auf die Einforderung und
Durchsetzung ihres Anspruchs auf die Teuerungsanpassung verzichtete, hat sie im
Zeitverlauf eine Art Faktum geschaffen, das gegenüber dem Unterhaltspflichtigen eine
nachträgliche oder künftige Geltendmachung der Differenz verunmöglicht. Dass die
Beschwerdeführerin heute lediglich Unterhaltsbeiträge von 330 Franken pro Monat
erhält bzw. durchsetzen kann, ist mit anderen Worten nicht Folge einer einmaligen
Verzichtshandlung, sondern vielmehr Konsequenz davon, dass sie über eine lange
Zeitspanne wiederholt auf die Durchsetzung ihres vollen Unterhaltsanspruchs
verzichtet hat. Damit aber kann nicht bewiesen werden, dass die Beschwerdeführerin
einmalig auf Lebzeiten auf sämtliche weiteren Indexierungen verzichtet hat. Diese
Beweislosigkeit fällt zulasten der Beschwerdegegnerin aus, weshalb sie die Folgen zu
tragen hat, was bedeutet, dass kein entsprechendes Verzichtseinkommen anzurechnen
ist. Der Beschwerdeführerin dürfen lediglich die tatsächlich geleisteten
Unterhaltsbeiträge von monatlich 330 Franken angerechnet werden.
5.3 Die Korrektur hat sachlogisch per 1. Juli 2005 zu erfolgen, da im Zuge der Wieder
erwägung die leistungszusprechende Verfügung vom 20. Oktober 2005 entsprechend
zu korrigieren ist (E. 4.2 vorstehend). Die Beschwerdegegnerin hat den EL-Anspruch für
den entsprechenden Zeitraum unter Anrechnung von Unterhaltsbeiträgen von
monatlich 330 Franken neu zu berechnen.
6.
6.1 In Gutheissung der Beschwerde ist der angefochtene Einspracheentscheid mithin
aufzuheben und die Angelegenheit zur Neuberechnung an die Beschwerdegegnerin zu
rückzuweisen.
6.2. Gerichtskosten sind keine zu erheben.
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6.3 Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin mit einer praxisgemässen
Pauschale von 3’500.-- Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht