Decision ID: 86ded748-a218-45ce-8f77-f6b8e1b2828f
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 24. Oktober 2011 (Posteingang 31. Mai 2012) wegen
Folgen dreier Autounfälle bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-
act. 2). Nach eigenen Angaben war der Versicherte am 24. November 2000 in einen
Auffahrunfall von hinten und am 14. Februar 2007 in eine seitliche Heckkollision mit
Abdrehen seines Autos verwickelt gewesen (Beschwerdeschrift, act. G 1-3). Am
30. August 2010 war ihm ein Militärfahrzeug (Puch mit Anhänger) aufgefahren
(Schadenmeldung UVG vom 6. September 2010, Fremdakten, act. 1-280 f.; Bericht
Armee vom 31. August 2010, Fremdakten, act. 1-160 f.).
A.a.
Vom 17. November bis 15. Dezember 2010 war der Versicherte in der Rehaklinik
Bellikon stationär therapiert worden. Dabei waren ein zervikovertebrales Syndrom ohne
ossäre Läsionen an HWS und BWS sowie ein sehr diskretes Bandscheibenbulging
C4/5 ohne Einengung des Spinalkanals oder neuroforaminaler Strukturen erhoben und
eine mässige Symptomausweitung beobachtet worden (Austrittsbericht vom
20. Dezember 2010, Fremdakten, act. 1-186 ff.). In einer biomechanischen
Kurzbeurteilung vom 26. Januar 2011 war im Wesentlichen ausgeführt worden, eine
Aufprallgeschwindigkeit von 10 bis 15 km/h führe im "Normalfall" nicht zu erheblichen
HWS-Schädigungen. Für die vom Versicherten beklagten Beschwerden ergäben sich
jedoch unter Berücksichtigung der Abweichungen vom Normalfall
A.b.
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Erklärungsmöglichkeiten (Fremdakten, act. 1-127 ff.). Der Kreisarzt der SUVA hatte am
23. März 2011 zusammenfassend Stellung genommen, aufgrund der vorhandenen
Unterlagen und der klinischen und radiologischen Abklärungen sei nicht von einem
schwergradigen Trauma auszugehen. Ein Vorzustand infolge früherer HWS-
Verletzungen liege nicht vor, da auch bei den beiden früheren Unfällen keine
strukturellen Läsionen verursacht worden seien. Medizinisch theoretisch sei der
Versicherte voll arbeitsfähig (Fremdakten, act. 1-115 ff.). Einem Bericht der
Rheumaklinik und des Instituts für Physikalische Medizin des Universitätsspitals Zürich
(USZ) vom 31. Mai 2011 ist zu entnehmen, dass die für den Versicherten stark
einschränkenden, plötzlich exacerbierenden Beschwerden mutmasslich durch
intermittierend auftretende akute segmentale Dysfunktionen am zervikothorakalen
Übergang ausgelöst würden. Der voll arbeitsfähige Versicherte zeige ein adäquates
Schmerzverhalten ohne Zeichen der Ausweitung und führe selbständig regelmässige
Therapien (zweimal wöchentlich MTT) durch. Eine entzündlich rheumatologische
Erkrankung oder eine Fibromyalgie liege nicht vor. Der Versicherte sei in allen
Lebensbereichen mittelgradig eingeschränkt, was einen grossen Einfluss auf die
Lebensqualität ausübe. Er sei durch die veränderte Arbeitssituation belastet. Die
Leistungsbereitschaft bei den durchgeführten Tests werde als schlecht beurteilt, da
vier der sieben durchgeführten Tests wegen Schmerzen selbstlimitiert gewesen seien
(Fremdakten, act. 1-91 ff.). Der Kreisarzt der SUVA hatte am 4. Juli 2011 als Diagnose
ein chronisches, intermittierend exazerbierendes cervico-/thorakovertebrales bis
spondylogenes Syndrom bei Status nach drei HWS-Distorsionstraumen, segmentaler
Dysfunktion C1/C2 links und C4 bis Th5 mit Hypermobilität, Insuffizienz der anterioren
und dorsalen HWS-Stabilisationsmuskulatur, Schulterprotraktion mit muskulärer
Dysbalance, Hyperkyphose der oberen BWS und Hyperlordose der unteren HWS
festgehalten. Interpretierend hatte er ausgeführt, die Untersuchung im USZ habe neben
segmentalen Funktionsstörungen diverse muskuläre Probleme zu Tage befördert.
Diese Befunde könnten sowohl Folge wie auch Ursache der Fehlhaltung sein
(Fremdakten, act. 1-86 f.). Dr.med. B._, FMH Allgemeine Medizin, hatte in einem
Bericht vom 8. Juli 2011 an C._, Bewegungswissenschaftlerin ETH, auf
demonstratives Verhalten des Versicherten hingewiesen (Fremdakten, act. 1-84 f.).
Letztere hatte in Berichten vom 22. August (Fremdakten, act. 1-71 ff.) und vom
12. Oktober 2011 (Fremdakten, act. 1-66 ff.) festgehalten, die vorhandene
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Beschwerdesymptomatik könne durch die beschriebenen muskulären Defizite im
Schulter-Nackenbereich und den damit verbundenen Überlastungsreaktionen teilweise
erklärt werden. Aufgrund einer starken Angst vor Belastung und der geringen
Leistungsbereitschaft seitens des Versicherten sei die Durchführung einer gezielten
Trainingstherapie kaum möglich. Trotz intensiver therapeutischer Massnahmen und
einem deutlichen Rückgang der muskulären Verspannungen in den letzten Wochen
klage der Versicherte über eine Zunahme der Beschwerdeproblematik, die nur schwer
nachvollziehbar sei. Die Einzeltherapie sei am 5. Oktober 2011 gestoppt worden.
Die Ärzte der Rheumaklinik und Institut für Physikalische Medizin USZ hielten im
Bericht vom 19. Januar 2012 fest, dem Versicherten sei in der Zwischenzeit die
Arbeitsstelle gekündigt worden, sodass sicherlich neu eine zusätzliche psychosoziale
Belastungssituation bestehe. Die empfohlenen Massnahmen seien bisher nur
unvollständig umgesetzt worden. Weder an der Diagnose noch an den therapeutischen
Empfehlungen hätte sich in der Zwischenzeit eine Veränderung ergeben (Fremdakten,
act. 1-44 f.).
A.c.
Mit Verfügung vom 15. Februar 2012 stellte die SUVA ihre Leistungen mangels
Adäquanz des Kausalzusammenhangs der Beschwerden des Versicherten mit dem
Unfallereignis vom 30. August 2010 per 29. Februar 2012 vollständig ein (Fremdakten,
act. 1-33 ff.). Eine dagegen erhobene Einsprache wurde mit Entscheid vom 8. Mai 2012
(Fremdakten, act. 1-10 ff.) abgewiesen (was in der Folge durch Entscheid des hiesigen
Versicherungsgerichts vom 2. Juli 2013 [UV 2012/56, IV-act. 39-3 ff.] und durch das
Bundesgericht [Urteil vom 9. April 2014, 8C_635/2013, IV-act. 39-21 ff.] geschützt
wurde).
A.d.
RAD-Arzt Dr.med. D._, Facharzt für Chirurgie, nahm am 22. Juni 2012 Stellung,
es bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100% in angestammter Tätigkeit (IV-act. 17).
Gestützt darauf gewährte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 27. Juni
2012 das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Abweisung des Leistungsbegehrens
(berufliche Massnahmen und Rentenleistungen; IV-act. 21).
A.e.
Ab August 2012 absolvierte der Versicherte ein Programm im zweiten Arbeitsmarkt
im E._. Dabei war er an 5 1/2 von 20 Tagen krankheitsbedingt abwesend (vgl.
Auszug Bericht Stiftung Arbeitsgestaltung vom 7. September 2012, IV-act. 28).
A.f.
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Mit Einwand vom 31. August 2012 machte der Versicherte zusammenfassend
geltend, der Vorbescheid vom 27. Juni 2012 stütze sich ausschliesslich auf die
Abklärungen der SUVA. Diese habe den vorangegangenen Unfällen vom 24. November
2000 und vom 14. Februar 2007 zuwenig Rechnung getragen (IV-act. 23-1 ff.). Die IV-
Stelle orientierte den Versicherten mit Schreiben vom 12. Oktober 2012, sie werde zum
Einwand nach Abschluss des unfallversicherungsrechtlichen Verfahrens Stellung
nehmen (IV-act. 31), womit sich der Versicherte nicht einverstanden erklärte (Schreiben
vom 17. Oktober 2012, IV-act. 32).
A.g.
Dr.med. F._, Leitende Ärztin Rheumatologie Kliniken Valens, führte im
Verlaufsbericht vom 29. Mai 2013 aus, die angegebenen Beschwerden entsprächen
weiterhin einem bisher therapierefraktären chronischen cervicocephalen und
cervikothorakospondylogenen Syndrom bei insbesondere muskulären Dysbalancen mit
Myogelosen und nur geringen degenerativen Wirbelsäulenveränderungen. Bisher seien
die ambulanten Therapiemassnahmen ausgeschöpft worden und sollten vorerst
weitergeführt werden, nachdem leider zweimalig ein Kostengutsprachegesuch für
einen stationären Rehabilitationsaufenthalt abgelehnt worden sei (IV-act. 39-30 f.). Im
Bericht vom 18. Februar 2014 hielt die Ärztin fest, der Versicherte stehe regelmässig in
ihrer rheumatologischen Behandlung. Die Beschwerdesymptomatik sei vor allem
verursacht durch ausgeprägte muskuläre Dysbalancen mit Myogelosen und
Triggerpunkten, welche nur schwer therapeutisch angegangen werden könnten (IV-
act. 39-35 f.).
A.h.
In Stellungnahmen vom 14. Mai und 27. Juni 2014 führte RAD-Arzt Dr. D._ aus,
unter Berücksichtigung der vorliegenden Akten und der Urteile werde davon
ausgegangen, dass keine wesentlichen unfallfremden gesundheitlichen
Einschränkungen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vorlägen. Es könne davon
ausgegangen werden, dass die gerichtlich festgestellten Beurteilungen weiterhin ihre
Gültigkeit hätten. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe volle Arbeitsfähigkeit
spätestens ab dem Zeitpunkt, in dem die SUVA ihre Leistungspflicht einstelle. Das
Ausmass der demonstrierten Einschränkungen sei mit den objektiven pathologischen
Befunden nur ungenügend zu erklären (IV-act. 53-5 f.). Die
Eingliederungsverantwortliche schloss ihren Fall am 10. Oktober 2014 ab, da sich der
Versicherte 100% arbeitsunfähig fühle (IV-act. 49-4 f.).
A.i.
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Dr.med. G._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hielt im Arztbericht vom
27. Februar 2015 fest, er behandle den Versicherten seit 12. April 2013. Es fänden zirka
monatlich stützende psychotherapeutische Gespräche mit Fokus auf Empowerment/
Gelassenheit statt (IV-act. 56). Auf Nachfrage der IV-Stelle führte er am 7. Juni 2014
aus, der Versicherte leide an einer längeren leicht- bis mittelgradigen depressiven
Anpassungsstörung (ICD-10: F43.22). Es bestünden ungenügende klinische Hinweise
für eine posttraumatische psychische Pathologie, die Auswirkung auf den Verdienst
hätte. Es sei ihm vom 1. Januar bis 31. Dezember 2014 eine 50%-ige
Arbeitsunfähigkeit durch den Hausarzt attestiert worden. Vom 1. bis 31. Januar 2015
habe aufgrund einer vorübergehenden psychischen Verschlechterung eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit bestanden. Seit 1. Februar 2015 sei eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit
durch den Hausarzt attestiert. Die depressive Symptomatik alleine begründe eine ca.
20%-ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 61).
A.j.
Nach einer Einholung einer weiteren RAD-Stellungnahme vom 15. Juni 2015 (IV-
act. 62), wonach die 20%-ige Arbeitsunfähigkeit aus RAD-psychiatrischer Sicht nicht
nachvollzogen und anerkannt werden könne, erliess die IV-Stelle am 2. Februar 2016
erneut einen Vorbescheid, wonach sie das Gesuch abzuweisen gedenke (IV-act. 66).
Hiergegen wandte der Versicherte am 9. März 2016 im Wesentlichen ein, die
Ablehnung der SUVA-Leistungen sei klar aus unfallversicherungsrechtlicher
Betrachtung, mangels Kausalität, erfolgt. Seine Beschwerden seien von der SUVA nie
in Zweifel gezogen worden (IV-act. 69).
A.k.
Am 1. Mai 2016 trat der Versicherte eine 35%-Stelle bei der H._ GmbH an, deren
Geschäftsführer und Gesellschafter der Sohn des Versicherten ist (Arbeitsvertrag, IV-
act. 91, Lohnabrechnung Mai 2016, IV-act. 92).
A.l.
In der Folge wurde der Versicherte im Auftrag der IV-Stelle durch die PMEDA,
Polydisziplinäre medizinische Abklärungen, Zürich, polydisziplinär begutachtet
(Gutachten vom 13. September 2016; Dr.med. I._, Innere Medizin; Dr.med. J._,
Neurologie; Dr.med. K._, Orthopädie; Dr.med. L._, Psychiatrie; Mag.rer.nat. M._,
Neuropsychologie; Untersuchungen 28. Juni, 1., 5. und 8. Juli 2016; IV-act. 81). Die
Gutachter kamen zum Schluss, es bestehe eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit ex tunc in
der zuletzt ausgeübten sowie in jedweder vergleichbaren oder auch anderen Tätigkeit
A.m.
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des allgemeinen Arbeitsmarktes. Die hiesigen objektiven Befunde sprächen
durchgehend für eine nicht plausible Darbietung von Einschränkungen und
Beschwerden und die erfolgte neuropsychologische Beschwerdevalidierung weise ein
verfälschendes Antwortverhalten aus. Hinweise für eine namhafte psychiatrische
Erkrankung liessen sich nicht erheben. Für die beklagten zervikalen und weiteren
Schmerzen bestehe kein objektives Befundkorrelat (IV-act. 81-40). Es liege eine
Symptomausweitung (also eine nicht plausible Ausprägung der reklamierten
Beschwerden) vor (IV-act. 81-47).
RAD-Arzt Dr. D._ nahm am 20. September 2016 Stellung, auf das Gutachten
könne abgestellt werden (IV-act. 82). Der Beschwerdeführer bemängelte am Gutachten
hauptsächlich, dieses basiere auf statistischen Werten statt auf Befunden bzw. einer
Auseinandersetzung mit seinen Beschwerden (IV-act. 86). Die PMEDA entgegnete dazu
am 25. Januar 2017, das Gutachten beschränke sich nicht auf eine statistische
Abhandlung. Zudem seien nach versicherungsmedizinischen Regeln die Beschwerden
nach den Kriterien überwiegender Wahrscheinlichkeit zu prüfen. Eben dies hätten die
Gutachter anhand ihrer Befunde, der Aktendaten und grundsätzlicher
Kausalitätserwägungen der wissenschaftlichen Medizin getan. Eine Schonhaltung oder
ein schmerzgeplagter Eindruck sei nicht zu erkennen gewesen. Der erfolgte Test zur
Prüfung eines verfälschenden Antwortverhaltens sei zweifelsfrei hochgradig auffällig
gewesen und das Testverfahren gelte in der wissenschaftlichen Medizin als robuster
Parameter und dessen Durchführung als Qualitätskriterium versicherungsmedizinischer
Evaluationen. Die Behauptung sich aufsummierender (Beschwerden nach mehreren)
Schleudertraumata sei abwegig, da es keinen (entsprechenden) Anhalt aus der
Datenlage der wissenschaftlichen Medizin gebe (IV-act. 98).
A.n.
RAD-Arzt Dr. D._ hielt am 2. Februar 2017 fest, aus Sicht des RAD würden die
medizinischen Einwände in sachlich fundierter Art und Weise widerlegt und hätten
bezüglich des Gutachtens keine Bedeutung (IV-act. 99).
A.o.
Mit Verfügung vom 3. Februar 2017 wies die IV-Stelle das Gesuch ab. Die
Abklärungen hätten ergeben, dass der Versicherte am 30. August 2010 bei einem
Autounfall eine HWS-Distorsion erlitten habe. Gemäss Abklärungen der SUVA seien die
beklagten Beschwerden organisch nicht hinreichend nachvollziehbar. Aus
A.p.
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B.
versicherungsmedizinischer Sicht bestehe eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit (IV-act. 100).
Gegen die Verfügung vom 3. Februar 2017 lässt A._, vertreten durch
Rechtsanwalt lic.iur. D. Ehrenzeller, am 6. März 2017 Beschwerde erheben. Er
beantragt, die angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge
aufzuheben und es sei ihm mit Wirkung ab November 2012 mindestens eine halbe IV-
Rente zuzusprechen. Eventualiter sei unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung
die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Er macht
zusammengefasst geltend, die Folgen der vorgängigen Unfälle seien noch nicht
abgeheilt gewesen, vielmehr habe er sich zum Zeitpunkt des dritten Unfalls in einem
kritischen Zeitpunkt des Genesungsprozesses befunden. Entgegen der Darlegung der
Gutachter entspreche es einer Erfahrungstatsache, dass pathologische Zustände nach
HWS-Verletzungen bei erneuter Traumatisierung stark exacerbieren könnten. Das
Gutachten beruhe im Prinzip auf statistischen Aussagen und Unterlagen und nicht auf
seinem Gesundheitszustand. Es werde ständig auf die epidemiologischen Kriterien der
Kausalbeziehung assoziierter Phänomene/Ereignisse verwiesen. Die zitierte Literatur
stamme mit einer Ausnahme aus dem Jahr 1998 oder früher. Die allgemein gehaltenen
Aussagen würden eine Voreingenommenheit der Gutachter belegen. Die Gutachter
würden im Prinzip jede Anspruchstellung für Versicherungsleistungen im Kontext mit
Schleudertraumata mit einer Rentenbegehrlichkeit gleichsetzen. Die begutachtenden
Ärzte verfügten nicht über ein Gutachter-Attest bzw. ein SIM-Zeugnis. Ein
Schmerzsyndrom nach drei HWS-Traumata lasse sich organisch nie hinreichend
belegen, weshalb die Rechtsprechung diesem Schmerzbild angepasst worden sei. Es
treffe nicht zu, dass er seine Miktion als unauffällig geschildert habe. Ebenso
unzutreffend sei, dass eine sachliche Diskussion über Verweistätigkeiten nicht möglich
gewesen sei und weiterhin eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit reklamiert werde, zumal er
seit Mai 2016 eine Beschäftigung bei seinem Sohn habe antreten können. Als
freundliche, offene und auch gepflegte Person sei er über die Befragungsmethode der
Gutachter völlig schockiert gewesen und sich wie ein Beschuldigter vorgekommen.
Das in der neurposychologischen Begutachtung festgestellte abnehmende
Leistungsverhalten sei ganz natürlich zu erklären. Die von den Gutachtern
B.a.
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angenommene Antwortverzerrung werde auch hier statistisch begründet. In Anbetracht
des mit ihm kollidierenden Fahrzeugs mit massiver Eisenkonstruktion ohne eigene
Knautschzone könne trotz geringer Auffahrgeschwindigkeit eine M._
Beeinträchtigung resultieren. Schliesslich lägen Hinweise auf eine beginnende
hypertensive Herzkrankheit vor. Die Aussagen zu den Ressourcen seien sehr knapp
gehalten. Es sei von einer Arbeitsfähigkeit von etwa 50 % auszugehen, wobei die heute
ausgeübte Tätigkeit im Umfang von 35 % keinen direkten Vergleich zu einer üblichen
Erwerbsstelle zulasse, da er die Zeit relativ frei einteilen könne und die Hilfstätigkeiten
ohne jeglichen Druck ausführen könne. Im psychiatrischen Gutachten sei auch nicht
gewürdigt oder diskutiert worden, dass er in regelmässiger psychiatrisch-
psychotherapeutischer Behandlung stehe. Hinsichtlich des Aktivitätsniveaus hätte eine
differenziertere Gewichtung vorgenommen werden müssen (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 2. Juni 2017 beantragt die Beschwerdegegnerin, die
Beschwerde sei abzuweisen. Das PMEDA-Gutachten sei ausführlich abgefasst und
dessen Schlussfolgerungen zusammen mit der Arbeitsfähigkeitseinschätzung
erscheine als begründet und schlüssig. Es erfülle die Kriterien eines beweistauglichen
Gutachtens. Die vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vorgebrachten
Einwendungen hätten durch die PMEDA widerlegt werden können, was der RAD
bestätigt habe. Die PMEDA habe auch die SUVA-Akten gewürdigt. Sowohl die SUVA-
Gutachter als auch die Gutachter der PMEDA hätten kein medizinisches objektives
Befundkorrelat (zu den beklagten Beschwerden) finden können. Es würden einzig
ätiologisch-pathogenetisch unerklärliche syndromale Leidenszustände beschrieben,
denen infolge der fehlenden Objektivierbarkeit jedoch keine invalidisierende Wirkung
zukomme. Gemäss dem PMEDA-Gutachten lägen keine erheblichen somatisch-
pathologischen Befunde und auch keine psychische Komorbidität vor. Bereits in den
SUVA-Akten bzw. in den Berichten der Rehaklinik Bellikon sei festgestellt worden, dass
der Beschwerdeführer den Hang zur Symptomausweitung habe. Er habe während den
Untersuchungen nicht schmerzgeplagt gewirkt und die spontane Mobilität,
insbesondere des Kopfes bzw. der Halswirbelsäule, sei frei und ungehindert gewesen.
Der Verdacht auf Symptomausweitung werde dadurch bestärkt, dass der
psychiatrische Gutachter der PMEDA ein verfälschtes Antwortverhalten festgestellt
habe. Der Beschwerdeführer gebe an, dass er den Alltag dank Medikation nur knapp
B.b.
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meistern könne, könne jedoch einer aktiven belastenden Arbeitstätigkeit bei seinen
Söhnen nachgehen. Ausserdem beschreibe er eine rege Alltagstätigkeit. Die vom
internistischen Gutachter festgehaltene deutliche Beschwielung von Händen und
Füssen lasse auf eine tatsächlich rege physische Tätigkeit schliessen. Aus den Akten
gehe hervor, dass der Beschwerdeführer sozial sehr gut eingebettet sei und auf stabile
Familienstrukturen zurückgreifen könne. Er sei gemäss Gutachten im Alltag selbständig
und selbstversorgend (act. G 4).
Mit Replik vom 10. Juli 2017 bestreitet der Beschwerdeführer, dass seine
Einwendungen vom 27. Oktober 2016 von der Gutachterstelle widerlegt worden seien.
Ebenso wenig werde auf die fehlenden Ausbildungsnachweise der Gutachter
eingegangen. Das Gutachten beruhe auf zweifelhaften und veralteten statistischen
Schlüssen und beantworte eigentlich nur die Frage, ob es sich um eine reine
Rentenbegehrlichkeit handeln solle oder nicht. Die Rotation des Halses habe nichts mit
der Arbeitsfähigkeit zu tun. Im Gutachten sei fälschlicherweise nachzulesen, dass er die
Tätigkeit bei seinen Söhnen ohne Bezahlung ausübe. Er sei von seiner Ehefrau nach
N._ gefahren worden, selber fahre er nur kurze Strecken. Es sei nicht
nachvollziehbar, weshalb das Sistieren der Beschwerdedarstellung bei Ablenkung
auffällig sein sollte. Als eher intelligente Peron habe er zweifellos keine Verfälschungen
bewusst vorgenommen, welche das Führen eines Motorfahrzeuges in Frage stellten. Er
sei vor dem dritten Unfall keineswegs voll leistungsfähig gewesen. Er habe sich eine
leichtere Tätigkeit gesucht und sowohl Therapien als auch Medikamente und das
Entgegenkommen des Arbeitgebers seien weiterhin notwendig gewesen, um die
Arbeitsfähigkeit beizubehalten. Er leide auch immer wieder unter Übelkeit und
Magenproblemen, weshalb er vom 30. Juni bis 1. Juli 2017 habe hospitalisiert werden
müssen (act. G 6; act. G 6.1).
B.c.
Am 17. August 2017 reicht der Beschwerdeführer einen Bericht der Facharztpraxis
für Innere Medizin Dr. O._ in P._, vom 4. August 2017 zu den Akten, wonach er
sich während der Ferien wegen seiner hypertensiven Herzkrankheit notfallmässig habe
in Spitalbehandlung begeben müssen (act. G 8; act. G 8.1).
B.d.
Mit Duplik vom 14. September 2017 bringt die Beschwerdegegnerin vor, die
Gutachter verfügten über die notwendige Qualifikation. Diese werde vom Bundesamt
B.e.
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Erwägungen
1.
für Sozialversicherungen (BSV) überwacht und sei nach Ergehen der entsprechenden
Mitteilung nicht gerügt worden. Die beklagten Verspannungen und Kopfschmerzen
seien in den Anamnesen berücksichtigt und sodann medizinisch gewürdigt worden. Es
mangle an einem objektiven Befund, der die subjektiven Empfindungen des
Beschwerdeführers stütze. Invalidisierend könnten nur Einschränkungen sein, die auf
objektiven Befunden beruhten. Es sei nicht ersichtlich, inwiefern die Gutachter ein
Interesse gehabt hätten, die Aussagen des Beschwerdeführers in den Anamnesen
wahrheitswidrig wiederzugeben. Die Vergabe der Gutachtensaufträge erfolge nach
Zufallsprinzip, womit die Unabhängigkeit gewahrt werde. Die Aussage, dass die
Ehefrau den Beschwerdeführer gefahren habe, sei nachgeschoben und haltlos. Die
vom Beschwerdeführer gelieferten Testergebnisse könnten nur bei schwersten
kognitiven Störungen nachvollzogen werden. Er würde somit ständige Pflege und
Überwachung benötigen. Der Beschwerdeführer versuche, basierend auf subjektiven
Angaben den Beweiswert des Gutachtens zu erschüttern. Ein die geltend gemachten
Schmerzen objektivierender Befund bleibe weiterhin aus. Aufgrund des verfälschenden
Antwortverhaltens und des demonstrativen Verhaltens könne auf seine Aussagen nicht
abgestellt werden (act. G 9).
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 396 E. 5.3 und
1.2.
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E. 6, BGE 141 V 289 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016,
8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden
objektiviert werden können und sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017, 8C_350/2017, E. 5.4, und
vom 27. März 2015, 8C_673/2014, E. 5.1.1; BGE 143 V 427 E. 6). Für somatisch
unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und gleichgestellte
Diagnosen) sowie psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen ist der
Beweis nach dem strukturierten Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE
141 V 281 und BGE 143 V 428, E. 7.1). Der Beweis für eine lang andauernde und
erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet
betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen
einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143
V 427, E. 6 a. E.).
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60%, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50%, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40% invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
1.4.
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2.
Der Beschwerdeführer rügt, das Gutachten der PMEDA vom 13. September 2016 (IV-
act. 81) genüge den Anforderungen einer beweistauglichen Grundlage der
angefochtenen Verfügung vom 3. Februar 2017 (IV-act. 100) nicht.
3.
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
1.5.
Zunächst macht der Beschwerdeführer geltend, die jeweils aus dem Ausland
beigezogenen Gutachter verfügten nicht über die notwendige (Zusatz-)ausbildung, um
als Gutachter tätig zu sein.
3.1.
Mit der Beschwerdegegnerin ist vorab festzuhalten, dass entsprechende Einwände
gegen die Gutachtenspersonen bereits nach der Mitteilung der Namen am 13. Mai
2016 hätten geltend gemacht werden können bzw. müssen (IV-act. 77). Der
Beschwerdeführer war schon damals vertreten und der Rechtsvertreter wusste um die
Abläufe. Im Zusammenhang mit dem situativen Beizug ausländischer Konsiliarärzte
durch bestimmte MEDAS führte das Bundesgericht zudem aus, es bleibe eine offene
Frage, wie auf die Problematik einer mangelnden Vertrautheit mit den hiesigen
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/24
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(versicherungs-)medizinischen Anforderungen zu reagieren sei. Nach der
Rechtsprechung stehe fest, dass die Gutachter nicht zwingend über eine FMH-
Ausbildung verfügen müssen; verlangt sei eine Fachausbildung, die auch im Ausland
erworben sein könne (BGE 137 V 246, E. 3.3.2; Urteil vom 1. Februar 2018,
8C_460/2017, E. 5.5). Neuropsychologische Teilgutachter haben einen anerkannten
Abschluss in Psychologie und einen eidgenössischen oder als gleichwertig
anerkannten Weiterbildungstitel in Neuropsychologie nach dem
Psychologieberufegesetz vom 18. März 2011 (PsyG); oder einen anerkannten
Abschluss in Psychologie nach dem PsyG und einen Fachtitel Neuropsychologie der
Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen nachzuweisen (IV-
Rundschreiben Nr. 367 vom 21. August 2017). Spezielle Kenntnisse im
Gutachtensbereich wie insbesondere das Zertifikat "medizinischer Gutachter SIM"
werden zwar empfohlen, sind aber nicht fachliche Voraussetzung für eine
beweistaugliche Begutachtung (vgl. E. Furrer, Rechtliche und praktische Aspekte auf
dem Weg zum Gerichtsgutachten in der Invalidenversicherung, SZS 2019 Nr. 3,
S. 6 ff.). Die Begutachtenden sind mit entsprechendem Facharzttitel, teilweise FMH,
aufgeführt, so dass - auch in Anbetracht der Aufsichtspflicht des BSV - davon
auszugehen ist, dass sie über die erforderlichen Fachkenntnisse verfügen. Dass der
Leiter der Gutachtensstelle, welcher selbst keine Untersuchung bzw. fachliche
Teilbegutachtung vorgenommen hat, das Gutachten mitunterzeichnet hat, vermag
dessen Beweiskraft nicht zu zerstören (Urteil des Bundesgerichts vom 4. Januar 2017,
8C_548/2016, E. 4.1). Eine Voreingenommenheit bzw. Befangenheit des betreffenden
Institutsleiters wurde vom Bundesgericht schon mehrfach abgelehnt; insbesondere aus
der Beilage des Anhangs "Assoziation von leichtgradigen HWS-Schleudertraumen
(ohne Nachweis struktureller Läsionen) mit Kopf- und Nackenschmerzsyndromen",
welcher auch vorliegend dem Gutachten beigefügt ist, schloss das Bundesgericht nicht
auf Befangenheit (Urteile des Bundesgerichts vom 4. Januar 2017, 8C_548/2016,
E. 4.1, und vom 30. März 2017, 9C_19/2017, E. 4 f.). Nebst dem Leiter, Prof.Dr.med. Q,
unterzeichnete der neuropsychologische Gutachter mag.rer.nat. M._ das Gutachten
"in Vertretung" der jeweiligen Fachärzte (IV-act. 81-50). Auf der Vorseite wird
ausgeführt, in Zusammenfassung aller Teilgutachten, der dabei erhobenen Anamnesen
und Befunde sowie der Aktendaten seien die Gutachter gemeinsam zum Schluss
gekommen, die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der zuletzt ausgeübten
sowie jedweder vergleichbaren oder auch einer anderen Tätigkeit des allgemeinen
Arbeitsmarktes sei mit 100 % einzuschätzen (IV-act. 81-49). Somit ist davon
auszugehen, dass eine Konsensbeurteilung stattgefunden hat. Zudem haben alle
Gutachter die Stellungnahme vom 25. Januar 2017 unterschrieben (IV-act. 98). Im
Übrigen wäre ein Teilgutachten selbst ohne Unterschrift beweistauglich, sofern das
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4.
Gesamtgutachten unterzeichnet ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 8. Mai 2008,
9C_235/2007, E. 3.2.2, und vom 4. November 2008, 8C_499/2007, E. 3.2.2). Weitere
Hinweise auf formelle Unregelmässigkeiten werden nicht geltend gemacht und sind
den Akten nicht zu entnehmen. In formeller Hinsicht erweist sich das Gutachten somit
als beweistauglich.
Der Beschwerdeführer schilderte anlässlich der Begutachtung, er habe 2004 und
2008 Verkehrsunfälle erlitten, die jedoch folgenlos verlaufen seien. 2010 sei ein Auto
auf sein Fahrzeug aufgefahren. Seither leide er unter unvermindert anhaltenden
Nackenbeschwerden, sein Leben sei "zerstört und kaputt gemacht" worden. Er leide
unter krampfartigen Schmerzen, die vom Nacken ausgehend über beide Schultern
nach lumbal ausstrahlen würden bzw. permanenten Schmerzen cervikal und entlang
der oberen Brustwirbelsäule bzw. Schmerzen, die von der BWS ausstrahlend bis nach
zervikal und in den Kopf (Hinterhauptregion) ziehen würden. Auf einer Skala von 0 bis
10 sei die Ausprägung minimal mit 3, aktuell mit 6 und maximal mit 8 zu bewerten.
Miktion und Stuhlverhalten seien bis auf eine dreimalige Nykturie unauffällig. Er leide
unter Durchschlafstörungen und sei gelegentlich tagesmüde (IV-act. 81-9, 13, 18, 23,
25, 30). Zwischenzeitliche Physiotherapie und physikalische Therapiemassnahmen
sowie eine Rehabilitationsbehandlung 2013 hätten keine durchgreifende Besserung
bewirkt (IV-act. 81-24). Als analgetische Bedarfsmedikation gab er Primofenac Salbe
und Flectoparin Gel (Diclofenac, rheumatische Beschwerden und stumpfe Traumen),
Dafalgan 1 g (Paracetamol, leichte bis mässig M._ Schmerzen) sowie Novalgin
(Metamizol, refraktäre, M._ Schmerzen; IV-act. 81-10; vgl. zu den Medikamenten
www.compendium.ch) an. Er nehme zwei- bis dreimal bzw. viermal täglich Dafalgan
und täglich ein- bis zweimal Novalgin ein, was die Schmerzen um 1 % bzw. 2 % bzw.
für wenige Stunden auf Niveau 3 -4/10 VAS reduziere (IV-act. 81-14, 19, 23). Schweres
Heben und Tragen sowie schnelle Bewegungen würden den Schmerz verstärken (IV-
act. 81-23). Aufgrund seiner Schmerzen könne er sich nicht vorstellen, irgendeine
Erwerbstätigkeit auszuüben (IV-act. 81-10, 24). Er benutze bedarfsweise das Auto
seines Sohnes und sei damit die 80 km zur Untersuchung selbst gefahren. Er sei ein
"sicherer Autofahrer" (IV-act. 81-31). Er verrichte täglich für etwa drei bzw. vier Stunden
ohne Bezahlung in der Autowerkstatt seines Sohnes leichte Arbeiten, vor allem
Botengänge (IV-act. 81-10, 19 f.). Er treffe nur gelegentlich Freunde, habe aber einen
guten und engen Kontakt zur Familie. Sport treibe er nicht, da dies seine körperlichen
Beschwerden verschlimmere, Hobbies habe er nicht (IV-act. 81-10). Vor einem Monat
habe er für 10 Tage in R._ Freunde und Angehörige besucht, er verbringe dort einmal
4.1.
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jährlich Ferien (IV-act. 81-15, 19 f., 26). Gegenüber dem psychiatrischen Gutachter
verneinte er auf Nachfrage depressive Beschwerden. Durch den Dauerschmerz
reagiere er oft gereizt, könne sich schlecht konzentrieren und sei auch vergesslich (IV-
act. 81-23, vgl. auch S. 30). Er habe auf nichts Lust (IV-act. 81-31). Als Medikament
nannte er Rebalance 500 mg (Johanniskraut, gegen Gemütsverstimmungen, Nervosität
und begleitende Schlafstörungen, www.compendium.ch). Er sei seit etwa zwei Jahren
mit vier bis fünf psychotherapeutischen Gesprächen im Jahr in psychiatrisch-
psychotherapeutischer Behandlung, weil ihn alles störe, er mit seinem Leben
unzufrieden sei und er oft gereizt reagiere. Durch die Therapie habe sich sein Zustand
nicht verändert (IV-act. 81-24).
Ein MRI HWS vom 25. November 2010 zeigte ein lediglich sehr diskretes
Bandscheibenbulging auf dem Niveau HWK 4/5, jedoch ohne Einengung des
Spinalkanals oder neuroforaminaler Strukturen (IV-act. 1-180 f.). Im Austrittsbericht der
Rehaklinik Bellikon vom 20. Dezember 2010 wurde ausgeführt, das Ausmass der
demonstrierten physischen Einschränkungen lasse sich mit den objektivierbaren
pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung und bildgebenden Abklärung
sowie den Diagnosen nur ungenügend erklären. Es bestehe eine mässige
Symptomausweitung (Fremdakten, act. 1-186 ff.). Dem gegenüber ist dem Bericht
Rheumaklinik und Institut für physikalische Medizin des USZ vom 31. Mai 2011 zu
entnehmen, die für den Versicherten stark einschränkenden, plötzlich exacerbierenden
Beschwerden würden mutmasslich durch intermittierend auftretende akute segmentale
Dysfunktionen am zervikothorakalen Übergang ausgelöst (Fremdakten, act. 1-91 ff.).
Der Kreisarzt der SUVA hielt am 4. Juli 2011 fest, es bestehe ein chronisches,
intermittierend exazerbierendes cervico-/thorakovertebrales bis spondylogenes
Syndrom bei Status nach drei HWS-Distorsionstraumen, segmentaler Dysfunktion C1/
C2 links und C4 bis Th5 mit Hypermobilität, Insuffizienz der anterioren und dorsalen
HWS-Stabilisationsmuskulatur, Schulterprotraktion mit muskulärer Dysbalance,
Hyperkyphose der oberen BWS und Hyperlordose der unteren HWS. Die Untersuchung
im USZ habe neben segmentalen Funktionsstörungen diverse muskuläre Probleme zu
Tage befördert (Fremdakten, act. 1-86 f.). Die Bewegungswissenschaftlerin C._
führte am 22. August 2011 aus, die vorhandene Beschwerdesymptomatik könne durch
die beschriebenen muskulären Defizite im Schulter-Nackenbereich und den damit
verbundenen Überlastungsreaktionen teilweise erklärt werden (Fremdakten,
act. 1-71 ff.). Dr. B._ erhob gemäss Bericht vom 19. März 2012 klinisch paravertebral
zervikal und thorakal eine diffuse Druckdolenz bei generell erhaltener Beweglichkeit
sowohl der BWS als auch der HWS (Fremdakten, act. 1-24 ff.). Dr.med. S._, FMH
Physikalische Medizin und Rehabilitation, führte im Bericht vom 25. September 2012
4.2.
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aus, als radiologisches Korrelat sei eine leichte Spondylophytose im Bereich Th4 und
Th5 sichtbar (IV-act. 33). Die den Beschwerdeführer ambulant behandelnde Ärztin der
Klinik Valens berichtete, die angegebenen Beschwerden entsprächen weiterhin einem
bisher therapierefraktären chronischen cervicocephalen und
cervikothorakospondylogenen Syndrom bei insbesondere muskulären Dysbalancen mit
Myogelosen und nur geringen degenerativen Wirbelsäulenveränderungen. Die
Beschwerdesymptomatik sei vor allem verursacht durch ausgeprägte muskuläre
Dysbalancen mit Myogelosen und Triggerpunkten, welche nur schwer therapeutisch
angegangen werden könnten (Berichte vom 29. Mai 2013, IV-act. 39-30 ff., und vom
13. Februar 2014, IV-act. 39-35 f.). Das Bundesgericht hielt im
unfallversicherungsrechtlichen Urteil (vom 9. April 2014, 8C_635/2013, E. 2)
zusammenfassend fest, die geklagten Beschwerden seien nicht auf einen im Sinne der
Rechtsprechung organisch objektiv ausgewiesenen Gesundheitsschaden
zurückzuführen (IV-act. 39-24). Der RAD nahm am 14. Mai/27. Juni 2014 dahingehend
Stellung, dass keine wesentlichen unfallfremden gesundheitlichen Einschränkungen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vorlägen (IV-act. 53-5 f.). Als Korrelat der beklagten
Beschwerden wurden in den Vorakten somit segmentale Dysfunktion im Bereich C1/C2
links und C4 bis Th5 mit Hypermobilität, Insuffizienz der anterioren und dorsalen HWS-
Stabilisationsmuskulatur, eine Schulterprotraktion mit muskulärer Dysbalance und eine
Hyperkyphose der oberen BWS und Hyperlordose der unteren HWS festgestellt. Es
erscheint somit nachvollziehbar, dass sowohl der neurologische als auch der
orthopädische Gutachter weder klinisch noch bildgebend ein organisches Korrelat für
die Beschwerden im vom Beschwerdeführer geschilderten Ausmass finden konnten,
sondern vielmehr eine uneingeschränkte Beweglichkeit der Halswirbelsäule
verzeichneten (IV-act. 81-18, 23).
Der psychiatrische Gutachter kam zum Schluss, eine die Arbeitsfähigkeit
einschränkende psychiatrische Erkrankung sei anhand objektiver Befunde nicht
festzustellen (IV-act. 81-30). Die Stimmung sei unauffällig, zeitweise unterschwellig
gereizt, affektiv sei der Versicherte angemessen schwingungsfähig. Hinweise für
Schuldgefühle und Insuffizienzerleben fänden sich nicht. Der Antrieb wirke unauffällig.
Psychomotorische Auffälligkeiten zeigten sich nicht. Im AMDP-konform erhobenen
psychiatrischen Befund liessen sich die Achsenkriterien einer namhaften Depression
(vitale Traurigkeit, Antriebs-, Freud- und Interessenverlust) nicht erkennen. Auch die
strukturierte Alltagsgestaltung (mit etwa halbschichtiger Arbeitstätigkeit), die
unauffällige Verhaltensbeobachtung und die geringe Inanspruchnahme psychiatrisch-
psychotherapeutischer Therapiemassnahmen sprächen gegen eine namhafte
depressive Störung. Die in den Akten beschriebene depressive Entwicklung könne also
4.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/24
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5.
nicht bestätigt werden. Auch die aktenkundig festgestellte Diagnose einer
Anpassungsstörung könne aufgrund der definitionsgemäss maximal zweijährigen
Dauer hier bereits aus formellen Gründen nicht gestellt werden (IV-act. 81-28 f.). Der
psychiatrische Gutachter äussert sich nicht zum Vorliegen einer somatoformen
Schmerzstörung. Diese Diagnose wurde indes im gesamten Aktenverlauf nirgendwo
erwogen. Wie nachfolgend noch aufzuzeigen sein wird, bestehen im Verhalten des
Beschwerdeführers Inkonsistenzen, welche es als nachvollziehbar erscheinen lassen,
dass nicht von einem andauernden, schweren und quälenden Schmerz ausgegangen
werden kann (vgl. H. Dilling/H.J. Freyberger, Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation
psychischer Störungen, 7. Aufl., Bern 2014, S. 195). Der neuropsychologische
Gutachter gelangte zum Ergebnis, das in der Symptomvalidierung erzielte Ergebnis sei
höchst auffällig und wäre nur bei einer schwersten kognitiven Störung (mit ständigem
Pflege- und Überwachungsbedarf) zu erwarten, die angesichts der Alltagsbeständigkeit
und Selbstversorgung sowie der regen Alltagsaktivität des Versicherten gar nicht
vorliegen könne. Aus neuropsychologischer Sicht sei keine kognitive Störung mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu attestieren (IV-act. 81-38).
Nach dem Gesagten geht aus dem Gutachten übereinstimmend mit den
medizinischen Vorakten zum einen hervor, dass die vom Beschwerdeführer
beschriebenen Schmerzen und kognitiven Einschränkungen nur teilweise somatisch
und nicht psychiatrisch objektivierbar sind. Ob eine spezifische und unfalladäquate
HWS-Verletzung (Schleudertrauma) ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle
invalidisierend wirkt, beurteilt sich sinngemäss der Rechtsprechung zu der anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung (BGE 136 V 279). Es kommt daher das mit BGE 141 V
281 eingeführte strukturierte Beweisverfahren zur Anwendung.
5.1.
Die Gutachter haben verschiedene Inkonsistenzen vermerkt: Der internistische
Experte hielt fest, diskrepant zu den anamnestischen Angaben wirke der
Beschwerdeführer nicht schmerzgeplagt (IV-act. 81-12 f.). Die beklagten
Bewegungseinschränkungen beider Arme über Schulterhöhenniveau hinaus seien nicht
nachvollziehbar. Während der 10-minütigen Ultraschalluntersuchung des Abdomens
sei es dem Versicherte sofort, problemlos und durchgängig möglich gewesen, beide
Arme hinter dem Kopf verschränkt zu halten. Die angegebene Schmerzintensität habe
während der 90-minütigen Untersuchung nicht mit dem Eindruck des Untersuchers
übereingestimmt. Alle Bewegungen seien spontan sowie auf Aufforderung hin flüssig
und zügig ausgeführt worden. Die deutlich sicht- und tastbare Beschwielung beider
Hände spreche ebenfalls für eine rege körperliche Aktivität (IV-act. 81-13). Auch der
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/24
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neurologische Gutachter berichtete, während des Untersuchs habe der
Beschwerdeführer nicht schmerzgequält oder anderweitig beeinträchtigt gewirkt (IV-
act. 81-15). Der psychiatrische Gutachter führte aus, die Beschwerdeschilderung sei
geordnet, dabei (aber) ausweichend und wenig konkret. Der Beschwerdeführer wirke
weder schmerzgequält noch in seiner Beweglichkeit beeinträchtigt (IV-act. 81-26). Die
geklagten Beschwerden seien nach Art und Lokalisation nicht mit objektiven Befunden
in Einklang zu bringen. Es bestehe eine auffällige Diskrepanz zwischen demonstrierter
Beschwerdeschilderung und fehlender objektiver Beeinträchtigung. Die Beschwerden
lösten in der Gegenübertragung keine Betroffenheit beim Gutachter aus. Der
Versicherte habe durch bisherige Therapiebemühungen seit dem Unfall 2010 keine
Besserung erzielen können. Auch sei die seltene und wenig intensive psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung (mit Terminen im Abstand von zwei bis drei
Monaten und einem unterdosierten Johanniskrautpräparat) als Ausdruck eines
geringen Leidensdrucks zu verstehen. Eine sachliche Diskussion über mögliche
Verweistätigkeiten sei nicht möglich gewesen. Ausserdem hätten sich bei dem
orientierenden Test zur Beschwerdevalidierung klare Hinweise für ein nicht
glaubwürdiges Antwortverhalten ergeben. Insgesamt fänden sich somit deutliche
Indizien für eine bewusstseinsnahe demonstrative Darbietung von Einschränkungen
und Beschwerden (IV-act. 81-29 f.). Der neuropsychologische Gutachter führte aus, die
testpsychologische Erhebung habe formal unterdurchschnittliche Leistungen erbracht
(Reaktionsbereitschaft, geteilte Aufmerksamkeit, wahrnehmungsgebundenes logisches
Denken, kurz- und längerfristige visuelle Merkleistung). Das
Beschwerdevalidierungsverfahren deute jedoch auf eine nicht ausreichende
Leistungsbereitschaft hin. Das Ergebnis des Beschwerdevalidierungsverfahrens decke
sich mit der Verhaltensbeobachtung, da auch hier die Beschwerdedarstellung
demonstrativ gewirkt habe. Der Versicherte habe mehrmals bereits gefundene
Lösungen verworfen, die begangenen Fehler seien inkonsistent gewesen und zu keiner
kognitiven Störung passend. Auch die Reaktionszeitmessungen hätten auf ein nicht
plausibles Antwortverhalten hingedeutet. Die Untersuchungsergebnisse deuteten auf
eine unüblich hohe Streubreite im Antwortverhalten und der Antwortlatenz hin, die
selbst bei einer kognitiven Verlangsamung z.B. aufgrund eines schweren Schädel-
Hirntraumas ungewöhnlich wäre. Das berichtete problemlose Führen eines Autos wäre
bei einer derartigen Verlangsamung gar nicht möglich. Beim Versicherten sei mit hoher
Wahrscheinlichkeit von einer bewusst oder vorbewusst motivierten Antwortverzerrung
auszugehen. Das in der Symptomvalidierung erzielte Ergebnis sei höchst auffällig und
wäre nur bei einer schwersten kognitiven Störung (mit ständigem Pflege- und
Überwachungsbedarf) zu erwarten, die angesichts der Alltagsbeständigkeit und
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Selbstversorgung sowie der regen Alltagsaktivität des Versicherten gar nicht vorliegen
könne (IV-act. 81-37 f.).
Der neuropsychologische Gutachter begründet nachvollziehbar, weshalb eine
kognitive Beeinträchtigung, wie sie den Testergebnissen entsprechen würde, nicht
vorliegt. Offenbar sind insgesamt zwei unterschiedliche Beschwerdevalidierungstests
auffällig ausgefallen (vgl. IV-act. 81-30 und 81-37). In der internistischen und
psychiatrischen Anamnese wurde ausdrücklich vermerkt, der Beschwerdeführer sei
alleine angereist und selbst zum Begutachtungsort gefahren. Er könne das verfügbare
Fahrzeug mit Automatik problemlos und sicher führen. Er fahre hin und wieder
vorzugsweise kurze Strecken (IV-act. 81-10, 14, 20, 26). Dass, wie vom Rechtsvertreter
mit Replik geltend gemacht (act. G 6, S. 3), die Ehefrau gefahren sei, erscheint in
Anbetracht des quasi doppelten Widerspruchs zu den gutachterlichen Aufzeichnungen
nicht überwiegend wahrscheinlich, zumal sich aus dem Gutachten keine Anhaltspunkte
ergeben, dass im konkreten Fall des Beschwerdeführers gleich zwei Gutachter
befangen gewesen wären oder den Beschwerdeführer falsch verstanden hätten. Selbst
wenn der Beschwerdeführer nur kürzere Strecken fährt, ist dies mit den
neuropsychologischen Testergebnissen unvereinbar. Sodann sprechen weitere
Inkonsistenzen gegen das Vorhandensein von Schmerzen in der vom
Beschwerdeführer geltend gemachten Intensität. Zu nennen sind hier zunächst die -
objektivierbare - freie Beweglichkeit von Hals- und Brustwirbelsäule während den
Untersuchungen. Auch berichten die Gutachter übereinstimmend, dass der
Beschwerdeführer keinen schmerzgeplagten Eindruck vermittelt habe. Sodann vermag
der Beschwerdeführer, diskrepant zu seiner subjektiven Einschätzung einer kompletten
Arbeitsunfähigkeit, immerhin im Betrieb seines Sohnes während bis zu vier Stunden
täglich leichtere Arbeiten zu verrichten. Die psychiatrisch lediglich leichte und
analgetisch lediglich bedarfsweise verordnete Medikation und die bisher erfolgten
Behandlungen lassen nicht auf einen Leidensdruck in der vom Beschwerdeführer
dargelegten Intensität schliessen. Ähnlich wie von den Gutachtern war bereits in der
Rehaklinik Bellikon eine mässige Symptomausweitung beobachtet worden
(Austrittsbericht vom 20. Dezember 2010, Fremdakten, act. 1-186 ff.), und auch der
Bericht der Rheumaklinik und des Instituts für physikalische Medizin erwähnt eine
Selbstlimitierung (Fremdakten, act. 1-91 ff.). Schliesslich hielt auch die
Bewegungswissenschaftlerin fest, schon bei geringer Belastung und bei leichten
Übungen ohne Gewicht habe der Beschwerdeführer über eine Schmerzzunahme
geklagt und die Übung nach kurzer Zeit abgebrochen. Er habe eine starke Angst vor
Belastung und eine geringe Leistungsbereitschaft gezeigt (Bericht vom 12. Oktober
2011, Fremdakten, act. 1-66 ff.). Der psychiatrische Gutachter kommt somit
5.3.
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nachvollziehbar zum Schluss, es seien mehrere Indizien für eine nicht plausible
Präsentation (gemäss Widder) zu identifizieren (IV-act. 81-29). Insgesamt fänden sich
deutliche Indizien für eine bewusstseinsnahe demonstrative Darbietung von
Einschränkungen und Beschwerden (IV-act. 81-30). Dem ist auch aus rechtlicher Sicht
zu folgen: Das Bundesgericht führte in einem Urteil vom 29. Juni 2015 (9C_899/2014,
E. 4.1) aus, dass regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vorliege, wenn
die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruhe.
Dies treffe namentlich zu, wenn eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten
Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese bestehe, wenn intensive
Schmerzen angegeben würden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibe, wenn
keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen werde, wenn
demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirkten
oder wenn schwere Einschränkungen im Alltag behauptet würden, das psychosoziale
Umfeld jedoch weitgehend intakt sei.
Ob vorliegend von einem anspruchausschliessenden Malingering auszugehen ist,
kann indes offen bleiben, denn auch die Prüfung des Anspruchs anhand der
massgebenden Standardindikatoren führt zum Ergebnis, dass keine
invalidenversicherungsrechtlich relevanten Einschränkungen bestehen. Aufgrund der
fehlenden Objektivierbarkeit und der dargelegten vorhandenen Inkonsistenzen ist nicht
von einer schwergradigen, sondern höchstens von einer mittelgradigen funktionellen
Einschränkung auszugehen (vgl. Bericht der Rheumaklinik und des Instituts für
physikalische Medizin, Universitätsspital Zürich, Fremdakten, act. 1-92).
Psychiatrischerseits stellte der Fachexperte keine die Arbeitsfähigkeit einschränkende
Komorbidität fest (IV-act. 81-30). Hinsichtlich der Persönlichkeit werden keine Befunde
oder Diagnosen erwähnt oder geltend gemacht. Der behandelnde Psychiater
diagnostizierte ausschliesslich eine längere leicht- bis mittelgradige
Anpassungsstörung (ICD-10: F43.22), die für sich alleine vorübergehend zu einer
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20% geführt habe (vgl. IV-act. 61). Von
massgeblichen psychischen bzw. persönlichkeitsbedingten Einschränkungen ist somit
nicht auszugehen. Der Beschwerdeführer absolvierte in seiner Heimat zehn Schuljahre
(Gymnasium abgebrochen) und war in der Schweiz als Bauarbeiter,
Produktionsmitarbeiter und in einem Schuhreparaturservice tätig (IV-act. 81-25). Er ist
verheiratet und Vater dreier erwachsener Söhne, wobei er auch eine frühere
Partnerschaft und seit längerem vermehrte Ehestreitigkeiten erwähnt. Er fliegt einmal
jährlich in seine Heimat, wo er ein eigenes Haus besitzt (IV-act. 81-26). Aufgrund dieser
Angaben ist von weitgehend intakten Ressourcen und keinen gravierenden
psychosozialen oder soziokulturellen Belastungsfaktoren auszugehen. Die Gutachter
5.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/24
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halten fest, der Beschwerdeführer sei im Alltag selbständig und selbstversorgend
sowie sozialfamiliär eingebunden, die Ressourcen für eine Arbeitstätigkeit seien also
erhalten. Er arbeite zudem bereits im Unternehmen seines Sohnes. Eine namhafte
Änderung des Aktivitätsniveaus sei nicht wahrscheinlich. Willensbildung und
Einsichtsfähigkeit seien angesichts der erhobenen Befunde nicht limitiert (IV-
act. 81-48 f.).
Das Gutachten der PMEDA berücksichtigt die beklagten Beschwerden und
medizinischen Vorakten vollständig. Es genügt dem für Schleudertraumen
anwendbaren strukturierten Beweisverfahren. Der Kardiologe Dr.med. T._
diagnostizierte eine beginnende hypertensive Herzkrankheit. Er äusserte sich nicht zur
Arbeitsunfähigkeit und empfahl eine Steigerung der antihypertensiven Therapie (Bericht
vom 29. November 2016, act. G 1.3). Die kardialen Beschwerden führten vom 26. Juli
bis 4. August 2017 zu einer notfallmässigen ambulanten Behandlung im Spital von
P._ (act. G 8.1). Der internistische Gutachter diagnostizierte eine Hypertonie,
attestierte dieser aber keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 81-12). Aus den
Berichten von Dr. T._ und des Spitals P._ ergibt sich kein vom internistischen
Gutachter nicht berücksichtigter objektiver Befund, welcher dessen Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit in Frage zu stellen vermag. Die im Bericht des Urologen Dr.med. U._
notierte Nykturie (drei bis viermal, act. G. 1.2) wurde auch vom internistischen
Gutachter aufgenommen (bis zu dreimalige Nykturie, IV-act. 81-9). Der Verdacht auf
Gastritis, welcher vom 30. Juni bis 1. Juli 2017 zu einer Kurzhospitalisation führte
(act. G 6.1), betrifft den vorliegend nicht mehr relevanten Zeitraum nach Erlass der
angefochtenen Verfügung (BGE 121 V 366 E. 1 b; BGE 131 V 243 E. 2.1); zudem ist
eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Dauer und Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit mit dem vorliegenden Bericht nicht als überwiegend wahrscheinlich
ausgewiesen.
5.5.
Dem Gutachten der PMEDA ist ein Anhang beigefügt mit dem Titel "Assoziation
von leichtgradigen HWS-Schleudertraumen (ohne Nachweis struktureller Läsionen) mit
Kopf- und Nackenschmerz-Syndromen". Darin wird unter anderem dargelegt, bei
jedem zweiten Patienten mit HWS-Schleudertrauma habe ein Schmerzsyndrom vor
dem Unfall entweder bereits bestanden oder zumindest als entsprechende Disposition
vorgelegen (IV-act. 81-52). Typisch für den posttraumatischen Kopfschmerz sei, dass
er weder mit der Schwere des Traumas noch mit neurologischen Ausfällen oder
untersuchungstechnischen Befunden korreliere (so genannter Dosis-Antwort-Effekt). Es
bestehe mithin kein Zusammenhang zwischen dem Schweregrad des erlittenen
Traumas und der Häufigkeit und Ausprägung des Kopfschmerzsyndroms (IV-
5.6.
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act. 81-53). Bei Patienten ohne Aussicht auf eine materielle Entschädigung seien
Schmerzsyndrome nach HWS-Traumen nicht häufiger gewesen als bei Personen ohne
solche Verletzungen (IV-act. 81-54). Der Beschwerdeführer stellt die von den
Gutachtern zitierten Studien mit Hinweis auf neuere Untersuchungen in Frage
(E. Samuelsson, Schleudertrauma - quo vadis?: in HAVE, Personen-Schaden-Forum
2017, Zürich 2017, S. 17 ff.). Die zitierten Studien sowie das vom Beschwerdeführer
angeführte bundesgerichtliche Urteil vom 14. Februar 2012 (8C_150/2011) beziehen
sich vor allem auf den in der Unfallversicherung relevanten adäquaten
Kausalzusammenhang. Das Vorbringen des Beschwerdeführers lässt sich dahingehend
zusammenfassen, dass entgegen den von den Gutachtern zitierten Statistiken vom
Vorhandensein invalidisierender Beschwerden auszugehen sei, umso mehr als er
bereits vorgängig zwei Schleudertraumen erlitten habe. Aufgrund der Akten ist nicht
erstellt, dass sich die vorangegangenen Unfallereignisse auf die Folgen der HWS-
Distorsion vom 30. August 2010 auswirkten. In der Anamnese des internistischen
Gutachtens ist im Gegenteil festgehalten, dass diese folgenlos verlaufen seien (IV-
act. 81-9). Im Bericht der Rehaklinik Bellikon vom 12. November 2010 wurden vom
Beschwerdeführer angegebene seit dem Unfall im Jahr 2007 vorbestehende Kopf- und
Rückenschmerzen lediglich ohne Weiterungen vermerkt (Fremdakten, act. 1-212). Die
biomechanische Kurzbeurteilung vom 16. Januar 2011 (Fremdakten, act. 1-127 ff.) kam
im Wesentlichen zum Ergebnis, dass sich für die Beschwerden aufgrund der
möglicherweise bestehenden Vorschädigung "Erklärungsmöglichkeiten" ergäben.
Letztlich geht es hier im Kontext der final ausgerichteten Invalidenversicherung um die
Frage, ob bzw. inwieweit Beschwerden nach einem Schleudertrauma statistisch
objektivierbar sind. Dies wird von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung verneint,
indem HWS-Distorsionen (Schleudertrauma) ohne Nachweis struktureller Läsionen
nach dem für nicht bildgebend-apparativ oder klinisch objektivierte Beschwerden
anwendbaren strukturierten Beweisverfahren zu beurteilen sind (E. 5.1). Eine Ausnahme
im vorliegenden Fall hierzu aufgrund von Vorschädigungen lässt sich auch aufgrund
der erwähnten biomechanischen Kurzbeurteilung nicht begründen. Dass aufgrund der
vom Beschwerdeführer angeführten Studien eine andere Sichtweise gerechtfertigt
wäre, drängt sich nicht auf.
Zusammenfassend stützt sich das Gutachten nicht auf generelle Statistiken zu
Schleudertraumen, sondern berücksichtigt die geklagten Beschwerden, die
medizinische Aktenlage und die umfassend erhobenen Befunde. In Anbetracht der von
den Gutachtern übereinstimmend beobachteten und dokumentierten diversen
Inkonsistenzen erscheint nachvollziehbar und schlüssig, dass keine
invaliditätsbegründenden funktionellen Einschränkungen vorliegen. Die Gutachter
5.7.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/24
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