Decision ID: ee1e9417-73d2-46ec-99e4-724d465afeae
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung/Paulianische Anfechtung
Berufung gegen ein Urteil der 10. Abteilung des Bezirksgerichtes Zürich vom 13. Juni 2017; Proz. CG150119
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Rechtsbegehren: (act. 3 S. 2)
"1. Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin CHF 16'703'706.10  Zins zu 5% seit dem 23. Dezember 2014 zu bezahlen.
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten."
Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung, vom 13. Juni 2017: (act. 57 = act. 66 = act. 68 = act. 70)
1. In teilweiser Gutheissung der Klage wird die Beklagte verpflichtet, der  Fr. 1'095'855.-- nebst Zins zu 5% seit 23. Dezember 2014 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird die Klage abgewiesen.
2. Die Entscheidgebühr wird auf Fr. 150'000.-- festgesetzt. Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
3. Die Gerichtskosten werden der Beklagten zu 1/15 und der Klägerin zu 14/15 auferlegt und mit dem von der Klägerin geleisteten Kostenvorschuss . Der Klägerin wird im Umfang des von der Beklagten zu tragenden Kostenanteils der Rückgriff auf diese eingeräumt. Ein allenfalls nicht  Teil des geleisteten Kostenvorschusses wird der Klägerin nach Eintritt der Rechtskraft zurückerstattet.
4. Die Klägerin wird verpflichtet, der Beklagten eine reduzierte  von Fr. 130'666.-- zuzüglich 8% für Mehrwertsteuer zu bezahlen. Die von der Klägerin für die Parteientschädigung der Beklagten bei der  hinterlegte Sicherheit wird der Beklagten im entsprechenden Umfang nach Eintritt der Rechtskraft zahlungshalber an ihre Parteientschädigung ausbezahlt. Ein allenfalls nicht beanspruchter Teil der geleisteten Sicherheit wird der Klägerin nach Eintritt der Rechtskraft zurückerstattet.
(5./6.: Mitteilung und Rechtsmittelbelehrung)
Berufungsanträge:
der Klägerin und Berufungsklägrin (vgl. act. 64 S. 2):
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 13. Juni 2017 sei in jenem Um-
fang aufzuheben, als das von der Berufungsklägerin vor erster Instanz  Rechtsbegehren abgewiesen wurde.
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2. Die Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, der Berufungsklägerin neben den von der Vorinstanz in teilweiser Gutheissung der Klage zugesprochenen CHF 1'095'855.00 (zuzüglich Zins zu 5% seit 23. Dezember 2014), weitere CHF 15'607'851.10 zuzüglich Zins zu 5% seit dem 23. Dezember 2014,  somit CHF 16'703'706.10 zuzüglich Zins zu 5% seit dem 23.  2014 zu bezahlen.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen für das erst- und  Verfahren zulasten der Berufungsbeklagten.
der Beklagten und Berufungsbeklagten (vgl. act. 83 S. 2):
Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten der Berufungsklägerin.

Erwägungen:
I. (Übersicht zum Sachverhalt/Prozessgeschichte)
1. - 1.1 Die Klägerin und Berufungsklägerin ist die Nachlassmasse der A._ AG (A._), die Teil der A._-Gruppe war. Die A._-Gruppe war bis zu
ihrem Zusammenbruch im Jahre 2012 die grösste unabhängige Erdöl-
Verarbeiterin Europas. Der A._ kam die Rolle zu, als Käuferin Rohöl zu er-
werben, das Rohöl als Bestellerin von Raffinierungs-Leistung durch konzerneige-
ne Raffinerien (wie die in ... NE) verarbeiten zu lassen und anschliessend die raf-
finierten Produkte zu verkaufen. Auf Ersuchen der A._ bewilligte der Nach-
lassrichter in Zug am 27. Januar 2012 die provisorische Nachlassstundung; am
27. März 2012 wurde die Nachlassstundung in eine definitive umgewandelt. Mit
Nachlassvertrag vom 28. September 2012 trat die A._ die Verfügungsgewalt
über ihr Vermögen den Gläubigern ab (act. 4/6-9). Seit dem 18. Februar 2013 be-
findet sich die A._ in Nachlassliquidation (act. 4/2).
Die Beklagte ist eine Stiftung i.S. des ZGB mit Sitz in Zürich. Sie hat folgen-
den Zweck (act. 4/11): "Die Stiftung bezweckt die Finanzierung, Unterstützung,
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Planung und Durchführung von Massnahmen im In- und Ausland, mit denen
Treibhausgasemissionen, insbesondere CO2, als Folge des Verbrauchs von fossi-
len Energieträgern nachweisbar reduziert werden. Die Stiftung stellt - gestützt auf
Art. 3 und 4 CO2-Gesetz - einen freiwilligen Beitrag der Schweizer Wirtschaft dar,
wodurch die im CO2-Gesetz und im Kyoto-Protokoll gesetzten Klimaschutzziele
erreicht werden sollen, damit auf die Einführung einer CO2-Abgabe im Treibstoff-
bereich verzichtet werden kann. Die Aufgabe der Stiftung besteht insbesondere
darin, sowohl im In- wie auch im Ausland über direkte Projektfinanzierungen, Be-
teiligung an Dritt-Institutionen oder im Rahmen internationaler Emissionshandels-
systeme in treibhausgasmindernde Massnahmen zu investieren, namentlich im
Brenn- und Treibstoffbereich, mit dem Ziel, die daraus resultierenden, nach aner-
kannten Grundsätzen ermittelten Emissionsminderungen an die im CO2-Gesetz
festgehaltenen CO2-Emissionsreduktions-Ziele anzurechnen. Die Stiftung arbeitet
im Inlandbereich namentlich mit der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) zu-
sammen."
1.2 - 1.2.1 Der Zweck der Beklagten ist vor folgendem Hintergrund zu sehen. Im Nachgang zur Klimakonvention von Rio de Janeiro im Jahr 1992 vereinbarte die
Staatengemeinschaft 1997 im Kyoto-Protokoll, das mittlerweile 192 Staaten der
Klimakonvention ratifiziert haben, verbindliche Ziele zur Reduktion der sog. Treib-
hausgasemissionen bzw. CO2-Emissionen für die am Abkommen beteiligten In-
dustriestaaten. Eine erste Verpflichtungsperiode betraf den Zeitraum 2008 bis
2012, für den sich die Schweiz wie die Europäische Union auf eine Reduktion der
Treibhausgasemission im Schnitt um 8 % auf den Stand von 92 % gegenüber
1990 verpflichtete. Die Schweiz und einige weitere Staaten sind im Rahmen einer
zweiten Verpflichtungsperiode weitere Reduktionsverpflichtungen bis 2020 einge-
gangen.
Die völkerrechtlichen Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll setzte die
Schweiz im Rahmen des Bundesgesetz über die Reduktion der CO2-Emissionen
vom 8. Oktober 1999 um (aCO2-Gesetz; vgl. dazu auch BBl 2009 S. 7451 zur La-
ge vor Erlass des aktuellen -Gesetzes). Laut Art. 3 aCO2-Gesetz sollten die
Reduktionsziele (umschrieben in Art. 2 aCO2-Gesetz) in erster Linie durch ener-
gie-, verkehrs-, umwelt- und finanzpolitische Massnahmen sowie durch freiwillige
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Massnahmen erreicht werden (Abs. 1). Für den Fall, dass die Reduktionsziele
nicht erreicht werden, wurde die Erhebung einer CO2-Abgabe auf fossilen Ener-
gieträgern durch den Bund vorgesehen (Abs. 2), wobei dem Bundesrat die Kom-
petenz dazu eingeräumt wurde, frühestens im Jahr 2004 eine Abgabe einzufüh-
ren (vgl. Art. 6 aCO2-Gesetz). Der Gesetzgeber sah somit für die Umsetzung der
politische Massnahmen als staatliche Massnahmen vor sowie freiwillige Mass-
nahmen (vgl. dazu Art. 4 aCO2-Gesetz), und "lediglich" subsidiär die CO2-Abgabe
als staatliche Lenkungsmassnahme. Das entsprach auch dem Anliegen des Bun-
desrates, wie die Botschaft zum CO2-Gesetz zeigt (BBl 1997 III 410 ff., insbeson-
dere S. 411 und 455 ff.). Dem Bundesrat wurde zudem die Kompetenz einge-
räumt, für die Unterstützung und Durchführung freiwilliger Massnahmen geeignete
Organisationen zu beauftragen (vgl. Art. 4 Abs. 2 aCO2-Gesetz).
1.2.2 Im Bereich der Treibstoffe verzichtete der Bundesrat 2005, anders als bei den Brennstoffen (vgl. dazu BBl 2005 S. 4885 ff.), auf die Erhebung einer CO2-
Abgabe zu Gunsten des sog. Klimarappens als freiwillige Massnahme der "Erdöl-
branche" (vgl. a.a.O., S. 4895) bzw. der Importeure von Benzin und Dieselöl, die
ihre Interessen durch die Erdöl-Vereinigung wahrnehmen liessen (vgl. dazu etwa
act. 23/4). Der Klimarappen war der Beklagten als Organisation i.S. des Art. 4
Abs. 2 aCO2-Gesetz (vgl. a.a.O., S. 4967) zuzuführen, mit dem Zweck der Finan-
zierung von Emissionsverhinderungen. Die freiwillige Massnahme wurde bis 2012
vorgesehen, war aber einstweilen befristet bis zum 30. Juni 2007. Die Fortführung
war abhängig von den Ergebnissen der Wirkungskontrolle des Klimarappens
durch die zuständigen Bundesbehörden (UVEK). Der Bund schloss daher mit der
Beklagten am 30. August 2005 einen entsprechenden Vertrag (vgl. act. 4/93), der
eine Mindestdauer bis 31. Dezember 2007 sowie eine Höchstdauer bis zum
31. Dezember 2012 vorsah mit Kündigungsmöglichkeit jeweils per Ende Jahr (vgl.
a.a.O., Ziffern 4 bis 4.5.2).
Bereits am 29. August 2005 hatte sich die A._ gegenüber der Beklag-
ten verpflichtet, den Klimarappen bis zum 31. Dezember 2012 zu leisten, sofern
und solange alle anderen Importeure (100%) ebenfalls den Beitragssatz leisten
(vgl. act. 4/12). Gleichzeitig ermächtigte die A._ in ihrer Verpflichtungserklä-
rung die C._ – es handelt sich um die als Verein konstituierte Pflichtorganisa-
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tion der schweizerischen Mineralölwirtschaft, deren Mitglied die A._ war –
zum Inkasso des Klimarappens bzw. "für die unter Ziffer 2 genannte Abgabe" (vgl.
a.a.O.). In der Folge kam die A._ – weil alle anderen Importeure ebenfalls
den Beitrag leisteten – ihren Verpflichtungen über die von ihr mit dem Inkasso be-
traute C._ nach, und zwar bis im Januar 2012.
1.2.3 Am 23. Dezember 2011 wurde nach Differenzbereinigung das aktuelle  durch die eidgenössischen Räte verabschiedet. Die Beratungen began-
nen dazu bereits im Frühjahr 2010. Das neue Gesetz trat am 1. Januar 2013 in
Kraft. Es bestimmt gemäss Art. 26 Abs. 1 für die Herstellung bzw. Gewinnung von
Treibstoffen im Inland sowie für den Import von Treibstoffen (vgl. dazu insbes. die
Art. 3 und 9 des Mineralsteuergesetzes) eine Kompensationspflicht (der Maxi-
malansatz beträgt gemäss Art. 26 Abs. 3 CO2-Gesetz 5 Rappen pro Liter).
Für weitere Einzelheiten zum Hintergrund, vor dem die Klage steht, kann auf
die Erwägung IV/1 des bezirksgerichtlichen Urteils vom 13. Juni 2017 (act. 70)
verwiesen werden.
1.3 Mit ihrer dem Bezirksgericht eingereichten Klage verlangte die Klägerin von der Beklagten gestützt auf Art. 286 SchKG (Schenkungsanfechtung) Klimarap-
pen-Beiträge im Umfang von Fr. 16'703'706.10, die ihr die A._ im Zeitraum
27. Januar 2011 bis 27. Januar 2012 bezahlt habe. Für den Fall, dass die Vo-
raussetzungen von Art. 286 SchKG nicht gegeben seien, forderte die Klägerin
eventualiter gestützt auf Art. 288 SchKG (Absichtsanfechtung) Klimarappen-
Beiträge im Umfang von Fr. 1'183'523.40, entsprechend der letzten Zahlung, die
am 16. Januar 2012 vor Einreichung des Gesuches um provisorische Nachlass-
stundung geleistet worden war.
2. Rechtshängig wurde die Klage im Februar mit dem Schlichtungsgesuch der Klägerin beim Friedensrichteramt D._. Die Klagebewilligung datiert vom
22. April 2015 und wurde im August 2015 zusammen mit der Klageschrift (act. 3)
dem Bezirksgericht Zürich vorgelegt. Das Bezirksgericht holte von der Klägerin
einen Kostenvorschuss ein und auf Antrag der Beklagten zudem eine Sicherheits-
leistung für die Parteientschädigung. Nach dem Eingang der Klageantwort
(act. 22) wurde ein zweiter Schriftenwechsel durchgeführt. Die Replik (act. 29)
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ging gegen Mitte Juni 2016 ein, die Duplik (act. 31) im Oktober 2016. Im Januar
2017 wurden im Rahmen einer Instruktionsverhandlung ergebnislose Vergleichs-
gespräche durchgeführt; die Parteien verzichteten zudem auf mündliche Vorträge
in der Hauptverhandlung, ausgenommen der Fall, es werde ein Beweisverfahren
durchgeführt. Die Klägerin äusserte sich hingegen später schriftlich zur Duplik
(vgl. act. 45) und die Beklagte in gleicher Weise zu diesen Äusserungen der Klä-
gerin (vgl. act. 53). Letztere verzichtete auf weitere Äusserungen und am 13. Juni
2017 fällte das Bezirksgericht sein Urteil (act. 57 [= act. 66 = act. 70]).
3. Mit Schriftsatz vom 21. August 2017 (act. 64 ff.) erhob die Klägerin rechtzeitig Berufung. Daraufhin wurden die vorinstanzlichen Akten beigezogen und ein Kos-
tenvorschuss eingeholt. Auf Antrag der Beklagten wurde die Klägerin zudem am
18. September 2017 verpflichtet, die allfällig von ihr zu leistende Parteientschädi-
gung sicherzustellen. Dem kam die Klägerin nach, weshalb am 3. Oktober 2017
das Verfahren gemäss Art. 312 ZPO fortgesetzt und Frist zur Berufungsantwort
angesetzt wurde. Die Berufungsantwort wurde mit Schriftsatz vom 3. November
2017 (act. 83) rechtzeitig erstattet und mit Schreiben vom 29. November 2017 der
Klägerin zugestellt, verbunden mit dem Hinweis, der gesetzlich vorgesehene
Schriftenwechsel sei abgeschlossen und die Sache befinde sich nun in Beratung
(vgl. act. 84 f.). Unaufgefordert reichte die Klägerin am 8. Dezember 2017 eine
Eingabe ein (vgl. act. 88), die der Beklagten zur Kenntnisnahme zugestellt wurde
(vgl. act. 90 und act. 91 [Empfangsschein vom 14. Dezember 2017]), verbunden
mit dem Bemerken, es gelte, was am 29. November 2017 mitgeteilt worden sei.
Die Sache ist spruchreif.
II. (Zur Berufung im Einzelnen)
1. - 1.1 Das Berufungsverfahren stellt keine blosse Fortsetzung des Verfahrens erster Instanz vor der zweiten Instanz dar. Zu prüfen ist ein erstinstanzliches Urteil
grundsätzlich nur soweit, wie es mit der Berufung auch angefochten wird. Weil mit
der Berufung unrichtige Feststellungen des Sachverhaltes und eine unrichtige
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Rechtsanwendung der Vorinstanz geltend gemacht werden können (Art. 310
ZPO), zu der auch die unrichtige Anwendung des pflichtgemässen Ermessens
gehört, besteht eine entsprechende Begründungslast bzw. Begrünungsobliegen-
heit der Berufung führenden Partei: die entsprechenden Beanstandungen sind
von der Berufung führenden Partei in der Berufungsschrift einzeln vorzutragen
und zu begründen (Art. 311 Abs. 1 ZPO; vgl. dazu etwa BGE 138 III 375 oder
OGer ZH, Urteil LB110049 vom 5. März 2012, E. 1.1 und E. 1.2, je mit Verwei-
sen). Wiederholungen des bereits vor der ersten Instanz Vorgetragenen genügen
den gesetzlichen Anforderungen an eine Begründung dabei ebenso wenig wie
allgemeine Kritik am angefochtenen Entscheid bzw. an den erstinstanzlichen Er-
wägungen (vgl. auch BGE 138 III 375). Neue Tatsachen und Beweismittel können
schliesslich nur in den Schranken von Art. 317 ZPO vorgetragen werden, grund-
sätzlich auch in Verfahren, die erstinstanzlich noch der Untersuchungsmaxime
sowie der Offizialmaxime unterstehen (vgl. dazu auch BGE 138 III 625).
Wird von der Berufung führenden Partei eine genügende Beanstandung
vorgebracht, so wendet die Berufungsinstanz das Recht von Amtes wegen an
(Art. 57 ZPO) und prüft daher sämtliche Mängel frei und uneingeschränkt – sie ist
weder an die Argumente der Parteien noch an die Begründung des vorinstanzli-
chen Entscheides gebunden (vgl. etwa BGE 133 II 249 E. 1.4.1 m.w.H. sowie
ZR 110/2011 Nr. 80). Bei der Begründung ihrer Entscheidung darf die Berufungs-
instanz sich auf die wesentlichen Überlegungen konzentrieren, von welchen sie
sich hat leiten lassen.
1.2 - 1.2.1 Die Klägerin hat im bezirksgerichtlichen Verfahren – wie in Erw. I/1.3 kurz vermerkt – einen Haupt- und einen Eventualstandpunkt eingenommen. Mit
ersterem hat sie gestützt auf Art. 286 SchKG (Schenkungsanfechtung) die Zu-
sprechung von Fr. 16'703'706.10 verlangt. Letzteren hat die Klägerin auf Art. 288
SchKG (Absichtsanfechtung) abgestützt und dabei die Gutheissung der Klage im
Umfang von Fr. 1'183'523.40 nebst Zins beantragt.
Das Bezirksgericht hat die Klage lediglich soweit, wie sie sich auf den Even-
tualstandpunkt abstützte, teilweise gutgeheissen, nämlich im Umfang von
Fr. 1'095'855.-- nebst Zins zu 5% seit 23. Dezember 2014 (vgl. act. 70 S. 25 - 31
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sowie S. 33). Abgewiesen hat das Bezirksgericht die Klage im Eventualstand-
punkt im Umfang von Fr. 87'668.40 (vgl. a.a.O., S. 27 ff. [Erw. 4.3 und 4.6]).
1.2.2 Mit der Berufung verlangt die Klägerin die Aufhebung des  Urteils in dem Umfang, in dem ihre Klage abgewiesen wurde, und die Gut-
heissung ihrer Klage im Differenzbetrag von Fr. 15'607'851.10 zuzüglich Zins (vgl.
act. 64 S. 2). Sie stützt ihr Begehren damit primär auf den Hauptstandpunkt
(Schenkungsanfechtung), sekundär auf den Eventualstandpunkt, nämlich soweit
sie mit diesem unterlag.
Die Beklagte hat das bezirksgerichtliche Urteil nicht angefochten, sondern beantragt einzig die Abweisung der Berufung (vgl. act. 83 S. 2). Das bezirksge-
richtliche Urteil ist daher in dem Umfang, in dem es die Klage schützt, in Rechts-
kraft erwachsen. Das ist der Klarheit halber vorzumerken.
2. Das Bezirksgericht hat die Klage, soweit sie sich auf den Hauptstandpunkt stützt (Schenkungsanfechtung i.S.v. Art. 286 SchKG) abgewiesen.
2.1 In seiner Begründung dazu – die hier nur kurz zusammengefasst wird – legte das Bezirksgericht zunächst die rechtlichen Grundlagen der Anfechtungsklage
gemäss Art. 286 SchKG dar. Es wies dabei u.a. darauf hin, massgeblich seien die
objektiven Umstände der Schenkung i.S. des OR bzw. die objektiven Umstände
einer Rechtshandlung, die der Schenkung im Art. 286 SchKG gleichgestellt sei;
es komme hingegen nicht auf die subjektive Seite der Rechtshandlung an, also
nicht auf die Absichten des Schuldners bzw. insbesondere nicht auf dessen
Schenkungswillen. Wesentlich sei folglich einerseits, dass der Schuldner aus sei-
nem Vermögen eine Zuwendung mache, zu der er weder rechtlich noch aus sittli-
chen Gründen verpflichtet sei, und anderseits, dass der Begünstigte dabei ohne
Gegenleistung seinerseits bereichert werde (vgl. act. 70 S. 20).
Die A._ habe sich gegenüber der Beklagten – so das Bezirksgericht in
seiner weiteren Begründung (vgl. act. 70 S. 21 - 23) – wie alle anderen Treib-
stoffimporteure verpflichtet, den Klimarappen zu bezahlen, damit diese als Ge-
genleistung ihrem Stiftungszweck gemäss sowie im Einklang mit dem Vertrag,
den die Beklagte mit dem Bund abgeschlossen habe, die im aCO2-Gesetz und
Kyoto-Protokoll gesetzten Klimaschutzziele mit Massnahmen habe finanzieren,
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unterstützen, planen und durchführen können. Mit dem Klimarappen seien die er-
folgreichen Bemühungen der Beklagten abgegolten worden, die Reduktionsziele
gemäss aCO2-Gesetz und Kyoto-Protokoll zu erreichen, ohne dass eine CO2-
Abgabe habe eingeführt werden müssen. Letztere wäre wohl erheblich teurer
ausgefallen und hätte den Geschäftsgang der A._ bzw. der gesamten Treib-
stoffbranche ungleich schwerer beeinflusst – das könne aber offen bleiben, weil
die A._ den Klimarappen nicht ohne Gegenleistung und daher nicht schen-
kungshalber geleistet habe.
Der Einwand der Klägerin, eine CO2-Abgabe auf Treibstoffen wäre politisch
nicht durchsetzbar gewesen, treffe nicht zu. Der Bundesrat – nicht das Parlament
– sei gemäss Art. 6 Abs. 1 aCO2-Gesetz befugt gewesen, die Abgabe einzufüh-
ren, wenn die Reduktionsziele nicht durch andere Massnahmen erreicht würden.
Und daran, das zu tun, habe der Bundesrat keinen Zweifel gelassen. Fraglich sei
höchsten die Höhe des Abgabesatzes gewesen. Von einer eigentlichen Freiwillig-
keit, den Klimarappen zu leisten, könne insofern keine Rede sein. Im Übrigen ha-
be die eidgenössische Steuerverwaltung den Klimarappen nicht als geschenkte
oder entschädigungslose Leistung betrachtet und festgehalten, er unterstehe der
Mehrwertsteuer zum Normaltarif. Zu erwähnen sei schliesslich, obwohl es auf die
subjektive Seite nicht ankomme, dass sich die Verantwortlichen der A._, wä-
re es um eine Schenkung gegangen, zweifellos Verantwortlichkeitsansprüchen
ausgesetzt hätten.
2.2 - 2.2.1 Die Klägerin rügt das unter verschiedenen Gesichtspunkten. Kurz  wirft sie dem Bezirksgericht mehrere Fehlüberlegungen vor (vgl.
act. 64 S. 4 [Rz. 10]). Das Bezirksgericht nehme fälschlicherweise einen Automa-
tismus zwischen der Nichtleistung des Klimarappens und der Einführung einer
CO2-Abgabe an (vgl. a.a.O., Rz. 11 ff. ), worin eine unrichtige Sachverhaltsfest-
stellung liege (vgl. a.a.O., Rz. 23 ff.), und zwar insbesondere hinsichtlich des hier
massgeblichen Zeitraums Januar 2011 bis Januar 2012. Die Einführung einer
CO2-Abgabe sei schon 2008/2009 politisch nicht mehr durchsetzbar gewesen und
im neuen CO2-Gesetz sei denn auch darauf verzichtet worden (vgl. etwa a.a.O.
Rz. 28 f.). Die A._ habe im hier massgeblichen Zeitraum von der Möglichkeit,
die Verpflichtungserklärung mit der Beklagten zu kündigen, keinen Gebrauch ge-
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macht und ohne Grund einen freiwilligen Beitrag zum Klimaschutz erbracht (vgl.
a.a.O., Rz. 29). Zudem liege der Auffassung des Bezirksgerichtes in Erw. V/2.1
eine unvollständige Sachverhaltsfeststellung hinsichtlich der negativen Konse-
quenzen der Einführung einer CO2-Abgabe auf Treibstoffen zu Grunde (vgl.
act. 64 Rz. 32 ff.). Weitere Fehlüberlegungen des Bezirksgerichts erblickt die Klä-
gerin im Zusammenhang mit der Gegenleistung, die das Bezirksgericht ange-
nommen hat (vgl. a.a.O., Rz. 15 - 19). Die Beklagte habe überhaupt keine Gegen-
leistung erbracht, was sie – die Klägerin – auch behauptet habe und damit nach
dem Grundsatz "a maiore minus" ebenso ein Missverhältnis der Gegenleistung
(a.a.O., Rz. 18; recte: [argumentum] "a maiore ad minus"). Was die Beklagte ge-
macht habe, sei ohne wirtschaftlichen Nutzen für die A._ gewesen, und das
Bezirksgericht habe es unterlassen, das gerügte Missverhältnis in tatsächlicher
Hinsicht zu klären (vgl. a.a.O., Rz. 19, S. 34 f.), womit es Art. 8 ZGB verletzt habe
(vgl. a.a.O., Rz. 50 ff. sowie Rz. 16). Unrichtig ausgelegt und damit eine Rechts-
verletzung begangen habe das Bezirksgericht zugleich (vgl. a.a.O., Rz. 35) und
auch sonst den Begriff der Gegenleistung i.S.v. Art. 286 SchKG (vgl. a.a.O.,
Rz. 39 ff., 53 sowie Rz. 15 und 17 ff.), indem es etwa in Erwähnung des Verzichts
auf Einführung einer Abgabe zum Nutzen der übrigen Treibstoffimportbranche ei-
ne Branchensichtweise angenommen habe und nicht die insolvenzrechtlich ange-
zeigte singuläre klägerische Optik (vgl. a.a.O., Rz. 42). Unrichtig seien schliess-
lich die Gleichstellung des steuerrechtlichen und vollstreckungsrechtlichen
Schenkungsbegriffs (vgl. a.a.O., Rz. 44 ff.) und das Abstellen auf die subjektive
Absicht (vgl. a.a.O., Rz. 47 ff.) sowie die Ausführungen zum Kyoto-Protokoll, weil
letztere in Verletzung der Verhandlungsmaxime (Art. 55 Abs. 1 ZPO) ergangen
seien (vgl. a.a.O., Rz. 60 f.).
2.2.2 Die Beklagte hält die Sachverhaltsfeststellungen des Bezirksgerichts für  (vgl. etwa act. 83 Rz. 5, 35, 43, 59), die Vorwürfe der Klägerin an das Be-
zirksgericht für unzutreffend (vgl. etwa a.a.O., S. 6 ff., dort etwa Rz. 18, 20, 28,
39, 49, 52, 53, 59) und damit die Berufung für unbegründet. Sie merkt überdies
an, sie halte an ihrem vor dem Bezirksgericht eingenommenen Standpunkt fest
(vgl. a.a.O., Rz. 3) und verweist u.a. darauf, es sei durch sie sichergestellt wor-
den, dass alle Importeure am Klimarappen beteiligt gewesen seien und daher
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keinem von ihnen ein Wettbewerbsnachteil entstanden sei (vgl. a.a.O., Rz. 12).
Unbestritten sei zudem geblieben, dass die A._ den Klimarappen habe wei-
terverrechnen können und auch weiterverrechnet habe, dessen Leistung für die
A._ also kostenneutral war. Eine Schädigung der Gläubiger sei daher gar
nicht gegeben (vgl. a.a.O., S. 5).
2.2.3 Es versteht sich von selbst, dass in einer Zusammenfassung von  im Berufungsverfahren nicht alles vermerkt werden kann, was vorgetra-
gen wurde. Im Folgenden werden jedoch sämtliche Vorbringen der Parteien be-
rücksichtigt, soweit sie massgeblich sind, und zwar auch dort und dann, wenn und
wo das nicht ausdrücklich erwähnt ist.
2.3 - 2.3.1 Das Bezirksgericht hat in seinem Urteil die Voraussetzungen der Klage nach Art. 286 SchKG grundsätzlich zutreffend dargelegt. Zur Vermeidung von
Wiederholungen kann daher vorab auf die entsprechenden Erwägungen im ange-
fochtenen Urteil verwiesen werden. Ergänzend kann hier vorab noch auf BGE 143
III 167 (namentlich E. 3.4.1 m.w.H.) verwiesen werden sowie z.B. auf das bun-
desgerichtliche Urteil 5A_391/2012 vom 19. Dezember 2012, dort E. 4. Hinzuwei-
sen ist zudem, dass der objektive Tatbestand der Schenkung bzw. der diesen
gleichgestellten unentgeltlichen Verfügungen dann nicht erfüllt ist, wenn eine Zu-
wendung i.S. des Art. 239 Abs. 3 OR vorliegt.
Anzumerken ist überdies, dass das Bezirksgericht seinen Entscheid nicht
auf eine "subjektive Absicht" abstützte, wie die Klägerin in der Überschrift vor der
Rz. 47 in act. 64 rügt. Es brachte am von der Klägerin gerügten Ort lediglich eine
Anmerkung an, zu deren Einleitung es selbst festhielt, es komme auf die subjekti-
ve Absicht nicht an (vgl. act. 70 S. 22 [Erw. 2.2]). Warum sich das Bezirksgericht
dann gleichwohl zu dem von ihm selbst als irrelevant Erkannten äusserte, kann
hier offen bleiben, da die Klägerin ebenfalls richtig festhält, die bezirksgerichtliche
Erwägung sei irrelevant (vgl. act. 64 Rz. 48) und folgerichtig auch nichts von Be-
lang daraus ableitet (vgl. a.a.O., Rz. 47 - 49).
Massgeblich ist anderes; es geht um die Frage, ob die Zahlung des Klima-
rappens durch die A._ an die Beklagte in objektiver Hinsicht eine von
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Art. 286 Abs. 1 SchKG erfasste Schenkung darstellte oder ein der Schenkung in
objektiver Hinsicht gleichgestelltes Rechtsgeschäft. Dem ist nachzugehen.
2.3.2 Die Klägerin macht wie erwähnt mehrere unrichtige  des Bezirksgerichtes geltend sowie eine Verletzung des Verhandlungsgrund-
satzes durch Ausführungen zum Kyoto-Protokoll, die sich in keiner Parteieingabe
wiederfänden (vgl. act. 64 Rz. 60 f.). Wie die Beklagte zu letzterem richtig ver-
merkt (act. 83 Rz. 59), darf das Gericht auf Notorisches abstellen (vgl. auch
Art. 151 ZPO). Sowohl das Kyoto-Protokoll (vgl. SR 0.814.011) als auch die Ver-
pflichtungen der Schweiz aus der UN-Klimakonvention sowie deren Umsetzung
im Rahmen des sog. CO2-Gesetzes in der alten und der neuen Fassung haben
aufgrund der Gesetzgebung bzw. Beschlussfassungen der Räte und der dazuge-
hörigen, allgemein zugänglichen Materialien (vgl. etwa Botschaft des Bundesrates
zur Genehmigung des CO2-Abgabesatzes für Brennstoffe vom 22. Juni 2005, in:
BBl 2005 S. 4885 ff.), auf die sich übrigens zuweilen auch die Klägerin beruft (vgl.
act. 64 Rz. 25 ff.), als notorisch zu gelten, und zwar in ihrer Gesamtheit. Dass sich
das Bezirksgericht darauf abstützte, ist folglich nicht zu beanstanden, sondern
richtig.
In der Botschaft vom 22. Juni 2005 auf S. 4886 ist im Übrigen wörtlich zu le-
sen: "Seit dem Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls am 16. Februar 2005 ist diese Ver-
pflichtung verbindlich für die Schweiz. Wichtigste gesetzliche Grundlage für die Umset-
zung des Kyoto-Protokolls ist das CO2-Gesetz, das seit dem 1. Mai 2000 in Kraft ist". Und
weiter ist auf S. 4887 wörtlich zu lesen: "Die CO2-Abgabe auf Brennstoffen und der
Klimarappen sollen einen wesentlichen Beitrag leisten, um die Ziele des CO2-Gesetzes
und des Kyoto-Protokolls zu erfüllen". Ein Zusammenhang zwischen dem Kyoto-
Protokoll und dessen Umsetzung in der CO2-Gesetzgebung bis 2012 wurde – um
auch das doch zu erwähnen – in der Botschaft des Bundesrates vom 16. April
2014 zur Genehmigung der Änderung des Kyoto-Protokolls (BBl 2014 S. 3455 ff.)
hergestellt (vgl. a.a.O. S. 3456). Die vom Bundesrat ersuchte Genehmigung wur-
de am 20. März 2015 von beiden Räten erteilt, und das alles ist notorisch. Von
daher ist es fast müssig, z.B. auch noch auf die Medienmitteilung des Bundes
vom 10. April 2014 hinzuweisen, die sich ebenfalls mit dem Zeitraum bis 2012 be-
fasst (vgl. https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-
- 14 -
52619.html; zuletzt besucht am 2. Februar 2018) und in der der Klimarappen bei der
Nutzung ergänzender Instrumente des Kyoto-Protokolls erwähnt wird.
Unbegründet geblieben ist überdies die Beanstandung der Klägerin, das Be-
zirksgericht habe einen Automatismus zwischen Nichtleistung und Einführung der
CO2-Abgabe angenommen, insbesondere soweit dabei auch noch eine ungenutz-
te Kündigungsmöglichkeit der A._ im Zeitraum vom 27. Januar 2011 bis zum
27. Januar 2012 (act. 64 Rz. 29) behauptet wird. Die Kündigung ist die Ausübung
eines Gestaltungsrechts auf Aufhebung einer Rechtsbeziehung durch Abgabe ei-
ner (empfangsbedürftigen) Willenserklärung. Wie in Erw. 1/1.2.2 dargelegt, hat
sich die A._ im August 2005 zur Leistung des Klimarappens bis Ende 2012
verpflichtet. Ein Recht auf Kündigung dieser Verpflichtung gegenüber der Beklag-
ten hat sie sich darin nicht ausbedungen; die Klägerin vermag im Zusammenhang
mit ihren Behauptungen zur Kündigung denn auch nirgends darzulegen, wann
und wie sich die A._ ein solches Recht auf Auflösung ihrer Verpflichtungen
gegenüber der Beklagten durch Abgabe einer Willenserklärung ausbedungen ha-
ben soll (vgl. act. 64 Rz. 29 und die dortigen Verweise auf Rz. 24 von act. 3, auf
Rz 17 ff., 46 und 114 von act. 29 sowie act. 45 Rz. 3). Geknüpft hat die A._
ihre Verpflichtung hingegen an eine (Resolutiv-)Bedingung, nämlich dass die Ver-
pflichtung nur gelte, wenn und solange alle übrigen Importeure eine gleiche Ver-
pflichtung eingehen bzw. einhalten. Wäre diese Bedingung eingetreten, hätte das
richtigerweise zum Untergang der Verpflichtung geführt; einer Kündigung der
A._ hätte es folglich nicht bedurft. Und selbst dann, wenn man der Auffas-
sung sein wollte oder gar müsste, der Eintritt der Bedingung, wie sie die A._
im August 2005 selbst formuliert hatte, hätte nicht per se zum Untergang der Ver-
pflichtung geführt, sondern die A._ lediglich zur Kündigung berechtigt, bliebe
das hier ohne Belang. Die Klägerin hat in der Berufung nämlich nicht dargetan,
dass und wann genau im Zeitraum von Januar 2011 bis Januar 2012 die von der
A._ selbst formulierte Bedingung nicht mehr erfüllt war (vgl. act. 64 Rz. 29
[mit den vorhin zitierten Verweisen]) und der A._ daher wenigstens das
Recht bzw. die "Möglichkeit" (a.a.O.) zur Kündigung gegeben hätte. Die Klägerin
bezeichnet auch keinen Grund, der sich beispielsweise schon 2008 oder 2010
oder erst recht etwa im Januar 2011, im Mai 2011 oder im August 2011 verwirk-
- 15 -
licht hat und die A._ – etwa analog zu Art. 470 Abs. 1 OR – zu einem Wider-
ruf ihrer Verpflichtung gegenüber der Beklagten berechtigt hätte, und zwar selbst
dann, wenn man von einer Schenkung i.S. des OR ausginge (was erst noch zu
prüfen sein wird). Die Verpflichtungserklärung der A._ genügte diefalls näm-
lich dem Formerfordernis von Art. 243 Abs. 1 OR (vgl. zu Art. 470 Abs. 1 OR:
BGE 105 II 109 E. d; siehe zu Art. 243 Abs. 1 OR etwa: BGE 136 III 145 E. 3.3;
110 III 341 f.; 110 II 161 E. d; 45 II 297 f.).
2.3.3 Unstrittig war der Klimarappen eine sog. freiwillige Massnahme i.S. des -Gesetzes. Das aCO2-Gesetz stellte – wie ebenso das aktuelle CO2-Gesetz –
die gesetzliche Grundlage, um die völkerrechtlichen Verpflichtung der Schweiz,
die CO2-Emissionen zu reduzieren, im Inland umzusetzen. Als Mittel der Umset-
zung dieser Verpflichtungen sah das Gesetz in seinem Art. 3 Abs. 1 neben ande-
ren Massnahmen nämlich sog. freiwillige Massnahmen vor, insbesondere die
freiwillige Verpflichtung von Verbrauchern fossiler Brenn- und Treibstoffe zur Be-
grenzung von Emissionen mit Hilfe einer Erklärung i.S. des Art. 4 aCO2-Gesetz.
Darauf wurde schon einleitend in Erw. I hingewiesen, wie dort auch vermerkt wur-
de, dass das Gesetz dem Bund im Abs. 2 von Art. 3 für den Fall des Ungenügens
der Massnahmen gemäss Art. 3 Abs. 1, wozu auch die sog. freiwilligen Mass-
nahmen zählen, die Kompetenz erteilte, an deren Stelle Lenkungsabgaben i.S.
der Art. 6 ff. des Gesetzes zu erheben. Die sog. freiwilligen Massnahmen – wie
der Klimarappen eine bis 2012 befristete war – bildeten folglich eine im Gesetz
vorgesehene Lenkungsmassnahme, die u.a. dem Vollzug der völkerrechtlichen
Verpflichtungen des Bundes aus dem Kyoto-Protokoll diente. Das charakterisiert
die sog. freiwilligen Massnahmen i.S. von Art. 3 Abs. 1 sowie Art. 4 aCO2-Gesetz,
und damit ebenso den Klimarappen als Mittel, völkerrechtliche Verpflichtungen
des Staates zu erfüllen, und zwar bei Treibstoffen primär mit einem staatlich ge-
wollten Abgabeverhalten der Verbraucher, das anstelle des Staates damit beauf-
tragten Privaten veranlassen sollen. Oder anders formuliert: Mit den freiwilligen
Massnahmen i.S. des aCO2-Gesetzes, namentlich mit dem Klimarappen (vgl. da-
zu Erw. I/1.2.2), delegierte der Gesetzgeber den Vollzug von Aufgaben des Bun-
des (u.a. die Erfüllung völkerrechtlicher Verpflichtungen durch Zahlungen mit Len-
kungscharakter) primär an Private, beim Klimarappen, wie das Bezirksgericht
- 16 -
richtig festhielt, im Jahr 2005 vorab einmal auf Probe (vgl. act. 70 S. 7). Zur Ver-
meidung von Wiederholungen kann auf die entsprechenden Erwägungen im an-
gefochtenen Urteil verwiesen werden. Bei Ungenügen dieses delegierten Vollzu-
ges staatlicher Aufgaben sollte und konnte überdies das staatliche Zwangsmittel
der Lenkungsabgabe treten. Die Freiwilligkeit einer Massnahme i.S. des Art. 3
Abs. 1 und des Art. 4 aCO2-Gesetz – wie dem Klimarappen – war insoweit be-
schränkt, worauf das Bezirksgericht zutreffend hingewiesen hat (vgl. act. 70
S. 22), und sie war beim Klimarappen zunächst beschränkt bis Ende 2007 (vgl.
a.a.O., S. 7 f.). Ebenso auf diese Erwägungen im angefochtenen Urteil kann ver-
wiesen werden. Der Feststellung allfälligen Ungenügens diente die in Art. 5 aCO2-
Gesetz vorgesehene Evaluation durch den Bundesrat, die im Übrigen alle Mass-
nahmen i.S. des Art. 3 aCO2-Gesetz betraf und nicht nur freiwillige Massnahmen
i.S. von Art. 3 Abs. 1 und Art. 4 aCO2-Gesetz. Bereits von daher lässt sich nur
schwerlich sagen, in der Leistung des Klimarappens liege eine Schenkung
i.S. des Art. 286 SchKG. Denn auch wenn das aCO2-Gesetz nicht einen einzel-
nen verpflichtete, den Klimarappen zu bezahlen, wie das bei einer Abgabe der
Fall wäre, so begründete es mit Blick auf den Zweck der Massnahme (Mittel zur
Erfüllung völkerrechtlicher Verpflichtungen des Staates) und deren eben erörterte
Freiwilligkeit zwar keine unmittelbare gesetzliche Pflicht einzelner, aber jedenfalls
eine im öffentlichen Recht gründende und insoweit im gesellschaftlichen Gesamt-
interesse liegende mittelbare Pflicht zur Mitwirkung bei der Emissionsreduktion
und damit eine sittliche Pflicht i.S. des Art. 239 Abs. 3 OR.
2.3.4 Hinzu kommt, dass die Freiwilligkeit von Massnahmen i.S. des Art. 3 Abs. 1 und Art. 4 aCO2-Gesetz durch den Bundesrat organisatorisch beschränkt werden
konnte (vgl. Abs. 2 von Art. 4 aCO2-Gesetz) und das im Fall des Klimarappens –
wie gesehen – ausdrücklich der Fall war (vgl. vorn Erw. I/1.2.2). Als freiwillige
Massnahme betraf der Klimarappen denn auch nicht einzelne Unternehmungen,
sondern die gesamte Branche der Treibstoffimporteure, was die A._ mit der
von ihr formulierten Bedingung in der Verpflichtungserklärung selbst treffend zum
Ausdruck gebracht und damit ausdrücklich anerkannt hatte, zumal damit Verzer-
rungen des Wettbewerbs mit den übrigen Treibstoffimporteuren vermieden wer-
den konnten. Dieser Branchenbezug war dem aCO2-Gesetz zudem nicht fremd,
- 17 -
sondern durchaus immanent, wie ein Blick auf dessen Art. 2 zeigt. Die Bestim-
mung legt in ihren Abs. 1 - 2 die vom Gesetzgeber verfolgten Reduktionsziele ge-
nerell fest, ermöglichte es dem Bundesrat indes, für einzelne volkswirtschaftliche
Bereiche, also bestimmte Branchen, besondere Ziele festzulegen, und zwar in
"Zusammenarbeit mit den betroffenen Kreisen" (vgl. Abs. 5 von Art. 2 aCO2-
Gesetz). Letzteres bezog sich zudem auf alle Mittel bzw. Massnahmen i.S. des
Art. 3 aCO2-Gesetzes und damit ebenfalls auf alle freiwillige Massnahmen. Nicht
hilfreich ist daher in diesem Zusammenhang, aber ebenso im Zusammenhang mit
der bei der Lancierung des Klimarappens 2005 real im Raume gestandenen Mög-
lichkeit des Bundes, eine Abgabe auf Treibstoffen zu erheben, der Hinweis der
Klägerin, die A._ hätte sich dem "Zwang" der Branche bzw. einer allfälligen
Abgabe gestützt auf Art. 3 Abs. 3 aCO2-Gesetz entziehen können. Denn dann
hätte sie sich entweder allein oder aber mit mehreren anderen Verbrauchern (vgl.
Art. 9 Abs. 2 lit. b aCO2-Gesetz) zu einer Begrenzung ihrer Emissionen verpflich-
ten müssen. Dass die Importeure von Treibstoffen keinen Beitrag zur Erfüllung
der mit dem aCO2-Gesetz verfolgten Ziele der Emissionsreduktion hätten leisten
müssen, behauptet die Klägerin schliesslich selbst nicht ernsthaft.
Endlich konnte und wurde der Klimarappen von den Importeuren wie der
A._ als Verbraucher i.S. des aCO2-Gesetzes den Kunden weiter verrechnet,
waren es wirtschaftlich gesehen letztlich die Endverbraucher von Treibstoff, die
den Klimarappen zur Erfüllung der völkerrechtlichen Verpflichtung der Schweiz,
die CO2-Emission zu reduzieren, leisteten. Insoweit unterschied sich die Abliefe-
rung und Verwendung des Klimarappens an die Beklagte bzw. durch die Beklagte
als vom Bund beauftragte Organisation zur Umsetzung der völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen im Vergleich zu einer Abgabe (auch einer gemäss Art. 3 Abs. 2
aCO2-Gesetz) einerseits darin, dass nicht der Staat selbst die für die Bemessung
und den Bezug der Gelder notwendige Organisation stellte, sondern durch Private
stellen liess, die sich dazu verpflichteten, sowie anderseits, dass sich die für CO2-
Emissionen verantwortlichen Verbraucher als "Abgabepflichtige" ihrerseits der
privaten Organisation gegenüber verpflichteten, mit ihren Zahlungen die im Voll-
zug des aCO2-Gesetzes vorgegebenen Ziele der Emissionsreduktion zu tragen.
Das verdeutlicht das vorhin zur Delegation des Vollzugs völkerrechtlicher Ver-
- 18 -
pflichtungen Dargelegte und zur Erfüllung einer im öffentlichen Interesse liegen-
den sittlichen Pflicht, einer Pflicht, der in objektiver Betrachtung naturgemäss stets
eine erhebliche altruistische Komponente zukommt. Der Einwand der Klägerin,
die mit dem Klimarappen finanzierten Tätigkeiten der Beklagten seien für die
A._ von keinem wirtschaftlichen Nutzen gewesen, geht daher an der Sache
vorbei. Und es ist schon fast müssig, ergänzend auch noch darauf hinzuweisen,
dass die wirtschaftlichen Interessen der A._, die ja im möglichst gewinnbrin-
genden Verkauf von Treibstoffen lagen, mit den vom aCO2-Gesetz verfolgten Zie-
len, zu deren Erfüllung die Beklagte im Auftrag des Bundes beitrug, in einem nicht
zu übergehenden Zielkonflikt bzw. Widerspruch standen.
2.3.5 War der Klimarappen – so kann zusammengefasst werden – eine staatlich gewollte und überprüfte Lenkungsmassnahme zur Emissionsreduktion von CO2 gemäss völkerrechtlichen Verpflichtungen, deren Vollzug an Private delegiert
wurde, so kann in der Verpflichtung der A._ gegenüber der Beklagten, die
vom Bund beauftragt worden war, kein Schenkungsversprechen gesehen werden,
sondern ein bis 2012 befristetes verbindliches Leistungsversprechen, das zwar
nicht unmittelbar die Erfüllung einer gesetzlichen Pflicht zum Gegenstand hatte,
aber mittelbar, nämlich zumindest im Sinne einer sittlichen Pflicht. Und die darauf
fussende Ablieferung des Klimarappens an die Beklagte erfolgte in Erfüllung die-
ser Pflicht bis Januar 2012, weil die (Resolutiv-)Bedingung, an die die A._ ihr
Leistungsversprechen geknüpft hatte, wie gesehen nie eintrat, und sonst kein
Grund bezeichnet wurde, der die A._ zur Kündigung bzw. zum Widerruf ihrer
Verpflichtung (z.B. etwa 2008 oder 2010 oder 2011) berechtigt hätte (vgl. dazu
vorn Erw. II/2.3.3). Bei diesem Ergebnis erübrigt es sich die Frage nach einer all-
fälligen angemessenen Gegenleistung. Und es bleibt festzuhalten, dass der Beru-
fung in diesem Punkt kein Erfolg beschieden ist.
2.4 Wollte man dieses Ergebnis nicht gelten lassen (wozu aber kein Anlass ), so gölte grundsätzlich, was das Bezirksgericht auf den S. 21 - 22 seines
Urteils (act. 70) i.V.m seinen Erwägungen IV/1 zum Ergebnis führte, die Voraus-
setzungen von Art. 286 Abs. 1 SchKG seien nicht erfüllt. Ergänzend bzw. verdeut-
- 19 -
lichend zu berücksichtigen ist zudem das in den vorstehenden Erw. II/.2.3.1 und
2.3.2 Dargelegte sowie das Folgende.
Die A._ hat ihre Verpflichtung 2005 abgegeben und war in der Folge
daran gebunden. Massgeblich ist daher der Zeitraum, in dem sie die Verpflichtung
erklärte, nachdem im Jahr 2007 kein Anlass bestanden hatte, vom Klimarappen
abzugehen, und nicht der Zeitraum danach, namentlich nicht der Zeitraum Januar
2011 bis Januar 2012. Die Freiwilligkeit der Verpflichtung der A._ war – wie
vorhin gezeigt – beschränkt, weil sich die Branche als solche zur Leistung des
(auf die Kunden überwälzbaren) Klimarappens verpflichtete und ein Abseitsste-
hen der A._ die Verwirklichung des Klimarappens 2005 durch die Branche
verhindert hätte, was damals realistisch gesehen zur ersatzweisen Einführung ei-
ner CO2-Abgabe geführt hätte.
Beim Klimarappen handelte es sich nach dem Willen der Erdölvereinigung
und der in ihr zusammengeschlossenen Treibstoffimporteure, darunter die
A._, um zweckbestimmte Gelder, die die A._ – wie alle übrigen Treib-
stoffimporteure – letztlich bloss bei ihren Kunden kassierte, um sie dann der Be-
klagten zur zweckgemässen Verwendung abzuliefern; die dazu nötige Abreden
unter den Importeuren war übrigens kartell- bzw. wettbewerbsrechtlich nicht ganz
unbedenklich und wurde lediglich mit Blick auf die Befristung bis 2012 gebilligt
(auf diese kartellrechtliche Problematik der Branchenverpflichtung hat der Bun-
desrat in seiner Botschaft 2005 hingewiesen; vgl. BBl 2005 S. 4907, 4912 f.). Das
verbietet es aus wirtschaftlicher Sicht per se, von einer Schenkung bzw. unent-
geltlichen Verfügung zu Gunsten der Beklagten zu reden (anders wäre es dann,
wenn die A._ den Klimarappen nicht ihren Kunden überwälzt, sondern aus
ihren Mitteln bezahlt hätte). Mit ihrer Verpflichtung gegenüber der Beklagten vom
August 2005 erwarb sich die A._ zudem ohne den Einsatz irgendwie erhebli-
cher eigener Mittel die Möglichkeit, gleichzeitig mit den übrigen in der Erdölverei-
nigung zusammengeschlossenen Treibstoffimporteuren, ohne Beschränkungen
im Absatz (vgl. dazu Art. 3 Abs. 3 aCO2-Gesetz) ihrer für CO2-Emissionen ver-
antwortlichen Treibstoffe weiter wirtschaften zu können. Verbunden war damit zu-
dem ein Imagegewinn, nämlich der, für die Umwelt zu sorgen (vgl. dazu auch
https://www. erdoel.ch/de/politik/umwelt-und-klimapolitik/co2-kompensation-treibstoffe [besucht
- 20 -
am 2. Februar 2018]: " Die Vorgängerorganisation von E._, die Stiftung
B._, hat die Vereinbarung mit dem Bund zur Verminderung des CO2-
Ausstosses im In- und Ausland für den Zeitraum 2008 bis 2012 erfüllt. Sie leistete
mit einer Reduktion von 17 Millionen Tonnen CO2 einen wichtigen Beitrag zur Er-
reichung der Ziele, welche sich die Schweiz mit dem Beitritt zum Kyoto-Protokoll
gesetzt hatte"). Bei dieser Sachlage – letztlich Inkasso des zweckbestimmten
Klimarappens durch die Klägerin und dessen Ablieferung an die Beklagte zur
zweckgemässen Verwendung – ist eine allfällige Unangemessenheit einer Ge-
genleistung der Beklagten in der Tat nicht zu prüfen: Die A._ hat wirtschaft-
lich gesehen mit der Ablieferung der zweckbestimmten Gelder, die ihr Dritte leis-
teten, der Beklagten keine geldwerte Eigenleistung erbracht. Die Kritik der Kläge-
rin am bezirksgerichtlichen Urteil übergeht das. Die vom Bezirksgericht erwähnte
mehrwertsteuerliche Behandlung des Klimarappens, die die Klägerin auch rügt,
bleibt in diesem Zusammenhang sodann irrelevant.
Auch sonst bringt die Klägerin mit der Berufung zum hier behandelten Punkt
nichts vor, was eine andere Sichte gebieten könnte. Der Berufung wäre folglich im
hier behandelten Punkt auch insoweit kein Erfolg beschieden.
3. Das Bezirksgericht hat der Klägerin in teilweiser Gutheissung der Klage  auf Art. 288 SchKG, die sich auf die Zahlung das Klimarappens durch die
A._ im Januar 2012 bezog, lediglich den Betrag von Fr. 1'095'855.-- zuge-
sprochen und nicht wie verlangt Fr. 1'183'523.40. Die Differenz von Fr. 87'688.40
entspricht dem Mehrwertsteueranteil. Das Bezirksgericht erwog dazu, es sei da-
von auszugehen, dass die Beklagte die Mehrwertsteuer an die Steuerbehörde
abgeliefert habe, während die Klägerin ihrerseits die Vorsteuer in diesem Umfang
zurückerhalten habe, weshalb keine Bereicherung der Beklagten bzw. Schädi-
gung der Gläubiger i.S. des Art. 291 SchKG vorliege (vgl. act. 70 S. 28 f., dort
insbes. S. 29). Selbst wenn die Klägerin die Vorsteuer noch nicht von der Steuer-
behörde zurückerhalten hätte, könnte sie dies gestützt auf Art. 41 Abs. 2 MWSTG
noch tun (a.a.O., S. 28).
3.1 Die Klägerin erachtet das als Fehlüberlegung (vgl. act. 64 Rz. 20 - 22) und macht eine Verletzung von Art. 288 SchKG sowie Art. 41 MWSTG geltend
- 21 -
(a.a.O., Rz. 54 ff.). Im Wesentlichen hält sie dafür, jede Partei habe als mehrwert-
steuerpflichtiges Steuersubjekt aufgrund der zivilrechtlichen Realitäten mit der
eidgenössischen Steuerverwaltung für sich abzurechen; es sei ihnen verwehrt, bi-
lateral und unter Ausschluss der eidgenössischen Steuerverwaltung Mehrwert-
steuerverpflichtungen bzw. Vorsteuerguthaben zu kompensieren. Ebenso wenig
sei ein Zivilgericht dafür kompetent. Der Art. 41 MWSTG enthalte für den Fall
nachträglicher Änderungen der Steuerschuld und des Vorsteuerabzuges ein ent-
sprechendes Korrektiv.
Die Beklagte erachtet das angefochtene Urteil, welches in diesem Punkt ih-
rer dem Bezirksgericht vorgetragenen Auffassung folgt (vgl. act. 70 S. 27 [dort
Erw. 4.3 mit Verweisen]), für richtig (vgl. act. 83, Rz. 30 ff. und 57 f.) bzw. ein-
leuchtend und sachgerecht (a.a.O., Rz. 32). Die Gläubiger seien durch die paulia-
nische Anfechtung so zustellen, wie wenn die angefochtene Handlung nicht statt-
gefunden hätte, woraus e contrario folge, dass sie auch nicht besser zu stellen
seien, wie wenn die angefochtene Handlung nicht vorgenommen worden wäre
(a.a.O.). Im Umfang der auf den Klimarappen entfallenden Mehrwertsteuer liege
daher kein Rückerstattungsanspruch vor (a.a.O., Rz. 33).
3.2 Wie die Beklagte richtig bemerkt, bezweckt die Anfechtungsklage, dass die Gläubiger so zu stellen sind, wie wenn die angefochtene Handlung nicht stattge-
funden hätte. Angefochtene Handlung ist die Zahlung der A._ im Januar
2012 im Umfang von Fr. 1'183'523.40 an die Beklagte. Die Beklagte ist daher
grundsätzlich verpflichtet, der Klägerin diesen Betrag zurückzuerstatten. Davon
ging richtigerweise auch das Bezirksgericht aus und es gehen ebenso die Partei-
en davon aus, liessen sie doch das bezirksgerichtliche Urteil, dem der entspre-
chende Sachverhalt zugrunde liegt, im Berufungsverfahren unangefochten. Rich-
tig ist ebenfalls, dass diese Rückerstattung auch (mehrwert-)steuerrechtliche Fol-
gen nach sich zieht, die beide Parteien als Steuersubjekte je einzeln betreffen.
Die Regelungen der steuerrechtlichen Folgen von zivilrechtlichen Urteilen, mit de-
nen eine Partei zu einer Zahlung von Geldleistungen verpflichtet wird (sei es we-
gen Leistung von Schadenersatz, von vertraglich Geschuldetem oder infolge un-
zulässiger Bereicherung), ist keine zivilrechtliche, sondern eine öffentlich-
rechtliche Angelegenheit. Dafür zuständig sind die jeweiligen Steuerbehörden ge-
- 22 -
genüber den jeweiligen Steuersubjekten, nicht hingegen der Zivilrichter. Dass es
sich bei mehrwertsteuerrechtlichen Folgen anders verhielte, lässt sich nicht be-
gründen, zumal das Mehrwertsteuergesetz für den Fall der Änderung der für die
Steuerbemessung massgeblichen Verhältnisse – wie bei Steuergesetzen üblich –
ausdrücklich im Art. 41 eine entsprechende Regelung enthält. Die vom Bezirksge-
richt vorgenommene Kürzung des unter dem Titel von Art. 288 SchKG eingeklag-
ten Betrages um einen Mehrwertsteuerbetrag erweist sich daher als unzulässig.
Sie wäre im Übrigen als Kompensation, wie die Klägerin es nennt, auch zivil-
rechtlich nicht zulässig. Denn es ginge nicht um gegenseitige privatrechtliche For-
derungen der Parteien, sondern um Forderungen bzw. Schulden je bloss einer
Partei gegenüber einem Dritten, nämlich der Schweizerischen Eigenossenschaft
einmal als Gläubigerin und einmal als Schuldnerin jeweils bloss einer der zwei
Parteien aus öffentlichem Recht.
4. Es bleibt folgendes Fazit zu ziehen: Die Klägerin hat beim Bezirksgericht , die Beklagte sei zur Zahlung von Fr. 16'703'706.10 zuzüglich Zins zu ver-
pflichten. Das Bezirksgericht hat diese Klage im Umfang von Fr. 1'095'855.-- zu-
züglich Zins gutgeheissen, was im Berufungsverfahren unangefochten blieb (vgl.
vorn Erw. II/1.2.2).
Im Streit stand daher im Berufungsverfahren noch eine Forderung der Klä-
gerin gegenüber der Beklagten im Umfang von Fr. 15'607'851.10. Die Klägerin
unterliegt mit ihrer Berufung im Hauptpunkt (vgl. Erw. II/2), sie obsiegt hingegen
im Eventualstandpunkt vollumfänglich (vgl. Erw. II/3). In teilweiser Gutheissung
der Klage ist die Beklagte daher zu verpflichten, der Klägerin Fr. 87'668.40 zu be-
zahlen. Der geltend dazu gemachte Verzugszins von 5 % seit dem 23. Dezember
2014 ist unbestritten geblieben und daher ebenfalls zuzusprechen.
Im Übrigen ist die Berufung und damit die Klage abzuweisen.
III. (Kosten- und Entschädigungsfolgen)
1. Die Prozesskosten des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens sind dem  des Berufungsverfahrens entsprechend zu verlegen (vgl. 106 Abs. 1 ZPO).
- 23 -
2. Vom Bezirksgericht war eine Klage von Fr. 16'703'706.10 zuzüglich Zins zu beurteilen, die es im Umfang von Fr. 1'095'855.-- gutgeheissen hat. Im Ergebnis
des Berufungsverfahrens sind der Klägerin weitere Fr. 87'668.40 zuzusprechen,
was knapp 5 Promille des eingeklagten Betrages entspricht. Insgesamt dringt die
Klägerin mit ihrem Anliegen daher im Umfang von rund Fr. 1'183'500 durch und
unterliegt im Umfang von rund 15'520'200. Das führt zu einem gesamthaften Ob-
siegen und Unterliegen der Klägerin im Verhältnis von 1/15 zu 14/15, von dem
schon das Bezirksgericht ausging (vgl. act. 70 S. 32). Insoweit bleibt es dabei.
Die Festsetzung der erstinstanzlichen Entscheidgebühr und die Bemessung
der Parteientschädigungen sind im Berufungsverfahren ebenso unbeanstandet
geblieben (vgl. act. 64, dort insbes. S. 2 und 18, sowie act. 83, dort insbes. S. 2 ff.
und S. 19 f.) wie die übrigen bezirksgerichtlichen Anordnungen zur Liquidation der
Prozesskosten (vgl. act. 70 S. 32 f., Dispositivziffern 2 - 4). Das führt zu Bestäti-
gung der bezirksgerichtlichen Kosten- und Entschädigungsregelung.
3. - 3.1 Im Berufungsverfahren standen noch rund Fr. 15'607'850 im Streit. Die Klägerin unterlag im Hauptpunkt, obsiegte aber im Eventualstandpunkt vollum-
fänglich (vgl. vorn Erw. II/4). Letzteres rechtfertig es, von einem Obsiegen der
Klägerin im Berufungsverfahren zu 1/10 und von einem Unterliegen zu 9/10 aus-
zugehen, unbeschadet dessen, dass die Klägerin im Quantitativ im Umfang von
rund Fr. 15'520'000 unterliegt (was lediglich 5.6 Tausendstel des im Berufungs-
verfahren noch strittigen Betrags entspricht).
Die Entscheidgebühr ist gemäss § 12 Abs. 1 - 2 GebV OG gestützt auf
§ 4 Abs. 1 und Abs. 2 GebV OG festzusetzen; der – im Vergleich zum erstinstanz-
lichen Verfahren geringere – Aufwand ist mit einer erheblichen Ermässigung der
Grundgebühr zu berücksichtigen. Zur Deckung der Entscheidgebühr ist der von
der Klägerin geleistete Vorschuss heranzuziehen.
Die Bemessung der Parteientschädigung hat von einer Grundgebühr ge-
mäss § 13 Abs. 1 - 2 AnwGebV i.V.m. § 4 Abs. 1 AnwGebV auszugehen; anzu-
merken bleibt dabei, dass der § 13 Abs. 2 AnwGebV generell eine Reduktion vor-
sieht, weil die Parteien im Rechtsmittelverfahren – anders als das Rechtsmittelge-
richt – mit der Streitsache bereits vertraut sind (vgl. dazu auch § 12 Abs. 3 Anw-
GebV). Zur so bemessenen Grundgebühr kommt ein Zuschlag für act. 74 gemäss
- 24 -
§11 Abs. 2 AnwGebV. Die so bemessene Entschädigung ist dem Verfahrensaus-
gang entsprechend auf 8/10 zu reduzieren. Mehrwertsteuerersatz wurde verlangt
und ist im Umfang von 8 % zuzusprechen, weil alle massgeblichen Leistungen
noch im Jahr 2017 angefallen sind. Zur Deckung der Parteientschädigung ist die
von der Klägerin bei der Obergerichtskasse geleistete Sicherheit in Anspruch zu
nehmen.