Decision ID: be3190a9-d77b-554e-b46b-f9a400c73160
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Gabriela Mondi, Grossfeldstrasse 45,
7320 Sargans,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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St.Galler Gerichte
Rente
Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich am 8. Dezember 2005 zum Bezug einer Invalidenrente an. Die G._
AG teilte der IV-Stelle am 20. Dezember 2005 mit, sie habe den Versicherten bis 31.
Mai 2005 als Betriebsmitarbeiter beschäftigt. In den Jahren 2004 und 2005 habe der
Versicherte einen Monatslohn von Fr. 4517.- (x13) erzielt. Gemäss dem
Kündigungsschreiben vom 25. Februar 2005 war das Arbeitsverhältnis aus
wirtschaftlichen Gründen aufgelöst worden. Das individuelle Beitragskonto (IK) des
Versicherten wies für die Jahre 2002 bis 2004 Jahreslöhne von Fr. 69'269.-, Fr.
68'586.- und Fr. 62'929.- aus. Dr. med. M._ berichtete der IV-Stelle am 12. Januar
2006, der Versicherte sei seit dem 20. September 2004 wechselnd zwischen 50% und
100% arbeitsunfähig. Der Versicherte leide an einem St. n. Schulterarthroskopie rechts
mit starker Bewegungseinschränkung und an einer beginnenden Tendinitis calcarea
beidseits. Er klage seit August 2004 über Atembeschwerden, Müdigkeit,
Muskelschwäche, Rücken- und Schulterbeschwerden beidseits. Er behaupte zudem,
dass er mit dem linken Lungenflügel nur schlecht atmen könne. Der Versicherte sei von
einem Lungen- und von einem Herzspezialisten untersucht worden. Es handle sich um
funktionelle Beschwerden. Die Muskelschwäche sei die Folge der ungewollten
Gewichtsabnahme. An der rechten Schulter seien eine Arthroskopie, ein Débridement
intraartikulär und eine subacromiale Dekompression durchgeführt worden.
Postoperativ sei es zu einer Heilungsverzögerung und zu einer Einschränkung der
Beweglichkeit gekommen. Trotz Physiotherapie sei die Schulterbeweglichkeit immer
noch eingeschränkt. Der Orthopäde Dr. med. B._ habe von weiteren Eingriffen an der
rechten Schulter abgeraten. Die bisherige Tätigkeit sei dem Versicherten noch zu vier
bis fünf Stunden täglich, eine schulterschonende Arbeit zu fünf bis sechs Stunden
täglich zumutbar. Dr. med. B._ berichtete der IV-Stelle am 21. Februar 2006, er habe
Ende September 2005 bei der Untersuchung eine leichte Impingement-Symptomatik in
der rechten Schulter festgestellt. Unter BV-Kontrolle habe er subacromial ein
Lokalanaesthetikum und Kenacost infiltriert. Subjektiv sei es dem Versicherten "ein
bitzeli" besser gegangen. Objektiv sei die Beweglichkeit an der rechten Schulter
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deutlich besser gewesen. Das Impingement-Zeichen sei dann negativ gewesen. Die
angegebenen Beschwerden an der rechten Schulter könnten nur teilweise objektiviert
werden. Da die Impingement-Symptomatik nicht sehr ausgeprägt sei und da die
angegebenen Beschwerden und die Bewegungseinschränkung nicht voll objektiviert
werden könnten, sei es nicht sinnvoll, den Versicherten wegen der rechten Schulter zu
berenten. Da weitere Leiden (depressive Verstimmung) bestünden, schlage er eine
ganzheitliche Abklärung vor.
B.
Am 19. Oktober 2005 (richtig: 2006) erstattete die "integraplus Pfäfers,
Verzahnungsprogramm der Klinik St. Pirminsberg" einen Bericht über einen knapp
zweimonatigen Abklärungsaufenthalt des Versicherten. Es wurde ausgeführt, die vom
Versicherten auszuführenden Arbeiten seien immer wieder durch Schmerzen behindert
worden. Der Versicherte habe sich geweigert, auch einfache und leichte Arbeiten zu
erledigen. Der durchschnittliche Leistungsgrad müsse als tief eingestuft werden. Die
Gründe dafür lägen nicht nur in den gesundheitlichen Problemen, sondern auch in der
mangelnden Einsatzbereitschaft des Versicherten. Es sei schwierig gewesen, den
Versicherten dazu zu motivieren, die Schmerzen zu akzeptieren. Einsatz und Fleiss
hätten sehr zu wünschen übrig gelassen. Es sei schwierig gewesen, eine Arbeit zu
erklären, denn der Versicherte habe einfach nicht gewollt. Die gesundheitlichen
Probleme seien aber auch vorgeschoben worden, um unpassende Arbeiten nicht
ausführen zu müssen. Beobachtungen ausserhalb der Arbeitszeit hätten den Schluss
zugelassen, dass die gesundheitlichen Probleme nicht so gravierend gewesen seien,
wie sie oftmals geschildert worden seien.
C.
Die IV-Stelle beauftragte das ABI Basel mit einer polydisziplinären Abklärung. Die
Gutachter des ABI berichteten am 26. Januar 2007, der Versicherte habe sich gemäss
seinen eigenen Angaben eine vollständige Genesung gewünscht, damit er wieder
arbeiten könne. Er habe zwar bei seinem aktuellen Gesundheitszustand die Ausübung
körperlich leichter Tätigkeiten nicht ausgeschlossen, aber er habe sich nichts
Konkretes vorstellen können. Zum allgemeinmedizinischen Status wurde ausgeführt,
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die klinische Untersuchung von Herz, Thorax und Lungen sei unauffällig gewesen. Die
Lungenfunktionsprüfung habe eine leicht verminderte Vitalkapazität bei vermutlich
etwas eingeschränkter Compliance ergeben. Ansonsten sei der Befund unauffällig
gewesen. Es hätten keine Hinweise auf eine Obstruktion bestanden. Weiter sei ein
beginnender Diabetes mellitus zu postulieren, der einer weiteren Abklärung bedürfe. Da
keine Hinweise auf eine Einschränkung aus internmedizinischer Sicht bestanden
hätten, sei auf eine spezialärztliche internistische Untersuchung verzichtet worden. Der
psychiatrische Gutachter berichtete, der Versicherte habe lebhaft, mit ausgeprägter
Mimik und Gestik aus seinem Leben berichtet. Die Stimmung sei ausgeglichen, der
affektive Kontakt zum Untersucher gut gewesen. Der Versicherte habe keinen
leidenden Eindruck gemacht. Er sei allseits orientiert und bewusstseinsklar gewesen.
Die Wahrnehmung, die Auffassung und das Gedächtnis seien nicht beeinträchtigt
gewesen. Das Denken sei formal und inhaltlich unauffällig gewesen. Wahnhafte
Störungen, Sinnestäuschungen, Halluzinationen und Ich-Störungen seien nicht
vorhanden gewesen. Es habe keine psychiatrische Diagnose erhoben werden können.
Zwischen den somatischen Befunden und der subjektiven Krankheitsüberzeugung
habe eine gewisse Diskrepanz bestanden. Diese Diskrepanz sei durch die
wirtschaftlichen Gegebenheiten bedingt gewesen. Der Versicherte sei sich bewusst
gewesen, dass er auf dem Arbeitsmarkt kaum mehr eine Chance habe. Die Sorge um
seine wirtschaftliche Zukunft könne durchaus teilweise dazu beitragen haben, dass
sich der Versicherte auch für eine leichte Arbeit nicht mehr als arbeitsfähig erachtet
habe. Eine eigentliche Schmerzverarbeitungsstörung habe nicht diagnostiziert werden
können. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Der orthopädische Gutachter führte aus, der Versicherte leide an einem chronischen
Rest-Impingement an der rechten Schulter bei einem St. n. Arthroskopie mit
intraartikulärem Débridement und subakromialer Dekompression sowie
Kalkausräumung am 10. Mai 2005, anamnestisch an einem subakromialen
Impingement an der linken Schulter, derzeit ohne klinischen Befund, und an einem
intermittierend auftretenden lumbovertebralen Schmerzsyndrom ohne radikuläre
Symptomatik, derzeit klinisch weitestgehend stumm. Der Versicherte habe über
Schmerzen bei Bewegungen des rechten Arms im Überkopfbereich sowie hinter der
Körperebene und über eine ähnliche Symptomatik links, allerdings in deutlich
geringerem Ausmass, berichtet. Bewegungen des rechten Arms im Überkopfbereich
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und hinter der Körperebene sowie körperlich übermässig anstrengende Tätigkeiten
seien dem Versicherten nicht mehr zumutbar. Doch sollte im Alltagsleben ohne die
genannten Bewegungen keine wesentliche Einschränkung entstehen. Trotz seiner
ausführlichen Beschwerdeschilderung sei der Versicherte nur gelegentlich auf die
Einnahme von Analgetika angewiesen. Für körperlich leichte bis mittelschwere
Tätigkeiten in wechselnder Position und ohne die oben angegebenen Bewegungen des
rechten Arms bestehe eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit. Bei derart adaptierten Tätigkeiten sei eine Schmerzprovokation
unwahrscheinlich. Zusammenfassend gingen die Gutachter von einer
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit des Versicherten in einer adaptierten Tätigkeit aus.
D.
Ausgehend von dem für 2004 im IK verbuchten Bruttolohn ermittelte die IV-Stelle ein
Valideneinkommen für das Jahr 2006 von Fr. 64'125.-. Diesem stellte sie gestützt auf
die Lohnstrukturerhebung 2006 des Bundesamtes für Statistik ein zumutbares
Invalideneinkommen von Fr. 55'942.- gegenüber. Die Erwerbseinbusse von Fr. 8183.-
entsprach einem Invaliditätsgrad von 13%. Mit einem Vorbescheid vom 27. März 2007
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie sein Gesuch um eine Invalidenrente
werde abweisen müssen. Der Versicherte wandte am 9. Mai 2007 ein, im Gutachten
des ABI seien keine konkreten Tätigkeiten ausgeführt worden, die ihm noch zu 100%
möglich sein sollten. Es sei offen, ob er die medizinisch attestierte Arbeitsfähigkeit
faktisch verwerten könnte. Im Gutachten des ABI seien medizinische und berufliche
Massnahmen vorgeschlagen worden. Deshalb sei die Ablehnung des
Leistungsbegehrens zumindest verfrüht. Da er 2002 und 2003 jeweils rund Fr. 68'500.-
verdient habe, müsse sich das Valideneinkommen mindestens auf diesen Betrag
belaufen. Zudem sei bei der Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens ein
Abzug von 10% vom statistischen Durchschnittseinkommen angebracht. Die IV-Stelle
erkundigte sich am 29. Mai 2007 bei der G._ AG, welches Bruttoeinkommen der
Versicherte aktuell erzielen würde, wenn das Arbeitsverhältnis nicht aufgelöst worden
wäre, wie viele Überstunden der Versicherte in den Jahren 2002 bis 2004 geleistet
habe, ob solche Überstunden regelmässig geleistet worden seien und ob sie auch
heute noch notwendig seien. Die G._ AG übermittelte der IV-Stelle das Lohnblatt des
Versicherten für 2004 und 2005. Am 11. Juni 2007 gab sie telephonisch an, im Jahr
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2003 habe der Versicherten 2012 Arbeitsstunden geleistet. Für frühere Jahre seien die
Zahlen nicht mehr vorhanden. Die IV-Stelle blieb bei einem Valideneinkommen von Fr.
64'125.- und damit bei einem Invaliditätsgrad von 13%. Mit einer Verfügung vom 12.
Juni 2007 wies sie das Rentengesuch des Versicherten ab. Sie begründete dies
sinngemäss damit, dass die früheren Einkommen des Versicherten hohe
Überstundenentschädigungen enthalten hätten. Da aktuell keine Überstunden mehr
geleistet würden, könne das entsprechende Einkommen bei der Ermittlung des
Valideneinkommens keine Berücksichtigung finden. Massgebend sei der der
Nominallohnentwicklung angepasste Bruttolohn 2004.
E.
Der Versicherte erhob am 12. Juli 2007 Beschwerde gegen diese
Abweisungsverfügung. Er beantragte die Zusprache einer halben Invalidenrente
rückwirkend ab Februar 2005. Eventualiter sei sein aktueller Gesundheitszustand durch
ein Obergutachten festzustellen. Zur Begründung führte er sinngemäss aus, er
bestreite, dass er in einer körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit in
wechselnden Positionen und ohne Bewegung der Arme im Überkopfbereich oder hinter
der Körperebene zu 100% arbeitsfähig sei. Deshalb sei die Annahme, er könnte ein
Einkommen von Fr. 55'942.- erzielen, unrealistisch und falsch. Entgegen dem
Gutachten des ABI bestünden sehr wohl Anhaltspunkte für eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit. So sei im Abklärungsbericht vom 19. Oktober 2005 angegeben
worden, die medizinisch zumutbare Leistungsfähigkeit betrage lediglich 50%. Im
Tätigkeitsbeschrieb sei festgehalten worden, dass die Arbeiten durch immer wieder
auftretende Schmerzen behindert worden seien, weil Schmerzpausen hätten eingelegt
werden müssen. Trotz Arbeitswilligkeit hätten die Schmerzen zu einem raschen
Nachlassen der Belastbarkeit geführt. Dr. med. M._ habe für schulterschonende
Arbeiten nur ein Teilzeitpensum von fünf Stunden täglich als zumutbar betrachtet. Dies
entspreche einer Arbeitsunfähigkeit von 42%. Bei einem zusätzlichen Abzug von 10%
ergebe sich ausgehend von einem (bestrittenen) Einkommen von Fr. 55'942.- ein
zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 29'201.-, was einem Invaliditätsgrad von
deutlich über 50% entspreche. Zudem habe sich die Problematik in der linken Schulter
verschlimmert. Hinzu kämen eine chronische Bronchitis und ein Verdacht auf einen
Diabetes mellitus. Da eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50% bestehe, habe er
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einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen. Hätte sich sein letzter Arbeitgeber in
einer guten wirtschaftlichen Lage befunden, so wären die 2002 und 2003 geleisteten
Überstunden weiterhin üblich gewesen, womit er ein höheres Einkommen erzielt hätte.
Auszugehen sei deshalb von einem Valideneinkommen von Fr. 68'500.-. Das
eventualiter anbegehrte Obergutachten sollte sich vor allem auf den
Gesundheitsschaden an der linken Schulter, auf die chronische Bronchitis und auf den
Diabetes mellitus beziehen und die Arbeitsfähigkeit in Verbindung mit dem
Gesundheitsschaden an der rechten Schulter ermitteln. Es stehe fest, dass sein
Gesundheitsschaden nicht vollständig abgeklärt, dass der Gesundheitszustand nicht
stabil und dass die Prognose schlecht sei.
F.
Die IV-Stelle stellte am 30. August 2007 den Antrag, die Beschwerde sei abzuweisen.
Sie führte aus, streitig sei nur die Rentenfrage, da nach Lage der Akten keine
Eingliederungsmassnahmen in Betracht kämen. Die Schlussfolgerungen der
Sachverständigen im Gutachten des ABI leuchteten in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge ein und sie seien überzeugend begründet. Da das
Gutachten zudem die geklagten Beschwerden würdige und die Vorakten (Anamnese)
berücksichtige, erfülle es die Kriterien einer beweiskräftigen medizinischen
Entscheidungsgrundlage. Der Behauptung des Versicherten, der Gesundheitsschaden
in der linken Schulter sei im Gutachten nicht berücksichtigt worden und zudem habe er
sich seit der Abklärung verschlimmert, sei entgegen zu halten, dass die Röntgenbilder
unauffällige osteoartikuläre Verhältnisse gezeigt hätten. Da in bezug auf die linke
Schulter bisher keine Therapie durchgeführt worden sei, lägen auch keine
therapiebedürftigen Beschwerden vor. Weil auch entsprechende medizinische Akten
fehlten, vermöge die Behauptung des Versicherten keine Zweifel an der Einschätzung
durch die Sachverständigen des ABI zu wecken. Dem Abklärungsbericht des
Verzahnungsprogramms vom 19. Oktober 2005 komme kein Beweiswert zu, weil die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit Sache eines Arztes sei. Die Angaben von Dr. med.
M._ zur Arbeitsfähigkeit überzeugten nicht, weil behandelnde Ärzte
erfahrungsgemäss weniger objektiv urteilten als unabhängige medizinische
Sachverständige. Deshalb sei davon auszugehen, dass der Versicherte in einer
angepassten Tätigkeit uneingeschränkt arbeitsfähig sei. Angepasste Tätigkeiten seien
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auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt vorhanden. Gemäss dem
Arbeitsgeberbericht habe der Versicherte im Jahr 2004 einen Bruttojahreslohn von Fr.
58'721.- erzielt. Das entspreche in etwa dem statistisch ermittelten Zentralwert der
2004 von den männlichen Hilfsarbeitern erzielten Löhne von Fr. 57'258.-. Somit stehe
fest, dass der Versicherte keinen Anspruch auf eine Invalidenrente habe.
G.
Der Versicherte wandte am 18. September 2007 ein, es seien nur deshalb keine
Therapien der linken Schulter durchgeführt worden, weil diese bereits für die rechte
Schulter nichts gebracht hätten. Seit der Abklärung durch das ABI seien neun Monate
vergangen. In dieser Zeit habe sich der Zustand der linken Schulter massiv
verschlechtert. An beiden Knien bestehe eine Arthrose, die langes Stehen
verunmögliche. Beim Gehen leide er an grossen Schmerzen, die bis in den Rücken
ausstrahlten. Hinzu kämen eine chronische Bronchitis und ein obstruktives
Schlafapnoesyndrom mittleren Grades. Die Überlastung des muskelskelettalen
Systems und die linksseitigen Thoraxschmerzen stünden damit in Zusammenhang.
Damit sei eine Oberbegutachtung unumgänglich. Entgegen der Auffassung der IV-
Stelle habe Dr. med. M._ differenziert und eingehend zur Arbeitsfähigkeit Stellung
genommen, weshalb seine Einschätzung überzeuge. Der Versicherte legte einen
Bericht des Pneumologen Dr. med. D._ vom 10. September 2007 bei, laut dem
aufgrund eines leichten bis mittelschweren obstruktiven Schlafapnoesyndroms klar
eine CPAP-Therapie indiziert war.
H.
Die IV-Stelle machte am 24. September 2007 geltend, der Arztbericht vom 10.
September 2007 sei nicht zu berücksichtigen, weil er nach dem Erlass der
angefochtenen Verfügung ausgestellt worden sei. Dass der Versicherte trotz seiner
Blindbewerbungen keine Stelle gefunden habe, sei irrelevant, weil zur Ermittlung des
zumutbaren Invalideneinkommens auf den allgemeinen und ausgeglichenen und nicht
auf den effektiven Arbeitsmarkt abzustellen sei.
I.
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Der Versicherte reichte am 14. November 2007 zwei Berichte der X._ Klinik vom 1.
Oktober 2007 ein. Aufgrund einer beginnenden Pangonathrose rechts mehr als links
bei Polyarthrose waren eine morphologische Abklärung sowie eine konservative
Therapie mit Kortisoninfiltration und Chondroprotektiva vorgeschlagen worden. An der
linken Schulter war eine Infiltration subacromial vorgenommen worden.

Erwägungen:
1.
Der Beschwerdeführer hat bei der Anmeldung zum Leistungsbezug nur die Rente als
gewünschte Leistung angekreuzt. Trotzdem hat die Beschwerdegegnerin, wie der
Einbezug des Beschwerdeführers in das sogenannte Verzahnungsprogramm zeigt,
praxisgemäss auch die berufliche Wiedereingliederung des Beschwerdeführers zum
Gegenstand des Verwaltungsverfahrens gemacht. Die berufliche Wiedereingliederung
des Beschwerdeführers hat sich allerdings auf die Arbeitsvermittlung (Art. 18 Abs. 1
Satz 1 IVG) beschränkt, denn angesichts des Ergebnisses der Begutachtung bestand
kein Anspruch auf eine Umschulung (Art. 17 Abs. 1 IVG), weil der Beschwerdeführer
nicht für sämtliche Arten von Hilfsarbeiten zu mindestens 20% arbeitsunfähig war (vgl.
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Ulrich Meyer-
Blaser, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, S. 125 oben). Die angefochtene
Verfügung hat nur das Rentenbegehren zum Gegenstand. Zum Anspruch auf
Arbeitsvermittlungsbemühungen äussert sie sich nicht. Demzufolge kann das
Beschwerdeverfahren nur die Frage nach einer allfälligen Rentenberechtigung des
Beschwerdeführers zum Thema haben.
2.
Die Verfügung über das Rentenbegehren ist entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers nicht verfrüht, d.h. vor dem Abschluss der beruflichen
Eingliederung ergangen, denn der Erfolg oder Misserfolg der
Arbeitsvermittlungsbemühungen kann sich gar nicht auf die - hier einzig relevante -
rentenspezifische Invalidität auswirken. Der in Art. 16 ATSG vorgeschriebene
Einkommensvergleich zur Ermittlung der konkreten rentenspezifischen Invalidität
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beruht nämlich für die Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens auf der fiktiven
Ausübung einer zumutbaren Erwerbstätigkeit, unabhängig davon ob die versicherte
Person eine Arbeitsstelle hat oder nicht. Die Arbeitsvermittlung gemäss Art. 18 Abs. 1
Satz 1 IVG dient deshalb als einzige berufliche Eingliederungsmassnahme der
Invalidenversicherung nicht der Beseitigung oder Verminderung einer Invalidität,
sondern ausschliesslich der Überwindung der Arbeitslosigkeit. Daraus folgt, dass
zwischen der rentenspezifischen Invalidität als Voraussetzung eines Rentenanspruchs
und der Arbeitslosigkeit als Voraussetzung eines Anspruchs auf Arbeitsvermittlung kein
Zusammenhang besteht, der dazu zwingen würde, die Arbeitsvermittlung
abzuschliessen, bevor über das Rentenbegehren entschieden werden könnte.
3.
3.1 Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität ist
gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das
Einkommen, das eine versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der
Durchführung der notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Grundlage der Bemessung des
zumutbaren Invalideneinkommens - und damit in der Regel ausschlaggebendes
Element der Invaliditätsbemessung - ist die ärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzung, bei
Hilfsarbeitern zusätzlich zusammen mit der ärztlichen Umschreibung einer der
Gesundheitsbeeinträchtigung bestmöglich Rechnung tragenden Erwerbstätigkeit. Die
Beschwerdegegnerin hat sich diesbezüglich auf die Einschätzung im Gutachten des
ABI vom 26. Januar 2007 gestützt. Nach dieser Einschätzung besteht für körperlich
leichte bis mittelschwere Tätigkeiten in wechselnden Positionen und ohne Bewegungen
der Arme im Überkopfbereich oder hinter der Körperebene eine zumutbare
Arbeitsfähigkeit von 100%.
3.2 Dem widerspricht die Einschätzung von Dr. med. M._, der für schulterschonende
Arbeiten eine zumutbare Arbeitsleistung von lediglich fünf bis sechs Stunden pro Tag
angegeben hat. Begründet hat Dr. med. M._ seine Einschätzung nur mit den
Schulterbeschwerden insbesondere rechts. Warum der Beschwerdeführer in seiner
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zuletzt ausgeübten, nicht schulterschonenden Tätigkeit nur geringfügig stärker
eingeschränkt sein sollte (zumutbare tägliche Arbeitsleistung: vier bis viereinhalb
Stunden) als in einer der Behinderung angepassten Tätigkeit, hat Dr. med. M._ nicht
erklärt. Ebensowenig hat er eine Begründung dafür geliefert, dass dem
Beschwerdeführer eine Tätigkeit, die keine schmerzauslösenden Bewegungen
beinhaltet, nur in einem reduzierten Ausmass zumutbar sein sollte. Diese
Unstimmigkeiten sind ein deutliches Indiz dafür, dass Dr. med. M._ - aufgrund seiner
Beziehung zum Beschwerdeführer nur als sachkundige Auskunftsperson und nicht als
unabhängiger Sachverständiger - unbewusst keine objektive Einschätzung
vorgenommen, sondern durch die sich selbst bestätigende pessimistische
Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers und durch die relative Erfolglosigkeit der
therapeutischen Bemühungen beeinflusst "zugunsten" des Beschwerdeführers
ausgesagt hat. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. M._ vermag deshalb
nicht zu überzeugen. Sie vermag auch keinen Zweifel an der Richtigkeit der
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen des ABI zu wecken. Der
Abklärungsbericht des Verzahnungsprogramms vom 19. Oktober 2005 (richtig 2006)
beinhaltet keine ärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzung. Es handelt sich um die
Erkenntnisse von Fachpersonen aus dem Bereich der Berufsberatung/beruflichen
Wiedereingliederung. Diese Fachpersonen haben, ohne das Ausmass der bestehenden
gesundheitlichen Beschwerden objektiv einschätzen zu können, doch erkannt, dass die
objektive Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers und dessen deklarierte
Selbsteinschätzung ganz erheblich voneinander abwichen. Die Fachleute des
Verzahnungsprogramms haben sich dabei insbesondere auch auf die Beobachtung
gestützt, dass das Verhalten des Beschwerdeführers ausserhalb der Arbeitszeit nicht
mit den angegebenen Beschwerden und dem Verhalten während der Arbeitszeit
übereinstimmte. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers vermag der Bericht
des Verzahnungsprogramms also keinen Zweifel an der Richtigkeit der
Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten des ABI zu wecken. Im Gegenteil findet diese
Arbeitsfähigkeitsschätzung im Bericht des Verzahnungsprogramms eine Bestätigung.
Die Diagnose eines beginnenden Diabetes mellitus ist für die Arbeitsfähigkeit nicht von
Belang, da diese Krankheit - zumutbarerweise - durch eine geeignete Ernährung und
allenfalls durch Medikamente so behandelt werden kann, dass sie keine Auswirkungen
auf die Leistungsfähigkeit hat.
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3.3 Der Bericht des Pneumologen Dr. med. D._ vom 10. September 2007 kann nicht
mit der Begründung als irrelevant qualifiziert werden, er sei nach dem Erlass der
angefochtenen Verfügung erstellt worden. Der Beschwerdegegenstand umfasst zwar
tatsächlich nur die Sachverhaltsentwicklung bis zum Erlass der angefochtenen
Verfügung. Das schliesst aber die Berücksichtigung später erstellter Arztberichte nicht
aus, falls diese sich zur Sachverhaltsentwicklung bis zum Zeitpunkt des
Verfügungserlasses äussern oder falls sie Rückschlüsse auf die
Sachverhaltsentwicklung bis zu diesem Zeitpunkt zulassen. Letzteres trifft auf den
Bericht von Dr. med. D._ zu, denn es ist davon auszugehen, dass ein
Schlafapnoesyndrom nicht unvermittelt auftritt. Die chronische Bronchitis, die
Überlastung des muskuloskelettalen Systems und die linksseitigen Thoraxschmerzen
stehen im Zusammenhang mit diesem Syndrom. Über sie hat der Beschwerdeführer
teilweise schon vor dem Erlass der angefochtenen Verfügung geklagt. Das
Schlafapnoesyndrom hat also mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bereits vor
diesem Zeitpunkt vorgelegen. Die CPAP-Therapie hat sehr gute Erfolgsaussichten. Es
ist also davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer keinen bleibenden
Gesundheitsschaden in der Form der bekannten Symptome eines
Schlafapnoesyndroms aufweist, denn eine - im Rahmen der allgemeinen
Schadenminderungspflicht zumutbare - medizinische Behandlung kann diese
Symptome zum Verschwinden bringen. Auch das von Dr. med. D._ diagnostizierte
Schlafapnoesyndrom ist also nicht geeignet, die Arbeitsfähigkeitsschätzung der
Sachverständigen des ABI zu widerlegen oder ernsthafte Zweifel an dieser
Einschätzung zu wecken. Die Knieerkrankung, über welche die Schulthess Klinik am 1.
Oktober 2007 berichtet hat, könnte nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung
aufgetreten sein. Diesbezügliche Abklärungen können aber unterbleiben, denn die
Kniebeschwerden sind nicht geeignet, die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in
einer auch dieser Behinderung adaptierten Erwerbstätigkeit herabzusetzen. Die
Belastungsfähigkeit der Kniegelenke ist zwar aktuell eingeschränkt, aber es bestehen
gute Aussichten auf eine Verbesserung der Situation durch eine geeignete
medizinische Behandlung. Hinzu kommt, dass eine den Schulterbeschwerden
Rechnung tragende Erwerbstätigkeit durchaus auch so ausgestaltet sein kann, dass
sie gleichzeitig der eingeschränkten Belastungsfähigkeit der Kniegelenke Rechnung
trägt, also wohl eine mehrheitlich sitzende Tätigkeit mit der Möglichkeit, aufzustehen
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und umherzugehen. Die Kniebeschwerden sind also nur geeignet, den aufgrund der
Schulterprobleme bereits begrenzten Ausschnitt aus dem Markt für Hilfsarbeiten noch
weiter einzuschränken. Das ist aber für die Bemessung der Arbeitsfähigkeit und damit
des zumutbaren Invalideneinkommens nicht relevant, denn auf dem allgemeinen und
ausgeglichenen Arbeitsmarkt finden sich Stellen, an denen Hilfsarbeiter mit
gesundheitlichen Einschränkungen, wie sie beim Beschwerdeführer vorliegen, zu 100%
eingesetzt werden können. Es bleibt deshalb auch dann, wenn die Kniebeschwerden
bereits bei Erlass der angefochtenen Verfügung im aktuellen Ausmass bestanden
haben sollten, bei der von den Sachverständigen des ABI auf 100% geschätzten
Arbeitsfähigkeit. Darauf ist bei der Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens
des Beschwerdeführers abzustellen.
3.4 Da der Beschwerdeführer keiner Erwerbstätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt
mehr nachgeht, ist zur Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens praxisgemäss
auf statistisch erhobene Einkommenszahlen abzustellen. Gemäss der
Lohnstrukturerhebung 2004, Resultate auf nationaler Ebene, Tabelle TA1, des
Bundesamtes für Statistik, belief sich der Zentralwert der Bruttolöhne männlicher
Hilfsarbeiter aller Branchen auf Fr. 4588.-. Da leichte, vorwiegend sitzend
auszuübende, keine besondere Belastung der Arme erfordernde Hilfsarbeiten in vielen
Branchen geleistet werden, kann nicht auf den Zentralwert einer einzelnen Branche
abgestellt werden. Der Betrag von Fr. 4588.- beruht auf einer Wochenarbeitszeit von
vierzig Stunden. Der schweizerische Durchschnitt betrug im Jahr 2004 41,6
Wochenarbeitsstunden. Dies entspricht einem Lohn von Fr. 4771.50 bzw. Fr. 57'258.-.
Bei uneingeschränkter Arbeitsfähigkeit müsste an sich von einem zumutbaren
Invalideneinkommen in dieser Höhe ausgegangen werden. Nun weist der
Beschwerdeführer aber dadurch, dass er in mehrfacher Hinsicht gesundheitlich
angeschlagen ist, als Arbeitnehmer für einen ökonomisch denkenden Arbeitgeber einen
erheblichen Nachteil (in der Form effektiv oder auch nur potentiell höherer Kosten) auf,
der bei einem gesunden Arbeitnehmer an derselben Arbeitsstelle nicht besteht. Dazu
gehört in erster Linie das erhöhte Risiko krankheitsbedingter Absenzen. Weiter gehört
zu diesem Nachteil auch die mangelnde Einsatzflexibilität des Beschwerdeführers.
Dieser ist zwar an seinem eigenen Arbeitsplatz zu 100% leistungsfähig, aber er kann
nicht zwischendurch vorübergehend an einem anderen, nicht behinderungsadaptierten
Arbeitsplatz eingesetzt werden, beim Wegtragen einer Kiste helfen, einfache Reparatur-
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oder Wartungsarbeiten an seinem Arbeitsplatz ausführen usw., obwohl dies eigentlich
für einen Hilfsarbeiter normal ist. Bei rein ökonomischer Betrachtung handelt es sich
auch dabei um zusätzliche Kosten, die bei einem gesunden Hilfsarbeiter nicht anfallen.
Damit der Beschwerdeführer gegenüber gesunden Hilfsarbeitern konkurrenzfähig ist,
muss er seine 100%ige Arbeitsfähigkeit zu einem tieferen "Preis" offerieren, d.h. er
muss im Ausmass der zusätzlichen Kosten einen unter dem Durchschnitt liegenden
Lohn akzeptieren. Der Zentralwert der Löhne der Hilfsarbeiter liegt im Ausmass dieser
zusätzlichen Kosten über dem vom Beschwerdeführer bei einem Einsatz von 100%
zumutbarerweise zu erzielenden Lohn. Zur Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens muss der Zentralwert also gekürzt werden, was in der Praxis
fälschlicherweise mit dem Begriff "Leidensabzug" umschrieben wird. Effektiv handelt
es sich nicht um einen direkt durch das Leiden bedingten Nachteil, denn dies wäre der
Arbeitsunfähigkeitsgrad. Es geht nur darum, die anhand der Löhne gesunder
Arbeitnehmer ermittelten Zentralwerte zu korrigieren. Der eigentliche Zweck des
"Leidensabzuges" besteht also darin, einen Zentralwert der Löhne jener Arbeitnehmer
zu ermitteln, die gesundheitlich angeschlagen sind, aber im Ausmass ihrer
Restarbeitsfähigkeit einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Das Ausmass der notwendigen
Korrektur hängt von mehreren Faktoren ab. Da Kriterien fehlen, anhand derer dieser
Korrekturbedarf gemessen werden könnte, muss eine Schätzung erfolgen, die sich am
Höchstmass der Abzugsmöglichkeit (25%, vgl. BGE 126 V 75 ff.) orientiert und die
vergleichbare Sachverhalte gleich zu behandeln trachtet. Im vorliegenden Fall erscheint
angesichts der erheblichen Kostennachteile des Beschwerdeführers ein Abzug von
10% als angemessen, wobei zu berücksichtigen ist, dass aufgrund der
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit kein sogenannter Teilzeitnachteil entsteht. Das
zumutbare Invalideneinkommen des Beschwerdeführers beläuft sich somit für das Jahr
2005 entsprechend der Nominallohnentwicklung in der metallverarbeitenden Branche
(27-28 in der Tabelle T1.93 der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen
Lohnentwicklung 2005) auf Fr. 51'805.-.
3.5 Der Beschwerdeführer hat in den Jahren 2002 und 2003 deutlich mehr verdient als
in den Jahren zuvor und im Jahr danach. Diese Abweichung ist darauf zurückzuführen,
dass er in diesen beiden Jahren in erheblichem Umfang Überstunden geleistet hat, die
ihm ausbezahlt worden sind. Damit stellt sich die Frage, ob das Valideneinkommen
anhand des Jahreseinkommens unter Einbezug der Überstundenvergütungen zu
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bemessen sei. Das Valideneinkommen bildet die - fiktive - erwerbliche
Leistungsfähigkeit einer versicherten Person ohne die aus dem Gesundheitsschaden
resultierende Einschränkung ab. Es geht also nicht um die erwerbliche
Leistungsfähigkeit in der Vergangenheit, als effektiv noch kein invalidisierender
Gesundheitsschaden bestand, sondern um die - fiktive - zukünftige erwerbliche
Leistungsfähigkeit ohne den Gesundheitsschaden bis zur altersbedingten
Pensionierung. Das bedeutet, dass das zuletzt vor dem Eintritt des invalidisierenden
Gesundheitsschadens erzielte Erwerbseinkommen nicht mehr als ein Indiz für die -
fiktive - zukünftige erwerbliche Leistungsfähigkeit ohne diesen Gesundheitsschaden
sein kann. Nicht nur das zumutbare Invalideneinkommen, sondern auch das
Valideneinkommen stützt sich also auf eine langfristige Prognose. Zufällige Hochs oder
Tiefs im zuletzt vor dem Eintritt des Gesundheitsschadens erzielten
Erwerbseinkommen dürfen sich deshalb nicht bestimmend auf das Valideneinkommen
auswirken. Tritt die Arbeitsunfähigkeit einer versicherten Person wie im vorliegenden
Fall während einer Phase ein, in der viele Überstunden geleistet und vergütet werden,
so darf zur Bemessung des Valideneinkommens nicht auf dieses zuletzt erzielte
Erwerbseinkommen abgestellt werden. Es kann nämlich in aller Regel nicht davon
ausgegangen werden, dass die versicherte Person ohne den invalidisierenden
Gesundheitsschaden bis zu ihrer altersbedingten Pensionierung weiterhin im selben
Ausmass Überstunden geleistet hätte. Die eingangs aufgeworfene Frage ist somit zu
verneinen: Bei der Bemessung des Valideneinkommens ist auf jenes zuletzt erzielte
Erwerbseinkommen abzustellen, von dem anzunehmen ist, dass es langfristig erzielt
worden wäre (im vorliegenden Fall also das effektiv erzielte Erwerbseinkommen nach
Ausscheidung der Überstundenentschädigungen). Andernfalls könnte es zu rein
zufälligen und damit vor dem Gleichbehandlungsgrundsatz nicht zu rechtfertigenden
Differenzen im Invaliditätsgrad kommen. Bei Hilfsarbeitern könnte zur Gewährleistung
der Gleichbehandlung sogar die Auffassung vertreten werden, auch das
Valideneinkommen sei anhand eines statistischen Durchschnittseinkommens zu
ermitteln. Vom statistischen Durchschnittseinkommen wäre nur dann abzuweichen,
wenn nachgewiesen wäre, dass die konkrete erwerbliche Leistungsfähigkeit einer
versicherten Person ohne den Gesundheitsschadens ein deutlich über oder aber ein
deutlich unter dem Durchschnitt liegendes Erwerbseinkommen gerechtfertigt hätte. In
Anwendung der herrschenden Praxis zur Bemessung des Valideneinkommens ist im
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vorliegenden Fall auf das zuletzt erzielte Erwerbseinkommen abzustellen. Da der
Beschwerdeführer bei der G._ AG praktisch durchgehend Überstunden geleistet hat,
kann sein Valideneinkommen nicht ausgehend von den im individuellen Beitragskonto
für die Jahre 2001 bis 2004 verbuchten Erwerbseinkommen bemessen werden.
Abzustellen ist vielmehr auf den von der G._ AG am 20. Dezember 2005 für das Jahr
2005 angegebenen Jahreslohn ohne Überstunden von Fr. 58'721.- (Fr. 4517.- x13). Die
durch die Gesundheitsbeeinträchtigung bedingte Erwerbseinbusse beträgt demnach
Fr. 6916.-, was einem Invaliditätsgrad von knapp 12% entspricht. Da gemäss Art. 28
Abs. 1 IVG erst ab einem Invaliditätsgrad von 40% ein Rentenanspruch entsteht, hat
die Beschwerdegegnerin das Rentengesuch des Beschwerdeführers zu Recht
abgewiesen.
4.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Da der
Beschwerdeführer vollumfänglich unterliegt, ist auch sein Begehren um eine
Parteientschädigung abzuweisen. Beschwerdeverfahren in IV-Sachen sind
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis Fr. 1000.- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Das vorliegende Beschwerdeverfahren hat einen durchschnittlichen Verfahrensaufwand
verursacht. Praxisgemäss rechtfertigt dies eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-. Diese
Gerichtsgebühr ist durch den vom Beschwerdeführer geleisteten Kostenvorschuss in
gleicher Höhe gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG