Decision ID: cfef5623-f6ba-59de-b99f-be7448bc08d2
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- Die S AG hat ihren statutarischen Sitz am privaten Wohnsitz des Präsidenten des
Verwaltungsrats H. Nachdem dieser im Jahre 2012 von T/AR nach T/SZ umgezogen
war, wurde auch der Sitz der S AG dorthin verlegt und am 14. November 2012 ins
Handelsregister des Kantons Schwyz eingetragen. In G befindet sich eine
Zweigniederlassung der S AG. Der Gesellschaftszweck ist im Handelsregister wie folgt
umschrieben: "Erbringen von Dienstleistungen im Bereich der Unternehmensberatung
sowie Handel, Import und Export von Textilprodukten, (...). Die Gesellschaft kann
Grundstücke erwerben, verkaufen, belasten und verwalten."
B.- Mit Veranlagungsverfügungen vom 5. August 2014 wurde die S AG von der
Steuerverwaltung des Kantons Schwyz für das Jahr 2012 mit einem steuerbaren
Reingewinn von Fr. 1'163'600.– (satzbestimmend) veranlagt. Davon wurden Fr. 7'500.–
dem Kanton Schwyz, Fr. 50'600.– dem Kanton Appenzell Ausserrhoden und Fr.
1'105'500.– dem Kanton St. Gallen zugeschieden, was einem Anteil von 5% für die
Sitzkantone entsprach. Für das Jahr 2013 wurde der steuerbare Reingewinn im Kanton
Schwyz, ebenfalls mit Verfügung vom 5. August 2014, mit Fr. 822'200.–
(satzbestimmend) veranlagt. Davon wurden Fr. 780'900.– (95%) dem Kanton St. Gallen
zugeschieden. Die gegen diese Veranlagungsverfügung erhobene Einsprache ist noch
hängig. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden veranlagte die S AG am 23. September
2014 für die Staats- und Gemeindesteuern 2012 (1. Januar bis 13. November) mit
einem steuerbaren Gewinn von Fr. 50'600.– (satzbestimmend Fr. 1'163'600.–). Es
versah die Veranlagungsverfügung mit dem Vermerk: "gemäss Ausscheidung Kt. SZ".
Sie erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.- Die S AG wurde im Kanton St. Gallen am 15. Oktober 2014 für die Kantonssteuer
aufgrund der Rechnungsabschlüsse per 31. Dezember 2012 und 31. Dezember 2013
veranlagt. Aufgrund des Rechnungsabschlusses per 31. Dezember 2012 wurde für die
Kantonssteuer ein steuerbarer Reingewinn von Fr. 1'105'400.– (satzbestimmend:
Fr. 1'163'600.–) sowie ein steuerbares Eigenkapital von Fr. 950'000.– (satzbestimmend:
Fr. 2'373'000.–) und aufgrund des Rechnungsabschlusses per 31. Dezember 2013 ein
steuerbarer Reingewinn von Fr. 781'000.– (satzbestimmend: Fr. 822'200.–) sowie ein
steuerbares Eigenkapital von Fr. 420'000.– (satzbestimmend: Fr. 1'196'000.–)
festgelegt. Im Rahmen der interkantonalen Steuerausscheidungen wurden je 5% des
steuerbaren Gewinns den Kantonen Appenzell Ausserrhoden (2012) bzw. Schwyz
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(2012 und 2013) zugewiesen. Dagegen erhob die S AG erfolglos Einsprache. Ihrem
Antrag, dem Sitzkanton Schwyz sei für die Jahre 2012 und 2013 je ein Gewinnanteil
von 20% zu gewähren, wurde von der Vorinstanz mit Einspracheentscheid vom
22. Januar 2015 nicht entsprochen.
D.- Mit Eingabe vom 19. Februar 2015 erhob die S AG bei der
Verwaltungsrekurskommission Rekurs. Sie beantragte, unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 22. Januar 2015 seien in ihren Steuerveranlagungen der
Jahre 2012 und 2013 jeweils ein Gewinnanteil von 20% für den Sitzkanton Schwyz zu
gewähren (Ziff. 1), eventualiter seien die Veranlagungen der Jahre 2012 und 2013
aufzuheben und zur Neubeurteilung an das kantonale Steueramt zurückzuweisen (Ziff.
2), eine interkantonale Doppelbesteuerung sei im Sinne von Art. 127 Abs. 3 BV zu
vermeiden (Ziff. 3), unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Die Vorinstanz liess sich am 26. März 2015 zum Rekurs vernehmen und beantragte
dessen Abweisung zulasten der Rekurrentin. Auf die Ausführungen der Parteien zur
Begründung ihrer Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 19. Februar 2015 wurde rechtzeitig
eingereicht. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des St. Galler Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt:
StG; Art. 41 lit. h Ziff. 1 und Art. 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege,
sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Die Vorinstanz schied im Rahmen der interkantonalen Gewinnausscheidung 5% des
steuerbaren Gewinns der Rekurrentin zugunsten der Sitzkantone Appenzell
Ausserrhoden (bis 13. November 2012) und Schwyz (ab 14. November 2012) aus,
beanspruchte folglich für den Kanton St. Gallen einen Anteil von 95%. Soweit aus den
Akten ersichtlich, berücksichtigten die Steuerbehörden der beiden Sitzkantone diese
Ausscheidung und veranlagten für die Jahre 2012 und 2013 je einen Gewinnanteil von
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5%, wobei dieser Anteil im Jahre 2012 auf die Kantone Appenzell Ausserrhoden und
Schwyz aufgeteilt wurde (act. 6/I-03, 6/I-04 und 6/I-08). Somit führten die streitigen
Veranlagungen 2012 und 2013 zu keiner unzulässigen Doppelbesteuerung im Sinn von
Art. 127 Abs. 3 BV (vgl. Richner/ Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2.
Aufl. 2009, N 17 ff. zu Art. 6 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer, SR
642.11, abgekürzt: DBG). Gegen die Veranlagungsverfügungen der Schwyzer
Steuerbehörde wurden zwar ebenfalls Einsprachen erhoben, nach der unbestrittenen
Feststellung der Vorinstanz wird darüber jedoch erst nach Abschluss der Veranlagung
im Kanton St. Gallen entschieden (act. 5 S. 2, act. 6/I-07). Da keine Doppelbesteuerung
vorliegt, ist Ziffer 3 des Rekurses abzuweisen.
3.- Die Rekurrentin macht geltend, die Abkehr von der jahrelang geübten Praxis, einen
Vorausanteil von 20% zu anerkennen, verletze den Grundsatz von Treu und Glauben,
da weder die Struktur des Unternehmens noch dessen Geschäftsleitung geändert
worden seien. Dies trifft nicht zu. Der Umstand, dass die Vorinstanz bisher mit dem
Abzug eines Vorausanteils von 20% für den Sitzkanton einverstanden war, hindert sie
nicht, diesen Abzug in einer nachfolgenden Steuerperiode neu festzulegen. Bei
periodischen Steuern kommt einer Veranlagungsverfügung nur für die betreffende
Periode Rechtskraft zu,
und zwar auch insoweit, als sich der Entscheid auf die interkantonale
Steuerausscheidung bezieht. Jeder Kanton ist daher frei, in einer späteren Periode
tatsächliche oder
rechtliche Verhältnisse anders als früher zu würdigen (BGE 88 I 240 E. 2; Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 6 zu Art. 131 DBG). Im Übrigen macht die Rekurrentin
nicht geltend, aufgrund der bisherigen Praxis seien Dispositionen getroffen worden, die
sich nun nachteilig auswirkten und nicht mehr rückgängig gemacht werden könnten
(vgl. Häfelin/Haller/Keller, Bundesstaatsrecht, 8. Aufl. 2012, N 823 ff.)
4.- Streitig ist, ob die Vorinstanz den Sitzkantonen Appenzell Ausserrhoden (bis 13.
November 2012) und Schwyz (ab 14. November 2012) zu Recht einen Gewinnanteil von
5% zuwies oder ob ein solcher von 20%, wie die Rekurrentin vorbrachte, angemessen
gewesen wäre.
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a) Die Vorinstanz erwog, der jährliche Mietaufwand habe rund Fr. 100'000.– betragen.
Davon seien Fr. 6'000.– dem statutarischen Sitz (Kostenanteil der privaten
Räumlichkeiten) zuzurechnen. Die Rekurrentin präsentiere sich nach aussen nur mit
ihrer Zweigniederlassung in G (Rechnungsadresse, Homepage). Zudem bezögen die
Mitglieder der Geschäftsleitung, M und H, unterschiedlich hohe Gehälter. So werde M
jährlich Fr. 130'000.– und H jährlich Fr. 36'000.– vergütet. Es sei deshalb davon
auszugehen, dass sich der Ort der tatsächlichen Verwaltung in G befinde, wo die
meisten Zentralleitungs- bzw. Administrationsfunktionen wahrgenommen würden
(Service, Verkauf, Spezialverkauf, Buchführung, Logistik, Produktionsplanung,
Marketing usw.). Der statutarische Sitz sei wahrscheinlich wegen der Steuerersparnis
gewählt worden. Mit dem Präzipuum von 5% würden allfällige "Overheadarbeiten"
grosszügig abgegolten. Für diese, von der Rekurrentin beschriebenen Aufgaben, lägen
im Übrigen keine Beweise vor.
Die Rekurrentin bringt dagegen vor, der Anteil von lediglich 5% werde der
Unternehmensstruktur und -führung nicht gerecht und berücksichtige die überaus
wesentliche Bedeutung der Zentralleitung durch den Alleinaktionär und
Verwaltungsratspräsidenten, an dessen Wohnort sich ihr Hauptsitz befinde, nicht.
Damit würde den zentralen Unternehmensfunktionen – insbesondere strategische und
wesentliche operative Entscheide, die nach wie vor ureigenste Pflichten des
Alleineigentümers seien – zu wenig Rechnung getragen. Der Ort dieser zentralen
Leitungsaufgabe liege am Hauptsitz in T. Es sei zu berücksichtigen, dass der
Eigentümer alleine über die erforderlichen Kontakte zu den massgebenden
Unternehmen in den skandinavischen Ländern verfüge und nur wegen seines Einsatzes
und seiner Sprachkenntnisse interessante Geschäftsbeziehungen gepflegt und
ausgebaut werden könnten. Ihm oblägen das gesamte Vertragswesen mit den
Lieferanten und die Pflege dieser wichtigen Kundenbeziehungen. Deshalb halte er sich
pro Jahr während mindestens zwei Monaten in Nordeuropa (v.a. Schweden und
Finnland) auf. Er sei zudem für die gesamte finanzielle Struktur, inkl. Controlling,
Vermögensverwaltung usw., zuständig. Er alleine akquiriere neue Lieferanten,
entscheide über Einkauf, künftige Zusammenarbeit, aber auch über das Lohnwesen
sowie die konkrete Strukturierung der Zweigniederlassung. Entscheide des
Geschäftsführers der Zweigniederlassung stünden deshalb immer unter dem Vorbehalt
der Genehmigung durch den Verwaltungsratspräsidenten. Der bescheidene
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Kostenanteil für dessen Büro in T wie auch sein – in Relation zu seiner effektiven
Tätigkeit – geringer Lohn seien nicht aussagekräftig. Entscheidend sei vielmehr die
Summe aller Bezüge. So hätten die Dividendenbezüge im Jahre 2011 rund
Fr. 450'000.–, im Jahre 2012 Fr. 600'000.– und im Jahre 2013 Fr. 3'000'000.– betragen.
Setze man diese Bezüge mit dem Lohnbezug des Geschäftsführers der Zweigstelle in
Relation, sei von einem Anteilsverhältnis von 25% auszugehen.
b) Juristische Personen sind aufgrund persönlicher Zugehörigkeit steuerpflichtig, wenn
sich ihr Sitz oder ihre tatsächliche Verwaltung im Kanton befindet (Art. 71 StG).
Juristische Personen mit Sitz und tatsächlicher Verwaltung ausserhalb des Kantons
sind aufgrund wirtschaftlicher Zugehörigkeit steuerpflichtig, wenn sie Teilhaber an
Geschäftsbetrieben im Kanton sind, im Kanton Betriebsstätten unterhalten oder an
Grundstücken im Kanton Eigentum, dingliche Rechte oder diesen wirtschaftlich
gleichkommende persönliche Nutzungsrechte haben (Art. 72 Abs. 1 StG). Dies
entspricht den Vorgaben gemäss Art. 20 f. des Bundesgesetzes über die
Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (SR 642.14). Nach
der Rechtsprechung des Bundesgerichts zu Art. 127 Abs. 3 BV dürfen die Kantone, in
welchen sich Niederlassungen eines interkantonalen Unternehmens befinden, nicht
einfach den auf ihrem Gebiet erzielten Ertrag besteuern (objektmässige Ausscheidung),
sondern nur eine Quote des Gesamtertrags des ganzen Unternehmens (quotenmässige
Ausscheidung). Dabei können die Quoten aufgrund der Buchhaltungen der einzelnen
Betriebsstätten (direkte Methode) oder aufgrund von Hilfskriterien (indirekte Methode),
d.h. nach Massgabe äusserer betrieblicher Merkmale wie Erwerbsfaktoren (Kapital,
Arbeit), Umsatz usw., bestimmt werden. Ziel ist, unter Berücksichtigung der
Verhältnisse des Einzelfalls einen Massstab zu finden, welcher die Bedeutung der
Betriebsstätten im Rahmen des Gesamtunternehmens, d.h. ihren Anteil an der
Erzielung des Gesamtertrags am zuverlässigsten zum Ausdruck bringt. Der Bedeutung
des Hauptsitzes kann durch Zuweisung eines Vorausanteils (Präzipuum) bei der
Gewinnsteuer Rechnung getragen werden. Die Zuweisung eines Präzipuums
entschädigt den Sitzkanton für den erhöhten Wertschöpfungsanteil des Sitzes am
Gesamtunternehmensergebnis durch die "Overheadarbeiten", welche vorwiegend oder
ausschliesslich am Sitz geleistet werden, jedoch dem ganzen Unternehmen
zugutekommen. Die Höhe dieses Vorausanteils ist eine Ermessensfrage. Er wird jedoch
nur dann gewährt, wenn die Bedeutung des Hauptsitzes nicht bereits in den
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Erwerbsfaktoren zum Ausdruck kommt. Bei Handelsunternehmen wird für die
Gewinnsteuer der Umsatz als massgebendes Ausscheidungskriterium betrachtet. Als
Vorausanteil wird in den meisten Fällen 20% gewährt (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
a.a.O., N 34 f. und N 48 ff. zur Art. 6 DBG; Teuscher/ Lobsiger, in: Zweifel/Beusch/
Mäusli-Allenspach [Hrsg], Kommentar zu Interkantonalen Steuerrecht, Basel 2011, § 30
N 42). Der Vorausanteil ist jedoch tiefer anzusetzen, wenn der Betriebsstätte eine
erhebliche Selbständigkeit zukommt (Höhn/Mäusli, Interkantonales Steuerrecht, 4. Aufl.
2000, S. 412; Teuscher/Lobsiger, a.a.O., § 31 N 36). So ist bspw. eine hälftige
Aufteilung des Vorausanteils auf Sitz und Betriebsstätte angebracht, wenn an beiden
Standorten wesentliche Zentralleitungsfunktionen wahrgenommen werden (vgl.
P. Locher, Die Praxis der Bundessteuern, III. Teil: Interkantonale Doppelbesteuerung, §
8, II C, 2b Nr. 3). Die Zuweisung eines Vorausanteils ist stets eine Ermessensfrage, die
nach Ermittlung der Quoten zu entscheiden ist, wobei das Ermessen in zweierlei
Hinsicht zu betätigen ist. Erstens ist zu entscheiden, ob überhaupt ein Vorausanteil
gerechtfertigt ist; zweitens ist die Höhe des Vorausanteils zu bestimmen (Höhn/Mäusli,
a.a.O., S. 407).
c) Die zivilrechtlichen Bilanz- und Bewertungsgrundsätze sind grundsätzlich auch für
das Steuerrecht massgeblich (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 6 zu Art.
58 DBG). Aufgrund der Jahresabschlüsse 2012 und 2013 der Rekurrentin lässt sich der
Gesamtgewinn des Unternehmens jedoch nicht auf den Sitzkanton Schwyz und den
Kanton der Betriebsstätte (St. Gallen) aufteilen, da sämtliche Aufwände und Erträge der
Betriebsstätte in G zugeordnet wurden. Hingegen ist den Abschlussunterlagen zu
entnehmen, dass im Jahr 2012 Fr. 7'060.– bzw. 7% der Mietkosten (inkl. Nebenkosten)
auf den statutarischen Sitz in T entfielen; im Jahr 2013 belief sich dieser Anteil auf
Fr. 9'300.– bzw. 9,5%. Unter den Parteien ist deshalb nicht streitig, dass ein Teil der
zentralen Führungsaufgaben am statutarischen Sitz der Rekurrentin anfielen. Es ist
deshalb davon auszugehen, dass in den Jahren 2012 und 2013 besondere Umstände
vorlagen, die die Zuweisung eines Präzipuums rechtfertigten; andernfalls wäre der
gesamte Gewinn im Kanton St. Gallen besteuert worden; die Kantone Appenzell
Ausserrhoden und Schwyz hätten nichts erhalten. Mit dem Vorausanteil ist folglich ein
Ausgleich zu schaffen, der den vorliegenden besonderen Verhältnissen der Rekurrentin
Rechnung trägt.
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d) Da es sich bei der Rekurrentin um ein Handelsunternehmen bzw. um eine
"technische Verkaufsorganisation auf dem Schweizer Markt" handelt (vgl. www.---.ch),
beträgt der Vorausanteil 20%. Dieser Anteil am Gesamtgewinn wird dem Sitz der
zentralen Leitung vorweg zugewiesen. Teilt sich diese auf zwei Standorte auf,
rechtfertigt sich auch eine entsprechende Aufteilung des Vorausanteils (vgl. Locher,
a.a.O., E. 2b). Im vorliegenden Fall ist deshalb zu prüfen, ob die zentrale Leitung, wie
die Rekurrentin geltend macht, ausschliesslich am statutarischen Sitz angesiedelt und
das Präzipuum folglich diesem Kanton zuzuordnen ist.
aa) Die Geschäftsführung der Rekurrentin besteht aus H und M, die in der
Firmenpräsentation auch als Inhaber bezeichnet werden. Sie sind beide Mitglied des
dreiköpfigen Verwaltungsrats, wobei H als Präsident des Verwaltungsrates amtet und
M die Funktion des Geschäftsleiters innehat. Die Organisationsstruktur der Rekurrentin
widerspiegelt die typischen Funktionen eines Handelsbetriebs: Verkauf (8 Personen),
Verkaufsinnendienst (5), Buchhaltung (1), kfm. Lehrlinge (2), Produktion (4) sowie
Logistik und Lager (4). Der Bereich Marketing, Grafik und Design wird von einem
externen Unternehmen betreut (vgl. www.---.ch). In der Unternehmens- bzw.
Teampräsentation nicht aufgeführt sind die Bereiche Einkauf, Finanzen und Controlling,
Personal sowie Informatik bzw. IT.
bb) Die Ausführungen der Rekurrentin, wonach insbesondere der Einkauf und die
Akquisition bzw. Betreuung der Lieferanten in den Verantwortungsbereich des
Verwaltungsratspräsidenten fielen, sind nachvollziehbar. Dieser scheint aufgrund seiner
früheren Funktion als Textilfachmann und Unternehmensberater in der Textilbranche
(Hauptmarkt Schweden) über die notwendigen Sprach- und Branchenkenntnisse des
für die Rekurrentin wichtigen nordeuropäischen Marktes zu verfügen (act. 2/7). In
einem Handelsbetrieb kommt jedoch dem Verkaufsbereich eine ebenso grosse
Bedeutung zu. Der Einkauf ist deshalb hinsichtlich der Relevanz für den Erfolg eines
Handelsunternehmens nicht stärker zu gewichten als der Verkaufsbereich, der für den
gewinnbringenden Absatz der eingekauften Ware verantwortlich zeichnet. Die
Verkäuferinnen und Verkäufer, die Sortimentsspezialisten und die Mitarbeiterinnen des
Verkaufsinnendienstes sind aber unbestreitbar in G angesiedelt, und dieser Bereich ist
mit 13 Personen – inkl. einem Key Account Manager, der ebenfalls Mitglied der
Geschäftsleitung ist – im Verhältnis zum gesamten Personalbestand (26 Personen)
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relativ hoch dotiert. Mit Blick auf diese beiden Unternehmensfunktionen kommt dem
Gesellschaftssitz deshalb keine grössere Bedeutung zu als der Betriebsstätte. Ins
Gewicht fällt jedoch, dass sich in G zusätzlich das Lager und die Produktion
(Beschriftung und Näharbeiten) befinden und deshalb davon auszugehen ist, dass dort
– bezogen auf den gesamten Handelsprozess (Akquisition/Kundenbetreuung, Einkauf,
Lager, Produktion, Verkauf/Kundenbetreuung) – wesentlich höhere Overheadkosten
anfallen als in T.
cc) Dass H in der Funktion als Verwaltungsratspräsident eine führende Rolle in
strategischen Fragen übernahm, insbesondere im Bereich der Personal-, Finanz- und
Anlageplanung, erscheint glaubwürdig. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass dem von
ihm präsidierten, für strategische Fragen letztlich zuständigen Verwaltungsrat, neben
ihm auch der Geschäftsführer sowie R, Geschäftsführer der auf Steuer- und
Unternehmensberatung spezialisierten T AG angehören. Sowohl der Präsident als auch
die beiden Mitglieder verfügen über Kollektivunterschrift zu zweien, was den Einwand
der Rekurrentin, sämtliche wichtigen strategische Entscheide lägen im
Verantwortungsbereich des Verwaltungsratspräsidenten, relativiert. Aus den Akten ist
zudem nicht ersichtlich, ob die Verwaltungsratssitzungen in der Regel in T stattfanden.
Falls dies nicht der Fall wäre, wäre dies ein Indiz für den eher formellen Charakter des
statutarischen Sitzes. Das Steuerdomizil befindet sich nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung an dem Ort, an dem diejenigen Handlungen, welche in ihrer
Gesamtheit der Erreichung des statuarischen Zwecks dienen, vorgenommen werden
(ASA 56, S. 85; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 6 zu Art. 50 DBG).
Hinsichtlich des Finanzbereichs ist festzustellen, dass die operative Buchhaltung von
einer Mitarbeiterin in G betreut wurde. Zusätzliche Unterstützung erhielt die Rekurrentin
von der T AG, welche die Jahresabschlüsse 2012 und 2013 erstellte und in den
Steuererklärungen als Ansprechpartnerin aufgeführt wurde (act. 6/I-01 und 6/I-02).
Entsprechend fiel in diesen beiden Jahren Buchführungs- und Beratungsaufwand in
der Höhe von Fr. 26'774.49 bzw. Fr. 28'646.48 an. Werden die zentralen
Dienstleistungen, welche normalerweise vom Sitz geleistet werden (müssen), von
einem Drittunternehmen erbracht, spricht dies nach Ansicht des Bundesgerichts (eher)
dafür, dem Sitzkanton kein Präzipuum zuzuweisen bzw. dieses zumindest tief
anzusetzen. Dies insbesondere, falls das Drittunternehmen ebenfalls im Sitzkanton
steuerpflichtig ist (Zweifel/Beusch/Mäusli-Allenspach, a.a.O., § 30 N 44). Aus dem von
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der Rekurrentin eingereichten Firmenportrait (act. 2/Beilage 13, S. 28) geht im Übrigen
hervor, dass sie wesentliche Teile der zentralen Dienstleistungen an Dritte vergab:
Personal (C), Finanzen (T AG), Werbung (K), IT (I/H).
dd) Aus den Akten ist ersichtlich, dass der Präsident des Verwaltungsrats in den Jahren
2012 und 2013 ein Bruttogehalt von je Fr. 36'000.– bezog; dasjenige des
Geschäftsführers belief sich in diesen Jahren auf Fr. 122'000.–. Daraus lässt sich
hinsichtlich der Aufteilung des Präzipuums jedoch nichts ableiten. Das geringe Gehalt
des Verwaltungsratspräsidenten liesse sich sowohl mit einem Teilzeitmandat als auch
mit dem Umstand begründen, dass sich der Verwaltungsratspräsident im Wissen um
die Dividendenhöhe bewusst ein tiefes Gehalt auszahlen liess. Die Ausschüttungen
einer Aktiengesellschaft stehen jedoch in keinem direkten Zusammenhang mit der
Arbeitsleistung des Dividendenbezügers, so dass die Ausschüttungen von
Fr. 600'000.– bzw. Fr. 2'000'000.– in den Jahren 2012 und 2013 nicht auf ein
Anteilsverhältnis von durchschnittlich mindestens 25% schliessen lassen, wie die
Rekurrentin vorbrachte.
e) Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Betriebsstätte in G im Jahre 2013 eine
erhebliche Selbständigkeit zukam, die es rechtfertigte, dem statutarischen Sitz der
Rekurrentin ein tieferes Präzipuum als 20% zuzuweisen (vgl. Zweifel/Beusch/Mäusli-
Allenspach, a.a.O., § 31 N 36). Der von der Vorinstanz festgelegte Anteil von 5%
erscheint angemessen. Diesen Anteil veranlagte im Übrigen auch der Kanton Appenzell
Ausserrhoden für die Staats- und Gemeindesteuern 2012 (1. Januar bis 13. November
2012) mit Verfügung vom 30. September 2014. Dagegen wurde, soweit aus den Akten
ersichtlich, kein Rechtsmittel ergriffen. Auf die Befragung des
Verwaltungsratspräsidenten und des Geschäftsführers der Rekurrentin kann verzichtet
werden, da die Rekurrentin bzw. deren Vertreter Gelegenheit hatten, ihren Standpunkt
schriftlich darzulegen. Der rechtlich erhebliche Sachverhalt konnte aufgrund der
Ausführungen der Parteien und der Akten ausreichend geklärt werden und es ist nicht
ersichtlich, inwiefern die Befragungen zu weiterführenden Erkenntnissen bzw. einer
Änderung der rechtlichen Überzeugung des Gerichts führen könnten (vgl. zur
antizipierten Beweiswürdigung Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz 622 mit Hinweisen).
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5.- Der Rekus erweist sich somit als unbegründet und ist abzuweisen. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des Rekursverfahrens der
Rekurrentin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.– ist
angemessen (Art. 7 Ziff. 122 Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'000.– ist zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten werden nicht entschädigt (Art. 98 VRP).