Decision ID: 5770fa88-c41f-5270-a143-3c25c11c1a6e
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer stellte am 9. Januar 2015 im damaligen Empfangs-
und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen ein Asylgesuch. Anlässlich der
dort durchgeführten Befragung zur Person (BzP) vom 20. Januar 2015 und
der Anhörung vom 3. September 2015 zu den Asylgründen – diese wurde
auf Wunsch des Beschwerdeführers in einem reinen Männerteam durch-
geführt – machte er im Wesentlichen Folgendes geltend:
Er sei islamischen Glaubens, in B._ geboren und stets dort mit sei-
nen Eltern und drei Geschwistern wohnhaft gewesen. Seine Eltern stamm-
ten ursprünglich aus C._ und der Vater sei dort im Jahre 1994 von
Terroristen umgebracht worden. Die Schule habe er sieben Jahre lang be-
sucht. Er sei (...), seit (...) verheiratet und Vater (...). Über mehrere Monate
habe er eine aussereheliche Beziehung mit einer Frau namens D._
gepflegt. Diese sei, ohne dass er davon gewusst hätte, ebenfalls verheira-
tet, ihr Mann aber auslandabwesend gewesen. Als D._ von ihm
schwanger geworden sei, hätten die mit ihr im selben Haushalt Lebenden
– ihr strenggläubiger und als (...) berufstätiger Schwager und ihre Schwie-
germutter – alles von ihr erfahren. Er habe D._ am 7. April 2014
abmachungsgemäss auf einem Markt in B._ treffen wollen, um zu
reden. Als sie sich dort getroffen hätten, sei er von sechs Sicherheitskräften
beziehungsweise der Polizei verhaftet, sogleich beziehungsweise erst auf
dem Posten geschlagen, verhört und nach drei Tagen einem Strafrichter
vorgeführt worden. Dieser habe ihn zu 100 Peitschenhieben verurteilt,
diese vollziehen lassen und ihn für weitere drei bis vier Monate eingesperrt
beziehungsweise dieser Richter habe gar kein Urteil gesprochen. In der
Haft sei er misshandelt worden, er weise aber davon keine Spuren mehr
auf. Auf Intervention seines Onkels mütterlicherseits und eines Freundes
sei seine Akte wieder vor Gericht gekommen und das Verfahren neu eröff-
net worden. Der Richter des für (...) zuständigen (...)-Gerichts – ein Scha-
ria-Gericht – habe ihn, wie auch die (...) schwangere D._, am (...)
beziehungsweise (...) 2014 zum Tod durch Steinigung verurteilt. Da er aus
C._ stamme, werde die Scharia bei ihm angewandt und vollstreckt.
Der Vollzug der Strafe sei nach der Entbindung von D._ vorgese-
hen gewesen, weshalb er wieder ins (...)-Gefängnis gekommen sei. Dort
hätten sein Onkel mütterlicherseits und sein Freund einen Offizier bezie-
hungsweise Wächter bestochen, um ihm die Flucht aus der Haft zu ermög-
lichen. Das Vorhaben sei rund zwei Wochen später gelungen. Ein Wächter
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habe ihm hierzu die Fussketten gelockert, damit er während der Zwangs-
arbeit am Hafen wegrennen könne. Er sei dann nach einem vierstündigen
Lauf in E._ angekommen und von dort mit einem Taxi beziehungs-
weise mithilfe eines Freundes nach F._ beziehungsweise
G._, ein Stadtquartier von B._, gebracht worden. Während
seines dortigen einmonatigen Aufenthalts bei einer Bekannten habe er sich
einen mit seinem Foto, aber mit falschen Personalien versehenen Reise-
pass besorgt und damit am (...) August 2014 sein Heimatland problemlos
auf dem Luftweg in Richtung Türkei verlassen können. Dort habe er sich
vier Wochen aufgehalten, bis er auf dem Seeweg zunächst nach Griechen-
land und mehrere Monate später nach Italien weitergereist sei. Am 9. Ja-
nuar 2015 sei er dann mit dem Zug illegal in die Schweiz gelangt. Seine
Ehefrau sei nach seinem Entweichen aus der Haft einmal für sieben Tage
und ein weiteres Mal für drei Tage inhaftiert, nach seinem Verbleib befragt
und geschlagen worden. Seine Familie habe er fünf Tage vor der Ausreise
letztmals gesehen und seither nichts mehr von ihr gehört; er habe aber
zum Schutz seiner Frau auch nicht versucht, Kontakt aufzunehmen. Über
das Schicksal von D._ wisse er auch nichts. Vor den genannten
Vorfällen habe er nie Schwierigkeiten mit den Behörden gehabt. Er habe
sich auch nie religiös oder politisch exponiert. Gesundheitlich gehe es ihm
gut.
Der Beschwerdeführer reichte als Beweismittel seine Identitätskarte, eine
Kopie seines Geburtsscheins sowie (mit Eingabe vom 12. September
2016) ein Schreiben seines Anwalts in B._ zu den Akten, gemäss
welchem es diesem nicht gelungen sei, Gerichtsdokumente erhältlich zu
machen. Seinen eigenen beziehungsweise den gefälschten Reisepass
habe er auf dem Weg von der Türkei nach Griechenland verloren. Weitere
Beweismittel und Angaben betreffend seine Verurteilung zum Tode und das
entsprechende Verfahren reichte er trotz mehrfacher Aufforderung des
SEM (insb. anlässlich der Anhörung und mittels Instruktionsverfügung vom
15. August 2016) nicht ein; diese befänden sich beim Gericht und deren
Erhältlichmachung sei schwierig.
Am 27. September 2016 ersuchte das SEM die Schweizer Botschaft in
Khartum um nähere Abklärungen zur Sache. Der entsprechende Bot-
schaftsbericht ging am 30. September 2016 per E-Mail beim SEM ein.
B.
Mit Verfügung vom 26. Oktober 2016 stellte das SEM fest, der Beschwer-
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deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte dessen Asyl-
gesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz
und den Vollzug an. Den ablehnenden Asylentscheid begründete es im
Wesentlichen damit, dass die Vorbringen den Anforderungen von Art. 7
AsylG (SR 142.31) an die Glaubhaftigkeit nicht genügten; unter anderem
sei er der Aufforderung nach Einreichung von Gerichtsdokumenten nicht
nachgekommen. Die Botschaftsabklärung erwähnte das SEM im Ent-
scheid nicht.
C.
Mit Eingabe vom 28. November 2016 erhob der Beschwerdeführer gegen
diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Darin be-
antragte er in verfahrensrechtlicher Hinsicht unter anderem die Durchfüh-
rung einer Botschaftsabklärung.
Mit Ergänzungseingabe vom 7. Dezember 2016 orientierte er zudem das
Gericht darüber, dass am (...) 2016 eine zentrale Befragung durch Vertre-
ter der Sudanesischen Botschaft in der Schweiz zwecks seiner Identifizie-
rung stattgefunden habe, anlässlich welcher aber auch seine hiesigen
Asylgründe zur Sprache gekommen seien, wodurch er nunmehr zusätzlich
gefährdet sei. Er beantrage die Edition des Protokolls dieser Anhörung.
D.
Nach Durchführung eines Schriftenwechsels, in dem sowohl das SEM als
auch der Beschwerdeführer an ihren Standpunkten festhielten, kassierte
das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-7364/2016 vom 21. August
2017 die Verfügung vom 26. Oktober 2016 und wies die Sache im Sinne
der Erwägungen an das SEM zurück.
In der Begründung erkannte das Gericht eine Verletzung des Anspruchs
des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör dadurch, dass das SEM ihn
über die Durchführung der Botschaftsanfrage vor Erlass der Verfügung
hätte orientieren und ihm die wesentlichen Inhalte der Botschaftsanfrage
und der Botschaftsantwort unter Einräumung des Rechts zur Stellung-
nahme hätte offenlegen müssen; weitere Ausführungen zu einer vom SEM
im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens erneut durchgeführten Bot-
schaftsanfrage und zur Klassifizierung der betreffenden Akten als geheim
würden sich damit erübrigen.
E.
Nach Wiederaufnahme des erstinstanzlichen Verfahrens gewährte das
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SEM dem Beschwerdeführer am 22. November 2017 das rechtliche Gehör
zum wesentlichen Inhalt des Botschaftsberichts vom 30. September 2016,
wonach das eingereichte Anwaltsschreiben keine die weitere Abklärung er-
möglichende Fall- oder Referenznummer aufweise, ferner gemäss „Sudan
Criminal Act 1991" Verfahren wegen Verstosses gegen Artikel 145/146 bei
Abwesenheit des Beschuldigten eingestellt würden und im Übrigen die
Strafe der Exekution durch Steinigung wegen Ehebruchs verheirateter Per-
sonen bereits seit drei Jahrzenten vor Einsatz des aktuellen Regimes nicht
mehr verhängt würde.
Mit Eingabe vom 5. Dezember 2017 nahm der Beschwerdeführer dahinge-
hend Stellung, dass es auch in den letzten Jahren Verurteilungen wegen
Ehebruchs nach dem erwähnten Art. 146 gegeben habe, wenngleich sie
überwiegend gegen Frauen ausgesprochen, auf Berufung hin stets aufge-
hoben und seit 2007 keine Todesstrafen mehr ausgesprochen worden
seien. Die Tatsache, dass der entsprechende Artikel in Kraft sei und in sei-
nem Fall zu einer Verurteilung geführt habe, zeige aber seine Verfolgungs-
gefahr, die mit seiner Herkunft aus C._ zusammenhänge, dennoch
auf.
F.
Mit neuer Verfügung vom 30. Januar 2018 – eröffnet am 31. Januar
2018 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlings-
eigenschaft nicht, und lehnte dessen Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete
es seine Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. Mit der Verfü-
gung wurden dem Beschwerdeführer die aus Sicht des SEM editionspflich-
tigen Akten mitsamt dem Aktenverzeichnis zugestellt.
G.
Mit Eingabe vom 28. Februar 2018 erhob der Beschwerdeführer gegen
diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Darin be-
antragt er deren Aufhebung, die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft,
die Gewährung von Asyl, eventualiter die Gewährung der vorläufigen Auf-
nahme sowie subeventualiter die Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurtei-
lung. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung mit Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses und die Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als
amtlicher Rechtsbeistand.
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H.
Mit Zwischenverfügung vom 7. März 2018 stellte die damals zuständige
Instruktionsrichterin den legalen Aufenthalt des Beschwerdeführers in der
Schweiz während des Beschwerdeverfahrens fest. Weiter hiess sie die Ge-
suche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses und Beiordnung des rubrizierten
Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand gut.
I.
Nachdem der Beschwerdeführer am 13. Januar 2020 eine Honorarnote
seines Vertreters nachgereicht und sich nach dem Stand des Verfahrens
erkundigt hatte, orientierte ihn das Bundesverwaltungsgerichts mit Schrei-
ben vom 16. Januar 2020 über den zwischenzeitlich erfolgten Wechsel in
der Verfahrensführung von Instruktionsrichterin Regula Schenker Senn auf
die neu zuständige Instruktionsrichterin Roswitha Petry sowie über das Be-
streben des Gerichts, das Verfahren im Jahr 2020 zum Abschluss zu brin-
gen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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Seite 7
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Vorab ist festzustellen, dass die im Kassationsurteil E-7364/2016 vom
21. August 2017 erkannten Mängel (vgl. Bst. D oben) nach Wiederauf-
nahme der erstinstanzlichen Verfahren durch das SEM behoben wurden.
So hat das SEM dem Beschwerdeführer am 22. November 2017 das recht-
liche Gehör zum wesentlichen Inhalt des Botschaftsberichts vom 30. Sep-
tember 2016 gewährt. Der Beschwerdeführer kritisiert zwar in der vorlie-
genden Beschwerde zum einen die Durchführung einer Botschaftsabklä-
rung ohne seine Inkenntnissetzung darüber und zum andern die ungenü-
gende (bloss inhaltlich zusammenfassende statt mit Schwärzungen des
Berichtsdokuments vorgenommene) Offenlegung des Botschaftsberichts.
Diese Rüge ist indessen nicht zu stützen: Die Kritik an der unterlassenen
Inkenntnissetzung des Beschwerdeführers über die Botschaftsabklärung
wurde vom Bundesverwaltungsgericht im Rahmen seiner Prüfung von Am-
tes wegen im Urteil E-7364/2016 vom 21. August 2017 erkannt und als
kassationsauslösend bewertet. Der Mangel wurde in der Folge vom SEM
behoben. Diese Behebung erfolgte zudem rechtsgenüglich, da die per E-
Mail kommunizierte Botschaftsantwort auch aus Sicht des Bundesverwal-
tungsgerichts verschiedene geheimhaltungswürdige und zudem interne
Passagen enthält, die eine vollständige Offenlegung verbieten. Die Offen-
legung mittels Zusammenfassung statt mittels Schwärzungen mag vorlie-
gend zwar einen Grenzfall darstellen, nicht aber eine Verletzung des Ak-
teneinsichtsrechts nach Art. 26 ff. VwVG, da der wesentliche Inhalt der Ant-
wort in der Zusammenfassung durchaus enthalten und die gewählte Editi-
onsart somit statthaft ist; eine Edition mittels Schwärzungen wäre im Übri-
gen auch an vernünftige Grenzen der Praktikabilität gestossen.
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Seite 8
Soweit der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe weitere Rü-
gen formeller Art erhebt, werden diese zusammenhangsbezogen direkt in
den betreffenden materiellen Erwägungen unten (E. 6) erörtert.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder
zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen von Asylvorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis; darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.), soweit nicht
in den nachfolgenden Erwägungen noch spezifisch darauf Bezug zu neh-
men ist.
4.2 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
4.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
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Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
5.
5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte das SEM aus,
die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen würden den Anforderungen
von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftigkeit nicht genügen. In den Aussagen
des Beschwerdeführers seien diverse Widersprüche in wesentlichen Punk-
ten aufgetreten, so betreffend die Dauer seiner Beziehung zu D._
(fünf bis sechs Monate bzw. ein Jahr), deren Nachname (H._ bzw.
unbekannt), das Datum des Todesurteils ([...] bzw. [...] 2014), das Datum
der Flucht aus dem Gefängnis ([...] bzw. [...] 2014), die Beschreibung die-
ser Flucht (chronologische und örtliche Divergenzen) sowie betreffend die
Existenz einer Verurteilung zu 100 Peitschenhieben und deren Vollstre-
ckung. Die Unstimmigkeiten habe er nicht oder nicht zureichend zu erklä-
ren vermocht und insbesondere der (im vormaligen Beschwerdeverfahren
deponierte) Hinweis auf Verständigungs- und Übersetzungsmängel ver-
fange angesichts der Art und der Häufigkeit der Widersprüche nicht. Weiter
erstaunten die Gleichgültigkeit und das Desinteresse des Ehemannes von
D._ und ebenso des Beschwerdeführers am Schicksal von
D._ und jenem des wohl inzwischen geborenen gemeinsamen Kin-
des. Das gleiche gelte betreffend das nicht nachvollziehbare Desinteresse
des Beschwerdeführers am Schicksal der wegen ihm angeblich zweimal
vorgeladenen und dabei geschlagenen Ehefrau. Diese Verhaltensweisen
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seien weder logisch noch nachvollziehbar. Sodann deute die Tatsache,
dass er trotz mehrfacher Aufforderung und anwaltlicher Unterstützung in
der Heimat bislang keinerlei Gerichtsakten eingereicht, kaum entspre-
chende Anstrengungen unternommen und nicht einmal eine Fall- oder Re-
ferenznummer genannt habe, vorliegend klar auf einen konstruierten Sach-
verhalt hin. Es könne auf die Erkenntnisse der Schweizer Botschaft im Su-
dan verwiesen werden, die mangels Verfahrensnummer bezeichnender-
weise keine weiteren Abklärungen via den Vertrauensanwalt habe tätigen
können. Aus den in der Stellungnahme vom 5. Dezember 2017 gemachten
Erklärungen werde nicht ersichtlich, weshalb keinerlei Dokumente existie-
ren sollten, die das gegen ihn ergangene gerichtliche Todesurteil belegen
könnten. Auch die in der vormaligen Beschwerde (vom 28. November
2016) geäusserte Vermutung, der als (...) berufstätige Schwager von
D._ habe entsprechende Dokumente verschwinden lassen, sei
weithergeholt, zumal dieser kaum von einer Asylgesuchstellung des Be-
schwerdeführers in Europa und dessen Aufforderung zur Einreichung von
Beweisdokumenten hätte wissen können. Die in der Eingabe vom 7. De-
zember 2016 aufgestellte Behauptung, er sei im Rahmen der Identitätsab-
klärung auf der sudanesischen Botschaft in der Schweiz auch zu seinen
Asylgründen befragt worden, so dass die sudanesischen Behörden nun
darüber Bescheid wüssten, stelle eine reine Parteibehauptung dar und
gehe insbesondere auch nicht aus der betreffenden Akte (E-Mail SEM an
das kantonale Migrationsamt vom [...] 2016) hervor; abgesehen davon hät-
ten sich die Asylgründe als unglaubhaft herausgestellt, weshalb davon aus-
zugehen sei, es läge von Seiten der sudanesischen Behörden nichts ge-
gen ihn vor. Aufgrund der somit bestehenden Unglaubhaftigkeit der Asyl-
vorbringen, könne auf eine Prüfung ihrer Asylrelevanz verzichtet werden.
Die gesetzliche Regelfolge der Ablehnung des Asylgesuchs sei die Weg-
weisung aus der Schweiz. Deren Vollzug sei mangels Erfüllung der Flücht-
lingseigenschaft unter dem Aspekt von Art. 5 Abs. 1 AsylG sowie mangels
Anhaltspunkten für eine nach Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behand-
lung völkerrechtlich zulässig. Er sei unter Berücksichtigung der politischen
Situation im Sudan und mangels gegenteiliger individueller Gründe ebenso
zumutbar, zumal der Beschwerdeführer jung, gesund und erwerbsfähig sei,
stets in B._ gelebt habe und dort über ein unterstützungsfähiges
familiäres Beziehungsnetz verfüge. Der Vollzug der Wegweisung sei im
Übrigen technisch möglich und praktisch durchführbar.
5.2 In seiner Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer geltend,
die ungewöhnliche Anzahl und Art der erkannten Ungereimtheiten dränge
die Annahme von Verständigungs- und Übersetzungsproblemen in der BzP
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wie auch in der Anhörung geradezu auf. Solche seien denn auch in der
Anhörung von der Hilfswerksvertretung schriftlich und vom Beschwerde-
führer andeutungsweise angemerkt worden und wohl auf Unterschiedlich-
keiten in den arabischen Dialekten zurückzuführen. Selbst das SEM habe
(in der Vernehmlassung im ersten Beschwerdeverfahren) eine «nicht ganz
einfache» Verständigung eingeräumt, wenngleich – zu Unrecht – nicht als
erheblich erachtet. Eine richtige und wortgetreue Übersetzung wäre aber
unabdingbar gewesen. Der Hinweis des SEM auf die fehlenden Einwände
bei der Rückübersetzung und die Unterzeichnung der Protokolle durch ihn
verfingen nicht, zumal wenn bestimmte Begriffe hin und zurück falsch über-
setzt würden und solche Mängel daher nicht erkennbar seien. Indem das
SEM ferner seine Unglaubhaftigkeitserkenntnis einzig auf Widersprüche
abstütze, lasse es eine Gesamtbetrachtung vermissen; auch die Substan-
ziiertheit, Schlüssigkeit, Plausibilität und persönliche Glaubwürdigkeit
seien mit zu veranschlagen. Die Aussagen betreffend die Dauer der Bezie-
hung zu D._ liessen im Weiteren bei Betrachtung der Protokollpas-
sagen auch andere Interpretationen als einzig eine Widersprüchlichkeit zu.
Dies gelte auch hinsichtlich D._’s Nachname, wobei hier der Dol-
metscher bei der BzP wahrscheinlich die Aussagen durcheinanderge-
bracht oder falsch übersetzt habe. Bei den widersprüchlichen Daten des
Todesurteils müsse es sich sodann um ein Missverständnis oder abermals
um eine Falschübersetzung handeln. Das Urteil sei am (...) 2014 ergangen
– dies werde so auch im Anwaltsschreiben und neu zudem in einem aktu-
ellen Schreiben der Ehefrau des Beschwerdeführers bestätigt – und die
Flucht aus dem Gefängnis habe am (...) 2014 stattgefunden. Für die Be-
schreibung der Fluchtumstände sei auf die Aussagen in der Anhörung ab-
zustellen. Diese seien detailreich und deckungsgleich und Unstimmigkei-
ten (insb. betr. das Stadtquartier in B._) seien wiederum auf Ver-
ständnisprobleme und die «fahrige Art und Weise» der Übersetzung zu-
rückzuführen. Im Weiteren habe er zwar die Verurteilung zu 100 Peitschen-
hieben in der Anhörung tatsächlich nicht explizit erwähnt, aber immerhin
sinngemäss angedeutet. Zudem gehe das SEM unzutreffenderweise und
offenbar wiederum aufgrund von Verständnis- und Übersetzungsproble-
men von einer Vollstreckung der Peitschenhiebe aus, was aber nicht zu-
treffe und gleichzeitig erkläre, weshalb er dieses Urteil im Vergleich zum
Todesurteil nicht so schwer gewichtet habe. Im Übrigen sei bekannt, dass
eine solche Peitschenstrafe für Ehebruch nach wie vor ausgesprochen
werde. Die in seinem Fall erfolgte nachträgliche Zusatzbestrafung mit dem
Todesurteil könnte in einer Falschannahme des Strafrichters oder in seiner
Herkunft aus C._ gründen. Das Desinteresse des Ehemannes von
D._ an dessen Teilnahme am Prozess und an deren Schicksal
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Seite 12
könne mit dessen Landesabwesenheit, dem Einsatz dessen Bruders für
die Angelegenheit und zudem mit dem Umstand erklärt werden, dass
D._ mit ihrem Ehebruch Schande über den Ehemann gebracht
habe. Von einem der Logik des Handelns widersprechenden Vorgehen des
Ehemannes von D._ dürfe kein Rückschluss auf die (Un-)Glaubhaf-
tigkeit der Aussagen von ihm (Beschwerdeführer) gezogen werden. Seine
vom SEM erwogene eigene Gleichgültigkeit gegenüber D._ und
dem gemeinsamen Kind sei nur eine scheinbare und durch die verständli-
cherweise nicht zumutbare und nicht abhörsichere Kontaktnahme mit
D._ oder deren Familie zu erklären; er sei hierzu auch nicht vertieft
befragt worden. Die Kontaktlosigkeit mit seiner Ehefrau seit seiner Aus-
reise und bis vor Kurzem gründe darin, dass er diese nicht in zusätzliche
Gefahr habe bringen wollen. Der Kontakt sei mittlerweile wieder hergestellt,
seit ihn Anfang Februar 2018 das erwähnte Schreiben der Ehefrau erreicht
habe, in welchem diese zuhanden des (...) UNHCR die Ereignisse betref-
fend seine Verfolgungslage und Flucht rekapituliere. Sie schildere darin
auch ihre eigenen Misshandlungen und Bedrohungen in der Haft sowie
eine neuerliche Festnahme und zweiwöchige Festhaltung mit Verhörung
und körperlichen wie sexuellen Übergriffen durch Sicherheitskräfte kurz
nach seiner Befragung durch die sudanesische Botschaft in der Schweiz.
Dies sei nachvollziehbar, wenn man davon ausgehe, dass er bei dieser
Befragung auch zu seinen Asylgründen interviewt worden sei. Nach ihrer
unter strengen Auflagen erfolgten Entlassung sei seine Frau am (...) 2017
mit den (...) Kindern nach I._ ausgereist, wo sie seither als vom
UNHCR registrierte Asylsuchende lebten. Ihre Ausführungen und Gefähr-
dungslage seien glaubhaft und mithin auch die seinen. Die Behauptung
des SEM, wonach es sich bei der im Anwaltsschreiben erwähnten Nummer
nicht um die Referenznummer des Strafverfahrens, sondern um eine per-
sönliche Referenznummer des Anwalts handeln müsse, sei eine blosse
Mutmassung. Zudem halte er an der für das Fehlen von Gerichtsdokumen-
ten bereits deponierten Vermutung eines Einwirkens seines als (...) tätigen
Schwagers fest; diese Vermutung werde durch das nun vorlegbare Schrei-
ben seiner Ehefrau gestützt. Auch über den internen Mailverkehr des SEM
vom (...) 2016 (vorinstanzliche Akte A25) sei er vor Ergehen der angefoch-
tenen Verfügung in keiner Weise informiert oder gar über dessen Inhalt in
Kenntnis gesetzt worden. Ihm sei zur Wahrung seines Anspruchs auf recht-
liches Gehör und seines in Art. 26-28 VwVG verankerten Akteneinsichts-
rechts vollumfänglich Einsicht auch in diesen besagten internen Mail-Ver-
kehr mit Einräumung der Möglichkeit zur Stellungnahme zu gewähren. An-
dernfalls müsse zwingend auf die von ihm geltend gemachte und vom An-
walt im Sudan bestätigte Unmöglichkeit der Beibringung von Dokumenten
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abgestellt werden. Ferner sei die im Rahmen der «Asylrelevanzprüfung»
gewonnene vorinstanzliche Erkenntnis, wonach gemäss „Sudan Criminal
Act 1991" Verfahren wegen Verstosses gegen Artikel 145/146 bei Abwe-
senheit des Beschuldigten eingestellt würden und die Strafe der Exekution
durch Steinigung wegen Ehebruchs verheirateter Person bereits seit drei
Jahrzenten vor Einsatz des aktuellen Regimes nicht mehr verhängt würde,
unter Verweisung auf seine Eingabe vom 5. Dezember 2017 zu undifferen-
ziert und in seinem Fall zudem irrelevant, da er ja schon rechtskräftig ver-
urteilt sei. Im Weiteren sei der Vorwurf, wonach es sich um eine reine Par-
teibehauptung handle, dass er bei der Identitätsabklärung durch die suda-
nesischen Behörden in der Schweiz auch über die Asylgründe befragt wor-
den sei, nicht haltbar, solange ihm die dem SEM wohl verfügbaren Proto-
kolle dieser Befragung nicht offengelegt würden. Die despektierliche For-
mulierung im E-Mailverkehr vom (...) 2016 zwischen dem SEM und dem
kantonalen Migrationsamt («[...]») deute auf eine gegen Art. 97 AsylG
verstossende Befragung auch zu den Asylgründen statt nur zur Identität
hin. Der ergänzende Hinweis des SEM auf ohnehin unglaubhafte Verfol-
gungsvorbringen sei nach dem bereits Gesagten nicht haltbar; daneben
sei auf die im Schreiben der Ehefrau aufgezeigte zeitliche Nähe ihrer Ver-
haftung mit seiner Befragung durch die sudanesische Delegation hinzuwei-
sen. Weiter rügt der Beschwerdeführer insoweit eine Missachtung der Be-
gründungspflicht und mithin des rechtlichen Gehörs nach Art. 29 Abs. 2 BV
und Art. 29 VwVG, als das SEM nicht auf seine in der Stellungnahme vom
5. Dezember 2017 gemachten Ausführungen zu Strafbarkeit und Straf-
mass bei Ehebruch sowie auf seine zusätzliche Gefährdung seit der Vor-
führung bei der sudanesischen Delegation eingegangen sei und ihn auch
nicht nochmals angehört habe, um dadurch eine verlässliche Glaubhaftig-
keitsprüfung vornehmen zu können. Sein Anspruch auf rechtliches Gehör
sei ferner dadurch verletzt, dass im Kassationsurteil des Bundesverwal-
tungsgerichts eine erneute Botschaftsabklärung des SEM erwähnt werde,
die das Amt als geheim einstufe und über die er bislang überhaupt nie in-
formiert worden sei, abgesehen vom Hinweis in der nun angefochtenen
Verfügung, wonach in einer E-Mail der Botschaft die Erkenntnisse der ers-
ten Anfrage wiederholt würden. Angesichts der bereits erfolgten Kassation
möge einer Heilung auf Beschwerdestufe der Vorzug gegenüber einer er-
neuten Kassation zu geben sein, andernfalls auf die Botschaftsabklä-
rung(en) nicht zu seinen Lasten abgestellt werden dürfe. In einer Gesamt-
betrachtung seien seine Asylvorbringen überwiegend glaubhaft und das
SEM habe den herabgesetzten Beweisanforderungen gemäss Art. 7 AsylG
nicht hinreichend Rechnung getragen. Die Vorbringen seien unter dem As-
pekt von Art. 3 AsylG auch asylrechtlich beachtlich, weil Ehebruch gemäss
E-1237/2018
Seite 14
sudanesischem Strafgesetz mit der Todesstrafe bedroht sei. Wenngleich
Verurteilungen in den letzten Jahren überwiegend Frauen betroffen hätten,
auf Berufung hin stets aufgehoben und seit 2007 nicht mehr vollstreckt
worden seien, habe er dennoch mit Verfolgung in Form einer unmenschli-
chen und als Folter einzustufenden Bestrafung zu 100 Peitschenhieben zu
rechnen, zumal angesichts seiner Herkunft aus C._ und einer dro-
henden Strafverschärfung aufgrund des Interviews zu seinen Asylgründen
durch die sudanesischen Behörden in der Schweiz. Er sei daher in seiner
Heimat wegen Ehebruchs an Leib und Leben und in seiner Freiheit be-
droht, womit er Anspruch auf die Flüchtlingseigenschaft und Asyl, zumin-
dest aber auf Feststellung der Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzuges mit entsprechender Gewährung der vorläufigen
Aufnahme habe.
Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer den erwähnten Brief seiner
Ehefrau an das UNHCR-Büro in I._ sowie deren (...) Asylbewerber-
ausweis (Kopie) zu den Akten.
6.
6.1
6.1.1 Das SEM ist nach korrekter und vollständiger Sachverhaltsfeststel-
lung mit einlässlicher und überzeugender Begründung sowie umfassender
Akten- und Gesetzesabstützung in seinen Erwägungen zur zutreffenden
Erkenntnis gelangt, die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen des Be-
schwerdeführers vermöchten aufgrund zahlreicher Widersprüche sowie
Defiziten in der Plausibilität, Logik und Nachvollziehbarkeit den Anforde-
rungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung eines asylbegründen-
den Sachverhalts nicht zu genügen. Auch die diesbezügliche Beweismit-
telwürdigung beziehungsweise die Erkenntnis einer trotz zumutbarer Be-
schaffbarkeit sich ungenügend präsentierenden Beweismittellage betref-
fend das in ein Todesurteil mündende angebliche Gerichtsverfahren ist zu
stützen. Zur Vermeidung von Wiederholungen ist auf die betreffenden Er-
wägungen gemäss angefochtener Verfügung (dort E. II) und die Zusam-
menfassung oben (E. 5.1) zu verweisen. Die Erwägungen geben zu keinen
Beanstandungen von Amtes wegen mehr Anlass und das SEM ist den pra-
xisgemässen Leitlinien der Glaubhaftigkeitsprüfung (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.) nachgekommen.
Insbesondere hat es entgegen der anderslautenden Ansicht des Be-
schwerdeführers seine Unglaubhaftigkeitserkenntnisse nicht einzig auf Wi-
dersprüche abgestützt, sondern im Rahmen einer Gesamtbetrachtung
E-1237/2018
Seite 15
auch weitere Aspekte (Plausibilität, Logik, Nachvollziehbarkeit und persön-
liche Glaubwürdigkeit) miteinbezogen. Zurecht verzichtete das SEM in der
Folge auf eine Prüfung der Asylrelevanz der Vorbringen nach Massgabe
der gesetzes- und praxisgemässen Anforderungen von Art. 3 AsylG. Die
Ausführungen auf Beschwerdestufe betreffend die Glaubhaftigkeitsprüfung
führen zu keiner anderen Betrachtung. Soweit sie sich nicht in blossen
Wiederholungen, Bekräftigungen, Gegenbehauptungen, Mutmassungen,
Missverständnisbeteuerungen, offensichtlich unbehelflichen Erklärungs-
versuchen, im Hinweis auf auch alternative Interpretationsdenkbarkeiten
oder in der Festlegung auf die eine oder andere von divergierenden Aus-
sagevarianten erschöpfen, ist im Einzelnen Folgendes zu erwägen:
6.1.2 Die wiederholt erwähnten und sich angeblich schon aus der unge-
wöhnlichen Anzahl und Art der erkannten Ungereimtheiten ergebenden
Hinweise auf Verständigungs-, Verständnis- und Übersetzungsprobleme
sowohl in der BzP als auch in der Anhörung können in dieser Form und
Pauschalität nicht nachvollzogen werden, selbst wenn gewisse Protokoll-
stellen punktuelle Indizien in diese Richtung liefern, die Hilfswerksvertre-
tung anlässlich der Anhörung mögliche Kommunikationsprobleme ange-
merkt hat und gewisse divergierende Wortbedeutungen auf unterschiedli-
che arabische Dialekte zurückführbar wären. Der Beschwerdeführer
konnte gewisse, wohl sprachlich bedingte Unklarheiten – beispielsweise,
dass er nicht bei seiner Freundin D._, sondern bei einer Freundin
von D._ Tee getrunken habe (Akte A14 F37 und 39 f. sowie Anmer-
kung zu F37) oder dass er nicht vom Ehemann von D._ verfolgt
worden sei (F31 und F41 f.) – ausräumen. Dies spricht für die Einhaltung
grundsätzlicher Qualitätsstandards bei der Übersetzung. Der Einwand, bei
der Rückübersetzung würden allfällig falsch übersetzte Wörter aufs Neue
falsch übersetzt, mag ferner punktuell zutreffen, müsste aber konsequen-
terweise gleichzeitig zum Ausschluss von Widersprüchen innerhalb dersel-
ben Anhörung führen; solche bleiben indessen bestehen. Sodann ist mit
dem SEM festzuhalten, dass dem BzP-Protokoll kein Vermerk betreffend
Verständigungsprobleme zu entnehmen ist und der Beschwerdeführer in
der Anhörung explizit nicht nur deren Fairness bestätigte (F89), sondern
erklärte, er habe den Dolmetscher gut verstanden, sei aber nicht sicher, ob
dieser ihn verstanden habe (F90). Andere Widersprüche, wie etwa die
Dauer der Beziehung zu D._, die bei der Anhörung gänzlich uner-
wähnt gebliebene Peitschenstrafe oder die unterschiedlichen Angaben zu
den Daten des Urteilsspruchs und seiner Flucht konnte er selbst auf Vorhalt
nicht plausibel erklären und dies gelingt ihm auch in der Beschwerde nicht:
Zum in der Beschwerde geltend gemachten Einwand, die Strafe von 100
E-1237/2018
Seite 16
Peitschenhieben sei nicht vollzogen worden und es sei „nur“ eine Verurtei-
lung erfolgt, bleibt anzumerken, dass er zum einen die Vollzugsfrage im
Zusammenhang mit der Todesstrafe ohne Probleme verstehen und von der
Verurteilung auseinanderhalten konnte (vgl. A5 Ziff. 7.02 und A14 F38),
zum anderen bei der Anhörung zweimal angab, er sei lange Zeit ohne Urteil
im Gefängnis gewesen (A14 F38 und F48). Am Rande bleibt darauf hinzu-
weisen, dass neben den erwähnten Ungereimtheiten verschiedene weitere
solche aufgetreten sind, so beispielsweise betreffend die Festnahme auf
dem Markt, die Flucht aus dem Gefängnis oder die Ausreiseumstände;
diese entbehren weitgehend der geforderten Plausibilität und Realitäts-
nähe.
6.1.3 Weiter ist mit dem SEM festzuhalten, dass das vom Beschwerdefüh-
rer eingereichte Anwaltsschreiben eine eindeutig zu schwache Grundlage
zur Annahme der Glaubhaftigkeit seiner Haft und seiner Verurteilung zum
Tode darstellt. Der Beschwerdeführer wurde vom SEM mehrmals unter
Hinweis auf die ihm obliegende Mitwirkungspflicht aufgefordert, entspre-
chende offizielle Verfahrensdokumente einzureichen. Nachdem dieser o-
der sein sudanesischer Anwalt indessen nicht einmal eine verfahrensbezo-
gene Referenznummer zu liefern imstande waren – bei der im Anwalts-
schreiben vermerkten «(...)»-Nummer handelt es sich offensichtlich nicht
um eine solche – konnte die Abklärung via die Schweizer Botschaft in Khar-
tum gestützt auf das eingereichte Dokument auch nicht zu einem verwert-
baren Ergebnis bezüglich der Verifizierung seiner angeblichen Verurteilung
führen. In diesem Zusammenhang ist auch festzuhalten, dass im internen
Mailverkehr des SEM vom (...) 2016 (vorinstanzliche Akte A25) keine
neuen Inhalte zu finden sind, die dem Beschwerdeführer zur Wahrung sei-
nes Anspruchs auf rechtliches Gehör und seines in Art. 26-28 VwVG ver-
ankerten Akteneinsichtsrechts zusätzlich und vor Ergehen des angefoch-
tenen Entscheids hätten zugänglich gemacht werden müssen; vielmehr
handelt es sich abgesehen von der Bestätigung der bisherigen Botschafts-
erkenntnisse weitgehend um einen Gedankenaustausch zwischen SEM-
Mitarbeitenden in der Schweiz und in der Botschaft in Khartum über die
(mangels Verfahrensnummer verneinte) Sinnhaftigkeit weitergehender Ab-
klärungen via den Vertrauensanwalt. Es ist nach dem Gesagten nicht von
einem Beweisnotstand des Beschwerdeführers auszugehen, sondern
seine Beweislosigkeit bestätigt die (oben) bereits anderweitig erkannte Un-
glaubhaftigkeit der Haft und der Verurteilung zum Tode. Diese Unglaubhaf-
tigkeit findet ihre Stütze in den von der Botschaft dennoch kommunizierten
allgemeinen Feststellungen betreffend die im Sudan herrschende Praxis
zur Ausfällung, Bestätigung und Vollstreckung von Todesurteilen wegen
E-1237/2018
Seite 17
Ehebruchs, die vom Beschwerdeführer bezeichnenderweise nicht grund-
sätzlich in Frage gestellt werden, sondern denen er bloss mit der behaup-
teten «Tatsache» des gegen ihn dennoch ausgesprochenen Todesurteils
begegnet. Merkwürdig ist in diesem Zusammenhang auch, dass der Be-
schwerdeführer – von der Vorinstanz zur Beweismittelbeschaffung aufge-
fordert – sogleich ankündigte, er werde bei der Beschaffung der Gerichts-
unterlagen Probleme haben (A14 F80 ff.). Die Behauptung, der als (...) be-
rufstätige Schwager von D._ habe die Gerichtsdokumente mit Hilfe
seines Einflusses bei der Polizei und beim Gericht verschwinden lassen,
entbehrt jeglicher Grundlage und Plausibilität und würde sich ohnehin zu-
gunsten des Beschwerdeführers auswirken, zumal diesfalls eine Strafvoll-
streckung mangels eines dokumentierten Schuldspruchs hinfällig würde.
Die oben erwähnte Praxis der sudanesischen Behörden betreffend Ausfäl-
lung, Bestätigung und Vollstreckung von Todesurteilen wegen Ehebruchs
wird im Übrigen in den Grundzügen vom Rechtsvertreter des Beschwerde-
führers bestätigt und der Beschwerdeführer selber räumt ein, keine Fälle
von Ehebruch zu kennen, die zur Todesstrafe geführt hätten (A14 F78 f.).
Sein Hinweis auf die Herkunft aus C._ als Erklärung für eine für ihn
dennoch bestehende Tötungsgefahr überzeugt nicht, weil er selbst ge-
mäss eigenen Angaben in B._ geboren worden ist und stets dort
gelebt hat. Der weitere Hinweis auf die Irrelevanz dieser entschärften Pra-
xis für ihn, da er ja schon rechtskräftig verurteilt sei, verliert angesichts der
erkannten Unglaubhaftigkeit seiner behaupteten Verurteilung zum Tode
seine Bedeutung. Mithin entbehrt auch die in der vorliegenden Beschwerde
erneut erhobene Rüge einer Missachtung der Begründungspflicht und des
rechtlichen Gehörs insoweit, als das SEM nicht auf diese Hinweise einge-
gangen sei, ihrer Berechtigung. Die Begründungspflicht geht denn auch
nicht soweit, dass die Behörde zu jedem erdenklichen und einer Entscheid-
findung nicht dienlichen Einwand Stellung zu beziehen hat. Das SEM hatte
auch keine begründete Veranlassung, auf die in der Stellungnahme des
Beschwerdeführers vom 5. Dezember 2017 gemachten Ausführungen zu
Strafbarkeit und Strafmass bei Ehebruch näher einzugehen, wenn es die
Tatbegehung durch den Beschwerdeführer – zu recht – als nicht glaubhaft
erachtet.
6.1.4 Weiter erscheint der Erklärungsversuch des Beschwerdeführers be-
treffend die längerdauernde Kontaktlosigkeit mit seiner Ehefrau seit seiner
Ausreise – er habe diese nicht in Gefahr bringen wollen – wenig plausibel,
da ein solcher Kontakt auch über Drittpersonen hätte hergestellt werden
können. Die angebliche Kontaktherstellung erst im Februar 2018 mittels
Zustellung des in Kopie vorgelegten, an das (...) UNHCR gerichteten
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Seite 18
Schreibens der Ehefrau wirkt wenig überzeugend, zumal bezeichnender-
weise nicht dargelegt wird, wie und über welche Kanäle diese Kontaktauf-
nahme der Ehefrau mit dem Beschwerdeführer (und offenbar nicht umge-
kehrt) hätte erfolgen sollen. Betreffend die angeblichen Misshandlungen
und Bedrohungen der Ehefrau in der Haft und die neuerliche zweiwöchige
Festhaltung mit Verhörung und körperlichen wie sexuellen Übergriffen
durch Sicherheitskräfte ist klarzustellen, dass die Frau des Beschwerde-
führers nicht Partei des vorliegenden Verfahrens ist und ihre angebliche
Verfolgungs- und Gefährdungslage offenbar bislang auch nicht geprüft
oder gar bestätigt wurde. Dennoch liegt auf der Hand, dass diese von der
Frau erwähnten und von den Angaben des Beschwerdeführers teilweise
divergierenden Benachteiligungen eine Reflexverfolgung zum Beschwer-
deführer beschlagen, die angesichts der erkannten Unglaubhaftigkeit sei-
ner eigenen angeblichen Verfolgungslage, nicht der Wahrheit entsprechen
kann.
6.1.5 Der Hinweis des Beschwerdeführers, anlässlich der Identitätsabklä-
rungen durch die sudanesische Botschaft seien seine Asylgründe zur Spra-
che gekommen, stellt in Übereinstimmung mit der Einschätzung der Vor-
instanz eine reine Parteibehauptung dar und lässt sich jedenfalls den Akten
nicht schlüssig entnehmen. Aufgrund seiner als unglaubhaft zu beurteilen-
den Asylvorbringen ist diesbezüglich keine Gefährdung auszumachen und
unbesehen dessen auch nicht einzusehen, weshalb er gegenüber den su-
danesischen Behörden ohne Not eine vom Staat ausgehende Verfolgungs-
lage einräumen sollte. Im Weiteren kann der Behauptung, wonach das
SEM wohl über Protokolle dieser Befragung verfüge und diese offenzule-
gen seien, nicht gefolgt werden; es handelt sich hier, falls überhaupt er-
stellt, um Akten einer ausländischen Behörde, deren Einsicht nicht bei
schweizerischen Behörden eingefordert werden kann. Aus der Formulie-
rung im E-Mailverkehr vom (...) 2016 zwischen dem SEM und dem kanto-
nalen Migrationsamt («[...]») lässt sich auch nicht ansatzweise entnehmen,
beim Thema der «Geschichte» hätte es sich um die von ihm gegenüber
den schweizerischen Behörden deponierten Asylgründe gehandelt. Wei-
tere Abklärungen erübrigen sich daher auch in diesem Zusammenhang.
Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör in irgendeiner Er-
scheinungsform ist entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers nicht er-
sichtlich.
6.1.6 Das SEM hat somit das Bestehen einer Verfolgungssituation des Be-
schwerdeführers und mithin seine behauptungsgemässen Ansprüche auf
Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung des Asyls nach
E-1237/2018
Seite 19
rechtsgenüglicher Wahrung seiner Ansprüche auf rechtliches Gehör und
Akteneinsicht zu Recht verneint.
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dies wird
in der Beschwerde auch nicht bestritten.
6.3 Die Vorinstanz hat im Weiteren den Wegweisungsvollzug zu Recht als
zulässig, zumutbar und möglich erkannt. Hierzu kann auf die zu bestäti-
genden Ausführungen des SEM in der angefochtenen Verfügung (dort
E. III) sowie auf die vorstehende Zusammenfassung (vgl. E. 5.1) verwiesen
werden. Die diesbezüglich knapp gehaltenen Ausführungen in der Be-
schwerde öffnen keinen neuen Blickwinkel. Es ist nicht davon auszugehen,
der Beschwerdeführer wäre bei einer Rückkehr in den Sudan mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbote-
nen Strafe oder Behandlung ausgesetzt oder – auch unter Berücksichti-
gung seiner nun zwar mehrjährigen, aber nicht zu einer eigentlichen Ent-
wurzelung führenden Landesabwesenheit – mit einer existenziellen Not-
lage irgendwelcher Art konfrontiert. Eine Anordnung der vorläufigen Auf-
nahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer – wie
vom SEM zutreffend erkannt – aus den im Asylgesuch geltend gemachten
Gründen weder einen Anspruch auf Feststellung der Flüchtlingseigen-
schaft oder Gewährung des Asyls noch einen solchen auf Verzicht auf die
Wegweisungsanordnung als solche oder auf Gewährung der vorläufigen
Aufnahme unter Feststellung der Undurchführbarkeit des Wegweisungs-
vollzuges ableiten kann. Ebenso wenig besteht Anlass zur nochmaligen
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz aus formellen Gründen.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Es erübrigt sich, auf die weiteren Inhalte
der Beschwerde und die vorgelegten Beweismittel näher einzugehen, da
sie am Ergebnis nichts zu ändern vermögen. Die Beschwerde ist abzuwei-
sen.
E-1237/2018
Seite 20
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf deren Erhebung
ist jedoch in Berücksichtigung des mit Zwischenverfügung vom 7. März
2018 gutgeheissenen Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung zu verzichten.
8.2 Dem mit Zwischenverfügung vom 7. März 2018 amtlich beigeordneten
Rechtsbeistand ist ein amtliches Honorar für seine notwendigen Aufwen-
dungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Dieser präsentiert zwei
Honorarnoten, die eine (als Beschwerdebeilage und datiert vom 28. Feb-
ruar 2018) mit einem Totalbetrag von Fr. 4'017.35 und die andere vom
13. Januar 2020 mit einem Totalbetrag von Fr. 3'655.65. Das Gericht er-
achtet die letztere als massgeblich, da erstere auch Aufwendungen gegen-
über der Vorinstanz (vor Erlass der angefochtenen Verfügung) enthält und
die weiteren Aufwandposten in der Honorarnote vom 28. Februar 2018 in
jener vom 13. Januar 2018 enthalten sind. Der ausgewiesene Zeitaufwand
von rund 10 Stunden erscheint indessen deutlich überhöht. Dabei ist zu
berücksichtigen, dass sich wesentliche Teile der vorliegenden Beschwerde
mit der Beschwerde vom 28. November 2016 decken, die zum Kassations-
urteil E-7364/2016 vom 21. August 2017 führte und bereits dort eine Par-
teientschädigung auslöste. In Berücksichtigung der massgeblichen Be-
messungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) und des reduzierten Stundenan-
satzes bei amtlich bestellten Rechtsbeiständen (vgl. die in Bst. H oben er-
wähnte Zwischenverfügung vom 7. März 2018) ist das Honorar für das vor-
liegende Verfahren demnach auf insgesamt Fr. 1'800.– (inkl. Auslagen und
Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzu-
setzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 21