Decision ID: f8aea77a-305c-559e-81ca-be1f128634b6
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 15./29. April 2015 (IV-act. 3) zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an. Er habe nach der Realschule keine Ausbildung
abgeschlossen. Von _ 2013 bis Februar 2015 sei er als Produktionsmitarbeiter
vollzeitlich angestellt gewesen. Seit Oktober 2014 sei er arbeitsunfähig. Er leide an
einem psychischen Leiden, somatischen Beschwerden wie Magenbeschwerden,
chronischer Colitis, einer Skoliose, [...]-fingern, Gelenk- und Bauchschmerzen. - Die
ehemalige Arbeitgeberin bestätigte am 5. Mai 2015 (IV-act. 8), der Versicherte sei als
Mitarbeiter Stanzerei tätig gewesen. Nach der Erkrankung sei er nicht mehr in der Lage
gewesen, im Schichtbetrieb zu arbeiten. Letzter effektiver Arbeitstag sei der _ Oktober
2014 gewesen. Der Versicherte habe seit 1. Mai 2013 ein Jahreseinkommen von
Fr. 55'380.-- erzielt (12x Fr. 4'290.-- zuzüglich Fr. 3'900.-- "13. Monatslohn").
A.a.
Gemäss einem Bericht vom 3. Februar 2015 (Fremd-act. 1-5 f) hatte das
Ambulatorium B._ der Psychiatrie-Dienste Süd, Dr. med. C._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, eine mittelgradige depressive Episode bei schwieriger
psychosozialer Problematik, Probleme bei der Lebensführung und anamnestisch
Husten, Druckschmerzen in der Brust, Dyspnoe, verstärkte Symptome bei körperlicher
Aktivität und deutlich sichtbare Auftreibung von Fingern und Sehnengliedern ([...]-
finger) erwähnt. Wegen der starken Erschöpfung, der Müdigkeit und der
Schlafprobleme sei er in der Psychiatrischen Klinik D._ angemeldet worden. Am
17. Dezember 2014 war ihm für die Zeit ab 16. Dezember 2014 eine volle
Arbeitsunfähigkeit attestiert worden (Fremd-act. 1-8).
A.b.
Dr. med. E._, Facharzt für Allgemein- und Visceralchirurgie, gab in seinem IV-
Arztbericht vom 17. Juni 2015 (IV-act. 12) an, beim Versicherten bestehe seit 2013 eine
Rektumintussuszeption mit Beckenbodendescensus. Aus chirurgischer Sicht sei ihm
die bisherige Tätigkeit zumutbar. Gemäss dem beigelegten Austrittsbericht der
A.c.
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Chirurgischen Klinik am Spital Z._ (IV-act. 12-6 f.) war der Versicherte am 24. März
2014 von Dr. E._ operiert (laparoskopische Rektosigmoidresektion [52 cm] und
Rektopexie) worden.
Dr. med. F._, Allgemeine Innere Medizin FMH, gab im IV-Arztbericht vom
1. September 2015 (IV-act. 20-1 bis 5) an, beim Versicherten bestünden eine
chronische mittelschwere Depression (OP-Schmerzen, Schulden), in erster Linie
chronische Bauchbeschwerden, ausserdem chronische Verdauungsbeschwerden (seit
der Pubertät mit ca. 15 oder 16 Jahren; sechs bis acht Stuhlentleerungen pro Tag; der
Versicherte wiege 68 kg bei 178 cm Körpergrösse). Ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit seien eine Laktoseintoleranz, ein Helicobacter pylori-Nachweis und
chronische Rückenbeschwerden bei Skoliose. Der Versicherte sei seit (wohl:) länger als
September 2014 voll arbeitsunfähig, auch in einer adaptierten Tätigkeit könne er zurzeit
nicht arbeiten. Es bestünden körperliche und psychische Einschränkungen, nämlich
eine Fatigue und psychische Limitationen. Der Versicherte sei zurzeit nicht belastbar.
Der Arzt gab zahlreiche Beilagen zu den Akten. - So hatte etwa die Kinderchirurgische
Klinik am Ostschweizer Kinderspital beim Versicherten nach Angaben vom 8. April
2005 eine leichte Sternumrotation diagnostiziert. - Die HNO-Klinik am Kantonsspital
St. Gallen hatte gemäss einem Bericht vom 21. Juni 2011 (IV-act. 20-11 f.) einen
Peritonsillarabszess rechts festgestellt (mit eingeschränkter Mundöffnung, so dass
lediglich Flüssigkost möglich war). Die Chirurgische Klinik am Spital G._ hatte in der
Folge in einem Austrittsbericht vom 9. Dezember 2013 (IV-act. 20-29 f.) ein Rezidiv
diagnostiziert. - Am 24. Oktober 2013 (IV-act. 20-20) hatte die Medizinische Klinik
(Gastroenterologie) am Spital G._ erklärt, der Befund der aktuellen Koloskopie total
könne nicht eindeutig eingeordnet werden. Möglicherweise handle es sich um ein
solitäres Rektalulkussyndrom. Am 28. Oktober 2013 (IV-act. 20-23) hatte sie
festgehalten, in erster Linie komme eine Rektumintussuszeption in Frage. - Das Institut
für Radiologie am Kantonsspital St. Gallen hatte am 7. November 2013 (IV-
act. 20-27 f.) nach einer MR-Defäkographie von jenem Tag von einem schweren
Descensus des hinteren Kompartiments während der Defäkation mit geringer anteriorer
Rektozele und anteriorer mucosaler Intussuszeption berichtet. - Das Pathologie [...]
hatte am 1. April 2014 (IV-act. 20-45 f.) erklärt, morphologische Hinweise auf eine
klinisch mitgeteilte Intussuszeption hätten sich rein histologisch nicht ergeben, bei der
A.d.
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Abklärung einer allfälligen neuronalen Dysplasie seien keine Riesenganglien und es sei
keine entsprechende Hyperplasie oder Fehlanlage nachweisbar gewesen. - Die
Medizinische Klinik (Gastroenterologie) am Spital G._ hatte am 25. August 2015 (IV-
act. 20-9) eine ernährungstherapeutische Beratung des Versicherten (bei Nachweis der
Laktoseintoleranz), eine HP-Eradikationstherapie, eine weitere Dünndarmdiagnostik
und eventuell eine (neue) MR-Defäkographie empfohlen. - Dr. med. H._, FMH
Physikalische Medizin und Rehabilitation, hatte beim Versicherten am 23. Juli 2015 (IV-
act. 20-47 f.) ein myofasziales Schmerzsyndrom bei muskulärer Dysbalance und eine
Fehlstellung der LWS und Haltungsinsuffizienz diagnostiziert. Der Versicherte beklage
seit drei Jahren zunehmende Schmerzen mit wechselnder Lokalisation und Intensität
(rechte Hand, Brust, Lenden, unterer Rücken, Knie; nächtlicher Schmerz mit Besserung
durch Aufstehen), Müdigkeit und zeitweise blutige Diarrhoe.
Dr. C._ gab in einem IV-Arztbericht vom 23. Oktober 2015 (IV-act. 22; vgl. auch
Bericht vom 6. März 2015, IV-act. 20-43) an, es lägen vor eine mittelgradige depressive
Episode, pathologisches Spielen, psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol,
gegenwärtig abstinent, ein Verdacht auf eine einfache Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung und diverse somatische Erkrankungen. Die Behandlung
erfolge unregelmässig seit dem 3. November 2014. Der Versicherte habe diverse
Termine versäumt. Die letzte Konsultation sei im Mai 2015 gewesen. Vom 2. Februar
bis 5. März 2015 sei der Versicherte in der Psychiatrischen Klinik D._ gewesen. Im
Oktober sei ihm auf Ende November 2014 die Stelle gekündigt worden, weil er häufig
gefehlt habe. Die Arbeitsfähigkeit des Versicherten sei unklar. Die Einschränkungen
würden sich durch medizinische Massnahmen vermindern lassen. Zuerst sei eine
Abklärung der organischen Ursachen für die Erschöpfung und Müdigkeit vorzunehmen,
daneben eine psychiatrische Behandlung. Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen
Tätigkeit könne gerechnet werden.
A.e.
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung sah am
6. November 2015 (IV-act. 24) vor, von einem Eingliederungspotenzial für eine Arbeits
fähigkeit von 50 %, zügig auf ein Vollpensum steigerungsfähig, für eine vorwiegend im
Sitzen auszuübende wechselbelastende, zuerst körperlich leichte, dann auch
mittelschwere Arbeit mit der Möglichkeit, bei Bedarf eine Toilette aufzusuchen,
auszugehen. - Die IV-Eingliederungsverantwortliche erklärte am 11. Dezember 2015
A.f.
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(IV-act. 28), der Versicherte habe einen verunsicherten und nervösen Eindruck
gemacht. Seine Perspektivenlosigkeit sei deutlich wahrnehmbar gewesen. Eine
schnelle Rückkehr in die Arbeitswelt sei wichtig. Die Motivation dazu sei beim
Versicherten vorhanden. Am 12. Januar 2016 (IV-act. 30) wurde ein Eingliederungsplan
Arbeitsvermittlung unterzeichnet und daraufhin diese Leistung zugesprochen (IV-
act. 32). Am 18. Juli 2016 (IV-act. 36) wurde die Unterstützung bei der beruflichen
Integration nach Ablauf von sechs Monaten abgeschlossen. Das Regionale
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) habe dem Versicherten ein Coaching-Gespräch (am
13. Juni 2016, IV-act. 36-3) angeboten, an dem er ohne Abmeldung nicht
teilgenommen habe. Der Versicherte werde in drei Monaten zu seinen Eltern ziehen, da
er die Miete nicht mehr bezahlen könne. Zurzeit sei er bis auf weiteres zu 75 %
arbeitsunfähig geschrieben. Am 19. Juli 2016 (IV-act. 38) wurde dem Versicherten
mitgeteilt, weitere berufliche Massnahmen seien nicht angezeigt. Trotz der
Unterstützung seit Januar 2016 sei es nicht gelungen, ihn in den Arbeitsmarkt zu
integrieren. - Dr. F._ hatte dem Versicherten am 24. März 2016 (IV-act. 35, IV-
act. 56-10) für die Zeit von September 2014 bis 31. März 2016 eine volle und danach
bis vorerst 30. Juni 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 75 % attestiert. - Bei Dr. med.
I._ war der Versicherte gemäss Aktennotiz vom 9. August 2016 (IV-act. 39) seit
November 2014 nicht mehr in Behandlung gewesen (er hatte Rechnungen nicht
bezahlt).
Dr. F._ erklärte in einem Verlaufsbericht vom 14. September 2016 (IV-act. 42),
dem Versicherten seien leichte Arbeiten versuchsweise zu 50 % zumutbar. Es
bestünden eine Fruktoseintoleranz, Obstipation, nach wie vor Bauchweh, Krämpfe,
Schleim/Durchfall, auch nachts (Mucosaprolaps-Syndrom), V. auf
Beckenbodendysfunktion, Rücken- und Kniebeschwerden. Die Schmerzen würden
immer intensiver. Es sei eine Defäkographie geplant. Der Versicherte sei noch ohne
Beruf. Die Stellensuche sei noch erfolglos gewesen. Es wäre zwingend eine Lehre (z.B.
als Informatiker) vorzusehen. Seine enge Verwandte leide an einer [...]. - Die Klinik für
Innere Medizin am Spital G._ hatte am 4. August 2016 (IV-act. 42-6 f.) erklärt, der
Versicherte habe berichtet, trotz Rektopexie unverändert abdominelle Beschwerden zu
haben. Er müsse bei jedem Stuhlgang sehr stark pressen. Er habe allerdings auch
berichtet, intermittierend etwa dreimal wöchentlich mehrmals pro Tag auch
A.g.
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dünnbreiigen Stuhl zu haben. Das Gewicht habe er in den letzten zwei Jahren konstant
halten können. Die endoskopische Inspektion des unteren GI-Trakts habe lediglich im
distalen Rektum bzw. Analkanal auffällig entzündlich ödematöse Veränderungen im
Sinn eines Mucosaprolaps-Syndroms gezeigt, das sehr gut zum Beschwerdebild
passen würde.
Dr. C._ gab in einem IV-Arztbericht vom 4. Oktober 2016 (IV-act. 44) an,
insgesamt seien bis zur letzten Kontrolle am 6. März 2016 sieben Sitzungen erfolgt. Am
sinnvollsten erscheine für den Versicherten eine stationäre oder teilstationäre
Behandlung (Suchttagesklinik) zu sein. Ausserdem seien organische Ursachen
auszuschliessen. Der Versicherte habe berichtet, wenn er versuche, nicht mehr zu
spielen, werde er nervös und aggressiv. Im Januar 2015 habe er deswegen
Möbelstücke zerschlagen. Er trinke auch seit vier bis fünf Jahren zunehmend grössere
Mengen Alkohols. Konzentrationsschwierigkeiten hätten seine Leistungen in der Schule
deutlich eingeschränkt. Er habe keine Lehre abgeschlossen. Selbstwertgefühl und
Selbstvertrauen seien beeinträchtigt. Die stationäre Behandlung sei nach kurzer Zeit
aufgrund von mangelnder Kooperation und Anstrengungsbereitschaft abgeschlossen
worden. - Die Klinik D._ hatte gemäss Beilage am 5. Mai 2015 (IV-act. 47; bei den
oben erwähnten Diagnosen) berichtet, es hätten beim Versicherten, der am 2. Februar
2015 eingetreten sei, ausgeprägte Störungen der Vitalgefühle und eine starke innere
Unruhe bestanden. Trotz Standortgesprächs habe der Versicherte für die Fortsetzung
der Behandlung wiederholt keine ausreichende Anstrengungsbereitschaft gezeigt.
Daher sei ein 14-tägiges Timeout ab dem Berichtstag nötig. Der Versicherte könne sich
um einen Wiedereintritt bemühen. In der Zwischenzeit solle er einen Dauerauftrag für
die Krankenkassenprämien einrichten und wieder einen Hausarzt suchen.
A.h.
Mit Vorbescheid vom 3. Januar 2017 (IV-act. 53) teilte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen dem Versicherten mit, sie
sehe eine Abweisung seines Leistungsgesuchs vor, da kein invalidisierender
Gesundheitsschaden vorliege. Dagegen würden viele psychosoziale Faktoren wie
Alkohol- und Spielsucht beschrieben, die nicht invalidisierend seien.
A.i.
Am 20. Februar 2017 (IV-act. 56) liess der Versicherte einwenden, es sei ihm eine
Rente zuzusprechen, eventualiter seien berufliche Eingliederungsmassnahmen einzu
A.j.
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leiten. Der Begründung des Vorbescheids könne nicht entnommen werden, weshalb
kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliegen solle. Er habe gesundheitliche
Beschwerden, derentwegen er seit der Operation vom 24. März 2014 (vgl. IV-act. 56-2)
bzw. seit bald zwei Jahren (vgl. IV-act. 56-3) arbeitsunfähig sei. Er habe seit 2013
unverändert anhaltende abdominelle Beschwerden. Ein beigelegtes Arztzeugnis vom
11. Januar 2017 (von Dr. F._, IV-act. 56-9) weise eine Arbeitsunfähigkeit bis vorerst
Ende Januar 2017 nach. Ebenfalls beigelegt wurde ein Bericht der Klinik für Radiologie
und Nuklearmedizin am Kantonsspital St. Gallen vom 31. Oktober 2016 über eine MR-
Defäkographie vom betreffenden Tag. Danach zeigte sich im Vergleich zum
7. November 2013 keine wesentliche Befundänderung (schwerer rektaler Descensus,
moderate anteriore und geringe posteriore Rektozele, geringe Enterozele und zirkuläre
mucosale Intussuszeption). Eine Fixierung des Rektums am Sacrum/Promontorium
lasse sich bei der vorliegenden Sequenz nicht nachweisen. - Dr. F._ ersuchte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle für den Versicherten am 28. März 2017 (IV-act. 60),
die vorgesehene Entscheidung nochmals zu überdenken. Er betreue den Versicherten
seit dem 20. Juni 2015. Dessen Leiden (Krämpfe mit imperativem Stuhldrang mit
Entleerung, Erschöpfung wegen mehrmaliger nächtlicher Schlafunterbrüche) sei so
dominant, dass eine Arbeitsfähigkeit nicht vorstellbar sei. Am 30. März 2017 (IV-act. 59)
liess der Versicherte zwei weitere Berichte einreichen. Dr. med. J._, Fachärztin für
Dermatologie und Venerologie FMH, hatte am 6. Februar 2017 (IV-act. 60-4) erklärt, es
lägen (nebst den Darmbeschwerden) [...]-finger vor mit [...]. Die Klinik für Innere
Medizin am Spital G._ (Dr. med. K._) hatte am 8. Februar 2017 (IV-act. 60-3)
angegeben, der Versicherte habe sich auf mehrere Kontaktaufnahmeversuche und ein
Aufgebot nicht gemeldet. Eine medikamentöse Therapie sei nach seiner ärztlichen
Erfahrung bei einem solchen Beschwerdebild nur wenig hilfreich (z.B. Mesalazin-
Präparate oder lokale Steroide). Am aussichtsreichsten scheine für ihn ein gezieltes
Beckenbodentraining. Ob bei derzeit fehlender Fixierung des Rektums eine erneute
Operation möglich sei, sei intern noch zu klären.
In einem Verlaufsbericht vom 4. September 2017 (IV-act. 70) gab Dr. F._ an, der
Versicherte leide (nebst der Laktoseintoleranz und der Skoliose) an einer chronischen
Diarrhoe. Die transanale Rektumresektion vom 27. April 2017 habe subjektiv keine
Besserung gebracht. Es bestünden weiterhin Bauchkrämpfe, insbesondere nachts und
A.k.
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postprandial. Der Versicherte habe ein Gewicht von 65 kg. Er leide an rezidivierenden
Paronychien. Für den jungen, sehr handicapierten Versicherten müsste dringendst eine
geeignete Ausbildung gesucht werden, allenfalls eigne sich eine Home-office-Arbeit
(Toilette müsse in der Nähe sein). Seine enge Verwandte leide an [...]. - Die
Chirurgische Klinik am Spital G._ gab einen Austrittsbericht vom 28. April 2017 (vgl.
IV-act. 67, 66) über die Hospitalisation des Versicherten vom 27. bis 29. April 2017 zu
den Akten. Danach war am 27. April 2017 eine transanale Rektumresektion
vorgenommen worden.
In einem IV-Arztbericht vom 12. Oktober 2017 (Eingangsdatum, IV-act. 73) gab die
Chirurgische Klinik am Spital G._ (Operateur Prof. Dr. med. L._) an, beim
Versicherten bestehe seit Jugend eine Stuhlentleerungsstörung. Es bestehe keine
Arbeitsunfähigkeit; das Leiden habe kaum bzw. keine Auswirkungen auf die Arbeit. Zu
empfehlen sei eine Stuhlregulation mit Abführmitteln (vgl. auch Bericht vom
28. November 2017, IV-act. 76). - Dr. F._ erklärte am 8. Dezember 2017 (IV-
act. 80-2), trotz des Eingriffs träten beim Versicherten mehrmals täglich Entleerungen
auf. - Am 11. Januar 2018 (IV-act. 81) teilte der Versicherte mit, er sei sicherlich seit
mehr als einem Jahr nicht mehr in psychiatrischer Behandlung gewesen.
A.l.
Am 26. Juni 2018 (IV-act. 92) erstattete das Ärztliche Begutachtungsinstitut ABI
das in Auftrag gegebene Gutachten (Begutachtung vom 8. bis 14. Mai 2018). Darin
wurde festgehalten, es liege als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
chronische Defäkationsstörung vor mit Mucosaprolaps-Syndrom und
Rektumintussuszeption, Status nach Operation mit Rektopexie am 24.03.2014 und
erneuter Operation nach STARR [Stapled Transanale Rektum Resektion] am
27.04.2017. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien (leicht verkürzt
wiedergegeben: erstens) eine somatoforme autonome Funktionsstörung des unteren
Gastrointestinaltraktes, (zweitens) chronisch intermittierende anterolaterale
Kniebeschwerden links bei radiologisch unauffälligem Befund (Röntgen 08.05.2018)
und klinisch reproduzierbarem Schnappen, womöglich im Rahmen eines Plica-
Syndroms, (drittens) eine konstitutionell vermehrte Bandlaxizität, (viertens) ein
chronischer Nikotinabusus, (fünftens) eine Laktoseintoleranz, (sechstens) eine
Fruktoseintoleranz, (siebtens) leicht erhöhte diastolische Blutdruckwerte linksseitig,
(achtens) [...]-finger unklarer Genese, (neuntens) eine Störung durch Alkohol,
A.m.
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gegenwärtig keine Hinweise auf übermässigen Konsum, und (zehntens) ein
pathologisches Spielen, gegenwärtig nicht aktiv. Aus gastroenterologischer Sicht sei
die bisherige Tätigkeit mit körperlichen Belastungen und im Schichtbetrieb nicht
geeignet (vgl. IV-act. 92-9). Polydisziplinär bestehe dort eine Arbeits- und
Leistungsfähigkeit von 70 %, darauf reduziert wegen des erhöhten Pausenbedarfs. Der
Versicherte sollte die Arbeit jederzeit unterbrechen können, um die Toilette
aufzusuchen. Die zumutbare Arbeitszeit betrage sechs bis acht Stunden pro Tag. Von
dieser Arbeitsfähigkeit könne seit einigen Jahren ausgegangen werden, wahrscheinlich
ab dem 24. März 2014, dem Zeitpunkt der chirurgischen Intervention, sicherlich seit
Dezember 2016. In einer körperlich leichten und intermittierend mittelschweren
adaptierten, eher im Sitzen auszuübenden Tätigkeit ohne Schichtarbeit bestehe wegen
des erhöhten Pausenbedarfs eine auf 90 % reduzierte Arbeitsfähigkeit, zu leisten
während einer täglichen Arbeitszeit von acht bis achteinhalb Stunden. Diese
Arbeitsfähigkeit liege spätestens ab der aktuellen Untersuchung vor. Eine länger
dauernde höhergradige Arbeitsunfähigkeit könne retrospektiv nicht attestiert werden;
seit Dezember 2016 habe sich keine wesentliche Änderung ergeben (vgl. IV-act. 92-10).
Durch medizinische Massnahmen (bessere Behandlung der Diarrhoe durch Steigerung
der Imodium-Dosis oder Behandlung mit Codein, Tinctura opii oder geeigneten
Psychopharmaka und Sistierung von Movicol) könne die Arbeitsfähigkeit in
gastroenterologischer Hinsicht verbessert werden. Bei erfolgreicher medikamentöser
Behandlung sei innert Wochen ein Erfolg zu erwarten. Oft könne auch eine zusätzliche
spezialisierte Physiotherapie (Sphinkter-Training) partiell erfolgreich sein (bei ca. 20 %
der ähnlich gelagert Erkrankten würden die Beschwerden persistieren). Angesichts der
Motivation des Versicherten könnten berufliche Massnahmen in Form einer
Umschulung auf eine Bürotätigkeit oder eine Arbeit im IT-Bereich empfohlen werden.
Der RAD hielt am 9. Juli 2018 (IV-act. 93) dafür, die angestammte Tätigkeit sei für
den Versicherten nicht mehr geeignet. In einer adaptierten Tätigkeit sei er ab
"Dezember 2014" zu 10 % in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt.
A.n.
Mit Vorbescheid vom 22. August 2018 (IV-act. 97) kündigte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle wiederum eine Abweisung des Leistungsgesuchs
an, dieses Mal bei einem Invaliditätsgrad von 10 % (Valideneinkommen Fr. 51'893.--,
Invalideneinkommen Fr. 46'704.--).
A.o.
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Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle stellte dem Versicherten am 30. August
2018 (IV-act. 100) auf sein Akteneinsichtsgesuch vom 29. August 2018 (IV-act. 99) hin
die Akten zu. - Dr. F._ ersuchte am 4. September 2018 (IV-act. 101) um eine
nochmalige Beurteilung. Aus hausärztlicher Sicht betrage die Arbeitsfähigkeit
höchstens 50 %. Die Durchfälle träten nach wie vor in Form einer chronischen Diarrhoe
auf, die auch das grenzwertige Untergewicht (BMI 20.5) begründe. Wegen der
Reagibilität des Darms dürfe der Versicherte situativ (z.B. beim Fliegen) weder trinken
noch essen, ein Umstand, der eine andauernde Leistungsfähigkeit ausschliesse. Dazu
komme die behandlungsbedürftige chronische Anpassungsstörung bzw. depressive
Entwicklung, die längerfristig andauern werde. - Die damalige Rechtsvertreterin wandte
am 27. September 2018 (IV-act. 103) für den Versicherten ein, die Einschätzung dessen
Arbeitsfähigkeit mit 90 % berücksichtige die nachweisbaren gesundheitlichen
Einschränkungen nicht ausreichend, wie der Bericht von Dr. F._ zeige. Es sei in
Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes ein Bericht der Klinik für Innere Medizin
am Spital G._ (Dr. K._) abzuwarten, wo am 5. Oktober 2018 eine Koloskopie
erfolgen werde.
A.p.
Am 24. Oktober 2018 (IV-act. 105-2 f.) berichtete die Klinik für Innere Medizin am
Spital G._ (Dr. K._), es hätten sich erneut Zeichen eines Mucosaprolapses
unmittelbar im Analkanalbereich bzw. im distalen Sigma gezeigt. Die
Beschwerdeschilderung scheine jedoch nicht allein Ausdruck dieses Leidens zu sein,
sondern auch einer Hyperreagibilität des Magendarmtrakts mit ausgeprägter
Diarrhoeneigung schon bei Aufnahme geringster Trink- und Speisemengen. Der
Versicherte beschreibe diese Reizmagen- und Reizdarmsymptomatik sehr extrem. Die
medikamentösen Behandlungsversuche beispielsweise mit Imodium oder
Opiumtropfen oder in Obstipationsphasen auch mit motilitätsfördernden Präparaten
hätten keine Abhilfe schaffen können. Der Beschwerdeführer sei zurzeit sozial sehr
eingeschränkt. Eine berufliche Tätigkeit über 50 % sei ihm nicht mehr zumutbar. - Das
Institut für Pathologie am Kantonsspital St. Gallen hatte am 23. Oktober 2018 (IV-
act. 106) berichtet, die Morphologie im Rektum passe zur klinischen Angabe bzw. auch
zu lokalen Kreislaufstörungen, und zwar im Rahmen einer lokalen Ischämie bei
bekanntem Prolaps.
A.q.
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B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwältin lic. iur. Regula Aeschlimann
Wirz für den Betroffenen am 19. März 2019 erhobene Beschwerde. Die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers beantragt, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer
die gesetzlichen Leistungen, insbesondere ab Oktober 2015 eine ganze Invalidenrente,
auszurichten. Ausserdem sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Mit
den in den medizinischen Berichten - das Gutachten liege der Rechtsvertretung zurzeit
noch nicht vor - beschriebenen schweren Darmproblemen bestehe ein objektivierbares
Leiden, das die Möglichkeit des Beschwerdeführers zur Ausübung einer
Erwerbstätigkeit offensichtlich einschränke. In der (der Rechtsvertreterin bereits
verfügbaren) Stellungnahme der Gutachter vom 17. Januar 2019 sei zu Unrecht der
Umstand nicht diskutiert worden, dass beim Beschwerdeführer trotz zweimaliger
Operation erneut ein Darmvorfall festgestellt worden sei. Ausserdem hätte begründet
werden müssen, weshalb die Gutachter an ihrer von derjenigen der behandelnden
Ärzte massiv abweichenden Einschätzung festhalten würden. Die Empfehlung der Re
evaluation in ein bis zwei Jahren lasse spekulieren, dass der Beschwerdeführer habe
beruhigt und auf ein neues Gesuch vertröstet werden sollen. Gar nicht berücksichtigt
worden sei die lange Dauer seiner Erkrankung. Die Gutachter hätten deswegen
angesichts der von ihnen erwähnten möglichen Veränderungen darauf hingewiesen
werden müssen, dass sie die Entwicklung im Lauf der Zeit zu differenzieren hätten. Es
Auf eine Vorlegung der Berichte von Dr. F._ und Dr. K._ mit ergänzenden
Fragen (IV-act. 111) hin antwortete die Begutachtungsstelle ABI am 17. Januar 2019
(IV-act. 112), die neuen Untersuchungsbefunde würden nicht relevant von den früheren
abweichen. Bei chronischen Darmerkrankungen könne die Symptomatik ohne
Änderung der Befund- und Diagnosesituation im Verlauf kurz- und längerfristig, d.h.
über Monate bis Jahre, durchaus wechseln. Eine gewisse Schwierigkeit ergebe sich
auch dadurch, dass die subjektiven Beschwerdeangaben wie Bauchbeschwerden oder
Diarrhoe nicht immer sicher in Korrelation zu den Befunden zu bringen seien. Eine
Reevaluation in ein bis zwei Jahren sei sinnvoll.
A.r.
Mit Verfügung vom 25. Februar 2019 (IV-act. 114) wies die Sozialversicherungs
anstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen das Leistungsgesuch des Versicherten vom
29. April 2015 ab.
A.s.
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wäre möglich, dass eine befristete Rente hätte zugesprochen werden können. Die
Verfügung sei offensichtlich falsch.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 15. Mai 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Im Koloskopie-Bericht des Spitals G._ vom 24. Oktober
2018 sei ein Vergleich zwischen den Sachlagen im Frühjahr 2014 und im April 2017 und
bei der Untersuchung vom 19. Oktober 2018 gezogen worden. Es werde im Bericht
nicht beschrieben, inwiefern sich der Mucosaprolaps seit dem letzten Arztbesuch
verändert habe. Demnach habe sich keine erwähnenswerte Veränderung ergeben. Die
Einschätzung, dass die Schmerzen (auch) auf eine Hyperreagibilität des
Magendarmtrakts zurückzuführen seien, könne mit den Untersuchungsergebnissen
nicht belegt werden. Zumindest fehle eine nachvollziehbare Verknüpfung zwischen
diesen Ergebnissen und der Hyperreagibilität. Die Schmerzen des Beschwerdeführers
würden zudem als diffus beschrieben. Die aufgeführten Analyseergebnisse bezögen
sich auf den bereits bekannten Mucosaprolaps. Für die Annahme der genannten
Ursache habe sich der berichtende Arzt soweit ersichtlich einzig auf die
Beschreibungen des Beschwerdeführers gestützt. Der Gutachter habe das zumutbare
Arbeitspensum in Kenntnis der erfolgten Operationen und der seit der letzten
Behandlung nicht veränderten Symptomatik eingeschätzt. Es bestehe daher kein
Anlass, von der Diagnose des Mucosaprolaps-Syndroms abzuweichen. Die
Stellungnahme vom 17. Januar 2019 enthalte eine deutliche Begründung für das
Festhalten an der gutachterlichen Einschätzung, nämlich jene, dass die beschriebenen
Untersuchungsbefunde nicht relevant von den begutachteten abweichen würden.
Weder der Gutachter noch Dr. K._ hätten die beschriebenen Bauchbeschwerden klar
in Korrelation zu objektiven Befunden bringen können. Bei der Begutachtung habe
auch die bisherige Entwicklung des Sachverhalts Beachtung gefunden. Nach dem
Gutachter führe der Zustand unverändert seit sechs bis sieben Jahren zu einer
Arbeitsunfähigkeit von 30 % in der angestammten Tätigkeit, gemäss der
Konsensbeurteilung seit 24. März 2014. In einer adaptierten Tätigkeit lasse sich
zumindest seit Dezember 2016 keine wesentliche Änderung der Arbeitsfähigkeit von
90 % erkennen. Eine längerdauernde höhergradige Arbeitsunfähigkeit könne
retrospektiv nicht attestiert werden. Eine rückblickende Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit hätten die Gutachter somit nicht vornehmen können. Die materiell
beweisbelastete versicherte Person trage die Folgen der Beweislosigkeit, das heisse,
dass bei Beweislosigkeit vermutet werde, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden
nicht invalidisierend auswirke. Denn vermutet werde gemäss BGE 139 V 547 E. 8.1
Validität, nicht Invalidität.
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D.
Mit Replik vom 15. Oktober 2019 ergänzt die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
dessen Antrag um denjenigen auf Zusprache beruflicher Massnahmen. Schon drei
Monate nach der ersten Operation seien die Beschwerden wieder aufgetreten. Der
Beschwerdeführer habe im Juni 2015 ein erneutes unspezifisches Druckgefühl und
teilweise defäkationsabhängige Blutungen beschrieben. Dr. E._ habe eine erneute
Intussuszeption vermutet. Noch im Oktober 2016 seien zudem psychiatrische
Diagnosen angegeben worden, die schon viel früher zu einer Arbeitsunfähigkeit geführt
hätten. Die Operation vom April 2017 habe kaum Linderung gebracht. Dr. F._ habe
im September 2017 von einem plötzlichen Entleerungsdrang beim Beschwerdeführer
berichtet und auf Anfrage mehrmalige Stuhlentleerungen pro Tag bestätigt. Der RAD
sei im September 2017 von einer Verschlechterung des Gesundheitszustands
ausgegangen. Die psychischen Beschwerden seien dagegen erfreulicherweise
zurückgegangen. Im Gutachten sei die Arbeitsfähigkeit falsch eingeschätzt worden.
Anerkannt werde einzig die fehlende Präsenz am Arbeitsplatz durch das häufige
Aufsuchen der Toilette. In keiner Weise berücksichtigt würden aber die körperlichen
Auswirkungen wie die Erschöpfung durch die mehrmaligen nächtlichen
Schlafunterbrüche und die Bauchkrämpfe. Dass nur ein einmaliger Toilettengang pro
Nacht nötig sein solle, wie im Gutachten festgehalten, werde bestritten. Der
Beschwerdeführer sei nach wie vor untergewichtig. Plane er einen längeren Aufenthalt
ausser Hauses, verzichte er auf Essen und Trinken, um zu vermeiden, dass er
unterwegs von Bauchkrämpfen und Stuhldrang geplagt werde. Nur so seien auch
längere Autofahrten wie in seine Heimat überhaupt möglich. Diese Massnahmen seien
aber im Rahmen einer ganztägigen Erwerbstätigkeit kein tauglicher Behelf. Wie dem
Bericht von Dr. K._ entnommen werden könne, hätten sich die gutachterlich
vorgeschlagenen medizinischen Massnahmen als nicht zielführend erwiesen. Die vom
Gutachter erwarteten grossen Verbesserungen seien nicht eingetreten. Die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei daher unter falschen Prämissen ergangen. Die im
Bericht vom 19. Oktober 2018 erwähnten Einschränkungen beruhten offenbar auf
einem erneuten Mucosaprolaps, ausserdem vermute Dr. K._ aber auch eine extreme
Form von Reizmagen- und Reizdarmsymptomatik. Dass lediglich eine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit um 10 % bestehen sollte, werde bestritten. Gemäss den
behandelnden Ärzten betrage die Arbeitsfähigkeit maximal 50 %. Am besten wäre es
für den Beschwerdeführer, diese zuhause umsetzen zu können. Das Gutachten leide
an diversen Mängeln. Widersprüche - betreffend Gewichtsverlust oder -konstanz und
betreffend vorhandener oder nicht vorhandener Hilfe im Haushalt - zeigten, dass es
unsorgfältig erstellt worden sei. Die Angabe, dass eine depressive Episode bestanden
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haben könne, die punktuell auch zu einer Teilarbeitsunfähigkeit geführt haben könnte,
sei zu unbestimmt. Es könne rentenrelevant sein, ob über einen bestimmten Zeitraum
eine psychiatrisch bedingte Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe. Der Beschwerdeführer
sei (nach Angaben bei der Begutachtung) mindestens einmal im Monat inkontinent. Ein
solcher Vorfall verunsichere enorm und die Angst davor schränke den Aktionsradius
des Beschwerdeführers ein. Weshalb bei einer Arbeitsunfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit von 30 % für eine angepasste Tätigkeit eine solche von nur 10 % bestehen
solle, sei nicht nachvollziehbar, denn die Absenz vom Arbeitsplatz sei unabhängig von
der körperlichen Beanspruchung. Ausserdem sei die Erschöpfung wie erwähnt nicht
berücksichtigt worden. Der Gutachter der Gastroenterologie habe sich einzig mit einem
zuversichtlichen Bericht von Prof. L._ befasst, die vielen anderen, von seiner
Einschätzung wesentlich abweichenden Berichte seien mit keinem Wort erwähnt
worden. Das Gutachten sei demnach nicht für den ganzen Zeitraum ab Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit im Januar 2013 aussagekräftig und es beurteile die Situation zurzeit
der Verfügung falsch. Die im Herbst 2018 erneut gestellte Diagnose bedeute im
Vergleich zum Gutachten eine neue Tatsache. Die im Gutachten angenommene gute
Prognose habe sich nicht erfüllt. Die Auswirkungen des gastroenterologischen Leidens
(Stuhlgang, Bauchkrämpfe) seien objektivierbar. Wenn die Gutachter die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht über den ganzen relevanten Zeitraum
hinweg hätten beurteilen können, dürfe das nicht zulasten des Beschwerdeführers
gehen. Es liege keine Beweislosigkeit vor. Vielmehr sei aufgrund der in den Akten
vorhandenen Arztberichte zu urteilen, die eine klare Arbeitsunfähigkeit ausweisen
würden. Um ein pathogenetisch-ätiologisch unklares syndromales Beschwerdebild
ohne nachweisbare organische Grundlage handle es sich im Übrigen nicht. Ein
Anspruch des Beschwerdeführers auf eine von den behandelnden Ärzten mehrfach
angeregte und gutachterlich befürwortete Umschulung habe die Beschwerdegegnerin
nicht geprüft.
E.
Am 24. Oktober 2019 ist dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege
(Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) entsprochen worden. - Von der ihr mit Schreiben vom
24. Oktober 2019 eingeräumten Möglichkeit, zur Replik Stellung zu nehmen, hat die
Beschwerdegegnerin keinen Gebrauch gemacht.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 15/29
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Erwägungen
1.
2.
Im Streit liegt die Verfügung vom 25. Februar 2019, mit welcher die
Beschwerdegegnerin das Leistungsgesuch des Beschwerdeführers vom 29. April 2015,
namentlich seinen Rentenanspruch, abgelehnt hat. - Einen vorübergehend gewährten
Anspruch auf Arbeitsvermittlung hat die Beschwerdegegnerin am 19. Juli 2016
eingestellt und berufliche Massnahmen abgelehnt. Der Beschwerdeführer hat am
20. Februar 2017 (im ersten Vorbescheidverfahren) im Eventualstandpunkt berufliche
Eingliederungsmassnahmen beantragen lassen. Es ist deshalb davon auszugehen,
dass die Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen Verfügung auch den allfälligen
Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen zu prüfen gehabt hat.
Der Beschwerdeführer lässt die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen, insbesondere
einer Rente (aber auch von Eingliederungsmassnahmen), beantragen. - Ergäbe sich,
dass ohne Eingliederungsmassnahmen ein Rentenanspruch in Frage stünde, so
gehörte zum Streitgegenstand ohnehin notwendigerweise die Frage, ob die Verwaltung
den Grundsatz "Eingliederung vor Rente" beachtet und eine allfällige Pflicht des
Beschwerdeführers zu Massnahmen korrekt in Anspruch genommen habe.
1.1.
Da die Beschwerdegegnerin am 30. August 2018 die damaligen Akten (wohl samt
Gutachten) eröffnet hatte, ist keine Verletzung des rechtlichen Gehörs festzustellen.
1.2.
Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.1.
Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen,
erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen
sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG)
sind (lit. c).
2.2.
Nach Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte
versicherte Personen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese
2.3.
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3.
notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, wiederherzustellen, zu erhalten oder zu verbessern
(lit. a), und soweit die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen
Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Die Eingliederungsmassnahmen bestehen unter
anderem in den Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche
Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe; Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine
Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG, vgl. schon BGE 102 V 165). - Sämtliche
psychischen Erkrankungen sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl.
BGE 143 V 418 E. 7.1 f.) grundsätzlich (bei Ausnahmen nach dem jeweiligen
Beweisbedarf) einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unter
ziehen. Für die Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens sind danach in der
Regel diverse Standardindikatoren beachtlich, die in zwei Kategorien systematisiert
werden, nämlich einerseits in der Kategorie des funktionellen Schweregrads und
anderseits in jener der Konsistenz.
2.4.
Der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sind im
Mai 2018 polydisziplinär begutachtet worden.
3.1.
Im Einzelnen ergab sich gemäss dem Gutachten vom 26. Juni 2018 in allgemein-
internistischer Hinsicht keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Der
Beschwerdeführer hatte dem Gutachter der Allgemeinen Inneren Medizin angegeben,
er leide zurzeit an fünf- bis siebenmaligen wässrigen bis schleimigen Stuhlentleerungen
pro Tag, teilweise mit Blutbeimengung und verbunden mit Bauchkrämpfen. Die
Beschwerden bestünden Tag und Nacht und würden nur selten für ein paar Stunden
verschwinden. Am stärksten seien sie nach der Nahrungsaufnahme und nachts. In den
vergangenen Monaten habe er 4 bis 5 kg Gewicht verloren und wiege zurzeit ca. 65 kg.
Der Appetit sei schlecht; er versuche zweimal pro Tag eine Mahlzeit einzunehmen. Des
Weiteren erwähnte der Beschwerdeführer seit acht Jahren bestehende, bei Belastung
und beim Gehen verstärkt auftretende Kniebeschwerden rechts und seit Jahren bei
Belastung auftretende rechtsseitige parasternale Schmerzen. Diverse Abklärungen zu
den [...]-fingern hätten keine Ursache ergeben (vgl. IV-act. 92-22 f.). Ausserdem hatte
der Beschwerdeführer angegeben, einmal pro Nacht zu erwachen und Stuhlgang zu
haben (vgl. IV-act. 92-24). Für eine ausserhäusliche Tätigkeit sei er nicht arbeitsfähig,
3.2.
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könne sich eine Arbeit zuhause am PC jedoch durchaus vorstellen (vgl. IV-act. 92-24).
Der Gutachter stellte u.a. ein Gewicht des Beschwerdeführers von 65 kg fest und hielt
dafür, die von ihm beklagten Beschwerden beträfen vor allem das Abdomen und den
Bewegungsapparat, aus allgemeininternistischer Sicht sei er beschwerdefrei (vgl. IV-
act. 92-26).
Bei der psychiatrischen Begutachtung zeigte sich ebenfalls keine Diagnose mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Es wurde indessen u.a. eine somatoforme autonome
Funktionsstörung des unteren Gastrointestinaltrakts erwähnt. Ausserdem wurde von
einer ausgeprägten Krankheits- und Behinderungsüberzeugung berichtet. Der
Beschwerdeführer halte sich zurzeit für gar nicht arbeitsfähig (vgl. IV-act. 92-32). Dieser
hatte dem Gutachter erklärt, an verstärkten, andauernden Bauchschmerzen mit
Krämpfen, Stuhldrang nach dem Essen und auch nachts zu leiden, ausserdem an
vermehrter Müdigkeit und an Knie- und Fingerproblemen. Deshalb könne er nicht
arbeiten. Er sei regelmässig beim Hausarzt und in der Ernährungsberatung (vgl. IV-
act. 92-29 f.). Der Gutachter der Psychiatrie hielt fest, leichte Konzentrationsstörungen
seien im Rahmen der somatischen Problematik mit Schmerzen durchaus möglich,
doch sei der Beschwerdeführer während des ganzen Untersuchungsgesprächs
aufmerksam und interessiert gewesen (vgl. IV-act. 92-33). Er erwähnte weiter den
normalen Schulabschluss des Beschwerdeführers, die früher psychiatrisch blande
Anamnese und die weitgehend normale Sozialisation (vgl. IV-act. 92-33).
3.3.
Auch die orthopädische Begutachtung ergab keine für die Arbeitsfähigkeit
relevante Diagnose. Die Kniebeschwerden und die Bandlaxizität seien ohne Einfluss
darauf. Der Beschwerdeführer hatte auch über schmerzende Fingerendglieder geklagt
(vgl. IV-act. 92-36, -39). Er hatte angegeben, er würde gern von zuhause aus arbeiten
(vgl. IV-act. 92-37).
3.4.
Bei der gastroenterologischen Begutachtung hatte der Beschwerdeführer gemäss
dem Gutachten wiederum beschrieben, nach dem Essen müsse er rasch zur Toilette.
Er habe sechs- bis siebenmal täglich Stuhlgang und oft Durchfall. Davor habe er
Bauchkrämpfe. Ca. einmal pro Monat sei er inkontinent. Die Symptomatik sei nach
zwei Operationen weitgehend unverändert (vgl. IV-act. 92-43). Er strebe eine
Umschulung auf eine Arbeit im IT-Bereich bzw. eine solche am PC an (vgl. IV-
act. 92-44). Der Gutachter der Gastroenterologie erklärte, es bestehe eine
Defäkationsstörung mit Stuhlunregelmässigkeiten und Diarrhoe. Die Symptomatik der
Rektumintussuszeption sei diagnostiziert worden, die Symptomatik habe sich aber
trotz zweimaliger Operation mit Rektopexie nicht gebessert. Ein sonstiges organisches
Korrelat für die Stuhlunregelmässigkeiten - abgesehen von der Rektumintussuszeption
3.5.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/29
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4.
- habe sich nicht gefunden. Es sei gut denkbar, dass die Defäkationsstörung zum Teil
durch vermehrtes Pressen und damit provozierten häufigen Stuhlgang zustande
komme. Die Symptome seien aber dennoch konsistent und plausibel. Zumindest ein
Teil sei funktioneller Natur. In beruflicher Hinsicht führe die Symptomatik zu einer
Behinderung, vor allem bei körperlich belastenden Arbeiten (vgl. IV-act. 92-45). Eine
körperlich belastende Arbeit sei für den Versicherten wenig geeignet. Es sei eine
Umschulung zu empfehlen (vgl. IV-act. 92-46). Anzumerken ist, dass nebst der
Rektumintussuszeption auch ein Mucosaprolaps-Syndrom diagnostiziert worden ist
(vgl. IV-act. 92-45).
Die Begutachtung insgesamt erfolgte in Kenntnis der Akten (vgl. IV-act. 92-14 ff.)
und umfasste die jeweiligen Erhebungen von Anamnese und Befunden. Bei der
orthopädischen Begutachtung wurden der schriftliche Befund eines MRI der LWS und
des ISG vom 20. Juli 2015 und ein Röntgenbild des Knies ap vom 8. Mai 2018
mitbeurteilt.
3.6.
Polydisziplinär wurden die chronischen intermittierenden Kniebeschwerden links,
die Bandlaxizität und die chronische Defäkationsstörung berücksichtigt (vgl. IV-
act. 92-9). Die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers wurde für die bisherige
Tätigkeit auf 30 %, für eine umschriebene adaptierte Tätigkeit auf 10 % festgelegt (vgl.
IV-act. 92-10).
3.7.
Gegen die Stichhaltigkeit des Gutachtens vom 26. Juni 2018 als solches lässt der
Beschwerdeführer diverse Einwände erheben.
4.1.
So bestreitet er etwa, dass er nachts nur einmal die Toilette aufsuchen müsse. Bei
der allgemein-internistischen Begutachtung hatte er erklärt, er habe zurzeit fünf- bis
siebenmalige Stuhlentleerungen pro Tag und die Beschwerden (Bauchkrämpfe)
bestünden auch nachts, dann am stärksten (wie nach der Nahrungsaufnahme; vgl. IV-
act. 92-22). Er hatte aber gemäss der Wiedergabe im Gutachten auch erwähnt, dass er
einmal pro Nacht erwache und Stuhlgang habe (vgl. IV-act. 92-24). Eine entsprechende
gutachterliche Annahme lässt sich nach dieser Schilderung auf die Angabe des
Beschwerdeführers zurückführen. Da die Symptomatik bei chronischen
Darmerkrankungen zudem, wie in der Stellungnahme des ABI vom 17. Januar 2019
plausibel dargelegt (vgl. dazu unten E. 6), im Verlauf kurz- und längerfristig wechseln
kann, bietet sich kein Grund zur Beanstandung, da diese Spannweite ausreichend
berücksichtigt wurde. Bei der gastroenterologischen Begutachtung wurde des
Weiteren festgehalten, der Beschwerdeführer habe von einer ca. einmal monatlich
4.2.
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auftretenden Inkontinenz berichtet (vgl. IV-act. 92-43). Dass solches eine Person
verunsichert und zu einer Einschränkung des Aktionsradius veranlasst, wie der
Beschwerdeführer vorbringt, erscheint nachvollziehbar; es ist ohne weiteres davon
auszugehen, dass dieser Aspekt bei der fachärztlich-gutachterlichen Beurteilung nicht
ausser Acht gelassen wurde. Der Gutachter der Gastroenterologie hielt fest, die
Symptomatik führe zu einer Behinderung, vor allem bei körperlich belastenderen
Arbeiten (vgl. IV-act. 92-45). Bei der (späteren) Untersuchung vom 19. Oktober 2018
hat der Beschwerdeführer in der Folge dann Inkontinenz im Übrigen klar verneint (vgl.
IV-act. 105-2). Es wurde vermerkt, bei den Untersuchungen von Prof. L._ vom
September 2018 sei eine uneingeschränkte Stuhlkontinenz vorhanden gewesen (vgl.
IV-act. 105-2).
Der Beschwerdeführer widerspricht auch den Annahmen der Beschwerdegegnerin
zur mangelnden Objektivierbarkeit seiner Leiden. Dazu ist zunächst einerseits zu
erwähnen, dass seine chronische Defäkationsstörung samt Rektumintussuszeption
aufgrund der Befunde gutachterlich bestätigt worden ist. Der Beschwerdeführer ist
diesbezüglich auch zweimal operativ behandelt worden. Das Pathologie [...] hatte
(nach der ersten Operation) am 1. April 2014 rein histologisch keine morphologischen
Hinweise auf eine solche Intussuszeption gefunden. Dr. K._ hatte am 4. August 2016
erwähnt, es hätten sich im distalen Rektum bzw. Analkanal auffällig entzündlich
ödematöse Veränderungen im Sinn eines Mucosaprolaps-Syndroms gezeigt, das sehr
gut zum Beschwerdebild des Beschwerdeführers passe (vgl. IV-act. 42-6). Prof. L._
hatte (vor seiner Operation) am 5. April 2017 (vgl. IV-act. 76-8) auch darauf
hingewiesen, dass der imperative Stuhldrang und die Schwierigkeit, den Stuhl zu
entleeren, zu einer Intussuszeption passen würden. Im histopathologischen Bericht
vom 23. Oktober 2018 (IV-act. 106) wurde ebenfalls erwähnt, dass die vorgefundene
Morphologie zur klinischen Angabe (nämlich eines rezidivierenden Mucosaprolaps-
Syndroms und intermittierender Diarrhoe) bzw. zu lokalen Kreislaufstörungen im
Rahmen einer lokalen Ischämie passe. - Das Mucosaprolaps-Syndrom und auch schon
der Verdacht auf ein schweres Reizdarmsyndrom wurden entsprechend im Gutachten
berücksichtigt. Die Annahme der Beschwerdegegnerin, die Untersuchungsbefunde
vermöchten die Hyperreagibilität bzw. Reizmagen- und Reizdarmsymptomatik nicht zu
belegen und die Bauchbeschwerden seien nicht klar in Verbindung zu objektiven
Befunden zu bringen, ist insofern zu relativieren. - Nichtsdestotrotz wurden auch
Feststellungen gemacht, welche eine subjektive und eine psychosoziale Komponente
des Leidens des Beschwerdeführers beschreiben. Zu erwähnen sind etwa die früheren
(nach März 2016, IV-act. 44, bis zum Gutachten behobenen) Alkohol- und
Spielprobleme des Beschwerdeführers und die schwere Erkrankung der engen
4.3.
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Verwandten. Der Gutachter der Psychiatrie mass den erstgenannten beiden Aspekten
(Alkohol, zurzeit keine Hinweise auf übermässigen Konsum; und pathologisches
Spielen, gegenwärtig nicht aktiv) keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu (vgl. IV-
act. 92-31). Das gastroenterologische Gutachten schloss, zumindest ein Teil der
Symptomatik sei funktioneller Natur (vgl. IV-act. 92-45). Diese Beurteilungen
erscheinen nachvollziehbar.
Der Beschwerdeführer stellt sich ferner auf den Standpunkt, es mangle an einer
Begründung für die Differenz zwischen der Arbeitsunfähigkeitsschätzung für seine bis
herige Tätigkeit von 30 % und derjenigen für eine adaptierte Tätigkeit von 10 %, da die
Absenzzeiten nicht von der körperlichen Beanspruchung abhingen. Der Gutachter der
Gastroenterologie berücksichtigte indessen, dass die körperlichen Beanspruchungen
und die Schichtarbeit der bisherigen Tätigkeit für den Beschwerdeführer angesichts
seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht geeignet sind, was eine gewisse
Differenz im Erholungsbedarf zu erklären und allenfalls gar auf eine insgesamt so nicht
mehr zumutbare bisherige Arbeit zu schliessen lassen vermag (vgl. auch die RAD-
Beurteilung, IV-act. 93). Für die Annahme, die Gutachter hätten in die
Arbeitsfähigkeitsschätzung zu Unrecht einzig die leidensbedingt ausfallende
Präsenzzeit am Arbeitsplatz, nicht aber die Erschöpfung und die Beschwerden
(Bauchkrämpfe) des Beschwerdeführers einbezogen, gibt es keine Hinweise.
4.4.
Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers weist indessen zutreffend darauf hin,
dass das Gutachten eine Auseinandersetzung mit den von der eigenen
Arbeitsunfähigkeitsschätzung (von 30 % und 10 %) deutlich abweichenden
Beurteilungen der Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers durch den behandelnden
Arzt Dr. F._ vermissen lässt. Im diesbezüglich relevanten gastroenterologischen Teil
wurde einzig auf die Beurteilung des Operateurs Prof. L._ hingewiesen (vgl. IV-
act. 92-45), der im IV-Arztbericht vom 12. Oktober 2017 (nach der Operation vom
27. April 2017) erklärt hatte, das Leiden des Beschwerdeführers habe kaum bzw. keine
Auswirkungen auf die Arbeit, und der diesem lediglich eine Stuhlregulation mit
Abführmitteln empfohlen hatte. Dieselbe Arbeitsfähigkeit (100 %) hatte nach der ersten
Operation im Übrigen bereits der Operateur Dr. E._ am 17. Juni 2015 abgegeben.
Dr. F._ dagegen hatte dem Beschwerdeführer am 1. September 2015 bzw. am
24. März 2016 eine volle Arbeitsunfähigkeit ab September 2014 und eine solche von
75 % ab April 2016 attestiert und am 14. September 2016 eine leichte Arbeit von 50 %
versuchsweise als zumutbar bezeichnet. Am 28. März 2017 hatte der Arzt wegen der
Dominanz dessen Leidens (Krämpfe, Erschöpfung) wiederum eine volle
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers angenommen. - Da in den Berichten von
4.5.
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Dr. F._ allerdings keine Befunde beschrieben werden, von denen anzunehmen wäre,
dass sie im Gutachten unberücksichtigt geblieben sind, wird die Stichhaltigkeit des
Begutachtungsergebnisses dadurch nicht relevant in Frage gestellt. - Wenn Dr. F._
nach der Begutachtung, am 4. September 2018, eine Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers von (lediglich, aber immerhin noch) mindestens 50 %
angenommen hat und Dr. K._ am 24. Oktober 2018 zur gleichen
Arbeitsunfähigkeitsschätzung gelangt ist, fragt sich, ob allenfalls (in den vier bis fünf
Monaten) nach der Begutachtung eine massgebliche Änderung im gesundheitlichen
Zustand aufgetreten sei (vgl. dazu unten E. 6).
Im Weiteren wendet die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ein, die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter sei in der unzutreffenden Erwartung
ergangen, dass Verbesserungen des Gesundheitszustands erreicht werden könnten.
Im Gutachten war angenommen worden, durch eine bessere Behandlung der Diarrhoe
(Steigerung der Imodium-Dosis, Behandlung mit Codein, Tinctura opii oder geeigneten
Psychopharmaka und Sistierung von Movicol) könne die Arbeitsfähigkeit verbessert
werden und bei erfolgreicher medikamentöser Behandlung sei innert Wochen ein Erfolg
zu erwarten. Oft (bei ca. 80 % der ähnlich gelagert Erkrankten) könne auch eine
zusätzliche spezialisierte Physiotherapie teilweise erfolgreich sein. Diesbezüglich ist
zwar auf die aktenkundig bereits lange Dauer der gastroenterologischen
Beeinträchtigung und entsprechende Behandlung des Beschwerdeführers
hinzuweisen, ohne dass er eine namhafte Verbesserung empfunden hätte. Ausserdem
hielt auch Dr. K._ am 8. Februar 2017 dafür, eine medikamentöse Behandlung nütze
bei einem solchen Beschwerdebild kaum etwas. Auch dieser Arzt empfahl jedoch
seinerseits ein gezieltes Beckenbodentraining. Zudem büsst die anhand der
objektivierenden gastroenterologischen Begutachtungsergebnisse eruierte und
begründete Arbeitsfähigkeitsschätzung durch die geäusserte (selbst allenfalls zu)
positive Erwartung ihre Überzeugungskraft nicht ein. In diesem Zusammenhang ist
auch darauf hinzuweisen, dass der Gutachter für gut denkbar hielt, dass die
Defäkationsstörung zum Teil auch durch vermehrtes Pressen und dadurch provozierten
häufigen Stuhlgang bewirkt werde und nicht primäre Ursache der Symptomatik sei (vgl.
IV-act. 92-45). Dem Beschwerdeführer wären allenfalls entsprechende medizinische
Informationen nützlich.
4.6.
Zusammenfassend zeigt sich somit, dass für den Zeitpunkt der Begutachtung auf
die Schlussfolgerungen des Gutachtens abgestellt werden kann. Selbst wenn es sich
rechtfertigte, die für die bisherige Tätigkeit gutachterlich attestierte Arbeitsunfähigkeit
von 30 % in Anbetracht der Begründung auch auf angepasste Tätigkeiten zu
4.7.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 22/29
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5.
übertragen, ist festzuhalten, dass eine höhere Arbeitsunfähigkeit für diesen Bereich
keinesfalls anzunehmen ist. Die Tätigkeit hat im Übrigen den gutachterlich definierten
Adaptationskriterien zu entsprechen.
Was den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in
der Zeit vor der Begutachtung betrifft, nimmt die Beschwerdegegnerin Beweislosigkeit
bezüglich einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit an, deren Folgen der
Beschwerdeführer zu tragen habe. Die Gutachter hätten keine retrospektive
Einschätzung vornehmen können.
5.1.
Im für die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers massgeblichen gastroentero
logischen Teil des Gutachtens ist allerdings erklärt worden, die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers habe sich seit sechs bis sieben Jahren nicht verändert (vgl. IV-
act. 92-46 Ziff. 8.1.4), im polydisziplinären Teil wurde angegeben, eine länger dauernde
höhere Arbeitsunfähigkeit als zum Begutachtungszeitpunkt könne retrospektiv nicht
angenommen werden (seit Dezember 2016 habe sich keine wesentliche Änderung
ergeben, vgl. IV-act. 92-10 Ziff. 4.7.5).
5.2.
Die Akten zeigen, dass der Beschwerdeführer bereits am 7. November 2013 an
einem schweren Descensus (des Beckenbodens) mit geringer anteriorer Rektozele und
anteriorer mucosaler Intussuszeption litt. Am 24. März 2014 erfolgten eine Rekto
sigmoidresektion (von 52 cm) und eine Rektopexie (gemäss Pschyrembel:
Suspensionsfixierung des Rektums). Etwa drei Monate danach traten die Beschwerden
nach in der Replik festgehaltenen Angaben des Beschwerdeführers (vgl. schon IV-
act. 28-1) wieder auf. Im Juni 2015 habe der Beschwerdeführer erneut ein
unspezifisches Druckgefühl und defäkationsabhängige Blutungen beschrieben.
Dr. E._ habe eine erneute Intussuszeption vermutet. - Der Beschwerdeführer hatte
noch bis zur Kündigung vom Oktober 2014 weitergearbeitet. Der Operateur Dr. E._
nahm im Juni 2015 wie erwähnt eine volle Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in
der bisherigen Tätigkeit an. Nachdem eine Defäkographie vom 31. Oktober 2016 erneut
einen schweren rektalen Descensus mit moderater anteriorer und geringer posteriorer
Rektozele, geringer Enterozele und zirkulärer mucosaler Intussuszeption gezeigt hatte
und sich eine Fixierung des Rektums (am Sacrum/Promontorium) nicht hatte
nachweisen lassen, wurde am 27. April 2017 die zweite Operation in Form einer
transanalen Rektumresektion vorgenommen. Bei der Begutachtung vom Mai 2018
wurde polydisziplinär auf Dezember 2016 hingewiesen, seit welchem Zeitpunkt keine
wesentliche Änderung eingetreten sei.
5.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 23/29
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Die oben erwähnte gutachterliche Annahme eines retrospektiv unveränderten
Zustands erscheint - unter Berücksichtigung von anzunehmenden gewissen
gastroenterologisch leidensinhärenten Schwankungen (vgl. die ABI-Stellungnahme
vom 17. Januar 2019) - nachvollziehbar, da auch der Beschwerdeführer noch am
20. Februar 2017 einen seit 2013 unveränderten Beschwerdezustand beschrieb.
5.4.
Im psychiatrischen Gutachten wurde ferner betreffend die frühere Zeit
festgehalten, es sei gut möglich, dass beim Beschwerdeführer zu der Zeit, als die
Behandlung durch Dr. C._ erfolgt sei (somit nach der Aktenlage sieben Sitzungen
zwischen November oder Dezember 2014 und März 2016), eine depressive Episode
bestanden habe, die punktuell auch zu einer Teilarbeitsunfähigkeit geführt haben
könne. Gemittelt über den Verlauf könne eine psychiatrische Arbeitsunfähigkeit aber
nicht begründet werden (vgl. IV-act. 92-33). Die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers beanstandet diese Angabe als zu unbestimmt. Die Frage, ob eine
relevante Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischen Gründen über eine längere Zeit
hinweg angedauert habe, ist denn auch - wie sie darlegt - nicht unerheblich. Dass die
Frage zu bejahen wäre, ist allerdings nach der vorliegenden Aktenlage nicht
anzunehmen. Zwar erscheint, wie der Gutachter darlegt, durchaus möglich, dass der
Beschwerdeführer eine depressive Episode (mit Schlafstörungen) erlitt, hatte er doch
einen Stellenverlust hinzunehmen gehabt und diverse körperliche Beeinträchtigungen
(gastroenterologischer Art, aber auch die Finger betreffend) aufgewiesen. Er befand
sich damals auch in den erwähnten Schwierigkeiten in der Lebensführung (Spielen,
Schulden, Alkohol als Selbstmedikation, vgl. Fremd-act. 1-5) und war (ab 2. Februar
2015) in der Psychiatrischen Klinik D._ gewesen. Dort war jedoch mehrfach eine
ungenügende Anstrengungsbereitschaft festgestellt worden. Dr. C._ erklärte zudem
am 23. Oktober 2015, seine Arbeitsfähigkeit sei unklar, und sie wies unter anderem
auch auf die Erforderlichkeit einer Abklärung der organischen Ursachen hin. Während
dem Beschwerdeführer am 11. Dezember 2015 von der IV-Eingliederungs-
verantwortlichen eine Motivation zur schnellen Rückkehr in die Arbeitswelt attestiert
worden war, hatte auch Dr. C._ im Übrigen erklärt, der Beschwerdeführer habe
diverse Termine versäumt. Dr. K._ schliesslich musste am 8. Februar 2017 berichten,
der Beschwerdeführer habe sich auf wiederholte Kontaktaufnahmeversuche und ein
Aufgebot hin nicht gemeldet. Gemäss der fachärztlichen Einschätzung des Gutachters
der Psychiatrie - welcher gefolgt werden kann, auch wenn die vorhandenen
erschwerenden Umstände ebenfalls zu berücksichtigen sind - handelte es sich bei der
entsprechenden mangelnden Motivation und Anstrengungsbereitschaft des
Beschwerdeführers nicht um einen medizinischen Faktor (vgl. IV-act. 92-33). -
Insgesamt ist demnach mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass beim
5.5.
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6.
Was eine allfällige Sachverhaltsentwicklung in der Zeit nach der Begutachtung (vom
Mai 2018) betrifft, fand das Institut für Pathologie am Kantonsspital St. Gallen gemäss
dem Bericht vom 23. Oktober 2018 (IV-act. 106) beim Beschwerdeführer im distalen
Rektum (u.a.) eine polypoid gebaute Schleimhaut mit teils florider, teils granulierender
Ulzeration. Es erklärte, die Morphologie passe zu einer lokalen Ischämie bei bekanntem
Prolaps. Gemäss dem Bericht der Klinik für Innere Medizin am Spital G._ vom
24. Oktober 2018 über die Koloskopie vom 19. Oktober 2018 hatten sich bei dieser
Untersuchung erneut Zeichen eines Mucosaprolapses gezeigt. Es scheine ausserdem
eine Reizmagen- und Reizdarmsymptomatik (Hyperreagibiliät des Magendarmtrakts)
mit ausgeprägter Diarrhoeneigung vorzuliegen. Die damalige Beschwerdesituation des
Beschwerdeführers wurde vom berichtenden Dr. K._ als extrem und sozial sehr
einschränkend beschrieben. Sowohl Dr. K._ wie Hausarzt Dr. F._ (dieser am
4. September 2018, während er vor der Zeit des Gutachtensergebnisses von einer
vollen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen war) erachteten den Beschwerdeführer damals
als zu mindestens 50 % arbeitsunfähig. In seiner Stellungnahme vom 17. Januar 2019
zu den ihm vorgelegten Berichten (vgl. IV-act. 111) gab das ABI an, die neuen
Untersuchungsbefunde würden nicht relevant von den früheren abweichen, aber auch,
bei chronischen Darmerkrankungen könne die Symptomatik im Verlauf kurz- und
längerfristig (d.h. über Monate bis Jahre) wechseln. Demnach kann eine namhafte
Befundänderung nicht angenommen werden, zumal wie erwähnt ein Mucosaprolaps-
Syndrom und auch schon der Verdacht auf ein schweres Reizdarmsyndrom bereits im
Gutachten festgestellt worden sind. Eine wesentliche, anhaltende Änderung der
Arbeitsfähigkeit nach der Begutachtung bis zum vorliegend massgeblichen Zeitpunkt
vom 25. Februar 2019 lässt sich damit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
annehmen. Jedenfalls ist bis dahin nicht von einer Arbeitsunfähigkeit für adaptierte
Tätigkeiten auszugehen, welche das im Gutachten für die bisherige Tätigkeit attestierte
Ausmass von 30 % übersteigt.
Beschwerdeführer auch in der zurückliegenden Zeit keine für einen Rentenanspruch
(zeitlich und im Ausmass) relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht bestand.
Es rechtfertigt sich somit, auf die gutachterliche Feststellung abzustellen, wonach
dem Beschwerdeführer retrospektiv keine länger dauernde, höhergradige
Arbeitsunfähigkeit als zurzeit der Begutachtung zu attestieren sei (vgl. IV-act. 92-10).
5.6.
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7.
Nach Art. 16 ATSG (vgl. Art. 28a Abs. 1 IVG) wird für die Bestimmung des
Invaliditätsgrads das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der
Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
7.1.
Für die Bemessung des Valideneinkommens ist rechtsprechungsgemäss
entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen
Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als
Gesunde tatsächlich verdienen würde (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 16. Juli 2019,
9C_247/2019 E. 4.2.1, BGE 129 V 222).
7.2.
Der Beschwerdeführer hat die Realschule besucht (vgl. IV-act. 3). Nach Angaben
gegenüber der IV-Eingliederungsberaterin vom 9. Dezember 2015 (vgl. IV-act. 28) hatte
er danach keine Lehrstelle gefunden und in einer Unternehmung zu arbeiten begonnen.
Nach zweieinhalb Jahren sei ihm gekündigt worden. Für beide Umstände nannte der
Beschwerdeführer Gründe, welche nicht ohne weiteres auf wesentlich mitwirkende
gesundheitliche Aspekte schliessen lassen, so dass mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht von einem Sachverhalt gemäss Art. 26 IVV auszugehen ist,
obwohl die gastroenterologischen Beschwerden bereits in der Pubertät begannen und
beide Geschwister Ausbildungen gemacht haben. Der Beschwerdeführer erklärte
weiter, danach habe er temporär gearbeitet und sei arbeitslos gewesen. Gemäss IK-
Auszug (IV-act. 9) war er zudem noch von Mai 2011 bis Oktober 2012 in einer
Unternehmung angestellt gewesen. Danach hatte er von _ 2013 bis Februar 2015 in
der oben erwähnten weiteren Anstellung gestanden. Diese Anstellung hat er nach
seinen Angaben vom 9. Dezember 2015 aus gesundheitlichen Gründen verloren. Bei
diesen Gegebenheiten ist aus der Erwerbsbiographie kein Valideneinkommen
abzulesen, das eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für sich hätte. Dieses ist somit
anhand der statistischen Erhebungen über die Löhne (Tabellenlöhne) festzulegen.
7.3.
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär
von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person
konkret steht. Ist - wie hier - kein tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben,
namentlich, weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine
oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat,
7.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 26/29
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8.
Angesichts der dem Beschwerdeführer von den Experten bei der Begutachtung
nunmehr attestierten Motivation zur beruflichen Eingliederung (vgl. IV-act. 92-11; in
so können nach der Rechtsprechung die genannten Tabellenlöhne (der
Lohnstrukturerhebungen, LSE, des Bundesamtes für Statistik) herangezogen werden
(vgl. etwa Bundesgerichtsurteil vom 19. Mai 2020, 9C_566/2019 E. 5.2, BGE 143 V 295
E. 2.2).
Da somit als Valideneinkommen und als Ausgangswert der Bestimmung des
Invalideneinkommens derselbe Einkommensbetrag zu wählen ist, entspricht der
Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines
allfälligen Abzugs (zur Ermittlung des Invalideneinkommens) gemäss BGE 126 V 75
(vgl. Bundesgerichtsentscheide vom 9. Mai 2016 8C_934/2015 E. 2.1, und vom
20. April 2010, 9C_215/2010 E. 5.2).
7.5.
Bestehen im Einzelfall Anhaltspunkte dafür, dass die versicherte Person ihre
gesundheitlich zumutbare verbleibende (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann, ist
ein Abzug (von den Tabellenlöhnen) zu machen. Bei der Bestimmung der Höhe des
Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das
Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu
schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl.
BGE 134 V 322 E. 5.2 und BGE 126 V 75). - Der gesundheitlich bedingt erhöhte
Pausenbedarf des Beschwerdeführers begründet hauptsächlich seine medizinische
Arbeitsunfähigkeit. Qualitativ betrachtet ist für eine für ihn adaptierte Tätigkeit zudem
erforderlich, dass sie körperlich leicht (allenfalls intermittierend mittelschwer) ist und
eher im Sitzen ausgeübt werden kann. Schichtarbeit kommt nicht in Frage. Ausserdem
muss der Beschwerdeführer insbesondere seine Arbeit jederzeit unterbrechen können,
um eine Toilette aufzusuchen (vgl. IV-act. 92-10). Dass der Beschwerdeführer (nebst
dem Ausfall im Ausmass der Arbeitsunfähigkeit) eine zusätzliche invaliditätsbedingte
Erwerbseinbusse zu erwarten hätte, welche einen Abzug rechtfertigte, ist nicht erstellt.
Selbst wenn aber ein Abzug von 10 % - diese wären als Maximum zu betrachten -
anerkannt und von einer Arbeitsunfähigkeit selbst von 30 % ausgegangen werden
könnte, ergäbe sich kein rentenrelevanter Invaliditätsgrad (sondern diesfalls ein solcher
von 37 %; 1- [0.7 x 0.9]).
7.6.
Die verfügte Abweisung des Rentenanspruchs erweist sich demnach als recht
mässig.
7.7.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 27/29
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Bezug auf die früheren Schwierigkeiten in der Lebensführung hatte er nach der
Aktenlage im Lauf der Zeit im Übrigen eine Verbesserung erreichen können), in
Anbetracht seiner oben dargelegten leidensbedingten Erschwernisse bei der
Eingliederung und weil bei allzu langer Arbeitsabstinenz psychische Folgen drohen
könnten, ist dagegen ein Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen
grundsätzlich anzunehmen. Die Beschwerdegegnerin wird geeignete Massnahmen zu
evaluieren und den Beschwerdeführer nach Erlass einer den Abklärungen
entsprechenden Verfügung nach Möglichkeit damit zu unterstützen haben.
9.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 25. Februar 2019 insofern teilweise gutzuheissen, als
die Sache zur weiteren Abklärung und entsprechenden neuen Verfügung betreffend
den Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche Eingliederungsmassnahmen im
Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Im Übrigen ist
die Beschwerde abzuweisen.
9.1.
Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Eine
Gebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen.
9.2. bis
Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen,
dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Der Beschwerdeführer hat
lediglich teilweise (in untergeordnetem Bereich) obsiegt, weshalb der Ausgang des
Verfahrens rechtfertigt, ihm - ermessensweise - drei Viertel (Fr. 450.--) und der
Beschwerdegegnerin einen Viertel der Kosten (Fr. 150.--) aufzuerlegen. Von der
Bezahlung seines Anteils an den Gerichtskosten von Fr. 450.-- ist der
Beschwerdeführer zufolge der am 24. Oktober 2019 gewährten unentgeltlichen
Rechtspflege zu befreien.
9.3.
Der Beschwerdeführer hat bei teilweisem Obsiegen auch Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61
lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). Seine Rechtsvertreterin hat am 17. Dezember
2019 eine Honorarnote für Arbeit an 15.09 Stunden und für Barauslagen von Fr. 90.54
eingereicht. Die Parteientschädigung sei zuzüglich der Mehrwertsteuer festzusetzen
(act. G 13). Da das mittlere Honorar im st. gallischen Recht Fr. 250.-- pro Stunde (vgl.
9.4.
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