Decision ID: 61002194-87cf-5345-9eb5-7effe9aa8dcd
Year: 2017
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Abteilung Verkehr und Unterhalt der Gemeinde Köniz reichte am 8. April 2014
beim Bauinspektorat der Gemeinde Köniz ein Baugesuch ein für das Erstellen eines
Brunnens inklusive Leitungen, den Niveauangleich der Strasse zum Trottoir auf einer
Fläche von 360 m2 und die Platzierung von Bänken auf den Parzellen Köniz
Grundbuchblatt Nrn. C._, D._ und E._. Die Parzelle Nr.
C._, auf welcher der Brunnen und zwei Bänke geplant sind, befindet sich in der
Zone mit Planungspflicht Nr. F._ Der grosse Teil des projektierten
Niveauangleichs sowie eine weitere Bank befinden sich auf Parzelle Nr. E._, bei
welcher es sich um eine Strassenparzelle handelt. Ein kleiner Teil des Niveauangleichs ist
auf der Parzelle Nr. D._ geplant, welche sich in der Zone für öffentliche Nutzung
ZöN befindet. Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderen die Beschwerdeführenden
Einsprache.
Mit Gesamtentscheid vom 15. Dezember 2014 erteilte das Regierungsstatthalteramt Bern-
Mittelland die Baubewilligung. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden Beschwerde
bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Da das
Bauvorhaben den Schutzbereich einer geschützten Hecke tangiert und die für deren
teilweise Entfernung notwendigen Bewilligungen fehlten, hob die BVE den
Gesamtentscheid vom 15. Dezember 2014 mit Entscheid vom 11. März 2015 auf und wies
die Sache zur Fortsetzung des Verfahrens im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz
zurück. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft.
2. Nach Wiederaufnahme des Verfahrens durch das Regierungsstatthalteramt reichte
die Bauherrschaft am 31. August 2015 einen Pflegeplan Wildhecke vom 21. November
2012 (mit dem ursprünglichen Bestand der Wildhecke, dem Rodungsplan, dem
Pflegekonzept sowie den Neupflanzungen & Ansaaten) sowie weitere Unterlagen ein. Auf
Aufforderung der Vorinstanz reichte die Gemeinde am 11. November 2015 sodann ein
Rodungsgesuch ein. Dieses wurde im Amtsblatt publiziert, bezeichnet als Gesuch zur
teilweisen Beseitigung und Ersatzpflanzung einer Wildhecke mit folgender Umschreibung
des Vorhabens: "Teilweise Beseitigung einer Wildhecke und Setzen von Ersatzpflanzung
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gemäss Art. 27 NSchG1 in Verbindung mit Art. 13 NSchV2 im Zusammenhang mit
Baugesuch Nr. 17821, Erstellen eines Brunnens inkl. Leitungen, Niveauangleich Strasse,
Platzierung von Bänken." Dagegen erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache.
Die Abteilung Naturförderung (ANF) des Amts für Landwirtschaft und Natur des Kantons
Bern (LANAT) stimmte dem Vorhaben mit Amtsbericht Naturschutz vom 18. Januar 2016
nicht zu. Sie stellte den Antrag, die erforderliche Ausnahmebewilligung sei nicht zu erteilen,
wobei diese unter Erfüllung von aufgeführten Anforderungen in Aussicht gestellt werden
könne. Daraufhin passte die Gemeinde den Pflegeplan mit den Wiederherstellungs- und
Ersatzmassnahmen für die Hecke an (Pflegeplan Wildhecke mit Revisionsdatum vom
5. April 2016), worauf die ANF dem Vorhaben und der Erteilung der erforderlichen
Ausnahmebewilligung mit 2. Fachbericht Naturschutz vom 9. November 2016 unter
Bedingungen und Auflagen zustimmte.
Mit Gesamtentscheid vom 6. Juni 2017 erteilte das Regierungsstatthalteramt Bern-
Mittelland die Baubewilligung, die Ausnahmebewilligungen für das Unterschreiten des
Strassenabstands und für die zonenfremde Nutzung der Verkehrsfläche, die
Gewässerschutzbewilligung, die Wasseranschlussbewilligung sowie die
naturschutzrechtliche Bewilligung.
3. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 10. Juli 2017 erneut Beschwerde
bei der BVE ein. Sie beantragen sinngemäss die Aufhebung des Gesamtentscheides vom
6. Juni 2017 und die Abweisung des Baugesuchs sowie des Rodungsgesuchs. Weiter
stellten die Beschwerdeführenden in ihrer Beschwerde vom 10. Juli 2017 den Antrag, für
die Einreichung einer eingehenden Begründung sei ihnen aufgrund einer
Landesabwesenheit eine angemessene Nachfrist zu gewähren.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet3, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Es wies die Beschwerdeführenden mit
1 Naturschutzgesetz vom 15. September 1992 (NSchG, BSG 426.11). 2 Naturschutzverordnung vom 10. November 1993 (NSchV; BSG 426.111). 3 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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der ersten Verfügung vom 14. Juli 2017 zudem darauf hin, dass Antrag und Begründung
gemäss Art. 33 Abs. 3 VRPG4 innert Frist eingereicht werden müssen und die Behörde zu
ihrer Ergänzung keine Nachfrist über die gesetzliche Rechtsmittelfrist hinaus gewähren
dürfe. Die gesetzliche Rechtsmittelfrist sei am 10. Juli 2017 abgelaufen. Eine Nachfrist für
die Ergänzung der Begründung könne daher nicht gewährt werden.
Mit Schreiben vom 21. Juli 2017 verzichtete das Regierungsstatthalteramt unter Verweis
auf die Akten im Verfahren bbew 168/2014 auf das Einreichen einer förmlichen
Vernehmlassung. Die Gemeinde stellte mit Schreiben vom 10. August 2017 den Antrag,
die Beschwerde sei abzuweisen. Die ANF führte mit Eingabe vom 16. August 2017 aus, sie
halte an der Beurteilung und am 2. Fachbericht Naturschutz vom 9. November 2016
unverändert fest.
5. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG5. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG6 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 5 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 6 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0).
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b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in
Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprache
abgewiesen wurde, wohnen beide am G._weg und damit in unmittelbarer Nähe
des geplanten Quartierplatzes. Das betreffende Grundstück Köniz Grundbuchblatt
Nr. I._, welches im Eigentum des Beschwerdeführers 1 steht, wird über die vom
geplanten Bauvorhaben betroffene Strassenparzelle Nr. E._ erschlossen. Die
umstrittene Hecke befindet sich in unmittelbarer Nähe dieses Grundstücks. Damit sind die
Beschwerdeführenden durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert und daher
zur Beschwerdeführung legitimiert.
c) Da den Beschwerdeführenden die von ihnen beantragte Gewährung einer Nachfrist
für die Einreichung einer eingehenden Begründung nach Ablauf der Rechtsmittelfrist nicht
gewährt werden konnte (vgl. Sachverhalt, Ziff. 4), stellt sich die Frage, ob die Beschwerde
genügend begründet ist. So sind die Rügen der Beschwerdeführenden in ihrer Beschwerde
vom 10. Juli 2017 unter dem Titel "Begehren" bloss im Sinne einer Aufzählung kurz
aufgeführt. Unter dem Titel "Materielles" verweisen sie auf die Ausführungen in den
bisherigen Eingaben, welche grundsätzlich nach wie vor Geltung hätten.
An die Begründung werden praxisgemäss keine hohen Anforderungen gestellt. Es reicht
aus, wenn aus einem Rechtsmittel ersichtlich ist, inwiefern und weshalb der angefochtene
Entscheid beanstandet wird. Die Begründung muss sich aber wenigstens in minimaler
Form mit dem angefochtenen Entscheid auseinandersetzen und sinngemäss darauf
schliessen lassen, welche Rechtsnormen oder Grundsätze der Ermessensausübung
verletzt oder inwiefern Sachverhaltselemente unrichtig oder unvollständig festgestellt
worden sind. Zwar werden an Laieneingaben geringere Anforderungen gestellt. Trotzdem
wird auch von Laien erwartet, dass sie dartun, inwiefern und aus welchen Gründen sie dem
angefochtenen Entscheid nicht zustimmen können. Ein blosser Verweis auf frühere
Rechtsschriften stellt keine rechtsgenügliche Begründung dar.7
Aus der Eingabe der Beschwerdeführenden wird knapp ersichtlich, aus welchen Gründen
sie dem angefochtenen Entscheid nicht zustimmen können. Allerdings ging bereits die Vor-
instanz im angefochtenen Entscheid auf diese Vorbringen ein; mit diesen Ausführungen
7 VGE 100.2012.36 vom 15.05.2012, E. 3.3; BVR 2007 S. 470 E. 2.4; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 12 und 15.
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der Vorinstanz setzen sich die Beschwerdeführenden in ihrer Beschwerde kaum
auseinander. Da es sich um eine Laieneingabe handelt und an die Begründung keine
hohen Anforderungen gestellt werden, erachtet die BVE die Beschwerde dennoch als
(knapp) genügend begründet. Dies gilt jedoch nicht für den pauschalen Verweis auf
bisherige Eingaben, ohne die damit gemeinten, zusätzlichen Vorbringen näher zu
bezeichnen. Ein solcher Verweis stellt nach dem Gesagten keine genügende Begründung
dar.
d) Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist damit grundsätzlich
einzutreten.
2. Geschützte Hecke, Ausnahmebewilligung
a) Die umstrittene Wildhecke ist im Landschaftsinventar der Gemeinde Köniz als
geschütztes Einzelobjekt Nr. G-3 unter dem Titel "Hochhecke mit Bäumen" mit einer Länge
von 50 m verzeichnet. Als Schutzziel definiert das Landschaftsinventar die Erhaltung der
Hecke. Die Hecke bzw. deren Schutzbereich befindet sich auf der Parzelle Köniz
Grundbuchblatt Nr. C._ entlang der privaten Wegparzelle Köniz Grundbuchblatt
Nr. H._ sowie in Fortsetzung auch rund 13.5 m entlang der Strassenparzelle Köniz
Grundbuchblatt Nr. E._ (bis zum nordöstlichen Knickpunkt dieser Parzelle). In
letzterem Bereich ist mit dem vorliegenden Bauvorhaben sowohl ein Niveauangleich als
auch die Platzierung von Bänken vorgesehen.
Die geschützte Hecke wurde im Bereich des geplanten Quartierplatzes und des
vorgesehenen Niveauangleichs komplett entfernt, weshalb im Zusammenhang mit diesem
Bauvorhaben ein (nachträgliches) Gesuch um teilweise Beseitigung der Hecke in dem vom
Projekt betroffenen Bereich verlangt wurde. Das entsprechende Rodungsgesuch reichte
die Beschwerdegegnerin am 11. November 2015 ein. Mit Fachbericht vom 9. November
2016 stimmte das ANF der Erteilung der ersuchten Ausnahmebewilligung unter
Bedingungen und Auflagen zu. Das Regierungsstatthalteramt erteilte mit dem
Gesamtentscheid vom 6. Juni 2017 die naturschutzrechtliche Bewilligung (Ziffer 4.1.6 des
angefochtenen Entscheids).
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b) Die Beschwerdeführenden bringen vorab vor, die Publikation des Rodungsgesuchs
sei nicht korrekt erfolgt. In ihrer Einsprache vom 4. Januar 2016 führten sie aus, aus der
Publikation sei nicht erkennbar, dass es sich um ein Ausnahmegesuch handle. Zudem sei
die Publikation unter falschem Datum erfolgt.
Wie die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid richtig entgegnete, war das Vorhaben als
"Teilweise Beseitigung einer Wildhecke und Setzen von Ersatzpflanzung gemäss Art. 27
NSchG in Verbindung mit Art. 13 NSchV im Zusammenhang mit Baugesuch Nr. 17821,
Erstellen eines Brunnens inkl. Leitungen, Niveauangleich Strasse, Platzierung von Bänken"
publiziert. Da die relevanten Artikel der notwendigen Ausnahmebewilligung aufgeführt
wurden, war auch ohne ausdrückliche Bezeichnung erkennbar, dass um eine
Ausnahmebewilligung ersucht wird. Die Publikation war daher genügend. Dass es sich
beim Datum am Ende des Publikationstexts (Köniz, den 24. April 2014) um eine falsche
Angabe bzw. einen Verschrieb handelte, war offensichtlich und ohne weiteres erkennbar.
Wie die Vorinstanz richtig ausführte, hatte dieses falsche Datum keine rechtliche Wirkung,
weshalb den Beschwerdeführenden oder allfälligen Dritten dadurch kein Nachteil
entstanden ist.
c) Die Beschwerdeführenden beanstanden weiter sinngemäss die von der Vorinstanz
erteilte Ausnahmebewilligung für die Beseitigung der geschützten Hecke. So falle dem
Projekt ein zu grosser Teil der Hecke zum Opfer.
Gemäss den unbestrittenen Einschätzungen der ANF erfüllt die Hecke die
Begriffsumschreibung von Art. 28 Abs. 1 NSchG, weshalb sie nach Art. 27 Abs. 1 NSchG
in ihrem Bestand geschützt ist. Der Regierungsstatthalter kann eine Ausnahmebewilligung
zur Beseitigung einer Hecke oder Feldgehölzes erteilen, sofern deren Fortbestand unter
Abwägung der privaten und öffentlichen Interessen für den Gesuchsteller nicht mehr
zumutbar ist oder wenn überwiegende öffentliche Interessen die Beseitigung erfordern
(Art. 27 Abs. 2 NSchG i.V.m. Art. 13 Abs. 1 NSchV, vgl. auch Art. 18 Abs. 1ter NHG8). Mit
Erteilung einer Ausnahmebewilligung ist der Gesuchsteller zu ökologischem Ersatz zu
verpflichten (Art. 13 Abs. 2 NSchV).
8 Bundesgesetz vom 1. Juli 1966 über den Natur- und Heimatschutz (NHG; SR 451).
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Der Teil der geschützten Hecke, welcher komplett entfernt wurde und einer
Ausnahmebewilligung für die Beseitigung bedarf, befindet sich im Bereich des geplanten,
hier umstrittenen Quartierplatzes. Wenn die geschützte Hecke in diesem Bereich nicht
schon entfernt worden wäre, hätte sie daher spätestens für die Realisierung dieses
Quartierplatzes beseitigt werden müssen. Wie die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid
richtig ausführt, nimmt die Gemeinde mit der Gestaltung des Quartierplatzes ein
öffentliches Interesse wahr. Gemäss den Ausführungen der Vorinstanz sei zudem nicht
ersichtlich, weshalb das Interesse am strikten Nichtberühren der Hecke im Bereich des
geplanten Quartierplatzes vorliegend das Interesse der Bauherrschaft am Erstellen des
Quartierplatzes übersteigen solle. Die BVE folgt dieser Einschätzung. Das Interesse am
Erhalt der Hecke in diesem Bereich ist weniger hoch einzustufen als das öffentliche
Interesse der Beschwerdegegnerin an der Schaffung eines Quartierplatzes für die
Allgemeinheit und damit die Aufwertung des öffentlichen Raumes. Dabei fällt ins Gewicht,
dass das Bedürfnis an der Realisierung einer solchen Aufenthaltsfläche vorliegend
aufgrund der umliegenden Überbauungen sowie des angrenzenden Kindergartens
besonders gross ist; auf der anderen Seite wird nur das nordöstliche Ende der geschützten
Hecke komplett entfernt, so dass der ökologische Wert der Hecke weiterhin Bestand hat.
Die Beschwerdeführenden begründen nicht näher, wieso das Interesse am Erhalt der
geschützten Hecke in diesem Bereich höher wiegen sollte. Solche Gründe sind auch nicht
erkennbar, zumal auch die ANF als Fachbehörde die Voraussetzungen für eine
Ausnahmebewilligung als erfüllt erachtete. Damit liegen überwiegende öffentliche
Interessen vor, welche die Beseitigung der geschützten Hecke in diesem Bereich
rechtfertigen. Die Voraussetzungen für eine Ausnahmebewilligung nach Art. 27 Abs. 2
NSchG i.V.m. Art. 13 Abs. 1 NSchV sind erfüllt.
3. Geschützte Hecke, Ersatz- und Pflegemassnahmen
a) Die Beschwerdeführenden erachten auch die angeordneten Ersatzmassnahmen als
ungenügend. Die geschützte Hecke sei in grösstmöglichem Umfang wiederherzustellen
und die von der Fachbehörde verlangte 1.5-fache Fläche der Ersatzpflanzung für den
vorzeitig entfernten Teil der Hecke sei weisungsgemäss vorzunehmen.
b) Für das nordöstliche Ende der Hecke, für dessen komplette Entfernung zu Recht die
Ausnahmebewilligung erteilt wurde (E. 2), muss nach Art. 13 Abs. 2 NSchV ökologischer
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Ersatz geleistet werden. Daneben sind gemäss dem massgebenden Pflegeplan
Wildhecke9 weitere Eingriffe in die Hecke im Bereich entlang der privaten Wegparzelle
Köniz Grundbuchblatt Nr. H._ vorgesehen. In diesem Bereich wird die Hecke
allerdings nicht komplett beseitigt, so dass die geschützte Hecke hier weiterhin Bestand hat
und deshalb keiner Ausnahmebewilligung zur Beseitigung nach Art. 27 Abs. 2 NSchG
i.V.m. Art. 13 Abs. 1 NSchV bedarf. Damit jedoch der ökologische Schutzwert der Hecke
erhalten bleibt, sind auch bezüglich dieser Eingriffe angemessene Pflege- bzw.
Ersatzmassnahmen zu fordern.
Die von der Beschwerdegegnerin vorgesehenen Pflege- und Ersatzmassnahmen ergeben
sich aus dem Plan "Neupflanzungen & Ansaaten" des Pflegeplans Wildhecke10. Zu prüfen
ist, ob mit diesen Massnahmen insgesamt angemessener Ersatz sowohl für die komplette
Entfernung des nordöstlichen Endes der Hecke im Bereich des geplanten Quartierplatzes
als auch für die weiteren Eingriffe entlang der privaten Wegparzelle Köniz Grundbuchblatt
Nr. H._ geleistet wurde. Im Rahmen ihrer fachlichen Beurteilung hat die ANF den
ökologischen Wert der geschützten Hecke daher zu Recht in ihrer Gesamtheit beurteilt. Sie
kam in ihrem Fachbericht vom 9. November 2016 zum Schluss, nach den vorgenommenen
Anpassungen der Wiederherstellungs- und Ersatzmassnahmen gehe aus dem Pflegeplan
vom 5. April 2016 hervor, dass ungefähr die doppelte Anzahl Sträucher neu gepflanzt
werde. Es seien dafür insbesondere beeren- und dornentragende Arten vorgesehen. Aus
diesen Gründen erachte sie die Wiederherstellung bzw. den Ersatz für den Eingriff in die
Hecke als ökologisch gleichwertig.
c) Die Beschwerdeführenden beziehen sich einzig auf die Forderung der ANF in ihrem
ersten (noch negativen) Bericht vom 18. Januar 2016, wonach als Ersatz für den
Heckeneingriff und den zeitlichen Unterbruch in deren Funktionsfähigkeit
Gehölzpflanzungen im Umfang von mindestens der 1.5-fachen Fläche der ursprünglichen
Ausdehnung vorzunehmen seien. Diese Forderung hat die Beschwerdegegnerin nach
Ansicht der Fachbehörde mit den vorgenommenen Anpassungen erfüllt, sei doch ungefähr
die doppelte Anzahl Sträucher als Neupflanzungen vorgesehen. Diese Einschätzung ist
nicht zu beanstanden. So sind von der Entfernung der Hecke im Bereich des
9 Vgl. Rodungsplan 1:200 auf dem Pflegeplan Wildhecke mit Revisionsdatum vom 5. April 2016, Stempel Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland vom 6. Juni 2017. 10 Vgl. Plan Neupflanzungen & Ansaaten 1:200 auf dem Pflegeplan Wildhecke mit Revisionsdatum vom 5. April 2016, Stempel Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland vom 6. Juni 2017.
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Quartierplatzes sowie den weiteren Eingriffen in die Hecke entlang der privaten
Wegparzelle insgesamt 21 Bäume bzw. Sträucher betroffen. Als Ersatz dafür sind gemäss
dem relevanten Pflegeplan 52 Neupflanzungen vorgesehen. Zwar ist die maximale Höhe
der Neubepflanzungen teilweise weniger hoch als die Höhe der vom Eingriff betroffenen
Bäume, allerdings ist die Zahl der Neupflanzungen mit 52 Stück beträchtlich und stellt
anzahlmässig insgesamt mehr als eine Verdoppelung dar. Die Beurteilung der kantonalen
Fachbehörde, wonach die Hecke mit den vorgesehenen Neupflanzungen als ökologisch
gleichwertig gilt, ist nachvollziehbar. Die BVE sieht keinen Grund, diese fachliche
Einschätzung anzuzweifeln. Auch die Beschwerdeführenden begründen nicht näher, wieso
die angeordneten Ersatz- und Pflegemassnahmen ungenügend sein sollten bzw. wieso die
Einschätzung der Fachbehörde falsch sein sollte. Die Beschwerde erweist sich in diesem
Punkt als unbegründet.
4. Rügen gegen den Quartierplatz
a) Hinsichtlich des eigentlichen Bauvorhabens (Erstellen eines Brunnens inkl.
Leitungen, Niveauangleich der Strasse, Platzierung von Bänken) erachten die
Beschwerdeführenden die Platzgestaltung als ungenügend. Sie verlangen eine
Überarbeitung im Sinne einer harmonischen, ästhetisch und betrieblich befriedigenden
Integration des Heckenabschlusses in die Platzgestaltung und zwecks Schaffung einer
wohltuenden, Geborgenheit vermittelnden Umgebung, wo man sich gerne aufhalte.
Gemäss Art. 2 BauG sind Bauvorhaben zu bewilligen, wenn sie den bau- und
planungsrechtlichen Vorschriften und den nach anderen Gesetzen im
Baubewilligungsverfahren zu prüfenden Vorschriften entsprechen, die öffentliche Ordnung
nicht gefährden und wenn ihnen keine Hindernisse der Planung im Sinne der Artikel 36 und
62 entgegenstehen.
Die Beschwerdeführenden bringen nicht näher vor, gegen welche Vorschriften der
geplante Quartierplatz bzw. die vorgesehene Platzgestaltung verstossen sollte. Ein solcher
Verstoss ist auch nicht erkennbar. Das Vorhaben befindet sich weder in einem besonders
geschützten Gebiet noch in der unmittelbarer Nähe von denkmalgeschützten Gebäuden.
Ein Verstoss des Bauvorhabens, welches bloss einen gewissen Niveauangleich sowie
einen Brunnen sowie Bänke vorsieht, gegen die allgemeinen Ästhetikvorgaben (Art. 9
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BauG Beeinträchtigungsverbot; Art. 14 GBR11 gute Gesamtwirkung), liegt nicht vor. Die
vorzunehmenden Neupflanzungen im Bereich der geschützten Hecke wurden schliesslich
von der ANF als Fachbehörde – wie ausgeführt (E. 3) – als ökologisch gleichwertig
beurteilt. Auch im Bereich der Strassenparzelle Köniz Grundbuchblatt Nr. E._ sind
gemäss dem verbindlichen Pflegeplan gewisse Ersatzpflanzungen vorgesehen. Zudem
sind gemäss dem von der Vorinstanz bewilligten Plan "Bauprojekt, Situation
Quartierplatz/Kindergarten"12 weitere Bäume im Bereich der geplanten Bänke sowie des
Brunnens geplant. Der Übergang von der Hecke zum Quartierplatz sowie die
Platzgestaltung sind daher – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden – aus
ästhetischer Sicht nicht zu beanstanden.
b) Die Beschwerdeführenden rügen sodann sinngemäss einen Verstoss der zwischen
ihnen, der Gemeinde sowie der Bauherrschaft anlässlich des Baubewilligungsverfahrens
der Überbauung F._ abgeschlossenen Vereinbarung13. Die Ansprüche aus dieser
privatrechtlichen Vereinbarung haben die Beschwerdeführenden auf dem Zivilrechtsweg
geltend zu machen. Vorliegend ist auf diese Vorbringen nicht einzutreten.
c) Schliesslich bringen die Beschwerdeführenden vor, bei der Platzgestaltung sei dafür
zu sorgen, dass die effektive Abgrenzung des öffentlichen Platzes gegenüber der privaten
Wegparzelle unübersehbar als solche erkennbar und intuitiv klar sei. Sie befürchten, dass
der Privatweg auf Parzelle Köniz Grundbuchblatt Nr. H._ vermehrt befahren wird.
Die Vorinstanz führte hierzu im angefochtenen Entscheid vom 6. Juni 2017 (S. 10 oben)
aus, dieser Rügepunkt werde als reine Rechtsverwahrung behandelt, zumal das
Bauvorhaben die Parzelle Köniz Grundbuchblatt Nr. H._ nicht betreffe. Im
Dispositiv des Entscheids findet sich unter Ziffer 4.3 eine Rechtsverwahrung zugunsten der
Beschwerdeführenden. Mit der Vormerkung der Rechtsverwahrung ist den geäusserten
Bedenken der Beschwerdeführenden im Zusammenhang mit der Befahrung/Benützung
des Privatwegs Genüge getan.
11 Baureglement der Gemeinde Köniz vom 7.3.1993, mit Änderungen bis 10. August 2017. 12 Plan Bauprojekt Situation Quartierplatz/Kindergarten, 1:100, Plannr. 972_2_20 vom 24. Mai 2013, mit Stempel des Regierungsstatthalteramts vom 6. Juni 2017. 13 Vereinbarung vom 25. Januar 2010, Vorakten pag. 41.
RA Nr. 110/2017/71 12
5. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie
haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf
eine Pauschalgebühr von Fr. 800.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV14).
b) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).