Decision ID: b0cd72f1-9f1e-5a69-899c-539a140faf49
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
K._, geboren 2011, und sein Bruder, M._, geboren 2012, sind die Kinder von S._
und T._ (vormals: W._) sel. Am 21. Februar 2017 errichtete die Kindes- und
Erwachsenenschutzbehörde X._ für die beiden Kinder eine Beistandschaft und entzog
den sorgeberechtigten Eltern, die beide in A._ wohnten, das
Aufenthaltsbestimmungsrecht über ihre beiden Söhne. Die Kinder wurden bei einer
Pflegefamilie in B._ untergebracht, wo sie in der Folge auch den Kindergarten
besuchten (act. 8/10 des Verfahrens B 2020/51, auf welches fortan verwiesen wird).
S._ zog am 31. Juli 2017 nach F._/ZH (act. 8/5).
Da beide Brüder im Kindergarten sowohl bezüglich ihres Verhaltens als auch ihrer
Leistung auffällig waren, wurden sie schulpsychologisch abgeklärt. Dabei kam die
zuständige Fachperson zum Schluss, dass beide Kinder auf eine Sonderbeschulung
angewiesen seien. K._ besucht deshalb seit 18. Februar 2018 als interner
Sonderschüler das Schulheim G._ in Z._. M._ ist seit 1. August 2019 externer
Sonderschüler im Schulheim P._ in R._. Gestützt auf die Zuweisungsverfügungen
des Schulrats A._ erteilte das Bildungsdepartement am 23. August 2019 und am
20. August 2019 die Kostengutsprachen für die Sonderbeschulung von K._ und M._
ab dem Schuljahr 2019/20 (act. 8/1-4).
B.
Der Schulrat A._ widerrief – sinngemäss – am 10. Oktober 2019 seine
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Zuweisungsverfügungen mit der Begründung, dass K._ und M._ nach der
einschlägigen Bestimmung des Volksschulgesetzes seit dem Wegzug ihres Vaters am
31. Juli 2017 nicht mehr in A._, sondern in B._ zivilrechtlichen Wohnsitz gehabt
hätten. Somit sei B._ für das Schulgeld der beiden Brüder zuständig (act. 8/5).
Das Bildungsdepartement "sistierte" am 16. Oktober 2019 die Kostengutsprachen. Es
vertrat am 5. November 2019 und – nachdem sich der Schulrat A._ am 13. November
2019 hatte vernehmen lassen – erneut am 19. November 2019 die Auffassung, A._
bleibe zur Leistung der Schulträgerbeiträge verpflichtet (act. 8/6-9). Der Schulrat A._
nahm am 25. November 2019 und am 6. Januar 2020 Stellung (act. 8/11+14) und hielt
an seiner Auffassung fest. Er geht zudem davon aus, dass sich mit dem Tod der
Kindsmutter am 18. Dezember 2019 der zivilrechtliche Wohnsitz von K._ und M._ ein
weiteres Mal geändert habe. Ab diesem Zeitpunkt leite sich deren Wohnsitz vom nun
allein sorgeberechtigten Vater ab, der mittlerweile in J._/GR lebe.
Mit Verfügungen vom 27. Februar 2020 verpflichtete das Bildungsdepartement die
Gemeinde A._ als zuständigen Schulträger zur Bezahlung der Sonderschulpauschalen
für K._ und M._ ab Schuljahr 2019/20 bis 18. Dezember 2019 (act. 8/16+17).
C.
Die Politische Gemeinde A._ (Beschwerdeführerin) erhob gegen die am 28. Februar
2020 versandten Verfügungen des Bildungsdepartements (Vorinstanz) mit Eingabe des
Schulrats vom 13. März 2020 (Postaufgabe: 16. März 2020) Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit den Anträgen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge und
Vereinigung der Beschwerdeverfahren seien die angefochtenen Verfügungen
aufzuheben und es sei festzustellen, dass der zur Bezahlung der
Sonderschulpauschale für M._ und K._ zuständige Schulträger ab Schuljahr 2019/20
bis 18. Dezember 2019 in B._ liege.
Mit Vernehmlassung vom 4. Mai 2020 verwies die Vorinstanz auf ihre Verfügungen und
beantragte die Abweisung der Beschwerden unter Kostenfolge. Die politische
Gemeinde B._ (Beschwerdegegnerin) verzichtete am 6. Mai 2020 ausdrücklich auf
eine Vernehmlassung. Die Beschwerdeführerin äusserte sich am 14. Mai 2020. Die
Vorinstanz verzichtete am 2. Juni 2020 auf eine Antwort.
Auf die Begründung der angefochtenen Verfügungen und die Ausführungen der
Beschwerdeführerin zur Begründung ihres Antrags sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Formelles
2. Parteivorbringen
Die Vorinstanz hielt mit Verfügungen vom 27. Februar 2020 fest, vorliegend sei
entscheidend, wo die Kinder im Zeitpunkt der Unterbringung in die Pflegefamilie im
Februar 2017 ihren zivilrechtlichen Wohnsitz gehabt hätten. Weil beide Eltern damals in
Vereinigung der Verfahren
Beschwerden, die sich auf denselben Streitgegenstand beziehen und die nämlichen
Tatbestands- und Rechtsfragen aufwerfen, sind verfahrensrechtlich zu vereinigen und
durch einen einzigen Entscheid zu erledigen (GVP 1972 Nr. 30). Mit den angefochtenen
Verfügungen hat die Vorinstanz die Gemeinde A._ als zuständigen Schulträger zur
Bezahlung der Sonderschulpauschalen ab Schuljahr 2019/20 bis 18. Dezember 2019
für K._ und für dessen Bruder M._ verpflichtet. Die Kindes- und
Erwachsenenschutzbehörde X._ hatte im Februar 2017 den Eltern das
Aufenthaltsbestimmungsrecht für beide Kinder entzogen und sie in der gleichen
Pflegefamilie in B._ untergebracht. Beide Kinder standen bis zum Tod ihrer Mutter am
18. Dezember 2019 unter der gemeinsamen elterlichen Sorge der Eltern. Mithin stellen
sich hinsichtlich der örtlichen Zuständigkeit zur Übernahme des Schulträgerbeitrags in
tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht ein- und dieselben Fragen. Die
Beschwerdeführerin hat die Beschwerden gegen die beiden Verfügungen denn auch
mit einer einzigen Eingabe erhoben, und der zuständige Abteilungspräsident des
Verwaltungsgerichts hat die Verfahren bereits im Schriftenwechsel vereinigt. Vor
diesem Hintergrund erscheint die Erledigung der beiden Verfahren in einem Urteil
sachgerecht.
1.1.
Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführerin
hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen; sie ist durch die angefochtenen
Verfügungen beschwert (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerden gegen die am 28. Februar 2020 versandten Verfügungen wurden mit
Eingabe vom 16. März 2020 unter Berücksichtigung des Fristenlaufs am Wochenende
rechtzeitig erhoben und erfüllen formell und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen
(vgl. Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRP, Art. 30 Abs. 1 VRP und Art. 48 Abs. 1
VRP sowie Art. 142 Abs. 3 der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO).
Auf die Beschwerden ist einzutreten.
1.2. bis
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A._ wohnhaft gewesen seien, habe sich auch der Wohnsitz der Kinder in A._
befunden. Inwiefern sich der zivilrechtliche Wohnsitz nach der Anordnung der
Unterbringung noch ändern könne, habe das Bundesgericht unlängst offengelassen
(BGE 143 V 451). Allerdings sei im vorliegenden Zusammenhang darauf hinzuweisen,
dass eine nachträgliche Änderung weder im Einklang mit dem gesetzgeberischen
Willen stehe noch rechtssystematischen Überlegungen gerecht werde.
Die Beschwerdeführerin verlangt, die vorinstanzlichen Verfügungen seien aufzuheben
und es sei festzustellen, dass die Gemeinde B._ die Sonderschulpauschalen von K._
und M._ für das Schuljahr 2019/20 beziehungsweise bis 18. Dezember 2019 zu
bezahlen habe. Sie beruft sich auf Art. 53 des Volksschulgesetzes (sGS 213.1, VSG).
Danach entrichte bei auswärtiger zivilrechtlicher Unterbringung in ein Kinder- oder
Jugendheim oder in eine Pflegefamilie im Kanton der Schulträger am zivilrechtlichen
Wohnsitz der Schülerin oder des Schülers dem Schulträger am Ort, wo die Schülerin
oder der Schüler untergebracht ist, das Schulgeld. Die Kinder hätten lediglich bis Ende
Juli 2017 Wohnsitz in A._ gehabt. Dies sei so, da die Kinder unter elterlicher Sorge
beider Eltern gestanden und diese bis zu diesem Zeitpunkt in A._ gewohnt hätten,
wenngleich an verschiedenen Adressen. Der Wohnsitz der Kinder habe sich gemäss
Art. 25 Abs. 1 Satzteil 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB) vom
Wohnsitz der Eltern abgeleitet. Per Ende Juli 2017 sei der Vater nach F._/ZH gezogen.
Damit habe sich der zivilrechtliche Wohnsitz der Kinder nicht mehr von den Eltern
ableiten können. Es habe der Aufenthaltsort der Kinder als Wohnsitz gegolten (Art. 25
Abs. 1 Satzteil 2 ZGB). Der Aufenthaltsort der Brüder sei bei der Pflegefamilie in B._,
womit sie auch ihren zivilrechtlichen Wohnsitz in B._ hätten. Mit dem Tod der
Kindsmutter am 18. Dezember 2019 habe sich der zivilrechtliche Wohnsitz der Kinder
dann ein weiteres Mal geändert. Zusammengefasst habe sich der zivilrechtliche
Wohnsitz der Kinder vom 1. August 2017 bis 18. Dezember 2019 in B._ befunden.
Demgemäss habe B._ für die Kosten der Sonderbeschulung von K._ und M._ für
das Schuljahr 2019/20 bzw. bis 18. Dezember 2019 aufzukommen.
3. Rechtliche Grundlagen
ter
Art. 39 Abs. 3 Satz 1 und Art. 53 VSG
Gemäss Art. 39 Abs. 3 Satz 1 VSG leistet der Schulträger dem Kanton jährlich einen
pauschalen Beitrag von CHF 36'000 je schulpflichtige Schülerin oder schulpflichtigen
Schüler in einer Sonderschule. Träger der öffentlichen Volksschulen sind die
politischen Gemeinden und die Schulgemeinden (Art. 4 Abs. 1 VSG).
3.1. bis ter
bis
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Den – unentgeltlichen – Schulbesuch zu gewährleisten hat die Gemeinde, in der sich
das schulpflichtige Kind aufhält (Aufenthaltsprinzip, Art. 19 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101, BV, und Art. 52 VSG). Für den
auswärtigen Schulbesuch trägt deshalb der Schulträger am Aufenthaltsort des
Schülers das Schulgeld (Art. 53 Abs. 3 VSG). Bei auswärtiger zivilrechtlicher
Unterbringung innerhalb des Kantons entrichtet der Schulträger am zivilrechtlichen
Wohnsitz des Schülers dem Schulträger am Ort, wo der Schüler untergebracht ist, das
Schulgeld (Wohnsitzprinzip, Art. 53 VSG). Die seit 31. Januar 2012 geltende
Bestimmung (nGS 47-54) bezog sich zunächst auf die Unterbringung in einem Kinder-
oder Jugendheim. Per 1. April 2019 wurde sie auf die Unterbringung in Pflegefamilien
ausgedehnt (vgl. V. Nachtrag zum Sozialhilfegesetz, Botschaft und Entwurf der
Regierung vom 1. Mai 2018, in: ABl 2018 S. 2333 ff., S. 2389). An die Stelle des
Schulgeldes an die übernehmende Gemeinde tritt bei der Beschulung in einer
Sonderschule der pauschale Beitrag an den Kanton gemäss Art. 39 Abs. 3 Satz 1
VSG.
ter
bis
Auslegung und Anwendung von Art. 53 VSG
Das Gesetz muss in erster Linie aus sich selbst heraus, das heisst nach dem Wortlaut,
Sinn und Zweck und den ihm zugrunde liegenden Wertungen ausgelegt werden. Die
Gesetzesauslegung hat sich vom Gedanken leiten zu lassen, dass nicht schon der
Wortlaut die Norm darstellt, sondern erst das an Sachverhalten verstandene und
konkretisierte Gesetz. Bei der Auslegung von Erlassen lässt sich die Rechtsprechung
von einem pragmatischen Methodenpluralismus leiten und lehnt es ab, die einzelnen
Auslegungselemente einer Prioritätsordnung zu unterstellen (vgl. BGE 131 III 33 E. 2
mit weiteren Hinweisen).
3.2. ter
Auslegung nach dem Wortlaut
Der klare und eindeutige Wortlaut von Art. 53 VSG verweist auf den zivilrechtlichen
Wohnsitz. Das kantonale öffentliche Recht übernimmt damit die Regeln von Art. 23 ff.
ZGB. Der zivilrechtliche Wohnsitz einer Person befindet sich gemäss Art. 23 Abs. 1
Satzteil 1 ZGB an dem Orte, wo sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält.
Nach Art. 23 Abs. 1 Satzteil 2 ZGB begründet der Aufenthalt zum Zweck der
Ausbildung oder die Unterbringung einer Person in einer Erziehungs- oder
Pflegeeinrichtung, einem Spital oder einer Strafanstalt für sich allein keinen Wohnsitz.
Mit der Formulierung "für sich allein" wird klargestellt, dass die Begründung eines
neuen Wohnsitzes am Ort der Anstalt (heute vorab Einrichtung) nicht per se
ausgeschlossen ist, wenn der dortige Aufenthalt nicht nur dem Sonderzweck dient (vgl.
BGE 141 V 255 E. 4.1 mit Hinweisen). Als Wohnsitz des Kindes unter elterlicher Sorge
3.2.1. ter
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gilt gemäss Art. 25 Abs. 1 ZGB der Wohnsitz der Eltern oder, wenn die Eltern keinen
gemeinsamen Wohnsitz haben, der Wohnsitz des Elternteils, unter dessen Obhut das
Kind steht; in den übrigen Fällen gilt sein Aufenthaltsort als Wohnsitz. Der einmal
begründete Wohnsitz bleibt gemäss Art. 24 Abs. 1 ZGB bis zum Erwerbe eines neuen
Wohnsitzes bestehen. Diese Regel gilt auch für den abhängigen Wohnsitz nach Art. 25
ZGB (Hausheer/ Aebi-Müller, Das Personenrecht des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches, 4. Aufl. 2016, Rz. 09.46). Grundsätzlich nicht bestehen bleibt der am
Aufenthaltsort anknüpfende und damit dem wechselnden Aufenthaltsort folgende
Wohnsitz gemäss Art. 25 Abs. 1 Satzteil 2 ZGB (vgl. D. Staehelin, in: Basler
Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 6. Aufl. 2018, N 8 zu Art. 25 ZGB und N 12 zu Art. 24
ZGB).
Solange die gemeinsam sorgeberechtigten Eltern in A._ lebten, befand sich der
abgeleitete zivilrechtliche Wohnsitz der beiden Kinder in der politischen Gemeinde
A._. Daran ändert nichts, dass die Eltern an unterschiedlichen Adressen wohnten
(BGE 135 III 49 E. 5.3.1) und dass ihnen die Obhut beziehungsweise das
Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Kinder entzogen war (vgl. Staehelin, a.a.O., N 4
zu Art. 25 ZGB). Nach dem Wegzug des Vaters aus der politischen Gemeinde A._ am
31. Juli 2017 hatten die Eltern den Wohnsitz nicht mehr am gleichen Ort. Da beiden
Elternteilen die Obhut entzogen war, bestimmte sich der Wohnsitz der Kinder nach den
zivilrechtlichen Regeln grundsätzlich nach dem Ort ihres – gewöhnlichen oder
schlichten – Aufenthalts. Da sie in diesem Zeitpunkt dauerhaft bei Pflegeeltern in B._
untergebracht waren, geht die Beschwerdeführerin zu Recht davon aus, sie hätten –
jedenfalls für die Zeit bis zum Tod ihrer Mutter am 18. Dezember 2019 – zivilrechtlichen
Wohnsitz an ihrem Aufenthaltsort bei den Pflegeeltern in B._ begründet (vgl. BGE 135
III 49 E. 5.3.2). Offenbleiben kann, ob die interne Sonderbeschulung von K._ im
Schulheim G._ in Z._ in der politischen Gemeinde Q._ mit der entsprechenden
teilweisen Anpassung seines Aufenthaltsorts durch die Kindes- und
Erwachsenenschutzbehörde (vgl. act. 8/10) einem am Aufenthalt anknüpfenden
Wohnsitz in B._ entgegensteht. So oder anders wäre davon auszugehen, dass der
zivilrechtliche Wohnsitz, wie er sich nach den Regeln von Art. 23 ff. ZGB bestimmt, der
beiden Kinder im fraglichen Zeitraum nicht in der politischen Gemeinde A._ lag.
Insoweit kann die Beschwerdeführerin ihre Auffassung auf den klaren Wortlaut von
Art. 53 VSG abstützen.
Die Vorinstanz ist demgegenüber davon ausgegangen, der unbestrittene zivilrechtliche
Wohnsitz der Kinder im Zeitpunkt ihrer Unterbringung bei Pflegeeltern in der politischen
ter
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Gemeinde A._ habe auch nach dem Wegzug des – zusammen mit der Mutter –
sorgeberechtigten Vaters aus der Gemeinde am 31. Juli 2017 weiterbestanden. Sie
beruft sich dabei auf BGE 143 V 451. Dieser Entscheid beruht indessen auf der
Anwendung von Art. 7 Abs. 3 lit. c des Bundesgesetzes über die Zuständigkeit für die
Unterstützung Bedürftiger (Zuständigkeitsgesetz; SR 851.1, ZUG), wonach das
minderjährige Kind einen eigenen Unterstützungswohnsitz am letzten nach Art. 7
Abs. 1 und 2 ZUG bestimmten Unterstützungswohnsitz begründet, wenn es dauernd
nicht bei den Eltern oder einem Elternteil wohnt. Der derart definierte
Unterstützungswohnsitz bleibt für die gesamte Dauer der Fremdplatzierung der gleiche,
auch wenn die Eltern oder der sorgeberechtigte Elternteil den Wohnsitz wechseln (E.
8.4.1 und 8.4.2). Das Bundesgericht stellt deshalb eine Diskrepanz zwischen dem nach
Art. 23 ff. ZGB und dem nach Art. 7 Abs. 3 lit. c ZUG bestimmten Wohnsitz fest (E. 9.1).
Auslegung nach dem Zweck
Aus der Feststellung, dass die Verpflichtung der Beschwerdeführerin zur Leistung des
pauschalen Beitrags an die Kosten der Sonderbeschulung gemäss Art. 53 VSG
jedenfalls nicht aus dessen Wortlaut abgeleitet werden kann, fragt sich, welchen
Schulträger im vorliegenden Fall die Leistungspflicht trifft. Die Beschwerdeführerin geht
davon aus, dies sei die politische Gemeinde B._ als Schulträger am Wohnsitz der
beiden Schüler. Dieses Ergebnis stünde indessen im Widerspruch zum – im Wortlaut
ebenfalls zum Ausdruck kommenden – Zweck der Bestimmung, Standortgemeinden
von Kinder- und Jugendheimen und den Wohnsitz von Pflegeeltern nicht mit
Schulkosten für auf ihrem Gebiet untergebrachte Kinder aus anderen Gemeinden zu
belasten.
3.2.2.
ter
Zwischenergebnis
Als Zwischenergebnis ist deshalb festzuhalten, dass einerseits der Wortlaut von
Art. 53 VSG dagegen spricht, den Schulkostenbeitrag der politischen Gemeinde A._
aufzuerlegen. Anderseits spricht der Zweck von Art. 53 VSG dagegen, die politische
Gemeinde B._ zur Leistung des Beitrags zu verpflichten. Wortlaut und Zweck von
Art. 53 VSG stehen im Einklang, solange sich der zivilrechtliche Wohnsitz der Kinder
nicht nach deren Aufenthalt am Ort ihrer Unterbringung richtet. Bei der Formulierung
des Anwendungsbereichs der Bestimmung hat der Gesetzgeber möglicherweise zu
wenig beachtet, dass in den Fällen der dauernden behördlich angeordneten
Unterbringung von Kindern bei Dritten den Eltern regelmässig die Obhut entzogen ist
und diese bei gemeinsamem Sorgerecht und getrennten Haushalten an
unterschiedlichen Orten keinen gemeinsamen Wohnsitz haben, so dass sich der
Wohnsitz der Kinder zivilrechtlich nach deren Aufenthalt richtet.
3.2.3.
ter
ter
ter
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Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet der Wortlaut. Ist der Text nicht klar und sind
verschiedene Interpretationen möglich, muss nach seiner wahren Tragweite gesucht
werden unter Berücksichtigung aller Auslegungselemente. Abzustellen ist dabei
namentlich auf die Entstehungsgeschichte, auf den Zweck der Norm, die ihr
zugrundeliegenden Wertungen und ihre Bedeutung im Kontext mit anderen
Bestimmungen. Die Materialien sind zwar nicht unmittelbar entscheidend, dienen aber
als Hilfsmittel, um den Sinn der Norm zu erkennen. Bei der Auslegung neuerer
Bestimmungen kommt den Materialien eine besondere Stellung zu, weil veränderte
Umstände oder ein gewandeltes Rechtsverständnis eine andere Lösung weniger
nahelegen. Eine Gesetzesinterpretation lege artis kann ergeben, dass ein an sich klarer
Wortlaut zu weit gefasst und auf einen an sich davon erfassten Sachverhalt nicht
anzuwenden ist (teleologische Reduktion; BGE 141 V 191 E. 3 mit zahlreichen Hinweis
auf weitere Rechtsprechung).
Absicht des Gesetzgebers
Der Verweis auf die zivilrechtlichen Regeln ändert nichts an der öffentlich-rechtlichen
Natur und der selbständigen Bedeutung von Art. 53 VSG. Wenn das öffentliche
Recht Rechtsfolgen an den Wohnsitz knüpft, bestimmt es diesen Begriff autonom (BGE
137 II 122 E. 3.5). Auch wenn das öffentliche Recht auf den zivilrechtlichen Wohnsitz
verweist, darf der zivilrechtliche Wohnsitzbegriff nicht unbesehen auf das öffentliche
Recht übertragen werden, da die unterschiedliche Interessenlage eine
verschiedenartige Betrachtungsweise verlangen kann (vgl. Hausheer/Aebi-Müller,
a.a.O., Rz. 09.14).
Art. 53 VSG stellt – was indessen weder im Wortlaut noch im unmittelbaren Zweck
zum Ausdruck kommt – sicher, dass die für die Unterbringung zuständige Gemeinde
für die Schulkosten aufkommt, die sie ohne Unterbringung ohnehin hätte tragen
müssen (Umsetzung der Massnahmen zur Bereinigung des strukturellen Defizits des
Staatshaushalts durch Gesetzesänderungen, Sammelvorlage I, Botschaft und Entwurf
der Regierung vom 31. März 2011, in: ABl 2011 S. 1614 ff., S. 1626 f.). Per 1. Januar
2013 haben die politischen Gemeinden, die für die Unterbringung im Sinn von Art. 310
ZGB zuständig sind, regional organisierte Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden
eingesetzt (vgl. Art. 1 ff. des Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über das
Kindes- und Erwachsenenschutzrecht; sGS 912.5, EG-KES). Diese geografische
Zusammenfassung der Aufgabenerfüllung im Bereich des Kindes- und
Erwachsenenschutzes ändert nichts daran, dass die politischen Gemeinden und
3.2.4.
ter
ter
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Schulgemeinden als Schulträger zur Leistung des Schulgeldes verpflichtet bleiben.
Die Kindesschutzmassnahmen – zu denen insbesondere die Errichtung einer
Beistandschaft (Art. 308 ZGB), die Aufhebung des Aufenthaltsbestimmungsrechts der
Eltern und die Unterbringung der Kinder in angemessener Weise (Art. 310 ZGB)
gehören – werden gemäss Art. 315 Abs. 1 ZGB von der Kindesschutzbehörde am
Wohnsitz des Kindes angeordnet. Bei einem Wohnsitzwechsel bleibt die im Zeitpunkt
der Einleitung des Verfahrens zuständige Behörde mit dem hängigen Verfahren
weiterhin befasst. Wechselt eine Person, für die eine Massnahme besteht, ihren
Wohnsitz, so übernimmt die Behörde am neuen Ort die Massnahme ohne Verzug,
sofern keine wichtigen Gründe dagegensprechen (Art. 314 Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 442 Abs. 5 ZGB). Mit dieser Regelung sollen die betroffenen Behörden die
erforderliche Flexibilität erhalten, um auf die vielfältigen unterschiedlichen Bedürfnisse
des Alltags angemessen reagieren zu können. Den kantonalen Behörden kommt daher
beim Entscheid, wann eine Massnahme übertragen wird, ein gewisses Ermessen zu
(vgl. BGer 5A_483 und 484/2017 vom 6. November 2017 E. 2.1 und 2.3).
Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Übernahme der Pflegekosten habe nichts
mit der Finanzierung der Grundschule zu tun. Damit anerkennt sie auch im
Beschwerdeverfahren – zumindest implizit – das Weiterbestehen des
Unterstützungswohnsitzes in A._. Sie geht denn auch davon aus, dass sie
beziehungsweise die für ihr Gebiet eingesetzte Kindes- und
Erwachsenenschutzbehörde auch nach dem Wegzug des sorgeberechtigten Vaters am
31. Juli 2017 und trotz für beide Eltern angeordneten Entzugs des
Aufenthaltsbestimmungsrechts für die Anpassung der Kindesschutzmassnahmen
gegenüber den beiden Kindern jedenfalls für die Zeit bis zum Tod der weiter in ihrem
Gebiet wohnhaft gewesenen ebenfalls sorgeberechtigten Mutter zuständig geblieben
ist. Die Beistandschaft für die beiden Kinder, der Entzug des
Aufenthaltsbestimmungsrechts und die Unterbringung in der Pflegefamilie in B._
beschloss die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde X._ am 21. Februar 2017. Die
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen behandelte die dagegen
erhobene Beschwerde am 18. Juni 2018 in der Sache. Am 16. Februar 2018 legte die
Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde X._ vorsorglich als Aufenthaltsort von K._
unter der Woche die Wohngruppe E._ des Schulheims G._ in Z._ fest. Eine
Übertragung der Massnahmen auf die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde
Region Y._, welche unter anderem für die Politische Gemeinde B._ handelt, ist nicht
erfolgt. Dafür, dass dies nicht der Fall war, liegen jedenfalls bis 18. Dezember 2019
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4. Zusammenfassung
Zusammengefasst hatten K._ und M._ ihren Wohnsitz im Sinn von Art. 53 VSG
auch nach dem Wegzug des Vaters am 31. Juli 2017 nach F._/ZH in A._. Deshalb hat
A._ als zuständiger Schulträger die Sonderschulpauschale von K._ und M._ ab
Schuljahr 2019/20 bis 18. Dezember 2019 zu entrichten. Die Beschwerden sind damit
abzuweisen.
5. Kosten
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die amtlichen Kosten der
Beschwerdeverfahren der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 2'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12, GKV). Da die Beschwerdeführerin
überwiegend finanzielle Interessen verfolgt, ist auf die Erhebung nicht zu verzichten
(Art. 95 Abs. 3 VRP). Die Vorinstanz beantragt die Abweisung der Beschwerden "unter
Kostenfolge". Da der Staat in der Regel keinen Anspruch auf die Entschädigung
ausseramtlicher Kosten hat (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 825 mit Hinweis auf GVP 1987 Nr. 90), ist darin kein
entsprechender Antrag zu erblicken. Die Beschwerdegegnerin hat in den
Beschwerdeverfahren keine Anträge gestellt. Die Beschwerdeführerin unterliegt und
wichtige Gründe vor. Die sorgeberechtigte Mutter hatte ihren Wohnsitz weiterhin in
A._ und der – zwar auch sorgeberechtigte – Vater seit Mitte 2017 bis dahin bereits
zweimal seinen zivilrechtlichen Wohnsitz gewechselt. Solange die Kindes- und
Erwachsenenschutzbehörde X._ die Massnahme nicht auf eine andere Behörde
übertragen hat, bleibt sie die im Sinn von Art. 314, 315 und 442 ZGB für die
Unterbringung zuständige Behörde.
Das führt – durchaus entsprechend der Absicht des Gesetzgebers – dazu, dass in den
Fällen, in welchen der zivilrechtliche Wohnsitz am Standort des Kinder- oder
Jugendheims oder am Wohnort der Pflegeeltern liegt, die Pflicht zur Übernahme der
Schulkosten und allenfalls erforderlicher sozialhilferechtlicher Unterstützungsleistungen
für die Kosten der Unterbringung bei der für die Unterbringung zuständigen politischen
Gemeinde konzentriert werden. Diesen Standpunkt vertritt – allerdings abgeleitet aus
den zivilrechtlichen Bestimmungen – im Ergebnis auch die Vorinstanz (vgl. E. 5b des
angefochtenen Entscheides). Die steuerlichen Überlegungen der Beschwerdeführerin
stehen dieser Betrachtungsweise im Übrigen nicht entgegen. Der Elternteil, auf dessen
Wohnsitz die Zuständigkeit der politischen Gemeinde zurückzuführen ist, ist in der
betreffenden Gemeinde in aller Regel aufgrund persönlicher Zugehörigkeit auch
unbeschränkt steuerpflichtig (vgl. Art. 13 Abs. 2 des Steuergesetzes; sGS 811.1, StG).
ter
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war auch nicht berufsmässig vertreten. Ausseramtliche Kosten sind deshalb für die
Beschwerdeverfahren nicht zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP). Ob die
beiden beteiligten Gemeinden, die in der Sache nicht verfügt haben, bei im Übrigen
erfüllten Voraussetzungen Anspruch auf die Entschädigung ausseramtlicher Kosten
hätten, kann offenbleiben.