Decision ID: 45400d8d-d90d-4b6d-8013-3355a1438b05
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. August Holenstein, Rorschacher Strasse 107,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Hilflosenentschädigung
Sachverhalt:
A.
A._ bezog wegen einer psychischen Erkrankung von Mai 2007 bis Mai 2008 eine
ganze Rente der Invalidenversicherung (IV-act. 71-73). Am 23. Januar 2009 wurde die
Versicherte aufgrund einer lebensbedrohlichen Enzephalitis ins Kantonsspital St. Gallen
eingeliefert. Im Anschluss an den Spitalaufenthalt befand sie sich vom 5. März bis 14.
August 2009 zur neurologischen Rehabilitation in der Klinik B._ (IV-act. 3 und 68).
Seit Januar 2009 erhält sie aufgrund der neuen Erkrankung wieder eine ganze Rente
der Invalidenversicherung (IV-act. 71-73).
B.
B.a Am 28. August 2009 (retourniert wegen fehlender Unterschrift) bzw. 5. Oktober
2009 meldeten der Rechtsvertreter und der Ehemann die Versicherte zum Bezug einer
Hilflosenentschädigung an (IV-act. 2 bzw. 5 f.). Sie gaben an, dass die Versicherte beim
An- und Auskleiden, beim Aufstehen, Absitzen und Abliegen, beim Baden und Duschen
sowie bei der Körperreinigung bzw. Überprüfung der Reinlichkeit hilfsbedürftig sei.
Zudem müsse ihr das Essen ans Bett gebracht werden. Wegen einer Diät könne sie nur
spezielle Nahrung zu sich nehmen. Weiter dürfe (gemeint wohl: könne) sich die
Versicherte nicht alleine im Freien fortbewegen und gesellschaftliche Kontakte pflegen
(IV-act. 5 S. 3). Ohne Dritthilfe könnte sie nicht selbständig wohnen (IV-act. 5 S. 4). Die
Versicherte müsse tagsüber und nachts persönlich überwacht werden und sei auf eine
lebenspraktische Begleitung angewiesen (IV-act. 5 S. 5). Am 19. November 2009 stellte
die Versicherte der IV-Stelle des Kantons St. Gallen persönlich ein weiteres
Anmeldeformular zu (IV-act. 7). Sie gab darin an, dass sie seit dem 16. Januar 2009
beim Anziehen der Hose, beim Ein- und Aussteigen in bzw. aus der Badewanne und
bei der Fortbewegung im Freien auf Hilfe angewiesen sei. Alleine gehe sie nirgends
mehr hin. Sie müsse tagsüber und nachts dauernd beobachtet werden, da sie an alles
erinnert werden müsse und nichts selbständig erledigen könne. Die Hausärztin Dr.
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med. C._ bestätigte, dass sich die Angaben der Versicherten mit den von ihr
erhobenen Befunden deckten.
B.b Dr. med. D._ von der Klinik B._ teilte am 8. Juni 2010 mit (IV-act. 8), dass die
Versicherte unter schweren neurokognitiven Defiziten (Gedächtnis, Konzentration,
Verhaltensstörungen, Schlafstörungen) leide und schwere neuropsychiatrische
Auffälligkeiten zeige. Sie stehe unter einer immunosuppressiven Dauertherapie, die zu
einer kontinuierlichen und allmählichen Besserung der kognitiven Funktionsstörung
geführt habe. Die Einbussen seien aber immer noch schwer und die Prognose sei völlig
offen. Bezüglich des Anmeldeformulars vom 28. August 2009 bzw. 5. Oktober 2009 (IV-
act. 2 bzw. 5) hielt er fest, die gemachten Angaben stimmten nur teilweise mit seinem
Befund überein. Die Versicherte sei in den alltäglichen Lebensverrichtungen
selbständig, sie müsse jedoch intensiv supervisiert werden. Sie könne aber für einige
Stunden alleine zu Hause gelassen werden. Weiter getraue sich die Versicherte nicht,
das Haus alleine zu verlassen. Aus seiner Sicht müsse ihr das Essen nicht ans Bett
gebracht werden.
B.c Am 12. April 2011 fand bei der Versicherten zu Hause eine Abklärung der
Verhältnisse statt (IV-act. 11 und 13). Da sie sich nicht auf Deutsch verständigen
konnte, beantwortete der Ehemann die Fragen. Zwischendurch wurde das
Gesprochene auf Kroatisch übersetzt, damit sich die Versicherte am Gespräch
beteiligten konnte (IV-act. 13 S. 9). Im Protokoll wurde festgehalten, dass die
Hilfsbedürftigkeit der Versicherten in den alltäglichen Lebensverrichtungen erst seit
dem Ereignis im Januar 2009 bestehe (IV-act. 13 S. 2). Die Versicherte sei beim An-
und Auskleiden bis ca. anfangs 2011 vollständig auf Hilfe Dritter angewiesen gewesen.
Es seien ihr einfache Abläufe nicht mehr bewusst gewesen. Die Selbständigkeit komme
langsam zurück. Heute sei sie beim An- und Auskleiden wieder mehrheitlich
selbständig. Sie sei kognitiv in der Lage, sich selbständig und der richtigen Reihenfolge
nach zu kleiden. Im Bereich des Aufstehens, Absitzens und Abliegens sei die
Versicherte bis zum Austritt aus der Klinik B._ am 14. August 2009 vermehrt
hilfsbedürftig gewesen. Trotz ihrer Adipositas könne sie sich heute mehrheitlich
selbständig ins Bett legen und wieder aufstehen. Bis ca. Mitte 2010 habe die
Versicherte beim Zerkleinern der Speisen Hilfe benötigt. Heute sei sie in der Lage, ohne
Hilfe zu essen und aus einem Glas zu trinken (IV-act. 13 S. 3). Ebenfalls bis ca. Mitte
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2010 sei sie wegen Kraftlosigkeit in den oberen und unteren Extremitäten und wegen
des Gedächtnisverlustes bei der Körperpflege vollständig auf Hilfe angewiesen
gewesen; ihr seien einfache Abläufe nicht mehr bewusst gewesen. Heute könne sie die
Körperpflege wieder mehrheitlich selbständig vornehmen. Da die Versicherte unter
Schwindel leide, müsse ihr aber wegen der Sturzgefahr beim Ein- und Aussteigen in
bzw. aus der Badewanne geholfen werden. Im Badezimmer seien keine Hilfsmittel
vorhanden. Von November 2009 bis ca. Mitte 2010 habe die Versicherte wegen
Schwindel und Kraftlosigkeit in den Beinen zur Toilette begleitet werden müssen. Auch
zur gründlichen Reinigung seien damals Hilfestellungen notwendig gewesen. Heute
gehe sie wieder selbständig zur Toilette und könne sich selber reinigen. Nach draussen
gehe die Versicherte nicht mehr alleine. Aus psychischen Gründen vermeide sie
ausserhäusliche Aktivitäten. Begegnungen mit Fremdpersonen und Hunden
verängstigten und verunsicherten sie. Zu den selten stattfindenden ausserhäuslichen
Terminen müsse sie immer begleitet werden. Gesellschaftliche Kontakte pflege sie nur
im Beisein des Ehemannes. Sie erkenne jedoch die Gefahren ausser Haus,
insbesondere im Strassenverkehr (IV-act. 13 S. 4). Betreffend die Notwendigkeit einer
lebenspraktischen Begleitung wurde im Protokoll festgehalten, die Versicherte sei in
der Lage, Haushaltstätigkeiten entweder selber zu erledigen oder mindestens zu
delegieren. Der Ehemann selbst und ihre Mutter aus Kroatien würden der Versicherten
bei der Erledigung des Haushalts aber helfen, da sie rasch ermüde. Der Ehemann
erledige den Einkauf und begleite die Versicherte zum Arzt, da sie den Weg dorthin
nicht kenne. Einmal wöchentlich stelle der Ehemann ihr die Medikamente zusammen.
Die tägliche Einnahme erfolge mehrheitlich selbständig, ab und zu müsse der Ehemann
sie darauf hinweisen (IV-act. 13 S. 5). Die zuständige Sachbearbeiterin der IV-Stelle
hielt im Protokoll der Abklärung zudem fest, dass die Versicherte während des
Gesprächs ohne Probleme aus einer Kaffeetasse getrunken habe und selbständig vom
Sofa (tiefer als Stuhl) aufgestanden sei. Sie sei selbständig auf die Toilette gegangen
und habe Kaffee gebracht. Weiter sei die Versicherte mit den entsprechenden
Hilfsmitteln in der Lage, selbständig in die Badewanne ein- und auszusteigen (IV-act.
13 S. 3-5). Am 10. Mai 2011 retournierte der Rechtsvertreter das unterzeichnete
Protokoll über die Abklärung an Ort und Stelle (IV-act. 13 S. 6 f.). In einem dem
Protokoll beigelegten Schreiben erklärte er, dass die Versicherte das Protokoll der
Abklärung nur unter Vorbehalt nachfolgender Präzisierungen bestätigen könne: Die
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Versicherte habe die Selbständigkeit lediglich bei den Funktionen Essen und Verrichten
der Notdurft voll wiedererlangt. In den anderen Bereichen (An- und Auskleiden,
Aufstehen, Absitzen, Abliegen, Körperpflege und Fortbewegung) habe sie die
Selbständigkeit lediglich mehrheitlich wiedererlangt. Weiter sei die Versicherte nicht
bzw. nur in sehr geringem Masse in der Lage, Haushaltstätigkeiten selber zu erledigen,
da sie rasch ermüde. Schliesslich müsse der Ehemann nicht nur bei der
Zusammenstellung der Medikamente helfen, sondern noch weitere Hilfe im Rahmen
der Grund- bzw. Behandlungspflege leisten.
B.d Mit einem Vorbescheid vom 22. Juni 2011 (IV-act. 17) teilte die IV-Stelle mit, dass
die Versicherte ab dem 1. Januar 2010 bis zum 30. Juni 2010 (gemeint wohl: 30. Sep
tember 2010; vgl. auch IV-act. 19 S. 3) Anspruch auf eine Entschädigung wegen
mittlerer Hilflosigkeit und ab dem 1. Oktober 2010 bis auf Weiteres Anspruch auf eine
Entschädigung wegen leichter Hilflosigkeit habe. Per nächstmöglichem Termin werde
die Hilflosigkeit aufgrund der fehlenden Voraussetzungen eingestellt. Der Rechtsver
treter brachte innert Frist keine Einwände gegen den Vorbescheid vor. Mit Verfügung
vom 21. September 2011 korrigierte die IV-Stelle den oben genannten Fehler im Vor
bescheid und sprach der Versicherten ab 1. Januar 2010 eine Hilflosenentschädigung
mittleren Grades und ab 1. Oktober 2010 eine Hilflosenentschädigung leichten Grades
zu. Während die Hilflosenentschädigung gemäss Verfügungsbegründung (vgl. IV-
act. 19) per 1. November 2011 eingestellt werden sollte, wurde im Verfügungsdispositiv
(vgl. IV-act. 21) keine solche Einschränkung angeordnet und damit die
Hilflosenentschädigung leichten Grades ab 1. Oktober 2010 auf unbestimmte Zeit
verfügt.
B.e Nachdem die IV-Stelle das Versäumnis bemerkt hatte (IV-act. 22), hob sie den
Anspruch auf die Hilflosenentschädigung mit Verfügung vom 2. Dezember 2011 per
31. Januar 2012 auf (IV-act. 24). Die Verfügungsbegründung entsprach dabei der Be
gründung der Verfügung vom 21. September 2011, gemäss welcher der Anspruch
auf Hilflosenentschädigung bereits per 1. November 2011 hätte aufgehoben werden
müssen.
C.
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C.a Am 9. Januar 2012 erhob der Rechtsvertreter Beschwerde gegen die Verfügung
vom 2. Dezember 2011 (IV-act. 23). Er beantragte, der Versicherten sei weiterhin eine
Entschädigung für eine mittlere, eventualiter leichte Hilflosigkeit auszurichten. Zur Be
gründung verwies er hauptsächlich auf einen Bericht von Dr. med. F._, Spezialarzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 9. Januar 2012 (IV-act. 25). Dr. F._ hatte in
seinem Bericht festgehalten, dass die Versicherte unter intensiven Störungen der
kognitiven Funktionen leide. Sie sei nicht imstande, alleine zu Hause zu sein und müsse
ständig überwacht werden. Sie benötige Hilfe bei der Durchführung der Körperpflege
und ihre Körperhygiene müsse kontrolliert werden. Die Orientierungsfähigkeit der
Versicherten sei äusserst schlecht, weshalb sie nicht ohne Begleitung aus dem Haus
gehen könne. Da sie seine Praxis nicht finden würde, müsse sie zu den regelmässigen
Terminen stets begleitet werden.
C.b Am 2. Februar 2012 reichte das Ehepaar I._ der Sozialversicherungsanstalt St.
Gallen im Rahmen eines Verfahrens betreffend Ergänzungsleistungen ein Schreiben
ein, in dem sie die Bedürfnisse der Versicherten schilderten (act. G 12.1). Aus dem
Schreiben geht hervor, dass die Versicherte seit dem 24. Januar 2012 im Haus der
Familie I._ in einer 2-Zimmer-Wohnung lebt. Die Versicherte habe sich wegen
häuslicher Gewalt von ihrem Ehemann getrennt. Alle im Haus lebenden Personen seien
im Pflegebereich tätig. Die Versicherte benötige Anleitung bei der täglichen Hygiene.
Sie vergesse beispielsweise innert fünf Minuten, ob sie sich die Zähne schon geputzt
habe oder nicht. Sie brauche auch Hilfe und Anleitung beim Ankleiden. Innerhalb des
Hauses oder der Wohnung könne sie sich orientieren, bei Terminen und Tätigkeiten
ausser Haus sei sie jedoch hilflos. Für Arzt- und Physiotherapietermine,
Behördengänge und für die täglichen Spaziergänge benötige sie eine Begleitung. Auch
die Einkäufe könne die Versicherte nicht selbständig erledigen. Alleine finde sie die
Einkaufsläden nicht, und wenn doch, finde sie sich in ihnen nicht zurecht. Die
Versicherte benötige eine ständige Führung und Überwachung. Ohne Kontrolle würde
sie die Medikamenteneinnahme entweder vergessen oder die Medikamente doppelt
oder mehrfach einnehmen. Nach einer Woche schätzte das Ehepaar I._ den
Betreuungsaufwand auf drei bis fünf Stunden pro Tag. Momentan fange die Versicherte
nach 300 Metern spazieren an zu weinen. Sie fühle sich schnell überfordert. Ihr
Selbstwertgefühl sei durch den Ehemann ständig herabgesetzt worden. Zudem sei ihr
Kurzzeitgedächtnis durch die Enzephalitis stark beeinträchtigt worden. Die
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Unmöglichkeit zu kommunizieren löse bei ihr Wut und Ohnmacht aus. Sie ziehe sich
zurück und leide unter depressiven Zuständen.
C.c Mit Verfügung vom 6. März 2012 widerrief die IV-Stelle die Verfügung vom 2. De
zember 2011 (IV-act. 38). In der Folge schrieb das hiesige Gericht das Verfahren am
28. März 2012 ab, da die Streitsache gegenstandslos geworden war (IV-act. 47).
C.d Hierauf erliess die IV-Stelle am 30. März 2012 einen Vorbescheid (IV-act. 45). In
der Begründung hielt sie fest, man habe das Abklärungsergebnis aufgrund der Be
schwerde des Rechtsvertreters vom 9. Januar 2012 noch einmal geprüft. Der Bedarf
nach einer lebenspraktischen Begleitung sei ausgewiesen, weshalb die Versicherte ab
dem 1. Februar 2012 weiterhin einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung
leichten Grades habe.
C.e Mit Schreiben vom 14. Juni 2012 nahm der Rechtsvertreter Stellung zum Vor
bescheid (IV-act. 55). Er beantragte, es sei die Entschädigung auf der Basis einer
mindestens mittleren Hilflosigkeit auszurichten. Er brachte vor, dass die Akten
unvollständig seien. Zumindest sei ein Verlaufsbericht der Klinik B._, welcher im
Rahmen des periodischen Rentenrevisionsverfahrens angefordert worden sei, offenbar
bis heute nicht eingereicht worden. Er sei jedoch der Meinung, dass bereits die
bisherigen Unterlagen ausreichten, um seine Ausführungen zu stützen. Die
Notwendigkeit einer lebenspraktischen Begleitung und die Hilflosigkeit in einer
Lebensverrichtung (hier bei der Fortbewegung) begründeten bereits eine mittelschwere
Hilflosigkeit. Die Versicherte sei allerdings noch in weiteren alltäglichen
Lebensverrichtungen hilflos, nämlich bei der Körperpflege und der Verrichtung der
Notdurft. Zur Begründung verwies er auf die interne Stellungnahme des Regionalen
Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 6. Januar 2012 (gemeint wohl: vom 24. Februar 2012;
IV-act. 34) und auf den Bericht von Dr. F._ vom 9. Januar 2012 (IV-act. 25).
C.f Mit Verfügung vom 18. Juli 2012 (act. G 1.1) sprach die IV-Stelle der Versicherten
ab dem 1. Februar 2012 eine leichte Hilflosenentschädigung infolge eines Bedarfs an
lebenspraktischer Begleitung zu. In der Verfügungsbegründung führte sie aus, dass der
noch ausstehende Bericht der Klinik B._ ihres Erachtens nicht habe abgewartet
werden müssen. Weiter werde die notwendige Begleitung ausser Haus bereits bei der
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lebenspraktischen Begleitung berücksichtigt. Zudem sei eine mittelschwere
Hilflosigkeit nur dann ausgewiesen, wenn eine versicherte Person zusätzlich zur
lebenspraktischen Begleitung in zwei alltäglichen Lebensverrichtungen hilflos sei.
D.
D.a In der Beschwerdeschrift vom 13. September 2012 (act. G 1) beantragte der
Rechtsvertreter, dass der Versicherten (nachfolgend: Beschwerdeführerin) mindestens
eine Entschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit zugesprochen werde. Der
Rechtsvertreter berief sich auf seine Ausführungen in der Beschwerdeschrift vom 9.
Januar 2012. Weiter verwies er auf den Bericht von Dr. F._ desselben Datums,
wonach die Beschwerdeführerin auch bei der persönlichen Hygiene der Hilfe und
Überwachung durch Drittpersonen bedürfe. Betreffend die Verrichtung der Notdurft
führte er aus, er habe im Schreiben vom 10. Mai 2011 zwar bestätigt, dass die
Versicherte in diesem Bereich wieder selbständig sei. Es habe sich hier aber
offensichtlich um eine vorübergehende Besserung gehandelt. Die Beschwerdeführerin
bedürfe zur Aufrechterhaltung der Hygiene der persönlichen und regelmässigen
Betreuung und Aufsicht. Weiter verwies der Rechtsvertreter auf einen neuen Bericht
der Klinik B._ vom 29. Juni 2012 (act. G 1.2). Aus dem Bericht lasse sich ohne
weiteres ableiten, dass die Beschwerdeführerin in vielen Bereichen, auch in jenem der
Verrichtung der Notdurft, der erheblichen Hilfe Dritter bedürfe. Ohne Beaufsichtigung
würde die Beschwerdeführerin die Körperpflege wegen der starken Beeinträchtigungen
im kognitiven Bereich, insbesondere in der Gedächtnisleistung, ausser Acht lassen.
Weiter benötige sie immer noch Hilfe beim An- und Auskleiden. Ausserdem handle es
sich bei Herrn I._, auf welchen im Bericht der Klinik B._ vom 29. Juni 2012 Bezug
genommen werde, um einen leitenden Pflegefachmann. Dieser sei daher kompetent,
die Bedürfnisse der Beschwerdeführerin zu beurteilen. Bezüglich des Bereiches des
Essens brachte der Rechtsvertreter vor, dass die Beschwerdeführerin nicht auf
ausreichende Sauberkeit und korrekte Handhabung achte, wenn sie nicht immer
wieder kontrolliert und darauf hingewiesen werde. Die Beschwerdeführerin benötige
somit in mindestens vier alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig und in
erheblichem Umfang die Hilfe Dritter und bedürfe ausserdem der dauernden
persönlichen Überwachung bzw. sei dauernd auf lebenspraktische Begleitung
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angewiesen, dies insbesondere auch mit Blick auf die durch den Bericht der Klinik
B._ ausgewiesene Endgültigkeit der Schädigung.
D.b Der Bericht der Klinik B._ vom 29. Juni 2012 (act. G. 1.2) stützte sich auf die
Untersuchungen durch Dr. med. D._ am 21. März und 20. Juni 2012 sowie auf eine
neuropsychologische Untersuchung durch dipl. psych. J._, Psychologin FSP, vom
4. Juni 2012. Dr. D._ führte aus, im Vergleich zur letzten neurologischen
Untersuchung im Frühling 2010 sei der Neurostatus etwas gebessert. Die
Beschwerdeführerin verhalte sich im Gespräch adäquater, weniger enthemmt und sei
motorisch kaum mehr beeinträchtigt. In der neuropsychologischen Testung hätten sich
in praktisch allen untersuchten Teilbereichen zumindest leichte bis mittelschwere
kognitive Defizite gezeigt. Einzig bei besonders einfachen Reaktions- und
Konzentrationsaufgaben seien die Testergebnisse genügend gewesen. Besonders
schwere Einschränkungen seien im Bereich der Aufmerksamkeit, des
Arbeitsgedächtnisses, des Lernens und des logischen Denkens verzeichnet worden. Im
Vergleich zur Voruntersuchung vor drei Jahren zeige sich ein insgesamt etwas
gebessertes Profil. In Teilbereichen habe die Beschwerdeführerin etwas schlechtere
Leistungen erbracht, was mit der Tagesform oder der psychischen Belastung erklärt
werden könne. Aus der Anamnese, dem klinischen Eindruck und der aktuellen
neuropsychologischen Testung gehe klar hervor, dass die Beschwerdeführerin nicht in
der Lage sei, ohne Betreuung zu leben. Die von Herrn I._ angegebene Betreuungszeit
von täglich 4-5 Stunden erscheine ihm gut nachvollziehbar.
D.c In der Beschwerdeantwort vom 14. November 2012 (act. G 6) machte die Be
schwerdegegnerin geltend, es gebe keine Hinweise dafür, dass sich der Gesundheits
zustand der Beschwerdeführerin seit Erlass der Verfügung vom 21. September 2011
verschlechtert habe. Vielmehr sei eher das Gegenteil der Fall. So habe sich gemäss
dem Bericht der Klinik B._ vom 29. Juni 2012 der Gesundheitszustand der Be
schwerdeführerin seit Frühling 2010 etwas gebessert. Die Beschwerdegegnerin verwies
im Übrigen auf die Stellungnahme des RAD vom 27. Juli 2012 (IV-act. 73). Mangels
eines Revisionsgrundes sei es nicht zulässig, die Hilflosenentschädigung der
Beschwerdeführerin zu erhöhen. Die Beschwerdegegnerin verwies weiter auf die
internen Stellungnahmen des RAD vom 24. Februar und 21. Juni 2012 (IV-act. 35 und
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56). Ausserdem habe die Beschwerdeführerin den Abklärungsbericht, der nach wie vor
die Grundlage für die Beurteilung der Hilflosigkeit der Beschwerdeführerin bilde, ohne
zusätzliche Bemerkungen unterschrieben. Darauf müsse sie sich behaften lassen. Die
Abklärung an Ort und Stelle habe ergeben, dass die Beschwerdeführerin spätestens
seit Februar 2011 trotz ihrer neurokognitiven und psychischen Defizite in den
Lebensverrichtungen Essen, Körperpflege, Verrichtung der Notdurft, An- und
Auskleiden sowie Aufstehen, Absitzen und Abliegen keine regelmässige und erhebliche
Dritthilfe mehr benötige. Einzig in der Lebensverrichtung der Fortbewegung sei die
Beschwerdeführerin auch ab dem genannten Datum im Aussenbereich in der Regel auf
eine Begleitung angewiesen und somit hilflos. Der RAD lege in seiner Stellungnahme
vom 24. Februar 2012 zudem nachvollziehbar dar, dass die Beschwerdeführerin auch
auf eine lebenspraktische Begleitung angewiesen sei. Die angefochtene Verfügung sei
daher rechtmässig.
D.d In der Replik vom 7. Januar 2013 (act. G 8) führte der Rechtsvertreter betreffend
die Unterzeichnung des Abklärungsberichts an, es ergebe sich ohne weiteres aus den
Unterlagen, dass die Beschwerdeführerin zumindest nicht voll als verfügungsfähig
gelten könne. Ansonsten bedürfte sie wohl kaum der dauernden persönlichen Be
treuung und Überwachung. Im Übrigen verwies er auf den Bericht der Klinik B._ vom
13. September 2012 (act. G 8.1).
D.e Der Bericht der Klinik B._ vom 13. September 2012 (act. G. 8.1) bezog sich auf
eine Sprechstunde mit der Beschwerdeführerin vom 29. August 2012. Dr. D._
erwähnte, dass die Beschwerdeführerin im Bereich des logischen Denkens schwer
beeinträchtigt sei. Weiter falle ihr das Unterscheiden von unwesentlichen und
wesentlichen Details schwer. Diesen Beeinträchtigungen komme bei der Frage des
Zurechtkommens im Alltag eine besondere Bedeutung zu. Er erklärte weiter, dass die
Beschwerdeführerin ohne Hilfe nicht selbständig im Leben zurechtkommen würde.
Aufgrund der Beschreibungen von Herrn I._, den Erfahrungen, welche die Klinik im
Rahmen des stationären Aufenthalts gemacht habe und der festgestellten
neurokognitiven Defizite sei ohne weiteres nachzuvollziehen, dass die
Beschwerdeführerin eine regelmässige und erhebliche persönliche Überwachung für
das An- und Auskleiden, für das Essen und für die Körperpflege benötige. Es handle
sich dabei nicht um Hilfeleistungen aufgrund von motorischen Problemen, sondern
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wegen bestehender kognitiver Störungen. Würde die Beschwerdeführerin nicht
überwacht und angeleitet, würde sie sich nicht korrekt ankleiden, die Körperpflege
vollständig vernachlässigen und unkontrolliert essen und rauchen. Wäre die
vorhandene Unterstützung und Kontrolle nicht gegeben, würde sie verwahrlosen.
D.f Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Mit Verfügung vom 21. September 2011 hat die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin ab dem 1. Januar 2010 eine Entschädigung für eine mittlere und
ab dem 1. Oktober 2010 eine - zeitlich unbeschränkte - Entschädigung für eine leichte
Hilflosigkeit (An- und Auskleiden, Fortbewegung) zugesprochen (IV-act. 21). Aus der
Verfügungsbegründung ("Verfügungsteil 2", IV-act. 19) geht jedoch hervor, dass die
Hilflosenentschädigung eigentlich per 1. November 2011 hätte eingestellt werden
sollen. Diese Verfügung ist in der Folge in Rechtskraft erwachsen. Nachdem die
Beschwerdegegnerin den Fehler entdeckt hatte, hat sie am 2. Dezember 2011 die
Einstellung der Hilflosenentschädigung per 31. Januar 2012 verfügt (IV-act. 22 und 24).
Diese Einstellungsverfügung hat sie aber mit Verfügung vom 6. März 2012 widerrufen
(IV-act. 38). Damit hat die ursprüngliche Verfügung vom 21. September 2011 weiterhin
ihre volle Wirkung entfaltet, d.h. es hat weiterhin ein Anspruch auf eine Entschädigung
für eine leichte Hilflosigkeit bestanden. Mit der vorliegend angefochtenen Verfügung
vom 18. Juli 2012 hat die Beschwerdegegnerin die Verfügung vom 21. September 2011
korrigiert und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab dem 1. Februar 2012 eine
Entschädigung für eine leichte Hilflosigkeit als Folge eines Bedarfs nach einer
lebenspraktischen Begleitung zugesprochen (act. G 1.1). Sie hat also keine Hilflosigkeit
in der Form des Bedarfs nach Hilfe beim An- und Auskleiden und bei der
Fortbewegung mehr angenommen. Die angefochtene Verfügung vom 18. Juli 2012
kann nur als Kombination aus einer Revisionsverfügung (Art. 17 Abs. 2 ATSG) und einer
Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) interpretiert werden. Die Beschwerdegegnerin
hat damit nämlich einerseits dem Wegfall der Hilflosigkeit in den Bereichen An- und
Auskleiden und Fortbewegung und andererseits dem vorbestehenden, aber bis dahin
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übersehenen Bedarf nach einer lebenspraktischen Begleitung Rechnung getragen.
Wenn die Verwaltung von Amtes wegen eine Verfügung in Wiedererwägung zieht und
anschliessend einen positiven neuen Sachentscheid trifft, ist dieser nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung beschwerdeweise anfechtbar, wobei sich die
Überprüfung nicht auf die Frage beschränken kann, ob die Voraussetzungen der
Wiedererwägung gegeben sind (BGE 116 V 63). In ihrem Wiedererwägungsteil ist die
angefochtene Verfügung also uneingeschränkt auf ihre Rechtmässigkeit zu prüfen. Im
Revisionsteil ist die Überprüfung beschränkt auf die massgebliche
Sachverhaltsveränderung und deren revisionsrechtlichen Konsequenzen.
2.
2.1 Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die hilflos
sind, haben Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung (Art. 42 Abs. 1 IVG). Als hilflos
gilt eine Person, die wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung
bedarf (Art. 9 ATSG). Eine leichte Hilflosigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person
trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist, einer dauernden
persönlichen Überwachung bedarf, einer durch das Gebrechen bedingten ständigen
und besonders aufwendigen Pflege bedarf, wegen einer schweren Sinnesschädigung
oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher
Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann oder dauernd auf eine
lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 IVV). Eine mittelschwere
Hilflosigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in
den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die
Hilfe Dritter angewiesen ist, in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer
dauernden persönlichen Überwachung bedarf oder in mindestens zwei alltäglichen
Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter und
überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (Art. 37 Abs. 2 IVV).
Eine schwere Hilflosigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist.
Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in
erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies der dauernden
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Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 1 IVV). Praxisgemäss
werden folgende sechs alltägliche Lebensverrichtungen unterschieden: An- und
Auskleiden, Aufstehen, Absitzen und Abliegen, Essen, Körperpflege, Verrichten der
Notdurft und Fortbewegung (vgl. Rz. 8010 des Kreisschreibens über Invalidität und
Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH). Ist eine versicherte Person nicht in der
Lage, eine von mehreren Teilfunktionen einer dieser sechs alltäglichen
Lebensverrichtungen selbständig auszuführen, gilt sie bezüglich der entsprechenden
alltäglichen Lebensverrichtung als hilflos (Rz. 8011 KSIH). Der Bedarf nach
Hilfeleistungen muss regelmässig und in erheblicher Weise bestehen. Regelmässig
werden Hilfeleistungen benötigt, wenn sie täglich oder eventuell täglich erbracht
werden müssen (vgl. Rz. 8025 KSIH). Erheblich sind Hilfeleistungen, wenn die
versicherte Person mindestens eine Teilfunktion einer alltäglichen Lebensverrichtung
nicht mehr, nur noch mit unzumutbarem Aufwand oder nur noch auf unübliche Art und
Weise selbst ausführen kann oder wegen ihres psychischen Zustandes ohne
besondere Aufforderung nicht vornehmen würde, oder wenn sie sie selbst mit Hilfe
Dritter nicht erfüllen kann, weil sie für sie keinen Sinn hat (vgl. Rz. 8026 KSIH). Von der
direkten Dritthilfe bei der Ausführung der alltäglichen Lebensverrichtungen ist somit die
indirekte Dritthilfe zu unterscheiden. Die indirekte Hilfe betrifft zur Hauptsache
psychisch oder geistig behinderte Menschen. Indirekte Dritthilfe ist gegeben, wenn die
versicherte Person die alltäglichen Lebensverrichtungen zwar funktionsmässig selber
ausführen kann, dies aber nicht, nur unvollständig oder zu Unzeiten tun würde, wenn
sie sich selbst überlassen wäre. Die indirekte Dritthilfe setzt voraus, dass die
Drittperson regelmässig anwesend ist und die versicherte Person insbesondere bei der
Ausführung der in Frage stehenden Verrichtungen persönlich überwacht, sie zum
Handeln anhält oder von schädigenden Handlungen abhält und ihr nach Bedarf hilft
(Rz. 8029 f. KSIH).
2.2 Vorab ist festzuhalten, dass die strittige Frage, ob das Protokoll der Abklärung an
Ort und Stelle nur unter Berücksichtigung des Schreibens des Rechtsvertreters vom
10. Mai 2011 gültig ist, nicht von Belang ist, da die Aussagen im Protokoll
grundsätzlich mit den Aussagen des Rechtsvertreters übereinstimmen. So hat der
Ehemann – in Übereinstimmung mit dem Schreiben des Rechtsvertreters – bei der
Abklärung an Ort und Stelle angegeben, dass die Beschwerdeführerin beim An- und
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Auskleiden, beim Aufstehen, Absitzen und Abliegen sowie bei der Körperpflege die
Selbständigkeit höchstens mehrheitlich wiedererlangt habe (vgl. IV-act. 13 S. 3 f.).
2.3 Die Beschwerdeführerin selbst hat geltend gemacht, dass sie beim Anziehen der
Hose Hilfe benötigt (IV-act. 7). Das Ehepaar I._ hat im Bericht vom 2. Februar 2012
angegeben, dass die Beschwerdeführerin beim Ankleiden Hilfe und Anleitung benötigt
(act. G 12.1). Im Bericht wird jedoch nicht weiter umschrieben, welche Kleidungsstücke
(Socken, Hosen, etc.) sie nicht selber soll anziehen können. Dr. D._ hat in seinem
Bericht vom 8. Juni 2010 festgehalten, dass die Beschwerdeführerin gemäss seiner
Einschätzung die alltäglichen Lebensverrichtungen selber ausführen könne, sie dabei
aber intensiv supervisiert werden müsse (IV-act. 8). Der Ehemann und der
Rechtsvertreter haben denn auch nicht geltend gemacht, dass die Beschwerdeführerin
wegen körperlicher Beeinträchtigungen Hilfe beim An- und Auskleiden benötige. Die
Beschwerdeführerin ist beim An- und Auskleiden somit mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht auf regelmässige und erhebliche direkte Dritthilfe angewiesen.
Im Protokoll über die Abklärung an Ort und Stelle ist festgehalten worden, dass die
Beschwerdeführerin bis ca. anfangs 2011 vollständig auf Hilfe beim An- und
Auskleiden angewiesen gewesen ist, da ihr einfache Abläufe nicht mehr bewusst
gewesen sind (IV-act. 13 S. 3). Gemäss Dr. D._ ist ohne weiteres nachzuvollziehen,
dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer kognitiven Einschränkungen beim An- und
Auskleiden eine regelmässige und erhebliche persönliche Überwachung benötigt (act.
G 8.1). Es erscheint daher ausgewiesen, dass die Beschwerdeführerin zumindest bis
Anfang 2011 auf regelmässige und erhebliche indirekte Hilfe beim An- und Auskleiden
angewiesen gewesen ist. Dem Protokoll über die Abklärung an Ort und Stelle ist weiter
zu entnehmen, dass die Selbständigkeit langsam zurückkommt und sich die
Beschwerdeführerin "heute" wieder mehrheitlich selbständig an- und auskleiden kann
(IV-act. 13 S. 3). Diese Angaben enthalten einen gewissen Widerspruch: Einerseits wird
erklärt, dass die Beschwerdeführerin bis Anfang 2011 im Bereich des An- und
Auskleidens vollständig auf Dritthilfe angewiesen gewesen sei. Andererseits wird
festgehalten, dass die Beschwerdeführerin seit Januar 2011 in dieser Verrichtung
wieder mehrheitlich selbständig sei. Der Rechtsvertreter hat mit Schreiben vom 10. Mai
2011 allerdings bestätigt, dass die Beschwerdeführerin die Selbständigkeit beim An-
und Auskleiden mehrheitlich wiedererlangt habe (IV-act. 13 S. 6). Im Widerspruch dazu
hat er im Beschwerdeverfahren jedoch angeführt, dass die Beschwerdeführerin beim
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An- und Auskleiden hilflos sei. Begründet hat er dieses Vorbringen lediglich damit, dass
unerfindlich sei, weshalb die Hilflosigkeit in diesem Bereich nach der anfänglichen
Anerkennung abgesprochen werde (act. G 1). Diese Aussage des Rechtsvertreters ist
daher nicht aussagekräftig. Das Ehepaar I._ hat im Schreiben vom 2. Februar 2012
angegeben, dass die Beschwerdeführerin beim An- und Auskleiden nach wie vor
Anleitung benötige (act. G 12.1). Herr I._ ist ausgebildeter Pflegefachmann und alle
anderen im Haus lebenden Familienmitglieder sind ebenfalls im Pflegebereich tätig. Die
Beschwerdeführerin lebt seit Januar 2012 im Haus der Familie I._ in einer separaten
Wohnung und wird täglich durch sie betreut. Aus diesen Gründen ist davon
auszugehen, dass die Familie I._ gut einschätzen kann, in welchen
Lebensverrichtungen die Beschwerdeführerin in welchem Umfang auf Dritthilfe
angewiesen ist. Das Ehepaar I._ umschreibt in seinem Bericht allerdings nicht, wie
intensiv die Beschwerdeführerin beim An- und Auskleiden angeleitet werden muss. So
ist unklar, ob die Beschwerdeführerin beispielsweise lediglich die Kleiderwahl nicht
selbständig vornehmen kann und/oder ob sie nicht in der Lage ist, die Kleidungsstücke
in der richtigen Reihenfolge anzuziehen usw. Das Schreiben des Ehepaares I._ vom
2. Februar 2012, welches den Akten zum Verfahren betreffend Ergänzungsleistungen
entstammt, wurde trotz des Hinweises des Rechtsvertreters (IV-act. 49 S. 2) von der
Beschwerdegegnerin nicht beigezogen. Die Familie I._, bei der die
Beschwerdeführerin seit Januar 2012 lebt, wurde auch nicht auf andere Weise in das
vorliegende Verfahren miteinbezogen. Dadurch hat die Beschwerdegegnerin den
Untersuchungsgrundsatz nach Art. 43 Abs. 1 ATSG verletzt. Sie wird somit – unter
Einbezug der Familie I._ – an Ort und Stelle abzuklären haben, ob die
Beschwerdeführerin ab Januar 2011 weiterhin auf regelmässige und erhebliche
indirekte Hilfe beim An- und Auskleiden angewiesen gewesen ist bzw. ab welchem
Zeitpunkt die Beschwerdeführerin beim An- und Auskleiden tatsächlich nicht mehr
hilflos gewesen ist.
2.4 Bezüglich der Verrichtung des Aufstehens, Absitzens und Abliegens hat die Be
schwerdeführerin angegeben, nicht auf regelmässige und erhebliche Dritthilfe ange
wiesen zu sein (IV-act. 7). Im Anmeldeformular hatten der Ehemann und der Rechts
vertreter noch angegeben, dass die Beschwerdeführerin im Bereich des Aufstehens,
Absitzens und Abliegens hilflos sei. Später haben sie sich auf den Standpunkt gestellt,
dass die Beschwerdeführerin diese Verrichtung mehrheitlich wieder selbständig
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ausführen könne (IV-act. 5 und 13 S. 3 und 6). Den Akten sind keine Hinweise zu
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin im Bereich des Aufstehens, Absitzens und
Abliegens ab Januar 2010 noch auf regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen
gewesen wäre. Zudem hat Dr. D._ erklärt, dass die Beschwerdeführerin die
alltäglichen Lebensverrichtungen in physischer Hinsicht selbständig ausführen könne
(IV-act. 8). Bei der Abklärung an Ort und Stelle ist die Beschwerdeführerin denn auch
selbständig vom Sofa aufgestanden (IV-act. 13 S. 3). Die Beschwerdeführerin ist im
Bereich des Aufstehens, Absitzens und Abliegens somit mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht auf regelmässige und erhebliche Hilfe angewiesen.
2.5 Mit Bezug auf die Lebensverrichtung des Essens haben der Rechtsvertreter und
der Ehemann im Anmeldeformular geltend gemacht, dass der Beschwerdeführerin das
Essen ans Bett gebracht werden müsse und sie wegen einer Diät nur spezielle Nahrung
zu sich nehmen könne (IV-act. 5). Das Argument, dass die Beschwerdeführerin auf
Diätnahrung angewiesen sei, ist von vornherein ausser Acht zu lassen, da Diätnahrung
allein keine Hilflosigkeit begründen kann (Rz. 8018 KSIH). Auch das Vorbringen, dass
der Beschwerdeführerin das Essen ans Bett gebracht werden müsse, ist nicht zu
berücksichtigen. Einerseits sind für Dr. D._ keine Gründe ersichtlich, weshalb der
Beschwerdeführerin das Essen ans Bett gebracht werden müsste (IV-act. 8).
Andererseits hat der Ehemann bei der Abklärung an Ort und Stelle nicht angeführt,
dass der Beschwerdeführerin über einen gewissen Zeitraum das Essen ans Bett
gebracht werden musste. Im Protokoll ist jedoch festgehalten, dass die
Beschwerdeführerin bis ca. Mitte 2010 für das Zerkleinern von Speisen Hilfe benötigt
habe (IV-act. 13 S. 3). Die Beschwerdegegnerin hat die Hilflosigkeit der
Beschwerdeführerin im Bereich des Essens bis Ende September 2010 alleine gestützt
auf diesen Protokolleintrag anerkannt. Dieser Protokolleintrag reicht jedoch nicht aus,
um die Hilflosigkeit mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachzuweisen. Die Beschwerdegegnerin hätte somit diesbezüglich weitere
Abklärungen vornehmen müssen. Da eine allfällige Herabsetzung der
Hilflosenentschädigung aber ohnehin nur ex nunc erfolgen könnte (vgl. Art. 88 Abs. 2
IVV), kann diese Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes ausser Acht gelassen
werden. Mit Schreiben vom 10. Mai 2011 hat der Rechtsvertreter die Aussage des
Ehemannes bestätigt, dass die Beschwerdeführerin im Bereich des Essens wieder voll
selbständig sei (IV-act. 13 S. 6). Im Beschwerdeverfahren hat er diese Aussage
bis
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allerdings sinngemäss widerrufen; er hat neu geltend gemacht, dass die
Beschwerdeführerin beim Essen nicht ausreichend auf die Sauberkeit und die korrekte
Handhabung achte, wenn sie nicht immer wieder kontrolliert und darauf hingewiesen
werde (act. G 1). Was unter dem Ausdruck "korrekte Handhabung" zu verstehen ist,
hat er nicht aufgezeigt. Auch hat er nicht beschrieben, auf welche Art und Weise und in
welchem Ausmass die Beschwerdeführerin die Sauberkeit beim Essen vernachlässigt.
Und schliesslich ist auch kein Zusammenhang zwischen den Vorbringen des
Rechtsvertreters und den kognitiven Einschränkungen der Beschwerdeführerin
ersichtlich. Denn gemäss Dr. D._ benötigt die Beschwerdeführerin keine
Hilfeleistungen wegen motorischer Probleme (act. G 8.1). Auch haben weder der
Ehemann noch die Familie I._ vorgebracht, dass die Beschwerdeführerin aus den
genannten Gründen beim Essen kontrolliert werden müsste. Die Vorbringen des
Rechtsvertreters sind daher nicht nachvollziehbar und deshalb nicht zu
berücksichtigen. Dr. D._ hat schliesslich noch angebracht, dass die
Beschwerdeführerin im Bereich des Essens hilflos sei, weil sie ohne Überwachung
unkontrolliert essen würde (act. G 8.1). Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei
um eine Aussage von Herrn I._ gegenüber Dr. D._ handelt. Die Aussage ist
wiederum zu wenig präzis. Es ist unklar, wie intensiv die Beschwerdeführerin bezüglich
des Essens überwacht werden muss. Grundsätzlich erscheint das Vorbringen aber
plausibel: Einerseits leidet die Beschwerdeführerin unter Adipositas. Andererseits
konnte sie innert der ersten zwei Monate, während denen sie bei der Familie I._
gelebt hat, ihr Körpergewicht um 12 kg reduzieren (act. G 1.2). Indem die
Beschwerdegegnerin den Bedarf der Beschwerdeführerin auf indirekte Dritthilfe im
Bereich des Essens nur ungenügend abgeklärt hat, hat sie den
Untersuchungsgrundsatz ein weiteres Mal verletzt.
2.6 Bezüglich der Verrichtung der Körperpflege hat die Beschwerdeführerin selbst
angegeben, dass sie Hilfe beim Ein- und Ausstieg in bzw. aus der Badewanne
benötige. Gemäss dem Protokoll über die Abklärung an Ort und Stelle ist sie wegen
des Schwindels und der damit verbundenen Sturzgefahr auf diese Hilfestellung
angewiesen (IV-act. 7 und 13 S. 4). Das Ehepaar I._ hat nichts dergleichen
vorgebracht. Die Beschwerdegegnerin hat korrekt angemerkt, dass das Problem des
Schwindels und der damit verbundenen Sturzgefahr durch geeignete Hilfsmittel wie
beispielsweise Badebrett, Haltegriffe oder Einstiegsschemel mit Haltestange behoben
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werden könne. Die Beschwerdeführerin ist somit beim Ein- und Ausstieg in bzw. aus
der Badewanne nicht hilflos. Weiter hat Dr. F._ angegeben, dass die
Beschwerdeführerin bei der Körperpflege Dritthilfe benötigt (IV-act. 25). Er hat jedoch
nicht ausgeführt, bei welchen Teilverrichtungen der Körperpflege die
Beschwerdeführerin Hilfe benötigt bzw. in welcher Form sie Hilfe benötigt (aktive Hilfe
oder Anleitung). Dr. F._ ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Es ist daher
unwahrscheinlich, dass er selber untersucht hat, welche körperlichen Verrichtungen die
Beschwerdeführerin noch ausführen kann und welche nicht. Da er dies auch nicht
behauptet hat, ist davon auszugehen, dass er in seinem Bericht die Aussage der
Beschwerdeführerin oder ihres Ehemannes wiedergibt. Weiter ist im Protokoll über die
Abklärung an Ort und Stelle angegeben, dass die Beschwerdeführerin wegen
Kraftlosigkeit in den oberen und unteren Extremitäten bis ca. Mitte 2010 auf Dritthilfe
angewiesen gewesen sei (IV-act. 13 S. 4). Dr. D._ hat jedoch erklärt, dass die
Beschwerdeführerin in der Lage sei, die alltäglichen Lebensverrichtungen in physischer
Hinsicht selber auszuführen (IV-act. 8). Auch der Rechtsvertreter hat nicht geltend
gemacht, dass die Beschwerdeführerin aufgrund von körperlichen Beeinträchtigungen
bei der Körperpflege eingeschränkt sei (vgl. act. G 1). Es ist daher davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin in körperlicher Hinsicht bei der Verrichtung der
Körperpflege zu keiner Zeit auf regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen
gewesen ist. Dem Protokoll über die Abklärung an Ort und Stelle ist weiter zu
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin bis ca. Mitte 2010 auf Anleitung angewiesen
gewesen ist, da ihr einfache Abläufe nicht bewusst gewesen sind. Die Selbständigkeit
komme langsam zurück. Heute sei sie bei der Körperpflege mehrheitlich selbständig
(IV-act. 13 S. 4). Wie bei der Verrichtung des An- und Auskleidens besteht zwischen
diesen Aussagen ein Widerspruch: Einerseits ist dem Protokoll über die Abklärung an
Ort und Stelle, welche im April 2011 stattgefunden hat, zu entnehmen, dass die
Selbständigkeit langsam zurückkomme. Andererseits wird festgehalten, dass die
Beschwerdeführerin seit ca. Mitte 2010 bei der Körperpflege wieder selbständig sei.
Gemäss Dr. D._ ist aufgrund des Krankheitsbildes der Beschwerdeführerin ohne
weiteres nachzuvollziehen, dass sie die Körperhygiene vernachlässigt (act. G 8.1). Es
ist somit rechtsgenüglich nachgewiesen, dass die Beschwerdeführerin zumindest bis
Mitte 2010 auf regelmässige und erhebliche indirekte Hilfe bei der Körperpflege
angewiesen gewesen ist. Das Ehepaar I._ hat angegeben, dass die
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Beschwerdeführerin auch nach diesem Zeitpunkt noch Anleitung bei der täglichen
Hygiene benötigt habe und weiterhin benötige. Die Beschwerdeführerin vergesse
beispielsweise innert fünf Minuten, ob sie ihre Zähne schon geputzt habe oder nicht
(act. G 12.1). Die Aussage des Ehepaares I._ ist – bis auf die Teilverrichtung des
Zähneputzens – wieder zu wenig präzis. Es bleibt unklar, wie intensiv die
Beschwerdeführerin bei der Ausführung der einzelnen Teilverrichtungen der
Körperpflege überwacht, kontrolliert und angeleitet werden muss. Auch geht aus ihrer
Aussage nicht hervor, wie viel Zeit diese indirekte Hilfe bei der Verrichtung der
Körperpflege beansprucht. Die Beschwerdegegnerin hat auch bezüglich der
Verrichtung der Körperpflege den Untersuchungsgrundsatz verletzt, indem sie die
Familie I._ nicht in die Abklärungen miteinbezogen hat. Sie wird– unter Einbezug der
Familie I._ – an Ort und Stelle abzuklären haben, ob die Beschwerdeführerin ab Mitte
2010 weiterhin regelmässig und erheblich auf indirekte Hilfe bei der Körperpflege
angewiesen gewesen ist. Falls die Beschwerdeführerin inzwischen bei der Körperpflege
keine Dritthilfe mehr benötigt, ist weiter abzuklären, ab welchem Zeitpunkt die
Beschwerdeführerin in dieser Verrichtung nicht mehr hilflos gewesen ist.
2.7 Mit Bezug auf die Verrichtung der Notdurft ist dem Protokoll über die Abklärung
an Ort und Stelle zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin bis ca. Mitte 2010
wegen Schwindel und Kraftlosigkeit in den Beinen zur Toilette begleitet werden
musste. Auch seien damals zur gründlichen Reinigung Hilfestellungen notwendig
gewesen. Heute könne die Beschwerdeführerin wieder selbständig zur Toilette gehen
und sich selber reinigen (IV-act. 13 S. 4). Die Beschwerdegegnerin hat gestützt auf
diesen Protokolleintrag die Hilflosigkeit der Beschwerdeführerin im Bereich der
Verrichtung der Notdurft anerkannt. Die Aussage des Ehemannes oder der
Beschwerdeführerin ist alleine jedoch nicht ausreichend, um die Hilflosigkeit in einer
alltäglichen Lebensverrichtung rechtsgenügend nachzuweisen. Diese Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes kann jedoch ausser Acht gelassen werden, da eine
allfällige Herabsetzung der Hilflosenentschädigung ohnehin nur ex nunc erfolgen
könnte (vgl. Art. 88 Abs. 2 IVV). Mit Schreiben vom 10. Mai 2011 bestätigte der
Rechtsvertreter, dass die Beschwerdeführerin die Selbständigkeit bei der Verrichtung
der Notdurft voll wiedererlangt habe (IV-act. 13 S. 6). Diese Aussage widerrief er mit
der Begründung, dass es sich offensichtlich lediglich um eine vorübergehende
Besserung gehandelt habe. Er hat insbesondere darauf verwiesen, dass Dr. F._ die
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Notwendigkeit der Hilfe und Überwachung bei der persönlichen Hygiene festgestellt
habe. Als Grund für die Hilflosigkeit führt der Rechtsvertreter die starke
Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung der Beschwerdeführerin an (IV-act. 55; act. G
1). Wie bereits in Ziff. 2.6 ausgeführt, ist der Bericht von Dr. F._ bezüglich der
Angaben zur persönlichen Hygiene wenig aussagekräftig. Hinzu kommt, dass ihm nicht
entnommen werden kann, ob Dr. F._ überhaupt ausdrücken wollte, dass die
Beschwerdeführerin auch bei der Verrichtung der Notdurft auf ihre Sauberkeit hin kon
trolliert werden müsse. Aufgrund des Krankheitsbildes der Beschwerdeführerin ist
jedoch nicht auszuschliessen, dass die Beschwerdeführerin die Körperhygiene bei der
Verrichtung der Notdurft vernachlässigt bzw. vergisst, wenn sie nicht von einer Dritt
person darauf hingewiesen wird. Indem die Beschwerdegegnerin nicht präziser ab
geklärt hat, ob die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer kognitiven Beeinträchtigungen
bei der Verrichtung der Notdurft auf ihre Sauberkeit hin kontrolliert werden muss, hat
sie auch bezüglich dieser Verrichtung den Untersuchungsgrundsatz verletzt. Die Be
schwerdegegnerin wird insbesondere die Familie I._ befragen müssen, ob die Be
schwerdegegnerin bei der Verrichtung der Notdurft auf indirekte Dritthilfe angewiesen
ist und wenn ja, ob die Beschwerdeführerin die Reinigung ohne Dritthilfe regelmässig
vernachlässigen würde. Sie wird aber auch klären müssen, ob es aus medizinischer
Sicht nachvollziehbar ist, dass die Beschwerdeführerin die Reinigung nach Verrichtung
der Notdurft ohne Dritthilfe vernachlässigt.
2.8 Bezüglich des Bereichs der Fortbewegung hat die Beschwerdeführerin selber er
klärt, seit der Erkrankung anfangs 2009 nirgends mehr alleine hin zu gehen (IV-act. 7).
Der Ehemann und der Rechtsvertreter haben diese Angabe bestätigt (IV-act. 5 S. 3
und 5). Bei der Abklärung an Ort und Stelle hat der Ehemann zudem angegeben, dass
er die Beschwerdeführerin jeweils zu den Arztterminen begleiten müsse, da sie den
Weg dorthin nicht kenne (IV-act. 13 S. 4 f.). Auch das Ehepaar I._ hat ausgeführt,
dass die Beschwerdeführerin zu Terminen und für Tätigkeiten ausser Haus begleitet
werden müsse, da sie ausserhalb der Wohnung Orientierungsschwierigkeiten habe
(act. G 12.1). Dr. F._ hat bestätigt, dass die Beschwerdeführerin ohne Begleitung
nicht mehr aus dem Haus gehen könne, da ihre Orientierungsfähigkeit äusserst
schlecht sei (IV-act. 25). Weiter hat Dr. D._ darauf hingewiesen, dass die
Beschwerdeführerin in den alltäglichen Lebensverrichtungen, worunter auch die
Fortbewegung im Freien fällt, intensiv supervisiert werden müsse. Die
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Beschwerdeführerin getraue sich nicht mehr, das Haus alleine zu verlassen (IV-act. 8).
Im Austrittsbericht der Klinik B._ vom 13. August 2009 ist festgehalten, dass die
Beschwerdeführerin weiterhin unter unscharfer Orientierung zu Zeit, Ort und Situation
leide (IV-act. 69). Dem Bericht von Dr. D._ vom 29. Juni 2012 ist zu entnehmen, dass
sie im Bereich der Gedächtnisleistungen weiterhin deutlich beeinträchtigt ist (act. G
1.2). Es ist daher nachgewiesen, dass die Beschwerdeführerin an einer
Orientierungsschwäche leidet und deshalb bei der Fortbewegung im Freien stets auf
eine Begleitperson angewiesen ist. Die Beschwerdeführerin ist somit im Bereich der
Fortbewegung seit dem 1. Januar 2010 bis auf Weiteres regelmässig und in erheblicher
Weise auf Dritthilfe angewiesen.
3.
3.1 Gemäss Art. 42 Abs. 3 Satz 1 IVG gilt auch als hilflos, wer wegen der
Beeinträchtigung der Gesundheit dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen
ist. Ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung liegt vor, wenn eine versicherte Person
ausserhalb eines Heimes lebt und infolge der Beeinträchtigung ohne Begleitung einer
Drittperson nicht selbständig wohnen kann, für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb
der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist oder ernsthaft gefährdet
ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren (Art. 38 Abs. 1 IVV). Ziel der
lebenspraktischen Begleitung muss es sein, zu verhindern, dass Personen schwer
verwahrlosen und/oder in ein Heim oder eine Klinik eingewiesen werden müssen (Rz.
8040 KSIH). Der Anspruch auf lebenspraktische Begleitung ist nicht auf Menschen mit
Beeinträchtigung der psychischen oder geistigen Gesundheit beschränkt. Es ist
möglich, dass auch körperlich behinderte Personen einen Bedarf an lebenspraktischer
Begleitung geltend machen können. Zu denken ist insbesondere an hirnverletzte
Menschen (Rz. 8042 KSIH; AHI-Praxis 5/2003 S. 327 f.; BGE 133 V 450 E. 2.2.3 S.
455). Die betroffene Person muss auf Hilfe bei der Tagesstrukturierung oder auf
Unterstützung bei der Bewältigung von Alltagssituationen angewiesen sein (vgl. Rz.
8050 KSIH). Bei ausserhäuslichen Verrichtungen liegt ein Bedarf nach
lebenspraktischer Begleitung vor, wenn diese notwendig ist, damit die betroffene
Person in der Lage ist, das Haus für bestimmte notwendige Verrichtungen und
Kontakte (Einkauf, Freizeitaktivitäten, Kontakte mit Amtsstellen, Arztbesuche,
Coiffeurbesuche) zu verlassen (Rz. 8051 KSIH). Eine lebenspraktische Begleitung zur
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Vermeidung einer dauernden Isolation setzt voraus, dass sich die Isolation und die
damit verbundene Verschlechterung des Gesundheitszustandes bereits manifestiert
haben. Die lebenspraktische Begleitung besteht hier in beratenden Gesprächen und in
der Motivation zur Kontaktaufnahme (Rz. 8052 KSIH). Die lebenspraktische Begleitung
beinhaltet weder die (direkte noch indirekte) Dritthilfe bei den sechs alltäglichen
Lebensverrichtungen noch die Pflege oder Überwachung, sondern stellt vielmehr ein
zusätzliches und eigenständiges Institut der Hilfe dar (vgl. BGE 133 V 450 E. 9 S. 466
mit Hinweisen).
3.2 Die Beschwerdegegnerin hat vorgebracht, dass die Hilflosigkeit der Beschwerde
führerin bei der Fortbewegung im Freien nur einmal, entweder bei der alltäglichen
Lebensverrichtung der Fortbewegung oder bei der lebenspraktischen Begleitung, be
rücksichtigt werden dürfe (act. G 1.1). Wie eben ausgeführt, beinhaltet die lebens
praktische Begleitung nicht die Dritthilfe bei den sechs alltäglichen
Lebensverrichtungen, sondern stellt ein eigenständiges Institut der Hilfe dar. Eine
versicherte Person kann deshalb durchaus im Bereich der Fortbewegung hilflos sein
und zusätzlich einen Anspruch auf eine Entschädigung für eine lebenspraktische
Begleitung haben. Gemäss Dr. D._ ist die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer
kognitiven Einschränkungen in den Bereichen der Aufmerksamkeit, des
Arbeitsgedächtnisses, des Lernens und des logischen Denkens besonders schwer
eingeschränkt (act. G 1.2). Insbesondere die schweren Beeinträchtigungen im Bereich
des logischen Denkens und des Unterscheidungsvermögens von wesentlichen und
unwesentlichen Details seien für die Frage des Zurechtkommens im Alltag von
Bedeutung. Die Beschwerdeführerin würde ohne Hilfe nicht selbständig im Leben
zurechtkommen (act. G 8.1). Aus den Berichten von Dr. D._ geht hervor, dass die
Beschwerdeführerin auch ohne Orientierungsschwäche im Alltag nicht alleine
zurechtkommen würde. So braucht die Beschwerdeführerin wegen ihrer kognitiven
Beeinträchtigungen beispielsweise nicht nur Hilfe bei der Fortbewegung selbst,
sondern auch für den Kontakt mit Amtsstellen, für Arzttermine, Einkäufe etc. Aus dem
Gesagten folgt, dass die Beschwerdeführerin einen Entschädigungsanspruch für eine
lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 42 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. Art. 38 IVV hat,
weil sie aufgrund ihrer kognitiven Einschränkungen bei der Bewältigung von
Alltagssituationen Unterstützung benötigt.
4.
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Eine dauernde persönliche Überwachungsbedürftigkeit liegt vor, wenn eine versicherte
Person nicht allein gelassen werden kann, so dass ständig (allenfalls mit kleinen
Unterbrüchen) eine Drittperson anwesend sein muss (Rz. 8035 KSIH). Die dauernde
Pflege bzw. die medizinische oder pflegerische Hilfeleistung beinhaltet beispielsweise
das tägliche Verabreichen von Medikamenten oder das Anlegen einer Bandage (Rz.
8032 KSIH). Eine Überwachungsbedürftigkeit darf angenommen werden, wenn die
versicherte Person ohne Überwachung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sich
selbst oder Drittpersonen gefährden würde (Rz. 8035 KSIH). Gemäss dem Protokoll
über die Abklärung an Ort und Stelle müssen der Beschwerdeführerin einmal
wöchentlich die Medikamente zusammengestellt werden. Die tägliche Einnahme
erfolge aber mehrheitlich selbständig, ab und zu müsse sie darauf hingewiesen werden
(IV-act. 13 S. 5). Dagegen hat das Ehepaar I._ erklärt, dass die
Medikamenteneinnahme nur durch Kontrolle gewährleistet sei. Ansonsten würde sich
die Beschwerdeführerin selber gefährden, da sie entweder die Medikamente
vergessen, doppelt oder mehrfach einnehmen würde (act. G 12.1). Zwar handelt es
sich bei der Medikamenteneinnahme um eine Hilfeleistung, die bei der dauernden
persönlichen Überwachung berücksichtigt werden muss. Die persönliche
Überwachung muss jedoch ein gewisses Mass an Intensität aufweisen (Rz. 8035
KSIH). Dies ist bei der Kontrolle der Medikamenteneinnahme nicht der Fall. Im Übrigen
kann die Beschwerdeführerin gemäss Dr. D._ für einige Stunden alleine zu Hause
gelassen werden (IV-act. 8). Auch daraus folgt, dass die Beschwerdeführerin nicht
dauernd überwacht werden muss.
5.
5.1 Die Beschwerdeführerin hat somit einen Entschädigungsanspruch für eine
lebenspraktische Begleitung und ist in der Lebensverrichtung der Fortbewegung hilflos.
Um beurteilen zu können, ob die Beschwerdeführerin auch bei den alltäglichen
Lebensverrichtungen des An- und Auskleidens, des Essens, der Körperpflege und der
Verrichtung der Notdurft hilflos ist, hat die Beschwerdegegnerin weitere Abklärungen
vorzunehmen. Demnach ist die angefochtene Verfügung vom 18. Juli 2012 in teilweiser
Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache zu weiteren Abklärungen im
Sinne der Erwägungen und anschliessender Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
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5.2 Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat für die Verfahrenskosten
aufzukommen. Diese bemessen sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1
IVG). Da das Beschwerdeverfahren einen durchschnittlichen Aufwand verursacht hat,
wird die Gerichtsgebühr auf Fr. 600.-- festgesetzt. Der Kostenvorschuss von Fr. 600.--
wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet.
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungs
gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der
Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. In einem Fall mit
mittlerem Aufwand und Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine
Pauschalentschädigung von Fr. 3'500.-- ausgerichtet. Die Beschwerdegegnerin hat die
Beschwerdeführerin entsprechend mit Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP