Decision ID: c4d6f4c6-976b-51a0-b4c8-10f449092411
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden ersuchten am 6. April 2021 in der Schweiz um
Asyl (Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 1 und 15).
B.
Am 12. April 2021 nahm die Vorinstanz die Personalien der Beschwerde-
führenden auf und am 19. April 2021 gewährte sie ihnen rechtliches Gehör,
unter anderem zur Zuständigkeit Deutschlands für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zum beabsichtigten Nichteintretens-
entscheid sowie zur Wegweisung in diesen Dublin-Mitgliedstaat (SEM-
act. 14, 26 und 32 f.).
C.
Mit Verfügung vom 22. April 2021 – eröffnet am 23. April 2021 – trat die
Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf
die Asylgesuche nicht ein, ordnete die Wegweisung nach Deutschland an
und forderte die Beschwerdeführenden auf, die Schweiz am Tag nach Ab-
lauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig wies die Vorinstanz auf
die einer allfälligen Beschwerde von Gesetzes wegen fehlende aufschie-
bende Wirkung hin und beauftragte den Kanton Basel-Landschaft mit dem
Vollzug der Wegweisung (SEM-act. 47).
D.
Gegen den vorinstanzlichen Entscheid erhoben die Beschwerdeführenden
am 30. April 2021 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie bean-
tragten, die vorinstanzliche Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben und
ihre Asylgesuche vom 6. April 2021 in Ausübung des Selbsteintrittsrechts
nach der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah-
ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei-
nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat ge-
stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend:
Dublin-III-VO) durch die Schweiz materiell zu überprüfen, indem die Ange-
legenheit zur Neubearbeitung und zu weiteren Abklärungen an die Vor-
instanz zurückzuweisen sei. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragten
sie, der Beschwerde sei aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Voll-
zugsbehörden seien anzuweisen, von einer Überstellung nach Deutsch-
land abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die vorliegende
Beschwerde entschieden habe. Ihnen sei die unentgeltliche Prozessfüh-
rung zu gewähren (Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1).
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E.
Am 3. Mai 2021 lagen dem Bundesverwaltungsgericht die Akten in elektro-
nischer Form vor und gleichentags setzte der Instruktionsrichter den Voll-
zug der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus (BVGer-
act. 2).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2. Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die Be-
schwerdeführenden sind zur Einreichung der Beschwerde legitimiert
(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3
AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.3. Die Beschwerde erweist sich – wie im Folgenden zu zeigen ist – als
offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines
Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu behandeln ist
(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
2.
Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
3.1. Aus entsprechenden Einträgen in der europäischen Fingerabdruck-
Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) beziehungsweise aus von den Be-
schwerdeführenden edierten Akten zu schliessen hatten diese am 20. Au-
gust 2020 bereits in Deutschland um Asyl ersucht (SEM-act. 12 und 24).
Am 26. November 2020 lehnte das deutsche Bundesamt für Migration und
Flüchtlinge die Anträge der Beschwerdeführerin 1 auf Zuerkennung der
Flüchtlingseigenschaft, auf Asylanerkennung sowie auf subsidiären Schutz
als offensichtlich unbegründet ab und forderte sie auf, die Bundesrepublik
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Deutschland innerhalb einer Woche zu verlassen, andernfalls sie in die Uk-
raine abgeschoben werde. Eine dagegen erhobene Klage wies ein deut-
sches Verwaltungsgericht am 16. Dezember 2020 ab (SEM-act. 4).
3.2. Den Wiederaufnahmegesuchen der Vorinstanz vom 19. April 2021
stimmten die deutschen Behörden am 21. April 2021 zu (SEM-act. 36 f.
und 41). Die grundsätzliche Wiederaufnahmezuständigkeit Deutschlands
für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens der Be-
schwerdeführenden ist folglich gegeben und unbestritten (Art. 18 Abs. 1
Bst. d und Art. 23 Dublin-III-VO; Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG).
4.
4.1. Die Beschwerdeführenden fordern die Anwendung der Souveränitäts-
klausel aus humanitären Gründen. Sie machen zum einen eine Verletzung
des Grundsatzes der Einheit der Familie geltend. Die deutschen Behörden
hätten wegen fehlender Dokumente ihre am (...) 2018 in Tiflis geschlos-
sene Ehe nicht anerkannt. Der Beschwerdeführerin 1 drohe deshalb die
sofortige Wegweisung in die Ukraine. Das Asylverfahren des Beschwerde-
führers 2 sei noch pendent. Zum andern bringen die Beschwerdeführenden
vor, sie machten "möglicherweise" asylrelevante Gründe der Verfolgung in
der Heimat geltend, was im Rahmen eines ordentlichen Asylverfahrens ab-
zuklären sei.
4.2. Ein negativer Asylentscheid in Deutschland bildet für sich alleine kein
Überstellungshindernis. Es gilt das Prinzip, dass ein Asylgesuch lediglich
von einem einzigen Dublin-Mitgliedstaat zu prüfen ist. Deutschland bleibt
somit auch für eine allfällige Wegweisung aus dem Dublin-Raum zuständig
(BVGE 2017 VI/5 E. 8.5.3.3). Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass die deut-
schen Behörden die Anträge auf internationalen Schutz der Beschwerde-
führenden nicht unter Einhaltung der Regeln der Richtlinie des Europäi-
schen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu ge-
meinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des interna-
tionalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) geprüft hätten oder dass das
Asylverfahren mangelhaft gewesen wäre, sind nicht ersichtlich. Inwiefern
der Grundsatz der Einheit der Familie verletzt wurde, beziehungsweise
wird, lässt sich weder den Akten entnehmen, noch wird dieses Vorbringen
von den Beschwerdeführenden hinreichend begründet. Unabhängig davon
sind sie mit dieser Rüge an die deutschen Behörden sowie auf den Rechts-
mittelweg in Deutschland zu verweisen. Schliesslich ist nicht zu befürchten,
die deutschen Behörden könnten die Beschwerdeführenden in Missach-
tung des Grundsatzes des Non-Refoulement zur Ausreise in ein Land zwin-
gen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach
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Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet wäre oder in dem sie Gefahr laufen würden,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden.
5.
Der angefochtene Entscheid verletzt daher keine die Schweiz bindende
völkerrechtliche Bestimmung. Eine gesetzeswidrige Ermessensausübung
der Vorinstanz ist nicht ersichtlich. Demzufolge ist nicht zu beanstanden,
dass sie von dem in Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO und in Art. 29a Abs. 3 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) veranker-
ten Selbsteintrittsrecht keinen Gebrauch gemacht hat. Zu Recht ist sie auf
die Asylgesuche nicht eingetreten und hat die Überstellung der Beschwer-
deführenden nach Deutschland verfügt. Die Beschwerde ist abzuweisen.
Der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung erweist sich mit
der Ausfällung des vorliegenden Urteils als gegenstandslos.
6.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist abzuwei-
sen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt
– als aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Verfahrenskosten sind den Be-
schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
7.
Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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