Decision ID: 23232c8d-3cf0-4884-8708-ca6d09505baf
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1954,
ist als Betriebsinhaber bei
Y._
,
in Z._
,
angestellt und dadurch freiwillig bei der AXA Versicherungen AG (nachfolgend: AXA) gegen die Folgen
von
Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert (vgl.
Urk.
3/5
,
Urk.
11/A1
).
Am 2
3.
September 2018 rutschte er beim Aufsammeln von Baumnüssen auf
feuchtem
Laub aus und stürzte
auf den rechten Ellbogen, worauf Schmerzen an der rechten Schulter
auftraten
(
Urk.
11/A3
, 11/M8).
Nachdem eine am
8.
Oktober 2018 durchgeführte MR-
Arthrographie
unter anderem eine
Rotatorenmanschettenläsion
mit
transmuralen
Rupturen der Supra- und
Infraspinatussehne
gezeigt hatte (
Urk.
11/M5),
wurde der Versicherte am 2
1.
November 2018 aufgrund persistierender Beschwerden an der rechten Schulter im Kantonsspital
A._
oper
ativ versorgt (Urk. 11/M12 f.).
Die AXA
erbrachte zunächst
die gesetzlichen Leistungen (vgl. U
rk.
11/A18 f., 11/A27)
. Nach Eingang einer Stellungnahme ihres beratenden Arztes
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Chirurgie, vom 1
8.
Oktober 2019 (
Urk.
11/M24) teilte sie dem Versicherten mit Schreiben vom 2
8.
Oktober 2019 mit, dass der Status quo sine spätestens sechs Wochen nach dem Schadenereignis eingetreten sei, weshalb sie ihre Leistungspflicht ab dem
6.
November 2018 verneine. Auf die Rückforderung der zu viel erbrachten Leistungen verzichtete die AXA (Urk. 11/A
26).
Mit Schreiben vom 1
3.
März 2020 opponierte der Versicherte gegen die Leistungseinstellung (
Urk.
11/A41), worauf die AXA am 3
0.
April 2020
nach erneuter Rücksprache mit ihrem beratenden Arzt (Stellungnahme vom 1
7.
April 2020,
Urk.
11/M29)
entsprechend verfügte (
Urk.
11/A44).
Unter Beilage von Berichten der behandelnden Ärzte (
Urk.
11/M30-32) erhob der Ver
sicherte dagegen am
2.
Juni 2020 Einsprache (
Urk.
11/A48).
Nach
dem die AXA an den
beratenden A
rzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt für
Chirurgie, gelangt war (Stellungnahme vom 1
3.
November 2020,
Urk.
11/M33), wies sie die Einsprache
mit
E
ntscheid
vom
3.
Dezember 2020
ab (
Urk.
2 = Urk.
11/A51).
2.
Dagegen erhob
X._
, vertreten durch Rechtsanwältin Nicole
Burri
,
am 1
9.
Januar 2021 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, der angefochtene
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen gemäss dem
Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG)
für die Folgen des Unfallereignisses vom 2
3.
Septem
ber 2018 für die Zeit ab dem
5.
November 2018 bis auf Weiteres zu erbringen. Eventualiter sei zur Klärung der Frage, ob die bestehenden Beschwerden über
wiegend wahrscheinlich auf das Unfallereignis zurückzuführen seien, auf Kosten der Beschwerdegegnerin ein Gutachten eines versicherungsexternen Facharztes einzuholen (
Urk.
1 S. 2).
Für den Fall des Obsiegens beantragte der Beschwerde
führer ausserdem den Ersatz der für die Beschwerde notwendigen Abklärungs
kosten, insbesondere der
jenigen
der Beurteilung von
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie des Bewegungsapparates (
Urk.
1 S. 24; vgl.
Urk.
3/29 und
3/31).
Mit Beschwerde
antwort vom 1
2.
Mai 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10 S. 3).
Insbesondere unter Beilage einer weiteren Beurteilung von
Dr.
D._
(
Urk.
19/33) hielt der Beschwerde
führer m
it Replik vom 2
0.
A
ugust 2021
an seinen Rechtsbegehren fest (
Urk.
18 S. 2). Selbiges tat die Beschwerdegegnerin mit
Duplik vom
1
0.
Januar 2022 (
Urk.
26 S. 3)
,
wobei sie ihrer Eingabe eine Stellungnahme von
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Orthopä
dische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, beilegte (
Urk.
27/1). Darüber wurde
der zwischenzeitlich neu durch Rechtsanwältin Mirjam
Stanek
Brändle vertretene Beschwerdeführer (vgl.
Urk.
22,
Urk.
28-30) mit Verfügung vom 1
9.
Januar 2022 in Kenntnis gesetzt (
Urk.
31).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
UVG
werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch bei den im Einzelnen in Abs. 2 aufgeführten Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu.
1.2
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsre
chts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.3
1.3.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1
.3.2
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheits
schadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krank
hafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksals
mässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungs
begründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatsache handelt, liegt die entsprechende Beweislast
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist
nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten mass
gebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch dieser Zustand noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG Leistungen zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.3 mit Hinweisen).
1.4
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen
Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten
unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 3. Dezember 2020 zusammengefasst fest,
den Stellungnahmen des internen medizinischen Beratungsdienstes sei voller Beweiswert zuzusprechen.
Diese stützten sich auf die vollständigen Akten unter Berücksichtigung der bildgeben
den Abklärungen und seien ausführlich sowie schlüssig und nachvollziehbar begründet worden. Auch mit Blick auf die versicherungsmedizinische Literatur sei der vom Beschwerdeführer geschilderte Sturz nicht geeignet gewesen, die massive
Rotatorenmanschettenläsion
rechts auszulösen. Auf der Grundlage der Beurteilungen des Beratungsdienstes könne die natürlich Kausalität zum Schadenereignis für höchstens sechs Wochen als gegeben gelten, sodass spätes
tens per
5.
November 2018 der Status quo sine erreicht gewesen sei und die weiteren
die rechte Schulter betreffenden
Behandlungen einer krankheitsmäs
sigen Genese zuzuschreiben seien.
Damit sei auch eine Leistungspflicht gemäss
Art.
36 UVG entfallen, welcher besage, dass eine Leistungspflicht auch bestehe, wenn die Beschwerden nur teilweise auf den Unfall zurückzuführen seien (
Urk.
2 S. 6-8).
2.2
In seiner Beschwerdeschrift vom 1
9.
Januar 2021 machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend,
dass gestützt auf die Beurteilung von
Dr.
D._
die geltend gemachten Beschwerden überwiegend wahrscheinlich auf das Unfall
ereignis vom 2
3.
September 2018 und nicht auf ein vorbestehend
es,
degenerati
ves Geschehen zurückzuführen seien. Das Trauma sei geeignet gewesen, die unbestrittenermassen bereits vorgeschädigte
Rotatorenmanschette
richtungs
weisend zu verschlimmern. Gemäss
Dr.
D._
habe
der Status quo sine bis anhin nicht erreicht werden können, weshalb die Beschwerdegegnerin weiter
hin
auch über den
5.
November 2018 hinaus
verpflichtet sei, ihre Leistungen zu erbringen (
Urk.
1 S. 21 f.). Bezugnehmend auf seinen Eventualantrag hielt der Beschwerdeführer des Weiteren fest,
es bestünden erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen der von der Beschwerdegegnerin beigezogenen Fachärzte. Diese entsprächen nicht den aktuellen Lehrmeinungen und seien tendenziös, weshalb nicht einzig darauf abgestellt werden könne.
Daher sei ein Gutachten einer neutralen, versicherungs
externen Fachperson einzuholen
(
Urk.
1 S. 23 f.).
2.3
Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Mai 2021
betonte die Beschwerdegegnerin, dass den von ihr bei
Dr.
B._
und
Dr.
C._
veranlassten ärztlichen Stellungnahmen voller Beweiswert zukomme. Überdies sei der behandelnde
Mediziner
des Beschwerdeführers,
Dr.
med.
F._
,
Facharzt für Orthopä
dische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, zum selben Ergebnis gelangt. Vom beantragten Gutachten seien keine wesentlichen neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abzusehen sei.
Es stehe mit dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die ab dem
5.
November 2018 geltend gemachten Beschwerden nicht in einem natür
lichen Kausalzusammenhang zum Unfall vom 2
3.
September 2018 stünden, sondern degenerativ bedingt seien. Daran vermöge insbesondere die im Beschwerdeverfahren eingereicht
e Stellungnahme von
Dr.
D._
nichts zu ändern
(
Urk.
10 S. 13
f.
).
2.4
Der Beschwerdeführer
bekräftigte
seine Sichtweise
mit Replik vom 2
0.
A
ugust 2021, wobei
er sich
zusätzlich auf
eine weitere zwischenzeitlich
bei
Dr.
D._
eingeholte Beurteilung stützte
(vgl.
Urk.
18 S. 10-12
,
Urk.
19/33
).
Entgegen den Behauptungen der Beschwerdegegnerin könne nicht von einem degenerativen G
eschehen ausgegangen werden; er habe anlässlich des Unfall
ereignisses vom 2
3.
September 2018 eine neue
transmurale
Läsion der
Supra
spinatussehne
erlitten. Die Leistungseinstellung
per
1.
(richtig: 5.) November 2018 sei
demnach
zu Unrecht erfolgt (
Urk.
18 S. 16).
2.5
In ihrer Duplik vom 1
0.
Januar 2022
hielt auch die Beschwerdegegnerin an ihrer Auffassung fest und reichte eine versicherungsmedizinische Stellungnahme von
Dr.
E._
ins Recht (
Urk.
27/1). Dieser habe die weitgehend gar nicht oder wider
sprüchlich begründet
en Ausführungen von
Dr.
D._
in einlässlicher Weise entkräftet
. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit stünden die ab dem
5.
November 2018 geltend gemachten Beschwerden nicht in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 2
3.
September 2018, sondern seien degenerativ bedingt. Der angefochtene Entscheid erweise sich daher als rechtens (
Urk.
26 S. 8 und S. 17).
3.
3.1
Nach dem Schadenereignis vom 2
3.
September 2018 wurde a
m
8.
Oktober 2018
im
Kantonsspital A._
eine MR-
Arthrographie
der rechten Schulter des Beschwerdeführers durchgeführt.
Dabei ergab sich folgende Beurteilung (Urk. 11/M5 S. 2):
-
Rotatorenmanschettenläsion
mit
transmuralen
Rupturen von Supra- und
Infraspinatussehne
mit geringer Retraktion der
Supraspinatussehne
(Patte Grad I); leichte fettige Atrophie und Degeneration
Goutallier
Grad I der entsprechenden Muskeln; intakte
Subscapularissehne
-
Pulley
-Läsion mit Ruptur des
superioren
glenohumeralen
Ligamentes (SGHL);
Tendinopathie
mit Partialruptur der langen
Bizepssehne
im intra
artikulären Verlauf
-
alte Hill-Sachs-Delle mit alter Traumatisierung des
anteroinferioren
Labrums
-
moderate, aktivierte AC-Gelenksarthrose.
Vom 2
1.
bis 2
4.
November 2018 war der Beschwerdeführer zwecks operativer Versorgung der
Rotatorenmanschettenläsion
im
Kantonsspital A._
hospitalisiert
(
Urk.
11/M12 f.).
Nach einem zunächst postoperativ normalen Heilungsverlauf (vgl. Urk. 11/M11 S. 2)
ging
der Operateur
Dr.
F._
mit Verlaufsbericht vom 15. Feb
ruar 2019 von einem leichten Rehabilitationsdefizit
aus, wahrscheinlich im Rahmen einer postoperativen
Kapsulitis
.
D
afür spre
che auch die leichtgradige CRPS-Problematik im Bereich der linken Hand (
Urk.
11/M14 S. 2).
Gemäss Verlaufsbericht vom 1
7.
Juni 2019 habe der Beschwerdeführer zwar von einer verbesserten Schulterfunktion bei
regredienten
Schmerzen berichtet. Die Belast
barkeit bleibe jedoch klar limitiert. Die Hauptproblematik bilde die leicht eingeschränkte H
andfunktion; e
s träten nun teils erhebliche Schmerzen im Bereich des Daumens auf (
Urk.
11/M18 S. 1).
In diesem Zusammenhang wurde aufgrund der Diagnose einer A1-Ringbandstenose am 2
4.
Juli 2019 eine Infiltra
tion vorgenommen (vgl.
Urk.
11/M22), wovon der Beschwerdeführer gemäss Verlaufsbericht vom 1
6.
August 2019
sehr gut profitiert habe
.
Laut
Dr.
F._
hätten sich zudem die
Kapsulitis
und die Schmerzen
regredient
gezeigt. Die Funk
tion des Schultergelenkes habe sich ebenfalls verbessert, wobei der Endzustand mit Sicherheit noch nicht erreicht worden sei (
Urk.
11/M23).
3.2
In seiner Funktion als beratender Arzt der Beschwerdegegnerin äusserte sich Dr.
B._
mit Stellungnahme vom 1
8.
Oktober 2019 dahingehend, dass sich in der MR-Tomographie vom
8.
Oktober 2018 überwiegend degenerative chronische Veränderungen des rechten Schultergelenks gezeigt hätten. Diese seien bereits teilweise in geringerer Ausprägung im MRT von 2015 (vgl.
Urk.
3/11) beschrieben worden.
Die strukturellen Veränderungen seien degenera
tiver Natur und nicht unfallkausal.
Durch den Sturz am 2
3.
September 2018 sei es zu einer Kontusion des Ellbogens mit mutmasslicher axialer Stauchung und Exazerbation der vorbestehenden Schulterbeschwerden rechts gekommen. Es sei von einer traumatisierten AC-Gelenksarthrose auszugehen. Die Ellbogenkontu
sion (gemäss Unfallmeldung) habe in der weiteren Krankengeschichte keine Erwähnung mehr gefunden; somit sei diesbezüglich von einem guten Verlauf auszugehen.
Der Status quo sine werde durch die Ellbogenkontusion und die mutmassliche Traumatisierung des AC-Gelenks bestimmt. Nach sechs Wochen (
5.
November 2018) dürfte er erreicht gewesen sein (
Urk.
11/M24 S. 2).
3.3
Dr.
F._
hielt in seiner Stellungnahme vom 2
4.
Dezember 2019 fest, es seien mehrere Schultertraumata rechts anamnestisch dokumentiert. Bereits am 24. Dezember 2015 sei eine
Rotatorenmanschettenläsion
festgestellt worden, weshalb die aktuell behandelte
Rotatorenmanschettenverletzun
g
definitiv nicht
alleinig
auf das Unfallereignis vom 2
3.
September 2018
zurückzuführen sei.
Es sei allgemein bekannt, dass solche Verletzungen kaum heilen und in der Regel über die Zeit grösser würden, selbst wenn sie asymptomatisch seien. Möglicherweise bestehe
im Sinne einer Komplementierung der Verletzung
ein natür
licher Zusammenhang zum Unfallereignis. Erwähnenswert sei, dass der Beschwerdeführer nach der Erstkonsultation im
Kantonsspital A._
vom 1
3.
Juni 2016 (vgl. Urk. 11/M15) praktisch wieder beschwerdefrei gewesen sei und sich die Verletzung zwischen dem 2
4.
Dezember 2015 und
8.
Oktober 2018 zwar vergr
ös
sert
, die Muskulatur jedoch keine relevanten Abbauveränderungen (fettige Degeneration, Atrophie) erlitten habe (
Urk.
11/M30 S. 2).
3.4
Mit Stellungnahme vom 1
7.
April 2020 betonte
Dr.
B._
, dass das Ereignis vom 2
3.
September 2018 nur
möglicherweise ursächlich für die Ruptur sei. Die 2015 im MRT festgestellten strukturellen Veränderungen der Schulter rechts seien überwiegend degenerativer Natur.
Hinweise dafür seien die typischen Veränderungen des Schultergelenkes sowie die zunehmende Verfettung des Muskels, welche
schrittweise
im Rahmen des zunehmenden Funktionsverlustes der
Rotatorenmanschette
bei zunehmender chronischer und degenerativ beding
ter Ruptur der Sehne begründet seien. Die Progredienz der Ruptur im Rahmen der Degeneration könne lange kompensiert bleiben (stumme Vorgeschichte). Eine Dekompensation dieses Zustandes anlässlich eines Traumas sei mit fast
an
Sicherheit grenzender Regelhaftigkeit zu erwarten.
Es handle sich auch nicht um eine unfallkausale richtungsgebende Verschlimmerung, da das axiale Trauma als solches ungeeignet sei, eine
Rotatorenmanschettenruptur
herbeizuführen. Das Trauma sei aber geeignet, eine mutmassliche Traumatisierung des Schultergelen
kes herbeizuführen (
Urk.
11/M29).
3.5
Am 1
9.
Mai 2020 äusserte sich
Dr.
F._
erneut schriftlich zur Sache, wobei er
ausführte, es lasse sich definitiv nicht bestimmen, ob die Grössenzunahme der Verletzung an der
Rotatorenmanschette
traumatisch bedingt sei oder sich in der Zwischenzeit
ab dem 2
4.
Dezember 2015
chronisch entwickelt habe. Insbesondere die Muskulatur des
Supraspinatus
zeige keine Atrophie oder fettige Degeneration, was für eine traumatische Vergrösserung sprechen könnte (Urk. 11/M32 S. 1). Die Frage, ob die erlittene
Rotatorenmanschettenruptur
über
wiegend wahrscheinlich auf den Unfall vom 2
3.
September 2018 zurückzuführen sei, lass
e
sich nicht diskussionsfrei beantworten. In Anbetracht der Tatsache, dass bereits
in
einer MR-Untersuchung vom 2
4.
Dezember 2015 eine
Rotatoren
manschettenverletzung
dokumentiert worden sei, müss
t
e die Frage verneint werden
. Allerdings habe die
Rupturgrösse
in der MR-Untersuchung vom
8.
Okto
ber 2018 zugenommen, ohne dass jedoch zweifelsfrei gesagt werden könne, dass diese Grössenzunahme mit dem Sturz in Zusammenhang stehe
(U
rk.
11/M32
S. 2).
3.6
In der Funktion eines beratenden Arztes der Beschwerdegegnerin schloss sich Dr.
C._
mit Stellungnahme vom 1
3.
November 2020 der Sichtweise von Dr.
B._
an (
Urk.
11/M33 S. 3). Die Beschwerdesituation stehe mit praktischer S
icherheit in
Zusammenhang mit einem vorbestehenden krankhaften degenerativen Geschehen, das seit 2016
(richtig: 2015)
bekannt sei.
Der MRI-Befund vom 8.
Oktober 2018 z
eige gegenüber dem Vorbefund von
2016 lediglich eine Ausdehnung der Rissbreite, wie sie aus eigener Dynamik heraus zu erwarten gewesen sei
,
und zusätzlich eine intramurale Ausweitung der Läsion an der
Infraspinatussehne
in horizontalem Sinne, was wiederum für ein degeneratives Geschehen spreche. Zudem sei der geschilderte Ereignishergang mit axialer Stauchung des Oberarmes bei Aufprall mit dem Ellenbogen aus biomechanischer Sicht nicht geeignet, eine
Ruptur im
Rotatorenmanschetten
bereich
zu verur
sachen. Das Gleiche würde für eine seitliche
Kontusionierung
gelten. In Bezug auf die Stenose des Ringbandes des rechten Daumens bestehe kein natürlicher Kausalzusammenhang zum Unfall
vom 2
3.
September 2018 (Urk.
11/M33 S. 1).
Bei
m
Fehlen objektivierbarer struktureller Schädigungen im Zusammenhang mit dem Schadenereignis sei etwa vier
W
ochen nach dem Ereignis vom Erreichen des Status quo sine auszugehen (Urk. 11/M33 S. 2).
3.7
In einer an die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers gerichteten E-Mail vom 1
1.
Januar 2021
kritisierte
Dr.
D._
die Beurteilung von
Dr.
C._
, welcher nicht auf dem neuesten Wissenstand sei. Dessen Ausführungen seien versicherungsfreundlich, tendenziös, nicht auf dem neuesten Stand der Erkennt
nisse und folglich unbrauchbar (
Urk.
3/29 S. 2).
Mit Stellungnahme vom 1
4.
Januar 2021 hielt
Dr.
D._
sodann fest, dass sowohl die Schulter- als auch die Handbeschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum Ereignis vom 2
3.
September 2018 stünden. Das damals erlittene Trauma sei geeignet, die vorgeschädigte
Rotatoren
manschette
der rechten Schulter richtungsweisend zu verschlimmern (
Urk.
3/31 S. 1).
Die
Kapsulitis
und das handbetonte CRPS
seien zudem eindeutig Folge der Schulteroperation respektive des hier relevanten Unfalls
, wobei deren Entstehung und
Regredienz
durch
Dr.
F._
präzise dokumentiert worden seien (
Urk.
3/31
S. 2). Ein Status quo sine der Schulter- und Handbeschwerden rechts sei aufgrund der richtunggebenden Veränderung durch das Unfallereignis nicht mehr erreicht worden.
Die Läsion der rechten Schulter habe sich dadurch verschlechtert, was sowohl die
Supraspinatus
-, die
Infraspinatus
- als auch die
Subscapularissehne
betreffe (
Urk.
3/31 S. 3).
Mit Stellungnahme vom 2
5.
August 2021 liess sich
Dr.
D._
erneut zur Sache vernehmen, wobei er
unter Einbezug einer Beurteilung von
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Nuklearmedizin und Radiologie, vom 1
9.
August 2021 (Urk. 19/32)
insbesondere darauf hinwies, dass sich im Vergleich zum MRI von Dezember 2015 eine
neue
transmurale
beziehungsweise durch die ganze Sehne reichende Rissbildung der
Supraspinatussehne
gezeigt habe, die sich schliesslich um 1.1 cm zurückgezogen habe. Intraoperativ habe
Dr.
F._
dasselbe festgehalten
. Der Riss der
Supraspinatussehne
sowie die kraniale
Subscapularis
-Partialruptur seien eindeutig traumatisch verursacht worden. Dafür sprächen die
anteriore
Lage des Risses
, die minime Verfettung und der Umstand, dass sich die
Supraspinatussehne
intraoperativ problemlos auf den
Footprint
habe
retrahieren
lassen
. Die Verletzung an der
Bizepssehne
und die Zerstörung des
Pulleys
gingen eindeutig mit dem Abriss der
Supraspinatussehne
einher
(
Urk.
19/33 S. 2 f.).
3.8
Als beratender Arzt der Beschwerdegegnerin hielt
Dr.
E._
in seiner Beurteilung vom
4.
Januar 2022
im Wesentlichen fest,
die Stellungnahme von
Dr.
D._
überzeuge ihn mangels Begründung der Argumente nicht. Die Aussage, dass eine
Footprint
-Ablösung der Sehne für eine traumatische Genese spreche, stehe zudem in völligem Widerspruch zur versicherungsmedizinischen Literatur und zur gängigen Beurteilung der Kriterien der jetzigen Praxis. Der
F
ootprint
sei
eine Prädilektionsstelle für degenerative Veränderungen (
Urk.
27/1 S. 4).
Ferner hänge das offenbar spannungsarme oder spannungsfreie Heranführen der
Supra
spinatussehne
an den
Footprint
nicht mit dem zeitlichen Kausalbezug zum Ereignis zusammen, sondern mit der Grösse der Schädigung, die sich immer noch im Stadium I nach Patte befunden habe.
Das Argument betreffend Muskelver
fettung sei ebenfalls nicht stichhaltig, da
jene
mit dem Schweregrad der schädigungsbedingten Inaktivierung zusammenh
änge
. Das Ausmass der vorliegenden
Supraspinatus
-Schädigung
(2015) und die Erweiterung in den
Infraspinatus
(2018) bedeuteten keine schwere Inaktivierung der
Rotatoren
manschetten-Muskulatur
(
Urk.
27/1 S. 6).
Schliesslich überzeuge auch die Einschätzung, wonach die Lokalisation des Risses der
Supraspinatussehne
für eine traumatische Ursache spreche, in keiner Weise. Es liege eine Zusammen
hangstrennung direkt am knöchernen Sehnenansatz bei klar vorbestehender Sehnendegeneration vor. Dabei handle es sich um die klassische, intrinsische degenerative Schädigung an der Prädilektionsstelle für Abnützungen. Es sei unverständlich, weshalb die bekannten Sehnenvorschädigungen an dieser Loka
lisation nicht entsprechend gewürdigt worden seien (
Urk.
27/1 S. 7).
4.
4.1
Es ist unbestritten, dass der Sturz beim Aufsammeln von Baumnüssen einen Unfall im Sinne von
Art.
4 ATSG darstellt (vgl.
Urk.
1 S. 14
Ziff.
29,
Urk.
10 S. 16
Ziff.
46
), weshalb sich Weiterungen hierzu erübrigen. Die Beschwerdegegnerin anerkannte denn auch ihre Leistungspflicht für einen begrenzten Zeitraum (vgl.
Urk.
11/A18 f., 11/A26 f.
).
Strittig und zu prüfen ist allerdings, ob sie ihre Leistungen mit der Begründung, der natürliche Kausalzusammenhang sei infolge Erreichens des Status quo sine dahingefallen,
zu Recht
per
5.
November 2018 eingestellt hat (vgl. vorstehende E. 2.1-2.5).
In diese
m Zusammenhang
ist vorab festzuhalten, dass
d
er Unfallversicherer die Möglichkeit hat, die durch Ausrichtung von Heilbehandlung (und allenfalls Taggeld) anerkannte Leistungspflicht mit Wirkung ex
nunc
et pro
futuro
ohne Berufung auf den
Rückkommenstitel
der Wiedererwägung oder der prozessualen Revision einzustellen, etwa mit dem Argument, bei richtiger Betrachtung liege kein versichertes Ereignis vor (BGE 130 V 380 E. 2.3.1) oder der Kausalzusam
menhang zwischen Unfall und leistungsbegründendem Gesundheitsschaden habe gar nie bestanden oder sei dahingefallen. Eine solche Einstellung kann auch rückwirkend erfolgen, sofern der Unfallversicherer keine Leistungen zurückfor
dern will (nicht
publ
. E. 3 des Urteils BGE 146 V 51; Urteil des Bundesgerichts 8C_786/2021 vom 11. Februar 2022 E. 2 mit Hinweisen).
4.2
4.2.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihren Entscheid in erster Linie auf die Ausfüh
rungen der beratenden Ärzte
Dr.
B._
,
Dr.
C._
und
Dr.
E._
vom 1
8.
Oktober 2019, 1
7.
April 2020, 1
3.
November 2020 und
4.
Januar 2022 (Urk. 11/M24, 11/M29, 11/M33 und 27/1
). Diese
hatte
n
den
Beschwerdeführer
nicht persönlich untersucht, sondern jeweils eine Aktenbeurteilung vorge
nommen. Diesen
kann trotzdem voller Beweiswert zukommen, sofern ein lücken
loser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche
Beurteilung eines an sich fest
stehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts 8C_750/2020 vom 23. April 2021 E. 4 mit Hinweisen).
Anhand der ihnen
zur Verfügung gestellten
Vorakten
konnte
n
sich
die beraten
den Ärzte, welche jeweils
über die konkret notwendige
fachliche Qualifikation verfügen
(vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_480/2021 vom 6. Dezember 2021 E. 4.2.1 mit Hinweis), ein vollständiges Bild über die Anamnese sowie den Behandlungsverlauf verschaffen. Da es im konkreten Fall zudem nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich f
eststehenden medizinischen Sach
verhalts geht, ist nicht zu beanstanden, dass auf eine klinische Untersuchung des
Beschwerdeführers
verzichtet wurde. Gegenteiliges wurde von dessen Seite denn auch nicht geltend gemacht.
4.2.2
Näher zu prüfen bleibt, ob die
versicherungsinternen
Aktenbeurteilungen auch inhaltlich überzeugen
oder ob
auf der
Basis
der fachärztlichen Ausführungen
von
Dr.
D._
auch nur geringe Zweifel
an deren Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
bestehen (vgl. vorstehende E. 1.4).
Grundsätzlich u
nbestritten
(vgl.
Urk.
10 S. 4
Ziff.
9 f.,
Urk.
18 S. 3
Ziff.
7 f.)
und aktenkundig ist zunächst, dass
sich der Beschwerdeführer bereits am 1
4.
April 2012 bei der B
enu
tzung einer Hängeleiter eine Verletzung an der rechten Schulter zugezogen hat
, wobei nach Abschluss der physiotherapeutischen Behandlung keine vollständige Beschwerdefreiheit vorlag
(
Urk.
12/1
, vgl. auch
Urk.
11/M13 S. 2 und
11/M15
).
Im Rahmen einer MR-
Arthrographie
vom 2
4.
Dezember 2015 stellte
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Radiologie, nebst einer ausgedehnten gelenkseitigen Partialruptur der
Supraspinatussehne
(etwas geringfügiger auch der
Infraspinatussehne
) auch eine mässige
Tendinose
der langen
Bizepssehne
mit
Peritendinitis
im
Sulcus
bicipitis
sowie eine
geringgradige
, leicht aktivierte
AC-Arthrose fest (
Urk.
3/11).
Insoweit bestand
an der rechten Schulter
bereits
vor dem Unfallereignis vom 23. September 2018 ein pathologischer
Z
ustand.
Diesen mittels bildgebender Untersuchungen objektivierten krankhaften Vorzu
stand bezogen die beratenden Ärzte in ihre Beurteilung mit ein und gelangten in nachvollziehbarer Weise zum S
chluss, die strukturellen Veränderungen
am rechten Schultergelenk
seien
überwiegend
degenerativer Natur und nicht
auf das Unfallereignis zurückzuführen.
Der Beschwerdege
gnerin ist beizupflichten, dass
Dr.
F._
als behandelnder Arzt
dieser Beurteilung
in
den
wesentlichen Punkten
nicht
widerspr
ochen hat
. So hielt er
ebenfalls in Kenntnis des relevanten Vor
zustandes
in seiner Stellungnahme vom
24.
Dezember 2019
vielmehr
fest, dass die aktuell behandelte
Rotatorenmanschettenverletzung
definitiv nicht allein Folge des Sturzes vom 23. September 2018 sei, zumal derartige Verletzungen kaum heilen und in der Regel über die Zeit grösser würden, selbst wenn sie asymptomatisch seien. E
s bestehe nur
möglicherweise ein natürlicher Kausalzu
sammenhang zum Unfallereignis (
Urk.
11/M30 S. 2).
Am
1
9.
Mai 2020
deutete
Dr.
F._
sodann
zwar
einen Zusammenhang zwischen der Zunahme der
Ruptur
grösse
und dem S
turz an
, ohne diesen jedoch zweifelsfrei herstellen zu können.
Trotz seines Erachtens fehlender Atrophie oder fettiger Degeneration der
Supra
spinatus-Muskulatur
konstatierte er ausserdem, dass die Frage,
ob die erlittene
Rotatorenmanschettenruptur
überwiegend wahrscheinlich auf den Unfall vom 23. September 2018 zurückzuführen sei,
angesichts der bereits in der MRI-Untersuchung vom 2
4.
Dezember 2015 festgestellten
Rotatorenmanschetten
läsion
verneint werden müsste (
Urk.
11/M32).
Des Weiteren vermochte
Dr.
E._
die Kritik von
Dr.
D._
in allen wesentlichen Aspekten zu entkräften.
Einerseits
legte
er
in überzeugender Weise
dar
, dass degenerative Prozesse bevorzugt am
Footprint
auftr
äten
(Prädilektions
stelle)
und im konkreten Fall
eine Zusammenhangstrennung direkt am knöcher
nen Sehnenansatz bei klar vorbestehender Sehnendegeneration vor
liege
.
Die gegenteilige Auffassung von
Dr.
D._
, wonach dieser Gesichtspunkt für eine traumatische Genese spreche, sei mit der versicherungsmedizinischen L
iteratur nicht zu vereinbaren (
Urk.
27/1 S. 4
und S. 7
).
In Übereinstimmung mit dem Operationsbericht von
Dr.
F._
vom 22. November 2018
(vgl.
Urk.
11/M13 S. 2)
wies
Dr.
E._
andererseits auf die problemlose Reposition der
Supra
spinatussehne
auf den
Footprint
hin
und stellte klar, dass
dieser Umstand nicht mit dem zeitlichen Kausalbezug zum Schadenserei
gnis zusammenhänge
, sondern mit der Grösse der Schädigung, die sich immer noch im Stadium I nach Patte befunden habe.
Es leuchtet überdies ein,
dass
Dr.
E._
den Grad der Muskelver
fettung (
Goutallier
Grad I) nicht als stichhaltiges Argument für
einen
K
ausalzu
sammenhang zwischen der Schulterverletzung und dem
Sturz vom 23. September 2018
einstufte, da die muskuläre Verfettung vom Schweregrad der schädigungs
bedingten Inaktivierung beziehungsweise der Defektgrösse und der noch vorhan
denen Gebrauchsmöglichkeit der Schultermuskulatur abhängig sei (
Urk.
27/1
S. 4 und S. 6).
Schliesslich
trug
Dr.
E._
im Rahmen seiner Beurteilung
auch dem Unfallhergang
respektive dem Schadensmechanismus
Rechnung
.
Ausgehend von einer axialen Stauchung (vgl. auch Urk.
11/M24 S. 2,
11/M32 S. 2
und 11/M33 S. 1
) führte er
unter Einbezug der Einschätzung von
Dr.
G._
vom 1
9.
August 2021 (
Urk.
19/32)
aus, dass die Strukturen der
Rotatorenmanschette
und somit das
Pulleysystem
nicht unter einen
unphysiologischen
Stress geraten seien. Es fehle an Anhaltspunkten für überfallsartige exzentrische Rotations
belastungen auf eine vorgespannte
Rotatorenmanschetten
-Muskulatur oder für obligate Begleitverletzungen im Schadensbild nach passender, heftiger Distorsion oder Schulter(
sub
)
luxation
. Die Veränderungen an den
Pulleystrukturen
könnten daher unmöglich traumatischen
Ursprungs sein
(
Urk.
27/1 S. 6).
Insgesamt hat
Dr.
E._
sowohl unter Berücksichtigung der bildgebenden Befunde als auch der Vorgeschichte
,
des Unfallhergangs
sowie einschlägiger fachmedizinischer Literatur (vgl. die Beilagen zu seiner Stellungnahme vom
4.
Januar 2022, U
rk.
27/1)
detailliert und
nachvollziehbar aufgezeigt, weshalb
auf die Beurteilung von Dr.
D._
nicht abgestellt werden kann.
4.2.3
Nach dem Gesagten bestehen keine auch nur geringen Zweifel an den versiche
rungsinternen Beurteilungen
, welche durch die Einschätzung des behandelnden
Dr.
F._
untermauert
werden
. Diesen kommt volle Beweiskraft zu, weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht darauf abgestellt hat. Sie hat den Sachverhalt soweit ermittelt, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden konnte (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_721/2019 vom 27. Mai 2020 E. 3 mit Hinweisen). Entge
gen des beschwerdeweise gestellten Eventualantrages (Urk. 1 S. 2 und S. 22-24) sind von weiteren Abklärungen medizinischer Art
wie namentlich der Einho
lung eines versicherungsexternen medizinischen Gutachtens
keine anderen
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abgesehen werden kann
(antizipierte Be
weiswürdigung; BGE 144 V 361 E.
6.5, 136 I 229 E. 5.3, 124 V 90 E. 4b).
5.
Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin auf
die
Stellungnahmen ihrer beratenden Fachärzte abgestellt und ihre Leistungen per 5. November 2018 eingestellt hat. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit war
der
Status quo sine zu diesem Zeitpunkt
sechs Wochen nach dem Unfallereig
nis
erreicht.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
3.
Dezember 2020 (
Urk.
2) erweist sich
nach dem Gesagten
als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
Dies schliesst auch den Antrag auf Ersatz der im Zusammen
hang mit der Berichterstattung von
Dr.
D._
entstandenen Kosten
mit ein, welcher ohnehin nur für den Fall des Obsiegens gestellt wurde (
Urk.
1 S. 24).
Anzufügen bleibt, dass
privat eingeholte
Gutachten
dann
zu vergüten
sind, wenn
diese für die
Entscheidfindung
unerlässlich waren (BGE 115 V 62 E. 5c)
, unter Umständen auch, wenn die versicherte Person in der Sache unterliegt (Urteil des Bundesgerichts 8C_687/2015 vom 1
0.
November 2015
E. 5.2).
Die Stellungnah
me
n
von
Dr.
D._
war
en
weder notwendig noch für die
Entscheidfindung
unerlässlich, weshalb die Voraussetzungen einer Kostenübernahme durch
den Versicherungsträger nicht erfüllt sind und das entsprechende Gesuch jedenfalls abzuweisen ist.