Decision ID: fef6d247-4981-4ed5-90e9-0332dae65e80
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/7
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A.- X wohnt in A. Er war von 2006 bis 2010 als Grafiker bei der M AG tätig. Von der
Arbeitgeberin wird ihm ein Geschäftswagen zur Verfügung gestellt. Für die
Fahrzeugbenützung wurde im Jahr 2007 gemäss Bemerkung im Lohnausweis ein
Abzug von Fr. 4'400.-- vom Nettolohn vorgenommen.
B.- In der Steuererklärung 2007 deklarierte X ein steuerbares Einkommen von Fr.
29'177.--. Dabei machte er Berufskosten für den Arbeitsweg mit dem Auto von Fr.
11'834.-- geltend.
Die Veranlagungsbehörde liess die Kosten für den Arbeitsweg nicht zum Abzug zu.
Nach Vornahme weiterer Korrekturen veranlagte sie X für die direkte Bundessteuer
2007 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 46'000.--. Die gegen diese
Veranlagung erhobene Einsprache vom 5. Februar 2009 wurde vom kantonalen
Steueramt mit Entscheid vom 18. Juni 2010 teilweise gutgeheissen. Es liess Kosten für
den Weiterbildungsaufwand zum Abzug zu. Den Abzug für die Benutzung des
Motorfahrzeugs für den Arbeitsweg gewährte es aber nicht. Das steuerbare
Einkommen für die direkte Bundessteuer 2007 wurde auf Fr. 41'500.-- festgesetzt.
C.- Gegen diesen Einsprache-Entscheid erhob X mit Eingabe vom 14. Juli 2010
Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem sinngemässen Antrag, die
Anfahrtskosten zur Arbeit seien zum Abzug zuzulassen.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 21. Oktober 2010 die kostenfällige
Abweisung der Beschwerde. Die Eidgenössische Steuerverwaltung verzichtete auf eine
Vernehmlassung.
Mit Schreiben vom 4. Mai 2011 wurden zusätzliche Beweismittel beim
Beschwerdeführer eingefordert. Diese gingen am 1. Juli 2011 ein und wurden der
Vorinstanz zur Kenntnisnahme zugestellt.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung der Anträge wird,
soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Beschwerdeerhebung ist gegeben. Die Beschwerde vom 14. Juli 2010 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Sie erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 140 Abs. 2 Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer, SR
642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.- Umstritten ist die Abzugsfähigkeit der Berufskosten für den Arbeitsweg mit dem
Geschäftswagen in der Höhe von Fr. 11'834.--.
a) Der Beschwerdeführer macht geltend, ihm werde vom Arbeitgeber ein
Geschäftsauto zur geschäftlichen sowie privaten Nutzung zur Verfügung gestellt; dies
jedoch unter der Bedingung, dass er einen Anteil am Leasing übernehme sowie für
sämtliche entstehenden Kosten wie z.B. Service, Reparaturen und Benzin aufkomme.
Somit seien sämtliche Anfahrtskosten zur Arbeit zu seinen Lasten gegangen.
Die Vorinstanz stellt sich hingegen auf den Standpunkt, gemäss Bescheinigung auf
dem Lohnausweis habe der Arbeitgeber für die private Fahrzeugbenützung einen
Privatanteil von Fr. 4'400.-- belastet. Daraus lasse sich schliessen, dass für die geltend
gemachten Fahrten von A nach B und von C nach B ein Geschäftsfahrzeug habe
benutzt werden können. Der Beschwerdeführer habe erstmals im
Beschwerdeverfahren erwähnt, dass er für dieses Geschäftsauto einen Anteil am
Leasing sowie sämtliche entstehenden Kosten wie Service, Reparaturen und Benzin
selbst tragen müsse. Auch der Nachweis für diese Behauptung, nämlich das
Bestätigungsschreiben des Arbeitgebers, sei weder im Veranlagungs- noch im
Einspracheverfahren beigebracht worden. Wenn der Arbeitnehmer beträchtliche
Kosten übernehme, müsste auf dem Lohnausweis unter Bemerkungen unter Ziff. 15
aufgeführt werden: "Privatanteil Geschäftswagen im Veranlagungsverfahren
abzuklären". Der Lohnausweis des Beschwerdeführers sei aber mit dem Vermerk
ausgestellt worden, dass für die Fahrzeugbenützung Fr. 4'400.-- vom Nettolohn in
Abzug gebracht worden sei. Dieser Betrag entspreche nach der Pauschallösung zur
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Berechnung des Privatanteils in etwa einem Kaufpreis ohne Mehrwertsteuer von Fr.
45'800.--. Die durch den Arbeitgeber vorgenommene Deklaration des Privatanteils im
Lohnausweis bedeute für die Steuerbehörden, dass dem Steuerpflichtigen ein
Geschäftsfahrzeug zur Verfügung gestellt werde und er für den Privatanteil am
Geschäftswagen Fr. 4'400.-- zu bezahlen hatte.
b) Der Abzug der Berufskosten ist in Art. 26 DBG geregelt. Da diese Bestimmung mit
Art. 39 des kantonalen Steuergesetzes (sGS 811.1, abgekürzt: StG) identisch ist,
rechtfertigt es sich, zur Auslegung auch die Rechtsprechung und Literatur zum StG
heranzuziehen. Gemäss Art. 26 Abs. 1 DBG können unter anderem die notwendigen
Kosten für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte (lit. a), die notwendigen
Mehrkosten für auswärtige Verpflegung (lit. b) sowie die übrigen für die Ausübung des
Berufes erforderlichen Kosten (lit. c) als Berufskosten abgezogen werden. Wesentlich
ist, dass sie mit der Berufsausübung zusammenhängen und dass es sich um
notwendige Aufwendungen handelt, deren Vermeidung dem Steuerpflichtigen nicht
zugemutet werden kann. Nach den im Steuerrecht allgemein gültigen Beweisregeln hat
dabei der Pflichtige grundsätzlich sowohl Notwendigkeit als auch Umfang von
anrechenbaren Aufwendungen nachzuweisen (vgl. Weidmann/Grossmann/Zigerlig,
Wegweiser durch das st. gallische Steuerrecht, 6. Auflage 1999, S. 41; GVP 1973 Nr. 6
und 1980 Nr. 6).
aa) Die Steuerpflichtigen können nur diejenigen Kosten in Abzug bringen, die sie selber
getragen haben. Was vom Arbeitgeber finanziert wird, stellt für den Arbeitnehmer keine
Kosten dar. Es ist daher notwendig, dass zwischen den auszuweisenden Bezügen in
Form von Naturalleistungen - wie das Zurverfügungstellen von Fahrzeugen oder das
Anbieten von Verpflegung durch den Arbeitgeber - sowie der Entschädigung dieser
Kosten durch den Arbeitgeber mittels ausbezahlter Spesen und den vom Arbeitnehmer
beanspruchten Abzügen für die Berufskosten koordiniert wird. Andernfalls ergäbe sich
ein doppelter Steuerabzug für die gleichen Aufwendungen (vgl. Bosshard/Mösli, Der
neue Lohnausweis, 2007, S. 32; Klöti-Weber/Siegrist/Weber, Kommentar zum
Aargauer Steuergesetz, 3. Auflage 2009, § 35 N 2; Knüsel in: Kommentar zum
schweizerischen Steuerrecht I/2a, 2. Auflage 2008, Art. 26 DBG N 5).
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bb) Im neuen, seit dem 1. Januar 2007 geltenden, gesamtschweizerisch einheitlichen
Lohnausweis werden neben dem eigentlichen Lohn auch die Gehaltsnebenleistungen -
wie unter Ziff. 2.2 der Privatanteil an einem Geschäftswagen - erfasst. Unter Ziff. 15 -
Bemerkungen werden alle zusätzlichen Angaben aufgeführt, die nicht in einem anderen
Feld eingetragen werden können und die der Vollständigkeit bzw. Wahrheit und
Klarheit, also der Transparenz des Lohnausweises dienen.
Wird einem Mitarbeitenden ein Geschäftswagen zur Verfügung gestellt, kann dieser
meist auch privat genutzt werden. Dafür wird im Lohnausweis eine entsprechende
Aufrechnung vorgenommen. Die Anschaffungs- sowie sämtliche Unterhaltskosten
werden zumeist vom Arbeitgeber bezahlt. Von den Mitarbeitenden selbst zu tragen
sind dann lediglich die Benzinkosten, die ihnen bei der Privatbenützung entstehen. Als
Gehaltsnebenleistung ist der Wert zu erfassen, der dem Arbeitnehmer dadurch
zufliesst, dass er den Geschäftswagen auch privat benützen darf. Dafür wird ihm pro
Monat 0,8 % des Kaufpreises, mindestens Fr. 150.--, im Lohnausweis aufgerechnet.
Diese pauschale Aufrechnung gelangt unabhängig von der effektiv gefahrenen Anzahl
Privatkilometer zur Anwendung (vgl. zum Ganzen Bosshard/Mösli, a.a.O., S. 47 f.;
Wegleitung zum Ausfüllen des Lohnausweises bzw. der Rentenbescheinigung der
Schweizerischen Steuerkonferenz, Rz. 21). Da sich diese Aufrechnung ausschliesslich
auf den privaten Gebrauch in der Freizeit (am Abend, Wochenende oder in den Ferien)
bezieht und bei einem Geschäftswagen im Regelfall alle Kosten von der Firma getragen
werden, erwachsen dem Mitarbeiter mit einem Geschäftswagen keine
Arbeitswegkosten. Diese Regelung ist logisch, weil die Aufwendungen für den
Arbeitsweg zu den Gewinnungskosten zählen. Der Arbeitsweg ist damit nicht privater
Natur, sondern wird dem beruflichen Bereich zugeordnet. Deshalb muss der Hinweis
auf die unentgeltliche Beförderung zwischen Wohn- und Arbeitsort (Feld F) auf dem
Lohnausweis angebracht werden. In diesen Fällen entfällt ein Abzug für den Arbeitsweg
(vgl. Bosshard/Mösli, a.a.O., S. 33; Wegleitung, Rz 9 und 25; Die neue Steuerpraxis,
2009, S. 62). Übernimmt der Arbeitnehmer beträchtliche Kosten (z.B. sämtliche Kosten
für Unterhalt, Versicherungen, Benzin und Reparaturen; die Übernahme der
Benzinkosten dagegen genügt nicht), so ist im entsprechenden Feld des
Lohnausweises (Feld 2.2 - Privatanteil Geschäftswagen) keine Aufrechnung
vorzunehmen. In den Bemerkungen unter Ziff. 15 des Lohnausweises ist folgender Text
anzubringen: "Privatanteil Geschäftswagen im Veranlagungsverfahren abzuklären". In
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diesen Fällen ist anhand des Wertes des Geschäftswagens, der Anzahl der gefahrenen
Privatkilometer und der vom Arbeitnehmer geleisteten Zahlungen, die insbesondere
auch geschäftliche Fahrten betreffen können, eine Einzelfallberechnung bzw.
Schätzung vorzunehmen (vgl. Bosshard/Mösli, a.a.O., S. 48 f; Wegleitung, Rz. 22).
Auch bei dieser Konstellation ist aber das Feld F anzukreuzen (Bosshard/Mösli, a.a.O.,
S. 46). Dies kann einzig dann unterbleiben, wenn dem Arbeitnehmer lediglich ein
Poolwagen für Geschäftsfahrten ab Firmendomizil zur Verfügung steht.
Dem Beschwerdeführer steht ein Geschäftswagen zur Verfügung. Auf dem
Lohnausweis des Beschwerdeführers ist als Gehaltsnebenleistung im Feld 2.2
(Privatanteil Geschäftswagen) nichts eingetragen und das Feld F (unentgeltliche
Beförderung zwischen Wohn- und Arbeitsort) nicht angekreuzt. Jedoch ist unter Ziff. 15
(Bemerkungen) aufgeführt: "Abzug für Fahrzeugbenützung vom Nettolohn total Fr.
4'400.--". Diese Summe wurde folglich als Privatanteil für den Geschäftswagen
behandelt. Der Arbeitgeber hat den Lohnausweis in dieser Hinsicht nicht korrekt
ausgefüllt. Korrekterweise wäre entweder der Wert, der dem Beschwerdeführer
dadurch zufliesst, dass er den Geschäftswagen auch privat benützen darf, im besagten
Feld 2.2 anzugeben gewesen, anstatt diesen direkt vom Lohn in Abzug zu bringen oder
- wenn der Beschwerdeführer tatsächlich einen beträchtlichen Teil der angefallenen
Kosten übernommen hätte - im Lohnausweis unter Bemerkungen einzutragen
gewesen: "Privatanteil Geschäftswagen im Veranlagungsverfahren abzuklären". Der
angegebene Privatanteil von monatlichen Fr. 400.-- (gemäss Stellungnahme der
Arbeitgeberin vom 1. Juli 2011, act. 24) entspricht 0,8% eines Kaufpreises eines
Geschäftsfahrzeugs von Fr. 50'000.--. Beim Fahrzeug handelt es sich um einen
"Mercedes Benz CLK 320". Die laufenden Unterhaltskosten (Benzin für private Fahrten,
Service, Reparaturen etc.) trägt gemäss der vom Beschwerdeführer eingereichten
Bestätigung der Arbeitgeberin der Arbeitnehmer (vgl. act. 3 und 24). Die Benzinkosten
für Dienstfahrten werden über eine Tankkarte des Arbeitgebers bezahlt.
Strassenverkehrssteuern und Versicherungskosten trägt der Arbeitgeber. Die
Leasingkosten werden in der Höhe von Fr. 400.-- vom Beschwerdeführer bezahlt. Der
restliche Anteil an den Leasingkosten, welcher gemäss nicht näher belegter Angabe
des Arbeitgebers weniger als die Hälfte ausmacht, wird vom Arbeitgeber getragen.
Diese Kostenaufteilung wurde zwischen dem Beschwerdeführer und der Arbeitgeberin
so vereinbart, weil der Beschwerdeführer ein kostspieligeres Fahrzeug wollte (vgl. act.
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24). Dass er einen höheren Anteil an den Fahrzeugkosten trägt, ist also Folge seines
Wunsches nach einem luxuriöseren Fahrzeug, das nach Auffassung der Arbeitgeberin
nicht angemessen war. Wie hoch die gesamten Leasingkosten sind, ist nicht bekannt.
Die Steuern und Versicherungskosten werden nicht vom Beschwerdeführer getragen.
Er verfügt zudem über eine Benzinkarte der Arbeitgeberin. Selbst hat er keine Belege
über eigene Aufwendungen für den Unterhalt des Fahrzeugs eingereicht. Deshalb ist
davon auszugehen, dass der grösste Teil der Kosten für das Geschäftsfahrzeugs von
der Arbeitgeberin getragen wird.
Hinzu kommt, dass nach den Regelungen zum neuen Lohnausweis selbst dann das
Feld F auf dem Lohnausweis angekreuzt werden muss und daher keine
Arbeitswegkosten abziehbar sind, wenn der Arbeitnehmer tatsächlich beträchtliche
Kosten des Geschäftsfahrzeugs übernimmt (vgl. Bosshard/Mösli, a.a.O., S. 46;
Wegleitung, Rz 25). Ein Abzug für den Aufwand für die Fahrt zum Arbeitsort entfällt
damit.
c) Zusammenfassend steht fest, dass die Vorinstanz zu Recht keine Aufwendungen für
die Fahrt zum Arbeitsort zum Abzug zugelassen hat. Die Beschwerde ist damit
abzuweisen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des Verfahrens dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von
Fr. 500.-- ist angemessen (vgl. Art. 144 Abs. 5 DBG in Verbindung mit Art. 7 Ziff. 122
der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 500.-- ist zu verrechnen.