Decision ID: 9c7bcdca-a39f-44bb-816c-9ff881924385
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1977, war zuletzt von Januar 2005 bis Januar 2006 beim
Y._
beziehungsweise bei ihrem Ehegatten als Verkäuferin
tätig
gewesen (
Urk.
6
/2 Ziff. 6.3.1, Urk.
6
/11/8 Ziff. 2.2, Urk.
6
/6/1), als sie
sich am
1.
Oktober 2007 mit dem Hinweis auf ein Schleudertrauma, welches sie sich anlässlich eines Verkehrsunfalls (Auffahrkollision) vom 2
9.
Oktober 2005 zuge
zogen habe,
bei der Invaliden
versicherung zum Bezug einer Rente anmeldete
(Urk.
6
/2 Ziff.
7.2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog die Akten des
beteiligten
Unfallversicherers bei (Urk. 8/7, Urk. 8/11-12, Urk.
6
/14)
bei
und
liess die Versicherte,
welche am 1
6.
Januar 2009 einen erneu
ten Unfall
erlitten hatte (vgl.
Urk.
6
/33),
bidisziplinär
(orthopädisch und psychia
trisch)
begutachten (Gutachten vom 23. April 2009; Urk.
6
/37/1-24)
. N
ach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/18-19,
Urk.
6/21,
Urk.
6/24,
Urk.
6/29)
sprach ihr
die IV-Stelle
m
it Verfügung vom 14. Oktober 2010
(Urk.
6/53 und
Urk.
8/43)
ab April 2009 eine
Viertelsrente
zu.
1.2
Im Rahmen einer
vom Amtes wegen durchgeführten
Rentenrevision
gab die Ver
sicherte im Revisionsfragebogen an, unter Nacken-, Hals-, Hinterkopf-, Rücken-
,
Armschmerzen sowie Stimmungsschwankungen zu leiden (
Urk.
6/65
Ziff.
4)
. Die IV-Stelle liess
die Versi
cherte polydisziplinär begutachten (Gutachten vom 19. Januar 2015; Urk.
6
/
84/1-20) und hob nach
durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
(Urk.
6
/87, Urk.
6
/90, Urk.
6
/96)
die bisher ausgerichtete
Viertelsrente
mit Verfügung vom 17. April 2015 (Urk.
6
/98)
wiedererwägungs
weise per Ende Mai 2015 auf. Die
s wurde vom
hiesige
n
Gericht mit in Rechtskraft erwachsene
m
Urteil
vom 1
0.
Mai 2016
im Verfahren
Nr.
IV.2015.00563
(
Urk.
6/109)
bestätigt
.
1.3
Am
8.
Juli 2015 meldete sich die Versicherte unter Hinweis
auf eine Schmerz
problematik
und
auf seit Jahren bestehende psychische Probleme erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/103
Ziff.
6.2)
, worauf die IV-Stelle m
it Mitteilung vom 1
4.
Dezember 2017 (
Urk.
6/133) einen Anspruch der Versicherten auf berufliche Eingliederungsmassnahmen
verneinte. In der Folge liess die IV-Stelle
die Versicherte durch ihren Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) chirurgisch untersuchen (Bericht vom 1
9.
Juli 2018;
Urk.
6
/139)
und verneinte n
ach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6
/141,
Urk. 6/144,
Urk.
6/152) mit Verfügung vom 1
1.
Oktober 2019 (
Urk.
6/170 = Urk. 2) einen Rentenanspruch
erneut
.
2.
Gegen die Verfügung vom
1
1.
Oktober 2019
(Urk. 2) erhob die Versicherte am
13.
November 2019
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte,
dies
e
sei aufzuheben und es sei
ihr
eine Invalidenrente zuzusprechen. In
beweisrechtlicher Hinsicht
beantragte
sie
, dass sie medizinisch zu begutachten sei
(
Urk
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
1
1.
Dezember 2019
(Urk.
5
) beantragte die Beschwerde
gegnerin die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
6.
Januar 2020
zur
Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrech
ts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach
02
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente
wegen eines
zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die In
validenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 die
ser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuan
mel
dung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invali
di
tätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegrün
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung
ist von Amtes wegen zu prüfen
, ob seit der ersten Rentenverfügung zwischenzeitlich eine erneute materielle Prüfung des Rentenanspruchs stattgefunden hat. War dies nicht der Fall, so ist auf die Entwicklung der Verhältnisse seit der ersten Ablehnungsverfügung abzustellen; wie im Revisionsverfahren bleiben allfällige, vorangehende
Nichteintretens
verfü
gungen
aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summarischen Begrün
dungsaufwandes der Verwaltung unbeachtlich. Erfolgte dagegen nach einer ers
ten Leistungsverweigerung eine erneute materielle Prüfung des geltend gemach
ten Rentenanspruchs und wurde dieser nach rechtskonformer Sachverhaltsabklä
rung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesund
heitszustands) abermals rechtskräftig verneint, muss sich die leistungs
an
spre
chende Person dieses Ergebnis – vorbehältlich der Rechtsprechung zur Wiederer
wägung oder prozessualen Revision (vgl. BGE 127 V 466 E. 2c mit Hin
weisen) – bei einer weiteren Neuanmeldung entgege
nhalten lassen (BGE 130 V 71 E.
3.2.3
; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.3 f.
).
1.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des
Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.6
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
1.7
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und all
fälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressi
ven Störung auszugehen ist, die nicht schon als chronifiziert gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines struk
turierten Beweisverfahrens (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).
1.8
Nach der allgemeinen Beweisregel (Art. 8 des Zivilgesetzbuches, ZGB) obliegt es bei erstmaliger Rentenprüfung (sowie bei einer Neuanmeldung zum Leistungsbe
zug) der versicherten Person, die invalidisierenden Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Gelingt dieser Nachweis nicht, verfügt sie über keinen Leistungs
anspruch. Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit vermutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirkt (BGE 140 V 290
E. 4.1; 139 V 547 E. 8.1). Bleiben die Auswirkungen eines objektivierbaren wie auch eines nicht (bildgebend) fassbaren Leidens auf die Arbeitsfähigkeit trotz in Nach
achtung des Untersuchungsgrundsatzes sorgfältig durchgeführter Abklärun
gen vage und unbestimmt, ist der Beweis für die Anspruchsgrundlage nicht geleistet und nicht zu erbringen (BGE 140 V 290 E. 4.1 mit Hinweisen auf die Literatur).
1
.
9
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 1
1.
Oktober 2019 (Urk. 2) davon aus, dass der Beschwerdeführeri
n
auf Grund der medizi
ni
schen Aktenlage die Ausübung der bisherigen Tätigkeiten als Verkäuferin und Kundenberaterin sowie die Ausübung angepasster, überwiegend sitzender Tätig
keiten mit leichter Wechselbelastung
und mit gelegentlichem Heben und Tragen von Lasten weiterhin im Umfang eines vollzeitlichen Arbeitspensums zuzumuten sei, und dass eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen nicht ausgewiesen sei und verneinte ei
nen Rentenanspruch (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin
stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
dass
sie seit Jahren unter physischen und psychischen Beschwerden
,
seit Sommer 2016 neu unter einer mittelgradigen depressiven Störung
leide
(S. 6).
Ihr
Gesund
heitszustand
habe sich auch in somatischer Hinsicht
weiter verschlechtert
und sie leide g
egenwärtig neben der Schmerzsituation und der mittelgradigen depressi
ven Störung zusätzlich unter einem Spreizfuss, blutenden Hämorrhoiden, einer chronischen Sinusitis, einer Rhinitis
allergica
, einem
Thorakovertebral
syndrom
und einem
Orthostasesyndrom
. Diesbezüglich
sei ihr Gesundheits
zustand
nicht genügend abgeklärt
worden
. Zudem habe
die Beschwerdegegnerin
zu Unrecht auf die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens im Sinne von BGE 141 V 281 verzichtet (S. 7).
Es sei daher eine medizinische Begutachtung
nach Mass
gabe von BGE 141 V 281
angezeigt
(S. 8).
2.3
Nach Erlass der
mit rechtskr
äftigem
Entscheid des hiesigen Gerichts bestätigten
Verfügung vom
1
7.
April 2015 betreffend wiedererwägungsweise Rentenauf
he
bung
(
Urk.
6/98
)
m
eldete sich die
Beschwerdeführer
in
am
8.
Juli 2015
erneut bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/103
). Die Beschwerde
gegnerin
trat auf die
erneute A
nmeldung ein
,
prüfte
in materieller Hinsicht
erneut
den geltend gemachte
n
Leistungsanspruch
und verneinte
mit
Verfügung vom
1
1.
Oktober 2019
(
Urk.
2)
einen Rentenanspruch der
Beschwerde
führerin erneut.
2.4
Streitig und zu prüfen ist daher, ob sich der anspruchsrelevante Sachverhalt im Vergleichszeitraum seit Erlass der Verfügung vom
1
7.
April 2015
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
1
1.
Oktober 2019
erheblich beziehungs
weise in einer für den Rentenanspruch massgeblichen Weise verändert hat.
3.
3
.1
Bei Erlass der rentenaufhebenden Verfügung vom
1
7.
April 2015
(
Urk.
6/98
) stellte sich der massgebende medizinische Sachverhalt folgendermassen dar:
3
.2
Die Ärzte
der Klinik für Neurologie,
Universitätsspital
Z._
,
führten
im Aus
trittsbericht vom 9. September 2012 (
Urk.
8/69/13-16)
aus
, die Beschwerde
führerin
sei
vom 7. bis 12. September 2012 zur Entzugsbehandlung bei Verdacht auf Medikamenten
übergebrauchskopfschmerz hospitalisiert gewesen
(S. 1). K
linisch-neurologisch
habe sich
ein unauffälliger, altersent
sprechender Befund gezeigt. Die Beschwerdeführerin leide einerseits an einer bekannten Migräne ohne Aura, die in der Akutphase gut therapiert sei. Andererseits leide sie seit 2005 an chronischen, täglichen Kopfschmerzen. Aktuell sei eine eindeutige diagnostische Beurteilung noch nicht möglich (S. 4).
3.3
Die Ärzte
des
Z
entr
ums
A._
erstatten am 19. Januar 2015 ein
polydisziplinäre
s
Gutachten
im Auftrag der Beschwerde
gegnerin
(Urk. 6/84/1-20),
nachdem sie
die Beschwerdeführerin
am
5.
und 1
7.
November
sowie am
2.
Dezember 2014 orthopädisch, neurologisch, inter
nistisch und psychiatrisch untersucht
hatten,
und stellten die folgenden
Diagno
sen
(S. 13 f.):
Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
:
-
Keine
Diagnosen ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
zervikovertebrales
Schmerzs
yndrom
-
lumbovertebrales
und
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
Zustand nach
An
algetikaabusus
, jetzt abstinent
-
chronisches Kopfweh vom Spannungstyp in Kombination mit einer Migräne ohne Aura
Die Gutachter führten aus, dass für
die von der Beschwerdeführerin beklagten körperlichen Beschwerden im Sinne von Kopfschmerzen, Nackenbeschwerden mit rechtsseitiger Schulter-Arm-Ausstrahlung und von tieflumbalen Rücken
be
schwerden mit Ausstrahlung in das rechte Bein
o
rthopädisch-somatisch keine korrelierenden Befunde vorgelegen
hätten
(S. 14). Aus orthopädisch-somatischer Sicht sei
der
Beschwer
deführerin
die Ausübung aller
Tätigkeiten
, welche für
eine altersgleiche
gesunde Frau zumutbar seien
, zuzumuten
(S. 15). Die Beweglichkeit
der Halswirbelsäule (HWS)
sei allseits frei gewesen. Die im Rahmen der aktuellen Magnetresonanztomographie (MRI) beschriebenen Befunde seien allesamt klinisch funktionell irrelevant (S. 10).
Aus n
eurologisch
er Sicht müsse die Beschwerdeführerin
bei Tätig
keiten auf eine höchstmögliche zeitliche Flexibilität und Rückzugsmöglichkeit im Sinne einer Reizabschirmung achten. Eine zeitlich unregelmässige berufliche Belastung sollte vermieden werden
, wobei k
urz
dauernde Absenzen vom Arbeitsplatz bei einer Migräneattacke vom Arbeitgeber zu akzeptieren
seien
. Darüber hinaus bestünden keine internis
tisch und/oder psychiatrisch begründeten und zu beachtenden
Einschränkungen
(S.
15). Es
bestehe insbesondere auch
keine somatoforme Störung (S. 18)
. Eine die Arbeits
fähigkeit beeinträchtigende psychiatrische Diagnose stellten die Gutachter nicht (S. 50
)
.
Der Beschwerdeführerin sei die Ausübung von
Tätigkeiten, die dem vorbe
schriebenen Belastungsprofil entsprächen,
im Umfang von
100 % z
uzumuten
. Dies gelte auch für die angestammte Tätigkeit als
Coiffeuse
. Bezugnehmend auf die Schlussfolgerungen der Vorbegutachtung
von 2009
bestehe spätestens seit dem 16. Juli 2009 eine Arbeitsfähigkeit
im Umfang von 100
%
sowohl
in Bezug auf die Tätigkeit
als
Coiffeuse
als auch für jede
andere
angepasste Tätigkeit. Eine im Jahr 2012 erlittene Frontalkollision
hätte
interkurrent allen
falls eine wenige Woche andauernde Arbeitsunfähigkeit ohne bleibende Folgen verursacht (S. 16)
, wobei sich d
er Grad der Arbeitsfähigkeit
seit der letzten Revision gebessert
habe
(S. 17).
4
.
4
.1
Bei Würdigung der erwähnten medizinischen Akten
bei Erlass der rentenaufhe
benden Verfügung vom 1
7.
April 2015
gilt es zu beachten, dass das
hiesige Gericht
im rechtskräftigen
Urteil
(
Urk.
6/109)
erwog,
gestützt auf
das polydis
ziplinäre Gutachten der
Ärzte des
A._
vom 1
9.
Januar 2015
sei
davon auszu
gehen, dass für angepasste Tätig
keiten seit dem 16. Juli 2009 eine Arbeitsfähig
keit im Umfang von 100
%
bestanden habe (E. 6.2), und dass insbesondere auc
h aus psychiatrischer
Sicht
nie eine Arbeitsunfähigkeit während einer längeren Zeitdauer bestanden habe (E. 6.1).
4
.2
Demzufolge ist gemäss dem rechtskräftigen
Urteil
des hiesigen Gerichts
(
vorste
hend E.
4
.1
)
davon auszugehen, dass
die
Beschwerdefüh
rer
in
zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung vom
1
7.
April 2015 in B
ezug auf die bisherigen Tätigkei
ten als
Coiffeuse
und als Verkäuferin
als auch in Bezug auf andere angepasste Tätigkeiten
weder aus psychischen noch aus somatischen Gründen in
ihrer
Arbeits
fähigkeit beein
trächtigt war
.
5
.
5
.1
Im Folgenden gilt es
zu prüfen, ob sich die gesundheitlichen Verhältnisse seither beziehungsweise während des massgeblichen
Vergleichszeitraum
s
vom
1
7.
April 2015
bis 1
1.
Oktober 2019
erheblich verändert haben.
5
.2
Die Ärzte des Rehaz
entrums
B._
führten
im Austrittsbericht
vom 6.
Juli 2016 (
Urk.
6/125)
aus
, die Beschwerdeführerin
sei
vom 2
6.
Mai bis 2
2.
Juni 2016 hospitalisiert gewesen
,
und stellten die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
chronische Nacken- und Spannungsk
o
pfschmerzen
-
Bruxismus
-
Depression, gegenwärtig
mittelschwer
ausgeprä
g
t
-
pustuläres
Exanthem am Stamm, Bauch
-
Migräne
Sie führten aus, dass die Beschwerdeführerin zur psychosomatischen Rehabilita
tion zugewiesen worden sei, dass die
Ziele
indes
nur teilweise erreicht
hätten
werden können. Schwerpunkte in der Therapie seien
Detonisierung
, Entspannung sowie Krankheitsakzeptanz gewesen (S. 2). Es sei die Weiterführung der Physio
therapie und die Fortführung einer ambulanten Psychotherapie empfohlen wor
den.
Der Beschwerdeführerin sei vom 2
6.
Mai bis 1
0.
Juli 2016
eine Arbeitsunfä
higkeit von 100
%
attestiert worden
und es sei ihr
e
in beruflicher Wiedereinstieg in einem
Pensum von 20-30
%
empfohlen worden
(S.
3
= Urk.
6/125/5
).
5.
3
Die Ärzte der
Klinik C._
,
Wirbelsäulenchirurgie
und Neurochirurgie
,
führ
ten
in ihrem Bericht vom
7.
Dezember 2016 (
Urk.
6/131/7-8)
aus
, dass gleichen
tags ein MRI der HWS und vor zwei Wochen eine
Fazettengelenksinfiltration
L4/5 und L5/S durchgeführt worden sei
,
und stellte
n
die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
Lumboischialgie
mit am ehesten pseudoradikulärer Ausstrahlung in das rechte Bein
-
chronische
Zervikalgien
-
Depression
-
Herzrhythmusstörung
Sie führten aus, dass
das
MRI der HWS
mit Ausnahme
eine
r
Steilstellung der HWS
im kranialen Anteil
keine Pathologien
ergeben habe
, welche die
in den rechten Arm
ausstrahlenden Schmerzen erklären könnten. Die
Fazettengelenks
infiltration
habe nur für einen Tag Wirkung gezeigt. Zudem hätten sich im MRI
auf mehreren Ebenen
degenerative Bandscheiben
veränderungen lumbal gezeigt, welche ebenso
ein
Schmerzgenerator sein könnten. Hieraus leite sich allerdings keine Operationsindikation ab (S. 2).
5.4
Dr.
med.
D._
,
Facharzt für Rheumatologie,
Chefarzt Manuelle Medizin und interventionelle Rheumatologie,
Klinik C._
,
stellte in seinem Bericht
vom
3.
April 2017 (
Urk.
6/131/4-5)
die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
c
h
ronische
Zervikalgien
beidseits
-
lumbospondylogenes
Syndrom pseudoradikulärer Art rechts
bei:
-
diskreten degenerativen Veränderungen
-
unspezifische
r
Irritation der unteren Segmente
Er führte aus
,
am 3
1.
März 2017
habe
eine Infiltration auf Niveau C2/3 und C3/4 beidseits stattgefunden. Unmittelbar nach der Infiltration sei eine deutliche Besserung auf der linken Seite eingetreten. Der weitere Verla
uf bleibe abzuwarten (S. 2
).
Am 2
0.
April 2018 (
Urk.
6/137/7) teilte
Dr.
D._
mit, er habe die Beschwer
deführerin unter therapeutischen Gesichtspunkten beurteilt und könne zur Arbeitsfähigkeit keine Stellung nehmen.
5.5
PD
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, und
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Chirurgie,
stell
ten in ihrem Bericht
vom 2
0.
September 2016 (
Urk.
6/134/14-15)
die folgenden D
iagnosen (S.
1
):
-
schmerzhafte mediale Grosszehengrundgelenke bei beginnendem
Hallux
valgus beidseits
-
mässiger
Pes
planus
mit
Rückfuss
valgus links, gerade Rückfussachse rechts
-
Spreizfüsse beidseits
-
Verkürzung der
ischiokruralen
Muskulatur rechts mehr als links
Die Ärzte
führten aus
,
e
ine
relevante Fehlstellung durch den
beginnenden
Hallux
valgus
bestehe
ni
cht, insbesondere keine namhafte
Pseudoexostose
.
Am ehesten seien die
medialen Druckschmerzen auf den zunehm
enden Spreizfuss zurückzu
führen. D
iesbezüglich sei die Beschwerdeführerin in weitem Schuhwerk (Turn
schuhe) im Wesentlichen beschwerdefrei. Der
Hallux
valgus stelle
gegenwärtig k
eine Operationsindikation dar
, v
ielmehr
sei eine konservative Therapie angezeigt (S. 2).
5.6
Dr.
F._
(vorstehend E. 5.5)
führte in seinem Bericht
vom
7.
April 2017 (Urk.
6/134/12-13)
aus, die
Physiotherapie und
eine orthopädische
Einlagen
ver
sorgung
hätten
nicht erfolgreich zu einer
Beschwerdelinderung
geführt, weshalb e
ine Korrektur des
H
allux
valgus, bei der das MTP I-
Gelenk entlastet werde,
in Betracht zu ziehen sei (S. 1). Eine
Arbeitsunfähigkeit
bestehe nicht (S.
2).
Mit Bericht
vom 1
7.
November 2017 (
Urk.
6/134/10-11)
führte
Dr.
F._
aus
, die Beschwerdeführerin
sei
am 2
1.
August 2017 am rechten Fuss
,
an ihrem
Hallux
valgus operiert worden und b
ezüglich
der
Knochenheilung und
der
Beweglichkeit
habe sich
ein verzögerter Verlauf
gezeigt
. Das Anschwellen und die livide Ver
färbung des Vorfus
ses bei vermehrter Belastung seien
hingege
n noch völlig nor
mal (S. 1
).
Da die Beschwerdeführerin seit
L
ängerem nicht arbeite, könne
ihr
eine arbeitsbezogene Arbeitsunfähigkeit nicht attestiert werden (S. 2).
5.7
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, hielt in seinem Bericht vom 1
1.
September 2017 (
Urk.
6/132/4) fest, dass er die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht beurteilen könne und ver
wies auf die behandelnden Fachärzte.
D
ie Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführe
rin
sei
sehr schwankend
und er
würde
eine Belastbarkeit von zwei Stunden (im Tag) bejahen.
5.8
Dr.
med.
H._
, Fachär
ztin für
Oto
-R
h
ino-Laryngologie, führte in ihrem Bericht
vom 2
2.
Januar 2018 (
Urk.
6/134/7-8)
aus, dass sich nach der am
3.
Januar 2018 im Bereich des medialen
Sesamoids
durchgeführten Infiltration ei
n sehr erfreulicher Verlauf
gezeigt habe,
weshalb
auf
eine
Infiltration
im Bereich
des MTP I-Gelenkes
verzichtet werde
n könne
. Die Restbeschwerden
seien
am ehesten durch das Flüssigkeitsdepot nach
der
Infiltration
zu erklären
(S. 2).
5.9
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Chirurgie,
Regionaler Är
ztlicher Dienst
(RAD)
,
führte
in seiner Stellungnahme
vom 1
9.
Juli 2018 (Urk.
6/139)
aus
, die Beschwerdeführeri
n
sei
am 1
8.
Juli 2018 orthopädisch beziehungsweise
chirur
gisch untersucht worden (S. 1)
,
und stellte die folgenden Diagnosen
(S. 8):
D
iagnosen mit Auswirkun
g auf die Arbeitsfähigkeit:
-
anhaltender Belastungsschmerz
im rechten
Fuss mit/bei
:
-
Status nach
Hallux
valgus-
Operation
im
August 2017 und Revision
im
März 2018
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
z
ervikovertebrales
HWS-Syndrom mit/bei
:
-
geringer Einschränkung der HWS bei Seitneigung und Flexion
-
aktuell ohne neurologische Ausfälle
beziehungsweise
Wurzel
sympto
matik und ohne neue radiologische Befunde
-
anamnestisch Status nach mehrmaligen HWS-Distorsionen bei mehr
maligen Auffahrunfällen
-
lumbovertebrales
und
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit/bei
:
-
ohne aktuelle Wurzelsymptomatik
-
noch anhaltendes muskuläres Defizit bei langfristiger Dekon
ditio
nierung und
unter
anhaltender MT-Therapie
-
Nabelher
nie
-
Tendovaginitis
stenosans
D
ig
.
III rechts
-
Verdacht
auf
Sulcus
ulnaris
-
Syndrom
-
Senkfuss beidseits
-
Status nach
Analgetikaabusus
,
gegenwärtig
nach eigenen Angaben absti
nent
-
chronischer Kopfschmerz
,
aktuell ohne ausreichende Therapie
-
Epicondylitis
lateralis
rechts
Der Arzt führte aus, das
s
auf Grund der Beschwerden im Bereich des rechten Fusses
der Beschwerdeführerin
seit 2
1.
August 2017
in Bezug auf die bisherige
Tätigkeit
als
Coiffeuse
keine Arbeitsfähigkeit mehr
bestehe
.
Auf Grund der
Schädigung
im Bereich
des
rechten
Fusses bestehe aus medizinisch-theoretischer Sicht eine verminderte Belastbar
keit für
regelmässiges
,
mittelschweres und schweres Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, für Arbeiten auf Leitern und Gerüsten,
für
ausschliesslich stehende Tätigkeiten, für häufiges Bücken
,
für Arbeiten mit erhöhten Anforderungen an die Stand- und Gangsicherheit
,
für dau
erhaftes Gehen und Stehen auf unebenem Grund
sowie für Tätigkeiten in körper
lichen Zwangshaltungen
, wie Knien, Kriechen und Hocken
.
Der Beschwerde
führerin sei indes die Ausübung
angepasste
r,
überwiegend sitzend
er
Tätigkeiten mi
t leichter Wechselbelastung (S.
9
)
, mit gelegentlichem Heben und Tragen von Lasten bis 10
Kilogramm
körpernah
,
weiterhin
uneingeschränkt
zuzumuten (S.
10
).
In
Bezug
auf die diagnostizierten Erkrankungen
der HWS und der Lendenwirbel
säule (LWS)
seien
im Vergleich zur polydisziplinären Begutachtu
ng von Januar 2015
keine Veränderungen
eingetreten. Es sei davon auszugehen, dass
im Bereich der LWS
keine aktuelle Symptomatik mehr bestehe. In Bezug auf die Beschwerden im Bereich der HWS habe sodann eine deutliche Verdeutlichungssymptomatik bestanden. In somatischer Hinsicht sei es ausschliesslich durch die Fussoperation zu einer Änderung beziehungsweise Verschlechterung des Gesundheitszustandes
gekommen. Die angegebenen abdominalen Beschwerden seien teilweise auf die Nabelhernie zurückzuführen (S. 10). In psychischer Hinsicht gelte es zu berück
sichtigen, dass eine fachpsychiatrische Behandlung gegenwärtig nicht stattfinde, weshalb auch kein aktueller psychiatrischer
Befund beziehungsweise
Bericht vor
liege (S. 9).
Insgesamt bestehe daher unverändert eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
in ange
passter Tätigkeit. Eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
habe lediglich
nach den Fussoperationen für je acht bis 10 Wochen und während der stationären Reha
bilitationsmassnahmen bestanden (S.10).
5.10
Die Ärzte des Rehaz
entrum
s
B._
führten
im Austrittsbericht
vom 25.
April 2019 (
Urk.
6/164)
aus
, die Beschwerdeführerin
sei
vom 2
3.
März bis 12.
April 2019 hospitalisiert gewesen
,
und stellten die folgenden Diagnosen (S.
1):
-
rezidivierende depressiv
e Störung, aktuell mittelschwer, mit/bei:
-
reaktiv bei chronifizierendem Schmerzverlauf
im Rahmen einer
CSS
(chronische Schmerzstörung)
-
chronische Nacken- und Spannungskopfschmerzen
-
Migräne
-
Spreizfuss
mit
Hallux
valgus beidseits
-
Hämorrhoiden
mit Blutungen und starkem Juckreiz
-
chronische
Sinusitis
-
Thorakovertebralsyndrom
-
Orthostase-Syndrom
-
Rhinitis
allergica
-
lumbospondylogenes
Syndrom
Die Ärzte führten aus, dass sich die Beschwerdeführerin im
Rahmen der psycho
therapeutischen Einzelgespräche motiviert gezeig
t habe
, ü
ber ihre Situation zu sprechen
(S. 3).
Die vorbestehende Medikation sei beibehalten worden (S. 2 unten und S. 3).
Die Ärzte empfahlen die Fortführung einer ambulanten Physiotherapie und medizinischen Trainingstherapie. Aktuell benöti
ge die Beschwerdeführerin keine psychotherapeutische
Anschluss
behandlung
(S. 4).
6.
6.1
D
ie Beschwerdeführerin
ist
am 2
1.
August 2017
an i
hrem rechten Fuss operiert
worden (vorstehend E. 5.6)
. Gem
äss der Beurteilung durch
Dr.
I._
vom
1
9.
Juli 2018
(vorstehend E.
5.9
)
habe
nach dieser Fusso
peration
eine
ver
min
derte
n
Belastbarkeit für regelmässiges
,
mittelschweres und schweres Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, für Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, für ausschliesslich stehende Tätigkeiten, für häufiges Bücken sowie für Tätigkeiten in körperlichen Zwangshaltungen wie Knien, Kriechen, Hocken, für Arbeiten mit erhöhten Anforderungen an die Stand- und Gangsicherheit und für dauerhaftes Gehe
n und Stehen auf unebenem Grund
bestanden
. Aus diesem Grunde sei der
Beschwerdeführerin
seit diesem Zeitpunkt
die Ausübung ihrer bisherigen Tätig
keit als
Coiffeuse
n
icht mehr zuzumuten
.
Für angepasste Tätigkeit bestehe indes eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit.
Demgegenüber enthalten die
Berichte
der Ärzte der
Klinik C._
vom Dezember 2016 (vorstehend E
. 5.3
) und von
Dr.
H._
vom Januar 2018 (
vor
stehend E.
5.8
)
keine Beurteilung
en
der Arbeitsfähigkeit aus somatischen Gründen.
Dr.
D._
führte
in seinem Bericht vom
April 2018 (
vorstehend E.
5.4
)
aus
,
er
könne
zur Arbeitsfähigkeit keine Stellung nehmen.
Dr.
F._
konnte
in seinem
Bericht vom November 2017 (
vorstehend E.
5.6
)
der Beschwerde
führerin keine Arbeitsunfähigkeit attestieren, da sie
seit längerer Zeit
nicht mehr arbeite. Damit übereinstimmend ging auch
Dr.
G._
in
seinem Bericht vom September 2017 (
vorstehend E.
5.7
)
davon aus,
dass er die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht beurteilen könne und verwies auf die
Beurteilungen durch die
anderen
behandelnden Fachärzte.
Dennoch ver
trat er
in diesem Bericht
die Ansicht, dass der Beschwerdeführerin
zumindest eine
Belastbarkeit
bei
Ausübung einer Erwerbstätigkeit im Umfang
von zwei Stunden
im Tag
zuzumuten sei.
6.2
In psychischer Hinsicht steht fest, dass die Beschwerdeführerin im
massgeblichen
Vergleichszeitraum nicht
psychiatrisch behandelt wurde, weshalb Berichte psy
chiatrischer Fachärzte sich nicht bei den Akten befinden. Um
solche
Bericht
e
handelt es sich insbesondere
nicht bei den
Austrittsbericht
en
des Rehazentrums
B._
vom
Juli 2016 (vorstehend E.
5.2
) und vom
April 2019 (
vor
stehend E.
5.10
). Denn diese
wurde
n
von
med.
pract
.
J._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
Leite
n
d
er Arzt, und
von
med.
pract
.
dipl.
m
ed.
K._
, Assistenzärztin
ohne
im
Medizinalberufsregister
(
www.medregom.admin.ch
) eingetragenen
Facharzttitel
,
beziehungsweise
von
med.
pract
.
J._
und
MU
Dr
.
L._
, Assistenzärztin
ohne
im
Medi
zinalberuferegister
eingetragenen
Facharzttitel, verfasst
.
Während
sie
i
m
Juli
2016 (
vorstehend E.
5.2
)
d
er Beschwerdeführerin noch die Weiterführung
einer ambulanten Psychotherapie
und einen
berufliche
n
Wiedereinstieg
nach Klinik
austritt
in einem Pensum von 20-30
%
empfohlen
hatten, attestierten sie im April 2019
(vorstehend E.
5.10
)
weder eine Arbeitsunfähigkeit
nach Klinikaustritt
, noch empfahlen sie der Beschwerdeführer
in
die Weiterführung einer
Psychotherapie
. Vielmehr verneinten sie
explizit
einen
Bedar
f für eine psychotherapeutische
Nachbetreuung im Anschluss
an den Klinikaustritt
(vors
t
ehend E.
5.10
).
6
.3
6
.3.1
Die
Stellungnahme
von
Dr.
I._
vom 1
9.
Juli 2018 (
vorstehend E.
5.9
) erfüllt
die nach der Rechtsprechung für eine beweiskräftige medizinische Entschei
dung
s
grundlage vorausgesetzten Kriterien (vgl. vorstehend E.
1.
9
). Denn einer
seits ver
fügt
er
als Facharzt für
Chirurgie
über eine für die Beurteilung des strei
tigen somatischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin angezeigte medizinische Weiter
bil
dung. Andererseits hatte
er
Kenntnis sämtlicher medizini
scher
Vorak
ten
und
setzte
sich in angemessener Weise mit den geäusserten Beschwerden
und
mit den
Ergebnissen der
klinischen Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 1
8.
Juli 2018
aus
einander
. Die
gezogenen Schlüsse
, ins
besondere hinsichtlich des resultierenden Belastungsprofils,
begründete er
in nachvollziehbarer Weise
. Die Beurteilung durch
Dr.
I._
vermag daher grundsätzlich die für eine beweiskräftige medizinische Entschei
dungsgrundlage vorausgesetzten Kriterien zu erfüllen.
6.3.2
In Bezug auf die
genannte
Stellungnahme von
Dr.
I._
(
vorstehend E.
6.3.1
)
gilt es
indes
zu beachten, dass der Beweis
wert von RAD-Berichten (Art. 49 Abs. 2 IVV) gemäss der Rechtsprechung mit jenem exter
ner medizini
scher Sach
verständigen
gutach
ten vergleichbar ist, sofern sie den praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztli
ches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (BGE
137 V 210 E. 1.2.1). Auf das Ergebnis versicherungsinterner ärzt
licher Abklärun
gen – zu denen die RAD-Berichte gehören – kann indes nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit beste
hen (BGE 139 V 225 E. 5.2 und 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7; Urteil des Bundes
gerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4).
6.3.3
Der Beurteilung
durch
Dr.
G._
vom September 2017 (vorstehend E.
5.7
)
lässt sich keine nachvollziehbare Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin entnehmen.
Insbesondere vermag nicht zu überzeugen, dass
Dr.
G._
darin einerseits
ausdrücklich erklärte
,
die Arbeits- und Leistungs
fähigkeit der Beschwerdeführerin nicht beurteilen
zu
könne
n,
und
dass er ande
rerseits ohne eine nachvollziehbare Begründung eine zumutbare Restarbeitsfä
higkeit
im Umfang
von zwei Stunden im Tag
postulierte
.
Mangels einer nachvollziehbaren Begründung vermag die Beurteilung durch Dr.
G._
daher nicht zu überzeugen. Ergänzend gilt es diesbezüglich die Erfahrungstatsa
che zu beachten, dass nach der Rechtsprechung therapeutisch tätige
Fachärzte
mitunter
im
Hinbl
ick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stellung
im Zweifels
fall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (Urteil des Bun
desgerichts 8C_260/2012 vom 27. Juni 2012 E. 3.3.2; BGE 135 V 465 E. 4.5).
Die Beurteilung durch
Dr.
G._
vermag daher d
iejenige durch Dr.
I._
nicht
in Zweifel zu ziehen
.
6.3.4
Auch die Beurteilungen durch
die Ärzte des Rehazentrums
B._
vom Juli 2016 (vorstehend E.
5.2
)
und
vom April 2019 (vorstehend E.
5.10
)
vermögen die Beurteilung durch
Dr.
I._
nicht in Zweifel zu ziehen. Denn
einerseits
kann darauf
, insoweit
die Ärzte des
B._
darin
eine mittelschwere Depression beziehungsweise eine rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelschwer, diagnostizierten und davon ausgingen, dass die Beschwerdeführerin dadurch in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt werde,
nicht abgestellt werden,
weil es sich bei den
die
Berichte verfassenden
Arztpersonen
an einer
für die Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes der Beschwerde
führerin
angezeigten fachärztlichen Weiterbildung im Fachgebiet
Psychiatrie und Psychotherapie
fehlte
(vorstehend E.
6.2
)
.
Andererseits vermag nicht zu überzeu
gen, wenn
sie
im
April 2019
einerseits weiterhin unverändert eine mittelgra
dige depressive Störung feststellten, und andererseits weder eine antidepressive
medikamentöse Therapie
noch eine
ps
ychotherapeutische Anschlussbehandlung
für angezeigt hielten
.
Daraus
, dass
sie
weder eine antidepressive medikamentöse
Therapie
noch eine psychotherapeutische Anschlussbehandlung als indiziert erachteten,
lässt sich jedenfalls nicht auf
Hinweise für eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin
schliessen.
Nach Gesagtem
lässt sich aus
den erwähnten Austrittsberichten der
Ärzte des
B._
nicht auf hinreichende
Anhaltspunkte
für eine im Hinblick auf den Rentenanspruch erhebliche Verschlechterung des psychischen Gesund
heitszustandes der Beschwerdeführerin schliessen, weshalb
weitere medizinische Abklärungen
des psychischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin
nicht angezeigt sind.
7
.
7
.1
Gestützt auf die nachvollziehbare Beurteilung durch
Dr.
I._
vom 1
9.
Juli 2018
(vorstehend E.
5.9
)
ist demzufolge davon auszugehen, dass sich der
soma
tische
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im
Vergleichszeitraum vo
n
April 2015 bis Oktober 2019
insofern verschlechtert hat, als die Beschwerde
führerin seit der Operation ihres rechten Fusses vom
2
1.
August 2017
neu
unter einer verminderten Belastbarkeit
im Bereich des rechten Fusses litt
. Trotz dieser gesundheitlichen Verschlechterung war der Beschwerdeführer
in
indes
d
ie Aus
übung behinderungsangepasster, überwiegend sitzender Tätigkeiten mit leichter Wechselbelastung weiterhin
unverändert
ohne Einschränkungen
in vollzeitli
chem Umfang zuzumuten.
Sodann ist
gestützt auf die medizinische
Aktenlage davon auszugehen, dass sich der psychische Gesundheitszustand der Beschwer
deführerin
im Vergleichszeitraum vom 1
7.
April 2015 bis 1
1.
Oktober 2019
nicht erheblich verändert hat.
7
.2
Da ergänzende
Abklärungen
an diesem
Beweise
rgebnis nichts
zu ändern ver
möchten
, besteht
für weitere Abklärungen - entgegen de
n diesbezüglichen Vor
bringen der Beschwerdeführerin
(
Urk.
1
S. 2
) - keine Notwendigkeit und es ist von einer Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur Durchführung solcher abzusehen (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen).
7.3
Mangels Anhaltspunkten für eine erhebliche Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes ist
sodann
bei einem lediglich
geringfügig ausge
prägten, die Arbeitsfäh
igkeit nicht beeinträchtigenden
psychopatho
logischen Be
fund
gemäss der erwähnten Rechtsprechung (vorstehend E. 1.4)
- entgegen den dies
bezüglichen Vorbringen der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 2) -
aus Gründen der
Verhältnismässigkeit
von einem struktu
rier
ten Be
weis
ver
fahren nach BGE 141 V 281
abzusehen.
8
.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
der Beschwerdeführerin bei Erlass der angefochtenen Verfügung vom 1
1.
Oktober 2019 die Ausübung behinderungs
an
gepasster Tätigkeiten weiterhin
im vollzeitlichen Umfang ohne Ein
schränkungen der Leistungsfähigkeit zuzumuten war. Demnach steht fest, dass
sich
ihr
somati
sche
r
und psychische
r
Gesundheitszustand
und in
s
besondere die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
seit Erlass der
ursprünglichen
Verfügung
vom 1
7.
April 2015
bis zum Erlass der vorliegend zu beurteilenden Verfügung vom
1
1.
Oktober 2019
nicht rechtserhebli
ch verändert hat, weshalb
diese Verfügung zu bestätigen und
die
Beschwerde abzuweisen
ist
.
9
.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantona
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
weige
rung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert innerhalb des gesetzli
chen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf
Fr.
8
00.-- fest
zusetzen und der
unt
erlie
genden Beschwerde
führer
in
aufzuerlegen
.