Decision ID: 4946a75d-eaab-521e-883c-b8a8a0c021db
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Zahner, Studer Rechtsanwalt,
Hauptstrasse 11a, 8280 Kreuzlingen,
gegen
UNIA Arbeitslosenkasse, Sektion St. Gallen, Teufenerstrasse 8, Postfach 2163,
9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Arbeitslosenentschädigung (Zwischenverdienst, Vertrauensschutz)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ arbeitete seit 1. Juli 2011 bei der B._ GmbH als Aussendienstmitarbeiter.
Wegen fehlenden Umsatzes bzw. aufgrund der Marktsituation kündigte die
Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis am 19. Dezember 2011 per 15. Januar 2012 (act.
G 3.2). Der Versicherte meldete sich am 19. Dezember 2011 zur Arbeitsvermittlung an
und erhob im Antrag vom 21. Dezember 2011 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
mit Wirkung ab 16. Januar 2012 (act. G 3.1).
A.b Am 17. Januar 2012 schlossen der Versicherte und die B._ GmbH einen
Handelsvertretervertrag, der einen Verdienst auf Provisionsbasis vorsah (act. G 3.3). In
den Formularen Bescheinigung über Zwischenverdienst für die Monate Januar und
Februar 2012 vom 13. Februar 2012 bzw. 24. Februar 2012 gab die B._ GmbH an,
der Versicherte habe eine Zwischenverdiensttätigkeit ausgeübt. Sie machte keine
Angaben über die Arbeitszeit. Im Februar 2012 habe der Versicherte einen Lohn von
Fr. 1'476.45 erhalten (act. G 3.4). Die UNIA Arbeitslosenkasse ersuchte die B._
GmbH am 1. März 2012 um Mitteilung der vom Versicherten in den Monaten Januar
und Februar 2012 geleisteten Arbeitszeit. Diese führte im Schreiben vom 7. März 2012
aus, da der Versicherte auf Provisionsbasis arbeite, könne sie die von ihm geleistete
Arbeitszeit nicht bescheinigen (act. G 3.4).
A.c Daraufhin verfügte die UNIA Arbeitslosenkasse, der Versicherte habe ab
16. Januar 2012 keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, weil kein
anrechenbarer Arbeits- und Verdienstausfall vorliege. Zur Begründung gab sie an, dass
beim Zwischenverdienst von einer Vollzeitbeschäftigung auszugehen sei, wenn die
aufgewendete Arbeitszeit aufgrund der Art der Tätigkeit nicht kontrollierbar sei. Der so
anhand der berufs- und ortsüblichen Löhne berechnete Einkommensverlust sei nicht
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höher als 30% des versicherten Verdienstes mit der Folge, dass kein anrechenbarer
Arbeits- und Verdienstausfall vorliege (Verfügung vom 19. März 2012, act. G 3.5).
A.d Dagegen erhob der Versicherte am 22. März 2012 Einsprache und beantragte die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Er brachte vor, dass er bei der zuständigen
RAV-Personalberaterin die Frage habe abklären lassen, ob die Annahme des von der
B._ GmbH angebotenen Handelsvertretervertrags irgendeine negative Auswirkung
auf seinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung haben könnte. Die RAV-
Personalberaterin habe in diesem Zusammenhang ein telefonisches Gespräch mit der
UNIA Arbeitslosenkasse geführt. Sie habe dabei die Aussage erhalten, das wäre ok,
wenn er dies als Zwischenverdienst angebe. Es würde dann nur noch die Differenz zum
versicherten Verdienst bzw. der entsprechenden Taggeldleistung ausbezahlt. Dadurch
würde sich auch die Leistungsbezugsdauer gegebenenfalls verlängern. Die Annahme
des Handelsvertretervertrags wäre also nur von Vorteil für ihn. Erst nach dieser
Auskunft habe er den Handelsvertretervertrag unterzeichnet. Die Tätigkeit als
Handelsvertreter nehme nur einen kleinen Anteil der täglichen Zeit in Anspruch, d.h.
vielleicht eine bis maximal zwei Stunden pro Tag. Seine derzeitige Hauptaufgabe sei
die Suche nach einer neuen Festanstellung. Mit der Einspracheschrift reichte der
Versicherte den Protokollauszug seiner Personalberaterin ein, worin die Auskunft eines
Mitarbeitenden der UNIA Arbeitslosenkasse wiedergegeben wird, "dass dieser Vertrag
unterschrieben werden kann und man das Ganze als ZV abrechnen wird" (act. G 3.6).
A.e Die Beschwerdegegnerin wies die Einsprache des Versicherten ab
(Einspracheentscheid vom 29. März 2012, act. G 3.7).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 29. März 2012 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 12. April 2012. Der Beschwerdeführer beantragt darin dessen
Aufhebung und die Anerkennung des Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung sowie
des anrechenbaren Arbeits- und Verdienstausfalls ab dem 16. Januar 2012. Die
Begründung lautet im Wesentlichen gleich wie diejenige der Einsprache vom 22. März
2012. Ergänzend macht er geltend, er habe sich aufgrund des Entscheids der
Beschwerdegegnerin gezwungen gesehen, den Handelsvertretervertrag sofort am
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3. April 2012 aufzulösen (act. G 1; vgl. den Aufhebungsvertrag vom 3. April 2012, act.
G 1.12). Des Weiteren reicht der Beschwerdeführer eine Auflistung der von ihm für die
B._ GmbH in den Monaten Januar (10,5 Stunden), Februar (12,5 Stunden) und März
2012 (11,75 Stunden) geleisteten Arbeitszeit ein (act. G 1.8 ff.; vgl. auch die
entsprechende Mitteilung an die Beschwerdegegnerin vom 2. April 2012, act. G 1.7).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 29. Mai 2012
die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
B.c In der Replik vom 6. Juli 2012 hält der nunmehr anwaltlich vertretene
Beschwerdeführer an seiner Beschwerde fest und beantragt zudem eventualiter, es sei
die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach
weiteren Abklärungen über den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung für die Zeit
vom 16. Januar bis 31. März 2012 neu entscheide (act. G 7).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien umstritten ist die Frage, ob die Beschwerdegegnerin den
Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung ab 16. Januar 2012
zu Recht verneint hat.
1.1 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt unter anderem voraus, dass
die versicherte Person ganz oder teilweise arbeitslos ist (Art. 8 Abs. 1 lit. a des Bundes
gesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]) und einen anrechenbaren Arbeitsausfall
erlitten hat (Art. 8 Abs. 1 lit. b AVIG). Der Arbeitsausfall ist gemäss Art. 11 Abs. 1 AVIG
anrechenbar, wenn er einen Verdienstausfall zur Folge hat und mindestens zwei
aufeinanderfolgende volle Arbeitstage dauert. Als Zwischenverdienst gilt jedes
Einkommen aus unselbstständiger und selbstständiger Erwerbstätigkeit, das die
arbeitslose Person innerhalb einer Kontrollperiode erzielt, wobei als Verdienstausfall die
Differenz zwischen dem in der Kontrollperiode erzielten Zwischenverdienst gilt,
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mindestens aber dem berufs- und ortsüblichen Ansatz für die betreffende Arbeit, und
dem versicherten Verdienst. Mit dem Korrektiv der Berufs- und Ortsüblichkeit der
Entlöhnung soll verhindert werden, dass die versicherten Personen einen zu niedrigen
Verdienst vereinbaren, um die Differenz zu Lasten der Arbeitslosenversicherung
entschädigen zu lassen (Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
30. Mai 2008, AVI 2007/113, E. 2.1 mit Hinweisen). Ist das Einkommen geringer als die
der versicherten Person zustehende Arbeitslosenentschädigung, so besteht innerhalb
der Rahmenfrist für den Leistungsbezug ein Anspruch auf Kompensationszahlungen
(Art. 41a Abs. 1 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und
die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]).
1.2 Des Weiteren ist auf die auf den vorliegenden Sachverhalt wohl anwendbaren
Bestimmungen von Art. 24 Abs. 3 AVIG und Art. 41a Abs. 3 AVIV hinzuweisen,
wonach ein Zwischenverdienst nicht anrechenbar ist und kein Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung besteht, wenn ein Arbeitsverhältnis innerhalb eines Jahres
zwischen den gleichen Parteien wieder aufgenommen oder nach einer
Änderungskündigung fortgesetzt wird, wenn dabei die Arbeitszeit reduziert wurde und
die damit verbundene Lohnkürzung überproportional ist (lit. a) oder die Arbeitszeit
beibehalten, der Lohn aber gekürzt wurde (lit. b).
1.3 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach haben Gericht und Verwaltung von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Urteil des
Bundesgerichts vom 1. April 2011, 8C_73/2011, E. 4.1).
2.
Vorab ist zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin die vom Beschwerdeführer
geleistete Arbeitszeit allein aufgrund der Auskunft bei der Arbeitgeberin (keine Aussage
möglich; Auskunft vom 7. März 2012, act. G 3.4) als nicht überprüfbar angenommen
hat. Sie hat in diesem Zusammenhang auf jegliche weitere Abklärung - namentlich
beim Beschwerdeführer - verzichtet, was eine Verletzung der ihr obliegenden
Untersuchungspflicht darstellt. Der Einspracheentscheid beruht damit nicht auf einem
vollständig abgeklärten Sachverhalt. Mit Blick darauf, dass der angefochtene Entscheid
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auch aus anderen Gründen aufzuheben ist, erübrigen sich indessen Weiterungen
hierzu.
3.
Bei der Beantwortung der Frage nach dem Anspruch des Beschwerdeführers auf
Arbeitslosenentschädigung ist zunächst die Natur der im Rahmen des
Handelsvertretervertrags vereinbarten Tätigkeit zu klären.
3.1 Gemäss Art. 12 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ist selbstständigerwerbend, wer
Erwerbseinkommen erzielt, das nicht Entgelt für eine als Arbeitnehmerin oder
Arbeitnehmer geleistete Arbeit darstellt. Als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
gelten Personen, die in unselbstständiger Stellung Arbeit leisten und dafür
massgebenden Lohn nach dem jeweiligen Einzelgesetz beziehen (zu den von der
Rechtsprechung erarbeiteten Kriterien der unselbstständigen Tätigkeit vgl. Ueli Kieser,
ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, Rz 9 ff. zu Art. 10 mit Hinweisen).
3.2 Der Wortlaut des Vertrags "Der Handelsvertreter wird als selbständiger Kaufmann
[...] vermitteln." deutet auf eine selbstständige Erwerbstätigkeit hin. Hingegen hatte der
Beschwerdeführer kein echtes Unternehmerrisiko zu tragen. So hatte er keine
beträchtlichen Investitionen getätigt, noch musste er Angestelltenlöhne bezahlen. Ins
Gewicht fällt weiter, dass der Beschwerdeführer nur "im Namen des Unternehmens"
Verkaufsgeschäfte abschliessen durfte (§3, act. G 3.3) und damit nicht in eigenem
Namen und auf eigene Rechnung tätig war. Ferner hat er auch keine eigene
Verkaufsorganisation aufgebaut. Sodann verfügte der Beschwerdeführer nicht über
eigene Geschäftsräumlichkeiten ausserhalb seiner Wohnung, die mit Aufwendungen
(Miet- und Unterhaltskosten), die nicht ohne Weiteres und vor allem nicht sofort
vermindert werden können, verbunden sind (vgl. zum Ganzen Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 29. Januar 2003, H 18/2002, E. 4.3 f.). Auch
wenn der Beschwerdeführer für die Erfüllung der Verbindlichkeiten einzustehen hatte
(gemäss §8 entstand der Anspruch auf Zahlung der Provision, sobald und soweit der
Kunde das Entgelt für das provisionspflichtige Geschäft entrichtet hatte, act. G 3.3),
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kann daraus mit Blick auf die übrigen genannten Umstände kein typisches
Unternehmerrisiko abgeleitet werden. Die fragliche Erwerbstätigkeit ist deshalb als
unselbstständige zu qualifizieren.
4.
Die Fragen, ob die Auffassung der Beschwerdegegnerin zutrifft, dass dem
Beschwerdeführer für seine Handelsvertretertätigkeit mangels Überprüfbarkeit der
tatsächlich eingesetzten Arbeitszeit eine berufs- und ortsübliche Entlöhnung für eine
Vollzeitbeschäftigung anzurechnen wäre (vgl. vorstehende E. 1.1), oder ob der
Beschwerdeführer aufgrund von Art. 41a Abs. 3 AVIV überhaupt keinen Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung hätte (vgl. vorstehende E. 1.2), können letztlich offen
gelassen werden. Denn selbst wenn eine dieser Rechtsfolgen zutreffen würde und
deshalb kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung bestünde, kann sich der
Beschwerdeführer auf den Vertrauensschutz berufen, wie sich aus nachfolgenden
Erwägungen ergibt.
4.1 Gemäss Art. 27 Abs. 2 Satz 1 ATSG hat jede Person Anspruch auf grundsätzlich
unentgeltliche Beratung über ihre Rechte und Pflichten. Diese Bestimmung stipuliert
ein individuelles Recht auf Beratung durch den zuständigen Versicherungsträger. Die
Beratungspflicht der Versicherungsträger und Durchführungsorgane dient dazu, der
berechtigten Person positiv den Weg aufzuzeigen, auf dem sie zu der gesetzlich vorge
sehenen Leistung gelangt. Der Umfang der Beratung richtet sich in erster Linie nach
der Schwierigkeit des jeweiligen Normenkomplexes und nach dem Grad der
Angewiesenheit der leistungsberechtigten Person auf beratende Hilfe. Zum Kern dieser
Beratungspflicht gehört, die versicherte Person darauf hinzuweisen, dass ihr Verhalten
eine der Voraussetzungen des Leistungsanspruchs gefährden kann (BGE 131 V 479 f.
E. 4.3 mit Hinweisen). Wird diese Beratungspflicht verletzt, so ist dies einer unrichtig
erteilten Auskunft des Versicherungsträgers gleichzusetzen und dieser hat in
Nachachtung der Grundsätze zum Vertrauensprinzip hierfür einzustehen. Dies gilt
insbesondere auch für den Fall, wo eine Auskunft, entgegen gesetzlicher Vorschrift
oder obwohl sie nach den im Einzelfall gegebenen Umständen geboten war, unterbleibt
(BGE 131 V 480 f. E. 4.3 und 5).
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4.2 Abgeleitet aus dem Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 9 der
Bundesverfassung [BV; SR 101]), der den Bürger und die Bürgerin in ihrem
berechtigten Vertrauen auf behördliches Verhalten schützt, können falsche Auskünfte
von Verwaltungsbehörden unter bestimmten Voraussetzungen eine vom materiellen
Recht abweichende Behandlung der rechtsuchenden Person gebieten. Gemäss
Rechtsprechung und Doktrin ist dies der Fall, 1. wenn die Behörde in einer konkreten
Situation mit Bezug auf bestimmte Personen gehandelt hat; 2. wenn sie für die
Erteilung der betreffenden Auskunft zuständig war oder wenn die rechtsuchende
Person die Behörde aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte;
3. wenn die Person die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne weiteres erkennen
konnte; 4. wenn sie im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositionen
getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können, und
5. wenn die gesetzliche Ordnung seit der Auskunftserteilung keine Änderung erfahren
hat. Bei unterbliebener - gebotener - Auskunft gelten diese Grundsätze analog (wobei
die dritte Voraussetzung diesfalls lautet: wenn die Person den Inhalt der unterbliebenen
Auskunft nicht kannte oder deren Inhalt so selbstverständlich war, dass sie mit einer
anderen Auskunft nicht hätte rechnen müssen; BGE 131 V 480 f. E. 5).
4.3 Gemäss dem von der RAV-Personalberaterin geführten Gesprächsprotokoll vom
9. Januar 2012 legte der Beschwerdeführer den ihm von der B._ GmbH angebotenen
Handelsvertretervertrag vor (act. G 3.6). Dieser hatte eine Handelsvertretertätigkeit als
"selbstständiger" Kaufmann zum Gegenstand. Der Umfang der Arbeitszeit lag in der
Gestaltungsfreiheit des Handelsvertreters. Die Vergütung erfolgte auf Provisionsbasis
(§1 Rz 1, §6 Rz 3 und §7 des Vertrags, act. G 3.3; die Personalberaterin protokollierte
ausdrücklich: "Er hat jedoch kein Pensum zugesichert und weiss nicht, ob und wie viel
Verdienst er damit monatlich erzielen wird. [...] Da er jedoch nicht verpflichtet ist, ein
gewisses Pensum zu leisten, könnte er bereits vorgängig bei einem neuen AG
starten."). Zusätzlich wies der Beschwerdeführer darauf hin, dass die B._ GmbH,
"stets dasselbe Vorgehen an den Tag legt." Sie "beschäftigt die Mitarbeiter innerhalb
eines Festvertrages für ca. ein halbes Jahr, um danach die Kündigung auszusprechen
und den Personen einen Handelsreisenden Vertrag anzubieten". Dies sei auch bei ihm
der Fall gewesen (act. G 3.6). Er habe sich bis zum Beratungsgespräch vom 9. Januar
2012 nicht getraut, den Handelsvertretervertrag zu unterzeichnen. Er habe sich nach
der "RAV-OV mit den arbeitsrechtlichen Auskünften in Verbindung gesetzt", allerdings
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keine Antwort erhalten. Stattdessen sei er auf den ersten Termin beim RAV vertröstet
worden, wo er dann die Situation klären lassen könne. Die RAV-Beraterin hat den
Beschwerdeführer wissen lassen, dass es nicht in ihrer Kompetenz liege, ihn
anzuweisen, einen Vertrag zu unterzeichnen. Stattdessen hat sie ihm das Vorgehen
beim RAV aufgezeigt und diesbezüglich auch die Schadenminderungspflicht erwähnt.
Der Beschwerdeführer antwortete darauf, er werde diesen Vertrag unterzeichnen, wenn
er damit keine Probleme beim RAV generiere. Die Personalberaterin hat daraufhin
"sicherheitshalber" mit der Beschwerdegegnerin Kontakt aufgenommen. Der
zuständige UNIA-Mitarbeiter habe "ebenfalls" zugesichert, dass dieser Vertrag
unterschrieben werden könne und das Ganze als Zwischenverdienst abgerechnet
werde (act. G 3.6).
4.4 Aus dem Inhalt des Gesprächsprotokolls vom 9. Januar 2012 ergibt sich
zunächst, dass der Beschwerdeführer den Sachverhalt tatsachengetreu dargestellt und
den fraglichen Handelsvertretervertrag den zuständigen Behörden vorlegte. Die
Verwaltung war damit über den tatsächlichen Hintergrund der vom Beschwerdeführer
gestellten Anfrage vollständig in Kenntnis gesetzt. Anhaltspunkte dafür, dass der
Beschwerdeführer bewusst unzutreffende oder mangelhafte Angaben machte, um
Leistungen zu erwirken, liegen keine vor. Es wird denn auch nichts Gegenteiliges von
der Beschwerdegegnerin vorgebracht. Sowohl der Personalberaterin als auch dem
zuständigen Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin hätte klar sein müssen, dass die
Annahme des Handelsvertretervertrags im Hinblick auf den Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung problematisch sein würde, da einerseits die durch den
Beschwerdeführer frei bestimmbare, tatsächlich geleistete Arbeitszeit vorliegend nicht
leichthin nachweisbar sein würde, und andererseits das zu beurteilende
Arbeitsverhältnis möglicherweise in den Anwendungsbereich von Art. 41a Abs. 3 lit. a
AVIV fiel. Vor diesem Hintergrund wäre zumindest der zuständige Mitarbeiter der
Beschwerdegegnerin verpflichtet gewesen, den Beschwerdeführer über die mit der
Tätigkeit als Handelsvertreter verbundenen leistungsgefährdenden Umstände
aufmerksam zu machen bzw. von der Unterzeichnung des Handelsvertretervertrags
abzuraten. Der zuständige Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin hat folglich die
Beratungspflicht verletzt.
4.5 Zu prüfen bleiben damit die übrigen Erfordernisse (3 - 5) des Vertrauensschutzes.
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4.5.1 Es kann nicht die Rede davon sein, der Beschwerdeführer habe den Inhalt
der unterbliebenen Auskunft gekannt oder deren Inhalt sei so selbstverständlich
gewesen, dass er mit einer anderen Auskunft hätte rechnen müssen. Ob der
Beschwerdeführer sich der Problematik bewusst war, ist vorliegend unerheblich, hat er
sich doch gerade im Hinblick auf die Frage, welche leistungsbeeinträchtigenden Folgen
die Annahme des Handelsvertretervertrags haben könnte, mit den zuständigen
Behörden in Verbindung gesetzt.
4.5.2 Der Beschwerdeführer hat schliesslich erst im Vertrauen auf die
(unvollständige) Beratung durch den Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin sowie in
Nachachtung der von der Personalberaterin aufgezeigten, ihm obliegenden
Schadenminderungspflicht den Handelsvertretervertrag am 17. Januar 2012
unterzeichnet, was sich auch aus dem Gesprächsprotokoll ergibt (act. G 3.6). Es ist mit
dem Beschwerdeführer (act. G 1, S. 3) davon auszugehen, dass er in Kenntnis der
gebotenen Auskunft den Handelsvertretervertrag nicht unterzeichnet hätte. Diese
Sichtweise wird dadurch bestätigt, als sich der Beschwerdeführer unmittelbar nach der
leistungsabweisenden Verfügung vom 19. März 2012 (act. G 3.5) um eine möglichst
frühzeitige Auflösung des Handelsvertretervertrags bemüht hat (vgl. die Kündigung der
B._ GmbH vom 28. März 2012 und den Aufhebungsvertrag vom 3. April 2012, act.
G 1.11 f.). Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer gemäss Gesprächsprotokoll vom
9. Januar 2012 jederzeit bereit gewesen wäre, zu Gunsten einer anderen Tätigkeit die
Handelsvertretertätigkeit aufzugeben (act. G 3.6). Der Beschwerdeführer erleidet durch
die unterlassene Auskunft insoweit einen nicht wieder gut zu machenden Nachteil, als
er für die Monate Januar bis März 2012 keine Arbeitslosenentschädigung erhielt.
4.5.3 Schliesslich steht der Bejahung des Vertrauensschutzes keine
zwischenzeitlich ergangene Gesetzesänderung gegenüber.
4.6 Nach den vorstehend dargestellten Umständen darf dem Beschwerdeführer aus
der Verletzung der Beratungspflicht bzw. dem fehlenden Hinweis auf die
Leistungsgefährdung durch die Annahme des Handelsvertretervertrags kein
Rechtsnachteil erwachsen, womit der Beschwerdeführer abweichend vom Gesetz zu
behandeln ist und sein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung betreffend die Monate
Januar bis März 2012 nicht mit einer Anrechnung eines berufs- und ortsüblichen Lohns
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für eine Vollzeitbeschäftigung verneint werden kann. Die Sache ist vielmehr an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den anrechenbaren
Zwischenverdienst festlege und hernach die dem Beschwerdeführer für die Monate
Januar bis März 2012 zustehende Arbeitslosenentschädigung ermittle und ausrichte,
da weder ersichtlich noch geltend gemacht wurde, die übrigen
Anspruchsvoraussetzungen seien nicht erfüllt.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 29. März
2012 aufzuheben. Die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie
über den Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung im Sinn der
Erwägungen neu verfüge.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers verzichtete auf das Einreichen einer
Kostennote. Im vorliegenden Fall erscheint mit Blick darauf, dass der Rechtsvertreter
erst im Rahmen der Replik für den Beschwerdeführer tätig wurde, eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 1'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP