Decision ID: 67605958-d8aa-5c0d-8aaa-567c16d799d1
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 19. Juni 2021 in der Schweiz um
Asyl nach. Er liess auf dem Personalienblatt eintragen, er sei am (...) ge-
boren.
A.b Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Euro-
dac) ergab, dass der Beschwerdeführer am (...) in B._ und am (...)
in C._ um Asyl ersucht hatte.
A.c Am (...) bevollmächtigte der Beschwerdeführer die Mitarbeitenden des
Rechtsschutzes für Asylsuchende im Bundesasylzentrum Region
D._ mit der Wahrung seiner Interessen.
A.d Am (...) stellte das SEM bei den (...) Behörden je ein Informationser-
suchen nach Art. 34 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz (Dublin-III-VO).
A.e Am (...) teilten die (...) Behörden dem SEM mit, der Beschwerdeführer
sei entsprechend seinen Angaben unter den Personalien E._, ge-
boren am (...), Afghanistan, in B._ registriert worden. Er habe kei-
nerlei Identitätsdokumente zu den Akten gereicht.
A.f Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom (...) teilte der Beschwerde-
führer dem SEM mit, sein Geburtsdatum sei falsch erfasst worden. Er sei
am (...) geboren. Bei der Ankunft in der Schweiz sei er aufgrund der an-
strengenden Reise müde, erkrankt und daher nicht konzentriert gewesen.
Zudem könne er mangels Schulunterricht kaum lesen und schreiben und
verstehe von Zahlen nicht viel, geschweige denn von Geburtszahlen. Man-
gels Sprachkenntnissen habe er sich auch nicht verständigen können. Der
Eingabe legte er das korrigierte und von ihm unterschriebene Personalien-
blatt bei.
A.g Am (...) führte das SEM eine Erstbefragung (Erstbefragung unbeglei-
teter minderjähriger Asylsuchender [EB UMA]) durch. Dabei korrigierte der
Beschwerdeführer sein Geburtsdatum auf den (...). Es sei bei der Eingabe
am Vortag (vgl. Bst. A.e hievor) offenbar zu einem Missverständnis mit sei-
ner Rechtsvertretung gekommen. Nach dem afghanischen Kalender habe
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er «(...) oder irgendwie so» Geburtstag. Er kenne sein genaues Datum nur
nach dem hiesigen Kalender, nach welchem ihm sein Vater, der in
F._ gearbeitet habe, dieses aufgeschrieben habe. Er sei in der Pro-
vinz G._, Stadt H._, Quartier I._ geboren. Er habe
die Merkblätter nicht lesen können, weil er die Schule nicht besucht habe.
Als (...) sei er für rund (...) Jahre in die Koranschule gegangen, wo er den
Koran zu Ende und auch ein paar andere Bücher gelesen habe. Etwa mit
(...) Jahren habe er angefangen, in einer Werkstatt zu arbeiten. Diese Ar-
beit habe er ausgeführt, bis er sein Heimatland am Abend vor dem afgha-
nischen Nationalfeiertag (19. August, Anmerkung BVGer) im Jahr (...) – er
sei dannzumal etwa (...) Jahre alt gewesen – verlassen habe. In
B._ seien ihm die Fingerabdrücke abgenommen worden. Er habe
dort kein Asylgesuch stellen wollen und keinen Dolmetscher gehabt. Er
habe angegeben, minderjährig zu sein beziehungsweise habe er kein Da-
tum angegeben. Er wisse nicht, welches Geburtsdatum die (...) Behörden
registriert hätten. In B._ habe er einen anderen Nachnamen ange-
geben in der Hoffnung, dass seine Daten nicht ausfindig gemacht werden
könnten. Er könne sich nicht erinnern, welches Geburtsdatum er in
C._ angegeben habe. Er brachte zudem vor, gesund zu sein, und
verneinte die regelmässige Einnahme von Medikamenten.
A.h Am (...) teilten die (...) Behörden dem SEM mit, der Beschwerdeführer
habe sich unter den Personalien J._, geboren am (...), Afghanistan,
registrieren lassen. Sein Asylgesuch sei am (...) abgelehnt worden.
B.
B.a Die am (...) am Institut für Rechtsmedizin des Kantonsspitals
K._ erstellte 3-Säulen-Modell-Analyse (körperliche, radiologische
und zahnärztliche Untersuchung/Beurteilung) zur Altersbestimmung ergab
ein durchschnittliches Lebensalter von 18 bis 22 Jahren. Im Zusammen-
schau der Untersuchungsbefunde ergebe sich beim Beschwerdeführer
zum Zeitpunkt der Untersuchung ein Mindestalter von 17 Jahren (17.4 Jah-
ren). Das angegebene Geburtsdatum (chronologisches Lebensalter von
(...) Jahren und [...] Monaten) könne somit aufgrund der Ergebnisse der
forensischen Altersschätzung nicht zutreffen.
B.b Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am (...) das rechtliche Ge-
hör zur beabsichtigten Anpassung seines Alters im Zentralen Migrationsin-
formationssystem ZEMIS mit Geburtsdatum vom (...). Gleichzeitig wurde
ihm das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit C._ und B._ zur
Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gemäss Dublin-III-
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VO, zum Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG
(SR 142.31) sowie zur Wegweisung nach C._ oder B._ ge-
währt.
B.c Der Beschwerdeführer hielt mit Eingabe vom (...) unter Hinweis auf
zahlreiche Anhaltspunkte (angebliche Reaktion auf geplante Altersanpas-
sung; überzeugende Erklärung für das Fehlen von Identitätsdokumenten;
nicht verwertbare, von den (...) Behörden erfasste, bestrittene Geburtsda-
ten sowie wenig aussagekräftiges Ergebnis aus Altersabklärung) und seine
als glaubhaft zu erachtenden Angaben an seiner Minderjährigkeit, welche
einer Wegweisung nach B._ oder C._ klar entgegenstehe,
fest. In B._ drohe ihm die Abschiebung nach Afghanistan. In
C._ sei er schlimmer als ein Tier behandelt, gänzlich ignoriert oder
geschlagen und angeschrien worden.
C.
Das Geburtsdatum des Beschwerdeführers wurde in der Folge im ZEMIS
– mit Bestreitungsvermerk – auf den (...) angepasst und der Beschwerde-
führer wurde vom SEM für das weitere Verfahren als volljährig erachtet.
D.
D.a Am (...) ersuchte das SEM die (...) Behörden um Wiederaufnahme des
Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO.
D.b Am (...) reichte der Beschwerdeführer einen Arztbericht des Ambula-
toriums (...) vom (...) mit der Diagnose Vitamin-D-Mangel, (...), (...) und
(...) zu den Akten.
D.c Mit Eingabe vom (...) ersuchte der Beschwerdeführer um einen Selbst-
eintritt der Schweiz und (erneut) um Rückgängigmachung der Altersanpas-
sung. Der Eingabe lagen ein USB-Stick mit Videoaufnahmen aus
B._ und C._ und zwei Arztberichte vom (...). und (..) des
Ambulatoriums (...) mit den zusätzlichen Diagnosen chronische (...) ohne
Delta-Virus und Schlafstörungen.
D.d Die (...) Behörden hiessen das Wiederaufnahmeersuchen des SEM
mit Schreiben vom (...) im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. d der Dublin-III-VO
gut.
D.e Mit Arztbericht des Ambulatoriums (...) vom (...) wurden beim Be-
schwerdeführer ein (...) ([...] oder [...], Anmerkung BVGer) an den Händen
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beidseits und (...) (spontaner Austritt von [...] aus einem oder beiden [...],
Anmerkung BVGer) diagnostiziert.
E.
Mit Verfügung vom 8. September 2021 – eröffnet am 9. September 2021 –
trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete dessen Wegweisung
aus der Schweiz nach C._ an und forderte den Beschwerdeführer
auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf des Beschwerdeverfah-
rens zu verlassen. Zudem stellte es fest, das Geburtsdatum des Beschwer-
deführers im ZEMIS laute auf den (...), mit Bestreitungsvermerk. Schliess-
lich hielt es fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende
Wirkung zu und verfügte die Aushändigung der editionspflichtigen Akten
gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwerdeführer.
F.
Der Beschwerdeführer focht die Verfügung des SEM vom 8. September
2021 mit Beschwerde vom 16. September 2021 beim Bundesverwaltungs-
gericht an. Er beantragt, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben
und das SEM anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten. Zudem sei sein
Geburtsdatum im ZEMIS auf den (...), eventualiter auf den (...), zu ändern.
Subeventualiter sei das Verfahren zwecks vollständiger Abklärung des
Sachverhalts und Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen. In pro-
zessualer Hinsicht sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu ge-
währen und im Sinne einer superprovisorischen vorsorglichen Massnahme
seien die Vollzugsbehörden anzuweisen, von einer Überstellung abzuse-
hen, bis das Bundesverwaltungsgericht in der Sache entschieden habe. Es
sei die unentgeltliche Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses zu gewähren.
Der Beschwerde lagen der angefochtene Entscheid (ohne Seite 1) sowie
die Empfangsbestätigung, je in Kopie, bei.
G.
Am 17. September 2021 lagen dem Bundesverwaltungsgericht die vor-
instanzlichen Akten in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
Gleichentags setzte die Instruktionsrichterin mit superprovisorischer Mass-
nahme den Vollzug der Überstellung des Beschwerdeführers gestützt auf
Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Das Verfahren
richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG
nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
1.3 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet.
2.
Über das Begehren, das Geburtsdatum im ZEMIS sei auf den (...), even-
tualiter auf den (...), zu ändern, ist nicht im vorliegenden Dublin-Verfahren
zu entscheiden, zumal auch die dazu vorgesehene Beschwerdefrist noch
nicht abgelaufen ist, weshalb im Nachgang ein separates Verfahren bezüg-
lich der beantragten Datenänderung im ZEMIS zu führen ist (vgl. auch Ur-
teil des BVGer D-3041/2021 vom 7. Juli 2021 E. 2).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer rügt mehrere Verletzungen der Untersuchungs-
pflicht (vgl. Beschwerde, Ziff. 4.2.4, S. 11 ff., Ziff. 6.2, S. 20 f. und Ziff. 7,
S. 25 f.). Er macht geltend, die Vorinstanz habe durch die mangelnde Ab-
klärung der Umstände der Registrierung in C._ und B._ ihre
Pflicht zur Abklärung des vollständigen Sachverhalts verletzt. In vergleich-
baren Fällen seien von den (...) Behörden die Akten der Registrierung oder
der Erstbefragung angefordert worden. Die Vorinstanz habe sich im Asyl-
entscheid nur rudimentär zur Situation für Asylsuchende in C._ ge-
äussert und habe lediglich die völkerrechtlichen Verpflichtungen
C._ aufgeführt. Schliesslich habe sie sich mit der medizinischen
Versorgung in C._ nicht auseinandergesetzt und damit den medizi-
nischen Sachverhalt nicht erstellt. Diese formellen Rügen sind vorab zu
prüfen, da sie allenfalls zur Kassation und Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz führen können.
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3.2 Die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet
einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn die Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
3.3 Die Rüge, die Vorinstanz habe im Zusammenhang mit ihren Erwägun-
gen bezüglich der vom Beschwerdeführer behaupteten Minderjährigkeit
und bezüglich seines Gesundheitszustandes mehrfach den Untersu-
chungsgrundsatz verletzt, erweist sich als unbegründet. Die Vorinstanz hat
diese Fragen in ihren Erwägungen unter Berücksichtigung der wesentli-
chen Sachverhaltselemente einlässlich und hinreichend differenziert ge-
prüft sowie die mehreren Überlegungen genannt, welche ihrer Gesamtwür-
digung aller vorliegenden Anhaltspunkte zugrunde lagen. Die in der Be-
schwerde geäusserte – weitestgehend unsubstantiierte – Unzufriedenheit
mit den Schlussfolgerungen der Vorinstanz und insbesondere deren Wür-
digung der Aussagen des Beschwerdeführers kann nicht unter den Tatbe-
stand der ungenügenden und unvollständigen Sachverhaltsfeststellung
subsumiert werden, sondern stellt vielmehr eine Kritik in der Sache selbst
dar, zumal der Beschwerdeführer selber ausführt, es könne der Vorinstanz
nicht der Vorwurf gemacht werden, dass sie das Einholen von Informatio-
nen zumindest nicht versucht habe (vgl. Beschwerde, Ziff. 4.2.4, S. 12).
Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, den angefochtenen Ent-
scheid aus einem formellen Grund aufzuheben.
4.
Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM
ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2 je m.w.H.). Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetre-
ten, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die
Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zu-
ständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesbezüglich kommt die Dublin-
III-VO zur Anwendung. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asyl-
antrag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des
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Kapitels III als zuständiger Staat bestimmt wird. Im Falle einer unbegleite-
ten minderjährigen Person ohne familiäre Anknüpfungspunkte (zu einem
anderen Mitgliedstaat) ist gemäss Art. 8 Abs. 2 Dublin-III-VO der Staat zu-
ständig, in welchem jene einen Antrag auf internationalen Schutz gestellt
hat. Unbegleitete Minderjährige sind vom Wiederaufnahmeverfahren aus-
genommen (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin-III-VO, Wien 2014, Kap. 15 f.
zu Art. 8, m.H.). Vorliegend bestünde deshalb bei Minderjährigkeit des Be-
schwerdeführers eine der grundsätzlichen Wiederaufnahmezuständigkeit
C._ vorrangige Zuständigkeit der Schweiz (vgl. statt vieler: Urteile
des BVGer D-3041/2021 vom 7. Juli 2021 E. 4.3).
5.
5.1 Die Vorinstanz hielt zur Begründung der angefochtenen Verfügung fest,
der Beschwerdeführer sei als volljährige Person zu behandeln und sein
Geburtsdatum auf den (...) mit Bestreitungsvermerk festzulegen. Im Lichte
der bundesverwaltungsrechtlichen Rechtsprechung würden sich anhand
des medizinischen Altersguthabens vom (...) keine Aussagen zu seiner
Minder- beziehungsweise Volljährigkeit machen lassen, weshalb es auch
nicht als Indiz hierfür herangezogen werden dürfe. Es lasse sich anhand
des festgestellten Gutachtens jedoch klar feststellen, dass das von ihm
geltend gemachte Alter ([...] Jahre und [...] Monate) nicht zutreffen könne.
Für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Minderjäh-
rigkeit sei entsprechend einzig die Gesamtwürdigung seiner Aussagen und
der übrigen Indizien ausschlaggebend: So habe der Beschwerdeführer bei
der Einreichung seines Gesuches unterstützt durch eine Drittperson gel-
tend gemacht, am (...) geboren zu sein. Am (...) habe er eine Eingabe be-
treffend Korrektur des erfassten Geburtsdatums gemacht und darin als kor-
rektes Geburtsdatum den (...) aufgeführt. Anlässlich der EB UMA habe er
sodann angegeben, er sei am (...) geboren und ein offenbares Missver-
ständnis zwischen ihm und seiner Rechtsvertretung für das tags zuvor gel-
tend gemachte Geburtsdatum vom (...) angeführt. Dies vermöge in keiner
Weise zu überzeugen, zumal er die Korrektheit des Datums «(...)» als Ge-
burtsdatum auf der eingereichten Korrektur des Personalienblatts unter-
schriftlich bestätigt habe, weshalb die geltend gemachte Korrektur der Ein-
gabe vom (...) mithin als nachgeschobene Schutzbehauptung zu seinen
Gunsten zu qualifizieren sei. Zwar habe er an der EB UMA einige im Grund-
satz widerspruchslose Angaben zum Datum seiner Ausreise gemacht und
seinen Wohnort geographisch sehr präzise nennen können, seine restli-
chen Angaben (Alter, Geburtsdatum, Kenntnisse über afghanischen und
hiesigen Kalender, Schulbildung und insbesondere Registrierungen in
B._ und C._) seien jedoch vage, unglaubhaft und teilweise
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widersprüchlich ausgefallen. Es sei nicht plausibel, dass die (...) Behörden
ihn mit einem spezifischen Geburtsdatum als volljährige Person registriert
hätten, hätte er sich tatsächlich als minderjährige Person ausgegeben.
Weiter sei unwahrscheinlich, dass er in C._ als volljährige Person
unter einem spezifischen Geburtsdatum registriert worden sei und so ein
gesamtes Verfahren durchlaufen hätte, hätte er diese Personalien nicht
selber so zu Protokoll gegeben. Diese Erkenntnisse liessen sich mit seinen
Aussagen in der Schweiz in keiner Weise vereinbaren. Es falle auf, dass
die dortigen Registrierungen unter identischem Jahrgang (...) erfolgt seien,
womit eine fehlerhafte Registrierung sehr unwahrscheinlich sei. Zudem
nähre insbesondere die Information aus B._, wo er aufgrund seiner
Aussagen als volljährige Person aufgenommen worden sei, die Zweifel am
Wahrheitsgehalt seiner Angaben gegenüber den schweizerischen Behör-
den. Er vermöge die abweichenden Registrierungen in C._ und
B._ nicht plausibel zu erklären. Seine Pauschalerklärungen, wo-
nach sein Geburtsdatum falsch registriert worden sei, ohne dass er eine
Möglichkeit zu deren Berichtigung gehabt habe, stelle keinen begründen-
den, fundierten und konkreten Hinweis dar, um an der völkerrechtskonfor-
men Durchführung seiner Asylverfahren in B._ und C._ zu
zweifeln.
Die Abgleiche der Fingerabdrücke mit der Datenbank Eurodac würden
nachweisen, dass der Beschwerdeführer in C._ ein Asylgesuch ein-
gereicht habe. Die (...) Behörden hätten das Wiederaufnahmeersuchen
am (...) gutgeheissen, womit die Zuständigkeit bei C._ liege, das
weitere Verfahren durchzuführen. C._ sei gemäss der jüngsten
bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung ein Rechtsstaat mit funk-
tionierendem Justizsystem und Polizeibehörden, weshalb der Beschwer-
deführer sich mit einer Beschwerde oder Anzeige an die zuständigen Be-
hörden wenden könne, sollte er sich durch (...) Behörden oder Drittperso-
nen ungerecht oder rechtswidrig behandelt fühlen. Sein Vorbringen betref-
fend die erlebte Gewalt durch die (...) Behörden habe er sodann nicht be-
legen können. C._ sei weiterhin für sein Verfahren bis zu einem all-
fälligen Wegweisungsvollzug oder einer allfälligen Regelung des Aufent-
haltsstatus zuständig. Es lägen – trotz der Einreichung seiner vier Video-
aufnahmen – keine ausreichend begründeten Hinweise vor, dass
C._ seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nachgekommen
wäre und das Asyl- und Wegweisungsverfahren nicht korrekt durchgeführt
hätte. Seine Ausführungen vermöchten die Zuständigkeit C._s zur
Durchführung seines weiteren Verfahrens nicht zu widerlegen. Es sei nicht
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davon auszugehen, dass er bei einer Überstellung nach C._ gra-
vierenden Menschenrechtsverletzungen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO und Art. 3 EMRK ausgesetzt werde, in eine existenzielle Notlage ge-
rate oder unter Verletzung des Non-Refoulement-Gebots in seinen Heimat-
oder Herkunftsstaat überstellt werde. Zudem lägen weder systemischen
Mängel in C._s Asyl- und Aufnahmesystem noch Gründe gemäss
Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO vor, die die Schweiz verpflichten würden, sein
Asylgesuch zu prüfen. C._ verfüge über eine ausreichende medizi-
nische Infrastruktur und sei aufgrund der Aufnahmerichtlinie verpflichtet,
ihm die erforderliche medizinische Versorgung zu gewähren. Es lägen
keine Hinweise vor, wonach ihm C._ eine medizinische Behandlung
verweigert hätte oder zukünftig verweigern würde. Die Behandlung seiner
chronischen (...) sowie mögliche Psychotherapien könnten auch in
C._ erfolgen.
5.2 Der Beschwerdeführer entgegnet in der Rechtsmittelschrift, dass im
Übernachmeersuchen an die (...) Behörden das Altersgutachten übermit-
telt und angeführt worden sei, dessen Ergebnis sei nicht mit seinen Anga-
ben vereinbar. Damit gebe die Vorinstanz das Ergebnis des Altersgutach-
ten sowie dessen Verwertbarkeit verkürzt und unvollständig wieder. Ohne
die Angaben zur Verwertbarkeit des Gutachtens hätten die (...) Behörden
davon ausgehen müssen, dass ein Altersgutachten vorliege, welches ein
starkes Indiz gegen seine in der Schweiz geltend gemachte Minderjährig-
keit darstelle. Die Vorinstanz sei zu Unrecht von einer rechtsgültigen Zu-
stimmung C._ auf das Aufnahmegesuch ausgegangen. Er habe
weiter überzeugend erklären können, warum er keine Identitätsdokumente
einreichen könne. Insbesondere sei zu berücksichtigen, dass aufgrund der
Machtübernahme der Taliban und der damit unsicheren Lage in ganz Af-
ghanistan eine Situation herrsche, welche es ihm aktuell verunmögliche,
neue Identitätsdokumente zu erhalten. Er habe weiter versucht, die unter-
schiedliche Registrierung in B._ und C._ nach bestem Wis-
sen zu erklären. In B._ sei bei der Registrierung des Asylgesuchs
kein Dolmetscher anwesend gewesen. Er spreche kein Englisch oder (...).
Die Polizisten, welche das Asylgesuch erfasst hätten, hätten ihn ange-
schrien und geschlagen. Er habe sehr wenig beziehungsweise sehr
schlechtes Essen erhalten und sei in einem körperlich sehr angeschlage-
nen Zustand gewesen. Angesichts dieser Umstände sei nachvollziehbar,
dass er nicht habe überprüfen können, welche Personaleingaben die (...)
Behörden erfasst hätten. In C._ habe er lediglich seinen Namen
genannt, die weiteren Angaben seien von den Polizisten erfasst worden.
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Die Registrierung sei unter grossem Druck erfolgt, wobei er durch die Po-
lizisten angeschrien und geschlagen worden sei. Da weder in B._
noch in C._ Abklärungen (z.B. Altersgutachten) getätigt worden
seien und auch keine Identitätspapiere vorgelegen hätten, seien die dort
erfassten Personalien falsch, dürften nicht herangezogen werden und wür-
den kein Indiz gegen seine Minderjährigkeit darstellen. Es könne ihm auch
nicht vorgehalten werden, dass er in der Schweiz mit dem Geburtsdatum
(...) zunächst falsch registriert worden sei, habe er doch mangels Schreib-
und Lesekenntnissen das Personalienblatt nicht selber ausfüllen können.
Dass seine Rechtsvertretung bei der entsprechenden Eingabe zur Korrek-
tur seines – tatsächlich – falsch registrierten Geburtsdatums wohl aufgrund
eines Übersetzungsfehlers/Missverständnisses den (...) (statt [...]) (...) an-
gegeben habe, sei ihm nicht anzulasten. Er habe bei der EB UMA mit «Ko-
ran lesen» das Vorlesen des Korans in der Koranschule durch den Mullah
gemeint, weshalb seine Aussage vielmehr im soziokulturellen Kontext mit
Bezug auf Afghanistan und den Betrieb/Ablauf einer Koranschule sowie
unter Berücksichtigung, dass es sich bei ihm um einen UMA handle, zu
würdigen sei. In Gesamtbetrachtung aller vorliegenden Indizien und Um-
stände sowie unter Berücksichtigung des Grundsatzes, dass im Zweifels-
fall von der Minderjährigkeit einer unbegleiteten, asylsuchenden Person
auszugehen sei, habe er seine Minderjährigkeit glaubhaft machen können,
weshalb er wegen Fehlens von Verwandten oder anderen Bezugsperso-
nen in den Anwendungsbereich von Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO falle und
deshalb der Umstand der Zustimmung durch die (...) Behörden an der Zu-
ständigkeit der Schweiz nichts zu ändern vermöge.
Selbst wenn das Gericht wider Erwarten von seiner Volljährigkeit ausginge,
müsste die Schweiz wegen der systemischen Schwachstellen im (...) Asyl-
system vom Selbsteintritt gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO Gebrauch
machen. C._ habe sich in den vergangenen Monaten zu einem der
wichtigsten Transitländer auf der Balkanroute von (...) nach Westeuropa
entwickelt. Das (...) Asylsystem gerate daher zunehmend unter Druck und
es sei dringend eine neue Evaluation der dort bestehenden Situation und
damit der bisherigen Rechtsprechung angezeigt. Zahlreiche Medien wür-
den darüber berichten, dass in C._ selbst die normale Bevölkerung
keinen ausreichenden Zugang zu psychiatrischer Versorgung erhalte.
Dazu gebe es aktuell aufgrund der anhaltenden Covid-19-Pandemie einen
Rückgang von medizinischer Versorgung, namentlich psychologischer und
psychotherapeutischer Dienstleistungen.
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Seite 12
6.
6.1 Nachdem unbegleitete Minderjährige vom Wiederaufnahmeverfahren
ausgenommen sind (vgl. E. 4 hievor), bestünde bei Minderjährigkeit des
Beschwerdeführers eine der grundsätzlichen Wiederaufnahmezuständig-
keit C._ vorrangige Zuständigkeit der Schweiz. Es ist deshalb zu-
nächst zu prüfen, ob die Vorinstanz die dargelegte Minderjährigkeit des
Beschwerdeführers zutreffend verneint hat. Im Asylverfahren ist die Min-
derjährigkeit – der allgemeinen asylrechtlichen Beweisregel folgend – von
der beschwerdeführenden Person zumindest glaubhaft zu machen (vgl.
BVGE 2018 VI/3 E. 3 und 4.2.3). Über die Glaubhaftigkeit ist im Rahmen
einer Gesamtwürdigung zu befinden.
6.2 Gegen die behauptete Minderjährigkeit des Beschwerdeführers spre-
chen mehrere gewichtige Indizien und nicht – wie von ihm vorgebracht –
lediglich seine Registrierungen in B._ und C._. Die Vor-
instanz hielt in der angefochtenen Verfügung gestützt auf die bundesver-
waltungsrechtliche Rechtsprechung (BVGE 2018 VI/3) zunächst zu Recht
fest, dass sich aus dem vorliegenden Altersgutachten keine verlässliche
Aussage darüber machen liesse, ob eine Voll- oder Minderjährigkeit wahr-
scheinlicher sei. Dennoch hält das Gutachten als Fazit fest, dass aus wis-
senschaftlicher Sicht das vom Beschwerdeführer angegebene Geburtsda-
tum ausgeschlossen werden könne (vgl. Altersgutachten, Ziff. 6.5, S. 5).
Zudem verwies die Vorinstanz überzeugend auf die vagen, unsubstanziier-
ten und widersprüchlichen Angaben des Beschwerdeführers zu seinem Al-
ter, Geburtsdatum, Schulbildung und Registrierungen in anderen europäi-
schen Ländern sowie auf seine gänzlich fehlenden Identitätsdokumente.
Auf die diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz kann zur Vermeidung
von Wiederholungen vollumfänglich verwiesen werden. In der Beschwerde
wurde diesen Argumenten nebst der Wiederholung, stets die Wahrheit ge-
sagt zu haben, weder Konkretes noch Stichhaltiges entgegengesetzt. Im
Übrigen kann er auch aus seinem Hinweis auf den angeblich ähnlich gela-
gerten Fall im kürzlich ergangenen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
E-2079/2021 vom 28. Mai 2021 nichts zu seinen Gunsten ableiten, zumal
jener Beschwerdeführer einheitlich jeweils das gleiche Geburtsdatum ge-
nannt hatte und es sich im Übrigen ohnehin stets um eine Einzelfallbeur-
teilung handelt. Zudem erklärt er durch diesen Verweis auch nicht, weshalb
er im vorliegenden Verfahren (inklusive seiner Angabe im afghanischen
Kalender) sechs verschiedene Geburtsdaten genannt hat. Nach dem Ge-
sagten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, seine Minderjährig-
keit nachzuweisen respektive glaubhaft zu machen. Somit liegt auch kein
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Seite 13
Zweifelsfall vor, weshalb für eine Anwendung des in der Beschwerde ge-
nannten Grundsatzes «in dubio pro minore» kein Raum besteht (vgl. dazu
auch das Urteil des BVGer D-3944/2021 vom 21. September 2021 E. 9.2
m.w.H.), zumal diesem Grundsatz bereits mit dem herabgesetzten Beweis-
massstab der Glaubhaftigkeit Rechnung getragen wird.
7.
7.1 Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden grundsätzlich kein
Recht ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch
BVGE 2010/45 E. 8.3). Den vorliegenden Akten ist zu entnehmen, dass
der Beschwerdeführer am (...) in C._ Asyl beantragte. Am (...) er-
suchte die Vorinstanz die (...) Behörden um Wiederaufnahme des Be-
schwerdeführers. Dieses Ersuchen wurde am (...) (Eingang SEM: [...]) gut-
geheissen.
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die Vorinstanz habe beim
Übernahmeersuchen an die (...) Behörden verkürzte und unvollständige
Angaben zum Ergebnis des Altersgutachtens gemacht, geht er fehl. Zum
einen lag das vollständige Altersgutachten dem Ersuchen vorschriftsge-
mäss (vgl. Art. 22 Abs. 3 Dublin-III-VO) bei, zum anderen übersetzte die
Vorinstanz lediglich das im Gutachten festgehaltene Fazit (vgl. SEM
act. [...]-38/5, S. 4). Überdies ist es gemäss Dublin-III-VO gerade an den
schweizerischen Behörden gemäss Art. 8 Abs. 2 Dublin-III-VO zu prüfen,
ob es sich beim Beschwerdeführer um einen UMA handelt, welches das
Wiederaufnahmeverfahren ausschliessen würde (vgl. E. 4 hievor) und
nicht an den (...) Behörden. Die Vorinstanz ist demnach mit einem ord-
nungsgemässen Wiederaufnahmeersuchen an die (...) Behörden gelangt.
Die grundsätzliche Zuständigkeit C._ ist somit gegeben.
7.2 Soweit der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe entgeg-
net, er sei während seines Aufenthalts in C._ schlecht behandelt
worden, es sei bei einer Schlägerei auch zu Messerangriffen gekommen
und die Polizei schütze die Asylsuchenden nicht, sodass er in C._
auf sich selber gestellt gewesen sei, ist Folgendes festzuhalten: Es sind
keine Gründe für die Annahme ersichtlich, dass das Asylverfahren und die
Aufnahmebedingungen für Antragsteller in C._ systemische
Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO aufweisen, die
eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im
Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich bringen würden.
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7.2.1 C._ hat die EMRK, das Übereinkommen vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und das Abkommen vom
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30)
sowie das Zusatzprotokoll der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ra-
tifiziert und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtun-
gen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne
und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien
des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni
2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung
des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Per-
sonen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) er-
geben. Zwar ist den in der Beschwerdeschrift zitierten Berichten zu ent-
nehmen, dass die Situation von (abgewiesenen) Asylsuchenden in
C._ teilweise problematisch ist. Dennoch geht das Gericht nicht da-
von aus, die bekannten Unzulänglichkeiten würden in einer Weise auftre-
ten, welche darauf schliessen liesse, dass C._ grundsätzlich nicht
gewillt oder nicht fähig sei, Schutzberechtigten die ihnen zustehenden
Rechte und Ansprüche zu gewähren beziehungsweise dass diese bei Be-
darf nicht auf dem Rechtsweg durchgesetzt werden könnten. Bislang ha-
ben weder das Bundesverwaltungsgericht noch der Europäische Gerichts-
hof für Menschenrechte (EGMR) – und im Übrigen auch nicht der Gerichts-
hof der Europäischen Union (EuGH) – systemische Schwachstellen im (...)
Asylsystem erkannt (vgl. in letzter Zeit etwa die Urteile BVGer E-3252/2021
vom 2. September 2021 E. 9.1.1, E-2591/2021 vom 3. August 2021
E. 7.4.2 und E-2412/2021 vom 31. Mai 2021 E. 6.2.2). Für eine Änderung
der geltenden Rechtsprechung besteht auch in Würdigung der vom Be-
schwerdeführer gemachten Äusserungen zu seiner Behandlung in
C._ keine Veranlassung. Im Übrigen steht es dem Beschwerdefüh-
rer frei bei den (...) Behörden die seit der Abweisung seines Asylantrages
veränderte Lage in Afghanistan geltend zu machen.
7.2.2 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO nicht gerechtfertigt.
7.3
Es besteht auch kein Grund für eine Anwendung der Ermessensklauseln
von Art. 17 Dublin-III-VO.
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Seite 15
7.3.1 Droht ein Verstoss gegen übergeordnetes Recht, namentlich gegen
eine Norm des Völkerrechts, so besteht ein einklagbarer Anspruch auf Aus-
übung des Selbsteintrittsrechts (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.2). Die Schweiz
ist demnach zum Selbsteintritt verpflichtet, wenn andernfalls eine Verlet-
zung des Non-Refoulement-Gebots nach Art. 33 FK, von Art. 3 EMRK,
Art. 7 des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte
(UNO-Pakt II, SR 0.103.2) oder Art. 3 FoK droht. Grundsätzlich ist davon
auszugehen, dass der Dublin-Mitgliedstaat, in den eine Überstellung erfol-
gen soll, bei der Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens die
aus dem Völkerrecht fliessenden Verpflichtungen respektiert. Diese Ver-
mutung kann im Einzelfall widerlegt werden. Die beschwerdeführende Per-
son muss jedoch konkret darlegen, dass eine aktuelle und ernsthafte Ge-
fahr einer Verletzung einer direkt anwendbaren Norm des Völkerrechts
droht, wobei es genügt, wenn eine solche Gefahr glaubhaft gemacht wird
(vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f. und Urteil BVGer D-5698/2017 vom
6. März 2018 E. 5.3.1).
7.3.2 Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar-
getan, die (...) Behörden würden sich weigern, ihn wieder aufzunehmen.
Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen,
C._ werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement
missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib,
sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG
gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein sol-
ches Land gezwungen zu werden. Überdies steht es ihm – wie erwähnt –
frei bei den (...) Behörden die, seit der Abweisung seines Asylantrages,
veränderte Lage in Afghanistan geltend zu machen. Ausserdem hat der
Beschwerdeführer nicht dargetan, die ihn bei einer Rückführung erwarten-
den Bedingungen in C._ seien derart schlecht, dass sie zu einer
Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3
FoK führen könnten. Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter
Praxis davon aus, das (...) Asylsystem weise keine systemischen Mängel
auf (vgl. oben E. 8.2.1). Das Asylverfahren des Beschwerdeführers in
C._ ist nach Auskunft der (...) Behörden zwar abgeschlossen (vgl.
SEM act. [...]-25/1). Es liegen aber keine Hinweise dafür vor, dass die Be-
handlung seines Asylgesuchs mangelhaft sein könnte und seine Wegwei-
sung in Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips verfügt würde. Anzu-
merken gilt es an dieser Stelle, dass sich der Betroffene eigenen Angaben
zufolge nur knapp (...) Wochen in C._ aufgehalten hat und danach
nach L._ weitergereist ist. Seine Ausreise erfolgte mit anderen Wor-
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ten freiwillig und die (...) Behörden haben nicht versucht, ihn nach Afgha-
nistan oder in ein anderes Land auszuschaffen. Des Weiteren gibt es auch
keine konkreten Hinweise für die Annahme, C._ würde dem Be-
schwerdeführer dauerhaft die ihm gemäss Aufnahmerichtlinie zustehen-
den minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Etwas anderes vermag
der Beschwerdeführer auch nicht aus den im vorinstanzlichen Verfahren
eingereichten Videosequenzen abzuleiten, zumal daraus nicht eindeutig
hervorgeht, wann beziehungsweise in welchem Land die Aufnahmen ent-
standen sind. Es ist vorliegend nicht zu erwarten, dass die bei einer Rück-
führung zu erwartenden Bedingungen in C._ derart schlecht sind,
dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3
EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten (vgl. Urteil des BVGer F-3773/2020
vom 28. Juli 2020 E. 5.3).
7.4 Hinsichtlich der geltend gemachten gesundheitlichen Überstellungs-
hindernisse ist im Einzelnen Folgendes festzuhalten: Auch wenn die An-
nahme einer Verletzung von Art. 3 EMRK aus gesundheitlichen Gründen
nicht mehr ein fortgeschrittenes oder terminales Krankheitsstadium bezie-
hungsweise eine Todesnähe voraussetzt (vgl. etwa noch BVGE 2011/9
E. 7 m.w.H.), bleibt die Schwelle hoch. Sie kann erreicht sein, wenn eine
schwer kranke Person durch die Abschiebung – mangels angemessener
medizinischer Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfron-
tiert würde, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechte-
rung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem
Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen
würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezem-
ber 2016, 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). Die vorliegenden gesundheitli-
chen Probleme – (...) an den Händen beidseits, (...)störungen, chronische
(...) Erkrankung ohne Delta-Virus, welche zur Zeit keiner Therapie bedarf
(vgl. SEM act. [...]-43/6, S. 3), ein Vitamin-D-Mangel, (...), (...) und (...)
und eine (...) – stellen jedenfalls kein völkerrechtliches Vollzugshindernis
im Sinne von Art. 3 EMRK dar, welches zwingend zu einem Selbsteintritt
führen müsste, da C._ über eine ausreichende medizinische Infra-
struktur verfügt (vgl. Urteil des BVGer E-350/2021 vom 1. Februar 2021
E. 8.2.2). Der auf den (...) vereinbarte Termin beim Psychiater ändert
nichts daran (vgl. SEM act. [...]-47/2, S. 2). Die Mitgliedstaaten sind ver-
pflichtet, den Antragstellern die erforderliche medizinische Versorgung, die
zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung
von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugäng-
lich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Den Antragstellern mit
besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische oder sonstige
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Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologischen Be-
treuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es liegen keine
Hinweise vor, wonach C._ dem Beschwerdeführer eine adäquate
medizinische Behandlung verweigern würde. Die Vollzugsbehörden wer-
den die (...) Behörden im Sinne von Art. 31 und 32 Dublin-III-VO vor der
Überstellung über den Gesundheitszustand und die notwendige Behand-
lung informieren; dies ist vorliegend geschehen, sind doch die Hauptdiag-
nosen bei den Überstellungsmodalitäten aufgeführt (vgl. SEM act. [...]-
49/1). Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der
Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO.
7.5 Allfällige Verzögerungen aufgrund der herrschenden Situation im Zu-
sammenhang mit der COVID-19-Pandemie stellen – gemäss aktuellem
Kenntnisstand – lediglich temporäre Vollzugshindernisse dar und vermö-
gen am Ausgang des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern (vgl. Urteil
des BVGer F-949/2021 vom 24. März 2021 m.H. auf F-1829/2020 vom
9. April 2020 E. 5.2).
7.6 Somit bleibt C._ der für die Behandlung des Asylgesuchs des
Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO und ist
verpflichtet, das Asylverfahren gemäss Art. 23, 24, 25 und 29 Dublin-III-VO
wiederaufzunehmen.
8.
Die Vorinstanz ist demnach zutreffend zur Erkenntnis gelangt, es sei in An-
wendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch nicht einzu-
treten und hat – weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen
Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von
Art. 44 AsylG die Überstellung nach C._ (Art. 32 Bst. a der Asylver-
ordnung 1 über Verfahrensfragen [Asylverordnung 1, AsylV 1, SR 142.311])
angeordnet.
9.
Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2
m.w.H.).
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10.
Der am 17. September 2021 verfügte Vollzugsstopp fällt mit dem vorlie-
genden Urteil dahin.
11.
11.1 Mit dem vorliegenden Urteil in der Hauptsache sind die Gesuche um
Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Befreiung von der Kosten-
vorschusspflicht gegenstandslos geworden.
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da die Rechtsbe-
gehren jedoch nicht als aussichtslos zu betrachten waren und aufgrund der
Akten von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist, ist das
mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung in Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen.
(Dispositiv nächste Seite)
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