Decision ID: cb27d5e1-2106-5008-bc58-af6cd1093c9b
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X rief am 6. Oktober 2012, 20.11 Uhr, die kantonale Notrufzentrale (Telefon-Nr. 118)
an und bat um Unterstützung bei der Rettung eines Pferdes, welches sich nicht mehr
aus eigener Kraft aus der Mistgrube ihres Hofes befreien konnte. Der alarmierte
Löschzug der Feuerwehr A rückte daraufhin mit 20 Feuerwehrleuten, einem
Einsatzleiterfahrzeug, einem Personentransporter, einem Tanklöschfahrzeug und einem
Rüstfahrzeug zum Bauernhof von X aus, um das Tier aus seiner misslichen Lage zu
befreien. Der Einsatz konnte nach rund zweieinhalb Stunden erfolgreich beendet
werden.
Der Rettungseinsatz wurde X am 23. Oktober 2012 mit Fr. 3'480.-- in Rechnung
gestellt. Den dagegen erhobenen Rekurs wies der Gemeinderat A (nachfolgend:
Gemeinderat) mit Schreiben vom 12. November 2012 bzw. Verfügung vom 13.
Dezember 2012 ab.
B.- Mit Eingabe vom 31. Dezember 2012 erhob X bei der
Verwaltungsrekurskommission Rekurs gegen den Entscheid des Gemeinderats und
beantragte, der Einspracheentscheid der Gemeinde A vom 13. Dezember 2012 sei
aufzuheben, ebenso die Entscheidgebühr von Fr. 100.--; der Rechnungsbetrag sei auf
Fr. 760.-- zu reduzieren; die Kosten des Rekursverfahrens seien dem Rekursgegner
aufzuerlegen.
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 7. Januar 2013 wurde X aufgefordert, bis zum
28. Januar 2013 einen Kostenvorschuss von Fr. 900.-- zu leisten. Die Einzahlung
erfolgte jedoch erst am 29. Januar 2013. X erhielt Gelegenheit, sich dazu zu äussern
und beantragte am 14. Februar 2013 sinngemäss die Wiederherstellung der Frist. Der
Gemeinderat liess sich dazu ablehnend vernehmen. Mit Verfügung des zuständigen
Abteilungspräsidenten der Verwaltungsrekurskommission vom 3. Mai 2013 wurde dem
Gesuch stattgegeben (VRKE I/2-2013/1).
Am 13. Mai 2013 liess sich der Gemeinderat zum Rekurs vernehmen und beantragte
dessen Abweisung. X erhielt Gelegenheit, sich dazu zu äussern. Davon machte sie mit
Eingabe vom 29. Mai 2013 Gebrauch. Auf die weiteren Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zu ihren Anträgen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
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Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 31. Dezember 2012 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. h Ziff. 5, 45 Abs. 1, 47 Abs. 1 und 48 Abs. 1 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
2.- Angefochten ist der Entscheid des Gemeinderates vom 13. Dezember 2012, mit
dem die Rekurrentin verpflichtet wurde, die Kosten des Feuerwehreinsatzes vom 6.
Oktober 2012 in der Höhe von Fr. 3'480.-- zu bezahlen. Zu prüfen ist, ob es sich beim
Rettungseinsatz um eine kostenpflichtige Dienstleistung der Feuerwehr handelte.
a) Das Gesetz über den Feuerschutz (sGS 871.1, abgekürzt: FSG) unterscheidet im
Bereich der Feuerwehraufgaben zwischen "Hilfeleistung" (Art. 40 FSG),
"Dienstleistungen" (Art. 40 FSG), "Feuerwachen" (Art. 41 FSG) sowie
"Schadenverhütung und Schadenbegrenzung" (Art. 41 FSG). Nach Art. 40 FSG ist
die Feuerwehr die Einsatzorganisation für Rettung und allgemeine Schadenwehr (Abs.
1). Sie leistet unverzüglich Hilfe, insbesondere bei Bränden und Explosionen,
Elementarereignissen und Ereignissen, welche die Umwelt schädigen oder gefährden
(Abs. 2). Die Hilfeleistung besonderer Organe bleibt vorbehalten. Gemäss Art. 40 FSG
kann die Feuerwehr darüber hinaus zur Hilfe in der sanitätsdienstlichen Rettung
herangezogen werden (Abs. 1). Lässt es sich mit der Hilfeleistungspflicht nach Art. 40
FSG vereinbaren, kann die Feuerwehr zu Dienstleistungen herangezogen werden,
insbesondere zu Verkehrs- und Ordnungsdienst, namentlich bei Festanlässen und
anderen öffentlichen Veranstaltungen sowie technischen Einsätzen (Abs. 2).
aa) Die Vorinstanz erwog, wenn es sich mit der Erfüllung der Hilfeleistungsaufgaben der
Feuerwehr vereinbaren lasse, könne sie zu Dienstleistungen, insbesondere zu
technischen Einsätzen, herangezogen werden. Bei der Grosstierrettung vom 6. Oktober
2012 habe es sich um einen solchen kostenpflichtigen Einsatz gehandelt. Dies ergebe
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sich auch aus der Checkliste "verrechenbare Einsätze" des kantonalen Amtes für
Feuerschutz (act. 17/2). Darin seien Tierrettungen als entschädigungspflichtige
technische Einsätze aufgeführt. Der Verursacher habe eine Entschädigung nach
Aufwand zu leisten, welche sich nach dem Tarif für die Schadenbekämpfung richte.
bb) Bereits in der Botschaft zum Entwurf eines Gesetzes über den Feuerschutz vom
31. Oktober 1967 wurde der Gemeinderat autorisiert, die Feuerwehr über ihren
eigentlichen Kernauftrag hinaus bei Ereignissen einzusetzen, bei denen rasche und
grössere Hilfe erforderlich ist (ABl 1967 S. 1426). Mit dem Nachtragsgesetz zum Gesetz
über den Feuerschutz wurden diesen Aufgaben unter dem Titel "Dienstleistungen"
schliesslich ein eigener Artikel (Art. 40 FSG) gewidmet und der Begriff "technische
Einsätze" eingeführt (Abs. 2 lit. b). Darunter sind Hilfeleistungen mit den technischen
Mitteln der Feuerwehr zu verstehen. Der Gesetzgeber setzte jedoch klare Prioritäten
und hielt fest, die Kernaufgabe der Feuerwehr, die Schadenwehr, dürfe durch derartige
Einsätze nicht gefährdet werden; sie habe in jedem Fall Vorrang (vgl. Botschaft zum
Nachtragsgesetz zum Gesetz über den Feuerschutz vom 31. Oktober 1989, ABl 1990
S. 18).
Zur Kernaufgabe der Feuerwehr gehört insbesondere die Rettung (Art. 40 Abs. 1 FSG).
Der Rettungsauftrag wurde erst im Zusammenhang mit der Einführung des
Bevölkerungsschutzgesetzes (sGS 421.1) ausdrücklich im FSG verankert (vgl. dazu
Botschaft zum Bevölkerungsschutzgesetz vom 21. Oktober 2003, ABl 2003, S. 2397
ff.). Der Rettungsauftrag ist umfassend zu verstehen. Für die Aufgabenerfüllung in der
Rettung bedeutet dies, dass den Feuerwehren auch die so genannte schwere Rettung
oder Trümmerrettung – und das bereits für den Normalfall – in die direkte und alleinige
Verantwortung überbunden wurde, nachdem sie davor schon bei Alltagsereignissen
und bei Katastrophen für Personen- und Tierrettung im Einsatz waren (Botschaft,
a.a.O., S. 2432). Tierrettungen fallen somit nach dem Willen des Gesetzgebers nicht
unter die Dienstleistungen nach Art. 40 FSG, sondern sind dem umfassenden
Hilfeleistungsauftrag (Art. 40 FSG) zuzuordnen. Damit wird dem in den letzten Jahren
gestiegenen Status der Tiere Rechnung getragen, welcher sich auch in der
Tierschutzgesetzgebung widerspiegelt (Gebäudeversicherung Kanton Zürich,
Tierrettung, Nr. 5, November 2009, S. 3, publiziert in: www.gvz.ch/feuerwehr). Zudem
sind Tiere nach Art. 641a ZGB keine Sachen.
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cc) Die Rettung des Pferdes der Rekurrentin erfolgte folglich im Rahmen des
Kernauftrages der Feuerwehr und ist nicht als Dienstleistung nach Art. 40 FSG zu
qualifizieren. Daran ändert nichts, dass auf der von der Vorinstanz als Grundlage für
ihren Entscheid beigezogenen Checkliste (act. 17/2) Tierrettungen in Ziffer 9 als
technische Einsätze bezeichnet werden. Dabei dürfte es sich um eine ältere Fassung
handeln. In der gültigen Checkliste über die Verrechnung von Einsätzen des Amtes für
Feuerschutz wurde dies geändert (vgl. Richtlinie des Amtes für Feuerschutz des
Kantons St. Gallen, Kdt 1.02, erstellt 08.02, Revision 07.05, publiziert in: www.afs.
gvasg.ch). Zu klären ist, ob die mit dem Einsatz verbundenen Kosten von der
Rekurrentin zu tragen sind.
b) In Art. 46 ff. FSG werden die Kosten für die verschiedenen Leistungen der Feuerwehr
geregelt. Nach 46 FSG sind Hilfeleistungen für versicherte Ereignisse nach dem
Gesetz über die Gebäudeversicherung (sGS 873.1) unentgeltlich (Abs. 1). Einsätze
infolge eines vorsätzlich oder grobfahrlässig verursachten Fehlalarms sowie
Sicherungs- und Behebungsmassnahmen aufgrund gesetzlicher Vorschriften sind
kostenpflichtig (Abs. 2). Dabei gilt das Verursacherprinzip (vgl. Art. 46 FSG). Wer
Dienstleistungen nach Art. 40 FSG oder Feuerwachen nach Art. 41 FSG beansprucht,
hat eine Entschädigung nach Aufwand zu leisten. Die Ansätze sind vom Gemeinderat
zu regeln (Art. 46 FSG). Die Ansätze für die Verrechnung der Kosten nach Art. 46,
46 und 46 FSG richten sich nach dem Tarif für die Schadenbekämpfung (sGS
871.16).
Nachdem feststeht, dass der Rettungseinsatz als Hilfeleistung im Sinne von Art. 40
FSG zu qualifizieren ist, kommt als Grundlage für die Forderung der Vorinstanz nur
Art. 46 FSG in Frage. Diese Bestimmung regelt die Fälle, in denen auf den Privaten,
dem die Hilfe geleistet werden muss, zurückgegriffen werden kann. Mit dieser Norm
werden nur Hilfeleistungskosten (und nicht etwa Kosten für besondere Dienstleistungen
oder für die Kontrolle von Meldeanalgen und dergleichen) geregelt. Diese Ordnung
knüpft an die alte Tradition der Feuerwehr an, die dem Humangedanken verpflichtet ist:
Gerät eine Person in Not, so hat die Feuerwehr ihr beizustehen und die Rettung bleibt
kostenlos (Botschaft zum Nachtragsgesetz, a.a.O., S. 20). Da der in der Botschaft zum
Bevölkerungsschutzgesetz dargelegte Rettungsbegriff umfassend zu verstehen ist (vgl.
vorne E. 2a/bb), muss dies auch für in Not geratene Tiere gelten. In begrenztem
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Umfang werden jedoch auch Kosten für Hilfeleistungen verrechnet. Nach dem klaren
Wortlaut von Art. 46 FSG ist dies jedoch nur in genau definierten Fällen möglich;
nämlich dann, wenn entweder vorsätzlich oder grobfahrlässig ein Fehlalarm verursacht
wurde oder aber Sicherungs- und Behebungsmassnahmen aufgrund gesetzlicher
Vorschriften – wie sie in Art. 59 des Bundesgesetzes über den Umweltschutz (SR
814.01) und Art. 8 des Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer (SR 814.20)
stipuliert sind – vorgenommen werden mussten. Entsprechend deckt sich der Begriff
des gemäss Art. 46 FSG kostenpflichtigen Verursachers mit demjenigen des
eidgenössischen Umweltschutzrechts (Botschaft zum Nachtragsgesetz, a.a.O., S. 21).
Weitere kostenpflichtige Hilfeleistungen kennt das FSG nicht; insbesondere werden
Tierrettungen nicht als solche erwähnt. Die Rettungsaktion kann der Rekurrentin
deshalb nicht auf der Grundlage von Art. 46 FSG in Rechnung gestellt werden.
Nach Art. 48 FSG kann jedoch auf Personen, die den Einsatz der Feuerwehr durch eine
vorsätzliche oder grobfahrlässige rechtswidrige Handlung oder Unterlassung nötig
gemacht oder veranlasst haben, für alle Auslagen aus dem Einsatz Rückgriff
genommen werden. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass dies vorliegend der Fall
war. Auch die Vorinstanz machte dies nicht geltend. Insbesondere brachte sie nicht
vor, die Mistgrube auf dem Hof der Rekurrentin sei nicht ausreichend gesichert
gewesen.
c) Zusammenfassend ist festzustellen, dass es sich beim Feuerwehreinsatz vom
6. Oktober 2012 um einen unentgeltlichen Rettungseinsatz nach Art. 40 FSG handelte.
Die Vorinstanz hätte der Rekurrentin die Einsatzkosten in der Höhe von Fr. 3'480.--
nicht in Rechnung stellen dürfen. Der Rekurs ist deshalb gutzuheissen, und der
Entscheid der Vorinstanz vom 13. Dezember 2012 sowie die Rechnung vom
23. Oktober 2012 sind aufzuheben.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Politischen
Gemeinde A aufzuerlegen. Eine Entscheidgebühr von Fr. 500.-- ist angemessen (vgl.
Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung ist
entgegen der Regel von Art. 95 Abs. 3 VRP zu verzichten, da die Streitfrage erstmals
entschieden wurde (Art. 97 VRP). Der Kostenvorschuss von Fr. 900.-- ist der
Rekurrentin zurückzuerstatten.
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