Decision ID: 8598cf10-4a50-5a6b-96e2-faa4f4baad48
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X und Y sind verheiratet und wohnen zusammen mit ihren Kindern in A. Y ist
Psychologin FSP und arbeitet als Schulpsychologin.
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B.- X und Y deklarierten für das Jahr 2011 ein steuerbares Einkommen von gesamthaft
Fr. 90'300.-- und ein steuerbares Vermögen von Fr. 165'345.--. In der Steuererklärung
machten sie einen Berufskostenabzug der Ehefrau in der Höhe von Fr. 13'924.--
geltend. Die Veranlagungsbehörde reduzierte den Abzug auf Fr. 10'251.--, indem sie
die geltend gemachten Kosten von Fr. 3'673.-- (inkl. Fahrkosten) für die
Psychotherapie-Selbsterfahrung nicht als Weiterbildungsaufwand anerkannte.
C.- Gegen die Veranlagung erhoben X und Y mit Schreiben vom 24. Juli 2012
Einsprache mit der Erklärung, dass es sich bei den Psychotherapie-Stunden um einen
zwingenden Teil der systemischen Ausbildung von Y handle, die deren Arbeitgeber für
ihr Stellenprofil vorsehe. Dementsprechend seien die entsprechenden Kosten zum
Weiterbildungskostenabzug zuzulassen. Mit Entscheid vom 10. September 2012 wies
das kantonale Steueramt die Einsprache ab. Zur Begründung führte es aus, dass
aufgrund der erhaltenen Belege nicht nachgewiesen werden könne, dass die Kosten im
direkten Zusammenhang mit einer Weiterbildung stehen würden und notwendig
gewesen seien.
D.- Mit Eingabe vom 21. September 2012 erhoben X und Y gegen den
Einspracheentscheid Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Sie beantragten
die Anerkennung der Kosten in der Höhe von Fr. 3'673.-- als Weiterbildungskosten
sowie eine entsprechende Korrektur der Steuerveranlagung 2011.
Mit Vernehmlassung vom 12. November 2012 beantragte die Vorinstanz die Abweisung
des Rekurses, unter Kostenfolge zulasten der Rekurrenten. Die Rekurrenten nahmen
am 29. November 2012 zur Vernehmlassung Stellung.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in
den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
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Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 21. September 2012 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG, und
Art. 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Anfechtungsobjekt ist der Einspracheentscheid der Vorinstanz vom 10. September
2012. Dabei ist umstritten, ob die Rekurrenten die Aufwendungen der Rekurrentin für
die Psychotherapie-Selbsterfahrung als Weiterbildungskosten geltend machen und
zum Abzug bringen können.
a) Unselbständigerwerbende können die mit dem Beruf zusammenhängenden
Weiterbildungskosten zum Abzug bringen (Art. 39 Abs. 1 lit. d StG). Als
Weiterbildungskosten gelten Aufwendungen für die Erhaltung, Sicherung sowie die
Vertiefung der beruflichen Kenntnisse, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der
Berufsausübung stehen und für die eine gewisse Notwendigkeit ausgewiesen ist. Die
Weiterbildung umfasst neben den Anstrengungen, bereits erworbene Fähigkeiten zu
erhalten, auch den Erwerb verbesserter Kenntnisse für die Ausübung des gleichen
Berufs (vgl. StB 39 Nr. 6; Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch das
st.gallische Steuerrecht, 6. Aufl. 1999, S. 44). Zu den abziehbaren
Weiterbildungskosten gehören insbesondere Auslagen für Fachliteratur, Teilnahme an
Fachkursen, -seminaren und -kongressen, Studien- und Sprachaufenthalte im eigenen
Fachbereich mit Kurs- oder Schulbesuch sowie Mitgliederbeiträge für
wissenschaftliche Vereine. Abzugsfähig sind die belegten Aufwendungen. Massgeblich
für die Anerkennung als abzugsfähige Weiterbildungskosten ist, ob die Aufwendungen
für die Erzielung des Erwerbseinkommens nützlich sind und nach der
Verkehrsauffassung im Rahmen des Üblichen liegen. Ohne Nachweis wird in der Praxis
ein Pauschalabzug gewährt, wenn aufgrund der beruflichen Stellung die Notwendigkeit
einer gewissen Weiterbildung glaubhaft ist (vgl. BGE vom 17. Oktober 2005, 2A.
182/2005, E. 2.3.1; SGE 2006 Nr. 2; Weidmann/Grossmann/Zigerlig, a.a.O., S. 44 f.).
Als Weiterbildungs- und Umschulungskosten gelten unter anderem auch Kosten für
eine fachliche Spezialisierung (vgl. StB 39 Nr. 6).
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b) Vorliegend sind die Aufwendungen für die Psychotherapie ausgewiesen. Umstritten
ist jedoch, ob es sich dabei tatsächlich um Weiterbildungskosten handelt. So machen
die Rekurrenten geltend, dass die Psychotherapie-Selbsterfahrung im Rahmen einer
Weiterbildung stattgefunden habe, die vom Arbeitgeber für das Stellenprofil der
Rekurrentin vorgesehen sei (act. 7/1.4). Die Vorinstanz hingegen erklärte, dass
aufgrund der eingereichten Belege nicht nachgewiesen sei, dass die Kosten im
direkten Zusammenhang mit einer Weiterbildung stünden und notwendig gewesen
seien. Gemäss den im Recht liegenden Unterlagen liesse sich auf Weiterbildungen der
Rekurrentin in den Jahren 2004 bis 2008 schliessen. Im Jahre 2008 sei eine
Zertifizierung erfolgt; mit einer solchen sei eine Weiterbildung in der Regel beendigt. Im
Jahr 2009 seien keine Weiterbildungskosten der Rekurrentin deklariert und im Jahr
2010 lediglich ein Betrag von Fr. 420.-- für die Mitgliedschaft im Fachverband
Schweizer Psychologinnen FSP als Weiterbildungskosten in Abzug gebracht worden.
Es sei den im Jahr 2011 deklarierten Weiterbildungskosten nicht zu entnehmen, dass
sich die Rekurrentin momentan in einer Weiterbildung zur Psychotherapeutin befinde.
Der berufliche Zusammenhang zwischen den bei einem Psychologen FSP absolvierten
19 Stunden Selbsterfahrung könne somit nicht erstellt werden und sei zu wenig belegt.
Bei den Therapie-Stunden seien also nicht die Fortbildung der eigenen beruflichen
Fähigkeiten, sondern primär private Bereiche und die persönliche Weiterbildung des
Individuums im Zentrum gestanden. Die Aufwendungen seien damit nicht als
Weiterbildungskosten zu qualifizieren und seien nicht abzugsfähig (act. 2/1; act. 6).
c) Auf den Honorar-Rechnungen des aufgesuchten Psychologen ist vermerkt, dass
diese nicht für eine Heilbehandlung nach ICD-10 gestellt wurden (act. 7/1.6). Zwar ist
notiert, dass sie zur Abrechnung mit der Krankenkasse verwendet werden können; es
ist aber davon auszugehen, dass es sich dabei um eine Standard-Formulierung
handelt, die (versehentlich) nicht aus der Vorlage gelöscht worden ist. Insoweit
erscheint es als glaubhaft, dass die Psychotherapie-Stunden im Rahmen einer
Weiterbildung durchgeführt wurden.
Des Weiteren liegt eine Bestätigung des Psychologen im Recht, die besagt, dass es
sich bei den von der Rekurrentin bei ihm genutzten 18 Stunden um Selbsterfahrung als
Bestandteil ihrer postgradualen Weiterbildung zur Psychotherapeutin am IEF Zürich
gehandelt habe (act. 7/1.15). Die Bestätigung ist klar und es ist kein Grund ersichtlich,
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weshalb darauf nicht abgestellt werden könnte. Die Vorinstanz hat denn auch nichts
Gegenteiliges festgestellt. Ferner haben die Rekurrenten spätestens mit der Einsprache
Unterlagen eingereicht, die über die Bestandteile der Weiterbildung der Rekurrentin
sowie die bereits absolvierten Teile Aufschluss geben (act. 7/1.4 und 7/1.19). So geht
aus dem "Programm Weiterbildung in Systemtherapie" hervor, dass 100 Lektionen
Einzel-Selbsterfahrung Bestandteil der entsprechenden Weiterbildung sind (act. 7/1.4).
Die Rekurrenten haben sodann ein Formular des IEF eingereicht, welches die
Anforderungen für den Fachtitel für Psychotherapie FSP aufführt. Handschriftlich ist
notiert, welche Ausbildungsteile in welchem Zeitrahmen durchgeführt wurden. Für die
Selbsterfahrung-Einzeln sind 31 Stunden in den Jahren 2009 bis 2011 vermerkt, keine
jedoch für die Zeit davor. Das Formular enthält zwar weder ein Datum noch eine
Unterschrift, es lässt sich aber durch die im Recht liegenden Zertifikate nachvollziehen.
Aus dem Zertifikat für die "Systemtherapeutische Beraterin IEF" ergibt sich, dass die
Rekurrentin in den Jahren 2002-2004 noch keine Einzel-Selbsterfahrung absolviert
hatte (act. 7/1.16). Aus dem Zertifikat "Weiterbildung in Systemtherapie" geht weiter
hervor, dass auch während dieses Ausbildungsteils noch keine Einzel-Selbsterfahrung
durchgeführt worden war (act. 7/1.17). Auch aus den im Recht liegenden Übersichten
über die von den Rekurrenten in den Jahren 2004 bis 2008 deklarierten Berufskosten
ist ersichtlich, dass entsprechende Abzüge nicht bereits früher geltend gemacht
worden sind (act. 7/1.7 – 7/1.11). Einzig die bereits in den Jahren 2009 und 2010
absolvierten Therapie-Stunden sind bei den Berufskosten nirgends ersichtlich.
Möglicherweise sind diese in den entsprechenden Veranlagungsjahren versehentlich
nicht als Abzüge geltend gemacht worden. Dies ist jedoch vorliegend nicht
massgeblich.
Des Weiteren haben die Rekurrenten eine Bestätigung des Instituts für systemische
Entwicklung und Fortbildung IEF ins Recht gelegt (act. 10/1). Darin wird ebenfalls
bestätigt, dass die Selbsterfahrungs- und Einzelsupervisionstunden zur Weiterbildung
"Systemische Therapeutin" gehören und die Ausbildung erst mit der Absolvierung
dieser Stunden abgeschlossen ist. Zertifikate seien als Bestätigung der bereits
besuchten Seminare und der Abschlussarbeit ausgestellt worden; erst nach
Beendigung der Einzelselbsterfahrungs- und Einzelsupervisionstunden werde aber das
Gesamtzertifikat erteilt. In der Tat dauert die Weiterbildung der Rekurrentin bereits
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längere Zeit. Die Verzögerung lässt sich aber durch die Geburten der Kinder in den
Jahren 2006 und 2009 erklären.
Die Ausführungen der Rekurrenten sind damit nachvollziehbar und glaubwürdig. Die
eingereichten Unterlagen bestätigen ihre Darlegungen. Es ist dementsprechend
hinreichend dargetan, dass die Psychotherapie-Stunden im Rahmen der Weiterbildung
der Rekurrentin, und nicht für private Bedürfnisse, durchgeführt wurden.
d) In einem zweiten Schritt stellt sich die Frage, ob die entsprechenden
Weiterbildungskosten Aufwendungen für die Erhaltung, Sicherung sowie die Vertiefung
der beruflichen Kenntnisse gelten müssen. Sodann sind der unmittelbare
Zusammenhang mit der gegenwärtigen Berufsausübung und die Notwendigkeit zu
prüfen. Die Vorinstanz hat zu diesem Punkt keine Stellung bezogen, da sie bereits
davon ausgegangen ist, dass nicht genügend belegt sei, dass die Aufwendungen im
Zusammenhang mit einer Weiterbildung stünden. Die Rekurrenten machen geltend,
dass der Stellenbeschrieb auf die notwendige Zusatzausbildung in Beratung und
Therapie verweise (vgl. act. 1). Auf dem Stellenbeschrieb ist vermerkt, dass als
"erforderliche berufliche Grundausbildung" ein Psychologiestudium, als "erforderliche
Fachausbildung" Kinder- und Jugendpsychologie und als "erforderliche
Zusatzausbildung" Beratung/Therapie nötig sei (act. 2/2). Die genaue Bedeutung der
knappen Begriffe ist etwas unklar; es ist aber davon auszugehen, dass der Arbeitgeber
von der Rekurrentin erwartete, dass sie die erforderliche Zusatzausbildung in Beratung/
Therapie absolvierte. Dementsprechend sind der unmittelbare Zusammenhang mit der
gegenwärtigen Berufsausübung und die Notwendigkeit gegeben.
Die Praxis anerkennt im Übrigen Aufwendungen für eine fachliche Spezialisierung als
Weiterbildungskosten, ohne dass dies abhängig von einer Verpflichtung des
Arbeitgebers wäre (vgl. StB 39 Nr. 6). Vorliegend handelt es sich auf jeden Fall um eine
Vertiefung im Bereich der Psychologie, die auf der bisherigen Ausbildung der
Rekurrentin aufbaut. Es ist davon auszugehen, dass auch eine Schulpsychologin gute
Gründe hat, sich weiterzubilden und zu spezialisieren, um den an sie gestellten
Anforderungen zu genügen und auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben.
Der Zusammenhang mit der Berufsausübung ist auch unter diesem Gesichtspunkt
erstellt und die Notwendigkeit ausgewiesen. Die Aufwendungen für die im Rahmen der
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Weiterbildung absolvierte Psychotherapie-Selbsterfahrung sind damit als
Weiterbildungskosten abzugsfähig.
Indirekte Kosten, wie z.B. auswärtige Verpflegung, Unterkunft und Fahrt zum
Weiterbildungsort sind für die Weiterbildung notwendig und deshalb abziehbar. Dabei
gelten dieselben Ansätze wie bei den Berufsauslagen im allgemeinen (StB 39 Nr. 6). Die
Auslagen, die die Rekurrenten im Zusammenhang mit der Psychotherapie-
Selbsterfahrung hatten, sind ausgewiesen. Dementsprechend ist der volle von den
Rekurrenten geltend gemachte Betrag in der Höhe von Fr. 3'673.-- als
Weiterbildungskosten abzugsfähig.
3.- Der Rekurs ist gutzuheissen. Das steuerbare Einkommen der Rekurrenten ist
folglich auf Fr. 87'300.-- zu reduzieren. Der Einspracheentscheid ist aufzuheben und
die Rekurrenten sind mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 87'300.-- und einem
steuerbaren Vermögen von Fr. 165'000.- zu veranlagen.
4.- Dem Verfahrensgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Staat
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- ist angemessen
(Art. 7 Ziff. 122 Gerichtskostenverordnung, sGS 941.1). Der Kostenvorschuss von Fr.
600.-- ist den Rekurrenten zurückzuerstatten.