Decision ID: 0c341734-f4b2-46fa-9090-13becdfcc68c
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die Y._ GmbH war der Sozialver
siche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als beitragspflichtige Arbeit
ge
berin angeschlossen und rechnete mit ihr die paritätischen und FAK-Beiträge ab (vgl. 9/156-157). Mit Urteil vom 11. Oktober 2013 eröffnete der Konkurs
richter des Bezirksgerichts Z._ den Konkurs über die Gesellschaft. Das Konkursverfahren wurde am 12. November 2013 mangels Aktiven eingestellt (Urk. 11).
Mit Verfügung vom 23. September 2015 forderte die Ausgleichskasse von X._, der ab 25. Februar 2009 (Tagebucheintrag im Handelsregister des Kantons Zürich, Urk. 11) einziger Gesellschafter und alleiniger (formeller) Geschäftsführer der Y._ GmbH gewesen war, Schadenersatz für ent
gangene bundes- und kantonalrechtliche Sozialversicherungsbeiträge der
Y._
GmbH in der Höhe von Fr. 83‘743.60 (Urk. 9/136). Die dagegen erhobe
ne Einsprache (Urk. 9/145) hiess die Ausgleichskasse mit Entscheid vom 23. September 2015 teilweise gut und reduzierte die geforderte Schadener
satz
summe auf Fr. 75‘364.90 (Urk. 2).
2.
Mit Eingabe vom 26. Oktober 2015 liess X._ gegen den Einspra
cheentscheid vom 23. September 2015 Beschwerde erheben und beantragen, der angefochtene Entscheid sei ersatzlos aufzuheben, eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Die Ausgleichskasse schloss in der Beschwerdeantwort vom 3. Dezember 2015
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8), was dem Beschwerdeführer zur Kennt
nis gebracht wurde (Urk. 10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlasse
nen
versi
cherung (AHVG) hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grob
fahr
lässige Missachtung von Vorschriften der Versicherung einen Schaden zufügt, diesen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juris
tische Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Ge
schäfts
füh
rung oder Liquidation befassten Personen. Sind mehrere Per
sonen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haften sie für den ganzen Schaden so
lida
risch (Art. 52 Abs. 2 AHVG).
1.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die da
zu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Be
stimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (
Art.
66
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung), Erwerbsersatz- (Art. 21 Abs. 2
des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(
Art.
6 des Bun
desgesetzes
über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol
ven
z
entschädi
gung
)
sowie auf jene
an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bun
desgesetz über die Familienzulagen (
Art.
25 lit. c). Gleiches gilt für die bis 3
1.
Dezember 2008 nach kantonalem Recht erhobenen FAK-Beiträge (
§
33
Abs.
2 des Gesetzes über Kinderzulagen für Arbeitnehmer in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung bzw.
§
33 des ab
1.
Januar 2008 bis 3
0.
Juni
2009 gültig gewesenen Kinderzulagengesetzes; nicht publi
ziertes Urteil des Bundes
gerichts 2P.251/19
96 vom 30. Juni 1997).
1.2
1.2.1
Der Schadenersatzanspruch verjährt zwei Jahre, nachdem die zuständige Aus
gleichskasse vom Schaden
Kenntnis
erhalten hat, jedenfalls fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Diese Fristen können unterbrochen werden. Der Arbeitge
ber kann auf die Einrede der Verjährung verzichten (Art. 52 Abs. 3 AHVG; vgl. auch BGE 131 V 4 oben).
Bei Einstellung des Konkursverfahrens mangels Aktiven gilt der Schaden als mit dem entsprechenden Beschluss eingetreten, der den Konkurs amtlich für fruchtlos erklärt, woraus der Verlust der Beitragsforderung der Ausgleichs
kasse resultiert. Die Frist von zwei Jahren für die Geltendmachung der Schadener
satzforderung seit Kenntnis des Schadens beginnt demnach vom
Zeit
punkt der Fruchtloserklärung beziehungsweise von deren Veröffent
lichung
im Schweize
rischen Handelsamtsblatt (SHAB) an zu laufen (BGE 129 V 193 E. 2.3, 128 V 10 E. 5a, 126 V 443 E. 3c).
1.2.2
Das Konkursverfahren über die Y._ GmbH
wurde - wie er
wähnt - am 12. November 2013 mangels Aktiven eingestellt (Urk. 11). Damit wurde die zweijährige Verjährungsfrist von Art. 52 Abs. 3 AHVG ausgelöst. Mit dem Erlass der Schadenersatzverfügung vom 23. September 2014 (Urk. 9/136) wahrte die Beschwerdegegnerin diese Frist.
Die streitgegenständliche Forderung ist somit nicht verjährt.
2.
2.1
Voraussetzung für eine Haftung nach Art. 52 AHVG ist zunächst das Vor
liegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschul
de
ter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichs
kasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs-
und Mahnge
bühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Scha
dens
, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die Arbeitgeberbeiträge zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
2.2
Die Schadenersatzforderung setzt sich gemäss dem Kontoauszug vom 2. Dezember 2015 und der Beitragsübersicht gleichen Datums (Urk. 9/156-157) aus unbezahlt gebliebenen Beiträgen für die Jahre 2008, 2011 und 2012 sowie Mahn- und Betreibungsgebühren und Verwaltungskosten zusammen. Bei den Akten liegen entsprechende Rechnungen (Urk. 9/39, 9/47, 9/50, 9/57, 9/62, 9/64, 9/66, 9/74
, 9/106,
9/117), Mahnungen (Urk. 9/55, 9/59, 9/67, 9/70, 9/71, 9/81, 9/83, 9/86), Betreibungen (Urk. 9/72, 9/87, 9/88, 9/113) und Zahlungsbefehle (Urk. 9/75, 9/89, 9/96, 9/126), gegen welche die Firma keinen Rechtsvorschlag erhoben hatte. Die (fehlenden) Beiträge für das Jahr 2008 wurden erst am 25. Oktober 2013 in Rechnung gestellt, nachdem die Arbeitgeberkontrolle vom 2. Oktober 2013 ergeben hatte, dass entsprechende Löhne nicht deklariert worden waren (Urk. 9/107, 9/108, 9/117). Aus diesen Unterlagen und der Beitragsübersicht ergibt sich ein Schadensbetrag von Fr. 77‘204.20 (Urk. 9/156-157). Dieser Betrag ist soweit unbestritten.
2.3
Mit Verfügung vom 23. September 2014 hatte die Beschwerdegegnerin eine Schadenersatzforderung von Fr. 83‘743.60 geltend gemacht (Urk. 9/136). Am 5. November 2014 ging bei ihr eine (Teil-)Zahlung von Fr. 6‘499.40 ein. Zudem stornierte sie Mahngebühren von Fr. 40.-- (Urk. 9/156 S. 6). Daraus resultierte die obgenannte Schadenersatzforderung von Fr. 77‘204.20. Im ange
fochtenen Einspracheentscheid berücksichtigte sie, dass am 11. Oktober 2013 der Konkurs über die Y._ GmbH eröffnet worden war. Sie führte dazu aus, ab diesem Zeitpunkt habe der Beschwerdeführer keine Zahlungen der Y._ GmbH mehr veranlassen können. Die effektiven Beiträge für das Jahr 2012 in der Höhe von Fr. 38‘103.80 seien zwar erst am 7. Oktober 2013 in Rechnung gestellt worden. Da die Akontobeiträge jedoch viel zu gering gewesen seien, hafte er dennoch für diesen Ausstand. Indessen be
stehe keine Haftung für die danach angefallenen Verzugszinsforderungen und
Betreibungskosten von Fr. 750.20. Gleich verhalte es sich grundsätzlich für die am 25. Oktober 2013 in Rechnung gestellten Lohnbeiträge für die Jahre 2008 und 2012 in der Höhe von insgesamt Fr. 7‘585.50. Jedoch sei dieser Position die Zahlung vom 5. November 2014 in der Höhe von Fr. 6‘499.40 anzurechnen, da diese nicht an eine bestimmte Rechnung gekoppelt gewesen sei. Demnach sei die Haftung weiter um Fr. 1‘089.10 (richtig wohl:
Fr. 1‘086.10 [Fr. 7‘585.50 ./. Fr. 6'499.40]) zu reduzieren. Damit verbleibe eine
Schadenersatzforderung von Fr. 75‘364.90 (Urk. 2).
2.4
Mit der Konkurseröffnung entfiel die Befugnis des Beschwerdeführers als Organ der Y._ GmbH zur Vermögensdisposition (vgl. BGE 103 V 123 E. 5). Danach entstandene Forderungen können ihm deshalb nicht angelastet werden. Indes bilden Sozialversicherungsbeiträge beziehungsweise Beitrags
schul
den
, die zu einem Zeitpunkt entstanden waren, als der Beschwerde
führer (einziges
) formelles Organ der Y._
G
mbH war, Bestandteil des Schadens
. Weder Abrechnungspflicht, Beitragsschuld noch Fälligkeit sind von der Zustellung einer Rechnung oder einer Veranlagungs- oder Nach
zahlungsverfügung seitens der Ausgleichskasse abhängig. Die Abrechnungs
pflicht sowie die Beitragsschuld entstehen im Zeitpunkt der Lohnzahlung (
Art.
14 und
Art.
51 AHVG; Urteil des damaligen Eidgenössischen Versiche
rungs
gerichts H 136/00 vom 2
9.
Dezember 2000 E. 4b)
. Vor diesem Hintergrund ist unerheblich, wenn die Beschwerdegegnerin erst nach der Konkurseröffnung sichere Kenntnis von der genauen Höhe der geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge erhielt respektive diese erst danach einforderte, was der Beschwerdeführer verkennt (vgl. Urk. 1 S. 3). Zu Recht hat die Beschwerdegegnerin daher den am 7. Oktober 2013 in Rechnung gestellten Be
trag von Fr. 38‘103.80 für ausstehende definitive Beiträge bei der Scha
dens
summe berücksichtigt, da sie die Folge von zu tiefen Akontobeiträgen sind (vgl. dazu auch nachfolgend E. 5.3.2). Soweit der Beschwerdeführer moniert, die Anrechnung der Zahlung vom 5. November 2014 in der Höhe von Fr. 6‘499.40 an die Ausstände aus dem Jahr 2008 sei nicht statthaft, da er zu jener Zeit noch gar nicht Gesellschafter der Y._ GmbH gewesen sei (Urk. 1 S. 4), übersieht er, dass nach der Rechtsprechung
- in Anlehnung an Art. 87 OR - der Grundsatz
gilt
, dass nachträgliche Zahlungen vorab zur Tilgung der ältesten Beitragsschulden zu verwenden sind (BGE 112 V 6; ZAK 1988 S.
6
02; SVR 1995 AHV Nr. 70 S. 213), es sei denn, der Schuldner erkläre, welche Schuld er tilgen wolle (vgl. Art. 86 OR). An einer solchen Erklärung fehlt es vorliegend (vgl. Urk. 2 S. 2), weshalb das Vorgehen der Beschwerdegegnerin nicht zu beanstanden ist. Es hat daher bei der Scha
densberechnung der Beschwerdegegnerin sein Bewenden. Auszugehen ist mit
hin von einem vorliegend relevanten Schadensbetrag von Fr. 75‘364.90.
3.
3.1
Art. 14 Abs. 1 AHVG und die Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV
)
schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zu
sammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunter
lagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzu
stellen, damit die entsprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeit
gebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene öffentlichrechtliche Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser öffentlichrechtlichen Aufgabe bedeutet eine Missach
tung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
3.2
Aus den Akten ist ersichtlich, dass die Y._ GmbH den ihr als Arbeit
geberin obliegenden Zahlungsverpflichtungen nur schleppend und in den Jahren 2008, 2011 und 2012 nicht beziehungsweise nur unvollständig nach
ge
kommen war. Schliesslich blieben geschuldete Sozialversicherungsbeiträge (inklusive Nebenkosten) in der Höhe von Fr. 77‘204.20 unbezahlt, wovon vorliegend Fr. 75‘364.90
relevant sind (vgl. E. 2.4 hievor). Es bedarf deshalb keiner weiteren Ausführungen, dass die Y._ GmbH
Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG verletzt hat, weshalb der von ihr verursachte Schaden grundsätzlich voll zu decken ist.
Zu prüfen bleibt, ob und inwieweit der entstandene Schaden auf ein quali
fi
ziert schuldhaftes Verhalten des Beschwerdeführers zurückzuführen ist.
4.
4.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatz
pflicht besteht nach dem Wortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder
grob
fahrlässig Vor
schriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein
Scha
den verursacht worden ist (BGE 108 V 186 E. 1a). Absicht bezieh
ungs
weise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschul
dens. Art. 52 AHVG sta
tuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Ab
sicht oder grober Fahrlässigkeit aus
schliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätz
licher Missachtung der AHV
Vor
schrif
ten der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schaden
ersatz
pflichtig wird, wenn besondere Um
stände die Nichtbefolgung der ein
schlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 186 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2). So kann es sein, dass es einem Arbeit
geber, der sich in schwieriger finanzieller Lage befindet, durch das Nichtbezahlen der Beiträge gelingt, die Existenz seines Unternehmens zu retten. Ein solches Vorgehen führt allerdings nur dann nicht zu einer Haf
tung gemäss Art. 52 Abs. 1 AHVG, wenn der Arbeitgeber im Zeit
punkt seiner Entscheidung aufgrund der objektiven Umstände und einer seriö
sen Beur
tei
lung der Lage damit rechnen durfte, dass er die Forde
rung der Aus
gleichs
kasse innert nützlicher Frist würde befriedigen können (BGE 108 V 188; ZAK 1992 S. 248 E. 4b; vgl. BGE 132 III 530).
Liegt ein
Selbst- oder Mitverschulden der
Ausgleichskasse vor, kann dies
in sinn
gemässer Anwendung
von Art.
44
Abs.
1 OR zu einer Herabsetzung der geltend gemachten Forderung
führen.
Voraussetzung dafür ist, dass sich die
Verwaltung einer groben Pflichtverletzung schuldig gemacht hat, was nament
lich dann der Fall ist, wenn sie elementare V
orschriften der Beitragsveranla
gung und des Beitragsbezugs missachtet hat. E
ine Herabsetzung kann nur erfol
gen, wenn und soweit das pflichtwidrige Verha
lten der Verwaltung für die Ent
stehung oder Verschlimmerung des Schadens adäquat kausa
l gewesen ist (BGE 122 V 189 E
. 3c).
4.2
4.2.1
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter glei
chen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die Sorgfaltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetz
licher Vorschriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. Ähnlich ist zu differenzieren, wenn es darum geht, die subsidiäre Haftung der Organe eines Arbeitgebers zu ermitteln (BGE 108 V 202 E. 3a; ZAK 1985 S. 51 E. 2a, S. 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 529 E. 4.6).
4.2.2
Nicht jedes einer Firma als solcher anzulastende Ver
schulden muss auch ein solches ihrer sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und in
wieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Per
son übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b). Bei einfa
chen Verhältnissen muss vom einzigen Verwaltungsrat einer Aktien
ge
sellschaft, der als solcher die Verwaltung der Gesellschaft als einzige Person in Organstel
lung zu besorgen hat, in der Regel der Überblick über alle wes
ent
lichen Belange der Firma verlangt werden, und dies selbst dann, wenn er seine Befugnisse weitgehend an einen Geschäftsführer delegiert hat. Er kann mit der Delegation der Geschäftsführung nicht zugleich auch seine Verant
wortung als einziges Verwaltungsorgan an den Ge
schäftsführer delegieren (BGE 108 V 199 E. 3b).
4.2.3
Formell eingesetzte Geschäftsführer einer GmbH wie auch Personen, die faktisch die Funktion eines Geschäftsführers ausüben, haften für den der Ausgleichs
kasse zufolge nicht bezahlter Bundessozialversicherungsbeiträge entstandenen Schaden nach den gleichen Grundsätzen wie Organe einer
Aktien
gesellschaft. Dagegen besteht für den blossen Gesellschafter einer GmbH
vorbehältlich einer abweichenden statutarischen Regelung keine Pflicht zur Kontrolle oder Überwa
chung der Geschäftsführung, weshalb ihm das Fehl
ver
halten der Gesellschaft auch nicht angerechnet werden darf (BGE 126 V 237 ff.).
5.
5.1
Der Beschwerdeführer brachte zu seiner Entlastung im Wesentlichen vor, er habe alles unternommen, um eine regelkonforme Verabgabung der Sozial
ver
sicherungsbeiträge zu gewährleisten. Die Vorausdeklarationen seien recht
zeitig erfolgt. Bei grösseren Ausständen habe die Y._ GmbH Raten
zahlungen verlangt, was von der Beschwerdegegnerin bewilligt worden sei. Er selber sei nicht operativ tätig gewesen. Operativ geführt worden sei die Y._ GmbH von Z._. Dass nun Beitragsausstände bestünden, sei auf dessen strafbares Verhalten zurückzuführen (Urk. 1).
5.2
Vorweg ist festzuhalten, dass im vorliegenden Prozess nicht zu untersuchen ist, ob die Liquidation beziehungs
weise der Konkurs der Y._ GmbH
allenfalls hätte vermieden werden können oder ob am vorliegenden Verfah
ren nicht beteiligten Drittpersonen diesbezüglich irgendein Schuldvor
wurf gemacht werden könnte
. Vielmehr ist einzig z
u entscheiden, ob die Y._ GmbH
die ihr als Arbeitgeberin obliegenden Pflichten verletzt hat und ob gegebenenfalls ei
n qualifiziertes Verschulden des
Beschwerdef
ührers
zu be
jahen ist.
5.3
5.3.1
Der Beschwerdeführer war einziger und sonst auch allein einzelzeich
nungs
berechtigter Geschäftsführer der Y._ GmbH. Bei dieser Gesellschaft handelte es sich um ein relativ kleines Unternehmen mit einfacher Ver
wal
tungsstruktur (vgl. Urk. 9/36, 9/100). Bei solch leicht überschaubaren Ver
hält
nissen muss von einem Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränk
ter Haftung verlangt werden, dass er den Überblick über alle wesentlichen Be
lange des Unternehmens hat. Der Beschwerdeführer selber führte denn auch aus, dass er über die Beitragsausstände bestens informiert gewesen sei (Urk. 1 S. 5, Urk. 9/145/4). Vor diesem Hintergrund hätte er deshalb selbst unver
züg
lich die zweckdienlichen Handlungen, welche die Beitragszahlungen sicher
ge
stellt hätten, veranlassen müssen. Der Umstand, dass die operative Füh
rung des Unternehmens nach seinen Angaben allein in den Händen von Z._ lag, mag ihn nicht zu entlasten. Denn wäre ihm die Wahr
nehmung der gesetzlichen Pflichten nicht möglich gewesen, - wofür indessen keine Anhaltspunkte bestehen, nachdem er über die finanzielle Situation im Bilde war - hätte er nach ständiger Praxis und Rechtsprechung zu Art. 52 AHVG als Gesellschafter umgehend demissionieren müssen (vgl. etwa Bundesge
richts
urteile 9C_328/2012 vom 11. Dezember 2012 E. 5.3 und 9C_461/2009 vom 31. Dezember 2010 E. 5.2).
5.3.2
Ein Betrieb darf praxis- und rechtsprechungsgemäss zudem nur so viel Lohn auszahlen, als auch die darauf entfallenden Sozialversicherungsbeiträge noch gedeckt sind (siehe etwa Bundesgerichtsurteile 9C_311/2015 vom 9. Juli 2015 E. 4.2.2 mit Hinweis, H 90/00 vom 20. Juni 2001 E. 4d mit Hinweis auf SVR 1995 AHV Nr. 70), was bei der Konkursitin gerade nicht der Fall war. Wenn die Liquiditätssituation die Begleichung der vollen Bruttolöhne zuzüg
lich des Beitragsanteils des Arbeitgeberbeitrages nicht zulässt, sind die Lohn
zahlungen auf ein Mass zu reduzieren, welches die Entrichtung der darauf
entfallenden Sozialversiche
rungsbeiträge erlauben (Bundesgerichtsurteil H 69/05
vom 15. März 2006 E. 5.3.3 mit Hinweis). Die verantwortlichen Organ
e haben gerade in wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen darauf zu achten, dass die darauf von Gesetzes wegen ge
schuldeten Beiträge entrichtet
werden können (Bundesgerichtsurteile 9C_311/2015 vom 9. Juli 2015 E. 4.2.
2, 9C_38/2015 vom 15. Mai 2015 E. 3.3, 9C_328/2012 vom 11. Dezember 2012 E. 5.1 und H 63/05 vom 25. Mai 2007 E. 6.4, je mit Hinweisen). Dem ist der
Beschwerdeführer aber nicht nachgekommen; er nahm damit einen Scha
dens
eintritt in Kauf.
Soweit der Beschwerdeführer den Vorwurf, es seien im Jahr 2012 zu wenig Akontozahlungen geleistet worden, nicht geltend lassen will und mithin eine Pflichtwidrigkeit bestreitet (Urk. 1 S. 3), ist Folgendes festzuhalten: Nach Art. 35 Abs. 1 AHVV haben die Arbeitgeber im laufenden Jahr periodisch Akontobeiträge zu entrichten. Diese werden von der Ausgleichskasse auf Grund der voraussichtlichen Lohnsumme festgesetzt. Nach Art. 35 Abs. 2 AHVV haben die Arbeitgeber der Ausgleichskasse wesentliche Änderungen der Lohnsumme während des laufenden Jahres zu melden.
Gemäss Rz. 2048 der Wegleitung über den Bezug der Beiträge (WBB) in der AHV, IV und EO gilt eine Abweichung der jährlichen Lohnsumme um mindestens 10 Prozent
von der ursprünglichen voraussichtlichen Lohnsumme als wesentlich im Sinn
e von
Art.
35
Abs.
2 AHVV.
Der Fehlbetrag von Fr. 38‘103.80 ist nun aber gerade darauf zurückzuführen, dass die definitiven Beiträge im Jahr 2012 erheblich höher ausfielen als die geleisteten Akontobeiträge. Grund dafür war, dass wesentliche Änderungen in der Lohnsumme der Ausgleichskasse nicht gemeldet worden waren. Mit Schreiben vom 13. Juni 2012 hatte die Y._ GmbH nämlich das Gesuch gestellt, die AHV-Lohnsumme sei als Folge von Mitarbeiterentlassung nach unten zu korrigieren und noch auf
Fr. 150‘000.-- festzusetzen (Urk. 9/58). Aus der korrigierten, endgültigen Lohn
dek
laration ergab sich aber, dass die Lohnsumme sich sogar auf Fr. 369‘160.90 belief (Urk. 9/146). Wären die Lohnbezüge korrekt gemeldet
worden, wäre der Beschwerdegegnerin kein Schaden entstanden. Der Be
schwer
deführer verkennt die rechtliche Situation, wenn er sich unter Hinweis darauf, die Akontobeiträge seien stets bezahlt worden, seiner Verantwortung entziehen will (vgl. auch Bundesgerichtsurteil H 154/06 vom 5. April 2007 E. 6.1.2).
5.3.3
Auch der Tilgungsplan vom 27. März 2012, mit welchem die Beschwerde
geg
nerin der Y._ GmbH Ratenzahlungen ermöglichte, vermögen den Be
schwerdeführer nicht zu entlasten (Urk. 1 S. 3, Urk. 9/42). Bei der Beur
teilung der Frage, ob die verantwortlichen Arbeitgeberorgane ihren Sorg
falts
pflichten im Zusammenhang mit der Einhaltung der Beitragszahlungs
pflicht nachgekommen sind, ist ein mit der Ausgleichskasse vereinbarter Zahlungsaufschub mit Tilgungsplan mitzuberücksichtigen, soweit dem Bei
trags
pflichtigen damit ein Abweichen von den ordentlichen Zahlungster
minen zugestanden wird (BGE 124 V 253).
Der genannte Tilgungsplan bezog sich einzig auf die definitiven Beiträge für das Jahr 2011 (Urk. 9/39, 9/42). Indessen wurde auch er letztlich nicht eingehalten (Urk. 9/42 S. 2, Urk. 9/79).
Die letzte Zahlung erging am 23. November 2012 (Urk. 9/42 S. 2, Urk. 9/157
). Durch die ausbleibenden Zahlungen fiel der Aufschub ohne Weiteres dahin (Art. 34b Abs. 3 AHVV). Überdies ändert
ein Zahlungs
aufschub mit Tilgungs
plan bei mehrmonatigen bis mehrjährigen Beitragsausständen
an der Wider
rechtlichkeit der nicht ordnungsgemässen Bezahlung der Beiträge nichts
. Die Verschuldensfrage ist auch hier
primär nach den Umständen
zu beurteilen, die zum Zahlungs
rückstand geführt haben (
BGE 124 V 253 E. 3b;
Bundes
ge
richt
urteil
H 372/00 vom 31. Juli 2001 mit Hinweisen).
Das dem Beschwer
deführer vorwerfbare Verhalten besteht denn auch gerade darin, dass es überhaupt zu den Beitragsausständen gekommen ist, indem die Y._ GmbH unter seiner (Mit-)Verantwortung über Jahre Löhne ausbezahlte, ohne dass die darauf entfallenden Sozialversicherungsbeiträge entrichtet wurden. Daran ändert nichts, dass er selber auf Lohn verzichtete respektive private Mittel in die Gesellschaft einschoss, da er diese nicht zur Deckung der Aus
stände verwendete (vgl. Urk. 1 S. 5).
6.
6.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahr
lässigen Miss
ach
tung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammen
hang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4).
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereig
nis allge
mein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hin
weisen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119 Ib 334 E. 3c).
Eine Haftungsbeschränkung wegen mitwirkenden Drittverschuldens eines solidarisch Haftpflichtigen zieht das Bundesgericht bloss als eher theoretische Möglichkeit in Betracht, die, wenn überhaupt, nur bei einer ausgesprochen exzeptionellen Sachlage von praktischer Bedeutung sein kann; so etwa, wenn das Verschulden des in Anspruch genommenen Haftpflichtigen als so leicht erscheint und in einem derartigen Missverhältnis zum Verschulden des Dritten steht, dass es offensichtlich ungerecht wäre, wenn jener den ganz
en Schaden tragen müsste (Bundesgerichtsurteil
9C_328/2012 vom 11. Dezem
ber 2012 E. 2.3 m
it
weiteren
Hinweis
en
).
Die Unterbrechung des adäquaten Kausalzusammenhangs fällt insbesondere in Betracht, wenn ein Verwal
tungs
rat durch strafrechtlich relevante Machenschaften eines anderen Organs der Gesellschaft über die Ausstände gegenüber der Ausgleichskasse hinters Licht geführt und dadurch an der Wahrnehmung seiner Pflichten gehindert wurde (Bundesgerichtsurteile 9C_135/2011 vom 11. April 2011 E. 4.3.2 mit weiteren Hinweisen).
6.2
Gemäss Ausführungen des Beschwerdeführers waren er und Z._ im Innenverhältnis gleichwertige Geschäftspartner und verfügten über dieselben Rechte und Pflichten. Die Besorgung der Büroarbeiten, inkl. Buchhaltung und Vertragswesen, sei seine Aufgabe gewesen. Für die Ausführung der Arbeiten, inkl. Organisieren und Auswählen der Mitarbeiter, Wahrnehmung der Termine mit Bauherren und Architekten, sei Z._ zuständig ge
wesen (Urk. 9/139/3). Letzterer sei als faktisches Organ zu behandeln (Urk. 1 S. 6). Dass die Beschwerdegegnerin zu einem Schaden gekommen sei, sei auf das strafbare Verhalten von Z._ zurückzuführen (Urk. 1 S. 6). Dies
be
züglich ist dem Strafantrag des Beschwerdeführers vom 3. Juni 2013 zu ent
nehmen, dass er Z._ Sachentziehung, Diebstahl, ungetreue Ge
schäftsführung und Veruntreuung vorwirft (Urk. 9/139/1). Z._ habe (zusammen mit O._) anfangs Dezember 2012 das Büro und das Lager der Y._ GmbH ausgeräumt und die Sachen entwendet respektive gestohlen. Zudem habe er eine Konkurrenzfirma gegründet und für diese unter anderem auf Rechnung der Y._ GmbH Materialien bestellt. Im Weiteren habe Z._ Gelder veruntreut (Urk. 9/139/6-8).
6.3
Ob diese Vorwürfe zutreffen, braucht vorliegend nicht geklärt zu werden. Denn der Beschwerdeführer wirft Z._ nicht vor, ihn über die Bei
tragsausstände getäuscht zu haben. Vielmehr war er, wie er selber ausführt, über die finanzielle Situation stets im Bilde (Urk. 9/145/4). Im Übrigen be
treffen die Vorwürfe primär den Zeitraum ab Dezember 2012. Die Beitrags
aus
stände fallen aber in die Zeit davor. Das (allfällige) Fehlverhalten von Z._ unterbricht den adäquaten Kausalzusammenhang somit nicht. Soweit der Beschwerdeführer fordert, die Beschwerdegegnerin habe nicht ihn, sondern Z._ in die Pflicht zu nehmen (Urk. 1 S. 6), ist er darauf hin
zuweisen, dass eine allfällige Schadenersatzpflicht von Z._ nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist. Selbst wenn die Voraus
setz
ung
en hiefür gegeben wären, entbände dies den Beschwerdeführer nicht von seiner Schadenersatzpflicht, sieht das Gesetz (bei mehreren Schadenersatz
pflichtigen) doch eine Solidarhaftung vor. Es war demzufolge zudem der Be
schwerdegegnerin überlassen, welcher der Solidarhafter sie ins Recht lassen wollte.
6.4
Das vorwerfbare Verhalten führte zum Schaden der Beschwerdegegnerin. Wäre die Konkursitin unter der
V
erantwortung
des
Beschwerdeführer
s
ihren
Abrech
nungs- und Zahlungs
pflichten rechtzeitig
und vollständig nachgekommen und wären nur so
weit Löhne ausbezahlt worden, als die darauf geschuldeten Abgaben bei Fällig
keit hätten beglichen werden können, wäre der Schaden nicht eingetreten.
7.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.