Decision ID: 8b3f57e0-b5a5-50d9-8aa0-bf9e1feccaa7
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) war aufgrund ihrer Tätigkeit als Reinigungskraft
für die B._ AG bei der Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG
(nachfolgend: Helvetia) obligatorisch gegen Unfälle versichert, als sie am 14. Januar
2018 eine Treppe hinunterstürzte (UV-act. UM).
A.a.
Die Erstbehandlung erfolgte am Unfalltag beim Hausarzt Dr. Dr. med. C._,
welcher als Befunde eine schmerzhafte Beweglichkeit der rechten Schulter und der
LWS erhob, die Diagnosen "Becken, LWS Prellung, Prellung re Schulter" stellte und der
Versicherten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für voraussichtlich drei bis vier
Wochen bescheinigte (UV-act. M1).
A.b.
Ab dem 27. Februar 2018 wurde der Versicherten eine Arbeitsfähigkeit attestiert
(UV-act. K12). Nach etwa drei Stunden musste die Versicherte wegen noch
bestehender Schmerzen die Arbeit wieder abbrechen und ihren Arzt aufsuchen,
welcher ihr wiederum eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestierte (Bericht von Dr.
C._ liegt nicht bei den Akten; vgl. UV-act. K9 und K10). Die B._ AG kündigte das
Arbeitsverhältnis mit der Versicherten am selben Tag per 30. April 2018 (UV-act. K9
und K11).
A.c.
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Am 5. April 2018 berichtete Dr. C._ der Helvetia betreffend die Versicherte über
eine Partialruptur der Extensoren Ellbogen rechts, eine Epikondylitis radial Ellbogen
rechts sowie eine Lumbago (UV-act. M2; vgl. auch UV-act. M9).
A.d.
Dr. C._ veranlasste zur Abklärung einer Rotatorenmanschettenruptur an der
rechten Schulter eine MR-Arthrographie, welche am 16. April 2018 von Dr. med. D._,
Radiologie E._, durchgeführt wurde. Die Untersuchung ergab laut Dr. D._ einen 7 x
7 mm messenden durchgehenden Sehnendefekt im dorsalen Drittel der ansatznahen
Supraspinatussehne im Sinne einer transmuralen Totalruptur. Von dort aus sei zudem
eine nach lateral gerichtete intratendinöse Delamination des ventralen sowie mittleren
Drittels der Supraspinatussehne erfolgt. Im Übrigen handle es sich um ein reguläres
Kernspintomogramm des Schultergelenks bei Nachweis einer intakten Infraspinatus-,
Subscapularis- und Bizepssehne (UV-act. M4).
A.e.
Am 17. April 2018 hielt Dr. med. F._ als beratender Arzt der Helvetia fest, es sei
wahrscheinlich, dass unfallfremde Beschwerden den Heilverlauf beeinflussten, da die
lange Arbeitsunfähigkeit durch die Unfallfolgen nicht zu erklären sei (UV-act. M3). Am
24. April 2018 ergänzte er nach Kenntnisnahme des MRI vom 16. April 2018, die
Arbeitsunfähigkeit stehe nur möglicherweise in Zusammenhang zum Unfallereignis, da
Letzteres nicht geeignet gewesen sei, die Rotatorenmanschette wie im MRI
beschrieben zu verletzen. Es zeige sich keine frische Läsion. Der Status quo sine sei ab
jetzt erreicht (UV-act. M5).
A.f.
Anlässlich des Besuchs eines Inspektors der Helvetia vom 25. April 2018
berichtete die Versicherte betreffend das Ereignis vom 14. Januar 2018, dass sie
frühmorgens mit dem Hund aus dem Haus habe gehen wollen. Sie habe sich zur
Wohnungstüre hinaus in den Korridor des Mehrfamilienhauses in Richtung Treppe
begeben. Diese befände sich ca. einen Meter von der Türe entfernt. Sie habe geglaubt,
noch weiter weg von der obersten Stufe zu sein, da sie diese aufgrund der leichten
Verzögerung des automatischen Lichts nicht gesehen habe. Gleichzeitig habe der
Hund leicht gezogen. Sie sei über die oberste Stufe gerutscht, dann die zehnstufige
Treppe hinuntergefallen und unten auf dem Zwischenboden zu liegen gekommen.
Allem Anschein nach sei sie auf die rechte Körperseite gefallen und auf dem Rücken
die Treppe hinuntergerutscht (UV-act. SI1).
A.g.
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Am 26. April 2018 besuchte die Versicherte die orthopädisch-unfallchirurgische
Sprechstunde von Dr. med. G._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, H._ AG. Dieser stellte die Diagnose
traumatische Supraspinatussehnenruptur Schulter rechts bei Status nach Sturz auf
einer Treppe vom 14. Januar 2018 und hielt fest, bisher sei die Versicherte nur passiv in
der Physiotherapie behandelt worden. Seines Erachtens sollte zuerst ein dezidierter
konservativer Behandlungsansatz verfolgt werden. Bis zur klinischen Kontrolle in ca.
sechs Wochen bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (UV-act. M6).
A.h.
Mit Schreiben vom 2. Mai 2018 teilte die Helvetia der Versicherten mit, dass der
Status quo sine per 24. April 2018 erreicht gewesen sei. Somit hätten ihre
Versicherungsleistungen mit dem 24. April 2018 geendet (UV-act. K23). Am 11. Mai
2018 informierte die Versicherte die Helvetia darüber, dass sie mit der
Leistungseinstellung nicht einverstanden sei (UV-act. K24).
A.i.
Am 19. Mai 2018 infiltrierte Dr. G._ die rechte Schulter der Versicherten mit
Bupivacain/Kenacort, da die medikamentöse Therapie nicht angeschlagen habe (UV-
act. M13.2). Am 11. Juni 2018 fand der nächste Untersuch bei Dr. G._ statt. Dabei
berichtete die Versicherte erneut über persistierende Schmerzen. Nach der Infiltration
habe sich allenfalls für ein paar Tage eine gewisse Schmerzlinderung eingestellt; dann
hätten die Beschwerden wieder zugenommen (UV-act. M12). Am 4. Juli 2018 unterzog
sich die Versicherte bei Dr. G._ einer Arthroskopie der rechten Schulter mit sub-
akromialem Débridement. Dabei stellte der Facharzt die intraoperativen Diagnosen
degenerative Veränderungen an der Rotatorenmanschette und subakromiale Bursitis.
Eine transmurale Rotatorenmanschettenruptur konnte er nicht feststellen (UV-act.
M13.4). Bei der ersten postoperativen Verlaufskontrolle vom 19. Juli 2018 berichtete
die Versicherte Dr. G._ über eine deutliche Schmerzregredienz im Vergleich zur
präoperativen Situation. Er attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bis zur
nächsten Konsultation am 20. August 2018 (UV-act. M11).
A.j.
Die Helvetia ersuchte Dr. med. I._, Vertrauensarzt und Facharzt FMH für
Chirurgie, Medizinische Begutachtung CMG GmbH, um eine Stellungnahme (vgl. UV-
act. K30), welche dieser am 28. Juli 2018 in Kenntnis der bis 26. April 2018 datierenden
Akten (vgl. UV-act. M9 S. 1 ff.) erstattete. Er kam zum Schluss, dass die
A.k.
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B.
Supraspinatussehnenruptur mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vorbestehend sei.
Unter Hinweis auf eine Publikation von Alfred Schönberger/Gerhard Mehrtens/Helmut
Valentin, Arbeitsunfall und Berufskrankheit, hielt er fest, es liege kein geeigneter
Unfallmechanismus vor, um eine Supraspinatussehne zu zerreissen. Es handle sich um
eine Prellung der Schulter. Diese könne nicht besonders heftig gewesen sein, da im
Erstbefund keine Hämatome, Hautabschürfungen oder Ähnliches beschrieben worden
seien und im MRI kein adäquates Knochenmarksignal zu erkennen sei. Die
Akromionform Typ II nach Bigliani begünstige einen vorzeitigen Verschleiss der
Supraspinatussehne. Der Status quo ante sei spätestens sechs Wochen nach dem
angeschuldigten Trauma wieder erreicht; die darüber hinaus bestehenden
Beschwerden seien mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit Folge
der degenerativ bedingten Supraspinatussehnenruptur (UV-act. M9).
Am 6. August 2018 verfügte die Helvetia, dass die Beschwerden an der linken
(richtig: rechten) Schulter sowie dem Rücken nicht mehr mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit kausal zum Unfall vom 14. Januar 2018 seien. Sie sei ab 1. März
2018 nicht mehr leistungspflichtig. Entgegenkommenderweise verlange sie die bereits
bis zum 24. April 2018 entrichteten Leistungen nicht zurück (UV-act. K31).
A.l.
Im Bericht über die Verlaufskontrolle vom 20. August 2018 hielt Dr. G._ fest, die
Versicherte klage über ganz wenige Beschwerden. Sie habe deutlich von der Operation
profitiert. Die Rotatorenmanschette habe sich bei der Austestung unauffällig gezeigt.
Bis zum 9. September 2018 bestehe noch eine 100%ige und dann bis zur
abschliessenden Kontrolle vom 1. Oktober 2018 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (UV-
act. M10).
A.m.
Die Versicherte liess am 4. September 2018 durch Rechtsanwalt lic. iur. L.
Häusermann, St. Gallen, Einsprache gegen die Verfügung vom 6. August 2018
erheben. Sie beantragte die Aufhebung dieser Verfügung und die Erbringung der
gesetzlichen Leistungen, insbesondere die Durchführung weiterer Abklärungen (UV-
act. K32 sowie K32.1 bis 4).
B.a.
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C.
Bei der Verlaufskontrolle bei Dr. G._ vom 1. Oktober 2018 zeigte sich klinisch
noch keine vollständige Regredienz der Beschwerden. Der Chirurg stellte weiterhin eine
Minderung der Beweglichkeit um ca. 10° in der Elevation fest. Die Versicherte
berichtete, seit sie die Arbeit in der Reinigung wieder zu 50 % aufgenommen habe,
habe sie erneut Schmerzen über dem anterioren Aspekt der rechten Schulter. Der
Chirurg empfahl, die Arbeitsfähigkeit für die nächsten vier Wochen bei 50 % zu
belassen (UV-act. M13.7). Seinem nächsten Bericht vom 19. November 2018 ist zu
entnehmen, dass sich ca. drei Monate postoperativ eine gute Situation zeige,
wenngleich die Versicherte nicht vollends beschwerdefrei sei. Bei Bedarf würde die
Versicherte sich wieder melden (UV-act. M13.8).
B.b.
Im Rahmen des Einspracheverfahrens ersuchte die Helvetia Dr. I._ erneut um
seine Einschätzung. Er hielt mit Beurteilung vom 10. Dezember 2018 daran fest, dass
der Status quo sine nach sechs Wochen erreicht worden sei. Das Ereignis vom 14.
Januar 2018 habe zu einer vorübergehenden Verschlimmerung des degenerativen
Vorzustandes geführt. Die Operation sei nicht notwendig gewesen, Infiltrationen und
Physiotherapien hätten völlig ausgereicht. Ein Débridement von entzündlichem
Gewebe sei keine zwingende Indikation für eine Operation (UV-act. M14).
B.c.
Mit Einspracheentscheid vom 30. Januar 2019 wies die Helvetia die Einsprache
der Versicherten ab (UV-act. K45).
B.d.
Gegen diesen Einspracheentscheid liess die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) durch Rechtsanwalt Häusermann mit Eingabe vom 4. März 2019
Beschwerde erheben und beantragen, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und
ihr seien die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenheit
zur weiteren Abklärung an die Helvetia (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
zurückzuweisen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1). Mit der
Beschwerde liess die Beschwerdeführerin dem Gericht unter anderem den Befund
einer Arthro-MRI der rechten Schulter der Radiologie E._ vom 27. Februar 2019
zukommen. Dieses zeigte gemäss Dr. med. J._ eine "komplett durchgehende, nun
bis 4 mm lang klaffende (Re-)Ruptur der Supraspinatussehne unmittelbar am Ansatz in
der ventralen bis mittleren Position und mittelgradige longitudinale interstitielle
C.a.
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Aufsplitterung/Partialläsion des dorsalen Supraspinatussehnendrittels wie auch
teilweise der übrigen mittleren bis ventralen SST-Sehnenportion auf einer Länge bis
knapp 2 cm proximal des Ansatzes. Leichte Tendinose der langen Bizepssehne
intraartikulär im horizontalen Abschnitt. Vermutlich konstitutionell nur sehr
schmalkalibrig angelegtes/hypoplastisches mittleres gleno-humerales Ligament.
Weiterhin reguläres übriges Arthro-Kernspintomogramm der rechten Schulter" (act.
G1.16).
C.b.
In der Beschwerdeantwort vom 4. April 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin
unter Kosten- und Entschädigungsfolge die Abweisung der Beschwerde (act. G3).
C.c.
Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer Replik (vgl. act. G4
bis G7).
C.d.
Am 15. Juli 2019 liess Rechtsanwalt Häusermann dem Gericht zusätzliche
Arztberichte zukommen (act. G8 sowie G8.1.1 bis 8.1.7). Laut Bericht von Dr. med.
K._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Orthopädie L._ AG, vom 13. März 2019 hatten bei der
Beschwerdeführerin nach der Operation vom Juli 2018 Schmerzen und
Bewegungseinschränkungen der rechten Schulter persistiert und er hatte unter Hinweis
auf die Verlaufskernspintomographie vom Februar 2019 bei nachgewiesener
transmuraler Läsion der Supraspinatussehne und entsprechender Symptomatik ein
operatives Vorgehen empfohlen (act. G8.1.1). Am 20. März 2019 hatte Dr. C._
ausgeführt, die Beschwerdeführerin sei am 14. Januar 2018 mit multiplen Verletzungen
in seine Praxis gekommen. Bei der Untersuchung habe er Prellungen an LWS, Becken
und Schulter rechts sowie diverse Schürfungen feststellen können. Da die Schulter
rechts nach mehreren Wochen immer noch stark geschmerzt habe, sei ein MRI
durchgeführt worden (act. G8.1.2). Am 26. März 2019 war die Beschwerdeführerin
erneut bei Dr. K._ vorstellig geworden, woraufhin dieser am 30. März 2019 berichtet
hatte, bei nachgewiesener transmuraler Läsion der Supraspinatussehne und
Schmerzsymptomatik habe er der Beschwerdeführerin weiterhin ein operatives
Vorgehen empfohlen. Sie wünsche dieses nun auch durchführen zu lassen (UV-
C.e.
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act. M15). Der Chirurg hatte die Beschwerdeführerin für die Zeit vom 27. März bis 4.
Juni 2019 zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben (act. G8.1.4). Am 1. April 2019 hatte er
gegenüber Rechtsanwalt Häusermann erklärt, seines Erachtens sei die ursprüngliche
Traumatisierung der Schulter mit überwiegender Wahrscheinlichkeit beim Abfangen
eines Sturzes auf der Treppe entstanden. Vor dem Ereignis sei die Beschwerdeführerin
vollständig beschwerdefrei gewesen. Nach dem Ereignis sei sie auch nach einem
operativen Eingriff, bei dem die Sehnenläsion nicht habe dargestellt werden können,
nicht beschwerdefrei geworden und im Verlauf habe sich eine Grössenzunahme der
Läsion gezeigt (act. G8.1.5). Am 24. April 2019 hatte sich die Beschwerdeführerin bei
Dr. K._ einer Schulterarthroskopie mit plastischer Rekonstruktion der
Supraspinatussehne rechts unterzogen (act. G8.1.6). Am 7. Juni 2019 hatte Dr. K._
dem Vertrauensarzt der Beschwerdegegnerin erklärt, er sei der Meinung, dass es sich
um ein unfallbedingtes Geschehen handle. Dies entspreche auch der Zweitbeurteilung
des Radiologen Dr. D._ (diese liegt nicht bei den Akten; act. G8.1.7).
Am 30. Oktober 2019 informierte Rechtsanwalt Häusermann das Gericht darüber,
dass sein Mandat beendet sei und die Beschwerdeführerin neu durch Rechtsanwältin
lic. iur. Ch. Rempfler, St. Gallen, vertreten werde (act. G10). Am 18. November 2019
reichte Rechtsanwalt Häusermann seine Honorarnote zu den Akten (act. G12 und
12.1).
C.f.
Mit Schreiben vom 18. August 2020 ersuchte das Gericht Rechtsanwältin
Rempfler um Entbindung von Dr. G._ vom Arztgeheimnis (act. G21), welche beim
Gericht am 1. September 2020 einging (act. G22). Am Folgetag ersuchte das Gericht
Dr. G._ um Beantwortung einiger Fragen (act. G23). Das Antwortschreiben datiert
vom 11. September 2020. Darin erklärt Dr. G._, er könne biologisch-medizinisch
nicht ausschliessen, dass die Ruptur der Supraspinatussehne gemäss MRI vom
16. April 2018 anlässlich der Operation vom 4. Juli 2018 vorhanden gewesen sei. Die
Ruptur sei jedoch weder von Gelenkseite noch von subakromial zu sehen gewesen.
Dass auch die bildgebende Diagnostik mittels MRI ihre Limite erfahre, komme in
diesem Fall deutlich zum Vorschein. Eine 100%ig sichere Untersuchung gebe es nicht.
Dies zeige sich vor allem in der zunächst postulierten 7 x 7 mm grossen transmuralen
Ruptur im posterioren Bereich, die sich in der zweiten Untersuchung vor allem im
anterioren Bereich zeige. Es gebe keinen ersichtlichen und medizinisch sinnvollen
C.g.
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Erwägungen
1.
Vorliegend anerkannte die Beschwerdegegnerin eine Leistungspflicht im
Zusammenhang mit dem Unfall vom 14. Januar 2018 und richtete entsprechend
Versicherungsleistungen (Heilkosten- und Taggeldleistungen) aus der
Unfallversicherung aus. Strittig und zu prüfen ist die Rechtmässigkeit der
Leistungseinstellung per 28. Februar (Zeitpunkt, zu welchem der Beschwerdegegnerin
zufolge der Status quo sine vel ante eingetreten ist) resp. 24. April 2018 (Zeitpunkt, bis
zu welchem die Beschwerdegegnerin Leistungen ausgerichtet hat; vgl. UV-act. K31 S.
1).
2.
Erkenntnisstand, der eine spontane Heilung einer 7 x 7 mm transmuralen Ruptur an der
Supraspinatussehne erklären und an anderer Stelle erscheinen lasse (act. G24). Dr.
G._s Stellungnahme wurde den Parteien am 25. September 2020 zugestellt (act.
G25). Die Beschwerdegegnerin äusserte sich am 15. Oktober 2020 dazu (act. G28) und
die Beschwerdeführerin am 4. Januar 2021 (act. G33). Diese Stellungnahmen wurden
am 11. Januar 2021 je der Gegenseite zur Kenntnis gebracht (act. G34).
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung
bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht besteht demnach nur für
Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat-kausal mit einem versicherten
Unfallereignis zusammenhängen (BGE 129 V 181 E. 3.1 f. mit Hinweisen; siehe dazu
André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz
über die Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 63 ff.
zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Barbara Klett/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli
[Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019 [nachfolgend zitiert: BSK
UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.). Für die
Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im
2.1.
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Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten oder
Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist
demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis
entwickelten Regeln zu beurteilen ist (BGE 129 V 181 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts
vom 1. September 2008, 8C_522/2007, E. 4.3.2; KOSS UVG-Nabold, N 53, 59 zu Art.
6; BSK UVG-Hofer, N 66, 74 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58). Bei
physischen Unfallfolgen hat indessen die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich
aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des
Unfallversicherers gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine
selbstständige Bedeutung (BGE 118 V 291 f. E. 3a). Ob ein natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist, beurteilt sich nach dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit;
die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen; Thomas Locher/
Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70 N 58 f.).
Hat der Unfallversicherer seine Leistungspflicht einmal anerkannt, so entfällt diese
erst dann, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche Ursache der fortdauernd geklagten
Beschwerden darstellt, d.h. wenn die Beschwerden nur noch und ausschliesslich auf
unfallfremden Ursachen beruhen. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche
Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen sein (Locher/ Gächter, a.a.O., § 70 N 58 f.). Dies trifft zu, wenn entweder
der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat
(Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328
E. 3b mit Hinweisen). Da es sich um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt
die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim
Unfallversicherer. Diese Rechtsprechung beschlägt dabei einzig die rechtlichen Folgen
der Abklärung, insofern als dem Unfallversicherer die Beweislast zugewiesen wird für
den Fall, dass ungeklärt bleibt, ob dem Unfall (noch) eine kausale Bedeutung für den
andauernden Gesundheitsschaden zukommt. Bevor sich aber überhaupt die Frage der
Beweislast stellt, ist der Sachverhalt im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes richtig
und vollständig zu klären (Urteil des Bundesgerichts vom 4. August 2008,
8C_354/2007, E. 2.2). Im Rahmen der Prüfung des Dahinfallens der Leistungspflicht
2.2.
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des Unfallversicherers genügt es mithin für die Bejahung des fortbestehenden
natürlichen Kausalzusammenhangs, wenn der Unfall für die fragliche gesundheitliche
Störung immer noch eine Teilursache darstellt. Gemäss Art. 36 Abs. 1 UVG werden die
Pflegeleistungen und Kostenvergütungen sowie die Taggelder und
Hilflosenentschädigungen nicht gekürzt, wenn die Gesundheitsschädigung nur
teilweise Folge eines Unfalls ist. Diese Bestimmung beinhaltet eine Durchbrechung des
Kausalitätsprinzips für Fälle, in denen ein Gesundheitsschaden durch das
Zusammenwirken konkurrierender, teils unfallbedingter, teils unfallfremder Ursachen
bewirkt worden ist (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 18. Februar
2003, U 287/02, E. 4.4).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss, zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw.
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (zum Ganzen BGE 125 V
352 E. 3a mit Hinweis; Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 130 zu Art. 61).
Auch den Berichten beratender Ärzte und Ärztinnen von Versicherungen kann
rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. Auf das Ergebnis von
Abklärungen beratender Ärzte und Ärztinnen kann nicht abgestellt werden, wenn auch
nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE 139 V
229 E. 5.2, 135 V 469 f. E. 4.4 und 471 E. 4.7; Urteil des Bundesgerichts vom 16.
September 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.2). Die Rechtsprechung erachtet sodann
Aktengutachten als zulässig, wenn die Akten ein vollständiges Bild über Anamnese,
Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten sind.
Voraussetzung ist ein lückenloser Untersuchungsbefund, damit der Experte bzw. die
Expertin imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein lückenloses Bild
zu verschaffen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 24. März 2017, 8C_780/2016, E. 6.1
mit Hinweis).
2.3.
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3.
Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird grundsätzlich eine
strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares
Korrelat verlangt. Objektivierbar sind Ergebnisse, die reproduzierbar und von der
Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten bzw. der Patientin
unabhängig sind. Folglich kann von objektiv ausgewiesenen organisch-strukturellen
Unfallfolgen dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit -
wissenschaftlich anerkannten - apparativen/bildgebenden Abklärungen (wie Röntgen,
Sonographie, Kernspintomographie, Computertomographie, Arthroskopie) bestätigt
werden (vgl. BGE 134 V 121 E. 9, 134 V 232 E. 5.1 mit Hinweisen; Urteil des
Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009, 8C_216/2009, E. 2; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81
E. 5.4 mit Hinweisen [U 479/05]).
3.1.
Vorerst gilt es deshalb zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin beim Ereignis vom
14. Januar 2018 strukturelle Verletzungen erlitten hat. Während diese davon ausgeht,
sich beim Sturz eine Supraspinatussehnenläsion zugezogen zu haben (act. G1, G8 und
G33), ist die Beschwerdegegnerin der Ansicht, dass eine solche nicht ausgewiesen sei
(UV-act. K45, act. G3 und G28). Letztere geht als Unfallfolge lediglich von einer
Verschlimmerung eines Vorzustandes in Form einer Prellung aus, welche spätestens
sechs Wochen nach dem Unfallereignis wieder abgeheilt gewesen sei (vgl. Beurteilung
von Dr. I._ vom 28. Juli 2018 in UV-act. M9 sowie UV-act. K31 und K45).
3.2.
Bei der Beschwerdeführerin wurde am 16. April 2018 erstmals eine MR-
Arthrographie der rechten Schulter vorgenommen, da diese Schulter mehrere Wochen
nach dem Sturz vom 14. Januar 2018 immer noch stark schmerzte (vgl. act. G8.1.2
sowie UV-act. M4). Laut Dr. D._ zeigte sich in der Bildgebung eine komplex
konfigurierte Läsion der Supraspinatussehne, einerseits mit Nachweis eines
durchgehenden bis 7 x 7 mm messenden Sehnendefekts im ansatznahen Abschnitt
des dorsalen Sehnendrittels und andererseits mit einer von dort aus erfolgten nach
lateral gerichteten Delamination der Supraspinatussehne im mittleren und ventralen
Sehnendrittel (UV-act. M4). Dr. G._ erhob in den Sprechstunden vom 26. April und
11. Juni 2018 auffällige Befunde für eine Supraspinatussehnenläsion anhand
entsprechender Untersuchungen und Tests (UV-act. M6 und M12). Anlässlich der
Operation vom 4. Juli 2018 konnte er keine transmurale Rotatorenmanschettenruptur
feststellen. Er diagnostizierte intraoperativ degenerative Veränderungen an der
Rotatorenmanschette und eine subacromiale Bursitis (UV-act. M13.4). Das nächste
Arthro-MRI vom 27. Februar 2019 zeigte laut Dr. J._ eine komplett durchgehende,
nun bis 4 mm klaffende (Re-)Ruptur der Supraspinatussehne unmittelbar am Ansatz in
3.3.
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4.
der ventralen bis mittleren Portion und eine mittelgradige longitudinale interstitielle
Aufsplitterung/Partialläsion des dorsalen Supraspinatussehnendrittels wie auch
teilweise der übrigen mittleren bis ventralen Supraspinatussehnenportion auf einer
Länge bis knapp 2 cm proximal des Ansatzes (act. G1.16). Hinsichtlich dieses
uneinheitlichen und Fragen aufwerfenden Verlaufs in der Bildgebung liegt keine
Einschätzung eines beratenden Arztes der Beschwerdegegnerin vor. Dr. C._ zufolge
zeigte das zweite Arthro-MRI, dass die "Ruptur immer noch vorhanden" sei (act.
G8.1.2). Dr. K._ weist darauf hin, dass eine Sehnenverletzung intraoperativ nicht
habe festgestellt resp. dargestellt werden können und dass die
kernspintomographische Untersuchung vom 27. Februar 2019 eine Grössenzunahme
der Läsion gezeigt habe (act. G8.1.1 und G8.1.5). Dr. G._ erklärt demgegenüber, ein
Vorhandensein der Läsion anlässlich der Operation vom 4. Juli 2018 lasse sich
biologisch-medizinisch zwar nicht ausschliessen, die Ruptur sei aber von Gelenkseite
wie auch von subakromial nicht zu sehen gewesen. Dass auch die bildgebende
Diagnostik mittels MRI einmal ihre Limite erfahre, zeige sich vorliegend deutlich. Eine
100%ig sichere Untersuchung gebe es nicht. Dies zeige sich vor allem in der zunächst
postulierten 7 x 7 mm grossen transmuralen Ruptur im posterioren Bereich, die sich in
der zweiten Untersuchung vor allem im anterioren Bereich gezeigt habe (act. G24). Eine
von Dr. D._ am 30. April 2020 (wohl eher 2019) vorgenommene Einschätzung ist
nicht aktenkundig (vgl. Hinweis von Dr. G._ in act. G24, zweitletzter Absatz). Es sind
also unterschiedliche medizinische Beurteilungen hinsichtlich des Vorliegens einer
allfälligen Läsion der Supraspinatussehne aktenkundig. Das Gericht vermag gestützt
auf die vorhandene medizinische Aktenlage nicht zu beurteilen, ob bei der
Beschwerdeführerin eine solche vorlag oder nicht. Sollte sich die allfällige
Supraspinatussehnenläsion nicht als ohnehin degenerativer Natur erweisen (vgl. hierzu
nachfolgend E. 4), hätte die Beschwerdegegnerin ihre Untersuchungspflicht verletzt.
Folglich gilt es nun zu prüfen, ob die degenerative oder die traumatische Natur der
bei der Beschwerdeführerin eventuell bestehenden Supraspinatussehnenläsion mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht. Währenddem eine
Unfallkausalität von der Beschwerdegegnerin gestützt auf die aktenbasierten
Einschätzungen ihrer beratenden Ärzte Dr. F._ (Beurteilungen vom 17. und 24. April
2018, UV-act. M3 und M5) und Dr. I._ (Beurteilung vom 28. Juli 2018, UV-act. M9,
und Stellungnahme vom 10. Dezember 2018, UV-act. M14) verneint wird, vertritt die
Beschwerdeführerin unter Hinweis auf die Stellungnahmen von Dr. K._ vom 1. April
4.1.
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und 7. Juni 2019 den gegenteiligen Standpunkt (act. G8, 8.1.5 und 8.1.7). Auch
bestreitet sie die Beweiskraft der Einschätzungen der Dres. F._ und I._ (act. G1).
4.2.
Die Dres. F._ und I._ stellen sich auf den Standpunkt, dass das
Unfallereignis nicht geeignet gewesen sei, eine Supraspinatussehne zu zerreissen (vgl.
UV-act. M5 und M9 S. 2). Dr. F._ begründet seine Einschätzung nicht (UV-act. M5)
und Dr. I._ zitiert eine Literaturstelle, gemäss welcher die direkte Krafteinwirkung auf
die Schulter (Sturz, Prellung, Schlag) nicht geeignet sei, eine Supraspinatussehne als
wesentliche Teilursache bei bestehender Degeneration zu zerreissen. Nur Bewegungen
im Schultergelenk mit Zugbelastung der Rotatorenmanschette könnten diese
zerreissen (UV-act. M9 S. 2). Die Beschwerdeführerin lässt in diesem Zusammenhang
in der Beschwerde vorbringen, am Unfallort befinde sich eine Wandecke, welche
geradezu einlade, beim Sturz reflexartig zu versuchen, sich mit der rechten Hand
festzuhalten (act. G1 Ziff. III/25). Die Beschwerdeführerin erklärte gegenüber dem
Inspektor der Beschwerdegegnerin, sie habe frühmorgens mit dem Hund aus dem
Haus gehen wollen. Sie habe sich zur Wohnungstüre hinaus in den Korridor des
Mehrfamilienhauses Richtung Treppe begeben. Diese sei ca. einen Meter von der Türe
weg. Sie habe geglaubt, noch weiter weg von der obersten Stufe zu sein, da sie diese
aufgrund der leichten Verzögerung des automatischen Lichts nicht gesehen habe.
Gleichzeitig habe der Hund gezogen. Sie sei über die oberste Stufe gerutscht, die
zehnstufige Treppe hinuntergefallen und auf dem Zwischenboden zu liegen gekommen
(UV-act. SI1 Ziff. 1).
4.2.1.
Insbesondere für Rotatorenmanschettenläsionen werden in den medizinischen
Fachartikeln konkrete Verletzungsmechanismen beschrieben, welche zu einer
traumatischen Sehnenruptur führen können. Als potenziell geeignete
Verletzungsmechanismen werden genannt: das Abscheren des Sehnenansatzes von
innen, sobald der maximal zulässige Rotationswinkel überschritten ist und der
Sehnenansatz mit dem Pfannenrand in Konflikt gerät (sogenanntes inneres
Impingement), z.B. bei einer Schulter(sub)luxation; die passive Traktion, z.B. nach
unten (beim Versuch einen schweren fallenden Gegenstand aufzufangen), ventral oder
medial; die exzentrische Belastung angespannter Anteile der Rotatorenmanschette,
z.B. bei passiv forcierter Aussen- oder Innenrotation bei anliegendem oder
abgespreiztem Arm, z.B. bei einem Sturz vom Gerüst nach vorn mit dem Versuch, den
Fall durch Festhalten abzufangen. Die traumatische Ruptur der Rotatorenmanschette
erfolgt gemäss Literatur also in der Regel nicht durch ein direktes Anpralltrauma,
4.2.2.
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sondern durch indirekte Gewalteinwirkung bzw. durch eine plötzliche körpereigene
Kraftanstrengung, mit der die mechanische Belastbarkeit des Sehnengewebes
überschritten wird (Swiss Medical Forum, Ausgabe 2019/15-16, Übersichtsartikel,
Revidierte Unterscheidungskriterien, Degenerative oder traumatische Läsionen der
Rotatorenmanschette, mitwirkend Mitglieder der Expertengruppe Schulter- und
Ellbogenchirurgie von Swiss Orthopaedics, zu finden unter https://doi.org/10.4414/smf.
2019.03247, abgerufen am 14. April 2021, S. 263 [nachfolgend zitiert: Swiss Medical
Forum]; https: // www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/
033-041l_S2e_Rotatorenmanschette_2017-04_02.pdf, abgerufen am 14. April 2021
[nachfolgend zitiert: AWMF-Leitlinien]).
Das Bundesgericht gibt in seinem Urteil vom 22. Oktober 2019, 8C_446/2019, E.
5.2.2, die vorgenannten Unfallmechanismen wieder und geht gestützt auf eine weitere
Publikation (vgl. E. 5.2.3 des Urteils sowie UV-act. M9 S. 2) davon aus, dass die direkte
Krafteinwirkung auf die Schulter (Sturz, Prellung, Schlag) ein ungeeigneter Hergang für
eine Rotatorenmanschettenschädigung sei, da die Rotatorenmanschette durch den
knöchernen Schutz der Schulterhöhe (Akromion) und durch den Delta-Muskel gut
abgeschirmt sei. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat in seinen
bisherigen Entscheiden auf das vorgenannte Bundesgerichtsurteil abgestellt und ein
(als einziges Element bestehendes) direktes Anpralltrauma der Schulter als
bedeutsamen Faktor gegen eine traumatische Genese einer
Rotatorenmanschettenläsion gewertet. In einer Stellungnahme vom 1. Oktober 2020
widersprechen nun vier Experten (Prof. Dr. med. M._, Prof. Dr. med. N._, Prof. Dr.
med. O._, Prof. Dr. med. P._) im Namen der Expertengruppe Schulter- und
Ellbogenchirurgie der Schweizerischen Gesellschaft für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates Swiss Orthopaedics der Auffassung des
Bundesgerichts und gelangen zum Schluss, dass ein direktes Schultertrauma durchaus
zu einer Rotatorenmanschettenruptur führen könne (Stellungnahme zu finden unter
https://www.schadenanwaelte.ch/wp-content/uploads/ 2020/10/Orthopaeden-
Bundesgericht.pdf, abgerufen am 14. April 2021; nachfolgend zitiert: Expertengruppe
Schulter- und Ellbogenchirurgie). Die Expertengruppe Schulter- und Ellbogenchirurgie
gibt an, die aktuelle, internationale Literatur nochmals genau gesichtet und
systematisch nach Artikeln gesucht zu haben, die über akute, rein traumatisch
bedingte Rotatorenmanschettenrupturen berichten. Sie führt die von ihr
durchgesehenen Artikel an und hält fest, ihnen könne zusammenfassend entnommen
werden, dass ein direktes Schultertrauma durchaus ein überwiegend wahrscheinlicher
Mechanismus für eine akute/traumatische Rotatorenmanschettenruptur sein könne und
4.2.3.
https://www.schadenanwaelte.ch/wp-content/uploads/
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sogar einer der häufigsten Mechanismen sei. Das Bundesgerichtsurteil sei
demgegenüber nicht wissenschaftlich begründet, basiere auf einer veralteten
Expertenmeinung und ignoriere aktuelle, auf neuster Literatur basierende Meinungen
von Schulterexperten. Wenn das Bundesgericht seine Entscheide auf aktuellste
wissenschaftliche Erkenntnisse höchstmöglicher Evidenz abstütze, könne das fragliche
Urteil nicht als richtungsweisend angesehen werden. Bereits in dem von der
Expertengruppe Schulter- und Ellbogenchirurgie im Swiss Medical Forum
veröffentlichten Artikel (a.a.O.) hatte sich zwar die Expertengruppe den in fünf Studien
beschriebenen, zur Verletzung führenden Mechanismen einer traumatischen
Rotatorenmanschettenläsion angeschlossen, doch war sie davon ausgegangen, dass
bei einer nicht genannten Schädigung, wie einem Direkttrauma der Schulter ohne
explizit ausgestreckten Arm, ebenfalls eine Rotatorenmanschettenläsion entstehen
könne. Zur konkreten Begründung im Bundesgerichtsurteil - die Rotatorenmanschette
sei durch das darüber liegende Schulterdach (Acromion) und den Deltoideusmuskel vor
einer Gewalteinwirkung geschützt - erklärte die Expertengruppe, dass diese Hypothese
in keinem der von ihr gesichteten Artikeln durch eine biomechanische oder klinische
Studie untermauert werde. Angesichts dessen, dass der Artikel der Expertengruppe im
Swiss Medical Forum im Rahmen der Kausalitätsbeurteilung von
Rotatorenmanschettenläsionen vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
immer als wegweisend erachtet wurde und der Nachweis des natürlichen
Kausalzusammenhangs im Bereich der Medizin in der Regel basierend auf Angaben
ärztlicher Experten oder Expertinnen zu erbringen ist (vgl. Erwägung 2.1), sieht das
Versicherungsgericht keinen Grund, künftig nicht auch die plausible und
nachvollziehbare Stellungnahme der Expertengruppe Schulter- und Ellbogenchirurgie
vom 1. Oktober 2020 zu berücksichtigen (vgl. diesbezüglich Entscheid des hiesigen
Gerichts vom 20. April 2021, UV 2020/22).
Angesichts des in E. 4.2.3 Ausgeführten bestehen an der Einschätzung Dr. I._s
bereits deshalb Zweifel, weil er ohne weitere Begründung und gestützt auf eine
anscheinend überholte Publikation eine Kontusion als geeigneten
Verletzungsmechanismus für die allfällige Supraspinatussehnenruptur ausschloss. Aus
den Akten geht darüber hinaus nicht hervor, in welcher Position der rechte Arm der
Beschwerdeführerin sich beim Sturz befunden hat, ob die Beschwerdeführerin
allenfalls versucht hat, sich mit dem Arm aufzufangen oder abzustützen, und ob sie die
Hundeleine in der rechten Hand gehalten hat, womit sich ihr rechter Arm beim Sturz
nicht in angelegter Position befunden haben dürfte. Nach Ansicht des Gerichts wäre
jedoch die Beantwortung dieser Fragen für den Fall, dass nicht bereits gestützt auf das
4.2.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/20
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in E. 4.2.3 Ausgeführte von einem geeigneten Unfallmechanismus auszugehen wäre,
notwendig, um beurteilen zu können, ob der Unfallmechanismus wirklich nicht geeignet
gewesen ist, die Supraspinatussehne - wenn auch nur im Sinne einer wesentlichen
Teilursache - zu zerreissen. Der alleinige Hinweis der Beschwerdegegnerin, die
Beschwerdeführerin habe Gelegenheit gehabt, dem Schadeninspektor den Sachverhalt
des Ereignisses vom 14. Januar 2018 umfassend und frei zu schildern (act. G3 Ziff. II/
3), vermag jedenfalls nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auszuschliessen,
dass während des Treppensturzes eine Zugkraft auf die rechte Schulter der
Beschwerdeführerin eingewirkt hat. So plötzlich und unerwartet eintretende bzw. sich
schnell abspielende Geschehen, wie ein Sturz auf einer Treppe, werden nicht immer in
sämtlichen Einzelheiten wahrgenommen. Gestützt auf die Schilderung des
Unfallhergangs kann, wie gesagt, nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin sich mit dem
rechten Arm abgestützt hat. Ein Abstütztrauma erscheint jedenfalls bei einem
Treppensturz ohne Weiteres vorstellbar, und dass dies mit dem dominanten rechten
Arm (vgl. UV-act. SI1 Ziff. 3) geschehen sein könnte, ist keineswegs auszuschliessen.
Angesichts des Umstandes, dass das Geländer der fraglichen Treppe sich von oben
her gesehen auf der linken Seite befindet (UV-act. SI1 Ziff. 1, Foto), wäre es sodann
naheliegend, dass die Beschwerdeführerin die Hundeleine in ihrer rechten, dominanten
Hand hielt. Auch dieser Umstand spricht dafür, dass sie nicht mit angelegtem Arm
gerade auf den Rücken gefallen sein dürfte. Damit würde ein auch laut der von Dr. I._
zitierten medizinischen Literatur geeigneter und typischer Verletzungsmechanismus für
eine indirekt traumatisch verursachte Schädigung der Rotatorenmanschette vorliegen.
In den Akten fehlt es bislang an medizinischen Einschätzungen, welche sich auch mit
diesen Eventualitäten auseinandersetzen.
Auch die Feststellung von Dr. I._, die Prellung an der Schulter könne nicht
besonders heftig gewesen sein, da im Erstbefund keine Hämatome,
Hautabschürfungen oder ähnliches beschrieben worden seien (UV-act. M9 S. 2),
vermag angesichts des Berichts von Dr. C._ vom 20. März 2019 nicht zu
überzeugen. Darin erklärt der Hausarzt von der Schilderung Dr. I._s abweichend, bei
der Erstuntersuchung diverse Schürfungen festgestellt zu haben (vgl. act. G8.1.2). Das
Dr. I._ zufolge im MRI vom 16. April 2018 fehlende adäquate Knochenmarksignal
(bone bruise; vgl. UV-act. M9 S. 2 f.) vermag das Gericht alleine nicht davon zu
überzeugen, dass anlässlich des Sturzes vom 14. Januar 2018 keine Traumatisierung
der Sehne stattgefunden hat. Denn einerseits wurde das MRI erst mehr als drei Monate
nach dem Unfallereignis erstellt, weshalb eine Rückbildung eines allenfalls vorher
4.2.5.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/20
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5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass an der Zuverlässigkeit der Beurteilungen von
Dr. I._ und Dr. F._, wonach die im Leistungseinstellungszeitpunkt allenfalls
vorliegende Supraspinatussehnenruptur mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
degenerativer Natur sei, Zweifel bestehen. Dem Gericht ist es nicht möglich, mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu beurteilen, ob es sich bei der
allenfalls vorliegenden Supraspinatussehnenläsion um eine (teil-)traumatische
Verletzung oder um einen degenerativen Vorzustand handelt (vgl. vorstehend E. 4). Wie
bereits in Erwägung 3 ausgeführt, mangelt es darüber hinaus an der Klärung des
vorhandenen Knochenmarksignals denkbar ist. Andererseits ist ohne weitere
Erklärungen nicht nachvollziehbar, inwiefern ein Bone bruise bzw. eine
Knochenverletzung eine bedeutsame Begleitverletzung einer
Rotatorenmanschettenruptur, d.h. einer Sehnenverletzung, sein soll.
Ausführungen zum zeitlichen Verlauf nach dem Sturz hat weder Dr. F._ noch Dr.
I._ gemacht. Da die Beschwerdeführerin sich bereits einige Stunden nach dem
Treppensturz in Behandlung begeben hat, dabei unter anderem eine eingeschränkte
Beweglichkeit der rechten Schulter erhoben wurde (UV-act. M1) und ihre Schmerzen
an der rechten Schulter laut Dr. C._ nach mehreren Wochen immer noch stark waren
(act. G8.1.2), spricht der zeitliche Ablauf jedenfalls nicht gegen eine Traumatisierung
der Rotatorenmanschette.
4.3.
Dr. I._ weist darauf hin, dass die Akromionform Typ II nach Bigliani einen
vorzeitigen Verschleiss der Supraspinatussehne begünstige (UV-act. M9 S. 3). Laut
Expertengruppe Schulter- und Ellbogenchirurgie wird jedoch die Morphologie des
Akromions als ursächlicher Faktor für die Entstehung einer
Rotatorenmanschettenläsion in der Literatur kontrovers diskutiert. Die Morphologie des
Akromions nach Bigliani und der abfallende Akromionverlauf würden nicht eindeutig
mit Läsionen der Rotatorenmanschette assoziiert. Die einzige eindeutig mit
Rotatorenmanschettenläsionen assoziierte Veränderung sei eine Azetabulisierung des
Akromions (Swiss Medical Forum, S. 263 f.). Eine Azetabulisierung des Akromions
befundete weder Dr. D._ am 16. April 2018 (vgl. UV-act. M4) noch Dr. J._ am
27. Februar 2019 (act. G1.16), weshalb die Befundsituation keine Hinweise auf
bedeutsame Vorzustände ergibt, welche eine traumatisch verursachte
Rotatorenmanschettenläsion als unwahrscheinlicher erscheinen liessen als eine
degenerative Rotatorenmanschettenläsion. Damit bestehen aber auch in dieser
Hinsicht Zweifel an der Einschätzung Dr. I._s.
4.4.
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Vorliegens einer Supraspinatussehnenläsion. Angesichts des Gesagten wäre die
Beschwerdegegnerin gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG)
zur Einholung einer nicht vorbefassten Begutachtung verpflichtet gewesen (BGE 135 V
470 E. 4.4). Nachdem - wie gesagt - bereits geringe Zweifel an der Schlüssigkeit der
Feststellungen versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte ergänzende Abklärungen
erforderlich machen, wird sie eine solche nachzuholen haben. Dafür wird sie die von
Dr. G._ am 11. September 2020 gegenüber dem Gericht erwähnte Einschätzung von
Dr. D._ vom 30. April 2020 (oder 2019; vgl. act. G24 S. 2) zu den Akten nehmen
müssen. Die Angelegenheit ist mithin zur Veranlassung einer nicht durch einen
beratenden Arzt der Beschwerdegegnerin durchzuführende Begutachtung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.