Decision ID: f5fefcd6-25e3-4d6b-886c-f4c3586002ad
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_BRK
Chamber: ZH_BRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A.
Am 25. März 2019 stimmte die Gemeindeversammlung von Regensdorf der
Teilrevision der BZO zu und setzte u.a. die Erholungszone Wisacher fest,
dies unter dem Vorbehalt der erforderlichen Anpassungen der Festsetzungs-
unterlagen des Erholungsgebietes Wisacher im regionalen Richtplan. Mit
Verfügung der Baudirektion vom 4. August 2021 wurde die Teilrevision ge-
nehmigt.
B.
Gegen diese Entscheide erhoben SD, die E AG, EG, WH, AH, PL, ES und
SS mit gemeinsamer Eingabe vom 10. September 2021 fristgerecht Rekurs
beim Baurekursgericht des Kantons Zürich mit folgenden Anträgen:
"Materiell:
R4.2021.00163 Seite 3
1. Der Beschluss der Gemeinde Regensdorf vom 25. März 2019 sowie der Genehmigungsentscheid der Baudirektion des Kantons Zürich vom 4. August 2021 (BDV Nr. 0780/21) seien aufzuheben, soweit  die Erholungszone Wisacher um rund 7.7 ha bis an die neue  erweitert und in diesem Gebiet eine  mit einer Surfanlage mit weiteren Sportnutzungen und  Erholungspark als zulässige Nutzung festgelegt wird.
2. Es sei die fehlende Rechtmässigkeit des Richtplaneintrags für die  des Erholungsgebiets Wisacher für eine Surfanlage mit  Mantelnutzungen im Regionalen Richtplan Furttal gemäss RRB Nr. 415/2018 vom 16. Mai 2018 sowie gemäss RRB Nr. 92/2021 vom 3. Februar 2021 festzustellen.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der .
Prozessual:
4. Es sei ein Augenschein durchzuführen.
5. Es seien bei der Gemeinde Regensdorf bzw. der Baudirektion  entscheidrelevanten Akten zu edieren und den Rekurrenten seien diese zusammen mit allfälligen Vernehmlassungen unter Ansetzung einer angemessenen Frist zur Stellungnahme zuzustellen."
C.
Mit Eingabe vom 13. September 2021 erhob sodann MD ebenfalls rechtzeitig
Rekurs beim Baurekursgericht gegen die genannten Entscheide, im Wesent-
lichen mit denselben Anträgen.
D.
Mit Verfügungen vom 14. September 2021 wurden die Rekurseingänge unter
den Geschäfts-Nrn. R4.2021.00163 (SD etc., nachfolgend Rekurrent-
schaft 1) und R4.2021.00164 (MD, nachfolgend Rekurrent 2) vorgemerkt
und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. Die betroffenen Grundeigentü-
mer (soweit nicht rekurrierend) wurden als Mitbeteiligte in die Verfahren ein-
bezogen.
R4.2021.00163 Seite 4
E.
Mit Eingaben vom 18. Oktober 2021 beantragte die Gemeinde die Abwei-
sung der Rekurse, soweit darauf einzutreten sei, unter Kosten- und Entschä-
digungsfolgen zulasten der Rekurrierenden. Die Baudirektion beantragte mit
Eingabe vom 14. Oktober 2021 ebenfalls die Abweisung der Rekurse, unter
Verweis auf die Mitberichte des Amtes für Raumentwicklung vom 12. Okto-
ber 2021. Die Mitbeteiligten liessen sich nicht vernehmen.
F.
Mit Repliken vom 25. bzw. 26. November 2021 bzw. Dupliken vom 17. De-
zember 2021 hielten die Rekurrierenden und die Gemeinde an ihren Anträ-
gen fest. Die Baudirektion verzichtete stillschweigend auf eine Duplik. Mit
Datum vom 14. Januar 2022 erfolgte eine weitere Eingabe der Rekurrieren-
den.
G.
Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit zur Entscheidbegründung erfor-
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen.

Es kommt in Betracht:
1. Streitgegenstand
Mit der angefochtenen Teilrevision soll südlich an die bestehende Erholungs-
zone Wisacher (Ea) angrenzend eine insgesamt rund 7,7 ha grosse Fläche
von der Landwirtschaftszone in die Erholungszone Ea umgezont werden.
Damit soll die planungsrechtliche Grundlage geschaffen werden für eine
Surfanlage mit weiteren Sportnutzungen und einen Park für die Bevölkerung.
Die Surfanlage umfasst ein Wasserbecken, in dem künstliche rollende Wel-
len erzeugt werden. Weiter geplant ist sodann ein Schwimmbecken von ca.
50 x 15 m. Die weiteren möglichen Sportanlagen sind eine Pumptrack- und
R4.2021.00163 Seite 5
Skateranlage, Bouldersteine und Beachvolleyballfelder. Daneben ist ein Ge-
bäude für Mantelnutzungen vorgesehen (Laden für Surfausrüstung, Schu-
lungsräumlichkeiten, Gastronomie). Der restliche Teil des Areals soll mög-
lichst naturnah gestaltet werden und einen grosszügigen Naturpark mit vie-
len Bäumen umfassen. Für die Surfanlage als Hauptattraktion wird mit 500
Besuchern pro Tag gerechnet. Dazu kommen die Besucher der übrigen
Sportanlagen. Insgesamt wird von 225'000 Besuchern pro Jahr ausgegan-
gen (s. Weisung zur Teilrevision der BZO, act. 22.1.4.2). Zur Sicherung der
im regionalen Richtplan vorgesehenen Nutzungen und der notwendigen qua-
litativen Anforderungen soll auf der für die geplante Surf- und Freizeitanlage
vorgesehenen Fläche von rund 6,3 ha eine Gestaltungsplanpflicht festgelegt
werden. Gleichzeitig soll im Sinne einer Kompensation im Gebiet Leematten
eine rund 4,7 ha grosse Erholungszone Ea in die Landwirtschaftszone umge-
zont werden.
2. Eintretensfragen
2.1.
Die kommunale Vorinstanz stellt die Legitimation der Rekurrierenden 4-8
(G.-Nr. R4.2021.00163) in Abrede. Dies u.a. mit der Begründung, die effek-
tive Lärmbelastung werde entgegen den Vorbringen der Rekurrierenden
nicht höher sein, als die im Lärmgutachten ausgewiesene. Es würden keine
unzumutbaren Lärmimmissionen entstehen. Sodann liege die Wohnung der
Rekurrentin 3 in einer Distanz von 600 m zum Bauvorhaben und damit klar
ausserhalb der von der Rechtsprechung festgelegten 100 m. Dass Fussball-
spiele sehr gut hörbar sein sollen, werde bestritten, sei in keiner Weise belegt
und im Übrigen auch nicht relevant. Es möge zwar zutreffen, dass der Anla-
genlärm wahrnehmbar sein werde. Ausserordentliche Umstände, welche
zum Rekurs legitimieren würden, lägen jedoch nicht vor. Bezüglich der Legi-
timation des Rekurrenten 2 (Verfahren G.-Nr. R4.2021.00164) moniert die
Gemeinde, dieser habe das Pachtverhältnis unter anderem betreffend die
Parzelle Kat.-Nr. 5 nicht nachgewiesen, weswegen die Legitimation bestrit-
ten werde.
2.2.
Zum Rekurs und zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch die angefochtene
Anordnung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an ihrer Aufhebung
R4.2021.00163 Seite 6
oder Änderung hat. Dasselbe gilt für die Anfechtung von Erlassen (§ 338a
des Planungs- und Baugesetzes [PBG]).
Das Erfordernis des Berührtseins beinhaltet, dass der Rekurrent in einer be-
sonderen, beachtenswerten, nahen Beziehung zum Streitgegenstand ste-
hen und stärker als beliebige Dritte oder die Allgemeinheit von diesem be-
troffen sein muss. Das vom Gesetz alsdann verlangte schutzwürdige Inte-
resse (Anfechtungsinteresse) setzt voraus, dass der Rekurrent mit der Gut-
heissung des Rekurses einen Nutzen erlangt bzw. einen Nachteil abwendet.
Sofern und soweit der Rekurs mit hierzu von vornherein ungeeigneten Rü-
gen begründet wird, fehlt es am Anfechtungsinteresse. Das Interesse kann
rechtlicher oder tatsächlicher Natur sein. Das Kriterium der Schutzwürdigkeit
zeigt indes an, dass nicht jedes beliebige Interesse anerkannt wird; ob ein
Interesse schutzwürdig ist, ergibt sich aus seiner rechtlichen Würdigung. Der
angestrebte Nutzen muss stets ein eigener sein. Allein die Wahrnehmung
von öffentlichen Interessen oder Interessen Dritter genügt demnach nicht.
Der Rekurrent muss zudem von der Anordnung unmittelbar betroffen sein.
Schliesslich ist zu verlangen, dass das Anfechtungsinteresse aktuell ist (Mar-
tin Bertschi, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 21 Rz.
10 ff. und 53 ff.).
Werden gestützt auf § 338a PBG raumplanungsrechtliche Festlegungen an-
gefochten, sei es durch den Eigentümer einer von der Festlegung erfassten
Parzelle, sei es durch einen Dritten (Nachbarn), entsprechen die Legitimati-
onsvoraussetzungen grundsätzlich den vorstehend dargelegten für die An-
fechtung von baurechtlichen Entscheiden. Dies mit dem Unterschied, dass
das Interesse des Rekurrenten nicht zwingend aktuell sein muss. So kann
bei Nachbarrekursen gegen Ein- oder Aufzonungen die Legitimation nicht
mit der Begründung in Frage gestellt werden, die Beeinträchtigung trete erst
später mit der Ausschöpfung der neuen oder erweiterten Baubefugnisse ein
(Bertschi, § 21 Rz. 69). Zudem kann, je nach Geltungsbereich bzw. Auswir-
kungen der angefochtenen raumplanerischen Anordnung, eine Vielzahl von
Grundstücken bzw. Personen betroffen sein, ohne dass diese deswegen als
– nicht legitimierte – Allgemeinheit zu betrachten wären (Bertschi, § 21 Rz.
14).
R4.2021.00163 Seite 7
2.3.
Im Verfahren G.-Nr. R4.2021.00163 ist die Rekurrentin 1 Eigentümerin des
Grundstücks Kat.-Nr. 5, welches von der Umzonung von der Landwirt-
schaftszone in die Erholungszone unmittelbar betroffen ist. Sie ist daher zum
Rekurs ohne Weiteres legitimiert. Gleiches gilt für den Rekurrenten im Ver-
fahren G.-Nr. R4.2021.00164, der als Pächter dieses Grundstücks eine Be-
einträchtigung u.a. der Erschliessung geltend macht.
Die Rekurrentin 2 im Verfahren G.-Nr. R4.2021.00163 ist Eigentümerin der
Grundstücke Kat.-Nrn. 1 und 2 mit den darauf befindlichen Wohnliegen-
schaften G.-Strasse [...]. Die fragliche Erholungszone reicht bis auf
ca. 100 m an diese Grundstücke heran. Aufgrund der räumliche Nähe ist die
Rekurrentin 2 von der Teilrevision der BZO ebenfalls unmittelbar betroffen
(betr. Nachweis des Pachtverhältnisses s. act. 12.1, R4.2021.000164).
Die Rekurrentin 3 im Verfahren G.-Nr. R4.2021.00163 wohnt an der H.-
Strasse [...] in Regensdorf (Parzelle Kat.-Nr. 3). Die streitbetroffene Erho-
lungszone reicht im Süden bis ca. 640 m an diese Liegenschaft heran und
ist im Übrigen noch weiter davon entfernt. Es wird geltend gemacht, es be-
stehe aufgrund der Hanglage eine direkte Sichtverbindung und bei West-
windlage werde der Lärm der geplanten Anlage in das Wohnquartier getra-
gen. Der Anlagelärm werde deutlich wahrnehmbar sein. Zudem werde die
Aussicht stark beeinträchtigt, zumal anstelle der bisher ruhigen landwirt-
schaftlichen Nutzung eine intensive Freizeitnutzung mit starkem Publikums-
verkehr trete. Das vom Gesetz verlangte schutzwürdige Interesse (Anfech-
tungsinteresse) setzt voraus, dass die Rekurrentin mit der Gutheissung des
Rechtsmittels einen Nutzen erlangt bzw. einen Nachteil abwendet. Ein
schutzwürdiges Interesse liegt damit nicht schon vor, wenn irgendwelche ne-
gativen Folgen des Bauvorhabens möglich und erkennbar sind, sondern nur
dann, wenn die Einwirkungen so beschaffen sind, dass sie auch bei objekti-
vierter Betrachtungsweise als Nachteil empfunden werden müssen; eine be-
sondere (subjektive) Empfindlichkeit der betroffenen Person verdient keinen
Rechtsschutz. Das Kriterium der Schutzwürdigkeit impliziert, dass nicht je-
des beliebige Interesse anzuerkennen ist. Ob ein Interesse schutzwürdig ist,
ergibt sich aus seiner rechtlichen Würdigung. Nicht jeder noch so geringfü-
gige Nachteil oder jedes beliebige Interesse vermag ein schutzwürdiges In-
teresse zu begründen. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind
Nachbarn zur Beschwerdeführung gegen ein Bauvorhaben legitimiert, wenn
R4.2021.00163 Seite 8
sie mit Sicherheit oder zumindest grosser Wahrscheinlichkeit durch Immissi-
onen betroffen werden, die der Bau oder Betrieb der fraglichen Anlage her-
vorruft. Als wichtiges Kriterium zur Beurteilung der Betroffenheit dient in der
Praxis die räumliche Distanz zum Bauvorhaben bzw. zur Anlage. Die Recht-
sprechung bejaht in der Regel die Legitimation von Nachbarn, deren Liegen-
schaften sich in einem Umkreis von bis zu rund 100 m befinden. Bei grösse-
ren Entfernungen muss eine Beeinträchtigung aufgrund der konkreten Ge-
gebenheiten glaubhaft gemacht werden. Allerdings wurde stets betont, dass
nicht schematisch auf einzelne Kriterien (insbesondere Distanzwerte) abge-
stellt werden dürfe, sondern eine Gesamtwürdigung anhand der konkreten
Verhältnisse erforderlich sei (BGr 1C_11/2021 vom 15. Dezember 2021,
E. 1.5). Vorliegend ist aufgrund der grossen Distanz bei objektiver Betrach-
tungsweise kein rechtserheblicher Nachteil durch den Anblick der geplanten
Anlage auszumachen, zumal keine hochaufragenden Hochbauten geplant
sind und die Bewegungen der Besucher auf dem Gelände in der Entfernung
nicht als Unruhe wahrgenommen werden. Auch in Bezug auf die Lärmimmis-
sionen erscheint es unwahrscheinlich, dass die geltend gemachte zeitweilige
Hörbarkeit, soweit diese überhaupt gegeben ist, zu einer rechtserheblichen
Betroffenheit führt, vielmehr werden die Geräusche – wenn überhaupt – im
allgemeinen Umgebungslärm kaum wahrnehmbar sein. Dies ergibt sich aus
den im Lärmgutachten ermittelten Lärmpegeln (act. 22.1.3.7, insbesondere
Beilagen 1-4) von maximal 55 bis 60 dB(A) (Freizeitlärm) am südlichen Rand
der Anlage und der aufgrund der grossen Entfernung resultierenden Pegel-
verminderung (Abstandsdämpfung). Auf den Rekurs, soweit er durch die Re-
kurrentin 3 erhoben wurde, ist daher nicht einzutreten.
Die Rekurrierenden 4 bis 8 sind Eigentümer von Wohnungen an der G.-
Strasse [...] (Kat.-Nr. 4). Die Erholungszone grenzt unmittelbar an das be-
treffende Grundstück und der Perimeter der geplanten Freizeitanlage reicht
bis ca. 50 m an die rekurrentischen Wohngebäude heran. Aufgrund dieser
Nähe ist die Betroffenheit der Rekurrierenden 4 bis 8 allein aufgrund des
Sichtbezugs und der zweifellos deutlich wahrnehmbaren Lärmimmissionen
offensichtlich gegeben. Entgegen der Auffassung der Gemeinde ist die Be-
troffenheit durch Lärmimmissionen nicht erst dann gegeben, wenn diese un-
zumutbar sind. Es genügt eine Wahrnehmbarkeit, die bei objektiver Betrach-
tung als nachteilig empfunden werden kann.
R4.2021.00163 Seite 9