Decision ID: 9eef4868-2d31-57ac-a1f5-3a92e1b0ef3a
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Am Freitag, 1. Juni 2007, 7.45 Uhr, brachte X ihren Ehemann mit einem
Personenwagen zum Bahnhof Wittenbach. Sie hielt an der mit einer gelben
Zickzacklinie gekennzeichneten Haltestelle für Postautos, welche sich unmittelbar vor
der Längsseite des Bahnhofsgebäudes befindet, an. Nachdem der Ehemann
ausgestiegen war, fuhr sie die kurze Strecke bis zur Einmündung in die Stationsstrasse
und wollte dort links einbiegen. Die Sicht nach rechts war frei. Links war ein Traktor auf
einem markierten Parkfeld abgestellt. Sie fuhr langsam in die Stationsstrasse ein. Zur
gleichen Zeit näherte sich Y mit einem Kleinmotorrad auf der Stationsstrasse von links.
Sie war in Richtung Industriegebiet unterwegs und kollidierte trotz Vollbremsung mit
dem Fahrzeug von X. Y stürzte und zog sich eine Kreuzbeinprellung sowie Schürfungen
an den Armen zu. Sie wurde mit der Ambulanz ins Spital überführt, welches sie
gleichentags wieder verlassen konnte. Während vier Tagen war sie arbeitsunfähig. An
den Fahrzeugen entstand Sachschaden von insgesamt Fr. 3'500.-- (Fr. 1'500.-- am
Personenwagen, Fr. 2'000.-- am Kleinmotorrad).
Mit Bussenverfügung des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 3. September 2007
wurde X wegen Verursachens eines Verkehrsunfalls (Nichtgewähren des Vortritts beim
Verlassen einer Ausfahrt) zu einer Busse von Fr. 300.-- verurteilt. Dagegen erhob sie
mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 14. September 2007 Einsprache. Mit
Strafbescheid des Untersuchungsamts St. Gallen vom 21. April 2008 wurden der
Schuldspruch und die Busse bestätigt. Auf nochmalige Einsprache hin erhob das
Untersuchungsamt St. Gallen am 30. Juni 2008 Anklage beim Kreisgericht St. Gallen.
B.- Bereits am 24. August 2007 hatte das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt (im
Folgenden: Strassenverkehrsamt) im Zusammenhang mit dem Verkehrsunfall vom
1. Juni 2007 ein Administrativmassnahmeverfahren eröffnet. Am 4. September 2007
machte X geltend, es handle sich nur um eine leichte Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften. Für den Fall, dass das Strassenverkehrsamt von einer
mittelschweren Widerhandlung ausgehe, beantragte sie die Sistierung des
Administrativverfahrens bis zum rechtskräftigen Abschluss des Strafverfahrens. Diesem
Verfahrensantrag folgte das Strassenverkehrsamt am 5. September 2007.
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C.- Mit Entscheid des Kreisgerichts St. Gallen vom 15. April 2010 wurde X wegen
Verletzung von Verkehrsregeln zu einer Busse von Fr. 100.-- verurteilt. Am
16. Dezember 2010 nahm das Strassenverkehrsamt das sistierte Verfahren wieder auf.
Mit Verfügung vom 25. Januar 2011 entzog das Strassenverkehrsamt den
Führerausweis wegen Nichtgewährens des Vortritts beim Linksabbiegen und
Verursachens eines Verkehrsunfalls für die Dauer eines Monats.
D.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 9. Februar
2011 und Ergänzung vom 10. März 2011 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission
mit den Anträgen, die Verfügung des Strassenverkehrsamtes vom 25. Januar 2011 sei
unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und von einer Massnahme sei
abzusehen. Eventualiter sei eine Verwarnung auszusprechen. Die Vorinstanz
verzichtete auf eine Vernehmlassung.
E.- a) Am 30. Juni 2011 fand die mündliche Verhandlung statt. Die Rekurrentin führte
aus, am Unfallmorgen sei trübes Wetter gewesen. Sie habe ihren Mann zum Bahnhof
gebracht und anschliessend sei sie in die Stationsstrasse eingebogen. Ein Traktor habe
ihr die Sicht verstellt, so dass sie nach links nicht in die Stationsstrasse habe einsehen
können. Da sie davon ausgegangen sei, vortrittsberechtigt zu sein, sei sie trotz
fehlender Sicht im Schritttempo in die Stationsstrasse eingebogen. Dabei sei es zur
Kollision mit der von links kommenden Kleinmotorradfahrerin gekommen. Sie habe
nicht daran gedacht, eine Hilfsperson fürs Einbiegen in die Stationsstrasse beizuziehen.
Die Strassensituation am Bahnhof Wittenbach kenne sie gut. Sie habe ihren Ehemann
ab und zu zum Bahnhof gebracht und keine Kenntnis von anderen Autofahrern, denen
an derselben Stelle Ähnliches zugestossen sei. Schliesslich gab sie an, sie sei auf den
Führerausweis angewiesen, um ihre betagte Schwiegermutter zu pflegen und betreuen.
Sie bringe sie jeweils zum Arzt und erledige Einkäufe.
b) Der Rechtsvertreter hielt am Rechtsbegehren gemäss Rekurs und schriftlicher
Begründung fest; insbesondere an den Einwänden, wonach der Grundsatz "ne bis in
idem" verletzt und die Administrativmassnahme gestützt auf verschiedene
bundesgerichtliche Urteile verjährt sei. Zur Begründung des Eventualantrags fügte er
ergänzend hinzu, dass der Bahnhofplatz in Wittenbach zurzeit vollständig umgebaut
werde. Im Zusammenhang mit der Neusignalisation werde die Einfahrt von der
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Postautohaltestelle in die Stationsstrasse mit "Haifischzähnen" versehen. Diese
Neusignalisation belege, dass die Rekurrentin habe davon ausgehen dürfen,
vortrittsberechtigt zu sein. Hätte früher kein Rechtsvortritt gegolten, wäre die neue
Signalisation gar nicht nötig. Diese neue Tatsache rechtfertige ein Abweichen vom
Strafurteil vom 15. April 2010, in welchem die Rekurrentin als vortrittsbelastet
bezeichnet worden sei. Der Vertreter reichte vier Fotografien ein, welche die
Baustelleninformation "Umbau Bahnhofplatz Wittenbach" wiedergeben (act. 15).
Er hielt dafür, der Strafrichter habe ein geringes Verschulden angenommen; zudem sei
die Gefährdung nicht erhöht gewesen. Die Annahme eines mittelschweren Verstosses
sei deshalb nicht zulässig. Da die Klägerin geglaubt habe, vortrittsberechtigt zu sein,
treffe sie kein Verschulden, und es sei eventualiter von einem besonders leichten Fall
im Sinne von Art. 16a Abs. 4 SVG auszugehen und entsprechend auf eine Massnahme
zu verzichten.
c) Im Schlusswort erklärte die Rekurrentin, sie bedauere, was vorgefallen sei. Der Unfall
belaste sie sehr. In Zukunft werde sie noch vorsichtiger Auto fahren. Sie bitte das
Gericht, dem Rechtsbegehren des Vertreters zu folgen und von einer Massnahme
abzusehen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 9. Februar 2011 mit Ergänzung vom
10. März 2011 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist
einzutreten.
2.- Die Rekurrentin macht geltend, der Grundsatz "ne bis in idem", welcher eine
doppelte Bestrafung verbiete, sei durch das duale Verfahren, bestehend aus der
strafrechtlichen Beurteilung einerseits und dem Administrativmassnahmeverfahren
andererseits, verletzt. Sie sei bereits strafrechtlich verurteilt worden, weshalb eine
bis
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erneute strafrechtliche Verurteilung nicht möglich und völkerrechtswidrig sei. Der
Grundsatz des Verbots der doppelten Bestrafung dürfe durch die
Behördenorganisation nicht unterlaufen werden. Seien verschiedene Sanktionen
auszusprechen, dann sei die Zuständigkeit für alle Sanktionen bei einer Instanz zu
bündeln.
Der Grundsatz "ne bis in idem" gilt zunächst als materielles eidgenössisches Strafrecht
und besagt, dass niemand wegen der gleichen Tat zweimal verfolgt werden darf (BGE
120 IV 10 E. 2b; BGE 116 IV 262 E. 3a). Seit dem 1. Januar 2011 ist das Verbot der
doppelten Strafverfolgung in Art. 11 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung
(SR 312.0) geregelt. Der Grundsatz folgt aber auch aus Art. 4 Abs. 1 des Protokolls
Nr. 7 zur Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(SR 0.101.07) sowie Art. 14 Abs. 7 des UNO-Paktes (SR 0.103.2) und verbietet, den
rechtskräftig Verurteilten oder Freigesprochenen in einem Strafverfahren desselben
Staates erneut vor Gericht zu stellen oder zu bestrafen (BGE 123 II 464 E. 2b). Der
Grundsatz "ne bis in idem" kommt nur dann zum Tragen, wenn dem Richter im ersten
Verfahren die Möglichkeit zustand, den Sachverhalt unter allen tatbestandsmässigen
Punkten zu würdigen (BGE 119 Ib 311 E. 3c mit Hinweisen). Diese Voraussetzung ist
bei Administrativmassnahmen nach dem Strassenverkehrsgesetz (SR 741.01,
abgekürzt: SVG) aufgrund der beschränkten Beurteilungskompetenz der verschiedenen
Behörden nicht erfüllt. Der Strafrichter, der die Busse ausgesprochen hat, ist sachlich
nicht zuständig, einen Führerausweisentzug anzuordnen, und die Administrativbehörde
ist nicht befugt, die Strafbestimmungen des SVG (Art. 90 ff.) anzuwenden. Insoweit ist
die Beurteilungskompetenz der zuerst entscheidenden Behörde immer beschränkt. Nur
beide Behörden zusammen können den Sachverhalt in seiner Gesamtheit unter allen
rechtlichen Gesichtspunkten beurteilen (vgl. zum Ganzen BGE 125 II 402 E. 1b).
Nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung verletzt diese im
schweizerischen Recht vorgesehene Zweispurigkeit der Verfahren nach
Zuwiderhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz den Grundsatz "ne bis in idem"
nicht (BGE 133 II 331 E. 5.2, 128 II 133 E. 3b/aa, 125 II 402 E.1). Es besteht kein
Anlass, von dieser Praxis abzuweichen (vgl. auch Urteil des Verwaltungsgerichts
B 2010/94 vom 16. Dezember 2010, E. 5.3; publiziert in: www.gerichte.sg.ch/
http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-IV-10%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page10 http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-IV-10%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page10 http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F116-IV-262%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page262
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Rechtsprechung/Verwaltungsgericht/Entscheide 2010). Entsprechend wurde der
Grundsatz "ne bis in idem" im vorliegenden Verfahren nicht verletzt.
3.- Im Weiteren hält die Rekurrentin dafür, die allgemeinen Bestimmungen des
Strafgesetzbuches zur Verjährung seien anzuwenden, weil das Strassenverkehrsrecht
keine Verjährungsregeln kenne. Der Einzelrichter des Kreisgerichts St. Gallen habe sie
mit Entscheid vom 15. April 2010 wegen einfacher Verletzung einer Verkehrsregel im
Sinn von Art. 90 Ziff. 1 SVG zu einer Busse verurteilt und die Widerhandlung damit als
Übertretung qualifiziert. Nach Art. 109 des Schweizerischen Strafgesetzbuches
(SR 311.0, abgekürzt: StGB) verjährten Übertretungen innert drei Jahren. Aufgrund des
Strafcharakters des Warnungsentzugs verjähre die Administrativmassnahme in
analoger Anwendung von Art. 109 StGB drei Jahre nach der Widerhandlung. Vom
verfahrensauslösenden Ereignis vom 1. Juni 2007 bis zur Verfügung des
Führerausweisentzugs am 25. Januar 2011 durch die Vorinstanz seien dreieinhalb
Jahre vergangen. Die Verfügung eines Führerausweisentzugs sei aufgrund der
eingetretenen Verjährung somit nicht mehr zulässig gewesen und damit aufzuheben.
Hinzu komme, dass der Entscheid des Kreisgerichts St. Gallen vom 15. April 2010
bereits am 3. Mai 2010 in Rechtskraft erwachsen sei. Die Vorinstanz habe genug Zeit
gehabt, die Administrativmassnahme noch vor Eintritt der Verjährung zu verfügen.
a) Im SVG ist weder ein Vollzugsverzicht noch eine Verjährung vorgesehen. Das
Bundesgericht lehnte es in einem älteren Entscheid ab, die Verjährungsfristen des
Strafgesetzbuchs zu den Übertretungen bei den Warnungsentzügen analog
anzuwenden (BGE 108 Ib 254, 1.a und b). Es hielt eine solche Rechtsanwendung als
nicht vereinbar mit dem vorbeugenden und erzieherischen Charakter von
Warnungsentzügen, zumal bei Übertretungen bis 31. Dezember 2006 für die
Strafverfolgung eine absolute Verjährungsfrist von zwei Jahren galt und der Betroffene
mit Einlegen von Rechtsmitteln keine Schwierigkeiten hätte, die Verjährungsfolge
eintreten zu lassen. Diese Überlegungen gelten auch, wenn die Verfolgungsverjährung
wie im seit 1. Januar 2007 geltenden allgemeinen Strafrecht drei Jahre nach dem
Tatzeitpunkt eintritt (vgl. Art. 109 StGB). Zu berücksichtigen ist auch, dass die
Administrativbehörde - sofern eine Anzeige an den Strafrichter bereits erfolgt oder mit
einer solchen zu rechnen ist - mit ihrem Entscheid grundsätzlich zuzuwarten hat, bis
ein rechtskräftiges Strafurteil vorliegt (Philippe Weissenberger, Kommentar zum
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Strassenverkehrsgesetz, Zürich/St. Gallen 2011, vor Art. 16 ff. N 11). Hinzu kommt,
dass eine strafrechtliche Verurteilung wegen Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90
Ziff. 1 SVG massnahmerechtlich sowohl die leichte als auch die mittelschwere
Widerhandlung gegen Strassenverkehrsvorschriften umfassen kann. Die leichte
Widerhandlung ist (beim Ersttäter) mit einer Verwarnung zu ahnden (Art. 16a Abs. 2
SVG), die mittelschwere demgegenüber mit einem Führerausweisentzug (Art.16b Abs.
2 lit. a SVG). Aufgrund der unterschiedlichen Eingriffsintensität dieser beiden
Massnahmen erscheint es nicht sachgerecht, im Massnahmerecht ungeachtet der
drohenden Sanktion diejenige Verjährungsfrist anzuwenden, welche für den
verwirklichten Straftatbestand gilt. Für einen Warnungsentzug bedeutet dies, dass sich
die Verjährungsfrist mindestens an der Verfolgungsverjährungsfrist für Vergehen,
welche 7 Jahre dauert, zu orientieren hat (vgl. Art. 97 Abs. 1 lit. c StGB). Diese Frist
wäre noch nicht abgelaufen, wenn der Rekurrentin zu Recht eine mittelschwere
Widerhandlung vorgeworfen wurde. Gestützt auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung, worauf im Folgenden einzugehen ist, ist ebenfalls davon auszugehen,
dass die Verjährung noch nicht eingetreten ist.
b) Nach der früheren bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu den altrechtlichen
Administrativmassnahmen (Warnungsentzüge) konnte die Mindestentzugsdauer
unterschritten und allenfalls von der Anordnung einer Massnahme abgesehen werden,
wenn seit dem massnahmeauslösenden Ereignis verhältnismässig lange Zeit
verstrichen war, sich der Betroffene während dieser Zeit wohl verhalten hatte und ihn
an der Verfahrensdauer keine Schuld traf (BGE 120 Ib 504 E. 4e). Das
Administrativmassnahmerecht des SVG wurde per 1. Januar 2005 verschärft. Gemäss
Art. 16 Abs. 3 Satz 2 SVG darf die Mindestentzugsdauer nun nicht mehr unterschritten
werden. Zu den bei der Festsetzung des Führerausweisentzugs zu berücksichtigenden
Umständen zählt auch die Verletzung des Anspruchs auf Beurteilung innert
angemessener Frist (Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft [SR 101, abgekürzt: BV], Art. 6 der Konvention vom 4. November
1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [SR 0.101, abgekürzt:
EMRK]). Entsprechend kommt die Unterschreitung der Mindestentzugsdauer wegen
einer Verletzung dieses Anspruchs nicht mehr in Betracht. Ob bei einer schweren
Verletzung dieses Anspruchs, der nicht in anderer Weise Rechnung getragen werden
kann, ausnahmsweise gänzlich auf eine Massnahme verzichtet werden kann, liess das
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Bundesgericht bisher offen, ging aber nicht davon aus, dass die Verjährung eingetreten
sei (BGE 1C_445/2010 vom 30. November 2010, E. 2.3, mit weiteren Hinweisen).
aa) Das Bundesgericht hatte sich im Zusammenhang mit
Administrativmassnahmeverfahren bereits mehrmals mit langen Verfahrensdauern zu
befassen. In BGE 135 II 334 betrug die gesamte Verfahrensdauer von der
Widerhandlung bis zum bundesgerichtlichen Urteil rund drei Jahre und vier Monate. In
zwei weiteren Urteilen beliefen sich die Gesamtdauern der Verfahren auf vier Jahre und
einen Monat (1C_383/2009 vom 30. März 2010) und auf über fünf Jahre (1C_445/2010
vom 30. November 2010). In allen Fällen kam das Bundesgericht zum Schluss, das
Verfahren habe zu lange gedauert; es bejahte eine Verletzung des Anspruchs auf
Beurteilung innert angemessener Frist gemäss Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1
EMRK; wiederum ging es aber nicht vom Verjährungseintritt aus.
bb) Vorliegend betrug die Verfahrensdauer von der Widerhandlung vom 1. Juni 2007
bis zum Erlass der vorinstanzlichen Verfügung am 25. Januar 2011 drei Jahre und acht
Monate. Mit Eingabe vom 4. September 2007 beantragte die Rekurrentin die Sistierung
des Administrativmassnahmeverfahrens bis zum Abschluss des Strafverfahrens
(act. 4/5). Vom 5. September 2007 bis 16. Dezember 2010 war das
Administrativmassnahmeverfahren in der Folge sistiert (act. 4/6 und 4/19). Der
Entscheid des Kreisgerichts St. Gallen vom 15. April 2010 wurde der Vorinstanz erst
am 10. Dezember 2010 (Eingang: 13. Dezember 2010) zugestellt (act. 4/9). Daraufhin
nahm die Vorinstanz das Administrativmassnahmeverfahren mit Schreiben vom
16. Dezember 2010 wieder auf und entzog der Rekurrentin mit Verfügung vom
25. Januar 2011 den Führerausweis für die Dauer eines Monats.
cc) Bereitet ein Führerausweisentzugsverfahren weder schwierige tatsächliche noch
rechtliche Probleme, ist eine Verfahrensdauer von rund vier Jahren bis zum
erstinstanzlichen Gerichtsentscheid über den Führerausweisentzug insbesondere dann
zu lang, wenn das Strafverfahren rechtskräftig mit einem erstinstanzlichen
Gerichtsurteil abgeschlossen wurde, und zwar unabhängig davon, ob einer Behörde
eine Verfahrensverzögerung vorzuwerfen ist. Zu berücksichtigen ist auch, dass die
Erschöpfung des Instanzenzugs – bei Verwaltungsgericht und Bundesgericht könnten
noch Rechtsmittel eingelegt werden – zu einer nochmaligen Verlängerung der
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Verfahrensdauer führen würde. Die Verzögerung hat, soweit aus den Akten ersichtlich,
nicht die Rekurrentin zu verantworten. Auch der Vorinstanz kann diesbezüglich kein
Vorwurf gemacht werden. Der Anspruch auf Beurteilung innert angemessener Frist
nach Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK ist somit gleichwohl verletzt. Sofern die
Voraussetzungen für einen Warnungsentzug erfüllt sind, ist dieser Umstand im Rahmen
der gesetzlichen Möglichkeiten bei der Bemessung der Entzugsdauer zu
berücksichtigen.
4.- In tatsächlicher Hinsicht führte der Vertreter an Schranken aus, am Unfallort würden
zwei öffentliche Strassen aufeinandertreffen, weshalb an besagter Stelle Rechtsvortritt
gelte. Dass dem so sei, werde insbesondere durch den Umbau des Bahnhofplatzes
und die neue Signalisation deutlich: Die Einfahrt in die Stationsstrasse werde mit
"Haifischzähnen" versehen. Diese Signalisation wäre nicht nötig gewesen, wenn vor
dem Umbau kein Rechtsvortritt gegolten hätte. Die Rekurrentin gab an, sie sei davon
ausgegangen, dass sie beim Einbiegen in die Stationsstrasse Rechtsvortritt gehabt
habe. Sie fühle sich durch die Neusignalisation in dieser Ansicht bestätigt.
a) Nach ständiger Rechtsprechung darf die Verwaltungsbehörde von den tatsächlichen
Feststellungen im Strafurteil nur abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem
Entscheid zu Grunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht
beachtet hat, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung zu einem anderen
Entscheid führt, oder wenn die Beweiswürdigung durch den Strafrichter den
feststehenden Tatsachen klar widerspricht (hat sie hingegen keine zusätzlichen
Beweise erhoben, hat sie sich grundsätzlich an die Würdigung des Strafrichters zu
halten) oder schliesslich wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den
Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat, insbesondere die Verletzung
bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat (BGE 124 II 103). Die Verteidigungsrechte
und allfällige Rechtsmittelmöglichkeiten hat der Beschuldigte bereits im Strafverfahren
wahrzunehmen, wenn er weiss oder annehmen muss, dass gegen ihn auch ein
Führerausweisentzugsverfahren durchgeführt werden wird.
b) Mit Strafentscheid des Kreisgerichts St. Gallen vom 15. April 2010 wurde die
Rekurrentin wegen Verletzung von Art. 15 Abs. 3 der Verkehrsregelnverordnung
(SR 741.11, abgekürzt: VRV) in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG zu einer Busse von
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Fr. 100.-- verurteilt. Nach dieser Bestimmung muss, wer aus Fabrik-, Hof- oder
Garageausfahrten, Feldwegen, Radwegen, Parkplätzen, Tankstellen und dergleichen
oder über ein Trottoir auf eine Haupt- oder Nebenstrasse fährt, den Benützern dieser
Strassen den Vortritt gewähren. Ist die Situation unübersichtlich, so hat der
Fahrzeugführer anzuhalten; wenn nötig, muss er eine Hilfsperson beiziehen, die das
Fahrmanöver überwacht. Im Strafentscheid wird ausdrücklich festgehalten, dass es
sich bei der Einfahrt in die Stationsstrasse nicht um eine Verzweigung im Sinne von
Art. 1 Abs. 2 VRV handle, sondern lediglich um eine blosse Ausfahrt, welche verglichen
mit der Stationsstrasse von offensichtlich untergeordneter Bedeutung sei. Daher sei die
Rekurrentin gegenüber den Benützern der Stationsstrasse vortrittsbelastet gewesen
(act. 4/8, E. II/1). Das Kreisgericht besichtigte die Örtlichkeiten vor der Entscheidfällung.
Unter diesen Umständen besteht kein Anlass, von den tatsächlichen Feststellungen im
Strafverfahren abzuweichen. Dasselbe gilt für die rechtliche Würdigung, wonach die
Rekurrentin vortrittsbelastet gewesen sei. Daran ändert auch der Einwand der
Rekurrentin, die Neusignalisation zeige, dass im Unfallzeitpunkt bei der Einfahrt in die
Stationsstrasse Rechtsvortritt gegolten habe, nichts. Zunächst sind die tatsächlichen
Verhältnisse am Unfalltag massgebend. Im Weiteren geht aus den an der Verhandlung
eingereichten Unterlagen hervor, dass die Gemeinde den Bahnhofplatz für das
Verkehrskonzept 2018 des öffentlichen Verkehrs umbaut; unter anderem sind drei
Bushaltestellen vorgesehen. Dass die Neusignalisation erfolgt, um einen Rechtsvortritt
aufzuheben, geht aus den Unterlagen nicht hervor. Im Übrigen fällt auf, dass die
Rekurrentin unmittelbar nach dem Unfall in der polizeilichen Befragung mit keinem
Wort erwähnte, sie sei davon ausgegangen, vortrittsberechtigt gewesen zu sein.
Vielmehr gab sie an, die Schuldfrage könne sie nicht beantworten. Im Schreiben der
Rechtsschutzversicherung vom 4. September 2007 ist davon ebenfalls nicht die Rede.
Erstmals wurde im Strafverfahren geltend gemacht, die Rekurrentin sei
vortrittsberechtigt gewesen (Schreiben des Verteidigers vom 14. September 2007).
5.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 (SR 741.03)
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine
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leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden
trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch
Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in
Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und
wird dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in
Kauf genommen, ist die Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG).
a) Die Vorinstanz ging von einer mittelschweren Widerhandlung im Sinn von Art. 16b
Abs. 1 lit. a SVG aus. Zur Begründung führte sie aus, die durch die Rekurrentin
verursachte Gefahr (Unfall mit konkreter Gefährdung) könne nicht mehr als gering
eingestuft werden. Da durch die Vortrittsmissachtung die Kleinmotorradlenkerin zu Fall
gekommen sei und sich diverse Verletzungen zugezogen habe, lägen die
privilegierenden Elemente des leichten Falls nicht vor.
Gegen diese Qualifikation ihres Verhaltens als mittelschwere Widerhandlung bringt die
Rekurrentin vor, der Einzelrichter des Kreisgerichts St. Gallen habe ihr Verschulden als
sehr gering eingestuft. Da die Vorinstanz an die Feststellungen des Strafrichters
gebunden sei, sei auch im Administrativmassnahmeverfahren von einem sehr geringen
Verschulden auszugehen. Durch das Nichtgewähren des Vortrittsrechts habe die
Rekurrentin eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen, da sie sehr
vorsichtig und langsam in die Stationsstrasse eingebogen sei. Zudem hätte jeder
Verkehrsteilnehmer unter Anwendung normaler Aufmerksamkeit ihr Fahrzeug erkennen
können. Ein Anhalten oder Ausweichen wäre daher ohne weiteres möglich gewesen.
Liege ein sehr geringes Verschulden und eine sehr geringe Gefährdung anderer
Verkehrsteilnehmer vor, sei von einem besonders leichten Fall gemäss Art. 16a Abs. 4
SVG auszugehen und von einer Administrativmassnahme abzusehen. Allenfalls sei nur
eine Verwarnung auszusprechen.
b) Die Annahme einer leichten Widerhandlung setzt kumulativ voraus, dass der Lenker
durch die Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG;
BGE 135 II 138 E. 2.2.3 S. 141 mit Hinweisen).
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Im Recht der Administrativmassnahmen liegen der gesetzlichen Kategorisierung der
Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften verschiedene
Gefährdungsstufen zugrunde. Von der konkreten Gefährdung der körperlichen
Integrität anderer Personen ist deren abstrakte Gefährdung zu unterscheiden, die
"einfach" oder "erhöht" sein kann. Die einfache abstrakte Gefährdung zieht kein
Administrativmassnahmeverfahren nach sich (vgl. Art. 16 Abs. 2 SVG). Eine solche
Gefährdung ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung aber nur dann
anzunehmen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten der
Rekurrentin hätten betroffen werden können. Führt hingegen die Missachtung einer
Verkehrsregel zu einer Verletzung eines Rechtsguts, einer konkreten Gefährdung der
körperlichen Integrität oder zu einer erhöhten abstrakten Gefährdung dieses
Rechtsguts, hat dies eine Administrativmassnahme zur Folge (R. Schaffhauser, Die
neuen Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 181, Rz. 43 ff.). Für die Abstufung
innerhalb der erhöhten abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der Verwirklichung der
Gefahr abzustellen. Je näher die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder
Verletzung liegt, umso schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefährdung (vgl. BGE 118
IV 285 E. 3a). Eine konkrete Gefahr liegt vor, wenn für einen bestimmten, tatsächlich
daherkommenden Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer des Täters die Gefahr einer
Körperverletzung oder gar Tötung bestand (vgl. zum Ganzen VRKE
IV-2007/14 vom 31. Mai 2007, S. 5 f.).
c) Gemäss Polizeirapport prallte das Kleinmotorrad der Unfallgegnerin frontal gegen die
vordere Stossstange des Fahrzeugs der Rekurrentin. Am Kleinmotorrad wurden die
Radverschalung vorne rechts, die Seitenabdeckungen auf beiden Seiten sowie der
linke Spiegel beschädigt; es entstand ein Sachschaden von Fr. 2'000.--. Am Fahrzeug
der Rekurrentin gab es Kratzspuren an der vorderen linken Stossstange; der Schaden
betrug Fr. 1'500.--. Durch die Wucht des Aufpralls stürzte die Unfallgegnerin. Sie zog
sich eine Kreuzbeinprellung sowie Schürfungen an den Armen zu. Indem die
Rekurrentin den Vortritt des von links kommenden Kleinmotorrads missachtete, schuf
sie die Gefahr einer Kollision mit diesem Fahrzeug. Es blieb aber nicht bei der Gefahr,
vielmehr verwirklichte sich diese. Die Motorradfahrerin wurde verletzt und war in der
Folge während vier Tagen arbeitsunfähig. Aus den äusserlich erkennbaren Folgen der
Kollision ergibt sich, dass Letztere bezüglich Gefährdung keine Bagatelle darstellte. Die
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Tatsache, dass ein Personenwagen und ein Kleinmotorrad am Unfall beteiligt waren,
lässt die Gefährdung der Unfallgegnerin aufgrund der unterschiedlichen
Betriebsgefahren umso grösser erscheinen. Dass diese nicht schwerer verletzt wurde,
ist insbesondere dem Zufall zu verdanken, war sie doch im Unfallzeitpunkt mit einer
den Umständen angepassten und zulässigen Geschwindigkeit von 40 km/h unterwegs
(vgl. act. 4/1, S. 3). Insgesamt steht damit fest, dass die Rekurrentin durch die
Nichtbeachtung des Vortrittsrechts die Kleinmotorradlenkerin verletzt hat. Der Grad der
Gefährdung kann nicht mehr als gering bezeichnet werden. Daran vermag auch die
Tatsache, dass die Rekurrentin sehr vorsichtig und langsam in die Stationsstrasse
einbog, nichts zu ändern.
d) Da die von der Rekurrentin verursachte Gefahr nicht mehr gering ist, kann nicht von
einer leichten Widerhandlung im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG ausgegangen
werden. Daran ändert nichts, dass das Verschulden der Rekurrentin leicht war.
Besonders leicht war es deshalb nicht, weil sie in die Stationsstrasse auffuhr, obwohl
sie gemäss eigenen, vor der Verwaltungsrekurskommission bestätigten Angaben links
nichts gesehen hatte. Aus demselben Grund scheidet auch die Annahme eines
besonders leichten Falls gemäss Art. 16a Abs. 4 SVG aus. Mithin ist von einer
mittelschweren Widerhandlung im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit a SVG auszugehen, da –
auf der anderen Seite – mangels schweren Verschuldens auch die Voraussetzungen für
eine schwere Widerhandlung nach Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG nicht erfüllt sind. Die
Vorinstanz hat der Rekurrentin daher zu Recht den Führerausweis für einen Monat
entzogen. Dabei handelt es sich um die Mindestentzugsdauer, welche unabhängig von
einem einwandfreien automobilistischen Leumund und einer allfälligen beruflichen
Angewiesenheit auf den Führerausweis nicht unterschritten werden darf (Art. 16b
Abs. 2 lit. a SVG; BGE 132 II 234 E. 3.2). Aus demselben Grund wirkt sich im
vorliegenden Fall die Verletzung des Anspruchs auf Beurteilung innert angemessener
Frist nicht massnahmemindernd aus (vgl. E. 3b). Immerhin ist dieser Umstand aber im
Dispositiv ausdrücklich festzustellen, was für die Rekurrentin eine Form der
Wiedergutmachung darstellt (vgl. BGE 135 II 334 E. 3).
6.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs teilweise gutzuheissen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Rekurrentin und dem
Staat je zur Hälfte aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
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Fr. 1'600.-- erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist im Betrag von Fr. 800.-- zu
verrechnen und im Mehrbetrag zurückzuerstatten. Bei diesem Verfahrensausgang hat
die Rekurrentin keinen Anspruch auf Entschädigung der ausseramtlichen Kosten
(Art. 98 und 98 VRP; vgl. C. Leuenberger/B. Uffer-Tobler, Schweizerisches
Zivilprozessrecht, Bern 2010, RZ 10.38).