Decision ID: 12c0334b-c1dc-48f7-a1fe-cbcbd64ee08e
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Eheschutz
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Hinwil vom 23. Juni 2016 (EE160013-E)
- 2 -
Urteil des Bezirksgerichts Hinwil vom 23. Juni 2016: (Urk. 41 S. 16 ff.)
1. Die Kinder C._, geboren am tt.mm.2007, und D._, geboren am tt.mm.2009, werden für die Dauer des Getrenntlebens unter die alleinige Obhut der Gesuchstellerin gestellt.
2. Die Teilvereinbarung der Parteien vom 2. Juni 2016 wird vorgemerkt und genehmigt.
3. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, an die Betreuung und Erziehung der Kinder folgende Unterhaltsbeiträge zu bezahlen: - 1. August 2015 bis 31. Dezember 2015 Fr. 0.– - 1. Januar 2016 bis 30. Juni 2016 Fr. 250.– je Kind - 1. Juli 2016 bis 30. September 2016 Fr. 0.– - ab 1. Oktober 2016 Fr. 300.– je Kind
(je zuzüglich allfälliger Kinder- oder Ausbildungszulagen) Diese Unterhaltsbeiträge sind jeweils monatlich und im Voraus gemäss den
vorstehenden Perioden längstens bis zur Mündigkeit zahlbar bzw. über die Mündigkeit hinaus bis zum Abschluss einer angemessenen Erstausbildung, wenn diese im Zeitpunkt der Mündigkeit noch nicht abgeschlossen ist.
Diese Unterhaltsbeiträge sind an die Gesuchstellerin zahlbar, solange die Kinder bei dieser wohnen und nicht selbständige Ansprüche aus Art. 277 Abs. 2 ZGB gegen den Gesuchsgegner stellen.
4. Es wird festgestellt, dass der Gesuchsgegner per Stichtag 2. Juni 2016  Unterhaltsbeiträge in der Höhe von Fr. 2'127.95 bereits bezahlt hat.
5. Zwischen den Parteien wird mit Wirkung ab 31. Dezember 2015 die  angeordnet.
6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'300.–. 7. Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt, jedoch zufolge der
ihnen je gewährten unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf die  genommen. Sie werden auf die allfällige Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO aufmerksam gemacht.
8. Die Parteientschädigungen werden gegenseitig wettgeschlagen. 9. [Schriftliche Mitteilung] 10. [Rechtsmittelbelehrung: Berufung, Frist 10 Tage, ohne Stillstand]
Berufungsanträge:
des Berufungsklägers (Urk. 40 S. 2):
"1. Ziff. 3 des Urteils vom 23. Juni 2016 des Bezirksgerichts Hinwil im Verfahren Nr.: EE160013-E/U01 sei aufzuheben.
- 3 -
2. Es sei festzustellen,
a) dass die Parteien sich wechselseitig keine  schulden.
b) dass der Berufungskläger unter Vorbehalt veränderter  nicht in der Lage ist, Unterhaltsleistungen an die Kinder C._, *tt.mm.2007, und D._, *tt.mm.2009, zu leisten.
- unter Kosten- und Entschädigungsfolge -"
Prozessuale Anträge des Berufungsklägers (Urk. 46 S. 2): "1. Dem Gesuchsteller sei im Verfahren LE160046-O vor dem Ober-
gericht des Kantons Zürich das Recht auf unentgeltliche  vollumfänglich zu gewähren;
2. Das Recht auf unentgeltliche Rechtspflege sei dem Gesuchsteller rückwirkend ab dem 04. August 2016 zu gewähren;
3. Dem Gesuchsteller sei Rechtsanwalt X._ als Rechtsbeistand beizuordnen.
- Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen -"
der Berufungsbeklagten (Urk. 51 S. 2):
"Es sei die Berufung vollumfänglich abzuweisen. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich Mehrwertsteuer) zulasten des Berufungsklägers."
Prozessualer Antrag der Berufungsbeklagten (Urk. 51 S. 2): "Es sei der Berufungsbeklagten die unentgeltliche Rechtspflege d.h. die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu . In der Person des Unterzeichneten sei ihr ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen."

Erwägungen:
I.
1. Am 3. Februar 2016 reichte die Gesuchstellerin und Berufungsbeklagte
(fortan Gesuchstellerin) beim Bezirksgericht Hinwil (Vorinstanz) ein Eheschutzbe-
gehren ein (Urk. 1 und 2). Am 2. Juni 2016 fand die vorinstanzliche Hauptver-
handlung statt (Vi-Prot. S. 4 ff.), an welcher die Parteien eine Teilvereinbarung
- 4 -
schlossen (u.a. auch über die Obhut und Betreuung der beiden Kinder, geboren
am tt.mm.2007 und tt.mm.2009; Vi-Prot. S. 25, Urk. 30). Am 23. Juni 2016 fällte
die Vorinstanz den Endentscheid (Urk. 36 = Urk. 41; Dispositiv eingangs wieder-
gegeben).
2. Hiergegen hat der Gesuchsgegner und Berufungskläger (fortan Gesuchs-
gegner) am 4. August 2016 fristgerecht (Urk. 37) Berufung erhoben und die ein-
gangs aufgeführten Berufungsanträge gestellt (Urk. 40). Mit Eingabe vom
16. September 2016 stellte der Gesuchsgegner ein Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 46).
3. Die Berufungsantwort datiert vom 3. Oktober 2016 (Datum Poststempel). Sie
wurde der Gegenpartei zur Kenntnisnahme zugestellt (siehe Urk. 51 und 54). Der
Gesuchsgegner liess sich in der Folge nicht mehr vernehmen.
II.
1. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage nach der Höhe
der vom Gesuchsgegner zu leistenden Unterhaltsbeiträge während der Dauer
des Getrenntlebens.
2. Die übrigen von der Vorinstanz getroffenen Regelungen blieben unange-
fochten. Dadurch sind die Dispositiv-Ziffern 1 bis 2 und 4 bis 8 des vorin-
stanzlichen Urteils rechtskräftig geworden, wovon Vormerk zu nehmen ist.
III.
1. Allgemeines
1.1. Zur Natur des anwendbaren summarischen Verfahrens und deren Auswir-
kungen auf die Beweisstrenge – das Glaubhaftmachen – kann auf die zutreffen-
den Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 41 E. II/2).
1.2. Mit der Berufung können unrichtige Rechtsanwendung und unrichtige
Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Beru-
- 5 -
fungsinstanz hat sodann die geltend gemachten Punkte zu prüfen. Sie hat nicht
von sich aus den erstinstanzlichen Entscheid auf alle denkbaren Mängel zu unter-
suchen, wenn diese nicht gerügt werden, es sei denn, der Sachverhalt sei gera-
dezu willkürlich festgestellt oder das Recht sei geradezu willkürlich angewandt
worden und diese Fehlerhaftigkeiten träten klar zutage (Reetz/Theiler, in: Sutter-
Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., Art. 311 N 36).
1.3. Mit Bezug auf neue Vorbringen ist festzuhalten, dass solche im Berufungs-
verfahren lediglich im Rahmen echter Noven zulässig sind, mithin neue Tatsa-
chenvorbringen, welche kumulativ ohne Verzug vorgebracht werden (Art. 317
Abs. 1 lit. a ZPO) und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz
vorgebracht werden konnten (Art. 317 Abs. 1 lit. b ZPO). Dies gilt auch bei Ver-
fahren in Kinderbelangen, in denen gemäss Art. 296 Abs. 1 ZPO der Sachverhalt
von Amtes wegen zu erforschen ist. Unechte Noven, die bei zumutbarer Sorgfalt
bereits vor erster Instanz hätten geltend gemacht werden können, können daher
grundsätzlich nicht mehr vorgebracht werden, es sei denn, eine Partei beanstan-
de, die Vorinstanz habe eine bestimmte Tatsache in Verletzung der Untersu-
chungsmaxime nicht beachtet (F. Hohl, Procédure civile, Tome II, Deuxième Edi-
tion, Bern 2010, Rz. 1214 und 2414 f.). Solche unechten Noven sind im Sinne von
Art. 317 Abs. 1 lit. a ZPO ohne Verzug, d.h. mit der Berufungsbegründung bzw.
der Berufungsantwort vorzubringen. Nach Berufungsbegründung und -antwort
können nur noch echte Noven vorgebracht werden, und zwar längstens bis zum
Beginn der Urteilsberatung. Dies gilt auch für Verfahren, die der Untersuchungs-
maxime unterstehen (BGE 138 III 788 E. 4.2; F. Hohl, a.a.O., Rz. 1172).
1.4. Auf die Parteivorbringen ist nachfolgend nur insoweit einzugehen, als dies
für die Entscheidfindung erforderlich ist.
2. Ehegattenunterhalt
Der Gesuchsgegner beantragt im Berufungsverfahren, es sei festzustellen, dass
sich die Parteien wechselseitig keine Unterhaltsbeiträge schulden (Urk. 40 Ziff. 2
lit. a der Anträge). Vorliegend haben die Parteien im erstinstanzlichen Verfahren
keine persönlichen Unterhaltsbeiträge beantragt (vgl. Urk. 41 E. II/3). Damit waren
Ehegattenunterhaltsbeiträge nicht Gegenstand des vorliegend angefochtenen Ur-
- 6 -
teils. Im zweitinstanzlichen Verfahren sind jedoch nur Fragen zu prüfen, welche
erstinstanzlich thematisiert und entschieden wurden. Entsprechend ist auf diesen
Antrag nicht einzutreten.
3. Kinderunterhaltsbeiträge
3.1. Vorbringen der Parteien
Der Gesuchsgegner kritisiert im Wesentlichen, die Vorinstanz habe ihn – auch un-
ter Annahme eines hypothetischen Einkommens ab 1. Oktober 2016 sowie ohne
Berücksichtigung der laufenden Steuern – unter Eingriff in sein Existenzminimum
zur Zahlung von Unterhaltsleistungen verpflichtet. Selbst auf der Grundlage des
hypothetischen Einkommens ergebe sich eine Unterhaltsverpflichtung von nahezu
null. Entsprechend erübrigten sich weitere Erörterungen zur Zulässigkeit der An-
nahme eines hypothetischen Einkommens. Zudem habe die Vorinstanz die wirt-
schaftlichen Verhältnisse in der Region Emmental (Burgdorf/Oberburg/Hasle-
Rüegsau/Langnau) nicht berücksichtigt, sei diese Region doch ebenfalls von einer
mehr als flauen Konjunktur betroffen. Niemand nehme freiwillig einen derartigen
Arbeitsweg in Kauf, wie es der Gesuchsgegner und viele andere tun müssten.
Darüber hinaus habe die Vorinstanz im Bedarf unzulässigerweise die laufenden
Steuern nicht berücksichtigt, dafür jedoch die Zahlungsverpflichtung der Gesuch-
stellerin für rückständige Krankenkassenforderungen. Und schliesslich habe die
Vorinstanz den Gesuchsgegner trotz aller rechnerischen Ergebnisse unter Ver-
weis auf eine Protokollstelle – wonach er einen Maximalbetrag von Fr. 300.– pro
Kind beantragt haben soll – zur Zahlung von Fr. 600.– pro Monat verpflichtet.
Selbst wenn dem so gewesen wäre, hätte die Vorinstanz diesem Antrag mangels
Leistungsfähigkeit nicht entsprechen dürfen (Urk. 40 S. 3 ff.).
Dem hält die Gesuchstellerin in ihrer Berufungsantwort im Wesentlichen
entgegen, dass sie nebst der Betreuung der beiden sieben- und neunjährigen
Kinder einer Arbeitstätigkeit in einem 100 % Pensum nachgehe, obschon sie noch
nicht arbeiten müsste bzw. einem viel tieferen Pensum nachgehen dürfte. Wäre
dem so, würde die Gesuchstellerin nicht genug verdienen, um ihren Bedarf sowie
denjenigen der Kinder zu decken, und der Gesuchsgegner müsste den gesamten
Betrag, den er über sein Existenzminimum hinaus erziele, als Kinderunterhalt ab-
- 7 -
führen. Eine Arbeitsanstrengung von 100 % dürfe auch vom Gesuchsgegner er-
wartet werden. Weder habe er belegt, dass er nach seiner Rückkehr nach
E._/BE seine alte Stelle bei der F._ AG nicht mehr habe antreten kön-
nen, noch dass es ihm nicht möglich sein soll, eine (Fest-)Anstellung in der Nähe
seines Wohnortes zu finden und ein Einkommen in der Höhe seines früheren Ein-
kommens zu erzielen. Insbesondere seien ihm von der Vorinstanz Fahrkosten in
der Höhe von Fr. 600.– monatlich angerechnet worden und die Stadt Bern liege
im gleichen Radius wie sein aktueller Arbeitsort. Damit sei es dem Gesuchsgeg-
ner durchaus möglich, sich in einem weiteren Umkreis nach einer Arbeitsstelle mit
einem Lohn in der Höhe des angerechneten hypothetischen Einkommens umzu-
sehen. Sodann decke der Begriff Steuerschulden im Kreisschreiben des Oberge-
richts auch die laufenden Steuerverpflichtungen ab, weshalb sie nicht im Bedarf
zu berücksichtigen seien. Hinzu komme, dass andernfalls die Gesuchstellerin den
Gesuchsgegner noch alimentieren würde. Und schliesslich habe der Gesuchs-
gegner selbst einen monatlichen Unterhalt von Fr. 300.– pro Kind beantragt. Ab-
gesehen davon stehe dem Gesuchsgegner über sein Existenzminimum hinaus-
gehend ein Freibetrag von monatlich Fr. 541.– (Januar 2016 bis Juni 2016) bzw.
Fr. 701.– (ab 1. Oktober 2016) zur Verfügung. Entsprechend seien die von der
Vorinstanz festgesetzten Kinderunterhaltsbeiträge durchaus angemessen. Dürfte
er seinen Freibetrag behalten, würde das dazu führen, dass die Gesuchstellerin –
nebst der Betreuung der Kinder sowie einem Vollzeitpensum – den Gesuchsgeg-
ner alimentieren würde (Urk. 51 S. 3 ff.).
3.2. Einkommen des Gesuchsgegners
3.2.1. Die Vorinstanz erwog, dass der Gesuchsgegner erst 32-jährig und bis Au-
gust 2015 arbeitstätig gewesen sei. Sodann sei ein Arbeitsunterbruch von ledig-
lich fünf Monaten erfolgt. Seit Januar 2016 sei er über ein Temporärbüro wieder
berufstätig. Trotz Problemen mit seinem Daumen sei es ihm gelungen, in den
Jahren 2014 und 2015 bei der F._ AG auf dem Bau zu arbeiten. Selbst wenn
dies (zumindest längerfristig) nicht mehr möglich sein sollte, hätte der Gesuchs-
gegner die Möglichkeit, in einer anderen Branche, beispielsweise als Lagerist,
Fuss zu fassen. Unter diesen Umständen sei es ihm durchaus zuzumuten, eine
besser bezahlte Arbeitsstelle zu finden. Unter Berücksichtigung einer Übergangs-
- 8 -
frist von rund vier Monaten für die Stellensuche sei dem Gesuchsgegner daher
per 1. Oktober 2016 ein hypothetisches Einkommen von Fr. 4'550.– anzurechnen.
Dieses Einkommen entspreche seinem früheren Lohn bei der F._ AG
(Urk. 41 E. II/7.4.).
3.2.2. Grundsätzlich ist vom tatsächlich erzielten Einkommen des Unterhaltspflich-
tigen auszugehen. Soweit sein Einkommen nicht ausreicht, um den ausgewiese-
nen Bedarf der Kinder zu decken, kann ein hypothetisches Einkommen ange-
rechnet werden, sofern dieses zu erreichen zumutbar und möglich ist (BGE 128 III
4 E. 4a). Die Möglichkeit, ein höheres Einkommen zu erzielen, lässt sich anhand
von diversen Faktoren wie Alter, Gesundheit, Ausbildung, Berufserfahrung, Ar-
beitsmarktlage, Erziehungspflichten etc. bestimmen. Steht fest, welche Tätigkeit
als zumutbar und möglich erscheint, ist aufgrund der Lohnstrukturerhebungen des
Bundesamtes für Statistik oder anderer Quellen (z.B. Philippe Mülhauser, Das
Lohnbuch 2016) zu bestimmen, von welchem hypothetischen Einkommen auszu-
gehen ist (BGE 137 III 118 E. 3.2, BGE 128 III 4 E. 4c bb).
3.2.3. Während der Gesuchsgegner zu Recht in rechtlicher Hinsicht die Zumut-
barkeit einer Tätigkeit als Lagerist nicht bestreitet, verneint er in tatsächlicher Hin-
sicht die Möglichkeit, ein höheres Einkommen erzielen zu können (Urk. 40 S. 4).
Er begnügt sich jedoch mit der pauschalen Behauptung, die wirtschaftlichen Ver-
hältnisse in der Region Emmental (Burgdorf/Oberburg/Hasle-Rüegsau/Langnau)
würden die Erzielung eines Einkommens in der Höhe des von der Vorinstanz hy-
pothetisch festgesetzten nicht erlauben. Welches Einkommen in dieser Region
seiner Ansicht nach maximal erzielbar sein soll, führt der Gesuchsgegner hinge-
gen nicht näher aus. Auch legt er nicht dar und ist nicht einsichtig, weshalb es ihm
nicht möglich sein sollte, im Umkreis der Stadt Bern eine besser bezahlte (Fest-)
Anstellung zu finden, zumal die Stadt Bern vom Wohnort des Gesuchsgegners
ungefähr in gleicher Entfernung liegt wie sein aktueller Arbeitsort (so auch Urk. 51
S. 9). Auch belegte der Gesuchsgegner in keiner Weise, dass er bereits (erfolglo-
se) Bemühungen für eine neue (Fest-)Anstellung unternommen habe. Dass ein
höherer Lohn als Lagerist denn auch grundsätzlich erzielbar ist, stellte der Ge-
suchsgegner vor Vorinstanz zu Recht nicht in Abrede (siehe Prot. S. 16; siehe
auch Mülhauser, Das Lohnbuch 2016, S. 33, 41 und 316, wonach für einen unge-
- 9 -
lernten Lageristen ab einem Alter von 30 Jahren bei einem 100 % Pensum in der
Region Mittelland ein Bruttolohn von monatlich Fr. 4'808.72 erzielbar ist). Nach
dem Ausgeführten kann somit davon ausgegangen werden, dass es dem Ge-
suchsgegner in tatsächlicher Hinsicht möglich wäre, ein Einkommen von
Fr. 4'550.– zu erzielen.
3.2.4. Ein hypothetisches Einkommen darf grundsätzlich nicht rückwirkend, son-
dern erst nach Ablauf einer angemessenen Übergangsfrist angerechnet werden.
Der Gesuchsgegner musste seit dem erstinstanzlichen Entscheid, den er Ende
Juli 2016 erhielt (vgl. Urk. 37), damit rechnen, dass er einen höheren Verdienst
würde erzielen müssen. Dass er zwischenzeitlich entsprechende Suchbemühun-
gen bereits (erfolglos) unternommen habe, hat er im Berufungsverfahren nicht
behauptet, geschweige denn glaubhaft gemacht. Es rechtfertigt sich daher, ihm
bereits ab 1. Oktober 2016 ein hypothetisches Einkommen anzurechnen.
3.2.5. Sodann gibt das von der Vorinstanz festgesetzte (effektive) durchschnittli-
che Einkommen des Gesuchsgegners für die Zeit vom 1. Januar 2016 bis
30. September 2016 von monatlich Fr. 3'380.– (Urk. 41 E. II/6) zu Bemerkungen
Anlass. Die Vorinstanz erwog, es sei kein dreizehnter Monatslohn vereinbart wor-
den (Urk. 41 E. II/6 a.E.). Den eingereichten Lohnabrechnungen lässt sich jedoch
offensichtlich jeweils ein "Guthaben 13. Monatslohn Monats/Jahrestotal" in variie-
render Höhe entnehmen (Urk. 29/5 unten). Zudem weisen sowohl der Einsatzver-
trag vom 18. Dezember 2015 (für den Einsatzbetrieb G1._ ...) als auch der
Rahmen-Arbeitsvertrag vom 21. Dezember 2015 auf einen geltenden Gesamtar-
beitsvertrag hin (siehe Urk. 29/4 und Urk. 29/3 Ziff. 14). Dabei sehen sowohl der
GAV Personalverleih als auch der (mittlerweile nicht mehr in Kraft stehende) GAV
Fabrik ..., G._ S.A., einen Anspruch auf einen 13. Monatslohn vor. Entspre-
chend ist zum festgesetzten monatlichen Nettoeinkommen des Gesuchsgegners
ein 13. Monatslohn anteilsmässig hinzuzurechnen (siehe Six, Eheschutz, Ein
Handbuch für die Praxis, 2. Auflage, 2014, Rz. 2.128 mit weiteren Hinweisen auf
die bundesgerichtliche Rechtsprechung). Damit ist für den Zeitraum 1. Januar
2016 bis 30. September 2016 von einem Einkommen des Gesuchsgegners von
monatlich rund Fr. 3'660.– ([Fr. 3'380.– x 13] dividiert durch 12) netto auszuge-
hen.
- 10 -
3.3. Einkommen der Gesuchstellerin
Das von der Vorinstanz festgesetzte Einkommen der Gesuchstellerin wurde nicht
beanstandet. Entsprechend bleibt es bei einem Betrag von Fr. 6'544.– monatlich.
3.4. Bedarf der Parteien
3.4.1. Bedarf des Gesuchsgegners
a) Die Vorinstanz erwog, dass bei engen Verhältnissen gestützt auf Ziff. VI des
Kreisschreibens die Steuern nicht zu berücksichtigen seien. Insofern könnten
auch Abzahlungen, welche die Steuern betreffen, nicht in die Bedarfsrechnung
aufgenommen werden. Die Leistung von Unterhaltsbeiträgen, namentlich für Kin-
der, würde der Begleichung von Steuerschulden vorgehen (Urk. 41 E. II/5 a.E.).
b) Laufende Steuern und Steuerschulden bleiben im familienrechtlichen Exis-
tenzminimum (grundsätzlich) unberücksichtigt (BGE 95 III 39 E. 3 m.w.H.). Über-
steigt das gemeinsame Einkommen die Existenzminima beider Ehegatten, sind
die unter Berücksichtigung der Unterhaltsbeiträge geschuldeten Steuern mit ei-
nem angemessenen Betrag vor Verteilung des Überschusses zu berücksichtigen.
Werden die Steuern trotz Überschusses nicht berücksichtigt, ist dies willkürlich.
Führt die Berücksichtigung jedoch zu einem Mankofall, bleiben die Steuern unbe-
rücksichtigt (vgl. Six, a.a.O., Rz. 2.74 und Rz. 2.166 ff., mit Hinweis auf die bun-
desgerichtliche Rechtsprechung). Die mutmasslichen Steuern sind pflichtgemäss
zu schätzen.
c) Ein Mankofall liegt in casu nicht vor (siehe nachfolgend Ziff. 3.5.1). Entspre-
chend ist den Parteien ein Betrag für laufende Steuern im (erweiterten) Bedarf
einzusetzen. Das Argument der Gesuchstellerin, wonach sie dadurch den Ge-
suchsgegner alimentieren würde, verfängt nach dem zuvor Ausgeführten nicht.
Ausgehend von einem steuerbaren Einkommen von jährlich rund Fr. 32'500.–
(unter Berücksichtigung allgemeiner Steuerabzüge sowie der zu zahlenden Un-
terhaltsbeiträge; vgl. auch Vi-Prot. S. 6), rechtfertigt es sich vorliegend, dem Ge-
suchsgegner für laufende Steuern (inkl. direkter Bundessteuer) einen Betrag von
monatlich rund Fr. 500.– (vgl. Online-Steuerrechner für den Kanton Bern) im er-
weiterten Bedarf zu berücksichtigen.
- 11 -
d) Die übrigen Bedarfspositionen sind nicht streitig und erscheinen angemes-
sen. Weitere Ausführungen dazu erübrigen sich.
3.4.2. Bedarf der Gesuchstellerin
a) Der Gesuchsgegner beanstandet, die Vorinstanz habe bei der Festsetzung
des Bedarfs der Gesuchstellerin unzulässigerweise rückständige Krankenkassen-
forderungen berücksichtigt (Urk. 40 S. 5). Die Gesuchstellerin äussert sich dazu
nicht (siehe Urk. 51 S. 1 ff.).
b) Die Vorinstanz berücksichtigte für die Zeit vom 1. Januar bis 30. September
2016 im Bedarf der Gesuchstellerin Abzahlungsraten für ausstehende Kranken-
kassenprämien in der Höhe von monatlich Fr. 290.– und ging für diese Zeitspan-
ne von einem Bedarf von Fr. 5'691.– aus (Urk. 41 E. II/5; vgl. auch E. II/7.2. und
II/7.3.). Für die Zeit ab 1. Oktober 2016 erwog die Vorinstanz, dass die abzuzah-
lenden Krankenkassenprämien bis zu diesem Zeitpunkt getilgt sein dürften. Sie
ging für diese Zeit von einem um den Betrag von Fr. 290.– verringerten Bedarf
von Fr. 5'299.– aus (Urk. 41 E. II/7.4.).
c) Bei den streitgegenständlichen Krankenkassenschulden handelt es sich
gemäss Urk. 25/6/1 um aufgelaufene Prämien der Periode Januar bis April 2016
für die Gesuchstellerin sowie das Kind D._ (siehe Urk. 25/4/1-2 und
Urk. 25/6/1). Diese Kosten fanden für die Zeit 1. Januar bis 30. September 2016
jedoch bereits unter dem Titel "Krankenkasse / Gesuchstellerin" bzw. "Kranken-
kasse / D._ [...]" im Bedarf Berücksichtigung. Es ist nicht einsichtig, weshalb
dieser Posten zweimal zu berücksichtigen sein soll. Der Bedarf der Gesuchstelle-
rin ist daher für die Zeit 1. Januar bis 30. September 2016 um Fr. 290.– zu verrin-
gern. Für die Zeit ab 1. Oktober 2016 ergibt sich keine Veränderung. Damit resul-
tiert für die Gesuchstellerin ein Bedarf von Fr. 5'401.– (Fr. 5'691.– abzüglich
Fr. 290.–). Der gleiche Bedarf ist der Gesuchstellerin für die Zeit ab 1. Oktober
2016 einzusetzen. Weshalb die Vorinstanz der Gesuchstellerin für diese Zeit
stattdessen einen Bedarf von Fr. 5'299.– anrechnete, ist nicht nachvollziehbar
(vgl. Urk. 41 E. II/5 und E. II/7.4.).
- 12 -
Nach dem Ausgeführten kann offen bleiben, ob Abzahlungsschulden bezüglich
Krankenkassenprämien – wie vom Gesuchsgegner vorgebracht – grundsätzlich
keine Berücksichtigung im Bedarf finden.
d) Wie erwähnt ist auch bei der Gesuchstellerin für laufende Steuern ein Betrag
im Bedarf in Anrechnung zu bringen. Ausgehend von einem jährlichen steuerba-
ren Einkommen von rund Fr. 57'000.– (unter Berücksichtigung der Kinderzulagen,
der Unterhaltsbeiträge, allgemeiner Steuerabzüge sowie des im Kanton Zürich
vorgesehenen Kinderabzugs) rechtfertigt es sich, der Gesuchstellerin im Bedarf
laufende Steuern von rund Fr. 320.– anzurechnen (vgl. Online-Steuerrechner Zü-
rich). Die von der Gesuchstellerin im vorinstanzlichen Verfahren eingereichte
Steuerberechnung 2016 (Urk. 28/12/1-2) kann vorliegend indes nicht massge-
bend sein, zumal die Gesuchstellerin darin Unterhaltsbeiträge von Fr. 930.– pro
Kind berücksichtigt hat und offenbar keine Steuerabzüge vorgenommen worden
sind.
3.5. Überschussverteilung und Unterhaltsanspruch
3.5.1. Die Gegenüberstellung von Einkommen und Bedarf der Parteien ergibt für
die verschiedenen Zeiträume folgendes Bild:
1. August bis 31. Dezember 2015
1. Januar bis 30. Juni 2016
1. Juli bis 30. September 2016
Ab 1. Oktober 2016
Einkommen  Fr. 06'544.– Fr. 6'544.– Fr. 06'544.– Fr. 06'544.– Einkommen  Fr. 00'000.– Fr. 3'660.– Fr. 03'660.– Fr. 04'550.– Einkommen Total Fr. 06'544.– Fr. 10'204.– Fr. 10'204.– Fr. 11'094.–
Bedarf Gesuchstellerin inkl. Steuern Fr. 05'721.– Fr. 05'721.– Fr. 05'721.– Fr. 05'721.– Bedarf Gesuchsgegner inkl. Steuern Fr. 03'339.– Fr. 03'339.– Fr. 04'129.– Fr. 04'349.– Bedarf Total Fr. 09'060.– Fr. 09'060.– Fr. 09'850.– Fr. 10'070.– Überschuss  Fr. 00'823.– Fr. 00'823.– Fr. 00'823.– Fr. 00'823.– Überschuss  – Fr. 03'339.– Fr. 00'321.– – Fr. 00'469.– Fr. 00'201.– Überschuss Total Fr. 00'000.– Fr. 01'144.– Fr. 00'354.– Fr. 01'024.–
3.5.2. Daraus erhellt, dass ab 1. Januar 2016 die Gesamteinkünfte der Parteien
den Familienbedarf übersteigen. Es stellt sich damit die Frage nach der Aufteilung
des Überschusses. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist der
- 13 -
Überschuss aus dem gesamten Einkommen beider Ehegatten, der nach Abzug
des Bedarfs bleibt, in der Regel auf beide Ehegatten aufzuteilen. Dabei ist grund-
sätzlich nur dann eine hälftige Aufteilung vorzunehmen, wenn sich zwei Einperso-
nenhaushalte gegenüberstehen. Dagegen ist jenem Elternteil, der für minderjähri-
ge Kinder aufzukommen hat, regelmässig ein grösserer Anteil am Überschuss
gutzuschreiben (vgl. BGE 126 III 8 E. 3c). Denn auch Kinder haben Anspruch auf
einen Anteil am Überschuss.
3.5.3. Die Gesuchstellerin arbeitet nebst der Betreuung der beiden Kinder in ei-
nem Vollzeitpensum, obschon sie nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung kei-
ner Erwerbstätigkeit nachgehen müsste. Damit erbringt sie eine ganz erhebliche
Mehrleistung. Dies ist bei der Überschussaufteilung zu berücksichtigen. Bei dieser
Sachlage verfängt die in Rechtsprechung und Literatur angeführte Begründung
für die gleichmässige Verteilung des Freibetrages nicht, es solle jedem Ehegatten
ein möglichst gleich grosser finanzieller Spielraum zustehen (vgl. ZK-
Bräm/Hasenböhler, Art. 163 ZGB N 111). Mit Blick auf den Grundsatz der Gleich-
behandlung der Ehegatten drängt es sich in casu vielmehr auf, der Gesuchstelle-
rin einen ihrer Mehrleistung gerecht werdenden Anteil am Freibetrag zuzuweisen.
Unter diesen Gesichtspunkten rechtfertigt es sich sogar, den Freibetrag vollum-
fänglich der kinderbetreuenden Gesuchstellerin zuzuweisen.
3.5.4. Der Unterhaltsanspruch entspricht folglich dem Bedarf der Gesuchstellerin
zuzüglich eines allfälligen Freibetragsanteils im zuvor festgestellten Umfang ab-
züglich ihres Einkommens:
1. August bis 31. Dezember 2015
1. Januar bis 30. Juni 2016
1. Juli bis 30. September 2016
Ab 1. Oktober 2016
Bedarf Gesuchstellerin inkl. Steuern Fr. 05'721.- Fr. 05'721.- Fr. 05'721.- Fr. 05'721.- Anteil Überschuss Fr. 00'000.- Fr. 01'144.- Fr. 00'354.- Fr. 01'024.- ./.Einkommen  Fr. 06'544.- Fr. 06'544.- Fr. 06'544.- Fr. 06'544.- Unterhaltsanspruch Fr. 00'000.- Fr. 05'321.- Fr. 00'000.- Fr. 05'201.-
Für die Zeit vom 1. August 2015 bis 31. Dezember 2015 sowie für die Zeit
vom 1. Juli bis 30. September 2016 sah die Vorinstanz von der Zusprechung von
Unterhaltsbeiträgen ab (Urk. 41 E. II/7.1. und II/7.3.). Dies wurde nicht bean-
standet und erweist sich nach den zuvor dargelegten Berechnungen als ange-
- 14 -
messen. Für die Zeit vom 1. Januar 2016 bis 30. Juni 2016 sowie die Zeit ab
1. Oktober 2016 beträgt der Unterhaltsanspruch Fr. 321.– respektive Fr. 201.– für
beide Kinder zusammen. Aus Praktikabilitätsgründen ist dieser Betrag auf
Fr. 320.– (mithin Fr. 160.– pro Kind) respektive Fr. 200.– (mithin Fr. 100.– pro
Kind) zu runden. Von der Zusprechung eines Unterhaltsbeitrages von monatlich
Fr. 300.– pro Kind ist abzusehen, unabhängig davon, ob der Gesuchsgegner ei-
nen solchen im vorinstanzlichen Verfahren beantragt hat oder nicht. Angesichts
der in Kinderbelangen anwendbaren Offizial- und Untersuchungsmaxime ist das
Gericht – entgegen der offenbaren Auffassung der Gesuchstellerin – nicht an ei-
nen Parteiantrag gebunden (Art. 296 Abs. 3 ZPO). Ein Unterhaltsbeitrag von
Fr. 300.– pro Kind erwiese sich denn auch angesichts der finanziellen Verhältnis-
se der Parteien als unangemessen.
3.5.5. Der Gesuchsgegner führt in seiner Berufungsschrift ins Feld, dass seine
Bemühungen, für seine Kinder so viel wie möglich da zu sein, zu weniger verre-
chenbaren Arbeitsstunden und damit zu einem geringeren (effektiven) Einkom-
men führten. Bei der Festsetzung eines zu leistenden Unterhaltsbeitrages führe
dies zu einer Schuldenwirtschaft, wodurch seine eigenen unausweichlichen Ver-
pflichtungen auf der Strecke blieben. Dies zeige sein Auszug aus dem Betrei-
bungsregister (Urk. 40 S. 3 a.E.).
Wie vorangehende Erwägungen erhellen, ist der Gesuchsgegner durchaus
in der Lage, pro Kind Unterhaltsbeiträge in der Höhe von Fr. 160.– resp. Fr. 100.–
zu leisten. Und dies unter Berücksichtigung der laufenden Steuern sowie unter
Wahrung seines Existenzminimums. Es oblag ihm, sich um eine neue Anstellung
mit einem Einkommen in der Höhe des hypothetischen zu bemühen. Soweit er
sodann auf seinen Betreibungsregisterauszug verweist, ist anzumerken, dass der
Gesuchsgegner offenbar bereits während geraumer Zeit seinen (unausweichli-
chen) Verpflichtungen nicht nachgekommen ist (siehe auch Urk. 51 S. 3 ff.). Dass
neue Betreibungen (bzw. Neuverschuldungen) einzig auf seine Unterhaltsver-
pflichtung zurückzuführen sind, hat der Gesuchsgegner weder belegt noch liegt
dies ohne Weiteres auf der Hand.
- 15 -
3.6. Fazit
Zusammengefasst ist der Gesuchsgegner damit zu verpflichten, an die Betreuung
und Erziehung der beiden Kinder C._ und D._ folgende Unterhaltsbei-
träge zu leisten:
- 1. August 2015 bis 31. Dezember 2015: Fr.000.–
- 1. Januar 2016 bis 30. Juni 2016: Fr. 160.– je Kind
- 1. Juli 2016 bis 30. September 2016: Fr. 000.–
- ab 1. Oktober 2016: Fr. 100.– je Kind.
IV.
1. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von § 5
Abs. 1, § 6 Abs. 1 und Abs. 2 lit. b sowie § 12 Abs. 1 und 2 GebV OG auf
Fr. 3'000.– festzusetzen. Die volle Parteientschädigung ist gestützt auf § 5 Abs. 1,
§ 6 Abs. 1 bis 3, § 11 Abs. 1, § 13 Abs. 1 und 2 AnwGebV auf Fr. 2'500.– (zuzüg-
lich allfälliger Mehrwertsteuer) festzulegen.
1.2. Gegenstand des Berufungsverfahrens waren der Ehegatten- sowie der
Kinderunterhalt. Ersterer ist mit Bezug auf die Kostenverteilung vernachlässigbar.
Mit Bezug auf die Kinderunterhaltsbeiträge sprach die Vorinstanz der Gesuchstel-
lerin Unterhaltsleistungen – bei einer mutmasslichen Dauer der Regelung von drei
Jahren – von insgesamt Fr. 16'200.– (0.– August bis Dezember 2015, Fr. 3'000.–
Januar 2016 bis September 2016, Fr. 13'200.– Oktober 2016 bis Juli 2018) zu.
Mit der Berufung beantragt der Gesuchsgegner, es seien keine Unterhaltsbeiträge
zuzusprechen. Die Gesuchstellerin beantragt die Abweisung der Berufung. Im Er-
gebnis werden Kinderunterhaltsbeiträge für eine mutmassliche Trennungsdauer
von drei Jahren von insgesamt Fr. 6'320.– (Fr. 0.– August bis Dezember 2015,
Fr. 1'920.– Januar 2016 bis September 2016; Fr. 4'400.– ab Oktober 2016 bis und
mit Juli 2018) festgesetzt. Gesamthaft unterliegt die Gesuchstellerin zu rund 2/3
und der Gesuchsgegner zu rund 1/3. Entsprechend sind ihnen die Gerichtskosten
aufzuerlegen.
- 16 -
1.3. Dementsprechend ist die Gesuchstellerin zu verpflichten, dem Gesuchs-
gegner eine auf einen Drittel, mithin auf Fr. 830.–, reduzierte Parteientschädigung
(mangels Antrags ohne Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
2. Unentgeltliche Rechtspflege
2.1. Im Berufungsverfahren liessen beide Parteien um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege ersuchen, der Gesuchsgegner allerdings erst mit Eingabe
vom 16. September 2016 (Urk. 46 S. 2; Urk. 51 S. 2).
2.2. Eine Person hat Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn sie nicht
über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos
erscheint (Art. 117 ZPO). Ausserdem kann ihr eine unentgeltliche Rechtsvertre-
tung bestellt werden, wenn dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig erscheint,
insbesondere wenn auch die Gegenpartei anwaltlich vertreten ist (Art. 118 Abs. 1
lit. c ZPO).
Mittellosigkeit bzw. Bedürftigkeit (welche ihrerseits sowohl Einkommens- wie
auch Vermögensarmut voraussetzt) ist dann zu bejahen, wenn die gesuchstellen-
de Partei trotz Ausschöpfung sämtlicher eigener Hilfsmittel nicht in der Lage ist,
neben dem Lebensunterhalt für sich und ihre Familie auch den Prozess zu finan-
zieren. Sie beurteilt sich nach der gesamten wirtschaftlichen Situation des Recht-
suchenden im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs. Dazu gehören einerseits
sämtliche finanziellen Verpflichtungen, anderseits die Einkommens- und Vermö-
gensverhältnisse (BGE 120 Ia 179 E. 3a). Ein allfälliger Überschuss zwischen
dem effektiv zur Verfügung stehenden Einkommen und dem Notbedarf der ge-
suchstellenden Partei ist mit den für den konkreten Fall zu erwartenden Gerichts-
und Anwaltskosten in Beziehung zu setzen und danach zu fragen, ob die gesuch-
stellende Partei mit dem ihr verbleibenden Überschuss in der Lage ist, die anfal-
lenden Gerichts- und Anwaltskosten innert angemessener Frist selbst zu finanzie-
ren. Im Sinne einer groben Faustregel geht die Rechtsprechung davon aus, dass
der monatliche Überschuss es ihr ermöglichen sollte, die Prozesskosten bei we-
niger aufwendigen Prozessen innert eines Jahres, bei anderen innert zweier Jah-
re zu tilgen (Bühler, Die Prozessarmut, in: Schöbi [Hrsg.], Gerichtskosten, Partei-
kosten, Prozesskaution, unentgeltliche Prozessführung: SWR Bd. 3, Bern 2001,
- 17 -
S. 182 f. und 185 f.; Meichssner, Das Grundrecht auf unentgeltliche Rechtspflege
[Art. 29 Abs. 3 BV], Basel 2008, S. 75 f.; BGer 4A_87/2007 vom 11. September
2007, E. 2.1; 5A_663/2007 vom 28. Januar 2008, E. 3.1; 5A_26/2008 vom
4. Februar 2008, E. 3.1).
2.3. Die fehlende Aussichtslosigkeit ihrer Prozessstandpunkte ist bei beiden
Parteien zu bejahen.
2.4. Mit Blick auf die Einkommens- und Bedarfsverhältnisse sowie dessen Ver-
schuldung kann von der Mittellosigkeit des Gesuchsgegners ausgegangen wer-
den (siehe oben Ziff. III/3.5.1, Urk. 48/1-3 und Urk. 29/13). Überdies war er auf
anwaltlichen Beistand angewiesen. Zu prüfen ist jedoch, auf welchen Zeitpunkt
hin dem Gesuchsgegner die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren ist.
Grundsätzlich wird die unentgeltliche Rechtspflege ab dem Zeitpunkt bewil-
ligt, in welchem das Gesuch gestellt worden ist. Dabei können Anwaltskosten, die
im Zusammenhang mit einer gleichzeitig eingereichten Rechtsschrift entstanden
sind, berücksichtigt werden (vgl. BGE 122 I 203 E. 2c). Nur in Ausnahmefällen
kann die unentgeltliche Rechtspflege rückwirkend erteilt werden (Art. 119 Abs. 4
ZPO), wobei von dieser Möglichkeit nur äusserst restriktiv Gebrauch zu machen
ist (Huber, DIKE-Komm-ZPO, Art. 119 N 12). Dies ist namentlich der Fall bei zeit-
licher Dringlichkeit oder dann, wenn die nicht anwaltlich vertretene gesuchstellen-
de Person ihren Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege nicht kannte, weil sie
seitens des Gerichts über ihren Anspruch nicht aufgeklärt wurde (BGE 122 I 203
E. 2d f.; BSK ZPO-Rüegg, Art. 118 N 5 und Art. 119 N 5; Emmel, in: Sutter-
Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., Art. 119 N 4; siehe zum alten
Recht auch Frank/Sträuli/Messmer, Kommentar zur zürcherischen Zivilprozess-
ordnung, 3. Auflage, Zürich 1997, N 2 zu § 90 ZPO/ZH).
Vorliegend ersuchte der Gesuchsgegner mit Eingabe vom 16. September
2016 um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege rückwirkend ab 4. August
2016 (Urk. 46 Ziff. 2 der Anträge). Er begründete dies damit, dass es ihm auf-
grund der kurzen Berufungsfrist sowie Personalengpässen nicht möglich gewesen
sei, das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mit der Beru-
fungsschrift vom 4. August 2016 zu stellen (Urk. 46 S. 4).
https://www.swisslex.ch/LawDetail.mvc/Show?normalizedReference=CH%2F101%2F29%2F3 https://www.swisslex.ch/AssetDetail.mvc/Show?assetGuid=4959b42f-a9bc-470b-8c02-f8fc0ebc2ad5 https://www.swisslex.ch/AssetDetail.mvc/Show?assetGuid=0b478d1e-a776-42c8-be12-f6c443dcb1f8 https://www.swisslex.ch/AssetDetail.mvc/Show?assetGuid=8c488aa8-619e-4aaf-acae-fd7618a27836
- 18 -
Der Gesuchsgegner hat bereits im vorinstanzlichen Verfahren ein Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege gestellt, die ihm in der Folge auch gewährt wor-
den ist (siehe Urk. 35 = Urk. 48/4 und Urk. 41 Disp. Ziff. 7). Demzufolge lagen die
erforderlichen Unterlagen dem Gesuchsgegner im Zeitpunkt der Zustellung des
vorinstanzlichen Entscheids im Wesentlichen bereits vor (siehe Urk. 32 und 29/5
und 29/9-11). Weshalb es ihm nicht möglich gewesen sein soll, innert der Beru-
fungsfrist von 10 Tagen bzw. im Rahmen der Berufungsbegründung auch das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege zu stellen und die (nur
teilweise zu aktualisierenden) Unterlagen beizulegen, leuchtet daher nicht ein. In-
wiefern in dieser Zeit sodann ein Personalengpass bestanden haben soll, legte
der Gesuchsgegner nicht näher dar. Abgesehen davon obliegt es dem Gesuchs-
gegner bzw. dessen Rechtsvertreter, sich entsprechend zu organisieren. Mangels
Vorliegens eines Ausnahmefalles ist dem Gesuchsgegner damit im Berufungsver-
fahren die unentgeltliche Rechtspflege erst ab 16. September 2016 zu bewilligen
und es ist ihm Rechtsanwalt X._ ab diesem Zeitpunkt als unentgeltlicher
Rechtsbeistand zu bestellen.
2.5. Die Gesuchstellerin macht bezüglich ihrer Einkommens- und Bedarfsver-
hältnisse geltend, es seien in ihrem Bedarf zusätzlich Steuerschulden für das Jahr
2014 zu berücksichtigen. Diese zahle sie in Raten von monatlich Fr. 930.– ab.
Zudem zahle sie einen Kleinkredit in monatlichen Raten von Fr. 221.– sowie
Steuerschulden des Jahres 2015 von monatlich Fr. 182.– ab (Urk. 51 S. 11).
Bei der Prüfung der Mittellosigkeit sind im Bedarf tatsächlich gemachte Zah-
lungen zu berücksichtigen. Bei privaten Schulden, wie für Kleinkredit- und Lea-
singraten, finden nur regelmässige Raten- und Abzahlungen Berücksichtigung.
Sofern Betrag und Fälligkeitsdatum belegt sind, sind auch regelmässige Zahlun-
gen an laufende Steuern sowie an verfallene Steuerschulden zu berücksichtigen
(Emmel, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., Art. 117 N 11).
Vorliegend begnügte sich die Gesuchstellerin damit, den Privatkreditvertrag
vom 18. Juli 2016 (Urk. 53/2) sowie die "Steuerberechnung 2015" (Urk. 53/3) ein-
zureichen. Einen Beleg, wonach sie die behaupteten Raten auch in tatsächlicher
Hinsicht leistet, reichte sie hingegen nicht ein. Insbesondere vermag der von ihr
- 19 -
eingereichte Kontoauszug der UBS für den Zeitraum 1. September bis 30. Sep-
tember 2016 keine Zahlung in dieser Hinsicht zu belegen (siehe Urk. 53/4). Eine
Nachfristansetzung gestützt auf Art. 56 ZPO drängt sich angesichts der anwaltli-
chen Vertretung vorliegend nicht auf. Zwar gelangt bei der Prüfung der Voraus-
setzungen zur Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege aufgrund der verfah-
rensrechtlichen Natur dieses Anspruchs die Untersuchungsmaxime zur Anwen-
dung. Indes wird diese beschränkt durch das Antragsprinzip (Art. 119 Abs. 1
ZPO) und die Mitwirkungspflicht der Parteien (Art. 119 Abs. 2 ZPO). Die gerichtli-
che Fragepflicht ersetzt jedoch weder die zumutbare Mitwirkung der Parteien bei
der Feststellung des Sachverhalts noch dient sie dazu, prozessuale Nachlässig-
keiten auszugleichen (BGer 5A_115/2012 vom 20. April 2012, E. 4.5.2).
Damit sind die von der Gesuchstellerin geltend gemachten Kreditabzah-
lungsraten sowie Steuerraten für das Jahr 2015 mangels rechtsgenügenden Be-
leges erfolgter Zahlungen nicht im Bedarf zu berücksichtigen. Zu berücksichtigen
sind hingegen die von ihr geltend gemachten Abzahlungsraten für die verfallenen
Steuern des Jahres 2014 im Umfang der noch offenen Raten von Fr. 930.– (fällig
per 31. August 2016) und Fr. 964.– (fällig per 30. September 2016; siehe
Urk. 53/1,1; Urk. 25/7/2). Davon ausgehend, dass es sich vorliegend um einen
wenig aufwendigen Prozess handelt und die Prozesskosten innert eines Jahres
getilgt werden sollten, ergibt dies hinsichtlich der Steuern 2014 einen zu berück-
sichtigenden Betrag von monatlich rund Fr. 158.– (Fr. 930.– + Fr. 964.– dividiert
durch 12). Für das Steuerjahr 2016 ist sodann ein monatlicher Betrag von
Fr. 320.– einzusetzen (siehe oben Ziff. III/3.4.2 lit. d; siehe auch Urk. 51 S. 12,
worin ein Betrag von Fr. 182.– monatlich geltend gemacht wurde, wobei wohl die
zu leistenden Unterhaltsbeiträge noch nicht berücksichtigt worden sind). Die fi-
nanzielle Lage der Gesuchstellerin stellt sich damit wie folgt dar (siehe dazu auch
Urk. 41 E. II/5):
Einkommen Gesuchstellerin: Fr. 6'544.00 Kinderzulagen: Fr. 400.00 Unterhaltsbeiträge: Fr. 200.00 abzüglich: Grundbetrag / Gesuchstellerin Fr. 1'350.00
- 20 -
Grundbetrag / C._ Fr. 400.00 Grundbetrag / D._ Fr. 400.00 Mietzins Fr. 1'980.00 Parkplatz Fr. 120.00 Krankenkasse / Gesuchstellerin Fr. 317.00 Krankenkasse / D._ und C._ Fr. 204.00 Hausrat-/Haftpflichtversicherung Fr. 30.00 Kommunikation Fr. 150.00 Auswärtige Verpflegung Fr. 0.00 Fahrtkosten Fr. 200.00 Kinderschulung / Kinderbetreuung Fr. 650.00 Steuern 2016 Fr. 320.00 Abzahlung verfallene Steuern 2014 Fr. 158.00 Total Bedarf Fr. 6'279.00
Monatlicher Überschuss Fr. 865.00
Angesichts des monatlichen Überschusses von Fr. 865.– sollte es für die
Gesuchstellerin ohne Weiteres möglich sein, die Prozesskosten des Berufungs-
verfahrens innert eines Jahres zu tilgen. Die anwaltlichen Kosten dürften vorlie-
gend überschaubar bleiben, nachdem die Mandatsführung diesbezüglich weder
aufwendig noch besonders anspruchsvoll war. Mangels Bedürftigkeit ist das Ge-
such der Gesuchstellerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das
Berufungsverfahren daher abzuweisen.
2.6. Zusammengefasst ist damit dem Gesuchsgegner im Berufungsverfahren
die unentgeltliche Rechtspflege per 16. September 2016 zu bewilligen und es ist
ihm Rechtsanwalt X._ ab diesem Zeitpunkt als unentgeltlicher Rechtsvertre-
ter zu bestellen. Das Gesuch der Gesuchstellerin ist hingegen mangels Bedürftig-
keit abzuweisen.