Decision ID: d98362dd-d24b-4e9e-9a91-c067df55ffc6
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
Ehrverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, Einzelgericht, vom 15. Mai 2012 (GG120004)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 1. Februar
2012 (Urk. 14) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 43 und 46)
"Es wird erkannt:
1. Die Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen Verleumdung im Sinne von Art. 174 Ziff. 1 StGB
(Anklage Ziff. 1.1.1 lit. b Ziff. 1; lit. c)
− der mehrfachen üblen Nachrede im Sinne von Art. 173 Ziff. 1 StGB
(Anklage Ziff. 1.1.1 lit. a Ziff. 1; lit. b Ziff. 2; lit. e)
− der mehrfachen Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB
(Anklage Ziff. 1.1.2, ausser SMS vom 22. Januar 2011 und vom 19. Februar 2011)
− der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG
in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG (Anklage Ziff. 1.3)
2. Die Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf
− der mehrfachen Verleumdung im Sinne von Art. 174 Ziff. 1 StGB
(Anklage Ziff. 1.1.1. lit. a Ziff. 2; lit d)
− der mehrfachen Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB
(Anklage Ziff. 1.1.2, SMS vom 22. Januar 2011 und vom 19. Februar 2011)
− des Missbrauchs einer Fernmeldeanlage im Sinne von Art. 179septies StGB
(Anklage Ziff. 1.2)
3. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.–
(Fr. 1'800.–) sowie einer Busse von Fr. 300.–.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
Die Busse ist zu bezahlen.
5. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatz-
freiheitsstrafe von 10 Tagen.
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6. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger Fr. 200.– zuzüglich 5 % Zins ab
11. April 2011 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren
abgewiesen.
7. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger für das gesamte Verfahren eine
Prozessentschädigung von Fr. 7'229.– sowie eine Umtriebsentschädigung von Fr. 100.– zu
bezahlen.
8. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten Kantonspolizei
Fr. 1'000.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. amtliche Verteidigung
Wird auf eine Begründung verzichtet, ermässigt sich die Entscheidgebühr auf zwei Drittel.
9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten
auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche
einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse
übernommen werden.
10. (Mitteilungen.)
11. (Rechtsmittel.)"
Berufungsanträge:
a) der Verteidigung der Beschuldigten (Urk. 66 S. 1 f.):
1. Auf Anklagepunkt 1.1.1 A. a) 1) sei nicht einzutreten.
2. Die Beschuldigte sei von sämtlichen Anklagevorwürfen freizusprechen
(Aufhebung von Dispositiv-Ziff. 1, 3, 4 und 5 des Urteils des Bezirksgerichtes
Bülach vom 15. Mai 2012).
3. Auf die Zivilansprüche von B._ sei nicht einzutreten (Aufhebung von
Dispositiv-Ziff. 6 des Urteils des Bezirksgerichtes Bülach vom 15. Mai 2012).
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4. a) Es sei B._ keine Prozess- oder Umtriebsentschädigung für das erstin-
stanzliche Verfahren zuzusprechen (Aufhebung von Dispositiv-Ziff. 7 des Ur-
teils des Bezirksgerichtes Bülach vom 15. Mai 2012), eventualiter sei ihm ei-
ne Prozessentschädigung aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
b) Es sei B._ keine Prozess- oder Umtriebsentschädigung für das oberge-
richtliche Verfahren zuzusprechen.
5. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens, inklusive derjenigen der amtli-
chen Verteidigung, seien auf die Gerichtskasse zu nehmen (Aufhebung
von Dispositiv-Ziff. 8 und 9 des Urteils des Bezirksgerichtes Bülach vom
15. Mai 2012)
6. Die Kosten des Berufungsverfahrens, inklusive derjenigen der amtlichen
Verteidigung, seien auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Eventualanträge (für den Fall eines Schuldspruches):
1. Auf Anklagepunkt 1.1.1 A. a) 1) sei nicht einzutreten.
2. Die Beschuldigte sei mit einer Geldstrafe von maximal 5 Tagessätzen zu
Fr. 30.– (Fr. 150.–) sowie einer Busse von Fr. 300.– zu bestrafen.
3. Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben und die Probezeit auf 2 Jahre
anzusetzen. Die Busse sei zu bezahlen.
4. Bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse sei eine Ersatzfreiheitsstrafe von
10 Tagen anzusetzen.
5. Die Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger Fr. 200.– zuzüglich
5% Zins ab 11. April 2011 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag sei
das Genugtuungsbegehren abzuweisen.
6. Die Beschuldigte sei zu verpflichten, B._ für das gesamte erstinstanzli-
che Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 200.– sowie eine Um-
triebsentschädigung von Fr. 100.– zuzusprechen.
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7. Die Kosten des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens, inklusive derjenigen
der amtlichen Verteidigung, seien nach Massgabe der Frei- bzw. Schuld-
sprüche zu verlegen, wobei allfällig von der Beschuldigten zu tragende
Kosten der amtlichen Verteidigung einstweilen auf die Gerichtskasse zu
nehmen seien.
8. Der Beschuldigten sei eine Prozessentschädigung von Fr. 164.– aus der
Gerichtskasse zuzusprechen, eventualiter seien in diesem Umfang die
Kosten der amtlichen Verteidigung definitiv abzuschreiben.
b) der Staatsanwaltschaft (Urk. 55, schriftlich):
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) des Privatklägers B._ (Urk. 53, schriftlich):
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz vom
15. Mai 2012 wurde die Beschuldigte A._ diverser Ehrverletzungsdelikte so-
wie eines Strassenverkehrsdelikts schuldig gesprochen und mit einer bedingten
Geldstrafe bestraft (Urk. 46 S. 20). Gegen diesen Entscheid liess die Beschuldigte
durch ihre amtliche Verteidigung mit Eingabe vom 22. Mai 2012 innert gesetzli-
cher Frist Berufung anmelden (Urk. 39; Art. 399 Abs. 1 StPO). Die Berufungs-
erklärung der Verteidigung ging ebenfalls innert gesetzlicher Frist bei der
Berufungsinstanz ein (Urk. 49; Art. 399 Abs. 3 StPO). Die Anklagebehörde sowie
der Privatkläger haben mit Eingaben vom 18. und 19. Juli 2012 innert Frist mitge-
teilt, dass auf Anschlussberufung verzichtet wird (Urk. 51, 53 und 55; Art. 400
Abs. 2f. und Art. 401 StPO). Anlässlich der Berufungsverhandlung brachte die
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Verteidigerin der Beschuldigten die bereits gegenüber der Staatsanwaltschaft
Winterthur/Unterland sowie vor Vorinstanz gestellten Beweisanträge erneut ein,
mit denen sie die Einvernahme diverser Zeugen sowie die Einholung eines Straf-
registerauszuges betreffend den Privatkläger beantragt (Prot. II S. 6; Urk. 10/13;
Urk. 24). Die Verteidigung hat die Berufung "grundsätzlich nicht" beschränkt
(Urk. 49; Art. 399 Abs. 4 StPO). Die Anklagebehörde beantragt die Bestätigung
des angefochtenen Entscheides (Urk. 55).
2. Demnach sind im Berufungsverfahren nicht angefochten:
- der vorinstanzliche Teil-Freispruch (Urteilsdispositiv-Ziff. 2.) sowie
- die vorinstanzliche Kostenfestsetzung (Urteilsdispositiv-Ziff. 8.).
Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab Vormerk zu nehmen
(Art. 404 StPO).
II. Schuldpunkt
1.1. Der Beschuldigten wird in der Anklageschrift der Anklagebehörde vom
1. Februar 2012 zusammengefasst vorgeworfen, vom 10. Januar bis zum
27. September 2011 auf der Internet-Sozial-Plattform "C._", auf Fotos des
Privatklägers, die sie in der Nachbarschaft des Privatklägers deponierte, in
E-Mails und SMS an Dritte sowie in SMS an den Privatkläger ehrenrührige
Äusserungen über den Privatkläger gemacht zu haben (Urk. 14). Die Beschuldig-
te ist zum äusseren Sachverhalt geständig, die fraglichen schriftlichen Äusserun-
gen verfasst zu haben (Urk. 5/3; Urk. 32 S. 4; Urk. 65 S. 3).
1.2. Die massgeblichen inkriminierten Äusserungen wurden durch die Anklage-
behörde als Verleumdungen, üble Nachrede und Beschimpfungen eingeklagt. Die
Vorinstanz hat das zu den einzelnen Tatbeständen notwendigerweise zu
Erwähnende im angefochtenen Entscheid angeführt, worauf zur Vermeidung von
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Wiederholungen vorab zu verweisen ist (Urk. 46 S. 6f. und S. 11f.; Art. 82 Abs. 4
StPO).
1.3. Der bereits im Hauptverfahren durch die Verteidigung erhobene prozessuale
Einwand, die Strafantragsfrist sei betreffend Anklageziffer 1.1.1. A)a)1) nicht ein-
gehalten (Urk. 36 S. 2), wurde im Berufungsverfahren erneut vorgebracht (Urk. 66
S. 2f.). Da diesbezüglich ein Freispruch ergehen wird (vgl. nachstehend Ziff. 2.1),
ist dieser Einwand als obsolet zu erachten.
2. Verleumdung oder üble Nachrede
2.1. Zu Anklageziffer 1.1.1. A)a)1) hat die Vorinstanz die Beschuldigte der üblen
Nachrede schuldig gesprochen, da diese - gemäss Anklagesachverhalt - in einer
C._-Kommunikation geschrieben habe, "wie er so viel Kokain genommen
habe, er will sich umbringen und vor den Zug springen, viele Schulden und
Probleme mit der Polizei" (Urk. 46 S. 7). Zur Begründung wurde erwogen, die
Beschuldigte habe hinsichtlich ihrer Behauptung, der Privatkläger konsumiere
Kokain, den Wahrheitsbeweis nicht erbracht; die Fotografie gemäss Urk. 6/6 S. 3
sei eine Persiflage und belege dies nicht (Urk. 46 S. 8).
Die Vorinstanz geht in ihrem Zitat - wie bereits die Anklagebehörde - von einer
falschen Prämisse aus: Aus dem Mailverkehr gemäss Urk. 6/5 S. 1 geht hervor,
dass die Beschuldigte an D._ geschrieben hat: "er (gemeint: der Privat-
kläger) hat mir von dir erzählt... und viele andere sachen" und anschliessend den
inkriminierten Text. Die Beschuldigte hat somit gegenüber der Adressatin
D._ keine eigenen Behauptungen geäussert, sondern - behaupteterweise -
eigene Erzählungen des Privatklägers. Die Beschuldigte hätte - wenn schon - also
nicht den Wahrheitsbeweis zu erbringen, dass der Privatkläger Kokain
konsumiert, sich umbringen will, vor einen Zug springen will sowie viele Schulden
und Probleme mit der Polizei hat, sondern vielmehr, dass der Privatkläger ihr
Solches erzählt hat. Aus den beiden Einvernahmen des Privatklägers in der
Untersuchung ergeben sich diesbezüglich keine konkreten Angaben (Urk. 4/1 und
4/2). Da davon auszugehen ist, dass entsprechende Äusserungen ohnehin im
Rahmen der intimen Beziehung des Privatklägers und der Beschuldigten gemacht
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worden wären und der Privatkläger Entsprechendes heute abstreiten würde, ist
von Weiterungen abzusehen. Die Fotografie gemäss Urk. 6/6 S. 3 ist sodann ent-
gegen der Erwägung der Vorinstanz nicht belanglos, auch wenn es sich um eine
"Persiflage" handelt. Wer sich auf einer Internet-Plattform mit einem Staubsauger-
rohr an der Nase über eine grosse Menge weissen Pulvers gebückt dermassen
dumm produziert, braucht sich in der Tat nicht zu wundern, wenn diese gespielte
Darstellung eines grossen Kokainkonsums mit einem entsprechenden Kommen-
tar versehen wird und er verdient keinen entsprechenden Rechtsschutz. Entge-
gen der Vorinstanz liegen somit weder betreffend den Anklageziffern 1.1.1. A)a)1)
noch betreffend b)2) ehrenrührige Sachdarstellungen im Sinne des Verleum-
dungs- oder des Tatbestandes der üblen Nachrede vor.
2.2. Zum Anklagevorwurf der Verleumdung resp. üblen Nachrede gemäss Ankla-
geziffer 1.1.1. A)b)1) hat die Vorinstanz einen Freispruch erwogen (Urk. 46 S. 9;
Ziff. 3.1.7.1.), dies anschliessend im Urteilsdispositiv jedoch nicht nur bei den
Freisprüchen nicht berücksichtigt, sondern gar schuldig gesprochen! Dies ist
selbstredend zu korrigieren.
2.3. Zum Anklagevorwurf gemäss Anklageziffer 1.1.1. A)c) hat die Vorinstanz
erwogen, ob die seitens der Beschuldigten geäusserte Bezeichnung "Geld-
betrüger" ehrenrührig sei, könne offen bleiben. Hingegen sei die Beschuldigte für
die Verwendung des Ausdrucks "Porno-E._" der Verleumdung schuldig zu
sprechen (Urk. 46 S. 10). Die Erwägungen der Vorinstanz zum Letztern sind
selbstverständlich nicht zu übernehmen: Es wäre entgegen der Vorinstanz
geradezu rassistisch, den Ausdruck "E._" "mit Rückständigkeit, Engstirnigkeit
und mangelnder Bildung in Verbindung zu bringen, dieser Bezeichnung eine
abwertende Bedeutung zuzumessen und sie umgangssprachlich schon fast als
Schimpfwort zu verwenden" (Urk. 46 S. 10; vgl. Art. 261bis StGB und dazu BGE
131 IV 25)! Ein E._ ist eine Person, die aus dem Land E1._ stammt, o-
der aber ein Angehöriger einer ethnischen Volksgruppe, nicht mehr und nicht we-
niger! Aber auch in Verbindung mit dem Begriff "Porno" ergibt sich keine Ehren-
rührigkeit. Der Begriff "Porno-E._" ist eine Kreation der Beschuldigten; was
damit genau gemeint ist, wird dem Leser nicht klar: Ein E._, der Pornografie
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konsumiert? Ein E._, der Pornografie produziert? Beiderlei Behauptungen
würden im Übrigen - noch - keine Ehrverletzung darstellen. Nicht jede Äusserung,
die - mit der Vorinstanz - "negativ belastet" ist (Urk. 46 S. 10), erfüllt in objektiver
Weise einen Ehrverletzungstatbestand. Pornografie ist grundsätzlich erlaubt;
ehrverletzend wäre höchstens die Behauptung, mit unerlaubter Pornografie im
Sinne von Art. 197 Ziff. 3 StGB in Verbindung zu stehen, respektive sich mit an
sich erlaubter Pornografie unerlaubt zu verhalten (Art. 197 Ziff. 1 und 2 StGB).
Solches liegt vorliegend nicht vor. Die Beschuldigte ist in diesem Punkt vom
Verleumdungsvorwurf freizusprechen.
2.4. Gemäss Vorinstanz soll die Beschuldigte mit ihrem E-Mail vom 8. September
2011 an den Arbeitgeber des Privatklägers Letzterem verschiedene Fehlverhalten
vorgeworfen haben. Auf welch "schwere Verfehlungen eine fristlose Entlassung"
grundsätzlich schliessen lassen, kann offen bleiben, hat die Beschuldigte doch
geschrieben, der Privatkläger sei "fast" und somit eben gerade nicht fristlos ent-
lassen worden. Allerdings unterstellt sie dem Privatkläger ohne wenn und aber
einen Versicherungsbetrug und damit eine strafbare Handlung (Urk. 7/3). Gemäss
ihrem Kenntnisstand zum Zeitpunkt der inkriminierten Äusserung sei gemäss
Vorinstanz kein Strafverfahren gegen den Privatkläger wegen Betrugs eingeleitet
gewesen (Urk. 46 S. 11).
Mit den Erwägungen der Vorinstanz fusste die Behauptung der Beschuldigten
einzig auf ihrer Annahme, der Privatkläger spiele Fussball, obwohl er "vermutlich"
unfallbedingt krankgeschrieben gewesen sei sowie darauf, dass er auf C._
mit "Ferien" geprahlt habe (Urk. 36 S. 9; Urk. 32 S. 8). Die Beschuldigte hat den
Privatkläger bei seinem Arbeitgeber einer strafbaren Handlung und damit eines
unehrenhaften respektive rufschädigenden Verhaltens bezichtigt. Diese
Äusserung hat sich als unwahr erwiesen, zumindest wurde der Privatkläger nie
wegen eines Betrugsvorwurfs belangt, und die Beschuldigte hatte auch keinen
ernsthaften Grund, ihren Anwurf für wahr zu halten; sie verbreitete einzig ihren
persönlichen Verdacht (Urk. 5/3 S. 5). Bereits anlässlich der Hauptverhandlung
hielt sie fest, dass sie nicht wisse, ob es ein Verfahren gegen den Privatkläger
betreffend Versicherungsbetrug gegeben habe (Ur. 32 S. 8). Auf welche Art und
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Weise das Schreiben des ehemaligen Arbeitgebers des Privatklägers an die
Verteidigung zustande kam, kann offen gelassen werden: Dieses datiert vom
7. April 2012 und wurde lange nach der Anklageerhebung und offensichtlich im
Hinblick auf die Hauptverhandlung produziert. Die inkriminierte Äusserung der
Beschuldigten datiert jedoch bereits vom 8. September 2011 (Urk. 7/3).
Aus der gesamten Art und Weise, wie die Beschuldigte sich gemäss den vor-
liegenden Akten in der fraglichen Zeit an diversen Stellen über den Privatkläger
verbreitete, geht schliesslich klar hervor, dass sie die fragliche Äusserung
weder zur Wahrung eines öffentlichen Interesses, ferner ohne begründete Veran-
lassung und einzig in der Absicht machte, Übles über den Privatkläger zu ver-
breiten. Sie ist mithin gemäss Art. 173 Ziff. 3 StGB zum Gutglaubensbeweis, auf
welchen die Verteidigung vehement pocht (Urk. 49 S. 2; Urk. 66 S. 8), gar nicht
zuzulassen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1092/2010 vom 29. April 2011 E.
6.2.). Das Motiv der Beschuldigten lag allzu offensichtlich einzig in ihrer Kränkung
über die Zurückweisung des Privatklägers sowie in ihrem Versuch, diesen zur
Rückzahlung einer - behaupteten - Geldschuld zu veranlassen. Damit hat sich die
Beschuldigte in diesem Punkt (korrekt zitiert: Anklageziffer 1.1.1. B)e) mit der
Vorinstanz der üblen Nachrede schuldig gemacht.
3. Beschimpfungen
3.1. Die Beschuldigte hat den Privatkläger sodann anerkanntermassen zahlreiche
Male in an ihn gesandten SMS-Nachrichten mit diversen inkriminierten Aus-
drücken tituliert (Urk. 14, Anklageziffer 1.1.2.). Betreffend die Ausdrücke
"Arschloch, Bodenkriecher, Arschlecker und Pisser" hat die Verteidigung bereits
im Hauptverfahren - zurecht - den ehrverletzenden Charakter der Äusserungen
anerkannt (Urk. 36 S. 12; vgl. auch Urk. 66 S. 11). Dabei handelt es sich zweifel-
los um sog. Verbalinjurien im Sinne von Art. 177 StGB (vgl. Urteil des Bundes-
gerichts 6B_811/2007 vom 25. Februar 2008 E. 4.), was die Beschuldigte in
subjektiver Hinsicht ohne Weiteres wusste. Die Verteidigung kann diesbezüglich
im Berufungsverfahren nicht ernsthaft "rechtfertigenden Notstand" geltend
machen wollen (Urk. 49 S. 2): Die Beschuldigte war - wie bereits vorstehend
erwähnt - offensichtlichst schlicht gekränkt durch den Abbruch der Beziehung
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durch den Privatkläger und wollte diesen ferner zur Rückzahlung eines - behaup-
teten - Darlehens drängen, was sie auch offen zugibt (Urk. 32 S. 10).
Wie vorstehend erwogen, kommt der Bezeichnung "Porno-E._" kein strafba-
rer Charakter zu, ebenso nicht der Bezeichnung "primitiver Bauer". Ein Bauer ist
ein Angehöriger eines in keiner Weise bescholtenen Berufsstandes; jemanden als
"primitiv" zu bezeichnen, kann noch nicht strafwürdig sein. Die übrigen Titulierun-
gen (verdammter Hurensohn, billige Nutte, ... Hure, männliche Prostituierte, [An-
gehöriger einer] diebischen Familie) sind mit der Vorinstanz ohne Weiteres als
Beschimpfungen zu qualifizieren. Insbesondere ist den Ausführungen der Vertei-
digerin der Beschuldigten nicht zu folgen, gemäss welchen das Wort "Dieb" in
Laienkreisen oft undifferenziert gebraucht werde (Urk. 66 S. 10), zumal auch
Laien ohne Zweifel zwischen der - behaupteten - Verweigerung der Rückzahlung
eines Darlehens und einem Diebstahl zu unterscheiden vermögen.
Der angefochtene Schuldspruch ist mit den gemachten Einschränkungen zu
bestätigen.
4. Grobe Verletzung der Verkehrsregeln
4.1. In Anklageziffer 1.3. wird der Beschuldigten schliesslich vorgeworfen, am
8. Mai 2011 während ca. 5 Minuten Fahrzeit mit ihrem Wagen mehrmals bis auf
eine Distanz von lediglich 40 cm auf den Wagen des vor ihr fahrenden Privat-
klägers aufgeschlossen und damit den Privatkläger und weitere Verkehrsteil-
nehmer gefährdet zu haben (Urk. 14 S. 5). Die Beschuldigte bestreitet den Vor-
wurf (Urk. 32 S. 11ff.; Urk. 36 S. 13ff.; Urk. 65 S. 3).
4.2. Anstatt in einer Beweiswürdigung den eingeklagten Anklagesachverhalt zu
erstellen, hat die Vorinstanz kurzerhand auf die Angaben der Beschuldigten
abgestellt und diese im Sinne der Anklage - nicht jedoch des Anklagesach-
verhalts! - schuldig gesprochen (Urk. 46 S. 15). Solches ist vor dem Hintergrund
des Anklageprinzips ohne Weiters völlig untauglich! (zum Anklageprinzip vgl.
Urteil des Bundesgerichts 6B_389/2010 E. 1.3.1.).
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4.3. Wie bereits im Hauptverfahren (Urk. 36 S. 14) machte die Verteidigerin der
Beschuldigten auch im Berufungsverfahren geltend, die belastenden Aussagen
des Privatklägers seien nicht verwertbar, da die an der entsprechenden Einver-
nahme anwesende Beschuldigte nicht anwaltlich vertreten gewesen sei (Urk. 66
S. 12). Da die Vorinstanz sich nicht mit dem Anklagesachverhalt auseinander
gesetzt hat, hat sie auch zum zitierten Argument der Verteidigung keine
Erwägungen angestellt (Urk. 46 S. 15).
Zu Beginn ihrer ersten staatsanwaltlichen Einvernahme wurde die Beschuldigte
mit Verweis auf Art. 158 Abs. 1 lit. c StPO darauf hingewiesen, dass sie eine amt-
liche Verteidigung beantragen könne, worauf die Beschuldigte sagte, sie "bean-
trage eine Pflichtverteidigung, weil ich mir keine Verteidigung leisten kann"
(Urk. 5/2 S. 2). Am Ende dieser Einvernahme wurde der Beschuldigten durch den
verfahrensleitenden Staatsanwalt mitgeteilt, sie müsse in diesem Verfahren ver-
teidigt sein (Urk. 5/2 S. 5). Mit "müssen verteidigt sein" insinuierte die Verfahrens-
leitung - wohl unbeabsichtigt -, es liege ein Grund notwendiger Verteidigung im
Sinne von Art. 130 StPO vor; es ist jedoch in keiner Weise ersichtlich, welcher
(vgl. Art. 130 lit. a-e StPO). Vielmehr erachtete die Verfahrensleitung wohl eine
Verteidigung im Sinne von Art. 132 StPO als geboten. Die Beschuldigte antworte-
te darauf, sie bestelle von sich aus keinen Verteidiger (Urk. 5/2 S. 5), weshalb ihr
mit Verfügung vom Folgetag eine amtliche Verteidigerin bestellt wurde (Urk. 10/6).
Schwierigkeiten, die eine amtliche Verteidigung gebieten könnten, konnten sich
der Beschuldigten einzig im Zusammenhang mit den Ehrverletzungsvorwürfen
und dort namentlich im Zusammenhang mit einem allfällig zu führenden Wahr-
heits- oder Gutglaubensbeweis stellen. Der Vorwurf der Verkehrsregelverletzung
(Einhalten eines deutlich zu geringen Abstandes) ist in jeder Hinsicht einfach;
diesbezüglich bedurfte die Beschuldigte keiner amtlichen Verteidigung. Ihre
diesbezüglichen Aussagen respektive die belastenden Aussagen des Privat-
klägers, die nicht in Anwesenheit der erst am Folgetag der Einvernahmen bestell-
ten amtlichen Verteidigerin deponiert wurden, sind daher verwertbar.
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An dieser Stelle ist die Vorinstanz im Übrigen einmal mehr auf ein Versäumnis
hinzuweisen: So wird die amtliche Verteidigerin im Rubrum des angefochtenen
Entscheides nicht als solche angeführt (Urk. 46 S. 1).
4.4. Zum eingeklagten Tatvorwurf argumentiert die Verteidigung im Berufungsver-
fahren, dass "zugunsten der Beschuldigten auf den kleinstmöglichen Abstand
abzustellen sei" (Urk. 49 S. 2), was - einmal mehr - nicht ihr Ernst sein kann. Im
Hauptverfahren wurde noch behauptet, die Aussagen des Privatklägers seien
unglaubhaft, diejenigen der Beschuldigen hingegen "widerspruchsfrei und
schlüssig" (Urk. 36 S. 13ff.); ähnlich wurde auch anlässlich der Berufungs-
verhandlung argumentiert (Urk. 66 S. 13).
Das Gegenteil ist der Fall: Der Privatkläger hat in seiner staatsanwaltlichen
Einvernahme detailliert, lebensnah und überzeugend geschildert, dass die
Beschuldigte ihm gefolgt und dabei mehrmals sehr nahe aufgeschlossen sei; in
Kreiseln sei sie mit normalem Abstand gefahren; anschliessend sei sie wieder
"wirklich ziemlich nahe" gewesen; er habe im Rückspiegel lediglich noch einen
Teil der Motorhaube ihres Wagens gesehen; wenn er hätte eine Vollbremsung
machen müssen, wäre sie ihm hinten aufgefahren (Urk. 4/2 S. 3f.).
Die Beschuldigte hat hingegen klarerweise gelogen: In ihrer ersten staatsan-
waltlichen Einvernahme gab sie an, während der Fahrt Fotos vom vor ihr fahren-
den Privatkläger gemacht zu haben (Urk. 5/2 S. 4; "ich hatte genug Abstand. Ich
konnte Fotos machen, wo das Nummernschild des Geschädigten erkennbar ist").
An der Hauptverhandlung hat sie dies dann jedoch bestritten (Urk. 32 S. 11).
4.5. Gestützt auf die glaubhaften Belastungen des Privatklägers ist der Anklage-
sachverhalt dahingehend erstellt, dass die Beschuldigte auf der inkriminierten
Fahrt mehrfach mit einem derart geringen Abstand aufgeschlossen hat, dass im
Falle der Notwendigkeit einer Bremsung des Privatklägers ein akutes Risiko einer
Auffahrkollision mit den entsprechenden Kollisionsrisiken bestanden hat. Dies ist
mit der Anklagebehörde als grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90
Ziff. 2 i.V.m. Art. 34 Abs. 4 SVG zu qualifizieren.
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III. Sanktion
1. Die vorinstanzliche Bemessung des konkret anwendbaren Strafrahmens ist zu
präzisieren (Urk. 46 S. 17). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist der
obere Strafrahmen des schwersten zu beurteilenden Delikts (in concreto: grobe
Verkehrsregelverletzung) auch im Falle des Vorliegens eines Strafschärfungs-
grundes grundsätzlich nicht zu überschreiten (BGE 136 IV 55 E. 5.8.). Eine
Bestrafung von über 3 Jahren Freiheitsstrafe (Art. 90 Ziff. 2 SVG) steht vorliegend
nicht zur Diskussion.
2. Die Vorinstanz zitiert zu den theoretischen Grundsätzen der Strafzumessung
lediglich veraltete Praxis und nimmt im Anschluss denn auch keine Strafzu-
messung de lege artis vor (Urk. 46 S. 17). Entsprechend ist sie auf BGE 136 IV
55 E. 5.4 ff.; 135 IV 130 E. 5.3.1; 132 IV 102 E. 8.1; je mit Hinweisen, zu ver-
weisen.
Zur Tatkomponente der groben Verkehrsregelverletzung: Die Beschuldigte hat
mehrfach und über eine Fahrzeit von insgesamt mehreren Minuten gefährlich
nahe auf den Wagen des Privatklägers aufgeschlossen und - zumindest - für
diesen dadurch eine konkrete Gesundheitsgefährdung geschaffen. Die objektive
Tatschwere wiegt nicht mehr leicht. Zur subjektiven Tatschwere kann die
Beschuldigte keinerlei Einschränkung ihrer Schuldfähigkeit geltend machen. Sie
liess einmal mehr ihrem angestauten Ärger über den Privatkläger freien Lauf und
handelte aus nichtigem und egoistischem Motiv. Ihr Verschulden wiegt nicht mehr
leicht. Nach der Beurteilung der Tatkomponente ist für die grobe Verkehrsregel-
verletzung (auch in Berücksichtigung der Strafmassempfehlungen der Ober-
staatsanwaltschaft) eine hypothetische Einsatzstrafe von rund 30 Tagessätzen
Geldstrafe angemessen (vgl. dazu Entscheid des Bundesgerichts 6B_607/2011
E. 4.2.2.).
Zur Täterkomponente hat die Vorinstanz die persönlichen Verhältnisse der
Beschuldigten angeführt (Urk. 46 S. 18). Anlässlich der Berufungsverhandlung
wurde aktualisiert, dass die Beschuldigte seit zehn Tagen als Aushilfe mit einem
Arbeitspensum von bis zu 70% bei der Firma F._ in ... tätig sei. Sie habe je-
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doch keine feste Arbeitszeit zugesichert. Es könne sein, dass sie weniger arbeiten
könne. Der Bruttolohn betrage Fr. 3'400.--, wobei sich dieser Betrag auf ein Ar-
beitspensum von 100% beziehe. Insgesamt rechne sie nicht damit, dass sich ihre
Einkommensverhältnisse durch diese Tätigkeit zum Positiven verändern würden.
Sie suche auf jeden Fall weiterhin eine Festanstellung im Bereich der Gastrono-
mie (Urk. 65 S. 1f.). Die persönlichen Verhältnisse der Beschuldigten wirken sich
bei der Strafzumessung neutral aus. Eine besondere Strafempfindlichkeit weist
sie nicht auf. Sie ist nicht geständig und kann somit weder Reue noch Einsicht für
sich reklamieren. Die Täterkomponente wirkt sich auf die vorstehend bemessene
Einsatzstrafe weder erhöhend noch senkend aus.
3. Diese Strafe für das Delikt mit der schwersten Strafandrohung ist in Abgeltung
der Ehrverletzungsdelikte angemessen zu erhöhen. Auch diesbezüglich wiegt das
Verschulden der Beschuldigten nicht mehr leicht: Ein Anschwärzen bei einem
Arbeitgeber kann für einen Arbeitnehmer sehr unangenehme Folgen haben; die
Beschimpfungen der Beschuldigten erfolgten sodann mit einer primitiven Wort-
wahl und über eine lange Zeit von rund 3⁄4 Jahren. Das Motiv war - wie schon
mehrfach erwogen - rein egoistisch. Eine relevante Provokation des Privatklägers
wird zwar behauptet, ist jedoch nicht ersichtlich. Entsprechend liegt auch - ent-
gegen der Verteidigung - ohne Weiteres kein Fall von Art. 177 Abs. 2 StGB vor
(Urk. 36 S. 12; Urk. 66 S. 11 und 13).
4. Wenn die Vorinstanz die Beschuldigte insgesamt mit 60 Tagessätzen Geld-
strafe bestraft hat, erweist sich dies trotz der diversen Freisprüche, wie sie im
Berufungsverfahren erfolgen, immer noch als angemessen; mit anderen Worten
ist die angefochtene Strafe im Gegenteil zu tief bemessen worden. Die Höhe des
Tagessatzes von Fr. 30.-- sowie die Ausfällung einer Busse von Fr. 300.-- werden
durch die Verteidigung ausdrücklich anerkannt (Urk. 49 S. 3; vgl. Urk. 59; Urk. 66
S. 2ff.). Die Ersatzfreiheitsstrafe in der Höhe von 10 Tagen ist - für den Fall eines
Schuldspruchs - durch die Verteidigung ebenfalls anerkannt worden und ist zu
bestätigen (vgl. Entscheid des Bundesgerichts 6B_180/2008 vom 12. August
2008 E. 5.3.3.; 1C_4/2012 / 1C_14/2012 / 1C_18/2012 vom 19. April 2012 E.7.3.
mit Verweis auf BGE 134 IV 60 E.7.3.3.).
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5. Die Gewährung des bedingten Strafvollzugs unter Ansetzung der gesetzlich
minimalen Probezeit steht schon aus prozessualen Gründen nicht zur Diskussion
(Zum Grundsatz des Verbots der reformatio in peius; vgl. Entscheide des Bun-
desgerichts 6B_165/2011 E.3.2.f.; 6B_156/2011 E.2.5.2.; Art. 391 Abs. 2 StPO).
IV. Genugtuung
Die vorinstanzlich ausgesprochene Verpflichtung der Beschuldigten zur Leistung
einer Genugtuung von Fr. 200.-- zuzüglich Zins an den Privatkläger wird seitens
der Verteidigung für den Fall einer Verurteilung ausdrücklich anerkannt und ist
daher ohne Weiteres zu bestätigen (Urk. 49 S. 3; Urk. 66 S. 2 ff.).
V. Kosten und Entschädigungsfolgen
1.1. Die Vorinstanz hat die Kosten der Untersuchung und des Hauptverfahrens
"dem" (einmal mehr recte: der) Beschuldigten auferlegt (Urk. 46 S. 22). Dies war
angesichts der bereits im Hauptverfahren ergangenen Freisprüche schon
diskutabel (Art. 426 Abs. 1 StPO) und angesichts der im Berufungsverfahren
hinzukommenden Freisprüche vollends zu korrigieren: Der Beschuldigten sind die
entsprechenden Kosten (exklusive Kosten der amtlichen Verteidigung) daher zur
Hälfte aufzuerlegen und in der verbleibenden Hälfte auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind auf die Gerichtskasse zu
nehmen, wobei für die Hälfte dieser Kosten eine Rückforderung im Sinne von
Art. 135 Abs. 4 StPO vorzubehalten ist.
1.2. Dem Privatkläger können die Kosten nicht auferlegt werden, da sie weder
durch seine Anträge zum Zivilpunkt verursacht wurden (Art. 427 Abs. 1 StPO),
noch ihm als antragstellende Person eine mutwillige oder grobfahrlässige Ein-
leitung des Verfahrens vorzuwerfen ist (Art. 427 Abs. 2 StPO).
1.3. Die Vorinstanz hat die Beschuldigte bei voller Kostenauflage verpflichtet, dem
Privatkläger eine volle Prozessentschädigung im Umfang des Aufwandes seines
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Rechtsvertreters zu bezahlen (Urk. 46 S. 20; Urk. 33/1). Ausgangsgemäss ist die
Beschuldigte heute zu verpflichten, dem Privatkläger eine um die Hälfte reduzierte
Prozessentschädigung zu bezahlen. Unter Berücksichtigung der zutreffenden
Einwände der Verteidigerin der Beschuldigten, nach welchen ein Teil der durch
den Rechtsvertreter des Privatklägers geltend gemachten Kosten mit der
Beschwerde an das Obergericht des Kantons Zürich bzw. mit der eingestellten
Untersuchung betreffend Nötigung in Zusammenhang steht (vgl. Urk. 66 S. 14) ist
die Prozessentschädigung zusätzlich zu reduzieren. Dem Privatkläger ist folglich
eine Prozessentschädigung im Umfang von Fr. 3'000.-- (inklusive Mehrwert-
steuer) zu bezahlen (Art. 433 StPO).
1.4. Die Vorinstanz hat erwogen, es sei dem Privatkläger sodann "eine Ent-
schädigung von Fr. 500.-- zuzusprechen" (Urk. 46 S. 20, von wem? gestützt
worauf?), um dann im Dispositiv die Beschuldigte zu einer Leistung einer
Umtriebsentschädigung von Fr. 100.-- zu verpflichten (Urk. 46 S. 21). Da die Ver-
sion gemäss Urteilsdispositiv verbindlich und für die Beschuldigte ohnehin günsti-
ger ist, ist diese zu bestätigen (Art. 433 StPO).
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.-- anzuset-
zen.
2.2. Die Beschuldigte unterliegt mit ihren Anträgen überwiegend, weshalb ihr die
Kosten dieses Verfahrens, exklusive Kosten der amtlichen Verteidigung, zu 2/3
aufzuerlegen sind und der verbleibende 1/3 auf die Gerichtskasse zu nehmen ist.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren sind auf die
Gerichtskasse zu nehmen. Betreffend 2/3 dieser Kosten ist eine Rückforderung
im Sinne von Art. 135 Abs. 4 StPO vorzubehalten.
2.3. Der Privatkläger hat für das Berufungsverfahren keine Prozessentschädigung
geltend gemacht (vgl. Urk. 53 und 62), weshalb ihm keine solche zuzusprechen
ist.
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