Decision ID: 17edb4a8-ce31-40e8-9945-e88a53a62101
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. A._ ist Eigentümer der Parzelle D._ in der Gemeinde B._,
im Gebiet C._. Das Grundstück liegt in der Landwirtschaftszone und
ist mit einer Ökonomie- und Wohnbaute überbaut. Laut rechtskräftigem
Generellem Erschliessungsplan (GEP) vom 23. September 2018, von der
Regierung genehmigt am G._ (RB Nr. E._), wird das Grundstück
über den F._ – im öffentlichen Strassenplan zonenkonform als Land-
und Forstwirtschaftsweg verzeichnet – erschlossen.
2. Gemäss Baugespann – mit Planauflage vom 26. Juni 2020 bis 16. Juli 2020
in der Gemeindekanzlei B._ – beabsichtigt A._ (zusammen mit
seinem Sohn H._) ein Bauprojekt (Neubau Wohn- und Landwirtschaft
Ökonomie-Mehrzweckgebäude auf Parzelle D._) zu realisieren. In der
Folge geriet das geplante Bauvorhaben zeitlich jedoch ins Stocken.
3. Am 4. Juni 2021 erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden Beschwerde gegen das
bisherige Verhalten der Gemeinde gegenüber seinem Neubauprojekt. Er
stellte dem Gericht dazu folgende Anträge:
a) Rüge und Verweis wegen Nichteinhaltens des Beschleunigungsgebots, unzeitgemässe bürgerunfreundliche Bearbeitung eines Verwaltungsver- fahrens;
b) Aufforderung zur umgehenden (zeitnahen) verbindlichen Erledigung sei- ner Pendenz im gegenseitigen Einvernehmen;
c) Entschädigung seines Schadens durch Gemeinde wegen unnötiger fi- nanzieller Aufwendungen.
Zur Begründung dieser Anträge brachte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen vor, dass er schon am 6. August 2020 das Grundbuchamt
I._ aufgesucht habe, um in Sachen "Zufahrtsweg" betreffend
Zuständigkeit für Bau und Unterhalt, Verfahrensabläufe usw. zur Parzelle
D._ Auskunft zu erhalten. Er sei dann an die Gemeinde B._
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weiter verwiesen worden, mit der Aussage, dass wahrscheinlich keine
Dienstbarkeitsverträge benötigt würden, da der Weg klassiert sei, öffentlich
und mit höchster Wahrscheinlichkeit in den offiziellen Strassenplan der
Gemeinde aufgenommen worden sei. Kurz danach habe er im Rathaus
B._ den Gemeindepräsidenten samt Gemeindeschreiber angetroffen.
Der Gemeindepräsident habe ihm sodann freundlicherweise einen
rechtsgültigen Erschliessungsplan der Gemeinde ausgehändigt und die
Aussage des Grundbuchamts bestätigt. Er habe ihm versichert, sich nach
der Jagd sofort um die Sache zu kümmern. Die Gemeinde prüfe zur Zeit
ohnehin ihre Zuständigkeit um verschiedene Strassenanlagen im Hinblick
auf den Unterhalt und die Schneeräumung zu übernehmen. Der
Beschwerdeführer warte aber mittlerweile zehn Monate vergeblich auf eine
Antwort oder die Bearbeitung seines Anliegens. Die Erschliessung sei Teil
seines Bauprojekts und die Gemeindebehörden hätten Kenntnis davon.
Das Amt für Raumplanung verlange in der Baueingabe einigermassen
verbindliche Angaben über Infrastrukturanlagen (Zubringer,
Leistungskataster, Anschlusspunkte), worüber die Gemeinde informiert sei.
Der Beschwerdeführer sei stets für Gespräche zur Erörterung und Klärung
der Problematik zur Verfügung gestanden. So erleide er laufend zeitlichen
und finanziellen Schaden durch vorsätzliches Hinauszögern der Gemeinde
(Behörde/Verwaltung). Ihr Handeln sei nicht nachvollziehbar, unbegründet,
krass rechtsmissbräuchlich und geradezu böswillig. Der Beschwerdeführer
fühle sich diskriminiert, nachteilig behandelt und nicht ernst genommen.
4. In ihrer Vernehmlassung vom 9. Juli 2021 beantragte die Gemeinde
B._ (hiernach Beschwerdegegnerin) dem Verwaltungsgericht die
Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei; unter Kosten-
und Entschädigungsfolge zzgl. 7.7% Mehrwertsteuer zulasten des
Beschwerdeführers. Zur Begründung dieser Anträge wurde zur
Hauptsache geltend gemacht: Auf die Beschwerde sei bereits aus
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formellen Gründen nicht einzutreten. Primär fehle es an einem
Anfechtungsobjekt, wogegen Beschwerde geführt werden könnte. Soweit
sich der Beschwerdeführer auf "Untätigkeit" der Beschwerdegegnerin
berufe, sei aus seinen Behauptungen nicht nachvollziehbar, worin deren
Untätigkeit liegen sollte, geschweige denn, dass überhaupt irgendeine
Pflicht zum Tätigwerden bestünde. Der Beschwerdeführer habe die
Korrespondenz mit der Beschwerdegegnerin selbst ins Recht gelegt, worin
er um Auskunft über die Erschliessungsstrasse ersucht hatte.
Aufforderungsgemäss habe ihm der Gemeindepräsident sodann den
rechtskräftigen und öffentlichen Strassenplan ausgehändigt. Damit habe
die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf Akteneinsichtsrecht erfüllt. Die
Forderungen des Beschwerdeführers zur Lösung einer bestehenden
Problematik seien derart vage und unbestimmt, dass es für die
Beschwerdegegnerin schlicht nicht möglich sei, daraus einen konkreten
Auftrag zum Tätigwerden auch nur abklären zu können. Laut
rechtskräftigem GEP sei das Grundstück Nr. D._ in der
Landwirtschaftszone durch den bestehenden Landwirtschafts- und
Forstweg bereits zur zonenkonformen Nutzung erschlossen, weshalb
diesbezüglich keinerlei Pendenzen bestünden. Die Vorwürfe der
Untätigkeit und der Nichteinhaltung des Beschleunigungsverbots seien
schlicht nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdegegnerin auch nicht
wisse, was sie denn erledigen sollte. Nachgewiesene finanzielle Schäden
wären im Verfahren der Staatshaftungsklage zu behandeln und nicht im
vorliegenden Verfahren. Die Schadensaufstellung des Beschwerdeführers
(über total Fr. 755.--) stelle zudem eine reine Parteibehauptung dar und
entbehre daher jeder Grundlage. Die Eingabe des Beschwerdeführers sei
– angesichts des bereits erfolglos geführten Verfahrens R 21 45 (Gesuch
betreffend Änderung Grundordnung) – als querulatorisch und trölerisch zu
qualifizieren und der Beschwerdeführer daher kosten- wie auch
entschädigungspflichtig gegenüber der Beschwerdegegnerin zu erklären.
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5. Mit Replik vom 26. Juli 2021 hielt der Beschwerdeführer (unverändert) an
seiner Beschwerde vom 4. Juni 2021 fest. Wäre die Beschwerdegegnerin
für die gewünschte Auskunftserteilung nicht zuständig gewesen, hätte sie
seine Anfrage an die zuständige Stelle weiterleiten müssen. Mit E-Mail vom
9. Dezember 2020 habe die Beschwerdegegnerin ihre Zuständigkeit schon
eindeutig bejaht. Aus dem nachgereichten Zeitungsausschnitt ('Eklat nach
Mauschelei im Gemeinderat B._') gehe klar hervor, dass "das
Erstellen einer Strasse inkl. Projektierung, Kreditbewilligung und Bau"
grundsätzlich Aufgabe der Beschwerdegegnerin sei. Vorliegend gehe es
nicht darum, ob die Strasse von der Beschwerdegegnerin finanziert oder
geplant werden müsse, sondern wie und wann sie in Zusammenarbeit mit
dem Beschwerdeführer realisiert werde. Der Anwalt der
Beschwerdegegnerin verstosse mit seiner (tendenziösen)
Vernehmlassung für die Beschwerdegegnerin zudem gegen das
Anwaltsgesetz bzw. das Gebot einer sorgfältigen und gewissenhaften
Auftragserfüllung. Er habe der Gegenseite nie Untätigkeit betreffend
Zufahrtsstrasse vorgeworfen, sondern er habe einzig Auskunft darüber
erhalten wollen, wie die Asphaltierung der Strasse samt Verlegung der
Rohre angegangen werde und wie die Zuständigkeit für die verschiedenen
Pendenzen aussähen. Wie dem E-Mail vom 10. Dezember 2020 zu
entnehmen sei, habe sein Sohn H._ stets vollständige Unterstützung
angeboten. Sowohl der Präsident der Baukommission wie auch die
Mitglieder des Gemeindevorstands hätten davon Kenntnis gehabt. Aus der
schriftlich nachweisbaren Korrespondenz gehe ausserdem nirgends
hervor, dass ihm ein öffentlicher Strassenplan ausgehändigt worden sei.
Erstellt sei dagegen, dass seine Anfragen und Erklärungen über Monate
hinweg unbeantwortet geblieben seien. Mit Pendenzen sei die
Problemlösung für den Zubringer "F._" gemeint. Sein Neubauprojekt
erfordere eine Anpassung des Wegs und verschiedener Leitungen
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(Abwasser, Frischwasser, Internet, Strom) an die aktuellen
Zeitverhältnisse. Die Behauptung des Anwalts, die Anliegen und Wünsche
des Beschwerdeführers entsprächen dessen "Fantasie", sei eine (haltlose)
Unterstellung. Ebenso stossend sei, wenn die Beschwerdegegnerin
behaupte, sie wisse nicht, was sie denn zu erledigen hätte. Die geltend
gemachte Schadenersatzpflicht sei aufgrund des widerrechtlichen und
zögerlichen Verhaltens der Beschwerdegegnerin ausgewiesen. Ein
querulatorisches oder trölerisches Verhalten seinerseits liege nicht vor, weil
er stets kooperativ gewesen sei und er es sei, welcher seit beinahe einem
Jahr auf eine Antwort der Beschwerdegegnerin warte.
6. Mit Eingabe vom 12. August 2021 teilte die Beschwerdegegnerin dem
Gericht ihren Verzicht auf die Einreichung einer Duplik mit, da die Replik
keine neuen, fallrelevanten Ausführungen enthalte und die
Beschwerdegegnerin deshalb an ihrer Vernehmlassung vom 9. Juli 2021
festhalte.
Auf die weiteren Ausführungen und Argumente der Parteien wird, soweit
erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 43 Abs. 3 lit. b des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRG; BR 370.100) entscheidet das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden in einzelrichterlicher Kompetenz, wenn ein Rechtsmittel
offensichtlich unzulässig oder offensichtlich begründet oder unbegründet
ist. Im konkreten Fall geht es zunächst darum, ob die verfahrensrechtlichen
Voraussetzungen für die Erhebung der Beschwerde erfüllt sind oder das
eingelegte Rechtsmittel andernfalls als offensichtlich unbegründet zu
beurteilen ist. Die Beantwortung dieser Rechtsfrage fällt vorliegend somit
in den Kompetenzbereich des Einzelrichters.
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2. Laut Art. 50 VRG ist zur Beschwerde an das Verwaltungsgericht legitimiert,
wer durch den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges
Interesse an seiner Aufhebung oder Änderung hat oder wer durch
besondere Vorschrift dazu ermächtigt ist. Im konkreten Fall fehlt es bereits
an der formellen Voraussetzung eines anfechtbaren Entscheids der
Beschwerdegegnerin und damit an einem tauglichen Anfechtungsobjekt für
ein Verfahren vor Verwaltungsgericht. Der Beschwerdeführer kann daher
im Voraus gar kein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder
Änderung eines "nichtergangenen Entscheids" der Beschwerdegegnerin
haben. Auf die Beschwerde (Eingabe vom 4. Juni 2021) kann folglich
bereits aus diesem elementaren Verfahrensgrundsatz nicht eingetreten
werden.
3. Selbst bei Behandlung und Beurteilung der Streitsache würde sich die
Beschwerde aber offensichtlich als unbegründet und somit haltlos
erweisen, zumal der Beschwerdeführer doch noch selbst einräumte, vom
Präsidenten der Beschwerdegegnerin anlässlich seiner Vorsprache im
Rathaus am 6. August 2020 den massgebenden, seit 2019 rechtskräftigen
generellen Erschliessungsplan (GEP) persönlich ausgehändigt erhalten zu
haben und diesem eindeutig zu entnehmen ist, dass die Parzelle D._
des Beschwerdeführers in der Landwirtschaftszone bereits zonenkonform
über einen öffentlichen Landwirtschafts- und Forstweg erschlossen wird
und daher offenkundig keine privaten Dienstbarkeitsverträge für die
korrekte Erschliessung der Parzelle D._ mit dem darauf geplanten
Neubauprojekt erforderlich sind. Was die Zuständigkeit für den Bau (inkl.
Asphaltierung und Verlegung von Rohren) sowie den Unterhalt des
"F._" betrifft, so hat der Beschwerdeführer – mit Verweis auf das E-
Mail vom 9. Dezember 2020 (Zeitungsartikel) – ebenfalls bereits selbst
erkannt, dass "das Erstellen einer Strasse inkl. Projektierung,
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Kreditbewilligung und Bau" in den Aufgaben- und Finanzbereich der
Beschwerdegegnerin gehört und diese planerisch somit dafür zuständig
und verantwortlich ist. Nichts Gegenteiliges geht auch aus der Auskunft des
Präsidenten der Beschwerdegegnerin anlässlich des Treffens vom 6.
August 2020 hervor, stellte dieser die Übernahme verschiedener
Strassenanlagen im Hinblick auf den Unterhalt und die Schneeräumung
doch noch ausdrücklich in Aussicht. Anhaltspunkte für eine absichtliche
Verweigerungs- oder böswillige Verzögerungstaktik seitens der
Beschwerdegegnerin vermag das Gericht jedenfalls nicht zu erkennen und
wurden vom Beschwerdeführer auch nicht hieb- und stichfest mittels
aussagekräftiger Beweise vorgebracht. Allein die als "viel zu lange"
monierte Zeitdauer von 11 Monaten zwischen der Einreichung des
Baugespanns im Juli 2020 und der Beschwerdeschrift im Juni 2021 ist für
sich offenkundig noch nicht ausreichend, um die Beschwerdegegnerin zu
der vom Beschwerdeführer anvisierten Strassensanierung (Asphaltierung
samt Rohrverlegung) an dem als öffentlicher Landwirtschafts- und
Forstweg im GEP markierten Verkehrsstrang F._ mit einer
Streckenlänge von über 500 Metern behördlich (fristgebunden) zu zwingen.
Es gilt hier also klar zwischen dem Neubauprojekt auf Parzelle D._
und dessen bisheriger zonenkonformer Erschliessung einerseits und den
vom Beschwerdeführer zusätzlich gewünschten Verbesserungen am
Strassenzubringer samt neuer Leitungen (Wasser, Strom usw.)
andererseits zu unterscheiden. Entsprechend müssen auch die jeweiligen
Realisationsfristen und die Bewilligungsdauer für diese verschiedenen
Bauvorhaben in einem Gesamtkontext betrachtet und im Ergebnis
möglichst vernünftig aufeinander abgestimmt werden, was selbst eine
Zeitspanne von einem Jahr plausibel erscheinen lässt und die hier
verstrichene Zeitdauer erklärbar macht. Die Beschwerde vom 4. Juni 2021
wäre daher auch materiell offensichtlich unbegründet – sofern darauf hätte
eingetreten werden können (vgl. E.2).
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4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf
Art. 72 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 73 Abs. 1 VRG dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen, da er das vorliegende Verfahren veranlasst und folgerichtig
die nun anfallenden Gerichtkosten verursacht hat. Der
Beschwerdegegnerin steht keine Parteientschädigung zu, da sie lediglich
in ihrem amtlichen Wirkungskreis tätig wurde (Art. 78 Abs. 2 VRG). Es
liegen im konkreten Fall – entgegen der Ansicht des Anwalts der
Beschwerdegegnerin – insbesondere keine triftigen Gründe vor, die ein
Abweichen von dieser Regel und damit die Zusprechung einer
aussergerichtlichen Entschädigung an die Beschwerdegegnerin zulasten
des Beschwerdeführers rechtfertigen könnten; hat sich der
Beschwerdeführer doch bloss im Rahmen seiner Möglichkeiten für sein
Anliegen bis vor Gericht zur Wehr gesetzt.