Decision ID: bae1c3ae-8452-4b30-a16f-fef966cb78e8
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, Waisenhausstrasse 17,
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St.Galler Gerichte
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Erlass der EL-Rückerstattung zur IV
Sachverhalt:
A.
M._ füllte am 26. April 2005 das Anmeldeformular zum Bezug von
Ergänzungsleistungen zur Invalidenrente aus. Dabei wurde er auch gefragt, ob er
"Leistungen anderer Versicherungen (z.B. Renten der Unfall-, Militärversicherung,
Haftpflichtversicherung, ausländischer Sozialversicherer, Leibrenten mit oder ohne
Rückgewähr, Arbeitslosentaggelder, Krankenkasse usw.)" erhalte. Er verneinte diese
Frage ausdrücklich. Der Rechtsvertreter des Versicherten übermittelte dieses
Anmeldeformular samt Beilagen der zuständigen AHV-Zweigstelle. Bei der
Anspruchsberechnung ab Mai 2005 berücksichtigte die EL-Durchführungsstelle auf der
Einnahmenseite ein anrechenbares Erwerbseinkommen (teils hypothetisch, teils effektiv
erzielt), die Invalidenrente der Ausgleichskasse A._ und den Vermögensertrag. Mit
einer Verfügung vom 25. August 2005 sprach die EL-Durchführungsstelle dem
Versicherten rückwirkend ab Mai 2005 eine Ergänzungsleistung zu. Diese Verfügung
enthielt folgenden Vermerk: "Die vorliegende Verfügung ergeht unter dem Vorbehalt
einer Anpassung für den Fall, dass rückwirkend Versicherungsleistungen erbracht
werden sollten". Da der Versicherte in der Folge keine Veränderung seiner Einnahmen
meldete, enthielten auch die Anspruchsberechnungen ab Januar 2006, Januar 2007
und Januar 2008 auf der entsprechenden Seite der Anspruchsberechnung nur das
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Erwerbseinkommen, die Invalidenrente der Ausgleichskasse A._ und den
Vermögensertrag.
B.
Am 20. Juni 2008 füllte der Versicherte das Formular zur periodischen Überprüfung der
laufenden Ergänzungsleistungen aus. Darin verneinte er die Frage nach dem Bezug
einer Rente der Unfallversicherung. Sein Rechtsvertreter reichte dieses Formular samt
Beilagen am 23. Juni 2008 ein. Zu diesen Beilagen gehörte auch ein Beleg der
PostFinance, der eine Rentenzahlung der SUVA auswies. Die EL-Durchführungsstelle
forderte am 24. November 2008 verschiedene die Erwerbstätigkeit der Ehefrau
betreffende Unterlagen bei der AHV-Zweigstelle an. Am 12. Dezember 2008 verlangte
sie bei der AHV-Zweigstelle auch die Steuererklärung und die Steuerveranlagung 2007
des Versicherten. Erstere wies neben der Invalidenrente der Ausgleichskasse A._
weitere Rentenleistungen von Fr. 26'749.- aus. Am 23. Dezember 2008 erliess die EL-
Durchführungsstelle eine Verfügung, mit der sie die Ergänzungsleistungen ab Januar
2009 festsetzte. Das dazugehörige Berechnungsblatt wies nach wie vor nur die
bekannten drei Einnahmenpositionen aus. Die EL-Durchführungsstelle forderte am 9.
Januar 2009 bei der AHV-Zweigstelle die Rentenbelege der SUVA an. Die AHV-
Zweigstelle sollte ausserdem ausfindig machen, seit wann der Versicherte von der
SUVA eine Rente bezog. Der Versicherte liess durch seinen Rechtsvertreter am 18.
Februar 2009 u.a. die Verfügung der SUVA vom 20. Januar 2006 einreichen, mit der
ihm ab 1. Juni 2005 eine Rente zugesprochen worden war. Die EL-Durchführungsstelle
nahm rückwirkend ab Juni 2005 eine Neuberechnung unter Einbezug der Rente der
SUVA vor. Es resultierte eine Rückforderung aller zwischen Juni 2005 und März 2009
ausgerichteten Ergänzungsleistungen in der Höhe von Fr. 64'820.- (abzüglich
Verrechnung von Fr. 3558.15 wegen Nachzahlung von individuellen
Prämienverbilligungen). Die Rückforderungsverfügung erging am 12. März 2009. Eine
gegen die Rückforderungsverfügung erhobene Einsprache wurde am 11. August 2009
(rechtskräftig) abgewiesen.
C.
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Bereits am 6. Mai 2009 hatte der Versicherte durch seinen Rechtsvertreter ein Gesuch
um den Erlass der gesamten Rückforderung stellen lassen. Darin hatte der
Rechtsvertreter des Versicherten sinngemäss geltend gemacht, die Verfügung der
SUVA datiere vom 20. Januar 2006. Selbst wenn sie der EL-Durchführungsstelle sofort
gemeldet worden wären, hätten die zusätzlichen Einnahmen aus der Rente der SUVA
erst ab Februar 2006 berücksichtigt werden können. Für die von Juni 2005 bis Februar
2006 bezogenen Ergänzungsleistungen sei die Erlassvoraussetzung des guten
Glaubens also erfüllt. Das gelte auch für die ab März 2006 bezogenen
Ergänzungsleistungen, denn dem Versicherten sei schlichtweg nicht bewusst gewesen,
dass die entsprechende Leistung der SUVA nicht bei den Ergänzungsleistungen
gemeldet worden sei. Auch die Erlassvoraussetzung der grossen Härte sei erfüllt, da
der Bedarf der Familie nur knapp gedeckt sei. Mit einer Verfügung vom 23. November
2009 wies die EL-Durchführungsstelle das Erlassgesuch ab. Sie begründete dies
damit, dass die Voraussetzung des guten Glaubens nicht erfüllt sei. Auf den EL-
Verfügungen finde sich nämlich der Hinweis auf die Meldepflicht in Bezug auf
Änderungen in den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Ausserdem trage
die Verfügung vom 25. August 2005 den Vermerk, es bestehe ein Anpassungsvorbehalt
für den Fall, dass rückwirkend Versicherungsleistungen erbracht würden.
D.
Der Versicherte liess durch seinen Rechtsvertreter Einsprache gegen diese Verfügung
erheben. Er stellte folgenden Antrag: "1. Die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt
vom 23. November 2009 bezüglich Erlassgesuch der EL-Rückforderung sei gemäss
nachstehender Ziffer aufzuheben: 2. Der Rückforderungsbetrag sei im Betrag von
Fr. 15'048.- zu erlassen." Zur Begründung führte der Rechtsvertreter des Versicherten
aus, die Rente der SUVA sei mit einer Eingabe vom 23. Juni 2008 gemeldet worden. Es
habe neun Monate gedauert, bis die EL-Durchführungsstelle die zuviel ausbezahlten
Ergänzungsleistungen für den Zeitraum Juni 2005 bis März 2009 neu verfügt habe.
Zumindest für den Zeitraum ab Juni 2008 sei die Voraussetzung des guten Glaubens
erfüllt, da der Versicherte die EL-Durchführungsstelle ja am 23. Juni 2008 über das
Vorhandensein der Rente der SUVA in Kenntnis gesetzt habe. Dass es mehrere Monate
gedauert habe, bis der EL-Anspruch neu berechnet worden sei, könne und dürfe nicht
zum Nachteil des Versicherten gereichen. Bezeichnend sei, dass Ende Dezember 2008
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noch eine Verfügung ergangen sei, bei der die Rente der SUVA ebenfalls noch keine
Berücksichtigung gefunden habe. Ab Juli 2008 sei der gute Glaube also gegeben
gewesen, so dass Ergänzungsleistungen im Betrag von Fr. 15'048.- nicht
zurückgefordert werden könnten und deshalb zu erlassen seien.
E.
Die EL-Durchführungsstelle wies die Einsprache am 15. März 2010 ab. Sie machte
geltend, der gutgläubige Leistungsbezug umfasse nicht nur die Erfüllung der
Meldepflicht. Vielmehr sei die Grundvoraussetzung der Gutgläubigkeit, dass die
versicherte Person überzeugt sei, berechtigterweise Leistungen zu beziehen. Dieser
Überzeugung habe der Versicherte nicht mehr sein dürfen, denn aufgrund der
fehlenden Anrechnung der Rente der SUVA habe ihm bewusst sein müssen, dass er
weiterhin zu Unrecht Ergänzungsleistungen bezogen habe. Das hätte ihm bei der
pflichtgemässen Überprüfung der Berechnungsblätter auffallen müssen. Aus
demselben Grund hätte der Versicherte schon vor Juni 2008 mit einer Rückforderung
der laufend ausgerichteten Ergänzungsleistungen rechnen müssen. Erst recht habe der
Versicherte ab Juni 2008 nicht mehr überzeugt sein dürfen, zu Recht weiterhin
Ergänzungsleistungen in der bisherigen Höhe zu beziehen. Wegen einer groben
Verletzung der Prüfungspflicht sei dem Versicherten der gute Glaube für die gesamte
Rückforderungsperiode abzusprechen.
F.
Der Versicherte liess am 15. April 2010 Beschwerde gegen diesen Einspracheentscheid
erheben und beantragen, die Rückerstattung sei im Betrag von Fr. 15'048.- zu
erlassen. Sein Rechtsvertreter machte geltend, die Berechnungsblätter seien für einen
Laien kaum nachvollziehbar. Der Versicherte habe nach dem Einreichen der Unterlagen
im Rahmen des Revisionsverfahrens keinerlei Rückmeldung mehr erhalten. Zudem
seien per 1. Januar 2009 Ergänzungsleistungen zugesprochen worden, welche die
Rente der SUVA wieder nicht berücksichtigt hätten. Unter diesen Umständen sei es
dem Versicherten nicht zumutbar gewesen, das zugestellte Berechnungsblatt einer
eingehenden Prüfung zu unterziehen. Zudem sei dem Versicherten nicht klar gewesen,
woher die im Berechnungsblatt aufgeführten Einnahmen stammten, denn die Differenz
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zwischen den effektiven Einkünften und den angerechneten Einnahmen habe aus
einem hypothetischen Erwerbseinkommen resultiert. Angesichts des Unterbleibens
einer Reaktion der EL-Durchführungsstelle dürfe dem Versicherten der gute Glaube
nicht abgesprochen werden.
G.
Die EL-Durchführungsstelle beantragte am 22. April 2010 die Abweisung der
Beschwerde.

Erwägungen:
1.
Der Beschwerdeführer hat ursprünglich den Erlass der gesamten Rückforderung
verlangt. In der Einsprache gegen die den Erlass verweigernde Verfügung hat er dann
nur noch den Erlass eines Teilbetrages von Fr. 15'048.- beantragt. Die
Beschwerdegegnerin hat sich im Einspracheentscheid nicht zu dieser betraglichen
Beschränkung äussern müssen, da sie die Einsprache abgewiesen hat. Damit stellt
sich die Frage, ob die das Erlassgesuch abweisende Verfügung in Bbezug auf den in
der Einsprache nicht mehr geltend gemachten Teil der Rückforderung (ohne
Verrechnung Fr. 64'820.- abzüglich Fr. 15'048.-, also Fr. 49'772.-) in formelle
Rechtskraft erwachsen, die Abweisung des Erlassgesuches also wirksam geworden ist.
Diese Frage ist zu bejahen, denn die Rückforderung stellt kein einheitliches Ganzes
dar, das nur entweder vollständig oder dann gar nicht erlassen werden könnte. Ein
Teilerlass setzt auch nicht voraus, dass die Rückforderung beispielsweise auf eine
wiederholte Verletzung der Meldepflicht in Bezug auf zwei zeitlich getrennt auftretende
Veränderungen in den wirtschaftlichen Verhältnissen zurückzuführen wäre, so dass
jeder Meldepflichtverletzung ein bestimmter Teil der Rückforderung zugeordnet werden
könnte, womit für jeden der beiden Teile eine inhaltlich eigenständige Erlassprüfung
erfolgen müsste. Vielmehr steht es der rückerstattungspflichtigen Person völlig frei, ihr
Erlassgesuch auf einen willkürlich bestimmten Teil der Rückforderung zu beschränken.
Bezogen auf den vorliegend zu beurteilenden Fall bedeutet das, dass die
erlassverweigernde Verfügung in Bezug auf den vom Beschwerdeführer selbst
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bestimmten Teil der Rückforderung (Fr. 49'772.-) in formelle Rechtskraft erwachsen ist.
Gegenstand der gerichtlichen Beurteilung kann deshalb zum vornherein nur noch der
Erlass des Rests der Rückforderung (Fr. 15'048.-) bilden.
2.
Wer Leistungen unrechtmässig, aber in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht
zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG, Art. 4
Abs. 1 ATSV). "Ein gutgläubiger Bezug einer Sozialversicherungsleistung liegt vor,
wenn das Bewusstsein über den unrechtmässigen Leistungsbezug fehlt, sofern dieses
Fehlen in einer objektiven Betrachtungsweise unter den konkret gegebenen
Umständen entschuldbar ist" (U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2.A., N. 33 zu Art. 25
ATSG). Wer weiss oder wissen müsste, dass er die ihm laufend ausgerichteten
Ergänzungsleistungen unrechtmässig bezieht, ist also nicht gutgläubig. Die
Unrechtmässigkeit des Leistungsbezuges als Voraussetzung der Rückforderung wird in
der Literatur ganz anders definiert. Sie soll sich aus der Wiedererwägung der
leistungszusprechenden Verfügung, aus der prozessualen Revision der
leistungszusprechenden Verfügung, aus der rückwirkenden revisionsweisen
Anpassung der leistungszusprechenden Verfügung usw. ergeben (vgl. U. Kieser, a.a.O.,
N. 12 zu 25 ATSG). Die Unrechtmässigkeit wird also verfahrensrechtlich begründet. Sie
soll eintreten, sobald die der Leistungsausrichtung zugrunde liegende, formell
rechtskräftige Verfügung aufgehoben und durch eine korrigierte Verfügung ersetzt
worden ist. Für die Anwendung der Rückerstattungsnorm (Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG)
genügt diese Definition. Bezieht man aber die eingangs zitierte Definition des
gutgläubigen Leistungsbezuges als Voraussetzung eines Erlasses der Rückforderung
mit ein, so wäre nach dieser rein verfahrensmässigen Definition des unrechtmässigen
Leistungsbezuges immer von einem gutgläubigen Bezug auszugehen, denn die –
materiell unrichtige - Leistungsausrichtung beruhte ja auf einer damals noch nicht
aufgehobenen oder angepassten Leistungsverfügung, d.h. die Unrechtmässigkeit wäre
erst mit der Aufhebung/Anpassung dieser Leistungsverfügung eingetreten. Die
Erlassnorm (Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG) setzt also eine andere, nicht verfahrens-,
sondern materiellrechtliche Definition des unrechtmässigen Leistungsbezuges voraus.
Eine unrechtmässige Leistungsausrichtung liegt vor, wenn die Leistung nicht dem
objektiv richtigen, gesetzlichen Leistungsanspruch der versicherten Person entspricht,
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wenn die Leistungsverfügung, auf die sich die Leistungsausrichtung stützt, also
inhaltlich falsch ist bzw. falsch geworden ist und deshalb in der Folge dann auch
aufgehoben und rückwirkend durch eine materiell richtige Verfügung ersetzt bzw.
rückwirkend der materiellen richtigen Leistungshöhe angepasst wird. Gutgläubig
bezieht die unrechtmässige Leistung, wer die materielle Unrichtigkeit der
Leistungsverfügung nicht kannte und selbst bei Aufwendung gebührender Sorgfalt
auch nicht kennen konnte bzw. wer nicht durch eine Verletzung der Mitwirkungspflicht
die Ursache für den Erlass einer materiell unrichtigen Leistungsverfügung gesetzt bzw.
die Anpassung der ursprünglich richtigen Leistungsverfügung an einen veränderten
objektiven Leistungsbedarf verhindert hat. Bei einer systematischen, d.h. sowohl dem
Rückforderungs- als auch dem Erlasstatbestand Rechnung tragenden Interpretation
zeigt sich, dass es nur eine Unrechtmässigkeit eines Leistungsbezuges geben kann
und das ist die materielle. Der materiell unrechtmässige Leistungsbezug zwingt dann
aber zu einer revisionsweisen (Art. 53 Abs. 1 ATSG), wiedererwägungsweisen (Art. 53
Abs. 2 ATSG) oder anpassungsweisen (Art. 17 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art. 25 Abs. 2 ELV)
Korrektur der unrichtig bzw. unrichtig gewordenen Leistungsverfügung, damit es nicht
zu einer Verfügungslage kommt, die einen unauflösbaren Widerspruch
(Leistungsanspruch – kein Leistungsanspruch) zur Folge hat. Die Korrekturverfügung
lässt die Unrechtmässigkeit des Leistungsbezuges also nicht entstehen, sondern sie
setzt sie voraus.
3.
Der Beschwerdeführer hat zur Beschränkung des Erlassgesuchs auf einen Teilbetrag
von Fr. 15'048.- sinngemäss ausgeführt, er habe der Beschwerdegegnerin im Juni
2008 mitgeteilt, dass er eine Rente der SUVA beziehe. Da er damit seine Meldepflicht
erfüllt habe und da die Beschwerdegegnerin weiterhin die Ergänzungsleistungen in der
bisherigen Höhe ausgerichtet und erst im März 2009 die Leistungseinstellung und die
Rückforderung verfügt habe, liege für diese Periode ein gutgläubiger Leistungsbezug
vor. Der Beschwerdeführer war zumindest in dem im Juni 2008 von Amtes wegen
eröffneten periodischen Revisionsverfahren anwaltlich vertreten, wie insbesondere die
Tatsache zeigt, dass der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am 23. Juni 2008 das
vom Beschwerdeführer am 20. Juni 2008 unterzeichnete (in Bezug auf die Rente der
SUVA wahrheitswidrig ausgefüllte) Revisionsformular samt den erforderlichen Beilagen
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eingereicht hat. Immerhin hat der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers auch jenen
Auszug aus dem Postkonto beigelegt, aus dem sich die Ausrichtung einer Rente der
SUVA sowie deren monatlicher Betrag haben ableiten lassen. Demnach ist zwar davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter die Meldepflicht
im Ergebnis - verspätet - doch noch hat erfüllen lassen. Das allein bedeutet aber
entgegen der Auffassung des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers nicht, dass der
anschliessende unrechtmässige Bezug von Ergänzungsleistungen notwendigerweise
gutgläubig erfolgt wäre. Für die bis und mit Juni 2008 unrechtmässig erhaltenen
Ergänzungsleistungen wäre an sich aufgrund der bis dahin anhaltenden
Meldepflichtverletzung ohne weiteres von einem nicht gutgläubigen unrechtmässigen
Bezug auszugehen. Da der Erlass dieses Teils der Rückforderung aber nicht
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet, kann diese Frage offen
bleiben. Mit der (verspäteten) Erfüllung der Meldepflicht im Juni 2008 ist die seit der
Entstehung des Rentenanspruchs andauernde Meldepflichtverletzung als Ursache des
unrechtmässigen Leistungsbezuges zwar nicht weggefallen, aber sie hat für die Frage
nach der Gutgläubigkeit keine Bedeutung mehr gehabt. Sie ist durch das Wissen (bzw.
allenfalls durch das Wissenmüssen) um die Anrechenbarkeit der Rente der SUVA als
Einnahme und damit durch das Wissen (bzw. allenfalls durch das Wissenmüssen) um
die Unrechtmässigkeit des weiterdauernden EL-Bezuges ersetzt worden. Massgebend
ist - entgegen der diesbezüglich übereinstimmenden Auffassung der Parteien - nicht
das Wissen bzw. Wissenmüssen des Beschwerdeführers persönlich, so dass die Frage
offen bleiben kann, ob der Beschwerdeführer als EL-rechtlicher Laie die Bedeutung der
Rente der SUVA für seinen EL-Anspruch hätte erkennen müssen. Entscheidend ist
vielmehr das Wissen, allenfalls das Wissenmüssen des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers, das dem Beschwerdeführer aufgrund des Vertretungsverhältnisses
als eigenes anzurechnen ist. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers musste
selbstverständlich wissen, dass die Rente der SUVA als Einnahme Berücksichtigung
finden musste, dass die Höhe dieser Rente in der EL-Anspruchsberechnung einen
Einnahmenüberschuss zur Folge hatte und dass deshalb auch ab Juli 2008 kein
Anspruch auf Ergänzungsleistungen mehr bestehen konnte. Die "Bösgläubigkeit" beim
Bezug unrechtmässiger Leistungen setzt nämlich nicht zwingend eine Verletzung der
Auskunfts- oder Meldepflicht oder ein anderes vorschriftswidriges Verhalten voraus,
das direkt oder indirekt den unrechtmässigen Leistungsbezug verursacht hat. Es
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genügt das Wissen (oder das bei Aufwendung pflichtgemässer Sorgfalt Wissenmüssen)
um die Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs. Dieses Wissen lag im vorliegenden
Fall spätestens ab Juni 2008 vor. Der Beschwerdeführer kann deshalb die fraglichen
Ergänzungsleistungen nicht gutgläubig bezogen haben. Damit kann offen bleiben,
welche Bedeutung dem verfügten Änderungsvorbehalt für den Fall der Nachzahlung
einer anderen Sozialversicherungsleistung für einen allfälligen Rückerstattungserlass
beizumessen ist. Da die eine der beiden kumulativ zu erfüllenden
Erlassvoraussetzungen nicht erfüllt ist, kann die Abklärung der anderen Voraussetzung,
nämlich der grossen Härte einer Rückerstattung, unterbleiben. Die
Beschwerdegegnerin hat das Gesuch um den Erlass der Rückerstattung der zwischen
Juli 2008 und März 2009 zu Unrecht ausgerichteten Ergänzungsleistungen im
Gesamtbetrag von Fr. 15'048.- zu Recht abgewiesen.
4.
Da sich der angefochtene Einspracheentscheid als rechtmässig erweist, ist die
Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenlos. Da der
unterliegende Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung hat, ist
auch das entsprechende Begehren abzuweisen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53
GerG entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 21.09.2010 Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG. Erlass einer Rückerstattung von Ergänzungsleistungen. Ausführungen zu den Voraussetzungen eines gutgläubigen Bezugs unrechtmässig ausgerichteter Ergänzungsleistungen. Die Unrechtmässigkeit des Leistungsbezuges hat beim Rückforderungstatbestand eine andere Bedeutung als beim Erlasstatbestand. Bei der Rückforderung ist eine Leistung als unrechtmässig bezogen anzusehen, wenn die ihr zugrunde liegende Verfügung aufgehoben und durch eine korrigierte Verfügung (tiefere oder gar keine Leistungen mehr) ersetzt worden ist. Beim Erlass ist von einem unrechtmässigen Bezug auszugehen, wenn der Bezüger wusste oder hätte wissen müssen, dass die ihm gestützt auf eine formell rechtskräftige Verfügung ausgerichtete Leistung nicht gesetzeskonform war oder wenn die Ausrichtung einer nicht gesetzeskonformen Leistung auf eine Verletzung der Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung zurückzuführen war (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. September 2010, EL 2010/26).
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2021-09-19T17:19:46+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen