Decision ID: 72f24179-0089-41ad-83e8-c2d342d76c91
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Kläger,
vertreten durch Fürsprecher August Biedermann, Marktgasse 9, 9220 Bischofszell,
gegen
Sammelstiftung BVG der Allianz Suisse Lebensversicherung, Hohlstrasse 552,
Postfach, 8048 Zürich,
Beklagte,
betreffend
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Invalidenrente
Sachverhalt:
A.
A.a B._ war vom 1. Oktober 1997 bis 29. Februar 2004 bei der A._ als Schreiner
tätig und dadurch bei der B._, welche im Juni 2004 mit der Sammelstiftung BVG der
Allianz Schweiz, Lebensversicherungs-Gesellschaft, Zürich (nachfolgend:
Sammelstiftung) fusionierte (vgl. act. G 8.1/5), vorsorgeversichert. Die am 10.
Dezember 2003 ausgesprochene Kündigung hatte die Arbeitgeberin mit
betriebswirtschaftlichen Überlegungen begründet (act. G 1.1/1 und 2). Am 8. April 2004
meldete sich der Versicherte bei der Sammelstiftung zum Leistungsbezug an (act.
G 8.1/7). Im Zeugnis vom 12. Mai 2004 bescheinigte Dr. med. B._, Allgemeine
Medizin FMH, eine volle Arbeitsunfähigkeit seit dem 10. Dezember 2003 (act. G 8.1/8).
Mit Schreiben vom 2. Juli 2004 bestätigte die Sammelstiftung die Beitragsbefreiung der
Vorsorgeversicherung des Versicherten ab 17. März 2004 (act. G 1.1/13).
A.b Am 22. Juni 2006 eröffnete die IV-Stelle des Kantons Thurgau dem Versicherten
verfügungsweise, dass er bei einem IV-Grad von 65% mit Wirkung ab 1. Dezember
2004 Anspruch auf eine Dreiviertelsrente der IV habe. Er sei seit 17. Dezember 2003
erheblich in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Unter Berücksichtigung seiner
Behinderung sei er in einer anpassten Tätigkeit noch zu 50% arbeitsfähig (act. G
1.1/14). Im Einspracheverfahren wurde diese Verfügung aufgehoben und die Sache zur
ergänzenden Abklärung und anschliessenden Neuverfügung an die IV-Stelle
zurückgewiesen (act. G 1.1/15). Nach Durchführung von weiteren Abklärungen verfügte
die IV-Stelle am 10. April 2008, der Versicherte habe bei einem IV-Grad von 100% ab
1. November 2005 Anspruch auf eine ganze Rente. Unter Berücksichtigung seiner
Behinderung sei er nach den Abklärungen in der BEFAS vom 21. Dezember 2005 (act.
G 8.1/28) in einer leidensangepassten Tätigkeit noch zu 50% arbeitsfähig gewesen.
Seit Dezember 2004 habe der IV-Grad 65% betragen, wodurch sich ein Anspruch auf
eine Dreiviertelsrente ergebe. Die in der Folge eingetretene Verschlechterung der
Gesundheit habe am 1. November 2005 ohne Unterbruch drei Monate angedauert,
weshalb ab diesem Datum Anspruch auf eine ganze Rente bei einem IV-Grad von
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100% bestehe (act. G 1.1/16). Die Sammelstiftung teilte der damaligen
Rechtsvertreterin des Versicherten im Schreiben vom 28. April 2008 mit, die Erhöhung
der IV-Rente basiere nicht auf der gleichen Ursache, aufgrund welcher mit Wirkung ab
1. Dezember 2004 auf eine 65%ige Erwerbsunfähigkeit erkannt worden sei. Die
Übernahme der Leistungserhöhung werde abgelehnt, da der Versicherte zu diesem
Zeitpunkt bei ihr bereits ausgetreten gewesen sei. Aufgrund des IV-Grades von 65% ab
1. Dezember 2004 würden hälftige reglementarische Invalidenleistungen gewährt (act.
G 1.1/17).
B.
B.a Am 22. Januar 2009 liess der Versicherte durch Fürsprecher August Biedermann,
Bischofszell, Klage erheben mit den Anträgen, die Beklagte sei zu verpflichten, ihm ab
1. Dezember 2005 eine volle Invalidenrente von Fr. 9'795.-- pro Jahr auszurichten; die
nachzuzahlenden Beträge seien zu 5% zu verzinsen. Die Beklagte sei anzuweisen, das
Alterskapital neu zu berechnen, unter Berücksichtigung der Prämienbefreiung auf dem
gesamten Alterskapital. Zur Begründung führte der Rechtsvertreter unter anderem aus,
das Versicherungsverhältnis des Klägers bei der Beklagten habe am 1. August 2005
noch bestanden. Die am 10. Dezember 2003 ausgesprochene Kündigung sei am
17. Dezember 2003 unterbrochen worden, weil der Kläger ab diesem Datum gänzlich
arbeitsunfähig geworden sei. Gemäss Arbeitsvertrag habe er Anspruch auf
Krankentaggeldleistungen gehabt, welche jedoch nicht ausgerichtet worden seien, weil
die Arbeitgeberin die Prämien nicht mehr bezahlt habe. Die Ansprüche auf
Krankentaggeldzahlungen seien erst im Dezember 2005 erloschen, so dass das
Arbeitsvertragsverhältnis erst Ende Februar 2006 erloschen sei. Allenfalls werde
geltend gemacht, dass zwischen der Arbeitsfähigkeit, welche am 17. Dezember 2003
eingetreten sei, und der späteren Invalidität in sachlicher und zeitlicher Hinsicht ein
direkter und enger Zusammenhang bestehe.
B.b In der Klageantwort vom 20. März 2009 beantragte die Beklagte Abweisung der
Klage, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Klägers. Zur Begründung
führte sie unter anderem aus, der Kläger sei unter Berücksichtigung der
Nachdeckungsfrist per 30. September 2004 aus der bei der Beklagten bestehenden
Versicherung ausgeschieden. Im Übrigen hätte das Arbeitsverhältnis des Klägers mit
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der A._ auch bei der - bestrittenen - Anwendung von Art. 40 Abs. 4 des
Gesamtarbeitsvertrages für das Schreinergewerbe nicht bis Ende Februar 2006
angedauert. Da er ab 1. Dezember 2004 Anspruch auf eine Dreiviertelsrente der IV
gehabt habe, wäre die von der Arbeitgeberin ausgesprochene Kündigung auf den 31.
Dezember 2004 gültig gewesen. Der Kläger sei damit so oder so im Zeitpunkt der
Erhöhung des Invaliditätsgrades von 65 auf 100% am 1. November 2005 nicht mehr
bei der Beklagten versichert gewesen. Die ab 17. Dezember 2003 attestierte
Arbeitsunfähigkeit des Klägers sei während längerer Zeit lediglich somatisch bedingt
gewesen. Echtzeitliche Arztzeugnisse, die eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit
bescheinigen würden, lägen vor August 2005 (Aufnahme der psychiatrischen
Behandlung bei Dr. med. C._) keine vor. Da somit der sachliche Zusammenhang
zwischen der somatisch bedingten Arbeitsunfähigkeit während des
Vorsorgeverhältnisses und der nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses
eingetretenen, psychisch bedingten Erhöhung der Invalidität fehle, sei die Beklagte für
letztere nicht leistungspflichtig.

Erwägungen:
1.
1.1 Anspruch auf Invalidenleistungen gemäss Art. 23 des Bundesgesetzes über die
berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40) in der bis
31. Dezember 2004 in Kraft gewesenen Fassung haben Personen, die im Sinn der
Invalidenversicherung zu mindestens 50% invalid sind und bei Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Laut
dem am 1. Januar 2005 in Kraft getretenen Art. 23 lit. a BVG besteht bereits bei einer
Invalidität von mindestens 40% Anspruch auf Invaliditätsleistungen. Nach Art. 24 Abs.
1 BVG (in Kraft seit 1. Januar 2005) setzt der Anspruch auf eine volle Invalidenrente
eine mindestens 70 %ige Invalidität im Sinne der IV voraus (lit. a). Eine Dreiviertelsrente
kommt zur Ausrichtung bei mindestens 60 %iger Invalidität (lit. b). Eine halbe Rente
wird bei mindestens hälftiger Invalidität (lit. c) und eine Viertelsrente bei mindestens 40
%iger Invalidität ausgerichtet (lit. d). Das Vorsorgereglement der Beklagten (gültig ab 1.
Januar 2001; act. G 8.1/4) geht in Art. 2 Ziffer 12 von einem umfassenderen
Invaliditätsbegriff aus als die Invalidenversicherung (vgl. dazu Hans-Ulrich Stauffer,
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Rechtsprechung des Bundesgerichts zum BVG, 2. Auflage, 2006, S. 50f.), indem eine
Erwerbsunfähigkeit bejaht wird, wenn die versicherte Person durch ärztlichen Befund
nachweisbar ganz oder teilweise ihren Beruf oder eine andere ihrer Lebensstellung,
ihren Kenntnissen und Fähigkeiten angemessene Erwerbstätigkeit nicht mehr ausüben
kann oder wenn sie im Sinn der IV zu mindestens 25% invalid ist. Widersprechen sich
der ärztliche Befund und der Entscheid der IV, geht letzterer vor, sofern dieser nicht
offensichtlich unhaltbar ist. Die Invalidenleistungen richten sich nach dem Grad der
Erwerbsunfähigkeit. Dieser entspricht mindestens dem von der IV festgestellten
Invaliditätsgrad. Ein Erwerbsunfähigkeitsgrad von weniger als 25% gibt keinen
Anspruch auf Leistungen. Wenn der Grad der Erwerbsunfähigkeit 25% oder mehr
beträgt, jedoch weniger als 50%, so wird ein Viertel der vollen Leistung gewährt.
Beträgt der Grad der Erwerbsunfähigkeit 50% oder mehr, jedoch weniger als 66 2/3%,
so wird die Hälfte der Leistungen gewährt. Bei einem Erwerbsunfähigkeitsgrad von 66
2/3% oder mehr werden die vollen Leistungen gewährt (Art. 7 Ziffer 2 des Reglements).
Der Anspruch auf Leistung entsteht in der Regel, sobald die effektive Dauer der
Erwerbsunfähigkeit die Wartefrist von 24 Monaten für die Renten und von drei Monaten
für die Befreiung von der Beitragspflicht überschritten hat. Während der Wartefrist wird
die Fälligkeit des Anspruchs aufgeschoben, solange die versicherte Person entweder
den vollen Lohn oder Taggelder erhält, die mindestens 80% des entgangenen Lohnes
abdecken. Bei Taggeldern aus einer Krankenversicherung müssen die Prämien
mindestens zur Hälfte von der Firma finanziert werden (Art. 7 Ziffer 3 des Reglements).
1.2 Die Beklagte richtete dem Kläger in Anwendung der erwähnten
Reglementsbestimmungen gestützt auf die von Seiten der IV mit Wirkung ab 1.
Dezember 2004 zugesprochene Dreiviertelsrente auf der Basis eines IV-Grades von
65% (act. G 1.1/14) eine halbe Rente aus (act. G 1.1/17). Ein Anpassungsbedarf wegen
der geänderten Rentenabstufung ist bei diesem Rentenbeginn nicht gegeben (vgl. BGE
135 V 319), zumal reglementarische Leistungen zur Diskussion stehen. Streitig ist, ob
der Kläger auf Grund der Verschlechterung seines Gesundheitszustandes, welche zur
Ausrichtung einer ganzen Rente der Invalidenversicherung ab 1. November 2005 auf
der Basis eines IV-Grads von 100% führte (act. G 1.1/16), auch Anspruch auf höhere
Leistungen gegenüber der Beklagten hat. Das nach Art. 23 BVG versicherte Ereignis
knüpft an den Eintritt der relevanten Arbeitsunfähigkeit an, unabhängig davon, in
welchem Zeitpunkt und in welchem Umfang daraus ein Anspruch auf
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Invalidenleistungen entsteht. Für eine einmal geschuldete Invalidenleistung aus
Arbeitsunfähigkeit, die während der Versicherungsdauer aufgetreten ist, bleibt die
Vorsorgeeinrichtung leistungspflichtig, selbst wenn sich nach Beendigung des
Vorsorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert; dies unabhängig davon, wie viel Zeit
zwischen dem ersten Rentenbezug und der Verschlimmerung der Invalidität verstrichen
ist (vgl. SZS 1997, 549 Erw. 3b und 559 Erw. 3). Beruht die Erhöhung des
Invaliditätsgrads auf derselben Ursache wie die ursprüngliche Invalidität, ist die
ursprüngliche Vorsorgeeinrichtung hierfür zur Leistungserbringung zuständig, selbst
wenn ein neues Vorsorgeverhältnis besteht (SZS 1995, 467 Erw. 3; BGE 123 V 262
Erw. 1a). Liegt hingegen eine neue Ursache vor, die zur Erhöhung des Invaliditätsgrads
führt, ist nicht die frühere Vorsorgeeinrichtung leistungspflichtig, sondern die
nachfolgende. Die Leistungspflicht aufgrund einer neuen Ursache kann bei bereits
eingetretener Leistungspflicht einer Vorsorgeeinrichtung dazu führen, dass zwei
Teilinvalidenrenten zweier Vorsorgeeinrichtungen ausgerichtet werden. Besteht im
Zeitpunkt der zusätzlichen, rentenrelevanten Arbeitsunfähigkeit aus neuem
gesundheitlichem Grund kein Vorsorgeverhältnis mehr, erfolgen keine zusätzlichen
Leistungen aus der zweiten Säule (H.-U. Stauffer, Berufliche Vorsorge, Basel 2005, Rz
758; Isabelle Vetter-Schreiber, Berufliche Vorsorge, Zürich 2005, S. 90). Unter
Arbeitsunfähigkeit (im Sinn von Art. 23 BVG) ist die gesundheitlich bedingte Einbusse
an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf zu verstehen. Die
Arbeitsunfähigkeit muss erheblich, offensichtlich und dauerhaft sein. Die Erheblichkeit
wird in der Regel dann bejaht, wenn die Einschränkung mindestens 20 % beträgt (vgl.
Vetter-Schreiber, a.a.O., S. 89 mit Hinweisen auf die höchstrichterliche
Rechtsprechung).
1.3 In BGE 134 V 20 Erw. 3.2 bestätigte das Bundesgericht, dass der sachliche
Konnex zu bejahen sei, wenn der Gesundheitsschaden, der zur Arbeitsunfähigkeit
geführt habe, von der Art her im Wesentlichen derselbe sei, der der Erwerbsunfähigkeit
zugrunde liege. In der (früheren) einschlägigen Rechtsprechung war teilweise
festgehalten worden, nicht erforderlich sei, dass zwischen dem (psychischen und/oder
körperlichen) Gesundheitsschaden, welcher während eines bestimmten
Arbeitsverhältnisses eine Arbeitsunfähigkeit bewirke und der späteren
(invalidisierenden) Verschlimmerung des Leidens ein adäquater Kausalzusammenhang
bestehe; eine Wechselwirkung im Sinn einer natürlichen Kausalität genüge (vgl. z.B.
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Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 14. Juni 2004 i/S
Personalvorsorge-Stiftung S./M. [B 111/02], Erw. 2.2.2 mit Hinweisen). Gemäss einem
Hinweis in SZS 2005, 550, fand in der zuständigen Kammer des damaligen EVG eine
Diskussion statt, ob die in SZS 2003, 361 verwendete Formulierung, wonach der
sachliche Zusammenhang zwischen dem während des Vorsorgeverhältnisses
eingetretenen Gesundheitsschaden (in casu: Osteoporose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit) und der nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses eingetretenen
Invalidität (in casu: psychische Erkrankung) zu verneinen sei, wenn "sich aus den Akten
keinerlei Hinweise auf eine Wechselwirkung der beiden Erkrankungen ergeben", nicht
mehr zu verwenden sei. In diesem Kontext wurde auch erwogen, den im oben
erwähnten Urteil vom 14. Juni 2004 (B 111/02) Erw. 2.2.2 enthaltenen Begriff der
"natürlichen Kausalität" zu vermeiden. Von einer eigentlichen (inhaltlichen)
Praxisänderung kann dabei nicht ausgegangen werden. Vielmehr handelt es sich
soweit ersichtlich um eine blosse Formulierungsanpassung ohne eigentliche inhaltliche
Auswirkung. So hielt das Bundesgericht denn auch unter anderem im Urteil vom 29.
Januar 2007 i/S K. [B 46/06] fest, der sachliche Zusammenhang könne auch gegeben
sein, wenn die bei noch bestehender Versicherungsdeckung eingetretene
Arbeitsunfähigkeit somatisch, die Anspruch auf eine Rente der IV begründende,
allenfalls auch berufsvorsorgerechtliche Leistungen auslösende Invalidität jedoch
psychisch bedingt sei. Notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung hierfür sei,
dass das psychische Leiden sich schon während des Vorsorgeverhältnisses
manifestiert und das Krankheitsgeschehen erkennbar mitgeprägt habe. Hierbei verwies
das Bundesgericht auf das Urteil des EVG vom 21. Januar 2005 i.S B. (B 32/03; vgl.
erwähntes Urteil B 46/06 Erw. 3.3). In einem neueren Urteil erkannte das Bundesgericht
sodann, dass ein psychisches Leiden mit Krankheitswert und Auswirkungen auf das
Leistungsvermögen während des streitigen Vorsorgeverhältnisses erkennbar in
Erscheinung getreten sein müsse (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 26. Februar
2008 i/S J. [9C_772/2007] Erw. 4.2). Der entsprechende Beweis ist durch echtzeitliche
Belege (Arztzeugnisse) zu leisten (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. Januar 2009
[9C_967/2008] Erw. 3 und 5.2) und darf nicht durch nachträgliche Annahmen und
spekulative Überlegungen ersetzt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juni
2008 [9C_96/2008] Erw. 2.2). Von dieser Rechtsprechung ist nachstehend auszugehen.
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1.4 Der Nachweis des Eintritts einer berufsvorsorgerechtlich relevanten
Arbeitsunfähigkeit hat nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu
erfolgen (SZS 2003, 438). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis
der Vorakten abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist
somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten.
Was Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt der Umstand allein, dass eine ärztliche
Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wird, nicht
Zweifel an ihrem Beweiswert (BGE 125 V 351 Erw. 3b).
2.
2.1 Vorweg zu prüfen ist die Frage, in welchem Zeitpunkt das Vorsorgeverhältnis des
Klägers bei der Beklagten beendet wurde. Unter Vorbehalt von Art. 8 Abs. 3 BVG endet
die Versicherungspflicht, wenn das Arbeitsverhältnis aufgelöst wird (Art. 10 Abs. 2 lit. b
BVG). Bei Kündigung des Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitgeber sind die
Sperrfristen gemäss Art. 336c Abs. 1 Bst. b des Obligationenrechts (OR; SR 220) zu
beachten. Falls die Kündigung während dieser Sperrfristen erfolgte, ist sie nichtig. Bei
vor Beginn der Sperrfristen erfolgter Kündigung wird die Kündigungsfrist unterbrochen
und erst nach Ablauf der Sperrfrist fortgesetzt (Art. 336c Abs. 2 OR). Das
Vorsorgeverhältnis dauert bis zum Ende des korrekt aufgelösten Arbeitsverhältnisses,
nicht jedoch darüber hinaus, auch wenn der Anspruch auf Krankentaggeld noch nicht
erschöpft ist (vgl. Mitteilungen über die berufliche Vorsorge Nr. 84, Rz 485). Nach Art. 8
Abs. 3 BVG behält der bisherige koordinierte Lohn mindestens solange Gültigkeit, als
die Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers nach Art. 324a OR bestehen würde, wenn
der Jahreslohn vorübergehend unter anderem wegen Krankheit sinkt. Bis zum Ende
dieser hypothetischen Lohnfortzahlungspflicht (hypothetisch deshalb, weil der
Arbeitgeber seiner Lohnfortzahlungspflicht durch Abschluss einer
Krankentaggeldversicherung nachgekommen ist und deshalb die Krankentaggelder an
die Stelle des Lohnes treten) dauert das Vorsorgeverhältnis fort. Nach Ende der
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hypothetischen Lohnfortzahlungspflicht endet das Vorsorgeverhältnis, obwohl bzw.
auch wenn das Arbeitsverhältnis (noch) nicht beendet ist. In den Fällen, in denen der
Arbeitgeber zusätzlich zu den Krankentaggeldern noch Lohnzahlungen erbringt und die
versicherte Person somit weiterhin 100% des bisherigen Lohnes erhält, stellt die
Lohnzahlung gemäss Art. 7 lit. m AHVV massgebenden AHV-Lohn dar, weshalb dieser
Anteil grundsätzlich auch in der zweiten Säule zu versichern ist (Mitteilungen über die
berufliche Vorsorge Nr. 84, Rz 485).
2.2 Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses des Klägers erfolgte mit Schreiben vom
10. Dezember 2003 auf den 29. Februar 2004 (act. G 1.1/2). Dr. B._ bescheinigte ab
10. bzw. 17. Dezember 2003 eine volle Arbeitsunfähigkeit (act. G 8.1/8, 8.1/24, 8.1/26).
Die Annahme des erstgenannten Beginns der Arbeitsunfähigkeit hätte die Nichtigkeit
der Kündigung zur Folge. Allerdings geht auch der Kläger von einem Beginn der
Arbeitsunfähigkeit am 17. Dezember 2003 aus (vgl. act. G 1 S. 4 und 11). Gestützt auf
das letztgenannte Datum würde in Anwendung von Art. 39 Abs. 1 (Kündigungsfrist von
zwei Monaten) sowie Art. 40 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 (Unterbruch der Kündigungsfrist
und Fortsetzung derselben nach Beendigung der Sperrfrist von 180 Tagen) des
allgemeinverbindlich erklärten Gesamtarbeitsvertrages für das Schreinergewerbe (act.
G 1.1/3f) die Beendigung des Arbeitsverhältnisses und damit auch des
Vorsorgeverhältnisses grundsätzlich bis Ende August 2004 hinausgeschoben. Nach
Art. 40 Abs. 4 GAV darf nun allerdings bei gänzlicher Arbeitsunfähigkeit infolge
Krankheit beim überjährigen Arbeitsverhältnis frühestens auf den Termin gekündigt
werden, in welchem der Anspruch auf das Krankentaggeld erlischt oder der Anspruch
auf eine mindestens halbe IV-Rente besteht. Diese Bestimmung legt vom Wortlaut her
nicht fest, ob die Arbeitsfähigkeit vor oder nach der Kündigung eingetreten sein muss.
Es besteht kein sachlicher Grund, den Fall, in welchem es erst nach der Kündigung des
Arbeitsverhältnisses zu einer Arbeitsunfähigkeit kam, bei der Anwendung von Art. 40
Abs. 4 GAV auszuschliessen, zumal die Bestimmung lediglich den Endtermin der
Kündigung festlegt, nicht jedoch den Zeitpunkt der Kündigungserklärung. Im Weiteren
fehlt es an einem konkreten Anlass, die Arbeitnehmer, welche erst nach Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit gekündigt wurden, bei der Anwendung von Art. 40 Abs. 4 GAV
anders (d.h. schlechter) zu behandeln als diejenigen, welche im Zeitpunkt der
Kündigung bereits arbeitsunfähig waren.
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Ist eine Krankentaggeldversicherung vertraglich vereinbart (vgl. act. G 1.1/1 Ziffer 7.1)
und erfüllt der Arbeitgeber diese Verpflichtung nicht oder nicht vollständig, indem er
z.B. die Prämien nicht bezahlt, so hat er den Arbeitnehmer so zu stellen, wie wenn die
Versicherung vertragskonform zustande gekommen wäre (Streiff/v. Kaenel,
Arbeitsvertrag, Praxiskommentar, 6. A., N 14 zu Art. 324a/b OR mit Hinweisen). - Im
Schreiben vom 1. Juni 2004 legte der Krankentaggeldversicherer dar, für die
Arbeitsunfähigkeit könne er keine Leistungen erbringen. Infolge Nichtbezahlung der
Prämie ruhe die Leistungspflicht seit dem 3. September 2002 (act. G 1.1/7). In der
Folge leistete die ehemalige Arbeitgeberin dem Kläger Entschädigungen
(Lohnweiterzahlungen) in Höhe der nicht erbrachten Krankentaggelder (act. G 1.1/9,
1.1/10), wodurch sich Beitragsnachzahlungsverfügungen der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen für die Jahre 2004 und 2005
ergaben (act. G 1.1/11, 1.1/12). Nach dem erwähnten Art. 40 Abs. 4 GAV ist eine
Kündigung unter anderem (alternativ) auf den Termin möglich, in dem der Anspruch auf
eine mindestens halbe IV-Rente besteht. Wenn der Rentenanspruch vor dem Ende der
Krankentaggeldzahlungen entsteht, so kann bei der Anwendung von Art. 40 Abs. 4
GAV dem Zeitpunkt des Erlöschens der Krankentaggeldzahlungen keine Bedeutung
mehr zukommen. Eine Weiterausrichtung von Krankentaggeldleistungen kann m.a.W.
die Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht über das Datum des Rentenbeginns
hinausschieben. Dem Kläger wurde auf Anfang Dezember 2004 eine Dreiviertelsrente
zugesprochen (act. G 1.1/16). Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses hätte
demgemäss auf Ende Dezember 2004 erfolgen können. Dies hat zur Folge, dass das
Arbeitsverhältnis und damit auch das Vorsorgeverhältnis des Klägers bei der Beklagten
bis Ende Dezember 2004 dauerte.
3.
3.1 Der Kläger war bei Beginn der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache vorerst zum
Invaliditätsgrad von 65% ab Dezember 2004 führte, der Beklagten angeschlossen. Der
Beklagten wurde die Verfügung vom 10. April 2008 betreffend Erhöhung der Rente ab
1. November 2005 zugestellt (act. G 1.1/16). Da jedoch im Vorsorgereglement der
Beklagten ein im Vergleich zur IV umfassenderer IV-Begriff Anwendung findet
(vorstehende Erw. 1.1), fällt eine eigentliche Bindungswirkung der
invalidenversicherungsrechtlichen Feststellungen für die Vorsorgeeinrichtung (BGE 129
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V 73) ausser Betracht. Der Eintritt der Erhöhung der Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit
und der gegenüber der Beklagten allenfalls bestehende Anspruch auf höhere
Invalidenleistungen ist daher von der Beklagten bzw. vom angerufenen
Versicherungsgericht selbständig abzuklären und festzulegen. Dabei sind auch die im
IV-Verfahren produzierten Akten mit zu berücksichtigen. Hinsichtlich des von der IV
vorgenommenen Einkommensvergleichs bzw. des resultierenden IV-Grads (von 100 %
ab November 2005) besteht dennoch kein Anlass für eine selbständige Festlegung in
diesem Verfahren, nachdem Anhaltspunkte für eine offensichtliche Unrichtigkeit
derselben weder geltend gemacht werden noch aus den Akten ersichtlich sind. Da der
Kläger die Arbeitsfähigkeit nicht wieder erlangte, mithin die zeitliche Konnexität ohne
weiteres zu bejahen ist, bestünde Anspruch auf eine höhere Invalidenrente, wenn
zwischen der bei Eintritt des Versicherungsfalls bestehenden Arbeitsunfähigkeit und
der Erhöhung des Invaliditätsgrads auch ein sachlicher Zusammenhang zu bejahen ist.
3.2 Nach Lage der medizinischen Akten (Bericht Dr. med. H. D._ vom 6. April 2004
[act. G 8.1/23]; Bericht Dr. B._ vom 27. April 2004 [act. G 8.1/24]; Bericht der Klinik
E._ vom 7. Dezember 2004 [act. G 8.1/25]) basierte der Anspruch auf eine
Dreiviertels-Invalidenrente mit Wirkung ab 1. Dezember 2004 auf folgenden, die
Arbeitsfähigkeit einschränkenden Beschwerden: Verminderte Belastbarkeit der
Wirbelsäule bei Osteoporose, Skoliose und mögliche Psoriasis-Spondylarthritis,
schmerzhafte Funktionseinschränkung der rechten Schulter nach AC-
Gelenksresektion, chronisches Zervikalsyndrom bei degenerativen Veränderungen der
HWS. Dr. B._ schätzte die Arbeitsunfähigkeit für die bisherige Tätigkeit als Schreiner-
Monteur in den Berichten vom 4. und 27. April sowie 12. Mai 2004 auf 100% seit dem
10. Dezember 2003. Er empfahl die Suche nach beruflichen Alternativen bzw. nach
einer Arbeit (50%) ohne grosse Kraftentwicklung und ohne Notwendigkeit des Tragens
von schweren Lasten, von langem Stehen an Ort, von repetitivem Bücken und langem
Sitzen in gleicher Position (act. G 8.1/8, G 8.1/23, G 8.1/24). Die Ärzte der Klinik E._
erachteten den Kläger im Bericht vom 7. Dezember 2004 in der bisherigen Tätigkeit
ebenfalls nicht mehr arbeitsfähig, bescheinigten jedoch für eine leichte bis
mittelschwere, wechselbelastende Arbeit mit Heben von Lasten von maximal 20 kg
(nicht repetitiv) eine volle Arbeitsfähigkeit. Als Nebendiagnose vermerkten sie unter
anderem eine aufgrund eines psychologischen Evaluationsgesprächs festgestellte
Anpassungsstörung mit leichter depressiver Reaktion (act. G 8.1/25). Dr. B._
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berichtete am 13. April 2005 über eine zusätzlich aufgetretene Depression bei
psychosozialer Problematik (act. G 8.1/26). Dr. med. F._, Innere Medizin FMH,
speziell Rheumaerkrankungen, gelangte im Gutachten vom 21. Juli 2005 zum Schluss,
der Kläger sei in der Lage, eine leidensadaptierte, leichte bis mittelschwere Tätigkeit
mit gelegentlichem Wechsel der Körperposition zu 100% auszuüben (act. G 8.1/27). Im
Schlussbericht der BEFAS vom 21. Dezember 2005 wurde unter anderem festgehalten,
man habe den Kläger während des Aufenthalts physisch und psychisch vermindert
belastbar erlebt. Wegen der psychischen Befindlichkeitsstörung sei der Kläger über
den Hausarzt für eine psychotherapeutische Behandlung angemeldet worden. In der
Zeit vor dem BEFAS-Aufenthalt hätten regelmässig alle zwei bis drei Wochen
Gespräche stattgefunden. Gesundheitlich bedingt habe er auch unter
leidensadaptierten Verhältnissen nur Tagesarbeitsleistungen von durchschnittlich 50%
erreicht - auch bei behinderungsadaptierten Einsätzen in dem ihm bekannten
Tätigkeitsbereich in der Holzwerkstatt. Gesamthaft könne behinderungsadaptiert eine
50%ige Arbeits- und Tagesleistungsfähigkeit attestiert werden (act. G 8.1/28). Im
Bericht vom 7. Dezember 2005 bestätigte Dr. B._ die volle Arbeitsunfähigkeit im
Beruf als Schreiner in der Zeit vom 17. Dezember 2003 bis 31. Dezember 2005. Ab 1.
Januar 2006 bestehe versuchsweise eine Arbeitsfähigkeit von ca. 50% für eine
ganztägige, leichteste adaptierte Tätigkeit (act. G 1.1/5).
3.3 Im Rahmen einer psychiatrischen Begutachtung diagnostizierte Dr. med. G._,
Eidg. Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, im Bericht vom 15. August 2007 mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schwere depressive Störung mit paranoid-
querulatorisch anmutenden Symptomen mit dem vorherrschenden Gefühl von Angst
sowie einen Status nach Reaktion auf Belastung und Anpassungsstörung, Angst und
Depression gemischt. Wie aus der Krankengeschichte und aus den Akten klar
hervorgehe, handle es sich beim Kläger primär um ein chronisches muskuloskelettales
Schmerzsyndrom, das in den letzten Jahren (mindestens seit 2003) zunehmend
psychogen überlagert worden sei und zwar mit undifferenzierten
Somatisierungssymptomen (vegetative Begleitbeschwerden) und mit dem anhaltenden
Gefühl von Angst. Aus psychiatrischer Sicht habe die Arbeitsunfähigkeit des Klägers
seit seiner Kündigung allmählich zugenommen, und er sei spätestens seit August 2005
zu 75% arbeitsunfähig und zwar auch für körperlich adaptierte Tätigkeiten (act. G
8.1/29).
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4.
4.1 Mit Blick auf die medizinischen Akten ist festzuhalten, dass eine psychiatrische
Diagnose (Anpassungsstörung mit leichter depressiver Reaktion) erstmals im Bericht
der Klinik E._ vom 7. Dezember 2004 und somit noch während des bis Ende
Dezember 2004 dauernden Vorsorgeverhältnisses bei der Beklagten bzw. der
einmonatigen Nachdeckungsfrist (Art. 10 Abs. 3 BVG) erwähnt worden war. Dr. B._
bestätigte am 13. April 2005 - gestützt auf eine am 16. März 2005 erfolgte
Untersuchung - eine Depression bei psychosozialer Problematik (act. G 8.1/25f). In den
früheren, in den Berichten von Dr. F._ und Dr. G._ zitierten ärztlichen Berichten
finden sich keine diesbezüglichen Hinweise (vgl. act. G 8.1/27 S. 7-12 und G 8.1/29 S.
4 und 6). Von Seiten der BEFAS wurde am 21. Dezember 2005 unter anderem eine
psychisch bedingte verminderte Belastbarkeit vermerkt (act. G 8.1/28). Wenn Dr. G._
im Gutachten vom 15. August 2007 festhielt, das beim Kläger bestehende
Schmerzsyndrom sei seit mindestens 2003 psychogen mit undifferenzierten
Somatisierungssymptomen und dem Gefühl von Angst überlagert worden, die
Arbeitsunfähigkeit habe aus psychiatrischer Sicht seit der Kündigung allmählich
zugenommen und betrage spätestens seit August 2005 75% (act. G 8.1/28 S. 13), so
lässt sich daraus - mangels echtzeitlicher ärztlicher Bestätigungen - allerdings eine
mindestens 20%ige psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit seit Ende Januar 2005 nicht
ohne weiteres unmittelbar ableiten. Es stellt sich somit die Frage, ob zwischen dem
somatischen Gesundheitsschaden, der während des Vorsorgeverhältnisses mit der
Beklagten eine relevante Arbeitsunfähigkeit bewirkte, und dem zur Erhöhung des
Invaliditätsgrades führenden psychischen Leiden ein enger sachlicher Konnex besteht
(vgl. das bereits erwähnte EVG-Urteil B 32/03 Erw. 3.1 und 5.2).
4.2 Dr. G._ stellte zwischen den psychischen und sozialen Gegebenheiten und dem
körperlichen Krankheitsgeschehen beim Kläger einen sachlichen Bezug her, indem er
in seinem ausführlich begründeten Gutachten zum Schluss kam, das Schmerzsyndrom
sei seit mindestens 2003 psychogen mit undifferenzierten Somatisierungssymptomen
und dem Gefühl von Angst überlagert worden. Zugrunde liege beim Kläger eine
leistungsorientierte Persönlichkeitsstruktur, weswegen er beim Nachlassen der
körperlichen und mutmasslichen geistigen Fähigkeit noch eine Ausbildung zum
Oberflächenspezialisten ergriffen habe, um seine Chancen im freien Arbeitsmarkt nicht
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zu verlieren. Seine Bemühungen bzw. seine Arbeitsleistungen seien trotz Erkrankung
(Zunahme der empfundenen Schmerzen) nicht anerkannt worden. Im Gegenteil, er
habe - nach eigenen Angaben - die Kündigung erhalten, was zusätzlich zu einer
narzisstischen Dynamik und zu mehr Ängsten (im Vordergrund durch Existenzängste
geäussert) geführt habe. Er habe sich zunehmend als "Versager" gefühlt und sei in
Konflikt mit sich selbst geraten. Wie aus den Akten zu entnehmen sei, habe der Kläger
nach der Kündigung depressive Symptome (Müdigkeit, Hoffnungslosigkeit,
Niedergeschlagenheit, Leistungsinsuffizienzgefühle) entwickelt, im Rahmen einer
Reaktion auf Belastung und Anpassungsstörung, welche trotz fachkundiger
Behandlung (bei Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie vom 30.
August 2005 bis 15. März 2006) nicht gebessert habe, im Gegenteil, in eine depressive
Störung mit somatischem Syndrom ausgeartet habe, und zwar seit spätestens August
2005 (Anfang der psychiatrischen Behandlung) laut Beschreibung des behandelnden
Psychiaters einer mittelschweren bis schweren depressiven Störung entspreche.
Dieser Zustand sei ebenfalls im BEFAS-Abschlussbericht deutlich zu eruieren, auch
wenn der Kläger seine depressiven Symptome durch eine psychogene Überlagerung
und durch Existenzängste äussere. Aus psychiatrischer Sicht habe die
Arbeitsunfähigkeit des Klägers seit seiner Kündigung allmählich zugenommen (act. G
8.1/29 S. 13f).
Die Erkennbarkeit psychischer Probleme ergab sich grundsätzlich bereits Ende 2004
anlässlich des Aufenthalts in der Klinik E._, indem dort wie erwähnt eine
Anpassungsstörung - wenn auch "nur" als Nebendiagnose - bestätigt worden war (act.
G 8.1/25). Auch wenn die Klinikärzte für eine leichte bis mittelschwere,
wechselbelastende Tätigkeit keinerlei Arbeitsunfähigkeit und damit keine psychisch
bedingte Leistungseinschränkung bescheinigten, so kann doch festgehalten werden,
dass sich das psychische Leiden bei noch bestehender Versicherungsdeckung
manifestierte und das Krankheitsgeschehen erkennbar mitprägte (vgl. dazu Urteil des
Bundesgerichts vom 3. Dezember 2008 i/S D. [9C_597/2008] Erw. 2.2, und die in Erw.
1.3 dargelegte Rechtsprechung). Wie die bisherige (eidgenössische und st. gallische)
Praxis zeigt, wird der Begriff der erkennbaren Mitprägung des Krankheitsgeschehens
durch ein hinzutretendes (psychisches) Leiden in den konkreten Anwendungsfällen
verschieden "streng" gehandhabt. Für die Bejahung einer erkennbaren Mitprägung im
erwähnten Sinn sollte dabei nicht jede in einem Arztbericht vermerkte Äusserung von
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psychischen Problemen durch die versicherte Person als genügend angesehen
werden. Es sollten diesbezüglich aber auch nicht Anforderungen hinsichtlich des
Bestehens von psychiatrischen Diagnosen, Arbeitsunfähigkeiten und
Behandlungsmassnahmen gestellt werden, die innerhalb der Nachdeckungsfrist auch
bei typischen bzw. relativ häufig vorkommenden Krankheitsverläufen kaum je vorliegen.
Vielmehr ist einzig (aber immerhin) zu verlangen, dass sich die Mitprägung des
Krankheitsgeschehens durch ein zusätzliches psychisches Leiden erkennbar aus einem
ärztlichen Bericht ergibt, welcher sich auf eine noch vor Ablauf der Nachdeckungsfrist
erfolgte Abklärung/Behandlung zu stützen vermag. Diese Voraussetzung ist konkret als
erfüllt zu erachten.
Mit Blick auf das Gutachten von Dr. G._ ist als ausgewiesen zu erachten, dass das
Schmerzsyndrom bzw. die somatischen Gesundheitsstörungen, welche vorerst zur
Zusprechung einer Teilrente führten (vgl. act. G 8.1/27 S. 12), die psychische
Befindlichkeit des Klägers bereits vor 2005 beeinflussten. Es besteht denn auch kein
Anlass, das Gutachten anzuzweifeln. Auch aufgrund der Feststellungen von Dr. G._
ist überwiegend wahrscheinlich anzunehmen, dass während des streitigen
Vorsorgeverhältnisses, d.h. bis Ende Dezember 2004 bzw. unter Einrechnung der
Nachdeckungsfrist (Art. 10 Abs. 3 BVG) bis Ende Januar 2005, ein psychisches Leiden
mit Krankheitswert beim Kläger erkennbar in Erscheinung trat bzw. das
Krankheitsgeschehen erkennbar mitprägte. Diese Schlussfolgerung wird auch bestätigt
durch die gestützt auf eine Behandlung vom 16. März 2005 erfolgte Feststellung von
Dr. B._, dass zusätzlich eine Depression bei psychosozialer Problematik aufgetreten
sei (act. G 8.1/26 S. 2). Hierbei ist zu beachten, dass sich ein solches
Krankheitsgeschehen nicht kurzfristig ergibt, sondern sich während Monaten/Jahren
entwickelt. Dem Kläger kann dabei nicht entgegen gehalten werden, dass eine allfällige
Auswirkung der psychischen Probleme auf das Leistungsvermögen sich im Nachhinein
nicht mehr quantifizieren lasse, zumal er seit Ende Februar 2004 bei der ehemaligen
Arbeitgeberin überhaupt nicht mehr tätig war und damit eine Leistungseinschränkung
nicht mehr erwerblich zutage treten konnte. Beim geschilderten Sachverhalt lässt sich
ein enger sachlicher Zusammenhang im erwähnten Sinn mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit bejahen. Eine Leistungspflicht der Beklagten für die Erhöhung des
IV-Grades ab 1. November 2005 ist daher zu bejahen.
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4.3 Der Kläger lässt zwar die Ausrichtung eines jährlichen Rentenbetrages von
Fr. 9'795.-- seit 1. Dezember 2005 geltend machen, womit grundsätzlich in diesem
Verfahren die Festlegung des Rentenbetrages zu erfolgen hätte (vgl. BGE 129 V 450
Erw. 3.4). Der Kläger begründete den Betrag von Fr. 9'795.-- allerdings mit keinem
Wort und beantragte überdies die Neuberechnung des Alterskapitals unter
Berücksichtigung der Prämienbefreiung. Nach Lage der Akten (act. G 1.1/17) würde die
bisher ausgerichtete (halbe) Rente durch die zusätzliche Leistungsverpflichtung
verdoppelt, womit sich ein Betrag von Fr. 9'724.-- ergäbe. Wegen der zeitlichen
Ausdehnung des streitigen Vorsorgeverhältnisses bis Ende Dezember 2004
(vorstehende Erw. 2.2) erscheint jedoch eine Neuberechnung bzw. jedenfalls eine
betragliche Überprüfung erforderlich. Es rechtfertigt sich daher, die Festlegung der
Invalidenleistungen im Einzelnen durch die Beklagte vornehmen zu lassen. Dies
beinhaltet auch eine Neuberechnung des Alterskapitals (vgl. Art. 7 Ziffer 1 lit. a in
Verbindung mit Art. 2 Ziffer 7 des Vorsorgereglements) unter Berücksichtigung der
Prämienbefreiung, wie dies vom Kläger beantragt wurde. Die Leistungserhöhung
erfolgt soweit ersichtlich mit Wirkung ab 1. Dezember 2005, da der Kläger nach seinen
Angaben für die Zeit zuvor von der Arbeitgeberin Krankentaggeldzahlungen erhalten
hatte (vgl. Art. 7 Ziffer 3 Abs. 2 des Reglements [act. G 8.1/4]; act. G 1 S. 4 und G 1.1/8
und 10). Auch dies wird jedoch von der Beklagten noch im Detail zu eruieren sein.
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Klage in dem Sinn gutzuheissen,
dass die Beklagte verpflichtet wird, dem Kläger für die Zeit nach Beendigung der
Krankentaggeldzahlungen der ehemaligen Arbeitgeberin eine volle Invalidenrente
auszurichten.
5.2 Im Allgemeinen sind in der Sozialversicherung auf Leistungen keine Verzugszinsen
geschuldet (BGE 117 V 351; BGE 113 V 50). Im Bereich der beruflichen Vorsorge
anerkennt die Rechtsprechung jedoch die Pflicht zur Entrichtung von Verzugszinsen bei
einer verspäteten Überweisung von Freizügigkeitsleistungen, sowie bei verspäteter
Auszahlung eines Alterskapitals oder bei Invalidenrenten (Hans-Ulrich Stauffer,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zur beruflichen Vorsorge, 1996, S. 27). Enthalten
die Statuten keine Bestimmung über die Höhe des Verzugszinses, beträgt dieser 5%
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(Art. 104 Abs. 1 OR). Der Beginn der Zinspflicht richtet sich nach Art. 105 Abs. 1 OR
(BGE 119 V 133 Erw. 4 = Pra 83 (1994) Nr. 67); wonach ein Schuldner, der mit der
Entrichtung von Renten im Verzug ist, erst vom Tag der Anhebung der Betreibung oder
der gerichtlichen Klage an Verzugszinsen zu bezahlen hat. Im vorliegenden Fall hat der
Kläger am 22. Januar 2009 Klage beim Versicherungsgericht erhoben; somit schuldet
ihm die Beklagte ab diesem Zeitpunkt Verzugszins zu 5% auf den ausstehenden
Leistungen.
5.3 Gerichtskosten sind gemäss Art. 73 Abs. 2 BVG keine zu erheben. Hingegen hat
der Kläger bei diesem Ausgang des Verfahrens Anspruch auf eine Parteientschädigung
nach richterlichem Ermessen (Art. 98 VRP). Angemessen erscheint vorliegend eine von
der Beklagten zu bezahlende Parteientschädigung von Fr. 4'000.-- (einschliesslich Bar
auslagen und Mehrwertsteuer).