Decision ID: 96668197-2a9d-4359-8a78-4d98a43ffd3e
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Studer, Hauptstrasse 11a,
8280 Kreuzlingen,
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gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur AHV
Sachverhalt:
A.
A.a A._ bezieht seit 1. August 2000 Ergänzungsleistungen zu seiner AHV-Rente
(nachfolgend: EL; EL-act. 162). Er ist mit B._, Jahrgang 1973, ausländische
Staatsangehörige, verheiratet. In ihrem Herkunftsland hat die Ehefrau des Versicherten
eine Ausbildung zur staatlich diplomierten Sekretärin absolviert (EL-act. 131-6, 159-12).
In der Schweiz trat sie zuletzt am 1. September 2008 eine Stelle als Serviceangestellte
in einem Restaurant mit einem Arbeitspensum von 80% an (EL-act. 58-10). Am 30. Juni
2009 bestätigte ihr der Arbeitgeber, dass das Arbeitsverhältnis aufgrund
betriebswirtschaftlicher Umstände im gegenseitigen Einvernehmen per 1. August 2009
auf ein Arbeitspensum von 40% reduziert werde (EL-act. 42-7).
A.b Am 10. November 2009 teilte die damalige Rechtsvertreterin des Versicherten,
Rechtsanwältin lic. iur. Veronica Hälg-Büchi, St. Gallen, der EL-Durchführungsstelle
unter Beilage einer Schulbestätigung mit, dass die Ehefrau ab Januar 2010 die
Fachschule C._ besuchen werde. Sie werde ab Januar 2010 keiner Erwerbstätigkeit
mehr nachgehen, womit auch das Erwerbseinkommen wegfallen werde (EL-act. 32-).
Dass die Ehefrau sich zu dieser Ausbildung angemeldet hatte, hatte die
Rechtsvertreterin bereits in ihrem Schreiben an die EL-Durchführungsstelle vom 6. April
2009 verlauten lassen (EL-act. 43-1). Die Fachschule C._ bestätigte am 12. Oktober
2009 schriftlich, dass die Ausbildung der Ehefrau sechs Semester (inklusive zwei
Praktikumssemester) daure. Ausserdem erteilte die Fachschule C._ der EL-
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Durchführungsstelle die telefonische Auskunft, dass es sich hierbei um eine Vollzeit-
Schule handle (EL-act. 33-7).
A.c Am 29. November 2009 kündigte der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit der
Ehefrau aufgrund betriebswirtschaftlicher Umstände per 31. Dezember 2009 (EL-act.
27-10).
A.d Mit zwei Verfügungen vom 11. Februar 2010 setzte die EL-Durchführungsstelle
die EL des Versicherten rückwirkend ab 1. September 2009 (wurde von der EL-
Durchführungsstelle im Einspracheentscheid vom 2. Juli 2010 auf 1. August 2009
korrigiert [act. G 1.1, vgl. Sachverhalt B.b]) neu fest und forderte zuviel ausbezahlte EL
in der Höhe von Fr. 3'594.-- zurück. Für die Zeit vom 1. September 2009 bis 31.
Dezember 2009 berechnete sie einen EL-Anspruch von monatlich Fr. 1'515.--, vom
1. Januar 2010 bis 28. Februar 2010 von monatlich Fr. 622.-- und mit Wirkung ab
1. März 2010 von monatlich Fr. 1'022.-- (EL-act. 21 ff.). Die rückwirkende
Neufestsetzung ab 1. September 2009 (bzw. 1. August 2009 gemäss
Einspracheentscheid) erfolgte aufgrund der Reduktion des Arbeitspensums der Ehefrau
des Versicherten bzw. der damit verbundenen Verminderung des Erwerbseinkommens
sowie der von 1. August 2009 bis 31. Dezember 2009 ausgerichteten und auf ein Jahr
hochgerechneten Taggelder der Arbeitslosenversicherung (nachfolgend ALV) in der
Höhe von Fr. 13'396.-- jährlich (EL-act. 9-5). Das RAV stufte die Ehefrau des
Versicherten ab Aufnahme der Ausbildung als nicht vermittlungsfähig ein, sodass die
ALV-Taggelder eingestellt wurden. In der Folge berücksichtigte die EL-
Durchführungsstelle ab 1. Januar 2010 einen Einkommensverzicht in der Höhe von
32'116.-- (Verzicht auf ALV-Taggelder; EL-act. 17-5 f.).
B.
B.a Am 25. Februar 2010 (mit Ergänzung vom 4. März 2010) erhob die damalige
Rechtsvertreterin des Versicherten Einsprache gegen die beiden Verfügungen vom
11. Februar 2010 (EL-act. 16). Sie führte unter anderem an, dass kein Verzicht der
Ehefrau auf Taggelder der ALV als hypothetisches Einkommen berücksichtigt werden
dürfe. Mit mehreren Schreiben vom 5. und 12. März 2010 ergänzte der Versicherte
seinerseits die Einsprache (EL-act. 8 ff.). Mit Schreiben vom 25. Juni 2010 ergänzte der
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neue Rechtsvertreter des Versicherten, lic. iur. Tobias Bolt, Kreuzlingen, die Einsprache
(act. G 1.15).
B.b Mit Einspracheentscheid vom 2. Juli 2010 hiess der Rechtsdienst der SVA die
Einsprache in Vertretung der EL-Durchführungsstelle teilweise gut und reduzierte die
anrechenbaren ALV-Taggelder sowie das Bruttoerwerbseinkommen für den Zeitraum
vom 1. August 2009 bis 31. Dezember 2009 von Fr. 13'396.-- auf Fr. 12'769.-- jährlich
bzw. von Fr. 18'720.-- auf Fr. 18'158.-- jährlich. Den EL-Anspruch für diesen Zeitraum
berechnete sie auf Fr. 1'985.-- monatlich. An der Berücksichtigung des Verzichts der
Ehefrau auf Taggelder der ALV ab 1. Januar 2010 wurde jedoch weiterhin festgehalten,
wenn auch nur noch im Betrag von Fr. 31'854.--. Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen aus, dass im Bereich Gastronomie leicht Stellen zu finden seien.
Ausserdem habe die Ehefrau in ihrem Heimatland bereits eine Ausbildung absolviert.
Da sie nun aber eine völlig neue Ausbildung anstrebe, verzichte sie auf
Arbeitslosentaggeld. Wenn man in der EL-Anspruchsberechnung anstelle des
Arbeitslosentaggelds kein Einkommen mehr berücksichtigte, würden die EL die
Ausbildung der Ehefrau mitfinanzieren. Auch Nicht-EL-Bezüger könnten eine
Ausbildung nur anstreben, wenn sie über die finanziellen Mittel verfügen würden.
Schliesslich sei die Ehefrau verpflichtet, ihren finanziellen Beitrag zur ehelichen
Gemeinschaft zu leisten. Daher sei es ihr zumutbar, weiterhin ohne die angestrebte
Ausbildung eine Arbeitsstelle zu suchen. Die Anrechnung des Verzichts auf
Arbeitslosentaggeld sei somit zu Recht erfolgt. Mit Wirkung ab 1. Januar 2010 sprach
sie dem Versicherten EL in der Höhe von Fr. 1'044.-- zu. Gleichzeitig wurde im
Einspracheentscheid festgehalten, dass auf die Rückforderung für den Zeitraum vom 1.
Januar 2010 bis 28. Februar 2010 wegen Erfüllung der Voraussetzungen des guten
Glaubens und der grossen Härte verzichtet werden könne. Die Rückforderung
reduziere sich somit auf Fr. 1'060.-- (act. G 1.1).
B.c Das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (nachfolgend: RAV) verneinte die
Vermittlungsfähigkeit der Ehefrau vorerst ab Beginn der Vollzeitausbildung, das heisst
ab 11. Januar 2010. Dagegen liess die Ehefrau des Versicherten Einsprache erheben.
Im Einspracheentscheid vom 2. Juli 2010 hiess das RAV die Einsprache teilweise gut
und entschied, der anrechenbare Arbeitsausfall betrage vom 11. Januar 2010 bis
30. Mai 2010 30%, weshalb trotz des Studiums eine Stelle hätte gefunden werden
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können. Ab 31. Mai 2010 betrage der anrechenbare Arbeitsausfall dann 70%, da die
Ehefrau am 31. Mai 2010 angegeben habe, sie habe das Studium abgebrochen und
besuche stattdessen einen Intensiv-Deutschkurs (act. G 1.11, S. 3).
C.
C.a Am 5. August 2010 liess der Versicherte durch seinen aktuellen Rechtsvertreter,
Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Studer, Kreuzlingen, Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 2. Juli 2010 erheben und beantragen, der
Einspracheentscheid sei aufzuheben, die Höhe der jährlichen EL sei rückwirkend per
1. Januar 2010 neu festzulegen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Beschwerdegegnerin. Er begründete, bei der EL-Anspruchsberechnung dürfe der
Verzicht der Ehefrau auf ein Taggeld der ALV im Betrag von Fr. 31'854.-- nicht
berücksichtigt werden. Im Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
EL 2008/12 vom 4. Juli 2008 sei zum einen die berufliche Ausbildung eines in die
Anspruchsberechnung einbezogenen Familienmitglieds als wichtiger anerkannt worden
als die Verminderung oder sogar Vermeidung eines EL-Anspruchs der versicherten
Person (durch Verzicht auf ein Erwerbseinkommen) und zum anderen sei der Verzicht
auf eine nachträgliche Berufsausbildung und die Ausübung von Hilfsarbeit (anstelle der
Berufsausbildung) als unzumutbar betrachtet worden. Weiter führte er aus, es sei
realitätsfremd, dass die Ehefrau nach Absolvierung einiger Kurse eine Anstellung im
angestammten Tätigkeitsfeld als Sekretärin finden könne, da es ohne einen in der
Schweiz anerkannten Berufsabschluss praktisch unmöglich sei, eine Anstellung in
diesem Bereich zu finden. Ausserdem seien die Löhne im Servicebereich, in welchem
die Ehefrau bislang gearbeitet habe, derart niedrig, dass eine Einzelperson damit kaum
die notwendigsten Ausgaben decken könne. Ein anerkannter Berufsabschluss wäre
weitaus am besten geeignet, die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Würde
die Ehefrau mittels Anrechnung eines Verzichtseinkommens gezwungen werden, keine
Ausbildung zu absolvieren und die nächsten zwei Jahre von der
Arbeitslosenentschädigung zu leben, würde dies zwar kurzfristig die Ausgleichskasse
entlasten, aber mittel- und langfristig höhere Kosten verursachen. Auch sei den vom
RAV mit Einspracheentscheid vom 2. Juli 2010 festgestellten anrechenbaren
Arbeitsausfällen Rechnung zu tragen. Es seien diesbezüglich nur die tatsächlich
ausgerichteten Leistungen zu berücksichtigen. Weiter erwähnte der Rechtsvertreter,
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dass die Höhe der EL für die Monate September bis und mit Dezember 2009 im
angefochtenen Einspracheentscheid vom 2. Juli 2010 nun korrekt festgelegt worden
sei und mit der Beschwerde nicht beanstandet werde (act. G 1).
C.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 16. September 2010 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf

die Erwägungen im Einspracheentscheid. Ergänzend erwähnte sie, dass die Ehefrau
die Ausbildung im Juni 2010 abgebrochen habe (act G 3).
C.c In seiner Replik vom 22. September 2010 wies der Beschwerdeführer darauf hin,
dass es für die Frage der Anrechnung eines Verzichtseinkommens während der Dauer
der Ausbildung ohne Belang sei, wann und auf welche Weise die Ausbildung beendet
worden sei. Ausserdem habe die Ehefrau die Ausbildung abbrechen müssen, weil die
notwendigen Mittel dafür gefehlt hätten, nachdem die Beschwerdegegnerin die EL
mittels Anrechnung des Verzichtseinkommens "gekürzt" habe. Die Ehefrau werde die
Ausbildung wieder aufnehmen, sobald die finanzielle Situation geregelt sei (act. G 5).
C.d Mit Schreiben vom 18. Oktober 2010 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf
eine Duplik. Sie wies jedoch darauf hin, dass das kürzlich ergangene Urteil des
Bundesgerichts 9C_240/2010 vom 3. September 2010 auf den vorliegenden Fall
anwendbar sei (act. G 7).
C.e Am 21. Januar 2011 drohte die Gerichtsleitung dem Beschwerdeführer eine
refomatio in peius an (act. G 9). Innert Frist erfolgte kein Rückzug der Beschwerde.
Erwägungen:
1.
1.1 Die jährliche EL entspricht dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die
anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG; SR 831.30). Die
anerkannten Ausgaben und die anrechenbaren Einnahmen, worin in bestimmtem
Umfang auch das Vermögen einbezogen ist, werden nach den in Art. 10 und 11 ELG
sowie Art. 11 bis 18 ELV festgelegten Bestimmungen ermittelt. Gemäss Art. 11 Abs. 1
lit. d ELG sind Renten, Pensionen und andere wiederkehrende Leistungen als
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Einnahmen anzurechnen. Als Grundsatz gilt, dass nur tatsächlich vereinnahmte
Einkünfte als Einnahmen anzurechnen sind. Dieser Grundsatz ist allerdings nicht
absolut zu verstehen. Die am häufigsten zur Anwendung gelangende Ausnahme ist in
Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG geregelt: Einkünfte, auf die verzichtet wird, sind als (sogenannt
hypothetische) Einnahmen anzurechnen. Der Verzichtstatbestand ist dann erfüllt, wenn
die anspruchsberechtigte oder eine in die Anspruchsberechnung miteinbezogene
Person ihren Rechtsanspruch auf bestimmte Einkünfte und Vermögenswerte hat,
davon aber faktisch nicht Gebrauch macht bzw. ihre Rechte nicht durchsetzt oder
wenn sie aus von ihr zu verantwortenden Gründen von der Ausübung einer möglichen
und zumutbaren Erwerbstätigkeit absieht (EVGE [seit 1. Januar 2007 sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] P 18/02 vom 9. Juli 2002; BGE 121 V 205 E. 4a; AHI
2001 S. 133 E. 1b).
1.2 Der Verzichtstatbestand gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG soll verhindern, dass
jenen Personen eine Ergänzungsleistung ausgerichtet wird, denen es möglich und
zumutbar wäre, ihren Existenzbedarf aus anderen Quellen als der Ergänzungsleistung
zu decken. Dabei handelt es sich aus EL-rechtlicher Sicht um ein im weitesten Sinn
koordinationsrechtliches Ziel: Die Ergänzungsleistung soll erst in letzter Linie zur
Deckung des Existenzbedarfs beansprucht werden können. Bei genauer Betrachtung
ist der gesamte Art. 11 ELG als EL-spezifische Koordinationsnorm zu verstehen (vgl.
Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht Bd. XIV Soziale
Sicherheit, 2. A., Ralph Jöhl und Patricia Usinger-Egger, Ergänzungsleistungen zur
AHV/IV, S. 1746 N. 162). Die in Art. 11 Abs. 1 ELG aufgezählten Arten von Einkünften
gehen der Ergänzungsleistung vor und sind deshalb als Einnahmen anzurechnen, die -
wenigen - in Art. 11 Abs. 3 ELG aufgezählten Arten von Einkünften gehen der
Ergänzungsleistung nach und sind deshalb nicht anzurechnen (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts St. Gallen EL 2008/12 vom 4. Juli 2008 Erw. 1).
2.
2.1 Strittig ist die Anrechnung von hypothetischen ALV-Taggeldern im Sinn eines
Einkommensverzichts.
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2.2 Die EL-Durchführungsstelle rechnete dem Beschwerdeführer den
Einkommensverzicht für seine Ehefrau in der Rückforderungsverfügung vom 11.
Februar 2010 rückwirkend per 1. Januar 2010 an (EL-act. 23, 25). Im
Einspracheentscheid führte die Beschwerdegegnerin aus, für den Zeitraum vom 1.
Januar 2010 bis 28. Februar 2010 könne auf die Rückforderung wegen Erfüllung der
Voraussetzungen des guten Glaubens und der grossen Härte verzichtet werden.
Vorliegend stellt sich aufgrund der Aktenlage zunächst die Frage, ob der
Beschwerdeführer davon ausgehen konnte, dass seiner Ehefrau kein
Einkommensverzicht angerechnet würde bzw. ob die Beschwerdegegnerin im Rahmen
ihrer Beratungspflicht auf die EL-rechtlichen Folgen der Aufnahme der Ausbildung
seiner Ehefrau hätte aufmerksam machen müssen.
2.3 Die Rechtsprechung hat der Erteilung einer unrichtigen Auskunft den Sachverhalt
gleichgestellt, dass eine Auskunft entgegen gesetzlicher Vorschrift oder obwohl sie
nach den im Einzelfall gegebenen Umständen geboten war, unterbleibt (BGE 124 V 221
Erw. 2b). So wird auch eine ungenügende oder fehlende Wahrnehmung der
Beratungspflicht gemäss Art. 27 Abs. 2 ATSG einer unrichtigen Auskunftserteilung des
Versicherungsträgers gleichgesetzt und hat dieser in Nachachtung des
Vertrauensprinzips hierfür einzustehen (BGE 131 V 472). Ergibt die Prüfung im
Einzelfall, dass entgegen Art. 27 Abs. 2 ATSG nicht (oder unrichtig) informiert wurde,
knüpft sich daran die weitere Frage, ob die Voraussetzungen des öffentlichrechtlichen
Vertrauensschutzes gemäss bisheriger Rechtsprechung (BGE 131 V 480 Erw. 5 mit
Hinweisen) gegeben sind. Nur wenn diese vollumfänglich (kumulativ) erfüllt sind, zeitigt
die Verletzung der Beratungspflicht Rechtsfolgen; d.h. die versicherte Person kann von
der Verwaltungsbehörde und im Beschwerdefall vom angerufenen Gericht verlangen,
so gestellt zu werden, wie wenn der Sozialversicherungsträger informiert hätte oder wie
wenn er richtig beraten hätte (vgl. Ulrich Meyer, Grundlagen, Begriff und Grenzen der
Beratungspflicht der Sozialversicherungsträger nach Art. 27 Abs. 2 ATSG, in:
Sozialversicherungsrechtstagung 2006, St. Gallen 2006, S. 9 ff.; S. 22 f. und 29). Als
vertrauensschutzrechtliche Voraussetzung ist u.a. erforderlich, dass die rechtsuchende
Person entweder im Vertrauen auf die Richtigkeit der falschen Auskunft Dispositionen
getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können, oder aber
bei richtiger Beratung von derartigen Dispositionen abgesehen hätte (vgl. BGE 131 V
480 Erw. 5 mit Hinweisen).
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2.4 Der EL-Durchführungsstelle war bereits seit dem Schreiben der damaligen
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers vom 6. April 2009, allerspätestens jedoch mit
deren Schreiben vom 10. November 2009 bekannt, dass die Ehefrau im Januar 2010
ihre Ausbildung an der Hotelfachschule aufnehmen wird (EL-act. 32-2, 43-1). Im April
2009 war die Ehefrau des Beschwerdeführers noch zu 80% erwerbstätig. Dem
Schreiben vom 6. April 2009 ist zu entnehmen, dass die Ehefrau beabsichtigte, die
Erwerbstätigkeit bis zum Beginn der Ausbildung in diesem Umfang weiterzuführen (EL-
act. 43). Somit hätte die Ehefrau ihre Erwerbstätigkeit in jedem Fall, d.h. auch wenn die
spätere Reduktion des Pensums bzw. die Auflösung des Arbeitsverhältnisses per 31.
Dezember 2009 nicht erfolgt wären, zugunsten der Ausbildung aufgegeben, was für die
Beschwerdegegnerin ohne weiteres erkennbar war. Im Rahmen ihrer Beratungs- und
Auskunftspflicht nach Art. 27 Abs. 2 ATSG hätte die Beschwerdegegnerin unter diesen
Umständen bereits nach Erhalt des Schreibens vom 6. April 2009 reagieren und den
Beschwerdeführer auf die EL-rechtlichen Konsequenzen aufmerksam machen müssen.
Eine solche Reaktion erfolgte jedoch - selbst nachdem die Beschwerdegegnerin
weitere Abklärungen bezüglich der Ausbildung tätigte - nachweislich nicht. Angesichts
der finanziellen Folgen erscheint es überwiegend wahrscheinlich, dass die Ehefrau ihre
Ausbildung bei rechtzeitiger Information durch die Beschwerdegegnerin im Januar
2010 nicht begonnen hätte. Aufgrund der pflichtwidrig unterbliebenen Beratung konnte
der Beschwerdeführer indessen nach Treu und Glauben davon ausgehen, dass die
Aufnahme der Ausbildung seiner Ehefrau nicht als Einkommensverzicht betrachtet
werden würde. Erst mit Erhalt der Verfügungen vom 11. Februar 2010 erlangte er
davon Kenntnis. Zu diesem Zeitpunkt hatte seine Ehefrau ihre Ausbildung jedoch
bereits begonnen und damit eine Disposition getroffen, welche nicht ohne Nachteil
rückgängig gemacht werden konnte. Eine umgehende Reaktion bzw. der sofortige
Abbruch der Ausbildung konnte daher nicht erwartet werden. Insofern erscheint die
Beendigung der Ausbildung per Ende des ersten Semesters nachvollziehbar. Folglich
ist der Beschwerdeführer bis zum Abbruch der Ausbildung seiner Ehefrau am 28. Mai
2010 (Ende des 1. Semesters, act. G 1.11) in seinem Vertrauen zu schützen. Die
Anrechnung des Verzichtseinkommens hat daher bis zu diesem Zeitpunkt zu
unterbleiben.
2.5 Nach Abbruch der Ausbildung meldete sich die Ehefrau des Beschwerdeführers
am 31. Mai 2010 beim RAV. Gemäss Einspracheentscheid des RAV vom 2. Juli 2010
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bestand vom 11. Januar 2010 bis 30. Mai 2010 ein anrechenbarer Arbeitsausfall von
30% einer Vollzeitstelle bzw. ab 31. Mai 2010 ein anrechenbarer Arbeitsausfall von
70% einer Vollzeitstelle und damit Anspruch auf ALV-Taggelder. Die allfällige
Reduktion der Arbeitslosenentschädigung erfolgte offensichtlich wegen des Besuchs
eines Deutschkurses (act. G 1.11 S. 3). Ein Verzicht auf ALV-Taggelder ist darin jedoch
nicht zu erblicken. Es handelt sich beim Deutschkurs nicht um eine neue Ausbildung
(vgl. Erw. 4), sondern um eine (berufsbegleitend durchführbare) Verbesserung der
bestehenden Kenntnisse, die lediglich eine geringfügige und vorübergehende
Einschränkung der Vermittlungsfähigkeit mit sich bringt. Somit ist festzuhalten, dass
der Ehefrau des Beschwerdeführers nach Abbruch ihrer Ausbildung kein
Einkommensverzicht anzurechnen ist.
2.6 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der Ehefrau des Beschwerdeführers im
massgebenden Zeitraum 1. Januar 2010 bis zum Erlass des Einspracheentscheids am
2. Juli 2010 kein Einkommensverzicht anzurechnen ist. Indessen sind sämtlich von der
Ehefrau des Beschwerdeführers tatsächlich erhaltenen Einkünfte als Einnahmen
anzurechnen. Dazu wird die Beschwerdegegnerin die Abrechnungen der
Arbeitslosenkasse beiziehen und das jeweilige Taggeld so anrechnen müssen, als wäre
es im entsprechenden Monat tatsächlich ausgerichtet worden. Zu beachten ist zudem,
dass die Ehefrau des Beschwerdeführers ab Januar 2010 offenbar noch stundenweise
gearbeitet hat. Nach Aufnahme der Ausbildung erzielte sie somit einen
Zwischenverdienst (act. G 1.11 S. 2).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer hat die EL-Berechnung im Einspracheentscheid für den
Zeitraum August 2009 bis und mit Dezember 2009 nicht beanstandet. Aufgrund der
Aktenlage drängt es sich jedoch auf, die Berechnungspositionen Prämienverbilligung
sowie Erwerbseinkommen genauer zu betrachten (vgl. Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit.
d ATSG).
3.2 Die Beschwerdegegnerin hat unter der Berechnungsposition Prämienverbilligung
(vgl. Art. 10 Abs. 3 lit. d) total Fr. 7'344.-- (2 x 3'672) berücksichtigt und somit den
Pauschalansatz für das Jahr 2010 verwendet. Der Pauschalansatz individuelle
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Prämienverbilligung für das Jahr 2009 lag jedoch bei Fr. 3'324--, sodass total ein
Betrag von Fr. 6'648.-- anzurechnen ist.
3.3 Des Weiteren wird die Berechnungsposition Erwerbseinkommen zu überprüfen
sein. Die Ehefrau des Beschwerdeführers war in diesem Zeitraum zu einem Pensum
von 40% erwerbstätig. Daneben bezog sie Taggelder der Arbeitslosenversicherung.
Gemäss den Lohnabrechnungen belief sich das Monatsgehalt inkl. Anteil 13.
Monatslohn auf Fr. 1'560.-- brutto. Die Beschwerdegegnerin berücksichtigte in der EL-
Berechnung für den Zeitraum August 2009 bis und mit Dezember 2009 ein
Bruttoerwerbseinkommen von Fr. 18'158.--. Dieser Betrag entspricht in etwa dem auf
Grundlage der Lohnabrechnungen hochgerechneten Bruttojahreseinkommen. Indessen
weisen die Abrechnungen der Arbeitslosenkasse für den entsprechenden Zeitraum
Zwischenverdienste im Bereich von Fr. 1'747.35 und 2'336.10 monatlich und damit ein
wesentlich höherer Verdienst als die Lohnabrechnungen aus. Die Beschwerdegegnerin
wird daher zur Berechnung des effektiven Erwerbseinkommens der Ehefrau für den
Zeitraum August 2009 bis und mit Dezember 2009 weitere Abklärungen treffen
müssen.
4.
Im Sinn eines obiter dictum ist darauf hinzuweisen, dass die Aufnahme der Ausbildung
der Ehefrau des Beschwerdeführers in vorliegendem Fall grundsätzlich wohl als
Einkommensverzicht zu betrachten wäre. Im Vergleich zu dem vom Beschwerdeführer
zitierten Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen EL 2008/12 vom
4. Juli 2008 verfügt die Ehefrau des Beschwerdeführers insbesondere über eine
berufliche Erstausbildung. Zudem kann sie in ihrem angestammten Beruf mehrere
Jahre Berufserfahrung vorweisen (EL-act. 131-5). Vorliegender Sachverhalt könnte
daher durchaus mit jenem im Urteil des Bundesgerichts 9C_240/2010 vom 3.
September 2010 verglichen werden. Die EL-Durchführungsstelle hatte der
ausländischen Ehefrau eines EL-Bezügers, die ein Studium an der Universität aufnahm,
ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet. Das kantonale Gericht kam zum
Schluss, dass eine weitere Ausbildung nicht notwendig sei, um Arbeit zu finden.
Aufgrund ihrer im Ausland (Russland) absolvierten Ausbildung im Bildungsbereich
sowie entsprechender Berufserfahrung, sei sie nicht nur für Arbeiten in der Industrie
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und Reinigung, sondern auch für ihrer Ausbildung entsprechende Tätigkeiten geeignet.
Das Bundesgericht schützte den Entscheid des kantonalen Gerichts. Es erwog, der
Verzicht auf die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens bedeute die
indirekte Finanzierung einer (neuen) und für die Ausübung einer geeigneten Arbeit nicht
notwendigen Ausbildung; so würde gegen den Zweck der EL - die Deckung des
Existenzbedarfs des Anspruchsberechtigten - verstossen (Erw. 3 f.).
5.
5.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist der angefochtene
Einspracheentscheid vom 2. Juli 2010 aufzuheben und die Beschwerde teilweise
gutzuheissen. Von der Anrechnung eines hypothetischen Einkommens im Zeitraum
vom 1. Januar 2010 bis zum Erlass des Einspracheentscheids ist abzusehen. Indessen
werden sämtliche erzielten Einkünfte der Ehefrau des Beschwerdeführers zu
berücksichtigen sein. Des Weiteren wird für den Zeitraum August 2009 bis und mit
Dezember 2009 die Berechnungsposition Prämienverblilligung zu korrigieren bzw.
betreffend den Zwischenverdienst der Ehefrau des Beschwerdeführers weitere
Abklärungen zu treffen sein.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Die Höhe der Parteientschädigung ist vom Gericht ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff.
VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter hat mit der Replik vom 22. September 2010
eine Kostennote in der Höhe von Fr. 2'770.70 (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) eingereicht. Eine Parteientschädigung in diesem Umfang erscheint
unter vorgenannten Kriterien als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht