Decision ID: 0626a316-81c8-4eb2-87f6-5fd6aaac1074
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1961, war bei der Zürich Versicherungsgesellschaft AG (Zürich)
freiwillig
unfallversichert, als er am 15. Juni 1996 am Rand eines Swim
mingpools ausrutschte, einen reflexartigen Kopfsprung ins Wasser machte und dabei mit dem Kopf auf dem Grund aufschlug
. Dabei erlitt er eine Hirner
schütte
rung und eine Distorsion der Halswirbelsäule
(Urk. 9/1/Z1
; Urk. 9/1/ZM1/1)
.
1.2
Die Zürich anerkannte das Ereignis vom 15. Juni 1996 als Unfall und erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Am 21. Februar 2001 gab
sie
ein betriebswirt
schaft
liches Gutachten zur Klärung der unfallbedingten Erwerbseinbusse in Auftrag (Urk. 9/1/Z157).
Am 7. August 2001 fand eine Besprechung
zwischen den Gut
achtern und den
Parteien statt (Urk. 9/1/Z176). Das Gutachten wurde schliesslich am 13. August 2001 erstattet (Urk. 9/1/Z178/2).
Mit Verfügung vom
20. September 2001 (Urk. 9/1/Z185) sprach die Zürich dem Ve
rsicherten per 1. September 2001
eine Rente, basierend auf einem vergleichs
weise festgelegten Invaliditätsgrad von 67
%
,
sowie eine Integritätsent
schädi
gung
,
basierend auf einer vergleichsweise festgelegten
Integritätseinbusse von 30
%
,
zu.
Am 31. August 2004 (Urk. 9/1/Z208) sowie am 21. Juli 2010 teilte die Zürich dem Versicherten mit, der Rentenanspruch sei unverändert.
1.3
Mit Verfügung vom 10. Juni 2020 (Urk. 9/11) zog die Zürich die Rentenver
fü
gung vom 20. September 2001 in Wiedererwägung und stellte die Rentenleis
tungen per 31. August 2019 (richtig: 2020) ein.
Die vom Versicherten am
7. Juli 2020
erhobene Einsprache (Urk.
9/17
) wies die
Zürich am 4. Dezember 2020
ab (Urk.
9/23
= Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
19. Januar 2021
Beschwerde gegen den
Einsprache
entscheid
vom
4. Dezember 2020
(Urk. 2) und beantragte,
dieser sei aufzuheben und es seien ihm die bisherigen, per 31. August 2020 eingestellten Leistungen weiter auszurichten. Der Beschwerde sei zudem die aufschiebende Wirkung zu gewähren (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
12. April 2021
(Urk.
8
) beantragte die
Zürich
die Abweisung der Beschwerde
und des Gesuchs um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss Bundesgesetz über die Un
fall
versicherung (UVG) setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem ein
getretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausal
zusam
menhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammen
hangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als ein
getreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheit
licher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht wer
den kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.2
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adä
quate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.3
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Un
fall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beein
trächtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurückzu
führen sind, hatte bereits nach der Rechtslage im Zeitpunkt der Verfügung vom 20. September 2001 nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des
Bundesge
richts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psy
chische Stö
rungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesund
heitlicher Beeinträchtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Krite
rien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind
(RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
1.4
Gemäss Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräf
tige Verfügungen oder
Einspracheentscheide
zurückkommen, wenn diese zwei
fellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (sog. Wiedererwägung). Zweifellose Unrichtigkeit in diesem Sinne setzt voraus, dass kein vernünftiger Zweifel an der (von Beginn weg bestehenden) Unrichtig
keit der Verfügung besteht, also einzig dieser Schluss denkbar ist. Ob dies zutrifft, beurteilt sich nach der bei Erlass der Verfügung bestehenden Sach- und Rechts
lage, einschliesslich der damaligen Rechtspraxis. Das Erfordernis ist in der Regel erfüllt, wenn eine Leistungszusprechung aufgrund falscher Rechtsregeln erfolgte oder weil massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden (Urteil des Bundesgerichts 8C_670/2019 vom 19. Februar 2020 E. 3.2 mit Hinweis auf BGE 140 V 77 E. 3.1, 138 V 324 E. 3.3).
Gleiches gilt bei einer kla
re
n Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, ins
besondere wenn die notwen
di
gen fachärztlichen Abklärungen überhaupt nicht
oder nicht mit der erforder
lichen Sorgfalt durchgeführt wurden (vgl. Art. 43 ATSG
; BGE 141 V 405 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2017 vom 2. August 2018 E. 3.2 mit Hinweisen). So
weit ermessensgeprägte Teile der Anspruchs
prü
fung vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage einschliesslich der Rechts
praxis im Zeitpunkt der rechts
kräftigen Leistungszusprechung in vertretbarer Weise beurteilt worden sind, schei
det die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (BGE 141 V 405 E. 5.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_766/2016 vom 3. April 2017 E. 1.1.2 mit Hinweisen).
Von erheblicher Bedeutung ist die Berichtigung von rechtskräftigen Verfügungen oder
Einspracheentscheiden
stets, wenn sie periodische Leistungen zum Gegen
stand haben (vgl. BGE 140 V 85
E. 4.4).
1.
5
Rechtsprechungsgemäss kann ein Vergleich grundsätzlich ebenso in Wiedererwä
gung gezogen werden wie eine Verfügung. Es sind jedoch im Rahmen von
Art.
53
Abs.
2 ATSG höhere Anforderungen zu stellen, um dem Vergleic
hscharakter Rechnung zu tragen
(BGE 138 V 147 E. 2.3)
.
Die Wiedererwägung ist zulässig, wenn der Vergleich zweifellos unrichtig war; das heisst, sie hängt entscheidend davon ab, was Gegenstand eines Vergleichs sein kann. Ein (öffentlich-rechtlicher) Vertrag bzw. Vergleich hat das Legalitäts
prinzip zu beachten; es darf demnach keine vom Gesetzesrecht abweichende Re
gelung getroffen werden Die Befugnis zum Abschluss eines Vergleichs ermäch
tigt die Behörde
somit
nicht, bewusst eine gesetzwidrige Vereinbarung zu schliessen, also von einer von ihr als richtig erkannten Gesetzesanwendung im Sinne eines Kompromisses abzuweichen. Ist der Vergleich im Gesetzesrecht zugelassen, so wird aber damit den Parteien bei ungewisser Sach- oder Rechtslage die Befugnis eingeräumt, ein Rechtsverhältnis vertraglich zu ordnen, um die bestehende Rechts
unsicherheit zu beseitigen. Dabei und damit wird in Kauf genommen, dass der Vergleichsinhalt von der R
egelung des Rechtsverhältnisses
abweicht, zu der es bei umfassender Klärung des Sachverhalts und der Rechtslage allenfalls ge
kommen wäre. Ein Vergleich ist somit zulässig, soweit der Verwaltung ein Ermes
sensspielraum
zukommt
sowie zur Beseitigung rechtlicher und/oder tatsächlicher Unklarheiten
.
Der Mechanismus der Interessenabwägung ist somit bei der Wiedererwägung eines Vergleichs
beziehungsweise
einer Verfügung der gleiche; Unterschiede ergeben sich jedoch bei der Gewichtung, namentlich des Schutzes des berech
tigten Vertrauens in den Bestand, der tendenzmässig beim Vergleich stärker als bei der Verfügung ausfällt
.
Art.
50
Abs.
1 ATSG ermächtigt die Behörden aus
drücklich zur vergleichsweisen Erledigung von Leistungsstreitigkeiten
.
Die
ge
nannten
Grundsätze sind somit anwendbar
(BGE 138 V 147 E. 2.
4 f.
).
Zu beachten ist dabei auch, dass die Zusprechung von Sozialversiche
rungs
leis
tungen in der Regel auf verschiedenen Anspruchsgrundlagen beruht. Im
Bereich des
UVG
sind dies, nebst etwa der Versicherungsdeckung und den notwendigen kausalen Zusammenhängen, bei der Invalidenrente in erster Linie der Invalidi
tät
sgrad - mit den diesem zugrunde
liegenden Faktoren der Invaliditätsbemessung - und der versicherte Verdienst, bei der Integritätsentschädigung die Integritäts
einbusse. Werden Sozialversicherungsleistungen gestützt auf einen Vergleich ver
fügt, umfasst dieser für gewöhnlich eine gesamthafte Würdigung aller relevanten Anspruchsfaktoren. Das heisst, jede Vergleichspartei bezieht in ihre Überlegungen mit ein und nimmt in Kauf, dass bei der vergleichsweisen Erledigung einige
Anspruchsfaktoren eher zu ihren Gunsten, andere eher zu ihren Ungunsten aus
gelegt werden als bei einer umfassenden Prüfung, und sie wägt ab, welchem Ergebnis sie bei gesamthafter Betrachtung zustimmen will. Der Versicherungs
träger hat sich hie
r
bei im Rahmen des ihm zustehenden Ermessens zu halten. Für die versicherte Person wird die rasche Zusprechung einer möglichst hohen Leis
tung im Vordergrund stehen (
BGE 140 V 77 E. 3.2.2 f.
).
1.
6
Verfügungen der Unfallversicherer, bei welchen eine Rentenzusprechung ohne explizite oder wenigstens implizite Prüfung der Adäquanz erfolgte, stellen gemäss bundesgerichtlicher Praxis eine Leistungszusprechung auf Grund falscher Rechts
anwendung und damit eine zweifellos rechtsfehlerhafte Verfügung dar, sodass der Unfallversicherer berechtigt ist, darauf zurückzukommen. Gestützt auf diese zweifellose Unrichtigkeit kann eine Überprüfung erfolgen, ohne dass gefragt wer
den muss, ob die ursprüngliche Verfügung auch im Ergebnis, das heisst im Dis
positiv, zweifellos unrichtig ist. Dadurch soll mit Wirkung «ex
nunc
et pro
futuro
» ein rechtskonformer Zustand hergestellt werden. Dabei ist wie bei einer mate
riellen Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG auf der Grundlage eines richtig und vollstän
dig festgestellten Sachverhalts der Invaliditätsgrad im Zeitpunkt der Ver
fügung über die Herabsetzung oder Aufhebung einer Rente zu ermitteln (Urteil des Bundesgerichts 8C_72/2020 vom 26. August 2020 E. 6.1 mit Hinweisen).
Dies gilt auch bei einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (Urteil des Bundesgerichts
8C_525/2017
vom 30. August 2018 E. 7.3).
1.7
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisfüh
rungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder
der verfügen
den Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweis
ma
te
rials besorgt zu sein (BGE 115 V 111 E. 3d/
bb
; Maurer, Sozialversiche
rungs
recht, Bd. I, 2. unveränderte Aufl., Bern 1983, S. 438
Ziff.
7a). Im Sozial
versiche
rungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 115 V 133 E. 8a). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrschein
lichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk
. 2) damit,
dass die rentenzusprechende Verfügung vom 20. September 2001 wegen einer Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, insbesondere aber wegen einer fehlenden Adäquanzprüfung
,
zweifellos unrichtig gewesen sei.
Der
U
ntersuchungsgrunds
atz sei verletzt, weil der Beschwerdeführer gutach
ter
lich nie abgeklärt worden sei, auch fehle eine interne versicherungsmedizinische Beurteilung zur Frage der natürlichen Kausalität. Ebenso wenig seien die Fragen nach dem Erreichen eines Endzustandes und nach der verbleibenden Restarbeits
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit oder nach der Höhe der Integritäts
ein
busse aus medizinischer Sicht abgeklärt worden (S. 5 Ziff. 11.c).
Weder der Verfügung vom 20. September 2001 noch einem anderen Dokument sei eine explizite oder wenigstens implizite Prüfung des adäquaten Kausalzu
sammenhangs zu entnehmen (S. 5 Ziff. 12.a). Dies wäre aber zu erwarten, sollte die Frage tatsächlich diskutiert worden sein. Andere Diskussionspunkte seien je
weils in der nachfolgenden Korrespondenz bestätigt worden. Der Fokus der Parteien sei augenscheinlich auf der Abklärung der Resterwerbsfähigkeit mittels betriebswirtschaftlichen Gutachtens gelegen.
Die Adäquanzdiskussion hätte vor Erteilung des Gutachtensauftrags zur Restarbeitsfähigkeit stattfinden müssen, welche nur zu prüfen sei,
wenn die Kausalität gegeben sei.
Dies sei vorliegend vergessen gegangen (S. 5 f. Ziff. 12.b).
Vorliegend sei mit der vergleichsweisen Rentenzusprechung im Gegensatz zu
m Sachverhalt in BGE 138 V 147
nicht die Beseitigung einer Unsicherheit im Punkt Adäquanz bezweckt worden, welche nun der Schutzwirkung des Vergleichs unterliege. Vielmehr sei fälschlicherweise gar keine Adäquanzprüfung vorgenom
men worden. Verhandelt hätte
n
die Parteien über die Ergebnisse des betriebs
wirt
schaftlichen Gutachtens beziehungsweise das Validen- und Invalideneinkommen. Dies habe zum Vergleich im Punkt Invaliditätsgrad geführt. Die Unfallkausalität sei schlicht kein Thema gewesen (S. 6 Ziff. 12.c).
Weil bei
einer
rechtsprechungskonformen Adäquanzprüfung (vgl. S. 7-9 Ziff. 14) maximal eines der sieben massgeblichen Kriterien – jedoch nicht besonders aus
geprägt – erfüllt sei, sei der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfal
l
ereignis vom 15. Juni 1996 und den
gesundheitlichen
Beschwerden des Beschwer
deführers nicht gegeben (S. 9 Ziff. 14. c.gg). Die Einstellung der Rentenleistungen per 31. August 2020 sei daher rechtmässig erfolgt (S. 10 Ziff. 15.a).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte
sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), dass die Wiedererwägung g
egen Trau und Glauben verstosse.
D
ie Adäquanz
sei – soweit überhaupt erforderlich -
implizit klarerwei
se geprüft und bejaht worden
, wobei nicht erstaune, dass dies in den Akten nicht festgehalten sei, da diverse für den En
tscheid relevante Akten fehlten. Es seien
ausführliche und ausreichende medizinische und erwerbliche Abklärungen vorgenommen worden
.
Mit
dem getroffenen Vergleich
sei
eine für beiden Seiten anneh
mbare Lösung gefunden worden
, di
e nicht widerrufen werden dürfe.
D
ie verspätete Geltendmachung eines angeblichen Rechtsfehlers
bringe ihn
in einen Beweisnotstand, weil die dama
ligen Akten längst entsorgt seien (S. 3 f. Ziff. 5).
Es
seien von der Beschwerdegegnerin nicht alle damaligen Telefongespräche dokumentiert worden. Gemäss Honorarrechnung
seines Rechtsvertreters
hätten etwa am 7. August 2001 nach der Besprechung mit den Gutachtern ein weiteres
Telefonat mit der Beschwerdegegnerin stattgefunden, ebenso am 8. August 200
1
.
In diesen Telefonaten seien die Eckwerte des Vergleiches besprochen worden und es habe eine Einigung stattgefunden
.
Es fehlten sodann weitere Telefonate vom 28. August und 11. September 200
1.
Ein Vergleich zwischen den Aufzeichnungen in den Honorarrechnungen mit den Akten der Beschwerde
gegnerin ergäbe, dass fast zwei Dutzend Telefonate in keiner Art und Weise durch die Beschwerdegegnerin dokumentiert worden seien. Deren
Akten seien somit in ganz wesentlichen Teile
n unvollständig (S. 5 Ziff. 8). Wären entsprechende Tele
fonnotizen verfasst worden, so würden diese belegen, dass sowohl die Adäquanz geprüft und bejaht worden sei, ohne dass dafür eine grosse Diskussion notwendig gewesen wäre, und dass über die weiteren Eckpunkte des Vergleichs durchaus diskutiert und gemeinsam Annahmen getroffen worden seien, um die Unsicher
heiten auszuräumen. Man sei von einem Umsatz in der Grössenordnung von Fr. 300'000.— ohne Unfall und von Fr. 120'000.- mit Unfall ausgegangen, wie dies anlässlich der Besprechung mit den Gutachtern andiskutiert worden sei, was einem 60%igen Invaliditätsgrad entsprochen hätte. Weil ein 60%iger Invaliditäts
grad die ganze Rente der Invalidenversicherung in Frage gestellt hätte, hätten weitere telefonische Besprechungen stattgefunden, bei denen man sich schliess
lich genau auf den Invaliditätsgrad von 67
%
geeinigt habe (S. 7 Ziff. 11).
Die Durchsicht der Akten zeige klar, dass
die Beschwerdegegnerin damals keines
wegs unbedacht oder unsorgfältig gehandelt habe. Im Gegenteil habe sie quasi von Anfang an gegen ihren Versicherten ermittelt und sich mit Kräften gewehrt (S. 8 Ziff. 14).
Die Abklärungen der Beschwerdegegnerin
seien
umfassend ge
wesen (S. 8 Titel
; vgl. im Einzelnen S. 8 ff. Ziff. 14-30
).
Eine Wiedererwägung wäre im Übrigen auch bei Verneinung einer impliziten Adä
quanzprüfung nicht möglich, da beim Zurückkommen auf eine rechtskräftige Verfügung die Unvertretbarkeit gemäss der damaligen Sach- und Rechtslage vorzunehmen sei und daher die damals gültigen Adäquanzkriterien zu prüfen seien.
Massgebend seien daher die Kriterien von BGE 117 V 359 und nicht die
jenigen von BGE 134 V 10
9.
Von den damaligen Adäquanzkriterien seien vier erfüllt, weshalb die Adäquanz zu bejahen gewesen sei (S. 15 f. Ziff. 39-40). Aus diesem Grund finde sich wohl in den Unterlagen keine entsprechende Nieder
schrift, denn es sei für beide Parteien sonnenklar gewesen, dass man sich über die Frage der Adäquanz in diesem Fall nicht zu unterhalten brauche. In den Telefonaten sei die Adäquanz mit Sicherheit ein Thema, allerdings sei dieses dann auch rasch erledigt gewesen, weil die Adäquanz seitens der Beschwerdegegnerin klar anerkannt worden sei (S. 16 Ziff. 40).
Schliesslich sei er im Vertrauen auf den gefundenen Vergleich zu schützen. Es gehe nicht an, 24 Jahre nach dem Unfallereignis die Rente mit einem Federstrich aufzuheben (S. 16 Ziff. 41
).
2.3
In der Beschwerdeantwort (Urk. 8) führte die Beschwerdegegnerin aus, die Rüge der fehlenden Telefonnotizen sei unbegründet, werde doch in der Korrespondenz auf die damals geführten Besprechun
gen immer wieder Bezug genommen, etwa mit dem Verweis «wie telefonisch vereinbart».
Aus den Telefonaten nach Vor
liegen des betriebswirtschaftlichen Gutachtens könne der Beschwerdeführer zum Vornherein nichts ableiten, da die Kausalitätsfrage einschliesslich Prüfung der Adä
quanz bereits zuvor hätte beantwortet werden müssen. Ohnehin ergäben sich auch diese Telefonate ohne Weiteres aus dem Dossier. Es sei unklar, was der Beschwerdeführer aus der eingereichten Aktennotiz (Urk.
3/6
) seines Rechts
ver
treters ableiten wolle, zumal er keine entsprechenden Honorarrechnungen ins Recht lege. Weder sei nachgewiesen, dass entsprechen
de
Telefonate stattgefunden hätten, noch mit wem über was geredet worden sei. Sicherlich könne der Be
schwerdeführer mit dieser Aufstellung nicht nachweisen, dass die Adäquanz je ein Thema gewesen sei zwischen den Parteien (S. 3 f. Ziff. 5
).
Die Parteien hätten die Höhe des Invaliditätsgrades vergleichsweise festgelegt. Diese Überlegungen, welche vom Beschwerdeführer in der Beschwerde dargestellt worden seien, unterlägen der Schutzwirkung des Vergleichs. Dies ändere nichts
daran, dass die Beschwerdegegnerin den Untersuchungsgrundsatz verletzt und keine Adäquanzprüfung vorgenommen habe, was offensichtlich unrichtig sei (S.
4 Ziff. 7). Der Schadeninspektor habe in seinem Bericht vom 8. November 1999 die Prüfung des Fallabschlusses empfohlen. Spätestens in diesem Zeitpunkt hätte ge
prüft
werden müssen, ob die geklagten Beschwerden noch natürlich kausal seien zum Unfall vom 15. Juni 1996 und ob der adäquate Kausalzusammenhang zu bejahen sei
. Dass dies nicht gemacht worden sei, sei offensichtlich unrichtig (S. 4 Ziff. 8).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung werde den Parteien lediglich bei un
gewisser Sach- oder Rechtslage die Befugnis eingeräumt, ein Rechtsverhältnis vertraglich zu ordnen, um die bestehende Rechtsunsicherheit zu beseitigen. Vor
liegend sei jedoch keine Rechtsunsicherheit erkannt worden. Gegenstand der Besprechung der Parteien vom 7. August 2001 seien denn auch keine Rechts
fra
gen gewesen, sondern die Höhe der Einkommenseinbusse. Diese dem Invaliditäts
grad zugrunde gelegten Annahmen unterlägen der Schutzwirkung des Vergleichs. Nicht Gegenstand dieser Gespräche sei jedoch die Themati
k der Adäquanz ge
wesen. Eine implizite Bejahung der Adäquanz sei vom Vergleich daher nicht mitumfasst und unterliege dessen Schutzwirkung nicht, dies im Gegensatz zum Sachverhalt in BGE 138 V 14
7.
Vorliegend sei die Rechtsfrage der Adäquanz gar nie thematisiert worden. Dies sei offensichtlich unrichtig
(S. 6 Ziff. 14).
2.4
Strittig und zu prüfen ist, ob die ursprüngliche
Rentenzusprache
zweifellos un
richtig war
,
und die wiedererwägungsweise Aufhebung der Rente rechtens ist.
Dabei ist insbesondere zu untersuchen, ob
eine klare Verletzung des Unter
su
chungsgrundsatzes oder
eine fehlende Adäquanzprüfung
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vorstehend E. 1.7)
nachge
wiesen ist.
3
.
3
.1
Gemäss Unfallmeldung vom 20. Juni 1996 (Urk. 9/1/Z1)
rutschte
der Beschwer
deführer am 15. Juni 1996 um zirka 19 Uhr am Rand des Swimmingpools eines Hotels aus,
machte
einen reflexartigen Kopfsprung ins Wasser und
schlug
mit dem Kopf auf dem Grund auf (Ziff. 4-6)
. Dabei
erlitt
er eine Hirnerschütterung und ein Schleudertrauma (Ziff. 9).
3.2
Prof. Dr.
med.
Y._
,
Ordinarius für Röntgendiagnostik am Universitäts
spital
Z._
,
führte im Bericht vom 19. Juni 1996 (Urk. 9/1/Zm1/2) aus, es be
stehe eine Fehlhaltung der Halswirbelsäule (HWS) mit
Kyphosierung
im mittleren Drittel bei intakten Wirbelkörpern und Bandscheiben
.
3
.3
Dr. med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte im
Bericht
vom 26. August 1996 (Urk. 9/1/Zm
1/1) folgende Diagnosen (Ziff. 2.c):
-
Schädelkontusion
-
commotio
cerebri
-
HWS-Distorsion (
Reklinationstrauma
)
Subjektiv beklage der Patient Kopfweh und Schwindelgefühle. Es bestehe eine eingeschränkte Beweglichkeit der HWS, vor allem für Reklination und Rotation nach rechts (Ziff. 2.c).
3
.4
Dr. med.
B._
, Fachärztin für Neurologie, Vertrauensärztin der Beschwerdegegnerin, führte in ihrer Beurteilung vom 12. Dezember 1996 (Urk. 9/1/Zm2/1) aus, es werde seit dem Unfall vom 15. Juni 1996 eine massive Leistungsabnahme geltend gemacht, so dass der
Beschwerdeführer
nach seinen eigenen Angaben kaum zu 50
%
arbeitsfähig sei. Es würden eine Wetter
fühlig
keit, ein Druck im Kopf, gelegentlich auch Schwindel durch Kopfbewegungen angegeben, sowie Schwierigkeiten beim Autofahren und am Computer. Der
Be
schwerdeführer
sei kooperativ, seine Arbeitsfähigkeit sei in einer einmaligen Untersuchungssituation nicht zu beurteilen. Beim Unfall sei es zu keinen fas
s
baren pathologischen Veränderungen gekommen, auch eine Hirnverletzung sei
unwahrscheinlich. Eine längere Krankschreibung ohne genauere Abklärung könne
von neurologischer Seite nicht verantwortet werden. Es müsse daher eine neu
ropsychologische Untersuchung durchgeführt werden (S. 3).
3
.5
Dr. phil.
C._
erstattete am 15.
Februar
1997 ihren Bericht
zur neuropsychologischen Untersuchung vom 20. und 30. Januar
1997 (Urk. 9/1/
Zm4). Sie hielt fest, die Befunde entsprächen einer mittelschweren neu
ropsychologischen Funktionsstörung im Bereich links-
temporo
-frontaler Struk
tu
ren mit Einbezug tieferer (Hirnstamm-)Strukturen (S. 6 oben).
Bei prämorbid als gut durchschnittlich anzunehmender intellektueller Leistungs
fähigkeit erweise sich der Beschwerdeführer vor allem in kognitiven
Basis
funk
tionen als beeinträchtigt. So zeige sich eine kognitive Verlangsamung, die in ihrem Ausmass beträchtlichen Schwankungen unterliege. Auch die Fähigkeit zur parallelen Reizverarbeitung sei reduziert und das sprachliche Lernvermögen, die Merkfähigkeit und die Neugedächtnisleistung seien in ihrer Kapazität mittelgra
dig eingeschränkt, was bei Aufgabenstellungen, die das gleichzeitige Behalten und Bearbeiten von Informationen erfordere, besonders deutlich werde. Hinzu trete eine leicht verminderte mentale Flexibilität sowie eine verminderte kogni
tive Ausdauer (S. 6 Mitte).
Der Beschwerdeführer sei infolge der beschriebenen kognitiven Leistungs
stö
rungen nicht mehr in der Lage, seinen Beruf als Werbetexter und
Konzepter
aus
zuüben, es bestehe hier zurzeit keine Arbeitsfähigkeit mehr. Anspruchsvolle sprachliche Aufgaben könne er kaum mehr bewältigen (S. 6 unten). Um eine Umschulung werde er nicht herumkommen. Am ehesten realisierbar sei eine ge
stalterische Tätigkeit (S. 7 oben).
Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei je nach Verlauf denkbar (S. 7
Mitte).
Das Ausmass seiner Arbeitsfähigkeit hänge von den beruflichen Umschulungs- oder Umstrukturierungsmöglichkeiten ab, sollte aber
unter positivsten Bedingungen im Rahmen von 60 bis 80
%
möglich sein (S. 7 f.).
Die noch bestehenden Beschwerden seien aus neuropsychologischer Sicht ganz auf den Unfall zurückzuführen. Diesbezüglich vorbestehende Krankheiten seien
nicht bekannt, eine psychische Fehlverarbeitung oder Rentenbegehrlichkeit könne
ausgeschlossen werden (S. 8 Mitte).
3
.6
D
r.
B._
(vorstehend E. 3
.4
) nahm am 19. März
1997 Stellung zum Bericht der Neuropsychologin Dr.
C._
(vorstehend E. 3
.5
). Diese gehe davon aus, dass die spezifische Schädigung nicht vor dem Unfall habe bestehen können
(S. 1 Mitte)
. Dies sei grundsätzlich zu akzeptieren. Eine Überprüfung, ob nicht schon vor dem Unfall eine Teilschädigung bestanden habe, sei unmöglich, da eine prätraumatische Untersuchung fehle. Auch sei es unmöglich, dass eine solch spezifische Schädigung von einem Patienten produziert werden könne, die Ausfälle seien zu loka
lisiert und passten zueinander. Allerhöchstens könnte man an der Testmethode zweifeln, was Dr.
B._
aber eigentlich nicht tun wolle (S. 1 unten). Nachdem Dr.
C._
eine allmähliche Erholung nicht ausschliesse, komme eine neuropsychologische Kontrolluntersuchung in Frage (S. 2 oben).
3
.7
Prof. Dr. med.
D._
, Facharzt für Rechtsmedizin, Arbeitsgruppe für Unfall
mechanik der
Hochschule E._
, er
stat
tete am 4. Dezember 1997 seine unfallmechanische Beurteilung (Urk. 9/1/Zm11). Er hielt fest, durch die ausgeführten Berechnungen sei die Grössenordnung der Auf
schlaggeschwindigkeit des Kopfes am
Bassinboden
bei senkrechtem Eintauchen mit 1 m/s oder 3.6 km/h bestimmt worden (S. 4 Mitte). Bei Zugrundelegung der Befunde (Art des Sturzes, medizinische Dokumentation) und der Annahme, der Beschwerdeführer sei praktisch senkrecht kopfvoran am Boden aufgeschlagen, hätten sich HWS-Belastungen ergeben, die über den Grenzwerten für eine nicht unerhebliche HWS-Verletzung lägen. Damit könne die Entstehung der geschil
derten Beschwerden durch den Unfallmechanismus erklärt werden. Aus biome
cha
nischer Sicht könne aber nicht über die unfallbezogene Dauer von solchen Beschwerden spekuliert werden (S. 4 unten).
3
.8
Dr
.
C._
(vorstehend E. 3
.5
) erstattete am 15. Dezember 1998 ihren
Bericht zur neuropsychologischen Kontrolluntersuchung vom 24. und 25. Novem
ber
1998 (Urk. 9/1/Zm14).
Sie hielt fest, die Befunde entsprächen nun einer leich
ten neuropsychologischen Funktionsstörung im Bereich links-
temporo
-frontaler und tieferer Strukturen. Das kognitive Leistungsniveau des Beschwerdeführers habe sich im Vergleich zur letzten Untersuchung vom Januar 1997 deutlich verbessert. Die noch ersichtlichen kognitiven Minderleistungen beschränkten sich auf eine
reduzierte sprachliche Informationserfassung und –Speicherung sowie auf eine leicht verminderte Daueraufmerksamkeit und Vigilanz. Aufgrund des ausgiebigen Arbeitsversuches nach dem Unfall habe sich gezeigt, dass der Be
schwerdeführer nicht mehr in der Lage sei, in seiner früheren Tätigk
eit als Werbetexter und
Konzepte
r
zu arbeiten. Hierbei hätten neben den kognitiven Minderleistungen auch körperliche Beschwerden und vor allem die nach wie vor persistierende Schmerzproblematik eine Rolle gespielt. Auch zum jetzigen Zeit
punkt sei an eine Wiederaufnahme der früheren Arbeit nicht zu denken (S. 5 Mitte). Es stelle sich weiterhin die Frage nach einer Umschulung auf eine eher gestalterische Tätigkeit. Eine berufliche Lösung, auch wenn diese zum jetzigen Zeitpunkt nur in einem bescheidenen Rahmen praktikabel wäre, sollte in abseh
barer Zeit angestrebt werden (S. 6 unten).
3
.9
Der Schadeninspektor der Beschwerdegegnerin berichtete am 8. November 1999
(Urk. 9/1/Z126/1) über die Besprechung mit dem Beschwerdeführer vom 26. Okto
ber
199
9.
Dieser habe angegeben, er habe deutlich mehr Energie als vor einem Jahr. Er leide jedoch noch immer an mehr oder weniger ständigen Kopf
schmer
zen, auch sei er richtiggehend wetterfühlig geworden. Den aktuellen Leistungs
aus
fall bezeichne der Beschwerdeführer nach wie vor mit zirka 75
%
. Es sei ihm nach zirka eineinhalbstündiger Besprechung mit dem Schadeninspektor etwas schwindlig gewesen, es habe ihm leicht im Kopf gedreht. Bei Dr.
A._
fänden zirka allmonatlich Verlaufskontrollen statt (S. 1 f.).
Medizinisch und neuropsychologisch habe sich in den letzten Monaten nicht mehr viel bewegt, weshalb nun die Prüfung des Fallabschlusses vorzunehmen sei (S. 3).
3.
10
Am 13. August 2001 erstatteten
F._
,
dipl.
Wirtschaftsprüfer, und
lic.
oec. publ.
G._
,
H._
AG,
ihr betriebswirt
schaftliches Gutachten (Urk. 9/1/Z178/2). Sie hielten einleitend fest, am 7. August 2001 sei die Sachlage zusammen mit den Parteien ausführlich diskutiert worden, anschliessend hätten die Gutachter die notwendigen Berechnungen vornehmen können (S. 1 Mitte). Sie kamen zum Schluss, dass der Beschwerdeführer ohne Unfall
beeinträchtigung ein Jahreseinkommen von rund Fr. 101'136.-
-
hätte erzie
len können (S. 3 unten Ziff. 2). Die Restarbeitsfähigkeit lasse sich grund
sätz
lich ausschliesslich medizinisch begründen. Aufgrund der Erfolgsrechnungen 1997 und 1998 lasse sich aber zumindest sagen, dass in diesen Jahren auch trotz des Unfalls ein Umsatz aus Werbetätigkeit habe erzielt werden können. In der anschliessenden Diskussion hätten sich die Anwesenden provisorisch darauf ge
einigt, vorläufig eine Restarbeitsfähigkeit von zirka 40 bis 50
%
zu berück
sich
tigen. Die Anwesenden
hätten dabei zur Kenntnis genommen, dass die Restar
beitsfähigkeit durch die vorliegende Analyse nicht abschliessend eruiert werden könne (S. 4 Ziff. 3).
4
.
4
.1
Eine
klare
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes
im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG
wird vom Bundesgericht in erster Linie in solchen Fällen bejaht,
in denen die ursprüngliche Rentenzusprechung etwa ohne gutachtliche Abklärung des Gesundheitszustands allein auf Grund der (haus-)ärztlichen Angaben, oder die Arbeitsfähigkeitsschätzung nur mit Bezug auf die angestammte Tätigkeit, nicht aber auf eine zumutbare Verweistätigkeit, mithin ausserhalb des Bereichs ver
tretbarer Ermessensausübung erfolgte
(vgl. etwa Urteil I 64/06 vom 2
1.
August 2006, E. 4.4.2). Bei Beschwerdebi
ldern der hier vorliegenden Art
, welche sich auf Grund ihrer Komplexität, Subjektivität, Unbestimmtheit und persönlichkeits
be
dingten Einflüssen nur schwerlich erfassen lassen, bedeutet die Stellungnahme zur Arbeitsunfähigkeit immer einen Ermessensentscheid, der nur dann als quali
fiziert, eben zweifellos unrichtig, bezeichnet werden kann, wenn die fachmedi
zinischen Abklärungen der beteiligten Disziplinen überhaupt nicht oder nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt worden sind
(Urteil des Bundesgerichts
9C_307/2011
vom 23. November 2011 E. 3.2).
Die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Leistungszusprechung im Sinne von
Art.
53
Abs.
2 ATSG muss anhand der damaligen Rechtslage (einschliesslich der Rechtspraxis) beurteilt werden. So darf die Frage, ob nach Lage der Akten
weitere
Abklärung
en
notwendig gewesen wäre
n
, nicht aufgrund der heute mass
gebenden Regeln beurteilt werden
.
Bereits zur Zeit der Leistungszusprechung galt aber, dass die Arbeitsunfähigkeit in komplexen Fällen fachärztlich eingeschätzt werden muss
(Urteil des Bundesgerichts
9C_121/2014
vom 3. September 2014 E. 3.3.2).
4
.2
Ist das Vorliegen eines HWS-Schleudertraumas durch zuverlässige Angaben ge
sichert und der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit einschränkenden Gesundheitsbeeinträchtigung aufgrund fachärztlicher Feststellung im konkreten Fall unbestritten, so kann die natürliche Kausalität in der Regel auch aus rechtlicher Sicht als erstellt gelten, wobei es genügt, dass der Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Teil
ursache der geklagten Beschwerden darstellt
(Rechtslage zum Zeitpunkt der
Rentenzusprache
, vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 193/01 vom 2
4.
Juni 2003 E. 3.
2
= RKUV 2003 U 489
).
4
.3
Nicht nur die adäquate, sondern auch die natürliche Kausalität war vorliegend gestützt auf die Feststellungen der Neuropsychologin Dr.
C._
(vor
ste
hend E. 3
.5
), der mit dieser übereinstimmenden Beurteilung der neurologischen
Vertrauensärztin
der Beschwerdegegnerin, D
r.
B._
(vorstehend E. 3
.6
), sowie auf die unfallmechanische Beurteilung
durch
Prof.
D._
(vorstehend E. 3.
7
) am Ende unumstritten (vgl.
nachstehend E. 5
). Es erscheint somit als vertretbar, dass die Beschwerdegegnerin die natürliche Kausalität als gegeben erachtete, ohne dass sie noch zusätzliche Abklärungen vo
rgenommen hätte (vorstehend E. 4
.2).
Daran vermag die heutige Argumentation der Beschwerdegegnerin nichts zu
ändern, wonach eine biomechanische oder neuropsychologische Beurteilung keine
hinreichende Begründung für die Kausalitätsbeurteilung abgebe (Urk. 2 S. 5 Ziff. 11.c). Sie ist darauf hinzuweisen, dass im vorliegenden Fall eben sowohl eine biomechanische als auch eine neuropsychologische Beurteilung vorlagen, welche
gemeinsam und
insbesondere
im Verbund mit den
damit
übereinstimmenden
Feststellungen
der
Neurologin genügend starke Indizien für das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs abgaben.
4
.4
Ins Leere stösst auch das Vorbringen der Beschwerdegegnerin, wonach die Frage nach der verbleibenden Restarbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus medizinischer Sicht nicht abgeklärt worden sei. So äusserte sich die Neuro
psy
chologin im
Februar
1997 ganz explizit dahingehend, als angepasste Tätigkeit sei am ehesten eine gestalterische Tätigkeit realisierbar. Nach einer Umschulung sollte im besten Fall eine Arbeitsfähigkeit im Rahmen von 60 bis 80
%
möglich sein (vorstehend E. 3
.5
). Die beratende Neurologin Dr.
B._
, die den Be
schwerdeführer eingangs auch selber untersucht hatte (vorstehend E. 3.4),
aner
kannte als Fachärztin die beste
henden Ausfälle (vorstehend E. 3
.6
), was
nur so verstanden werden kann, dass sie auch die von der Neuropsychologin attestierte beziehungsweise prognostizierte
Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
akzep
tierte
.
Entgegen der Beschwerdegegnerin lag somit
durchaus
eine fachärztliche Beurteilung der Arbeitsfähigke
it in angepasster Tätigkeit vor
.
Die Fachärztin
emp
fahl
eine neuropsychologische Kontrolluntersuchung, welche im Dezember 1998 auch effektiv stattfand (
vorstehend E. 3
.8
). Anlässlich letzterer empfahl Dr.
C._
weiterhin eine Umschulung auf eine eher gestalterische Tätigkeit und hielt fest, eine berufliche Lösung sei derzeit nur in einem be
schei
denen Rahmen praktikabel. Der Schadeninspektor der Beschwerdegegnerin befand
schliesslich im November 1999 nach einer Besprechung mit dem Beschwer
deführer, medizinisch und neuropsychologisch habe sich nicht mehr viel bewegt (vorstehend E. 4.8).
Nachdem somit anlässlich der geforderten Kontrollunter
su
chung trotz eingetretener Verbesserungen weiterhin nur eine marginale Arbeits
fähigkeit attestiert wurde und der Schadeninspektor Ende 1999 von einem mehr oder weniger unveränderten Zustand ausging, durfte die
Beschwerdegegnerin in antizipierter Beweiswürdigung davon ausgehen, dass weitere Abklärungen
wohl
keine neuen, für die Beur
teilung
des vorliegenden Falles entscheidende Erkennt
nisse geliefert hätten (BGE 122 V 157 E. 1d).
4
.5
Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin anlässlich der
vergleichsweisen
Renten
zusprache
erscheint somit
jedenfalls
als vertretbar.
Es
kann
daher letztlich offen
bleiben, ob es auch nach den 2001 geltenden Beurteilungsmassstäben sinnvol
l gewesen wäre, den Sachverhalt
weiter abzuklären. Selbst wenn es sich so ver
hielte, könnte nicht davon gesprochen werden, fachmedizinische Abklärungen seien überhaupt nicht oder sie seien uns
orgfältig durchgeführt worden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_700/2013 vom 26. September 2013 E. 3.4.3).
Folgendes bleibt anzufügen:
Wenn das Ausräumen einer Unsicherheit betreffend Sachlage den Abschluss eines Vergleichs legitimiert
(vgl. vorstehend E. 1.5
)
, so muss dies umso mehr gelten, wenn
die Parteien
dem Vergleich
eine überein
stimmende Gewissheit
wie diejenige der gegebenen natürlichen Kausalität zu
grunde legen
, ohne noch weitere Abklärungen anzustellen. In diesem Sinne
dürfte an sich
auch die Rechtsprechung zur
zweifellosen
Unrichtigkeit in Folge
klarer
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (vorstehend E.
4
.1
) nicht unbesehen
zum Nennwert genommen werden, da sich diese auf Streitigkeiten bezieht, die mit
einem Entscheid und nicht wie vorliegend mit einem Vergleich beendet wurden.
In
der
hier vorgelegenen
Konstellation müss
t
en die Anforderungen an eine klare Verletzung des Untersuchungsgrundsatz noch höher gesetzt werden, da ein Ver
gleich ja gerade auch weitere kostspielige und zeitintensive Abklärungen ersparen soll
(in diesem Sinne auch BGE 140 V 77 E. 3.2.2).
Selbst wenn die Beschwerdegegnerin
– wie heute propagiert (vgl. vorstehend E. 2.
1 und E. 2.3
) – damals
eine versicherungsinterne oder externe Beurteilung zum Zeitpunkt des Fallabschlusses, zur natürlichen Kausalität und zur Arbeits
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit in Auftrag gegeben hätte, so hätte sie
zudem
nicht ausschliessen können, dass in einem allfälligen Rechtsmittel
ver
fahren eine erneute Begutachtung stattgefunden und einen höheren Arbeitsun
fähigkeitsgrad ergeben hätte.
I
nsoweit also
im Zeitpunkt des Vergleichs unter
den Parteien
Unsicherheiten nicht nur betreffend das Validen- und das Invaliden
ein
kommen, sondern auch betreffend letzterem zugrunde liegender
Arbeitsfähigkeit in
angestammter und
angepasster Tätigkeit bestand, so war es in Anbetracht der Umstände zulässig, diese mittels Vergleich auszuräumen (
vgl. BGE 138 V 147 E. 3.3.2
), zumal dieser in seiner Gesamtbetrachtung unter Berücksichtigung der Aktenlage keine Hinweise auf eine Ermessensüberschreitung durch die Beschwer
degegnerin lieferte (vgl. vorstehend E. 1.5
).
4.6
Nachdem eine klare Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes anlässlich der ursprünglichen
Rentenzusprache
nicht mit dem
hierfür erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist
, bleibt zu untersuchen, ob dam
als in rechtlicher Hinsicht vergessen wurde, eine
Adäquanzprüfung
durch
zuführen
.
5.
5.1
Die Leistungsprüfung und allfällige Zusprache im Rahmen des UVG folgt be
kanntlich einer im Gesetz angelegten, in sich logischen Abfolge: Als erstes stellt sich die Frage, ob die Person, welche eine Leistung beansprucht, nach Massgabe des Gese
tzes versichert ist. Sodann
stellt sich die Frage, ob das geltend gemachte Ereignis einen Unfall im Rechtssinn - oder einen ihm gleichgestellten Tatbestand - darstellt, mithin die Begriffselemente von (heute)
Art.
4 ATSG erfüllt sind. Dazu gehört rechtsprechungsgemäss das Erfordernis, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Gesundheitsschaden ein rechtsgenüglicher, mithin natür
licher
(BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E.
1b
)
und adäquater
(BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a)
Kausalzu
sam
menhang besteht (vgl. vorstehend E. 1.1-3). Sodann stellt sich im Hinblick auf eine allfällige Invalidenrente die Frage, ob der medizinische Endzustand erreicht ist (
Art.
19
Abs.
1 Satz 1 UVG), und sodann die Frage der Invaliditätsbemessung nach Massgabe von (heute)
Art.
16 ATSG, mithin der Höhe des je hypothetischen Validen- und Invalideneinkommens, sowie schliesslich die Frage der Höhe des versicherten Verdiensts (vgl.
Art.
20
Abs.
1 UVG).
In dieser Abfolge setzt die Prüfung einer bestimmten Frage voraus, dass die zuvor zu stellenden Fragen geprüft und bejaht worden sind. Wird nämlich eine dieser Fragen verneint, findet die Anspruchsprüfung ein vorzeitiges Ende mit der Ver
nei
nung des Anspruchs, ohne dass die - nur bejahendenfalls sich noch stellenden - weiteren Fragen geprüft würden, und diese werden hinfällig.
5.2
Am 21. Februar 2001 gab die Beschwerdegegnerin bei der
H
._
AG ein betriebswirtschaftliches Gutachten in Auftrag mit dem Zweck, den Umfang der unfallbedingten Erwerbseinbusse und somit das hypothetische
Invalideneinkommen des Beschwerdeführers bestimmen zu können. Am 7. August
2001 fand eine Besprechung zwischen den Gutachtern und den Parteien statt, das Gutachten wurde schliesslich am 13. August 2001 erstattet (vgl. Sachverhalt E. 1.2
sowie vorstehend E. 3.10
). Gestützt auf dieses Gutachten beziehungsweise die Besprechung vom 7. August 2001 einigten sich die Parteien vergleichsweise auf einen Invaliditätsgrad von 67
%
, was in der Verfügung vom 20. September 2001
unter Zusprechung und Berechnung der entsprechenden
Rente auf den 1. September 2001
festgehalten wurde (Urk. 9/1/Z185).
Dieses Vorgehen der Parteien lässt kaum einen anderen Schluss zu, als dass sie übereinstimmend, und ohne dass dies einer expliziten Erwähnung bedurft hätte, davon ausgingen, dass die der Invaliditätsbemessung vorgelagerten Fragen alle
samt - also auch die Adäquanz des Kausalzusammenhangs
-
bejaht würden, weil sich andernfalls die Invaliditätsbemessung erübrigt hätte.
Dies lässt sich denn auch mit der Aussage der Beschwerdegegnerin in Einklang bringen, wonach die Adäquanzprüfung vor Erteilung des Gutachtensauftrags zur Restarbeitsfähigkeit habe beziehungsweise hätte stattfinden müssen, da diese nur zu prüfen sei, wenn die Kausalität gegeben sei (vorstehend E. 2.1).
5.3
Es vermag hingegen nicht zu überzeugen, wenn die Beschwerdegegnerin hier
ge
gen
vorbringt, dass eine Diskussion der Adäquanz im Gegensatz zu anderen Punk
ten weder in der Verfügung selbst noch in der sonstigen Korrespondenz er
sichtlich sei. Mindestens ebenso wahrscheinlich wie diese Interpretation der Akten
lage ist diejenige des Beschwerdeführers, wonach der Grund für die fehlende Nieder
schrift wohl sei, dass es für beide Parteien sonnenklar gewesen sei, dass man sich über die Frage der Adäquanz in diesem Fall nicht zu unterhalten brauche. Sicherlich sei sie kurz ein Thema gewesen, sei aber von der Beschwerdegegnerin klar anerkannt worden (vorstehend E. 2.2). Dem widerspricht die Darstellung der Beschwerdegegnerin, wonach die Unfallkausalität «schlicht kein Thema» gewesen sei (vorstehend E. 2.1),
nicht unbedingt
. Wenn eine rechtliche Voraussetzung ge
prüft und als selbstverständlich gegeben erachtet wird, dann ist sie «schlicht kein» oder
sinngemäss
zumindest kein nachhaltiges Thema.
Als plausibel und lebensnah erscheint sodann die Darstellung des Beschwerde
führers, wonach im unmittelbaren Umfeld der Besprechung vom 7. August 2001 – konkret am 8. August 2001 - noch weitere Gespräche stattgefunden hätten, deren Inhalt nicht dokumentiert worden sei. Solche Gespräche müssen notge
drungen stattgefunden haben, nachdem sich die Parteien gemäss dem betriebs
wirtschaftlichen Gutachten am 7. August 2001 lediglich «provisorisch» darauf geeinigt hatten, «vorläufig» eine Restarbeitsfähigkeit von zirka 40 bis 50
%
zu berücksichtigen (
vorstehend E. 3.
10
). Entsprechend bestritt die Beschwerdegeg
nerin denn auch die Darstellung des Beschwerdeführers nicht, wonach das Zu
standekommen des Vergleichs mit einem Invaliditätsgrad von 67
%
über die Diskussion der Umsätze, welche an sich einen Invaliditätsgrad von 60
%
ergeben hätten, und
über
Überlegungen betreffend Übereinstimmung mit den Leistungen der Invalidenversicherung geführt habe (vorstehend E. 2.2). Vielmehr verwies die
Beschwerdegegnerin gar auf diese Darstellung des Beschwerdeführers (vgl. E.
2.3). Dass übereinstimmend mit dessen Ausführungen die Eckwerte des Vergleichs im Nachgang zum 7. August 2001 im Detail besprochen wurden, kann somit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als erstellt gelten. Dennoch finden diese emi
nent wichtigen Überlegungen keinerlei Niederschlag in den Akten der Be
schwer
degegnerin. Ein schriftlicher Verweis «wie vereinbart» genügt entgegen der Be
schwerdegegnerin (vorstehend E. 2.3) selbstverständlich nicht.
Umso plausibler wird damit die Darstellung des Beschwerdeführers, wonach zahl
reiche weitere Telefonate zwischen den Parteien stattgefunden hätten, ohne dass deren Inhalt von der Beschwerdegegnerin festgehalten worden wäre. Betreffend die Telefonate im Jahr 2001 unterlegte er dies mit einer Honorarrechnung (Urk. 3/5). An deren Echtheit können kaum Zweifel bestehen, nachdem der Rechtsvertreter des Bes
chwerdeführers wohl kaum seine
n Ruf
mit einer
zugunsten eines Mandanten
gefälschten Urkunde aufs Spiel setzen würde. Der Beschwerde
gegnerin ist zwar darin zuzustimmen, dass der Beschwerdeführer mit dieser Honorarrechnung sowie der Aufstellung von zeitlich weiter
zurückliegenden, von der Beschwerdegegnerin
nicht dokumentierten Telefonaten (Urk. 3/6) nicht nachweisen kann, dass die Adäquanz je ein Thema zwischen den Parteien ge
wesen sei (vorstehend E. 2.3). Dabei übersieht sie allerdings, dass sie die Beweis
last betreffend die
zweifellose
Unrichtigkeit der Verfügung vom 20. September 2001 trifft
(vgl. vorstehend E. 1.7 und E. 2.4)
und es somit nicht am Beschwer
de
führer
,
sondern an ihr
liegt, den Inhalt der damaligen Besprechungen zu bewei
sen
.
Dies umso mehr, als mittlerweile schon fast 20 Jahre vergangen sind, es somit dem Beschwerdeführer nicht zugemutet werden kann, den Inhalt der dama
ligen Gespräche zu reproduzieren. Auch das Bundesgericht hielt diesbezüglich anlässlich der Überprüfung einer wiedererwägungsweisen Rentenaufhebung bei einem durch Vergleich festgelegten Invaliditätsgrad fest, die fehlende Begrün
dung und Nachvollziehbarkeit einer Entscheidung – konkret ging es um die Höhe des Invaliditätsgrades von 80
%
- könne nicht dem Beschwerdeführer zum Nach
teil gereichen
, zumal auch nicht ausgeschlossen werden könne, dass entspre
chende Überlegungen gemacht, aber nicht schriftlich festgehalten worden seien
(BGE 138 V 147 E. 3.1).
5.4
Gesagtes (vorstehend E. 5.3
) spricht gegen eine zuverlässige und lückenlose Doku
mentation seitens der Beschwerdegegnerin. Eine solche wäre jedoch notwendig, um mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachweisen zu können, dass eine Adäquanzprüfung nicht vorgenommen, ja nicht einmal the
matisiert worden sei. Dies umso mehr, als das damalige Verhalten der Parteien kaum einen anderen Schluss zuliess, als dass sie bereits
bei der Veranlassung des
betriebswirtschaftlichen Gutachtens
von einer gegebenen
adäquaten Unfallkau
salität
der gesundheitlichen Beschwerden
ausgingen (vorstehend E. 5.1).
Es ist somit davon auszugehen, dass d
ie Beschwerdegegnerin die Adäquanz
damals
geprüft und bejaht
hat.
5.5
Nach dem Gesagten lag dem Vergleich vom August 2001 beziehungsweise der rentenzusprechenden Verfügung vom 20. September 2001 weder eine klare Ver
letzung des Untersuchungsgrundsatzes noch eine fehlende Adäquanzprüfung zu Grunde. Sie erweist sich demnach nicht als
zweifellos
unrichtig, womit eine Wie
dererwägung ausscheidet.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 4. Dezember 2020 (Urk. 2) ist somit nicht rechtens, was zur Gutheissung der Beschwerde führt.
5.6
Offenbleiben kann bei diesem Ergebnis, ob vorliegend auch der Schutz des be
rechtigten Vertrauens des Beschwerdeführers in den Bestand des Vergleichs einer Wiedererwägung entgegensteht. Zwar ist ein wiedererwägungsweises Rückkom
men auf eine zweifellos unrichtige Verfügung gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG grundsätzlich auch mehr als zehn Jahre nach deren Erlass zulässig (BGE 140
V 514 Regeste a; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_680/2017 vom 7. Mai 2018 E. 4.1 und 8C_394/2017 vom 8. August 2017 E. 2.2). Vorliegend steht jedoch ein Vergleich beziehungsweise eine gestützt auf diesen ergangene Verfügung zur Diskussion, weshalb der Schutz des berechtigten Vertrauens stärker ausfällt als bei einer im strittigen Verfahren erlassenen Verfügung (vgl. vorstehend E. 1.5)
,
was umso mehr gelten muss, als seither schon fast 20 Jahre vergangen sind.
5.7
Nachdem mit dem heutigen Urteil bereits der Entscheid in der Hauptsache gefällt wird, erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde als gegenstandslos.
6.
6.1
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
6.2
Beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist die Prozessentschädigung ermessensweise auf Fr. 3’300.-- (inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
Das
Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird der
Einspracheentscheid
der
Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG vom 4. Dezember 2020 auf
gehoben, und es wird festgestellt, dass
der Beschwerdeführer ab 1. September 2020 weiterhin
Anspruch auf
die bisher ausge
rich
tete Invalidenrente
hat.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
3’300
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Kurt
Pfändler
unter Beilage einer Kopie von Urk. 8
-
Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG
-
Bundesamt für Gesundheit
5.