Decision ID: 0bf93913-b8a9-4977-859f-1c4e60bdf54e
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1967 geborene X._, Mutter zweier in den Jahren 1990 und 2003 geborener Kinder, reiste 2001 in die Schweiz ein, wo ihre im Heimat
land absolvierte Ausbildung – entsprechend einer Ausbildung als diplomierte Krankenschwester für allgemeine Krankenpflege – im Jahr 2004 anerkannt wurde (Urk. 8/3/5). Am 18. August 2015 (Eingangsdatum) meldete sich die Beschwerdeführerin
unter Hinweis
auf Depressionen, einen Diabetes mellitus, ein Asthma bronchiale sowie eine Skoliose bei
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversi
cherung an (Urk. 8/4
).
Die IV-Stelle
holte einen Auszug aus dem individuellen Konto der Versicherten (IK-Auszug vom 10. September 2015 [Urk. 8/10]) sowie einen Bericht der behandelnden Gynäkologin ein (Urk. 8/12). Vom Hausarzt konnte kein Bericht erhältlich gemacht werden; dieser teilte lediglich mit, er könne die Versicherte nicht erreichen (Urk. 8/11). Mit Vorbescheid vom 1. Februar 2016 stellte die IV-Stelle der Versicherten daher in Aussicht, das Leistungsbegehren abzuweisen (Urk. 8/15). Daraufhin meldete sich diese erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an – unter der Angabe, auch in der Psy
chiatrischen Universitätsklinik Z._ behandelt zu werden (Urk. 8/16, vgl. auch Urk. 8/21) –, was die IV-Stelle als Einwand entgegennahm (Urk. 8/17). Die IV-Stelle tätigte in der Folge weitere medizinische Abklärungen und aufer
legte der Versicherten am 14. November 2016 eine Mitwirkungspflicht in dem Sinne, als sie sich einer engmaschigen wöchentlichen psychiatrischen Konsul
tation, eventuell zusätzlich mit einer erneuten stationären Behandlung und einer medikamentösen Therapie, zu unterziehen habe. Sie habe bis am 10. Dezember 2016 mitzuteilen, bei welchem Arzt oder welcher Ärztin sie die Massnahme durchführen werde (Urk. 8/38). Nachdem sich die Versicherte nicht gemeldet hatte, wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren nach Durchführung eines erneuten
Vorbescheidverfahrens
(Vorbescheid vom 12. Januar 2017 [Urk. 8/39]) mit Verfügung vom 23. Februar 2017 ab (Urk. 2 [=Urk. 8/41]).
2.
Dagegen erhob
die Sozialversicherungsfachstelle der Sozialen Dienste der Stadt
Zürich im Namen der Versicherten am 23. März 2017 Beschwerde und bean
tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei eine Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen; eventuell sei sie umfassend medizinisch abzuklären. In prozessualer Hinsicht wurde die Gewäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung beantragt (Urk. 1). Nach erstreckter Frist (Urk. 6) schloss die Beschwerdegegnerin am 14. Juni 2017 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 19. Juni 2017 angezeigt wurde (Urk. 9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281
E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Für die verlässliche Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und sei
ner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.4). Wichtigste Grundlage gutachterlicher Schlussfolgerungen bildet – gegebenenfalls neben standardisierten Tests – die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung (Urteil des Bundesgerichts 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2 mit Hinweis). Bezüglich der Wahl der Untersuchungsmethoden kommt der Expertin oder dem Experten ein weiter Ermessensspielraum zu, und es ist nicht zwingend notwendig, dass fremdanam
nestische Angaben eingeholt oder Zusatzuntersuchungen angeordnet werden (Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai 2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 9C_275/2014 vom 21. August 2014 E. 3). Rechtsprechungsgemäss gibt es keine verbindliche Mindestdauer für eine psychiatrische Exploration, sondern es wird lediglich verlangt, dass die Exper
tise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist, wobei der für eine psy
chiatrische Untersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand der Fragestellung und der zu beurteilenden Psychopathologie angemessen sein muss (Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai 2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2).
1.4
Di
e Leistungen können gemäss Art. 7b IVG nach Art. 21 Abs.
4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte
Person den Pflichten nach Art.
7 dieses Gesetzes
oder nach Art. 43 Abs.
2 ATSG n
icht nachgekommen ist (Abs.
1).
Beim Entscheid über die Kürzung oder Verweigerung von Leistungen sind alle Umstände des einzelnen Falles, insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person, zu berücksichtigen (
Abs.
3).
1.5
1.5.1
Im
Invalidenversicherung
srecht
gilt ganz allgemein der Grundsatz, dass die inva
lide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vor
zukehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen). Dieses Gebot der Selbsteingliederung ist Ausdruck des in der ganzen Sozialversicherung geltenden Grundsatzes der Schadenmin
derungspflicht (vgl. BGE 120 V 368 E. 6b, 117 V 275 E. 2b), wobei jedoch von der versicherten Person nur Vorkehren verlangt werden können, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind (BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung; ZAK 1989 S. 214 E. 1c).
Eine medizinische Behandlung oder erwerbliche Eingliederung muss sodann geeignet sein, eine wesentliche Steige
rung der Erwerbsfähigkeit zu bewirken. Im Übrigen muss die Sanktion in ihrer konkreten Gestalt verhältnismässig sein, indem das Kürzungsmass und die voraussichtliche günstige Wirkung der zumutbaren Massnahme auf den Erwerbsschaden einander entsprechen. Ein Rentenanspruch kann grundsätzlich nicht entstehen, solange zumutbare therapeutische und andere schadenmin
dernde Vorkehren nicht ausgeschöpft werden. Ist durch eine tatsächlich reali
sierbare Veränderung der für die gesundheitliche Situation bedeutsamen Rah
menbedingungen eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustands und damit der dadurch eingeschränkten Arbeitsfähigkeit zu bewirken, liegt kein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne des Gesetzes vor (Urteil des Bundesgerichts
9C_671/2016 vom 20. März 2017 E. 2.2 mit weiteren Hinwei
sen).
1.5.2
Eines strikten Beweises, die verweigerte Massnahme hätte tatsächlich zum erwar
teten Erfolg geführt, bedarf es nicht, sondern es genügt, wenn die Vorkehr mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit erfolgreich gewesen wäre. Der erforderli
che Grad an Wahrscheinlichkeit ist unter Berücksichtigung der Schwere des mit der Massnahme verbundenen Eingriffs in Persönlichkeitsrechte zu beurteilen: Bei therapeutischen Massnahmen, welche mit einem nur geringen Eingriff ver
bunden sind, dürfen an die Wahrscheinlichkeit der zu erwartenden Besserung keine hohen Anforderungen gestellt werden. Ist der Eingriff
hingegen
erheblich, wird eine höhere Wahrscheinlichkeit, aber nicht ein sicherer Erfolg verlangt. Sodann sind die Anforderungen an die Schadenminderungspflicht dort strenger, wo eine erhöhte Inanspruchnahme der Invalidenversicherung in Frage steht, namentlich wenn der Verzicht auf schadenmindernde Vorkehren Rentenleistun
gen auslöst. Ist eine versicherte Person bezüglich einer psychischen Problematik nicht einsichtig und lehnt eine entsprechende Therapie ab, gereicht ihr dies unter Umständen dann nicht zum Verschulden, wenn die fehlende Krank
heitseinsicht gerade Teil des Leidens selbst ist (
Urteil des Bundesgerichts 9C_82/2013 vom 20.
März 2013
E. 3 mit weiteren Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid, es liege aus versi
cherungsmedizinischer Sicht ein dringend
behandlungsbedürftiger
, instabiler Gesundheitszustand vor. Deshalb sei der Beschwerdeführerin am 14. November 2016 eine Mitwirkungspflicht auferlegt worden. Sie habe jedoch bis zum heuti
gen Zeitpunkt nicht mitgeteilt, wo sie die Massnahme durchführen werde. Sie sei somit ihrer
Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen, weshalb ein Anspruch auf Versicherungsleistungen nicht geprüft werden könne (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber brachte die Vertreterin der Beschwerdeführerin vor, es sei kein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
eingeleitet worden. Ferner sei fraglich, ob die auferlegte Mitwirkungspflicht zumutbar und geeignet sei, die Arbeitsfähigkeit zu verbessern. Die fehlende Mitwirkung sei zudem Teil des Leidens und kein Verschulden der Beschwerdeführerin (Urk. 1).
2.3
In der Beschwerdeantwort vom 14. Juni 2017 führte die Beschwerdegegnerin aus, im Moment stelle sich nicht die Frage, ob die Mitwirkungspflicht geeignet sei, die Arbeitsfähigkeit zu verbessern. Es müsse zuerst der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin medizinisch abgeklärt werden. Dies könne jedoch nicht geschehen, da sich die Beschwerdeführerin keiner Behandlung unterziehe. Die
sen Umstand müsse sie gegen sich gelten lassen (Urk. 7).
2.4
Den nachfolgenden Erwägungen ist vorauszuschicken, dass
die Formerforder
nisse des Mahn- und
B
edenkzeitverfahrens
gemäss Art. 21 Abs. 4 ATSG grundsätzlich eingehalten worden sind
.
Die Beschwerdegegnerin teilte der Beschwerdeführerin unter substantiierter Bezugnahme auf das von ihr gefor
derte Verhalten (engmaschige wöchentliche psychiatrische Konsultation, even
tuell zusätzlich mit einer erneuten stationären Behandlung und einer medika
mentösen Therapie) am 14. November 2016 schriftlich mit, welche Folgen ihre Widersetzung nach sich ziehen würde (Ablehnung eines Leistungsanspruchs). Bei der Aufforderung, ihrer Schadenminderungspflicht nachzukommen, wurde der Beschwerdeführerin sodann eine angemessene Frist bis am 10. Dezember 2016 angesetzt (Urk. 8/38).
3.
3.1
Es bleibt somit zu prüfen, ob der Beschwerdeführerin anzurechnen ist, dass sie der Schadenminderungspflicht nicht nachgekommen ist (E. 1.5).
3.2
Aus den Berichten der Z._ geht hervor, dass die Beschwerdeführerin am 2. September 2015 infolge Selbstgefährdung in die Klinik eingewiesen werden musste (per Fürsorgerischer Unterbringung). Dort kam es zu einer Intoxikation mit Insulin in suizidaler Absicht und phasenweise Blutzuckerwerten von 1.1 mmol/l. Die Beschwerdeführerin musste deshalb notfallmässig ins Spital A._ verlegt werden, wo sie sich vom 3. bis 4. September 2015 aufhielt. Am 4. September 2015 wurde sie aufgrund fortbestehender Selbstgefährdung und nach Aufbietung eines Notfallpsychiaters wieder in die Psychiatrische Uniklinik Z._ zurückverlegt, wo sie bis am 24. September 2015 hospitalisiert war (Urk. 8/31/14 [Austrittsbe
richt der Z._ vom 29. Januar 2016] und Urk. 8/31/1 [Austrittsbericht der Z._ vom 8. Oktober 2015]). Vom 27. Oktober bis am 21. November 2015 war die Beschwerdeführerin zum zweiten Mal in der Z._ hospitalisiert; sie wurde durch das Waidspital Zürich aufgrund eines Selbstversorgungsdefizits im Rahmen des insulinpflichtigen Diabetes vor dem Hintergrund des Verdachts einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen zugewiesen. Der Eintritt erfolgte freiwillig (Urk. 8/31/14 [Austrittsbericht der Z._ vom 29. Januar 2016]), doch kehrte d
ie Beschwerdeführerin von einem Wochenendurlaub in Begleitung ihrer Familie nicht auf die Station zurück. Fremdanamnestisch
wurde angegeben,
sei sie nach Polen zu i
hrer Mutter ge
reist, ohne dies mit ihrer Familie in der Schweiz abzusprechen. Aufgrund des insulinpflichtigen Diabetes mellitus
und
der Gefahr einer erneuten Entgleisung
baten die Ärzte die Zür
cher Kan
tonspolizei um Amtshilfe
,
damit diese
di
e polnischen Behörden vor Ort
informier
en konnten (Urk. 31/16
[Austrittsbericht der Z._ vom 29. Januar 2016]
).
Vom 10. Februar bis am 6. April 2016 musste die Beschwerdeführerin erneut in der Z._ hospitalisiert werden. Die Einweisung erfolgte wiederum per Fürsorgerischer Unterbringung bei Selbstgefährdung durch zunehmende Ver
wahrlosung und fehlender Medikamenten-Compliance vor dem Hintergrund einer rezidivierenden depressiven Störung (Urk. 8/29/2 [Bericht der Z._ vom 13. Juni 2016]).
Die Ärzte der Z._ stellten die Diagnose einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F32.3), bestehend seit mindestens Septem
ber 2015, vermutlich aber bereits seit mehreren Jahren (Urk. 8/29/2 [Bericht der Z._ vom 13. Juni 2016]). Aus den Berichten der Z._ geht sodann durchgängig hervor, dass sich die Beschwerdeführerin nicht krankheitseinsichtig und nicht therapiemotiviert gezeigt habe (Urk. 8/29/3, Urk. 8/31/5 und Urk. 8/31/16). Bei der ersten
Hospitalisation
sei
sie
mehrmals auf die Gefahren und Risiken einer Nichtbehandlung hingewiesen worden, sie habe diese Information ohne erkenn
bare emotionale Beteiligung zur Kenntnis genommen und mit vehementer Ablehnung auf die dringende Empfehlung, eine stationäre Behandlung auf einer depressionsspezifischen Station durchzuführen, reagiert
(Urk. 8/31/11)
.
Nach der letzten (bekannten)
Hospitalisation
in der Z._ hätte sie sodann von Dr. B._ hausärztlich weiterbehandelt werden sollen (Urk. 8/29/5 und Urk. 8/29/2), doch dort ging sie gemäss Telefonauskunft der Praxisassistentin vom 2. September 2016 nie vorbei (Urk. 8/37). Die Medikamentenspiegel bei der letzten
Hospitalisation
in der Z._ ergaben ausserdem, dass die Beschwerdefüh
rerin die verordnete
neuroleptische
und antidepressive Medikation auch im sta
tionären Rahmen nur selektiv und unregelmässig eingenommen habe. Diesbe
züglichen Gesprächen gegenüber habe sie sich wenig aufgeschlossen gezeigt. In der Summe bestehe
weiterhin eine bislang, auch aufgrund mangelnder Krank
heitseinsicht, nur unbefriedigend therapierte depressive Störung mit Motivati
onslosigkeit in einigen zentralen Lebensbereichen (Urk. 8/29/3). Die Ärzte gelangten zum Schluss, angesichts der langandauernden depressiven Erkran
kung, der über Jahre entwickelten diesbezüglichen Abwehr- und Vermeidungs
strategien der Beschwerdeführerin sowie der krankheits-, persönlichkeits- und eventuell auch kulturell bedingten interaktionellen Schwierigkeiten sei eine Rückkehr zu voller psychosozialer Funktionalität und ausreichender Organisa
tion zum Aufnehmen einer regulären beruflichen Tätigkeit als unwahrscheinlich einzustufen (Urk. 8/29/5).
3.3
Dipl. med.
C._
, Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medi
zin/Prävention und Gesundheitswesen, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), hielt in ihrer Stellungnahme vom 5. Oktober 2016 fest, die Aktenlage lasse vermuten, dass die Beschwerdeführerin nicht in der Lage sei, eine Erwerbstätigkeit unter den Bedingungen des freien Arbeitsmarktes auszuüben. Es liege aus versiche
rungsmedizinischer Sicht ein dringend
behandlungsbedürftiger
, instabiler Gesundheitszustand vor. Vor endgültiger Entscheidung sei die Beschwerdefüh
rerin daher zur Mitwirkung im Rahmen einer Schadenminderungspflicht auf
zufordern (Urk. 8/40/2-3).
4.
Unbestritten ist, dass bei der Beschwerdeführerin eine psychische Störung vorlie
gen dürfte und dass sie der ihr am 14. November 2016 auferlegten Mit
wirkungspflicht im Sinne einer engmaschigen wöchentlichen psychiatrischen Konsultation nicht nachgekommen ist. Aufgrund der Berichte der Z._ kann sodann von einer fehlenden Krankheitseinsicht der Beschwerdeführerin ausge
gangen werden (E. 3.2), welche möglicherweise Teil der psychischen Erkrankung
sein könnte. Um dies beurteilen zu können, ist
eine fachärztliche Einschätzung notwendig (E. 1.3). In der Beschwerdeschrift wurde zu Recht darauf hingewie
sen, dass es sich bei der RAD-Ärztin um eine fachfremde Ärztin handelte (Urk. 1 S. 6), welche sich denn auch nicht mit der Frage auseinandersetzte, ob die
feh
lende Krankheitseinsicht Teil des Leidens
sein könnte.
5.
Nach dem Gesagten beruht die angefochtene Verfügung auf einem unvollstän
dig abgeklärten medizinischen Sachverhalt. Sie ist deshalb aufzuheben und die Sache ist zur Vornahme ergänzender medizinischer Abklärungen und anschliessendem Neuentscheid an die Verwaltung zurückzuweisen.
Insbesondere ist fachpsychiatrisch zu klären, ob die
fehlende Krankheitseinsicht Teil des Lei
dens
der Beschwerdeführerin ist. Allenfalls ist hierzu eine Begutachtung durch
zuführen. Sollte sich die Beschwerdeführerin allerdings auch weigern, sich einer Begutachtung unterziehen zu lassen, müsste sie sich dies unter den gegebenen Umständen entgegenhalten lassen.
Im Sozialversicherungsprozess tragen die Parteien eine Beweislast
letztlich
insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebe
nen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b
).
6.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzusetzen und, da die Rückwei
sung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsie
gen gilt (BGE 137 V 57 E. 2.2), ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Damit erweist sich das
Gesuch der Beschwerde
führerin um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung als gegenstandslos.