Decision ID: 8127f370-e4cc-4d84-af6e-7ffe4e30a8e4
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Rekurrent,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Vorinstanz,
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betreffend
individuelle Prämienverbilligung 2011
Sachverhalt:
A.
A.a A._ ersuchte am 25. Februar 2011 die Sozialversicherungsanstalt des Kantons
St. Gallen (SVA) um eine individuelle Prämienverbilligung (IPV) für das Jahr 2011 (act.
G3.1/9).
A.b Mit Verfügung vom 6. Mai 2011 wies die SVA gestützt auf die
Veranlagungsberechnung der Staats- und Gemeindesteuern des Jahres 2009 das
Gesuch ab (act. G3.1/10).
B.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 18. Mai 2011 Einsprache und
beantragte sinngemäss, es sei auf die Einkommensverhältnisse des Jahres 2010
abzustellen (act. G3.1/11 ff.). Mit Entscheid vom 10. Juni 2011 wies die SVA das
Begehren ab (act. G1.1).
C.
C.a Gegen den Entscheid vom 10. Juni 2011 richtet sich der Rekurs vom 23. Juni
2011. Der Rekurrent beantragt sinngemäss, der Einspracheentscheid sei aufzuheben
und es sei auf die Steuerveranlagung des Jahres 2010 abzustellen. Seine
Einkommensverhältnisse hätten sich im Vergleich zum Jahr 2009 massgebend und
dauerhaft verändert (act. G1).
C.b Mit Eingabe vom 7. Juli 2011 beantragt die Vorinstanz, der Rekurs sei
abzuweisen. Sie hält fest, eine dauerhafte Veränderung des Einkommens liege nur vor,
wenn diese sowohl quantitativ als auch qualitativ gegeben sei. Die Situation des
Rekurrenten stelle nur eine quantitative Veränderung dar. Selbst wenn auf die
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Steuerzahlen des Jahres 2010 abzustellen wäre, hätte der Rekurrent keinen Anspruch
auf IPV (act. G3).
C.c Mit Schreiben vom 13. Juli 2011 verzichtet der Rekurrent auf das Einreichen einer
Replik (act. G5).
C.d Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt
der übrigen Akten wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den nachfolgenden

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
Die Vorinstanz hat bei der Berechnung des Anspruchs auf Prämienverbilligung für das
Jahr 2011 auf die veranlagten Steuerdaten aus dem Jahr 2009 abgestellt. Der
Rekurrent bringt vor, er lebe seit Mitte 2009 getrennt von seiner Ehefrau und den
gemeinsamen Kindern, weshalb er Unterhaltsbeiträge an sie bezahle. Zudem habe er
noch eine aussereheliche Tochter, der er ebenfalls Alimente zahle. Dadurch hätten sich
seine Einkommensverhältnisse seit 2009, jedoch vollumfänglich seit 2010 und für die
weitere Zukunft massgebend verändert (act. G1). Er macht damit sinngemäss geltend,
für die Beurteilung seines (allfälligen) Anspruchs auf IPV sei auf seine aktuelle
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit abzustellen. Streitig und zu prüfen ist somit, ob die
Vorinstanz bei der Anspruchsberechnung auf eine Prämienverbilligung für das Jahr
2011 zu Recht auf das Reineinkommen aus dem Jahr 2009 abgestellt hat.
2.
2.1 Nach Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung
(SR 832.10; KVG) haben die Kantone den Versicherten in bescheidenen
wirtschaftlichen Verhältnissen Prämienverbilligungen zu gewähren. Dazu haben sie
nach Art. 97 Abs. 1 KVG Ausführungsbestimmungen zu erlassen. Der Kanton St. Gallen
ist dieser Verpflichtung durch die Art. 9-16 des Einführungsgesetzes zur
Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (sGS 331.11; EG-KVG) und die
dazugehörigen Vollzugsvorschriften in Art. 9-38 der Verordnung zum
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Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung
(sGS 331.111; Vo-EG) nachgekommen, wobei er insbesondere die persönlichen
(Art. 10 EG-KVG) und die einkommensmässigen (Art. 11 EG-KVG) Voraussetzungen
sowie die Höhe der Prämienverbilligung (Art. 12 EG-KVG) festgesetzt hat.
2.2 Eine Prämienverbilligung wird nach Art. 10 Abs. 1 EG-KVG Personen gewährt, die
im Kanton St. Gallen steuerrechtlichen Wohnsitz haben (lit. a) und ein die
Prämienverbilligung auslösendes Einkommen erzielen (lit. b). In Bezug auf die
einkommensmässigen Voraussetzungen bestimmt Art. 11 EG-KVG, dass das die
Prämienverbilligung auslösende Einkommen unter teilweiser Berücksichtigung des
steuerbaren Vermögens von der Regierung durch Verordnung festgesetzt wird (Abs. 1).
Grundlage bildet in der Regel die letzte definitive Steuerveranlagung (Abs. 2).
Entspricht das ermittelte Einkommen offensichtlich nicht der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit, wird auf diese abgestellt (Abs. 3).
3.
3.1 Nach Art. 11 Abs. 3 EG-KVG wird nur dann von der letzten definitiven
Steuerveranlagung abgewichen, wenn das ermittelte Einkommen offensichtlich nicht
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entspricht. Dies stellt eine Abweichung von der
Gleichbehandlung dar, indem als Bemessungsgrundlage die Gegenwartswerte
herangezogen werden. Es bedarf deshalb bestimmter Voraussetzungen, bevor auf die
tatsächlichen Verhältnisse abgestellt wird. Welche Kriterien zu einer Abweichung
führen, ist der bisherigen Rechtsprechung zu Art. 11 Abs. 3 EG-KVG zu entnehmen. Mit
der Verwendung des Begriffs "offensichtlich" in Art. 11 Abs. 3 EG-KVG wird zum
Ausdruck gebracht, dass nicht jede Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse
massgebend sein darf, um von den Steuerdaten abzuweichen. Die Diskrepanz
zwischen der früheren und der neuen wirtschaftlichen Lage, welche sowohl vom
Einkommen als auch vom Vermögen beeinflusst wird, muss erheblich sein.
Praxisgemäss rechtfertigen nur grundlegende und tiefgreifende Änderungen der
Verhältnisse ein Abweichen von der letzten definitiven Steuerveranlagung. Anders wäre
der Vollzug der Prämienverbilligung in einem einfachen und raschen Verfahren gar nicht
zu bewerkstelligen (Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen B 2005/23
vom 10. Mai 2005 E. 2c). Gemäss Art. 12 Vo-EG wird auf die wirtschaftliche quater
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Leistungsfähigkeit anstelle des ermittelten Einkommens abgestellt, wenn sich die
Einkommensgrundlagen dauerhaft verändert haben (Abs. 1) und die Abweichung im
Bezugsjahr wenigstens einen Viertel des massgebenden Einkommens des vorletzten
Jahres beträgt (Abs. 2). Nur vorübergehende Änderungen, welche nicht die eigentliche
Einkommensgrundlage betreffen, wirken sich dagegen lediglich auf das (rein
rechnerisch ermittelte) steuerliche Reineinkommen und damit systembedingt erst auf
künftige Berechnungen der Prämienverbilligung aus (Urteil des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen KV-SG 2005/1 vom 13. September 2005 E. 2c).
3.2 Wenn von der ordentlichen Berechnungsgrundlage abgewichen und stattdessen
auf die tatsächliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit abgestellt werden soll, gilt es
Art. 9 Abs. 1 Vo-EG zu beachten, welcher bestimmt, dass für die
Anspruchsberechtigung auf Prämienverbilligung für Personen mit zivilrechtlichem
Wohnsitz oder einer fremdenpolizeilichen Bewilligung zum Jahresaufenthalt im Kanton
die persönlichen und familiären Verhältnisse am 1. Januar des Jahres massgebend
sind, für das die Prämienverbilligung beansprucht wird. Dabei handelt es sich um die
aktuellsten Daten (vgl. dazu Art. 65 Abs. 3 KVG). Einzig bei der Geburt eines Kindes
wird das massgebende Einkommen ab dem Geburtsmonat neu festgelegt (Art. 13 Vo-
EG). Das Verwaltungsgericht hat sodann in seinem Entscheid vom 10. Mai 2005 (vgl.
a.a.O., E. 2d) festgehalten, dass grundsätzlich auch Änderungen, die zu Beginn des
Anspruchsjahres bzw. im Zeitpunkt des Gesuchs auf eine grundlegende Veränderung
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit deuten, Berücksichtigung finden könnten.
3.3 Der Rekurrent lebt seit Mitte 2009 getrennt von seiner Ehefrau und den
gemeinsamen Kindern. Im Jahr 2009 erzielte er gemäss der korrigierten
Veranlagungsberechnung der Staats- und Gemeindesteuern 2009 vom 23. Juni 2010
ein steuerbares Reineinkommen von Fr. 44'325.--. In der Veranlagungsberechnung der
Staats- und Gemeindesteuern 2010 wird lediglich noch ein Reineinkommen von
Fr. 30'482.-- aufgeführt (act. G3.1/11). Dies ergibt eine Diskrepanz des
Reineinkommens von zirka 31%. Da das Reineinkommen die Grundlage zur Ermittlung
des massgebenden Einkommens bildet, ist davon auszugehen, dass mit einem
derartigen Unterschied in den Werten des Reineinkommens auch der in
Art. 12 Abs. 2 Vo-EG geforderte Viertel klar übertroffen wird. Es bleibt somit zu quater
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prüfen, ob sich die Einkommensgrundlagen des Rekurrenten dauerhaft verändert
haben.
3.4 Wie der Rekurrent zutreffend ausführte, sind die Veränderungen in Bezug auf das
Reineinkommen allein auf die ihm auferlegten Unterhaltszahlungen zurückzuführen. Mit
andern Worten erzielt der Rekurrent in etwa dasselbe Einkommen wie bereits im Jahr
2009, er kann jedoch steuerrechtlich die von ihm geleisteten Unterhaltszahlungen als
Abzüge deklarieren (vgl. act. G3.1/11). Der Rekurrent hat seine Familie bereits vor der
Trennung bzw. Scheidung finanziell unterstützt (vgl. Art. 159 Abs. 3 und Art. 163 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuchs; SR 210). Der Unterschied zu damals liegt einerseits
darin, dass er nun diese Beiträge steuerrechtlich in Abzug bringen darf. Andererseits
existieren wohl seit der Trennung zwei Haushalte, die es zu erhalten gilt, womit
entsprechende Mehrkosten einhergehen. Demzufolge ist davon auszugehen, dass der
Rekurrent seit der Trennung zwar höhere Ausgaben hat als zuvor, diese jedoch
grösstenteils nicht als dauerhafte Veränderung (wie beispielsweise die Geburt eines
Kindes) betrachtet werden können, da sie bereits vor der Trennung existierten,
steuerrechtlich aber anders behandelt wurden. Eine die wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit massiv tangierende Veränderung der Einkommensgrundlagen im
Sinn von Art. 12 Vo-EG ist damit nicht ausgewiesen.
3.5 Zusammenfassend steht fest, dass die Steuerveranlagungen des Rekurrenten der
Jahre 2009 und 2010 im Vergleich zwar eine Differenz des Reineinkommens
ausweisen, die den in Art. 12 Abs. 2 Vo-EG geforderten Viertel übersteigt. Jedoch
kann in der Auferlegung von Unterhaltszahlungen keine dauerhafte Veränderung der
Einkommensgrundlagen im Sinn von Art. 12 Abs. 1 Vo-EG gesehen werden, da
der Rekurrent bereits vor der Trennung mit seinem Einkommen seine Familie
unterstützte. Demzufolge hat die Vorinstanz zu Recht auf die Steuerveranlagung des
Jahres 2009 abgestellt. Dementsprechend ist der Rekurs abzuweisen.
4.
Im Übrigen bleibt darauf hinzuweisen, dass selbst wenn auf die
Veranlagungsberechnung der Staats- und Gemeindesteuern 2010 abgestellt würde,
der Rekurrent keinen Anspruch auf IPV hätte. Bei einem Reineinkommen von
quater
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Fr. 30'482.-- würde sein Selbstbehalt (12% des anrechenbaren Einkommens, d.h. des
Reineinkommens; vgl. Art. 5 lit. a des Regierungsbeschlusses über die
Prämienverbilligung 2011 für Personen im Kanton St. Gallen [sGS 331.538]) Fr. 3'658.--
betragen. Bei einer Referenzprämie in der Höhe von Fr. 3'356.-- (vgl. Art. 3 Abs. 1 lit. a
Regierungsbeschluss a.a.O.) bestünde kein Anspruch auf IPV.
5.
Gemäss Art. 95 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP;
sGS 951.1) hat in Streitigkeiten grundsätzlich jener Beteiligte die Kosten zu tragen,
dessen Begehren ganz oder zum Teil abgewiesen werden. Der Rekurrent ist im
vorliegenden Verfahren vollständig unterlegen und hätte demnach für die
Gerichtskosten aufzukommen. In Anbetracht der Umstände (bescheidene
wirtschaftliche Verhältnisse im Sinn von Art. 9 EG-KVG) rechtfertigt es sich jedoch, in
Anwendung von Art. 97 VRP auf die Erhebung von Gerichtskosten zu verzichten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP