Decision ID: c517766c-6e08-4257-9fdb-b967c63897ee
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der im Jahre 1967 geborene
X._
war seit dem 1. März 2006 bei der
Y._
als Autotra
nsporter (Chauffeur) angestellt
(
Urk.
10/21)
.
A
m 14. Juli 2008 meldete
er
sich bei der
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
10/7).
Nach Veranlassung einer
bidisziplinäre
n
Abklärung (
Z._
-Gutachten vom 25. September 2010,
Urk.
10/46)
sprach ihm die IV-Stelle mit Verfügung vom
31. Mai 2011 und Wirkung ab 1. April 2011 ausgehend von einem
In
validitätsgrad
von 70
%
eine ganze Rente zu (
Urk.
10/66). Im Januar 2012 leitete die IV-Stelle die revisionsweise Überprüfung des Rentenanspruchs in die Wege (
Urk.
10/72), insbesondere
mit Blick auf die Schlussbestimmung
lit
. a der
am 1. Januar 2012 in Kraft getretenen 6. IV-Revision, erstes
Massnah
menpaket
(
Urk.
10/74). Mit Vorbescheid vom 19. Juni 2012 stellte die IV-Stelle die Einstellung der Invalidenrente in Aussicht (
Urk.
10/75). Nachdem im
Vorbescheidverfahren
in medizinischer Hinsicht weiterer
Abklärungsbe
darf
festgestellt w
orden war
, erfolgte erneut
eine
bidisziplinäre
Begutachtung des Versicherten (
Z._
-Gutachten vom 27. März 2013,
Urk.
10/94).
Weitere Abklärungen
bezüglich
der psychischen Beschwerden fanden an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des
A._
(
Erst
gespräch
am 17. März 2014,
Urk.
10/107/10-13) sowie bei der
B._
statt (Bericht vom 30. Sep
tember 2015,
Urk.
10/108). Mit Vorbescheid vom 21. Oktober 2015 stellte die IV-Stelle dem Versicherten erneut die Einstellung der Invalidenrente in Aus
sicht (Urk. 10/110, ersetzt den Vorbescheid vom 19. Juni 2012) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom 2
2.
Dezember 2015 fest (
Urk.
10/116 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter des Versicherten am
1. Februar 2016 Be
schwerde und beantragte, es
sei
weiterhin eine ganze Rente auszurichten; weiter sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, unter Kos
ten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Darüber hinaus sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilli
gen und es sei ihm der Unterzeichnende als unentgeltlicher Rechtsbeistand beizugeben (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 23. Februar 2016 beantragte die Beschwerde
-
geg
nerin
Abweisung der Beschwerde
; dies
sowohl in materieller Hinsicht als auch bezüglich des Antrages auf Wiederherstellung der auf
schiebenden Wirkung (
Urk.
9). Mit Verfügung vom 29. Februar 2016 wies das hiesige
Gericht das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung ab, bewilligte dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und bestellte ihm Rechtsanwalt
Dr.
Valentin
N.
J. Landmann, Zürich, als
unent
geltlicher Rechtsvertreter; weiter wurde dem Beschwerdeführer ein Doppel der Beschwerdeantwort zu Kenntnis gebracht
(
Urk.
12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Lei
den
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Auf
bietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Er
werbseinkommen
zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer
Restarbeits
fähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Ge
such hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Än
derung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
Invaliditäts
grad
und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert ha
ben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesund
heitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Ar
beitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im We
sentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfä
higkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer
an
spruchserheblichen
Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechts
kräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche
oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
rechts
konformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditätsbe
messung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.4
Gemäss
lit
. a Abs. 1 der
am 1. Januar 2012 in Kraft getretenen
Schlussbestim
mungen
zur 6. IV-Revision, erstes Massnahmenpaket, werden Renten, die bei
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwer
debildern
ohne nachweisbare organische Grundlage gesprochen wurden, in
nerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung überprüft. Sind die Voraussetzungen nach Art. 7 ATSG nicht erfüllt, so wird die Rente her
abgesetzt oder aufgehoben, auch wenn die Revisionsvoraussetzungen von Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht gegeben sind. Diese Bestimmung ist verfassungs- und EMRK-konform (
BGE 139 V 547
). Nach der Rechtsprechung ist die in
lit
. a Abs. 1 der Schlussbestimmungen vorgesehene Rentenherabsetzung oder -aufhebung nicht auf vor dem 1. Januar 2008 zugesprochene Renten be
schränkt.
Erging die fragliche
Rentenzusprache
aber
bereits in Beachtung der
jeweils relevanten
Rechtsprechung zu
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage, bleibt kein Raum für ein Rückkommen unter dem Titel der dargelegten Schlussbestimmung (
BGE 140 V 8
).
1.5
Lässt sich eine massgebliche Sachverhaltsänderung als Voraussetzung für eine revisionsweise Rentenherabsetzung oder –
aufhebung
nicht nachweisen, so kann die Verwaltung eine rechtskräftig zugesprochene Rente herabsetzen oder aufheben, wenn die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung erfüllt sind. Dies ist dann der Fall, wenn sich eine formell rechtskräftige
Renten
verfügung
, die nicht Gegenstand einer materiellen richterlichen Beurteilung gewesen ist, als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von er
heblicher Bedeutung ist (vgl. Art. 53 Abs. 2 ATSG).
Die Wiedererwägung dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsan
wendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Wür
digung des Sachverhalts. Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn eine
Leistungszusprache
aufgrund falsch oder unz
u
treffend verstandener Rechtsre
geln erfolgt ist oder wenn massgebliche
Be
-
st
immungen
nicht oder unrichtig an
gewandt wurden. Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraus
setzungen liegt, deren Beurteilung notwen
digerweise Ermessenszüge auf
weist. Erscheint die Beurteilung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvoraussetzungen (Invaliditätsbemessung,
Arbeitsunfähigkeits
schätzung
, Beweiswürdigung, Zumutbarkeitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräf
tigen
Leis
tungszusprechung
darboten, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifello
ser Unrichtigkeit aus.
Ansonsten würde die Wiedererwägung zum Instrument einer voraussetzungslosen Neuprüfung, was sich nicht mit dem Wesen der Rechtsbeständigkeit formell zugesprochener Dauerleistungen vertrüge (SVR 2012 IV Nr. 18 S. 81, Bundesgerichtsurteil 9C_418/2010 vom 29. August 2011 E. 3.2; vgl. etwa auch Urteil 8C_38/2013 vom
2.
September 2013 E. 2.5 mit Hinweisen).
Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein ver
nünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung - denk
bar. Insbesondere ist eine auf keiner nachvollziehbaren ärztlichen Einschätzung der massgeblichen Arbeitsfähigkeit beruhende Invaliditätsbemessung nicht rechtskonform und die entsprechende Verfüg
ung zweifellos unrichtig im wie
dererwägungsrechtlichen Sinne (
für viele
Urteil de
s Bundesgerichts 8C_33/2011 vom
16. Mai 2011 E. 2.2 mit
diversen
Hinweisen
; ferner etwa Bundesgerichtsurteil 9C_633/2015 vom 3. November 2015 E. 2.1 mit weite
ren Hinweisen
).
Liegt in diesem Sinne ein
Rückkommenstitel
vor, gilt es grundsätzlich
, mit Wirkung ex
nunc
et pro
futuro
einen rechtskonformen Zustand herzustellen. Dabei ist wie bei einer materiellen Revision nach Art. 17
Abs.
1 ATSG auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts der Invaliditätsgrad im Zeitpunkt der Verfügung über die Herabsetzung respek
tive Aufhebung einer Rente zu ermitteln (vgl. Art. 85
Abs.
2 in Verbindung mit Art. 88
bis
Abs.
2 IVV; für viele Bundesgerichtsurteil 9C_173/2015 vom 29. Juni 2015 E. 2.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung
vom 2
2.
Dezember 2015
damit, dass
bereits im Zeitpunkt der erstmaligen
Renten
zusprache
(31. Mai 2011)
die Überwindbarkeitskriterien der sogenannten Schmerzrechtsprechung (analog) hätten geprüft werden müssen. Gestützt darauf
wäre festzustellen gewesen
, dass kein invalidisierender
Gesundheits
schaden
ausgewiesen sei. Aufgrund des Verlaufsgutachtens
vom 27. März 2013 seien weder die psychiatrischen Diagnosen noch die funktionellen Ein
schränkungen durch objektive Befunde belegt oder schlüssig und nachvoll
ziehbar begründet, so dass kein invalidisierender, unüberwindbarer
Gesund
heitsschaden
vorliege, was zur Einstellung der laufenden Rente führe (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter des Beschwerdeführers im Wesentlichen geltend, dass die Arbeitsunfähigkeit sowohl in psychiatrischer als auch rheumatologischer Hinsicht nachvollziehbar und plausibel dargelegt werde und demnach als ausgewiesen zu betrachten sei. Insbesondere bezüglich der psychiatrischen Diagnosen sei von einer
übereinstimmenden Einschätzung der Sachlage und von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit des Beschwer
deführers auszugehen (
Urk.
1 S. 7).
3
.
3.1
Vergleichsbasis
für die Beurteilung der Frage, ob sich der Invaliditätsgrad im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG erheblich geändert hat,
bildet die Verfügung vom 31. Mai 2011, welche sich in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das
Z._
-Gutachten vom 25. September 2010 stützt
e
(
Urk.
10/47 S. 8,
Urk.
10/66).
Die
dafür
verantwortli
chen Fach
ärzte diagnostizierten
-
mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit
-
eine posttrau
matische Belastungs
-
stö
rung
(PTBS)
nach Unfall (ICD-10 F43.1) auf dem Boden einer früheren Trau
matisierung durch Leben im Kr
iegsgebiet, eine Konversionsstö
rung mit sen
sorischen und motorischen Sy
mptomen (ICD-10 F44.7), eine an
haltende
so
matoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie eine deutliche
Osteo
chondrose
C5/6 und geringer C3/4 und C6/7 mit nicht komprimierenden
Dis
kusprotrusionen
ohne neurale Kompression. Aus rheumatologischer Sicht bestehe als Chauffeur eine Arbeitsfähigkeit von 60 %, in einer
angepassten
körperlich leichten Tätigkeit ei
ne solche von 100 %. Aus psychi
atrischer Sicht sei insbesondere aufgrund der
posttraumatischen
Belastungsstö
-
rung
von einer Arbeitsfähigke
it von
lediglich
30 % auszugehen (Urk. 10/46
S. 17
ff.).
3.
2
3.
2.1
Die für das
Z._
-Gutachten vom 27. März 2013
verantwortlichen Fachärzte diagnostizierten
-
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
-
eine
chronifi
zierte
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), DD: andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0); eine re
zidivierende (
chronifizierte
) depressive
Ströung
, gegenwärtig mittelgradig, mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11); eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie
bewegungs- und b
elastungsabhängige
cervikovertebrale
Missempfindungen,
Chondrose
betont C5/6, geringer C3/4
und C6/7 mit
Protrusionen
ohne Diskushernie ohne Hinweis weder für eine
radikuläre
Reiz- oder Ausfallssymptomatik oder facettengelenksfortgeleitete Missempfindungen (
Urk.
10/94 S. 30).
Unter Einhaltung der Schonkriterien sei aus rein rheumatologischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit gegeben. Aufgrund der psychischen Störungen bestehe aber eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten.
Aus rheumatologischer Sicht könnten keine medizinischen Massnahmen im ei
gentlichen Sinn empfohlen werden. Aus psychiatrischer Sicht sei eine er
neute Vorstellung in der Spezialsprechstunde für Posttraumatische
Belas
tungsstörungen
in der
C._
sinnvoll, wenngleich es aus Sicht des psychiatrischen Referenten als prognostisch zweifelhaft beziehungsweise ungünstig zu beurteilen sei, ob eine solche Be
handlung angesichts des Zustandes des Beschwerdeführers überhaupt durch
geführt werden könne und ob von
einer solchen
nach so langer Zeit über
haupt eine Verbesserung der Gesamtsymptomatik erwartet werden könne (
Urk.
10/94 S. 31 f.).
3.2
.2
Die für den Bericht der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des
A._
(Erstgespräch vom 17. März 2014)
verantwortlichen Fachärzte
(Sprechstunde für Belastungsreaktionen, PTBS) diagnostizierten eine rezidivierende depres
sive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3), eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) so
wie eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). Der Be
schwerdeführer sei bei ihnen am 17., 19., 25. und 31. März 2014 abgeklärt worden (
Urk.
10/107/10-13).
3.
2.3
Die für den
B._
-Bericht vom 30. September 2015 verantwortlichen Fachärzte diagnostizierten eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2), bestehend seit 2014; eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) bestehend seit 2008 sowie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren mit chronischen Schmerzen im Bereich von Kopf, Nacken, Schul
tergürtel und Wirbelsäule mit Ausstrahlung in alle
vier
Extremitäten, Schwindelbeschwerden,
Visusbeschwerden
, Migräne und Tinnitus (ICD-10 F45.41) bestehend seit 2008. Aufgrund der genannten
chronifizierten
Be
schwerden sei keine Leistungsfähigkeit mehr vorhanden; die
Einschränkun
gen liessen sich
auch durch medizinische Massnahmen nicht verminder
n
. Aufgrund des aktuellen psychopathologischen Befundes und der erfolgten Zustandsverschlechterung trotz intensiver psychiatrischer Behandlung wür
den sie von einer schlechten Prognose und einem chronischen Verlauf aus
gehen (
Urk.
10/108).
3
.
3
Au
s den
vorliegenden aktuellen medizinischen
Unterlagen
ergibt sich deut
lich, dass keine
gesundheitliche
Verbesserung
ausgewiesen ist. Nachdem
be
reits
die
Z._
-Gutachter in ihrem Verlaufsgutachten vom 27. März 2013 von einer Verschlechterung der Beschwerden und einer nun vollständigen Ar
beitsunfähigkeit aus
gegangen waren,
ist gestützt auf die aktuelle Einschät
zung der Fachärzte des
B._
sowie der Klinik für Psychiatrie und Psychothe
rapie des
A._
insbesondere hinsichtlich des depressiven Geschehens von ei
ner weiteren Verschlechterung auszugehen. Vor diesem Hintergrund
fällt eine Renten
aufhebung
gestützt auf Art. 17
Abs.
1
ATSG ausser Betracht.
4.
Soweit
die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung ausführt, dass bereits im Rahmen der erstmaligen
Rentenzusprache
die sogenannte Schmerzrechtsprechung
hätte angewendet werden müssen und so die Frage
eines
wiedererwägungsweisen
Zurückkommens auf die formell rechtskräftige Rentenverfügung
in den Raum stellt,
ist
zu bemerken
, dass die Diagnose
ei
ner
PTBS
in der Aufzählung
der E. 2.2.1.3 von
BGE 140 V 8 nicht enthalten ist.
Auch wenn das Bundesgericht im Zusammenhang mit einer PTBS ver
schiedentlich die Anwendbarkeit der Überwindbarkeitsvermutung gemäss BGE 130 V 352
E. 2.2.3
bejaht
e
(BGE 142 V 342 E. 4.2), kann gestützt auf den am
13. Dezember 2013
ergangenen BGE 140 V 8
ebensogut
darauf ge
schlossen werden, dass die dannzumal
bestandene
Überwindbarkeitsrecht
sprechung
auf die Diagnose
einer
PTBS
nicht anzuwenden
war
. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der fraglichen Thematik
ist
erst mit
bundesgerichtli
chem
Urteil vom 7. Juli 2016 (BGE 142 V 342)
erfolgt
, mit welchem die Rechtsprechung von BGE 141 V 281 (
neue
Schmerzrechtsprechung)
als
auch
auf eine
PTBS
anwendbar erklärt w
o
rde
n ist
(BGE 142 V 342 E.
5
.2
). Bei dieser Sachlage
aber
kann nicht auf
eine
zweifellose Unrichtigkeit der ur
sprünglichen
Rentenzusprache
mangels Anwendung der dannzumal massge
bende
n
Überwindbarkeitsrechtsprechung geschlossen werden,
nachdem
die Rechtslage keineswegs eindeutig war, wie die vertiefte Auseinandersetzung in BGE 142 V 342 zeigt. Eine wiedererwägungsweise
(Art. 53
Abs.
2 ATSG)
Aufhebung der ursprünglichen
Rentenzusprache
fällt demnach
ebenfalls
ausser Betracht.
Selbst bei Annahme zweifelloser Unrichtigkeit der ursprünglichen Verfügung ergäbe sich gestützt auf die aktuellen fachpsychiatrischen Berichte bezogen
auf den Zeitpunkt der angefochtenen Aufhebungsverfügung vom 2
2.
Dezember 2015 (vgl. E. 1.5
Abs.
3
hievor
) ein den Anspruch auf die (ganze) Rente begründender Invaliditätsgrad.
5.
Hinsichtlich
der Frage
einer Rentenaufhebung gestützt auf
lit
. a
Abs.
1 der
Schlussbestimmung
en
der
Änderung
des IVG
vom 1
8.
März 2011 (
6.
IV-Re
vision, erstes
Massnahmepaket
) ist
festzuhalten
, dass
für die Herabsetzung oder Aufhebung der Rente erforderlich
ist
, dass auch im Revisionszeitpunkt ausschliesslich ein unklares Beschwerdebild vorliegt.
Rechtsprechungsgemäss zu
klären ist daher, ob sich der Gesundheitszustand seit der
Rentenzusprache
allenfalls verschlechtert hat und ob neben den nicht objektivierbaren Störun
gen anhand klinischer psychiatrischer Untersuchungen nunmehr nicht klar eine Diagnose gestellt werden kann (
BGE
139 V 547
E. 10.1.2).
Bereits aufgrund des
Z._
-Verlaufsgutachtens vom 2
7.
März 2013 ist hinsicht
lich des depressiven Geschehens von einer deutlichen Verschlechte
rung
auszugehen. Die
schon
im Rahmen des Gutachtens vom 2
5.
September 2010 beobachteten depressiven Symptome, welche der PTBS zugeordnet worden seien, würden
– so die Experten -
nun als eigenständige depressive Erkrankung verstanden, da sie heute deutlich ausgeprägter seien als im Rah
men der Erstbegutachtung (
Urk.
10/94 S. 18).
Aufgrund der noch aktuelleren Einschätzungen der Fachärzte des
B._
sowie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des
A._
ist zudem per 2014 von einer weiteren Verschlech
terung der depressiven Symptomatik auszugehen, welche mittlerweile im Vordergrund zu stehen scheint.
Vor diesem Hintergrund liegt im
Revisions
zeitpunkt
nicht ein
ausschliesslich unklares Beschwerdebild
vor, so dass auch eine Aufhebung der laufenden Rente gestützt auf die Schlussbestimmungen entfällt.
A
nzumerken
bleibt
, dass es
bereits
im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenzu
sprache
Hinweise auf ein relevantes depressives Geschehen
gab
.
Zum einen wiesen schon
die für das
Z._
-Gutachten vom 2
5.
September 2010 verantwortlichen Fachärzte auf beobachtete depressive Symptome hin
;
zum anderen schlossen
weitere
involvierte Fachpersonen schon dannzumal auf ein im Vordergrund stehendes depressives Geschehen. So diagnostizier
ten die
für den Bericht der Psychiatrischen Polik
linik vom 4. August 2008 verant
wortlichen Fachärzte
nebst
eine
r
ch
ronische
n
posttraumatische
n
Be
las
tungsreaktion
(ICD-10 F43.1) eine mittelschwere depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.1). Klinisch
deutlich im Vordergrund
stehe die depressive Störung
, aufgrund welcher
der Beschwerdeführer aktuell einer
trau
mafokussierten
Exposition
stherapie nicht zugängig
sei
(Urk. 10/
26/23).
6.
Zusammenfassend erscheint es
, namentlich
bei deutlich verschlechtertem Gesundheitszustand
,
unter keinem Titel
geboten
, die laufende Rente einzu
stellen. In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung
vom 2
2.
Dezember 2015 demnach
aufzuheben und es ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente hat.
7
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Vertreter des Beschwerdeführers eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von Art. 61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksich
tigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses sowie nach Einsicht in die Honorarnote vom
7.
März 2016 (
Urk.
13) auf Fr. 1'495.05
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.