Decision ID: 500a1dcb-7405-4023-a9b6-7063146ccf27
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend grobe Verletzung der Verkehrsregeln
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, Einzelgericht, vom 4. November 2020 (GG200051)
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Anklage:
Die Anklage der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 3. September 2020
(Urk. 8) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 33 S. 18 ff.)
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 35 Abs. 1 SVG und Art. 8 Abs. 3 VRV (Rechtsüberholen)
2. Von den folgenden Vorwürfen wird der Beschuldigte freigesprochen
− der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 lit. d VRV und Art. 4a Abs. 1 lit. d VRV (Geschwindigkeit)
− der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV (Abstand)
− der vorsätzlichen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 und Abs. 5 VRV (Geschwindigkeit)
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu
Fr. 40.–.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre
festgesetzt.
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'500.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'500.– Gebühr für das Vorverfahren
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert
sich die Entscheidgebühr um einen Drittel.
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6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
7. [Mitteilungen]
8. [Rechtsmittel]
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 34 S. 2 und Urk. 45 S. 1, schriftlich)
1. Der Beschuldigte sei vom Vorhalt der groben Verletzung der Verkehrs-
regeln im Sinne von SVG 90 II i.V.m. SVG 35 I und VRV 8 III (Rechts-
überholen) freizusprechen.
2. Die Verfahrenskosten (Bestehend aus der Gebühr für das Vorverfahren
sowie den erstinstanzlichen Kosten) sowie die Kosten der erbetenen
Strafverteidigung seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:
(Urk. 39, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
1. Prozessverlauf
1.1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Bülach, Einzelgericht, vom 4. November
2020, wurde der Beschuldigte der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne
von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 35 Abs. 1 SVG und Art. 8 Abs. 3
VRV (Rechtsüberholen) schuldig gesprochen. Von den weiteren Vorwürfen (grobe
Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung
mit Art. 27 Abs. 1 lit. d VRV und Art. 4a Abs. 1 lit. d VRV [Geschwindigkeit] sowie
in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV [Abstand] sowie
vorsätzliche Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in
Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 und Abs. 5 VRV [Ge-
schwindigkeit]) – wurde er freigesprochen. Er wurde bestraft mit einer Geldstrafe
von 25 Tagessätzen zu Fr. 40.–, wobei der Vollzug der Geldstrafe aufgeschoben
und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt wurde. Schliesslich wurden ihm die ge-
samten Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens auferlegt
(Urk. 28 = Urk. 33).
1.2. Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte fristgerecht Berufung an
(Prot. I S. 27; Urk. 22). Das begründete Urteil wurde dem Beschuldigten am
10. Februar 2021 zugestellt (Urk. 31). Am 15. Februar 2021 reichte der Beschul-
digte fristgerecht seine Berufungserklärung ein (Urk. 34). Die Staatsanwaltschaft
Winterthur / Unterland (nachfolgend Staatsanwaltschaft) beantragte mit Eingabe
vom 3. März 2021 die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 39). Mit Ein-
gabe vom 5. März 2021 reichte der Beschuldigte das Datenerfassungsblatt ein
(Urk. 41). Die Berufungsverhandlung fand am 1. Oktober 2021 in Anwesenheit
des Beschuldigten und seiner Verteidigung statt (Prot. II S. 3 ff.).
2. Umfang der Berufung
2.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-
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sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche
Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO).
2.2. Der Beschuldigte ficht die Dispositivziffern 1 (Schuldspruch), 3 und 4 (Stra-
fe) sowie 5 und 6 (Kostendispositiv) an. Es ist deshalb vorab mittels Beschluss
festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Bülach, Einzelgericht, vom
4. November 2020, bezüglich Dispositivziffer 2 (Freisprüche) in Rechtskraft er-
wachsen ist.
3. Sachverhalt
3.1. Der Tatvorwurf ergibt sich aus der Anklageschrift vom 3. September 2020
(Urk. 8). Zusammengefasst wird dem Beschuldigten vorgeworfen, am 11. Januar
2020 seinen Personenwagen von der Überholspur auf die Normalspur gelenkt zu
haben, wo er drei in gleicher Richtung fahrende Personenwagen rechts überholt,
und anschliessend sofort zurück auf die Überholspur gewechselt habe, um seine
Fahrt fortzusetzen (Urk. 8 S. 3 f.).
3.2. Der Beschuldigte bestritt den ihm vorgehaltenen Sachverhalt sowohl in der
Untersuchung (Urk. 3/1 S. 2 f.; Urk. 3/2 S. 2, S. 4; Urk. 3/3) als auch vor Vo-
rinstanz (Prot. S. 16 ff.). Es ist daher nachfolgend anhand der vorliegenden Be-
weismittel zu prüfen, ob der Sachverhalt anklagegemäss erstellt werden kann. Als
Beweismittel liegen nebst den Aussagen des Beschuldigten anlässlich der staats-
anwaltschaftlichen Einvernahme vom 10. Juni 2020 (Urk. 3/2) und vor Vorinstanz
(Prot. S. 10 ff.) die Aussagen des Zeugen B._, Kantonspolizist (Urk. 3/8),
sowie dessen Polizeirapport (Urk. 1) vor.
3.3. Die Vorinstanz hat in ihrem Urteil zutreffend aufgezeigt, wie bei der Sach-
verhaltserstellung vorzugehen ist und welche Grundsätze bei der Beweiswürdi-
gung zu berücksichtigen sind. Darauf kann verwiesen werden (Urk. 33 S. 5 f.;
Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.4. Der Beschuldigte erklärte in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme, es
stimme nicht, dass er drei Personenwagen rechts überholt habe. Er sei gar nicht
auf die rechte Seite gefahren (Urk. 3/2 S. 4). Vor Vorinstanz führte er aus, es ha-
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be rechts vor ihm Fahrzeuge gehabt. Es sei vor der Autobahnausfahrt C._
gewesen, wo auf der linken Seite die Ausfahrt sei. Es sei dort immer dichter Ver-
kehr, weshalb es schwierig sei, rechts vorbeizufahren. Und dann noch drei Autos
überholen und wieder auf die linke Spur wechseln – so wie es der Beamte aussa-
ge – wäre sehr schwierig gewesen (Prot. I. S. 14). Er habe kein Auto rechts über-
holt. Er sei auch nicht rechts an anderen Fahrzeugen vorbeigefahren. Es gehe ja
ums Rechtsüberholen. Schon nur das Vorbeifahren sei rechts überholen, ausser
die Fahrbahn sei mit der Ausfahrt angeschrieben. Er sei nicht vorbeigefahren. Er
sei ausgewichen auf die rechte Seite. Das sei noch vor der Ausfahrt C._ ge-
wesen, soweit er sich erinnere. Dies weil sich der Verkehr verdichtet habe. Um
der Gefahr aus dem Weg zu gehen, habe er auf den rechten Fahrstreifen wech-
seln müssen. Diese Aussage habe er bei Staatsanwältin Meier gemacht, sofern er
sich nicht täusche. Dann sei er weitergefahren, an der Ausfahrt vorbei und einige
Fahrzeuge seien an ihm vorbeigefahren. Circa ein oder zwei Autos hinter ihm ha-
be sich der Beamte befunden. Er sei nie nahe an ihm dran gewesen. Er erinnere
sich noch, dass er bereits schon im Tunnel an ihm vorbeigefahren sei. Seiner Er-
innerung nach und laut seiner damaligen Aussage habe er dann kurz vor der Hö-
he C._ Ausfahrt auf den rechten Fahrstreifen gewechselt. Er sei sich aber
nicht zu 100% sicher. Als es dann wieder frei geworden sei und keine Autos mehr
dagewesen seien, habe er wieder auf den linken Fahrstreifen gewechselt. Er ha-
be das Bild noch vor sich, aber es sei für ihn schwierig zu erklären, wie sich die
Situation damals präsentiert habe. Aber er sei zu 100% bei Bewusstsein gewesen
und wisse, was er gemacht habe. Und er wisse, dass er keinen Fehler gemacht
habe (Prot. I S. 16 ff.).
3.5. Der Zeuge B._ führte aus, er sei an besagtem Tag in einem neutralen
Auto und nicht in einem angeschriebenen Polizeiauto unterwegs gewesen. Er sei
auf Pikettstellung bei der Polizei gewesen, weshalb er mit einem Dienstwagen un-
terwegs gewesen sei. Es sei auf der A51 unterwegs gewesen. Beim ...-Tunnel sei
ihm ein Fahrzeug aufgefallen, dass relativ zügig von hinten links gefahren ge-
kommen und an ihm vorbeigefahren sei. Dem vorausfahrenden Auto sei es ziem-
lich nahe aufgefahren. Anschliessend habe das genannte Fahrzeug, bei welchem
es sich später herausgestellt habe, dass es der Beschuldigte gelenkt habe, den
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Fahrstreifenwechsel nach rechts gemacht, habe Autos rechts überholt bzw. sei an
diesen vorbeigefahren. Wie viele Auto es gewesen seien, dazu verweise er auf
den Rapport. Dann habe er nach diesen Fahrzeugen wieder einen Fahrstreifen-
wechsel gemacht und sei dem nächsten Fahrzeug viel zu nahe aufgefahren. Bei
der Ausfahrt D._ sei das Fahrzeug von der Autobahn gefahren, und er habe
den Beschuldigten in der Folge kontrolliert. Weiter führte er aus, es sei kein star-
kes Verkehrsaufkommen gewesen. Auf Nachfrage erklärte er nochmals, als die
Normalspur frei gewesen sei, habe der Beschuldigte vom Überholstreifen auf den
Normalstreifen gewechselt und beschleunigt, so dass er diese Fahrzeuge rechts
überholt habe. Direkt anschliessend habe er zurück auf die Überholspur gewech-
selt. Betreffend Anzahl der überholten Fahrzeuge verweise er auf den Rapport. Er
meine, es seien mehrere Fahrzeuge gewesen. Abschliessend bestätigte er, dass
er die dem Beschuldigten angelasteten Verkehrsregelverletzungen so wahrge-
nommen habe, wie er das im Polizeirapport festgehalten habe (Urk. 3/8 S. 3 ff.).
3.6. Aus dem Polizeirapport des Zeugen B._ ergibt sich, dass dieser am
11. Januar 2020, ca. 15.00 Uhr auf der Autobahn A51 unterwegs gewesen und
ihm die Fahrweise des Beschuldigten aufgefallen war. Der Beschuldigte habe
(u.a.) auf den Normalstreifen gewechselt, drei Fahrzeuge rechts überholt und un-
mittelbar zurück auf den Überholstreifen gewechselt. Danach habe er sein Fahr-
zeug beschleunigt bis er erneut einem Personenwagen auf ca. 5 Meter aufgefah-
ren sei (Urk. 1 S. 2). Im Bereich vom Rechtsüberholen seien beide Fahrstreifen
mit den grünen Überkopfsignalen D._/C._ signalisiert. Die Ausfahrt
C._ sei erst bei Kilometer 2.7 auf dem Überholstreifen beim Überkopfsignal
signalisiert (Urk. 1 S. 3).
3.7. Die Anklage stützt sich insbesondere auf die Aussagen des Zeugen
B._. Der Beschuldigte macht geltend, dass die Angaben des Zeugen
B._ nicht zutreffend seien. Die Aussagen des Zeugen anlässlich seiner Ein-
vernahme vor der Staatsanwaltschaft decken sich mit den Ausführungen in des-
sen Polizeirapport. Er schilderte seine Wahrnehmungen sachlich und in sich
schlüssig. Es finden sich darin – auch bezüglich seiner weiteren Feststelllungen
im Zusammenhang mit den weiteren Vorwürfen bezüglich derer der Beschuldigte
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rechtskräftig freigesprochen wurde – keine Widersprüche. Es bestehen auch kei-
ne Anhaltspunkte, die an der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Zeugen und des-
sen Glaubwürdigkeit Zweifel aufkommen lassen würden. Auch der Beschuldigte
hatte keine Erklärung dafür, warum ihn der Zeuge B._ falsch beschuldigen
sollte (Prot. I S. 21; Prot. II S. 10). Der Zeuge bestätigte in der staatsanwaltschaft-
lichen Einvernahme, dass der Beschuldigte einen Fahrstreifenwechsel nach
rechts gemacht und Autos rechts überholt habe bzw. an diesen vorbeigefahren
sei und dann nach diesen Fahrzeugen wieder einen Fahrstreifenwechsel gemacht
habe (Urk. 3/8 S. 4). Dem Polizeirapport, dessen Richtigkeit der Zeuge anlässlich
seiner Einvernahme bestätigte, führt an, dass der Beschuldigte drei Fahrzeuge
rechts überholt habe und dann unmittelbar zurück auf den Überholstreifen ge-
wechselt habe (Urk. 1 S. 2). Vor Vorinstanz räumte der Beschuldigte – nachdem
er in der Strafuntersuchung noch geltend gemacht hatte, er habe gar nicht auf die
rechte Seite gewechselt (Urk. 3/2 S. 4) – ein, dass er vor der C._ Ausfahrt
von der Überholspur auf die rechte Seite gewechselt habe, weil der Verkehr zu-
genommen habe (Prot. I S. 17) und er, als die Fahrbahn wieder frei geworden sei
und keine Autos mehr da gewesen seien, wieder auf den linken Fahrstreifen ge-
wechselt habe (Prot. I S. 18). Damit ist nur noch strittig, ob der Beschuldigte – wie
der Zeuge B._ ausführte – auf dem rechten Fahrstreifen fahrend drei (auf der
Überholspur fahrende) Autos überholte und anschliessend sofort zurück auf den
Überholstreifen wechselte.
3.8. Wie die Vorinstanz zutreffend anführt, handelt es sich bei einem solchen
Vorgang um einen einfachen und leicht feststellbaren Ablauf, der sich nicht auf
Schätzungen sondern konkret wahrgenommene Umstände stützt. Anhaltspunkte
dafür, dass der Zeuge den Beschuldigten zu Unrecht belasten will, sind wie er-
wähnt keine ersichtlich. Er wurde zudem vor seiner Einvernahme (Urk. 3/8 S. 2 f.)
auf seine Zeugnis- und Wahrheitspflicht sowie auf die Straffolgen einer Falsch-
aussage hingewiesen und hätte bei einer Verletzung dieser Pflichten, insbesonde-
re aufgrund seiner beruflichen Stellung, mit schwerwiegenden Konsequenzen zu
rechnen. Folglich hat er ein erhöhtes Interesse daran, wahrheitsgemäss auszusa-
gen. Demgegenüber hat der Beschuldigte ein erhebliches Interesse daran, den
Ablauf beschönigend darzustellen.
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3.9. Anlässlich der Berufungsverhandlung machte die Verteidigung geltend,
dass bei einem Polizisten nicht ausser Acht gelassen werden dürfe, dass insbe-
sondere Aspekte wie Vorverständnis und Routinegeschehen die Wahrnehmung
verzerren könnten. Informationen würden anhand von im Gedächtnis gespeicher-
ten Mustern erkannt. Der erfahrene Verkehrspolizist habe Schemata von typi-
schen Straftaten gespeichert und interpretiere auch objektiv neutrale Vorgänge
entsprechend. Lücken würden ausgefüllt und mit Schlussfolgerungen ergänzt. So
habe der Polizist B._ in dessen Polizeirapport (Urk. 2) festgehalten, dass es
sich beim Beschuldigten um einen "typischen Drängler" handle. Offenbar bildeten
nach seinem Dafürhalten Verhaltensweisen wie wenig Abstand / Rechtsüberholen
und starke Beschleunigung eine Art Einheit. Man wisse aber nun, dass von den
dreien zwei nicht erstellt seien. Ferner fehlten in den Einvernahmen des Zeugen
B._ die Realitätskriterien. Bei der Staatsanwaltschaft (Urk. 3/8 Frage 19 ff.)
sei er sich betreffend die Anzahl der vom Beschuldigten überholten Fahrzeuge
nicht mehr so sicher gewesen. Es fehlten auch Angaben zur Fahrzeugart, Grösse,
Hersteller, Farbe oder gar die Nummern der Kontrollschilder der überholten Fahr-
zeuge (zum Ganzen Urk. 44 S. 3).
3.10. Diesen Vorbehalten zur Glaubhaftigkeit des Zeugen B._ kann nicht
beigepflichtet werden. Ein Polizeibeamter wird erfahrungsgemäss nicht dazu aus-
gebildet, Wahrnehmungslücken mit eigenen Vorstellungen auszuschmücken, um
sich so ein v.a. subjektiv gefälliges Bild zu zeichnen. Vielmehr liegt es in der Natur
ihres Berufes, dass sie auffälliges Verhalten erkennen und beobachten können.
Ihre Fähigkeiten sind nicht darauf ausgerichtet, sich bloss auf Schemata oder
subjektive Erfahrungswerte zu stützen. Es liegen indessen auch keine Hinweise
vor, dass der Zeuge vorbefasst war, sich bei seiner Rapportierung von einem ne-
gativen Bild zum Beschuldigten leiten liess und deshalb keine wahrheitsgemäs-
sen Angaben festhielt. So gab er auch bei der Staatsanwaltschaft an, er hege
keine negativen Gefühle gegenüber dem Beschuldigten. Der Beschuldigte habe
sich höchst anständig und korrekt verhalten, nachdem er ihn angehalten habe
(Urk. 3/8 Frage 14 f.). Im Übrigen kann aus den erstinstanzlich erkannten und
mittlerweile rechtskräftigen Freisprüchen nicht geschlossen werden, dass die
Aussagen des Zeugen unverlässlich waren. Sie erfolgten gestützt auf die allge-
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meine Erfahrung, dass Messungen von Geschwindigkeiten und Abständen im
Strassenverkehr von blossem Auge schwierig sind und mit gewissen Abweichun-
gen zur tatsächlichen Geschwindigkeit und zum tatsächlichem Abstand zu rech-
nen ist. Die Vorinstanz hob jedoch explizit hervor, dass keine ernsthaften Zweifel
bestünden, dass der Polizeibeamte B._ das im Anklagevorwurf 2 festgehal-
tene Verhalten des Beschuldigten korrekt wiedergegeben habe (Urk. 33 S. 9).
Aus den Freisprüchen kann mithin nichts zugunsten des Beschuldigten für das
vorliegende Berufungsverfahren abgeleitet werden. Beim noch strittigen Sachver-
halt geht es weder um Geschwindigkeiten noch Abstände, sondern einzig um die
Frage, ob der Beschuldigte einen Spurwechsel vornahm und rechts an drei Autos
vorbeigefahren ist, um dann wieder auf die Überholspur zu wechseln, und damit
um einen einfach fassbaren Ablauf. Dass der Zeuge keine Angaben zu Details
wie bspw. Farbe oder Kontrollschildnummern der überholten Fahrzeuge zu Proto-
koll gab, ist verständlich. Im Tatzeitpunkt musste er sich vorwiegend auf das Ver-
halten des Beschuldigten, den Verkehr und die anschliessende Anhaltung kon-
zentrieren. Was für Fahrzeuge der Beschuldigte überholte, war dagegen irrele-
vant.
3.11. Der Beschuldigte erklärte im Rahmen der Berufungsverhandlung, nach
dem Vorfall habe er mit Herrn B._ einen Termin am Sonntagabend, 19.30
Uhr, vereinbart. Er sei vor Ort gewesen, habe geläutet und angerufen, es habe
aber niemand aufgemacht oder abgenommen. Er sei dann zu seinem Kollegen,
den er als Zeugen mitgenommen habe, nach Hause gegangen. Herr B._ ha-
be ihn dann angerufen und gesagt, dass er nicht erschienen sei. Sie hätten dann
einen neuen Termin vereinbart (Prot. II S. 12). Was der Beschuldigte mit diesen
Aussagen implizieren wollte, bleibt unklar. Der Zeuge B._ erläuterte diesbe-
züglich in seiner Einvernahme, es habe bei der Vorladung irgendwie ein Missver-
ständnis mit den Telefonaten bzw. dem Ausrichten des Telefonates gegeben, so
dass es ein bis zwei Tage Verzögerung gegeben habe (Urk. 3/7 Frage 15). Da
nachweislich ein neuer Termin vereinbart wurde, erlitt der Beschuldigte auch kei-
nen Nachteil aus diesem Umstand. Auch ergeben sich daraus keine Anhaltspunk-
te, die gegen die Glaubwürdigkeit des Zeugen oder gegen die Glaubhaftigkeit
seiner Aussagen sprechen. So gestand der Zeuge ein, dass es sich um ein Miss-
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verständnis handelte und machte er diesbezüglich dem Beschuldigten keinen
Vorwurf.
3.12. Nachdem keine ernsthaften Zweifel bestehen, dass der Zeuge den Vor-
gang sowohl im Polizeirapport als auch anlässlich seiner Zeugeneinvernahme
korrekt wiedergegeben hat, ist auf dessen Aussagen und Angaben abzustellen
und gestützt auf diese kann der Sachverhalt anklagegemäss erstellt werden.
Demnach lenkte der Beschuldigte seinen Personenwagen vor der Ausfahrt
C._ von der Überholspur auf die Normalspur, wo er drei in gleicher Richtung
fahrende Personenwagen rechts überholte und anschliessend sofort zurück auf
die Überholspur wechselte, um seine Fahrt fortzusetzen. Auf den subjektiven Tat-
bestand wird nachfolgend im Rahmen der rechtlichen Würdigung zurückzukom-
men sein.
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Die Vorinstanz und die Staatsanwaltschaft würdigen das Verhalten des
Beschuldigten als grobe Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90
Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 35 Abs. 1 SVG und Art. 8 Abs. 3 VRV (Urk. 8
S. 5; Urk. 33 S. 10 f.).
4.2. Wer durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt, macht sich nach Art. 90
Abs. 2 SVG strafbar. Eine grobe Verkehrsregelverletzung ist nach Auffassung des
Bundesgerichts gegeben, wenn der Täter eine wichtige Verkehrsvorschrift in gra-
vierender Weise missachtet und ein rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend
regelwidriges Verhalten an den Tag legt, d.h. schweres Verschulden bzw. zumin-
dest grobe Fahrlässigkeit verwirklicht (BSK SVG-Fiolka, Art. 90 N 41; BGE 106 IV
385). Der Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG kommt nur dann zur Anwendung,
wenn der Täter durch seine grobe Verkehrsregelverletzung eine ernstliche Gefahr
für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. Eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer ist nicht erst bei einer konkreten, sondern bereits bei einer
erhöhten abstrakten Gefährdung gegeben (BGE 131 IV 133 E. 3.2. mit Verweis
auf BGE 130 IV 32 E. 5.1; BGE 123 II 106 E. 2a; BGE 123 IV 88 E. 3a, je mit
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Hinweisen). Ob eine konkrete, eine erhöhte abstrakte oder nur eine abstrakte Ge-
fahr geschaffen wird, hängt von der Situation ab, in welcher die Verkehrsregelver-
letzung begangen wird. Wesentliches Kriterium für die Annahme einer erhöhten
abstrakten Gefahr ist die Nähe der Verwirklichung. Die allgemeine Möglichkeit der
Verwirklichung einer Gefahr genügt demnach nur zur Erfüllung des Tatbestands
von Art. 90 Abs. 2 SVG, wenn in Anbetracht der Umstände der Eintritt einer kon-
kreten Gefährdung oder gar einer Verletzung nahe liegt (BGE 131 IV 133 E. 3.2.;
BGE 123 IV 88 E. 3a; BGE 118 IV 285 E. 3a).
4.3. Subjektiv erfordert der Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG nach der Recht-
sprechung ein rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend verkehrswidriges Ver-
halten, d.h. ein schweres Verschulden, bei fahrlässigem Handeln mindestens
grobe Fahrlässigkeit (BGE 130 IV 32 E. 5.1; BGE 126 IV 192 E. 3; BGE 123 IV
88 E. 2a und E. 4a; BGE 118 IV 285 E. 4). Diese ist zu bejahen, wenn der Täter
sich der allgemeinen Gefährlichkeit seiner verkehrswidrigen Fahrweise bewusst
ist. Grobe Fahrlässigkeit kann aber auch vorliegen, wenn der Täter die Gefähr-
dung anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht gezogen, also
unbewusst fahrlässig gehandelt hat (BGE 130 IV 32 E. 5.1 mit Hinweis). In sol-
chen Fällen ist grobe Fahrlässigkeit zu bejahen, wenn das Nichtbedenken der Ge-
fährdung anderer Verkehrsteilnehmer auf Rücksichtslosigkeit beruht (BGE 118 IV
285 E. 4 mit Hinweisen). Je schwerer die Verkehrsregelverletzung objektiv wiegt,
desto eher wird Rücksichtslosigkeit subjektiv zu bejahen sein, sofern keine be-
sonderen Gegenindizien vorliegen. Die Annahme von Rücksichtslosigkeit i.S.v.
Art. 90 Abs. 2 SVG ist restriktiv zu handhaben, weshalb nicht unbesehen von ei-
ner objektiven auf eine subjektiv schwere Verkehrsregelverletzung geschlossen
werden darf. Nicht jede Unaufmerksamkeit, die wegen der Schwere des Erfolgs
objektiv als gravierende Verletzung der Vorsichtspflicht zu betrachten ist, wiegt
auch subjektiv schwer (BGE 142 IV 93 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen).
4.4. Aus Art. 35 Abs. 1 SVG, der vorschreibt, dass links zu überholen ist, wird
das Verbot des Rechtsüberholens abgeleitet. Der Beschuldigte fuhr auf dem
Überholstreifen und lenkte sein Fahrzeug auf die Normalspur, wo er drei in glei-
cher Richtung fahrende Personenwagen rechts überholte und anschliessend so-
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fort zurück auf die Überholspur wechselte, um seine Fahrt fortzusetzen. Objektiv
sind damit die Tatbestandsvoraussetzungen des verbotenen Rechtsüberholens
im Sinne einer groben Verletzung der Verkehrsregeln gegeben. Das Verbot des
Rechtsüberholens ist eine für die Verkehrssicherheit objektiv wichtige Vorschrift,
deren Missachtung eine erhebliche Gefährdung der Verkehrssicherheit mit be-
trächtlicher Unfallgefahr nach sich zieht und daher objektiv schwer wiegt. Wer auf
der Autobahn fährt, muss sich darauf verlassen können, dass er nicht plötzlich
rechts überholt wird. Das Rechtsüberholen auf der Autobahn, wo hohe Ge-
schwindigkeiten gefahren werden, stellt eine erhöht abstrakte Gefährdung ande-
rer Verkehrsteilnehmer dar (BGE 142 IV 93 E. 3.2.; BGE 126 IV 192 E. 3). Der
objektive Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG ist erfüllt.
4.5. Der Beschuldigte wechselte von der Überholspur auf die Normalspur, weil
sich der Verkehr vor ihm verdichtet habe (Prot. I S. 17 und Prot. II S. 11). Dem
Beschuldigten ist bekannt, dass man auf der Autobahn nicht rechts an Fahrzeu-
gen vorbeifahren darf, um diese zu überholen (Urk. 3/2 S. 4, S. 6 und Prot. II
S. 12). Zudem kennt der Beschuldigte den Streckenabschnitt sehr gut (Prot. I
S. 13 und Prot. II S. 11). Es war ihm bekannt, dass die Autobahnausfahrt Rich-
tung C._ auf der – nicht gängigen – linken Seite kommt und es auf dieser
Strecke viele Fahrzeuge hat, deren Lenker die Strecke nicht kennen (Prot. I
S. 14 f. und Prot. II S. 11). Sodann ist der Beschuldigte ein erfahrener Autofahrer,
der viel mit dem Auto unterwegs war (vgl. Prot. I S. 13 und Prot. II S. 11) und sich
damit der Gefahren, die durch Verstösse gegen die Verkehrsregeln entstehen
können, bewusst sein muss. Wenn der Beschuldigte in Kenntnis und Bewusstsein
aller dieser Umstände von der Überholspur auf die Normalspur wechselte, um
drei Fahrzeuge zu überholen und um dann wieder auf die Überholspur einzu-
schwenken, nahm er eine Gefährdung der anderen Verkehrsteilnehmer zumin-
dest in Kauf. Als routiniertem Autofahrer muss ihm bekannt und bewusst gewesen
sein, dass ein solches Manöver insbesondere, wenn der Verkehr wegen einer
sich nähernden Ausfahrt leicht ins Stocken kommt, zu einem abrupten Bremsma-
növer eines durch sein Handeln überraschten Verkehrsteilnehmers kommen kann
und dadurch eine erhöhte Gefahr einer Massenkollision geschaffen wird. Das
Verhalten des Beschuldigten ist deshalb als bewusstes und willentliches rück-
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sichtsloses Verhalten zu qualifizieren. Der Sachverhalt ist deshalb auch in subjek-
tiver Hinsicht als erstellt zu betrachten.
4.6. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich der Beschuldigte
der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in
Verbindung mit Art. 35 Abs. 1 SVG und Art. 8 Abs. 3 VRV schuldig gemacht hat.
5. Strafzumessung
5.1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer bedingten Geldstrafe
von 25 Tagessätze zu Fr. 40.–. Zum Strafrahmen und zur Strafzumessung im All-
gemeinen hat sich die Vorinstanz zutreffend geäussert. Es kann – um unnötige
Wiederholungen zu vermeiden – auf die entsprechenden Ausführungen verwie-
sen werden (Urk. 33 S. 12 f.). Eine grobe Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne
von Art. 90 Abs. 2 SVG wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe
bestraft (Art. 90 Abs. 2 SVG). Nachdem die Vorinstanz eine Geldstrafe ausge-
sprochen hat, kann schon aufgrund des Verschlechterungsverbotes (Art. 391
Abs. 2 StPO) keine Freiheitsstrafe ausgesprochen werden.
5.2. Tatkomponente
5.2.1. Bezüglich der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der Be-
schuldigte bei guten Witterungs-, Sicht- und Strassenverhältnissen auf der Auto-
bahn bei einer Geschwindigkeit von gegen 100 km/h drei Fahrzeuge rechts über-
holte und anschliessend sofort zurück auf die Überholspur wechselte. Er schuf
durch sein unberechenbares Verhalten ein erhöhtes Risiko für die weiteren Ver-
kehrsteilnehmer und machte deren Sicherheit von seinem gefährlichen Manöver
abhängig. Die drei von ihm überholten Fahrzeuge waren seinem Verhalten dahin-
gehend ausgeliefert, als bei hohen Geschwindigkeiten auch eine rechtzeitige Re-
aktion nicht zwingend einen Unfall zu vermeiden vermag. Es ist dem Beschuldig-
ten jedoch zugutezuhalten, dass der von ihm verursachte Gefahrenzustand nicht
lange anhielt und die tatsächliche Gefährdung somit gering ausfiel. Die objektive
Tatschwere erscheint insgesamt als sehr leicht.
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5.2.2. Bezüglich der subjektiven Tatschwere ist zu beachten, dass es dem Be-
schuldigten einzig darum ging, zügig voranzukommen, wobei er gemäss eigenen
Angaben keinen Zeitdruck hatte (Prot. I S. 13 und Prot. II S. 10). Das subjektive
Verschulden bleibt jedoch sehr leicht bzw. wirkt sich nicht straferhöhend aus.
5.2.3. In Berücksichtigung der objektiven und subjektiven Tatschwere ist insge-
samt von einem sehr leichten Verschulden auszugehen und die hypothetische
Einsatzstrafe auf 20 Tagessätze festzusetzen.
5.3. Täterkomponente
5.3.1. Bezüglich der persönlichen Verhältnisse kann auf die zutreffenden Ausfüh-
rungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 33 S. 14). Der Beschuldigte wurde
in E._ geboren, wuchs dort auf und absolvierte die obligatorischen Schulen.
Anschliessend begann er eine Lehre im Detailhandel, welche er jedoch nicht ab-
schloss (Urk. 3/3 Frage 23). Er ist geschieden und hat keine Kinder (Prot. I S. 6).
Anlässlich der Berufungsverhandlung ergänzte der Beschuldigte er habe die Pri-
marschule und die Sekundarstufe, jeweils in E._, absolviert. Dann habe er
eine Ausbildung als Detailhandelsassistent bzw. eine Lehre begonnen. Er habe
die Abschlussprüfung jedoch nicht bestanden. Aktuell sei er für F._ in
G._ als Kurier tätig. Seit dem 1. September 2021 handle es sich um eine
Festanstellung (Prot. II S. 6 f.). Aus den persönlichen Verhältnissen des Beschul-
digten kann nichts Relevantes für die Strafzumessung abgeleitet werden.
5.3.2. Der Beschuldigte weist eine Vorstrafe auf. Mit Strafbefehl vom 28. Novem-
ber 2014 wurde er von der Staatsanwaltschaft See/Oberland aufgrund einer gro-
ben Verletzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tages-
sätze zu Fr. 70.– sowie zu einer Busse von Fr. 700.– verurteilt. Die Probezeit
wurde auf 2 Jahre festgesetzt (Urk. 36). Die Vorinstanz wies sodann zu Recht da-
rauf hin, dass der Beschuldigte im Eidgenössischen Register für Administrativ-
massnahmen zwei Mal erfasst wurde, wobei der zweite Eintrag auf die Vorstrafe
zurück geht (Urk. 6/2), und sein automobilistischer Leumund folglich getrübt ist.
Dieser getrübte automobilistische Leumund sowie die einschlägige Vorstrafe wir-
ken sich leicht straferhöhend aus.
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5.3.3. Der Beschuldigte war weder geständig noch zeigte er bezüglich seinem
Verhalten Einsicht und Reue. Schliesslich ist eine zu berücksichtigende erhöhte
Strafempfindlichkeit nicht ersichtlich. Unter diesen Gesichtspunkten hat somit kei-
ne Strafminderung zu erfolgen.
5.3.4. Zusammengefasst wirken sich bezüglich der Täterkomponente der getrübte
automobilistische Leumund sowie die einschlägige Vorstrafe leicht straferhöhend
aus, weshalb die hypothetische Einsatzstrafe um 5 Tagessätze zu erhöhen ist.
Damit erweist sich eine Geldstrafe von 25 Tagessätzen der Tat- und Täterkompo-
nente angemessen.
5.4. Höhe Tagessatz
5.4.1. Die Höhe des Tagessatzes richtet sich nach den persönlichen und wirt-
schaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach
Einkommen und – soweit er davon lebt – Vermögen, ferner nach seinem Lebens-
aufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten und nach dem Exis-
tenzminimum (Art. 34 Abs. 2 StGB). Ausgangspunkt für die Tagessatzberechnung
ist das Einkommen, das dem Täter durchschnittlich an einem Tag zufliesst. Abzu-
ziehen ist, was gesetzlich geschuldet ist oder dem Täter wirtschaftlich nicht zu-
fliesst, so etwa die laufenden Steuern und die obligatorischen Versicherungsbei-
träge. Ausserdem ist das Nettoeinkommen um die Unterhalts- und Unterstüt-
zungsbeiträge zu reduzieren, soweit der Verurteilte ihnen tatsächlich nachkommt.
Nicht zu berücksichtigen sind Schulden und in der Regel auch nicht die Wohnkos-
ten (BGE 134 IV 60 E. 6.).
5.4.2. Der Beschuldigte ist geschieden. Er hat keine Kinder und lebt bei seinen El-
tern. Unterhaltsbeiträge bezahlt er nicht (Prot. II S. 7). Von seiner aktuellen Ar-
beitgeberin, F._, erhält er netto zwischen Fr. 4'100.– und Fr. 4'200.– monat-
lich. Er beteiligt sich an den Wohnkosten von seinen Eltern mit Fr. 1'500.– pro
Monat. Seine Krankenkasse kostet Fr. 421.– im Jahr (Prot. II S. 7). Sodann hat
der Beschuldigte noch offene Schulden in Höhe von Fr. 17'000.– bis Fr. 19'000.–.
Zur Schuldtilgung leiste er monatlich eine Ratenzahlung von Fr. 883. 95 (Prot. II
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S. 8). In Anbetracht der finanziellen und persönlichen Verhältnisse des Beschul-
digten rechtfertigt es sich, den Tagessatz auf Fr. 40.– festzusetzen.
5.5. Vollzug
5.5.1. Nachdem die Vorinstanz den Vollzug der Strafe aufschob, hat es aufgrund
des Verschlechterungsverbots dabei sein Bewenden (Art. 391 Abs. 2 StPO).
5.5.2. Aufgrund der von der Vorinstanz zutreffend aufgezeigten Bedenken
(Urk. 33 S. 16 f.) rechtfertigt es sich, die Probezeit auf 3 Jahre festzusetzen.
5.6. Nachdem die Vorinstanz sodann auf die Ausfällung einer Busse verzichte-
te, kann dem Beschuldigten schon aus diesem Grund keine (Verbindungs-) Busse
auferlegt werden.
5.7. Der Beschuldigte ist somit mit einer Geldstrafe von 25 Tagessätze zu
Fr. 40.– zu bestrafen. Der Vollzug der Strafe ist aufzuschieben und die Probezeit
ist auf 3 Jahre festzusetzen.
6. Kosten- und Entschädigungsfolgen
6.1. Dem Beschuldigten wurden von der Vorinstanz aufgrund des erfolgten
Schuldspruchs die gesamten Kosten auferlegt, da die zur Anklage gebrachten
Tatvorwürfe einen engen und direkten sachlichen Zusammenhang aufweisen
würden (Urk. 33 S. 18). Nachdem jedoch die Einvernahme des Zeugen Neu und
weitere Abklärungen beim Tiefbauamt insbesondere zu den Tatvorwürfen erfolg-
ten, von denen der Beschuldigte freigesprochen wurde (vgl. Urk. 3/7 und Urk. 1
S. 3 und S. 5), rechtfertigt sich eine vollumfängliche Auflage der Kosten der Un-
tersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens nicht. Dem Beschuldigten sind
die erstinstanzlichen Kosten aufgrund der erfolgten Freisprüche zur Hälfte aufzu-
erlegen. Nachdem der Beschuldigte keine konkreten Einwände gegen die Kosten-
festsetzung erhob und diese angemessen erscheint, ist die erstinstanzliche Kos-
tenfestsetzung (Dispositivziffer 5) zu bestätigen. Da der Beschuldigte damals
noch nicht vertreten war, ist ihm für die Untersuchung und das vorinstanzliche
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Verfahren keine Prozessentschädigung im Sinne von Art. 429 lit. a StPO zuzu-
sprechen.
6.2. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind den Parteien nach Massgabe ih-
res Obsiegens und Unterliegens aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Be-
schuldigte unterliegt mit seiner Berufung mehrheitlich. Einzig bezüglich der Kos-
tenauflage obsiegt er teilweise. Entsprechend rechtfertigt es sich, dem Beschul-
digten die Kosten des Berufungsverfahrens zu vier Fünftel aufzuerlegen (Art. 428
Abs. 1 StPO). Die Verteidigung machte für Ihre Aufwendungen bis zum 24. Sep-
tember 2021 ein Honorar von Fr. 3'539.45 (inkl. MwSt.) geltend (Urk. 45). Unter
Berücksichtigung der tatsächlichen Verhandlungsdauer sowie einer genügenden
Nachbesprechung stünden ihr beim vollständigen Obsiegen Fr. 4'100.– (inkl.
MwSt.) zu. Aufgrund des effektiven Verfahrensausgangs ist ihr eine reduzierte
Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 820.– (inkl. MwSt.) auszurichten.
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