Decision ID: 53756a1a-aa12-41d4-a461-77c73ae77582
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die
Firma A._
war der Ausgleichskasse der
Sozi
alversicherungsanstalt
des Kantons Zürich (nachfolgend: Ausgleichskasse) als beitragspflichtige Arbeitgeberin
angeschlossen.
Am
8.
und am 2
7.
März 2012 stellte das Betreibungsamt Zürich 3 der Ausgleichskasse, welche die
Firma A._
wegen ausstehender
Lohnb
eiträge betrieben hatte, zwei
Ver
lustscheine
aus (
Urk.
6/74,
Urk.
6/79).
Mit Urteil vom
7.
Mai 2012
eröffnete der Konkursrichter des Bezirksgerichts Zürich über die Gesellschaft mit Wirkung ab dem
7.
Mai 2012 den Konkurs; das Konkursverfahren wurde mit Urteil dessel
ben Richters vom 2
4.
Mai 2012 mangels
Aktiven eingestellt (vgl.
Internet-Han
delsregisterauszug
,
Urk.
6/132).
Mit Verfügungen vom 1
4.
März 2013 (
Urk.
6/105-106) verpflichtete die
Aus
gleichskasse
X._
als ehemaligen
Geschäft
sführer der
Firma A._
und
Y._
als ehemaligen
Gesellschafter und Geschäft
sführer der
Firma A._
in solidarischer Haftung zur Bezahlung von Scha
denersatz in der Höhe von
Fr.
14‘324.8
0.
Am
2
1.
Januar 2014 er
hob
X._
Einsprache gegen die ihn betreffende
Schadenersatzverfügung
, welche ihm gleichentags eröffnet worden war
(
Urk.
6/129, vgl. auch
Urk.
6/116). Mit Entscheid vom 2
6.
Februar 2014 (
Urk.
6/130 =
Urk.
2) hiess die Ausgleichskasse die Einsprache teilweise gut und reduzierte die Schadenersatzforderung auf Fr 14‘284.8
0.
Die
Y._
betreffende Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
2.
Am 2
0.
März 2014 erhob
X._
Beschwerde gegen den Einspracheent
scheid vom 2
6.
Februar 2014 (
Urk.
2) und beantragte sinngemäss dessen Aufhe
bung (
Urk.
1). Die Ausgleichskasse schloss mit Beschwerdeantwort vom
8.
April 2014 auf Ab
weisung der Beschwerde (
Urk.
5). Mit Gerichtsverfügung vom 1
4.
April 2014 (
Urk.
7) wurde
Y._
zum Prozess beigeladen und dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zugestellt. Der Beigeladene liess sich innert
angesetzter
Frist nicht vernehmen, was den Parteien
am
2.
Juni 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2
.1
Nach
Art.
52
des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversiche
rung
(
AHVG
)
hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grobfahrlässige
Missachtung von Vorschriften einen Schaden verschuldet, diesen der
Aus
gleichs
kasse
zu ersetzen. Ist der Arbeitgeber eine juristische Person, so können nach
ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts subsidiär gegebenenfalls die ver
ant
wortlichen Organe in Anspruch genommen werden (BGE 123 V 12 E.
5b =
AHI 1997 S.
208 E.
5b, 122 V 65 E.
4a, 119 V 401 E.
2, je mit Hinweisen). Haben
mehrere Arbeitgeber oder mehrere Organe einer juristischen Person einen Scha
den verursacht, haften sie solidarisch (BGE 114 V 213 E. 3 mit Hinweisen).
2.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die da
zu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Be
stimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (
Art.
66
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung), Erwerbsersatz- (
Art.
21
Abs.
2
des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(
Art.
6 des Bun
desgesetzes
über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolven
zentschädi
gung
)
sowie auf jene
an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bun
desgesetz über die Familienzulagen (
Art.
25
lit
. c). Gleiches gilt für die bis
3
1.
Dezember 2008 nach kantonalem Recht erhobenen FAK-Beiträge (
§
33
Abs.
2
des Gesetzes über Kinderzulagen für Arbeitnehmer in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung bzw.
§
33 des ab
1.
Januar 2008 bis 3
0.
Juni 2009 gültig gewesenen Kinderzulagengesetzes; nicht publiziertes Urteil des Bundes
gerichts 2P.251/19
96 vom 3
0.
Juni 1997).
2.3
Der Schaden gilt als eingetreten, sobald anzunehmen ist, dass die geschuldeten
Beiträge aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht mehr erhoben wer
den
können (BGE 129 V 193 E.
2.2, 126 V 443 E.
3a, je mit Hinweisen). Dies trifft dann zu, wenn die Beiträge im Sinne von Art. 16 Abs. 1 AHVG verwirkt sind (vgl. beispielsweise BGE 112 V 156, 98 V 26) oder wenn ihre Entrichtung wegen Zahlungsunfähigkeit des beitrags
pflichtigen Arbeitgebers nicht mehr möglich ist
(vgl. beispielsweise BGE 121 V 234, 240). Im ersten Fall gilt der Schaden als ein
getreten, sobald die Beiträge verwirkt sind (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 112
V
156 E. 2, 108 V 189 E. 2d, je mit Hinweisen). Im zweiten Fall gilt der Scha
dens
eintritt als erfolgt, sobald die Beiträge wegen der Zahlungsun
fähigkeit des Ar
beitgebers nicht mehr im ordent
lichen Verfahren nach Art. 14 ff. AHVG erho
ben
werden kön
nen (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 121 III 382 E. 3bb, 113 V 256, 112 V 156 E. 2).
2.4
Der Schadenersatzanspruch verjährt zwei Jahre, nachdem die zuständige
Aus
gleichskasse
vom Schaden Kenntnis erhalten hat, jedenfalls fünf Jahre nach Ein
tritt des Schadens. Diese Fristen können unterbrochen werden. Der Arbeitge
ber
kann auf die Einrede der Verjährung verzichten (
Art.
52
Abs.
3 AHVG; vgl. auch
BGE 131 V 4 oben).
Bei Einstellung des Konkursverfahrens mangels Aktiven gilt der Schaden als mit
dem entsprechenden Beschluss eingetreten, der den Konkurs amtlich für frucht
los
erklärt, woraus der Verlust der Beitragsforderung der Ausgleichskasse resul
tiert. Die Frist von zwei Jahren für die Geltendmachung der Schadener
satzforderung seit Kenntnis des Schadens beginnt demnach vom Zeitpunkt der
Fruchtlos
er
klä
rung
beziehungsweise von deren Veröffentlichung im Schweize
rischen
Handels
amtsblatt
(SHAB) an zu laufen (BGE 129 V 193 E.
2.3, 128 V 10 E.
5a, 126 V 44
3 E. 3c).
2.5
Am
7.
Mai 2012 wurde über die
Firma A._
der Konkurs eröffnet. Das Konkursverfahren wurde am 2
4.
Mai 2012 mangels Aktiven eingestellt, was
am
5.
Juni 2012 im SHAB publiziert wurde (
Urk.
6/132). Die
Schadenersatzver
fü
gung
vom 1
4.
März 2013 erging somit innerhalb der zweijährigen Verjäh
rungs
frist von
Art.
52
Abs.
3 AHVG und damit rechtzeitig.
3.
3.1
Voraussetzung für eine Haftung nach
Art.
52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschul
de
ter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.).
Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahnge
bühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189
E.
5). Im Hinblick auf die in
Art.
14
Abs.
1 AHVG normierte Beitrags- und
Ab
rechnungspflicht
des Arbeitgebers gehören auch die
Arbeitge
berbeiträge
zum mass
geblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
3
.2
Die Beschwerdegegnerin machte im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) einen Scha
den von
Fr.
14‘284.80 geltend.
Der geltend gemachte Schaden setzt sich zusammen aus der durch die definiti
ven
Pfändungsverlustscheine vom
8.
und 2
7.
März 2012 (
Urk.
6/74,
Urk.
6/79)
ver
brief
ten
Forderungssumme von total
Fr.
8‘248.40 (
Fr.
7‘782.30 +
Fr.
466.10)
so
wie den für die Zeit von Januar bis Juli 2011 unbezahlt gebliebenen
Lohn
bei
trä
gen
in der Höhe von
Fr.
6‘036.40 (inklusive Verwaltungskosten und Mahn
gebühren; vgl.
Urk.
6/135 S. 1 Position 2011 0001, vgl. auch
Urk.
6/100).
Nebst
den erwähnten Pfändungsverlustscheinen aktenkundig sind die
Akonto
rech
nung
vom 1
1.
Juli 2011 (
Urk.
6/21), die Abrechnungen betreffend die an die
Akonto
for
derung
angerechneten Gutschriften (
Urk.
6/41,
Urk.
6/49,
Urk.
6/61,
Urk.
6/67,
Urk.
6/73,
Urk.
6/83,
Urk.
6/87 und
Urk.
6/100), die Mah
nung vom 1
9.
Dezem
ber
2011 (
Urk.
6/57) sowie die Beitragsübersicht (
Urk.
6/134) und der Kontoauszug
(
Urk.
6/134) vom
8.
April
201
4.
Durch diese Unterlagen ist der Schaden in
mass
licher
Hinsicht ausgewiesen. Der
Schadens
betrag
wurde
vom Beschwerdeführer denn auch nicht bestritten.
4.
4.1
Art.
14
Abs.
1 AHVG und die
Art.
34 ff. der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVV) schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei je
der Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeit
geber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die ent
sprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die
Bei
tragszahlungs
- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vor
geschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffent
lich
rechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von
Art.
52
Abs.
1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
4
.2
Ausweislich der Akten beschäftigte die
Firma A._
im Jahr 2011 erst
mals Arbeitnehmer
(
Urk.
6/10 ff.), womit sie beitragspflichtig wurde.
Die
Akon
to
beiträge
für die Monate Januar bis Juli 2011 mussten am 2
4.
Oktober und am
1
9.
Dezember 2011 gemahnt werden (
Urk.
6/46,
Urk.
6/57). Am 2
4.
Oktober 2011
(
Urk.
6/47) wurden die
Akontobeiträge
für den Monat August 2011 und am
2
1.
November 2011 sowie am 2
3.
Januar 2012 (
Urk.
6/51,
Urk.
6/62) die
Akonto
beiträge
für den Monat September 2011 gemahnt.
Die Beitragsausstände für die Monate August und September 2011
setzte die
Be
schwerdegegnerin
schliesslich
in Betreibung
(
Urk.
6/52,
Urk.
6/69) und es
resul
tierten die
Verlustscheine vom
8.
und 2
7.
März 2012 (
Urk.
6/74,
Urk.
6/79). Die
Firma A._
hat nur gerade die Beitragsrechnung für den Monat Oktober 2011 in der Höhe von
Fr.
317.55 (
Urk.
6/45) beglichen (
Urk.
6/134 S.
2,
Urk.
6/135 S.
3 Position 2011 0007).
Damit ist die Gesellschaft ihren Pflichten als Arbeitgeberin nicht nachgekom
men
und hat
Vorschriften im Sinne von
Art.
52
Abs.
1 AHVG verletzt.
Zu prü
fen
bleibt, ob und inwieweit der dadurch entstandene Schaden auf qualifiziert schuld
haftes Verhalten des Beschwerdeführers zurückzuführen ist.
5
.
5
.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem Wortlaut des
Art.
52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder
grob
fahrlässig
Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Scha
den
verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vor
satz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens.
Art.
52 AHVG
statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vor
sätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden
zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn beson
dere Um
stände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser
Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter glei
chen
Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
lang
enden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kauf
männischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person
angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die Sorg
faltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetz
licher Vor
schriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. Ähnlich ist zu diffe
ren
zieren, wenn es darum geht, die subsidiäre Haftung der Organe eines Arbeit
ge
bers
zu ermitteln (BGE 108 V 199 E. 3a S. 202; ZAK 1985 S. 51 E. 2a, 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6 S. 529).
5.2
Nic
ht jedes einer Firma als solches
anzulastende Ver
schulden muss auch ein solches ihrer sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und in
wieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der Ver
antwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person
übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b). Bei einfa
chen
Verhältnissen muss vom einzigen Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft, der als solcher die Verwaltung der Gesellschaft als einzige Person in
Organstel
lung
zu besorgen hat, in der Regel der Überblick über alle wesentlichen Belange der Firma verlangt werden, und dies selbst dann, wenn er seine Befugnisse weit
gehend an einen Geschäftsführer delegiert hat. Er kann mit der Delegation der Geschäftsführung nicht zugleich auch seine Verantwortung als einziges Ver
waltungsorgan an den Ge
schäftsführer delegieren (BGE 108 V 199 E. 3b).
5.3
Die Organhaftung aus
Art.
52 AHVG besteht nicht für Beitragsforderungen, die
nach der Publikation der Löschung der Organstellung der betreffenden Person im
Handelsregister fällig werden, weil die betreffende Person im Zeitpunkt der Fällig
keit nicht mehr Organ ist. Für die vor der Publikation fälligen
Beitragsfor
derungen
haftet das Organ, wenn es durch eine vorsätzliche oder
grobfahrläs
si
ge
Handlung beziehungsweise Unterlassung bewirkt hat, dass die Beiträge im Zeitpunkt der Fälligkeit nicht bezahlt werden konnten. Ein Verschulden des Or
gans kann nur so lange in Frage kommen, als es die Möglichkeit hat, durch Handlungen oder Unterlassungen die Geschäftsführung massgeblich zu beein
flussen. Das ist faktisch längstens bis zum effektiven Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat der Fall (BGE 126 V 61 E. 4a, 123 V 172 E. 3a).
5.
4
Rechtsprechungsgemäss tritt ein Verwaltungsratsmitglied einer Aktiengesell
schaft
mit der Mandatsübernahme in die Verantwortung sowohl für die laufen
den als auch für verfallenen, von der Unternehmung in früheren Jahren schul
dig ge
bliebenen Sozialversicherungsabgaben ein, und es ist seine Pflicht, nicht nur für
die Bezahlung der laufenden, sondern gerade auch für die Begleichung verfalle
ner Abgaben besorgt zu sein (ZAK 1992 S.
254 f. E. 7b). Dies hat analog auch für
den Geschäftsführer einer
GmbH
zu gelten, denn
formell eingesetzte Geschäfts
führer einer GmbH wie auch Personen, die faktisch die Funktion eines Geschäfts
führers ausüben, haften für den der Ausgleichskasse zufolge nicht be
zahlter Bun
dessozialversicherungsbeiträge entstandenen Schaden nach den gleichen Grund
sätzen wie Organe einer Aktiengesellschaft
(BGE 126 V 237 ff.)
.
Die Schadener
satzpflicht eines neu mandatierten Organs entfällt nach der Rechtsprechung allerdings dort, wo die Unternehmung bei der
Mandatsüber
nahme
bereits zah
lungsunfähig oder der Schaden bereits eingetreten war. Denn in einem solchen
Fall fehlt es am erforderlichen adäquaten Kausalzusammen
hang zwischen dem säumigen Verhalten des neuen Organs und dem Schadens
eintritt (vgl. BGE 119 V 407 f. E. 4c = AHI 1994 S. 206 E. 4c; Urteil des Bun
desgerichts H 69/02 vom
7.
Januar 2004 E. 3b).
6.
6.1
Der Beschwerdeführer war ab 1
8.
November 2011 (Tagebucheintrag) als (einzi
ger)
Geschäftsführer der
Firma A._
im Handelsregister des Kantons Zürich eingetragen, dies bis zur Löschung der Gesellschaft am
4.
September 2012
(vgl.
Urk.
6/132).
In dieser Zeit war er mithin formelles Organ der Gesell
schaft und als Geschäftsführer oblag ihm auch das Beitragswesen.
6.2
Der Beschwerdeführer machte geltend, nur als interimistischer Geschäftsführer
eingesprungen zu sein, da der Beigeladene
einen Nervenzusammenbruch erlit
ten
und einen viermonatigen Klinikaufenthalt angetreten habe. Seine Aufgabe sei nur gewesen, die Post abzuholen, sich um die Betreibungen zu kümmern und die Gesellschaft beim Konkursamt zu melden. Als er in die Gesellschaft einge
treten sei, sei diese schon Konkurs und in der Liquidationsphase gewesen. Von den ausstehenden AHV-Beiträgen und anderen Zahlungsverpflichtungen habe er nichts gewusst, damals sei ein Buchhalter zuständig gewesen. Für seine Hilfe habe er
auch
keinen Lohn bezogen
(
Urk.
1)
.
6.3
Der Grund für die Übernahme der Geschäftsführung einer GmbH ist nicht rele
vant
für die Beurteilung der Verschuldensfrage bei unterlassenen Beitragszah
lungen. Denn die Pflichten von Gesellschaftern mit
Geschäftsführungsbefug
nissen
sind gesetzlich geregelt (unter anderem Oberleitung der Gesellschaft, Aus
gestaltung des Rechnungswesens,
der Finanzkontrolle sowie der Finanzpl
a
nung, A
ufsicht über die
Personen, denen Teile
der Geschäftsführung
übertragen sind,
namentlich im Hinblick auf die Befolgung der Gesetze, Statuten, Regle
mente und
Weisungen, vgl.
Art.
810
Abs.
2
des Obligationenrechts, OR) und nur teilweise
übertragbar.
Mit der Übernahme des Geschäftsführermandats hatte der Beschwer
deführer
unter anderem
die Pflicht,
für die Begleichung verfallener
So
zialver
sicherungsa
bgaben
und damit der dem
Schaden der Beschwerdegegnerin
zu
grunde liegenden
Beiträge für die Monate Januar bis September 2011 besorgt zu
sein
(vgl. vorstehend E. 5.
4
). Fraglich ist indes, ob die
Firma A._
bei der Mandatsübernahme
durch den
Beschwerdeführer
- wie von diesem sinn
ge
mäss geltend gemacht -
bereits zahlungsunfähig war, womit eine Schaden
ersatzpflicht
des Beschwerdeführers
entfiele
(vgl. vorstehend E. 5.4)
.
6.4
Anlässlich der am
6.
Juni 2012 durchgeführten Arbeitgeberkontrolle gab der Be
schwerdeführer dem Revisor gegenüber an, dass der Geschäftsbetrieb der
Firma A._
schon im August 2011 eingestellt worden sei und die laufenden Rechnungen nicht mehr hätten bezahlt werden können (
Urk.
6/97 S. 9
Ziff.
21). Diese Aussage wird gestützt durch das Schreiben des Beigeladenen vom
2.
September 2011 (
Urk.
6/44), mit welchem
dies
er der Beigeladenen ge
meldet
hatte, dass die
Firma A._
seit August 2011 keine Arbeit
nehmer mehr
beschäftige und nur noch er - im Umfang von 50
%
- im Unter
nehmen tätig sei
(vgl. auch Schreiben des Beigeladenen vom
4.
August 2011,
Urk.
6/38). Nach am
6.
Juni 2012 durchgeführter Arbeitgeberkontrolle (vgl.
Urk.
6/97) wies der Revi
sor
auf der Jahresabrechnung 2011 (
Urk.
6/95) Lohn
zahlungen bis Juli 2011 und für den Beigeladenen Lohnzahlungen bis im Okto
ber 2011
aus
(
Urk.
6/96).
Ge
stützt darauf ist davon auszugehen, dass die
Firma A._
bereits keine Löhne mehr ausrichtete, a
ls der Beschwerdeführer das
Geschäfts
füh
rer
mandat
übernahm,
was als starkes Indiz für
die
Zahlungs
unfähigkeit
der Ge
sellschaft
zu werten ist.
Gemäss Angaben des Beschwerde
führers hat auch er keinen Lohn für seine Tätigkeit als
Geschäftsführer bezogen. Gegen
tei
liges ist
nicht erwiesen.
Anlässlich der
Pfändungsvollzüge vom
6.
und 2
7.
März 2012 konnte sodann kein pfändbares Vermögen festgestellt
werden
(
Urk.
6/74,
Urk.
6/79
).
Nur
rund sechs Monate nach Mandatsübernahme durch den Be
schwerdeführer
wurde
über die
Firma A._
schliesslich
der Konkurs eröffnet, welcher mangels Aktiven eingestellt
wurde
.
Vor dem Hintergrund dieser Aktenlage ist entgegen der Auffassung der
Be
schwer
de
gegnerin
(vgl.
Urk.
2
Ziff.
5
lit
.
a
) mit überwiegender Wahrschein
lich
keit davon auszugehen, dass die
Firma A._
im Zeitpunkt der
Über
nahme des Geschäftsführermandats durch den Beschwerdeführer per 1
8.
Novem
ber 2011
bereits
zahlungsunfähig war
, weshalb es am erforderlichen
adäquaten
Kausalzusammenhang zwischen der Untätigkeit des
Beschwerdefüh
rers
und
des bei der B
eschwerdegegnerin
eingetretenen Schadens mangelt und eine Schaden
ersatzpflicht des Beschwerdeführers entfällt.
Demzufolge ist der angefochtene Ein
spracheentscheid vom
2
6.
Februar 2014
in Gutheissung der Beschwerde auf
zu
heben.
D
ie Einzelrichterin erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird der angefochtene Einspracheentscheid vom 2
6.
Februar 2014 aufgehoben
.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
X._
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
Y._
Bundesamt für Sozialversicherungen
4.
Da der Streitwert unter
Fr.
30'000.-- liegt, kann gegen diesen Entscheid innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde nach
Art.
82 ff. in Verbin
dung mit
Art.
90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) eingereicht werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung stellt (
Art.
85
Abs.
2 BGG), wobei in der Beschwerde auszuführen ist, warum diese Voraussetzung erfüllt ist (
Art.
42
Abs.
2 Satz 2 BGG).
Soweit keine Beschwerde nach
Art.
82 ff. BGG zulässig ist, kann gegen diesen Ent
scheid innert der gleichen Frist von
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht die subsidiäre Verfassungsbeschwerde nach
Art.
113 ff. BGG erhoben werden. Gerügt werden kann nach
Art.
116 BGG die Verletzung von verfassungsmässigen Rechten.
Werden sowohl die Beschwerde als auch die subsidiäre Verfassungsbeschwerde erho
ben, sind beide Rechtsmittel in der gleichen Rechtsschrift einzureichen (
Art.
119
Abs.
1 BGG).
Die Fristen stehen während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die Einzelrichterin
Die Gerichtsschreiberin
Käch
Ryf