Decision ID: f9ac6b2c-b8ec-5b05-8ba7-af46048d5d1c
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 15. Juni 2017 in der Schweiz um Asyl
nach. Mit Verfügung vom 13. Januar 2020 verneinte die Vorinstanz dessen
Flüchtlingseigenschaft, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegwei-
sung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. Eine hiergegen ein-
gereichte Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil
E-868/2020 vom 25. März 2020 ab. Das Gericht bestätigte die Schlussfol-
gerung des SEM, wonach die geltend gemachte Verbindung zu den Libe-
ration Tigers of Tamil Eelam (LTTE) als unglaubhaft zu erachten sei und
der Beschwerdeführer keiner Risikogruppe angehöre.
B.
Mit Eingabe vom 27. März 2021 reichte der Beschwerdeführer beim SEM
ein als «demande des mesures provisionnelles» bezeichnetes schriftliches
Gesuch ein und machte insbesondere geltend, inzwischen habe er sich in
der Schweiz exilpolitisch engagiert. Er habe sich an politischen Aktivitäten
für die LTTE beteiligt, indem er sowohl Demonstrationen mitorganisiert als
auch an Demonstrationen teilgenommen habe. Am (...) habe er namentlich
an (...) teilgenommen. In Sri Lanka sei seine Familie vom Geheimdienst
mit dem Tod bedroht, sein Vater tätlich angegriffen und eine Beschwerde
bei der Polizei eingereicht worden. Zudem habe sich die Lage in Sri Lanka
insgesamt zugespitzt. Im Übrigen leide er an gesundheitlichen Problemen
([...]), verfüge über keine Ausbildung und seine Familie könne ihn aus fi-
nanziellen Gründen nicht mehr unterbringen.
C.
Mit Verfügung vom 16. April 2021 (eröffnet am 26. April 2021) stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
wies das als Mehrfachgesuch anhand genommene Gesuch vom 27. März
2021 ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, ordnete deren Vollzug
an, erhob eine Gebühr und lehnte die Anträge auf Ansetzung einer weite-
ren Anhörung sowie auf weitere Abklärungen ab.
D.
Mit Eingabe vom 24. Mai 2021 reichte der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und
Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen.
In prozessualer Hinsicht sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewäh-
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ren, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, der Unter-
zeichnete als amtlicher Rechtsbeistand einzusetzen und festzustellen,
dass der Beschwerde aufschiebende Wirkung zukomme.
E.
Mit Instruktionsverfügung vom 8. Juni 2021 bestätigte der Instruktionsrich-
ter den Eingang der Beschwerde und stellte fest, der Beschwerdeführer
könne den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls –
in der Regel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31];
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist – mit nachfolgendem Vorbehalt (vgl. E. 4) – einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin beziehungsweise ei-
nes zweiten Richters entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend
aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summa-
risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
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Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Die Vorinstanz hat die Eingabe des Beschwerdeführers vom 27. März 2021
als weiteres Asylgesuch (Mehrfachgesuch) entgegengenommen. Der Be-
schwerde kommt deshalb von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu
(Art. 55 Abs. 1 VwVG). Da die Vorinstanz die aufschiebende Wirkung nicht
entzogen hat, ist auf den Antrag, der Beschwerde sei die aufschiebende
Wirkung zu erteilen, nicht einzutreten.
5.
5.1 In der Beschwerde wird die Behandlung der Eingabe vom 27. März
2021 als Mehrfachgesuch moniert.
5.2 Nach einem erfolglos durchlaufenen Asylverfahren sind eingereichte
Gesuche um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft unter den Vorausset-
zungen von Art. 111c AsylG zu prüfen (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.6).
5.3 In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist zunächst festzustellen, dass das
erste Asylgesuch des Beschwerdeführers mit Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts E-868/2020 vom 25. März 2020 rechtskräftig abgeschlossen
wurde. Es wurde rechtskräftig festgestellt, dass der Beschwerdeführer die
Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, weil er insbesondere seine individuelle
Gefährdungssituation (behördliche Suche nach seiner Person) nicht glaub-
haft machen konnte und keiner Risikogruppe angehört (vgl. a.a.O.
E. 3.3 ff.). In seiner Eingabe vom 27. März 2021 bringt er nun vor, er habe
sich inzwischen exilpolitisch engagiert, weshalb seine Familie in Sri Lanka
seinetwegen aufgesucht, bedroht, sein Vater verletzt, ins Spital eingeliefert
und eine Anzeige bei der Polizei erstattet worden sei. Hiermit werden nach-
träglich entstandene Gründe in Bezug auf die Feststellung der Flüchtlings-
eigenschaft vorgetragen. Die Vorinstanz hat folglich die Eingabe des Be-
schwerdeführers zu Recht als Mehrfachgesuch gemäss Art. 111c AsylG
entgegengenommen und – da sie die formellen Voraussetzungen dieser
Norm (schriftliche, begründete Eingabe innert fünf Jahren nach Eintritt der
Rechtskraft, vgl. BVGE 2014/39 E. 4.3 und E. 5.5) erfüllt – behandelt.
5.4 In Bezug auf die weiteren Rügen (Verletzung der Untersuchungs- und
Begründungspflicht) ist festzustellen, dass der Sachverhalt – auf den sich
auch die Beschwerde stützt (Beschwerde S. 2 f.) – ausreichend festgestellt
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ist. Sodann hat die Vorinstanz nachvollziehbar sowie im Einzelnen hinrei-
chend differenziert aufgezeigt, von welchen Überlegungen sie sich leiten
liess. Sie hat sich ausserdem mit den wesentlichen Vorbringen auseinan-
dergesetzt. Der blosse Umstand, dass der Beschwerdeführer die Auffas-
sung der Vorinstanz im Hinblick auf seine Vorbringen nicht teilt, ist keine
Verletzung der Begründungspflicht, sondern eine materielle Frage. Die for-
mellen Rügen erweisen sich somit insgesamt als unbegründet.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (vgl. Art. 3 AsylG).
6.2 Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewährt, wenn sie erst
durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ih-
res Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG
wurden (subjektive Nachfluchtgründe).
6.3 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachweisen oder zumindest glaubhaft
machen, wer um Asyl nachsucht (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Gleiches gilt für die
Person, die subjektive Nachfluchtgründe geltend macht. Glaubhaft ge-
macht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind
insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet
oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder
massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt wer-
den (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in einem publi-
zierten Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann
hier verwiesen werden (BVGE 2015/3 E. 6.5.1, m.w.H.).
7.
7.1 Die Vorinstanz begründet die Ablehnung des Mehrfachgesuchs im We-
sentlichen wie folgt: Im Rahmen des ersten Asylverfahrens hätten sich die
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geltend gemachten Verbindungen zu den LTTE als nicht glaubhaft erwie-
sen und es sei festgestellt worden, dass keine risikobegründenden Fakto-
ren vorliegen würden; exilpolitische Gründe seien damals keine geltend
gemacht worden. Der Beschwerdeführer weise auch unter Berücksichti-
gung der nunmehr geltend gemachten exilpolitischen Tätigkeiten weiterhin
kein besonders exponiertes Profil auf. Zudem komme der ins Recht geleg-
ten Anzeige vom 30. Mai 2020 nur geringer Beweiswert zu. Ferner sei das
Vorbringen, der sri-lankische Geheimdienst habe sich zum Haus des Be-
schwerdeführers begeben und dort seine Angehörigen mit dem Tod be-
droht, eine unbelegte Behauptung, der es – angesichts der bisher nicht
glaubhaft gemachten Verfolgungsvorbringen – im Übrigen an einer Grund-
lage fehle. Hieran vermöge auch das ins Recht gelegte Medical Certificate
vom 26. Mai 2020 nichts zu ändern, hätten doch die in diesem Zusammen-
hang geltend gemachten Demonstrationen zu einem späteren Zeitpunkt
stattgefunden. Die weiteren eingereichten Berichte würden schliesslich kei-
nen individuellen Bezug zum Beschwerdeführer aufweisen.
7.2 Soweit im Folgegesuch neu geltend gemacht wird, der Beschwerde-
führer betätige sich in der Schweiz exilpolitisch und nehme an Veranstal-
tungen teil, was Behelligungen seiner Familie in Sri Lanka zur Folge gehabt
habe, und weswegen er nunmehr ein Risikoprofil aufweise, kann – zwecks
Vermeidung von Wiederholungen – vollumfänglich auf die zutreffenden Er-
wägungen der Vorinstanz verwiesen werden. Festzustellen ist, dass auch
die Beschwerdeausführungen – die sich nicht in substanziierter Weise mit
der Argumentation der Vorinstanz auseinandersetzen, sondern die Vorbrin-
gen im Wesentlichen wiederholen – nicht geeignet sind, zu einer anderen
Einschätzung zu führen. In der Beschwerde wird zwar ergänzt, das Konto
des Beschwerdeführers sei kürzlich von den sri-lankischen Behörden blo-
ckiert worden (Beschwerde S. 4). Diese pauschale Behauptung wird je-
doch weder belegt noch weiter ausgeführt und findet keine Grundlage im
persönlichen Profil des Beschwerdeführers, weshalb ihr nicht zu folgen ist.
Schliesslich beruft sich der Beschwerdeführer auf die Lage in seinem Hei-
matstaat (Beschwerde S. 5 ff.), ohne diese in einen ausreichend konkreten
Kontext zu seiner Person zu setzen. Auch dieses Vorbringen ist mithin nicht
geeignet, zu einer anderen Beurteilung zu führen.
Als wesentlich erachtet das Gericht, dass der Beschwerdeführer geltend
machte, seine Familie sei seinetwegen im Heimatstaat aufgesucht, bedroht
und angegriffen worden. Dieses Vorbringen wurde aber weder im
vorinstanzlichen Verfahren noch auf Beschwerdeebene ausreichend sub-
stanziiert. Hinzu kommt, dass die eingereichten Beweismittel (Fotos des
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Beschwerdeführers, Spitalbericht betreffend den Vater, Eingabe bei der
Polizei und allgemeine Berichte) – wie von der Vorinstanz bereits zutref-
fend festgestellt – nicht zum Beleg eines Gefährdungsprofils tauglich sind.
So lassen die Fotos nicht ansatzweise auf ein erhöhtes politisches Enga-
gement schliessen. Die Berichte weisen keinen direkten Bezug zum Be-
schwerdeführer auf. Der Spitalbericht vermag einzig einen Spitalaufenthalt
seines Vaters im Mai 2020 zu belegen. Die Eingabe bei der Polizei wurde
von der Familie des Beschwerdeführers selbst eingereicht und weist keine
fälschungssicheren Merkmale auf. Hinzu kommt, dass sowohl der Spital-
bericht als auch die Eingabe bei der Polizei im Mai 2020, also lange vor
den geltend gemachten Demonstrationen ausgestellt wurden. Diesen ist
im Übrigen auch in Bezug auf die im ersten Asylverfahren geltend ge-
machte und sich als unglaubhaft erwiesene Suche nach dem Beschwerde-
führer im Jahr 2016/2017 der Beweiswert abzusprechen. Auf Beschwerde-
ebene wurden keine weiteren Beweismittel eingereicht. Zusammenfas-
send ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer weiterhin keine Faktoren
im Sinne eines besonderen Profils aufweist, die im Falle einer Wiederein-
reise ein behördliches Interesse vermuten liessen.
7.3 Insgesamt konnte der Beschwerdeführer keine nach dem rechtskräfti-
gen Abschluss seines ordentlichen Asylverfahrens entstandenen Gründe
geltend machen, die in Bezug auf seine Flüchtlingseigenschaft zu einer
anderen Würdigung führen könnten.
8.
Nachdem der Beschwerdeführer weder über eine ausländerrechtliche Auf-
enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen
verfügt, wurde die Wegweisung zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37
E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
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9.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht-
liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder
des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-
stehen.
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin,
dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen
schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerde-
führer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nach-
zuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte
Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-
wendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka ist
demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus der Beschwerde noch aus den Akten An-
haltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaf-
fung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den
Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts – nach wie vor – nicht
als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil BVGer E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 E. 12.2 sowie statt vieler: Urteil BVGer E-895/2020 vom
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15. April 2020 E. 9.2). Es ergeben sich aus den Akten auch keine konkreten
Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten
hätte, die über einen so genannten «Background Check» (Befragung und
Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden,
oder dass er persönlich gefährdet wäre. Daran vermögen der Regierungs-
wechsel vom November 2019 sowie die seither veränderte Lage in Sri
Lanka nichts zu ändern. Der Wegweisungsvollzug erweist sich somit nach
wie vor als zulässig.
9.3 Der Vollzug der Wegweisung kann nach Art. 83 Abs. 4 AIG unzumutbar
sein, wenn der Ausländer oder die Ausländerin im Heimat- oder Herkunfts-
staat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt
und medizinischer Notlage konkret gefährdet ist. Wird eine konkrete Ge-
fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vor-
läufige Aufnahme zu gewähren.
Auch mit Bezug auf die Zumutbarkeit des Vollzugs kann auf die bisherigen
Erwägungen des Bundesverwaltungsgerichts verwiesen werden (vgl. Urteil
BVGer E-868/2020 E. 5.5). An diesen Ausführungen vermögen auch die
Hinweise des Beschwerdeführers auf die aktuellen politischen Verhältnisse
in seinem Heimatland nichts zu ändern. Das Bundesverwaltungsgericht ist
sich der Veränderungen in Sri Lanka bewusst, beobachtet die Entwicklun-
gen aufmerksam und berücksichtigt sie bei der Entscheidfindung. Zwar ist
beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuie-
rung der Gefährdungslage für Personen, die bestimmte Risikofaktoren er-
füllen, auszugehen (vgl. Referenzurteil BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli
2016; HRW, Sri Lanka: Families of «Disappeared» Threatened,
16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur
Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungs-
gruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen
Umständen ist praxisgemäss im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher
Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom No-
vember 2019 respektive deren Folgen besteht (vgl. Urteil BVGer
D-6808/2019 vom 19. Mai 2020 E. 6.3 m.w.H.). Ein solcher Bezug ist, wie
oben dargelegt, vorliegend nicht konkretisiert worden.
Vorliegend sprechen auch weiterhin keine individuellen Gründe gegen die
Zumutbarkeit des Vollzugs des Beschwerdeführers, der über Schulbildung,
Berufserfahrung und ein tragfähiges Beziehungsnetz in seiner Heimatre-
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gion Jaffna (Ehefrau, Tochter, Eltern sowie Geschwister) verfügt. Seine Fa-
milie gehört dem Mittelstand an, weshalb nicht davon auszugehen ist, dass
er – wie behauptet – aufgrund deren finanziellen Lage keine Unterkunft
mehr erhalten sollte (vgl. SEM-Akten A17 F11 ff. und F38 ff.). Ungeachtet
dessen ist es ihm im Übrigen zumutbar, sich auf dem Arbeitsmarkt erneut
einzugliedern und eine eigene Existenz aufzubauen.
Schliesslich hat die Vorinstanz ebenfalls zutreffend festgestellt, dass die
geltend gemachten und durch nichts belegten gesundheitlichen Beschwer-
den ([...]) die erforderliche Schwere nicht erreichen, um die Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs in Frage zu stellen. Praxisgemäss ist bei einer
Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur dann von
einer medizinisch bedingten Unzumutbarkeit auszugehen, wenn die unge-
nügende Möglichkeit einer Weiterbehandlung eine drastische und lebens-
bedrohliche Verschlechterung des Gesundheitszustands nach sich zöge.
Diese Schwelle ist vorliegend klar nicht erreicht. Es sind weder Unterlagen
aktenkundig noch wurden solche auf Beschwerdeebene eingereicht, die
auf eine gesundheitliche Beeinträchtigung des Beschwerdeführers schlies-
sen lassen würden.
Der Vollzug der Wegweisung ist nach dem Gesagten sowohl in genereller
als auch in individueller Hinsicht weiterhin zumutbar.
9.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen,
weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung seines Heimat-
staats zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG, BVGE 2008/34 E. 12).
9.5 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Auf-
nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). Das entsprechende Be-
schwerdebegehren ist abzuweisen.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist. Die
Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
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11.
11.1 Mit dem vorliegenden Urteil wird das Gesuch um Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos. In der Beschwerde-
schrift wurde zudem die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und
die Einsetzung eines amtlichen Rechtsbeistandes beantragt. Aus den vor-
stehenden Erwägungen ergibt sich, dass die gestellten Begehren als zum
vornherein aussichtslos zu erachten sind. Damit ist eine der kumulativ zu
erfüllenden Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG nicht gegeben, wes-
halb das entsprechende Gesuch – und folglich auch das Gesuch um Bei-
ordnung eines amtlichen Rechtsbeistands (Art. 102m Abs. 2 AsylG) – ab-
zulehnen ist.
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 1’500.–
(Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE], SR 173.320.2) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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