Decision ID: a9a7fa05-c860-4931-8e9f-3b0f82a5f36a
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer ersuchte am (...) um Asyl in der Schweiz. Er
machte geltend, er habe (Nennung Tätigkeit), wobei er im (Nennung Zeit-
punkt) gelegentlich auch im (Nennung Region) gearbeitet habe. Seit dem
Jahr (...) hätten ihn vermutungsweise Angehörige des E._ wieder-
holt erfolglos zu Hause aufgesucht und im (Nennung Zeitpunkt) erstmals
angetroffen und dabei über seine Aufenthalte im (Nennung Region) be-
fragt. In der Folge sei er von diesen Personen auch im Camp B._
befragt und geschlagen worden, worauf er sich bei (Nennung Personen)
versteckt habe. Im (Nennung Zeitpunkt) sei er unterwegs von Unbekannten
auf Motorrädern mitgenommen, befragt und geschlagen worden. Im (Nen-
nung Zeitpunkt) habe es Demonstrationen wegen (Nennung Grund) gege-
ben. Am (...) habe er an einer solchen Protestkundgebung teilgenommen.
Da er auf Fotos und Videos als Teilnehmer dieser Demonstration erkannt
worden sei, sei er vom E._ am (Nennung Zeitpunkt) nach dieser
Demonstration zuhause in seiner Abwesenheit gesucht worden. In der
Folge habe er sich aus Angst zur Ausreise entschieden. Er sei nach seiner
Ausreise (Nennung Anzahl) zuhause gesucht worden. Man habe seinen
(Nennung Verwandter) geschlagen und gedroht, ihn (den Beschwerdefüh-
rer) zu töten.
A.b Mit Verfügung vom 29. Januar 2018 lehnte das SEM dieses Asylge-
such ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug.
Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wies das Bundesver-
waltungsgericht mit Urteil D-1393/2018 vom 1. Februar 2019 ab.
B.
B.a Am 8. März 2019 reichte der Beschwerdeführer ein Mehrfachgesuch
beim SEM ein. Er machte geltend, dass er exilpolitisch aktiv sei und sich
die Lage in Sri Lanka nach dem Putschversuch verschärft habe.
B.b Mit Verfügung vom 18. April 2019 lehnte das SEM das Mehrfachge-
such ab, soweit es darauf eintrat, und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Vollzug an. Eine gegen diese Verfügung erhobene Be-
schwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-2087/2019 vom
2. Oktober 2019 ab, soweit es darauf eintrat.
C.
C.a Am 1. November 2019 reichte der Beschwerdeführer beim SEM neu-
erlich ein Mehrfachgesuch ein. Er machte geltend, aus der Ernennung des
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neuen Armeechefs und den Entwicklungen im Zusammenhang mit den Ter-
roranschlägen vom 21. April 2019 ergebe sich eine erhöhte Gefährdung.
Ferner sei er nach wie vor, insbesondere (...), exilpolitisch aktiv; diese Ak-
tivitäten hätten eine qualitativ neue Dimension erreicht.
C.b Mit Verfügung vom 12. November 2019 trat das SEM auf das Mehr-
fachgesuch nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie
den Vollzug an. Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wies
das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-6270/2019 vom 13. Mai 2020
ab, soweit es darauf eintrat.
D.
D.a Am 27. Juli 2020 richtete der Beschwerdeführer eine als "Asylantrag:
A._" bezeichnete Eingabe an das SEM, die als Mehrfachgesuch
entgegengenommen wurde. Er machte geltend, sein (Nennung Verwand-
ter) habe von einer (Nennung Partei und deren Zusammensetzung), den
Hinweis erhalten, dass er (Beschwerdeführer) während seinen Einsätzen
im (Nennung Region) im System erfasst worden sei. Die Armee habe seine
Familie am (...) nach seinem Aufenthaltsort befragt und seiner Familie mit-
geteilt, sie sei über seinen Aufenthalt in der Schweiz informiert und er solle
sich hierzulande an keinen weiteren Demonstrationen beteiligen, ansons-
ten dies Konsequenzen für ihn habe. In der Schweiz nehme er nicht nur an
Kundgebungen teil, sondern habe sich (Nennung Gruppe), angeschlossen.
Auf den sozialen Medien würden entsprechende Fotos von ihm kursieren.
D.b Mit Verfügung vom 7. August 2020 trat das SEM auf das Mehrfachge-
such nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Voll-
zug an und wies den Antrag auf Durchführung einer Anhörung ab. Dieser
Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
E.
Am 7. Mai 2021 gelangte der Beschwerdeführer erneut mit einer als neues
Asylgesuch bezeichneten Eingabe an das SEM. Er brachte zur Hauptsa-
che vor, angesichts seines Profils (Arbeit als [Nennung Tätigkeit] im [Nen-
nung Region]) und damit einhergehend Zugang zu [Nennung Örtlichkeiten]
und Kontakten zu [Nennung Personen]; öffentlichkeitswirksame exilpoliti-
sche Tätigkeit) sei er vor dem Hintergrund der neuen Ländersituation in Sri
Lanka und der damit einhergehenden erhöhten Verfolgungsintensität asyl-
relevant gefährdet.
Dem Gesuch lagen bei: (Aufzählung Beweismittel).
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Seite 4
F.
Mit Schreiben vom 19. Mai 2021 erklärte der Beschwerdeführer,
C._ und seine ganze Sektion des SEM seien als befangen zu er-
achten.
G.
Auf das Mehrfachgesuch vom 7. Mai 2021 trat das SEM mit Verfügung vom
27. Mai 2021 nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie
den Vollzug an. Es erhob eine Gebühr von Fr. 600.– und lehnte den Antrag
auf Ansetzung einer Anhörung ab. Weiter trat es auf das Ausstandsbegeh-
ren gegen C._ und die Mitarbeitenden seiner Sektion nicht ein.
H.
Der Beschwerdeführer erhob gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom
10. Juni 2021 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte,
es sei die Verfügung vom 27. Mai 2021 aufzuheben und die Sache zur kor-
rekten Behandlung als neues Asylgesuch an das SEM zurückzuweisen,
eventuell sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventuell sei seine
Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm in der Schweiz Asyl zu ge-
währen, eventuell sei die Unzulässigkeit respektive die Unzumutbarkeit
des Vollzugs der Wegweisung festzustellen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei der Spruchkörper
bekanntzugeben und zu bestätigen, dass dieser zufällig ausgewählt wor-
den sei, andernfalls seien die objektiven Kriterien für die Auswahl des
Spruchkörpers bekanntzugeben. Dazu sei ihm Einsicht in die Datei der
Software des Bundesverwaltungsgerichts zu gewähren, mit welcher diese
Auswahl nach Eingang der Beschwerde kreiert worden sei und es sei of-
fenzulegen, wer diese Auswahl getroffen habe. Das Beschwerdeverfahren
sei bis zum Entscheid des Eidgenössischen Justiz- und Polizeideparte-
ment (EJPD) über seine Beschwerde gegen den Ausstand des in der Sa-
che verantwortlichen C._ zu sistieren.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 16. Juni 2021 teilte die Instruktionsrichterin
dem Beschwerdeführer den Spruchkörper mit und forderte ihn zur Einrei-
chung einer Beschwerdeverbesserung auf.
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Seite 5
J.
Mit Eingabe vom 28. Juni 2021 reichte der Beschwerdeführer eine Be-
schwerdeverbesserung vom 5. Juli 2021 (in Form einer Verwaltungsbe-
schwerde) zu den Akten. Darin wiederholte er die bereits in seiner Rechts-
mitteleingabe vom 10. Juni 2021 aufgeführten Anträge und rügte ergän-
zend eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Zudem ersuchte er um voll-
ständige Einsicht in die Akten des Mehrfachgesuchs vom 27. Juli 2020 ver-
bunden mit der Ansetzung einer angemessenen Frist zur Einreichung einer
Beschwerdeverbesserung.
K.
Mit Zwischenverfügung vom 1. Juli 2021 forderte die Instruktionsrichterin
den Rechtsvertreter zur Einreichung einer vom Beschwerdeführer unter-
zeichneten Vollmacht auf. Mit Eingabe vom 8. Juli 2021 reichte der Rechts-
vertreter eine Vollmacht vom 7. Juli 2021 zu den Akten.
L.
Mit Eingabe vom 5. Juli 2021 reichte der Beschwerdeführer beim EJPD
Beschwerde gegen Ziffer 7 des Dispositivs des Nichteintretensentscheids
des SEM vom 27. Mai 2021 hinsichtlich des Ausstandsbegehrens gegen
C._ und der Mitarbeitenden in dessen Sektion ein. Das EJPD trat
auf diese Beschwerde mit Verfügung vom (...) nicht ein.
M.
Mit Zwischenverfügung vom 12. Juli 2021 forderte die Instruktionsrichterin
die Vorinstanz auf, das Gesuch des Beschwerdeführers um Akteneinsicht
zu behandeln, wies das Gesuch um Fristansetzung zur Einreichung einer
Beschwerdeverbesserung ab und forderte den Beschwerdeführer zur Leis-
tung eines Kostenvorschusses in der Höhe von Fr. 1'500.– auf. Der Kos-
tenvorschuss wurde am 27. Juli 2021 bezahlt.
N.
Am 21. Juli 2021 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer teilweise Ein-
sicht in die Akten des Mehrfachgesuchs vom 27. Juli 2020.

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
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Seite 6
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der
Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le-
gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist – vorbehält-
lich nachstehender Ausführungen (vgl. E. 4.2) einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf
Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech-
sels verzichtet.
4.
4.1 Prüfungsgegenstand bildet die Frage, ob das SEM gemäss Art. 111c
Abs. 1 Satz 1 AsylG zu Recht auf das neue Asylgesuch des Beschwerde-
führers vom 7. Mai 2021 nicht eingetreten ist. Die Beschwerdeinstanz ent-
hält sich – sofern sie den Nichteintretensentscheid als unrechtmässig er-
achtet – einer selbstständigen materiellen Prüfung; sie hebt die angefoch-
tene Verfügung auf und weist die Sache zu neuer Entscheidung an die Vor-
instanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 m.w.H.). Die Frage der Wegwei-
sung und des Vollzugs wird materiell geprüft.
4.2 Die angefochtene Verfügung enthält keine Regelung in Bezug auf die
Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung. Auf das Eventualbegehren
der Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und der Gewährung Asyls ist
nicht einzutreten (vgl. E. 4.1 hievor).
5.
Der Sistierungsantrag ist mit dem Nichteintretensentscheid des EJPD vom
(...) (vgl. Sachverhalt Bst. L) gegenstandslos geworden.
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Seite 7
6.
6.1 Die Richter und Richterinnen des Spruchgremiums wurden im Auftrag
des Abteilungspräsidiums durch das EDV-basierte Zuteilungssystem des
Bundesverwaltungsgerichts automatisiert bestimmt.
6.2 Die hinterlegten Kriterien des Automatismus bezüglich Auswahlproze-
dere des Spruchkörpers können aufgrund objektiver und im Voraus be-
stimmter Kriterien manuell ergänzt werden (vgl. Art. 31 Abs. 3 VGR). Als
objektive Kriterien in diesem Sinne gelten Amtssprache, Beschäftigungs-
grad, Belastung durch die Mitarbeit in Gerichtsgremien, Vorbefassung,
Kammerzuständigkeit, Austritt, Erweiterung des Spruchkörpers, Ausstand,
enger Sachzusammenhang, Abwesenheit sowie Ausgleich der Belas-
tungssituation.
6.3 Dem Beschwerdeführer wurde mit Zwischenverfügung vom 16. Juni
2021 antragsgemäss der Spruchkörper bekannt gegeben; ein manueller
Eingriff in jene elektronische Zuteilung wurde seinerzeit nicht vorgenom-
men. Allerdings wurde der damals bekanntgegebene Zweitrichter aufgrund
objektiver Kriterien (vgl. E. 6.2 hiervor) zwischenzeitlich ersetzt (vgl. Art. 31
Abs. 3 VGR).
6.4 Der Antrag auf Einsicht in die Software oder in entsprechende Auszüge
betreffend die Spruchkörperbildung ist abzuweisen, da es sich bei den ent-
sprechenden Dokumenten nicht um Akten handelt, welche dem Aktenein-
sichtsrecht gemäss Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 26 i.V.m. Art. 27 f. VwVG un-
terstehen (vgl. Koordinationsurteil des BVGer D-3946/2020 vom 21. April
2022 E. 4.5 m.w.H.).
7.
7.1 Auf die formellen Rügen (Verletzung des rechtlichen Gehörs und der
Begründungspflicht in willkürlichem Masse sowie unvollständige und un-
richtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts) ist vorab einzuge-
hen.
7.2 Aufgrund der Aktenlage ist nicht ersichtlich, inwieweit die Vorinstanz
ihre Begründungspflicht verletzt beziehungsweise eine unvollständige oder
unrichtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts hinsichtlich der
Thematik rund um die Erweiterung der willkürlichen PTA-Gesetzgebung
und der gerügten Nichtwürdigung und Nichtberücksichtigung von aktuellen
Länderinformationen vorgenommen haben sollte. Die Vorinstanz hat in ih-
rer Verfügung hinreichend darlegt, weshalb sie das Mehrfachgesuch für
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Seite 8
unzureichend begründet hält (vgl. auch E. 10.2 nachfolgend). Aus den vor-
instanzlichen Ausführungen ergibt sich mit genügender Klarheit, dass das
SEM sowohl die eingereichten Beweismittel als auch die Argumentation
des Beschwerdeführers zur Kenntnis genommen hat und weshalb es seine
Auffassung nicht teilt. Die Vorinstanz hat sich sowohl mit dem Bericht des
UN-Menschenrechtsrats vom 9. Februar 2021 als auch mit den möglichen
Auswirkungen des Anti-Terror-Gesetzes (PTA) auseinandergesetzt. Die
angefochtene Verfügung enthält auch – im angemessenen Rahmen der
Begründung eines Nichteintretensentscheids, in welchem gerade keine
materielle Prüfung stattfinden soll – eine Darstellung des Sachverhalts, die
genügend ist, um nachvollziehen zu können, weshalb das SEM die neu
geltend gemachten Vorbringen des Beschwerdeführers als nicht genügend
individualisiert auf seine Person bezogen erachtete, als dass es auf das
Gesuch hätte eintreten müssen. Allein aus dem Umstand, dass das SEM
die im Gesuch neu geltend gemachten Sachvorbringen nicht so beurteilt
wie vom Beschwerdeführer gewünscht oder einer anderen Einschätzung
der Lage in Sri Lanka folgt, als vom Beschwerdeführer gefordert, lässt we-
der auf eine unrichtige Sachverhaltsfeststellung noch auf eine willkürliche
Verletzung des rechtlichen Gehörs, namentlich der Begründungspflicht,
schliessen. Daran vermag auch der Einwand, das SEM habe in seinem
Entscheid keine einzige Länderinformation zitiert, nichts zu ändern. Alleine
aus dem Hinweis im Nichteintretensentscheid, dass das SEM die Entwick-
lung in Sri Lanka aufmerksam verfolge und es seine Asylpraxis dabei lau-
fend den Gegebenheiten vor Ort anpasse, war es nicht verpflichtet, seine
jeweils aktuell verwendeten Länderinformationen in seinem Entscheid zu
zitieren, zumal es sich bei der Einschätzung der Situation auf allgemeine
und öffentlich zugängliche Informationsquellen stützt, bei welchen das
SEM keine Offenbarungspflicht trifft.
7.3 Es besteht keine Veranlassung, die Sache aus formellen Gründen auf-
zuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbezüglichen
Eventualbegehren sind abzuweisen.
8.
8.1 Auf die Anträge, es sei das SEM anzuweisen, dem Beschwerdeführer
vollständige Einsicht in das Mehrfachgesuch vom 27. Juli 2020 und das
entsprechende Verfahren zu gewähren, und es sei ihm eine angemessene
Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen, ist nicht
weiter einzugehen, nachdem die Anträge mit Zwischenverfügung vom
12. Juli 2021 behandelt wurden.
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Seite 9
8.2 Die Anträge, es sei das SEM anzuweisen, eine tatsächliche, konkrete
und umfassende Auseinandersetzung mit den eingereichten Beweismitteln
und der aktuellen Ländersituation vorzunehmen, es sei ihm nach Zustel-
lung dieser Einschätzung eine angemessene Frist zur Einreichung einer
Beschwerdeergänzung anzusetzen und er sei erneut anzuhören, sind auf-
grund vorstehender Ausführungen in E. 7.2 abzuweisen (vgl. auch E. 10.1
nachfolgend).
9.
9.1 Das SEM legte in seiner Verfügung dar, dass Mehrfachgesuche (res-
pektive "neue Asylgesuche") gehörig zu begründen seien, so dass die Be-
hörde in der Lage sei, über das Gesuch zu entscheiden, ohne die be-
troffene Person vorher anzuhören. Mit dem Gesuch vom 7. Mai 2021, bei
welchem es sich unbestrittenermassen um ein Mehrfachgesuch im Sinne
von Art. 111c AsylG handle, seien keine neuen Tatsachen oder Beweismit-
tel vorgebracht worden, welche geeignet wären, die rechtskräftige Ein-
schätzung des Risikoprofils des Beschwerdeführers in Wiedererwägung zu
ziehen. Vielmehr verlange er eine Neubeurteilung seiner individuellen Ge-
fährdungslage vor dem Hintergrund der neuesten innenpolitischen Ent-
wicklungen in Sri Lanka, welche jedoch keinen konkreten respektive indi-
viduellen Bezug zu seiner Person hätten. Insbesondere habe er nicht dar-
gelegt, weshalb ihn die sri-lankischen Behörden heute wegen Tätigkeiten
für die D._ im Jahre (...) verfolgen sollten, zumal er die geltend ge-
machten behördlichen Verfolgungsmassnahmen ab dem Jahr (...) nicht
habe glaubhaft machen können. Dem eingereichten Bericht des UN-Men-
schenrechtsrats vom 9. Februar 2021 sei keine explizite und konkret an die
Schweiz gerichtete Aufforderung zur Anpassung ihrer Asylpraxis – wie im
Mehrfachgesuch respektive im Bericht der Rechtsvertretung vom 4. April
2021 gefordert – zu entnehmen. Insgesamt sei es ihm nicht gelungen, dass
sich die allgemeine politische Lage in Sri Lanka seit der letztmaligen Beur-
teilung durch das Bundesverwaltungsgericht in einer Weise verändert
hätte, die sich konkret in negativer Weise auf ihn auswirken und sein indi-
viduelles Risikoprofil schärfen würde. Die Anforderungen an eine hinrei-
chende Begründung des Mehrfachgesuchs seien nicht erfüllt, weshalb auf
dieses nicht einzutreten sei.
9.2 Der Beschwerdeführer entgegnet in der Rechtsmitteleingabe, er habe
im Mehrfachgesuch vom 7. Mai 2021 seine individuellen Aktivitäten im
Sinne der Verbreitung der Ideologie des tamilischen Separatismus ausführ-
lich und detailliert begründet sowie mit Beweismitteln belegt. Sodann habe
er die asylrelevanten Folgen dieser Aktivitäten bei einer Rückkehr nach Sri
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Seite 10
Lanka vor dem Hintergrund der neuen Erweiterung des Prevention of Ter-
rorism Act (PTA) vom 12. März 2021 dargelegt, wodurch ein klarer indivi-
dueller Bezug zwischen den neuen Länderentwicklungen und seiner aktu-
ellen Verfolgung aufgezeigt worden sei. Das SEM habe sich jedoch zu die-
ser neuen Entwicklung nicht geäussert. Hingegen habe es sich in seinem
Asylentscheid vom 17. Mai 2021 materiell mit seinen Fluchtgründen ausei-
nandergesetzt, weshalb im Prinzip ein materieller Entscheid mit einer Be-
schwerdefrist von 30 Tagen vorliege. Jedoch habe das SEM die Verfügung
in rechts- und zweckfremder Weise als Nichteintretensentscheid qualifiziert
und die (eigentliche) 30-tägige Beschwerdefrist unzulässigerweise auf fünf
Arbeitstage reduziert.
10.
10.1 Das Gericht stellt zunächst fest, dass das vom Beschwerdeführer ein-
gereichte Gesuch vom 7. Mai 2021 die formellen Anforderungen erfüllte.
Es wurde in schriftlicher Form eingereicht und war soweit begründet, dass
es das SEM in die Lage versetzte, über das Gesuch zu entscheiden, ohne
den Beschwerdeführer vorab anzuhören, weshalb keine Verbesserungs-
bedürftigkeit der Eingabe im Sinne von Art. 52 VwVG bestand. Das SEM
verzichtete daher zu Recht auf die Durchführung entsprechender Instrukti-
onsmassnahmen.
10.2 Indessen ist dem SEM zuzustimmen, dass das schriftlich eingereichte
Mehrfachgesuch die verlangte Begründungsdichte im Sinne von Art. 111c
Abs. 1 AsylG nicht aufweist (vgl. BVGE 2014/39 E. 5.3 f.). Die vom Be-
schwerdeführer angeführte Begründung vermag inhaltlich nicht zu über-
zeugen beziehungsweise ist sie inhaltlich nicht als ausreichend zu qualifi-
zieren, auch wenn – gemäss seinen Ausführungen in der Rechtsmittelein-
gabe (S. 14) – die Begründung "klar und deutlich und dadurch substanti-
iert" ausgefallen sei. In seiner Begründung wies der Beschwerdeführer auf
sein fortwährendes exilpolitisches Engagement für den tamilischen Sepa-
ratismus seit (Nennung Zeitpunkt) bis (Nennung Zeitpunkt) hin und dass
Personen mit seinem Profil aufgrund der dramatischen Verschlechterung
der Menschenrechts- und Sicherheitslage mit einer mehrjährigen Haft-
strafe und Folter rechnen müssten. Ferner bestehe alleine schon aufgrund
der Tatsache, dass er sich seit (Nennung Dauer) im Exil in der Schweiz
aufhalte, die Gefahr, dass er bei einer Rückkehr asylrelevant verfolgt
werde. Der Beschwerdeführer vermochte allerdings nicht darzulegen, in-
wiefern sein exilpolitisches Engagement, welches in den vorangegange-
nen Asylverfahren – so letztmals mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
D-6270/2019 vom 13. Mai 2020 – als zu niederschwellig qualifiziert wurde,
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Seite 11
um daraus eine asylrelevante Gefährdung herleiten zu können, oder die
Erweiterung des sri-lankischen PTA angesichts der rechtskräftigen Fest-
stellung einer nicht glaubhaft gemachten Vorverfolgung für ihn eine mass-
gebliche Verschärfung des Risikos darstellen sollte. Sein exilpolitisches
Wirken präsentiert sich denn auch nach wie vor als niederschwellig. Dem-
zufolge ist eine massgebliche Hervorhebung des geltend gemachten exil-
politischen Engagements weiterhin zu verneinen. Die Ausführungen des
SEM enthalten folglich zu Recht keine materielle Auseinandersetzung über
die Vorbringen des Beschwerdeführers. Dies auch wenn es sich zum einen
mit dem Bericht des UN-Menschenrechtsrat vom 9. Februar 2021 (Ge-
suchsbeilage 13) auseinandergesetzt hat, diesem jedoch keine an die
Schweiz gerichtete Aufforderung zur Anpassung ihrer Asylpraxis entneh-
men konnte. Zum anderen gelangte das SEM auch mit Blick auf den sri-
lankischen PTA zu Recht zur Auffassung, dass aus der Demonstrationsteil-
nahme des Beschwerdeführers vom (...) und den eingereichten (Nennung
Beweismittel) nicht hervorgehe, er verbreite die Ideologie des tamilischen
Separatismus in herausragender Weise. So reicht es selbst bei Geltend-
machung einer (als untergeordnet zu bezeichnenden) zusätzlichen exilpo-
litischen Aktivität nicht, pauschal auf politische Entwicklungen der jüngeren
Vergangenheit oder mögliche Zukunftsszenarien – wie etwa die Annahme
einer drohenden Haft unter der Erweiterung der PTA vom 12. März 2021 –
zu verweisen, um hieraus eine konkrete Verfolgungsgefahr für eine be-
stimmte Person ableiten zu können. Insofern hat sich das SEM nicht ma-
teriell mit den Vorbringen auseinandergesetzt, sondern – im angemesse-
nen Rahmen der Begründung eines Nichteintretensentscheids – dargelegt,
weshalb kein genügend dargelegter Zusammenhang zwischen den Ge-
schehnissen in Sri Lanka respektive einem möglichen neuen Risikoprofil
und dem Beschwerdeführer bestand, mithin die im Mehrfachgesuch als
neu und rechtserheblich bezeichneten Sachverhaltselemente als nicht ge-
nügend substanziiert respektive auf die Person des Beschwerdeführers in-
dividualisiert erachtetet werden, um auf dessen Gesuch einzutreten. We-
der der Umstand, dass der Beschwerdeführer im neuerlichen Mehrfachge-
such zur Stützung der Sachverhaltsvorbringen eine Bilanz zu den politi-
schen und menschenrechtlichen Entwicklungen in Sri Lanka vom 4. April
2021 mit einigen Unterlagen eingereicht hat, noch die blosse wiederholte
Darlegung seines Risikoprofils durch Auflisten von bereits vorgebrachten
und in den vorangegangenen Verfahren entsprechend beurteilten Risiko-
faktoren vermag zu einer anderen Einschätzung zu führen.
10.3 Demnach hat das SEM in zutreffender Weise das Erfordernis einer
ausreichenden Begründung im Sinne von Art. 111c Abs. 1 AsylG als nicht
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Seite 12
erfüllt erachtet und ist insgesamt zu Recht in Anwendung von Art. 13 Abs. 2
VwVG auf das Gesuch nicht eingetreten.
10.4 Nachdem die vom SEM gewählte Erledigungsform des Nichteintre-
tensentscheides nicht zu beanstanden ist, hat das SEM in der Rechtsmit-
telbelehrung gestützt auf Art. 108 Abs. 3 AsylG die Beschwerdefrist richtig-
erweise mit fünf Arbeitstagen angegeben.
11.
11.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Der Beschwer-
deführer verfügt insbesondere weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen
(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die
Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet.
11.2 Bezüglich der Prüfung allfälliger Wegweisungsvollzugshindernisse
kann auf die Erwägungen in den Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts
D-1393/2018 vom 1. Februar 2019, D-2087/2019 vom 2. Oktober 2019 und
Urteil D-6270/2019 vom 13. Mai 2020 verwiesen werden. Darin wurde ein-
lässlich dargelegt, weshalb der Vollzug der Wegweisung in Bezug auf den
Beschwerdeführer nach Sri Lanka zulässig, zumutbar und möglich ist. An
dieser Einschätzung vermögen weder die diesbezüglichen Ausführungen
im Mehrfachgesuch vom 7. Mai 2021 etwas zu ändern – zumal die Behaup-
tung des Beschwerdeführers, er verfüge in seiner Heimat über kein sozial
tragfähiges Netz, eine auch nicht ansatzweise begründete, blosse Partei-
behauptung darstellt – noch die politischen Entwicklungen in Sri Lanka seit
dem Urteil D-6270/2019 vom 13. Mai 2020. So besteht aus Sicht des Bun-
desverwaltungsgerichts bei der heutigen Aktenlage kein Grund zur An-
nahme, dass sich die jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka kon-
kret auf den Beschwerdeführer auswirken könnten. Die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug nicht als
generell unzulässig erscheinen. Die Berücksichtigung der aktuellen Ereig-
nisse im Zusammenhang mit den Aufständen gegen die Regierung Raja-
paksa wegen der in Sri Lanka herrschenden Wirtschaftskrise (vgl. Neue
Zürcher Zeitung vom 4. April 2022: "Nach grossen Protesten treten in Sri
Lanka fast alle Minister zurück": Sri Lanka: Notstand und Demonstrationen
auf der Ferieninsel (nzz.ch), abgerufen am 30.08.2022) führt nicht zu einer
anderen Einschätzung. Der Beschwerdeführer vermag weder aus der Si-
tuation seit dem Machtwechsel im Jahr 2019 noch aus der aktuellen Lage
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Seite 13
in Sri Lanka, wie der am 20. Juli 2022 erfolgten Wahl von Ranil Wickreme-
singhe zum neuen Staatspräsidenten als Nachfolger des am 9. Mai 2022
– inmitten einer Welle von Gewalt mit etlichen Toten und Verletzten – zu-
rückgetretenen Mahinda Rajapaksa eine Gefährdung abzuleiten. Auch die
Wahl des neuen Staatspräsidenten ändert vorerst nichts an der bisherigen
Lageeinschätzung, ist dieser doch Teil der alten politischen Elite. Unbestrit-
ten ist auch, dass die aktuell in weiten Teilen Sri Lankas herrschende Lage
angesichts der Proteste gegen die steigenden Preise für Verbrauchsgüter
und Engpässe bei der Versorgung mit Treibstoffen angespannt ist und die
schwere Wirtschaftskrise im Land die ganze sri-lankische Bevölkerung be-
trifft (vgl. statt vieler Urteil des BVGer D-4002/2019 vom 10. November
2022 E. 13.2.2 m.w.H.).
11.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass das SEM den Wegweisungsvoll-
zug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat. Die An-
ordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht (Art. 83
Abs. 1–4 AIG).
12.
Aufgrund des Gesagten ist festzustellen, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig festgestellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüg-
lich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit
darauf einzutreten ist.
13.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten von Fr. 1'500.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der in glei-
cher Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrens-
kosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
D-2739/2021
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