Decision ID: 1526e397-76da-4bf8-a040-44831da38d5f
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Wiedereintragung der B._ AG in Liquidation nach Art. 164 HRegV
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes im summarischen Verfahren des Bezirksgerichtes Dietikon vom 9. November 2017 (EO170003)
- 2 -
Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2)
1. Es sei die Gesuchsgegnerin wieder im Handelsregister .
2. Eventualiter sei das Landgericht Stralsund, Postfach 2243, 18409 Stralsund, zu berechtigen, die Übertragung des im Grundbuch von C._ des Amtsgerichts Greifswald auf Blatt ... [Blatt-Nr.] in Abteilung II unter Nummer 6 zulasten des auf dem selbigen Blatt in Abteilung I unter Nummer 1 des Bestandsverzeichnisses, Flur 1, Flurstücke 1, 2, 3 und 4, verzeichneten Grundstücks  Erbbaurechts an den Gesuchsteller vorzunehmen und die in Abteilung II unter Nummer 3 für die Gesuchsgegenerin eingetragenen Erwerbsvormerkung, sowie das in Abteilung II  Nummer 7 eingetragenen Vorkaufsrecht zu löschen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der .
Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon: (act. 7 = act. 10)
1. Das Gesuch um Wiedereintragung der B._ AG in Liquidation in das Handelsregister des Kantons Zürich vom 4. Oktober 2017 wird abgewiesen.
2. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 2'516.–. 3. Die Entscheidgebühr wird dem Gesuchsteller auferlegt und mit
dem geleisteten Kostenvorschuss verrechnet.
4. [Mitteilung] 5. [Rechtsmittelbelehrung]
Berufungsanträge: (act. 11 S. 2)
1. Es sei der vorinstanzliche Entscheid vollumfänglich aufzuheben und das Gesuch direkt durch das Obergericht gutzuheissen.
2. Eventualiter sei der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zu Lasten des Berufungsgegners, nämlich das vorinstanzliche  Dietikon bzw. des Kantons Zürich.
- 3 -

Erwägungen:
1.1. Am 11. Juni 2014 wurde über die B._ AG der Konkurs eröffnet. Das
Konkursverfahren wurde am 12. September 2014 mangels Aktiven eingestellt. Am
tt.mm.2015 wurde die Gesellschaft im Sinne von Art. 159 Abs. 5 lit. a HRegV von
Amtes wegen im Handelsregister gelöscht (vgl. Handelsregisterauszug, act. 3/1 =
act. 14).
1.2. Am 4. Oktober 2017 gelangte der Gesuchsteller und Berufungskläger (fortan
Gesuchsteller) an das Bezirksgericht Dietikon (fortan Vorinstanz) und verlangte
die Wiedereintragung der Gesellschaft (vgl. act. 1).
1.3. Der Gesuchsteller behauptete im Wesentlichen, er habe der B._ AG mit
Vertrag vom 26. April 2007 (act. 3/3) in Deutschland ein Erbbraurecht eingeräumt.
Die B._ AG habe sich verpflichtet, innert dreier Jahren nach Abschluss des
Vertrages eine Anlage zur Produktion von Biogas zu erstellen und dem Gesuch-
steller einen Erbbaurechtszins zu bezahlen. Nachdem die Gesellschaft die Pflicht
zur Erstellung der Anlage nicht erfüllt habe und mit der Zahlung des Erbbau-
rechtszinses in Rückstand geraten sei, habe der Gesuchsteller den Heimfall des
Erbbaurechts geltend gemacht und am 18. September 2015 Klage beim Landge-
richt Stralsund eingereicht. Der Versuch des Gerichts, die Klage der B._ AG
in Liquidation auf dem Rechtshilfeweg zuzustellen, sei gescheitert (act. 3/5). Auf
ein Gesuch um Wiedereintragung der Gesellschaft und Bestellung eines Nach-
tragsliquidators trat das Handelsgericht des Kantons Zürich mit Verfügung vom
19. September 2016 nicht ein (act. 3/6).
1.4. Mit Urteil vom 9. November 2017 wies die Vorinstanz das bei ihr gestellte
Gesuch ab (act. 7). Dieser Entscheid wurde dem Gesuchsteller am 10. November
2017 zugestellt (act. 8). Mit Eingabe vom 20. November 2017 (Datum Poststem-
pel) erhob er rechtzeitig Berufung (act. 11).
1.5. Mit Verfügung vom 23. November 2017 wurde dem Gesuchsteller Frist zur
Leistung eines Kostenvorschusses angesetzt und es wurde die Prozessleitung
delegiert (act. 15). Der Kostenvorschuss wurde vom Gesuchsteller innert Frist ge-
- 4 -
leistet (act. 17). Die Akten der Vorinstanz wurden beigezogen. Das Verfahren ist
spruchreif.
2.1 Das Verfahren betrifft ein Begehren um Wiedereintragung einer im Handels-
register gelöschten Gesellschaft (Art. 164 HRegV). Es handelt sich um eine Ange-
legenheit der sog. freiwilligen Gerichtsbarkeit. Darüber entscheidet im Kanton Zü-
rich erstinstanzlich das Einzelgericht des örtlich zuständigen Bezirksgerichts im
summarischen Verfahren (Art. 248 lit. e ZPO; vgl. dazu, insb. zur Abgrenzung von
der Zuständigkeit des Handelsgerichts, BGE 140 III 550, vgl. auch OGer ZH
LF170039 vom 17. August 2017, E. 2).
2.2 Gegen Erledigungsentscheide im summarischen Verfahren ist die Berufung
nach Art. 308 ff. ZPO zulässig (Art. 308 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 314 ZPO). Voraus-
gesetzt ist in vermögensrechtlichen Angelegenheiten ein Rechtsmittelstreitwert
von Fr. 10'000.00 (Art. 308 Abs. 2 ZPO). Dieser ist unter Hinweis auf den von der
Vorinstanz angenommenen Streitwert gegeben (vgl. act. 10 S. 6 E. V). Auf die
rechtzeitig schriftlich und begründet erhobene Berufung ist somit einzutreten.
2.3. Beim Verfahren um Wiedereintragung einer Rechtseinheit ins Handelsregis-
ter findet im erstinstanzlichen Verfahren der Untersuchungsgrundsatz Anwen-
dung, da es sich wie erwähnt um eine Anordnung der freiwilligen Gerichtsbarkeit
handelt (vgl. Art. 255 lit. b ZPO). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes we-
gen festzustellen und berücksichtigt neue Tatsachen und Beweismittel bis zur Ur-
teilsberatung (Art. 229 Abs. 3 ZPO). Für das Berufungsverfahren hat sich das
Bundesgericht indes dagegen ausgesprochen, Art. 229 Abs. 3 ZPO analog anzu-
wenden (BGE 142 III 415, E. 2.2.2; BGE 138 III 625 ff., E. 2.2). Entsprechend sind
neue Tatsachen und Beweismittel vor der Berufungsinstanz nur noch unter den
Voraussetzungen von Art. 317 ZPO zuzulassen, also wenn sie ohne Verzug vor-
gebracht werden und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vor-
gebracht werden konnten.
Der Gesuchsteller reichte im Berufungsverfahren neu ein Gutachten über
den Verkehrswert des Erbbaurechts und einen Grundbuchauszug des mit Erb-
baurecht belasteten Grundstücks ein (vgl. act. 13/3–4), ohne darzutun, inwiefern
- 5 -
diese Urkunden nicht bereits vor der Vorinstanz hätten vorgebracht werden kön-
nen. Entsprechend sind diese nicht mehr zu berücksichtigen. Wie sich nachfol-
gend zeigen wird, änderte sich aber am Ergebnis ohnehin nichts, da die Berufung
auch ohne diese Unterlagen gutzuheissen ist.
3.1. Die Vorinstanz erwog, dem Gesuchsteller sei das Glaubhaftmachen der Vor-
aussetzungen für eine Wiedereintragung im Sinne von Art. 164 HRegV nicht ge-
lungen. Er habe zwar den Heimfall glaubhaft gemacht. Das Bestehen des Erbbau-
rechts sei aber nicht glaubhaft gemacht, da der Gesuchsteller nur den Vertrag,
nicht aber den entsprechenden Grundbucheintrag nachgewiesen habe. Schon
deshalb sei das Gesuch abzuweisen. Hinzu komme, dass die Wiedereintragung
nach dem Grundsatz der Subsidiarität nur zulässig sei, wenn sich ein behaupteter
Anspruch nicht auf anderem Weg durchsetzen lasse. Der Gesuchsteller habe
nicht dargelegt, weshalb zur Rückübertragung des Erbbaurechts die Mitwirkung
der B._ AG nötig und weshalb dazu das Gerichtsverfahren in Stralsund er-
forderlich sei. Das Eventualbegehren wies die Vorinstanz sodann ab, weil eine
Verpflichtung zur Abgabe einer Willenserklärung nur in einem Zweiparteienverfah-
ren möglich wäre (act. 10 S. 5 E. 3).
3.2. Der Gesuchsteller führt in der Berufungsschrift aus, nach dem gemäss IPRG
anwendbaren deutschen Recht erfordere die Löschung des Erbbaurechts die
Wiedereintragung der B._ AG. Das Interesse des Gesuchstellers liege auf
der Hand, denn eine mit einem Erbbaurecht belastete Liegenschaft sei nur
schwer zu veräussern, bzw. verliere an Wert. Da gemäss Erbbaurechtsvertrag ein
Zins geschuldet sei, sei klar, dass das Erbbaurecht einen Wert habe. Die Vor-
instanz stelle an die Glaubhaftmachung zu hohe Anforderungen. Der vor Vor-
instanz eingereichte Erbbaurechtsvertrag genüge zur Glaubhaftmachung des Be-
standes des Erbbaurechts (act. 11).
4.1.1 Gestützt auf Art. 164 Abs. 1 HRegV kann das Gericht auf Antrag die Wie-
dereintragung einer gelöschten Rechtseinheit ins Handelsregister anordnen. Die
Wiedereintragung gestützt auf Art. 164 HRegV ist zum Zweck der Beendigung ei-
ner unvollständig durchgeführten Liquidation vorgesehen (RÜETSCHI, SHK-
HRegV, Bern 2013, N 11 zu Art. 164). Dies ist der Fall, wenn nach Abschluss der
- 6 -
Liquidation der gelöschten Rechtseinheit Aktiven vorliegen, die nicht verwertet
oder verteilt worden sind (lit. a), die gelöschte Rechtseinheit in einem Gerichtsver-
fahren als Partei teilnimmt (lit. b), die Wiedereintragung der gelöschten Rechts-
einheit für die Bereinigung eines öffentlichen Registers erforderlich ist (lit. c) oder
die Wiedereintragung für die Beendigung des Konkursverfahrens der gelöschten
Rechtseinheit erforderlich ist (lit. d). Diese Aufzählung ist nicht abschliessend.
Von einem Interesse auf Wiedereintragung kann jedenfalls dann ausgegangen
werden, wenn nach der Löschung Aktiven auftauchen (OGer ZH LF170039 vom
17. August 2017, E. 3.3). Zum Antrag um Wiedereintragung berechtigt ist, wer ein
schutzwürdiges Interesse an der Wiedereintragung der gelöschten Rechtseinheit
hat (Art. 164 Abs. 2 HRegV). Ein solches bejaht das Bundesgericht nur, wenn das
vorgebrachte Interesse einzig durch die Wiedereintragung in das Handelsregister
gewahrt werden kann, das heisst die Ansprüche nicht auf einem anderen, eben-
falls zumutbaren Weg durchgesetzt werden können (Subsidiarität der Wiederein-
tragung, vgl. BGE 132 III 731, E. 3.2 m.w.H., RÜETSCHI, a.a.O., N 25 zu Art. 164).
Das schutzwürdige Interesse an der Wiedereintragung wird dann verneint, wenn
von Vornherein feststeht, dass der Ansprecher den Zweck, den er mit der Wie-
dereintragung verfolgt, nicht erreicht (BGE 115 II 276, E. 2). Die genannten Vo-
raussetzungen sind vom Ansprecher glaubhaft zu machen.
4.1.2 Das Beweismass des "Glaubhaftmachens" verlangt mehr als die blosse Be-
hauptung eines Sachverhalts. Die Behauptungen haben vielmehr plausibel, also
in sich stimmig bzw. schlüssig zu sein, und es sind objektive Anhaltspunkte vorzu-
tragen, aufgrund derer sich eine gewisse Wahrscheinlichkeit für das Vorhanden-
sein der behaupteten Tatsachen ergibt, auch wenn das Gericht noch mit der Mög-
lichkeit rechnet, dass sie sich möglicherweise nicht verwirklicht haben könnten
(vgl. Art. 164 Abs. 1 HRegV sowie RÜETSCHI, a.a.O., N 36 ff. zu Art. 164; vgl. auch
BSK ZPO-GUYAN, 3. Aufl., Basel 2017, N 10 zu Art. 157).
4.2.1 Der Gesuchsteller machte zu den Voraussetzungen der Wiedereintragung
vor Vorinstanz wie erwähnt unter anderem geltend, zwischen ihm und der
B._ AG bestehe ein Erbbaurechtsvertrag, gemäss welchem die B._ AG
ein Erbbaurecht an einem Grundstück des Gesuchstellers habe. Diese Vorbrin-
- 7 -
gen wiederholte er im Berufungsverfahren. Die Vorinstanz sah diese als nicht
glaubhaft gemacht an.
Dem Gesuchsteller ist zuzustimmen, wenn er ausführt, die Vorinstanz habe
die Anforderungen an das "Glaubhaftmachen" zu hoch angesetzt. Dass es einen
solchen Erbbaurechtsvertrag zwischen ihm und der B._ AG gibt, wurde vom
Gesuchsteller durch Einreichen des entsprechenden Vertrages belegt (vgl. Erb-
baurechtsvertrag vom 26. April 2007, act. 3/3). Weiter wurde vom Gesuchsteller
glaubhaft gemacht, dass dieses Erbbaurecht aktuell noch besteht. Dieser Um-
stand bildet das Klagefundament des Gesuchstellers im Rahmen seiner Klage
beim Landgericht in Stralsund und ist Grund dafür, dass er zuerst vor Handelsge-
richt, dann vor Vorinstanz einen Weg suchte, die Mitwirkung der B._ AG zur
Übertragung des Rechts infolge Heimfalls zu erreichen. Die Ausführungen des
Gesuchstellers sind damit plausibel und aufgrund des eingereichten Vertrages ist
eine gewisse Wahrscheinlichkeit für das Vorhandensein der behaupteten Tatsa-
chen zu bejahen. Dass sodann der Heimfall des Erbbaurechts glaubhaft gemacht
ist, hat die Vorinstanz zutreffend festgehalten (vgl. act. 10 S. 5 E. 3 zweiter Ab-
schnitt unten). Durch das Glaubhaftmachen des Bestandes des Erbbaurechts zu-
gunsten der B._ AG ist auch glaubhaft, dass noch ein Aktivum derselben be-
steht. So hat das Erbbaurecht der B._ AG einen quantifizierbaren Wert, ist
doch gemäss Vertrag ein Erbbaurechtszins geschuldet (vgl. act. 3/3 S. 10 f.
Ziff. III) und im Falle des Heimfalles eine Vergütung für das Erbbaurecht durch
den Grundstückeigentümer zu bezahlen (act. 3/3 S. 8 § 8 letzter Absatz).
4.2.2 Ein schutzwürdiges Interesse an der Übertragung eines Erbbaurechts, be-
züglich dem ein Heimfallsgrund eingetreten ist, ist ohne weiteres zu erkennen.
Fraglich ist, ob die Wiedereintragung im Handelsregister der einzig zumutbare
Weg ist, das angestrebte Ziel zu erreichen.
Der Gesuchsteller verweist bei der Frage nach der Übertragung des Erbbau-
rechts resp. der Grundbuchberichtigung auf das deutsche Recht, was auch unter
Beachtung von Art. 99 Abs. 1 IPRG plausibel ist. Es handelt sich um ein dingli-
ches Recht, welches ein deutsches Grundstück belastet und welches folglich im
deutschen Grundbuch einzutragen ist. Durch den Verweis auf § 873 BGB (Erwerb
- 8 -
durch Einigung und Eintragung) resp. § 894 BGB (Berichtigung des Grundbu-
ches) zeigt der Gesuchsteller auf, dass – unabhängig davon, welche Bestimmung
schliesslich anwendbar ist – auf jeden Fall ein Mitwirken der B._ AG erforder-
lich ist. So ergibt sich aus § 873 BGB , dass zur Übertragung des Erbbaurechts
die Mitwirkung des Erbbauberechtigen notwendig ist, namentlich bedarf es einer
Einigung des Erbbauberechtigten mit dem Grundstückeigentümer. Für die Berich-
tigung des Grundbuches im Sinne von § 894 BGB bedarf es wiederum der Zu-
stimmung desjenigen, dessen Recht durch die Berichtigung betroffen ist. Da die
B._ AG mit Sitz in der Schweiz im schweizerischen Handelsregister aber ge-
löscht ist und damit weder über eine Adresse verfügt, noch eine zur Vertretung
des Unternehmens ermächtige Person vorhanden ist, ist keine freiwillige Willens-
abgabe möglich, und ist eine solche ebenfalls nicht klageweise zu erlangen, was
sich bereits daran zeigt, dass ohne Wiedereintragung der B._ AG schon die
Zustellung der in Deutschland eingereichten Klage unmöglich ist (act. 3/5 u. 3/6).
Damit hat der Gesuchsteller genügend glaubhaft gemacht, dass die Wiederein-
tragung die für ihn einzige Möglichkeit darstellt, an sein Ziel zu gelangen.
4.2.3 Zu erwähnen ist, dass der Gesuchsteller diese Ausführungen zu den an-
wendbaren deutschen Bestimmungen erstmals vor Rechtsmittelinstanz vorbrach-
te. Da es sich dabei um rechtliche Ausführungen handelt, unterstehen diese nicht
dem Novenrecht gemäss Art. 317 ZPO und sind nach dem Grundsatz der
Rechtsanwendung von Amtes wegen zu beachten (vgl. BSK ZPO-SPÜHLER,
3. Aufl., Basel 2017, N 12 zu Art. 317). Das tatsächliche Vorbringen, dass die
Klage in Stralsund mangels Adresse der B._ AG nicht zugestellt werden
konnte, brachte der Gesuchsteller bereits vor Vorinstanz vor.
4.3. Die Voraussetzungen von Art. 164 HRegV sind damit erfüllt. Der Antrag auf
Wiedereintragung der B._ AG im Handelsregister und folglich die gegen den
Entscheid der Vorinstanz erhobene Berufung ist gutzuheissen.
5. Gestützt auf Art. 164 Abs. 3 HRegV hat das Gericht bei Bejahung des
rechtserheblichen Interesses in seinem Entscheid die Wiedereintragung anzuord-
nen und die erforderlichen Massnahmen zu ergreifen. Der wiedereinzutragenden
B._ AG fehlt es an Organen, welche für sie handeln können – es liegt ein
- 9 -
Organisationsmangel im Sinne von Art. 731b OR vor. Ein solcher muss vom Ge-
richt beseitigt werden, bevor die Rechtseinheit wieder eingetragen werden kann
(GWELESSIANI, Praxiskommentar zur Handelsregisterverordnung, 3. Aufl., Zü-
rich/Basel/Genf 2016, N 579 zu Art. 164; RÜETSCHI, a.a.O., N 39 zu Art. 164).
Namentlich erscheint es angezeigt, für die B._ AG einen Sachwalter einzu-
setzen, welcher im Zusammenhang mit der Übertragung des Erbbaurechts für die
wieder einzutragende Gesellschaft und damit soweit erforderlich für die B._
AG handeln kann.
Im Hinblick auf diese erforderlichen Massnahmen und die dabei zutreffen-
den Abklärungen kommt eine direkte Erledigung durch die Kammer nicht in Fra-
ge. Die Vorinstanz hat diesbezüglich noch nicht entscheiden. Die Sache ist daher
an sie zurückzuweisen zwecks Ernennung und Einsetzung eines Sachwalters und
Festlegung der hierzu erforderlichen Rahmenbedingungen. Nach Bestimmung
und Einsetzung eines Sachwalters hat die Vorinstanz die Wiedereintragung der
B._ AG mittels Anweisung an das Handelsregisteramt zu veranlassen.
6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens fällt die Entscheidgebühr ausser An-
satz. Der Gesuchsteller verlangt eine Entschädigung. Hierfür besteht keine ge-
setzliche Grundlage.