Decision ID: 41c22b54-9129-50e6-bcd2-010ea9e32e1e
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass die Beschwerdeführerin am 13. Januar 2021 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte,
dass sie eine Kopie des schweizerischen Ausweises für vorläufig aufge-
nommene Ausländer von B._ (nachfolgend: B._ N [...]; [...]
Staatsangehöriger, seit dem [...] in der Schweiz als Flüchtling vorläufig auf-
genommen) sowie zwei vom 13. Januar 2021 datierende Schreiben von ihr
und B._, wonach sie religiös verheiratet seien und in der Schweiz
zusammenleben möchten, einreichte,
dass die Beschwerdeführerin bei der Personalienaufnahme (PA) vom
18. Januar 2021 angab, sie sei äthiopische Staatsangehörige, stamme aus
C._ und sei seit (...) mit B._ nach Brauch verheiratet,
dass sie vor einer Woche illegal aus Äthiopien ausgereist und via Polen am
12. Januar 2021 in die Schweiz gelangt sei,
dass die Begleitperson ihr ihren Pass weggenommen habe,
dass die Beschwerdeführerin im Rahmen des Dublin-Gesprächs vom
22. Januar 2021 zu Protokoll gab, sie sei in der Nacht vom (...) Januar
2021 illegal mit einem Begleiter aus Äthiopien ausgereist und direkt nach
Polen geflogen, von wo aus sie mit einem Bus in die Schweiz gelangt sei,
dass alles von der Familie organisiert worden sei, sie davon nichts gewusst
habe und auf die Ausreise nicht vorbereitet gewesen sei,
dass sie zwar zu B._ habe gehen wollen, aber von der besagten Art
der Ausreise nichts gewusst habe, und auch nicht wisse, weshalb die Reise
via Polen erfolgt sei,
dass der Begleiter ihr jeweils ein Heft mit ihren Dokumenten gegeben habe,
als sie diese zwei oder drei Mal habe vorweisen müssen,
dass sie auf der Reise keine Fingerabdrücke habe abgeben müssen,
dass es ihr gesundheitlich gut gehe,
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dass sie und B._ schnell hätten heiraten müssen und zur Kirche
D._ in C._ gegangen seien, wo sie von einem Priester und
einem Diakon vermählt worden seien,
dass es von der Trauung kein Dokument gebe,
dass die polnischen Behörden auf Anfrage des SEM am 15. März 2021
mitteilten, die Beschwerdeführerin verfüge über ein vom (...) 2020 bis zum
(...) 2021 gültiges polnisches Visum und sei damit am (...) 2020 in Polen
eingereist, und sie am 16. April 2021 ihre Zustimmung zur Aufnahme der
Beschwerdeführerin erklärten,
dass das SEM der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 20. April 2021
das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der
Möglichkeit der Überstellung nach Polen gewährte und sie aufforderte, das
Heiratsdatum zu nennen und einen Nachweis zu erbringen, dass es sich
bei B._ um ihren Ehemann handle, oder das Fehlen eines solchen
zu begründen,
dass die Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme vom 3. Mai 2021 be-
antragte, von einer Überstellung nach Polen abzusehen,
dass sie und B._, der hierzulande lebe und arbeite, gemeinsam in
der Schweiz leben möchten,
dass sie sich seit vier Jahren kennen würden und seit 2017 eine Beziehung
bestehe,
dass sie bei einem Besuch von B._ in C._ am (...) in der
Kirche D._ im Beisein eines Priesters und eines Diakons geheiratet
und dabei auch Ringe ausgetauscht hätten,
dass sie die Ehe hierzulande offiziell registrieren lassen möchten und des-
halb am 21. April 2021 ein Ehevorbereitungsgesuch eingereicht hätten,
und auch die Stellung eines Gesuchs um Kurzaufenthaltsbewilligung zur
Vorbereitung der Heirat prüfen würden,
dass das SEM mit Verfügung vom 12. Mai 2021 – eröffnet am 14. Mai 2021
– in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asyl-
gesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz nach Polen anord-
nete, die Beschwerdeführerin aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag
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nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, und den Kanton E._
mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragte,
dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-
scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an die Beschwerde-
führerin verfügte,
dass für die Begründung auf die Ausführungen der Vorinstanz in der ange-
fochtenen Verfügung verwiesen wird,
dass die Beschwerdeführerin durch die die rubrizierte Rechtsvertreterin mit
Eingabe vom 21. Mai 2021 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde
erhob, worin um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung sowie um An-
weisung an das SEM, auf das Asylgesuch einzutreten, und eventualiter um
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ersucht wurde,
dass in verfahrensrechtlicher Hinsicht zudem um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses ersucht wurde,
dass des Weiteren beantragt wurde, der Beschwerde sei die aufschie-
bende Wirkung zu erteilen,
dass auf die Beschwerdebegründung, soweit für den Entscheid wesentlich,
in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist,
dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am
25. Mai 2021 in elektronischer Form vorlagen (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG),
dass das Bundesverwaltungsgericht am 25. Mai 2021 den Eingang der Be-
schwerde bestätigte und gleichentags den Vollzug der Wegweisung per
sofort einstweilen aussetzte,

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
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dass die Beschwerdeführerin am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass die von der Beschwerdeführerin in der Rechtsmitteleingabe vom
21. Mai 2021 erhobene verfahrensrechtliche Rüge, wonach das SEM den
Sachverhalt ungenügend abgeklärt habe, indem es keine weiteren Abklä-
rungen (bspw. Befragung des Paars) zum Bestehen einer Ehe respektive
einer Beziehung getätigt habe, nicht zu greifen vermag,
dass das SEM die von der Beschwerdeführerin im Rahmen des Dublin-
Gesprächs vom 22. Januar 2021 gemachten Vorbringen zum Bestehen ei-
ner Beziehung mit B._ gehört und die Beschwerdeführerin, welche
die Substanziierungslast für ihre Vorbringen trägt (Art. 7 AsylG), diesbe-
züglich am 20. April 2021 zu weiteren Angaben sowie zur Einreichung von
Belegen aufgefordert hat, womit es seiner Pflicht zur Sachverhaltserhe-
bung nachgekommen ist,
dass damit keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfügung aus
formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzu-
weisen, weshalb der entsprechende Rückweisungsantrag abzuweisen ist,
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dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass diesbezüglich die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist,
(nachfolgend: Dublin-III-VO) zur Anwendung kommt,
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird,
dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ein-
geleitet wird, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt
wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass gemäss Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO der die Zuständig-
keit prüfende Mitgliedstaat für die Durchführung des Asylverfahrens zu-
ständig wird, falls es sich als unmöglich erweist, einen Antragsteller in den
eigentlich zuständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche
Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-
bedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grund-
rechte der Europäischen Union (ABl. C 364/1 vom 18.12.2000, nachfol-
gend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, und nach den Regeln der
Dublin-III-VO kein anderer zuständiger Mitgliedstaat bestimmt werden
kann,
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dass der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat verpflichtet ist,
einen Antragsteller, der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag ge-
stellt hat, nach Massgabe der Art. 21, 22 und 29 Dublin-III-VO aufzuneh-
men (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO),
dass bei einem Antragsteller, der über ein gültiges Visum verfügt, derjenige
Mitgliedstaat für die Prüfung des Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist, der das Visum erteilt hat (Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO),
dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann,
einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-
ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in
dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht),
dass entweder der Mitgliedstaat, in dem ein Antrag auf internationalen
Schutz gestellt worden ist und der das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaats durchführt, oder der zuständige Mitgliedstaat vor
der Erstentscheidung in der Sache jederzeit einen anderen Mitgliedstaat
ersuchen kann, den Antragsteller aus humanitären Gründen oder zum
Zweck der Zusammenführung verwandter Personen aufzunehmen, wobei
die betroffenen Personen dem schriftlich zustimmen müssen (Art. 17
Abs. 2 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. humanitäre Klausel),
dass Abklärungen des SEM vorliegend ergaben, dass die polnischen Be-
hörden der Beschwerdeführerin ein Visum mit Gültigkeit bis zum (...) 2021
erteilt haben,
dass das SEM die polnischen Behörden deshalb am 23. März 2021 um
Übernahme der Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 12 Dublin-III-VO er-
suchte, und die polnischen Behörden dem Übernahmeersuchen gestützt
auf Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO am 16. April 2021 ausdrücklich zustimm-
ten,
dass die grundsätzliche Zuständigkeit Polens für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens der Beschwerdeführerin somit gegeben
ist,
dass die Beschwerdeführerin die Bestimmung von Art. 9 Dublin-III-VO an-
ruft, gemäss welcher bei einem Antragsteller, der einen Familienangehöri-
gen – ungeachtet der Frage, ob die Familie bereits im Herkunftsland be-
stand – hat, der in seiner Eigenschaft als Begünstigter internationalen
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Schutzes in einem Mitgliedstaat aufenthaltsberechtigt ist, dieser Mitglied-
staat für die Prüfung des Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist,
sofern die betreffenden Personen diesen Wunsch schriftlich kundtun (vgl.
zum Ganzen BVGE 2015/18 E. 3),
dass als Familienangehöriger unter anderem der Ehegatte des Antragstel-
lers oder sein nicht verheirateter Partner gilt, der mit ihm eine dauerhafte
Beziehung führt, soweit nach dem Recht oder nach den Gepflogenheiten
des betreffenden Mitgliedstaats nicht verheiratete Paare ausländerrecht-
lich vergleichbar behandelt werden wie verheiratete Paare (Art. 2 Bst. g
Dublin-III-VO; vgl. dazu BVGE 2015/41 E. 8.1 m.w.H.),
dass sich der Antragsteller gemäss Rechtsprechung direkt auf Art. 9 Dub-
lin-III-VO berufen kann (vgl. BVGE 2015/41 E. 5),
dass aufgrund der vorliegenden Aktenlage keine Zuständigkeit der
Schweiz gestützt auf Art. 9 Dublin-III-VO festzustellen ist,
dass die Beschwerdeführerin und B._ unbestrittenermassen nicht
zivilrechtlich verheiratet sind, und für die geltend gemachte religiöse Trau-
ung, die im (...) anlässlich eines Besuchs von B._ in Äthiopien er-
folgt sei, kein rechtsgenüglicher Nachweis besteht,
dass das Vorbringen der Beschwerdeführerin in der Rechtsmitteleingabe,
wonach religiöse Trauungen in Äthiopien verbreitet seien, zwar durchaus
zutreffen mag, jedoch kein kirchliches Heiratsdokument vorliegt und die zu
den Akten gereichten undatierten Fotografien des Paars eine religiöse Ver-
mählung nicht zu belegen vermögen,
dass die Ausführungen der Beschwerdeführerin in den Befragungen vom
18. und 22. Januar 2021 und der schriftlichen Stellungnahme vom 3. Mai
2021 sowie der Beschwerde vom 21. Mai 2021 auch nicht auf das Führen
einer eheähnlichen dauerhaften Beziehung mit dem seit (...) Jahren in der
Schweiz wohnhaften B._ im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-II-VO
schliessen lassen, und dass auch die besagten undatierten Fotografien
des Paars und der Verweis auf das hierzulande am 21. April 2021 einge-
reichte Gesuch um Ehevorbereitung diesen Beleg nicht zu erbringen ver-
mögen,
dass die Beschwerdeführerin aus Art. 9 i.V.m. Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO
daher keine Rechtsansprüche abzuleiten vermag und die Zuständigkeit
Polens gestützt auf Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO bestehen bleibt,
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dass die Beschwerdeführerin die sich aus der Dublin-III-VO ergebende Zu-
ständigkeit Polens auch mit den weiteren Vorbringen im vorinstanzlichen
Verfahren und den Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe vom 21. Mai
2021 nicht zu negieren vermag,
dass es keine wesentlichen Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfah-
ren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in Polen würden sys-
temische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschli-
chen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–
Grundrechtecharta mit sich bringen,
dass Polen Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nachkommt,
dass auch davon ausgegangen werden darf, dieser Staat anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom
26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben,
dass unter diesen Umständen die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Satz 2
Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt ist,
dass die Beschwerdeführerin mit dem Vorbringen, sie möchte mit
B._ in der Schweiz zusammenleben, und der in diesem Zusammen-
hang erfolgten Berufung auf Art. 8 EMRK, die Anwendung der Ermessens-
klausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive der – das Selbsteintritts-
recht im Landesrecht konkretisierenden – Bestimmung von Art. 29a Abs. 3
der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) fordert,
dass bei einer Gefährdung der Einheit der Familie gemäss Art. 8 EMRK die
Souveränitätsklausel nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO anzuwenden ist
(vgl. BVGE 2013/24 E. 5),
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dass Art. 8 EMRK unter dem Aspekt von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO zu
berücksichtigen ist, soweit eine tatsächlich gelebte Beziehung besteht, wo-
bei diesbezüglich als wesentliche Faktoren das gemeinsame Wohnen res-
pektive der gemeinsame Haushalt, die finanzielle Verflochtenheit, die
Länge und Stabilität der Beziehung sowie das Interesse und die Bindung
der Partner aneinander zu berücksichtigen sind (vgl. GRABENWARTER/PA-
BEL, Europäische Menschenrechtskonvention, 2012, S. 235 f.; MARK E.
VILLIGER, Handbuch der Europäischen Menschenrechtskonvention, 1999,
S. 365; Urteil des EGMR K. und T. gegen Finnland [Grosse Kammer] vom
12. Juli 2001, Nr. 25702/94, § 150),
dass B._, wie zuvor festgestellt, nicht zur Kernfamilie der Be-
schwerdeführerin gemäss Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO zu zählen ist, und in
Übereinstimmung mit der Vorinstanz aufgrund der Aktenlage auch nicht
von einer gefestigten, und bereits längere Zeit tatsächlich gelebten, eng
verflochtenen Beziehung im Sinne von Art. 8 EMRK ausgegangen werden
kann, nachdem die Beschwerdeführerin ihren Angaben zufolge auf die im
Januar 2021 erfolgte Ausreise aus dem Heimatland nicht vorbereitet gewe-
sen sei, und keine Hinweise auf zuvor bestehende Bestrebungen um eine
Familienzusammenführung seit der (angeblich) im Jahr (...) erfolgten reli-
giösen Heirat vorliegen,
dass an dieser Einschätzung auch die mit der Beschwerde eingereichte
Bestätigung vom 17. Mai 2021, wonach B._ für die Kosten eines
Deutschkurses aufkomme, den die Beschwerdeführerin hierzulande seit
Ende April 2021 besuche, nichts zu ändern vermag,
dass zudem hinsichtlich des Ehevorbereitungsverfahrens, das hängig sei,
festzuhalten ist, dass ein solches nicht zwingend die Anwesenheit beider
Brautleute in der Schweiz bedingt (vgl. Art. 62 ff. der Zivilstandsverordnung
vom 28. April 2004 [ZStV, SR 211.112.2]), und dieses durch die Beschwer-
deführerin auch in Polen abgewartet werden kann,
dass damit die Souveränitätsklausel nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO nicht
aufgrund einer Gefährdung der Einheit der Familie anzuwenden ist,
dass es im Weiteren keine Gründe für die Annahme gibt, Polen würde sich
weigern, den Antrag der Beschwerdeführerin auf internationalen Schutz
unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen, oder in
ihrem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und sie zur
Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit
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aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie
Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu wer-
den,
dass die Beschwerdeführerin keine gesundheitlichen Probleme vor-
brachte, und die Mitgliedstaaten im Übrigen den Antragstellern auch die
erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung
und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schwe-
ren psychischen Störungen umfasst, zugänglich machen müssen (Art. 19
Abs. 1 Aufnahmerichtlinie), und den Antragstellern mit besonderen Bedürf-
nissen die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich
erforderlichenfalls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu ge-
währen haben (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie),
dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen
zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine
gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG)
durch die Vorinstanz zu entnehmen sind,
dass das Bundesverwaltungsgericht sich unter diesen Umständen weiterer
Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält,
dass es nach dem Gesagten keinen Grund für eine Anwendung der Ermes-
sensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO gibt und an dieser Stelle festzuhal-
ten bleibt, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-
räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch
BVGE 2010/45 E. 8.3),
dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten ist
und – weil die Beschwerdeführerin nicht im Besitz einer gültigen Aufent-
halts- oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44
AsylG die Überstellung nach Polen angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),
dass unter diesen Umständen allfällige Vollzugshindernisse gemäss
Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen sind, da das
Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nicht-
eintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE
2015/18 E. 5.2 m.w.H.),
dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen ist,
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dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist,
weshalb sich die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung der
Beschwerde und auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
als gegenstandslos erweisen,
dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ab-
zuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägun-
gen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen waren, weshalb die Voraus-
setzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1‒
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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