Decision ID: a6232368-7d3b-4673-8718-b2a132e2fc9a
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) wurde gestützt auf ein Gutachten des Zentrums
für Medizinische Begutachtung (ZMB) Basel vom 31. August 1998, welches ihm
aufgrund einer leichten bis mittelgradigen depressiven Episode eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit attestierte (IV-act. 79-17), mit Verfügung vom 21. Dezember 1998
(IV-act. 89) von der Invalidenversicherung (IV) ab 1. April 1997 eine halbe Rente
zugesprochen. Da sich der Gesundheitszustand des Versicherten verschlechterte,
insbesondere durch die zunehmende Schmerzfehlverarbeitung und psychosomatische
Dekompensation (IV-act. 129-19), sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung
vom 19. September 2002 (IV-act. 138) rückwirkend ab 1. März 2000 eine ganze Rente
zu. Diese wurde in zwei Revisionsverfahren bestätigt (Mitteilungen vom 30. Juni 2005,
IV-act. 146, und vom 14. November 2008, IV-act. 160). Mit Verfügung vom
26. November 2012 stellte die IV-Stelle die Rente im Rahmen der 6. IV-Revision auf
den ersten Tag des zweiten Monats nach deren Zustellung ein (IV-act. 182), wogegen
das Versicherungsgericht 18. Februar 2014 eine Beschwerde dahingehend guthiess,
dass es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache zur Durchführung weiterer
Abklärungen und zur anschliessenden Neuverfügung an die IV-Stelle zurückwies
(Verfahren IV 2013/5, IV-act. 201).
A.a.
Nachdem die IV-Stelle aktuelle medizinische Berichte eingeholt hatte, wurde der
Versicherte in ihrem Auftrag durch das Medizinische Gutachtenzentrum Region St.
Gallen GmbH (MGSG) polydisziplinär begutachtet (Gutachten vom 8. Januar 2015, IV-
act. 226; Dr. med. B._, Facharzt für Orthopädie; Dr. med. C._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie; Dr. med. D._, Facharzt für Innere Medizin). Der
A.b.
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orthopädische Gutachter konnte keine Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit stellen. In der bisherigen Tätigkeit als Dreher und in einer angepassten
Tätigkeit sei der Versicherte mindestens seit September 2013 zu 100 % arbeitsfähig
(IV-act. 226-25). Zu demselben Schluss kam der internistische Gutachter (IV-
act. 226-55). Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1), sowie eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) mit hypochondrischer
Fehlverarbeitung (ICD-10: F45; IV-act. 226-42) und attestierte für die bisherige Tätigkeit
seit Juni 2013 eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % und für eine angepasste Tätigkeit eine
solche von 40 % (IV-act. 226-105 f.). Mit Vorbescheid vom 19. März 2015 kündigte die
IV-Stelle dem Versicherten die Einstellung der Rente an, da sie die Verschlechterung
des Gesundheitszustandes als reaktiv betrachtete, die Förster-Kriterien nicht erfüllt
seien und folglich eine volle Arbeitsfähigkeit annahm (IV-act. 229). Dagegen liess der
Versicherte durch seinen Rechtsvertreter mit Einwand unter anderem geltend machen,
es lägen nicht ausschliesslich unklare Beschwerden vor (vgl. IV-act. 230 und 233).
Aufgrund erhaltener Hinweise, welche das Vorhandensein eines rentenrelevanten
Gesundheitsschadens beim Versicherten in Frage stellten (vgl. IV-act. 269), ordnete die
IV-Stelle eine Observation an (Antrag und Überwachungsauftrag vom 7. Dezember
2016, IV-act. 270 f.). In Würdigung der dabei gewonnenen Informationen (vgl. Bericht
vom 26. April 2017 über die Observationen im Zeitraum vom 23. Januar bis 21. April
2017, IV-act. 273) befand die IV-Ärztin Dr. med. E._, Fachärztin für Neurologie, eine
neue Begutachtung sei indiziert (Stellungnahme vom 24. Mai 2017, IV-act. 275). In der
Folge gab die IV-Stelle ein bidisziplinäres Gutachten in Auftrag (Mitteilung vom 26. Juni
2017, IV-act. 278). Damit zeigte sich der Versicherte nicht einverstanden und forderte
die Vergabe einer polydisziplinären Begutachtung (IV-act. 281; IV-act. 287). Anlässlich
einer stationären Behandlung in der Klinik F._ vom 31. Mai bis 28. Juli 2017 wurden
dem Versicherten eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode (ICD-10: F33.1), eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41), permanente lumbale Schmerzen mit
Ausstrahlung in beide Beine sowie ein chronisches lumbales Schmerzsyndrom mit/bei:
u.a. fortgeschrittener Osteochondrose L5/S1 diagnostiziert (Austrittsbericht vom
4. September 2017, IV-act. 301). Während des Klinikaufenthalts exazerbierte
A.c.
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chronifizierte Schulterschmerzen wurden stationär in der Klinik G._ abgeklärt
(Austrittsbericht eSwiss Medical & Surgical Center AG vom 7. August 2017, IV-
act. 292).
Die IV-Ärztin Dr. E._ nahm am 16. Oktober 2017 zu den Austrittsberichten der
Klinik F._ und des eSwiss Medical and Surgical Center AG Stellung, für
rentenrelevante internistische Erkrankungen ergäben sich keine Hinweise. An der
geplanten bidisziplinären Begutachtung (Psychiatrie und Orthopädie) könne weiter
festgehalten werden (IV-act. 296). Daher hielt die IV-Stelle mit Verfügung vom
16. Oktober 2017 an der vorgesehenen bidisziplinären Abklärung fest (IV-act. 298),
wogegen der Versicherte mit Beschwerde vom 15. November 2017 beantragen liess,
die IV-Stelle sei zu verpflichten, eine polydisziplinäre Abklärung in Auftrag zu geben
und den Gutachtern das Observationsmaterial nicht auszuhändigen (IV-act. 305). Das
Versicherungsgericht wies die Beschwerde mit Entscheid vom 29. Juni 2018 ab
(Verfahren IV 2017/418; IV-act. 321).
A.d.
Mit der Begutachtung wurde die MEDAS Bern (ZVMB GmbH) beauftragt
(Gutachten vom 10. Oktober 2019, IV-act. 332; Dr. med. H._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates; Dr. med. I._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie; Untersuchungen vom 20. März und
2. April 2019). Der Versicherte berichtete anlässlich der Anamneseerhebung, er befinde
sich seit Januar 2019 in stationärer Behandlung in der psychiatrischen Klinik J._ (IV-
act. 333-10, 14; IV-act. 334-5 f., 10). Als die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigend
diagnostizierten die Gutachter ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom, als
die Arbeitsfähigkeit nicht einschränkend unter anderem eine zurzeit kompensierbare
Chondropathie des rechten Kniegelenkes, eine reizlose frühere Überlastung der
Hüftgelenke ohne Nachweis einer degenerativen Veränderung, eine nicht näher
bezeichnete somatoforme Störung (ICD-10: F45.9) sowie eine
Persönlichkeitsakzentuierung und Schwierigkeiten der Lebensbewältigung (ICD-10:
Z73; IV-act. 331-6, 21 f.). Der orthopädische Gutachter schätzte die Arbeitsfähigkeit in
der bisherigen Tätigkeit auf 70 % (bei ganztägigem Pensum) ein; in angepasster
Tätigkeit (im Wesentlichen: mittelschwer, Gewichtslimite 25 kg, im Wechsel zwischen
Gehen, Sitzen und Stehen, ohne Tätigkeiten ausserhalb des Körperlotes, ohne
ständiges Vorneigen des Oberkörpers, ohne ständige Zwangshaltung und ohne
A.e.
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Erschütterungen oder Vibrationen) sei der Versicherte zu 100 % arbeitsfähig (IV-
act. 333-25). Aus psychiatrischer Sicht ergaben sich im Untersuchungsverhalten keine
Hinweise auf affektive oder emotionale Symptome; die geschilderte Einschränkung des
Aktivitätsniveaus konnte weder anamnestisch noch durch das Untersuchungsverhalten
nachvollzogen werden (IV-act. 334-16 f.). Der psychiatrische Experte kam zum
Ergebnis, die Arbeitsfähigkeit sei auch retrospektiv nicht längerfristig eingeschränkt
gewesen (IV-act. 334-19 f.). Die Gutachter fanden erhebliche Inkonsistenzen in Bezug
auf das Verhalten während der Untersuchung (extreme Schmerzempfindlichkeit und
Gegenspannungen im Gegensatz zur frei beobachteten Beweglichkeit [IV-
act. 333-15 f.]), die Objektivierbarkeit der geklagten Beschwerden (vgl. IV-act. 333-21)
und die kognitiven Fähigkeiten (IV-act. 334-13, 17) in Übereinstimmung mit den
Ergebnissen der Observation (IV-act. 332-8; IV-act. 333-24 f.; IV-act. 334-16 f.).
Die IV-Ärztin Dr. E._ legte am 12. Dezember 2019 dar, auf das Gutachten könne
abgestellt werden (IV-act. 335). Der Versicherte hielt sich vom 13. Januar bis
21. Februar 2020 zur stationären Behandlung in der Psychiatrischen Klinik J._ auf.
Die dortigen Behandler diagnostizierten unter anderem eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F33.3;
Austrittsbericht vom 12. März 2020, IV-act. 342). Dr. E._ äusserte sich dazu, die
Diagnose der Behandler stütze sich vorwiegend auf die subjektiven Angaben des
Versicherten, wobei die zu erwartenden objektiven Befunde im Vergleich dazu eher
spärlich ausfielen. Im aktuell eingereichten Bericht würden keine neuen
Einschränkungen, Befunde oder ein neuer Sachverhalt beschrieben, die dem Gutachter
nicht schon bekannt gewesen seien. Es handle sich um eine andere Einschätzung
eines ähnlichen Sachverhaltes (IV-act. 345).
A.f.
Mit Vorbescheid vom 18. Mai 2020 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Einstellung der Rente (IV-act. 346). Hiergegen liess
er durch seinen Rechtsvertreter am 19. Mai 2020 vorsorglich (IV-act. 351) und am
3. Juli 2020 begründet (IV-act. 357) Einwand erheben. Dabei wurde im Wesentlichen
geltend gemacht, die Leiden seien einer Observation nicht zugänglich und in
umfassender Betrachtung sei auch die Heimatlosigkeit und damit verbundene
Vulnerabilität des Versicherten zu berücksichtigen (IV-act. 357-1 f.). Mit dem Einwand
liess der Versicherte einen Bericht von Dr. med. K._, Facharzt u.a. für Rheumatologie,
A.g.
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B.
vom 30. Dezember 2019 (IV-act. 357-8 f.) und einen Sprechstundenbericht von
Dr. med. L._, Facharzt für Chirurgie, vom 21. Oktober 2019 betreffend chronische
Obstipation und neu aufgetretene Unterbauchschmerzen (IV-act. 357-10 f.) einreichen.
Dr. E._ nahm am 9. Juli 2020 dahingehend Stellung, die diagnostizierten
Störungsbilder seien nicht geeignet, eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit zu begründen.
Die Berichte vermöchten weder die gutachterliche Einschätzung in Frage zu stellen
noch eine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes zu begründen (IV-
act. 358).
Mit Verfügung vom 9. Juli 2020 hob die IV-Stelle die Rente unter Beibehaltung des
Zeitpunkts gemäss der Verfügung vom 26. November 2012 per 31. Dezember 2012
auf. Zur Begründung führte sie aus, im Rahmen der Rentenrevision 2012 habe sie den
Rentenanspruch unter Berücksichtigung der Schlussbestimmungen der IV-Revision 6a
geprüft, sei zum Ergebnis gelangt, dass die Zusprache der Leistungen auf syndromalen
Leiden basiert habe und habe die Rente mit Verfügung vom 26. November 2012
eingestellt. Mit Urteil vom 18. Februar 2014 habe das kantonale Versicherungsgericht
bestätigt, dass die Rentenzusprache auf syndromalen Leiden beruhte, habe aber die
Verfügung der IV-Stelle zwecks Klärung des aktuellen Gesundheitszustandes
aufgehoben. Für die Beurteilung des Leistungsanspruchs sei das bidisziplinäre
Gutachten vom 10. Oktober 2019 massgebend. Aus medizinischer Sicht habe keine
Diagnose gestellt werden können, welche die Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit
einschränke. Der medizinische Sachverhalt sei mehrfach und ausführlich abgeklärt
worden und verschiedene Experten hätten Stellung dazu bezogen. Die neu
eingereichten Berichte seien von der IV-Ärztin gewürdigt worden und lieferten keine
neuen Erkenntnisse (IV-act. 359).
A.h.
Gegen die Verfügung vom 9. Juli 2020 lässt der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer), weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. K. Glavas, am
14. August 2020 Beschwerde erheben. Er beantragt, die angefochtene Verfügung sei
unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und es sei ihm mindestens eine
halbe Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben
und es sei eine polydisziplinäre Abklärung unter Einschluss der somatischen
B.a.
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Beschwerden in Auftrag zu geben. Sodann sei ihm für das Beschwerdeverfahren die
unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu gewähren. In formeller
Hinsicht rügt er die Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, des rechtlichen Gehörs
und der Begründungspflicht sowie des Gleichbehandlungsgebots, da die somatischen
Beschwerden in der Alternativbegründung nicht berücksichtigt worden seien. Das
Gutachten äussere sich zur Arbeitsfähigkeit erst ab September 2013, ab Wirksamkeit
der Renteneinstellung per 31. Dezember 2012 bis zu diesem Zeitpunkt fehle eine
Einschätzung, weshalb eine polydisziplinäre Expertise einzuholen sei. Es würden
bedeutsame somatische Leiden negiert oder bagatellisiert; so die Folgen der
Nierenoperation 1992, die durch eine Bluttransfusion erfolgte Erkrankung an einer
Hepatitis, die Rückenoperationen und -beschwerden, Ekzeme, die beinahe tödlich
verlaufene Prostata-Ektomie, Schulterbeschwerden und Hüftgelenksarthrosen. Selbst
wenn auf das Gutachten abgestellt werde, resultiere bei einem Tabellenlohnabzug von
15 % ein Anspruch auf eine halbe Rente. Der Versicherte beantragt den Beizug
sämtlicher Krankenakten des Hausarztes Dr. med. M._, Facharzt für
Allgemeinmedizin, ein Gerichtsgutachten und die Befragung von Dr. L._ als
sachverständiger Zeuge zu den Schulterbeschwerden (act. G 1). Neu reicht er Berichte
von Dr. med. N._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, vom 23. Juni und vom 22. Juli 2020 ein (act. G 1.4).
Mit Beschwerdeantwort vom 29. Oktober 2020 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie vor, es sei nicht kohärent,
dass ein formeller Mangel aus der inhaltlichen Fehlerhaftigkeit der Verfügung abgeleitet
werde. Am vom Versicherungsgericht im Entscheid vom 29. Juni 2018 festgestellten
Vorliegen einer aussagekräftigen internistischen Aktenlage habe sich nichts geändert.
Aufgrund der Inkonsistenzen sei medizin-theoretisch anzunehmen, dass drei Monate
nach der Operation vom 16. Mai 2013 in adaptierten Tätigkeiten wieder eine
Arbeitsfähigkeit vorlag. Es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen,
dass der Beschwerdeführer im Kontext mit der am 26. November 2012 angeordneten
Renteneinstellung zusätzlich motiviert gewesen sei, seine Beschwerden akzentuiert
und überhöht darzustellen. Dr. E._ sei in ihrer Stellungnahme vom 12. Dezember
2019 zum Schluss gekommen, dass damals in einer rückenadaptierten Tätigkeit keine
anhaltende und relevante Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Damit sei die
B.b.
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Renteneinstellung per Ende 2012 rechtens. Die am 15./18. Mai 2018 durchgeführte
Prostata-Ektomie habe gemäss Akten nicht zu einer nachhaltigen Arbeitsunfähigkeit
geführt. Anhaltende diesbezügliche Beschwerden seien nicht geltend gemacht worden.
Die Schulter- und Hüftbeschwerden seien bei der orthopädischen Begutachtung
berücksichtigt worden (act. G 8).
Die zuständige Richterin bewilligt dem Beschwerdeführer am 9. November 2020
die unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung; act. G 9).
B.c.
Mit Replik vom 30. November 2020 bringt der Beschwerdeführer vor, die
Beschwerdegegnerin habe mit ihren Ausführungen in der Beschwerdeantwort die
Ausführungen und Vorbringen der Beschwerde nicht widerlegt, sondern diesen
stillschweigend zugestimmt. Aus den eingereichten Berichten gehe hervor, dass die
Beschwerdegegnerin die Folgen der HWS-Degeneration, der chronifizierten
Schulterschmerzen beidseits, der arteriellen Hypertonie, der Nephrektomie, der
chronischen Hepatitis B, der Hüftgelenksarthrose beidseits und der Thoraxschmerzen
in einer Gesamtschau hätte berücksichtigen müssen, was sie jedoch nicht getan habe.
Es werde eine polydisziplinäre Abklärung am ZMB Basel vorgeschlagen. Bezüglich des
Zeitraumes von Januar bis Ende 2013 seien die medizinisch-theoretischen
Überlegungen nicht massgebend. Es sei ihm bereits im Jahr 2008 eine Spondylodese
empfohlen worden, weshalb der Sachverhalt ab diesem Zeitpunkt ebenfalls abgeklärt
werden müsse. In formeller Hinsicht beantragt er die Befragung von Dr. med. O._,
Facharzt für Neurochirurgie, und Dr. med. P._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, als sachverständige Zeugen (act. G 11).
B.d.
Mit Duplik vom 13. Januar 2021 macht die Beschwerdegegnerin geltend, im vor
liegenden Verfahren habe das angerufene Gericht den Sachverhalt von Amtes wegen
festzustellen, weshalb sie weder eine Behauptungs- noch eine Bestreitungslast trage.
Aus den eingereichten Berichten ergäben sich keine Hinweise auf invalidisierende
Leiden oder Verschlechterungen der Befunde seit der Begutachtung. Dr. P._
beschreibe am 19. Juni 2020 eine seit dem Austritt aus der psychiatrischen Klinik J._
am 12. März 2020 verbesserte Situation. Die abweichende Beurteilung sei auf die
unterschiedliche Stellung behandelnder und begutachtender Ärzte und die
B.e.
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Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Berücksichtigung invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanter psychosozialer
Belastungsfaktoren zurückzuführen (act. G 13).
Der Beschwerdeführer legt am 18. Oktober 2021 einen Bericht von Dr. med. Q._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie, ins Recht. Demnach liege ein Status nach Hüft-
TP im März 2021 mit seitherigen belastungsabhängig sehr starken Schmerzen vor.
Aufgrund der Untersuchung sei eine Schaftinstabilität zu vermuten und ein
Schaftwechsel notwendig (act. G 15).
B.f.
Die Beschwerdegegnerin weist in einer Stellungnahme vom 8. November 2021
darauf hin, dass sich dieser Sachverhalt erst lange nach dem Erlass der angefochtenen
Verfügung verwirklicht habe (act. G 17). Am 7. Dezember 2021 lässt der
Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin und dem Versicherungsgericht den
entsprechenden Austrittsbericht der Orthopädie Rosenberg vom 3. Dezember 2021
betreffend die Hüftgelenksrevision mit Schaftwechsel vom 26. November 2021
zukommen (act. G 20).
B.g.
Das Versicherungsgericht ersucht den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am
21. Februar 2022 um Stellungnahme zur Frage, ob mit dem Antrag um Durchführung
einer mündlichen Verhandlung eine publikumsöffentliche Verhandlung im Sinn der
Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten oder eine mündliche
Parteibefragung im Sinn eines Beweisantrags ersucht wird (act. G 21). Hierauf
antwortete der Rechtsvertreter am 22. Februar 2022, dies überlasse er dem Gericht.
Nach wie vor halte er für sinnvoll, dass sich dieses ein konkretes Bild vom
Beschwerdeführer via Befragung der behandelnden Mediziner mache. Er ziehe eine
solche Befragung vor, die sich jedoch erübrigen würde, wenn das Gericht zur
Überzeugung gelangen sollte, dass ohnehin eine Neubegutachtung durchzuführen sei
(act. G 22).
B.h.
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Erwägungen
1.
Nach Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) hat jedermann Anspruch darauf, dass seine Sache in
billiger Weise öffentlich und innerhalb einer angemessenen Frist von einem
unabhängigen und unparteiischen, auf Gesetz beruhenden Gericht gehört wird, das
über zivilrechtliche Ansprüche und Verpflichtungen oder über die Stichhaltigkeit der
gegen ihn erhobenen strafrechtlichen Anklage zu entscheiden hat. Vorliegend sind
zivilrechtliche Ansprüche im Sinne dieser Norm streitig. Das kantonale Gericht,
welchem es primär obliegt, die Öffentlichkeit der Verhandlung zu gewährleisten, hat bei
Vorliegen eines klaren und unmissverständlichen Parteiantrags grundsätzlich eine
öffentliche Verhandlung durchzuführen (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Januar 2021,
8C_495/2020, E. 2.1, mit weiteren Verweisen). Einen solchen expliziten Antrag hat der
Beschwerdeführer weder in der Beschwerdeschrift oder der Replik noch auf Nachfrage
mit Schreiben vom 22. Februar 2022 gestellt. Somit kann konkludent davon
ausgegangen werden, dass auf eine öffentliche Verhandlung im Sinne der EMRK zu
verzichten ist.
2.
In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer, die Negierung bzw.
Bagatellisierung der somatischen Beschwerden verstosse gegen den Anspruch auf
Wahrung des rechtlichen Gehörs (Begründungspflicht), den Untersuchungsgrundsatz
sowie gegen das Gleichbehandlungsgebot und das Diskriminierungsverbot der EMRK
(act. G 1).
2.1.
Der in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101), in Art. 42 ATSG sowie in Art. 49 Abs. 3 ATSG
verankerte Anspruch auf Wahrung des rechtlichen Gehörs beinhaltet, dass sich der
Versicherungsträger mit den Vorbringen der Partei inhaltlich auseinandersetzt und
angibt, weshalb er diese nicht für erheblich hält, ihnen nicht folgt oder sie nicht
berücksichtigt. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von
denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Der
Anspruch ist gewahrt, wenn die Begründung eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht.
Nicht erforderlich ist, dass sich die Verwaltung vorgängig mit jedem einzelnen
Parteivorbringen einlässlich befasst (vgl. BGE 136 I 188 E. 2.2.1; Urteil des
Bundesgerichts vom 10. Februar 2017, 8C_785/2016, E. 5.2; U. Kieser, ATSG-
2.2.
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3.
Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 7 zu Art. 42, N 66 zu Art. 49). Die
sozialversicherungsrechtliche Rechtsprechung lässt eine Heilung einer nicht besonders
schwerwiegenden Gehörsverletzung zu, wenn die betroffene Person die Möglichkeit
hat, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie
auch die Rechtslage frei überprüfen kann (U. Kieser, a.a.O., N 15 zu Art. 42).
Aus der angefochtenen Verfügung geht hervor, dass der Rentenanspruch des
Beschwerdeführers auf einem syndromalen Beschwerdebild beruhe und daher im
Rahmen der Rentenrevision neu zu prüfen sei. In Nachachtung des Urteils des
Versicherungsgerichts vom 18. Februar 2014 wurde der Beschwerdeführer
begutachtet. Anschliessend wurde er observiert und erneut bidisziplinär begutachtet.
Schliesslich wurde das Gutachten vom 10. Oktober 2019 für die Beurteilung des
Leistungsanspruchs als massgebend erachtet (IV-act. 359). Damit ist die
Beschwerdegegnerin der Untersuchungspflicht nachgekommen und dem
Beschwerdeführer war eine sachgerechte Anfechtung möglich. Eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs liegt folglich nicht vor. Die Rüge des Beschwerdeführers, die
Beschwerden seien von den Gutachtern nicht adäquat gewürdigt worden, betrifft die
Vollständigkeit bzw. Nachvollziehbarkeit des Gutachtens, worauf im Folgenden (Erw. 4)
einzugehen sein wird. Auch die Frage nach der Verletzung des
Gleichbehandlungsgebotes erschöpft sich soweit ersichtlich darin, als der
Beschwerdeführer durch eine nicht alle Leiden berücksichtigende Einschätzung
gegenüber anderen Beeinträchtigten in ungerechtfertigter Weise schlechter gestellt
wäre.
2.3.
Zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die dem Beschwerdeführer mit
Verfügung vom 19. September 2002 zugesprochene ganze Rente (IV-act. 138) mit der
angefochtenen Verfügung vom 9. Juli 2020 zu Recht per 31. Dezember 2012 eingestellt
hat. Die Beschwerdegegnerin stützt die Rentenaufhebung auf lit. a Abs. 1 der
Schlussbestimmungen der Änderung des IVG vom 18. März 2011 (6. IV-Revision,
erstes Massnahmenpaket; nachfolgend: Schl.Best. IVG). Danach werden Renten, die
bei pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne
nachweisbare organische Genese gesprochen worden sind, innerhalb von drei Jahren
seit Inkrafttreten dieser Gesetzesänderungen überprüft, wobei die Rente herabzusetzen
oder aufzuheben ist, wenn die Voraussetzungen von Art. 7 ATSG nicht erfüllt sind.
3.1.
Das Versicherungsgericht erwog im Entscheid vom 18. Februar 2014 (IV 2013/5;
IV-act. 201, E. 2.1), die Zusprache der Rente im Jahr 1998 und deren Erhöhung im Jahr
2002 beruhten massgeblich auf psychosomatischen Beschwerden.
3.2.
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4.
Abs. 1 von lit. a Schl.Best. IVG findet unter anderem keine Anwendung auf
Personen, die im Zeitpunkt, in dem die Überprüfung eingeleitet wird, seit mehr als 15
Jahren eine Rente der Invalidenversicherung beziehen (lit a Abs. 4 Schl.Best. IVG).
Vorliegend erfolgte die Vortriage betreffend die 6. IV-Revision am 23. Februar 2012 (IV-
act. 163). Damit war die Überprüfung zu einem Zeitpunkt eingeleitet, in dem seit dem
Entstehen des Anspruchs auf eine halbe Rente per 1. April 1997 (IV-act. 89) noch keine
15 Jahre vergangen waren. Der Revisionsgrund ist somit gegeben und auch
unbestritten.
3.3.
Am 1. Januar 2022 sind mit der Revision zur Weiterentwicklung der
Invalidenversicherung verschiedene Änderungen des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) und der dazugehörigen Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in Kraft getreten. In zeitlicher Hinsicht sind
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu
Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben. Da vorliegend ein vor dem
1. Januar 2022 beginnender Rentenanspruch im Streit liegt, finden die neuen
Bestimmungen auf das hier zu beurteilende Rentengesuch keine Anwendung (siehe
auch Kreisschreiben des Bundesamts für Sozialversicherungen über Invalidität und
Rente in der Invalidenversicherung, gültig ab 1. Januar 2022, Rz 9100 f.). Sie werden
deshalb in dieser Fassung zitiert.
4.1.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
4.2.
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 141 V 289 E. 3.2).
Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden objektiviert werden
können und sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken (vgl. BGE 143 V 427
4.3.
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E. 6). Für somatisch unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und
vergleichbare Diagnosen) und psychische Erkrankungen (wie namentlich Depressionen
und Abhängigkeitserkrankungen) ist der Beweis nach dem strukturierten Verfahren
mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 145 V 226 E. 6; BGE 143 V 429 E. 7.2;
BGE 141 V 294 f., E. 3.5 f. und S. 298, E. 4.2). Der Beweis für eine lang andauernde
und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet
betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen
einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143
V 427, E. 6 a. E.).
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der bis Ende 2021 gültig gewesenen Fassung) besteht
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente,
wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu
40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
4.4.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Die urteilenden Instanzen
haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
gemäss Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -
4.5.
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5.
Der angefochtenen Verfügung liegt das Gutachten der ZVMB GmbH vom 10. Oktober
2019 zugrunde. Im Folgenden ist dessen Beweistauglichkeit zu prüfen.
ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227
E. 1.3.4; Urteil des Bundesgerichts vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3).
Die Rechtsanwender prüfen insbesondere, ob Ärztinnen oder Ärzte ausschliesslich
funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folge der gesundheitlichen
Beeinträchtigung sind (Art. 7 Abs. 1 erster Satz ATSG), sowie, ob die
versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektiver Grundlage erfolgt
ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG). Berücksichtigen die Fachleute die in BGE 141 V
281 normierten Beweisthemen überzeugend, hat ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung auch
aus Sicht des Rechtsanwenders Bestand. Andernfalls liegt ein triftiger Grund vor, der
rechtlich ein Abweichen davon gebietet (BGE 145 V 368 f., E. 4.3).
4.6.
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Rechtserheblich sind alle
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das
Versicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Ueli Kieser, a.a.O.,
N 107 zu Art. 61).
4.7.
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
4.8.
Vorab rügt der Beschwerdeführer die (vorgesehene) Verwendung des
Observationsmaterials für die Begutachtung (Beschwerde vom 15. November 2017, IV-
act. 305). Das Versicherungsgericht führte im abweisenden Entscheid vom 29. Juni
2018 aus, die Observationsergebnisse seien zwar unrechtmässig erhoben worden,
5.1.
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jedoch sei der Eingriff in die Grundrechte gering und die Verwertbarkeit nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung daher zulässig (IV 2017/418, IV-act. 321, E. 3).
Darauf kann ohne Weiterungen verwiesen werden.
5.2.
Im Rahmen der orthopädischen Begutachtung wurden MRI-Untersuchungen der
HWS, des Knies rechts, der LWS und der Schulter rechts angefertigt (IV-act. 333-18 f.,
33 ff.). Der orthopädische Gutachter hielt dazu fest, die Befunde an der LWS und der
Schulter rechts seien weitgehend unverändert, eine Belastbarkeit der LWS sei weiterhin
gegeben. Zu den klinischen Untersuchungen führte er aus, der Beschwerdeführer habe
bei der Untersuchung eine extreme Schmerzempfindlichkeit mit Gegenspannungen
gezeigt. Bei der Untersuchung der Halswirbelsäule habe er eine Schmerzauslösung
angegeben, danach eine Pause verlangt und sich geweigert, sich erneut in Rückenlage
hinzulegen, so dass die Untersuchung der Knie, Sprunggelenke und Füsse im Sitzen
habe erfolgen müssen. Beim Ein- und Auskleiden habe er sich abstützen müssen, habe
aber die Arme normal einsetzen und sich zum An- und Ausziehen der Strümpfe und
Schuhe im Sitzen nach vorne neigen können. Weitere Untersuchungen der Wirbelsäule
und der Hüftgelenke erlaubten zufolge Gegenspannung und beinahe Blockadehaltung
nur eine begrenzte bis nicht mögliche Durchführbarkeit der Funktionsprüfung und
Verwertbarkeit der Befunde (IV-act. 333-15 ff.). Die Gegenspannungen seien im
gezeigten Masse nicht bzw. nur zum Teil nachvollziehbar (vgl. IV-act. 333-17, 19). Bei
entspannter Lage sei die Muskulatur der HWS weich gewesen (IV-act. 333-16). Trotz
erheblicher Gegenspannung bei der Funktionsprüfung der Schultergelenke habe passiv
eine weitgehend freie Funktion ohne harten Widerstand bei den
Bewegungsausschlägen festgestellt werden können. Aktiv im rechten Schultergelenk
habe sich eine schmerzbedingte Einschränkung und eine gegenüber links etwas
verminderte Kraftentfaltung gezeigt; die Funktion des linken Schultergelenks sei relativ
gut gewesen. Ein typischer Stauchungs- und Extensionsschmerz oder ein
schmerzhafter Bogen sei nicht festzustellen gewesen. Bei der Exploration der
Hüftgelenke habe bei Gegenspannung und leicht verspannter Oberschenkelmuskulatur
eine altersentsprechend weitgehend freie Funktion festgestellt und ein Extensions-,
Stauchungs- oder Ansatzschmerz nicht provoziert werden können (IV-act. 333-16). In
den Kniegelenken habe sich bei rechts ganz leicht vermindertem Gleitspiel der Patella
und beidseits verminderter Syndesmose zwischen Wadenbein- und Schienbeinkopf
eine weitgehend freie Funktion gefunden (IV-act. 333-17). Zusammenfassend führte der
orthopädische Gutachter aus, es sei sicher glaubhaft, dass die Versteifung L4 bis S1 zu
Funktionseinschränkungen in der Lendenwirbelsäule geführt habe, die durch die
5.2.1.
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darüber liegenden Segmente nicht komplett kompensiert werden könnten. Es sei aber
eine knöcherne Konsolidierung der Versteifung auch durch die jetzigen Aufnahmen mit
unauffälliger lmplantatlage dokumentiert worden. Die Funktion im Bereich der
Halswirbelsäule und ebenso in den Schultergelenken sei gut. Auch die Kniegelenke
seien frei beweglich. Es könne keine Muskelminderung belegt werden, die Hinweise auf
die Schonung einer Extremität gebe. Die neuen radiologischen Befunde bestätigten
einen stationären Zustand, so dass die angegebenen subjektiven Beschwerden nicht
nachvollzogen werden könnten. Es dürfte eine erhebliche Überbetonung und
Aggravation vorliegen; das Funktionsausmass und die Belastbarkeit seien wesentlich
höher anzunehmen als gezeigt. Lediglich aufgrund der Spondylodese L4/S1 sei eine
Funktionseinschränkung in der LWS anzunehmen (IV-act. 333-21).
Hinsichtlich der geltend gemachten lumbalen Beschwerden entspricht die
Beurteilung des orthopädischen Gutachters derjenigen des Gutachtens vom 8. Januar
2015, wonach das Ausmass der geltend gemachten lumbalen Beschwerden durch die
Befunde nicht erklärt werden könne und der Beschwerdeführer mindestens seit
September 2013 sowohl in der bisherigen als auch in einer adaptierten Tätigkeit zu
100 % arbeitsfähig sei vgl. (IV-act. 226-13, 24 f.). Eine seitherige objektive
Verschlechterung der LWS-Befunde lässt sich insbesondere dem Verlaufsbericht von
Dr. M._ vom 1. Mai 2016 (IV-act. 260-2 ff.), dem Bericht von Dr. O._ vom
20. Januar 2016 (IV-act. 260-5 f.), dem Austrittsbericht der Klinik F._ vom
4. September 2017 (IV-act. 301) und dem Bericht von Dr. med. R._, Fachärztin für
Neurochirurgie, vom 27. Februar 2018 (IV-act. 332-30 f) nicht entnehmen. Der MRI-
Befund vom April 2020 zeigte sich gegenüber dem Befund aus dem Vorjahr im
Wesentlichen unverändert (Bericht Dr. O._ vom 14. August 2020, act. G 11.2).
Nachfolgend zur Begutachtung hielt der Rheumatologe Dr. K._ im Bericht vom
30. Dezember 2019 fest, der Beschwerdeführer leide an einem myofaszialen
Schmerzsyndrom der Lenden-, Becken- Hüftregion sowie der Flankenmuskulatur und
einer Dysfunktion des Sakroilikalgelenkes beidseits mit Übertragungsschmerz. Die
rheumatologische Untersuchung erfolgte etwa ein Dreiviertel Jahr nach der
Begutachtung (IV-act. 357-8 f.). Dessen Auswirkungen wurden vom orthopädischen
Gutachter unter der Diagnose eines chronischen lumbovertebralen Schmerzsyndroms
berücksichtigt. Zudem äusserte sich die IV-Ärztin Dr. E._ diesbezüglich dahingehend,
grundsätzlich sei dieses Leiden per se nicht geeignet, eine anhaltende
Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Überdies seien Behandlungsoptionen vorhanden
(Stellungnahme vom 9. Juli 2020, IV-act. 358). Die lumbalen Schmerzen konnten
demnach grösstenteils durch sämtliche beteiligten Fachärzte nicht objektiviert werden.
5.2.2.
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In Berücksichtigung der zweimaligen Operationen formulierte der orthopädische
Gutachter ein Fähigkeitsprofil (IV-act. 333-23). Eine adaptierte Tätigkeit hielt der
Gutachter medizinisch-theoretisch drei Monate nach der Operation am 16. Mai 2013
wieder für möglich (IV-act. 333-26). Damit sind die zeitlichen Erfordernisse gemäss
Art. 88a IVV nicht erfüllt.
Im Zuge der Abklärung von während des Aufenthalts in der Klinik F._
exazerbierten Schulterschmerzen ergab eine MRI-Untersuchung vom 31. Juli 2017 eine
ausgeprägte, mehrsegmentale Facettengelenksarthrose sowie eine leichte
Unkovertebralarthrose und Osteochondrose der HWS. Diese degenerativen
Veränderungen wurden als Ursache der Schulterschmerzen vermutet (Austrittsbericht
eSwiss Medical & Surgical Center vom 7. August 2017, IV-act. 292). Die Befunde
betreffend Schulter / HWS wurden vom Gutachter gewürdigt und nachvollziehbar und
in Übereinstimmung mit Dr. N._ (Bericht vom 22. Juli 2020; act. G 11.1) als
unverändert beurteilt.
5.2.3.
Bezüglich der Hüftgelenke lag dem Gutachter der Bericht von Dr. R._ vom
27. Februar 2018 (IV-act. 332-30 f.) vor (IV-act. 333-10). Zwar war die klinische
Funktionsprüfung durch die Gegenspannung des Beschwerdeführers eingeschränkt
möglich. Dennoch stellte der Gutachter eine altersentsprechend weitgehend freie
Funktion fest (IV-act. 333-16). Im Röntgenbefund vom 22. Juli 2020 zeigt sich eine
Progredienz der Coxarthrosen im Vergleich zur CT-Untersuchung vom 22. Mai 2018
(act. G 11.1). Gemäss Bericht von Dr. Q._ vom 7. Oktober 2021 wurde dem
Beschwerdeführer im März 2021 eine Hüft-TP rechts eingesetzt, wonach sich eine
Schaftinstabilität einstellte, die eine Reoperation notwendig machte (act. G 15.1).
5.2.4.
Die richterliche Überprüfung einer Verwaltungsverfügung ist grundsätzlich auf
den bis zum Zeitpunkt des Erlasses dieser Verfügung eingetretenen Sachverhalt
beschränkt. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind soweit zu
berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang
stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Abschlusses des
Verwaltungsverfahrens zu beeinflussen (BGE 131 V 243 E. 2.1; BGE 129 V 4 E. 1.2 und
Urteil des Bundesgerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.1, mit Verweisen).
Dr. O._ hielt im Bericht vom 14. August 2020 fest, die Bilder von Ende Juli 2020
zeigten ein "gewisses Ausmass" von Coxarthrose, das er nicht beurteilen könne
(act. G 11.2). Von einem Befund bzw. von Beschwerden, die Indikation für die spätere
Hüftgelenksimplantation bildeten, oder von einer seit der Begutachtung erfolgten
Behandlung war damals noch nicht die Rede. Somit ist nicht davon auszugehen, dass
5.2.5.
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die Hüftbeschwerden im Zeitpunkt der Verfügung bereits massgeblichen Einfluss auf
die Funktionalität bzw. die Arbeitsfähigkeit hatten. Sofern sich die Verschlechterung
nach der Hüft-TP-Operation vom März 2021 als weiterhin andauernd erweisen sollte,
wäre es dem Beschwerdeführer unbenommen, ein neues Leistungsgesuch bei der
Beschwerdegegnerin einzureichen.
5.3.
Schliesslich bemängelt der Beschwerdeführer, gesamtbetrachtend seien die
Folgen der Nierenentfernung im Jahr 1992, die Hepatitisinfektion, Hautekzeme sowie
ein Prostata-Leiden mit Operationskomplikation zu würdigen, und beantragt ein auch
diese internistischen Aspekte abdeckendes Gerichtsgutachten.
5.3.1.
Ein serologisch nachgewiesener Status nach Hepatitis A und B ist erstmalig im
Bericht vom 23. Februar 1993 der Klinik B für Innere Medizin der Kantonsspitals
St. Gallen (KSSG) aktenkundig (IV-act. 7-13 f., 16). Eine deswegen bestehende
längerfristige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit wurde in den ganzen Akten nicht in
Betracht gezogen.
5.3.2.
Beim Beschwerdeführer wurden verschiedentlich Bauch- und Verdauungs
beschwerden abgeklärt, ohne dass eine organische Ursache gefunden werden konnte,
so dass diese als psychosomatisch bzw. funktionell betrachtet wurden (vgl. dazu
Gutachten vom 6. Dezember 1995, IV-act. 45 S. 4 f. und S. 15 f.; Verlaufsgutachten
vom 31. August 1998, IV-act. 79 S. 8, 11; Verlaufsgutachten vom 19. März 2002, IV-
act. 129-12, 17 f.). Die Beschwerden wurden insbesondere auch nicht einer
festgestellten schweren Lebersteatose zugeordnet (Austrittsberichte der Klinik für
Innere Medizin Spital S._ vom 12. November 1999, IV-act. 105-2 ff., und vom 3. Mai
2005, IV-act. 143-3 f.). Vom 28. April bis 3. Mai 2005 erfolgte eine weitere stationäre
Abklärung unklarer, exazerbierter Abdominalbeschwerden. Diese wurden als am
ehesten durch das lumbovertebragene Schmerzsyndrom oder durch die
Reizdarmbeschwerden bedingt betrachtet (Austrittsbericht Spital S._). Nachgängig
zum Gutachten vom 10. Oktober 2019 berichtete Dr. L._ am 21. Oktober 2019 über
eine diagnostische Laparoskopie und Adhäsiolyse am 21. Juni 2019 bei neu
aufgetretenen rechts- und linksseitiger Unterbauchschmerzen bei chronischem
Obstipationssyndrom bzw. Koprostase. Die Behandlung wurde mit Vorschlägen zur
Änderung der Medikation abgeschlossen (IV-act. 357-10 f.). Sodann wurde offenbar im
März 2020 wegen einer abdominellen Infektion ein Spitalaufenthalt notwendig (Bericht
Dr. O._ vom 14. August 2020, act. G 11.2). Anhaltspunkte für eine längerdauernde
5.3.3.
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Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergeben sich indes aus den Berichten der
Dres. L._ und O._ nicht.
Beim Beschwerdeführer wurde am 18. Mai 2018 aufgrund einer benignen
Prostatahyperplasie eine transurethrale Prostataresektion vorgenommen. Aus den mit
der Replik eingereichten Berichten geht hervor, dass es nach dem Eingriff zu einer
Blasenblutung/Blasentamponade kam (vgl. Austrittsbericht Spital S._ vom 22. Mai
2018 und Operationsberichte vom 18. und 29. Mai 2018, act. G 11.1). Zwar scheint
verständlich, dass die Komplikation beim Beschwerdeführer zu existentiellen Ängsten
führte. Dass diese aber eine längerfristige Arbeitsunfähigkeit nach sich gezogen hätte,
ergibt sich weder aus einem Bericht der behandelnden Ärzte noch wurden im Rahmen
der Begutachtung 2019 Beschwerden vorgetragen.
5.3.4.
Gemäss dem Bericht der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergiologie
des KSSG vom 19. August 2019 leidet der Beschwerdeführer an einer Erythrosis
interfollicularis colli und einer klinischen Minimalform einer Seborrhiasis capitis. Beim
hartnäckigen therapierefraktären und bislang nicht sicher eingeordneten Befund im
Hals-, Schulter- und Brustbereich handle es sich um einen chronischen Lichtschaden.
Es sei ein konsequenter UV-Schutz zu empfehlen (act. G 11.1). Dass sich daraus unter
Anwendung von UV-Schutzmassnahmen bzw. für Arbeiten in Gebäuden eine
quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergeben könnte, erscheint nicht
nachvollziehbar.
5.3.5.
Nach dem Gesagten erweist sich das Gutachten in somatischer Hinsicht als
vollständig; die Arbeitsfähigkeit längerfristig beeinträchtigende organische Korrelate der
Beschwerden konnten nicht objektiviert werden. Objektive Gesichtspunkte, die
geeignet sind, die gutachterliche Einschätzung in Frage zu stellen, ergeben sich aus
den Berichten der behandelnden Ärzte nicht und deren mündliche Befragung durch
das Gericht ist nicht nötig. In somatischer Hinsicht kann demnach auf das ZVMB-
Gutachten vom 10. Oktober 2019 abgestellt werden.
5.3.6.
5.4.
Im psychiatrischen Gutachten vom 10. Oktober 2019 hielt der psychiatrische
Fachexperte fest, der Eindruck und das Ergebnis des Hamilton Fragebogens sprächen
gegen das Vorhandensein einer Depression (IV-act. 334-13). Im
Untersuchungsverhalten seien ein demonstratives Klageverhalten und das
Herausstellen bestimmter Beschwerden aufgefallen. Es hätten sich keine Hinweise auf
affektive oder emotionale Symptome ergeben (IV-act. 334-16). Es bestünden
5.4.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 20/26
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verschiedene Unstimmigkeiten: So spreche das Resultat eines
Symptomvalidierungstests mit verdeckter Leichtigkeit zusammen mit der
psychiatrischen Untersuchung für ein suboptimales Antwortverhalten, müsste sonst
doch eine schwere Demenz vorliegen (IV-act. 334-13, 18). Im Gegensatz zur
orthopädischen Begutachtung habe der Beschwerdeführer ihm gegenüber detaillierte
biografische Daten nicht angeben können (IV-act. 334-17). Der Beschwerdeführer
schilderte anlässlich der Begutachtung, er sei seit zwei Monaten in stationärer
Behandlung in der Psychiatrischen Klinik J._, nicht nur wegen der Depression,
sondern speziell wegen der Schmerzen. Anlass zum Klinikaufenthalt seien Unruhe und
Gereiztheit gewesen (IV-act. 334-5 f.). Der Gutachter führte hierzu aus, für die aktuelle
stationäre Behandlung bestehe keine absolute Indikation; zeitweilige Reizbarkeit und
aggressive Impulse seien nicht akut aufgetreten, sondern würden als schon länger
bestehend beschrieben. Auch erscheine der Zeitpunkt tendenziös. Die geschilderten
massiven Einschränkungen des Aktivitätsniveaus könnten weder anamnestisch noch
durch das Verhalten in der Untersuchung nachvollzogen werden. Dabei müssten auch
die Ergebnisse der Observation mitbewertet werden. Die dabei gemachten
Beobachtungen deuteten auf ein Anstrengungsvermeidungsverhalten, bei einem
passiven Verhalten vor allem in Bezug auf eine berufliche Tätigkeit, weitgehend
unauffällig aber in der Freizeit (IV-act. 334-16). Es zeigten sich in psychiatrischer
Hinsicht Hinweise auf selektiv verzerrende und unrichtige Angaben zum aktuellen
Zustandsbild und zur Belastbarkeit. Es seien auch erhebliche negativ verzerrende
Inkonsistenzen bis zum Malingering erkennbar (IV-act. 334-18). Die Arbeitsfähigkeit sei
auch retrospektiv nicht längerfristig eingeschränkt gewesen (IV-act. 334-18).
Der Beschwerdeführer wurde gemäss Observationsbericht vom 24. April 2017 an
fünf Tagen überwacht. Davon konnte er an vieren beobachtet werden, wie er mit dem
PW unterwegs war, Einkäufe tätigte und seinen Hausarzt, die Klinik F._ sowie das
Heilbad T._ aufsuchte (Observationsbericht, IV-act. 273-4 ff.). Die IV-Ärztin Dr. E._
beurteilte das Observationsmaterial am 24. Mai 2017 wie folgt: Es fänden sich auf den
Aufnahmen keine positiven Anhaltspunkte für das geltend gemachte invalidisierende
Schmerzerleben. Im observierten Zeitraum sei der Beschwerdeführer zwar nur wenig
ausserhäuslichen Aktivitäten nachgegangen, doch habe er die beobachteten
Tätigkeiten ohne die äusserlich erkennbaren positiven Anhaltspunkte für eine schwere
Ausprägung einer depressiven Symptomatik durchgeführt. So lasse sich auf den
Aufnahmen keine Antriebsminderung erkennen; der Beschwerdeführer sei seinen
Aktivitäten stets zielorientiert und ohne psychomotorische Auffälligkeiten
nachgegangen. Auch habe er einen Supermarkt zu einer Zeit aufgesucht als dieser sehr
5.4.2.
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gut frequentiert gewesen sei. Er habe das Geschäft dann ohne erkennbare Hinweise für
eine Paniksymptomatik oder andere Verhaltensauffälligkeiten mit einer gefüllten
Einkaufstasche verlassen. Die unbeeinträchtigte Fähigkeit, sein Fahrzeug im Verkehr zu
lenken und umsichtig zu manövrieren liefere keinerlei Hinweise für erhebliche
Störungen der Konzentration und Aufmerksamkeit (IV-act. 275-2 f.). Diese
Ausführungen stützen diejenigen des psychiatrischen Gutachters.
Die Einschätzung des psychiatrischen Gutachters weicht von den Beurteilungen
ab, die anlässlich der stationären Behandlung in der Psychiatrischen Klinik J._ vom
31. März bis 26. Juni 2015 (Bericht vom 10. Juli 2015, IV-act. 239) und vom
behandelnden Dr. U._ abgegeben wurden, wonach es im März 2015 zu einer
Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes gekommen sei und nach
wie vor eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe (Verlaufsbericht vom 30. Mai 2015,
IV-act. 261). Der psychiatrische Gutachter begründet das Abweichen von der
Einschätzung von Dr. U._ nachvollziehbar mit den vorhandenen Inkonsistenzen.
Weiter ist Dr. E._ beizupflichten, dass sich die vom behandelnden Arzt beschriebene
Schwere der Beeinträchtigung nicht aus den in den Berichten dargelegten Befunden
ergibt (vgl. IV-act. 345).
5.4.3.
Im MGSG-Gutachten vom 8. Januar 2015 wurde der Beschwerdeführer aus
interdisziplinär führender psychiatrischer Sicht als seit Juni 2013 zu 60 % arbeitsfähig
befunden. Der damalige psychiatrische Gutachter hielt unter anderem fest, es
bestünden keine chronische körperliche Begleiterkrankung, kein ausgewiesener
sozialer Rückzug, kein hoher primärer Krankheitsgewinn und keine unbefriedigenden
Behandlungsergebnisse trotz konsequenter Behandlungsbemühungen. Die
therapeutischen Optionen seien nicht ausgenützt (IV-act. 226-51). Die vom
Beschwerdeführer berichteten und beklagten Beschwerden seien in sich teilweise
konsistent und es zeigten sich Diskrepanzen zwischen den geschilderten Beschwerden
und den objektiv zu erhebenden Befunden sowie Verdeutlichungstendenzen.
Ausserdem würden sehr ungenaue zeitliche Angaben und ungenaue Schilderungen der
Beschwerden gemacht (IV-act. 226-46). Die Beschwerdegegnerin betrachtete die
massgeblichen Förster-Kriterien als nicht erfüllt, sodass von einer zumutbaren
Willensanstrengung zur Schmerzüberwindung auszugehen war (vgl. Feststellungblatt,
IV-act. 228, und Vorbescheid, IV-act. 229). Mit Blick auf die mit BGE 141 V 281 am
3. Juni 2015 erfolgte Änderung der Rechtsprechung und darauf, dass vor deren
Ergehen verfasste Gutachten ihre Beweiskraft nicht per se verlieren, sondern im
Einzelfall zu prüfen ist, ob die beigezogenen administrativen und/oder gerichtlichen
Sachverständigengutachten, gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen
5.4.4.
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Berichten, eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren
erlauben oder nicht (Urteile des Bundesgerichts vom 28. Februar 2018, 8C_676/2017,
E. 6.1, und vom 4. April 2016, 9C_558/2015, E. 6.2.), kam die Beschwerdegegnerin
zum Schluss, aufgrund der festgestellten Inkonsistenzen sei zur Prüfung der
Indikatoren ein weiteres Gutachten notwendig (IV-act. 247). Zudem boten die
Inkonsistenzen berechtigten Anlass zu Observation und wurden durch diese bestätigt
bzw. zumindest nicht ausgeräumt. Anhaltspunkte für eine Verbesserung des
psychischen Gesundheitszustandes in der Zeitspanne von November 2012 bis zur
psychiatrischen Begutachtung vom 2. April 2019 ergeben sich aus den Akten nicht,
vielmehr wird eine diesbezügliche Verschlechterung geltend gemacht. Somit kann
retrospektiv nicht mehr auf die Einschätzung gemäss MGSG-Gutachten vom 8. Januar
2015 abgestellt werden bzw. entkräftet diese die retrospektive Beurteilung des neuen
psychiatrischen Gutachtens nicht. Der psychiatrische ZVMB-Gutachter attestierte seit
November 2012 eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (IV-act. 334-20). Entgegen der
Annahme des Beschwerdeführers deckt die Einschätzung somit den gesamten
relevanten Zeitraum seit dem Inkrafttreten der Übergangsbestimmung am 1. Januar
2013 ab. Folglich ist mit Blick auf die geänderte Rechtsprechung, welche die
Konsistenz stärker gewichtet, bereits ab November 2012 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
anzunehmen.
Zwischen der Begutachtung und dem Erlass der angefochtenen Verfügung hielt
sich der Beschwerdeführer vom 13. Januar bis 21. Februar 2020 stationär in der
Psychiatrischen Klinik J._ auf. Diagnostiziert wurde, wie bereits beim letzten
Aufenthalt im Jahr 2015, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere
Episode, mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F33.3). Es wurde folgender
Austrittsbefund erhoben: Auffassung, Konzentration und mnestische Funktionen seien
subjektiv beeinträchtigt. Im Affekt sei der Beschwerdeführer leicht niedergeschlagen.
Einzelaffekte seien sowohl in positiver als auch in negativer Richtung auslenkbar.
Formalgedanklich sei der Beschwerdeführer eingeengt und leicht grübelnd. Der Antrieb
sei vermindert. Psychomotorisch sei er leicht unruhig und deutlich angespannt. Ohne
Medikation bestünden Ein- und Durchschlafstörungen sowie starke Schmerzen an
verschiedenen Stellen des Körpers. Der Beschwerdeführer berichte von passiven
Suizidgedanken. Er sei entlassen worden, da er sich nicht auf eine längere stationäre
Behandlung habe einlassen können (Austrittsbericht vom 12. März 2020, IV-act. 342).
Die IV-Ärztin nahm am 15. Mai 2020 dahingehend Stellung, dass die behandelnden
Ärzte vorwiegend auf die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers abgestellt
hätten. Diese seien, wie auch die Observation ergeben habe, nicht authentisch bzw.
5.4.5.
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inkonsistent. Die objektivierbaren Befunde seien dem gegenüber eher spärlich. Im
Bericht würden keine neuen Einschränkungen, Befunde oder ein neuer Sachverhalt
beschrieben, die dem Gutachter nicht schon bekannt gewesen wären (IV-act. 345).
Dr. P._ hielt im Bericht vom 19. Juni 2020 fest, er habe den Beschwerdeführer am
8. Juni 2020 zur ersten Sprechstunde begrüsst. Im dabei erhobenen Psychostatus
beschrieb er abgesehen von zunehmenden auffälligen Konzentrationsstörungen
unauffällige mnestische Funktionen. Das Denken sei stark eingeengt auf die
körperlichen und psychischen Beschwerden, negative Zukunftsperspektiven und
Zukunftsängste. Im Affekt habe der Beschwerdeführer deprimiert, innerlich angespannt
und affektlabil gewirkt mit reduzierter affektiver Schwingungsfähigkeit und
vermindertem Elan vitae. Affektive Modulation und affektiver Rapport seien knapp
möglich gewesen. Im Antrieb sei er vermindert gewesen, motorisch wenig lebhaft
(act. G 11). Auch diesem Bericht können objektive Gesichtspunkte, die den Gutachtern
nicht bekannt waren und möglicherweise zu einer anderen Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit geführt hätten, nicht entnommen werden. In diesem Zusammenhang
ist bei der Würdigung der medizinischen Aktenlage der Erfahrungstatsache Rechnung
zu tragen, dass behandelnde Ärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zugunsten ihrer Patienten aussagen
(vgl. nachfolgend E. 5.3 und Urteil des Bundesgerichts vom 3. Mai 2021, 8C_164/2021,
E. 3.2.1).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das bidisziplinäre Gutachten vom 10. Ok
tober 2019 in Kenntnis der Vorakten – und somit unter Berücksichtigung aller vom
Beschwerdeführer geltend gemachten somatischen Leiden – erstellt wurde. Die
Gutachter untersuchten den Beschwerdeführer persönlich und berücksichtigten nebst
den klinischen und radiologischen Befunden seine geklagten Beschwerden. Das
Gutachten ist umfassend und die medizinische Beurteilung einleuchtend; namentlich ist
die Arbeitsfähigkeitsschätzung nachvollziehbar begründet. In diesem Zusammenhang
ist auch darauf hinzuweisen, dass die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag
des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag von
amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits es nicht zulässt, ein
Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass
weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden
Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende
Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein
subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen
der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (statt vieler: Entscheide
des Bundesgerichts vom 3. Mai 2021, 8C_164/2021, E. 3.2.1, und vom 17. Februar
5.5.
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6.
2021, 8C_783/2020, E. 5.2, je mit Hinweisen). Sowohl die in den IV-Akten enthaltenen
als auch die im Beschwerdeverfahren eingereichten medizinischen Stellungnahmen der
Behandler bringen keine wesentlichen Aspekte vor, welche von den Gutachtern nicht
berücksichtigt worden wären, und vermögen daher keine ernsthaften Zweifel an den
Ergebnissen der Begutachtung zu wecken. Folglich ist das Gutachten beweiskräftig
und es kann darauf abgestellt werden.
Der Beschwerdeführer beantragt den Beizug sämtlicher Akten des Hausarztes
Dr. M._ sowie die Befragung der Dres. L._, O._ und P._ als sachverständige
Zeugen (act. G 1; act. G 11).
6.1.
Gemäss Art. 61 Abs. 1 lit. c in Verbindung mit Art. 43 Abs. 1 ATSG klärt das
Gericht bzw. die Verwaltung unter Mitwirkung der Parteien den massgeblichen
Sachverhalt ab. Das Gericht ist für die Erhebung des Beweismaterials zuständig
(U. Kieser, a.a.O., N 127 zu Art. 61). Auf die Abnahme eines Beweismittels kann
verzichtet werden, wenn die zu beweisende Tatsache nicht wesentlich ist (BGE 131 I
153 E. 3 S. 157) oder wenn das Gericht aufgrund bereits abgenommener Beweise
seine Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür annehmen kann, seine Überzeugung
werde durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert (sog. antizipierte
Beweiswürdigung, BGE 134 I 140 E. 5.3 S. 148). In einer (zulässigen) antizipierten
Beweiswürdigung kann keine Gehörsverletzung (BGE 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157
E. 1d S. 162) und auch kein Verstoss gegen den Untersuchungsgrundsatz erblickt
werden (Urteil des Bundesgerichts vom 17. Januar 2008, 9C_552/2007, E. 5.1). Auch
besteht diesfalls kein Anspruch auf eine Parteibefragung bzw. auf eine öffentliche
Verhandlung (Urteil vom 16. Oktober 2018, 9C_321/2018, E. 4.1).
6.2.
Der Antrag, sämtliche Arztberichte bei Dr. M._ einzuholen, wurde im
Zusammenhang mit dem Prostataleiden gestellt (act. G 1-4). Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers reichte die entsprechenden Berichte verdankenswerterweise mit
der Replik ein (act. G 11.1), womit der Beweisantrag gegenstandslos geworden ist.
6.3.
Von den Dres. L._, O._ und P._ liegen aktuelle Berichte vor, welche die
gestellten Diagnosen und erhobenen Befunde beinhalten, die jedoch keine
objektivierten Aspekte enthalten, welche eine von den Gutachtern abweichende
Arbeitsfähigkeitsschätzung begründen könnten (vgl. E. 5.3). Es ist daher mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht davon auszugehen, dass von weiteren
Abklärungen bzw. der beantragten Befragung Erkenntnisse solcher Art zu erwarten
wären, welche den massgeblichen Zeitraum bis zum Erlass der angefochtenen
6.4.
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7.
8.
Verfügung (vgl. dazu BGE 131 V 243 E. 2.1) beträfen. Demnach erübrigen sich weitere
Abklärungen und der Beweisantrag um eine mündliche Parteibefragung (act. G 19) ist
folglich abzuweisen.
Die angefochtene Verfügung ist somit bezüglich der Rentenaufhebung nicht zu
beanstanden. Zu prüfen bleibt deren Zeitpunkt. Mit Verfügung vom 26. November 2012
wurde einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzogen (IV-act. 186).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bleibt es bei einer Rückweisung zur
weiteren Abklärung über den Beschwerdeentscheid hinaus bis zur neuen Verfügung
der Verwaltung bei der Renteneinstellung, sofern nicht rechtsmissbräuchlich ein
möglichst früher Revisionszeitpunkt provoziert wurde (Urteil des Bundesgerichts vom
28. August 2017, 8C_118/2017, E. 3.1 f.; BGE 129 V 370, E. 3.2 ff.). Ein solches
rechtmissbräuchliches Verhalten der Verwaltung ist nicht bereits aufgrund der
Rückweisung zur weiteren Abklärung anzunehmen (Urteil des Bundesgerichts vom
28. August 2017, 8C_118/2017, E. 6.2.2). Vorliegend wurde dies weder im Entscheid
des Versicherungsgerichts vom 18. Februar 2014 (IV-act. 201) erwogen noch wurde es
im aktuellen Verfahren geltend gemacht.
7.1.
Gemäss lit. a Abs. 2 und Abs. 3 Schl.Best. IVG hat die von einer Rentenaufhebung
gemäss Abs. 1 dieser Bestimmung betroffene Person Anspruch auf berufliche Mass
nahmen und, wenn solche durchgeführt werden, auf Weiterausrichtung der Rente bis
zum Abschluss der Massnahmen bzw. für längstens zwei Jahre. Dem
Beschwerdeführer wurden am 12. September 2012 berufliche
Eingliederungsmassnahmen angeboten (IV-act. 179-2), von diesem aber nicht
angenommen. Somit entfällt eine Weiterausrichtung der Rente gestützt auf lit. a Abs. 3
Schl.Best. IVG und die angefochtene Verfügung ist auch hinsichtlich des Zeitpunkts der
Rentenaufhebung nicht zu beanstanden.
7.2.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.8.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten vollumfänglich aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien.
8.2.
bis
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