Decision ID: b99b4e27-7131-45a2-8ff5-f85f7060a789
Year: 2018
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

medizinische und berufliche Sachverhaltsabklärung vor Erlass des
Rentenentscheides Sinn, die Ergebnisse der erneuten beruflichen
Abklärung und allenfalls auch erneut zu gewährenden beruflichen
Massnahmen abzuwarten. Das Vorgehen der IV-Stelle verletze auch den
Grundsatz der Gleichbehandlung gegenüber Versicherten, bei denen erst
nach abgeschlossenen beruflichen Massnahmen über einen
Rentenanspruch entschieden werde, da er bei neuen Ergebnissen
bezüglich beruflicher Massnahmen ohne Anfechtung des
Rentenentscheides nur bei Vorliegen der erhöhten
Wiedererwägungsvoraussetzungen nach Art. 53 Abs. 3 ATSG eine IV-
Rente überhaupt verlangen könne. Schliesslich sei bereits vor seiner
Ausbildung zum Büropraktiker eigentlich klar gewesen, dass diese auf
Grund der vorhandenen Beeinträchtigungen nicht eingliederungswirksam
sein werde, was auch die Gutachterin med. pract. C._ bestätige,
wenn sie in diesem Bereich bloss eine Arbeitsfähigkeit von 70 %
annehme. Daraus folge, dass die ihm gewährten beruflichen
Massnahmen nicht geeignet gewesen seien, um ihm eine verwertbare
Erstausbildung zukommen zu lassen, worauf er gemäss Art. 16 IVG aber
Anspruch habe.
5. In ihrer Vernehmlassung vom 1. November 2016 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Sie
trug vor, dass vorliegend einzig der Rentenanspruch des
Beschwerdeführers Gegenstand der angefochtenen Verfügung bilde,
- 4 -
während berufliche Massnahmen nicht zur Diskussion stünden. Die
Priorität von Eingliederungsmassnahmen vor Rentenleistung verlange nur
dann die vorgängige Prüfung beruflicher Massnahmen, wenn die
versicherte Person eingliederungsfähig sei und ohne allfällige berufliche
Massnahmen eine rentenbegründende Invalidität bestehe. Da hier auch
ohne berufliche Eingliederungsmassnahmen kein Rentenanspruch
bestehe, sei ihr Vorgehen nicht zu beanstanden. Vorliegend sei die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im fachärztlich-psychiatrischen
Gutachten von med. pract. C._ schlüssig und nachvollziehbar
festgestellt, was auch durch die Abschlussbeurteilung von Dr. med.
D._ des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) bestätigt werde. Die
von der IV geleistete Kostengutsprache für eine berufliche Abklärung sei
im Hinblick auf weitere berufliche Massnahmen zugesprochen worden.
Eine Überprüfung der (medizinisch-theoretischen) Arbeitsfähigkeit werde
bei dieser beruflichen Abklärung nicht stattfinden.
6. In seiner Replik vom 13. Dezember 2016 stellte der Beschwerdeführer
ergänzend noch den Eventualantrag, die Angelegenheit sei in Aufhebung
der angefochtenen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zur
Durchführung weiterer medizinischen Abklärungen und zu erneutem
Rentenentscheid zurückzuweisen. Er führte aus, auf das Gutachten von
med. pract. C._ könne nicht abgestellt werden, da die beim
Beschwerdeführer infolge der kombinierten Störungen schulischer
Fertigkeiten bei einem Intelligenzquotienten von 81 eingestellten
psychischen Beeinträchtigungen gravierender seien als sie annehme. So
gehe sie fälschlicherweise davon aus, dass sich die aus der
Persönlichkeitsstörung ergebenden Defizite wie Stressintoleranz,
emotionale Belastbarkeit und soziale Kompetenzen nur leichtgradig
ausgeprägt seien, während sämtliche ihn untersuchenden und
behandelnden Ärzte sowie die von ihm besuchten
Eingliederungsinstitutionen zum gegenteiligen Schluss kämen. Aus allen
Berichten der beruflichen Ausbildungs- und Abklärungsstätten ergebe
- 5 -
sich, dass der Beschwerdeführer nicht fähig sei, selbständig zu arbeiten,
für ihn eine Betreuung 1:1 erforderlich sei, er unter grossen Prüfungs- und
Versagensängsten leide und immer den gleichen Rahmen sowie die
gleichen Bezugspersonen benötige. Eine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten
Arbeitsmarkt sei nicht gegeben. Dagegen halte die Gutachterin med.
pract. C._ die sich aus seiner Persönlichkeitsstörung ergebenden
Einschränkungen für leichtgradig eingeschränkt und tue dar, dass von
den verschiedenen Institutionen darauf verzichtet werde, vom
Beschwerdeführer eine gewisse soziale Anpassung und eine gewisse,
seinen Fähigkeiten und seiner Entwicklung angepasste Leistung zu
fordern. In den genannten Berichten sei aber kein einziger Hinweis
vorhanden, wonach sein Potential grösser sei als das tatsächlich
Geleistete. Die Einschätzung der Gutachterin, wonach er auf dem ersten
Arbeitsmarkt in einer leidensangepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei,
stehe im klaren Widerspruch zu den Beurteilungen der beruflichen
Ausbildungs- und Abklärungsstätten. Da auch die Berufsberaterin der
Beschwerdegegnerin der Meinung sei, dass der Beschwerdeführer auf
dem ersten Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig sei, hätte ihm also entweder
eine ganze IV-Rente zugesprochen werden müssen oder zumindest mit
dem Rentenentscheid bis zum Abschluss der beruflichen Massnahmen
zugewartet werden müssen. Wie das Verlaufsprotokoll zudem zeige,
habe die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine weitere
Kostengutsprache für den Verbleib im WTL bis 31. Januar 2017 gewährt.
Ferner sei dem Eintrag zu entnehmen, dass die Berufsberatung die
weiteren Eingliederungsmöglichkeiten abklären und das weitere
Vorgehen vorschlagen werde. Daraus sei zu schliessen, dass auch die
Beschwerdegegnerin selbst den Beschwerdeführer nicht für
eingliederungs- und somit auch nicht für arbeitsfähig halte. Wenn das
Gericht dem nicht folgen sollte, mache der Beschwerdeführer geltend,
dass der medizinische Sachverhalt ungenügend abgeklärt sei. Die
Beschwerdegegnerin wäre nämlich veranlasst gewesen, die neu
gewonnenen Erkenntnisse aus der beruflichen Abklärung im WTL der
- 6 -
Gutachterin zur Stellungnahme vorzulegen. Die Angelegenheit sei daher
im Sinne des Eventualantrags in Aufhebung der angefochtenen
Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die
genannte Stellungnahme einhole und hernach über den Rentenanspruch
erneut entscheide.
7. Mit Schreiben vom 19. Dezember 2016 verzichtete die
Beschwerdegegnerin auf die Einreichung einer Duplik.
8. Auf Ersuchen der Instruktionsrichterin vom 14. Dezember 2017 nahm
med. pract. C._ am 19. Januar 2018 Stellung zu den Ausführungen
im Schlussbericht des WTL vom 17. November 2016 sowie zum Bericht
der Stiftung Balm vom 9. November 2016. Dazu äusserten sich die
Parteien mit Schreiben vom 31. Januar 2018 bzw. 16. Februar 2018. Die
Beschwerdegegnerin verzichtete in der Folge auf die Einreichung einer
weiteren Stellungnahme, während der Beschwerdeführer am 27. Februar
2018 nochmals Stellung nahm.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in ihren Rechtsschriften sowie
auf die angefochtene Verfügung wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Anfechtungsobjekt bildet hier die Verfügung der IV-Stelle des
Kantons Graubünden vom 14. September 2016, sodass die örtliche
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden zu
bejahen ist. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichtes ergibt
sich aus Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
- 7 -
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als
Adressat der angefochtenen Verfügung ist der Beschwerdeführer berührt
und weist ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder
Änderung auf (Art. 59 ATSG). Auf die überdies frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde (Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG) ist somit
einzutreten.
2. Beschwerdeobjekt bildet hier nur die Frage, ob die Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer zu Recht einen Rentenanspruch verweigert hat
oder sie nach durchgeführten beruflichen Eingliederungsmassnahmen
bzw. Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen über den
Rentenanspruch erneut zu befinden hat. Die beruflichen Massnahmen an
sich stehen hier mangels entsprechenden Anfechtungsobjekts hingegen
nicht zur Diskussion.
3. Nach Art. 8 Abs. 1 ATSG gilt als Invalidität die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Diese wird gemäss Art. 7 Abs. 1 ATSG verstanden als der durch die
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung oder
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt. Die Invalidität kann nach Art. 4 Abs. 1 IVG Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein. Ein rentenbegründender
Invaliditätsgrad liegt vor, wenn eine versicherte Person ihre
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen, erhalten oder verbessern kann, während mindestens
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich zu
mindestens 40 % im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
eingeschränkt gewesen ist und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40 % invalid ist (Art. 28 Abs. 1 IVG).
- 8 -
4.1. Zunächst zu klären ist die Frage, ob die Beschwerdegegnerin überhaupt
berechtigt war, vor Abschluss der Eingliederungsmassnahmen über den
Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu entscheiden.
Die Priorität von Eingliederungsmassnahmen vor Rentenleistungen (vgl.
Art. 16 ATSG und BGE 126 V 243 E.5, 113 V 28 E.4a, 108 V 212 E.1d)
verlangt nur dann zwingend die vorgängige Prüfung der
Umschulungsfrage, wenn die versicherte Person eingliederungsfähig ist
und ohne allfällige berufliche Massnahmen eine rentenbegründende
Invalidität besteht (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
I 151/05 vom 9. August 2005 E.1.1 m.H.a. BGE 121 V 191 E.4a e
contrario). Kann ein Rentenanspruch durch allenfalls noch
vorzunehmende berufliche Eingliederungsmassnahmen nicht mehr
beeinflusst werden, etwa weil ein rentenbegründender Invaliditätsgrad
bereits jetzt nicht gegeben ist, kann der Rentenentscheid unabhängig von
allfälligen Eingliederungsmassnahmen gefällt werden (Urteil des
Bundesgerichts 8C_187/2015 vom 20. Mai 2015 E.3.2.1 m.H.).
4.2. Entgegen dem Vorwurf des Beschwerdeführers ist kein Widerspruch darin
zu sehen, dass die Beschwerdegegnerin einerseits den Rentenanspruch
verneint und andererseits weiterhin berufliche Massnahmen gewährt,
zumal die Voraussetzungen für die Gewährung von Massnahmen
beruflicher Art und die Voraussetzungen für die Zusprechung einer Rente
voneinander verschieden sind. Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin
ist somit dann korrekt, wenn sich zeigen sollte, dass der
Beschwerdeführer bereits ohne Durchführung (erneuter)
Eingliederungsmassnahmen nicht zu 40 % invalid ist (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_575/2007 vom 3. Juni 2008 E.4.1). Dies ist
nachfolgend zu prüfen.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=I+151%2F05&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F126-V-241%3Ade&number_of_ranks=0#page243 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=I+151%2F05&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-V-190%3Ade&number_of_ranks=0#page191
- 9 -
5.1. Die angefochtene Verfügung beruht auf dem psychiatrischen Gutachten
von med. pract. C._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, zertifizierte medizinische Gutachterin SIM, vom 25. Februar 2016
(Akten der Beschwerdegegnerin [Bg-act.] 106 S. 1 bis 37). Diese stellte
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine kombinierte Störung
schulischer Fertigkeiten (ICD-10: F81.3), zudem eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit infantilen (histrionischen) und ängstlichen
(vermeidenden) Zügen (ICD-10: F61.0) und differentialdiagnostisch
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit infantilen und ängstlichen
(vermeidenden) Anteilen (ICD-10: Z73.1) fest (vgl. Bg-act. 106 S. 24). Bei
den kombinierten Störungen schulischer Fertigkeiten bestünden beim
Beschwerdeführer gemäss med. pract. C._ Einschränkungen
hinsichtlich kognitiver Fähigkeiten und Fertigkeiten
(Informationsaufnahme, komplexe exekutive Funktionen). Bei den
persönlichkeitsstrukturellen Besonderheiten seien die Stresstoleranz, die
emotionale Belastbarkeit und die sozialen Kompetenzen leichtgradig
eingeschränkt (vgl. Bg-act. 106 S. 32). Bezüglich der Arbeitsfähigkeit
führte die Gutachterin aus (Bg-act. 106 S. 34 f.):
"Bei der aktuellen Tätigkeit, die aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht nicht dem
Störungsbild des Exploranden angepasst ist, besteht derzeit eine verminderte
Leistungsfähigkeit von ca. 30% aufgrund einer reduzierten Leistungsfähigkeit bezogen
auf eine Vollzeittätigkeit. Es besteht ein etwas erhöhter Pausenbedarf, eine leicht
vermehrte Ermüdbarkeit, eine erhöhte Fehlerquote und ein vermindertes Arbeitstempo.
Ein zumutbares adäquates Arbeitsverhalten muss noch erlernt werden.
Tätigkeiten mit Anforderungen an gute kognitive Funktionen (Informationsverarbeitung)
sowie auch Tätigkeiten mit Anforderungen an selbständiges Arbeiten (Planung,
Selbststeuerung und -kontrolle) sowie auch Tätigkeiten, die gute allgemeine schulische
Fertigkeiten (Rechtschreibung, rechnerische Kompetenzen) voraussetzen, sind aus
gutachterlich-psychiatrischer Sicht nicht optimal angepasst. Tätigkeiten mit erhöhten
Anforderungen an Stresstoleranz, emotionale Belastbarkeit und soziale Kompetenzen
sind ebenfalls nicht angepasst. Einfache, angelernte, repetitive Tätigkeiten, z.B. am
Fliessband oder ähnliche einfache Tätigkeiten sind aus gutachterlich-psychiatrischer
Sicht ganztags zumutbar."
- 10 -
5.2. Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu
würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht
alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu
prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen
eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten.
Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen
Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial
zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht
auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E.3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt,
in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung
der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a mit
Hinweis). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit
weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder
Gutachten (BGE 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c mit Hinweisen).
Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die
Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E.3b, 118 V 286 E.1b,
112 V 30 E.1a mit Hinweisen). Den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
- 11 -
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und
bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist
bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
137 V 210 E.1.3.4, 125 V 351 E.3b/bb). In Bezug auf Berichte von
Hausärzten darf und soll der Richter auch der Erfahrungstatsache
Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten
ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E.4.3.2, 4.4 und 4.5, 125 V 351
E.3a und 3b). Sodann kommt auch den Berichten und Gutachten
versicherungsinterner Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig
erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind
und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache
allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum
Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität
und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer
Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung
objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche
Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht
zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters allerdings ein
strenger Massstab anzulegen (BGE 125 V 351 E.3b, 122 V 157 E.1c).
Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E.4.3.2 und 4.4;
Urteil des Bundesgerichtes 8C_245/2011 vom 25. August 2011 E.5.3).
5.3. Der Beschwerdeführer wendet ein, die Einschätzung der Gutachterin
med. pract. C._, wonach er auf dem ersten Arbeitsmarkt in einer
leidensangepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei, stehe im klaren
Widerspruch zu den Beurteilungen der beruflichen Ausbildungs- und
Abklärungsstätten.
- 12 -
5.3.1. Zum Beweiswert von Abklärungsberichten ist festzuhalten, dass die
abschliessende Beurteilung der sich aus einem Gesundheitsschaden
ergebenden funktionellen Leistungsfähigkeit (z.B. nur sitzende oder
stehende Arbeiten, nur beschränktes Heben/Tragen von Lasten etc.) in
der Hauptsache wohl dem Arzt und nicht den Fachleuten der
Berufsberatung/beruflichen Eingliederung obliegt. Mit Blick auf die
rechtsprechungsgemäss enge, sich gegenseitig ergänzende
Zusammenarbeit zwischen der Ärzteschaft und der Berufsberatung ist
jedoch einer konkret leistungsorientierten beruflichen Abklärung nicht
jegliche Aussagekraft für die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit
abzusprechen (Urteil des Bundesgerichts 9C_833/2007 E.3.3.2 m.H.a.
BGE 107 V 17 E.2b; vgl. auch MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum IVG, Art. 28a Rz. 237).
5.3.2. Bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung am 14. September 2016
sind als Abklärungsberichte der bei der BEFAS Appisberg nach einer
einmonatigen Abklärung am 10. Oktober 2013 erstellte Abschlussbericht
(Bg-act. 58) sowie der Abschlussbericht des Bürozentrums B._ vom
21. Mai 2015 (Bg-act. 84) aktenkundig. Die BEFAS Appisberg schätzte
den Beschwerdeführer als im Rahmen seines Störungsbildes
eingliederungsfähig, empfahl aber die Vornahme weiterer Abklärungen,
um die Ausbildungsfähigkeit zu bestimmen (vgl. Bg-act. 58 S. 6 f.).
Massgebend ist somit insbesondere der Abschlussbericht des
Bürozentrums B._ vom 21. Mai 2015. Darin wird insbesondere
ausgeführt, dass der Beschwerdeführer nach Abschluss der einjährigen
berufspraktischen Ausbildung zum Büropraktiker fähig sei, im geschützten
Rahmen einfache, repetitive kaufmännische Tätigkeiten auszuführen.
Auch bei einer Tätigkeit im geschützten Rahmen sei es wichtig, dass der
Beschwerdeführer bei der Arbeit unterstützt werde und dass auf seine
besonderen Bedürfnisse nach klaren Strukturen, gleichbleibenden
Rahmenbedingungen und konstanten Bezugspersonen Rücksicht
genommen werde. Der Beschwerdeführer müsse bei der Arbeit
- 13 -
angeleitet, unterstützt und kontrolliert werden. Grosszügig bemessene
Zeitvorgaben ermöglichten ihm auch Gedanken und Bewegungspausen.
Wiederkehrende Arbeitsaufträge würden ihm helfen, sich zu orientieren
und entsprächen seinem Bedürfnis nach Konstanz. Der
Beschwerdeführer könne ein Pensum von 75 % im geschützten Rahmen
bewältigen. Pro Halbtag benötige er mindestens eine halbe Stunde
Pause. Seine Leistung sei wahrscheinlich nicht verwertbar und liege im
Vergleich zu einem Kaufmann EFZ unter 10 % (wegen Einschränkungen
in der sozialen Kommunikation und Interaktion, Ängste, Lern-, Arbeits-
und Sozialverhalten) (Bg-act. 84 S. 3).
5.4. Die Gutachterin med. pract. C._ setzte sich in ihrem psychiatrischen
Gutachten vom 25. Februar 2016 mit dem Abschlussbericht des
Bürozentrums B._ auseinander und legte in überzeugender Weise
dar, warum sie den dortigen Ausführungen nicht zustimmen könne. Dabei
führte sie insbesondere Folgendes aus (vgl. Bg-act. 106 S. 33): "Der Abschlussbericht des Bürozentrums B._ vom 22.05.2015 über die erbrachte
Leistung des Exploranden beziffert mit "10% im Vergleich zu einem Kaufmann" lässt sich
aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht nicht nachvollziehen. Eine nachvollziehbare
Darstellung von ggf. konkreten Einschränkungen während der Tätigkeit im Bürozentrum
B._, welche anhand konkreter Beobachtungen diese sehr tiefe Leistung begründen,
wurden von den Betreuern des Bürozentrum B._ nicht abgegeben. Vor allem
scheint die Motivation problematisch zu sein, zudem wirkt die gegenseitige Interaktion im
familiären Rahmen nicht förderlich. Betreuungspersonen scheinen sich schnell genötigt
zu fühlen, den dysfunktionalen Wünschen des Exploranden nachzugeben.
Der psychiatrische Gutachter ist nach lV-rechtlichen Kriterien gehalten, nach objektiven
Befunden und Kriterien zu beurteilen und zudem psychosoziale Belastungsfaktoren als
IV-fremd zu markieren, da diese nicht in der Beurteilung der AUF berücksichtigt werden
können.
Bei A._ konnten zahlreiche psychosoziale Belastungsfaktoren, welche bei ihm den
Störungsverlauf mit entscheidend beeinflusst haben, eruiert werden:
Subjektives Krankheitskonzept mit einem inadäquaten Krankheits-‚ Vermeidungs- und
einem ausgeprägten Schonverhalten, hoher sekundärer Krankheitsgewinn bei
umfangreicher Unterstützung durch Familie (insbesondere Mutter) und Institutionen,
geringer beruflicher Ehrgeiz in Bezug auf realistische berufliche Ziele, Fokussierung auf
- 14 -
private Freizeitaktivitäten und Hobbies, Wünsche nach finanzieller Absicherung,
anzunehmender Rentenwunsch."
5.5. Das psychiatrische Gutachten vom 25. Februar 2016 (Bg-act. 106 S. 1 bis
37) ist nach der persönlichen Untersuchung vom 21. Dezember 2015 und
in Kenntnis aller bis zu diesem Zeitpunkt vorliegenden Akten erstellt
worden. Insbesondere hat med. pract. C._ in ihrer Beurteilung den
nach der einmonatigen Abklärung bei der BEFAS Appisberg am 10.
Oktober 2013 erstellten Abschlussbericht (Bg-act. 58) sowie den nach
Durchführung der erstmaligen beruflichen Ausbildung erfolgten
Abschlussbericht des Bürozentrums B._ vom 21. Mai 2015 (Bg-act.
84) mitberücksichtigt. Das erwähnte psychiatrische Gutachten ist sehr
detailliert, nachvollziehbar und in sich widerspruchsfrei. Im Übrigen war
auch die behandelnde Psychiaterin des Beschwerdeführers, Dr. med.
E._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, der
Auffassung, dass eine repetitive Arbeit grundsätzlich möglich sei. So
äusserte sie sich in den Zusatzfragen zu ihrem Bericht vom 7. Juli 2015
(Bg-act. 85 S. 8) zwar nicht zur quantitativen Belastbarkeit des
Beschwerdeführers, sie führte aber aus, dass grundsätzlich eine Arbeit,
die hauptsächlich das Ausüben von sich wiederholenden Prozessen
beinhaltet, denkbar sei. Nach ihrer Einschätzung könne der
Beschwerdeführer in einem Produktionsbetrieb oder am Fliessband
arbeiten. Wichtig sei, dass keine enge Teamarbeit nötig sei (vgl.
Telefonnotiz des RAD-Arztes vom 7. April 2016 [Bg-act. 110]).
Schliesslich stimmte auch der RAD-Arzt Dr. med. D._ mit
Abschlussbeurteilung vom 7. April 2016 (Bg-act. C2 S. 9) insgesamt den
Schlussfolgerungen von med. pract. C._ zu. Die
Beschwerdegegnerin konnte das psychiatrische Gutachten von med.
pract. C._ vom 25. Februar 2016 somit als Grundlage für den Erlass
der angefochtenen Verfügung verwenden.
- 15 -
6.1. Im vorliegenden Fall haben sich nach Erlass der angefochtenen
Verfügung vom 14. September 2016 weitere Tatsachen verwirklicht, die
nicht einfach ausser Acht gelassen werden können. Bevor auf diese
neuen Tatsachen eingegangen wird, wird zur Übersicht anhand der
Aktenlage kurz noch der Sachverhalt wiedergegeben:
Die RAD-Ärzte Dr. med. D._ und Dr. med. F._ hatten im August
2012 angesichts der schulischen Defizite des Beschwerdeführers auf die
wenigen Erfolgsaussichten einer kaufmännischen Ausbildung bzw.
Handelsausbildung hingewiesen (vgl. Verlaufs- und Gesprächsprotokoll
[Bg-act. 46 S. 3 ff.]). Die Beschwerdegegnerin entschied sich aber –
offenbar auch gestützt auf die Empfehlung der BEFAS Appisberg, wo
vom 12. August 2013 bis 13. September 2013 eine berufliche Abklärung
erfolgte (vgl. Abschlussbericht vom 10. Oktober 2013 [Bg-act. 58 S. 5]) –
dennoch für die Übernahme der Mehrkosten für die erstmalige berufliche
Ausbildung als Büropraktiker im Bürozentrum B._ vom 11. August
2014 bis zum 10. August 2015 (vgl. Bg-act. 78), wo der Beschwerdeführer
anschliessend nach (aus Sicht der Beschwerdegegnerin) erfolgreichem
Abschluss der Ausbildung im geschützten Rahmen angestellt blieb (vgl.
Mitteilung vom 17. August 2015 [Bg-act. 89]). In der Folge wurde am 9.
September 2015 zur Prüfung des Leistungsanspruchs eine umfassende
monodisziplinäre medizinische Begutachtung bei med. pract. C._ in
Auftrag gegeben. Diese kam in ihrem psychiatrischen Gutachten vom 25.
Februar 2016 zum Schluss, dass der Beschwerdeführer in adaptierter
Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei (vgl. Bg-act. 106 S. 35). Sodann teilte
die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer am 14. Juli 2016 mit, die
Kosten für eine neue Abklärung der Eingliederungsmöglichkeiten zur
Prüfung weiterer beruflicher Massnahmen zu übernehmen (vgl. Bg-act.
138). So fand vom 19. August bis 14. November 2016 im WTL eine
weitere berufliche Abklärung des Beschwerdeführers in der Montage und
Logistik statt. Nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 14.
September 2016 sind somit noch der Schlussbericht des WTL vom 17.
- 16 -
November 2016 (Akten des Beschwerdeführers [Bf-act.] 3) sowie der
Kurzbericht der Stiftung Balm vom 9. November 2016 – wo der
Beschwerdeführer eine Schnupperzeit vom 7. bis zum 9. November 2016
absolvierte – (Bf-act. 4) und der Bericht der Berufsberaterin der
Beschwerdegegnerin vom 21. November 2016 (Bf-act. 5) ergangen. Dies
sind neue, nach der angefochtenen Verfügung vom 14. September 2016
eingetretene Erkenntnisse. Ebenso stellt eine neue Erkenntnis dar, dass
die Beschwerdegegnerin – wie vom Beschwerdeführer in seiner
Stellungnahme vom 27. Februar 2018 erwähnt und von der
Beschwerdegegnerin unwidersprochen geblieben – mit (nicht
aktenkundigem) Vorbescheid vom 4. Januar 2018 die Mehrkosten eines
Vorpraktikums im G._ vom 13. Mai 2017 bis 31. Juli 2017 und die
Mehrkosten der (erneuten) erstmaIigen beruflichen Ausbildung des
Beschwerdeführers zum Logistiker EBA und der Berufsschule für
Hörgeschädigte vom 1. August 2017 bis 31. Juli 2019 übernommen hat.
6.2. Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozialversicherungsgericht
die Gesetzmässigkeit der Verwaltungsverfügungen in der Regel nach
dem Sachverhalt, der zur Zeit des Verfügungserlasses gegeben war.
Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im
Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein.
Ausnahmsweise kann das Gericht aus prozessökonomischen Gründen
auch die Verhältnisse nach Erlass der Verfügung in die richterliche
Beurteilung miteinbeziehen und zu deren Rechtswirkungen über den
Verfügungszeitpunkt hinaus verbindlich Stellung beziehen, mithin den das
Prozessthema bildenden Streitgegenstand in zeitlicher Hinsicht
ausdehnen. Eine solche Ausdehnung des richterlichen
Beurteilungszeitraums ist indessen – analog zu den Voraussetzungen
einer sachlichen Ausdehnung des Verfahrens auf eine ausserhalb des
durch die Verfügung bestimmten Rechtsverhältnisses liegende
spruchreife Frage – nur zulässig, wenn der nach Erlass der Verfügung
eingetretene, zu einer neuen rechtlichen Beurteilung der Streitsache ab
- 17 -
jenem Zeitpunkt führende Sachverhalt hinreichend genau abgeklärt ist
und die Verfahrensrechte der Parteien, insbesondere deren Anspruch auf
rechtliches Gehör, respektiert worden sind (BGE 130 V 138 E.2.1; Urteil
des Bundesgerichts 9C_540/2015 vom 15. Oktober 2015 E.3.1 je m.H.;
vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_692/2011 vom 7. Februar 2012
E.3.2). Spätere Arztberichte sind in die Beurteilung miteinzubeziehen,
soweit sie Rückschlüsse auf die im Zeitpunkt des Abschlusses des
Verwaltungsverfahrens gegebene Situation erlauben (Urteil des
Bundesgerichts 8C_71/2017 vom 20. April 2017 E.8.3 m.H.).
6.3. Im Rahmen der Prüfung, ob die Beschwerdegegnerin über einen
Rentenanspruch vor Abschluss der Eingliederungsmassnahmen
entscheiden durfte, können die oberwähnten neuen Erkenntnisse (vgl.
vorne E.6.1) im vorliegenden Fall nicht unberücksichtigt bleiben, zumal
der Sachverhalt, der der angefochtenen Verfügung vom 14. September
2016 zugrunde lag, bezüglich des hier zentralen Punktes
(Rentenverneinung vor Abschluss der Eingliederungsmassnahmen) als
fliessend zu betrachten ist und diese neuen Tatsachen geeignet sind, die
Beurteilung des Rentenanspruchs zu beeinflussen.
7.1. Im Schlussbericht des WTL vom 17. November 2016 (Bf-act. 3) wird
ausgeführt, dass der Beschwerdeführer – entgegen den Ausführungen
der Gutachterin – Motivation zeige, die Leistung und Belastbarkeit aber
nicht bringe. Ferner ergibt sich daraus, dass er für serielle Tätigkeiten in
einer Arbeits- oder Logistikkette nicht eingesetzt werden könne. Das
fremdbestimmte Tempo durch Mensch oder Maschine führe bei ihm zu
Stresssymptomen, welche bis zum Erbrechen reichten (vgl. Bf-act. S. 7).
Ausserdem geht aus dem Kurzbericht der Stiftung Balm vom 9.
November 2016 hervor, dass für den Beschwerdeführer Abwechslung
und Flexibilität, wie sie im ersten Arbeitsmarkt erforderlich seien, ganz
schwierig seien (vgl. Bf-act. 4 S. 2). Wie zudem der Eintrag im
Verlaufsprotokoll der Berufsberatung der Beschwerdegegnerin vom 21.
- 18 -
November 2016 zeigt, hätten gemäss der Berufsberaterin klar Defizite
vorgelegen, die eine berufliche Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt
ohne besondere Rahmenbedingungen verunmöglichten. Die
Leistungsfähigkeit sei deutlich eingeschränkt. Auch mit weiteren
beruflichen Massnahmen werde im besten Fall eine Integration in einen
Nischenarbeitsplatz mit reduziertem Verdienst möglich sein. Die
Ausbildung könne nur im geschützten Rahmen erfolgen. Dies
widerspreche den medizinisch-theoretischen Einschätzungen der
Rentenprüfung (vgl. Bf-act. 5 S. 10).
7.2. Angesichts der soeben dargelegten Ergebnisse aus der (erneut)
durchgeführten beruflichen Abklärung, die erheblich von der Einschätzung
von med. pract. C._ gemäss ihrem Gutachten vom 25. Februar 2016
abweichen, erachtete es das Gericht als notwendig, der Gutachterin med.
pract. C._ die vorgenannten Berichte (den Schlussbericht des WTL
vom 17. November 2016 sowie den Kurzbericht der Stiftung Balm vom 9.
November 2016) zur Stellungnahme vorzulegen (vgl. Schreiben der
Instruktionsrichterin vom 14. Dezember 2017 mit der Aufforderung an die
Gutachterin zur Stellungnahme).
8.1. In ihrer Stellungnahme vom 19. Januar 2018 zu Handen des Gerichts
kritisierte med. pract. C._ den Schlussbericht des WTL vom 17.
November 2016 sowie den Kurzbericht der Stiftung Balm vom 9.
November 2016 in verschiedener Hinsicht. Die Gutachterin bemängelte
zunächst die fehlende berufliche bzw. fachliche Bezeichnung der
Abklärungsperson bzw. des Berichtsverfassers. In formeller Hinsicht
äusserte die Gutachterin insbesondere Kritik am Schlussbericht des WTL.
So sei unklar, warum der Einsatz des Beschwerdeführers im WTL
lediglich im Rahmen einer 4 Tage-Woche und nur in einem täglichen
Pensum von 6.5 Stunden erfolgt sei. Anwesenheitsangaben (Absenzen,
Verspätungen etc.) zum Nachweis der Motivation des Beschwerdeführers
seien nicht gemacht worden. Bezüglich der im Verlauf erwähnten
- 19 -
Medikamenteneinnahme sei nicht beschrieben, um welche konkreten
Medikamente es sich handle. Ebenfalls unklar sei, ob sich der
Beschwerdeführer in diesem Zeitraum in einer ambulanten psychiatrisch-
psychotherapeutischen Behandlung befunden habe, wie von ihr im
Gutachten empfohlen worden sei. Med. pract. C._ bemängelt ferner
die Darstellung des "Verlaufs" hinsichtlich der Häufigkeit der Einträge. Im
September 2016 seien lediglich 3 Einträge erfolgt. Der letzte Eintrag sei
am 5. Oktober 2016, d.h. anderthalb Monate vor dem Ende der
beruflichen Abklärung am 17. November 2016 verfasst worden. Da somit
Angaben zum Rahmen, Setting, Teilnahme und Behandlung fehlten,
erfülle der Schlussbericht des WTL die Voraussetzungen nicht und habe
aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht daher keine Relevanz.
8.2. Mit dem Beschwerdeführer (vgl. seine Stellungnahme vom 16. Februar
2018) ist zu diesen formellen Einwänden von med. pract. C._ aber
festzuhalten, dass die Berichte des WTL und der Stiftung Balm nicht den
formalen Anforderungen eines Gutachtens genügen müssen. Der Bericht
des WTL enthält – entgegen der Meinung der Gutachterin – im Übrigen
den Hinweis, dass der Beschwerdeführer täglich anwesend und stets
pünktlich gewesen sei (Bf-act. S. 4). Entscheidend für den vorliegenden
Fall ist indessen, wie med. pract. C._ die in den genannten Berichten
erwähnten Auffälligkeiten würdigt, worauf in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen wird.
8.3. Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers nimmt die Gutachterin
zu den in den genannten Berichten geäusserten Symptomen Stellung. So
führt sie bezüglich des Schlussberichts des WTL aus, bei den
angegebenen Angst- und Panikzuständen liesse sich nicht erkennen, ob
es dabei um psychische Symptome von Krankheitswert oder lediglich um
leichte Beschwerden und/oder Befindlichkeitsstörungen gegangen sei.
Falls tatsächlich krankheitsrelevante Ängste vorgelegen hätten, dann
hätten die Verantwortlichen des WTL dem Beschwerdeführer zumindest
- 20 -
eine entsprechende Behandlung empfehlen müssen. Angststörungen
liessen sich in der Regel gut und erfolgreich behandeln. Gemäss
Aktenlage hätten beim Beschwerdeführer zuvor keine Ängste von
Krankheitswert vorgelegen. Auch anlässlich der Untersuchung vom 21.
Dezember 2015 habe sie derartige Symptome nicht identifizieren können.
Unter Berücksichtigung der Aktenlage sei dem Beschwerdeführer
einmalig und zwar im Juli 2015 von der damals behandelnden
Psychiaterin Dr. med. E._ eine "Angststörung, gemischt mit
Depression (F41.2)" diagnostiziert worden. Gemäss der lCD-10 handle es
sich bei (F41.2) um eine sehr leichte Angst und sehr leichte depressive
Symptome, welche jeweils die Kriterien einer leichten depressiven
Episode und auch einer phobischen Störung oder einer Panikstörung
nach der ICD-10 nicht erfüllten. Diese sehr leichten Symptome hätten –
aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht – (wie in ihrem Gutachten
dargestellt) keine relevanten psychischen Einschränkungen zur Folge und
auch keine psychischen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Laut
Gutachterin sei ausserdem nicht nachvollziehbar, wie die
Verantwortlichen des WTL zu einer 50%igen Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers während einer Präsenzzeit von 26 Stunden pro
Woche gekommen seien. Die Beurteilung der persönlichen und sozialen
Kompetenzen sei ferner aufgrund von Unklarheiten, Inkonsistenzen und
Widersprüchen nicht nachvollziehbar. So sei die Lern- und
Leistungsbereitschaft des Beschwerdeführers mit der Note 3, während
seine Arbeitsmotivation höher, mit einer Note 4.5 benotet worden sei,
obschon das eigentliche Problem eine mangelnde Arbeitsmotivation sei.
Weshalb die Konzentrationsfähigkeit sehr schlecht benotet worden sei
(Note 2), lasse sich nicht nachvollziehen, zumal dem Beschwerdeführer
eine "gute Sorgfalt" und eine "stets konstant hohe Qualität seiner
Arbeiten" bescheinigt worden seien. Gemäss Bericht habe der
Beschwerdeführer im Bereich der Logistik und Montage "konzentriert und
fehlerfrei" gearbeitet. Weshalb die Kommunikationsfähigkeit des
Beschwerdeführers, der, wie im Verlauf zitiert, stets seine subjektiven
- 21 -
Beschwerden und seine subjektive Meinung gegenüber den zuständigen
Personen gut mündlich und auch schriftlich habe mitteilen und diese auch
mit Nachdruck habe vertreten können, mit einer 3 benotet werde, lasse
sich ebenfalls nicht nachvollziehen. Weshalb schliesslich eine persönliche
Begleitung und Betreuung mit von 1 zu 1 bis 1 zu 4 notwendig gewesen
sein sollte, lasse sich anhand der Ausführungen im Schlussbericht nicht
nachvollziehen. Insgesamt erscheine die tabellarisch dargestellte
Bewertung von persönlichen und sozialen Kompetenzen aus
gutachterlich-psychiatrischer Sicht in weiten Teilen anhand der
diagnostischen Erkenntnisse der Begutachtung nicht schlüssig. Aufgrund
nicht näher präzisierter "gesundheitlicher Einschränkungen",
"krankheitsbedingter Handicaps" und "massiver Ängste", die aber
allesamt psychiatrisch zu verifizieren wären, sei der Leistungsgrad des
Beschwerdeführers während seiner reduzierten Präsenzzeiten mit 50 %
beziffert worden, was sich nicht nachvollziehen und nicht plausibilisieren
lasse. Die Lektüre des Schlussberichtes spiegle aus gutachterlich-
psychiatrischer Sicht vor allem das sehr eigenwillige subjektive
Krankheitskonzept des Beschwerdeführers und sein daraus
resultierendes unangepasstes Krankheits-, Schon- und
Vermeidungsverhalten wider, welches er gegenüber den zuständigen
Personen habe durchzusetzen wissen, bzw. welches auch von den
zuständigen Personen des WTL unkritisch übernommen worden sei.
Bereits im Rahmen ihrer psychiatrischen Begutachtung sei dem
Beschwerdeführer eine ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung empfohlen worden, mit dem Ziel einer adäquaten
Auseinandersetzung mit seinem eigenwilligen subjektiven
Krankheitskonzept, bzw. dem weiteren Ziel einer Veränderung des
bisherigen Krankheits-, Schon- und Vermeidungsverhaltes. Ebenfalls sei
eine sorgfältige Prüfung der Motivation des Beschwerdeführers für
berufliche Eingliederungsmassnahmen empfohlen worden. Diese
Empfehlungen seien, wie es anhand des Schlussberichtes anzunehmen
sei, nicht umgesetzt worden.
- 22 -
8.4. Ferner äussert die Gutachterin ihre Kritik auch am Kurzbericht der
Stiftung Balm vom 9. November 2016. Während der dreitätigen Abklärung
in der Stiftung Balm sei das Arbeitsverhalten, das berufliche Können, das
Lernverhalten und auch der kognitive Bereich von der zuständigen
Person der Stiftung jeweils als "gut" eingeschätzt worden. Die Ergebnisse
dieser Abklärung seien diskrepant zu den Ergebnissen des WTL, wo das
Lernverhalten und der kognitive Bereich als schlecht beurteilt worden
seien. Auffälligkeiten im emotionalen Bereich (z.B. Angst, Panik) seien in
der Stiftung Balm nicht beschrieben worden, was ebenfalls diskrepant zu
den Angaben im Bericht des WTL sei. Lediglich das Sozialverhalten
(Warten, bis er an die Reihe komme, Beteiligung in der Gruppe, Toleranz
und Anpassungsfähigkeit) sei von der zuständigen Person der Stiftung
Balm als "genügend" eingeschätzt worden. Die Kontaktfähigkeit sei als
"noch zu entwickeln" eingeschätzt worden, wobei angemerkt worden sei,
dass der Beschwerdeführer "Einzelgänger" sei und "auf andere Leute
nicht zugeht". Diese Ausführungen zum Sozialverhalten liessen sich aus
gutachterlich-psychiatrischer Sicht nur zum Teil nachvollziehen. Eine
Einschränkung der Kontaktfähigkeit lasse sich beim Beschwerdeführer
aus psychiatrischer Sicht nicht erkennen. Vielmehr sei er in seinem
Kontaktverhalten sehr zielgerichtet und sehr durchsetzungsfähig
erschienen. Die zumutbare Fähigkeit zur Anpassung sollte nicht mit einer
fehlenden Anpassungsbereitschaft verwechselt werden. Die
Schlussfolgerung der Abklärungsperson: (Zitat) "Er hat eher im
Sozialbereich Mühe. Dies ist auch klar, da es bei ihm um eine
Aspergerdiagnose geht" könne aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht
nicht nachvollzogen und anhand eigener Untersuchungsergebnisse nicht
bestätigt werden. Aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht handle es sich
hierbei um eine subjektive Meinung eines psychiatrischen Laien. Eine
diagnostische Einschätzung von psychiatrischen Diagnosen könnten
ausschliesslich Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie vornehmen.
- 23 -
8.5. Mit der Gutachterin med. pract. C._ ist gestützt auf ihre
Ausführungen in ihrer Stellungnahme vom 19. Januar 2018 davon
auszugehen, dass sich aus dem Schlussbericht des WTL vom 17.
November 2016 und dem Kurzbericht der Stiftung Balm vom 9. November
2016 weder neue Aspekte noch neue medizinische Erkenntnisse
ergeben, die eine Änderung der psychiatrischen Einschätzung im
Gutachten vom 25. Februar 2016 zur Folge hätten. Die genannte
Stellungnahme der Gutachterin vom 19. Januar 2018 ist entgegen der
Ansicht des Beschwerdeführers nachvollziehbar. Als lückenhaft oder nicht
aktuell kann diese Stellungnahme nicht bezeichnet werden. Entgegen der
Auffassung des Beschwerdeführers hat die Gutachterin nicht etwa ein
neues psychiatrisches Gutachten hinsichtlich der im Schlussbericht des
WTL erwähnten Angststörungen als notwendig erachtet. Die Gutachterin
hat betont, dass sie bereits anlässlich der Untersuchung vom 21.
Dezember 2015 derartige Symptome nicht identifizieren konnte. Gemäss
Gutachterin spiegelt die Lektüre des Schlussberichts des WTL vor allem
das sehr eigenwillige subjektive Krankheitskonzept des
Beschwerdeführers und sein daraus resultierendes unangepasstes
Krankheits-, Schon- und Vermeidungsverhalten wider. Wie bereits im
Rahmen ihrer psychiatrischen Begutachtung, hat sie schliesslich eine
ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung empfohlen,
mit dem Ziel einer adäquaten Auseinandersetzung mit dem eigenwilligen
subjektiven Krankheitskonzept des Beschwerdeführers, bzw. dem
weiteren Ziel einer Veränderung des bisherigen Krankheits-, Schon- und
Vermeidungsverhaltes. Von einer Ausserachtlassung krankheitsrelevanter
Symptome kann somit nicht die Rede sein. Zudem hat die Gutachterin auf
die in der Tat diskrepanten Ergebnisse der Abklärungen des WTL und der
Stiftung Balm hingewiesen; namentlich sind im Kurzbericht der Stiftung
Balm vom 9. November 2016 keine Angaben über Angst, Panik oder
weitere emotionale Auffälligkeiten ersichtlich (vgl. Bf-act. 4). Dass im
genannten Kurzbericht der Stiftung Balm ein Aspergersyndrom
"diagnostiziert" wird, kann im Übrigen gestützt auf die korrekten
- 24 -
Ausführungen von pract. med. C._, wonach es sich dabei lediglich
um die subjektive Meinung eines psychiatrischen Laien handle,
unbeachtet bleiben.
8.6. Der Beschwerdeführer stellt noch die Unvoreingenommenheit der
Gutachterin med. pract. C._ in Frage. Dass sie erwähnt habe, das
eigentliche Problem des Beschwerdeführers sei dessen mangelnde
Arbeitsmotivation, lasse ihre letzte Stellungnahme 19. Januar 2018 als
nicht mehr neutral erscheinen. Schon anlässlich der gutachterlichen
Untersuchung vom 21. Dezember 2015 habe sich abzuzeichnen
begonnen, dass die Gutachterin Mühe bekunde, objektiv zu bleiben.
Dieser Einwand ist unbegründet. Med. pract. C._ wies in ihrem
Gutachten darauf hin, dass der Beschwerdeführer vor dem
Begutachtungstermin verschiedene E-Mails an sie geschrieben und zur
Untersuchung einen nach seinen Angaben selbst erstellten, schriftlich
verfassten Lebenslauf mitgebracht habe. Anders als in seinen vielen
fehlerfrei geschriebenen E-Mails, habe der Lebenslauf gemäss med.
pract. C._ zahlreiche Fehler enthalten. Hierbei habe sich der
Eindruck einer auffallenden Diskrepanz, bzw. Inkonsistenz ergeben (vgl.
Bg-act. 106 S. 21 f.). Gegen diese Schlussfolgerung der Gutachterin
bringt der Beschwerdeführer keine fundierten Argumente vor. Soweit
seine Rechtsvertreterin einwendet, es sei ungeklärt, ob der
Beschwerdeführer die erwähnten E-Mails an die Gutachterin selbst oder
mit externer Unterstützung verfasst habe, und sie zudem vorwirft, weder
zitiere die Gutachterin aus diesen Dokumenten, noch lägen sie dem
Gutachten bei, so kann sie nicht gehört werden. Aufgrund der den
Beschwerdeführer treffenden Mitwirkungspflicht zur Abklärung des
Sachverhalts obliegt es ihm, als Absender der genannten E-Mails, die
behauptete Unklarheit zu beseitigen. Mangels anderslautender Angaben
seinerseits kann an der betreffenden Schilderung der Gutachterin nicht
gezweifelt werden. Dass die Gutachterin in ihrem Gutachten gewisse
Eindrücke aus Sicht des Beschwerdeführers als negativ bewertet hat,
- 25 -
kann vom Gericht nicht beanstandet werden, zumal es sich dabei um
Erkenntnisse und Schlussfolgerungen von einer Fachärztin handelt.
Entgegen der Darstellung des Beschwerdeführers bestätigt die
Gutachterin durch ihre Stellungnahme vom 19. Januar 2018 ihre in ihrem
Gutachten vom 25. Mai 2016 gemachten Ausführungen. Die Objektivität
der Gutachterin wird durch die Einwände des Beschwerdeführers nicht
erschüttert. Auf die schlüssige und nachvollziehbare Stellungnahme von
med. pract. C._ vom 19. Januar 2018 kann nach dem Gesagten
abgestellt werden.
9.1. Schliesslich ist noch die Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin nach
unbestrittenen Angaben des Beschwerdeführers im Vorbescheid vom 4.
Januar 2018 die Übernahme der Mehrkosten für die (erneute) erstmaIige
berufliche Ausbildung des Beschwerdeführers zum Logistiker EBA
angekündigt hat, zu werten. In diesem Zusammenhang rügt der
Beschwerdeführer, es sei unverständlich, warum die
Beschwerdegegnerin auf die Einschätzung von med. pract. C._
abstelle und einen Rentenanspruch verneine, wenn sie zuerst am 14. Juli
2016 bereits eine weitere Kostengutsprache für die berufliche Abklärung
beim WTL für die Zeit vom 15. August bis 14. November 2016 erteilt habe
und sie nun für die Mehrkosten der erstmaligen beruflichen Ausbildung
des Beschwerdeführers als Logistiker EBA aufkomme. Diese Ausbildung
finde im geschützten Rahmen statt. Aus allen Berichten der beruflichen
Abklärungs- und Ausbildungsstätten ergebe sich, dass der
Beschwerdeführer sogar im geschützten Rahmen andauernde Betreuung
und Begleitung benötige, auf einen gleichbleibenden Rahmen und
gleichbleibende Bezugspersonen angewiesen sei, in seiner Flexibilität
sehr eingeschränkt und nicht belastbar sei und zudem unter grossen
Prüfungs- und Versagensängsten leide. Daraus könne nur geschlossen
werden, dass auch die Beschwerdegegnerin der Ansicht sei, dass der
Beschwerdeführer auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig sei (vgl.
Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 27. Februar 2018).
- 26 -
9.2. Der Auffassung des Beschwerdeführers kann nicht gefolgt werden. Bei
der vorliegenden Übernahme der Mehrkosten für die Ausbildung zum
Logistiker wird eine bestimmte Mindesteinbusse in der Erwerbstätigkeit
nicht verlangt. Bezugspunkt der Prüfung bildet hier nicht die
Erwerbstätigkeit, sondern der beabsichtigte Ausbildungsgang mit seinen
spezifischen Anforderungen (vgl. Urteil des ehemaligen eidgenössischen
Versicherungsgerichts I 159/05 vom 16. März 2006 E.3.2.2 m.H.). Selbst
wenn also für die Übernahme der Mehrkosten der Ausbildung im
geschützten Rahmen zwar eine wesentliche "Invalidität" gegeben sein
muss, so bezieht sich diese "Invalidität" auf die Einschränkung im
beabsichtigten Ausbildungsgang und entspricht nicht der
Erwerbseinbusse bzw. dem Invaliditätsgrad. Im vorliegenden Fall ist
gemäss den sich als zuverlässig erwiesenen Ausführungen der
Gutachterin eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit
gegeben, wozu laut Gutachterin einfache, angelernte, repetitive
Tätigkeiten, z.B. am Fliessband oder ähnliche einfache Tätigkeiten,
zählen (Bg-act. 106 S. 35; vgl. vorne E.5.1). Dies führt zu keiner
Erwerbseinbusse (IV-Grad unter 40 % [vgl. Bg-act. C2 S. 11]), was für
die Verneinung eines Rentenanspruchs entscheidend ist.
10. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin bereits
vor Abschluss der Eingliederungsmassnahmen über die Rentenfrage
entscheiden durfte, da gestützt auf das Gutachten vom 25. Februar 2016
und die dieses bestätigende Stellungnahme vom 19. Januar 2018 von
med. pract. C._ davon auszugehen ist, dass beim Beschwerdeführer
kein rentenbegründender IV-Grad besteht (vgl. vorne E.4.2). In
Bestätigung der angefochtenen Verfügung ist die dagegen erhobene
Beschwerde somit abzuweisen.
11.1. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in
Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung
- 27 -
oder Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr.
200.-- bis Fr. 1'000.-- festzulegen. Vorliegend erscheint ein Kostenansatz
von Fr. 700.-- angemessen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens
sind diese Kosten dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.
11.2. Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer die beantragte unentgeltliche
Rechtspflege (Prozessführung und Rechtsverbeiständung) zu gewähren
ist.
Nach Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) hat jede Person, die nicht über die
erforderlichen Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege,
wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Soweit es zur
Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf
unentgeltlichen Rechtsbeistand. Art. 61 lit. f ATSG wiederholt dieses
Recht auf unentgeltliche Rechtspflege explizit. Laut diesen
Bestimmungen sind die Voraussetzungen für die Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos
erscheint, die Partei bedürftig und die Verbeiständung durch einen Anwalt
oder eine Anwältin geboten erscheint (vgl. auch BGE 134 I 166 E.3 m.H.).
Bedürftig im Sinne von Art. 61 lit. f ATSG ist eine Partei, die zur Leistung
der Parteikosten die Mittel zur Deckung des Grundbedarfs für sich und
ihre Familie angreifen müsste. Dabei liegt die Grenze der Bedürftigkeit
höher als diejenige des betreibungsrechtlichen Existenzminimums (SVR
2007 AHV Nr. 7 S. 20). Aussichtslos ist ein Prozess, dessen
Gewinnchancen beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahr und kaum
als ernsthaft bezeichnet werden können. Hingegen darf nicht von
Aussichtslosigkeit ausgegangen werden, wenn sich Gewinnaussichten
und Verlustgefahr ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig
geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die
- 28 -
nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess
entschliessen würde. Eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene
Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht allein deshalb anstrengen
können, weil er nichts kostet (BGE 138 III 217 E.2.2.4, 129 I 129 E.2.3.1,
122 I 267 E.2b; KIESER, a.a.O., Art. 61 N.173 ff.). Ob im Einzelfall
genügende Erfolgsaussichten bestehen, beurteilt sich aufgrund einer
vorläufigen und summarischen Prüfung der Prozessaussichten, wobei die
Verhältnisse im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs massgebend sind
(BGE 138 III 217 E.2.2.4).
11.3. Vorliegend erscheint der Rechtsstreit weder offensichtlich mutwillig noch
von vornherein aussichtslos. Auch ist die Vertretung durch eine Anwältin
notwendig oder doch zumindest geboten, zumal es sich beim
Beschwerdeführer um einen Laien handelt.
11.4. Fraglich ist, ob der Beschwerdeführer bedürftig ist. Die prozessuale
Bedürftigkeit beurteilt sich nach der gesamten wirtschaftlichen Situation
des Rechtsuchenden. Dazu gehören einerseits sämtliche finanziellen
Verpflichtungen, anderseits die Einkommens- und
Vermögensverhältnisse. Ein allfälliger Überschuss zwischen dem zur
Verfügung stehenden Einkommen und dem Zwangsbedarf der Gesuch
stellenden Partei ist mit den für den konkreten Fall zu erwartenden
Gerichts- und Anwaltskosten in Beziehung zu setzen, dabei sollte es der
monatliche Überschuss ihr ermöglichen, die Prozesskosten bei weniger
aufwendigen Prozessen innert einiger Monate bis rund eines Jahres, bei
anderen aufwendigeren Prozessen innert zweier Jahre zu tilgen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_234/2008 vom 4. August 2008 E.4;
MEICHSSNER, Das Grundrecht auf unentgeltliche Rechtspflege [Art. 29
Abs. 3 BV], Basel 2008, S. 75 f., je mit Hinweisen).
11.5. Für die Berechnung des prozessualen Zwangsbedarfs wird der
betreibungsrechtliche Grundbetrag durch effektive Bedarfsposten wie
- 29 -
Wohnungsmiete, Sozialbeiträge, Berufsauslagen, Arztkosten, laufende
Steuern usw. erweitert. Zudem ist der betreibungsrechtliche Grundbetrag
praxisgemäss um einen pauschalen Zuschlag von 20 % zu erhöhen (vgl.
MEICHSSNER, Das Grundrecht auf unentgeltliche Rechtspflege [Art. 29
Abs. 3 BV], Basel 2008, S. 74-95; Kreisschreiben des Kantonsgerichts
betreffend Richtlinien für die Berechnung des betreibungsrechtlichen
Existenzminimums [Notbedarf] nach Art. 93 SchKG vom 18. August
2009).
11.6. Im vorliegenden Fall verfügt der Beschwerdeführer über keine
Vermögenswerte. Seine monatlichen Einnahmen und Ausgaben lassen
sich wie folgt darstellen:
Ausgaben Grundbedarf (inkl. Zuschlag von 20 %) Fr. 1'440.-- (Fr. 1'200.-- + Fr. 240.--)
Mietzins Fr. 1'402.--
Krankenkasse (abzgl. IPV) Fr. 196.10 (Fr. 269.30 - Fr. 73.20 IPV)
Hausrat-/Privathaftpflichtversicherung Fr. 14.90 (Fr. 178.60 : 12)
Berufsauslagen Fr. 250.-- (praxisgemäss, da die
behaupteten Fr. 1'000.-- nicht belegt sind)
Total Ausgaben Fr. 3'303.--
Einnahmen (Ersatzeinkommen) Fr. 3'435.-- Gegenüberstellung Fr. 3'435.-- ./. Fr. 3'303.--
Überschuss Fr. 132.--
Die Gegenüberstellung des Einkommens mit dem Aufwand für den
notwendigen Lebensunterhalt (prozessualen Zwangsbedarf) ergibt einen
monatlichen Überschuss von Fr. 132.--. Die Gerichtskosten betragen
Fr. 700.-- und die durch das vorliegende Beschwerdeverfahren
verursachten Anwaltskosten belaufen sich gemäss korrigierter
Honorarnote vom 4. Januar 2017 bzw. 11. April 2018 auf Fr. 1'980.-- (12 h
à Fr. 160.-- statt der geltend gemachten Fr. 250.-- [vgl. zum
Stundenansatz für Hilfsorganisationen PVG 2010 Nr. 31] zzgl. Spesen
- 30 -
von Fr. 60.--). Der auf ein Jahr aufgerechnete Überschuss (Fr. 1'584.--)
reicht somit nicht aus, um die entstandenen Prozesskosten zu decken.
Daraus folgt, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage ist, für die
Gerichtskosten von Fr. 700.-- sowie die durch das vorliegende
Beschwerdeverfahren verursachten Anwaltskosten aufzukommen. Dem
Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege ist demnach stattzugeben und Rechtsanwältin lic. iur. Anna
Willi bzw. lic. iur. Susanne von Aesch Kamer, Rechtsdienst Inclusion
Handicap, als unentgeltliche Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers
einzusetzen. Die Gerichtskosten von Fr. 700.-- und die Kosten der
Rechtsvertretung von Fr. 1'980.-- werden demzufolge von der
Gerichtskasse übernommen.
11.7. Hinzuweisen ist noch auf den Vorbehalt in Art. 77 VRG, wonach die
erlassenen Gerichtskosten und die Kosten für die Rechtsvertretung zu
erstatten sind, wenn sich die Einkommens- oder Vermögensverhältnisse
des Beschwerdeführers dereinst verbessern sollten.
12. Die Kosten des Ergänzungsgutachtens von med. pract. C._ vom 19.
Januar 2018 in der Höhe von Fr. 1'200.-- werden von der Gerichtskasse
übernommen, zumal der Beschwerdegegnerin im hier vorliegenden Fall
nicht vorgeworfen werden kann, dass sie im Zeitpunkt des
Verfügungserlasses notwendige, weitere Abklärungen nicht
vorgenommen hätte (vgl. Art. 45 Abs. 1 ATSG).