Decision ID: e0fe5088-2c24-4b3e-b338-3535e9db22a1
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
B._ ist Eigentümerin von Grundstück Nr. 001, Grundbuch Z._, an
der G._strasse in Z._. Das Grundstück liegt gemäss geltendem
Zonenplan der Stadt Z._ vom 8. September 1980 in verschiedenen
Zonen und ist teilweise mit Verkehrsfläche überlagert. Auf dem Grund-
stück Nr. 001 betreibt die D._ AG eine Mobilfunkanlage. Der Stand-
ort der Mobilfunkanlage liegt in der Zone für öffentliche Bauten und
Anlagen.
B.
a) Mit Baugesuch vom 6. August 2019 beantragte die D._ AG
bei der Baubewilligungskommission der Stadt Z._ die Baubewilli-
gung für den Austausch der bestehenden Antennen bzw. für zusätzli-
che Antennen. Damit verbunden sind eine Frequenzerweiterung sowie
eine Leistungsanpassung.
b) Innert der Auflagefrist vom 8. bis 21. August 2019 erhob unter
anderen A._ Einsprache gegen das Bauvorhaben. Er rügte im We-
sentlichen, dass der vorgesehene Ausbau bzw. Umbau einer weiteren
massiven Erhöhung der Funkbelastung der Bevölkerung entspreche.
Die 5G-Technologie sprenge das bisherige Mobilfunkparadigma. Es
fehle ein griffiges Überwachungssystem.
c) Mit Beschluss vom 31. Oktober 2019 erteilte die Baubewilli-
gungskommission der Stadt Z._ die Baubewilligung unter Bedingun-
gen und Auflagen und wies die Einsprache von A._ ab.
C.
Gegen diesen Beschluss erhob A._ mit Schreiben vom 25. Novem-
ber 2019 Rekurs beim Baudepartement. Mit Rekursergänzung vom
5. Dezember 2019 stellt A._, nunmehr vertreten durch lic.iur. Mi-
chael Fretz, Rechtsanwalt, Aarau, die folgenden Anträge:
1. Die Baubewilligung (Umbau Mobilfunkanlage, GS-
Nr. 001, G._strasse) vom 31. Oktober 2019 sei .
2. Unter den gesetzlichen Kosten- und .
Verfahrensantrag
Das Verfahren sei zu sistieren, wenigstens bis die neue  des BAFU und ein auditiertes  vorliegen sowie die Unbedenklichkeit der 5G  für die Gesundheit und Umwelt wissenschaftlich  und belegt worden ist. Bei Vorliegen dieser  sei dem Rekurrenten angemessene Frist zur Ergänzung des Rekurses zu setzen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 39/2021), Seite 3/19
Zur Begründung wird geltend gemacht, dass adaptive Antennen unzu-
lässig privilegiert würden. Weiter sieht der Rekurrent die Planungs-
pflicht des Bundes verletzt. Sodann erachtet der Rekurrent die ausge-
wiesenen Sendeleistungen als falsch, was wiederum zur Folge habe,
dass weitere Antennen zur Antennengruppe hinzuzurechnen seien.
Auch würden Messvorschriften für die Abnahmemessungen sowie ein
Qualitätssicherungssystem (QS-System) für adaptive Antennen feh-
len. Abschliessend wird vorgebracht, Mobilfunkanlagen, insbesondere
mit der neuen 5G-Technologie, seien für Mensch und Umwelt proble-
matisch.
D.
a) Mit Vernehmlassung vom 16. Januar 2020 beantragt die
Vorinstanz, den Rekurs abzuweisen. Zur Begründung wird auf den an-
gefochtenen Entscheid verwiesen. Ergänzend wird geltend gemacht,
es handle sich bei der Beurteilung der Antennenanlage gemäss im
Moment geltender Vollzugshilfe um eine "Worst Case"-Beurteilung.
Die heutigen Regel- und Kontrollmechanismen würden genügen, da
unter den "Worst Case"-Annahmen im ordnungsgemässen Betrieb
keine Grenzwertüberschreitungen zu erwarten seien. Der Anlage-
grenzwert sei an allen Orten mit empfindlicher Nutzung (OMEN, Art. 3
Abs. 3 der eidgenössischen Verordnung über den Schutz vor nichtio-
nisierender Strahlung [SR 814.710; abgekürzt NISV]) eingehalten und
der Perimeter sei unverändert nach der geltenden Vollzugshilfe zu be-
rechnen. Dies sei im vorliegenden Fall entsprechend geschehen. Der
Rekursgegnerin werde für die Abnahmemessung eine Frist einge-
räumt, welche drei Monate nach Inbetriebnahme der Anlage ende.
Falls bis dahin die Empfehlung für das Messverfahren für adaptive An-
tennen noch nicht vorliege, könne die Frist für die mit der adaptiven
Antennentechnik ausgesendeten Dienste auf Ersuchen der Rekurs-
gegnerin bis drei Monate nach Erscheinen der Messempfehlung,
längstens aber bis neun Monate nach Rechtskraft der Baubewilligung,
verlängert werden. Die genannten Fristen würden in der Grössenord-
nung der bisher gewährten Fristen liegen. Sodann obliege die Prüfung
der Tauglichkeit des QS-Systems für adaptive Antennen und die Über-
prüfung des QS-Systems für bereits bestehende Anlagen dem Bun-
desamt für Umwelt (BAFU).
b) Mit Vernehmlassung vom 30. Januar 2020 beantragt die
Rekursgegnerin den Rekurs unter Kosten- und Entschädigungsfolge
abzuweisen, soweit auf ihn einzutreten sei. Zur Begründung wird gel-
tend gemacht, die Vorinstanz habe den Umbau der Mobilfunkanlage
richtigerweise nach dem bisherigen Berechnungsmodell beurteilt. Die
vom Rekurrenten beschriebene Funktionsweise von adaptiven Anten-
nen würde sich stark von der realen Wirkungsweise solcher Antennen
unterscheiden. Für die Berechnung der äquivalenten Sendeleistungen
(ERP) von adaptiven Antennen seien allein die Ausgangsleistung des
Verstärkers und der Antennengewinn massgebend. In Bezug auf die
QS-Systeme sei zu sagen, dass sämtliche Parameter, welche die ERP
beeinflussen, in das QS-System aufgenommen würden. Dies gelte für
alle Antennentypen. Es könne damit sichergestellt werden, dass die
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maximal bewilligte Sendeleistung nicht überschritten und der zuläs-
sige Anlagegrenzwert eingehalten werden würden. Es sei einer wirk-
samen Kontrolle der Emissionsbegrenzung genüge getan. Sodann sei
für die Erteilung der Baubewilligung die rechnerische Immissionsprog-
nose massgebend. Entsprechend könne sich eine fehlende Messemp-
fehlung nicht nachteilig auf die Bewilligungsfähigkeit auswirken. Der
Sistierungsantrag sei abzuweisen. Weiter könne nach der Rechtspre-
chung des Bundesgerichtes kein Sach- oder Richtplan mit konkreten
räumlichen und zeitlichen Vorgaben verlangt werden. Zur Leistungs-
angabe sei zu sagen, dass die gesamthaft maximal ausgesendete
Sendeleistung aller zu einem Moment aktiven Sendekegel immer ma-
ximal der für die Mobilfunkantennen bewilligten Sendeleistung ent-
spreche. Die Leistungsangaben und damit auch der angegebene Ra-
dius des Anlageperimeters seien korrekt. Abschliessend wird zu den
gesundheitlichen Auswirkungen von Mobilfunkantennen Stellung ge-
nommen. Adaptive Antennen hätten wie die konventionellen Antennen
die Grenzwerte der NISV einzuhalten. Es sei gewährleistet, dass Mo-
bilfunkanlagen keine gesundheitliche Gefährdung der Bevölkerung
darstellen würden.
c) Mit Amtsbericht vom 3. März 2020 nimmt das kantonale Amt für
Umwelt (AFU) zum Rekurs Stellung. Es kommt zum Schluss, dass die
Vorbringen des Rekurrenten unbegründet und die Anlagegrenzwerte
eingehalten seien.
d) Mit Vernehmlassung vom 20. April 2020 verzichtet der Rekur-
rent darauf, am Sistierungsantrag festzuhalten. Er ergänzt den Rekurs
mit dem Eventualantrag, die Baubewilligung sei dahingehend zu er-
gänzen, dass die Sendeantennen nicht als adaptive Antennen im Sinn
von Anhang 1 Ziffer 62 Abs. 6 NISV betrieben werden dürften. Weiter
macht der Rekurrent geltend, dass eine Verletzung von Anhang 1
Ziff. 63 NISV vorliege, weil die adaptiven Antennen wie konventionelle
behandelt werden würden. Weiter verlangt der Rekurrent, die Rekurs-
gegnerin sei zu verpflichten, das Audit und die Bewertung zur aktuel-
len ISO-Zertifizierung des QS-Systems einzureichen. Er bezweifelt,
dass adaptive Antennen auch korrekt vom QS-System erfasst werden
würden. Nochmals führt der Rekurrent aus, dass kein Messverfahren
für adaptive Antennen vorliegen würde und dass die 5G-Technologie
gesundheitliche Risiken birge. Das umweltschutzrechtliche Vorsorge-
prinzip werde dadurch verletzt.
e) Mit Vernehmlassung vom 18. Mai 2020 nimmt die Rekursgeg-
nerin nochmals Stellung. Der Beurteilung nach dem "Worst Case"-
Szenario sei aus rechtlicher Sicht nichts entgegenzuhalten, zumal die
Einhaltung der Grenzwerte mit diesem Vorgehen sichergestellt sei und
damit kein Widerspruch zu den Anliegen der Umweltschutzgesetzge-
bung vorliege. Der Eventualantrag sei entsprechend abzuweisen, so-
weit darauf einzutreten sei. Der massgebliche Betriebszustand von
adaptiven Antennen würde sich bis zur Berücksichtigung der Variabi-
lität nicht vom massgebenden Betriebszustand von konventionellen
Antennen unterscheiden. Da damit auch die einzuhaltenden und zu
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prüfenden Parameter identisch seien, erübrige sich eine Prüfung des
QS-Systems. Damit sei der Antrag des Rekurrenten, die Rekursgeg-
nerin zu verpflichten, das Audit und die Bewertung der aktuellen ISO-
Zertifizierung des QS-Systems einzureichen und zu eröffnen, abzu-
weisen, soweit darauf einzutreten sei. Sodann hätte das Eidgenössi-
sche Institut für Metrologie (METAS) am 18. Februar 2020 den techni-
schen Bericht im Zusammenhang mit der Messmethode publiziert und
zwischenzeitlich revidiert und überarbeitet. Die Behauptung, dass
keine anerkannte Messmethode bestehe, sei folglich falsch. Ab-
schliessend weist die Rekursgegnerin wiederholt darauf hin, dass ge-
währleistet sei, dass Mobilfunkanlagen keine gesundheitliche Gefähr-
dung der Bevölkerung darstellen würden.
f) Mit Amtsbericht vom 21. Juli 2020 nimmt das AFU zur Replik
Stellung.
g) Mit Vernehmlassung vom 17. August 2020 legt der Rekurrent
nochmals seine Ansicht dar und bestreitet die Ausführungen des AFU
vom 21. Juli 2020.
h) Mit Schreiben vom 18. März 2021 nimmt der Rekurrent ab-
schliessend Stellung. Insbesondere weist er auf Neuerung im Zusam-
menhang mit dem Nachtrag zur Vollzugshilfe vom 23. Februar 2021
hin.
E.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und
Art. 48 VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben
(Art. 45 VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.
Der Rekurrent macht geltend, dass spätestens seit der Einführung der
5G-Technologie für Mobilfunkanlagen ein erhöhter Koordinations-
bedarf bestehe. Es wäre Sache des Bundes, dem mittels planerischen
Massnahmen nachzukommen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 39/2021), Seite 6/19
2.1 5G ist der Name der fünften Mobilfunkgeneration, die als "New
Radio" bezeichnet wird. Die über das Mobilfunknetz übertragene Da-
tenmenge verdoppelt sich jedes Jahr. Mit der Einführung der dritten
Mobilfunkgeneration (3G, UMTS) Mitte der 2000er-Jahre und der vier-
ten Generation (4G, LTE) ab 2012 konnte der Bedarf bisher abgedeckt
werden. Nun stossen diese Technologien jedoch an ihre Grenzen. Die
Einführung von 5G wird für eine deutliche Erhöhung der Datenübertra-
gungskapazitäten sorgen. Der Schutz gegenüber elektromagneti-
schen Feldern – welche unter anderem von Mobilfunkanlagen ausge-
hen – wird in der Schweiz in der NISV geregelt. Diese Verordnung
stützt sich auf das Bundesgesetz über den Umweltschutz (SR 814.01;
abgekürzt USG). Die NISV legt dabei die maximal zulässigen Feldstär-
ken für Mobilfunkanlagen fest (Anhang I Ziff. 64 NISV). Die NISV ist
frequenzabhängig, aber technologieneutral verfasst, weshalb die Be-
griffe wie 3G, 4G und 5G nirgends in den gesetzlichen Grundlagen zu
finden sind. Die Benutzung des Frequenzspektrums ist reglementiert,
um Störungen zu verhindern. Daher benötigen die Mobilfunkbetreiber
eine entsprechende Konzession. Für das Betreiben von Mobilfunknet-
zen wurden Konzessionen für die Frequenzen 700, 800, 900, 1400,
1800, 2100, 2600 und 3500 bis 3800 MHz an die Mobilfunkbetreiber
versteigert. Die Konzessionen sind ebenfalls technologieneutral aus-
gestaltet, so dass die konzessionierten Betreiber die Technologie zur
Erbringung mobiler Fernmeldedienste (2G, 3G, 4G oder 5G) frei wäh-
len können (Bundesamt für Kommunikation [BAKOM], Faktenblatt 5G,
Januar 2020, S. 1 f. und 14, abrufbar unter www.bakom.admin.ch, zu-
letzt besucht am 4. Februar 2021). 5G ist gegenüber 4G keine ganz
neue Technologie. Die Funktechnik bzw. Strahlung der Antennen ist
im Bereich der heute verfügbaren Frequenzen mit 4G vergleichbar.
Der Unterschied zu den Technologiestandards besteht im Grundsatz
lediglich darin, dass die Daten anders verpackt und fokussierter über-
tragen werden (BAKOM, Fragen und Antworten zu 5G, Was ist der
Unterschied zwischen dem "echten 5G" und "5G-wide"?, abrufbar un-
ter www.bakom.admin.ch, zuletzt besucht am 4. Februar 2021). Um
die Stärken der 5G-Technologie – höhere Kapazität, Datenrate, kür-
zere Reaktionszeit und grössere Stabilität – effektiv zu nutzen, wird 5G
vor allem auf den im Jahr 2019 versteigerten Frequenzen von 3500
bis 3600 MHz eingesetzt (AFU, Info zu 5G, abrufbar unter
https://www.sg.ch/umwelt-natur/umwelt/strahlung-und-licht/5g-mobil-
funk.html, zuletzt besucht am 4. Februar 2021; vgl. zum Ganzen
BDE Nr. 62/2020 vom 6. August 2020 Erw. 2.1 ff.).
2.2 Das Bundesgericht hat bereits mehrfach eine Planungspflicht für
einzelne Mobilfunkanlagen verneint. Weiter hat das Bundesgericht
festgehalten, dass auch für das Mobilfunknetz als Ganzes kein Sach-
oder Richtplan mit konkreten räumlichen und zeitlichen Vorgaben
verlangt werden könne: Der Gesetzgeber habe sich im
Fernmeldegesetz gegen ein öffentliches Monopol und für einen
wirksamen Wettbewerb beim Erbringen von Fernmeldediensten
entschieden; die von der Eidgenössischen Kommunikationskommis-
sion erteilten Konzessionen verpflichteten die Konzessionärinnen, die
Versorgung der Bevölkerung innerhalb eines zeitlich definierten
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 39/2021), Seite 7/19
Rahmens zu realisieren. Grundsätzlich sei es Sache der privaten
Mobilfunkbetreiber und nicht des Gemeinwesens, ihr Mobilfunknetz zu
planen und geeignete Antennenstandorte hierfür auszuwählen (Urteil
des Bundesgerichtes 1A.62/2001 vom 24. Oktober 2001 Erw. 6; Urteil
des Bundesgerichtes 1A.280/2004 vom 27. Oktober 2005 Erw. 3;
Urteil des Bundesgerichtes 1A.54/2006 vom 10. Oktober 2006
Erw. 6.2).
2.3 Nach dem Gesagten sind die Konzessionen (wie auch die NISV)
technologieneutral ausgestaltet. Die konzessionierten Betreiber kön-
nen für die Versorgung der Bevölkerung mit Fernmeldediensten die
Technologie (2G, 3G, 4G oder 5G) frei wählen. Die neue Möglichkeit
der Einsetzung der 5G-Technologie ändert nichts daran, dass es nach
wie vor Sache der privaten Mobilfunkbetreiber und nicht des
Gemeinwesens ist, ihr Mobilfunknetz zu planen und geeignete
Antennenstandorte hierfür auszuwählen. Ein erhöhter
Koordinationsbedarf ist nicht ersichtlich. Es kann folglich auch für
Mobilfunkanlagen mit 5G-Technologie auf die Praxis des
Bundesgerichtes verwiesen werden.
3.
3.1 Der Rekurrent beruft sich auf eine unzulässige Privilegierung
von adaptiven Antennen. Der massgebliche Betriebszustand, bei
welchem die Anlagegrenzwerte eingehalten werden müssten, werde
nicht wie bei anderen Antennen anhand des maximalen Gesprächs-
und Datenverkehrs bei maximaler Sendeleistung definiert, sondern die
Variabilität der Sendeleistungen und der Antennendiagramme würden
gemäss NISV berücksichtigt werden (Anhang 1 Ziff. 63). Sodann
würde eine Änderung des Standortdatenblatts aufgrund des Nach-
trags zur Vollzugshilfe vom 23. Februar 2021 eine wesentliche Ände-
rung der Anlage in Form einer Neuanlage bedeuten und ein neues
Baubewilligungsverfahren wäre diesfalls durchzuführen.
3.1.1 Adaptive Antennen richten gebündelte und dynamische Sen-
dekegel auf die jeweiligen Nutzerinnen und Nutzer in einer Funkzelle
(Anhang 1 Ziff. 62 Abs. 6 NISV; sog. Beamforming). Solche Antennen
kommen nach den obigen Ausführungen insbesondere in Verbindung
mit der 5G-Technologie zum Einsatz, könnten grundsätzlich aber auch
für bisherige Technologien wie 3G oder 4G eingesetzt werden. Durch
die Funktionsweise der adaptiven Antennen wird Energie gespart, weil
weniger Streuverluste anfallen und die Strahlung ausserhalb der Sen-
dekegel deutlich tiefer liegt. Folglich reduzieren adaptive Antennen die
Strahlungsbelastung der Bevölkerung und es ist naheliegend, für sie
einen weniger strengen massgebenden Betriebszustand zu definieren
(BDE Nr. 62/2020 vom 6. August 2020 Erw. 2.3 mit Hinweis auf AFU,
Info zu 5G, abrufbar unter https://www.sg.ch/umwelt-natur/um-
welt/strahlung-und-licht/5g-mobilfunk.html, zuletzt besucht am 4. Feb-
ruar 2021; BAFU, "Informationen an die Kantone, Mobilfunk und Strah-
lung: Aufbau der 5G-Netze in der Schweiz", Schreiben vom 17. Ap-
ril 2019, S. 2 und 4, abrufbar unter https://www.bafu.ad-
min.ch/bafu/de/home/themen/elektrosmog/fachinformationen.html,
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 39/2021), Seite 8/19
zuletzt besucht am 4. Februar 2021, im Folgenden Informationsschrei-
ben Aufbau 5G-Netze). Für die Festlegung dieses speziellen massge-
benden Betriebszustands der adaptiven Antennen soll die Variabilität
der Senderichtungen und der Antennendiagramme berücksichtigt wer-
den (Anhang 1 Ziff. 63 NISV). Die konkrete Ausgestaltung des Grund-
satzes ist angesichts der Dynamik der Entwicklung der Antennentech-
nik auf Stufe Vollzugshilfe sachgerecht (BAFU, Erläuterungen zur Än-
derung NISV, 17. April 2019, S. 8).
3.1.2 Am 23. Februar 2021 hat das BAFU den Nachtrag zur Vollzugs-
hilfe zur NISV publiziert. Der Nachtrag beschreibt, wie die Strahlung
der adaptiven Antennen berechnet werden kann. Er basiert auf Test-
messungen, die im Sommer 2020 durchgeführt worden sind. Ziel der
Testmessungen war es, Transparenz zu schaffen, wie stark die Bevöl-
kerung durch adaptive Antennen tatsächlich belastet wird (Vollzugs-
hilfe in Kürze, abrufbar unter https://www.bafu.ad-
min.ch/bafu/de/home/themen/elektrosmog/dossiers/bericht-arbeits-
gruppe-mobilfunk-und-strahlung.html, zuletzt besucht am 28. Ap-
ril 2021). Bis zur Anwendung dieses Nachtrags werden adaptive An-
tennen gemäss den Anweisungen des BAFU in einem "Worst Case"-
Szenario behandelt. Die Strahlung wird dabei wie bei konventionellen
Antennen nach der maximalen Leistung beurteilt. Damit wird ihre tat-
sächliche Strahlung überschätzt und die Beurteilung ist auf der siche-
ren Seite (Informationsschreiben Aufbau 5G-Netze, S. 4; Informations-
schreiben Bewilligung und Messung, S. 2).
3.1.3 Für die Berechnung, welche der vorliegenden Baubewilligung
zugrunde liegt, wurde mangels im Zeitpunkt der erstinstanzlichen Be-
willigung noch nicht zur Anwendung gelangenden Nachtrags zur Voll-
zugshilfe vom 23. Februar 2021 im Sinn des oben dargelegten "Worst
Case" auf den bisher geltenden Betriebszustand abgestellt
(AFU, Amtsbericht vom 3. März 2020, S. 3 f.). Die erfolgte Publikation
des Nachtrages zur Vollzugshilfe am 23. Februar 2021 hat im
vorliegenden Verfahren keinen Einfluss auf das Standortdatenblatt
bzw. die mit Bewilligung vom 31. Oktober 2019 bewilligte
Sendeleistung. Es findet keine Änderung dieser statt. Demnach haben
sich die in der NISV verankerten Neuerungen bezüglich
Betriebszustand für adaptive Antennen vorliegend noch nicht
ausgewirkt und können entgegen der Ansicht des Rekurrenten auch
nicht gerügt werden. Diese Rügen des Rekurrenten sind abzuweisen.
3.2 Ergänzend rügt der Rekurrent in diesem Zusammenhang, es
liege eine Verletzung von Anhang 1 Ziff. 63 NISV vor, wenn diese Be-
stimmung bis zum Vorliegen der Vollzugshilfe nicht zur Anwendung
gelangten bzw. trotz nun am 23. Februar 2021 erfolgter Publikation
des Nachtrags zur Vollzugsverordnung weiterhin nicht zur Anwendung
kommen und adaptive Antennen in der Berechnung, welche der vor-
liegenden Baubewilligung zugrunde liegt, wie konventionelle behan-
delt werden würden. Zudem würde bestritten werden, dass es sich bei
dieser Berechnung um den "Worst Case" handle und dass das vorlie-
gende Antennendiagramm richtig sei. In jüngster Vergangenheit hätte
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 39/2021), Seite 9/19
sich bestätigt, dass das eingereichte Antennendiagramm der Rekurs-
gegnerin nicht dem maximalen Antennengewinn in alle Richtungen
entspreche (mit Verweis auf Urteil des Verwaltungsgerichtes Zürich
VB.2020.00544 vom 15. Januar 2021 und das Eidgenössische Depar-
tement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation [UVEK], Er-
läuterung zu adaptiven Antennen und deren Beurteilung gemäss der
NISV, 23. Februar 2021, Abbildung 6 und 7, im Folgenden Erläuterun-
gen zu adaptiven Antennen).
3.2.1 Anhang 1 Ziff. 63 NISV legt einzig fest, dass beim massgeben-
den Betriebszustand für adaptive Antennen die Variabilität der Sende-
richtungen und der Antennendiagramme zu berücksichtigen sind. In-
wiefern diese Bestimmung verletzt wurde, indem bis zur Anwendung
des Nachtrags zur Vollzugshilfe vom 23. Februar 2021 bei den Be-
rechnungen von einem "Worst Case"-Szenario ausgegangen wird –
wie dies das BAFU selbst angeordnet hat (vgl. BAFU, Informations-
schreiben Aufbau 5G-Netze, S. 4) –, ist nicht ersichtlich. Daran ändert
auch die erfolgte Publikation des Nachtrags zur Vollzugshilfe am
23. Februar 2021 nichts.
3.2.2 In Bezug auf die vorliegend zugrundeliegende "Worst Case"-Be-
rechnung erläutert das AFU, die Antennendiagramme seien zusam-
mengesetzte Diagramme aus einzelnen Beams. Für jeden möglichen
Beam werde ein Diagramm mit dem jeweils möglichen maximalen An-
tennengewinn erstellt. Um diese einzelnen Diagramme werde an-
schliessend eine umhüllende Kurve gelegt. Dies geschehe sowohl für
die horizontale als auch vertikale Ausbreitung. Der maximale Anten-
nengewinn entspreche der gezieltesten Ausrichtung auf einzelne End-
geräte. Erfolge der maximal mögliche Antennengewinn bei maximaler
Sendeleistung, resultiere daraus der "Worst Case" mit der höchsten
elektrischen Feldstärke, was dem maximalen Gesprächs- und Daten-
verkehr entspreche. Seien mehrere Beams gleichzeitig aktiv, so werde
die Leistung unter den Beams aufgeteilt. Wenn sich beispielsweise
acht Mobiltelefone gleichmässig und optimal verteilt im Sendebereich
einer Antenne befänden, würde jedes Endgerät 1/8 der maximal mög-
lichen effektiven (= bewilligten) Sendeleistung erhalten. Die Berech-
nung berücksichtige diese Leistungsaufteilung unter den Beams je-
doch nicht, womit die Beurteilung für die betroffene Bevölkerung einer
Mobilfunkanlage auf der sicheren Seite liege. Würde ein Antennendi-
agramm für den konkreten Fall erstellt, dass mehrere Beams gleich-
zeitig aktiv sein würden, würde dieses gegenüber dem rechtlich mas-
sgebenden Diagramm erheblich weniger Fläche beanspruchen
(vgl. AFU, Amtsbericht vom 3. März 2020, S. 3 und AFU, Amtsbericht
vom 21. Juli 2020, S. 1 f.; vgl. auch zu den umhüllenden Antennendi-
agrammen adaptiver Antennen UVEK, Erläuterungen zu adaptiven
Antennen, S. 10 f.).
3.2.3 Die Ausführungen der kantonalen Fachstelle zur vorliegenden
Berechnung und die Antennendiagramme sowie die allgemeinen Er-
läuterungen der Bundesfachbehörde zum "Worst Case"-Szenario sind
überzeugend. Von Amtsberichten wird nur dann abgewichen, wenn
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 39/2021), Seite 10/19
dafür stichhaltige Gründe bestehen. Dies wäre etwa der Fall bei offen-
sichtlichen Mängeln und Widersprüchen (Baudepartement SG, Juris-
tische Mitteilungen 2010/III/4; BDE 60/2020 vom 10. Juli 2020
Erw. 8.6.1). Hiervon kann vorliegend keine Rede sein – auch nicht un-
ter Verweis auf die unterschiedlichen Diagramme (Abbildung 6 und 7)
in den Erläuterungen zu adaptiven Antennen des UVEK. Die beiden
Abbildungen können nicht miteinander verglichen werden, da es sich
um unterschiedliche Antennen handelt. Sodann ist die rekurrentische
Befürchtung, in der Nahumgebung unterhalb der Anlage könnte unter
Umständen eine höhere Strahlenbelastung als im Antennendiagramm
ausgewiesen, vorhanden sein, unbegründet. Denn die möglichen stär-
keren Strahlen einer adaptiven Antenne im Vergleich zu einer konven-
tionellen Antenne am Rand der Fläche sind in einer "Worst Case"-Be-
rechnung bereits berücksichtigt. Andernfalls wäre nicht von einer
"Worst Case"-Berechnung zu sprechen. Es ist somit den schlüssigen
Ausführungen der kantonalen Fachstelle zu folgen. Der Rekurs er-
weist sich deshalb in diesem Punkt als unbegründet.
4.
Sodann rügt der Rekurrent, bei einer 5G-Antenne gebe es nicht nur
eine Strahlenkeule pro Sektor, sondern mindestens 64. Alle 64 Beams
seien gleichzeitig aktiv und der Endbenutzer werde jeweils in
denjenigen Beam eingeloggt, welcher ihm das stärkste Signal zur
Verfügung stelle. Folglich müsste für den möglichen Volllastbetrieb der
5G-Antenne die Sendeleistung mit 64 multipliziert und die Grenzwerte
würden deutlich überschritten werden. Zudem würde die
Sendeleistung bei den 5G-Antennen 7, 8 und 9 künstlich gedrosselt
werden. Als Folge aus der falsch deklarierten Leistung müsste der
Radius deutlich grösser gefasst und weitere Antennen zur
Antennengruppe hinzugefügt werden. Dies würde zu einer
zusätzlichen Überschreitung der Grenzwerte führen.
4.1 Nach der technischen Spezifikation von 3GPP (3rd Generation
Partnership Project), eine weltweite Kooperation von Standardisie-
rungsgremien für die Standardisierung im Mobilfunk, sind je nach An-
tennenkonfiguration 8 bis 256 Beams pro Antenne möglich. Es gibt bei
5G zwei Arten vom Beams, nämlich den Broadcast-Beam und den
Traffic-Beam. Der Broadcast-Beam definiert den Abdeckungsbereich
einer Zelle. Ausserhalb dieser Zelle ist kein Verkehr (Traffic-Beam)
möglich (AFU, Amtsbericht vom 3. März 2020, S. 3 ff.). Nach den obi-
gen Ausführungen und in Übereinstimmung mit der Ansicht des Re-
kurrenten können mehrere Traffic-Beams gleichzeitig aktiv sein. Ist
dies jedoch der Fall, wird die effektive Sendeleistung unter den einzel-
nen Traffic-Beams aufgeteilt. Folglich ist eine Multiplikation mit 64 auf-
grund der Aufteilung der Sendeleistung falsch.
4.2
4.2.1 Der rekurrentischen Rüge, die Antennen 7, 8 und 9 würden
künstlich gedrosselt werden, hält das AFU entgegen, dass mit der vor-
liegend angewendeten rechnerischen Gleichbehandlung von konven-
tionellen und adaptiven Antennen die elektrische Feldstärke bei den
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 39/2021), Seite 11/19
adaptiven Antennen überschätzt werde. Durch die Möglichkeit der ge-
zielten Ausrichtung der Sendeantenne auf einzelne Endgeräte könne
die relativ geringe effektive Sendeleistung kompensiert werden. Wür-
den sich künftig jedoch mehr 5G-Nutzerinnen und Nutzer in einer Zelle
aufhalten, seien die Mobilfunkbetreiber auf eine realitätsnahe Berech-
nungsmethode der adaptiven Antennen angewiesen (AFU, Amtsbe-
richt vom 3. März 2020, S. 5).
4.2.2 Wiederum sind die Ausführungen des AFU nachvollziehbar und
keine Gründe ersichtlich, die es rechtfertigen würden, vom Amtsbe-
richt abzuweichen. Die im Standortdatenblatt ausgewiesenen effekti-
ven Sendeleistungen und die damit zusammenhängenden Angaben
der Rekursgegnerin sind demnach korrekt (AFU, Amtsbericht vom
3. März 2020, S. 5). Folglich ist auch der Perimeter der Antennen-
gruppe richtig berechnet. Die Rügen des Rekurrenten sind unbegrün-
det.
5.
Weiter würde es nach Ansicht des Rekurrenten im Moment an
anerkannten Messvorschriften für die Abnahmemessungen und an
codeselektiven Messinstrumenten für adaptive Antennen fehlen.
Deshalb sei das AFU aufzufordern, Messprotokolle von bereits in
Betrieb genommenen Anlagen ins Verfahren einzubringen. Ebenfalls
nicht vorhanden sei ein auditiertes QS-System für adaptive Antennen.
Der Rekurrent verlangt weiter, die Rekursgegnerin zu verpflichten, das
Audit und die Bewertung zur aktuellen ISO-Zertifizierung des QS-
Systems einzureichen. Das Bundesgericht hätte ohnehin das BAFU
angewiesen, die QS-Systeme zu überprüfen (Urteil des
Bundesgerichtes 1C_97/2018 vom 3. September 2019). Die
Fehleranfälligkeit der QS-Systeme bei adaptiven Antennen sei
nochmals höher. Zudem sei es nicht zulässig, adaptive Antennen zu
bewilligen, diese jedoch wie konventionelle zu beurteilen. Dadurch
würden Art. 12 Abs. 1 und 2 NISV verletzt werden.
5.1 Art. 12 Abs. 1 NISV schreibt vor, dass die Behörden die Einhal-
tung der Emissionsbegrenzungen zu überwachen haben. Zur Kon-
trolle der Einhaltung des Anlagegrenzwerts hat die Behörde Messun-
gen oder Berechnungen durchzuführen, lässt solche durchführen oder
stützt sich auf die Ermittlungen Dritter. Das BAFU hat geeignete Mess-
und Berechnungsmethoden zu empfehlen (Art. 12 Abs. 2 NISV). Die
Verordnung schreibt jedoch nicht vor, auf welche Weise die Kontrolle
zu erfolgen hat.
5.2
5.2.1 Eine Messmethode für die Strahlung von 5G-Basisstationen und
adaptiven Antennen bis 6 GHz ist vom METAS erarbeitet und am
18. Februar 2020 veröffentlicht worden. Das METAS schlägt dabei
zwei verschiedene Messmethoden vor: Die code-selektive und die fre-
quenzselektive Messmethode. Mit der code-selektiven Messmethode
lasse sich die Konformität oder Nichtkonformität einer Anlage eindeu-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 39/2021), Seite 12/19
tig nachweisen. Die frequenzselektive Methode bestimme bei 5G-Ba-
sisstationen den "Worst Case"-Antennenfaktor (Messmethode, Ver-
sion 2.1, S. 4 ff., abrufbar unter https://www.metas.ch/me-
tas/de/home/dok/rechtliches/messempfehlung-nisv.html, zuletzt be-
sucht am 4. Februar 2021). Die ersten Anwendungen der frequenzse-
lektiven Methode hätten in der Praxis in gewissen Situationen sodann
auch eine deutliche Überschätzung gezeigt. Um diese Überschätzung
zu vermeiden, hat das METAS mit Nachtrag vom 15. Juni 2020 An-
passungen an der frequenzselektiven Messmethode vorgenommen.
Durch die Anpassungen werden die Überschätzungen der frequenz-
selektiven Methode zum Teil verhindert, aber in keinem Fall unter-
schätzt (abrufbar unter https://www.metas.ch/me-
tas/de/home/dok/rechtliches/messempfehlung-nisv.html, S. 2 und 4).
Entgegen der Ansicht des Rekurrenten beruft sich das METAS – und
nicht das AFU – auf die ersten Erfahrungen in der Praxis. Deshalb sind
keine Messprotokolle vom AFU einzuholen – wobei ohnehin kein An-
lass besteht, jene Aussage des METAS zu überprüfen.
5.2.2 Zutreffend ist nach Auskunft des AFU, dass momentan auf dem
Markt noch keine code-selektiven Messinstrumente für 5G-Basisstati-
onen erhältlich seien (AFU, Amtsbericht vom 21. Juli 2020, S. 3).
Wenn jedoch kein code-selektives Messgerät zur Verfügung steht,
bleibt nach den obigen Ausführungen die Möglichkeit der frequenzse-
lektiven Methode. Dabei findet mit Sicherheit keine Unterschätzung
der Strahlenbelastung statt und der Schutz der Bevölkerung ist ge-
währleistet. Demnach besteht ein von der Fachbehörde des Bundes
empfohlenes Messverfahren für die Überprüfung der Strahlenbelas-
tung adaptiver 5G-Antennen.
5.3
5.3.1 Zur Gewährleistung der verlangten Kontrolle, dass die bewillig-
ten Parameter der Mobilfunkantennen im Betrieb eingehalten und die
Grenzwerte der NISV nicht überschritten werden, hat das BAFU am
16. Januar 2006 in einem Rundschreiben die Einrichtung eines QS-
Systems auf den Steuerzentralen der Netzbetreiber empfohlen. Das
QS-System soll durch eine unabhängige Stelle periodisch überprüft
und beglaubigt werden. Das BAFU führt in seinem Rundschreiben (ab-
rufbar unter www.bafu.ch/elektrosmog, zuletzt besucht am 4. Feb-
ruar 2021, im Folgenden Rundschreiben) aus, gemäss Bundesgericht
könne die Einhaltung der bewilligten ERP und der bewilligten Sende-
richtung entweder durch bauliche Begrenzungen oder durch eine ver-
lässliche Kontrolle der NIS-relevanten Hardwarekomponenten und
Einstellungen gewährleistet werden. Das BAFU empfiehlt, die zweite
vom Bundesgericht genannte Option zu verfolgen und diese in Form
eines QS-Systems der Netzbetreiber umzusetzen. Zu diesem Zweck
soll jede Netzbetreiberin eine oder mehrere Datenbanken implemen-
tieren, in denen für jede Sendeanlage sämtliche Hardware-Kompo-
nenten und Geräteeinstellungen, welche die Sendeleistung und -rich-
tung beeinflussen, erfasst und laufend aktualisiert werden. Das QS-
System muss über eine automatisierte Überprüfungsroutine verfügen,
die einmal je Arbeitstag die effektiv eingestellten Sendeleistungen und
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 39/2021), Seite 13/19
-richtungen sämtlicher Antennen des betreffenden Netzes mit den be-
willigten Werten bzw. Winkelbereichen vergleicht. Festgestellte Über-
schreitungen eines bewilligten Werts müssen innerhalb von 24 Stun-
den behoben werden, falls dies durch Fernsteuerung möglich ist, an-
dernfalls innerhalb einer Arbeitswoche. Stellt das QS-System solche
Überschreitungen fest, wird automatisch ein Fehlerprotokoll erzeugt.
Das QS-System muss von einer unabhängigen, externen Prüfstelle
periodisch auditiert werden (Rundschreiben, Ziff. 3). Sollte eine Netz-
betreiberin ihre Verpflichtung zum Aufbau eines QS-System nicht ein-
halten, würden künftig für die NIS-Beurteilung die maximale installierte
Sendeleistung und der maximal durch Fernsteuerung einstellbare
Winkelbereich zugrunde gelegt werden (Rundschreiben, Ziff. 6).
5.3.2 Das Bundesgericht hat das QS-System in verschiedenen Ent-
scheiden als wirksames und ausreichendes Instrument zur Kontrolle
der Emissionsbegrenzungen bezeichnet (vgl. statt vieler Urteil des
Bundesgerichtes 1C_340/2013 vom 4. April 2014 Erw. 4 mit
Hinweisen, Urteil des Bundesgerichtes 1C_642/2013 vom
7. April 2014 Erw. 6.1 mit Hinweisen).
Zutreffen ist, dass das Bundesgericht in dem vom Rekurrenten
angeführten Urteil vom 3. September 2019 das BAFU auffordert, im
Rahmen seiner Aufgaben, den Vollzug der NISV zu überwachen und
die Vollzugsmassnahmen der Kantone zu koordinieren, erneut eine
schweizweite Kontrolle des ordnungsgemässen Funktionierens der
QS-Systeme durchführen zu lassen oder zu koordinieren. Dies dränge
sich auch deshalb auf, weil sich die letzte dieser Kontrollen in den
Jahren 2010/2011 auf die computergesteuerten Parameter und die
Angaben in den Datenbanken beschränke und damals der Datenfluss
bzw. die Datenübertragung von der realen Anlage in die QS-
Datenbank nicht vor Ort überprüft worden sei. Trotzdem kommt das
Bundesgericht zum Schluss, dass die im Kanton Y._ bei
Mobilfunkantennen festgestellten Abweichungen von bewilligten
Einstellungen keine genügende Grundlage sei, um auf das generelle
Versagen der QS-Systeme zu schliessen, weil das Ausmass der
Abweichungen sowie deren Auswirkungen auf die Belastung durch
nichtionisierende Strahlung an OMEN nicht bekannt seien und auch
entsprechende Feststellungen bezüglich anderer Kantone fehlen
würden. Das Bundesgericht sah im Zeitpunkt des Urteils keine
Veranlassung, bezüglich der Höhe und Senderichtung von
Mobilfunkantennen eine Kontrolle durch bauliche Massnahmen
(Plombierungen) zu verlangen (Urteil des Bundesgerichtes
1C_97/2018 vom 3. September 2019 Erw. 8.3).
Zudem ist darauf hinzuweisen, dass die Stadt Z._ bei ordentlichen
Baubewilligungsverfahren von Mobilfunkanlagen immer
Bauabnahmen durchführt, um Diskrepanzen bezüglich
Antennenhöhe, Azimut, mechanischer Tilt oder Antennentyp
auszuschliessen. Zustände wie im Kanton Y._ können in der Stadt
Z._ gemäss Amtsbericht des AFU somit ausgeschossen werden
(AFU, Amtsbericht vom 3. März 2020, S. 5 f.).
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 39/2021), Seite 14/19
5.3.3 Die bejahende Bundesgerichtsrechtsprechung zu den QS-
Systemen ist auf die adaptiven Antennen anzuwenden, da diese bis
anhin wie die konventionellen Antennen behandelt wurden. Ihr Betrieb
kann aus diesem Grund in den bestehenden QS-Systemen der Mobil-
funkbetreiber und der Datenbank des BAKOM korrekt dargestellt wer-
den (Informationsschreiben Bewilligung und Messung, S. 2). Anders
verhält es sich in Bezug auf den künftigen, hier noch nicht zur Anwen-
dung gekommenen, massgebenden Betriebszustand. Für diesen be-
nötigen die QS-Systeme und die BAKOM-Datenbank Anpassungen
(vgl. AFU, Amtsbericht vom 21. Juli 2020, S. 2 f., Nachtrag zur Voll-
zugsverordnung vom 23. Februar 2021, S. 13). Dies betrifft indes das
vorliegende Verfahren nicht. Folglich ist es auch nicht angezeigt, das
Audit und die Bewertung zur aktuellen ISO-Zertifizierung des QS-
Systems der Rekursgegnerin einzuverlangen.
5.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass ein von einer Fachbe-
hörde des Bundes empfohlenes Messverfahren für adaptive Antennen
vorliegt und das QS-System für adaptive Antennen als hinreichende
Kontrolle fungieren kann. Daraus folgt, dass keine Verletzung von
Art. 12 Abs. 1 und 2 NISV vorliegt.
6.
Abschliessend macht der Rekurrent geltend, die Mobilfunkstrahlung
und insbesondere die 5G-Technologie hätten negative Auswirkungen
auf die Gesundheit von Menschen und Tieren. Der Rekurrent weist in
diesem Zusammenhang auf verschiedene Studien hin; insbesondere
auf die "NTP Studie" mit Mäusen und Ratten, die "Ramazzini-Studie",
eigene Studien zu Elektrosmog im Unfallgeschehen und die "Studie
Kuster". Die vom Bundesrat eingesetzte "Arbeitsgruppe Mobilfunk und
Strahlung" komme in ihrem Bericht vom 28. November 2019 selbst
zum Schluss, dass sich Geundheitsauswirkungen aus
wissenschaftlicher Sicht nie mit absoluter Sicherheit ausschliessen
lassen würden. Er zweifle jedoch die Unabhängigkeit der
Expertengruppe, der Mitglieder der Internationalen Kommission zum
Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) sowie jene von Prof.
Dr. C._ als Leiter der beratenden Expertengruppe NIS (BERENIS)
an. Weiter wird eine Verletzung des umweltschutz-rechtlichen
Vorsorgeprinzips geltend gemacht und auf einen Entscheid des
Berufungsgerichtes Turin (Romeo gege INAIL) hingewiesen. Insbe-
sondere auch der Nachtrag zur Vollzugshilfe vom 23. Februar 2021
würde dem Gesundheitsschutz nicht genügend Rechnung tragen und
sei nicht anzuwenden. Der Rekurrent verlangt einen
Unbedenklichkeitsnachweis für Mensch und Umwelt von der
Rekursgegnerin.
6.1 Das USG schützt den Menschen und seine natürliche Umwelt
gegen schädliche und lästige Einwirkungen (Art. 1 Abs. 1 USG). Zu
diesem Zweck sind im Sinn der Vorsorge Einwirkungen, die schädlich
oder lästig werden könnten, frühzeitig zu begrenzen
(Art. 1 Abs. 2 USG). Hinsichtlich zu erwartender Einwirkungen von
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 39/2021), Seite 15/19
Mobilfunkantennenanlagen und zum Schutz der Menschen vor schäd-
licher oder lästiger nichtionisierender Strahlung wurde die NISV erlas-
sen. Dabei sollen Immissionsgrenzwerte für die Hochfrequenzstrah-
lung insgesamt und Anlagegrenzwerte für die einzelnen Anlagen die
Menschen vor übermässiger elektromagnetischer Strahlung schützen.
Die Immissionsgrenzwerte gelten für alle Orte, wo sich Menschen
auch nur kurzfristig aufhalten können (sog. Orte für den kurzfristigen
Aufenthalt, OKA, Art. 13 Abs. 1 NISV). Die im Vergleich zu den Immis-
sionsgrenzwerten viel strengeren Anlagegrenzwerte begrenzen die
Emissionen vorsorglich. Sie gelten für die Strahlung einer Mobilfunk-
anlage an OMEN.
6.2 Der Bundesrat hat die Anlagegrenzwerte im Rahmen des Vor-
sorgeprinzips gemäss Art. 11 Abs. 2 USG so tief angesetzt, wie dies
technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist, wobei
er bezüglich möglicher Gesundheitsgefährdungen eine Sicherheits-
marge vorsah. Die in der NISV vorgeschriebenen Anlagegrenzwerte
sind deshalb keine Gefährdungswerte, sondern vorsorgliche Emissi-
onsbegrenzungen (vgl. Urteile des Bundesgerichtes 1C_576/2016
vom 27. Oktober 2017 Erw. 3.5.1 sowie 1C_97/2018 vom 3. Septem-
ber 2019 Erw. 3.1 und 4). Soweit die gesetzlichen Vorschriften (insbe-
sondere die Strahlengrenzwerte) eingehalten sind, kann die Baubewil-
ligung für eine Mobilfunkanlage nicht mit der Begründung verweigert
werden, das allgemeine, im Bereich des Immissionsschutzes durch
Art. 11 USG konkretisierte Vorsorgeprinzip sei verletzt. Der Erlass der
Anlagegrenzwerte erfolgte gerade in der Absicht, im Interesse der
Rechtssicherheit festzulegen, was zur vorsorglichen Emissionsbe-
grenzung erforderlich ist (BDE Nr. 32/2020 vom 21. April 2020
Erw. 2.1 mit Hinweisen).
6.3 Das Bundesgericht hat die Immissions- und Anlagegrenzwerte
der NISV mehrfach als gesetzes- und verfassungskonform beurteilt
(vgl. Urteil des Bundesgerichtes 1C_348/2017 vom 21. Februar 2018
Erw. 4; Urteil des Bundesgerichtes 1C_31/2012 vom 6. Juni 2012
Erw. 4 mit Hinweis auf Urteil des Bundesgerichtes 1C_118/2010 vom
20. Oktober 2010 Erw. 4.2 mit Hinweisen). Die zuständigen Behörden
des Bundes, namentlich das BAFU, das BAKOM und das Bundesamt
für Gesundheit (BAG), sind verpflichtet, den Stand von Wissenschaft
und Forschung zu verfolgen und beim Bundesrat eine Revision der
NISV-Grenzwerte zu beantragen, falls neue Erkenntnisse über Ge-
sundheitseffekte nichtionisierender Strahlung dies erfordern oder der
technische Fortschritt emissionsärmere Technologien betrieblich mög-
lich und wirtschaftlich tragbar erscheinen lässt. Dabei steht dem Bun-
desrat ein erheblicher Ermessens- und Beurteilungsspielraum zu.
6.4 Das Bundesgericht hat wiederholt festgehalten, dass die zu-
ständigen Behörden des Bundes ihrem Auftrag nachkommen (Urteil
des Bundesgerichtes 1A.148/2002 vom 12. August 2003; Urteil des
Bundesgerichtes 1A.86/2003 vom 15. Dezember 2003; Urteil des Bun-
desgerichtes 1A.106/2005 vom 17. November 2005; Urteil des Bun-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 39/2021), Seite 16/19
desgerichtes 1A.218/2004 vom 29. November 2005) und dem Bun-
desrat beim gegenwärtigen Stand der Forschung kein Ermessens-
missbrauch vorgeworfen werden kann, wenn er an den geltenden
Grenzwerten der NISV festhält (Urteil des Bundesgerichtes
1C_348/2017 vom 21. Februar 2018 Erw. 4; Urteil des Bundesgerich-
tes 1C_576/2016 vom 27. Oktober 2017 Erw. 3.5.2 mit Hinweis auf
Urteil des Bundesgerichtes 1C_340/2013 vom 4. April 2014 Erw. 3.3;
BGE 126 II 399 Erw. 4c; Urteil des Bundesgerichtes 1A.140/2003 vom
18. März 2004; GVP 2003 Nr. 102; GVP 2004 Nr. 84).
6.5 In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass das
BAFU die Beratende Expertengruppe NIS (BERENIS) einberufen hat.
Diese sichtet die neu publizierten wissenschaftlichen Arbeiten zum
Thema und wählt diejenigen zur detaillierten Bewertung aus, die aus
ihrer Sicht für den Schutz des Menschen von Bedeutung sind oder sein
könnten. Die Ergebnisse der Evaluation werden vierteljährlich in Form
eines Newsletters auf der Internetseite des BAFU publiziert, womit das
BAFU gleichzeitig auch die Bevölkerung informiert und auf dem neus-
ten Stand hält. In der Newsletter-Sonderausgabe November 2018 sind
sowohl die "NTP-Studie" aus den USA (NTP 2018a, 2018b, 2018c,
2018d, 2018e; Wyde et al. 2016. 2018a, 2018b) als auch die "Ramaz-
zini-Studie" aus Italien (Falcioni et al. 2018) evaluiert worden. Die
BERENIS hat im Rahmen ihrer Tätigkeit keine Studie sichten können
– insbesondere auch nicht die vom Rekurrenten angeführten –, auf-
grund welcher sie eine Grenzwertanpassung hätte empfehlen können
und müssen (https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/elekt-
rosmog/newsletter/beratende-expertengruppe-nis-berenis.html, zu-
letzt besucht am 4. Februar 2021; BRGE IV Nr. 0109/2020 und
0110/2020 vom 16. Juli 2020 Erw. 9.4).
6.6 Zu beachten ist ferner, dass im Jahr 2018 von der damaligen
Vorsteherin des UVEK die vom Rekurrenten erwähnte Arbeitsgruppe
eingesetzt wurde, welche die Bedürfnisse und Risiken für die nähere
und weitere Zukunft von Mobilfunk und Strahlenbelastung, insbeson-
dere mit der Einführung von 5G, analysieren soll. In ihrem Bericht vom
28. November 2019 fasste die Arbeitsgruppe den Stand des Wissens
über gesundheitliche Folgen zusammen. Sie hält fest, dass es hin-
sichtlich eventueller gesundheitlicher Auswirkungen der 5G-Funktech-
nologie bisher nur wenige Studien an Zellen und Tieren zu akuten Ef-
fekten gebe. Die Risikoabschätzung der Arbeitsgruppe habe sich des-
halb auf Studien abgestützt, die in der Vergangenheit zur 2G-, 3G- und
4G-Technolgie durchgeführt worden seien und mit Frequenzen arbei-
ten würden, die im selben Bereich lägen wie diejenigen Frequenzen,
die gegenwärtig für 5G genutzt würden. Gesundheitsauswirkungen
unterhalb der Immissionsgrenzwerte der NISV seien bisher nicht kon-
sistent nachgewiesen worden. Aus Wissenschaft und Praxis lägen in-
des gleichzeitig unterschiedlich gut abgestützte Beobachtungen für Ef-
fekte unterhalb der Immissionsgrenzwerte vor. Die Evidenzlage dieser
Effekte im Hinblick auf das Vorsorgeprinzip schätzte die Arbeitsgruppe
zusammengefasst indes als ungenügend ein (Bericht der "Arbeits-
gruppe Mobilfunk und Strahlung" vom 28. November 2019, abrufbar
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 39/2021), Seite 17/19
unter https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/elektrosmog/
mitteilungen.msg-id-77294.html, zuletzt besucht am 4. Februar 2021;
BRGE IV Nr. 0109/2020 und 0110/2020 vom 16. Juli 2020 Erw. 9.4).
6.7 Die Vorwürfe des Rekurrenten bezüglich Unabhängigkeit der
eingesetzten Arbeitsgruppe, der Mitglieder der ICNIRP sowie des Lei-
ters der BERENIS, Prof. Dr. C._ vom Schweizerischen Tropen- und
Public Health-Institut, Basel, führen vorliegend zu keinem anderen Er-
gebnis. Die Befangenheit der Arbeitsgruppe und der ICNIRP ist von
vornherein ausgeschlossen; denn die Befangenheit betrifft immer ei-
nen inneren Gemütszustand. Deshalb können nur natürliche Perso-
nen, nicht aber eine Gesamtbehörde befangen sein
(vgl. CAVELTI/VÖGELI, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.Gal-
len, 2. Aufl., St.Gallen 2003, Rz. 180; B. SCHINDLER, Die Befangenheit
der Verwaltung, Zürich 2002, S. 75 ff.; BDE Nr. 33/2016 vom 28. Juni
2016 Erw. 2.1.2; Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen
2016/III/7). Sodann bringt der Rekurrent keine konkreten Gründe vor,
weshalb die Arbeit von Prof. Dr. C._ mangelhaft ist sowie den Ein-
fluss auf seine Rolle als Leiter der BERENIS. Die Vorwürfe wären vor-
liegend ohnehin unbeachtlich, da für die Beurteilung der Schädlichkeit
oder Lästigkeit von NIS die Zuständigkeit abschliessend beim Bund
durch die Festlegung von Grenzwerten gemäss Umweltschutzgesetz
liegt.
6.8 Der Rekurrent verlangt weiter einen Unbedenklichkeitsnachweis
von der Rekursgegnerin. Dies kann nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung gestützt auf die umweltschutzrechtlichen Vorschrif-
ten indes nicht verlangt werden. Gemäss Bundesgericht ist der wis-
senschaftliche Nachweis der Unbedenklichkeit von Kommunikations-
anlagen bereits aus prinzipiellen Gründen nicht zu erbringen. Wissen-
schaftlich gesicherte Aussagen könnten nur zum Vorhandensein von
Effekten gemacht werden, während zur Abwesenheit von Effekten nur
Wahrscheinlichkeitsaussagen möglich seien, basierend auf der Häu-
figkeit von Studien, in denen kein biologischer Effekt gefunden werden
konnte. Eine 100-prozentige Sicherheit sei jedoch nie möglich (Ur-
teil des Bundesgerichtes 1A.106/2005 vom 17. November 2005
Erw. 4; BRGE IV Nr. 0109/2020 und 0110/2020 vom 16. Juli 2020
Erw. 9.5).
6.9 Wie ausgeführt werden vorliegend die in der NISV aufgestellten
Grenzwerte von der zu beurteilenden Anlage eingehalten. Damit ist
eine Verletzung des Vorsorgeprinzips ausgeschlossen. Dies gilt auch
für den Nachtrag zur Vollzugshilfe vom 23. Februar 2021, wobei dieser
vorliegend noch nicht zur Anwendung gelangt ist. Massgeblich für die
Erteilung der Baubewilligung ist vorliegend die Einhaltung der Grenz-
werte und Vorgaben der NISV. Auch die vom Rekurrenten zitierten
Studien, die angeführte ausländische Rechtsprechung und die geäus-
serten Bedenken zur Unabhängigkeit der Fachleute des Bundes und
der ICNIRP rechtfertigen eine Anpassung der NISV-Grenzwerte nicht.
Es wäre Sache der zuständigen Behörden des Bundes, eine entspre-
chende Anpassung beim Bundesrat zu beantragen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 39/2021), Seite 18/19
7.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die zu beurteilende
Mobilfunkanlage alle massgebenden Vorschriften einhält und die
Vorinstanz die Baubewilligung zu Recht erteilt hat. Der Rekurs –
mitsamt dem Eventualantrag, wonach die Sendeantennen nicht als
adaptive Antennen betrieben werden dürften – erweist sich deshalb
als unbegründet und ist abzuweisen.
8.
8.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'000.– (Nr. 20.13.01 des
Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung,
sGS 821.5). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die
amtlichen Kosten dem Rekurrenten zu überbinden.
8.2 Der vom Rekurrenten am 5. Dezember 2019 geleistete Kosten-
vorschuss von Fr. 1'800.– ist anzurechnen.
9.
Der Rekurrent und die Rekursgegnerin stellen ein Begehren um Ersatz
der ausseramtlichen Kosten.
9.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
Nicht anwaltlich vertretene Verfahrensbeteiligte haben grundsätzlich
mangels eines besonderen Aufwands keinen Anspruch auf eine aus-
seramtliche Entschädigung (Art. 98ter VRP in Verbindung mit Art. 95
Abs. 3 Bst. c ZPO; vgl. dazu und zum Folgenden: VerwGE B 2013/178
vom 12. Februar 2014 Erw. 4.3 ff., zusammengefasst in: Baudeparte-
ment SG, Juristische Mitteilungen 2014/I/6). Dass ihnen gleichwohl er-
satzfähige Kosten für Umtriebe erwachsen, ist ungewöhnlich und be-
darf deshalb einer besonderen Begründung. Eine Umtriebsentschädi-
gung erfolgt somit nur ausnahmsweise, insbesondere wenn es sich
um eine komplizierte Sache mit hohem Streitwert handelt, wenn der
getätigte Aufwand erheblich ist und zwischen dem betrieblichen Auf-
wand und dem Ergebnis der Interessenwahrung ein vernünftiges Ver-
hältnis besteht. Nicht anwaltlich vertretenen Personen spricht das
Baudepartement lediglich eine Umtriebsentschädigung ohne Bezug-
nahme auf den Anwalts- oder einen anderen Branchentarif zu, und
zwar praxisgemäss in der Höhe von Fr. 300.– bis Fr. 500.– (vgl. auch
hierzu VerwGE B 2013/178 vom 12. Februar 2014 Erw. 5, insbeson-
dere Erw. 5.1 mit Hinweisen).
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 39/2021), Seite 19/19
9.2 Die Rekursgegnerin obsiegt mit ihren Anträgen. Sie ist durch ih-
ren eigenen Rechtsdienst vertreten und der Aufwand für das Rekurs-
verfahren übersteigt das übliche Mass nicht. Sodann fehlt es vorlie-
gend an einer Begründung, weshalb gleichwohl ersatzfähige Kosten
entstanden sind. Vor diesem Hintergrund hat die Rekursgegnerin vor-
liegend keinen Anspruch auf eine Umtriebsentschädigung. Ihr Begeh-
ren um Ersatz der ausseramtlichen Kosten ist abzuweisen.
9.3 Da der Rekurrent mit seinen Anträgen unterliegt, hat er von
vornherein keinen Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung.
Sein Begehren ist deshalb abzuweisen.