Decision ID: 7147c74b-4eb9-4fe3-be79-2955f4aa1062
Year: 2011
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

sogar ihre schriftliche Zustimmung geben. Solange dieser Sachverhalt nicht
geklärt sei, hielten sie an ihrer Beschwerde fest.
6. Am 6. Juli 2011 schrieb die Gemeinde den Miteigentümern, sie habe keine
Kenntnis von einem Grunddienstbarkeitsvertrag gehabt und auch nicht haben
müssen. Ihre Aufgabe sei es, die öffentlich-rechtliche Zulässigkeit des
Bauvorhabens zu überprüfen. Dieser habe das Baugesuch entsprochen,
weswegen sie am 23., zugestellt am 24. Mai 2011, die Bewilligung erteilt habe.
Während der Auflagefrist vom 29. April bis 19. Mai 2011 habe jedermann
öffentlich-rechtliche Einsprachen an die Baubehörde oder privatrechtliche
Einsprachen an das Bezirksgericht ... richten können. Gemäss Art. 90 Abs. 1
des Baugesetzes ... (BG) müsse ein Bauvorhaben während 20 Tagen in der
Gemeinde öffentlich aufgelegt werden. Gemäss Art. 90 Abs. 2 BG sei die
Auflage rechtzeitig unter Angabe der Bauherrschaft, der Bauparzelle, des
Bauvorhabens und der Einsprachemöglichkeit ortsüblich bekannt zu geben.
Dies sei erfolgt. Allfällige vertragliche Vereinbarungen mit Anstössern und
entsprechende Auszüge über Grundbucheinträgen oder Anmerkungen hätten
gemäss Art. 87 Abs. 19 BG der Gesuchsteller dem Baugesuch beilegen
müssen. Solche Vereinbarungen seien jeweils Sache zwischen den Nachbarn
und könnten nicht der Gemeinde zur Last gelegt werden.
7. Von der Möglichkeit, noch eine weitere Stellungnahme einzureichen, machten
die Beschwerdeführer keinen Gebrauch.

Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
1. Ist ein Rechtsmittel offensichtlich unzulässig oder offensichtlich begründet
oder unbegründet, entscheidet die oder der zuständige Vorsitzende in
einzelrichterlicher Kompetenz (Art. 18 Abs. 3 des
Gerichtsorganisationsgesetzes [GOG; BR 173.000]). Bei der Beschwerde
vom 16. Juni 2011 handelt es sich – wie nachfolgend ausgeführt wird - um ein
offensichtlich unbegründetes Rechtsmittel, weswegen die Zuständigkeit des
Vorsitzenden als Einzelrichter gegeben ist.
2. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Verfahren ist das an den Vertreter der
Miteigentümer ... adressierte Schreiben der Gemeinde ... vom 14. Juni 2011.
In diesem wurde festgehalten, innert Frist sei keine Einsprache gegen das
Baugesuch von ... eingereicht worden und zudem sei die Gemeinde für die
Behandlung der geltend gemachten privatrechtlichen Belange nicht
zuständig. Die Gemeinde verfügte sinngemäss, nicht auf die Einsprache vom
8. Juni 2011 einzutreten.
3. Zunächst ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführer die in der Einsprache
vorgebrachten Argumente in der Beschwerdeschrift einfach wiederholen und
mit keinem Wort auf die in der angefochtenen Verfügung der Gemeinde vom
14. Juni 2011 vorgebrachten Argumente eingehen. Damit ist fraglich, ob die
Beschwerde überhaupt eine genügende Begründung im Sinne von Art. 38 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) enthält. Die
Frage kann aber offen bleiben, da sich die Beschwerde vom 16. Juli 2011 aus
anderen Gründen schon als offensichtlich unbegründet erweist.
4. Das baurechtliche Einspracheverfahren in den Bündner Gemeinden richtet
sich – entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin – seit dem 1.
November 2005 (Inkrafttreten des Raumplanungsgesetzes für den Kanton
Graubünden (KRG; BR 801.100) und der Raumplanungsverordnung für den
Kanton Graubünden (KRVO; BR 801.110) nicht mehr nach kommunalem,
sondern nach kantonalem Recht. Art. 92 Abs. 3 KRG bestimmt, dass die
Regierung durch Verordnung das Baubewilligungsverfahren regelt und stellt
somit die Rechtsgrundlage für ein gesamtkantonal einheitlich geregeltes
Baubewilligungsverfahren dar. In Bezug auf die Einsprachefrist massgebend
ist Art. 45 Abs. 4 KRVO, wonach Einsprachen während der - 20-tägigen, vgl.
Art. 45 Abs. 1 KRVO - Auflagefrist bei der Gemeinde einzureichen sind.
5. Die Beschwerdeführer haben unbestritten gegen das ordentlich aufgelegte
und publizierte Bauvorhaben nicht fristgemäss Einsprache erhoben. Sie
geben dies auch offen zu (vgl. u.a. die Beschwerdeschrift). Sie machen zwar
darauf aufmerksam, dass „bei ihnen“ Baugesuche den Nachbarn zugestellt
würden, stellen aber die Rechtmässigkeit der erfolgten Ausschreibung nicht
in Frage. Sie machen auch nicht geltend und es ist auch nicht ersichtlich, dass
sie unverschuldeterweise an der Teilnahme am Baubewilligungsverfahren
verhindert waren. Bereits aus diesem Grund ist die Gemeinde zu Recht nicht
auf ihre Einsprache eingetreten.
6. In ihrer Einsprache vom 8. Juni 2011 machen die Beschwerdeführer
ausschliesslich geltend, die erteilte Bewilligung schränke sie im Gebrauch der
ihnen aufgrund des Dienstbarkeitsvertrages vom 29. Juni 2001 zustehenden
Abstellfläche östlich der Liegenschaft Assek-Nr. 64 ein. Damit machen sie
lediglich privatrechtliche Belange geltend. Indessen heisst „einen Bau
bewilligen“ nur, feststellen, dass einem Bauvorhaben kein baupolizeiliches
Hindernis entgegensteht. Das Baupolizeirecht umfasst lediglich die öffentlich-
rechtlichen Normen und Massnahmen, die die Polizeigüter im Bauwesen zur
Geltung bringen und schützen. Hingegen ist es nicht Sache der Baubehörden,
über privatrechtliche Fragen zu befinden (Peter Hänni, Planungs-, Bau- und
besonderes Umweltschutzrecht, 5. Auflage, Bern, S. 298, 322, 509).
Nachdem die Beschwerdeführer bei der Gemeinde nur anbegehrt haben, die
Gemeinde müsse eine allfällige Beeinträchtigung des mittels
Dienstbarkeitsvertrag vom 29. Juni 2001 begründeten Rechtes auf Nutzung
einer Abstellfläche östlich des Hauses Assek-Nr. 64 klären und nach dem
Gesagten die Baubehörde der Gemeinde ... dafür nicht zuständig ist, ist sie
auch aus diesem Grund zu Recht auf die Einsprache vom 8. Juni 2011 nicht
eingetreten.
7. Die vorliegende Beschwerde erweist sich folglich als offensichtlich
unbegründet im Sinne von Art. 18 Abs. 3 GOG und ist abzuweisen. Bei diesem
Verfahrensausgang gehen die Gerichtskosten unter solidarischer Haftung
zulasten der Beschwerdeführer. Eine aussergerichtliche Entschädigung ist
der nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdegegnerin praxisgemäss und
gestützt auf Art. 78 Abs. 2 VRG dagegen nicht zuzusprechen.