Decision ID: 2530b3e7-1202-42f3-b7db-c1bc01b00da0
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1962,
arbeitete zuletzt im Jahr 1995
im Altersheim
Z._
(
Urk.
5/13/2). Seither
besorgt sie – soweit möglich - den Haushalt für sich, ihren Ehemann und die beiden
Kinder (geboren 1995 und 2001).
Nach einem akuten Bandscheibenvorfall meldete
sich die Versicherte
i
m Mai
2003
b
ei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfol
gend: IV-Stelle)
,
zum Leistungsbezug an (
Urk.
5/2).
Diese holte e
inige
Arzt
berichte
(
Urk.
5/9
und 5/10/7 ff.)
,
einen Auszug aus dem Individuellen Konto (
Urk.
5/11)
sowie einen
Bericht zur Abklärung der beeinträchtigten Arbeits
fähigkeit in Beruf und Haus
halt, datiert
vom 27. Februar 2004
(
Urk.
5/13)
, ein
.
S
odann
sprach sie der Versicherten mit Verfügung vom 2
2.
Oktober 2004 bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 42 % eine
Viertelsrente
ab
1.
April 2003 zu (
Urk.
8/
17, 8/31
). Dagegen erhob die Versicherte gestützt auf einen Bericht
der sie
behandelnden Psychiaterin (
Urk.
5/22) Einsprache (
Urk.
5/32)
und – als diese mit Entscheid vom 1.
Dezember 2004
abgewiesen wurde
(
Urk.
8/34)
–
Beschwerde ans
Sozialversicherungsgericht
. Indessen wies das Gericht die Beschwerde mit
Urteil IV.2005.00035 vom 31. Mai 2005
ab
(
Urk.
5/44).
1.2
Im Mai 2006
nahm
die IV-Stelle
die
erste Revision
an die Hand
(
Urk.
5/44)
, liess die Versicherte einen Fragebogen ausfüllen (
Urk.
5/46) und holte einen
haus
ärztlichen
Bericht ein (
Urk.
5/48
, beiliegend Bericht vom
A._
der Klinik
B._
Urk.
5/48/7
). Sodann
bestätigte
sie mit Mitteilung vom 1
2.
Juli 2006
(
Urk.
5/50
) und – auf Verlangen der Versicherten (
Urk.
5/57) – mit Verfügung vom 9. August 2006 (
Urk.
5/59) die bisherige
Viertelsrente
.
Im zweiten Revisionsverfahren, eingeleitet im August 2009, liess die IV-Stelle die Versicherte wieder einen Fragebogen ausfüllen (
Urk.
5/61) und holte einen Aus
zug aus dem Individuellen Konto (
Urk.
5/62) sowie einen Bericht beim Hausarzt (
Urk.
5/64/6 ff.)
ein
. Am 20. Januar 2010 teilte sie der Versicherten schliesslich erneut mit, der Invaliditätsgrad sei unverändert, weshalb weiterhin Anspruch auf die bisherige Rente bestehe (
Urk.
5/66).
Nach einer Brustamputation (
Urk.
5/69) leistete
die IV-Stelle
am
21. Februar 2014
ferner
Kostengutsprache für eine Brustprothese
zugunsten der Versicherten
(
Urk.
5/74).
1.3
Letztlich liess die Versicherte i
m September 2014 durch ihr
e
behandelnde Psychi
ater
in
eine höhere Rente beantragen (
Urk.
5/77, 5/79, 5/88).
Hierauf führte die IV-Stelle das aktuelle Revisionsverfahren durch und holte zunächst
Berichte der behandelnden Arztpersonen (
Urk.
5
/90-93
)
sowie einen aktuellen Auszug aus dem Individuellen Konto (
Urk.
5/94) ein. Ferner gab sie einen neuen
Bericht zur Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haus
halt in Auftrag
. Dieser datiert vom
16. April 2015
und qualifizierte die Versi
cherte
neu
als zu
je
50
%
erwerbstätig
und im Haushalt tätig, wobei die
Ein
schränkung im Haushalt auf
nur noch
19
%
geschätzt
wurde
(
Urk.
5/96).
Gestützt
auf diverse Stellungnahme
n
des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) zwischen November 2014 und März 2015 (
Urk.
5/98)
und nach Durchführung eines Einkommensvergleichs (
Urk.
5/97)
kündigte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid
vom 16. April 2015
die Einstellung der Rente an (
Urk.
5/99).
Dagegen erhob die Versicherte Einwand (
Urk.
5/100).
Schliesslich
hob
die IV-Stelle die Rente mit Verfügung vom 28. Mai 2015 auf das Ende des der Zustel
lung folgenden Monats
auf
und entzog einer allfälligen Beschwerde gegen d
ie
sen
Entscheid die aufschiebende Wirkung (
Urk.
5/103).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 9. Juni 2015 Beschwerde (
Urk.
5/104)
. Die IV-Stelle beantragte in der Beschwerdeantw
ort vom 24. Juli 2015 eine teil
weise Gutheissung der Beschwerde im Sinne einer Rückweisung d
er Sache zur weite
ren Abklärung (
Urk.
4). Nach Ablauf der Frist für die Replik (vgl.
Urk.
11) reichte die Versicherte schliesslich noch einen Bericht des
C._
vom 27. März 2016 ein (
Urk.
12). Die IV-Stelle verzichtete aus
drücklich auf eine Stellungnahme hierzu (
Urk.
14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
oder
Unmöglichkeit, sich im bisherigen Auf
gabenbereich zu betätigen (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Bei erwerbstätigen
versi
cherten Personen
ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das
Erwerbs
einkommen
, das
sie n
ach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkom
men
, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworde
n wäre (sog.
Vali
deneinkommen
). B
ei
versicherten Personen
, die nur zum Teil erwerbstätig und daneben im Aufgabenbereich tätig sind, wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a
Abs.
2 IVG festgelegt. Danach wird darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. In diesem Fall
sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgaben
bereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbe
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1
ATSG
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3).
Ebenso kann ein Revisionsgrund g
egeben
sein
, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt
.
So hat das Bundesgeric
ht wiederholt entschieden, dass
die alternativen Kriterien der Erwerbsunfähigkeit einerseits und der Unmöglichkeit der Betätigung im nicht erwerblichen Aufgabenbereich anderseits im Einzelfall einander ablösen können (BGE 113 V 273 E. 1a mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts I 850/05 vom 21. August 2006 E. 4.1).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswür
digung
und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und pro
zessualen Revision (BGE 134 V 131 E. 3 und 133 V 108 E. 5.4 mit Hinweis). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine Verfügung verzichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durchgeführten Revision keine
leistungsbe
einflussende
Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (Art. 74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV
) und die bisherige Invaliden
rente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (Art. 74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den
Ver
gleichszeitpunkt
einer (ordentlichen) rechtskräftigen Verfügung gleichzustellen
(Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 E. 2.2 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010 E. 2.2 mit Hin
weisen).
1.
3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können,
sind
Verwaltung
und Gericht
auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
un
fähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen
dabei
zur Beurtei
lung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumut
bare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
). Nach Art. 49 IVV
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich unter
suchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der
Beweis
wert
von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist
indessen
mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
erwog
in der angefochtenen Verfügung, die Beschwerde
führerin wäre ohne Gesundheitsschaden je zu 50
%
im Altersheim und im Haushalt tätig. Sodann sei ihr eine behinderungsangepasste Tätigkeit zu 50 % zumutbar, wobei beim Einkommensvergleich ein behinderungsbedingter Abzug von 5
%
für das Belastungsprofil zu gewähren sei. Die Einschränkung im Haushalt betrage angesichts der Mithilfe der Kinder noch 19
%
. Es resultiere ein Gesamtinvaliditätsgrad von 10
%
, der nicht rentenbegründend sei (
Urk.
2). In der Beschwerdeantwort führte sie
hingegen
aus, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und dessen Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit
würden sich aufgrund der medizinischen Akten nicht
abschliessend
beurteilen lassen, weshalb die Festlegung der Arbeits
fähigkeit
durch den RAD
ohne eigene Untersuchung
als nicht angemessen erscheine.
Insbesondere würden Äusserun
gen dazu, in welchen Tätigkeiten in welchem Umfang während welcher Dauer von einer Arbeitsfähigkeit auszugehen sei, gänzlich fehlen.
2.2
Die Beschwerdeführerin machte in der Beschwerde geltend, es sei unklar, worauf gestützt die Beschwerdegegnerin eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit festgestellt habe. Es sei nicht nachvollziehbar, wie ihr ohne ärztliche Unter
suchung ein 50%-Pensum zugemutet werden könne. Sie
sei
nicht fähig, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen oder ihren Haushalt selbständig zu erledigen. Sie sei daher nicht einverstanden mit der Rentenverfügung (
Urk.
1).
3.
3.1
Die Rentenzusprechung erfolgte mit Verfügung vom 2
2.
Oktober 2004
, welche mit Urteil vom
3
1.
Mai
2005 vom Sozialversicherungsgericht bestätigt wurde.
Für die Beurteilung des Invaliditätsgrades in den Revisionen in den Jahren 2006 und 2009/2010 stand jeweils einzig ein Bericht des Hausarztes – einmal unter Beilage eines
gastroenterologischen
Zwischenberichts – zur Verfügung. Dies genügt den Ansprüchen einer rechtskonformen Sachverhaltsabklärung nicht. Demnach ist für die Prüfung
eines Revisionsgrundes
der Zeitraum zwischen Erlass der
beiden
Verfügungen vom 2
2.
Oktober 2004 und 2
8.
Mai 2015 mass
gebend (vgl. dazu Sachverhalt E. 1.1-1.3).
3.2
Z
wischen
den
Parteien
offenbar unstrittig ist,
dass die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Beschwerden inzwischen wieder eine Teilerwerbstätigkeit auf
genommen hätte
. So hat
die Beschwerdeführerin
die Anwendung der gemisch
ten Methode der Invaliditätsbemessung
in der angefochtenen Verfügung
nicht beanstandet und gegenüber der Abklärungsperson der Beschwerdegegnerin im März 2015 selbst geltend gemacht, dass sie heute ohne Gesundheitsschaden aufgrund der finanziellen Situation mindestens zu 60 bis 80
%
ausserhäuslich erwerbstätig sein müss
t
e
(
Urk.
5/96/3-4)
.
In
Anbetracht der Tatsache, dass
die Beschwerdeführerin
bis zur Geburt des ersten Kindes erwerbstätig
war,
ist dies
nicht zu beanstanden (vgl.
Urk.
5/11
). Folglich
gelangt neu die
gemischte Methode der Invaliditätsbemessung zur Anwendung
. Damit ist ein
Revisions
grund
im Sinne von
Art. 17 ATSG
gegeben.
3.3
Gemäss ständiger Praxis des Bundesgerichts prüft die Verwaltung - wenn ein Revisionsgrund gegeben ist - den Rentenanspruch in tatsächlicher und rechtli
cher Hinsicht umfassend ("allseitig"), wobei keine Bindung an frühere Beurtei
lungen besteht. Es ist nicht erforderlich, dass gerade die geänderte Tatsache zu einer Neufestsetzung der Invalidenrente führt; vielmehr kann sich bei der all
sei
tigen Prüfung des Rentenanspruchs ergeben, dass ein anderes
Anspruchsele
ment
zu einer Herauf-, Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente führt
(Urteil des Bundesgerichts 9C_378/2014 vom 21. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hin
weisen).
Dabei hat die IV-Stelle von Amtes wegen die notwendigen Abklärungen vorzu
nehmen und die erforderlichen Auskünfte einzuholen (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an diese zurück
weisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. Eine Rückweisung kommt vor allem dann in Frage, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind oder der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
4.
4.1
Die
Rentenzusprache
erfolgte gemäss Feststellungsblatt
vom 1
0.
März 2004
gestützt auf die Diagnose inkomplette
Caudaläsion
bei/mit Status nach operati
ver Dekompression L5/S1 beidseits im Mai 2002 wegen eines akuten sensomo
torischen
lumboradikulären
Syndroms S1 rechts bei Massenprolaps L5/S1, Blasenentleerungsstörung und hereditäre motorisch betonte
Neuropahtie
(
Urk.
5/14).
In den
aktuellen Arztberichten wird diese Diagnose indessen nur am Rande erwähnt.
4.2
Dem bei
Dr.
me
d
.
D._
, Facharzt für Gynäkologie und Gebur
t
shilfe, eingehol
ten Bericht vom 2
5.
Nove
mber 2014 ist zu entnehmen, es bestehe ein Zustand nach einem
Duktale
n
Carcinoma
in situ (DCIS), welches im Dezember 2013 durch eine primäre
Ablatio
behandelt worden sei. Die Beschwerdeführerin habe sich nach der Operation gut erholt, berichte aber wiederholt über Sch
m
er
zen sowie Schwellung im Bereich der Operationsnarbe. Objektiv lasse sich jedoch keine Pathologie ausmachen. Die Frage nach einer möglichen berufli
chen Tätigkeit der Beschwerdeführerin könne er als Frauenarzt nicht beantwor
ten, es sei hierfür eine arbeitsmedizinische Untersuchung notwendig (
Urk.
5/90/6).
Ergänzend
hierzu
ergibt sich aus
dem
B
ericht des Spitals
E._
zur einwöchigen
Hospitalisation
im Dezember 2013
,
dass kein inva
sives Karzinom nachgewiesen
wurde
und bei einem reinen DCIS eine Metasta
sierung
auszuschliessen
ist
(
Urk.
5/91/7).
4.
3
Dr.
med
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, welche die Beschwerdeführerin seit März 2014 behandelt, diagnostizierte
alsdann am 7.
Juli 2014
im Bericht zuhanden des Hausarztes
eine Erschöpfungsdepression bei Polymorbidität (
Urk.
5/92/8)
.
Im Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 15.
Dezember 2014
stellte sie
indes
sen
die Diagnose einer
Angststörung (ICD-10: F41.9)
und führte folgende, für die Arbeitsfähigkeit relevanten Einschränkungen auf
: Verlust der Vitalgefühle, Energielosigkeit, emotionale Instabilität, niedrige Frustrationstoleranz und Versagensängste.
Die
Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit seien deutlich ein
geschränkt.
Die Beschwerdeführerin
sei daher seit mindestens
Behandlungs
beginn
als Reinigungsmitarbeiterin im Altersheim zu 80
%
arbeitsunfähig bzw. ihre Leistungsfähigkeit sei um ca. 90
%
vermindert. Eine Tätigkeit sei ihr kaum mehr zumutbar, eine genaue Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei
aber
nur im stationären Rahmen möglich
. Die Prognose
sei eher
günstig
. Derzeit nehme die Beschwerdeführerin
Cipralex
(10 mg/d),
Relaxane
(enthält als Wirkstoff Trockenextrakte) und
Redormin
(1000 mg/d)
ein
. Eine psychiatrische
Hospitali
sation
sei bisher nicht erfolgt
(
Urk.
5/91/1-5).
4.
4
Des Weiteren
führte
der Hausarzt der Beschwerdeführerin,
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
, am
1
3.
Dezember 2014
aus,
diese
klage
über Schwindel, allgemeine Gliederschmerzen, diffus
e Bauchschmerzen und fehlende Kraft. Sie sei oft müde, schlafe viel und benötige Hilfe beim Putzen und Bügeln.
Dr.
G._
kam zum Schluss, die Beschwerden seien durch eine muskuläre Insuffizienz der gesamten Rückenmuskulatur, eine gewisse depres
sive Überlagerung bei fehlender positiver Lebenseinstellung und die noch nicht verarbeitete Diagnose des Mammakarzinoms bedingt. Bezüglich
de
r Tätigkeit als
Hausfrau seien wahrscheinlich längere
Ü
ber
k
opfarbeiten sowie schwere körper
liche Arbeiten nicht zumutbar. Für die normalen Haushaltsarbeiten werde
die Beschwerdeführerin
etwas mehr Zeit beanspruchen.
Beim
Belastungs
profil
gab
Dr.
G._
Einschränkungen bezüglich vorwiegend im Gehen aus
geübten Tätigkeiten, bei Überkopfarbeiten, beim Kauern/Knien, bei Arbeiten auf Leitern/Gerüsten sowie beim Heben/Tragen (
Gewichtslimite
15 kg) an. Als durch eine Depression eingeschränkt beurteilte er die Anpassungsfähigkeit sowie die Belastbarkeit. I
m Übrigen bezeichnete er den Gesundheitszustand
als stationär
,
bejaht
e
indessen
die Möglichkeit, die Arbeitsfähigkeit durch medizinische
Mass
nahmen
zu verbessern (
Urk.
5/92/6
-7
).
4.
5
D
er Hausarzt
veranlasste ferner
eine Abklärung durch
Dr.
med.
H._
, Fach
arzt für
Physikalische Medizin und Rehabilitation
sowie Rheumatologie. Dieser
stellte
im
Bericht vom
9.
Januar
2015
i
ns
besondere
folgende Diagnosen: (1)
ausge
dehntes, unspezifisches wei
ch
teilrheumatisches Schmerzsyndrom im Sinne ein
e
s
chr
onic
widespread
pain
(CWP), (2)
Panvertebralsyndrom
bei
Wirbelsäulenfehl
form
(Ho
hl
rundrücken), (3) Status nach
Disku
s
hernienoperation
mit
residuellen
, postoperativen Veränderungen auf Höhe L5/S1 im Sinne von spärlichen
epi
duralen
Verna
r
bungen um die S1-Spinalnervenwurzel links, des weiteren flache
Protrusionen
L3/4 und TH
12/L1 (MRI vom
5.
August 2011) und
(4) dezente
Fin
gerpo
l
yarthrose
.
Bei den Befunden hielt er unter anderem fest,
dass keine
fi
b
romyalgie
-t
ypis
chen Tenderpoints im Bereich der Muskulatur und
Muskelan
satzstellen
objektivierbar seien. Ebenso wenig seien bei einem Stat
us nach
Dis
k
ushernieno
p
e
ration
neurologisch Zeichen einer
radikulären
R
eiz- oder Aus
fallsymp
t
omat
i
k objektivierbar.
Der Anamnese ist
überdies
zu entnehmen, dass
die Einnahme von
Tilur
und
Tramal
der
Beschwerdeführerin jeweils etwas Erleichterung verschaff
t
.
Dr.
H._
sch
lussfolgerte, die
Bschwerdeführerin
leide vermutlich
unter einem weitgehend fixierten
Schmerzsyndrom mit abgrenzbaren
nozizeptiven
Anteilen. Aufgrund der geschilderten Schmerzen im höheren Intensitätsbereich und der
apparenten
seelischen Symptombelastung (
Distress
) dürften di
e
Verhältnisse komplizierter sein.
Daraus resultierte
die
Empfehlung
, die Beschwerdeführerin für eine nochmalige grundsätzliche Betrachtung der gesamten Schmerzproblematik und eine intensive, mul
ti
modale Behandlung an eine einschlägige Schmerzklinik zu überwe
isen.
Ferner
merk
t
e
Dr.
H._
an, er halte es für unwahrscheinlich, dass die aktuellen Beschwer
den Ausdruck einer
ossären
Metasta
sie
rung des bekannten Mamma-Karzinoms seien. Nichtsdestotrotz werde er eine Skelettszin
t
i
g
raphie veranlassen (
Urk.
5/93/2-3).
4.6
Dem von der Beschwerdeführerin
nach
gereicht
en
Bericht des
C._
vom 2
7.
März 2016
– also datiert ein Jahr nach Erlass der angefochtenen Verfügung
–
ist
abschliessend
zu entnehmen, dass sich aus den
Unterlagen
die relevante Diagnose rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig leichte bis mittelgradige Episode ergebe. Testpsychologisch hätten
sich
in sämtlichen überprüften kognitiven Leistungsbereichen mittlere bis deutliche Auffälligkeiten
, mit dominierend deutlich reduzierter Belastbarkeit und ver
langsamtem Arbeitstempo gezeigt. Die Beschwerdeführerin habe dabei eine gute Kooperations- und Anstrengungsbereitschaft gezeigt, weshalb von validen
Test
ergebnissen
ausgegangen werden könne. Die Testleistung beeinflussende Fak
toren würden die erhöhte Müdigkeit, die Schmerzsymptomatik, der kulturelle Hintergrund sowie das Bildungsniveau darstellen. Als Ursache der verminderten kognitiven Leistung werde multifaktoriell die psychiatrische Grunderkrankung (und deren medikamentöse Behandlung) sowie das bestehende chronische Schmerzsyndrom angenommen. Im Übrigen besuche die Beschwerdeführerin derzeit ein Mal pro Monat eine Psychotherapie und nehme folgende Medika
mente ein:
Esomep
,
Nolvadex
,
Trittico
retard
,
Cymbalta
,
Xanax
,
Dafalgan
,
Novalgin
und
Irfen
(
Urk.
12).
5.
5.1
Mit
der Beschwerdegegnerin
ist
festzuhalten,
dass die bisher beigezogenen
Arzt
berichte
keine
rechtsgenügliche
Beurteilung des medizinischen Sachverhalts erlauben, zumal sich die
meisten Ärzte gar nicht zur Arbeitsfähigkeit äussern
, sondern für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit eine arbeitsmedizinische res
pektive stationäre Abklärung als notwendig erachten
.
Des Weiteren
ist – insbe
sondere mit Blick auf die Ausführungen von
Dr.
F._
– der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen,
dass b
ehandelnde Arztpersonen
bzw. Therapiekräfte
, mitun
ter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung
,
in Zwei
felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Im Übrigen wurde
der Beschwerdeführerin
im Bericht der Klinik
I._
vom
23.
September 2003
schon
aus rein rheumatolo
gischer Sicht nur eine medizinisch-theoretisch
e
Arbeitsfähigkeit
von 50
%
für eine wechselbelastende, überwiegend sitzende Tätigkeit attestiert
.
Dazu kommen
neu
Anhaltspunkte für
anhaltende
psychische Beschwerden
und
die neue Diag
nose CWP
. Folglich
bedarf es für die Beurteilung des aktuellen Gesundheitszu
standes
und der damit verbundenen Arbeitsfähigkeit
einer u
mfassenden
poly
disziplinäre
n
Abklärung durch
entsprechende
Fachpersonen
(vgl. zur Notwen
digkeit einer interdisziplinären Beurteilung bei länger dauernden
Beschwerden
physischer und psychischer Art
,
Urteil des Bundesgerichts
9C_235/2013 vom 1
0.
September 2013 E. 3.2 mit Hinweisen)
.
Nur nebenbei sei erwähnt, dass auch die
Befunde der
angekündigte
n
Szintigraphie
und
aktuelle bildgebende Unter
suchunge
n fehlen
.
5.2
Die Stellungnahme
n
des RAD, festgehalten im Feststellungsblatt vom 1
6.
April 2015
(vgl.
Urk.
5/98)
,
vermögen
eine
polydisziplinäre Abklärung
bereits deshalb nicht zu ersetzen, da
Dr.
med.
J._
als Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin nicht über die erforderlichen Fachkenntnisse verfügt, um die im Vor
dergrund stehenden Le
iden (Angststörung, Depression
,
CWP
und Wirbelsäulen
leiden)
zu beurteilen.
Dementsprechend hat
sie sich
auch nicht näher mit der Schmerzsymptomatik
oder den
genannten
psychischen Einschränkungen wie verminderte Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit auseinandergesetzt
, welche sich als länger anhaltend erwiesen haben.
Ebenso wenig hat sie sich zum
zumutbaren Arbeitspensum in einer angepassten Tätigkeit geäussert.
Schliess
lich
handelt es sich
bei ihren Stellungnahmen
um reine Aktenbeurteilungen, denen angesichts der oben dargelegten spärlichen Aktenlage kein Beweiswert zukommen kann.
5.3
Die Sache ist folglich antragsgemäss gestützt auf § 26 Abs. 1
GSVGer
zur Durch
führung der notwendigen Abklärungen und neuer Entschei
dung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gut
zuheissen und die angefochtene Verfügung aufzuheben.
Anzumerken bleibt, dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
begrün
det in B
GE 106
V 18 und bestätigt in BGE
129 V 370
der
mit der
revisions
weise
verfügten Aufhebung einer Rente verbundene Entzug der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde bei Rückweisung der Sache an die Verwaltung auch für den Zeitraum dieses Abklärungsverfahrens bis zum Erlass der neuen
Ver
waltungsverfügung
andauert.
Ausserdem ist die Beschwerdeführerin heute bereits 54 Jahre alt, weshalb gegebenenfalls, die subjektive
Eingliederungs
fähigkeit
vorausgesetzt, Eingliederungsmassnahmen zu erwägen sein werden.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 300.-- festzusetzen. Nach ständi
ger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.