Decision ID: ac1dec65-24b2-54f2-bba0-f30c84c02999
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ (Beschwerdeführer) ist seit dem 1. April 2013 im [...] des ETH-
Rates (Vorinstanz) als [...] angestellt.
B.
Am 20. Januar 2020 liessen die damalige Präsidentin des ETH-Rates
(Beth Krasna) und der Direktor des [...] dem Beschwerdeführer eine Mah-
nung zukommen. Darin wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer habe
sich geweigert, einen [...] zu unterschreiben, nachdem dieser gemäss Ent-
scheid des [...] des ETH-Rates leicht abgeändert worden sei. Er habe da-
mit seine persönliche Meinung über diejenige des [...] gestellt. Seine ne-
gative Einstellung und seine obstruktive Haltung seien nicht tolerierbar.
Deshalb werde er darauf aufmerksam gemacht, dass im Wiederholungsfall
ein Entlassungsverfahren eingeleitet werde.
C.
Vom 20. Januar bis zum 23. März 2020 war der Beschwerdeführer krank-
heitshalber arbeitsunfähig.
D.
Nachdem der Beschwerdeführer der Vorinstanz mitgeteilt hatte, dass er ab
dem 23. März 2020 wieder zu 50 % arbeitsfähig sei, informierte die Perso-
nalabteilung des ETH-Rates ihn am 29. März 2020 per E-Mail darüber,
dass er bis auf Weiteres von der Arbeit freigestellt sei, da der ETH-Rat wei-
tere Abklärungen treffen wolle.
E.
Am 24. April 2020 nahm der Beschwerdeführer gegenüber der Vorinstanz
zu seiner Mahnung vom 20. Januar 2020 Stellung, wobei er deren Inhalt
bestritt. Er machte insbesondere geltend, die Mahnung sei als Vergeltungs-
massnahme dafür erlassen worden, dass er sich geweigert habe, den ver-
änderten [...] zu unterschreiben.
F.
Mit Präsidialverfügung vom 29. April 2020 stellte die Vorinstanz den Be-
schwerdeführer bis auf Weiteres unter voller Gehaltszahlung von der Ar-
beitspflicht frei, damit der Konflikt ohne weitere Belastung der Aufgabener-
füllung und ohne weitere Störungen der gegenseitigen Beziehungen abge-
klärt werden könne. Unterzeichnet war die Verfügung vom Präsidenten des
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ETH-Rates (Prof. Dr. Michael O. Hengartner) und von der Vize-Präsidentin
(Beth Krasna).
G.
Am 25. Mai 2020 erhebt der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerde gegen die Verfügung der Vorinstanz vom 29. April
2020. Er beantragt, die Freistellungsverfügung sei aufzuheben und ihm sei
die Rückkehr an seine Arbeitsstelle zu ermöglichen. Zudem sei festzustel-
len, dass seine Persönlichkeit für den Zeitraum der erlittenen Freistellung
widerrechtlich verletzt worden sei. Schliesslich sei ihm eine angemessene
Parteientschädigung von Fr. 10'000.– zuzusprechen. In prozessualer Hin-
sicht ersucht er um Vereinigung des Verfahrens mit dem Beschwerdever-
fahren A-2764/2020. Ferner sei die Vorinstanz anzuweisen, ihm innert
zehn Tagen sämtliche Verfahrensakten zur Einsichtnahme zukommen zu
lassen; anschliessend sei ihm Gelegenheit zu geben, innert einer ange-
messenen Frist die Beschwerde zu ergänzen.
H.
Am 4. September 2020 reicht die Vorinstanz eine Vernehmlassung ein und
beantragt, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, eventualiter sei sie
abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Die Verfahrensanträge des Be-
schwerdeführers seien abzuweisen.
I.
Mit Verfügung vom 17. September 2020 übermittelt das Bundesverwal-
tungsgericht dem Beschwerdeführer die Vernehmlassung der Vorinstanz
und teilt den Parteien mit, dass sich das Gericht im nächsten Schritt mit
den sich aufdrängenden formellen Fragen befassen und entscheiden
werde. Ein weiterer Schriftenwechsel sei nicht vorgesehen.
J.
Mit unaufgefordert eingereichter Eingabe vom 22. September 2020 ersucht
der Beschwerdeführer erneut um Einsicht in die Akten der Vorinstanz.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, die von einer Vorinstanz
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im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine sachliche Unzu-
ständigkeit nach Art. 32 VGG vorliegt.
1.2 Zur Beschwerde ist berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren
teilgenommen hat oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat, durch
die angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
1.3 Der ETH-Rat ist eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts im
Sinne von Art. 33 Bst. e VGG und Verfügungen des Arbeitgebers im Be-
reich des Arbeitsverhältnisses des Bundespersonals können mit Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht angefochten werden (Art. 36
i.V.m. Art. 1 und 2 Abs. 1 Bst. a des Bundespersonalgesetzes vom
24. März 2000 [BPG, SR 172.220.1]; vgl. auch Art. 62 Abs. 2 der Verord-
nung des ETH-Rates vom 15. März 2001 über das Personal im Bereich der
Technischen Hochschulen [Personalverordnung ETH-Bereich, PVO-ETH,
SR 172.220.113]). Eine Ausnahme im Sinne von Art. 33 VGG liegt nicht
vor.
1.4
1.4.1 Die Vorinstanz bringt vor, dass es sich bei der angefochtenen Verfü-
gung um eine Zwischenverfügung handle. Da eine solche nur anfechtbar
sei, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirke, was
vorliegend nicht zutreffe, sei auf die Beschwerde nicht einzutreten.
1.4.2 Gemäss Art. 5 Abs. 2 VwVG gelten namentlich auch Zwischenverfü-
gungen als Verfügungen. Zwischenverfügungen stellen im Gegensatz zu
End- und Teilverfügungen, die das Verfahren zumindest teilweise pro-
zessual abschliessen, Zwischenschritte auf dem Weg zur Verfahrenserle-
digung dar. Ob es sich bei einer Verfügung um eine Zwischenverfügung
handelt, ist nach ihrem Inhalt zu bestimmen. Zwischenverfügungen sind
akzessorisch zu einem Hauptverfahren; sie können nur vor oder während
eines Hauptverfahrens erlassen werden und nur für die Dauer desselben
Bestand haben beziehungsweise unter der Bedingung, dass ein solches
eingeleitet wird. Sie fallen mit dem Entscheid in der Hauptsache dahin (vgl.
BGE 136 V 131 E. 1.1.2 und Urteil des BGer 2C_450/2012 vom 27. März
2013 E. 1.3, je m.w.H.).
Gegen selbständig eröffnete Zwischenverfügungen (die nicht die Zustän-
digkeit oder ein Ausstandsbegehren betreffen, vgl. Art. 45 VwVG) ist die
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Beschwerde zulässig, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nach-
teil bewirken können, oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort
einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand
an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde
(Art. 46 VwVG). Der nicht wieder gutzumachende Nachteil kann rechtlicher
oder tatsächlicher, namentlich auch wirtschaftlicher Natur sein (vgl. Urteil
des BGer 2C_86/2008 vom 23. April 2008 E. 3.2 und Urteil des BVGer
A-7259/2017 vom 29. Mai 2018 E. 2.4 m.w.H.).
1.4.3 Unter dem Begriff «Freistellung» kann sowohl ein blosser Verzicht
des Arbeitsgebers auf die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers unter gleich-
zeitiger Lohnfortzahlung als auch eine Massnahme zur Sicherstellung des
geordneten Aufgabenvollzugs (Art. 25 BPG) verstanden werden. Bei letz-
terem handelt es sich gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung um
eine Zwischenverfügung und die Beschwerde ist nur zulässig, wenn sie
einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken kann (Urteil des
BGer 8C_12/2012 vom 30. Mai 2012 E. 3.3 f.).
1.4.4 Vorliegend braucht jedoch nicht abschliessend geprüft werden, wel-
cher Natur die verfügte Freistellung vom 29. April 2020 ist beziehungsweise
ob allenfalls ein nicht wieder gutzumachender Nachteil aufgrund einer Zwi-
schenverfügung besteht und entsprechend auf den Beschwerdeantrag be-
züglich Aufhebung der Freistellung einzutreten wäre. Das Bundesverwal-
tungsgericht kann selbst bei formell unzulässigen Beschwerden, wenn es
mit einer nichtigen Verfügung befasst wird, eingreifen und diese von Amtes
wegen aufheben (vgl. BGE 136 II 415 E. 1.2 und 136 II 383 E. 4.1). Dies
ist vorliegend – wie zu zeigen sein wird (E. 2) – der Fall, weshalb die an-
gefochtene Verfügung in jedem Fall von Amtes wegen für nichtig zu erklä-
ren ist.
1.5 Soweit der Beschwerdeführer die Feststellung einer widerrechtlichen
Persönlichkeitsverletzung durch die Freistellung beantragt, ist auf seine
Beschwerde nicht einzutreten, da diese Frage nicht Gegenstand der ange-
fochtenen Verfügung war (vgl. Art. 25 VwVG) und deshalb auch nicht Streit-
gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden kann (vgl. Ur-
teil des BVGer A-6211/2017 vom 14. Mai 2018 E. 1.3).
1.6 Der prozessuale Antrag des Beschwerdeführers auf Vereinigung des
vorliegenden Verfahrens mit dem Verfahren A-2764/2020 ist sodann abzu-
weisen. Die im Verfahren A-2764/2020 angefochtene Verfügung wurde
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zwar von der gleichen Vorinstanz erlassen und betrifft ebenfalls eine Frei-
stellung, jedoch ist eine andere Person betroffen und es besteht – da die
Freistellungen auf unterschiedlichen Gründen beruhen – kein genügender
inhaltlicher Zusammenhang, so dass eine Vereinigung der Verfahren nicht
angezeigt ist.
2.
2.1 Der Beschwerdeführer macht in formeller Hinsicht geltend, die ange-
fochtene Verfügung verletze den Anspruch auf die gemäss Gesetz richtig
zusammengesetzte Entscheidbehörde nach Art. 29 Abs. 1 BV, da die Ver-
fügung nicht vom Präsidenten des ETH-Rates alleine erlassen worden sei,
sondern gemeinsam mit dessen Vizepräsidentin.
2.2 Art. 29 Abs. 1 BV sieht vor, dass jede Person in Verfahren vor Gerichts-
und Verwaltungsinstanzen Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung
sowie auf Beurteilung innert angemessener Frist hat. Die Rechtsprechung
hat daraus ein Recht auf eine ordnungsgemässe und unparteiische Zu-
sammensetzung der entscheidenden Verwaltungsbehörde abgeleitet. Ob
eine Verwaltungsbehörde ordnungsgemäss zusammengesetzt ist, beurteilt
sich in erster Linie nach dem einschlägigen Organisations- und Verfahrens-
recht. Entscheidet die Behörde in einer falschen Zusammensetzung,
verstösst sie gegen das Rechtsverweigerungsverbot (BGE 142 I 172
E. 3.2 und 127 I 128 E. 3c).
Besteht eine Verwaltungsbehörde aus einer bestimmten Zahl von Mitglie-
dern, so müssen – unter Vorbehalt abweichender Ordnung – beim Ent-
scheid alle mitwirken. Die Behörde, die in unvollständiger Besetzung ent-
scheidet, ohne dass das Gesetz ein entsprechendes Quorum vorsieht,
begeht eine formelle Rechtsverweigerung. Darüber hinaus liegt eine will-
kürliche Anwendung des einschlägigen Verfahrens- und Organisations-
rechts vor. Jeder Verfahrensbeiligte hat Anspruch darauf, dass die Behörde
richtig zusammengesetzt ist beziehungsweise dass sie vollständig und
ohne Anwesenheit Unbefugter entscheidet (BGE 127 I 128 E. 4b m.w.H.;
Urteile des BGer 2C_578/2018 vom 4. Februar 2019 E. 3.1 und
2P.26_2003 vom 1. September 2003 E. 3.4; vgl. auch betreffend Anspruch
auf ein durch Gesetz geschaffenes Gericht: Basler Kommentar BV, JOHAN-
NES REICH, Art. 30 N 15, wo von einer Überbesetzung gesprochen wird.).
2.3 Die vorliegend einschlägigen Organisations- und Verfahrensbestim-
mungen für den ETH-Bereich sehen bezüglich der Kompetenz zur Freistel-
lung eines Mitarbeiters des [...] des ETH-Bereichs Folgendes vor:
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2.3.1 Gemäss Art. 26 des Bundesgesetzes vom 4. Oktober 1991 über die
Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH-Gesetz, SR 414.110)
leitet der Präsident des ETH-Rates die Geschäfte des ETH-Rates und trifft
die ihm durch die Geschäftsordnung übertragenen Entscheide.
2.3.2 [...]
2.3.3 Der ETH-Rat ist zuständig für die Begründung, Änderung und Been-
digung der Arbeitsverhältnisse sowie für sämtliche mit den Arbeitsverhält-
nissen zusammenhängenden Entscheide betreffend die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter des ETH-Rates. Er hat diese Zuständigkeit an den Präsi-
denten oder die Präsidentin des ETH-Rates abgetreten (Art. 2 Abs. 1 und
2 PVO-ETH i.V.m. Art. 15 Abs. 1 Bst. g der Geschäftsordnung des Rates
der Eidgenössischen Technischen Hochschulen vom 17. Dezember 2003
[Geschäftsordnung ETH-Rat, SR 414.110.2]).
2.3.4 Entscheide, die der Präsident oder die Präsidentin des ETH-Rates
auf Grund einer ihm oder ihr durch das geltende Recht ausdrücklich über-
tragenen Kompetenz trifft, ergehen in der Form der Präsidialverfügung
(Art. 11 Abs. 1 Bst. a Geschäftsordnung-ETH-Rat).
2.3.5 Der Vizepräsident oder die Vizepräsidentin vertritt den Präsidenten
oder die Präsidentin des ETH-Rates, unterstützt den Präsidenten oder die
Präsidentin bei der Erfüllung von dessen oder deren Aufgaben und erledigt
die Geschäfte, die ihm oder ihr übertragen sind (Art. 16 Geschäftsordnung
ETH-Rat).
2.3.6 Aus den zitierten Organisations- und Verfahrensbestimmungen des
ETH-Bereichs ergibt sich zusammenfassend, dass die arbeitsrechtliche
Freistellung eines Mitarbeiters des [...] in die (alleinige) Kompetenz des
Präsidenten oder der Präsidentin des ETH-Rates fällt, der oder die eine
Freistellung in der Form einer Präsidialverfügung erlässt. Eine Mitwirkung
der Vizepräsidentin oder des Vizepräsidenten des ETH-Rates ist nicht vor-
gesehen.
2.4 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung aus, der Präsident
des ETH-Rates erlasse die Verfügung gemeinsam mit der Vizepräsidentin,
weil sich die massgebenden Vorfälle während deren Amtszeit als Präsiden-
tin abgespielt hätten. In der Vernehmlassung schreibt die Vorinstanz dem-
gegenüber, die Verfügung sei vom Präsidenten des ETH-Rates erlassen
worden. Da sich die massgeblichen Vorfälle jedoch während der Amtszeit
der Vizepräsidentin abgespielt hätten, habe sie zusätzlich unterzeichnet,
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um Transparenz zu schaffen, dass sie im Vorfeld mehr als der Präsident
beteiligt gewesen sei und den Sachverhalt bestens kenne. Der Präsident
habe indes aufgrund eigener Überzeugung und in Wahrnehmung seiner
Verantwortung entschieden, weshalb der Unterschrift der Vizepräsidentin
keine Bedeutung zukomme.
2.5 Die angefochtene Verfügung erging am 29. April 2020. Zu diesem Zeit-
punkt war Michael O. Hengartner Präsident des ETH-Rates. Die Verfügung
trägt denn auch seine Unterschrift. Darüber hinaus ist die Verfügung von
Beth Krasna in ihrer Funktion als Vizepräsidentin des ETH-Rates unter-
zeichnet. Frau Krasna war von Mai 2019 bis Januar 2020 Präsidentin des
ETH-Rates ad interim und seither (wie bereits von 2018 bis Mai 2019) Vi-
zepräsidentin des Rates.
2.6 Die Darstellung der Vorinstanz in der Vernehmlassung, wonach die Vi-
zepräsidentin keinen Einfluss auf den Inhalt der Verfügung genommen
habe, vermag nicht zu überzeugen. Aufgrund ihrer Unterschrift und den
Ausführungen in der Verfügung selber («Vorliegend erlässt der Präsident
diese Verfügung gemeinsam mit der Vize-Präsidentin...»), ist davon aus-
zugehen, dass die angefochtene Verfügung vom Präsidenten und von der
Vizepräsidentin gemeinsam erlassen wurde. Eine Stellvertretung des Prä-
sidenten des ETH-Rates durch die Vizepräsidentin liegt offensichtlich nicht
vor.
Der Erlass der angefochtenen Verfügung durch den Präsidenten und die
Vizepräsidentin des ETH-Rates gemeinsam widerspricht den einschlägi-
gen Organisations- und Verfahrensbestimmungen. Die zuständige Be-
hörde – der Präsident des ETH-Rates – war damit beim Erlass der ange-
fochtenen Verfügung nicht ordnungsgemäss besetzt, weshalb diese einen
formellen Mangel aufweist.
3.
3.1 In der Regel bewirkt die Fehlerhaftigkeit einer Verfügung deren An-
fechtbarkeit. Der Anspruch auf eine ordnungsgemässe Zusammensetzung
der entscheidenden Verwaltungsbehörde ist formeller Natur, weshalb seine
Verletzung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache
grundsätzlich zur Aufhebung der mit dem Verfahrensmangel behafteten
Verfügung führt. Eine Heilung im Rechtsmittelverfahren ist ausgeschlossen
(BGE 142 I 172 E. 3.2). Nichtig und damit von Anfang an unwirksam sind
fehlerhafte Entscheide nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung dann,
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wenn der ihnen anhaftende Mangel besonders schwer ist, wenn er offen-
sichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und wenn die Rechtssicherheit
durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet wird. Als Nich-
tigkeitsgründe kommen vorab funktionelle und sachliche Unzuständigkeit
der entscheidenden Behörde sowie krasse Verfahrensfehler in Betracht.
Die Nichtigkeit eines Entscheides ist von sämtlichen rechtsanwendenden
Behörden jederzeit von Amtes wegen zu beachten und kann auch im
Rechtsmittelverfahren festgestellt werden (BGE 138 II 501 E. 3.1 m.w.H.
und 132 II 342 E. 2.1).
3.2 Der formelle Mangel der angefochtenen Verfügung aufgrund der nicht
ordnungsgemässen Zusammensetzung der entscheidenden Behörde
wiegt insofern besonders schwer, als eine Überbesetzung der entschei-
denden Behörde gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts nicht nur
eine Verletzung des Anspruchs auf gleiche und gerechte Behandlung nach
Art. 29 Abs. 1 BV darstellt, sondern auch einen Verstoss gegen das
Rechtsverweigerungsverbot und eine Verletzung des Willkürverbots (vgl.
E. 2.2). Das Gewicht des formellen Mangels illustriert zudem der Umstand,
dass eine Heilung im Beschwerdeverfahren gemäss Rechtsprechung des
Bundesgerichts ausgeschlossen ist. Der vorliegende Mangel ist darüber
hinaus leicht erkennbar, ergibt sich doch aus den einschlägigen Organisa-
tionsbestimmungen des ETH-Bereichs klar, dass der Präsident des
ETH-Rates für Verfügungen wie die angefochtene in alleiniger Kompetenz
zuständig ist und entsprechend auch die Verfügung selbst als «Präsidial-
verfügung» betitelt wurde. Schliesslich ist nicht davon auszugehen, dass
die Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit ernsthaft gefährdet
wird. Die Voraussetzungen für die Nichtigerklärung der angefochtenen Ver-
fügung sind damit erfüllt.
3.3 Die Feststellung der Nichtigkeit bedeutet, dass die angefochtene Ver-
fügung nie rechtswirksam wurde, womit die Freistellung des Beschwerde-
führers nie rechtsgültig verfügt wurde. Damit hätte der Beschwerdeführer
seiner Arbeit grundsätzlich nachgehen können und wäre dazu auch ver-
pflichtet gewesen. Vorliegend bot der Beschwerdeführer seine Arbeit ab
dem 23. März 2020 wieder an und die Vorinstanz verzichtete in der Folge
ausdrücklich darauf. Analog zur Rechtsprechung des Bundesgerichts, ge-
mäss der die bereits abgewickelten Teile eines Dauerschuldverhältnisses,
das nachträglich dahinfällt, als voll gültig erachtet werden (BGE 137 III 243
E. 4.4.4, 129 II 320 E. 7.1.2; Urteil des BVGer A-1893/2020 vom 2. Sep-
tember 2020 E. 7.1.4), ist vorliegend deshalb für die Zeit bis zur Feststel-
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lung der Nichtigkeit der Freistellungsverfügung durch das vorliegende Ur-
teil von einem gültigen Verzicht der Vorinstanz auf die Arbeitsleistung des
Beschwerdeführers auszugehen.
4.
4.1 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die angefochtene Verfügung
nichtig ist.
4.2 Auf die weiteren formellen und materiellen Rügen des Beschwerdefüh-
rers muss aufgrund dieses Ausgangs des Verfahrens nicht eingegangen
werden. Die beantragte Akteneinsicht wird gewährt.
5.
5.1 In personalrechtlichen Angelegenheiten ist das Beschwerdeverfahren
vor dem Bundesverwaltungsgericht unabhängig vom Verfahrensausgang
kostenlos (Art. 34 Abs. 2 BPG), weshalb vorliegend keine Verfahrenskos-
ten zu erheben sind.
5.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr er-
wachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen. Die
Entschädigung wird in der Entscheidungsformel beziffert und der Körper-
schaft oder autonomen Anstalt auferlegt, in deren Namen die Vorinstanz
verfügt hat, soweit sie nicht einer unterliegenden Gegenpartei auferlegt
werden kann (Art. 64 Abs. 1–2 VwVG).
Vorliegend ist der Ausgang des Verfahrens als Obsiegen des vor Bundes-
verwaltungsgericht vertretenen Beschwerdeführers zu werten, weshalb
ihm zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung zuzusprechen ist.
Der Rechtsvertreter reichte keine Kostennote ein, beantragt jedoch eine
angemessene Parteientschädigung von Fr. 10'000.–, ohne diesen Betrag
zu begründen oder entsprechende Belege einzureichen.
Wird keine Kostennote eingereicht, setzt das Gericht die Parteientschädi-
gung aufgrund der Akten fest (Art. 14 Abs. 2 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Angesichts des Streitgegenstandes
(Freistellung), der teilweise weitschweifigen, mit Wiederholungen durch-
setzten Ausführungen in der Beschwerdeschrift und des Umstandes, dass
die Beschwerde zu einem grossen Teil mit derjenigen im parallelen Verfah-
ren A-2764/2020 deckungsgleich ist, erscheint die beantragte Entschädi-
gung von Fr. 10'000.– als übersetzt und – unter Berücksichtigung der
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massgeblichen Bemessungsfaktoren (Art. 8 ff. VGKE) – eine Parteient-
schädigung von insgesamt Fr. 2'500.– als angemessen. Dieser Betrag ist
der Vorinstanz zur Bezahlung nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegen-
den Urteils aufzuerlegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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