Decision ID: 3a3bc565-01a9-4f77-9f3d-da81232b58ea
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Nötigung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - , vom 10. Mai 2021 (GG210112)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 24. März 2021
(Urk. D1/37) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu
Fr. 80.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Der Privatkläger B._ wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'200.– Gebühr für das Vorverfahren,
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 76 S. 2)
1. Es seien die Urteilsdispositivziffern 1–3 und 6 des Urteils vom 10. Mai
2021 des Bezirksgerichts Zürich (GG210112) aufzuheben und wie folgt
zu ersetzen:
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1. Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der Nötigung vollumfänglich freigesprochen.
2. (aufgehoben)
3. (aufgehoben)
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden auf die Staatskasse genommen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen des Berufungsverfahrens zu-
züglich Mehrwertsteuer zulasten der Berufungsbeklagten.
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 57 und Urk. 81)
Verzicht auf das Stellen von Anträgen.
_

Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Prozessuales
1. Im Vor- bzw. im erstinstanzlichen Verfahren war der Beschuldigte zunächst
von Rechtsanwalt lic. iur. X2._ (Urk. D1/12/1–3) und zwischenzeitlich von
Rechtsanwalt MLaw X3._ (Urk. D1/13/1) vertreten. Zur erstinstanzlichen
Hauptverhandlung vom 11. Mai 2021 [recte: 10. Mai 2021, vgl. Prot. I S. 2] er-
schien der Beschuldigte dann aber ohne Begleitung einer Anwaltsperson (Prot. I
S. 5). Im Nachgang zur mündlichen Urteilseröffnung teilte Advogada X1._
am 12. Mai 2021 ihre Mandatierung als neue Verteidigerin mit und meldete
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gleichzeitig, fristgerecht, namens des Beschuldigten Berufung an (Art. 399 Abs. 1
StPO; Urk. 44).
Das eingangs im Dispositiv wiedergegebene begründete Urteil des Bezirksge-
richts Zürich, 10. Abteilung, vom 10. Mai 2021 wurde der neuen Verteidigerin am
27. Juli 2021 zugestellt (Urk. 49/2). Mit Eingabe vom 16. August 2021 reichte die-
se innert der zwanzigtägigen Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO die Berufungserklä-
rung ein (Urk. 52). Mit Präsidialverfügung vom 31. August 2021 wurde die Beru-
fungserklärung dem Privatkläger und der Staatsanwaltschaft zugestellt
(Urk. 56/1–3), um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder ein Nicht-
eintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 55). Gleichzeitig wurde der Be-
schuldigte unter Hinweis auf sein Aussageverweigerungsrecht aufgefordert, ein
Datenerfassungsblatt auszufüllen und seine finanziellen Verhältnisse zu belegen
(Urk. 55).
Die Anklagebehörde teilte darauf am 9. September 2021 mit, dass auf Anschluss-
berufung und überhaupt auf das Stellen von Anträgen verzichtet werde (Urk. 57).
Der Privatkläger liess sich innert Frist nicht vernehmen (vgl. Urk. 56/3).
Mit Eingabe vom 13. Dezember 2021 liess der Beschuldigte (innert erstreckter
Frist [vgl. Urk. 58–63]) das ausgefüllte Datenerfassungsblatt und weitere Doku-
mente betreffend seine finanziellen Verhältnisse einreichen (Urk. 65 f.).
Ebenfalls am 13. Dezember 2021 wurde zur Berufungsverhandlung auf den
29. April 2022 vorgeladen (Urk. 64). Kurz vor dem Verhandlungstermin, am
27. April 2022, wurde einem Verschiebungsgesuch der Verteidigung (Urk. 67)
stattgegeben und die Vorladung abgenommen (Urk. 69). In der Folge erklärten
sich die Parteien mit der schriftlichen Durchführung des Berufungsverfahrens (das
heisst einem Verzicht auf mündliche Verhandlung und mündliche Entscheid-
eröffnung) einverstanden (Urk. 71 f.; Art. 406 Abs. 2 StPO).
Der Beschuldigte liess mit Eingabe vom 20. Juni 2022 innert erstreckter Frist
(Urk. 75) seine schriftliche Berufungsbegründung samt Honorarnote einreichen
(Urk. 76 f.). Innert Frist erfolgten keine Berufungsantworten (vgl. Urk. 78 ff.).
Das Verfahren erweist sich als spruchreif.
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2. Gemäss Art. 402 in Verbindung mit Art. 437 StPO hat die Berufung im Um-
fang der Anfechtung aufschiebende Wirkung. Insoweit wird die Rechtskraft ge-
hemmt. Die Beschuldigte verlangt einen Freispruch. Unangefochten blieben ein-
zig die Verweisung des Privatklägers mit dessen Schadenersatzbegehren auf den
Zivilweg (Dispositivziffer 4) und die Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 5). Diesbe-
züglich ist das vorinstanzliche Urteil in Rechtskraft erwachsen, was vorab in ei-
nem Beschluss festzustellen ist. Im Übrigen aber ist das vorinstanzliche Urteil im
Sinne von Art. 398 Abs. 2 StPO unter Vorbehalt des Verschlechterungsverbotes
(Verbot der reformatio in peius; Art. 391 Abs. 2 StPO) umfassend zu überprüfen.
II. Schuldpunkt
1. Ausgangslage
1.1. Die Anklage wirft dem Beschuldigten das nachstehende Verhalten vor
(Urk. D1/37):
Als Mitarbeiter der C._ GmbH soll der Beschuldigte vom Geschädigten (und
Privatkläger) B._, dessen Fahrzeug Volvo (Kennzeichen VD...) zuvor von
der C._ GmbH abgeschleppt worden sei, die sofortige Zahlung (bar oder per
Kredit-/EC-Karte) der geforderten Abschleppkosten verlangt haben, ansonsten
ihm das Fahrzeug nicht ausgehändigt werde.
Der Geschädigte habe schliesslich eingewilligt, den Betrag zu bezahlen, habe je-
doch bei der Kartenzahlung bewusst einen falschen PIN-Code eingegeben und
gesagt, der Saldo auf dem Konto sei zu klein, woraufhin der Beschuldigte eine
Anzahlung von Fr. 250.– und eine Rechnung für den Restbetrag akzeptiert habe.
Der Geschädigte habe sich durch die Forderung des Beschuldigten massiv unter
Druck gefühlt, die Abschleppkosten sofort zu begleichen, da er auf das Fahrzeug
angewiesen gewesen sei und ihm die sofortige Herausgabe auch bei der Rech-
nungsoption verweigert worden sei.
Der Beschuldigte habe gewusst, dass der Geschädigte unter diesen Umständen
unter Druck gerate und die Abschleppkosten sofort bezahlen würde.
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1.2. In rechtlicher Hinsicht wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten Nöti-
gung im Sinne von Art. 181 StGB vor.
1.3. Der Standpunkt des Beschuldigten zu diesem Vorwurf ist – zusammenge-
fasst – der folgende: Dass am fraglichen Tag er den Privatkläger im Zusammen-
hang mit der Herausgabe dessen Fahrzeugs bedient hat, stellt der Beschuldigte
nicht in Abrede (Urk. D2/4/2 F/A 6; Prot. I S. 8). Bestritten wird von ihm jedoch,
dass er den Privatkläger dabei unter Druck gesetzt habe, indem er die sofortige
Zahlung der Abschleppkosten als Bedingung für die Herausgabe des Fahrzeugs
verlangt habe (Prot. I S. 8). Dem sei nicht so. Im Büro (dem Schalter des Ab-
schleppdienstes) seien stets alle Zahlungsmöglichkeiten auf einem Zettel an der
Tür angeschlagen, darunter auch die Möglichkeit der Zahlung per Rechnung
(Prot. I S. 8). Die Rechnungsoption werde stets – entsprechend den von der Poli-
zei erhaltenen Instruktionen – angegeben. Bloss werde bei dieser Option eine
Administrativgebühr verrechnet, damit die Fahrzeughalter motiviert seien, sofort
statt erst per Rechnung zu bezahlen. Er habe nicht – auch in einer ersten Phase
nicht – Druck auf den Privatkläger ausgeübt respektive diesen genötigt (Prot. I S.
10).
1.4. Was den unstrittigen Teil des Sachverhalts angeht, nämlich dass der Be-
schuldigte vor Ort war und namens der C._ GmbH mit dem Privatkläger über
die Herausgabe von dessen zuvor abgeschlepptem Fahrzeug verhandelte, kann
kein Zweifel bestehen angesichts seiner Aussagen, welche sich mit dem objekti-
ven Beweismittel des handschriftlich ausgefüllten und von ihm visierten Rech-
nungsrapport (Urk. D2/6/1 und Urk. D2/4/3 F/A 12) verflechten lassen.
Was sich indes fragt, ist, ob sich der Sachverhalt in Bezug auf das Ausüben von
Druck, gerichtet auf eine sofortige Bezahlung der Abschleppkosten, erstellen
lässt.
2. Massgebliche Beweismittel und Grundsätze der Sachverhaltserstellung
Vorab ist auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zu den verfügbaren
Beweismitteln und deren Verwertbarkeit (Urk. 51 E. II/4 S. 6) sowie zu den allge-
meinen Beweiswürdigungsregeln (dabei insbesondere zur Aussagewürdigung;
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Urk. 51 E. II/5 S. 7 f.) zu verweisen. Erneut ist festzuhalten, dass das Gericht die
Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeu-
gung würdigt (Art. 10 Abs. 2 StPO). Es ist daher nur richtig, wenn die Vorinstanz
bei der Würdigung der vorhandenen Beweismittel eigene Überlegungen anstellt
und nicht bloss – wie es die Verteidigung in Urk. 52 Rz 7 a.E. S. 5 und auch in
Urk. 76 Rz 21 S. 8 zu fordern scheint – übernimmt oder verwirft, was von der
Staatsanwaltschaft in den Prozess eingebracht wird.
Die Verteidigung stört sich an angeblichen «Mutmassungen» der Vorinstanz, auf
welche sich diese bei ihrem Entscheid berufen habe (Urk. 76 Rz 21 S. 8). Die
Verteidigung spricht damit den Indizienbeweis an, weshalb dieser nachfolgend
kurz beleuchtet wird: Wenn wie hier für die zentralen Punkte keine direkten Be-
weise vorliegen, ist der Nachweis der Tat mit Indizien, das heisst mit indirekten,
mittelbaren Beweisen, zu führen. Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis
gleichwertig, wobei die Gesamtheit der einzelnen Indizien, deren «Mosaik», zu
würdigen ist. Da ein Indiz immer nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf
die Täterschaft oder die Tat hinweist, lässt es, einzeln betrachtet, die Möglichkeit
des Anders-seins offen, enthält daher auch den Zweifel. Es ist jedoch zulässig,
aus der Gesamtheit der verschiedenen Indizien, welche je für sich allein betrach-
tet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder
Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offen lassen, auf den vollen rechtsge-
nügenden Beweis von Tat und/oder Täter zu schliessen. Der Indizienprozess als
solcher verletzt weder die Unschuldsvermutung noch die aus ihr abgeleiteten Teil-
rechte. Der Grundsatz «in dubio pro reo» findet auf das einzelne Indiz keine An-
wendung (Urteile des Bundesgerichts 6B_360/2016 vom 1. Juni 2017 E. 2.4, nicht
publ. in BGE 143 IV 361; 6B_605/2016 vom 15. September 2016 E. 2.8 und
6B_1021/2016 vom 20. September 2017 E. 4.1 mit Hinweisen). Er entfaltet seine
Wirkung bei der Beweiswürdigung als Ganzes. Massgebend ist nicht eine isolierte
Betrachtung der einzelnen Beweise, welche für sich allein betrachtet nur eine ge-
wisse Wahrscheinlichkeit begründen und insofern Zweifel offenlassen, sondern
deren gesamthafte Würdigung (Urteil des Bundesgerichts 6B_699/2018 vom
7. Februar 2019 E. 2.3.2; WOHLERS, StPO-Kommentar, 3. Aufl. 2020, Art. 10 N
27; OBERHOLZER, Grundzüge des Strafprozessrechts, 4. Aufl. 2020, Rz. 1090).
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3. Beweiswürdigung
3.1. In der vorliegenden Konstellation geht es vorwiegend um die Würdigung
der Aussagen der Direktbeteiligten, weshalb diese zu rekapitulieren sind:
3.1.1. Der Privatkläger führte bei der Staatsanwaltschaft am 6. November 2019
aus, er habe mit seiner Frau vom 21. auf den 22. April 2019 bei Freunden über-
nachtet. Sein Fahrzeug habe er auf dem Besucherparkplatz abgestellt gehabt. Als
sie am Morgen des 22. April 2019 bemerkt hätten, dass das Fahrzeug nicht mehr
dort gestanden sei, hätten sie herumtelefoniert und in Erfahrung gebracht, dass
ihr Fahrzeug von der C._ [GmbH] abgeschleppt worden war. Sie seien dann
mit dem öffentlichen Verkehr zu deren Adresse gefahren. Weil dort das Lokal ge-
schlossen gewesen sei, hätten sie noch einmal angerufen, woraufhin 10 Minuten
später zwei Männer erschienen seien und bestätigt hätten, dass sie das Fahrzeug
abgeschleppt hätten. Einer der beiden Männer – gemeint war hier unstrittig der
Beschuldigte – habe sie ins Büro gebeten. Seine (des Privatklägers) Frau habe
draussen gewartet, ebenso der zweite Mann vom Abschleppdienst. Im Büro drin
sei ihm, dem Privatkläger, gesagt worden, dass er, wenn er sein Fahrzeug zu-
rückhaben möchte, Fr. 750.– bezahlen müsse. Er (der Privatkläger) habe erwi-
dert, dass es ein rechtswidriges Abschleppen gewesen sei und er den Betrag
deshalb nicht bezahlen werde; er wolle nun gern sein Fahrzeug zurückhaben. Der
Mann habe ihm gesagt, dass dies nicht so sei und er den gesamten Betrag «hier
und jetzt» bezahlen müsse, damit er ihm sein Fahrzeug aushändigen könne. Da-
rauf habe er ihm entgegnet, dass er überhaupt nicht einverstanden sei und sein
Fahrzeug jetzt zurückhaben möchte, da alle seine Sachen drin seien. Daraufhin
habe der Mann seine Tonart gewechselt – nicht gerade aggressiv, jedoch sehr
bestimmt; er habe gesagt, dass es ihn nicht interessiere und dass dies bei ihrer
Firma so sei. Des Weitern habe der Beschuldigte gesagt, wenn der Betrag nicht
bezahlt würde, würden sie das Büro schliessen und werde er sein Auto nicht zu-
rückbekommen. Daraufhin habe er eingewilligt, den Betrag zu bezahlen. Er habe
jedoch den PIN-Code falsch eingetippt und gesagt, der Saldo sei zu klein, wo-
raufhin sie sich auf eine Anzahlung von Fr. 250.– und den Rest per Rechnung
geeinigt hätten. Der Mann habe ihm eine Quittung über Fr. 250.– ausgehändigt
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und noch ein anderes Formular zur Unterschrift ausgehändigt, welches er weder
unterschrieben noch gelesen habe. Er sei mit ihm zusammen zu seinem Auto ge-
fahren, und in der Folge habe er dieses zurücknehmen können. Dann habe er
seine Frau und die Hunde geholt und sei nach D._ gefahren (Urk. D2/5/1 F/A
12–14 S. 3 f.).
Zum konkreten Gesprächsinhalt befragt, gab der Privatkläger an, der Mann vom
Abschleppdienst habe ihm gesagt, sie hätten einen Auftrag zum Abschleppen be-
kommen. Dies sei sein Job, und er könne ihm nicht helfen; er müsse die Fr. 750.–
bezahlen, damit er sein Auto zurückbekomme. Es sei ihm (dem Privatkläger) kei-
ne Wahl gelassen worden – bezahlen oder kein Auto (a.a.O. F/A 16 S. 4 f.). Er
(der Privatkläger) habe sich zuerst aufgeregt, dann aber habe er gemerkt, dass es
nichts bringe und er den Kürzeren ziehen würde (a.a.O. F/A 17 S. 5). Die beiden
Männer hätten so etwas wie paramilitärische Sicherheitskleidung angehabt mit
Lederhandschuhen und Pfefferspray an einem Gurt. Auch ihr Auftreten sei für ihn
einschüchternd gewesen – sehr bestimmt, jedoch nicht bedrohlich im Sinne von
Leib und Leben; der Mann habe leicht genervt gewirkt (a.a.O. F/A 18 S. 5).
Ja, der Mitarbeiter habe ausdrücklich gesagt, dass falls er nicht bezahle, er sein
Auto nicht zurückbekommen würde (a.a.O. F/A 24 S. 5). Wenn er dies nun in Ab-
rede stelle, sei dies ganz klar gelogen; er hätte (so der Privatkläger) nicht bezahlt
und stattdessen eine Rechnung verlangt. Andernfalls hätte er keinen Rechtsfall
aufgemacht, weil er nicht der Meinung gewesen sei, dass es rechtswidrig gewe-
sen sei (a.a.O. F/A 25 S. 6). Nein, der Mitarbeiter habe nicht angeboten, dass er
auf Rechnung bezahlen und das Fahrzeug mitnehmen könne (a.a.O. F/A 26 S. 6).
Nachdem er die Fr. 250.– bezahlt gehabt habe, habe er den Mitarbeiter nach ei-
ner Rechnung gefragt. Dieser habe ihm dann gesagt, dass ihm die Rechnung
nach Hause gesandt werde. Er (der Privatkläger) habe sich von Anfang an ge-
wehrt gegen die Zahlung und gefragt, ob er eine Rechnung haben könne, was
ihm der Mitarbeiter aber verweigert habe (a.a.O. F/A 27 S. 6).
3.1.2. Der Beschuldigte machte gegenüber der Polizei vorab, am 11. Juni 2019,
allgemeine Ausführungen zu seinem Vorgehen beim Abschleppen: Wenn er als
«Abschlepper» einen Auftrag bekomme, schleppe er das betreffende Fahrzeug
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ab und deponiere es an einem bestimmten Ort. Der fehlbare Fahrzeuglenker
komme dann, sie würden das Finanzielle regeln, und der Fahrzeuglenker be-
komme sein Fahrzeug zurück. Es würden drei Zahlungsoptionen unterbreitet:
Rechnung, Kreditkarte oder bar. Bei Rechnung sei einfach der Betrag um Fr. 80.–
höher (Urk. D2/4/1 F/A 5 ff. S. 2). Nein, sie dürften das Fahrzeug nicht zurückbe-
halten, wenn der fehlbare Fahrzeuglenker nicht bezahle – sie müssten es aus-
händigen. Er verlange lediglich den Fahrzeug- und Führerausweis, um den Ab-
schlepprapport zu erstellen (a.a.O. F/A 12 S. 3). Auf dem betreffenden Formular
würden viele Fahrzeuglenker nicht unterschreiben; das sei auch nicht zwingend.
Um die Personalien festhalten zu können, benötige er aber die Ausweispapiere,
welche er meistens bekomme. Und wenn die Formulare unterzeichnet würden, so
würde damit lediglich bestätigt, dass das Fahrzeug von ihrem Abschleppdienst
abgeschleppt worden sei und dass die Personalien stimmen würden; eine
Schuldanerkennung sei darin nicht enthalten. Nach Abschluss der Zahlungsab-
wicklung, wie auch immer diese aussehe, händige er das Fahrzeug immer aus
(a.a.O. F/A 13 ff. S. 3).
3.1.3. Ein zweites Mal von der Polizei befragt, gab der Beschuldigte am 18. Juni
2019 zum hier interessierenden Vorfall was folgt an: Er erinnere sich noch daran;
der Privatkläger habe sofort beim Aushändigen des Fahrzeugs Fr. 250.– mit Karte
bezahlt; für den Rest, Fr. 350.–, habe er eine Rechnung erhalten; er habe nicht
genügend Geld dabei gehabt (Urk. D2/4/2 F/A 6 S. 2). Eigentlich, so denke er,
wäre der Preis Fr. 605.– gewesen; man habe wohl auf Fr. 600.– abgerundet
(a.a.O. F/A 11 S. 3). Die Zahlungsmodalitäten seien von ihm normal erledigt wor-
den (a.a.O. F/A 13 S. 3). Es stimme nicht, dass er den Privatkläger zum Bezahlen
von Fr. 250.– gezwungen habe, ansonsten dieser das Fahrzeug nicht zurücker-
halten würde. Dass es eine längere Diskussion gegeben habe und dass er das
Fahrzeug partout nicht habe aushändigen wollen, sei «unmöglich» (a.a.O.
F/A 14 f. S. 3).
3.1.4. Gegenüber der Staatsanwaltschaft deponierte der Beschuldigte am 6. No-
vember 2019 folgende Aussagen: Er könne sich nicht mehr an die konkrete Situa-
tion erinnern, jedoch wisse er, dass es «in der Regel» nicht so ablaufe, dass man
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das Fahrzeug nur zurückerhalte, wenn man den Abschleppbetrag gleich bezahle
(Urk. D2/4/3 F/A 7 S. 2). Immer wenn ein Kunde vorbeikomme, würden sie ihn
fragen, ob er bar, mit Karte oder per Rechnung bezahlen möchte (a.a.O. F/A 8 S.
2). An den konkreten Vorfall (resp. warum es zum Preis von Fr. 355.– [Urk.
D2/6/1] kam) könne er sich nicht mehr erinnern (a.a.O. F/A 13–18 S. 3 f.).
3.1.5. An der Hauptverhandlung im erstinstanzlichen Verfahren führte der Be-
schuldigte im Wesentlichen was folgt aus: Der Vorwurf stimme nicht; er könne
niemanden zwingen, etwas zu bezahlen. Der Privatkläger habe im Büro bezahlt,
wo die Zahlungsoptionen angeschrieben seien (Prot. I S. 9 f.). Er habe den Pri-
vatkläger als sehr nette, angenehme Person erlebt. Auch er sei sehr anständig
zum Privatkläger gewesen und verstehe daher nicht, warum der Privatkläger
«dies» tue. Sie seien ins Büro gegangen und auf der Tür seien die verschiedenen
Zahlungsoptionen gestanden (Prot. I S. 10).
3.2. Die Vorinstanz erachtete den zur Anklage gebrachten Sachverhalt nach ei-
ner Gegenüberstellung der gewürdigten Aussagen der Direktbeteiligten als erstellt
an; sie glaubte den Aussagen des Privatklägers (Urk. 51 E. II/6 S. 8–11).
Es kann vorweggenommen werden, dass den von der Vorinstanz gezogenen
Schlüssen zur Sachverhaltserstellung im Ergebnis zu folgen ist. Die nachstehen-
den Erwägungen sollen die vorinstanzliche Beweiswürdigung nur noch verdeutli-
chen und teilweise ergänzen. Überdies ist auch noch auf die im Berufungsverfah-
ren neu vorgebrachten Argumente der Verteidigung einzugehen.
3.3. Die Verteidigerin des Beschuldigten bringt vor, es sei «weltfremd», dass
beim Eintippen eines falschen PIN-Codes beim Zahlungsgerät der Text «Saldo zu
klein» im Display erscheine, wie es der Privatkläger an der Einvernahme vom
6. November 2019 (Urk. D2/5/1 F/A 12) behauptet habe. Der Beschuldigte habe
sich «explizit» daran erinnert, dass während des Zahlungsvorgangs auf dem Zah-
lungsgerät «Saldo zu klein» erschienen sei (Urk. 52 Rz 5 mit Verweis auf Prot. I
S. 9; vgl. auch Urk. 76 Rz 15 und 18 f. S. 6 f.).
Diese Argumentation der Verteidigung verfängt nicht. Einerseits behauptete der
Privatkläger nicht, es sei effektiv nach dem Eintippen des falschen PIN-Codes der
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Text «Saldo zu klein» erschienen. Vielmehr lautet die protokollierte Aussage so,
dass er «extra die PIN falsch eingetippt» habe und daraufhin gesagt habe, der
Saldo sei zu klein. Er brachte also nicht vor, diese Meldung sei tatsächlich auf
dem Display erschienen. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte an der zitierten
Stelle im Protokoll (Prot. I S. 9) nicht tatsächlich von ihm Erinnertes wiedergibt,
sondern vielmehr basierend auf den Vorbringen des Privatklägers argumentiert,
dessen Argumentation er offensichtlich zu erschüttern sucht. So heisst es an der
fraglichen Stelle (Unterstreichungen hinzugefügt):
«Aber wenn er [der Privatkläger] den falschen PIN eingegeben hätte, hätte das Gerät eine andere Fehlermeldung angezeigt: ‹PIN nicht › statt ‹Saldo zu klein›.»
Es wäre denn auch äusserst suspekt, wenn der Beschuldigte sich an der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung, mehr als zwei Jahre nach dem Vorfall, noch ge-
nau erinnern könnte, nachdem er noch rund sechs Monate zuvor, an der staats-
anwaltlichen Einvernahme vom 6. November 2019, ausgeführt hatte, er könne
sich nicht mehr an den Vorfall mit dem Privatkläger erinnern (es seien so viele
Kunden, er könne sich nicht an jeden erinnern; vgl. Urk. D2/4/3 F/A 10).
Weder aus den Aussagen des Beschuldigten noch jenen des Privatklägers geht
im Übrigen hervor, dass der Beschuldigte bei der Kartenzahlung selber aufs Dis-
play sah und so hätte ablesen können, ob das Gerät «Saldo zu klein» oder «fal-
scher PIN» anzeigte.
Mit der Vorinstanz (Urk. 51 E. II/6.2.2 und II/6.2.3 S. 9 sowie E. III/2.2 S. 12) ist
kein Grund ersichtlich, nicht auf die Aussage des Privatklägers abzustellen, wo-
nach er in der Bedrängnis einen Trick anwandte, um nicht den gesamten Rech-
nungsbetrag sofort zahlen zu müssen.
3.4. Stutzig macht das Vorbringen des Beschuldigten, dass es «in der Regel»
nicht so ablaufe, dass man das Fahrzeug nur zurückerhalte, wenn man den Ab-
schleppbetrag gleich bezahle (so von der Staatsanwaltschaft protokolliert in
Urk. D2/4/3 F/A 7 S. 2). Diese Formulierung («in der Regel») impliziert deutlich,
dass es auch zu Ausnahmen kommt. Davon ausgehend wäre es geradezu nahe-
liegend, bei einem Fahrzeuglenker wie dem Privatkläger eine solche Ausnahme
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zu machen und das Fahrzeug nur gegen Sofortzahlung herauszugeben: Zunächst
einmal weil das Fahrzeug ein Kennzeichen des Kantons Waadt trug und überdies
nicht auf den Privatkläger registriert war (vgl. Urk. D2/6/1, Fotografie des Fahr-
zeugausweises, woraus als Halter E._, geb. tt.1.1961, hervorgeht); sodann
aber auch, weil der Privatkläger offenbar – laut seinen Aussagen – gegenüber
dem Beschuldigten geltend gemacht hatte, das Abschleppen sei rechtswidrig er-
folgt (Urk. D2/5/1 F/A 12 S. 3 f.).
Von der Warte des Abschleppdienstes aus betrachtet war unter diesen Umstän-
den voraussehbar, dass die Einbringlichkeit der (bestrittenen) Forderung am
Wohnsitz des Schuldners im Kanton Waadt erschwert sein würde. Aus Sicht des
Vertreters des Abschleppdienstes lag damit besonders nahe, die Herausgabe des
Fahrzeugs von der sofortigen Begleichung der Forderung abhängig zu machen.
Dieses Indiz spricht gegen die Version des Beschuldigten.
3.5. Die Verteidigung moniert, die Vorinstanz habe «geradezu aktenwidrig»
festgehalten, der Privatkläger sei nach dem Vorfall «nach Hause in den Kanton
Waadt» gefahren, obschon er – der in F._ wohne – in der Einvernahme aus-
geführt habe, er sei nach dem Vorfall nach D._ gefahren (Urk. 52 Rz 6 unter
Verweis auf Urk. D2/5/1 F/A 12 a.E.; Urk. 76 Rz 20 S. 8). Eine «reine Mutmas-
sung» sei es zudem anzunehmen, der Privatkläger habe «gleichentags» nach
D._ fahren müssen (Urk. 52 Rz 6, Bezug nehmend auf Urk. 51 E. III/2.3 S.
13; Urk. 76 Rz 20 S. 8). Zudem sei auch nicht nachvollziehbar, weshalb der Be-
schuldigte «angeblich um 13:50 Uhr (!) das Büro hätte schliessen müssen» (Urk.
52 Rz 6, vermutlich Bezug nehmend auf Urk. 51 E. II/6.2.2 S. 9).
Dieser Kritik am erstinstanzlichen Urteil steht Folgendes entgegen:
Aus den Akten geht hervor, dass der Privatkläger in G._ wohnt und das Bür-
gerrecht von H._ BE besitzt (vgl. Urk. D2/1, D2/2 und D2/5/1-2). G._
(deutsch: G._) ist eine Gemeinde am Murtensee und gehört zum Kanton
Waadt; sie liegt jedoch unmittelbar angrenzend zum Gebiet des Kantons Bern.
Dass der Privatkläger in F._ wohnen würde (wie die Verteidigung behauptet),
geht demgegenüber aus den Akten nicht hervor. Ausserdem fährt man von Zürich
aus gewöhnlich über die Stadt D._ in die Westschweiz, sodass auch die
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Grossrichtung oder ein (geplanter oder spontaner) Zwischenhalt gemeint gewe-
sen sein konnte, als der Privatkläger die Aussage deponierte, er sei nach dem
Vorfall «nach D._» gefahren.
Wenn die Vorinstanz ausführt, der Privatkläger habe gleichentags noch mit seiner
Freundin und dem Hund zurück nach D._ müssen (Urk. 51 E. III/2.3 a.E.
S. 13), so enthält diese Formulierung zwar eine Würdigung respektive bleibt nicht
exakt beim Wortlaut der Aussage. Was gemeint war, ist indes aus dem Zusam-
menhang heraus klar, und ist auch nicht zu beanstanden: Der ursprüngliche Plan
des Privatklägers dürfte es gewesen sein, nach dem Übernachtungsbesuch bei
Freunden in Zürich, zusammen mit der Partnerin und dem Hund, die Heimreise in
die Westschweiz anzutreten. Da liegt es auf der Hand, dass es für den Privatklä-
ger unter den sich ergebenden Umständen erhebliche Inkonvenienzen mit sich
gebracht hätte, das Fahrzeug mitsamt der darin befindlichen Effekten bis zur Re-
gelung der Forderung des Abschleppdienstes zurückzulassen. Auf seine subjekti-
ven Vorstellungen bezogen kann also durchaus gesagt werden, er habe gleichen-
tags zurück müssen, wohnte er doch nicht in der Nähe.
Daraus, dass der Privatkläger – seinen Aussagen zufolge – beim Aufsuchen der
Lokalitäten des Abschleppdienstes zunächst vor verschlossener Tür stand und
die beiden Vertreter des Abschleppdienstes erst nach nochmaligem Anruf, nach
etwa 10 Minuten eintrafen (vgl. Urk. D2/5/1 F/A 12 S. 3), kann geschlossen wer-
den, dass es – jedenfalls am betreffenden Tag – keine festen Schalteröffnungs-
zeiten gab. Es ist damit durchaus denkbar, dass im Gespräch in Aussicht gestellt
wurde, dass man das Büro ansonsten wieder schliessen würde (a.a.O. S. 4).
3.6. Wenig überzeugend ist das Vorbringen des Beschuldigten, der Privatkläger
sei womöglich im Nachhinein zu einer Strafanzeige instruiert worden respektive
habe sich im Internet informiert, um so den Betrag fürs Abschleppen zurück zu
erhalten (Prot. I S. 8). Es ergibt wenig Sinn, dass eine in der Westschweiz wohn-
hafte Person im Anschluss an eine Reise nach Zürich den Aufwand und die Un-
wägbarkeiten einer Anzeigeerstattung auf sich nähme und eine ihr in Zürich erst-
mals begegnete Person zu Unrecht einer Straftat bezichtigen würde in der Hoff-
nung, im Zuge des Strafverfahrens Abschleppkosten von ein paar hundert Fran-
- 15 -
ken zurückerstattet zu bekommen. Ein solches Unterfangen wäre höchst riskant;
der Aufwand würde sich kaum lohnen.
Dasselbe lässt sich sagen zum Vorbringen der Verteidigung, der Privatkläger ha-
be den Beschuldigten womöglich aus Unzufriedenheit über das Abschleppen, um
ihm eins auszuwischen, angezeigt (Urk. 52 Rz 10 S. 6, Urk. 76 Rz 24 S. 9).
Auch bestehen keinerlei Anhaltspunkte für Wut als Motiv für falsche Anschuldi-
gung (dahingehend die Verteidigung in Urk. 52 Rz 9 S. 6). Gegebenenfalls wären
Übertreibungen und Widersprüche in der Darstellung des Privatklägers zu erwar-
ten, woran es hier gänzlich fehlt. Vielmehr fällt auf, dass der Privatkläger den Be-
schuldigten nicht unnötig belastet. So gab er etwa differenzierend zu Protokoll,
dass in der Phase der Zuspitzung des Gesprächs der Beschuldigte nicht gerade
aggressiv, bloss sehr bestimmt geworden sei (Urk. D2/5/1 F/A 12 S. 4), oder
auch, dass das Auftreten des Beschuldigten nicht bedrohlich gerichtet auf Leib
und Leben gewesen sei, er aber leicht genervt gewirkt habe (a.a.O. F/A 18 S. 5).
Die Zeitspanne zwischen dem inkriminierten Vorfall vom 22. April 2019 und dem
Erstatten der Strafanzeige am 6. Mai 2019 (Urk. D2/1 S. 2) ist – nebenbei be-
merkt – mit zwei Wochen nicht besonders lang, wofür es der Beschuldigte zu hal-
ten scheint (vgl. Prot. I S. 11, ebenso die Verteidigung in Urk. 52 Rz 9 S. 6).
3.7. Die Verteidigung moniert weiter (in Urk. 52 Rz 7 S. 5; vgl. auch Urk. 76
Rz 21 S. 8), die Argumentation der Vorinstanz, wonach es sein könnte, dass der
Beschuldigte von seinem Arbeitgeber eine Provision auf jede Bar- oder Karten-
zahlung bekomme (vgl. Urk. 51 E. II/6.3.2 S. 10 f.), sei «geradezu absurd», da
«schliesslich bei der Zahlung auf Rechnung sogar noch ein Zuschlag erhoben»
werde und «z.B. bei Kartenzahlung noch zusätzlich Kosten für die Kreditkarten-
zahlung anfallen».
Das Ziel im vorliegenden Zusammenhang ist es herauszufinden, ob der Beschul-
digte objektiv das getan hat, was ihm vorgeworfen wird, und nicht, warum er et-
was getan hat. Freilich lassen sich aus einer möglichen Motivation oft Rück-
schlüsse darauf ziehen, ob etwas stattgefunden hat oder eher nicht. Die kritisierte
Argumentation der Vorinstanz zu diesem Detail zielt darauf, die Behauptung des
Beschuldigten zu widerlegen, wonach er mangels eigenen Vorteils keine Nötigung
- 16 -
begangen habe. Es ist der Vorinstanz beizupflichten, dass es durchaus Gründe
gibt, warum der Beschuldigte eben doch den Privatkläger unter Druck gesetzt ha-
ben könnte: Einmal, weil er an den Zahlungseingängen erfolgsbeteiligt gewesen
sein könnte, oder weil er sich schlicht an die Anordnungen seiner Vorgesetzten
hielt oder aber weil er sich der strafrechtlichen Konsequenzen damals nicht so
genau bewusst war. Die Verteidigung scheint bei ihrer Kritik zu übersehen, dass
aus Sicht des Abschleppdienstes bei den fraglichen Geldforderungen das Inkas-
sorisiko entscheidend sein musste und nicht etwa, ob noch Zuschläge für Rech-
nungen oder Provisionen auf Kartenzahlungen anfallen.
Es ist daher durchaus denkbar, dass auch blosse Angestellte der C._ GmbH
angehalten wurden, das Inkassorisiko so klein wie möglich zu halten, und/ oder
dass auch monetäre Anreize dafür bestanden. Letztlich braucht die Motivation
aber nicht geklärt zu werden.
Anzufügen bleibt, dass dem Beschuldigten eigenes strafbares Verhalten persön-
lich zuzurechnen ist, selbst wenn allenfalls nicht er, sondern letztlich (ausschliess-
lich oder vor allem) der wirtschaftliche Berechtigte des Abschleppunternehmens
an abgenötigten Geldern profitiert haben sollte (vgl. Art. 102 Abs. 1 StGB).
3.8. Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 52 Rz 8 S. 5 f.) erweist sich
die Schilderung des Privatklägers über den Verlauf des Gesprächs nicht als un-
glaubhaft. Vielmehr erscheint es plausibel, dass der Beschuldigte zunächst auf
der sofortigen Zahlung beharrte und erst, als er davon ausging, dass dem Privat-
kläger die Belastung des ganzen Betrags auf dessen Karte objektiv gar nicht
möglich wäre, wohl oder übel von seinem Standpunkt abrückte und schliesslich
einwilligte, wenigstens für den Restbetrag Rechnung zu stellen. Gerade die Schil-
derung dieser eigenartigen Wendung im Geschehensablauf macht die Aussage
des Privatklägers valid (ähnlich die Vorinstanz in Urk. 51 E. II/6.2.2 S. 9).
3.9. Die Aussagen des Privatklägers fallen lebensnah und kohärent aus. Seine
Schilderungen kommen wie tatsächlich Erlebtes daher, wirken damit authentisch.
So beschrieb er beispielsweise spontan, was ihn bewog, seinen anfänglichen of-
fenen Widerstand gegen die Forderung des Beschuldigten fallen zu lassen (des-
- 17 -
sen Auftreten und Erscheinungsbild und die Umstände [Effekten im Auto, geplan-
te Heimreise]; Urk. D2/5/1 F/A 12 f. und 17 f. S. 4 f.).
Der Privatkläger sagte mehrfach und auch auf explizite Nachfrage der einver-
nehmenden Person aus, der Beschuldigte habe ihm in der ersten Phase des Ge-
sprächs gesagt, dass falls er nicht bezahle, er sein Auto nicht zurückbekommen
würde. Bei seinen Aussagen finden sich keine Übertreibungen oder unnötige Be-
lastungen. Es sind keine Lügensignale erkennbar. Ein Irrtum, dass er den Be-
schuldigten falsch verstanden haben könnte, ist ebenfalls auszuschliessen, zumal
der Privatkläger nach seinen plausiblen Ausführungen sogar verstand, was der
Beschuldigte mit seinem Kollegen auf ... [Sprache des Staates J._] aus-
tauschte (Urk. D2/5/1 F/A 20 S. 5). Der Privatkläger zeigte bei seiner Aussage
keine Unsicherheit (Urk. D2/5/1 F/A 24 ff. S. 5 f.).
3.10. Die Aussagen des Beschuldigten zum Ablauf des gesamten Geschehens
erscheinen zwar durchaus nicht unglaubhaft; sie stimmen auch weitgehend mit
den Aussagen des Privatklägers überein. Es trifft zu, dass angesichts dessen,
dass für den Beschuldigten – im Gegensatz zum Privatkläger – Abschleppeinsät-
ze an der Tagesordnung waren bzw. sind, eine weniger genaue Erinnerung an
den einzelnen Vorfall und damit weniger Details in den Aussagen zu erwarten
sind (darauf hinweisend die Verteidigung in Urk. 52 Rz 10 S. 6). Auch dass er die
erhobenen Vorwürfe vehement bestreitet und wiederholt beteuert, dass er die
Regeln kenne und sich daran halte, kann ihm – für sich betrachtet – (in Abwei-
chung zur Vorinstanz [Urk. 51 E. II/6.3.2 S. 10]) nicht zum Nachteil gereichen.
Dennoch erscheinen im letztlich entscheidenden anklagerelevanten Punkt, näm-
lich ob die Herausgabe des Fahrzeuges an eine sofortige Bezahlung geknüpft
wurde, die Bestreitungen des Beschuldigten angesichts der diesbezüglich über-
zeugenden Aussagen des Privatklägers als nicht glaubhaft.
3.11. Es besteht eine Aussage-gegen-Aussage-Konstellation. Dies hat aber kei-
neswegs dazu zu führen, dass im Sinne eines Gleichgewichts der Aussagen «pro
reo» zu entscheiden wäre (BGE 137 IV 122 E. 3.3). Vielmehr besteht wie bereits
erwähnt eine freie Beweiswürdigung durch das Gericht (Art. 10 Abs. 2 StPO). Es
ist kein Grund erkennbar, weshalb nicht auf die uneingeschränkt glaubhaften
- 18 -
Aussagen des Privatklägers abgestellt werden könnte, zumal keine ernsthaften
Anhaltspunkte ersichtlich sind, weshalb der Privatkläger den Beschuldigten zu
Unrecht belasten sollte.
3.12. Es ist deshalb in tatsächlicher Hinsicht mit der Vorinstanz davon auszuge-
hen, dass der Beschuldigte als Bedingung für die Herausgabe des Fahrzeugs zu-
nächst die volle Bezahlung des Rechnungsbetrags vom Privatkläger forderte, wo-
bei er im späteren Verlauf eine Anzahlung von Fr. 250.– und eine Rechnung für
den Restbetrag akzeptierte.
4. Rechtliche Würdigung
Die ausführliche rechtliche Würdigung der Vorinstanz (Urk. 51 E. III S. 11–16) ist
in allen Teilen zutreffend. Das Obergericht des Kantons Zürich hat bereits in meh-
reren vergleichbaren Fällen entschieden, dass den Tatbestand der Nötigung im
Sinne von Art. 181 StGB erfüllt und rechtswidrig handelt, wer in Aussicht stellt,
dass er ein zuvor rechtmässig abgeschlepptes Fahrzeug nur gegen die sofortige
(volle oder Teil-) Leistung der geforderten Abschleppkosten herausgibt (vgl. OGer
ZH UH160307-O vom 8. November 2016 E. III/3 f.; OGer ZH SB170088-O vom
13. Oktober 2017 E.II/3.2.1 f., II/4.2.3, II/6.2.1 und II/8.2; OGer ZH SB210094-O
vom 11. März 2022 E. IV).
Der vorinstanzliche Schuldspruch betreffend Nötigung im Sinne von Art. 181
StGB zum Nachteil von B._ ist deshalb zu bestätigen.
III. Sanktion
1. Ausgangslage, Strafrahmen, Grundsätze der Strafzumessung
1.1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten entsprechend dem Antrag der
Anklagebehörde (Urk. D1/37 S. 3) mit einer (bedingten) Geldstrafe von 60 Ta-
gessätzen zu Fr. 80.– (Urk. 51 S. 23).
- 19 -
Da einzig der Beschuldigte Berufung gegen das vorinstanzliche Urteil erhob, fällt
aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) eine strengere
Bestrafung von vornherein ausser Betracht.
1.2. Die Vorinstanz hat den für Art. 181 StGB angedrohten Strafrahmen von
einer Geldstrafe bis zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe korrekt abgesteckt und
zutreffend festgehalten, dass vorliegend kein Anlass besteht, den ordentlichen
Strafrahmen zu verlassen (Urk. 51 E. IV/1).
1.3. Auch die Erwägungen der Vorinstanz zu den allgemeinen Strafzumes-
sungsregeln (Urk. 51 E. IV/2, IV/3.1, IV/4.3 a.A., IV/5.1) brauchen nicht wiederholt
zu werden.
2. Tatverschulden
2.1. Was die objektive Tatschwere angeht, so gilt es zu erwähnen, dass die Nö-
tigung im Vergleich zu anderen denkbaren Nötigungen als leicht erscheint. Der
Beschuldigte legte weder ein besonders raffiniertes noch ein plumpes Tatvorge-
hen an den Tag. Zu Gute zu halten ist ihm, dass er kein bedrohliches Auftreten in
der Manier eines typischen Geldeintreibers an den Tag legte. Zwar trat er be-
stimmt auf, blieb aber anständig im Ton. Zum Ausmass der Verletzung des ge-
schützten Rechtsgutes ist zu sagen, dass der Privatkläger in seiner finanziellen
Entscheidungsfreiheit betroffen wurde. Der effektiv abgenötigte Geldbetrag (ge-
mäss Anklagevorwurf [Urk. D1/37 S. 2]) erweist sich mit Fr. 250.– als geringfügig.
Die Nötigungshandlung an sich, nämlich das Fahrzeug zurückzubehalten, ist da-
bei zwar nicht sonderlich schwer, hat aber auch keinesfalls mehr Bagatellcharak-
ter. Verschuldenserhöhend wirkt der Umstand, dass der Beschuldigte bei seiner
Nötigungshandlung darum gewusst haben muss, dass der Privatkläger sein Auto
benötigte, um gleichentags mit der Partnerin und dem Hund die geplante Heim-
reise in die Westschweiz anzutreten. Dass ein Zurücklassen des Fahrzeuges zu
einigen Inkonvenienzen beim Privatkläger und dessen Begleitung führen würde,
muss dem Beschuldigten bewusst gewesen sein. Dass der Privatkläger aufge-
bracht war, ist nur verständlich. Besondere Folgen hatte die Tat für den Privatklä-
ger indes nicht.
- 20 -
2.2. Der Beschuldigte hat die Tat mit direktem Vorsatz begangen, war er doch
gemäss eigenen Angaben für die Thematik sensibilisiert (vgl. Prot. I S. 9 unten).
Er wusste somit um die Folgen seiner Handlungen und wollte diese auch. Die
Konsequenzen seines Verhaltens schienen ihm nicht wichtig genug zu sein,
musste er doch damit rechnen, dass es zu einer Anzeige kommen wird. Dies
zeugt doch von einer gewissen Dreistigkeit und kriminellen Energie. Die eigentli-
chen Beweggründe des Beschuldigten zur Tat bleiben aufgrund seiner Bestrei-
tung unklar. Ein direkter finanzieller Vorteil für den Beschuldigten ist nicht erwie-
sen. Soweit erstellt, handelte er ohne erkennbaren Eigennutz. Gleichzeitig sind
aber auch keine altruistischen oder anderweitig nachvollziehbaren Beweggründe
erkennbar.
2.3. Das Tatverschulden ist nach dem Gesagten als leicht zu qualifizieren. Eine
hypothetische Einsatzstrafe im unteren Bereich des Strafrahmens von 40 Tagen
erscheint angemessen.
3. Täterkomponenten
3.1. Zu den persönlichen Verhältnissen, dem Vorleben und den finanziellen
Verhältnissen ist festzuhalten, dass der Beschuldigte im Jahr 1984 in I._,
J._ [Staat in Südamerika], geboren wurde, wo er im Kreise seiner Herkunfts-
familie aufwuchs und die obligatorische Schule absolvierte. Danach arbeitete er
als Tätowierer (Urk. D2/4/3 F/A 32; Prot. I S. 6 f.). Im Jahr 2014 immigrierte der
Beschuldigte in die Schweiz, wo er 2015 heiratete (Prot. I S. 7). Mit seiner Ehe-
frau hat er eine Tochter. Zudem hat er einen vorehelichen Sohn, der in J._
lebt und für den er unterhaltspflichtig ist (Urk. D2/4/3 F/A 31, Prot. I S. 7). Hier in
der Schweiz übte der Beschuldigte verschiedene Tätigkeiten aus, im Bauwesen,
in der Reinigungsbranche und als Tätowierer, bis dass er Ende 2018 die Stelle
bei der C._ GmbH antrat (Prot. I S. 7). Seit Mitte 2020 – und soweit bekannt
auch aktuell – ist der Beschuldigte als selbstständiger Auto-Abschlepper tätig
(Prot. I S. 7).
Mit seiner Erwerbstätigkeit bzw. mit Erwerbsersatzeinkommen (RAV) erzielt der
Beschuldigte ein monatliches Einkommen von rund Fr. 5'000.–. Zum Einkommen
- 21 -
der Familie tragen weiter noch Einkünfte der Ehefrau des Beschuldigten aus de-
ren Erwerbstätigkeit als Reinigungskraft im Umfang von durchschnittlich netto
rund Fr. 3'500.– pro Monat bei (Urk. D2/4/3 F/A 30; Urk. 66).
Vermögen hat der Beschuldigte offenbar keines (Prot. I S. 7, Urk. 66).
Die Krankenkassenprämie für die ganze Familie beträgt monatlich rund Fr. 630.–
(Urk. 66). Sodann bezahlt der Beschuldigte Schulden aus drei Leasingverträgen
mit monatlich Fr. 1'150.– (Fr. 130.– + Fr. 350.– + Fr. 670.– [Prot. I S. 7]) sowie ei-
nen Bankkredit mit monatlich Fr. 650.– ab. Letzterer Kredit wurde für Kosten des
Umbaus des der Ehefrau gehörenden Hauses in J._ aufgenommen. Darüber
hinaus hat der Beschuldigte Schulden innerhalb der Familie (Prot. I S. 7 f.).
Schliesslich gab er noch an, er leiste Unterhaltszahlungen an seinen Sohn in
J._ sowie unregelmässige freiwillige Unterstützungsbeiträge an seine in
J._ lebende Mutter (Prot. I S. 7). Diese Beiträge und auch die Wohnkosten
des Beschuldigten bzw. seiner Familie blieben aber unbeziffert; wie hoch diese
Beträge sind, ist nicht bekannt (vgl. Urk. 66).
Die persönlichen Verhältnisse haben vorliegend keine Auswirkungen auf die
Strafzumessung.
3.2. Auch die Vorstrafenlosigkeit des Beschuldigten (Urk. 54) ist mit der Vor-
instanz (Urk. 51 E. IV/4.2 S. 19) als strafzumessungsneutral zu behandeln.
3.3. Wiederum mit der Vorinstanz (Urk. 51 E. IV/4.3 S. 19) ist auch das Nach-
tatverhalten neutral zu gewichten. Der Beschuldigte zeigte sich zwar von Anfang
an teilweise geständig. Die Eingeständnisse beschränkten sich indes auf einzelne
Elemente des äusseren Sachverhaltes, welche aufgrund der sich aus den vor-
handenen Beweismitteln (namentlich Urk. D2/6/1) ergebenden Beweislage offen-
kundig waren. Ein Bestreiten der Anwesenheit beim Verhandeln mit dem Privat-
kläger wäre wenig aussichtsreich gewesen. Damit liegt hinsichtlich des Nachtat-
verhaltens kein vollumfängliches Geständnis oder besonders kooperatives Ver-
halten bei der Aufklärung der Tat vor, welches die Strafverfolgung nennenswert
erleichterte und strafmindernd zu berücksichtigen wäre.
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4. Tagessatzhöhe
Die Vorinstanz setzte den Tagessatz auf Fr. 80.– fest, unter Berücksichtigung der
damaligen Einkommens- und Vermögensverhältnisse des Beschuldigten sowie
dessen Lebensaufwand (vgl. Urk. 51 E. IV/5.2 S. 20). Dass es seither zu erhebli-
chen Veränderungen an den finanziellen Verhältnissen gekommen wäre, ergibt
sich aus den Akten nicht (vgl. Prot. I S. 7 sowie Urk. 66). Diese Tagessatzhöhe
erscheint – auch aktuell – angemessen; sie ist zu übernehmen.
5. Vollzug der Geldstrafe
Der bedingte Vollzug der Geldstrafe steht nur schon wegen des Verschlechte-
rungsverbots, aber auch wegen der in Nachachtung von Art. 42 Abs. 2 StGB zu
vermutenden günstigen Prognose nicht zur Diskussion. Unter diesen Umständen
kann dem Beschuldigten vorbehaltlos eine gute Prognose gestellt werden, wes-
halb eine Probezeit von 2 Jahren als angemessen erscheint.
6. Fazit
Im Ergebnis ist der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu
Fr. 80.– zu bestrafen, deren Vollzug bedingt aufzuschieben ist bei einer Probezeit
von 2 Jahren.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kostenauflage (Dis-
positivziffer 6) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Kosten des Berufungsverfahrens
Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres Ob-
siegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte strebte mit
seiner Berufung einen Freispruch an und unterliegt im Berufungsverfahren über-
wiegend. Zu seinen Gunsten fällt einzig die Reduktion der Strafhöhe aus. Bei die-
- 23 -
sem Verfahrensausgang rechtfertigt es sich, die Kosten des Berufungsverfahrens
dem Beschuldigten zu vier Fünfteln aufzuerlegen und zu einem Fünftel auf die
Gerichtskasse zu nehmen.
Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 2'500.– festzusetzen (§ 2 Abs. 1 lit. b, c und d so-
wie § 16 Abs. 1 GebV OG).
Entschädigungsansprüche der beschuldigten Person richten sich nach Art. 436
Abs. 1 und Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 429 StPO. Rechtsprechungsge-
mäss ist die Entschädigungsfrage nach der Kostenfrage zu beantworten. Es gilt
der Grundsatz, dass bei Auferlegung der Kosten keine Entschädigung auszurich-
ten ist, während bei Übernahme der Kosten durch die Staatskasse die beschul-
digte Person Anspruch auf Entschädigung hat. Im Falle einer teilweisen Kosten-
auflage ist eine entsprechend gekürzte Entschädigung zuzusprechen (BGE 137
IV 352 E. 2.4.2). Dementsprechend ist dem Beschuldigten für das Berufungsver-
fahren für seine Aufwendungen für die angemessene Ausübung seiner Verfah-
rensrechte eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 761.20 (inklusive 7,7%
Mehrwertsteuer; 1/5 von Fr. 3'806.05 [vgl. Urk. 77]) zuzusprechen. Das Verrech-
nungsrecht des Staates ist vorzubehalten.