Decision ID: b888915d-40c5-4f5b-86fa-cf1fa6d02abc
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Eigenen Angaben zufolge verliess A._ (nachfolgend: der Be-
schwerdeführer) sein Heimatland Anfang Oktober 2017. Am 18. November
2017 reiste er in die Schweiz ein und stellte am darauffolgenden Tag ein
Asylgesuch.
A.b Am 30. November 2017 wurde der Beschwerdeführer im damaligen
Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in B._ zu seiner Person,
seinem Reiseweg und summarisch zu seinen Asylgründen befragt (Befra-
gung zur Person [BzP]). Am 27. September 2018 fand die Anhörung zu
den Asylgründen statt.
B.
B.a Hinsichtlich seines Lebenslaufs legte der Beschwerdeführer dar, er sei
ein afghanischer Staatsangehöriger der Ethnie der Paschtunen, aus der
Provinz Nangarhar stammend und in C._ beziehungsweise
D._ geboren. Später habe er bei seinem Onkel mütterlicherseits in
E._ gelebt und dort die fünfte Klasse abgeschlossen. Danach sei er
zu seinem Onkel väterlicherseits nach Pakistan gezogen und habe bis zum
Abbruch der zehnten Klasse eine Privatschule in F._ besucht. Wäh-
rend der Schulferien sei er jeweils zu seinen Eltern nach Afghanistan zu-
rückgekehrt. Insgesamt habe er ungefähr sieben Jahre in Pakistan ver-
bracht. Nach seiner Rückkehr nach Afghanistan Ende 2015 habe er sei-
nem Vater in G._ in dessen (...)geschäft ausgeholfen. Sein Vater
und sein älterer Bruder seien im September 2017 verstorben. Seine Mutter
lebe seither mutmasslich beim Onkel des Beschwerdeführers. Er habe bis-
her keinen Kontakt zu ihr aufnehmen können.
B.b Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer
im Wesentlichen vor, Ende August respektive Anfang September 2017 hät-
ten die Taliban seinen Vater unter Druck gesetzt, ihnen seinen Laden zur
Verfügung zu stellen. Nachdem er ihnen den Schlüssel zum Geschäft über-
geben habe, habe er vier Tage später auch die Behörden informiert, wel-
che jedoch untätig geblieben seien. Die Taliban hätten den Vater angeru-
fen und ihn in sein Geschäft bestellt. In der Folge habe ein Ladennachbar
den Beschwerdeführer und seinen Bruder über den Brand im Geschäft
ausgebrochenen Brand informiert. Umgehend seien sie, mit Waffen aus-
gerüstet, dort angelangt und hätten Angehörige der Taliban mit ihrem Fahr-
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zeug wegfahren sehen. Daraufhin sei es zu einem Schusswechsel gekom-
men, wobei zwei oder drei der Taliban und der Bruder des Beschwerde-
führers getroffen worden seien. Der Bruder sei seinen Verletzungen erle-
gen. Danach habe sich eine grössere Menschenmenge gebildet und die
Polizei sei gekommen. Aus Angst vor den afghanischen Behörden sei der
Beschwerdeführer unverzüglich zu seinem Onkel nach E._ geflo-
hen. Dort habe er erfahren, dass sein Vater getötet worden sei.
Bereits zuvor – ungefähr im Jahr 2010 oder 2011 – habe seine Familie
Probleme mit den Taliban in D._, wo sie zuvor gelebt hätten, ge-
habt. Einer seiner Cousins sei von ihnen zwangsrekrutiert worden. Sein
Vater hingegen habe einen seiner Söhne gegen 2.3 Millionen Kaldar (pa-
kistanische Rupien) freikaufen können. Danach habe die Familie
D._ verlassen müssen, und sie seien nach C._ gezogen. Im
Jahr 2013 sei einer seiner Brüder von ihnen entführt worden und gelte seit-
her als verschollen.
Der Beschwerdeführer reichte eine Tazkira sowie einen Arztbericht vom
19. Dezember 2017 des (...) der (...) ein.
Auf die weiteren Ausführungen des Beschwerdeführers wird, soweit
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
C.
C.a Gestützt auf dem SEM zugetragenen Informationen gelangte es am
7. Juli 2020 an die zuständigen schwedischen Behörden mit einem Gesuch
um Information im Sinne von Art. 34 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013
des Europäischen Parlaments und des Rats vom 26. Juni 2013 zur Festle-
gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der
für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen
in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).
C.b Am 31. Juli 2020 informierten die schwedischen Behörden das SEM,
dass eine Person unter dem Namen des Beschwerdeführers (A._,
geboren am [...] 1991) eine vom (...) 2017 bis (...) 2018 gültige Aufent-
haltsgenehmigung erhalten, sein Studium in Schweden jedoch nicht ange-
treten habe. Beigelegt wurde eine Kopie des pakistanischen Passes des
Betroffenen.
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C.c Am 12. August 2020 gelangte das SEM mit einem zweiten Informati-
onsersuchen an die schwedischen Behörden, welches von diesen am
17. August 2020 unter Beilage der Kopien des am 24. Mai 2017 bei der
Schwedischen Botschaft in Islamabad eingereichten Antrags auf eine Auf-
enthaltsgenehmigung beantwortet wurde.
D.
Mit Schreiben vom 19. August 2020 wurde dem Beschwerdeführer das
rechtliche Gehör zum Vorhalt gewährt, er sei pakistanischer Staatsange-
höriger und habe ein Visum zu Studienzwecken für Schweden erhalten.
E.
Mit Eingabe vom 1. September 2020 nahm der Beschwerdeführer Stellung
und bestritt, pakistanischer Bürger zu sein.
F.
Mit Verfügung vom 16. September 2020 – eröffnet am 17. September
2020 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlings-
eigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung
aus der Schweiz sowie deren Vollzug.
G.
Der Beschwerdeführer focht mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
19. Oktober 2020 die Verfügung des SEM beim Bundesverwaltungsgericht
an und beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben und die
Sache sei an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen, eventu-
aliter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihm sei Asyl zu ge-
währen. Subeventualiter beantragte er die vorläufige Aufnahme wegen Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Sodann stellte er den Antrag,
dass die Zwischenverfügung des SEM vom 6. Oktober 2020 aufzuheben
und ihm Einsicht in die Aktenstücke A2/1, A3/1, A25/7 sowie A28/1 zu ge-
währen sei. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses. Weiter beantragte er die Beiordnung des rubrizierten
Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand.
Der Beschwerde wurden folgende Beweismittel beigelegt:
- Verfügung des SEM vom 16. September 2020 sowie das entsprechende Zu-
stellcouvert (Beilagen 1 und 2);
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Seite 5
- Kopie des Schreibens um Ersuchen einer ergänzenden Akteneinsicht vom
7. Oktober 2020 (Beilage 3);
- Kopie der Vollmacht vom 5. Oktober 2020 (Beilage 4);
- Kopie eines Schreibens des Rechtsvertreters an das SEM vom 12. Oktober
2020 (Beilage 5);
- Kopie des Akteneinsichtsgesuchs vom 28. September 2020 (Beilage 6);
- Weiteres Schreiben vom 6. Oktober 2020 mit Zustellumschlag (Beilagen 7 und
8);
- Fürsorgebestätigung (Beilage 9);
- Kopie des Berichts der Hilfswerksvertretung (HWV [Beilage 10]);
- Kopie der Afghan Citizen Card (Beilage 11);
- Tazkira (Beilage 12);
- Kopie Aktenverzeichnis (Beilage 13).
H.
Mit Zwischenverfügung vom 28. Oktober 2020 hiess die damalige Instruk-
tionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung gut und erhob keinen Kostenvorschuss. Fürsprecher Daniel Weber
wurde antragsgemäss als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. Gleich-
zeitig wurde die Vorinstanz aufgefordert, dem Beschwerdeführer Aktenein-
sicht zu gewähren. Weiter wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, die
in der Beschwerde in Aussicht gestellten Beweismittel aus dem Ausland
innert der ihm gesetzten Frist einzureichen.
I.
Mit Eingabe vom 30. November 2020 reichte der Beschwerdeführer einen
pakistanischen Ausweis für afghanische Flüchtlinge (Afghan Citizen Card
[Beilage 14]), zwei Zustellumschläge (Beilagen 15 und 16) sowie eine vor-
läufige Kostennote ein.
J.
Die Vorinstanz äusserte sich in ihrer Vernehmlassung vom 8. Januar 2020
(recte: 2021) zu den in der Beschwerde gerügten Punkten.
K.
Mit Eingabe vom 1. Februar 2021 replizierte der Beschwerdeführer und
legte folgende Beweismittel ins Recht:
- Nachgeführte Kostennote (Beilage 17);
- Kopie des Schreibens des Rechtsvertreters an das SEM vom 10. November
2020 (Beilage 18);
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Seite 6
- Kopie einer E-Mail-Nachricht vom 16. Oktober 2020 (Beilage 19);
- Medizinische Unterlagen des Beschwerdeführers (Beilage 20).
L.
Mit Schreiben vom 7. April 2021 teilte das SEM dem Bundesverwaltungs-
gericht mit, dass die Personendaten des Beschwerdeführers im Zentralen
Migrationsinformationssystem (ZEMIS) angepasst worden seien und er
wieder als afghanischer Staatsangehöriger erfasst worden sei.
M.
Das vorliegende Verfahren wurde aus organisatorischen Gründen auf die
im Rubrum aufgeführte vorsitzende Richterin umgeteilt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge-
setzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG,
SR 172.021). Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist
daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachge-
biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vor-
liegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgül-
tig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor
welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 Asylge-
setz vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 Bundes-
gesetz vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BGG, SR 173.110]).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101). In Anwendung der Übergangsbestimmungen gilt für das
vorliegende Verfahren das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
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1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist somit einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 In der Beschwerde wird gerügt, dem Beschwerdeführer sei die Einsicht
in verschiedene Akten verweigert worden und der Sachverhalt sei in Bezug
auf seine Identität unvollständig sowie teilweise falsch festgestellt worden.
Diese formellen Rügen sind vorab zu behandeln, da sie allenfalls geeignet
sein könnten, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken
(vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.).
3.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) haben die Parteien
eines Verfahrens Anspruch auf rechtliches Gehör. Dieser Grundsatz wird
in den Art. 29 ff. VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert. Er dient
einerseits der Aufklärung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein per-
sönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf
rechtliches Gehör verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen
des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der
Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheid-
begründung niederschlagen muss (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1 m.w.H.).
3.3 Im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV bildet das Recht auf Akteneinsicht einen
Teilgehalt des verfassungsmässigen Anspruchs auf rechtliches Gehör und
stellt mithin eine selbständige, allgemeine Verfahrensgarantie dar (vgl.
BVGE 2015/10 E. 3.3 m.w.H.; 2015/44 E. 5.1). Es soll den Parteien ermög-
lichen, sich im betreffenden Verfahren wirkungsvoll zu äussern und geeig-
nete Beweise führen oder bezeichnen zu können. Die Akteneinsicht ist Vo-
raussetzung für die Aktenkenntnis, welche wiederum Vorbedingung einer
wirksamen und sachbezogenen Ausübung des durch den Anspruch auf
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rechtliches Gehör gewährleisteten Äusserungsrechts während des Verfah-
rens darstellt (WALDMANN/OESCHGER, Praxiskommentar VwVG, Art. 26
Rz. 32; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 493).
3.4 Das Recht auf vorgängige Anhörung im Sinne von Art. 30 Abs. 1 VwVG
als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs sieht insbesondere vor, dass die Be-
hörde sich beim Erlass ihrer Verfügung nicht auf Tatsachen abstützen darf,
zu denen sich die von der Verfügung betroffene Person nicht vorgängig
äussern und diesbezüglich Beweis führen konnte.
3.5 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die
Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-
digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-
klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Dabei beschrän-
ken sich die behördlichen Ermittlungen nicht nur auf jene Umstände, wel-
che die Betroffenen belasten, sondern haben auch die sie entlastenden
Momente zu erfassen. Die Behörde hat alle sach- und entscheidwesentli-
chen Tatsachen und Ergebnisse in den Akten festzuhalten. Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und ak-
tenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird, etwa weil die Rechtserheb-
lichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneint wird und folglich nicht alle ent-
scheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts geprüft werden,
oder weil Beweise falsch gewürdigt wurden. Unvollständig ist die Sachver-
haltsfeststellung demgegenüber, wenn nicht alle für den Entscheid rechts-
relevanten Sachumstände berücksichtigt wurden. Dies ist häufig dann der
Fall, wenn die Vorinstanz gleichzeitig den Anspruch der Parteien auf recht-
liches Gehör verletzt hat (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.).
3.6
3.6.1 In Bezug auf die geltend gemachte Verletzung seines Akteneinsichts-
rechts ist vorliegend festzustellen, dass dem Beschwerdeführer mit Schrei-
ben des SEM vom 10. November 2020 Einsicht in die beantragten Akten-
stücke A2/1, A3/1, A25/7 und A28/1 gewährt worden war. Auch der auf Rep-
likebene geforderten Einsicht in das Aktenstück A57/3 wurde entsprochen,
indem die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung deren wesentlichen Inhalt
dem Beschwerdeführer zusammen mit der Kopie ihres Schreibens vom
10. November 2020 an das Bundesverwaltungsgericht (vgl. SEM-Akte
A52/1) mitteilte. Vorliegend ist demnach keine Verletzung des rechtlichen
Gehörs respektive eine Verweigerung des Akteneinsichtsrechts ersichtlich.
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3.6.2 Sofern der Beschwerdeführer beanstandet, der Sachverhalt sei un-
vollständig sowie teilweise falsch festgestellt worden, da sich die Identitäts-
abklärung lediglich auf die Abklärungen bei den schwedischen Behörden
gestützt habe, ist festzustellen, dass die Vorinstanz hinreichend begrün-
dete, weshalb sie zum Schluss gekommen ist, dass der Beschwerdeführer
pakistanischer und nicht afghanischer Staatsangehöriger ist. Dabei handelt
es sich im Übrigen um eine Frage des materiellen und nicht des formellen
Rechts (vgl. nachfolgend E. 6). Dass er sich einen anderen Ausgang des
Verfahrens erhoffte, stellt keine Verletzung der Verfahrensvorschriften dar.
3.6.3 Daran vermag die Einschätzung der HWV in ihrem Kurzbericht nichts
zu ändern. Auch aus der Anregung der HWV, eine weitere Anhörung zur
Klärung der Fluchtroute und zur Situation der afghanischen Flüchtlinge in
Pakistan durchzuführen, vermag der Beschwerdeführer nichts zu seinen
Gunsten abzuleiten, zumal kein Anrecht auf eine zweite Anhörung besteht.
3.7 Angesichts der vorangehenden Erwägungen kommt das Bundesver-
waltungsgericht zum Schluss, dass keine formellen Verfahrensfehler fest-
zustellen und die diesbezüglichen Rügen des Beschwerdeführers als un-
begründet zurückzuweisen sind, weshalb das Gericht in der Sache selbst
entscheidet (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
4.
4.1 Weiter ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt
hat.
4.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Seite 10
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1
5.1.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid im Wesentlichen damit,
dass der Beschwerdeführer die schweizerischen Asylbehörden nachweis-
lich über seine Identität getäuscht habe, weshalb es sich grundsätzlich er-
übrige, auf die weiteren Unglaubhaftigkeitselemente seiner Vorbringen ein-
zugehen. Dennoch sei anzumerken, dass er zu seinen Fluchtgründen le-
diglich ausweichend geantwortet und erst auf Nachfrage hin geschildert
habe, dass sein Vater und sein Bruder von den Taliban getötet worden
seien. Seine Ausführungen seien insgesamt äusserst oberflächlich geblie-
ben und er habe seine Furcht vor Verfolgung nicht näher substantiieren
können, auch seien in seinen Schilderungen ebenso wenig Realkennzei-
chen zu erkennen, wie eine nachvollziehbare Darstellung, weshalb er sich
vor den afghanischen Behörden gefürchtet haben soll.
5.1.2 Die schwedischen Behörden hätten dem SEM im Zusammenhang
mit seiner Identität eine Kopie seines pakistanischen Passes sowie einer
schwedischen Aufenthaltsbewilligung mit Gültigkeit von (...) 2017 bis (...)
2018 zur Kenntnis gebracht. Aus den weiteren Akten der schwedischen
Behörden gehe ausserdem hervor, dass er gemäss den Ausbildungsdiplo-
men, welche beim Visumantrag eingereicht worden seien, in Pakistan ei-
nen Bachelorabschluss gemacht sowie (...) und (...) unterrichtet habe.
Dem Visumantrag sei weiter zu entnehmen, dass er sich in Schweden an
der Universität (...) in H._ habe weiterbilden wollen. Die Erklärung
in seiner Stellungnahme, wonach er zwar einige Jahre in Pakistan die
Schule besucht haben soll, um danach nach Afghanistan zurückzukehren
und sich erst wieder anlässlich seiner Flucht während drei Wochen erneut
in Pakistan aufgehalten zu haben sowie dass er mit einem gefälschten pa-
kistanischen Pass geflüchtet sei, widerspreche den Auskünften der schwe-
dischen Behörden. Es seien keine Anzeichen dafür ersichtlich, dass es sich
bei den Angaben der schwedischen Behörden nicht um ihn handeln würde.
Die schwedischen Behörden seien anlässlich einer Überprüfung der Doku-
mente davon ausgegangen, dass sowohl der pakistanische Pass wie auch
die Diplome echt seien. Weiter müsse seine eingereichte Tazkira als offen-
sichtliche Fälschung betrachtet werden. So überzeuge es nicht, dass er als
zwanzigjährige, gebildete Person nicht gewusst haben soll, wo Tazkiras
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ausgestellt würden, weshalb er seinen Bruder mit deren Ausstellung beauf-
tragt haben soll. Weiter stimme der von ihm angegebene Ausstellungsort,
D._, nicht mit demjenigen auf der Tazkira – I._ – überein.
Seine Angaben, dies sei lediglich falsch vermerkt worden, müsse als unzu-
längliche Schutzbehauptung betrachtet werden.
5.2
5.2.1 In der Beschwerde wurde erläutert, der Beschwerdeführer habe
seine Vorfluchtgründe glaubhaft dargelegt und sei in der Folge aufgrund
einer asylrechtlich relevanten Verfolgung sowie einer Situation des uner-
träglichen psychischen Drucks geflüchtet. Es treffe nicht zu, dass seine
Aussagen ausweichend und oberflächlich ausgefallen seien, vielmehr lies-
sen seine Schilderungen zahlreiche Realkennzeichen erkennen. Ausser-
dem seien seine emotionalen Reaktionen im Zusammenhang mit der Er-
zählung über den Tod seines Vaters im Bericht der HWV explizit erwähnt
worden. Sodann sei es nachvollziehbar, dass er vor den afghanischen Be-
hörden habe fliehen müssen, zumal er mit einer Waffe auf die Taliban ge-
schossen habe. Insgesamt seien seine Vorbringen substanziiert, schlüssig,
plausibel und detailreich. Zudem sei er persönlich glaubwürdig.
5.2.2 Die Behauptung der Vorinstanz, die eingereichte Tazkira sei eine of-
fensichtliche Fälschung, weil diese vom Bruder des Beschwerdeführers er-
hältlich gemacht worden sei und der Beschwerdeführer nicht gewusst
habe, wo man solche ausstelle, entbehre jeglicher Grundlage. Zudem sei
keine gründliche Dokumentenprüfung erfolgt. Es sei sehr wohl nachvoll-
ziehbar, dass der Beschwerdeführer, welcher sich lediglich während der
Ferien in Afghanistan aufgehalten und grundsätzlich keinen Kontakt zu den
afghanischen Behörden gehabt habe, das Dokument von seinem Bruder
habe beschaffen lassen. Sodann sei der Ausstellungsort von der Vor-
instanz falsch zitiert worden. Auf der Tazkira stehe J._ und nicht
I._. Zudem würde die neu eingereichte Tazkira wiederlegen, dass
es sich um eine Fälschung handle.
5.2.3 Im Zusammenhang mit der Identität des Beschwerdeführers sei fest-
zuhalten, dass aus den Unterlagen der schwedischen Behörden respektive
der Vorinstanz nicht hervorgehe, inwiefern er mit der Person namens
K._ identisch sein solle. So falle auf, dass weder die Namen, die
Geburtsdaten, die Nationalitäten noch die Unterschriften übereinstimmen
würden. Überdies gebe es keine biometrischen Daten zu dieser Person.
Ferner falle auf, dass die Passnummer auf dem maschinenlesbaren Teil
des pakistanischen Reisepasses mit derjenigen auf dem gestanzten Teil
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nicht übereinstimmen würde, weshalb erhebliche Zweifel an der Echtheit
dieses pakistanischen Passes bestünden. Weitere Hinweise, weshalb die
Person K._ und der Beschwerdeführer nicht identisch seien, sei die
unterschiedliche Ausreisezeit sowie die Tatsache, dass er über keine
gleichartigen Englischkenntnisse verfüge, wie der Antragsteller des Vi-
sums. Weiter sei es nicht logisch, dass ein pakistanischer Staatsangehöri-
ger im Besitz eines Visums respektive einer Aufenthaltsbewilligung für
Schweden in der Schweiz um Asyl ersuchen solle. Schliesslich sei festzu-
stellen, dass die vorinstanzlichen Ausführungen zur Zumutbarkeit des Voll-
zugs der Wegweisung willkürlich seien, da ihm unterstellt werde, er sei pa-
kistansicher Staatsangehöriger, ohne dass hierfür Belege vorliegen wür-
den. Da er tatsächlich aus einer unsicheren Region in Afghanistan stamme,
sei eine Wegweisung unzumutbar.
5.3
5.3.1 Die Vorinstanz äusserte sich in ihrer Vernehmlassung zu dem auf Be-
schwerdeebene eingereichten pakistanischen Flüchtlingsausweis dahin-
gehend, als dass dieser als fälschungsanfällig zu betrachten sei und ihm
deshalb keine hohe Beweiskraft zukomme. Zudem gehe aus den Anhö-
rungsprotokollen nicht konkret hervor, dass er über einen solchen Ausweis
verfügt habe, zumal er erklärt habe, dass nur Erwachsene und nur sein
Onkel «Afghans Cards» besessen hätten. Ausserdem sei dem Ausweis
nicht zu entnehmen, wann dieser ausgestellt worden sei. Sodann erstaune
es, dass der Beschwerdeführer bis zur Anhörung respektive während zwei
Jahren keinen Kontakt zu seinen Familienangehörigen habe aufnehmen
können, dies nach dem ergangenen Asylentscheid jedoch möglich gewe-
sen sei.
5.3.2 Des Weiteren wurde dargelegt, dass sich auch bezüglich der im Jahr
2018 ausgestellten Tazkira Unklarheiten ergäben. So sei es nicht nachvoll-
ziehbar, weshalb eine zweite Tazkira in Abwesenheit des Beschwerdefüh-
rers vom Onkel hätte ausgestellt werden sollen, um damit die Glaubhaf-
tigkeit seiner Aussagen zu untermauern. Weiter erstaune es, dass das Do-
kument in F._ abgeholt worden sein soll, obwohl der Beschwerde-
führer erklärt habe, dass sein Onkel seit 2016 nicht mehr in Pakistan lebe,
da die dortigen Behörden alle Afghanen aufgefordert hätten auszureisen.
Zur Kopie des pakistanischen Passes sei festzustellen, dass – entgegen
der Annahme des Beschwerdeführers – die beiden Nummern des Passes
(die «RU-Nummer» und die «E-Nummer») nicht übereinstimmen müssten.
Mittels interner Abklärung, bei welcher schützenswerte Interessen an der
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Geheimhaltung bestünden und deshalb nur deren wesentlicher Inhalt wie-
dergegeben werde, spräche nichts dafür, dass der Pass respektive dessen
Kopie Fälschungsmerkmale aufweise. Zwar könne eine Kopie nicht ab-
schliessend auf ihre Echtheit überprüft werden, jedoch sei nicht ersichtlich,
weshalb die schwedischen Behörden eine allfällige Fälschung nicht hätten
erkennen sollen. Auch eine unterschiedliche Unterschrift auf dem Pass und
den Anhörungsprotokollen schliesse nicht aus, das ihm das Dokument
dennoch zustehe. Ferner würden die beiden Namen sowie derjenige des
Vaters korrespondieren, auch wenn die Schreibweise unterschiedlich sei.
Im Zusammenhang mit den Daten der Daktyloskopie sei festzuhalten, dass
keine solchen vorliegen würden, da im Pass ein schwedisches nationales
Visum ausgestellt worden und deshalb kein Vergleichsmaterial vorhanden
sei. Dem Beschwerdeführer sei insofern beizupflichten, dass es nicht lo-
gisch erscheine, dass ein pakistanischer Student mit einem schwedischen
Visum in der Schweiz um Asyl ersuche solle. Dass sich die diesbezüglichen
Hintergründe dem SEM nicht erschliessen würden, sei dem Beschwerde-
führer anzulasten. Hingegen könne dem Argument, seine Englischkennt-
nisse seien zu ungenügend, um in Schweden zu studieren, nicht gefolgt
werden, zumal er gemäss eigenen Angaben während mehreren Jahren
dem Schulunterricht in englischer Sprache gefolgt und zudem der Zweit-
beste seiner Klasse in dieser Sprache gewesen sei.
5.3.3 Hinsichtlich der Unglaubhaftigkeit der Vorfluchtgründe des Be-
schwerdeführers falle ferner auf, dass er trotz mehrjährigem Aufenthalt bei
seinem Onkel in E._ dessen genaue Wohnadresse nicht habe nen-
nen können. Die Begründung, er sei noch zu klein gewesen, um sich daran
zu erinnern, überzeuge aufgrund seines erwähnten Aufenthalts beim Onkel
vor seiner Flucht nicht. Auch die Vorfälle mit den Taliban sowie die Todes-
umstände seines Vaters würden einige Unstimmigkeiten aufweisen und
den diesbezüglichen Schilderungen fehle es an Substanz und Realkenn-
zeichen. Ferner habe er auf die Frage nach dem unmittelbaren Grund sei-
ner Ausreise die zurückliegenden Probleme mit den Taliban erwähnt, ob-
wohl er an einer anderen Stelle im Protokoll angegeben habe, nach der
Entführung seines Bruders keine Probleme mehr mit ihnen gehabt zu ha-
ben. Sodann habe er diese Probleme nicht konkretisieren können. Auch
sei es fraglich, ob ohne Weiteres davon ausgegangen werden könne, dass
er mit den lokalen Taliban auch tatsächlich Schwierigkeiten in E._
gehabt habe. Seine Ausführungen, wonach die Taliban alles wüssten, wür-
den seine Befürchtungen, von ihnen verfolgt zu werden, nicht zu begrün-
den vermögen. Sodann sei nicht ersichtlich, weshalb er sich vor den afgha-
nischen Behörden gefürchtet habe. Schliesslich würden die emotionalen
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Seite 14
Reaktionen im Zusammenhang mit dem Tod seines Vaters respektive sei-
nes Bruders keine eindeutigen Hinweise darauf ergeben, dass sich die gel-
tend gemachten Vorfälle wie von ihm geschildert, ereignet hätten.
5.4
5.4.1 In der Replik wurde bezüglich des pakistanischen Flüchtlingsauswei-
ses geltend gemacht, dass dieser zwar nicht fälschungssicher sei, die Vor-
instanz jedoch keine konkreten Fälschungsmerkmale genannt habe, wes-
halb von der Echtheit dieses Beweismittels ausgegangen werden müsse.
Auch sei es unzutreffend, dass nur Erwachsene über ein solches Doku-
ment in Pakistan verfügt hätten, zumal der Beschwerdeführer habe proto-
kollieren lassen, dass «am Schluss alle Flüchtlinge Afghan Cards erhalten
hätten». Überdies sei er gegen Ende seiner Schulzeit bereits volljährig ge-
wesen, so dass er ab 2014 über eine eigene Karte hätte verfügen müssen.
Dass er nicht nach seinem persönlichen Flüchtlingsausweis gefragt wor-
den sei, dürfe ihm nicht angelastet werden. Ferner sei davon auszugehen,
dass solche Ausweise grundsätzlich über kein Ausstellungsdatum verfüg-
ten.
5.4.2 Bezüglich des Zeitpunkts der Beschaffung der Dokumente sei darauf
hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz lange Zeit über
kein Mobiltelefon verfügt habe und in der Moschee, welche er regelmässig
besuche, alle Personen angefragt habe, wie er seine Familie in Afghanis-
tan kontaktieren und Dokumente von dort in die Schweiz bringen könne.
Eine solche Gelegenheit habe sich jedoch erst im Jahr 2020 ergeben. Mit
dem Einreichen seiner Tazkira habe er den Vorwurf der Vorinstanz wider-
legen können, er sei pakistanischer Herkunft, zumal die Vorinstanz auch
nicht davon ausgegangen sei, dass die Tazkira gefälscht sei.
5.4.3 Entgegen den Behauptungen der Vorinstanz enthalte das Schreiben
vom 10. November 2020 keine Ausführungen zu den verschiedenen Num-
mern auf dem pakistanischen Pass. Dies zeuge von mangelnder Qualität
der Arbeit. Zudem sei es selbst für einen Laien offensichtlich, dass die Ko-
pien der Pässe aus verschiedenen Dokumenten stammen müssten, zumal
die beiden Nummern verschieden seien. Es wäre ein Leichtes gewesen,
bei den pakistanischen Behörden überprüfen zu lassen, ob der besagte
Pass der schwedischen Behörden tatsächlich echt oder gefälscht sei. Ins-
gesamt könne in keiner Weise geschlossen werden, dass der Beschwer-
deführer und die Person, welcher der pakistanische Pass gehöre, identisch
seien. Schliesslich sei es nicht nachvollziehbar, weshalb die schwedischen
Behörden übereinstimmende Identitäten festgestellt haben sollen, jedoch
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Seite 15
die in der schwedischen Botschaft getätigten Fingerabdrücke von den Be-
hörden nicht gespeichert, sondern dem Visumgesuchsteller auf einem Chip
mitgegeben worden seien.
5.4.4 Hinsichtlich der Englischkenntnisse sei festzuhalten, es sei nicht
nachvollziehbar, dass sich der Beschwerdeführer die erforderlichen
Sprachkenntnisse für die Zulassung an einer Universität in Schweden in
Pakistan hätte aneignen können.
6.
6.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend
substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in
vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich
sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder
der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-
suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere
dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann,
wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im
Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet
nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-
wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz
zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus
Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch-
stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge-
richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für
wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma-
chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen
zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche
und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar-
stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob
die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen,
überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-
len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
6.2
6.2.1 Zuerst ist die Frage nach der Nationalität respektive der Identität des
Beschwerdeführers zu klären. Die Vorinstanz stellte sich auf den Stand-
punkt, dass der Beschwerdeführer nicht wie von ihm angegeben, afghani-
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Seite 16
scher, sondern pakistanischer Herkunft sei und stützte sich dabei massge-
blich auf diverse Abklärungen sowie Unterlagen der schwedischen Behör-
den.
6.2.2 Einleitend ist auf die eingereichten Beweismittel des Beschwerdefüh-
rers einzugehen. Dieser reichte zwei Tazkiras zu den Akten, um seine Iden-
tität respektive seine afghanische Nationalität zu belegen. Gemäss der
bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung ist eine Tazkira zwar das
in Afghanistan am häufigsten verwendete Dokument zum Nachweis der
Identität. Aufgrund fehlender Sicherheitsmerkmale ist es jedoch nicht fäl-
schungssicher und es wird ihm in der Regel nur eine verminderte Beweis-
kraft zuerkannt. Dennoch kann eine Tazkira nicht ohne genauere Überprü-
fung als Fälschung deklariert werden (vgl. BVGE 2019/6 E. 6.2; BVGE
2013/30 E. 4.2.2 m.w.H.). Verschiedene Angaben des Beschwerdeführers
zu den beiden eingereichten Tazkiras geben Anlass zu Zweifeln an deren
Echtheit. Gemäss dem Gericht verfügbaren Informationen ist für den Erhalt
des Dokuments das persönliche Erscheinen erforderlich und nur Kinder
unter sieben Jahren seien von der Pflicht befreit, persönlich zu erscheinen,
um sich eine Tazkira ausstellen zu lassen (vgl. ACCORD – Austrian Centre
for Country of Origin and Asylum Research and Documentation, Anfrage-
beantwortung zu Afghanistan: Auf Grundlage welcher Informationen wer-
den Tazkiras ausgestellt? Welche Rolle spielen dabei Geburtsurkunden?,
27. März 2020, https://www.ecoi.net/de/dokument/2027445.html, abgeru-
fen am 31. August 2022). Der Beschwerdeführer gab hierzu an, dass die
am 13. August 2014 ausgestellte Tazkira nicht von ihm, sondern von sei-
nem Bruder beantragt worden und er bei den zuständigen Behörden nicht
persönlich vorstellig geworden sei. Weiter ergibt sich ein Widerspruch zum
Ausstellungsort der ersten Tazkira. In der Anhörung liess der Beschwerde-
führer protokollieren, dass er und seine Familie im Dorf C._ ge-
wohnt hätten, wohingegen auf der Tazkira J._ (oben links auf dem
entsprechenden Dokument) steht (vgl. SEM-Akte A33/20, F5-6; SEM-Akte
A6/12, F2.01). Bei der zweiten Tazkera, welche im Mai 2018 ausgestellt
worden war, ergeben sich weitere Zweifel. Gemäss der Erklärung des Be-
schwerdeführers in der Beschwerdeschrift sei auch diese nicht von ihm
persönlich, sondern von seinem Onkel beantragt worden. Ferner ist kein
nachvollziehbarer Grund ersichtlich, weshalb sein Geburtsdatum mit einem
konkreten Datum versehen ist, nachdem dieses auf der ersten Tazkira le-
diglich ungefähr angegeben worden war und er ausserdem während der
BzP explizit ausführte, sein exaktes Geburtsdatum nicht zu kennen (vgl.
SEM-Akte A6/12, F1.06). Des Weiteren ist kein Grund ersichtlich, weshalb
auf diesem Dokument das Geburtsdatum nach dem gregorianischen und
https://www.ecoi.net/de/dokument/2027445.html
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nicht nach dem islamischen Kalender registriert wurde. Angesichts des da-
rauf figurierenden Geburtsdatums des Beschwerdeführers, muss davon
ausgegangen werden, dass für die Ausstellung der zweiten Tazkira sein
Geburtsdatum nach den Angaben des hiesigen Asylverfahrens erfolgt sein
muss. Daraus ergibt sich die Frage, woher die das Dokument ausstellende
Person Kenntnis von diesem Datum hatte, zumal diese Tazkira erst im Mai
2018 ausgestellt worden war, der Beschwerdeführer jedoch anlässlich sei-
ner Anhörung vom 27. September 2018 – also rund vier Monate später –
im Zusammenhang mit der Frage nach der Beschaffung von weiteren iden-
titätsbestätigenden Beweismitteln angab, dass es ihm bisher nicht gelun-
gen sei, Kontakt zu seiner Familie aufzunehmen (vgl. SEM-Akte A33/20,
F4, F20). Weitere Unstimmigkeiten ergeben sich überdies aus den Erklä-
rungen des Beschwerdeführers, weshalb er oder sein Bruder im Jahr 2014
erstmalig eine Tazkira beantragt hat. Seine Schilderung, dass er zwar prob-
lemlos rund sieben Jahre ohne im Besitz eines Identitätsdokuments zu
sein, zwischen Pakistan und Afghanistan habe reisen können, hingegen
während seines Aufenthalts in E._ in Afghanistan eine Tazkira be-
nötigt haben soll, überzeugt nicht. In diesem Kontext erstaunt es zudem,
dass dieses Dokument bereits 2014 ausgesellt worden war, obwohl er an-
gab, es erst nach seiner Ausreise aus Pakistan Ende 2015 benötigt zu ha-
ben (vgl. SEM-Akte A33/20, F13, F40, F41-46). Schliesslich ist der Vor-
instanz beizupflichten, dass es nicht ersichtlich ist, weshalb die im Jahr
2018 ausgestellte Tazkira in F._ hätte abgeholt werden müssen
(vgl. Beschwerde vom 19. Oktober 2020, Kap. 3d und Replik vom 1. Feb-
ruar 2021 S. 2-3), zumal der Beschwerdeführer erklärte, dass sein Onkel
seit 2016 wieder in Afghanistan lebe (vgl. SEM-Akte A.33/20, F147). Ange-
sichts der vorangehenden Unstimmigkeiten ist davon auszugehen, dass
die beiden vorgelegten Tazkiras nicht echt sind und es der Beschwerde-
führer bewusst unterliess, zeitnah weitere Identitätsdokumente einzu-
reichen.
6.2.3 Des Weiteren sind auch Zweifel an der Echtheit der Afghan Citizen
Card anzubringen. Gemäss den Ausführungen des Beschwerdeführers
müsste er diesen Ausweis mit Erreichen der Volljährigkeit, jedoch spätes-
tens vor seiner Rückkehr nach Afghanistan Ende 2015 erhalten haben, zu-
mal er erklärte, dass vor seiner Rückkehr nach Afghanistan alle erwachse-
nen Personen einen solchen Flüchtlingsausweis erhalten hätten
(vgl. SEM-Akte A33/20, F119). Angesichts dessen ist es unwahrscheinlich,
dass auf diesem Dokument der (...) und somit das ihm im Asylverfahren in
der Schweiz zugesprochene Geburtsdatum steht, zumal er – gemäss sei-
nen Aussagen und den Angaben auf seiner ersten Tazkira – zu diesem
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Seite 18
Zeitpunkt sein genaues Geburtsdatum nicht detailliert gekannt habe. An-
betracht dessen sowie unter Berücksichtigung, dass solche Dokumente
keine Sicherheitsmerkmale aufweisen und entsprechend nicht fälschungs-
sicher sind, ist davon auszugehen, dass es sich auch bei der Afghan Citi-
zen Card um eine Fälschung handelt.
6.2.4 Sodann hat der Beschwerdeführer trotz Aufforderung keine weiteren
Dokumente, welche seine Biographie hätten belegen können, eingereicht.
Es wäre ihm unbenommen gewesen, Schulunterlagen und insbesondere
das angeblich vorhandene Schulzertifikat entweder durch seinen Onkel in
die Schweiz kommen zu lassen oder ein Duplikat in der von ihm besuchten
Privatschule in F._ erhältlich zu machen. Indem er jegliche Versu-
che unterliess, weitere Dokumente zu erlangen, und kaum nachvollzieh-
bare Erklärungen hierzu angab sowie sich auch widersprüchlich dazu äus-
serte (in der BzP führte er aus, seine Schuldokumente weggeworfen zu
haben und in der Anhörung erklärte er, diese zu Hause gelassen zu haben
[vgl. SEM-Akte 6/12, F4.04, SEM-Akte A33/20 F20]), kann die von ihm ge-
schilderte Biographie nicht geglaubt werden.
6.2.5 Für die Annahme, dass der Beschwerdeführer seine wahre Identität
zu verschleiern versuchte, und davon auszugehen ist, dass er der pakista-
nische Staatsbürger auf den in den Akten liegenden pakistanischen
Passkopien ist, sprechen ferner die Abklärungsergebnisse der schwedi-
schen Behörden. In diesem Zusammenhang kann zunächst auf die Aus-
führungen in der vorliegend angefochtenen Verfügung verwiesen werden.
Darüber hinaus besteht kein Anlass zur Annahme, und muss auch nicht
weiter überprüft werden, dass der der Schwedischen Botschaft in Pakistan
vorgelegte Pass gefälscht ist. Im Übrigen geht der Vorhalt des Beschwer-
deführers fehl, wenn er behauptet, die «RU-Nummer» und die (einge-
stanzte) «E-Nummer» müssten übereinstimmen, ansonsten von einer Fäl-
schung auszugehen sei. Auf der Kopie der Passseite mit dem Foto, auf
welcher die «RU-Nummer» steht, ist dieselbe «E-Nummer» wie auf den
nachfolgenden Seiten in gestanzter Form (oberhalb des Strichcodes
rechts) ersichtlich. Auch das Argument, die Namen, das Geburtsdatum so-
wie die Unterschriften seien nicht mit den vom Beschwerdeführer angege-
benen Angaben identisch, überzeugt nicht. Vielmehr fällt auf, dass die Na-
men auf dem pakistanischen Pass grundsätzlich mit den Angaben des Be-
schwerdeführers im Asylverfahren übereinstimmen, die einzige Differenz
liegt in den verschiedenen Schreibweisen für dieselben Namen. Auch stellt
eine andere Unterschrift ein schwaches Indiz dar, zumal Unterschriften
leicht geändert werden können. Hingegen fällt die Ähnlichkeit zwischen
D-5171/2020
Seite 19
den Fotos auf dem pakistanischen Pass, den Tazkiras und der Afghan Ci-
tizen Card auf. Zudem wird diese Ähnlichkeit durch die Aussagen die für
den pakistanischen Studenten an der Universität (...) in Schweden zustän-
dige Person L._ untermalt. Dessen diesbezüglicher, und vom Be-
schwerdeführer selbst eingereichter, E-Mailkorrespondenz ist zu entneh-
men, dass dieser die Person auf der Tazkira mit grosser Wahrscheinlichkeit
als denjenigen Studenten erkannt hat, welcher zu Beginn des Semesters
2017 an der Universität in Schweden gewesen sei («I think that I recognise
this student as the person who was here in the beginning of the semester
2017. [...] but I cannot say for sure» [vgl. Beilage 19 der Replik vom 1. Feb-
ruar 2021]). Angesichts dessen, dass an der Universität (...) kaum mehrere
pakistanische Studenten H._ studieren dürften, kann von einer ge-
wissen Aussagekraft der E-Malinachricht von L._ ausgegangen
werden. Überdies geht aus den schwedischen Unterlagen hervor, dass der
betreffende (pakistanische) Student seine Vorlesungen nicht oder nur teil-
weise wahrgenommen respektive keine Semesterprüfung absolviert hat
und sein Aufenthalt in Schweden im November 2017 – also im Zeitpunkt
des Einreichens des Asylgesuchs des Beschwerdeführers – entsprechend
unbestätigt geblieben ist. Dementsprechend ist dem Argument, weshalb
ein pakistanischer Staatsangehöriger im Besitz einer schwedischen Auf-
enthaltsbewilligung in der Schweiz um Asyl ersuchen solle, der Boden ent-
zogen. An dieser Einschätzung würden auch die vom Beschwerdeführer
beantragten weiteren Unterlagen, welche die schwedischen Behörden an-
geboten hätten, nichts zu ändern vermögen.
6.2.6 Weitere Hinweise, dass es sich beim Beschwerdeführer nicht um ei-
nen afghanischen Staatsangehörigen handelt, ergeben sich aus den un-
präzisen Ausführungen gemäss Anhörungsprotokoll zu seiner Identität. Es
ist ihm nicht gelungen, überzeugende und detaillierte Angaben zur Ort-
schaft D._, wo angeblich die Tazkira ausgestellt worden sein soll,
anzuführen. Die einzige Beschreibung erschöpft sich in den allgemeinen
Angaben, dass sich in diesem Ort ein Bazar und eine Polizeistation befin-
den, welche im Übrigen in praktisch jeder grösseren Ortschaft zu finden
sein dürften (vgl. SEM-Akte A33/20, F8-11). Auch die vermeintlich detail-
lierte Beschreibung zur Umgebung von E._ erweist sich als wenig
aussagekräftig (vgl. SEM-Akte A33/20, F56). Bei den weiteren Angaben,
wie etwa über afghanische Telekommunikationsanbieter, handelt es sich
um allgemeine, leicht zu erhaltende Informationen (vgl. SEM-Akte A33/20,
F31-32), welche kaum als Realkennzeichen zu werten sind.
D-5171/2020
Seite 20
6.3 Nach einer eingehenden Auseinandersetzung der Schilderungen des
Beschwerdeführers und einer Gegenüberstellung von glaubhaften und un-
glaubhaften Elementen, kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die unglaubhaften Aspekte überwiegen und die Vorbringen
des Beschwerdeführers – insbesondere zu seiner Identität, Biographie und
seiner Staatsangehörigkeit – den Anforderungen an Art. 7 AsylG nicht zu
genügen vermögen. Angesichts dieser Erwägungen kann ihm nicht ge-
glaubt werden, dass er afghanischer Staatsbürger ist, sondern vielmehr
pakistanischer Staatsangehöriger sein muss.
6.4 Vor dem Hintergrund der vorangehenden Erwägungen erweisen sich
die Vorfluchtgründe des Beschwerdeführers, die sich vor seiner geltend
gemachten Ausreise in Afghanistan ereignet haben sollen, bereits aufgrund
der falschen Angaben zu seiner Identität als nicht glaubhaft und müssen
deshalb nicht weiter auf ihre Glaubhaftigkeit überprüft werden. Hierfür kann
wiederum auf die zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfü-
gung und der im Beschwerdeverfahren eingereichten Vernehmlassung
verwiesen werden.
6.5 Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers insgesamt den Anforderungen an Art. 7 AsylG
nicht genügen und er die Asylbehörden über seine wahre Identität zu täu-
schen versuchte.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1
8.1.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
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Seite 21
Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Aus-
länderinnen und Ausländer und über die Integration [AIG, SR 142.20]). Zu-
lässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvollzugs sind
zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber die Untersuchungspflicht findet ihre
Grenzen an der Mitwirkungspflicht der Betroffenen. Es ist nicht Sache der
Behörden, bei fehlenden Hinweisen nach etwaigen Wegweisungsvollzugs-
hindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen (vgl. BVGE
2014/12 E. 5.10).
8.1.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in
den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83
Abs. 3 AIG).
8.1.3 Den Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers wurde ange-
sichts der unglaubhaften Herkunft aus Afghanistan der Boden entzogen.
Der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz des Non-Refoulements kann des-
halb vorliegend keine Anwendung finden. Der Beschwerdeführer hat die
Folgen seiner mangelhaften Mitwirkung zu tragen. Demnach ist seine
Rückkehr in den – derzeit unbekannten – Heimatstaat unter dem Aspekt
von Art. 5 AsylG als rechtmässig zu erachten. Sodann bestehen auch keine
Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Hei-
matstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK
oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre (vgl.
Urteil des BVGer D-3300/2022 vom 17. August 2022 E. 8.2).
8.1.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung so-
wohl im Sinne der landes- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen
zulässig.
8.2
8.2.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
8.2.2 Der Beschwerdeführer konnte seine angebliche Herkunft aus Afgha-
nistan nicht glaubhaft machen. Zudem ist aufgrund seines Aussageverhal-
tens und der weiteren Anhaltspunkte in den Akten davon auszugehen, dass
er seine wahre Herkunft verschleiert. Es ist deshalb – wie bereits erwähnt
D-5171/2020
Seite 22
– nicht Sache der Behörden, bei fehlenden Hinweisen nach etwaigen Weg-
weisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu for-
schen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10).
8.2.3 Zudem fehlt es auch an konkreten Anhaltspunkten dafür, dass sich
ein Vollzug der Wegweisung wegen gesundheitlicher Aspekte von vornhe-
rein als (unzulässig oder) unzumutbar erweisen könnte. Auch liegen keine
medizinischen Hindernisse vor, welche gegen einen Vollzug der Wegwei-
sung sprechen würden, zumal den Akten nicht zu entnehmen ist, dass sich
der Beschwerdeführer in medizinischer Behandlung – insbesondere im Zu-
sammenhang mit der am 19. Dezember 2017 festgestellten (...) – befindet,
obwohl gemäss dem internen medizinischen Datenblatt der 23. Januar
2018 als erster Termin für eine Traumatherapie festgelegt worden war.
8.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt
richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen
ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch
das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege mit Verfügung vom 28. Oktober 2020 gutgeheissen
wurde und den Akten nicht zu entnehmen ist, dass sich seine finanzielle
Lage seither massgebend verändert hat, sind keine Verfahrenskosten auf-
zuerlegen.
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10.2 Die Honorarnote vom 1. Februar 2021 in der Höhe von insgesamt
Fr. 6'053.60 und einen Aufwand von 20,5 Stunden basiert auf einem Stun-
denansatz von Fr. 270.–. Angesichts der Aktenlage erscheint der geltend
gemachte Aufwand nicht als angemessen. Insbesondere erscheint die
zweimalige Besprechung mit dem Klienten von insgesamt 365 Minuten als
überhöht und ist auf 120 Minuten zu kürzen. Zudem war bereits mit Verfü-
gung vom 28. Oktober 2020 darauf aufmerksam gemacht worden, dass bei
einer amtlichen Rechtsvertretung von einem Stundenansatz von Fr. 200.–
bis 220.– für Anwälte und Anwältinnen ausgegangen werde. Entsprechend
ist der Aufwand auf 16 Stunden zu kürzen und unter Berücksichtigung der
in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) sowie
vom praxisgemäss anzuwendenden Stundensatz von Fr. 220.– für Anwälte
und Anwältinnen ist das zulasten der Gerichtskasse auszurichtende amtli-
che Honorar auf Fr. 3‘860.– (inklusive Mehrwertsteuer und Auslagen) fest-
zusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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