Decision ID: ad371169-eea2-5111-8083-bd7dc714b397
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
I.
A.
Der Beschwerdeführer verliess gemäss eigenen Angaben sein Heimatland
im Juni 2014 und reiste über Äthiopien, den Sudan, Libyen sowie Italien
am 15. Juni 2015 in die Schweiz ein, wo er gleichentags ein Asylgesuch
stellte.
B.
Anlässlich einer am 25. Juni 2015 im Regionalspital B._ durchge-
führten Knochenaltersanalyse wurde beim Beschwerdeführer ein Kno-
chenalter von 16 Jahren gemäss Greulich und Pyle festgestellt.
C.
Anlässlich seiner Kurzbefragung im Empfangs- und Verfahrenszentrum
(EVZ) C._ vom 6. Juli 2015 sowie der einlässlichen Anhörung vom
18. November 2015 (in Anwesenheit einer Vertrauensperson) äusserte
sich der damals minderjährige Beschwerdeführer zu seinen Asyl- und Aus-
reisegründen. Dabei gab er an, am (...) beziehungsweise am (...) geboren
und mithin noch minderjährig zu sein. Zur Begründung seines Asylgesuchs
brachte er im Wesentlichen vor, er habe seine Schulausbildung abbrechen
müssen, weil er seine Familie habe unterstützen müssen. Zudem habe er
im Juni 2014 ein Militäraufgebot erhalten, wonach er in Wia hätte einrücken
müssen. Nach Erhalt dieses Einrückungsbefehls habe er noch am gleichen
Abend Eritrea verlassen.
D.
Mit Schreiben vom 14. August 2015 teilte D._, dem SEM mit, dass
die (...) für die gesetzliche Vertretung aller unbegleiteten minderjährigen
Asylsuchenden im Kanton E._ zuständig sei. Das SEM wurde da-
rum ersucht, sämtliche Befragungstermine mit der (...) abzusprechen , vor
der Fällung eines negativen Entscheids dieser vorgängig die Akten zur Ein-
sichtnahme zu eröffnen und eine Frist zur Stellungnahme anzusetzen.
E.
Mit Verfügung vom 29. Februar 2016 verneinte das SEM das Bestehen der
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab
und verfügte – unter gleichzeitiger Anordnung des Wegweisungsvollzugs –
seine Wegweisung aus der Schweiz.
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Zur Begründung führte das SEM insbesondere aus, die Asylvorbringen
hielten den Anforderungen an die Glaubhaftmachung beziehungsweise an
die Flüchtlingseigenschaft nicht stand, und erachtete den Vollzug der Weg-
weisung als zulässig, zumutbar und möglich.
Es sei dem Beschwerdeführer nicht gelungen, den Sachverhalt zur wirt-
schaftlichen Situation seiner Familie, zum Schulabbruch und zum Erhalt
eines militärischen Aufgebotes zu substanziieren. Er habe insbesondere
nicht anzugeben vermocht, wann er in Wia hätte einrücken müssen. Seine
Erklärung, das diesbezügliche Aufgebot nicht richtig gelesen zu haben, so-
wie die fehlenden Bemühungen seiner Familie, das Aufgebot angesichts
der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers zu annullieren, seien nicht
nachvollziehbar. Es sei ihm insgesamt nicht gelungen, seine Fluchtgründe
und das illegale Verlassen seines Heimatlandes glaubhaft darzulegen. Der
Wegweisungsvollzug sei insgesamt durchführbar: der Beschwerdeführer
verfüge über ein familiäres Beziehungsnetz, eine gesicherte Wohnsituation
sowie über Finanzquellen in seinem Umfeld in Eritrea.
F.
Mit Eingabe seines damaligen Rechtsvertreters vom 30. März 2016 erhob
der Beschwerdeführers beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und
beantragte dabei die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Aner-
kennung seiner Flüchtlingseigenschaft, die Gewährung von Asyl und
(eventualiter) die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme infolge Anerken-
nung der Flüchtlingseigenschaft beziehungsweise (subeventualiter) die
Anordnung einer vorläufigen Aufnahme infolge Unzulässigkeit, Unzumut-
barkeit sowie Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs.
In prozessualer Hinsicht wurde um die Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung ersucht.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, der Beschwerdefüh-
rer sei im Zeitpunkt der Bundesanhörung (...)jährig gewesen. Er habe
grosse Mühe bekundet, die ihm gestellten Fragen in ihrem Kontext zu ver-
stehen und sich präzise auszudrücken, was zahlreiche protokollierten Ant-
worten und Rückfragen des Beschwerdeführers belegen würden. Zudem
weise er einen tendenziell unterdurchschnittlichen Reifegrad auf. Es sei bei
der Befragung immer wieder zu Missverständnissen gekommen.
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Es treffe nicht zu, dass er unglaubhafte Angaben zu seinem Schulabbruch
gemacht habe und nicht habe darlegen können, wie seine Eltern ihren Le-
bensunterhalt bestritten hätten. Es bleibe schleierhaft, was die Vorinstanz
an konkreteren und detaillierteren Aussagen von einem Jugendlichen zur
wirtschaftlichen Situation seiner Familie erwartet habe. Es seien hierzu
keine entsprechenden Nachfragen gestellt worden.
Auch die Angaben zum militärischen Aufgebot seien angesichts der in Erit-
rea herrschenden Begebenheiten nachvollziehbar und übereinstimmend
ausgefallen. Zahlreiche internationale Organisationen würden bestätigen,
dass minderjährige Schulabbrecher für den Militärdienst rekrutiert würden.
Es sei plausibel, dass der Beschwerdeführer den Rekrutierungsbefehl
nicht genauer gelesen habe, da er diesem ohnehin nicht habe Folge leisten
wollen respektive keine Chancen gehabt habe, diesen zu annullieren. Er
habe auch seine illegale Ausreise aus Eritrea mit Angabe von Ortschaften
und weiteren Detailangaben glaubhaft zu schildern vermocht, wobei sein
Alter und sein Reifegrad mitzuberücksichtigen seien. Im Falle einer Rück-
kehr nach Eritrea drohe ihm in doppelter Hinsicht eine drakonische Bestra-
fung: einerseits weil er sich der militärischen Aufforderung widersetzt habe
und andererseits weil er illegal ausgereist sei. Schliesslich sei vorliegend
bei der Prüfung des Wegweisungsvollzugs das Kindeswohl zu berücksich-
tigen.
Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer einen Tauf-
schein in Kopie, eine schriftliche Auskunft der Schweizerischen Flüchtlings-
hilfe (SFH): «Eritrea: Rekrutierung von Minderjährigen» vom 21. Januar
2015, einen Auszug aus dem Bericht des Human Rights Council: «Report
of the detailed findings of the Commission of Inquiry on Human Rights in
Eritrea”, A/HRC/29/CRP.1, vom 5. Juni 2015 sowie einen Internetauszug
der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ), Bericht von Markus Häfliger: «Somma-
ruga verteidigt Eritreer» vom 6. August 2015, ein.
G.
Mit Eingabe vom 18. April 2016 wurde ein weiteres Beweismittel – eine
Bestätigung des UNHCR (United Nations High Commissioner for Refu-
gees), Büro Schweiz und Liechtenstein, vom 12. April 2016 betreffend Re-
gistrierung des Beschwerdeführers F._ in Äthiopien – ins Recht ge-
legt.
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Seite 5
H.
In seiner Vernehmlassung vom 17. Mai 2016 hielt das SEM an seinem bis-
herigen Standpunkt fest. Ergänzend führte es aus, die behauptete Ein-
schränkung in den kognitiven Fähigkeiten des Beschwerdeführers sei we-
der belegt worden, noch habe die bei der Anhörung anwesende Vertrau-
ensperson eine entsprechende Anmerkung gemacht.
Die eingereichte Bestätigung des UNHCR, gemäss welcher der Beschwer-
deführer am 3. Juli 2014 F._ in Äthiopien registriert worden sei,
lasse kaum Rückschlüsse auf eine zuvor erfolgte illegale Ausreise und de-
ren Zeitpunkt zu. Bekanntlich halte sich eine grosse Anzahl von Personen
eritreischer Abstammung seit längerer Zeit in den Nachbarstaaten Eritreas
auf. Diesen Menschen stehe eine Registrierung durch das UNHCR eben-
falls offen. Darüber hinaus würden angesichts der Umstände in den äthio-
pischen Flüchtlingslagern eritreisch-stämmige Personen bei ihrer Regist-
rierung kaum abschliessend auf eine tatsächliche Verfolgungssituation hin
überprüft, worauf auch die Formulierung «Diese Registrierung beinhaltet
eine prima-facie Anerkennung als Flüchtling unter dem Mandat von
UNHCR» in der eingereichten Bestätigung hindeute und wozu auf das Ur-
teil des Bundesverwaltungsgerichts E-161/2016, S. 5, verwiesen werde.
Ähnlich wie im zitierten Urteil scheine auch im vorliegenden Fall der Zeit-
punkt der Registrierung für die Glaubhaftigkeit dieses Vorbringen zu spre-
chen. Doch handle es sich um das einzige konkrete Glaubhaftigkeitsindiz,
welches angesichts der zahlreichen Unglaubhaftigkeitselemente nicht aus-
reiche, um von der Glaubhaftigkeit der illegalen Ausreise auszugehen. Zu-
dem erstaune, dass der Beschwerdeführer anlässlich seiner Anhörung an-
gegeben habe, sich G._ im Sudan registriert zu haben, ohne die
Registrierung F._ in Äthiopien zu erwähnen. Schliesslich vermöge
auch die eingereichte, schlecht lesbare Kopie eines kirchlichen Taufschei-
nes nicht für die Glaubhaftigkeit der Asylgesuchsgründe zu sprechen.
I.
Mit Replikeingabe vom 15. Juni 2016 liess der Beschwerdeführer ausfüh-
ren, er habe nie behauptet, eine kognitive Störung im Sinne einer psycho-
logischen Indikation zu haben. Er habe jedoch dargelegt, sehr jung auszu-
sehen und einen seinem Alter entsprechenden tendenziell unterdurch-
schnittlichen Reifegrad aufzuweisen. Das SEM sei in der Vernehmlassung
nicht auf die konkret in der Beschwerde genannten Beispiele für seine
Mühe, die ihm gestellten Fragen in ihrem Kontext richtig zu verstehen, ein-
gegangen. Vorliegend sei den bei der Anhörung von Minderjährigen zu be-
achtenden Aspekten nicht Rechnung getragen worden. Das SEM habe die
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eingereichte Bestätigung des UNHCR als konkretes Glaubhaftigkeitsindiz
anerkannt, weshalb zu berücksichtigen sei, dass diese sowohl den Aussa-
gen des Beschwerdeführers in Bezug auf die angegebene Örtlichkeit
F._ und das angegebene Datum (illegale Ausreise Ende Juni
[2014]), als auch betreffend weitere biographische Angaben entspreche.
J.
Mit Urteil E-2002/2016 vom 15. Dezember 2016 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht die Beschwerde vom 30. März 2016 gut, hob die SEM-Verfü-
gung vom 29. Februar 2016 auf und wies die Sache zur vollständigen und
richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur neuen Be-
urteilung an die Vorinstanz zurück.
Zur Begründung erwog das Gericht, das SEM habe die Minderjährigkeit
des Beschwerdeführers nicht in Frage gestellt. Das SEM habe vor der Aus-
schaffung eines unbegleiteten Minderjährigen sicherzustellen, dass dieser
im Rückkehrstaat einem Familienmitglied, einem Vormund oder einer Auf-
nahmeeinrichtung übergeben werden könne, welche den Schutz des Kin-
des gewährleiste. Vor der Anordnung eines Wegweisungsvollzugs sei die
Vorinstanz zu spezifischen Abklärungen verpflichtet. Vorliegend habe die
Vorinstanz die einschlägige Rechtsprechung im Zusammenhang mit der
Anordnung des Wegweisungsvollzuges von unbegleiteten Minderjährigen
gemäss BVGE 2009/51 E. 5.6 und BVGE 2009/28 E. 9.3.2 nicht herange-
zogen und berücksichtigt und sei offenkundig nicht sämtlichen für das Kin-
deswohl relevanten Kriterien gerecht geworden. Der Beschwerdeführer
müsse als unbegleiteter Minderjähriger behandelt werden, selbst wenn er
die Volljährigkeit bald erreichen sollte. Das SEM müsse zusätzliche Abklä-
rungen vornehmen und werde vor dem Hintergrund der Abklärungsergeb-
nisse auch über die Flüchtlingseigenschaft neu zu befinden haben.
II.
K.
Mit Schreiben vom 8. Februar 2017 wurde der damalige Rechtsvertreter
vom SEM eingeladen, allfällige, seit dem Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts vom 15. Dezember 2016 eingetretene relevante Veränderungen des
Sachverhalts – möglichst gut dokumentiert – nachzureichen.
L.
In seiner Eingabe vom 14. Februar 2017 führte der damalige Rechtsvertre-
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ter aus, es habe seit dem Urteil des Gerichts keine relevanten Veränderun-
gen gegeben. Es werde jedoch vollumfänglich an den Vorbringen der Be-
schwerde vom 30. März 2016 und der Replikeingabe vom 15. Juni 2016
festgehalten.
Aufgrund des Eintritts der Volljährigkeit sei weiter zu beachten, dass sich
der Beschwerdeführer nun im rekrutierungsfähigen Alter befinde. Im Wei-
teren wurde auf die Integrationsbemühungen des Beschwerdeführers ver-
wiesen.
M.
Mit elektronischer Mitteilung vom 14. März 2017 teilte der bisherige Rechts-
vertreter auf entsprechende Anfrage des SEM der Vorinstanz mit, er ver-
trete aufgrund der besonderen Umstände des vorliegenden Falles den Be-
schwerdeführer über dessen Volljährigkeit hinaus, bis zur Eröffnung des
neuen Asylentscheids.
N.
Mit Verfügung vom 22. März 2017 – dem damaligen Rechtsvertreter am
24. März 2017 eröffnet – verneinte das SEM wiederum das Bestehen der
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab
und verfügte und – unter gleichzeitiger Anordnung des Wegweisungsvoll-
zugs – seine Wegweisung aus der Schweiz.
Zur Begründung führte das SEM insbesondere aus, dem Beschwerdefüh-
rer sei es nicht gelungen, schlüssige und nachvollziehbare Angaben über
seine wirtschaftliche Situation zu machen. Angesichts dessen, dass er be-
reits während seiner Schulzeit seine Familie unterstützt habe, wäre von
ihm zu erwarten gewesen, dass er konkret aufgezeigt hätte, weshalb und
wie genau sich die wirtschaftliche Situation seiner Familie verändert habe,
weshalb er schliesslich die Schule habe abbrechen müssen. Seine diesbe-
züglichen Vorbringen vermittelten insgesamt nicht den Eindruck, dass er
von seinem tatsächlichen respektive persönlichen Leben in Eritrea berich-
tet habe. Es sei ihm auch nicht gelungen, den Sachverhalt im Hinblick auf
den Erhalt eines militärischen Aufgebotes glaubhaft zu schildern. Er habe
insbesondere nicht anzugeben vermocht, wann er in Wia hätte einrücken
sollen. Seine Erklärung, das Militäraufgebot nicht gelesen zu haben, sei
angesichts des Umstands, dass es sich für ihn um das fluchtauslösende
Ereignis gehandelt habe, nicht nachvollziehbar. Es sei auch nicht plausibel,
dass weder er noch seine Mutter sich gegenüber den Behörden eingesetzt
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und seine Minderjährigkeit belegt hätten, um das Militäraufgebot zu annul-
lieren. Die entsprechenden Vorbringen seien deshalb unglaubhaft.
Die unsubstanziierten und lebensfremden Schilderungen der angeblich il-
legal erfolgten Ausreise des Beschwerdeführers vermittelten ebenfalls
nicht den Eindruck, als hätte er das Geschilderte persönlich erlebt.
Der Umstand, dass der Beschwerdeführer während seiner Anhörung zum
besseren Verständnis der ihm gestellten Fragen gelegentlich Rückfragen
gestellt habe, deute auf ein kognitiv reifes Profil hin. Ausserdem sei der
behauptete, angeblich unterdurchschnittliche Reifegrad des Beschwerde-
führers durch nichts belegt.
Gemäss Koordinationsurteil (publiziert als Referenzurteil) des Bundesver-
waltungsgerichts D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 sei nicht davon aus-
zugehen, dass sich eritreische Staatsangehörige aufgrund ihrer illegalen
Ausreise mit asylbeachtlichen Sanktionen ihres Heimatstaates konfrontiert
sehen würden. Andere Anknüpfungspunkte, welche den Beschwerdeführer
in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Personen erschei-
nen liessen, seien nicht ersichtlich. Die geltend gemachte Wehrdienstver-
weigerung und die illegale Ausreise seien unglaubhaft. Die geltend ge-
machte illegale Ausreise begründe für sich alleine keine Furcht vor künfti-
ger asylrelevanter Verfolgung. Die eingereichten Beweismittel vermöchten
an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Nachdem sich die Rechtspre-
chung zur illegalen Ausreise mit dem zitierten Urteil vom 30. Januar 2017
geändert habe, seien UNHCR-Bestätigungen als Beleg für die illegale Aus-
reise hinfällig geworden.
Der Wegweisungsvollzug sei schliesslich zulässig, zumutbar und möglich,
wozu auf das familiäre Netz (Mutter, Geschwister und Grosseltern) und die
gesicherte Wohnsituation des Beschwerdeführers in Eritrea verwiesen
wurde.
O.
Mit Eingabe seines neu mandatierten Rechtsvertreters, lic. iur. Okan
Manav, Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende, vom 24. April 2017 er-
hob der Beschwerdeführers beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde
und beantragte dabei die Aufhebung der SEM-Verfügung vom 22. März
2017, die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung.
Eventualiter sei die Unzulässigkeit, subeventualiter die Unzumutbarkeit der
Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen.
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In prozessualer Hinsicht wurde um die Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung inklusive unentgeltliche Rechtsverbeiständung ersucht.
Zur Begründung wurde ausgeführt, das SEM habe festgehalten, dass das
vorliegende Asylgesuch, nicht mehr unter dem Aspekt der Minderjährigkeit,
neu beurteilt werde. Die Vorinstanz habe sich in ihrem neuen Entscheid
jedoch erneut auf Aussagen gestützt, die der Beschwerdeführer gemacht
habe, als er noch minderjährig gewesen sei. Trotz den Anregungen des
Bundesverwaltungsgerichts hätten seitens der Vorinstanz keine weiteren
Sachverhaltsabklärungen und Untersuchungsmassnahmen stattgefunden.
Insbesondere sei der Beschwerdeführer nicht zu einer weiteren Anhörung
vorgeladen worden, obwohl das Gericht eine korrekte Sachverhaltsermitt-
lung gefordert habe.
Im Weiteren habe die Vorinstanz vom Beschwerdeführer erwartet, dass
sich dieser als damals (...)-Jähriger aus eigenen Kräften bei den eritrei-
schen Militärbehörden hätte melden müssen, um die Vorladung zum Nati-
onaldienst annullieren zu lassen. Es sei jedoch bekannt, dass gerade auch
Minderjährige und vor allem Schulabbrecher in die Ausbildungscamps ge-
rufen würden, die erst während der laufenden Ausbildung die Volljährigkeit
erreichten.
Der Beschwerdeführer habe detailliert und genau über die Ereignisse in
Eritrea berichtet und dabei Ortschaften und involvierte Personen genannt.
Er habe auch seine Gefühle und Eindrücke sehr glaubhaft dargelegt und
habe überzeugend geschildert, was in Eritrea passiert sei. Es sei davon
auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nach Eritrea asylrelevanten Nach-
teilen ausgesetzt würde. Die Ausgestaltung des Militärdienstes in Eritrea
stelle eine Verletzung von Art. 3 und 4 EMRK dar, wie dies vom englischen
Gerichtshof (Upper Tribunal) im Entscheid «T and others [national service
– risk categories] Eritrea CG [2016] UKUT 443 [IAC]) festgehalten worden
sei.
P.
Mit Instruktionsverfügungen vom 1. und 22. Mai 2017 hiess das Bundes-
verwaltungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege inklusive -verbeiständung gut und setzte den vom Beschwer-
deführer mandatierten Rechtsvertreter als amtlichen Rechtsbeistand ein.
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Q.
In seiner Vernehmlassung vom 6. Juni 2017 hielt das SEM ohne ergänzen-
den Ausführungen an seinen bisherigen Erwägungen fest.
Diese Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 7. Juni 2017 zur
Kenntnis gebracht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG, Art. 6 AsylG).
1.3 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat mit Urteil E-2002/2016 die erste
SEM-Verfügung vom 29. Februar 2016 aufgehoben, nachdem das SEM
die für die Behandlung von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden
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massgebliche Rechtsprechung nicht eingehalten hatte (vgl. Sachverhalt
oben, Bst. J). Dieses Urteil erging am 15. Dezember 2016 und somit (...)
vor Eintritt der Volljährigkeit des Beschwerdeführers. Das Gericht hielt da-
bei explizit fest, der – damals (...) alte – Beschwerdeführer müsse vom
SEM, was die Anordnung des Wegweisungsvollzugs betreffe, als unbeglei-
teter Minderjähriger behandelt werden, auch wenn dieser die Volljährigkeit
bald erreichen werde (vgl. S. 7,5. Lemma).
3.2 In der im ersten Asylverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht ein-
gereichten Beschwerdeeingabe vom 30. März 2016 war vorgetragen wor-
den, angesichts der «teilweise offensichtlich unbedarften, aber nicht wider-
sprüchlichen» Antworten des Beschwerdeführers wären bei einer jugend-
gerechten Anhörung entsprechende Präzisierungsfragen notwendig gewe-
sen; die damals zuständige Befragerin des SEM habe kaum detaillierte
Rückfragen zu den Antworten des Beschwerdeführers gestellt. Der Um-
stand, dass auf präzisierende Rückfragen verzichtet worden sei, dürfe nicht
zu Lasten des bei der Anhörung (...)-jährigen Beschwerdeführers ausge-
legt werden (vgl. Beschwerde, Ziffer 4.4.3). In der Rechtsmitteleingabe
vom 30. März 2016 lieferte der damalige Rechtsvertreter ergänzende In-
formationen nach und machte weiter geltend, bezüglich des Wegweisungs-
vollzuges von unbegleiteten Minderjährigen seien von Amtes wegen zu-
sätzliche Abklärungen seitens des SEM vorzunehmen. Vorliegend seien
insbesondere Abklärungen zur persönlichen Situation des Beschwerdefüh-
rers erforderlich (vgl. Beschwerde vom 30. März 2016, Ziffer 4.4.4, 7.3.3
und 7.3.5).
3.3 In der Beschwerdeeingabe vom 24. April 2017 wurde vorgetragen, das
SEM habe sich bei seinem zweiten Entscheid vom 22. März 2017, welcher
(...) nach Eintritt der Volljährigkeit des Beschwerdeführers (...) gefällt wor-
den sei, erneut auf die Aussagen des damals minderjährigen Beschwerde-
führers abgestützt. Trotz den Anregungen des Bundesverwaltungsgerichts
im Urteil vom 15. Dezember 2016 habe das SEM keine weiteren Sachver-
haltsabklärungen vorgenommen. Insbesondere sei der Beschwerdeführer
nicht zu einer weiteren Anhörung vorgeladen worden, obwohl das Gericht
eine korrekte Sachverhaltsermittlung gefordert habe (vgl. Beschwerde vom
24. April 2017, Ziffer III/1, S. 3).
Der Beschwerdeführer rügt sinngemäss, das SEM sei in seinem neuen
Entscheid vom 22. März 2017 den vom Bundesverwaltungsgericht in sei-
nem Urteil vom 15. Dezember 2016 auferlegten Anforderungen zur Vervoll-
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ständigung des rechtserheblichen Sachverhalts nicht in genügendem Um-
fang nachgekommen. Konkret wird bemängelt, dass keine erneute Anhö-
rung des – inzwischen volljährig gewordenen – Beschwerdeführers durch-
geführt worden sei.
3.4 Hierzu ist das Folgende festzuhalten:
3.4.1 In seinem Urteil vom 15. Dezember 2016 hielt das Bundesverwal-
tungsgericht explizit fest, das SEM habe mit seiner ersten Verfügung vom
29. Februar 2016 die einschlägige Rechtsprechung im Zusammenhang mit
der Anordnung des Wegweisungsvollzugs von unbegleiteten Minderjähri-
gen nicht herangezogen. (vgl. S. 5, 4. Lemma). Dabei wurde auf die für die
Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzuges von unbegleiteten Minder-
jährigen massgeblichen Prüfungsfaktoren eingegangen (Sicherstellung,
dass der Minderjährige bei der Rückkehr ins Heimatland einem Familien-
mitglied, einem Vormund oder einer Aufnahmeeinrichtung übergeben wer-
den kann; allfällige Übernahmezusicherungen einer geeigneten eritrei-
schen Institution vor Erlass einer wegweisenden Verfügung; vgl. S. 5, 5.
Lemma sowie S. 6, 2. Lemma), welche die Vorinstanz beim minderjährigen
Beschwerdeführer vorliegend nicht angewendet habe.
Bei diesen Erwägungen des Gerichts ging es eindeutig und unmissver-
ständlich einzig um die Frage der Durchführbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs beim damals noch minderjährigen und unbegleiteten Beschwerdefüh-
rers. Das Bundesverwaltungsgericht hielt in seinem Urteil mit Verweis auf
die geltende Rechtspraxis fest, dass das SEM seinen damaligen Entscheid
vom 29. Februar 2016 ohne Vornahme der entsprechenden Abklärungen
gefällt hatte und dass diese Vorgehensweise die von der langjährigen
Rechtspraxis vorgegebenen Untersuchungspflichten bei minderjährigen
Asylsuchenden verletzt hat. Eine identische Vorgehensweise würde auch
im heutigen Zeitpunkt eine gravierende Verletzung der Verfahrensgaran-
tien für unbegleitete minderjährige Asylsuchende darstellen und würde zur
Kassation des vorinstanzlichen Entscheides führen. An der diesbezügli-
chen, langjährigen Praxis hat sich nichts geändert.
3.4.2 Für die Beurteilung des zweiten SEM-Entscheides vom 22. März
2017 ist indessen massgeblich, dass dieser Entscheid zu einem Zeitpunkt
erging, als der Beschwerdeführer bereits volljährig war. Nach dem Kassa-
tionsentscheid vom 15. Dezember 2016 hat das SEM tatsächlich keine wei-
teren Abklärungen vorgenommen in Bezug auf die Existenz eines tragfähi-
gen familiären Beziehungsnetzes oder hinsichtlich des Vorliegens einer
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konkret für die weitere Betreuung des Beschwerdeführers nach dessen
Rückkehr nach Eritrea zuständige vormundschaftliche Institution. Zu ent-
sprechenden Abklärungen war das SEM jedoch auch nicht mehr verpflich-
tet, nachdem es sich vorliegend nicht (mehr) um den Wegweisungsvollzug
eines Minderjährigen handelt.
Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass nach dem Kassationsent-
scheid des Bundesverwaltungsgerichts vom 15. Dezember 2016 (...) der
Beschwerdeführer die Volljährigkeit erreichte; (...) war das SEM nicht mehr
dazu gekommen, Abklärungen vorzunehmen (vgl. Aktennotiz SEM in
A35/1). Wie die Sachlage in einem Verfahren zu beurteilen wäre, in dem
das SEM nach einem Kassationsentscheid eine längere Zeitspanne unbe-
nutzt verstreichen lassen und ohne Vornahme von Abklärungen das Ein-
treten der Volljährigkeit des Betreffenden abwarten würde, kann an dieser
Stelle offenbleiben.
3.4.3 Die vorgetragene Rüge, das SEM habe keine erneute Anhörung des
(inzwischen volljährig gewordenen) Beschwerdeführers durchgeführt und
habe alleine auf die damaligen Angaben des minderjährigen Beschwerde-
führers abgestellt, stösst ins Leere.
Einerseits ist festzustellen, dass die Angaben des Beschwerdeführers in
seiner BzP und in der einlässlichen Anhörung durchaus klar und unmiss-
verständlich ausgefallen sind. Er war in der Lage, konkrete Angaben zu
Daten, Ortschaften und zu einzelnen Erlebnissen vorzutragen. Es wurden
weder seitens der anwesenden Vertrauensperson noch seitens der Hilfs-
werksvertretung irgendwelche Beanstandungen an der Durchführung und
Ausgestaltung der Anhörung gemacht (vgl. A20, S. 19 und 20). Es ist des-
halb davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer für die Schilderungen
seiner Asylvorbringen urteilsfähig war und die ihm gestellten Fragen inhalt-
lich verstanden hat. Es bestand daher für das SEM keine Veranlassung, in
seinem zweiten Entscheid vom 23. März 2017 nicht auf diese protokollier-
ten Angaben des Beschwerdeführers abzustellen.
Andererseits ist festzustellen, dass das SEM mit Schreiben vom 8. Februar
2017 an seinen damaligen Rechtsvertreter dem Beschwerdeführer explizit
Gelegenheit eingeräumt hat, allfällige relevante Veränderungen seit dem
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts bekanntzugeben und entspre-
chende Sachverhaltsergänzungen nachzureichen. Mit Schreiben vom
14. Februar 2017 liess sich der Beschwerdeführer dahingehend verneh-
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men, es habe seit dem Urteil des Gerichts «keine relevanten Veränderun-
gen» gegeben; es werde an den Vorbringen in der Beschwerde vom
30. März 2016 und in der Replik vom 15. Juni 2016 festgehalten.
3.4.4 Bei dieser Sachlage bestand für das SEM keine zwingende Veran-
lassung, den zwischenzeitlich volljährig gewordenen Beschwerdeführer zu
einer erneuten Anhörung zu den Asylgründen oder zu Wegweisungshin-
dernissen vorzuladen. Die vom SEM vorliegend eingeschlagene Vorge-
hensweise ist daher nicht zu beanstanden.
Der Sachverhalt ist sowohl im Asyl- als auch im Wegweisungspunkt als
hinreichend erstellt zu betrachten. Es besteht daher keine Veranlassung,
die vorinstanzliche Verfügung vom 22. März 2017 aufzuheben und die Sa-
che zur Vornahme weiterer Abklärungen des Sachverhalts ans SEM zu-
rückzuweisen.
In einem weiteren Schritt ist im Folgenden der Frage nachzugehen, ob es
dem Beschwerdeführer gelungen ist, glaubhaft dazutun, dass er im Zeit-
punkt seiner Ausreise asylbeachtlichen Nachteilen ausgesetzt war.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
Nach Durchsicht der Akten kommt das Gericht zum Schluss, dass die
E-2363/2017
Seite 15
Vorinstanz die vom Beschwerdeführer vorgetragenen Fluchtgründe zu
Recht und mit zutreffender Begründung als teilweise nicht glaubhaft bezie-
hungsweise teilweise als nicht asylrelevant befunden hat.
5.1 Zutreffend ist zunächst, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen
ist, schlüssige und nachvollziehbare Angaben über die wirtschaftliche Situ-
ation seiner Familie zu machen. Insbesondere vermochte er nicht anzuge-
ben, wovon seine Eltern ihren Lebensunterhalt verdient hätten. Nachdem
er gemäss eigenen Angaben während seiner Schulzeit seine Familie selbst
finanziell unterstützt, seine Mutter betreut und seine Schulbildung abgebro-
chen haben will, um seine Familie zu unterstützen (vgl. Akte 20, Antworten
81 ff.) vermögen seine bloss oberflächlichen Angaben zu diesem Punkt
nicht zu überzeugen und es kommen bereits erste Zweifel am Wahrheits-
gehalt des geltend gemachten Sachverhaltsvortrags auf.
5.2 Auch das Kernvorbringen seines Asylgesuches, den angeblichen Er-
halt eines militärischen Aufgebotes, vermochte der Beschwerdeführer nicht
auf glaubhafte Weise darzulegen. Einerseits ist festzuhalten, dass der Be-
schwerdeführer keinerlei Beweismittel eingereicht hat, die sein Vorbringen,
er habe ein Militäraufgebot erhalten und hätte in Wia einrücken müssen,
stützen würden. Andererseits zog das SEM diesbezüglich zutreffend in Er-
wägung, der Beschwerdeführer habe zwar angegeben, er hätte in Wia ein-
rücken müssen (vgl. A20, Antwort 97), habe jedoch auf konkrete Nachfrage
hin vorgetragen, das Militäraufgebot nicht richtig durchgelesen zu haben
(vgl. A20, Antworten 94 und 98). Dieses Verhalten muss als sehr befrem-
dend eingeschätzt werden angesichts des Umstandes, dass es sich bei
diesem Einrückungsbefehl angeblich um das für den Beschwerdeführer
ausreiseauslösende Ereignis gehandelt haben soll. Insbesondere bleibt
nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer nicht zumindest den im
Dokument mutmasslich festgelegten Einrückungstermin in Erfahrung ge-
bracht haben, sondern überstürzt und ohne seine Mutter zu orientieren,
noch am gleichen Abend ausgereist sein will (vgl. A20, Antworten 98, 110,
118 und 128). Zudem lässt sich seine Angabe, er habe Eritrea verlassen,
ohne seine Mitter zu informieren, inhaltlich nicht mit seinem weiteren Vor-
bringen vereinbaren, seine Mutter habe seine Ausreise finanziert (vgl. A20,
Antworten 157 ff.), auch wenn er im späteren Verlauf der Anhörung zu Pro-
tokoll gab, er habe mit seiner Mutter vom Sudan aus telefoniert (vgl. Ant-
wort 175).
E-2363/2017
Seite 16
5.3 Auch die weiteren Schilderungen des Beschwerdeführers, wonach we-
der er noch seine Mutter auf das Militäraufgebot reagiert und den Einrü-
ckungsbefehl wegen der offensichtlichen Minderjährigkeit des Beschwer-
deführers zu annullieren versucht hätten (vgl. A20, Antworten 99, 103 und
116), erscheinen realitätsfremd. Wenn der Erhalt des Militäraufgebotes den
jugendlichen Beschwerdeführer zur unmittelbaren Ausreise aus seinem
Heimatland ohne Begleitung von Familienangehörigen veranlasst haben
soll, ist nicht plausibel, dass er oder seine Mutter nicht alles unternommen
haben sollen, um diesen Einrückungsbefehl zu verschieben oder zu annul-
lieren. Die diesbezüglichen Erwägungen des SEM vom 22. März 2017 (Zif-
fer II/Ziffer 1.1) können vollumfänglich bestätigt werden.
5.4 Schliesslich ist es dem Beschwerdeführer auch nicht gelungen, seine
vorgetragene illegale Ausreise aus Eritrea glaubhaft zu schildern. Das SEM
hat hierzu zutreffenderweise festgestellt, dass die diesbezüglichen Vorbrin-
gen nicht den Eindruck vermitteln, als hätte der Beschwerdeführer das von
ihm Geschilderte persönlich erlebt. Er vermochte keine konkreten, erleb-
nisgeprägten Angaben zur angeblich zweieinhalb Tage lang dauernden
Reise bis zur äthiopischen Grenze zu machen, konnte nicht schildern, wo-
ran sie sich bei ihrer Reise orientiert hätten, wie das passierte Gelände
ausgesehen habe oder wie seine spontan beschlossene Reise organsiert
worden sei (vgl. A20, insbesondere Antwort 133 ff. und 157 ff.).
5.5 Nach dem Gesagten hat das SEM zutreffend die Schlussfolgerung ge-
zogen, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, seine Flucht-
gründe – namentlich den Schulabbruch, die wirtschaftliche Situation seiner
Familie, den Erhalt eines Militäraufgebotes und das illegale Verlassen des
Heimatstaates – glaubhaft darzutun.
In der Beschwerdeeingabe wird nichts Stichhaltiges vorgetragen, was an
dieser Einschätzung etwas zu ändern vermag.
Es ist dem Beschwerdeführer daher nicht gelungen, eine im Zeitpunkt sei-
ner Ausreise aus dem Heimatstaat konkret bevorstehende Einberufung in
den Militärdienst glaubhaft darzutun. Es ist folglich nicht davon auszuge-
hen, dass er zu diesem Zeitpunkt konkrete Kontakte zu den eritreischen
Militärbehörden im Zusammenhang mit einer Rekrutierung in den National
Service im Sinne der Rechtsprechung (vgl. Entscheidungen und Mitteilun-
gen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 3 E.
4.7 und 4.10) gestanden hat. Es ist daher auch nicht davon auszugehen,
dass er wegen Regimefeindlichkeit (Refraktion) ins Visier der eritreischen
E-2363/2017
Seite 17
Behörden geraten sei und eine diesbezüglich begründete Furcht vor flücht-
lingsrechtlich relevanten Bestrafung habe.
Im Zusammenhang mit der geltend gemachten illegalen Ausreise aus Erit-
rea ist zudem (ungeachtet der fehlenden Glaubhaftigkeit des Vorbringens)
auf das Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts D-7898/2015 vom
30. Januar 2017 zu verweisen. Das Gericht geht nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon aus, dass sich eritreische Staatsangehörige auf-
grund einer illegalen Ausreise mit Sanktionen ihres Heimatstaates konfron-
tiert sehen, welche bezüglich ihrer Intensität und der politischen Motivation
des Staates ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgesetzes darstellen
(vgl. D-7898/2015, a.a.O. E. 5.1). Nach dieser Rechtsprechung ist nur dann
von einer begründeten Furcht vor intensiven und flüchtlingsrechtlich be-
gründeten Nachteilen auszugehen, wenn zur illegalen Ausreise weitere
Faktoren hinzukommen, welche die asylsuchende Person in den Augen
der eritreischen Behörden als missliebige Person erscheinen lassen (vgl.
a.a.O., E. 5.1, letzter Absatz). Entsprechende zusätzliche Anknüpfungs-
punkte im Sinne einer Profilschärfung sind beim Beschwerdeführer zu ver-
neinen, zumal sich die vorgetragene Rekrutierung als nicht glaubhaft ge-
macht erwiesen hat und in der Beschwerdeeingabe auch keine solche An-
knüpfungspunkte spezifiziert werden.
Die eingereichte UNHCR-Bestätigung, welche die illegale Ausreise des Be-
schwerdeführers belegen soll, vermag für sich alleine ebenfalls keine
flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung darzutun. Hierzu kann auf die
vorinstanzlichen Erwägungen vom 22. März 2017 (Ziffer II/3) verwiesen
werden.
5.6 Nach dem Gesagten hat das SEM mit zutreffender Begründung zu
Recht festgestellt, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft
nicht erfüllt. Die Abweisung des Asylgesuchs ist demnach zu Recht erfolgt.
6.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die
Wegweisung wurde demzufolge zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37
E. 4.4).
E-2363/2017
Seite 18
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
7.1.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen. Vorliegend erfüllt der Beschwerdeführer die Flüchtlingsei-
genschaft nicht (vgl. oben, E. 5.6). Das flüchtlingsrechtliche Rückschie-
bungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die
Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist da-
her nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr
nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen
(Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984
gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende
Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
7.1.2 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 FoK und Art. 3 EMRK darf niemand
der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behand-
lung unterworfen werden.
7.1.3 Angesichts des Alters des Beschwerdeführers ist es durchaus mög-
lich, dass er bei einer Rückkehr in sein Heimatland in den Nationaldienst
eingezogen würde. Dass eine solche Einziehung flüchtlingsrechtlich nicht
von Relevanz ist, bedeutet noch nicht, dass auch der Vollzug der Wegwei-
sung zulässig ist.
7.1.4 Im publizierten Urteil BVGE 2018 VI/4 klärte das Bundesverwaltungs-
gericht diese Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs bei drohen-
der Einziehung in den eritreischen Nationaldienst unter den Aspekten des
Zwangsarbeitsverbots (Art. 4 Abs. 2 EMRK), des Folterverbots und der un-
menschlichen und erniedrigenden Behandlung (Art. 3 EMRK). Es stellte
fest, die Bemessung der Dienstdauer und die Gewährung von Urlauben im
eritreischen Nationaldienst seien für die Einzelperson kaum vorhersehbar.
Die durchschnittliche Dienstdauer lasse sich nicht genau beziffern, auszu-
gehen sei jedoch davon, dass sie zwischen fünf und zehn Jahre betrage
und in Einzelfällen darüber hinausgehen könne. Die Lebensbedingungen
gestalteten sich sowohl in der Grundausbildung als auch im militärischen
und im zivilen Nationaldienst schwierig; der Nationaldienstsold reiche
E-2363/2017
Seite 19
kaum aus, um den Lebensunterhalt zu decken. Darüber hinaus komme es
im eritreischen Nationaldienst – insbesondere in der Grundausbildung und
im militärischen Nationaldienst – zu Misshandlungen und sexuellen Über-
griffen. Die Bedingungen im Nationaldienst seien folglich grundsätzlich als
Zwangsarbeit im Sinn von Art. 4 Abs. 2 EMRK zu qualifizieren. Für die An-
nahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs reiche diese Ein-
schätzung jedoch nicht aus. Vielmehr wäre hierfür erforderlich, dass durch
die Einziehung in den eritreischen Nationaldienst das ernsthafte Risiko ei-
ner schwerwiegenden Verletzung von Art. 4 Abs. 2 EMRK bestünde, mithin
der Kerngehalt dieser Bestimmung verletzt würde. Eine solche Situation
liege indessen nicht vor. Nicht erstellt sei zudem, dass die berichteten Miss-
handlungen und sexuellen Übergriffe derart systematisch stattfänden, dass
jede Nationaldienstleistende und jeder Nationaldienstleistende dem ernst-
haften Risiko ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden (vgl.
a.a.O. E. 6.1, insbes. 6.1.5).
7.1.5 Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte
(EGMR) müsste der Beschwerdeführer mit Blick auf Art. 3 EMRK eine kon-
krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im
Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen
würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom
28. Februar 2008, Nr. 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Im Grundsatzur-
teil BVGE 2018 VI/4 (E. 6.1.6) wurde diesbezüglich ausgeführt, es existier-
ten keine hinreichenden Belege dafür, dass Misshandlungen und sexuelle
Übergriffe im Nationaldienst derart flächendeckend stattfinden würden,
dass jede Dienstleistende und jeder Dienstleistende dem ernsthaften Ri-
siko ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden. Auch im Falle
des Beschwerdeführers kann daher kein ernsthaftes Risiko einer Verlet-
zung von Art. 3 EMRK im Falle einer Einziehung in den eritreischen Natio-
naldienst bejaht werden.
7.1.6 Aus den Akten ergeben sich keine weiteren Gründe für die Annahme
der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs im Falle einer freiwilligen
Rückkehr des Beschwerdeführers; er macht selbst keine weiteren Gründe
geltend. Der Wegweisungsvollzug ist folglich vorliegend als zulässig zu be-
trachten.
7.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
E-2363/2017
Seite 20
7.2.1 Gemäss aktueller Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von einem
Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungs-
weise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausge-
gangen werden. In jüngster Zeit haben sich die Lebensbedingungen in ei-
nigen Bereichen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor
schwierig. Die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssituation,
der Zugang zu Wasser und zur Bildung haben sich aber stabilisiert. Der
Krieg ist seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse Kon-
flikte sind nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch
die umfangreichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil
der Bevölkerung profitiert. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage
des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenz-
bedrohung ausgegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen.
Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung sind begünstigende
individuelle Faktoren jedoch nicht mehr zwingende Voraussetzung für die
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des BVGer
D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.).
7.2.2 Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen jungen Mann, wel-
cher die Schule zumindest bis zur neunten Klasse besucht hat (vgl. A20,
Antwort 40). In seiner Heimat verfügt er über ein familiäres Beziehungsnetz
(Mutter, Geschwister, Grosseltern und weitere Verwandte). Vor seiner Aus-
reise lebte er mit seiner Mutter und seinen Geschwistern zusammen in
H._. Seine Familie ist in der Landwirtschaft tätig (vgl. A8, Ziffer 3.01
und A20, Antworten 11 ff. und 30). Es ist davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr wieder bei seiner Familie wohnen kann
und die Familie ihn bei seiner sozialen und wirtschaftlichen Wiedereinglie-
derung unterstützen wird. Medizinische Probleme, die den Wegweisungs-
vollzug unter Umständen als unzumutbar erscheinen lassen könnten, er-
geben sich aus den Akten nicht. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich
somit auch in individueller Hinsicht als zumutbar.
7.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
E-2363/2017
Seite 21
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Ein mit der Beschwerde ge-
stelltes Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wurde jedoch mit Instruktionsverfügung
vom 1. Mai 2017 gutgeheissen. Folglich sind keine Verfahrenskosten zu
erheben.
9.2 Es ist sodann für das vorliegende Verfahren ein amtliches Honorar zu-
zusprechen. Bei amtlicher Vertretung geht das Gericht in der Regel von
einem Stundenansatz von Fr. 100.− bis Fr. 150.− für nicht-anwaltliche Ver-
treterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 des Regle-
ments über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht vom 21. Februar 2008 [VGKE]), wobei nur der notwendige Aufwand
zu entschädigen ist (vgl. Art. 8 Abs. 2 VGKE).
Der mit Zwischenverfügung vom 22. Mai 2017 eingesetzte amtliche
Rechtsbeistand lic. iur. Okan Manav hat keine Kostennote eingereicht (der
Eingabe vom 16. Mai 2017 lag lediglich eine Unterstützungsbestätigung
bei). Aufgrund der Akten ist es jedoch ohne Weiteres möglich, den entstan-
denen Aufwand von Amtes wegen zu schätzen, so dass darauf verzichtet
werden kann, den amtlichen Rechtsbeistand zur Nachreichung einer Kos-
tennote aufzufordern. Der Aufwand für die Ausarbeitung der 8-seitigen Be-
schwerdeschrift und der 1-seitigen Eingabe vom 16. Mai 2017 ist auf ins-
gesamt 4,5 Stunden zu veranschlagen. Dem amtlichen Rechtsbeistand ist
somit ein amtliches Honorar von insgesamt Fr. 700.- (inkl. Auslagen) zuzu-
sprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 22