Decision ID: b8d08d11-f654-536f-9ed8-2292bf45df6b
Year: 2008
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Der Beschwerdeführer, ein irakischer Kurde sunnitischen Glaubens aus Suleymaniya, suchte am 4. Januar 2006 in der Schweiz um Asyl nach.
B. Mit Verfügung vom 19. Januar 2006 stellte das BFM fest, der  erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung des  aus der Schweiz. Hingegen erachtete das BFM den Vollzug der Wegweisung aufgrund der damaligen Situation im Irak als nicht zumutbar und verfügte die vorläufige Aufnahme. Diese Verfügung erwuchs am 21. Februar 2006 unangefochten in Rechtskraft.
C. Am 15. August 2007 teilte das BFM dem Beschwerdeführer mit, es  nach einer Analyse der Sicherheits- und  im Irak den Vollzug der Wegweisung in die drei nordirakischen  Dohuk, Erbil und Suleymaniya grundsätzlich als zumutbar. Das Amt gewährte dem Beschwerdeführer zur beabsichtigten Aufhebung der vorläufigen Aufnahme und zu dem damit verbunden  das rechtliche Gehör.
D. Am 29. August 2007 nahm der Beschwerdeführer Stellung und  im Wesentlichen darum, von der Aufhebung der vorläufigen  abzusehen.
E. Mit Verfügung vom 31. Oktober 2007 - eröffnet am 7. November 2007 - hob das BFM die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers auf, forderte ihn unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall auf, die Schweiz bis zum 9. Januar 2008 zu verlassen, und beauftragte den Kanton Bern mit dem Vollzug der Wegweisung.
F. Mit Eingabe vom 24. November 2007 (Poststempel) erhob der  beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die Verfügung des BFM vom 31. Oktober 2007 und beantragte, die an-
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gefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass seine vorläufige Aufnahme nicht aufgehoben werde. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, insbesondere um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Als Beweismittel legte der Beschwerdeführer eine Kopie einer  polizeilichen Vorladung vom 5. August 2005, einschliesslich  deutschen Übersetzung, der Beschwerde bei. Auf die Begründung der Rechtsbegehren wird - soweit wesentlich - in den Erwägungen .
G. Mit Zwischenverfügung vom 28. November 2007 bestätigte der  des Bundesverwaltungsgerichts die Berechtigung des  zur Anwesenheit in der Schweiz während der  des Verfahrens. Zudem verzichtete der Richter auf die  eines Kostenvorschusses und teilte dem Beschwerdeführer mit, dass über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen  zu einem späteren Zeitpunkt befunden werde. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz eingeladen, bis zum 18. Dezember 2007 eine  einzureichen.
H. In seiner Vernehmlassung vom 29. November 2007 beantragte das BFM die Abweisung der Beschwerde.
I. Die Vernehmlassung des BFM wurde dem Beschwerdeführer mit  vom 7. Dezember 2007 zur Stellungnahme innert Frist . Der Beschwerdeführer liess diese Frist ungenutzt verstreichen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das  Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des  vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und
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ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Der  ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Der Beschwerdeführer ist daher zur Einreichung der  legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
3.1 Das BFM hebt die vorläufige Aufnahme auf und ordnet den Vollzug der Weg- oder Ausweisung an, wenn die Voraussetzungen nicht mehr gegeben sind (Art. 84 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die  und Ausländer vom 16. Dezember 2005 [AuG, SR 142.20]). Die Voraussetzungen für die vorläufige Aufnahme sind nicht mehr , wenn der Vollzug der rechtskräftig angeordneten Wegweisung  (Art. 83 Abs. 3 AuG) und es der ausländischen Person zumutbar und möglich ist (Art. 83 Abs. 2 und 4 AuG), sich rechtmässig in ihren Heimat-, in den Herkunftsstaat oder in einen Drittstaat zu begeben.
3.2
3.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche  der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat  (Art. 83 Abs. 3 AuG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land  werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
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fahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des  vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere , unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4.  1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
3.2.2 Der Grundsatz der Nichtrückschiebung schützt nur Personen, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. MARIO GATTIKER, Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, Bern 1999, S. 89). Da rechtskräftig , dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine  erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu , kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des  Non-refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in seinen Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer  in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Der Beschwerdeführer macht zwar in der  geltend, dass er in seiner Heimat von seinem Onkel - einem (...) - bedroht werde und in seiner Abwesenheit von einem Gericht zu drei Jahren Haft verurteilt worden sei, da ihn sein Onkel  bei der Polizei angezeigt habe. Deshalb könne er nicht in den Irak zurückkehren, weil er sonst unschuldig für drei Jahre ins  gehen müsse. Der Vorinstanz waren zum Zeitpunkt der  vom 19. Januar 2006 diese Vorbringen des Beschwerdeführers bekannt. Nach diesbezüglichen Abklärungen ist das BFM damals  zum Schluss gekommen, dass aufgrund der unglaubhaften  des Beschwerdeführers kein Anlass zur Annahme bestehe, er habe in naher Zukunft mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  Verfolgungsmassnahmen zu befürchten. Daran ändert auch die vom
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Beschwerdeführer mit der Beschwerde eingereichte polizeiliche  nichts, insbesondere da auch aus dieser Vorladung eine konkrete Gefährdung des Beschwerdeführers nicht ersichtlich ist. Da dieses  nur als Fotokopie eingereicht wurde, ist deren Beweiswert ohnehin sehr gering. Zudem bezieht sich dieses Dokument auf den  rechtskräftig als unglaubhaft beurteilten Sachverhalt. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der  eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder  Behandlung drohen würde (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinweisen; EGMR, Bensaid gegen , Urteil vom 6. Februar 2001, Recueil des arrêts et décisions 2001-I, S. 327 ff.). Die allgemeine Sicherheits- und Menschenrechtslage im kurdischen Nordirak lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen  nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Grundsatzurteil des  vom 22. Januar 2008 [BVGE 2008/4]).
Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
3.3
3.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder  auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG - die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).
Das Bundesverwaltungsgericht ist im Grundsatzurteil vom 14. März 2008 (BVGE 2008/5) aufgrund einer umfassenden Beurteilung der  in den nordirakischen Provinzen Dohuk, Suleymaniya und Erbil - entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung - zum Schluss gekommen, dass dort keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht und die politische Lage nicht dermassen angespannt ist, dass eine Rückführung in diese Provinzen generell als unzumutbar  werden müsste. Zudem ist die Region mit Direktflügen aus Europa und aus den Nachbarstaaten erreichbar. Damit entfällt das Element
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der unzumutbaren Rückreise via Bagdad und anschliessend auf dem Landweg durch den von Gewalt heimgesuchten Zentralirak.
Zusammenfassend wurde im erwähnten Entscheid festgehalten, dass die Anordnung des Wegweisungsvollzugs für alleinstehende, gesunde und junge kurdische Männer, die ursprünglich aus den Provinzen , Suleymaniya oder Erbil stammen und dort nach wie vor über ein soziales Netz oder Parteibeziehungen verfügen, in der Regel zumutbar ist. Für alleinstehende Frauen und für Familien mit Kindern sowie für Kranke und Betagte ist dagegen bei der Feststellung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs grosse Zurückhaltung angebracht (a.a.O. E. 7.5 und insbesondere E. 7.5.8).
3.3.2 Der alleinstehende Beschwerdeführer stammt aus Suleymaniya, wo er eigenen Angabe zufolge bis zu seiner Ausreise aus dem Irak am 15. Dezember 2005 gelebt und als (...) gearbeitet hat. Zudem leben seine Mutter und seine Schwester in Suleymaniya, womit er dort über ein verwandtschaftliches Beziehungsnetz verfügt. Angesichts seines Alters (geb. 1984) und seiner früheren beruflichen Tätigkeit ist davon auszugehen, er werde sich in seiner Heimat - auch in den  - wieder integrieren können. Wie schon von der Vorinstanz , wird zudem die Rückkehrhilfe der Schweiz dem  den Aufbau einer neuen Existenzgrundlage erleichtern. Der  macht in der Beschwerdeschrift geltend, dass er unter (...) leide. Da er diese Krankheiten im Irak nicht behandeln lassen , werde er sich in seiner Heimat beruflich nicht integrieren können. Die Behauptung des Beschwerdeführers, wonach er in einem solchen Ausmass unter den erwähnten Krankheiten leide, dass es ihm nicht möglich sei, sich in seiner Heimat beruflich zu integrieren, kann nicht geglaubt werden, da es aufgrund der gesetzlich verankerten  gemäss Art. 8 Abs. 1 AsylG die Aufgabe des  gewesen wäre, seine Vorbringen mit einem ärztlichen Zeugnis zu belegen. Da er diese für ihn ohne Weiteres mögliche Mitwirkung  hat, ist vorliegend aufgrund der Aktenlage davon , dass es ihm auch in gesundheitlicher Hinsicht zumutbar ist, in seine Heimat zurückzukehren.
Was seine Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe anbelangt, aufgrund des Konfliktes zwischen der Türkei und den kurdischen Separatisten in der Grenzregion zum Irak sei die Lage nach wie vor angespannt, ist nicht ersichtlich, inwiefern dadurch die entsprechenden vorinstanzli-
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chen Erwägungen entkräftet werden. Auch die in der Beschwerde  Beispiele von Asylsuchenden, die nach ihrer Rückkehr in den Irak getötet worden sein sollen, vermag an dieser Einschätzung der Vorinstanz nichts zu ändern. Wie bereits ausgeführt, kann zudem der vom Beschwerdeführer in der Beschwerdeschrift vorgebrachten Behauptung, wonach er bei einer Rückkehr in den Irak von seinem  bedroht werde und für drei Jahre ins Gefängnis müsse, nicht  werden (vgl. dazu die Ausführungen in E. 3.2.2). Aus diesen Gründen ist der Vollzug der Wegweisung - übereinstimmend mit dem BFM - als zumutbar zu bezeichnen.
3.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der  Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr  Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).
3.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das BFM die mit  vom 19. Januar 2006 angeordnete vorläufige Aufnahme des  zu Recht aufgehoben und den Wegweisungsvollzug verfügt hat.
4. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die  ist nach dem Gesagten abzuweisen.
5. Da der Beschwerdeführer mit seiner Beschwerde vollumfänglich  ist, wären ihm grundsätzlich die Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Beschwerdeführer hat jedoch um Gewährung der  Rechtspflege ersucht. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird die Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint. Vorliegend ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer mittellos ist. Zudem erschien das Begehren des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung als nicht aussichtslos. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
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pflege ist demnach gutzuheissen und es sind dem Beschwerdeführer keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
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