Decision ID: f956f41f-1f79-576a-8a92-4b20f61829ff
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X und YZ sind verheiratet und wohnen in D. Der Ehemann bezieht eine
Invalidenrente, die Ehefrau ist unselbständig erwerbstätig. In der Steuererklärung für
das Jahr 2007 deklarierten X und YZ beim Vermögen unter anderem ein Guthaben bei
der A Ltd. in der Höhe von Fr. 35'310.-- ohne steuerbare Erträge. In der Folge wurden
die Steuerpflichtigen für die Kantons- und Gemeindesteuern 2007 mit einem
steuerbaren Einkommen von Fr. 96'300.-- und ohne steuerbares Vermögen sowie für
die direkte Bundessteuer 2007 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 98'500.--
veranlagt. Das in der Steuererklärung für das Jahr 2008 deklarierte Guthaben bei der A
Ltd. belief sich auf Fr. 44'561.--, erneut ohne steuerbaren Ertrag. Das Ehepaar Z wurde
für die Staats- und Gemeindesteuern 2008 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr.
97'100.-- und ohne steuerbares Vermögen sowie für die direkte Bundessteuer 2008 mit
einem steuerbaren Einkommen von Fr. 96'600.-- veranlagt. Die Veranlagungen
erwuchsen jeweils unangefochten in Rechtskraft.
B.- Am 15. Juli 2009 sperrte die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (nachfolgend:
Finma) die Konten der A Ltd., Zweigniederlassung C (Hauptsitz British Virgin Islands),
sowie jene der B GmbH mit Sitz in C. Am 3. Dezember 2009 wurde über die B GmbH
und am 3. Mai 2010 über die A Ltd. aufsichtsrechtlich der Konkurs eröffnet. Gegen die
für die beiden Firmen verantwortlichen Personen leitete die Staatsanwaltschaft C ein
Strafverfahren wegen gewerbsmässigen Betrugs, qualifizierter Veruntreuung,
Geldwäscherei und mehrfacher Urkundenfälschung ein. Anfangs 2010 übermittelte die
Staatsanwaltschaft dem kantonalen Steueramt eine Liste von Anlegern, die
Investitionen bei den genannten Gesellschaften getätigt hatten. Im Strafverfahren
stellte sich heraus, dass die B GmbH Kundengelder entgegengenommen hatte, die sie
im Devisenhandel einzusetzen versprach. Stattdessen wickelte sie Ein- und
Auszahlungen nach einem schneeballähnlichen System ab, indem von den Kunden
verlangte Auszahlungen aus akkumulierten Anlagegeldern und Geldern neu
beigetretener Personen finanziert wurden. Mit Urteil des Kreisgerichts C vom 10.
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Oktober 2011 wurden die Inhaber der B GmbH wegen gewerbsmässigen Betrugs,
mehrfacher qualifizierter Veruntreuung, mehrfacher ungetreuer Geschäftsführung,
mehrfacher Urkundenfälschung, Unterlassung der Buchführung, Misswirtschaft und
Widerhandlung gegen das Bankengesetz zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.
Aus der Liste der Staatsanwaltschaft ergab sich, dass XZ bei der B GmbH diverse
Einlagen getätigt und darauf Renditen erzielt hatte. Am 16. August 2011 leitete das
kantonale Steueramt gegenüber X und YZ ein Nachsteuerverfahren ein. Es wurden
nicht deklarierte steuerbare Einkünfte aus den Investitionen bei der B GmbH bzw. A
Ltd. von Fr. 7'662.-- im Jahr 2006, von Fr. 17'315.-- im Jahr 2007 und von Fr. 596.-- im
Jahr 2008 ermittelt. Mit Nachsteuerverfügungen vom 30. September 2011 wurden X
und YZ für die Kantons- und Gemeindesteuern 2006 bis 2008 mit einer Nachsteuer
samt Zins von Fr. 5'588.50 und für die direkte Bundessteuer 2006 bis 2008 mit einer
Nachsteuer samt Zins von Fr. 1'683.55 veranlagt. Die dagegen am 18. Oktober 2011
erhobenen Einsprachen wies das kantonale Steueramt mit Entscheid vom 24. Mai 2012
ab.
C.- Gegen den Einsprache-Entscheid erhoben X und YZ mit Eingabe vom 21. Juni
2012 Rekurs und Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag,
die Nachsteuerverfügungen seien vollumfänglich aufzuheben.
Mit Vernehmlassung vom 30. August 2012 beantragte die Vorinstanz die teilweise
Gutheissung von Rekurs und Beschwerde. Mit Eingabe vom 29. November 2012 nahm
der inzwischen beigezogene Vertreter der Rekurrenten und Beschwerdeführer dazu
Stellung. Die Beschwerdebeteiligte liess sich nicht vernehmen.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung der Anträge wird,
soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
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Rekurs- und Beschwerdeerhebung ist gegeben. Der Rekurs und die Beschwerde vom
21. Juni 2012 sind rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllen in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des
Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG, bzw. Art. 140 Abs. 2 Bundesgesetzes über
die direkte Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum
Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 und Art.
48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf
den Rekurs und die Beschwerde ist einzutreten.
2.- Zu prüfen ist vorab, ob die Voraussetzungen für die Erhebung einer Nachsteuer für
die Jahre 2006 bis 2008 erfüllt sind.
a) Ergibt sich aufgrund von Tatsachen oder Beweismitteln, die der Steuerbehörde nicht
bekannt waren, dass eine Veranlagung zu Unrecht unterblieben oder eine
rechtskräftige Veranlagung unvollständig ist, so wird gemäss Art. 199 Abs. 1 StG bzw.
Art. 151 Abs. 1 DBG die nicht erhobene Steuer samt Zins als Nachsteuer eingefordert.
Hat der Steuerpflichtige Einkommen, Vermögen und Reingewinn in seiner
Steuererklärung vollständig und genau angegeben und das Eigenkapital zutreffend
ausgewiesen und haben die Steuerbehörden die Bewertung anerkannt, so kann keine
Nachsteuer erhoben werden, selbst wenn die Bewertung ungenügend war (Art. 199
Abs. 2 StG bzw. Art. 151 Abs. 2 DBG). Nicht bekannt sind Tatsachen und Beweismittel,
wenn sie der Steuerbehörde im Zeitpunkt der Veranlagung bei Anwendung von
gehöriger Sorgfalt nicht bekannt sein konnten. Die Veranlagungsbehörde darf
grundsätzlich von der Richtigkeit und Vollständigkeit der vom Steuerpflichtigen
gemachten Angaben ausgehen und ist zu weitergehenden Untersuchungen nur
verpflichtet, wenn konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Angaben
unvollständig sein könnten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.108/2004 vom
31. August 2004, E. 4.2). Eine aus Art. 176 Abs. 1 StG bzw. Art. 130 Abs. 1 DBG
abzuleitende Pflicht der Steuerbehörden zur ergänzenden Untersuchung besteht dann,
wenn die Steuererklärung Fehler enthält, die offensichtlich sind. Bei bloss erkennbaren
Mängeln muss nicht davon ausgegangen werden, bestimmte Tatsachen oder
Beweismittel seien den Behörden schon zur Zeit der Veranlagung bekannt gewesen
bzw. es müsse diesen ein entsprechendes Wissen angerechnet werden (vgl. Vallender/
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Looser, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2b, 2. Aufl. 2008, N
8a zu Art. 151 Abs. 1 DBG mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).
b) Die Steuerpflichtigen führten in den Steuererklärungen für die Jahre 2007 und 2008
per 31. Dezember jeweils Guthaben bei der A Ltd. an (2007 Fr. 35'310.-- und 2008 Fr.
44'561.10). Erträge wurden keine deklariert. In der Deklaration für das Jahr 2006 wurde
noch kein entsprechendes Guthaben angegeben. Sowohl aus den Ausführungen der
Steuerpflichtigen als auch jenen der Vorinstanz ist zu schliessen, dass es sich dabei
um jene Anlagen handelt, die der Rekurrent und Beschwerdeführer bei der B GmbH
getätigt hatte. Die beiden Firmen hatten denn auch dieselbe Adresse in C. Zum
Zeitpunkt der Veranlagung der Steuerjahre 2006 bis 2008 hatte die Vorinstanz keine
Kenntnis vom kriminellen Konstrukt, das sich hinter den genannten Gesellschaften
verbarg. Mit den der Veranlagungsbehörde anfangs 2010 bekannt gewordenen
Angaben zu den vom Rekurrenten und Beschwerdeführer bei der B GmbH in den
Jahren 2006 bis 2008 getätigten Investitionen lagen für die Einleitung des
Nachsteuerverfahrens ausreichende neue Hinweise dafür vor, dass die
Steuerpflichtigen in den entsprechenden Steuerperioden ungenügend besteuert
worden waren. Dementsprechend sind die Voraussetzungen gemäss Art. 199 Abs. 1
StG bzw. Art. 151 Abs. 1 DBG für die Durchführung eines Nachsteuerverfahrens in den
Jahren 2006 bis 2008 erfüllt und es kann eine Nachsteuer eingefordert werden, soweit
die mit den umstrittenen Veranlagungen erfassten Erträge der B GmbH zugunsten des
Rekurrenten und Beschwerdeführers steuerbar sind.
3.- Zu prüfen ist deshalb, ob es sich bei den Gutschriften der B GmbH zugunsten des
Rekurrenten und Beschwerdeführers in den Jahren 2006 bis 2008 um steuerbare
Erträge aus beweglichem Vermögen oder aber um (steuerfreie) Kapitalgewinne handelt
(vgl. dazu nachfolgend E. 3b). Soweit es sich um steuerbare Erträge handelt ist zu
klären, in welchem Zeitpunkt sie als zugeflossen gelten (vgl. dazu nachfolgend E. 3c)
und ob ihnen Rückforderungsansprüche entgegenstehen (vgl. dazu nachfolgend E. 3d).
a) Die Rekurrenten und Beschwerdeführer machen zur Hauptsache geltend, die
Geschäftsführer der A Ltd. seien des gewerbsmässigen Betrugs, der mehrfachen
qualifizierten Veruntreuung etc. schuldig gesprochen worden. Von einer verbotenen
Lotterie gemäss schweizerischem Lotteriegesetz, wozu Geldspiele im
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Schneeballsystem zählten, sei im fraglichen Strafentscheid keine Rede. Sie seien
davon ausgegangen, seriöse Anlagen in die Firma A Ltd. zu leisten. Die Gesellschaft
habe ihnen Belege über diese Anlagen ausgestellt, ohne darin steuerbare Erträge
aufzuführen. Diese Belege hätten sie der Steuererklärung beigelegt. Entgegen der
Auffassung der Vorinstanz könne aus den Unterlagen der Strafbehörde nicht
geschlossen werden, dass die angeblichen Beträge realisiert worden seien. Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung müsse sich der Vermögensertrag effektiv realisiert
haben. Dies sei dann der Fall, wenn die Leistung zufliesse oder eine Gutschrift erfolge,
sofern die Forderung einbringlich sei. Die A Ltd. habe gegenüber ihnen keine Einkünfte
ausgewiesen. Die rein fiktiven Zahlen in der Exceltabelle der Strafbehörde entsprächen
nicht der Realität. Ihnen seien während des fraglichen Zeitraums keine Leistungen
zugeflossen. Ob die auf dem Papier erfolgten Gutschriften einbringlich gewesen wären,
wisse niemand.
b) aa) Gemäss Art. 29 Abs.1 StG bzw. Art. 16 Abs. 1 DBG unterliegen der
Einkommenssteuer alle wiederkehrenden und einmaligen Einkünfte und insbesondere
alle Erträge aus beweglichem Vermögen. Art. 33 Abs. 1 StG bzw. Art. 20 Abs. 1 DBG
zählt diese nicht abschliessend ("insbesondere") auf. Es gehören dazu namentlich
Zinsen aus Guthaben (lit. a), Erträge wie Dividenden und Gewinnanteile auf
Beteiligungen (lit. c) und Einkünfte auf Anteilen an Anlagefonds (lit. e). Auch Erträge aus
Geldanlagen aufgrund eines Verwaltungsauftrages bei einem Vermögensverwalter
(Portfolio-Manager) oder bei einem anlagefondsähnlichen Unternehmen sind nach der
Rechtsprechung steuerbares Einkommen. Steuerfrei sind lediglich die Kapitalgewinne
bei der Veräusserung von Privatvermögen (Art. 33 Abs. 3 StG bzw. Art. 16 Abs. 3
DBG), doch fehlt es an der Möglichkeit, Kapitalgewinne (Veräusserungsgewinne) von
anlagefondsähnlichen Unternehmen dem Privatvermögen des Anlegers zuzurechnen,
sofern die Anlage, bei deren Veräusserung der Gewinn erzielt worden ist, nicht im
Namen und auf Rechnung oder aufgrund eines Treuhandverhältnisses auf Rechnung
des Anlegers erfolgte (vgl. StE 2001 B 21.1 Nr. 10, E. 1, und Urteil des Bundesgerichts
2A.146/2002 vom 13. Februar 2003, E. 2.3; ASA 66 S. 377 E. 2b).
Weil die Steuerfreiheit privater Kapitalgewinne in steuersystematischer Hinsicht eine
Lücke darstellt, ist der Bereich der Steuerfreiheit mit Blick auf das
Leistungsfähigkeitsprinzip möglichst eng zu halten. Dementsprechend sind
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insbesondere die Begriffe des Vermögensertrags und der selbständigen
Erwerbstätigkeit weit zu fassen. Jedenfalls ist der Begriff des privaten Kapitalgewinns
nicht ausdehnend zu interpretieren (vgl. M. Reich, in: Kommentar zum Schweizerischen
Steuerrecht, Band I/2a, 2. Aufl. 2008, N 52 zu Art. 16 DBG unter Hinweis auf BGE 115
Ib 238). Zur Abgrenzung von Vermögensertrag und Kapitalgewinn ist grundsätzlich auf
die wirtschaftliche Verursachung eines Wertzuflusses abzustellen. Ein Wertzufluss, der
nicht auf die Nutzungsüberlassung von Vermögenswerten, sondern auf deren
Veräusserung zurückzuführen ist, bildet keinen Vermögensertrag. Anlässlich der
Veräusserung wird die Substanz nicht "ausgeliehen", sondern eingetauscht in einen
anderen Vermögenswert. Bei der Veräusserung wird der einkommenssteuerrechtlich
bis anhin unbeachtliche Mehrwert eines Vermögenswertes durch dessen Umwandlung
in ein anderes Vermögensrecht realisiert, wobei der Veräusserungsbegriff mit Blick auf
die Differenzierungsfunktion Vermögens-ertrag/Kapitalgewinn weit zu fassen ist (vgl.
Reich, a.a.O., N 7 zu Art. 20 DBG).
bb) Die B GmbH ging nach einem schneeballähnlichen System vor. Sie fasste die ihr
anvertrauten Kundengelder in einem Pool zusammen und wies gegenüber den
Anlegern überhöhte Gewinne aus, die nicht (oder nur marginal) aus Devisenhandel
stammten (vgl. Gläubigerzirkular Nr. 1 vom 17. Dezember 2009: Konkurseröffnung und
Schuldenruf). Die von den Kunden verlangten Auszahlungen finanzierte sie aus den
akkumulierten Anlagegeldern der bisherigen und neu beigetretenen Anleger. Es ist
nicht nachgewiesen, dass die B GmbH die Vermögenswerte für den Rekurrenten und
Beschwerdeführer in dessen Namen direkt oder aufgrund eines Treuhandverhältnisses
auf dessen Rechnung anlegte. In den jeweiligen Kapitalanlageverträgen ist zwar die
Rede davon, dass für den Kunden ein Konto zur Durchführung von Devisen-, Aktien-,
Options- und ähnlichen Geschäften geführt werde. Ein solches Konto ist jedoch auf
den jährlichen "Abrechnungen" nirgends aufgeführt.
Dementsprechend stellen die Gutschriften der B GmbH (in den Abrechnungen als
"auszuzahlende Renditen" bezeichnet) zugunsten des Rekurrenten und
Beschwerdeführers steuerbaren Vermögensertrag und nicht steuerfreien Kapitalgewinn
im Sinn von 33 Abs. 3 StG bzw. Art. 16 Abs. 3 DBG dar. Auch das Bundesgericht ist im
Übrigen in einem ähnlich gelagerten Fall trotz kritischer Stimmen in der Lehre zu keiner
anderen Beurteilung gelangt (Urteil des Bundesgerichts 2C_351/2010 vom 6. Juli 2011,
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E. 3). Das Bundesgericht hat festgehalten, solche Gewinngutschriften unterlägen als
Vermögensertrag der Einkommenssteuer. Voraussetzung sei, dass sich der
Vermögensertrag effektiv realisiert habe und dass die Erträge mehr als ein Jahr vor der
Konkurseröffnung gutgeschrieben worden seien und damit nicht der Anfechtungsklage
gemäss Art. 286 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs (SR 281.1,
abgekürzt: SchKG) unterlägen.
c) Sodann ist zu prüfen, ob und wann diese Erträge realisiert worden sind.
aa) Einkommen gilt grundsätzlich als realisiert, wenn dem Steuerpflichtigen Leistungen
zufliessen oder wenn er einen festen Rechtsanspruch erwirbt, über den er tatsächlich
verfügen kann. In der Regel wird bereits der Forderungserwerb als einkommensbildend
betrachtet, sofern die Erfüllung nicht als unsicher erscheint. Bei Ertrag aus
Kapitalvermögen ist daher grundsätzlich auf den Zeitpunkt abzustellen, in dem die
Leistung fällig wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.114/2001 vom 10. Juli 2001, in:
StE 2001 B 21.1 Nr. 10, E. 3 mit Hinweis auf BGE 113 Ib 23 E. 2e). Im Zeitpunkt der
Fälligkeit verwirklicht sich der Vermögenszuwachs und können die Anleger darüber
verfügen, soweit die Forderung in diesem Zeitpunkt nicht unsicher erscheint, die
Anleger auf den Vermögenszuwachs greifen können und nicht anzunehmen ist, dass
die Auszahlung des Guthabens verweigert worden wäre, wenn die Anleger Zahlung
verlangt hätten. Als Verfügung hat auch zu gelten, wenn die Anleger ihren Willen
erkennbar in dem Sinn betätigen, ihre Ertragsguthaben für weitere Anlagen stehen zu
lassen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2P.208/2002 vom 6. Februar 2003, E. 2.2.2).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ändert an der Steuerbarkeit nichts, dass
das den Gewinnausweisen zugrunde liegende Umverteilungsprinzip
("Schneeballsystem") nichts mit den vereinbarten Anlagerichtlinien zu tun hat und
widerrechtlich ist. Einkommen entsteht auch aus widerrechtlichen oder gar kriminellen
Handlungen (Urteil des Bundesgerichts 2C_351/2010 vom 6. Juli 2011, E. 3). Ob der
Ertrag steuerrechtlich als realisiert anzusehen ist, entscheidet sich danach, ob im
Zeitpunkt der Gutschrift (noch) mit Zahlungen zu rechnen war (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 2A.181/2002 vom 27. Januar 2003, in: StE 2003 B 21.1 Nr. 11, E. 2.4).
Es kann grundsätzlich nicht darauf ankommen, wie ein "Schneeballsystem" nach
seinem Zusammenbruch – d.h. im Nachhinein – beurteilt wird (vgl. ASA 66 S. 377 E.
4d; StE 2003 B 21.1 Nr. 11 E. 2c). Deshalb kann die Einkommensrealisierung bei
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gutgeschriebenen, aber nicht ausbezahlten Erträgen nicht schon mit dem Argument
verneint werden, der Betrüger verfüge nicht über genügend Mittel, um alle Anleger zu
befriedigen, wenn diese auf ihrem Recht auf Auszahlung ihrer Erträge sowie auf
Rückerstattung ihrer Einlagen beharren würden. Denn die Situation, dass die Anleger
vollumfänglich und gleichzeitig ihre Gewinne und Guthaben ausbezahlt bzw.
zurückerstattet haben wollen, tritt bei "Schneeballsystemen" regelmässig erst dann ein,
wenn das System schon als solches entlarvt oder wegen fehlender Liquidität
zusammengebrochen ist (vgl. Urteils des Bundesgerichts 2A.589/2003 vom 14. Januar
2005, E. 2.2.2.1). Abgesehen davon können selbst solvente Schuldner (z.B. Banken) in
Liquiditätsschwierigkeiten geraten, wenn sehr viele Gläubiger gleichzeitig Zahlung
verlangen (vgl. Urteils des Bundesgerichts 2A.181/2002 vom 27. Januar 2003, E. 2.4).
Nach diesen Grundsätzen ist der dem Rekurrenten und Beschwerdeführer
gutgeschriebene Zuwachs beim Vermögen als realisiert anzusehen. Die B GmbH
bestätigte ihren Anlegern mit jährlichen Abrechnungen ihr Guthaben, das sich aus dem
eingebrachten Kapital und den auszuzahlenden Renditen (Erträgen) zusammensetzte.
Im Zeitpunkt dieser Bestätigungen hatte sich der Zuwachs verwirklicht und konnte der
Rekurrent und Beschwerdeführer darüber verfügen, indem er das gutgeschriebene
Geld ganz oder teilweise bezog oder für weitere Anlagen im Sinn des mit der B GmbH
abgeschlossenen Vertrags stehen liess. Dass der Rekurrent und Beschwerdeführer
über diese Mittel wirtschaftlich verfügen konnte und sie dementsprechend nicht rein
fiktiv waren, sondern auf dem realen Hintergrund des Umverteilungsprinzips
("Schneeballsystems") bestanden, belegen die von ihm getätigten Rückzüge von
Fr. 5'202.00 im Jahr 2007 (dieses Geld wurde an die Fina Freizügigkeitsstiftung
überweisen) und von Fr. 5'596.20 am 20. März 2009.
d) Schliesslich ist zu prüfen, ob der Besteuerung eine Verpflichtung des Rekurrenten
und Beschwerdeführers zur Rückerstattung bezogener Gutschriften entgegensteht.
Dabei ist denkbar, dass eine solche Verpflichtung in der Veranlagung selbst oder aber
in deren Revision zu berücksichtigen ist.
Soweit dem Rekurrenten und Beschwerdeführer innerhalb der einjährigen Frist für eine
paulianische Anfechtungsklage gemäss Art. 286 SchKG von einem Jahr vor Eröffnung
des Konkurses über die B GmbH am 3. Dezember 2009 Erträge gutgeschrieben und
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gegebenenfalls ausbezahlt worden sein sollten, sind sie in der umstrittenen
Nachsteuerveranlagung nicht erfasst worden. Insoweit hat die Vorinstanz der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung Rechnung getragen, wonach sich allenfalls dann
ein Widerspruch ergeben könnte, wenn Leistungen als Einkommen besteuert werden,
welche aufgrund einer paulianischen Anfechtung der Rückforderung durch die
Konkursmasse unterliegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_351/2010 vom 6. Juli
2011, E. 4.1 mit Hinweisen).
Den gutgeschriebenen und ausbezahlten Erträgen steht auch kein
Rückforderungsanspruch aus ungerechtfertigter Bereicherung im Sinn von Art. 62 ff.
des Schweizerischen Obligationenrechts (SR 220, abgekürzt: OR) entgegen. Den
Gutschriften liegt eine zwischen dem Rekurrenten und Beschwerdeführer und der B
GmbH abgeschlossene Vereinbarung zugrunde. Die Gutschriften wurden gestützt auf
diese Vereinbarung auf jährlichen Abrechnungen ausgewiesen. Damit erfolgten die
Gutschriften und allfällige Auszahlungen nicht ohne Rechtsgrund, sondern gestützt auf
einen zweiseitigen Vertrag, der von beiden Parteien gleich verstanden und vollzogen
wurde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2P.300/2003 vom 14. Januar 2005, E. 2.4.2.2).
Auch soweit in den Gutschriften Leistungen erblickt werden, welche der Rückforderung
auf dem Weg der paulianischen Anfechtung gemäss Art. 286 SchKG zugänglich sind,
wird die Auffassung bestätigt, dass die Gutschriften nicht ohne Rechtsgrund erfolgten.
Dieser Schluss ist auch aus der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu ziehen.
Danach ist es unstatthaft, das zwischen der Kapitaleinlage und der Konkurseröffnung
Geschehene als vollumfänglich fiktiv zu erklären und somit gleichsam ungeschehen zu
machen. Dies werde insbesondere am Beispiel derjenigen Anleger deutlich, die noch
vor Beginn der Frist für die paulianische Anfechtung von Art. 286 SchKG ihre
vertragliche Beziehung beendeten und sich nicht nur ihre vertragsgemäss
geschuldeten Erträge auszahlen, sondern auch ihre Kapitaleinlagen rechtzeitig
zurückerstatten liessen. Solche Kunden haben sich aus dem – damals noch real
existierenden – "Schneeballsystem" mit einem tatsächlichen und keineswegs bloss
fiktiven Vermögenszuwachs zurückgezogen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2P.
300/2003 vom 14. Januar 2005, E. 2.4.1.1). Dass gegen den Rekurrenten und
Beschwerdeführer Rückforderungsklagen erhoben und gar gutgeheissen worden
wären, ist nicht ersichtlich und wird auch nicht behauptet.
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e) Den von der Vorinstanz zusammen mit der Vernehmlassung eingereichten Akten ist
zu entnehmen, dass der Rekurrent und Beschwerdeführer bei der B GmbH mehrere
Kapitalanlageverträge abgeschlossen hat. Darin stellte er der B GmbH jeweils einen
bestimmten Geldbetrag für die Dauer von einem Jahr zur Verfügung. Die vereinbarte
garantierte Rendite betrug jeweils 7,5%. Hinzu kam eine anteilmässige Beteiligung an
dem darüber hinausgehenden Gewinn. Aus den vorliegenden Verträgen und
Abrechnungen ergibt sich folgendes Bild:
Vertragsdatum 02.11.200
6
26.11.200
7
27.11.200
7
27.11.200
7
29.05.200
8
20.03.200
8
Kapitalsumme Fr.
30'000.00
Fr.
35'000.00
Fr.
41'000.00
Fr.
5'000.00
Fr.
5'000.00
Fr.
5'428.33
Abrechnungsdatu
m
26.11.200
7
25.11.200
8
31.12.200
8
31.12.200
8
25.11.200
8
20.03.200
9
Auszuzahlende
Rendite
Fr.
7'662.00
Fr.
8'284.50
Fr.
9'030.76 Fr. 428.33 Fr. 395.13 Fr. 167.87
Effektiv ausbezahlt Fr.
5'202.00
Fr.
5'596.20
Steuerlich relevant sind jene Erträge, die dem Rekurrenten und Beschwerdeführer mehr
als ein Jahr vor dem Konkurs der B GmbH, somit vor dem 3. Dezember 2008,
ausbezahlt oder gutgeschrieben wurden. Im Jahr 2006 wurde kein Ertrag erzielt. Im
Jahr 2007 wurde eine Rendite von Fr. 7'662.-- ausgewiesen. Im Jahr 2008 wurden dem
Rekurrenten und Beschwerdeführer am 25. November 2008 Fr. 8'284.50 und Fr.
395.13 als Rendite gutgeschrieben.
Da die in den angefochtenen Nachsteuerverfügungen für die Jahre 2006 bis 2008
aufgerechneten Beträge von der Vorinstanz zeitlich falsch erfasst worden waren, sind
Rekurs und Beschwerde entsprechend dem Antrag der Vorinstanz teilweise
gutzuheissen und der angefochtene Einsprache-Entscheid vom 24. Mai 2012 sowie die
diesem zugrunde liegenden Nachsteuerverfügungen vom 30. September 2011
aufzuheben. In Anwendung von Art. 56 Abs. 2 VRP ist die Streitsache zu neuer
Veranlagung der Nachsteuer im Sinn der Erwägungen an die Vorinstanz
zurückzuweisen.
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Mangels gutgeschriebener Erträge ist für 2006 keine Nachsteuer zu erheben. Das
steuerbare Einkommen für die Kantons- und Gemeindesteuern 2007 beträgt unter
Berücksichtigung des erzielten Ertrags von Fr. 7'662.-- neu Fr. 104'100.-- (bei
abzugsfähigen Krankheitskosten von Fr. 66.--), jenes für die direkte Bundessteuer 2007
Fr. 106'200.--. Das steuerbare Vermögen bleibt unverändert bei Fr. 0.--. Im Jahr 2008
betrugen die von der B GmbH abgerechneten Erträge insgesamt Fr. 8'679.63. Das
steuerbare Einkommen für die Kantons- und Gemeindesteuern 2008 beträgt neu Fr.
105'800.--, jenes für die direkte Bundessteuer 2008 Fr. 105'300.--. Das steuerbare
Vermögen bleibt unverändert bei Fr. 0.--.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten den Beteiligten je
zur Hälfte aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP und Art. 144 Abs. 1 DBG). Angemessen ist
eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- (vgl. Art. 144 Abs. 5 DBG in Verbindung mit Art.
7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 800.-- ist bis zum Betrag von Fr. 600.-- zu verrechnen. Fr.
200.-- sind den Rekurrenten und Beschwerdeführern zurückzuerstatten.
Bei diesem Verfahrensausgang ist keine ausseramtliche Entschädigung zuzusprechen
(Art. 98 VRP).