Decision ID: 421cae6f-1708-467f-b843-09426debd93f
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_001
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: civil_law

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Mit Klage vom 23. April 2021 stellte der Kläger beim Bezirksgericht Kulm
folgende Begehren:
"1. Den Parteien sei ab sofort das Getrenntleben zu bewilligen.
2. Die gemeinsamen Kinder C., tt.mm.jjjj, und D., tt.mm.jjjj, seien ab 01.08.2021 unter die alternierende Obhut der Parteien zu stellen.
3. Jede Partei sei ab 01.08.2021 zu berechtigen und zu verpflichten, die gemeinsamen Kinder C. und D. wie folgt zu betreuen:
- an 2 1⁄2 Werktagen inklusive Übernachtungen - an jedem zweiten Wochenende von Freitag, 18:00 Uhr, bis zum
Schulbeginn am Montagmorgen (bzw. bis am Sonntag, 18:00 Uhr, falls am Montag schulfrei ist)
- die Hälfte der Schulferien
Die Parteien haben sich jährlich im Frühling über die genauen Betreuungszeiten für das neue Schuljahr abzusprechen.
Die Parteien haben die Ferien mindestens zwei Monate im Voraus abzusprechen. Können sie sich nicht einigen, steht das Entscheidungsrecht in den geraden Jahren dem Gesuchsteller [= Kläger] zu und in den ungeraden Jahren der Gesuchsgegnerin [= Beklagte].
4. Für das Schuljahr 2021/2022 wird die nachfolgende Betreuungsregelung beantragt:
Gesuchsteller: Montagmorgen (Schulschluss) bis Dienstagmorgen
(Schulbeginn) Jeden 2. Mittwochnachmittag ab Schulschluss bis
18:00 Uhr Donnerstagnachmittag (13:00 Uhr) bis Freitagmorgen
(Schulbeginn) Jedes 2. Wochenende von Freitag, 18:00 Uhr bis Montagmorgen (Schulbeginn)
Gesuchsgegnerin: Dienstagmorgen (Schulbeginn) bis Mittwochnach-
mittag (Schulschluss) Jeden 2. Mittwochnachmittag ab Schulschluss bis
18:00 Uhr Mittwochabend (18:00 Uhr) bis Donnerstagmittag (13:30 Uhr)
Freitagmorgen (Schulschluss) bis 18:00 Uhr Jedes 2. Wochenende von Freitag, 18:00 Uhr bis
Montagmorgen (Schulbeginn) 5.
- 3 -
Der Gesuchsteller sei ab 01.08.2021 zu berechtigen und zu verpflichten, die Festtage wie folgt mit den gemeinsamen Kindern C. und D. zu verbringen:
- In den ungeraden Jahren an Ostern von Karfreitag, 18:00 Uhr, bis Ostersamstag, 12:00 Uhr an Auffahrt von Mittwoch nach Schulschluss bis Sonntag 18:00 Uhr vom 25. Dezember ab 12:00 Uhr bis 26. Dezember 18:00 Uhr
- In den geraden Jahren an Ostern von Ostersamstag, 12:00 Uhr, bis Ostermontag, 18:00 Uhr
an Auffahrt von Mittwoch nach Schulschluss bis Sonntag 18:00 Uhr vom 23. Dezember ab 18:00 Uhr bis 25. Dezember 12:00 Uhr vom 30. Dezember, 18:00 Uhr, bis 1. Januar, 12:00 Uhr
Die Gesuchsgegnerin sei ab 01.08.2021 zu berechtigen und zu verpflichten, die Festtage wie folgt mit den gemeinsamen Kindern C. und D. zu verbringen:
- In den ungeraden Jahren an Ostern von Ostersamstag, 12:00 Uhr, bis Ostermontag, 18:00 Uhr an Pfingsten von Freitag, 18:00 Uhr, bis Pfingstmontag, 18:00 Uhr vom 23. Dezember ab 18:00 Uhr bis 25. Dezember 12:00 Uhr vom 30. Dezember, 18:00 Uhr, bis 1. Januar, 12:00 Uhr
- In den geraden Jahren an Ostern von Karfreitag, 18:00 Uhr, bis Ostersamstag, 12:00 Uhr an Pfingsten von Freitag, 18:00 Uhr, bis Pfingstmontag 18:00 Uhr vom 25. Dezember ab 12:00 Uhr bis 26. Dezember 18:00 Uhr
6. Der Wohnsitz der Kinder sei bei der Gesuchsgegnerin festzusetzen.
7. Die AHV-Erziehungsgutschriften seien den Parteien je zur Hälfte anzurechnen.
8. Der Gesuchsteller hat der Gesuchsgegnerin ab 01.08.2021 an den Unterhalt der gemeinsamen Kinder C. und D. je einen noch festzulegenden, monatlichen, auf den Ersten des Monats fälligen und ab Verfall zu 5% verzinslichen Unterhaltsbeitrag zuzüglich Kinder- und Ausbildungszulagen zu zahlen.
Die Gesuchsgegnerin sei zu verpflichten, die folgenden Auslagen der Kinder zu bezahlen: - Krankenkassenprämien - Gesundheitskosten
9. Es sei festzustellen, dass sich die Parteien gegenseitig keinen persönlichen Unterhalt schulden.
10. Dem Gesuchsteller sei nach Durchführung des Beweisverfahrens die Möglichkeit zur Konkretisierung seiner Anträge zu geben.
- 4 -
11. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Gesuchsgegnerin."
1.2.
Mit Klageantwort vom 31. Mai 2021 stellte die Beklagte folgende Begehren:
"1. Den Parteien sei das weitere Getrenntleben zu bewilligen, dies verbunden mit der gerichtlichen Feststellung, dass die Parteien den gemeinsamen Haushalt am 1. Oktober 2019 aufgehoben haben.
2. Die eheliche Liegenschaft [...] sei dem Kläger zur ausschliesslichen
Benutzung zuzuweisen.
3. Die gemeinsamen Kinder C., tt.mm.jjjj, und D., tt.mm.jjjj, seien der elterlichen Obhut der Beklagten zu unterstellen.
4. Der Kläger sei berechtigt zu erklären, die Kinder jedes zweite Wochenende, jeweils Freitagabend 18:00 Uhr bis Sonntag 18:00 Uhr, auf eigene Kosten mit sich auf Besuch und für vier Wochen pro Jahr während der Schulferien auf eigene Kosten mit sich in die Ferien zu nehmen.
5. Der Kläger sei zu verpflichten, der Beklagten mit Wirkung ab 1. Mai 2021 an deren wie den Unterhalt der Kinder monatlich vorschüssig CHF 3'820.00/Monat zuzüglich der zwei Kinderzulagen zu bezahlen, die der Beklagten wie folgt vorschlagsweise zuzusprechen und damit aufzuteilen sind:
CHF 1'735.00 / Monat an den Unterhalt von C. (zuzüglich Kinderzulagen) CHF 1'560.00 / Monat an den Unterhalt von D. (zuzüglich Kinderzulagen) CHF 525.00 / Monat für die Beklagte persönlich
6. Soweit der Kläger mit der Klage vom 23. April 2021 mehr oder anderes beantragt, seien dessen Klagebegehren abzuweisen.
7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen."
1.3.
Am 16. Juni 2021 wurden die Töchter der Parteien, C. und D., durch die
Gerichtspräsidentin angehört.
1.4.
An der Verhandlung vom 7. Juli 2021 vor dem Gerichtspräsidium Kulm
erstatteten die Parteivertreter mündlich Replik und Duplik, wobei die
klägerischen Begehren wie folgt geändert wurden:
- 5 -
"Ziffer 1a / Eheliche Liegenschaft
Die eheliche Liegenschaft [...] sei dem Gesuchsteller samt Inventar und Mobiliar
zum alleinigen Nutzen und Gebrauch zuzuweisen.
Ziffer 4
Für das Schuljahr 2021/2022 wird die nachfolgende Betreuungsregelung (50:50)
beantragt:
Gesuchsteller: Montagmorgen (Schulbeginn) bis Dienstagmorgen
(Schulbeginn)
Jeden 2. Mittwoch ab 12:00 Uhr bis Donnerstag 12:00 Uhr
Donnerstagnachmittag (12:00 Uhr) bis Freitagmorgen
(Schulbeginn)
Jedes 2. Wochenende von Freitag, 18:00 Uhr bis
Montagmorgen (Schulbeginn)
Gesuchsgegnerin: Dienstagmorgen (Schulbeginn) bis Mittwoch 12:00 Uhr
Jeden 2. Mittwoch ab 12:00 Uhr bis Donnerstag 12:00 Uhr
Mittwochabend (18:00 Uhr) bis Donnerstagmittag (13:30 Uhr)
Freitagmorgen (Schulbeginn) bis 18:00 Uhr
Jedes 2. Wochenende von Freitag, 18:00 Uhr bis
Montagmorgen (Schulbeginn)
Ziffer 8
Der Gesuchsteller hat der Gesuchsgegnerin an den Unterhalt der gemeinsamen
Kinder C. und D. je folgende monatliche, auf den Ersten des Monats fällige und
ab Verfall zu 5% verzinsliche Unterhaltsbeiträge zuzüglich Kinder- und
Ausbildungszulagen zu zahlen:
- CHF 500.00 ab 01.08.2021 bis 31.07.2022
- CHF 175.00 ab 01.08.2022
Die Gesuchsgegnerin sei zu verpflichten, die folgenden Auslagen der Kinder zu
bezahlen: Krankenkassenprämie (KVG + VVG) und Gesundheitskosten. Jeder
Elternteil zahlt diejenigen Auslagen für die Hobbys, die die Kinder in seiner
Besuchs-/Ferienzeit ausüben."
Alsdann wurden die Parteien befragt. Nachdem die Beklagte
Vergleichsbemühungen abgelehnt hatte, nahmen die Parteivertreter zum
Beweisergebnis Stellung.
1.5.
Am 20. Juli 2021 ging ein Brief von D. und am 21. Juli 2021 ein Brief von
C. beim Gerichtspräsidium ein.
1.6.
Am 29. Juli 2021 erging folgender Entscheid des Gerichtspräsidiums Kulm:
"1. Die Parteien sind zur getrennten Wohnsitznahme berechtigt.
2. Die eheliche Liegenschaft [...] wird für die Dauer des Getrenntlebens mit Mobiliar dem Gesuchsteller zur Benützung zugewiesen.
- 6 -
3. 3.1. Die Kinder C., tt.mm.jjjj, und D., tt.mm.jjjj, werden unter die alternierende Obhut der Eltern gestellt.
Die Eltern regeln die Betreuung der Kinder unter Berücksichtigung des Kindeswohls sowie der schulischen und persönlichen Bedürfnisse und Wünsche der Kinder grundsätzlich im Verhältnis 50:50 laufend selbst.
Sofern ein Elternteil die Betreuung trotz entsprechender Zuweisung der Kinder nicht wahrnehmen kann, ist er gehalten, dem anderen Elternteil die Möglichkeit der Übernahme der Betreuung zu gewähren. Sofern der andere Elternteil die Betreuung in diesem Zeitraum ebenfalls nicht übernehmen kann/will, ist es an dem für die Betreuung zuständigen Elternteil, eine alternative Betreuung sicherzustellen.
3.2. Für den Fall, dass sich die Eltern nicht über die Betreuung der Kinder einigen können, wird die Betreuungszeit der Kinder ab dem Schuljahr 2021/2022 wie folgt festgelegt:
Der Vater betreut die Kinder: - von Sonntagabend, 18:00 Uhr, bis Dienstagabend, 18:00 Uhr; - an den ungeraden Wochen von Dienstagabend, 18:00 Uhr, bis Mittwochabend, 18:00 Uhr; - an den geraden Wochenenden von Freitagabend, 18:00 Uhr, bis Sonntagabend, 18:00 Uhr.
Die Mutter betreut die Kinder: - von Mittwochabend, 18:00 Uhr, bis Freitagabend, 18:00 Uhr; - an den geraden Wochen von Dienstagabend, 18:00 Uhr, bis Mittwochabend, 18:00 Uhr; - an den ungeraden Wochenenden von Freitagabend, 18:00 Uhr, bis Sonntagabend, 18:00 Uhr.
3.3. Die Schulferien und Feiertage verbringen die Kinder je zur Hälfte bei jedem Elternteil. Die Parteien koordinieren die Betreuung während der Schulferien und während der Festtage jeweils bis Ende des Vorjahres. Können sie sich nicht einigen, steht das Entscheidungsrecht in den geraden Jahren dem Vater und in den ungeraden Jahren der Mutter zu.
Bei Uneinigkeit betreut der Vater die Kinder an folgenden Festtagen:
in den ungeraden Jahren - an Ostern von Karfreitag, 18:00 Uhr, bis Ostersamstag, 12:00 Uhr; - an Auffahrt von Mittwoch nach Schulschluss bis Sonntag, 18:00 Uhr; - vom 25. Dezember ab 12:00 Uhr bis 26. Dezember, 18:00 Uhr.
in den geraden Jahren - an Ostern von Ostersamstag, 12:00 Uhr, bis Ostermontag, 18:00 Uhr; - an Pfingsten von Freitag, 18:00 Uhr, bis Pfingstmontag, 18:00 Uhr; - vom 23. Dezember ab 18:00 Uhr bis 25. Dezember, 12:00 Uhr; - vom 30. Dezember, 18:00 Uhr, bis 1. Januar, 12:00 Uhr.
Bei Uneinigkeit betreut die Mutter die Kinder an folgenden Festtagen:
in den ungeraden Jahren - an Ostern von Ostersamstag, 12:00 Uhr, bis Ostermontag, 18:00 Uhr;
- 7 -
- an Pfingsten von Freitag, 18:00 Uhr, bis Pfingstmontag, 18:00 Uhr; - vom 23. Dezember ab 18:00 Uhr bis 25. Dezember, 12:00 Uhr; - vom 30. Dezember, 18:00 Uhr, bis 1. Januar, 12:00 Uhr;
in den geraden Jahren - an Ostern von Karfreitag, 18:00 Uhr, bis Ostersamstag, 12:00 Uhr; - an Auffahrt von Mittwoch nach Schulschluss bis Sonntag, 18:00 Uhr; - vom 25. Dezember ab 12:00 Uhr bis 26. Dezember, 18:00 Uhr.
3.4. Es wird festgestellt, dass die Kinder ihren Wohnsitz bei der Mutter haben.
4. 4.1. Der Gesuchsteller wird verpflichtet, der Gesuchsgegnerin an den Barunterhalt der Kinder monatlich im Voraus folgende Unterhaltsbeiträge, zuzüglich allfällig bezogene Familienzulagen, zu bezahlen:
Für C.: - Fr. 680.00 vom 1. August 2021 bis 31. Juli 2022, - Fr. 500.00 ab 1. August 2022.
Für D.: - Fr. 590.00 vom 1. August 2021 bis 31. Juli 2022, - Fr. 450.00 ab 1. August 2022 bis 31. Oktober 2023, - Fr. 500.00 ab 1. November 2023.
4.2 Die Eltern tragen jeweils die während der Betreuung anfallenden Kosten für die Verpflegung und Versorgung der Kinder inkl. Freizeitaktivitäten.
Die Krankenkassenprämien und weiteren Gesundheitskosten (wie Selbstbehalt oder nicht kassenpflichtige Medikamente) sowie die Auslagen für das Reiten und Schwimmen der Kinder werden durch die Gesuchsgegnerin übernommen.
4.3. Ausserordentliche Kosten für die Kinder (z.B. Musikunterricht; Zahnspange; Kosten für schulische Fördermassnahmen; besondere Anschaffungen ab Fr. 200.00 etc.) werden bis zum 31. Juli 2022 nach vorgängiger Absprache im Verhältnis von 85 % vom Gesuchsteller und von 15 % von der Gesuchsgegnerin getragen. Ab 1. August 2022 tragen die Parteien ausserordentliche Kosten nach vorgängiger Absprache im Verhältnis 70 % durch den Gesuchsteller und 30 % durch die Gesuchsgegnerin.
5. Der Gesuchsteller wird verpflichtet der Gesuchsgegnerin an ihren persönlichen Unterhalt monatlich im Voraus folgende Beiträge zu bezahlen:
- Fr. 800.00 vom 1. August 2021 bis 31. Juli 2022.
6. Die Unterhaltsregelung basiert auf folgenden Grundlagen:
Gesuchsteller: Nettoeinkommen (inkl. 13. ML, exkl. FZ) 89 % Fr. 7'975.00 - ab 1. August 2022 (inkl. 13. ML, exkl. FZ) 80 % Fr. 7'170.00 Existenzminimum (ohne Kinder) Fr. 3'554.00
- 8 -
Vermögen ca. Fr. 250'000.00
Gesuchsgegnerin: Nettoeinkommen (inkl. 13. ML, exkl. FZ) 60.72 % Fr. 5'165.00 - ab 1. August 2022 hypothetisch 70 % Fr. 5'955.00 Existenzminimum (ohne Kinder) Fr. 4'501.00 Vermögen ca. Fr. 3'000.00
C.: Einkommen (Familienzulagen) Fr. 200.00 Barbedarf (vor Abzug Familienzulagen) Fr. 1'412.00 Vermögen ca. Fr. 16'000.00
D.: Einkommen (Familienzulagen) Fr. 200.00 Barbedarf (vor Abzug Familienzulagen) Fr. 1'134.00 ab 1. November 2023 Fr. 1'434.00 Vermögen ca. Fr. 10'500.00
7. Im Übrigen werden die Anträge abgewiesen soweit drauf einzutreten ist.
8. Die Entscheidgebühr von Fr. 3'200.00 wird den Parteien je zur Hälfte mit Fr. 1'600.00 auferlegt. Sie wird mit dem vom Gesuchsteller geleisteten Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 2'400.00 verrechnet, sodass die Gesuchsgegnerin dem Gesuchsteller Fr. 800.00 direkt zu ersetzen und dem Gericht Fr. 800.00 nachzuzahlen hat.
9. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen."
2.
2.1.
2.1.1.
Gegen diesen ihm am 11. Oktober 2021 in motivierter Fassung zugestellten
Entscheid erhob der Kläger am 21. Oktober 2021 fristgerecht Berufung mit
folgenden Anträgen:
"1. Ziffer 4.1 des Entscheids des Bezirksgerichtspräsidiums Kulm vom 29.07.2021 sei wie folgt abzuändern:
Der Gesuchsteller wird verpflichtet, der Gesuchsgegnerin an den Barunterhalt der Kinder monatlich im Voraus folgende Unterhaltsbeiträge, zuzüglich allfällig bezogene Familienzulagen, zu bezahlen:
Für C.: - CHF 680.00 vom 1. August 2021 bis 31. Juli 2022 - CHF 355.00 ab 1. August 2022
Für D.: - CHF 590.00 vom 1. August 2021 bis 31. Juli 2022 - CHF 340.00 ab 1. August 2022 bis 31. Oktober 2023 - CHF 370.00 ab 1. November 2023
- 9 -
2. Ziffer 4.3 des Entscheids des Bezirksgerichtspräsidiums Kulm vom 29.07.2021 sei wie folgt abzuändern:
(...) Ab 1. August tragen die Parteien ausserordentliche Kosten nach vorgängiger Absprache im Verhältnis 60 % durch den Gesuchsteller und 40 % durch die Gesuchsgegnerin.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. MwSt.) zu Lasten der Berufungsbeklagten."
2.1.2.
Mit Berufungsantwort vom 15. November 2021 beantragte die Beklagte die
Abweisung der klägerischen Berufung.
2.2.
2.2.1.
Mit Eingabe vom 22. Oktober 2021 hatte auch die Beklagte – ebenfalls
fristgerecht (die Zustellung des begründeten Urteils an sie war am
13. Oktober 2021 erfolgt) – Berufung erhoben mit folgenden Anträgen:
"1. In Gutheissung der Berufung seien die Ziffern 3 bis 5 des angefochtenen Urteils des Bezirksgerichts Kulm, Familiengerichtpräsidium, vom 29. Juli 2021 aufzuheben und durch folgende Bestimmungen zu ersetzen:
'3. Die gemeinsamen Kinder C., tt.mm.jjjj, und D., tt.mm.jjjj, werden der elterlichen Obhut der Beklagten unterstellt.
4. Der Kläger wird berechtigt erklärt, die Kinder jedes zweite Wochenende, jeweils Freitagabend 18:00 Uhr bis Sonntag 18:00 Uhr, auf eigene Kosten mit sich auf Besuch und für vier Wochen pro Jahr während der Schulferien auf eigene Kosten mit sich in die Ferien zu nehmen.
5. Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten mit Wirkung ab 1. Mai 2021 folgende Beiträge zu bezahlen:
CHF 1'810.00 / Monat an den Unterhalt von C. (zuzüglich Kinderzulage) CHF 1'630.00 / Monat an den Unterhalt von D. (zuzüglich Kinderzulage) CHF 500.00 / Monat für die Beklagte persönlich.'
Ziffer 6 des angefochtenen Urteils sei von Amtes wegen anzupassen.
2. AUFSCHIEBENDE WIRKUNG Der vorliegenden Berufung sei in Anwendung von Art. 315 ZPO bezüglich Ziffer 3 des angefochtenen Urteils aufschiebende Wirkung zuzuerkennen, damit die Vollstreckbarkeit von Ziffer 3 des angefochtenen Entscheids vom 29. Juli 2021 aufzuschieben, dies ergänzend mit folgenden vorläufigen Anordnungen:
- 10 -
Die gemeinsamen Kinder C., tt.mm.jjjj, und D., tt.mm.jjjj werden bis auf weiteres der elterlichen Obhut der Beklagten unterstellt.
Der Kläger wird bis auf weiteres berechtigt erklärt, die Kinder jeweils jedes zweite Wochenende, jeweils ab Freitagabend 18:00 Uhr bis Sonntagabend 18.00 Uhr auf eigene Kosten mit sich auf Besuch zu nehmen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Klägers und Berufungsbeklagten."
2.2.2.
Mit Berufungsantwort vom 8. November 2021 beantragte der Kläger die
kostenfällige Abweisung der beklagtischen Berufung.
2.3.
Am 11. November 2021 erging auf ein entsprechendes Gesuch des
Klägers um Vollstreckung der Dispositiv-Ziffern 3.2 und 3.3 des Entscheids
vom 29. Juli 2021 hin folgende Verfügung der Gerichtspräsidentin von
Kulm:
"1. In teilweiser Gutheissung des Vollstreckungsbegehrens wird die Gesuchsgegnerin superprovisorisch angewiesen, dem Gesuchsteller bis zum Vorliegen eines anderslautenden gerichtlichen Regelung die Kinder C. und D. an den geraden Wochenenden vom Freitagabend, 18:00 Uhr, bis Sonntagabend, 18:00 Uhr, zur Betreuung zu überlassen.
2.-4. [...]
5. Das Obergericht wird ersucht, dem Familiengericht Kulm den Entscheid über den Antrag auf aufschiebende Wirkung im Berufungsverfahren gegen den Eheschutzentscheid SF.2021.18 zur Kenntnis zuzustellen."
2.4.
Am 19. November 2021 erliess der Instruktionsrichter des Obergerichts
folgende, am 29. November 2021 berichtigte und ergänzte Verfügung:
"1. Das Gesuch der Beklagten vom 22. Oktober 2021 um Aufschub der Vollstreckung von Ziffer 3 des Entscheids des Bezirksgerichts Kulm, Präsidium des Familiengerichts, vom 29. Juli 2021 wird gutgeheissen und der Berufung der Beklagten bezüglich dieser Ziffer die aufschiebende Wirkung erteilt.
2. Für die Dauer des Berufungsverfahrens gilt folgende Regelung:
2.1. Die Kinder C., tt.mm.jjjj, und D., tt.mm.jjjj, werden der Obhut der Beklagten zugewiesen.
- 11 -
2.2. Der Kläger ist berechtigt, die Kinder an jedem Wochenende einer geraden Kalenderwoche von Freitag 18 Uhr bis Sonntag 18 Uhr und an jedem Mittwochnachmittag einer ungeraden Kalenderwoche inkl. Übernachtung zu sich auf Besuch zu nehmen.
2.3. Die Parteien werden aufgefordert, ihre Pflichten als Eltern wahrzunehmen, die gerichtlichen und behördlichen Regelungen der Betreuung strikte einzuhalten und zu vollziehen und die Kinder entsprechend zu motivieren."
2.5.
Mit Eingabe vom 7. Januar 2022 liess sich der Kläger unaufgefordert
vernehmen. Die Beklagte nahm dazu am 25. Januar 2022 Stellung.

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Gegen den von der Vorinstanz erlassenen Eheschutzentscheid ist als
Rechtsmittel die Berufung gegeben (Art. 308 Abs. 1 ZPO). Da sodann
beide Parteien die Frist- und Formvorschriften (Art. 311 Abs. 1 und Art. 314
ZPO) eingehalten und den ihnen auferlegten Gerichtskostenvorschuss
(Art. 98 ZPO) bezahlt haben, ist auf ihre Berufungen einzutreten (vgl. dazu
aber nachfolgende E. 2.1 in fine).
2.
2.1.
Im angefochtenen Entscheid hat die Vorinstanz
- die Parteien zur getrennten Wohnsitznahme berechtigt erklärt
(Dispositiv-Ziffer 1),
- die eheliche Liegenschaft für die Dauer des Getrenntlebens dem
Kläger zur Benützung zugewiesen (Dispositiv-Ziffer 2),
- die beiden Töchter der Parteien, C., tt.mm.jjjj, und D., tt.mm.jjjj, –
dem Antrag des Klägers entsprechend – unter die alternierende
Obhut der Parteien gestellt (unter ergänzender Festlegung einer
Ordnung für den Fall, dass sich diese nicht einvernehmlich über die
Betreuungszeiten zu einigen vermögen) (Dispositiv-Ziffer 3),
- Unterhaltsbeiträge für die Töchter sowie die Beklagte festgesetzt
(Dispositiv-Ziffern 4 bzw. 5 sowie Dispositiv-Ziffer 6, wo die
Grundlagen für die Unterhaltsberechnungen [Einkommen,
Vermögen und Barbedarf] festgehalten wurden) und
- 12 -
- schliesslich die übrigen Anträge abgewiesen, soweit darauf
eingetreten wurde, sowie die Gerichtskosten halbiert und die
Parteikosten wettgeschlagen (Dispositiv-Ziffern 7 – 9).
Beide Parteien führen gegen diesen Entscheid Berufung, der Kläger einzig
hinsichtlich des Kinderunterhaltsbeitrags (Dispositiv-Ziffern 4.1 und 4.3
zweiter Satz), die Beklagte hinsichtlich der Dispositiv-Ziffern 3 – 5 (womit
sinngemäss beide Parteien auch eine Anpassung von Dispositiv-Ziffer 6
verlangen). Im übrigen Umfang ist der vorinstanzliche Entscheid zufolge
Nichtanfechtung rechtskräftig geworden (Art. 315 Abs. 1 ZPO).
Hinsichtlich der Berufung(santräge) der Beklagten ist allerdings vorab ein
Zweifaches klarzustellen. Soweit sie eine Reduktion ihres vom Kläger nicht
angefochtenen persönlichen Unterhalts in der Zeit bis 31. Juli 2022
beantragt, ist auf die Berufung nicht einzutreten, weil es ihr dafür an einem
Rechtsschutzinteresse mangelt (Art. 59 Abs. 2 lit. a und Art. 60 ZPO).
Sodann verlangt die Beklagte, ihrem formellen Rechtsmittelantrag nach zu
urteilen, auch die Aufhebung der Dispositiv-Ziffern 4.2 und 4.3. Allerdings
fehlen diesbezüglich sowohl materielle Berufungsanträge, wie insoweit
anders entschieden werden soll, als auch eine Begründung (Art. 311 Abs. 1
ZPO). Damit ist auch insofern auf ihre Berufung nicht einzutreten
(REETZ/THEILER, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, 3. Aufl.,
2016, N. 36 und 38 zu Art. 311 ZPO; BGE 137 III 617 E. 4.5.3 betreffend
Geltung des Antrags- und Begründungserfordernisses auch hinsichtlich der
von der Offizialmaxime beherrschten Ansprüche).
2.2.
Die im Rechtsmittelverfahren einzig noch strittigen Belange der
minderjährigen Kinder sind von der uneingeschränkten Untersuchungs-
sowie Offizialmaxime beherrscht. Danach erforscht das Gericht den
Sachverhalt von Amtes wegen und entscheidet ohne Bindung an die
uneingeschränkten Parteianträge (Art. 296 Abs. 1 und 3 ZPO). Wegen der
Geltung der uneingeschränkten Untersuchungsmaxime gelangt die
Novenordnung von Art. 317 OR nicht zur Anwendung. D.h. neue Tatsachen
und Behauptungen können bis zum Urteilszeitpunkt uneingeschränkt ins
Rechtsmittelverfahren eingebracht werden (BGE 144 III 349 E. 2.1).
2.3.
Das Obergericht kann ohne Verhandlung aufgrund der Akten entscheiden
(Art. 316 Abs. 1 ZPO).
3.
Umstritten ist in erster Linie, ob die Vorinstanz im vorliegenden Verfahren
zu Recht die alternierende Obhut der Parteien über deren Töchter C. und
D. angeordnet hat. Dazu ist festzuhalten, dass in einem Fall, in dem sich
- 13 -
Eheleute wie vorliegend über die Modalitäten des Getrenntlebens
aussergerichtlich geeinigt haben (Klageantwortbeilage 1) kein
Abänderungsverfahren nach Art. 179 ZGB Platz greift. Vielmehr ist in
einem solchen Fall, wenn es später zu Differenzen kommt, Art. 176 ZGB
anwendbar (GÖKSU/HEBERLEIN, Handkommentar zum Schweizer
Privatrecht, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2016, N. 1 zu Art. 179 ZGB). Es ist
somit nicht zu prüfen, ob die für die Abänderung eines gerichtlichen
Entscheids geltenden Voraussetzungen erfüllt sind (vgl. beklagtische
Berufung S. 13).
3.1.
Die Voraussetzungen für die Einräumung einer alternierenden Obhut im
Sinne von Art. 298 Abs. 2ter ZGB hat die Vorinstanz richtig dargelegt
(angefochtener Entscheid E. 5.3.2). Es kann grundsätzlich darauf
verwiesen werden.
Zu wiederholen ist insbesondere, dass der Umstand, dass während des
Zusammenlebens der Eltern ein mehr oder weniger klassisches
Rollenmodell (mit einem Elternteil als Vollerwerbstätigem und dem anderen
als nicht oder nur in untergeordnetem Umfang Erwerbstätigem) lebten,
keinen Hinderungsgrund für die Einräumung der alternierenden Obhut
bildet (BGE 5A_888/2016 E. 3). Vielmehr stellt die alternierende Obhut bei
einem entsprechenden Antrag den Regelfall dar, sofern sich diese
insbesondere auch unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten
tatsächlich verwirklichen lässt, d.h. die Kinder auch unter der Woche,
während der sie die Schule zu besuchen haben, von den Wohnungen
beider Elternteile aus die Schule besuchen können. Unter diesen
Umständen ist grundsätzlich unerheblich, ob die Behauptung der
Beklagten zutrifft, der Kläger habe sie in der Ehe in eine traditionelle
Rollenverteilung gezwungen (Protokoll der Hauptverhandlung act. 57
[Rückseite] und 58). Demgemäss ist – entgegen der von der Beklagten in
ihrer Berufung (S. 13) geäusserten Auffassung – auch nicht ihr gegenüber
"despektierlich" oder gar "rechtlich unhaltbar da offensichtlich
rechtsmissbräuchlich", dass die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid
(E. 5.3.8.2) die fast zwei Jahre währende Alleinobhut der Beklagten ab der
Trennung als nicht ins Gewicht fallend beurteilt hat. Die Erziehungsfähigkeit
der Beklagten war nicht in Frage gestellt, sodass sich die Vorinstanz in
erster Linie mit den Gründen zu befassen hatte, die auf Seiten des Klägers
gegen die von ihm verlangte gemeinsame (alternierende) Obhut sprachen.
Keine Voraussetzung der alternierenden Obhut ist eine (in jeder Hinsicht)
gleichwertige Erziehungsfähigkeit beider Elternteile; vielmehr muss
grundsätzlich die Absenz von Defiziten bei der Erziehungsfähigkeit, die das
Kindeswohl als oberste Maxime des Kindesrechts als gefährdet erscheinen
lassen könnten, ausreichen. Ebenso wenig stehen elterliche Konflikte der
Anordnung einer alternierenden Obhut entgegen bzw. kann ein Elternteil
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(in aller Regel der bis anhin hauptbetreuende) ebensolche zur
Verhinderung einer alternierenden Obhut anrufen. Denn es liegt – bei
grundsätzlich gegebener Erziehungsfähigkeit sowie bei örtlicher
Machbarkeit – im Kindeswohl, dass ein Kind trotz der Trennung seiner
Eltern bei bzw. mit beiden Elternteilen aufwachsen kann. Deshalb darf und
muss unter dem Gesichtspunkt des Kindeswohls den Eltern abverlangt
werden, dass sie zur Ermöglichung einer alternierenden Obhut und im
Rahmen der Ausübung derselbigen ihre persönlichen Animositäten im
Zaum halten. Die Bereitschaft, dem Kind den Kontakt zum anderen
Elternteil zu ermöglichen und auf jeden Fall nicht zu erschweren, ist im
Übrigen zur Erziehungsfähigkeit in weiterem Sinne zu zählen. Im
schlimmsten Fall kann der Umstand, dass ein Elternteil (insbesondere der
bisher hauptbetreuende) im Rahmen von Verfahren zur Reglung der Obhut
bzw. des persönlichen Verkehrs den Elternkonflikt eskalieren lässt, Zweifel
an dessen Fähigkeit aufkommen lassen, sich nach dem Kindeswohl zu
richten.
3.2.
Für den vorliegenden Fall ist zunächst hinsichtlich der örtlichen
Gegebenheiten festzuhalten, dass die Wohnungen der Parteien bei einer
Distanz von 600 m (vgl. Klageantwort, act. 27) so nahe beieinanderliegen,
dass eine alternierende Obhut ohne Weiteres praktizierbar erscheint.
Insbesondere ist es den Töchtern der Parteien möglich, von den
Wohnungen beider Eltern aus den Schulweg (zu Fuss) zurückzulegen.
Unbehelflich ist das Argument der Beklagten, Kinder bräuchten unbedingt
einen Rückzugsort und es sei ihnen nicht zumutbar, jeden Tag von einer
anderen Wohnung aus in die Schule zu gehen (vgl. Klageantwort, act. 30).
Wollte man es gelten lassen, wäre eine alternierende Obhut quasi von
vornherein ausgeschlossen. Im Übrigen vermag es auch inhaltlich nicht zu
überzeugen. Einerseits ist nicht nachvollziehbar, weshalb sich ein Kind nur
bei einem Elternteil, nicht aber bei beiden Elternteilen vor den Unbilden der
Welt zurückziehen können sollte. Und für den Fall, dass ein Kind einmal
das Bedürfnis verspüren sollte, sich gegenüber einem Elternteil
zurückzuziehen, ist dies im Rahmen der alternierenden Obhut gar besser
möglich als bei einer einseitigen Obhut. Anderseits heisst eine
alternierende Obhut im Allgemeinen und so auch im vorliegenden Fall
nicht, dass die Kinder abwechslungsweise einen Tag bei der Mutter und
beim Vater wohnen (vgl. die von der Vorinstanz subsidiär getroffene
Regelung der Betreuungszeiten). Der Nachteil, der mit den Wechseln alle
paar Tage für ein Kind verbunden sein mag (gewisse Unruhe), wird durch
(mindestens) ebenbürtige Vorteile aufgewogen, die damit verbunden sind,
dass ein intensiver Kontakt zu beiden Elternteilen gewährleistet wird (oder
bleibt). In diesem Rahmen können die Kinder zudem eher von den
spezifischen Stärken beider Eltern profitieren. Schliesslich wird der mit
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einer Alleinerziehung einhergehende, dem Kindeswohl abträgliche Stress
auf beide Elternteile verteilt.
3.3.
Unbestritten ist sodann die Erziehungsfähigkeit beider Parteien, und zwar
auch diejenige des Klägers (vgl. nun beklagtische Berufung S. 7, wonach
der Vorinstanz "natürlich wenig überraschend" beizustimmen sei, als sie
beide Parteien als grundsätzlich erziehungsfähig erachte). Abgesehen
davon, dass der vom Kläger (und der Beklagten) ausgeübte Beruf des
Lehrers vermutungsweise gewisse Fähigkeiten im Umgang mit Kindern
nahelegt, bescheinigte die Beklagte dem Kläger in der Parteibefragung vor
Vorinstanz ausdrücklich, dass er "es" (d.h. seine Sache als Vater)
grundsätzlich schon gut mache (act. 58 [Rückseite] unten). Ferner sagte
sie aus, dass die Mädchen ihren Vater liebten und er wichtig für sie sei; sie
möchte nicht, dass sie ihn nicht mehr sehen könnten (act. 58 [Rückseite]
oben). Zur Frage der Gerichtspräsidentin, ob die Erziehungsfähigkeit des
Klägers aus Sicht der Beklagten eingeschränkt sei, gab sie – abgesehen
vom "Punkt Alkohol", der schon einen Einfluss habe (dazu nachfolgende
E. 3.4.2) – an, dass die Partnerin des Klägers sehr viel rauche, und der
Kläger auch; dieser Einfluss sei schon negativ; das hätten die Kinder bei
ihr (der Beklagten) nicht (act. 58 [Rückseite] und 59). Der Umstand, dass
der Kläger und/oder seine neue Freundin rauchen, kann ebenso wenig wie
der Umstand, dass die Kinder (nach Ansicht der Beklagten) "zum Teil"
dreckig vom Kläger zu ihr zurückkehren (Aussage der Beklagten in der
Parteibefragung, act. 58), ein Grund gegen die Anordnung der
alternierenden Obhut sein, zumal es sich dabei um nicht weiter
substanziierte Behauptungen handelt, die auf jeden Fall keine Gefährdung
des Kindeswohls (insbesondere dadurch, dass C. und D. vom Kläger
und/oder seiner neuen Freundin unverantwortlichem Passivrauchen
ausgesetzt würden) zu belegen vermögen. Wenn überhaupt, handelt es
sich um Schwächen des Klägers, die die Beklagte durch ihr Vorbild
auszugleichen vermag.
Soweit die Beklagte weiter geltend macht, der Kläger habe die
alternierende Obhut nur aus finanziellen Gründen beantragt, ist ihr
Folgendes entgegenzuhalten: Erstens behauptet die Beklagte nicht, dass
der Kläger, um zu sparen, während der bisherigen, bald zweijährigen
Trennungszeit das Besuchsrecht an jedem zweiten Wochenende sowie am
Mittwochnachmittag (vgl. Trennungsvereinbarung; Klageantwortbeilage 1])
nicht konsequent eingehalten habe bzw. seine Töchter im Rahmen des
Besuchsrechts im Wesentlichen sich selber überlassen würde. Sodann
ergibt der Bericht der Kinderanhörung keinen Hinweis, dass sich der Kläger
weniger um die Kinder bemüht als die Beklagte (act. 43 f. je mit Rückseite).
An dieser Einschätzung ändert insbesondere der Umstand nichts, dass der
Kläger eine neue Partnerin hat. Diesbezüglich wird von der Beklagten zwar
in den Raum gestellt, dass der Kläger die Töchter nicht mehr persönlich
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betreue, sondern den Eltern seiner Partnerin überlasse (Berufung S. 23).
Indes hat die Anhörung der Kinder (D.) ergeben, dass auch im Rahmen
dieser neuen Partnerschaft "Sachen" "immer" zusammen mit dem Kläger
unternommen würden (act. 44).
3.4.
In der beklagtischen Berufung werden gegen die von der Vorinstanz
angeordnete alternierende Obhut vor allem ein Alkoholproblem des Klägers
sowie der ausdrückliche, von den beiden Mädchen in eigenhändig
verfassten "Brieflein" der Vorinstanz mitgeteilte Wunsch, dass alles so
bleiben solle, wie es seit Langem sei, angeführt.
3.4.1.
3.4.1.1.
Was den Wunsch anbelangt, wird in der beklagtischen Berufung (S. 10 und
12) ausgeführt, es sei juristisch umstritten, ob Kinder im Alter von zehn und
nicht einmal acht Jahren bzw. im Alter von unter zwölf Jahren effektiv [im
Sinne von Art. 298 ZPO] angehört werden sollten; wenn sie aber, wie von
der Vorinstanz praktiziert, in ein Verfahren eingebunden würden, seien ihre