Decision ID: 0036dccb-b746-59cf-8fe8-21fd685c3e7a
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 07.05.2012 Art. 95 Abs. 1 und 24 AVIG, Art. 25 Abs. 1, 43 und 53 Abs. 2 ATSG. Rückforderung von Taggeldleistungen wird zur Abklärung betreffend Anrechnung von Zwischenverdienst und betreffend Bezugsberechtigung für Kinder- und Ausbildungszulagen zurückgewiesen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. Mai 2012, AVI 2011/42).Vizepräsidentin Marie-Theres Rüegg-Haltinner, Versicherungsrichterinnen Marie Löhrer und Lisbeth Mattle Frei; a.o. Gerichtsschreiber Martin HorniEntscheid vom 7. Mai 2012in SachenA._,Beschwerdeführer,vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Stephan Schärli, Oberdorfstrasse 6, Postfach, 8887 Mels,gegenKantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,Beschwerdegegnerin,betreffendRückerstattung von Taggeldleistungen (Zwischenverdienst)Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 1. August 2008 beim RAV St. Gallen zum Bezug von
Leistungen der Arbeitslosenversicherung per 1. September 2008 an (act. G 3.1/3). Der
Arbeitgeberbescheinigung ist zu entnehmen, dass der Versicherte zuletzt als Mit
arbeiter der B._ vom 1. Januar 2008 bis 29. August 2008 im Umfang von ca. 40
Wochenstunden beschäftigt gewesen war; zuvor war er vom 1. März 1990 bis 31.
Dezember 2007 bei der C._ als Betriebsmitarbeiter angestellt gewesen. Die
Kündigung bzw. Beendigung des Arbeitsverhältnisses war erfolgt, weil die Produktion
nach Deutschland verlegt worden war (act. G 3.1/5).
A.b In der Folge wurde dem Versicherten eine Rahmenfrist für den Leistungsbezug
vom 1. September 2008 bis 31. August 2010 eröffnet; in der Kontrollperiode Januar
2010 erhielt er Taggeldleistungen von Fr. 4'756.20 (netto), im Februar 2010 von Fr.
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4'529.65 (netto) und im März 2010 von Fr. 4'346.40 (netto) (act. G 3.1/65, 70, 73). Am
26. März 2010 endete der Leistungsanspruch des Versicherten infolge des Bezugs von
400 Taggeldern (act. G 3.1/72).
A.c Mit Schreiben vom 6. Juli 2010 teilte die Kantonale Arbeitslosenkasse dem Ver
sicherten mit, das Amt für Wirtschaft habe ihr mit Schreiben vom 17. März 2010 zur
Kenntnis gebracht, dass er gelegentlich im D._ einer Arbeit nachgehe. Trotz diversen
Aufforderungen habe es die D._ unterlassen, genauere Angaben über seine Tätigkeit
zu machen (act. G 3.1/80).
A.d Mit Schreiben vom 21. Juli 2010 teilte der Versicherte der Kantonalen
Arbeitslosenkasse mit, er sei aufgrund seiner mangelhaften Deutschkenntnisse der
Meinung gewesen, gegenüber dem Amt für Wirtschaft lediglich "Hilfeleistungen in
Ausnahmefällen" im D._ bestätigt zu haben (act. G 3.1/81). Er sei im D._ nicht
angestellt. Der D._ sei ein Familienbetrieb. Es sei normal, dass in solchen Betrieben
in absoluten Ausnahmefällen Hilfeleistungen erbracht würden.
B.
B.a Mit Verfügung vom 18. August 2010 forderte die Kantonale Arbeitslosenkasse
vom Versicherten zu viel bezogene Taggeldleistungen im Totalbetrag von Fr. 13'632.25
(netto) zurück. Aufgrund der vorliegenden Akten sei der Versicherte ab Januar 2010 im
D._ als "Aushilfskraft" beschäftigt gewesen, womit er ein Einkommen erzielt habe,
welches zufolge ungenauer Angaben der Arbeitgeberin nicht habe quantifiziert werden
können. Somit habe der Verdienstausfall nicht mehr genau berechnet werden können,
weshalb die Voraussetzungen für den Bezug von Versicherungsleistungen ab 1. Januar
2010 nicht mehr erfüllt gewesen seien (act. G 3.1/86).
B.b Hiergegen erhob der Versicherte am 27. September 2010 Einsprache. Er machte
im Wesentlichen geltend, dass er entgegen der Auffassung der Arbeitslosenkasse im
Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis 26. März 2010 nicht Arbeitnehmer im Sinn von Art. 10
ATSG gewesen sei. Beim D._ handle es sich um einen Familienbetrieb, welcher seit
Januar 2009 von der Ehefrau des Versicherten geführt werde. Der Jahresrechnung
2009 inkl. Kontoblatt "Löhne/Gehälter" könne entnommen werden, dass die Ehefrau
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des Versicherten sowie die Tochter des Versicherten einen Lohn erhalten hätten.
Darüber hinaus sei es normal, dass in einem Familienbetrieb die Eheleute einander in
Notsituationen unentgeltlich aushelfen würden. So habe er denn auch anlässlich der
Kontrolle vom 17. März 2010 in einer Notsituation ausgeholfen, da die Tochter
gleichentags die theoretische Autoprüfung habe absolvieren müssen (act. G 3.1/89).
B.c Mit Entscheid vom 26. Mai 2011 wies die Kantonale Arbeitslosenkasse die
Einsprache ab. Über den Umfang der Anwesenheit des Versicherten im D._ seien
trotz mehrfacher Aufforderungen keine genaueren Angaben gemacht worden. Wenn es
sich wie geltend gemacht nur um Notsituationen gehandelt habe, so hätten - wie bspw.
bei Verhinderung der Tochter am 17. März 2010 - die genauen zeitlichen Angaben
rekonstruiert werden können. Es sei demnach nicht glaubhaft, dass die Arbeitseinsätze
nicht ansatzweise hätten quantifiziert werden können. Vielmehr sei davon auszugehen,
dass der Versicherte tagtäglich im Familienbetrieb ausgeholfen habe. Mit Schreiben
vom 6. Juli 2010 sei dem Versicherten unter letztmaliger Aufforderung zur
Quantifizierung des Umfangs seiner Tätigkeit die Rückforderung der für Januar bis
März 2010 ausbezahlten Arbeitslosenentschädigung im Sinn von Art. 43 Abs. 1 ATSG
angedroht worden. Des Weiteren sei vorliegend nicht auf den Arbeitnehmerbegriff
gemäss Art. 10 ATSG abzustellen. Eine Tätigkeit, welche von Drittpersonen
normalerweise nur gegen Entgelt geleistet werde und die über die nachweislich bloss
gelegentliche Hilfe zu Gunsten eines Familienangehörigen hinausgehe, sei als
Zwischenverdienst anzurechnen und der Verwaltung in jedem Fall zu melden (act. G
3.1/100).
C.
C.a Mit Eingabe vom 29. Juni 2011 erhebt der Versicherte Beschwerde und
beantragt, der Einspracheentscheid vom 26. Mai 2011 sei aufzuheben. Entgegen der
Auffassung der Beschwerdegegnerin sei es nachvollziehbar, dass bei kurzen und
wenigen Arbeitseinsätzen und damit vernachlässigbaren Hilfseinsätzen im
Familienbetrieb, die nicht mit einer Arbeitsleistung gleichzusetzen seien, kein Buch
geführt werde. Die aushilfsweise gelegentliche Unterstützung des Beschwerdeführers
im D._ sei nicht als Arbeit zu qualifizieren, aus der die Anrechnung eines
Zwischenverdienstes gemäss Art. 24 AVIG resultieren würde. Die Beschwerdegegnerin
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habe die erforderliche Mahnung und den Hinweis auf die Rechtsfolgen bei
Nichteinhaltung der Auskunftspflicht gemäss Art. 43 Abs. 3 ATSG unterlassen. Im
Übrigen habe die Ehefrau des Beschwerdeführers als selbstständig Erwerbende für
den fraglichen Zeitraum von Januar bis März 2010 keine Kinder- und
Ausbildungszulagen bezogen (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 5. September 2011 beantragt die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Hätte der Beschwerdeführer sie
rechtzeitig informiert, wäre es möglich gewesen, die Grenzen der zulässigen Mithilfe
abzustecken. Die lediglich gefühlsmässige Einschätzung des Beschwerdeführers über
die Bedeutung seines Arbeitseinsatzes könne nicht Massstab der Beurteilung sein (act.
G 3).
C.c Der Beschwerdeführer verzichtet auf das Einreichen einer Replik (act. G 5).
C.d Mit Schreiben vom 23. November 2011 an die Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen (SVA) tätigte die Verfahrensleitung weitere Abklärungen zur Frage,
ob die Ehefrau des Beschwerdeführers als selbstständig Erwerbende im Zeitraum von
Januar bis März 2010 Kinder- und Ausbildungszulagen gemäss Art. 18 des
Kinderzulagengesetzes des Kantons St. Gallen bezogen hat bzw. einen
Zulagenanspruch hätte begründen können (act. G 6). Mit Antwortschreiben vom 2.
Dezember teilte die SVA mit, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers seit dem 1.
Januar 2009 als selbstständig Erwerbende bei der Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen erfasst sei und bezüglich der fraglichen Zeitspanne bis anhin kein Antrag auf
Kinder- und Ausbildungszulagen gestellt worden sei, obwohl wahrscheinlich ein
anspruchsbegründendes steuerbares Einkommens von unter Fr. 65'000.-- vorliege
(act. G 7).

Erwägungen:
1.
Streitig und vorliegend zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht die für die
Dauer vom 1. Januar 2010 bis 26. März 2010 ausbezahlten
Arbeitslosentaggeldleistungen zurückgefordert hat.
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2.
Nach Art. 95 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) in
Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) sind unrechtmässig bezogene Leistungen
zurückzuerstatten. Der Versicherungsträger kann auf formell rechtskräftige
Verfügungen oder Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos
unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2
ATSG). Die für die Wiedererwägung formell rechtskräftiger Verfügungen massgebenden
Voraussetzungen gelten auch mit Bezug auf die Rückerstattung zu Unrecht bezogener
Geldleistungen der Arbeitslosenversicherung (BGE 122 V 272 E. 2) und finden ebenfalls
Anwendung, wenn die zur Rückforderung Anlass gebenden Leistungen formlos verfügt
worden sind (BGE 107 V 182 E. 2a in fine). Den formell rechtskräftigen Verfügungen
gleichgestellt sind auch die im formlosen Verfahren ergangenen Entscheide, soweit sie
eine mit dem Ablauf der Beschwerdefrist bei formellen Verfügungen vergleichbare
Rechtsbeständigkeit erreicht haben (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich
2009, Art. 53 N 10). Taggeldabrechnungen der Arbeitslosenversicherung, die in der
Regel nicht in die Form einer formellen Verfügung gekleidet werden, weisen materiell
Verfügungscharakter auf (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom
14. Juli 2003, C 7/02, E. 3.1; BGE 125 V 476, E. 1; BGE 122 V 368, E. 2 mit Hinweisen).
Nach der neueren Rechtsprechung kann der Versicherungsträger, der einen formlosen
Entscheid erlassen hat, diesen nur innerhalb einer Frist von 30 Tagen
voraussetzungslos abändern (Ueli Kieser, a.a.O., Art. 53 N 28; vgl. BGE 129 V 110). Zu
einem späteren Zeitpunkt bedarf demnach das Zurückkommen auf eine faktische
Verfügung, z.B. auf eine Taggeldabrechnung, eines Rückkommenstitels in Form einer
Wiedererwägung oder einer prozessualen Revision. Eine zweifellose Unrichtigkeit liegt
nicht nur dann vor, wenn die in Wiedererwägung zu ziehende Verfügung aufgrund
falscher oder unzutreffender Rechtsregeln erlassen wurde, sondern auch dann, wenn
massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden (ARV 1996/1997
Nr. 28 S. 158, E. 3c), wobei eine gesetzwidrige Leistungszusprechung in der Regel als
zweifellos unrichtig gilt (BGE 103 V 128). Von der Wiedererwägung ist die so genannte
prozessuale Revision von Verwaltungsverfügungen zu unterscheiden. Danach ist die
Verwaltung verpflichtet, auf eine formell rechtskräftige Verfügung zurückzukommen,
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wenn neue Tatsachen oder neue Beweismittel entdeckt werden, die geeignet sind, zu
einer anderen rechtlichen Beurteilung zu führen (BGE 127 V 469, E. 2c mit Hinweisen).
3.
Nach Art. 24 AVIG gilt als Zwischenverdienst jedes Einkommen aus unselbstständiger
und selbstständiger Erwerbstätigkeit, das die arbeitslose Person innerhalb einer
Kontrollperiode erzielt. Die versicherte Person hat Anspruch auf Ersatz des
Verdienstausfalls (Art. 24 Abs. 1 AVIG). Als Verdienstausfall gilt die Differenz zwischen
dem in der Kontrollperiode erzielten Zwischenverdienst, mindestens aber dem berufs-
und ortsüblichen Ansatz für die betreffende Arbeit, und dem versicherten Verdienst
(Art. 24 Abs. 3 Satz 1 AVIG). Sinn und Zweck der Entschädigung des Verdienstausfalls
in Form von Differenzausgleich ist die Förderung der Annahme von Arbeiten, selbst
wenn der Lohn für die versicherte Person eher schlecht ist. Mit dem Korrektiv der
Berufs- und Ortsüblichkeit der Entlöhnung soll verhindert werden, dass die versicherten
Personen einen zu niedrigen Verdienst vereinbaren, um die Differenz zu Lasten der
Arbeitslosenversicherung entschädigen zu lassen (vgl. Urteil des EVG vom 13. Oktober
2006, C 139/2006, E. 2.1, mit Hinweisen). Als Erwerbstätigkeit oder Zwischenverdienst
im Sinn der Arbeitslosenversicherung kommt nicht nur eine während der üblichen
Arbeitszeit tagsüber verrichtete Beschäftigung in Frage (Urteil des EVG vom 9. April
2002, C 433/2000, E. 2a). Auch entfällt die Anrechnung eines berufs- und ortsüblichen
Einkommens nicht deshalb, weil aus der Tätigkeit im konkreten Fall kein Verdienst
resultiert. Vielmehr ist die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens im Licht der
mit der Zwischenverdienstregelung angestrebten Zielsetzung gerechtfertigt (Urteil des
EVG vom 16. April 2002, C 12/2001, E. 2b).
4.
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach
hat die verfügende Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt
indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der
Parteien (BGE 122 V 158 E. 1a). Diese sind in Art. 28 und Art. 43 Abs. 2 und Abs. 3
ATSG geregelt. Gemäss Art. 28 Abs. 2 ATSG muss eine Person, welche
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Versicherungsleistungen beansprucht, unentgeltlich alle Auskünfte erteilen, die zur
Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der Versicherungsleistungen
erforderlich sind. Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die
Leistungen beanspruchen, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in
unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger auf Grund der
Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er
muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen;
ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (Art. 43 Abs. 1 ATSG).
5.
5.1 Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer im Zeitraum vom 1.
Januar bis 26. März 2010 im Familienbetrieb D._ Arbeitseinsätze geleistet hat.
Streitig ist hingegen der Umfang dieser Einsätze. Während der Beschwerdeführer
vorbringt, nur gelegentlich für "Hilfeleistungen in Ausnahmefällen" tätig gewesen zu
sein und seiner Ehefrau unentgeltlich bei Verhinderung der Tochter ausgeholfen zu
haben, macht die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid
geltend, es müsse davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer sich
tagtäglich im D._ aufgehalten und im Betrieb Hand angelegt habe, wenn es
erforderlich gewesen sei. Der Beschwerdeführer habe sich geweigert, den Umfang der
Einsätze zu quantifizieren. Mangels anderer Abklärungsmöglichkeiten sei die
Beschwerdegegnerin berechtigt gewesen, die ganze Arbeitslosenentschädigung
zurückzufordern. Die Beschwerdegegnerin stützt sich dabei auf den Kontrollbericht des
Amtes für Wirtschaft vom 17. März 2010 (act. G 3.1/87/13). Nach diesem Bericht war er
laut eigener Aussage "manchmal seit anfangs 2010" anwesend gewesen. Als
Arbeitszeit wurden gestützt auf die Angaben des Beschwerdeführers eineinhalb
Stunden über den Mittag (11.00 Uhr bis 12.30 Uhr) festgehalten, wenn viel Arbeit
vorhanden oder wenn die Tochter verhindert gewesen sei; dabei sei der
Beschwerdeführer hinter der Bar gestanden und habe diverse Sachen vorbereitet. Für
Gäste sei er wie ein Mitarbeiter in Erscheinung getreten; die Bestellungen hätten auch
an ihn gerichtet werden können (act. G 3.1/87/11). Die Beschwerdegegnerin hat die
Ehefrau des Beschwerdeführers, Inhaberin des D._, mehrfach aufgefordert, ihr
mitzuteilen, seit wann und in welchem Umfang der Beschwerdeführer im D._
gearbeitet habe (act. G 3.1/74, 76, 78). Die Ehefrau als potentielle Arbeitgeberin des
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Beschwerdeführers hatte geantwortet, dieser leiste lediglich in Ausnahmefällen
Hilfseinsätze im Familienbetrieb, wobei diese Hilfsbereitschaft nicht in Arbeitsstunden
erfasst werden könne; es handle sich nicht um einen täglichen oderwöchentlichen
Einsatz (act. G 3.1/77, 79 und 81). Mit Schreiben vom 6. Juli 2010 hat sich die
Beschwerdegegnerin sodann an den Beschwerdeführer gewandt und ihn ausdrücklich
darauf hingewiesen, dass sie die ganze Arbeitslosenentschädigung für den Zeitraum
vom 1. Januar 2010 bis 26. März 2010 zurückfordern werde, falls keine genaueren
Angaben über seine Tätigkeit eingereicht würden (act. G 3.1/80). Im
Beschwerdeverfahren stellt sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt, sie habe
damit den Beschwerdeführer im Sinn von Art. 43 Abs. 3 ATSG auf die im Fall einer
Säumnis eintretende Rechtsfolge aufmerksam gemacht. Nach Art. 43 Abs. 3 ATSG
kann der Versicherungsträger bei Verletzung der Auskunfts- und Mitwirkungspflicht auf
Grund der vorliegenden Akten entscheiden oder auf das Leistungsbegehren nicht
eintreten, wobei, falls möglich, ein materieller Entscheid gefällt werden soll (Ueli Kieser,
a.a.O., Rz 53 zu Art. 43). Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin bedeutet
die Nichtangabe von Arbeitsstunden bzw. die Bestreitung eines anzurechnenden
Zwischenverdienstes durch den Beschwerdeführer nicht einfach, dass als
Sanktionsverfügung die Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung in den Monaten
Januar bis März 2010 integral als zweifellos unrichtig betrachtet und zurückgefordert
werden kann. Die vorliegenden Akten legen es aber nahe, auf den Kontrollbericht der
Arbeitsmarktbehörde vom 17. März 2010 abzustellen und diesen als taugliche
Beweisgrundlage für die Quantifizierung der anzurechnenden Arbeitsstunden zu
verwenden. Dabei fällt in Betracht, dass im Familienbetrieb immerhin die Tochter der
Betriebsinhaberin gegen Entlöhnung arbeitet. Es rechtfertigt sich unter den gegebenen
Umständen, auch die Arbeitsleistungen des Beschwerdeführers nicht als quantitativ
unbedeutende Hilfestellung für den Familienbetrieb, sondern als Zwischenverdienst im
Sinne von Art. 24 AVIG zu erfassen. Mangels substantiierter und beweismässig
schlüssiger anderslautender Vorbringen im bisherigen Rückforderungsverfahren ist
dabei gestützt auf die Angaben im Kontrollbericht vom 17. März 2010 auf einen
Arbeitsaufwand von wöchentlich neun Stunden (sechs Tage à eineinhalb
Arbeitsstunden) abzustellen. Im Weiteren wird der im Rahmen der
Zwischenverdienstberechnung anzuwendende Lohnansatz gestützt auf die Regelung
von Art. 24 Abs. 3 AVIG – d.h. bei Fehlen von Lohnzahlungen der berufs- und
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ortsübliche Ansatz bzw. der Mindestlohnansatz gemäss Gesamtarbeitsvertrag für das
Gastgewerbe – zu ermitteln sein. Vor Festsetzung des Zwischenverdienstes wird die
Beschwerdegegnerin, an welche die Sache zurückzuweisen ist, dem Beschwerdeführer
Gelegenheit zur Quantifizierung der Arbeitseinsätze im Lokal der Ehefrau in den
Monaten Januar bis März 2010 und zum anzurechnenden Lohn einzuräumen haben mit
der Androhung, dass ohne glaubhafte anderslautende und mit Belegen untermauerte
Angaben des Beschwerdeführers der Zwischenverdienst im Sinne der vorherigen
Ausführungen berechnet werde.
5.2 Gemäss Art. 22 Abs. 1 Satz 2 AVIG erhält die versicherte Person zum
Arbeitslosentaggeld einen Zuschlag in Höhe der Kinder- und Ausbildungszulagen, auf
die sie Anspruch hätte, wenn sie in einem Arbeitsverhältnis stände. Dieser Zuschlag
wird nur ausbezahlt, soweit die Zulagen der versicherten Person während der
Arbeitslosigkeit nicht ausgerichtet werden und für dasselbe Kind kein Anspruch einer
erwerbstätigen Person besteht (Art. 22 Abs. 1 Satz 3 lit. a und b AVIG). Gemäss den
vorliegenden Akten sind dem Beschwerdeführer in den Monaten Januar bis März 2010
Zuschläge für Kinder- und Ausbildungszulagen in Höhe von Fr. 822.60 für Januar 2010
(act. G 3.1/65), Fr. 783.40 für Februar 2010 (act. G 3.1/70) und Fr. 599.05 für März 2010
(act. G 3.1/act. 73), zusammen Fr. 2'205.05, ausbezahlt worden. Diese Zuschläge
können von der Beschwerdegegnerin zurückgefordert werden, falls – wie diese geltend
macht – die Ehefrau des Beschwerdeführers als selbständig erwerbende Mutter der
Kinder Anspruch auf Kinder- und Ausbildungszulagen hat. Nach Art. 18 des
Kinderzulagengesetzes (KZG; sGS 371.1) haben Selbständigerwerbende Anspruch auf
Kinder- und Ausbildungszulagen, wenn das steuerbare Einkommen im Jahr Fr.
65'000.-- nicht übersteigt. Für das steuerbare Einkommen ist die für das Bezugsjahr
geltende rechtskräftige Steuerveranlagung massgebend (Art. 6 der
Kinderzulagenverordnung [KZV; sGS 371.11]). Die selbständigerwerbende Person
beantragt die Ausrichtung von Zulagen bei der Familienausgleichskasse, der sie
angeschlossen ist (Art. 6b KZV). Die Familienausgleichskasse zahlt die Zulagen unter
dem Vorbehalt aus, dass die rechtskräftige Steuerveranlagung des Bezugsjahres die
Voraussetzungen für den Anspruch auf Zulagen bestätigt. Sie weist die antragstellende
Person auf die Rückerstattungspflicht bei Überschreiten der Einkommensgrenze hin.
Bei der Einkommensberechnung werden die Zulagen nicht angerechnet (Art. 6c KZV).
Die Zulagen können innerhalb von fünf Jahren nachgefordert werden (Art. 47 KZG in
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Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 ATSG). Gemäss Schreiben der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen vom 2. Dezember 2011 ist die
Ehefrau des Beschwerdeführers seit Januar 2009 als Selbständigerwerbende erfasst.
Einen Antrag auf Kinder- und Ausbildungszulagen habe sie (für die fragliche
Zeitspanne) nicht gestellt (act. G 7). Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers
(vgl. act. G 1 S. 9) hängt der zum Arbeitslosentaggeld zu entrichtende Zuschlag für die
Kinder- und Ausbildungszulagen nicht davon ab, ob eine andere anspruchsberechtigte
Person diese bezogen hat oder nicht. Besteht ein Zulagenanspruch einer anderen
erwerbstätigen Person, so entfällt der Zulagenzuschlag zur Arbeitslosenentschädigung.
Nach den vorliegenden Unterlagen hat die Ehefrau des Beschwerdeführers für die Zeit
vom Januar bis März 2010 möglicherweise einen Anspruch auf Kinder- und
Ausbildungszulagen, zumal dieser für die Zeit ab April 2010 Zulagen gutgeschrieben
wurden (act. G.1/27). Die Beschwerdegegnerin wird durch entsprechende Rückfrage
bei der Steuerbehörde die Frage des Zulagenanspruchs noch abzuklären haben.
5.3 Nach Klärung der Bezugsberechtigung betreffend Kinder- und
Ausbildungszulagen und Ermittlung des anzurechnenden Zwischenverdienstes wird die
Beschwerdegegnerin die dem Beschwerdeführer in den Monaten Januar bis März 2010
zustehenden Arbeitslosentaggelder und entsprechend die Rückforderung allenfalls zu
viel ausbezahlter Leistungen neu zu berechnen haben.
6.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 26. Mai 2011 gutzuheissen und die Sache
zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und anschliessender Neuverfügung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.1 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
6.2 Der Beschwerdeführer hat aufgrund des teilweisen Obsiegens Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht, so dass
die Parteientschädigung ermessensweise festzusetzen ist. Mit Blick auf vergleichbare
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Fälle erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht