Decision ID: 3083097a-eb59-4b04-84f2-c8e85502e3c6
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
B._ bezog wegen einer Muskelerkrankung neben einer ausserordentlichen
Invalidenrente und einer Hilflosenentschädigung schweren Grades
Ergänzungsleistungen (vgl. EL-act. 56-7 ff., EL-act. 31-3, Dossier 2). Die Ehefrau und
die Tochter des EL-Bezügers waren in die Anspruchsberechnung eingeschlossen
(siehe z.B. EL-act. 6 f., Dossier 1).
A.a.
Am 15. Januar 2016 informierte die bisherige Wohnsitzgemeinde die EL-
Durchführungsstelle darüber, dass sich der EL-Bezüger von seiner Ehefrau getrennt
habe und aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen sei (EL-act. 81, Dossier 2).
Hierauf berechnete die EL-Durchführungsstelle die EL neu (Verfügung vom 17. Januar
2016, EL-act. 79). Sie berücksichtigte zwar den neuen (höheren) Mietzins, ging aber
davon aus, dass die Familie weiterhin zusammenlebte, d.h. die Ehefrau und die Tochter
waren weiterhin in der EL-Berechnung eingeschlossen (EL-act. 80). Am 9. März 2016
teilte der EL-Bezüger der EL-Durchführungsstelle mit, dass er seit Januar 2016 alleine
wohne (EL-act. 73, Dossier 2). Hierauf nahm die EL-Durchführungsstelle rückwirkend
ab 1. Januar 2016 eine Neuberechnung der Ergänzungsleistungen unter Ausschluss
der Ehefrau und der Tochter vor und setzte die monatliche EL auf Fr. 2'154.-- fest (inkl.
Prämienpauschale Krankenversicherung und ausserordentlichen Ergänzungsleistungen
[AEL]; Verfügung vom 11. März 2016, EL-act. 71, Dossier 2).
A.b.
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B.
Mit Verfügung vom 21. Juni 2016 sprach die IV-Stelle dem EL-Bezüger ab Beginn
der Betreuung, frühestens ab dem 1. März 2016, einen Assistenzbeitrag an tatsächlich
erbrachte Assistenzstunden von monatlich durchschnittlich Fr. 4'230.45 bzw. jährlich
maximal Fr. 50'765.40 zu (EL-act. 58, Dossier 2).
A.c.
Wegen der Erhöhung der Prämienpauschale Krankenversicherung passte die EL-
Durchführungsstelle die Ergänzungsleistungen per 1. Januar 2017 auf Fr. 2'172.--
(Verfügung vom 19. Dezember 2016, EL-act. 54, Dossier 2) und per 1. Januar 2018 auf
Fr. 2'183.-- pro Monat (Verfügung vom 18. Dezember 2017, EL-act. 45, Dossier 2) an.
A.d.
Am 15. Oktober 2018 leitete die EL-Durchführungsstelle eine periodische
Überprüfung der Ergänzungsleistungen ein (EL-act. 40, Dossier 2). Am 22. Oktober
2018 informierte die Abteilung Bekämpfung Versicherungsmissbrauch (BVM) der IV-
Stelle die EL-Durchführungsstelle darüber (EL-act. 38, Dossier 2), dass der EL-Bezüger
im Rahmen von BVM-Abklärungen bezüglich seiner Wohnsituation Falschangaben
eingeräumt habe; die Assistenzperson wohne in seinem Haushalt.
B.a.
Im Formular betreffend die periodische Überprüfung der Ergänzungsleistungen
vom 5. November 2018 gab der EL-Bezüger an (EL-act. 32-3, Dossier 2), dass seine
Assistenzperson bei ihm wohne. Laut einem beiliegenden Arbeitsvertrag (EL-act. 34,
Dossier 2) hatte der EL-Bezüger die Assistenzperson ab dem 1. Juni 2016 beschäftigt.
Laut dem ab dem 1. Januar 2016 gültigen Mietvertrag hatte sich die Wohnungsmiete
des EL-Bezügers auf brutto Fr. 1'720.-- belaufen (EL-act. 35-1 f., Dossier 2). Gemäss
einem Untermietvertrag vom 1. November 2018 hatte der EL-Bezüger seiner
Assistenzperson ab dem 1. November 2018 unentgeltlich ein möbiliertes Pikettzimmer
inklusive Mitbenützung von Küche, Bad/Dusche, Wohnzimmer, Internet, Trockenraum/
Wäschehängeplatz, Waschküche/Waschmaschine/Tumbler und Balkon/Garten/
Gartensitzplatz/Terrasse zur Verfügung gestellt (EL-act. 35-3 f., Dossier 2).
B.b.
Am 7. November 2018 gingen die bei der IV-Stelle angeforderten Akten bei der
EL-Durchführungsstelle ein (EL-act. 31, Dossier 2). Der EL-Bezüger hatte bei einer
Befragung vom 19. Oktober 2018 (EL-act. 31-2 ff., Dossier 2) durch die IV-Stelle
zunächst angegeben, alleine in der Wohnung zu leben; seine Assistenzperson habe
B.c.
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von November 2016 bis Juni 2018 in C._ gewohnt und ihren Wohnort anfangs Juni
2018 nach D._ an die E._ verlegt. Später hatte er eingeräumt, dass die
Assistenzperson während ihres Aufenthalts in der Schweiz die Nacht und auch den Tag
für gewöhnlich in seiner Wohnung verbracht habe.
Mit Verfügung vom 14. November 2018 (EL-act. 27, Dossier 2) setzte die EL-
Durchführungsstelle die Ergänzungsleistungen rückwirkend ab 1. Juni 2016 neu fest.
Zur Begründung führte sie an, dass die Assistenzperson gemäss der aktuellen Abfrage
im kantonalen Einwohnerregister seit dem 1. Juni 2016 Wohnsitz in der Schweiz habe
und vom 1. Juni 2016 bis 31. Oktober 2018 in C._ gemeldet gewesen sei. Gemäss
dem IV-Gesprächsprotokoll vom 19. Oktober 2018 habe die Assistenzperson aber gar
nie an der angegebenen Adresse in C._ gewohnt, sondern seit Beginn ihrer Tätigkeit
im Haushalt des EL-Bezügers gelebt. Laut dem Arbeitsvertrag habe die
Assistenzperson ihre Tätigkeit am 1. Juni 2016 begonnen. Somit sei erstellt, dass die
Assistenzperson seit diesem Zeitpunkt im selben Haushalt wie der EL-Bezüger gelebt
habe. Deshalb könne nur der Mietzinsanteil des EL-Bezügers in der EL-Berechnung
berücksichtigt werden. Die Korrektur habe auf den Zeitpunkt zu erfolgen, in dem die
Sachverhaltsänderung eingetreten sei. Die unrechtmässigen Leistungen seien
zurückzuerstatten. Die EL-Durchführungsstelle hatte die EL-Berechnung insoweit
angepasst, als sie beim Mietzins einen "Anteil Mitbewohner" in der Höhe von Fr.
10'200.--, d.h. in der Höhe der Hälfte des bisher angerechneten Mietzinses,
berücksichtigt hatte. Die monatliche EL betrug ab 1. Juni 2016 noch Fr. 1'304.--, ab
1. Januar 2017 noch Fr. 1'322.-- und ab 1. Januar 2018 noch Fr. 1'333.--. Die
Rückforderung für den Zeitraum 1. Juni 2016 bis 30. November 2018 belief sich auf
insgesamt Fr. 25'500.--.
B.d.
Dagegen erhob der EL-Bezüger am 20. November 2018/6. Dezember 2018
Einsprache (EL-act. 15, 18, Dossier 2). Er machte geltend, es könne nicht sein, dass die
Assistenzperson, die im Pikettzimmer Zeit verbringe, die Hälfte des Mietzinses
bezahlen müsse. Die Assistenzperson arbeite neun Monate pro Jahr für ihn. Den Rest
des Jahres verbringe sie in ihrem Heimatland, wo sie auch eine Wohnung bezahle. Sie
arbeite für ihn 24 Stunden pro Tag im Pikettdienst, davon seien sechs Stunden pro Tag
bezahlt. Weil sie in den Pausen das Zimmer jedoch für sich privat nutze, sei er bereit,
B.e.
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C.
ihr einen Mietanteil von höchstens Fr. 160.-- in Rechnung zu stellen. Ansonsten diene
ihr das Zimmer als Arbeits- und Pikettzimmer.
Der zuständige Sachbearbeiter der IV-Stelle/Abteilung BVM teilte der EL-
Durchführungsstelle auf Anfrage hin am 14. Dezember 2018 mit (EL-act. 9, Dossier 2),
dass die Assistenzperson ein Zimmer für sich alleine habe, welches nur unwesentlich
kleiner sei als das Elternschlafzimmer. Dort habe die Assistenzperson ihre eigenen
Möbel. Sie bewege sich frei in der Wohnung und nutze auch das Wohnzimmer und die
Küche und habe höchstwahrscheinlich eine eigene Nasszelle. Gemäss seiner
Wahrnehmung könne nicht von einer deutlich ungleichen Nutzung der Wohnung
ausgegangen werden.
B.f.
Mit Entscheid vom 3. Januar 2019 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache
ab (EL-act. 4, Dossier 2). Bezüglich des EL-Anspruchs ab Dezember 2018 entzog sie
einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung. Zur Begründung hielt sie fest,
es sei unbestritten, dass die Assistenzperson ihren Wohnsitz seit Juni 2016 beim EL-
Bezüger habe. Jede Person habe unabhängig davon, ob und was für eine Tätigkeit sie
ausübe, ihre Wohnkosten selber zu tragen und könne sie nicht einem EL-Bedürftigen
übertragen. Der EL-Bezüger hätte mit der Assistenzperson rechtzeitig einen
Untermietvertrag über einen angemessenen Mietzinsanteil abschliessen müssen. Da er
gleichzeitig Arbeitgeber sei, hätte er diesen Mietzinsanteil mit ihrem (ggf. entsprechend
höheren) Lohn verrechnen können. Die Rückforderung sei zu Recht erfolgt.
B.g.
Gegen diesen Entscheid liess der EL-Bezüger am 1. Februar 2019 Beschwerde
erheben (act. G 1). Seine Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung des
Einspracheentscheides; dem EL-Bezüger seien die bis Ende November 2018
ausgerichteten Ergänzungsleistungen auch ab Dezember 2018 auszurichten und auf
die EL-Rückforderung für den Zeitraum Juni 2016 bis November 2018 sei zu
verzichten. Die Rechtsvertreterin stellte zudem ein Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung. Zur Begründung der Beschwerde machte sie geltend, der EL-
Bezüger sei unter anderem gestützt auf den Modell-NAV des Staatssekretariats für
Wirtschaft (SECO) verpflichtet, seinen im gleichen Haushalt wohnenden
Arbeitnehmenden ein abschliessbares Einzelzimmer, die Mitbenützung der sanitären
C.a.
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Einrichtungen und eine gesunde und ausreichende Verpflegung zu gewähren. Die
Assistenzperson habe ihren Wohnsitz in ihrem Heimatland. Das ihr in der Wohnung des
EL-Bezügers zur Verfügung gestellte Zimmer benutze sie nur zu Arbeitszwecken und
nur während denjenigen Monaten, in denen sie für den EL-Bezüger tätig sei. Die
Assistenzperson müsse deshalb keinerlei Entgelt für das für die Pflege und Betreuung
des EL-Bezügers benutzte Zimmer entrichten.
Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am
19. Februar 2019 die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung verwies

sie auf die Erwägungen im Einspracheentscheid.
C.b.
Am 4. März 2019 bewilligte das Gericht die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
für das Verfahren vor dem Versicherungsgericht (act. G 6).
C.c.
Die Rechtsvertreterin des EL-Bezügers beantragte in ihrer Replik vom 1. April
2019 (act. G 8) die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde;
eventualiter sei die Beschwerde beförderlich zu behandeln. Zur materiellen
Begründung machte sie ergänzend geltend, dass es für die Pflege und Betreuung, die
der EL-Bezüger regelmässig tagsüber und auch in der Nacht benötige, unerlässlich sei,
dass sich die Betreuungsperson in seiner unmittelbaren Nähe und somit in seiner
Wohnung aufhalte. Ohne ein entsprechendes Pikett-Zimmer wäre es der
Assistenzperson nicht möglich, die notwendige Betreuungsarbeit zu leisten. Da es sich
dabei sinngemäss um ein Arbeitszimmer handle, könne nicht die Rede davon sein,
dass der EL-Bezüger eine gleichberechtigte Mitbewohnerin habe, die für die Hälfte des
Mietzinses aufzukommen hätte. Hinzu komme, dass der Tochter des EL-Bezügers ein
Zimmer zur Verfügung stehe, welches diese zurzeit jedes zweite Wochenende benutze.
Sollte das Gericht wider Erwarten nicht davon ausgehen, dass es sich beim von der
Assistenzperson benutzten Zimmer um ein Arbeits- bzw. Pikettzimmer handle, wäre zu
berücksichtigen, dass in Arbeitsverhältnissen über hauswirtschaftliche Tätigkeiten
gemäss Art. 7 der Verordnung des Bundesrates über den Normalarbeitsvertrag für
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Hauswirtschaft (NAV Hauswirtschaft) eine
zur Verfügung gestellte Unterkunft einen Naturallohn darstelle. Entsprechend würden
auch der Modell-NAV für die Regelung der 24-Stunden-Betreuung des SECO sowie die
Caritas in ihren Merkblättern für die 24-Stunden-Betreuung empfehlen, dass eine zur
C.d.
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Verfügung gestellte Unterkunft als Naturallohn zu berücksichtigen sei, für welchen
gestützt auf Art. 11 AHVV ein Betrag von Fr. 11.50 pro Nacht bzw. Fr. 345.-- pro Monat
einzusetzen sei. Würde man für die Zimmerbenutzung durch die Assistenzperson
monatlich Fr. 345.-- von den Wohnkosten von Fr. 1'720.-- abziehen, müsste derselbe
Betrag wiederum als behinderungsbedingte Auslagen bei den Krankheits- und
Behinderungskosten berücksichtigt werden. Es stelle sich die Frage, ob auf dieses
"Nullsummenspiel" bzw. auf den aufgrund der zusätzlichen Arbeitgeberbeiträge gar
höheren EL-Anspruch auch angesichts des administrativen Aufwands nicht besser
verzichtet werden sollte.
Am 29. Mai 2019 teilte das Gericht der Rechtsvertreterin des EL-Bezügers mit
(act. G 10), dass über den Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung
voraussichtlich ein präsidialer Zwischenentscheid ergehen werde.
C.e.
Am 11. Juni 2019 gingen die vom Gericht angeforderten IV-Akten betreffend den
vom EL-Bezüger bezogenen Assistenzbeitrag ein (act. G 11 f.). Die Rechtsvertreterin
des EL-Bezügers verzichtete auf eine Stellungnahme zu den IV-Akten (act. G 16). Am
10. Juli 2019 reichte sie eine Kotennote über den Betrag von Fr. 3'416.70 ein (act. G
16.2).
C.f.
Am 18. Juli 2019 informierte die Rechtsvertreterin des EL-Bezügers das Gericht
darüber, dass ihr Mandant am 7. Juli 2019 verstorben sei (act. G 18).
C.g.
Das Gericht sistierte das Verfahren am 26. Juli 2019, bis Klarheit über den Antritt
der Erbschaft und die Entscheidung der Erben über die Weiterführung des Prozesses
bestehe, einstweilen längstens bis 31. Oktober 2019 (act. G 19). Am 12. September
2019 teilte das Konkursamt Regionalstelle A._ dem Gericht mit, dass die Erbschaft
ausgeschlagen worden sei und dass mit Wirkung ab 29. August 2019 über den
Nachlass des EL-Bezügers der Konkurs eröffnet worden sei. Das Konkursamt
Regionalstelle A._ sei mit der Durchführung des Verfahrens beauftragt worden (act. G
21). Am 24. September 2019 orientierte die ehemalige Rechtsvertreterin des
verstorbenen EL-Bezügers das Gericht darüber, dass sie vom Konkursamt
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) zur Weiterführung des Beschwerdeverfahrens
bevollmächtigt worden sei (act. G 23). Sie bat darum, das Beschwerdeverfahren
C.h.
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Erwägungen
1.
wiederaufzunehmen. Das Gericht hob die Sistierung am 3. Oktober 2019 auf (act. G
24).
Die Beschwerdeführerin bat das Gericht am 19. Dezember 2019 darum, den
vorliegenden Prozess baldmöglichst zu erledigen (act. G 25).
C.i.
Strittig ist, ob die von der Beschwerdegegnerin mit der Verfügung vom
14. November 2018 vorgenommene − und mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid vom 3. Januar 2019 bestätigte − Korrektur der
Revisionsverfügung vom 11. März 2016 (sowie der nachfolgenden
Revisionsverfügungen vom 19. Dezember 2016 und 18. Dezember 2017) und die
daraus für den Zeitraum 1. Juni 2016 bis 30. November 2018 resultierende
Rückforderung von insgesamt Fr. 25'500.-- rechtmässig gewesen ist.
1.1.
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung, ELG, SR 831.30). Die anerkannten Ausgaben und die
anrechenbaren Einnahmen, worin in bestimmtem Umfang auch das Vermögen
einbezogen ist, werden nach den in Art. 10 und 11 ELG sowie in Art. 11 bis 18 der
Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (ELV, SR 831.301) festgelegten Bestimmungen ermittelt.
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten (Art. 25 Abs. 1 Satz 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR
830.1).
1.2.
Die Beschwerdegegnerin hat die EL rückwirkend ab 1. Juni 2016 mit der
Begründung korrigiert, dass ab dem 1. Juni 2016 die vom EL-Bezüger angestellte
Assistenzperson bei diesem gelebt habe und dass der Mietzins deshalb hälftig
aufzuteilen sei. Sie hat also die Verfügung vom 11. März 2016, mit welcher der EL-
Anspruch ab 1. Januar 2016 festgesetzt worden war, in Revision gezogen (Art. 17 Abs.
2 ATSG). Nachfolgend ist zu prüfen, ob dies korrekt gewesen ist.
1.3.
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2.
Als Ausgaben anzurechnen sind nach 10 Abs. 1 lit. b ELG der Mietzins einer
Wohnung und die damit zusammenhängenden Nebenkosten (Ziff. 1); als jährlicher
Höchstbetrag werden bei alleinstehenden Personen Fr. 13'200.-- anerkannt; bei der
notwendigen Miete einer rollstuhlgängigen Wohnung werden zusätzlich Fr. 3'600.--
anerkannt (Ziff. 3). In der bis am 31. Dezember 2015 gültigen Fassung hatte das
kantonale Ergänzungsleistungsgesetz (ELG SG, sGS 351.5) den Bezügern ordentlicher
Ergänzungsleistungen unter bestimmten Voraussetzungen (Art. 5) einen Anspruch auf
ausserordentliche Ergänzungsleistungen eingeräumt. EL-Bezügern ohne Aufenthalt im
Heim oder Spital war zusätzlich der um einen Drittel erhöhte Betrag für Mietzinsen nach
Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 und 2 ELG, d.h. Fr. 4'400.-- pro Jahr, angerechnet worden
(Art. 7 ELG SG). In der ab 1. Januar 2016 gültigen Fassung sieht das ELG SG keinen
Anspruch mehr auf ausserordentliche Ergänzungsleistungen vor. Laut den
Übergangsbestimmungen werden jedoch alleinstehenden Personen, die bei
Vollzugsbeginn des VIII. Nachtrags vom 28. April 2015 ausserordentliche
Ergänzungsleistungen bezogen haben, bis zu einer Erhöhung der als anrechenbar
geltenden Mietzinsmaxima nach Art. 10 Abs. 1 lit. b ELG als Ausgaben für den Mietzins
einer Wohnung und die damit zusammenhängenden Nebenkosten höchstens Fr.
17'600.-- je Jahr angerechnet (Art. 25 Abs. 1 lit. a ELG SG in der ab 1. Januar 2016
gültigen Fassung). Die Mietzinsmaxima werden erst ab 1. Januar 2021 erhöht werden.
Die Übergangsbestimmungen haben im hier relevanten Zeitraum also Gültigkeit gehabt
(www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-77929. html,
besucht am 30. Januar 2020).
2.1.
Die Beschwerdegegnerin ist ursprünglich davon ausgegangen, dass der EL-
Bezüger alleine in der von ihm gemieteten Wohnung gelebt hat. Da er auf einen
Rollstuhl angewiesen gewesen und einen Anspruch auf ausserordentliche
Ergänzungsleistungen gehabt hat, hat der maximal zu berücksichtigende jährliche
Mietzins Fr. 21'200.-- betragen (Fr. 13'200.-- + Fr. 3'600.-- + Fr. 4'400.--). Der
Bruttomietzins der Wohnung des EL-Bezügers hat sich ab dem 1. Januar 2016 auf Fr.
1'720.-- pro Monat belaufen (EL-act. 35-1 f., Dossier 1). Davon hat die
Beschwerdegegnerin die Kosten für den TV-/ Radioanschluss von Fr. 20.-- abgezogen
(EL-act. 3, Dossier 1; EL-act. 79 Dossier 2). Folglich hat sich der anerkannte Mietzins
ursprünglich auf Fr. 20'400.-- pro Jahr (12 x Fr. 1'700.--), davon Fr. 3'600.-- aus
ausserordentlicher EL, belaufen. Aufgrund der erwähnten Übergangsbestimmungen hat
der EL-Bezüger nach der ursprünglichen Berechnung (ohne hälftige Mietzinsaufteilung)
auch nach der Abschaffung der ausserordentlichen Ergänzungsleistungen ab 1. Juni
2.2.
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2016 weiterhin einen Anspruch auf eine ausserordentliche Ergänzungsleistung in der
bisherigen Höhe gehabt.
Werden Wohnungen oder Einfamilienhäuser auch von Personen bewohnt, welche
nicht in die EL-Berechnung eingeschlossen sind, dann ist der Mietzins auf die
einzelnen Personen aufzuteilen. Die Mietzinsanteile der Personen, welche nicht in die
EL-Berechnung eingeschlossen sind, werden bei der Berechnung der jährlichen
Ergänzungsleistung ausser Betracht gelassen (Art. 16c Abs. 1 ELV). Die Aufteilung hat
grundsätzlich zu gleichen Teilen zu erfolgen (Abs. 2). Das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen hat in seinem Entscheid vom 25. August 2015 (EL 2014/9), welcher
vom Bundesgericht in einem Leitentscheid bestätigt worden ist (BGE 142 V 299),
erwogen, dass der Sinn und Zweck der Übernahme der Mietzinskosten einzig die
Deckung des existenziellen Wohnbedürfnisses und nicht die Vergütung von
Betreuungsleistungen durch Mitbewohner sei. Hinzu komme, dass durch die indirekte
Abgeltung der Betreuungsleistungen durch Mitbewohner über die Nichtanrechnung
eines Mietzinsanteils ein Teil der Kosten für die Betreuungsleistungen systemwidrig auf
den Bund überwälzt würde. Da Art. 14 Abs. 1 ELG explizit vorsehe, dass die Kantone
allein die Krankheits- und Behinderungskosten zu tragen hätten, würde eine indirekte
Vergütung dieser Kosten über den Mietzins auch gegen diese Gesetzesbestimmung
verstossen. Demzufolge sei die indirekte Vergütung der Kosten für
Betreuungsleistungen von Mitbewohnern über die Ausgabenposition Mietzins nicht mit
dem Sinn und Zweck der Übernahme der Kosten für den Mietzins nach Art. 10 Abs. 1
lit. b ELG und auch nicht mit Art. 14 Abs. 1 ELG vereinbar und damit gesetzeswidrig
(Erw. 3.2.2).
2.3.
Der EL-Bezüger hat die Assistenzperson gemäss dem eingereichten Arbeitsvertrag
(EL-act. 34, Dossier 2) ab dem 1. Juni 2016 beschäftigt. Anlässlich einer Befragung
durch die IV-Stelle vom 19. Oktober 2018 hat er eingeräumt, dass die Assistenzperson
nie an der von ihr gemeldeten Adresse, sondern − während ihrer Arbeitseinsätze für ihn
in der Schweiz − stets bei ihm gelebt habe. Die Assistenzperson muss das
Pikettzimmer also nicht nur während ihrer Arbeitseinsätze, sondern auch privat genutzt
haben. Der EL-Bezüger hat von der Assistenzperson keinen Mietzins für die Wohnung
verlangt. Es ist jedoch nicht Sinn und Zweck der Ergänzungsleistungen, den
Wohnbedarf nicht in der EL-Berechnung eingeschlossener Personen zu decken.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin dem EL-Bezüger zu
Recht ab dem 1. Juni 2016 nicht den vollen Mietzins zum Abzug zugelassen hat.
2.4.
Der Vollständigkeit halber bleibt folgendes anzumerken: Mit der Rechtsvertreterin
der Beschwerdeführerin ist davon auszugehen, dass es sich bei der der
2.5.
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Assistenzperson zur Verfügung gestellten Wohnmöglichkeit um einen Naturallohn
gehandelt hat. Wie dieser aus sozialversicherungsrechtlicher Sicht abzudecken ist,
beispielsweise über den Assistenzbeitrag oder über Art. 14 ELG, ist nicht Gegenstand
des vorliegenden Beschwerdeverfahrens.
Somit stellt sich noch die Frage, ob die von der Beschwerdegegnerin
vorgenommene hälftige Mietzinsaufteilung richtig gewesen ist. Gemäss den
Erläuterungen des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) zur Änderung der ELV
auf den 1. Januar 1998 ist der Mietzins grundsätzlich nach Köpfen und nicht nach der
Anzahl der bewohnten Zimmer oder der genutzten Wohnfläche aufzuteilen (vgl. AHI-
Praxis 1998, S. 27 ff, 34; Ralph Jöhl/Patricia Usinger-Egger, Ergänzungsleistungen zur
AHV/IV, in: Schweizerisches Bundessozialversicherungsrecht, Band XIV Soziale
Sicherheit, 3. Auflage 2015, S. 1760 N 71). In Sonderfällen, wenn zum Beispiel eine
Person den grössten Teil der Wohnung für sich in Anspruch nimmt, kann je nach den
Verhältnissen eine andere Aufteilung vorgenommen werden (Rz. 3231.04 der
Wegleitung über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV, WEL, Stand: 1. Januar
2019). Entgegen der Auffassung des BSV und des Bundesgerichts (siehe z.B. Urteil
vom 21. Februar 2019, 9C_242/2018 E. 3 und 4) trägt die gleichmässige Aufteilung der
Wohnkosten jedoch nur dem Normalfall Rechnung, in dem zwei oder mehr Personen
eine Wohnung gleichmässig nutzen, d.h. gleich viele Zimmer bewohnen oder
annähernd dieselbe Wohnfläche zur Verfügung haben. Denn ein wirtschaftlich
denkender Mensch, der eine Wohnung deutlich weniger intensiv nutzt als seine
Mitbewohner, ist nicht bereit, einer Kostenaufteilung "nach Köpfen" zuzustimmen (Jöhl/
Usinger-Egger, a.a.O., S. 1760 N 71).
2.6.
Gemäss dem eingereichten Untermietvertrag hat der Assistenzperson ein
möbiliertes "Pikettzimmer" zur Verfügung gestanden. Die Küche, das Bad, das
Wohnzimmer, der Trockenraum, die Waschküche und der Balkon/die Terrasse hat sie
mitbenützen dürfen. Nicht zur Mitbenützung zur Verfügung gestanden hat das
Kellerabteil. Ein Mitarbeiter der Abteilung BVM der IV-Stelle und eine Fachperson
Assistenzbeitrag haben am 19. Oktober 2018 ein Gespräch mit dem EL-Bezüger in
dessen Wohnung geführt und dabei einen Augenschein von der Wohnung nehmen
können (IV-act. 516-1 ff/21 f.). Auf Nachfrage hin hat der Mitarbeiter der Abteilung BVM
der Beschwerdegegnerin am 14. Dezember 2018 berichtet (EL-act. 9, Dossier 2), dass
die 4.5-Zimmerwohnung über zwei Nasszellen, ein Wohnzimmer mit offener Küche, ein
"Elternschlafzimmer" und zwei "Kinderzimmer", wovon die Assistenzperson das
grössere für sich alleine habe, verfüge. Die Assistenzperson bewege sich frei in der
Wohnung und nutze auch das Wohnzimmer und die Küche; sie verfüge
2.7.
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höchstwahrscheinlich auch über eine eigene Nasszelle. Demnach kann davon
ausgegangen werden, dass der EL-Bezüger und die Assistenzperson die Wohnung
etwa gleich intensiv genutzt haben. Zwar hat die Assistenzperson (Hauptbetreuerin) die
Wohnung nur während etwa neun Monaten pro Jahr, d.h. während ihres
Arbeitseinsatzes, genutzt. Gestützt auf das Gesprächsprotokoll der IV-Stelle vom 19.
Oktober 2018 ist aber davon auszugehen, dass in der restlichen Zeit die beiden
"Aushilfs-Assistenzpersonen" das Zimmer genutzt haben (EL-act. 31-7 f., Dossier 2).
Der Tochter des EL-Bezügers hat in der Wohnung ebenfalls ein Zimmer zur
Verfügung gestanden, welches sie an den alle zwei Wochen stattfindenden
Besuchswochenenden genutzt hat. Da sie im hier relevanten Zeitraum (1. Juni 2016 bis
November 2018) nicht mehr in der EL-Berechnung eingeschlossen gewesen ist, würde
sich eigentlich die Frage stellen, ob ihr ebenfalls ein Mietzinsanteil anzurechnen wäre.
Diese Frage kann jedoch offen gelassen werden: Der EL-Bezüger ist bereits per 1.
Januar 2016 aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen; ab diesem Zeitpunkt ist die
Tochter in der EL-Berechnung nicht mehr eingeschlossen gewesen. Es ist davon
auszugehen, dass die Tochter ab dem Auszug des EL-Bezügers (1. Januar 2016) über
ein Zimmer in dessen Wohnung verfügt und dieses an den Besuchswochenenden
genutzt hat. Die Anrechnung eines allfälligen Mietzinsanteiles der Tochter hätte also auf
diesen Zeitpunkt hin erfolgen müssen. Bezüglich der Wohnsituation der Tochter ist im
hier massgebenden Zeitraum keine Änderung eingetreten. Diesbezüglich fehlt es somit
an einem Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 2 ATSG. Deshalb ist zu fingieren,
dass der EL-Bezüger und die Assistenzperson(en) die Wohnung ab dem 1. Juni 2016
nur zu zweit genutzt haben. Da sie die Wohnung − wie vorne dargelegt − etwa
gleichmässig genutzt haben, ist der Mietzins hälftig aufzuteilen. Zusammenfassend ist
davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht rückwirkend ab dem 1.
Juni 2016 eine hälftige Mietzinsaufteilung vorgenommen hat. In Bezug auf den EL- und
AEL-Anspruch ab 1. Juni 2016 erweist sich die dem angefochtenen
Einspracheentscheid zugrunde liegende Anspruchsberechnung somit als korrekt.
2.8.
Der anrechenbare Mietzins hat folglich ab 1. Juni 2016 nur noch Fr. 10'200.--
betragen. Der Anspruch auf ausserordentliche Ergänzungsleistungen ist damit
weggefallen. Die Rückforderung für den Zeitraum 1. Juni 2016 bis 30. November 2018
hat sich, wie von der Beschwerdegegnerin errechnet, auf insgesamt Fr. 25'500.--
belaufen; davon hat es sich im Umfang von Fr. 16'500.-- um ordentliche
Ergänzungsleistungen und im Umfang von Fr. 9'000.-- um ausserordentliche
Ergänzungsleistungen gehandelt.
2.9.
Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.2.10.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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St.Galler Gerichte
3.