Decision ID: 26302e0e-22af-4f8d-b3b2-94083ee9949f
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_001
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: civil_law

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Am 12. Januar 2021 ersuchte die Klägerin das Gerichtspräsidium Baden
um die Regelung des Getrenntlebens der Parteien (Heirat: 8. Juli 2017;
Trennung: 5. September 2020) u.a. mit folgenden Begehren:
" 2.3. Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin an den  des [unter ihre Obhut zu stellenden] Sohnes C. [...] [geb. tt.mm.jjjj] [...] mindestens [...] monatlich [...] zu bezahlen:
CHF 1780.00 01.11.2020-31.11.2020
(davon CHF 730.00 Betreuungsunterhalt) CHF 2200.00 vom 01.12.2020-31.01.2021
(davon CHF 545.00 Betreuungsunterhalt) CHF 3400.00 vom 01.02.2021-31.12.2022
(davon CHF 2000.00 Betreuungsunterhalt) CHF 3600.00 ab 01.01.2023
(davon CHF 2200.00 Betreuungsunterhalt)
Zuzüglich allfällig bezogene Kinderzulagen.
Eventuell [...]:
CHF 2110.00 01.11.2020-31.11.2020
(davon CHF 850.00 Betreuungsunterhalt) CHF 2500.00 vom 01.12.2020-31.01.2021
(davon CHF 680.00 Betreuungsunterhalt) CHF 3500.00 vom 01.02.2021-31.07.2021
(davon CHF 2060.00 Betreuungsunterhalt) CHF 3700.00 vom 01.08.2021-31.12.2022
(davon CHF 2200.00 Betreuungsunterhalt) CHF 3620.00 ab 01.01.2023
(davon CHF 2200.00 Betreuungsunterhalt)
Zuzüglich allfällig bezogene Kinderzulagen.
3. Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin an ihren  Unterhalt [...] mindestens [...] monatlich [...] zu bezahlen:
CHF 730.00 01.11.2020-30.11.2020 CHF 550.00 vom 01.12.2020-31.01.2021 CHF 20.00 vom 01.02.2021-31.07.2021 CHF 100.00 vom 01.08.2021-31.12.2022 CHF 550.00 ab 01.01.2023
Eventuell [...]:
CHF 1150.00 01.11.2020-30.11.2020 CHF 1000.00 vom 01.12.2020-31.01.2021 CHF 550.00 vom 01.02.2021-31.07.2021 CHF 520.00 vom 01.08.2021-31.12.2022
- 3 -
CHF 550.00 ab 01.01.2023
4. Es sei festzustellen, dass der Gesuchsgegner an den Unterhalt gemäss den Begehren von Ziffer 2.3. und 3 insgesamt CHF... (genaue Bezifferung nach Abschluss des Beweisverfahrens) an anrechenbaren Unterhalt  hat."
1.2.
Mit Klageantwort vom 18. Februar 2021 beantragte der Beklagte u.a.:
" 2.
Es seien die Parteien zu verpflichten, für die Kosten des [unter ihre alter-
nierende Obhut zu stellenden] Kindes, welche während der je eigenen
[hälftigen] Betreuung anfallen, selbst aufzukommen, insbesondere die an-
teilsmässigen Wohn- und Verpflegungskosten.
Es seien die Parteien zu verpflichten, für die übrigen Kosten des Kindes je
hälftig aufzukommen.
3.
Es sei festzustellen, dass die Parteien einander keine persönlichen Unter-
haltsbeiträge schulden."
1.3.
An der Verhandlung vom 1. Juni 2021 vor dem Gerichtspräsidium Baden
wurden die Parteien befragt. Die Klägerin passte ihre Begehren (u.a.) da-
hingehend an, dass der Kinderunterhalt ab 1. Januar 2021 auf Fr. 4'200.00
und für Dezember 2020 auf Fr. 2'500.00 festzulegen sei. Der Beklagte be-
antragte (u.a.) die Obhutszuteilung an die Klägerin, und er sei zu verpflich-
ten, ab Juni 2021 bis Januar 2022 monatlich Fr. 490.00 und ab Februar
2022 Fr. 630.00 zu bezahlen. Im Anschluss wurden Vergleichsgespräche
geführt; die Parteien unterzeichneten eine Teilvereinbarung.
1.4.
Am 29. Juni 2021 erkannte das Bezirksgericht Baden, Präsidium des Fa-
miliengerichts, u.a.:
" 3. 3.1. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an den Unterhalt [von] C. [...] monatlich [...] zu bezahlen:
Fr. 1'045.00 für November 2020 (nur Barunterhalt) Fr. 1'700.00 für Dezember 2020 (nur Barunterhalt) Fr. 2'750.00 für Januar 2021
(davon Fr. 1'928.00 Betreuungsunterhalt) Fr. 2'606.00 1. Februar 2021 bis und mit Juli 2021
(davon Fr. 1'634.00 Betreuungsunterhalt) Fr. 2'736.00 1. August 2021 bis und mit Dezember 2021
(davon Fr. 1'634.00 Betreuungsunterhalt)
- 4 -
Fr. 2'650.00 ab Januar 2022 (davon Fr. 1'034.00 Betreuungsunterhalt)
3.2. Hinzu kommen die gesetzlichen oder vertraglichen Kinderzulagen, sofern sie nicht vom andern Elternteil direkt bezogen werden.
3.3. Mit den festgesetzten Unterhaltsbeiträgen ist der gebührende Unterhalt des Sohnes C. im Januar 2021 nicht gedeckt. Zur Deckung des  Unterhalts (inkl. Betreuungsunterhalt) fehlen Fr. 1'184.00.
4. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an ihren  Unterhalt monatlich [...] zu bezahlen:
Fr. 466.00 für November 2020 Fr. 161.00 für Dezember 2020 Fr. 143.00 Februar 2021 bis und mit April 2021 Fr. 153.00 Mai 2021 bis und mit Juli 2021 Fr. 215.00 ab Januar 2022
5. Die Unterhaltsberechnung stützt sich auf folgende Grundlagen:
für November 2020: - monatliches Nettoeinkommen Gesuchsgegner (Arbeitslosentaggelder, exkl. Familienzulagen): Fr. 5'711.00 - monatliches Nettoeinkommen Gesuchstellerin (Arbeitslosentaggelder, exkl. Familienzulagen): Fr. 3'696.60 - monatliches Nettoeinkommen C.
(inkl. Familienzulage): Fr. 200.00
- monatlicher Notbedarf Gesuchsgegner: Fr. 2'958.15 - monatlicher Notbedarf Gesuchstellerin: Fr. 3'031.75 - monatlicher Notbedarf C.: Fr. 870.00
für Dezember 2020: - monatliches Nettoeinkommen Gesuchsgegner (Arbeitslosentaggelder, exkl. Familienzulagen): Fr. 5'711.00 - monatliches Nettoeinkommen Gesuchstellerin (Arbeitslosentaggelder, exkl. Familienzulagen): Fr. 3'696.60 - monatliches Nettoeinkommen C.
(inkl. Familienzulage): Fr. 200.00
- monatlicher Notbedarf Gesuchsgegner: Fr. 2'958.15 - monatlicher Notbedarf Gesuchstellerin: Fr. 3'031.75 - monatlicher Notbedarf C.: Fr. 1'530.00
für Januar 2021: - monatliches Nettoeinkommen Gesuchsgegner (Arbeitslosentaggelder, exkl. Familienzulagen): Fr. 5'711.00 - monatliches Nettoeinkommen Gesuchstellerin: Fr. 0.00 - monatliches Nettoeinkommen C.
(inkl. Familienzulage): Fr. 200.00
- monatlicher Notbedarf Gesuchsgegner: Fr. 2'958.15
- 5 -
- monatlicher Notbedarf Gesuchstellerin: Fr. 2'964.00 - monatlicher Notbedarf C.: Fr. 1'172.50
ab 1. Februar 2021 bis 30. April 2021: - monatliches Nettoeinkommen Gesuchsgegner (Arbeitslosentaggelder, exkl. Familienzulagen): Fr. 5'711.00 - monatliches Nettoeinkommen Gesuchstellerin: Fr. 0.00 - monatliches Nettoeinkommen C. - (inkl. Familienzulage): Fr. 200.00
- monatlicher Notbedarf Gesuchsgegner: Fr. 2'958.15 - monatlicher Notbedarf Gesuchstellerin: Fr. 3'064.00 - monatlicher Notbedarf C.: Fr. 200.00
ab 1. Mai 2021 bis 31.Juli 2021: - monatliches Nettoeinkommen Gesuchsgegner (Arbeitslosentaggelder, exkl. Familienzulagen): Fr. 5'711.00 - monatliches Nettoeinkommen Gesuchstellerin: Fr. 0.00 - monatliches Nettoeinkommen C.
(inkl. Familienzulage): Fr. 200.00
- monatlicher Notbedarf Gesuchsgegner: Fr. 2'948.15 - monatlicher Notbedarf Gesuchstellerin: Fr. 3'064.00 - monatlicher Notbedarf C.: Fr. 1'172.50
ab 1. August 2021 bis 31.Dezember 2021: - monatliches Nettoeinkommen Gesuchsgegner (Arbeitslosentaggelder, exkl. Familienzulagen): Fr. 5'711.00 - monatliches Nettoeinkommen Gesuchstellerin: Fr. 0.00 - monatliches Nettoeinkommen C.
(inkl. Familienzulage): Fr. 200.00
- monatlicher Notbedarf Gesuchsgegner: Fr. 2'948.15 - monatlicher Notbedarf Gesuchstellerin: Fr. 3'064.00 - monatlicher Notbedarf C.: Fr. 1'302.50
ab 1. Januar 2022: - monatliches Nettoeinkommen Gesuchsgegner (hypothetisches Einkommen, exkl. Familienzulagen): Fr. 6'818.00 - monatliches Nettoeinkommen Gesuchstellerin
(hypothetisches Einkommen, exkl. Familienzulagen): Fr. 2'380.00 - monatliches Nettoeinkommen C.
(inkl. Familienzulage): Fr. 200.00
- monatlicher Notbedarf Gesuchsgegner: Fr. 3'368.15 - monatlicher Notbedarf Gesuchstellerin: Fr. 3'224.00 - monatlicher Notbedarf C.: Fr. 1'670.85
[...]
8. [Abweisung des Prozesskostenvorschussbegehrens der Klägerin;  des Gesuchs der Klägerin um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung]
9. [...]
- 6 -
10. Im Übrigen haben die Parteien am 1. Juni 2021 eine Teilvereinbarung . Soweit diese Punkte betrifft, die der Offizialmaxime unterliegen, werden sie mit dem Wortlaut gemäss Vereinbarung zum Urteil erhoben, in den übrigen Punkten wird das Verfahren als durch Vergleich erledigt .
[...]
5. Die Gesuchstellerin anerkennt, dass der Gesuchsgegner seit  2020 Fr. 2'500.00 an Unterhaltsbeiträgen bezahlt hat. Er sei  zu erklären, diesen Betrag zur Verrechnung zu bringen.  der Gesuchsgegner mittels Zahlungsquittungen nachweist, dass er die Krankenkassenprämien ab November 2020 für den  Sohn C. oder die Gesuchstellerin bezahlt hat, sei er berechtigt zu erklären, auch diese Beiträge zur Verrechnung zu bringen.
[...]"
2.
2.1.
Gegen den ihm am 23. Dezember 2021 in begründeter Ausfertigung zuge-
stellten Entscheid erhob der Beklagte am 3. Januar 2022 fristgerecht Beru-
fung mit den Begehren, es seien unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
die Dispositiv-Ziffern 3 bis 5 aufzuheben und (die Ziffern 3 und 4) durch
folgende Bestimmungen zu ersetzen:
3. "[...] [D]er Bf [sei] zu verpflichten, an den Unterhalt von C. [...] monatlich[...] [...] zzgl. allfällig bezogener Kinder- bzw. Ausbildungszulagen zu :
- für November 2020: CHF 794.00
(wovon kein Betreuungsunterhalt) - für Dezember 2020: CHF 1'050.00
(wovon kein Betreuungsunterhalt) - von 01.01.2021 – 30.04.2021: CHF 1'214.00
(wovon kein Betreuungsunterhalt) - von 01.05.2021 – 30.11.2021: CHF 1'073.00
(wovon CHF 0.00 Betreuungsunterhalt) - ab 01.01.2022: CHF 643.00
(wovon CHF 0.00 Betreuungsunterhalt)"
4. "[...] Es [...] sei auf die Zusprechung von persönlichem Unterhalt an die Bg zu verzichten."
2.2.
Mit Berufungsantwort vom 26. Januar 2022 beantragte die Klägerin die
kostenfällige Abweisung der Berufung, soweit darauf einzutreten sei. So-
- 7 -
fern ihr beim Familiengericht Baden eingereichtes Prozesskostenvor-
schussbegehren vom 26. Januar 2022 abgewiesen werde, sei ihr die un-
entgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu bewilligen.
2.3.
Mit Eingaben vom 14. Februar 2022 (Klägerin) resp. vom 8. März 2022 (Be-
klagter) machten die Parteien Neuerungen geltend.
2.4.
Mit Instruktionsrichterverfügung vom 23. März 2022 wurden die Parteien
zur Einreichung weiterer Unterlagen aufgefordert.
2.5.
Mit Eingaben vom 4. April 2022 (Beklagter) bzw. vom 19. und 25. April
2022 (Klägerin) reichten die Parteien die eingeforderten sowie zusätzliche
Unterlagen ein.

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Gegen den angefochtenen Entscheid ist als Rechtsmittel die Berufung ge-
geben (Art. 308 Abs. 1 lit. b ZPO).
1.1.
Mit Berufung können beim Obergericht (§ 10 lit. c EG ZPO) die unrichtige
Rechtsanwendung und die unrichtige Feststellung des Sachverhalts gel-
tend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Das Obergericht kann bei rechtsfeh-
lerhafter Ermessensausübung eingreifen (REETZ/THEILER, in: Kommentar
zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO-Komm.], 3. Aufl., Zürich
2016, N. 34 f. zu Art. 310 ZPO).
1.2.
In der Berufungsbegründung (Art. 311 Abs. 1 ZPO) hat sich der Berufungs-
kläger mit der Begründung im erstinstanzlichen Entscheid im Einzelnen und
sachbezogen auseinander zu setzen (REETZ/THEILER, a.a.O., N. 36 zu
Art. 311 ZPO). Mit blossen Wiederholungen der eigenen Vorbringen vor
erster Instanz, die von dieser bereits abgehandelt wurden, wird dem Be-
gründungserfordernis nicht Genüge getan (HUNGERBÜHLER/BUCHER, in:
DIKE-Kommentar ZPO, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2016, N. 27 ff. zu
Art. 311 ZPO).
1.3.
Dem Berufungsbeklagten ist es - auch wenn wie vorliegend keine An-
schlussberufung zulässig ist (Art. 314 Abs. 2 ZPO) - erlaubt, Kritik an den
- 8 -
Erwägungen der Vorinstanz zu üben (REETZ/THEILER, a.a.O., N. 12 zu
Art. 312 ZPO).
1.4.
Das Obergericht beschränkt sich - abgesehen von offensichtlichen Män-
geln - grundsätzlich auf die Beurteilung der in der Berufung und der Beru-
fungsantwort gegen das erstinstanzliche Urteil erhobenen Beanstandun-
gen (BGE 142 III 416 f. Erw. 2.2.4).
1.5.
Die Untersuchungs- (Art. 272 ZPO) resp. Erforschungsmaxime (Art. 296
Abs. 1 ZPO) befreien die Parteien weder von ihrer Behauptungs- und Sub-
stantiierungslast noch von ihrer Mitwirkungspflicht, d.h. es liegt auch in die-
sem Fall an ihnen, die erforderlichen tatsächlichen Grundlagen für die gel-
tend gemachten Ansprüche darzutun und die Beweise für die vorgebrach-
ten Tatsachen vorzulegen resp. zu beantragen (BGE 140 III 485 Erw. 3.3;
BGE 5A_855/2017 Erw. 4.3.2, 5A_485/2012 Erw. 5). Bleiben prozessrele-
vante Tatsachen beweislos, unterliegt diejenige Partei welche die Beweis-
last trägt (vgl. GEHRI, in: Schweizerische Zivilprozessordnung, Basler Kom-
mentar [BSK-ZPO], 3. Aufl., Basel 2017, N. 17 zu Art. 55 ZPO).
1.6.
Die Einschränkung, dass im Berufungsverfahren das Vorbringen neuer Tat-
sachen und Beweismittel nur im Rahmen von Art. 317 Abs. 1 ZPO möglich
ist (BGE 138 III 625 Erw. 2.2), gilt bei Kinderbelangen nicht
(BGE 144 III 349 Erw. 4.2.1), wobei Feststellungen betreffend den Kindes-
unterhalt auch beim gleichzeitig zur Diskussion stehenden Ehegattenunter-
halt Berücksichtigung finden müssen (BGE 128 III 411 Erw. 3.2.2;
BGE 5A_245/2019 Erw. 3.2.1). Die für den Kindesunterhalt gewonnenen
Erkenntnisse können nicht für den im gleichen Entscheid beurteilten eheli-
chen Unterhalt ausgeblendet bzw. im Rahmen der vorzunehmenden Ge-
samtrechnung separiert werden (vgl. BGE 147 III 304 Erw. 2.2). Dies gilt
auch sinngemäss für die unmittelbar damit verknüpfte rechtliche Operation
der Bestimmung der Unterhaltshöhe (vgl. BGE 5A_112/2020 Erw. 2.2).
1.7.
Der Sachverhalt ist glaubhaft zu machen (BGE 5A_239/2017 Erw. 2.3),
was mehr als Behaupten bedeutet (BGE 120 II 398). Im Bereich der Kin-
derbelange ist der Richter nicht an die Parteianträge gebunden (Offizialma-
xime, Art. 296 Abs. 3 ZPO). Das Gericht kann auch zu Ungunsten der Kin-
der davon abweichen (BGE 5A_169/2012 Erw. 3.3).
- 9 -
2.
2.1.
Die Klägerin brachte in ihrer Berufungsantwort (S. 3 f.) vor, die Kinderali-
mente würden ihr seit dem 1. Mai 2021 im Umfang von Fr. 956.00 bevor-
schusst. Da die Passivlegitimation zufolge Subrogation im Umfang der Be-
vorschussung auf das Gemeinwesen übergegangen sei und der Beklagte
nur gegen die Klägerin Berufung erhoben habe, sei im Umfang der Bevor-
schussung auf seine Berufung nicht einzutreten. Im Lichte des jüngst er-
gangenen, zur Publikation vorgesehenen Entscheids BGE 5A_75/2020
Erw. 6, mit welchem das Bundesgericht die bisherige (von der Klägerin zi-
tierte) Rechtsprechung (BGE 143 III 177 ff.) geändert hat (vgl. auch den
ebenfalls zur Publikation vorgesehenen BGE 5A_382/2021 Erw. 4.2, sowie
BGE 5A_120/2021 Erw. 1.2), verfängt dieser Einwand nicht (mehr). Ge-
genstand einer Eheschutzklage ist in Bezug auf den Unterhalt stets das
Stammrecht, in welches das die Kinderalimente bevorschussende Gemein-
wesen nach neuster Praxis nicht subrogiert, weshalb die Sachlegitimation
unabhängig von einer allfälligen Bevorschussung immer dem Kind oder
dessen Vertreter zukommt. Damit ist vorliegend die Klägerin sowohl hin-
sichtlich ihres Ehegattenunterhalts als auch bezüglich des (ganzen) Kin-
derunterhalts (als Vertreterin von C.) sachlegitimiert.
2.2.
Soweit der Beklagte in seiner Berufung "hinsichtlich der Einzelheiten" (Be-
rufung Ziff. 6, 10, 14, 20, 26, 33, 38, 50) auf seine "Berechnungsblätter im
Anhang" verweist resp. diese zum "integrierenden Bestandteil der Beru-
fung" erklärt, stellt dies keine substantiierte Auseinandersetzung mit dem
angefochtenen Entscheid dar (Erw. 1.2 oben). Die vorinstanzliche Unter-
haltsberechnung ist nicht aufgrund der vom Beklagten eingereichten Be-
rechnungstabellen nach allfälligen Fehlern zu durchleuchten. Dies führt
entgegen der Klägerin aber nicht dazu, dass auf die Berufung des Beklag-
ten generell nicht einzutreten wäre (Berufungsantwort Ziff. 3, 7, 11, 17, 23,
30, 35, 47). Zu berücksichtigen sind bei der Beurteilung des Rechtsmittels
indes einzig die konkreten Vorbringen in der Berufung, in denen sich der
Beklagte substantiiert mit dem angefochtenen Entscheid auseinandersetzt.
2.3.
Das vorinstanzliche Urteilsdispositiv regelt in Ziffer 3 den Kinderunterhalt,
in Ziffer 4 den Ehegattenunterhalt und benennt in Ziffer 5 die der Unter-
haltsberechnung zugrunde gelegten Einkommen und Existenzminima. Der
Beklagte beantragt die Aufhebung dieser drei Ziffern, stellt aber nur bezüg-
lich der Ziffern 3 und 4 Anträge, wie abweichend zur Vorinstanz entschie-
den werden soll. Der Berufungsschrift muss entnommen werden können,
dass und weshalb der Berufungskläger einen Entscheid anficht und inwie-
weit dieser geändert oder aufgehoben werden soll. Anträge auf Unterhalts-
zahlungen sind zu beziffern. Dies gilt auch im Anwendungsbereich der Un-
- 10 -
tersuchungsmaxime. Auf eine Eingabe mit formell mangelhaften Rechtsbe-
gehren kann ausnahmsweise eingetreten werden, wenn sich aus der Be-
gründung, allenfalls in Verbindung mit dem angefochtenen Entscheid, zwei-
felsfrei ergibt, was in der Sache verlangt wird (vgl. BGE 137 III 617 Erw. 4.2
bis 4.4, 4.5.4, 5.2 und 6.2). Vorliegend ergibt sich aus der Berufungsbe-
gründung, welche Abänderung der Beklagte bezüglich der Dispositiv-Ziffer
5 verlangt. Ein Rechtsschutzinteresse, die Existenzminima der Parteien in
dieser diesbezüglich bloss deklaratorischen Dispositiv-Ziffer anzupassen
resp. überhaupt zu erfassen, besteht aber nicht, da sich die entsprechen-
den Zahlen aus den Urteilserwägungen ergeben; insoweit ist auf die Beru-
fung des Beklagten nicht einzutreten resp. ist der angefochtene Entscheid
von Amtes wegen zu bereinigen, damit nicht eine Diskrepanz zwischen den
Beträgen im Dispositiv und denjenigen in den Erwägungen Verwirrung stif-
tet. Zu vermerken resp. anzupassen sind jedoch die der Unterhaltsberech-
nung zugrunde gelegten Einkommen (vgl. Art. 301a ZPO).
2.4.
Nachdem auch die übrigen Rechtsmittelvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf
die Berufung des Beklagten (im Übrigen) einzutreten.
3.
Strittig sind der Kinder- und der Ehegattenunterhalt. Die Vorinstanz (Urteil,
Erw. 5) ermittelte diesen nach der Methode des Existenzminimums mit
Überschussverteilung (vgl. dazu Erw. 4 unten).
3.1.
Es wurden sieben Phasen gebildet:
(1) November 2020,
(2) Dezember 2020 (ab der Erhöhung der Krippenkosten),
(3) Januar 2021 (ab der Subventionierung der Krippenkosten; Aussteue-
rung der Klägerin),
(4) Februar bis April 2021 (ab Beginn der 30 %-Anstellung der Klägerin),
(5) Mai bis Juli 2021 (ab Bezug einer neuen Wohnung durch den Beklag-
ten und dessen Arbeitsende bei der D. AG),
(6) August bis Dezember 2021 (ab Geltung des neuen Tarifs der Kinder-
krippe) und
(7) ab Januar 2022 (ab Anrechnung hypothetischer Einkommen bei bei-
den Parteien).
3.2.
Für den Beklagten wurden folgende Überschüsse (Einkommen – Existenz-
minimum – Steuern [nur in den Phasen 1, 2 und 7]) ermittelt:
(1) Fr. 2'332.85 (Fr. 5'711.00 – Fr. 2'958.15 [Grundbetrag Fr. 1'200.00,
Wohnkosten Fr. 1'500.00, KVG Fr. 258.15] – Fr. 420.00)
- 11 -
(2) Fr. 2'402.85 (Fr. 5'711.00 – Fr. 2'958.15 – Fr. 350.00)
(3) Fr. 2'752.85 (Fr. 5'711.00 – Fr. 2'958.15)
(4) Fr. 2'752.85 (Fr. 5'711.00 – Fr. 2'958.15)
(5) Fr. 2'762.85 (Fr. 5'711.00 – Fr. 2'948.15 [neu: Wohnkosten
Fr. 1'390.00, Stellensuche Fr. 100.00])
(6) Fr. 2'762.85 (Fr. 5'711.00 – Fr. 2'948.15)
(7) Fr. 3'079.85 (Fr. 6'818.00 – Fr. 3'368.15 [neu: Arbeitsweg Fr. 300.00,
auswärtige Verpflegung Fr. 220.00] – Fr. 370.00)
3.3.
Für die Klägerin ergab sich folgende Leistungsfähigkeit (Einkommen –
Existenzminimum – Steuern [nur in den Phasen 1, 2 und 7]):
(1) Fr. 354.85 (Fr. 3'696.60 – Fr. 3'031.75 [Grundbetrag Fr. 1'200.00,
Wohnkosten Fr. 1'680.00 abzgl. Wohnkostenanteil
C. Fr. 250.00, KVG Fr. 401.75] – Fr. 310.00)
(2) Fr. 384.85 (Fr. 3'696.60 – Fr. 3'031.75 – Fr. 280.00)
(3) -Fr. 2'964.00 (Fr. 0.00 – Fr. 2'964.00 [neu: KVG Fr. 334.00])
(4) -Fr. 3'064.00 (Fr. 0.00 – Fr. 3'064.00 [neu: Stellensuche Fr. 100.00])
(5) -Fr. 3'064.00 (Fr. 0.00 – Fr. 3'064.00)
(6) -Fr. 3'064.00 (Fr. 0.00 – Fr. 3'064.00)
(7) -Fr. 1'034.00 (Fr. 2'380.00 – Fr. 3'224.000 [neu: Arbeitsweg Fr. 150.00,
auswärtige Verpflegung Fr. 110.00] – Fr. 190.00)
3.4.
C. (ungedeckter) Unterhaltsbedarf (Existenzminimum – Kinderzulage)
wurde festgelegt auf:
(1) Fr. 670.00 (Fr. 200.00 – Fr. 870.00 [Grundbetrag Fr. 400.00,
Wohnkostenanteil Fr. 250.00, KVG Fr. 100.00])
(2) Fr. 1'330.00 (Fr. 200.00 – Fr. 1'530.00 [neu: Fremdbetreuungskosten
Fr. 780.00])
(3) Fr. 972.50 (Fr. 200.00 – Fr. 1'172.50 [neu: Fremdbetreuungskosten
Fr. 422.50])
(4) Fr. 972.50 (Fr. 200.00 – Fr. 1'172.50)
(5) Fr. 972.50 (Fr. 200.00 – Fr. 1'172.50)
(6) Fr. 1'102.50 (Fr. 200.00 – Fr. 1'302.50 [neu: Fremdbetreuungskosten
Fr. 552.50])
(7) Fr. 1'470.83 (Fr. 200.00 – Fr. 1'670.83 [neu: Fremdbetreuungskosten
Fr. 920.83])
3.5.
Bei einer Gegenüberstellung der vorhandenen Überschüsse mit den Be-
darfsunterdeckungen (Klägerin; C.) ergab sich folgendes Bild:
(1) Überschuss Fr. 2'017.70
- 12 -
(Überschuss Beklagter Fr. 2'332.85 + Überschuss
Klägerin Fr. 354.85 – Unterdeckung C. Fr. 670.00)
(2) Überschuss Fr. 1'457.70 (Fr. 2'402.85 + Fr. 384.85 - Fr. 1'330.00).
(3) Manko Fr. 1'183.65 (Fr. 2'752.85 - Fr. 2'964.00 - Fr. 972.50)
(4) Manko Fr. 1'283.65 (Fr. 2'752.85 - Fr. 3'064.00 - Fr. 972.50)
(5) Manko Fr. 1'273.65 (Fr. 2'762.85 - Fr. 3'064.00 - Fr. 972.50)
(6) Manko Fr. 1'403.65 (Fr. 2'762.85 - Fr. 3'064.00 - Fr. 1'102.50)
(7) Überschuss Fr. 575.02 (Fr. 3'079.85 - Fr. 1'034.00 - Fr. 1'470.83)
3.5.1.
Die in den Phasen 1, 2 und 7 verbleibenden Überschüsse wurden den Par-
teien je zu 37.5 % und C. zu 25 % zugewiesen, wobei C. Überschussanteil
in der Phase 1 auf 50 % seines Barbedarfs plafoniert wurde.
3.5.2.
3.5.2.1.
Dies ergab für C. einen Barunterhalt von:
(1) Fr. 1'045.00 (Barbedarf Fr. 670.00 + Überschuss plafoniert Fr. 375.00)
(2) Fr. 1'700.00 (Barbedarf Fr. 1'330.00 + Überschuss Fr. 364.43)
(7) Fr. 1'614.59 (Barbedarf Fr. 1'470.83 + Überschuss Fr. 143.75)
In den Phasen mit Manko entsprach der Barunterhalt dem Barbedarf von:
(3 bis 5) Fr. 972.50
(6) Fr. 1'102.50
3.5.2.2.
In den Phasen 4 bis 6 wurde C. rechnerischer Betreuungsunterhalt (Unter-
deckung der Klägerin) um ein fiktives Einkommen der Klägerin von
Fr. 1'430.00 reduziert. Dies ergab einen Betreuungsunterhalt für C. von
Fr. 1'634.00 (Fr. 3'064.00 – Fr. 1'430.00).
In den Phasen (1) und (2) verblieb kein Raum für Betreuungsunterhalt.
In Phase (3) belief sich der Betreuungsunterhalt auf Fr. 1'928.00 (Über-
schuss Beklagter Fr. 2'752.85 – Barunterhalt C. ohne Fremdbetreuungs-
kosten Fr. 550.00 – anteilmässig gekürzte Fremdbetreuungskosten
Fr. 275.00) und in Phase (7) auf Fr. 1'034.00 (Unterdeckung Klägerin).
3.5.2.3.
Dies ergab einen Gesamtunterhalt für C. von:
(1) Fr. 1'045.00 (Fr. 1'045.00 + Fr. 0.00)
(2) Fr. 1'700.00 (Fr. 1'700.00 + Fr. 0.00)
(3) Fr. 2'750.00 (Fr. 972.50 + Fr. 1'928.00 > als ExMin des Beklagten)
- 13 -
(4) Fr. 2'606.00 (Fr. 972.50 + Fr. 1'634.00)
(5) Fr. 2'606.00 (Fr. 972.50 + Fr. 1'634.00)
(6) Fr. 2'736.00 (Fr. 1'102.50 + Fr. 1'634.00)
(7) Fr. 2'650.00 (Fr. 1'614.59 + Fr. 1'034.00)
3.6.
Für die Klägerin resultierte ein Ehegattenunterhalt von:
(1) Fr. 466.50 (Überschussanteil Fr. 821.35 [Gesamtüberschuss
Fr. 2'017.70 – Überschuss C. Fr. 375.00; / 2; abzgl. Leistungsfähigkeit
Fr. 354.85]
(2) Fr. 161.00 ([Überschussanteil Fr. 546.64 – Fr. 384.85])
(3) Fr. 0.00
(4) Fr. 143.00 (Überschuss Beklagter Fr. 2'750.00 – Unterhalt C.
Fr. 2'606.50)
(5) Fr. 153.00 (Überschuss Beklagter Fr. 2'760.00 – Unterhalt C.
Fr. 2'606.00)
(6) Fr. 0.00 (Überschuss Beklagter Fr. 2'750.00 – Unterhalt C.
Fr. 2'736.00)
(7) Fr. 215.00 (Überschussanteil).
4.
4.1.
Das Bundesgericht hat in seiner jüngsten Rechtsprechung für die Ermitt-
lung sowohl des Kindes- wie auch des Ehegattenunterhaltes die zweistufig-
konkrete Methode der Existenzminima mit Überschussverteilung schweiz-
weit vorgegeben (vgl. BGE 147 III 293 und 147 III 308 betreffend [nach-
]ehelichen Unterhalt im Nachgang zu BGE 147 III 265 betreffend Kindes-
unterhalt; BGE 5A_747/2020 Erw. 4.1.3). Nach der zweistufigen Methode
der Existenzminima mit Überschussverteilung werden zum einen die zur
Verfügung stehenden finanziellen Mittel festgestellt; hierfür sind in erster
Linie die effektiven oder hypothetischen Einkommen relevant. Zum ande-
ren wird der Bedarf der von der Unterhaltsberechnung betroffenen Perso-
nen ermittelt. Bei der Bedarfsermittlung bzw. der Ermittlung des gebühren-
den Unterhalts sind als Ausgangspunkt die "Richtlinien der Konferenz der
Betreibungs- und Konkursbeamten der Schweiz für die Berechnung des
betreibungsrechtlichen Existenzminimums" zu verwenden, bzw. für die tat-
sächlichen Verhältnisse im Kanton Aargau die im Kreisschreiben der
Schuldbetreibungs- und Konkurskommission des Obergerichts vom
21. Oktober 2009 enthaltenen Richtlinien für die Berechnung des betrei-
bungsrechtlichen Existenzminimums (Notbedarf) nach Art. 93 SchKG
(SchKG-Richtlinien; KKS.2005.7). Bei Kindern ist in Abweichung davon
(zusätzlich) je ein (bei den Wohnkosten des Obhutsinhabers abzuziehen-
der) Wohnkostenanteil einzusetzen und sind im Übrigen auch die Fremd-
betreuungskosten zu berücksichtigen. Die vorhandenen Ressourcen wer-
- 14 -
den auf die beteiligten Familienmitglieder dahingehend verteilt, dass in ei-
ner bestimmten Reihenfolge das betreibungsrechtliche bzw. bei genügen-
den Mitteln das sog. familienrechtliche Existenzminimum der Beteiligten
gedeckt und alsdann ein verbleibender Überschuss nach der konkreten Si-
tuation ermessensweise verteilt wird. Im Mankofall ist dem Unterhalts-
schuldner das betreibungsrechtliche Existenzminimum zu belassen
(BGE 135 III 66). Soweit es die finanziellen Mittel zulassen, ist der gebüh-
rende Unterhalt (bei den Kindern sowohl Bar- als auch Betreuungsunter-
halt) zwingend auf das sog. familienrechtliche Existenzminimum zu erwei-
tern. Soweit nach allseitiger Deckung des familienrechtlichen Existenzmi-
nimums ein Überschuss verbleibt, kann der Barbedarf des Kindes (und nur
dieser) bzw. der hierfür zu verwendende Unterhaltsbeitrag durch Zuwei-
sung eines Überschussanteils weiter erhöht werden (vgl. BGE 147 III 265
Erw. 7 und 7.2; BGE 5A_593/2021 Erw. 3.2). Der Überschuss ist grund-
sätzlich nach "grossen und kleinen Köpfen" aufzuteilen, wobei aber – "im
Sinne einer Bündelung der Ermessensbetätigung" - sämtliche Besonder-
heiten des konkreten Falles zu berücksichtigen sind (BGE 147 III 265
Erw. 7.1, 7.3 und 7.4). Zudem ist bei weit überdurchschnittlich guten finan-
ziellen Verhältnissen der rechnerische Überschussanteil des Kindes unab-
hängig vom konkret gelebten Standard der Eltern aus erzieherischen und
aus konkreten Bedarfsgründen zu limitieren. Der Unterhaltsbeitrag für das
Kind ist nicht linear nach der finanziellen Leistungskraft der Eltern, ohne
jeden Bezug zur konkreten Situation des Kindes, zu bemessen (BGE 147
III 265 Erw. 7.3). Aus Gesetz und Rechtsprechung ergibt sich folgende
Rangfolge bei der Zusprechung von Unterhalt: Zuerst ist der Barunterhalt
der minderjährigen Kinder und im Anschluss der Betreuungsunterhalt, so-
dann allfälliger (nach)ehelicher Unterhalt (Art. 276a Abs. 1 ZGB) und ab-
schliessend der Volljährigenunterhalt zu decken (BGE 147 III 265 Erw. 7.3).
4.2.
Grundsätzlich sorgen beide Elternteile, ein jeder nach seinen Kräften, für
den in Form von Pflege, Erziehung und Geld zu erbringenden Unterhalt
(Art. 276 Abs. 1 und 2 ZGB). Dies gilt an sich auch für den gesamten Geld-
unterhalt (gemäss Art. 285 Abs. 1 und 2 ZGB). Soweit die Eltern getrennt
leben, wird praktisch relevant, wer an wen welchen Geldbetrag zu entrich-
ten hat. Im Streitfall gilt bei alleiniger Obhut eines Elternteils der Grundsatz,
dass der Geldunterhalt vor dem Hintergrund der Gleichwertigkeit von Geld-
und Naturalunterhalt und weil der Inhaber der Obhut seinen Unterhaltsbei-
trag vollständig mittels Naturalunterhalt leistet, indem er dem Kind Pflege
und Erziehung erweist, grundsätzlich vollständig dem anderen Elternteil an-
heimfällt, weil dieser weitestgehend von den mit dem Naturalunterhalt er-
füllten Aufgaben entbunden ist. Von diesem Grundsatz muss das Gericht
ermessensweise abweichen, wenn der hauptbetreuende Elternteil leis-
tungsfähiger ist als der andere. Ein Elternteil gilt in diesem Zusammenhang
als leistungsfähig, wenn er mit seinem eigenen Einkommen seinen Bedarf
- 15 -
zu decken vermag und darüber hinausgehend über einen Überschuss ver-
fügt (BGE 5A_727/2018 Erw. 4.3.2.2), bzw. ist die Leistungsfähigkeit in die-
sem Sinne in dem Umfang gegeben, als das eigene Einkommen den eige-
nen Bedarf übersteigt (BGE 5A_743/2017 Erw. 5.3.2). Vorliegend steht
ausser Frage, dass die Klägerin als Inhaberin der alleinigen Obhut über
den noch nicht zweijährigen C. noch einen finanziellen Betrag an dessen
Unterhalt leisten müsste; sie ist denn offensichtlich auch gar nicht in der
Lage dazu.
4.3.
Mit dem vorliegenden Entscheid werden gegenüber dem vorinstanzlichen
Entscheid drei weitere Berechnungsphasen dazu kommen; die Phase 8
von Februar 2022 bis Mai 2022 (ab Bezug einer neuen Wohnung durch die
Klägerin; vgl. Erw. 8.1 unten), die Phase 9 von Juni bis August 2022 (ab
Antritt der neuen Stelle durch die Klägerin; vgl. Erw. 5.3.2 unten) und die
Phase 10 ab September 2022 (ab Reduktion der Leasingkosten des Be-
klagten; vgl. Erw. 7.1.2 unten).
5.
5.1.
In den Phasen 4 bis 6 rechnete die Vorinstanz (Urteil, S. 27) der Klägerin
kein Einkommen an (vgl. Erw. 3.3 oben). Der per 1. Februar 2021 abge-
schlossene Arbeitsvertrag (30 %-Pensum als [...], bei der E. GmbH in Q.
[vgl. Klagebeilage 6; Arbeitsvertrag vom 16. Dezember 2020]), mit wel-
chem sie monatlich netto ca. Fr. 1'430.00 verdient hätte, sei noch vor Stel-
lenantritt gekündigt worden. Mit seinem Einwand, der Klägern sei ab
1. Februar 2021 entgegen der Vorinstanz ein hypothetisches Einkommen
von "mindestens" Fr. 1'430.00 anzurechnen, weil die Klägerin aus dem
(verhinderten) Stellenantritt hinsichtlich der Festlegung der Alimente Nach-
teile erwartet habe (vgl. Berufung Ziff. 23), ist der Beklagte nicht zu hören.
Ein hypothetisches Einkommen darf grundsätzlich erst nach Einräumung
einer angemessenen Übergangsfrist angerechnet werden (BGE 129 III 417
Erw. 2.2). Ist, wie (offensichtlich) bei der Klägerin, der Einkommensausfall
unumkehrbar, darf ein hypothetisches Einkommen - rückwirkend - nur an-
gerechnet werden, wenn der betroffene Ehegatte seinen Verdienst in Schä-
digungsabsicht geschmälert hat (vgl. BGE 143 III 233 Erw. 3.4;
BGE 5A_403/2019 Erw. 4.1; vgl. auch BGE 5A_347/2021 Erw. 3.1 in fine).
Notwendig ist dabei, dass der Ehegatte geradezu böswillig handelt und sich
ein rechtsmissbräuchliches Verhalten vorwerfen lassen muss (BGE 143 III
233 Erw. 3.4; BGE 5A_403/2019 Erw. 4.1). Im Zweifel ist Rechtsmiss-
brauch, der "offenbar" sein muss (vgl. HONSELL, in: Basler Kommentar
[BSK-ZGB], Zivilgesetzbuch I, 6. Aufl., Basel 2018, N. 27 zu Art. 2 ZGB),
zu verneinen (vgl. BGE 137 III 433 Erw. 4.4), er ist nur mit grosser Zurück-
haltung zu bejahen (BGE 136 III 454 Erw. 4.5.1; BGE 5A_655/2010
Erw. 2.2.1 "mit grösster Zurückhaltung"). Dass die Klägerin, wie der Be-
- 16 -
klagte sinngemäss vorbringt, ihr Einkommen geradezu in Schädigungsab-
sicht resp. offenbar rechtsmissbräuchlich reduziert hätte, d.h. gerade im
Hinblick auf den zu führenden Prozess (vgl. BGE 143 III 233 Erw. 3.4), ist
mit der Unterstellung des Beklagten – wonach "ein geschäftliches Vorha-
ben des Geschwisterpaars einzig mit Rücksicht auf das damals bereits lau-
fende Eheschutzverfahren nicht umgesetzt" worden sei (Berufung
Ziff. 23) - allerdings nicht dargetan und auch nicht ersichtlich. Für eine sol-
che Annahme fehlt es vorliegend an den dafür erforderlichen eindeutigen
Indizien (BGE 5A_403/2019 Erw. 4.3.2). Aufgrund der Akten erscheint es
vielmehr als plausibel, dass die Stelle der Klägerin am 21. Januar 2021 vor
Antritt am 1. Februar 2021 gekündigt wurde, weil der Bruder der Klägerin
seine neugegründete Firma aus gesundheitlichen (vgl. act. 128) resp. aus
finanziellen Gründen (vgl. Beilage 10 zur Eingabe der Klägerin vom 1. März
2021 [Kündigungsschreiben]) liquidieren musste. Es ist nicht anzunehmen,
dass die am 17. Juli 2020 gegründete GmbH des Bruders bereits wieder
mit Gesellschafterbeschluss vom 23. Februar 2021 aufgelöst worden ist
(vgl. www.zefix.ch; zuletzt besucht am 4. Mai 2022), einzig mit der Absicht,
der Klägerin zu höheren Unterhaltsbeiträgen zu verhelfen.
5.2.
5.2.1.
Die Vorinstanz rechnete der Klägerin ab Phase 7 (ab 1. Januar 2022) ein
hypothetisches Einkommen an. Die Klägerin habe an der Verhandlung vom
1. Juni 2021 ausgesagt, sie suche eine 50 %-Anstellung (vgl. act. 127/2).
Ein für ein 50 %-Pensum (hochgerechnetes) Einkommen von Fr. 2'380.00
(Fr. 1'430.00 [Nettoeinkommen, das die Klägerin in der nicht angetretenen
30 %-Anstellung hätte erzielen können] / 30 x 50) scheine mit Blick auf ih-
ren versicherten Verdienst (Fr. 5'014.00 brutto für eine 100 %-Anstellung)
realistisch und erzielbar.
5.2.2.
Sofern sich die Klägerin als Inhaberin der Obhut über den gerade zwei
Jahre alten Sohn C. für den Zeitraum ab Phase 7 sinngemäss auf das
Schulstufenmodell berufen will (vgl. Berufungsantwort Ziff. 20), das von der
Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit erst ab Einschulung des jüngsten Kin-
des ausgeht (BGE 144 III 481 Erw. 4.7.6), ist darauf hinzuweisen, dass das
Schulstufenmodell lediglich eine Richtlinie darstellt, von welcher je nach
den Umständen im Einzelfall nach pflichtgemässem richterlichem Ermes-
sen abgewichen werden kann. So rechtfertigt sich ein Abweichen auch
dann, wenn - wie vorliegend bei der Klägerin - die Möglichkeit einer Dritt-
betreuung besteht (vgl. BGE 5A_273/2018 Erw. 7.3.1 in fine). Im Übrigen
hat die Klägerin mit der Suche einer Arbeitsstelle den Tatbeweis dafür er-
bracht, dass sie eine ausserhäusliche Erwerbstätigkeit ungeachtet ihrer Be-
treuungspflichten als zumutbar erachtet. Die Richtlinien im Schulstufenmo-
dell sind sodann insbesondere für die Beurteilung massgebend, in welchem
- 17 -
Umfang einer Person eine Erwerbstätigkeit zumutbar ist, d.h. bei der Be-
stimmung eines hypothetischen, höheren Einkommens (vgl. Erw. 6.2.2 un-
ten) als des gegenwärtig tatsächlich erzielten. Bei Ermittlung des für die
Unterhaltsbestimmung relevanten Einkommens sind nun aber grundsätz-
lich sämtliche Erwerbseinkommen, Vermögenserträge und Vorsorgeleis-
tungen etc. einzubeziehen. Eine Individualisierung aufgrund spezieller Si-
tuationen wie etwa eine "Vorabzuteilung für überobligatorische Arbeitsan-
strengung", namentlich die Sonderbehandlung von Einkommen aus einer
über das Schulstufenmodell hinausgehenden Beschäftigungsquote, hat
aber nicht zu erfolgen. Den Besonderheiten des Einzelfalles ist im Sinn ei-
ner "Bündelung der Ermessensbetätigung" nicht bereits auf der Stufe der
Einkommensermittlung (vgl. Erw. 4.1 oben), sondern vielmehr erst bei der
Überschussverteilung Rechnung zu tragen (BGE 147 III 265 Erw. 7.1).
5.3.
5.3.1.
In ihrer Berufungsantwort (Ziff. 53) brachte die Klägerin vor, dass sie aktuell
kein Einkommen erziele. Mit Eingabe vom 19. April 2022 reichte die Kläge-
rin ihre Abrechnungen der Arbeitslosenversicherung für die Monate Januar
und Februar 2022 ein ("Berufungsantwortbeilage 17"). Aus diesen Abrech-
nungen ergibt sich zum einen, dass die Klägerin einen Höchstanspruch von
90 Taggeldern hat, und zum andern, dass ihr offensichtlich schon im De-
zember 2021 Taggelder ausbezahlt worden sind. Vorliegend ist der Ein-
fachheit halber davon auszugehen, dass die Klägerin ihre 90 Taggelder im
Zeitraum von Januar 2022 bis Ende Mai 2022 (vgl. unten) bezogen hat,
was im Monatsdurchschnitt 18 Taggelder ergibt. Aufgrund der Angaben auf
den Taggeldabrechnungen lässt sich eine monatliche Arbeitslosenentschä-
digung in Höhe von (rund) Fr. 1'685.00 (18 x Fr. 101.60 [Taggeld]; abzgl.
7.81 % AHV/IV/EO und NBU sowie Fr. 0.35 BVG-Risikoprämie) ermitteln,
welche der Klägerin von Januar 2022 bis Mai 2022 als Einkommen anzu-
rechnen ist (Art. 296 Abs. 1 ZPO).
5.3.2.
Gemäss Einsatzvertrag mit der F. vom 21. April 2022 (vgl. Beilage 1 zur
Eingabe der Klägerin vom 25. April 2022) tritt die Klägerin per 1. Juni 2022
eine bis am 31. August 2023 befristete (rund) 80 %-Stelle bei der G. in R.
als [...] an. Ihr Bruttostundenlohn beträgt Fr. 34.00 (inkl. 8.33 % resp.
Fr. 2.41 Ferien- und 3.2 % resp. Fr. 0.90 Feiertagsentschädigung, sowie
inkl. 13. Monatslohn). Bei - wie vorliegend - einer Entlöhnung nach Stun-
denlohn ist bei der Ermittlung des durchschnittlich auf ein ganzes Jahr be-
zogenen Lohnes zu berücksichtigen, dass bei tatsächlichem Bezug von Fe-
rien und Feiertagen keine Auszahlung erfolgt, weil diese in den laufend er-
folgten Zuschlägen zu den Entlöhnungen der effektiv geleisteten Stunden
vor und nach Ferien/Feiertagen bereits enthalten ist (vgl. Entscheid des
Obergerichts, 5. Zivilkammer, vom 4. April 2022 [ZSU.2022.33], Erw. 4.2
- 18 -
Abs. 2). Die Klägerin arbeitet gemäss Einsatzvertrag pro Woche 33.2 Stun-
den und erhält einen Bruttostundenlohn von Fr. 34.00, was für eine Woche
einen Betrag von Fr. 1'128.80 (33.2 Stunden x Fr. 34.00) ergibt. Da die Klä-
gerin (ihrem Ferienzuschlag von 8.33 % entsprechend [vgl. STREIFF/VON
KAENEL/RUDOLPH, Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu Art. 319 bis 362
OR, 7. Aufl., Zürich 2012, N. 9 zu Art. 329d OR]) Anspruch auf vier Wochen
Ferien hat, ergibt sich für ein Jahr ein Betrag von Fr. 54'182.40 (48 Wochen
x Fr. 1'128.80). Davon abzuziehen sind Fr. 2'116.50 für die Feiertage (ca.
8.3 Stunden [33.2 Stunden : 4] x 7.5 Feiertage [ihrem Feiertagszuschlag
von 3.2 % entsprechend] x Fr. 34.00), was (für ihr 80 %-Pensum) einen
jährlichen Bruttolohn von Fr. 52'065.90 bzw. von netto (bei Sozialabzügen
von 13 %) Fr. 45'297.35 bzw. von monatlich (rund) Fr. 3'775.00 ergibt. Die-
ses Einkommen ist der Klägerin ab dem 1. Juni 2022 anzurechnen.
5.3.3.
Zusammenfassend sind der Unterhaltsberechnung auf Seiten der Klägerin
folgende Einkommen zugrunde zu legen:
Phase 1/2: Fr. 3'696.60 (vgl. Erw. 3.3 oben)
Phase 3 - 6: Fr. 0.00 (vgl. Erw. 3.3, 5.1 oben)
Phase 7/8 (bis Mai 2022): Fr. 1'685.00 (vgl. Erw. 5.3.1 oben)
Phase 9/10 (ab Juni 2022): Fr. 3'775.00 (vgl. Erw. 5.3.2 oben)
6.
6.1.
6.1.1.
Zum Einkommen des Beklagten in den Phasen 1 bis 4 erwog die Vorinstanz
(Urteil, Erw. 5.3.2, S. 15 f.), er beziehe Arbeitslosentaggelder und erziele
einen Zwischenverdienst, welcher aber unberücksichtigt bleiben könne, da
das Einkommen aus Zwischenverdienst und "ALV" in der Summe gleich-
bleibe. Nicht als Einkommen angerechnet würden die Pauschalspesen; im
Gegenzug würden keine Leasingkosten berücksichtigt. Angerechnet wurde
gestützt auf die Taggeldabrechnung für September 2020 ein Arbeitslosen-
taggeld von monatlich Fr. 5'711.00 (Fr. 5'992.55 abzgl. Kinderzulage
Fr. 202.00; / 22 x 21.7). Das Einkommen in den Phasen 5 und 6 bleibe
unverändert. Zwar habe Ende April 2021 das Arbeitsverhältnis des Beklag-
ten bei der D. AG geendet. Da das Einkommen jedoch nur als Zwischen-
verdienst angerechnet worden sei, werde das Arbeitslosentaggeld in un-
veränderter Höhe ausgerichtet (Urteil, S. 30). Während die Klägerin davon
ausgeht, dass die Vorinstanz ein zu tiefes Einkommen veranschlagt hat
(vgl. Berufungsantwort, S. 5 und Ziff. 24), bringt der Beklagte vor, er sei im
November 2021 ausgesteuert worden. Er habe nur noch 11.4 Taggelder
resp. Fr. 2'999.35 ausbezahlt erhalten (Berufung Ziff. 40).
- 19 -
6.1.2.
Es ist vorauszuschicken, dass entgegen der Vorinstanz das "Einkommen
aus Zwischenverdienst und ALV [...] in der Summe" nicht "gleich" bleibt.
Die Ausübung einer Arbeit im Zwischenverdienst (vgl. Art. 24 AVIG;
Art. 41a AVIV) führt stets zu einer Verbesserung des Einkommens, da der
Zwischenverdienst und die Kompensationszahlung der Arbeitslosenversi-
cherung zusammen höher als die Arbeitslosenentschädigung sind (vgl. das
Rechnungsbeispiel in AVIG-Praxis ALE des Staatssekretariats für Wirt-
schaft SECO, Stand Januar 2013, C 135). Wie nachfolgend zu zeigen sein
wird, führt jedoch eine korrekte Berechnung - selbst unter Aufrechnung ei-
nes Anteils der Repräsentationsspesen (vgl. Erw. 6.1.3 unten) - nicht dazu,
dass dem Beklagten bis Ende Dezember 2021 ein höheres oder (wegen
der geringen Differenz) ein tieferes Einkommen als gemäss Vorinstanz
(Fr. 5'711.00) anzurechnen ist.
6.1.3.
Im relevanten Zeitraum ab November 2020 erzielte der Beklagte folgende
Einkünfte (vgl. Sammelbeilagen 1 und 2 resp. Sammelbeilage 2 zu den
Eingaben des Beklagten vom 18. Februar 2021 resp. vom 4. April 2022):
Arbeitslosenentschädigung
November 2020: Fr. 4'788.85 (bei Fr. 1'000.00 ZV)
Dezember 2020: Fr. 5'315.20 (bei Fr. 1'000.00 ZV)
Januar 2021: Fr. 4'787.60 (bei Fr. 1'000.00 ZV)
Februar 2021: Fr. 4'524.50 (bei Fr. 1'000.00 ZV)
März 2021: Fr. 3'892.15 (bei Fr. 2'941.90 ZV)
April Fr. 2021: Fr. 3'576.60 (bei Fr. 3'576.60 ZV)
Mai 2021: Fr. 5'718.75 (inkl. Fr. 193.55 KZL)
Juni 2021: Fr. 5'991.05 (inkl. Fr. 202.75 KZL)
Juli 2021: Fr. 5'991.05 (inkl. Fr. 202.75 KZL)
August 2021: Fr. 5'991.05 (inkl. Fr. 202.75 KZL)
September 2021: Fr. 5'788.30
Oktober 2021: Fr. 5'147.35
November 2021: Fr. 4'366.20 (bei Fr. 1'919.70 ZV)
Dezember 2021: Fr. 2'999.35
Nach Abzug der von Mai bis August 2021 dem Beklagten ausbezahlten
Kinderzulagen ergibt sich für November 2020 bis Dezember 2021 eine Ar-
beitslosenentschädigung von im Monatsdurchschnitt Fr. 4'862.00.
Lohn D. AG / Zwischenverdienst als [...]
Dezember 2020: Fr. 2'319.00 (inkl. Fr. 1'500.00 Rep.-Spesen)
Januar 2021: Fr. 2'319.00 (inkl. Fr. 1'500.00 Rep.-Spesen)
Februar 2021: Fr. 2'319.00 (inkl. Fr. 1'500.00 Rep.-Spesen)
März 2021: Fr. 3'010.30 (inkl. Fr. 1'500.00 Rep.-Spesen)
April 2021: Fr. 2'318.55 (inkl. Fr. 1'500.00 Rep.-Spesen)
- 20 -
Die Lohnabrechnung für den November 2020 findet sich nicht in den Akten;
aufgrund des in der ALE-Abrechnung für November 2020 aufgeführten Zwi-
schenverdienstes ist indes davon auszugehen, dass der Beklagte im No-
vember 2020 (wie im Vormonat und in den Folgemonaten) monatlich netto
Fr. 2'319.25 verdient hat. Zieht man vom Gesamtbetrag inkl. Repräsentati-
onsspesen (Fr. 14'604.00 [= 4x Fr. 2'319.00 + Fr. 3'010.30 + Fr. 2'318.55])
für ermessensweise effektiv angefallene Auslagen 6x Fr. 500.00 (vgl.
Erw. 7.1.2 unten) ab, verbleibt ein dem Beklagten als Einkommen anre-
chenbarer Rest von Fr. 11'604.00, was (bei einer der Einfachheit halber
vorzunehmenden Verteilung auf die Monate November 2020 bis Dezember
2021) einen monatlichen Betrag von Fr. 828.00 (Fr. 11'604.00 / 14) ergibt.
6.1.4.
Zusammenfassend resultieren für den Zeitraum von November 2020 bis
Dezember 2021 monatliche Einkünfte des Beklagten von (rund)
Fr. 5'690.00 (Fr. 4'862.00 + Fr. 828.00). Dieser Betrag weicht nur unwe-
sentlich von den im angefochtenen Entscheid ermittelten Fr. 5'711.00 ab,
so dass es bei diesem Betrag gemäss Vorinstanz sein Bewenden hat.
6.2.
6.2.1.
Auch dem Beklagten rechnete die Vorinstanz ab 1. Januar 2022 (Phase 7)
ein hypothetisches Einkommen an. Es sei davon auszugehen, dass er eine
Festanstellung finden werde, bei der er wieder ein Einkommen in Höhe des
versicherten Verdienstes von Fr. 7'748.00 brutto respektive Fr. 6'818.00
netto werde verdienen können. Es sei völlig unbelegt geblieben, warum er
nicht wieder ein Einkommen in ähnlicher Höhe wie vor der Arbeitslosigkeit
sollte erzielen können. Alleine die Behauptung, dass man im S. halt nicht
mehr verdiene, reiche nicht aus (Urteil, S. 35). In der Berufung (Ziff. 42 ff.)
bringt der Beklagte vor, die Anrechnung dieses Einkommens sei willkürlich.
Während der gesamten Rahmenfrist vom 1. August 2019 bis zur Aussteu-
erung im November 2021 habe er trotz intensiver und behördlich überwach-
ter Stellensuchbemühungen keine Anstellung zu den früheren Lohnkondi-
tionen erlangen können. Dies belege "mehr als alles andere", dass sich auf
dem Arbeitsmarkt keine solche Stelle für ihn finden lasse. Für diese
Schlussfolgerung spreche weiter, dass er per 1. Februar 2022 eine Fest-
anstellung nur habe finden können, weil er seine Lohnvorstellungen erheb-
lich nach unten korrigiert habe. Er verdiene brutto Fr. 75'000.00 (inkl.
13. Monatslohn) im Jahr, was bei 13 % Sozialversicherungsbeträgen mo-
natlich netto ca. Fr. 5'438.00 entspreche. Die Klägerin will dem Beklagten
das hypothetische Einkommen gemäss Vorinstanz bereits ab dem Zeit-
punkt seiner Aussteuerung anrechnen; seine Unterhaltspflicht sei ihm hin-
länglich bekannt gewesen (Berufungsantwort Ziff. 37).
- 21 -
6.2.2.
Für die Bemessung von Unterhaltsbeiträgen ist grundsätzlich das tatsäch-
lich erzielte Einkommen massgebend. Es kann aber ein hypothetisches
Einkommen angerechnet werden, sofern dieses zu erreichen zumutbar und
möglich ist (BGE 147 III 249 Erw. 3.4.4, 143 III 233 Erw. 3.2;
BGE 5A_347/2021 Erw. 3.2.2). Ob ein hypothetisches Einkommen in der
angenommenen Höhe zugemutet werden kann, ist eine Rechtsfrage; ob
die Erzielung des Einkommens tatsächlich möglich erscheint, ist Tatfrage,
die durch die konkreten Umstände des Einzelfalls oder durch die allge-
meine Lebenserfahrung beantwortet wird (BGE 5A_145/2016 Erw. 4.2.2).
Zu berücksichtigen sind insbesondere die Ausbildung, das Alter, der Ge-
sundheitszustand der Person und die Situation am Arbeitsmarkt
(BGE 5A_751/2011 Erw. 4.3.3). Sind gemeinsame Kinder zu betreuen, be-
misst sich die Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit (auch) nach Massgabe
des Schulstufenmodells (Erw. 5.2.2 oben). Die bundesgerichtliche Praxis
schreibt für die Berücksichtigung eines hypothetischen Einkommens
grundsätzlich die Einräumung einer Übergangsfrist vor (Erw. 5.1 oben),
welche nach ständiger Praxis der 5. Zivilkammer des Obergerichts mit der
erstmaligen autoritativen (richterlichen) Eröffnung der Umstellungspflicht
zu laufen beginnt (Entscheid Obergericht Aargau, Zivilgericht, 5. Kammer,
vom 18. Januar 2022 [ZSU.2021.185], Erw. 4.4.4). War der Unterhalts-
pflichtige bereits vollzeitlich erwerbstätig und kam er seiner bereits beste-
henden Unterhaltspflicht nach, gibt es keinen Grund, ihm eine Anpassungs-
zeit zur Umstellung seiner Lebensverhältnisse ([Wieder-]Aufnahme oder
Ausweitung einer Erwerbstätigkeit) zu gewähren (BGE 5A_553/2020
Erw. 5.2.1), weil er alles in seiner Macht Stehende tun und insbesondere
seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit voll ausschöpfen muss, um seiner
Unterhaltspflicht weiterhin nachkommen zu können. Begnügt sich der Un-
terhaltspflichtige wissentlich mit einer nur ungenügend einträglichen Er-
werbstätigkeit, so hat er sich anrechnen zu lassen, was er unter den gege-
benen Umständen zu erwirtschaften vermöchte (vgl. BGE 5A_253/2020
Erw. 3.1.2, 5A_692/2012 Erw. 4.3). An die Ausnutzung der Erwerbskraft
des Unterhaltspflichtigen im Verhältnis zum minderjährigen Kind sind wie
erwähnt besonders hohe Anforderungen zu stellen und ein freiwilliger Ver-
zicht auf Einkommen hat für die Festsetzung von Unterhaltsleistungen bzw.
deren Abänderbarkeit unbeachtlich zu bleiben (vgl. BGE 5A_806/2016
Erw. 3.2, 5A_78/2019 Erw. 3.2.2.2; BGE 137 III 118 Erw. 3.1).
6.2.3.
Vorliegend ist unbestritten, dass der Beklagte vor seiner Arbeitslosigkeit ein
monatliches Nettoeinkommen von Fr. 6'818.00, wie es ihm im angefochte-
nen Entscheid hypothetisch angerechnet wurde (Erw. 6.2.1 oben), erzielt
hat. Dass er nicht in der Lage gewesen wäre, bis zu seiner Aussteuerung
eine Anstellung zu diesem Lohn zu finden, erschöpft sich in einer blossen
Behauptung, was zur Glaubhaftmachung nicht ausreicht (vgl. BGE 120 II
398). Entsprechende Stellenbemühungen sind nicht belegt und scheinen
- 22 -
aufgrund der Ausführungen des Beklagten vor Vorinstanz auch nicht als
plausibel. So gab der Beklagte an, dass er nur auf Druck seines Vorgesetz-
ten bei der H. (als [...]) gewesen sei, er das gar nie gewollt und er gemerkt
habe, dass dies nichts für ihn sei und dass er wieder in die Sachbearbei-
tung zurückwolle, wobei man im Kanton S. als Sachbearbeiter nicht mehr
als Fr. 6'000.00 brutto verdiene (act. 130/2 und 131). Die Selbstverwirkli-
chungswünsche des Beklagten hat die Klägerin nicht hinzunehmen. Die
grundsätzlich zu respektierende Freiheit in der Lebensgestaltung bei einem
Ehegatten stösst dort an ihre Grenzen, wo er - wie hier der Beklagte hin-
sichtlich der Klägerin und insbesondere des Sohnes C. - die Verantwortung
für seine Familienangehörigen mitzutragen hat (vgl. BGE 5D_60/2007
Erw. 2.3 mit Hinw. auf BGE 5C.154/1996 und BGE 119 II 314). Darin, dass
die Vorinstanz dem Beklagten im Rahmen ihres in Unterhaltssachen weiten
Ermessens (vgl. BGE 134 III 580 Erw. 4) – wie der Klägerin – für die An-
rechnung eines hypothetischen Einkommens in nicht zu beanstandender
Höhe von Fr. 6'818.00 bis Ende Dezember 2021 eine Umstellungsfrist ein-
geräumt und dieses Einkommen nicht bereits ab dem Zeitpunkt seiner Aus-
steuerung im November 2021 (mithin nur gerade knapp 1.5 Monate früher)
angerechnet hat, ist keine rechtsfehlerhafte Ermessensausübung (vgl.
Erw. 1.1 oben) zu erblicken.
7.
7.1.
7.1.1.
In den Phasen 1 bis 4 (bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses des Beklag-
ten bei der D. AG) räumte die Vorinstanz dem Auto des Beklagten (geleas-
ter Mercedes E200) grundsätzlich Kompetenzcharakter ein; dass ein [...]
auf ein Fahrzeug angewiesen sei, liege auf der Hand. Kosten für den Ar-
beitsweg (und die auswärtige Verpflegung) seien dem Beklagten jedoch
gemäss eigenen Aussagen nicht entstanden, da aufgrund der Pandemie
die Kundengespräche online stattgefunden hätten respektive er im Home-
office habe arbeiten können (Urteil, S. 17). Leasingkosten wurden (trotz
Bejahung des Kompetenzcharakters des Autos) nicht berücksichtigt, weil
dem Beklagten die ihm im Rahmen des Zwischenverdienstes ausbezahlten
Pauschalspesen (Fr. 1'500.00) nicht als Einkommen angerechnet würden
(Urteil, S. 16). Leasingkosten wurden auch in der Folgezeit (Phasen 5 und
6) nicht berücksichtigt; zufolge Beendigung des Arbeitsverhältnisses bei
der D. AG habe das Auto des Beklagten keinen Kompetenzcharakter mehr
(Urteil, S. 30). Ab Phase 7 – ab Anrechnung hypothetischer Einkommen –
wurden bei beiden Parteien ermessensweise Arbeitswegkosten von Fr.
300.00 (der Klägerin anteilsmässig für ein 50 %-Pensum) berücksichtigt
(Urteil, S. 30 f.; Erw. 3.2 und Erw. 3.3 oben). Der Beklagte beharrt in der
Berufung (Ziff. 7 bis 9, 12 f., 16, 22, 35, 41, 47) auf der Berücksichtigung
der Leasingkosten von Fr. 998.00 (Berechnungstabellen im Anhang).
Diese seien als Fixkosten zu leisten, ob er das Auto benutze oder nicht.
Dass ihm die Pauschalspesen (die Vorinstanz habe nicht behauptet, dass
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diese überhöht seien) nicht als Einkommen angerechnet worden seien, än-
dere nichts daran, da diese "ohnehin nicht zum massgeblichen Einkommen
hinzuzurechnen" seien. Die Vorinstanz erwarte sodann, dass er ein Ein-
kommen in bisheriger Höhe erzielen könne. Das sei nur "mit einem Höchst-
mass an örtlicher Flexibilität d.h. unter Einsatz eines Geschäftsautos prin-
zipiell überhaupt denkbar". Seinem Fahrzeug komme deshalb auch ab
Phase 5 ungeachtet der Kündigung weiterhin Kompetenzcharakter zu "im
Hinblick auf eine potentiell unmittelbar bevorstehende neue Anstellung"
(Berufung Ziff. 28). Die Klägerin wendet ein, bei Homeoffice, Arbeitslosig-
keit (sinngemäss sofern kein Zwischenverdienst) und (grundsätzlich) für die
Stellensuche komme dem Auto kein Kompetenzcharakter zu. Die übersetz-
ten Leasingkosten wären mit einer Übergangsfrist von drei Monaten auf ein
Normalmass (Leasingkosten für einen Kleinwagen) herabzusetzen. Bei An-
rechnung eines Leasingzinses seien die Repräsentationsspesen
(Fr. 1'500.00) zum Einkommen des Beklagten zu schlagen. Die Vorinstanz
habe die Kosten für den Parkplatz von Fr. 120.00 in T. mangels Kompe-
tenzcharakter des Autos zu Recht nicht berücksichtigt. Dessen Kompetenz-
charakter an seiner neuen Stelle sei nicht belegt. Zudem sei der Beklagte
gemäss Arbeitsvertrag in [...] tätig. Die monatlichen ÖV-Abokosten T. nach
U. beliefen sich auf Fr. 182.00 (Berufungsantwort Ziff. 4 ff., 25 f., 44).
7.1.2.
Gemäss Ziff. II.4 der SchKG-Richtlinien (vgl. Erw. 4.1 oben) sind im Notbe-
darf mit Bezug auf Fahrten zum Arbeitsplatz die Autokosten zu berücksich-
tigen, wenn ein Ehegatte wegen des Arbeitswegs, der Arbeitszeit oder an-
dern speziellen Umständen auf ein Fahrzeug angewiesen ist. Hat ein Fahr-
zeug Kompetenzcharakter, sind - nebst den Parkierungskosten bei den
Wohnkosten - auch die Leasingraten dem Existenzminimum zuzurechnen
(Ziff. II.7 der SchKG-Richtlinien). Sonst gehören Leasingraten, wie (unter
bestimmten Voraussetzungen) die Schuldentilgung, nicht zum Notbedarf
und können erst und soweit berücksichtigt werden, als nach Deckung des
Notbedarfs beider Parteien von den gemeinsamen Einkünften ein Über-
schuss verbleibt (vgl. Erw. 4.1 oben). Der Klägerin ist somit grundsätzlich
beizupflichten, dass ein Arbeitnehmer das Auto während des Homeoffice
nicht zu Fahrten an seinen Arbeitsplatz benötigt. Anders als andere Berufs-
auslagen, die während der Dauer des Homeoffice nicht anfallen (Verpfle-
gungskosten, Arbeitswegkosten), laufen die Kosten für ein Leasingfahr-
zeug aber ungeachtet der Arbeitsausübung im Rahmen von Homeoffice
weiter. Das Argument der Vorinstanz, wonach der Beklagte das Leasing in
den Phasen 1 bis 4 (bis zur Beendigung seines Arbeitsverhältnisses bei der
D. AG) aus seinen Pauschalspesen bezahlen könne (vgl. Erw. 6.1.1 oben),
verfängt nicht. Aus den eingereichten Taggeld- und Lohnabrechnungen
des Beklagten für den Zeitraum von November 2020 bis Dezember 2021
ist zu schliessen (vgl. Erw. 6.1.3 oben), dass er nur in sechs Monaten Pau-
schalspesen von je Fr. 1'500.00 (vgl. Ziff. IV.1 Abs. 1 des Arbeitsvertrages
vom 30. September 2020 / 7. Oktober 2020 / 9. November 2020) erhalten
- 24 -
hat, so dass der Beklagte zur Bezahlung der Leasingraten im Gesamtbe-
trag von rund Fr. 18'000.00 offensichtlich nicht auf seine Repräsentations-
spesen verwiesen werden kann, sondern dass das Leasing in seinem Be-
darf zu veranschlagen ist. Im Gegenzug rechtfertigt es sich aber, je
Fr. 1'000.00 der Repräsentationsspesen, insgesamt Fr. 6'000.00, zum Ein-
kommen des Beklagten zu schlagen (vgl. Erw. 6.1.3 oben). Zum Einkom-
men gehören auch Spesenentschädigungen, soweit ihnen keine tatsächli-
chen Auslagen gegenüberstehen (BGE 5A_627/2019, publiziert in: Fa-
mPra.ch 3/2020 Nr. 38 S. 748; BGE 5C.261/2006 Erw. 2; HAUSHEER/SPY-
CHER, Handbuch des Unterhaltsrechts, 2. Aufl., Bern 2010, N. 01.31). Vor-
liegend vermochte der Beklagte (insbesondere bei Arbeit im Homeoffice)
unter Hinweis auf "Essen, Weg, Reisespesen" (Verhandlungsprotokoll
S. 12 [act. 130]) nicht glaubhaft zu machen, dass ihm monatlich mehr als
Fr. 500.00 für effektive, aus dem Betrag für Repräsentationsspesen zu be-
zahlende Auslagen angefallen sind. In den Phasen 5 und 6 (Arbeitslosig-
keit) ist dem Auto des Beklagten für die Arbeitssuche kein Kompetenzcha-
rakter einzuräumen; sein Wohnort in T. ist mit dem öffentlichen Verkehrs-
mittel gut erschlossen, so dass nicht ersichtlich ist, dass er für die Stellen-
suche das Auto benötigen würde; die Leasingrate kann daher erst bei ei-
nem (allfälligen) Überschuss vorab berücksichtigt werden. Ab Phase 7 ist
die Vorinstanz implizit davon ausgegangen, dass der Beklagte wieder ein
Einkommen als [...] erzielen kann (vgl. Erw. 6.2.1 oben). Auch das Oberge-
richt geht von dieser Hypothese aus (vgl. Erw. 6.2.3 oben), weshalb (kon-
sequenterweise) ab diesem Zeitpunkt auch die Leasingrate wieder im Be-
darf des Beklagten zu berücksichtigen ist. Im August 2022 läuft der aktuelle
Leasingvertrag aus (vgl. Leasingvertrag vom 24. August 2018 [Beilage 17
zur Eingabe des Beklagten vom 6. April 2021]); ab September 2022 (Phase
9) ist nur noch der Leasingzins für einen Kleinwagen in angemessen er-
scheinender und von der Klägerin anerkannter Höhe von Fr. 300.00 im Be-
darf des Beklagten zu berücksichtigen.
7.1.3.
Im Gleichlauf mit der Bejahung des Kompetenzcharakters des Fahrzeugs
(vgl. oben) sind die Parkierungskosten des Beklagten ab Phase 7 mit
Fr. 120.00 in dessen Bedarf zu veranschlagen.
7.2.
Anders als bei der Klägerin (ab Phase 3) veranschlagte die Vorinstanz beim
Beklagten in allen Phasen dieselbe KVG-Prämie von Fr. 258.15 (vgl. Urteil,
S. 17; Erw. 3.2 und 3.3 oben). Sie erwog, die KVG-Prämie betrage zwar
bei beiden Parteien neu je Fr. 334.00. Aufgrund eines Versehens sei die
KVG-Prämie des Beklagten in der Berechnungstabelle nicht angepasst
worden. Nachdem der Entscheid bereits ergangen sei, könne dies aber in
der Begründung nicht mehr angepasst werden; dies wäre in einem allfälli-
gen Rechtsmittel zu rügen resp. zu korrigieren (Urteil, S. 24). Der Beklagte
macht dies mit seiner Berufung (Ziff. 17) geltend, wogegen die Klägerin
- 25 -
nicht grundsätzlich opponiert (vgl. Berufungsantwort Ziff. 14). Der aufzu-
rechnende Differenzbetrag beträgt Fr. 75.85.
7.3.
Beim Beklagten wird ab Phase 7 von einem hypothetischen Einkommen
als [...] ausgegangen; entsprechend sind ihm konsequenterweise auch hy-
pothetische Berufsauslagen in dieser beruflichen Tätigkeit zuzugestehen,
so dass es – entgegen der Klägerin - bei den ihm vorinstanzlich zugestan-
denen Arbeitswegkosten (Fr. 300.00) sein Bewenden hat.
7.4.
Aus dem Mietvertrag des Beklagten vom 18./27. April 2021 (Beilage 22
resp. Beilage 3 zur Eingabe des Beklagten vom 6. April 2021 resp. vom
4. April 2022) ergibt sich zwar, dass darin nebst dem Beklagten auch seine
Mutter als Mieterin der seit dem 1. Mai 2021 (Phase 5) gemieteten Woh-
nung aufgeführt ist. Weder in erster noch in zweiter Instanz hat die Klägerin
allerdings behauptet, dass der Beklagte in Hausgemeinschaft mit seiner
Mutter leben würde und ihm deshalb nur reduzierte Wohnkosten und ein
reduzierter Grundbetrag im Bedarf eingesetzt werden dürfte. Es hat bei den
veranschlagten Fr. 1'390.00 (Wohnkosten) resp. dem berücksichtigten
Grundbetrag (Fr. 1'200.00) sein Bewenden.
7.5.
Auf Seiten des Beklagten ist unter Berücksichtigung der vorstehenden Kor-
rekturen somit von folgenden Bedarfszahlen auszugehen:
Phase 1/2: Fr. 3'956.15 (Fr. 2'958.15 gemäss Vorinstanz, zzgl. Fr. 998.00
Leasing)
Phase 3/4: Fr. 4'032.00 (Fr. 2'958.15 gemäss Vorinstanz, zzgl. Fr. 998.00
Leasing und Fr. 75.85 höhere KVG-Prämie)
Phase 5/6: Fr. 3'024.00 (Fr. 2'948.15 gemäss Vorinstanz, zzgl. Fr. 75.85
höhere KVG-Prämie)
Phase 7-9: Fr. 4'562.00 (Fr. 3'368.15 gemäss Vorinstanz, zzgl. Fr. 998.00
Leasing, Fr. 75.85 höhere KVG-Prämie und Fr. 120.00 Park-
platz)
Phase 10: Fr. 3'864.00 (Fr. 3'368.15 gemäss Vorinstanz für Phase 7, zzgl.
Fr. 300.00 Leasing, Fr. 75.85 höhere KVG-Prämie und
Fr. 120.00 Parkplatz)
7.6.
Die Leistungsfähigkeit des Beklagten vor Steuern (Einkommen – Existenz-
minimum) präsentiert sich demnach wie folgt:
Phase 1/2: Fr. 1'754.85 (Fr. 5'711.00 – Fr. 3'956.15)
Phase 3/4: Fr. 1'679.00 (Fr. 5'711.00 – Fr. 4'032.00)
Phase 5/6: Fr. 2'687.00 (Fr. 5'711.00 – Fr. 3'024.00)
- 26 -
Phase 7-9: Fr. 2'256.00 (Fr. 6'818.00 – Fr. 4'562.00)
Phase 10: Fr. 2'954.00 (Fr. 6'818.00 – Fr. 3'864.00)
8.
8.1.
In ihrer Berufungsantwort (Ziff. 1 S. 4) wies die Klägerin darauf hin, dass
sie per 1. Februar 2022 nach V. ziehen werde, wo sich ihre Wohnkosten
(inkl. C.) auf netto Fr. 1'849.19 beliefen (Fr. 2'590.00 [vgl. Berufungsant-
wortbeilage 9, Mietvertrag vom 7./9. November 2021] + Mietkautionsversi-
cherung Fr. 27.19 [Berufungsantwortbeilage 10, Mietkautionsversicherung
I. vom 4. November 2021] abzgl. Mietanteil ihrer ergänzungsleistungsbe-
dürftigen Mutter Fr. 768.00). Ihre Wohnkosten veränderten sich also nicht.
Mit Eingabe vom 25. April 2022 bezifferte die Klägerin den Wohnkostenan-
teil ihrer Mutter unter Hinweis auf das "Berechnungsblatt für Zusatzleistun-
gen zur AHV/IV" der SVA Zürich für die Periode ab 1. Februar 2022 (Bei-
lage 2) auf monatlich Fr. 863.35, womit die Klägerin für sich und C. sinnge-
mäss Wohnkosten von Fr. 1'753.85 resp. (bei einem unstrittigen Wohnkos-
tenanteil von Fr. 250.00 für C.) für sich alleine von Fr. 1'503.85 geltend
macht. Dieser Betrag kann indes nicht veranschlagt werden. In Anlehnung
an die betreibungsrechtlichen Richtlinien tragen erwachsene Wohnpartner
die gemeinschaftlichen Kosten (Grundbetrag, Miete usw.) anteilsmässig,
selbst wenn die tatsächliche Beteiligung geringer sein sollte. Diese Kosten-
ersparnis ist im Bedarf des unterhaltsberechtigten wie auch des unterhalts-
pflichtigen Ehegatten zu berücksichtigen (BGE 138 III 97 Erw. 2.3). Unbe-
strittenermassen lebt die Klägerin mit ihrer Mutter seit dem 1. Februar 2022
(Phase 8) in einem gemeinsamem Haushalt. Wie der Wohnkostenanteil der
Mutter "ergänzungsleistungstechnisch" berechnet wird (vgl. Eingabe der
Klägerin vom 19. April 2022) resp. dass dieser "im Zusammenhang mit den
Ergänzungsleistungen" Fr. 863.35 beträgt (vgl. Eingabe der Klägerin vom
25. April 2022), ist unterhaltsrechtlich nicht relevant. Ausgehend von den
seitens des Beklagten in grundsätzlicher Hinsicht nicht (substantiiert) be-
strittenen (vgl. Eingabe vom 8. März 2022) Gesamtwohnkosten von (rund)
Fr. 2'620.00 (Mietzins brutto zzgl. Mietkautionsversicherung) beläuft sich
der hälftige Wohnkostenanteil der Klägerin nach vorgängigem Abzug von
C. Wohnkostenanteil (vgl. BGE 5A_1065/2020 Erw. 4, in: FamPra.ch
1/2022 Nr. 12) von unstrittig Fr. 250.00 ab der neuen Phase 8 auf
Fr. 1'185.00. Die Position Wohnkosten der Klägerin persönlich reduziert
sich damit um Fr. 245.00. Zudem ist der Grundbetrag der Klägerin ab die-
ser Phase aufgrund ihrer Wohngemeinschaft mit ihrer Mutter um Fr. 100.00
auf Fr. 1'100.00 zu reduzieren (vgl. Ziff. I.2 der SchKG-Richtlinien).
8.2.
Die Arbeitswegkosten der Klägerin ab Juni 2022 (Phase 9) sind mit
Fr. 125.00 zu veranschlagen (Beilage 3 zur Eingabe der Klägerin vom
25. April 2022]), wodurch sich ihr Bedarf um Fr. 25.00 reduziert (vgl.
Erw. 3.3 oben)
- 27 -
8.3.
Zusammenfassend ist bei der Klägerin unter Berücksichtigung der vorste-
henden Korrekturen von folgenden Bedarfszahlen auszugehen:
Phase 1/2: Fr. 3'031.75 (gemäss Vorinstanz)
Phase 3: Fr. 2'964.00 (gemäss Vorinstanz)
Phase 4-6: Fr. 3'064.00 (gemäss Vorinstanz)
Phase 7: Fr. 3'224.00 (gemäss Vorinstanz)
Phase 8: Fr. 2'879.00 (Fr. 3'224.00 abzgl. Fr. 245.00 Wohnkosten
und Fr. 100.00 Grundbetrag)
Phase 9/10: Fr. 2'854.00 (Fr. 2'879.00 abzgl. Fr. 25.00 Arbeitsweg)
8.4.
Die Leistungsfähigkeit der Klägerin vor Steuern (Einkommen – Existenzmi-
nimum) präsentiert sich demnach wie folgt (Phasen 1 bis 6 gemäss Vo-
rinstanz):
Phase 1/2: Fr. 664.85 (Fr. 3'696.60 – Fr. 3'031.75)
Phase 3: - Fr. 2'964.00 (Fr. 0.00 – Fr. 2'964.00) Manko
Phase 4-6: - Fr. 3'064.00 (Fr. 0.00 – Fr. 3'064.00) Manko
Phase 7: - Fr. 1'539.00 (Fr. 1'685.00 – Fr. 3'224.00) Manko
Phase 8: - Fr. 1'194.00 (Fr. 1'685.00 – Fr. 2'879.00) Manko
Phase 9/10: Fr. 921.00 (Fr. 3'775.00 – Fr. 2'854.00)
9.
9.1.
Mit Eingabe vom 8. März 2022 brachte der Beklagte vor, dass die Klägerin
C. nicht mehr in die Kita bringe, so dass die Fremdbetreuungskosten ab
Phase 7 oder ab Februar 2022 (Phase 8) eindeutig niedriger oder ganz
entfallen seien. Ab Phase 7 (Januar 2022) berücksichtigte die Vorinstanz
Fremdbetreuungskosten von (rund) Fr. 921.00. Aus den instruktionsrichter-
lich eingeforderten und am 19. April 2022 eingereichten Unterlagen ergibt
sich, dass a) der Klägerin für C. im Januar und Februar 2022 im Monats-
durchschnitt Fremdbetreuungskosten von Fr. 720.00 angefallen sind (Bei-
lage 1 S. 2, Steuerbescheinigung 2022 der J.), dass b) von April bis Juli
2022 monatliche Kosten von Fr. 1'414.50 anfallen werden und dass sich c)
dieser Betrag ab August 2022 vorderhand (bis wieder ein zusätzlicher Be-
treuungstag frei werden wird) auf Fr. 943.00 reduzieren wird (vgl. Beilagen
2, 3 und 4). Der Betrag von Fr. 1'414.50 fällt der Klägerin zwar erst dann
wieder an, wenn wiederum ein zusätzlicher Betreuungstag verfügbar sein
wird. Da die Klägerin C. Betreuung aber auch in der Zwischenzeit sicher-
stellen muss, um ihrem 80 %-Pensum (auf welches sie unterhaltsrechtlich
behaftet wird; vgl. Erw. 5.3.2 f. oben) nachgehen zu können (vgl. Einsatz-
vertrag Temporärstelle bis 31. August 2023 vom 21. April 2022 [Beilage 1
- 28 -
zur Eingabe der Klägerin vom 25. April 2022]), erscheint es gerechtfertigt,
Betreuungskosten von Fr. 1'414.50 auch nach Juli 2022 zu veranschlagen.
Um die Bildung einer weiteren Phase zu verhindern, ist dabei für den Zeit-
raum von Januar 2022 bis August 2022 (Phasen 7 bis 9) von Fremdbetreu-
ungskosten von im Monatsdurchschnitt Fr. 1'064.00 auszugehen (2x
Fr. 720.00 [Januar und Februar] + Fr. 0.00 [März] + 5x Fr. 1'414.50 [April
bis August]; / 8). Ab September 2022 (Phase 10) sind sie mit monatlich
Fr. 1'414.50 zu berücksichtigen. Im Vergleich zum Betrag gemäss Vo-
rinstanz in Phase 7 erhöhen sich die Fremdbetreuungskosten somit in
Phase 7 bis 9 je um Fr. 143.00 (Fr. 1'064.00 – Fr. 921.00) und in Phase 10
um je Fr. 493.50 (Fr. 1'414.50 – Fr. 921.00).
9.2.
9.2.1.
Der ungedeckte Bedarf von C. beläuft sich unter Berücksichtigung der vor-
stehenden Korrekturen damit auf:
Phase 1: Fr. 670.00 (gemäss Vorinstanz)
Phase 2: Fr. 1'330.00 (gemäss Vorinstanz)
Phase 3 bis 5: Fr. 972.00 (gemäss Vorinstanz)
Phase 6: Fr. 1'102.50 (gemäss Vorinstanz)
Phase 7 bis 9: Fr. 1'613.83 (Fr. 1'670.83 gemäss Vorinstanz für Phase 7
zzgl. Fr. 143.00 Fremdbetreuungskosten, abzgl. Kinder-
zulage Fr. 200.00).
Phase 10: Fr. 1'964.35 (Fr. 1'670.83 gemäss Vorinstanz für Phase 7
zzgl. Fr. 493.50; abzgl. Kinderzulage Fr. 200.00).
9.2.2.
In den Phasen 1 und 2 sowie 9 und 10 verbleibt kein Raum für Betreuungs-
unterhalt, da der Klägerin ein Überschuss (vgl. Erw. 8.4 oben) verbleibt
(vgl. BGE 144 III 377). Reduziert man in den Phasen 4 bis 6 C. rechneri-
schen Betreuungsunterhalt (Unterdeckung der Klägerin) mit der Vor-in-
stanz (unstrittig) um ein fiktives Einkommen der Klägerin von Fr. 1'430.00,
führt dies für C. zu einem Betreuungsunterhalt gemäss Vorinstanz von
Fr. 1'634.00 (Fr. 3'064.00 – Fr. 1'430.00). In den Phasen 3, 7 und 8 ent-
spricht das Manko der Klägerin C. rechnerischem Betreuungsunterhalt, d.h.
Fr. 2'964.00 in Phase 3, Fr. 1'539.00 in Phase 7 und Fr. 1'194.00 in Phase
8.
10.
10.1.
Bei einer Gegenüberstellung der vorhandenen Überschüsse mit den Be-
darfsunterdeckungen (vgl. Erw. 7.6, 8.4 und 9.2.1 oben) ergibt sich folgen-
des (gerundetes) Bild:
- 29 -
Phase 1: Fr. 1'750.00 (Überschuss Beklagter Fr. 1'754.85 + Über-
schuss Klägerin Fr. 664.85 – Unterdeckung C.
Fr. 670.00)
Phase 2: Fr. 1'090.00 (Fr. 1'754.85 + Fr. 664.85 – Fr. 1'330.00)
Phase 3: minus Fr. 2'257.00 (Fr. 1'679.00 – Manko Klägerin
Fr. 2'964.00 - Fr. 972.00)
Phase 4: minus Fr. 2'357.00 (Fr. 1'679.00 – Fr. 3'064.00 –
Fr. 972.00)
Phase 5: minus Fr. 1'349.00 (Fr. 2'687.00 – Fr. 3'064.00 –
Fr. 972.00)
Phase 6: minus Fr. 1'480.00 (Fr. 2'687.00 – Fr. 3'064.00 –
Fr. 1'102.50)
Phase 7: minus Fr. 897.00 (Fr. 2'256.00 – Fr. 1'539.00 –
Fr. 1'613.83)
Phase 8: minus Fr. 550.00 (Fr. 2'256.00 - Fr. 1'194.00 –
Fr. 1'613.83)
Phase 9: Fr. 1'563.00 (Fr. 2'256.00 + Fr. 921.00 – Fr. 1'613.83)
Phase 10: Fr. 1'910.00 (Fr. 2'954.00 + Fr. 921.00 – Fr. 1'964.35)
10.2.
10.2.1.
Soweit es die finanziellen Mittel zulassen, ist der gebührende Unterhalt
zwingend auf das familienrechtliche Existenzminimum zu erweitern, wel-
ches die Steuern umfasst (BGE 147 III 281 Erw. 7.2; vgl. Erw. 4.1 oben).
Bezüglich der Höhe der Steuern erwog die Vorinstanz, solche könnten auf-
grund der Überschusslage nur in den Phasen 1, 2 und 7 mit monatlich
Fr. 310.00 bei der Klägerin (steuerbares Einkommen Fr. 52'717.00) und
Fr. 420.00 beim Beklagten (steuerbares Einkommen Fr. 46'238.00) in
Phase 1, Fr. 280.00 bei der Klägerin (steuerbares Einkommen
Fr. 50'914.00) und Fr. 350.00 beim Beklagten (steuerbares Einkommen
Fr. 42'101.00) in Phase 2 und Fr. 190.00 bei der Klägerin (steuerbares Ein-
kommen Fr. 45'943.00) und Fr. 370.00 beim Beklagten (steuerbares Ein-
kommen Fr. 42'891.00) in Phase 7 eingesetzt werden.
Der Beklagte bringt vor, die Berücksichtigung der Leasingrate (vgl. Erw. 7.1
oben) wirke sich bei ihm unter dem Strich in höheren Steuern, wie sie sich
aus seinen beigelegten Tabellen ergäben, aus (Berufung Ziff. 9).
10.2.2.
Vorliegend kommt eine Berücksichtigung der Steuern nur in den Phasen 1,
2, 9 und 10 in Betracht, da in allen anderen Phasen (3 bis 8) eine Unterde-
ckung besteht (vgl. Erw. 10.1 oben).
- 30 -
10.2.3.
In den eherechtlichen Summarverfahren kann nicht verlangt werden, dass
das Gericht - wie die Steuerbehörden - eine exakte Berechnung der zu be-
zahlenden Steuern vornimmt. Beim Einbezug der Steuern kann nämlich
ohnehin nur vom mutmasslichen Resultat der Unterhaltsberechnung aus-
gegangen werden, was eine genaue Berechnung von vornherein aus-
schliesst (vgl. BRÄM/HASENBÖHLER, Zürcher Kommentar, Zürich 1998,
N 118A, II.12. zu Art. 163 ZGB). Zudem werden die Steuern für jede Steu-
erperiode, bei der es sich um das Kalenderjahr handelt (vgl. § 58 Abs. 1
und 2 StG AG), und nicht für einzelne unterhaltsrechtlich gebildete Zeitpe-
rioden festgesetzt und erhoben.
10.2.4.
Die Phasen 1 und 2 beschlagen nur gerade zwei Monate (vgl. Erw. 3.1
oben), weshalb es sich vorliegend im Rahmen des weiten richterlichen Er-
messens in Unterhaltssachen (vgl. BGE 134 III 580 Erw. 4) rechtfertigt, von
den vorinstanzlich ermittelten Steuern auszugehen (vgl. Erw. 10.1 oben),
diese aber für den Beklagten auf durchschnittlich Fr. 500.00 zu erhöhen
und diejenigen der Klägerin bei (durchschnittlich rund) Fr. 300.00 zu belas-
sen, nachdem in dieser Phase die Unterhaltsberechnung einzig zu Guns-
ten des Beklagten (Berücksichtigung des Leasings) korrigiert wird (vgl.
Erw. 7.5, 7.6, 8.3, 8.4 und 9.2.1 oben).
10.2.5.
In den Phasen 9 und 10 wohnt die Klägerin in V. (Erw. 8.1 oben) und der
Beklagte in T. (Erw. 7.1.2 oben).
Bei der Klägerin ist zu berücksichtigen, dass sie neben ihrem Erwerbsein-
kommen auch die Unterhaltsbeiträge (überschlagsmässig insgesamt ca.
Fr. 70'000.00) zu versteuern hat, wobei sie von ihren Einkünften für die Er-
mittlung des steuerbaren Einkommens die Arbeitswegkosten (Fr. 1'500.00;
vgl. Erw. 8.2 oben), Auslagen für die auswärtige Verpflegung
(Fr. 1'600.00), pauschale Berufsauslagen (Fr. 2'000.00), eine Versiche-
rungspauschale (Fr. 2'600.00) und C. Fremdbetreuungskosten (resp.
Fr. 10'100.00) abziehen kann. Zudem steht ihr für C. der Kinderabzug
(Fr. 9'000.00) zu. Dies führt zu einem steuerbaren Einkommen der Klägerin
von rund Fr. 43'000.00, von welchem der Einfachheit halber auch bei der
direkten Bundessteuer auszugehen ist. Die Klägerin kommt in den Genuss
des Tarifs für Verheiratete (vgl. Kanton R., Steueramt, Wegleitung zur Steu-
ererklärung 2021 [www.[...]). Gemäss dem online-Steuerberechnungstool
des Steueramts des Kantons R. (www.[...]) ergibt dies eine monatliche
Steuerbelastung der Klägerin von insgesamt (gerundet) Fr. 180.00
(Fr. 2'200.00 Staats- und Gemeindesteuer + direkte Bundessteuer Fr. 0.00;
/ 12), die in der Unterhaltsberechnung ab Phase 9 zu veranschlagen ist.
http://www.zh.ch/de/steuern-finanzen/steuern/steuern-natuerliche-personen/steuererklaerung-natuerliche-personen/steuerrechner.html
- 31 -
Der Beklagte kann von seinem steuerrechtlich relevanten Einkommen (ca.
Fr. 81'600.00) die Unterhaltsbeiträge an die Klägerin und den Sohn C.
(überschlagsmässig ca. Fr. 24'000.00), Arbeitswegkosten (Fr. 3'600.00;
vgl. Erw. 7.3 oben), Verpflegungskosten (Fr. 3'200.00), pauschale Berufs-
auslagen (Fr. 2'500.00) und eine Pauschale für Versicherungsprämien
(Fr. 3'500.00) abziehen (vgl. Kanton S., Steueramt, Wegleitung zur Steuer-
erklärung 2021 [siehe unter [...]). Dies führt zu einem steuerbaren Einkom-
men des Beklagten von rund Fr. 45'000.00; von welchem, wie bei der Klä-
gerin, der Einfachheit halber auch bei der direkten Bundessteuer auszuge-
hen ist. Gemäss dem online-Steuerberechnungstool des Steueramts des
Kantons S. (https: [...]) ergibt dies eine monatliche Steuerbelastung des
Beklagten von insgesamt (gerundet) Fr. 450.00 (Fr. 5'130.00 Staats- und
Gemeindesteuer + direkte Bundessteuer Fr. 310.00; / 12), die in der Unter-
haltsberechnung ab Phase 9 zu veranschlagen ist.
10.2.6.
Nach Abzug der vorstehenden Steuern in den Phasen 1, 2, 9 und 10 ver-
bleiben folgende Überschüsse:
Phase 1: Fr. 950.00 (Fr. 1'750.00 – Fr. 500.00 – Fr. 300.00)
Phase 2: Fr. 290.00 (Fr. 1'090.00 – Fr. 500.00 – Fr. 300.00)
Phase 9: Fr. 933.00 (Fr. 1'563.00 – Fr. 450.00 – Fr. 180.00)
Phase 10: Fr. 1'280.00 (Fr. 1'910.00 – Fr. 450.00 – Fr. 180.00)
10.3.
10.3.1.
Der Überschuss wird grundsätzlich zwischen den Eltern und den minder-
jährigen Kindern nach "grossen und kleinen Köpfen" verteilt (vgl. Erw. 4.1
oben), wobei von dieser Regel aber aus mannigfaltigen Gründen abgewi-
chen werden kann, insbesondere sind "überobligatorische Arbeitsanstren-
gungen" zu berücksichtigen (BGE 147 III 265 Erw. 7.3).
10.3.2.
Eine Plafonierung des Überschussanteils der Kinder, was der Praxis im
Kanton Aargau entsprochen hat (vgl. Ziff. 2.3.1. der Empfehlungen der
obergerichtlichen Kammer für Kindes- und Erwachsenenschutz für die Be-
messung von Unterhaltsbeiträgen für Kinder vom 1. Mai 2017 [XKS.2017.2;
Unterhaltsempfehlungen]), wird vom Bundesgericht in seiner neuen Praxis
nur bei weit überdurchschnittlich guten finanziellen Verhältnissen als zuläs-
sig erachtet (BGE 5A_52/2021 Erw. 7.2 mit Hinweisen). Solche Verhält-
nisse sind vorliegend offensichtlich nicht gegeben.
10.3.3.
In den Phasen 1 und 2 ging die Klägerin keiner Erwerbstätigkeit nach, son-
dern bezog Arbeitslosengeld, so dass es nicht angezeigt ist, vom Vertei-
lungsgrundsatz nach "grossen und kleinen Köpfen" abzuweichen, zumal
- 32 -
der Bezug von Arbeitslosenentschädigung keiner "überobligatorischen Ar-
beitsanstrengung" gleichzusetzen ist.
Die Überschüsse sind wie folgt mit je 40 % auf die Parteien und mit 20 %
auf C. aufzuteilen:
Überschuss pro Partei C.
(40 %) (20 %)
Phase 1: Fr. 950.00 Fr. 380.00 Fr. 190.00
Phase 2: Fr. 290.00 Fr. 116.00 Fr. 58.00
10.3.4.
Eine "überobligatorische Arbeitsanstrengung" leistet die Klägerin mit Blick
auf das Schulstufenmodell (vgl. Erw. 5.2.2 oben) allerdings in den Phasen
9 und 10, wobei es sich - bei einem 20 %-Überschussanteil für C. - recht-
fertigt, die Überschüsse der Klägerin zu 50 % und dem Kläger zu 30 % zu-
zuweisen:
Überschuss Klägerin Beklagter C.
(50 %) (30 %) (20 %)
Phase 9: Fr. 933.00 Fr. 466.00 Fr. 280.00 Fr. 187.00
Phase 10: Fr. 1'280.00 Fr. 640.00 Fr. 384.00 Fr. 256.00
11.
11.1.
11.1.1.
Zusammenfassend resultiert für C. ein gebührender Unterhalt (Barunterhalt
[ungedeckter Barbedarf + Überschussanteil] + [eventuell] Betreuungsunter-
halt) in folgender (gerundeter) Höhe:
Phase 1: Fr. 860.00 (Fr. 670.00 + Fr. 190.00; kein Betreuungsunter-
halt)
Phase 2: Fr. 1'388.00 (Fr. 1'330.00 + Fr. 58.00; kein Betreuungsunter-
halt)
Phase 3: Fr. 3'936.00 (Fr. 972.00, kein Überschuss; Betreuungsunter-
halt Fr. 2'964.00)
Phase 4 - 6: Fr. 2'606.00 (Fr. 972.00, kein Überschuss; Betreuungsunter-
halt Fr. 1'634.00)
Phase 7: Fr. 3'153.00 (Fr. 1'613.83, kein Überschuss; Betreuungsun-
terhalt Fr. 1'539.00)
Phase 8: Fr. 2'808.00 (Fr. 1'613.83, kein Überschuss; Betreuungsun-
terhalt Fr. 1'194.00)
Phase 9: Fr. 1'800.00 (Fr. 1'613.83 + Fr. 187.00; kein Betreuungsunter-
halt).
Phase 10: Fr. 2'220.00 (Fr. 1'964.35 + Fr. 256.00; kein Betreuungsunter-
halt).
- 33 -
11.1.2.
Der Vergleich mit der Leistungsfähigkeit des Beklagten (gegebenenfalls
nach Berücksichtigung der Steuern) (vgl. Erw. 7.6 und Erw. 10.2.4 und
10.2.5 oben) zeigt, dass dieser in den Phasen 2, 3, 4, 7 und 8 mit Über-
schüssen von Fr. 1'254.00 (Phase 2; nach Steuern [Fr. 1'754.85 –
Fr. 500.00]), Fr. 1'679.00 (Phase 3 und 4) und Fr. 2'256.00 (Phase 7 und
8) nicht in der Lage ist, für den gebührenden Unterhalt von C. aufzukom-
men. Deshalb ist zunächst der (ungedeckte) Barunterhalt ohne Fremdbe-
treuungskosten (Fr. 550.00) zu decken. Die Fremdbetreuungskosten
(Fr. 780.00 [Phase 2] / Fr. 422.50 [Phase 3 und 4] / Fr. 1'064.00 [Phase 7
und 8]; vgl. Erw. 3.3 und Erw. 9.1 oben) und der Betreuungsunterhalt
(Fr. 2'964.00 [Phase 3]; Fr. 1'634.00 [Phase 4]; Fr. 1'539.00 [Phase 7];
Fr. 1'194.00 [Phase 8]; vgl. Erw. 9.2.2 oben) können mit den (nach Steuern
in Phase 2) verbleibenden Überschüssen von Fr. 704.00 (Phase 2
[Fr. 1'254.00 – Fr. 550.00]), Fr. 1'129.00 (Phase 3 und 4 [Fr. 1'679.00 –
Fr. 550.00]) und Fr. 1'706.00 (Phase 7 und 8 [Fr. 2'256.00 – Fr. 550.00])
nicht gedeckt werden; sie sind anteilmässig zu kürzen. Es verbleiben in den
jeweiligen Phasen (gerundet):
Fremdbetreuungskosten Betreuungsunterhalt
Phase 2 Fr. 704.00 ---
Phase 3 Fr. 135.00 Fr. 994.00
Phase 4 Fr. 225.00 Fr. 904.00
Phase 7 Fr. 598.00 Fr. 1'108.00
Phase 8 Fr. 853.00 Fr. 853.00
Der Beklagte hat somit Kinderunterhalt von (gerundet) Fr. 1'250.00 in
Phase 2 (Barunterhalt Fr. 550.00 + Fremdbetreuungskosten Fr. 704.00),
Fr. 1'680.00 in Phase 3 (Barunterhalt Fr. 550.00 + Fremdbetreuungskosten
Fr. 135.00 + Betreuungsunterhalt Fr. 994.00), Fr. 1'680.00 in Phase 4 (Bar-
unterhalt Fr. 550.00 + Fremdbetreuungskosten Fr. 225.00 + Betreuungs-
unterhalt Fr. 904.00) und Fr. 2'260.00 in Phase 7 (Barunterhalt Fr. 550.00
+ Fremdbetreuungskosten Fr. 598.00 + Betreuungsunterhalt Fr. 1'108.00)
und 8 (Barunterhalt Fr. 550.00 + Fremdbetreuungskosten Fr. 853.00 + Be-
treuungsunterhalt Fr. 853.00) zu bezahlen.
C. gebührender Unterhalt ist wie folgt nicht gedeckt (Art. 301a ZPO):
Phase 2: Fr. 138.00 (Fr. 1'388.00 – Fr. 1'250.00)
Phase 3: Fr. 2'256.00 (Fr. 3'936.00 – Fr. 1'680.00)
Phase 4: Fr. 926.00 (Fr. 2'606.00 – Fr. 1'680.00)
Phase 7: Fr. 893.00 (Fr. 3'153.00 – Fr. 2'260.00)
Phase 8: Fr. 548.00 (Fr. 2'808.00 – Fr. 2'260.00)
- 34 -
11.1.3.
In den übrigen Phasen vermag der Beklagte C. (gebührenden, gerundeten)
Unterhaltsbedarf zu bezahlen:
Phase 1: Fr. 860.00 (kein Betreuungsunterhalt)
Phase 5/6: Fr. 2'606.00 (davon Betreuungsunterhalt: Fr. 1'634.00)
Phase 9: Fr. 1'800.00 (kein Betreuungsunterhalt)
Phase 10: Fr. 2'220.00 (kein Betreuungsunterhalt).
11.2.
Für die Klägerin persönlich verbleibt folgender Ehegattenunterhalt:
Phase 1: Fr. 16.00 (Überschussanteil Fr. 380.00 – Leistungsfähigkeit
nach Steuern Fr. 364.00 [Fr. 664.00 – Steuern Fr. 300.00])
Phase 2: Fr. 0.00 (Überschussanteil Fr. 116.00 – Leistungsfähigkeit
nach Steuern Fr. 364.00 [Fr. 664.00 – Fr. 300.00])
Phase 3: Es bleibt kein Raum für Ehegattenunterhalt.
Phase 4: Es bleibt kein Raum für Ehegattenunterhalt.
Phase 5/6: Nach Deckung des ganzen gebührenden Kinderunterhalts ver-
bleibt dem Beklagten noch ein Überschuss von Fr. 81.00
(Fr. 2'687.00 [vgl. Erw. 7.6 oben] – Fr. 2'606.00 [vgl.
Erw. 11.1.3 oben], den er der Klägerin als Ehegattenunterhalt
zu bezahlen hat.
Phase 7: Es bleibt kein Raum für Ehegattenunterhalt.
Phase 8: Es bleibt kein Raum für Ehegattenunterhalt.
Phase 9: Fr. 0.00 (Überschussanteil Fr. 466.00 – Leistungsfähigkeit
nach Steuern Fr. 741.00 [Fr. 921.00 – Steuern Fr. 180.00]).
Phase 10: Fr. 0.00 (Überschussanteil Fr. 640.00 – Leistungsfähigkeit
nach Steuern Fr. 741.00 [Fr. 921.00 – Steuern Fr. 180.00]).
11.3.
Dies führt zur teilweisen Gutheissung des Beklagten im Unterhaltspunkt.
12.
Der Beklagte wirft der Vorinstanz vor, sie habe die von ihm bereits bezahl-
ten Unterhaltsleistungen nicht berücksichtigt. Er habe sodann bis dato C.
Krankenkassenprämien übernommen; diese seien ihm anzurechnen.
Wenn der Unterhaltsschuldner behaupte, dem Unterhaltsgläubiger seit der
Trennung bereits Unterhaltsleistungen bezahlt zu haben, dann sei es not-
wendig, dass der Sachrichter über die Beträge entscheide, die an die aus-
stehende Schuld angerechnet würden, und zwar "gestützt auf die Behaup-
tungen und die am Verfahren offerierten Beweise" (Berufung Ziff. 52 ff.).
Die Klägerin wendet nun aber zu Recht ein, dass sie gemäss Ziff. 5 der
Teilvereinbarung vom 21. Juni 2021 Unterhaltszahlungen des Beklagten
seit November 2020 von Fr. 2'500.00 und dessen Berechtigung anerkannt
hat, nachweislich (mittels Zahlungsquittungen) seit November 2020 für C.
- 35 -
bezahlte Krankenkassenprämien an seine Unterhaltspflicht anzurechnen
(Berufungsantwort Ziff. 49), wobei aber der Beklagte Zahlungen an die
Krankenkassenprämien nicht belegt hat (Berufungsantwort Ziff. 51). Dazu
kommt, dass der Beklagte in seiner Berufung selber nicht behauptet, dass
er der Klägerin höhere Unterhaltsleistungen als die im Teilvergleich ver-
merkten Fr. 2'500.00 bezahlt hätte. Er benennt auch keinerlei Unterlagen,
aus welchen sich allenfalls ein (zwischenzeitlich) höherer Betrag ergeben
könnte. Der Beklagte kommt seiner Substantiierungspflicht nicht nach,
wenn er einfach vorbringt, der Sachrichter müsse "gestützt auf die Behaup-
tungen und die am Verfahren offerierten Beweise" die anzurechnenden Un-
terhaltsleistungen eruieren. Tatsachen sind in der Rechtsschrift selber dar-
zulegen (BGE 4A_281/2017 Erw. 5). Daran ändert auch die Untersu-
chungsmaxime (Art. 272 ZPO; Art. 296 Abs. 1 ZPO [Kinderbelange]) nichts
(vgl. BGE 128 III 411 Erw. 3.2.1, 133 III 507 Erw. 5.4); sie befreit die Par-
teien weder von ihrer Behauptungs- und Substantiierungslast noch von ih-
rer Mitwirkungspflicht, d.h. es liegt auch in diesem Fall an ihnen, u.a. die
Beweise für die vorgebrachten Tatsachen vorzulegen resp. zu beantragen
(BGE 140 III 485 Erw. 3.3; BGE 5A_855/2017 Erw. 4.3.2).
13.
Die obergerichtliche Spruchgebühr von Fr. 2'000.00 (Art. 95 Abs. 1 lit. a
ZPO, Art. 96 ZPO i.V.m. §§ 3 Abs. 1, 8 und 11 Abs. 1 VKD) wird ausgangs-
gemäss dem Beklagten zu drei Vierteln mit Fr. 1'500.00 und der Klägerin
zu einem Viertel mit Fr. 500.00 auferlegt (Art. 106 Abs. 2 ZPO). Zudem ist
der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin die Hälfte ihrer zweitinstanzlichen
Anwaltskosten, welche auf (gerundet) Fr. 2'080.00 festgesetzt werden
(Grundentschädigung Fr. 2'500.00 [§ 3 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AnwT; AGVE
2002 S. 72]; Verhandlungsabzug 20 % [§ 6 Abs. 1 und 2 AnwT], Zuschlag
von insgesamt 15 % für die Eingaben vom 19. und 25. April 2022 [§ 6
Abs. 1 und 3 AnwT], bei den Eingaben vom 14. Februar 2022 und 16. März
2022 handelt es sich um bereits mit der Grundentschädigung abgegoltene
Korrespondenz; Rechtsmittelabzug 25 % [§ 8 AnwT]; Auslagen pauschal
Fr. 150.00 [§ 13 AnwT]; 7.7 % Mehrwertsteuer), d.h. Fr. 1'040.00, zu be-
zahlen.
14.
14.1.
14.1.1.
Die Klägerin verlangt für das Berufungsverfahren die Bewilligung der un-
entgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung, falls ihr Prozess-
kostenvorschussbegehren vom 26. Januar 2022 (Fr. 5'000.00 zzgl. MwSt.)
beim Familiengericht Baden nicht gutgeheissen werde. Sie sei prozessual
bedürftig (Berufungsantwort Ziff. 53 ff.). Sie erziele kein Einkommen und
erhalte nur die bevorschussten Kinderalimente (Fr. 956.00). Sie erwarte für
Januar 2022 eine Arbeitslosenentschädigung wegen Trennung in noch un-
bekannter Höhe. Ihr zivilprozessualer Zwangsbedarf (inkl. C.) betrage
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Fr. 3'885.30. Sie habe sodann offene Schulden (Steuern und Darlehen ih-
rer Familie zur Abwendung der Sozialhilfeabhängigkeit) von Fr. 14'257.75.
14.1.2.
Das Bezirksgericht Baden, Präsidium des Familiengerichts, wies mit Ent-
scheid vom 21. März 2022 das Prozesskostenvorschussbegehren der Klä-
gerin für das Gesuchs- und das vorliegende Berufungsverfahren ab und
bewilligte ihr die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung für
das Gesuchsverfahren (Beilage 4 zur Eingabe der Klägerin vom 19. April
2022).
14.2.
Nach Art. 117 ZPO hat eine Person Anspruch auf unentgeltliche Rechts-
pflege, wenn (lit. a) sie nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und (lit. b)
ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Als bedürftig gilt, wer die
erforderlichen Gerichts- und Parteikosten nur bezahlen kann, indem er die
Mittel heranzieht, die er eigentlich zur Deckung des Grundbedarfs für sich
und seine Familie braucht (BGE 135 I 221 Erw. 5.1). Zu berücksichtigen
sind einerseits sämtliche finanziellen Verpflichtungen des Gesuchstellers,
anderseits die Einkünfte und die frei verfügbaren Vermögenswerte
(BGE 5P.219/2003 Erw. 2.2). Seine Einkommens- und Vermögenssituation
ist in Beziehung zur Höhe der mutmasslich anfallenden Prozesskosten zu
setzen, und es ist zu prüfen, ob er in der Lage ist, die zu erwartenden Pro-
zesskosten aus seinem Vermögen oder seinem den sogenannten zivilpro-
zessualen Zwangsbedarf übersteigenden Einkommensüberschuss innert
absehbarer Zeit, bei weniger aufwendigen Prozessen innert Jahresfrist, bei
anderen innert zweier Jahre, zu tilgen (BGE 135 I 221 Erw. 5.1;
BGE 5D_82/2010 Erw. 2, 5P.219/2003 Erw. 2.2, 5P.390/2001 Erw. 2b).
14.3.
Aus dem erstinstanzlichen Verfahren ergibt sich, dass die Parteien über
sich im Gewahrsam der Klägerin befindenden Goldschmuck im Wert von
unstrittig rund Fr. 50'000.00 verfügen, welchen beide Parteien (jedenfalls
teilweise) für sich beanspruchen (vgl. act. 40 ff., 76 ff., 128 ff., 131 ff.). Vor
diesem Hintergrund erweist sich die Klägerin im Berufungsverfahren aus
obergerichtlicher Sicht – entgegen der vorinstanzlichen Beurteilung und
derjenigen des Präsidiums des Familiengerichts im Entscheid vom
21. März 2022 - als nicht zivilprozessual bedürftig, weshalb ihr Gesuch um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung
für das Berufungsverfahren abzuweisen ist. Nachdem die Vorinstanz (in
Bestätigung einer vom Beklagten erwirkten superprovisorischen Verfügung
vom 11. Februar 2021) im angefochtenen Entscheid der Klägerin unter
Strafandrohung (Art. 292 StGB) verboten hat, ohne Zustimmung des Be-
klagten über eine Reihe von Schmuckstücken aus Gold zu verfügen und
das Gericht die R. Kantonalbank in W. angewiesen hat, der Klägerin den
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Zugriff auf ihren Banksafe nur noch mit schriftlicher Zustimmung des Be-
klagten zu erlauben, hat der Beklagte der Klägerin die Zustimmung zu er-
teilen, Goldschmuck in einem Gegenwert zu verkaufen resp. ihrem Bank-
safe zum Verkauf zu entnehmen, der ihr die Finanzierung der auf sie ent-
fallenden zweitinstanzlichen Prozesskosten ermöglicht. Es ist nicht Auf-
gabe des Staates, die Prozesskosten für Bürger zu tragen, die über "res-
sources suffisantes" (Wortlaut von Art. 117 lit. a ZPO in der französisch-
sprachigen Fassung) verfügen (WUFFLI, Die unentgeltliche Rechtspflege in
der Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zürich/St.Gallen 2015, S. 87 f.).