Decision ID: 4788a490-f8da-47b3-8a60-72f2fbbb7935
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer stellte am 4. Oktober 2021 ein Asylgesuch und
wurde für den weiteren Verlauf des Verfahrens dem Bundesasylzentrum
(BAZ) der Region B._ zugewiesen. Am 8. Oktober 2021 erfolgte die
Personalienaufnahme (PA) des Beschwerdeführers und am 26. Oktober
sowie am 8. November 2021 wurde er zu den Asylgründen angehört. Am
15. November 2021 wurde er dem erweiterten Verfahren zugeteilt, worauf-
hin die ihm im BAZ zugewiesene und von ihm am 8. Oktober 2021 manda-
tierte Rechtsvertretung das Vertretungsmandat als beendet erklärte. Am 7.
Dezember 2021 wurde mit dem Beschwerdeführer eine sprachwissen-
schaftliche LINGUA-Herkunftsanalyse durchgeführt, mit dem am 14. De-
zember 2021 vorgelegten Ergebnis, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit
aus der von ihm angegebenen Herkunftsregion in Somalia stamme, er aber
erhebliche Zeit in einer Umgebung verbracht haben dürfte, die eine sprach-
liche Varietät mit mehr nördlichen Merkmalen aufweise. Seit dem 16. De-
zember 2021 liess sich der Beschwerdeführer im Asylverfahren durch die
rubrizierte Rechtsberatungsstelle vertreten. Diese erhielt am 1. März 2022
antragsgemäss Einsicht in die Akten.
Anlässlich der PA und der Anhörungen machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen Folgendes geltend: Er stamme aus C._ in der Provinz
D._, wo er stets mit seinen Eltern und Brüdern gelebt habe. Er habe
regelmässig zuhause in der (...) mitgeholfen. Am 5. Juni 2021 hätten An-
gehörige der Al-Shabaab von seinem Vater verlangt, dass er (Beschwer-
deführer) für sie arbeite. Da der Vater auf die Mithilfe seines Sohnes auf
den (...) angewiesen gewesen sei, habe dieser der Miliz eine Absage erteilt
und sei kurz darauf beziehungsweise eine Woche später umgebracht wor-
den. Am 10. Juli 2021 seien er und andere Jugendliche aus dem Dorf den-
noch von Angehörigen der Al-Shabaab ins Nachbardorf mitgenommen, an
einem abgelegenen Ort festgehalten und auch misshandelt worden. An
diesem Ort seien Leute vor seinen Augen umgebracht worden, weil sie die
Zusammenarbeit verweigert hätten; beziehungsweise er habe nur deren
Leichen gesehen. Um einem solchen Schicksal zu entgehen, habe er sich
drei Tage später auf eine weitere Aufforderung hin, anlässlich welcher er
geschlagen und mit kaltem Wasser übergossen worden sei, bereit erklärt,
für die Al-Shabaab zu arbeiten. Als er nach etwa 15 Tagen Festhaltung ei-
nes Tages draussen ohne Bewachung die Notdurft erledigt habe, sei er
weggelaufen und habe sich zwischenzeitlich versteckt. Unbekannte Leute
hätten ihn in deren Haus eingelassen. Nach Kontaktaufnahme mit seiner
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Mutter und seinem in E._ wohnhaften Onkel sei er zu diesem ge-
gangen. Rund zwei Wochen später sei sein beim Onkel lebender Cousin
von der Al-Shabaab umgebracht worden. Der Anschlag hätte wohl ihm sel-
ber gelten sollen; womöglich beziehungsweise mit Sicherheit sei es zu ei-
ner Verwechslung gekommen. Sein Onkel habe ihn danach in ein anderes
Haus gebracht und seine Ausreise organisiert und finanziert, da dieser ihn
in Lebensgefahr gewähnt habe. Am 20. August 2021 habe er Somalia auf
dem Luftweg in Richtung F._ mit Zwischenhalt in G._ ver-
lassen; dabei habe er einen vom Onkel beschafften, vermutlich somali-
schen Pass einer ihm nicht bekannten Drittperson mit unbekanntem Ge-
burtsdatum beziehungsweise den Pass seines (...) verwendet. Via
H._ und ihm unbekannte weitere europäische Länder sei er am
4. Oktober 2021 illegal in die Schweiz gelangt.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer im Verlaufe des erstin-
stanzlichen Verfahrens Kopien einer Identitätsbestätigung und eines Ge-
burtszertifikats, ausgestellt je am (...). Oktober 2021 durch die Stadtver-
waltung E._, ein. Einen eigenen Pass oder eine Identitätskarte
habe er nie besessen.
B.
Mit Verfügung vom 2. Juni 2022 – eröffnet am 7. Juni 2022 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht
(Ziff. 1 des Dispositivs), lehnte dessen Asylgesuch ab (Ziff. 2 des Disposi-
tivs) und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz an (Ziff. 3 des Dis-
positivs). Anstelle der Anordnung des Vollzugs der Wegweisung gewährte
es ihm jedoch die vorläufige Aufnahme (Ziff. 4-6 des Dispositivs).
C.
Mit Eingabe vom 7. Juli 2022 erhob der Beschwerdeführer gegen diese
Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Darin beantragt
er die Aufhebung der Ziffern 1 bis 3 des Dispositivs, die Gewährung von
Asyl unter Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft sowie in prozessualer
Hinsicht die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege inklusive Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und Beiordnung des
rubrizierten Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder
zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen von Asylvorbringen
in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis;
darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11
E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.).
4.2 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz (Art. 44 AsylG).
5.
5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids qualifizierte das
SEM die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Verfolgungsvorbrin-
gen als den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung ei-
nes Asyl begründenden Sachverhalts nicht genügend. So habe er die Mit-
nahme vom 10. Juli 2021 durch die Al-Shabaab (Ereignisablauf und -be-
schrieb), die nachfolgende 15-tägige Festhaltung (Behandlung, Verpfle-
gung, Beschreibung des Haftraums und des Prozederes der Notdurftver-
richtung), den anschliessenden Aufenthalt beim Onkel und die dortigen Er-
eignisse (insb. Tötung seines [...] und emotionale Reaktionen des Onkels
auf diesen Vorfall) trotz mehrfacher Aufforderungen zur Ausführlichkeit we-
der substanziiert noch detailliert zu schildern vermocht. Zudem habe er
sich in den beiden Anhörungen betreffend die Anzahl Mitgefangener im
Haftraum (mehrere weitere Jugendliche beziehungsweise niemand) wider-
sprochen. Als Fazit der Beschreibung seiner Mitnahme, seiner Festhaltung
durch die Al-Shabaab und seines Aufenthalts beim Onkel könne festgehal-
ten werden, dass seine Angaben nicht die Qualität aufweisen würden, wel-
che zu erwarten wäre, wenn eine Person mit seinen individuellen Fähigkei-
ten ein solches Ereignis unter den geltend gemachten Umständen tatsäch-
lich erlebt hätte. Angesichts der aufgezeigten Unglaubhaftigkeitselemente
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könne darauf verzichtet werden, weitere solche aufzuführen; deren spätere
Geltendmachung bleibe indes vorbehalten. Die Qualität seiner Aussagen
hätte auch ohne Erlebnishintergrund realisiert werden können und die Vor-
bringen erschienen daher zu wenig begründet. Da er in einer Gesamtwür-
digung den Anforderungen an die Glaubhaftmachung nicht genüge, erfülle
er die Flüchtlingseigenschaft und die Voraussetzungen für das Asyl nicht.
Die gesetzliche Regelfolge der Ablehnung des Asylgesuchs sei die Weg-
weisung aus der Schweiz. Deren Vollzug in den Heimatstaat sei jedoch
aufgrund der prekären Sicherheitslage in Mittel- und Südsomalia unzumut-
bar, weshalb die vorläufige Aufnahme anzuordnen sei.
5.2 In seiner Rechtsmitteleingabe erkennt der Beschwerdeführer den vor-
instanzlich festgestellten Sachverhalt als präzise zusammengefasst. Be-
treffend die (Un-)Glaubhaftigkeitserwägungen des SEM verweist er zu-
nächst auf das im Asylverfahren geltende reduzierte Beweismass des
Glaubhaftmachens. Zudem hält er fest, dass neben den inhaltlichen Glaub-
haftigkeitsmerkmalen auch der psychische und gesundheitliche Zustand
der asylsuchenden Person und insbesondere eine diagnostizierte Trauma-
tisierung in der Gesamtbeurteilung zu berücksichtigen seien. Traumati-
sierte Menschen hätten häufig Schwierigkeiten, spontan und umfassend
über erlittene Übergriffe zu berichten. Bereits in der ersten Anhörung habe
er nächtliche Albträume erwähnt, ohne dass in der Folge oder im Asylent-
scheid auf seine psychische Belastung und wahrscheinliche Traumatisie-
rung eingegangen worden wäre. Seit seiner hausärztlichen Zuweisung
vom Februar 2022 an die I._ – diese sei aufgrund des Verdachts
einer (...) seit der Flucht aus Somalia erfolgt – sei er bei dieser in Behand-
lung. Im beiliegenden psychiatrischen Abklärungsbericht vom (...). Juni
2022 würden nun eine (...) diagnostiziert, seine eigene Gefangenschaft,
seine Zeugeneigenschaft betreffend die Ermordung mehrerer Personen
und seine Schuldgefühle für die Tode seines (...) und seines Vaters auf-
grund seiner Weigerung, mit der Al-Shabaab zu kollaborieren, und ebenso
die Auswirkungen der Traumatisierung auf sein Aussageverhalten erwähnt.
Dies erkläre seine Schwierigkeiten, sich detailliert und umfassend über er-
littene Übergriffe zu äussern. Auch bei Schilderungen, welche nicht direkt
mit den Fluchtgründen zu tun hätten (z.B. das Aussteigen aus dem Flug-
zeug in F._ oder Ortschaften in der Umgebung), habe er trotz Auf-
forderungen zur Substanziierung nur knappe Angaben machen und keine
Detaillierungen vornehmen können, obwohl sie zweifelsohne auf eigenen
Erlebnissen basierten; dies spreche für die Konstanz seines Aussagever-
haltens. Es liege der Schluss nahe, dass er mit seinem sozial-kulturellen
Hintergrund jeweils nicht vollständig erfasst habe, zu welchem Zweck diese
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konkreten Nachfragen gestellt würden und welche Erwartung er damit zu
erfüllen habe. Weiter sei zu berücksichtigen, dass in seinen Schilderungen
zu den fluchtrelevanten Vorfällen eine Vielzahl von Realkennzeichen ent-
halten seien, beispielsweise habe er ohne spezifische Aufforderung das
genaue Mitnahmedatum mit ungefähren Zeit- und Ortsangaben, das Über-
giessen seines Körpers mit kaltem Wasser, die anfängliche Verrichtung sei-
ner Notdurft nur unter Bewachung oder sein Versteckthalten auf einem
Baum bis zur Dunkelheit nach seinem Weglaufen genannt. Auch habe er
gleiche Sachverhaltselemente inhaltlich gleich, wenn auch in sehr unter-
schiedlichen Worten geschildert. Die Vorinstanz habe in ihrer Glaubhaftig-
keitsprüfung eine stark einseitige Würdigung vorgenommen. Seine Vor-
bringen seien als überwiegend glaubhaft gemäss Art. 7 AsylG einzustufen
und im Übrigen auch asylrelevant. Laut dem beiliegenden COI-Bericht des
«Danish Immigration Service» von Juli 2020 sei Zwangsrekrutierung in So-
malia nämlich ein grosses Problem. Von der Al-Shabaab Angeworbene, die
ihren Anschluss an diese Miliz verweigerten, würden als Ungläubige be-
trachtet, verfolgt und getötet. Die somalische Regierung sei in ihren Bemü-
hungen, gegen diese illegitimen Zwangsrekrutierungen der quasistaatlich
und terroristisch agierenden Al-Shabaab vorzugehen, wenig erfolgreich. Er
habe somit begründete Furcht vor einer zukünftigen Verfolgung im Sinne
von Art. 3 AsylG, zumal die versuchte Zwangsrekrutierung gezielt ihm ge-
golten habe, er nach seiner Flucht und der Ermordung seines Vaters von
der Miliz gezielt gesucht worden und seitens der Regierungskräfte kein
Schutz zu erwarten gewesen sei.
6.
6.1 Das SEM ist in seinen einlässlichen Erwägungen nach unbestrittener-
massen korrekter Sachverhaltsfeststellung sowie mit überzeugender Be-
gründung und umfassenden Aktenabstützungen zur Erkenntnis gelangt,
die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen würden den Anforderungen
von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftigkeit nicht genügen, weshalb kein An-
spruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung des
Asyls bestehe. Dabei hat es das im Asylverfahren geltende und gegenüber
dem strikten Beweis reduzierte Beweismass des Glaubhaftmachens
rechtsgenüglich und praxisgemäss beachtet. Die vorinstanzlichen Erwä-
gungen sind nicht zu beanstanden und es kann insoweit zur Vermeidung
von Wiederholungen auf den Inhalt der angefochtenen Verfügung (vgl. dort
E. II) und die zusammenfassende Wiedergabe oben (E. 5.1) verwiesen
werden.
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Die Beschwerde führt offensichtlich zu keiner anderen Betrachtungsweise.
Soweit sie sich nicht in blossen Wiederholungen, Bekräftigungen, Gegen-
behauptungen oder offensichtlich unbehelflichen Erklärungsversuchen er-
schöpft, gibt sie zu folgenden Erwägungen Anlass: Das Bundesverwal-
tungsgericht ist sich der Problematik von (...) und deren Auswirkungen auf
das Aussageverhalten bewusst und hat diese in zahllosen Urteilen mit Be-
zug auf die jeweiligen Einzelfälle gewürdigt. Tatsache ist vorliegend, dass
der Beschwerdeführer – in der Beschwerde wird er mehrfach als Be-
schwerdeführerin bezeichnet (vgl. dort insb. Ziff. B/I 3.4) – im erstinstanzli-
chen Verfahren auf spezifische Fragen nach seinem Gesundheitszustand
stets erklärt hat, es gehe ihm gut (vgl. insb. Akten Nr. 13 F4 und F64 sowie
Nr. 17 F4). Den Anhörungsprotokollen sind denn auch keine schlüssigen
Anzeichen für kognitive Einschränkungen oder eine mögliche Zurückhal-
tung bei der Schilderung von Benachteiligungen erkennbar. Einzig in der
Anhörung vom 26. Oktober 2021 hat er –auf Nachfrage seines Rechtsver-
treters betreffend allfälliger Schlafbeeinträchtigungen – von nächtlichen
Albträumen gesprochen und diesbezüglich erwähnt, er sei heute bei der
«Pflege» gewesen und man habe ihm gesagt, er solle am folgenden Tag
nochmals vorbeikommen (vgl. Akte 13 F66 f.). Für das SEM bestand bei
dieser Ausgangslage keine hinreichende Veranlassung, in der Folge oder
im Asylentscheid auf eine psychische Belastung und insbesondere eine
mögliche Traumatisierung des rechtsvertretenen und nach Art. 8 AsylG mit-
wirkungsverpflichteten Beschwerdeführers einzugehen, zumal er bis zur
Entscheidfällung keine Hinweise auf eine psychiatrische Behandlung ge-
liefert hat und erst nach Ergehen der angefochtenen Verfügung einen Be-
richt erstellen liess. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer auch in wei-
teren Sachverhaltsschilderungen substanz- und detailarme Angaben ge-
macht habe, spricht zwar durchaus für eine insoweite Konstanz in seinem
Aussageverhalten, indessen dient dieses Argument mehr der Bestätigung
denn der Entkräftung der vorinstanzlichen Unglaubhaftigkeitserkenntnis.
Auch der sozial-kulturelle Hintergrund als pauschale Erklärung dafür, dass
er jeweils nicht vollständig erfasst habe, zu welchem Zweck die konkreten
Nachfragen gestellt würden und welche Erwartung er damit zu erfüllen
habe, ist offensichtlich unbehelflich, zumal entsprechende Interventionen
seinerseits oder seitens seiner Rechtsvertretung direkt bei diesen betref-
fenden Nachfragen unterblieben sind. Wenig zielführend ist sodann seine
Forderung nach Berücksichtigung von angeblich durchaus auch bestehen-
den Realkennzeichen, denn bei den von ihm konkret aufgeführten handelt
es sich nicht wirklich um solche (z.B. die Nennung von Daten mit Zeit- und
Ortsangaben, die Erwähnung seines Versteckthaltens auf einem Baum o-
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der die Wiedergabe von Sachverhaltselementen mit sehr unterschiedli-
chen Worten). Der vorgelegte psychiatrische Bericht führt nicht zu einer
anderen Betrachtung, zumal er offenbar auf einer einzigen Sitzung vom 21.
Februar 2022 sowie auf persönlichen anamnetischen Angaben basiert, die
vorliegend asylrechtlich als unglaubhaft erkannt werden. Zudem äussert
sich der Bericht entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers nicht
zu den Auswirkungen der Traumatisierung auf sein Aussageverhalten. All-
fällige psychische Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers beruhen
nach dem Gesagten offensichtlich auf anderen Gründen.
Schliesslich ist festzuhalten, dass die Identität des Beschwerdeführers bis
heute nicht erstellt ist und er seit der Einleitung seines Asylverfahrens auch
diesbezüglich seiner ihm mehrfach hinlänglich zur Kenntnis gebrachten
Mitwirkungspflicht (vgl. insb. Art. 8 Abs. 1 Bst. a und b AsylG) nicht in ge-
nügender Weise nachgekommen ist. Die Identitätsbestätigung und das Ge-
burtszertifikat, ausgestellt je am (...). Oktober 2021 durch die Stadtverwal-
tung E._, liegen bloss als Kopien vor. Ihr Beweiswert ist daher von
vornherein eingeschränkt. Zudem erstaunt, dass sowohl Stempel als auch
Unterschrift auf den beiden Dokumenten absolut identisch und die Doku-
mente daher mit erheblichen Echtheitszweifeln behaftet sind. Die Erkennt-
nis bestätigt sich durch den Umstand, dass die Dokumente nach der Aus-
reise des Beschwerdeführers entstanden sind und daher fraglich ist, wie
der Fingerabdruck einer abwesenden Person auf deren Identitätsbestäti-
gung gelangen konnte. Daneben fällt auf, dass der Beschwerdeführer just
am (...) der beiden Dokumente vom SEM angehört wurde und erklärte, er
habe keine Identitätsdokumente und wisse nicht, wie er solche beschaffen
könnte (vgl. Akte 13 F68 f.). Unter Mitberücksichtigung der an Erlebnisecht-
heit und Realitätsnähe armen Schilderungen der (Aus-)Reiseumstände
(vgl. insb. Akte 13 F40-63) ist von einer eigentlichen Verschleierung der
Identität, Reiseroute und Auslandaufenthalte sowie von der Existenz eines
den hiesigen Asylbehörden vorenthaltenen Reisepasses auszugehen.
Das Gericht gelangt zur Auffassung, dass es sich beim geltend gemachten
persönlichen Verfolgungssachverhalt um ein Konstrukt handelt. Es erübrigt
sich, auf zahlreich vorhandene weitere Unglaubhaftigkeitselemente einzu-
gehen. Rechtslogisch konsequent verzichtete das SEM nach seiner zu
stützenden Feststellung der Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen auf eine
Prüfung deren Asylrelevanz nach Massgabe der gesetzes- und praxisge-
mässen Anforderungen von Art. 3 AsylG, zumal es nunmehr an einem un-
ter diese Bestimmung subsumierbaren und einer Würdigung der flücht-
lingsrechtlichen Beachtlichkeit zugänglichen Sachverhalt fehlt. Das SEM
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hat somit die behauptungsgemässen Ansprüche auf Feststellung der
Flüchtlingseigenschaft und Gewährung des Asyls zu Recht verneint.
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dies wird
in der Beschwerde substanziell auch nicht bestritten.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Es erübrigt sich, auf den
weiteren Inhalt der Beschwerde und die vorgelegten Beweismittel näher
einzugehen, da sie am Ergebnis nichts zu ändern vermögen. Die Be-
schwerde ist abzuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-
zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
Angesichts der aus den Erwägungen hervorgehenden Aussichtslosigkeit
der Beschwerde ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung mit amtlicher Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als
unentgeltlicher Rechtsbeistand abzuweisen, da es somit an einer zwingen-
den Voraussetzung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG mangelt. Das Gesuch um
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit dem vorlie-
genden, instruktionslos ergehenden Direktentscheid in der Sache hinfällig.
(Dispositiv nächste Seite)
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