Decision ID: 350693fa-55e9-410d-ba92-9dc5560de6ba
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1963 geborene
X._
, welcher als Bauarbeiter
für die
Y._
AG tätig war (
Urk.
7/10),
meldete sich am 1
1.
April 2011
(Eingangs
datum)
erstmals bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2). Nach Vornahme medizinischer und erwerb
licher Abklärungen sowie nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/28) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
5.
November 2012 einen
Leistungs
anspruch des Versicherten (
Urk.
7/29).
Am 2
3.
September 2014 (Eingangsdatum)
wurde der Versicherte von der Sozial
beratung der Stadt
Z._
der IV-Stelle zur Früherfassung
gemeldet (Urk.
7/33). Nach Durchführung eines Gesprächs
mit einer Eingliederungs
beraterin der IV-Stelle
meldete
sich der Versicherte
a
m 6.
November 2014 (Ein
gangsdatum)
erneut
zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/40).
Wiederum nahm d
ie IV-Stelle
medizinische und erwerbliche Abklärungen vor und verneinte nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/48) mit Verfü
gung vom
4.
Februar 2015
einen Leistungs
anspruch des Versicherten (Urk.
7/52).
1.2
Am 2
7.
Februar 2019 (Eingangsdatum
) meldete sich der Versicherte abermals
bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/53).
Die IV-Stelle liess in der Folge einen Auszug aus dem Individuellen Konto erstellen (
Urk.
7/59) und holte Berichte von
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Kardiologie,
(
Urk.
7/58,
Urk.
7/63) der Universitätsklinik
B._
, Wirbelsäulenzentrum, (
Urk.
7/60) und
von
Dr.
D._
,
Chiropraktor
,
(Urk.
7/62) ein.
Am 2
9.
August 2019 nahm
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Chirurgie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle zu den Akten Stellung (
Urk.
7/80/4-5).
Nachdem sich der Versicherte am
1
7.
Oktober 2019 in der Universitätsklinik
B._
eine
r
arthroskopischen
Rotatorenmanschetten
rekonstruktion
rechts
unterzogen hatte (
Urk.
7/69), teilte die IV-Stelle mit Mit
teilung vo
m
7.
November 2019 mit, dass
zurzeit
keine Eingliederungs
massnahmen möglich seien (
Urk.
7/67).
In der Folge holte die IV-Stelle
je
einen weiteren Bericht der Universitätsklinik
B._
(
Urk.
7/69) und von
Dr.
A._
(
Urk.
7/73) ein. Am 2
4.
März 2020 nahm
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, vom RAD zu den A
kten Stellung
(
Urk.
7/80/
6
-8). Daraufhin holte die die IV-Stelle
weitere Berichte der Uni
versitätsklinik
B._
(
Urk.
7/74,
Urk.
7/76) ein.
Nachdem
RAD-Arzt
Dr.
E._
am 1
5.
Mai 2020 erneut zu den Akten Stellung genommen hatte (
Urk.
7/80/8-9)
, sprach die IV-Stelle dem Versicherten
n
ach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(
Urk.
7/82;
Urk.
7/83,
Urk.
7/89)
mit Verfügung vom
9.
Juli 2021
eine
von Oktober 2019 bis März 2020 befristete ganze Rente zu (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 1
3.
September 2021 (
Urk.
1) Beschwerde erheben und beantragen, es sei di
e angefochtene Verfügung vom 9.
Juli 2021 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm – allenfalls nach Vornahme weiterer Abklärungen – die gesetzlichen Leistungen zu erbringen, insbesondere unbefristete Rentenleistungen. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung und um Bestellung von Rechtsanwältin
Anjushka
Früh als unentgeltliche Rechtsvertreterin. Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
1.
Oktober 2021 die
Abweisung der Beschwerde (Urk.
6), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
2
6.
Oktober
2021 angezeigt wurde (
Urk.
8
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts I 659/04 vom 9. Februar 2005 E. 1.1).
1.5
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Ein
gliederungsmassnahmen durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigen
anstrengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der
diesfalls
grundsätzlich («vermutungsweise») anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbsteingliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Ab
senz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versicherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist
oder
wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufs
erfahrungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (BGE 145 V 209 E. 5.1, Urteil des Bundesgerichts 8C_233/2021 vom 7. Juni 2021 E. 2.3 mit Hinweisen).
Die Rechtsprechung, wonach es bei der
wieder
erwägungs
- oder revisionsweisen Herabsetzung oder Aufhebung der Invaliden
rente bei zurückgelegtem 55. Altersjahr oder mehr als fünfzehn Jahre dauerndem Rentenbezug grundsätzlich Eingliederungsmassnahmen durchzuführen gilt, findet auch dann Anwendung, wenn zeitgleich mit der
Rentenzusprache
über deren Befristung und/oder Abstufung befunden wird (
BGE 145 V 209
E. 5.4). Denn die rückwirkende
Zusprache
einer in der Höhe abgestuften und/oder zeitlich befristeten Invalidenrente richtet sich grundsätzlich nach denselben Regeln wie die Revision eines bestehenden Rentenanspruchs nach Art. 17 Abs. 1 ATSG. Auch in dieser Konstellation sind Versicherte betroffen, die zufolge invalidisierender Beeinträchtigung ihrer Gesundheit (d.h. invaliditätsbedingt) über einen mehr oder weniger langen Zeitraum überhaupt nicht mehr oder nur noch beschränkt ein
gegliedert waren (E. 5.3).
1.
6
Nach den allgemeinen Regeln des Sozialversicherungsrechts hat der Versicherungsträger den rechtserheblichen Sachverhalt abzuklären. Er ist nach dem in Art. 43 Abs. 1 ATSG statuierten Untersuchungsgrundsatz verpflichtet, die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte einzuholen. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sach
verhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.2.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erklärte zur Begründung
der
Zusprache
einer befristeten ganzen Rene
für die
Monate
Oktober 2019 bis März 2020
(
Urk.
2), der Beschwerdeführer sei seit dem
1.
Oktober 2018 in seiner Arbeitsfähigkeit ein
geschränkt. Bei Ablauf der gesetzlichen Wartefrist sei
ihm
weder seine bisherige Tätigkeit als Bauarbeiter noch eine andere angepasste Tätigkeit zumutbar gewesen. Es habe daher ein Invalidit
ät
sgrad von 100
%
vorgelegen.
Ab Januar 2020 habe si
ch
die gesundheitliche Situation verbessert, sodass dem Beschwerdeführer eine angepasste Tätigkeit
ab Januar 2020
zu 50
%
und ab Mitte Februar 2020 zu 100
%
zumutbar sei. Eine angepasste Tätigkeit sollte körperlich leichte Tätigkeiten ohne Heben/Tragen von Lasten
von
mehr als
10
kg und ohne Überkopfarbeiten und Zwangshaltungen des Kopfes beinhalten.
Die
Änderung des Gesundheitszustandes
sei
per April 2020
zu berücksichtigen
. Eine Gegenüber
stellung des Einkommens ohne Gesundheitsschaden und desjenigen mit Gesundheitsschaden ergebe einen
rentenausschliessenden
Invaliditätsgrad von 4
%
.
2.2
Der Beschwerdeführer liess dagegen im Wesentlichen einwenden
(
Urk.
1)
,
die Beschwerdegegnerin stütze ihren Entscheid im Wesentlichen auf die Stellung
nahme
n
des RAD
. In seiner Stellungnahme vom 1
5.
Mai 2020
beziehe sich
RAD-Arzt
Dr.
E._
explizit auf den Bericht der Universitätsklinik
B._
, Wirbel
säulenzentrum
,
vom
5.
April 201
9.
Darin halte
Dr.
med.
F._
, Assistenzärztin,
auf die Frage nach der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätig
keit
fest, dass
er – de
r
Beschwerdeführer -
in leichter körperlicher Tätigkeit (sitzend/administrativ) bei gut kompensi
erter Schmerzsituation zu 100
%
arbeiten
könnte. Daraus soll nun gemäss RAD eine vollständige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit abgeleitet werden können. Die durch
die Universitätsklinik
B._
ausgewiesene Schmerzsituation sei jedoch im massgebenden Zeitpunkt des Verfügungserlasses keinesfalls «gut kompensiert» und der Gesundheits
zustand nicht «s
tabil»
gewesen
. Dies insbesondere nicht bezüglich der HWS-Problematik
. Vielmehr habe sich sein Gesundheitszustand seit der RAD-Stellungnahme vom 1
5.
Mai 2020 deutlich verschlech
t
ert.
Neben de
n HWS-Beschwerden bestünden auch Schulterbeschwerden. Er
hab
e eine
Rotatorenmanschettenrupt
ur
rechts erlitten.
Es
sei am 1
7.
Oktober 2019 eine
arthroskopische
Rotatorenmanschettenrekonstruktion
rechts mit
Bizepstenotomie
und
Débridement
subakromial
durchgeführt worden. Im Bericht
der Universitäts
klinik
B._
vom
2.
April 2020 werde
von einem weiterhin verzögerten Rehabilitationsstatus mit zwar aktuell verbesserter Beweglichkeit der Schulter, jedoch weiterhin starken Schmerzen berichtet.
Gemäss RAD
-Stellungnahme vom 1
5.
Mai 2020
soll nun ab
1.
Januar
beziehungsweise
21.
Februar 2020 eine Besserung des Gesundheitszustandes eingetreten sei
n
.
In seiner Stellungnahme vom 2
4.
März 2020 sei
Dr.
E._
noch davon ausgegangen, dass eine fortdauernde 100%ige Arbeitsunfähigkeit auch für angepasste Tätigkeiten nach einer solchen Operation grundsätzlich nicht ungewöhnlich sei. Weshalb er in seiner Stellung
nahme vom 1
5.
Mai 2020 nun nicht mehr dieser Ansicht gewesen sei, werde nicht weiter begründet.
Es fänden sich denn auch keinerlei Anhaltspunkte in den Akten, dass in diesem
Zeitraum
eine Verbesserung des Gesundheitszustandes tat
sächlich eingetreten sein soll. Damit sei
die
Stellungnahme
vom 1
5.
Mai 2020
nicht nachvollziehbar.
Es werde zudem durch die behandelnde
Kardiologin eine gravierende kardiale Rhythmusstörung mit wiederholten
Episoden mit Tachykardien ausgew
i
e
sen. Vor diesem Hintergrund sei nicht nachvollziehbar, wesh
alb die Beschwerdegegnerin ledi
g
l
ich einen Orthopäden und einen Chirurgen des RAD zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit beigezogen habe.
Die kardiologische Komponente werde in den RAD-Stellungnahmen nicht einmal erwähnt
.
An den Beurteilungen der Universitä
t
sklinik
B._
äussere der RAD keine Kritik. Gestützt darauf bestehe
e
in unbefristeter Leistungsanspruch. Sollte nicht auf die Berichte der behandelnden Ärzte ab
gestellt werden, sei ein Gutacht
e
n
einzuhole
n und die Angelegenheit hierfür an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen.
3.
3.1
Im Rahmen des mit Verfügung vom
4.
Februar 2015 (
Urk.
7/52) abgeschlossenen Verfahrens war die Beschwerdegegnerin davon ausgegangen, dass kein Gesund
heitsschaden vorliege, der eine länger dauernde oder bleibende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründe und der Beschwerdeführer die angestammte Tätig
keit weiterhin ausüben könne (
Urk.
7/47/2).
3.2
3.2.1
Im aktuellen Neuanmeldeverfahren wurden insbesondere die folgenden ärztlichen Berichte aktenkundig.
3.
2.
2
Dr.
F._
von der
Universitätsklinik
B._
,
Wirbelsäulenzentrum,
nannte mit Bericht an die Beschwerdegegnerin vom
5.
April 2019
(
Urk.
7/60)
als Diagnosen:
-
Zervikobrachialgie
linksseitig bei
-
f
oraminaler
Stenose C4/5, C5/6 und C6/7 am
ausgeprägtest
en
auf Höhe C5/6 links
betont
-
Herz-
Palpitationen
(
etwa einmal pro
Monat)
-
r
ezidivierende symptomatische Sinustachykardien
-
Status nach erfolgreicher
Ablatio
des Slow-
path
-
ways
März 2011
-
Status nach
Ablatio
Juni 2011 bei Rezidiv
-
Nikotinabusus, Leberwerterhöhung n
icht abgeklärt, Verdacht auf C2-
Überkonsum
-
Hypercho
lest
erinämie
-
Vitamin D-Mangel
Den ihnen vorliegenden Akten sei keine Arbeitstätigkeit zu entnehmen. Aller
dings bestehe bei einer
Zervikobrachialgie
links bei mehreren
Foramenstenosen
eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Der Beschwerdeführer soll keine Gewichte von mehr als
fünf
Kilogramm halten oder l
u
pfen. Leichte körperliche Tätigkeiten seien
zu bevorzugen, demnach sitzende oder administrative Tätigkeiten.
Der Beschwerdeführer könne in leichter körperlicher Tätigkeit (sitzend, administrativ) bei gut kompensierter Sch
merzsituation zu 100
% arbeiten, sch
w
ere körperlich belastende Tätigkeiten seien zu vermeiden.
Aktuell stehe
einer Eingliederung die Schmerzsituation
im Wege
, welche
noch
weiter mit dem
Chiropraktor
angegangen werde.
3.
2.
3
Der
Chiropraktor
Dr.
D._
erklärte mit Bericht an die B
eschwerdegegnerin vom 9.
Juli 2019 (
Urk.
7/62), der Beschwerdeführer
habe
vom 1
2.
bis 2
6.
März 2019 bei ihm in Behandlung gestanden. Seine Therapie sei abgeschlossen. Als Diagnose
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
führte
e
r eine
Brachialgie
links an. Dem Beschwerdeführer, welcher
früher
auf Baustellen gearbeitet habe, s
ei
die bisherige Tätigkeit zu 50
%
zumutbar. Eine leidensangepasste Tätigkeit sei zu mindestens 50
%
zumutbar.
3.
2.
4
Dr.
A._
nannte mit Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 1
2.
Juli 2019 (Urk.
7/63) als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
Rotatorenmanschettenr
uptur
(
Supraspi
natus
transmural
)
rechts Juni 2019
-
Zervikobrachialgie
linksseitig Oktober 2018 (symptomatisch, Diagnose November 2018) mit
-
f
oraminaler
Stenose C4/5, C
5/6 und C6/7 am
ausgeprägtesten
auf Höhe C5/6 betont mit multiplen Physiotherapieserien, Infiltrationen und
chirotherapeutischen
Behandlungen
-
r
ezidivierende symptomat
i
s
che Sinustachykardien 2011, erste Sympto
matik 2008
-
Status nach Ablation November 2011 und Ju
ni
2011 bei Rezidiv (etwa einmal pro Monat)
-
Vitamin D-Mangel
-
f
ortgesetzter Nikotinkonsum
-
Hypercholesterinämie
Es sei keine Arbeitsfähigkeit mehr gegeben. Die Leistungsfähigkeit sei aus ortho
pädischen Gründen
schwerst
eingeschränkt. D
er
Beschwerdeführer habe Schmerzen und Funktionseinschränkungen in der Halswirbelsäule und den Armen sowie der Schulter rechts. Bei
Rotatorenmanschettenruptur
rechte Schulter bestünde die Möglichkeit einer Operation. Bei andauernden Schmerzen und schwerer Funktionseinsch
rä
n
k
ung sei dem Besch
w
erdefü
h
rer zugeraten worden, den Eingriff durchführen zu lassen. Erst nach operativer Sanierung der Schulter
problematik mit anschliessender physikalischer Therapie erscheine eine erneute Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sinnvoll. Aus kardiolog
ischer
Sicht
sei eine sehr leichte angepasste Tätigkeit durchaus möglich.
Es besteh
e
weiterhin der Verdacht auf vereinzelte Episoden mit bisher nicht erfasste
n
selbstlimitierende
n
Herz
rhythmusstörungen, die mit unterschiedlicher Häufi
gkeit aufträten (Urk.
7/63).
3.
2.
5
RAD-Arzt
Dr.
C._
erklärte mit Stellun
gahme vom 2
9.
August 2019 (Urk.
7/80/4-5), aus versicherungsmedizinischer Sicht bestehe bei Schädigung der HWS ein
e verminderte Belastbarkeit für
regelmässiges mittelschweres und schwere
s
Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, für Arbeiten über Kopf- und Schulterhöhe,
für Arbeiten
auf Leitern und Gerüsten,
für Arbeiten
mit Schlag- und Vibrationsbelastungen des Schultergürtels, für häufiges Bücken so
wie für Tätigkeiten in körperlichen Zwangshaltungen. Aus medizinischer Sicht sollten bei vorgeschädigter Schulter Tätigkeiten mit häufigen Schl
ä
gen und Vibrationseinwirkungen auf die rechte Schulter sowie Überkopfarbeiten und Arbeiten in ständiger Armvorhalteposition, insbesondere repetitive Tätigkeiten mit Belastung der Arme
,
nicht mehr zugemutet werden. Das Heben, Tragen und Transportieren von Lasten über
fünf bis acht
Kilogramm (unter ungünstigen Hebeln), in günstiger Belastungsposition (kör
pernah, bis Lendenhöhe) über 20
Kilogramm solle vermieden werden. Leichte (angepasste
)
Tätigkeiten in Wechselbelastung ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten von mehr als 10 Kilogramm, ohne Verharren in Zwangshaltungen, ohne dauerhafte Arm
vorhaltebelastungen und Überkopfarbeiten wären aus medizinisch-theoretischer Sicht weiterhin zumutbar.
In der bisherigen Tätigkeit als Bauarbeiter bestehe seit 3
0.
Oktober 2018 und bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit könne auf Dauer nur noch eine angepasste leichte körperliche Tätigkeit ausgeübt werden.
Aktuell werde eine
Rotatorenmanschettenruptur
rechts dokumentiert und eine operative Versorgung im September angezeigt. Unterlagen über den geplanten Eingriff und ein chirurgischer wie auch radiologischer Untersuchungsbefund lägen nicht vor, insbesondere nicht der genaue Zeitpunkt der Stellung der Diagnose. Es könne aber im Moment gegebenenfalls auch von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit ausgegangen werden, spätestens aber zum Zeitpunkt des geplanten operativen Eingriffs. Es sei abzuklären, ob und wann der operative Eingriff an
der Schulter stattfinden werde. W
enn ja, seien nach drei postoperativen Monaten ein Verlaufsbericht mit sämtli
chen Unterlagen (MRI-Befund, Operationsb
ericht, postoperativer Verlaufsbericht, weitere Therapiemassnahmen) und mit der Bitte um Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit in bisheriger und angepasster Tätigkeit einzuholen.
3.
2.
6
Dr.
med.
G._
, Assistenzärztin Orthopädie, Universitätsklinik
B._
, erklärte mit Bericht an die Beschwerdegegnerin vom
1
7.
Februar 2020 (
Urk.
7/69), sie hätten am 1
7.
Oktober 2019 eine
arthroskopische
Rotatoren
manschetten
rekonstruktion
rechts mit
Bizep
stenotomie
und
Débridement
sub
akromial
durchgeführt. Im Rahmen der Verlaufskontrolle sechs Wochen
p
ost
operativ (2
9.
November 2019) habe der Beschwerdeführer über tägliche Beschwerden geklagt. Er nehme regelmässig Schmerzmittel ein.
3.
2.
7
Mit Bericht an die Beschwerdegegnerin vom
8.
Mär
z 2020 (
Urk.
7/73) erklärte Dr.
A._
, der Beschwerdeführer sei in der angestammten Tätigkeit nicht arbeits
fähig. Aktuell bestehe auch in einer angepassten Tä
tigkeit keine Arbeitsfähigkeit.
3.
2.
8
Mit Stellungnahme vom 2
4.
März 2020 erklärte
RAD-Arzt
Dr.
E._
(
Urk.
7/80/6-8)
,
die geplante Schulter-Operation habe nun tatsächlich am 1
7.
Oktober 2019 stattgefunden. Der einzige postoperative Bericht basiere jedoch auf den Befunden der ersten postoperativen Kontrolle vom 2
9.
November 2019, welche mittlerweile mehr als drei Monate zurückliege. Die einzigen Angaben zur Arbeitsfähig
keit/Arbeitsunfähigkeit aus
der Zeit ab Dezember 2019 stamm
t
e
n von der Haus
ärztin, welche allerdings ausdrücklich das bekannte, degenerativ bedingte HWS-Syndrom als wesentliche Mitursache der fortdauernden Arbeitsunfähigkeit an
gebe. Die Tatsache einer fortdauernden 100%igen Arbeitsunfähigkeit auch für angepasste Tätigkeiten sei nach einer solchen Operation, wie sie beim Beschwerdeführer am 1
7.
Oktober 2019 vorgenommen worden sei, aus rein orthopädischer Sicht und einer mehr als 30
-
jährigen Praxiserfahrung grundsätz
lich nicht ungewöhnlich. Problematisch sei in diesem Fall aber, dass keine
wirk
lich aktuellen Befunde vorlä
gen und die offenbar massiven degenerativen HWS-Veränderungen rein medizinisch
-
theoretisch das
G
anze überlagern könn
t
en bzw. sich
hier
eine weitere Operation-Indikation entwickle. Diesbezüglich bra
uche es aktuelle Befunde
. Eine abschliessende versicherungsmedizinische Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit sei unter diesen Umständen keinesfalls möglich, sondern es müsste zunächst die medizinische Berichtslage vervollstä
ndigt bzw. aktualisiert werden.
3.
2.
9
Dr.
med.
H._
, Assistenzarzt Orthopädie, Universitätsklinik
B._
, erklärte mit Bericht an die Beschwerdegegnerin vom
2.
April 2020
(
Urk.
7/74), d
er Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich verbessert. Es liege ein verzögerter Rehabilitationsstatus mit aktuell verbesserter Beweglichkeit der Schulter, jedoch weiterhin starken Schmerzen vor. Die körperliche Arbeit auf der Baustelle könne mit den aktuellen Beschwerden wahrscheinlich nicht durch
geführt werden. Potenziell wäre eine Büroarbeit bis 100
%
durchführbar.
3.
2.
10
Mit Stellungnahe vom 1
5.
Mai 2020
(
Urk.
7/80/8-9)
erklärte
Dr.
E._
, beim Beschwerdeführer seien anhand der vorliegenden Arztbericht
e
weiterhin die beiden bekannten somatischen Gesundheitsschäden ausgewiesen, einschliesslich der sich daraus ableitenden Einschränkung der funktionellen Leistungsfähigkeit:
-
p
ersistierend
e
Schulterschmerzen rechts bei
-
Status nach
arthroskopischer
Rotatorenmanschetten
-Rekonstruktion rechts,
Débridement
des
Subscapularis
-Oberrandes,
Bi
z
epstenotomie
und
subacromialem
Débridement
am 1
7.
Oktober 2019
-
c
hronische
Zervikobrachialgie
links bei
-
foraminaler
Stenos
e
C4/5, C5/6 und C6/7,
am
ausgeprägteste
n
auf Höhe C5/6 links
betont
Diese Gesundheitsschäden seien offensichtlich stabil bei noch andauernder Therapie bezüglich der rechten Schulter. Hinsichtlich der Bewe
r
tung
der Arbeits
unfähigkeit
gebe es aktuelle Angaben der Universitätsklinik
B._
, welche aus versicherungsmedizinisch-orthopädischer Sicht im Hinblick auf die vorliegenden Befunde durchaus plausibel seien. Unter zusammenfassender Berücksichtigung aller vorliegenden Arztberichte und bisherigen RAD-Stellungnahmen bestehe für die bisherige Tätigkeit seit Oktober 2018 durchgehend und bis auf Weiteres eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit, medizin
theoretisch überwiegend wahrscheinlich auf Dauer. Für eine optimal behinderungsangepasste Tätigkeit bestehe bei Beac
htung des unten angegebenen Belastungsprofils unter Berücksichtigung aller vor
liegenden Arztbericht
e
retrospe
ktiv folgende Arbeitsfähigkeit: 100%ige Arbeits
unfähigkeit von Juli 2019 (erste Vorstellung wegen rechter Schulter) bis 3
1.
Dezember
2019, 50%ige Arbeitsunfähigkeit von
1.
Januar bis 2
0.
Februar 2020, 0
%
ige
Arbeitsunfähigkeit ab 2
1.
Februar
202
0.
Optimal angepasst sei eine körperlich leichte Arbeit ohne Heben und Tragen von Lasten von mehr als zehn Kilogramm körpernah und zwei Kilogramm körperfern, keine Arbeiten über Kopf und nur selten mit dem rechten Arm in Schulterhöhe (in der Re
gel
nur bis Brust
höhe), ohne Zwangshaltungen des Kopfes bzw. der HWS.
3.
2.
11
Dr.
med.
I._
, Oberarzt
mbA
Wirbelsäulenchirurgie, Universitätsklinik
B._
, erklärte mit Bericht an
Dr.
A._
vom 2
5.
August 2020 (
Urk.
3/5), beim Beschwerdeführer bestünden erneut
Zervikobrachialgien
linksseitig. Im aktuellen MRI der HWS zeige sich eine etwas untypische
Osteochondrose
auf Höhe C4/5, welche im Vergleich zum Vorbefund etwas zunehme, weshalb sie zur weiteren genaueren Abklärung noch ein CT durchführen w
ü
rden. Des Weiteren würden sie zur Schmerzbehandlung eine Infiltration der C4-Wurzel durchführen, welche letztmalig eine deutliche Verbesserung haben erwirken können. Bezüglich der
medullären
hyperintensen
Läsion auf Höhe C6/7 veranlassten sie in einem halben Jahr eine weitere Verlaufskontrolle mit MRI HWS.
3.
2.
1
2
Mit Bericht an
Dr.
A._
vom 1
5.
Oktober 2020
(
Urk.
3/7)
erklärte
Dr.
I._
, beim Beschwerdeführer
liege
eine symptomatische
Foraminalst
enose
C3/4, C4/5 und C5/6 links
betont
vor
. Es bestehe eine Parese der Armbeugung links, welche sie am ehesten auf eine C6-Radikulopathie zurückführten. Der Beschwerdeführer sei grundsätz
l
ich gegenüber einer Operation sehr skeptisch eingestellt. Er sei sich bewusst, dass eine bleibende Parese durch eine fehlende Dekompression drohe. Da der Beschwerdeführer keine Operation möchte, würden sie eine
chiro
prakti
s
che
Behandlung empfehlen. Von ihrer Seite würden sie die nächste Ver
laufskontrolle in einem halben Jahr zur Kontrolle der
medullärem
hypertensen
Läsion auf C6/7 veranlassen. Bei Verschlechterung werde sich der Beschwerde
führer jederzeit früher vorstellen.
3.
2.
1
3
Am 1
9.
April 2021 berichtete
Dr.
I._
zusammen mit
Dr.
med.
J._
, Assistenzarzt Orthopädie,
Dr.
A._
(
Urk.
3/8), es zeige sich eine ausge
prägte
Nuchalgie
sowie
Zervikobrachialgie
am ehesten dem
Dermatom
C5 ent
sprechend, jedoch auch Teile von C6 beinhaltend. Ebenso bestehe die bereits bekannte Schwäche des linken Oberar
mes und auch eine sichtbare Atr
op
h
ie. Als erste
r
Schritt ergehe zur Analgesie die Infiltration C
5.
Sie würden diese zeitnah durchführen lassen. Ebenfalls möchten sie eine elektrophysiologische Standort
bestimmung zeitnah durchführen lassen und planten die klinische Verlaufs
kontrolle in drei bis sechs Wochen in ihrer Sprechstunde.
3.
2.
1
4
PD
Dr.
med.
K._
, Leitender Arzt Paraplegie, Facharzt für Neurologie, Universitätsklinik
B._
, berichtete am
7.
Mai 2021
Dr.
I._
(
Urk.
3/10), die therapierefr
a
ktären ausstrahlenden
Zervikobrachialgien
links gingen einher mit einer zugenommenen Parese der Schulter-/Armmuskulatur vorwiegend C5 betreffend, C6-Beteiligung möglich. Passend hier
z
u fänden sich nun gegenüber 2019 deutlich zugenommene und ausgeweitete
axonale
Schädigungszeichen in den C5-versorgten Schultermuskeln. Das sensible Defizit sei demgegenüber gering, ebenfalls die Pathologien in den SEP-Befunden. Aus neurologischer Sicht bestehe angesichts des klinischen, neuropsychologischen Befundes passend zum MR-Befund eine Indikation zur Dekompression.
3.
2.
1
5
Am
8.
Juni 2021 berichtete
Dr.
I._
zusammen mit med.
pract
.
L._
, Assistenzarzt Orthopädie,
Dr.
A._
(
Urk.
3/11)
.
Der Beschwerdeführer stelle sich zur Verlaufskontrolle nach stattgehabter Infiltration der Nervenwurzel C5 links sowie neurophysiologischer Untersuchung vor. Er berichte, keine Besserung nach der erfolgten Infiltration bemerkt zu haben. Die motorischen sowie sensorischen Defizite seien ebenso wie die Schmerzsymptomatik in etwa stationär geblieben. In
Zusammenschau der Befunde zeige sich eine symptomatische sensom
o
torische C5/6-Radikulopathie links, welche man tendenziell auch operativ mittels einer ACDF
angehen könnte
. Sie
besprächen
mit dem Beschwerdeführer hierbei das weitere Vorgehen. Bei hochgradigem Nikotinabusus und fehlender Bereitschaft, diesen zu reduzieren, sähen sie von einer operativen Versorgung ab. Nikotin
abusus stelle ein hochgradiger Risikofaktor für eine mögliche Nicht
-Fusion dar
.
Sie
würden die Behandlung mit konservativ
en Methoden fortführen. Dies
bezü
glich stell
t
en sie dem Beschw
erdefüh
r
e
r eine Physiotherapie
- sowie eine MTT-
Verordnung zur Stärkung der Muskulatur und Verbesserung der Mobilität aus. Fixe Verlaufskontrollen seien aktuell bei ihnen
nicht
geplant.
4.
4.1
D
ie Beschwerdegegnerin stützte ihren Entscheid im Wesentlich
en
auf die Stellungnahme
n
von RAD-Arzt
Dr.
E._
(E. 3.
2.
8 und E. 3.
2.
10)
.
Die RAD stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszu
üben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fach
lichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Ver
sicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungs
ergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.3.2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Ver
waltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu ent
scheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
nehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hin
weisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit
jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten
vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Quali
fikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1).
Soll ein Versicherungsfall ohne Ein
holung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweis
würdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
Reine Aktengutachten sind beweiskräftig, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich fest
stehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts 8C_750/2020 vom 23. April 2021 E. 4 mit Hinweisen).
4.
2
4.2.1
RAD-Arzt
Dr.
E._
nahm
– wie auch
RAD-Arzt
Dr.
C._
(E. 3.2.5)
–
keine eigenen
Untersuchungen vor. Es liegen
daher reine Aktenbeurteilung
en
vor.
Zur Arbeitsfähigkeit äusserten sich neben den RAD-Ärzten
Dr.
C._
(E. 3.
2.
5) und
Dr.
E._
(E. 3.
2.
8
,
E. 3.
2.
10),
Dr.
F._
(E. 3.2
.2
),
Dr.
D._
(E. 3.
2.
3), Dr.
A._
(E. 3.
2.
4, E. 3.
2.
7)
sowie
Dr.
H._
(E. 3.
2.
9).
Während der
C
hirop
raktor
Dr.
D._
in d
e
r
angestammte
n
Tätigkeit noch eine 50%ige Arbeitstätigkeit für möglich erachtete, gingen sämtliche Ärzte
von einer andauernden 100%igen Arbeitsunfähigkeit
des Beschwerdeführers
in der a
ngestammten Tätigkeit aus. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer angepassten Tätigkeit
divergieren die Angaben der behandelnden Ärzte.
Sämtlichen Berichten der behandelnden Ärzte fehlt
es
dabei jedoch
, soweit sie für eine angepasste Tätigkeit überh
aupt noch eine Arbeitsfähigkeit
attestieren, an einer konkreten Umschreibung des funktionellen Leistungsvermögen
s
(Belastungsprofil).
Den Berichten der behandelnden Ärzte ist denn auch keine klinische Untersuchung im Hinblick auf die verbliebene Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers zu ent
nehmen. Im Bereich der Orthopädie ist jedoch eine Diagnose des Funktions
ausfalles (Funktionsdiagnose), das heisst eine qualitative und quantitative Analyse der Funktionsstörung des B
e
we
g
ungsapparates und seiner Folgen von zentraler Bedeutung (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_335/2015
vom E.
1.
September 2015
E. 4.2.2
).
Es bleibt daher unklar, gestützt auf welche konkreten Befunde
Dr.
E._
das Belastungsprofil
ab
1.
Januar 2020
erstellte.
Im
dargelegten Sinn können
für die Zeit ab
1.
Januar 2020
die Voraussetzungen für eine blosse Aktenbeurteilung durch den RAD nicht als gegeben erachtet werden. Ein lückenloser Befund bzw. ein feststehender medizinischer Sachverhalt -
grundsätzlich
abgesehen von der Diagnosestellung - liegt nicht vor. Hierfür fehlt es namentlich an einer (anderen) fachärztlichen Umschreibung des Belastungsprofils. Desgleichen liegen keine ein
gehenden klinischen Erhebungen in Bezug auf die funktionellen Ein
schränkungen vor. Unter den gegebenen Umständen durfte
Dr.
E._
jedenfalls nicht von eigenen Untersuchungen absehen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_335/2015 vom E.
1.
September 2015 E. 4.3)
.
Dr.
E._
begründet selbst denn auch nicht, gestützt auf welche Überlegungen er das von ihm angeführte Belastungsprofil erstellte.
Darüber hinaus gilt es zu beachten, dass
Dr.
E._
letztmals am 3
0.
September 2020 zu den Akten S
t
ellung genommen hatte
(
Urk.
7/95/3-4
)
.
Sämtliche im Beschwerdeverfahren ein
gereichten ärztlichen Berichte
wurde
n
keinem RAD-Arzt vorgelegt. Wie dem Bericht von PD
Dr.
K._
vom
7.
Mai 2021
zu entnehmen ist, finden sich nun gegenüber 2019 deutlich zugenommene und ausgeweitete
axonale
Schädigungszeichen in den C5-versorgten Schultermuskeln (E. 3.2.14
).
Im MR HWS vom 1
4.
April 2021 sei bei F
u
sion des Segmen
t
es C3/4 eine multi
segmentale schwere Facettendegeneration C4 bis Th1 mit in
s
b
e
sondere schwerem Reizzustand C4/5 links und nochmaliger Progredienz im Verlauf beschrieben.
PD
Dr.
K._
machte in seinem Bericht keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit. Es bleibt daher unklar, ob bzw. inwieweit die
von ihm angeführten – veränderten - Befunde die
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers beeinflussen.
Nach dem Gesagten lässt sich gestützt auf die RAD-Stellungnahme
n
die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
ab
1.
Januar 2020
nicht schlüssig beurteilen
.
4.
3
Nachdem sich auch gestützt auf die übrigen Akten die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht rechtsgenügend beurteilen lässt, erweist sich der rechts
erhebliche Sachverhalt
für die Zeit ab
1.
Januar 2020
als ungenügend abgeklärt.
Zudem hat die Beschwerdegegnerin nicht berücksichtigt, dass der 1963 geborene Beschwerdeführer nicht
ohne Weiteres auf den Weg der Selbsteingliederung ver
wiesen werden kann
, selbst wenn medizinisch-theoretisch wieder ein unein
geschränktes
Leistungsvermögen
in angepasster Tätigkeit ausgewiesen wäre (vgl. E. 1.5).
Eine Ausnahme von der nach einer befristeten
Rentenzusprache
bei fort
geschrittenem Alter grundsätzlich anzunehmenden Unzumutbarkeit der Selbst
eingliederung, aufgrund derer auf Eingliederungsmassnahmen verzichtet werden könnte, ist vorliegend nicht
ersichtlich.
Da aufgrund der Akten auch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine fehlende subjektive Eingliederungs
fähigkeit feststeht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_231/2015 vom
7.
September 2015 E. 4.2), ist die Rentenaufhebung mangels Fähigkeit des Beschwerdeführers zur Selbsteingliederung so lange nicht gerechtfertigt, bis die Beschwerdegegnerin die erforderlichen Eingliederungsmassnahmen an die Hand genommen hat. Der Beschwerdeführer hat daher einstweilen als erwerbsunfähig zu gelten und weiterhin Anspruch auf die bisherige ganze Rente
.
5.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom
9.
Juli 2021
(
Urk.
2)
insoweit
aufzuheben
, als ab
1.
April 2020 ein Rentenanspruch
des Beschwerde
führers
verneint wird,
und die Sache
ist
zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, wobei der Beschwerdeführer einstweilen weiterhin
Anspruch auf die ganze Rente
hat.
Die Beschwerde ist
in dem Sinne
gutzuheissen.
6
.
6
.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unab
hängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgelegt. Vor
liegend sind sie auf
Fr.
800.-- festzusetzen.
Die Rückweisung an die Verwaltung gilt nach ständiger Rechtsprechung als voll
ständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
6
.2
Der vertretene Beschwerdeführer hat Anspruch a
uf eine Prozessentschädigung (§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Rechtsanwältin
Anjushka
Früh
machte mit
Eingabe
vom
1
7.
November 2021 einen Gesamtaufwand von
12,9
Stunden sowie pauschale Barauslagen von
Fr.
110.10
geltend (
Urk.
9
).
Dieser Aufwand
ist der Streitsache nicht mehr ange
messen. Der Fall ist weder besonders schwierig noch aktenmässig überdurch
schnittlich umfangreich. Durchgeführt wurde ein Schriftenwechsel. Angerechnet werden kann vor diesem Hintergrund ein Aufwand von 10 Stunden.
Die Partei
entschädigung ist folglich
auf
(gerundet)
Fr.
2'500.--
(inkl. Bar
auslagen und
MWSt
) festzusetzen
.
6.3
Bei diesem Ausgang des Verfahrens erweist sich das
vom Beschwerdeführer
gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und um Bestellung von Rechtsanwältin
Anjushka
Früh
als unentgeltliche Rechtsvertreterin als gegen
standslos.