Decision ID: dbb86608-c9fe-432e-bf73-59c8857c6528
Year: 2015
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

gegebenen Sachverhalt, weshalb er im vorliegenden Verfahren keine
Berücksichtigung finden könne. Im Übrigen sei auf das Urteil
9C_492/2014 vom 3. Juni 2015 (BGE 141 V 281) hinzuweisen, in
welchem das Bundesgericht seine vormalige Praxis zur invalidisierenden
Wirkung somatoformer Schmerzstörungen und vergleichbarer
psychosomatischer Leiden geändert habe. Die bis dahin geltende
Vermutung, wonach solche Leiden in der Regel mit zumutbarer
Willensanstrengung überwindbar seien, habe das Bundesgericht
aufgegeben. Ab sofort sei in einem strukturierten Beweisverfahren das
tatsächliche Leistungsvermögen einer betroffenen Person ergebnisoffen
und einzelfallgerecht zu bewerten. Die Aufgabe der
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Überwindbarkeitspraxis ändere jedoch nichts an den Regeln betreffend
die Zumutbarkeit bzw. am Erfordernis einer objektiven
Beurteilungsgrundlage. Medizinisch-psychiatrisch nicht begründbare
Selbsteinschätzungen und Selbstlimitierungen seien auch zukünftig nicht
als invalidisierende Gesundheitsbeeinträchtigung anzuerkennen. Im
vorliegenden Fall führe die vom Bundesgericht geforderte, ergebnisoffene
Bewertung des tatsächlichen Leistungsvermögens des
Beschwerdeführers zum Ergebnis, dass es dem Beschwerdeführer
zumutbar sei, die (psychosomatischen) Beschwerden vollständig zu
überwinden, womit er in einer körperlich leichten bis schweren
wechselbelastenden Tätigkeiten voll arbeitsfähig sei.
9. Diese Argumentation wies der Beschwerdeführer im Schreiben vom
10. September 2015 als unrichtig zurück. Zudem beantragte er, im
vorliegenden Verfahren auf die Erhebung von Gerichtskosten zu
verzichten und ihm für das Beschwerdeverfahren eine Entschädigung
zuzusprechen, da er einen Rechtsbeistand habe beiziehen müssen, um
die Akten zu verstehen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten
Beweismittel wird, sofern erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der
IV-Stelle des Kantons Graubünden vom 28. August 2014. Eine solche
Anordnung, die gemäss Bundesrecht der Beschwerde an das
Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle unterliegen, können beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden angefochten werden (vgl.
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Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG;
BR 370.100] i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Die Beurteilung der
vorliegenden Beschwerde fällt folglich in die Zuständigkeit des
angerufenen Gerichts. Als formeller und materieller Verfügungsadressat
ist der Beschwerdeführer von der angefochtenen Verfügung überdies
unmittelbar betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren
Aufhebung oder Abänderung. Demnach ist er zur Beschwerdeführung
berechtigt (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Schliesslich hat der Beschwerdeführer seine Beschwerde frist- und
formgerecht beim Verwaltungsgericht eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m.
Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG). Auf die vorliegende Beschwerde ist damit
einzutreten.
2. Streitig und nachfolgend zu prüfen ist, ob die IV-Stelle berechtigt war, in
der angefochtenen Verfügung auf ihre ursprüngliche Rentenzusprache
zurückzukommen und die dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
24. Juli 2006 ab dem 1. Dezember 2004 zugesprochene Viertelsrente in
umfassender Prüfung der tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse
aufzuheben. Die IV-Stelle hat in der angefochtenen Verfügung einen
solchen Rückkommenstitel aus lit. a Abs. 1 der am 1. Januar 2012 in Kraft
getretenen Schlussbestimmungen der Änderungen des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung (SchlB IVG) abgeleitet (IV-act. 257 S. 3).
Laut der fraglichen Bestimmung sind die IV-Stellen gehalten, Renten, die
bei pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern
ohne nachweisbare organische Grundlage (nachfolgend: "unklare"
Beschwerden) gesprochen wurden, innerhalb von drei Jahren nach
Inkrafttreten der 6. IV-Revision – mithin bis Ende 2014 – zu überprüfen.
Sind die Voraussetzungen nach Art. 7 ATSG nicht erfüllt, so ist die Rente
herabzusetzen oder aufzuheben, auch wenn die Voraussetzungen von
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Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht gegeben sind. Als "unerklärbare" Beschwerden
gelten gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung die anhaltende
somatoforme Schmerzstörung, die Fibromyalgie, die dissoziative
Sensibilitäts- und Empfindungsstörung, das Chronic Fatigue Syndrome,
die Neurasthenie, die dissoziative Bewegungsstörung, die
nichtorganische Hypersomnie, die leichte Persönlichkeitsveränderung bei
chronischem Schmerzsyndrom sowie spezifische und unfalladäquate
HWS-Verletzungen ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle (vgl.
BGE 140 V 8 E.2.2.1.3, 139 V 547 E.2.2 sowie GÄCHTER/MEIER,
Schmerzrechtsprechung 2.0, in: Jusletter vom 29. Juni 2015, Rz. 3).
Waren solche Beschwerden für die Rentenzusprache verantwortlich, so
darf die IV-Stelle auf diesen Entscheid zurückgekommen und die
Rentenzusprache in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht frei prüfen,
ohne dass die der Rentenzusprache zugrunde liegenden Verhältnisse
eine wesentliche Änderung im Sinne von Art. 17 ATSG erfahren haben.
Davon ausgenommen sind Rentenzusprachen, die auf organisch
begründbaren und damit "erklärbaren" Beschwerden beruhen, die bei
Anwendung der Schlussbestimmung nur neu beurteilt werden, sofern eine
Veränderung im Sinne von Art. 17 ATSG eingetreten ist (BGE 140 V 197
E.6.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_70/2012 vom 12. August 2014
E.3.2). Leidet ein Versicherter an "unklaren" und "erklärbaren"
Beschwerden, so gelangt lit. a Abs. 1 Schlussbestimmung zur
Anwendung, wenn die "unklaren" und "erklärbaren" Beschwerden sowohl
diagnostisch als auch hinsichtlich der funktionellen Folgen
auseinandergehalten werden und damit gesondert beurteilt werden
können (Urteile des Bundesgerichts 9C_253/2015 vom 13. Juli 2015 E.5,
8C_697/2014 vom 30. März 2015 E.5.1, 9C_121/2014 vom 3. September
2014 E.2.4.2).
3. a) Die IV-Stelle sprach dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 24. Juli
2006 ab dem 1. November 2003 eine halbe Rente und ab dem
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1. Dezember 2004 eine Viertelsrente zu (IV-act. 131). Diese
Rentenzusprache stützte sich auf die von der SUVA getätigten
Abklärungen. Danach wurde der Beschwerdeführer am 25. Juni 2001 bei
der Arbeit von einem, am Kran hängenden Schalungselement getroffen.
In seinem Bericht über die kreisärztliche Untersuchung vom 30. April
2004 stellte Dr. med. F._ fest, der Explorand habe am 25. Juni 2001
eine rechtsseitige Schulter- und Ellbogenprellung sowie eine HWS-
Distorsion erlitten. Am 29. Januar 2003 beschrieb der Kreisarzt, Dr. med.
G._, eine Irritation des Nervus ulnaris am rechten Ellbogen.
Richtungsweisende pathologische Veränderungen am Schultergelenk und
an der Halswirbelsäule fehlten. Die Einstufung der multilokulären
Beschwerden sei schwierig. Als Kranführer sei der Explorand zu 50 %
arbeitsfähig. Am 16. Juli 2003 nannte Dr. med. G._ eine erhebliche
Überlagerungs- bzw. Somatisierungstendenz bei fehlender struktureller
Läsion als Ursache für die anhaltenden Beschwerden des
Beschwerdeführers (vgl. Gutachten des ABI Basel vom 8. Juli 2013 [IV-
act. 220 S. 21]). Ab dem 1. September 2003 sei der Explorand zumindest
im Umfang von 75 % arbeitsfähig. Am 16. August 2004 hielt Dr. med.
H._ fest, die invalidisierenden Beschwerden seien strukturell
weiterhin nicht erklärbar (IV-act. 99). Der Zustand an Schulter, Nacken
und Kopf sei wahrscheinlich seit zwei Jahren stationär und chronisch. Die
Situation am rechten Vorderarm sei demgegenüber noch nicht endgültig
abgeklärt und behandelt. Diesbezüglich sei ein neurologisches Konsil
einzuholen. Nach Vorlage dieses neurologischen Konsils hielt Dr. med.
H._ in der Beurteilung vom 30. November 2004 fest, gemäss den
Beurteilungen von Dr. med. I._, Facharzt Neurologie, und Dr. med.
K._, Facharzt für Handchirurgie, liesse sich die unfallbedingte
Schmerzhaftigkeit am rechten Ellbogen nicht durch zusätzliche Therapien
verbessern. Dem Exploranden sei eine Erwerbstätigkeit täglich während
fünf bis sechs Stunden in sitzender, gehender oder stehender Haltung
ohne Heben von Lasten über 5 kg und nur mit gelegentlicher Armarbeit
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über der Horizontalen zumutbar. Der Patient könne mit der rechten Hand
keine Arbeiten mit kräftigem Faustgriff ausführen. Der Patient könne
normal kauern. Die Heilung der Unfallfolgen im Bereich von Kopf, Nacken
und rechter oberer Extremität sei wahrscheinlich erheblich durch psycho-
soziale Faktoren beeinflusst worden. Quantitativ lasse sich dieser Einfluss
nicht abschätzen (IV-act. 103 S. 4; vgl. zum Ganzen auch Gutachten des
ABI Basel vom 8. Juli 2013 [IV-act. 220 S. 21]). Diese ärztlichen
Stellungnahmen lassen darauf schliessen, dass die ursprüngliche
Rentenzusprache mit Verfügung vom 24. Juli 2006 aufgrund von
Störungsbildern erfolgte, die sich aus somatischer Sicht nur zu einem
geringen Teil objektivieren liessen und bei denen eine Diagnose anhand
klinischer psychiatrischer Untersuchungen nicht klar gestellt werden
konnte.
b) Diese Einschätzung steht im Einklang mit den aktuellen gutachterlichen
Beurteilungen der gesundheitlichen Verfassung des Beschwerdeführers.
So stellte Dr. med. C._ im neurologischen Gutachten vom 8. Oktober
2010 keine neurologische Krankheit mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit fest. Die ABI-Gutachter diagnostizierten im Gutachten
vom 8. Juli 2013 sodann als Krankheit mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit ein chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom mit
einem im Vordergrund stehenden chronischen zervikozephalem und
rechtsbetonten zervikobrachialem Schmerzsyndrom (ICD-10 M 54.80 /
M 53.0). Im Übrigen stellten sie als Diagnose ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit eine Hepatopathie unklarer Ätilogie,
differentialdiagnostisch medikamentös toxisch, andere Ursache sowie
leichtgradig ophtalmologische Diagnosen fest. Zudem äusserten sie den
Verdacht auf eine somatoforme Störung (ICD-10: F 45; IV-act. 220 S. 29
f.]). Zur Begründung führten sie im Wesentlichen aus, der Explorand
beklage seit dem Unfallereignis vom 27. Juli 2012 Nackenschmerzen mit
Ausstrahlung nach frontal, vor allem in das linke Auge, welche schon seit
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dem ersten Unfallereignis im Jahr 2001 in verminderter Ausprägung
bestanden hätten. An weiteren Beschwerden beklage der Explorand
Gleichgewichtsstörungen, belastungsabhängige Schmerzen in beiden
Schultern, rechts mehr als links mit teilweise ausstrahlenden Schmerzen
und eine vermehrte Tagesmüdigkeit. Aus Sicht des Bewegungsapparates
könnten die vom Exploranden beklagten Beschwerden nicht vollständig
durch objektive Befunde erklärt werden. Zwar liessen sich radiologisch im
Bereich der HWS degenerative Veränderungen nachweisen. Es zeigten
sich jedoch während der Untersuchung ausgeprägte Inkonsistenzen im
Bewegungsausmass des Exploranden. Im Vordergrund stehe ganz klar
ein nicht organischer Beschwerdekomplex. Aufgrund der chronischen
Schmerzproblematik bei radiologisch degenerativen Veränderungen der
HWK 3-6 bestehe eine verminderte Belastbarkeit des Achsenskeletts.
Deshalb seien dem Exploranden körperlich schwere Tätigkeiten ohne
Wechselbelastung nicht zumutbar. Hingegen sei er in sämtlichen
körperlich leichten bis körperlich schweren Tätigkeiten mit
Wechselbelastung aus orthopädischer Sicht voll arbeitsfähig (IV-act. 220
S. 29). Aus neurologischer Sicht könne keine Diagnose mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Auch aus ophtalmologischer Sicht
bestehe keine Krankheit mit quantitativem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
(IV-act. 220 S. 30). Für die Diskrepanz zwischen dem Ausmass der
subjektiv geklagten Beschwerden und den objektivierbaren Beschwerden
sei am ehesten eine somatoforme Schmerzstörung verantwortlich (IV-
act. 220 S. 29 f.). Schliesslich vertritt auch Dr. med. D._ in ihrem
psychiatrischen Gutachten vom 21. Juli 2014 die Auffassung, der
Versicherte habe seit dem ersten Unfallereignis (2001) aus
psychiatrischer Sicht eine chronische Schmerzstörung entwickelt, die mit
den somatischen Befunden nur marginal korreliere.
c) Diese Beurteilung deckt sich hinsichtlich der Ursache der vom
Beschwerdeführer beklagten Beschwerden mit jener der behandelnden
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Ärzte. Freilich wird in den Arztberichten der Klinik Valens vom 10. Juli
2015, 7. August 2015 sowie 3. September 2015 (vom Beschwerdeführer
eingereicht am 14. Juli 2015 sowie am 10. September 2015) eine
neurologische Untersuchung der derzeitigen Beschwerden des
Beschwerdeführers diskutiert. In keinem dieser Arztberichte wird jedoch
eine rheumatologische Diagnose gestellt. Die behandelnden Ärzte stufen
die gezeigten Störungen vielmehr alle als funktionell ein (vgl. dazu RAD-
Beurteilung von Dr. med. L._ vom 25. März 2014 [IV-act. 255 S. 10]).
So wird im Austrittsbericht der Klinik Valens vom 3. September 2015
festgehalten, klinisch seien wenig Zweifel hinsichtlich der psychischen
Ursache der Beschwerden aufgetreten. Aufgrund des langfristigen
Verlaufs und der progredienten Schwere der Symptomatik sei eine
Kontrolle mittels MRI am 31. Juli 2012 veranlasst worden. Diese MRI-
Untersuchung habe keine wesentliche Dynamik der Vorbefunde
aufgezeigt. Eine darüberhinausgehende apparative Prüfung der langen
Bahnen (MEP und SEP) hätte nicht mehr durchgeführt werden können,
sei jedoch zur Diagnoseerhebung auch nicht notwendig (Arztbericht der
Klinik Valens vom 3. September 2015 S. 3, vom Beschwerdeführer
eingereicht am 10. September 2015). Die behandelnden Ärzte der Klinik
Valens nehmen folglich an, den derzeitigen Beschwerden des
Beschwerdeführers liege kein organisches Korrelat zugrunde. Nichts
anderes ergibt sich aus dem Arztbericht des derzeitigen Hausarztes des
Beschwerdeführers, Dr. med. M._, Facharzt für Innere Medizin FMH
und Facharzt für Kardiologie FMH, vom 12. Februar 2015 (vom
Beschwerdeführer eingereicht am 25. Februar 2015). Danach hätten die
organischen Abklärungen keine Befunde ergeben, welche die
Beschwerden des Beschwerdeführers zu erklären vermöchten. Nichts
desto trotz bestünden aber erhebliche funktionelle Defizite. Diesbezüglich
sei aktuell und in absehbarer Zeit nicht mit dem Erreichen einer
annähernd verwertbaren Arbeitsfähigkeit zu rechnen (Arztbericht vom
12. Februar 2015 S. 2).
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d) Nach dem vorangehend Ausgeführten gehen sowohl die den
Beschwerdeführer derzeit behandelnden Ärzte als auch die Gutachter im
vorliegenden Verfahren wie auch jene, deren Stellungnahme der
Rentenzusprache vom 24. Juli 2006 zugrunde lag, davon aus, dass der
Beschwerdeführer unter einem Beschwerdekomplex leidet, der sich nur
zu einem verschwindend kleinen Teil objektiveren lässt. Die ursprüngliche
Rentenzusprache erfolgte somit aufgrund eines "unklaren"
Beschwerdebildes im Sinne von lit. a Abs. 1 SchlB IVG 6. IV-Revision. Bei
dieser Sachlage durfte die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung auf
die Rentenzusprache vom 24. Juli 2006 zurückkommen und die dem
Beschwerdeführer darin zugesprochene Viertelsrente in rechtlicher und
tatsächlicher Hinsicht frei überprüfen, ohne dass die der
Rentenzusprache zugrunde liegenden Verhältnisse eine wesentliche
Änderung im Sinne von Art. 17 ATSG erfahren haben. Soweit der
Beschwerdeführer dieses Vorgehen als unzulässig rügt, kann ihm nicht
gefolgt werden.
4. Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführer in rentenbegründendem
Umfang invalid ist. Bei erwerbstätigen Versicherten gilt als Invalidität die
durch einen körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheitsschaden verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere
Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8
Abs. 1 ATSG), welche die Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder
Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG). Der rentenbegründende
Invaliditätsgrad ist in diesem Fall aufgrund eines Einkommensvergleichs
zu bestimmen (Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG).
Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
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(sogenanntes Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (sogenanntes Valideneinkommen). Der
Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die
beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst
genau ermittelt und einander gegenüber gestellt werden, worauf sich aus
der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt
(allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343
E.3.4.2, 128 V 29 E.1). Ein rentenbegründender Invaliditätsgrad liegt vor,
wenn eine versicherte Person ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern kann, während mindestens eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich zu mindestens 40 % im bisherigen Beruf oder
Aufgabenbereich eingeschränkt gewesen ist und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid ist (Art. 28 Abs. 1 IVG). Sind diese
Voraussetzungen erfüllt, steht der versicherten Person nach Ablauf von
sechs Monaten nach Geltendmachung des Anspruchs, frühestens im
Monat der Vollendung des 18. Altersjahrs (Art. 29 Abs. 1 IVG), bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % eine Viertelsrente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50 % eine halbe Rente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 60 % eine Dreiviertelsrente und bei
einem Invaliditätsgrad von 70 % eine ganze Rente zu (Art. 28 Abs. 2
IVG).
5. a) Die IV-Stelle beauftragte mit Schreiben vom 4. März 2013 das ABI Basel
mit einer polydisziplinären Begutachtung des Beschwerdeführers. Die
ABI-Gutachter, Prof. Dr. med. N._, FMH Allgemeine Medizin, Dr.
med. O._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. med. P._,
FMH orthopädische Chirurgie, Dr. med. Q._, FMH Neurologie, sowie
Dr. med. R._, FMH Ophtalmologie, untersuchten den
Beschwerdeführer am 3. und 5. Juni 2013 persönlich (IV-act. 220 S. 1).
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Auf der Grundlage der hierdurch gewonnenen Erkenntnisse und den
medizinischen Vorakten diagnostizierten sie im Gutachten vom 8. Juli
2013 mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches panvertebrales
Schmerzsyndrom mit im Vordergrund stehendem chronischen
zervikozephalem und rechtsbetontem zervikobrachialem
Schmerzsyndrom (ICD-10 M 54.80 / M 53.0) bei Status nach Nacken- und
Kopfverletzungen im Rahmen eines Sturzes am 25. Juni 2001, Status
nach HWS-Distorsionstrauma im Rahmen eines Auffahrunfalls am 27. Juli
2012, radiologisch degenerative Veränderungen der HWK 3-6 ohne
höhergradige spinale oder foraminale Enge. Als Diagnose ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellten sie eine Hepatopathie
unklarer Ätiologie, Differentialdiagnose medikamentös-toxisch, andere
Ursache (aktuell Ausschluss Hepatitis B und C) sowie leichtgradige,
ophthalmologische Diagnosen (anlagebedingte Fehlsichtigkeit beidseits
[Myopie, Astigmatismus, H 52.1 und H 52.2], Alterssichtigkeit beidseits
[H 52.5], Konjunktivitis sicca beidseits [H 19.3], Mikrostrabismus
convergens links [H 50.4] sowie Amblyopie links [H 53.0]) fest. Zudem
äusserten sie den Verdacht, dass der Beschwerdeführer an einer
somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: F 54, funktionelle Gehstörung)
leide (IV-act. 220 S. 29). Aus Sicht des Bewegungsapparates könnten die
vom Exploranden beklagten Beschwerden nicht vollständig durch
objektivierbare Befunde erklärt werden. Zwar liessen sich radiologisch im
Bereich der HWS degenerative Veränderungen nachweisen. Es zeigten
sich jedoch während der Untersuchung ausgeprägte Inkonsistenzen im
Bewegungsausmass des Exploranden. Eine neurologische Reiz- und
Ausfallsymptomatik könne nicht nachgewiesen werden. Im Vordergrund
stünde klar eine nicht organische Beschwerdekomponente. Aufgrund der
chronischen Schmerzsymptomatik bei radiologisch degenerativen
Veränderungen HWK 3-6 bestehe eine verminderte Belastbarkeit des
oberen Achsenskeletts. Deshalb seien dem Exploranden körperlich
schwere Tätigkeiten ohne Wechselbelastung nicht zumutbar. In körperlich
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leichten bis schweren Tätigkeiten mit Wechselbelastung sei der
Explorand voll arbeitsfähig (IV-act 220 S. 29). Neurologisch könne zurzeit
keine Ulnarisneuropathie nachgewiesen werden. Die MR-tomographisch
in beiden Grosshirnhemisphären nachgewiesenen, punktuell
flarihyperintensiven Signalalterationen entsprächen am ehesten
mikroangiopahtischen Veränderungen, welche klinisch mit grösster
Wahrscheinlichkeit keine Relevanz hätten. Aus neurologischer Sicht
bestünde keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (IV-
act. 220 S. 29, 20). Auch aus ophthalmologischer und internistischer Sicht
könne keine Diagnose mit quantitativem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
des Exploranden gestellt werden (Bg-act. 46 S. 30). Dasselbe gelte aus
psychiatrischer Sicht. Es lasse sich keine eigentliche psychiatrische
Krankheit eruieren. Für die Diskrepanz zwischen dem Ausmass der
subjektiv geklagten Beschwerden und den objektivierbaren Befunden sei
am ehesten eine somatoforme Störung verantwortlich. Der Explorand
weise indessen keine chronische, körperliche Begleiterkrankung auf.
Trotz seiner Beschwerden pflege er zahlreiche soziale Kontakte zu seinen
Angehörigen, aber auch zu früheren Arbeitskollegen und Landsleuten. Ein
primärer Krankheitsgewinn sei nicht erkennbar. Hinsichtlich
Therapieresistenz und Chronifizierung des Krankheitsverlaufs liesse sich
bei einem versicherungsmedizinischen Anliegen keine Aussagen
machen. Somit seien die Foerster-Kriterien nicht erfüllt und es bestünde
keine ausnahmslose Unüberwindbarkeit der Beschwerden. Dem
Exploranden sei aus rein psychiatrischer Sicht ein volles Pensum
zumutbar, sei es in der angestammten Tätigkeit oder in einer
Verweisungstätigkeit (IV-act. 220 S. 16; S. 30). In der Konsensbeurteilung
kommen die ABI-Gutachter demnach zum Schluss, der Explorand sei in
allen körperlich leichten bis schweren Tätigkeiten mit Wechselbelastung,
die kein Stereosehen verlangten, voll arbeitsfähig.
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b) Das vorangehend auszugsweise wiedergegebene, polydisziplinäre ABI-
Gutachten beruht auf einer eingehenden Untersuchung des
Beschwerdeführers, berücksichtigt dessen geklagte Beschwerden und
wurde in Kenntnis der Vorakten erstellt. Ausserdem leuchtet es in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge sowie der Beurteilung der
medizinischen Situation grundsätzlich ein. Die fragliche Beurteilung
stimmt ausserdem insoweit mit den übrigen ärztlichen Einschätzungen
überein, als der Beschwerdeführer danach – wie bereits festgehalten – an
einem Beschwerdekomplex leidet, der sich nur zu einem geringen Teil
objektivieren lässt (vgl. E.3b/c/d hievor). Als organisch objektivierbarer
Befund stellen die involvierten Ärzte einzig degenerative Veränderungen
im Bereich der HWK 3-6 fest. Deshalb sind dem Beschwerdeführer
schwere körperliche Tätigkeiten ohne Wechselbelastung nicht zumutbar.
Im Übrigen ist die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht durch
gesundheitliche Beeinträchtigungen, denen ein organisches Substrat
zugrunde liegt, beschränkt (vgl. E.3b/c/d hiervor). Dieser Sachverhalt ist
aufgrund des ABI-Gutachtens vom 8. Juli 2013 sowie der übrigen
ärztlichen Stellungnahmen ausgewiesen.
c) Demgegenüber diagnostizierte Dr. med. D._ in ihrem psychiatrischen
Gutachten vom 21. Juli 2014 beim Exploranden in Abweichung zum ABI-
Gutachten vom 8. Juli 2013 eine dissoziative Störung der Bewegung und
der Sinnesempfindung (ICD-10: F 44.4, F 44.6) sowie ein chronisches
Schmerzsyndrom mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10:
F 45.2). Deshalb sei der Beschwerdeführer derzeit in der beruflichen
Tätigkeit als Verkaufsberater unter Berücksichtigung des bisherigen
Arbeitspensums von 50 % zu 100 % arbeitsunfähig. Zur Begründung
dieser Auffassung führte Dr. med. D._ im Wesentlichen aus, der
Versicherte habe seit dem ersten Unfallereignis (2001) aus
psychiatrischer Sicht eine chronische Schmerzstörung entwickelt, die mit
den somatischen Befunden nur marginal korreliere. Die
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Schmerzsymptomatik habe seit ungefähr einem Jahr deutlich
zugenommen. Es sei zu einer erheblichen Verschlechterung mit einer
funktionellen Überlagerung und dissoziativen Symptomatik im Sinne einer
zunehmenden Gehstörung, Sensibilitätsstörungen sowie Hemiplegie
gekommen. Aus funktioneller Sicht weise der Explorand Einschränkungen
auf praktisch allen Ebenen auf. Hinsichtlich der psychiatrischen
Komorbidität könne von einer begleitenden funktionellen Symptomatik
ausgegangen werden, die das Ausmass einer selbständigen psychischen
Erkrankung in Form einer dissoziativen Störung der Bewegung und der
Sensibilität erreiche. Die subjektiv beklagten Beschwerden könnten
insofern objektiviert werden, als dass eine Schmerzausweitung mit
Chronifizierung vorläge, die einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren entspreche. Der Explorand sehe
sich derzeit nicht als belastbar an, nehme eine hohe Bewertung seiner
Schmerzwahrnehmung vor, weise praktisch keine Strategien im Umgang
mit den Schmerzen auf und verharre in einer passiven Schonhaltung.
Zudem liege eine funktionelle Überlagerung vor mit einer Störung der
Bewegung und Sensibilität (dissoziative Störung der Bewegung und
Sinnesempfindung), die zu einer Invalidisierung mit Rollstuhlabhängigkeit
geführt habe. Aus rein medizinisch-theoretischer Sicht wäre der
Versicherte aufgrund der gestellten Diagnosen zumindest in einem
Pensum von 50 % arbeitsfähig. Allerdings habe sich seine
gesundheitliche Verfassung seit der Begutachtung durch das ABI
wesentlich verschlechtert, weshalb derzeit praktisch von einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Diese Beurteilung von Dr. med.
D._ stimmt hinsichtlich der Gravidität der angenommenen
psychischen Krankheit sowie des Umfangs der sich hieraus ergebenden
Arbeitsunfähigkeit mit der Einschätzung der behandelnden Ärzte der
Klinik Valens sowie dem derzeitigen Hausarzt des Beschwerdeführers
überein (vgl. Arztberichte der Klinik Valens vom 10. Juli 2015, 7. August
2015 sowie 3. September 2015 und Arztbericht von Dr. med. M._
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vom 22. Februar 2015, eingereicht vom Beschwerdeführer am
10. September 2015, 14. Juli 2015 und am 25. Februar 2015).
d) Die IV-Stelle erachtet diese ärztlichen Stellungnahmen allerdings nicht als
stichhaltig und geht weder in der angefochtenen Verfügung noch im
Beschwerdeverfahren von einem invalidisierenden Gesundheitsschaden
aus. In der angefochtenen Verfügung stützte sie diese Auffassung auf die
damals geltende bundesgerichtliche Rechtsprechung zu den "unklaren"
Beschwerdebildern, wonach zu vermuten war, dass solche Leiden in der
Regel mit der zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind und
daher nur ausnahmsweise zu einer lang andauernden Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit führen können (vgl. BGE 131 V 49 E.1.2, 130 V 352). Auf
diese Rechtsprechung ist das Bundesgericht im Urteil 9C_492/2014 vom
3. Juni 2015 (BGE 141 V 281) zurückgekommen. Unter Bezugnahme auf
diese Rechtsprechungsänderung hielt die IV-Stelle im Schreiben vom
27. August 2015 fest, das Bundesgericht habe die bisher geltende
Überwindbarkeitsvermutung aufgegeben. Ab sofort sei das tatsächliche
Leistungsvermögen des Versicherten in einem strukturierten
Beweisverfahren ergebnisoffen und einzelfallgerecht zu bewerten. Die
Aufgabe der Überwindbarkeitspraxis ändere jedoch nichts an den Regeln
betreffend die Zumutbarkeit bzw. am Erfordernis einer objektiven
Beurteilungsgrundlage. Medizinisch-psychiatrisch nicht begründbare
Selbsteinschätzungen und Selbstlimitierungen seien auch zukünftig nicht
als invalidisierende Gesundheitsbeeinträchtigung anzuerkennen. Nur
wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten
gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der
Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen seien, könne ein rentenbegründender
Invaliditätsgrad anerkannt werden. Im vorliegenden Fall führe eine
ergebnisoffene Bewertung des tatsächlichen Leistungsvermögens des
Beschwerdeführers im Sinne der neuen bundesgerichtlichen
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Rechtsprechung zum Ergebnis, dass es dem Beschwerdeführer zumutbar
sei, seine (psychosomatischen) Beschwerden vollständig zu überwinden.
Auch nach der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung sei folglich
daran festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in einer körperlich
leichten bis körperlich schweren Tätigkeit mit Wechselbelastung
vollständig arbeitsfähig sei und bei einem Invaliditätsgrad von 4 % keine
Invalidenrente beanspruchen könne.
e) In BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung zu den
Voraussetzungen, unter denen anhaltende somatoforme
Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden eine
rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermögen, grundlegend
überdacht und teilweise geändert (vgl. hierzu ausführlich Urteile des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden S 14 51 vom
13. November 2015 E.4a, S 14 142 vom 23. Dezember 2015 E.5a; vgl. im
Weiteren HENNINGSEN, Probleme und offene Fragen in der Beurteilung der
Erwerbsfähigkeit bei Probanden mit funktionellen
Körperbeschwerdesyndromen, in: SZS 2014, S. 499 ff., 540 f.; MOSIMANN,
Perspektiven der Überwindbarkeit: Zur Schmerzrechtsprechung des
Bundesgerichts, in: SZS 2014 S. 185 ff.). Anstelle des bis dahin geltenden
Regel/Ausnahme-Modells ist ein strukturierter, normativer Prüfraster
getreten. Demnach liegt Erwerbsunfähigkeit im Sinne von Art. 7 Abs. 2
Satz 2 ATSG nur vor, wenn mittels objektivierbarer Indikatoren
nachgewiesen werden kann, dass der Versicherte keine Arbeitsleistung
mehr zugemutet werden kann. Das Entfallen der Vermutung führt also
weder zu einer Aufgabe der Regeln über die Zumutbarkeit noch zu einem
Wegfall des Erfordernisses einer objektivierten Beurteilungsgrundlage
(vgl. BGE 141 V 281 E.3.7.1 sowie GÄCHTER/MEIER, a.a.O., Rz. 34). Auch
unter der neuen Rechtsprechung kann eine Einschränkung der
Leistungsfähigkeit nur anspruchsbegründend sein, wenn sie Folge einer
fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Gesundheitsbeeinträchtigung ist.
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Der Rentenanspruch wird – in Nachachtung der verfassungs- und
gesetzmässigen Vorgaben von Art. 8 und 29 der Schweizerischen
Bundesverfassung [BV; SR 101] (Rechtsgleichheit) und Art. 7 Abs. 2
ATSG (objektivierte Zumutbarkeitsbeurteilung) – auch künftig anhand von
normativen Rahmenbedingungen beurteilt, und es braucht weiterhin
medizinische Evidenz, dass die Erwerbsfähigkeit aus objektiver Sicht
eingeschränkt ist. Die zwecks Prüfung der Rechtsfrage der zumutbaren
Arbeitsleistung nach wie vor nötige objektivierte Beurteilungsgrundlage
liefern die medizinischen Sachverständigen, welche das tatsächlich
erreichbare Leistungsvermögen der betroffenen Person anhand eines
Kataloges von Indikatoren – unter Berücksichtigung leistungshindernder
äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen
resp. Ressourcen andererseits – ergebnisoffen zu beurteilen haben (vgl.
BGE 141 V 281 E.3.6, vgl. Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden S 13 142 vom 23. Dezember 2015 E.7a, S 14 51 vom
13. November 2015 E.6a). Diese Rechtsprechung gelangt auf alle
laufenden und zukünftigen Verfahren zur Anwendung (vgl. BGE 137 V
210 E.6 sowie GÄCHTER/MEIER, a.a.O, Rz. 94).
Der vom Bundesgericht entwickelte Indikatorenkatalog sieht im Regelfall
folgendermassen aus:
Kategorie "funktioneller Schweregrad"
1. Komplex: Gesundheitsschädigung
1.1 Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
1.2 Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
1.3 Komorbiditäten
2. Komplex: Persönlichkeit
Persönlichkeitsdiagnostik (Persönlichkeitsstruktur,
Persönlichkeitsentwicklung und -störungen, persönliche
Ressourcen)
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3. Komplex: Sozialer Kontext
3.1 Abgrenzung psychosozialer und soziokultureller Faktoren
3.2 Eruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds
Kategorie "Konsistenz"
1. Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen
vergleichbaren Lebensbereichen
2. Behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Leidensdruck.
f) In Bezug auf den vorliegenden Fall ist diesbezüglich in psychiatrischer
Hinsicht festzuhalten, dass weder der ABI-Psychiater, Dr. med. O._,
noch Dr. med. D._ die von ihnen beim Beschwerdeführer gestellten
Diagnosen unter Bezugnahme auf die massgeblichen ICD-10
Diagnosekriterien erläutern. Folglich fehlt es sowohl im ABI-Gutachten
vom 8. Juli 2013 als auch im psychiatrischen Gutachten von Dr. med.
D._ vom 21. Juli 2014 an einer Auseinandersetzung mit den
massgeblichen Diagnosekriterien. Die Ausführungen von Dr. med.
O._ sowie Dr. med. D._ erlauben es dem Gericht daher nicht,
zu beurteilen, ob die klassifikatorischen Vorgaben der somatoformen
Schmerzstörung, welche Dr. med. O._ als Verdachtsdiagnose
feststellte und die von Dr. med. D._ in Form der chronischen
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10:
F 45.2) diagnostiziert wurde, tatsächlich erfüllt sind. Nach der alten
Rechtsprechung zu den unklaren Beschwerdebildern vermochte dies den
Beweiswert einer gutachterlichen Beurteilung solange nicht zu schmälern,
als mangels Vorliegens der Foerster-Kriterien gleichwohl an der
Überwindbarkeitsvermutung festzuhalten war. Nach BGE 141 V 281 ist
ein solches Vorgehen indessen nicht mehr zulässig. Danach muss
genauer als bisher ersichtlich sein, welche funktionellen
Beeinträchtigungen die festgestellte psychische Krankheit in Beruf und
Alltag zur Folge haben. Deshalb haben die Gutachter die für die
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Diagnosestellung massgeblichen Umstände und die sich hieraus
ergebenden funktionellen Beeinträchtigungen in ihrem Gutachten
sorgfältig herauszuarbeiten. Das Gericht kann die von ihm geforderte
Indikatorenprüfung nur vornehmen, wenn es aufgrund der gutachterlichen
Ausführungen das Vorliegen der klassifikatorischen Vorgaben und die der
Diagnose immanente Schwere der Erkrankung nachvollziehen kann (vgl.
zu den Anforderungen an die Diagnosestellung BGE 141 V 281 E.2.1.1,
GÄCHTER/MEIER, a.a.O., Rz. 79 ff. sowie die Urteile des Bundesgerichts
9C_862/2014 vom 17. September 2015 E.4 und 8C_421/2015 vom
23. September 2015 E.5.2. f.). Diese beiden Aspekte sind gerade im
vorliegenden Fall von herausragender Bedeutung, weil Dr. med. O._
und Dr. med. D._ sowohl hinsichtlich der Diagnose als auch des
Ausmasses der psychischen Krankheit des Beschwerdeführers
grundlegend andere Positionen vertreten, ohne dass aus den jeweiligen
Gutachten hervorgeht, worauf diese fundamental andere Beurteilung der
vom Beschwerdeführer beklagten Beschwerden fusst. Die vorliegenden
medizinischen Unterlagen erlauben deshalb keine Beurteilung der
gemäss BGE 141 V 281 massgeblichen Indikatoren. Die Angelegenheit
ist daher zur ergänzenden Beweiserhebung an die IV-Stelle
zurückzuweisen.
g) Damit erweist sich die Beschwerde teilweise als begründet, weshalb die
angefochtene Verfügung der IV-Stelle aufzuheben und die Angelegenheit
zur weiteren Abklärung sowie neuer Verfügung an die IV-Stelle
zurückzuweisen ist. Zwar sind dem Beschwerdeführer aus somatischer
Sicht körperlich leichte bis schwere Tätigkeiten mit Wechselbelastung
zumutbar (vgl. E.5b hievor und allgemeininternistische, orthopädische,
neurologische sowie ophthalmologische Beurteilung im ABI-Gutachten
vom 8. Juli 2013). Aufgrund der Unklarheiten bzw. Divergenzen in den
verfügbaren medizinischen Unterlagen zu der psychischen Verfassung
des Beschwerdeführers ist das Gericht indessen nicht in der Lage, die
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gemäss BGE 141 V 281 massgeblichen Indikatoren zu prüfen, um
Bestand und Umfang der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu
ermitteln. In dieser Beziehung beruht die angefochtene Rentenaufhebung
auf einer unzureichenden medizinischen Grundlage. Die zur Beurteilung
stehende Angelegenheit ist daher an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit
diese anhand des massgeblichen Indikatorenkatalogs fachärztlich klären
lässt, ob und gegebenenfalls inwieweit die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers infolge seiner psychischen Verfassung beeinträchtigt
ist (vgl. dazu ausführlich Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden S 13 142 vom 23. Dezember 2015 E.6, S 14 51 vom
13. November 2015 E.5). Auf der Grundlage des dergestalt ergänzten
Sachverhalts hat die IV-Stelle alsdann abermals über den
Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu entscheiden. Bei diesem
Ergebnis kann dahingestellt bleiben, ob die IV-Stelle das
Invalideneinkommen des Beschwerdeführers in der angefochtenen
Verfügung korrekt bemessen hat.
6. a) Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung
von Leistungen der Invalidenversicherung geht, ist das Verfahren gestützt
auf Art. 69 Abs. 1bis IVG – in Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG –
grundsätzlich kostenpflichtig. Da eine Rückweisung praxisgemäss als
Obsiegen der beschwerdeführenden Partei gilt (vgl. BGE 132 V 215
E.6.1), wären die Verfahrenskosten im vorliegenden Fall an sich der IV-
Stelle als unterliegende Partei aufzuerlegen (Art. 73 Abs. 1 VRG). Trotz
des abschliessenden Charakters der bundesrechtlichen Regelung für die
Erhebung von Gerichtskosten von Art. 69 Abs. 1bis IVG bleibt es den
Kantonen jedoch unbenommen, auf die grundsätzlich geschuldeten
Kosten zu verzichten, sofern das kantonale Recht eine entsprechende
Regelung kennt und die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind
(vgl. BGE 138 V 122 E.1). Gemäss Art. 72 Abs. 1 VRG können den
Parteien für Verfahren, die sie verlangt oder veranlasst haben, die Kosten
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auferlegt werden, soweit das Verfahren nicht aufgrund besonderer
Vorschriften kostenlos ist. Die Ausgestaltung dieser kantonalen
Bestimmung zur Kostenpflicht lässt darauf schliessen, dass der Entscheid
über die Auferlegung der Verfahrenskosten im Ermessen der
Rechtsmittelbehörde liegt (vgl. Urteile des Verwaltungsgerichts des
Kantons Graubünden S 13 142 vom 23. Dezember 2015 E.7a, S 14 51
vom 13. November 2015 E.6a). So wird in der Botschaft zum VRG denn
auch festgehalten, dass die Behörden durch die "Kann-Formulierung" die
Möglichkeit erhalten sollen, analog zur unentgeltlichen Rechtspflege von
der Auferlegung der Verfahrenskosten ausnahmsweise abzusehen (vgl.
Botschaft der Regierung an den Grossen Rat, Heft Nr. 6/2006-2007,
S. 457 ff., 557). Im vorliegenden Fall liegen die Gründe für die
Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz in der
bundesgerichtlichen Praxisänderung zur invalidisierenden Wirkung von
unklaren Beschwerdebildern, welche während des Beschwerdeverfahrens
eingetreten ist und weiterführende Abklärungen notwendig macht. Eine
Praxisänderung kann im konkreten Fall einen Verzicht auf Kosten
rechtfertigen (vgl. BGE 119 Ib 412 E.3 sowie GEISER, in:
NIGGLI/UEBERSAX/WIPRÄCHTIGER [Hrsg.], Basler Kommentar zum
Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl., Basel 2011, Art. 66 N 17). Im
vorliegenden Fall verzichtet das Verwaltungsgericht deshalb auf die
Erhebung von Verfahrenskosten (vgl. dazu auch Urteile des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden S 13 142 vom
23. Dezember 2015 E.7a, S 14 51 vom 13. November 2015 E.6a).
b) Als obsiegende Partei hat der Beschwerdeführer gestützt auf Art. 61 lit. g
ATSG Anspruch auf eine Parteientschädigung (vgl. BGE 119 Ib 412 E.3).
Der Beschwerdeführer war zu Beginn des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens anwaltlich vertreten. Auf entsprechende
Nachfrage hin teilte der vormalige Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers dem Gericht mit Schreiben vom 27. Oktober 2015 mit,
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nur eine rudimentäre Beschwerdeschrift verfasst zu haben, um die Frist
zu wahren, und das Mandatsverhältnis unmittelbar darauf abgeschlossen
zu haben. Er habe sein Mandat beendet und für den bescheidenen
Aufwand auf eine Honorarstellung verzichtet. Dem Beschwerdeführer sind
somit durch die anwaltliche Vertretung keine Kosten entstanden. Die von
ihm geltend gemachte Umtriebsentschädigung im Betrag von Fr. 800.--
hat er damit begründet, gezwungen gewesen zu sein, sich die IV-Akten
zu übersetzen zu lassen, um seine Interessen wahren zu können.
Entsprechende Auslagen hat er jedoch nicht belegt. Damit steht nicht fest,
dass dem Beschwerdeführer durch das vorliegende
Beschwerdeverfahren ersatzfähige Kosten entstanden sind. Er hat folglich
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Das Gesuch des
Beschwerdeführers um Zusprache einer Parteientschädigung im Betrag
von Fr. 800.-- ist daher abzuweisen.