Decision ID: 957b5ed8-d0aa-4af7-8975-f0077605c711
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 2002, leidet unter den
Geburtsgebre
chen
Ziffer 395 (leichte
cerebrale
Bewegungsstörung;
Urk.
8/3-4 und
Urk.
8/6) und Ziffer
390 (angeborene
cerebrale
Lähmungen;
Urk.
8/19 und Urk. 8/22) des Anhangs
zur Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
). Die
Sozialversicherungs
an
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm ver
schiedene Leistungen zu (vgl. die Zusammenfassung in
Urk.
8/153 S.
1 f.). Er besucht die Schule
B._
der Stadt Zürich (
Urk.
8/133).
Am 3
1.
März 2014 stellte die
Z._
GmbH der IV-Stelle im Auftrag der Ergotherapeutin der Schule
B._
eine Offerte für einen Spezialsitz im
Betrag
von
Fr.
1‘692.30 zu (
Urk.
8/132). Mit dem von der Mutter von
X._
mitunterzeichneten Schreiben vom
2. April
2014 wurde um Kostenübernahme ersucht (
Urk.
8/133). Am 16. Septem
ber 2014 reichte die
A._
AG der IV-Stelle einen Kostenvoranschlag für den Ersatz des Computersystems aus dem Jahre 2009
im Betrag von
Fr.
2‘461.60 ein (
Urk.
8/136). Nach Abklärungen betreffend di
e
kognitiven Fähigkeiten mit Bezug auf den freien Arbeitsmarkt (Urk. 8/139 ff.
;
Urk.
8/153 S. 2 ff.) stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 2
0.
Januar 2015 (
Urk.
8/154) die Abweisung des Begehrens um Kostengut
sprache für einen Spezialsitz und einen Computerarbeitsplatz in Aussicht (
Urk.
8/154). Dagegen
erhob die Mutter des Versicherten am 19. Februar 2015 Einwand (
Urk.
8/157
).
Mit Verfügung vom 1
3.
Juli 2015 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren wie angekündigt ab (
Urk.
2).
2.
Die Mutter des Versicherten liess am 1
4.
September 2015 Beschwerde gegen
die Verfügung vom 1
3.
Juli 2015 (
Urk.
2) erheben und beantragen, diese sei au
f
zuheben und es sei Kostengutsprache für die beantragten Hilfsmittel zu erteilen (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 21. Oktober 2015 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was der Gegen
partei mit Verfügung vom 2
6.
Oktober 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
21
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
hat die versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste Anspruch auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung der Erwerbstätig
keit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder zum Zwecke der funktionellen Angewöhnung bedarf (Abs. 1). Versicherte, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte be
dürfen, haben im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit Anspruch auf solche Hilfsmittel (Abs. 2). Die Versicherung gibt die Hilfsmittel zu Eigentum oder leihweise in einfacher und zweckmässiger Ausführung ab. Ersetzt ein Hilfsmittel Gegenstände, die der Versicherte auch ohne Invalidität anschaffen müsste, so hat er sich an den Kosten zu beteiligen (Abs. 3). Der Bundesrat kann vorsehen, dass der Versicherte ein leihweise abgegebenes Hilfsmittel nach Wegfall der
An
spruchsvoraussetzungen
weiter verwenden darf (Abs. 4).
Die Befugnis zur Aufstellung der Hilfsmittelliste und zum Erlass ergänzender Vorschriften im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 IVG hat der Bundesrat in
Art.
14
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
an das Eidgenössische Departement des Innern übertragen, welches die Verordnung über die Ab
gabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) mit anhangs
weise aufgeführter Hilfsmittelliste erlassen hat. Laut
Art.
2 HVI besteht im Rahmen der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmittel, soweit diese für die Fortbewegung, die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge notwendig sind (
Abs.
1). Anspruch auf die in dieser Liste mit * bezeichneten Hilfsmittel besteht nur, soweit diese für die Aus
übung einer Erwerbstätigkeit oder die Tätigkeit im Aufgabenbereich, für die Schulung, die Ausbildung, die funktionelle Angewöhnung oder für die in der zutreffenden Ziffer des Anhangs ausdrücklich genannte Tätigkeit notwendig sind (
Abs.
2; BGE 122 V 212 E. 2a).
1.2
Ziffer 13 Anhang HVI nennt die „Hilfsmittel am Arbeitsplatz, im Aufgaben
be
reich, zur Schulung und Ausbildung sowie bauliche Vorkehren zur Über
win
dung des Arbeitsweges".
Gemäss Ziffer
13.0
1
*
besteht Anspruch auf invaliditätsbedingte Arbeits- und Haushaltsgeräte sowie Zusatzeinrichtungen, Zusatzgeräte und Anpassungen für die Bedienung von Apparaten und Maschinen, deren Anschaffungskosten den Betrag von
Fr.
400.-- übersteigen.
Gemäss Ziffer 13.0
2
* übernimmt die Invalidenversicherung
der Behinderung individuell angepasste Sitz-, Liege- und Stehvorrichtungen, deren Anschaf
fungskosten den Betrag von
Fr.
400.-- übersteigen.
In beiden Fällen hat sich die versicherte Person bei der Abgabe von Geräten, die auch eine gesunde Person in gewöhnlicher Ausführung benötigt, an den Kosten zu beteiligen.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 1
3.
Juli 2015 (
Urk.
2) davon aus, dass die Schulausbildung des Versicherten in der Schule
B._
der Stadt Zürich den Charakter einer Sozialrehabilitation aufweise und nicht auf eine spätere Erwerbstätig
keit abziele. Versicherte hätten laut
Art.
21
Abs.
1 IVG,
Art.
2
Abs.
2 HVI sowie
Ziffern
*13.02 und *13.01 Anspruch auf Spezialsitze und
Computer
arbeits
plätze
, soweit sie diese Hilfsmittel für die Ausübung der Erwerbstätig
keit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder Verbesserung der Er
werbstätigkeit, für die Schulung oder die Aus- und Weiterbildung bedürften. Mit Schulung und Ausbildung sei die Förderung der Eingliederung im
Er
werbsbereich
gemeint. Die Notwendigkeit des Spezialsitzes und des
Compu
terarbeitsplatzes
seien nachvollziehbar. Eine Kostenübernahme durch die In
validenversicherung sei aber nicht möglich, da es sich bei der Schul
ausbil
dung nicht um eine erwerbliche Eingliederungsmassnahme handle.
In der Beschwerdeantwort vom 2
1.
Oktober 2015 (
Urk.
7) hielt die IV-Stelle an ihrem Standpunkt fest, wonach zur Anwendung der Hilfsmittel, die mit
einem * bezeichnet sind, auch im Bereich Schulung und Ausbildung eine
Ei
n
gliederungswirksamkeit
gegeben sein müsse. Ergänzend gab sie zu beden
ken, dass es der Unterscheidung zwischen erwerblichem und
nichterwerbli
chem
Eingliederungszweck gemäss
Art.
21
Abs.
1 und 2 IVG zuwiderlaufen würde, wenn das schulpflichtige Alter der versicherten Person das einzige Kriterium für die
Zusprache
solcher Hilfsmittel wäre. Zudem führte dies zu einer Ungleichbehandlung gegenüber versicherten Personen, die im Erwerbs- und Aufgabenbereich gewisse Kriterien erfüllen müssten (z.B.
Existenzsiche
rung
,
10%ige Steigerung im Aufgabenbereich durch den Einsatz des Hilfs
mittels oder im Fall einer Aus- und Weiterbildung, eine Verbesserung oder Erhal
tung der Erwerbsfähigkeit oder der Leistung im Aufgabenbereich).
2.2
Die Mutter des Versicherten liess demgegenüber zunächst geltend machen, dass eine Prognose in Bezug auf den weiteren schulischen und beruflichen Weg des noch jungen Beschwerdeführers noch gar nicht möglich sei (
Urk.
1
Ziff.
5 S. 4).
Zudem handle es sich bei den im vorliegenden Fall beantragten Hilfsmitteln
um der Behinderung individuell angepasste Sitzvorrichtungen beziehungs
w
eise
Arbeitsflächen gemäss Ziffern 13.02* und 13.03* HVI Anhang. Nach den massgebenden Gesetzes- und Verordnungsbestimmungen bestehe ein An
spruch auf diese Hilfsmittel, wenn sie für die Schulung notwendig seien (S. 5
Ziff.
6 unten). Das Kreisschreiben über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (KHMI) enthalte in
Rz
1019 ff. Präzisierun
gen betreffend die Er
werbstätigkeit und die Tätigkeit im Aufgabenbereich; betreffend Schulung/Ausbildung würden hingegen keine besonderen Vo
raus
setzungen genannt (S. 5
Ziff.
6 Mitte). In der Schweiz bestehe nach Art. 62 der Bundesverfassung (BV) eine obligatorische Schulpflicht. Der Be
schwer
deführer absolviere zurzeit diesen obligatorischen Unterricht an der Schule
B._
und sei dabei
behin
derungsbedingt
auf eine individuell angepasste Sitzvorrichtung und ei
nen individuell angepassten Arbeitsplatz in der Schule angewiesen (S. 5 f.).
Die Unterscheidung zwischen erwerblichen und nichterwerblichen Eingliede
rungsmassnahmen sei
unbehelflich
. In Bezug auf Hilfsmittel, die für die Schulung notwendig seien, werde keine Unterscheidung zwischen Sonder- oder Regelschule getroffen. Der Bildungsauftrag einer Sonderschule umfasse explizit auch nichtwerbliche Eingliederungsmassnahmen, was sich auch aus dem kantonalen Rahmenkonzept betreffend Berufswahl- und
Lebens
vorbe
reitung
von Jugendlichen in der Sonderschulung (Urk. 3) zeige, wo in
Ziff.
4.2
einerseits Ausbildung und Arbeit im ersten oder geschützten Ar
beitsmarkt und andererseits Aktivierung und Beschäftigung in Tagesstätten als
Unter
stüt
zungsakzente
genannt würden (S. 6).
Schliesslich liess die Mutter des Beschwerdeführers auf je einen Entscheid des Bundesgerichts
(I 736/04 vom 21. März 2006)
und des
Sozialversicherungs
gerichts
des Kantons Zürich ver
weisen, wobei das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
im Entscheid IV.2014.00671 vom 29. Juni 2015
nament
lich festgehalten habe, dass der Hilfsmittelanspruch gemäss
Art.
21
Abs.
1 IVG auch bei einem Sonderschulbesuch bestehe (
Ziff.
8 S. 6 f.)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, wie es sich mit den Anspruchsvoraussetzungen
betreffend
Kostenübernahme für einen Spezialsitz und ein
en
Computer
ar
beits
platz
verhält,
wobei namentlich in Frage steht,
ob im Bereich der Schu
lung eine
Einglie
derungswirksamkeit
vorausgesetzt ist.
3.
3.1
In der Invalidenversicherung wird gemäss Art. 8 Abs. 2 IVG „nicht verlangt, dass das Hilfsmittel der Eingliederung in das
Erwerbsleben
dienen muss“ (
vgl. Thomas Locher/
Thomas
Gächter
, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Auflage, Bern 2014
,
Rz
9 zu § 36). Dies ergibt sich zusätzlich aus dem Wort
laut von Art. 21 Abs. 1 IVG, in dem nebst der Erwerbstätigkeit und an
de
ren Tätig
keiten unter anderem ausdrücklich auch die Schulung erwähnt, diese also der Erwerbstätigkeit gleichgestellt wird (Silvia Bucher,
Eingliede
rungsrecht
der In
validenversicherung, Bern 2011,
Rz
354; Ulrich Meyer/
Marco
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage, Zürich 2014,
Rz
34 zu Art. 21-21
quater
; Erwin
Murer
, Invaliden
versicherungsgesetz Art. 1-27
bis
, Bern 2014,
Rz
120 zu Art. 21-21
quater
).
3.2
Was unter dem in
Art.
21
Abs.
1 IVG verwendeten Begriff Schulung zu ver
stehen ist, wird weder in den dargestellten gesetzlichen Grundlage
n
(vgl.
hie
vor
E. 1.1-1.
2) noch im KHMI
(
Stand
1.
Januar 2015
)
Rz
1019 ff
.
defi
niert.
Grundsätzlich fallen unter Schulung „
s
ä
mtliche Formen schulischer Bildung
im Rahmen der Erf
ü
llung der obligatorischen Schulpflicht“ (Meyer/
Reichmuth
,
a.a.o.
,
Rz
17 zu Art. 21
-21
quater
)
.
Dabei ist unerheblich, ob die Schulpflicht in einer öffentli
chen oder privaten Schule erfüllt wird. Mitgemeint ist auch die Erfüllung der öffentlichen Schulpflicht in einer behinderungsspezifischen Sonderschule, die – nach der Übertragung der Aufgaben von
a
Art
.
19 IVG zur Sonderschulung an die Kantone mit Inkrafttreten des Bundesgesetzes über die Schaffung und die Änderung von Erlassen zur Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen vom
6.
Oktober 2006 (NFA, in Kraft seit dem
1.
Januar 2008) –
in die Zu
stän
digkeit der Kantone fallen
(
Meyer/
Reichmuth
,
a.a.o.
,
Rz
17 zu Art. 21
-21
quater
und
Murer
, Invalidenversicherungsgesetz Art. 1-27
bis
,
Rz
132 zu Art. 21-21
quater
).
3.3
Vorausgesetzt ist
ein Mindestmass an Schulfähigkeit. Der
Zustand der versi
cherten Person
muss eine Schulung zulassen. Der Versicherte muss mithin an einem Unter
richt, der sich nicht im therapeutischen Bereich erschöpft, teil
haben können. Diese Voraussetzung verneinte das Bundesgericht in einem jüngeren Ent
scheid mit Bezug auf den Anspruch auf ein
Stehbett
mit der Begründung, dass der „minimal
conscious
state
“ der Versicherten eine Schu
lung im Sinne von
Art.
2
Abs.
2 HVI verunmögliche. Das kantonale Gericht hatte anlässlich eines Augenscheins festgestellt, dass die Versicherte nicht sprechen könne und eine eigentliche Kommunikation nicht ersichtlich sei. Sie werde ihrer Behinderung angepasst therapeutisch gefördert. Eine darüber hinausgehende Schulung sei jedoch nicht ersichtlich (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_897/2015 vom 12. Januar 2016 E. 2.1 und E. 2.3 sowie der Ent
scheid des Verwaltungs
gerichts des Kantons Thurgau, TVR 2015 Nr. 33, vom 21. Oktober 2015). Zu
dem muss das Hilfsmittel direkt der Schulung dienen, was laut einem älteren Urteil des Bundesgerichts etwa bei einem elektrischen Bett, dass primär die Aufrechterhaltung des Gesundheitszustandes bezweckte, nicht der Fall war (ZAK 1982 S. 255 ff.).
Für die Schulung und Ausbildung in speziell dafür eingerichteten
Orten be
schränkt sich
die Abgabe von Hilfsmitteln zudem auf
individuell notwendige Geräte
, welche nicht zur Einrichtung/
Ausstattung der spezialisierten Institu
tion gehören
(KHMI,
Rz
1022)
.
4.
4.1
Im Gesuch um nominale Zuteilung eines Spezialstuhls vom
2.
April 2014 (
Urk.
8/133) nannten die Schulärztin,
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für
Neuropä
diatrie
, sowie die Ergotherapeutin
Rüst
die Diagnose
einer
neurologische
n
Auffällig
keit nicht geklärter Ätiologie mit/bei ataktischer Bewegungsstörung, Extre
mitäten betont, schwerer
Dysarthrie
sowie kognitivem
Entwicklungs
rück
stand
. Sie führten aus, der versicherte Junge sei aufgrund der Körper
behin
derung nicht in der Lage, über längere Zeit selbständig stabil in aus
reichen
der Aufrichtung zu sitzen. Es bestehe die Gefahr von permanent wirkenden Fehlhaltungen mit erheblichen Nachteilen für den Haltungs- und
Bewe
gungsapparat. Mit dem Spezialsitz werde eine stabile Aufrichtung er
reicht
;
dadurch könne Haltungsschäden entgegengewirkt werden. Die Arbeits
leis
tung sei auf einem konventionellen Schulstuhl aufgrund eingeschränkter Haltungsbewahrung herabgesetzt. Durch den Einsatz des Spezialsitzes werde es dem Versicherten ermöglicht, die
Aufrichtung selbständig, stabil und über einen längeren Zeitraum zu halten. Dadurch würden die Voraussetzungen für feinmotorische Leistungen erheblich erhöht. Vor der Testphase des
Spezialsit
zes
habe
der Versicherte
gelegentlich über Schult
er- und Nackenschmerzen geklagt;
während des Einsatzes des
Z._
sei dies nicht mehr vorge
kommen. Der Schultergürtel habe auch während feinmotorischer Aktivitäten deutlich entspannter verbleiben können. Ausserdem sei die Ausdauer im hand
schrift
lichen Schreiben erhöht. Der Spezialsitz sei in der
Schule täglich während mehrerer
Lektionen im Einsatz. Er werde ausschliesslich vom Ver
sicherten benutzt.
4.2
4.2.1
Mit Mitteilung vom 2
8.
Januar 2009
erteilte
die IV-Stelle Kostengutsprache für die Abgabe eines Computersystems Mobile gemäss Offerte der
A._
GmbH vom 1
1.
Dezember 2008 im Betrag von
Fr.
7‘179.-- (
Urk.
8/86 und
Urk.
8/82). Der damaligen Kostengutsprache lag ein Gesuch vom 12. Dezember 2008 zugrunde (
Urk.
8/81). Die Eltern des Versicherten und die Heilpädagogin
hatt
en darin an
gegeben
, der Versicherte, der seit August 2007 den Sprachheilkindergarten in
D._
besuche und im Sommer 2009 einge
schult werde, könne aufgrund seiner Behinderung (CP mit atak
tischen Bewe
gungen auch der oberen Extremitäten) die
graphomotorischen
Vorübungen für das Schreiben nicht ausführen. Er werde die üblichen
Schu
lunterlagen
nicht selbständig nutzen können und das Schreiben von Buch
staben werde kaum möglich sein. Es werde für ihn frustrierend sein, wenn die Buchstaben trotz grosser Anstrengung kaum lesbar seien. Deshalb sei der
Versicherte auf einen Computerarbeitsplatz mit entsprechend angepasster
Ei
n
gabehilfe
an
gewiesen, um dem Unterricht folgen zu können.
Der Versicherte
werde die entspre
chenden Hilfsmittel selbständig, ausdauernd und konzen
triert gebrauchen. Er habe ein gutes Gedächtnis und sei sehr wissenshungrig. Es werde gestützt auf das KHMI Absatz 1.9 sowie 13.01* des Anhangs zur HVI die Abgabe des Hilfsmittels Computersystem Mobile beantragt. Es handle sich dabei um ein System mit spezieller Software, Tastatur beziehungsweise Maus. Mit dieser behindertengerechten ergonomischen Anpassung könne der Versicherte weitgehend selbständig am Arbeitsplatz arbeiten, sowie Hausauf
gaben und schriftliche Arbeiten selbständig lösen.
4.2.2
Im Kostenvoranschlag über
Fr.
2‘461.60 vom 1
6.
September 2014 betreffend den Ersatzantrag für das Computersystem aus dem Jahr 2009 (
Urk.
8/136) rapportierte der Leistungserbringer
A._
GmbH, der Versi
cherte nutze das durch die Invalidenversicherung im Jahr 2009 abgegebene Computersystem
täglich für den Kontakt zur Aussenwelt und für seine Schularbeiten. Durch den langen Betriebseinsatz sei das System nicht mehr zuverlässig und nicht mehr sicher. Das Betriebssystem XP werde durch Micro
soft nicht mehr mit Updates versorgt, so dass der Rechner allen An
griffen aus dem Internet schutzlos ausgesetzt sei. Das System müsse ersetzt und die Daten und Einstellungen in das neue System integriert werden. Das System müsse zudem wieder an
den Versicherten
angepasst werden, das heisse, auch ein Update der Multitext Software sei nötig.
4.3
Die Schulärztin
Dr.
med.
C._
gab im Bericht vom 1
3.
November
2014 (Urk. 8/146) an, beim Versicherten bestehe ein kognitiver
Entwicklungsrück
stand
mit Teilleistungsschwächen. Laut dem Schulzeugnis von Juli 2014 könne er sich meist gut konzentrieren, lasse sich aber auch ablenken von so
zialen Einflüssen um ihn herum. Das selbständige Bewältigen einer Aufgabe benötige viel Zeit. Unterstützung sei dann nötig. Er habe einen guten Wort
schatz und könne Wörter sowie einzelne Sätze selbständig am Computer in Gross- und Klein
buchstaben schreiben. Die Recht
schreibung werde noch kaum beachtet. Lesen sei sehr langsam möglich mit guter Ausdauer und Konzentration. Er lese erste Lesegeschichten. Mathematisch bewege er sich im Zahlenraum bis 100.
4.4
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin vom regio
nalen ärztli
chen Dienst der IV-Stelle (RAD)
führte in ihrer Stellungnahme vom 1
0.
Dezember 2014 (
Urk.
8/153 S.
3 f.) aus, es sei aus dem Bericht von Dr.
C._
zu den Schulleistungen ersichtlich, dass das Niveau des Versicher
ten im Alter von 12 Jahren ungefähr dem Stand am Ende der ersten
Primar
klasse
entspreche. Aus dem Antrag um Verlängerung der Ergotherapie werde deutlich, dass der Versicherte motorisch sehr beeinträchtigt sei, vor allem im Bereich der Hände. Er habe zwar das Zweiradfahren jetzt gelernt, könne aber zum Beispiel noch keine Reissverschlüsse bedienen. Zum Schreiben würden manchmal Handgelenksmanschetten verwendet, um das Schriftbild zu opti
mieren.
Gesamthaft gesehen
sei der Versicherte im Rahmen seiner zerebralen Bewe
gungsstörung gut lernfähig und offensichtlich auch lernwillig. Es müsse aber doch von einer Intelligenzminderung im Sinne von ICD-10 F70 ausgegangen werden. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit werde er eine Eingliederung in den freien Arbeitsmarkt nicht erreichen.
5.
5.1
Gemäss dem Standpunkt der Beschwerdegegnerin fällt ein Anspruch nach Art. 21 Abs. 1 IVG nicht in Betracht, weil die vom Versicherten besuchte Schule
B._
den Charakter einer
Sozialrehabilitation aufweise und nicht auf eine spätere Erwerbstätig
keit abziele, mithin einen nichterwerblichen Eingliederungszweck verfolge, womit (lediglich) ein Anspruch nach Art. 21 Abs. 2 IVG in Frage komme (vorstehend E. 2.1).
5.2
Zwar trifft es zu, dass laut Art. 21 IVG der Hilfsmittelanspruch gemäss Abs. 2 ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit besteht (vgl. das von der
Beschwer
degegnerin
angeführte Urteil des Bundesgerichts I 133/06 vom 1
5.
März 2007
betreffend einen erwachsenen Versicherten, mit dem Hinweis, diesen Hilfs
mitteln komme der Charakter einer Sozialrehabilitation zu). Dies lässt aber nicht den Um
kehrschluss zu, dass ein Hilfsmittelanspruch gemäss Abs. 1 für Versicherte ohne Erwerbspotential prinzipiell ausgeschlossen sei. Wie dar
gelegt, zeigt dies bereits der Wortlaut der Bestimmung, die - nebst dem
Erwerbs
bereich
- ausdrücklich unter anderem auch die Schulung als gleich
gestellte Aktivitätssphäre anführt (vgl.
hievor
E. 3.1). Mit „Schulung“ wiede
rum sind alle Formen der Erfüllung der obligatorischen Schulpflicht erfasst, also insbesondere auch heilpädagogi
sche Sonderschulen (vgl.
hievor
E. 3.2).
In diesem Sinne hat das hiesige Gericht bereits im vom Beschwerdeführer angerufenen Urteil
IV
.2014.00671
vom 2
9.
Juni 2015 im Zu
sammenhang mit dem Anspruch auf einen Treppenlift argumentiert.
Der Standpunkt der
Be
schwerdegegnerin
, wonach bei einer nicht direkt auf die Eingliederung zie
len
den Schulung ein Anspruch nach Art. 21
Abs.
1 IVG nicht in Betracht komme
, findet weder im Gesetz noch in Lehre und Recht
sprechung eine Stütze.
Es kann deshalb offen gelassen werden, ob die – auf einer eher marginalen Abklärung beruhende – Annahme zutrifft, wonach der im
Verfügungszeit
punkt
12-jährige Versicherte aufgrund seiner kognitiven Fähigkeiten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im Erwachsenenalter keine Tätigkeit auf den freien Arbeitsmarkt ausüben werde.
5.3
Der Umstand, dass der Beschwerdeführer eine heilpädagogische Sonderschule besucht, steht der Anwendung von
Art.
21
Abs.
1 IVG somit nicht entgegen. Es ist erstellt, dass der Beschwerdeführer im Rahmen seiner zerebralen Bewe
gungsstörung gut lernfähig und offensichtlich auch lernwillig ist. Er besucht die klassischen Schulfächer. So lernt er namentlich Lesen, Schreiben und Rechnen und erreichte in diesen Fächern im Alter
von
knapp 12 Jahren etwa das Niveau eines Erstklässlers am Ende des Schuljahres. Von mangelnder
Schul
fähigkeit
(vgl.
hievor
E. 3.3)
kann keine Rede sein. Der Beschwerde
führer hat somit Anspruch auf die zur Schulung notwendigen Hilfsmittel in einfacher und zweckmässiger Ausführung (vgl.
hievor
E. 1.1).
Die Notwendigkeit des Spezialstuhls gemäss 13.02* des Anhangs zur HVI ist mit der
Gesuch
s
begründung
ausgewiesen. Dies anerkennt auch die
Beschwer
degegnerin
. Gleich verhält es sich
(soweit invaliditätsbedingt; vgl.
Bundesge
richtsurteil
I 803/02 vom 3. September 2003 E. 3.2.3 und 3.3)
mit der
Kosten
übernahme
für ein
en
Ersatz und Update des mit Kostengutsprache vom 2
8.
Januar 2009 (
Urk.
8/86) ge
währten Hilfsmittels „Computersystem Mobil“ im Sinne von Ziff
er. 13.01* des Anhangs zur HVI.
6.
6.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invali
denversicherung (IVG) sind ermessensweise auf Fr. 600.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Der obsiegende und anwaltlich vertretene
Versicherte
hat Anspruch auf eine Prozessentschädigung, die ermessensweise auf Fr. 1‘500.-- (inklusive
Baraus
lagen
und Mehrwertsteuer) festzusetzen und von der
Beschwerdegeg
nerin
zu bezahlen ist.