Decision ID: 7949f17f-14d6-55a9-b2cc-53ea876adcf4
Year: 2016
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer (geb. 1981, kosovarischer Staatsangehöriger)
reiste 1989 im Rahmen des Familiennachzugs zu seinen Eltern in die
Schweiz. Ab dem 18. Lebensjahr wurde er wiederholt strafrechtlich verur-
teilt (u.a. wegen in Umlaufsetzens falschen Geldes, Widerhandlung gegen
das Waffengesetz, mehrfachen Diebstahls und mehrfacher Sachbeschädi-
gung) und deshalb zwei Mal ausländerrechtlich verwarnt (vgl. Akten des
Migrationsamts des Kantons Zürich [ZH act.] 5 ff.).
B.
Im Dezember 2004 heiratete der Beschwerdeführer im Kosovo eine Lands-
frau, die im August 2005 im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz
einreiste, wo ihr eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib beim Ehemann
erteilt wurde. Aus der Ehe ging ein Sohn (geb. 2007) hervor, der über eine
Niederlassungsbewilligung verfügt (vgl. Akten der Vorinstanz [SEM act.] 5
S. 36).
C.
Der Beschwerdeführer wurde in der Folge erneut straffällig:
- Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 10. Mai
2007 wegen Widerhandlung gegen das ANAG: Geldstrafe von 30 Tages-
sätzen sowie Busse von Fr. 500.– (vgl. ZH act. 11);
- Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 5. März 2010 wegen Raubes,
versuchten Raubes, Raufhandels, Diebstahls, Erpressung, Nötigung, ge-
werbsmässigen Betruges, mehrfachen Betruges, versuchten mehrfachen
Betruges, in Umlaufsetzens falschen Geldes, mehrfacher Widerhandlung
gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfacher grober Verletzung von
Verkehrsregeln, Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeuges, mehr-
fachen Fahrens eines Motorfahrzeuges trotz Entzuges des Führerauswei-
ses, mehrfachen Missbrauchs von Ausweisen und Schildern sowie wegen
Vergehen gegen das Heilmittelgesetz: Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe
von fünf Jahren sowie Busse von Fr. 2'000.– (vgl. ZH act. 17);
- Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 18. Dezem-
ber 2012 wegen Vergehens gegen das Arbeitslosenversicherungsgesetz:
unbedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen (vgl. ZH act. 26).
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Im September 2012 trat der Beschwerdeführer den Strafvollzug an (offenes
Regime; vgl. ZH act. 22).
D.
Mit Verfügung vom 16. August 2013 widerrief das Migrationsamt des Kan-
tons Zürich die Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und
wies ihn auf den Zeitpunkt der Entlassung hin unverzüglich aus der
Schweiz weg (vgl. ZH act. 27). Die gegen diesen Entscheid ergriffenen
kantonalen Rechtsmittel blieben ohne Erfolg (vgl. ZH act. 40; SEM act. 4
S. 10 – 24). Das Bundesgericht bestätigte den Widerruf der Niederlas-
sungsbewilligung mit Urteil 2C_734/2014 vom 2. Februar 2015.
E.
Der Beschwerdeführer wurde im Februar 2015 bedingt aus der Haft ent-
lassen (vgl. ZH act. 49). Am 25. Februar 2015 erhielt er die Möglichkeit,
sich zur ihm angedrohten Fernhaltemassnahme zu äussern (vgl. SEM
act. 7 S. 41). Das kantonale Migrationsamt forderte ihn mit Verfügung vom
26. Februar 2015 auf, die Schweiz innert 48 Stunden zu verlassen (vgl. ZH
act. 56). Am 25. März 2015 wurde er im Rahmen einer Ausreisekontrolle in
der Familienwohnung verhaftet und wegen rechtswidriger Einreise und
rechtswidrigen Aufenthalts mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten be-
straft. Tags darauf ordnete das kantonale Migrationsamt die erneute Weg-
weisung sowie die Ausschaffungshaft an. Am 18. April 2015 wurde er nach
Pristina ausgeschafft (vgl. ZH act. 60; 65; 67 f.; 79 ff.).
F.
Die Vorinstanz verfügte am 23. März 2015 gegen den Beschwerdeführer
ein zehnjähriges Einreiseverbot sowie die Ausschreibung der Einreisever-
weigerung im Schengener Informationssystem (SIS II). Zur Begründung
wurde im Wesentlichen auf die Verurteilung zu einer fünfjährigen Freiheits-
strafe im Jahr 2010 verwiesen (vgl. Sachverhalt Bst. C).
G.
Der Beschwerdeführer beantragt mit Rechtsmitteleingabe vom 11. Mai
2015 die Aufhebung des Einreiseverbots, eventualiter dessen Befristung
auf eine Dauer von maximal fünf Jahren, subeventualiter sinngemäss die
Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz zwecks weiterer Sach-
verhaltsabklärung. In prozessualer Hinsicht ersucht er um die Wiederher-
stellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde sowie um die Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege. Zur Begründung wird vorge-
bracht, die Vorinstanz habe seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt
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und ihm kein faires Verfahren gewährt. Die strafrechtliche Verurteilung
liege mehr als fünf Jahre zurück. Die Freiheitsstrafe habe er unter guter
Führung im offenen Vollzug verbüsst. Er stelle keine Gefahr für die öffent-
liche Sicherheit und Ordnung mehr dar. Das Einreiseverbot sei zudem an-
gesichts seines vorgängigen langen Aufenthalts in der Schweiz sowie der
hier lebenden Familie unverhältnismässig. Daher sei auch die Ausschrei-
bung im SIS bundesrechtswidrig.
H.
Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 4. Juni 2015 die Abwei-
sung der Beschwerde. Das Bundesgericht habe im Aufenthaltsverfahren
festgehalten, dass auch bei einem positiven Verlauf des Strafvollzugs nicht
von einer nachhaltigen Bewährung die Rede sein könne und sich eine
Rückfallgefahr nicht ausschliessen lasse. Diese Gefährdungsprognose
müsse auch hier gelten. Das Einreiseverbot sei gestützt auf den zweiten
Satz von Art. 67 Abs. 3 AuG gerechtfertigt und auch in zeitlicher Hinsicht
verhältnismässig. Zwar bleibe unbestritten, dass die Kontaktpflege zu den
in der Schweiz wohnhaften Familienmitgliedern beeinträchtigt werde. Ver-
unmöglicht werde sie aber nicht. Im Übrigen habe sich der Beschwerde-
führer diesen Umstand selber zuzuschreiben.
I.
Das Bundesverwaltungsgericht wies das Gesuch des Beschwerdeführers
um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde mit
Zwischenverfügung vom 30. Juni 2015 ab.
J.
Der Beschwerdeführer führte mit Replik vom 30. September 2015 aus, die
Vorinstanz habe sich zum Vorwurf der Gehörsverletzung nicht geäussert.
Der angefochtene Entscheid sei zu kassieren. Dies gelte erst recht, weil
die Vorinstanz das Einreiseverbot auch nachträglich nicht detaillierter be-
gründet habe. Der Hinweis auf das Bundesgerichtsurteil sei unbehelflich,
weil dieses nicht von einer schwerwiegenden Gefahr gesprochen habe.
K.
Auf den weiteren Akteninhalt wird – soweit rechtserheblich – in den Erwä-
gungen eingegangen.
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Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Vom SEM erlassene Einreiseverbote sind mit Beschwerde beim Bun-
desverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). Das
Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts
anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-
gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (vgl. Art. 22 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 50 und
Art. 52 VwVG).
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Ange-
legenheit endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes sowie die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49
VwVG). Das Gericht wendet das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist
gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht ge-
bunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend ge-
machten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist die Sach-
lage zum Zeitpunkt seines Entscheides (BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht eine Verletzung seines
Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV).
3.1.1 Er führt in dieser Hinsicht aus, die Vorinstanz hätte aufgrund der Ak-
ten ersehen können, dass er schon während des Wegweisungsverfahrens
anwaltlich vertreten gewesen sei. Trotzdem sei der Rechtsvertreter von der
Vorinstanz betreffend das beabsichtigte Einreiseverbot nie angeschrieben
worden. Das Einreiseverbot sei vielmehr direkt dem Beschwerdeführer
ausgehändigt worden und es sei nicht ersichtlich, dass er ausreichend Ge-
legenheit gehabt hätte, sich dazu zu äussern. Zudem treffe es nicht zu,
dass sich aus den Akten keine privaten Interessen ergeben könnten. Die
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Vorinstanz müsse sich daher vorwerfen lassen, dass sie schon das recht-
liche Gehör missachtet habe und sie auch wichtige private Interessen, die
aus den Akten durchaus ersichtlich gewesen wären, gar nicht berücksich-
tigt habe. Dem Beschwerdeführer sei daher kein faires Verfahren gewährt
worden (vgl. Beschwerde vom 11. Mai 2015).
3.1.2 Zu den allgemeinen Verfahrensgarantien (Art. 29 BV) gehört der in
Art. 29 Abs. 2 BV besonders aufgeführte Anspruch auf rechtliches Gehör.
Dieser dient der Sachaufklärung und garantiert den Verfahrensbeteiligten
ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht. Sie haben u.a. Anspruch
auf Äusserung zur Sache vor Fällung des Entscheids, auf Abnahme erheb-
licher Beweise und auf Mitwirkung an deren Erhebung (vgl. BGE 140 I 99
E. 3.4; BERNHARD WALDMANN, in: Basler Kommentar, Bundesverfassung,
2015, Art. 29 N. 40 ff.). Die Behörde muss die Äusserungen der Parteien
tatsächlich hören, ernsthaft prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemes-
sen berücksichtigen (vgl. Art. 30 und Art. 32 VwVG; BGE 136 I 184 E.
2.2.1). In engem Konnex damit steht die Begründungspflicht (Art. 35
VwVG), welche der rationalen und transparenten Entscheidfindung dient
und die Betroffenen in die Lage versetzen soll, den Entscheid entweder
akzeptieren oder dann sachgerecht anfechten zu können. Die Behörde hat
daher zumindest kurz die wesentlichen Überlegungen zu nennen, von de-
nen sie sich leiten liess und auf die sie ihren Entscheid stützt. Je weiter der
Entscheidungsspielraum, je komplexer die Sach- und Rechtslage und je
schwerwiegender der Eingriff in die Rechtsstellung des Betroffenen, desto
höhere Anforderungen sind an die Begründung zu stellen (vgl. BGE 137 II
266 E. 3.2 m.H.; LORENZ KNEUBÜHLER, Die Begründungspflicht, 1998,
S. 26 ff. u. 178 ff.).
3.1.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst auch das Recht, sich in
einem Verfahren vertreten zu lassen (Art. 11 VwVG). Die Vertretung einer
Partei durch einen frei bestimmten Dritten ist dabei unter Vorbehalt des
Erfordernisses des persönlichen Handelns jederzeit möglich. Die Bestel-
lung erfolgt durch Bevollmächtigung des Vertreters. Der Umfang der Ver-
tretungsbefugnis richtet sich nach der Vollmacht (vgl. BVGE 2011/39 E.
4.1). Die im Hinblick auf einen konkreten Rechtsstreit ausgestellte Voll-
macht umfasst den ganzen Instanzenzug, d.h. auch das Handeln vor
Rechtsmittelinstanzen. Möglich ist, dass eine Generalvollmacht für sämtli-
che Verfahren erteilt wird (vgl. RES NYFFENEGGER, in: Kommentar zum
VwVG, 2008, N 19 zu Art. 11). Der Nachweis, dass ein wirksames Vertre-
tungsverhältnis besteht und gegenüber den Behörden gehörig kundgege-
ben wurde, obliegt nach den allgemeinen Beweislastregeln der betroffenen
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Partei. Fehlt eine schriftliche Vollmacht, so darf ein Vertretungsverhältnis
nur angenommen werden, wenn sich aus den Umständen eine eindeutige
Willensäusserung auf Bevollmächtigung eines Dritten ergibt (MARANTELLI-
SONANINI/HUBER, a.a.O., N 21 f. und N 30 zu Art. 11).
3.1.4 Sofern moniert wird, der Rechtsvertreter sei vor Erlass der Verfügung
vom 23. März 2015 nicht angehört worden, so ist darauf hinzuweisen, dass
es sich zum damaligen Zeitpunkt gerade nicht aus den Akten ergeben hat,
der Beschwerdeführer sei im Verfahren betreffend Einreiseverbot noch
durch Jürg Federspiel anwaltlich vertreten. So lässt sich den kantonalen
Akten eine anlässlich des Verfahrens auf Widerruf der Nieder-
lassungsbewilligung eingereichte Vollmacht vom 23. August 2013 von
Rechtsanwalt Federspiel entnehmen (ZH act. 31). Diese wurde jedoch im
Hinblick auf das damalige Verfahren ausgestellt wie das Betreffnis "Anfech-
tung Widerruf Niederlassung, Aufenthalt" ausdrücklich festhält. Eine neue
– das Verfahren bezüglich Einreiseverbot betreffende Vollmacht – wurde
hingegen erst mit Beschwerde vom 11. Mai 2015 eingereicht. Diese datiert
vom 2. April 2015 und bezieht sich auf die Ausschaffungshaft und die Be-
schwerde gegen das Einreiseverbot. Mit diesen Ausführungen kann der
Vorinstanz denn auch nicht vorgeworfen werden, sie habe den Rechtsver-
treter vor Erlass ihrer Verfügung betreffend Einreiseverbot vom 23. März
2015 nicht angehört. Dem Beschwerdeführer selbst wurde anlässlich einer
Einvernahme vom 25. Februar 2015 durch die Kantonspolizei Zürich Gele-
genheit gegeben, sich vor Erlass der Verfügung zu allfälligen Entfernungs-
und Fernhaltemassnahmen zu äussern (vgl. SEM act. 8, S. 41-43), womit
auch nicht davon ausgegangen werden kann, ihm selbst sei das Recht auf
vorgängige Anhörung verweigert worden. Er selbst hat überdies anlässlich
der Einvernahme zu keiner Zeit auch nur andeutungsweise geltend ge-
macht, er sei in dieser Angelegenheit anwaltlich vertreten.
3.2 Beschwerdeweise wird des Weiteren vorgebracht, die Vorinstanz habe
mit ihrer Kurzbegründung, die sich einzig und allein auf die schon mehr als
fünf Jahre zurückliegende Verurteilung stütze, bei Weitem keine qualifi-
zierte Begründung geliefert. Sie berücksichtige offensichtlich krass willkür-
lich überhaupt nicht die starke Bindung des Beschwerdeführers (langer
Aufenthalt in der Schweiz, familiäre Bindungen zu seinen Eltern, Geschwis-
ter, Ehefrau und v.a. zu seinem Sohn).
3.2.1 Gemäss vorinstanzlicher Begründung wurde das Einreiseverbot auf-
grund einer 5-jährigen Freiheitsstrafe verhängt. Angesichts der Schwere
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dieser Verstösse und der damit einhergehenden Gefährdung der öffentli-
chen Sicherheit und Ordnung sei der Erlass einer Fernhaltemassnahme im
Sinne von Art. 67 AuG angezeigt (vgl. Verfügung vom 23. März 2015). Vor-
liegend hat sich das SEM in der Tat nicht erkennbar damit auseinanderge-
setzt, wieso in casu qualifizierende Gründe vorliegen, die eine mehr als
5 Jahre dauernde Fernhaltung gemäss Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG
rechtfertigen. Insbesondere fehlen auch Hinweise darauf, wie die Vor-
instanz die Umstände des konkreten Falles gewichtet hat (bspw. familiäre
Verhältnisse, Wiederholungs- und Rückfallgefahr). Die Anforderungen an
die Begründung sind in diesem Zusammenhang schon deshalb hoch und
eine exakte Begriffsverwendung ist unerlässlich, weil ein längerfristiges
Einreiseverbot schwer wiegt und der Ermessensspielraum der Behörde er-
heblich ist. Das SEM muss daher im Einzelfall eine Gefährdungsprognose
erstellen und diese in nachvollziehbarer Weise begründen; d.h. der Be-
troffene muss erkennen können, weshalb die Behörde von einer aktuellen
und schwerwiegenden Gefahr ausgeht (vgl. Urteil des BVGer C-535/2013
vom 9. Juli 2015 E. 3.3.2 m.H.). Indem die Vorinstanz dies unterlassen hat,
ist sie ihrer Begründungspflicht nicht nachgekommen und hat damit das
Recht des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt (vgl. Art. 29
Abs. 2 BV, Art. 35 Abs. 1 VwVG).
3.2.2 Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör führt grund-
sätzlich zur Aufhebung der Verfügung und zur Rückweisung an die Vor-
instanz. In nicht besonders schwerwiegenden Fällen kann jedoch darauf
verzichtet werden (sog. Heilung). Voraussetzungen dafür sind, dass die
unterlassene Verfahrenshandlung im Rechtsmittelverfahren nachgeholt
wird und das rechtliche Gehör vom Betroffenen nachträglich wahrgenom-
men werden kann. Dies setzt auch voraus, dass der Rechtsmittelbehörde
die gleiche Kognition zukommt wie der Vorinstanz. Zudem darf der von der
Verletzung betroffenen Partei durch den Verzicht auf die Kassation kein
unzumutbarer Nachteil entstehen. Durch die "Heilung" einer Gehörsverlet-
zung sollen prozessuale Leerläufe und unnötige Verzögerungen im Verfah-
ren vermieden werden, die nicht mit dem Interesse der betroffenen Partei
an einer beförderlichen Beurteilung der Sache in Einklang gebracht werden
können (vgl. BGE 137 I 195 E. 2.2 und E. 2.3.2 sowie BVGE 2012/24 E. 3.4
je m.H.).
3.2.3 Das Bundesverwaltungsgericht verfügt über die gleiche Kognition wie
die Vorinstanz und ist zur freien Prüfung aller Sachverhalts- und Rechts-
fragen befugt. Die Vorinstanz hat sich in der Vernehmlassung erneut mit
der Sache befasst (vgl. Sachverhalt Bst. H). So wird zwar knapp, aber noch
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Seite 9
ausreichend ausgeführt, dass die vom Beschwerdeführer vorgebrachten
privaten Interessen (Kontaktpflege mit den in der Schweiz wohnhaften Fa-
milienmitgliedern) gegenüber dem öffentlichen Interesse an seiner Fern-
haltung zurückzustehen haben. Des Weiteren verweist das SEM auf die im
Rahmen des Verfahrens auf Widerruf der Niederlassungsbewilligung ge-
machten, bundesgerichtlichen Ausführungen (vgl. Urteil des BGer
2C_734/2014 vom 2. Februar 2015 E. 4.2.1). Entgegen den replikweisen
Vorbringen ergibt sich durch den Verweis auf das bundesgerichtliche Urteil
klar, wieso das SEM in casu eine aktuelle, schwerwiegende Gefahr für die
öffentliche Sicherheit angenommen hat (trotz positivem Verlauf des Straf-
vollzuges keine nachhaltige Bewährung; Unbelehrbarkeit des Beschwer-
deführers lässt eine Rückfallgefahr nicht ausschliessen). Das vorliegende
Verfahren weist denn auch eine grosse zeitliche Nähe zum Verfahren auf
Widerruf der Niederlassungsbewilligung auf, sodass die Erwägungen auch
in diesem Kontext zur Erstellung einer Gefährdungsprognose herangezo-
gen werden durften (vgl. dazu auch Urteil des BVGer C-5232/2014 vom
18. März 2015 E. 3.3). Ob diese Gründe zutreffen und ob der rechtserheb-
liche Sachverhalt hinreichend sorgfältig abgeklärt wurde, ist überdies eine
Frage der sachverhaltlichen und rechtlichen Überprüfung (vgl. Urteil des
BGer 2C_270/2015 vom 6. August 2015 E. 3.2). Unter diesen Umständen
stellt das BVGer fest, dass die Verletzung der Begründungspflicht im
Rechtsmittelverfahren geheilt wurde.
4.
4.1 Das SEM kann Einreiseverbote unter anderem gegenüber Auslände-
rinnen und Ausländern verfügen, die gegen die öffentliche Ordnung und
Sicherheit in der Schweiz oder im Ausland verstossen haben oder diese
gefährden (Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG). Das Einreiseverbot wird für eine
Dauer von höchstens fünf Jahren verhängt (Art. 67 Abs. 3 erster Satz AuG).
Die Anordnung eines Einreiseverbots von mehr als fünf Jahren Dauer ist
zulässig, wenn von der ausländischen Person eine schwerwiegende Ge-
fahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht (Art. 67 Abs. 3 zwei-
ter Satz AuG). Das Bundesverwaltungsgericht hat früher bereits entschie-
den, dass alle Einreiseverbote, die gestützt auf Art. 67 Abs. 1 und 2 AuG
ergehen, auf eine bestimmte Dauer zu befristen sind. Die Verbotsdauer
kann dabei fünf Jahre überschreiten und bis maximal 15 Jahre, im Wieder-
holungsfall 20 Jahre betragen (vgl. BVGE 2014/20). Aus humanitären
Gründen kann von der Verhängung eines Einreiseverbots abgesehen oder
ein solches vorübergehend aufgehoben werden (Art. 67 Abs. 5 AuG).
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Seite 10
4.2 Das Einreiseverbot dient der Abwendung künftiger Störungen der öf-
fentlichen Sicherheit und Ordnung (BBl 2002 3709, 3813). Soweit Art. 67
Abs. 2 Bst. a AuG mit dem Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und
Ordnung unmittelbar an vergangenes Verhalten des Betroffenen anknüpft,
steht die Gefahrenabwehr durch Generalprävention im Sinne der Einwir-
kung auf andere Rechtsgenossen im Vordergrund (zur Generalprävention
im Ausländerrecht vgl. etwa Urteile des BGer 2C_282/2012 vom 31. Juli
2012 E. 2.5 m.H.; in casu 2C_734/2014 vom 2. Februar 2015 E. 4.2.1
m.H.). Die Spezialprävention kommt zum Tragen, soweit Art. 67 Abs. 2
Bst. b AuG als alternativen Fernhaltegrund die Gefährdung der öffentlichen
Sicherheit und Ordnung durch den Betroffenen selbst nennt. Ob eine sol-
che Gefährdung vorliegt, ist gestützt auf die gesamten Umstände des Ein-
zelfalles im Sinne einer Prognose zu beurteilen, die sich in erster Linie auf
das vergangene Verhalten des Betroffenen abstützen muss.
4.3 Die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst.
a AuG bildet den Oberbegriff für die Gesamtheit der polizeilichen Schutz-
güter. Sie umfasst u.a. die Unverletzlichkeit der objektiven Rechtsordnung
und der Rechtsgüter Einzelner (BBl 2002 3709, 3813). Ein Verstoss gegen
die öffentliche Sicherheit und Ordnung liegt u.a. vor, wenn gesetzliche Vor-
schriften oder behördliche Verfügungen missachtet werden (vgl. Art. 80
Abs. 1 Bst. a der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Auf-
enthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE, SR 142.201]). Der Schluss auf eine
Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung setzt dagegen
voraus, dass konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Aufenthalt
der betroffenen Person in der Schweiz mit erheblicher Wahrscheinlichkeit
zu einem Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung führen
wird (Art. 80 Abs. 2 VZAE).
4.4 Eine schwerwiegende Gefahr für die öffentlich Sicherheit und Ordnung
im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG setzt mehr voraus als eine
einfache Gefährdung gemäss Art. 67 Abs. 2 Bst. a zweiter Halbsatz AuG,
wie sie weiter oben beschrieben wurde. Verlangt wird eine qualifizierte Ge-
fährdungslage, worüber nach Massgabe aller Umstände des Einzelfalles
zu befinden ist. Eine solche Gefährdungslage darf nicht leichthin angenom-
men werden. Nach der Rechtsprechung kann sie sich beispielsweise aus
der Hochwertigkeit des deliktisch bedrohten Rechtsguts ergeben (z.B. Leib
und Leben, körperliche und sexuelle Integrität, Gesundheit), aus der Zuge-
hörigkeit des drohenden Delikts zur besonders schweren Kriminalität mit
grenzüberschreitender Dimension (z.B. Terrorismus, Menschen- und Dro-
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Seite 11
genhandel, organisierte Kriminalität) oder aus einer zunehmend schwere-
ren Delinquenz bei Wiederholungstätern mit ungünstiger Legalprognose
(vgl. BGE 139 II 121 E. 6.3; BVGE 2013/4 E. 7.2.4; Urteil des BVGer
C-5602/2012 vom 16. Januar 2015 E. 6.1 m.H.).
5.
5.1 Der Beschwerdeführer wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Winterthur
vom 5. März 2010 wegen Raubes, versuchten Raubes, Raufhandels, Dieb-
stahls, Erpressung, Nötigung, gewerbsmässigen Betruges, mehrfachen
Betruges, versuchten mehrfachen Betruges, in Umlaufsetzens falschen
Geldes, mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz,
mehrfacher grober Verletzung von Verkehrsregeln, Führen eines nicht be-
triebssicheren Fahrzeuges, mehrfachen Fahrens eines Motorfahrzeuges
trotz Entzuges des Führerausweises, mehrfachen Missbrauchs von Aus-
weisen und Schildern sowie wegen Vergehen gegen das Heilmittelgesetz
zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren sowie einer Busse von Fr. 2'000.–
verurteilt. Das Strafgericht kam dabei zum Schluss, dass das Verschulden
des Angeklagten insgesamt als schwer einzustufen ist (vgl. ZH act. 17
S. 16). Der Beschwerdeführer habe durch sein Verhalten ein erhebliches
Potential an physischer Gewalt manifestiert, welches in keiner Weise ent-
schuldbar sei und deutlich mache, welche Geringschätzung er der körper-
lichen Integrität beimesse (vgl. ZH act. 17 S. 11-12). Bemerkenswert ist
auch seine umfangreiche Delinquenz im Betäubungsmittelhandel (Vermö-
gens- und Betäubungsmitteldelikte), wobei er mit beträchtlichen Mengen
an Kokain und Heroin sowie erheblichen Mengen an Marihuana handelte.
Er war dabei selbst nicht drogenabhängig und handelte ausschliesslich aus
gewinnsüchtigen Motiven. Sein damaliges Verhalten offenbarte gemäss
vorgenanntem Strafurteil daher mehrfach eine kriminelle Gesinnung (vgl.
ZH act. 17 S. 14, 15).
Nebst dem ab dem Jahr 2007 anhaltenden, umfangreichen delinquenten
Verhalten des Beschwerdeführers, welches zur obgenannten Verurteilung
führte, fällt ins Gewicht, dass er bereits davor regelmässig strafrechtlich in
Erscheinung trat (vgl. Sachverhalt Bst. A und C; sowie Schreiben des Mi-
grationsamtes des Kantons Zürich vom 8. Oktober 2012 [ZH act. 23]), wo-
bei er am 15. September 2000 und am 8. November 2001 aus diesem
Grund ausländerrechtlich verwarnt wurde (ZH act. 23, 5, 9). Der Beschwer-
deführer liess sich jedoch weder davon noch von den strafrechtlichen
Sanktionen beeindrucken. Wie dem Urteil des Bezirksgerichts Winterthur
vom 5. März 2010 zu entnehmen ist, delinquierte der Beschwerdeführer
C-3025/2015
Seite 12
sogar mehrfach während laufender Strafuntersuchung und laufender Pro-
bezeit (ZH act. 17 S. 17).
5.2 Vor diesem Hintergrund kann zweifellos als erstellt gelten, dass der Be-
schwerdeführers mit seinem Verhalten gegen die öffentliche Sicherheit und
Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a erster Halbsatz AuG verstossen
hat. Des Weiteren lassen diese Ausführungen ohne Weiteres den Schluss
zu, dass die damals vom Beschwerdeführer ausgehende Gefahr für die
öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a zwei-
ter Halbsatz AuG auch als schwerwiegend im Sinne von Art. 67 Abs. 3 AuG
einzustufen war (vgl. E. 4.4). Die Delinquenz im Bereich der Gewalt- und
Drogendelikte tangiert überdies wegen der Hochwertigkeit der betroffenen
Rechtsgüter einen besonders sensiblen Bereich; in dieser Hinsicht kann
selbst ein geringes Restrisiko weiterer Störungen nicht in Kauf genommen
werden. Raub und Drogenhandel gehören denn auch zu denjenigen An-
lasstaten, die gemäss Art. 121 BV zum Verlust des Aufenthaltsrechts und
der Verhängung eines langjährigen Einreiseverbots führen sollen (vgl. etwa
BGE 139 I 145 E. 2.5, 31 E. 2.3, 16 E. 2.2 je m.H.).
5.3 Zu prüfen ist, ob auch zum heutigen Zeitpunkt noch von einer im Sinne
von Art. 67 Abs. 3 AuG schwerwiegenden Gefahr für die öffentliche Sicher-
heit und Ordnung ausgegangen werden kann.
5.3.1 Gemäss den beschwerdeweisen Ausführungen sei es nicht erstellt,
dass heute noch eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit
vorliegen soll. So sei der Beschwerdeführer tatsächlich mit Urteil des Be-
zirksgerichts Zürich vom 5. März 2010 zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe
verurteilt worden, doch diese Verurteilung liege nun schon mehr als fünf
Jahre zurück. Der Beschwerdeführer habe – was die Vorinstanz offensicht-
lich willkürlich ausser Acht gelassen habe – nicht nur die Freiheitsstrafe
unter bester Führung, sondern im offenen Vollzug verbüsst, welche nur
Personen offenstehe, die gerade keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit
und Ordnung darstellten.
5.3.2 Abgesehen von der Tatsache, dass die hier relevante Zeitspanne, die
seit der bedingten Entlassung des Beschwerdeführers aus dem Strafvoll-
zug (26. Februar 2015) vergangen ist, zu kurz bemessen ist, als dass zum
jetzigen Zeitpunkt verlässliche Schlüsse auf sein künftiges Wohlverhalten
gezogen werden könnten, hat er sich – entgegen seinen Ausführungen –
ohnehin seit seiner strafrechtlichen Verurteilung vom 5. März 2010 nicht
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tadellos verhalten. So wurde er mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Win-
terthur/Unterland vom 18. Dezember 2012 wegen Vergehens gegen das
Arbeitslosenversicherungsgesetz zu einer unbedingten Geldstrafe von 20
Tagessätzen verurteilt (vgl. ZH act. 26). Einer Verfügung des Amts für Jus-
tizvollzug vom 14. Januar 2015 ist des Weiteren zu entnehmen, dass er
auch im Strafvollzug mehrfach habe diszipliniert werden müssen, u.a. we-
gen verspäteter Rückkehr aus dem Urlaub, Besitzes von Bargeld und des
Versuchs ein Smartphone in die Anstalt zu schmuggeln. Zudem sei bei an-
deren Insassen ein Smartphone gefunden worden, dass dem Bruder des
Beschwerdeführers gehöre (vgl. ZH act. 49). Nach seiner bedingten Ent-
lassung am 26. Februar 2015 verhielt er sich erneut gesetzeswidrig, so-
dass er mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom
25. März 2015 wegen rechtswidriger Einreise und rechtswidrigen Aufent-
halts zu einer (unbedingten) Freiheitsstrafe von 3 Monaten verurteilt wurde
(vgl. ZH act. 65; Sachverhalt Bst. E). Der Beschwerdeführer ist mit diesen
Ausführungen offensichtlich auch weiterhin nicht bereit, sich an die gel-
tende Rechtsordnung zu halten. Nicht von Belang ist zudem, dass der Be-
schwerdeführer seine Strafe im offenen Vollzug verbracht hat, verfolgen
doch strafrechtliche Sanktionen und migrationsrechtliche Massnahmen un-
terschiedliche Ziele und Zwecke (vgl. dazu BGE 130 II 493 E. 4.2 S. 500
f.).
5.4 Als Zwischenergebnis ist somit festzustellen, dass der Beschwerdefüh-
rer den Fernhaltegrund der Verletzung der öffentlichen Ordnung und Si-
cherheit im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a erster Halbsatz AuG gesetzt hat.
Darüber hinaus liegt gegen ihn auch zum heutigen Zeitpunkt der qualifi-
zierte Fernhaltegrund einer schwerwiegenden Gefahr für die öffentliche
Ordnung und Sicherheit im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AuG vor.
Das gegen ihn verhängte Einreiseverbot darf daher ohne Verletzung von
Art. 67 Abs. 3 erster Satz AuG die Dauer von fünf Jahren übersteigen.
6.
Es bleibt zu prüfen, ob das Einreiseverbot in richtiger Ausübung des Er-
messens ergangen und angemessen ist. Im Vordergrund steht der Grund-
satz der Verhältnismässigkeit, der eine wertende Abwägung zwischen den
berührten privaten und öffentlichen Interessen verlangt. Ausgangspunkt
der Überlegungen bilden die Stellung der verletzten oder gefährdeten
Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die
persönlichen Verhältnisse des Verfügungsbelasteten (Art. 96 AuG; ferner
statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht,
6. Aufl. 2010, Rz. 613 ff.).
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6.1 Vom Beschwerdeführer geht wie dargetan nach wie vor eine schwer-
wiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung aus. Zu be-
rücksichtigen ist, dass er u.a. das Rechtsgut Leib und Leben gefährdete
und die öffentliche Ordnung dadurch in einem besonders sensiblen und
schützenswerten Bereich verletzte (BGE 139 II 121 E. 6.3 S. 130 f.). Dem-
entsprechend erheblich ist das öffentliche Interesse an einer langjährigen
Fernhaltung des Beschwerdeführers.
6.2 In Bezug auf seine privaten Interessen verweist der Beschwerdeführer
auf seine hier niederlassungsberechtigte Ehefrau und seinen Sohn (geb.
2007). Hier in der Schweiz habe er zudem sein ganzes Beziehungsnetz,
hier würden seine Eltern und die Geschwister leben und überhaupt alle
Personen, zu welchen er einen sehr engen Kontakt habe. Ein Einreisever-
bot würde Besuche in der Schweiz und insbesondere die Beziehung zu
seiner Ehefrau und dem Sohn unnötig erschweren. Der Beschwerdeführer
macht in diesem Zusammenhang eine Verletzung von Art. 67 AuG, Art. 8
EMRK, Art. 13 und 14 BV geltend und verweist in diesem Zusammenhang
auf das (durch Art. 11 BV geschützte) Kindeswohl, welches angesichts der
jüngsten Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschen-
rechte (Udeh gegen die Schweiz vom 16. April 2013 [Nr. 12020/09]) den
vollständigen Verzicht auf ein Einreiseverbot nahelege (vgl. Beschwerde
vom 11. Mai 2015, S. 6).
6.2.1 Der Beschwerdeführer ist vorerst darauf hinzuweisen, dass Art. 14
BV (Recht auf Eingehung einer Ehe und Gründung einer Familie) vorlie-
gend keine Beachtung finden kann, ist doch Derartiges durch das Einrei-
severbot zum vorherein nicht berührt. Sofern er auf Bestimmungen der
Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom
16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den Mit-
gliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger
[nachfolgend: Rückführungsrichtlinie, ABl. L 348 vom 24.12.2008, S. 98])
verweist, ist anzumerken, dass diese für die Schweiz völkerrechtlich nur
soweit verbindlich ist, als sie eine Weiterentwicklung des Schengen-Besitz-
standes darstellt, was vorliegend nicht der Fall ist (vgl. BVGE 2014/20
E. 6.3 m.H.). Zum anderen ist die Richtlinie ihrer Rechtsnatur nach grund-
sätzlich nicht "self executing" (Roland BIEBER / ASTRID EPINEY / MARCEL
HAAG, Die Europäische Union, 10. Aufl. 2013, S. 190 ff.). Die genannte
Bestimmung enthält überdies nichts, was nicht kraft Landes- und anderen
Völkerrechts ohnehin gilt (siehe dazu auch die Ausführungen im Urteil des
BVGer C-7086/2014 vom 14. Oktober 2015 E. 5.2.1).
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Seite 15
6.2.2 Allfällige Einschränkungen des Privat- bzw. Familienlebens können
zudem vorliegend aufgrund sachlicher und funktioneller Unzuständigkeit
des Bundesverwaltungsgerichts nicht Verfahrensgegenstand sein, soweit
sie auf das Fehlen eines dauerhaften Aufenthaltsrechts in der Schweiz zu-
rückzuführen sind. Der Beschwerdeführer musste die Schweiz nach dem
Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung nach seiner bedingten Entlas-
sung aus dem Strafvollzug verlassen (vgl. Sachverhalt Bst. E). Die Wohn-
sitznahme in der Schweiz wie auch die Pflege regelmässiger persönlicher
Kontakte zu den hier lebenden Verwandten und dem Kind scheitern mithin
bereits an der nicht mehr vorhandenen Aufenthaltsbewilligung des Be-
schwerdeführers. Eine allfällige Bewilligung im Rahmen eines neuerlichen
Aufenthaltsverfahrens bildet nicht Gegenstand dieses Verfahrens. Hierfür
wäre der Kanton zuständig (vgl. dazu BVGE 2013/4 E. 7.4.1).
6.2.3 Im Folgenden stellt sich lediglich die Frage, ob die über die Verwei-
gerung des Aufenthaltsrechts hinausgehende, durch das Einreiseverbot
zusätzlich bewirkte Erschwernis vor Art. 8 Ziff. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1
BV standhält. Bei dieser Prüfung ist zu berücksichtigen, dass dem Be-
schwerdeführer durch das Einreiseverbot Besuchsaufenthalte beim Sohn,
der Ehefrau sowie den Verwandten in der Schweiz nicht schlechthin unter-
sagt werden. Es steht ihm vielmehr die Möglichkeit offen, aus wichtigen
Gründen mittels begründeten Gesuchs die zeitweilige Suspension der an-
geordneten Fernhaltemassnahme zu beantragen (Art. 67 Abs. 5 AuG). Die
Suspension wird aber praxisgemäss jeweils nur für eine kurze und klar be-
grenzte Zeit gewährt. Den geltend gemachten privaten Interessen des Be-
schwerdeführers und seiner Angehörigen in der Schweiz kann somit im
dargelegten Umfang und Rahmen Rechnung getragen werden. Daneben
ist es ihm zuzumuten, den Kontakt zu seinem Sohn auf andere Weise auf-
recht zu erhalten (Telefonate, Videotelefonie, SMS, E-Mails, später Brief-
verkehr etc.). Zudem kann er den Kontakt auch durch Ferienaufenthalte
seiner Familie im Kosovo pflegen. Analoges gilt mit Blick auf die übrigen
Verwandten.
6.2.4 Der Beschwerdeführer reiste im Jahr 1989 im Alter von acht Jahren
in die Schweiz ein und hat hier seine Schul- und Berufsbildung absolviert.
Nichtsdestotrotz ist er in der Schweiz nicht verwurzelt, wie im Rahmen des
rechtskräftig abgeschlossenen Verfahrens auf Widerruf der Niederlas-
sungsbewilligung festgestellt wurde (vgl. Urteil des BGer 2C_734/2014
vom 2. Februar 2015 E. 4.2.2). Auch hielt ihn die Geburt seines Sohnes im
Jahr 2007 nicht davon ab, weiterhin zu delinquieren. Vielmehr intensivierte
sich sein strafrechtlich relevantes Verhalten sogar noch. Für die sich
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daraus ergebenden nachteiligen Konsequenzen ist er nunmehr selbst ver-
antwortlich. Der Ehefrau – eine Landsfrau, welche ihrerseits noch über eine
enge Beziehung zu ihren im Kosovo lebenden Eltern verfügt – sowie dem
gemeinsamen Sohn wäre es überdies zuzumuten, wieder in der gemein-
samen Heimat zu leben (vgl. Urteil des BGer 2C_734/2014 vom 2. Februar
2015 E. 4.2.3).
6.3 Vor diesem Hintergrund vermag das private Interesse des Beschwer-
deführers – auch unter besonderer Berücksichtigung seiner Beziehung zu
seinem Sohn – das öffentliche Interesse an seiner Fernhaltung nicht ent-
scheidend zurückzudrängen. Auf die Rechtsprechung des EGMR in der
Sache Udeh kann sich der Beschwerdeführer nicht berufen, zumal dem
Entscheid eine andere Konstellation zugrunde lag. Zudem stellt das ge-
nannte Urteil gemäss Einschätzungen des Bundesgerichts keinen Grund-
satzentscheid dar (vgl. dazu BGE 139 I 325 E. 2.4). Eine wertende Ge-
wichtung der Interessen führt das Bundesverwaltungsgericht daher zum
Ergebnis, dass das gegen den Beschwerdeführer verhängte 10-jährige
Einreiseverbot eine verhältnismässige und angemessene Massnahme
zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung darstellt. Allfällige Ein-
griffe in die Garantie des Familien- und Privatlebens erweisen sich als im
Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK bzw. Art. 36 BV gerechtfertigt. Nicht gehört
werden kann damit der Einwand des Beschwerdeführers, es genüge, dass
seine langjährige Niederlassungsbewilligung widerrufen wurde (vgl. Be-
schwerde vom 11. Mai 2015 S. 6), erweist sich doch eine Fernhaltemass-
nahme entgegen seinen Ausführungen als nötig.
7.
Weiter gilt es die Rechtmässigkeit der von der Vorinstanz angeordneten
Ausschreibung des Einreiseverbots im SIS zu prüfen.
7.1 Durch die vorinstanzliche Anordnung der Ausschreibung des Einreise-
verbots im SIS wird dem Beschwerdeführer grundsätzlich die Einreise in
das Hoheitsgebiet aller Mitgliedstaaten verboten (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. d
sowie Art. 13 Abs. 1 Schengener Grenzkodex).
7.2 Der darin liegende Eingriff in die Rechtsstellung des Beschwerdefüh-
rers ist nicht zu beanstanden, da er nicht Bürger eines Mitgliedstaates der
EU oder der EFTA ist und die Bedeutung des Falles eine Ausschreibung
ohne Weiteres rechtfertigt (vgl. Art. 21 und Art. 24 der Verordnung [EG] Nr.
1987/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Dezem-
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ber 2006 über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des Schenge-
ner Informationssystems der zweiten Generation [SIS-II-Verordnung, Abl.
L 381 vom 28. Dezember 2006, S. 4-239]). Die Ausschreibung hindert die
übrigen Schengen-Staaten zudem nicht daran, dem Betroffenen aus wich-
tigen Gründen oder aufgrund internationaler Verpflichtungen die Einreise
in das eigene Hoheitsgebiet zu gestatten bzw. ein Visum mit räumlich be-
schränkter Gültigkeit zu erteilen (vgl. Art. 13 Abs. 1 der Verordnung [EG]
Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli
2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [Visakodex], ABl. L 243/1
vom 15.9.2009 i.V.m Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK; Art. 25 Abs. 1 Bst. a Ziff. ii
Visakodex).
8.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung rechtmässig ist (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist demzufolge
abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Verfahrensausgang würde der Beschwerdeführer grund-
sätzlich kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1, Art. 2 und Art. 3
Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320]).
Der Parteivertreter ersuchte jedoch in seiner Beschwerde vom 11. Mai
2015 um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Rechtsver-
beiständung.
9.2 Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG kann eine Partei, die nicht über die erfor-
derlichen Mittel verfügt und deren Begehren nicht als aussichtslos erschei-
nen, auf Gesuch hin von der Bezahlung von Verfahrenskosten befreit wer-
den. Ist es zur Wahrung der Rechte der Partei notwendig, wird ihr ein An-
walt bestellt (Art. 65 Abs. 2 VwVG). Eine Person gilt als bedürftig, wenn sie
nicht in der Lage ist, für die Prozesskosten aufzukommen, ohne dass sie
Mittel beanspruchen müsste, die zur Deckung des Grundbedarfs für sie
und ihre Familien notwendig sind (BGE 128 I 225 E. 2.5.1 S. 232 m.H.).
Als aussichtslos sind Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinn-
aussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die des-
halb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können (BGE 138 III 217
E. 2.2.4 S. 218).
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9.3 Angesichts der Höhe des Strafmasses, des mit Blick auf Fernhalte-
massnahmen längst nicht ausgeschöpften zeitlichen Rahmens (dazu
BVGE 2014/20 E. 8.2) und der sonstigen Umstände (es ist davon auszu-
gehen, dass der Betroffene selbst bei einer hinlänglich begründeten Verfü-
gung Beschwerde erhoben hätte) sind die Voraussetzungen von Art. 65
Abs. 1 und 2 VwVG mangels hinreichender Erfolgsaussichten nicht erfüllt.
Dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege samt Rechtsverbeiständung
ist folglich nicht stattzugeben und die Verfahrenskosten sind dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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