Decision ID: 448b61bd-3e7d-4cd4-8974-b6e98e15ca13
Year: 2016
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- die Staatsanwaltschaft des Kantons Graubünden gegen A. wegen Verun-
treuung eine Strafuntersuchung führte (act. 1);
- die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau gegen A. ein Strafverfahren
führt (act. 1);
- die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau mit Übernahmeverfügung vom
6. April 2016 das durch die Staatsanwaltschaft des Kantons Graubünden ge-
führte Strafverfahren gegen A. übernahm (act. 1);
- A. hierauf mit Beschwerde vom 13. April 2016 an die Beschwerdekammer
des Bundesstrafgerichts gelangte und ausführte, der Gerichtsstandort sei
der Kanton Graubünden; er weiter beantragt, "auch das hängige Verfahren"
sei an den Kanton Graubünden abzutreten (act. 1).

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- eine Partei, welche die Zuständigkeit der mit dem Strafverfahren befassten
Behörde anfechten will, dieser unverzüglich die Überweisung des Falles an
die zuständige Strafbehörde zu beantragen hat (Art. 41 Abs. 1 StPO);
- die mit einem solchen Antrag befasste Behörde gegebenenfalls einen Mei-
nungsaustausch im Sinne von Art. 39 Abs. 2 StPO einzuleiten oder direkt
eine ihre eigene Zuständigkeit bejahende Verfügung zu erlassen hat, welche
mit Beschwerde angefochten werden kann (Beschlüsse des Bundesstrafge-
richts BG.2012.42 vom 23. Januar 2013, E. 1.1; BG.2012.2 vom 16. März
2012, E. 1.1; BG.2011.50 vom 31. Januar 2012, E. 1.1; jeweils m.w.H.);
- eine solche Verfügung bzw. die von den beteiligten Staatsanwaltschaften
verschiedener Kantone getroffene Entscheidung über den Gerichtsstand
durch die Parteien innert 10 Tagen bei der Beschwerdekammer des Bun-
desstrafgerichts angefochten werden kann (Art. 41 Abs. 2 Satz 1 StPO i.V.m.
Art. 40 Abs. 2 StPO und Art. 37 Abs. 1 StBOG);
- im Falle einer Vereinbarung eines abweichenden Gerichtsstandes diese Be-
schwerdemöglichkeit nur jener Partei offen steht, deren Antrag nach Art. 41
Abs. 1 StPO abgewiesen worden ist (Art. 41 Abs. 2 Satz 2 StPO);
- dieser Satz nur so verstanden werden kann, dass mit dem Antrag der Partei
bei der verfahrensführenden Staatsanwaltschaft der vereinbarte Gerichts-
stand in Wiedererwägung gezogen werden soll, bevor die Partei ihren Ge-
richtsstandskonflikt durch die für den endgültigen Entscheid zuständige Be-
hörde – hier in concreto die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts –
festlegen lassen kann (KUHN, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl., Basel 2014,
Art. 41 StPO N. 3);
- es sachgerecht ist und der Beschleunigung des Verfahrens dient, wenn sich
die verfahrensführende Behörde mit dem Antrag der Partei auseinander-
setzt, bevor sich eine höhere Instanz neu in das Verfahren einarbeiten muss,
um den Antrag der Partei beurteilen zu können (Beschluss des Bundesstraf-
gerichts BG.2013.19 vom 30. Juli 2013; KUHN, a.a.O.);
- der Beschwerdegegner 1 die angefochtene Übernahmeverfügung damit be-
gründete, dass bei ihm ein Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer hän-
gig sei (act. 1); damit der Beschwerdegegner 1 nicht aufgezeigt hat, gestützt
auf welchen Sachverhalt und welche Gesetzesbestimmung er die Über-
nahme verfügte; insbesondere offen ist, ob die Beschwerdegegner einen ab-
weichenden Gerichtsstand vereinbart haben oder nicht;
- darüber hinaus der Beschwerdeführer nicht nur die Zuständigkeit des Be-
schwerdegegners 1 für das vom Beschwerdegegner 2 übernommene Straf-
verfahren, sondern auch für das vom Beschwerdegegner 1 geführte Straf-
verfahren anfechten will;
- unter diesen Umständen der Beschwerdeführer zunächst beim Beschwerde-
gegner 1 die Überweisung der Strafverfahren an den Beschwerdegegner 2,
zum Teil als Wiedererwägungsgesuch der Übernahmeverfügung vom 6. Ap-
ril 2016, zu beantragen hat (vgl. Art. 41 Abs. 1 StPO);
- bei dieser Ausgangslage die Übernahmeverfügung vom 6. April 2016 kein
Anfechtungsobjekt darstellt, welches auf dem Beschwerdeweg einer Prüfung
unterzogen werden könnte; auf die Beschwerde daher nicht eingetreten wer-
den kann;
- angesichts der unvollständigen Begründung der angefochtenen Verfügung
und der damit bestehenden Unsicherheit betreffend den einzuschlagenden
Rechtsmittelweg keine Gerichtsgebühren zu erheben sind;