Decision ID: 062a9859-bf67-4709-b0be-991ff3fc4450
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes im ordentlichen Verfahren des Bezirksgerichtes Dietikon vom 25. März 2020; Proz. FE150038
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Rechtsbegehren:
Des Klägers: (act. 1 S. 2)
"1. Die Ehe der Parteien sei zu scheiden. 2. Es sei festzustellen, dass der Kläger nicht in der Lage ist, der Be-
klagten Alimente zu bezahlen. Hingegen sei die Beklagte  zu verpflichten, dem Kläger angemessene monatliche  zu bezahlen.
3. Die güterrechtliche Auseinandersetzung sei vorzunehmen. 4. Die Gerichtskosten seien den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen.
Die Parteikosten sind wettzuschlagen."
Der Beklagten: (act. 57 S. 2)
"a. Hauptanträge 1. Auf die Klage sei aufgrund des Rechtsmissbrauchsverbots
von Art. 2 Abs. 2 ZGB nicht einzutreten, soweit es nicht  in Anwendung von Art. 132 Abs. 3 ZPO ohne weiteres an den Kläger zurückzuschicken sei.
2. Eventualiter sei das Verfahren in Anwendung von Art. 126 Abs. 1 ZPO zu sistieren, bis das laufende Strafverfahren bei der Staatsanwaltschaft III (A-4/2014/191100100) und der Prozess vor dem Handelsgericht des Kantons Zürich (-Nr.: HG130001-O) rechtskräftig abgeschlossen sind.
b. Eventualantrag 1, Im Fall der Anordnung der Scheidung sei der Kläger zu ver-
pflichten, der Beklagten einen angemessenen  Unterhalt zu bezahlen mit einem monatlichen , welchen sie nach Abschluss des  hinsichtlich Edition der Geschäftsbücher der dem  zuzurechnenden C._ GmbH und D._ GmbH beziffern wird, wobei alsdann überdies eine gerichtsübliche Indexierung festzusetzen sei.
2. Ferner sei der Kläger zu verpflichten, der Beklagten für  zwischen dem 25. Oktober 2010 und 30. Juni 2013, einschliesslich Verzugszins, den Betrag von Fr. 274'558.85 zu bezahlen und für die Dauer vom 1. Juli 2013 bis zur Eröffnung des Scheidungsurteils eine  in kumulierten monatlichen  von Fr. 8'740.-, zuzüglich Verzugszins von 5%.
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3. Im Weiteren sei der Kläger zu verpflichten, der Beklagten  Entschädigung, welche sie nach Abschluss des  hinsichtlich Edition der Geschäftsbücher der dem Kläger zuzurechnenden C._ GmbH und D._ GmbH beziffern wird, zu bezahlen für den ihr entzogenen materiellen und immateriellen Unternehmenswert ihrer  A._ Kreditvermittlung und .
4. Zudem sei der Kläger zu verpflichten, der Beklagten  im Oktober 2010 der Einzelunternehmung A._  und Versicherungsberatung bzw. deren  entnommen Vermittlungsprovisionen einen  von Fr. 24'500.- zzgl. Verzugszins von 5% seit 31. Oktober 2010 zu bezahlen, und für der  nicht zurückgegebene Fahrzeuge einen von ihr nach Abschluss des Beweisverfahrens bzw. Editionsbegehrens bezifferten Betrag.
5. Schliesslich sei der Kläger zu verpflichten, der Beklagten für die Jahre 2011 bis 2015 eine Beteiligung am Gewinn der ihm zuzurechnenden C._ GmbH und D._ GmbH zu einem von ihr nach Abschluss des Beweisverfahrens bzw. Editionsbegehrens bezifferten Betrag, zzgl.  von 5% zu entrichten.
c. Kosten- und Entschädigungsfolge, Prozesskostenvorschuss,  Rechtspflege 1. Der Kläger sei zu verpflichten, der Beklagten einen Prozess-
kostenvorschuss von Fr. 11'500.- zzgl 8% MWST zu .
2. Subsidiär sei der Beklagten die unentgeltliche  zu bewilligen und in der Person des unterzeichneten Rechtsanwalts ein unentgeltlicher Rechtsbeistand.
3. Alles unter Entschädigungsfolgen zulasten des Klägers."
Urteil des Bezirksgerichtes: (act. 249)
1. Die Stufenklage der Beklagten wird abgewiesen. 2. Die Ehe der Parteien wird geschieden. 3. Den Parteien werden keine nachehelichen Unterhaltsbeiträge zu-
gesprochen.
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4. Die Stiftung Auffangeinrichtung BVG wird angewiesen, mit Rechtskraft des Scheidungsurteils vom Freizügigkeitskonto des Klägers (Konto-Nr. 1; AHV-Nr. 2) Fr. 32'449.95, zuzüglich Zins seit 16. Februar 2015, auf das Vorsorgekonto der Beklagten (AHV-Nr. 3) bei der Personalstiftung der E._ AG, c/o E._ AG, ... [Adresse], zu überweisen.
5. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger eine güterrechtliche Ausgleichszahlung von Fr. 32'500.– zu bezahlen.
Im Übrigen erhält jede Partei zu Eigentum, was sie derzeit besitzt resp. was auf ihren Namen lautet, und hat diejenigen Schulden zu bezahlen, die auf sie lauten.
6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 12'000.– die weiteren Gerichtskosten betragen:
Fr. 2'000.– Gerichtsgebühr des Entscheids  vorsorgliche Massnahmen vom 3. November 2016
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 7. Die Kosten werden im Umfang von Fr. 8'000.– dem Kläger und im
Umfang von Fr. 6'000.– der Beklagten auferlegt. 8. Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten für das mit Verfügung
vom 3. November 2016 abgeschlossene Verfahren betreffend vorsorgliche Massnahmen eine Parteientschädigung von Fr. 4'000.– zu bezahlen.
Im Übrigen werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 9./10.[Mitteilungen/Rechtsmittel.]
Berufungsanträge:
Der Berufungsklägerin: (act. 240 S. 2)
"1. Die Verfügung und das Urteil des Bezirksgerichts Dietikon, Ein-
zelgericht, vom 25. März 2020 (Geschäfts-Nr.: FE150038-M) sei wie folgt abzuändern:
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Verfügung: Ziff. 1: Der Beklagten sei die unentgeltliche Prozessführung zu
bewilligen und in der Person des unterzeichneten Rechtsanwalts ein unentgeltlicher Rechtsbeistand [zu ].
Urteil: Ziff. 2a: Es sei festzustellen, dass die Vorinstanz (Ziff. 1 Rechts-
begehren) im Rahmen des erstinstanzlichen  das Gebot der beförderlichen  verletzt sowie infolge nicht vorgenommener  eine formelle Rechtsverweigerung  hat.
Ziff. 3: Der Kläger sei zu verpflichten, der Beklagten bis Mai 2032 jeweils auf den ersten Tag des Monats einen  Unterhaltsbeitrag von monatlich CHF 2'650.– zu , unter Beachtung einer praxisgemässen .
Ziff. 5: Der Kläger sei zu verpflichten, der Beklagten eine  Ausgleichszahlung von CHF 416'058.80 zu .
Ziff. 7: Die Gerichtskosten seien gänzlich dem Kläger .
Ziff. 8: Der Kläger sei zu verpflichten, der Beklagten für das mit Verfügung vom 3. November 2016 abgeschlossene  betreffend vorsorgliche Massnahmen eine  von CHF 4'000.– sowie für das  von CHF 30'500.– zu entrichten, soweit für letzteres nicht die unentgeltliche Rechtspflege greift.
2. Der Berufungsbeklagte sei zur Entrichtung eines  von CHF 57'250.– zu verpflichten; eventuell sei die Berufungsklägerin stattdessen für das vorliegende  gänzlich von den Gerichtskosten zu befreien und es sei ihr in der Person des unterzeichneten Rechtsanwalts ein  Rechtsbeistand zu bewilligen.
3. Unter Kosten-und Entschädigungsfolgen zu Lasten des ."
Des Berufungsbeklagten: (act. 247 S. 5)
"1. Bezüglich der Fr. 32'500.00 sei zu Gunsten des Beschwerdebe-
klagten zu entscheiden;
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2. dies unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der  auch in diesem auf 'das vorliegende, einzelne Rechtsbegehren beschränkte Verfahren'."

Erwägungen:
I. Sachverhaltsüberblick und Prozessverlauf
1. Die Parteien haben am tt. Mai 1989 geheiratet. Sie haben zwei längst er-
wachsene gemeinsame Kinder. Am 14. Oktober 2010 machte die Beklagte und
Berufungsklägerin (nachfolgend Berufungsklägerin) am Bezirksgericht Zürich das
Eheschutzverfahren rechtshängig (act. 8/1). Dieses wurde mit Beschluss und Ur-
teil der I. Zivilkammer des Obergerichts Zürich vom 2. Februar 2012 abgeschlos-
sen (act. 9/40).
2. Mit Eingabe vom 16. Februar 2015 machte der Kläger und Berufungsbeklag-
te (nachfolgend Berufungsbeklagter) am Bezirksgericht Dietikon die Scheidungs-
klage nach Art. 114 ZGB anhängig (act. 1). Am selben Tag stellte er mit separater
Eingabe im Rahmen von vorsorglichen Massnahmen ein Gesuch um Abänderung
der Eheschutzmassnahmen (act. 2). Anlässlich der Einigungsverhandlung konnte
lediglich der Scheidungsgrund festgestellt werden, während eine Einigung nicht
möglich war (Prot. Vi S. 3 ff.). Die schriftliche Klagebegründung sowie die Kla-
geantwort erfolgten am 1. Juni 2015 resp. am 8. Oktober 2015 (act. 24, act. 57).
Die Replik wurde am 12. November 2015 erstattet, die Duplik am 15. Februar
2016 (act. 69, act. 84). Mit Eingabe vom 12. Oktober 2016 zog die Berufungsklä-
gerin ihre im Schriftenwechsel gestellten Nichteintretens- und Sistierungsbegeh-
ren zurück (act. 92). Am 3. November 2016 wurde das erste Massnahmenbegeh-
ren des Berufungsbeklagten abgewiesen (act. 94), was mit Entscheid der Kam-
mer vom 23. Januar 2017 bestätigt wurde (act. 98).
Die in der Folge angesetzte Hauptverhandlung konnte am 15. September
2017 stattfinden, an welcher je ein Parteivortrag gehalten und für zweite Vorträge
nach Art. 228 Abs. 2 ZPO das schriftliche Verfahren festgelegt wurde (Prot. Vi
S. 20 ff.). Während dieses Schriftenwechsels (der weitere Noveneingaben nach
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sich zog) stellte der Berufungsbeklagte ein zweites Gesuch um vorsorgliche Auf-
hebung der aus dem Eheschutzurteil resultierenden Alimentenzahlungspflicht
(act. 142). Noch vor Durchführung der Verhandlung über das (zweite) Massnah-
menbegehren, die auf den 21. August 2018 angesetzt war, stellte der Berufungs-
beklagte am 17. Juli 2018 ein drittes, faktisch identisches Massnahmenbegehren
(act. 170). Nach Durchführung der Verhandlung wurden mit Verfügung vom
21. August 2018 die Massnahmenbegehren des Berufungsbeklagten sowie ein
gleichentags gestelltes Massnahmenbegehren der Berufungsklägerin abgewiesen
(act. 180). Auf eine dagegen erhobene Berufung des Berufungsbeklagten trat die
Kammer mit Beschluss vom 8. November 2018 nicht ein (act. 188). Bereits nach
erstinstanzlicher Abweisung des zweiten und dritten Massnahmenbegehrens hat-
te der Berufungsbeklagte mit Eingabe vom 1. Oktober 2018 das vierte Massnah-
menbegehren gestellt (act. 183), welches mit Verfügung vom 28. Februar 2019
abgewiesen wurde (act. 190). Das nächste Massnahmenbegehren des Beru-
fungsbeklagten erfolgte mit Eingabe vom 30. Dezember 2019 (act. 207). Über
dieses wurde von der Vorinstanz gleichentags mit dem Scheidungsurteil vom
25. März 2020 abschlägig entschieden (act. 233). Eine dagegen erhobene Beru-
fung wies die Kammer mit Urteil vom 5. Juni 2020 ab. Mit Urteil vom 25. März
2020 schied die Vorinstanz die Ehe, sprach keiner Partei nachehelichen Unterhalt
zu, verpflichtete die Berufungsklägerin zu einer güterrechtlichen Ausgleichszah-
lung von Fr. 32'500.– und ordnete eine BVG-Ausgleichszahlung zulasten des Be-
rufungsbeklagten im Umfang von Fr. 32'449.95 an (act. 234 = act. 242/1 =
act. 249 [Aktenexemplar], nachfolgend zitiert als act. 249, Abdruck des Dispositivs
oben, S. 3 f.).
3. Am 18. Mai 2020 erhob die Berufungsklägerin rechtzeitig (act. 238 [Anhang]
i.V.m. act. 240) Berufung mit den oben (S. 4 f.) abgedruckten Rechtsbegehren. In
ihrer als Berufungsschrift bezeichneten Eingabe stellte sie neben den gegen das
Scheidungsurteil gerichteten Anträgen auch ein Begehren um Abänderung der
zusammen mit dem Scheidungsurteil ergangenen Verfügung, mit welcher die Vor-
instanz unter anderem ihr Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege abgewiesen
hatte (act. 240 S. 2 Ziff. 1; vgl. oben, S. 5). Der Entscheid, mit welchem die un-
entgeltliche Rechtspflege abgelehnt wird, ist prozessleitender Natur, auch wenn
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er gleichzeitig mit dem Entscheid in der Sache ergeht (BGer 4A_507/2011 vom
1. November 2011). Gegen ihn steht ausschliesslich das Rechtsmittel der Be-
schwerde zur Verfügung (Art. 121 i.V.m. Art. 319 lit. b Ziff. 1 ZPO). Dementspre-
chend wurde für dieses Begehren unter der Geschäftsnummer PC200021 ein ei-
genständiges Beschwerdeverfahren eröffnet.
Im vorliegenden Berufungsverfahren wurde dem Berufungsbeklagten mit
Verfügung vom 18. Juni 2020 Frist zu einer Berufungsantwort hinsichtlich der vor-
instanzlich zugesprochenen Güterrechtszahlung von Fr. 32'500.– (Dispositiv-Ziffer
5 des angefochtenen Urteils) angesetzt. Am 22. Juli 2020 erstattete der Beru-
fungsbeklagte die Berufungsantwort, mit welcher er sinngemäss beantragte, in
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils sei bezüglich der Güterrechtszahlung zu
seinen Gunsten zu entscheiden (act. 247 S. 5; vgl. oben, S. 5 f.).
Das Verfahren ist spruchreif.
II. Formelles
1. Die nach Eingang der Berufung zu prüfenden Rechtsmittelvoraussetzungen
sind erfüllt: Die Berufung wurde form- und fristgerecht erhoben und mit Anträgen
und Begründung versehen. Dem Eintreten steht nichts entgegen.
2. Es kann mit Berufung sowohl die unrichtige Rechtsanwendung als auch die
unrichtige Feststellung des Sachverhaltes geltend gemacht werden (vgl. Art. 310
ZPO). Die Berufungsinstanz kann sämtliche Mängel (in Tat- und Rechtsfragen)
frei und uneingeschränkt prüfen (sog. volle Kognition in Tat- und Rechtsfragen),
vorausgesetzt, dass sich die Berufung erhebende Partei mit den Entscheidgrün-
den der ersten Instanz auseinandersetzt und konkret aufzeigt, was am angefoch-
tenen Urteil oder am Verfahren der Vorinstanz falsch sein soll (vgl. ZR 110 [2011]
Nr. 80, BGE 138 III 374 ff., E. 4.3.1 = Pra 102 [2013] Nr. 4); blosse Verweise auf
die Vorakten genügen nicht (vgl. ZK ZPO-REETZ/THEILER, 3. Aufl. 2016, Art. 311
N 36 f.). Wiederholungen des bereits vor der ersten Instanz Vorgetragenen genü-
gen den gesetzlichen Anforderungen an eine Begründung ebenso wenig wie all-
gemeine Kritik am angefochtenen Entscheid bzw. an den erstinstanzlichen Erwä-
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gungen (vgl. auch BGE 138 III 374 ff., E. 4 = Pra 102 [2013] Nr. 4). Soweit die Be-
rufungsklägerin in der Berufung (nochmals) den Sachverhalt ausbreitet, ohne da-
mit irgendwelchen Bezug auf die Sachverhaltsfeststellung des angefochtenen Ur-
teils zu nehmen (act. 240 Rz 11-18), so ist dies unbeachtlich.
Die volle Kognition der Berufungsinstanz in Rechtsfragen bedeutet aber
nicht, dass sie gehalten wäre, von sich aus wie ein erstinstanzliches Gericht alle
sich stellenden rechtlichen Fragen zu untersuchen, wenn der Berufungskläger
diese vor der Berufungsinstanz nicht (mehr) vorträgt; vielmehr hat sie sich – ab-
gesehen von offensichtlichen Mängeln – auf die Beurteilung der in der schriftli-
chen Berufungsbegründung erhobenen Beanstandungen zu beschränken
(vgl. BGE 142 III 413 ff., E. 2.2.4; BGer 4A_629/2017 vom 17. Juli 2018, E. 4.1.4;
4A_418/2017 vom 8. Januar 2018, E. 2.3). Insofern gibt die Berufungsschrift
durch die ausreichend begründet vorgetragenen Beanstandungen das Prüfpro-
gramm vor, mit welchem sich die Berufungsinstanz zu befassen hat. Innerhalb
dieser Beanstandungen ist sie indes weder an die Begründung des Berufungsklä-
gers noch an jene der Vorinstanz gebunden, sondern sie wendet das Recht von
Amtes wegen an (Art. 57 ZPO). Deshalb kann die Berufung auch mit einer ande-
ren Argumentation gutgeheissen oder mit einer von der Argumentation der Vorin-
stanz abweichenden Begründung abgewiesen werden (vgl. BGer 4A_629/2017
vom 17. Juli 2018, E. 4.1.4; 4A_397/2016 vom 30. November 2016, E. 3.1). Ent-
sprechend muss ein Berufungskläger zwar darlegen, dass und inwiefern die Vor-
instanz das Recht aus seiner Sicht unrichtig angewendet hat, zutreffen muss die-
se Begründung – um eine freie Überprüfung durch die Berufungsinstanz zu erwir-
ken – aber nicht (vgl. zur ebenfalls vollen Kognition der Beschwerdeinstanz in
Rechtsfragen OGer ZH PS180131 vom 3. September 2018, E. III./3). Mit anderen
Worten muss die Rechtsschrift eine minimale rechtliche Begründung enthalten,
wenn eine unrichtige Rechtsanwendung geltend gemacht wird (vgl. etwa OGer
ZH LB140047 vom 5. Februar 2015, E. III./1a; LB160044 vom 23. Dezember
2016, E. I./4).
3. Neue Tatsachen und Beweismittel dürfen nur noch berücksichtigt werden,
wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht
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schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Die-
jenige Partei, welche vor der Berufungsinstanz das Novenrecht beanspruchen
will, hat darzutun und zu beweisen, dass diese Voraussetzungen vorliegen. Im
Falle unechter Noven hat sie namentlich die Gründe detailliert darzulegen, wes-
halb sie die Tatsache oder das Beweismittel nicht schon vor erster Instanz hat
vorbringen können (vgl. BGer 5A_330/2013 vom 24. September 2013, E. 3.5.1;
OGer ZH LB170050 vom 22. September 2017, E. II./3; LB170028 vom 30. No-
vember 2017, E. II./1.2; LB140047 vom 5. Februar 2015, E. III./1b; LB130063 vom
17. September 2014, E. II./2; LB140014 vom 3. Juni 2014, E. III./2). Die Beweis-
mittel sind so zu offerieren, dass klar ersichtlich ist, welches Beweismittel sich auf
welche Ausführung bezieht. Werden als Beweismittel Urkunden angerufen, so ist
bei umfangreicheren Urkunden sowie Urkundensammlungen stets anzugeben,
welche Stelle(n) das Ausgeführte beweisen soll(en).
4. Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 53 ZPO)
verlangt, dass das Gericht die Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechts-
stellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in der Entscheidfindung be-
rücksichtigt. Damit sich die Parteien ein Bild über die Erwägungen des Gerichts
machen können, ist sein Entscheid zu begründen. Die Begründung muss kurz die
Überlegungen nennen, von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die
sich sein Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist hingegen, dass es sich mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich der
Betroffene über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in vol-
ler Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen bzw. sachgerecht an-
fechten kann (vgl. BGE 142 III 433 ff., E. 4.3.2; 136 I 184 ff., E. 2.2.1.; 136 I
229 ff., E. 5.2; 134 I 83 ff., E. 4.1; 133 III 439 ff., E. 3.3 je mit Hinweisen). Mit an-
deren Worten kann sich das Gericht bei der Begründung auf die für den Entscheid
wesentlichen Punkte beschränken (vgl. BGE 141 III 28 ff., E. 3.2.4; 139 V 496 ff.,
E. 5.1; 138 I 232 ff., E. 5.1).
5. Die Berufung hemmt die Rechtskraft und die Vollstreckbarkeit des angefoch-
tenen Entscheids im Umfang der Anträge (Art. 315 Abs. 1 ZPO). Die Berufungs-
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klägerin verlangt die Aufhebung resp. Abänderung der Dispositiv-Ziffern 3, 5, 7
und 8, welche den nachehelichen Unterhalt, das Güterrecht sowie die Kosten-
und Entschädigungsfolgen betreffen. Die übrigen Dispositiv-Ziffern sind nicht an-
gefochten und damit nach Ablauf der Frist für die Berufungsantwort am 24. Au-
gust 2020 rechtskräftig geworden. Dies ist vorzumerken.
6. Die Berufungsklägerin beantragt, es sei festzustellen, dass die Vorinstanz
das Gebot der beförderlichen Prozessbehandlung verletzt habe. Es ist indes nicht
ersichtlich und wird auch von der Berufungsklägerin nicht dargelegt, worin ein
entsprechendes Feststellungsinteresse der Berufungsklägerin bestehen sollte,
weshalb auf diesen Antrag mangels Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten ist.
Dasselbe gilt für ihren Antrag, es sei festzustellen, dass die Vorinstanz infolge
nicht vorgenommener Urkundeneditionen eine formelle Rechtsverweigerung be-
gangen habe. Wie sich aus der Berufungsbegründung schliessen lässt, scheint es
der Berufungsklägerin in diesem Zusammenhang um Urkunden zu gehen, welche
die Vorinstanz ihrer Meinung nach von der Gegenseite hätte edieren lassen sol-
len, damit die Berufungsklägerin ihren Unterhaltsanspruch hätte substantiieren
können (act. 240 Rz 40). Auf die entsprechenden vorinstanzlichen Erwägungen
im Zusammenhang mit dem Unterhaltsanspruch wird im Nachfolgenden, soweit
die Berufungsklägerin den angefochtenen Entscheid hinreichend konkret bemän-
gelt, näher einzugehen sein.
Anzumerken bleibt, dass das vorinstanzliche Verfahren in der Tat lange,
nämlich gut fünf Jahre, gedauert hat. Indes haben sich das die Parteien selbst zu-
zuschreiben, haben sie doch immer wieder neue (Noven-)Eingaben und Stellung-
nahmen eingereicht und insgesamt deren fünf Massnahmenbegehren gestellt –
welche ihrerseits in zwei Fällen durch die Kammer zu beurteilen waren –, wie sich
aus der oben (Ziff. I.2.) geschilderten Prozessgeschichte ergibt. Ebenfalls ergibt
sich aus der Prozessgeschichte und den beigezogenen vorinstanzlichen Verfah-
rensakten, dass keinerlei unerklärlich lange Dauer der Untätigkeit der Vorinstanz
auszumachen ist, und solches wird von der Berufungsklägerin in der Berufungs-
schrift denn auch nicht behauptet. Es ist bei dieser Sachlage eigentlich müssig
darauf hinzuweisen, dass einer Haftungsklage, welche die (nota bene anwaltlich
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vertretene) Berufungsklägerin wegen dem angeblich erlittenen Nachteil – die we-
gen der monierten Verfahrensverzögerung nicht früher mögliche Wiederverheira-
tung – eigenen Angaben zufolge prüft (act. 240 Rz 25), von vornherein jede
Grundlage fehlt.
III. Materielles
1. In der Sache wendet sich die Berufungsklägerin gegen das vorinstanzliche
Urteil bezüglich Unterhaltsbeiträgen (Dispositiv-Ziffer 3; nachfolgend Ziff. 2.) und
Güterrecht (Disp.-Ziff. 5, nachfolgend Ziff. 3.). Vorab indes macht sie Ausführun-
gen zum Beweis- und Novenrecht (act. 240 Rz 27 ff.). Sie macht geltend, an der
Hauptverhandlung vom 15. September 2017 sowie mit Noveneingabe vom 18. Ju-
li 2018 Unterlagen zum Wert des Unternehmens des Ehemanns eingereicht zu
haben, welche die Vorinstanz in Verletzung ihres Beweis- resp. Beweisabnahme-
anspruchs nicht berücksichtigt habe (act. 240 Rz 31 ff., Rz 63).
Dazu ist vorab festzuhalten, dass bei den hier zu beurteilenden Scheidungs-
nebenfolgen die Verhandlungsmaxime gilt und vorliegend der Hauptverhandlung
ein doppelter Schriftenwechsel vorangegangen ist (vgl. oben, Ziff. I.2.). Damit wa-
ren – nach Abschluss des doppelten Schriftenwechsels – Noven nur noch unter
den Voraussetzungen von Art. 229 Abs. 1 ZPO zulässig. Die Berufungsklägerin
bringt in der Berufung weder bezüglich der an der Hauptverhandlung eingereich-
ten Berichte aus den Jahren 2011 resp. 2016 noch bezüglich der Bilanzen und Er-
folgsrechnungen aus den Jahren 2011 bis 2015 vor, dass sie diese "ohne Verzug"
im Sinne von Art. 229 Abs. 1 ZPO vorgebracht hätte. Sie macht überdies auch
nicht geltend, solcherlei im Verfahren vor Vorinstanz geltend gemacht zu haben.
Die Vorinstanz hat diese Vorbringen damit zu Recht als verspätet erachtet. Selbst
wenn die Berufungsklägerin sowohl vor Vorinstanz wie auch in der Berufung dar-
gelegt hätte, dass die Voraussetzungen von Art. 229 Abs. 1 ZPO erfüllt gewesen
wären, so übersieht sie Folgendes: Die Vorinstanz hat festgehalten, dass es die
Berufungsklägerin bereits versäumt hatte, im doppelten Schriftenwechsel Be-
hauptungen zum Unternehmenswert im massgeblichen Zeitpunkt aufzustellen,
weshalb sich Ausführungen zu den offerierten Beweismitteln insoweit erübrigten,
als es an den rechtzeitigen Behauptungen gebreche, welche mittels der als No-
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ven eingereichten Beweismitteln hätten bewiesen werden sollen (act. 249 E. 6.7.).
Diese Feststellung der Vorinstanz blieb unangefochten. Es hat damit sein Bewen-
den.
2. Die Vorinstanz hat der Berufungsklägerin entgegen deren Antrag keinen
nachehelichen Unterhalt zugesprochen. Sie begründet dies auf den Punkt ge-
bracht (vgl. für die ausführliche Begründung act. 249 E. 4.3.1. ff. S. 12-16) damit,
dass sich die Berufungsklägerin in den Rechtsschriften damit begnügt habe, auf
die Bemessung des Unterhaltsbeitrags im obergerichtlichen Eheschutzurteil vom
2. Februar 2012 zu verweisen und eine Veränderung des Einkommens zu bestrei-
ten. Sie sei damit ihrer Substantiierungspflicht (recte: Substantiierungslast) nicht
nachgekommen und scheine zu übersehen, dass sie, anders als in den durch die
Gegenseite initiierten Massnahmenverfahren betreffend Aufhebung der Ehegat-
tenunterhaltsbeiträge, im vorliegenden Scheidungsverfahren behauptungs- und
beweisbelastet sei. Im Übrigen habe es die Berufungsklägerin versäumt, Ausfüh-
rungen zur Berechnung des nachehelichen Unterhalts sowie zu ihrem aktuellen
gebührenden Bedarf, erst recht mit der erforderlichen Bezifferung der einzelnen
Bedarfspositionen, zu machen; auch Behauptungen zum Bedarf des Berufungs-
beklagten würden vollumfänglich fehlen.
Es wird in der Berufung nicht geltend gemacht, im vorinstanzlichen Verfah-
ren seien entgegen den soeben zusammenfassend wiedergegebenen Erwägun-
gen der Vorinstanz Ausführungen zur Berechnung des nachehelichen Unterhalts
und insbesondere zur Berechnung des aktuellen (gebührenden) Bedarfs der Par-
teien gemacht worden. Letzteres wäre aber auf jeden Fall, erst recht auch bei
Anwendung der einstufig-konkreten Berechnungsmethode, nötig gewesen (vgl.
FamKomm Scheidung, 3. A. 2017, AESCHLIMANN/BÄHLER, Anh. UB N 154 ff.).
Auch darauf hat bereits die Vorinstanz hingewiesen. Wenn die Berufungsklägerin
die entsprechende Aufstellung nunmehr in der Berufung nachholt (act. 240 Rz 53
ff., mit sinngemässem Verweis auf Rz 78), so ist sie damit deutlich verspätet
(Art. 317 Abs. 1 ZPO). Schon aus diesem Grund hat es bei der vorinstanzlichen
Entscheidung sein Bewenden. Es ist schliesslich darauf hinzuweisen, dass die
Vorinstanz überdies zu Recht Folgendes festgehalten hat: Die von der Beru-
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fungsklägerin zu den ungenügenden Behauptungen offerierten Beweise in Form
von Editionsbegehren der Geschäftsbücher inkl. Kundenlisten sowie sämtlicher
relevanter Unterlagen wie Bilanzen und Erfolgsrechnungen seit 2010, aller Ge-
schäftskonten, welche jede Ein- und Auszahlungen ausweisen würden (vgl.
act. 249 E. 4.4.3.), sind nicht nur unspezifisch, sondern müssten überdies konkre-
ten Behauptungen zugeordnet werden können (vgl. oben, Ziff. II.3.). Es ist nicht
Aufgabe des Gerichts, in den Rechtsschriften der Parteien diejenigen Behauptun-
gen zusammenzusuchen, die zu einer Beweisofferte passen und umgekehrt, son-
dern es wäre an der anwaltlich vertretenen Partei gewesen, substantiierte Tatsa-
chenbehauptungen und konkrete dazugehörende Beweisofferten aufzustellen,
damit nachvollziehbar ist, welche Tatsache mit welchen Beweismitteln bewiesen
werden soll (act. 249, a.a.O.). Auch dies hat die Berufungsklägerin in der Beru-
fung zu Recht nicht in Frage gestellt.
Zusammenfassend vermag daher die Berufungsklägerin mit ihrer Berufung
nicht durchzudringen, soweit sie in Abänderung des angefochtenen Urteils die
Zusprechung von nachehelichen Unterhaltsbeiträgen verlangt.
3. In güterrechtlicher Hinsicht hat die Vorinstanz die Berufungsklägerin zu einer
Ausgleichszahlung in der Höhe von Fr. 32'500.– verpflichtet (act. 249 Dispositiv-
Ziffer 5). Die Berufungsklägerin wehrt sich in der Berufung dagegen (act. 240
Rz 59-62; nachfolgend Ziff. 3.1). Sie beantragt, es sei vielmehr der Berufungsbe-
klagte zu einer güterrechtlichen Ausgleichszahlung von insgesamt Fr. 416'058.80
zu verpflichten. Auf ihre diesbezüglichen Ausführungen (act. 240 Rz 63-70) ist im
Folgenden, soweit geboten, unter Ziff. 3.2 einzugehen.
3.1 Die Vorinstanz hat festgehalten, die Berufungsklägerin habe nach der Dar-
stellung des Berufungsbeklagten am 24. September 2010 von einem Konto des
Berufungsbeklagten bei der F._ [Bank] Fr. 65'000.– abgehoben und diese
Mittel zu einem Wohnungskauf in G._ [Ort] verwendet, was die Berufungs-
klägerin weder in der Klageantwort noch in der Duplik bestritten habe. Soweit die
Berufungsklägerin in ihren Eingaben vom 14. Mai und 18. Juli 2018 behauptet
habe, mit dem vom Geschäftskonto abgehobenen Betrag von Fr. 65'000.– lau-
fende Geschäftskreditoren bezahlt zu haben, sei dies verspätet, zumal sie auch
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keinerlei Ausführungen dazu mache, weshalb sie diese Vorbringen nicht bereits in
der Klageantwort resp. Duplik hätte vorbringen können. Es sei daher davon aus-
zugehen, dass die Berufungsklägerin aus dem Geschäftskonto, welches gemäss
der Vermutung von
Art. 200 Abs. 3 ZGB Errungenschaft gebildet habe, Fr. 65'000.– abgehoben habe.
Mit dem Besitz am Bargeld sei sodann auch das Eigentum daran auf die Beru-
fungsklägerin übergegangen. Dem Berufungsbeklagten stehe damit eine güter-
rechtliche Ausgleichsforderung gegenüber der Berufungsklägerin in der Höhe von
Fr. 32'500.– (Fr. 65'000.– / 2) zu (act. 249 E. 6.2. f. S. 20 f.).
Die Berufungsklägerin rügt dies als Rechtsverletzung, da die Vorinstanz
entgegen der gesetzlichen Vorgabe die Güterstände nicht im massgeblichen Zeit-
punkt der güterrechtlichen Auseinandersetzung ausscheide. Im Zeitpunkt der Auf-
lösung des Güterstands sei sie jedoch – wie schon zuvor und auch heute noch –
bedürftig gewesen und habe insbesondere nicht mehr über Mittel in der Höhe von
Fr. 65'000.– verfügt, wie dies ja auch aus dem angefochtenen Urteil hervorgehe
(act. 240 Rz 61).
Die Rüge ist begründet. Gemäss Art. 204 Abs. 1 i.V.m. Art. 207 Abs. 2 ZGB
wird der Güterstand mit der Einreichung des Scheidungsbegehrens aufgelöst,
mithin vorliegend per 16. Februar 2015. Aus dem vorinstanzlichen Urteil geht her-
vor – und dies ist unangefochten geblieben –, dass der betreffende Kaufvertrag
über die Wohnung bereits Mitte 2013 rückabgewickelt und der zurückgeflossene
Kaufpreis bis zum güterrechtlichen Stichtag bereits verbraucht worden war
(act. 249 E. 6.4.). Damit gab es diesbezüglich bei der Auflösung des Güterstands
keinen Vermögenswert, der gemäss Art. 207 Abs. 1 ZGB hätte ausgeschieden
werden können. Im vorinstanzlichen Verfahren wurde sodann von keiner Seite je
behauptet, es liege ein Fall von Hinzurechnung gemäss Art. 208 ZGB vor. Nach
der Feststellung der Vorinstanz verfügte die Berufungsklägerin vielmehr bei Auf-
lösung des Güterstands über kein Vermögen mehr (act. 249 E. 6.6.), mithin also
weder über Errungenschaft noch über Eigengut. Wenn sich der Berufungsbeklag-
te in der Berufungsantwort – wie schon im vorinstanzlichen Verfahren – auf den
Standpunkt stellt, die Berufungsklägerin habe (implizit: bei Auflösung des Güter-
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stands) sehr wohl über Vermögen verfügt (act. 247 S. 3 f.), so ist dies unbeacht-
lich, hat doch der Berufungsbeklagte die entsprechende Feststellung der Vor-
instanz nicht angefochten. Demnach scheidet auch eine allfällige Ersatzforderung
zwischen Errungenschaft und Eigengut gemäss Art. 209 ZGB aus, und ein Vor-
schlag im Sinne von Art. 210 ZGB ist ausgeschlossen. Bei Auflösung des Güter-
stands per 16. Februar 2015 stand dem Berufungsbeklagten mangels Errungen-
schaft auf Seiten der Berufungsklägerin damit keine güterrechtliche Forderung
von Fr. 32'500.– gegenüber der Berufungsklägerin zu. Das vorinstanzliche Urteil
ist in diesem Punkt zu korrigieren.
3.2 Wenn die Berufungsklägerin indes darüber hinaus in der Berufungsschrift
geltend macht, ihr stünden insgesamt Fr. 416'058.80 an güterrechtlichen Aus-
gleichszahlungen zu (act. 240 Rz 63-70), so ist dem Folgendes entgegen zu hal-
ten:
Soweit sie diesen Anspruch auf ihre Vorbringen in der vorinstanzlichen Ein-
gabe vom 14. Mai 2018 (act. 157) stützen möchte – so betreffend Ansprüche aus
angeblich angeeigneten Vermittlungsprovisionen und Luxusfahrzeugen –, so ist
die Berufungsklägerin daran zu erinnern, dass diese Eingabe nach längst abge-
schlossenem doppelten Schriftenwechsel erfolgt ist (auch wenn sie mit "Duplik"
überschrieben ist und in der Berufungsschrift als "Duplikschrift" zitiert wird,
act. 240 Rz 66; es handelt sich um den zweiten Vortrag im Rahmen der Haupt-
verhandlung, welche nach doppeltem Schriftenwechsel durchgeführt worden war,
vgl. oben, Ziff. I.2.). Die Berufungsklägerin bringt in der Berufung nicht vor, dass
sie bereits vor Vorinstanz geltend gemacht hätte, dass die dort gemachten Vor-
bringen im Sinne von Art. 229 Abs. 1 ZPO zulässig gewesen wären, was ihr indes
bereits mit deren nach dem Fall der Novenschranke erfolgten Vortrag obgelegen
hätte. Auch in der Berufung sucht man eine stichhaltige Begründung hierzu (die
freilich ihrerseits verspätet wäre) vergeblich. Es hilft auch nicht, wenn die Beru-
fungsklägerin überdies erst in der Berufung die entsprechenden Ansprüche bezif-
fert (so bezüglich des Anspruchs betreffend die Fahrzeuge, act. 240 Rz 66) resp.
neu beziffert (bezüglich Vermittlungsprovisionen nunmehr Fr. 29'500.– gegenüber
vorinstanzlich offenbar noch geforderten Fr. 24'500.–, vgl. act. 240 Rz 64 und
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act. 249 E. 6.8.), macht sie doch erneut nicht geltend, die entsprechenden neuen
Tatsachen ohne Verzug vorgebracht zu haben und dass sie diese trotz zumutba-
rer Sorgfalt nicht schon vor Vorinstanz hätte vorbringen können. Beides wäre
(kumulativ) Voraussetzung (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Das gölte im Übrigen auch,
soweit die Berufungsklägerin mit der Berufung eine Klageänderung beabsichtigen
würde (vgl. act. 240 Rz 64 und dazu Art. 317 Abs. 2 lit. b ZPO, welche sich auf
Abs. 1 dieser Bestimmung bezieht, vgl. Urteil der Kammer LB140058 vom 2. Sep-
tember 2014, E.1.1; ZK ZPO-REETZ/HILBER, Art. 317 N 86). Soweit die Berufungs-
klägerin diesen Anspruch auf eine Gewinnbeteiligungsforderung an der Gesell-
schaft des Berufungsbeklagten resp. auf deren Unternehmenswert stützen möch-
te (act. 240 Rz 63, Rz 68 f.), sei auf die obige Erwägung zum verspäteten Vortrag
betreffend Unternehmenswert verwiesen (oben, Ziff. 1.). Im Übrigen wird von der
Berufungsklägerin auch gar nicht erst geltend gemacht, dass die in der Berufung
hierzu gemachten Bezifferungen bereits vor Vorinstanz vorgenommen worden
wären, und solches ergibt sich auch nicht aus dem angefochtenen Urteil.
3.3 Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass in güterrechtlicher Hinsicht
entgegen der Vorinstanz kein Anspruch des Berufungsbeklagten gegenüber der
Berufungsklägerin besteht. Entgegen der Ansicht der Berufungsklägerin bestehen
indes auch keine güterrechtlichen Ansprüche gegenüber dem Berufungsbeklag-
ten.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Berufungsklägerin unterliegt mit ihren Berufungsanträgen fast vollum-
fänglich: Insgesamt möchte sie das angefochtene Urteil um einen Betrag von
Fr. 830'158.80 zu ihren Gunsten korrigiert haben (Kapitalwert der beantragten Un-
terhaltsbeiträge von monatlich Fr. 2'650.– bis Mai 2032 von Fr. 381'600.– [vgl.
act. 240 Rz 74] sowie Erhalt einer güterrechtlichen Ausgleichszahlung von
Fr. 416'058.80 und Aufhebung ihrer güterrechtlichen Ausgleichszahlungspflicht
von Fr. 32'500.–). Lediglich im Umfang von Fr. 32'500.– resp. von 3,9% des Ge-
forderten ist der Berufung Erfolg beschieden. Damit sind die Kosten des Beru-
fungsverfahrens grundsätzlich zu 96% der Berufungsklägerin und zu 4% dem Be-
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rufungsbeklagten aufzuerlegen, unter Vorbehalt der folgenden Ausführungen zur
unentgeltlichen Rechtspflege.
2. Die Höhe der Gerichtskosten im angefochtenen Urteil wurde im Berufungs-
verfahren nicht in Frage gestellt. Die beantragte Auferlegung der vorinstanzlichen
Gerichtskosten an die Gegenseite wird mit der fast vollumfänglichen Abweisung
der Berufung hinfällig. Dasselbe gilt für den Antrag, dem Berufungsbeklagten für
das vorinstanzliche Verfahren eine Parteientschädigung aufzuerlegen. Es ist des-
halb das vorinstanzliche Kostendispositiv (Dispositiv-Ziffern 7 und 8) zu bestäti-
gen.
3.1 Die Berufungsklägerin beantragt für das Berufungsverfahren, es sei die Ge-
genseite zu einem Prozesskostenvorschuss in der Höhe von Fr. 57'250.– zu ver-
pflichten, eventualiter sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen
(act. 240 S. 2 Ziff. 2; Wortlaut des Antrags, abgedruckt oben, S. 5). Die aus der
ehelichen Beistands- und Unterhaltspflicht herrührende Pflicht zur Leistung eines
Prozesskostenvorschusses setzt neben der Leistungsfähigkeit des entsprechen-
den Ehegattens einerseits die Bedürftigkeit der gesuchstellenden Partei und an-
dererseits die Nichtaussichtslosigkeit ihrer Begehren voraus (vgl. OGer ZH,
PC150059 vom 30. November 2015, E. 3.3.1).
3.2 Sowohl der Antrag auf Leistung eines Prozesskostenvorschusses durch die
Gegenseite wie auch das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspfle-
ge setzen voraus, dass das / die Rechtsbegehren nicht aussichtslos sind. Die Be-
rufung ist zwar im Umfang von Fr. 32'500.– gutzuheissen, doch die Berufungsklä-
gerin hat sich offensichtlich überklagt, obsiegt sie doch nur im Umfang von 3,9%
(vgl. oben, Ziff. 1), und auch bezogen auf die güterrechtlichen Ansprüche als vom
Unterhaltsanspruch losgelöstes Begehren obsiegt die Berufungsklägerin lediglich
im Umfang von 7,2%. Damit wäre schon in einem erstinstanzlichen Verfahren
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Aussichtslosigkeit der Begehren
anzunehmen, denn es geht nicht an, dass die bedürftige Partei auf Kosten der
Gegenseite bzw. des Steuerzahlers einen überhöhten Streitwert verfolgt und so
offensichtlich unnötige Kosten generiert (BGE 142 III 138 E. 5.7). Das gilt umso
mehr für ein Rechtsmittelverfahren, wo der gesuchstellenden Partei, anders als im
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erstinstanzlichen Verfahren, eine einlässliche gerichtliche Beurteilung der Rechts-
und Sachlage vorliegt, die ihr zur Abschätzung der Erfolgsaussichten zumindest
Hinweise liefern könnte. Demnach ist das für das vorliegende Berufungsverfahren
gestellte Begehren um Auferlegung eines Prozesskostenvorschusses an die Ge-
genseite resp. um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege zufolge Aus-
sichtslosigkeit abzuweisen.
4. Der Streitwert der vorliegenden Berufung beträgt Fr. 830'158.80. Die Ent-
scheidgebühr ist demnach gestützt auf § 4 Abs. 1 GebV OG zu bestimmen und
gemäss § 4 Abs. 2 GebV OG um die Hälfte zu ermässigen; sie ist damit auf
Fr. 13'000.– festzusetzen. Sie ist im Umfang von Fr. 12'500.– der Berufungskläge-
rin und im Umfang von Fr. 500.– dem Berufungsbeklagten aufzuerlegen. Nach-
dem die Berufungsantwort auf Dispositiv-Ziffer 5 des angefochtenen Urteils (Zu-
sprechung einer güterrechtlichen Forderung von Fr. 32'500.– an den Berufungs-
beklagten) beschränkt war, hatte sich der Berufungsbeklagte zu sämtlichen Punk-
ten, in denen die Berufungsklägerin unterliegt, nicht zu äussern, so dass die Beru-
fungsklägerin mangels zu ersetzender Aufwendungen dem Berufungsbeklagten
keine Parteientschädigung auszurichten hat. Hinsichtlich der genannten güter-
rechtlichen Forderung identifizierte sich der unterliegende Berufungsbeklagte mit
dem vorinstanzlichen Urteil und schuldet diesbezüglich eine Parteientschädigung.
Sie ist in Anwendung von § 4 Abs. 1 AnwGebV auf Fr. 1'400.– (inkl. Mehrwert-
steuer) festzulegen.