Decision ID: f518113e-0536-45de-a4af-258c64a5de18
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Sozialamt der Stadt A._,
Beschwerdeführer 1,
und
T._,
Beschwerdeführerin 2,
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gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur IV iS S._
Sachverhalt:
A.
A.a S._, Jahrgang 2003, (nachfolgend: Versicherte) wurde von ihrer Mutter T._ im
August 2006 zum Bezug von Ergänzungsleistungen (EL) zur Invalidenrente der Mutter
angemeldet (EL-act. 20). Die von der EL-Durchführungsstelle am 29. August 2006
vorgenommene EL-Berechnung für die Mutter ergab einen Einnahmenüberschuss von
Fr. 5'496.- (EL-act. 18). Dieser wurde in der separaten EL-Berechnung der Tochter bei
den Einnahmen angerechnet (EL-act. 19).
A.b Mit Verfügung vom 5. September 2006 sprach die EL-Durchführungsstelle der
Versicherten persönlich ab Juli 2006 monatliche EL von Fr. 227.- zu (Verfügung 1). Sie
anerkannte bei den Ausgaben den Betrag von Fr. 9'225.- unter dem Titel
"Lebensbedarf für Nichtheimbewohner" und zudem den Betrag von Fr. 8'415.- als
"Mehrkosten bei Aufenthalt bei Dritten" (EL-act. 13). Gegen diese Verfügung erhob das
Sozialamt der Stadt A._ am 27. September 2006 Einsprache. Es beantragte die EL-
Neuberechnung unter Berücksichtigung der Tagestaxe und des Betrags für persönliche
Auslagen im Sinn von Art. 3b Abs. 2 aELG sowie der
Krankenkassendurchschnittsprämien im Sinn von Art. 3b Abs. 3 lit. d aELG (EL-
act. 11). Der Rechtsdienst der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA)
sistierte das Verfahren auf Antrag des Sozialamts am 3. Oktober 2006 bis zum
Vorliegen eines rechtskräftigen Entscheids in einem vergleichbaren Fall (EL-act. 10).
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A.c Mit Verfügung vom 29. Dezember 2006 (Verfügung 2) wies die EL-Durchführungs
stelle einen EL-Anspruch der Versicherten ab Januar 2007 zufolge Einnahmen
überschusses ab (EL-act. 8). Dagegen erhob das Sozialamt am 2. Februar 2007
ebenfalls Einsprache (EL-act. 7). Der Rechtsdienst der SVA vereinigte die beiden
Einsprachen am 5. Februar 2007 und bestätigte die Sistierung (EL-act. 9).
A.d Mit Schreiben vom 10. April 2007 hob der Rechtsdienst der SVA die Sistierung
auf, weil der Einspracheentscheid im Parallelfall rechtskräftig geworden sei (EL-act. 6).
In der ergänzenden Begründung vom 25. April 2007 hielt das Sozialamt am
ursprünglichen Antrag fest. Eventualiter seien für die Versicherte der Höchstbetrag für
den allgemeinen Lebensbedarf sowie Mietkosten und Krankenkassen-
Durchschnittsprämien anzurechnen, unter Kostenfolge (EL-act. 3).
A.e Der Rechtsdienst der Sozialversicherungsanstalt wies die Einsprachen mit
Entscheid vom 20. August 2007 ab. Da S._ keinen selbstständigen Rentenanspruch
habe, könne auch kein eigener EL-Anspruch entstehen. Die Mutter T._ beziehe keine
EL. Man hätte der Tochter somit überhaupt keine EL zusprechen dürfen. Eine
Rückforderung der mit Verfügung 1 zugesprochenen EL behalte man sich ausdrücklich
vor (act. G 1.1).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde des Sozialamts
vom 13. September 2007. Es beantragt die Aufhebung des Entscheids. Die EL der
Versicherten seien unter Anrechnung der Tagestaxe und des Betrags für persönliche
Auslagen sowie der Krankenkassen-Durchschnittsprämie neu zu berechnen und der
Versicherten seien entsprechend EL zuzusprechen. Das Verfahren sei bis zum
rechtskräftigen Entscheid im Parallelfall EL 2007/37 zu sistieren, alles unter Kosten-
und Entschädigungsfolge. Eine gesonderte EL-Berechnung sei auch dann
vorzunehmen, wenn das Einkommen der Eltern deren eigenen Unterhalt und den der
übrigen unterhaltsberechtigten Familienangehörigen übersteige. Die Versicherte sei seit
13. Juli 2006 im Säuglings- und Kinderheim B._ dauernd fremdplatziert. Die
effektiven Kosten betrügen Fr. 249.- bzw. ab 1. Januar 2007 Fr. 258.- pro Tag. Mit den
von der Beschwerdegegnerin in der EL-Berechnung anerkannten Ausgaben würden die
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effektiven Kosten der Versicherten nicht gedeckt. Bei den Ausgaben sei unter anderem
die für das Heim geschuldete Tagestaxe anzurechnen. Für den Fall des Obsiegens
beantragt das Sozialamt eine Parteientschädigung in der Höhe von 60% des Honorars
gemäss Honorarordnung (act. G 1).
B.b Der zuständige Verfahrensleiter des Gerichts sistierte das Verfahren am 17.
September 2007 bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Entscheids im Verfahren
EL 2007/37 (act. G 2). Am 5. Dezember 2008 hob er die Sistierung auf (act. G 6). In der
Beschwerdeergänzung vom 16. Januar 2009 hielt das Sozialamt an seinen Anträgen
fest. Unter Verweis auf den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 11. März 2008 hält das Sozialamt fest, es habe eine gesonderte EL-
Berechnung stattzufinden. Die daraus resultierende EL stehe demjenigen Elternteil zu,
der originär rentenberechtigt sei. Somit stehe der EL-Anspruch von T._ zur
Diskussion. Ihre Tochter habe vom 1. Juli 2006 bis 15. März 2008 im Säuglings- und
Kinderheim gelebt. Inzwischen sei sie wieder zur Mutter zurückgekehrt. Für die Dauer
ihres Heimaufenthalts sei die Berechnungsweise für Personen, die dauernd oder
längere Zeit im Heim lebten, anzuwenden. Das Kinderheim B._ sei ein Heim im EL-
rechtlichen Sinn. Folglich sei die effektive Tagestaxe sowie ein Beitrag für persönliche
Auslagen anzurechnen (act. G 7).
B.c Die Beschwerdegegnerin ersetzte mit drei Verfügungen vom 12. Februar 2009 den
angefochtenen Einspracheentscheid. Für die Zeit von Juli 2006 bis März 2008 sprach
sie der Versicherten EL in der Höhe von monatlich Fr. 4'422.- für das Jahr 2006,
Fr. 4'527.- für das Jahr 2007 und Fr. 4'529.- für das Jahr 2008 zu (EL-act. 29-31). Mit
Schreiben vom 12. Februar 2009 verweist sie auf die neuen Verfügungen und beantragt
die Abschreibung der Beschwerde (act. G 9).
B.d Das Sozialamt wendet sich im Schreiben vom 9. März 2009 gegen die
Abschreibung des Verfahrens, weil es mit den neuen Verfügungen nicht vollumfänglich
einverstanden sei. In der EL-Berechnung seien die gesamte Tagestaxe und der Beitrag
für persönliche Auslagen zu berücksichtigen. Entgegen der Behauptung der
Beschwerdegegnerin im Beiblatt zur Verfügung vom 12. Februar 2009 handle es sich
beim Kinderheim B._ um ein Heim im EL-rechtlichen Sinn. Deshalb seien nicht nur
die von der Beschwerdegegnerin angerechnete Tagestaxe von Fr. 180.-, sondern die
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effektiven Tagestaxen (Fr. 232.- im Jahr 2006, Fr. 258.- in den Jahren 2007 und 2008)
zu berücksichtigen (act. G 11).
B.e Im Schreiben vom 15. April 2009 stellt sich die Beschwerdegegnerin auf den
Standpunkt, dass bei der Versicherten aufgrund der gesonderten Berechnung nicht wie
bei einem IV-Rentner oder einem Waisenkind die Heimtaxe bis zum Höchstansatz
berücksichtigt werden könne. Vielmehr fehle diese Kategorie von Bezügern im EL-
Recht. Es erscheine angemessen, die Tagestaxe in der Höhe von Fr. 180.- für nicht
anerkannte Pflegeheime in der EL-Berechnung als Ausgabe einzusetzen. Die
Verfügungen vom 12. Februar 2009 seien rechtmässig (act. G 13).
B.f Auf entsprechende Anfrage des Gerichts vom 13. Mai 2009 (act. G 15) äussert
sich T._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin 2) mit Schreiben vom 27. Mai 2009 zum
Verfahren. Sie weist darauf hin, dass ihre Mietausgaben sich ab August 2007 auf
Fr. 790.-, ab August 2008 auf Fr. 820.- und ab Februar 2009 auf Fr. 850.- monatlich
belaufen hätten. Betreffend ihre Tochter weist sie darauf hin, dass das Sozialamt
lediglich den Aufenthalt im B._ und die Krankenkassenprämien bezahlt habe. Für den
Rest sei sie selbst aufgekommen. Dieser Betrag hätte ihr vom Sozialamt rückerstattet
werden müssen. Die Tochter habe sich auch in der Zeit der Fremdplatzierung im B._
regelmässig bei ihr aufgehalten. In diesen Zeiten sei sie für ihren Unterhalt
aufgekommen. Sie habe ihre IV-Rente und Unterhaltsbeiträge von Fr. 1'151.- monatlich
dem Sozialamt abgeben müssen. Die Tagesansätze des B._ von Fr. 230.- seien ihres
Erachtens nicht gerechtfertigt. Mindestens an jenen Tagen, an denen die Tochter bei
ihr gewesen sei, hätte ein reduzierter Ansatz verrechnet werden müssen. Grundsätzlich
gelte zu prüfen, ob die in den EL berücksichtigten "Persönlichen Auslagen für
Heimbewohner" von Fr. 490.- monatlich nicht ihr zugestanden hätten resp. sie diese
noch vom Sozialamt zugute hätte (act. G 17).
B.g Das Sozialamt liess sich am 26. Juni 2009 zur Eingabe der Beschwerdeführerin 2
vernehmen. In der Zeit des Aufenthalts von S._ seien insgesamt Kosten in der Höhe
von Fr. 140'815.- angefallen. Abzüglich der Renten, Taggelder/Zuschüsse und
Alimentenzahlungen des Vaters sowie der Rückerstattungen der Krankenkasse bleibe
ein Betrag von Fr. 49'248.35 ungedeckt. Die Tagestaxe werde vom Heim für jeden Tag
des Monats in Rechnung gestellt, also auch für die Wochenenden und anderen Tage,
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an denen sich das Kind nicht im Heim aufhalte. Die Beschwerdeführerin 2 habe
lediglich mit der Abtretung der IV-Kinderrente an das Sozialamt ihren Beitrag an den
Heimaufenthalt der Tochter bezahlt; einen weitergehenden Beitrag habe sie aufgrund
ihrer finanziellen Situation nicht geleistet (act. G 19).

Erwägungen:
1.
1.1 Vorliegend hat das Sozialamt der Stadt A._ im eigenen Namen Beschwerde
gegen den Einspracheentscheid vom 20. August 2007 erhoben. Diesem Amt kommt
keine eigene Rechtspersönlichkeit zu, womit ihm an sich gemäss BGE 123 II 371
Erw. 2d die Legitimation fehlt. Das Sozialamt kann aber zwanglos als Vertreter der
Stadt betrachtet werden. Schliesslich ist zu beachten, dass es direkt für die Stadt
handelt; seine Entscheide sind gemäss Art. 1 Abs. 1 des städtischen Reglements über
den Weiterzug von Verfügungen und Entscheidungen unterer Instanzen (sRS 93.2)
unmittelbar bei der kantonalen Rekursinstanz anfechtbar. Die erforderliche Legitimation
im Sinn von Art. 59 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ist ihm auch deshalb nicht abzusprechen,
weil die Sozialhilfe in einer besonders nahen Beziehung zur EL-Streitsache steht. EL
und Sozialhilfe berühren sich koordinationsrechtlich ganz allgemein sehr eng (vgl.
Art. 22 Abs. 4 der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenversicherung [ELV; SR 831.301] i.V.m. Art. 22 Abs. 2 ATSG, ferner Art. 20
ATSG sowie Art. 20 Abs. 1 ELV i.V.m. Art. 67 der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung [AHVV; SR 831.101]). Die Sozialhilfe kann punkto
Legitimation im Koordinationsstreit zudem nicht mit guten Gründen schlechter gestellt
werden als die eigentlichen Sozialversicherungen (Art. 49 Abs. 4 ATSG). Da auch die
übrigen prozessualen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde des
Sozialamts einzutreten (vgl. Urteil EL 2004/2 des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 15. Juni 2004, Erw. 2, bestätigt durch das Urteil P 37/04 des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 26. November 2004, Erw. 1; vgl. auch den
Bundesgerichtsentscheid 8C_624/2007 vom 20. Mai 2008, Erw. 3.1).
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1.2 Die nicht anwaltlich vertretene T._ hat ihren Beschwerdewillen mit Schreiben
vom 27. Mai 2009 sinngemäss zum Ausdruck gebracht. Sie ist somit ebenfalls als
Beschwerdeführerin zu betrachten.
1.3 Nicht zum Streitgegenstand zählen allfällige Ansprüche der Beschwerdeführerin 2
gegenüber dem Beschwerdeführer 1. Diesbezüglich hat sich die Beschwerdeführerin 2
vorzugsweise nach rechtskräftigem Abschluss des vorliegenden Verfahrens bzw.
dessen allfälliger Weiterungen direkt an den Beschwerdeführer 1 zu wenden.
2.
Auf den 1. Januar 2008 ist das neue Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen zur
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30) in Kraft getreten.
Es ersetzt das ELG vom 19. März 1965 in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen
Fassung. Im vorliegenden Verfahren ist der Zeitraum Juli 2006 bis März 2008 strittig;
drei Monate liegen also in der Zeit nach Inkrafttreten des neuen ELG. Vor dem
Hintergrund des Grundsatzes der Nichtrückwirkung von Gesetzen erscheint es als
gerechtfertigt, bis Ende 2007 das alte ELG und ab 2008 das neue ELG zur Anwendung
zu bringen.
3.
3.1 Die Anspruchsberechtigung gemäss Art. 4 ELG (Art. 2 i.V.m. Art. 2a bis 2d aELG)
ist auf jene Personen beschränkt, die eine Alters-, Hinterlassenen- oder Invalidenrente
beziehen oder die als vom Rentner getrennte oder geschiedene Person eine
Zusatzrente ausbezahlt erhalten. Die Kinderrente wird weder im alten noch im neuen
ELG aufgeführt. Zu einer Kinderrente berechtigende Personen begründen deshalb nie
einen eigenen EL-Anspruch (vgl. BGE 122 V 300 ff.; Ralph Jöhl, Ergänzungsleistungen
zur AHV/IV, in: SBVR-Meyer, Bd. XIV, Soziale Sicherheit, Rz. 32 S. 1661 f.). Der
Wortlaut von Art. 7 Abs. 1 lit. c ELV ordnet nur eine gesonderte Anspruchsberechnung
an. Die aus einer solchen gesonderten Berechnung resultierende EL steht demjenigen
Elternteil zu, der originär rentenberechtigt ist. Allerdings wird in aller Regel eine
Drittauszahlung an eine andere Person (nicht rentenberechtigter Elternteil,
Pflegefamilie, Heim usw.) erfolgen. Im vorliegenden Fall kann also nur ein EL-Anspruch
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der Beschwerdeführerin 2 zur Diskussion stehen. Dies setzt nicht voraus, dass diese
für sich selbst ebenfalls einen EL-Anspruch begründet. Art. 7 Abs. 2 ELV stellt nämlich
klar, dass eine gesonderte Anspruchsberechnung für ein Kind auch dann vorzunehmen
ist, wenn die anrechenbaren Einnahmen des rentenberechtigten Elternteils dessen
anerkannte Ausgaben übersteigen (vgl. auch den im Internet veröffentlichten Entscheid
EL 2007/37 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. März 2008,
Erw. 1.1).
3.2 Zu prüfen ist im Weiteren, ob davon ausgegangen werden kann, dass sich die
Beschwerdeführerin 2 zum EL-Bezug angemeldet hat. Dazu ist eine Interpretation der
Anmeldung vom 22. August 2006 notwendig. Diese Anmeldung nennt als
Gesuchstellerin zwar formal die Tochter. Sie trägt aber die Unterschrift der
Beschwerdeführerin 2 als gesetzlicher Vertreterin des unmündigen Kindes (EL-
act. 20-4; vgl. auch act. G 1, S. 2 Ziff. 5). Diese Unterschrift könnte deshalb als
Zustimmung der erziehungsberechtigten Person zur EL-Anmeldung eines unmündigen
Kindes interpretiert werden. Sie kann aber ohne weiteres auch als Anmeldung zum
Bezug einer eigenen, aber für das Kind gesondert berechneten EL betrachtet werden.
Diese zweite Auslegungsvariante trägt den gesamten Umständen erheblich besser
Rechnung als die erste. Zu beachten ist auch, dass die Beschwerdegegnerin im
unterdessen widerrufenen Einspracheentscheid vom 20. August 2007 sowie in ihrem
Schreiben vom 15. April 2009 selbst erkannte, dass die Tochter keinen selbstständigen
EL-Anspruch begründen kann, sondern dieser bei der Mutter entsteht. Insofern ist
unzutreffend und beruht wohl auf einem Versehen, dass die neuen Verfügungen vom
12. Februar 2009 erneut auf den Namen der Tochter lauten und der
Amtsvormundschaft A._ eröffnet wurden. Auf die Beschwerde wegen
unzutreffendem Verfügungsadressat nicht einzutreten, wäre jedoch überspitzt
formalistisch, zumal sich die Verfahrensbeteiligten über das grundsätzliche Bestehen
des EL-Anspruchs und die Anspruchsberechtigung an sich einig sind und die IV-
rentenbeziehende Mutter unterdessen am Verfahren beteiligt ist. Auf die Beschwerden
ist daher einzutreten.
4.
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Umstritten ist unterdessen insbesondere noch die Frage, in welcher Höhe die
Tagestaxe für das Wohnheim des Kindes anzurechnen ist. Hier ist nach der jeweiligen
Gesetzeslage vor und seit dem 1. Januar 2008 zu differenzieren.
4.1
4.1.1 Das bis Ende 2007 in Kraft gestandene ELG hielt in Art. 3b Abs. 2 fest,
dass bei Personen, die dauernd oder längere Zeit in einem Heim oder Spital leben, als
Ausgaben die Tagestaxe und der Betrag für persönliche Auslagen anerkannt werden.
Nach Art. 5 Abs. 1 lit. c aELG legen die Kantone den Betrag für persönliche Auslagen
fest. Zudem können sie gemäss Art. 5 Abs. 3 lit. a ELG die Kosten, die wegen des
Aufenthalts in einem Heim oder Spital berücksichtigt werden, begrenzen. Gemäss
Art. 3 des st. gallischen ELG (sGS 351.5) werden bei Aufenthalt im Alters- oder
Invalidenwohnheim ein Drittel, im Pflegeheim ein Viertel der Pauschale für den
Allgemeinen Lebensbedarf für persönliche Auslagen angerechnet. Die Regierung kann
gemäss Art. 4 ELG/SG durch Verordnung bei Aufenthalt im Heim oder Spital die
anrechenbare Tagespauschale festlegen. Dieser Kompetenz kam sie mit der per
1. Januar 2005 in Kraft getretenen Verordnung vom 26. Oktober 2004 über die nach
ELG anrechenbare Tagespauschale (sGS 351.52; in Kraft gestanden bis Ende 2007)
nach. Nach deren Art. 1 beträgt die anrechenbare Tagespauschale Fr. 270.-. Dabei
handelt es sich um eine Höchstgrenze (vgl. die Mitteilung vom 27. Oktober 2004,
einsehbar im Internet unter: http://www.sg.ch/news/1/2004/10/
anrechenbare_tagespauschale0.html).
4.1.2 Da wie erläutert eine gesonderte EL-Berechnung für im Heim lebende
Kinder von EL-Bezügern vorzunehmen ist, sind die Bestimmungen über die für diese
Kinder anrechenbaren Ausgaben analog zur EL-Gesetzgebung, insbesondere zu
Art. 3b Abs. 2 aELG, anzuwenden. Bis Ende 2007 belief sich die anrechenbare
Tagespauschale folglich auf maximal Fr. 270.-. Für das Jahr 2006 betrug die
Tagespauschale im B._ Fr. 232.- oder Fr. 249.- und ab 1. Januar 2007 Fr. 258.- (vgl.
act. G 11 bzw. act. G 7, S. 3). Diese Beträge sind anrechenbar, zumal sie die
Höchstgrenze nicht überschreiten. Da die Angaben des Beschwerdeführers 1 zur
Tagestaxe im Jahr 2006 widersprüchlich sind, wird die Beschwerdegegnerin
diesbezüglich weitere Abklärungen vorzunehmen haben.
http://www.sg.ch/news/1/2004/10/anrechenbare_tagespauschale0.html http://www.sg.ch/news/1/2004/10/anrechenbare_tagespauschale0.html
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4.1.3 Weiter ist zu prüfen, ob es sich beim Säuglings- und Kinderheim B._ in
St. Gallen um ein Heim im EL-rechtlichen Sinn handelt. Gemäss Bundesgericht ist der
Heimbegriff erfüllt, wenn die versicherte Person heimbedürftig ist und die betreffende
Institution in der Lage ist, diese Heimbedürftigkeit in adäquater Weise zu befriedigen
(BGE 118 V 147; P 24/00 vom 15. Oktober 2001, Erw. 3a). Die Heimbedürftigkeit
beinhaltet die objektiv bestehende Unfähigkeit, einen eigenen Haushalt zu führen, und
die Notwendigkeit, weitergehenden Leistungen wie Betreuung, Pflege etc. auf Abruf zur
Verfügung zu haben (Jöhl, a.a.O., S. 1709 Rz. 109). Die Tochter der Versicherten war
bei Eintritt ins Heim im Juli 2006 gut zweieinhalb jährig. Die zuständige
Vormundschaftsbehörde entzog der Mutter die elterliche Obhut (EL-act. 4-4). Die
Heimbedürftigkeit ist damit offenkundig. Das Kinderheim B._ verfügt zudem über
eine Betriebsbewilligung des kantonalen Amtes für Soziales gemäss Art. 2 der
Verordnung über Kinder- und Jugendheime (sGS 912.4). Somit kann ohne weiteres
davon ausgegangen werden, dass diese Institution fähig ist, der Heimbedürftigkeit
gerecht zu werden. Der EL-rechtliche Heimbegriff ist damit erfüllt.
4.1.4 Das Erfordernis des dauernden oder längere Zeit notwendigen
Heimaufenthalts gemäss Art. 3b Abs. 2 aELG ist ebenfalls zu bejahen, hielt sich die
Tochter der Beschwerdeführerin 2 doch während eines Jahres und neun Monaten im
Heim auf.
4.1.5 Für Juli 2006 bis und mit Dezember 2006 ist also die Tagestaxe von
Fr. 232.- oder Fr. 249.- (festzulegen im Rahmen weiterer Abklärungen) und für Januar
2007 bis und mit Dezember 2007 von Fr. 258.- in der EL-Berechnung zu
berücksichtigen. Der Hinweis der Beschwerdeführerin 2, ihre Tochter habe sich
regelmässig bei ihr aufgehalten, weshalb nicht die volle Tagestaxe anzurechnen sei, ist
nicht zu hören; der Betreuungsplatz musste doch für die Tochter freigehalten werden,
weshalb das Heim offenbar die volle Taxe in Rechnung stellte.
4.1.6 Der Betrag für persönliche Auslagen gemäss Art. 3b Abs. 2 lit. b aELG
wurde vom Kanton St. Gallen gestützt auf Art. 5 Abs. 1 lit. c aELG in Art. 3 des ELG/SG
festgelegt. Danach beläuft er sich bei Aufenthalt in einem Altersheim oder
Invalidenwohnheim auf einen Drittel und bei Aufenthalt in einem Pflegeheim oder Spital
auf einen Viertel des Lebensbedarfs für Alleinstehende nach Art. 2 lit. a ELG/SG. Der
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letztgenannte Artikel erklärt die bundesrechtlichen höchstzulässigen Ansätze für
anwendbar. Diese beliefen sich gemäss Art. 3b Abs. 1 lit. a Ziff. 1 aELG im Jahr 2006
auf Fr. 17'640.- und im Jahr 2007 und 2008 auf Fr. 18'140.-. Die Qualifizierung des
Säuglings- und Kinderheims B._ als Pflegeheim erscheint als sachgerecht. Folglich
ist für das Jahr 2006 der Betrag von Fr. 4'410.- und für das Jahr 2007 der Betrag von
Fr. 4'535.- anzurechnen. Die von der Beschwerdegegnerin in den Verfügungen vom
12. Februar 2009 anerkannten Ansätze von jeweils einem Drittel des Höchstbetrags für
den Allgemeinen Lebensbedarf erweisen sich als zu hoch.
4.2
4.2.1 Gemäss dem seit 2008 gültigen ELG können die Kantone die Kosten
begrenzen, die wegen des Aufenthalts in einem Heim oder Spital berücksichtigt
werden. Sie legen zudem den Betrag für persönliche Auslagen fest (Art. 10 Abs. 2
ELG). In Bezug auf den Betrag für persönliche Auslagen hat sich die kantonale
Rechtslage nicht geändert (vgl. Art. 3 ELG/SG). In Bezug auf die Tagestaxe ist jedoch
am 1. Januar 2008 die neue Verordnung über die nach ELG anrechenbare
Tagespauschale vom 4. Dezember 2007 in Kraft getreten (sGS 351.52). Nach deren
Art. 1 Abs. 1 lit. a beträgt die höchstens anrechenbare Tagespauschale für Personen
ohne Pflegebedürftigkeit und für Betagte in stationären Einrichtungen, die nicht auf
einer kantonalen Pflegeheimliste nach Art. 39 des eidgenössischen
Krankenversicherungsgesetzes (KVG; SR 832.10) aufgeführt sind, Fr. 180.-. Die
weiteren Litera legen die Ansätze nach BESA-Pflegestufen fest. Die Kosten für den
Pflegeaufwand werden gemäss Art. 1 Abs. 2 der Verordnung nur für Betagte in
stationären Einrichtungen berücksichtigt, die auf einer kantonalen Pflegeheimliste nach
Art. 39 KVG aufgeführt sind. Art. 1 Abs. 3 der Verordnung setzt die Tagespauschale bei
Aufenthalt in einem Invalidenwohnheim auf höchstens Fr. 270.- fest.
4.2.2 Die Beschwerdegegnerin ordnete die Tochter der Beschwerdeführerin 2
unter Art. 1 Abs. 1 lit. a der Verordnung und anerkannte eine Tagespauschale von
Fr. 180.-. Bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass Art. 1 der Verordnung für im Heim
wohnende Kinder von EL-Ansprechern keine Regelung aufweist. Bei einem Kleinkind
im Alter der Tochter ist klar von Pflegebedürftigkeit auszugehen; Art. 1 Abs. 1 lit. a der
Verordnung kann folglich nicht zur Anwendung gelangen. Auch die anderen Litera
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finden auf Kinder keine Anwendung. Die offensichtlich unbeabsichtigt entstandene
Lücke in Art. 1 der Verordnung ist durch Richterrecht zu füllen. Weil die Tochter der
Beschwerdeführerin 2 während ihres Aufenthalts im Säuglings- und Kinderheim B._
aufgrund ihres kindlichen Alters klar pflegebedürftig war, ist die Pauschale von Fr. 180.-
eindeutig zu tief. Angemessen erscheint die analoge Anwendung von Art. 1 Abs. 3 der
Verordnung über die nach ELG anrechenbare Tagespauschale für den Aufenthalt in
einem Invalidenwohnheim und damit die Anerkennung der Höchstgrenze von Fr. 270.-.
In der EL-Berechnung zu berücksichtigen sind folglich auch für die Monate Januar bis
März 2008 die vom Sozialamt ausgewiesenen effektiven Tageskosten Fr. 258.-
(act. G 11), zumal die Höchstgrenze von Fr. 270.- damit nicht überschritten wird.
4.3 Die Beschwerdeführerin 2 weist darauf hin, dass bei ihrer EL-Berechnung ab
August 2007 zu tiefe Mietausgaben angerechnet worden seien. Gemäss Art. 7 Abs. 2
ELV ist das Einkommen der Eltern bei Kindern, für die eine gesonderte
Anspruchsberechnung gemäss Art. 7 Abs. 1 lit. c ELV durchzuführen ist, soweit zu
berücksichtigen, als es deren eigenen Unterhalt und den der übrigen
unterhaltsberechtigten Familienangehörigen übersteigt. Entsprechend hat die
Beschwerdegegnerin den Einnahmenüberschuss der EL-Berechnung der
Beschwerdeführerin 2 (vgl. EL-act. 18) bei der Berechnung der Tochter in Abzug
gebracht (EL-act. 29). Da sich die Mietausgaben der Beschwerdeführerin 2 ab August
2007 nicht mehr auf die in der Berechnung anerkannten Fr. 755.-/
Monat (Fr. 9'060.-/Jahr), sondern vom 1. August 2007 bis 30. Juni 2008 auf Fr. 790.-/
Monat (Fr. 9'480.-/Jahr) beliefen (act. G 17.1), reduziert sich für August 2007 bis März
2008 der Einnahmenüberschuss um Fr. 420.-/Jahr.
5.
5.1 Zusammenfassend sind die Beschwerden unter Aufhebung der Verfügungen vom
12. Februar 2009 teilweise gutzuheissen. In der für die Tochter der Beschwerdeführerin
2 gesondert vorzunehmenden EL-Berechnung sind für den Zeitraum 1. Juli 2006 bis
31. Dezember 2006 die noch zu ermittelnden effektiven Tageskosten und ab 1. Januar
2007 von Fr. 258.- anzurechnen. Bei der Ausgabenposition "Persönliche Auslagen für
Heimbewohner" ist hingegen für Juli bis Dezember 2006 lediglich der Betrag von
Fr. 4'410.- und für 1. Januar 2007 bis 31. März 2008 von Fr. 4'535.- anzuerkennen. Für
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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St.Galler Gerichte
die Monate August 2007 bis März 2008 ist unter der Position "Übrige Einkommen" als
Einnahmenüberschuss der Mutter wegen der höheren Miete lediglich der jeweils um
Fr. 420.-/Jahr reduzierte Betrag einzusetzen. Die Sache ist im Sinn der Erwägungen zur
Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, zumal eine Drittauszahlung
an das Sozialamt im Raum steht. Als Verfügungsadressatin wird die
Beschwerdeführerin 2 einzusetzen sein. Das Sozialamt wird der Beschwerdegegnerin
einen detaillierten Verrechnungsantrag einzureichen haben. Ein allfälliger nach der
Verrechnung resultierender Überschuss wird der Beschwerdeführerin 2 auszubezahlen
sein.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g Satz 1 ATSG hat eine obsiegende beschwerdeführende
Person einen Anspruch auf den Ersatz ihrer Parteikosten. Im vorliegenden Fall führt das
Sozialamt die Beschwerde aus juristischer Sicht aus eigenem Recht und ist nicht
anwaltlich vertreten. Eine solche Partei hat - gleichgültig, ob sie rechtskundig ist oder
juristischer Laie - bei Obsiegen grundsätzlich nur Anspruch auf eine
Parteientschädigung, wenn besondere Verhältnisse vorliegen, namentlich die
Interessenwahrung einen hohen Arbeitsaufwand verursacht hat (BGE 110 V 132). Die
Parteientschädigung bemisst sich im Übrigen nach der Bedeutung der Streitsache und
nach der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g Satz 2 ATSG). Der
Beschwerdeführer 1 beantragt eine Parteientschädigung in der Höhe von 60% des
gewöhnlichen Honorars gemäss Honorarordnung für Rechtsanwälte. Diesem Antrag ist
im Ergebnis stattzugeben. Dem Beschwerdeführer 1 sind ermessensmässig Fr. 1'800.-
(inkl. Barauslagen) zuzusprechen. Eine weitere Reduktion wegen des in Bezug auf die
anrechenbaren persönlichen Auslagen nicht vollständigen Obsiegens ist nicht
angezeigt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG