Decision ID: 0c3bf4bb-8cf2-4b4d-9b68-45adf3bbf81f
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1985, meldete sich am 2
5.
September 2003
insbesondere wegen einer Urininkontinenz bei der Invalidenversicherung
zum
Leistungsbe
zug
an
(
Urk.
8/2).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
bejahte
mit
den
Verfügung
en
vom 30. Juni 2004
(
Urk.
8/11
)
und 2
7.
De
zember 2004 (
Urk.
8/16 und
Urk.
8/17
)
einen Anspruch der Versicherten auf medizini
sche Massnahmen und erteilte
ihr
Kostengutsprache
n
für die Behandlung
en der Geburtsgebrechen
Nr.
152, Nr. 274 und Nr.
381
.
Mit Eingabe vom 26. Juli 2004 meldete Dr. me
d.
Y._
,
FMH für
Kin
derchirurgie
,
die Versicherte bei der Invali
denversicherung
zum
Bezug einer Rente an (
Urk.
8/13
). Mit
Verfüg
ung vom 12. Juli 2005
(
Urk.
8/23
) und Ein
spracheentsche
id vom 2
9.
November 2005 (
Urk.
8/28
)
verneinte die IV-Stelle einen Anspruch der Versi
cherten auf eine Invalidenrente.
Dagegen erhob die Versicherte beim hiesigen Gericht Beschw
erde, welche mit Urteil vom 11.
Januar 2007 abgewiesen wurde (
Prozess Nr. IV.2006.00002,
Urk.
8/37).
1.2
Am
5.
August 2011
wurde die Versicherte
von
Dr.
med.
Z._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
wegen einer bipolaren Störung
bei der
IV-Stelle
zur Früherfassung gemeldet (
Urk.
8/40). Die IV-S
telle holte den Bericht von Dr.
Z._
vom 2
2.
August 2011 (
Urk.
8/46)
ein
und stellte der
Versicherten das Formular zum Bezug von IV-
Leistungen zu, das diese am 30.
August 2011 (Eingangsdatum) ausgefüllt retournierte (
Urk.
8/51). In der Folge
liess
die IV-Stelle
einen Auszug aus dem individuellen Konto erstellen (IK-Auszug vom
9.
September 2011,
Urk.
8/58),
holte den Bericht von Dr.
Z._
vom 2
0.
S
eptember 2011 (
Urk.
8/60) ein und teilte der Versicher
ten a
m 2
0.
Oktober 2011
(
Urk.
8/62)
mit, dass keine beruflichen
Eingliede
rungsmassnahmen
möglich seien, da sich die Entwicklung ihres Gesundheits
zustand
s
anhand der vorliegenden Unterlagen
noch
nicht ausreich
end beurtei
len lasse
.
Im Weiteren
nahm die IV-Stelle den
Arbeitgeberbericht der
Firma A._
vom
1
0.
Februar 2012 (
Eingangsdatum,
Urk.
8/65),
den
Verlaufs
b
ericht
von
Dr.
Z._
vom 12.
April 2012 (
Urk.
8/66
/1-7
) und das von der
Schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG (nachfolgend: Mobiliar [Krankentaggeld
-
versicherung])
veranlasste
Assessment
der
Begutachtungsstelle B._
vom
2
4.
Oktober 2011 (Urk.
8/66/8-15) zu den Akten.
Mit
Vorbescheid vom
4.
Juni 2012
stellte die IV-Stelle der Versicherten
die Abweisung ihres Rentenbegehrens in Aussicht (
Urk.
8/69)
, wogegen diese
am 1
9.
November 2012 Einwand erhob (
Urk.
8/80
; vgl. auch
Urk.
8/72 und Urk.
8/77
)
. Daraufhin holte die IV-Stelle die Stellung
nahme der
Begutachtungsstelle B._
vom
7.
Februar
2013
ein (
Urk.
8/93)
, zu welcher
sich
die Versicherte am 1
3.
März 2013 vernehmen
liess
(
Urk.
8/97).
Schliesslich
ver
neinte die IV-Stelle einen Rentena
nspruch
der Versicherten
mit Verfügung vom 1
0.
Juni 2013
mit der Begründung
, dass
deren
Arbeitsunfähigkeit weniger als ein Jahr gedauert habe (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 1
1.
Juli 2013 Beschwerde und beantragte, es sei die Verfügung vom 1
0.
Juni 2013 aufzuheben und es seien ihr die gesetzli
chen Leistungen, in
s
besondere berufliche
Massn
ahmen
und
eine
Rente, auszu
richten (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
September 2013 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was der Beschwer
deführerin am 1
8.
September 2013 angezeigt wurde (
Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung, insbesondere auf eine Invalidenrente.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
-
werbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätig
keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beeinträchti
gung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2.1
Dr.
Z._
stellte im Bericht vom 2
0.
September
2011
als Diagnose mit
Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit
eine bipolare affektive Störung, gegen
wärtig
schwere
depressive Episode (ICD-
10 F31.4
). Als Diagnosen ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er (1
) Status nach schädlichem Gebrau
ch von Cannabis (ICD-10 F12.1
) und (2
) Status nach schädlichem G
ebrauch von Kokain (ICD-10 F14
.1).
Dr.
Z._
erklärte, dass die Beschwerdeführerin ihren eigenen Angaben zufolge
seit der Pubertät wegen „Traumatisierungen“ und „Depressionen“ mehrfach bei Psychiatern und Psychologen in Behandlung gewesen sei. Die Therapien habe sie häufig abgebrochen. Von Oktober 2009 bis Mai 2010 sei
dann
eine de
pressive Episode aufgetreten,
und
im Sommer 2010
sei sie
„überdreht happy“ gewesen, wobei sie eine solche Phase früher noch nie erlebt habe.
Seit dem 2
7.
September 2010 werde sie nun von ihm behandelt.
Im
Mai/Juni 2011 sei die Beschwerdeführerin in einer manischen Episode gewesen, in der sie auch Kokain und Cannabis konsumiert habe
.
In dieser Phase
sei sie etwa mit stark überhöhter Geschwindigkeit Auto gefahren, habe unkontrolliert Geld ausgegeben und Streitigkeiten mit ihrer Familie und ihrem Ehemann gehabt – bis hin zur Anzeigeerstattung bei der Polizei. Zudem habe sie am Arbeitsplatz geschäftsschädigende Verhaltensweisen gezeigt, was zur Kündi
gung
seitens der
Arbeitgeberin
(
per Ende Mai 2011
)
geführt habe
(seit März 2010 arbeitete die Beschwerdeführerin
in einem 100%-Pensum als Verkäuferin
bei der
Firma C._
in
D._
, vgl.
Urk.
8/66/10 und
Urk.
8/58/1
)
.
Ab etwa Mitte Juli 2011 habe sich aus dem manischen Zustand eine gemischte Symptomatik von Manie und Depression und ab etwa Mitte August 2011
eine
zunehmend
stärker werdende depressive Symptomatik entwickelt.
Seit
dem 25.
Mai 2011
sei
die Beschwerdeführerin
für jegliche Tätigkeit auf
dem freien Arbeitsmarkt zu 100
% arbeitsunfä
hig
. Nach Stabilisierung ihres
Gesundheitszustands sollte aus heutiger Sicht innerhalb
von fünf bis sechs Monaten
eine Teilarbeitsfähigkeit realisierbar sein (
Urk.
8/60/5-9
).
2.2
Dr.
med.
E._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
F._
, FMH Innere Medizin
, von
der
Begutachtungsstelle B._
legten im an die Mobi
liar gerichteten Assessment vom 24. Oktober
2011
dar, dass die bei der Beschwerdeführerin erstmals im Jahr 2010 diagnostizierte bipolare Störung ohne Weiteres nachvollzogen werden könne. Inzwischen müsse aber davon ausgegangen werden, dass das bipolare Zustandsbild vollständig remittiert sei. Die Beschwerdeführerin habe im Untersuchungsgespräch weder ein depressives noch ein manisches Zustandsbild gezeigt. Eine gewisse subjektiv vorhandene, aber nicht klinisch relevante Restsymptomatik lasse sich im Übrigen mit einer mangelnden Medikamenten-Compliance erklären, die sich im
Medikamenten
spiegel
, der unterhalb des Referenzbereiches liege, zeige. Aus psychiatrischer Sicht sei es ratsam, dass zur Rückfallverhütung in eine manische oder depres
sive Phase ein Wechsel auf ein klassisches
phasenprohylaktisches
Medikament wie beispielsweise Lithium stattfinde. Zudem wäre es auch sinnvoll, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen einer Psychoedukationsgruppe lernen würde, mit ihrer Krankheit optimal umzugehen, zum Beispiel im Sinne einer
Früh
warnzeichenerkennung
und einer Anleitung zu einer gesunden eher stressfreien Lebensf
ührung.
Dr.
E._
und Dr.
F._
kamen zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin (aktuell) zu 100
%
arbeitsfähig sei
. Falls sie die Medikamente regelmässig einnehme, müsse davon ausgegangen werden, dass die bipolare Erkrankung dauerhaft verhütet werden könne
(Urk. 8/66/10-13).
2.3
Dr.
Z._
legte
im Verlaufsb
ericht vom 1
2.
April 2012
dar, dass er die Beschwerdeführerin – im Gegensatz zu den Ärzten der
Begutachtungsstelle B._
– auch im Oktober 2011 als depressiv erlebt habe
(Beck-Depressions-Inventar
vom 24.
Oktober 2011
= 44 Punkte; Hamilton-Skala
vom 2
4.
Oktober 2011 = 31
Punkte)
. Sie habe ihm ausserdem über andrängende Suizidimpulse berichtet (zum Beispiel Sprung aus dem Fenster im zweiten Stock;
Wunsch, sich
mit einem Messer die Pulsadern aufzuschneiden). Etwa ab November 2011 habe sich die Stimmungslage der Beschwerdeführerin
verbessert. Ab etwa Mitte Januar 2012 sei
erneut
e
ine manische Phase aufgetreten, deren
bis heute
vor
liegende
Symptome u
nter Anpassung der psychopharmakologischen Behand
lung (Stopp
Cymbalta
, Erhöhung von
Abilify
auf 10 mg) hätten reduziert wer
den können. Aus psychiatrischer Sicht halte er ein 50
%
-Pensum in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Verkäuferin ab April 2012 für zumutbar (
Urk.
8/66/5-7).
2.4
Im Bericht vom 2
0.
September 2012 erklärte
Dr.
Z._
, dass die bipolare Störung der Beschwerdeführerin gegenwärtig remittiert sei. Der momentane Gesundheitszustand erfülle die Kriterien für eine manische oder depressive Episode nicht. Es handle sich jedoch um eine chronische psychiatrische Erkran
kung, und es sei für die Zukunft mit weiteren depressiven beziehungsweise manischen Episoden zu rechnen. Mit der antidepres
siven und antimanischen Pharmako
therapie würden sich diese Episoden auch in Zukunft nicht vollkom
men
verhindern lassen. Infolge d
er Erkrankung mit Schwankungen der
Stim
mungslage
und damit auch der Leistung könne eine nachhaltige Leistungsfä
higkeit über die Jahre nicht gewährleistet werden. Zudem sei aufgrund der bipolaren Störung die allgemeine Stressresistenz der Beschwerdef
ührerin trotz der Psychopharmako
therapie vermindert. Aus den genannten Gründen halte er die Beschwerdeführerin in einem 100%-Pensum nicht als durchgängig und nachhaltig belastbar. Zur Erhaltung der langfristigen Arbeitsfähigkeit erachte er ein 50%-Pensum im zuletzt ausgeübten Verkaufsberuf für angemessen (
Urk.
8/79).
2.5
Dr.
med. G._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
,
und Dr.
F._
von der
Begutachtungsstelle B._
führten in der Stellungnahme vom
7.
Februar 2013 aus,
dass
sich die Einschätzung des behandelnden Psychiaters
Dr.
Z._
im Attest vom 2
0.
September 2012, wonach die Beschwerdeführerin trotz remit
tierter Störung im zuletzt ausgeübten Beruf allenfalls langfristig lediglich zu 50
%
arbeitsfähig sei, auf
der
Basis der Aktenlage und der hier erhobenen Befunde nicht nachvollziehen lasse. P
sychische Störungen und hier insbeson
dere
die
affektive
n
Störungen
würden zwar
im Verlauf nicht selten eine Eigen
dynamik mit gelegentlichen Exazerbationen zeigen. In solchen Situationen könne vorübergehend
auch
eine Arbeitsunfähigkeit gegeben sein.
Zusammen
fassend sei aber festzuhalten, dass sich aus den vorgelegten Schriftsätzen und Attesten keine (von der Beurteilung vom 2
4.
Oktober 2011) abweichende Ein
schät
zung der Arbeitsfähigkeit
ergebe (
Urk.
8/93/2-3).
2.6
Dr.
Z._
gab
im Bericht vom 2
1.
Mai 2013
an
, dass sich der Gesundheitszu
stand der Beschwerdeführerin verschlechtert habe. Zu Jahresbe
ginn habe sie einen Versuch der Selbst
integration bei ihrer
früheren Arbeitge
ber
in
Firma C._
unternom
men und
dort
ab
dem 2. Januar 2013 in einem 50
%-Pensum
als Verkä
uferin gearbeitet. Aufgrund einer neuerlichen
manischen Episode, welche seit etwa Februar 2013 bestehe und noch weiter anhalt
e, sei sie für ihre Arbeitgeberin jedoch nicht mehr tragbar gewesen.
Schliesslich sei ihr auf den 3
1.
Mai 2013 gekündigt worden. Positiv sei, dass
sie
mehr und mehr kra
nkheitseinsichtig sei und sich
einverstanden
erklärt habe, sich stationär
behandeln zu lassen
. Am
8.
Mai 2013 sei sie in das Psychiatriezentrum
H._
eingetreten. Nach einer
Woche
sei sie
in
die
Klinik I._
verlegt worden
. Aus psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin seit dem 2
9.
April 2013 (Zeit
punkt der Kündigung seitens der
Arbeitgeberin
) für jegliche Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt bis auf
Weiteres
zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
8/98/1-2).
2.7
Die Ärzte des Psychiatriezentrums
H._
diagnostizierten
im
Austrittsbe
richt
vom 1
3.
Juni 2013
(1)
eine bipolare affektive Störung, gege
nwärtig
manische Episode ohne psychotisc
he Symptome und (2) ein pathologisches Spielen (ICD-10 F63.0). Sie erklärten, dass
die Beschwerdeführerin vom
8.
bis
zum 1
5.
Mai 2013 bei ihnen in stationärer Behandlung gewesen sei.
Sie
habe unter anderem angegeben,
seit Januar 2013 infolge einer Glücksspielsucht
Fr.
40‘000.
--
verspielt
zu haben (
Urk.
3/6/1).
2.8
Die Ärzte der
Klinik I._
stellten
im Austrittsbericht vom 7.
Juni 2013 zuhanden
des Psychiatriezentrums
H._
die Diagnose
eine
r
bipolare
n
affektive
n
Störung, gegenwärtig hypomanische Episode. Die Beschwerdeführerin sei vom 1
5.
bis zum 2
3.
Mai 2013 bei ihnen in stationärer Behandlung gewesen (
Urk.
3/7/1).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin
ging
in der angefochtenen Verfügung
vom 1
0.
Juni 2013
davon aus, dass die Beschwerdeführerin
am
2
0.
Oktober 2011 in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit (als Verkäuferin)
wieder arbeitsfähig
gewesen
sei
und dass sich für die Zeit danach auf
der
Basis der Aktenlage und der erhobenen Befunde
keine langfristige
Arbeits
unfähigkeit nachvollz
iehen lasse
(
Urk.
2). Sie stützte sich dabei
im Wesentlichen auf das
Assessment der
Begutachtungsstelle B._
vom 24.
Oktober 2011 (
Urk.
8/66/8-15) und auf die Stellungnahme der
Begutachtungsstelle B._
vom
7.
Februar 2013 (
Urk.
8/93)
.
3.2
B
eim Assessment der
Begutachtungsstelle B._
vom 2
4.
Oktober 2011
,
das zuhanden der
Krankentaggeldversicherung
Mobil
iar erstellt wurde
,
handelt es sich
nicht um ein Gutachten im Sinne von
Art.
44 ATSG
.
Ausweislich der Akten
konnte die
Beschwerdeführerin
weder allfällige
Ableh
n
ungsgründe
gegen die betreffenden Ärzte der
Begutachtungsstelle B._
geltend
machen
noch
Gegenvorschläge
machen
(vgl.
Art.
44 ATSG) noch wurde ihr
das Recht gewährt
, sich vorgängig zu den Fragen an die Ärzte der
Begutachtungsstelle B._
zu äussern (vgl. BGE 137 V 210 E.
3.4.2.9
).
Dies hat
zwar
nicht
zur Folge, dass
dem Assessment der
Begutachtungsstelle B._
grundsätzlich
kein Beweiswert
beizumessen wäre
.
Unter den gegebenen
Umständen ist es aber
- wie die Beschwerdeführerin zutreffend
vorbrachte
(
Urk.
1
Rz
. 49 ff.) -
sachge
recht, an die Beweiskraft
d
es Assessments
der
Begutachtungsstelle
B._
die gleichen Anforderun
gen zu stellen,
wie sie etwa
bei
Berichten von versicherungsinternen Ärzten gelten.
Danach ist zu prüfen, ob
das Assessment
schlüssig erscheint
, nachvoll
ziehbar begründet sow
ie in sich widerspruchsfrei ist und keine Indizien gegen seine
Zuverlässigkeit bestehen.
An
die Unparteilichkeit der Ärzte der
Begutachtungsstelle B._
ist
im Übrigen
ein strenger Massstab anzulegen (
vgl.
BGE 123 V 331
E. 1c mit Hinweisen).
Die Ärzte
der
Begutachtungsstelle B._
bestätigten im Assessment vom 2
4.
Oktober 2011
zunächst
die vom behandelnden
Dr.
Z._
gestellte Diagnose einer bipola
ren affektive
n
Störung
(vgl. E.
2.1 und E. 2.2
).
Anders als Dr.
Z._
, der
die Beschwerdeführerin
in den Berichten
vom 2
0.
September 2011 und 12.
April 2012
seit dem 2
5.
Mai 2011
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Verkäuferin
als
höchstens
noch
zu
50
%
arbeitsfähig
erachtete
(vgl. E.
2.1 und
E. 2.3
)
, konnten sie aufgrund
d
ieses
psychi
schen
Leidens jedoch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit feststellen
.
Zudem gaben
die Ärzte der
Begutachtungsstelle B._
an,
es
müsse davon ausgegangen werden, dass die bipolare Erkrankung dauerhaft verhütet werden könne
, sofern die Beschwerdeführerin die Medikamente regel
mässig einnehme
(vgl. E. 2.2)
.
Eingehend mit der abweichenden Einschätzung von Dr.
Z._
auseinandergesetzt haben sich die Ärzte der
Begutachtungsstelle B._
indes nicht.
A
ngesichts
dessen, dass
sich deren
Beurteilung des
manisch-depressiven
Krankheitsbildes der Beschwerdeführerin, das typischerweise einen schwanken
den Verlauf zeigt, im Wesentlichen
also
einzig auf die Untersuchung bezie
hungsweise
die
„Momentaufnahme“ in der
Begutachtungsstelle B._
vom 2
0.
Oktober 2011
stützt, vermag
das Assessment der
Begutachtungsstelle B._
vom 24. Oktober 2011
nicht
zu überzeugen.
3.3
Des Weiteren nahmen die Ärzte der
Begutachtungsstelle B._
am
7.
Februar 2013
, das
heisst
mehr als ein Jahr und drei Monate nach der Untersuchung
in der
Begutachtungsstelle B._
vom 2
0.
Oktober 2011,
im Auftrag der Beschwerdegegnerin noch
eine soge
nannte Aktenbeurteilung vor
(vgl. E. 2.5
)
. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine reine Aktenbeurteilung beziehungsweise ein reines Aktengutachten nicht an sich als unzuverlässig zu beurteilen. Dem reinen Aktengutachten kann voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (
RKUV 1993 Nr. U 167 S. 95; Urteile des Bundesgerichts 8C_540/2007
vom 2
7.
März 2008 E. 3.2
).
I
n der
Stell
ungnahme vom
7.
Februar 2013 erklärten
die Ärzte der
Begutachtungsstelle B._
zusammengefasst
, dass sich auf
der
Basis der Aktenlage und der erhobenen Befunde keine langfristige Arbeitsunfähigkeit nachvollziehen lasse
(vgl. E. 2.5
)
. Gestützt darauf kam die
Beschwerdegegnerin
zum Schluss
,
d
ass
seit der Un
ter
suchung vom 2
0.
Oktober 2011
keine neue
n medizinischen Tatsachen, Befunde oder Funktionseinschränkungen vorliegen würden (
Urk.
8/103/3).
Auch in
die
sem Zusammenhang
liegen jedoch anderslautende
Einschätzung
en
betreffend Arbeitsfähigkeit
von
Dr.
Z._
vor
,
der die Beschwerdeführerin in der Zwi
schenzeit im Gegensat
z zu den Ärzten der
Begutachtungsstelle B._
auch (erneut)
untersucht hatte.
Dabei erwähnte
Dr.
Z._
im Bericht vom 21.
Mai 2013
eine
neuerli
che
,
im
Februa
r 2013
aufgetretene
manische
Episode
, aufgrund welcher die Beschwerdeführerin für ihre Arbeitgeberin nicht
mehr tragbar gewesen
sei
. Per 3
1.
Mai 2013 sei ihr diese Stelle, die sie in einem 50%-Pensum ausgeübt habe, daher gekündigt worden
(
vgl.
E. 2.6
)
. Unter diesem Umständen
vermag auch
diese Beurteilung der Beschwerdegegnerin
nicht
zu überzeugen.
3.4
Zusammenfassend ist somit
festzuhalten, dass
aufgrund der
Berichte von Dr.
Z._
,
die im Übrigen die
rechtsprechungsgemäss
gestellten Anforde
rungen an die Beweiskraft von Arztberichten
(vgl. E. 1.5) ebenfalls
nicht
erfül
len,
zumindest Indizien gegeben sind, die gegen die Zuverlässigkeit der Beur
teilungen der
Begutachtungsstelle B._
beziehungsweise der Beschwerdegegnerin
betreffend Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
sprechen.
Der
entscheidrelevante
Sachverhalt
wurde
damit
ungenügend abgeklärt.
4.
Da sich
anhand
der gegenwärtigen Aktenlage nicht beurteilen lässt, ob bei der Beschwerdeführerin ein invalidenversicher
ungsrechtlich relevanter
Gesund
h
eitsschaden
vorliegt, ist die
Sache in Aufhebung der angefochtenen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
. Die Beschwerdegegnerin
soll
sämtliche Bericht
e der behandelnden Ärzte einholen
und
den medizinischen Sachverhalt
in psychiatrischer Hinsi
cht gutachterlich abklären lassen
.
Der
Gut
achter
oder die Gutachterin
soll
in Auseinandersetzung mit den Berichten der behandelnden Ärzte
darlegen, welche Diagnosen sich
ab dem 2
5.
Mai 2011
i
n welchem Umfang
auf die bisher ausgeübte Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Verkäuferin sowie auf allfällige angepasste Tätigkeiten (bezogen auf ein 100%-Pensum) auswirken.
Danach hat die Beschwerdegegnerin über einen möglichen Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu zu entscheiden.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen.
Die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuem Entscheid gilt nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsiegen, weshalb die
Kosten in der Höhe von
Fr.
700.--
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
5.2
Ausgangsgemäss
hat
die
anwaltlich
vertretene Beschwerdeführerin Anspruch au
f eine
Prozessentschä
digung
. Diese ist gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
unter Berück
sichtigung der Bedeu
tung der Streitsache und der Schwierig
keit des Prozesses auf Fr. 2‘200
.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.