Decision ID: 4ff317bd-fac2-5a26-b06b-5a6eccad8331
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Die Ausgleichskasse des Kantons Thurgau als EL-Durchführungsstelle sprach
A._ mit einer Verfügung vom 30. September 2011 rückwirkend eine abgestufte,
befristete Ergänzungsleistung zu einer Rente der Invalidenversicherung für die Zeit vom
1. November 2008 bis zum 31. Januar 2011 zu (EL-act. 39).
A.b Im März 2015 meldete sich A._ erneut zum Bezug einer Ergänzungsleistung an
(EL-act. 54–1 ff.). Ihre Invalidenrente war per 1. Februar 2015 durch eine (vorbezogene)
Altersrente der AHV abgelöst worden (vgl. EL-act. 54–33 f.). Mit einer Verfügung vom
13. Mai 2015 sprach die Ausgleichskasse des Kantons Thurgau A._ rückwirkend ab
dem 1. Februar 2015 eine Ergänzungsleistung zu (EL-act. 66). Bei der
Anspruchsberechnung hatte sie die kantonale Durchschnittsprämie für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung, Nichterwerbstätigenbeiträge an die AHV,
den Mietzins sowie die Lebensbedarfspauschale als Ausgaben und die AHV-
Altersrente, die Altersrente aus der beruflichen Vorsorge sowie eine Rente aus
Deutschland als Einnahmen berücksichtigt (EL-act. 64).
A.c Im April 2016 erfuhr die Ausgleichskasse des Kantons Thurgau, dass die EL-
Bezügerin nicht nur eine, sondern drei Renten aus Deutschland bezog (EL-act. 78). Mit
einer Verfügung vom 4. Mai 2016 setzte die Ausgleichskasse des Kantons Thurgau die
Ergänzungsleistung rückwirkend ab dem 1. Februar 2015 neu fest; sie forderte von der
EL-Bezügerin unrechtmässig bezogene Ergänzungsleistungen im Betrag von 24’140
Franken zurück (EL-act. 85). Bei der Anspruchsberechnung hatte sie nun alle drei
deutsche Renten als Einnahmen angerechnet (EL-act. 82 ff.).
A.d Am 16. Mai 2016 erhob die EL-Bezügerin eine Einsprache gegen die Verfügung
vom 4. Mai 2016 (EL-act. 87). Sie machte geltend, das neu angerechnete Total der
Rentenleistungen sei für sie zwar nachvollziehbar, aber sie verstehe nicht, was vorher
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in der Berechnung gefehlt habe. Bei der Anmeldung zum Leistungsbezug habe sie
sämtliche Rentenleistungen angegeben und sie habe die entsprechenden Belege
eingereicht. Am 17. August 2017 drohte die Ausgleichskasse des Kantons Thurgau der
EL-Bezügerin eine reformatio in peius an (EL-act. 115). Sie hielt fest, die
Wiedererwägungsverfügung vom 4. Mai 2016 beruhe auf falschen
Umrechnungskursen. Bei Anwendung der richtigen Umrechnungskurse resultiere ein
leicht höheres Einnahmentotal, was zur Folge habe, dass sich der EL-Anspruch für die
Zeit ab 1. Februar 2015 entsprechend weiter reduziere. Dadurch falle der Betrag der
Rückforderung höher aus. Per 1. Oktober 2017 verlegte die EL-Bezügerin ihren
Wohnsitz vom Kanton Thurgau in den Kanton St. Gallen (EL-act. 119). Zur angedrohten
reformatio in peius nahm sie keine Stellung; sie zog ihre Einsprache auch nicht zurück.
Mit einem Entscheid vom 17. November 2017 änderte die Ausgleichskasse des
Kantons Thurgau die angefochtene Verfügung vom 4. Mai 2016 zu Ungunsten der EL-
Bezügerin ab (EL-act. 127). Der Betrag der Rückforderung erhöhte sich um 710
Franken.
B.
B.a Ein am 27. November 2017 bei der Ausgleichskasse Thurgau eingegangener
„Einspruch“ gegen den Einspracheentscheid vom 17. November 2017 wurde von
dieser als Beschwerde an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen überwiesen
(EL-act. 130 f.). Mit einem Entscheid vom 20. Juni 2018 trat das Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen mangels örtlicher Zuständigkeit nicht auf den „Einspruch“ ein
(EL 2017/50). Zur Begründung führte es an, der Art. 58 Abs. 1 ATSG enthalte eine
unechte Lücke, denn der Gesetzgeber habe bei der Regelung der örtlichen
Zuständigkeit ganz offensichtlich nicht an den eher selten auftretenden Fall gedacht, in
dem eine versicherte Person ihren Wohnsitz nach der Eröffnung des
Einspracheentscheides, aber vor der Erhebung einer Beschwerde, in einen anderen
Kanton verlege. In einem solchen Ausnahmefall führe die wortlautgetreue Anwendung
des Art. 58 Abs. 1 ATSG zu einem Ergebnis, das in einem diametralen Widerspruch zur
Absicht des Gesetzgebers stehe, einen Einspracheentscheid durch jenes kantonale
Versicherungsgericht überprüfen zu lassen, das der Streitsache am nächsten stehe.
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B.b Auch das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau, an das die Sache nach dem
Eintritt der formellen Rechtskraft des Entscheides EL 2017/50 vom 20. Juni 2018
zuständigkeitshalber überwiesen worden war, erachtete sich als örtlich unzuständig,
weshalb es ebenfalls nicht auf den „Einspruch“ eintrat (Entscheid VV.2018.213 des
Verwaltungsgerichtes des Kantons Thurgau als Versicherungsgericht vom 30. Januar
2019).
B.c Mit einem Urteil vom 25. April 2019 (9C_192/2019) hob das Bundesgericht den
Entscheid EL 2017/50 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 20. Juni 2018 auf; es
wies die Sache zur materiellen Behandlung der Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid der Ausgleichskasse des Kantons Thurgau vom 17. November
2017 an das St. Galler Versicherungsgericht zurück. Zur Begründung führte es aus, es
lägen keine Gründe für ein Abweichen vom Wortlaut des Art. 58 Abs. 1 ATSG
respektive für eine Änderung der entsprechenden Praxis des Bundesgerichtes vor.
Sollte sich in einem konkreten Fall wirklich die Frage nach der Anwendung
ausserkantonalen Rechts stellen, werde „seitens der zuständigen Instanzen darüber zu
befinden“ sein.

Erwägungen
1.
1.1 Laut dem Art. 3 BV sind die Kantone der Schweizerischen Eidgenossenschaft
souverän, soweit ihre Souveränität nicht durch die Bundesverfassung beschränkt ist.
Sie sind zwar keine „vollwertigen“ Staaten im Sinne des Völkerrechts (vgl. etwa Ulrich
Häfelin/ Walter Haller/Helen Keller/Daniela Thurnherr, Schweizerisches
Bundesstaatsrecht, 9. Aufl. 2016, Rz. 942), aber ihnen kommt doch eine eigene
Staatlichkeit – „kraft eigenen Rechts“ (vgl. Walter Haller/Alfred Kölz/Thomas Gächter,
Allgemeines Staatsrecht, 5.Aufl. 2013, Rz. 508, mit Hinweisen) – und eine
Teilsouveränität mit Hoheitsgewalt innerhalb der Kantonsgrenzen zu (vgl. etwa Rainer
Schweizer, in: St. Galler Kommentar zur BV, 3. Aufl. 2014, Art. 3 N 7; Thomas Fleiner/
Alexander Misic, Föderalismus als Ordnungsprinzip der Verfassung, in: Thürer/Aubert/
Müller [Hrsg.], Verfassungsrecht der Schweiz, 2001, § 27 N 25; Häfelin/Haller/Keller/
Thurnherr, a.a.O., Rz. 944). Der Art. 47 Abs. 1 BV verpflichtet den Bund, die
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Eigenständigkeit der Kantone zu wahren. Diese Eigenständigkeit der Kantone gehört
zum „Lebenselixier“ einer tragkräftigen föderalistischen Ordnung (René Rhinow/Markus
Schefer/Peter Uebersax, Schweizerisches Verfassungsrecht, 3. Aufl. 2016, Rz. 797).
Der Art. 51 Abs. 1 BV sieht vor, dass sich die Kantone eine eigene demokratische
Verfassung geben. Diese Kantonsverfassungen und die gestützt darauf erlassenen
kantonalen Gesetze gelten für die der jeweiligen kantonalen Hoheit anvertrauten
Menschen (Fleiner/Misic, a.a.O., § 27 N 25). Die Kantone verfügen also über ein
eigenes Territorium und über ein eigenes Volk, auch wenn die Bundesverfassung dafür
einen gewissen Rahmen vorgibt (Häfelin/Haller/Keller/Thurnherr, a.a.O., Rz. 944). Die
Verfassungs- und Gesetzgebungsautonomie der Kantone ist in der Lehre einhellig
anerkannt (vgl. etwa Rhinow/Schefer/Uebersax, a.a.O., Rz. 833; Patricia Egli, in:
St. Galler Kommentar zur BV, 3. Aufl. 2014, Art. 47 N 17, mit zahlreichen Hinweisen).
Der Kanton St. Gallen definiert sich gemäss dem Art. 1 Abs. 1 seiner
Kantonsverfassung (KV; sGS 111.1) als ein Gliedstaat der Schweizerischen
Eidgenossenschaft und gemäss dem Art. 1 Abs. 2 KV als ein sozialer Rechtsstaat. Das
im Art. 8 Abs. 1 KV definierte Legalitätsprinzip bezieht sich auf „das Recht“, womit
ganz offensichtlich das eigene kantonale St. Galler Recht und das übergeordnete
Bundesrecht gemeint sein müssen. Weder die BV noch die KV sehen vor, dass für die
Verwaltung oder für die Gerichte des Kantons St. Gallen das Recht eines anderen
Kantons massgebend sein könnte. Das liesse sich denn auch augenscheinlich nicht mit
der Souveränität des Kantons St. Gallen innerhalb der Rechtsordnung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft vereinbaren, sondern würde die in der Lehre und
in der Rechtsprechung einhellig anerkannte und bundesverfassungsrechtlich
garantierte Eigenständigkeit des Kantons St. Gallen grundlegend unterwandern. Das
Recht eines anderen Kantons gehört folglich nicht zum für die St. Galler Behörden und
Gerichte massgebenden Recht; aus der Sicht der St. Galler Behörden und Gerichte
handelt es sich um „Nicht-Recht“. Das gilt selbstverständlich nicht nur für das
materielle, sondern auch für das Verfahrensrecht, denn das Territorialitätsprinzip
unterscheidet nicht zwischen diesen beiden Arten von Recht. Im vorliegenden Fall kann
das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen also in materieller Hinsicht
ausschliesslich das Bundes- und das St. Galler Ergänzungsleistungsrecht auf den
massgebenden Sachverhalt und in verfahrensrechtlicher Hinsicht einzig das (den
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bundesrechtlichen Mindestanforderungen im ATSG genügende) St. Galler
Verwaltungsverfahrensrecht anwenden.
1.2 Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat schon in seinem Entscheid
EL 2017/50 vom 20. Juni 2018 ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das
Ergänzungsleistungsrecht zu einem erheblichen Teil kantonalrechtlich geprägt sei (und
nicht etwa bloss „einzelne materielle“ kantonalrechtliche Bestimmungen enthalte, wie
das Bundesgericht annehme), weshalb von Bundesrechts wegen sichergestellt werden
müsse, dass in einem kantonalen Beschwerdeverfahren in jedem Fall nur die
Anwendung des Bundesrechts und des „eigenen“ kantonalen Rechts zu überprüfen
sei. Nicht explizit erwähnt hat das Versicherungsgericht im erwähnten Entscheid, dass
selbstverständlich auch in verfahrensrechtlicher Hinsicht nur die Anwendung des
„eigenen“ kantonalen Rechts in Frage kommen kann. Denn das Verfahrensrecht ist
natürlich genauso Recht wie das materielle Recht. Die im Art. 58 Abs. 1 ATSG
enthaltene Regel, wonach das Versicherungsgericht jenes Kantons zur Behandlung
einer Beschwerde zuständig ist, in dem die versicherte Person im Zeitpunkt der
Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat, sorgt in den allermeisten Fällen dafür, dass
das entsprechende Versicherungsgericht die Anwendung seines „eigenen“ kantonalen
(materiellen und Verfahrens-) Rechts zu überprüfen hat. Sie versagt aber in einem
Sonderfall, der in der Praxis vergleichsweise selten auftritt, nämlich dann, wenn die
versicherte Person ihren Wohnsitz noch vor der Beschwerdeerhebung in einen anderen
Kanton verlegt. Mangels einer entsprechenden Sonderregel verlangt der Art. 58 ATSG
einen damit verbundenen Wechsel der örtlichen Zuständigkeit des
Versicherungsgerichtes über die Kantonsgrenze hinweg. Das hat zur Folge, dass das
Versicherungsgericht des neuen Wohnsitzkantons einen Einspracheentscheid auf
dessen Rechtmässigkeit überprüfen muss, der in materieller Hinsicht unter Umständen
zu einem Teil, in verfahrensrechtlicher Hinsicht aber notwendigerweise immer auf einer
Anwendung des kantonalen Rechts des früheren Wohnsitzkantons beruht. Im Lichte
der oben dargelegten verfassungsrechtlichen Grundprinzipien führt das zu einer
Situation, in der kein Urteil gefällt werden kann, das verfassungsrechtlich vertretbar
sein könnte (vgl. dazu E. 1.3). Dem Bundesgesetzgeber kann nicht unterstellt werden,
dass er dies mit dem Art. 58 ATSG bewusst hätte in Kauf nehmen wollen. Immerhin hat
er ja sogar im Bereich der rein bundesrechtlich geregelten Invalidenversicherung eine
Sonderregel geschaffen, wonach bei einem Wohnsitzwechsel der versicherten Person
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die Zuständigkeit beim Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle verbleibt. Das
bedeutet aber, dass er bei der Schaffung des Art. 58 ATSG den Sonderfall des
Kantonswechsels kurz vor der Beschwerdeerhebung vergessen haben muss. Mit ein
Grund dafür dürfte im Umstand zu erblicken sein, dass der Art. 58 ATSG auf einer alten
KVG-Bestimmung beruht, denn der Bereich der Krankenpflegeversicherung ist rein
bundesrechtlich geregelt. Jedenfalls kann nicht unterstellt werden, der
Bundesgesetzgeber habe im Zusammenhang mit der Regelung der örtlichen
Zuständigkeit der kantonalen Versicherungsgerichte – ohne jeden Hinweis – auch den
Grundsatz verankern wollen, dass die kantonalen Versicherungsgerichte das eigene
kantonale Recht „ausschalten“ und stattdessen fremdes „Nicht-Recht“ anwenden
müssten. Ebenso wenig kann angenommen werden, dass der Art. 58 ATSG sich mit
der Frage nach dem anwendbaren kantonalen Recht befasse, besteht sein Sinn und
Zweck doch offensichtlich einzig darin, die örtliche Zuständigkeit zu regeln. Die örtliche
Zuständigkeit hat aber nichts mit der Frage nach dem anwendbaren Recht zu tun.
Selbst im IPRG, das sich mit der Frage nach der örtlichen Zuständigkeit und mit der
Frage nach dem anwendbaren Recht (allerdings im Privatrecht) befasst, werden diese
beiden Fragen strikt getrennt. Damit liegt im Bereich des Ergänzungsleistungsrechts
ganz offensichtlich eine sogenannte unechte Gesetzeslücke vor: Der Art. 58 ATSG gibt
vor, dass er eine Lösung für jede Sachverhaltskonstellation enthalte, aber diese führt
im erwähnten Sonderfall zu einem verfassungswidrigen Ergebnis, sodass man nicht
umhin kann, den Anwendungsbereich des Art. 58 ATSG teleologisch zu reduzieren und
die dadurch entstehende („unechte“) Lücke richterrechtlich modo legislatoris mit einer
überzeugenden Lösung zu füllen. Mit dieser Problematik hat sich das Bundesgericht
nicht auseinandergesetzt. Vielmehr hat es lediglich auf sein Urteil 9C_260/2018 vom
18. Dezember 2018 verwiesen. Das Urteil 9C_192/2019 vom 25. April 2019 enthält
wieder keine überzeugende Begründung dafür, dass das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen einen Einspracheentscheid materiell überprüfen muss, der einen
Anspruch auf eine Ergänzungsleistung zum Gegenstand hat, die zu einem wesentlichen
Anteil auf der Anwendung von Thurgauer Recht beruht. Das Urteil ist aber direkt mit
seiner Eröffnung formell rechtskräftig und damit für das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen verbindlich geworden, weshalb diesem nichts anderes übrig bleibt,
als verfassungswidrig zu entscheiden und die Beschwerde vom 25. November 2017
gegen den Einspracheentscheid vom 17. November 2017 zu beurteilen.
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1.3 Damit stellt sich nun das Problem, dass das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen einen Einspracheentscheid überprüfen muss, der teilweise auf Thurgauer
Recht beruht. Das Thurgauer Recht kann aber aus der Sicht des St. Galler
Versicherungsgerichtes nur „Nicht-Recht“ sein (vgl. E. 1.1). Die Anwendung dieses
Thurgauer „Nicht-Rechtes“ – und die damit zwingend verbundene Nicht-Anwendung
des St. Galler Rechtes – würde einen direkten Verstoss gegen das im Art. 8 Abs. 1 der
St. Galler Kantonsverfassung verankerte Legalitätsprinzip darstellen, was offensichtlich
unzulässig wäre. Dem Versicherungsgericht bleibt deshalb nichts anderes übrig, als
das St. Galler Ergänzungsleistungs- und Verfahrensrecht anzuwenden. Das könnte –
zufällig – zum selben Ergebnis wie die Anwendung des Thurgauer Rechts führen, was
es erlauben würde, die Beschwerde mit einem pragmatischen, rein ergebnisbezogenen
Entscheid abzuweisen und die gesamte verfassungsrechtliche Problematik unter den
Tisch zu kehren. Die Anwendung des St. Galler Rechts könnte aber auch ein anderes
Ergebnis als die Anwendung des Thurgauer Rechts zeitigen. Das würde bedeuten,
dass das St. Galler Versicherungsgericht den angefochtenen Einspracheentscheid
selbst dann aufheben und durch einen anderslautenden rechtsgestaltenden Entscheid
ersetzen müsste, wenn der angefochtene Einspracheentscheid eigentlich eine in allen
Punkten korrekte Anwendung des Thurgauer Rechts enthalten würde. Das St. Galler
Versicherungsgericht müsste also einen Einspracheentscheid aufheben, der in jenem
Kanton, in dem er ergangen ist, als rechtmässig zu qualifizieren wäre. Darüber hinaus
müsste es die EL-Durchführungsstelle des Kantons Thurgau verpflichten,
Ergänzungsleistungen in einem Betrag auszubezahlen oder zurückzufordern, der sich
nicht aus dem für jene Durchführungsstelle massgebenden (Thurgauer) Recht, sondern
teilweise aus für jene Durchführungsstelle nicht massgebendem St. Galler „Nicht-
Recht“ ergäbe. Die Thurgauer EL-Durchführungsstelle müsste also beispielsweise vom
St. Galler Versicherungsgericht verpflichtet werden, eine ausserordentliche
Ergänzungsleistung im Sinne des St. Galler Ergänzungsleistungsgesetzes auszurichten,
die der Kanton Thurgau gar nicht kennt. Würde die EL-Durchführungsstelle des
Kantons Thurgau sich weigern, eine solche ausserordentliche Ergänzungsleistung
auszurichten, würde es gegen das Urteil des St. Galler Versicherungsgerichtes als
Rechtsmittelinstanz verstossen; würde sie dieses Urteil umsetzen, würde sie gegen die
eigene Kantonsverfassung verstossen. Eine solche Situation wäre ganz offensichtlich
unhaltbar. Zu einer ebenso unhaltbaren Situation würde ein Rückweisungsentscheid
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des St. Galler Versicherungsgerichtes führen, denn in einem solchen müsste das
St. Galler Versicherungsgericht ja die Thurgauer EL-Durchführungsstelle verpflichten,
den Sachverhalt weiter abzuklären und dann das St. Galler Recht darauf anzuwenden.
Die Thurgauer EL-Durchführungsstelle könnte natürlich durchaus Thurgauer statt
St. Galler Recht anwenden, aber der daraus allenfalls resultierende
Einspracheentscheid müsste dann ja wieder beim St. Galler Versicherungsgericht
angefochten werden, das seinerseits wieder St. Galler Recht anwenden müsste (sofern
die Beschwerdeführerin ihren Wohnsitz in der Zwischenzeit nicht wieder in einen
anderen Kanton verlegt haben sollte). Zusammenfassend gibt es nach der
bundesgerichtlichen Rückweisung der Sache zur materiellen Behandlung an das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen objektiv betrachtet keine Möglichkeit
mehr zu einer „vernünftigen“ Erledigung des Streits. Da ein „Nicht-Entscheid“ aber eine
Rechtsverweigerung darstellen würde, bleibt dem Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen nichts anderes übrig, als das St. Galler Recht auf den massgebenden
Sachverhalt anzuwenden.
2.
Da das Verwaltungs- und das Einspracheverfahren – anders als das kantonale
Beschwerdeverfahren – im Bereich der Ergänzungsleistungen ausschliesslich
bundesrechtlich geregelt sind, führt eine Verlegung des Wohnsitzes des EL-Bezügers
oder des EL-Ansprechers vor der Beschwerdeerhebung in aller Regel nicht zu
verfahrensrechtlichen Problemen. Zu beachten ist allerdings, dass die Zuständigkeiten
kantonalrechtlich geregelt sind. Im Kanton St. Gallen ist zum Beispiel allein die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen zuständig für die Eröffnung von
Verfügungen und Einspracheentscheiden. Das ergibt sich aus dem Art. 10 Abs. 3 des
St. Galler ELG (sGS 351.5), aus dem Art. 11 des St. Galler ELG und aus dem Art. 11
des St. Galler ELG. Eine Rückweisung der Sache ins Verwaltungsverfahren wäre
deshalb vorliegend trotz der bundesrechtlichen Regelung des Verwaltungs- und
Einspracheverfahrens problematisch, denn das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen könnte die Sache nur an die einzige nach St. Galler Recht in Frage
kommende Behörde zurückweisen, nämlich an die Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen. Obwohl die Beschwerdegegnerin das Verwaltungs- und das
Einspracheverfahren zu Recht durchgeführt hat, weil sie nach dem damals
bis
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massgebenden Thurgauer Recht zuständig gewesen ist, kommt jetzt eine Rückweisung
an sie nicht mehr in Frage, weil nun St. Galler Recht anwendbar ist, das zu einer
„Rückweisung“ an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen zwingt. Aus
den nachfolgenden Erwägungen wird sich ergeben, dass eine Rückweisung vorliegend
nicht notwendig ist, weshalb sich in verfahrensrechtlicher Hinsicht im Zusammenhang
mit dem Wohnsitzwechsel vor der Beschwerdeerhebung (zufällig) keine Probleme
stellen.
3.
3.1 Bleibt zu prüfen, ob der angefochtene Einspracheentscheid auch in materieller
Hinsicht rechtmässig ist. Die Verfügung vom 4. Mai 2016 ist eine
Wiedererwägungsverfügung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) gewesen, mit der die
Beschwerdegegnerin ihre leistungszusprechende Verfügung vom 13. Mai 2015 integral
mit Wirkung ab dem 1. Februar 2015 ersetzt hat. Da jene Verfügung zweifellos unrichtig
gewesen war, weil die Beschwerdegegnerin nur eine von drei deutschen Renten als
Einnahme berücksichtigt hatte, und weil die Berichtigung dieses Fehlers von
erheblicher Bedeutung gewesen ist, was sich schon am Betrag der daraus
resultierenden Rückforderung zeigt, ist es rechtmässig gewesen, die ursprüngliche
leistungszusprechende Verfügung vom 13. Mai 2015 wiedererwägungsweise zu
ersetzen.
3.2 Als Ausgaben haben nur die kantonale Durchschnittsprämie für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung, die Nichterwerbstätigenbeiträge an die AHV, der Mietzins
und die Lebensbedarfspauschale angerechnet werden müssen. Der anrechenbare
Mietzins hat sich aus dem Mietvertrag vom 23. Januar 2010 ergeben (EL-act. 54–7 f.),
die Beträge der übrigen Ausgabenpositionen sind bundesrechtlich vorgegeben
gewesen. Bezüglich der anrechenbaren Ausgaben erweisen sich die Verfügung vom 4.
Mai 2016 und der angefochtene Einspracheentscheid als rechtmässig.
3.3 Die Beschwerdegegnerin hat im hier massgebenden Zeitraum über kein
anrechenbares Vermögen verfügt. Als Einnahmen haben ihr nur die Rente der AHV, die
Rente aus der beruflichen Vorsorge und die drei deutschen Renten zur Verfügung
gestanden. Diesbezüglich sind keine kantonalrechtlichen Besonderheiten zu beachten
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gewesen. Die Rente der AHV hat sich gemäss der massgebenden Verfügung vom 30.
Dezember 2014 auf 333 Franken pro Monat beziehungsweise auf 3’996 Franken pro
Jahr belaufen, jene aus der beruflichen Vorsorge hat 233.70 Franken pro Monat
respektive 2’804 Franken pro Jahr betragen. Diese Beträge sind von der
Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 4. Mai 2016 und im angefochtenen
Einspracheentscheid korrekt angerechnet worden.
3.4 Die deutsche „grosse Witwenrente“ hat sich ab dem 1. Januar 2015 auf 745.48
Euro pro Monat und ab dem 1. Juli 2015 auf 761.12 Euro pro Monat belaufen (EL-act.
81–1 und 81–3). Die deutsche Erwerbsunfähigkeitsrente hat ab dem 1. Januar 2015
monatlich 663.11 Euro und ab dem 1. Juli 2015 monatlich 677.01 Euro betragen (EL-
act. 81–2). Der Betrag der dritten deutschen Rente („kirchliche Zusatzversorgung“) hat
sich auf 63.67 Euro pro Monat belaufen (EL-act. 54–27). Die Beschwerdegegnerin hat
diese drei Renten in der Verfügung vom 4. Mai 2016 grundsätzlich korrekt als
Einnahmen angerechnet. Die Bankauszüge zeigen (vgl. etwa EL-act. 54–29), dass die
Beschwerdeführerin die entsprechenden Gutschriften jeweils nicht in Euro, sondern
direkt in Schweizer Franken erhalten hat. Da die Ergänzungsleistung frankengenau den
jeweils aktuellen Existenzbedarf eines EL-Bezügers decken soll, bestünde die richtige
Vorgehensweise eigentlich darin, dass bei der EL-Anspruchsberechnung der jeweilige
Frankenbetrag der entsprechenden Gutschrift berücksichtigt würde. Aufgrund der sich
täglich ändernden Devisenkurse wäre damit aber ein unverhältnismässig hoher
Aufwand sowohl für die EL-Durchführungsstellen als auch für die EL-Bezüger
verbunden, denn diese Vorgehensweise würde es erfordern, dass die EL-Bezüger
Monat für Monat entsprechende Gutschriftenanzeigen bei der EL-Durchführungsstelle
einreichten; diese müsste dann die Ergänzungsleistung unter Berücksichtigung des bei
der Gutschrift zur Anwendung gelangten Wechselkurses Monat für Monat neu
berechnen und entsprechende Revisionsverfügungen erlassen. Da die Devisenkurse in
der Regel nur relativ geringfügigen Schwankungen unterliegen, würden die
entsprechenden Veränderungen der Ergänzungsleistung – wenn überhaupt – jeweils
nur einige Franken betragen, was in keinem Verhältnis zum damit verbundenen
Aufwand für die jeweilige revisionsweise Korrektur der Ergänzungsleistung stünde. In
diesem Zusammenhang rechtfertigt es die Verfahrensökonomie folglich
ausnahmsweise, dass vom realen Wechselkurs abstrahiert und auf einen fiktiven
Wechselkurs abgestellt wird, der keinen monatlichen Schwankungen unterliegt. Die
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gesetzliche Grundlage für dieses Vorgehen findet sich im Art. 17 Abs. 2 ATSG, der eine
revisionsweise Anpassung einer laufenden Ergänzungsleistung auf jene Fälle
beschränkt, in denen sich der anspruchsbegründende Sachverhalt erheblich verändert.
Damit steht auch fest, dass bei einer aussergewöhnlich starken
Wechselkursschwankung zwingend eine Revision der Ergänzungsleistung erfolgen
müsste. Die Wegleitung über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV (WEL) enthält
bezüglich des Normalfalls einer relativ geringen Schwankung eines Devisenkurses eine
Weisung über den massgebenden (fiktiven) Wechselkurs, den die EL-
Durchführungsstellen bei der EL-Anspruchsberechnung berücksichtigen müssen, was
angesichts der vorstehenden Ausführungen als gesetzmässig qualifiziert werden muss.
Nun hat sich aber bezüglich des massgebenden Wechselkurses im massgebenden
Zeitraum eine Änderung ergeben: Gemäss der ab dem 1. Januar 2015 massgebenden
Fassung der WEL ist der letzte verfügbare Tageskurs des Monats, der dem Monat des
Anspruchsbeginns unmittelbar vorausgeht, massgebend gewesen (Rz. 3452.01 WEL
2015); gemäss der ab dem 1. Januar 2016 massgebenden Fassung der WEL ist
dagegen neu der erste verfügbare Tageskurs des Monats, der dem Monat des
Anspruchsbeginns unmittelbar vorausgeht, massgebend gewesen (Rz. 3452.01 WEL
2016). Die Beschwerdegegnerin hatte bei der Ausarbeitung der Verfügung vom 4. Mai
2016 für die Zeit vom 1. Februar 2015 bis zum 30. Juni 2015 versehentlich noch die bis
zum 31. Dezember 2015 geltende Fassung der WEL angewendet. Bei der Behandlung
der Einsprache hat sie die Anspruchsberechnung entsprechend korrigiert und neu die
ab dem 1. Januar 2016 geltende Fassung der WEL angewendet, was eine reformatio in
peius zur Folge gehabt hat. Dabei hat es sich bei genauer Betrachtung um ein
übergangsrechtliches Problem gehandelt. An sich hätte die Aufsichtsbehörde eine
Übergangsregelung zur Änderung von der alten Verwaltungspraxis zur neuen
Verwaltungspraxis erlassen müssen. Anhand dieser Übergangsregelung hätte die
Frage beantwortet werden können, welche Praxis auf Fälle wie den vorliegenden (die je
teilweise in den zeitlichen Geltungsbereich der alten und der neuen Praxis fielen)
anzuwenden sei. Eine solche Übergangsregelung fehlt aber. Die Beschwerdegegnerin
hat deshalb die neue Praxis angewendet, was richtig gewesen ist, weil eine Ablösung
einer alten durch eine neue Praxis auf eine bessere Erkenntnis des massgebenden
Rechts zurückzuführen ist und weil deshalb die sofortige Anwendung der neuen Praxis
zu einem gesetzmässigeren Resultat führt. Die Beschwerdegegnerin hat also für die
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Zeit ab dem 1. Februar 2015 neu einen Wechselkurs von 1.2022 per 2. Januar 2015
(statt 1.0468 per 30. Januar 2015) berücksichtigt. Für die Zeit ab dem 1. Juli 2015 hat
sich keine Änderung ergeben, weil die Beschwerdegegnerin bereits in der Verfügung
vom 4. Mai 2016 den Wechselkurs per 1. Juni 2015 von 1.0331 und von 1.0908 per 1.
Dezember 2015 berücksichtigt hatte. Rein rechnerisch ist dieses Vorgehen richtig
gewesen. Zu prüfen bleibt aber, ob die Anwendung der Rz. 3452.01 WEL 2016
gesetzmässig gewesen ist. Bei der WEL handelt es sich um eine Verwaltungsweisung,
das heisst um eine Weisung der Aufsichtsbehörde, die nur für die EL-
Durchführungsstellen verbindlich ist. Das Versicherungsgericht untersteht nicht der
Aufsicht des Bundesamtes für Sozialversicherungen und ist deshalb nicht an die WEL
gebunden. Soweit sich eine Anweisung in der WEL als gesetzwidrig erweist, kann das
Versicherungsgericht nicht darauf abstellen. Die hier zur Diskussion stehende Rz.
3452.01 WEL enthält grundsätzlich eine sinnvolle Interpretationshilfe für die
Umrechnung von Renten und anderen wiederkehrenden Leistungen, die in einer
ausländischen Währung ausbezahlt werden. Die jeweils aktuellen Tageskurse der
Europäischen Zentralbank bilden eine zuverlässige Grundlage für die Umrechnung der
Fremdwährungen in Schweizer Franken und es leuchtet ein, dass auf einen Wert vom
Monat vor dem massgebenden Zeitraum, für den ein EL-Anspruch berechnet werden
muss, abgestellt wird. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass die monatlich
ausgerichtete Ergänzungsleistung unabhängig vom mehr oder weniger zufälligen
Auszahlungsdatum der ausländischen Leistung rechtsgleich für alle EL-Bezüger auf
demselben Wechselkurs basiert. Bleibt die Frage zu beantworten, ob der erste oder
der letzte verfügbare Tageskurs massgebend sein soll. An sich ist der letzte Tageskurs
als der „aktuellste“ Umrechnungswert zu bevorzugen. In aller Regel muss die
leistungszusprechende Verfügung aber schon im Monat vor dem Anspruchsbeginn
ergehen, damit genügend Zeit für die Auszahlung der Ergänzungsleistung innerhalb der
ersten Werktage im ersten Monat, für den ein Anspruch besteht, verbleibt. Das
verunmöglicht der EL-Durchführungsstelle in aller Regel die Berücksichtigung des
letzten Tageskurses im Monat vor dem Anspruchsbeginn, weshalb es
verwaltungspraktisch sinnvoll ist, auf den ersten Tageskurs abzustellen. Die
Anwendung der Rz. 3452.01 WEL 2016 führt also nicht zu einem gesetzwidrigen
Resultat. Der angefochtene Einspracheentscheid erweist sich damit auch in diesem
Punkt als rechtmässig.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte
3.5 Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin den EL-Anspruch der
Beschwerdeführerin für die Zeit ab dem 1. Februar 2015 korrekt neu festgesetzt. Auch
der Betrag der aus dieser wiedererwägungsweisen Neuberechnung des EL-Anspruchs
resultierenden Rückforderung ist richtig. Da die Rückforderung einen Zeitraum von
lediglich gut einem Jahr betroffen hat, ist die absolute, fünfjährige Verwirkungsfrist des
Art. 25 Abs. 2 ATSG gewahrt gewesen. Auch die relative, einjährige Verwirkungsfrist
des Art. 25 Abs. 2 ATSG ist gewahrt gewesen, da diese nicht bereits mit der Begehung
des Fehlers (der Zusprache einer zu hohen Ergänzungsleistung am 13. Mai 2015) zu
laufen begonnen hat, sondern erst, als dieser Fehler von der Beschwerdegegnerin
entdeckt worden ist. Da zwischen der (an sich irrelevanten) Begehung des Fehlers und
der Rückforderungsverfügung nicht einmal ein ganzes Jahr vergangen ist, ist die
Verwirkungsfrist offensichtlich gewahrt worden. Folglich erweist sich der angefochtene
Einspracheentscheid auch hinsichtlich der Rückforderung als rechtmässig.
4.
Die Anwendung des St. Galler Verfahrens- und Ergänzungsleistungsrechts führt hier
also (zufällig) zum selben Ergebnis wie die Anwendung des Thurgauer „Nicht-Rechts“,
weil nur bundesrechtliche Bestimmungen zur Anwendung gelangen. Das vorliegende
Verfahren kann deshalb ungeachtet der verfassungsrechtlichen Problematik
pragmatisch mit einer Abweisung der Beschwerde erledigt werden. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Die unterliegende Beschwerdeführerin hat
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.