Decision ID: 69287f99-eec4-42ea-946c-7cbc6d87d659
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer seinen Heimat-
staat im August 2018 und suchte am 29. April 2021 in der Schweiz als an-
geblich unbegleiteter Asylsuchender (UMA) um Asyl nach.
B.
Am 11. Mai 2021 bevollmächtigte er die ihm zugewiesene Rechtsvertre-
tung.
C.
Ein am 14. Mai 2021 erfolgter Abgleich mit der europäischen Fingerab-
druckdatenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab, dass er am 7. September
2018 in Griechenland ein Asylgesuch eingereicht hatte und ihm dort am
17. September 2019 internationaler Schutz gewährt worden war. Gleich-
zeitig ergab ein Eintrag im Schengener Informationssystem (SIS), dass
eine Person mit ähnlichen Personalien von Griechenland als vermisster
UMA ausgeschrieben war.
D.
Am 17. Mai 2021 wurde eine Erstbefragung für unbegleitete Minderjährige
(EB UMA) durchgeführt. Es wurden Fragen zur Biographie, Identitätsdoku-
menten, der Familie und Ausreise sowie zu den Asylgründen gestellt. Zu-
dem wurde dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass eine rechtsmedizini-
sche Altersabklärung in Betracht gezogen werde und in diesem Zusam-
menhang wurden in der Folge medizinische Zusatzfragen gestellt.
E.
Am 26. Mai 2021 ersuchte das SEM die griechischen Behörden gestützt
auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in
den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal anwesender Drittstaatsange-
höriger und auf das Abkommen zwischen der Schweiz und Griechenland
über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt vom
28. August 2006 (SR 0.142.113.729) schriftlich um Rückübernahme des
Beschwerdeführers und aufgrund der Minderjährigkeit des Beschwerde-
führers um Garantien betreffend adäquater Unterkunft sowie des Unterlas-
sens einer Inhaftierung.
F.
Mit Eingabe vom 8. Juni 2021 wurde die Tazkira des Beschwerdeführers
D-1202/2022
Seite 3
im Original (vom Vater beantragt und gemäss afghanischem Kalender am
[...] ausgestellt) und eine Ausweiskopie seines Vaters zu den Akten ge-
reicht sowie über einen Wechsel in der Mandatsführung informiert.
G.
Am 14. Juni 2021 teilten die griechischen Behörden mit, der Beschwerde-
führer sei unter dem Geburtsdatum (...) registriert. Der Wiederaufnahme
werde zugestimmt, da dem Beschwerdeführer am 17. November 2019 der
Flüchtlingsstatus zuerkannt worden sei und er über eine bis am 17. Sep-
tember 2022 gültige Aufenthaltsbewilligung verfüge. Dem Gesuch um Ga-
rantien betreffend UMA könne nicht entsprochen werde, da er gemäss Re-
gistrierung volljährig sei.
H.
Am 12. August 2021 wurde durch das Institut für Rechtsmedizin (IRM) der
Universität St. Gallen im Auftrag des SEM eine medizinische Altersabklä-
rung durchgeführt (Altersgutachten vom 18. August 2021), gemäss wel-
cher der Beschwerdeführer in Zusammenschau aller Untersuchungsbe-
funde ein durchschnittliches Lebensalter von (...) bis (...) Jahren habe und
sich zum Zeitpunkt der Untersuchung ein Mindestalter von (...) Jahren er-
gebe. Das vom Beschwerdeführer angegebene Alter von (...) Jahren und
8 Monaten könne nicht zutreffen.
I.
Am 30. August 2021 wurde dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör
zum Altersgutachten vom 18. August 2021 sowie zur Zuständigkeit von
Griechenland gewährt.
J.
In seiner Stellungnahme vom 8. September 2021 führte der Beschwerde-
führer aus, das Leben in Griechenland mache keinen Unterschied zum Le-
ben in Afghanistan. Obwohl er minderjährig gewesen sei, habe er in Grie-
chenland keine Schule besuchen dürfen und keine legale Arbeit erhalten;
er habe illegal auf Feldern gearbeitet (10-12 Arbeitsstunden für 10 Euro).
Staatliche Hilfe habe er nur während drei Monaten erhalten; danach sei er
auf sich selbst gestellt gewesen (Übernachtungen in Parks und bei Kolle-
gen). Seit den jüngsten Ereignissen in Afghanistan mache er sich ständig
Sorgen um seine Familie, er könne nicht schlafen und weine ständig. Nach-
dem er mit einer allfälligen Rückkehr nach Griechenland konfrontiert wor-
den sei, sei die Situation für ihn psychisch nicht mehr tragbar. Unter diesen
D-1202/2022
Seite 4
Umständen wolle er lieber nicht mehr leben. Weiter beantragte er, sein Ge-
burtsdatum sei auf dem (...) zu belassen, er sei umgehend einer psycho-
logischen/psychiatrischen Abklärung zu unterziehen; sein Gesundheitszu-
stand sei in die Entscheidfindung einzubeziehen. Im Falle einer Anpassung
seines Alters auf den (...) im Zentralen Migrationsinformationssystem
(ZEMIS) sei ein Bestreitungsvermerk anzubringen, eine anfechtungsfähige
ZEMIS-Verfügung sei zu erlassen und er sei bis zur Rechtskraft der Alters-
anpassung in die UMA-Strukturen zurückzuführen.
Bezüglich des Altersgutachtens vom 18. August 2021 führte er unter ande-
rem aus, dessen Ergebnisse seien widersprüchlich und wissenschaftlich
fehlerhaft. Diesbezüglich kann weiter auf die Akten verwiesen werden.
K.
Am 16. September 2021 informierte das SEM die griechischen Behörden
über die Änderung seines Geburtsdatums auf den (...) und ersuchte um
eine Bestätigung der Rückübernahme des Beschwerdeführers unter den
neuen Personalien. Am 21. September 2021 bestätigten die griechischen
Behörden erneut die Wiederaufnahme des Beschwerdeführers.
L.
Am 22. September 2021 wurde der Beschwerdeführer medizinisch behan-
delt, wobei eine posttraumatische Störung diagnostiziert sowie der Status
nach Appendektomie (Blinddarmentfernung) kontrolliert wurde.
M.
Mit Verfügung vom 24. September 2021 wurde der Beschwerdeführer dem
Kanton Appenzell Ausserrhoden zugeteilt.
N.
Am 8. Februar 2022 wurde auf Anfrage hin ein Bericht der Klinik (...) mit
Diagnose Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und mittelgradige
depressive Episode mit somatischem Syndrom eingereicht. Gemäss Be-
richt habe der Beschwerdeführer angegeben, in seiner Pubertät sexuelle
Übergriffe erlitten und als Homosexueller bezeichnet worden zu sein, er
habe zudem auf seiner Reise Gewalterfahrungen gemacht und sei kurz-
zeitig in Griechenland in einer Art Gefängnis untergebracht gewesen. Auf-
grund der ausweglosen Situation und der Gewalterlebnisse habe er ver-
sucht, sich in Griechenland an einem Elektrozaun zu suizidieren. Er habe
sich seit den Erlebnissen in Griechenland nicht mehr als Mensch gefühlt
und in letzter Zeit latente Todeswünsche gehegt, sich aber im Erstgespräch
D-1202/2022
Seite 5
von suizidalen Absichten klar distanziert. Seit der Behandlungsaufnahme
Ende November 2021 habe sich sein Zustand leicht stabilisiert und er
scheine auf die medikamentöse Behandlung bisher gut angesprochen zu
haben. Weiterhin würden periodische Stimmungseinbrüche, traumarele-
vante und depressive Beschwerden fortbestehen. Die gegenwärtige Be-
handlung (bis auf Weiteres) beinhalte eine wöchentliche bis alle zwei Wo-
chen stattfindende Gesprächspsychotherapie sowie eine psychopharma-
kologische Therapie. Eine sichere Prognose bezüglich der Entwicklung der
Leiden des Beschwerdeführers könne nicht erstellt werden, doch eine
PTBS würde häufig einen chronischen Verlauf zeigen. Dabei wirke sich die
relativ späte Behandlungsaufnahme ungünstig aus.
O.
Das SEM liess dem Beschwerdeführer am 23. Februar 2022 einen Ent-
scheidentwurf zur Stellungnahme zukommen und der Beschwerdeführer
nahm am 2. März 2022 dazu Stellung.
Dabei führte der Beschwerdeführer aus, nach dem Erhalt des Schutzstatus
in Griechenland habe er noch ungefähr zwei Monate in der Unterkunft blei-
ben können, ehe er von der Polizei herausgeworfen worden sei und zur
weiteren Unterstützung 100 Euro erhalten habe. Er habe keine Informatio-
nen bezüglich Unterstützung beim Einfordern von Sozialleistungen, medi-
zinischer Hilfe sowie beim Suchen einer Unterkunft erhalten. Er habe je-
weils in einem Park geschlafen. Es wurde betont, dass er aufgrund der
Zustände in Griechenland einen Selbstmordversuch unternommen habe.
Der Beschwerdeführer habe bereits in Griechenland aufgrund seiner psy-
chischen Probleme um medizinische Hilfe ersucht. Diese sei ihm mit dem
Hinweis, «er sei hier nicht bei seiner Tante» verwehrt worden. Er habe nicht
gewusst, inwiefern und wo er die notwendige Unterstützung hätte erhalten
können; ohne medizinische Hilfe würde sich sein Gesundheitszustand mit
hoher Wahrscheinlichkeit verschlechtern. Im Falle einer Wegweisung nach
Griechenland werde um die Einholung von Garantien betreffend die Fort-
setzung seiner psychiatrischen Behandlung ersucht.
Bezüglich den allgemeinen Ausführungen zur Situation in Griechenland so-
wie zu seinem Alter kann auf die Akten verwiesen werden.
P.
Mit Verfügung vom 8. März 2022 – gleichentags eröffnet – trat das SEM in
Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG
D-1202/2022
Seite 6
(SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und ord-
nete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Gleichzeitig
hielt das SEM fest, das Geburtsdatum des Beschwerdeführers werde im
ZEMIS auf den (...) geändert (Dispositivziffer 6).
Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung aus, der Beschwerde-
führer verfüge über internationalen Schutz in Griechenland, was die grie-
chischen Behörden explizit bestätigt hätten. Demnach dürfe von ihm er-
wartet werden, sich bei Unterstützungsbedarf an die griechischen Behör-
den zu wenden und die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg
und mithilfe privater und internationaler Organisationen einzufordern. Es
liege nicht an den Schweizer Behörden, sicherzustellen, dass Personen
mit Schutzstatus in Griechenland über ausreichende Lebensgrundlagen
verfügen würden. Im Idealfall könne er sich bereits vor seiner Ausreise aus
der Schweiz um eine Kontaktaufnahme mit den Projektverantwortlichen
des Hellenic Integration Support for Beneficiaries of International Protec-
tion (HELIOS)-Programms bemühen. Weiter sei davon auszugehen, dass
er krankenversichert sei, zumal er über eine AMKA-Sozialversicherungs-
nummer verfüge, die automatisch mit der Schutzgewährung ausgestellt
werde. Zu seinen medizinischen Leiden hielt das SEM fest, während der
Dauer seines Aufenthalts im Bundesasylzentrum sei kein akuter medizini-
scher Notfall aktenkundig. Gemäss dem medizinischen Bericht vom
22. September 2021 liege keine Suizidalität vor. Mit Verweis auf den medi-
zinischen Bericht vom 8. Februar 2022 stellte das SEM fest, der Zugang
zur erforderlichen medizinischen (inklusive allfälliger psychologischer und
psychiatrischer) Behandlung sei in Griechenland gewährleistet, weshalb
auch auf die Einholung von Garantien verzichtet werde; eine allfällige Sui-
zidalität stelle kein Vollzugshindernis dar. Das SEM trage seiner medizini-
schen Situation im Zeitpunkt der Überstellung Rechnung, indem es die
griechischen Behörden über die notwendige medizinische Behandlung in-
formiere.
Bezüglich den allgemeinen Ausführungen zur Situation in Griechenland so-
wie zu seinem Alter kann auf die Akten verwiesen werden.
Q.
Mit Eingabe vom 9. März 2022 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung und beantragte
sinngemäss die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung, verbunden
mit der Anweisung an das SEM, auf das Asylgesuch einzutreten und dieses
D-1202/2022
Seite 7
materiell zu prüfen, sowie die vorläufige Aufnahme zu erteilen und eventu-
aliter die Vorinstanz anzuweisen, bei den griechischen Behörden eine indi-
viduelle Garantieerklärung betreffend psychische Behandlung einzuholen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses ersucht.
Der Beschwerdeführer machte dabei geltend, er sei bereits im Ausreise-
zeitpunkt in einer existenziellen Notlage gewesen. Er habe lediglich wäh-
rend drei Monaten staatliche Unterstützung erhalten und unter miserablen
Bedingungen illegale Arbeitsleistungen (10-12 Arbeitsstunden für 10 Euro)
erbracht sowie bei Kollegen oder in Parks übernachten müssen. Er habe
keine Informationen bezüglich Unterstützung erhalten und sei in Griechen-
land auf sich alleine gestellt gewesen. Er spreche weder Griechisch noch
Englisch, weshalb eine zeitnahe Integration in den griechischen Arbeits-
markt äusserst unwahrscheinlich erscheine und er gezwungen sei, im in-
formellen Sektor zu arbeiten, wodurch er Missbrauch ausgesetzt sei. In
Griechenland müsse er faktisch auf der Strasse leben; Nichtregierungsor-
ganisationen (NGO) würden nur in sehr geringem Umfang Wohnraum an-
bieten. Es sei auch nicht ersichtlich, inwiefern er Unterstützungsleistungen
durch HELIOS in Anspruch nehmen könne. Das SEM widerspreche sich,
indem es einerseits argumentiere, Personen mit Schutzstatus seien grie-
chischen Bürgern gleichgestellt und ihn andererseits auf Hilfsorganisatio-
nen verweise; Griechenland sei nicht schutzfähig, wenn die elementarsten
Bedürfnisse nicht gedeckt werden könnten. Es bestehe ein konkretes Ri-
siko, dass er im Zuge einer Überstellung nach Griechenland in dieselben
Lebensumstände zurückgeworfen werden würde. Angesichts seines nied-
rigen Bildungsstands, seiner Mittellosigkeit und der fehlenden Sprach-
kenntnisse würde ihm der Rechtsweg faktisch versperrt bleiben; es könne
ihm nicht zugemutet werden, langwierige Verfahren ohne aufschiebende
Wirkung in Kauf zu nehmen. Weiter verwies er auf seinen schlechten psy-
chischen Gesundheitszustand und den Arztbericht vom 8. Februar 2022
(vgl. Sachverhalt Bst. K) und betonte, dass die blosse Aussicht auf eine
Wegweisung nach Griechenland in ihm latente Todeswünsche wecke. Auf-
grund der Zustände in Griechenland habe er bereits einen Selbstmordver-
such unternommen. Eine Fortsetzung der gegenwärtigen Therapie (Psy-
chotherapie sowie Einnahme von Psychopharmaka) sei zwingend erfor-
derlich. Es bestehe ein hohes Risiko, dass ihm in Griechenland auch zu-
künftig die medizinische Grundversorgung und die für ihn dringend notwen-
D-1202/2022
Seite 8
dige Psychotherapie verwehrt bleibe. Eine Überstellung nach Griechen-
land würde zu einer Verschlechterung seines Gesundheitszustands und ei-
ner Situation extremer materieller Not und Obdachlosigkeit führen.
Bezüglich den Ausführungen zur allgemeinen Situation in Griechenland
kann auf die Akten verwiesen werden.
R.
Mit Zwischenverfügung vom 17. März 2022 stellte die zuständige Instrukti-
onsrichterin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens
in der Schweiz abwarten und hiess die Gesuche um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung sowie um Befreiung von der Kostenvor-
schusspflicht gut. Die Vorinstanz wurde zur Vernehmlassung eingeladen.
S.
In seiner Vernehmlassung vom 21. März 2022 hielt das SEM vollumfäng-
lich an seinen Erwägungen fest, nahm Stellung zur aktuellen Rechts- und
Sachlage, inklusive den vom Beschwerdeführer zitierten Berichten der Stif-
tung Pro Asyl und RSA zur aktuellen Lage, und beantragte die Abweisung
der Beschwerde.
T.
In seiner Replik vom 31. März 2022 bemängelte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen, dass sich die Angaben des SEM hauptsächlich auf die An-
gaben der griechischen Regierung stützen würden.
U.
Mit Zwischenverfügung vom 29. April 2022 lud die Instruktionsrichterin das
SEM vor dem Hintergrund des neuen Referenzurteils E-3427/2021,
E-3431/2021 vom 28. März 2022 zu einer zweiten Vernehmlassung ein.
V.
In seiner zweiten Vernehmlassung vom 10. Juni 2022 hielt das SEM fest,
dass das Bundesverwaltungsgericht in diversen Urteilen betreffend Perso-
nen mit einer PTBS und zum Teil depressiven Episoden die Wegweisung
nach Griechenland vor dem Hintergrund des Referenzurteils E-3427/2021,
E-3431/2021 bestätigt habe. Zudem werde das SEM dem aktuellen Ge-
sundheitszustand des Beschwerdeführers bei der Organisation der Über-
stellung nach Griechenland Rechnung tragen, indem es die griechischen
Behörden über seinen Gesundheitszustand und die notwendige medizini-
sche Behandlung (die im Übrigen in Griechenland erhältlich sei) informiere.
Schliesslich sei der Beschwerdeführer aus Sicht des SEM kein UMA.
D-1202/2022
Seite 9
W.
Mit Replik vom 21. Juni 2022 hielt der Beschwerdeführer fest, gemäss dem
Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 sei in der Praxis der Zugang zur
medizinischen Versorgung auch für ausländische Personen wegen eines
erheblichen Ressourcen- und Kapazitätsmangels erheblich erschwert wor-
den, wobei internationale Schutzberechtigte einer restriktiven Medikamen-
tenausgabe unterworfen seien. Medikamente würden nicht mehr kostenlos
in Spitälern abgegeben, sondern müssten in Apotheken bezogen werden.
Vor diesem Hintergrund sei dem Beschwerdeführer die medizinische Hilfe
in Griechenland verwehrt worden. Mit der blossen Information an die grie-
chischen Behörden sei nicht garantiert, dass er die notwendige medizini-
sche Behandlung tatsächlich erhalten werde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-
handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM; dabei entschei-
det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vor-
liegend – endgültig (vgl. dazu Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG und
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
D-1202/2022
Seite 10
3.
3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.2 Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb das
Bundesverwaltungsgericht diese Punkte insoweit ohne Einschränkung
prüft.
3.3 Die Frage der Datenberichtigung im ZEMIS ist demgegenüber nicht
Prozessgegenstand des vorliegenden Verfahrens, zumal diesbezüglich auf
Beschwerdeebene weder explizit noch implizit Antrag gestellt wurde. Die
Dispositivziffer 6 (ZEMIS-Berichtigung) der angefochtenen Verfügung ist
somit unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
4.
Vom Beschwerdeführer wird im Sinne eines Eventualantrages die Aufhe-
bung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz beantragt. Indem er dem SEM unter Vorlage von verschiedenen
Berichten eine angeblich unzutreffende Wahrnehmung der Verhältnisse in
Griechenland vorhält, vermengt er jedoch die Frage der Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhaltes mit der Frage der rechtlichen Würdigung
der Sache. Alleine der Umstand, dass das SEM auf Grundlage anerkannter
Quellen – insbesondere der Internationalen Organisation für Migration
(IOM) und des Hohen Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen
(UNHCR) – einer anderen Einschätzung der Lage in Griechenland folgt,
als vom Beschwerdeführer gefordert, stellt weder eine ungenügende Sach-
verhaltsfeststellung noch eine Verletzung der Begründungspflicht dar.
Gleichzeitig ist darauf hinzuweisen, dass das SEM in seiner Vernehmlas-
sung vom 21. März 2022 zum vom Beschwerdeführer zitierten Bericht von
Pro Asyl und RSA Stellung genommen hat.
5.
5.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch in der
Regel nicht eingetreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach
Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren
kann, in welchem sie sich vorher aufgehalten hat.
D-1202/2022
Seite 11
5.2 Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellun-
gen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG
besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Mit Be-
schluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche Län-
der der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandelsasso-
ziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet.
5.3 Die Vorinstanz stellt in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest,
dass es sich bei Griechenland als Mitgliedstaat der Europäischen Union
(EU) um einen sicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG
handelt. Den vorinstanzlichen Akten ist sodann zu entnehmen, dass dem
Beschwerdeführer in Griechenland internationaler Schutz gewährt worden
ist und die griechischen Behörden seiner Rückübernahme ausdrücklich zu-
gestimmt haben. Demnach sind die Voraussetzungen für einen Nichtein-
tretensentscheid nach Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG erfüllt, weshalb das
SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht nicht eingetre-
ten ist.
6.
6.1 Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Regel
die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berück-
sichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
D-1202/2022
Seite 12
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie aufgrund von Situationen wie Krieg, Bür-
gerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind.
7.3
7.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Referenzurteil
E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 einlässlich mit der Situation
in Griechenland auseinandergesetzt und an seiner bisherigen Rechtspre-
chung festgehalten, wonach der Vollzug der Wegweisung nach Griechen-
land für Personen, die dort einen Schutzstatus erhalten haben, grundsätz-
lich zulässig ist. Das Gericht geht nicht von einer Situation aus, in der jeder
Person mit Schutzstatus in Griechenland eine unangemessene und ernied-
rigende Behandlung im Sinne einer Verletzung von Art. 3 EMRK drohen
würde. Trotz existierender Schwachstellen kann nicht von einem dysfunk-
tionalen Aufnahmesystem gesprochen werden. Gewisse Angebote existie-
ren in Griechenland, die auch für Schutzberechtigte offenstehen, wenn
auch die Kapazitäten kaum ausreichend sein dürften und Infrastrukturhilfen
und Angebote bisher vor allem von internationalen Akteuren, zuvorderst
der EU, dem UNHCR und der IOM abhängen, die – in Zusammenarbeit mit
der lokalen Zivilgesellschaft – Leistungen erbringen und finanzieren. Trotz
dieser schwierigen Verhältnisse geht das Bundesverwaltungsgericht davon
aus, dass schutzberechtigte Personen grundsätzlich in der Lage sind, ihre
existenziellen Bedürfnisse abzudecken. Auch ist davon auszugehen, dass
Rückkehrenden keine menschenunwürdige Behandlung droht, weshalb für
sie kein «real risk» einer völkerrechtswidrigen Behandlung besteht. An die-
ser Einschätzung vermögen auch die vom Beschwerdeführer sowohl im
erstinstanzlichen Verfahren als auch auf Beschwerdeebene angerufenen
Länderberichte und Urteile deutscher Verwaltungsgerichte nichts zu än-
dern.
7.3.2 Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass
eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist
(Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 E. 11.3). Die Legalvermutung
der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung gilt bezüglich Griechen-
land grundsätzlich auch für vulnerable Personen, wie zum Beispiel
Schwangere oder Personen, die an gesundheitlichen Problemen leiden,
D-1202/2022
Seite 13
die nicht als schwerwiegende Erkrankung einzustufen sind (vgl. a.a.O
E. 11.5.1).
7.4 Es obliegt der betroffenen Person, diese Legalvermutungen umzustos-
sen. Dazu hat sie ernsthafte Anhaltpunkte dafür vorzubringen, dass die Be-
hörden im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwen-
digen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen
aussetzen würden respektive, dass sie in Griechenland aufgrund von indi-
viduellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in
eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. Referenzurteil E-3427/2021,
E-3431/2021 E. 11.4).
7.4.1 Der Beschwerdeführer hat in Griechenland den Flüchtlingsstatus er-
halten. Demnach kann er sich auf die Garantien in der Qualifikationsricht-
linie berufen (insbesondere die Regeln betreffend den Zugang zu Beschäf-
tigung [Art. 26], zu Bildung [Art. 27], zu Sozialhilfeleistungen [Art. 29], zu
Wohnraum [Art. 32] und zu medizinischer Versorgung [Art. 30]), auf die
sich Griechenland als EU-Mitgliedstaat behaften lassen muss. Aufgrund
der Akten liegen auch keine Anhaltspunkte dafür vor, dass er für den Fall
einer Rückkehr nach Griechenland dort mit beachtlicher Wahrscheinlich-
keit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be-
handlung ausgesetzt wäre. Der Beschwerdeführer macht geltend, in Grie-
chenland in Parks und bei Kollegen übernachtet und unter misslichen Um-
ständen gearbeitet zu haben. Er macht indessen nicht geltend, sich wäh-
rend seines Aufenthalts in Griechenland diesbezüglich vergeblich um Hilfe
oder Unterstützung seitens der Behörden bemüht zu haben. Auch unter
Berücksichtigung der Schwächen des griechischen Aufnahmesystems ver-
mag allein die blosse Möglichkeit, in nicht absehbarer Zeit aus nicht
voraussehbaren Gründen in eine missliche Lebenssituation zu geraten, die
hohe Schwelle zum «real risk» nicht zu erreichen, womit sich der Vollzug
der Wegweisung als zulässig erweist.
7.4.2 Auch unter dem Aspekt der Zumutbarkeit hat die Vorinstanz den Voll-
zug der Wegweisung mit zutreffender Begründung bejaht. Vorliegend hat
der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben zwei Jahre und 6-7 Mo-
nate (vgl. EB UMA Ziff. 2.06) in Griechenland gelebt – zumindest teilweise
auch selbständig und als Volljähriger ausserhalb des Camps, was auf eine
gewisse Selbstständigkeit hindeutet. Selbst wenn die Lebensbedingungen
in Griechenland für den Beschwerdeführer eine Herausforderung darstel-
len und eine adäquate Eingliederung in die sozialen Strukturen Griechen-
lands mit nicht zu verkennenden Erschwernissen verbunden ist, liegen
D-1202/2022
Seite 14
keine Hinweise für die Annahme vor, dass er bei einer Rückkehr nach Grie-
chenland einer existenziellen Notlage ausgesetzt wäre. Weil er über eine
gültige griechische Aufenthaltsbewilligung verfügt, hat er grundsätzlich Zu-
gang zu Sozialleistungen, zum griechischen Stellenmarkt und zur Gesund-
heitsversorgung. Anspruch hat er ebenso auf diesbezügliche Gleichbe-
rechtigung mit griechischen Staatsangehörigen. Insofern darf von ihm er-
wartet werden, sich bei Unterstützungsbedarf und der Geltendmachung
seines Anspruchs sowie allfälligen Verfahrensverletzungen an die griechi-
schen Behörden zu wenden und die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem
Rechtsweg einzufordern. Schliesslich scheint der Beschwerdeführer über
mögliche Hilfsangebote informiert zu sein (Hilfsorganisationen würden
Mahlzeiten zur Verfügung stellen vgl. EB UMA Ziff. 8.01). Somit dürfte der
zwar junge, aber bereits volljährige Beschwerdeführer in der Lage sein,
sich bei Bedarf an geeignete Institutionen sowie NGOs zu wenden.
7.4.3 Hinsichtlich des geltend gemachten medizinischen Sachverhalts ist
festzustellen, dass die psychische Erkrankung des Beschwerdeführers
(PTBS und mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom,
weshalb er in psychopharmakologischer sowie psychotherapeutischer Be-
handlung ist) grundsätzlich in Griechenland behandelbar ist (vgl. Urteil des
BVGer D-3218/2022 vom 3. August 2022). Demnach wird der Beschwer-
deführer in Griechenland die notwendigen Medikamente erhalten, selbst
wenn er nicht nahtlos weiter behandelt werden kann. Aus dem Umstand,
dass er in Griechenland angeblich nicht unverzüglich behandelt worden
sei, vermag er nichts zu seinen Gunsten abzuleiten, zumal er auch diesbe-
züglich den Rechtsweg einschlagen könnte (vgl. E 7.4.2). Weiter ist es ihm
– da er in Griechenland bereits um medizinische Hilfe ersucht hatte –
grundsätzlich möglich, medizinische Leistungen in Anspruch zu nehmen,
wobei es ihm unbenommen bleibt ein öffentliches Krankenhaus aufzusu-
chen (vgl. Urteil des BVGer D-1383/2022 vom 31. März 2022 E. 6.6). Ge-
mäss den Angaben im Arztbericht vom 8. Februar 2022 und seinen ent-
sprechenden Stellungnahmen (zum rechtlichen Gehör vom 2. März 2022
und der Beschwerde vom 9. März 2022) hat er in Griechenland einen Sui-
zidversuch begangen. In der Zwischenzeit hat sich der Beschwerdeführer
jedoch von einer akuten Suizidalität distanziert, weshalb im heutigen Zeit-
punkt nicht von einer derart schwerwiegenden Erkrankung oder stark aus-
geprägten und wiederholten Suizidalität auszugehen wäre, die der Zumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs entgegenstehen würde. Diesbezüglich
ist zu bemerken, dass auch eine vorübergehende Suizidalität als Reaktion
auf einen negativen Asylentscheid dem Vollzug der Wegweisung in aller
D-1202/2022
Seite 15
Regel nicht entgegensteht (vgl. Urteil des BVGer D-5620/2021 vom 19. Ja-
nuar 2022 E. 7.4.1). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass er zumindest
vorübergehend die medizinische Rückkehrhilfe, beispielsweise in der Form
der Mitgabe von Medikamenten oder der Übernahme von Kosten für not-
wendige Therapien, in Anspruch nehmen kann (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d
AsylG, Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR
142.312]). Dem psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
ist auch bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen.
7.4.4 Aufgrund der Aktenlage ist somit nicht davon auszugehen, der Be-
schwerdeführer gerate bei einer Rückkehr nach Griechenland zwangsläu-
fig in eine seine Existenz gefährdende Situation. Damit ist der Vollzug der
Wegweisung zumutbar.
7.4.5 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer auch unter Be-
rücksichtigung der aktuellen bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtspre-
chung nicht gelungen, die Regelvermutungen umzustossen (vgl. Referenz-
urteil E3427/2021, E-3431/2021 E. 11.5). Damit erweist sich der Wegwei-
sungsvollzug als zulässig und zumutbar. Angesichts dessen besteht auch
kein Anlass zur Einholung individueller Garantien betreffend psychischer
Beschwerden (vgl. Urteil des BVGer E-2169/2020 vom 13. Mai 2020
E. 8.4). Das entsprechende Begehren ist abzuweisen.
7.5 Es ist schliesslich auch ohne weiteres von der Möglichkeit des Weg-
weisungsvollzugs auszugehen (Art. 83 Abs. 2 AIG), da sich Griechenland
– wie schon im Rahmen der Prüfung der Voraussetzungen von Art. 31a
Abs. 1 Bst. a AsylG festgestellt (vgl. oben, E. 5.3) – ausdrücklich zu einer
Wiederaufnahme des Beschwerdeführers bereit erklärt hat.
7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom
D-1202/2022
Seite 16
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung mit Zwischenverfügung vom
17. März 2022 gutgeheissen wurde und es keine Hinweise auf eine mass-
gebliche zwischenzeitliche Veränderung gibt, sind jedoch keine Kosten
aufzuerlegen.
(Dispositiv nächste Seite)
D-1202/2022
Seite 17