Decision ID: 6c71b985-f9de-5289-80e7-34b42d96eb77
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.Y., geboren 1998, besuchte im Schuljahr 2016/2017 die zweite Klasse der
Fachmittelschule (nachfolgend FMS), Berufsfeld Gesundheit, an der Kantonsschule X.
Mit Verfügung vom 3. Juli 2017 teilte die Rektorin der Kantonsschule X. A.Y. mit, dass
sie am Ende des Schuljahres die Bedingungen für die definitive Promotion nicht erfüllt
habe und removiert werde. Die Promotionskonferenz habe dieses Ergebnis unter
Berücksichtigung der Noten in den Promotionsfächern an der Sitzung vom 30. Juni
2017 festgestellt. Gemäss den Noten im Zeugnis vom 7. Juli 2017 erzielte A.Y.
aufgrund ungenügender Noten in den Fächern Französisch, Mathematik und
Geschichte und Staatslehre einen Differenznotenpunkt von -1.
B. Mit Eingabe vom 15. August 2017 reichte A.Y. einen „nachträglichen“ Rekurs sowie
ein Gesuch um Wiederherstellung der Frist zur Einreichung eines Rekurses beim
Erziehungsrat ein. Sie beantragte sinngemäss die Aufhebung der Verfügung und
Promotion in die dritte Klasse. Die Frist habe sie aufgrund eines Missverständnisses
mit der Prorektorin verpasst. Betreffend die Promotion führte sie aus, dass sie diese
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nicht geschafft habe, weil sie in der letzten Geschichtsprüfung zu Unrecht zu wenig
Punkte erhalten habe.
C. In den Stellungnahmen vom 28. August 2017 und 4. September 2017 stimmten
sowohl die Rektorin als auch die Prorektorin der Kantonsschule X. der
Wiederherstellung der Frist zu. Gleichzeitig beantragten sie die Abweisung des
Rekurses. Sie verwiesen dazu auf die Stellungnahme der Geschichtslehrerin von A.Y.,
Frau K.S., vom 18. Juli 2017. Diese gab eine allgemeine Einschätzung zu A.Y. und
konkret zur bestrittenen Prüfung ab und kam zum Schluss, dass die Zeugnisnote von
3.5 im Fach Geschichte und Staatslehre die Leistung von A.Y. widerspiegle.
D. Nach Abschluss des doppelten Schriftenwechsels beschloss der Erziehungsrat in
der Sitzung vom 18. Oktober 2017 (Versand: 23. Oktober 2017), dass der Rekurs
abgewiesen werde. Es würden keine Anhaltspunkte vorliegen, welche auf eine
willkürliche Beurteilung oder auf gravierende Mängel im Verfahrensablauf schliessen
lassen würden. Es sei erstellt, dass die mathematisch korrekte Abrundung der
Durchschnittsnote von 3.65 auf die Zeugnisnote 3.5 im Fach Geschichte und
Staatslehre nicht zu beanstanden sei.
E. Gegen diesen Entscheid legte A.Y. mit Eingabe vom 7. November 2017
(Postaufgabe) Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein mit dem sinngemässen
Rechtsbegehren auf Aufhebung des Entscheides des Erziehungsrates. Innert Nachfrist
ergänzte A.Y. ihre Beschwerde. Sie machte im Wesentlichen geltend, dass es ihr
lediglich wegen eines fehlenden Punktes bei der Geschichtsprüfung nicht zur
Promotion gereicht habe.
F. Der Erziehungsrat ersuchte in seiner Vernehmlassung vom 6. Dezember 2017 um
Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdeführerin.
Denselben Antrag stellte auch die Rektorin der Kantonsschule X. in ihrer
Vernehmlassung vom 11. Dezember 2017. Auf die weiteren Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
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1. (...).
2. Der Beschwerde an das Verwaltungsgericht kommt von Gesetzes wegen
aufschiebende Wirkung zu (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 Abs. 1 VRP). Das
bedeutet, dass der angefochtene (Nichtpromotions-/Remotions-)Entscheid während
der Dauer des Beschwerdeverfahrens grundsätzlich noch keine Wirkung entfalten kann
(Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen – dargestellt an den
Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, St.Gallen 2013, 2. Auflage, Rz. 1096). Im
Zeitpunkt des Beschwerdeentscheides besucht die Beschwerdeführerin daher (noch)
die dritte Klasse der FMS. Selbst wenn sich der Notendurchschnitt gemäss eigenen
Angaben der Beschwerdeführerin derzeit im genügenden Bereich bewegen sollte, ist
die Beschwerde dadurch nicht gegenstandslos geworden. Vielmehr ist der Entscheid
über die Nichtpromotion/Remotion, und damit die Frage, ob sie das zweite Schuljahr
wiederholen muss, lediglich aufgeschoben worden. Die aufschiebende Wirkung im
Beschwerdeverfahren verschafft ihr diesbezüglich daher keine zusätzliche (bessere)
Rechtsposition bezüglich der im Streit liegenden Nichtpromotion/Remotion (vgl. dazu
VerwGE B 2016/172 vom 26. Oktober 2016 E. 4.1). Im Unterliegensfall hat sie das
zweite Schuljahr zu wiederholen.
3. Vor Verwaltungsgericht können gemäss Art. 61 Abs. 1 und Abs. 2 VRP nur
Rechtsverletzungen sowie die unrichtige Feststellung des Sachverhalts gerügt werden;
die Rüge der Unangemessenheit ist – mit hier nicht einschlägigen Ausnahmen –
ausgeschlossen. Im Rahmen von Ermessensentscheiden stellen der Missbrauch sowie
die Überschreitung oder Unterschreitung des Ermessensspielraums
Rechtsverletzungen dar. Demgegenüber stellt die bloss unzweckmässige Ausübung
des Ermessens keine Rechtsverletzung dar und kann vor Verwaltungsgericht nicht
gerügt werden. Eine Ermessensüberschreitung liegt vor, wenn die Behörde Ermessen
ausübt, wo für dieses nach Gesetz kein Raum besteht. Eine Ermessensunterschreitung
liegt vor, wenn sich eine Behörde gebunden fühlt, obwohl ihr Ermessen zusteht bzw.
sie auf die Ausübung des ihr zustehenden Ermessens ganz oder teilweise verzichtet.
Ermessensmissbrauch wird angenommen, wenn die Ermessensausübung nicht
pflichtgemäss erfolgte, namentlich wenn sie von sachfremden Kriterien geleitet oder
überhaupt unmotiviert ist. Die Ermessensbetätigung hat sich an den allgemeinen
Rechtsgrundsätzen, den verwaltungsrechtlichen Grundprinzipien und den (weiteren)
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verfassungsrechtlichen Schranken, insbesondere den Grundsatz der Rechtsgleichheit,
der Verhältnismässigkeit oder das Verbot der Willkür, zu orientieren (vgl. zum Ganzen
Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl., St. Gallen
2003, Rz. 739ff.).
4. Unter Umständen steht bereits die Natur der Streitsache einer unbeschränkten
Nachprüfung des angefochtenen Entscheids entgegen. Diesfalls ist eine (weitere)
Einschränkung der Kognition auch ohne gesetzliche Grundlage zulässig und verletzt
den Gehörsanspruch der Parteien (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101, BV) nicht. Namentlich bei der materiellen
Bewertung von Prüfungsleistungen (Benotung) ist dies der Fall. Allerdings bedeutet das
nur, dass sich die entscheidende Behörde Zurückhaltung bei der Ausübung ihrer
(Rechts-) Kontrolle auferlegen kann. Dogmatisch betrachtet handelt es sich dabei
eigentlich nicht um eine Einschränkung der Kognition, sondern um eine Herabsetzung
der Prüfungsdichte bei grundsätzlich unveränderter Kognition. In solchen Fällen ist es
zulässig, wenn die Rechtsmittelbehörde erst einschreitet, wenn die Bewertung nicht
nachvollziehbar ist, offensichtliche Mängel aufweist oder auf sachfremden Kriterien
beruht (vgl. z.B. BGE 106 Ia 1 E. 3c; BGer 2P.44/2007 vom 2. August 2007 E. 2.2; 2P.
137/2004 vom 19. Oktober 2004 E. 3.2.3; 2; VerwGE B 2014/151 vom 4. Dezember
2014 E. 2.2; VGr ZH VB.2010.00651 vom 13. Juli 2011 E. 2.2, www.vgr.zh.ch). Diese
Zurückhaltung ist jedoch lediglich bei der an sich freien Überprüfung von
Bewertungsfragen zulässig. Rügen, die organisatorische bzw. verfahrensrechtliche
Gesichtspunkte oder die Auslegung und Anwendung von Rechtssätzen betreffen,
haben die Rechtsmittelinstanzen im Rahmen ihrer Kognition uneingeschränkt zu
überprüfen (VerwGE B 2014/151 vom 4. Dezember 2014 E. 2.2 und B 2014/108 vom
16. September 2014 E. 4.1 mit Hinweisen).
5. Streitgegenstand ist die Nichtpromotion der Beschwerdeführerin nach Ende des
vierten Semesters an der FMS und die Anordnung der Wiederholung der
vorangehenden (zweiten) Klasse. Somit liegt ein gestützt auf schulische
Leistungsbewertungen gefällter Ermessensentscheid vor. Dies wiederum bedeutet,
dass dem Verwaltungsgericht eine Kontrolle der Angemessenheit des
Zuweisungsentscheids verwehrt ist; es würde deshalb nur bei einem eigentlichen
Ermessensfehler einschreiten. Eine weitere Einschränkung (der Kognition) ergibt sich
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im Übrigen daraus, dass das Verwaltungsgericht nicht über besonderes
pädagogisches Fachwissen verfügt. Es überprüft deshalb die fachlichen Leistungen
von Schulbehörden mit Zurückhaltung bzw. es setzt seine Prüfungsdichte weiter herab
(VerwGE B 2014/151 vom 4. Dezember 2014 E. 2.3). Es setzt sich nur insoweit mit den
Rügen der Beschwerdeführerin auseinander, als diese vorbringt, der
Zuweisungsentscheid sei nicht nachvollziehbar, weise offensichtliche Mängel auf oder
beruhe auf sachfremden Kriterien.
6. Dem angefochtenen Entscheid des Erziehungsrates liegt eine Nichtpromotions-/
Remotionsverfügung der Kantonsschule X. zugrunde, wo die Beschwerdeführerin die
FMS, Berufsfeld Gesundheit, besucht. Die FMS wiederum ist eine staatliche
Mittelschule, weshalb bei der Prüfung der im Raum stehenden Fragen das
Mittelschulgesetz sowie die dazugehörige Verordnung zu berücksichtigen sind (Art. 1
Abs. 1 und Art. 2 Abs. 1 lit. c des Mittelschulgesetzes [sGS 215.1, MSG]). Bei der
durch den Rekursentscheid ersetzten Verfügung handelt es sich um ein Zeugnis im
Sinne von Art. 34 MSG, weil darin die Leistungen der Beschwerdeführerin am Ende des
Schuljahres mit Noten bewertet werden. Art. 14 der Mittelschulverordnung [sGS
215.11, MSV]) regelt die Leistungsbewertung. Gemäss Abs. 1 werden im Zeugnis die
Leistungen mit Noten von 6 bis 1 bewertet. Die Noten 6 bis 4 bezeichnen genügende
Leistungen, die Noten unter 4 ungenügende Leistungen. Halbe Noten sind zulässig.
Gestützt auf Art. 35 MSG ordnen Reglemente des Erziehungsrates Aufnahme,
Beförderung, Übertritt und Abschlussprüfung.
Der Erziehungsrat seinerseits hat am 20. Juni 2007 ein Promotionsreglement für
Fachmittelschulen erlassen (nachfolgend Promotionsreglement, Fassung gültig für das
Schuljahr 2016/2017). Die Promotionskonferenz ist zuständig für den Entscheid der
Promotion/Nichtpromotion, soweit das Promotionsreglement nichts anderes bestimmt.
Beschlüsse werden durch einfaches Mehr der anwesenden Lehrkräfte, welche die
Schülerin oder den Schüler unterrichtet haben, gefasst (Art. 14 des
Promotionsreglements). Nach Art. 2 des Promotionsreglements sind die Noten in den
Promotionsfächern nach dem Anhang des Erlasses massgebend. Diesem Anhang ist
zu entnehmen, dass im dritten und vierten Semester die Fächer Deutsch, Englisch,
Französisch, Mathematik, integrierte Naturwissenschaften, Geschichte und
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Staatslehre, Wirtschaft und Recht, Musik, Gestalten, Sport und Welt/Leben/Religion
oder Philosophie/Ethik massgebend sind.
6.1. Die Beschwerdeführerin erreichte in den Promotionsfächer im zweiten Semester
des Schuljahres 2016/2017 folgende Noten:
Deutsch 4.0
Englisch 4.5
Französisch 3.5
Mathematik 3.0
Integrierte Naturwissenschaften 4.0
Geschichte und Staatslehre 3.5
Wirtschaft und Recht 4.5
Musik 4.0
Gestalten 5.0
Sport 4.5
Philosophie/Ethik 4.5
Differenznotenpunkte -1
Definitiv promoviert wird, wessen doppelte Summe der Notenabweichungen unter 4
nicht grösser als die Summe der Notenabweichungen von 4 nach oben ist (Art. 3 des
Promotionsreglements). Nicht promoviert wird, wer am Ende des 4. Semesters die
Voraussetzungen nach Art. 3 dieses Erlasses nicht erfüllt. Wer nicht promoviert wird,
wiederholt die vorangehende Klasse (Art. 5 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 und Abs. 2 des
Promotionsreglements). Vorliegend übersteigt die doppelte Summe der
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Notenabweichungen unter vier (Französisch 3.5, Mathematik 3.0 und Geschichte und
Staatslehre 3.5 = 4) die Summe der Notenabweichungen von vier nach oben ((Deutsch
4.0, Englisch 4.5, integrierte Naturwissenschaften 4.0, Wirtschaft und Recht 4.5, Musik
4.0, Gestalten 5.0, Sport 4.5 und Philosophie/Ethik 4.5 = 3).
7. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sie die Promotion wegen eines
fehlenden Punktes in (einer im Verlauf des Semesters durchgeführten)
Geschichtsprüfung nicht geschafft habe. Ihrer Meinung nach habe sie diesen ihr nun
für eine Promotion fehlenden Punkt jedoch verdient. Es sei eine Interpretationsaufgabe
und ihre Begründung sei nachvollziehbar gewesen. Sie finde es im Übrigen
unverhältnismässig, nur wegen eines einzigen Punktes in einer einzigen Prüfung ein
ganzes Jahr zu wiederholen. Die Ablehnung ihres Rekurses werde einzig mit ihrer
fehlenden mündlichen Mitarbeit begründet; das Ergebnis der Geschichtsprüfung sei
nicht weiter überprüft worden.
7.1. Die Schülerinnen und Schüler erhalten nach jedem Schulsemester ein schriftliches
Zeugnis. Das Zeugnis bewertet ihre Leistung und ihre Arbeitshaltung und wird ihnen
mittels Verfügung eröffnet. Da die Klausurnoten dem Kind bzw. den Eltern nicht als
Verfügung eröffnet, sondern lediglich zur Kenntnis gebracht werden und „direkt“ in die
Zeugnisnoten einfliessen, muss im Rahmen eines späteren Rekurses gegen die
Zeugnisnoten ihre nachträgliche Überprüfung möglich sein (J. Raschle, Schulrecht der
Volksschule im Kanton St.Gallen, Rorschach 2008, 2. Auflage, S. 102ff.). Hat ein
Schüler die Anforderungen, die mit dem Zeugnis zu erfüllen sind, nicht erreicht und hat
dieser Umstand Einfluss auf sein weiteres schulisches Fortkommen (z.B.
Rückversetzung), so kann er grundsätzlich jede Note anfechten (H. Plotke,
Schweizerisches Schulrecht, Bern 2003, 2. Auflage, S. 713).
7.2. Die Beschwerdegegnerin legt ihrem Entscheid betreffend die Notengebung im
Fach Geschichte und Staatslehre u.a. die Stellungnahme der Geschichtslehrerin der
Beschwerdeführerin zugrunde (act. 11/7a/2). Darin machte diese einerseits
Ausführungen zur allgemeinen Einschätzung sowie anderseits zu den einzelnen
Aufgaben der von der Beschwerdeführerin bemängelten Prüfung. Sie hielt ferner fest,
dass die Schülerinnen und Schüler zu Beginn des Semesters darüber informiert
würden, dass sich die Note im Fach Geschichte aus zwei schriftlichen Prüfungen
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zusammensetze. Zusätzlich werde die mündliche Beteiligung im positiven Sinne bei der
Rundung berücksichtigt. Dabei könne ein Notenschnitt um höchstens drei Zehntel
verbessert werden und dies nur, wenn sich die Schülerin oder der Schüler aktiv
mündlich beteilige und für das Lektionsthema wertvolle und korrekte Beiträge liefere.
Die Geschichtslehrerin erläuterte ferner auch den Ablauf einer Prüfungsbesprechung,
wies jedoch darauf hin, dass die Beschwerdeführerin mit ihrer Prüfung nicht bei ihr
vorbeigekommen sei. Erst am letzten Schultag sei sie zu ihr gekommen; eine Woche
nachdem der Entscheid gefallen sei, dass sie repetieren müsse. Dabei habe sie
gebeten, nach allfälligen Punkten zu suchen, die sie noch verdient hätte. Da der
Entscheid bereits gefasst gewesen sei, sei die Beschwerdeführerin von der Lehrerin auf
den Rechtsmittelweg verwiesen worden. In der angeführten Stellungnahme sei die
Lehrerin konkret auf jede einzelne Prüfungsaufgabe eingegangen und habe
nachvollziehbar aufgezeigt, was von den Prüflingen erwartet worden wäre, und welche
konkreten Mängel die von der nunmehrigen Beschwerdeführerin abgegebenen
Prüfungsantworten der Beschwerdeführerin aufgewiesen hätten.
7.3. Wie bereits im vorinstanzlichen Verfahren äussert sich die Beschwerdeführerin
auch im Beschwerdeverfahren nicht konkret und substantiiert zu der ihr
entgegengehaltenen Bewertung der einzelnen Prüfungsaufgaben. Sie führt lediglich
aus, dass es sich um eine Interpretationsaufgabe handle und ihre Begründung
nachvollziehbar gewesen sei. Sinngemäss kann aus der Beschwerdeergänzung vom
18. November 2017 abgeleitet werden, dass sie die Bewertung der damals gestellten
Aufgabe Nr. 5 in Frage stellt, welche bereits im Rekursverfahren strittig war. Bei dieser
Aufgabe wurden die Schülerinnen und Schüler angehalten, die abgebildete Karikatur
mit Berücksichtigung des historischen Hintergrunds zu deuten. Es wurden folgende
drei Fragen gestellt: „Was siehst du? Wie sind die Bildelemente zu deuten?
Geschichtlicher Kontext?“ Die Beschwerdeführerin beantwortete die Prüfungsaufgabe
folgendermassen: „Die Schweiz ist wie eine Jasskarte, mit zwei Seiten. Auf der einen
Seite ist das Welschland, welches hinter den Entente-Mächten steht. Auf der anderen
Seite ist die Deutschschweiz, welche den Mittelmächten Recht gibt. Die Schweiz ist
allerdings neutral, weshalb sie keinem der beiden hilft. In der Schweiz ist man zwar
unterschiedlicher Meinung wie bei Wein und Bier. Wie die Vorinstanz zutreffend erkannt
hat, lässt sich die von der Geschichtslehrerin getroffene Bewertung nicht beanstanden.
Diese legte ihrerseits bereits nachvollziehbar dar, dass die Beschwerdeführerin zwar
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die einzelnen Bildelemente deuten könne und dafür denn auch zwei Punkte bekommen
habe. Eine Gesamtdeutung vor dem geschichtlichen Hintergrund fehle aber vollständig:
Die Schweiz sei in der Zeit des 1. Weltkrieges stark gespalten gewesen, sie hätten
eben nicht „dieselben Interessen“ gehabt, sondern würden mit unterschiedlichen
Kriegsparteien sympathisieren. Daher habe die Beschwerdeführerin nur zwei von drei
möglichen Punkten erhalten.
7.4. Wie bereits unter E. 4 ausgeführt, hat das Verwaltungsgericht lediglich zu prüfen,
ob eine Bewertung nicht nachvollziehbar ist, offensichtliche Mängel aufweist oder auf
sachfremden Kriterien beruht. Vorliegend sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich,
dass die Leistung der Beschwerdeführerin im geschilderten Sinn fehlerhaft bewertet
worden wäre. Vielmehr sind die Ausführungen der Geschichtslehrerin objektivierbar
und nachvollziehbar begründet. Sowohl die (im Ergebnis offensichtlich sehr
wohlwollende) Bewertung der Aufgabe Nr. 5 der Geschichtsprüfung mit zwei von 3
möglichen Punkten, als auch die die angewandte Notenskala sind sachgerecht und
vertretbar.
7.5. Zu prüfen bleibt demnach, ob die Geschichtslehrerin den von der
Beschwerdeführerin im zweiten Semester der zweiten Klasse erzielten
Notendurchschnitt von 3.65 auf die Note 3.5 abrunden durfte. Das St. Galler Recht
enthält diesbezüglich keine Regelung. In der MSV wird lediglich geregelt, dass halbe
Noten zulässig sind. Eine konkrete Regelung betreffend Rundung findet sich nicht. Der
Umstand, dass grundsätzlich mathematisch gerundet wird, erscheint indes ohne
weiteres als sachgerecht und gegeben, zumal sich nach Art. 14 Abs. 2 MSV die Noten
auf mehrere schriftliche Prüfungen oder Arbeiten abstützen müssen und die
mündlichen Leistungen zu berücksichtigen sind. Mit der mathematischen Rundung
kann den von der Gesetzgebung und Rechtsprechung gesetzten Schranken
angemessen Rechnung getragen und vor allem auch die gebotene rechtsgleiche
Behandlung sichergestellt werden.
7.6. Gemäss Aktenlage informierte die Geschichtslehrerin die Schülerinnen und Schüler
denn auch über die Zusammensetzung der Zeugnisnote (act. 11/7a/2). Sie wies darauf
hin, dass eine mündliche Beteiligung bei der Rundung positiv berücksichtigt, jedoch
höchstens um drei Zehntel verbessert werden könne. Gemäss der Einschätzung der
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Geschichtslehrerin liess die von der Beschwerdeführerin im Unterricht an den Tag
gelegte Arbeitshaltung generell zu wünschen übrig. So habe sie sich mündlich nicht nur
wenig, sondern nie am Unterricht beteiligt. Auch habe sie nicht immer alle notwendigen
Unterlagen dabei gehabt. Die abgerundete Note 3.5 widerspiegle daher die Leistungen
der Beschwerdeführerin. Die Beschwerdeführerin stellt dies nicht in Abrede, führte
einzig aus, dass sie öfters das Gefühl gehabt habe, übersehen zu werden, weshalb sie
mit der Zeit keine Motivation mehr gehabt habe, mündlich mitzumachen. Ihre
Beteiligung am Unterricht sei zu Beginn aufgeschlossener gewesen. Sie sei jedoch
immer interessiert und konzentriert dabei gewesen. Ihr Geschichtsbuch sei für drei
Wochen nicht auffindbar gewesen. Dies habe sie der Geschichtslehrerin jedoch
gemeldet (act. 11/10). Aus diesen Überlegungen kann sie indes, wie bereits die
Vorinstanz zutreffend erkannt hat, nichts zu ihren Gunsten ableiten. Zeugnisnoten sind
nicht einfach das arithmetische Mittel der Klausurnoten, sondern geben die
Gesamtbeurteilung durch die Lehrkraft wieder, die sich auf schriftliche, mündliche und
praktische Leistungen stützt (J. Raschle, a.a.O., S. 103). Die Beschwerdeführerin macht
keine auch nur ansatzweise substantiierten Einwände geltend, aufgrund deren im
konkreten Fall eine ungerechte Würdigung ihrer Leistungen oder eine nicht
sachgerechte Benotung ersichtlich wäre. Wie bereits im vorinstanzlichen Verfahren
bestreitet sie auch nicht, dass ihr mündlicher Einsatz Anlass zur positiven
Berücksichtigung, d.h. einer Aufrundung, bei der Zeugnisnote geben hätte müssen.
Gemäss den mathematischen Regeln rundete die Geschichtslehrerin daher denn auch
den von der Beschwerdeführerin erzielten Notendurchschnitt von 3.65 korrekt auf die
nunmehrige Zeugnisnote von 3.5 im Fach Geschichte und Staatslehre ab. Sowohl die
gerügte Zeugnisnote im Fach Geschichte und Staatslehre als auch die daraus
resultierende Nichtpromotion/Remotion lassen sich demnach nicht beanstanden.
7.7. Zusammenfassend liegen keine Anhaltspunkte vor, dass die Notengebung der
Geschichtslehrerin sowohl in der strittigen Prüfung einerseits als auch im Zeugnis im
Fach Geschichte und Staatslehre andererseits fehlerhaft ist. Zu den weiteren Fächern
mit ungenügenden Noten (Mathematik und Französisch) bringt die Beschwerdeführerin
keine Einwände vor, weshalb die Notengebung nicht korrekt sein sollte. Der
angefochtene Entscheid erweist sich entsprechend auch als rechtens. Die Beschwerde
ist somit abzuweisen.
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Unter Berücksichtigung von Art. 5 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 und Abs. 2 in Verbindung von Art.
3 des Promotionsreglements gilt die Beschwerdeführerin folglich als nicht promoviert.
Sie wird daher die zweite Klasse wiederholen müssen.
8. (...).
(...).