Decision ID: de84728c-e78f-476a-9c4c-7f162f2591c5
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein libanesischer Staatsangehöriger – eigenen An-
gaben zufolge palästinensischer Abstammung –, reiste am (...) Dezember
2021 auf dem Luftweg von B._ nach Zürich. Am 3. Januar 2022
stellte er im Transitbereich des Flughafens Zürich ein Asylgesuch. Nach-
dem ihm die Einreise in die Schweiz bewilligt wurde, fand am 7. Januar
2022 eine Personalienaufnahme statt. Am 25. Januar 2022 wurde ein Dub-
lin-Gespräch durchgeführt und am 17. Februar 2022 hörte ihn das SEM
einlässlich zu seinen Asylgründen an.
B.
B.a Der Beschwerdeführer machte geltend, er sei in C._ geboren
und später mit seiner Familie nach D._ gezogen. Eine begonnene
Ausbildung zum (...) habe er abgebrochen und danach als (...)verkäufer in
D._ gearbeitet. Er sei immer gegen die Hisbollah gewesen, weil es
sich bei diesen um Rassisten handle, welche mit ihrem Krieg gegen Israel
das Land zerstörten. In diesem Sinne habe er sich auch gegenüber seiner
Kundschaft geäussert. Im Jahr 2008 sei plötzlich eine unbekannte Person
zu ihm gekommen und habe auf sein Bein geschossen mit der Bemerkung,
dies sei eine Warnung und wenn er noch einmal etwas über die Hisbollah
sage, werde er umgebracht. Im Spital hätten sie ihm zuerst das Bein am-
putieren wollen. Dank der Unterstützung durch die Familie E._
habe er jedoch in einem anderen Spital die notwendige Behandlung sowie
die erforderlichen medizinischen Geräte erhalten. In diesem Zusammen-
hang sei ihm aber auch eine Bluttransfusion verabreicht worden, was zu
einer Infektion mit (...) geführt habe. Mehrere Jahre lang habe er an den
Folgen dieser Verletzung gelitten. Etwa 2014 habe er dann seine heutige
Ehefrau kennengelernt. Für ungefähr drei Jahre seien sie ein Paar gewe-
sen, bevor er zu ihrer Mutter – ihre Eltern seien geschieden – gegangen
sei, um einen Heiratsantrag zu machen. Die Mutter sei mit der Eheschlies-
sung einverstanden gewesen und sie hätten sich verlobt. Rund zwei Wo-
chen vorher habe er sich wiederum negativ über die Hisbollah geäussert
und gesagt, diese seien rassistisch und extrem. Drei Tage nach der Verlo-
bung habe ihn seine Ehefrau angerufen und gesagt, ihr Vater – ein Kader
der Hamas – sei vorbeigekommen, habe sie geschlagen und aufgefordert,
die Verlobung aufzulösen. Kurz darauf habe der Vater auch ihn angerufen
und mitgeteilt, er sei in seiner Familie nicht willkommen. Seine Ehefrau sei
trotzdem bereit gewesen, ihn zu heiraten. Da sie volljährig gewesen sei,
hätten sie auch ohne das Einverständnis des Vaters heiraten können. In
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der Folge habe der Schwiegervater ihm immer wieder Drohnachrichten zu-
kommen lassen. Seine Familie habe daher entschieden, ihn ins Ausland
zu schicken. Sein zwischenzeitlich geborenes Kind sowie seine schwan-
gere Ehefrau habe er vorerst im Libanon zurücklassen müssen.
B.b Bei den vorinstanzlichen Akten befinden sich folgende Beweismittel:
libanesischer Reisepass (Original), Reise- sowie Covid-Unterlagen, Eheur-
kunde (Kopie), UNRWA-Familienregistrationskarte (Kopie), Bestätigung
der Schwangerschaft der Ehefrau, Schreiben des palästinensischen Volks-
komitees (Original), Flüchtlingsausweis aus dem Libanon (Kopie), Auszug
aus dem Familienregister (Kopie) sowie diverse medizinische Dokumente.
C.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 1. März 2022 stellte das SEM
fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht. Es
lehnte sein Asylgesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg und ordnete den
Vollzug der Wegweisung an.
D.
Mit Eingabe vom 28. März 2022 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde gegen diesen Entscheid und bean-
tragte, die Verfügung vom 1. März 2022 sei aufzuheben, er sei als Flücht-
ling zu anerkennen und sein Asylgesuch sei gutzuheissen. Eventualiter sei
er vorläufig aufzunehmen, subeventualiter sei die Sache zur weiteren Ab-
klärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hin-
sicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
E.
Der Eingang der Beschwerde wurde am 1. April 2022 bestätigt.
F.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
1. April 2022 in elektronischer Form vor (Art. 109 Abs. 1 AsylG
[SR 142.31]).
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das
AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 COVID-19-Verordnung [SR 142.318]; Art. 48
Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die vorliegende Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet,
weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung
eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin zu behan-
deln ist (Art. 111 Bst. e AsylG). Der Entscheid ist summarisch zu begründen
und auf Durchführung eines Schriftenwechsels wurde verzichtet (Art. 111a
Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politi-
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schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-
dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1
AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-
bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-
lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Die geltend ge-
machten Verfolgungsmassnahmen müssen dabei eine gewisse Intensität
aufweisen und gezielt gegen die betroffene Person gerichtet sein. Die er-
littene Verfolgung oder die begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung
muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat-
oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentschei-
des noch aktuell sein.
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das SEM einleitend aus, die
Flughafenpolizei habe beim Beschwerdeführer einen libanesischen Reise-
pass sichergestellt, welcher keine Fälschungsmerkmale aufweise. Der
ebenfalls sichergestellte libanesische Ausweis für palästinensische Flücht-
linge sei dagegen als Totalfälschung eingestuft worden. Zwar habe er wei-
tere Dokumente eingereicht, diese lägen jedoch nur in Kopie vor oder lies-
sen sich im Libanon leicht käuflich erwerben. Es bestünden daher Zweifel
an seiner geltend gemachten palästinensischen Herkunft, während die li-
banesische Staatsangehörigkeit als gesichert angesehen werden könne.
Das SEM gehe indessen davon aus, dass er mit gefälschten oder irrefüh-
renden Dokumenten versuche, seine wahre Herkunft zu verschleiern. Dies
beeinträchtige die Glaubhaftigkeit seiner weiteren Angaben. Weiter handle
es sich beim Vorfall aus dem Jahr 2008 offensichtlich nicht um den Grund
für die Ausreise Ende 2021. Einerseits liege dieser bereits viele Jahre zu-
rück, andrerseits habe er geltend gemacht, Probleme mit seinem Schwie-
gervater hätten ihn zur Ausreise veranlasst. Die Angaben zu diesem Ereig-
nis seien jedoch äusserst knapp und vage ausgefallen und es fehle ihnen
an jeglichen Realkennzeichen. Nicht überzeugend seien auch die Ausfüh-
rungen zur angeblichen Verfolgung durch den Schwiegervater. So habe
der Beschwerdeführer nicht darlegen können, unter welchen Umständen
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er vor der Verlobung erneut schlecht über die Hisbollah geredet habe.
Ebenso wenig habe er erklären können, weshalb der Schwiegervater die
Heirat abgelehnt habe. Er habe lediglich betont, dieser sei ein Kader der
extremistischen Hamas. Auch das Telefongespräch mit dem Schwiegerva-
ter habe er nicht wiedergeben können. Als ebenso dürftig und pauschal
erwiesen sich zudem die übrigen Angaben zur Verfolgungssituation. Der
Beschwerdeführer habe erklärt, dass er von November 2017 bis zur Aus-
reise versteckt gelebt und immer wieder seine Handynummer gewechselt
habe. Von den Drohungen seitens der Schwiegerfamilie habe er jeweils
über Drittpersonen erfahren, die er zufälligerweise getroffen habe. Einen
ausschlaggebenden Grund für die Ausreise Ende 2021 – vier Jahre nach
Beginn der angeblichen Verfolgung – habe er dabei nicht nennen können.
Insgesamt handle es sich bei seinen Vorbringen um ein substanzloses
Konstrukt, welches als unglaubhaft einzustufen sei.
5.2 In der Beschwerdeeingabe wies der Beschwerdeführer darauf hin,
dass er seine libanesische Staatsangehörigkeit nie verheimlicht habe und
das SEM diese als gesichert ansehe. Beim libanesischen Flüchtlingsaus-
weis für Palästinenser handle es sich um eine Kopie, weshalb weder aus
diesem Dokument noch aus der leichten Fälschbarkeit der übrigen Unter-
lagen abgeleitet werden könne, dass er seine Herkunft verheimliche. Die
Behauptung des SEM, seine weiteren Angaben hätten aufgrund einer Ver-
schleierung der Herkunft eine geringere Überzeugungskraft, sei daher un-
haltbar. Es sei nicht ersichtlich, aus welchen Gründen er seine Identität
verschleiern sollte. Bereits in der Vergangenheit sei er angegriffen und be-
droht worden, weil er sich gegen die Hisbollah gewehrt habe. Es sei davon
auszugehen, dass dies auch in Zukunft der Fall wäre, wenn er in den Liba-
non zurückkehren würde. Die Bedrohung sei sowohl vom Schwiegervater
als auch der Hisbollah ausgegangen. Dabei sei nicht einzusehen, weshalb
das SEM seine Angaben als pauschal und dürftig einstufe. Schliesslich sei
bei der Beurteilung des Asylgesuchs der medizinische Sachverhalt viel zu
wenig beachtet worden. Es gehe ihm gesundheitlich nicht gut und er habe
Probleme mit (...). Zudem leide er an (...). Die medizinische Behandlung
im Libanon sei unzureichend und die Ärzte dort hätten seine (...) herbeige-
führt. Aus all diesen Gründen habe er sehr wohl eine Verfolgung im Sinne
von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht und sein Asylgesuch sei gutzuheissen.
6.
6.1 Es ist vorliegend unbestritten, dass der Beschwerdeführer libanesi-
scher Staatsangehöriger ist. Dies wurde von ihm selbst geltend gemacht
und es liegt ein entsprechender Reisepass im Original bei den Akten, bei
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welchem keine Fälschungsmerkmale festgestellt wurden (vgl. SEM-Akten
[...] [nachfolgend Akte 7] S. 19 und [...]). Der libanesische Ausweis für pa-
lästinensische Flüchtlinge wurde von der Flughafenpolizei als Totalfäl-
schung eingestuft, namentlich aufgrund des Umstands, dass es sich dabei
um ein "schlechtes Kopierprodukt ohne jegliche Sicherheitsmerkmale"
handle (vgl. SEM-Akte [...]). Als der Beschwerdeführer auf bei der Anhö-
rung darauf angesprochen wurde, erklärte er, dass der Flüchtlingsausweis
nur eine Kopie sei (vgl. Akte 7, F138). Nach Auffassung des Gerichts lässt
es sich zumindest nicht ausschliessen, dass der Beschwerdeführer paläs-
tinensischer Herkunft ist. Zudem erscheint dieser Aspekt angesichts der
unbestrittenen und durch einen Reisepass belegten libanesischen Staats-
angehörigkeit unerheblich, nachdem dies nicht direkt mit den Asylvorbrin-
gen des Beschwerdeführers zusammenhängt. Von einer Verschleierung
der tatsächlichen Herkunft kann daher nicht ausgegangen werden, wes-
halb sich die behauptete Herkunft und die vorgelegten Dokumente auch
nicht negativ auf die persönliche Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers
auswirken.
6.2 Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer erlittenen Schussverletzung im
Jahr 2008 wies das SEM zu Recht darauf hin, dass diese offensichtlich
nicht der Auslöser für die mehr als zehn Jahre später erfolgte Ausreise war.
Der zeitliche Kausalzusammenhang ist klar unterbrochen. Überdies
machte der Beschwerdeführer nicht geltend, er sei in der Folge weiterhin
konkret von Angehörigen der Hisbollah bedroht worden (vgl. Akte 7, F98)
und hätte unmittelbar befürchten müssen, erneut einen Angriff von deren
Seite zu erleiden. Eine begründete Furcht vor einer Verfolgung durch die
Hisbollah liegt daher nicht vor, da es keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass
diese – rund dreizehn Jahre nach der letzten Attacke – in absehbarer Zu-
kunft Verfolgungshandlungen gegen den Beschwerdeführer vorgenommen
hätten. Die Glaubhaftigkeit dieses Ereignisses kann somit offenbleiben, da
diesem ohnehin keine Asylrelevanz zukommt.
6.3 In Bezug auf die angebliche Bedrohung durch den Schwiegervater ist
indessen festzuhalten, dass diese vom Beschwerdeführer wenig konkret
dargelegt wurde. Er hat seine Ehefrau eigenen Angaben zufolge im Jahr
2014 kennengelernt und die Heirat fand etwa drei Jahre später statt
(vgl. Akte 7, F104 f.). Abgesehen von einem einzigen Telefonat mit dem
Schwiegervater will der Beschwerdeführer keine Kontakte zu diesem oder
anderen Angehörigen seiner Ehefrau gehabt haben (vgl. Akte 7, F107 ff.).
Unter diesen Umständen hielt das SEM zutreffend fest, es erstaune, dass
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er dieses Telefongespräch nicht genauer beschreiben konnte. Er gab le-
diglich an, der Vater habe "nicht viel gesagt" und gemeint, dass er bei ihnen
nichts zu suchen habe; Drohungen seien hingegen nicht ausgesprochen
worden (vgl. Akte 7, F110 f.). Vor diesem Hintergrund ist nicht nachvollzieh-
bar, weshalb der Beschwerdeführer davon ausging, dass ihm von Seiten
des Schwiegervaters eine Gefahr an Leib und Leben drohe. Die allgemeine
Bemerkung, unter Arabern werde eine Heirat ohne das Einverständnis der
Eltern als Ehrverletzung betrachtet, welche nur mit der Tötung des Ehegat-
ten – mithin des Beschwerdeführers – gelöst werden könne (vgl. Akte 7,
F112), erweist sich als wenig konkret. Es wurde auch nicht näher dargelegt,
welche Anhaltspunkte für eine drohende Verfolgung es zwischen der Heirat
im Jahr 2017 und der Ausreise gegeben haben soll. Ein direkter Kontakt
mit dem Schwiegervater, sei es telefonisch, schriftlich oder über andere
Wege, fand offenbar nicht statt. Vielmehr will der Beschwerdeführer von
zufällig auf der Strasse angetroffenen Drittpersonen die Information erhal-
ten haben, dass er auf sich aufpassen solle, da "sie" ihn umbringen wollten
(vgl. Akte 7, F117 ff.). Er kenne die betreffenden Drittpersonen aber nicht
namentlich – lediglich vom Sehen – und sie hätten ihm auch nicht sagen
können, wer ihn umbringen wolle (vgl. Akte 7, F136 f.). Diese Angaben sind
äusserst vage und es erschliesst sich nicht, weshalb der Beschwerdeführer
mehrere Jahre nach der Eheschliessung nun plötzlich erstmals Verfol-
gungsmassnahmen von Seiten des Schwiegervaters zu befürchten gehabt
hätte. In den allgemein gehaltenen Ausführungen zu Drohungen von unbe-
kannter Seite, welche ihm über zufällig angetroffene Drittpersonen über-
mittelt worden seien, lassen sich keine asylbeachtlichen Verfolgungsmass-
nahmen erkennen. Insbesondere würden diese Vorbringen – selbst wenn
von deren Glaubhaftigkeit ausgegangen würde – nicht die erforderliche In-
tensität aufweisen, um zur Annahme eines unerträglichen psychischen
Drucks im Sinne von Art. 3 AsylG zu führen. Ferner ist zu beachten, dass
der Beschwerdeführer seinen Heimatstaat offenbar bereits im Sommer
2021 – angeblich aufgrund anhaltender Drohungen – verliess, um nach
Zypern zu reisen. Dort habe es ihm indessen nicht gefallen, weshalb er
wieder in den Libanon zurückgekehrt sei (vgl. SEM-Akte [...]). Es ist nicht
anzunehmen, dass er wieder in den Heimatstaat gereist wäre, wenn dort
tatsächlich eine unmittelbar drohende Lebensgefahr bestanden hätte oder
er einem unerträglichen psychischen Druck ausgesetzt gewesen wäre.
6.4 Zusammenfassend ist nicht davon auszugehen, dass dem Beschwer-
deführer im Heimatstaat von Seiten seines Schwiegervaters oder der His-
bollah eine konkrete Gefahr gedroht hätte. Seine Furcht vor erheblichen
Nachteilen erweist sich daher als unbegründet. Das SEM hat somit zu
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Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Asylgesuch abge-
lehnt.
7.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl.
BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt,
kommt das in Art. 5 Abs. 1 AsylG und Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30])
festgeschriebene Non-Refoulement-Prinzip nicht zur Anwendung. Die Zu-
lässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen ver-
fassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3
des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe
[FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
8.2.2 Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür,
dass der Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaffung in den Libanon
dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1
FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Auch die allge-
meine Menschenrechtssituation im Libanon lässt den Wegweisungsvollzug
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zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Der Vollzug der
Wegweisung ist daher sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrecht-
lichen Bestimmungen zulässig.
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
8.3.2 Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung aus, der Libanon
sei in den vergangenen Jahren von einer politischen Instabilität und wirt-
schaftlichen Krisen geprägt gewesen. Es herrsche dort aber keine Situa-
tion von Krieg, Bürgerkrieg oder allgemeiner Gewalt, weshalb nicht von ei-
ner generellen Gefährdung der Zivilbevölkerung – darunter auch palästi-
nensische Flüchtlinge – ausgegangen werden könne. In Bezug auf die ge-
sundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers sei festzuhalten, dass
ihm in der Schweiz eine Physiotherapie für das (...) verordnet worden sei.
Bei den (...)schmerzen handle es sich nicht um eine lebensbedrohliche
Krankheit und es bestehe auch in D._ die Möglichkeit, Physiothe-
rapie in Anspruch zu nehmen. Die (...)-Erkrankung des Beschwerdeführers
sowie seine (...)probleme seien ebenfalls bereits im Libanon behandelt
worden, weshalb diese aus medizinischer Sicht keinen Aufenthalt in der
Schweiz rechtfertigten. Es sei jedenfalls nicht davon auszugehen, dass
eine Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung
des Gesundheitszustands führen würde. Ferner seien auch keine anderen
individuellen Gründe ersichtlich, welche gegen die Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs sprechen würden. Der Beschwerdeführer sei jung und
arbeitsfähig und habe im Libanon jahrelang als (...)händler gearbeitet. Zu-
dem verfüge er im Heimatstaat über ein intaktes Beziehungsnetz und eine
gesicherte Wohnsituation.
8.3.3 Gemäss ständiger Rechtsprechung ist die allgemeine Lage im Liba-
non landesweit nicht durch Krieg, Bürgerkrieg oder eine Situation allgemei-
ner Gewalt gekennzeichnet (vgl. etwa Urteile des BVGer E-789/2021 vom
11. März 2021 E. 8.3 und E-5024/2017 vom 23. Oktober 2017 E. 6.3 m.H.).
Der Beschwerdeführer machte insbesondere geltend, dass er unter erheb-
lichen medizinischen Problemen leide. Dem Sprechstundenbericht vom
3. Februar 2022 lässt sich entnehmen, dass er an (...) erkrankt ist. Zudem
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wurde ein "Status nach (...) bei Status nach Schussverletzung 2008" fest-
gestellt, ebenso ein Status nach Coronainfektion. Zur Stabilisation des (...)
wurde eine Physiotherapie verordnet (vgl. SEM-Akte [...]). Anlässlich der
Anhörung führte der Beschwerdeführer zudem aus, dass er (...) sei (vgl.
Akte 7, F72). Seine (...) sei bei einer ärztlichen Behandlung beschädigt
worden, weshalb er Angst davor gehabt habe, im Libanon wieder einen
Arzt aufzusuchen (vgl. Akte 7, F147). In diesem Zusammenhang ist festzu-
halten, dass die Beinverletzung des Beschwerdeführers bereits im Heimat-
staat behandelt werden konnte und davon auszugehen ist, dass er bei Be-
darf auch dort eine Physiotherapie in Anspruch nehmen könnte (vgl. Akte
7, F76). Der Libanon verfügt grundsätzlich über ausreichende medizini-
sche Strukturen (vgl. dazu Urteil des BVGer E-2959/2019 vom 23. Juli
2019 E. 5.4.3 m.H.), und der Beschwerdeführer hatte zu diesen auch stets
Zugang. Zwar ist es nachvollziehbar, wenn er nach einem ärztlichen Fehler
bei der Behandlung seiner (...)probleme Bedenken hatte, sich in diesem
Zusammenhang erneut an libanesische Ärzte zu wenden. Unabhängig von
der Ausstattung eines Gesundheitssystems lassen sich Behandlungsfehler
indessen nie gänzlich ausschliessen. Es kann dem Beschwerdeführer da-
her zugemutet werden, im Falle einer notwendigen weiteren Behandlung
die vorhandenen medizinischen Strukturen im Heimatstaat in Anspruch zu
nehmen. Konkrete Hinweise darauf, dass ihm eine solche verweigert wer-
den würde oder er aus anderen Gründen keinen Zugang dazu hätte, lassen
sich den Akten nicht entnehmen. Ferner ist darauf hinzuweisen, dass es
für die Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nicht mas-
sgebend ist, ob die medizinische Versorgung im Heimatstaat den in der
Schweiz vorhandenen Standards entspricht. Entscheidend ist vielmehr, ob
eine Rückkehr zu einer medizinischen Notlage führen würde, weil eine not-
wendige Behandlung in der Heimat nicht zur Verfügung stünde und dies zu
einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesund-
heitszustands der betroffenen Person führen würde (vgl. BVGE 2011/50
E. 8.3). Bei den vorliegend geltend gemachten gesundheitlichen Proble-
men – (...) – kann davon jedoch nicht ausgegangen werden.
Sodann wies das SEM zu Recht darauf hin, dass auch keine anderweitigen
individuellen Wegweisungsvollzugshindernisse vorliegen, weshalb zur Ver-
meidung von Wiederholungen auf die entsprechenden Ausführungen in der
angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann (vgl. dort. Ziff. III sowie
oben E. 8.3.2). Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit als zumut-
bar.
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8.4 Der Beschwerdeführer verfügt über einen gültigen libanesischen Rei-
sepass. Im Übrigen obliegt es ihm, sich bei der zuständigen Vertretung des
Heimatstaates allfällige weitere für eine Rückkehr notwendigen Doku-
mente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Es besteht keine Veranlassung, die Sache
für weitere Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Be-
schwerde ist daher abzuweisen.
10.
10.1 Die gestellten Rechtsbegehren erweisen sich als aussichtslos, wes-
halb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung un-
geachtet der geltend gemachten prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen
ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses wird mit dem vorliegenden Entscheid gegenstandslos.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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