Decision ID: 362bb096-5ff3-5f39-a010-17a5a68ad9e3
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
wurde am 30. Mai 1977 geboren.
Sie erlitt
am 25. Mai 1993
als
Mit
fahrerin einen Verkehrsunfall, bei dem sie
sich
ein Schädelhirntrauma mit
einem
Subduralhämatom
rechts
,
Blutauflagerungen auf dem
Tentorium
und
einer
Schädelfraktur rechts temporal,
Prellungen des
rechten Thorax
(Brustkor
bes)
und des rechten distalen Oberarm
s
sowie Rissquetschwunden am rechten Ohr, am Hals und am rechten Handrücken
zu
zog
(Urk. 6/1/
11
)
.
In der Folge
wurden
auch
eine
Commotio
labyrinthi
(Innenohrschädigung)
mit einer Taub
heit und einem Tinnitus
rechts
sowie
residuelle
Teilleistungsschwächen
festge
stellt (Urk.
6/1/8
, 6/1/14
und 6/7/5 ff.
).
Im Jahr 1997
heiratete
X._
und beendete
erfolgreich ihre zweijährige Lehre als
Modeverkäuferin
(Urk.
6/2/1 f.
,
6/1/16
und 6/1/19
).
Sie wurde in den Jah
ren 1998, 2003 und 2007 Mutter
(
Urk.
6/1/15 und 6/10/3)
. Daneben blieb sie
teilzeitlich
weiter
er
werberstätig
, zuerst als Aushilfsverkäuferin und ab dem Jahr 2000
als
Betriebs
m
itarbeiterin
im Bereich Briefsortierung der
Y._
(Urk.
6/1/15
,
6/1/17
f.
und 6/10/3 ff.
)
.
Seit
dem Jahr 2008
arbeitet sie
als Verkäuferin
im Stundenlohn
in einer
Z._
-Filiale
(
Urk.
6/2/5
, 6/9/1
und
6/10/6
)
.
Am
24
. Mai
2011 meldete sich
X._
unter Beilage diverser medizi
nischer Unterlagen
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
an
und beantragte die Übernahme der Kosten für ein Hörgerät
(
vgl.
Urk. 6/1
,
6/2
und 6/6
). Die
IV-Stelle
nahm darauf erwerbliche (Urk. 6/
9/1 ff.
) und medizinische (Urk. 6/
7
und 6/9/7 ff.
) Abklärun
gen vor
.
Am 11. Juni 2012 ersuchte die Versicherte um Gewährung beruflicher Massnahmen oder
um
Aus
richtung einer Rente (
Urk.
6/10), worauf sie zu einem Standortgespräch eingela
den wurde (vgl.
Urk.
6/13 und 6/14).
Nach dem Eintreffen weiterer Unterlagen (vgl.
Urk.
6/15 und 6/16) teilte die IV-Stelle der Versicherten a
m 25.
Juni
2012
mit
, dass keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk.
6/18
).
Es folgten weitere erwerbliche und medizinische Abklärungen (
Urk. 6/
19-24
)
. Gegen den negativen Vorbescheid der IV-Stelle vom
17. Januar 2013
(Urk. 6/8
) liess
X._
Einwand
erheben
(
Urk.
6/33
). Mit Ver
fügung vom
13
.
Mai
2013 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch (Urk. 2 = Urk. 6/
37
).
2.
Dagegen liess
X._
mit Eingabe vom
12. Juni
2013 Beschwerde erheben (Urk. 1).
Ihr Rechtsv
ertreter verlangte, die angefochtene Verfü
gung sei aufzuheben und
es sei der
Beschwerdeführer
in – gemäss dem Ergebnis der durchzuführenden interdisziplinären medizinischen Begutachtung –
eine Invali
denrente zuzu
sprechen
;
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle schloss am
13. August
2013 auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 5).
Davon hat die Gegenpartei mit Schreiben vom 14. August 2013 Kenntnis erhalten (
Urk.
7).
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit erforder
lich,
in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit beziehungsweise - bei Versicherten, die vor der Beeinträchtigung ihrer Gesundheit nicht erwerbstätig waren - die Unmög
lichkeit, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf ab
gestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen (Art. 28a
Abs.
2 IVG;
Betätigungsvergleich
).
Bei Versicherten, die zum Teil erwerbstätig und daneben im Aufgabenbereich tätig sind, wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a
Abs.
2 IVG fest
gelegt und für den erwerblichen Bereich aufgrund eines Einkommensvergleiches nach Art. 28a
Abs.
1 IVG (Art. 28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der
Invali
ditätsbemessung
).
1.2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung ab
gelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S. 69).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Beschwer
deinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im
Verwaltungs
verfahren
anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gut
achtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Administrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. E
ine
Rück
wei
sung
an den Versicherungsträger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begrün
det
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurückzuweisen, wenn lediglich eine Klarstel
lung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführun
gen erforderlich ist (B
GE 137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hinweisen; Urteil des Bun
desgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
In der angefochtenen Verfügung zog die Beschwerdegegnerin in Betracht, dass mit den vorhandenen
fachärztlichen Berichten
kein Gesundheitsschaden der Beschwerdeführerin ausgewiesen sei, der sie in ihrer angestammten Tätigkeit als Verkäuferin einschränke
(
Urk.
2 S. 1)
.
Die vom Hausarzt attestierte Arbeitsunfä
higkeit sei weder nachvollziehbar noch plausibel
(
Urk.
2 S. 2)
.
Demgegenüber macht der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin geltend, dass die
Beschwer
degegnerin
vor ihrem Entscheid eine interdisziplinäre medizinische Begutach
tung hätte veranlassen müssen (
Urk.
1 S. 2).
Damit ist strittig,
ob die
Beschwer
degegnerin
den medizinischen Sachverhalt hinreichend abgeklärt hat.
3.
3.1
Aus dem Bericht der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Ge
s
ichtschirurgie des
A._
vom 3. Februar 2000 geht hervor, dass die Beschwer
deführerin am 24. Januar 2000 in der
otoneurologischen
Sprechstunde
unter
sucht wurde
(
Urk.
5/21/6)
.
Zur
Anamnese wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 1993 bei einem Autounfall eine Pyramidenquerfraktur rechts erlitten habe. Es sei zu einer Ertaubung rechts gekommen. Damals habe auch ein Drehschwindel bestanden, der sich langsam gebessert habe. Seit dem Unfall sei ein schwanken
der Pfeif- und
Rauschtinnitus
auf der rechten Seite vorhanden. Über die ganzen Jahre sei die Beschwerdeführerin beschwerdefrei gewesen. Im Dezember 1999 sei es zu zwei Schwindelattacken gekommen, die jeweils eine Woche angedauert hätten. Seit etwa einem Monat sei di
e Beschwerdeführerin wieder beschwerde
frei. Der Drehschwindel habe
damals
auch
in Ruhe bestanden, jedoch bei jeder Bewegung zugenommen. Es sei zu Übelkeit, aber
nicht zum
Erbrechen gekom
men. Überdies
seien
eine Falltendenz nach rechts
und der
vorbestehende
Tinni
tus
unverändert
vorhanden
gewesen.
Seit
Dezember
leide
die Beschwerdeführe
rin zunehmend an temporalen Kopfschmerzen, die jedoch gut mit
Ponstan
behandelbar seien
(
Urk.
5/21/6)
.
Bei der Untersuchung
habe man beidseits einen unauffälligen
Gehörgang
sowie ein reizloses und intaktes
Trommelfell
festgestellt
. Rechts entlang des Hammers sei eine geringe Vernarbung
sichtbar
.
Der übrige Hals-, Nasen- und Ohrenstatus
sei als unauffällig
und die
vestibulospinalen
Reflexe
seien
als sicher
zu beurtei
len
.
Beim Unterberger-Tretversuch sei eine Rotation nach rechts erfolgt. Die Kleinhirnzeichen seien
als
unauffällig
zu werten
. Beim Tragen der
Frenzelbrille
sei kein Spontan- oder Blickrichtungsnystagmus ersichtlich gewesen. Es sei beim Kopfschütteln zu vereinzelten
Nystagmen
nach rechts gekommen (Urk. 5/21/6).
Die Beschwerdeführerin habe um eine Beurteilung des Gehörs und des Schwin
dels ersucht, durch den sie sehr beunruhigt gewesen sei. Man habe ihr erklärt, dass mit Hilfe einer Operation keine Gehörsverbesserung
erreicht
w
e
rden könne. Auch ein CROS-Hörgerät würde keine wesentlichen Vorteile bringen. Anamnes
tisch sei die Beschwerdeführerin aktuell durch den Tinnitus nur wenig gestört. Die Schwindelbesch
w
erden im Dezember seien als periphere Dysfunktion bei Status nach Pyramidenquerfraktur zu werten. Man habe eine
Vestibularisneu
rektomie
diskutiert. Durch diesen Eingriff würde zwar der
vestibuläre
Schwindel nicht mehr auftreten, bezüglich des Tinnitus bestehe jedoch nur ein
e
50%ige Chance, dass er vollständig verschwinde. Die Beschwerdeführerin habe sich nach einem eingehenden
ärztlichen
Gespräch dazu entschieden, mit einer
Ves
tibuarisneurektomie
zuzuwarten (
Urk.
6/21/7).
3.2
Dem Überweisungsschreiben von
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Innere Medizin,
an
Dr.
med.
C._
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom 29. August 2010 ist zu entnehmen, dass die Beschwerde
führerin an einer rezidivierenden depressiven Störung, aktuell mit schweren depressiven Episoden, leide. Die Beschwerdeführerin befinde sich seit 17 Jahren bei
Dr.
med.
D._
in
Behandlung und sei verzweifelt darüber, dass keine Besserung eingetreten sei.
N
ach einer ärztlichen
Besprechung
hätten sie sich daher
dazu entschieden,
für sie
einen neuen Psychotherapeuten zu suchen (
Urk.
6/21/8).
3.3
PD
Dr.
med.
E._
verfasste
am 5. Mai 2011
in seiner Funktion als leitender Arzt der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals
-
und Gesichtschirurgie des
A._
einen Bericht über die ambulante Untersuchung der Beschwerdeführerin am 4. Mai 2011
(
Urk.
6/21/5).
Als Diagnosen erwähnte er den Zustand nach einer im Jahr 1993 erlittenen Felsenbeinquerfraktur mit konsekutiver rechtsseitiger Ertaubung und einen chronischen Tinnitus rechts. Zur Anamnese hielt er im Wesentlichen fest, dass die Beschwerdeführerin durch den kompletten Hörverlust rechtsseitig in ihrer Kommunikation deutlich einge
schränkt sei. Bezüglich der Hörgeräusche bestehe eine gewisse Kompensation. Sie berichte allerdings, dass das Ohrgeräusch in ruhiger Umgebung zeitweilig sehr störend sei. Die Beschwerdeführerin habe um Beratung bezüglich mögli
cher hörverbessernder Massnahmen ersucht.
Bei der mikroskopischen Untersuchung der Ohren habe er beidseits ein reizloses und intaktes Trommelfell
bei lufthaltiger Pauke festgestellt. Aus dem
Tonaudio
gramm
seien die
Surditas
(Taubheit) auf der rechten Seite und eine
Normakusis
(ein normales Hörvermögen) linksseitig ersichtlich.
Gemäss seiner Auffassung sei zunächst eine CROS-Versorgung
zu prüfen
. Die Beschwerdeführerin werde sich entsprechend bei einem Akustiker beraten lassen. Als weitere Option sei die
Versorgung mit einem knochenimplantierten Hörgerät auf der rechten Seite in Betracht zu ziehen (
Urk.
6/21/5).
3.
4
Dem Bericht der
F._
vom 20. August 2012 zufolge wurde die Beschwerdeführerin am 14. August 2012
nach der Zuweisung durch
Dr.
B._
in der Wirbelsäulensprechstunde ambulant untersucht. Es wurde eine Lumbalgie ohne
radikuläre
Ausstrahlung diagnostiziert
(
Urk.
6/21/9)
.
Die Beschwerdeführerin habe berichtet, schon seit Februar 2012 Schmerzen im Bereich des Rückens zu haben. Innerhalb der letzten acht Wochen seien diese Schmerzen stärker geworden. Sie seien vor allem beim
N
ach
-
vorne
-
Beugen und bei
m
längeren
Sitzen aufgetreten.
Deswegen sei sie für ihre Arbeitstätigkeit im Verkauf
in letzter Zeit nicht mehr arbeitsfähig gewesen.
Ihr Hausarzt habe be
reits eine analgetische Therapie eingeleitet und eine am 20. August 2012 begin
nende Physiotherapie geplant. Die Beschwerdeführerin habe berichtet
,
keinerlei sensible oder motorische Ausfälle zu haben. Die Schmerzen seien nur im Bereich des tiefen Rückens lokalisiert und würden nicht ins Gesäss oder in die Beine
ausstrahlen
.
Zusätzlich wurde
das Ergebnis
einer am 29. Juni 2012 durchgeführten
Magnet
-
re
sonanztomographie
der Lendenwirbelsäule
i
n die Beurteilung
mitein
bezogen
(
vgl.
Urk.
6/21/10)
. Dieses habe
kleine mediane Diskushernie
n auf der Höhe der
Lendenwirbelkörper
4/5 und 5/1 gezeigt
, die den Duralsack berühren, aber nicht signifikant im
primieren würden.
Es sei keine
Verlagerung einer
Ner
venwurzel
nachweisbar
und lediglich eine
leichtgradige
Spon
d
ylarthrose
der unteren Lendenwirbel
säule feststellbar (Urk.
6/21/11).
Unter Berücksichtigung, dass die lumbalen Schmerzen ohne jegliche
radikuläre
Ausstrahlung
seien
,
Kraft und Sensibilität erhalten
seien
und keine Anhalts
punkte für eine Spinalkompression oder Nervenwurzelkompression vorhanden sei
en
, wurde das bereits eingeleitete Vorgehen mit Analgesie und p
h
ysiothera
peutische
r Übung des Rückens mit Hal
tungskorrek
t
ur als adäquate Therapie beurteilt. Es wurde um erneute Vorstellung in der Sprechstunde gebeten, sofern
radikuläre
Ausstrahlungen oder sensomotorische Defizite auftreten sollten.
Z
ur
Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
wurden keine Angaben
gemacht (
Urk.
6/21/9).
3.
5
In seinem ärztlichen Bericht vom 15. Oktober 2012 hielt med.
pract
.
G._
, ein Mitarbeiter
des behandelnden Hausarztes
Dr.
B._
, folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: Taubheit des rechten Ohres
(Status nach Pyramidenquerfraktur im Jahr 1993)
, rezidivierende depressive Störung,
aktuell
mitteschwere depressive Episode, und eine seit 20. Juni 2012 bestehende Lumbalgie (
Urk.
6/21/1).
Er attestierte der Besc
hwerdeführerin eine seit dem
1.
Februar 2012 bis auf weiteres andauernde 50%ige Arbeitsunfähigkeit in ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Verkäufer
i
n (
Urk.
6/21/2).
Ferner
stellte
er einen protrahierenden Verlauf der im Jahr 1993 erlittenen Pyramidenquerfraktur
fest
und
erwähnte
Taubheit, Schwindel und Stottern als chro
nische Beschwerden und Symptome.
Bezüglich der seit vier Monaten bestehenden starken Lumbago sei
trotz
Cortisonspritzen
und einer Physiotherapie keine Besserung eingetreten (
Urk.
6/21/2).
Seinem Berich
t legte er die
jenigen der
F._
vom 20. August 2012 und des
H._
vom 29. August 2012 betref
fend die am 29. Juni 2012 durchgeführte Magnetresonanztomograph
i
e der
Len
denwirbelsäule
bei (vgl.
Urk.
6/21/3 und 6/21/9 ff.).
3.
6
Aus dem zu
Handen
der IV-Stelle verfassten Bericht der
F._
vom 1. November 2012 geht hervor, dass
die
Beschwerdeführerin
lediglich einmal am 14. August 2012 zur ambulanten Behandlung erschienen sei
(
Urk.
6/22/6)
. Es sei bei ihr
damals
ein Lumbago diagnostiziert worden
. Darüber hinaus ent
hält der Bericht im Wesentlichen
die identischen
Beschreibungen der Anamnese und des
Befund
es
wie
der
Bericht vom 20. August 2012
(Urk.
6/22/6)
. Die Prog
nose
sei
damals
als prinzipiell günstig beurteilt
worden
(
Urk.
6/22/7)
. Man habe der Beschwerdeführerin eine analgetische Therapie, physiotherapeutische Übun
gen sowie Haltungskorrekturen empfohlen und verordnet. Eine Arbeitsunfähig
keit sei damals nicht bescheinigt worden. Soweit bekannt, sei die Beschwerde
führerin im Verkauf tätig. Es bestehe eine Einschränkung bei
Rumpfbewegun
gen
, eine genaue Beurteilung, wie sich diese auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
auswirke
, sei nicht möglich. Prinzipiell erscheine die Tätig
keit als Verkäuferin jedoch als zumutbar. Es könne auch nicht beurteilt werden, wann mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit beziehungsweise mit einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit gerechnet werden könne (
Urk.
6/22/6 f.).
3.7
Dr.
C._
hielt in seinem Bericht vom 17. Dezember 2012 zu
Handen
der IV-Stelle fest, dass sich die Beschwerdeführerin seit dem 5. Juli 2012 in delegierter psychotherapeutischer Behandlung durch
I._
befinde.
Seit Jahren leide die Beschwerdeführerin
an einer rezidivierenden depressiven Störung mit somatischem Syndrom (ICD-10: F 33.01).
Eine Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Depression
hätten sie nicht feststellen können
. Die Beschwerdeführerin
habe angegeben, dass sie seit dem Autounfall im Jahr 1993 an Tinnitus, häufigen Kopfschmerzen, starken Stimmungsschwankungen und Depressionen leide. Sie habe sich
allseitig orientiert
präsentiert
und ihre Beschwerden glaubhaft
be
schrieben
. Sie
habe
über zeitweise stark überhöhte Reizbarkeit, heftige
Stim
mungsschwankungen
, depressive Stimmung und chronische Erschöpfung
geklagt
.
Seit
neun Jahren
nehme sie
Antidepressiva
ein
. Nach einer Umstellung auf
Cymbalta
habe sie sich psychisch stabilisiert, neige aber nach wie vor zu starken Stimmungsschwankungen. Die Prognose sei ungewiss (
Urk.
6/24/2).
3.8
Der Regionale Ärztliche Dienst gelangte – ohne eine Untersuchung der Beschwer
deführerin – am 8. Januar 2013 zum Schluss, dass aus
versicherungs
medizinischer
Sicht kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter
Gesund
heitsschaden
vorliege
. An Lumbago leide die Beschwerdeführerin erst seit Mitte Juni 2012, so dass das Kriterium der Dauer nicht erfüllt sei. Aus der rezidivie
renden depressiven Störung, der Taubheit des rechten Ohres und
dem Tinnitus rechts seien gemäss den vorliegenden Arztberichten keine Einschränkungen auf die angestammte Tätigkeit als Verkäuferin ableitbar. Die von
prac
t
. med.
G._
attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50
%
seit Februar 2012 sei weder nachvoll
ziehbar noch plausibel. Es könne darum auf die Berichte des Psychiaters und der
F._
abgestellt werden (
Urk.
6/25/3).
4.
4.1
Es wird
in keinem der vorhandenen fachärztlichen Berichte eine Arbeits
-
unfähig
keit
der Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Verkäuferin bescheinigt.
Bezüglich der Depression hielt der behandelnde Psychiater
Dr.
C._
sogar ausdrücklich fest, dass keine Arbeitsunfähigkeit
zu erkennen war
(
Urk.
6/24/2).
4.2
Hinsichtlich der diagnostizierten Lumbalgie ist jedoch zu bemerken, dass
im Bericht der
F._
vom 20. August 2012 zwar die ins Auge gefasste Behandlung, Analgesie und Psychotherapie, als adäquat erachtet, bezüglich
de
ren
Erfolges jedoch keine Prognose gestellt wird.
Ebenso wenig wird d
ie
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin beurteilt (
Urk.
6/21/9).
Dem von der IV-Stelle eingeholten Bericht der
F._
vom 1. November 2012 lässt sich nicht entnehmen, wie sich der gesundheitliche Zustand der Beschwerde
führerin seit ihrer Untersuchung am
14. August 2012 verändert hat, da sie
im betreffenden
Institut seither nicht mehr weiter untersucht oder behandelt wurde
und für die Berichterstattung keine Konsultation stattfand
(
Urk.
6/22/6). Dem
entsprechend werden
in
diesem zweiten Bericht
auch keine konkreten Aussagen
zur
aktuellen
Arbeitsfähigkeit gemacht. Es wird einzig
bestätigt
,
dass damals keine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt wurde. Die Fragen
der IV-Stelle
zur bishe
rigen Tätigkeit, zu bestehenden Einschränkungen und deren Auswirkungen auf die Arbeit sowie zur Zumutbarkeit der bisherigen Tätigkeit aus
medizinischer Sicht (vgl. Urk.
6/22/2
Ziff.
1.7) werden zwar
thematisiert
.
So
wird ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin soweit bekannt im Verkauf tätig sei und eine Ein
schränkung bei Rumpfbewegungen bestehe. Eine genaue Beurteilung sei nicht möglich. Prinzipiell erscheine die Tätigkeit zumutbar. Wann mit einer Wieder
aufnahme der beruflichen Tätigkeit beziehungsweise
einer
Erhöhung der Ein
satzfähigkeit zu rechnen sei, könne nicht beurteilt werden (vgl.
Urk.
6/22/3 und 6/22/7).
Damit w
e
rden die gestellten Fragen
aber
nur zum Teil beantwortet. Die gemachten Aussagen sind
darüber hinaus auch
viel
zu vage und
genügen zur Klärung der medizinischen Sachlage nicht. Insbesondere lässt sich
aufgrund der ge
lieferten
Angaben nicht ausschliessen, dass die Beschwerdeführerin bei Erlass der angefochtenen Verfügung vom 1
3.
Mai 2013 unverändert an
Rückenbe
schwerden
l
itt und diese ihre
Arbeitsfähigkeit
beeinträchtig
t
en.
Der medizini
sche
Bericht von
pract
. med.
G._
vom 1
5.
Oktober 2012, gemäss welchem
sich die
Lumbago trotz
Cortisonspritzen
und einer Physiotherapie
nicht gebessert habe
(
Urk.
6/2172), spricht eher gegen eine Verbesserung der gesundheitlichen Situati
on
.
Wie sich diese
im hier zur Diskussion stehenden Zeitraum
, nament
lich bis zum 1
3.
Mai 2013,
tatsächlich präsentiert
e
und wie sie sich auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirkte
, lässt sich den vorhandenen Akten nicht entnehmen
und ist daher weiter abzuklären.
4.3
Aufgrund des Berichtes der Klinik für
Ohren-, Nasen-, Hals- und
Ge
s
ichtschirur
gie
des
A._
vom
3.
Februar 2000
steht fest, dass
sich
die Beschwerdeführerin
bereits
in der Vergangenheit
über
wiederholt
auftretenden
Schwindel und
eine Zunahme von temporalen
Kopfschmerzen
beklagte
(
Urk.
5/21/6).
Beim
Unterberger-Tretversuch
erfolgte
eine Rotation nach rechts (
Urk.
5/21/6),
womit auch ein objektiver Anhaltspunkt für eine
vestibuläre
Schädigung
bestand
.
Im Rahmen der ärztlichen Beurteilung wurden die Schwindelbeschwerden als periphere Dysfunktion bei Status nach
Pyramiden
querfraktur
gewertet.
Eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erfolgte damals ebenfalls nicht (vgl.
Urk.
5/21/6 f.)
, weshalb unklar ist, ob und in welchem Umfang diese damals beeinträchtigt war.
Jedenfalls lässt sich das Bestehen einer Einschränkung nicht ohne weiteres ausschliessen.
Zur Beseitigung des
vestibulären
Schwindels stand eine
Vestibularisneurektomie
zur Diskussion. Nach einem eingehenden ärztlichen Gespräch entschied sich die Beschwerdeführerin dazu, mit diesem Eingriff zuzuwarten (
Urk.
6/21/7). Es lässt sich den Akten nicht entnehmen, dass ein solcher
inzwischen
erfolgreich durch
geführt worden ist.
Es mag zutreffen, dass im Rahmen der ambulanten Unter
suchung der Beschwer
deführerin am
4.
Mai 2011 in der
Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und
Ge
sichtschirurgie
des
A._
und dementsprechend auch im
dazu verfassten
ärztlichen Bericht vom
5.
Mai 2011
Schwindelbeschwerden
nicht thematisiert wurden (
vgl.
Urk.
6/21/5).
Wie der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin
hierzu richtig bemerkt hat
(
Urk.
1 S. 4 f.)
,
hatte
seine Man
dantin
damals
(lediglich) um Beratung bezüglich hörverbessernder Massnahmen ersucht (
Urk.
6/21/5).
Aus der fehlenden Erwä
hnung
der Schwindelproblematik lässt sich
– entgegen der
offenbar vom Regionalen Ärztlichen Dienst
vertrete
nen Ansicht
(vgl.
Urk.
6/36/3)
–
daher
keineswegs folgern,
es hätten keine ent
sprechenden
B
eschwerden
mehr
bestanden
und die Arbeitsfähigkeit sei unbe
einträchtigt vorhanden gewesen
(vgl. auch
Urk.
1 S. 4 f.)
.
Während des mit einer Mitarbeiterin der IV-Stelle geführten Standortgespräches vom 1
8.
Juni 2012 wurde die Beschwerdeführerin auch zu ihrer medizinischen Situation befragt. Sie erklärte
damals
, dass sie an Gleichgewichtsproblemen und Schwindelanfällen leide. Zum Teil falle sie um, erwache dann wieder und wisse nicht, was passiert sei. Aus diesem Grund sei sie während des Tages nicht alleine. Ihre Cousine sei dann bei ihr. Sie könne es nicht verantworten, wenn ihr im Beisein der Kinder etwas passiere. Im rechten Arm habe sie zeitweise kein Gefühl und ihre Hand zittere andauernd. Durch das schlechte Hören leide sie unter Kopfschmerzen und der Alltag stresse sie. Aus diesem Grund sei sie auch in psychiatrischer Behandlung. Sie habe keine Freude mehr und zu nichts mehr Lust. Das Problem mit dem Gleichgewicht werde immer schlimmer (
Urk.
6/14/3 f.).
Mit diesen Schilderungen waren
zumindest hinreichende Anhaltspunkte für ein Weiterbestehen der Schwindelproblematik vorhanden.
Vor diesem Hintergrund geht es nicht an, dem ärztlichen Bericht von med.
pract
.
G._
vom 1
5.
Oktober 2012, der einen protrahierenden Verlauf der im Jahr 1993 erlittenen Pyramidenquerfraktur feststellt und Taubheit, Schwindel und Stottern als chronische Beschwerden und Symptome erwähnt (
Urk.
6/21/2), jegliche Plausib
i
lität abzusprechen.
D
ies muss umso mehr gelten, als nebst der erwähnten (und auf die psychiatrische Diagnose beschränkten) Beurteilung durch
Dr.
C._
keine weiteren fachärztlichen Einschätzungen zur Arbeitsfä
higkeit der Beschwerdeführerin vorhanden sind.
Auch wenn man als Erfah
rungstatsache berücksichtigt, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc.),
erweist sich
der Bericht von
pract
. med.
G._
zumindest
als geeignet, um
weitere
otologische
und
neurootologische
Abklärungen
als geboten erscheinen zu las
sen. Abhängig von deren Ergebnissen wird zu entscheiden sein, ob auch die vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin geforderten neurologi
schen Untersuchungen (
Urk.
1 S.
4
und 5
) erforderlich sind.
4.4
Zusammenfassend ergibt sich, dass über den strittigen Leistungsanspruch nicht ohne
die notwendigen
interdisziplinären Abklärungen
hinsichtlich der Rücken- und der Schwindelbeschwerden
entschieden werden kann. Da
diese Beschwer
den und ihre Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit bis anhin überhaupt nicht abgeklärt wurden,
wird die Beschwerdegegnerin
die notwendigen Abklärungen zu veranlassen
haben. Der angefochtene Entscheid ist somit aufzuheben und die Sache ist zur Durchführung der
erforderlichen
Abklärungen und neuer Ent
scheidung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (§ 26
GSVGer
). In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5
.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhäng
ig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festzulegen
(
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG)
und auf Fr. 6
00.--
fest
zusetzen.
Nach ständi
ger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen der
beschwerdeführenden
Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 mit Hinweisen). Entsprechend dem Ausgang des
Verfahrens sind die Kosten der unterliegenden
Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
5
.2
Überdies hat die obsiegende Beschwerdeführerin
Anspruch auf
den Ersatz der Parteikosten (§ 34 Abs. 1
GSVGer
)
.
Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung
wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§ 34 Abs.
3
GSVGer
). Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von
Fr.
1‘300
.-- (inklusive Barauslagen und 8
%
Mehrwertsteuer) als angemes
sen.