Decision ID: 4ddfe1a5-557e-5753-9df4-851a9bef1964
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Stiftung Auffangeinrichtung BVG (nachfolgend Auffangeinrichtung
oder Vorinstanz) schloss «A._ [Anm.: Name falsch geschrieben],
[Adresse 1]» mit Verfügung vom 23. Juli 2019 (BVGer act. 1/5) rückwirkend
ab 1. April 2018 bei sich an.
A.b Mit Schreiben vom 23. Juli 2019 (BVGer act. 1/4) adressiert an
«A._, Restaurant C._, [Adresse 1]» wurde seitens der SVA
[Kanton 1] mitgeteilt, dass das Abrechnungskonto als Selbständigerwer-
bender per 31. März 2018 annulliert worden sei. Im Schreiben vom 23. Juli
2019 ist die AHV-Nummer (...).62 aufgeführt. Diese AHV-Nummer kann
A._ zugeordnet werden (BVGer act. 43/1).
A.c Mit Wiedererwägungsverfügung vom 28. November 2019 (BVGer
act. 1/7) adressiert an «A._, [Adresse 1]» hob die Vorinstanz die
Verfügung vom 23. Juli 2019 auf (Dispositivziffer 1) und auferlegte Kosten
in der Höhe von Fr. 450.- und Fr. 825.- (Dispositivziffer 2). Die Vorinstanz
erwog, der Zwangsanschluss sei in Wiedererwägung zu ziehen, da der Ar-
beitgeber die Angestellten nicht über die Einzelfirma, sondern über die
GmbH beschäftigt habe, und die GmbH bei der GastroSocial angeschlos-
sen sei (zur GmbH vgl. Bst. A.d hiernach).
Die Wiedererwägungsverfügung vom 28. November 2019 ersetzte die
Wiedererwägungsverfügung vom 21. November 2019, da in der Wiederer-
wägungsverfügung vom 21. November 2021 fälschlicherweise die SVA
[Kanton 2] statt die SVA [Kanton 1] aufgeführt worden war (BVGer act. 1/6
und 1/7).
A.d Aus dem Handelsregister des Kantons [Kanton 1] geht hervor, dass
eine Person namens D._ vom (...) August 2016 bis zum (...) März
2018 Gesellschafter und Geschäftsführer der E._ GmbH war (vgl.
[URL kantonales Handelsregister], besucht am 11. Februar 2022), welche
an der [Adresse 1] domiziliert war (vgl. [URL SHAB], besucht am 11. Feb-
ruar 2022). Nachdem der Sitz der E._ GmbH nach F._ ver-
legt worden und D._ als Geschäftsführer aus der Gesellschaft aus-
geschieden war, wurde die Firma in der Folge in E._ GmbH in Li-
quidation geändert, und über sie mit Wirkung ab (...) Juli 2018 der Konkurs
eröffnet. Das Konkursverfahren wurde am (...) Oktober 2018 mangels Ak-
tiven eingestellt und die Gesellschaft am (...) Januar 2019 im Handelsre-
gister gelöscht (vgl. [URL Zefix], besucht am 11. Februar 2022).
C-226/2020
Seite 3
Weiter ist dem Handelsregister des Kantons [Kanton 1] zu entnehmen,
dass D._ seit (...) April 2018 Gesellschafter und Geschäftsführer
der G._ GmbH ist. Die G._ GmbH bezweckt unter anderem
die Führung von Restaurationsbetrieben. Bei der Gründung wurde als
Sacheinlage eine Restaurantausstattung eingebracht (vgl. [URL kantona-
les Handelsregister], besucht am 11. Februar 2022).
B.
A._ (nachfolgend Beschwerdeführer), [Adresse 2], vertreten durch
B._, erhob gegen die Wiedererwägungsverfügung vom 28. Novem-
ber 2019 am 13. Januar 2020 (Postaufgabe; BVGer act. 1) Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte sinngemäss, Dispositivzif-
fer 2 der Wiedererwägungsverfügung sei aufzuheben und es seien ihm
keine Kosten aufzuerlegen. Der Beschwerdeführer brachte vor, er habe
sich nicht als Selbständigerwerbender angemeldet, und er habe auch
keine eigene Firma oder Stammanteile an einer GmbH. Zudem wohne er
nicht in [Adresse 1]. Weiter betreffe die Wiedererwägungsverfügung
D._ und nicht den Beschwerdeführer. Aus mehreren Telefonaten
mit der Vorinstanz habe sich ergeben, dass eine Lohnzusammenstellung
lautend auf D._ und nicht A._ aktenkundig sei. Es liege folg-
lich eine Verwechslung dieser beiden Personen vor.
C.
Der mit Zwischenverfügung vom 15. Januar 2020 (BVGer act. 2) eingefor-
derte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 400.- ging fristgerecht am
17. Januar 2020 (BVGer act. 5) in der Gerichtskasse ein.
D.
Mit Vernehmlassung vom 21. Februar 2020 (BVGer act. 8) beantragte die
Vorinstanz, die Beschwerde gegen die Wiedererwägungsverfügung vom
28. November 2019 sei abzuweisen. Sie brachte vor, es habe keine Ver-
wechslung gegeben, vielmehr seien D._ und A._ dieselbe
Person. Es liege nur ein Schreibfehler vor. Bei der Adresse [Adresse 1]
handle es sich um die Geschäftsadresse des Restaurants C._ und
bei der [Adresse 2] um die Privatadresse des Beschwerdeführers. Da der
Zwangsanschluss wegen der Mitwirkungspflichtverletzung des Beschwer-
deführers verursacht worden sei, habe dieser die wiedererwägungsweise
verfügten Kosten zu tragen.
C-226/2020
Seite 4
E.
Mit Replik vom 18. März 2020 (BVGer act. 12) brachte der Beschwerde-
führer vor, er sei nicht D._, und er sei weder Arbeitgeber noch habe
er eine Einzelfirma oder eine GmbH gegründet.
F.
Das Beschwerdeverfahren wurde auf Antrag der Vorinstanz vom 22. Sep-
tember 2020 (BVGer act. 18) für die Zeit vom 15. Oktober 2020 (BVGer
act. 21) bis zum 23. April 2021 (BVGer act. 23) sistiert, damit die Vorinstanz
Abklärungen hinsichtlich des Zwangsanschlusses vornehmen konnte. Es
stellte sich heraus (vgl. Schreiben SVA [Kanton 1] vom 28. Januar 2021,
BVGer act. 25/3), dass – entgegen der Annahme der Vorinstanz (vgl. Bst.
A.c) – die G._ GmbH keine Löhne abgerechnet und sich auch kei-
ner Vorsorge angeschlossen hatte. Am 23. April 2021 hob das Gericht die
Sistierung auf und setzte das Beschwerdeverfahren fort (BVGer act. 23).
G.
Die Vorinstanz hielt duplikweise am 19. Mai 2021 (BVGer act. 25) fest,
streitig sei einzig die Kostenauflage, welche zu Recht erfolgt sei, denn mit
dem Beschwerdeführer sei im Zeitpunkt des Zwangsanschlusses die rich-
tige Person angeschlossen worden. Der Beschwerdeführer habe das
Zwangsanschlussverfahren und die Wiedererwägungsverfügung durch
vorwerfbares Verhalten verursacht.
H.
Die Parteien bestätigten mit Triplik vom 21. Juni 2021 (Postaufgabe; BVGer
act. 27) und Quadruplik vom 20. Juli 2021 (BVGer act. 29) ihre bisherigen
Anträge und deren Begründung.
I.
Am 2. September 2021 (BVGer act. 31) ersuchte das Bundesverwaltungs-
gericht die Parteien, Informationen zum Versand bzw. Empfang der
Zwangsanschlussverfügung vom 23. Juli 2019, der Wiedererwägungsver-
fügung vom 21. November 2019 und der Wiedererwägungsverfügung vom
28. November 2019 einzureichen.
J.
Die Vorinstanz sandte dem Bundesverwaltungsgericht am 10. September
2021 (BVGer act. 35) den Zustellnachweis für die Zwangsanschlussverfü-
gung vom 23. Juli 2019 mit der Adresse «A._ [Anm.: Name falsch
C-226/2020
Seite 5
geschrieben], [Adresse 1]» und den Zustellnachweis für die Wiedererwä-
gungsverfügung vom 21. November 2019 mit der Adresse «D._,
[Adresse 1]». Am 21. September 2021 (BVGer act. 37) übermittelte die Vo-
rinstanz dem Bundesverwaltungsgericht das Adressblatt zur Wiedererwä-
gungsverfügung vom 28. November 2019. Die Adresse auf dem Adress-
blatt lautet «A._, [Adresse 1]». Ein Zustellnachweis für die Wieder-
erwägungsverfügung vom 28. November 2019 war nicht erhältlich.
K.
Mit Eingabe vom 27. September 2021 (Mailversand, BVGer act. 42; Post-
aufgabe am 4. Oktober 2021, BVGer act. 43), welche als verspätetes Par-
teivorbringen gemäss Art. 32 Abs. 2 VwVG zu berücksichtigen ist, sandte
der Vertreter des Beschwerdeführers dem Bundesverwaltungsgericht je
eine Kopie des Passes und der Versichertenkarte des Beschwerdeführers.
Er führte aus, seines Wissens seien die besagten Verfügungen an das
Restaurant C._ in [Adresse 1] gesandt worden. D._ und
A._ seien zwei verschiedene Personen. Der Beschwerdeführer,
A._, arbeite als [Mitarbeiter] im Restaurant C._ in [Adresse
1]. D._ sei der Vorgesetzte des Beschwerdeführers und Inhaber der
G._ GmbH, welche das Restaurant C._ betreibe.
D._ habe die Briefe entgegengenommen und sie an den Beschwer-
deführer weitergegeben.
L.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen
wird, soweit dies für die Entscheidfindung erforderlich ist, in den nachfol-
genden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 7 Abs. 1 VwVG (SR 172.021) prüft das Bundesverwal-
tungsgericht von Amtes wegen und mit freier Kognition, ob die Prozessvo-
raussetzungen erfüllt sind und auf eine Beschwerde einzutreten ist (BVGE
2016/15 E. 1; Urteil des BVGer B-2560/2021 vom 11. Januar 2022 E. 1).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden
Beschwerde gegen die Wiedererwägungsverfügung vom 28. November
2019 grundsätzlich zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. h VGG [SR 173.32];
Art. 60 Abs. 2bis BVG [SR 831.40] und Art. 74 Abs. 1 BVG).
C-226/2020
Seite 6
1.3 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.4 Die Beschwerde wurde vorliegend frist- und formgerecht erhoben und
der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet (Art. 50 Abs. 1 VwVG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Hinsichtlich der weiteren Prozessvoraussetzungen wie Parteistellung
und Anfechtungsobjekt monierte der Beschwerdeführer (BVGer act. 1), es
liege eine Verwechslung von zwei Personen vor, denn er sei nicht
D._ und auch nicht Inhaber des Restaurants C._. Zudem
habe er weder eine Einzelfirma noch Stammanteile an einer GmbH. Dies
habe er der Vorinstanz mehrmals mitgeteilt, jedoch habe man ihm nicht
zugehört (BVGer act. 12).
Die Vorinstanz hielt dagegen (BVGer act. 8), bei D._ und
A._ handle es sich um dieselbe Person, und es sei im Zeitpunkt des
Zwangsanschlusses vom 23. Juli 2019 per 1. April 2018 (BVGer act. 1/5)
zu Recht A._ als Selbständigerwerbender angeschlossen worden.
2.2
2.2.1 Wer Partei im Sinne von Art. 6 VwVG ist, kann ein Begehren um Er-
lass einer Verfügung stellen und hat im Verfahren auf Erlass der Verfügung
verschiedene Parteirechte und -pflichten, namentlich die aus dem An-
spruch auf rechtliches Gehör fliessenden Rechte, und Anspruch auf Eröff-
nung der Verfügung (vgl. VERA MARANTELLI/SAID HUBER, in: Wald-
mann/Weissenberger [Hrsg], Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016,
Rz. 24 ff. zu Art. 6). Die Partei kann schliesslich – soweit die Vorausset-
zungen von Art. 48 VwVG erfüllt sind – die Verfügung anfechten.
2.2.2 Als Parteien in einem Verwaltungsverfahren gelten gemäss Art. 6
VwVG Personen, deren Rechte oder Pflichten die Verfügung berühren soll
und andere Personen, denen ein Rechtsmittel gegen die Verfügung zu-
steht. Art. 6 VwVG erfasst also zwei Konstellationen: Parteistatus haben
die eigentlichen materiellen Verfügungsadressaten, deren Rechte oder
Pflichten die Verfügung berührt und mit denen ein Rechtsverhältnis gere-
gelt werden soll. Daneben sind Partei weitere Rechtssubjekte, die zur Be-
schwerde gegen die Verfügung berechtigt sind. Die zweite Konstellation
von Art. 6 VwVG knüpft damit an die Beschwerdelegitimation nach Art. 48
VwVG an (ISABELLE HÄNER, VwVG Kommentar, a.a.O., Rz. 1, 5 f. zu Art. 6;
C-226/2020
Seite 7
MARANTELLI/HUBER, Praxiskommentar VwVG, a.a.O., Rz. 3, 7, 16 zu Art.
6; beide je auch zum Folgenden).
Nach Art. 48 Abs. 1 VwVG beschwerdebefugt ist, wer vor der Vorinstanz
am Verfahren teilgenommen hat (Bst. a), durch die angefochtene Verfü-
gung besonders berührt ist (Bst. b) und ein schutzwürdiges Interesse an
deren Anfechtung oder Änderung hat (Bst. c). Der Nichtverfügungsadres-
sat (der «Dritte» im Sinne der zweiten Konstellation von Art. 6 VwVG) erfüllt
die Voraussetzungen von Art. 48 VwVG, wenn er vom zu regelnden
Rechtsverhältnis besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse
an der Aufhebung oder Änderung der Verfügung hat. Das Interesse des
Dritten gilt als schutzwürdig, wenn er durch das Beschwerdeverfahren ei-
nen materiellen oder ideellen Nachteil von sich abwenden kann. Er muss
durch die angefochtene Verfügung stärker als jedermann betroffen sein
und in einer besonderen, beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsa-
che stehen (BGE 142 II 451 E. 3.4.1; 131 II 587 E. 2.1).
2.3
2.3.1 Nach Art. 29 Abs. 2 BV (SR 101) haben die Parteien Anspruch auf
rechtliches Gehör (vgl. auch Art. 29 VwVG). Dieses dient einerseits der
Sachaufklärung, andererseits stellt es aber auch ein persönlichkeitsbezo-
genes Mitwirkungsrecht beim Erlass von Verfügungen dar, welche in die
Rechtsstellung des Einzelnen eingreifen. Dazu gehört insbesondere das
Recht der Parteien, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifen-
den Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen,
Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört
zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwir-
ken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses
geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (Urteil des BVGer
A-4271/2016 vom 21. Juni 2017 E. 2.4.1 m.w.H.).
2.3.2 Die Begründungspflicht ist ein Teilgehalt des verfassungsmässigen
Anspruchs auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV (BGE 142 I 135
E. 2.1). Sie soll verhindern, dass sich die verfügende Behörde von unsach-
lichen Motiven leiten lässt, und den Betroffenen ermöglichen, eine Verfü-
gung gegebenenfalls sachgerecht anfechten zu können. Die sachgerechte
Anfechtung einer Verfügung ist nur dann möglich, wenn sich sowohl der
Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz ein Bild über deren Tragweite
machen können. Somit müssen in jedem Fall die Überlegungen angeführt
werden, von denen sich die zuständige Behörde hat leiten lassen und auf
C-226/2020
Seite 8
die sie ihre Verfügung stützt. Dabei darf sie sich jedoch auf die wesentli-
chen Gesichtspunkte beschränken. Die Anforderungen an die Begrün-
dungsdichte sind je nach Komplexität des Sachverhalts und/oder des der
Behörde eingeräumten Ermessensspielraums unterschiedlich (vgl. zum
Ganzen: Urteil des BVGer A-4271/2016 E. 2.4.2 m.w.H.).
2.3.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Deshalb führt
dessen Verletzung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in
der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung (BGE 127
V 431 E. 3d/aa). Nach der Rechtsprechung kann jedoch eine Verletzung
des Gehörsanspruchs dann geheilt werden, wenn die unterbliebene Ge-
währung des rechtlichen Gehörs in einem Rechtsmittelverfahren nachge-
holt wird, in dem die Beschwerdeinstanz mit der gleichen Prüfungsbefugnis
entscheidet wie die untere Instanz. Die Heilung ist aber ausgeschlossen,
wenn es sich um eine besonders schwerwiegende Verletzung der Partei-
rechte handelt. Zudem darf den Beschwerdeführenden kein Nachteil er-
wachsen und die Heilung soll die Ausnahme bleiben (BGE 126 V 130
E. 2b).
2.4 Schwerwiegende Verfahrensfehler, wie schwerwiegende Eröffnungs-
mängel, beispielsweise bei Unklarheit betreffend die Parteistellung, welche
sich auch aus dem Kontext nicht beseitigen lassen, und die schwerwie-
gende Verletzung des rechtlichen Gehörs, können die Nichtigkeit der an-
gefochtenen Verfügung zur Folge haben (BGE 129 I 361 E. 2.1; Urteil des
BGer 9C_861/2010 vom 31. Dezember 2010 E. 1.3; Urteil des BVGer
C-4810/2011 vom 15. August 2012 E. 5.1; LORENZ KNEUBÜHLER/RAMONA
PEDRETTI, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], VwVG Kommentar, 2. Aufl.
2019, Rz. 16 zu Art. 38).
2.4.1 Gemäss Rechtsprechung ist für die Abgrenzung zwischen Anfecht-
barkeit und Nichtigkeit einer Verfügung der Evidenztheorie zu folgen. Dem-
nach ist eine Verfügung nichtig, wenn der ihr anhaftende Mangel beson-
ders schwer und offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist, und die
Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefähr-
det wird (BGE 138 II 501 E. 3.1; Urteil des BGer 2C_387/2018 vom 18. De-
zember 2018 E. 3.2; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungs-
recht, 8. Aufl. 2020, § 15 Rz. 1098).
2.4.2 Als Nichtigkeitsgrund kommen namentlich die sachliche oder funkti-
onelle Unzuständigkeit der verfügenden Behörde sowie schwerwiegende
Verfahrens- und Eröffnungsfehler in Betracht (BGE 139 II 243 E. 11.2;
http://links.weblaw.ch/BGE-127-V-431 http://links.weblaw.ch/BGE-127-V-431 http://links.weblaw.ch/BGE-126-V-130
C-226/2020
Seite 9
138 II 501 E. 3.1; 137 I 273 E. 3.1; 137 III 217 E. 2.4.3; 129 V 485 E. 2.3;
Urteil des BGer 2C_657/2014 vom 12. November 2014 E. 2.2; BVGE
2015/15 E. 2.5.2; BVGE 2008/59 E. 4.2 f.; Urteil des BVGer B-5290/2014
vom 13. April 2016 E. 3; FELIX UHLMANN/ALEXANDRA SCHILLING-SCHWANK,
Praxiskommentar VwVG, a.a.O., Rz. 3 ff. zu Art. 38). So kann die Eröffnung
eines Entscheides an eine falsche Partei Nichtigkeit zur Folge haben (UHL-
MANN/SCHILLING- SCHWANK, Praxiskommentar VwVG, a.a.O., Rz. 3, 11 zu
Art. 38).
2.4.3 Eine bloss fehlerhafte Parteibezeichnung kann durch die Behörde
berichtigt werden. Dies ist statthaft, wenn die Identität der Partei von An-
fang an eindeutig feststand und bloss deren Benennung formell falsch war.
Diesfalls kann durch die Behörde bzw. die Beschwerdeinstanz eine Berich-
tigung erfolgen, ohne dass der angefochtene Entscheid aufgehoben wer-
den muss (BGE 136 III 551 E. 3.4.1; 131 I 57 E. 2.2; 129 V 300 E. 3.2;
120 III 11 E. 1b; 116 V 335 E. 4; BVGE 2014/25 E. 3; Urteile des BVGer A-
4795/2011; A-4800/2011 und A-4819/2011 vom 3. Januar 2013 E. 2.3;
A-4584/2011 vom 20. November 2012 E. 1.2.1, A-6610/2009 vom 21. April
2010 E. 2.4 ff.; A-1513/2006 vom 24. April 2009 E. 5.2; UHLMANN/SCHIL-
LING-SCHWANK, Praxiskommentar VwVG, a.a.O., Rz. 13 zur Art. 38).
2.4.4 Verfahrensmängel, die in Gehörsverletzungen liegen, sind nach dem
zuvor Gesagten (vgl. E. 2.3.3 hiervor) an sich heilbar und führen in der
Regel nur zur Anfechtbarkeit des fehlerhaften Entscheids. Handelt es sich
jedoch um einen besonders schwerwiegenden Verstoss gegen grundle-
gende Parteirechte, so haben auch Verletzungen des Anspruchs auf recht-
liches Gehör Nichtigkeit zur Folge (BGE 129 I 361 E. 2.1 m.H.).
2.4.5 Die Nichtigkeit ist jederzeit und von sämtlichen staatlichen Instanzen
von Amtes wegen zu beachten; sie kann auch im Rechtmittelverfahren fest-
gestellt werden (BGE 140 III 651 E. 3; 139 II 243 E. 11.2; 138 II 501 E. 3.1;
137 III 217 E. 2.4.3; 132 II 342 E. 2.1 m.H. und 127 II 32 E. 3 g) f.;
BVGE 2015/15 E. 2.5.1 m.w.H.). Die Nichtigkeit kann von jedermann jeder-
zeit geltend gemacht werden (Urteil des BVGer B-5290/2014 E. 3; HÄFE-
LIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., § 15 Rz. 1096). Einer nichtigen Verfügung
geht jede Verbindlichkeit und Rechtswirkung ab (BGE 132 II 342 E. 2.1.
m.w.H; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., § 15 Rz. 1096).
2.5 Erweist sich die vorliegend angefochtene Wiedererwägungsverfügung
vom 28. November 2019 als nichtig, gilt sie als rechtlich inexistent. In ei-
nem solchen Fall ist auf die Beschwerde mangels Anfechtungsobjekt nicht
http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2022&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-I-97%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page97
C-226/2020
Seite 10
einzutreten und die Nichtigkeit ist im Dispositiv festzustellen (BGE 132 II
342 E. 2.3; BVGE 2015/15 E. 2.5.1; Urteil des BVGer B-1286/2016 vom
15. August 2017 E. 1.5 m.w.H.).
Die Wiedererwägungsverfügung vom 28. November 2019 ersetzt vorlie-
gend die Wiedererwägungsverfügung vom 21. November 2019. Sollte vor-
liegend infolge unklarer Verfahrenspartei die Nichtigkeit der Wiederwä-
gungsverfügung vom 28. November 2019 bejaht werden (vgl. nachfol-
gende Prüfung in E. 3.3 f.), hätte dies auch für die Wiedererwägungsverfü-
gung vom 21. November 2019 und für die Zwangsanschlussverfügung vom
23. Juli 2019 zu gelten, zumal alle bisherigen Anordnungen der Vorinstanz
an die falsche/fraglich richtige Partei gerichtet worden wären (vgl. zu den
Folgen der Nichtigkeit einer Wiedererwägungsverfügung BGE 140 V 514
E 5.2; Urteil des BGer 8C_288/2016 vom 14. November 2016 E. 3.3).
3.
Zur Parteistellung im Verfahren vor der Vorinstanz ist Folgendes festzuhal-
ten:
3.1 Arbeitgebende, welche obligatorisch zu versichernde Arbeitnehmende
beschäftigen (Art. 2 Abs. 1 BVG i.V.m. Art. 5 BVV 2 [SR 831.441.1]; Art. 5
Abs. 1 BVG), müssen eine in das Register für die berufliche Vorsorge ein-
getragene Vorsorgeeinrichtung errichten oder sich einer solchen anschlies-
sen (Art. 11 Abs. 1 BVG). Die AHV-Ausgleichskasse überprüft (Art. 11
Abs. 4 BVG), ob die von ihr erfassten Arbeitgebende einer registrierten Vor-
sorgeeinrichtung angeschlossen sind. Sie fordert Arbeitgebende, die ihrer
Pflicht nach Art. 11 Abs. 1 BVG nicht nachkommen, auf, sich innerhalb von
zwei Monaten einer registrierten Vorsorgeeinrichtung anzuschliessen
(Art. 11 Abs. 5 BVG). Kommt ein Arbeitgeber der Aufforderung nicht frist-
gemäss nach, meldet die AHV-Ausgleichkasse ihn der Auffangeinrichtung
rückwirkend zum Anschluss (Art. 11 Abs. 6 BVG). Zieht die Auffangeinrich-
tung eine Zwangsanschlussverfügung in Wiedererwägung, kann sie dem
säumigen Arbeitgeber den von ihm verursachten Verwaltungsaufwand
dennoch in Rechnung stellen, sofern der Zwangsanschluss im Zeitpunkt
des Erlasses der Zwangsanschlussverfügung nach der damaligen Sach-
und Rechtslage zu Recht angeordnet wurde (Art. 11 Abs. 7 BVG; Urteile
des BVGer C-5526/2020 vom 5. Oktober 2021 E. 3.2; C-2659/2020 vom
8. Oktober 2020).
3.2 Anlass für das Tätigwerden der Vorinstanz war die Meldung «BVG-An-
schlusskontrolle» der SVA [Kanton 1] an die Vorinstanz vom 29. April 2019
C-226/2020
Seite 11
(BVGer act. 8/1), wonach im Restaurant C._, [Adresse 1], BVG-
pflichtiges Personal beschäftigt wird, jedoch kein Anschluss an eine Vor-
sorgeeinrichtung besteht.
3.2.1 Beim Restaurant C._ handelt es sich um ein Geschäftslokal,
welches nicht rechts- und parteifähig ist und folglich von vornherein nicht
Partei nach Art. 6 VwVG sein kann (Urteil des BVGer A-6610/2009 E. 3.2).
Anzuschliessen war indes der Inhaber oder die Inhaberin des Restaurants
C._.
3.2.2 Inhaber eines Restaurants kann eine juristische Person beispiel-
weise eine GmbH oder eine natürliche Person sein. Anders als eine GmbH
ist eine Einzelunternehmung weder rechts- noch parteifähig (Urteil des
BVGer A-1232/2017 vom 13. Januar 2018 E. 5.2.1.1 m.H.a. ARTHUR
MEIER-HAYOZ/PETER FORSTMOSER, Droit suisse des sociétés, ed. Français
par Peter Irdanov, 2015, § 26 Rz. 2; Blätter für Zürcherische Rechtspre-
chung [ZR] 1959 Nr. 59). Auch die Eintragung einer Einzelunternehmung
im Handelsregister führt nicht dazu, dass die betreffende Unternehmung
die Rechtsfähigkeit erwirbt (Urteil des BGer 2C_123/2010 vom 5. Mai 2010
E. 3.2; Urteil des BVGer A-1232/2017 E. 5.2.1.1; vgl. auch Art. 36 ff. der
Handelsregisterverordnung vom 17. Oktober 2007 [HRegV; SR 221.411]).
Die Rechte und Pflichten aus dem eingetragenen Unternehmen stehen
vielmehr der natürlichen Person zu, welche das fragliche Gewerbe betreibt,
mithin dem Inhaber (Urteil des BVGer A-1232/2017 E. 5.2.1.1).
3.2.3 Im Zeitpunkt des Zwangsanschlusses ging die Vorinstanz davon aus,
dass ein Einzelunternehmer namens A._, welchen sie zugleich für
D._ hielt (zur Identität der Personen vgl. E. 3.3 hiernach), Inhaber
des Restaurants C._ ist. Später war sie indes der Ansicht, dass die
G._ GmbH Inhaberin des Restaurants ist.
3.2.4 Gemäss Handelsregister ist D._ Gesellschafter und Ge-
schäftsführer der G._ GmbH. Als Domiziladresse wird die [Adresse
4] geführt (vgl. [URL kantonales Handelsregister], besucht am 11. Februar
2022).
Recherchen im Internet ergaben, dass an der [Adresse 4] ein Restaurant
H._ domiziliert ist und als Kontakt D._ aufgeführt wird (vgl.
[URL], besucht am 11. Februar 2022). Das Baugesuch für Reklamen beim
C-226/2020
Seite 12
Restaurant H._ wurde indes von A._ gestellt (vgl. [URL], be-
sucht am 11. Februar 2022). Bei diesem Restaurant finden sich folglich
beide Namen im Internet.
Anders sieht es beim Restaurant C._ aus. Gemäss Internetrecher-
chen tritt bei diesem Restaurant einzig D._ auf dem Markt auf (vgl.
[URL hri.ch und Restaurant C._]; jeweils besucht am 11. Februar
2022). Zudem wurde in der (...)-Post vom (...) Mai 2016 (vgl. [URL (...)-
Post], besucht am 11. Februar 2022) D._ als neuer Pächter des
Restaurants C._ in [Adresse 1] vorgestellt. Der Zwangsanschluss
erfolgte drei Jahre später am 23. Juli 2019 per 1. April 2018. Aufgrund der
zeitlichen Differenz kann von den Umständen im Mai 2016 nicht ohne Wei-
teres auf die Inhaberverhältnisse ab 1. April 2018 geschlossen werden.
3.2.5 Bei der Lohnmeldung vom 28. Januar 2019 (BVGer act. 8/1.1) ist
D._, [Adresse 1] und die Betriebsnummer (...) aufgeführt, jedoch
fehlt eine Unterschrift, womit der Urheber der Lohnmeldung nicht ab-
schliessend festgestellt werden kann. Bei der Meldung zur BVG-An-
schlusskontrolle der SVA [Kanton 1] vom 29. April 2019 (BVGer act. 8/1)
wird unter der Abrechnungsnummer [Betriebsnummer], A._, [Ad-
resse 1] als Arbeitgeber aufgeführt. Im Schreiben der SVA [Kanton 1] vom
23. Juli 2019 (BVGer act. 8/3) an A._, Restaurant C._, [Ad-
resse 1] ist als Betreff [Betriebsnummer]/(...).62 [Anm.: AHV-Nummer] an-
gegeben. Die AHV-Nummer (...).62 kann A._ zugeordnet werden
(BVGer act. 43/1).
Das Verhältnis zwischen A._, D._ und dem Restaurant
C._ ist vorliegend nicht geklärt. Zwar brachte der Beschwerdeführer
vor, er sei als [Mitarbeiter] beim Restaurant C._ tätig und
D._ sei sein Chef, indes ist der Beschwerdeführer auf der Lohnmel-
dung vom 28. Januar 2019 nicht aufgeführt (BVGer act. 8/1.1).
Eine Lohnmeldung der G._ GmbH ist mindestens bis zum Schrei-
ben der SVA [Kanton 1] vom 8. Januar 2021 (BVGer act. 25/3) an die Vor-
instanz nicht aktenkundig. Damit bleiben die Inhaberverhältnisse hinsicht-
lich des Restaurants C._ unklar.
3.2.6 Es ist augenfällig, dass auf der Lohnmeldung (BVGer act. 8/1.1) der
Name D._ vorkommt, die Schreiben der SVA [Kanton 1] jedoch an
A._ gerichtet wurden und einmal die Adresse in [Adresse 1] (BVGer
act. 8/2, 8/3) und einmal die Adresse in [Adresse 2] (BVGer act. 8/1.2,
C-226/2020
Seite 13
8/1.4) verwendet wurde. Damit ist unklar, wen die Vorinstanz im Zeitpunkt
des Zwangsanschlusses vom 23. Juli 2019 per 1. April 2018 als Inhaber
des Restaurants C._ betrachtete. Die Vorinstanz ging dieser Dis-
krepanz nicht weiter nach, sondern nahm einfach an, bei D._ und
A._ handle es sich um dieselbe Person und die Adresse in [Ad-
resse 1] sei die Geschäftsadresse und die Adresse in [Adresse 2] die Pri-
vatadresse des Beschwerdeführers. Dies wäre zwar eine logische Erklä-
rung für die Ungereimtheiten, jedoch bestehen, wie sogleich zu zeigen ist
(vgl. E. 3.3 hiernach), erhebliche Zweifel an der Annahme der Vorinstanz,
wonach es sich bei D._ und A._ um dieselbe Person han-
delt.
3.3 Zur Identität von D._ und A._ kann Folgendes gesagt
werden:
3.3.1 Gemäss Handelsregister existiert eine G._ GmbH (vgl. Bst.
A.d hiervor), deren Gesellschafter und Geschäftsführer D._, türki-
scher Staatsangehöriger, in [Adresse 1], ist. Die GmbH bezweckt unter an-
derem die Führung eines Restaurationsbetriebes. Andere Firmeneinträge
sind im Handelsregister des Kantons [Kanton 1] weder unter dem Namen
«D._» noch «A._» vorhanden. Aus der im Beschwerdever-
fahren eingereichten Passkopie des Beschwerdeführers (BVGer act. 43/1)
ist ersichtlich, dass dieser die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt und
nicht wie D._ die türkische Staatsangehörigkeit.
3.3.2 Nachfragen seitens des Bundesverwaltungsgerichts bei den Einwoh-
nerämtern der Gemeinden [Adresse 1] und [Adresse 2] hinsichtlich der
Meldeverhältnisse ergaben (BVGer act. 32), dass ein A._ an der
[Adresse 2] und ein D._ an der [Adresse 3] gemeldet ist. An der
[Adresse 1] gibt es einzig das Restaurant C._.
3.3.3 In den Akten finden sich zwei unterschiedliche AHV-Nummern: In Zu-
sammenhang mit D._ wird die AHV-Nr. (...).64 (BVGer act. 18/4,
18/5, 25/3) und bei A._ die AHV-Nr. (...).62 (BVGer act. 1/4, 8/3,
27/1) verwendet.
Die AHV-Nr. (...).62 von A._ entspricht dem Eintrag auf seiner Kran-
kenkassenkarte (BVGer act. 43/1). Ob auch die AHV-Nummer von
D._ korrekt ist, ist nicht bekannt und vorliegend nicht zu klären, da
zwei unterschiedliche AHV-Nummern allein keinen abschliessenden Be-
weis hinsichtlich der Identität einer Person zu erbringen vermögen.
C-226/2020
Seite 14
3.3.4 Die GastroSocial teilte der Vorinstanz mit E-Mail vom 26. August
2020 (BVGer 18/2) mit, «A._ (AHV-Nr. [...].62) war dem Anschein
nach in der Zeit von Mai 2017 bis März 2018 Arbeitnehmer von D._
(AHV-Nr. [...].64). Für ihn wurde in dieser Zeit unter der E._ GmbH
in [Adresse 1] Lohn abgerechnet. D._ war gemäss Handelsregister
dort Gesellschafter und Geschäftsführer». Diese Informationen der Gast-
roSocial bekräftigen die erheblichen Zweifel an der Annahme der Vor-
instanz, dass es sich bei D._ und A._ um dieselbe Person
handelt.
3.4 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass aufgrund der unterschiedlichen
Staatszugehörigkeiten, der Meldeverhältnisse und der verschiedenen
AHV-Nummern erhebliche Zweifel an der Annahme der Vorinstanz beste-
hen, dass es sich bei D._ und A._ um dieselbe Person han-
delt. Folglich ist auch unklar, wen die Vorinstanz im Zeitpunkt der Zwangs-
anschlussverfügung vom 23. Juli 2019 als Inhaber des Restaurants
C._ betrachtete und zwangsweise anschliessen wollte. Damit ist
auch unklar, wer Verfügungsadressat der vorliegend angefochtenen Wie-
dererwägungsverfügung vom 28. November 2019 ist.
4.
Eine korrekte Verfügungseröffnung setzt voraus, dass der Verfügungsad-
ressat eindeutig bestimmt oder zumindest eindeutig bestimmbar ist, mithin
dessen Identität geklärt ist (vgl. E. 2.4, 2.4.2 und 2.4.3 hiervor). Dies ist
vorliegend nicht der Fall (vgl. E. 3.4 hiervor).
4.1
4.1.1 Die Vorinstanz veranlasste hinsichtlich der Identität des Verfügungs-
adressaten keine Abklärungen, obwohl der Beschwerdeführer vehement
eine Verwechslung zweier Personen geltend machte (BVGer act. 8/10).
Dem Beschwerdeführer ist dabei hinsichtlich seiner Mitwirkungspflicht
(Art. 13 VwVG i.V.m. 37 VGG) zugutezuhalten, dass negative Tatsachen
im strikten Sinne kaum beweisbar sind (Urteil des BGer 1C_182/2019 vom
17. August 2020 E. 4.1). Nach der Rechtsprechung wird der Beweis nega-
tiver Tatsachen daher nur zurückhaltend verlangt (Urteil des BGer
1C_182/2019 vom 17. August 2020 E. 4.1). Es liegt in der Natur der Sache,
dass der Beschwerdeführer anhand seines Passes nur beweisen kann,
dass er A._ ist, jedoch nicht auch, dass er nicht D._ ist.
C-226/2020
Seite 15
4.1.2 Gestützt auf die Untersuchungsmaxime im Verwaltungsverfahren
(Art. 12 VwVG; CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BINDER, VwVG Kommen-
tar, a.a.O., Rz. 7 zu Art. 12), an welcher sich auch die Vorinstanz zu orien-
tieren hat (Urteil des BVGer A-2370/2018 vom 16. Oktober 2019 E. 2.2),
hätte sie die notwendigen Abklärungen hinsichtlich der Identität des Verfü-
gungsadressaten vornehmen müssen. Sie hätte hierfür sowohl A._
als auch D._ vorladen und die Identität anhand der Originalpässe
feststellen müssen. Indem sie dies unterliess, beging sie einen Verfahrens-
fehler und verletzte das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers in
schwerwiegender Weise. Dieser Mangel kann im vorliegenden Beschwer-
deverfahren nicht geheilt werden.
4.2
4.2.1 Die Vorinstanz ging im Zeitpunkt des Zwangsanschlusses vom
23. Juli 2019 per 1. April 2018 davon aus, dass ein Einzelunternehmer,
A._ resp. D._, Inhaber des Restaurants C._ ist, und
die Geschäftsadresse, [Adresse 1] lautet. An dieser Adresse befindet sich
indes einzig das Geschäftslokal «C._».
4.2.2 Der Sitz eines Einzelunternehmens muss nicht mit dem Wohnsitz des
Inhabers übereinstimmen (Urteil des BVGer A-1232/2017 vom 13. Januar
2018 E. 5.2.1.1). Ist ein Geschäftssitz im Handelsregister eingetragen, ist
der Inhaber verpflichtet, an diesem Ort (geschäftliche) Sendungen entge-
gen zu nehmen (Art. 2 Bst. c HRegV). Geschäftssendungen können dem
Inhaber auch an seine Privatadresse gesendet werden (Urteil des BVGer
A-1232/2017 vom 13. Januar 2018 E. 5.2.1.1). Hieraus folgt, dass bei ei-
nem Zwangsanschluss einer Einzelunternehmung, welche nicht im Han-
delsregister eingetragen ist, die Zustellung der Verfügung an die Privatad-
resse zu erfolgen hat. Ist die Identität des Inhabers einer Einzelunterneh-
mung wie vorliegend fraglich, kann die Verfügung demnach nicht einfach
an die Adresse des Geschäftslokals, hier die Adresse des Restaurants
C._, gesandt werden.
4.2.3 Vorliegend ist unklar, ob die Vorinstanz D._ oder A._
anschliessen wollte. Die Behauptung, es handle sich um dieselbe Person,
ist unbehelflich. Der Vorinstanz obliegt, wie erwähnt (vgl. E. 4.1.2 hiervor),
von Amtes wegen eine Abklärungspflicht hinsichtlich der Identität eines
Verfügungsadressaten. Dies gilt erst recht, wenn wie vorliegend der Be-
schwerdeführer mit nachvollziehbaren Argumenten eine Verwechslung von
C-226/2020
Seite 16
zwei Personen geltend macht. Steht die Identität des Verfügungsadressa-
ten nicht fest und ergibt sie sich wie vorliegend auch nicht aus dem Kontext,
ist eine korrekte Eröffnung der Verfügung nicht möglich (vgl. E. 2.4).
4.3 Im Sinne eines Zwischenergebnisses ergibt sich Folgendes: Indem die
Vorinstanz dem Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach eine Ver-
wechslung von zwei Personen vorliegt, nicht nachging, verletzte sie nicht
nur den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör in schwer-
wiegender Weise; vielmehr klärte sie die Identität des Verfügungsadressa-
ten nicht in rechtsgenüglicher Weise ab, was einen schweren Eröffnungs-
fehler zur Folge hatte. Diese Mängel können vorliegend nicht geheilt wer-
den, denn die Identität der Parteien und damit des Verfügungsadressaten
stand weder vor der Vorinstanz noch im vorliegenden Verfahren vor dem
Bundesverwaltungsgericht eindeutig fest.
5.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob der schwere Verfahrens- und Eröffnungs-
mangel zur Nichtigkeit der angefochtenen Wiedererwägungsverfügung
vom 28. November 2019, der Wiedererwägungsverfügung vom 21. No-
vember 2019 und der Zwangsanschlussverfügung vom 23. Juli 2019 führt
(zum Zusammenhang zwischen diesen Verfügungen vgl. E. 2.5 hiervor).
5.1 Vorliegend war weder im Zeitpunkt des Zwangsanschlusses noch im
Zeitpunkt der Wiedererwägungsverfügung vom 28. November 2019 die
Identität des Verfügungsadressaten geklärt (vgl. E. 3.3). Unter diesen Um-
ständen erweist sich die Wiedererwägungsverfügung vom 28. November
2019 als nichtig, da der ihr anhaftende rechtliche Mangel besonders
schwer wiegt und offensichtlich ist (BGE 138 II 501 E. 3.1; 137 I 273 E. 3.1).
Die Annahme der Nichtigkeit der Wiedererwägungsverfügung vom 28. No-
vember 2019 führt vorliegend zu keiner ernsthaften Gefährdung der
Rechtssicherheit, denn der Beschwerdeführer hat die Wiedererwägungs-
verfügung vorliegend innerhalb der Beschwerdefrist und damit zeitnah an-
gefochten. Da somit nicht ersichtlich ist, inwiefern die Nichtigkeitsfolge vor-
liegend die Rechtssicherheit gefährden sollte, steht diese einer Feststel-
lung der Nichtigkeit nicht entgegen (vgl. hierzu Urteil des BVGer B-
4720/2019 vom 14. Juli 2020 E. 4.6).
5.2 Die Wiedererwägungsverfügung vom 21. November 2019 und die
Zwangsanschlussverfügung vom 23. Juli 2019 weisen denselben schwe-
ren Eröffnungsmangel wie die vorliegend angefochtenen Wiedererwä-
gungsverfügung vom 28. November 2019 auf, womit auch sie nichtig sind.
C-226/2020
Seite 17
Auch die Annahme der Nichtigkeit dieser Verfügungen gefährdet die
Rechtssicherheit vorliegend nicht, vielmehr wird dadurch ermöglicht, dass
die Vorinstanz in einem neuen Zwangsanschlussverfahren ergebnisoffen
untersuchen kann, wer Inhaber des Restaurants C._ ist, ob
D._, A._ oder die G._ GmbH, und ob inzwischen ein
rückwirkender Anschluss ab 1. April 2018 an eine Vorsorgeeinrichtung be-
steht.
6.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass aufgrund der Nichtigkeit der angefoch-
tenen Wiedererwägungsverfügung vom 28. November 2019 ein Anfech-
tungsobjekt fehlt, womit auf die Beschwerde nicht einzutreten ist (vgl.
E. 2.5). Die Nichtigkeit der Wiedererwägungsverfügung vom 28. November
2019 sowie der Wiedererwägungsverfügung vom 21. November 2019 und
der Zwangsanschlussverfügung vom 23. Juli 2019 ist im Dispositiv des vor-
liegenden Urteils festzuhalten.
7.
Die Vorinstanz wird angewiesen, ein neues Zwangsanschlussverfahren zu
eröffnen und anhand des Kauf- bzw. Pachtvertrages, der Arbeitsverträge,
der Lohnmeldungen und weiterer Unterlagen festzustellen, wer Inhaber
des Restaurants C._ ist. Zusätzlich hat die Vorinstanz die Identität
von D._ und A._ anlässlich einer persönlichen Vorladung
anhand der Originalpässe und der Sozialversicherungsausweise festzu-
stellen. Zudem hat die Vorinstanz abzuklären, ob mittlerweile für die Zeit
ab 1. April 2018 im Sinne von Art. 11 BVG ein Anschluss an eine Vorsorge-
einrichtung besteht. Sollte dies nicht der Fall sein, hat die Vorinstanz eine
neue Zwangsanschlussverfügung zu erlassen.
8.
8.1 Tritt das Bundesverwaltungsgericht auf eine Beschwerde nicht ein, weil
sich die angefochtene Verfügung als nichtig erwiesen hat, berücksichtigt
es dies bei der Festlegung der Verfahrenskosten (Art. 63 VwVG; Urteile
des BVGer B-4720/2019 vom 14. Juli 2020 E. 5.1; B-5290/2014 E. 8.1).
8.2 Die Vorinstanz hat die Parteistellung, bei der es sich um eine Prozess-
voraussetzung handelt, von Amtes wegen abzuklären. Dies hat sie, wie
zuvor dargelegt, in ungenügender Weise getan, was zu einem schweren
Eröffnungsmangel und einer schweren Verletzung des rechtlichen Gehörs
geführt hat, so dass sie die Nichtigkeit der angefochtenen Wiedererwä-
C-226/2020
Seite 18
gungsverfügung zu verantworten hat. Beim vorliegenden Ausgang des Ver-
fahrens ist der Beschwerdeführer demnach als obsiegend zu erachten,
weshalb ihm keine Kosten aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der
Vorinstanz sind ebenfalls keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63
Abs. 1 und 2 VwVG). Der einbezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von
Fr. 400.- ist dem Beschwerdeführer nach Eintritt der Rechtskraft des vor-
liegenden Urteils zurückzuerstatten.
8.3 Eine obsiegende Partei hat Anspruch auf eine Parteientschädigung für
die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten
(Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Darunter fallen die Kosten der Vertretung
sowie allfällige weitere Auslagen der Partei; unnötiger Aufwand wird nicht
entschädigt (Art. 8 VGKE). Die Kosten der Vertretung umfassen insbeson-
dere das Anwaltshonorar oder die Entschädigung für eine nichtanwaltliche
berufsmässige Vertretung (Art. 9 Abs. 1 Bst. a VGKE). Kein Entschädi-
gungsanspruch besteht bei nicht berufsmässiger Vertretung (Urteil des
BGer 8C_504/2017 vom 9. März 2018 E. 7; Urteil des BVGer A-4005/2016
vom 27. Juni 2017 E. 9.2.2). Der Beschwerdeführer lässt sich im vorliegen-
den Beschwerdeverfahren durch B._ vertreten, welcher darauf hin-
wies, dass er dem Beschwerdeführer als Freund helfe (BVGer act. 8/5 und
15), womit von einer Vertretung aus Gefälligkeit auszugehen ist, die nicht
berufsmässig erfolgt. Dem Beschwerdeführer ist demnach keine Parteient-
schädigung zuzusprechen. Die Vorinstanz hat ebenfalls keinen Anspruch
auf Parteientschädigung (Art. 7 Abs. 3 VGKE).
Der Beschwerdeführer hat Anspruch auf Ersatz der notwendigen Auslagen
im Umfang von Fr. 200.- (Art. 13 VGKE), welche von der Vorinstanz zu
erstatten sind.
C-226/2020
Seite 19