Decision ID: 9e40d7dc-47a4-5018-aa67-1a744f1254eb
Year: 2016
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführenden sind Grundeigentümer der Parzelle Oberhofen
Grundbuchblatt Nr. D._, welche sich im Perimeter der Überbauungsordnung
F._ (ÜO F._ )1 befindet. Mit Schreiben vom 30. Oktober 2015 wendete
sich die Baukommission der Gemeinde Oberhofen an die Beschwerdeführenden und führte
darin aus, man habe festgestellt, dass auf der Parzelle der Beschwerdeführenden eine
Parkplatzerweiterung mit Rasengittersteinen und eine Betonstützmauer erstellt worden
1 Überbauungsordnung F mit Zonenplanänderung vom 18. September 1989, genehmigt durch das AGR am 21. März 1990.
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seien. Aufgrund einer ersten Einschätzung seien diese Baumassnahmen
baubewilligungspflichtig. Die Gemeinde habe die Beschwerdeführenden schon vor einiger
Zeit schriftlich auf die Baubewilligungspflicht der Parkplatzerweiterung und auf die
geltenden Zonenvorschriften aufmerksam gemacht. Die Gemeinde gewährte den
Beschwerdeführenden das rechtliche Gehör und stellte den Erlass einer
Wiederherstellungsverfügung in Aussicht.
2. Am 17. November 2015 fand vor Ort eine Besichtigung zwischen der Gemeinde und
den Beschwerdeführenden statt. Dabei hielt die Gemeinde gegenüber den
Beschwerdeführenden nochmals ausdrücklich fest, dass die vorgenommenen Arbeiten
baubewilligungspflichtig seien. Die Beschwerdeführenden dagegen stellten die
Bewilligungspflicht in Frage. Die Gemeinde Oberhofen beschloss daher, vor Erlass der
Wiederherstellungsverfügung, die Baubewilligungspflicht durch das
Regierungsstatthalteramt feststellen zu lassen.
Mit Entscheid vom 13. Januar 2016 stellte das Regierungsstatthalteramt Thun die
Baubewilligungspflicht der Parkplatzerweiterung fest.
3. Gegen diese Verfügung reichten die Beschwerdeführenden am 25. Januar 2016
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
beantragen, die Verfügung des Regierungsstatthalters sei aufzuheben und es sei die
Baubewilligungsfreiheit der erfolgten baulichen Veränderungen festzustellen. Eventualiter
sei auf die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes zu verzichten. Die
Beschwerdeführenden machen insbesondere geltend, es sei weder eine Parkplatzfläche
noch ein Parkplatz erstellt worden. Die Stützmauer und die Rasengittersteine seien
bewilligungsfrei. Sie berufen sich zudem auf das Gebot von Treu und Glauben, den
Vertrauensschutz und die Rechtsgleichheit.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde Oberhofen beantragt
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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mit Schreiben vom 12. Februar 2016 die Abweisung der Beschwerde. Auch das
Regierungsstatthalteramt Thun hält im Schreiben vom 17. Februar 2016 an der
Bewilligungspflicht fest und beantragt die Abweisung der Beschwerde.
5. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist ein Entscheid des Regierungsstatthalteramts nach Art. 48 Abs. 2
Bst. a BewD3, mit welchem dieses die Baubewilligungspflicht des umstrittenen Vorhabens
feststellte. Ein solcher Entscheid unterliegt der Beschwerde nach Art. 49 BauG4.5 Nach
dieser Bestimmung können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48 BauG innert
30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden. Die
Beschwerdeführenden sind als Adressaten des Entscheids des Regierungsstatthalteramts
vom 13. Januar 2016 durch die Feststellung der Baubewilligungspflicht eines von ihnen
ohne Baubewilligung vorgenommenen Vorhabens unmittelbar betroffen und damit zur
Beschwerdeführung legitimiert. Die BVE ist für die Beurteilung der form- und fristgerecht
eingereichten Beschwerde grundsätzlich zuständig.
b) Näher zu prüfen ist jedoch, ob ein schutzwürdiges Interesse am Erlass einer
Feststellungsverfügung besteht und das Regierungsstatthalteramt damit zu Recht auf das
Gesuch der Gemeinde eingetreten ist.
Bestehen Zweifel, ob ein Bauvorhaben einer Baubewilligung bedarf, kann darüber ein
Entscheid des Regierungsstatthalteramts verlangt werden (Art. 48 Abs. 2 Bst. a BewD).
3 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1). 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0). 5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 49 N. 2a.
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Auf das Gesuch ist einzutreten, wenn ein schutzwürdiges Interesse nachgewiesen ist
(Art. 50 Abs. 2 VRPG6).
Das Verwaltungsgericht des Kantons Bern hielt in einem neueren Entscheid7 hierzu
Folgendes fest: "Feststellungsbegehren bedürfen eines ausgewiesenen
Feststellungsinteresses; sie sind gegenüber rechtsgestaltenden Begehren grundsätzlich
subsidiär. [...] Das Feststellungsinteresse darf nicht bloss abstrakte, theoretische
Rechtsfragen, sondern muss konkrete Rechte oder Pflichten zum Gegenstand haben. Im
Vordergrund steht das Interesse, dank der vorzeitigen Rechtsklärung das Risiko
nachteiliger Dispositionen zu vermeiden. [...] Ausgeschlossen ist das
Feststellungsbegehren hingegen, wenn das schutzwürdige Interesse ebenso gut mit einer
rechtsgestaltenden Verfügung gewahrt werden kann [...]."
Ist – wie vorliegend – bereits ohne Bewilligung gebaut, hat die Gemeinde von Gesetzes
wegen ein baupolizeiliches Verfahren zu eröffnen und eine Wiederherstellungsverfügung
zu erlassen (Art. 46 Abs. 1 und 2 BauG). "Die Wiederherstellungsverfügung wird
aufgeschoben, wenn der oder die Pflichtige innert 30 Tagen seit Eröffnung der Verfügung
um eine nachträgliche Baubewilligung ersucht. Im nachträglichen
Baubewilligungsverfahren wird auch über eine umstrittene Bewilligungspflicht befunden
(VGE 2015/106 vom 8.10.2015, E. 2, 2013/55 vom 10.3.2014, E. 4) und besteht
gegebenenfalls ein selbständiges Feststellungsinteresse (VGE 2015/106 vom 8.10.2015,
E. 1.2). Reicht die Bauherrschaft kein nachträgliches Baugesuch ein, wird die
Wiederherstellungsverfügung rechtsbeständig, es sei denn, sie sei rechtzeitig angefochten
worden (Art. 49 Abs. 1 BauG). Auch im Beschwerdeverfahren kann die Bauherrschaft die
Bewilligungspflicht zum Verfahrensgegenstand machen."8
Vorliegend hat die Gemeinde bereits ein Wiederherstellungsverfahren nach Art. 46 BauG
eröffnet. So hat sie den Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 30. Oktober 2015
mitgeteilt, die vorgenommene Parkplatzerweiterung mit Rasengittersteinen und
Betonstützmauer sei aus Sicht der Gemeinde baubewilligungspflichtig. Den
Beschwerdeführenden wurde die Gelegenheit eingeräumt, sich zu dieser Angelegenheit zu
äussern. Gleichzeitig stellte die Gemeinde den Erlass einer Wiederherstellungsverfügung
6 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 7 VGE 2015/76 vom 15. Februar 2016, E. 2.2. 8 VGE 2015/76 vom 15. Februar 2016, E. 2.4.
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in Aussicht und machte auf die strafrechtlichen Konsequenzen des Bauens ohne
Baubewilligung aufmerksam. Weiter führte sie mit den Beschwerdeführenden am 17.
November 2015 eine Begehung vor Ort durch und hielt dabei an ihrer Auffassung der
Baubewilligungspflicht fest.
Erst nach diesem Schreiben und der Begehung vor Ort hat die Gemeinde das
Regierungsstatthalteramt um einen Feststellungsentscheid im Sinne von Art. 48 Abs. 2 Bst.
a BewD ersucht. In dieser Konstellation fehlt das schutzwürdige Interesse am Erlass einer
Feststellungsverfügung. Die Gemeinde hätte im bereits hängigen
Wiederherstellungsverfahren selber über die Baubewilligungspflicht befinden und – bei
Bejahung dieser Frage – eine Wiederherstellungsverfügung mit Möglichkeit zur
Einreichung eines nachträglichen Baugesuchs erlassen müssen. Sie hatte mit anderen
Worten die Möglichkeit, im laufenden Verfahren selber mittels rechtsgestaltender
Verfügung aktiv zu werden. An der Klärung einer Frage, über die in einem rechtshängigen
Verfahren ohnehin befunden werden muss, besteht kein hinreichendes
Rechtsschutzinteresse.9
c) Nach der neueren Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts hätte das
Regierungsstatthalteramt somit auf das Gesuch der Gemeinde um Feststellung der
Baubewilligungspflicht mangels eines schutzwürdigen Interesses nicht eintreten dürfen.
Bei der vorliegenden Konstellation macht jedoch eine Aufhebung des vorinstanzlichen
Entscheids von Amtes wegen (Art. 40 Abs. 1 VRPG) aus prozessökonomischen Gründen
keinen Sinn. So hat sich die Gemeinde bereits mehrfach und eindeutig dahingehend
geäussert, dass sie die umstrittenen Veränderungen als baubewilligungspflichtig erachtet.
Es ist daher davon auszugehen, dass die Gemeinde auch im Falle der Aufhebung des
Feststellungsentscheids des Regierungsstatthalteramts eine Wiederherstellungsverfügung
mit Gelegenheit zur Einreichung eines nachträglichen Baugesuchs erlassen würde.
Ebenfalls ist damit zu rechnen, dass sich die Beschwerdeführenden gegen diese
Wiederherstellungsverfügung zur Wehr setzen und die Baubewilligungspflicht der
umstrittenen Veränderungen wieder bestreiten würden. Auch für diese Beschwerde wäre
die BVE die zuständige Rechtsmittelinstanz; sie müsste sich mit der umstrittenen Frage der
Baubewilligungspflicht damit im Rahmen dieses Beschwerdeverfahrens befassen. Kommt
9 VGE 2015/76 vom 15. Februar 2016, E. 2.4 mit weiteren Hinweisen.
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die BVE dabei zum Schluss, dass das umstrittene Vorhaben baubewilligungspflichtig ist, so
ist zudem Folgendes zu beachten: Beantragt die Beschwerdeführerschaft in ihrer
Beschwerde gegen die Wiederherstellungsverfügung gleichzeitig eine neue Fristansetzung
für die Einreichung eines nachträglichen Baugesuchs, sollte die Bewilligungspflicht
dennoch bejaht werden, so bestätigt die BVE die Baubewilligungspflicht im Rahmen eines
anfechtbaren Teilentscheids und setzt eine neue Frist zur Einreichung eines nachträglichen
Baugesuchs.10 Wird danach auf die Einreichung eines solchen verzichtet, so entscheidet
die BVE in einem zweiten Teilentscheid über die Wiederherstellung. Auch bei diesem
korrekten Vorgehen werden die Frage der Bewilligungspflicht und der Wiederherstellung
mitunter in separaten (Teil-)Entscheiden behandelt.
Die Prozessökonomie gebietet daher, die Frage der Baubewilligungspflicht bereits im
vorliegenden Beschwerdeverfahren zu klären; so kann diese Frage – im Falle der
Bestätigung der Baubewilligungspflicht – in einem allfälligen Rechtsmittelverfahren gegen
die Wiederherstellungsverfügung nicht mehr zum Streitgegenstand gemacht werden.
Eine Aufhebung des Feststellungsentscheids des Regierungsstatthalteramts von Amtes
wegen würde aus diesen Gründen vorliegend einen prozessualen Leerlauf darstellen. Trotz
des fehlenden schutzwürdigen Interesses am Feststellungsentscheid wird die Beschwerde
daher materiell behandelt.
d) Die Beschwerde ist nur im Rahmen des Streitgegenstandes zulässig. Dieser wird
durch den Gegenstand des angefochtenen Entscheids und durch die Parteibegehren
bestimmt, wobei der angefochtene Entscheid den möglichen Streitgegenstand begrenzt.11
Angefochten werden kann die Verfügungsformel nur insoweit, als sie verbindliche
Anordnungen enthält. Gegen Dispositivteile ohne rechtliche Auswirkungen steht hingegen
kein Rechtsmittel offen.12
In der Feststellungsverfügung wird die Baupolizeibehörde zwar angewiesen, Frist zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands anzusetzen. Die Wiederherstellung wurde
in der Feststellungsverfügung des Regierungsstatthalteramts jedoch nicht verfügt, ist doch
die Gemeinde für eine allfällige Wiederherstellungsverfügung zuständig. Soweit die
10 VGE 2011/370 vom 3. Februar 2012. 11 BGE 133 II 181 E.3.3. 12 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 12.
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Beschwerdeführenden verlangen, dass eventualiter auf die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes zu verzichten sei, kann deshalb nicht auf die Beschwerde
eingetreten werden.
2. Baubewilligungspflicht
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, das Erstellen einer Gartenmauer in der
Höhe von 1.20 m sowie das Verlegen von Rasengittersteinen seien baubewilligungsfrei. Da
weder ein zusätzlicher Parkplatz noch zusätzliche Parkplatzflächen geschaffen würden,
könne daraus auch keine Bewilligungspflicht hergeleitet werden. Ebenso wenig könne die
Bewilligungspflicht mit Art. 7 Abs. 2 BewD begründet werden: Das K-Objekt G._
werde durch die baulichen Veränderungen nicht tangiert und betreffe dessen
Schutzinteressen nicht.
b) Nach Art. 1a Abs. 1 BauG sind alle künstlich geschaffenen und auf Dauer angelegten
Bauvorhaben, die in fester Beziehung zum Erdboden stehen und geeignet sind, die
Nutzungsordnung zu beeinflussen, baubewilligungspflichtig. Keiner Baubewilligung
bedürfen nach Art. 1b Abs. 1 BauG der Unterhalt von Bauten und Anlagen, für eine kurze
Dauer erstellte Bauten und Anlagen sowie andere geringfügige Bauvorhaben. Im Übrigen
bestimmt das Baubewilligungsdekret die baubewilligungsfreien Bauvorhaben.
Baubewilligungsfrei sind kleine Nebenanlagen (Art. 6 Abs. 1 Bst. b BewD) sowie bis zu
1.20 Meter hohe Stützmauern (Art. 6 Abs. 1 Bst. i BewD). Wird hingegen ein Parkplatz
erstellt, so bedarf dieser einer Baubewilligung. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung
stellt das Einrichten eines Autoabstellplatzes mit Rasengittersteinen einen
baubewilligungspflichtigen Vorgang dar.13 Nicht nur Neuerstellungen bedürfen einer
Baubewilligung, auch Erweiterungen von Bauten und Anlagen sind grundsätzlich
baubewilligungspflichtig.14
c) Vorliegend machen die Beschwerdeführenden geltend, die baulichen Veränderungen
würden keiner zusätzlichen Parkplatzfläche dienen. Bereits die aktenkundigen Fotos15
machen jedoch deutlich, dass die Verlegung der Rasengittersteine mit dreiseitiger
Stützmauer offensichtlich der Verlängerung der beiden angrenzenden Parkplätze dient. Mit
der neu gewonnenen Fläche wird es möglich, auf beiden Parkplätzen jeweils zwei Autos
13 BGer 1P.410/1990 vom 21.2.1992 E. 1b. 14 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art.1a N 16. 15 Vorakten pag. 20, Beschwerdebeilage 4.
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hintereinander zu parkieren. Weiter wurden die Beschwerdeführenden von der Gemeinde
in der Vergangenheit mehrfach auf die Baubewilligungspflicht der Parkplatzerweiterung
aufmerksam gemacht.16 Auch in der den Beschwerdeführenden zugestellten Aktennotiz
von der Besprechung vor Ort vom 17. November 201517 war ausdrücklich und mehrfach
von einer vorgenommenen Parkplatzerweiterung die Rede, und dies sowohl im Abschnitt
"Stellungnahme der Baupolizeibehörde Oberhofen" als auch im Abschnitt "Stellungnahme
der Grundeigentümer". Gemäss diesem zweiten Abschnitt liessen sich die
Beschwerdeführenden wie folgt verlauten (S. 3): "Die Parkplatzerweiterung soll nicht
dauerhaft als Abstellplatz dienen, sondern lediglich bei Besuch zum Abstellen von
Fahrzeugen genutzt werden". Diese Aktennotiz und deren Inhalt wurden von den
Beschwerdeführenden in der Folge nicht bemängelt. Wenn sie nun in der Beschwerde
erstmals geltend machen, die baulichen Veränderungen würden keiner zusätzlichen
Parkplatzfläche dienen, so verhalten sie sich widersprüchlich. Auch berufen sich die
Beschwerdeführenden in ihrer Beschwerde selber auf die Rechtsgleichheit und machen in
diesem Zusammenhang geltend, dass die meisten grünen Flächen in ÜO F._
heute Abstell- und Parkplätze seien und es nicht ersichtlich sei, wieso sie nicht tun dürften,
was andere immer taten. Damit lassen sie selber durchblicken, dass die neu geschaffene
Fläche einer Parkplatzerweiterung dienen soll. Schliesslich fällt auf, dass die
Beschwerdeführenden mit keinem Wort ausführen, wozu die neu geschaffene Fläche sonst
dienen sollte. Unabhängig von der Absicht der Beschwerdeführenden wird die Fläche – wie
bereits ausgeführt – so ausgestaltet, dass sie ohne weiteres als Erweiterung der
bestehenden Parkplätze dienen kann.
Insgesamt ergibt sich für die BVE eindeutig, dass die Beschwerdeführenden mit den
baulichen Veränderungen eine Erweiterung der bestehenden Parkplätze geschaffen
haben. Diese Parkplatzerweiterung unterliegt – wie oben ausgeführt (E. 2b) – der
Baubewilligungspflicht. Bei diesem Ergebnis kann offen bleiben, ob die Stützmauer bzw.
die Rasengittersteine jeweils separat betrachtet baubewilligungsfrei wären. Ebenso wenig
muss geprüft werden, ob eine Baubewilligungspflicht aufgrund des benachbarten
Schutzobjekts gestützt auf Art. 7 Abs. 2 BewD zu bejahen ist.
3. Gleichbehandlung im Unrecht
16 Schreiben vom 16.9.2011, Schreiben vom 20.9.2011 und Aktennotiz vom 13.3.2012, Vorakten pag. 6 ff. 17 Vorakten pag. 2 ff.
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a) Die Beschwerdeführenden berufen sich auf die Rechtsgleichheit. Die Gemeinde habe
bei der Aussenraumgestaltung die Vorgaben der ÜO F._ in konstanter Praxis nicht
durchgesetzt. Die meisten "grünen Flächen" gemäss ÜO F._ seien heute Abstell-
und Parkplätze. Es sei nicht ersichtlich, weshalb die Beschwerdeführenden nicht tun
dürfen, was andere immer taten. Die Beschwerdeführenden machen damit einen Anspruch
auf Gleichbehandlung im Unrecht geltend.
b) Ein Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht besteht nur unter besonderen
Voraussetzungen. Grundsätzlich geht im Konfliktfall der Grundsatz der Gesetzmässigkeit
der Verwaltung dem Rechtsgleichheitsprinzip vor. Hat eine Behörde in einem Fall eine vom
Gesetz abweichende Entscheidung getroffen, so gibt dies Privaten, die sich in der gleichen
Lage befinden, grundsätzlich keinen Anspruch darauf, ebenfalls abweichend von der Norm
behandelt zu werden. Weicht die Behörde jedoch nicht nur in einem oder in einigen Fällen,
sondern in ständiger Praxis vom Gesetz ab und gibt sie zu erkennen, dass sie auch in
Zukunft nicht gesetzeskonform entscheiden wird, so besteht ein Anspruch darauf, ebenfalls
gesetzeswidrig begünstigt zu werden. Nur wenn eine Behörde nicht gewillt ist, eine
rechtswidrige Praxis aufzugeben, überwiegt das Interesse an der Gleichbehandlung der
Betroffenen in der Regel gegenüber demjenigen an der Gesetzmässigkeit. Selbst bei
Vorliegen einer gesetzeswidrigen Praxis hat der Anspruch, ebenfalls gesetzeswidrig
behandelt zu werden, zurückzutreten, wenn überwiegende öffentliche oder private
Interessen im Einzelfall eine gesetzeskonforme Entscheidung verlangen. Bei solchen
Interessenkonflikten hat eine Abwägung im Einzelfall zu erfolgen.18
c) Welche Vorhaben auf den grünen Flächen der ÜO F._ bewilligt werden
können, ist eine Frage der Bewilligungsfähigkeit. Diese Frage bildet nicht Streitgegenstand
des vorliegenden Verfahrens, bei welchem es einzig um die Frage der
Baubewilligungspflicht geht. Soweit die Beschwerdeführenden also geltend machen, die
baulichen Veränderungen müssten aus Rechtsgleichheitsgründen bewilligt werden, so ist
auf diese Vorbringen hier nicht einzutreten. Soweit sie mit diesen Vorbringen geltend
machen sollten, bereits die Bejahung der Baubewilligungspflicht habe aufgrund der
Gleichbehandlung im Unrecht zu unterbleiben, so kann ihnen nicht gefolgt werden. Selbst
wenn in vergleichbaren Fällen die Baubewilligungspflicht verneint worden sein sollte (was
18 VGE 21707 vom 1.7.2004 i.S. A., E. 6.2 mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung.
RA Nr. 120/2016/5 10
von den Beschwerdeführenden im Übrigen nicht näher belegt wird), so lässt sich daraus
kein Anspruch ableiten, ebenfalls abweichend vom Gesetz behandelt zu werden. Weder
die Gemeinde noch das Regierungsstatthalteramt gaben in irgendeiner Weise zu
bekennen, dass sie in Zukunft solche Parkplatzerweiterungen entgegen den gesetzlichen
Vorgaben als baubewilligungsfrei einstufen werden. Die Voraussetzungen einer
Gleichbehandlung im Unrecht sind somit nicht erfüllt.
4. Behördenauskunft
a) Die Beschwerdeführenden berufen sich auf das Gebot von Treu und Glauben und
den Vertrauensschutz. Sie bringen vor, der frühere Bauverwalter habe ihnen die Auskunft
erteilt, dass das Vorhaben bewilligungsfrei sei. Die Gemeinde bestreite weder Erteilung
noch Inhalt dieser Auskunft. Würde sich diese Auskunft als unzutreffend erweisen, wäre
dies treuwidrig und die Behörde müsste sich dennoch so verhalten, als wäre die Auskunft
richtig gewesen.
Die Gemeinde führt in ihrer Stellungnahme vom 12. Februar 2016 aus, der Aktennotiz vom
17. November 2015 könne entnommen werden, dass die Beschwerdeführenden die
Gemeinde über die Behördenauskunft in Kenntnis gesetzt hätten. Die Gemeinde habe im
Nachgang die Glaubwürdigkeit dieser Angaben mit dem ehemaligen Bauverwalter
besprochen. Aufgrund dieser Besprechung gehe man davon aus, dass die
Beschwerdeführenden vom ehemaligen Bauverwalter nur eine allgemeine, mündliche
Auskunft zur Baubewilligungsfreiheit von Stützmauern und dem Verlegen von
Rasengittersteinen, ohne Bezug zur betreffenden Parkplatzerweiterung erfragt und
erhalten hätten.
b) Der Vertrauensschutz ist Teil des verfassungsmässigen Grundsatzes von Treu und
Glauben (Art. 9 BV19, Art. 11 KV20). Er bedeutet, dass die Privaten Anspruch darauf haben,
in ihrem berechtigten Vertrauen in behördliche Zusicherungen oder in anderes, bestimmte
Erwartungen begründendes Verhalten der Behörden geschützt zu werden.21 Eine (selbst
unrichtige) Auskunft oder Zusicherung, welche eine Behörde dem Bürger erteilt und auf die
19 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101). 20 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1). 21 Häfelin/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2002, N. 627.
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er sich verlassen hat, ist unter gewissen Umständen bindend. Dies jedoch nur unter
folgenden Voraussetzungen: Die Angaben der Behörde müssen sich auf eine konkrete,
den betreffenden Bürger berührende Angelegenheit beziehen. Weiter muss die Amtsstelle,
welche die Auskunft gegeben hat, hierfür zuständig gewesen sein. Auch darf der Bürger
die Unrichtigkeit des Bescheids nicht ohne weiteres erkennen können und er muss im
Vertrauen auf die Auskunft nicht wieder rückgängig zu machende Dispositionen getroffen
haben. Schliesslich muss die Rechtslage zur Zeit der Verwirklichung des Tatbestandes
noch die gleiche sein wie im Zeitpunkt der Auskunftserteilung.22
c) Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführenden im Frühjahr 2015 mit dem
ehemaligen Bauverwalter Kontakt aufnahmen und eine mündliche Auskunft erhielten. Was
die Frage der Baubewilligungspflicht anbelangt, so lässt sich der Aktennotiz von der
Besprechung vor Ort vom 17. November 201523 Folgendes entnehmen:
"Nach Angabe von A._ und C._ wurde vor der Erstellung der Parkplatzerweiterung
(ca. 3 Monate vor Stellenaustritt von E._, demnach im Februar 2015) mit der
Bauverwaltung Oberhofen Kontakt aufgenommen um die Baubewilligungspflicht und
Zonenkonformität abzuklären. Hierbei hat der damalige Bauverwalter E._ nachfolgende
Auskunft erteilt:
- Das Erstellen einer Stützmauer bis zu einer Höhe von 1.20 Meter ist baubewilligungsfrei.
- Das Verlegen von Rasengittersteinen ist baubewilligungsfrei."
Wie die Gemeinde richtig ausführt, kann der von den Beschwerdeführenden nicht
bestrittenen Aktennotiz keine Auskunft bezüglich einer Parkplatzerweiterung entnommen
werden. Vielmehr scheint sich die Auskunft des ehemaligen Bauverwalters auf die
allgemeine Bewilligungspflicht von Mauern und Rasengittersteinen zu beziehen und nicht
auf den konkreten Fall einer Parkplatzerweiterung, wie dies auch das nachträgliche
Gespräch zwischen der Gemeinde und dem ehemaligen Bauverwalter ergab.
Wer aus einer beweisbedürftigen Tatsache etwas für seinen Rechtsstandpunkt ableiten
will, trägt die Beweislast und damit auch die Folgen der Beweislosigkeit.24 Die
Beschwerdeführenden erbringen keinen Nachweis für ihren Standpunkt, wonach sich die
22 BGE 117 Ia 285 E. 2b, mit weiteren Hinweisen. 23 Vorakten pag. 2 ff. 24 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 19 N. 3.
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Auskunft auf die baulichen Veränderungen im konkreten Kontext und damit im
Zusammenhang mit einer Erweiterung des bestehenden Parkplatzes bezog. Es ist daher
davon auszugehen, dass sich die Auskunft nicht auf die konkrete Situation bezog, weshalb
sich die Beschwerdeführenden nicht darauf berufen können. Dazu kommt, dass die
Beschwerdeführenden vor Realisierung des Vorhabens mehrfach auf die
Bewilligungspflicht einer Parkplatzerweiterung aufmerksam gemacht wurden. Sie waren
sich daher der Bewilligungspflicht einer Park-platzerweiterung bewusst und hätten wissen
müssen, dass die allfällige Baubewilligungsfreiheit einzelner Elemente (Mauer unter 1.20
m, Verlegen von Rasengittersteinen) nicht relevant sein kann, sondern die baulichen
Veränderungen im Gesamtkontext massgebend sind. Die Beschwerdeführenden können
sich damit nicht auf das Gebot von Treu und Glauben bzw. den Vertrauensschutz berufen.
Die Beschwerde erweist sich auch in diesem Punkt als unbegründet.
5. Zusammenfassung, Beweismittel und Kosten
a) Zusammenfassend ist – entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführenden –
von einer Parkplatzerweiterung auszugehen. Für diese Parkplatzerweiterung hat das
Regierungsstatthalteramt die Baubewilligungspflicht zu Recht bejaht. Der vorinstanzliche
Entscheid wird damit in Abweisung der Beschwerde bestätigt. Soweit sich die
Beschwerdeführenden bereits gegen eine (noch nicht erlassene)
Wiederherstellungsverfügung wehren bzw. Gründe für die Bewilligungsfähigkeit des
Vorhabens vorbringen, ist auf ihre Beschwerde nicht einzutreten.
b) Die massgeblichen Sachverhaltselemente konnten anhand der zur Verfügung
stehenden Akten genügend überprüft bzw. festgestellt werden. Auf die von den
Beschwerdeführenden beantragten Beweismittel (Augenschein, Befragung des
ehemaligen Bauverwalters) kann daher verzichtet werden, da von diesen Beweismitteln
keine neuen relevanten Erkenntnisse zu erwarten waren.
c) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie
haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf
RA Nr. 120/2016/5 13
eine Pauschalgebühr von Fr. 800.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19
Abs. 1 GebV25). Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).