Decision ID: e00460d2-ff33-46e7-b7eb-0d25186ffacc
Year: 2010
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhaltsänderung vorliege. In Wiederholung der beim Gesuch um 30.
August 2009 dargelegten Ausführungen zum Gesundheitszustand des
Versicherten sowie den bei ihm vorzunehmenden täglich notwendigen
medizinischen Massnahmen wurde ergänzt, dass die medizinische Betreuung
des Versicherten lediglich durch medizinisch geschultes Personal möglich sei.
Die Betreuung des Versicherten zu Hause sei lediglich der ärztlichen
Ausbildung der Mutter sowie deren reichlichen klinischen Erfahrungen zu
verdanken. Der Versicherte könne jedoch im Falle einer Abwesenheit oder
eines Ausfalls der Mutter nach wie vor lediglich durch eine Krankenschwester
der Kinderspitex betreut werden. Mangels Fachkenntnissen sei eine
Betreuung durch den Vater oder die Grosseltern beim Versicherten
ausgeschlossen. Eine vollumfängliche medizinische Betreuung zu Hause
alleine durch die Mutter sei jedoch nicht durchführbar und auch nicht
zumutbar. Niemand könne einen 3-Schichtenbetrieb, wie er im Spital
praktiziert werde, zu Hause alleine übernehmen.
6. Mit Verfügung vom 5. Mai 2010 bestätigte die IV-Stelle ihren Vorbescheid vom
23. Februar 2010 und wies das Leistungsbegehren hinsichtlich medizinischer
Massnahmen ab. Zur Begründung führte sie aus, die Kinderspitex übernehme
für den Versicherten nur (noch) überwiegend pflegerische Massnahmen,
während die Mutter des Versicherten bei den (nun seltener) auftretenden
Akut- bzw. Notfallsituationen (sowie grundsätzlich) die medizinischen
Massnahmen erbringe. Gemäss Arztbericht von Dr. med. ... vom 30.
September 2009 bestehe trotz Fortschritte in der Entwicklung des
Versicherten anhaltend ein sehr hoher pflegerischer Aufwand. Die
erforderlichen pflegerischen Massnahmen stünden in direktem
Zusammenhang mit dem Dysmorphiesyndrom, wobei diese in den nächsten
Jahren Schritt für Schritt abnehmen werden, jedoch weit überdurchschnittlich
bleiben.
Weiter sei im Arztbericht vom 8. Januar 2010 festgehalten, dass der
Versicherte tagsüber mehrheitlich keinen zusätzlichen Sauerstoff mehr
benötige. Nachts werde ihm zusätzlicher Sauerstoff über ein Nasenvelo
zugeführt. Im letzten Halbjahr sei beim Versicherten etwa einmal pro Monat
ein grippaler Infekt aufgetreten. Dieser sei jedes Mal rasch durch eine
bronchiale Obstruktion verkompliziert worden. Er habe therapeutische
Massnahmen in der Hauspflege verordnet, insbesondere bezüglich laufender
Anpassung der Sauerstoffzufuhr entsprechend der Sättigungswerte,
Bewegungstherapie, Wechsel der Magensonde,
Medikamentenverabreichung über die Magensonde, Inhalationen Absaugen
und Umlagern. Die IV-Stelle führte aus, zwar sei eine spezielle Überwachung
des Versicherten durch medizinisch geschultes Hilfspersonal aus
medizinischer Indikation vereinzelt nötig, dies betreffe aber vor allem die
Überwachung der Sauerstoffsättigung (während der Schlafphasen und bei
Infekten) und der Herzrhythmusstörungen sowie bei Infekten (ca. einmal
monatlich). Im Vordergrund stehe aber die anspruchsvolle und aufwändige
Pflege des Versicherten. So dienten gemäss IV-Stelle die tatsächlich
erbrachten Leistungen der Kinderspitex praktisch ausschliesslich der Pflege
des Versicherten. Diese Mehrbelastung der Mutter des Versicherten werde
durch die IV-Stelle im Rahmen der Abklärungen zur Hilflosenentschädigung
berücksichtigt. Demgegenüber würden die notwendigen medizinischen
Massnahmen offenbar praktisch ausnahmslos durch die Mutter
vorgenommen, was im Rahmen der Mitwirkungspflicht nicht zu beanstanden
sei, zumal sie Ärztin sei. Wenn das Kind gesund sei (und demnach keine
medizinische Pflege bedürfe), seien gemäss der Beschreibung der Mutter die
Angestellten der Spitex in der Lage den Jungen kompetent mit den
entsprechenden medizinischen Massnahmen zu versorgen.
Abschliessend hielt die IV-Stelle in ihrer ablehnenden Verfügung fest, die von
der Kinderspitex erbrachten Leistungen beträfen nunmehr mehrheitlich
pflegerische Massnahmen, die der (sinnvollen, aber mittels
Hilflosenentschädigung abgegoltenen) Entlastung der Mutter dienten.
7. Der Versicherte lässt dagegen am 7. Juni 2010 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden erheben. Er beantragt, die
Verfügung sei aufzuheben und ihm sei im Rahmen von medizinischen
Massnahmen weiterhin Kostengutsprache für die Leistungen der Kinderspitex
im Umfang von 25 Stunden pro Woche ab Oktober 2009 zuzusprechen. Zur
Begründung führt er aus, es mangle aus rechtlicher Sicht für die Aufhebung
der Kostengutsprache an einer erheblichen Sachverhaltsveränderung.
Würden befristete Leistungen nicht mehr gewährt, so werde eine erhebliche
Sachverhaltsveränderung vorausgesetzt.
Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, es bedürfe nach wie vor einer
24-stündigen Überwachung der Sauerstoffsättigung. Diese Überwachung sei
entgegen der Annahme der Beschwerdegegnerin auch dann nötig, wenn kein
zusätzlicher Sauerstoff verabreicht werde. Die Überwachung erfolge über
einen Sensor, der neben der Sauerstoffsättigung auch die Pulsfrequenz
messe. Bei einem Abfallen der Sauerstoffsättigung oder der Pulsfrequenz
unter einen bestimmten Wert, werde sofort ein Alarm ausgelöst. Damit die
Situation eines Sauerstoffsättigungs- oder Pulsfrequenzabfalls richtig
eingeschätzt würden, bedürfe es medizinischer Kenntnisse und medizinischer
Erfahrung. Ein Laie könne die in einer solchen Situation erforderlichen
Behandlungsschritte nicht vornehmen. Der Beschwerdeführer legte weiter
dar, dass sich seine Infektsituation seit Februar 2010 zugespitzt habe. Ein
Infekt löse den anderen ab, so dass die sauerstofffreien Tage leider eine
Seltenheit geworden seien.
Bezüglich einer Verbesserung des Gesundheitszustandes hinsichtlich des
Erbrechens hält der Beschwerdeführer folgendes fest: Es treffe zu, dass durch
das Anpassen der Mahlzeiten eine Verbesserung erreicht werden konnte und
er weniger oft erbrechen müsse. Dabei seien die Situationen, in denen der
Beschwerdeführer erbrechen müsse, häufig lebensbedrohlich. Zudem sei das
Erbrechen so heftig, dass jeweils auch die Magensonde erbrochen werde.
Diese müsse sodann durch eine medizinische Fachperson wieder
ordnungsgemäss via Speiseröhre in den Magen gelegt werden. Beim
Erbrechen könne es aber auch vorkommen, dass das Ende der Magensonde
umknicke und dann in der Speiseröhre oder im Rachen liege, was von aussen
nicht zu erkennen sei. Würde ihm in diesem Zustand Nahrung zugeführt,
käme es ebenfalls zu lebensbedrohlichen Aspirationen. Es brauche also auch
diesbezüglich eine medizinische Fachperson, welche über Sicherheit und
Erfahrung bei der Kontrolle der Magensondenlage verfüge.
Weiter wird in der Beschwerdeschrift ausgeführt, es treffe zu, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verändert habe. Zu den
bekannten Problemen seien neu Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien)
hinzugekommen. Vorliegend käme es zu einem unregelmässigen Herzschlag
und zu Bradykardien. Durch den zu langsamen Herzschlag nehme die
Durchblutung lebenswichtiger Organe ab. In solchen Phasen müsse der
Beschwerdeführer adäquat stimuliert werden. Ebenfalls neu sei seit Juni 2009
das gehäufte Auftreten von Apnoen, welches ebenfalls das Einleiten
spezieller medizinischer Massnahmen notwendig mache. Zudem habe die
Häufigkeit des Verschluckens zugenommen, was zu Erstickungsanfällen und
zu Mikroaspirationen führe. Insgesamt sei der Gesundheitszustand durch die
neu auftretenden Bradykardien, die zentralen Apnoen sowie die erhöhte
Infektneigung und das häufige Verschlucken verschlechtert bzw.
verkompliziert worden. Auch im Haushaltsabklärungsbericht durch die
Abklärungsperson sei festgehalten worden, dass während der
eineinhalbstündigen Anwesenheit der Monitor zur Überwachung der
Sauerstoffsättigungs- und Pulsfrequenzabfälle acht bis zehn Mal Alarm
geschlagen habe. Dabei könne nicht nach einem bestimmten Schema
vorgegangen werden, sondern es benötige Fachpersonal, um die nötigen
medizinischen Massnahmen zu eruieren und einzuleiten. Insbesondere ein
Sauerstoffsättigungsabfall könne verschiedenste Ursachen haben. Bei einem
Alarm des Gerätes müsse die Situation von einer medizinisch geschulten
Fachperson, die das notwendige Wissen und die entsprechende Erfahrung
habe, beurteilt werden, um dann richtig zu reagieren und die richtigen
Therapien einzuleiten. Auch der regionalärztliche Dienst (RAD) gehe in seinen
Berichten davon aus, dass die für den Beschwerdeführer notwendigen
Massnahmen und Überwachungen nur von einer medizinischen Fachperson
ausgeführt werden könnten. Wäre die Mutter des Beschwerdeführers keine
Ärztin, welche zur Betreuung ihres Sohnes ihre Teilzeitanstellung als Ärztin
(50%) aufgegeben habe, müsste er im Spital betreut werden.
Der Beschwerdeführer führt ferner aus, dass die Kinderspitex dann eingesetzt
werde, wenn die Mutter Besorgungen ausserhalb des Hauses machen
müsse. Es gehe mit anderen Worten darum, dass bei Abwesenheit der Mutter
eine medizinische Fachperson zur Stelle sei, die in der Lage sei, in einer
entsprechenden Akut- bzw. Notfallsituation den Beschwerdeführer
fachgerecht zu versorgen. Es treffe daher nicht zu, wie die
Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung festhalte, dass die Kinderspitex
ausschliesslich die Pflege übernehme. Allerdings verrichte die Kinderspitex
während ihrer Anwesenheit auch pflegerische Massnahmen oder
Physiotherapie. Dies sei nicht zu beanstanden, wäre es doch wenig sinnvoll,
wenn die Kinderspitexfrau in ihrer Anwesenheit nichts tuend auf das Eintreten
einer Notfallsituation warten würde. Entscheidend sei für die Frage des
Anspruches auf Kinderspitex, dass diese während der Dauer ihres Einsatzes
die vollumfängliche Überwachung der Sauerstoffsättigung und der
Herzfrequenz übernehme.
Abschliessend macht der Beschwerdeführer geltend, dass die
Beschwerdeführerin fälschlicherweise davon ausgehe, dass lediglich nachts
und bei den monatlichen Infekten Situationen aufträten, die einer ärztlichen
Fachperson bedürften. Akutsituationen träten regelmässig auch tagsüber auf
und die Annahme, dass diese nur nachts auftreten würden könne nicht
nachvollzogen werden. Zudem würde der Beschwerdeführer gerade auch die
Nachtschichten der Kinderspitex in Anspruch nehmen.
8. In ihrer Vernehmlassung beantragte die Vorinstanz die kostenfällige
Abweisung der Beschwerde und verwies primär auf die angefochtene
Verfügung, an welcher vollumfänglich festgehalten werde. Da in der
Beschwerde keine neuen rechtserheblichen Vorbringen angeführt würden,
werde auf eine Wiederholung der Begründung verzichtet.
9. Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften sowie in der
angefochtenen Verfügung wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt der vorliegenden Beschwerde bildet die Verfügung der IV-
Stelle des Kantons Graubünden vom 5. Mai 2010. Es gilt nachfolgend zu
prüfen, ob die von der IV-Stelle abgelehnte Kostengutsprache für die
Leistungen der Kinderspitex ab Oktober 2009 zu Recht erfolgte.
2. a) Gemäss Art. 13 Abs. 1 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 20.
Altersjahr Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (Art. 3
Abs. 2 des Bundesgesetzes über den allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]) notwendigen medizinischen
Massnahmen. Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese
Massnahmen gewährt werden (Art. 13 Abs. 2 Satz 1 IVG; Art. 3 der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV], Verordnung über
Geburtsgebrechen [GgV], mit Anhang).
Als medizinische Massnahme gilt unter anderem die Behandlung, die vom
Arzt selbst oder auf seine Anordnung durch medizinische Hilfspersonen in
Anstalts- oder Hauspflege vorgenommen wird (Art. 14 Abs. 1 lit. a IVG).
Gemäss Art. 14 Abs. 3 IVG ist beim Entscheid über die Gewährung von
ärztlicher Behandlung in Anstalts- oder Hauspflege auf den Vorschlag des
behandelnden Arztes oder der behandelnden Ärztin und auf die persönlichen
Verhältnisse der Versicherten in angemessener Weise Rücksicht zu nehmen.
b) Als medizinische Massnahmen, welche für die Behandlung eines
Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach
bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und
den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben
(Art. 2 Abs. 3 GgV). Dazu gehört gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung nicht die tägliche Krankenpflege, weil ihr kein
therapeutischer Charakter im eigentlichen Sinn zukommt. Zu den Vorkehren,
die den therapeutischen Erfolg im Sinne von Art. 2 Abs. 3 GgV anstreben,
gehören zwar grundsätzlich auch lebenserhaltende Massnahmen, welche auf
das Geburtsgebrechen oder dessen Folgen einzuwirken vermögen. Nicht
darunter fallen Massnahmen zur Lebenserhaltung indessen dann, wenn eine
medizinisch nicht geschulte Person in der Lage ist (oder dazu angeleitet
werden kann), die lebensbedrohende Situation durch geeignete Vorkehren zu
meistern (BGE 102 V 48 f. mit Hinweisen). Hingegen sind Vorkehren, welche
notwendigerweise durch den Arzt oder - auf seine Anordnung - durch
medizinische Hilfspersonen im umschriebenen Sinne vorzunehmen sind, als
medizinische Massnahmen im Sinne des Gesetzes zu qualifizieren. Dies trifft
nicht zu bei Vorkehren, welche, ob nun mit oder ohne Anleitung, durch
Personen ohne medizinische Spezialausbildung durchgeführt werden können
(Urteil des Bundesgerichts 8C_81/2010, E. 7 vom 7. Juli 2010). In dem diesem
Entscheid zugrunde liegenden Fall diente der Einsatz der Kinderspitex der
Entlastung der Eltern, wobei eine medizinische Notwendigkeit, die Vorkehren
durch medizinisches Fachpersonal vornehmen zu lassen, (gemäss ärztlichen
und spitalseitigen Ausführungen) nicht bestand.
c) Anders als im oben genannten neuerlichen Urteil des Bundesgerichts, weisen
in casu sowohl der behandelnde Kinderarzt Dr. med. ... als auch die
Spitalärzte Dr. med. ... (Stv. Chefarzt) und Dr. med. ... (Assistenzärztin
Kinderklinik) ausdrücklich darauf hin, dass die Massnahmen beim
Beschwerdeführer nicht durch Laien durchgeführt werden könnten. Dr. med.
... hält denn auch in seinen Arztberichten vom 30. September 2009 und 24.
März 2010 fest, dass es lediglich aufgrund der Betreuung des
Beschwerdeführers durch die Mutter, welche eine ärztliche Ausbildung habe,
und der Kinderspitex möglich sei, die stationären Aufenthalte auf ein Minimum
zu reduzieren. Dabei weist er insbesondere daraufhin, dass der Beizug der
Spitex auch deshalb notwendig sei, weil öfters Situationen aufträten, in denen
eine Einzelperson überfordert sei. Wie vom Beschwerdeführer dargelegt, ist
zu Hause eine Betreuung durch die Mutter als Ärztin nötig, anders als bei
einem gesunden Kind könnten weder die Grosseltern, noch der Vater als
medizinische Laien die Betreuung übernehmen und damit die Mutter
entlasten. Bei Abwesenheit der Mutter können deren Aufgaben und
Funktionen demnach alleine von einer medizinischen Fachperson
übernommen werden. So ist denn auch die Feststellung im Arztbericht von
Dr. med. ... vom 24. März 2010, dass eine Entlastung der Mutter durch
medizinisches Fachpersonal dringend nötig sei, um einem
Erschöpfungszustand vorzubeugen, genau in diesem Sinne formuliert. Damit
kann festgehalten werden, dass die Mutter des Beschwerdeführers einzig
durch medizinisches Fachpersonal entlastet werden kann, da ein Laie nicht in
der Lage ist, deren Aufgaben und Funktion zu übernehmen.
d) Die Beschwerdegegnerin legt in ihrer Verfügung vom 5. Mai 2010 dar, dass
die Mutter als ausgebildete Ärztin nunmehr die medizinischen Massnahmen
in Akutsituationen vornehme, welche nachts sowie bei den monatlichen
Infekten auftreten würden. Weiter macht sie geltend, dass die Kinderspitex,
welche nachts nicht vor Ort sei, solche Leistungen nicht erbringe. Die
Kinderspitex, so die Beschwerdegegnerin leiste mehrheitlich pflegerische
Massnahmen. Im Hinblick auf die Schadenminderungspflicht der Mutter sei
dieser Umstand, dass sie mit ihrem Fachwissen den Beschwerdeführer
medizinisch richtig versorgen könne, nicht im Rahmen einer
Kostengutsprache der IV-Stelle zu entschädigen.
Wie von der Beschwerdegegnerin richtig dargelegt, ist bei der
Schadenminderungspflicht vom Grundsatz auszugehen, dass einem
Leistungsansprecher Massnahmen zuzumuten sind, die ein vernünftiger
Mensch in der gleichen Lage ergreifen würde, wenn er keinerlei
Entschädigung zu erwarten hätte (BGE 133 V 504 E. 4.2). Demnach kann
einer Mutter mit medizinischem Studienabschluss und klinischer Erfahrung
zugemutet werden, medizinische Massnahmen bei ihrem Kind im Rahmen der
Schadenminderungspflicht vorzunehmen. Im vorliegenden Fall ist nicht
bestritten, dass die Mutter des Beschwerdeführers dieser
Schadenminderungspflicht nachkommt. Dank ihrer medizinischen Ausbildung
ist sie in der Lage, einen Grossteil der täglich notwendigen medizinischen
Massnahmen selber zu übernehmen, was sie auch tut. So hat sie doch eine
Teilzeitanstellung als Ärztin aufgegeben, um ihren Sohn zu Hause
medizinisch betreuen zu können. Massgebend ist jedoch die Frage, in
welchem Umfang die medizinische Betreuung des Beschwerdeführers von
seiner Mutter verlangt werden kann. Vorliegend geht aus den diversen
Arztberichten des behandelnden Arztes Dr. med. ..., wie auch des
Spitalarztes Dr. med. ... hervor, dass der Beschwerdeführer aufgrund der
schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen 24 Stunden pro Tag
überwacht werden müsse. Dabei gelte es insbesondere die Werte der
Sauerstoffsättigung sowie der Pulsfrequenz ständig zu messen. Dass es beim
Beschwerdeführer regelmässig zu Akut- und Notfallsituationen kommt, die ein
Eingreifen einer medizinischen Fachperson erforderlich machen, ist aufgrund
der medizinischen Akten zudem hinreichend erstellt. Diesbezüglich kann
jedoch von der Mutter, selbst im Rahmen der von ihr bereits geleisteten
Schadenminderungspflicht, jedoch nicht verlangt werden, die medizinische
Überwachung und Betreuung des Beschwerdeführers rund um die Uhr zu
übernehmen.
3. a) Die IV-Stelle begründet den ablehnenden Entscheid bezüglich
Kostengutsprache für Leistungen durch die Kinderspitex damit, dass diese
überwiegend nur noch pflegerische Massnahmen erbringe und Akut- und
Notfallsituationen seltener auftreten würden. Ferner stützt sie sich auf den
Arztbericht von Dr. med. ... vom 8. Januar 2010, in welchem er ausführt, der
Beschwerdeführer benötige tagsüber mehrheitlich keinen zusätzlichen
Sauerstoff mehr. Die IV-Stelle stützt ihren ablehnenden Entscheid damit auf
eine Verbesserung des Gesundheitszustandes des Versicherten.
b) Demgegenüber macht der Beschwerdeführer geltend, es habe zwar eine
Veränderung seines Gesundheitszustandes stattgefunden, jedoch könne
keineswegs von einer Verbesserung ausgegangen werden. Vielmehr sei
seine gesundheitliche Situation durch die neu aufgetretenen
Herzrhythmusstörungen (ab Juli 2009) komplexer geworden bzw. habe sich
verschlechtert. Bezüglich der Sauerstoffzufuhr sei es korrekt, dass er in
infektfreiem und wachem Zustand zeitweise ohne zusätzlichen Sauerstoff
auskomme, jedoch ändere dieser erfreuliche Umstand nichts an der
Tatsache, dass er weiterhin 24 Stunden pro Tag überwacht werden müsse
und nach wie vor Akut- und Notfallsituationen eintreten würden, welche
medizinische Massnahmen erforderten. Weiter führt er aus, dass auch
bezüglich der Erbrechenssituationen keine Verbesserung zu verzeichnen sei
und diese schnellhaft lebensbedrohlich werden könnten.
c) Aufgrund der bei den Akten liegenden diversen Arztberichten ist hinreichend
erstellt, dass sich der relevante medizinische Sachverhalt und damit die
notwendigen medizinischen Massnahmen nicht in einem
anspruchsändernden Masse verändert haben. So führt denn auch Dr. med.
... in seinem Arztbericht vom 24. März 2010 aus, dass nach wie vor
medizinische Massnahmen notwendig seien und diese nicht von
Laienpersonen durchgeführt werden können. Weiter geht aus den
Arztberichten von Dr. med. ... (LA FMH pädiatrische Pneumologie) vom 28.
April 2010 und 31. Mai 2010 sowie aus dem Arztbericht von Dr. med. ... vom
2. Juni 2010 hervor, dass der Beschwerdeführer eine erhöhte Neigung zu
Infekten aufweise. Dies sowie die seit Juli 2009 aufgetretenen
Herzrhythmusstörungen mit Bradykardien hätten die gesundheitliche
Situation komplexer gemacht. Die erforderlichen medizinischen Massnahmen
haben sich demnach gegenüber der ersten Verordnung nicht wesentlich
verändert. So greift denn auch die Argumentation der Vorinstanz, dass wegen
der reduzierten O2 Abgabe eine Verbesserung des Zustandes eingetreten sei
und deswegen der Anspruch auf Kinderspitex entfalle, zu kurz und ist nicht
korrekt. Nach wie vor ist die Überwachung und Intervention durch
Fachpersonal rund um die Uhr notwendig. Dabei können die
Überwachungsgeräte lediglich bei einem Sauerstoffsättigungs- und
Pulsfrequenzabfall alarmieren. Die notwendigen Notfall- und
Therapiemassnahmen ergreifen kann hingegen nur medizinisch geschultes
Personal. Festzuhalten gilt es ferner, dass bezüglich des Entscheides der
Nichtverlängerung der bisher gewährten Spitex keine neuen Abklärungen vor
Ort durch die Vorinstanz gemacht worden sind. Vielmehr wurde offenbar auf
die Arztberichte von Dr. med. ... abgestellt, der sich schliesslich aber gerade
gegen eine Kürzung der Kinderspitex stellte (vgl. Arztbericht vom 24. März
2010).
d) In Anlehnung an die oben gemachten Ausführungen sind die
Voraussetzungen für eine Verlängerung der Kostengutsprache für die
Kinderspitex im Umfang von 25 Stunden pro Woche weiterhin gegeben. Der
anspruchsbegründende Sachverhalt hat sich nicht gebessert, was die
behandelnden Fachärzte denn auch bestätigen.
e) Weiter ist festzuhalten, dass sich die Argumentation der Vorinstanz ferner als
widersprüchlich erweist, indem diese davon ausgeht, dass die Mutter
praktisch ausnahmslos die notwendigen medizinische Massnahmen erbringe
und die tatsächlich erbrachten Spitexleistungen praktisch ausschliesslich der
Pflege dienten. An anderer Stelle führt sie aber ausdrücklich aus, dass die
Angestellten der Kinderspitex bei Abwesenheit der Mutter in der Lage seien,
den Versicherten kompetent mit den notwendigen medizinischen
Massnahmen zu versorgen. Diese Ausführungen stehen in klarem
Widerspruch zum Argument, dass die Spitex ausschliesslich pflegerische
Massnahmen übernehme. Fest steht, dass gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung pflegerische Massnahmen nicht zwingend durch
medizinische Fachpersonen zu erbringen sind und mit der Ausrichtung der
Hilflosenentschädigung als abgegolten gelten (Urteil des Bundesgerichts
8C_81/2010, E. 7 vom 7. Juli 2010). Im vorliegenden Fall ist jedoch aufgrund
der diversen Arztberichte hinreichend erstellt, dass die Mutter, welche
ausgewiesenermassen medizinische Massnahmen vornimmt, fachlich
vertreten werden muss.
4. Die angefochtene Verfügung erweist sich somit als rechtswidrig, und die
dagegen erhobene Beschwerde ist gutzuheissen. Die Verfügung vom 5. Mai
2010 ist damit aufzuheben und die Vorinstanz hat Kostengutsprache für
Leistungen der Kinderspitex ab Oktober 2009 somit weiterhin - bis zur
nächsten ordentlichen Revision mit einer allenfalls wesentlich veränderten
Sach- oder Rechtslage - zu gewähren.
5. a) Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten
um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem
kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200-
1000 Franken festgelegt. Vorliegend hat die unterliegende IV-Stelle die
Kosten in der Höhe von Fr. 700.-- zu übernehmen.
b) Die Vorinstanz hat den durch den Invaliden-Verband, Procap Schweiz,
Rechtsanwältin ..., vertretenen Beschwerdeführer nach Art. 61 lit. g ATSG
zudem aussergerichtlich noch zu entschädigen, wobei auf die dazu
eingereichte Honorarnote vom 2. Juli 2010 (reduziert auf einen
Aufwandstundenansatz von Fr. 160.-- anstatt Fr. 200.--) abgestellt werden
kann, was eine Parteientschädigung von insgesamt noch Fr. 2’011.05
inklusive Mehrwertsteuer (Aufwand 10.9 Std. x Fr. 160.-- = Fr. 1'744.-- plus
Auslagen Fr. 125.-- [= Fr. 1'869.--] und 7.6% MWST [auf Fr. 1'869.-- = Fr.
142.05]; zusammen Fr. 2'011.05) ergibt. Die gemäss Honorarnote der Procap
Anwältin ausgewiesenen Kosten (Fr. 2'480.20) werden damit der Vorinstanz
nicht in vollem Umfang zur Entschädigung auferlegt. Dies entspricht der
Praxis des Verwaltungsgerichts, wonach Anwälten, die innerhalb einer
Hilfsorganisation tätig sind, nicht der volle Anwaltstarif entschädigt wird, weil
ihre Arbeitssituation von derjenigen der selbständigen Anwälte abweicht und
ihnen strukturbedingte Einsparungen möglich sind (VGU S 09 127 E. 3a, S 07
118). Auch das Bundesgericht hat festgehalten, dass von Bundesrechts
wegen keine generelle entschädigungsrechtliche Gleichstellung zwischen
einer gemeinnützigen Organisation und freiberuflich tätigen Anwälten verlangt
sei. So habe die gemeinnützige Organisation keine Gewinnabsicht und sie
müsse die Selbstkosten möglichst gering halten. Ferner müssten die Anwälte
solcher Organisationen nicht das volle unternehmerische Risiko tragen. Zur
Höhe der Entschädigung führte das Bundesgericht aus, dass der
bundesrechtliche Entschädigungsrahmen bei einer gemeinnützigen
Organisation zwischen Fr. 130.-- und Fr. 180.-- pro Stunde anzusetzen sei.
Dies schliesse eine Gewinnerzielung der Organisation weitgehend aus und
sichere die Kostendeckung. In diesem Rahmen sei die Festsetzung des
Honorars Sache des Kantons (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_415/2009
vom 12.08.2009, E. 5.4; 9C_688/2009 vom 19.11.2009, E. 5).