Decision ID: a9c82cc1-8b77-4e2d-99dc-2a2d043ae3e1
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die im Jahre 1961 geborene
X._
ist Mutter zweier Kinder (1983, 1988) und war ab Juni 1988 bei der
Y._
als Sortiererin erwerbstätig (Urk. 6/2). Am 2
7.
Januar 1994 rutschte die Versicherte auf Neuschnee aus und verletzte sich insbesondere am Rücken (
Urk.
6/38
S
. 5). Im Zusammenhang mit den Unfallfolgen meldete sie sich am 1
4.
Dezember 1994 beim damals zuständi
gen IV-Sekretariat des Kantons Zürich zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/2); die Auflösung des Arbeitsverhältnisses erfolgte per 3
1.
Dezember 1994 (
Urk.
6/4).
Nach Abklärung des medizinischen und beruflichen Sachverhalts (
Urk.
6/18, Urk. 6/25) verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, einen Rentenanspruch mit Verfügung vom 1
0.
April 1996 (
Urk.
6/29).
1.2
Im Zuge der Prüfung einer Neuanmeldung veranlasste die IV-Stelle eine neue Haushaltsabklärung (
Urk.
6/60) und liess die Versicherte erneut begutachten (
Z._
-Gutachten vom 1
3.
Januar 2001,
Urk. 6/69). Mit Verfügung vom 2
1.
Juni 2001 sprach sie der Versicherten mit Wirkung ab
1.
August 1998 ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 75
%
eine ganze Rente zu (
Urk.
6/74). Die in
den
Jah
ren 2002,
2006 sowie 2010 in die Wege geleiteten revisionsweisen Überprüfungen ergaben stets einen unveränderten Rentenanspruch (
Urk.
6/92,
Urk.
6/118,
Urk.
6/129).
1.3
Im Rahmen der im Oktober 2015 angestrebten Rentenrevision (
Urk.
6/131) erfolgte wieder eine umfassende Überprüfung des Sachverhalts sowohl in medi
zinischer Hinsicht (
A._
-Gutachten vom
3.
Juni 2016,
Urk.
6/140) als auch bezüg
lich der Einschränkung der Leistungsfähigkeit im Haushalt (Haushaltsabklärungs
bericht vom 2
2.
Dezember 2016,
Urk.
6/145). Mit Mitteilung vom 2
4.
März 2017 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining (
Urk.
6/149), die entsprechende Massnahme musste in der Folge wieder abgebrochen werden (Mitteilung vom 1
6.
Mai 2017,
Urk.
6/156; vgl. auch Verlaufsprotokoll Einglie
derungsberatung,
Urk.
6/155). Mit Vorbescheid vom 1
5.
September 2017 stellte die IV-Stelle die Einstellung der Invalidenrente in Aussicht (
Urk.
6/164).
Im Ver
laufe des Jahres 2018 kam es mehrfach zu weiteren Abklärungen der
chronifi
zierten
Rückenbeschwerden (
Urk.
6/192, Urk. 6/198,
Urk.
6/199). Mit Verfügung vom 1
5.
April 2019 hielt die IV-Stelle an der mit Vorbescheid vom 1
5.
September 2017 in Aussicht gestellten Einstellung der Rente fest (
Urk.
6/203).
2.
Dagegen erhob der Vertreter der Versicherten am 2
1.
Mai 2019 Beschwerde und beantragte, es sei
der Beschwerdeführerin weiterhin die bisherige ganze Rente auszurichten; unter Kosten und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwer
degegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
Juni 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde
(
Urk.
5). Mit Replik vom
3.
September 2019 hielt der Vertreter der Beschwerdeführerin am bereits gestellten
Rechtsbegehren
fest (
Urk.
8); die Beschwerdegegnerin liess sich nicht weiter vernehmen (
Urk.
10), wovon die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2
0.
September 2019 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts;
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6
ATSG
setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143
V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.3
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu han
deln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit. f
der
Verordnung über die Inva
lidenversicherung (IVV)
auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssach
verhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.4
Ein Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG ist unter Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität (vgl. Art. 28a IVG) zur Anwendung gelangt (BGE 144 I 21 E. 2.2). Die in einem bestimmten Zeitpunkt massgebende Methode der Invaliditätsbemessung präjudiziert die künf
tige Rechtsstellung der versicherten Person somit grundsätzlich nicht (vgl. BGE 117 V 198 E. 3b, 113 V 273 E. 1a, 104 V 148; vgl. Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
27 f. zu Art. 30–31).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strit
tigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizini
schen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begrün
det sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
die Beschwerdeführerin heute ohne gesundheitliche Einschränkung einer 100%igen erwerblichen Tätigkeit nachgehen würde. Aufgrund der Ergebnisse des
A._
-Gutachtens sei dabei von einer Verbesserung des Gesundheitszustandes und in einer angepassten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 70
%
auszugehen, was zur Aufhebung der Rente führe (
Urk.
2).
Im Rahmen der Beschwerdeantwort führte die Beschwerdegegnerin ergänz
end
aus, dass auch bei einem unveränderten Gesundheitszustand von einem Revisi
onsgrund auszugehen wäre, da die Beschwerdeführerin neu als zu 100
%
im erwerblichen Bereich tätig zu qualifizieren
sei
(
Urk.
5).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass gestützt auf das psychiatrische Teilgutachten von einem unverän
derten Gesundheitszustand auszugehen sei (
Urk.
1 S. 7). Die im orthopädischen Teilgutachten geäussert
e
Meinung, dass es nach der Metallentfernung im Jahre 2012 zu einer massgebenden Verbesserung gekommen sei,
werde
allein damit begründet, dass die Beschwerdeführerin seither nicht mehr in fachärztlicher Behandlung gestanden habe und die rückenstabilisierenden Übungen nicht mehr durchführe (
Urk.
S. 9). Diese Argumente seien nicht geeignet, eine revisionsbe
gründende Veränderung nachzuweisen; zudem stehe die Beschwerdeführerin weiterhin in Behandlung, insbesondere bei der Klinik
B._
(S
. 10), wobei auf
grund deren Abklärungen von einer namhaften Verschlechterung auszugehen
sei
. Selbst wenn
man
gestützt auf das mangelhafte
A._
-Gutachten von einer Verbes
serung des Gesundheitszustandes ausgehen würde, könnte gestützt auf die Abklärungen am
B._
nicht von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ausgegangen werden (S. 12).
2.3
Vergleichsbasis im vorliegenden Revisionsverfahren bildet die Verfügung vom 2
1.
Juni 2001 welche sich auf den Haushaltsabklärungsbericht vom 1
8.
Januar 2000 sowie das
Z._
-Gutachten vom 1
3.
Januar 2001 stützte.
Die Beschwerde
gegnerin ging dannzumal davon aus, dass die Beschwerdeführerin im Gesund
heitsfall zu 60
%
einer erwerblichen Tätigkeit nachgehen würde und zu 40
%
im Haushalt tätig wäre, wobei in diesem Bereich von einer Einschränkung von 38
%
auszugehen sei (
Urk.
6/60). Im erwerblichen Bereich ergebe sich gestützt auf die Einschätzung der Fachärzte des
Z._
-Gutachtens auch in einer angepassten Tätigkeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
6/69 S. 18), was
insgesamt
zu einem Invaliditätsgrad von 75
%
führe (
Urk.
6/74).
3.
3.1
Die für das
A._
-Gutachten
3.
Juni 2016
verantwortlichen Fachärzte stellten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit die folgenden Diagnosen
(
Urk.
6/140 S. 2)
:
-
Chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom nach
Spondylodese
der
Intervertebralgelenke
L4/5 und L5/S1 ohne
Radikulopathie
-
Chronische
s
cerv
ikocephales
Schmerzsyndrom mit Segmentblockade C6/7 sowie beginnende Anschlussarthrose im Segment C5/6
-
Blockade der
Iliosakralgelenke
beidseits
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
Aus psychiatrischer Sicht sei von einem unveränderten Gesundheitszustand aus
zugehen, wobei entsprechend der Einschätzung von
Dr.
C._
(
D._
-Gutachten vom
8.
Februar 1996,
Urk.
6/25) stets von einer bloss 30%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit habe ausgegangen werden können. Aus orthopädischer Sicht sei spätestens ab der Begutachtung am 2
9.
April 2016 von einer Verbesserung im Bereich der Hals- und Lendenwirbelsäule auszugehen. Insgesamt sei in einer angepassten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 70
%
auszugehen. Die Ein
schränkung von 30
%
ergebe sich als Folge der reduzierten Belastbarkeit und Durchhaltefähigkeit sowie aufgrund der vermehrten Pausen und der reduzierten Arbeitsschnelligkeit (S. 3-5).
3.2
Die für den Haushaltsabklärungsbericht vom 2
2.
Dezember 2016 verantwortliche Abklärungsperson führte aus, dass aufgrund der Aussagen der Beschwerdeführe
rin im Gesundheitsfall aufgrund des Alters der Kinder
, der Wohnsituation sowie der finanziellen Verhältnisse
spätestens ab 2008 von einer vollen Erwerbstätigkeit auszugehen sei
(
Urk.
6/145 S. 3).
3.3
Im Zusammenhang mit einer am 3
0.
April 2018 aufgenommenen Behand
lung am
B._
(
Urk.
6/192/
7) wurde am 2
9.
Mai 2018 ein MRI
der LWS erstellt (
Urk.
6/192/
9).
Die für den Bericht vom 2
4.
September 2018 verantwortlichen Fachärzte des
B._
s stellten dabei die folgenden Diagnosen:
-
Lumboischialgie
rechts bei Spinalkanalstenose L3/4 mit/bei:
-
Degenerativen und postoperativen Veränderungen L4 bis S1 nach diversen lum
b
alen Operationen, erstmalig 1997, weitere Operationen 2000, 2002, und 2012
-
Zervikobrachialgie
rechts bei
epifusioneller
Segmentdegeneration bei Status nach
anteriorer
Dekompression und zervikaler Fusion C6/7 2005
-
Arterielle Hypertonie
-
Diabetes mellitus Typ 2
Im MRI vom Mai dieses Jahres habe sich eine schwere Spinalk
analstenose L3/4
gezeigt. Trotz fehlendem Ansprechen auf die Infiltration präsentiere sich bild
morphologisch korrelierend die Klinik der Patientin mit starken Schmerzen lum
bal und bis in das rechte Bein ausstrahlend, sodass eine operative Therapie mittels Dekompression diskutiert werde (
Urk.
6/198/8-9).
Am
5.
Oktober 2018 konnte bildgebend weiter eine deutliche Facettengelenk
s
arthrose L3/4 festgestellt werden (
Urk.
6/198/11).
Gemäss Sprechstundenbericht vom 1
2.
November 2018 wurde die Beschwerdeführerin über die Möglichkeit
einer
Verlängerungsspondylodese
informiert, weiter schlugen die behandelnden Fachärzte eine Facettengelenksinfiltration L3/4 vor (
Urk.
6/198/17).
4.
4.1
Zu prüfen ist zunächst
,
ob das vorliegende
A._
-Gutachten
vom
3.
Juni 2016
für die sich im vorliegenden Revisionsverfahren stell
enden Fragen eine verlässliche Beurteilungsg
rundlage bildet.
Vorauszuschicken ist dabei, dass die Untersuchun
gen im Rahmen des Gutachtens am
2
9.
April 2016 erfolgten (Urk.
6/140 S. 1), während die Einstellung der Leistungen mit Verfügung vom 1
5.
April 2019 vor
genommen wurde (
Urk.
2).
Bei einer solch langen Dauer zwischen der massge
benden Untersuchung sowi
e der angefochtenen Verfügung könnte nur bei einem sehr stabilen Verlauf auf die entsprechenden Ergebnisse abgestellt werden. Auf
grund der
ab April 2018 erfolgten Abklärungen am
B._
kann von einem solch stabilen Verlauf aber gerade nicht ausgegangen werden. So ergaben die in die Wege geleiteten Untersuchungen eine schwere Spinalkanalstenose L3/4 sowie eine Facettengelenk
s
arthrose L3/
4.
Im
A._
-Gutachten wird dabei allein auf die auf den Etagen L4/5 und L5/S1 erfolgte
Spondylodese
hingewiesen; die Etage L3/4 wird dabei diagnostisch nicht erwähnt. Weiter wurden die Ergebnisse der weiteren Abklärungen am
B._
den Gutachtern nicht zur ergänzenden Stel
lungnahme unterbreitet. Schon allein aus diesem Grund stellt das
A._
-Gutachten im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung keine verlässliche Beurteilungs
grundlage dar.
4.2
Weiter hielten die
A._
-Gutachter fest, dass die letztmalige fachärztliche Behand
lung im Jahre 2012 stattgefunden habe, danach sei weder eine fachorthopädische Untersuchung erfolgt noch
im vorliegenden Dossier etwaige Verlaufsberichte auf
geführt. Bei dieser Sachlage sei von einer Besserung der Beschwerdesymptomatik auszugehen, spätest
ens ab der Begutachtung (Urk. 6/140/128). Aufgrund der Abklärungen im Verlauf des Jahres 2018 vermag diese Argumentation nicht mehr zu überzeugen. Die neuen Befunde sprechen dabei klar gegen eine nachhaltige Besserung der Beschwerden im Nachgang zur Operation von 2012, vielmehr stell
ten die Fachärzte einen weiteren operativen Eingriff sowie eine weitere Infiltra
tion in den Raum. Auch in dieser Hinsicht vermag das Gutachten im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung nicht mehr zu überzeugen.
4.3
Da
auch den Berichten der Fachärzte des
B._
s keine verlässliche Einschät
zung der nunmehr verbleibenden Leistungsfähigkeit zu entnehmen ist (vgl.
Urk.
6/192/11,
Urk.
6/198/5,
Urk.
6/199/6), führt dies z
usammenfassend zur Rückweisung der Sache
an die Beschwerdegegnerin zu weiteren Abklärungen. Da
die Begutachtung nun schon fast vier Jahre zurückliegt, drängt sich eine erneute Begutachtung auf.
Sodann wird die Frage der Eingliederung zu beantworten sein.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Die Rückweisung einer Sache kommt einem Obsiegen der Beschwerdeführerin gleich. Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin demnach zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, wel
che in Anwendung von
Art.
61 lit. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Pr
ozesses auf
Fr.
2
'600.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.