Decision ID: 1c68f053-85f4-4c9f-9e37-b8d2afce5da9
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1968 geborene
X._
meldete sich am 3. Mai 2012 zum Bezug von Leistungen (berufliche Integration, Rente) der Eidgenössischen Inva
lidenversicherung (IV) an (Urk. 8/12). Die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, traf daraufhin berufliche, erwerbliche sowie medizinische Abklärungen
und liess die Versicherte im Frühjahr 2014 von den Ärzten des
Y._ AG
polydisziplinär untersuchen (vgl. Gutachten vom
10. Juni 2014,
Urk. 8/36
). In Bestätigung ihres
Vorbescheids vom 4. Juli 2014 (Urk. 8/40)
sprach sie ihr in der Folge – ausge
hend von einer 40%igen Erwerbstätigkeit
und einer 60%igen Beschäftigung im Haushaltsbereich
im Gesundheitsfall
–
mit Verfügung
en
vom 17. November 2014 (Urk. 2
/1 f.
)
mit Wirkung ab 1. November 2012 eine
auf einem Invalidi
tätsgrad von 46 % beruhende Viertelsrente
zu.
2.
Gegen diese Verfügung
en
(Urk. 2
/1 f.
) liess
X._
am 11. Dezember 2014 mit folgenden Anträgen Beschwerde erheben (Urk. 1 S. 2):
"1.
Die angefochtene Verfügung sei aufzuheben.
2.
Es sei eine ganze IV-Rente ab 1. November 2012 sowie die diesbezügli
chen Kinderrenten auszurichten.
3.
Es sei der Beschwerdeführer
in
die unentgeltliche Prozessführung zu ge
währen.“
Die IV-Stelle schloss am 22. Januar 2015 auf Abweisung der Beschwerde (vgl. Beschwerdeantwort, Urk. 7), was der Beschwerdeführer
in
am 26. Januar 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog
enanntes
Invalidenein
kommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog
enanntes
Valideneinkom
men). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkom
mensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog
enannte
allgemeine
ddddddddddddddddddddddddddddddddddddd
Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3.2
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
benbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unent
geltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Nach der Gerichts- und Verwaltungspraxis wird zunächst der Anteil der Erwerbs
tätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (so unter an
derem im Haushalt) ermittelt; die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, beurteilt sich mit Rücksicht auf die gesamten Umstände, so die persönlichen, familiären, sozi
alen und erwerblichen Verhältnisse. Im Rahmen der gemischten Methode be
stimmt sich die Invalidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die Gesamtinvalidität aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittel
ten und gewichteten Teilinvaliditäten ergibt (BGE 130 V 393 E. 3.3 mit Hin
weisen; vgl. BGE 134 V 9).
1.4
Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspruches als auch anlässlich einer Rentenrevision (Art. 17
Abs.
1 ATSG) stellt sich unter dem Ge
sichtspunkt des Art. 28a
Abs.
3 IVG in Verbindung mit Art. 16 und 7
Abs.
2 ATSG die Frage nach der anwendbaren Invaliditätsbemessungsmethode.
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, führt je zur Anwendung einer anderen Me
thode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, Betätigungsvergleich, gemischte Methode) und ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Üb
rigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchti
gung bestünde. Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch, das heisst ohne Gesundheitsschaden, aber bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig wäre
(
Art.
27
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung [
IVV
]
)
. Die gemischte Methode bezweckt damit eine möglichst wirklichkeitsgerechte Bemessung des Invaliditätsgrades (BGE 133 V 504 E. 3.3 mit Hinweisen).
1.5
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete
die angefochtenen Verfügungen (Urk. 2/1 f.) damit, dass die – als zu 40 % erwerbs- und zu 60 %
im Haushaltsbereich tätig zu qua
lifizierende – Beschwerdeführerin
seit Januar 2006
gänzlich
arbeitsunfähig und im Aufgabenbereich
(in Anbetracht der ärztlich attestierten 50%igen Leistungs
einbusse)
zu
1
0 % eingeschränkt, mithin zu
insgesamt
46 % invalid sei. Unter Berücksichtigung der
am 23. Mai 2012 eingegangenen Anmeldung habe sie
demnach ab 1. November 2012 Anspruch auf eine Viertelsrente
(Urk. 2
/1
S.
4 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
ange
sichts der Tatsache
,
dass sie Sozialhilfebezügerin
und ihr
(jüngstes)
Kind mitt
lerweile bereits sechzehn Jahr
e
al
t
sei
, würde sie
, wäre sie gesund,
vollzeitlich und nicht lediglich im Pensum vo
n
40 % arbeiten.
Da
sie im
Haushaltsbereich nicht nur
zu 10 %, sondern gemäss den Gutachtern der
Y._ AG
zu 50 % ein
geschränkt sei, resultiere selbst unter
Annahme einer 40%igen Erwerbstätigkeit
noch eine 70%igen Invalidität. Sie habe daher jedenfalls Anspruch auf eine ganze Rente (Urk. 1 S. 3 f.).
3.
3.1
Dr. med.
Z._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin
, stellte am 12. Juni 2012 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/19 S. 1):
Chronische depressive Entwicklung (bipolare Depression), bestehend seit 1998
Status nach stationärer Behandlung in der
Psychiatrischen Klinik E._
(1998)
aktuell Psychotherapie, seit 2007
Somatisierung mit Rückenschmerz
Der überdies bestehende Ni
kotinabusus wirke sich nicht au
f das Leistungsvermö
gen aus (S. 1).
Wegen der Depression und überdies bestehender Phobien beziehungsweise Panikattacken sei eine soziale Integration nicht mehr möglich. Die Beschwerdeführerin sei – seit 2007 (S. 2) - in jeglicher Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig (S. 3 f.).
3.2
Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, Manuelle Medi
zin (SAMM), Psychosomatische und Psychosoziale Medizin (SAPPM
)
, Dele
gierte Psychotherapie (FMPP), stellte in seinem Bericht vom 25. Juni 2012 nachstehende Diagnosen
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 8/20 S. 1):
Alkoholabhängigkeit, ICD-10 F25
Depressive Entwicklung mit Angst, ICD-10 F32
Persönlich
keitsstörung
Soziale Phobien, ICD-10 F40.1
Zudem bestehe eine Infektanfälligkeit (S. 1). Eine ausserhäusliche Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin seit 2007 nicht mehr zumutbar (S. 3). Als Hausfrau sei
i
hre Leistungsfähigkeit
insofern eingeschränkt, als sie ausserstande sei, sich unter Leute zu begeben, an Müdigkeit und Erschöpfung leide und mit der Erzie
hung ihrer Kinder immer wieder überfordert sei (S. 2 ff.).
3.3
Dr. med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinem – undatierten – Bericht folgende die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende Diagnosen (Urk. 8/26 S. 1):
Schwere Aufmerksamkeits(defizit)störung, ICD-10 F79.0; bestehend seit der Kindheit
Verdacht auf bipolare Störung Typ II, ICD-10 F73.8; bestehend seit der Adoleszenz
Alkoholabusus oder –abhängigkeit, ICD-10 F10.1 oder 10.2; bestehend seit Jahren
Keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultiere aus der auss
e
rdem bestehen
den Adipositas (S. 1).
Die Beschwerdeführerin, die unfähig sei, sich ein
-
und unterzuordnen, sei seit Jahren zu 100 % arbeitsunfähig (S. 2 und S. 4).
3.4
Gestützt auf die Ergebnisse ihrer am
8. April sowie am 1
. und 1
6
. Mai 2014 durchgeführten polydisziplinären Untersuchung stellten die Ärzte der
Y._ AG
in ihrer Expertise vom 10. Juni 2014 nachstehende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/36 S. 8):
Ängstliche, selbstunsichere und reifungsretardierte Persönlichkeitsstö
rung, ICD-10 F60.8
Generalisierte Angststörung, ICD-10 F41.1
Alkoholabhängigkeit, gegenwärtig abstinent, ICD-10 F10.2
Keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zeitigten folgende Diagnosen:
Polytoxikomanie
(inklusive
Morphine
)
Adipositas (BMI 31 kg/m
2
)
Während die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht voll leistungsfähig sei, sei ihr aufgrund der psychischen Beeinträchtigung – auch ungeachtet der Suchtproblematik - seit spätestens Januar 2006 keine (auch leidensangepasste) Tätigkeit mehr zumutbar (S. 9 f.).
Im Haushaltsbereich bestehe eine 50%ige Einschränkung des Leistungsvermögens (S. 21).
3.5
In ihrer auf den Akten beruhenden Stellungnahme vom 24. Juni 2014 (Urk. 8/42 S. 4 f.) gelangten Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie, Facharzt für Neurologie, und Dr.
med.
D._
, Praktische Ärz
tin FMH, Ärzte des Regionalärztlichen Dienstes (RAD) der IV, zum Schluss, dass gestützt auf das Gutachten der
Y._ AG
vom 10. Juni 2014 (Urk. 8/36) davon
auszugehen sei, dass die Beschwerdeführerin seit mindestens 2006 zu 100 % ar
beitsunfähig und im Haushaltsbereich zu 50 % im Leistungsvermögen einge
schränkt sei.
4.
4.1
4.1.1
O
b und gegebenenfalls in welchem zeitlichen Umfang eine in einem Auf
gabenbe
reich tätige versicherte Person ohne gesundheitliche Beeinträchti
gung erwerbstätig wäre (Statusfrage),
ergibt sich aus der
Prüfung, was sie bei im Üb
rigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beein
trächti
gung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstä
tigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haus
halt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozi
alen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Be
treuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu be
rücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungs
recht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrschei
nlichkeit erforder
lich ist (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_286/2013 vom 28. August 2013 E. 3.2 mit Hinweisen). D
ie Prüfung der im Gesundheitsfall ausgeübten Tätigkeit
hat
sich
stets nach den konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles zu bestimmen und
kann
sich nicht auf eine Bezugnahme auf die allgemeine Lebenserfahrung oder statistische Erhebungen und Erfahrungswerte beschränken
(Urteil des Bun
des
gerichts 8C_35/2011 vom 24. Mai 2011 E. 3.4 mit Hinweisen).
4.1.2
Die IV-Stelle ging
–
ohne die Beschwerdeführerin
zum mutmasslichen Ausmass
ihres Arbeitspensums
ohne Gesundheitsschaden
befragt zu haben (Urk.
8/42 S. 5)
– von einer
nur
40%igen Erwerbstätigkeit im
Gesundheits
fall aus
(Urk. 2
/1
).
Dies ist aufgrund der konkreten Umstände
, namentlich
in Anbetracht der
finanziellen Verhältnisse
der Beschwerdeführerin
,
ihrer
Betr
euungsaufgabe nur noch für ihren jüngsten
, im Zeitpunkt des Rentenbeginns bereits vierzehn
jährigen Sohn,
ihres beruflichen Werdegangs sowie der von ihr absolvierten Aus- und Weiterbildungen nicht nachvollziehbar. So verfügt die
Beschwerde
führerin über eine nach dem
High School-Abschluss
in den USA erworbene
Berufsausbildung auf einer Bank
.
In der Schweiz
arbeitete
sie dann
ab 1991 in
einer Soft- und Hardwarefirma, absolvierte daraufhin – nach der Geburt ihres ältesten Sohn
es
im
Jahr
1992 (Urk. 8/11 S. 2)
– eine technische Zusatzausbil
dung
und war in der Folge für kurze Zeit wieder in der Bankbranche tätig.
1993 wurde ihre Ehe geschieden
(Urk. 8/27)
.
Nachdem sie 1994 beziehungsweise 1998 zwei weitere Söhne geboren hatte
,
zog sie
ihr
e
drei Kinder
alleine
auf
und war mit dieser Aufgabe immer wieder überfordert
(Urk. 8/
20 S. 2
und S. 6
, Urk. 8/
36 S. 17
)
.
Vom 19.
N
ovember 1998 bis 9. Februar 1999 wurde
sie
wegen einer längeren depressiven Reaktion stationär in der
Psychiatrischen Klinik E._
behandelt (Urk. 8/20 S. 6-8
, Urk. 8/36 S. 20
).
Ungefähr
ab diesem Zeitpunkt litt sie – nebst einer langjährigen schweren Drogensucht, einschliesslich einer Alkoholabhängigkeit -
an einer
(weiterhin anhaltenden
)
generalisierten Angststörung (Urk. 8/36 S. 19).
Trotz der ab Januar
2006
(Be
ginn einer ambulanten Psychotherapie)
attestierten
100%igen Arbeitsunfähig
keit (Urk. 8/
36 S.
21
, Urk. 8/5 S. 1
)
absolvierte sie zirka 2006/2007 noch e
ine sechsmonatige Ausbildung zur
Altenpflegerin
, konnte diese Tätigkeit daraufhin aufgrund de
r gesundheitlichen
Beeinträchtigungen
indes
nicht mehr ausüben
(Urk. 8/36 S. 17)
.
Aufgrund der geschilderten Gegebenheiten und unter Berücksichtigung der Tatsa
che, dass die Beschwerdeführerin – abgesehen vom Unterhaltsbeitrag für ihren 1998 geborenen
(einzigen noch
minderjährigen und
bei ihr lebenden) jüngsten
Sohn
(Urk. 8/
36 S.
14 und
25
, Urk. 8/35)
– über keinerlei Einkünfte verfügt und seit Jahren auf Sozialhilfe angewiesen ist
(Urk. 3/4, Urk. 8/36 S. 7
, Urk. 8/1
S. 3
)
, ist davon auszugehen, dass sie, wäre sie gesund, zu mindestens 80, wenn nicht gar 100 % erwerbstätig wäre
.
4.2
In medizinischer Hinsicht steht n
ach Lage der Akten fest und ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin – ungeachtet ihrer Alkoholabhängigkeit (zu deren invalidenversicherungsrechtlichen Bedeutung vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_694/2008 vom 5. März 2009 E. 2) –
spätestens seit Januar 2006
au
s (aus
schliesslich) psychischen Gründen derart stark in ihrem funktionellen Leis
tungsvermögen beeinträchtigt ist, dass sie über keine auf dem ersten Arbeits
markt verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr verfügt (
Urk. 8/19 S. 3 f., Urk. 8/20 S. 3, Urk. 8/26 S. 2 und S. 4,
Urk.
8/36 S. 10
,
Urk. 8/42 S. 4 f.
; E. 1.2).
Demnach hat sie – unabhängig davon, ob sie als vollzeitlich oder lediglich zu 80 %
e
r
werbstätig qualifiziert wird, ab 1. November 2012 (sechs Monate nach der ver
späteten Anmeldung [Urk. 8/12; vgl. Art.
29 Abs. 1
IVG]) jedenfalls Anspruch auf eine ganze Rente. Davon
war denn
ursprünglich auch die IV-Stelle aus
ge
gangen und hatte – mangels Anspruchsrelevanz des Ergebnisses -
auf eine Haushalt
s
abklärung
verzichtet
(Urk. 8/4
2
S. 5)
.
4.3
Nach dem Gesagten sind die beiden
Verfügungen der
IV-Stelle vom 17.
November 2014
(Urk. 2/1 f.)
– in Gutheissung der Beschwerde -
insoweit ab
zuändern
, als fest
zustellen ist
,
dass die Beschwerdeführer ab 1.
November 2012 Anspruch auf eine ganze Rente
hat.
5.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen abweichend von Art. 61 lit. a ATSG vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten in Höhe von Fr. 800.-- der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Das Gesuch der Beschwerdeführerin um Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 2) erweist sich damit als obsolet.