Decision ID: edec8db4-7e7b-4477-bbe8-c955aeb8b9f4
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
B._, C._ und D._, sind je zu einem Drittel Miteigentümer des
Grundstücks Nr. 001, Grundbuch Z._. Das Grundstück liegt gemäss
geltendem Zonenplan der Gemeinde Z._ ausserhalb der Bauzone
und ist grösstenteils als Wald verzeichnet. Die Waldfläche beträgt
etwa 3,8 ha. Im östlichen Bereich des Grundstücks befindet sich eine
Waldlichtung, welche der Grünzone zugewiesen ist. Gemäss der gel-
tenden Schutzverordnung der Gemeinde Z._ (abgekürzt SchutzV)
wird das Grundstück Nr. 001 dem Lebensraum-Kerngebiet zugeteilt.
Bei der Waldlichtung handelt es sich sodann um einen sog. Biotopver-
bund sowie um ein Naturschutzgebiet (Magerwiese). Des Weiteren
befindet sich das Grundstück im Waldentwicklungsplan (nachfolgend
WEP). Nach dem WEP Plan 1 (Wald mit Vorrangfunktionen) befindet
sich das Grundstück in einem Wald mit Vorrangfunktion "Schutz vor
Naturgefahren". Nach dem WEP Plan 2 (Wald und Objekte mit spezi-
eller Funktion) befindet sich das Grundstück im Gebiet Y._.
B.
a) Innerhalb dieser Grünzone befindet sich die Forsthütte Vers.-
Nr. 002, welche über die nicht ausparzellierte G._strasse (Gemein-
destrasse 3. Klasse) erschlossen ist. Die Forsthütte wurde von der Ge-
meinde Z._ am 8. Februar 1974 bewilligt. Gemäss den bewilligten
Plänen besteht die Forsthütte aus einem Aufenthaltsraum (5,40 m auf
4,60 m) samt Kochstelle. Nordwestlich an den Aufenthaltsraum ange-
baut befindet sich ein offenes aber gedecktes Holzlager. Die Baube-
willigung schreibt ausdrücklich vor, dass die Forsthütte lediglich für
forstliche Zwecke genützt werden dürfe:
[...]
3. Die Bewilligung zur Erstellung dieser Forsthütte wird ausdrücklich nur für forstliche Zwecke erteilt. Es dürfen insbesondere keine Einrichtungen und Vorkehrungen getroffen werden, die einen längerdauernden  von Personen in dieser Forsthütte möglich  würden, z.B. Schlafstellen, Sanitäre  wie Toiletten, Waschgelegenheiten usw. Der  darf nur Personen dienen, die den Wald bewirtschaften und vor allem bei schlechtem Wetter in der Hütte Schutz finden können. Die Forsthütte darf aber nicht als Aufenthalt zwecks Verbringung der  z.B. Ferien, Wochenende usw. benützt werden.
b) Nach Erteilung der Baubewilligung wurde die Forsthütte errich-
tet. Der genaue Fertigstellungszeitpunkt ist nicht bekannt, jedoch
wurde die Forsthütte im Schätzungskataster aus dem Jahr 1977 ver-
merkt.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 3/24
c) Mit Schreiben vom 10. November 1988 wandte sich H._
(nachfolgend Anzeiger) von der Strassenkooperation G._strasse an
das damalige kantonale Planungsamt und ersuchte um Prüfung der
Rechtmässigkeit der erstellten Forsthütte. Er brachte vor, dass der da-
malige Bauherr, I._ (sel.), die Forsthütte ohne Bewilligung um einen
Anbau, eine Garage, eine Toilette und eine Jauchegrube erweitert
habe. Diese Umfunktionierung stelle eine eindeutige Zweckentfrem-
dung dar. Sodann habe der damalige Bauherr einen Bach auf einer
Länge von 30 bis 40 m eingedolt. Die Angelegenheit habe der Anzei-
ger bereits im Jahr 1984 dem Kreisforstamt St.Gallen unterbreitet.
d) Das kantonale Planungsamt leitete die Anzeige an das damals
zuständige Amt für Umweltschutz (AFU) weiter. Dieses führte am
13. Januar 1989 vor Ort einen Augenschein durch. Mit Schreiben vom
7. Februar 1989 teilte das AFU dem Anzeiger mit, es sei erwiesen,
dass der Gemeinderat Z._ die erforderlichen Bewilligungen bereits
im Jahr 1974 erteilt hätte. Von einer Zweckentfremdung könne daher
nicht gesprochen werden. Lediglich die Bacheindolung sei ohne die
erforderliche Bewilligung erteilt worden. Der Bauherr sei anlässlich des
Augenscheins aufgefordert worden, die nötige Bewilligung einzuholen.
e) Am 23. November 1989 führte das AFU erneut einen Augen-
schein durch und stellte fest, dass die geforderten Bedingungen erfüllt
seien und der eingedolte Bach wieder offen fliesse.
C.
a) Im April 2011 gelangten die damaligen Eigentümer des Grund-
stücks Nr. 001 an das Landwirtschaftsamt und beantragten die Prü-
fung, ob das Grundstück aus dem Geltungsbereich des Bundesgeset-
zes über das bäuerliche Bodenrecht (SR 211.412.11; abgekürzt
BGBB) entlassen werden könne. Das Landwirtschaftsamt teilte den
Eigentümern mit, dass gemäss Art. 4a Abs. 2 der eidgenössischen
Verordnung über das bäuerliche Bodenrecht (SR 211.412.110; abge-
kürzt VBB) der Entscheid über die Nichtanwendbarkeit des BGBB eine
rechtskräftige raumplanungsrechtliche Teilverfügung voraussetze, in
welcher die Rechtmässigkeit der Nutzung der betreffenden Bauten
und Anlagen festgestellt werde.
b) Mit raumplanungsrechtlicher Zwischenverfügung vom 31. Juli
2012 teilte das Amt für Raumentwicklung und Geoinformation (AREG)
mit, dass die Forsthütte zwar durch den Gemeinderat Z._ am 8. Feb-
ruar 1974 bewilligt worden sei. Die erforderliche Zustimmung der zu-
ständigen kantonalen Behörde liege jedoch nicht vor, weshalb das
nachträgliche Baubewilligungsverfahren durchzuführen sei. In diese
Beurteilung seien nicht nur die Bauten und Anlagen, welche auf
Grundlage der Baubewilligung aus dem Jahr 1974 erstellt worden
seien, einzubeziehen. Es seien auch sämtliche baulichen Veränderun-
gen (Erstellung eines Anbaus, einer Garage, Einbau einer Toilette und
eines Cheminées sowie einer Jauchegrube für Stapelung der Abwäs-
ser) und die allfällige Nutzungsänderung zu berücksichtigen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 4/24
c) Mit Schreiben vom 7. August 2012 teilte die Gemeinde Z._
den Eigentümern mit, dass ungeachtet des Abparzellierungsgesuchs
das nachträgliche Baubewilligungsverfahren durchzuführen sei. Am
14. August 2013 nahm das AREG unter Beisein der Gemeinde sowie
der Eigentümer einen Augenschein vor Ort.
D.
a) Am 21. Mai 2017 reichte die Miteigentümergemeinschaft A._,
welche zwischenzeitlich das Eigentum am Grundstück Nr. 001 erwor-
ben hatte, bei der Gemeinde Z._ ein nachträgliches Baugesuch ein.
Das Baugesuch umfasste die baulichen Änderungen, namentlich den
Einbau einer Stande im Untergeschoss, die tiefere Ausführung des
Vordachs auf der Südwestseite, die Verkleidung des Holzunterstands,
den Einbau einer Toilette sowie die Öffnung des Untergeschosses, da-
mit dieses als Geräteraum und Garage genutzt werden könne.
b) Innert der Auflagefrist vom 20. Juni bis 3. Juli 2017 erhob unter
anderem die Stiftung E._, vertreten durch F._ Einsprache gegen
das Bauvorhaben. In der Einsprache wurde vorgebracht, dass die
Baubewilligung aus dem Jahr 1974 nichtig sei, da das AREG dem
Bauvorhaben nie zugestimmt habe. Eine nachträgliche Baubewilli-
gung für die Forsthütte sei weder gestützt auf das eidgenössische
Waldgesetz (SR 921.0; abgekürzt WaG) noch auf das eidgenössische
Raumplanungsgesetz (SR 700; abgekürzt RPG) möglich. Entspre-
chend sei das nachträgliche Baugesuch abzuweisen und der recht-
mässige Zustand wiederherzustellen.
c) Mit raumplanungsrechtlicher Teilverfügung vom 18. April 2018
stellte das AREG fest, dass die Baubewilligung vom 8. Februar 1974
in formelle Rechtskraft erwachsen sei. Weiter verweigerte das AREG
die Zustimmung zur Baubewilligung für die Umnutzung der Forsthütte
und die baulichen Erweiterungen. Es sei offensichtlich, dass die vor-
liegend zu beurteilenden Massnahmen nicht auf einen Standort in ei-
ner Waldlichtung ausserhalb der Bauzone angewiesen seien. Rückbli-
ckend sei seit Beginn beabsichtigt gewesen, die Forsthütte auch zu
Aufenthaltszwecken zu nutzen und baulich entsprechend auszugestal-
ten. Ein solches Vorgehen sei sowohl aufgrund des rechtswidrigen
baulichen Zustands wie auch aufgrund der entgegenstehenden öffent-
lichen Interessen nicht zustimmungsfähig.
d) Mit Beschluss vom 17. September 2018 erliess die Baukommis-
sion Z._ folgenden Bau- und Einspracheentscheid:
1. Die Einsprache der Stiftung E._ wird gutgeheissen.
2. Die Baubewilligung für die Umnutzung der Forsthütte und die bauliche Erweiterung der Forsthütte wird .
3. Die Miteigentümergemeinschaft A._ hat die Forsthütte Vers.-Nr. 002 auf Grundstück Nr. 001 innert
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 5/24
6 Monaten seit Rechtskraft dieses Entscheids  abzubrechen und die entstehende Freifläche zu renaturieren.
4. Für den Fall, dass die gesetzte Frist ungenutzt , wird die Ersatzvornahme angedroht.
5. Für den Fall, dass die gesetzte Frist ungenutzt , wird die Ungehorsamsstrafe nach Art. 292 StGB angedroht: Wer der von einer zuständigen  oder einem zuständigen Beamten unter Hinweis auf Strafandrohung dieses Artikels an ihn erlassenen Verfügung nicht Folge leistet, wird mit Busse bestraft.
6. Die raumplanungsrechtliche Teilverfügung des Amts für Raumentwicklung und Geoinformation vom 18.  2018 bildet integrierenden Bestandteil.
7. Die Gebühr dieses Entscheids beträgt Fr. 1'000.00.
8. Es werden keine ausseramtlichen Kosten .
E.
a) Gegen diesen Beschluss erhob die Miteigentümergemeinschaft
A._, vertreten durch lic.iur. Thomas Stadelmann, Rechtsanwalt,
Gossau, mit Schreiben vom 10. Oktober 2018 Rekurs beim Baudepar-
tement. Mit Rekursergänzung vom 2. November 2018 werden fol-
gende Anträge gestellt:
1. Die Ziffern 1, 3, 4, 5 und 7 des Entscheids der Bau-
kommission Z._ vom 17. September 2018 seien vollumfänglich aufzuheben und es sei von der  jeglicher Wiederherstellungsmassnahmen  abzusehen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Einsprecherin, evtl. zulasten der Vorinstanz bzw. des Staates.
Zur Begründung wird geltend gemacht, das AREG habe in seiner
raumplanungsrechtlichen Teilverfügung festgestellt, dass die Baube-
willigung vom 8. Februar 1974 in formelle Rechtskraft erwachsen sei.
Die Vorinstanz habe die Wirkung der formellen Rechtskraft der ur-
sprünglichen Baubewilligung verkannt, indem sie die Wiederherstel-
lung der formell rechtskräftig bewilligten Bauteile verfügt habe. Sodann
sei der Wiederherstellungsanspruch des Staates längst abgelaufen
und verwirkt. Darüber hinaus verletze die angeordnete Wiederherstel-
lung auch das Verhältnismässigkeitsprinzip.
b) Mit Vernehmlassung vom 26. November 2018 beantragt die Vor-
instanz den Rekurs abzuweisen. Zur Begründung wird geltend ge-
macht, dass nicht auf die in formelle Rechtskraft erwachsene Baube-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 6/24
willigung vom 8. Februar 1974 abzustellen sei. Für die Wiederherstel-
lung des rechtmässigen Zustands sei vielmehr entscheidend, dass die
ausdrücklichen Auflagen und Bedingungen der rechtskräftigen Baube-
willigung offenkundig missachtet beziehungsweise in betrügerischer
Absicht umgangen worden seien. Entsprechend könne sich die bös-
gläubige Rekurrentin auch nicht auf die Verwirkung des Wiederherstel-
lungsanspruchs berufen. Denn die Verwirkung des Wiederherstel-
lungsanspruchs baue auf dem Grundsatz des Vertrauensschutzes auf.
c) Mit Vernehmlassung vom 30. November 2018 beantragt die Re-
kursgegnerin den Rekurs unter Kostenfolge abzuweisen. Zur Begrün-
dung wird geltend gemacht, dass die Baubewilligung vom 8. Februar
1974 aufgrund der fehlenden Zustimmung der kantonalen Behörde
nichtig sei. Entsprechend sei die Forsthütte formell und materiell
rechtswidrig. Es sei daher die Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands nicht nur in Bezug auf die seither ohne Baubewilligung vor-
genommenen Erweiterungen und Umnutzungen, sondern in Bezug
auf die gesamte Baute zu verfügen. Die Forsthütte, welche vermietet
und zwecks Verbringung der Freizeit genutzt werde, stehe in erhebli-
chem Widerspruch zu den Schutzzielen der Schutzverordnung, des
Richtplans und des Waldentwicklungsplans. Es bestünden damit ge-
wichtige öffentliche Interessen für einen Rückbau der Forsthütte,
selbst wenn diese seit mehr als dreissig Jahren rechtwidrig Bestand
habe.
d) Mit koordinierter Vernehmlassung vom 5. Februar 2019 führt
das AREG aus, dass die vom Bundesgericht als nichtig beurteilten
Baubewilligungen ausnahmslos dem seit 1. Januar 1980 geltenden
RPG zugrunde lagen. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung zum
RPG könne nicht auf die zwischen 1. Juli 1972 und 31. Dezember
1979 gestützt auf die damalige Gewässerschutzgesetzgebung erteil-
ten Baubewilligungen angewendet werden. Denn der Regierungsrat
habe im wegweisenden Rekursentscheid vom 6. Juni 1979 (GVP 1979
Nr. 52) entschieden, dass die fehlende Zustimmung unter Geltung der
Gewässerschutzgesetzgebung in der Regel zur Anfechtung der Bau-
bewilligung führe und nicht deren Nichtigkeit zur Folge habe. Die am
8. Februar 1974 erteilte Baubewilligung weise keine derart schwerwie-
genden Mängel auf, dass von Nichtigkeit auszugehen sei. Entspre-
chend habe das AREG zu Recht in seiner raumplanungsrechtlichen
Teilverfügung vom 18. April 2018 die formelle Rechtskraft der Baube-
willigung festgestellt. Die Festbänke und die reichlichen Platzverhält-
nisse liessen darauf schliessen, dass die Forsthütte von grösseren
Personengruppen zu Freizeitzwecken genutzt werde. Die öffentlichen
Interessen betreffend den Schutzzielen gemäss Richtplan, Schutzver-
ordnung der Vorinstanz sowie dem Waldentwicklungsplan würden die
privaten Interessen der Rekurrentin bei weitem überwiegen. Hierfür
spreche auch der Mitbericht des Amtes für Natur, Jagd und Fischerei
(ANJF) vom 24. Januar 2019. Die Rekursinstanz habe zu entscheiden,
welche baulichen Wiederherstellungsmassnahmen und gegebenen-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 7/24
falls welche Verhaltensanweisungen geeignet, erforderlich und ver-
hältnismässig seien, um die rechtswidrige Nutzung zu beseitigen bzw.
in Einklang mit den Bau- und Schutzvorschriften zu bringen.
e) Mit Schreiben vom 2. April 2019 ersucht die Rekurrentin um
Fristansetzung für die Einreichung einer weiteren Stellungnahme. So-
dann beantragt sie die Edition des Bauabnahmeprotokolls.
f) Mit Schreiben vom 3. April 2019 reicht die Rekursgegnerin eine
weitere Stellungnahme ein und begründet ihr Kostenbegehren. So-
dann bringt sie vor, dass die Auffassung des AREG – wonach die er-
teilte Baubewilligung lediglich anfechtbar sei – der verwaltungsgericht-
lichen Rechtsprechung widerspreche. Mit Blick auf VerwGE
B 2015/131 vom 30. Mai 2017 sei davon auszugehen, dass die Bau-
bewilligung vom 8. Februar 1974 nichtig sei. Die öffentlichen Interes-
sen an der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands wögen –
wie der Mitbericht des ANJF zeige – höher als die privaten Interessen.
Schliesslich stellt die Rekursgegnerin ein Gesuch um Einsicht in jene
Unterlagen, auf welche das AREG in Ziffer 2d.) seiner Vernehmlas-
sung verweise.
g) Mit Schreiben vom 8. April 2019 teilt der zuständige Sachbear-
beiter den Beteiligten mit, dass bezüglich der Forsthütte kein Abnah-
meprotokoll bestehe und eine Edition daher auch nicht möglich sei.
h) Mit Schreiben vom 12. April 2019 präzisiert die Rekursgegnerin
ihr Akteneinsichtsgesuch, woraufhin der zuständige Sachbearbeiter
der Rekursgegnerin – wie auch den übrigen Beteiligten – die verlang-
ten Akten zustellte.
i) Mit Schreiben vom 25. April 2019 reicht die Rekurrentin eine
weitere Stellungnahme ein. Die Rekurrentin würde an ihrer bisherigen
Sachverhaltsdarstellung festhalten. Sie gehe nach wie vor davon aus,
dass die baulichen Änderungen entweder direkt im Zuge der Erstel-
lung der Forsthütte im Jahr 1974 oder zeitnah nach der Bauabnahme
im Jahr 1976 stattgefunden haben müssten. Anders lasse sich dies
aus bautechnischer Sicht nicht erklären. Weiter bestreitet die Rekur-
rentin, dass die Forsthütte als Ferienhaus genutzt werde. Die
Forsthütte sei zur Bewirtschaftung des Walds geplant, gebaut und so
auch genutzt worden. Das AFU habe bereits im Jahr 1989 festgestellt,
dass der Gemeinderat die erforderlichen Baubewilligungen erteilt habe
und von einer Zweckentfremdung nicht gesprochen werden könne.
Das AREG habe überzeugend dargelegt, dass die Baubewilligung
vom 8. Februar 1974 bloss anfechtbar gewesen und längst in Rechts-
kraft erwachsen sei. Die Verwirkungsfrist von dreissig Jahren sei
längstens abgelaufen und es könne keine Rede davon sein, dass der
Schutz von Polizeigütern – und schon gar nicht von baupolizeilichen
Gütern im engeren Sinn – eine Wiederherstellung rechtfertigen wür-
den.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 8/24
j) Mit E-Mail vom 26. April 2019 stellt die Rekursgegnerin ein wei-
teres Akteneinsichtsgesuch, worauf die Beteiligten mit den entspre-
chenden Unterlagen bedient wurden.
k) Mit E-Mail vom 7. Juni 2019 stellt die Rekursgegnerin ein erneu-
tes Akteneinsichtsgesuch. Mit Schreiben vom 19. Juni 2019 stellte der
zuständige Sachbearbeiter den Beteiligten sämtliche Akten in Zusam-
menhang mit der aufsichtsrechtlichen Anzeige vom 10. November
1988 zu. Sodann wurde den Beteiligten eine letztmalige Frist für die
Einreichung einer weiteren Stellungnahme gesetzt.
l) Mit Schreiben vom 27. Juni 2019 reicht die Rekursgegnerin eine
weitere Stellungnahme ein. Die Vorinstanz habe die Wiederherstel-
lung des rechtmässigen Zustands durch Abbruch der Forsthütte als
verhältnismässig beurteilt. Daran ändere nichts, dass das AFU als die
damals zuständige kantonale Stelle spätestens seit dem Jahr 1988
Kenntnis von der unrechtmässig erstellten Forsthütte gehabt habe.
Entscheidend sei, dass die Forsthütte vermietet und zwecks Verbrin-
gung der Freizeit genutzt werde. Damit liege heute eine erhebliche
Zweckentfremdung vor, welche gemäss den Feststellungen des AFU
zumindest in dieser Form im Jahr 1988 noch nicht bestanden habe.
m) Mit Schreiben vom 18. Juli 2019 reicht die Rekurrentin in Aus-
übung des Replikrechts eine weitere Stellungnahme ein, in welcher die
Nutzung der Forsthütte zu Freizeitzwecken bestritten wird.
n) Mit Schreiben vom 19. Dezember 2019 nimmt die Rekursgeg-
nerin Abstand vom Antrag auf vollständigen Abbruch der Forsthütte.
Sie präzisierte, dass sie lediglich den Rückbau der nachträglich und
unrechtmässig vorgenommenen baulichen Massnahmen, d.h. Entfer-
nung der sanitären Einrichtungen (WC), Umfassungswände, Funda-
ment etc. beantrage.
o) Mit Schreiben vom 22. Januar 2020 nimmt die Rekurrentin den
teilweisen Rückzug zur Kenntnis und wiederholt, dass jegliche Wie-
derherstellungsmassnahmen unzulässig seien.
F.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 9/24
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP).
Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.
In formeller Hinsicht beantragen die Verfahrensbeteiligten die Durch-
führung eines Augenscheins.
2.1 Nach Art. 12 Abs. 1 VRP ermittelt die Behörde oder das von ihr
beauftragte Verwaltungsorgan den Sachverhalt und erhebt die Be-
weise von Amtes wegen durch Befragen von Beteiligten, Auskunfts-
personen und Zeugen, durch Beizug von Urkunden, Amtsberichten
und Sachverständigen, durch Augenschein sowie auf andere geeig-
nete Weise. Sind zur Wahrung des öffentlichen Interesses keine be-
sonderen Erhebungen nötig, so sind nur die von den Beteiligten ange-
botenen und die leicht zugänglichen Beweise über erhebliche Tatsa-
chen aufzunehmen (Art. 12 Abs. 2 VRP). Der Augenschein ist die un-
mittelbare sinnliche Wahrnehmung von Tatsachen durch die entschei-
dende Instanz. Er dient der unmittelbaren Wahrnehmung von (in der
Regel streitigen) Tatsachen und/oder dem besseren Verständnis des
Sachverhalts. Ob ein Augenschein durchzuführen ist, liegt im pflicht-
gemässen Ermessen der urteilenden Instanz. Ergibt sich eine Tatsa-
che zweifelsfrei aus den Akten, so braucht sie nicht durch einen Au-
genschein überprüft zu werden. Dies gilt auch für unbestrittene Be-
hauptungen, sofern eine Nachprüfung nicht durch öffentliche Interes-
sen geboten erscheint. Tatsachen aber, vor allem umstrittene, deren
umfassende Feststellung und Würdigung eine eigene Wahrnehmung
erheischen, sind in Augenschein zu nehmen (CAVELTI/VÖGELI, Verwal-
tungsgerichtsbarkeit im Kanton St.Gallen – dargestellt an den Verfah-
ren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl., St.Gallen 2003, Rz. 966).
2.2 Die entscheidenden tatsächlichen Verhältnisse ergeben sich
vorliegend vollständig aus den Baugesuchsakten und -plänen, den üb-
rigen Verfahrensakten sowie dem öffentlich zugänglichen Geoportal
(www.geoportal.ch). Dazu kommt, dass die Verfahrensbeteiligten kei-
nerlei Tatsachen geltend machen, die aufgrund eines Augenscheins
zu überprüfen wären. Die im Rekurs aufgeworfenen Fragen betreffen
vorab die rechtliche Beurteilung der angeordneten Wiederherstellung.
Der Antrag auf Durchführung eines Augenscheins ist deshalb abzu-
lehnen.
3.
Die Rekurrentin macht geltend, dass die Vorinstanz ihren Anspruch
auf rechtliches Gehör verletzt habe, weil sie sich in ihrem Entscheid
nicht mit den Vorbringen und Argumenten der Rekurrentin auseinan-
dergesetzt habe.
3.1 Der Umfang der Begründungspflicht bemisst sich primär nach
dem kantonalen Recht, subsidiär nach dem in Art. 29 Abs. 2 der Bun-
desverfassung (SR 101; abgekürzt BV) enthaltenen Anspruch auf
rechtliches Gehör und den daraus fliessenden Mindestgarantien. Nach
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 10/24
Art. 24 Abs. 1 Bst. a VRP soll eine Verfügung die Tatsachen, die Vor-
schriften und die Gründe enthalten, auf die sie sich stützt. Der verfas-
sungsrechtliche Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt, dass eine
Behörde die Vorbringen der vom Entscheid Betroffenen tatsächlich
hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berück-
sichtigt. Daraus folgt die grundsätzliche Pflicht, einen Entscheid zu be-
gründen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der Be-
troffene den Entscheid sachgerecht anfechten kann (BGE 125 II 149
Erw. 2a; 123 I 34 Erw. 2c). Diesen Anforderungen genügt nach der
Praxis des Bundesgerichtes auch ein Verweis auf Erwägungen in ei-
nem vorinstanzlichen Urteil (BGE 123 I 34 Erw. 2c mit Hinweisen). Die
entscheidende Behörde ist auch nicht gehalten, sich über alle Vorbrin-
gen auszusprechen, die in der Einsprache geäussert werden. Viel-
mehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichts-
punkte beschränken. Insbesondere ist die Behörde nicht verpflichtet,
sich mit allen Standpunkten der am Verfahren Beteiligten einlässlich
auseinanderzusetzen. Es genügt, die Vorbringen des Rechtssuchen-
den durch die Darlegung der eigenen, gegenteiligen Ansicht zu wider-
legen, sofern jener auf diese Weise genügend Aufschluss darüber er-
hält, ob und, wenn ja, mit welchem Ergebnis sein Vorbringen geprüft
worden ist (BDE Nr. 63/2008 vom 29. September 2008 Erw. 3 mit Hin-
weisen; Nr. 53/2012 vom 17. Oktober 2012 Erw. 2.3).
3.2 Die Rekurrentin führt nicht weiter aus, welche Vorbringen und
Argumente die Vorinstanz ausser Acht gelassen habe. Dies ist bei der
Durchsicht der Vorakten auch nicht ersichtlich. Sodann lassen sich
aus den Erwägungen des angefochtenen Entscheids die Gründe, wa-
rum die Vorinstanz den Abbruch der Forsthütte verfügt hat, ohne wei-
teres entnehmen. Die Vorinstanz hat insbesondere dargelegt, warum
der Abbruch nach Ablauf der dreissigjährigen Wiederherstellungsfrist
– nämlich wegen betrügerischen Absichten der Rekurrentin bzw. de-
ren Rechtsvorgänger – dennoch angezeigt sei. Eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs ist damit nicht festzustellen. Die Rüge erweist sich
als unbegründet.
4.
Strittig ist zunächst, inwiefern die Baubewilligung vom 8. Februar 1974
Gültigkeit hat. Die Rekurrentin und das AREG sind der Meinung, dass
die Baubewilligung in formelle Rechtskraft erwachsen ist. Die Rekurs-
gegnerin hält die Baubewilligung demgegenüber für nichtig. Die Vor-
instanz ihrerseits bestreitet die formelle Rechtskraft der Bewilligung
nicht. Sie ist jedoch der Ansicht, dass der Rückbau aufgrund der mut-
willigen Nichteinhaltung der Auflagen angezeigt sei.
4.1 Wird durch die Errichtung von Bauten und Anlagen ohne Bewil-
ligung ein unrechtmässiger Zustand geschaffen, wird die Wiederher-
stellung des rechtmässigen Zustands verfügt (Art. 159 Abs. 1 Bst. d
des Planungs- und Baugesetzes [sGS 731.1; abgekürzt PBG]). Die
Wiederherstellung setzt die formelle und materielle Rechtswidrigkeit
voraus. Zunächst ist somit zu prüfen, ob die Baubewilligung vom
8. Februar 1974 in formelle Rechtskraft erwachsen ist.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 11/24
4.2 Es ist unbestritten, dass das Grundstück Nr. 001 im Zeitpunkt
der Baubewilligungserteilung im Jahr 1974 ausserhalb des Siedlungs-
gebiets lag. Ebenfalls unbestritten ist, dass die Erteilung der Baube-
willigung der Zustimmung der kantonalen Fachstelle nach Art. 20
des alten eidgenössischen Gewässerschutzgesetzes (AS 1972,
S. 950; abgekürzt aGSchG) bedurft hätte und diese von der
Vorinstanz nicht eingeholt worden ist. Somit stellt sich die Frage, ob
die Baubewilligung vom 8. Februar 1974 trotz fehlender Zustimmung
in formelle Rechtskraft erwachsen konnte. Mit dieser Frage hat sich
das Verwaltungsgericht bereits im Entscheid B 2015/131 vom 30. Mai
2017 (Erw. 4.2) auseinandergesetzt. Es hielt fest, dass der Zweck des
Zustimmungserfordernisses sowohl nach aGSchG als auch nach RPG
derselbe sei, nämlich die Sicherstellung einer einheitlichen Praxis im
Kantonsgebiet. Massgebend für die Beurteilung der Frage der Nichtig-
keit/Anfechtbarkeit bei fehlender kantonaler Zustimmung sei – bei in-
haltlich gleicher gesetzlicher Regelung – vielmehr die Rechtsprechung
des Bundesgerichtes (BGE 132 II 27 Erw. 3.2.1 und BGE 111 lb 223
Erw. 5.b), welches die Nichtigkeit klar bejahe. Das Verwaltungsgericht
erklärte daher die Praxis gemäss GVP 1979 Nr. 52 als überholt und
stellte die Nichtigkeit der strittigen Bewilligungen aus den Jahren 1973
und 1977 fest.
4.3 Der Einwand, wonach das Verwaltungsgericht die regierungs-
rätliche Rechtsprechung gemäss GVP 1979 Nr. 52 übergangen bzw.
nicht beachtet habe, ist unbegründet. Die Baubewilligung vom 8. Feb-
ruar 1974 erweist sich in Einklang mit der herrschenden Rechtspre-
chung aufgrund der fehlenden kantonalen Zustimmung als nichtig.
Aufgrund der nichtigen Baubewilligung vom 8. Februar 1974 ist die ge-
samte Forsthütte samt den baulichen Erweiterungen – Garage, Toi-
lette, Anbau usw. – formell rechtswidrig. Es entfallen somit aber auch
die damit verbundenen Bedingungen und Auflagen, auf welche die
Vorinstanz abstellte.
5.
Werden bewilligungspflichtige bauliche Massnahmen ohne Vorliegen
einer rechtskräftigen Baubewilligung erstellt, so liegt eine formelle
Rechtswidrigkeit vor. Diese Tatsache für sich allein genommen ver-
mag eine Abbruch- bzw. Wiederherstellungsverfügung noch nicht zu
rechtfertigen. Vielmehr ist regelmässig zu prüfen, ob eine ordentliche
Baubewilligung oder eine Ausnahmebewilligung nachträglich erteilt
werden kann (GVP 1983 Nr. 97). Soweit die materielle Rechtmässig-
keit von Bauten, Anlagen und Nutzungen zu beurteilen ist, findet das
zum Zeitpunkt der Errichtung massgebende Recht Anwendung. Auf
das in der Zwischenzeit geänderte Recht ist nur abzustellen, wenn die-
ses für den Eigentümer der Baute günstiger ist (Baudepartement SG,
Juristische Mitteilungen 2002/II/14).
5.1 Die materielle Rechtmässigkeit der Forsthütte ist aufgrund ihres
heutigen Bestands zu beurteilen. Die Bewilligungsfähigkeit der
Forsthütte, wie sie die Gemeinde im Jahr 1974 bewilligt hat, ist nicht
separat zu beurteilen. Die Baubewilligung vom 8. Februar 1974 ist
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 12/24
nichtig, weshalb der Forsthütte selbst in diesem Umfang keine Bestan-
desgarantie zukommt. Entsprechend ist die Forsthütte als Ganzes
samt Garage, Toilette usw. zu beurteilen. Massgebend für den Beur-
teilungszeitpunkt ist die Fertigstellung der Forsthütte im heutigen Um-
fang. Wann die baulichen Abweichungen von der Baubewilligung vom
8. Februar 1974 vorgenommen worden sind, ist unklar. Die Rekurren-
tin geht davon aus, dass die Abweichungen direkt im Zuge der Erstel-
lung der Forsthütte im Jahr 1974 oder zeitnah nach der Bauabnahme
im Jahr 1976 erfolgt sind. Das AREG vermutet, dass die Arbeiten spä-
testens in den früheren Achtziger Jahren realisiert worden sind.
5.2 Nach Art. 20 aGSchG durften Baubewilligungen für Gebäude
und Anlagen ausserhalb des im generellen Kanalisationsprojekt abge-
grenzten Gebiets nur erteilt werden, sofern der Gesuchsteller ein
sachlich begründetes Bedürfnis nachwies. Die Baubewilligung durfte
erst erteilt werden, wenn die Ableitung, die Reinigung oder eine andere
zweckmässige Beseitigung der Abwässer festgelegt war und die Zu-
stimmung der kantonalen Fachstelle für Gewässerschutz vorlag. Mit
Erlass der beiden Zonenpläne Z._ und X._ vom 13. Juli 1971 er-
folgte eine zonenrechtliche Zuscheidung der Grundstücke in die bei-
den Fraktionen W._ und V._. In übrigen Teilen der Gemeinde er-
folgte keine explizite Zuteilung, so dass diese in Einklang mit der Ter-
minologie sowie der Darstellung in den beiden erwähnten Zonenplä-
nen dem "übrigen Gemeindegebiet" zuzurechnen sind. Gemäss Art.
21 Abs. 1 des Baugesetzes vom 6. Juni 1972 (nGS 8,134; abgekürzt
BauG) umfasste das übrige Gemeindegebiet das nicht eingezonte Ge-
biet. Darin waren in der im Jahr 1974 gültigen Fassung Bauten und
Anlagen zugelassen, die der land- und forstwirtschaftlichen oder gar-
tenbaulichen Nutzung, der Versorgung mit Wasser oder Energie oder
einem anderen öffentlichen Interesse dienten (Abs. 1). Andere Bauten
und Anlagen wurden nur bewilligt (Abs. 2), wenn (a) die Erschliessung
sichergestellt war, insbesondere wenn die Abwasserreinigung und die
Kehrichtbeseitigung gemäss der Gesetzgebung über den Gewässer-
schutz gewährleistet war; (b) das Landschafts- und Ortsbild nicht be-
einträchtigt wurde; (c) den Gemeinden keine Aufwendungen für die
Erschliessung erwuchsen. Grössere, zusammenhängende Überbau-
ungen im übrigen Gemeindegebiet waren nur zulässig, wenn die Ge-
meinde vorher einen Überbauungsplan erliess und die Voraussetzun-
gen dieses Artikels gegeben waren (Abs. 3). In Einklang damit hielt
Art. 25 Abs. 1 des Baureglements der Gemeinde Z._ vom 13. Juli
1972 fest, dass das übrige Gemeindegebiet für die land- und forstwirt-
schaftliche Nutzung bestimmt ist. Bauten, die jener Nutzung dienten,
waren gestattet. Hingegen galt das übrige Gemeindegebiet nicht als
Bauzone im Sinn von Art. 2 des damaligen Einführungsgesetzes vom
22. Dezember 1952 zum Bundesgesetz über die Erhaltung des bäu-
erlichen Grundbesitzes.
5.3 Das Grundstück Nr. 001 war im Zeitpunkt der Erteilung der
(nichtigen) Baubewilligung, am 8. Februar 1974, dem übrigen Gemein-
degebiet zuzurechnen und befand sich damit ausserhalb des Bauge-
biets. Demnach hätte für die nötige Bewilligung gemäss Art. 20
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 13/24
aGSchG ein sachlich begründetes Bedürfnis nachgewiesen werden
müssen. Sodann hielt Art. 21 Abs. 1 BauG fest, dass im übrigen Ge-
meindegebiet nur Bauten zulässig sind, die der land- und forstwirt-
schaftlichen oder gartenbaulichen Nutzung, der Versorgung mit Was-
ser oder Energie oder einem anderen öffentlichen Interesse dienten.
Forstliche Bauten und Anlagen dienen nicht der landwirtschaftlichen
Bewirtschaftung, sondern dem Wald. Wie sich die Zonenkonformität
einer Baute in der Landwirtschaftszone aufgrund der objektiven Be-
dürfnisse der Landwirtschaft beurteilt, richtet sich die Konformität einer
Baute im Wald nach den Bedürfnissen des Waldes. Für die Waldpflege
wird diverses Werkzeug benötigt. Da dieses eher schwer und grob und
ein dauernder Transport zwischen Wald und Wohnort beschwerlich ist
und zudem, namentlich bei Nichtlandwirten, die Platzverhältnisse zu
Hause für die Lagerung des Werkzeugs auch selten gegeben sind,
besteht der Wunsch, dafür eine Waldhütte zu errichten. Die Lagerung
der für die Bewirtschaftung notwendigen Utensilien hat in erster Linie
in einfachen Werkzeugkisten im Wald zu erfolgen. Nach früherer Pra-
xis brauchte es eine minimale Waldfläche von 2 ha für die Bewilligung
einer Forsthütte. Dabei war die Grösse der Waldhütte ausschliesslich
auf die Lagerbedürfnisse der Werkzeuge auszurichten. Vielleicht wäre
die Forsthütte im Umfang der nichtigen Baubewilligung vom 8. Februar
1974 bewilligungsfähig gewesen. Jedoch wäre eine Bewilligung im
Umfang der heutigen Forsthütte nicht möglich gewesen. Der Aus-
baustandard der strittigen Forsthütte geht bei weitem über die Lager-
bedürfnisse von Werkzeugen hinaus. Es zeigt sich, dass für die
Forsthütte im heutigen Umfang – selbst wenn sie tatsächlich bereits
im Jahr 1976 fertiggestellt worden wäre – keine nachträgliche Baube-
willigung gemäss Art. 20 aGSchG erteilt werden kann.
5.4 Am 1. Januar 1980 trat das RPG in Kraft. Gemäss Art. 22 Abs. 2
RPG setzt die Erteilung einer Baubewilligung voraus, dass Bauten und
Anlagen dem Zweck der Nutzungszone entsprechen und das Land er-
schlossen ist. Gemäss Art. 21 Abs. 1 BauG waren im übrigen Gemein-
degebiet weiterhin nur Bauten zulässig, die der land- und forstwirt-
schaftlichen oder gartenbaulichen Nutzung dienten. Auch wenn die
Forsthütte tatsächlich forstlich genutzt worden wäre, so wäre auch un-
ter dem neu eingeführten RPG eine ordentliche Baubewilligung nicht
möglich gewesen. Denn die Forsthütte geht in ihrem Bestand bei wei-
tem über die Lagerbedürfnisse von Werkzeugen hinaus.
5.5 Am 12. November 1984 wurde der Landwirtschaftszonenplan
erlassen, welcher seine Grundlage im seit dem 1. Januar 1980 gelten-
den RPG findet. Der Landwirtschaftszonenplan teilte das Gemeinde-
gebiet von Z._ unter anderem in Landwirtschaftszone, Wald und
Grünzone ein. Der Grossteil des Grundstücks Nr. 001 wurde als Wald
verzeichnet, wobei die Waldlichtung mit der Forsthütte der Grünzone
zugeteilt worden ist. Gemäss Art. 17 Abs. 1 BauG umfassten Grünzo-
nen Gebiete, die nicht überbaut werden dürfen und der Gliederung des
Siedlungsgebiets, der Erhaltung und Schaffung von Sport-, Park- und
Erholungsanlagen dienen. In der Grünzone sind nur Bauten und Anla-
gen zugelassen, welche dem Zweck der Zone dienen. Dies bedeutet,
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 14/24
dass es sich bei der Forsthütte in ihrem gesamten Umfang seit dem
Jahr 1984 um eine zonenwidrige Baute handelt und daher eine ordent-
liche nachträgliche Baubewilligung im Rahmen von Art. 22 RPG nicht
möglich ist.
5.6 Unabhängig davon, ob die Forsthütte in ihrem heutigen Bestand
in den späten Siebzigerjahren oder in den frühen Achtzigerjahren fer-
tiggestellt worden ist; die Erteilung einer ordentlichen Baubewilligung
wäre weder unter dem aGschG noch unter dem RPG möglich gewe-
sen. Zu prüfen bleibt, ob für die Forsthütte eine Ausnahmebewilligung
erteilt werden könnte.
5.7 Nach Art. 24 RPG können nicht zonenkonforme Bauten aus-
serhalb der Bauzonen ausnahmsweise bewilligt werden, wenn der
Zweck einen Standort ausserhalb der Bauzone erfordert (so genannte
Standortgebundenheit; Art. 24 Bst. a RPG) und wenn dem Bauvorha-
ben keine überwiegenden Interessen entgegenstehen (Art. 24 Bst. b
RPG). Der Wortlaut von Art. 24 RPG entspricht inhaltlich der seit 1. Juli
1972 geltenden Rechtslage bezüglich standortgebundenen Bauten
und Anlagen ausserhalb Baugebiet.
5.8 Es ist nicht ersichtlich, warum die Forsthütte in ihrem heutigen
Umfang auf einen Standort innerhalb der Grünzone angewiesen wäre.
Für eine allfällige forstliche Nutzung ist die Forsthütte ohnehin zu gross
dimensioniert. Der Ausbaustandard sowie die damit einhergehende
Möglichkeit zur Freizeitnutzung steht zudem diametral den öffentlichen
Interessen entgegen. Die Forsthütte befindet sich gemäss der kommu-
nalen Schutzverordnung in einem Biotopverbund, in einem Natur-
schutzgebiet Magerwiese und in einen Lebensraum Kerngebiet. Die
Erteilung einer Ausnahmebewilligung für die Umnutzung der
Forsthütte sowie auch für die bauliche Erweiterung der Forsthütte hat
das AREG in seiner raumplanungsrechtlichen Teilverfügung vom
18. April 2018 daher zu Recht verweigert. Entsprechend hat die Vor-
instanz auch die Einsprache der Rekursgegnerin zu Recht gutgeheis-
sen und stellt die Rekurrentin denn auch kein Begehren um Aufhebung
von Dispositivziffer 2 (Verweigerung der Baubewilligung) des ange-
fochtenen Beschlusses vom 17. September 2018.
5.9 Es bleibt festzuhalten, dass die Forsthütte in ihrem heutigen Be-
stand nicht nur formell rechtwidrig ist. Sie ist auch unter Berücksichti-
gung des früheren wie auch des aktuellen Rechts materiell rechtwidrig.
6.
Es stellt sich somit die Frage der Wiederherstellung des rechtmässi-
gen Zustands.
6.1 Ist die materielle und formelle Rechtswidrigkeit gegeben, be-
steht grundsätzlich ausreichender Anlass zur Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands. Das ergibt sich aus dem Legalitätsprinzip
(B. HEER, St.Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, N 1018,
N 1205). Die Anordnung des Abbruchs bereits erstellter Bauten kann
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 15/24
jedoch nach den allgemeinen Prinzipien des Verfassungs- und Ver-
waltungsrechts ausgeschlossen sein. Dies ist insbesondere der Fall,
wenn die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands unverhält-
nismässig wäre. Überdies können Gründe des Vertrauensschutzes
der Wiederstellung entgegenstehen oder diese kann aufgrund des Zei-
tablaufs verwirkt sein. Das Recht der Baubehörde einen Abbruch zu
verfügen, ist nach der Praxis des Bundesgerichtes grundsätzlich auf
dreissig Jahre nach Erstellung – mithin nach Fertigstellung des bau-
rechtswidrigen Zustands – befristet; diese Verwirkungsfrist gilt auch für
Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzone (Urteil des Bundesge-
richtes 1C_726/2013 vom 24. November 2014 Erw. 4). Die dreissig-
jährige Verwirkungsfrist erfährt allerdings in doppelter Hinsicht eine
Einschränkung. Einerseits kann es sich aus Gründen des Vertrauens-
schutzes unter Umständen rechtfertigen, die Verwirkung des behörd-
lichen Wiederherstellungsanspruchs bereits nach einer kürzeren Zeit-
dauer zu bejahen. So verhält es sich etwa, wenn die Behörden zwar
vor Ablauf der dreissigjährigen Frist einschreiten, aber das rechtswid-
rige Gebäude zuvor über Jahre hinweg duldeten, obschon ihnen die
Gesetzwidrigkeit bekannt war oder sie diese bei Anwendung der ge-
botenen Sorgfalt hätten kennen müssen. Ein Abbruchbefehl würde in
diesem Fall den verfassungsrechtlich gewährleisteten Vertrauens-
schutz (Art. 9 BV) verletzen (BGE 132 II 21 Erw. 6.3; BGE 107 Ia 121
Erw. 1c). Anderseits ist eine Wiederherstellung auch nach dreissig
Jahren noch möglich, wenn sie zum Schutz von Polizeigütern im en-
geren Sinn (Sicherheit und Gesundheit von Personen) erforderlich ist
(BGE 107 Ia 121 Erw. 2). Auch andere zwingende öffentliche Interes-
sen können eine Wiederherstellung unabhängig vom Zeitablauf recht-
fertigen, so erhebliche Beeinträchtigungen der Umwelt, des Ortsbilds
oder der Landschaft (Urteil des Bundesgerichtes 1C_726/2013 vom
24. November 2014 Erw. 4). Nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung beginnt die Verwirkungsfrist erst mit der Fertigstellung des strit-
tigen Gebäuds. Wird die Baute allerdings im Laufe der Zeit laufend
verändert oder erweitert, tritt keine Verwirkung ein. Mit jeder wesentli-
chen Veränderung und Erweiterung wird erneut ein rechtswidriger Zu-
stand geschaffen, der die Verwirkungsfrist auslöst. Hingegen tritt die
Verwirkung grundsätzlich ein, wenn die Grösse, die Funktion und auch
die Raumeinteilung während des Laufs der dreissigjährigen Verwir-
kungsfrist weitgehend unverändert bleibt (BGE 136 II 359 Erw. 8.3).
6.2 Der genaue Fertigstellungszeitpunkt der Forsthütte ist nicht be-
kannt. Die Forsthütte ist im Schätzungskataster aus dem Jahr 1977
vermerkt. Aus den alten Orthofotos (einsehbar unter:
https://www.swisstopo.admin.ch) ist ersichtlich, dass die Forsthütte
mindestens seit dem Jahr 1978 in ihren Grunddimensionen besteht.
Aus den Vorakten geht weiter hervor, dass sich die Strassenkoopera-
tion G._strasse bereits im Jahr 1984 darüber beschwert hat, dass
der Rechtsvorgänger der Rekurrentin die Forsthütte ohne Bewilligung
mit einem Anbau, einer Garage, einer Toilette und einer Jauchegrube
erweitert hat. Die Vorwürfe der Strassenkooperation G._strasse ha-
ben sich anlässlich des Augenscheins vom 13. Januar 1989 in Bezug
auf die baulichen Erweiterungen bestätigt. Das Amt für Umweltschutz
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 16/24
fertigte in der Aktennotiz zum Augenschein eine Skizze an, in welcher
die Toilette wie auch die Garage im Untergeschoss vermerkt ist. Auch
wenn das Amt für Umweltschutz die baulichen Abweichungen von der
Baubewilligung vom 8. Februar 1974 sowie die fehlende Zustimmung
in der Folge nicht gerügt hat, besteht zumindest Gewissheit, dass die
Forsthütte wie auch die baulichen Erweiterungen weitgehend seit
mehr als dreissig Jahren Bestand haben. Der Anordnung des Ab-
bruchs steht somit grundsätzlich der Ablauf der dreissigjährigen Ver-
wirkungsfrist entgegen.
6.3 Zu beurteilen ist auch die Art der Nutzung, welche aufgrund der
Verwirkungsfrist ebenfalls nicht beschränkt werden darf. Im Vorder-
grund steht dabei die forstliche Nutzung, zumal die nichtige Baubewil-
ligung vom 8. Februar 1974 die Nutzung ausdrücklich auf forstliche
Zwecke beschränkt hat. Es gibt sodann auch keine Anhaltspunkte,
dass ein Anspruch auf eine weitergehende Nutzung bestünde. Dies
wird von der Rekurrentin auch nicht behauptet, führt sie doch selbst
aus, dass ihr klar sei, dass sich die Nutzung im Rahmen der bewilligten
forstlichen Nutzung bewegen müsse.
6.4 Die dreissigjährige Verwirkungsfrist des behördlichen An-
spruchs auf Beseitigung des rechtswidrigen Zustands ist hinsichtlich
des Bestands der Forsthütte wie auch der forstlichen Nutzung verstri-
chen. Die Vorinstanz bringt vor, dass sich die bösgläubige Rekurrentin
nicht auf den Ablauf der Verwirkungsfrist berufen könne. Denn die Ver-
wirkung des Anspruchs auf Beseitigung des rechtswidrigen Zustands
baue auf dem Grundsatz des Vertrauensschutzes auf. Der Rechtsvor-
gänger der Rekurrentin wie auch die Rekurrentin hätten den rechts-
widrigen Zustand über Jahre aktiv verheimlicht und die Forsthütte wi-
derrechtlich genutzt. Somit könne sich die bösgläubige Rekurrentin
auch nicht auf den Vertrauensschutz berufen.
6.4.1 Die grundsätzlich nach dreissig Jahren eintretende Verwirkung
der Befugnis der Behörden, den Abbruch einer rechtswidrigen Baute
zu verlangen, setzt den guten Glauben des Betroffenen nicht voraus.
Jedoch ist auch der Private im Verkehr mit den Behörden an den
Grundsatz von Treu und Glauben gebunden (Art. 5 Abs. 3 BV). Damit
in Zusammenhang steht der in Art. 2 Abs. 2 des eidgenössischen Zi-
vilgesetzbuches (SR 210; abgekürzt ZGB) verankerte, für die gesamte
Rechtsordnung geltende Grundsatz, dass der offenbare Missbrauch
eines Rechts keinen Rechtsschutz verdient. Rechtsmissbrauch liegt
unter anderem dann vor, wenn ein Rechtsinstitut zweckwidrig zur Ver-
wirklichung von Interessen verwendet wird, die dieses Rechtsinstitut
nicht schützen will. In Bezug auf die Einrede der Verjährung einer For-
derung hat das Bundesgericht festgehalten, dass die Einrede rechts-
missbräuchlich ist, wenn der Schuldner mit seinem Verhalten den
Gläubiger dazu bewogen hat, während der Verjährungsfrist rechtliche
Schritte zu unterlassen, und die Säumnis deshalb verständlich ist. Ein
arglistiges Verhalten ist dabei nicht erforderlich (Urteil des Bundesge-
richtes 1C_478/2011 vom 9. Februar 2012 Erw. 2.5).
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 17/24
6.4.2 Der Einwand der Bösgläubigkeit steht der Verwirkung nicht ent-
gegen, da die Verwirkung den guten Glauben ohnehin nicht voraus-
setzt. Die Berufung der Rekurrentin auf die Verwirkungsfrist erscheint
sodann auch nicht rechtsmissbräuchlich. Zwar ist der Rechtsvorgän-
ger der Rekurrentin in Bezug auf die baulichen Erweiterungen bewusst
von der Baubewilligung abgewichen. Jedoch hatte die zuständige kan-
tonale Behörde spätestens seit dem Jahr 1989 Kenntnis von den bau-
lichen Abweichungen.
6.5 Aufgrund dessen, dass die dreissigjährige Verwirkungsfrist ver-
strichen ist, darf der Abbruch somit grundsätzlich nicht mehr verfügt
werden. Entsprechend dürfte die Forsthütte auch weiterhin für forstli-
che Zwecke genutzt werden. Zu prüfen bleibt, ob der Abbruch oder
eine Nutzungsbeschränkung zum Schutz von Polizeigütern oder an-
deren zwingenden öffentlichen Interessen dennoch angezeigt ist. Die
Vorinstanz, das AREG und auch das ANJF befürworten den Abbruch
der Forsthütte. Zusammengefasst bringen sie vor, dass die Forsthütte
zu Freizeitzwecken genutzt werde und dies den Schutzzielen von
Schutzverordnung, Richtplan und Waldentwicklungsplan widerspre-
che. Die Rekursgegnerin verlangt lediglich den Rückbau der nachträg-
lich und unrechtmässig vorgenommenen baulichen Massnahmen. Die
Rekurrentin bestreitet dagegen, dass die Forsthütte zu Freizeitzwe-
cken genutzt werde. Sodann könne im vorliegenden Fall keine Rede
davon sein, dass der Schutz von Polizeigütern den Abbruch der
Forsthütte rechtfertigen würde.
6.5.1 Eine Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands ist auch
nach dreissig Jahren noch möglich, wenn sie zum Schutz von Polizei-
gütern im engeren Sinn (Sicherheit und Gesundheit von Personen) er-
forderlich ist. Auch andere zwingende öffentliche Interessen können
eine Wiederherstellung unabhängig vom Zeitablauf rechtfertigen, so
erhebliche Beeinträchtigungen der Umwelt, des Ortsbilds oder der
Landschaft (Urteil des Bundesgerichtes 1C_726/2013 vom 24. No-
vember 2014 Erw. 4). Wie bereits ausgeführt, befindet sich die
Forsthütte gemäss kommunaler Schutzverordnung im Lebensraum-
Kerngebiet, in einem sog. Biotopverbund sowie einem Naturschutzge-
biet (Magerwiese). Die Lebensräume-Kerngebiet gelten als Schutzge-
genstände nach Art. 98 Abs. 1 Bst. d BauG bzw. Art. 115 Abs. 1 Bst.
e PBG. Sie sind in ihrer Unberührtheit zu erhalten. Tätigkeiten, die den
Schutzgegenstand beseitigen oder beeinträchtigen, sind nicht zulässig
(Art. 6 SchutzV). Ein Biotopverbund fasst einzelne Naturschutzge-
biete, welche zueinander in enger Beziehung stehen, zusammen. Be-
zweckt wird die Erhaltung und Wiederherstellung des Artenreichtums
von Fauna und Flora (Art. 10 SchutzV). In den bezeichneten Gebieten
sind alle Tätigkeiten und Massnahmen zu unterlassen, die eine Ge-
fährdung der Gebiete mit sich bringen (Art. 11 SchutzV). Naturschutz-
gebiete sind klar abgrenzbare, kleinflächige Lebensstätten von arten-
reichen Pflanzen- und Tiergesellschaften, die einen umfassenden
Schutz erfordern (Art. 13 SchutzV). Gemäss kantonalem Richtplan
liegt die Forsthütte ebenfalls im Lebensraum-Kerngebiet. In den Kern-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 18/24
gebieten sind die Unberührtheit und der naturschutzähnliche Charak-
ter zu bewahren. Freizeitaktivitäten sind nur zulässig, wenn nachge-
wiesen ist, dass sie keine schädigenden Auswirkungen haben. Des
Weiteren befindet sich das Grundstück im Waldentwicklungsplan.
Nach dem WEP Plan 1 (Wald mit Vorrangfunktionen) befindet sich das
Grundstück in einem Wald mit Vorrangfunktion "Schutz vor Naturge-
fahren". Nach dem WEP Plan 2 (Wald und Objekte mit spezieller Funk-
tion) befindet sich das Grundstück im Gebiet Y._. Demnach zeich-
net sich das Waldgebiet durch das Vorkommen lichter Waldstrukturen,
wertvoller Auen und Nassstandorte und bedrohter Tagfalter aus. Eng
verzahnte unterschiedliche Waldgesellschaften prägen den Waldcha-
rakter in diesem Gebiet (reichhaltiges Standortmosaik mit hohem Na-
turwert). Als Massnahme ist im Objektblatt festgehalten, dass der Le-
bensraum durch gezielte forstliche Nutzung aufzuwerten ist.
6.5.2 Die Frage, ob im vorliegenden Fall eine erhebliche Beeinträchti-
gung der Umwelt den Abbruch ungeachtet des zeitlichen Rahmens
rechtfertigt, hängt massgeblich von der Nutzung ab. Wie oben darge-
legt, darf die Forsthütte nur für forstliche Zwecke genutzt werden. Die
forstliche Nutzung stellt sicherlich keine derart erhebliche Beeinträch-
tigung der Umwelt dar, dass ein Abbruch gerechtfertigt wäre. So ist im
bezeichneten Gebiet gemäss Art. 6 SchutzV (Lebensraum-Kernge-
biet) wie gemäss WEP Plan 2 (Wald und Objekte mit spezieller Funk-
tion) die forstliche Nutzung ausdrücklich vorgesehen. Das ANJF hielt
in seiner Stellungnahme vom 24. Januar 2019 fest, dass Eingriffe, wel-
che durch die notwendige Waldbewirtschaftung entstünden, akzeptiert
werden müssten. Solche Störungen kämen in einem Gebiet meist nur
periodisch vor und würden daher über die Jahre gesehen zu keiner
grossen Belastung führen. Eine forstliche Nutzung der bestehenden
Forsthütte würde den öffentlichen Interessen des Umweltschutzes so-
mit sicherlich nicht entgegenstehen.
6.5.3 Fraglich bleibt jedoch, wie mit der Tatsache zu verfahren ist,
dass die Forsthütte zu Freizeitzwecken genutzt werden kann und auch
genutzt worden ist. Zwar bestreitet die Rekurrentin die Freizeitnut-
zung, eine solche kann aber nicht von der Hand gewiesen werden.
Während mehreren Jahren war die Forsthütte an eine Jagdgesell-
schaft vermietet. Sodann ergibt sich aus den Fotos zu den Augen-
scheinen in den Jahren 2013 und 2017, dass die Forsthütte dem län-
geren Aufenthalt von Personen gedient haben muss. Feuerschalen,
Beleuchtungsanlagen, Festbänke, Stromgenerator, Heizlüfter und
Gasherd dienen primär dazu, den Aufenthalt angenehm zu gestalten.
Für die forstliche Nutzung ist dieser Ausstattungsstandard jedenfalls
nicht notwendig. Das ANJF stellte zudem zu Recht fest, dass die Fest-
bänke und reichlichen Platzverhältnisse um das Haus herum darauf
schliessen lassen, dass die Forsthütte von grösseren Personengrup-
pen genutzt wird. Dies wird auch dadurch bestätigt, dass der Vorplatz
in den letzten Jahren – gemäss den Fotos zu den Augenscheinen zwi-
schen den Jahren 2013 und 2017 – zusätzlich mit Kies befestigt wor-
den ist. Anzumerken ist, dass auch hierfür kein Baugesuch eingereicht
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 19/24
worden ist. Insgesamt muss davon ausgegangen werden, dass die
Forsthütte – zumindest auch – zu Freizeitzwecken genutzt wird.
6.5.4 Die regelmässige Nutzung zu Freizeitzwecken würde den
Schutzzielen diametral entgegenstehen. Gemäss Art. 6 SchutzV ist im
Lebensraum-Kerngebiet ausschliesslich die land- und forstwirtschaft-
liche Nutzung sowie Jagd und Fischerei zulässig. Die Freizeitnutzung
ist ebenfalls nicht mit den Schutzzielen gemäss Art. 11 SchutzV zu
vereinbaren. Demnach sind im Biotopverbund alle Tätigkeiten und
Massnahmen zu unterlassen, die eine Gefährdung dieser Gebiete mit
sich bringen. Weiter untersagt Art. 14 SchutzV (Naturschutzgebiet Ma-
gerwiese) ausdrücklich die Nutzung zu Erholungs- und Freizeitzwe-
cken, wie Lagern, Zelten, Campieren und das Anfachen von Feuer.
Entsprechend erachtete das ANJF, die mit einem Ferienhaus verbun-
denen Störungen als unnötig und im vorliegenden Fall als besonders
gravierend. Ohne die Baute wäre das Gebiet sehr ruhig und ohne nen-
nenswerte Störungen.
Würde die Forsthütte weiterhin – zumindest auch – für Freizeitzwecke
genutzt werden, so würde dies zu einer erheblichen Beeinträchtigung
der Umwelt führen.
6.5.5 Der komplette Abbruch der Forsthütte wäre sicherlich eine ge-
eignete Massnahme, um dem gewichtigen öffentlichen Interesse des
Umweltschutzes Rechnung zu tragen.
6.6 Die Rekurrentin bringt vor, dass der gänzliche Abbruch der
Forsthütte gegen den Grundsatz der Verhältnismässigkeit verstosse.
Die Vorinstanz stellt sich dagegen auf den Standpunkt, dass aufgrund
der Missbrauchsgefahr der Abbruch erforderlich sei. Der Rechtsvor-
gänger der Rekurrentin habe mit seinem Vorgehen auch das Risiko in
Kauf genommen, die einheitlich konstruierte Baute bei Bekanntwerden
der widerrechtlichen Ausbauten als Ganzes beseitigen zu müssen. Die
Rekursgegnerin erachtet den Rückbau der baulichen Massnahmen als
verhältnismässig, da die öffentlichen Interessen am Umweltschutz die
privaten Interessen der Rekurrentin überwiegen würden.
6.6.1 Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit fordert, dass die Ver-
waltungsmassnahmen zur Verwirklichung des im öffentlichen Inte-
resse liegenden Ziels geeignet und notwendig sind. Ausserdem muss
der angestrebte Zweck in einem vernünftigen Verhältnis zu den Belas-
tungen stehen, die dem Privaten auferlegt werden. Das Element der
Geeignetheit dient der Prüfung der Präzision staatlichen Handelns.
Ungeeignet ist die Massnahme dann, wenn sie am Ziel vorbeischiesst,
d.h. keinerlei Wirkungen im Hinblick auf den angestrebten Zweck ent-
faltet. Die Verwaltungsmassnahme muss im Hinblick auf das im öffent-
lichen Interesse angestrebte Ziel sodann erforderlich sein; sie hat zu
unterbleiben, wenn eine gleich geeignete, aber mildere Massnahme
für den angestrebten Erfolg ausreichen würde. Das Element der Erfor-
derlichkeit dient der Prüfung der Intensität staatlichen Handelns. Die
Massnahme darf in sachlicher, räumlicher, zeitlicher und personeller
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 20/24
Hinsicht nicht über das Notwendige hinausgehen. Schliesslich muss
sich die geeignete und erforderliche Massnahme als zumutbar erwei-
sen. Die Massnahme muss durch ein das private Interesse überwie-
gendes öffentliches Interesse gerechtfertigt sein. Nur in diesem Fall ist
sie dem Privaten zumutbar. Für die Interessenabwägung massgeblich
sind also einerseits die Bedeutung der verfolgten öffentlichen Interes-
sen und anderseits das Gewicht der betroffenen privaten Interessen.
Eine Massnahme, an der nur ein geringes öffentliches Interesse be-
steht, die aber tiefgreifende Auswirkungen auf die Rechtsstellung der
betroffenen Privaten hat, soll unterbleiben (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl., Zürich/St.Gallen 2016,
Rz. 514 ff. mit weiteren Hinweisen).
6.6.2 Die von der Vorinstanz verfügte Wiederherstellung des recht-
mässigen Zustands – sprich der Abbruch der Forsthütte und die Re-
naturierung des Gebiets – ist sicherlich geeignet, um die Freizeitnut-
zung zu verhindern und so den Schutzzielen aus SchutzV, WEP und
Richtplan Rechnung zu tragen.
6.6.3 Fraglich ist, ob mit einer ebenfalls geeigneten, aber milderen
Massnahme die Freizeitnutzung verhindert werden kann. Der Verzicht
auf den Abbruch unter der Auflage, dass die Forsthütte nur für forstli-
che Zwecke genutzt werden dürfe, ist offensichtlich ungeeignet. Denn
diese Auflage war schon in der Baubewilligung aus dem Jahr 1974
vorgesehen und dennoch hat sich die Rekurrentin mit einer gewissen
Regelmässigkeit darüber hinweggesetzt. Selbst wenn die Auflage im
Fall einer Widerhandlung mit der Androhung einer Busse verbunden
wird, ist nicht gewährleistet, dass die Auflage eingehalten wird. Denn
die Überwachung der Einhaltung der Auflage ist mit unverhältnismäs-
sigem Aufwand verbunden. Entsprechend sind weitergehende Mass-
nahmen zu prüfen.
6.6.4 Die Gefahr der freizeitlichen Nutzung besteht insbesondere auf-
grund des Ausbau- und des Erschliessungsstandards. Als weiterge-
hende Massnahme wäre ein teilweiser Rückbau zu prüfen. Ein solcher
ist jedoch nicht möglich, denn eine Forsthütte im eigentlichen Sinn –
nämlich ein Ort zur Lagerung von Waldwerkzeug – besteht gar nicht
mehr. Anstatt eines Rückbaus müssten bauliche Massnahmen ange-
ordnet werden, damit die Forsthütte nicht mehr als Freizeithäuschen
genutzt werden kann. Mögliche bauliche Massnahmen wie z.B. Ver-
siegelung/Plombierung der Toilette, Entfernen der verbauten Stromlei-
tungen oder ein Zumauern des Cheminées würden die freizeitliche
Nutzung zwar erschweren, jedoch nicht verhindern. Sodann könnten
die baulichen Massnahmen unbemerkt wieder rückgängig gemacht
werden. Zum einen befindet sich die Forsthütte in einem abgelegenen
Gebiet, zum anderen betreffen die möglichen baulichen Massnahmen
das Innere der Forsthütte. Hinzu kommt, dass die Forsthütte durch
eine Gemeindestrasse 3. Klasse erschlossen ist und somit mit dem
Auto gut und bequem erreicht werden kann. Die für die Freizeitnutzung
benötigten Gerätschaften wie Feuerschalen, Beleuchtungsanlagen,
Festbänke, Stromgenerator, Heizlüfter und Gasherd können daher
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 21/24
ohne weiteres für einzelne Anlässe herangeschafft werden. Aufgrund
der guten Erschliessungsstrasse ist die Forsthütte auch für eine
grosse Anzahl von Personen gut erreichbar und es besteht genügend
Platz um Fahrzeuge abzustellen. Nicht umsonst hat die Rekurrentin
den Platz vor der Hütte in den letzten Jahren – gemäss den Fotos zu
den Augenscheinen zwischen den Jahren 2013 und 2017 – zusätzlich
mit Kies befestigt. Vor diesem Hintergrund zeigt sich, dass ein teilwei-
ser Rückbau bzw. anderweitige bauliche Massnahmen nicht geeignet
sind die Freizeitnutzung zu verhindern. Der Abbruch der Forsthütte
bleibt somit die einzig geeignete Massnahme.
6.6.5 Der Abbruch erweist sich somit als erforderlich. Entsprechend
ist der Abbruch als einzige geeignete Massnahme auf seine Zumut-
barkeit hin zu überprüfen. Dabei ist das öffentliche Interesse gegen
das private Interesse abzuwägen. Das öffentliche Interesse am Um-
weltschutz – und damit am Abbruch der Forsthütte – ist hoch zu ge-
wichten. Zum einen verstösst die Forsthütte gegen den wichtigen
raumplanerischen Grundsatz der Trennung von Baugebiet und Nicht-
baugebiet. Zudem anderen befindet sich die Forsthütte in einem öko-
logisch äusserst sensiblen Gebiet. Ohne die Baute wäre das Gebiet
sehr ruhig und ohne nennenswerte Störungen für die Lebensräume
von Pflanzen und Tieren. Da die Rekurrentin die Forsthütte aus-
schliesslich für forstliche Zwecke nutzen könnte, fällt das private Inte-
resse dagegen gering aus. Zum einen führt die Rekurrentin in keiner
Art und Weise aus, inwiefern sie die Hütte für forstliche Zwecke –
sprich zur Lagerung von Werkzeug – überhaupt benötigt. Zum ande-
ren entsteht aufgrund des hohen Ausbaustandards der Forsthütte wie
auch der Umgebung (Festbänke, Feuerschalen und so weiter) der Ein-
druck, dass die Baute höchstens marginal für die Fortbewirtschaftung
genutzt worden ist. Angesichts einer Waldfläche von 3,8 ha entsteht
auch nicht ein so hoher Arbeitsaufwand, als dass eine derart grosse
und gut ausgebaute Forsthütte benötigt wäre. Entsprechend ist ge-
mäss der St.Galler Praxis unter einer Waldfläche von 5 ha auch keine
Forsthütte notwendig (AREG, Vollzugshandbuch Bauen ausserhalb
Bauzonen, S. 152).
6.7 Das öffentliche Interesse am Umweltschutz und damit am Ab-
bruch der Forsthütte überwiegt das private Interesse der Rekurrentin
deutlich. Zudem sind der Abbruch und die Renaturierung der Freiflä-
che in finanzieller wie auch technischer Hinsicht ohne Weiteres zumut-
bar. Die von der Vorinstanz verfügte Wiederherstellung des rechtmäs-
sigen Zustands erweist sich somit als rechtmässig; der Rekurs ist dies-
bezüglich abzuweisen.
7.
Die Rekurrentin hat schliesslich noch die ihr auferlegte Entscheidge-
bühr von Fr. 1'000.– angefochten.
7.1 Nach Art. 94 Abs. 1 VRP hat die vorgeschriebene Gebühr zu
bezahlen, wer eine Amtshandlung zum eigenen Vorteil oder durch sein
Verhalten veranlasst. Er kann überdies zum Ersatz der Barauslagen
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 22/24
der Behörde verpflichtet werden. Von den Kosten eines Gesuchsver-
fahrens sind die Kosten für ein Einspracheverfahren zu unterscheiden.
Das Einspracheverfahren dient der institutionalisierten Ausübung des
rechtlichen Gehörs. Damit ist es verfassungsmässig geboten, das
rechtliche Gehör frei von Kostenrisiken zu garantieren (R. HIRT, Die
Regelung der Kosten nach st.gallischem Verwaltungsrechtspflegege-
setz, Lachen/St.Gallen 2004, S. 37). In BGE 143 II 467 Erw. 2.5 f. hat
das Bundesgericht darüber hinaus entschieden, dass Kosten des Ein-
spracheverfahrens dem Einsprecher grundsätzlich auch im Baubewil-
ligungsverfahren nicht auferlegt werden dürfen. Es ist vielmehr am
Baugesuchsteller als Verursacher des Verwaltungsakts, sämtliche
Kosten, das heisst auch jene des Einspracheverfahrens, zu überneh-
men. Dem Einsprecher können sie nur auferlegt werden, wenn er die
Verfahrensregeln verletzt hat oder wenn eine Einsprache mutwilligen
Charakter hat.
7.2 Die Rekurrentin führt mit keinem Wort aus, warum die Auferle-
gung der Entscheid- und Einsprachegebühr nicht gerechtfertigt sein
soll. Dies ist auch nicht ersichtlich, zumal die Rekurrentin ein Bauge-
such für die baulichen Erweiterungen sowie die Umnutzung gestellt
hat. Die Einsprecherin und heutige Rekursgegnerin hat auch weder
Verfahrensregeln verletzt noch die Einsprache mutwillig erhoben. So-
dann bewegt sich die von der Vorinstanz erhobene Gebühr im üblichen
Rahmen (vgl. Ziff. 50.24.02 des Gebührentarifs für die Kantons- und
Gemeindeverwaltung [sGS 821.5; abgekürzt GebT]). Die Rüge erweist
sich als unbegründet.
8.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Baubewilligung vom 8. Feb-
ruar 1974 nichtig ist. Obwohl der behördliche Anspruch auf Wiederher-
stellungsmassnahmen grundsätzlich verwirkt ist, ist der Abbruch zum
Schutz der Umwelt dennoch angezeigt. Der Rekurs ist somit voll um-
fänglich abzuweisen.
9.
9.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'000.– (Nr. 20.13.01 des
Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung,
sGS 821.5). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend haben die
Mitglieder der Rekurrentin die amtlichen Kosten unter solidarischer
Haftung zu bezahlen (Art. 96bis VRP).
9.2 Der am 18. Oktober 2018 geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 1'000.– wird angerechnet.
10.
Rekurrentin und Rekursgegnerin stellen ein Begehren um Ersatz der
ausseramtlichen Kosten.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 23/24
10.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP). Nicht anwaltlich vertretene Verfahrensbeteiligte ha-
ben grundsätzlich mangels eines besonderen Aufwands keinen An-
spruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art. 98ter VRP in Ver-
bindung mit Art. 95 Abs. 3 Bst. c ZPO; vgl. dazu und zum Folgenden:
VerwGE B 2013/178 vom 12. Februar 2014 Erw. 4.3 ff., zusammen-
gefasst in: Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen 2014/I/6).
Dass ihnen gleichwohl ersatzfähige Kosten für Umtriebe erwachsen,
ist ungewöhnlich und bedarf deshalb einer besonderen Begründung.
Eine Umtriebsentschädigung erfolgt somit nur ausnahmsweise, insbe-
sondere wenn es sich um eine komplizierte Sache mit hohem Streit-
wert handelt, wenn der getätigte Aufwand erheblich ist und zwischen
dem betrieblichen Aufwand und dem Ergebnis der Interessenwahrung
ein vernünftiges Verhältnis besteht. Nicht anwaltlich vertretenen Per-
sonen spricht das Baudepartement lediglich eine Umtriebsentschädi-
gung ohne Bezugnahme auf den Anwalts- oder einen anderen Bran-
chentarif zu, und zwar praxisgemäss in der Höhe von Fr. 300.– bis
Fr. 500.– (vgl. auch hierzu VerwGE B 2013/178 vom 12. Februar 2014
Erw. 5, insbesondere Erw. 5.1 mit Hinweisen).
10.2 Die Rekursgegnerin obsiegt mit ihren Anträgen. Sie begründet
ihren Antrag auf Umtriebsentschädigung mit einem nicht unerhebli-
chen Abklärungsaufwand. Mit Blick auf die vorstehende Rechtspre-
chung und Praxis erscheint die ermessensweise Zusprechung einer
Umtriebsentschädigung als gerechtfertigt, handelt es sich vorliegend
doch um eine komplexe Angelegenheit. Im Rekursverfahren fand ein
einfacher Schriftenwechsel statt. Im Übrigen wurde die Rekursgegne-
rin im vorliegenden Verfahren erst nachträglich mit sämtlichen Akten
bedient. Entsprechend ist der Rekursgegnerin zu Lasten der Rekuren-
tin eine Umtriebsentschädigung von Fr. 400.– zuzusprechen.
10.3 Da die Rekurrentin mit ihren Anträgen unterliegt, hat sie von
vornherein keinen Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung.
Ihr Begehren ist deshalb abzuweisen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 10/2020), Seite 24/24