Decision ID: fe35b930-f676-46e4-a222-66c657b8ec0e
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1977, war
seit
Januar 2006 bei der
Y._
GmbH als Hilfsarbeiter in einem
100
%-Pensum angestellt und da
durch bei der Schwei
ze
rischen Unfallver
siche
rungs
anstalt (Suva) gegen die Fol
gen von Un
fäl
len ver
si
chert, als ihm am
6.
Juni 2017 ein Kantholz auf den Hinterkopf, Nacken und beide Schultern fiel und er sich Prellungen zuzog (vgl. Unfallmeldung vom
14.
Juni 2017,
Urk.
6/1). In der Folge war der Versicherte zu 100 % krank
ge
schrieben (
Urk.
6/5) und die Suva erbrachte die gesetzlichen
Leistungen (Heilbe
handlung, Taggeld; Urk.
6/2). Aufgrund einer schmerz
haften Funktions
störung rechts bei Subluxation
Biceps
longus
, partiell vernarbter SLAP-Läsion und voll
ständiger
Supraspinatussehnenruptur
erfolgte am 9. No
vem
ber 2017 eine Arthros
kopie durch
Dr.
med. Z._
, Orthopädische Chirurgie FMH (vgl. Opera
tionsbericht vom
9.
November
2017,
Urk.
6/16). Sodann wurde bei Vor
lie
gen einer SLAP III-Läsion die linke Schulter
am 2
3.
Oktober 2018
(vgl. Opera
tions
bericht vom 2
3.
Oktober
2018,
Urk.
6/76)
und nach einer neu auf
ge
tretenen
Supraspinatussehnenruptur
am 4. Februar
2019 (vgl. Operations
bericht vom 5. Fe
bruar 2019,
Urk.
6/113) opera
tiv versorgt
.
Gestützt auf die
Beurteilung des beratenden Arztes
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
vom
1.
Oktober 2019, wonach dem Versicherten die angestammte schwere Tätigkeit als Hilfsarbeiter auf dem Bau nicht mehr zumutbar sei, er in einer leidensangepassten Tätigkeit und unter Berücksichtigung des Belastungsprofils jedoch zu 100 % arbeitsfähig sei, und aus
gehend davon, dass durch weitere Heilbehandlungen keine namhafte Bes
se
rung mehr zu erwarten sei (Urk. 6/152), stellte die SUVA
die Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen per 30. November 2019 ein
(vgl. Schrei
ben vom
3.
Oktober 2019
, Urk. 6/157
) und sprach dem
Versicherten mit Verfügung vom
7.
Februar 2020
ab
1. Januar 2020
gestützt a
uf eine Erwerbs
unfähig
keit von 19 %
eine Rente
zu. Sodann sprach sie dem Versicherten gestützt auf eine Integritäts
ein
busse von 10
%
eine Integritätsentschädigung
in der Höhe von Fr. 14'820.-- zu (Urk. 6/190).
Die dagegen erhobene Ein
spra
che vom
19. Fe
bru
ar 2020
(Urk.
6/203
),
wurde mit
Ein
sprache
entscheid
vom 1
8.
Februar 2021 ab
ge
wie
sen (Urk. 6/35 = Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
8.
Februar 2021 (Urk. 2) erhob der Ver
si
cherte mit Eingabe vom
8.
März 2021 Beschwerde (Urk. 1) und be
antragte, der ange
foch
te
ne
Einspracheentscheid
vom 1
8.
Februar 2021 sei aufzuheben und die Beschwerde
gegnerin sei zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen auszu
richten, insbesondere eine Invalidenrente von 33
%
.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 20. April 2021 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5, unter Beilage der Akten [Urk. 6/1
243]), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
7.
April 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch bei den im Einzelnen in Abs. 2 auf
geführten Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leis
tungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teil
weise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird
sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie An
spruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordent
lichen Rentenalters ereignet hat (
Art.
18 Abs. 1 UVG). Der Rentenanspruch ent
steht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Bes
serung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Ein
glie
de
rungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Ren
ten
beginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Zur Bestimmung des Invalidi
tätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der (unfallbedingten) Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworde
n wäre (sog.
Valideneinkommen
).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid vom 1
8.
Februar 2021 (Urk. 2) sowie in ihrer Be
schwerdeantwort vom 20. April 2021 (Urk. 5) ging die Beschwerde
gegnerin ge
stützt auf die medizinischen Abklärungen davon aus, dass dem Beschwerdeführer eine leidensangepasste Tätigkeit unter Berücksichtigung des Belastungsprofils vollzeitig zumutbar sei. Im Rah
men des Einkommensvergleichs seien die Bonus
zahlungen für die Ermittlung des
Valideneinkommens
zu Recht nicht berücksich
tigt worden, bestehe darauf doch kein Rechtsanspruch. Dies gehe auch aus den Angaben der Arbeitgeberin hervor, wonach solche Zahlungen nur bei ent
spre
chen
der Leistung erfolgen würden und nicht alljährlich erwartet werden könnten. Mithin könnten diese für die Ermittlung des
Valideneinkommens
nicht als über
wiegend wahrscheinlich angenommen werden.
Im Übrigen erweise sich das an
genommene
Valideneinkommen
von Fr. 84'500.-- angesichts der Erwerbs
bio
gra
phie des Beschwerdeführers als gerechtfertigt. Gegen das ge
stützt auf die Tabellenlöhne (LSE 2018, TA 1 Männer, Kompetenzniveau 1) er
rechnete In
va
lideneinkommen von Fr. 68'377.-- sei nichts einzuwenden und der er
rechnete Invaliditätsgrad von 19 % sei nicht zu beanstanden.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 8. März 2021 (Urk. 1) zusammengefasst geltend, es sei überwiegend wahrscheinlich, dass er im massgebenden Jahr (2020) ebenfalls einen Bonus erhalten hätte. Denn der Bonus sei «bei guter Leistung» erbracht worden, und er habe in der Vergangenheit immer gute Leistungen erbracht; deswegen sei ihm auch jedes Jahr ein Bonus
ausbezahlt worden. Für die Ermittlung des
Valideneinkommens
sei vom letzt
maligen Lohn auszugehen. Mithin sei ein Bonus von Fr. 6'375.65 anzu
neh
men und das
Valideneinkommen
auf Fr. 90'875.60 festzusetzen. Eventuell sei der Durchschnitt der letzten drei ausbezahlten Boni anzunehmen und das
Vali
den
einkommen
auf Fr. 88'825.60 anzusetzen. Betreffend das Inva
li
den
ein
kommen sei zu berücksichtigen, dass die Löhne von Personen mit gesundheitlichen Ein
schränkungen zwischen 10 bis 15
%
tiefer seien als die Löhne gemäss LSE. Des
halb sei vom Invalideneinkommen gemäss LSE ein Abzug von mindestens 10 % vorzunehmen, zumal kein Leidensabzug vorgenommen worden sei.
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente der Unfallversicherung hat. Dabei gehen die Parteien übereinstimmend davon aus, dass der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit seit dem
6.
Juni 2017 zu 100
%
arbeitsunfähig und hinsichtlich einer optimal angepassten Ver
weis
tätigkeit unter Berücksichtigung des Belastungsprofils - mittelschwere Tätig
keiten bis Schulterhöhe ohne Tätigkeiten auf Leitern und Gerüsten und ohne Tätigkeiten, welche das Bedienen von rüttelnden, schlagenden oder vibrierenden Maschinen verlangen –
seit Januar 2020
zu 100
%
arbeitsfähig ist (vgl.
Urk.
1,
Urk.
2,
Urk.
6/190,
Urk.
6/203
).
3.2
Vorab festzuhalten ist ausserdem, dass die mit Verfügung vom
7. Februar 2020
zugesprochene I
ntegritätsentschädigung (
Urk.
6
/
190
)
einspracheweise
unan
ge
fochten verblieb (
Urk. 6/203
) und damit in Rechtskraft erwuchs bzw. nicht Be
stand
teil des Anfechtungsgegenstandes ist (
BGE 119 V 347
). Soweit der Beschwer
de
führer im vorliegenden Beschwerdefahren in pauschaler Weise die Aus
rich
tung
der «gesetzlichen Leistungen» beantragt, liegt sein Rechtsbegehren
insofern
ausse
r
halb des Anfechtungsgegenstandes und
es
ist diesbezüglich auf die Be
schwerde nicht einzutreten
, wobei festzuhalten ist, dass er in der Beschwerde
begründung die zugesprochene Integritätsentschädigung nicht monierte
.
4.
4.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
ein
kommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lich
keit als Gesunde tatsächlich verdient hätte.
Dabei wird in der Regel am zuletzt
erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Bei der Be
stimmung dieses zuletzt erzielten Einkommens sind sämtliche Erwerbsein
kom
men
(auch etwa Nebeneinkünfte oder regelmässig geleistete Überstunden), für welche eine AHV-Beitragspflicht besteht, zu berücksichtigen
(
vgl. Urteil
des Bun
des
gerichtes 8C_430/20
10 vom 2
8.
September 2010 E.5.1;
Kieser
, ATSG-Kom
mentar,
4.
Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020
,
Art.
16
Rz
.
51
)
.
4.2
Unbestritten ist, dass bei der Ermittlung des
Valideneinkommens
vom Einkom
men auszugehen ist,
das
der Beschwerdeführer bei der
Y._
GmbH
zuletzt erzielte. Gemäss den Angaben der
Y._
GmbH
in der Unfallmeldung vom 14. Juni 2017 hat
er im Jahr
2017
ein monatliches Einkommen von
Fr.
6
‘
5
00.-- (x 13) erzielt (
Urk.
6/1
). Aus den Lohnabrechnungen der
Y._
GmbH der Jahre 2016 und 2017
geht hervor, dass ihm ein Bonus von Fr
. 6'375.65 (Fr. 2'239.25 [April 2016], Fr. 4'136.40 [August 2016]) respektive von Fr. 1'046.-- (März 2017)
ausgerichtet wurde (
Urk.
6/172
).
Der Lohnausweis 2015 weist schliesslich einen Bonus von Fr. 3'241.-- aus (
Urk.
6/210/6) und laut Angaben des Be
schwer
de
füh
rers
betrug
der Bonus im Jahr 2014 Fr. 3'360.-- (
Urk.
1 S. 4
; vgl. auch Urk. 6/165
). Gemäss Beschwerdeführer wurde die
ser Bonus für gute Leistungen aus
be
zahlt (
Urk.
1 S. 4),
was von der Arbeit
geberin im Schrei
ben vom 1
6.
März 2020 be
stätigt wurde (
Urk.
6/210
/1
)
.
4.3
Mangels einer gesetzlichen Definition des Bonus muss jeweils im Einzelfall geprüft werden, ob ein solcher als Gratifikation im Sinne von
Art.
322d des Obli
ga
tionenrechts (OR) oder als Teil des Lohnes im Sinne von
Art.
322 OR zu quali
fi
zieren ist. Ein Anspruch auf einen Bonus besteht nur dann, wenn er als Lohnbe
stand
teil zu qualifizieren ist (vgl. BGE 136 III 313 E. 2 und Urteil des Bundes
ge
richts 4A_502/2010
vom
1.
Dezember 2010 E. 2.1.2) und eine Anrechnung an das
Valideneinkommen
findet nur statt, wenn sie regelmässig erfolgen (
vgl. RKUV 2000 Nr. U 400 S. 381; Urteil des
Bundesgerichts vom
9.
Mai 2005
U 268/04; SVR 2002 IV Nr. 21 S. 63)
.
4.4
Mit Schreiben vom
1
6.
Oktober 2019
bat die Beschwerdegegnerin die
Y._
GmbH
ihr mitzuteilen, wie viel der Beschwerdeführer bei normaler Weiter
be
schäf
tigung und ohne Unfallfolgen im Jahr 20
20
hätte verdienen können
(Urk. 6/166)
.
Die Arbeitgeberin führte nebst dem Lohn von Fr. 6'500.-- (x 13)
keine
Gratifikationen oder sonstigen Zulagen auf
(
Urk.
6/170) und gab auf dies
bezügliche Nachfrage mit Schreiben vom 1
6.
März 2020 explizit an, dass im Rah
men vorangegangener Abklärungen betreffend hypothetischen Lohn im Gesund
heitsfall kein Hinweis bezüglich Bonuszahlung ge
macht worden sei, da dieser leistungs
abhängig sei (
Urk.
6/210/1). Dementsprechend hat die Arbeitgeberin keine Angaben zum Umfang eines möglichen Bonus für das Jahr 2020 ge
macht (vgl. Urk. 6/210/1). Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausführte, besteht auf eine Gratifikation kein Rechtsanspruch und kann diese nicht jährlich erwartet werden. Sie ist jedoch als Lohnbestandteil zu berücksichtigen, wenn eine solche tatsächlich ausgerichtet wird. Dem Beschwer
de
führer wurde in den Jahren 2014 bis Juni 2017 zusätzlich zum 1
3.
Monatslohn eine Gratifikation zwischen Fr. 1'046.-- und
Fr.
6'375.65 (vgl. E. 4.2 hiervor) aus
bezahlt und es liegen keine Anhalts
punkte vor,
dass der Beschwerde
führer in den folgenden Jahren keine Gratifi
ka
tion mehr erhalten hätte
. Somit ist eine durchschnittliche Gratifikation in der Höhe von Fr. 4'006.50 (Fr. 3'360.-- + Fr. 3'241.20 + Fr. 6'375.65 + Fr. 1'046.
-- :
3.5) zu berücksichtigen und das
Valideneinkommen
auf Fr. 88'506.50 festzusetzen.
Dieses liegt somit im Rahmen der Einkommen, welche der Beschwerdeführer in den Jahren 2014 bis 2016 (Fr. 88'060.--, Fr. 88'620.--, Fr. 90'940.--, Urk. 6/165) erzielte.
5.
5.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausge
ge
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu
Art.
28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
5.2
Die Beschwerdegegnerin bemass das Invalideneinkommen gestützt auf das stan
dardisierte monatliche Einkommen von
Fr.
5'
417
.-- für männliche Hilfskräfte ge
mäss LSE 2018
(TOTAL in der Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, Männer), was
grundsätzlich nicht strittig ist.
D
as standardisierte
monatliche Einkommen von
Fr.
5'417
.--
ist
unter Berück
sich
ti
gung der durchschni
ttlichen Arbeitszeit im Jahr 2020
von 41,7 Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirt
schafts
abteilungen, U
4
) sowie der Nominallohnentwicklung (
Indexstand Männer 2018 von 2'260 Punkten, Indexstand Männer 2020 von 2'298 Punkten; Tabelle T39, Entwicklung der Nominallöhne
) auf ein Jahresein
kommen von Fr. 68'
906
.
10
hochzurechnen (
Fr.
5'
4
17
.-- x 12 : 40 x 41,7
: 2'260 x 2'298
).
5.3
Dem Einwand des Beschwerdeführers,
dass ihm im Rahmen der Be
messung des Invalideneinkommens ein
Leidensabzug hätte gewährt werden müssen
, da die Löhne von Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen signi
fikant tiefer seien als die Löhne gemäss der LSE-Tabelle
(
Urk.
1
Ziff.
15 ff.
),
kann
nicht beige
pflichtet werden. Dass der Beschwerdeführer gemäss seinem Zumutbarkeitsprofil auf leichte Tätigkeiten angewiesen ist, recht
fertigt
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich
keinen Abzug vom Tabellenlohn, umfasst doch der Tabellen
lohn im Kom
pe
tenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und
mittel
schwe
ren Tätigkeiten (Urteile des Bundes
gerichts 9C_507/2020 vom 29. Okto
ber 2020 E. 3.3.3.2 mit Hinweisen
,
9C
_833/2017 vom 20. April 2018 E.
5.1 mit Hin
weisen, 8C_805/2016 vom 2
2.
März 2017 E. 3.4.2 unter Hinweis
auf 9C_455/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.4 und 9C_386/2012 vom 18. Sep
tem
ber 2012 E. 5.2).
Weiter wirken sich die Faktoren Alter und Dienstjahre bzw. Be
triebszugehörigkeit rechtsprechungsgemäss im Kompetenzniveau 1 nicht zwin
gend
lohnsenkend aus (Urteil des Bundesgerichts 9C_439/2018 vom 31. Januar 2019 E. 4.3.2 mit Hinweisen).
Hierzu bedürfte es besonder
er Umstände, welche
einen Einschlag beim Invalideneinkommen rechtfertigen würde
, was aber vorlie
gend nicht der Fall ist.
D
ass
die mangelhaften Sprachkenntnisse
oder die unge
nügende Ausbildung
des Beschwerde
führers die Stellensuche faktisch negativ be
einflussen
können
, muss als invaliditäts
fremder Faktor grundsätzlich unberück
sichtigt blei
ben
,
da diesen Aspekten bei der Wahl des Kompetenzniveaus Rech
nung zu tra
gen ist
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_54
9/2019 vom 2
6.
November 2019 E.
7.7
)
, was
vorliegend
mit dem Kompe
tenz
niveau 1
gemacht wurde
.
Unter diesen Umständen ist es nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin keinen Abzug vom Tabellenlohn gewährte.
6.
Der Vergleich des Invalideneinkommens mit dem
Valideneinkommen
ergibt
eine
Erwerbseinbusse
von Fr. 19‘
60
0.4
0 oder einen ge
rundeten Invaliditätsgrad von 22
%.
7.
Zusammenfassend ist die Beschwerde in dem Sinne teilweise gutzuheissen, dass
der
Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung im Umfang von
2
2
%
hat. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen
, soweit darauf einzutreten ist
.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens steht dem anwaltlich vertretenen Be
schwer
deführer gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG und § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) eine Prozessentschädigung zu. Die Ent
schädigung wird vom Gericht nach Ermessen und ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen fest
ge
setzt (§ 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
).
Der Beschwerdeführer obsiegt
in Bezug auf die beantragte
Zusprache
einer Inva
lidenrente, wobei das Überklagen in Bezug auf den Invaliditäts
grad keine Reduk
tion der Parteient
schädigung rechtfertigt, hat es doch den Prozes
saufwand nicht wesentlich beein
flusst (BGE 117 V 401 E. 2c; Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_500/2020 vom 9. Dezember 2020 E. 4.4,
9C_889/2011 vom 8. Februar 2012 E. 7).
Entsprechend ist ihm eine Prozess
ent
schädigung von Fr.
1‘7
00
.-- (inkl. Bar
auslagen und
MWSt
) auszurichten.