Decision ID: be316381-138a-5fa3-a6a7-6ce95c2cab4e
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 19
71
, arbeitete zuletzt
ab
1.
November 2006
bei der
Y._
in
Z._
als
Prod
uktions
mitarbeiterin
(Urk. 9/
3, Urk. 9/9). Am 31. Januar 2012 (Urk. 9/
3
)
meldete sie sich unter Hin
weis auf
Schmerzen in der Halswirbelsäule mit Ausstrahlung in die Arme zum
Bezug von IV-Leistungen an
.
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
,
zog die Akten des
Kranken
taggeld
versicherers
bei und tätigte Abklärungen in er
werb
licher und medizinischer Hinsicht. Am
7.
September 2012 (Urk. 9/20) teilte sie der Versicherten mit, dass ein
Arbeits
platz
erhalt
zurzeit
nicht möglich sei und die
Arbeitsvermittlung abgeschlossen werde.
Nach durchgeführtem
Vor
be
scheid
verfahren
(Urk. 9/27, Urk.
9/31
,
Urk. 9/33) zog die IV-Stelle weitere Akten des
Kranken
taggeld
ver
sicherers
bei
(Urk. 9/35/1-21)
. Am 1
1.
April 2013 (Urk. 9/40) wurde der Versicherte
n
mitgeteilt, dass keine neuen
Be
richte mehr eingefordert würden und
die Verfügung erstellt werde. Ferner wurde ihr Gelegenheit gege
ben, sich dazu zu äussern,
worauf die Versicherte
am 2
9.
April 2013 (Urk. 9/41)
die IV-Stelle bat, noch 30 Tage mit der Entscheidung zuzuwarten.
M
it Verfü
gung vom 1
5
.
Mai
201
3
(Urk. 2)
ver
neinte die IV-Stelle
einen
Anspruch der Versicherten auf eine Rente der In
validen
versicherung.
2.
Dag
egen erhob die Versicherte am 11. Juni 2013
(Urk. 1) unter Beilage
ver
schiede
ner Berichte
(Urk. 3/1-2)
Beschwerde und beantragte
die
Aufhebung
der an
ge
fochtenen Verfügung und die Ausrichtung einer halben Rente.
Eventualiter seien die
A._
mit einem neutralen inter
dis
ziplinären Gutachten zu beauftragen.
Mit Beschwerdeantwort vom
13
. A
ugust 2013
(Urk.
8
) schloss die IV-Stelle auf Ab
wei
sung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
14
. A
ugust 2013
(Urk.
10
)
zur Kennt
nis gebracht wurde.
Am 7. März 2014 (Urk. 11) reichte die neue Rechtsvertreterin der Beschwerde
führerin, AXA-
Arag
Rechtsschutz AG, ergänzende medizinische und erwerbli
che Unterlagen ein (Urk. 12/1-8).
3.
Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien und die Akten wird, sofern für die
Ent
scheid
findung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Er
werbs
un
fähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs
mög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbs
un
fähig
keit sind aus
schlies
slich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Drei
viertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Ver
bindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestim
men. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Ein
tritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invaliden
einkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mens
vergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkom
mens
ver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist ent
scheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf all
seitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi
zinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Ex
pertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung vom 1
5.
Mai 2013 (Urk. 2)
dafür
, aufgrund der medizinischen Beurteilung sei der Beschwer
de
führerin
die angestammte Tätigkeit nicht mehr zumutbar. In
leidens
ange
passter
, leichter, wechselbelastender Tät
igkeit ohne Gewichtheben über 5
kg,
Arm
vorhalten
und Überkopfarbeiten sei
aber
weiterhin
eine 100
%
ige
Arbeits
fä
hig
keit aus
gewiesen. Mittels allgemeiner Methode des
Einkom
mens
ver
gleichs
er
mittelte sie einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 6
%
.
2.2
Demgegenüber stellte sich
die Beschwerdegegnerin beschwerdeweise (Urk.1) auf den Standpunkt, der medizinische
Endzustand sei nicht erreicht; die
Ver
fügung
sei
verfrüht
erlassen worden
. Unter Verweis auf die Berichte von
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für physikalische Medizin und Rehabilitation, speziell Rheumatologie,
vom 1
1.
Juni 2013
(
Urk.
3/1)
und den Ergotherapeuten vom 17.
Januar 2013
(
Urk
. 3/2)
machte
sie
zudem
geltend, d
ass sie momentan immer
hin zu 40
% im Betrieb arbeiten könne. Weil sie damit faktisch beweise, dass eine Arbeits
fähigkeit im bisherigen Beruf möglich sei, dürfe nicht verlangt werden, dass sie nun ihre Arbeitsstelle verlassen und eine neue Stelle suchen müsse, die gar nicht existent sei. Mit Theorien könne man nämlich keine Rechnungen be
gleichen.
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung.
3.
3.1
3.
1
.1
Im Bericht vom 2
1.
Februar 2012 (Urk. 9/12/9-1
2, vgl. dazu auch Urk. 9/12/5-7
, Urk. 9/12/8
) diagnostizierten
Dr.
med.
C._
, Assistenzarzt,
Dr.
med.
D._
, Oberarzt,
Dr.
med.
E._
, Oberarzt,
F._
, Klinik für Neuro
chirurgie, eine
Zervikalgie
bei
Syringomyelie
und
eine
Chiari
Mal
forma
tion
Typ I (Erstdiagnose November 2011
G._
),
eine
C3-Läsion mit
duktaler
Pro
liferation Mamma rechts,
eine
Feinnadelpunktion am 2
7.
Oktober 2011 mit Ver
dacht auf ein
lobuläres
Karzinom, eine Stanzbiopsie am 16. No
vember 2011 mit unauf
fäl
ligem Befund, eine
Magnet
resonanz
tomo
gra
phie
der Mamma am 2
8.
November 2011 mit unauffälligem Befund und eine
n
Status nach tiefer
Bein
venen
trombose
im Jahr 2009 und attestierten ihr eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit für acht Wochen.
In ihrer Beurteilung hielten die Fachpersonen
des
F._
fest, die Be
schwerde
führe
rin habe sich mit starken, immer wiederkehrenden rechtsseitigen Kopf
schmerzen mit Schwindel und Beschwerden an den Händen (
bewegungsunab
hängige
Schwel
lung und Blaufärbung) bei einem Arnold-
Chiari
-Syndrom vor
gestellt. Am 1
6.
Februar 2012 sei eine komplikationslose mikrochirurgische
kranio
zervikale
De
kom
pression mit
Durapastik
und C1-Bogen-Resektion durch
geführt wor
den. Bei unauffälligem Verlauf und regelrechten post
operativen Ver
hält
nis
sen im CT habe die Beschwerdeführerin am 17. Februar 2012 wieder auf die
Normal
station
verlegt werden können. Sie habe aber wiederholt über starke
be
wegungs
unab
hängige
Kopfschmerzen geklagt, die jedoch im weiteren stationären Verlauf
re
gredient
gewesen seien. Die Wunde zeige sich reizlos und auch laborchemisch habe es keinen Anhalt für eine Entzündung gegeben. In klinisch stabilem Zu
stand und mit reizloser Wunde hätten sie die Beschwerde
führerin mit Verord
nungen
für eine ambulante
Physio- und Erg
otherapie nach Hause entlassen.
3.
1
.2
Dr.
C._
und
Dr.
E._
nannten im undatierten Bericht (Dokumenten-Ein
gangs-Datum: 2
3.
April 2012; Urk. 9/13) als Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeits
fähigkeit eine
Chiari
-Malformation Typ I mit
Hydromyelie
(Erstdiagnose im
November 2011
G._
)
symptomatisch durch
Zervi
kalgien
, Schwin
del und leichter Schwäche der rechten Hand und at
testierten der Beschwerde
führerin als
Produktions
mit
arbeiterin
vom 14. Februar bis 2
2.
Mai 2012 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Die Sachverständigen der Neurochirurgischen Klinik des
F._
hielten fest, die Beschwerdeführerin leide seit zirka fünf Jahren unter immer wiederkehrenden starken rechtsseitigen Kopfschmerzen mit Schwindel. Nach entsprechender Belastung zeige sich zudem eine Schwellung und Blaufärbung der Finger mit Kälte
gefühl und Kraftlosigkeit, insbesondere in den letzten beiden Fingern. Am rechten Unterarm lateral und an
Digiti
IV und V bestehe eine Hypästhesie.
Die Be
schwerde
führerin arbeite in einer Fabrik und führe immer die gleiche Hand
be
wegung aus. Diese Tätigkeit falle ihr zunehmend schwerer und auch im Haus
halt habe sie Probleme
,
ihre alltäglichen Tätigkeiten zu verrichten. Am 16. Februar 2012 habe eine mikrochirurgische Dekompression
kraniozervikal
mit
Dura
plastik
und einer C1-Bogen-Resektion stattgefunden (
fecit
:
Dr.
med.
E._
). Einschränkungen bestünden in Form einer sensomotorischen Schwä
che in beiden Armen. Ob und wann mit der Wiederaufnahme der beruf
lichen Tätigkeit beziehungsweise Erhöhung der Einsatzfähigkeit gerechnet wer
den könne, sei derzeit noch offen.
3.
2
In der Stellungnahme vom 2
1.
Mai 2012 (Urk. 9/25 S. 2) berichtete
Dr.
med.
H._
, Facharzt Allgemeinmedizin, zertifizierter Gutachter SIM,
Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD),
die Be
schwerde
führerin sei Fabrikarbeiterin in der Elektronik und leide gemäss dem aktuellen Bericht der Neurochirurgie des
F._
an Einschränkungen an der
Hals
wirbel
säule
mit Schwäche der rechten Hand, mit nachfolgendem neuro
chirurgischem Eingriff. Damit sei eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der ange
stammten Tätig
keit von Februar bis Mai 2012 ausgewiesen gewesen. Die Arbeits
fähigkeit für die angestammte monotone Arbeit werde zumindest ge
fährdet bleiben. In
leidens
angepasster
, leichter, wechselbelastender Tätigkeit ohne Gewichtheben über 5 kg, ohne Armvorhalten und ohne Überkopfarbeiten sei weiterhin eine 100%ige Restarbeitsfähigkeit ausgewiesen.
3.
3
Im Bericht vom 2
2.
Mai 2012 (Urk. 9/23/7-8)
diagnostizierte
Dr.
E._
einen Status nach mikrochirurgischer Dekompression
kranio
zervi
kal
mit Dura-Plastik und C1-Bogen-Resektion bei Arnold
-
Chiari
-Syndrom am 1
6.
Februar 201
2.
Dr.
E._
führte aus, die Beschwerdeführerin habe sich nochmals bei ihm vor
ge
stellt, nachdem sie sich zwischenzeitlich schon im März mit einer
Magnet
resonanz
bildgebung
vorgestellt gehabt habe. In der Zwischenzeit seien keine neuen Aspekte aufgetreten und die Klinik sei insgesamt leicht besser geworden. Die Hände seien nun frei von Schmerzen und Schwellung, insgesamt sei der klinische Befund sogar sehr gut und viel besser als präoperativ. Einzig ver
blie
ben seien noch Kopfschmerzen, insbesondere rechts betont bei Bewegung und vor allem auch
eine
intermittierende Übelkeit, welche sogar nachts beim Umdrehen auftrete. Die Narbenverhältnisse seien hier soweit reizlos.
Die durchgeführten Magnetresonanztomographien des Schädels hätten im Ver
gleich zu den präoperativen und zu den Aufnahmen vom März eine weitere Konsolidierung der
Hydromyelie
im
Zervikalbereich
und keine Kompli
kationen
kraniozervikal
gezeigt. Wie bei den Voraufnahmen im März sehe man eine deutliche Besserung und kein
en
Hinweis für eine Wundheilungsstörung. Die Bild
gebung sei somit praktisch optimal
. Jetzt brauche es
nur noch ein gutes kli
nisches Ergebnis.
Die Beschwerdeführerin, die eine schwere monotone Fabrikarbeit leiste, sei weiter
hin arbeitsunfähig. Er habe die Arbeitsunfähigkeit bis Anfang Juli ver
län
gert. Bei noch vorhandenen Restbeschwerden könnte diese vom be
han
delnden Hausarzt weiter verlängert werden. Eine neurochirurgische Vor
stel
lung sei nicht notwendig, wenn keine neuen Aspekte aufträten.
3.
4
Am
8.
August 2012 (Urk. 9/35/12-13) hielt
Dr.
med.
I._
, Neurologie FMH,
gestützt auf die am
7.
August 2012 durchgeführte Untersuchung als Diagnosen
Ausnahme
zu
stände und multiple unspezifische Beschwerden, wahr
schein
lich Folge einer
neuro
vegetativen
Dysbalance
, eine Migräne ohne Aura und einen Status nach
mikro
chirurgischer
Dekompression
kraniozervikal
mit
Duraplastik
und C1-Bogen
resektion bei Arnold-
Chiari
-Syndrom im Februar 2012 fest.
In ihrer Beurteilung führte sie aus, die Symptomatik halte sie am ehesten für
neuro
vegetativ
und/oder für
psychogen
(Ausnahmezustände). Die Be
schwerde
führerin sei sehr enttäuscht, dass postoperativ auch hinsichtlich der Migräne keine Beschwerdefreiheit habe erlangt werden können, was aber auch nicht zu er
warten gewesen sei. Die klinischen Auffälligkeiten seien vor
der
gründig nicht organischer Natur gewesen. Die Elektroenzephalografie habe einen unauffälli
gen Befund ergeben. Eine epileptische Genese der Aus
nahme
zustände sei nicht anzunehmen. Von einer transienten globalen Amnesie (erste Störung: vgl. dazu Anamnese) sei nicht auszugehen. Eine
migräniform-vasospastische
Genese (zweite Störung) sei differentialdiagnostisch zu erwägen. Die
Schädel
magnetre
sonanztomographie
vom 2
2.
Mai 2012 sei ebenfalls unauf
fällig aus
ge
fallen, ein
epiloptogener
Fokus habe ausgeschlossen werden können. Ge
mäss Bericht von
Dr.
E._
vom Mai 2012 sei die
Hydromyelie
in Kon
solidierung begriffen. Von weiteren Abklärungen seien keine
Zusatz
in
for
mationen
von diagnosti
scher/therapeutischer Relevanz zu er
warten.
3.
5
Im Austrittsber
icht vom
1.
Oktober 2012 (Urk. 9
/35/10-11;
Hospitalisation
vom 2
8.
August bis 1
7.
September 2012) diagnostizierten
Dr.
med.
J._
,
Lei
tender Arzt, FMH Neurologie,
und
Dr.
med.
K._
, Assistenzarzt,
L._
, einen Status nach mikrochirurgischer Dekompression
kraniozervikal
mit
Duraplastik
und C1-Bogen
resektion bei Arnold-
Chiari
-Syn
drom am 1
6.
Februar 2012, symptomatisch durch
Zervikalgien
, Schwindel und leichte Schwäche der rechten Hand, eine chronische Migräne ohne Aura,
diffe
rential
diagnostisch
eine
vesti
buläre
Migräne bei grenzwertigem
Akutmittelge
brauch
und einen Status nach tiefer Beinvenenthrombose im Jahr 2009.
In ihrer Beurteilung hielten
die Sachverständigen der
L._
fest, bei Eintritt habe die Beschwerdeführerin über eine Zunahme der Nacken- und Armschmerzen rechts mit Ausstrahlung in die
ulnare
Handkante geklagt. Zudem hätten bei entsprechender Belastung eine deut
liche Schwellung und Blaufärbung der Finger mit Kältegefühl und Kraft
losig
keit, insbesondere
Digiti
IV/V bestanden. Des Weiteren habe sie über rezi
divierende starke rechtsseitige Kopfschmerzen mit Übelkeit und Schwindel und be
gleitender Gangunsicherheit berichtet. Die Beweglichkeit der
Halswirbel
säule
sei in allen Ebenen zu 2/3 mit Schmerzangabe in der Endposition einge
schränkt ge
wesen. Die aktuellen Beschwerden liessen sich am ehesten im Rahmen einer lang
jährigen
Migräne
anamnese
erklären. Klinisch hätten sich keine Hinweise für eine erneute Patho
logie im
kraniozervikalen
Übergang finden lassen. Die Be
schwerdeführerin habe bei regelmässiger
Therapie
teil
nahme
gute Fortschritte ge
macht. Physiothera
peutisch habe nach der Kräftigung der Schulter-, Nacken- und Armmuskulatur (m
edizinische Trainingstherapie) gemäss
Thera
peuten keine Not
wendigkeit für eine weiterführende ambulante Therapie bestanden. Am 17. September 2012 hätten sie die Be
schwerde
führerin als sichere Fuss
gängerin in gebes
sertem Allgemeinzustand in die angestammten Verhältnisse ent
lassen.
3.
6
Im Arztzeugnis vom
1.
November 2012 (Urk. 9/35/7-9) zuhanden des
Kranken
taggeldversicherers
nannte
der die Beschwerdeführerin seit 2
0.
Februar 2006 behandelnde
Dr.
med.
M._
, Innere Medizin FMH,
ein Arnold-
Chiari
-Syn
drom (Q07.0; Operation am 1
6.
Februar 2012 im
F._
)
sowie
einen Verdacht auf ein
Zerviko
zephal
- und ein
Zervikobrachialsyndrom
rechts seit April 2011 und attestierte folgende Arbeitsunfähigkeit bezogen auf die bisher ausgeübte Tätig
keit: 50
%
vom
8.
September bis 1
6.
Oktober 2011, 25
%
vom 1
7.
Oktober bis 1
3.
November 2011 und 100
%
vom 1
4.
November 2011 bis 2
3.
November 2012.
Dr.
M._
hielt weiter fest, bei der Beschwerdeführerin bestünden starke Kopf
schmer
zen, Schwellungen an den Händen und Schwindel sowie psychische Aus
nahme
zustände wegen neurovegetativer
Dysbalance
. Die bisherige Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar. Konkret sei die
Arbeitsfähigkeit durch die Schmerzen, den Schwindel, die
Kon
zentra
tions
störungen
und die psychischen Ausnahmezustände aufgrund der
neurove
getativen
Störung
ein
ge
schränkt
. Mit der Wieder
aufnahme der beruflichen beziehungsweise Er
höhung der Einsatz
fähig
keit könne aber mittels langsamer Steigerung über Wochen oder Monate ge
rechnet werden.
3.
7
Am
7.
November 2012 (Urk. 9/23/1-6) berichtete Dr.
E._
, die h
ier durchge
führten
M
a
gnet
resonanz
tomo
graphien
zeigten wider dem klinischen Verlauf eher eine weitere Verbesserung. Die
Syringomyelie
sei weiter kleiner geworden und der
Subarachnoidalraum
in der hinteren Schädelgrube sei noch entspannter als bei der letzten Kontrolle. Wahr
scheinlich seien berufliche Massnahmen angezeigt. Die Behandlung sei theoretisch abgeschlossen.
3.
8
Im Bericht vom 1
4.
November 2012 (Urk. 8/35/4-
6
) diagnostizierten die
Fach
per
sonen
des
N._
gestützt auf die am 2
1.
September 2012 und am
8.
Oktober 2012 stattgefunden Vorgespräche eine mittel
gradige depressive Episode (ICD-10
F
32.1), eine
Arnold
-
Chiari-Mal
forma
tion
mit
Hydromyelie
(Erstdiagnose im November 2011) mit/bei einem Status nach Operation im
F._
am 1
6.
Februar 2012, Kopfschmerzen,
Gangun
sicher
heit
, Schwin
del, Koordinationsstörungen,
einem Status nach
mikro
chirurgischer
De
kompression
kraniozervikal
mit
Duraplastik
und C1-Bogen
re
sektion (
L._
am 1
9.
September 2012),
Zervikalgien
mit/bei einer Schwä
che in der rechten Hand (
L._
am 1
9.
November 2012), eine Migräne ohne Aura (G43;
L._
am 1
9.
September 2012) und eine
n
Status nach tiefer Beinvenenthrombose 2009 (
F._
am 2
2.
Februar 2012).
Sie führten aus, d
ie Beschwerdeführerin leide seit 1988 unter Schwindel, Synko
pen, Kopf
schmer
zen, seit 1994 unter Schmerzen im rechten Arm und seit 2006 unter
exa
zerbierenden
Armschmerzen rechts sowie in der Halswirbelsäule. Seit August 2012 leide sie zudem an einer Depression mit Lust- und Interesse
losig
keit, Müdig
keit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen, Vergess
lich
keit, Rück
zug,
Sinn
losigkeitsgedanken
, Verlangsamung und einer
Appetit
ver
min
de
rung
(3 kg Gewichtsverlust). Seit 3
1.
Oktober 2011 bis heute bestehe eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit. Die Beschwerdeführerin sehe die Be
schwer
den im Zusam
men
hang mit den zunehmenden Schmerzen und der Diagnose. Die
Reha
bilitations
diagnose
sei gut und das Ziel
sei
eine Wiederherstellung der Arbeits
fähig
keit.
3.
9
In der Stellungnahme vom 1
0.
Dezember 2012
(Urk. 9/25 S. 3)
hielt
Dr.
H._
, RAD, einen leicht ver
besserten Gesundheitsschaden fest und verwies auf seine letzte Stellung
nahme vom 2
1.
Mai 2012
(E. 3.
2
)
mit der Präzisierung, dass die ange
stammte Tätigkeit bleibend nicht mehr zumutbar sei.
3.1
0
Im Verlaufsbericht vom 1
7.
Januar 2013 (
Urk.
3/2) nannten die Ergo
thera
peu
tinnen
O._
und
P._
,
Q._
, die therapierelevanten Diagnosen einer
Posteriorfossa
-Dekompression bei Arnold-
Chiari
1 und eine operative Zystenentfernung.
Sie berichteten, dass die Beschwerdeführerin wochenweise Kraft habe, um ver
mehrt Haushaltstätigkeiten und Therapien durchzuführen, es dazwischen aber im
mer wieder zu Rückfällen komme, welche sie psychisch stark belasteten. In dieser Zeit fühle sich
die Beschwerdeführerin wie in den Monaten nach der Operation. Sie habe starke Kopfschmerzen und Schmerzen im Brust- und
Arm
be
reich
. Ferner fühle sich der Nacken geschwollen an. Zudem belasteten sie Schwindelgefühle und Übelkeit. Sie
sei ob des jetzigen Zustandes ver
zweifelt. Die psychische Belastung sei enorm, weshalb die Beschwerdeführerin in der Thera
pie auch oft weine.
3.
1
1
Dr.
B._
nannte am 1
1.
Juni 2013 (Urk. 3/1) als Diagnosen einen Status nach einer mikrochirurgischen Dekompression
kranio
zervikal
mit
Duraplastik
und C1-B
ogen-Resektion bei Arnold-
Chiari
-Syn
drom am 1
6.
Februar 2012 mit
eine
r
verbliebene
n
Schwäche in den Händen, rechts mehr als links, und eine
r
Verlang
samung,
sowie
eine
Kon
zentrations
störung
bei einem Verdacht auf eine mit
telschwere, depressive Episode und attestierte eine 40%ige Arbeitsfähigkeit in
der
angestammte
n
Tätigkeit.
Dr.
B._
hielt weiter fest, postoperativ habe mit intensiven ergo
thera
peuti
schen Behandlungen eine langsame, jedoch kontinuierliche Ver
bes
serung er
reicht werden können. Im Moment bestehe aber aufgrund der Schwäche in bei
den Händen und der Verlangsamung und
Konzentrations
störung
insgesamt ein Leistungsdefizit von zirka 50
%
, wobei Au
s
sicht auf Bes
serung bestehe.
3.12
Am 16. Dezember 2013 (Urk. 12/3)
diagnostizierten
die Ärzte/Psychologen des
N._
eine mittelgradige depressive Episode und erachteten eine Arbeitsfähigkeit über einem Pensum von 50 % als einstweilen nicht gegeben. Sie führten aus, in leistungsmässiger Hinsicht bestehe ein wechselndes Bild mit einer stets gewis
senhaft arbeitenden Beschwerdeführerin mit hohem Ich-Ideal, welche an Tagen mit guter gesundheitlicher Verfassung „quasi-normale“ Leistungen erbringe. An Tagen mit schlechter psychophysischer Grundverfassung müsse sie dann sehr schnell abbrechen oder könne im Extremfall die Arbeit nicht antreten.
3.13
Die Ärzte des
R._
diagnostizierten mit Bericht vom 29.
Oktober 2013 (Urk. 12/4) eine Migräne ohne Aura sowie Restbeschwerden nach Operation eines Arnold-
Chiari
-Syndroms mit
cervicaler
Syringomyelie
. Sie führten aus, die Fragen nach der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erfor
dere ein fachärztliches Gutachten.
4.
4.1
Ausweislich der medizinischen Akten bestehen bei der Beschwerdeführerin so
wohl somatische als auch psychische Beeinträchtigungen. Die
die
Arbeitsfähig
keit einschränkenden somatischen Hauptdiagnosen einer
Zervi
kalgie
bei
Syringo
myelie
, einer
Chiari
-Malformation Typ I mit einer Operation am 16. Februar 2012 (mikrochirurgische Dekompensation
kraniozervikal
mit
Dura
plastik
und C1-Bogen-Resektion) sowie die von Dr.
I._
(E. 3.4) und den Sach
ver
ständigen der
L._
(E. 3.5) genannte chronische Migräne ohne Aura sind unbestritten und aus
ge
wiesen. In psychischer Hin
sicht diagnostizierten die Sachverständigen des
N._
zudem eine mittelgradige depressive Episode (E. 3.8 und E. 3.12). Un
bestritten und ausge
wiesen ist sodann auch, dass die Be
schwerde
führerin in ihrer ange
stammten Tätig
keit mit mono
ton zu ver
richtenden Tätig
keiten als Produktionsmitarbeiterin massgeblich in ihrer Arbeits
fähigkeit ein
geschränkt ist.
Nicht relevant sind im vorliegenden Kontext die im Zusammenhang mit dem Verdacht auf ein
lobuläres
Mamma
karzinom
geäusserten Diagnosen und der Status nach tiefer
Bein
venen
thrombose
im Jahr 2009 (vgl. dazu Urk. 9/4/3, Urk. 9/35/20-21), da diese die Arbeitsfähigkeit nicht mehr beeinträchtigen.
4.2
Die Beschwerdegegnerin stützte sich massgeblich auf die Einschätzungen ihres RAD-Arztes Dr.
H._
vom 21. Mai und 10. Dezember 2012 (E. 3.2 und E. 3.9), welcher eine - näher bezeichnete - angepasste Tätigkeit als vollumfänglich zumutbar erachtete. Seine Einschätzung ist indes - ausgehend von der Recht
sprechung zum Beweiswert ärztlicher Berichte (E. 1.4) - mit mehreren Mängeln behaftet:
Vorweg beruhen die Berichte nicht auf eigenen Untersuchungen, was bei objek
tiv feststehenden Leiden auch nicht erforderlich ist. Vorliegend sind die kon
kreten gesundheitsbedingten Einschränkungen der Beschwerdeführerin aber nicht erstellt. Die Berichte sind sodann nicht umfassend, erschöpfen sie sich doch in acht bzw. fünf Zeilen, ohne dass dabei detailliert Bezug auf die geklag
ten Beschwerden genommen wird oder eine Auseinandersetzung mit den umfangreichen
Vorakten
erfolgt. So bleiben beispielsweise der geklagte Schwin
del und die Migräne unkommentiert. Damit leuchten die Schlussfolge
rungen
bei insgesamt fehlender Darlegung der medizinischen Zusammen
hänge - nicht ein bzw. können diese nicht prüfend nachvollzogen werden.
4.3
Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin an einer operativ behandelten
Syringomyelie
leidet. Der behandelnde Chirurg bestätigte in seinem Berichten wohl eine Besserung der Situation (Hände frei von Schmerzen und Schwellung), verwies indes auf nach wie vor vorhandene Kopfschmerzen sowie Übelkeit (auch nachts). Bildgebend konnte eine (weitere) Konsolidierung der
Hydromyelie
im
Zervikalbereich
dokumentiert werden, indes wurde auf das noch fehlende klinische Ergebnis verwiesen (E. 3.3). Anlässlich der rehabilitativen
Hospitalisation
klagte die Beschwerdeführerin weiterhin über Kopf-, Nacken- und Armschmerzen, Übelkeit, Schwindel sowie
Gangunsicher
heit
und zeigte - bei Belastung - wieder Schwellungen und Blaufärbungen der Finger mit Kältegefühl und Kraftlosigkeit. Die Entlassung erfolgte „als sichere Fussgängerin“.
Auch die weiteren ärztlichen Berichte verweisen auf verbliebene Kopf- und
Arm
schmerzen
, Schwindel und Übelkeit. Zudem erwähnten verschiedene Ärzte eine psychische Erkrankung.
4.4
Bei dieser medizinischen Aktenlage kann nicht ohne weiteres auf eine vollum
fängliche Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in angepasster Tätigkeit geschlossen werden. Dass die Operation in chirurgischer Hinsicht offenbar von
Erfolg gekrönt war (zuletzt Hinweis auf eine „weiter kleiner“ gewordene
Syringomyelie
, E. 3.7), vermag bei den mannigfaltigen, dauerhaften und im Längsschnitt nicht wesentlich gebesserten Beschwerden kein ausschlaggebendes Kriterium zu sein. Ungeklärt blieben namentlich die zeitweise heftigen Kopf
schmerzen, die verbliebenen Armbeschwerden mit weiterhin Schwellungen in den Händen, die Übelkeit, die Gleichgewichtsstörungen sowie die psychische Komponente. Ob und inwieweit hier ein organisches Korrelat vorliegt, wobei auch neurologische Aspekte des Kopfschmerzes in Frage kommen, ist nicht geklärt. Weiter unbeantwortet ist die Frage nach dem Operationserfolg in chi
rurgischer und klinischer Hinsicht. Ein vollständiges Verschwinden der
Syringomyelie
ist einstweilen nicht dokumentiert. Auch finden sich keine Aus
führungen über die zu erwartenden klinischen Auswirkungen derartiger Opera
tionen, mithin ob ohne weiteres mit einer Besserung zu rechnen ist oder ob üblicherweise Restbeschwerden verbleiben.
4.5
Nicht abgestellt werden kann im Weiteren auf die - sich betreffend Arbeits
fähig
keit äussernden - Einschätzungen von Dr.
M._
, des
N._
und Dr.
B._
. Die Einschätzung Dr.
M._
s (E. 3.6; Erhöhung der Einsatzfähigkeit mit
tels langsamer Steigerung über Wochen oder Monate) ist zu unpräzise, und die Ärzte des
N._
begründeten ihre Annahme einer vollumfänglichen Arbeitsunfä
higkeit (E. 3.8) bzw. einer 50%igen (ohne geschilderte Besserung, E.
3.12) nicht näher. Auch Dr.
B._
(E. 3.11) schätzte bloss ein Leistungsdefizit, ohne genau anzugeben, aus welchen Gründen und in welchem Umfang die Beschwerdeführerin nicht mehr in der Lage ist, auch eine angepasste Tätigkeit auszuüben.
4.6
Nach dem Gesagten ist ein Entscheid über die Restarbeitsfähigkeit der Beschwer
deführerin aufgrund der Aktenlage nicht möglich. Die angefochtene Verfügung ist demgemäss aufzuheben und die Sache an die
Beschwerdegegne
rin
zurückzuweisen, dass sie die Beschwerdeführerin polydisziplinär abkläre und über ihren Rentenanspruch neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
5.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung, welche unabhängig vom Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht) und vorliegend auf Fr. 1‘000.-- (inklusive Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen ist.