Decision ID: afc70d29-2b45-491d-9227-efb9670e7bf0
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ bezieht seit Jahren eine halbe Rente der Invalidenversicherung (offenbar ab
April 1999 bei einem Invaliditätsgrad von 62 %, vgl. IV-act. 9; hernach bei einem
Arbeitsunfähigkeitsattest vom März 2001 von 75 %, vgl. IV-act. 4-4, und einer
berücksichtigten Arbeitsunfähigkeit von 50 %, vgl. IV-act. 5 und 39, aufgrund eines
Invaliditätsgrads von 59 %, vgl. IV-act. 12 und 20, bzw. 58 %, IV-act. 17 und 41). In
den Fragebogen für Rentenrevision hatte er schon wiederholt Hilflosigkeit bei einzelnen
Lebensverrichtungen angegeben, so im März 2001 bei der Körperpflege (IV-act. 2-2),
im Mai 2003 beim An- und Auskleiden (IV-act. 15-2), im Mai 2004 beim Aufstehen/
Absitzen/Abliegen und bei der Körperpflege (IV-act. 18-2) und im Juli 2009 bei allen
sechs Lebensverrichtungen mit Ausnahme des Essens (IV-act. 33-2). Im Januar 2012
wurden dem Versicherten als IV-Hilfsmittel zwei Hörgeräte zugesprochen. Im Februar
2012 verstarb seine Ehefrau (IV-act. 75-7). Er verheiratete sich wieder und die (zweite)
Ehefrau kam im Oktober 2012 in die Schweiz (vgl. IV-act. 66 und 68 f.).
A.b Am 17./18. Dezember 2013 (IV-act. 75) liess sich der Versicherte zum Bezug einer
Hilflosenentschädigung der IV anmelden. Es wurde Hilflosigkeit in allen sechs
Bereichen (bzw. zumindest in Teilbereichen aller sechs Bereiche) angegeben. Einige
Verrichtungen könne er seit März 2012, andere seit Juli 2012 nicht mehr allein tätigen.
Es sei Hilfe an 24 Stunden pro Tag erforderlich. Von März 2012 bis Juni 2012 habe die
Tochter diese geleistet; seit Juli 2012 leiste sie die Ehefrau.
A.c Das Spital B._ hatte in einem Austrittsbericht vom 28. Januar 2013 (IV-act. 78)
bekanntgegeben, es seien dem Versicherten das Tragen von Kompressionsstrümpfen
Klasse II-III und pflegerische Massnahmen (Salben) empfohlen worden; diesbezüglich
sei bereits die Spitex involviert worden. Die CPAP-Maske, die am Kantonsspital
St. Gallen vor ca. einem Jahr angepasst worden sei, trage der Versicherte wegen Angst
bei Anwendung nicht. Es sei der Status quo zu evaluieren und die CPAP-Therapie
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gegebenenfalls anzupassen; bei fehlender Compliance sei wenigstens nachts eine
Sauerstoff-Nasenbrille zu tragen. Der Versicherte sei zudem auf die dringliche
Notwendigkeit einer Lebensstilmodifikation mit Diät und körperlicher Betätigung
hingewiesen worden. - In einem provisorischen Austrittsbericht des Spitals vom
6. Dezember 2013 (act. 77) war ausgeführt worden, es lägen hauptsächlich eine
chronisch venöse Insuffizienz mit Unterschenkelödemen bds., ein paroxysmales
Vorhofflimmern (ED 27.11.2013), eine hypertensive Herzkrankheit, ein schwergradiges
obstruktives Schlafapnoesyndrom und Adipositas-Hypoventilationssyndrom,
Adipositas per magna (BMI 49 kg/m ), eine Depression und ein funktionelles
Beschwerdebild, daneben eine Polyserositis und Pleuritis vor. Nach dem letzten
Spitalaustritt habe der Versicherte für einige Wochen Unterstützung durch die Spitex
gehabt, dann sei die Verordnung ausgelaufen. Die erneute Zuweisung sei wegen
progredienter Beinödeme erfolgt. Die Unterschenkelödeme hätten seit zwei Monaten
stark zugenommen; der Versicherte verspüre brennende Schmerzen und die Haut sei
aufgerissen und es trete Flüssigkeit aus. Es bestehe der dringende Verdacht, dass
Malcompliance und unregelmässige Medikamenteneinnahme zu dem ausgeprägten
Zustandsbild beigetragen hätten. Der Versicherte habe bei deutlich gebessertem
Allgemeinbefinden entlassen werden können und sei dazu angehalten worden, die
Beine weiterhin einzubinden.
A.d Am 26. Februar 2014 (IV-act. 84) fand eine Abklärung an Ort und Stelle statt, bei
welcher ein Hilfsbedarf beim An- und Auskleiden, bei der Körperpflege (Baden/
Duschen) und (seit März 2013) bei der Fortbewegung im Freien beschrieben wurde. Der
Versicherte bedürfe der dauernden Hilfe im Rahmen der Grund- oder
Behandlungspflege. Die Spitex versorge täglich während einer halben Stunde seine
Beinödeme. Ein Dusch-WC, diverse Halterungen, ein Duschbrett, Rutschmatten usw.
könnten die Hilfsbedürftigkeit verringern oder verhindern.
A.e Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung nahm am 17. April
2014 (IV-act. 85) Stellung und hielt dafür, unter Berücksichtigung der zumutbaren
Mitwirkung könnten ein erforderlicher Unterstützungsbedarf und die Notwendigkeit
einer lebenspraktischen Begleitung nicht bestätigt werden.
2
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A.f Am 20. Mai 2014 (IV-act. 87 f.) wurde in Aussicht gestellt, das Leistungsgesuch
abzuweisen. Die Tochter des Versicherten wandte für ihn am 26. Mai 2014 (IV-act. 89)
ein, er sei in allen Lebensverrichtungen auf Hilfe angewiesen. Während der Abklärung
habe er, was nicht erwähnt worden sei, die Hose eingenässt. Das komme täglich
mehrmals vor. Er könne sich weder im Intimbereich reinigen noch die Hosen und
Unterhosen anziehen. Wegen des Übergewichts bestünden extreme
Bewegungseinschränkungen. Trotz Diät nehme er immer mehr zu. Bei der Abklärung
habe man sehen können, wie seine Beine langsam verfaulten. Die Schmerzen an den
Beinen und Füssen seien dagegen nicht sichtbar. Das Badezimmer und die
Badewanne seien klein; er müsse darin stehen, was wegen Schwindels unangenehm
sei. Trotz Matten sei er schon oft ausgerutscht. Würde seine Frau ihn bei - am Tag und
nachts auftretenden - längeren Atemstopps nicht wecken, wäre er schon lange nicht
mehr am Leben. Auch im Wachzustand habe er oft Atemnot. Das hindere ihn daran,
nach draussen zu gehen oder gesellschaftliche Kontakte zu pflegen. Er besuche nur
noch die Ärzte, weil das sein müsse. Mehr als fünf Meter am Stück könne er (wegen
Schmerzen und Atemstörungen) nicht gehen. Ohne Bewegung aber nehme er zu. Das
sei ein Teufelskreis. Es bestehe eine mittlere bis schwere Hilflosigkeit. - Mit Verfügung
vom 3. Juni 2014 (IV-act. 90) lehnte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des
Kantons St. Gallen den Antrag auf eine Hilflosenentschädigung ab.
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Fiechter
für den Betroffenen am 14. Juli 2014 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und dem
Beschwerdeführer sei ab 1. Dezember 2013 mindestens eine Hilflosenentschädigung
für eine Hilflosigkeit mittleren Grades zuzusprechen, eventualiter sei ein
Pflegegutachten oder ein zur Feststellung der Hilflosigkeit besser taugliches Gutachten
zu erstellen. Ausserdem sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu
bewilligen. Der Beschwerdeführer beziehe eine halbe Rente, obwohl zurzeit nicht mehr
von einer Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne. Der Abklärungsbericht enthalte
keine detaillierten Angaben über die Krankenpflege und sei widersprüchlich.
Unberücksichtigt sei geblieben, dass der Beschwerdeführer an Wochentagen morgens
fachmännisch durch die Spitex versorgt werde. Es werde vermerkt, dass er nicht
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urininkontinent sei, obwohl er sich in Anwesenheit der Vertreterin der
Beschwerdegegnerin eingenässt habe. Auf den Abklärungsbericht könne nicht
abgestellt werden. Auch die sich darauf stützende Stellungnahme des RAD sei daher
als Beweis untauglich. Der Beschwerdeführer könne sich kaum mehr bewegen. Das
Treppensteigen sei ihm nach 15 Stufen massiv zu viel. Abgesehen davon, dass
ungeklärt sei, inwiefern das Übergewicht auf die Erkrankung oder die Medikamente
zurückzuführen sei, würde eine Gewichtsreduktion von derzeit rund 180 kg auf ein
Normalgewicht - wenn überhaupt möglich - Jahre in Anspruch nehmen. Der
Beschwerdeführer habe, wie die detaillierten Schilderungen zu den einzelnen

Lebensverrichtungen (aufgezeigt in den unten stehenden Erwägungen) zeigten,
Anspruch auf eine Entschädigung bei Hilflosigkeit mittleren Grades. Im Übrigen
bestünde auch Anspruch auf eine volle (wohl: ganze) Rente, da er offensichtlich voll
arbeitsunfähig sei. Dem beigelegten Arztbericht von Dr. C._ vom 9. Juli 2014 ist unter
anderem zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer vor allem aufgrund seiner
Adipositas per magna pflegebedürftig sei. Die Spitex komme an vier Tagen pro Woche
zu ihm, bandagiere die Beine und richte die Medikamente her. An drei Tagen pro
Woche führe ein Physiotherapeut beim Beschwerdeführer zu Hause eine
Lymphdrainage der Beine durch und bandagiere diese anschliessend. Die übrige
Betreuung, Körperpflege und die Haushaltarbeiten verrichte die Ehefrau des
Beschwerdeführers. Durch die Adipositas, infolge derer der Beschwerdeführer schwer
und eingeschränkt mobilisierbar sei, sei auch eine Urininkontinenz bedingt. Ausserdem
beigelegt ist ein Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 31. März 2014.
B.b Am 18. und am 25. Juli 2014 hat der Rechtsvertreter zum einen Bilder der
Unterschenkel des Beschwerdeführers und zum andern eine Kopie des Auftrags für
Spitexleistungen, aktualisiert am 18. Juli 2014, sowie eine Bestätigung der Ehefrau des
Beschwerdeführers betreffend dessen Einschränkungen in den alltäglichen
Lebensverrichtungen vom 18. Juli 2014 eingereicht.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 1./4. September 2014 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Es sei auf eine zutreffende
Stellungnahme des Fachbereichs (IV-act. 108) und auf diejenige des RAD vom 17. April
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2014 zu verweisen, ausserdem auf die Erwägungen eines Entscheids des
Versicherungsgerichts vom 23. Januar 2014 (IV 2012/348).
D.
Am 8. September 2014 hat die Gerichtsleitung dem Gesuch um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) entsprochen.
E.
Mit Replik vom 19. November 2014 bringt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
vor, die RAD-Stellungnahme stütze sich beinahe vollumfänglich und unkritisch auf die
häusliche Abklärung. Es fehlten eine Analyse der gesundheitlichen Einschränkungen
und deren Einflusses auf die Lebensverrichtungen sowie eine Prüfung der
Nachvollziehbarkeit des Abklärungsberichts, ebenso Ausführungen zum aktenkundig
sehr schlechten Allgemeinzustand des Beschwerdeführers und zur beinahe
unerträglichen Situation mit den massiven Ödemen an den unteren Gliedmassen. Der
RAD habe sich zudem auf einen Bericht von Dr. C._ vom 31. August 2009 gestützt.
Der Arzt bestätige aber am 9. Juli 2014, dass der Beschwerdeführer pflegebedürftig
sei. Die Beschwerdegegnerin habe nicht analysiert, welche täglichen Verrichtungen im
Bereich Pflege notwendig seien und wie viel Zeit - der Ehefrau - dafür täglich in
Anspruch genommen werde. Es werde bestritten, dass der Beschwerdeführer in der
Lage wäre, Unterhosen selbständig zu wechseln. Die massive Empfindlichkeit und
Schmerzhaftigkeit der völlig entzündeten Beine verhindere dies. Der Beschwerdeführer
dürfe seine Beine auch nicht mit einer sanften Bürste reinigen und sei daher auf Hilfe
angewiesen. Er könne die Verbände auch nicht während mehrerer Stunden
ununterbrochen tragen. Auch bei Einsatz eines Rollators wäre die Fortbewegung
eingeschränkt. Es sei unvorstellbar, dass der Beschwerdeführer ohne Begleitung das
Haus verliesse, sei er doch bereits bei kleinsten Hindernissen auf Unterstützung
angewiesen.
F.
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Die Beschwerdegegnerin hat am 26. November 2014 auf die Erstattung einer Duplik
verzichtet.
Erwägungen
1.
Streitgegenstand bildet die angefochtene Verfügung vom 3. Juni 2014, mit welcher die
Beschwerdegegnerin das Gesuch des Beschwerdeführers vom 17./18. Dezember 2013
um eine Hilflosenentschädigung abgelehnt hat. Der zu beurteilende Sachverhalt reicht
zurück ins Jahr 2012.
2.
2.1 Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die hilflos
(Art. 9 ATSG) sind, haben nach Art. 42 Abs. 1 Satz 1 IVG Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung. Als hilflos gilt, wer wegen der Beeinträchtigung der
Gesundheit für die alltäglichen Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der
persönlichen Überwachung bedarf (Art. 9 ATSG).
2.2 Nach ständiger Praxis sind sechs solche alltäglichen Lebensverrichtungen mass
gebend, nämlich Ankleiden, Auskleiden; Aufstehen, Absitzen, Abliegen; Essen;
Körperpflege; Verrichtung der Notdurft; Fortbewegung, Kontaktaufnahme (vgl.
Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts, seit 1. Januar 2007
Schweizerisches Bundesgericht, i/S H. vom 31. Mai 2005, I 565/04). Hilflos in einer
dieser Lebensverrichtungen ist eine versicherte Person bereits dann, wenn sie für eine
Teilfunktion regelmässig in erheblicher Weise auf (direkte oder indirekte) Dritthilfe
angewiesen ist (vgl. Bundesgerichtsentscheid i/S W. vom 6. August 2010, 9C_346/10;
BGE 117 V 146; Rz 8011 des vom Bundesamt für Sozialversicherungen erlassenen
Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH).
2.3 Ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sinn von Art. 42 Abs. 3 IVG liegt
gemäss Art. 38 Abs. 1 IVV vor, wenn eine volljährige versicherte Person ausserhalb
eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit: a. ohne Begleitung
einer Drittperson nicht selbstständig wohnen kann; b. für Verrichtungen und Kontakte
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ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist; oder c.
ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren. Zu
berücksichtigen ist nach Art. 38 Abs. 2 IVV nur diejenige lebenspraktische Begleitung,
die regelmässig und im Zusammenhang mit den in Abs. 1 erwähnten Situationen
erforderlich ist.
2.4 Nach Art. 42 Abs. 2 IVG ist zu unterscheiden zwischen schwerer, mittelschwerer
und leichter Hilflosigkeit. Diese Grade werden in Art. 37 IVV näher umschrieben. Die
Hilflosigkeit gilt als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist, d.h. in
allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe
Dritter angewiesen ist und überdies dauernd der Pflege oder der persönlichen
Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 1 IVV). - Eine mittelschwere Hilflosigkeit liegt vor,
wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in den meisten (d.h. in
vier der sechs, vgl. Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S S. vom
29. August 2006, I 866/05; Rz 8009 KSIH) alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (Art. 37 Abs. 2 lit. a
IVV), wenn sie in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in
erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden
persönlichen Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 2 lit. b IVV), oder wenn sie in
mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise
auf Dritthilfe und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinn von Art. 38
IVV angewiesen ist (Art. 37 Abs. 2 lit. c IVV). - Die Hilflosigkeit gilt als leicht, wenn die
versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen
Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen
ist (Art. 37 Abs. 3 lit. a IVV), wenn sie einer dauernden persönlichen Überwachung
bedarf (Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV), wenn sie einer durch das Gebrechen bedingten
ständigen und besonders aufwändigen Pflege bedarf (Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV), wenn sie
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen
Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter
gesellschaftliche Kontakte pflegen kann (Art. 37 Abs. 3 lit. d IVV), oder wenn sie
dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 lit. e IVV).
3.
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3.1 Vorweg ist vorliegend zum einen festzuhalten, dass der Beschwerdeführer seine
Beine medizinisch behandeln muss, indem sie bandagiert werden müssen. Er lässt
vorbringen, die Spitex reinige, desinfiziere und pflege seine Beine unter der Woche
jeden Morgen und binde sie ein. Mittags, abends und vor der Nachtruhe nehme seine
Ehefrau die Verbände ab, wasche die Beine, lasse die Wunden trocknen, setze
desinfizierende Wundheilmittel ein und lege den Verband wieder an. Der
Beschwerdeführer sei dazu nicht selbst in der Lage. Die Beinwäsche erfolge, indem der
Beschwerdeführer sich auf einen Stuhl vor die Badewanne setze und seine Frau seine
Beine zum Waschen über den Wannenrand hinweg in die Wanne setze. Gemäss dem
Abklärungsbericht, der über die Abklärung im Beisein der Spitex erstellt wurde,
übernimmt das Eincremen und Bandagieren täglich während einer halben Stunde die
Spitex. Einmal wöchentlich bereite diese dem Beschwerdeführer auch die
Medikamenteneinnahme vor. Dreimal pro Woche (montags, mittwochs und freitags)
erfolge die physiotherapeutische Behandlung. Dem Auftrag für Spitexleistungen ist
allerdings zu entnehmen, dass die Spitex - wie Dr. C._ berichtete (vgl. IV-act. 101-27)
- viermal wöchentlich (dienstags, donnerstags, samstags und sonntags) im Einsatz sei
und dabei einen Kompressionsverband an beiden Unterschenkeln anlege sowie die
Medikamente(-neinnahme) täglich kontrolliere. Es kann auf den Arztbericht vom 9. Juli
2014 (IV-act. 101-27) abgestellt werden, wo festgehalten wird, das Einbandagieren der
Beine werde täglich durch externes medizinisches Hilfspersonal vorgenommen (viermal
durch die Spitex, dreimal durch den Physiotherapeuten). Um eine ständige und
besonders aufwändige Pflege im Sinn von Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV, was nach einem
quantitativen Kriterium (grosser Zeitaufwand oder besonders hohe Kosten) oder in
qualitativer Hinsicht (pflegerische Verrichtungen unter erschwerenden Umständen,
etwa besonders mühsam oder zu aussergewöhnlicher Zeit; vgl.
Bundesgerichtsentscheid i/S A. vom 24. August 2009, 8C_310/09 E. 9.1) der Fall sein
kann, handelt es sich dabei - wie im Abklärungsbericht (IV-act. 84-6) angegeben -
nicht. Nach Rz 8058 KSIH (in der ab 1. Januar 2014 geltenden Fassung, mit Hinweisen)
ist nämlich ein täglicher Pflegeaufwand von mehr als zwei Stunden dann als besonders
aufwändige Pflege zu qualifizieren, wenn erschwerende qualitative Momente mit zu
berücksichtigen sind. Bei einem täglichen Pflegeaufwand von mehr als drei Stunden
kann eine Pflege als aufwändig qualifiziert werden, wenn mindestens ein qualitatives
Moment (z. B. pflegerische Hilfeleistung in der Nacht) hinzukommt. Ab einem täglichen
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Pflegeaufwand von vier Stunden bedarf es keines weiteren qualitativen Moments.
Vorliegend ist davon auszugehen, dass der gesamte erforderliche pflegerische
Aufwand (einmal Einbinden der Beine pro Tag) durch die Spitex und den
Physiotherapeuten erfüllt wird. Die Spitex setzt dafür eine halbe Stunde pro Tag ein,
weshalb die genannten Anforderungen der ständigen und besonders aufwändigen
Pflege nicht erfüllt sind. Ob die angelegten Verbände im Verlauf des Tages zu wechseln
und die Beine zu waschen medizinisch indiziert sei, ist aus den Akten nicht ersichtlich,
aber wohl kaum anzunehmen (vgl. Rabe/Gerlach, Praktische Phlebologie, Stuttgart/
New York 2000, S. 52). Selbst wenn es aber anzunehmen wäre, ergibt sich nichts
anderes, denn es ist davon auszugehen, dass es sich insgesamt auch diesfalls immer
noch um eine Pflege handelt, die weniger als zwei Stunden pro Tag in Anspruch nimmt
und keine erschwerenden Momente beinhaltet.
3.2 Zum andern ist darauf hinzuweisen, dass gemäss den medizinischen Unterlagen
die Unterschenkelödeme durch dieses Einbinden der Beine bzw. im Verlauf durch das
Tragen von Kompressionsstrümpfen behandelt werden können. Der Beschwerdeführer
ist dazu ebenso angehalten worden wie zu einer dringenden Lebensstilmodifikation mit
Diät und körperlicher Betätigung (vgl. act. 78-2 und act. 77-3). Diese Massnahmen
erscheinen zumutbar und wirksam. Bei der Spitalbehandlung vom Januar 2013 kam es
durch den Einsatz von Kompressionsstrümpfen und durch pflegerische Massnahmen
(Salben) zu einer deutlichen Schmerzlinderung (vgl. act. 78-2). Die Verschlechterung
bezüglich der Beinödeme, welche zwei Monate nach Auftreten zum zweiten
Spitalaufenthalt vom November/Dezember 2013 führte, war dagegen nach dringendem
ärztlichem Verdacht auf Malcompliance und unregelmässige Medikamenteneinnahme
zurückzuführen. Der Beschwerdeführer hatte zwei Monate lang keine
Kompressionsstrümpfe mehr getragen. Auch diese Spitalbehandlung (Einbinden der
Beine, diuretische Therapie) konnte wiederum ein deutlich gebessertes
Allgemeinbefinden bewirken (vgl. act. 77-3). Ebenso darf im Sinn der
Schadenminderungspflicht einer versicherten Person vom Beschwerdeführer eine gute
Befolgung der ebenfalls dringend indizierten CPAP-Therapie (vgl. act. 78-2) erwartet
werden.
3.3 Hinsichtlich des Bereichs Ankleiden/Auskleiden erklärt der Beschwerdeführer, er
könne sich nicht mehr richtig bücken. Im Abklärungsbericht wurde festgehalten, im
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Sitzen reiche er mit den Händen bis an das Schienbein. Beim Ankleiden der
Kleidungsstücke im unteren Körperbereich (Socken, Hosen, Unterhosen) bedürfe er
daher der Dritthilfe. Auskleiden könne er sich hingegen selber. Mit den Armen sei er
nicht eingeschränkt. Nach Auffassung des RAD wäre der Einsatz einer
Sockenanziehhilfe und einer Greifzange zumutbar, womit beim Ankleiden
Selbständigkeit erreicht werden könne. Der Beschwerdeführer wendet ein, seine Füsse
seien extrem geschwollen und druckempfindlich, die Beine mit Ödemen übersät und
vor allem unterhalb der Knie fast vollumfänglich offen und sehr berührungsempfindlich.
Beim Anziehen von Unterhose, Hose und Socken dürften die unteren Gliedmassen
deshalb nicht zu häufig berührt werden. Der Einsatz einer Sockenanziehhilfe und einer
Greifzange zum Anziehen der - wegen der Grösse schweren - Hosen fielen ausser
Betracht. Da indessen davon auszugehen ist, dass die Beine eingebunden werden und
die Kraft im Oberkörper nicht gemindert ist, erscheint der Einsatz dieser Anziehhilfen
zumutbar und ist ein Hilfsbedarf im Sinn des Gesetzes nicht gegeben.
3.4 Beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen wurde im Abklärungsbericht Selbständigkeit
des Beschwerdeführers beschrieben, wenn auch unter Verlangsamung. Die genannten
Verrichtungen gelingen ihm nach der Schilderung in der Beschwerde denn auch meist
allein. Dass sie danach aber erheblich Kraft kosten, entspricht keinem Kriterium der
Anerkennung eines Hilfsbedarfs. Massgebend ist die Möglichkeit selbständig zu
handeln. Ein relevanter Bedarf an Dritthilfe besteht daher nicht.
3.5 Gemäss dem Abklärungsbericht ist der Beschwerdeführer auch beim Essen
selbständig. Er selber lässt geltend machen, infolge von erheblichen Problemen mit
den Zähnen sei er auf weiche Nahrung angewiesen. Dieser Umstand vermag allerdings
nicht die Voraussetzungen einer anerkannten erheblichen Hilflosigkeit nach IVG zu
erfüllen, zumal alle für das Essen erforderlichen Funktionen vorhanden sind.
3.6 Bei der Abklärung wurde gemäss dem entsprechenden Bericht im Bereich der
Körperpflege festgestellt, dass es dem Beschwerdeführer wegen des starken
Übergewichts nicht möglich sei, selbständig in die Badewanne zu gelangen. Dafür
wären diverse Halterungen, eine Einstieghilfe und eine Antirutschmatte notwendig. Der
Beschwerdeführer bekräftigt in der Beschwerde, allein in die Badewanne zu steigen,
sei ihm trotz Lavabos und Duschstange als Halterungen nicht möglich. Er macht
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geltend, weitere Halterungen könnten an günstigen Orten nicht genügend stabil
befestigt werden. Angesichts der diesbezüglichen Feststellungen anlässlich der
Abklärung an Ort und Stelle ist jedoch davon auszugehen, dass der Einsatz geeigneter
Halterungen möglich ist, womit der Hilfsbedarf diesbezüglich entfiele. Im
Abklärungsbericht wird weiter dargelegt, wegen des extremen Körperumfangs
vermöge der Beschwerdeführer bei der Reinigung den Intimbereich nicht zu erreichen.
Der Beschwerdeführer lässt beschreiben, er könne in der Wanne aufgrund seines
Körperumfangs nicht sitzen, sondern nur stehen. Eine gründliche Reinigung der
zwischen den Brust- und Bauchfalten offenen und irritierten Haut, des Intimbereichs
und der Beine und Füsse sei mit nur einer freien Hand nicht möglich. Der Einsatz eines
Badebretts und einer Bürste helfe nicht. Wie in der Stellungnahme des Fachbereichs
einleuchtend festgehalten, könnte der Einbau einer ebenerdigen Dusche mit
Halterungen und Duschsitz die Hindernisse bei der Körperpflege überwinden. Der
Beschwerdeführer sei auf den Vorschlag, dass die IV eine Übernahme der Kosten eines
solchen Einbaus prüfe, bisher nicht näher eingegangen. Unter dem Aspekt der
Schadenminderungspflicht hat die versicherte Person nach der Rechtsprechung aber
auch im Bereich der Hilflosenentschädigung, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr
Zumutbare selber vorzukehren, um die Folgen des Gesundheitsschadens bestmöglich
zu mildern, und liegt, solange in diesem Rahmen durch geeignete Massnahmen bei
einzelnen Lebensverrichtungen die Selbstständigkeit erhalten werden kann,
diesbezüglich keine relevante Hilflosigkeit vor. Von der versicherten Person können nur
- aber immerhin - Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten
objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind (vgl.
Entscheide des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 30. April 2004, H 150/03,
und i/S R. vom 7. Juni 2004, H 299/03; vgl. Entscheid des Kantonsgerichts Basel-
Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, vom 6. Februar 2014, mit Hinweis auf
Robert Ettlin, Sozialversicherungsrechtliche Aspekte bei Verlust der
Selbstversorgungsfähigkeit [Selbstversorgungsfähigkeit], in: HAVE 2003, S. 117 und
Fn 8). Der Einsatz der vom Fachbereich erwähnten Hilfsmittel ist zumutbar und kann
vorausgesetzt werden, denn die Schadenminderungspflicht gilt auch für die
Beschaffung von Hilfsmitteln (vgl. Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S M. vom 6. Mai 2003, I 568/02 E. 3.3), wie schon dem
Verordnungswortlaut (vgl. Art. 37 Abs. 2 und 3 IVV Ingress: "trotz der Abgabe von
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Hilfsmitteln") zu entnehmen ist. Ein allfälliger Anspruch auf IV-Hilfsmittel als solcher ist
dagegen vorliegend nicht Streitgegenstand (wie auch im Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S IV 2011/181, vgl. dort E. 3.5), so dass
der betreffende Sachverhalt hier nicht geklärt zu werden braucht. Bei der Abklärung
wurde ein Hilfsbedarf in diesem Zusammenhang im Übrigen erst ab Dezember 2012
(gemeint wohl: 2013) festgestellt, somit also deswegen, weil der Beschwerdeführer sich
seit einem damaligen Ausrutschen in der Wanne und Sturz mit Kopfverletzungen
ängstige, ohne Hilfe zu duschen. Soweit nicht von oben erwähnten baulichen
Massnahmen diesbezüglich Abhilfe zu erwarten ist, wäre allerdings auch der Einsatz
von geeigneten Antirutschmatten als zumutbare Gegenmassnahme zu betrachten.
Zusammenfassend ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass
bei Einsatz erforderlicher, von der Invalidenversicherung in der HVI vorgesehener
Hilfsmittel (einschliesslich der baulichen Anpassungen) ein erheblicher Hilfsbedarf nicht
besteht.
3.7 Im Bereich der Verrichtung der Notdurft wurde im Abklärungsbericht keine
Hilflosigkeit angegeben. Zwar könne sich der Beschwerdeführer nach dem Stuhlgang
nicht selbständig reinigen. Mit einem Dusch-WC könnte er dies aber tun. Der
Beschwerdeführer lässt entgegnen, ein Closomat werde vom Vermieter nicht ohne
Gegenleistung eingebaut werden. Das Dusch-WC könnte eine gründliche Reinigung
wegen seines umfangreichen Körpers auch gar nicht erzielen. Stattdessen helfe ihm
die Ehefrau, die Reinigung über der Badewanne vorzunehmen, und die Hosen nach
dem Stuhlgang hochzuziehen. Dass ein Closomat konkret ungeeignet sei, lässt sich
angesichts des Abklärungsergebnisses nicht annehmen. Sofern die versicherte Person
ohne einen solchen Behelf nicht zur Durchführung der betreffenden Körperhygiene
fähig ist, kann die IV solche Anlagen als Hilfsmittel leihweise abgeben (vgl. Rz 14.01 der
Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung, HVI).
Unter dem Aspekt der oben erwähnten, sich auch auf die Beschaffung von Hilfsmitteln
richtenden Schadenminderungspflicht ist als zumutbar zu betrachten, durch Installation
eines Closomats Selbständigkeit zu erlangen (vgl. I 568/02). Auch hier ist die Frage des
Anspruchs auf das Hilfsmittel gegenüber der Invalidenversicherung nicht
Streitgegenstand im vorliegenden Verfahren. - Der Beschwerdeführer macht des
Weiteren geltend, er uriniere mehrfach täglich auf das Sofa oder einen Stuhl und könne
sich danach nicht selber reinigen und umziehen. Dr. C._ hat eine Urininkontinenz
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diagnostiziert mit dem Vermerk "Einnässen bei insuffizienter Blase". Er hat jedoch
gleichzeitig angegeben, die Urininkontinenz sei vor allem durch die Adipositas bedingt,
derentwegen der Beschwerdeführer schwer und eingeschränkt mobilisierbar sei. Auch
fördere die diuretische Therapie die Inkontinenz. In den Berichten der Spitäler wurde
eine Inkontinenz nicht erwähnt. Der Beschwerdeführer sucht die Toilette jedenfalls
selbst auf und ist nach dem Dargelegten (unter Zuhilfenahme von Hilfsmitteln) beim
Ankleiden und bei der Reinigung selbständig. Das Tragen von Inkontinenzwäsche oder
Einlagen erscheint bei den gegebenen Umständen zumutbar und das Wechseln
möglich. Im Bereich der Notdurftverrichtung ist der Beschwerdeführer somit nicht auf
erhebliche und dauernde Dritthilfe angewiesen.
3.8
3.8.1 Bei der Fortbewegung ist der Beschwerdeführer gemäss dem Abklärungsbericht
in der Wohnung nicht auf Hilfe angewiesen. Er macht geltend, dabei sei wegen
Sturzgefahr die Ehefrau anwesend. Nach der im Abklärungsbericht festgehaltenen
Beurteilung handelt es sich um eine präventive Präsenz der Ehegattin. Der RAD hielt
dafür, eine erhöhte Sturzgefahr sei aufgrund der Diagnosen nicht anzunehmen. Darauf
kann aufgrund der Aktenlage abgestellt werden.
3.8.2 Bei der Pflege gesellschaftlicher Kontakte ist der Beschwerdeführer gemäss dem
Abklärungsbericht nicht eingeschränkt. Er pflege Kontakt zu Familienangehörigen, die
ihn regelmässig besuchten. Im Sommer 2013 sei er auch für drei bis vier Wochen nach
D._ zu seinen Verwandten in den Urlaub gefahren. Der Beschwerdeführer dagegen
bringt vor, er sei im sozialen Leben stark eingeschränkt. Solches hat sich nach der
Aktenlage indessen nicht manifestiert.
3.8.3 Im Abklärungsbericht wurde weiter dargelegt, bis Frühjahr 2013 sei der
Beschwerdeführer noch selbständig Auto gefahren. Seither begebe er sich nur noch für
Arztbesuche aus dem Haus. Gemäss der Bestätigung der Ehefrau vom 18. Juli 2014
sind die Arztbesuche jedoch nicht die ausschliesslichen Gelegenheiten zum Verlassen
des Hauses. - Dem Austrittsbericht des Spitals B._ vom 28. Januar 2013 ist zu
entnehmen, dass der Beschwerdeführer damals über zunehmende Schmerzen in den
Unterschenkeln und darüber geklagt hatte, dass sein Gehen auf eine Strecke von ca.
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200 m beschränkt sei, bevor er eine Pause von 15 bis 20 Min. einlegen müsse. Die
Ärzte rieten dringend zu körperlicher Betätigung und meldeten den Beschwerdeführer
zum Cardiofit-Programm im Spital an. Sie hielten (wie bereits erwähnt) fest, durch die
Verwendung von Kompressionsstrümpfen und pflegerischen Massnahmen im Spital sei
es zu einer deutlichen Schmerzlinderung gekommen. Bei der Anmeldung zum Bezug
einer Hilflosenentschädigung vom Dezember 2013 hatte der Beschwerdeführer denn
auch die Notwendigkeit, bei Erledigungen und Kontakten ausserhalb der Wohnung
begleitet werden zu müssen, (einzig) damit begründen lassen, dass er wegen
psychischer Schwäche nicht selber zur Bank oder Post gehe. Er bedürfe des
psychischen Halts (von Dritten). Eine (anhaltende) Verschlechterung des medizinischen
Zustands im Frühjahr 2013, die einen Hilfsbedarf bei der Fortbewegung ausser Haus
bewirkt hätte, lässt sich nach der Aktenlage nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit annehmen, hingegen ist es im Oktober 2013 (zwei Monate vor
Spitaleinweisung) zu einer Verschlechterung gekommen, die einen weiteren
Spitalaufenthalt erforderte. Aber danach konnte der Beschwerdeführer wiederum in
deutlich gebessertem Allgemeinbefinden entlassen werden (Gewichtsverlust von 8 kg
durch diuretische Therapie ohne Steigerung der bisherigen Medikation, verbesserter
Lokalbefund an den Beinen). - Im Bericht über die Abklärung vom Februar 2014 wurde
geschildert, der Beschwerdeführer könne nur noch wenige Meter gehen und müsse
beim Treppensteigen gestützt werden. Er selber lässt in der Beschwerde darlegen, die
Wohnung allein zu verlassen, sei ihm nicht möglich. Autofahren könne er ebenfalls
nicht mehr. In der Stellungnahme des Fachbereichs wird dafürgehalten, der Einsatz
eines für ihn geeigneten Rollators könnte das Sicherheitsgefühl des Beschwerdeführers
(beim Gehen) erhöhen. Bewegung sei ihm ärztlich empfohlen worden. 300 m vom
Wohnort entfernt sei eine Bushaltestelle. Diese Strecke zu bewältigen und die
öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen, sollte dem Beschwerdeführer medizinisch
gesehen möglich sein. Nach (nachvollziehbarer) Auffassung des RAD vom 17. April
2014 ist denn auch ein regelmässiger und erheblicher Unterstützungsbedarf bei der
Fortbewegung aus medizinischer Sicht nicht plausibel begründet. Es kann daher
angenommen werden, dass keine medizinisch ausgewiesene Beeinträchtigung
(Adipositas, Herzkrankheit usw.) es dem Beschwerdeführer verunmöglicht, (wenn nötig
unter Zuhilfenahme von Gehhilfen) eine gewisse längere Gehstrecke zurückzulegen und
die Treppen allein zu überwinden (was erforderlich ist, weil im Mehrfamilienhaus kein
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Lift vorhanden ist). - Selbst wenn eine diesbezügliche gewisse Verschlechterung
anzunehmen wäre, änderte sich für den vorliegend zu beurteilenden Anspruch nichts,
da ein anspruchsrelevanter Sachverhalt mindestens ein Jahr lang vorgelegen haben
muss (vgl. Art. 42 Abs. 4 IVG und Art. 28 Abs. 1 IVG, Wartejahr), was im Zeitpunkt des
Erlasses der angefochtenen Verfügung vom 3. Juni 2014 für eine allfällige Veränderung
vom Oktober 2013 jedenfalls nicht zutraf.
3.9 Der Beschwerdeführer ist somit bei den alltäglichen Lebensverrichtungen nicht in
erheblicher Weise auf Dritthilfe angewiesen.
3.10 Überwachungsbedürftig im Sinn von Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV - diese Eigenschaft
bezieht sich rechtsprechungsgemäss nicht auf die alltäglichen Lebensverrichtungen
(vgl. Bundesgerichtsentscheid vom 25. Februar 2014, 9C_666/13 E. 8.1) - ist der
Beschwerdeführer gemäss dem Abklärungsbericht ebenfalls nicht. Er räumt ein, einer
dauernden Überwachung bedürfe er nicht, erklärt aber, wegen der erforderlichen Hilfe
bei der Notdurftverrichtung könne er nicht längere Zeit (mehr als zwei Stunden
tagsüber) allein gelassen werden. Letzterem kann nach dem oben Dargelegten nicht
gefolgt werden. Auch die Atemprobleme bewirken nach der medizinischen Beurteilung
des RAD (IV-act. 85-2, keine Erstickungsgefahr) keinen Überwachungsbedarf im
erwähnten Sinn.
4.
Der Beschwerdeführer lässt vorbringen, er könnte nicht allein in einem Haushalt leben,
da er vollumfänglich auf die Hilfe der Ehefrau und somit auf lebenspraktische
Begleitung angewiesen sei. Dafür, dass er infolge der Beeinträchtigung seiner
Gesundheit ohne Begleitung nicht selbständig sollte wohnen können oder ernsthaft
gefährdet sein sollte, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren, ist nach der
Aktenlage jedoch kein medizinischer Grund ersichtlich. Das gilt auch bezüglich der
Fähigkeit zum Kochen, die er unter dem Aspekt der Lebensverrichtung des Essens
ohne Begründung als nicht vorhanden beschrieben hat. Er leidet nicht an kognitiven
Einschränkungen. - Im Abklärungsbericht wurde hingegen wie erwähnt festgehalten,
der Beschwerdeführer begebe sich nur noch für Arztbesuche aus der Wohnung. Die
übrigen Besorgungen übernähmen die Ehefrau und die Töchter. Die Bekleidung in
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Übergrösse bestelle die Tochter online. Zu entscheiden ist daher, ob der
Beschwerdeführer für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf
Begleitung einer Drittperson angewiesen ist. Gemäss der Bestätigung der Ehefrau gibt
es auch weitere Anlässe zum Verlassen des Hauses. Nach der Stellungnahme des
Fachbereichs könnte der Beschwerdeführer auch kleinere Einkäufe selber vornehmen.
Der RAD ist der Auffassung, die Notwendigkeit einer lebenspraktischen Begleitung sei
medizinisch nicht begründbar. Bis zur zweiten Heirat habe sich der Beschwerdeführer
nach eigenen Angaben weitgehend selber versorgen können. Auch wenn nicht auf die
letztgenannte Begründung abgestellt wird, kann doch nach dem Dargelegten (vgl.
insbesondere E. 3.8.3) jedenfalls davon ausgegangen werden, dass es dem
Beschwerdeführer nach Massgabe des medizinisch Zumutbaren möglich ist, sich auch
ohne Dritthilfe nach draussen zu begeben. Dass der Beschwerdeführer für sämtliche
ausserhäuslichen Besorgungen und Verrichtungen auf Dritthilfe angewiesen wäre, was
anspruchsrelevant wäre (vgl. Bundesgerichtsentscheide vom 21. Juli 2008,
9C_28/2008, und vom 19. Dezember 2008, 9C_18/08 E. 4.3), lässt sich für den
vorliegend zu beurteilenden Zeitraum ausschliessen.
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Sie
sind auf Fr. 600.-- festzulegen. Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener
Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Der Beschwerdeführer hat als unterliegende Partei die Gerichtskosten zu
bezahlen. Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege vom 8. September
2014 ist er jedoch von der Bezahlung der Gebühr zu befreien.
5.3 Aufgrund der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege hat der Staat den
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers zu entschädigen. Dieser hat eine Honorarnote
vom 16. Dezember 2014 eingereicht, wonach zum Honorar von Fr. 4'222.50 (bei
bis
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ungekürztem Stundenansatz von Fr. 250.--) und den Barauslagen von Fr. 168.90 die
MWSt von Fr. 351.30 kommt, so dass sich ein Total von Fr. 4'742.70 ergibt. Angesichts
des leicht überdurchschnittlichen Aufwands rechtfertigt es sich, von dieser
Honorarnote auszugehen. Das Honorar ist allerdings nach Art. 31 Abs. 3 AnwG/SG
(sGS 963.70) um einen Fünftel (auf Fr. 3'378.--) herabzusetzen. Der Staat hat demnach
eine Entschädigung von Fr. 3'830.65 (Fr. 3'378.-- zuzüglich ungekürzte Barauslagen
von Fr. 168.90 zuzüglich Fr. 283.75 MWSt) zu bezahlen.
5.4 Wenn seine wirtschaftlichen Verhältnisse es ihm gestatten, kann der
Beschwerdeführer im Übrigen zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Auslagen
für die Vertretung verpflichtet werden (vgl. Art. 123 ZPO i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG).