Decision ID: 21bb1a62-0023-4aa2-bc88-1b9cea1832c7
Year: 2009
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_004
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A. Am 9. Dezember 2008 beurkundete Notar A. einen partiellen Erbteilungsvertrag zwischen B.
und C. Darin werden B. das Alleineigentum an der Parzelle Gemeinde D. Gbbl. Nr. 1000 und
C. das Alleineigentum an den Parzellen Gemeinde D. Gbbl. Nr. 2000 und Gemeinde D. Gbbl.
2
Nr. 3000 übertragen. Gestützt darauf meldete Notar A. die entsprechenden
Eigentumsübergänge am 26. Januar 2009 beim Kreisgrundbuchamt (fortan: Grundbuchamt)
an.
B. Mit Verfügung vom 2. April 2009 wies das Grundbuchamt die Anmeldung ab. Es erwog, C.
wohne in Frankreich und sei in der Schweiz ausschliesslich aufgrund von Grundbesitz
steuerpflichtig. Veräussere eine solche Person ein in der Schweiz gelegenes Grundstück, dürfe
der Erwerber gemäss Art. 172 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die
direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11) nur mit schriftlicher Zustimmung der Steuerverwaltung
als Eigentümer eingetragen werden. Diese Zustimmung sei trotz mehrmaliger Aufforderung
nicht eingereicht worden.
C. Gegen die Verfügung des Grundbuchamts führt Notar A. mit Eingabe vom 21. April 2009
Beschwerde bei der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK). Er beantragt
zusammengefasst, die Verfügung vom 2. April 2009 sei aufzuheben und es sei ihm eine
angemessene Parteientschädigung zuzusprechen.
In seiner Vernehmlassung vom 19. Mai 2009 beantragt das Grundbuchamt, die Beschwerde
sei abzuweisen.
Der Beschwerdeführer erhielt Gelegenheit zur Einreichung einer Stellungnahme, wovon er mit
Eingabe vom 10. Juni 2009 Gebrauch machte.

Die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion zieht i n Erwägung:
1. Weist das Grundbuchamt eine Anmeldung ab, so können der Anmeldende sowie alle übrigen,
die von der Abweisung berührt sind, innert 30 Tagen bei der kantonalen Aufsichtsbehörde
dagegen Beschwerde führen (Art. 103 Abs. 1 der Verordnung vom 22. Februar 1910 betreffend
das Grundbuch [GBV; SR 211.432.1]; vgl. auch Art. 956 Abs. 2 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches [ZGB; SR 210]). Die Legitimation zur Grundbuchbeschwerde bestimmt sich
grundsätzlich nach Art. 103 Abs. 1 GBV; im Übrigen gelten für das Verfahren die
Bestimmungen des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG;
BSG 155.21). Die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion als Aufsichtsbehörde ist zuständig
zur Beurteilung von Verwaltungsbeschwerden gegen Verfügungen des Grundbuchamtes (Art.
124 Abs. 1 des Gesetzes vom 28. Mai 1911 betreffend die Einführung des schweizerischen
Zivilgesetzbuches [EG ZGB; BSG 211.1]). Sie verfügt über die gleiche Kognition wie das
Grundbuchamt.
3
2. Notar A., der den Erbteilungsvertrag vom 9. Dezember 2008 beurkundet und beim
Grundbuchamt angemeldet hat, führt Beschwerde in eigener Sache, und zwar in seiner
Eigenschaft als Notar. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist neben der
Beschwerdebefugnis der von der Abweisung betroffenen Urkundsparteien auch diejenige der
beteiligten Urkundspersonen grundsätzlich zu bejahen (BGE 116 II 136 E. 4; BVR 1999 S. 49
E. 1, 1995 S. 267 E. 1b; PETER RUF, Notariatsrecht, Skriptum, 1995, N. 458). Der Notar kann im
eigenen Namen Beschwerde erheben, wenn sich die Abweisung auf formelle oder materielle
Gründe stützt, die seine berufliche Tätigkeit betreffen (STEFAN WOLF / ARON PFAMMATTER, in
Kommentar zum Notariatsrecht des Kantons Bern [Hrsg.: Stephan Wolf], 2009, Art. 21 N. 31).
Massgebend ist, dass der Notar ein schützenswertes Interesse hat (ROLAND PFÄFFLI, Der
Ausweis für die Eigentumseintragung im Grundbuch, Diss. St. Gallen 1999, S. 56; BN 2007 S.
19). Das schützenswerte Interesse des Beschwerdeführers liegt darin, dass im
Grundbuchbeschwerdeverfahren die richtige Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit in Frage
steht, was mit Blick auf eine allfällige Verantwortlichkeitsklage von Bedeutung sein kann. Damit
ist das Anfechtungsinteresse von Notar A. gegeben.
3. 3.1 Ein beim Grundbuchamt angemeldetes Geschäft muss im Zeitpunkt der Grundbuchanmeldung sämtliche Eintragungsvoraussetzungen aufweisen. Werden nicht
sämtliche Ausweise für eine grundbuchliche Verfügung beigebracht, so ist eine grundbuchliche
Anmeldung abzuweisen (Art. 966 Abs. 1 ZGB, Art. 24 Abs. 1 GBV). Aufgabe des
Grundbuchamts ist zu prüfen, ob die Eintragungsvoraussetzungen gegeben sind. Dazu gehört
die Prüfung, ob die Eintragung von steuerrechtlichen Voraussetzungen abhängt (ROLAND
PFÄFFLI, a.a.O., S. 48). Der vorliegend umstrittene Art. 172 DBG beschränkt die
Verfügungsfähigkeit bzw. Verfügungsbefugnis, wobei die Beschränkung im Grundbuch nicht
angemerkt werden kann und vom Grundbuchverwalter dennoch zu beachten ist (JÜRG SCHMID,
in Basler Kommentar, 3. Aufl. 2007, Art. 963 ZGB N. 35a).
3.2 Art. 172 DBG bestimmt:
1 Veräussert eine in der Schweiz ausschliesslich aufgrund von Grundbesitz (Art. 4 Abs. 1 Bst. c und 51 Abs. 1 Bst. c DBG) steuerpflichtige natürliche oder juristische Person ein in der Schweiz gelegenes Grundstück, so darf der Erwerber im Grundbuch nur mit schriftlicher Zustimmung der kantonalen Verwaltung für die direkte Bundessteuer als Eigentümer eingetragen werden. 2 Die kantonale Verwaltung für die direkte Bundessteuer bescheinigt dem Veräusserer zuhanden des Grundbuchverwalters ihre Zustimmung zum Eintrag, wenn die mit dem Besitz und der Veräusserung des Grundstückes in Zusammenhang stehende Steuer bezahlt oder sichergestellt ist oder wenn feststeht, dass keine Steuer geschuldet ist oder der Veräusserer hinreichend Gewähr für die Erfüllung der Steuerpflicht bietet. 3 Verweigert die kantonale Verwaltung die Bescheinigung, so kann dagegen Beschwerde bei der kantonalen Steuerrekurskommission erhoben werden.
4
Betroffen von dieser Norm sind natürliche Personen ohne steuerrechtlichen Wohnsitz oder
Aufenthalt in der Schweiz und juristische Personen, die weder ihren Sitz noch die tatsächliche
Verwaltung in der Schweiz haben, sofern sie in der Schweiz als Eigentümer des zu
veräussernden Grundstücks steuerpflichtig sind. Veräussert ein bloss aufgrund einer solchen
wirtschaftlichen Zugehörigkeit Steuerpflichtiger seine Liegenschaft, so steht in der Schweiz zur
Vollstreckung der mit dem (früheren) Besitz und der Veräusserung verbundenen Steuern kein
Zugriffssubstrat mehr zur Verfügung. Dem versucht Art. 172 DBG entgegenzuwirken. Mit dieser
Bestimmung soll verhindert werden, dass ausländische Veräusserer schweizerischer
Grundstücke sich der Besteuerung entziehen können (THOMAS KOLLER, Der Grundbuchverkehr
und das Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer – Überlegungen zu einer missglückten
Weichenstellung, in recht 1993 S. 39; vgl. auch Kreisschreiben der JGK vom 12. Januar 1995
betreffend Steuerrecht, Ziff. 2). Betroffen von solchen Steuern sind bei natürlichen Personen
Einkünfte aus selbständiger Erwerbstätigkeit bei der Veräusserung von Liegenschaften des
Geschäftsvermögens (Art. 18 Abs. 2 DBG) und Erträge aus unbeweglichem Vermögen (Art. 21
DBG).
3.3 Nach der Argumentation des Beschwerdeführers gelangt Art. 172 DBG vorliegend nicht zur Anwendung, da gar keine Veräusserung vorliege. Die im Ausland wohnhafte C. erwerbe mit
dem Erbteilungsvertrag wertmässig mehr Grundeigentum in der Schweiz, als ihrem hälftigen
Erbteil entspreche. Sie sei daher nicht als Verkäuferin, sondern vielmehr als Käuferin zu
betrachten. Der steuerliche Anknüpfungspunkt werde nicht geschwächt, sondern wesentlich
verstärkt. Auch aus der Berechnung der wegen dem Eigentumsübergang geschuldeten
Handänderungssteuer ergebe sich, dass C. eine Mehrzuteilung erhalte.
4. 4.1 Bei einer Erbteilung geht es darum, sämtliche Nachlassobjekte aus der mit dem Erbgang unter mehreren Erben entstandenen erbengemeinschaftlichen Gesamthandberechtigung zu
lösen und je in eine Individualberechtigung der einzelnen Erben zu überführen, damit jeder
einzelne Erbe über seine subjektiven Rechte frei verfügen kann (URS FASEL, Kommentar
Grundbuchverordnung, 2008, Art. 18 N. 126).
Es ist unbestritten, dass C. wegen ihres Wohnsitzes in Frankreich in der Schweiz nur deshalb
steuerpflichtig ist, weil sie Mitglied der Erbengemeinschaft ist, welche Eigentümerin der drei im
Erbteilungsvertrag vom 9. Dezember 2008 genannten Grundstücke ist (vgl. Art. 4 Abs. 1 Bst. c
DBG). Das Bestehen von Gesamteigentum beim Veräusserer reicht aus als Anknüpfungspunkt
für die Anwendung von Art. 172 DBG (JÜRG SCHMID, a.a.O., Art. 963 ZGB N. 35 f). Die drei
Grundstücke befinden sich im Gesamteigentum der Erben (Art. 652 ff. ZGB); jedes der beiden
Mitglieder der Erbengemeinschaft ist an jedem Grundstück rechnerisch bzw. intern je zur Hälfte
beteiligt. Durch die Erbteilung wird C. Alleineigentümerin von zwei Grundstücken, B.
Alleineigentümer des dritten Grundstückes. Beide Erben verlieren somit ihren internen hälftigen
Anteil an denjenigen Grundstücken, an denen sie nicht Alleineigentümer geworden sind.
5
Nach der Sichtweise der Vorinstanz ist der Vorgang der Erbteilung einer Veräusserung im
Sinne von Art. 172 Abs. 1 DBG gleichzusetzen. Sie geht davon aus, dass das Geschäft der
Zustimmung der Steuerverwaltung bedarf, soweit C., die im Ausland Wohnsitz hat, ihre Anteile
an ihren in der Schweiz wohnhaften Miterben B. abgibt.
4.2 Zunächst ist festzuhalten, dass Art. 172 DBG unabhängig davon gilt, ob der Erwerber in der Schweiz oder im Ausland Wohnsitz hat. Für die Steuerbehörde liegt eine Gefährdung ihrer
Steuerforderung auch dann vor, wenn das der Sicherung dienende Grundstück an eine in der
Schweiz wohnende Person veräussert wird. Die objektiven Voraussetzungen von Art. 172 Abs.
1 DBG müssen einzig beim Veräusserer vorliegen (HANS FREY, in Zweifel/Athanas [Hrsg.],
Kommentar zum schweizerischen Steuerrecht, Bd. I/2b, 2. Aufl. 2008, Art. 172 DBG N. 14).
4.3 Objektive Voraussetzung für die durch Art. 172 DBG bezweckte Sicherung der Steuerforderung ist das Vorliegen einer Veräusserung, d.h. einer entgeltlichen Übertragung des
Grundeigentums in Form einer zivilrechtlichen Handänderung. Erfolgt die Übertragung
unentgeltlich oder in Form einer wirtschaftlichen Handänderung resp. durch Belastung des
Grundeigentums, fehlen die Voraussetzungen zur Sicherung (HANS FREY, a.a.O., Art. 172 DBG
N. 14). Allerdings ist auch etwa eine Schenkung mit gleichzeitiger Einräumung einer
Nutzniessung an den Schenker eine entgeltliche Übertragung im Sinne von Art. 172 DBG:
Wenn eine im Ausland wohnhafte Person ihre Liegenschaft ihrer in der Schweiz ansässigen
Tochter verschenkt und dabei die Nutzniessung behält, so darf die neue Eigentümerin trotzdem
nur mit der Zustimmung der kantonalen Verwaltung für die direkte Bundessteuer ins
Grundbuch eingetragen werden (AGNER/JUNG/STEINMANN, Kommentar zum Gesetz über die
direkte Bundessteuer, Ergänzungsband, 1996, S. 323).
4.4 Als Folge einer Erbteilung entsteht bei den einzelnen Erben Alleineigentum zulasten des bisherigen Gesamteigentums. Die rechtliche Natur dieses Vorgangs ist umstritten. Nach JEAN
NICOLAS DRUEY (Grundriss des Erbrechts, 5. Aufl. 2002, § 16 N. 21) ist die Teilung ein
Veräusserungsgeschäft, weil der Einzelerbe Nachlassobjekte a conto seines Guthabens, d.h.
seines Erbteils, beziehe (weitere Hinweise bei STEPHAN WOLF, Grundfragen der Auflösung der
Erbengemeinschaft, 2004, S. 273-275). DRUEY räumt aber ein, der Rechtsübergang auf den
Erben werde verschiedentlich als Vorgang behandelt, der die Rechtsfolgen der Veräusserung
nicht auslöse. Beispielsweise stelle dieser Rechtsübergang vermutungsweise keinen
Vorkaufsfall unter einem Vorkaufsrecht dar (JEAN NICOLAS DRUEY, a.a.O., § 16 N. 26; ebenso
STEPHAN WOLF, a.a.O., S. 333). Ausserdem entfällt die Bewilligungspflicht nach dem
Bundesgesetz vom 16. Dezember 1983 über den Erwerb von Grundstücken durch Personen
im Ausland (BewG; SR 211.412.41), wenn die Übertragung des Grundstückes im Erbgang an
einen gesetzlichen Erben erfolgt (Art. 7 Bst. a BewG; JEAN NICOLAS DRUEY, a.a.O., § 13 N. 26).
Andere Autoren lehnen das Modell der Eigentumsübertragung bei der Erbteilung ab und
vertreten die Theorie, die Miterben würden ihr Eigentumsrecht aufgeben zugunsten des
6
einzelnen Erben. Bei letzterem würden die Beschränkungen des Eigentumsrechts wegfallen,
wodurch er Alleineigentümer werde (Hinweise bei STEPHAN WOLF, a.a.O., S. 278 f., S. 307 ff.).
Nach STEPHAN WOLF (a.a.O., S. 291-293) kann es sich bei der Erbteilung nicht um ein
Rechtsgeschäft zwischen der Erbengemeinschaft und den einzelnen Erben handeln, weil die
Erbengemeinschaft mangels Rechtsfähigkeit nicht Trägerin der Rechte des Nachlasses sei.
Vielmehr liege ein unter allen Erben abzuschliessender Vertrag zur Aufhebung der
erbengemeinschaftlichen Gesamtberechtigung vor, in dem die Alleinberechtigung jedes
Miterben dadurch erfolge, dass die anderen Miterben ihre Berechtigung aufgeben. Die
Erbteilung sei deshalb keine Veräusserung im engeren Sinn, sondern bloss eine solche im
weiteren Sinn, weil die Miterben wechselseitig ihre Rechte aufgeben, was den Charakter von
Leistung und Gegenleistung habe (STEPHAN WOLF, a.a.O., S. 330 f.).
5. 5.1 Die oben (E. 4.4) zitierte Lehre vermittelt keine einheitliches Bild, wie der Übergang des Eigentums von der Erbengemeinschaft an die einzelnen Erben rechtlich zu qualifizieren ist.
Insbesondere helfen die verschiedenen Lehrmeinungen nicht weiter bei der Beantwortung der
Frage, ob die Erbteilung unter die Veräusserung im Sinn von Art. 172 DBG fällt. Auch wenn
man mit WOLF (a.a.O., S. 330 f.) davon ausgeht, bei der Erbteilung finde bloss eine
wechselseitige Veräusserung (im weiteren Sinn) unter den Erben statt, ist damit die Frage nicht
beantwortet, wie die vorliegende besondere Konstellation zu bewerten ist. Diese zeichnet sich
dadurch aus, dass die eine Erbin gemäss Erbteilungsvertrag wertmässig mehr Grundeigentum
in der Schweiz erwerben soll, als ihrem hälftigen Erbteil entspricht.
5.2 Nach der Praxis des Bundesgerichts ist die rechtsanwendende Behörde in der Regel an den klaren und unzweideutigen Wortlaut einer Bestimmung gebunden, doch sind
Abweichungen von einem klaren Wortlaut zulässig oder sogar geboten, wenn triftige Gründe
zur Annnahme bestehen, dass dieser nicht den wahren Sinn der Bestimmung wiedergibt.
Solche Gründe können sich aus der Entstehungsgeschichte der Bestimmung, aus ihrem Sinn
und Zweck oder aus dem Zusammenhang mit anderen Vorschriften ergeben. Vom Wortlaut
kann ferner abgewichen werden, wenn die wörtliche Auslegung zu einem Ergebnis führt, das
der Gesetzgeber nicht gewollt haben kann. Im Übrigen sind bei der Auslegung alle
herkömmlichen Auslegungselemente zu berücksichtigen (systematische, teleologische und
historische; auch rechtsvergleichende), wobei das Bundesgericht einen pragmatischen
Methodenpluralismus befolgt und es ablehnt, die einzelnen Auslegungselemente einer
Prioritätsordnung zu unterstellen (BGE 124 II 265 E. 3; HÄFELIN/HALLER/KELLER, Schweizerisches
Bundesstaatsrecht, 7. Aufl. 2008, N. 127 ff.). Die teleologische Auslegung stellt ab auf die
Zweckvorstellung, die mit einer Rechtsnorm verbunden ist. Der Wortlaut einer Norm soll nicht
isoliert, sondern im Zusammenhang mit den Zielvorstellungen des Gesetzgebers betrachtet
werden (HÄFELIN/HALLER/KELLER, a.a.O., N. 120 ff.).
7
5.3 Wie oben (E. 3.2) bereits ausgeführt, besteht der Zweck der Beschränkung der Verfügungsbefugnis von Art. 172 DBG darin, der schweizerischen Steuerbehörde den Zugriff
auf das der Steuersicherung dienende Grundstück zu erhalten, bevor es verkauft wird. Die
Frage stellt sich, ob im vorliegenden Fall überhaupt ein Bedürfnis nach einer solchen Sicherung
der Zugriffsmöglichkeit besteht.
5.4 Nach dem Erbteilungsvertrag vom 9. Dezember 2008 erhalten B. das Alleineigentum an der Parzelle Nr. 1000 (amtlicher Wert bzw. Anrechnungswert: Fr. 1'050'000.–) und C. das
Alleineigentum an den Parzellen Nr. 2000 (amtlicher Wert bzw. Anrechnungswert: Fr.
1'000'000.–) und Nr. 3000 (amtlicher Wert bzw. Anrechnungswert: Fr. 1'190'000.–). Das Total
der amtlichen Werte der drei Parzellen beträgt Fr. 3'240'000.–; der Teilungsanspruch der
beiden Erben beläuft sich damit auf je Fr. 1'620'000.–. Durch die Zuweisung der Parzellen Nr.
2000 und Nr. 3000 erhält C. Grundeigentum im Wert von insgesamt Fr. 2'190'000.–, was Fr.
570'000.– über ihrem Teilungsanspruch liegt. Diese Berechnung hat denn auch die Vorinstanz
in korrekter Weise der Veranlagung der Handänderungssteuer zugrunde gelegt.
5.5 Vor der Erbteilung verfügte C. als Gesamteigentümerin über einen je hälftigen rechnerischen Anteil an den drei Grundstücken. Diese Anteile bildeten Teil ihres Vermögens,
und sie konnten im Falle einer Betreibung gepfändet und verwertet werden. Das Verfahren
richtet sich in solchen Fällen nach der Verordnung des Bundesgerichts vom 17. Januar 1923
über die Pfändung und Verwertung von Anteilen an Gemeinschaftsvermögen (VVAG; SR
281.41; vgl. dazu AMONN/WALTHER, Grundriss des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts, 8.
Aufl. 2008, § 27 N. 64 ff., § 28 N. 1). Nach vollzogener Erbteilung wird C. Alleineigentümerin
von zwei Grundstücken; im Gegenzug verliert sie ihren hälftigen Anteil am dritten Grundstück.
Bezüglich der beiden erstgenannten Grundstücke vergrössert sich das Zugriffssubstrat für
potentielle Gläubiger dieser Erbin, da nun nicht mehr nur ein Anteil, sondern je der ganze Wert
der Grundstücke der Pfändung unterliegt. Das dritte Grundstück hingegen entgeht dem Zugriff
der Gläubiger von C., da es in das Alleineigentum von B. übergeht.
Die in Art. 172 DBG vorgesehene Beschränkung der Verfügungsbefugnis soll verhindern, dass
der Steuerbehörde als Gläubigerin Zugriffssubstrat in Form von in der Schweiz gelegenen
Grundstücken entgeht, in dem diese verkauft werden. Bei den zwei Grundstücken, die ins
Alleineigentum von C. übergehen, ist nicht einzusehen, inwiefern die Sicherung der
Steuerforderung gefährdet sein soll. Vielmehr hat das Zugriffssubstrat betragsmässig
zugenommen. Weil das Grundstück nicht mehr im Gesamteigentum steht, wird ausserdem die
Verwertung vereinfacht. Anwendung findet nicht mehr das Sonderverfahren der VVAG,
sondern das gewöhnliche Verfahren nach Art. 133 des Bundesgesetzes vom 11. April 1889
über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG; SR 281.1) und der Verordnung des
Bundesgerichts vom 23. April 1920 über die Zwangsverwertung von Grundstücken (VZG; SR
281.42). Es widerspräche dem Sinn und Zweck von Art. 172 DBG, in einem solchen Fall die
Erbteilung als «Veräusserung» der Grundstücke zu betrachten und den Grundbucheintrag von
8
einer Zustimmung der Behörde abhängig zu machen. Selbst wenn man von der Konstruktion
ausgeht, bei der Erbteilung erfolge ein «Verkauf» der Gegenstände von der Erbengemeinschaft
an die einzelnen Erben, wäre die Anwendung von Art. 172 DBG vorliegend widersinnig: C., die
Wohnsitz im Ausland hat und als Eigentümerin von Grundbesitz in der Schweiz unter den
Anwendungsbereich von Art. 172 DBG fällt, wäre gleichzeitig «Veräussererin» als auch
«Käuferin» im Sinne dieser Bestimmung.
Anders verhält es sich bei der Parzelle, an welcher C. ihr Anteilsrecht vollständig zugunsten
ihres Miterben aufgibt. Hier entgeht der Steuerbehörde das Zugriffssubstrat, so dass die
Erbteilung diesbezüglich einer Veräusserung im Sinne von Art. 172 Abs. 1 DBG gleichkommt.
Betrachtet man die Erbteilung parzellenweise, so ist zusammenfassend festzuhalten, dass die
Übertragung der Parzellen Nrn. 2000 und 3000 an C. ohne Zustimmung der Steuerverwaltung
ins Grundbuch eingetragen werden könnte, während die Eintragung B. als Alleineigentümer der
Parzelle 1000 der Zustimmung nach Art. 172 DBG bedürfte. Solange diese Zustimmung nicht
vorliegt, könnte die Erbteilung daher nur mit Bezug auf die beiden zuerst genannten Parzellen
vollzogen werden.
5.6 Dieses Resultat ist indessen unbefriedigend, da sich – wie bereits dargelegt – der Wert des Grundeigentums von C. aufgrund der Erbteilung insgesamt vergrössert und ihren
Teilungsanspruch um Fr. 570'000.– übersteigt (vgl. E. 5.4). Betrachtet man die Erbteilung nicht
parzellenweise, sondern als Ganzes, vergrössert sich mit anderen Worten das Zugriffssubstrat
für die Steuerbehörde. Daraus erhellt, dass es nicht Sinn und Zweck von Art. 172 DBG sein
kann, Erbteilungen wie die vorliegende zu blockieren. Die Vorschrift ist daher dahingehend
auszulegen, dass die Zustimmung der Steuerbehörde dann nicht erforderlich ist, wenn mehrere
Grundstücke Gegenstand einer Erbteilung sind und die in der Schweiz ausschliesslich
aufgrund von Grundbesitz steuerpflichtige Person bei Aufhebung des Gesamteigentums
gesamthaft betrachtet wertmässig mehr erhält als ihrem Anteil an der Erbengemeinschaft
entsprach. In solchen Fällen entgeht der Steuerbehörde kein Zugriffssubstrat, so dass keine
Gefahr besteht, der ausländische Veräusserer schweizerischer Grundstücke könne sich der
Besteuerung entziehen.
Die Beschwerde ist daher gutzuheissen. Das Kreisgrundbuchamt hat die
Grundbuchanmeldung vom 26. Januar 2009 zu vollziehen.
6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens trägt der Kanton die Verfahrenskosten. Der
Beschwerdeführer beantragt die Zusprechung einer Parteientschädigung. Nach Art. 104 Abs. 2
VRPG kann die Verwaltungsjustizbehörde bei aufwendigen Verfahren Privaten, die ihren
Prozess selber geführt haben, eine angemessene Parteientschädigung und Auslagenersatz
zuerkennen. Solcher Ersatz wird jedoch nur ausnahmsweise und mit grosser Zurückhaltung
9
zugesprochen. Er wird auf aufwendige Verfahren beschränkt, in denen die beteiligte
Privatperson durch sorgfältige Auseinandersetzung mit den sich stellenden Fragen und durch
erheblichen persönlichen Aufwand wesentlich zur Entscheidfindung beigetragen hat
(MERKLI/AESCHLIMANN/HERZOG, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 104 N. 12; BGE
113 Ib 357). Ersetzt werden etwa Kosten eines Gutachtens, das der Beschwerdeführer in
Auftrag gegeben und bezahlt hat und das einen wichtigen Beitrag zur Entscheidfindung leisten
konnte, oder Auslagen wie hohe Reisekosten zu Augenscheinen und dergleichen. Vorliegend
liegt kein Anwendungsfall von Art. 104 Abs. 2 VRPG vor. Der Beschwerdeführer hat sich in
seiner Beschwerde zwar sorgfältig mit den sich stellenden Rechtsfragen auseinandergesetzt
und damit einen Beitrag zur Rechtsfindung geleistet. Der Aufwand dafür hat jedoch kein
aussergewöhnliches Mass erreicht, das die Zusprechung einer Parteientschädigung
rechtfertigen würde. Von der Ausrichtung eines Auslagenersatzes ist deshalb abzusehen (vgl.
BVR 1993 S. 183 E. 5).
Demnach entscheidet die Justiz-, Gemeinde- und Kirc hendirektion:
1. 1.1 Die Beschwerde wird gutgeheissen, und die Verfügung des Kreisgrundbuchamts vom 2. April 2009 aufgehoben.
1.2 Das Kreisgrundbuchamt wird angewiesen, die Grundbuchanmeldung vom 26. Januar 2009 im Sinne der Erwägungen zu vollziehen.
2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.
3.
Parteikosten werden nicht gesprochen.