Decision ID: 195251f9-ca1d-4c70-94e3-bb02aaf60d2e
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 19.04.2012 Art. 13 Abs. 1 OHG. Soforthilfe. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann die Opferhilfe nicht zur Kostentragung einer Massnahme (etwa Notunterkunft) herangezogen werden, wenn eine andere Behörde (etwa die Vormundschaftsbehörde) bereits in einem Ausmass mit dem Fall vorbefasst war bzw. genügende Kindesschutzmassnahmen erlassen hat, so dass der nachträgliche Beizug der Opferhilfe als nicht mehr nötig erscheint. Diese Voraussetzungen sind vorliegend nicht gegeben (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. April 2012, OH 2011/4).Vizepräsidentin Marie-Theres Rüegg Haltinner, Versicherungsrichterinnen Marie Löhrer und Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiber Jürg SchutzbachEntscheid vom 19. April 2012in SachenA._,Rekurrentin,vertreten durch B._,zusätzlich vertreten durch Markus Riz, Rechtsagent, Rechts- und Gemeindeberatung, Sonnenbühlstrasse 3, 9200 Gossau SG,gegenStiftung Opferhilfe der Kantone SG/AI/AR, Teufenerstrasse 11, Postfach, 9001 St. Gallen,Vorinstanz,betreffendKostenbeiträge (Schlupfhuss-Aufenthalt 13.7.-7.9.2010)Sachverhalt:
A.
Am 5. August 2010 stellte das Kinderschutzzentrum St. Gallen bei der Stiftung
Opferhilfe der Kantone SG/AI/AR ein Gesuch um Kostengutsprache in Höhe von Fr.
1'050.-- (Kostgeld Fr. 50.-- x 21 Tage) für die Notplatzierung von A._ ab dem 13. Juli
2010 bis auf Weiteres im Schlupfhuus St. Gallen. A._, Jahrgang 1993, werde offenbar
seit Jahren regelmässig vom Vater geschlagen, das letzte Mal am 3. Juli 2010. Er habe
sie mit den Fäusten ins Gesicht und auf die Arme geschlagen. Sie habe daraufhin eine
geplatzte Lippe und Hämatome an den Armen gehabt. Zudem sei es am 13. Juli 2010
zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen dem Vater von A._ und ihrem Freund
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gekommen, was den unmittelbaren Auslöser für den Eintritt ins Schlupfhuus dargestellt
habe (act. G 5.1). Am 24. August 2010 beschied die Opferhilfe dem
Kinderschutzzentrum, dass es Aufgabe der Vormundschaftsbehörde sei, zusammen
mit den Eltern eine geeignete Unterbringung zu veranlassen (act. G 5.2). Nachdem das
Sozialamt mit Schreiben vom 7. September 2010 bei der Opferhilfe eine rekursfähige
Verfügung verlangt hatte, wurde diesem am 15. September 2010 mitgeteilt, dass kein
Gesuch einer legitimierten Person vorliege. Es gehe um das Kostgeld, das von den
Eltern zu tragen sei. Auch deren Gesuch wäre abzuweisen, da sie selbst Täter seien
(act. G 5.3 und 5.4). Mit einem weiteren Gesuch vom 4. Januar 2011 ersuchte der
Rechtsvertreter von A._ die Stiftung Opferhilfe SG/AI/AR, die Kosten für den
Aufenthalt im Schlupfhuus vom 13. Juli 2010 bis zum 7. September 2010 in Höhe von
Fr. 3'141.40 gutzusprechen (act. G 5.7). Nachdem der Rechtsvertreter am 26. Januar
2011 von der Stiftung Opferhilfe zu einer weiteren Stellungnahme eingeladen worden
war, erliess diese am 22. März 2011 eine ablehnende Verfügung. Da vorliegend der
Vater Täter sei, gehe seine Unterhaltspflicht den Leistungen der Opferhilfe vor (act. G
5.8 und 5.11).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich der vorliegende Rekurs vom 5. April 2011 mit
den Anträgen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz sei zu
verpflichten, die Kosten für den Aufenthalt der Rekurrentin im Schlupfhuus St. Gallen
vom 13. Juli 2010 bis zum 7. September 2010 zu übernehmen. In formeller Hinsicht
wird gerügt, dass die Vorinstanz ihrer Begründungspflicht im Sinn von Art. 24 VRP
nicht nachgekommen sei. So werde zur Begründung im Wesentlichen auf das
Schreiben vom 26. Januar 2011 verwiesen, womit wohl die darin genannten
Begründungen Anwendung finden sollten. Eine eigentliche Begründung mit formell-
und materiellrechtlichen Hinweisen fände sich dagegen nicht. Sinn des OHG sei es,
dem Opfer bei der Bewältigung aller Folgen der Straftat umfassend und wirksam zu
helfen sowie eine opferbedingte Notlage zu vermeiden und nicht bloss Lücken zu
schliessen. Die Vorinstanz wiederhole ihre Behauptung, die Vormundschaftsbehörde
Gossau sei schon früher einbezogen worden. Dies sei schlicht tatsachenwidrig. Ebenso
wenig treffe zu, dass von der Vormundschaftsbehörde ein hinreichender Schutz
bewirkt worden sei. Im Gegenteil habe die Vormundschaftsbehörde Gossau bis zum
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heutigen Zeitpunkt keine einzige Kindesschutzverfügung erlassen. Trete eine
unmündige Person als Opfer eines Gewaltdelikts der Eltern oder eines Elternteils in ein
Schlupfhuus ein, habe es Anspruch auf Opferhilfe. Daran ändere auch nichts, wenn
sich die Vormundschaftsbehörde nachträglich mit der Fremdplatzierung einverstanden
erkläre. Vorliegend habe sich das Vormundschaftsamt Gossau bis dato nicht mit dem
Fall befasst, auch sei keine Verfügung dieser Behörde ergangen. Der Aufenthalt im
Schlupfhuus sei somit keinesfalls von der Vormundschaftsbehörde organisiert,
geschweige denn angeordnet worden. In der angefochtenen Verfügung bringe die
Vorinstanz nur noch das Argument, die Opferhilfe sei nicht leistungspflichtig, da der
Vater der Täter sei und seine Unterhaltspflicht der Opferhilfe vorgehe. Diese
Argumentation widerspreche jedoch der Zielsetzung und den Intentionen des
Gesetzgebers, der eine rasche und unbürokratische Befriedigung der Ansprüche des
Opfers verlange. Immer dann, wenn der verpflichtete Dritte keine genügende Leistung
erbringen könne oder tatsächlich erbringe, müsse die Opferhilfe Leistungen erbringen.
Da bei notwendigen Soforthilfen - wie im vorliegenden Fall - generell davon
auszugehen sei, dass auch der innerfamiliäre Täter und Unterhaltspflichtige für die
entsprechenden Kosten weder sofort eine Gutsprache leiste noch zeitgemäss dafür
aufkommen werde, habe die Opferhilfe durch die sofortige Finanzierung von
notwendigen Aufenthalten etwa im Frauenhaus oder im Schlupfhuus die erforderliche
Hilfe rasch, unbürokratisch und wirksam sicherzustellen. Darauf seien gerade Kinder
als Opfer von Straftaten, deren Täter im eigenen Haushalt lebten, am meisten
angewiesen. Solange die Bedrohungssituation andauere und der Aufenthalt notwendig
sei, habe somit die Vorinstanz im Rahmen der Sofort- und weiteren Hilfe für die
Unterbringung der Rekurrentin im Schlupfhuus aufzukommen. Dies sei vorliegend vom
13. Juli 2010 bis zum 7. September 2010 der Fall (act. G 1).
B.b Mit Vernehmlassung vom 14. Juni 2011 beantragt die Vorinstanz Abweisung des
Rekurses. Gemäss Art. 307 ZGB habe die Vormundschaftsbehörde geeignete
Massnahmen zu treffen, wenn das Kindeswohl gefährdet sei und die Eltern nicht von
sich aus für Abhilfe sorgten. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung gehe davon aus,
dass mit den von einer Vormundschaftsbehörde getroffenen Massnahmen ein
hinreichender Schutz des Kindes bewirkt werde, sodass keine rein finanzielle Hilfe
durch die Opferhilfe mehr nötig sei. Die Opferhilfe solle nicht nachträglich Leistungen
der Sozialhilfe ersetzen, und die blosse Möglichkeit einer späteren Rückforderung von
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Sozialhilfeleistungen beim Opfer stelle keinen aktuellen Schaden dar, der schon im
heutigen Zeitpunkt zu ersetzen sei. Vorliegend sei im Gesuch des
Kinderschutzzentrums das Bestehen von Kindesschutzmassnahmen bejaht worden. Da
mit einer Aufnahme im Schlupfhuus das Kind den Eltern entzogen werde, mache das
Schlupfhuus bei Neueintritten jeweils sofort eine Gefährdungsmeldung an die
zuständige Vormundschaftsbehörde, die auf Grund ihres gesetzlichen Auftrags
zuständig sei, umgehend die notwendigen Schritte vorzunehmen bzw. die
Notwendigkeit von Massnahmen zu prüfen, auch wenn dies in der Praxis nicht immer
im Sinn einer formellen Kindesschutzmassnahme geschehen möge. Die
Vormundschaftsbehörde habe in diesen Fällen zwingend in irgend einer Form tätig zu
werden. Für den Umgang mit innerfamiliären Konflikten und die Platzierung von
Unmündigen sei die Vormundschaftsbehörde die geeignete Institution. Gerade bei
längeren Fremdplatzierungen stelle sich irgendwann die Frage der Unterhaltspflicht der
Eltern. Mit dem OHG wolle man nicht in den Aufgaben- und Zuständigkeitsbereich der
Gemeinden und in ein gut funktionierendes System im Bereich Kindesschutz
hineindrängen und auch keine Kostenumwälzung von der Gemeinde auf den Kanton
vornehmen. Vorliegend sei mit der Platzierung im Schlupfhuus ein hinreichender Schutz
für die Rekurrentin erreicht und mit der erteilten Kostengutsprache durch die Gemeinde
die Finanzierung geregelt worden, sodass kein Bedürfnis für eine Unterstützung durch
die Opferhilfe mehr bestehe (act. G 5).
Mit Replik vom 8. August 2011 hält der Rechtsvertreter der Rekurrentin an seinen
Anträgen fest. Die von der Vorinstanz zitierten Urteile des Bundesgerichts seien nicht
einschlägig, seien doch vorliegend von der Vormundschaftsbehörde keinerlei
Kindesschutzmassnahmen angeordnet worden. Ebenso wenig sei ein Obhutsentzug,
eine Beistandschaft oder eine Unterbringung im Schlupfhuus angeordnet worden.
Zudem habe die Sozialhilfebehörde keine finanzielle Sozialhilfe geleistet; sie habe sogar
ausdrücklich die Kostengutsprache für den Aufenthalt im Schlupfhuus gestützt auf den
Vorrang der Opferhilfe verweigert. Die Opferhilfe gehe fälschlicherweise davon aus,
dass in jedem Fall von Eintritt in das Schlupfhuus zwingend eine
Kindesschutzmassnahme notwendig sei. Dem sei natürlich mit Rücksicht auf die
Grundsätze von Subsidiarität, Komplementarität und Verhältnismässigkeit nicht so. Die
Vormundschaftsbehörde werde zwar tätig, könne aber gestützt auf die genannten
Grundsätze zum Schluss kommen, keine Massnahme anzuordnen, weil die Eltern von
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Beratungsangeboten Gebrauch gemacht und mit Bezug auf die Gefährdung des
Kindeswohls selbst für Abhilfe im Sinn von Art. 307 Abs. 1 ZGB gesorgt hätten. Im Fall
der Rekurrentin habe bisher keine spezifische kindesrechtliche Gefährdungslage
vorgelegen, bei welcher die Eltern bis dahin die Kindesinteressen nicht hinreichend
hätten wahren können. Die Vormundschaftsbehörde habe sich vorgängig nicht mit der
Rekurrentin befassen müssen, weshalb auch keine Kindesschutzmassnahmen
beständen. Dafür bestehe ein voller Anspruch auf Leistungen der Opferhilfe. Weiter sei
nicht allein entscheidend, dass die Eltern unterhaltspflichtig seien und diese
Leistungspflicht der Eltern der sozialhilferechtlichen Finanzierung vorgehe. Vielmehr
habe das Kind auf Grund der Opfereigenschaft einen Anspruch auf Hilfe, entstehe doch
der Schaden durch die Straftat, die der Täter begangen habe. Es sei deshalb
legitimiert, ein Gesuch zu stellen. Nachdem die Rekurrentin von ihrem Vater
geschlagen worden sei, habe sie Anspruch auf Opferhilfe, insbesondere auf Soforthilfe
und längerfristige Hilfe. Ansonsten könnte kein minderjähriges Opfer von häuslicher
Gewalt Leistungen der Opferhilfe beantragen. Auf den Rekurs der Rekurrentin sei damit
materiell einzutreten. Es sei befremdend, wenn die Vorinstanz das Gesuch um
Opferhilfe ohne nähere Prüfung der Verhältnisse und der erforderlichen Dauer des
Aufenthalts im Schlupfhuus abgewiesen habe (act. G 7).
B.c Mit Duplik vom 19. Oktober 2011 hält auch die Vorinstanz an ihrem Antrag auf
Abweisung des Rekurses fest. In der Replik werde geltend gemacht, dass vorliegend
das Gemeinwesen keine Kindesschutzmassnahmen angeordnet habe. Zu diesen
gehöre auch die Entziehung der elterlichen Obhut. Dies werde im Fall eines Eintritts ins
Schlupfhuus notwendig, andernfalls sich das Schlupfhuus wegen Entziehung von
Unmündigen strafbar machen würde. Dadurch erkläre sich der Kontakt zu den in den
Gesuchen aufgeführten Ansprechpersonen bei den Vormundschaftsbehörden und das
Bejahen von Kindesschutzmassnahmen. Bei einem fast zweimonatigen Aufenthalt der
Rekurrentin im Schlupfhuus erscheine ausserdem ein formeller Obhutsentzug
zwingend. Zumindest aber sei ein Tätigwerden der Vormundschaftsbehörde notwendig
zur Klärung der Frage, ob das Kindswohl gefährdet sei. Dass dies nicht im Sinn einer
formellen Kindesschutzmassnahme geschehen sei, ändere an der Zuständigkeit der
vormundschaftlichen Behörden nichts. In Fällen wie dem vorliegenden brauche es
keine Opferhilfe, da die Kinder bereits durch die zivilrechtlichen Möglichkeiten
genügend Hilfe erhielten und deren Organisation und Finanzierung durch die
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Vormundschafts- und Sozialhilfebehörden geregelt sei. Zwar sei die Rekurrentin als
Opfer anzusehen und habe deshalb grundsätzlich Anspruch auf Opferhilfeleistungen.
Dies sei jedoch nur dort der Fall, wo ihr selber durch die erhaltene Hilfe ein finanzieller
Schaden entstehe. Nachdem vorliegend die Eltern das Kostgeld zu tragen hätten, träfe
dies hier nicht zu (act. G 11).

Erwägungen:
1.
1.1 Die angefochtene Verfügung stützt sich auf das Bundesgesetz über die Hilfe an
Opfern von Straftaten (Opferhilfegesetz, OHG [SR 312.5]). Verfügungen der
Beratungsstelle über Sofort- oder längerfristige Hilfe gemäss Art. 13 OHG können beim
Versicherungsgericht innert 14 Tagen angefochten werden (Art. 32 des
Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Straf- und Jugendstrafprozessordnung [sGS
962.1] in Verbindung mit Art. 42 Abs. 1 lit. e und Art. 47 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [sGS 951.1]).
1.2 Insoweit die Vorinstanz geltend macht, die Rekurrentin sei durch den Aufenthalt
im Schlupfhuus finanziell nicht belastet, weshalb ihr (implizit) keine Rekurslegitimation
zukomme (Duplik, S. 4 Ziff. 4), kann dem nicht gefolgt werden. Der Anspruch auf
Opferhilfe steht selbstredend dem Opfer zu. Grundsätzlich hat sodann die betroffene
Person selbst für einen allfälligen Selbstbehalt in einer Notunterkunft aufzukommen.
Daran vermag nichts zu ändern, dass bei minderjährigen Opfern die Eltern an deren
Statt die entsprechenden Kosten übernehmen müssen. Es kann somit nicht gesagt
werden, die Rekurrentin werde durch die Auferlegung eines Kostgeldes finanziell nicht
belastet. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz hat das Bundesgericht in BGE 125 II 232
E. 1b und 1A.249/2000 E. 2 sodann nicht gesagt, die blosse Möglichkeit, empfangene
Sozialhilfe später zurückerstatten zu müssen, stellten keinen aktuellen Schaden dar,
der schon zum heutigen Zeitpunkt über die Opferhilfe abzugelten sei. Vielmehr hat das
Bundesgericht in diesen Urteilen gerade entschieden, es genüge für ein aktuelles
schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung der Verfügung, wenn eine spätere
Rückzahlungspflicht nicht ausgeschlossen werden könne. Beim Bezug unmündige
oder in Ausbildung befindliche Personen haben im Kanton St. Gallen empfangene
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finanzielle Sozialhilfe zurückzuerstatten, soweit sie aus Erbschaft bereichert sind (Art.
18 Abs. 3 des Sozialhilfegesetzes [sGS 381.1]). Mithin kann nicht ausgeschlossen
werden, dass die Rekurrentin Sozialhilfe zurückerstatten müsste, weshalb sie zum
vorliegenden Rekurs legitimiert ist. Nachdem der Rekurs rechtzeitig beim
Versicherungsgericht eingereicht wurde und die Rekurrentin ein aktuelles
schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung der angefochtenen Verfügung hat, ist
darauf einzutreten.
2.
Die Beratungsstellen leisten dem Opfer und seinen Angehörigen sofort Hilfe für die
dringendsten Bedürfnisse, die als Folge der Straftat entstehen (Soforthilfe; Art. 13
Abs. 1 OHG). Sie leisten dem Opfer und dessen Angehörigen soweit nötig zusätzliche
Hilfe, bis sich der gesundheitliche Zustand der betroffenen Person stabilisiert hat und
bis die übrigen Folgen der Straftat möglichst beseitigt oder ausgeglichen sind
(längerfristige Hilfe; Art. 13 Abs. 2 OHG). Die Beratungsstellen können die Soforthilfe
und die längerfristige Hilfe durch Dritte erbringen lassen (Art. 13 Abs. 3 OHG). Die
Leistungen der Beratungsstellen umfassen die angemessene medizinische,
psychologische, soziale, materielle und juristische Hilfe in der Schweiz, die als Folge
der Straftat notwendig geworden ist. Die Beratungsstellen besorgen dem Opfer oder
seinen Angehörigen bei Bedarf eine Notunterkunft (Art. 14 Abs. 1 OHG). Der Anspruch
auf Opferhilfe besteht unabhängig davon, ob der Täter oder die Täterin ermittelt
worden ist, sich schuldhaft verhalten oder vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt hat
(Art. 1 Abs. 3 OHG). Die Beratung, die Soforthilfe und die von den Beratungsstellen
erbrachte längerfristige Hilfe sind sodann für das Opfer und seine Angehörigen
unentgeltlich (Art. 5 OHG).
2.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss die Beeinträchtigung von
einem gewissen Gewicht sein. Bagatelldelikte wie z.B. Tätlichkeiten, die nur
unerhebliche Beeinträchtigungen bewirken, sind daher vom Anwendungsbereich des
Opferhilfegesetzes grundsätzlich ausgenommen. Massgebend für das Vorliegen der
Opfereigenschaft ist jedoch nicht die Schwere der Tat, sondern der Grad der
Betroffenheit der geschädigten Person. Danach ist entscheidend, ob die
Beeinträchtigung der geschädigten Person in ihrer körperlichen, sexuellen oder
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psychischen Integrität das legitime Bedürfnis begründet, die Hilfsangebote und die
Schutzrechte des Opferhilfegesetzes in Anspruch zu nehmen (Entscheid vom
15. Dezember 2003 [1P.610/2003 E. 1.2]).
Auch im Opferhilfegesetz gilt der Grundsatz, wonach eine Entschädigung (bzw. Hilfe)
nur dann geschuldet ist, wenn ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem
vom Opfer erlittenen Schaden (bzw. der Notsituation) und der Straftat besteht. Wie im
Haftpflichtrecht handelt es sich dabei um eine unabdingbare Voraussetzung für die
Leistungspflicht (vgl. AJP 2003 Nr. 12 S. 1487). Das Erfordernis des adäquaten
Kausalzusammenhangs besteht darin, zu erfahren, ob das eine Haftung auslösende
Element - die Straftat - nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der
allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des
eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des Erfolges also durch das Ereignis
allgemein als begünstigt erscheint (vgl. BGE 123 lll 112).
3.
3.1 Gemäss den unbestritten gebliebenen Angaben der Rekurrentin im
Befragungsprotokoll der Kantonspolizei St. Gallen vom 4. Juli 2010 wurde sie von
ihrem Vater ins Gesicht und auf die Arme geschlagen, was eine aufgeplatzte Lippe und
blaue Flecken an den Armen zur Folge hatte. Weiter gab sie an, deswegen nie einen
Arzt aufgesucht zu haben (act. G 1.3). Ohne die strafrechtliche Qualifikation
abschliessend vornehmen zu wollen, dürfte es sich hierbei um eine Tat im
Grenzbereich zwischen Tätlichkeit und einfacher Körperverletzung gehandelt haben.
Ein Schlag ins Gesicht mit sichtbaren Verletzungen erscheint demnach gravierender als
blosse Beulen am Kopf oder (Bagatell-) Verletzungen an weniger gut sichtbaren
Körperstellen (vgl. Entscheid vom 19. April 2012 [OH 2011/02] E. 3.1). Auch wenn die
Rekurrentin insgesamt keine sehr gravierenden Verletzungen erlitten hat, erscheint
doch die Platzierung im Schlupfhuus als angezeigt, um sie vor den Übergriffen des
Vaters zu schützen. Dies wird denn auch von der Vorinstanz nicht grundsätzlich
bestritten. Vielmehr geht auch die Vorinstanz ausdrücklich davon aus, dass die
Rekurrentin Opfer sei, jedoch keinen materiellen Schaden erlitten habe. Im Übrigen
zweifelt die Vorinstanz die notwendige Dauer des Aufenthalts im Schlupfhuus an (act.
G 11 Ziff. 4), was noch zu prüfen sein wird. Nach dem Gesagten erscheint die
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Rekurrentin als Opfer im opferhilferechtlichen Sinn, womit sie bei Vorliegen der übrigen
Voraussetzungen Anspruch auf Opferhilfe hat.
Vorliegend ist im Wesentlichen umstritten, ob die Vormundschaftsbehörde Gossau
bereits in einem Ausmass mit dem Fall vorbefasst war bzw. genügende
Kindesschutzmassnahmen erlassen hat, so dass der nachträgliche Beizug der
Opferhilfe als nicht mehr nötig erscheint. Diesbezüglich macht die Vorinstanz geltend,
die Rekurrentin sei mit der Platzierung im Schlupfhuus hinreichend geschützt und mit
der durch die Gemeinde erteilten Kostengutsprache sei die Finanzierung geregelt
worden, sodass kein Bedürfnis für eine Unterstützung durch die Opferhilfe mehr
bestehe. Zudem seien im Gesuch Kindesschutzmassnahmen bejaht und die
Vormundschaftsbehörde Gossau als Vertreterin der Rekurrentin bezeichnet worden.
Diesen Ausführungen ist jedoch entgegen zu halten, dass die von der Vorinstanz
zitierten und in den Empfehlungen der Schweizerischen Verbindungsstellen-Konferenz
OHG (SVK-OHG) aufgeführten Bundesgerichtsentscheide (BGE 125 II 230 E. 3a; 1A.
249/2000 E. 4a vom 26. Januar 2001) sich vom vorliegend zu beurteilenden Fall
dadurch unterscheiden, dass in jenen Fällen eine deutlich abgrenzbare erste Phase
vorausging, in der jeweils nur die Vormundschaftsbehörde involviert war. So wurde im
erstgenannten Fall die Opferhilfe erst rund zwei Jahre nach Heimeintritt der betroffenen
Kinder/Jugendlichen um Kostenübernahme ersucht. Zu diesem Zeitpunkt war aber
nach den Ausführungen des Bundesgerichts keine Vermittlung von Dritthilfe mehr
notwendig. Im zweiten Fall ging es in einer ersten Phase ebenfalls "nur" um
Kindesschutzmassnahmen, ohne dass zu dieser Zeit das Vorliegen einer Straftat ins
Auge gefasst werden konnte. Die Frage der Opferhilfe kam erst mit dem nachträglichen
Bekanntwerden der sexuellen Übergriffe und der Verurteilung des Ex-Freundes der
Mutter gegenüber deren Sohn auf. Auch hier stellte das Bundesgericht fest, dass die
Notlage des Opfers mit den durch die Vormundschaftsbehörde angeordneten und vom
Sozialdienst finanzierten Massnahmen behoben worden sei. Insgesamt ist somit davon
auszugehen, dass nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine Beteiligung der
Opferhilfe nur dann nicht mehr notwendig ist, wenn von einem bereits
abgeschlossenen Sachverhalt ausgegangen werden kann und die Opferhilfe lediglich
noch im Nachhinein als blosser Kostenträger herangezogen werden soll. Das
Versicherungsgericht St. Gallen hat sodann bereits mehrmals entschieden, dass eine
Leistungspflicht der Opferhilfe (weiter) bestehen könne, auch wenn eine
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Fremdplatzierung nicht nur aus opferhilferechtlichen, sondern auch aus
kindesschutzrechtlichen Gründen erfolgt (Urteil des Versicherungsgerichts vom 26.
März 2004 [OH 2002/2] E. 4 und 5). Ferner hat das Versicherungsgericht im Urteil OH
2005/1 vom 22. September 2005 (S. 9 E. 3c) ausdrücklich festgehalten, dass die
Leistungspflicht nicht automatisch nach Tätigwerden der Vormundschaftsbehörde
ende. Die Meinung der Vorinstanz, wonach Kindesschutzmassnahmen grundsätzlich
nicht durch die Opferhilfe, sondern durch die Eltern bzw. die Sozialhilfe zu finanzieren
seien, würde darauf hinaus laufen, dass Minderjährige praktisch keine Hilfe nach
Art. 13 OHG für sich in Anspruch nehmen könnten. Ein derartiger Ausschluss ist
indessen im OHG nicht vorgesehen. Vielmehr ist im Einzelfall zu prüfen, ob und wie
lange eine Hilfe im Sinne von Art. 13 OHG auch bei Minderjährigen angezeigt ist (vgl.
auch Entscheid OH 2007/2 E. 3c vom 2. Oktober 2007).
Vorliegend brauchte die Rekurrentin gemäss (unbestrittenen) Angaben des
Kinderschutzzentrums bisher noch keine ausserhäusliche Unterkunft (act. G 5.1).
Vielmehr stellt die streitige Unterbringung im Schlupfhuus die erste Massnahme dieser
Art dar. Der Eintritt im Schlupfhuus erfolgte am 13. Juli 2010. Noch während der
Massnahme erfolgte am 5. August 2010 die Anmeldung bei der Opferhilfe (act. G 5.1).
Wenn auch hier - ähnlich wie im genannten BGE 125 II 236 E. 3c - die Unterbringung
im Schlupfhuus teilweise einen kindesschutzrechtlichen Charakter aufweist, kann doch
im Sinn einer Gesamtbeurteilung nicht gesagt werden, jener überwiege ohne Weiteres
den durch die mögliche Straftat des Vaters verursachten Aufenthalt im Schlupfhuus.
Jedenfalls lag zum Zeitpunkt des Eintritts in das Schlupfhuus unbestrittenermassen
noch eine mögliche Gefährdung der Rekurrentin vor, der nur mit der Fremdplatzierung
in einer geeigneten Institution begegnet werden konnte. Im Weiteren war durch das
zeitnah gestellte Gesuch um Leistungen der Opferhilfe sichergestellt, dass diese noch
Einfluss auf den weiteren Fortgang der Unterbringung hätte nehmen können, wenn sie
das Schlupfhuus als ungeeignet oder unnötig erachtet hätte. Schliesslich verhält es
sich vorliegend auch nicht so, dass die Vormundschaftsbehörde Gossau die fragliche
Hilfe bereits finanziert hätte. Bei einem Aufenthalt im Schlupfhuus fällt für die Opfer
(bzw. - da bei dieser Institution die Opfer definitionsgemäss minderjährig sind - für die
Eltern) als Kosten von Vornherein nur das sogenannte Kostgeld an. Allein dieses kann
Gegenstand der von der Opferhilfe zu übernehmenden Leistungen sein. Die restlichen
Betriebskosten (also das Defizit) werden vom Kanton und den Gemeinden je hälftig
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getragen, von letzteren abhängig von ihrer Einwohnerzahl und der Anzahl
Belegungstage durch in der jeweiligen Gemeinde wohnhafte Personen (vgl. dazu Urteil
des Versicherungsgerichts vom 22. September 2005 [OH 2005/1] E. 3d). Nebst dem
unbestrittenermassen noch offenen Kostgeld gab es daher keine unmittelbar durch die
Vormundschaftsbehörde bzw. durch die Sozialhilfe zu finanzierenden Kosten.
Zusammenfassend ist damit festzustellen, dass es vorliegend zum Zeitpunkt der
Antragstellung sehr wohl darum ging, die mit dem Opferhilfegesetz beabsichtigten
Ziele der Wiederherstellung des vordeliktischen Zustandes zu verwirklichen und
sicherzustellen, dass die Rekurrentin keinen erneuten Übergriffen des Vaters
ausgesetzt ist. Es verhält sich mithin gerade nicht so wie in BGE 125 II 237 E. 3f und
1A.249/2000 E. 4d, wo das Bundesgericht festgestellt hat, dass der angestrebte
Schutzzweck bereits durch anderweitige, längst angeordnete und finanzierte
Massnahmen sichergestellt und die Opferhilfe lediglich noch im Nachhinein als
Kostenträger hätte herangezogen werden sollen. Nachdem es vorliegend um eine
dringliche Massnahme geht, die die Rekurrentin primär vor möglichen weiteren
Übergriffen des Vaters schützen sollte, hat die Vorinstanz grundsätzlich für die Kosten
(Kostgeld) des Aufenthalts der Rekurrentin im Schlupfhuus unter dem Titel der
Soforthilfe aufzukommen (Art. 13 Abs. 1 OHG). Wenn die Vorinstanz in diesem
Zusammenhang geltend macht, es sei stossend, dass erziehungsunfähige Eltern selber
für die Kosten der Fremdplatzierung ihrer Kinder aufkommen müssten, während diese
bei gewalttätigen Eltern von der Opferhilfe übernommen würden, sei darauf
hingewiesen, dass auch in letzterem Fall auf den verursachenden Elternteil als Täter
zurückgegriffen werden kann (vgl. Art. 7 Abs. 1 OHG).
Im Gesuch vom 5. August 2010 beantragte das Kinderschutzzentrum
Kostengutsprache für 21 Tage (Fr. 1'050.--). Demgegenüber beantragte der
Rechtsvertreter der Rekurrentin mit Schreiben vom 4. Januar 2011, es seien die Kosten
für den gesamten Aufenthalt im Schlupfhuus vom 13. Juli 2010 bis zum 7. September
2010 in Höhe von Fr. 3'141.40 (57 Tage à Fr. 50.--, zuzüglich Nebenauslagen von Fr.
291.40) von der Vorinstanz zu übernehmen. Aus dem Kurzbericht vom 14. August 2010
ergibt sich, dass für die Rekurrentin auch einen Monat nach Eintritt ins Schlupfhuus
eine Rückkehr nach Hause noch nicht in Frage kam, da sie weiterhin Angst vor den
Schlägen des Vaters hatte. Auch die Koordinationsperson des Schlupfhuus ging davon
aus, dass die Beziehung zwischen der Rekurrentin und ihren Eltern noch nicht
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entspannt sei. Sie empfahl deshalb zumindest vorläufig eine Fremdplatzierung der
Rekurrentin, etwa in einer Wohngruppe. Es habe auch bereits ein Vorstellungsgespräch
bei der Kinder- und Jugendhilfe stattgefunden. Es sei sinnvoll und notwendig, dass die
Rekurrentin noch mindestens bis zur definitiven Unterzeichnung eines Lehrvertrags von
Fachleuten begleitet werde. Zur Ausbildungssituation führte die Koordinatorin aus, die
Rekurrentin absolviere im Anschluss an eine Schnupperlehre ab Juli 2010 ein
einjähriges Praktikum in einem Modegeschäft. Danach wolle sie eine Lehre im
Detailhandel beginnen (act. G 1.4). Mithin ging es beim fraglichen Schlupfhuus-
Aufenthalt auch um die Organisation der Ablösung der Rekurrentin von ihrem
Elternhaus. Eine passende Möglichkeit schien mit der provisorischen Reservierung
eines Zimmers auch bereits gefunden. Wie sich aus dem Kurzbericht weiter ergibt,
wurde für die Unterbringung der Rekurrentin in der Wohngruppe der Kinder- und
Jugendhilfe beim Sozialamt Gossau um Kostengutsprache nachgesucht (act. G 1.4).
Zwar ist die Rekurrentin anschliessend offenbar nicht wie vorgesehen in die
Wohngruppe eingetreten, sondern wieder nach Hause zurückgekehrt (act. G 1.6 S. 2).
Unbestritten und durch die fragliche Abrechnung vom 27. Oktober 2010 belegt ist aber
in jedem Fall der Aufenthalt im Schlupfhuus bis 7. September 2010 (act. G 5.7c),
sodass dieser die zeitliche Grenze der durch die Vorinstanz zu übernehmenden Kosten
bildet. Nachdem gemäss den Angaben des Schlupfhuus im Bericht vom 14. August
2010 jedenfalls Mitte August 2010 auch eine Rückkehr nach Hause noch nicht sinnvoll
erschien, ist davon auszugehen, dass die gesamte Dauer des Aufenthalts (13. Juli 2010
bis 7. September 2010) durch das möglicherweise strafbare Verhalten des Vaters
bedingt war und damit von der Vorinstanz zu übernehmen ist. In Bezug auf die geltend
gemachten Nebenauslagen von Fr. 291.40 ist darauf zu verweisen, dass diese wohl
zum grössten Teil nicht mit der Straftat in einem ursächlichen Zusammenhang stehen.
So gehören etwa das Taschengeld, die Hygieneartikel und die Telefonkosten zu den
ohnehin von den Eltern zu übernehmenden Unterhaltskosten. Auch in Bezug auf die
Kosten des öffentlichen Verkehrs (Ostwindabonnement, Mehrfahrtenkarten) ist nicht
zwingend von einer durch die Straftat verursachten Notwendigkeit der Auslagen
auszugehen. So erreichte die Rekurrentin 2010 das 17. Lebensjahr und war somit in
einem Alter, in dem sie ohnehin öfters mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs ist
(Schnupperlehre, Lehre, Berufsschule, Ausgang). Diesbezüglich könnte ein Aufenthalt
in St. Gallen gegenüber dem Wohnort in Gossau sogar vorteilhaft gewesen sein. Wie
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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St.Galler Gerichte
das Versicherungsgericht in seinem Entscheid vom 16. November 2007 entschieden
hat, ist zudem davon auszugehen, dass sich allfällige Mehr- und Minderkosten bei
einem Aufenthalt im Schlupfhuus gegenüber dem Aufenthalt zu Hause in etwa
aufwiegen und eine in jedem Einzelfall vorzunehmende detaillierte Rechnung weder
praktikabel noch sinnvoll ist (OH 2007/3 E. 3c). Die geltend gemachten Nebenauslagen
sind demzufolge nicht von der Vorinstanz zu übernehmen.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist der Rekurs teilweise gutzuheissen und die Vorinstanz zu
verpflichten, die Kosten des Schlupfhuus-Aufenthalts der Rekurrentin im Umfang von
Fr. 2'850.-- (57 Tage à Fr. 50.--) zu übernehmen. Gerichtskosten sind weder von der
Rekurrentin noch von der Vorinstanz zu erheben (Art. 30 Abs. 1 OHG, Art. 95 Abs. 3
VRP).
4.2 Hingegen hat die Rekurrentin bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf
teilweisen Ersatz der Parteikosten (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die Parteikosten werden vom
Versicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der
Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar für das Verfahren vor
Versicherungsgericht pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.-- (Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO;
sGS 963.75). Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht, so dass die
Parteientschädigung ermessensweise festzusetzen ist. Vorliegend erscheint eine
Entschädigung von Fr. 2'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht