Decision ID: 5295818b-a352-406f-b84b-f18140df7f5f
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
G._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Rosenbergstrasse 51, Postfach 1121,
9001 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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Sachverhalt:
A.
A.a G._ war als Maschinenführer bei der A._ tätig und dadurch bei der Suva
gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 22. Februar 2008 meldete die
Arbeitgeberin der Suva einen Unfall. Der Versicherte habe am 11. September 2006 bei
der Maschine MP2 eine Störung beheben wollen, sei die Stufen hinunter gefallen und
habe sich dabei die rechte Ferse verletzt. Als erstbehandelnder Arzt wurde Dr. med.
B._ genannt (Suva-act. 1, 2). Am 9. März 2007 hatte der Versicherte diesen wegen
Schmerzen im rechten Fuss sowie im linken Kniegelenk konsultiert. Dr. B._
diagnostizierte nach einer röntgenologischen Untersuchung des linken Knies und des
rechten Calcaneus eine mediale Meniskusläsion links und einen traumatisierten
Calcaneussporn im Bereich der Achillessehne rechts (Suva-act. 2.1). Am 29. März 2007
fand eine Untersuchung in der Klinik für Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals
St. Gallen (KSSG) statt, welche die Diagnosen einer Achillodynie bei Calcaneussporn
am Ansatz der Achillessehne rechts sowie einer beginnenden medialen Gonarthrose,
möglicherweise einer medialen Meniskusläsion links ergab (Suva-act. 2.2). Am 3. Mai
2007 folgte eine weitere Untersuchung durch Dr. B._ und am 3. Dezember 2007 eine
MRI-Untersuchung von Rückfuss und Achillessehne rechts in der Klinik Stephanshorn,
St. Gallen (Suva-act. 2.3, 3). Mit Schreiben vom 21. Januar 2008 teilte Dr. B._ der
Suva mit, dass die durchgeführten Abklärungen einerseits Veränderungen gezeigt
hätten, die als Unfallfolge plausibel seien (Meniskusläsion, Achillessehnenteilruptur),
gleichzeitig aber auch unfallfremde Faktoren (Sporn im Ansatz der Achillessehne)
vorliegen würden. Die Suva werde deshalb bezüglich Übernahme der
Behandlungskosten für diese Leiden um eine Stellungnahme ersucht, damit mit dem
Versicherten über die operative Behandlung definitiv entschieden werden könne (Suva-
act. 3).
A.b Nach Einholung kreisärztlicher Beurteilungen bei Dr. med. C._ und Dr. med.
D._, Facharzt für Chirurgie, (Suva-act. 4, 6) eröffnete die Suva dem Versicherten mit
Verfügung vom 16. April 2008, dass kein sicherer oder wahrscheinlicher
Kausalzusammenhang zwischen den gemeldeten Fussbeschwerden rechts und dem
Unfall vom 11. September 2006 bestehe (Suva-act. 11).
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B.
Die gegen diese Verfügung vom Rechtsvertreter des Versicherten, Fürsprecher lic. iur.
D. Küng, St. Gallen, am 14. Mai 2008 erhobene Einsprache (Suva-act. 17) wies die
Suva nach Einholung einer ärztlichen Beurteilung bei Dr. med. E._, Facharzt FMH für
Chirurgie, Abteilung Versicherungsmedizin der Suva, (Suva-act. 22) mit
Einspracheentscheid vom 9. März 2009 ab (Suva-act. 23). Der Krankenversicherer zog
seine vorsorglich erhobene Einsprache (Suva-act. 12) nach Einsicht in die Akten zurück
(Suva-act. 16).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte durch seinen
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 25. April 2009 und unter Beilage eines weiteren
Berichts von Dr. B._ vom 28. Oktober 2008 (act. G 1.2) Beschwerde erheben. Darin
wird beantragt, der Einspracheentscheid und die diesem zugrunde liegende Verfügung
vom 16. April 2008 seien vollumfänglich aufzuheben. Es seien dem Beschwerdeführer
die gesetzlichen Leistungen zu erbringen, insbesondere seien die Kosten der
medizinischen Massnahmen zu übernehmen und die gesetzlichen Taggelder zu
entrichten. Eventuell sei die Angelegenheit zwecks Vornahme weiterer Abklärungen im

Sinn der Erwägungen und anschliessender Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
C.b In der Beschwerdeantwort vom 25. Mai 2009 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde.
C.c Mit Replik vom 18. Juli 2009 bestätigte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers seine Anträge. Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung
einer Duplik verzichtet.
C.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die Ausführungen
in den medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
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1.
1.1 Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Einspracheentscheid die
Bestimmungen über die Leistungspflicht des Unfallversicherers nach Art. 6 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) zutreffend dar. Gleiches
gilt in Bezug auf die Ausführungen über die gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG geltende
Voraussetzung des natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem
Unfallereignis und dem Gesundheitsschaden (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen).
Darauf ist zu verweisen. Wie bei der erstmaligen Anmeldung eines Schadenfalls kann
auch bei einer wegen Geltendmachung eines Rückfalls gemäss Art. 11 der Verordnung
über die Unfallversicherung (UVV; SR. 832.202) erneuten Schadenmeldung eine
Leistungspflicht des (damaligen) Unfallversicherers nur dann ausgelöst werden, wenn
der Leistungsansprecher zwischen den (erneut) vorgebrachten Beschwerden und der
(seinerzeit) beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung einen
natürlichen Kausalzusammenhang nachzuweisen vermag (BGE 129 V 181 E. 3.1, 118 V
296 f. E. 2c). Es handelt sich hierbei um eine leistungsbegründende Tatsache, bei
deren Beweislosigkeit der Entscheid zu Lasten des Versicherten ausfällt (RKUV 1994
Nr. U 206 S. 328 E. 3b). In der Unfallmeldung vom 22. Februar 2008 wird auf ein rund
eineinhalb Jahre zurückliegendes Unfallereignis vom 11. September 2006 Bezug
genommen. Eine im Anschluss an dieses Unfallereignis eingetretene Arbeitsunfähigkeit
ist jedoch in den Akten nirgends vermerkt. Eine ärztliche Behandlung wegen Knie- und
Fussbeschwerden links bzw. rechts ist erstmals am 8. März 2007 bei Dr. B._ belegt
(Suva-act. 2.1), wofür jedoch von Seiten der Beschwerdegegnerin bis zum heutigen
Tag keine Leistungszusprache erfolgt ist. Insofern liegt grundsätzlich kein Rückfall vor.
Für die Beweislastverteilung ist dies jedoch letztlich nicht von Relevanz.
1.2 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist schliesslich anzufügen, dass
den Berichten versicherungsinterner Ärzte rechtsprechungsgemäss ebenfalls
Beweiswert beigemessen werden kann, sofern sie schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien
gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (RKUV 1991 Nr. U 133 S. 311). Auch eine ärztliche
Beurteilung aufgrund der Akten, wie sie vorliegend von Dr. C._, Dr. D._ und Dr.
E._ am 3. März und 8. April 2008 bzw. am 5. März 2009 (Suva-act. 4, 6, 22) erstellt
wurde, ist nicht an sich unzuverlässig, wenn die Akten ein vollständiges Bild über
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Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten
sind. Voraussetzung ist ein lückenloser Untersuchungsbefund, damit der Experte
imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein lückenloses Bild zu
verschaffen (PVG 1996 265 E. 3b; RKUV 1988 Nr. U 56 S. 371).
2.
Streitig und zu prüfen ist im Folgenden, ob die am 22. Februar 2008 gemeldeten
Fussbeschwerden rechts sowie die laut Arztbericht von Dr. B._ vom 9. März 2007
zusätzlich bestehenden Beschwerden im linken Kniegelenk zu Lasten der
Unfallversicherung gehen, bzw. ob zwischen dem Unfallereignis vom 11. September
2006 und den genannten Beschwerden ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht.
In den medizinischen Akten wurden verschiedene Diagnosen entsprechend
struktureller Gesundheitsschädigungen gestellt, die grundsätzlich als Ursache der
Beschwerden in Erwägung zu ziehen sind. Die Frage nach deren Unfallkausalität wird
von Seiten der Beschwerdegegnerin gestützt auf die ärztlichen Beurteilungen von Dr.
C._, Dr. D._ und Dr. E._ verneint (Suva-act. 4, 6, 22). Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers macht demgegenüber geltend, aufgrund der Berichte von Dr. B._
vom 21. Januar und 28. Oktober 2008 (Suva-act. 3; act. G 1.2) sei von einer
Unfallkausalität auszugehen.
3.
3.1 Laut Bericht von Dr. B._ vom 9. März 2007 zeigte eine röntgenologische
Untersuchung beider Knie des Beschwerdeführers Rauberzeichen medial am Knie
links, jedoch keine erkennbare Gelenkspaltverschmälerung und keine Arthrosezeichen,
einen symmetrischen Befund zu rechts sowie eine unauffällige Knochenstruktur. Dr.
B._ diagnostizierte darauf eine mediale Meniskusläsion links (Suva-act. 2.1). Eine
Röntgenuntersuchung des linken Kniegelenks vom 29. März 2007 in der Klinik für
Orthopädische Chirurgie des KSSG zeigte laut Bericht vom 2. April 2007 eine leichte
Verschmälerung des Gelenkspalts medial - wobei klinisch keine Meniskuszeichen
auslösbar waren - und hier eine beginnende Osteophytenbildung im Sinn einer
beginnenden Gonarthrose, worauf die Diagnose einer beginnenden medialen
Gonarthrose und einer möglichen medialen Meniskusläsion links gestellt wurde (Suva-
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act. 2.2). Eine weitere röntgenologische Untersuchung in der Klinik für Orthopädische
Chirurgie des KSSG vom 3. Mai 2007 zeigte sodann laut Bericht vom 4. Mai 2007 einen
Einriss des Innen- und Aussenmeniskus. Die Klinik diagnostizierte demzufolge neben
der medialen auch eine laterale Meniskusläsion und wiederum die beginnende
Gonarthrose links (Suva-act. 2.3).
3.2 Dr. E._ stellt sich in seiner ärztlichen Beurteilung vom 5. März 2009 auf den
Standpunkt, dass hinsichtlich der radiologisch erhobenen strukturellen
Gesundheitsschäden im linken Kniegelenk eine Unfallkausalität zu verneinen sei.
Begründend weist er darauf hin, dass der Beschwerdegegnerin das geltend gemachte
Ereignis erst am 22. Februar 2008 gemeldet worden sei. Echtzeitlich sei keine
Behandlung erfolgt, auch die Arbeitsfähigkeit sei nie eingeschränkt gewesen. Dr. B._
kenne den Beschwerdeführer seit 8. März 2007. In seinem Schreiben vom 21. Januar
2008 mache er nachträglich eine rein zeitliche Kausalattribution post hoc. Wie von Dr.
D._ am 8. April 2008 korrekt dargelegt, sei ein Kausalzusammenhang der
Beschwerden (Knie links, Fuss rechts) mit dem Vorfall vom 11. September 2006
versicherungsmedizinisch nur möglich. Bezüglich des Knies stehe im Bericht von Dr.
B._ vom 9. März 2007 explizit, dass kein eigentliches Trauma erinnerlich sei. Auch
die radiologischen Abklärungen hätten nur altersentsprechende degenerative
Veränderungen und Meniskopathien ergeben. Klinisch seien am 29. März 2007 in der
Orthopädischen Klinik des KSSG keine Meniskuszeichen auslösbar gewesen (Suva-
act. 22).
3.3 Hinsichtlich Meniskusläsionen gilt es zu beachten, dass die Kniegelenksmenisken
zur Degeneration neigen. Zudem sind sie starker mechanischer Beanspruchung
ausgesetzt. Meniskusläsionen können aber auch als Folge eines Traumas auftreten,
indem die Menisken bei akuten schweren Knieverletzungen ein- oder abreissen (vgl.
Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2002, S. 1056
f.). In Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin und basierend auf der ärztlichen
Beurteilung von Dr. E._ finden sich jedoch in den Akten keinerlei Hinweise, aufgrund
welcher im vorliegenden Fall mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. Th. Locher, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., Bern 2003, S. 451) von einer Unfallfolge
auszugehen wäre.
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3.4 Ein massgebendes Beurteilungskriterium für die Bestimmung der Ursächlichkeit
einer Meniskusläsion bildet zunächst der Unfallmechanismus bzw. die Art und Weise
der Einwirkung auf den betroffenen Körperteil. In seinem Bericht vom 21. Januar 2008
schilderte Dr. B._ das Unfallereignis derart, dass der Beschwerdeführer über eine
Höhe von 80 cm gestürzt sei, wobei er sich mit dem rechten Fuss aufgefangen und
dadurch eine unerwartet grosse Belastung mit Distorsion des Kniegelenks und akuter
Belastung der Achillessehne erlitten habe (Suva-act. 3). - Eine Distorsion ist
grundsätzlich geeignet, eine Meniskusläsion zu verursachen (vgl. dazu Alfred M.
Debrunner, a.a.O., S. 1057). Ein solcher Unfallmechanismus lässt sich jedoch anhand
der übrigen Akten nicht nachweisen. Laut Unfallschilderung in der Schadenmeldung
vom 22. Februar 2008 wollte der Beschwerdeführer bei einer Maschine eine Störung
beheben, fiel die Stufen hinunter und verletzte sich dabei den rechten Fuss (Suva-act.
1, 2). Eine Knieverletzung bzw. eine Unfallbeteiligung des linken Knies wurde nicht
angeführt. Desgleichen und somit entgegen seiner obgenannten, späteren Darlegung
hatte Dr. B._ im Bericht vom 9. März 2007 noch festgehalten, dass - wie von Dr.
E._ bemerkt - in Bezug auf das rechte Knie kein eigentliches Trauma erinnerlich sei
(Suva-act. 2.1). Weitere genauere, echtzeitliche Unfallschilderungen liegen nicht bei
den Akten. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer den Sturz mit dem rechten Fuss
auffing, macht das Geschehen einer Kniegelenksdistorsion ebenfalls nicht überwiegend
wahrscheinlich. Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass es mit Blick auf die
Akten unwahrscheinlich erscheint, dass anlässlich des Unfallereignisses vom 11.
September 2006 eine schädigende Einwirkung auf das linke Kniegelenk stattgefunden
hat.
3.5 Schliesslich lässt auch der von Dr. E._ angesprochene zeitliche Ablauf als
massgebende Grundlage für eine Kausalitätsbeurteilung die natürliche Kausalität
zwischen der Meniskusläsion und dem Unfallereignis vom 11. September 2006 als
unwahrscheinlich erscheinen. Eine Meniskusläsion wurde in den medizinischen Akten
erstmals am 8. März 2007 und damit ein halbes Jahr nach dem fraglichen
Unfallereignis diagnostiziert (Suva-act. 2.1). Eine Unfallmeldung erfolgte nochmals rund
ein Jahr später (Suva-act. 1, 2). In seinem Bericht vom 21. Januar 2008 hält Dr. B._
fest, in Folge des Ereignisses vom 11. September 2006 seien chronische Schmerzen
aufgetreten. Aus der Anamnese von Dr. B._ im Bericht vom 9. März 2007 lässt sich
jedoch ein Beginn der Schmerzen im linken Kniegelenk unmittelbar nach dem Unfall
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keineswegs zwingend ableiten, indem ausgeführt wird, auf der linken Seite seien seit
einiger Zeit Schmerzen im Kniegelenk medialseitig aufgetreten, und die Schmerzen
seien besonders vor ca. einem Monat sehr akut gewesen (Suva-act. 2.1). Der Zeitpunkt
des Auftretens eines Kniegelenkschmerzes links erscheint damit sehr unbestimmt. Eine
auf das Unfallereignis zurückzuführende Meniskusläsion ist angesichts des dargelegten
zeitlichen Ablaufs nochmals unwahrscheinlicher, weil Meniskusläsionen, wie bereits
erwähnt, häufig degenerativ bedingt sind. Die degenerative Gesundheitsschädigung
entsteht im Lauf der Zeit im Rahmen eines Prozesses bzw. ist wiederholten, im
täglichen Leben erfolgten Mikrotraumata zuzuschreiben, welche eine allmähliche
Abnützung und schliesslich infolge eines letzten Mikrotraumas das Ausmass einer die
Behandlung erfordernde Schädigung jederzeit bewirken können (vgl. Alfred M.
Debrunner, a.a.O., S. 1057 ff.; Alfred Bühler, Die unfallähnliche Körperschädigung, in:
SZS 1996, s. 85 und 88). Genauso wie die Knorpelfläche eines Gelenks sich im Laufe
der Zeit degenerativ verändert, verschleissen auch die Menisken. Unter Last wird das
Meniskusgewebe ausgewalzt, wird immer dünner, bis es schliesslich zerreisst. Diese
Veränderungen werden zusammenfassend als Meniskopathie bezeichnet und sind Teil
des Geschehens bei der Entwicklung einer Arthrose, wie sie von der Klinik für
Orthopädische Chirurgie des KSSG auch beim Beschwerdeführer diagnostiziert wurde
(Suva-act. 2.2, 2.3). Die Arthrose ist das Endstadium aller Gelenkschäden (vgl. http://
de.wikipedia.org/wiki/Meniskus (Anatomie), Abfrage vom 15. Januar 2010; Alfred M.
Debrunner, a.a.O., S. 579 ff., S. 1068). Der Gesundheitszustand des linken Kniegelenks
des Beschwerdeführers weist damit auf einen nachvollziehbaren degenerativen
Verschleissprozess hin, der hinsichtlich zeitlichem Ablauf des vorliegenden
Schadenfalls massgebend gegen eine überwiegend wahrscheinlich unfallkausale
Meniskusläsion spricht.
3.6 Der Bericht von Dr. B._ vom 21. Januar 2008 (Suva-act. 3) beinhaltet
schliesslich - entgegen der Auffassung des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers -
keine schlüssigen medizinischen Grundlagen (beispielsweise auf Befunde gestützte
medizinische Beurteilungen) für die Kausalitätsbeurteilung. Der von ihm festgehaltene
Umstand, dass nach dem Dafürhalten des Beschwerdeführers ein unfallbedingtes
Geschehen vorhanden sei, da er bis zum Sturz beschwerdefrei gewesen sei, basiert
zunächst auf einer subjektiven Aussage des Beschwerdeführers, die nach konstanter
bundesgerichtlicher Praxis keinen Beweis für eine Unfallkausalität zu erbringen vermag,
http://de.wikipedia.org/wiki/Meniskus http://de.wikipedia.org/wiki/Meniskus
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da der zeitliche Aspekt allein keine wissenschaftlich genügende Erklärung liefert.
Andernfalls würde man sich mit dem blossen Anschein des Beweises bzw. mit der
blossen Möglichkeit begnügen und davon ausgehen, dass eine gesundheitliche
Schädigung schon dann durch den Unfall verursacht sei, wenn sie nach diesem auftrat
(Alfred Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 460 N
1205; BGE 119 V 340, E. 2b/bb). Im Übrigen muss der von Dr. B._ gewählten
Formulierung "Die von uns durchgeführten Abklärungen zeigen einerseits
Veränderungen, welche als Unfallfolge plausibel sind (Meniskusläsion,
Achillessehnenteilruptur)" entnommen werden, dass er eine Unfallkausalität
offensichtlich auch nur als möglich betrachtet. Diese Einschränkung wird durch seinen
begleitenden Hinweis auf unfallfremde Faktoren (Sporn im Ansatz der Achillessehne)
nochmals verstärkt. Anzufügen bleibt, dass Dr. B._ im Bericht vom 28. Oktober 2008
(act. G 1.2) die Meniskusläsion überhaupt nur noch als Verdachtsdiagnose gestellt hat.
Dr. D._ sieht in der ärztlichen Beurteilung vom 8. April 2008 einen Zusammenhang
zwischen den heutigen Beschwerden vor allem im Bereich der Achillessehne und dem
Ereignis vom 11. September 2006 als mindestens möglich. Auch bezüglich des linken
Knies sieht er lediglich einen möglichen bis wahrscheinlichen Kausalzusammenhang
zum Unfallereignis vom 11. September 2006 (Suva-act. 10). Die Formulierung
"mindestens möglich" bezieht sich offensichtlich auch auf das linke Knie. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers stellt zwar richtig fest, dass ein Sachverhalt,
der "überwiegend wahrscheinlich" ist, ebenso den Beweisgrad "mindestens möglich"
erreicht hat. Auch trifft es zu, dass "mindestens möglich" nur heisst, dass es "möglich"
bzw. das "Mindeste" ist. Ob es jedoch auch mehr ist bzw. "überwiegend
wahrscheinlich", ist damit - entgegen der Darstellung des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers - noch nicht gesagt (Suva-act. 17; Replik vom 18. Juli 2009). Mit
der Formulierung "mindestens möglich" sagt Dr. D._ noch gar nichts über die
Wahrscheinlichkeit aus, sondern setzt lediglich den unteren Rahmen des erreichten
Beweisgrades fest. Mit der weiteren Formulierung "lediglich einen möglichen bis
wahrscheinlichen Kausalzusammenhang" schränkt Dr. D._ die Unfallkausalität
zusätzlich ein. Grundsätzlich sind sodann Sachverhalte mit gleicher Möglichkeit, aber
auch mit gleicher Wahrscheinlichkeit denkbar. Auszugehen ist jedoch von demjenigen
Sachverhalt, den das Gericht von allen möglichen und wahrscheinlichen
Geschehensabläufen als den wahrscheinlichsten würdigt.
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3.7 Zusammenfassend ist mithin festzuhalten, dass hinsichtlich der Kausalitätsfrage
ärztliche Beurteilungen vorliegen, die im Ergebnis übereinstimmen. Die ärztliche
Beurteilung von Dr. E._ erscheint angesichts dieses Umstands, aber insbesondere
auch mit Blick auf die von ihm festgehaltenen, auf die medizinischen Akten
abstützenden und für die Beurteilung der Unfallkausalität massgebenden
Gegebenheiten überzeugend und schlüssig. Die zur Verfügung stehenden
medizinischen Akten geben ein klares Bild von der Gesundheitssituation des linken
Knies des Beschwerdeführers, weshalb auf weitere medizinische Untersuchungen
verzichtet werden kann. Der natürliche Kausalzusammenhang zwischen den
Kniegelenksbeschwerden links und dem Unfall vom 11. September 2006 ist
demzufolge zu verneinen bzw. es ist in Bezug auf die Meniskopathie links des
Beschwerdeführers von einer degenerativen Gesundheitsschädigung auszugehen und
damit eine diesbezügliche Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin zu verneinen.
4.
4.1 Streitig und zu prüfen ist im Weiteren, ob die beim Beschwerdeführer
bestehenden Fussbeschwerden rechts unfallkausal sind. Die von Dr. B._ laut Bericht
vom 9. März 2007 durchgeführte Röntgenuntersuchung zeigte am rechten Fuss einen
Calcaneus mit Verknöcherung oder Spornbildung im Ansatz der Achillessehne, ohne
entsprechende Läsion links. Er diagnostizierte darauf einen traumatisierten
Calcaneussporn im Bereich der Achillessehne rechts (Suva-act. 2.1). Auch von der
Klinik für Orthopädische Chirurgie des KSSG wurde nach weiteren
Röntgenuntersuchungen vom 29. März und 3. Mai 2007 übereinstimmend die Diagnose
einer Achillodynie bei Calcaneussporn am Ansatz der Achillessehne rechts gestellt
(Suva-act. 2.2, 2.3). Bei der nachfolgend am 3. Dezember 2007 in der Klinik
Stephanshorn durchgeführten MRI-Untersuchung stellten sich die distalen 5 cm der
Achillessehne aufgetrieben dar mit Zeichen der Tendinopathie sowie einer
möglicherweise kleinen interstitiellen Partialruptur. Sichtbar waren zudem eine
begleitende ansatznahe Peritendinitis sowie diskrete Zeichen der Tendinopathie der
proximalen Anteile der Sehne des Musculus flexor hallucis longus. Schliesslich ergab
sich der Verdacht auf ein zystisches Ganglion distal und ventral des Malleolus lateralis,
in Nachbarschaft zur Sehne des Musculus peronaeus brevis (Suva-act. 3).
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4.2 Die Suva-Ärzte Dr. C._ (Suva-act. 4), Dr. D._ (Suva-act. 10) und Dr. E._
(Suva-act. 22), aber auch Dr. B._ (Suva-act. 3; act. G 1.2) sind sich darin einig, dass
die Achillodynie mit Spornbildung im Ansatz der Achillessehne krankhafter bzw.
degenerativer Natur ist und damit einen unfallfremden Faktor bildet. Die Achillodynie ist
ein Schmerzsyndrom der Achillessehne, des Ansatzes der Wadenmuskulatur am
Fersenbein. Es handelt sich um eine entzündliche Reaktion auf mechanische
Schädigung von Sehnengewebe durch Mikrotraumata (Tendinopathie) und damit um
eine eher häufige Erkrankung. Als Ursache der Achillodynie wird eine lokale, meist
chronische Überbeanspruchung der Achillessehne angegeben, wobei ständige
gleichförmige Belastungen (Langstreckenlauf) genauso vorkommen wie ungewohnte,
kurze Tätigkeiten (Aufnahme eines neuen Sports). Der Calcaneussporn kann gerade
durch seine Druckbelastung zu einer Entzündungsreaktion des umgebenden Gewebes
führen (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Achillodynie, Abfrage vom 15. Januar
2010; http://www.dr-gumpert.de/html/fersensporn.html, Abfrage vom 15. Januar 2010;
Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 261. Aufl., S. 13, 951; Roche Lexikon, Medizin, 5.
Aufl., S. 13, 969; Alfred M. Debrunner, a.a.O., S. 1172). Einen unfallkausalen
Gesundheitsschaden sieht der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers jedoch in der
im MRI-Untersuchungsbericht der Klinik Stephanshorn vom 3. Dezember 2007
dokumentierten interstitiellen Partialruptur der Achillessehne (Suva-act. 3), wobei er
sich auf die Berichte von Dr. B._ vom 21. Januar sowie 28. Oktober 2008 (Suva-act.
8; act. G 1.2) abstützt. Unbestritten ist offensichtlich zwischen den Ärzten, dass eine
Partialruptur im Bereich der Achillessehne grundsätzlich sowohl degenerativer als auch
traumatischer Natur sein kann. Letzteres jedoch laut medizinischer Literatur mit der
Einschränkung, dass meist eine Vorschädigung durch Über- und Fehlbelastung bzw.
eine geschwächte Sehne vorliegt (vgl. dazu auch Pschyrembel, a.a.O., S. 13; Roche
Lexikon, a.a.O., S. 13; http://www.ozm.com/dc/leistungen/fuss/achilles-sehnen-
ruptur.html, Abfrage vom 18. Januar 2010).
4.3 Dr. E._ legt in seiner Beurteilung vom 5. März 2009 zur Frage der Kausalität dar,
dass eine typisch krankhafte Achillodynie vorliege mit entsprechendem Sporn am
Calcaneus. Dies habe auch die MRI-Untersuchung vom 3. Dezember 2007 bestätigt.
Eine mögliche kleine interstitielle Partialruptur sei nicht durch einen traumatischen Riss
bedingt , sondern vielmehr Ausdruck der Tendinopathie. Klinisch sei die Achillessehne
intakt (Suva-act. 22). Dr. D._ hielt in seiner Beurteilung vom 8. April 2008 fest, dass
http://de.wikipedia.org/wiki/Achillodynie http://www.dr-gumpert.de/html/fersensporn.html http://www.ozm.com/dc/leistungen/fuss/achilles-sehnen-ruptur.html, http://www.ozm.com/dc/leistungen/fuss/achilles-sehnen-ruptur.html,
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ein Zusammenhang zwischen den heutigen Beschwerden im Bereich der Achillessehne
und dem Ereignis vom September 2006 mindestens möglich sei. Man finde jedoch
auch bereits einen Fersensporn in der Achillessehne, was eher auf ein degeneratives
Leiden hinweise (Suva-act. 10). Dr. C._ wies in seiner Beurteilung schliesslich darauf
hin, dass zwischen dem Trauma-Ereignis und der fraglichen Diagnose mehr als ein
Jahr liege. Zudem dokumentiere die MRI-Untersuchung vor allem eine degenerative
Läsion mit möglicher kleiner Ruptur und nicht eine akute Ruptur. Es sei davon
auszugehen, dass eine im September 2006 erfolgte Rupturierung der Achillessehne im
Dezember 2007 längstens ausgeheilt wäre (Suva-act. 4). - Die Ärzte der Suva stellen
mithin übereinstimmend einen Zusammenhang zwischen der Achillodynie mit
entsprechendem Calcaneussporn bzw. der Tendinopathie und der laut MRI-
Untersuchungsbericht überhaupt nur möglichen (vgl. dazu Th. Locher, a.a.O., S. 451)
kleinen interstitiellen Partialruptur her. Angesichts der Erwägungen in Ziff. 4.1 und 4.2 -
die erhobenen Gesundheitsschädigungen befinden sich an derselben Körperstelle und
können grundsätzlich alle auf eine körperliche (Über-)Belastung zurückgeführt werden -
erscheint ein solcher nachvollziehbar. Ein Zusammenhang des Unfallereignisses mit
der Pathologie an der rechten Ferse ist hingegen in Anbetracht dieser Gegebenheiten
nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt. Es sprechen
keinerlei überzeugende Argumente für eine überwiegend wahrscheinliche
Unfallkausalität, zumal eine solche auch nicht anhand echtzeitlicher Akten belegt
werden kann. Vielmehr spricht die von Dr. D._ angeführte zeitliche Komponente, d.h.
die erstmalige Diagnose einer Ruptur mehr als ein Jahr nach dem Unfallereignis (vgl.
Erwägung 3.5) zusätzlich gegen eine Unfallkausalität. Hinsichtlich des von ihm als
"mindestens möglich" bezeichneten Kausalzusammenhangs wurde die Abweichung
zum Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit bereits in Erwägung 3.6
dargelegt.
4.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass eine teilkausale Mitbeteiligung des
Unfallereignisses vom 11. September 2006 an der interstitiellen partialen
Achillessehnenruptur rechts höchstens möglich, indessen nicht überwiegend
wahrscheinlich ist. An dieser Beurteilung vermögen die Ausführungen von Dr. B._ in
seinen Berichten vom 21. Januar und 28. Oktober 2008 (Suva-act. 3; act. G 1.2) nichts
zu ändern. Hinzuzufügen ist, dass Dr. B._ in seinem Bericht vom 28. Oktober 2008
von einer chronischen Achillodynie rechts mit lokalem Trauma spricht. Wie bereits
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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erwähnt, wird als Ursache der Achillodynie gerade eine lokale, meist chronische
Überbeanspruchung der Achillessehne angegeben (vgl. Erwägung 4.2). Als Ursache für
eine Läsion kann nicht immer ein singuläres Ereignis identifiziert werden. Vielmehr ist
die Läsion insbesondere bei degenerativen Gesundheitsschäden mehrheitlich
wiederholten, alltäglichen Mikrotraumata zuzuschreiben, die eine allmähliche
Abnützung bewirken und schliesslich das Ausmass einer eine Behandlung
erfordernden Schädigung erreichen. Im übrigen deckt sich der medizinische Begriff des
Traumas nicht mit dem rechtlichen Unfallbegriff, sondern umfasst auch geringfügige
Traumata, denen der Charakter der Ungewöhnlichkeit und/oder Plötzlichkeit abgeht
(vgl. Art. 4 ATSG; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1.
Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 18. Dezember
2002 [U 6/2002] i/S K., E. 2.2). Insgesamt erscheint damit eine umfassende
degenerative Situation bedeutend wahrscheinlicher, als eine zufällig anmutende
unfallbedingte Verursachung, zumal Dr. B._ im Bericht vom 28. Oktober 2008
ebenfalls nur von einer möglichen Verschlechterung der
Achillessehnenansatzschmerzen durch den geklagten Unfall spricht.
5.
Zusammenfassend ergibt sich, dass eine überwiegend wahrscheinliche (teil-)kausale
Bedeutung des Unfallereignisses für den Knieschaden links und den Fussschaden
rechts im Sinn einer durch den Unfall klar verursachten, strukturellen
Gesundheitsschädigung nicht nachgewiesen ist.
6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 9. März 2009 abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG