Decision ID: 8379eeda-7ea4-4015-a03f-17b72e01f434
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
De
r 1958 geborene
X._
,
gelernter Maschinenmechanike
r (Urk. 7/24),
war seit
dem Jahr 2013 als
Restaurationsleiter bei der
Y._
tätig (Urk. 7/13/1), ehe im April 2018
der
Konkurs über die Firma eröffnet wurde (online Auszug aus dem Handelsregister des Kantons Zürich, abrufbar unter
www.zefix.ch
; vgl. auch Urk. 7/34)
. Am 6. Februar 2019 reichte der Versicherte
unter Hinweis auf eine Depression und eine seit April 2018 bestehende Arbeitsunfähigkeit
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung
das Formular zur
Früherfassung
ein
(Urk. 7/13). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
führte mit dem Versicherten ein
Standortgespräch durch (Urk. 7/
23)
und zog die Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 7/20) bei.
Am 1. April 2019 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug (berufliche Integration/Rente) an (Urk. 7/25).
Die IV-Stelle
tätigte weitere medizinische
(Urk. 7/41, 7/52
)
sowie erwerbliche (
Urk.
7/29) Abklärungen. Mit Vorbescheid vom 8. April 2020 wurde dem Versicherten die Ablehnung des Leistungsbegehrens in Aussicht gestellt (Urk. 7/58). Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 15. Mai 2020 Einwand erheben (Urk. 7/62). Am 30. September
2020
verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne (Urk. 2 [= Urk. 7/66
]). Am 5. Oktober 2020 beantragte der Versicherte, die Verfügung vom 30. September 2020 sei zurückzuziehen und zur Wahrung des rechtlichen Gehörs sei ihm Gelegenheit zu geben, zum medizi
nischen Sachverhalt Stellung zu nehmen (Urk. 7/67).
Am 8. Oktober 2020 erklärte die IV-Stelle auf
das Wiedererwägungsgesuch nicht ein
zutreten
(Urk. 7/69).
2.
Gegen die Verfügung vom 30. September 2020 (Urk. 2) liess der Versicherte am 2. November 2020 Beschwerde erheben und beantragen, diese sei aufzuheben und ihm seien die gesetzlichen Leistungen auszurichten. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels (Urk. 1 S. 2). Mit
Beschwerdeantwort
vom 2. Dezember 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Mit Verfügung vom 3. Dezember 2020 wurde dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zugestellt und von der Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels abgesehen (Urk. 8).
Am
12. und 20. Januar 2021 (Urk. 9 und 11) liess der Beschwerdeführer weitere Arztberichte zu den Akten reichen (Urk. 10 und 12)
;
diese wurden der Beschwerdegegnerin am 26. Januar 2021 zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 13).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3.2
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Faktoren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psychosozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens
beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer versicherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vorgaben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände aufzuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszuklammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung, die Diagnosen hätten keine länger andauernde oder bleibende Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit des Beschwerdeführers. Zwar sei eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar, aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht handle es sich dabei jedoch um eine vorübergehende, behandelbare Einschränkung.
In der Gesamt
schau könne eine Persönlichkeitsstörung anhand der vorliegenden Arztberichte nicht nachvollzogen werden, da diese nicht hergeleitet werde. Sodann spreche die berufliche Anamnese eher dagegen und schizoide Züge seien mit einer Tätig
keit als Geschäftsführer und zwei Ehen nicht vereinbar.
Eine depressive Episode könne nicht diagnostiziert werden. Gegen ein
e depressive Episode würde
sodann sprechen, dass der Beschwerdeführer keine (teil-)stationäre Behandlung in Anspruch genommen habe, die antidepressive Medikation auf niedriger Dosierung stattfinde und die Funktionseinschränkungen nicht gleichmässig
in allen
Lebensbereichen
auftreten würden. Das Aktivitätsniveau des Beschwerde
führers sei mit einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit nicht vereinbar. Aus versicherungsmedizinischer Sicht
stünden
krankheitsfremde psychoso
ziale Faktoren im Vordergrund
, weshalb kein die Arbeitsfähigkeit andauernd einschränkender Gesundheitszustand vorliege (Urk. 2 S. 2-3).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend,
der behandelnde Arzt habe berichtet, dass er sich sozial zurückgezogen habe und unter grossen Scham- und Schuldgefühlen leide. Es bestehe eine mittelgradige depressive Symptomatik mit teilweise immer noch vorhandenen Suizidgedanken. Nach Ansicht des behandelnden Arztes seien aufgrund der bestehenden (psychi
schen) Funktionseinschränkungen keine Ressourcen mehr vorhanden, um in einer Verweistätigkeit ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen zu können
(Urk. 1 S. 5).
3.
3.1
Im Bericht
zur Kurzuntersuchung
des Beschwerdeführers durch
Dr.
med.
Z._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, vom 10. September 2018 zuhanden des Krankentaggeldversicherers wurde
eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion bei beruflichen und familiären Problemen (ICD-10 F 43.21, Z56 u
nd Z63.5) als Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sah
Dr.
Z._
die akzen
tuierten Persönlichkeitszüge mit narzisstischen Anteilen (ICD-10 Z73.1) sowie
den anamnestisch schädlichen Gebrauch
von Alkohol (ICD-10 F10.1).
Der Beschwerdeführer sei sowohl in seiner bisherigen als auch in jeder anderen Tätigkeit bis am 30. September 2018
zu
100 % arbeitsunfähig.
Aus dem Bericht geht hervor,
dass der Beschwerdeführer
s
eit
Juni 2018
wöchentlich psychothera
peutisch
behandelt
werde
. Er sei bereits
früher
wegen Paarproblemen mit der Mutter seiner Tochter
sowie
einer
anderen
Freundin wegen Paarproblemen
in Behandlung gewesen
. Eine stationäre Behandlung sei nie Thema gewesen. Einen Monat
lang
sei
er mit
Wellbutrin
behandelt
worden
;
zwei Tage
vor der Begutach
tung
habe er
das Medikament
abgesetzt
, da es ihn
«
herunterfahre
»
und er dann gar nichts mehr mache.
Gemäss objektivem Untersuchungsbefund habe der Beschwerdeführer kohärent berichtet
;
affektiv
sei er
bei leicht reduzierter Schwingungsfähigkeit herabgestimmt
gewesen
. Hinweise auf
eine
akute Selbst
gefährdung
habe es keine gegeben
. Der Psychostatus sei weitgehend unauffällig.
Dr.
Z._
empfahl, die laufende Behandlung weiterzuführen. Die Prognose sei als günstig einzuschätzen. Der Beschwerdeführer habe auf schwere, aber letztlich krankheitsfremde psychosoziale Belastungsfaktoren mit depressiven Beschwer
den reagiert.
W
eder in den spärlichen
Vorakten
noch im Rahmen der gutachter
lichen Untersuchung
seien
klare Hinweise auf einen relevanten psychischen Gesundheitsschaden
, der eine langfristige Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen würde,
ersichtlich gewesen
(Urk. 7/20/2-4).
3.2
Am 7. März 2019 teilte
der behandelnde Arzt
Dr.
med.
A._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie,
der Beschwerdegegnerin
per
E-Mail
mit
, er habe mit dem
zuvor
während vier Jahren behandelnden Arzt des Beschwerdeführers gesprochen
.
D
ieser habe ganz klar eine Persönlichkeitsstörung festgestellt. Nach dessen Auskunft habe der Beschwerdeführer überall Streit gesucht,
er habe
auf grossem Fuss gelebt, keine Relation zum Geld
und
Schwierigkeiten mit seiner Tochter
sowie
seiner
Ex
-Partnerin gehabt, er
sei querulatorisch. Des Weiteren habe
der Beschwerdeführer
eine spezielle und nicht nachvollziehbare Eigenlogik
;
er
lasse sich von niemandem etwas sagen. Der Beschwerdeführer sei absolut stur und dickköpfig.
Dr.
A._
kam zum Schluss,
bei diesen Aussagen handle es sich
um
wichtige
diagnostische Überle
gungen und Eins
chätzungen (Urk. 7/22).
Im Arztbericht vom 22. Juni 2019 notierte
Dr.
A._
, der Beschwerdeführer sei seit Mai 2018 als selbständiger Restaurationsleiter
zu
100 % arbeitsunfähig
; s
eit April 2018 sei er arbeitslos. Davor habe er während viereinhalb Jahren das Restaurant
B._
be
trieben
. Im
«...»
sei
eine
Sendung mit dem Restaurant-Tester ausgestrahlt worden. Die Sendung sei so negativ gewesen, dass der Beschwerdeführer Drohbriefe bekommen habe und seine Tochter in der Schule gemobbt worden sei. Der Umsatz sei um 70 bis 80 % eingebrochen. Wegen der Sendung über das Restaurant
werde
heute noch im TV oder in den Tageszeitun
gen
über ihn berichtet
.
Seit Juni 2018 befinde sich
der Beschwerdeführer
in wöchentlicher psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung
(Urk. 7/41/2-3)
.
Er
habe sich
sozial komplett zurückgezogen und
habe grosse Scham
-
und Schuldgefühle. Er zeige eine mittelgradige depressive Symptomatik mit teilweise Suizidgedanken ohne Suizidhandlungen oder
-p
läne. Teilweise externalisiere er die Problematik nach aussen, nehme die Opferrolle ein, habe Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen sowie Morgentiefs. Seine Schwingungsfähigkeit sei deutlich reduziert.
Gemäss objektivem Befund
sei
der Beschwerdeführer wach und orientiert
gewesen
, jedoch
habe
eine leichte bis mittelgradige Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörung
bestanden
. Formal
gedanklich
habe er grübelnd und
eingeengt auf seine Kränkung
gewirkt
. Er
habe
Misstrauen den Menschen gegenüber
gezeigt.
Zwänge, Wahn,
Sinnestäuschungen
oder Ich-Störungen
hätten nicht exploriert werden können
. Der Beschwerdefüh
rer sei affektarm, ängstlich und innerlich unruhig gewesen. Der Antrieb sei reduziert
gewesen. E
in sozialer Rückzug
habe
stattgefunden. Er habe über Ein
-
und Dur
chschlafstörungen geklagt. E
r
habe zwar suizidale Äusserungen in Form von Gedanken
an
gegeben, jedoch keine Pläne.
Dr.
A._
notierte
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung
(narzisstisch,
schizoid
querulatorisch,
ICD-10 F61.0) gemäss
im Jahr 2010
gestellter Diagnose von
Dr.
med.
C._
, bestehend seit der Adoleszenz. Sodann diagnostiz
ierte er eine Anpassungsstörung mit
längere
r
depressive
r
Reaktion seit Beginn der Behandlung (
ICD-10 F43.2). Als selbständiger
Restaurationsleiter sei der Beschwerdeführer vollständig arbeits
unfähig.
D
urch die Sendung
habe er
komplett das Gesicht verloren und werde nie mehr auf diesem Gebiet arbeiten können
. Der Beschwerdeführer habe grosse Mühe mit dem Denken und Angst, wiedererkannt zu werden. Die Bank habe ihm wegen der Sendung und seinem schlechten Ruf
die Hypothek gekündigt
. Er
sei nicht mehr in der Lage, einer Arb
eit nachzugehen. Auch als Hilfskraft
im Service oder ähnliches könne er nicht arbeiten
.
Der Beschwerdeführer sei nicht eingliederungsfähig und eine leidensangepasste Tätigkeit sei nicht möglich. Der Einglie
derung würden der Gesichtsverlust, die depressive Stimmung
und
die Denkstö
rungen im Weg stehen. Der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage etwas zu tun. Er werde immer an den Konsequenzen der Presse und seinen Handlungen leiden (Urk. 7/41/4-6).
Mit Bericht vom 13. Januar 2020 ergänzte
Dr.
A._
,
ab dem 1. Juni 2
0
19 sei der Beschwerdeführer als selbständiger Restaurationsleiter 80 % arbeitsun
fähig (Urk. 7/52/2). In Bezug auf den sozialen Rückzug
habe eine leichte Besserung stattgefunden. Der Beschwerdeführer gehe mit den zwei Hunden täglich spazieren und einkaufen, wenn seine Tochter dies nicht erledige
(Urk. 7/52/4)
.
Der Beschwerdeführer sei wei
terhin nicht eingliederungsfähi
g und eine leidensangepasste Tätigkeit sei unverändert nicht möglich (Urk. 7/52/6).
3.3
Am 28. September 2020 nahm
Dr.
med.
D._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, im Rahmen des
Einwandverfahren
Stellung.
Anhand der vorliegenden Berichte kam
Dr.
D._
zum Schluss, eine Persönlichkeitsstörung könne nicht nachvollzogen werden. Ebenso wenig könne eine depressive Episode nach den ICD-10-Kriterien diagnostiziert werden. Das Aktivitätsniveau des Beschwerdeführers sei mit einer 100%igen Arbeitsun
fähigkeit nicht vereinbar. Aus versicherungsmedizinischer Sicht
stünden
krankheitsfremde psycho
soziale Faktoren im Vordergrund, welche
den Gesund
heitszu
stand beeinfluss
t
en
. In der Gesamtschau liege
damit
aus versicherungs
medizi
nischer Sicht kein die Arbeitsfähigkeit andauernd einschränkender Gesundheits
zustand vor (Urk. 7/65/6).
4
.
4.1
Vorab ist festzuhalten, dass d
er Grundsatz der freien Beweiswürdigung
eine umfassende, inhalts
bezogene, verantwortliche und der behördlichen Begrün
dungs
pflicht genügende Prüfung aller Beweismittel
verlangt
(BGE 140 V 193
E. 3.1), unabhängig von ihrer Herkunft und ohne Bindung an förmliche Beweisregeln (BGE 137 V 210 E. 3.4.1.1).
D
en vom Krankentaggeldversic
herer nicht im gesetzlich vorge
sehenen Verfahren nach
Art.
44 ATSG eingeholten Gut
achten
kommt
der Beweiswert versicherungsinterner ärztlicher Feststellungen zu (Urteile des Bundesgerichts 8C_230/2019 vom
2.
Juli 2019 E. 3.2, 8C_71/2016 vom
1.
Juli 2016 E. 5.3 mit Hinweis).
Sofern der
Beschwerdeführer (Urk. 1 S. 4)
geltend macht, dem Bericht von
Dr.
Z._
komme nicht die gleiche Beweiskraft wie einem Gutachten
zu
,
i
st ihm in dem Sinne zuzustimmen
,
als solchen «Fremd
gutachten» praxisgemäss
trotz
der
grundsätzlichen Beweiseignung nicht dieselbe Beweiskraft zukommt wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach
Art.
44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger
.
A
n die Beweiswürdigung
sind
strenge Anforderungen
zu stellen;
bei Bestehen auch nur geringer Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest
stellungen
sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_348/2016 vom
9.
Dezember 2016 E. 2.4). Der Einbezug des
Berichtes zur Kurzuntersuchung
des
Beschwerdeführers zu Händen des
Krankentaggeldver
sicherers in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit an sich ist aber nicht zu beanstanden.
4.2
Die Beschwerdegegnerin verneinte
eine Invalidität
im Wese
ntlichen mit der Begründung, aus versicherungsmedizinischer Sicht liege kein die Arbeitsfähigkeit andauernd einschränkender Gesundheitszustand vor (Urk. 2 S. 3)
.
Sie stützte sich dabei insbesondere auf die Beurteilung von RAD-Arzt Dr.
D._
(Urk. 7/65/4).
Soweit der Beschwerdeführer dem unter Hinweis auf die Einschätzung seines behandelnden Arztes
Dr.
A._
, wonach seit der Ado
leszenz eine Persönlichkeitsstörung bestehe (E. 3.2), entgegenhält, aufgrund dieser Funktionseinschränkung seien keine Ressourcen mehr vorhanden, welche es ihm erlauben würden, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen, vermag er nicht durchzudringen.
Aus den medizinischen Akten geht
zwar
hervor, dass der Beschwerdeführer
zuvor bereits mehrfach in psychiatrischer Behandlung
war
, dies jedoch im Zusammenhang mit Paarproblemen mit früheren Partne
rinnen.
Es war dem Beschwerdeführer denn auch offensichtlich über viele Jahre hinweg möglich, beruflich sehr erfolgreich zu sein, was sich in seinem IK-Auszug niederschlug (vgl.
Urk.
7/29). Dass diese berufliche Anamnese gegen eine Persön
lichkeitsstörung spricht, ist ebenso nachvollziehbar, wie die Darlegung von
Dr.
D._
einleuchtet, wonach sich schizoide Züge (emotionale Kühle, reduzierte Fähigkeit, zärtliche Gefühle für andere oder Ärger auszudrücken, gleichgültig gegenüber Lob oder Kritik, einzelgängerisch sowie mangelndes Gespür für soziale Normen) mit einer Tätigkeit als Geschäftsführer sowie
dem Führen von zwei Ehen nicht vereinbaren lassen (
Urk.
7/65/4-5). Sowohl Dr.
A._
als auch
Dr.
Z._
berichteten
sodann
von einer psychosozialen Belastungssituation nach der Ausstrahlung der Fernsehsendung, in welcher der Beschwerdeführer negativ dargestellt
worden sei
, im Anschluss
daran
Drohbriefe
erhalten habe
und seine Tochter gemobbt
worden sei
. In der Folge
habe
sich der Beschwerdeführer sozial zurück
gezogen
und empfinde seitdem g
rosse Scham- und Schuldgefühle.
Dr.
A._
sah den Beschwerdeführer aufgrund seines Gesichtsverlustes im Zusammenhang mit der Fernsehsendung in jeglicher Tätig
keit als nicht mehr arbeitsfähig
(E. 3.2)
.
Der Bericht von
Dr.
A._
lässt
jedoch
eine Abgrenzung allfälliger psychischer Leiden von den geschilderten psychosozialen Belastungsfaktoren vermissen
,
weshalb nicht auf die darin attes
tierte Arbeitsunfähigkeit abgestellt werden kann.
Ein psychosozial bedingtes Beschwerdebild vermag zwar medizinisch die Diagnose einer Anpassungsstörung beziehungsweise einer depressiven Episode, aber rechtlich keine Invalidität zu begründen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_858/2017 vom 17. Mai 2018 E. 3.2). Es ist offenkundig, dass die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers untrennbar mit der besagten TV-Sendung verknüpft ist, welche ihn noch immer daran hindert, einen Wiedereinstieg ins Berufsleben zu wagen (E. 3.2), wenn auch
Dr.
Z._
die Prognose als günstig bezeichnet hatte (E. 3.1). Mithin erhellt, dass die vom behandelnden Psychiater erhobenen Befunde ihre Erklärung weitgehend in psychosozialen Umständen finden, weshalb sie
bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung und bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszuklammern
sind
(vgl. Urteil
e
des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1; 8C_717/2018 vom 2
2.
März 2019 E. 3 mit weiteren Hinweisen).
Dies steht denn auch im Einklang mit der Einschätzung von
Dr.
Z._
,
welcher
eine depressive Reaktion zwar bestätigte jedoch zum Schluss kam
,
diese sei auf krankheitsfremde
,
psychosoziale Belastungsfaktoren zurückzuführen (E. 3.1).
RAD-Arzt
Dr.
D._
folgend ist demnach
aus versicherungsmedizinischer Sicht
nicht von
einem die Arbeitsfähigkeit andauernd einschränkenden Gesund
heitsschaden auszugehen.
Angesichts der klaren Aktenlage sind in diesem Zusammenhang von weiteren Abklärungen auch keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b).
Hieran vermögen schliesslich
auch
die im Beschwerdeverfahren eingereichten Berichte der Spitäler
E._
, Psychiatriezentrum
F._
(Urk. 12), und der Psychiatrischen
Klinik G._
(Urk. 10) nichts zu ändern. Zum einen bildet
die
angefochtene
Verfügung
vom 30. September 2020
in
zeitlicher Hinsicht die
Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 130 V 445 E. 1.2), weshalb die Berichte vom 9. November 2020 und 6. Januar 2021 ohnehin nicht zu berücksichtigen wären. Zum anderen äussern sich weder die behandeln
den Ärzte des Psychiatriezentrums
F._
noch jene der Psychiatrischen
Klinik G._
in ihren Berichten zur medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers.
Nachdem sich aus der Befunderhebung keine Hinweise auf eine relevante langandauernde Leistungseinschränkung ergeben und sich Angaben zu einer Arbeitsunfähigkeit den Berichten nicht
ent
nehmen lassen, sondern vielmehr psychosoziale Belastungssituationen (vgl. Urk. 12 S. 4
,
wonach der finanzielle Ruin mit Verlust des Hauses und Hoffnungs
losigkeit Themenschwerpunkte gewesen seien) beschrieben werden, lassen diese Berichte keine andere Beurteilung zu.
Was den somatischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers anbelangt, fehlt es den Akten an Hinweisen auf eine durch eine körperliche Einschränkung verursachte längerdauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit,
welche
vom Beschwerdeführer denn auch nicht behauptet wurde (
Urk.
1 S. 5 f.).
4.3
Abschliessend ist festzuhalten, dass
– wie vorstehend bereits ausgeführt –
ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden nur gegeben sein kann, wenn das klinische Beschwerdebild nicht einzig in psychosozialen und soziokulturellen Umständen seine Erklärung findet, sondern davon psychiatrisch unterscheidbare Befunde umfasst (Urteil des Bundesgericht
s
9C_732/2
017 vom 5. März 2018 E. 4.3.1), was vorliegend nicht gegeben ist. Mangelt es an einem psychischen Gesundheitsschaden, so kann entgegen dem Dafürhalten
des B
eschwerdeführers (Urk. 1 S. 6)
von der Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens abgesehen werden.
Zusammenfassend
verneinte
die Beschwerdegegnerin
das Vorliegen eines invali
denversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschadens zu Recht, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Die Kost
en des Verfahrens sind auf Fr. 7
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.