Decision ID: 52c944ed-e20f-4c15-a39e-22f51e9ae151
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Die 1994 geborene M._ ist vietnamesische Staatsangehörige und reiste am 17.
September 2013 rechtmässig in die Schweiz ein, um einen einjährigen Deutschkurs an
der Handels- und Dolmetscherschule in St. Gallen zu besuchen. Sie erhielt im Kanton
Appenzell Ausserrhoden eine Kurzaufenthaltsbewilligung zu Ausbildungszwecken
(act. Migrationsamt [nachfolgend: MA] 52). Wohnhaft war sie bei ihrer Tante, S._, und
deren Ehemann in A._.
A.a.
Am 11. Juli 2014 heiratete M._ den in B._ wohnhaften Schweizer P._, geboren 1969.
Im Rahmen des Familiennachzuges erteilte ihr der Kanton St. Gallen eine
Aufenthaltsbewilligung, welche letztmals bis zum 11. Juli 2017 verlängert wurde (act.
MA 50, 74). Per 1. Oktober 2016 zog M._ bei ihrem Ehemann aus und ging zurück zur
Tante und deren Ehemann nach A._ (act. MA 99 ff.). Ihr Gesuch um Bewilligung des
Kantonswechsels wies das Migrationsamt Appenzell Ausserrhoden mit Verfügung vom
17. Februar 2017 ab und forderte sie auf, den Kanton bis spätestens am 31. März 2017
zu verlassen (act. MA 79 ff.). In der Folge meldete sie sich wieder unter der Adresse
ihres Ehemannes in B._ an. Nachdem der Ehemann mit Schreiben vom 22. März 2017
erklärte, dass M._ nicht bei ihm wohne, die Beziehung beendet und ihr Aufenthalt
unbekannt sei (act. MA 82), wurde sie im amtlichen Einwohnerregister B._ per 14.
März 2017 gelöscht (act. MA 84).
A.b.
M._ zog per 1. August 2017 nach C._ und bat am 5. Oktober 2017 um Verlängerung
der Aufenthaltsbewilligung (act. MA 90 ff.). Mit Strafbefehl vom 6. März 2018 wurde sie
vom Untersuchungsamt St. Gallen wegen rechtswidrigen Aufenthalts und Verletzung
A.c.
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B.
der Meldepflichten zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je CHF 50 und
einer Busse von CHF 400 verurteilt (act. MA 167 f.). Nach Gewährung des rechtlichen
Gehörs verfügte das Migrationsamt am 20. April 2018 die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung von M._. Der Entscheid wurde im Wesentlichen damit
begründet, dass die Ehe lediglich zwei Jahre und zweieinhalb Monate gedauert habe
und damit die dreijährige gesetzliche Frist nicht eingehalten worden sei. Ein wichtiger
persönlicher Grund für eine Bewilligungsverlängerung liege nicht vor. Auch die
Beziehung zu ihrem neuen Lebenspartner verschaffe keinen Anspruch auf
Verlängerung. Das Paar lebe in keinem stabilen Konkubinat und es würden keine
konkreten Pläne für eine Heirat vorliegen, zumal sie nach wie vor verheiratet sei (act.
MA 169 ff.). Den gegen diesen Entscheid erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und
Justizdepartement mit Entscheid vom 30. Oktober 2019 ab.
M._ (Beschwerdeführerin) reichte durch ihren Rechtsvertreter am 12. November 2019
und mit Ergänzung vom 16. Dezember 2019 beim Verwaltungsgericht Beschwerde
gegen den Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) ein. Sie
stellte den Antrag auf Aufhebung des Entscheids der Vorinstanz und Verlängerung ihrer
Aufenthaltsbewilligung, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. 1 und 5).
B.a.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 23. Dezember 2019 die

Abweisung der Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen des
angefochtenen Entscheids (act. 8). Mit Eingabe vom 13. Januar 2020 reichte der
Rechtsvertreter unter anderem die gleichentags eingereichte Scheidungsklage beim
Kreisgericht C._ ein (act. 11 f.).
B.b.
Mit Schreiben vom 25. März 2020 bat der Abteilungspräsident des Verwaltungsgerichts
um Orientierung über den Verfahrensstand des Scheidungsverfahrens, die nächsten
Schritte im Verfahren und den Zeitpunkt des mutmasslichen Verfahrensabschlusses
(act. 14). Mit Eingabe vom 27. Mai 2020 informierte der Rechtsvertreter das
Verwaltungsgericht über den am 18. Mai 2020 ergangenen Entscheid betreffend die
Ehescheidung (act. 19 f.). Der Rechtsvertreter setzte das Verwaltungsgericht mit
Eingabe vom 11. Juni 2020 davon in Kenntnis, dass die Scheidung nun rechtskräftig
sei, die Beschwerdeführerin und ihr Partner verlobt seien und noch im Jahr 2020 die
Eheschliessung planen würden. Damit habe sie einen Anspruch auf die Verlängerung
B.c.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressatin des
angefochtenen Entscheids ist die im Rekursverfahren unterlegene Beschwerdeführerin
zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 12. November 2019 rechtzeitig erhoben
und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 16. Dezember 2019 formal wie inhaltlich
die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2.
Mit der am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Revision des (vormaligen)
Ausländergesetzes (Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer; AuG),
welches neu Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und über die
Integration (AIG, SR 142.20) heisst, erfuhr das Gesetz einige – für die vorliegende
Streitsache indes nicht massgebende – Anpassungen. Art. 126 Abs. 1 AIG bestimmt,
dass auf Gesuche, die vor dem Inkrafttreten des AIG eingereicht worden sind, das
bisherige materielle Recht anwendbar bleibt. Das Verfahren richtet sich demgegenüber
nach dem neuen Recht (Art. 126 Abs. 2 AIG). Das Gesuch um Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung reichte die Beschwerdeführerin im Oktober 2017 ein und die
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung wurde am 20. April 2018 verfügt. Die
Angelegenheit ist folglich nach dem bis zum 31. Dezember 2018 geltenden
Ausländergesetz (AuG) in der Fassung vom 1. Oktober 2015 zu beurteilen.
3.
Ausländische Ehegatten und ledige Kinder unter 18 Jahren von
niederlassungsberechtigten ausländischen Personen haben – unter Vorbehalt von
Erlöschensgründen (Art. 51 Abs. 2 AuG) – Anspruch auf Erteilung und Verlängerung
ihrer Aufenthaltsbewilligung, soweit sie mit diesen zusammenwohnen (Art. 43 AuG)
der Aufenthaltsbewilligung (act. 21 f.).
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit für
den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
bis
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oder, bei fortdauernder Familiengemeinschaft, ein wichtiger Grund für das
Getrenntleben besteht (Art. 49 AuG). Nach Auflösung der Ehe oder der
Familiengemeinschaft besteht der Anspruch des Ehegatten und der Kinder auf
Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach den Art. 42 und 43 AuG
weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und eine
erfolgreiche Integration besteht oder wichtige persönliche Gründe einen weiteren
Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (Art. 50 Abs. 1 AuG, Art. 77 der
Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit, SR 142.201, VZAE).
Wichtige persönliche Gründe nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG können namentlich
vorliegen, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde, die Ehe
nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder die soziale Wiedereingliederung im
Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 AuG und Art. 77 Abs. 2 VZAE).
Die Beschwerdeführerin heiratete P._ am 11. Juli 2014. Die Trennung erfolgte per 1.
Oktober 2016, als sie zu ihren Verwandten nach A._ zog (act. MA 99 ff.). Die Ehe
dauerte folglich lediglich zwei Jahre und zweieinhalb Monate. Unbestrittenermassen
wird die Dreijahresfrist nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG nicht erfüllt, und die
Beschwerdeführerin kann aus Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG keinen Anspruch auf
Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung ableiten. Wichtige persönliche Gründe,
welche sich gestützt auf Art. 50 Abs. 2 AuG ergeben könnten, werden von der
Beschwerdeführerin weder geltend gemacht noch sind sie ersichtlich.
4.
Die Beschwerdeführerin beruft sich auf Art. 8 der Konvention zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK). Sie habe gestützt auf diese
Konventionsnorm Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, weil sie in
einem geschützten Konkubinat lebe. Ein solches liege bei ihr und ihrem Partner,
welcher über eine Niederlassungsbewilligung EU/EFTA verfüge, und mit welchem sie
seit mehr als zwei Jahren zusammen sei, vor. Sie hätten eine gemeinsame Wohnung in
C._, und es würden konkrete Heiratsabsichten bestehen. Diese Absicht habe vor
einem Jahr noch nicht bestanden, da die Beziehung damals noch sehr jung gewesen
sei. Die Ehe mit ihrem Ex-Partner stelle zwar aktuell ein rechtliches Hindernis zur
Eheschliessung zwischen den Konkubinatspartnern dar, jedoch würde von ihr und
ihrem Partner aus alles unternommen, um die Eheschliessung voranzutreiben. Am 13.
Januar 2020 sei die Scheidungsklage gegen ihren Ex-Partner eingereicht worden. Mit
Entscheid vom 18. Mai 2020 sei die Ehe nun rechtskräftig geschieden worden. Sie sei
4.1.
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mit ihrem Partner verlobt und die Eheschliessung sei noch im Jahr 2020 geplant. Damit
habe sie einen Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Es sei stossend,
wenn sie allein für die Zeit bis zur Eheschliessung die Schweiz verlassen und ihre
Arbeitsstelle aufgeben müsse.
Im angefochtenen Entscheid erwog die Vorinstanz im Wesentlichen, dass die
Beziehung der Beschwerdeführerin zu ihrem Partner nicht derart gesichert und stabil
erscheine, dass sie einer Ehe gleichkomme. Es liege maximal ein Zusammenleben seit
zwei Jahren vor, das Paar sei kinderlos und es bestünden keine Heiratsabsichten. Eine
Scheidung von ihrem seit 1. Oktober 2016 getrenntlebenden Ehemann wäre
grundsätzlich auch gegen dessen Willen möglich.
Art. 8 EMRK verschafft praxisgemäss keinen Anspruch auf Einreise und Aufenthalt oder
auf einen Aufenthaltstitel. Er hindert Konventionsstaaten nicht daran, die Anwesenheit
auf ihrem Staatsgebiet zu regeln und den Aufenthalt ausländischer Personen unter
Beachtung überwiegender Interessen des Familien- und Privatlebens gegebenenfalls
auch wieder zu beenden. Dennoch kann das in Art. 8 Ziff. 1 EMRK verankerte Recht
auf Achtung des Privat- und Familienlebens berührt sein, wenn einer ausländischen
Person mit in der Schweiz aufenthaltsberechtigten Familienangehörigen das
Zusammenleben verunmöglicht wird. In den Schutzbereich von Art. 8 EMRK fallen
auch nicht rechtlich begründete familiäre Verhältnisse, sofern eine genügend nahe,
echte und tatsächlich gelebte Beziehung besteht; entscheidend ist die Qualität des
Familienlebens und nicht dessen rechtliche Begründung (BGE 144 II 1 E. 6.1, BGE 135
I 143 E. 3.1). Ein Bewilligungsanspruch kann sich demnach unter Umständen auch aus
einem Konkubinat ergeben. Dabei ist wesentlich, ob die Partner in einem gemeinsamen
Haushalt leben; zudem ist der Natur und Länge ihrer Beziehung sowie ihrem Interesse
und ihrer Bindung aneinander, etwa durch Kinder oder andere Umstände wie die
Übernahme von wechselseitiger Verantwortung, Rechnung zu tragen (vgl. BGer
2C_244/2019 vom 5. Dezember 2019 E. 3.1, 2C_458/2013 vom 23. Februar 2014
E. 2.1). Massgeblich ist, dass die partnerschaftliche Beziehung seit Langem eheähnlich
gelebt wird oder konkrete Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Hochzeit
hindeuten (BGE 144 I 266 E. 2.5, 135 I 143 E. 3.1, BGer 2C_244/2019 vom 5.
Dezember 2019 E. 3.1, 2C_832/2018 vom 29. August 2019 E. 2.2). Die Beziehung der
Konkubinatspartner muss bezüglich Art und Stabilität in ihrer Substanz einer Ehe
gleichkommen (BGer 2C_880/2017 vom 3. Mai 2018 E. 3.1).
4.2.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_244%2F2019&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-II-1%3Ade&number_of_ranks=0#page1 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_702%2F2011&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-I-143%3Ade&number_of_ranks=0#page143 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_702%2F2011&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-I-143%3Ade&number_of_ranks=0#page143 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=135+I+143+konkubinat&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-I-143%3Ade&number_of_ranks=0#page143
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Im BGer 2C_880/2017 vom 3. Mai 2018 (E. 3.2.1 und 3.2.2) mit Verweis auf BGer
2C_702/2011 vom 23. Februar 2012 (E. 3.2) sowie im BGer 2C_97/2010 vom 4.
November 2010 (E. 3.2 und 3.3) hat das Bundesgericht die bisher ergangene
Rechtsprechung hinsichtlich Vorliegens eines ausländerrechtlich massgeblichen
Konkubinats in Auseinandersetzung mit der einschlägigen Praxis des Europäischen
Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) zusammengefasst. Von den
Konventionsorganen wurde ein Bewilligungsanspruch bei Fehlen von gemeinsamen
Kindern in Fällen bejaht, in denen die Beziehungen jeweils sechs bis achtzehn Jahre
gedauert hatte. Das Bundesgericht bejahte einen Bewilligungsanspruch bei einem
Konkubinatspaar, das zwei Jahre zusammengelebt hatte, wobei eine Heirat
beabsichtigt und aus der Beziehung bereits ein gemeinsames Kind hervorgegangen
war (BGer 2C_661/2010 vom 31. Januar 2011 E. 3). Hingegen wurde ein
Bewilligungsanspruch aufgrund nicht hinreichender Stabilität verneint: die Betroffenen
lebten seit drei Jahren zusammen, hatten aber keine Heiratsabsichten und die
Beziehung war kinderlos geblieben (BGer 2C_225/2010 vom 4. Oktober 2010 E. 2.2).
Auch ein Zusammenleben von 18 Monaten (BGer 2C_300/2008 vom 17. Juni 2008 E.
4.2) sowie ein Zusammenleben von vier Jahren alleine genügten nicht bei Fehlen
konkreter Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende Hochzeit sowie auf den
Umstand hin, dass die Konkubinatspartner weder gemeinsame Kinder hatten noch
gemeinsam Kinder eines Partners aufzogen (BGer 2C_1035/2012 vom 21. Dezember
2012). Im Entscheid 2C_25/2010 vom 2. November 2010 reichte das Zusammenleben
von zwei Jahren nicht aus, zumal die Partner beide noch verheiratet waren (E. 6). Das
Bundesgericht stellte im Urteil 2C_702/2011 vom 23. Februar 2012 fest (E. 3.3.2), dass
in Anbetracht eines höchstens anderthalbjährigen Zusammenlebens der Partner, der
vagen bzw. widersprüchlichen Angaben zur bisherigen Lebensgemeinschaft und dem
Fehlen gemeinsamer Kinder, (noch) kein im Sinne der Rechtsprechung
anspruchsbegründendes Konkubinat bestehe. Ein Gesuch, das sich ausschliesslich auf
Art. 8 Ziff. 1 EMRK und keinen gesetzlichen Bewilligungsanspruch stütze, sei in diesem
Rahmen nur an die Hand zu nehmen, wenn der Anspruch "offensichtlich" erscheine.
Eine anspruchsbegründende Konkubinatsbeziehung verneinte das Bundesgericht
ebenfalls im Verfahren 2C_1194/2012 vom 31. Mai 2013: Es erwog, dass ein knapp
dreijähriges Zusammenleben noch kein "eheähnliches" Konkubinat begründe, wie es
dies bereits im Zusammenhang mit einem drei- bzw. vierjährigen Zusammenleben
festgestellt habe (Urteil 2C_1035/2012 vom 21. Dezember 2012 E. 5.3; 2C_97/2010
vom 4. November 2010 E. 3.3). Zwar könne in der finanziellen Unterstützung eine
Übernahme wechselseitiger Verantwortung liegen, doch müsse auch diese von einer
gewissen Dauer sein und dürfe sich zeitlich nicht bloss auf das laufende
4.3.
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ausländerrechtliche Verfahren beschränken (E. 4.4). Schliesslich hielt das
Bundesgericht auch ein Zusammenleben von etwas mehr als drei Jahren ohne
Vorliegen eines zusätzlichen Elements für nicht ausreichend. Zwar komme die Partnerin
für den Lebensunterhalt des Beschwerdeführers auf, dies aber erst seit relativ kurzer
Zeit. Die beiden hätten sich um eine Heirat bemüht, doch sei diese bis jetzt daran
gescheitert, dass sie die erforderlichen, amtlich bestätigten Unterlagen nicht rechtzeitig
eingereicht hatten (2C_880/2017 vom 3. Mai 2018 E. 4.1).
Weil im Beschwerdeverfahren gemäss Art. 61 Abs. 3 VRP neue Begehren unzulässig
sind, berücksichtigt das Verwaltungsgericht Tatsachen, die nach Abschluss des
Rekursverfahrens eingetreten sind ("echte Noven"), grundsätzlich nicht mehr (Cavelti/
Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Auf. 2003, Rz. 642, vgl.
Looser/Looser-Herzog, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 11 zu Art. 61
VRP). Im Bereich des Ausländerrechts hat das Verwaltungsgericht als Ausnahme von
diesem Grundsatz laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung auf den Sachverhalt im
Zeitpunkt seines Entscheides abzustellen (BGE 128 II 145 E. 1.1.3, vgl. Looser/Looser-
Herzog, a.a.O., N 19 zu Art. 61 VRP). Es hat also entscheidwesentliche Tatsachen, die
nach Abschluss des Rekursverfahrens eingetreten sind, zu berücksichtigen (VerwGE B
2018/183 vom 3. Juli 2019 E. 2.1, B 2016/111 vom 16. Januar 2018 E. 2).
4.4.
Entsprechend der ergangenen Urteile ist die Rechtsprechung bezüglich der
Anforderungen an ein Konkubinat, um sich auf einen Bewilligungsanspruch über
Art. 8 EMRK zu berufen, streng. Bei einer kinderlosen Beziehung ergibt sich ein
völkerrechtlicher Anspruch auf Familiennachzug nur, wenn eine lang dauernde und
gefestigte Beziehung vorliegt und die Heirat unmittelbar bevorsteht (BGer 2C_282/2019
vom 25. März 2019 E. 2.2). Vorliegend ist im besten Fall davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin gemäss eigenen Angaben seit dem Sommer 2017 mit ihrem
Partner liiert ist. Vom 15. März bis 31. Juli 2017 lebte die Beschwerdeführerin in A._
bei ihren Verwandten. Per 1. August 2017 zog sie in ein Zimmer der Pension
X._ GmbH (act. MA 89). An diese Andresse sandte das Migrationsamt am 11.
Dezember 2017 auch das Schreiben in Sachen Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung zur Wahrung des rechtlichen Gehörs (act. MA 134 ff.). Der am
6. März 2018 gegen die Beschwerdeführerin ergangene Strafbefehl wurde ebenfalls an
die Adresse der Pension X._ GmbH versandt (act. MA 167). Während des laufenden
Rekursverfahrens wurde keine Adressänderung der Beschwerdeführerin bekannt
4.5.
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5.
Zu prüfen bleibt, ob die Nichtverlängerung der Bewilligung und die Wegweisung der
Beschwerdeführerin verhältnismässig ist. Bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit
haben die zuständigen Behörden bei der Ermessensausübung die öffentlichen
Interessen und die privaten Verhältnisse sowie den Grad der Integration gegeneinander
abzuwägen (vgl. Art. 96 Abs. 1 AuG). Konkret legt die Beschwerdeführerin nicht dar,
inwiefern die Verhältnismässigkeitsprüfung der Vorinstanz rechtsfehlerhaft sein soll
(Rügeprinzip, vgl. Looser/Looser-Herzog, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], a.a.O., N
10 zu Art. 61 VRP). Sie hält es einzig für unverhältnismässig, wenn sie lediglich für die
gegeben. Als Beilage zur Beschwerdeergänzung vom 16. Dezember 2019 reichte die
Beschwerdeführerin einen Mietvertrag vom 4. Dezember 2018 ein. In diesem
Mietvertrag über eine Vierzimmerwohnung an der Z._-strasse 0_ in C._ sind K._
sowie die Beschwerdeführerin als Mieter aufgeführt. Mietbeginn war der 1. Dezember
2018 (act. 6/4). Gestützt auf die Akten lebt die Beschwerdeführerin demnach seit dem
1. Dezember 2018 mit ihrem neuen Partner zusammen im gleichen Haushalt. Ein
solches Zusammenleben im selben Haushalt von 20 Monaten (Dezember 2018 bis Juli
2020) reicht gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht aus, um sich auf einen
Bewilligungsanspruch nach Art. 8 EMRK zu berufen. Das zusätzlich notwendige
Element einer unmittelbar bevorstehenden Hochzeit vermag die Beschwerdeführerin
vorliegend ebenfalls nicht rechtsgenüglich nachzuweisen. Zwar wurde die Ehe
zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann mit Entscheid des Kreisgerichts
C._ am 18. Mai 2020 geschieden (act. 20). Damit besteht grundsätzlich kein Hindernis
zur Eheschliessung zwischen den Partnern mehr. Jedoch bringt die
Beschwerdeführerin erstmals im Beschwerdeverfahren vor, dass sie ihren Partner
sofort nach der Scheidung heiraten werde. Einer solchen Parteibehauptung kommt
lediglich geringe Beweiskraft zu. Weitergehende konkrete Nachweise auf eine
unmittelbar bevorstehende Hochzeit, wie beispielsweise das Einverständnis bzw. die
Verpflichtungserklärung des Partners oder die Einleitung des
Ehevorbereitungsverfahrens fehlen. Zusammengefasst kann die noch nicht
langdauernde Beziehung (eineinhalb Jahr Zusammenleben im gemeinsamen Haushalt,
höchstens zweieinhalb Jahre Beziehung) der Partner in ihrer Stabilität und ihrer
Substanz (noch) nicht einer Ehe gleichgestellt werden. Das Vorliegen des zusätzlichen
Elements der unmittelbar bevorstehenden Heirat wird von der Beschwerdeführerin im
Rahmen eines zulässigen Novums erstmals behauptet, nicht jedoch genügend
substantiiert. Folglich besteht im vorliegenden Fall trotz der neu im
Beschwerdeverfahren beigebrachten Dokumente (zulässige Noven) (noch) kein
anspruchsbegründendes Konkubinat im Sinne der Rechtsprechung und damit ein
solches, welches in den Schutzbereich von Art. 8 EMRK fällt.
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Zeit bis zur Eheschliessung die Schweiz verlassen und damit auch ihre Arbeitsstelle
aufgeben müsste.
Die Vorinstanz hat das öffentliche Interesse an einer restriktiven Migrationspolitik höher
gewichtet als die privaten Interessen der erst seit relativ kurzer Zeit hier lebenden
Beschwerdeführerin am weiteren Verbleib in der Schweiz (vgl. BGE 135 I 153 E. 2.2.1).
Die Beschwerdeführerin ist im Jahr 2013 im Alter von 19 Jahren in die Schweiz
eingereist. Sie verbrachte damit die kulturell prägenden Jugendjahre in ihrem
Heimatland und ist mit den dort herrschenden Sitten und Gebräuchen bestens vertraut.
Ihre Eltern und Brüder leben im Heimatland (act. MA 21) und können der
Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr beruflich und sozial zur Seite stehen.
Ursprünglich war der Aufenthalt in der Schweiz gemäss Angaben der in der Schweiz
lebenden Verwandten lediglich für einen einjährigen Sprachaufenthalt vorgesehen. Das
Erlernen der deutschen Sprache sollte der Beschwerdeführerin im Hinblick auf eine
touristische Tätigkeit in ihrem Heimatland helfen. Denn die Verwandten hatten in
Vietnam Land gekauft und wollten für die geplante Ferienresidenz, welche
hauptsächlich an deutschsprachige Touristen vermietet werden soll, eine verlässliche
deutschsprachige Person vor Ort haben (act. MA 12 und 26). Die beruflichen Chancen
bei einer Rückkehr ins Heimatland sind demnach intakt.
Dass die Beschwerdeführerin in der Schweiz arbeitet und die deutsche Sprache erlernt,
ist ihr beides durchaus positiv anzurechnen. Doch sowohl diese Umstände als auch,
dass sie mit einem hier ansässigen Mann eine Liebesbeziehung führt, lassen die
vorinstanzliche Ermessensausübung nicht als rechtsfehlerhaft erscheinen. Entgegen
der Ansicht der Beschwerdeführerin erweist sich die Aufgabe der neuen Arbeitsstelle
auch nicht als so einschneidend. Gemäss der Aktenlage war sie ab Oktober 2017
erstmals in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis angestellt (auf Stundenlohnbasis und
auf Abruf, act. MA 86 ff.). Nach Stellenwechseln im Juni 2018 (act. Vorinstanz 3/1) und
im November 2018 (act. 6/10) trat sie per 1. Dezember 2019 erneut eine neue
Arbeitsstelle an (act. 12/12). Eine intensive Bindung im beruflichen Bereich ist
demzufolge nicht ausgewiesen. Die Beziehung zu ihrem Partner kann sie bis zur
allfälligen Heirat durch gegenseitige Besuche und mit modernen
Kommunikationsmitteln aufrechterhalten. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte,
besteht ein öffentliches Interesse daran, dass Ausländerinnen und Ausländer, bei
denen die familiären Voraussetzungen, die für die Erteilung des Aufenthaltsrechts
massgebend waren, nach kurzer Zeit wegfallen, die Schweiz wieder verlassen (VerwGE
B 2019/79 vom 26. September 2019 E. 7.2, B 2012/105 vom 13. November 2012 E. 7).
5.1.
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6.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF
2‘000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12,
GKV). Die Kosten sind mit dem geleisteten Kostenvorschuss von CHF 2‘000 zu
verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind bei diesem Verfahrensausgang nicht zu entschädigen (Art.
98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).