Decision ID: 1a7b38f0-d074-5d04-9e0a-1e7e43bdb635
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im August 2015 zur Früherfassung bei der
Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 2). Sie gab an, seit März 2013 (bis September
2015) bei der B._, einem Alters- und Pflegeheim, im Hausdienst/in der Reinigung in
einem 70%-Pensum erwerbstätig zu sein. Am 11. September 2015 fand ein Gespräch
mit einer Eingliederungsberaterin statt (IV-act. 4). Die Versicherte gab an, dass sie keine
Lehre absolviert und verschiedene Hilfsarbeiterinnentätigkeiten ausgeübt habe. Die
Stelle bei B._ sei per 30. September 2015 gekündigt worden. Das Wunschpensum
bei guter Gesundheit liege bei 100%. Im September 2015 reichte die Versicherte das
Anmeldeformular zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung ein (IV-act. 6).
Sie gab an, an Panikattacken, Angstzuständen und einer posttraumatischen
Belastungsstörung zu leiden.
A.a.
Die Stiftung B._ teilte am 8. Oktober 2015 mit (IV-act. 12), die Versicherte sei
von März 2013 bis September 2015 als Mitarbeiterin in der Hauswirtschaft angestellt
gewesen. Der letzte Arbeitstag sei der 19. Juli 2015 gewesen. Das Pensum habe
zunächst 50% und ab September 2013 70% betragen. Der AHV-beitragspflichtige
Lohn habe Fr. 2'660.-- pro Monat (x13) + Zulagen von durchschnittlich Fr. 155.-- pro
Monat betragen. Die Kündigung sei aus gesundheitlichen Gründen erfolgt. Die Arbeit
verlange von den Mitarbeitenden einen stabilen psychischen Gesundheitszustand.
A.b.
Fachärzte des C._ hatten am 25. Juni 2015 berichtet (Fremdakten-act. 1-13), sie
hätten die Diagnose einer Anpassungsstörung: Längere depressive Reaktion (ICD-10
F43.21) erhoben. Die Versicherte habe angegeben, dass sich ihre Tochter vor ca. sechs
Wochen versucht habe zu suizidieren. Die Versicherte sei deshalb vom 1. bis 14. April
2015 auf der Kriseninterventionsstation in Behandlung gewesen. Mit einer Besserung
der Beschwerden sei zu rechnen. Die genaue Dauer der Arbeitsunfähigkeit sei schwer
zu prognostizieren. Vorerst gingen sie weiterhin von einer Arbeitsunfähigkeit von 50%
A.c.
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aus, d.h. bei einer Tätigkeit im Reinigungsdienst von 70% sollte die Versicherte 35%
arbeiten gehen. Seit dem 1. Juni 2015 arbeite die Versicherte wieder in der Reinigung
zu 35%. Im Austrittsbericht der Krisenintervention des C._ vom 15. April 2015 war
die Diagnose Anpassungsstörungen: Kurze depressive Reaktion (ICD-10 F43.20)
angegeben und eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden (Fremdakten-
act. 1-17). Am 6. Oktober 2015 hatten Fachärzte des C._ mitgeteilt (IV-act. 13), bei
der Versicherten seien die Diagnosen einer Panikstörung (ICD-10 F41.0) und einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode: ohne somatisches
Syndrom (ICD-10 F33.0), erhoben worden. Die Versicherte werde seit dem 7. Mai 2015
ambulant psychiatrisch behandelt. Zurzeit klage sie über Panikattacken,
Zukunftsängste, innere Unruhe und Stimmungsschwankungen. Vorerst sei weiterhin
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Ab November/Dezember 2015
komme voraussichtlich eine Arbeitsfähigkeit von 20% in Frage. Durch die ambulante
psychiatrisch/psychotherapeutische Behandlung sowie die medikamentöse
Behandlung habe sich der Allgemeinzustand der Versicherten etwas gebessert. Am
13. Januar 2016 attestierte Dr. med. D._ vom C._ eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit vom 1. Januar 2016 bis 29. Februar 2016 (IV-act. 26). Dr. D._ und
Dr. med. E._ teilten am 29. März 2016 dieselben Diagnosen wie im Bericht vom
6. Oktober 2015 mit (IV-act. 28). Sie hielten fest, es bestünden weiterhin Panikattacken
sowie eine innere Unruhe. Die Versicherte fühle sich jedoch etwas besser, sei aktiver
und etwas ausgeglichener. Es bestünden eine starke Unsicherheit, eine Reizbarkeit und
eine Leistungsminderung. Aufgrund des aktuellen Krankheitsbildes würden sie die
Arbeitsfähigkeit ab Mai rein theoretisch auf 20% mit einer schrittweisen Steigerung
einschätzen. Eine berufliche Integrationsmassnahme hielten sie für sinnvoll.
Am 19. April 2016 wurde die Versicherte von Dr. F._, Fachärztin Psychiatrie/
Psychotherapie, im Auftrag der Krankentaggeldversicherung psychiatrisch abgeklärt
(Fremdakten-act. 2-18). Im Gutachten vom 27. April 2016 nannte Dr. F._ die
Diagnosen einer Panikstörung (ICD-10 F41.0), einer rezidivierenden depressiven
Störung, gegenwärtig weitestgehend remittiert (ICD-10 F33.4), und einer nicht näher
bezeichneten Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.9). Die Versicherte gab zur
Berufsanamnese an, das Arbeitspensum bei der B._ sei von der Arbeitgeberseite auf
70% limitiert gewesen, von sich aus hätte sie auch mehr gearbeitet. Dr. F._ führte
A.d.
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aus, im Anschluss an den Suizidversuch der Tochter im März 2015 sei es bei der
Versicherten reaktiv zum Auftreten einer depressiven Episode und einer völligen
Überlastung mit dem Gefühl eines totalen Blackouts gekommen. Unter
Berücksichtigung der Anamnese und auch in früheren Zeiten (wahrscheinlich
spätestens ab 1992) immer wieder aufgetretenen depressiven Episoden könne die
Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung gestellt werden. Die depressive
Symptomatik habe sich unter der Behandlung inzwischen soweit zurückgebildet, dass
von einer Remission gesprochen werden könne. Ebenfalls im Anschluss an den
Suizidversuch der Tochter sei es wahrscheinlich erstmals auftretend zu
Panikzuständen mit Hyperventilation gekommen. Auch diese Symptomatik habe sich
inzwischen deutlich zurückgebildet, wobei Angstsymptome in abgeschwächter Form
unter erhöhter psychischer Belastung immer noch aufträten. Die Exploration unter
Berücksichtigung der Biographie und der Lebensgeschichte der Versicherten zeige
darüber hinaus klare Hinweise darauf, dass bereits in der Kindheit und Jugend gewisse
Symptome und Einschränkungen bestanden hätten. So scheine es im Leben der
Versicherte immer eine gewisse Grundängstlichkeit, Schwierigkeiten in der
Beziehungsgestaltung, affektive Schwankungen, möglicherweise auch eine gewisse
Entwicklungsverzögerung und Lernschwierigkeiten, immer wieder destruktive und
selbstschädigende Verhaltensweisen etc. gegeben zu haben. Darüber hinaus würden
gewisse flashbackartige Erinnerungen und grosse Verlustängste beschrieben. Das
Spektrum der Symptome sei bunt und die diagnostische Einschätzung ohne
zusätzliche Untersuchungen und ohne fremdanamnestische Angaben schwierig. Im
Mindesten scheine aber eine klare Persönlichkeitsakzentuierung und eine fragliche
Persönlichkeitsstörung vorzuliegen. Darüber hinaus sei das Vorliegen eines ADHS und/
oder einer posttraumatischen Symptomatik wahrscheinlich. Aufgrund der Symptomatik
bestehe eine deutlich verminderte Belastbarkeit sowie eine verminderte Stresstoleranz.
Im Rahmen der Grundpersönlichkeit bestehe einerseits eine gewisse Extrovertiertheit
und dadurch auch eine gewisse Sozialkompetenz. Gleichzeitig bestehe durch die
Logorrhoe, die teilweise leichte Distanzlosigkeit und die Schwierigkeit, einen
Gedankengang und damit vermutlich auch eine Aufgabe zielgerichtet zu verfolgen, eine
Einschränkung der sozialen Interaktionsfähigkeit. Unter Berücksichtigung des
bisherigen Verlaufs erscheine eine langsame Erhöhung der Arbeitsfähigkeit und der
Belastung gerechtfertigt. Wie vom behandelnden Psychiater beurteilt, sei davon
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auszugehen, dass die Versicherte ab dem 1. Mai 2016 zu 20% arbeitsfähig sei und das
Pensum vermutlich in Monatsschritten um 10% gesteigert werden könne. Es sollte sich
in jedem Fall um eher einfache und repetitive Tätigkeiten handeln ohne allzu hohe
intellektuelle Ansprüche. Eine Tätigkeit in der Hauswirtschaft/Reinigung wie bis anhin
sei grundsätzlich denkbar.
Am 13. Juli 2016 teilten Fachärzte des C._ eine Änderung der Diagnosen mit,
nämlich eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Boderline-Typ (ICD-10
F60.32), und einen Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10
F43.1, Fremdakten-act. 2-16). Sie gaben an, die depressive und ängstliche
Symptomatik habe sich zurückgebildet. Sie attestierten eine 80%ige
Arbeitsunfähigkeit.
A.e.
Gleichentags unterzeichnete die Versicherte einen Eingliederungsplan für ein
Belastbarkeitstraining bei der G._ vom 15. August 2016 bis 13. November 2016 (IV-
act. 36). Am 15. Juli 2016 erteilte die IV-Stelle die entsprechende Kostengutsprache
(IV-act. 40). Die Versicherte absolvierte das Belastbarkeitstraining und konnte das
Arbeitspensum kontinuierlich von anfänglich 20% auf 40% steigern (vgl. den
Abschlussbericht der G._ vom 27. November 2016, IV-act. 60). Am 7. November
2017 erteilte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für ein Aufbautraining bei der G._
vom 14. November 2016 bis 13. Mai 2017 (IV-act. 56) mit dem Ziel, die Arbeitsfähigkeit
zu stabilisieren und auf 50% zu steigern (vgl. IV-act. 54). Die IV-Stelle brach das
Aufbautraining per 25. Januar 2017 aufgrund von gehäuften krankheitsbedingten
Absenzen und eines instabilen Gesundheitszustands der Versicherten ab. Die G._
hielt im Schlussbericht vom 16. Februar 2017 fest (IV-act. 77), sobald die Versicherte
unter einer Mehrfachbelastung gestanden sei (finanzielle Situation, Privates, Druck der
Rahmenbedingungen des Aufbautrainings), sei sie sowohl im Arbeitsbereich als auch in
den Coachinggesprächen psychisch instabil erschienen. Dies habe sich daran gezeigt,
dass nicht mehr das Aufbautraining im Vordergrund gestanden sei, sondern ihre
privaten Probleme. Die Versicherte habe angegeben, dass es ihr schwergefallen sei,
sich auf das Aufbautraining zu fokussieren. Ihr sei alles zu viel geworden und das
Aufbautraining habe für sie eine grosse Belastung dargestellt. Das Arbeitspensum habe
rund 40% betragen. Mit einer Mitteilung vom 31. März 2017 wies die IV-Stelle das
Begehren um berufliche Massnahmen ab (IV-act. 82).
A.f.
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Am 26. Juni 2017 berichtete Dr. D._ (IV-act. 85), zwischenzeitlich als
niedergelassener Arzt tätig, die Versicherte leide an einer posttraumatischen
Belastungsstörung (ICD-10 F43.1). Er gab folgende Befunde an: Wach, klar, zu allen
Qualitäten orientiert, im Kontakt freundlich und kooperativ, Stimmungslage etwas
gedrückt, affektlabil, Antrieb etwas reduziert, formalgedanklich geordnet, inhaltlich
dominiere Ambivalenz und Überforderung, Leistungseinbussen, verminderte
Konzentration und Aufmerksamkeit, Gedächtnis unauffällig, kein Hinweis auf Wahn,
Wahrnehmungs- oder Ich-Störungen, Halluzinationen würden verneint, wiederkehrende
Flashbacks von Gewalterlebnissen in der zweiten Ehe, zeitweise auftretende
Albträume, Existenz- und Zukunftsängste, intermittierende Angst/Panikattacken
(sekundenweises Auftreten), unter psychiatrisch-psycho-therapeutischer Behandlung
deutlich besser, Besserung der Schlafstörung. Er hielt fest, aufgrund des aktuellen
Krankheitsbilds schätze er die Arbeitsfähigkeit der Versicherten aufgrund einer
Leistungsminderung und einer verminderten Belastbarkeit rein theoretisch auf 30-50%
ein.
A.g.
Dr. med. H._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) notierte am
21. September 2017 (IV-act. 86), zur abschliessenden Einschätzung des
Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit seien weitere medizinische Abklärungen
erforderlich. Falls eine Haushaltsabklärung vorgesehen sei, bitte sie um deren
Durchführung, bevor eine psychiatrische Begutachtung in Auftrag gegeben werde.
A.h.
Die Versicherte gab am 25. Oktober 2017 im Fragebogen zur Rentenabklärung
betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt an (IV-act. 90), ohne eine gesundheitliche
Beeinträchtigung würde sie heute in einem 100%-Pensum im Detailhandel oder in der
Produktion arbeiten. Sie sei früher in unterschiedlichen Pensen erwerbstätig gewesen,
unter anderem auch zu 100%. Daher wäre dies ohne eine Beeinträchtigung auch heute
das Ziel. Die Kinder seien volljährig. Die Erledigung des Haushalts sei ihr in ihrem
Tempo selbstständig möglich.
A.i.
Die Arbeitslosenkasse teilte am 7. Dezember 2017 mit (IV-act. 91), die Versicherte
sei seit 1. Oktober 2015 als arbeitslos gemeldet. Sie suche eine 70%-Stelle. Die
Vermittlungsfähigkeit sei auf 70% festgelegt worden. Sie legte diverse
Arbeitsunfähigkeitszeugnisse bei.
A.j.
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Eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle notierte am 19. Dezember 2017 zuhanden des
RAD (IV-act. 92), bezüglich der Arbeitsfähigkeit der Versicherten im Haushalt sei der
Haushaltfragebogen eingeholt worden. Als Hauptgrund für den Haushaltanteil von 30%
könnten die Hunde angenommen werden. Gemäss dem Haushaltfragebogen benötige
die Versicherte täglich zwei bis drei Stunden für die Haustierhaltung. Ausserdem habe
die Versicherte angegeben, dass sie sämtliche Haushaltstätigkeiten in ihrem Tempo
selbstständig erledigen könne. Die Versicherte lebe mit ihrer Tochter zusammen, womit
im Rahmen der Schadenminderung von der Tochter eine Mithilfe im Haushalt verlangt
werden könne. Auf eine Haushaltabklärung werde deshalb verzichtet. Die Versicherte
habe angegeben, dass sie mit einem 100%-Pensum arbeiten würde. Bei der IV-
Anmeldung im Jahr 2015 sei sie zu 70% erwerbstätig gewesen. Die Tochter sei zu
diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt gewesen. Die im Haushaltfragebogen erwähnte Tätigkeit
mit einem 100%-Pensum sei gemäss dem Lebenslauf der Versicherten (vgl. IV-act. 23)
lediglich während vier Monaten im Jahr 2011 ausgeübt worden. Bei der
Arbeitslosenversicherung habe sich die Versicherte ab dem 1. Oktober 2015 mit einem
gesuchten Arbeitspensum von 70% angemeldet. Die IV-Stelle halte an der Qualifikation
von 70% Erwerbstätigkeit und 30% Haushalttätigkeit fest.
A.k.
Die RAD-Ärztin Dr. H._ notierte am 16. Februar 2018 (IV-act. 92), aus
psychiatrischer Sicht seien unterschiedliche Diagnosen gestellt worden, welche zu
klären seien. Eine psychiatrische Begutachtung sei notwendig. Am 22. Juni 2018 wurde
die Versicherte durch Dr. med. I._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
psychiatrisch abgeklärt. Im Gutachten vom 29. Juni 2018 (IV-act. 103) gab Dr. I._ als
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0), und eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und narzisstisch-dysthymen und
unreifen Anteilen (ICD-10 F61.0) an. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit nannte sie eine Panikstörung (ICD-10 F41.0) und eine psychische und
Verhaltensstörung durch Sedativa und Hypnotika, schädlicher Gebrauch (ICD-10
F13.1). Dr. I._ führte aus, die Versicherte habe angegeben, dass sie bis zur
Schwangerschaft im Jahr Z._ immer 100% gearbeitet habe. Danach sei sie zu
maximal 70% erwerbstätig gewesen. Aufgrund der Untersuchungsbefunde, den
Angaben der Versicherten und der Aktenlage müsse eine rezidivierende depressive
A.l.
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Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode, diagnostiziert werden. Die
Versicherte sei in ihrer affektiven Schwingungsfähigkeit nicht eingeschränkt. Die
Stimmung sei wechselhaft bedrückt, traurig, melancholisch. Die Versicherte zeige
keinen Interessenverlust an Aktivitäten im Alltag. Sie sei auch nicht freudlos und
resigniert; gelegentlich träten Hoffnungs- und Ratlosigkeit auf, jedoch kein
Pessimismus. Der Antrieb sei reduziert. Es hätten sich Konzentrations- und
Aufmerksamkeitsstörung gefunden. Das Selbstwerterleben sei eingeschränkt. Die
Versicherte zeige Insuffizienzgefühle und ein Gefühl der Wertlosigkeit, ebenfalls zeige
sie Schuldgefühle. Die Versicherte habe angeblich anhaltende Schlafstörungen. Durch
ihre beiden Kinder und zwei Freundinnen fühle sie sich unterstützt. In der
Vergangenheit sei es zu immer wieder auftretenden depressiven Episoden gekommen.
Die depressive Symptomatik habe sich unter der Behandlung mit Antidepressiva so
weit zurückgebildet, dass von einer leichten depressiven Episode gesprochen werden
könne. Wahrscheinlich ausgelöst durch den Schock, den die Versicherte im Anschluss
an den Suizidversuch ihrer Tochter im März 2015 erlitten habe, sei es erstmals
auftretend zu Panikzuständen mit Hyperventilation gekommen. Auch diese
Symptomatik habe sich inzwischen weitgehend zurückgebildet, wobei diese bei
Belastung und Überforderung wieder auftrete, vor allem nachts ausgelöst durch
Albträume. Die Angstsymptome seien in abgeschwächter Form immer noch vorhanden
und träten vor allem in Stresssituationen und bei Überforderungsgefühlen auf. Die
ICD-10-Kriterien für eine Panikstörung würden erfüllt. Darüber hinaus sei eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen, narzisstisch-dysthymen,
unreifen Anteilen festzustellen. Die Versicherte sei in den ersten Lebensjahren in
dysfunktionalen familiären Verhältnissen aufgewachsen, die ihren
entwicklungsbedingten psychischen Bedürfnissen nicht stützend genug
entgegengekommen seien. Die Versicherte habe in den ersten vier Lebensjahren
psychische und physische Vernachlässigungen durch ihre alkoholkranken Eltern erlebt.
Sie habe bereits in ihrer Kindheit Jähzorn, Ängste, Schlafstörungen und Bettnässen bis
ins Erwachsenenalter gezeigt. Dies seien Hinweise für die Entwicklung einer
Persönlichkeitsstörung. Es sei davon auszugehen, dass die Versicherte ihre
psychischen Ressourcen nicht gut genug habe ausbauen und ihr Selbstwertgefühl und
ihr Ich sich nicht gesund hätten entwickeln können. Die Beziehungen seien insgesamt
instabil, von Affekten geprägt und wenig Geborgenheit und Sicherheit bietend
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geblieben. So habe es im Leben der Versicherten schon immer eine gewisse
Grundängstlichkeit gegeben. Eine zu vermutende Vernachlässigung habe auch zu einer
gewissen Entwicklungsverzögerung und zu Lernschwierigkeiten geführt. Die
Versicherte habe auch im Erwachsenenalter destruktive und selbstschädigende
Verhaltensweisen wiederholt. Sie sei Beziehungen zu gewalttätigen Männern
eingegangen, meist hätten diese auch ein Alkohol- oder eine sonstige
Drogenproblematik gehabt. Laut den Angaben der Versicherten habe sie zu
männlichen Partnern kein freundschaftliches, väterliches oder partnerschaftliches
Verhältnis entwickeln können, sondern sehe die Männer bis heute als sexuelle Partner.
Der Kern der Angstsymptomatik, der depressiven Symptomatik, aber auch der
Persönlichkeitsstörung liege in den Kindheits- und Jugenderlebnissen. Die Versicherte
erfülle die ICD-10-Kriterien der Persönlichkeitsstörung. Es bestehe eine deutliche
Unausgeglichenheit in den Einstellungen im Verhalten in mehreren Funktionsbereichen
wie Affektivität, Antrieb, Impulskontrolle, Wahrnehmen und Denken sowie in den
Beziehungen zu anderen. Diese auffälligen Verhaltensmuster seien andauernd und
gleichförmig und nicht auf Episoden psychischer Krankheiten begrenzt. Das auffällige
Verhaltensmuster sei tiefgreifend und in vielen persönlichen und sozialen Situationen
eindeutig unpassend. Die Versicherte zeige Anteile einer emotional instabilen
Persönlichkeitsstörung mit der Tendenz, impulsiv zu handeln, mit einer wechselnden
instabilen Stimmung und einer eingeschränkten Fähigkeit vorauszuplanen. Die innere
Präferenz sei unklar und gestört, es bestehe ein Gefühl der inneren Leere. Die Neigung
zu intensiven unbeständigen Beziehungen habe in der Vorgeschichte zu emotionalen
Krisen geführt. Die Versicherte zeige auch die dysthym-narzisstischen Anteile sowie
unreife Anteile. Sie wirke insgesamt kindlich, unsicher, zeige Insuffizienzgefühle und ein
Gefühl der Wertlosigkeit, zeige eine Sehnsucht nach Geborgenheit und Familie, was
grundsätzlich nicht pathologisch sei. Aufgrund der Angst und Panikstörung bestehe
eine iatrogen herbeigeführte psychische und Verhaltensstörung durch Sedativa und
Hypnotika, schädlicher Gebrauch (Gebrauch von Temesta bei Bedarf). Bezüglich der
bisherigen Einschätzungen gemäss Aktenlage werde in den Berichten eine
Anpassungsstörung, kurze depressive Reaktion (ICD-10 F43.20) erhoben. Angesichts
der Dauer und der Vorgeschichte der Versicherten sei diese Diagnose nicht haltbar,
denn nach ICD-10 klinge eine Anpassungsstörung nach sechs Monaten ab.
Rückblickend müsse festgestellt werden, dass die Versicherte wahrscheinlich schon
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seit Jahren an einer rezidivierenden depressiven Störung mit unterschiedlich
ausgeprägten depressiven Episoden, gegenwärtig leichte depressive Episode, leide.
Die Diagnose der Panikstörung sei nicht divergent zu diskutieren. Dr. F._ habe im
Gutachten vom 27. April 2016 eine nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung
(ICD-10 F60.9) diagnostiziert. Im Bericht des C._ sei von einer emotional-instabilen
Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (ICD-10 F60.32) ausgegangen worden. Die
Diagnosekriterien der Borderline-Persönlichkeitsstörung, insbesondere was das
selbstverletzende Verhalten und die Suizidneigung betreffe, seien nicht erfüllt. Die
Diagnosestellung der unspezifischen Persönlichkeitsstörung durch Dr. F._ sei
nachvollziehbar. Dr. D._ gehe von einer posttraumatischen Belastungsstörung
(ICD-10 F43.1) aus. Die Versicherte habe im Verlauf ihres Lebens multiple
Traumatisierungen erlitten. Die ICD-10-Kriterien der posttraumatischen
Belastungsstörung seien nicht erfüllt. Die dafür erforderlichen Symptome würden nicht
erfüllt. Es fänden sich zwar Schlafstörungen und Ängste, aber Nachhallerinnerungen,
Flashbacks, ein dauerhaftes Gefühl von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit,
Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit der Umgebung
gegenüber, Anhedonie sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die
Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten, könnten nicht festgestellt werden.
Aufgrund der multiplen Traumatisierungen bestehe allerdings
entwicklungsgeschichtlich eine kombinierte Persönlichkeitsstörung, bei welcher es
durch die wiederholten Traumata im Erwachsenenalter zu einer zunehmenden
Destabilisierung gekommen sei. Die Ressourcen der Versicherten seien als reduziert
anzusehen. Aufgrund der verminderten psychischen Ressourcen falle es der
Versicherten schwer, die vorhandenen sozialen Ressourcen zu mobilisieren und zu
nutzen. Das Ressourcendefizit sei Ausdruck der Persönlichkeitsstörung. Ausserdem sei
die Resilienz der Versicherten als vermindert anzusehen. Die Versicherte verfüge nicht
über eine psychische Stabilität. Die Versicherte akzeptiere Unterstützung im sozialen
Umfeld. Der Verlauf der Behandlung zeige insgesamt eher eine Chronifizierung der
Angst- und Panikstörung. Trotz der regelmässigen psychiatrisch-
psychotherapeutischen Behandlung sei der Versicherten eine Verarbeitung ihrer
traumatisierenden Vergangenheit bisher nicht gelungen. Die Verarbeitung sei ihr
aufgrund der Persönlichkeitsproblematik erschwert. Die aktuelle, eher chronifizierte
Panikstörung und rezidivierende depressive Störung ohne vollständige Remission sei
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einerseits durch den Suizidversuch der Tochter, aber auch durch die belastenden
Arbeitsumstände, wo die Versicherte viel mit dem Thema Tod und Sterben konfrontiert
gewesen sei, ausgelöst worden. Der Abbruch des Aufbautrainings aufgrund einer
psychischen Instabilität könne aufgrund der anamnestischen Angaben und des
aktuellen Befundes vollumfänglich nachvollzogen werden. Die Prognose sei ungünstig,
da das Leiden trotz der leichten Verbesserung des psychischen Zustandes im
Gegensatz zur Dekompensation im Jahr 2015 die Tendenz zur Chronifizierung habe,
was wiederum mit der kombinierten Persönlichkeitsstörung zu tun habe. Die
Darstellung der Symptomatik sei kohärent, plausibel und konsistent. Anhaltspunkte für
eine Aggravation oder eine Verdeutlichungstendenz bestünden nicht. Eine negative
Wechselwirkung bestehe insofern, als die Symptomatik der affektiven Störung und der
Panikstörung die jeweiligen Coping-Mechanismen negativ beeinflussten. Insbesondere
seien die Coping-Mechanismen im Rahmen der Persönlichkeitsstörung beeinträchtigt.
Es sei davon auszugehen, dass aufgrund der kombinierten Persönlichkeitsstörung
auch in Zukunft bei Stress- und Überforderungssituationen erneute affektive
Dekompensationen zu erwarten seien. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit im
Reinigungsdienst, wo die Versicherte angeblich auch in der Hilfsbetreuung von
betagten Menschen eingesetzt worden sei, sei sie vollständig arbeitsunfähig. In einer
adaptierten Tätigkeit könne von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden.
Eine 20%ige Leistungseinbusse sei dabei bereits mitberücksichtigt. Die Versicherte
könne sich nicht an stark schwankende Arbeitsbedingungen, Leistungsdruck,
Überzeitanforderungen und Stress anpassen. Eine Schichtarbeit müsse vermieden
werden. Sie benötige vermehrt Pausen und einen wohlwollenden Arbeitgeber, der mit
ihren Einschränkungen und Leistungsschwankungen tolerant umgehe. Es werde
empfohlen, der Versicherten erneut die Möglichkeit einer beruflichen Massnahme zu
gewähren. Es werde hier empfohlen, mit einer Präsenzzeit von 20% zu beginnen und
der Versicherten genügend Zeit zu geben, um die Präsenzzeit langsam erhöhen zu
können. Empfohlen würden hierfür sechs Monate. Nach einer erreichten Präsenzzeit
von 50% könnte in einem Arbeitstraining an einer stabileren Leistungsfähigkeit
gearbeitet werden. Insgesamt könne jedoch davon ausgegangen werden, dass die
Versicherte mittelfristig nur eine Arbeitsfähigkeit von 50% werde erreichen können.
Eine Tätigkeit mit freier Zeiteinteilung stelle für die Versicherte momentan eine
Überforderung dar. Einfache repetitive Tätigkeiten mit einer klar umrissenen Aufgabe
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erschienen am erfolgversprechendsten zu sein. Empfohlen werde, der Versicherten
"einen Zeitraum von 24 Monaten Eingliederungszeit zu geben". Der Erfolg sei offen.
Aus heutiger Sicht könnte jedoch durchaus eine stabile 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt erreicht werden. Der bisherigen
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der behandelnden Ärzte könne bis zum Zeitpunkt der
Begutachtung Folge geleistet werden. Die Einschätzung der neuen Arbeitsfähigkeit
gelte ab dem Zeitpunkt der Begutachtung.
Die RAD-Ärztin Dr. H._ notierte am 3. August 2018 (IV-act. 104), das
psychiatrische Gutachten sei ausführlich und umfassend. In der angestammten
Tätigkeit bestehe seit Beginn der von den behandelnden Ärzten attestierten
Arbeitsunfähigkeiten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. In einer adaptierten Tätigkeit
bestehe ab dem Zeitpunkt der Begutachtung eine 50%ige Arbeitsfähigkeit.
A.m.
Mit einem Vorbescheid vom 16. Januar 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten
die Abweisung des Begehrens um eine Invalidenrente in Aussicht (IV-act. 108). Zur
Begründung gab sie an, in einer adaptierten, einfachen repetitiven Tätigkeit mit klar
umrissenen Aufgaben und der Möglichkeit Pausen einzulegen, ohne schwankende
Arbeitsbedingungen, ohne Leistungsdruck und ohne Schichtarbeit bestehe eine
50%ige Arbeitsfähigkeit. Die Versicherte habe in einem 70%-Pensum gearbeitet. Beim
Einkommensvergleich seien beim Einkommen ohne gesundheitliche Einschränkung die
Lohnangaben des früheren Arbeitgebers verwendet worden. Beim Einkommen mit
gesundheitlichen Einschränkungen sei auf den Durchschnittslohn einer Hilfsarbeiterin
gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik abgestellt worden.
Gemäss den Angaben im Haushaltfragebogen könne die Versicherte den Haushalt
selbstständig erledigen. Von ihrer Tochter könne zudem die Mithilfe im Haushalt
verlangt werden. In der Haushalttätigkeit bestehe keine Einschränkung. Nach der
gemischten Methode (Erwerbstätigkeit 70%, Haushalttätigkeit 30%) betrage der
Invaliditätsgrad 33.3% (Valideneinkommen Fr. 36'595.--, Invalideneinkommen
Fr. 19'212.--) bzw. ab dem 1. Januar 2018 33.8% (Valideneinkommen Fr. 52'278.--,
Invalideneinkommen Fr. 27'028.--). Die Versicherte erhob dagegen am 21. Februar
2019 einen Einwand (IV-act. 112). Sie machte geltend, die gemischte Methode sei zu
Unrecht angewendet worden; es sei von der Qualifikation als Vollerwerbstätige
auszugehen. Aufgrund der nichtadäquaten Persönlichkeitsentwicklung habe sie nie
A.n.
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B.
eine erstmalige berufliche Ausbildung abschliessen können. Das Valideneinkommen sei
deshalb gemäss Art. 26 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV,
SR 831.201) festzusetzen. Beim Invalideneinkommen sei ein Abzug zu gewähren, da
sie aufgrund des gutachterlich festgestellten Arbeitsprofils gegenüber gesunden
Mitbewerberinnen benachteiligt sei. Sie habe Anspruch auf mindestens eine halbe
Invalidenrente.
Mit einer Verfügung vom 4. März 2019 wies die IV-Stelle das Begehren um eine
Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 33.3% bzw. ab dem 1. Januar 2018 von
33.8% ab (IV-act. 114). Zum Einwand hielt sie fest, gemäss dem
Arbeitgeberfragebogen habe die Versicherte als Hauswirtschaftsmitarbeiterin von März
2013 bis 31. August 2013 zu 50% gearbeitet. Per 1. September 2013 sei das Pensum
auf 70% angepasst worden. Die Tochter sei zu diesem Zeitpunkt Y._ Jahre alt
gewesen, womit die Möglichkeit bestanden hätte, eine Tätigkeit mit einem höheren
Pensum auszuüben. Aus dem Fragebogen der Arbeitslosenkasse gehe zudem hervor,
dass ab dem 1. Oktober 2015 wiederum eine Arbeitsstelle mit einem 70%-Pensum
gesucht worden sei. Eine niedrige berufliche Qualifikation rechtfertige keinen Abzug
vom Invalideneinkommen.
A.o.
Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) erhob am 5. April 2019 eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 4. März 2019 (act. G 1). Sie beantragte die
Zusprache einer Invalidenrente und die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung. Zur Begründung machte sie geltend, aufgrund äusserst schwieriger
Bedingungen in der Kindheit und Jugend habe sie keine adäquate
Persönlichkeitsentwicklung durchlaufen können. Sie habe deshalb keine Ausbildung
abschliessen können. Insofern habe sie nach dem Schulabschluss schon immer
Nachteile gehabt und sie habe in unterdurchschnittlich bezahlten Tätigkeiten arbeiten
müssen. Sie sei nicht damit einverstanden, dass ihr die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) keine Rente zuspreche, obwohl das psychiatrische Gutachten
nur eine Restarbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten von 50% ergeben habe. Beim
Haushaltfragebogen habe sie klar geäussert, dass sie heute einer 100%igen Arbeit
nachgehen würde. Auch aus wirtschaftlicher Sicht müsste sie heute einer vollen
B.a.
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Arbeitstätigkeit nachgehen. Seit längerer Zeit sei ihre Tochter gesundheitlich wieder
stabiler, sodass es ihr nun möglich wäre, einer 100%igen Arbeit nachzugehen. Nach
dem Suizidversuch ihrer Tochter im Jahr 2015 habe sie sich sehr um sie gekümmert.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 11. Juni 2019 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung gab sie an, im Gesamtbild sei eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar. Die Versicherte habe vorgebracht, dass sie sich nach
dem Suizidversuch ihrer Tochter sehr um sie gekümmert habe. Im Gutachten habe sie
aber angeführt, dass sie sich jahrelang um die Tochter gekümmert habe. Damit sei im
Verfügungszeitpunkt festgestanden, dass die Beschwerdeführerin ihr Arbeitspensum
auch bei voller Gesundheit soweit reduziert hätte, dass sie ihre instabile Tochter hätte
betreuen können. Die Tochter lebe derzeit noch zu Hause und nehme weiterhin
heilpädagogische Hilfe zu sich. Die Beschwerdeführerin stelle somit die Betreuung ihrer
volljährigen Tochter vor eine Arbeitstätigkeit. Finanzielle Interessen könnten keine Rolle
spielen. Die wirtschaftliche Existenz sei bis anhin durch das Sozialamt gesichert
gewesen. Ferner werde die Beschwerdeführerin aufgrund ihres geringen
Bildungsstands im Ergebnis nicht mehr verdienen, als sie vom Sozialamt erhalten
würde. So habe sich der Lohn jeweils knapp auf dem durchschnittlichen Lohn einer
Hilfsarbeiterin bewegt. Die gemischte Methode sei zu Recht angewendet worden.
B.b.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen bewilligte am 6. August 2019 die
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) für das
Beschwerdeverfahren (act. G 9).
B.c.
In der Replik vom 28. Januar 2020 machte die Beschwerdeführerin ergänzend
geltend (act. G 16), sie halte daran fest, dass sie im Gesundheitsfall einer vollen
Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Müssig sei darauf hinzuweisen, dass sie sich um
ihre kranke Tochter gekümmert habe. Hypothetisch wäre ihre Tochter wahrscheinlich
gar nicht krank geworden, hätte sie (die Beschwerdeführerin) sich in ihrer
Persönlichkeit normal entwickeln können. Als alleinstehende gesunde Frau spreche
nichts dagegen, dass sie einer vollen Erwerbstätigkeit nachgehen würde.
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 17).B.e.
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 4. März 2019
einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 33.3%
bzw. ab dem 1. Januar 2018 von 33.8% verneint. Strittig ist somit, ob die
Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.1.
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Bei nicht erwerbstätigen
Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität
in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG; sog. Betätigungsvergleich).
Bei Versicherten, die teilweise erwerbstätig und teilweise im Aufgabenbereich tätig
sind, wird der Invaliditätsgrad für beide Bereiche nach der jeweiligen Methode
berechnet; die Teilinvaliditätsgrade werden nach den Anteilen der Bereiche "gewichtet"
und dann addiert (sog. gemischte Methode; Art. 28a Abs. 3 IVG).
1.2.
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2.
Die Beschwerdegegnerin hat den Invaliditätsgrad anhand der gemischten Methode
berechnet und die Beschwerdeführerin als zu 70% erwerbstätig und zu 30% im
Haushalt tätig qualifiziert. Sie hat dies in der angefochtenen Verfügung mit dem 70%-
Pensum an der letzten Arbeitsstelle bei der B._ begründet (IV-act. 114). Im Weiteren
hat eine Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin nach dem Erhalt des Fragebogens
zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt notiert (IV-act. 92), als
Hauptgrund für den Haushaltanteil von 30% könnten die Hunde angenommen werden.
Die Beschwerdeführerin benötige nämlich täglich zwei bis drei Stunden für die
Haustierhaltung. Ausserdem habe sich die Beschwerdeführerin bei der
Arbeitslosenversicherung ab dem 1. Oktober 2015 mit einem gesuchten
Arbeitspensum von 70% angemeldet. Ein Rechtsdienstmitarbeiter hat geltend gemacht
(act. G 5), die Beschwerdeführerin habe sich gemäss Angabe im Gutachten (IV-
act. 103-18) jahrelang um ihre Tochter gekümmert. Damit sei im Verfügungszeitpunkt
festgestanden, dass sie ihr Arbeitspensum auch bei voller Gesundheit soweit reduziert
hätte, dass sie ihre instabile Tochter hätte betreuen können. Sie stelle damit die
Betreuung ihrer volljährigen Tochter vor eine Arbeitstätigkeit. Finanzielle Interessen
könnten keine Rolle spielen. Die wirtschaftliche Existenz sei bis anhin durch das
Sozialamt gesichert gewesen. Ferner werde die Beschwerdeführerin aufgrund ihres
geringen Bildungsstands im Ergebnis nicht mehr verdienen, als sie vom Sozialamt
erhalten würde. So habe sich der Lohn jeweils knapp auf dem durchschnittlichen Lohn
einer Hilfsarbeiterin bewegt.
2.1.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin ist die Beschwerdeführerin als
Vollerwerbstätige einzustufen. Dies ist wie folgt zu begründen: Die Beschwerdeführerin
hat mehrmals angegeben, dass sie ohne eine gesundheitliche Beeinträchtigung in
einem Vollzeitpensum arbeiten würde (IV-act. 6, 90, Fremdakten-act. 2-18). Sie hat
zudem mitgeteilt, dass das Arbeitspensum bei der B._ von der Arbeitgeberseite auf
70% limitiert gewesen sei; von sich aus hätte sie auch mehr gearbeitet (Fremdakten-
act. 2-18). Die Beschwerdeführerin hätte also, wenn sich ihr eine entsprechende
Gelegenheit geboten hätte, eine Arbeitsstelle mit einem höheren Arbeitspensum
angetreten. Die Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung ab dem 1. Oktober 2015
mit einem gesuchten Arbeitspensum von 70% ist in Bezug auf eine Erwerbstätigkeit im
fiktiven "Gesundheitsfall" irrelevant, da diese Anmeldung nach dem Eintritt des
Gesundheitsschadens im März 2015 erfolgt ist. Die Kinder der Beschwerdeführerin
sind im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung W._ und X._ Jahre alt
gewesen. Der Sohn hat nicht mehr bei der Beschwerdeführerin gewohnt und ist
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/21
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3.
wirtschaftlich selbstständig gewesen. Die Tochter hat eine von der IV unterstützte
Anlehre gemacht (IV-act. 103-18); ihr Gesundheitszustand hat sich gemäss den
Angaben der Beschwerdeführerin seit längerer Zeit stabilisiert (act. G 1). Die
Behauptung der Beschwerdegegnerin, dass sich die Beschwerdeführerin gemäss
Angabe im Gutachten jahrelang um ihre Tochter gekümmert habe, womit im
Verfügungszeitpunkt festgestanden sei, dass sie ihr Arbeitspensum auch bei voller
Gesundheit soweit reduziert hätte, dass sie ihre instabile Tochter hätte betreuen
können, vermag nicht zu überzeugen. Die Beschwerdeführerin hat der Gutachterin
gegenüber nämlich lediglich mitgeteilt, dass sie sich in den letzten Jahren sehr viele
Sorgen um ihre Tochter habe machen müssen (IV-act. 103-18). Im Weiteren ist zu
berücksichtigen, dass die finanzielle Situation der Beschwerdeführerin desolat
gewesen ist. Sie hat von der Sozialhilfe gelebt; zudem hat sie aus der Scheidung vom
zweiten Ehemann Schulden übernommen (IV-act. 103-18). Sie hätte also zwingend
eine Vollerwerbstätigkeit ausüben müssen; daran ändert auch der Umstand nichts,
dass sie zwei Hunde hat. Das Vorbringen der Beschwerdegegnerin, finanzielle
Interessen könnten keine Rolle spielen, da die wirtschaftliche Existenz bis anhin durch
das Sozialamt gesichert gewesen sei und da die Beschwerdeführerin aufgrund ihres
geringen Bildungsstands im Ergebnis nicht mehr verdienen würde, als sie vom
Sozialamt erhalten würde, ist nicht nachvollziehbar. Weder ist davon auszugehen, dass
die Beschwerdeführerin im fiktiven "Gesundheitsfall" Sozialhilfeleistungen beziehen
würde, noch ist ersichtlich, inwiefern dieses Argument eine Teilerwerbstätigkeit der
Beschwerdeführerin zu untermauern vermöchte. Zusammenfassend ist unter Verweis
auf Art. 56 Abs. 2 Satz 2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP, sGS
951.1) festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der mehrfachen Angabe,
ohne eine Gesundheitsbeeinträchtigung eine Vollerwerbstätigkeit auszuüben, der
fehlenden familiären Betreuungspflichten und der desolaten finanziellen Situation als
Vollerwerbstätige einzustufen ist.
Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der
verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat dazu Dr.
I._ mit der Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens beauftragt. Strittig und im
Folgenden zu prüfen ist, ob dem Gutachten vom 29. Juni 2018 voller Beweiswert
zukommt, das heisst, ob es die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt.
3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/21
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Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE
125 V 352 E. 3a). Notwendig ist zudem, dass die psychiatrische Gutachterin die vom
Bundesgericht in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und
vergleichbare psychosomatische Leiden aufgestellten und später auf alle psychischen
Erkrankungen, insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen,
anwendbar erklärten Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143
V 409 und 143 V 418).
3.2.
Die psychiatrische Gutachterin Dr. I._ hat umfassende Kenntnis von den
Vorakten gehabt und diese gewürdigt. Sie hat die Beschwerdeführerin persönlich
untersucht, die subjektiven Klagen aufgenommen und die erhobenen objektiven
Befunde im Gutachten wiedergegeben. Sie hat insbesondere erklärt, dass die
Beschwerdeführerin an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte
Episode, leidet. Sie hat diese Diagnose unter Würdigung der in der Untersuchung
erhobenen Befunde und der Aktenlage nachvollziehbar hergeleitet. Im Weiteren hat
Dr. I._ dargelegt, dass sich die nach dem Suizidversuch der Tochter im März 2015
erstmals aufgetretenen Panikzustände mit Hyperventilation weitgehend zurückgebildet
hätten. Die Angstsymptome seien in abgeschwächter Form immer noch vorhanden.
Gestützt darauf hat Dr. I._ eine Panikstörung diagnostiziert. Sodann hat Dr. I._
ausgeführt, dass bei der Beschwerdeführerin eine kombinierte Persönlichkeitsstörung
mit emotional instabilen, narzisstisch-dysthymen, unreifen Anteilen festzustellen sei.
Sie hat diese Diagnose anhand der erhobenen Befunde ausführlich begründet. Zu den
von den behandelnden Ärzten abweichenden Diagnosestellungen (Anpassungsstörung,
kurze depressive Reaktion [ICD-10 F43.20], emotional instabile Persönlichkeitsstörung
vom Borderline-Typ [ICD-10 F60.32], posttraumatische Belastungsstörung [ICD-10
F43.1]) hat sie ebenfalls ausführlich Stellung genommen und erklärt, weshalb sie diese
Diagnosen nicht hat bestätigen können. Im Weiteren hat sich Dr. I._ zu den
Standardindikatoren, insbesondere zur Konsistenz und zu den Ressourcen, geäussert.
In Bezug auf die Ressourcen hat Dr. I._ aufgezeigt, dass diese als reduziert
anzusehen seien und dass das Ressourcendefizit Ausdruck der Persönlichkeitsstörung
sei. Die Beschwerdeführerin verfüge über keine psychische Stabilität. Inkonsistenzen
hat Dr. I._ keine festgestellt; Hinweise auf eine Aggravation oder eine
Verdeutlichungstendenz hat sie verneint. Das Bestehen von negativen
Wechselwirkungen hat Dr. I._ insofern bejaht, als die Symptomatik der affektiven
3.3.
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Störung und der Panikstörung die jeweiligen Coping-Mechanismen negativ
beeinflussten; insbesondere seien die Coping-Mechanismen im Rahmen der
Persönlichkeitsstörung beeinträchtigt. Es sei davon auszugehen, dass aufgrund der
kombinierten Persönlichkeitsstörung auch in Zukunft bei Stress- und
Überforderungssituationen affektive Dekompensationen zu erwarten seien. Die
Erhebung der Befunde und Symptome und die gestützt darauf gestellten Diagnosen
überzeugen. Ebenso überzeugt die von Dr. I._ attestierte vollständige
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit im Hausdienst eines Alters- und
Pflegeheims. Die Stiftung B._ hat nämlich angegeben, die Arbeit verlange von den
Mitarbeitenden einen stabilen psychischen Gesundheitszustand (IV-act. 12); einen
solchen hat Dr. I._ bei der Beschwerdeführerin im Begutachtungszeitpunkt klar
verneint. Die Einschätzung der 50%igen Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten ist
demgegenüber höchst unsicher. Sie basiert nämlich auf einer Prognose über die
Entwicklung des Gesundheitszustands und damit der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin unter der Bedingung, dass bestimmte Massnahmen durchgeführt
würden. Dr. I._ hat dazu angegeben, sie empfehle, der Beschwerdeführerin erneut
die Möglichkeit einer beruflichen Massnahme zu gewähren, eine solche Massnahme
mit einer Präsenzzeit von 20% zu beginnen und langsam zu steigern, bis eine
Präsenzzeit von 50% erreicht sei. Anschliessend könne an einer stabileren
Leistungsfähigkeit gearbeitet werden. Es sei jedoch davon auszugehen, dass
mittelfristig nur eine Arbeitsfähigkeit von 50% erreicht werden könne. Sie empfahl für
die erste Phase (Steigerung des Pensums von 20% auf 50%) eine Dauer von sechs
Monaten und für die gesamte Eingliederungszeit zwei Jahre. Den Erfolg betrachtete
Dr. I._ als offen; sie hielt aber fest, dass durchaus eine stabile 50%ige
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt erreicht
werden könne. Die 50%ige Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin stellt also ein Ziel
dar, das gemäss einer objektiven medizinischen Betrachtungsweise erreicht werden
kann. Prognosen zur Arbeitsfähigkeit in der Zukunft können aber natürlich nicht mit
dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen
werden; sie sind höchstens plausibel. Das schliesst eine Invaliditätsbemessung auf der
Grundlage der Prognose, dass die Beschwerdeführerin mittelfristig in einer adaptierten
Tätigkeit zu 50% arbeitsfähig sein werde, aus. Im Zeitpunkt der Begutachtung hat
gemäss der Einschätzung von Dr. I._ nur eine 20%ige Arbeitsfähigkeit bestanden.
Die gesamte Dauer, um das Ziel einer 50%igen Arbeitsfähigkeit zu erreichen, ist offen.
Im Vergleich zu einer von Gutachtern häufig empfohlenen Eingliederungszeit von bis zu
drei Monaten handelt es sich vorliegend um eine erheblich längere, sich
möglicherweise über mehrere Jahre erstreckende Phase der Steigerung der
Arbeitsfähigkeit. Möglicherweise liegt also bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 20%
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bereits eine einen Anspruch auf eine Rente begründende Invalidität in der Form einer
längerdauernden Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG) vor. Sollte es zu einer
Rentenzusprache kommen, wird die Beschwerdegegnerin die Rente laufend der
Steigerung der Arbeitsfähigkeit anpassen. Wie die Beschwerdegegnerin die jeweilige
Arbeitsfähigkeit ermitteln wird, bleibt ihr überlassen. In Bezug auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von 20% im Begutachtungszeitpunkt ist festzuhalten, dass
Dr. I._ nicht ausreichend begründet hat, aufgrund welcher durch die psychische
Erkrankung verursachten Befunde und Symptome eine so hohe Arbeitsunfähigkeit
resultieren soll. Die Aussage, die Beschwerdeführerin könne sich aufgrund ihrer
Gesundheitsschädigung nicht an stark schwankende Arbeitsbedingungen,
Leistungsdruck, Überzeitanforderungen und Stress anpassen, sind Kriterien, welche
die Arbeitsfähigkeit aus der Sicht medizinischer Laien nur qualitativ einschränken, in
einer entsprechend adaptierten Tätigkeit also keine Arbeitsunfähigkeit bewirken
können. Einzig die Angabe, die Beschwerdeführerin benötige vermehrte Pausen, stellt
eine Begründung für eine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit dar. Eine
überzeugende Begründung dafür, dass diese Einschränkung so stark sein soll, dass
daraus eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit resultiert, fehlt im Gutachten von Dr. I._. Sie
hat also in ihrem Gutachten den Bogen zwischen den erhobenen Befunden und deren
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nicht geschlagen (vgl. BGE 145 V 367 f., E. 4.3). Die
Sache ist deshalb zur Ergänzung des Gutachtens vom 29. Juni 2018 an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese wird bei Dr. I._ eine Begründung für die
80%ige Arbeitsunfähigkeit im Begutachtungszeitpunkt einholen. Im Weiteren ist die
Sache zur Durchführung bzw. zur Veranlassung der von Dr. I._ als unerlässlich
qualifizierten Massnahmen zur Steigerung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Betreffend die Arbeitsfähigkeitsschätzung für die Zeit vor der Begutachtung hat
Dr. I._ auf die von den behandelnden Ärzten attestierten Arbeitsfähigkeiten
verwiesen. Die behandelnden Ärzte haben sich jedoch nur zur Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit geäussert (vgl. die von der Krankentaggeldversicherung und
der Arbeitslosenkasse eingereichten Arbeitsunfähigkeitszeugnisse, Fremdakten und IV-
act. 91). Für die Zeit von Juni 2017 (vgl. dazu den Bericht von Dr. D._, IV-act. 85) bis
zur Begutachtung durch Dr. I._ im Juni 2018 findet sich in den Akten gar keine
Arbeitsfähigkeitsschätzung eines behandelnden Arztes. Eine durchgehende
Arbeitsfähigkeitsschätzung für adaptierte Tätigkeiten bis zum Begutachtungszeitpunkt
fehlt also. Aus diesem Grund kann die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. I._ für die
Zeit bis zur Begutachtung nicht überzeugen. Die Sache ist deshalb zur ergänzenden
medizinischen Abklärung betreffend die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in
3.4.
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4.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erweist
sich als angemessen. Praxisgemäss ist die Rückweisung an die Verwaltung zur
ergänzenden bzw. weiteren Abklärung als volles Obsiegen der Beschwerdeführerin zu
werten (vgl. BGE 132 V 235, E. 6.1). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von
Fr. 600.-- vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.