Decision ID: e9b69b61-df66-5887-a8b9-2efd0f58d1f0
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Klägerin,
vertreten durch Hans Rüdlinger pat. Rechtsagent, Churfirstenstrasse 14, Postfach 60,
9642 Ebnat-Kappel,
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St.Galler Gerichte
gegen
Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG, Bundesgasse 35,
Postfach, 3001 Bern,
Beklagte,
vertreten durch Fürsprecher Franz Müller, Herrengasse 22, Postfach, 3000 Bern 7
Bärenplatz,
betreffend
Rückforderung von Taggeldleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend Versicherte oder Klägerin) war als Näherin bei der B._ AG,
angestellt (act. G 5.10). Durch die Arbeitgeberin war sie bei der Schweizerischen
Mobiliar Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend Mobiliar, Taggeldversicherung
oder Beklagte) für Taggeldleistungen im Krankheitsfall kollektiv versichert (act. G 5.2).
Mit Krankmeldung vom 24. August 2009 wurde der Taggeldversicherung angezeigt,
dass A._ die Arbeit am 14. August 2009 wegen Krankheit niedergelegt habe und
voraussichtlich während mehr als eines Monats arbeitsunfähig sei (act. G 5.10, G 5.4).
Die Mobiliar errechnete aufgrund des versicherten Verdiensts von Fr. 60'900.-- (13
Monatslöhne à Fr. 4'500.-- zuzüglich 12 Kinderzulagen à Fr. 200.--; vgl. act. G 5.10)
einen Taggeldansatz von gerundet Fr. 133.50 pro Tag. Aufgrund der attestierten
Arbeitsunfähigkeit zahlte sie zunächst der Arbeitgeberin und nach erfolgter Kündigung
des Arbeitsverhältnisses ab 1. Dezember 2009 direkt der Versicherten diese Taggelder
aus (vgl. act. G 5.6, G 5.8 f.).
A.b Im Frühjahr 2012 kündigte die Invalidenversicherung (IV) an, dass sie der
Versicherten mit Wirkung ab 1. August 2010 eine ganze Rente sowie eine Kinderrente
für die Tochter zusprechen werde. Die Mobiliar errechnete am 21. März 2012 eine
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Überentschädigung der Versicherten für die Zeit vom 1. August 2010 bis zum Ende des
Taggeldanspruchs am 13. August 2011 von insgesamt Fr. 30'592.50 und forderte
diesen Betrag bei der Ausgleichskasse C._ zurück, die für die Aus- und Nachzahlung
der Invalidenrenten an die Versicherte zuständig ist (vgl. act. G 5.7 f.). Mit der
Abrechnung zur Verfügung vom 2. April 2012 hielt die IV-Stelle des Kantons St. Gallen
fest, dass sie den Anteil von Fr. 30'592.50 an den nachzuzahlenden IV-Renten gemäss
deren Abrechnung vom 21. März 2012 direkt der Mobiliar Versicherung überweise (act.
G 1.3).
B.
B.a Gegen die Verfügungen der IV-Stelle vom 2. April 2012 liessen die Versicherte und
ihr Ehemann, beide vertreten durch pat. Rechtsagent Hans Rüdlinger, Ebnat-Kappel,
am 11. Mai 2012 vorsorglich Beschwerde erheben (Proz. IV 2012/175). Die
Beschwerde wurde am 21. Juni 2012 begründet. Im Lauf jenes Verfahrens stellte sich
heraus, dass die dortige Beschwerdeführerin 2, die Versicherte, ausdrücklich den
Verrechnungsantrag der Mobiliar bzw. die Auszahlung des Betrags von Fr. 30'592.50
an die Taggeldversicherung anfocht. Zur Beurteilung dieser Streitsache wurde daher
Anfang Februar 2013 das vorliegende Verfahren - Proz. KV-Z 2013/2 - eröffnet.
Bezüglich Rückforderung der Taggeldleistungen lauteten die Anträge der Klägerin, die
Verfügung der IV vom 2. April 2012 sei in dem Sinn aufzuheben/zu ändern, dass die IV
angewiesen werden solle, den Verrechnungsantrag der Schweizer Mobiliar im Umfang
von mindestens Fr. 8'745.80, eventualiter sogar um Fr. 12'625.20 zu kürzen und diese
Beträge an A._ zu überweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
IV-Stelle St. Gallen/Mobiliar Versicherungs-Gesellschaft AG, Bern. Zur Begründung
wird angeführt, im Artikel A5 der Allgemeinen Versicherungsbedingungen der Mobiliar
(gemeint sind die Allgemeinen Bedingungen der MobiSana zur Kollektiv-
Krankentaggeldversicherung; nachfolgend mit AB abgekürzt) werde nicht ausgeführt,
wann eine Überentschädigung entstehe. Unter Berücksichtigung der Regelungen von
Art. 69 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG; SR 830.1) bzw. von Art. 51 des Bundesgesetzes über den Versicherungsvertrag
(Versicherungsvertragsgesetz, VVG; SR 221.229.1) stelle der gesamthaft entgangene
Verdienst, zuzüglich krankheitsbedingter Mehrkosten, die Überentschädigungs-Grenze
dar. Für die Versicherte errechne sich so eine Überentschädigung von maximal
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Fr. 17'967.30, wenn auch die Kinderrenten der IV für die Tochter berücksichtigt
würden. Die Überentschädigungs-Regelung der Beklagten sei in verschiedener
Hinsicht unklar und dürfe nicht mehrfach zu Lasten der Klägerin ausgelegt werden.
Eventuell sei der Verrechnungsantrag mindestens um den Betrag der IV-Kinderrenten
für die Tochter von Fr. 8'745.80 zu kürzen, da nicht einzusehen sei, dass dieser
Anspruch der Tochter in die Überentschädigungs-Berechnung der Mutter
einzubeziehen sei.
B.b Die Klage wurde der Mobiliar am 14. Februar 2013 zur Stellungnahme zugestellt
(act. G 2). Diese beauftragte Fürsprecher Franz Müller, Bern, mit ihrer Vertretung (act.
G 3). Mit Klageantwort vom 3. April 2013 liess er die Abweisung der Klage unter
Kostenfolgen beantragen (act. G 5). Zur Begründung führte er an, die Verrechnung der
von der Beklagten ausgerichteten Taggelder mit Nachzahlungen der IV-Renten sei
aufgrund von Art. 22 Abs. 2 ATSG zulässig. Art. A5 AB setze die Grenze der
Überentschädigung klar beim versicherten Taggeld. Die Kongruenz sei sowohl in
zeitlicher als auch in sachlicher Hinsicht berücksichtigt und der Betrag von
Fr. 30'592.50 zutreffend errechnet worden. Art. 69 ATSG könne nur beim
Zusammentreffen von Leistungen verschiedener Sozialversicherungen berücksichtigt
werden. Die Taggeldversicherung der Mobiliar sei jedoch eine Privatversicherung und
richte sich nach dem VVG. Auch Art. 51 VVG finde vorliegend keine Anwendung. Auch
für die Ausklammerung der Kinderrente für die Tochter der Klägerin aus der
Berechnung der Überentschädigung finde sich kein Grund.
B.c Die Klägerin liess mit Replik vom 29. April 2013 an ihren Anträgen festhalten (act.
G 7). Ihr Rechtsvertreter führte aus, weder aus Art. A5 AB noch aus einer anderen
Regelung sei ersichtlich, dass diese Vorleistungen im Sinn von Art. 22 Abs. 2 ATSG
erbracht habe. Weil die Tochter unter gewissen Umständen einen eigenen
Auszahlungsanspruch für die IV-Kinderrente habe, sei es nicht nachvollziehbar, dass
sie in der Überentschädigungs-Berechnung der Mutter voll angerechnet werde, wenn
sie über die Mutter ausbezahlt werde, während dies bei separater Auszahlung nicht der
Fall sei. Bei einer Einberechnung der Kinderrente in die Überentschädigung der Mutter
würde nur die Mobiliar zum Schaden der Tochter profitieren. Da Art. A5 AB unklar
formuliert sei, dürfe diese Regelung nicht allseits zu Ungunsten der Klägerin ausgelegt
werden.
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B.d Mit Duplik vom 22. Mai 2013 hielt die Beklagte am Antrag auf Abweisung der
Klage fest. Zur Begründung führte sie ergänzend aus, es sei derart notorisch, dass von
Krankentaggeld-Versicherern ausgerichtete Taggelder, die vorab die arbeitsvertragliche
Lohnfortzahlungspflicht der Arbeitgebenden ersetzten bzw. im Lauf der Zeit
übernehmen und ergänzen würden, Vorschussleistungen im Sinn von Art. 22 Abs. 2
ATSG darstellten, dass sich weitere Ausführungen hiezu erübrigten. Sie liess Urteile
des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern und des Sozialversicherungsgerichts des
Kantons Zürich anführen, die bestätigen würden, dass Art. A5 AB (der Mobiliar) der
strengen Praxis standhielten und im Sinn von Art. 85 Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) rechtsgenüglich seien.
C.
Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.
1.1 Mit Urteil vom 21. Oktober 2004, I 296/03, hat das damalige Eidgenössische
Versicherungsgericht (EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialversicherungsrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts) entschieden, dass Streitigkeiten über die
materiellrechtliche Begründetheit von Rückforderungsansprüchen privater
Taggeldversicherungen gegenüber der IV durch Zivilgerichte zu beurteilen seien.
Dieses prozessuale Vorgehen hat das Bundesgericht mit Entscheid vom 30. Mai 2012,
4A_24/2012, E. 4.3 (mit weiteren Hinweisen; in BGE 138 III 411 nicht publizierte E.)
bestätigt. Im Kanton St. Gallen entscheidet das Versicherungsgericht gemäss Art. 9
des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (EGZPO; sGS
961.2) in Verbindung mit Art. 7 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO;
SR 272) als einzige kantonale Instanz über Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur
sozialen Krankenversicherung nach dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung
(KVG, SR 832.10). Bei der Taggeldversicherung der Mobiliar, deren Rückforderung
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streitig ist, handelt es sich um eine solche Zusatzversicherung zur sozialen
Krankenversicherung. Vorliegend ist somit die Voraussetzung der sachlichen
Zuständigkeit erfüllt. Auf die Klage ist einzutreten.
1.2 Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung werden
gemäss Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO ohne Rücksicht auf den Streitwert im vereinfachten
Verfahren beurteilt, wobei gemäss Art. 219 ZPO die Bestimmungen über das ordent
liche Verfahren sinngemäss gelten (vgl. Christoph Leuenberger/Beatrice Uffer-Tobler,
Schweizerisches Zivilprozessrecht, Bern 2010, N 11.154, N 11.157). Das Gericht wirkt
gemäss Art. 247 Abs. 1 ZPO durch entsprechende Fragen darauf hin, dass die Parteien
ungenügende Angaben zum Sachverhalt ergänzen und die Beweismittel bezeichnen,
und stellt in Anwendung von Art. 247 Abs. 2 lit. a ZPO den Sachverhalt von Amtes
wegen fest. Im Geltungsbereich dieser sogenannten Untersuchungsmaxime besteht
begriffsnotwendig keine Beweisführungslast der klagenden Partei. Das Gericht hat
jedoch nach den Regeln der Beweislast zu urteilen, d.h. wenn eine Tatsache beweislos
bleibt, verliert diejenige Partei regelmässig den Prozess, die aus jener Rechte ableitet
(Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB; SR 210]; Urteil des Bundes
gerichts vom 28. Juli 2000, 4C.283/1999, E. 2b; Bernd Hauck in: Sutter-Somm/
Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Kommentar, 2. Aufl. 2013, Art. 247 N 31 ff., besonders
N 37).
2.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beklagte vom ermittelten (und ihr bereits ausbezahlten
[vgl. Art. 6 der Klageantwort bzw. Telefonnotiz vom 18. September 2013, act. G 11])
Überentschädigungsbetrag von Fr. 30'592.50 der Klägerin einen Anteil von
Fr. 12'625.20 oder eventuell von Fr. 8'745.80 zurückzubezahlen hat. (Erst aus der
Klagebegründung ist - entgegen dem Wortlaut des Rechtsbegehrens - ersichtlich, dass
der Betrag von Fr. 8'745.80 der Kürzung des Verrechnungsbetrags um die Kinderrente
entspricht und damit für das Eventualbegehren steht.)
3.
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3.1 Die Beklagte sieht in Art. A5 Abs. 1 ihrer AB die Kürzung der Taggelder (und
Invalidenrenten) vor, die in Prozenten des Lohnes bestimmt sind, soweit sie mit
Leistungen der IV (oder von anderen Sozialversicherungen) zusammen das versicherte
Taggeld übersteigen (act. G 5.3). Als Taggeld ist gemäss der Police 80% des
Tageslohns versichert (act. G 5.2). Abs. 2 von Art. A5 AB regelt weiter, dass die zuviel
erbrachten Taggelder (und Invalidenrenten) zurückgefordert oder mit den Leistungen
der IV (oder von anderen Sozialversicherungen) direkt verrechnet werden können, wenn
trotz Kürzungsmöglichkeit - insbesondere durch von der Beklagten erbrachte
Vorleistungen - eine Überentschädigung entsteht.
3.1.1 Diese Bestimmungen sind eindeutig formuliert; Unklarheiten liegen nicht vor. Es
ist klar ersichtlich, dass die Beklagte ihre Leistungen in jedem Fall auf das versicherte
Taggeld beschränkt, was vorliegend 80% des Tageslohns entspricht. Andere
Interpretationen lässt Abs. 1 von Art. A5 AB nicht zu.
3.1.2 Es gibt somit keinen Anlass, die Überentschädigungsregelung von Art. 69 ATSG,
die nach ihrem eindeutigen Wortlaut beim Zusammentreffen von Leistungen
verschiedener Sozialversicherungen, zu welchen die Beklagte unbestrittenermassen
gerade nicht gehört, gültig ist, analog anzuwenden (vgl. auch Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 2. Aufl. Zürich 2009, N 4 zu Art. 69).
3.1.3 Für den Entscheid über eine allfällige Überentschädigung der Klägerin und deren
Berechnung kann diese sich auch nicht auf Art. 51 VVG beziehen, wie die Beklagte in
der Klageantwort zutreffend ausführen lässt (Art. 4 Ziff. 8 der Klageantwort; vgl.
Christian Boll, Basler Kommentar zum VVG, Basel 2001, Art. 51 N 6).
3.2 Unbestritten ist, dass der Klägerin aufgrund der Kollektivversicherung ihrer
Arbeitgeberin und deren Krankmeldung vom 24. August 2009 von der Mobiliar, nach
Ablauf der Wartefrist (von 90 Tagen) und bis am 13. August 2011, Krankentaggelder
zum Tagesansatz von Fr. 133.50 ausgerichtet wurden (vgl. act. G 5.2 ff., G 5.7 ff.). Ab
dem 1. August 2010 hatte sie, ebenfalls unbestritten, Anspruch auf eine ganze IV-Rente
und eine Kinderrente für ihre Tochter, die ihr mit Verfügung der IV-Stelle St. Gallen vom
2. April 2012 zugesprochen worden waren (act. G 1.3). Die IV-Rente der Klägerin
betrug 2010 monatlich Fr. 1'740.-- und ab Januar 2011 monatlich Fr. 1'771.--; die
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Kinderrente für die Tochter 2010 monatlich Fr. 696.-- und ab Januar 2011 monatlich
Fr. 708.--. Auf den Tag umgerechnet erhielt die Klägerin 2010 Fr. 80.10 (Fr. 1'740.--
plus Fr. 696.-- x 12 : 365) von der IV und 2011 Fr. 81.50 (Fr. 1'771.-- plus Fr. 708.--
x 12 : 365). Für die Zeit vom 1. August 2010 bis 13. August 2011 wurde von der
Beklagten die Verrechnung mit den nachzuzahlenden IV-Renten im Gesamtbetrag von
Fr. 30'592.50 errechnet (153 Tage [1. August bis 31. Dezember 2010] à Fr. 80.10
= Fr. 12'255.30 zuzüglich 225 Tage [1. Januar bis 13. August 2011] à Fr. 81.50
= Fr. 18'337.50; total Fr. 30'592.80 mit einer Rundungsdifferenz von Fr. 0.30) und bei
der Ausgleichskasse C._ am 21. März 2012 beantragt (vgl. act. G 5.8, G 11.1). Die IV-
Stelle St. Gallen ordnete in ihrer Verfügung vom 2. April 2012 (mit der der Klägerin die
IV-Renten zugesprochen wurden) auch die Auszahlung des Betrags von Fr. 30'592.50
an die Beklagte an (act. G 1.3).
3.3 Der Regelung über die Verrechnungsmöglichkeit mit Nachzahlungen von
Sozialversicherungsleistungen gemäss Art. A5 AB der Beklagten steht auf der Seite der
IV bzw. der Ausgleichskasse C._ Art. 22 Abs. 2 lit. b ATSG gegenüber, wonach
Nachzahlungen von Leistungen an eine Versicherung abgetreten werden können, wenn
diese Vorschussleistungen erbracht hat. Kieser weist in N 41 zu Art. 22 seines ATSG-
Kommentars darauf hin, dass der Gesetzgeber auf Anregung des Bundesrats (vgl. BBl
1994 V 937 f.) diese Bestimmung absichtlich offen formuliert und auch Vorleistungen
von Privatversicherern (zum Beispiel Haftpflicht- oder Taggeldversicherern) in die
Verrechnungsmöglichkeit mit Nachzahlungen von Sozialversicherungen einbezogen
hat. Entgegen dem Wortlaut von Art. 22 Abs. 2 lit. b ATSG ist keine Abtretung gemäss
Art. 164 ff. des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivil
gesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht; OR; SR 220) erforderlich (vgl. Franz
Schlauri, Die zweigübergreifende Verrechnung und weitere Instrumente der
Vollstreckungskoordination des Sozialversicherungsrechts, in: Schaffhauser/
Schlauri [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2004, S. 190). Besteht ein normativ
eindeutig festgelegtes Rückforderungsrecht, wie es die Beklagte in Art. A5 AB geregelt
hat, ist eine Drittauszahlung ohne Abtretung zulässig (vgl. Kieser, a.a.O., N 41 zu
Art. 22 ATSG sowie Art. 85 Abs. 2 lit. b IVV).
3.4 Die Klägerin macht gegenüber der (rückwirkenden) Verrechnung des
Nachzahlungsbetrags der IV-Renten mit den Taggeldleistungen der Beklagten auch
bis
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geltend, es sei ihr nie mitgeteilt worden, dass es sich dabei um Vorleistungen handle.
Entsprechende Orientierungspflichten gegenüber den anspruchsberechtigten
Mitarbeitenden treffen allerdings in erster Linie die Arbeitgeberin (vgl. dazu den
Abschnitt "Welches sind Ihre wichtigsten Pflichten?" in den Kundeninformationen der
MobiSana zur Kollektiv-Krankentaggeldversicherung, act. G 5.3), nicht die Beklagte.
Zudem regelt Art. 85 Abs. 2 lit. b IVV ausdrücklich, dass vertraglich oder aufgrund
eines Gesetzes erbrachte Leistungen als Vorleistungen gelten, soweit aus dem Vertrag
oder dem Gesetz ein eindeutiges Rückforderungsrecht infolge der Rentennachzahlung
abgeleitet werden kann. Diese Voraussetzungen treffen auf die Taggeldleistungen der
Beklagten aufgrund der Police und von Art. A5 AB zu. Jedenfalls kann die Klägerin aus
der Angabe, dass sie von der Eigenschaft der Krankentaggelder als Vorleistungen
nichts gewusst habe, nichts ableiten, insbesondere nicht, dass die Beklagte keinen
Verrechnungsanspruch gemäss Art. A5 Abs. 2 AB (mehr) habe.
3.5 Da 80% des Tageslohns gemäss Art. A5 Abs. 1 AB die Höchstgrenze der
Entschädigung durch die Beklagte bildet und keine andern
Überentschädigungsgrenzen zu berücksichtigen sind (vgl. vorstehende Erwägung 3.1),
ist die Überentschädigung mit dem Tagesansatz der für denselben Zeitraum
ausgerichteten IV-Renten korrekt berechnet worden. Die Kürzung des
Verrechnungsbetrags um Fr. 12'625.20 bzw. die entsprechende Rückforderung
gegenüber der Beklagten findet in der vorliegend gültigen Vertrags- bzw.
Rechtsordnung keine Stütze.
4.
4.1 Als Eventualantrag macht die Klägerin geltend, die Kinderrente für die Tochter die
Tochter habe bei der Überentschädigungs-Berechnung unberücksichtigt zu bleiben
und der Verrechnungsbetrag sei um Fr. 8'745.80 zu kürzen bzw. die entsprechende
Rückforderung gegenüber der Beklagten gutzuheissen.
4.2 Eine Invalidität eines versicherten Elternteils von mindestens 40% generiert gemäss
Art. 28 und Art. 35 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) in Verbindung mit Art. 25 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) neben dem eigenen Rentenanspruch
bis
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auch einen solchen auf eine Kinderrente der IV. Dieser ist strikt akzessorisch (vgl. Ulrich
Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 2. Aufl. Zürich 2010, S. 410).
Art. 35 Abs. 4 IVG bestimmt denn auch ausdrücklich, dass die Kinderrente zur IV-Rente
(des Elternteils) "gehört".
4.3 Soweit die Klägerin auf BGE 134 V 15 verweist, tut sie dies mit Blick auf die
Auszahlungsberechtigung. Diese ist jedoch von der Anspruchsberechtigung zu
unterscheiden (vgl. auch Meyer, a.a.O., S. 411 ff.). Massgebend für die Berechnung
einer allfälligen Überentschädigung gemäss Art. A5 Abs. 1 AB sind aber die Rente und
allfällige Zusatzrenten, auf welche die (für Taggeldleistungen) bei der Mobiliar
versicherte Person Anspruch hat. Vorliegend sind demnach sowohl die Rente der
Klägerin als auch die Kinderrente für die Tochter in die Berechnung der
Überentschädigung einzuberechnen, wie es die Beklagte getan hat. Für die Kürzung
des Verrechnungsbetrags bzw. eine entsprechende Rückforderung gegenüber der
Beklagten bleibt damit auch diesbezüglich kein Raum.
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Klage vom 21. Juni 2012
abzuweisen.
5.2 Gerichtskosten sind keine aufzuerlegen (Art. 114 lit. e ZPO).
5.3 Ausgangsgemäss hat die Klägerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Dagegen hätte die obsiegende Beklagte einen solchen Anspruch. Sie hat jedoch weder
eine Parteientschädigung beantragt noch eine Kostennote eingereicht. Da somit ein
einschlägiger Antrag fehlt, kann das Gericht der Beklagten keine Parteientschädigung
zusprechen (vgl. Viktor Rüegg, Basler Kommentar zur ZPO, Basel 2010, Art. 95 Rz 16
und Art. 105 Rz 2).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 14 der
sanktgallischen Verordnung über die Organisation und den Geschäftsgang des
Versicherungsgerichts (OrgV; sGS 941.114)