Decision ID: 1cd12a80-cc9d-4fc1-a608-e7b289cb4925
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1974, war von 1989 bis 1999 bei der
Y._
als Bäcker
eimitarbeiter
und von 2000 bis 2016
bei der
Z._
als Allrounder im
A._
tätig, wobei der letzte Arbeitstag am 27. Mai 2016 war (Urk. 8/13 Ziff. 2.1
; Urk. 8/26
). Unter Hinweis auf
Knie
beschwerden meldete er sich am
9. September 2016
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
8/3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der
Unfallversicherung
bei (Urk.
8/9; Urk. 8/27
) und holte bei
der
B._
, MEDAS
C._
,
ein polydiszip
linäres Gutachten ein, das am 5. Juli 2019 erstattet wurde (Urk
.
8/88
).
Nach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
8/93-105
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
24. August 2020 bei einem Invaliditätsgrad von 10 %
einen Rentenanspruch (Urk.
8/107
= Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
25. September 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom
24. August 2020
(Urk. 2) und beantragte
sinngemäss
, diese sei aufzuheben und es sei
en die Akten zwecks Einholung einer psychiatrischen beziehungsweise
neuen polydisziplinären
Begutachtung
oder zur Ergänzung des bestehenden Gutachtens
an die Vorinstanz zurückzuweisen
(Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
3. November 2020
(Urk.
7
)
die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
19. November 2020
wurden antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S.
2
) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zu
gestellt (Urk.
9
).
Mit Eingabe vom 3. Dezember 2020 (Urk. 11) reichte die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
ihre Honorarnote (Urk. 12) ein. Mit Eingabe vom 4. Januar 2021 (Urk. 13) reichte sie sodann einen aktuellen Arzt
bericht (Urk. 14) nach.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrele
vante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, es bestehe aufgrund der vorliegenden Akten eine Arbeitsfähigkeit von 90 % in der bisherigen Tätigkeit als Portier und Haustechniker. Eine Arbeitsun
fähigkeit von 100 % habe
nach den erfolgten operativen Eingriffen für einen Zeitraum von jeweils maximal 6 Wochen bestanden. Eine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit habe nicht festgestellt werden können. Somit könne der Beschwerdeführer ein rentenausschliessendes Einkommen von 90 % erreichen. Die Arbeitsunfähigkeit von 10 % entspreche dem Invaliditätsgrad, womit kein Rentenanspruch bestehe (S. 1).
Durch die im
Einwandverfahren
eingeholten Berichte der aktuellen Be
handler seien keine neuen medizinischen Tatsachen geltend gemacht worden. Es fänden keine weiteren medizinischen Untersuchungen und auch keine psychia
trische Behandlung statt (S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), er sei im Sinne einer neuen Tatsache von der Hausärztin via Rettungsdienst der Klinik
D._
zu einer ambulanten psychotherapeutischen und psy
chia
trischen Behandlung angemeldet worden. Dort sei er vom 31. August bis zum 8. September 2020 hospitalisiert gewesen, wobei eine mittelschwere depressive Episode (F32.1) diagnostiziert worden sei (S. 4 Ziff. 12 f.).
Um ein vollständiges Bild seines Gesundheitszustands zu erhalten, sei eine psychiatrische Begut
ach
tung vonnöten (S. 6 Ziff. 17). Zu prüfen sei
aus näher genannten Gründen
auch eine potentiell reaktivierte posttraumatische Belastungsstörung
(S. 6 f. Ziff. 20).
Der Befund gemäss dem Bericht der
E._
vom 9. Oktober 2019 gehe völlig unter und werde von der Beschwerdegegnerin nicht gewürdigt. Bei weiterhin persistierenden Schmerzen habe er dort vom 25. September bis 9. Oktober 2019 eine multimodale Schmerztherapie absolviert. Die Ärzte hätten eine Arbeitsfähigkeit von 50 % für leichte und wechselbelastende Tätigkeit
en,
welche allenfalls noch gesteigert werden könne, bestätigt. Angesichts dieser medizinischen Einschätzung erscheine eine Ergänzung des Gutachtens als not
wendig (S. 9 Ziff. 9).
Das
Feststellungsblatt für den
Beschluss
halte
10 Positionen fest, die keine Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Nur schon diese Zahl erstaune (S. 9 Ziff. 33
). Es sei völlig inakzeptabel, dass einzelne dieser Positionen nicht oder zu
wenig in eine Gesamtbeurteilung aufgenommen worden seien. Der Laie erwarte eine solche Gesamtschau. Das Gutachten sei mit entsprechenden Ergänzungen zu vervollständigen (S. 10 unten Ziff. 33).
Der neurologische Teilgutachter komme zum Schluss, dass die Schmerzen aushaltbar seien, da keine Analgetika einge
nommen würden. Diese Schlussfolgerung sei fatal, denn die Medikation bringe keine Linderung, geschweige denn eine Heilung (S. 11 Ziff. 38).
Selbst das Gutachten halte fest, dass sich die Gesamtheit der Diagnosen funk
tionell stark auswirke, doch habe die orthopädisch-rheumatologische Untersu
chung für die im Vordergrund stehenden Gelenkschmerzen keine objekti
vier
baren Ursachen gefunden. Völlig inakzeptabel sei die gutachterliche Feststellung, dass die seit Anbeginn von mehreren Ärzten attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100 % nicht nachvollziehbar sei. Dies werde nicht einmal im Ansatz begründet, das Gutachten befasse sich mit den einzelnen Arztberichten nicht (S. 13 Ziff. 43
)
.
Die im Gutachten thematisierten medizinischen Massnahmen im rheumato
lo
gischen Bereich
seien
wenn, dann als Auflagen zu formulieren, und seien für die erstmalige
Rentenzusprache
nicht massgebend (S. 13 Ziff. 44).
Mit dem Hinweis, dass zu den zahlreichen Beschwerden keine klinischen Korrelate existierten, seien
erstere
nicht erklärt und könne das Dossier nicht abgeschlossen werden. Die Be
schwerdegegnerin komme so ihrer Abklärungspflicht nicht nach (S. 14 Ziff. 48). Sowohl die somatischen Erkrankungen wie die neu entdeckte
dekompensierte
psychische Störung seien nicht nur für die Zukunft zu klären, sondern retro
spektiv seit Anmeldung bei der Beschwerdegegnerin. Diesbezüglich sei der Sach
verhalt ungenügend geklärt, respektive mangle es dem Gutachten an Vollstän
digkeit (S. 14 Ziff. 51).
2.3
In der Beschwerdeantwort (Urk. 7) führte die Beschwerdegegnerin aus,
sofern E
nde August 2020 eine neue langandauernde und invalidenversiche
rungsrechtlich relevante Verschlechterung eingetreten sei, könne der Beschwerdeführer
diese im Verwaltungsverfahren
geltend
machen
. Sie werde dies
dann nach Abschluss des vorliegenden Verfahrens prüfen.
2.4
In seiner Eingabe vom 3. Dezember 2020 (Urk. 11) wies der Beschwerdeführer darauf hin, dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei Leiden trotz Schwierigkeiten der Diagnose die Einschränkungen der Funktionalität zu prüfen seien, was eine detaillierte Analyse der medizinischen
Gebrechlichkeiten
des Ansprechers erfordere.
Mit Eingabe vom 4. Januar 2021 (Urk. 13) machte der Beschwerdeführer geltend, im Falle einer Abweisung der Beschwerde sei die auch von der Beschwerde
geg
nerin erwogene Gesundheitsverschlechterung als Neuanmeldung per 1. Septem
ber 2020 zu verstehen (S. 2).
2.5
Strittig und zu prüfen ist der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers und dabei insbesondere die Frage, ob der medizinische Sachverhalt seitens der Beschwerde
gegnerin genügend abgeklärt wurde.
3.
3.1
Gemäss Unfallmeldung vom 12. April 2016 (Urk. 8/9/81) habe sich der Be
schwer
deführer am 1. April 2016 beim normalen Gang in das Housekeeping Office das rechte Knie an einer Minibar angeschlagen. Zwei Tage später sei es stark ange
schwollen (Ziff. 4-6).
3.2
Dr. med.
F._
, Facharzt für Radiologie, führte im Bericht zur Mag
net
resonanztomographie (MRI) des rechten Knies vom 23. April 2016 (Urk. 8/9/61) aus, es hätten sich leichte degenerative Veränderungen des medialen Meniskus, eine oberflächliche
Chondropathie
des medialen
kondylären
Gelenkknorpels sowie ein kleiner flacher freier Gelenkkörper medial gezeigt.
3.3
Die Ärzte der Chirurgischen Klinik des
G._
führten im Bericht vom 9. Juni 2016 (Urk. 8/9/63
[nur 1. Seite] = Urk. 8/11
/
6-7
) aus, der Patient habe
sich am 1. April 2016 eine Kontusion seines rechten Kniegelenks zugezogen. Seit
her klage er über eine Schwellungsproblematik, über eine Schmerzproblematik sowie über gewisse Einklemmungsphänomene. Die MRI-Untersuchung habe an und für sich keine grösseren pathologischen Befunde gezeigt. Wegen der
Beschwerden
persistenz
habe man sich zu einer Art diagnostischen Arthroskopie entschlossen
(S. 1 Mitte)
. Dabei sei
retropatellär
reichlich seröser Erguss abgelassen worden. Die
Synovia
im oberen
Rezessus
sei massiv gerötet und verdickt. Auffällig seien kleine knorpelähnliche Stückchen, welche im oberen und vor allem im lateralen
Rezessus
herumlägen.
Diese seien mit dem
Shaver
abgesaugt und anschliessend zur histologischen Untersuchung eingesandt worden.
Im
femoralen
Gleitlager finde sich zentral eine
drittgradige
Furche und am
Tibiaplateau
eine
zweitgradige
, am
Femurkondylus
eine erst- bis
zweitgradige
Knorpelläsion
(S. 1 unten)
.
Das Gelenk sei ausgespült und zusätzlich sei
suprapatellär
im Bereich des
Rezessus
eine Biopsie entnommen worden.
Wahrscheinlich müsse der Patient bei Persi
stenz der Beschwerden einem Rheumatologen vorgestellt werden (S. 2).
3.4
Dr. med.
H._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates, füh
rte im Bericht vom 11. Juli 2016
(
Urk. 8/9/5
7 =
Urk. 8/10/10
) aus, der Patient habe sich immer noch humpelnd in der Sprech
stunde gemeldet und über persistierende Schwellungen geklagt. Zum Status hielt
Dr.
H._
fest, das rechte Kniegelenk sei mässig geschwollen. Er habe 15 ml seröse
, visköse Flüssigkeit
abpunktiert
. Es sei immer noch fraglich, wieso der Patient diese Art
Chondromatose
ausgebildet habe. Er sei weiterhin und mindestens bis Ende Juli zu 100 % arbeitsunfähig.
3.5
Dr. med.
I._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
to
logie des Bewegungsapparates, nannte im Bericht vom 14. September
2016 (Urk. 8/9/19-20) als Diagnose eine unklare Arthritis des linken (richtig wohl: rechten) Knies. Der Patient habe seit April dieses Jahres Schmerzen am rechten Kniegelenk. Es komme immer wieder zu Schwellungen, insbesondere am Abend sei das Knie sehr stark angeschwollen (S. 1 Mitte).
Inspektorisch
zeige sich ein leicht geschwollenes Kniegelenk, wenig Erguss und eine gute Beweglichkeit (S. 1 unten). In erster Linie sei an eine rheumatologische, eventuell auch System-Erkrankung zu denken, welche diese
Monarthritis
verursache (S. 2 Mitte).
3.6
Dr. med. J._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
führte im Berich
t
vom 12. Oktober 2016 (Urk. 8/10/7-9) aus, bei der letzten Kontrolle am 16. August 2016 sei das Knie immer noch schmerzhaft und geschwollen gewesen (S. 2 Ziff. 1.4). Bei seiner bisherigen Arbeit habe
d
er
Beschwerdeführer
oft auf den Knien arbeiten müssen, was bei einem geschwollenen Knie natürlich nicht gehe. Sicherlich sei aber jede Arbeit, welche nicht kniebelastend sei, möglich (S. 2 Ziff. 1.7).
3.7
Die Ärzte der Abteilung Kniechirurgie der
E._
führten im Bericht vom 8. März 2017 (Urk. 8/30/6-10) aus, der Patient scheine unter einer
Chondromatose
zu leiden. Man sei zuversichtlich, diese mit der am 12. April 2017 vorgesehenen Operation zuverlässig angehen zu können (S. 2 unten Ziff. 1.4-5). Aufgrund der Schmerzsymptomatik sei der Patient in seiner bisherigen Tätigkeit aktuell bis zum Operationstermin zu 100 % eingeschränkt. Medizinisch-theo
re
tisch seien ihm aktuell administrative Arbeiten möglich (S. 3 Ziff. 1.7).
3.8
Die Ärzte des
K._
der
E._
führten im
Bericht zur neurologischen und neurophysischen Untersuchung vom 27. März 20
17 (Urk. 8/36/12-14) aus, der Patient
berichte
über teils vom Nacken kommen
de Missempfindungen, allerdings keine Schmerzen, sondern eher ein Gefühl des Einschlafens «wie Ameisenlaufen», ausstrahlend bis in den Daumen und Zeige
finger (
Dig
. I und II), teilweise auch in den kleinen Finger (
Dig
. V). Die Beschwer
den träten sowohl nächtlich als auch
täglich auf und schränkten ihn stark in den Aktivitäten des täglichen Lebens ein (S. 1 unten). In der klinisch-neurologischen Untersuchung sei eine einschränkende
Feinmotorikstörung
der Hände aufge
fal
len, so dass bei bereits vorbeschriebener leichter zervikaler Stenose eine erneute MRI-Bildgebung der
Halswirbelsäule (HWS)
durchgeführt worden sei. Neurophy
sio
logisch habe sich rechtsseitig eine grenzwertig verlängerte distal-motorische Latenz des
Nervus
medianus
sowie linksseitig in den sensiblen Neurographien eine Reduktion der Nervenleitgeschwindigkeit gefunden. Somit bestehe beidseits eine
Nervus
medianus
Neuropathie (S. 2 f.).
3.
9
Die Ärzte der Abteilung Kniechirurgie der
E._
nannten i
m Bericht
mit Datum
vom 8. Juni 2017 (Urk.
8/32/4-6) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Kniearthroskopie (vordere und hintere) rechts,
Debridement
retropatellär
und medialer
Femurkondylus
, partielle
Synovektomie
, Histologie, Resek
tion
Plica
mediopatellaris
vom 12. April 2017 mit/bei:
-
Verdacht auf
Chondromatose
Knie rechts
-
Histologie (
Synovialis
mit
chondroider
Metaplasie und chronischer Ent
zündung)
-
beginnende Medial- und Retropatellararthrose rechts bei 5°
Varus
rechts und 3°
Varus
links
-
Status nach Kniearthroskopie (KAS) mit
Debridement
und Entfernung freie Gelenkkörper rechts am 8. Juni 2016 (
G._
)
-
Verdacht auf zervikale Myelopathie
-
Differentialdiagnose (DD) zusätzlich atypisches Karpaltunnelsyndrom
-
kernspintomographische Abklärung Halswirbelsäule (HWS) eingeleitet
-
neurophysiologisch rechtsseitig grenzwertig verlängerte distale moto
rische Latenz (DML) des
Nervus
medianus
, linksseitig etwas verlang
samte Nervenleitgeschwindigkeit (NLG)
Der Patient sei bis zum 30. April 2017 zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben gewesen. Über die aktuelle Arbeitsunfähigkeit lägen keine Informationen vor. Für eine genaue Beurteilung bedürfe es einer arbeitsmedizinischen Begutachtung (S. 2 Ziff. 2.1).
3.
10
Die Ärzte des
K._
der
E._
nannten
im Bericht zur neurologischen und neurophysischen Untersuchung vom 29. Mai 2017 (Urk. 8/35/4-6
= Urk. 8/36/9-10
) folgende, hier verkürzt wiedergegebenen Diagnosen (S. 1):
-
Zervikobrachialgien
unklarer Genese
-
s
ensomotorisches Karpaltunnelsyndrom beidseitig
-
Verdacht auf
Chondromatose
Knie rechts
Es habe sich kein Anhalt für eine
spinothalamische
Impulsleitungsstörung im zervikalen
Myelon
gefunden. In Zusammenschau der bisherigen Befunde seien
die vom Patienten beschriebenen Missempfindungen eher vereinbar mit dem leichten beidseitigen Karpaltunnelsyndrom beziehungsweise einer
radikulären
Reizung. Passend zu letzterer habe sich kernspintomographisch eine rechtsseitige hochgradige
foraminale
Stenose
am
5. und 6. Halswirbel (C5/C6) mit Kompres
sion der C6-Wurzel rechts gefunden. Entsprechend werde ergänzend eine nadel
elektromyographische Untersuchung empfohlen (S.
2 unten).
3.11
Die Ärzte der Abteilung Kniechirurgie der
E._
führten im Sprechstundenbericht vom 30. Mai 2017 (Urk. 8/37/7-9) aus, es finde sich ein ausgeprägter Kniegelenkserguss, welcher allein durch die degenerative Verände
rung nicht vollständig erklärt werden könne. Deshalb sollte auch bei negativem Nachweis einer
Chondromatose
beziehungsweise keinen Residuen einer
Chondro
matose
im Rahmen der Kniegelenksarthroskopie vor 3 Monaten eine Polyarthritis rheumatoider Genese ausgeschlossen werden. Aus diesem Grunde werde eine rheumatologische Abklärung empfohlen (S. 2 Mitte)
.
3.12
Dr. med.
J._
(vorstehend E. 3.6) führte im Bericht vom 13. Juli 2017 (Urk. 8/36/6-8) aus, es scheine sich um ein chronisches Geschehen zu handeln, die Prognose sei bei unklarer Diagnose sehr schwer zu stellen (S. 2 Ziff. 1.4). Die Arbeitsunfähigkeit betrage 100 % seit dem 4. April 2016 (S. 3 Ziff. 1.6).
3.13
Die Ärzte der Abteilung Kniechirurgie der
E._
führten im Bericht vom 21. Juli 2017 (Urk. 8/37/4-6) aus, es bestehe aktuell eine Polyarthritis unklarer Genese beider Kniegelenke und beider Sprunggelenke. Insgesamt habe sich das Krankheitsbild in den letzten Monaten verschlechtert, wobei ausgeprägte objektivierbare Schwellungen in mehreren Gelenken aufgetreten seien, und dies bereits bei kleinerer Belastung. Zum jetzigen Zeitpunkt werde keine Arbeits
fähig
keit in einer stehenden Tätigkeit als Portier oder Haustechniker gesehen (S. 2 Ziff. 2.1)
.
3.14
Die Ärzte der Abteilung Rheumatologie der
E._
führten im Bericht vom 12. September 2017 (Urk. 8/40/6-9) aus, laborchemisch sei keine Zuordnung der Gelenksbeschwerden zu einer spezifischen entzündlich-rheuma
tologischen Grunderkrankung im Sinne einer rheumatoiden Arthritis,
Spondyl
arthropathie
oder Kollagenose möglich gewesen (S. 3 unten Ziff. 1.4). Körperlich stark belastende Tätigkeiten sowie schweres Heben sollten aktuell nicht erfolgen. Die aktuelle Tätigkeit als Portier und Haustechniker sei noch zumutbar, der Umfang der Arbeitstätigkeit und Belastung müsse ja nach Verlauf der Beschwer
den festgelegt werden (S. 4 Ziff. 1.7
).
In den Berichten a
b dem 20. November 2017 (Urk. 9/42/20-22) wurde als Haupt
diagnose genannt: Polyarthralgien unklarer Genese (Kniegelenke beidseitig,
obe
res
Sprunggelenk [OSG] beidseitig), DD: mechanisch /entzündlich.
Im Bericht vom 15. Dezember 2017 (Urk. 8/41/4-6) wurde festgehalten, es hätten sich klinisch im Bereich der Knie und des Sprunggelenks keine
Synovitiden
nach
weisen lassen. Die Beweglichkeit sei schmerzfrei und uneingeschränkt, es bestehe jedoch eine
Druckdolenz
der Knie
suprap
a
tellär
beidseits (S. 2 Ziff. 1.3).
Am 8. Januar 2018 wurde berichtet (Urk. 8/42/27-29), es hätten sich MR-tomo
graphisch (vgl. Urk. 8/42/31-32) im Bereich des rechten Fusses, insbesondere ausgehend vom Sinus
tarsi
, deutliche Ganglien gezeigt, welche einen Teil der Beschwerden des Patiente
n erklär
en könnten (S. 3).
3.15
Die Ärzte der Abteilung
für
Handchirurgie der
E._
doku
mentierten im Operationsbericht vom 2. März 2018 (Urk. 8/42/44-45) die erfolgte Karpaltunnelspaltung links. Die Indikation zur
operativen Versorgung sei
auf
grund nächtlich auftretender Schmerzen und subjektiv hohen
Leidensdruck
s
gegeben gewesen (S. 1 Mitte).
3.16
Dr. med.
J._
(vorstehend E. 3.6) führte im Bericht vom 13. März
2018 (Urk. 8/42/4-6) aus, bezüglich Knie und Sprunggelenk habe sich eigentlich nichts verändert. Die Diagnose sei unklar, die Schwellungen fänden immer wieder statt (S. 1 Ziff. 1.3).
3.17
Die Ärzte der Abteilung Rheumatologie der
E._
berichteten am 17. Juli 2018 (Urk. 8/52/13-17), es seien in der Zwischenzeit diverse weitere Abklärungen und therapeutische Massnahmen durch die Kollegen der Hand-, Knie- und Fussorthopädie erfolgt. Die Infiltration des Sinus
tarsi
rechts sowie die Knieinfiltration links hätten jeweils für 4 bis 5 Wochen eine deutliche Schmerz
reduktion gebracht, dann seien die belastungsabhängigen Schmerzen wieder auf
geflammt. Vor allem im Bereich der Knie bestünden abendliche Schwellungen. Es werde ein anhaltender Schmerz im Bereich des
Hypothenar
links nach Karpal
tunneloperation beklagt sowie eine leichte schmerzhafte Schwellung des
Inter
pha
langealgelenks
Dig
. I Hand links und radialseitige Schmerzen im Bereich des rechten Ellenbogens bei Belastung (S. 3 unten).
Es werde weiterhin von einer mechanischen Genese der Schmerzen ausgegangen (S. 4 unten).
3.18
Dr. med. L._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom 14. August 2018 (Urk. 8/
92
S. 11 f.) aus, die medizi
nische Situation sei weiterhin unklar. Es stelle sich die Frage, ob alles unabhängig voneinander
bestehende
, auf degenerativen Veränderungen beruhende Probleme
seien, oder ob doch eine Grundursache des entzündlich-rheumatologischen Formen
kreises vorliege. Derzeit sei keine abschliessende Beurteilung der Rest
leis
tungsfähigkeit möglich, eventuell sei eine polydisziplinäre Begutachtung erfor
der
lich (S. 12 Mitte).
3.1
9
Dr.
J._
(vorstehend E. 3.6) berichtete a
m 3. September 2018 (Urk. 8/52/5-7)
, am meisten eingeschränkt sei der Patient durch die immer wiederkehrenden
Knieschwellungen. Leider schwöllen auch die OSG immer wieder an (S. 1 Ziff. 1.
3). Die Stelle als Allrounder in einem Hotel sei vor zwei Jahren aufgehoben worden, da das Hotel renoviert worden sei. Sie könne die Arbeitsfähigkeit nicht richtig beurteilen. Der Patient sei überall in Behandlung, überall werde er operiert, infil
triert, punktiert, ohne dass je eine Besserung stattfinde. Lange stehen und gehen könne er auf jeden Fall nicht, da sonst die Beine grotesk anschwöllen (S. 2 Ziff. 2).
3.
20
Die Ärzte des
G._
führten im Bericht vom 7. November 2018
(Urk. 8/59 = Urk. 8/61) aus, der Patient sei im Frühling 2017 zur Abklärung bei möglicher Schlafapnoe zugewiesen worden. Gemäss Zuweisungsschreiben habe er eine arte
rielle Hypertonie. Es sei mittels ambulanter respiratorischer Polygraphie ein mittelschweres Schlafapnoe-Syndrom diagnostiziert u
nd eine Auto-CPA
P-Thera
pie eingeleitet worden. Wegen Nasenatmungsbehinderung sei im August 2018 eine Nasenoperation erfolgt, seither bekunde der Patient einen erholsamen Nacht
schlaf, toleriere aber die CPAP-Therapie nicht mehr (S. 3 Ziff. 2.1). Im Rahmen der Schlafapnoe sollte eine Arbeitstätigkeit vorzugsweise
mit
geregelte
n
Arbeits
zeiten ohne Spät
-
und Nachtschichten und wenn möglich ohne Führen von selbst- oder fremdgefährdenden Maschinen beziehungsweise Kraftfahrzeugen ausgestaltet sein (S. 4 Ziff. 2.7).
3.21
Dr.
L._
(vorstehend E. 3.18) führte in seiner Stellungnahme vom 11. Januar 2019 (Urk. 8/92 S. 13 f.) aus, es bedürfe zwingend einer polydisziplinären Begut
achtung zur Beantwortung speziell folgender Frage: «Wie ist der Verlauf der Arbeitsfähigkeit zu beurteilen für behinderungsangepasste Tätigkeiten des allge
meinen
Arbeitsmarktes?»
(S. 14 unten).
3.22
Die Ärzte der Abteilung für Handchirurgie der
E._
doku
mentierten im Operationsbericht vom 12. Februar 2019 (Urk. 8/88/311-312) die erfolgte Karpaltunnelspaltung rechts.
4.
4.1
Mit Datum vom
5. Jul
i 2019 erstatten Dr. med.
M._
, Fachärztin für Allgemeine
Innere Medizin, Dr. med.
N._
, Facharzt für Neurologie
sowie
für Psychiatrie
und Psyc
hotherapie, und Dr. med.
O._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
B._
, MEDAS
C._
, ihr polydisziplinäres Gutachten (Urk. 8/88).
Der Eingang des Gutachtens bei der Beschwerdegegnerin erfolgte nach deren wiederholten Nach
fragen (vgl. Urk. 8/77) indes erst am 4. November 2019.
4.2
Dr.
M._
nannte im Teilgutachten
I
nnere Medizin (Urk. 8/88/108-131) keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 16 Ziff. 6.1). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie folgende, hier verkürzt wiedergegebene Diagnosen (S. 16 Ziff. 6.2):
-
arterielle Hypertonie (ICD-10 I10.00), Erstdiagnose (ED) 2015
-
Diabetes mellitus ED 2017 (E11.90)
-
mittelschweres obstruktives Schlafapnoesyndrom ED März 2017 (G47.31)
-
asymptomatische
Creatinkinase
(CK)-Erhöhung unklarer Ätiologie (R79)
-
Hepatopathie und
Bilirubinämie
ED März 2017 (K76.9)
-
allergische Rhinitis (J30.4)
-
latente Hypothyreose ED im Rahmen der Begutachtung (E03.9)
Der langjährige und persistierende Alkoholkonsum sei mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit für die
sonographisch
nachgewies
e
ne Hepatopathie mit Erhöhung der Transaminasen und des Bilirubins verantwortlich (S. 17 Ziff. 6.4.2). Die auf allgemein-internistischem Fachgebiet derzeit eingeleiteten medikamentösen The
rapien seien lege
artis
. Die arterielle Hypertonie und auch der Diabetes mellitus seien leitliniengerecht und suffizient therapiert. Neu sei eine latente Hypo
thyreose, die sich in der aktuellen Untersuchung habe diagnostizieren lassen. Ein klinisches Korrelat finde sich allerdings nicht. Hier sei eine Kontrolle im haus
ärztlichen Setting ausreichend. Hinsichtlich der Heilungschancen der allgemein-internistischen Diagnosen könne gesagt werden, dass diese durch geeignete medi
kamentöse Massnahmen, regelmässiges Tragen der CPAP-Maske, Verzicht auf Alkohol- und Nikotinkonsum sowie eine Gewichtsabnahme beherrschbar sein würden (S.
18 f. Ziff. 7.2
).
Hinweise auf Aggravation oder Simulation hätten sich keine gefunden (S. 19 Ziff. 7.3.1).
Es ergäben sich auf allgemein-internistischem Fachgebiet keine invalidenver
si
che
rungsrechtlich relevanten Diagnosen oder entsprechende Funktionsbeein
trächti
gungen. Entsprechend sei die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätig
keit oder in einer etwaigen Verweistätigkeit nicht eingeschränkt. Im Rahmen der Schlafapnoe sollte eine Tätigkeit vorzugsweise mit geregelten Arbeitszeiten ohne Spät
- und Nachtschichten erfolgen. F
erner sollte das Führen von selbst- oder
fremdgefährdenden Maschinen beziehungsweise Kraftfahrzeugen vermieden wer
den
(S. 20 Ziff. 7.4). Eine retrospektive Beurteilung einer potenziellen Entwick
lung einer Verweistätigkeit werde vorliegend als spekulativ erachtet, weshalb davon abgesehen werde (S. 22 Ziff. 8.2.5).
4.3
Dr.
N._
nannte im neurologischen Teilgutachten (Urk. 8/88/132-150) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 16 Ziff. 6.1):
-
Status nach Karpaltunnelsyndrom beidseits (Operation links am 2. März 2018)
-
Parese des
Musculus
flexor
digitorum
profundus
IV und V rechts
-
sensible und motorische
Neuropathien
d
es
Nervus
ulnaris
rechts
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 16 Ziff. 6.2) nannte er eine sensible Neuropathie des
Nervus
medianus
rechts.
Von neurologischer Seite bestünden bis auf eine geringe Greifschwäche rechts keine Auffälligkeiten, wobei der Beschwerdeführer Linkshänder sei. Trotz der nachgewiesenen hochgradigen Formenstenose C5/C6 rechts mit Kompression der Wurzel C6 und der leichten zentralen Spinalkanalstenose C5/C6 habe kein neuro
logisches Korrelat gefunden werden können (S. 16 Ziff. 6.3). Die Diagnostik und Therapie sei aus neurologischer Sicht lege
artis
durchgeführt worden (S. 17 Ziff. 7.2). Hinweise für Aggravation oder Simulation ergäben sich nicht (S. 17
Ziff. 7.3.1).
Die geschilderten Schmerzen erschienen aushaltbar, Analgetika würden
bis auf
Dafalgan
bei Bedarf keine eingenommen (S. 18 Ziff. 7.4).
In der bisherigen Tätigkeit könne der Versicherte 8.5 Stunden anwesend sein. Es bestehe dabei eine Einschränkung der Leistung im Umfang von 10 % wegen der Restsymptomatik nach Karpaltunnelsyndrom, vor allem rechts (S. 18 Ziff. 8.1.2). Die Arbeitsunfähigkeit betrage somit 10 %. Der zeitliche Verlauf der Entwicklung dieser Arbeitsfähigkeit sei von neurologischer Seite nicht beurteilbar (S. 18
Ziff. 8.1.4). Bei einer der Behinderung optimal angepassten Tätigkeit sollten Halten
und Greifen mit der rechten Hand vermieden werden (S. 19 Ziff. 8.2.1). Auch hier bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 10 % und sei der zeitliche Verlauf ihrer Entwicklung nicht beurteilbar (S. 19 Ziff. 8.2.3-5).
4.4
Dr.
O._
nannte im rheumatologischen Teilgutachten (Urk. 8/88/152-186) ke
ine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 26 Ziff. 6.1). Als Diag
nosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er (S. 26 Ziff. 6.2):
-
Zustand nach zweimaliger Arthroskopie rechtes Knie mit Verdachts
diag
nose
Chondromatose
, heute
bland
-
Zustand nach Karpaltunnelsyndrom (CTS)-Operationen links am 2. März 2018 und rechts am 12. Februar 2019 mit reizlosen Narben, welche kaum zu sehen sind. Hier klinisch keine Auffälligkeiten
-
durch Bildgebung bekannte
Foramenstenose
C5/6 rechts, heute ohne
radi
kuläre
Symptomatik, insbesondere kein C6-Syndrom
Es bestehe eine erhebliche Diskrepanz zwischen den multiplen Behandlungs
mass
nahmen/Deutungen und den aktuellen Befunden. Bei der Untersuchung hätten im Bereich des gesamten Bewegungsapparates keine Auffälligkeiten gefunden werden können. Es sei lediglich ein leichtes retropatellares Reibegeräusch im rechten Knie verblieben. Spontan seien bei der gesamten Untersuchung keine Schmerzen geäussert worden, lediglich ein vereinzeltes Stechen werde in den Händen verspürt. Sowohl medikamentös wie auch physikalisch würden keine Be
hand
lungen durch den Hausarzt veranlasst und der Explorand meine, dass dies auch gar nicht notwendig sei, es würde ohnehin nichts nützen. Auch die detail
lierte Untersuchung der Hände habe keine Schwellungen einzelner Gelenke und auch keine rheumatischen Residuen ergeben. Die Halswirbelsäule sei in allen Ebenen sehr gut bewegbar, so dass die
Foramenstenose
C5/6 rechts zurzeit keine
Symptome auslöse. Auf rheumatologischem Gebiet könne somit keine Erkran
kun
g im rentenrelevanten Sinne festgestellt werden (
S. 26 f. Ziff. 6.3). Eine Aggra
va
tion oder Simulation liege nicht vor. Es bestehe jedoch eine eklatante Diskrepanz zwischen den vorgetragenen Schmerzen im Bereich des gesamten Körpers und der quasi schmerzfreien Untersuchung (S. 28 Ziff. 7.3.1). Aus rheumatologischer Sicht bestünden weder in der bisherigen noch in einer angepassten Tätigkeit Ein
schränkungen der Arbeitsfähigkeit (S. 30 f. Ziff. 8.1-2). Eine retrospektive Beur
teilung einer potenziellen Entwicklung einer Verweistätigkeit werde vorliegend als spekulativ erachtet, weshalb davon abgesehen werde (S. 30 Ziff. 8.2.5).
4.5
In der polydisziplinären Konsensbeurteilung (Urk. 8/88/1-17) führten die Gutach
ter aus, beim Exploranden wirke sich die Gesamtheit der Diagnosen funktionell stark beeinträchtigend aus. Für die bisher im Vordergrund stehenden Gelenks
schmerzen habe die orthopädisch-rheumatologische Untersuchung keine objekti
vierbaren pathologischen Befunde gezeigt (S. 12 Ziff. 4.3).
Aus interdisziplinärer Sicht ergebe sich eine Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und in einer Verweistätigkeit von 10 % (S. 14
Mitte
Ziff. 4.7). Dabei gelte das seitens des
neurologischen Teilgutachtens geäusserte Fähigkeitsprofil (Meiden von repetiti
v
en Bewegungen mit dem Arm beziehungsweise mit der Hand
).
Eine retrospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, ohne die begutachtete Person auch früher selber untersucht zu haben, sei nicht unproblematisch, da man sich dabei auf die von anderen Personen erhobenen Anamnesen, Befunde und daraus
abgeleitete Diagnose verlassen müsse. Retrospektiv sei eine abschliessende Über
prüfung derselben sowie die gestützt darauf vorgenommenen Arbeitsunfähig
keits
einschätzungen nicht möglich. Möglich sei hingegen eine Würdigung aus heuti
ge
r Sicht. Auf Grundlage der zum heutigen Zeitpunkt durch die Gutachter erho
benen Befunde und daraus abgeleiteten Diagnosen erschienen die echtzeitlich vorge
nommenen, als wesentlich erachteten Beurteilungen als nicht nachvollzieh
bar
.
Die Gutachter sähen in der Gesamtschau nur eine geringfüge Beeinträch
tigung der Arbeitsunfähigkeit (richtig: Arbeitsfähigkeit), womit die früher attestierten
höhergradigen
Arbeitsunfähigkeiten nicht
nachvollziehbar
seien.
Selbstverständ
lich habe eine volle Arbeitsunfähigkeit während der stattgehabten Handgelenks-Operationen und während der Tage um die Arthroskopie bestanden, eine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit könne jedoch nicht festgestellt werden (S. 14 unten Ziff. 4.7
).
4.6
Die Ärzte der Abteilung Rheumatologie der
E._
berichteten am 9. Oktober 2019 (Urk. 8/99) über die Hospitalisierung des Beschwerdeführers vom 25. September bis 9. Oktober 2019 im Rahmen einer multimodalen Schmerz
therapie. Sie führten aus, es werde ein begleiteter Berufswiedereinstieg emp
fohlen. Für eine leichte wechselbelastende Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 %, welche allenfalls noch gesteigert werden könne. Allenfalls sei eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) zur genauen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in Erwägung zu ziehen (S. 5 unten).
4.7
RAD
-Arzt Dr.
L._
(vorstehend E. 3.18) führte in sein
er Stellungnahme vom 14. November 2019 (Urk. 8/92/S. 15-17) aus, es könne auf das
polydisziplinäre
Gutachten abgestellt werden. Konkret bedeute dies für die Beurteilung der Arbeit
s
fähigkeit, dass in der bisherigen und in angepasster Tätigkeit eine Arbeitsun
fähigkeit seit Juni 2019, sprich dem letzten Tag der gutachterlichen Unter
su
chung, bestehe. Retrospektiv betrage die Arbeitsunfähigkeit prinzipiell 10
%, mit Ausnahme einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % nach den erfolgten operativen Eingriffen für einen Zeitraum von jeweils maximal 6 Wochen (S. 16 Mitte
).
Der Bericht der
E._
vom 9
. Oktober 2019 (vorstehend E. 4.6
) enthalte keine neuen oder bislang unbekannten medizinischen Tatsachen (S. 17 oben).
4.8
Für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung oder des
Einspracheentscheides
ist für das Sozialversicherungsgericht in der Regel der Sachverhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwal
tungsaktes gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert
haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bilden
(BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). Sie können indessen, unter Wahrung des rechtlichen Gehörs, berücksichtigt werden, wenn sie kurze Zeit nach dem Erlass
des angefochtenen Entscheids eingetreten sind, sich ihre Beachtung aus prozess
ökonomischen Gründen unbedingt aufdrängt und sie hinreichend klar feststehen (BGE 105 V 156 E. 2d; ZAK 1984 S. 349 E.
1b). Dies ist der Fall, wenn sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 99 V 98 E. 4 mit Hinweisen).
Diese Voraussetzungen sind für die im Beschwerdeverfahren eingereichten Be
richte des
G._
vom 31. August 2020 (Urk. 3/3) und der
D._
vom 8. September 2020 (Urk. 3/4) erfüllt, weshalb sie vorliegend Berück
sichti
gung finden.
Die Ärzte des
G._
nannten im
Bericht zur ambulanten Behand
lung/
Abklärung vom 31. August 2020 (Urk. 3/3)
als psychiatrische Diagnose (S. 1) eine psychosoziale Belastungssituation auf dem Boden einer bekannten Depression, Erstdiagnose 31. August 2020. D
er Patient sei durch die Hausärztin via Rettungs
dienst zugewiesen worden bei seit 2 Tagen vorhandener Schlaflosigkeit, Lethargie und Antriebslosigkeit sowie reduzierter Trinknahrung. Es sei über eine bekannte Depression berichtet worden, ein Medikament dagegen habe der Patient nicht. Vor 2 Tagen habe er die Information bekommen, dass er keine Leistungen der Invalidenversicherung erhalte. Der aktuelle Zustand des Patienten werde als
dekompensierte
Depression beurteilt. Er habe offen gesagt, dass er bereits Suizid
gedanken habe. Es sei eine zügige Verlegung in die Klinik
D._
ver
einbart worden (S. 3 Mitte).
4.9
Di
e Ärzte der
D._
nannten im Bericht vom 8. September 2020 über die
Hospitalisation
des Beschwerdeführers vom 31. August bis 8. September 2020 (Urk. 3/4) als psychiatrische Diagnose (S. 1 oben) eine mittelgradige depres
sive Episode (F32.1). Im Aufnahmegespräch hätten sich vordergründig depressive Symptome wie
Anhedonie
, Antriebsverlust, Interesselosigkeit, Gedächtnis- und Merkfähigkeitsstörungen sowie Ein- und Durchschlafstörungen und verminderter Appetit gezeigt. Es seien Psychopharmaka verordnet worden und der Beschwer
deführer habe regelmässig am multimodalen Stationsprogramm teilgenommen. Nach einem erfolgreich verlaufenen Belastungsurlaub zuhause habe er den Aus
trittswunsch geäussert und sei in teilremittiertem Zustand entlassen worden (S. 3 Mitte)
.
5.
5.1
Die Frage an die
B._
-Gutachter lautete, wie der Verlauf der Arbeitsfähigkeit für behinderungsangepasste Tätigkeiten des allgemeinen Arbeitsmarktes zu beur
teilen sei (vorstehend E. 3.21; vgl. Urk. 8/88 S. 8 Ziff. 3.3). Beim Versuch
ihrer
Beantwortung scheiterten die Gutachter bereits dabei, eine behinderungsange
passte Tätigkeit sorgfältig und schlüssig zu umschreiben. Anlässlich der polydis
ziplinären Konsensbeurteilung (vorstehend E. 4.5) wurde festgehalten, bei einer Verweistätigkeit gelte das seitens des neurologischen Teilgutachten geäusserte Fähigkeitsprofil, wonach repetitive Bewegungen mit dem Arm beziehungsweise mit der Hand zu meiden seien. Dem
verwiesenen
neurologischen Teilgutachten lässt sich
dieses Fähigkeitsprofil jedoch so nicht entnehmen. Vielmehr wurde dort festgehalten, es sollten bei einer der Behinderung optimal angepassten Tätigkeit Halten und Greifen mit der rechten Hand vermieden werden (vorstehend E. 4.3). Ohne jegliche Begründung wurde sodann das von der allgemein-internistischen Teilgutachterin formulierte Belastungsprofil, wonach eine Verweistätigkeit vor
zugs
weise mit geregelten Arbeitszeiten ohne Spät- und Nachtschichten und unter Vermeidung
des Führens
von selbst- oder fremdgefährdenden Maschinen bezie
hungsweise Kraftfahrzeugen erfolgen sollte (vorstehend E. 4.2), nicht ins Belas
tungsprofil gemäss Konsensbeurteilung übernommen.
5.2
Da die Gutachter ohnehin sowohl in der angestammten als auch in einer ange
passten Tätigkeit
eine Arbeitsunfähigkeit von 10 % attestierten, wiegt die unter
lassene schlüssige Umschreibung einer Verweistätigkeit für sic
h gesehen zunächst noch nicht allzu
schwer. Ein
um
einiges bedeutender
er
Mangel besteht darin, dass sich die Gutachter auch zum zeitlichen Verlauf der Arbeitsfähigkeit in einer Ver
weistätigkeit nicht äussern wollten und somit die an sie gestellte Frage unbe
ant
wortet liessen (vgl. vorstehend E. 5.1). Sie begründeten dies damit, eine retro
spek
tive Überprüfung der von anderen Personen erhobenen Anamnesen, Befunde, daraus abgeleitete
n
Diagnosen und gestützt darauf vorgenommene
n
Arbeitsun
fähigkeitseinschätzungen sei nicht möglich. Unmittelbar darauf hielten sie fest, diese echtzeitlichen Beurteilungen seien aufgrund der heute nur geringfügige
n
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar (vorstehend E. 4.5).
Obwohl sie die echtzeitlichen Beurteilungen also als einer Überprüfung unzu
gänglich erachteten, nahmen sie eine solche dennoch vor. Das Resultat
dieser Prüfung
, dass diese
Beurteilungen
nicht nachvollziehbar seien, begründeten die Gutachter nicht.
Ein g
rober, ungelöster
Widerspruch besteht denn auch zwischen der attestierten Arbeitsunfähigkeit von lediglich 10 % und der von den Gut
achtern getroffenen Feststellung, die Gesamtheit der Diagnosen wirke sich beim Beschwerdeführer funktionell stark beeinträchtigend aus (vorstehend E. 4.5).
Es erstaunt angesichts dieser offenkundigen Widersprüche und der unbeant
worteten – notabene einzigen und von ihm selbst vorgängig formulie
rten
–
Gut
ach
ter
frage, dass
RAD-Arzt
Dr.
L._
im November 2019 befand, es könne auf das Gutachten abgestellt werden (vorstehend E. 4.7). Unzulässig ist zudem der von ihm gezogene Schluss, dass die Arbeitsunfähigkeit nicht nur aktuell, sondern auch retrospektiv prinzipiell 10 % betragen habe, nachdem die Gutachter explizit festgehalten hatten, der Verlauf der Arbeitsunfähigkeit sei retrospektiv nicht beurteilbar.
5.3
Erkannt
hatte
Dr.
L._
im Vorfeld des Gutachtens zu Recht auch die
Problematik
, ob die
gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers voneinander unab
hän
gig seien, oder ob
vielleicht
doch eine Grundursache des entzündlich-rheumato
logischen Formenkreises vorliege.
Der rheumatologische Teilgutachter verliess sich bei seiner Beurteilung einzig auf die von ihm durchgeführte Untersuchung, anlässlich welcher sich im Bereich des gesamten Bewegungsapparates keine Auffälligkeiten ergeben hätten und der Be
schwerdeführer bis auf ein vereinzeltes Stechen in den Händen keine Schmerzen geäussert habe. Es bestehe daher eine eklatante Diskrepanz zwischen den vorge
tragenen Schmerzen im Bereich des ganzen Körpers und der quasi schmerzfreien Untersuchung (vorstehend E. 4.4). Eine Aggravation oder Simula
tion schloss er indes ebenso
wie seine mitbegutachtenden Kollegen
aus
(vorstehend E. 4.
2-3) und es ist zu beachten, dass seine Exploration mittags um 12 Uhr stattfand (Urk. 8/88/154), jedoch die Schwellungen an Knie und Sprunggelenk offenbar jeweils vor allem gegen Abend aufträten (vgl. etwa E. 3.5 und E. 3.17). Nicht nur simuliert oder
aggraviert
der Beschwerdeführer offenbar nicht, sondern es wurden
beispielsweise
die Schwellungen - insbesondere des Kniegelenks –
auch von diversen Behandlern selber gesehen (vgl. vorstehend E. 3.4, E. 3.
5, E. 3.6, E. 3.11, E. 3.13).
So hielten etwa die Ärzte der Abteilung Kniechirurgie der
E._
im Juli 2017 explizit fest, es seien ausgeprägte objektivierbare Schwellungen in mehreren Gelenken aufgetreten, und dies bereits bei kleinerer Belastung (vorstehend E. 3.13).
Die rheumatologische Teilbeurteilung berücksichtigte somit weder die
Vorakten
noch die geklagten Beschwerden in ausreichender Weise und leuchtet in der Beur
teilung der medizinischen Situation nicht ein. Mangels Beweiswert kann deshalb auf sie nicht abgestellt werden (vgl. vorstehend E. 1.3).
5.4
Als zu oberflächlich erscheint weiter die Einschätzung durch den neurologischen
Teilgutachter, die geschilderten Schmerzen würden aushaltbar erscheinen, da kaum Analgetika eingenommen würden (vorstehend E. 4.3).
Diesbezüglich erscheint
die
Erklärung des Beschwerdeführers als plausibel, dass
die Medikation
ihm eben weder
Linderung
noch
Heilung
bringe
(vorstehend E. 2.2).
Mit der
betreffenden Teilgutachterin
mag es sodann
zutreffen, dass die allgemein-internistischen Diagnosen durch geeignete medikamentöse Massnahmen, regel
mä
ssiges Tragen der CPAP-Maske, Verzicht auf Alkohol- und Nikotinkonsum sowie eine Gewichtsabnahme
zukünftig
beherrschbar
sind
(vorstehend E. 4.
2).
Diese Feststellung eröffnet indes den Raum für die Schlussfolgerung, dass sie aktuell nicht beherrscht werden, und die entsprechende – unbeantwortete - Frage, inwiefern sie derzeit die Arbeitsfähigkeit eben doch beeinträchtigen könnten. Immerhin handelt es sich bei den vorgeschlagenen
Massnahmen
zudem
um eine ganze Hand voll relativ einschneidender und nicht einfach umzusetzender Mass
nahmen. Insbesondere erscheint als fraglich, ob eine CPAP-Therapie a
ufrecht
er
halten werden
könnte
, nachdem ärztlicherseits im November 2018 festgestellt worden war, nach der Nasenoperation vom August 2018 toleriere der Beschwer
deführer diese nicht mehr (vorstehend E. 3.20). Mit dem Beschwerdeführer (vor
stehend E. 2.2) ist sodann darauf hinzuweisen, dass vorzunehmende medizinische Massnahmen grundsätzlich als Auflagen zu formulieren sind und eine erstmalige
Rentenzusprache
nicht verhindern
.
Beizupflichten ist dem
Beschwerdeführer auch darin, dass im Gutachten eine
Gesamtbeurteilung der verschiedenen gesundheitlichen Probleme beziehungs
w
eise der von diesen ausgehenden funktionellen Einschränkungen fehlt. Bei derart zahlreich vorhandenen Dia
gnosen erschiene solcherlei anlässlich einer
polydiszi
plinären
Beg
utacht
ung
als angezeigt, wobei mit den Rheumatologen der
E._
(vorstehend E. 4.6)
auch
eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) in Erwägung zu ziehen wäre.
5.5
Das Gutachten vermag
also an den entscheidenden Stellen und auch insgesamt
nicht zu überzeugen. Indem die Beschwerdegegnerin
dennoch auf es abgestellt
hat, hat sie den medizinischen Sachverhalt zu wenig abgeklärt.
Nachdem der medizinische Sachverhalt nicht erstellt werden kann,
fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid. Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach ergänzender medizi
nischer Abklärung eine neue Beurteilung vornehme und über den Leistungs
an
spruch des Beschwerde
führers neu verfüge.
Dabei hat sie eine neue polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag zu geben mit der weiterhin unveränderten Frage,
wie der Verlauf der Arbeitsfähigkeit für be
hinderungsangepasste Tätigkeiten des allgemeinen Arbeitsmarktes zu beurtei
len sei. Nachdem Ende August 2020 nach Verfügungserlass gesundheitliche
Prob
leme
auch in psychiatrischer Sicht zu Tage getreten sind (vgl. vorstehend E. 4.8-9),
sind
aus Gründen
der Prozessökonomie
(vgl. BGE 122 V 34 E. 2a)
auch diese
gutach
terlich zu klären
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
6.
6.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
I
VG sind ermessensweise auf Fr. 8
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
6
.2
Nach § 34 Abs. 1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57
E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwer
deführer Anspruch auf eine Prozessent
schädigung hat.
6.3
Gemäss
§ 7 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschä
di
gungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
Der von Rechtsanwältin Claudia
Zumtaugwald
mit Eingabe vom 3. Dezember 2020 geltend gemachte Aufwand von 27.75 Stunden und Fr. 71.45 Barauslagen (Urk. 12) ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen. Insbesondere erscheint ein Aufwand von 20.75 Stunden für das Verfassen und den Versand der Beschwerde
als weit überhöht
, zumal von der lediglich 16-seitigen Beschwerdeschrift je 1 Seite durch eine reine Wiedergabe eines Wikipedia-Eintrags (S. 9 f. Ziff. 33), durch die Unterschrift
(S. 15)
und das relativ kurze
Beilagenverzeichnis
(S. 16)
konsumiert werden.
Für das Abfassen
und den Versand
der Beschwerdeschrift erscheint deshalb ein Aufwand von
6
Stun
den
als angemess
en, womit sich eine Kürzung um 14.75
Stunden ergibt und de
mentsprechend ein Aufwand von 13
Stunden zu entschädigen ist.
Bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist die Entschädigung somit auf Fr. 3‘157.-- (inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.