Decision ID: b09302ea-98c6-5866-84b8-8d630627a4f3
Year: 2010
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass das BFM mit Verfügung vom 17. März 2010 – eröffnet am 18. März 2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des  vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 23. Juni 2009 nicht eintrat, die  nach Deutschland verfügte, den Beschwerdeführer – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu , den Kanton (...) verpflichtete, die Wegweisungsverfügung zu vollziehen, feststellte, eine allfällige Beschwerde gegen die  Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung, und dem  die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte,
dass das BFM zur Begründung seiner Verfügung anführte, der  sei am 2. November 2004 in Deutschland als  daktyloskopiert worden und der Beschwerdeführer gebe an, er sei bis zur Einreise in die Schweiz in Deutschland gewesen,
dass somit Deutschland gestützt auf das Abkommen vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der  Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur  des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem  oder in der Schweiz gestellten Asylantrags (Dublin- [DAA, SR 0.142.392.68]) und auf das  vom 17. Dezember 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Republik Island und dem Königreich  über die Umsetzung, Anwendung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands und über die Kriterien und Verfahren zur  des zuständigen Staates für die Prüfung eines in der Schweiz, in Island oder in Norwegen gestellten Asylantrags ( vom 17. Dezember 2004, SR 0.362.32) für die  des Asylverfahrens zuständig sei und am 29. Dezember 2009 einer Übernahme des Gesuchstellers zugestimmt habe,
dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung (Art. 19 Abs. 3 Dublin II Verordnung) oder Verlängerung (Art. 19 Abs. 4 Dublin II Verordnung) – bis spätestens zum 28. Juni 2010 zu erfolgen habe,
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dass dem Beschwerdeführer am 16. Juli 2009 das rechtliche Gehör gewährt worden sei,
dass er dabei zu Protokoll gegeben habe, sein Asylgesuch in  sei abgelehnt worden, die Schweiz sei zuständig, weil er das erste Asylgesuch in der Schweiz eingereicht habe,
dass diese Aussagen nichts an der Zuständigkeit Deutschlands für die Durchführung des Asylverfahrens zu ändern vermöchten, Deutschland der Rückübernahme des Beschwerdeführers zugestimmt habe und keine Hinweise bestehen würden, dass in Deutschland kein effektiver Schutz vor Rückführung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG bestehe,
dass Deutschland die Flüchtlingskonvention (Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]) und die Europäische Menschenrechtskonvention (Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und  [EMRK, SR 0.101]) ratifiziert habe und in der Praxis anwende,
dass auf sein Asylgesuch daher nicht einzutreten sei,
dass die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vollzugs zu bejahen seien,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 25. März 2010 gegen diesen Entscheid beim  Beschwerde einreichen und beantragen liess, es sei auf das Asylgesuch vom 23. Juni 2009 einzutreten, es sei seine  festzustellen und ihm als Folge davon in der Schweiz Asyl zu gewähren; gegebenenfalls sei das Dossier zur Neubeurteilung dem BFM zurückzugeben,
dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragen liess, es sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren,
dass das Bundesverwaltungsgericht mit Verfügung vom 26. März 2010 (per Telefax) den Vollzug der Wegweisung gestützt auf Art. 56 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das  (VwVG, SR 172.021) vorsorglich aussetzte,
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dass die vorinstanzlichen Akten am 29. März 2010 beim  eingingen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des  vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),
dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung  berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung hat und daher zur Einreichung der  legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde – unter Vorbehalt nachfolgender Erwägungen – einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG),
dass die Verfügung als Anfechtungsgegenstand in der  den äusseren Rahmen bildet, innerhalb welchem die Parteien der Rechtsmittelinstanz ein Rechtsverhältnis zur  unterbreiten können,
dass der durch die Parteibegehren definierte Streitgegenstand nicht über den Anfechtungsgegenstand hinaus reichen darf, Gegenstand des Beschwerdeverfahrens somit grundsätzlich nur sein kann, was Gegenstand des erstinstanzlichen Verfahrens war oder nach richtiger Gesetzesauslegung hätte sein sollen (vgl. ANDRÉ MOSER, in: Auer/Müller/Schindler (Hrsg.), Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (VwVG), Zürich 2008, Rz. 3 zu Art. 52, CHRISTOPH AUER, Streitgegenstand und Rügeprinzip im Spannungsfeld der verwaltungsrechtlichen Prozessmaximen, Bern 1997, S. 63; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 149),
dass die angefochtene Verfügung vom 17. März 2010 keine Regelung betreffend Flüchtlingseigenschaft und Gewährung von Asyl enthält,
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dass mit den Begehren, es sei die Flüchtlingseigenschaft des  festzustellen und ihm Asyl zu gewähren, der  in unzulässiger Weise über den in der angefochtenen  geregelten Anfechtungsgegenstand hinaus erweitert wird (vgl. AUER, a.a.O., S. 63; BGE 110 V 51 E. 3c), weshalb auf dieses  nicht einzutreten ist,
dass im vorliegenden Beschwerdeverfahren mithin einzig zu prüfen ist, ob das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das  des Beschwerdeführers zu Recht nicht eingetreten ist,
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in  Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters respektive einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel verzichtet wurde,
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn  in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die  des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich  ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),
dass eine durch das BFM durchgeführte Abfrage der Eurodac- ergab, dass der Beschwerdeführer am 2. November 2004 in Deutschland daktyloskopisch erfasst worden ist und er dort am  Tag ein Asylgesuch eingereicht hat (vgl. act. B15/5),
dass diese Sachumstände vom Beschwerdeführer nicht bestritten werden,
dass Deutschland am 29. Dezember 2009 dem  des BFM vom 23. Dezember 2009 gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e der Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem  in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin-II-VO) entsprach (vgl. act. B17/3),
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dass angesichts des zuvor festgestellten Sachverhalts und der  Staatsverträge (vgl. DAA; Dublin-II-VO; Verordnung [EG] Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 2003 mit  zur Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates [Dublin-DVO]) Deutschland als zuständig zu erachten ist,
dass in der Beschwerde geltend gemacht wird, Art. 34 Abs. 4 (recte: Abs. 3) AsylG halte fest, dass Art. 34 Abs. 3 (recte: Abs. 2) AsylG keine Anwendung finde, wenn die asylsuchende Person offensichtlich die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG erfülle, und weiter ausgeführt wird, der Beschwerdeführer habe in der Türkei unter politischer und ethnischer Verfolgung zu leiden und erfülle die Kriterien von Art. 3 AsylG zu Gewährung der Flüchtlingseigenschaft,
dass die Bestimmungen von Art. 34 Abs. 3 Bst. b AsylG, wonach Abs. 2 Bstn. a, b, c und e dieses Artikels keine Anwendung finden, wenn die asylsuchende Person offensichtlich die  nach Art. 3 AsylG erfüllt, bei einem Nichteintretensentscheid gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht anwendbar sind,
dass das damalige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF) das vom  in der Schweiz am 31. August 2000 eingereichte  mit Verfügung 30. April 2001 ablehnte und die damals  Schweizerische Asylrekurskommission die gegen diese  erhobene Beschwerde mit Urteil vom 16. August 2004 abwies, worauf er am 20. Oktober 2004 von der zuständigen kantonalen  dem BFF als seit 6. Oktober 2004 verschwunden gemeldet wurde,
dass der Beschwerdeführer gemäss eigenen Aussagen nicht in die Türkei zurückgekehrt ist, sondern sich nach Deutschland begeben und dort einen Asylantrag gestellt hat, der in der Folge abgewiesen worden ist (vgl. act. B6/9 S. 6),
dass keine Anhaltspunkte bestehen, die darauf hindeuten,  habe sich dem Beschwerdeführer gegenüber nicht an seine sich aus der FK und der EMRK ergebenden Verpflichtungen gehalten oder gedenke, diese ihm gegenüber künftig nicht einzuhalten,
dass insofern kein Anlass zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO Anlass besteht,
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dass gemäss Angaben des Beschwerdeführers in der Schweiz ein Halbbruder und ein Cousin leben (vgl. Act. B6/9 S. 3), diese jedoch nicht zum in Art. 2 Bst. i der Dublin-II-VO als "Familienangehörige"  Personenkreis gehören, weshalb sich eine Zuständigkeit der Schweiz zur Durchführung des Asylverfahrens auch nicht aus Art. 7 der Dublin-II-VO ableiten lässt,
dass das BFM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht  ist,
dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die  aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl.  und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom  zu Recht angeordnet wurde,
dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein  in den für die Prüfung des Asylgesuches  Staat handelt, systembedingt kein Raum bleibt für  im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.v.m. Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die  und Ausländer [AuG, SR 142.20]),
dass eine entsprechende Prüfung soweit notwendig vielmehr bereits im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss,
dass in diesem Sinne die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung nach Deutschland zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich  hat,
dass es sich erübrigt, auf die Ausführungen in der Beschwerde und die eingereichten Berichte zur Türkei vom 17. März 2010 und vom 28. November 2009 einzugehen, da diese an der Würdigung des vorliegenden Sachverhalts nichts zu ändern vermögen,
dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt
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oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde , soweit auf diese einzutreten ist,
dass die Beschwerde aufgrund vorstehender Erwägungen als  zu qualifizieren und deshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG  ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.-- (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG).
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