Decision ID: ab65c5f4-0090-48f9-8ce4-f570cceaba6d
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marco Bivetti, Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1965 geborene S._ meldete sich am 17./24. Februar 2005 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an und beantragte namentlich eine Rente. Sie
habe eine Lehre als Näherin und eine Weiterbildung als Verkäuferin gemacht, sei
Mutter zweier Kinder (geb. 1985 und 1989), sei 1991 in die Schweiz gekommen und
habe von 1998 bis 2005 in einem Grossverteiler gearbeitet. Seit dem 23. Februar 2004
leide sie an Multipler Sklerose mit Schmerzen im Rücken und in den Armen und
Beinen.
A.b Dr. med. A._, Allgemeinmedizin FMH, gab in seinem Arztbericht vom 3. März
2005 an, es lägen als Diagnosen vor eine Multiple Sklerose mit schubförmigem Verlauf
mit Erstsymptom ca. 1998, Erstdiagnose 03/2004, und periodische Cephalgien (DD:
Migräne, DD: Spannungskopfschmerz). Die Versicherte sei seit dem 23. Februar 2004
bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Sie stehe seit 1998 in seiner Behandlung. Im
Februar 2004 seien zunehmende Schmerzen und Lähmungszeichen aufgetreten.
A.c Dr. med. B._, Spezialarzt für Neurologie FMH, bezeichnete die schubförmig
verlaufende MS in seinem Arztbericht vom 6. Juli 2005 als Diagnose mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit, die periodischen Cephalgien blieben dagegen ohne
Auswirkung. Die Versicherte sei seit dem 28. Februar 2005 wegen ihrer Erkrankung
stellenlos. Weder die bisherige Tätigkeit noch andere Tätigkeiten seien ihr mehr
zumutbar, denn es bestünden eine allgemeine Verlangsamung,
Bewegungsverhinderung, Schmerzen, Muskelschmerzen bei florider schubförmiger
MS.
A.d Zur Vorbereitung einer Haushaltabklärung liess die Sozialversicherungsanstalt/
IV-Stelle von der Versicherten einen Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend
Erwerbstätigkeit/Haushalt ausfüllen.
A.e Am 17. März 2006 fand eine Abklärung an Ort und Stelle im Haushalt statt. Die
Versicherte erklärte dabei gemäss dem Bericht, sie könne den Haushalt nur noch mit
grosser Hilfe ihres Ehemannes und der Kinder erledigen. An manchen Tagen (ca. vier
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Tage pro Woche) gehe es ihr sehr schlecht, und sie könne praktisch keine
Haushaltsverrichtungen erledigen. Wegen der starken Kopfschmerzen sei sie dann
auch sehr lärmempfindlich und müsse bei geschlossenen Läden im Bett liegen.
Muskel- und Gliederschmerzen habe sie ständig. Stehen könne sie noch maximal zehn
bis fünfzehn Minuten, Sitzen noch 30 Minuten. Beim Liegen müsse sie ständig die
Position wechseln. Seit der Erkrankung gehe es ihr psychisch schlechter. Ohne
Behinderung würde sie weiterhin eine Erwerbstätigkeit von 80 % ausüben. Die
Erhebung ergab, dass die Versicherte in der Haushaltarbeit zu 44.44 % eingeschränkt
sei. Bei einer vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der Invalidenversicherung noch
zu prüfenden Arbeitsunfähigkeit von 100 % im Erwerb ergebe sich ab Februar 2005
Anspruch auf eine ganze Rente.
A.f Der RAD hielt am 2. Mai 2006 dafür, das Ausmass der Behinderung bei der
Erwerbsarbeit könne aufgrund der vorhandenen Unterlagen nicht abgeschätzt werden.
A.g Die Klinik für Neurologie am Kantonsspital St. Gallen berichtete am 22. Juni 2006,
es lägen vor (erstens) eine Multiple Sklerose mit schubförmigem Verlauf mit/bei
Erstsymptomen circa 1998, Erstdiagnose 03/2004, EDSS 2,5-3,0, und
immunmodulierender Therapie mit Beta-IFN a (Rebif), (zweitens) Migräne ohne Aura,
(drittens) ein generalisiertes Schmerzsyndrom bei Verdacht auf somatoforme
Schmerzstörung und depressiver Symptomatik. Die Versicherte habe ihren letzten
Arbeitstag am 22. Februar 2004 gehabt; danach lägen keine Angaben zur
Arbeitsunfähigkeit vor. Die spastisch-ataktische Gangstörung erschwere die Arbeit als
Verkäuferin erheblich, insbesondere wenn häufiges Stehen bzw. Umhergehen verlangt
werde. Momentan stehe aber der Ganzkörperschmerz im Vordergrund, welcher
jegliche Arbeit einschränke. Eine genaue Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei anhand
einer einmaligen Konsultation (vom 23. Mai 2006) und ohne psychiatrische
Mitbeurteilung nicht möglich. Es seien eine psychiatrische Beurteilung und
Mitbehandlung zu empfehlen sowie eine Evaluation der beruflichen
Wiedereingliederungsmöglichkeiten durch den Psychiater und den behandelnden
Neurologen.
A.h Am 20. Juli 2006 wurde eine interdisziplinäre Abklärung in Auftrag gegeben. Die
MEDAS Bern gab in ihrem Gutachten vom 10. Oktober 2006 als Diagnose bekannt, es
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liege eine Multiple Sklerose (Encephalomyelitis disseminata), schubförmiger
Verlaufstyp, vor. Wegen der (gut sichtbaren) Gangataxien und der Schwäche der
oberen und unteren Extremitäten sei die Versicherte in ihrer körperlichen
Belastung[sfähigkeit] eingeschränkt. Die bisherige Tätigkeit im Verkauf mit längerem
Sitzen und Bücken und Tragen von Lasten sowie Arbeiten mit persönlichem Kontakt zu
Kunden seien nicht mehr zumutbar. In anderen Tätigkeiten, nämlich einfachen und
repetitiven Tätigkeiten, die keine allzu grossen Anforderungen an die feinmotorischen
oder intellektuellen Fähigkeiten stellten und einen Wechsel zwischen Sitzen und Stehen
erlaubten, sei die Versicherte an vier bis fünf Stunden pro Tag an fünf Tagen pro
Woche voll arbeitsfähig, wobei die Arbeitszeiten mit Vorteil auf zwei Blöcke pro Tag mit
je zwei bis zweieinhalb Stunden aufzuteilen seien.
A.i Der IV-Fachmitarbeiter stellte am 21. November 2006 einen Vergleich (für 2006)
zwischen einem Valideneinkommen von Fr. 35'600.-- (gemäss
Arbeitgeberbescheinigung, um die Teuerung angepasst) und einem
Invalideneinkommen von Fr. 21'357.-- (gemäss den Tabellenlöhnen, bei einer
Arbeitsfähigkeit von 50 % und einem Leidensabzug von 10 %) an.
A.j Mit Vorbescheid vom 22. Dezember 2006 stellte die Sozialversicherungsanstalt/
IV-Stelle der Versicherten die Ausrichtung einer Viertelsrente ab 1. Februar 2005 bei
einem mittels der gemischten Methode berechneten Invaliditätsgrad von 41 % in
Aussicht.
A.k Die Versicherte liess am 28. Februar 2007 eine ganze Rente, eventualiter
ergänzende medizinische (neuroophthalmologische und neuropsychologische)
Abklärungen beantragen. Indem die Gutachter der Versicherten einfache
Kontrolltätigkeiten zumuten würden, hätten sie übersehen, dass sie als ersten MS-
Schub eine erhebliche Sehverschlechterung erlitten habe. Diesbezüglich sei die
Abklärung lückenhaft, wie Dr. B._ in einem Schreiben vom 14. Februar 2007
festhalte. Es erscheine ausserdem angesichts der in der neuropsychologischen
Testuntersuchung festgestellten Defizite mehr als fraglich, inwieweit Kontrolltätigkeiten
zumutbar seien. Auf der Klinik für Neurologie am Kantonsspital sei ein
Ganzkörperschmerz festgestellt worden, der jegliche Arbeit einschränke. Die
Einschätzung einer Leistungsfähigkeit von 100 % sei in Anbetracht der erhobenen
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mannigfaltigen körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen nicht nachvollziehbar.
Unhaltbar sei die Feststellung, dass die Versicherte in einer adaptierten Tätigkeit mehr
verdienen sollte, als es dem Valideneinkommen als Verkäuferin entspreche. Zumutbar
wäre allenfalls eine Arbeit in einer geschützten Werkstatt. Selbst beim Beizug von
Tabellenlöhnen wäre ein Abzug von 25 % vorzunehmen. Die Versicherte habe ferner im
langjährigen Schnitt ein Arbeitspensum von über 85 % (verglichen mit einem
Vollpensum von 152.6 Stunden pro Monat) innegehabt. Die Reduktion auf 80 % sei
lediglich formell gewesen. Es sei von einem Anteil der Erwerbstätigkeit von mindestens
90 % auszugehen. Die Einschränkung im Haushalt liege, selbst wenn dem Ehemann
und den Kindern 20 % der Arbeiten zugerechnet würden, bei 60 %. An vier Tagen pro
Woche sei eine Haushalttätigkeit gänzlich unmöglich. Dr. B._ hatte am 14. Februar
2007 erklärt, durch die Verlangsamung, die Ungeschicklichkeit und die herabgesetzte
psychische Belastbarkeit im Sinne einer "Neurasthenie" würden die
Muskelverspannungen und die innere Spannung deutlich zunehmen, da die Versicherte
eine vier- bis fünfstündige Tätigkeit an fünf Tagen nicht durchhalten würde. Das
gesamte Krankheitsbild würde sich in Form von erhöhten Muskelschmerzen, auch
Rückenschmerzen, deutlich verstärken.
A.l Der RAD hielt am 2. März 2007 dafür, weitere Abklärungen seien nicht erforderlich.
A.m Mit Verfügung vom 5. Juni 2007 sprach die IV-Stelle des Kantons St. Gallen der
Versicherten ab 1. Juni 2007 eine Viertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von 41 % zu.
Die Verfügung betreffend den Zeitraum ab 1. Februar 2005 (bis Mai 2007) werde folgen.
Am 19. Juni 2007 erging die Verfügung, mit welcher für die Zeit ab 1. Februar 2005
ebenfalls eine Viertelsrente zugesprochen wurde.
B.
B.a Gegen diese Verfügungen richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Marco Bivetti
für die Betroffene am 6. Juli 2007 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin beantragt, die angefochtenen Verfügungen seien aufzuheben und
der Beschwerdeführerin sei eine ganze Invalidenrente, einschliesslich Kinderrente,
zuzusprechen, eventuell sei die Sache zur weiteren (medizinischen) Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, wobei das Gutachten aus dem Recht zu weisen
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sei. Gemäss den Lohnabrechnungen habe das Arbeitspensum der Beschwerdeführerin
im Schnitt der Jahre 1999 bis 2004 bei über 85 % eines Vollpensums (von 152.6
Stunden pro Monat, nach Abzug von Ferien und Feiertagen) gelegen. Es sei von einem
Anteil der Erwerbstätigkeit von mindestens 90 % auszugehen. Die Einschränkung im
Erwerbsbereich sei unvollständig abgeklärt. Es werde ein Bericht des behandelnden
Neurologen erwartet. Nach Angaben der behandelnden Psychiaterin sei die
Beschwerdeführerin wegen einer anhaltenden organischen depressiven Störung bei
mittelschwerer bis schwerer Ausprägung zu 100 % arbeitsunfähig. Dass das Gutachten
die körperlichen, geistigen und psychischen Beeinträchtigungen der
Beschwerdeführerin darlege und dann trotzdem auf eine Leistungsfähigkeit von 100 %
schliesse, sei so widersprüchlich, dass die Gutachter als befangen zu betrachten seien
und das Gutachten aus dem Recht zu weisen sei. Aus dem Gutachten gehe eindeutig
hervor, dass im erwerblichen Bereich keine Arbeitsfähigkeit mehr vorhanden sei. Die
verbleibende Arbeitsfähigkeit könne auf dem freien Markt realistischerweise nicht mehr
umgesetzt werden. Von einer Arbeitsgelegenheit im Sinne des Gesetzes könne nicht
gesprochen werden. Die Ansicht der Beschwerdegegnerin, der Beschwerdeführerin sei
mehr als nur leichte Hilfstätigkeit zumutbar und sie sei dort nicht behinderungsbedingt
eingeschränkt, sei aktenwidrig. Auch die Einschränkungen im Haushaltbereich seien zu
tief eingeschätzt worden. Der Ehemann und die beiden Kinder seien voll berufstätig
und könnten der Beschwerdeführerin nur abends und am Wochenende zur Seite
stehen. Der Sohn werde den Haushalt demnächst verlassen. Aus dem Fragebogen
gehe hervor, dass die Beschwerdeführerin einzig noch den kleinen Einkauf (bis
maximal 2 kg) erledigen könne; alles übrige erledige ihre Familie. Die Gewichtung des
Bereichs der Ernährung mit 57.11 % befremde in Anbetracht der üblichen Gewichtung
von 10 bis 50 %. Bei der Wohnungspflege sei lediglich das Betten möglich. Die
Einschränkung sei auf 80 % festzulegen. Auch beim Kleineinkauf müsse ein
mindestens doppelter Zeitaufwand eingesetzt werden, weshalb die Einschränkung
90 % betrage, die wegen der Mithilfe von Ehemann und Kindern auf 70 % gekürzt
werden könne. Ohnehin seien bei der Festsetzung auf 44.44 % anerkannte 2 % zu
Unrecht ausser Acht gelassen worden. In dem beigelegten Bericht vom 27. Juni 2007
hatte Dr. med. C._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, erklärt, sie behandle die
Beschwerdeführerin (mit Antidepressiva und monatlicher Gesprächstherapie) seit dem
25. November 2006 wegen einer depressiven Entwicklung bei MS. Es liege eine
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anhaltende organische depressive Störung mittelschwerer bis schwerer Ausprägung
vor und die Beschwerdeführerin sei aus psychiatrischer Sicht zu 100 % arbeitsunfähig.
B.b In der Beschwerdeergänzung vom 23. August 2007 präzisiert der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin, die Rente werde ab 1. Februar 2005 beantragt. Dr. B._ habe
ergänzende Abklärungen getroffen. Die psychophysiologischen Messungen hätten die
starken Konzentrationsschwankungen bestätigt und deutliche Schwankungen der
Reaktionszeit und eine deutliche Verlangsamung gezeigt, welche eine konstante
mentale Leistung nicht erlaubten. Es hätten sich bei der Untersuchung der BWS vier
zusätzliche [MS-] Herde gezeigt. Dr. B._ bezweifle in seinem Bericht vom 17. Juli
2007 allein aus neurologischer Sicht selbst eine Arbeitsfähigkeit von 20 % für leichte
und mittlere Arbeiten. Die von den Gutachtern veranschlagte Leistungsfähigkeit sei
illusorisch und widerspreche den erhobenen Befunden diametral. Obwohl die
Schmerzen der Beschwerdeführerin durch eine depressive Verarbeitung der
neurologischen Grundkrankheit überlagert würden, sei für unnötig gehalten worden,
dafür ein eigenes psychisches Störungsbild einzuführen. Die psychischen Probleme
seien nicht erfasst worden, und es sei unterlassen worden darzulegen, wie schwer die
geklagten Einschränkungen (Nervosität - als Folge Spannungen in der Familie, erhöhte
Lärmempfindlichkeit, Schlafstörungen, Schuldgefühle, Hadern mit dem Schicksal,
reduzierte Lebensfreude und Bedrücktheit) wögen. Die Erkenntnisse seien ausserdem
nicht durch die hierfür qualifizierte und bestimmte Dr. med. D._, sondern durch die
Assistentin und Psychologiestudentin E._ gewonnen worden, was unhaltbar sei. Die
Gutachter hätten unbegründet gemutmasst, dass die Beschwerdeführerin
vorbestehend von ängstlich-unsicherer Persönlichkeitsstruktur gewesen sei. Bei einer
MS-kranken Person mit erheblichen psychischen Beeinträchtigungen hierauf zu
schliessen, sei unerhört. Es frage sich, ob innerhalb einer Stunde eine umfassende
Begutachtung möglich sei, zumal Dr. D._ damals seit knapp einem Jahr im Besitz
des Facharzttitels gewesen sei. Es scheine fraglich, ob die begutachtenden Ärzte über
die Informationen aus der Basisbefragung verfügt hätten. Die Abklärungen seien nicht
durchwegs mit Hilfe der Dolmetscherin erfolgt. Die Exploration durch Dr. D._ sei mit
Hilfe einer Übersetzerin, der Psychologiestudentin F._, durchgeführt worden. Das
möge nicht ausschlaggebend gewesen sein, sei aber bezeichnend für den durchwegs
erweckten Anschein mangelnder Seriosität des Gutachtens. Die psychische
Problematik sei kurzerhand ausgeblendet worden. Sowohl der Hausarzt wie der
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behandelnde Neurologe und die Psychiaterin stellten sich auf den Standpunkt, dass
keine verwertbare Restarbeitsfähigkeit mehr bestehe. Das lasse sich auch aus den gut
achterlich festgestellten Einschränkungen schliessen. Andernfalls seien ergänzende
Abklärungen vorzunehmen. Das Arbeitspensum der Beschwerdeführerin sei nicht von
ihrer Bereitschaft, sondern von der Beschäftigungspolitik der Arbeitgeberin bestimmt
gewesen. Das Heranziehen eines über dem Valideneinkommen liegenden
Invalideneinkommens sei weltfremd. Jedenfalls wäre ein Abzug von 25 %
vorzunehmen. Dr. B._ hatte in dem erwähnten Bericht vom 17. Juli 2007 unter
anderem dargelegt, die psychophysiologischen Messungen seien wiederholt worden
und hätten den klinischen Eindruck starker Konzentrationsschwankungen bestätigt. Ein
wegen erneutem Ziehen in den Beinen veranlasstes kranio-zerebrales MRI vom
28. Juni 2007 habe ergeben, dass die von der Voruntersuchung bekannten, multiplen
zystischen Herdläsionen allesamt deutlich regredient seien. Paracallosal habe sich eine
Grössenprogredienz und vor allem im dorsalen Anteil eine Zunahme der MS-typischen
Herde gezeigt, jedoch ohne Zeichen der Aktivität. Ein MRI der gesamten Wirbelsäule
vom 29. Juni 2007 habe die bekannten Herde cervical und in der oberen BWS in
stationärer Grösse bis leicht grösser gezeigt, ausserdem vier zusätzliche Herde in der
BWS (ohne Hinweis für Aktivität). Er bezweifle aus physischen wie psychischen
Gründen selbst eine Arbeitsfähigkeit von 20 % für leichtere und mittlere Arbeiten.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 1. Oktober 2007 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Es sei nicht einzusehen, weshalb nicht auf das
MEDAS-Gutachten abzustellen sei, dem ein grösserer Stellenwert beizumessen sei als
dem Bericht des behandelnden Arztes. Der RAD-Arzt habe sich mit den Einwänden
auseinandergesetzt. Die behaupteten Pensen seien nicht belegt und die
Beschwerdeführerin habe unterschriftlich bestätigt, dass sie als Gesunde zu 80 %
erwerbstätig wäre. Die zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember 2003 geleistete
Arbeitszeit (777.95 Stunden; 129.6 Stunden pro Monat) spreche ebenfalls für ein
Pensum von 80 %, wobei die Angestellten im Verkauf in der zweiten Jahreshälfte
(wegen der Adventszeit) regelmässig mehr Stunden leisten müssten. Die
Beschwerdeführerin habe damals auch das bisher höchste Einkommen erzielt. Das in
den Jahren 2000 bis 2003 erzielte Einkommen zeige, dass es aus einem Pensum von
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80 % stamme, hätten Hilfsarbeiterinnen doch damals durchschnittlich etwas mehr als
Fr. 47'000.-- pro Jahr verdient. Wer in einer adaptierten Tätigkeit einem Pensum von
rund 54 % nachgehen könne, sei erfahrungsgemäss im Haushalt leicht mehr
arbeitsfähig. Bei der Abklärung sei eine Arbeitsfähigkeit im Haushalt von 56 % ermittelt
worden, was eher zu tief sei als zu hoch. Das Valideneinkommen 2004 mache,
ausgehend vom Jahreseinkommen 2003 von Fr. 34'401.--, Fr. 34'700.-- aus. Das
Invalideneinkommen belaufe sich gemäss den Tabellenlöhnen bei einem Pensum von
54 % und einem Leidensabzug von 20 % (10 % wegen unterdurchschnittlichen
Verdienstes, 10 % wegen reduzierter Stellenauswahl) auf Fr. 20'989.--. Der
Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich mache daher 39.6 % aus, derjenige im Haushalt
44.4 %. Insgesamt liege der Invaliditätsgrad bei 40.56 % (8.88 % und 31.68 %).
D.
Mit Replik vom 19. Oktober 2007 bringt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
vor, dass Dr. B._ der "auftragsgemäss nicht ganz unbefangene, behandelnde Arzt"
sei, befreie die Beschwerdegegnerin nicht davon, sich mit dem Gutachten kritisch
auseinanderzusetzen. Auch ohne dessen Einwände stehe fest, dass das Gutachten
unlösbar widersprüchlich sei. Die Gutachterstellen seien von Aufträgen der IV und der
UV abhängig. Die "Versicherungsfreundlichkeit" des Gutachtens springe vorliegend ins
Auge. Die Beschwerdegegnerin bringe nichts vor, weshalb an der Beurteilung von
Dr. B._ zu zweifeln sei. Eine hoch objektive Aussage eines behandelnden Arztes
könne eine einem Gutachten entsprechende Überzeugungskraft entfalten. Bei Dr. B._
handle es sich nicht um den seit Jahren behandelnden Hausarzt, sondern um einen
ausgewiesenen Fachmann der Neurologie. Er behandle die Beschwerdeführerin erst
seit der Feststellung der MS, und zwar als Facharzt. Es sei nicht ersichtlich und werde
auch nicht geltend gemacht, dass die Beschwerdeführerin ihr Pensum zu senken
beabsichtigt hätte. In die Monate Juli und August würden im Übrigen die ausgedehnten
Sommerferien fallen, was die Adventszeit mehr als kompensiere. Die
Lohnabrechnungen von Oktober 1999 bis Februar 2007 seien unbedingt beizuziehen.
Selbst nach dem Gutachten bestehe ein hohes Pausenbedürfnis. Davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin in dieser Zeit fähig sein sollte, den Haushalt zu führen, sei
lebensfremd.
E.
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Die Beschwerdegegnerin hat am 29. Oktober 2007 auf die Erstattung einer Duplik
verzichtet.
F.
Mit Eingabe vom 11. April 2008 reicht der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
einen Untersuchungsbericht des Universitätsspitals Zürich vom 8. April 2008 ein. Der
Verdacht auf einen akuten Schub werde bestätigt. Dr. B._ werde seine
Untersuchungen in den nächsten beiden Wochen mit einem Bericht abschliessen. Das
Departement Medizinische Radiologie am Universitätsspital Zürich hatte berichtet, das
MRI Schädel einschliesslich MR-Spectroscopie vom 19. März 2008 habe ergeben,
dass jetzt bei bekannter MS der Verdacht auf einen akuten Schub zu äussern sei.
G.
Die Beschwerdegegnerin hält am 23. April 2008 dafür, vorliegend sei der
Gesundheitszustand im Juni 2007 massgebend. Die in Aussicht gestellte
Neubeurteilung der Arbeitsfähigkeit aufgrund aktueller Befunde sei hier nicht von
Bedeutung.
H.
Am 8. Mai 2008 macht der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin geltend, ein
erheblicher Teil der beklagten Beschwerden habe bereits vor Juni 2007 vorgelegen.
Dr. B._ habe aus einem MRI vom 28. Juni 2007 auf vier zusätzliche Herde in der
BWS geschlossen. Der Arzt bestätige mit dem beiliegenden Bericht vom 30. April 2008,
dass Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, leichte Erschöpfbarkeit und
Merkfähigkeitsstörungen mit Tests objektivierbar gewesen seien. Eine chronische
Stressexposition könne bei dieser Krankheit unter Umständen tödlich sein. Gegen eine
Arbeitsfähigkeit von 80 % melde er erhebliche Bedenken an. Mit dem Nachweis eines
weiteren Schubes sei in der Zwischenzeit (seit Juni 2007) eine weitere
Verschlechterung des Gesundheitszustands eingetreten. Bei den Ausführungen von
Dr. B._ handle es sich um den Beweis der Tatsache, dass die Arbeitsfähigkeit massiv
geringer gewesen sei als im Gutachten benannt. Der aktuelle Schub, der bereits im
Januar 2008 festgestellt worden sei, führe zu einer weiteren Verschlechterung des
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Zustands. Dr. B._ hatte am 30. April 2008 erklärt, die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin betrage höchstens 20 bis 30 %.
I.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 16. Mai 2008 auf eine weitere Stellungnahme.

Erwägungen:
1.
1.1 Da vorliegend ein Sachverhalt zu beurteilen ist, wie er sich bis zum Erlass der
angefochtenen Verfügungen im Juni 2007 entwickelt hat, sind die auf den 1. Januar
2008 in Kraft getretenen Rechtsänderungen nicht anwendbar.
1.2 Im Streit liegen die Verfügungen vom 5. Juni 2007 und vom 19. Juni 2007, mit
welchen der Beschwerdeführerin eine Viertelsrente zugesprochen worden ist.
2.
2.1 Für die Invaliditätsbemessung, welche das Mass der Zurücksetzung der
erwerblichen Leistungsfähigkeit infolge gesundheitlicher Beeinträchtigung ergeben soll,
sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen von Bedeutung. Aufgabe des Arztes
oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beschreiben und dazu Stellung zu
nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person
arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind in der Folge eine wichtige Grundlage
für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch
zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4; ZAK 1982 S. 34). Ob die versicherte
Person eine ihr zumutbare Tätigkeit auch tatsächlich ausübt, ist für die
Invaliditätsbemessung hingegen unerheblich (Rz 3046 des vom Bundesamt für
Sozialversicherung erlassenen Kreisschreibens über die Invalidität und Hilflosigkeit in
der Invalidenversicherung = KSIH).
2.2 Zum Gesundheitszustand und der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin liegt
ein Gutachten vor, das ihr eine Arbeitsfähigkeit von rund 50 % (fünfmal vier bis fünf
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Stunden pro Tag; entsprechend etwa 53 % einer 42-Stunden-Woche) bescheinigt. Die
Beschwerdeführerin beruft sich demgegenüber auf die Atteste behandelnder Ärzte. So
hatte Dr. A._ sie gemäss seinem Bericht vom 3. März 2005 für zu 100 %
arbeitsunfähig gehalten. Der Neurologe Dr. B._ hatte ihr am 6. Juli 2005 ebenfalls
eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert. Am 14. Februar 2007 hatte er erklärt, eine
vier- bis fünfstündige Tätigkeit an fünf Tagen würde die Beschwerdeführerin nicht
durchhalten, am 17. Juli 2007, selbst eine Arbeitsfähigkeit von 20 % für leichtere und
mittlere Arbeiten sei zu bezweifeln. Am 30. April 2008 schliesslich - bereits einige Zeit
nach Erlass der angefochtenen Verfügungen - erklärte er, die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin betrage höchstens 20 bis 30 %.
2.3 Das Gutachten vom 10. Oktober 2006 basiert im Wesentlichen auf der
Kenntnisnahme einerseits der Angaben der Beschwerdeführerin zu ihren körperlichen,
psychovegetativen und psychischen sowie geistigen Beschwerden, zur Entwicklung
der Beschwerden und zu den Behandlungen und anderseits der Vorakten.
Untersuchungsbefunde wurden in neurologischer, neuro-psychiatrischer und
psychiatrischer Hinsicht erhoben. Ausserdem erfolgte eine neuropsychologische
Testuntersuchung. Die Erhebung der Befunde lässt sich nicht beanstanden. Hinweise
darauf, dass Verständigungsschwierigkeiten aufgetreten sein könnten, sind nicht
vorhanden. Zwischen dem Gutachten und den übrigen ärztlichen Berichten sind denn
auch weniger Divergenzen in der Schilderung des erhobenen medizinischen
Sachverhalts festzustellen als in der Beurteilung der daraus sich ergebenden
Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit.
2.4 Das Gutachten berichtet im Einzelnen von ataktischen Störungen mit deutlicher
Beeinträchtigung des Stehens und Gehens, von Störungen der Sensibilität mit
"polyneuropathischem" Muster, vor allem einer Verminderung der Tiefensensibilität, die
zu den Problemen der zerebellären Ataxie hinzukomme, die sich auch in den
feinmotorischen Bewegungsabläufen zeige. Gut nachvollziehbar seien auch die rasche
körperliche (muskuläre) Ermüdbarkeit und die damit zusammenhängenden Schmerzen.
Die erhöhte Müdigkeit und Erschöpfbarkeit werde durch die primäre Varikosis beider
Beine noch verstärkt. Bei der neuropsychologischen Untersuchung, bei welcher die
Beschwerdeführerin kooperativ mitgearbeitet habe, hätten sich insbesondere im
Aufmerksamkeits- und Gedächtnisbereich deutliche Beeinträchtigungen mit
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psychomotorischer Verlangsamung und erhöhter Fehleranfälligkeit bei steigendem
Komplexitätsgrad gezeigt. Im Gedächtnisbereich hätten sowohl in der verbalen als
auch in der nonverbalen Modalität leichte Beeinträchtigungen vorgelegen. Die
kognitiven Beeinträchtigungen seien insbesondere im Hinblick auf geistig
anspruchsvolle Tätigkeiten relevant. Schmerzen seien ein durchaus häufiges Symptom
bei MS. Dass sie durch eine depressive Verarbeitung der neurologischen
Grundkrankheit überlagert würden, erscheine klar. Im Vordergrund der psychischen
Schwierigkeiten stehe die Angst vor einer Verschlechterung der Grunderkrankung und
den befürchteten Konsequenzen (Abhängigkeit vom Rollstuhl, negative
Lebensperspektiven, Einschränkungen in den Mutterfunktionen, Sorge um die Kinder).
Als Begleiterscheinungen dieser existenziellen Ängste seien die von der
Beschwerdeführerin benannten Umstände zu betrachten wie Nervosität, erhöhte
Lärmempfindlichkeit, Spannungen in der Familie, Schlafstörungen, Schuldgefühle,
Hadern mit dem Schicksal, reduzierte Lebensfreude und Bedrücktheit. Sie hätten ihren
Niederschlag in dem erhobenen psychischen Befund gefunden, wo vor allem im
affektiven Bereich Beeinträchtigungen festgestellt worden seien.
2.5 Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, bei diesen
Einschränkungen eine Arbeitsfähigkeit von 100 % zu attestieren, sei (schon in sich) so
widersprüchlich und lasse die Gutachter als so befangen erscheinen, dass das
Gutachten aus dem Recht zu weisen sei. Zu beachten ist allerdings, dass die Gutachter
für eine solche Leistungsfähigkeit (bezogen auf eine Teilzeitarbeit) sehr einschränkende
Rahmenbedingungen bezeichnen. So sind etwa Tätigkeiten im Stehen und/oder
Gehen, Tätigkeiten, die mit Heben und/oder Tragen von Lasten verbunden sind, sowie
Tätigkeiten mit persönlichem Kundenkontakt anerkanntermassen ausgeschlossen,
ebenso längeres Bücken. Zumutbar sind danach hingegen einfache und repetitive
Tätigkeiten, die keine allzu grossen Anforderungen an die feinmotorischen oder
intellektuellen Fähigkeiten der Beschwerdeführerin stellen und einen Wechsel zwischen
Sitzen und Stehen erlauben. Weil sich bei längerer Belastung am Stück die
neuropsychologischen Defizite nachteilig auf die Leistung auswirkten, sei von Vorteil,
die tägliche Arbeitszeit auf zwei Blöcke mit je zwei bis zweieinhalb Stunden morgens
und nachmittags aufzuteilen.
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2.6 Diese einschränkenden Bedingungen für eine Arbeitstätigkeit sind im Gutachten
überzeugend begründet worden. Eine vollständige Leistungsunfähigkeit selbst für
angepasste Tätigkeiten, wie sie Dr. A._ und Dr. C._ - teilweise auch Dr. B._ -
attestierten, wurde von den Gutachtern dagegen als nicht nachvollziehbar betrachtet.
Diese Auffassung erscheint plausibel, hat doch auch die Klinik für Neurologie am
Kantonsspital St. Gallen, die eine genaue Beurteilung der Arbeitsfähigkeit allerdings
nicht abgab, weil sie eine solche ohne psychiatrische Beurteilung für nicht angängig
betrachtete, offenbar nicht mit einer vollen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin
gerechnet, empfahl sie doch, die beruflichen Wiedereingliederungsmöglichkeiten zu
evaluieren.
2.7 Dass der medizinische Sachverhalt ungenügend abgeklärt sei, muss nicht
angenommen werden. Die in der Arbeitsfähigkeitsschätzung davon abweichenden
Beurteilungen der behandelnden Ärzte vermögen gegen das im interdisziplinären
Zusammenwirken zustande gekommene Ergebnis der umfassenden gutachterlichen
Erhebungen nicht anzukommen. Auf dieses ist für den vorliegend massgeblichen
Zeitraum abzustellen.
3.
3.1 Was die erwerblichen Folgen der gesundheitlichen Einschränkungen betrifft,
kommt es für die Bestimmung des Invalideneinkommens (im Erwerbsteil) nach der
Rechtsprechung nicht darauf an, ob eine invalide Person - die Beschwerdeführerin übt
keine Erwerbstätigkeit mehr aus - unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen
tatsächlich vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob und in welchem Rahmen
sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die
verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprächen (AHI 1998
S. 291 E. 3b). Dabei wird von einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage ausgegangen (vgl.
Art. 16 ATSG). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt (eine Fiktion, vgl. BGE 129 V 480
E. 4.2.2) hat rein hypothetischen Charakter und dient dazu, die Risiken Arbeitslosigkeit
und Invalidität voneinander abzugrenzen (vgl. Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S C. vom 16. Juli 2003, I 758/02; BGE 110 V 276 E. 4b). Der als
ausgeglichen unterstellte Arbeitsmarkt beinhaltet von seiner Struktur her sowohl
bezüglich der beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen als auch hinsichtlich des
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körperlichen Einsatzes einen Fächer verschiedenartiger Stellen (Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S O. vom 22. November 2006, U 303/06).
Allerdings dürfen keine realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten berücksichtigt werden.
Insbesondere kann von einer zumutbaren Tätigkeit im Sinne von Art. 16 ATSG dort
nicht gesprochen werden, wo sie nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie
der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht
realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre
und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb von vornherein als
ausgeschlossen erscheint (solche Verhältnisse hat das Eidgenössische
Versicherungsgericht etwa im Entscheid i/S G. vom 19. Februar 2001, I 65/00,
vorgefunden; vgl. zum Ganzen den Entscheid des Bundesgerichts i/S K. vom 6. Mai
2008, 8C_319/2007; ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b).
3.2 Der Beschwerdeführerin sind nach der Aktenlage für die Umsetzung der
Restarbeitsfähigkeit sehr enge Grenzen gesetzt. Nicht nur, dass sie in ihren
körperlichen Fähigkeiten durch gut sichtbare Gangataxien, eine Schwäche der oberen
und unteren Extremitäten und die Unfähigkeit zu längerem Stehen und Gehen, Sitzen,
Bücken und Tragen und Heben von Lasten eingeschränkt ist und entsprechende
Arbeiten für sie ausser Betracht fallen. Die in Frage kommende Arbeit darf auch keine
grossen Anforderungen an die feinmotorischen und an die intellektuellen Fähigkeiten
stellen, denn es bestehen deutliche kognitive Beeinträchtigungen im Bereich von
Aufmerksamkeit und Gedächtnis. Ein potentieller Arbeitgeber müsste ferner darauf
Rücksicht nehmen, dass die Beschwerdeführerin in einer ängstlich-depressiven
Reaktion steht und im affektiven Bereich beeinträchtigt ist, auch wenn es sich nicht um
ein psychiatrisches Leiden, sondern um einen normalpsychologisch erklärbaren
Umstand handelt. Dazu kommt schliesslich, dass die Beschwerdeführerin gemäss dem
Gutachten rasch körperlich ermüdet, erhöht erschöpfbar ist und unter ständigen
Schmerzen leidet, weshalb die (ohnehin schon reduzierte zumutbare) Arbeitszeit mit
Vorteil auf zwei Phasen zu zwei bis zweieinhalb Stunden aufzuteilen ist. Diese
Prämissen für eine Erwerbsarbeit sind insgesamt so vielfältig und so einengend, dass
selbst auf einem als ausgeglichen gedachten Arbeitsmarkt realistischerweise nicht
mehr mit einem Angebot gerechnet werden kann. Das gilt umso mehr, als ein
Arbeitgeber nicht nur auf sämtliche bereits vorhandenen gesundheitlichen
Beeinträchtigungen Rücksicht zu nehmen, sondern zusätzlich mit dem Risiko des
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Fortschreitens der Erkrankung zu rechnen hätte. Wie nämlich den neueren Unterlagen
zu entnehmen ist, musste aufgrund einer Untersuchung vom 19. März 2008 der
Verdacht auf einen akuten Schub geäussert werden. Es ist zusammenfassend davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin die ihr verbliebene zumutbare
Arbeitsfähigkeit wirtschaftlich nicht verwerten kann.
4.
Unter diesen Umständen liegt im Erwerbsbereich eine Teilinvalidität von 100 % vor,
sodass offen bleiben kann, ob dieser Bereich einen Anteil von 80 % oder mehr am
gesamten, aus Erwerbsteil und (allenfalls) Haushaltteil zusammengesetzten Pensum
ausmacht. Ebenfalls dahingestellt bleiben kann, ob und gegebenenfalls ab wann in den
neueren medizinischen Dokumenten eine wesentliche Änderung des
Gesundheitszustands zum Ausdruck gelange, geht es doch jedenfalls nicht um eine
wesentliche Verbesserung der Arbeitsfähigkeit. Nach Ablauf der Wartezeit im Februar
2005 bestand demnach eine Invalidität, welche über 70 % liegt und Anspruch auf eine
ganze Rente begründet.
5.
5.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügungen vom 5. Juni 2007 und vom 19. Juni 2007 zu schützen und
der Beschwerdeführerin ist im Sinne der Erwägungen ab 1. Februar 2005 eine ganze
Rente zuzusprechen.
5.2 Angesichts des vollständigen Unterliegens der Beschwerdegegnerin rechtfertigt es
sich, ihr die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG), gesamthaft aufzuerlegen (vgl.
Art. 95 Abs. 1 VRP/SG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen.
Der Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.--
zurückzuerstatten.
bis
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5.3 Die Beschwerdeführerin hat bei vollem Obsiegen Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61
lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). Die Entschädigung ist auf Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG