Decision ID: 37a649c9-7655-5d35-84e2-39989d1d413f
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ erwarb den Führerausweis der Kategorie B am 16. Dezember 1986 in Österreich
(act. 8/9/6 f.). Am 23. Dezember 2015 lenkte er einen Personenwagen in
angetrunkenem Zustand mit einer minimalen Blutalkoholkonzentration (BAK) von 0,55
Gewichtspromille, weshalb er mit Verfügung des Strassenverkehrsamts St. Gallen vom
9. März 2016 verwarnt wurde (act. 8/9/2). Mit Verfügung vom 4. Oktober 2019 wurde er
erneut verwarnt, nachdem er am 29. August 2019 einen Personenwagen mit einer
Atemalkoholkonzentration von 0,37 mg/l – entsprechend einer BAK von 0,74
Gewichtspromille – gelenkt hatte (act. 8/9/4).
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B.
Am Donnerstag, 6. Februar 2020, um 1.10 Uhr fiel A._ auf der Autobahn A1 zwischen
Rheineck und St. Margrethen aufgrund seiner Fahrweise einer Patrouille der
Kantonspolizei St. Gallen auf. Bei der anschliessenden polizeilichen Kontrolle hatte er
einen schleppenden Gang und eine leicht verzögerte Reaktion. Zudem waren
Atemalkoholgeruch feststellbar, die Augenbindehäute leicht gerötet und die Augen
wässrig (act. 8/9/15 f.). Wegen Verdachts auf Fahren in fahrunfähigem Zustand (FIAZ)
wurden eine Urin- und Blutprobe angeordnet. Deren Auswertung im Institut für
Rechtsmedizin (IRM) am Kantonsspital St. Gallen ergab für den Ereigniszeitpunkt eine
BAK von mindestens 0,87 und höchstens 1,21 Gewichtspromille (act. 8/9/30). Mit
Schreiben vom 7. Februar 2020 bestätigte das Strassenverkehrsamt die polizeiliche
Abnahme des Führerausweises vom 6. Februar 2020 (act. 8/9/12). Am 10. März 2020
verfügte das Strassenverkehrsamt die vorsorgliche Aberkennung des ausländischen
Führerausweises und kündigte unter Gewährung des rechtlichen Gehörs die
Anordnung einer verkehrsmedizinischen und verkehrspsychologischen Untersuchung
an (act. 8/9/32 f.). Dazu nahm A._ mit Eingabe vom 19. April 2020 Stellung (act. 8/9/40
f.); die vorsorgliche Aberkennung des ausländischen Führerausweises focht er nicht an.
In der Folge ordnete das Strassenverkehrsamt mit Verfügung vom 23. April 2020 eine
verkehrsmedizinische und -psychologische Untersuchung beim IRM St. Gallen an
(act. 8/9/43 ff.). Einen dagegen erhobenen Rekurs wies die
Verwaltungsrekurskommission mit Entscheid vom 20. August 2020 ab (act. 2).
Mit Strafbefehl vom 12. März 2020 verurteilte das Untersuchungsamt X._ A._ im
Zusammenhang mit dem Ereignis vom 6. Februar 2020 wegen Führens eines
Personenwagens in nicht fahrfähigem Zustand (qualifizierte Alkoholkonzentration) zu
einer bedingten Geldstrafe von 35 Tagessätzen zu je CHF 100 sowie zu einer Busse
von CHF 850 (act. 8/9/74 ff.). Der Strafbefehl ist noch nicht rechtskräftig.
C.
A._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 26. August 2020 zugestellten (act. 3/2)
Entscheid der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) mit Eingabe seines
Rechtsvertreters vom 8. September 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit
dem Antrag, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid
der Vorinstanz vom 20. August 2020 aufzuheben, von einer verkehrsmedizinischen
bzw. verkehrspsychologischen Untersuchung abzusehen und die Fahrerlaubnis ab
sofort wieder zu erteilen (act. 1). Unter Verweis auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids beantragte die Vorinstanz am 25. September 2020 die Abweisung der
Beschwerde (act. 7). Das Strassenverkehrsamt (Beschwerdegegner) verzichtete am
12. Oktober 2020 auf eine Vernehmlassung (act. 10).
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Auf die Ausführungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid und des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 941.1, VRP). Der Beschwerdeführer
ist zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP).
Die Beschwerde gegen den am 26. August 2020 zugestellten Rekursentscheid wurde
mit Eingabe vom 8. September 2020 rechtzeitig erhoben und erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist deshalb – mit
nachfolgender Einschränkung – grundsätzlich einzutreten.
Verfahrensgegenstand bildet einzig der vorinstanzliche Entscheid vom 20. August
2020, mit welchem der Rekurs gegen die Verfügung des Beschwerdegegners vom
23. April 2020 (Anordnung einer verkehrsmedizinischen und verkehrspsychologischen
Untersuchung) abgewiesen wurde. Die am 10. März 2020 verfügte vorsorgliche
Aberkennung des ausländischen Führerausweises erwuchs hingegen unangefochten in
Rechtskraft und bildet damit nicht Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens.
Soweit der Beschwerdeführer die sofortige Wiedererteilung der Fahrerlaubnis
beantragt, ist daher darauf nicht einzutreten.
2.
Umstritten und im Folgenden zu prüfen ist in der Hauptsache, ob der
Beschwerdegegner aufgrund der drei Trunkenheitsfahrten des Beschwerdeführers zu
Recht an der Fahreignung zweifeln und deshalb eine verkehrsmedizinische und
verkehrspsychologische Untersuchung anordnen durfte.
Die Vorinstanz führt im angefochtenen Entscheid zusammenfassend aus, der
Beschwerdeführer habe in den vergangenen fünf Jahren dreimal einen Personenwagen
unter Alkoholeinfluss gelenkt, nämlich am 23. Dezember 2015 mit einer BAK von
mindestens 0,55 Gewichtspromille, am 29. August 2019 mit einer BAK von 0,74
Gewichtspromille und am 6. Februar 2020 mit einer BAK von 1,04 Gewichtspromille
(Mittelwert). Die drei Trunkenheitsfahrten hätten sich während einer wesentlich kürzeren
2.1.
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Dauer als zehn Jahre ereignet. Zwischen der zweiten und dritten Fahrt liege zudem
lediglich rund ein halbes Jahr. Ferner falle hinsichtlich der Alkoholisierungsgrade eine
Steigerung auf. Schliesslich hätten die ersten beiden Vorfälle den Beschwerdeführer
nicht davon abgehalten, sich erneut in alkoholisierten Zustand ans Lenkrad zu setzen.
Dieses Verhalten werfe ernsthaft die Frage auf, ob er in der Lage sei, Fahren und
Trinken zu trennen. Die Voraussetzungen für eine Abklärung der Fahreignung seien
folglich erfüllt.
Der Beschwerdeführer bringt dagegen im Wesentlichen vor, im Gegensatz zum im
angefochtenen Entscheid zitierten Urteil des Bundesgerichts 1C_508/2016 vom
18. April 2017 sei ihm der Führerausweis bisher noch nie entzogen worden, er sei
lediglich zweimal verwarnt worden. Indem bisher noch nie die erzieherische
Massnahme eines Warnungsentzugs verfügt worden sei, könne auch nicht gesagt
werden, ob diese Massnahme ohne Wirkung geblieben wäre. Unter diesen Umständen
erscheine die Anordnung einer verkehrsmedizinischen und verkehrspsychologischen
Untersuchung verfrüht. Weiter liege die letzte Trunkenheitsfahrt weit unter der Schwelle
des Sondertatbestands von Art. 15d Abs. 1 lit. a SVG, weshalb auch keine
Fahreignungsabklärung gestützt auf die Generalklausel in Absatz 1 angeordnet werden
könne. Schliesslich lägen zwischen der ersten und der zweiten Übertretung gut 3 1⁄2
Jahre; die Verwarnung vom 9. März 2016 habe jedoch nach zwei Jahren ihre Wirkung
verloren. Deshalb sei es am 4. Oktober 2019 ebenfalls nur zu einer Verwarnung
gekommen. Hieraus abzuleiten, dass es zu einer zeitlichen Verdichtung und einer
Steigerung im Alkoholisierungsgrad gekommen sei, gehe zu weit, entbehre einer
Gesetzesgrundlage und sei nicht verhältnismässig.
Die rechtlichen Ausführungen der Vorinstanz zum Führerausweisentzug wegen
fehlender Fahreignung gemäss Art. 16d des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01,
SVG) und zur Abklärung der Fahreignung gemäss Art. 15d SVG sind korrekt (vgl. E. 4a
und 4b des angefochtenen Entscheids), weshalb – anstelle von Wiederholungen –
darauf verwiesen werden kann. Demnach bestehen Zweifel bei Vorliegen der in der
nicht abschliessenden Aufzählung von Beispielen in Art. 15d Abs. 1 lit. a-e SVG
genannten Gegebenheiten (vgl. BGer 1C_384/2017 vom 7. März 2018 E. 2.2).
Namentlich ist gestützt auf Art. 15d Abs. 1 lit. a SVG, welcher seit 1. Juli 2014 in Kraft
ist, eine Person bei Fahren in angetrunkenem Zustand mit einer
Blutalkoholkonzentration von 1,6 Gewichtspromille oder mehr oder mit einer
Atemalkoholkonzentration von 0,8 mg Alkohol oder mehr pro Liter Atemluft einer
Fahreignungsuntersuchung zu unterziehen, und zwar zwingend (BGer 1C_569/2018
2.2.
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vom 19. März 2019 E. 3.1). Sofern kein Sondertatbestand nach Art. 15d Abs. 1 lit. a-e
SVG vorliegt, kann eine Fahreignungsuntersuchung auch gestützt auf die
Generalklausel in Abs. 1 angeordnet werden (Ph. Weissenberger, Kommentar
Strassenverkehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz, 2. Auflage 2015, N 24 zu Art. 15d
SVG).
Nach der bisherigen, vor Inkrafttreten von Art. 15d SVG ergangenen Rechtsprechung
des Bundesgerichts war bei einer Person, bei der die Blutalkoholkonzentration 2,5 und
mehr Promille betrug, eine medizinische Fahreignungsuntersuchung anzuordnen, auch
wenn sie während der letzten fünf Jahre vor der aktuellen Trunkenheitsfahrt keine
einschlägige Widerhandlung begangen hatte. Zum selben Ergebnis gelangte es bei
einem Lenker, der ein erstes Mal mit mindestens 1,74 Promille gefahren war und sich
rund ein Jahr später wiederum des Fahrens in angetrunkenem Zustand, mit einer
Blutalkoholkonzentration von mindestens 1,79 Promille, schuldig gemacht hatte (BGE
129 II 82 E. 4.2). Im Jahr 2010 hatte das Bundesgericht die Rechtmässigkeit eines
vorsorglichen Führerausweisentzugs zu entscheiden, welcher nach einer
Trunkenheitsfahrt im Jahr 2009 mit einer BAK zwischen 0,84 und 1,37 Promille verfügt
worden war. Dabei war dem Fahrzeuglenker der Führerausweis bereits zweimal wegen
Fahrens in angetrunkenem Zustand entzogen, nämlich am 18. Oktober 2000 für zwei
Monate und am 25. Oktober 2002 für 14 Monate. Beim Vorfall aus dem Jahr 2009
handelte es sich dabei um die dritte Trunkenheitsfahrt innert zehn Jahren mit
Blutalkoholwerten von jeweils über 0,8 Promille. Das Bundesgericht kam zum Schluss,
das erwecke offensichtlich den Verdacht, dass der Beschwerdeführer an einer seine
Fahreignung beeinträchtigenden Alkoholsucht leide oder jedenfalls für die Zukunft
keine Gewähr biete, sich nach dem Genuss einer die Fahreignung beeinträchtigenden
Menge Alkohols nicht mehr ans Steuer zu setzen (BGer 1C_108/2010 vom 20. Juli
2010 E. 2.2). Im Jahr 2014 bejahte das Bundesgericht die Anordnung einer
Fahreignungsuntersuchung, nachdem einem Fahrzeuglenker zwischen 1998 und 2009
der Führerausweis dreimal wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand entzogen
worden war (1998: 1,34 Promille, 2 Monate Führerausweisentzug; 2003: 1,19 Promille,
12 Monate Führerausweisentzug; 2009: 1,62 Promille, 12 Monate
Führerausweisentzug) und es im Jahr 2012 erneut zu einer Trunkenheitsfahrt mit einem
Mittelwert von 1,74 Promille gekommen war (BGer 1C_768/2013 vom 10. März 2014
E. 3.1, 3.2). Im von der Vorinstanz zitierten Urteil bestätigte das Bundesgericht sodann
seine Rechtsprechung, wonach eine Fahreignungsabklärung bei dreimaligem Fahren in
angetrunkenem Zustand innerhalb von zehn Jahren angezeigt sei. Dabei ging es um
eine Beschwerdeführerin, welche innerhalb von fünf Jahren und vier Monaten vier
2.3.
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Trunkenheitsfahrten (August 2008, Dezember 2009, August 2010 und Dezember 2013)
unternommen hatte. Im Anschluss an die beiden ersten Fälle wurde ihr der
Führerausweis jeweils für eine beschränkte Zeit entzogen. Nach der dritten
Trunkenheitsfahrt wurde er ihr auf unbestimmte Zeit entzogen. Im August 2012 hob das
Strassenverkehrsamt die Massnahme auf und ersetzte sie durch die Auflage einer
Alkoholabstinenz sowie einer verkehrsmedizinischen Kontrolluntersuchung. Im Mai
2013 hob sie schliesslich die Auflage der Alkoholfahrabstinenz auf. Rund ein halbes
Jahr später unternahm die Beschwerdeführerin die vierte Trunkenheitsfahrt, wobei der
Atemlufttest eine Alkoholkonzentration von 0,69 Promille ergab. Das Bundesgericht
kam zum Schluss, dass die Voraussetzungen für die Anordnung einer
Fahreignungsabklärung mit vier Trunkenheitsfahren innerhalb von etwas mehr als fünf
Jahren deutlich erfüllt seien, auch wenn der bei der letzten Trunkenheitsfahrt der
gemessene Konzentrationswert den zulässigen Grenzwert von 0,5 Promille zwar nur
geringfügig übersteige und auch die früheren Verfehlungen sich, mit immerhin einer
Ausnahme, im Rahmen hielten. Der neue Vorfall schliesse dabei ohne wesentliche
Zäsur an die früheren Verfehlungen an (BGer 1C_508/2016 vom 18. April 2017 E. 3.1,
3.2).
Soweit ersichtlich, musste das Bundesgericht seit Inkrafttreten des Art. 15d Abs. 1 lit. a
SVG die Frage noch nicht beantworten, wann bei Wiederholungstätern, die jeweils die
Grenze von 1,6 Gewichtspromille mehr oder weniger deutlich unterschritten haben,
eine Fahreignungsabklärung angeordnet werden darf oder gegebenenfalls gar muss.
Die herrschende Lehre vertritt jedoch auch nach neuem Recht die Auffassung, dass
eine Fahreignungsuntersuchung jedenfalls ab der dritten Trunkenheitsfahrt (0,5
Gewichtspromille oder mehr) innerhalb von 10 Jahren anzuordnen sei. Dabei sei jedoch
gestützt auf die bisherige Rechtsprechung eine Ausnahme anzunehmen, wenn seit der
letzten Trunkenheitsfahrt mehr als fünf Jahre verstrichen seien und bei der neuesten
Verfehlung die Schwelle zwischen einfacher und qualifizierter Angetrunkenheit nur
unwesentlich überschritten worden sei. Schliesslich sei die Anordnung einer
Fahreignungsabklärung möglich oder gar geboten, wenn ein Lenker innerhalb
verhältnismässig kurzer Zeit mehrfach in angetrunkenem Zustand gefahren sei. Dabei
werde man die kurzen zeitlichen Abstände zwischen den Trunkenheitsfahrten leicht
stärker gewichten müssen als die jeweiligen Angetrunkenheitsgrade. So werde man
beispielsweise eine Abklärung der Fahreignung in einem Fall für zulässig ansehen
müssen, in dem ein Lenker innerhalb eines Jahres zweimal angetrunken gefahren sei
und dabei Alkoholwerte von 1,5 und 0,9 Gewichtspromille aufgewiesen habe. Eine
Fahreignungsuntersuchung dürfe bzw. müsse angeordnet werden, wenn jemand in
2.4.
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relativ kurzen Abständen wiederholt unter Alkoholeinfluss fahre, selbst wenn der
Alkoholkonsum gering sei, oder wenn beim Lenker trotz erheblichen Alkoholkonsums
keine Anzeichen von Betrunkenheit auszumachen seien, was auf eine
Alkoholabhängigkeit hindeuten könne (Weissenberger, a.a.O., N 26 zu Art. 15d SVG;
J. Bickel, in: Niggli/Probst/Waldmann [Hrsg.], Basler Kommentar –
Strassenverkehrsgesetz, Basel 2014, N 19 zu Art. 15d SVG).
Beim Beschwerdeführer liegen in den letzten fünf Jahren drei Trunkenheitsfahrten vor:
Am 23. Dezember 2015 lenkte er einen Personenwagen in angetrunkenem Zustand mit
einer minimalen BAK von 0,55 Gewichtspromille, am 29. August 2019 mit einer
Atemalkoholkonzentration von 0,37 mg/l – entsprechend einer BAK von 0,74
Gewichtspromille – und am 6. Februar 2020 mit einer BAK von mindestens 0,87 und
höchstens 1,21 Gewichtspromille (Mittelwert 1,04 Gewichtspromille). Im
Zusammenhang mit den ersten beiden FIAZ-Ereignissen wurde er jeweils verwarnt.
Dem Beschwerdeführer ist insofern zuzustimmen, als in den zitierten
Bundesgerichtsentscheiden den Fahrzeuglenkern der Führerausweis jeweils entzogen
war. Dies ändert aber nichts daran, dass er in den vergangenen fünf Jahren mindestens
dreimal ein Fahrzeug in angetrunkenem Zustand gelenkt hatte. Damit hat er mehr als
einmal bewiesen, dass er Trinken und Fahren nicht trennen kann. Zu berücksichtigen
ist dabei auch, dass die Wahrscheinlichkeit, von der Polizei kontrolliert zu werden, sehr
gering ist (vgl. Weissenberger, a.a.O., N 26 zu Art. 15d SVG). Des Weiteren gehen von
einem Promillewert von 0,5 an aufwärts für die Masse der gesetzestreuen
Verkehrsteilnehmer durch einen alkoholisierten Kraftfahrer Gefahren aus, die nicht mehr
toleriert werden können. Denn das Unfallrisiko ist bereits zwischen 0,5 und 1,0 Promille
doppelt so hoch wie unter 0,5 Promille (vgl. E. Stephan, Trunkenheitsdelikte im
Verkehr: Welche Massnahmen sind erforderlich?, in: AJP 1994 S. 445 ff., insbesondere
S. 449). Fahren in angetrunkenem Zustand beeinträchtigt die öffentliche Sicherheit
erheblich und ist bis heute eine der Hauptursachen für tödliche Verkehrsunfälle. Diese
Beobachtung hat den Gesetzgeber veranlasst, die Gesetzgebung in diesem Bereich zu
verschärfen, insbesondere indem die von der Polizei durchgeführten Blutalkoholtests
systematischer und zahlreicher gestaltet und die tolerierte Blutalkoholgrenze auf 0,5
Gewichtspromille gesenkt wurden (vgl. C. Mizel, Via sicura: quoi de neuf en droit
administratif?, in: Strassenverkehr 2/2013, S. 6 ff., insbesondere S. 7). Unter den
genannten Umständen kann es daher keine Rolle spielen, ob der Beschwerdeführer in
der Vergangenheit lediglich verwarnt oder ihm der Führerausweis entzogen worden
war. Entscheidend ist, dass er bereits mehrfach in angetrunkenem Zustand ein
Fahrzeug gelenkt hat. Offensichtlich reichten die Verwarnungen nicht aus, ihn vom
2.5.
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3.
(...).