Decision ID: 9d48480d-3197-4aa0-b9cf-2a7cead47844
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1971, absolvierte nach der obligatorischen Schul
ausbildung eine Lehre als Elektromonteur, die er 1991 abschloss (vgl. Urk. 12/2). Ab Januar 1994 bestand aufgrund einer psychischen Erkrankung eine Arbeitsun
fähigkeit. Die Ärzte der Y._, die den Versicherten ab Mai 1995 behandelten, diagnostizierten nebst einer Polytoxikomanie eine schizotype Störung (Urk. 12/6). Nach erfolgter Anmeldung bei der Invalidenversicherung (Urk. 12/2) kam die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, gestützt auf ihre Abklärungen (vgl. Urk. 12/9) zum Schluss, der Versicherte habe bei einem Invaliditätsgrad von 100 % ab dem 1. Januar 1995 Anspruch auf eine ganze Rente, und ersuchte am 27. Oktober 1995 die zuständige Ausgleichskasse um die Berechnung der Rente (Urk. 12/8). Die Rentenverfügung erging am 12. Januar 1996 (Urk. 12/11). Mit Verfügung vom 5. Dezember 1997 bestätigte sie revisionsweise den Anspruch auf eine ganze Rente (Urk. 12/24) und ebenso mit Mitteilung vom 23. Januar 2001 (Urk. 12/51).
Zwischenzeitlich war eine berufliche Massnahme in Form einer Ausbildung zum PC-Supporter bewilligt, aber in der Folge mangels Durchführbarkeit abgebrochen worden (Urk. 12/40, Urk. 12/45). Im Oktober 2001 erfolgte eine weitere Kosten
gutsprache für eine berufliche Massnahme im Sinne einer Umschulung zum PC/LAN-Supporter (Urk. 12/58). Die Massnahme wurde jedoch im Juni 2002 auf
gehoben (Urk. 12/74). Im Zuge einer Überprüfung des Rentenanspruchs ermittelte die IV-Stelle neu einen Invaliditätsgrad von 58 % und beschloss am 19. Juli 2002 mit Wirkung ab dem 1. Mai 2002 die Herabsetzung der bisherigen ganzen Rente auf eine halbe (Urk. 12/77). Die Verfügung erging am 16. August 2002 und blieb unangefochten (Urk. 12/85).
Die Abklärungen aufgrund eines kurz darauf gestellten Rentenerhöhungsgesuchs (vgl. Urk. 12/86 ff.) ergaben neu einen Invaliditätsgrad von 65 %, was mit Ver
fügung vom 7. Januar 2003 zur Bestätigung des Anspruchs auf eine halbe Rente führte (Urk. 12/94). Die Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenver
sicherung (IVG) vom 21. März 2003 (4. IV-Revision; in Kraft seit dem 1. Januar 2004) veranlasste die IV-Stelle in der Folge bei unverändertem Invaliditätsgrad zur Zusprechung einer Dreiviertelsrente anstelle der bisherigen halben Rente mit Verfügung vom 22. Oktober 2004 (Urk. 12/118). Zwei weitere Rentenerhöhungs
gesuche wies die IV-Stelle mit Verfügungen vom 17. Juni 2005 und 21. Mai 2010 ab (Urk. 12/135, Urk. 12/158).
Am 12. Oktober 2010 stellte der Versicherte Antrag auf die Zusprechung einer Hilflosenentschädigung (Urk. 12/160). Gemäss den in der Folge durchgeführten Abklärungen bestand ein regelmässiger und erheblicher Bedarf nach lebensprak
tischer Begleitung (Urk. 12/169), weswegen die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 1. Oktober 2011 eine Hilflosenentschädigung für eine Hilflosig
keit leichten Grades zusprach (Urk. 12/177).
Mit Verfügung vom 1
0.
Oktober 2013 hob s
ie diese wieder auf (Urk. 12/248
).
Zuvor hatte die IV-Stelle mit Verfügung vom 23. Dezember 2011 ein vom Ver
sicherten am 11. Oktober 2011 gestelltes Rentenerhöhungsgesuch abgewiesen (Urk. 12/181, Urk. 12/189). Nachdem der Versicherte gegen diesen Entscheid Beschwerde erhoben hatte, hob das Sozialversicherungsgericht die angefochtene Verfügung mit Urteil IV.2012.00079 vom 11. Juni 2012 auf und wies die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an die IV-Stelle zurück (Urk. 12/196). Diese holte anschliessend namentlich das Gutachten von med. pract. Z._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 6. Januar 2015 ein (Urk. 12/263). Mit Vorbescheid vom 30. März 2015 stellte die IV-Stelle dem Ver
sicherten die Herabsetzung der Dreiviertelsrente auf eine halbe Rente in Aussicht (Urk. 12/267). Dagegen erhob der Versicherte Einwände (Urk. 12/273 und Urk. 12/278). In der Folge setzte die IV-Stelle den Erlass der Verfügung aus und gewährte zwecks Eingliederung in den Arbeitsmarkt mit Entscheid vom 22. Dezember 2015 erneut Eingliederungsmassnahmen in Form von Beratung und Begleitung (Urk. 12/310). Der Vollzug der Massnahmen oblag zuständig
keitshalber der IV-Stelle des Kantons Graubünden, da der Versicherte damals in Chur wohnhaft war (vgl. Urk. 12/311). Per 24. März 2016 hob die IV-Stelle die weitere Durchführung der Massnahme auf (Urk. 12/312). Am 4. Oktober 2016 erliess die IV-Stelle erneut einen Vorbescheid, mit dem sie die Abweisung des Gesuchs um Erhöhung der Rente bei unverändertem Anspruch auf eine Dreivier
telsrente in Aussicht stellte (Urk. 12/319). Trotz der dagegen erhobenen Einwände (Urk. 12/320, Urk. 12/324) entschied die IV-Stelle mit Verfügung vom 28. Dezember 2016 in der angekündigten Weise (Urk. 2 = Urk. 12/329).
2.
Gegen die Verfügung vom 28. Dezember 2016 erhob der Versicherte am 30. Januar 2017 Beschwerde mit dem Antrag, die Verfügung sei teilweise aufzu
heben und es sei ihm anstelle der Dreiviertelsrente eine ganze Rente zuzusprechen (Urk. 1). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 10. April 2017 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 11). Am 18. Mai 2017 bewilligte das Gericht dem Versicherten die unentgeltliche Prozessführung und bestellte ihm eine unentgeltliche Rechtsvertretung (Urk. 13).
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gerichtzieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen
(
BGE
144 I 28 E.
2.2,
130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen
). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
achtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend ("allseitig") zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.2
Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche Änderung des Invali
ditätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver
gleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkun
gen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108; vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_297/2016 vom
7.
April 2017 E. 2.2, nicht publiziert in: BGE 143 V 77, aber in SVR 2017 IV Nr. 51 S. 152). Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (
Art.
49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Renten
revision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit. f
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
auf dem Weg der blossen Mitteilung (
Art.
51 ATSG), ist im darauf folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 2
9.
März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2,
141 V 281 E. 2.1
, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
2.
Vergleichszeitpunkt zur Beurteilung der Frage einer Veränderung des leistungs
relevanten Sachverhalts
ist die in Rechtskraft erwachsene Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 2
1.
Mai 2010,
mit der diese
das Rentenerhöhungsge
such des Beschwerdeführers abwies und implizit den Anspruch auf eine Dreivier
telsrente bestätigte (
Urk.
17/158).
Davon gehen richtigerweise auch die Parteien aus (Urk. 1 S. 6, Urk. 2 S. 2).
Dem Erlass der
betreffenden
Verfügung ging eine Prüfung der für den Anspruch wesentlichen Grundlagen voraus, wobei die Beschwerdegegnerin einen
Invaliditätsgrad von 65
% ermittelte (
Urk.
12/140 ff.).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung fest, die durchge
führten medizinischen Abklärungen hätten gezeigt, dass sich der gesundheitliche Zustand seit dem Frühjahr 2010 nicht verändert habe, sondern stationär geblie
ben sei. Berufliche Massnahmen im Lauf des Abklärungsverfahrens seien gesund
heitsbedingt gescheitert. Es sei nach wie vor davon auszugehen, dass in jeder in Betracht fallenden Erwerbstätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % bestehe (Urk. 1 S. 2).
3.2
Die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers führte aus, 2010 sei von einer ver
wertbaren Restarbeitsfähigkeit von 40 % ausgegangen und ein Invaliditätsgrad von 65 % ermittelt worden. Die seinerzeit behandelnde Psychiaterin, Dr. med. A._, Spezialärztin FMH für Psychiatrie und Psychothera
pie, habe eine erhebliche Zunahme der Symptome der Persönlichkeitsstörung festgestellt, namentlich Konzentrationsstörungen, rasche Ablenkbarkeit, bizarr anmutende Ideen im Kontext von esoterischen Vorstellungen, auf diese Vorstel
lungen eingeengtes Denken und eine erhöhte Reizbarkeit. Gemäss der Beurteilung der Ärztin hätten die Befunde eine vollständige Arbeitsunfähigkeit zur Folge gehabt. Im Urteil IV.2012.00079 vom 11. Juni 2012 habe das Sozialversiche
rungsgericht die Beurteilung von Dr. A._ als nachvollziehbar einge
stuft. Da Dr. A._ die Dauerhaftigkeit der Verschlechterung offenge
lassen habe, habe das Gericht eine Neubeurteilung als erforderlich erachtet. Die weiteren ärztlichen Berichte, namentlich die Berichte von Dr. med. B._, Facharzt FMH für
Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
(vgl. Urk. 12/300, Urk. 12/315), und der Bericht der C._ (vgl. Urk. 12/307-308), zeigten, dass die Verschlechterung angehalten habe. Gemäss den erwähnten Berichten sei der Beschwerdeführer nicht in ein Team integrierbar. Die Eigenheit im Denken und Handeln berge grosses Konfliktpoten
tial. Arbeite der Beschwerdeführer hingegen allein, komme er mit der Einsamkeit nicht zu Recht. Am ehesten in Frage komme ein gemischtes Angebot. Auf dem freien Arbeitsmarkt sei dies aber kaum realisierbar. Die gescheiterten Eingliede
rungsmassnahmen hätten dies deutlich gemacht. Es liege bezogen auf den freien Arbeitsmarkt keine verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr vor (Urk. 1 S. 6 ff.).
4.
4.1
In der Verfügung vom
2
1.
Mai
2010 hatte die Beschwerdegegnerin festgehalten, die Abklärungen hätten ergeben, dass sich der Gesundheitszustand seit dem letz
ten Entscheid vom Juni 2005 nicht wesentlich verändert habe. Aus ärztlicher Sicht sei der Beschwerdeführer weiterhin für jegliche Tätigkeit zu 60 % arbeits
unfähig. Es bestehe nach wie vor ein Invaliditätsgrad von 65 % (Urk. 12/158/2).
4.2
Der behandelnde Arzt Dr. D._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, hatte im Bericht vom 18. Januar 2010 als Hauptdiagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schizoide Persönlichkeitsstörung mit dissoziativen Zügen (ICD-10 F61.0) gestellt. Als nicht beeinträchtigend hatte er die weiteren Diagnosen einer somatoformen Schmerzstörung und eines Canna
bis-Abhängigkeitssyndroms beurteilt (Urk. 12/145/2). Zum Befund hatte Dr. D._ festgehalten, die Persönlichkeit des Beschwerdeführers zeichne sich durch bizarre Überlegungen und Phantasien an der Grenze zum Wahn aus. Beeinträchtigt seien in erster Linie die Anpassungsfähigkeit und die Belastbarkeit. In Frage komme eine Tätigkeit an einem ruhigen Arbeitsplatz. Die Tätigkeit dürfe nur wenig Kontakt zu anderen Personen beinhalten. Es brauche eine langsame Steigerung und es müsse sich um eine einfache Tätigkeit handeln. Theoretisch denkbar sei eine Arbeitstätigkeit im Umfang von 60 %. Nötig wäre vorerst aber eine stationäre Behandlung und eine Arbeitstherapie (Urk. 12/145/2-6).
4.3
Der Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD), Dr. med. E._, Fach
arzt für Allgemeinmedizin, hatte sodann am 8. März 2010 zu Handen der Beschwerdegegnerin festgehalten, gemäss dem Bericht von Dr. D._ leide der Beschwerdeführer an einer längst chronifizierten schizoiden Persönlichkeits
störung. Eine relevante Verbesserung des Gesundheitsschadens seit der letzten Beurteilung im Jahr 2005 sei nicht ausgewiesen, ebenso wenig eine Verschlech
terung. Es sei weiterhin von einer Arbeitsunfähigkeit von 60 % in jeglicher Tätigkeit auszugehen. Die vom Psychiater attestierte Arbeitsfähigkeit von 60 % liesse sich höchstens in geschütztem Rahmen realisieren (Urk. 12/154/2).
5.
5.1
Zum Rentenerhöhungsgesuch führte Dr. A._ am 11. Oktober 2011 aus, sie habe den Beschwerdeführer bereits in den Jahren 1999 bis 2005 behan
delt. Im März 2011 habe er sich wieder bei ihr gemeldet. Zum Befund hielt sie fest, der Beschwerdeführer sei bewusstseinsklar, allseits orientiert und die Auf
merksamkeit sei intakt. Beeinträchtigt sei die Konzentrationsfähigkeit. Aufgefal
len sei eine Ablenkbarkeit, besonders aufgrund von bizarr anmutenden Ideen im Kontext von esoterischen Vorstellungen, und eine Beeinträchtigung des formalen Denkens. Die Stimmung sei misstrauisch, die Affektivität überwiegend gereizt und angriffig, an der Grenze zur Querulanz. Es bestehe eine psychosoziale Belas
tung. Er lebe mit seiner ehemaligen Partnerin und deren Kindern in beengten Verhältnissen. Er selber habe keine Wohnung gefunden. Es komme in dieser Situation zu ausgeprägten Spannungszuständen. Die Kontrolle darüber koste den Beschwerdeführer, der in der Vorgeschichte Gewalt aufweise, viel Kraft. Diagnos
tisch sei von einer schweren Persönlichkeitsstörung respektive schizotypen Stö
rung auszugehen. Die bei früheren Beurteilungen erwähnten dissozialen Züge stünden im Hintergrund. Seit März 2011 sei von einer vollständigen Arbeitsun
fähigkeit auszugehen und diese werde voraussichtlich bis Ende März 2012 andauern (Urk. 12/181/1 f.).
5.2
Lic. phil. F._, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, und Dr. med. G._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, in deren ambulanter Behandlung sich der Beschwerdeführer ab März 2013 befand, nann
ten im Bericht vom 28. Mai 2013 als Diagnosen eine schizotype Störung, eine leichte bis mittelschwere depressive Episode und eine Störung durch Cannabi
noide mit Abhängigkeitssyndrom und gegenwärtigem Substanzgebrauch. Sodann führten sie aus, der Beschwerdeführer sei im Februar 2013 von seiner Ex-Freun
din wegen häuslicher Gewalt angezeigt worden. Er sei in dieser Sache hernach auch verurteilt worden. Mit dem Ende der Beziehung habe sich der Beschwerde
führer auch aus anderen Beziehungen zurückgezogen. Es bestünden weiterhin überwertige Ideen mit esoterischem Inhalt, die den Umgang und das Gespräch mit ihm sehr erschwerten. Der Beschwerdeführer habe grosse Schwierigkeiten im Umgang mit seinen aufkommenden Gefühlen, er sei dissozial und einem Arbeit
geber derzeit nicht zumutbar. Die Prognose sei ungünstig. Es müsse mit einer längeren Krankheitsphase gerechnet werden (Urk. 12/229/1 f.).
Am 19. November 2013 hielten die Therapeuten ergänzend fest, eine Abstinenz von Cannabis sei derzeit nicht möglich. Eine solche vermöchte im Übrigen an der Arbeitsfähigkeit nichts zu ändern. Der Grund für die Unmöglichkeit einer Arbeits
tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt sei die psychische Erkrankung und nicht der Konsum von Cannabis (Urk. 12/254/1).
5.3
Im Gutachten vom 6. Januar 2015 nannte med. pract. Z._ als Diagnosen eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit schizoiden und emotional instabilen res
pektive impulsiven Zügen (DD: Restzustand einer substanzinduzierten psycho
tischen Verhaltensstörung respektive einer schizotypen Störung), eine Somatisie
rungsstörung und eine gegenwärtig abstinente Cannabisabhängigkeit. Nach einer im Jahre 2013 gescheiterten Beziehung habe der Beschwerdeführer nach zunächst zunehmendem Konsum von Cannabis diesen sistiert und sich um eine regelmäs
sige Tätigkeit bemüht. Anfang 2014 habe er ein Volontariat in einem Tierheim antreten können. Bis heute sei es ihm gelungen, das Arbeitspensum auf 60 % zu steigern. Zudem sei ihm in Aussicht gestellt worden, eine Ausbildung zur Leitung eines Tierheims zu absolvieren. Im Vordergrund stehe aktuell eine Restsympto
matik, die nicht eindeutig zugeordnet werden könne. Einerseits sei noch immer eine vermehrte Impulsivität festzustellen, die der Beschwerdeführer aber im Ver
gleich zur Vergangenheit besser kontrollieren könne. Hierbei müsse beachtet werde, dass der Beschwerdeführer derzeit in einem kaum belastenden Umfeld lebe. Seine Wohnumgebung sei betreut und sein Volontariat finde in einem nicht autoritären Umfeld statt. Weiterhin lägen formale Denkstörungen vor und ebenso überwertig anmutende Gedankeninhalte. Im Vergleich zu den in den Vorakten dokumentierten psychopathologischen Befunden sei die gegenwärtige Sympto
matik aber deutlich regredient. Es liege nahe, dass die Cannabisabstinenz damit im Zusammenhang stehe. Positiv zu werten sei auch das Bestreben, die Impulsi
vität besser kontrollieren zu können. Das Misstrauen gegenüber der Gesellschaft habe ab- und die Motivation zugenommen, sich in den Arbeitsprozess einzuglie
dern. Von einem bereits stabilisierten Gesundheitszustand könne jedoch nicht gesprochen werden. Eine Fragilität bestehe weiterhin. Zudem bestehe aufgrund der erhöhten Impulsivität eine herabgesetzte Teamfähigkeit. Namentlich die Anpassung an steile hierarchische Strukturen sei für den Beschwerdeführer prob
lematisch. In einer Tätigkeit mit hohen Anforderungen an die Anpassungs- und Teamfähigkeit und mit hohem emotionalem oder zeitlichem Druck bestehe eine Verminderung der Arbeitsfähigkeit im Umfang von 80 %. In einer Tätigkeit in einem wohlwollenden Umfeld ohne zeitlichen oder emotionalen Druck und mit einer flachen hierarchischen Struktur könne von einer Arbeitsfähigkeit von 60 % ausgegangen werden. Die Beurteilung des Verlaufs seit März 2010 sei schwierig, denn die Beschreibung der pathologischen Befunde in den Vorberichten sei dürf
tig. Unsicher sei sodann, wie die Auswirkungen des zum Teil massiven Konsums von Cannabis auf die Arbeitsfähigkeit zu beurteilen sei. Angesichts der Besserung seit der Sistierung des Cannabiskonsums stelle sich die Frage, ob die psycho
tischen Symptome (inhaltliche und formale Denkstörungen sowie erhöhte Impul
sivität) Folge einer substanzinduzierten psychotischen Störung sei. Aktuell jeden
falls präsentiere sich der Beschwerdeführer in einem deutlich gebesserten Zustandsbild. Zusammenfassend lasse sich folgern, dass es seit mindestens März 2011 (Wideraufnahme der Behandlung bei Dr. A._) zu einer Zustandsverschlechterung gekommen sei. Zwischenzeitlich sei es sodann wieder zu einer Besserung gekommen und mindestens seit der Untersuchung im Oktober 2014 gelte die attestierte Arbeitsfähigkeit. Gegebenenfalls bestehe diese auch bereits seit September 2013, da der Beschwerdeführer gemäss seiner Schilderung seit dann in geringem Umfang wieder einer Tätigkeit nachgegangen sei. Bei fort
bestehender Abstinenz könne auch weiterhin mit einer Arbeitsfähigkeit gerechnet werden (Urk. 12/263/13 ff.).
5.4
Nach Erlass des Vorbescheides vom 30. März 2015, mit dem die Beschwerdegeg
nerin eine Herabsetzung der Rente in Aussicht gestellt hatte (Urk. 12/267), äus
serten sich l
ic. phil.
F._ und Dr. G._ in der Stellungahme vom 7. Juni 2015. Sie führten aus, seit November 2013 befinde sich der Beschwerdeführer in ihrer Behandlung. Die letzte Konsultation habe am 7. Mai 2015 stattgefunden. Die vom Gutachter genannte Diagnose könne bestätigt werden. Anders als der Experte aber müsse auf längere Sicht von einer Arbeitsunfähigkeit von 80 % auf dem freien Arbeitsmarkt ausgegangen werden. Der Zustand des Beschwerdefüh
rers sei stark verwahrlost und er sei emotional sowie kognitiv stark ungeordnet. Gemäss dessen Angaben wohne er inzwischen in einem Wohnwagen. Er sei gegen
wärtig keinem Arbeitgeber zumutbar. Der psychische Zustand des Beschwerde
führers sei im Verlauf sehr schwankend. Es gäbe Phasen, in denen er stabiler wirke, und dann solche, in denen er dekompensiere. Vor kurzem sei eine Beziehung in die Brüche gegangen und der Beschwerdeführer befinde sich nun
mehr in einem sehr schlechten psychischen Zustand und sei emotional instabil. Einer Arbeit könne er nur nachgehen, wenn er psychisch stabil sei. Gegenwärtig befinde sich der Beschwerdeführer wieder in einer Entzugsbehandlung von Cannabis und in einem nachfolgenden Therapieprogramm (Urk. 12/277/1-2).
5.5
Im Bericht der C._ vom 13. Juli 2015 wurden als Diagnosen eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung und eine
Alko
holabhängigkeit, gegenwärtig abstinent, genannt. Wegen einer schweren Alko
holproblematik habe der Beschwerdeführer seit dem Jahr 2000 insgesamt 18 stationäre Behandlungen durchlaufen, 13 davon in den letzten 5 Jahren. Die letzte Behandlung habe von Januar bis März 2015 stattgefunden. 2012 sei die Trennung von einer langjährigen Beziehungspartnerin erfolgt. In der Folge habe sich der Beschwerdeführer zunehmend zurückgezogen und sei verwahrlost. Es sei zu mehreren schweren Rückfällen gekommen. Im Jahr 2013 sei deswegen gar eine Beistandschaft errichtet worden. Ab März 2015 sei eine Stabilisierung eingetreten und der Beschwerdeführer sei wieder in der Lage gewesen, alleine zu wohnen. Im Rahmen einer ambulanten Massnahme im Sinne des Erwachsen
schutzrechts finde eine regelmässige ambulante psychiatrische Behandlung statt. Seit 2013 benötige er teilweise Hilfe bei der Körperpflege, bei der Pflege gesell
schaftlicher Kontakte und bei der Alltagsstrukturierung. Bis Ende Mai 2015 sei er auf ein betreutes Wohnumfeld angewiesen gewesen. Eine erwerbliche Tätigkeit sei in einem geringen Umfang von 1,5 h pro Tag möglich (Urk. 12/289/1 f.).
Dem Verlaufsbericht der C._ vom 15. September respektive 7. Dezember 2015 ist zu entnehmen, vom 23. August bis zum 30. Sep
tember 2015 sei der Beschwerdeführer erneut stationär behandelt worden. Er habe sich aufgrund von Vereinsamungsgefühlen und starken Schlafstörungen nach durchgeführtem Cannabisentzug im Juli 2015 und nach der Trennung von der Partnerin selbst zugewiesen. Die Behandlung sei insgesamt schwierig verlaufen. Eine Krankheitseinsicht sei nicht vorhanden gewesen und der Beschwerdeführer sei für die angebotenen Therapien wenig zugänglich gewesen. Eine psychophar
makologische Behandlung habe er abgelehnt. Offen sei er für eine psychothera
peutische Intervention gewesen. Die vorbekannte schizotype Störung habe sich unter Beobachtung des Verhaltens auf der Station bestätigt. Sämtliche Drogen
screens auf Cannabis seien negativ gewesen. Es bestünden vor allem Schwierig
keiten im Umgang und der Regulation der eigenen Gefühle, ein dissoziales Ver
halten und bizarre Gedankeninhalte. Sozial lebe der Beschwerdeführer mehrheit
lich zurückgezogen. Er verfüge über kein regelmässig frequentiertes soziales Umfeld. Im Anschluss an die Hospitalisation habe er sich einen Hund zugelegt. Er sei lieber mit dem Tier zusammen als mit Menschen. Durch seine Eigenheit im Denken und Handeln berge der Beschwerdeführer viel Konfliktpotential im zwischenmenschlichen Bereich. Dies sei einem Arbeitgeber nicht zumutbar (Urk. 12/308/1 f.).
5.6
Dr. B._ nannte in seinem Bericht vom 16. Oktober 2015 als Diagnosen eine Anpassungsstörung nach Cannabisentzug, bestehend seit 2015, und eine Persön
lichkeitsstörung, nicht näher bezeichnet, bestehend seit dem Jugendalter. Im Mai 2015 habe sich der Beschwerdeführer im Kanton Graubünden einem stationären Entzug von Cannabis unterzogen. Ein weiterer stationärer Klinikaufenthalt habe der psychischen Stabilisierung gedient, denn nach dem Entzug nach jahrzehnte
langer Abhängigkeit seien etliche Störungen aufgetreten. Im Kontakt sei der Beschwerdeführer zwar zugewandt, aber sehr auffällig gewesen, dies aufgrund seiner schweren Persönlichkeitsstörung und dem Cannabiskonsum während zwei Jahrzehnten. Der Beschwerdeführer sei logorrhöisch und berichte ständig von seinen Erlebnissen und Erkenntnissen. Er sei belesen und habe in vielerlei Bereichen ein erhebliches Wissen und ein grosses Sendungsbewusstsein. Daneben habe er grosse Verlassenheitsängste und Mühe mit dem Alleinsein. Die Gedanken seien sehr sprudelnd, teilweise sehr abschweifend und er habe Mühe, den Fokus zu halten. Therapeutischen Anweisungen könne er nur sehr bedingt folgen. Er äussere Ideen, bei denen unklar sei, ob er diese der Erhaltung seines Weltbildes dienten oder ob sie wahnhafter Natur seien. Ich-Störungen seien jedoch nicht feststellbar. Seit rund Ende Mai 2015 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Tierpfleger und Allrounder (Urk. 12/300/1 f.).
Im Bericht vom 29. April 2016 ergänzte Dr. B._, der Befund sei weitgehend unverändert. Es seien Integrationsmassnahmen eingeleitet, jedoch wegen zwischen
menschlichen Schwierigkeiten wieder abgebrochen worden. Der Beschwerde
führer sei für andere Menschen sehr anstrengend und überfordernd. Kürzlich habe zudem die Diagnose eines ADHD gestellt werden können. Aktuell laufe ein Versuch mit Ritalin. Die Zusammenarbeit mit dem Beschwerdeführer sei sehr schwierig. Er sei in einem Team nicht integrationsfähig. Selbst wenn er motiviert sei, passiere immer irgendetwas. Insofern sei er zu 80 % arbeitsunfähig. Vorzuziehen sei es, wenn er alleine arbeite. Indessen müsse bezweifelt werden, ob er dann mit der Einsamkeit klarkomme. Am ehesten in Frage komme wohl ein gemischtes Angebot. Hierfür bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Die Arbeit im öffentlichen Rahmen sei jedoch nicht möglich (Urk. 12/315/1 f.).
6.
6.1
Im Urteil IV.2012.00079 vom 11. Juni 2012 (Urk. 12/196/7 f.) hatte das Sozial
versicherungsgericht erkannt, die von Dr. A._ geschilderte Ver
schlechterung des gesundheitlichen Zustandes im Sinne von verstärkten Symp
tomen der bestehenden Persönlichkeitsstörung (Konzentrationsstörungen, rasche Ablenkbarkeit, bizarr anmutende Ideen im Kontext von esoterischen Vorstellun
gen, auf die Vorstellungen eingeengtes Denken und eine erhöhte Reizbarkeit) und die attestierte volle Arbeitsunfähigkeit seien nachvollziehbar. Offen sei aber die Dauer der Verschlechterung, da Dr. A._ von einer zeitlich limitierten Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit ausgegangen sei. Als Indiz für eine anhaltende Ver
schlechterung sei zwar die Zusprechung der Hilflosenentschädigung zu werten. Ausreichende und insbesondere durch eine hinreichende ärztliche Beurteilung abgestützte Erkenntnisse lägen indessen nicht vor. Ein abschliessender Entscheid sei nicht möglich, sondern es seien weitere Abklärungen nötig (E. 6.2 f.).
6.2
Zugesprochen worden war die Hilflosenentschädigung mit Verfügung vom 1. Oktober 2011 (Urk. 12/177) aufgrund des Bedarfs nach lebenspraktischer Begleitung. Dieser war anhand einer Abklärung im Wohnumfeld des Beschwer
deführers ermittelt worden (Urk. 12/169). Eine ärztliche Validierung des Abklä
rungsergebnisses erfolgte nicht. Im Oktober 2013 hob die Beschwerdegegnerin die Hilflosenentschädigung wieder auf, insbesondere aufgrund eines Umzugs des Beschwerdeführers in eine betreute Wohnform (Urk. 12/248). Zudem war die Beschwerdegegnerin im Zuge ihrer Abklärungen vom April 2013 zum Schluss gelangt, es bestehe auch kein Bedarf mehr nach lebenspraktischer Begleitung, weil der Beschwerdeführer in der Lage sei, seine Tagesstruktur selber einzurich
ten, die zwischenmenschlichen Kontakte selber zu gestalten und keine Begleitung für ausserhäusliche Kontakte benötige (Urk. 12/233/4 f.). Eine Validierung dieser Erkenntnisse mittels einer ärztlichen Stellungnahme erfolget auch hier nicht.
Trotz der unangefochten gebliebenen Aufhebung der Hilflosenentschädigung aufgrund nicht mehr erforderlicher lebenspraktischer Begleitung deuten die Dar
legungen von lic. phil. F._ und Dr. G._ vom Mai und November 2013 nicht drauf hin, dass zu diesem Zeitpunkt wieder eine verwertbare Arbeitsfähig
keit vorlag. Die Behandler erwähnten weiterhin vorhandene überwertige Ideen mit esoterischem Inhalt, die den Umgang und das Gespräch mit dem Beschwer
deführer sehr erschwerten. Ferner hielten sie fest, der Beschwerdeführer habe grosse Schwierigkeiten im Umgang mit seinen Gefühlen, er sei dissozial und einem Arbeitgeber nicht zumutbar. Die Prognose sei ungünstig und es müsse mit einer längeren Krankheitsphase gerechnet werden. Die erwerbliche Beeinträchti
gung sei in erster Linie Folge der Persönlichkeitsstörung und nicht Folge des Cannabiskonsums (Urk. 12/229/1 f., Urk. 12/254/1).
Auch der Gutachter med. pract. Z._ kam zum Schluss, die von Dr. A._ attestierte Verschlechterung sei bis mindestens März 2012 nachvollziehbar. Hernach habe sich der gesundheitliche Zustand jedoch soweit gebessert, dass jedenfalls ab dem Zeitpunkt der Untersuchung, das heisst ab Oktober 2014,
eine angepasste Tätigkeit im Umfang von 60 % möglich gewesen sei (Urk. 12/263/16 f.).
Gestützt auf die Darlegungen von Dr. A._ einerseits und diejenigen von med. pract. Z._ andererseits ist somit ab März 2011 von einer Zustands
verschlechterung mit der Folge einer vollen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätig
keit auszugehen. Die vom Gutachter attestierte Besserung ist ab dem Zeitpunkt der Begutachtung, das heisst ab Oktober 2014 ausgewiesen.
6.3
Die Beurteilung des Gutachters med. pract. Z._ beruht insbesondere auf dem Umstand einer erfolgreichen etablierten Cannabisabstinenz und dem in der Folge begonnenen Volontariat in einem Tierheim (Urk. 12/263/15). Tatsächlich gelang es dem Beschwerdeführer indessen nicht, die Abstinenz beizubehalten. Bereits ab dem 26. Mai bis zum 24. Juni 2015 musste er sich einer weiteren stationären Entzugsbehandlung unterziehen und hernach war ab dem 22. August bis zum 24. September 2015 aufgrund einer psychischen Dekompensation (sekundäre Störungen nach der Entzugsbehandlung) eine weitere stationäre Behandlung erforderlich (Urk. 12/300/2Urk. 12/307/1 f.). Dieser Verlauf widerlegt die gut
achterliche Prognose einer dauerhaften gesundheitlichen Besserung. Festzuhalten ist, dass auch der Gutachter im Ergebnis von einer unsicheren Prognose ausging. Er hielt ausdrücklich fest, es sei zu früh, von einem stabil gebesserten Zustands
bild auszugehen (Urk. 12/263/15).
Die Besserung und die höhere Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter namentlich auf die Cannabisabstinenz im Untersuchungszeitpunkt zurück (Urk. 12/263/12 und Urk. 12/263/15). Im Vorfeld der Begutachtung und als Voraussetzung dafür hatte die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer am 24. Oktober 2013 zur Einhaltung einer mindestens dreimonatigen Cannabisabstinenz aufgefordert (Urk. 12/250). In einer Stellungnahme am 18. November 2013 hatten lic. phil. F._ und Dr. G._ demgegenüber geäussert, massgeblich für die erwerbliche Beeinträchtigung sei nicht die Cannabisabhängigkeit, sondern die Persönlich
keitsstörung. Eine dauerhafte Abstinenz würde die erwerblichen Ressourcen nicht fördern, sondern diese zusätzlich beeinträchtigen (Urk. 12/254).
Der Verlauf nach Erstattung des Gutachtens von med. pract. Z._ vom 6. Januar 2015 mit erneutem Rückfall in den Cannabiskonsum trotz attestierter Compliance (Urk. 12/254, Urk. 12/263/14 f.) spricht dafür, dass es sich beim Cannabiskonsum um ein mit der Persönlichkeitsstörung im Zusammenhang stehendes und damit krankheitswertiges Geschehen handelt. Dies schloss auch der Gutachter med. pract. Z._ keineswegs aus (vgl. Urk. 12/263/16 f.).
Suchtfolgen
sind
IV-rechtlich relevant, soweit sie in einem engen Zusammenhang mit einem eigen
ständigen Gesundheitsschaden stehen. Dies kann der Fall sein, wenn die Drogen
sucht – einem Symptom gleich – Teil eines Gesundheitsschadens bildet (BGE
99 V 28 E. 3b); dies unter der Voraussetzung, dass nicht allein die unmittelbaren Folgen des Rauschmittelkonsums, sondern wesentlich auch der psychiatrische Befund selber zu
r
Arbeitsunfähigkeit führt. Sodann können selbst reine Suchtfol
gen invalidisierend sein, wenn daneben ein psychischer Gesundheitsschaden besteht, welcher die Betäub
ungsmittelabhängigkeit aufrecht
erhält oder dere
n Fol
gen massgeblich verstärkt
(Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Okto
ber 2015 E. 2.2.2 unter Hinweis auf 8C_580/2014 vom 11. März 2015 E. 2.2.2 und 9C_856/2012 vom 19. August 2013 E. 2.2.2).
Diese Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt. Auf der einen Seite blieb als Folge der Persönlichkeitsstörung eine anhaltende Abstinenz aus und andererseits verstärkten sich nach erfolgter Suchtbehandlung wiederum die Folgen des psychischen Leidens. Eine dauerhafte Stabilisierung im Sinne der vom Gutachter med. pract. Z._ im Herbst 2014 festgestellten Besserung nach der im März 2011 eingetretenen Verschlechterung konnte trotz fortdauernder therapeutischer Intervention nicht etabliert werden. Auch wiederholte Massnahmen beruflicher Art zeitigten keine Erfolge (zur jüngs
ten Integrationsmassnahme vgl. Urk. 12/310, Urk. 12/312). Abgesehen von einem Einsatz von wenigen Monaten bei H._ hatte der Beschwerdeführer seit 1995 nie eine Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt inne (vgl. Urk. 12/303/2, Urk. 12/208-9). Auch der im September 2013 begonnene Einsatz in einem Tier
heim (vgl. Urk. 12/263/10 f.) vermochte nicht ansatzweise zu einer Eingliederung beizutragen.
In den ärztlichen Berichten seit der Erstattung des Gutachtens durch med. pract. Z._ kommt die ungünstige Entwicklung eindeutig zum Ausdruck. Lic. phil. F._ und Dr. G._ kamen am 7. Juni 2015 zum Schluss, der psychische Zustand des Beschwerdeführers sei sehr schwankend. Stabilere Phasen würden durch Dekompensationen abgelöst (Urk. 12/277/2). Dr. B._ fasste in seinem Bericht vom 16. Oktober 2015 zusammen, der Beschwerdeführer habe Mühe, den Fokus zu halten, und er sei nur bedingt in der Lage, therapeutischen Anweisungen zu folgen. Er äussere Ideen, bei denen unklar sei, ob er einfach fest daran glaube und diese für die Erhaltung seines Weltbildes wichtig seien oder ob sie wahnhaf
ter Natur seien. Die erhebliche Persönlichkeitsstörung erschwere das Arbeiten im Team (Urk. 12/300/2). Am 29. April 2016 ergänzte er, der Befund sei weitgehend unverändert. Verschiedene Arbeitsversuche und Integrationsmassnahmen hätten wegen zwischenmenschlicher Schwierigkeiten abgebrochen werden müssen. Der Beschwerdeführer sei für andere Menschen anstrengend bis überfordernd (Urk. 12/315/1). Die Ärzte der C._ hatten am 7. Dezember 2015 festgehalten, aufgrund des dissozialen Verhaltens und der bizarren Gedankeninhalte und der chronifizierten schweren schizotypen Störung sei der Beschwerdeführer im ersten Arbeitsmarkt nicht einsetzbar. Längerfristig sollte aber eine Eingliederung im geschützten Rahmen versucht werden (Urk. 12/308/3).
6.4
Beim Erlass des Vorbescheides vom 4. Oktober 2016 kam die Beschwerdegegnerin gleichwohl zum Schluss, es bestehe eine unveränderte Restarbeitsfähigkeit von 40 % in jedweder Tätigkeit (Urk. 12/319; vgl. auch Urk. 12/322/6). Der Beschwer
deführer vertritt hingegen die Auffassung, insgesamt präsentiere sich sein Zustand schlechter als im Jahr 2010 und das noch vorhandene Ressourcenprofil lasse eine Eingliederung auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht zu (Urk. 1 S. 6 ff.).
Die Beschwerdegegnerin stützt sich bei ihrer Beurteilung offensichtlich auf den jüngsten Bericht von Dr. B._ vom 29. April 2016. Darin hatte dieser zunächst zwar festgehalten, in ein Team sei der Beschwerdeführer nicht integ
rierbar, obschon er motiviert sei, denn es passiere einfach immer wieder etwas. Insofern sei er zu 80 % arbeitsunfähig (Urk. 12/315/1). Gleichzeig war er aber zum Schluss gelangt, eine angepasste Tätigkeit sei im Umfang von 50 % möglich (Urk. 12/315/2). Unberücksichtigt liess die Beschwerdegegnerin, dass Dr. B._ auch in Bezug auf eine angepasste Tätigkeit einschränkend hervor
hob, eine Arbeit im öffentlichen Rahmen sei nicht möglich. Der Beschwerdeführer sollte alleine arbeiten können, wobei sich dann das Problem mit der Bewältigung der Einsamkeit stelle. Am ehesten geeignet sei ein gemischtes Angebot (Urk. 12/315/2).
Im Lichte der ärztlichen Darlegungen ergibt sich das folgende Bild: Der Beschwer
deführer ist krankheitsbedingt nicht in der Lage, sich dauerhaft in eine fremdbe
stimmte Arbeitsumgebung einzuordnen, und ebenso wenig, sich ein selbst struk
turiertes Tätigkeitsumfeld zu schaffen. In dieser Situation liegt auf dem freien Arbeitsmarkt keine verwertbare Arbeitsfähigkeit vor. In diesem Sinne äusserten sich ausdrücklich lic. phil. F._ und Dr. G._ sowie die Ärzte der C._ (Urk. 12/277/2, Urk. 12/307/3). Selbst der Gutachter med. pract. Z._ umschrieb ein Anforderungsbild, das eher einer Tätigkeit in einem geschützten Rahmen, denn einer solchen in der freien Wirtschaft entspricht (wohlwollendes und empathisches Umfeld ohne zeitlichen Druck und mit flachen hierarchischen Strukturen; Urk. 12/263/16). Die ärztlich formulierten Anforde
rungsprofile führen zusammenfassend zum Schluss, dass eine zumutbare Tätig
keit nur
in so eingeschrä
nkter Form möglich ist
, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder
eine solche
nur unter nicht
erwartbarem
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 5.11 mit Hinweis; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_712/2017 vom 12. Januar 2018 E. 4.2.2 mit Hinweisen).
Offenbleiben kann, wie es sich mit der im Bericht der C._ vom 13. Juli 2015 erwähnten Alkoholabhängigkeit (Urk. 12/289/1) effektiv verhält. In den übrigen Berichten, auch in denjenigen der C._, finden sich mit Ausnahme von Berichten aus dem Jahr 1995 (vgl. Urk. 12/6/2) keine diesbezüglichen Angaben, sondern solche betreffend die Cannabisabhängigkeit und in diesem Zusammenhang stehende Entzugsbehand
lungen. Dieser Umstand blieb im Bericht der C._ vom 13. Juli 2015 dagegen unerwähnt. Weitere Abklärungen, ob irrtümlich über eine Alkohol- anstelle der Cannabisproblematik berichtet wurde oder ob kumu
lativ tatsächlich neben der Cannabis- eine Alkoholproblematik bestand oder besteht, vermöchten am Ergebnis nichts zu ändern. Die fehlende Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt steht ungeachtet dessen fest.
Unterbleiben kann sodann eine Prüfung der Standartindikatoren.
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig od
er auch gar nicht geeignet ist
(BGE 143 V 409 E. 4.5.3). Das seit vielen Jahrzehnten bestehende psychische Leiden beeinträchtigt die sozialen und erwerblichen Fähigkeiten des Beschwerdeführers nachweislich derart erheblich, dass eine zusätzliche Prüfung des funktionellen Schweregrades und insbesondere der Konsistenz entbehrlich ist.
6.5
Ist eine Eingliederung auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht möglich, liegt eine voll
ständige Erwerbsunfähigkeit vor und es besteht Anspruch auf eine ganze Rente. Dies gilt auch in Bezug auf die von med. pract. Z._ ab Januar 2015 festgestellte nur vorübergehende Besserung. Diese wies nicht die vom Gesetz geforderte Dau
erhaftigkeit auf (voraussichtlich längerer Zeit andauernd, Art. 88a Abs. 2 IVV). Es besteht somit ab der von Dr. A._ festgestellten Verschlechterung ab März 2011 (vgl. vorstehende E. 5.1 und 6.1) Anspruch auf eine ganze Rente, das heisst mit Wirkung ab dem 1. Juni 2011 (Art. 88a Abs. 2 IVV). Mithin ist die Beschwerde gutzuheissen.
7.
7.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61 lit. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgesetzt. Vorlie
gend erweist sich eine Kostenpauschale von
Fr. 900
.-- als angemessen. Aus
gangsgemäss sind die Kosten
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
7.2
Mit Verfügung vom 18. Mai 2017 bewilligte das Gericht dem Beschwerdeführer nicht nur entsprechend seinem Antrag die unentgeltliche Prozessführung, son
dern bestellte ihm auch eine unentgeltliche Rechtsvertretung (Urk. 13). Die for
melle Zulassung des Rechtsdienstes Inclusion Handicap respektive der dort täti
gen Anwälte zur unentgeltlichen Rechtsvertretung nahm das Sozialversiche
rungsgericht allerdings erst im Mai 2018 unter Mitteilung an den Rechtsdienst Inclusion Handicap vor. Da der Beschwerdeführer in diesem Verfahren obsiegt entfällt jedoch die Festsetzung einer Entschädigung für die Rechtsvertretung zu Lasten der Gerichtskasse. Vielmehr hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine von der Beschwerdegegnerin zu bezahlende Prozessentschädigung (§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über
das Sozialversicherungsgericht; GSVGer)
. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Pro
zesses auf
Fr. 2’000
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.
Die Entschädigung ist dem Rechtsdienst Inclusion Handicap auszubezahlen.