Decision ID: 0750a936-a7bd-535c-b26d-3ed02dc0d910
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1955, ist seit 1996 beim
Y._
als Aufzugskontrolleur tätig und ist über seine Arbeitgeberin bei der Schweizerischen Unfallversicherung
sanstalt
(Suva) unfallversichert. Er liess durch seine Arbeitgeberin am 1
5.
Oktober 2014 eine Unfallmeldung betreffend einen Vorfall vom 2
4.
Januar 2014
machen
, bei dem er einen Schmerz im
linken Unterarm verspürt habe. Er war
ab
9.
Juli 2014
durch seinen Hausarzt
arbeits
unfähig geschrieben
und am 2
4.
September 2014
durch
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
operiert worden
(
Urk.
10/2, 10/1)
.
Die Suva holte bei den behandelnden Ärzten und dem Versicherten ergänzende Unterlagen zum fraglichen Ereignis und den Folgen ein (Bericht
e
von
Dr.
Z._
an die Suva
vom 1
3.
Oktober 2014,
Urk.
10/10,
und vom
4.
November 2014,
Urk.
10/20;
Operationsbericht vom 2
5.
September 2014,
Urk.
10/12
;
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen,
Urk.
10/8, 10/11
,
10/15;
Bericht des Versicherten vom 2
4.
Oktober 2014,
Urk.
10/13
; Arztzeugnis UVG von
Dr.
med.
A._
vom 2
8.
November 2014,
Urk.
10/24; Bericht von
Dr.
Z._
an
Dr.
B._
vom 2
8.
August 2014,
Urk.
10/25
).
Zur Frage der Unfallkausalität des gemeldeten Schadens nahm die Suva-Kreisärztin
Dr.
med.
C._
, Fachärztin
für
Chirurgie, am
4.
Dezember 2014
in verneinendem Sinne Stellung (
Urk.
10/27), was dem Versicherten mit Schreiben vom 1
0.
Dezember 2014 mitgeteilt wurde (
Urk.
10/29).
Am 1
4.
Januar 2015 wurde der linke Ellbo
gen erneut einer Operation unterzogen (
Urk.
9/2).
Der Versicherte liess eine anfechtbare Verfügung verlangen (
Urk.
10/33).
Erneut nahm Kreisärztin
Dr.
C._
in einer Aktenbeurteilung am 2
1.
Januar 2015 Stellung
und änderte auch nach Kenntnisnahme des ausführlichen Einwandes des Versicherten vom 2
7.
Februar 2015 ihre Meinung nicht
(
Urk.
10/36
, 10/39, 10/41
).
Am 1
0.
März 2015 erliess die Suva die Verfügung, mit der sie ihre Leistungspflicht mangels eines natürlichen Kausalzusammenhanges verneinte
(
Urk.
10/43)
.
Die Einspra
che des Versicherten vom 2
4.
April 2015 (
Urk.
10/44), der eine Stellungnahme von
Dr.
Z._
vom
9.
April 2015
beigelegt war (
Urk.
10/44),
wies die Suva im
Einspracheentscheid
vom
5.
Mai 2015 ab (
Urk.
2
).
2.
Am
4.
Juni 2015 liess der Versicherte dagegen Beschwerde erheben und den Antrag stellen, es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen für das Ereignis vom 2
4.
Januar 2014 zu erbringen (
Urk.
1 S. 2).
In der Beschwerdeantwort vom 1
6.
Juli 2015 beantragte die Suva die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8).
Gleichzeitig
reichte
sie eine Aktenbeurteilung von PD
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Chirurgie, der Abteilung Versicherungsmedizin der Suva vom 1
3.
Juli 2015,
und den Operationsbericht der erneuten Operation des
linken Armes vom 1
5.
Januar 2015
ein
(
Urk.
9/1
, 9/2).
Der Beschwerdeführer äusserte sich dazu am 2
8.
August 2015 (
Urk.
12) und legte seinerseits ein Schreiben der
Y._
vom 1
6.
Juli 2015 mit Beilagen ein (
Urk.
12, 13/1-3). Die Beschwerdegegnerin
liess die angesetzte Frist zur
Stellungnahme dazu
ungenutzt verstreichen
(
Urk.
14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Für die relevanten gesetzlichen Grundlagen (
Art.
6
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung, UVG)
zum Unfallbegriff
,
dem
natürlichen Kausal
zusammenhang
zwischen Unfall und dem Gesundheitsschaden
-
im Besondern auch zur Tatsache, dass eine Teilkausalität des Ereignisses für den Schaden ausreichend ist
-
und
für die Aufgabe der Ärzte bei der Ermittlung des natür
lichen Kausalzusammenhanges
kann zunächst auf den
angefochtene
n
Ein
spracheentscheid
(Erwägung 1) verwiesen werden.
1.2
Der Leistungsansprecher muss die Umstände eines Unfalles glaubhaft machen. Unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben genügen diesem Erfordernis nicht. Zur Glaubhaftmachung eines Unfalls genügt es nicht, einen Gesundheitsschaden nachzuweisen, der möglicherweise auf ein Unfallereignis zurückgehen könnte, sondern es müssen über das konkrete Geschehen wahre, genaue und wenn möglich ins Einzelne gehende Daten namhaft gemacht wer
den, aufgrund derer der Versicherer in die Lage versetzt wird, sich über die Tat
umstände ein Bild zu machen und dies in objektiver Weise abzuklären.
Der medizinische Befund kann einen Beweis für ein unfallmässiges Geschehen bil
den, er dient jedoch häufig nur als Indiz.
Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die Elemente eines Unfalls erfüllt sind, zu diesem Zwecke hat es den Sachverhalt von Amtes wegen zu untersuchen, kann aber die Mitwi
rkung der Parteien beanspruchen
(
Rumo-Jungo
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung,
3.
A., S. 20 f.
mit Hinweisen
).
1.
3
Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistungsansprüche bedarf es verlässlicher medizinischer
Entscheidgrundlagen
(BGE 134 V 231 E. 5.1). Hin
sichtlich des Beweiswertes eines Gutachtens ist entscheidend, ob es für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anam
nese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen des Experten begrü
ndet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1
mit Hinwe
is auf 125 V 351 E. 3a
).
1.4
D
as Bundesrecht
schreibt
dabei
nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichts
beschwerdeverfahren
gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsrichter die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass der Sozialver
sicherungsrichter alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterla
gen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf er bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum er auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allsei
tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Berich
t oder Gutachten (BGE 122 V 160
E. 1c mit Hinweisen).
1.
5
1.5.1
Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdi
gung
als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen.
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens durch die S
uva
und durch UVG-Privatversicherer eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf
g
rund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssi
gen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzu
erkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise sprechen (BGE 104 V 212 E
.
c; RKUV 1993 Nr. U 167 S. 96 E
. 5a mit wei
teren Hinweisen).
1.
5
.2
In Bezug auf Berichte von Hausärzten
bzw. behandelnden Ärzte
darf und soll der Richter der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass
diese Ä
rzte mitunter
im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (unveröffentlichte Urteile
des Bundesge
richts in Sachen
B. vom 1
1.
Juni 1997, B. vom 2
2.
Februar 1994 und P. vom 2
2.
Oktober 1984; Plädoyer 6/94 S. 67;
Meyer-Blaser
, Die Rechtspflege in der Sozialver
sicherung, in: BJM 1989 S. 31).
1.
5
.3
Was Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt der Umstand allein, dass eine ärzt
liche Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in das Verfahren einge
bracht wird, nicht Zweifel an ihrem Beweiswert (ZAK 1986 S. 189 E. 2a in
fine
).
Ein Parteigutachten enthält Äusserungen eines Sachverständigen, welche zur Feststellung eines medizinischen Sachverhalts beweismässig beitragen können. Daraus folgt indessen nicht, dass ein solches Gutachten den gleichen Rang wie ein vom Gericht oder von einem Unfallversicherer nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht eingeholtes Gutachten besitzt. Es verpflichtet indessen - wie jede
substanziiert
vorgetragene Einwendung gegen ein solches Gutachten - den Richter, den von der Rechtsprechung aufgestellten Richtlinien für die
Beweis
würdigung
folgend, zu prüfen, ob es in rechtserheblichen Fragen die Auffas
sungen und Schlussfolgerungen des vom Gericht oder vom Unfallversicherer förmlich bestellten Gutachters derart zu erschüttern vermag, dass davon abzu
weichen ist (zum Ganzen: BGE 125 V 351).
1.5.4
Auch d
en Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt schliess
lich Beweiswert zu, sofern
sie als schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begrün
det sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverläs
sigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem
Anstel
lungsverhältnis
zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objek
tiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters allerdings ein strenger Massstab
anzulegen (BGE 122 V 161
E
. 1c).
Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, ist eine versicherungsexterne medi
zinische Begutachtung im Verfahren nach
Art.
44
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
oder ein
Gerichtsgut
achten
anzuordnen (BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4).
Dies gilt
auch
für die Gutachten versicherungsinterner Ärzte, die die Suva im Administrativ
-
ver
fahren einholt, weil in diesem Verfahrensabschnitt der Unfallversicherer nicht als Partei
,
sondern als dem Gesetzesvollzug dienendes Verwaltungsorgan auf
tritt (Urteil des Bundesgerichts U 330/02 vom
5.
Dezember 2003, E.2.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich für ihren abweisenden Entscheid auf die kreisärztliche Beurteilung durch
Dr.
C._
.
Diese stellte in ihrem Bericht vom 2
1.
Januar 2015 fest, das Unfallereignis sei erst neun Monate später gemeldet worden.
Eine echtzeitliche Dokumentation fehle, erstmals sei der Beschwerde
führer am
8.
Juli 2014 und damit knapp sechs Monate nach dem Ereignis beim Hausarzt gewesen. Es seien deutliche
Druckdolenzen
über dem
Epicondylus
lateralis
links beschrieben worden
.
Im Vorfeld des
MRI des linken Ellbogen
ge
lenks vom 2
5.
August 2014
sei als Indikation eine therapieresistente
Epicon
dy
litis
lateralis
links erwähnt worden. Es seien
vom Hausarzt
keine Angaben zu einem Unfallereignis gemacht worden.
Der
erhobene
Befund sei derjenige einer
Epicondylitis
radialis
mit
Aufreibung
der Kollateralbänder und der Insertionen der
Extensorensehne
.
Auch drei Tage nach dem MRI bei der Untersuchung durch
Dr.
Z._
sei in der Anamnese kein Unfallereignis erwähnt worden
,
sondern es sei von seit mehr als einem Jahr zunehmenden Schmerzen am linken
Epicondylus
radialis
die Rede gewesen, weshalb eine operative Sanierung empfohlen worden sei.
Anlässlich der Operation seien ausschliesslich degenerative
Veränderungen im Bereich der Seh
nen und Kollateralbänder beschrieben worden. Als Indikation für die Operation sei kein Unfallereignis erwähnt worden. Somit sei anhand der Unterlagen des Operateurs wie auch des Hausarztes sowie aufgrund der Befun
dung im MRI von einer degenerativen Situation auszugehen. Die geklagten
Ell
bogenbeschwerden
links seien nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das geltend gemachte, echtzeitlich nicht dokumen
tierte Ereignis zurückzuführen (
Urk.
2 S. 4).
Dieser Auffassung folgte die Beschwerdegegnerin. Die gegenteilige Meinung des behandelnden Facharztes
Dr.
Z._
vermöge daran nichts zu ändern, er mache einzig eine rein zeitliche
Kausalattribution
, die nicht zulässig sei.
Ein rein möglicher Zusammenhang sei für eine Leistungspflicht nicht hinreichen
d
(
Urk.
2 S. 6).
2.2
Der Beschwerdeführer lässt dagegen
im Wesentlichen
vorbringen, er sei seit vielen Jahren als Fachexperte für Kontrollen von Aufzugsanlagen bei der
Y._
tätig. Anlässlich einer Liftkontrolle am 2
4.
Januar 2014
sei er vom
Kabi
nendach
gestiegen und habe die Schachttüren geschlosse
n. Nach dem Schlies
sen der Schach
ttüren sollte die Kabine in die nächste Etage gefahren werden. Stattdessen sei die Kabine in den oberen Endschalter gefahren und das Gegen
gewicht sei in der Schachtgrube auf die Überfahrtpuffer geprallt, wobei die obere elektromechanische Endsch
alter
einrichtung der Beförderungsanlage an
gesprochen habe. Er habe nun von Hand die Aufzugsanlage aus dem oberen Endschalter drehen müssen (durch Drehen am Handrad
, an welchem die Trag
seile liefen), wobei er aufgrund des Gewichts die Betriebsbremse im geöffneten Zustand habe blockieren müssen. Bei dieser Tätigkeit habe es beim Nachgreifen plötzlich einen starken Ruck/Zug auf das Handrad und damit auf seinen linken Arm gegeben. Deswegen habe er sofort starke S
chmerzen im linken Arm erlit
ten
. Er sei von einer Zerrung ausgegang
en, die bald vorbei sein werde,
er gehe generell nicht gleich zum Arzt. Sodann habe er wegen eines Trümmerbruchs im Fuss Schmerzmittel genommen, sein Schmerzempfinden sei gestört
gewesen
.
Nachdem die Schmerzen nicht gebessert hätten, sei er am
8.
Juni 2014
zum Hausarzt
gegangen
(
Urk.
1 S. 3).
Alle Ärzte seien von einem Tennisellenbogen ausgegangen bis zur Operation am 2
4.
September 2014, wo die Ärzte feststell
ten, dass
es sich um
einen Abriss der gemeinsamen Sehnen des Extensor
carpi
radialis
und Extensor
digitorum
communis
am
Epicondylus
humeri
radialis
links mit partieller Ruptur des Ligamentum
collaterale
radiale
gehand
e
lt habe
(
Urk.
1 S. 4).
Die Kollegen hätten gemerkt, dass der Beschwerdeführer einige Arbeiten nicht mehr habe machen können, so
etwa
viele Kontrollfunktionen, die vermehrt die Kraft der Arme benötigten. Auch seiner Frau und den Kindern sei aufgefallen, dass er im Alltag stark eingeschränkt sei
.
Anlässlich der Operation vom 2
4.
September 2014
sei
eine Desinsertion der Sehnen festgestellt
worden
, was unfallbedingt auftreten könne oder Folge einer gezielten operativen Ablösung
sei (
Urk.
1 S. 6). Der Versicherte verwies dabei auf die Stellungnahmen von
Dr.
Z._
,
dieser gehe
klar
von einem Unfallereignis aus
.
Auf die Ausfüh
rungen der Kreisärztin könne nicht abgestellt werden, da der Operateur kl
ar
andere Befunde erhoben habe, ihre Darlegungen stimmten
nicht
.
3.
3.1
Der Operateur
Dr.
Z._
, der den Versicherten ab 2
8.
August 2014 behan
delte, verfasste zu
Handen
des Versicherten am
9.
April 2015 eine Stellung
nahme. Darin schilderte er, dass im Zeitpunkt der Erstkonsultation am 2
8.
August 2014 der Versicherte über ausgeprägte Schmerzen am linken Ellbo
gen geklagt habe, mit einer markanten und massiven Symptomverschlechterung seit dem 2
4.
Januar 201
4.
Am 2
4.
Januar
2014
habe der Versicherte während der Tätigkeit bei einer Lift-Kontroll
e
einen massiven Zug beim Betätigen des Handrades erlitten. Es sei zu einer ruckartigen Reissbewegung
auf den linken Vordera
r
m und den linken Ellbogen gekommen. In der Folge sei es zu einer massiven Schmerzverschlimmerung mit schli
e
sslich der Unfähigkeit, die linke Hand zu gebrauche
n
, gekommen.
Es sei zu einer massiven Verschlechterung der
Situation am linken Ellbogen gekommen
.
Am 2
4.
September 2014 sei eine offene
Denervation
am linken Ellbogen
radialseits
gemacht worden, wobei int
raoperativ ein kompletter Abriss der
Extensorensehnen
und ein Verlust des radialen Seitenbandes festgestellt worden sei.
Nach der
Reinsertion
der
Exten
sorensehnen
sei es zu einem erneuten Ausriss gekommen und aufgrund der persistierenden Instabilität mit assoziierten Schmerzen sei die Indikation zu einem Revisionseingriff mit Rekonstruktion des radialen Seitenbandes gegeben gewesen, der am 1
4.
Januar 2015 vorgenommen worden sei.
In Anbetracht diese
s
Symptomverlauf
s
und des intraoperativen Befundes der abgerissenen
Extensorensehnen
und der
Crista
humeri
radialis
links bestehe aus seiner Sicht ein überwiegend wahrscheinlicher Kausalzusammenhang mit dem Ereignis. Zudem seien in den MRI-Aufnahmen des linken Ellbogens keine mus
kulären Veränderungen der
Extensorenmuskeln
erkennbar, die auf einen langen degenerativen Prozess hindeuten könnten (
Urk.
3).
3.2
Zu diesen Darlegungen äusserte sich
PD
Dr.
C._
von der Abteilung
Versiche
rungsmedizin
der Suva im Aktengutachten vom 1
3.
Juli 2015 (
Urk.
9/1).
Dabei ging er davon aus, dass der Versicherte seit einer Behandlung mit Kortison im Jahr 1994 bzw. 1999 an einer chronischen
Epicondylopathie
gelitten habe
. Eine solche könne mit einer partiellen oder vollständigen
Extensorsehnenruptur
an ihrem Ansatz am
Epicondylus
einhergehen, zusätzlich könne
im V
erlauf das radiale Kollateralband im degenerativen Prozess
mitbeteiligt
und ebenfalls
teil
lädiert
sei
n
.
Der Operationsbefund mit der subtotalen Desinsertion des
Exten
sorapparates
vom 2
4.
September 2014 sei gemäss der Literatur keine Seltenheit. Aus den intraoperativen Befunden und aus den vorliegenden bildgebenden Dokumenten (MRI) lasse sich basierend auf der aktuellen Literatur mit Sicher
heit kein Argument für eine frische, traumatische Ursache für die vorgefundene Läsion am
Epicondylus
radialis
finden.
Der Versicherte leide seit vielen Jahren an einer chronischen
Epicondylopathie
radialis
links, die bildgebend als dege
nerativ dokumentiert sei und zu zwei Operationen geführt habe, die nicht in Zusammenhang mit einem in grosser zeitlicher Latenz angegebenen
Unfaller
eignis
stehe (
Urk.
9/1).
4.
4.1
Es muss aufgrund der
Akten
davon ausgegangen werden,
dass der Beschwerde
führer
in der Tat
bereits vor dem fraglichen Ereignis vom 2
4.
Januar 2014 an Schmerzen im linken
Arm
gelitten hat
.
Wie
Dr.
C._
im Aktengutachten richtig dargestellt hat, hatte
der Operateur
Dr.
Z._
selber im Bericht vom 2
8.
August 2014 an den Hausarzt med.
pract
.
B._
bzw. an
Dr.
med.
A._
in der Anamnese festgehalten, der Versicherte klage seit über einem Jahr über zuneh
mende Schmerzen am linken
Epikondylus
radialis
, wobei die Schmerzen in den letzten 6 Monaten massiv an Intensität zugenommen hätten (
Urk.
10/25). Dabei erwähnte er
jedoch
kein Ereignis, von dem der Versicherte
in diesem Zusam
menhang
berichtet hätte, was in Anbetracht dessen, dass der Versicherte die erhebliche Schmerzzunahme klar an dieses Ereignis anknüpfen kann, unge
wöhnlich ist.
Offenbar war der Versicherte bereits 1999 wegen einer
Epicondy
litis
am gleichen Arm mit zweimaligen Injektionen therapiert worden, was bei der Suva aktenmässig dokumentiert ist
und von
Dr.
C._
im Aktengutachten festgehalten wurde
und was vom Beschwerdeführer auch nicht wirklich bestrit
ten
wird
(
Urk.
12 S. 2). Die Darstellung des Beschwerdeführers, er sei während 15 Jahren vor dem Unfallereignis beschwerdefrei gewesen (
Urk.
12 S. 2), stimmt somit nicht mit der Aktenlage überein.
Sämtliche Ärzte berichte
te
n von erheblichen degenerativen Befunden am operier
ten Ellbogen.
Dr.
Z._
selber
sprach
im
2.
Operationsbericht vom
1
5.
Januar 2015 von bei der
1.
Operation angetroffenen
degenerativ
rupturierten
Extenso
rensehnen
und erwähnte das fragliche
Ereignis
nicht (
Urk.
9/2
)
, stellte also den Kausalzusammenhang
ursprünglich
anders dar als
er dies
später
in sei
ner ärztlichen Stellungnahme
zu Händen des Versicherten
vom
9.
April 2015
tat
. Es ist sodann gerade nicht einsichtig, wie er in diesem Bericht darlegt
e
, weshalb der Symptomverlauf für einen unfallkausalen Zusammenhang spricht. Denn es ist eine Tatsache, dass sich der Versicherte während über fünf Monaten nach dem fraglichen Ereignis nicht in
ärztliche Behandlung begeben
hat
, weiter gearbeitet und keine Meldung des fraglichen Ereignisses erstattet hat
, obwohl eine solche auch aus anlage- und sicherheitstechnischen Gründen wohl ange
zeigt gewesen wäre
.
Bei einem durch einen Unfall erlittenen Riss von Sehnen und einem Verlust des Seitenbandes wäre
wohl
eher von einer sofortigen erheblichen Beeinträchtigung auszugehen mit einer unmittelbar darauf folgen
den Arbeitsunfähigkeit, die sich jedoch
dokumentiertermassen
erst
nach einer gewissen
Zeit eingestellt hatte. Daran
vermögen der
vom Versicherten einge
reichte Arbeitgeberbericht
vom 1
6.
Juli 2015
und die Kontroll
berichte nichts
zu ändern
.
Aus den Kontrollb
erichten vom 2
5.
April und 2
0.
Juni 2014
und dem
Bericht der Arbeitge
b
erin geht
zwar
hervor
, dass der Versicherte
in
unüblicher
W
eise Funktionstests von Anlagen, die einen körperlichen Einsatz verlangen,
offenbar
nicht
selber
durchgeführt hatte (
Urk.
13/1, 13/2, 13/3
). Dies vermag jedoch höchstens zu belegen, dass der Versicherte
zunehmend
Schmerzen
hatte – was unbestritten ist - und er deshalb die Kontrollen delegierte, was
schliess
lich zur unbestrittenen Krankschreibung durch den Hausarzt ab
8.
Juli 2014
führte;
dieser
nahm die Krankschreibung
allerdings
vor
,
ohne einen B
ezug auf das fragliche Ereignis
zu nehmen
,
und zwar
mit dem Vermerk „Krankheit“ (
Urk.
10/8).
4.2
Weiter erwähnte
Dr.
Z._
im Bericht an den Versicherten
, dass
(neben dem Symptomverlauf) der von ihm intraoperativ gemachte Befund einer
abge
rissenen
Extensorensehne
an der
Crista
humeri
radialis
links
für die
Unfallkau
salität
spreche. Zudem seien in den MRI-Aufnahmen des linken Ellbogens keine muskulären Veränderungen der
Extensorenmuskeln
erkennbar, die auf einen langen
degenerativen Prozess hindeuten würden (
Urk.
3).
Aus dieser
Darstellung
schloss der Beschwerdeführer,
dass es nach Ansicht von
Dr.
Z._
den Unfall gebraucht habe, damit die Sehne gerissen sei (
Urk.
12 S. 2).
Auf d
iese „Conditio sine qua non“ kann jedoch
aufgrund
de
r
gesamthaften
Darlegungen von
Dr.
Z._
nicht
geschlossen
werden. Vielmehr können diese
Elemente
seiner Ansicht nach für eine Unfallkausalität
sprechen, a
llerdings ist eine dege
nerative Ursache
gemäss seiner im erwähnten
2.
Operationsbericht
vom 1
5.
Januar 2015
geäusserten Ansicht
offenbar
ebenfalls möglich
,
und
davon
war er vor der Nachfrage durch den Versicherten auch ausgegangen.
Die gleiche Ansicht hatte der Operateur im Austrittsbericht vom 2
9.
September 2014 ver
treten, indem er unter Diagnose „Degeneration und subtotale Desinsertion der Sehnen des Extensor
carpi
radialis
brevis
und Extensor
digitorum
communis
am
Epicondylus
humeri
radialis
links mit partieller Ruptur des Ligamentum
colla
terale
radiale linker Ellbogen und einen Status nach Steroid-Infiltration sub
kutan links“ aufgeführt hatte (
Urk.
10/14).
Insofern ist die von
Dr.
Z._
geäusserte Ansicht zur Unfallkausalität widersprüchlich und damit nicht ver
lässlich.
4.3
Die
medizinischen
Zusammenhänge
und Hintergründe
stellte
Dr.
C._
in sei
nem Aktengutachten unter Verweis auf
die medizinische Literatur ausführlich dar. Der intraoperativ vorgefundene partielle Abriss mit inkompletter
Desinser
tion
der
Extensorensehnen
am
Epicondylus
radialis
und die Teilläsion des radi
alen Kollateralbandes mit dem krankhaften Zustand einer
Tendinose
am
Epico
ndylus
radialis
seien durchaus mit einer „spontanen“ Degeneration vereinbar, wovon
Dr.
C._
vorliegend
unter Berücksichtig
ung des s
chmerzhaften
Vorzu
standes
, der lange unterlassenen Meldung des fraglichen Ereignisses
,
der späten
Krankschreibung nach dem angeblichen Unfall
und de
r
operativ und bildgebend gezeigten Degenerationen
ausgeht.
Die von ihm geschilderten
Zusammenhänge leuchten ein, dies umso mehr, als – wie gezeigt wurde – der Operateur selber unmittelbar nach der stattgehabten Operation und in Kenntnis des gemachten Befundes nicht von einer zusätzlichen Krafteinwirkung in Form eines äusseren Ereignisses, sondern ebenfalls von degenerativen Ursachen
als Grund für die Schädigung
gesprochen hatte.
Dr.
C._
relativierte sodann auch die Aussage von
Dr.
Z._
, für eine Unfallkausalität würde auch die nicht veränderte Muskulatur der Extensoren sprechen (
Urk.
3), mit de
m Hinweis auf die Fach
-
l
iteratur
:
Eine bildgebende Veränderung der Muskulatur als Hinweis auf eine länger dauernde degenerative Schädigung
sei
im Bereich der
Supraspinatus
sehne
bei
Rotatorenmanschettenläsionen
bekannt (sog.
Goutallier
-Zeichen), eine Übertragung dieses Befundes auf die Ellbogenmuskulatur sei jedoch nicht
lite
raturkundig
(
Urk.
9/1 S. 11).
Auf
diese
Darlegungen von
Dr.
C._
kann abgestellt werden.
Sie
wurde
n
zwar erst im Rahmen des gerichtlich gewordenen Streites und
damit im Rahmen eines
Parteigutachten
s
gemacht
(oben E.
1.5.3
)
.
D
ie
Schlussfolgerung
wurde
aber
in Auseinandersetzung mit den Akten, den
Äu
sserungen der anderen Ärzte,
in Berücksichtigung der zeitlichen Umstände und der medizinischen Fachliteratur
gezogen
.
4.3
Sie
stimmt
im Resultat
überein mit dem Bericht der Kreisärztin
Dr.
C._
vom 2
1.
Januar 2015, auf welchen die
Beschwerdegegnerin
abgestellt hatte.
Bei die
sem handelt es sich um ein Akten
gutachten
einer versicherungsinternen Ärztin,
das
sie im Rahmen des Verwaltungsverfahrens zur Klärung der Unfallkausalität abgegeben hat und
desse
n Beweiswert sich
nach
dem in Erwägung 1.
5.4
Gesagten beurteilt.
Die von ihr dargelegten Zusammenhänge
leuchten
ebenfalls
ein. Sie nahm zu Recht Kenntnis von der um viele Monate verspätete
n
Unfall
meldung
, vom Fehlen echtzeitiger Dokumente, vom späten Aufsuchen des Hausarztes und der Krankschreibung erst ab
8.
Juli 2014 (
Urk.
10/36 S. 2).
Sie berücksichtigte die vorhandenen medizinischen Akten und konstatierte eben
falls, dass der Operateur
Dr.
Z._
keine Ereignisse erwähnte
,
sondern von degenerativen Befunden
und von überjährigen Schmerzen des Versicherten sprach
.
Auch das MRI und
die
Operation brachten degenerative Befunde hervor, so dass die Ärztin zu Recht von einer nicht überwiegend wahrscheinlich
unfall
kausalen
Schädigung ausging.
Auf weitere Beweismassnahmen kann bei dieser Sachlage verzichtet werden. Im besonderen sind Zeugenaussagen von Kollegen
oder Familienangehörigen
des Versicherten nicht geeignet, eine Unfallkausalität zu beweisen; dass der Ver
sicherte im Frühjahr 2014 unter beeinträchtigenden Beschwerden im linken Arm gelitten hatte, die im Sommer zur Krankschreibung geführt hatten, ist nicht bestritten
.
Auch ein weiteres Gutachten ist nicht notwendig; vielmehr ist
eine Unfallkausalität
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt.
Die Beschwerde ist somit abzuweisen.