Decision ID: 4fa026d7-a662-45b7-a886-679e24f87f88
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1978,
schloss im Jahr
1994
die
Diplommit
tel
schule
ab
und war danach
-
ohne
erlernten
Beruf -
mit Unterbrüchen
bis im Jahr 201
2
an verschiedenen Arbeitsstellen
(
vor allem im Bürobereich und im Gastgewerbe
)
erwerbstätig.
In den Jahren 2012 und
2013 befand
sie
sich
infolge
einer
Abhängigkeitserkrankung
(in
s
bes.
von
Heroin und Benzodiazepinen
)
wie
derholt
in stationärer Behandlung
. S
ie meldete sich mit Gesuch vom 4. April 2013
unter Hinweis auf eine Persönlichkeitsstörung
bei der
Sozial
versiche
rungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 9/1). Die IV-Stelle tätigte in der Folge Abklärungen in erwerblicher
(Urk. 9/4)
u
nd medizinischer
(Urk.
9/8 ff.)
Hinsicht und führte
am 13.
Mai 2013
mit der Versi
cherten ein Standortgespräch durch (Urk. 9/5).
Mit
Vorbescheid vom 7.
Januar 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des
Leistungsbegeh
ren
s
in Aussicht (Urk.
9/24)
und verfügte am 18.
Februar
2014 in diesem Sinne (
Urk.
2).
2.
Dagegen lässt
X._
hierorts
mit Eingabe vom 20. März 2014
Beschwerde erheben
mit den Anträgen, es sei die angefochtene Verfügung auf
zuheben und
ihr
eine ganze Rente zuzusprechen (1.), eventualiter sei durch das Gericht ein medizinisches Gutachten einzuholen (2.) sowie es sei der Beschwer
deführerin die unentgeltliche Prozessführung z
u gewähren (3.)
, unter Kosten- und Entschädigungsfolge
n
zulasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S.
2).
Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom
9.
Mai 2014 Abweisung der Beschwerde (Urk. 8), was der Beschwerdeführerin am 14. Mai 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätig
keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beeinträchti
gung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Gemäss ständiger Rechtsprechung begründet eine Drogensucht für sich allein keine Invalidität, sondern nur in Verbindung mit einem die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigenden geistigen, körperlichen oder psychischen
Gesundheitsscha
den
mit Krankheitswert, der zur Sucht geführt hat oder als deren Folge ein
getreten ist (BGE 102 V 167, 99 V 28 E. 2; AHI 2002 S. 30 E. 2a, 2001 S. 228 f. E. 2b; SVR 2001 IV Nr. 3 S. 7 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts I 940/05 vom 10. März 2006 E. 2.1 mit Hinweisen).
Daraus
folgt nicht, dass die Auswirkungen einer Drogensucht, die ihrerseits auf einen Gesundheitsschaden zurückgeht, per se invaliditätsbegründend sind. Die zitierte Praxis setzt vielmehr den Grundsatz um, dass funktionelle Einschränkungen nur anspruchsbegründend sein können, w
enn sie sich als Folgen selbst
ändiger Gesundheitsschädigungen darstellen (
Art.
6 ff. ATSG und
Art.
4
Abs.
1 IVG
;
Urteil
des Bundesgerichts 9C_856/2012 vom 19. August 2013
E. 2.2.1 mit Hinweisen auf
BGE 127 V 294
E. 5a und Urteil
I
955/05 vom
6.
November 2006 E. 3.3.2
).
Angesichts der insoweit finalen
Natur der Invalidenversicherung
ist nicht ent
scheidend, ob die Drogensucht Folge eines körperlichen oder geistigen
Gesund
heitsschadens
ist oder ob die Sucht
ausserhalb
eines Kausalzusammenhangs mit dem versicherten Gesundheitsschaden steht. In beiden Konstellationen sind reine Suchtfolgen IV-rechtlich
irrelevant
, soweit sie als solche allein
leistungs
mindernd
wirken. Hingegen sind sie
gleichermassen
IV-rechtlich relevant, soweit sie in einem engen Zusammenhang mit einem eigenständigen
Gesund
heitsschaden
stehen. Dies kann der Fall sein, wenn die Drogensucht - einem Symptom gleich - Teil e
ines Gesundheitsschadens bildet
; dies unter der Voraus
setzung, dass nicht allein die unmittelbaren Folgen des
Rauschmittel
konsums
, sondern wesentlich auch der psychiatrische Befund sel
ber zu Arbeits
unfähigkeit führt
. Sodann können selbst reine Suchtfolgen invalidisierend sein, wenn dane
ben ein psychischer Gesundheitsschaden besteht, welcher die
Betäu
bungsmittel
abhängigkeit
aufrecht erhält oder deren Folgen
massgeblich
ver
stärkt. Umge
kehrt können die Auswirkungen der Sucht (unabhängig von ihrer Genese) wie andere psychosoziale Faktoren auch mittelbar zur Invalidität bei
tragen, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der Folgen eines
Ge
sundheits
schadens
beein
flussen (
Urteil
des Bundesgerichts 9C_856/2012 vom 19. August 2013
E. 2.2.2 mit Hinweisen auf
BGE 99 V 28
E. 3b
,
120 V 95
E. 4c,
SVR 2012 IV Nr. 32 S.
127, 9C_776/2010
vom 20. Dezember 2011
E. 2.3.3
,
ZAK 1992 S.
169
).
Eine psychisch bedingte Invalidität im Sinne des Gesetzes liegt nur dann vor, wenn ein psychisches Leiden mit Krankheitswert fachärztlich ausgewiesen ist und es der betroffenen Person trotz Aufbietung allen guten Willens, die verblei
bende Leistungsfähigkeit zu verwerten, wegen ihrer Beschwerden nicht zuzu
muten ist, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, wobei das Mass des
Forderbaren
weitgehend objektiv bestimmt wird (BGE 130 V 352 E. 2.2.1, 131 V
49).
1.4
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Beschwer
deinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im
Verwaltungs
verfahren
anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gut
achtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Administrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fen
de Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der -
anschliessend
refor
matorisch entscheidenden - Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zu
weisen, wenn lediglich eine Klarstel
lung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt, dass
die Arbeits
un
fähigkeit vor allem durch das
Abhängigkeitsver
halten
begründet sei. Somit bestehe keine Invalidität im Sinne des Gesetzes (
Urk.
2).
2.2.
Die Beschwerdeführerin lässt dagegen zur Hauptsache vorbringen, dass auf
grund der Akten von einer vorbestehenden psychiatrischen Erkrankung auszu
gehen sei, weshalb durchaus Anspruch auf eine (ganze) Rente bestehe (
Urk.
1).
3.
3.1
Die IV-Stelle
holte
im Rahmen ihrer Abklärungen
zunächst
folgende
n
ärztliche
n Bericht ein
:
Im
(undatierten
und
)
bei der IV-Stelle am 2
6.
September 2013 eingegangenen
Bericht des
Y._
,
in welchem die Versicherte seit 2002
(
mit Unterbrüchen
)
in psychiatrisch-psycho
therapeutischer sowie
opioidgestütz
t
er
Behandlung st
eht,
stellten
lic
.
phil.
Z._
, Psychologin FSP und med.
pract
.
A._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH sowie
ärztlicher Leiter
des
Y._
, folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Emotional instabile Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ (
ICD-10
F60.3), Störung durch Opioide, Abhängigkeitssyndrom,
Opioidsubstitu
tion
(
ICD-10
F11.22)
,
Störung durch Benzodiazepine, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtiger Substanzgebrauch (
ICD-10
F13.2) sowie mechanische Reanima
tion nach Herzkreislaufstillstand (2007/2013).
Sie führten
zur Hauptsache
aus, bei der Versicherten bestehe das psychiatrische Krankheitsbild
einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsi
ven Typ. Dies
e
zeige sich in einer deutlichen Tendenz, auf zwischenmenschliche Konflikte mit eine
r stark ausgeprägten Impulsivit
ät ohne Berücksichtigung der
Konsequenzen zu reagieren und
sei verbunden mit einer Neigung zu emotiona
len Ausbrüchen und der Unfähigkeit,
impulshaftes
Verhalten zu kontrollieren. Auch bestehe die Tendenz zu streitsüchtigem und forderndem Verhalten und Konflikten mit ander
e
n, insbesondere
,
wenn impulsive Handlungen durchkreuzt oder behindert würden. Als Bewältigung dieser für sie sehr belastenden Proble
matik sei der sehr impulsive und teilweise gefährliche selbstschädigende
Sub
stanzkonsum
zu sehen. Die Dynamik der Persönlichkeitsstörung und deren dysfunktionaler substanzgebundener Bewältigungsversuch führten zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit. Da es sich beim Krankheitsbild der
Persönlich
keitsstörung
in den allermeisten Fällen um chronische Verläufe handle und bis
herige Ther
a
pien gescheitert seien, sei in den nächsten Jahren keine Verbesse
rung der Arb
eitsfähigkeit zu erwarten
. Seit September 2013 sei die Versicherte zu 100 % arbeitsunfähig
(Urk.
9/8).
3.2
Ferner
nahm
die IV-Stelle
Kopien folgender Austrittsberichte zu den Akten:
3.2.
1
Im Austrittsbericht der
B._
vom
2.
Januar 2012
(
Urk.
9/13 S. 8 f), wo die Versicherte
vom 3.
Dezember bis 14.
Dezember 2011
erstmals hospitalisiert worden war,
stellten die verantwort
lich zeich
nenden Ärzte folgende Diagnosen
: Psychische und Verhaltensstörun
gen
durch Opioide:
Abhängigkeitssyndrom, seit 18.
November 2008
Metha
donbe
handlung
(ICD-10 F11.2), Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Schädlicher Gebrauch (ICD-10 F10.1) sowie einen nicht
insulinpflich
tigen
Dia
betes mellitus Typ II (ICD-10 E11.90). Sie berichteten über einen frei
willigen Eintritt
auf Zuweisung der behandelnden Psychiat
e
rin
bei zunehmen
dem
Bei
konsum
von Heroin
und dem Wunsch der Versicherten, einen Methadon
-
und Heroinentzug durchführen zu wollen. Infolge
z
unehmend verschlechter
t
er Im
pulskontrolle
während des stationären Aufenthalts mit diversen Zwischen
fällen
sei
ein
stationäre
r
Aufenthalt als ungeeignet und
unförderlich
beurteilt und die Versicherte bei fehlender Selbst- und Fremdgefährdung nach Hause entlassen worden. Es sei ein Nachbehandlungstermin im
Y._
organisiert und der Versicherten nahegelegt worden, sich bezüglich der Impulskontrollstörung in a
m
bulante Therapie zu begeben. Angaben zur Arbeitsfähigkeit machten sie nicht (Urk.
9
/1
3
S. 8 f.).
3.2.2
Im
Austrittsbericht der
C._
, wo die Versicherte vom
9.
März
bis 2
0.
April 2012 freiwillig durch Zuweisung des
Y._
zur stationären Behandlung eingetreten war,
hatten
lic
. phil.
D._
, Psychologin und med.
pract
.
E._
, Fachärztin für Neurologie sowie Oberärztin an der Klinik,
folgende
psychiatri
schen
Diagnosen gestellt
(Urk.
9
/12 S.
1
)
:
Störungen durch Opioide,
Abhängig
keitssyndrom
, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwachten
Ersatz
drogenprogramm
(ICD-10 F11.22)
, S
törungen durch
Sedit
ativa
oder Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom, mit gegenwärtigem Substanzgebrauch (ICD-10 F
13.24)
sowie
Status nach Opiat- und Benzodiazepin-Intoxikationen mit Atemstillstand und Reanimationsbedürftigkeit
(ICD-10 F13.02)
. In somatischer Hinsicht diag
nostizierten sie eine c
hronische Virushepatitis C (
ICD-10
B18.2)
sowie einen n
icht primär insulinabhängige
n
D
iabetes mellitus Typ 2
(
Urk.
9/12 S. 1)
.
Sie berichteten über einen zunächst
positiven
Behandlungsverlauf (Abbau von Methadon und
Exazepam
beziehungsweise
Umstellung auf
Buprenorphin
auf Wunsch der Versicherten infolge Familienplanung
; Urk.
8/12 S.
3
). Die Behandlung habe
jedoch
am 20.
April
2012
infolge einer Komplikation bei der Medikamentenabgabe beendet werden
und die Versicherte
gleichentags
aus der Klinik
austreten
müssen.
Angaben zur Arbeitsfähigkeit machten
sie nicht, emp
fahlen jedoch eine weiterführende ambulante Therapie mit Fokus auf
Suchter
krankungen
(Urk.
9
/12 S. 4)
.
3.2.3
Vom 2
3.
Mai b
is
zum
2
4.
Mai 2012 war die Versicherte zum
zweiten
Mal
in der
B._
hospit
alisiert. Im Austrittsbericht vom 26. Juni 2012
(
Urk.
9/13 S. 4 ff.)
erhoben die verantwortlichen Ärzte folgende Diagnosen: Psychische und Ver
hal
tensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen; Abhängigkeitssyndrom: Opioide, Benzodiazepine, Alko
hol, Kokain (ICD-10 F19.2), Status nach akuter Intoxikation Kokain und
Seditativa
gemischt, Diabetes mellitus
Typ
II. Sie berich
t
eten über einen Eintritt der Versicherten per FFE bei geäusserten Suizidgedanken nach psychischer Dekompensation und zunehmendem Suchtdruck bei nicht ausreichender Abde
ckung durch Drogen und Benzodiazepine.
Die Versicherte
habe sich während des Aufenthaltes
unkooperativ
und uneinsichtig bezüglich der Notwendigkeit eines stationären Aufenthaltes gezeigt und habe aufgrund von verbaler Aggres
sion und Drohungen über Nacht i
soliert werden müssen. Unter
Ankündigung der Weiterführung ihres Konsums habe
sie
sich am
Folget
ag für einen Austritt entschieden. Angaben zur Arbeitsfähigkeit machten sie nicht (
Urk.
9
/1
3
S.
5
f
).
3.2.
4
In der Folge war die Versicherte v
om 12. Juli bis zum 7.
September 2012
gestützt auf eine
Selbstzuweisung im klinischen Bereich der
F._
zum Entzug
hospitalisiert.
Im Austrittsbericht vom
11.
September 2012 (Urk.
8/14)
diagnostiz
i
erte
Dr.
med.
G
._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapi
e FMH sowie Oberarzt an der
F
._
einen Status nach Abhängigkeitssy
n
drom von Opioiden (ICD-10 F12.2), einen Status nach
Abhängigkeitssyndrom von
Sedit
ativa
(
ICD-10
F13.2) sowie einen Status nach Abhängigkeitssyndrom
von Kokain (
ICD-10
F14.2) sowie in somatischer Hinsicht einen Diabetes mellitus Typ II, Status nach Virushepatitis C, Genotyp 1, Virushepatitis B sowie eine bakterielle
Vaginose
.
Er berichtete über einen kom
plikationslosen Entzug
;
d
er Austritt sei in gegenseitigem Einvernehmen erfolgt. Die im Haus begonnene psychologisch-psychotherapeutische Behandlung werde poststationär fortgeführt, die ambulante psychiatrische Behandlung sei noch offen. Angaben zur Arbeitsfähigkeit machte er nicht (Urk.
9
/14 S. 4).
3.2.
5
Im
an das
Y._
gerichteten
ärztlichen Austrittsbericht
der
B._
vom 7.
August 2013
(
Urk.
9/13 S. 1 ff.)
,
wo die Versicherte vom 1
8.
bis
1
9.
Mai 2013
nach Herzkreislaufstillstand
zum
3.
Mal
hospitalisiert worden war
, stellten die
ver
antwortlichen Ärzte folgende Diagnosen: Psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substan
zen
(ICD-10 F19.2)
: Abhängigkeitssyndrom (S
tatus
nach Int
oxikation mit
R
eani
mationspflichtigkeit
am 23.
Ju
ni 2013) sowie einen nicht primä
r
insu
lin
bedingten
Diabetes mellitus
Typ II.
Angaben zur Arbeitsfähigkeit machten sie nicht (Urk.
9
/13 S
.
1).
3.
3
In seiner Stellungnahme vom 18.
November 2013 hielt
Dr.
med.
H._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie
,
vom Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD)
der IV-Stelle fest, ausgewiesen sei ein polyvalentes Abhängigkeitssyndrom
;
vom
Y._
werde neben der Suchtdiagnose noch ein
e emotional-instabile Persönlichkeitsstörung ausgewiesen. Bei andau
erndem Substanzkonsum sei eine hinreichend sichere diagnostische
Persönlich
keitseinschätzung
nicht möglich, insofern bereits das Suchtleiden allein die Verhaltensstörung erkläre. Insofern liege ein Suchtleiden vor, welches für sich allein keine Arb
eitsunfähigkeit begründe (Urk. 9
/22 S. 3).
3.
4
In Schreiben
vom
12.
März 2014
an die Rechtsvertreterin der Versicherten führ
ten
med.
pract
.
I._
und med.
pract
.
A._
vom
Y._
aus, die diagnost
i
zier
te emotional instabile Persönlichk
eitsstörung vom impulsiven Typ
(ICD-10 F60
.3
)
sei
ein
e
vorbestehende
psychische
Erkrankung
,
welche
als solche
invali
disierend sei
.
Es handle sich um eine schwere Störung der Persönlichkeit und des Verhaltens
,
die im Jugendalter in Erscheinung getreten sei und zu einer anhaltenden gestörten sozialen Funktions- und Interaktionsfähigkeit geführt habe. Der Konsum psychotroper Substanzen habe sich erst später entwickelt
und das Suchtgeschehen sei sekundär
. Es lägen keine invalidisierenden Folge
schäden aufgrund des langjährigen Substanzkonsums vor.
Dank einer stabilen Opioid-Substitution sei die Suchtstörung nicht beeinträchtigend und eine diag
nostische Persönlichkeitseinschätzung entgegen der Auffassung der IV
-Stelle sehr wohl möglich (Urk.
3/3).
4.
4.1
Wenn die IV-Stelle
aufgrund der vorliegenden Akten schloss
, dass
reine
Sucht
folgen
v
orlä
gen
,
welche
für sich allein keine
IV-relevante
Arbeitsunfähigkeit
zu
begründen
vermöchten
(vgl. S
tellungnahme des RAD
vom 1
8.
November 2013
), so kann ihr darin nicht ohne weiteres gefolgt werden.
So enthält
der
Bericht des
Y._
(Urk. 9/8
einschliesslich
Schrei
ben vom
12.
März 2014
;
Urk. 3/3)
durchaus
Hinweise auf
eine
allfällige
relevante psychis
ch b
edingte Gesundheitsstörung
, wi
rd
doch
darin
neben
dem Suchtgeschehen
eine Persönlic
hkeitsstörung
diag
nostizier
t
und
wird
diese
nicht
nur
für sich
allein als invalidisierend
,
sondern auch als für die Suchterkrankung ursächlich
bezeichnet
(Urk.
3/3)
.
Allerdings
enthält weder der
ärztliche
Bericht (Urk. 9/8)
noch das
Schreiben
des
Y._
vom 12. März 2014 (Urk. 3/3)
genügende
anamnestische Angaben,
sodass
die gestell
te Diagnose einer Persönlichkeitsstörung
nicht
prüfend nachvollzogen werden
k
a
nn
.
Dies
wäre
jedoch
um
so erforderlicher gewesen
,
als die
übrigen
vorliegen
den
Berichte
(E.
3
.2
hievor
)
– im Gegensatz
zu
den Angaben des
Y._
–
k
eine
Persönlichkeitsstörung
diagnostizieren
und
in diesen
auch k
ein Verdacht
auf eine
der Sucht zugrunde liegende
psychiatrische Grundproblematik
geäussert
wird
. Z
u berücksichtigen
ist a
llerdings, dass es sich bei
L
etzteren
um
(
an die behandelnden Ärzte gerichtete und
)
mitunter sehr kurz gefasste
Austrittsbe
richte
handelt,
welche
– ohne
umfassend
zum Gesundheitszustand
oder zur Arbeitsfähigkeit Stellung zu nehmen -
in erster Linie
den Verlauf der
(
teils nur
kurz
zeitig
en
)
stationären Behandlungen
zu
m
Gegenstand hatten
.
Nach dem Gesagten lässt sich daher a
ufgrund der
aufliegenden
medizinischen Akten
, wel
che
zum einen
bezüglich einer allfällig relevanten Gesundheitsstörung
zu unterschiedlichen
Ergebnissen
gelangen
und
zum ander
e
n
je
weils
den recht
sprechungsgemässen Anforderungen an einen beweiskräftigen ärztlichen Bericht (
dazu
BGE
125 V 352
) nicht genügen,
mit dem erforderlichen
B
e
weis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
(
BGE 129 V 177
E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen
)
weder ausschliessen noch bejahen
,
dass
neben der Sucht
ein
krank
heitswerti
ger
Gesundheitsschaden vorliegt
.
4.
2
Bei dieser Sachlage ist eine umfassende psychiatrische Begutachtung erforder
lich, um entscheiden zu können, ob die Versicherte an einer
invalidenversiche
rungsrechtlich
relevanten Gesundheitsstörung leidet oder nicht. Dazu ist die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen.
Im Rahmen der weiteren Abklärungen
wird
die IV-Stelle
das Augenmerk
darauf zu richten
haben
, dass
die begutach
tende
Fachp
erson
die Diagnosen
unter anderem
gestützt auf eine ausführliche
soziale
(familiäre
,
schulische, berufliche
)
und medizin
i
sche
Anamnese
erhebt.
Auch wird
die
psychiatrische Fachperson die
im Lichte der Rechtsprechung massgebenden
Frage
n
zu beantworten und
daher
insbesondere
dazu Stellung zu nehmen haben
,
ob
neben
der Drogensucht
auch ein psychischer
Gesundheits
schaden
mit Krankheitswert vorliegt und gegebenenfalls
,
ob und inwiefern zur Sucht ein Zusammenhang besteht
, wobei auch allfälligen Wechselwirkungen zwischen Suchtmittelabhängigkeit und psychischer Erkrankung Rechnung zu tragen wäre
(E. 1.3
hievor
).
Auch wird sich das Gutachten
dazu zu äussern haben, ob es der Beschwerdeführerin bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, zumutbar ist, trotz eines allfälli
gen Gesundheitsschadens einer Erwerbstätigkeit nachzugehen
;
die
s
auch vor dem Hintergrund und unter Bezugnahme auf die
Erwerbsbiographie der Beschwerdeführerin
beziehungsweise die Tatsache
,
dass diese
bis ins
Jahr 201
2
immer wieder erwerbstätig war (vgl.
IK-Auszug Urk.
9/4
)
.
Anschliessend wird die IV-Stelle neu über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der
Invalidenversicherung zu verfügen haben.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
4.
3
Da die Rückweisung
allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollstän
dig ungeklärten
Frage begründet
ist, steht
sie im Einklang mit der
bundesge
richtlichen
Rechtsprechung
(
BGE 137 V 210
,
E. 4.4.1.4)
.
5.
5.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Versicherungsleistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden unabhän
gig vom Streitwert, nach dem Verfahrensaufwand im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgelegt.
5.2
Ausgangsgemäss si
nd die Kosten im Betrag von Fr.
6
00.-- der
Beschwerdegeg
nerin
aufzuerlegen. Das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der un
entgeltlichen Prozessführung
(Urk. 1 S.
2) erweist sich damit als gegenstandslos.
5.3
Da die Beschwerdeführerin durch eine Institution der öffentlichen Sozialhilfe vertreten ist, besteht kein Anspruch auf Prozessentschädigung (BGE 126 V 11).