Decision ID: 0cb9e8bc-cbcf-4b09-a1b8-61d780404e02
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend falsche Anschuldigung
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung -
Einzelgericht, vom 3. März 2017 (GG160282)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 22. Dezember 2016
(Urk. 15) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte B._ ist nicht schuldig und wird vom Vorwurf der fal-
schen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 StGB freigesprochen.
2. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten inkl. derjenigen
der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Rechtsbeistandschaft
werden auf die Gerichtskasse genommen.
3. Die Genugtuungsforderung der Privatklägerschaft wird abgewiesen.
4. Der Beschuldigten werden Fr. 2'200.– als Genugtuung aus der Gerichtskas-
se zugesprochen.
5. Rechtsanwalt Dr. iur. Y._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger der Beschuldigten mit Fr. 10'758.96 entschädigt.
6. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als unentgeltli-
cher Rechtsbeistand mit Fr. 7'960.25 entschädigt.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Prot. II S. 14)
1. Die Beschuldigte sei vom Vorwurf der falschen Anschuldigung nach
Art. 303 StGB freizusprechen.
2. Die Kosten des Verfahrens und der amtlichen Verteidigung seien auf
die Staatskasse zu nehmen.
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3. Es sei der Beschuldigten eine Entschädigung von Fr. 2'200.– zuzu-
sprechen.
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(Urk. 52)
1. Die Beschuldigte sei im Sinne der Anklage vom 22. Dezember 2016
der falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 StGB schuldig
zu sprechen.
2. Die Beschuldigte sei mit einer bedingten Geldstrafe (Probezeit: 2 Jah-
re) von 300 Tagessätzen à CHF 30.– zu bestrafen, wobei die ausge-
standene Haft im Umfang von 11 Tagessätzen anzurechnen sei.
3. Der Beschuldigten seien die Kosten - mit Ausnahme derjenigen der
amtlichen Verteidigung - aufzuerlegen.
_

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1. Aufgrund einer von der Mutter von B._ am 23. September 2014 erstat-
teten Anzeige wegen Vergewaltigung führte die Staatsanwalt Zürich-Sihl eine
Strafuntersuchung gegen A._. Nach mehreren Einvernahmen u.a. von
B._ und weiteren Beweiserhebungen wurde die Untersuchung nach einer
Desinteresserklärung von B._ (als damalige Privatklägerin) am 19. März
2015 eingestellt (Urk. 2/3). In der Folge leitete die Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat ein Verfahren gegen B._ ein und erhob am 22. Dezember 2016 An-
klage wegen falscher Anschuldigung (Urk. 15).
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2. Die Vorinstanz sprach die Beschuldigte mit Urteil vom 3. März 2017 von die-
sem Vorwurf frei und wies die Genugtuungsforderung des Privatklägers ab. Für
die erlittene Haft wurde der Beschuldigten eine Genugtuung von Fr. 2'200.– zu-
gesprochen (Urk. 31). Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Privatkläger
A._ meldeten fristgerecht Berufung an (Urk. 26 und 27). Mit Eingabe vom
24. Mai 2017 zog der Privatkläger seine Berufung zurück (Urk. 33), wovon Vor-
merk zu nehmen ist. Die Staatsanwaltschaft reichte am 11. Mai 2017 rechtzeitig
die Berufungserklärung ein (Urk. 32). Diese wurde der Beschuldigten sowie dem
Privatkläger unter Fristansetzung zur Anschlussberufung bzw. zu einem Antrag
auf Nichteintreten zugestellt (Urk. 39 f.). Die Beschuldigte reichte mit Eingabe
vom 3. Juli 2017 das Datenerfassungsblatt ein und mit Schreiben vom 11. Juli
2017 weitere Unterlagen zu ihren finanziellen Verhältnissen (Urk. 41-42). Der Pri-
vatkläger liess sich nicht vernehmen.
3. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). E contrario erwachsen die nicht von der Berufung erfassten
Punkte in Rechtskraft (SCHMID, StPO-Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen
2013, N 1 zu Art. 402). Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche
Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO).
Die Staatsanwaltschaft stellt mit der Berufung den Antrag, das vorinstanzli-
che Urteil sei aufzuheben und die Beschuldigte sei gemäss Anklageschrift schul-
dig zu sprechen und zu bestrafen (Urk. 32). Somit ist das vorinstanzliche Urteil in
diesen Punkten sowie den Kosten- und Entschädigungsfolgen zu überprüfen.
Nachdem der Privatkläger die Berufung gegen das vorinstanzliche Urteil zurück-
gezogen hat und auf eine Anschlussberufung verzichtete, bleibt es bei der Abwei-
sung seiner Genugtuungsforderung und ist das Urteil in diesem Punkt (Dispositiv-
ziffer 3) rechtskräftig.
4. Es trifft zu, dass in der Anklageschrift nicht ausdrücklich erwähnt wird, dass
A._ unschuldig und die Anzeige objektiv falsch gewesen sei bzw. sich die
Anschuldigung gegen einen Nichtschuldigen gerichtet habe. Mit den Erwägungen
der Vorinstanz, auf welche zu verweisen ist (Urk. 31 S. 4 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO),
ist indessen davon auszugehen, dass dem Anklageprinzip genüge getan wurde.
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Aus der Umschreibung des subjektiven Sachverhalts, wonach die Beschuldigte
gewusst habe, dass die Vorwürfe falsch seien, geht genügend klar hervor, dass
die Anklage von einer Nichtschuld des Privatklägers ausgeht. Darin ist der
Staatsanwaltschaft zuzustimmen (vgl. Urk. 52 S. 2). Eine Verletzung des Ankla-
geprinzips liegt nicht vor. Was der Beschuldigten vorgeworfen wird, ergibt sich
klar aus der Anklageschrift.
5. Die Vorinstanz hat weiter zutreffend erwogen, dass die polizeiliche Befra-
gung der Auskunftsperson C._ im Strafverfahren gegen den Privatkläger
(Urk. 5/1) vorliegend nicht zu Lasten der Beschuldigten verwertbar ist. Diese Be-
fragung fand ohne Vorankündigung an die Beschuldigte und ohne ihre Anwesen-
heit statt und ist daher nicht zu Lasten der Beschuldigten verwertbar (Urk. 31 S. 8;
Art. 82 Abs. 4 StPO). Die Staatsanwaltschaft stützte die Anklage aber ohnehin
nicht auf deren Aussagen (vgl. Urk. 52 S. 3 f.).
6. Umstritten ist, ob die vom Privatkläger A._ im Rahmen des gegen ihn
geführten Strafverfahrens erfolgten Einvernahmen als Beschuldigter im vorliegen-
den Verfahren gegen die (nunmehr) Beschuldigte B._ verwertbar sind. Die
Einzelrichterin des Bezirksgerichtes Zürich erwog, dass die beiden Einvernahmen
des Privatklägers vom 27. Oktober 2014 und 27. November 2014 (im damaligen
Verfahren als Beschuldigter befragt) in Abwesenheit der Beschuldigten und ihrer
Verteidigung durchgeführt worden seien. Die Verteidigungsrechte der Beschuldig-
ten seien daher nicht gewahrt worden, weshalb die Aussagen des Privatklägers
vorliegend nur zu Lasten der Beschuldigten verwertet werden können, sofern die-
ser sie im vorliegenden Strafverfahren an der Zeugeneinvernahme vom 13. Juni
2016 (Urk. 4/3) wiederholt habe (Urk. 31 S. 8). Die Staatsanwaltschaft stellt sich
hingegen unter Hinweis auf BGE 131 I 471 [recte wohl: 481] Ziff. 2.2 auf den
Standpunkt, dass diese Ansicht völlig falsch sei, es seien sämtliche Aussagen von
A._ voll verwertbar. Da seine Befragung am 13. Juni 2016 in Anwesenheit
der Geschädigten (recte: Beschuldigten) und deren Verteidiger stattgefunden ha-
be, würden alle früheren Befragungen – welche der Beschuldigten und deren Ver-
teidiger vor der Befragung vom 13. Juni 2016 zur Kenntnis gebracht wurden –
verwertbar (Urk. 32 S. 2, Urk. 52 S. 3). Die Frage, ob dem Konfrontationsrecht der
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Beschuldigten genügend nachgelebt worden ist, braucht vorliegend indessen
nicht näher geprüft zu werden. Das Strafverfahren gegen A._ wurde auf-
grund einer Desinteresseerklärung der Privatklägerin eingestellt und die Staats-
anwaltschaft hat ergänzend erwogen, dass das Aussageverhalten und die
Whatsapp-Nachrichten Zweifel an der Sachverhaltsdarstellung der Privatklägerin
aufkommen lassen würden und sich die Aussagen des Beschuldigten nicht wider-
legen liessen. Sie stellte das Verfahren ein, da dem Beschuldigten unter den ge-
gebenen Umständen nicht anklagegenügend nachgewiesen werden könne, die
Privatklägerin mehrfach sexuell genötigt und vergewaltigt zu haben (Beizugsak-
ten: Urk. 18 S. 3-4). Soweit die Aussagen des Beschuldigten vorliegend quasi vor-
frageweise zur Frage herangezogen werden sollen, ob sich die Anschuldigungen
von B._ gegen einen Nichtschuldigen gerichtet haben bzw. was an dem frag-
lichen Wochenende tatsächlich passiert ist, so wäre er diesbezüglich im vorlie-
genden Strafverfahren jedenfalls nicht als (neutraler) Zeuge zu befragen gewe-
sen, sondern richtigerweise als Auskunftsperson im Sinne von Art. 178 ff. StPO.
A._ wurde im vorliegenden Strafverfahren indessen als Zeuge gemäss
Art. 177 StPO befragt (Urk. 4/3). Der Entscheid, eine Person zu Unrecht als Zeu-
gen anstatt als Auskunftsperson zu befragen, ist ungültig. Die gestützt darauf er-
langten Aussagen sind nicht verwertbar (vgl. Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung (StPO), DONATSCH/HANSJAKOB/LIEBER, Zürich 2010, Art. 178
N 6). Die Aussagen von A._ sind somit zum Thema des tatsächlichen Ge-
schehens am fraglichen Wochenende nicht zu Lasten der Beschuldigten verwert-
bar.
II. Sachverhalt
1. Kurz zusammengefasst wird der Beschuldigten vorgeworfen, bei der polizei-
lichen Einvernahme vom 23. September 2014 wider besseren Wissens ausgesagt
zu haben, dass die während dem Wochenende vom 19. bis 21. September 2014
stattgefundenen sexuellen Handlungen mit A._ gegen ihren Willen erfolgt
seien. Sie habe gewusst, dass sie freiwillig Sex mit ihm gehabt habe (Urk. 15).
Die Beschuldigte hat stets bestritten, in der Einvernahme bei der Polizei wissent-
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lich die Unwahrheit gesagt zu haben und blieb dabei, dass der Geschlechtsver-
kehr gegen ihren Willen stattgefunden habe. Weiter sagte sie aus, nicht gewusst
zu haben, welche Konsequenzen ihre Aussagen bei der Polizei haben würden
(Urk. 3/7 S. 2 und S. 4 f., Urk. 11/7, Prot. I S. 8 f.). Dabei blieb sie auch anlässlich
der heutigen Berufungsverhandlung (Prot. II S. 9 und S. 11 f.).
2. Die Vorinstanz hat sich zunächst mit den Grundlagen der Sachverhaltser-
stellung bzw. mit den vorliegend anwendbaren Beweisgrundsätzen auseinander-
gesetzt. Dem ist nichts hinzuzufügen, weshalb vorab auf die entsprechenden Aus-
führungen verwiesen werden kann (Urk. 31 S. 6-8; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass aufgrund der Einstellungsverfügung
vom 19. März 2015 nicht zweifelsfrei bewiesen sei, dass es sich beim Privatkläger
um einen Nichtschuldigen handle (Urk. 31 S. 8-10). Ergänzend würdigte sie ein-
gehend und sorgfältig die Aussagen der Beschuldigten bzw. damaligen Privatklä-
gerin anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 23. September 2014 und er-
achtete diese als zumindest nicht unglaubhaft (Urk. 31 S. 10-12). Sodann würdig-
te die Einzelrichterin die Aussagen des Privatklägers und kam zum Schluss, dass
sich aus seinen (nur zu Gunsten der Beschuldigten verwertbaren) Aussagen kei-
ne Hinweise auf eine Anschuldigung wider besseren Wissens durch die Beschul-
digte ergeben (Urk. 31 S. 12/13). Weiter führte die Vorinstanz diverse Ausführun-
gen der in diesem Verfahren befragten weiteren – glaubwürdigen und glaubhaften
– Zeugen an, welche die Version der Beschuldigten stützen (Urk. 31 S. 13-15).
Auch wies die Vorinstanz daraufhin, dass die Vorgeschichte der Anzeige, wonach
die Beschuldigte das Vorgefallene zunächst ihrem Freund erzählte und sich mit
ihrer Mutter sowie deren Psychiater besprach, in keiner Weise für eine absichtli-
che Falschbezichtigung sprechen würde. Schliesslich ging die Vorinstanz auf den
WhatsApp-Verlauf der Beschuldigten und des Privatklägers ein und kam zum
nachvollziehbaren Schluss, darin würden sich die ambivalenten Gefühle, welche
sich ebenfalls in ihren Aussagen bei der Polizei finden liessen, widerspiegeln
(Urk. 31 S. 15 f.). Auf diese sorgfältigen, einlässlichen und überzeugenden Erwä-
gungen der Vorinstanz kann zwecks Vermeidung von Wiederholungen verwiesen
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werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nachfolgenden Erwägungen verstehen sich in-
sofern als deren Zusammenfassung und Ergänzung.
4. Wie bereits ausgeführt und von der Vorinstanz ausführlich zusammenge-
fasst hat die Staatsanwaltschaft aufgrund der Desinteresserklärung von B._
in Anwendung des Opportunitätsprinzips das Strafverfahren gegen A._ ein-
gestellt und festgehalten, dass das Verfahren auch deshalb einzustellen sei, weil
Zweifel an der Sachverhaltsdarstellung der Geschädigten bestehen würden und
sich die Aussagen des Beschuldigten nicht widerlegen lassen würden (Beizugsak-
ten: Urk. 18 S. 3-4). Diese Einstellung erging nach einer sorgfältigen Würdigung
der Beweismittel und ist nicht zu beanstanden. Es lässt sich insbesondere festhal-
ten, dass nicht erwogen wurde, dass die Darstellung der damaligen Privatklägerin
offensichtlich falsch bzw. erlogen sei. Vielmehr wurden die genauen Umstände
der sexuellen Kontakte an diesem Wochenende letztlich als unklar bzw. nicht be-
weisbar erachtet. Zu betonen ist, dass die Staatsanwaltschaft dieses Fazit unter
Einbezug und entsprechender Würdigung der WhatsApp-Nachrichten zwischen
der Beschuldigten mit dem Privatkläger getroffen hat. Weitere zu Lasten der Be-
schuldigten verwertbaren Beweismittel zu dieser Frage liegen nicht vor. Vor die-
sem Hintergrund kann es entgegen der Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht als
erwiesen erachtet werden, dass sich die Anzeige der Beschuldigten gegen einen
Nichtschuldigen richtete. Da die Einstellungsverfügung in erster Linie aus Oppor-
tunitätsgründen erfolgte, steht die Nichtschuld des Geschädigten für das vorlie-
gende Verfahren nicht verbindlich fest (TRECHSEL/AFFOLTER-EIJSTEN, in Trech-
sel/Pieth [Hrsg.], StGB PK, 2. Aufl., Art. 303 N 2).
5.1. Im Weiteren ist ergänzend hervorzuheben, dass sich die Darstellungen der
Beschuldigten und des Privatklägers hinsichtlich des äusseren (langen) Ablaufs
des fraglichen Wochenendes von Freitagabend bis Sonntagabend und insbeson-
dere auch der mehreren, diversen sexuellen Kontakte zu grossen Teilen decken.
Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass die Beschuldigte sich während
der sexuellen Kontakte wie "total aus ihrem Körper draussen gewesen" (wie in ei-
nem Traumzustand) gefühlt habe und sie das alles nicht gewollt habe, während
der Privatkläger diese Kontakte als normalen Sex mit Umarmungen schilderte und
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angab, die Beschuldigte habe ihn auch geküsst, es sei auch nicht schnell gegan-
gen und es sei wirklich romantisch gewesen.
5.2. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass die Darstellung der Beschul-
digten zumindest nicht unglaubhaft erscheint (Urk. 31 S. 10-12). Die Beschuldigte
hat den Privatkläger von Anfang an nicht schlecht gemacht und ihre Aussagen
hinterlassen keineswegs den Eindruck, dass sie ihn unbedingt in ein schlechtes
Licht rücken will. Er sei ein Lustiger, mache einem gerne Komplimente und unter-
halte einen auch gerne (Urk. 3/1 Antworten 22 und 30). Eigentliche Gewalthand-
lungen hat die Privatklägerin nicht geschildert bzw. nur sehr diskret und zurück-
haltend. Sie sagte aus, dass er sie nicht festgehalten, sie nie irgendwie erpresst
oder körperlich geschlagen oder an ihr gezerrt habe. Der Privatkläger habe sie an
ihren Handgelenken gehalten und runtergedrückt. Ihr Problem sei gewesen, dass
er es eher "härzig" oder fast schon toll gefunden habe, wenn sie sich gewehrt ha-
be. Beim Geschlechtsverkehr habe er ihr die Hände "umarmend auf den Rücken"
getan. Auch das Geschehen nach dem Geschlechtsverkehr schilderte sie so, als
ob eigentlich nichts Negatives passiert sei. Der Privatkläger habe sie am Ende
des Wochenendes zum Bahnhof begleitet und sie zum Abschied umarmt. Sie ha-
be ihm immer gesagt, sie wolle ihn nur als Kollegen (Urk. 3/1 Antworten 11, 70,
103, 116; Urk. 3/3 S. 5, S. 8 oben, Urk. 3/4 S. 9). Ihre gesamte Darstellung wirkt
nicht übertrieben, sondern eher zurückhaltend. Lügensignale sind bei den Aussa-
gen der Beschuldigten keine erkennbar. Die Beschuldigte sagte sodann von An-
fang an aus, dass dem Privatkläger vermutlich gar nicht bewusst gewesen sei,
was er gemacht habe. Er habe vermutlich gedacht, es sei ganz normal, was er
mache (Urk. 3/1 Antwort 40). Sie habe schon versucht, sich zu wehren, aber viel-
leicht sei das bei ihm nicht angekommen (Prot. II S. 13). Sie sagte weiter konstant
aus, dass sie ihm jeweils – schon am Freitagabend (Reiben Penis an Po über der
Bekleidung) und Samstagmorgen (Reiben Penis in Missionarsstellung über der
Bekleidung) – gesagt habe, er solle aufhören ("A._, hör uf!"), sie wolle das
nicht und schilderte dann von sich aus ihr ambivalentes Verhalten, dass sie in der
Folge bei ihm geblieben sei, wobei sie selber nicht wisse weshalb. Sie sei wie
"bedusselt", ohne Anteilnahme gewesen (Urk. 3/1 S. 9 ff.). Sie verstehe selber
nicht, warum sie das gemacht habe am Wochenende. Auch wegen ihrem Freund,
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diesen habe sie nicht verletzen wollen. Sie habe nicht vor gehabt, mit A._
etwas anzufangen. Sie gab von sich aus an, sie hätte sich "doch viel besser weh-
ren sollen". Sie könne sich das Ganze nicht erklären. Sie habe das alles nicht
gewollt (Urk. 3/1 Antworten 85, 91). Sie sei nicht sie selber gewesen (Prot. II
S. 10). Als er auf ihr masturbiert habe, habe sie ihm gesagt, er solle aufhören,
dass sie das nicht gerne habe. Er habe das ignoriert. Zum Geschlechtsverkehr
gab die Beschuldigte an, dass sie nicht mehr wisse, wie sie versucht habe, sich
zu wehren und er habe ja gewusst, dass sie einen Freund habe. A._ habe ihr
gesagt, sie solle es geniessen, man lebe ja nur einmal. Ihrer Erinnerung nach hät-
ten sie sich nicht geküsst (Urk. 3/1 Antworten 110 ff., 116-118, Urk. 3/4 S. 13).
Diese durchaus zurückhaltenden, sachlichen Ausführungen, in welchen die Be-
schuldigte auch ihre (Schuld-)Gefühle schildert, erscheinen nicht unglaubhaft. An-
zufügen ist, dass die Beschuldigte auch die sexuellen Handlungen – entgegen der
Würdigung der Staatsanwaltschaft in der Einstellungsverfügung – teilweise recht
detailliert schilderte. So führte sie aus, sie habe versucht wegzurutschen, als der
Privatkläger auf ihr masturbiert habe und sie habe den Kopf von seinem Penis
weggedreht. Sie gab an, wo es überall Sperma gehabt habe, dass auch ihr Ge-
sicht und die Wand bespritzt worden seien (Urk. 3/12 Antworten 104 ff., Urk. 3/3
S. 7). Die Beschuldigte hat sodann auch ihren inneren Zustand während den se-
xuellen Handlungen konstant und widerspruchsfrei beschrieben. In der staatsan-
waltlichen Einvernahme vom 27. November 2014 führte sie dazu mehrfach aus,
dem Privatkläger wiederholt gesagt zu haben, dass sie das nicht wolle, er es aber
ignoriert habe. Sie persönlich sei dann wie aus dem Körper weggetreten und ir-
gendwie nicht mehr da gewesen. Sie sei wie vor Schreck erstarrt gewesen. Sie
könne es selber einfach nicht verstehen, da sie so viele Möglichkeiten gehabt ha-
be, um nach Hause zu gehen und es nicht getan habe. Sie könne es nur so erklä-
ren, dass sie wie psychisch gefangen gewesen sei (Urk. 3/3). Die Beschuldigte
gab auch von sich aus an, dass sie an diesem Abend (Sonntag) ein ziemliches
Gefühlschaos gehabt habe und das ganze Wochenende nicht in ihrem Körper
gewesen sei. Sie habe später ihrem Freund telefoniert und erst am nächsten
Morgen sei sie dann wie aus allen Wolken gefallen. Es sei ihr ziemlich schlecht
gegangen. Sie haben den ganzen Tag geweint und innerlich gezittert. So etwas
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Schrecklichen sei ihr noch nie passiert und sie fühle sich körperlich einfach total
schwach (Urk. 3/1 Antworten 84, 122, Urk. 3/3 S. 8).
Die Beschuldigte hat zusammenfassend somit sehr zurückhaltend Anschul-
digungen zu Protokoll gegeben. Sie hat keine körperlichen Abwehrhandlungen
gegen die sexuellen Kontakte geschildert, meinte gar, der Privatkläger sei sich
wohl keiner Schuld bewusst gewesen und stellt sich selber in ein schlechtes Licht,
indem sie ausführte, sie hätte sich viel besser wehren sollen und es sei nicht er-
klärbar, dass sie nicht einfach nach Hause gegangen sei, nachdem sie dazu so
viele Möglichkeiten gehabt habe. Dabei ist hervorzuheben, dass sie gemäss ihrer
eigenen Darstellung zwischenzeitlich am Samstagmorgen tatsächlich bei ihrer
Mutter zu Hause gewesen war, dort schnell geduscht hatte und wieder zum Pri-
vatkläger zurückkehrte (Urk. 3/1 Antwort 80). Des Weiteren nahm sie den Privat-
kläger sogar in Schutz und führte an, er habe sich entschuldigt und eben sein Ri-
talin (ADHS) nicht genommen (Urk. 3/1 Antwort 12). Auch die Beschreibung ihres
Zustandes, dass sie wie in einem Traumzustand, wie "aus dem Körper getreten"
gewesen sei, ist doch ein spezieller Umstand und es muss ihr klar gewesen sein,
dass dies im Rahmen eines geschilderten Übergriffs nicht besonders überzeu-
gend wirkt. Hätte die Beschuldigte den Privatkläger zu Unrecht anzeigen wollen,
so wäre es viel einfacher gewesen, ein realistischeres Geschehen eines Über-
griffs (Gewalt, Drohungen, Abwehrverhalten, Schreien etc.) zu präsentieren. Ins-
gesamt erscheinen ihre konstanten, widerspruchsfreien, zurückhaltenden und de-
taillierten Aussagen jedenfalls nicht unglaubhaft.
Es kann zusammenfassend demnach nicht genügend ausgeschlossen wer-
den, dass die Beschuldigte tatsächlich so Erlebtes bzw. Empfundenes zur Frage
wiedergibt, ob die sexuellen Handlungen gegen ihren (inneren) Willen stattfanden.
Dies auch vor dem Hintergrund, dass die damals noch sehr junge 20-Jährige Be-
schuldigte offenbar eine "Vorgeschichte" hat, wonach sie früher vom damaligen
Freund ihrer Mutter mehrmals sexuell belästigt worden sei (Urk. 3/4 Antwort 86).
Des Weiteren hat die Beschuldigte eine erste Lehre wegen psychischen Proble-
men abgebrochen, bezieht nun IV-Taggelder und macht eine (geschützte) Lehre
bei der Einrichtung ... (Urk. 3/1 Antwort 7, Urk. 3/7 S. 6 f., Prot. II S. 6 f.).
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5.3. Die Vorinstanz hat sodann zutreffend ausgeführt, dass die befragten Zeugen
die Version der Beschuldigten insoweit stützen, als ihr nicht zugetraut wird, eine
falsche Anschuldigung zu erheben, sie als schlechte Lügnerin bezeichnet wird
und bestätigt wird, dass die Beschuldigte sich an jenem Wochenende beschwert
habe, sie möge es nicht, wenn der Privatkläger sie küsse. Die Mutter der Be-
schuldigten und deren Psychiater bestätigten sodann die Vorgeschichte der An-
zeige und den Zustand der Beschuldigten nach dem Wochenende. Es kann hier-
zu wie auch zur Glaubwürdigkeit der Zeugen zur Vermeidung von Wiederholun-
gen auf die sorgfältigen Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 31
S. 13-15, Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend ist auszuführen, dass der Freund der
Beschuldigten – der in Folge Schluss mit ihr machte - in Übereinstimmung mit
dieser ausführte, dass sie ihm verwirrt erschien und ihn am Montag über das Ge-
schehen am Wochenende aufgeklärt habe (Urk. 5/4 S.- 4 ff.). Anzufügen ist, dass
dies ein Hinweis darauf ist, dass die Beschuldigte offenbar tatsächlich schlecht
lügen kann und es ihr nicht möglich war, ihrem Freund etwas zu verheimlichen,
was wiederum wohl eher ausschliessen lässt, dass sie in einem Strafverfahren
wieder besseren Wissens falsche Ausführungen tätigt. Schliesslich ist noch her-
vorzuheben, dass der befragte Psychiater, Dr. med. D._, als Zeuge bestätig-
te, dass es vorkomme, dass man so erstarre (wie die Beschuldigte es schilderte)
und er ihr eine Anzeige empfohlen habe (Urk. 5/6 S. 4 f.). Insgesamt stützen die-
se Angaben der Zeugen die Version der Beschuldigten und lassen sie jedenfalls
nicht als unglaubhaft erscheinen.
5.4. Des Weiteren ist noch in aller Kürze auf die Depositionen des Privatklägers
einzugehen, welche wie oben erwogen, zur Frage des tatsächlichen Geschehens
an diesem Wochenende ohnehin nur zu Gunsten der Beklagten herbeigezogen
werden können. Auch der Privatkläger bestätigte immerhin die Version der Be-
schuldigten, wonach sie ihm im Laufe des Wochenendes einige Male gesagt ha-
be, er solle aufhören, sie habe einen Freund, sie wolle das nicht. So führte er aus,
dass die Beschuldigte auf seine Frage hin erklärt habe, sie wolle nicht mit ihm
schlafen, sie sei in einer Beziehung. Als er die Beschuldigte am Hintern angefasst
habe, habe sie ihm gesagt, er solle das sein lassen, sie haben einen Freund. Er
habe dann sofort von ihr abgelassen (Urk. 4/1 Antworten 61, 63). Auch habe sie
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ihm gesagt, sie wolle nicht, dass er mit der Hand zwischen ihre Beine greife. Er
habe dann sogleich aufgehört (Urk. 4/1 Antworten 103, 130, 136, 175, 178). Auch
hinsichtlich späterer Vorfälle, habe sie ihm mehrfach gesagt, er solle aufhören, al-
lerdings teilweise mit der Begründung, er solle aufhören, sie "scharf" zu machen
bzw. sie möchte das wegen ihrem Freund nicht. Er habe jeweils sofort aufgehört.
Sie habe ihm gesagt, sie habe einen Freund und das würde nicht gut rauskom-
men (Urk. 4/1 Antworten 76, 84, 102, 145). Als er mit seiner Hand ihre Vagina ge-
rieben habe, habe sie gesagt, hör auf, sie habe einen Freund und habe mit ihrer
Hand seine Hand ergriffen und er habe auch sofort aufgehört (vgl. Urk. 4/2 S. 5
Antwort 18 und 20). Sodann bestätigte der Privatkläger, es könne sein, dass er
die Beschuldigte aus Spass an den Handgelenken gehalten habe (aber ohne
Schmerz) und auch, dass er als Witz gesagt habe, er fände es toll, wenn sie sich
wehre, so wie bei den "Mangas" (Urk. 4/1 Antwort 148, 151, Urk. 4/3 S. 7). Weiter
hat der Privatkläger zu Protokoll gegeben, dass er mit der Beschuldigten geflirtet
habe, sie es aber anfangs nicht so ernst genommen habe, später nur "so halb"
mitgemacht habe und dass er sich so gut mit ihr habe unterhalten können
(Urk. 4/3 S. 5 f.).
Es lässt sich somit festhalten, dass die Beschuldigte auch nach Darstellung
des Privatklägers zum Ausdruck gebracht hat, dass sie dies (sexuelle Handlun-
gen) nicht wolle und er damit aufhören solle. Auch ist ersichtlich, dass sie selbst
nach Ansicht des Privatklägers nur "so halb" mitgemacht habe beim Flirten. Wei-
ter ist aufgrund des unbestrittenen Geschehens sodann davon auszugehen, dass
der Beschuldigte an diesem Wochenende jedenfalls sexuell aufgeheizt ("scharf",
"spitz") war, wie dies die Beschuldigte ebenfalls schilderte und trotz der Abwei-
sungen und dem von der Beschuldigten geäusserten Unwillen offensichtlich nicht
mit "Drängen" und "Flirten" aufgehört hat. Es wirkt denn auch wenig überzeugend,
dass der Privatkläger nicht stringent darlegte, wieso die Beschuldigte, nachdem
sie schon nur bezüglich Berührungen ihrer Geschlechtsteile über den Kleidern ab-
lehnend reagiert habe und er sofort aufgehört habe, dann doch (gar ungeschütz-
ten) Geschlechtsverkehr mit ihm habe haben wollen. Es ist ferner auch bezeich-
nend, dass er den Hinweis der Beschuldigten, sie wolle das nicht, sie habe einen
Freund, als Ausrede umschrieb (Urk. 4/1 Antwort 178). Ausserdem fällt auf, dass
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er in diesem Verfahren im Widerspruch zu seinen früheren Aussagen nichts mehr
davon wissen wollte, der Beschuldigten gesagt zu haben, er fände es toll wenn
sie sich wehre (Stichwort "Mangas" vgl. Urk. 4/1 Antwort 151, Urk. 4/3 S. 7).
Ebenso fällt auf, dass er die konkreten sexuellen Handlungen erst auf Nachfragen
hin schilderte und dass es schliesslich entgegen seinem Vorbringen nicht gerade
sehr romantisch klingt, wenn sie ihm – so die Darstellung des Privatklägers
(Urk. 4/1 Antwort 95) – gesagt haben soll, "mach was wotsch - chasch es eh nöd
sie lah". Es lässt sich jedenfalls festhalten, dass der Privatkläger wesentliche Um-
stände geschildert hat, die zur Version der Beschuldigten passen.
5.5. Die Vorinstanz hat sodann zutreffend herausgeschält, dass die Schilderun-
gen der Beschuldigten eher den Eindruck hinterlassen, dass sie dem Privatkläger
zum Vorwurf macht, dass er sie zum Geschlechtsverkehr bzw. zu den sexuellen
Handlungen überrumpelt habe. Dies, nachdem sie ihn doch mehrfach darauf hin-
gewiesen habe, dass sie einen Freund habe und das nicht wolle, was er einfach
ignoriert bzw. nicht ernst genommen habe. Es ist nochmals zu betonen, das die
Beschuldigte keine eigentliche Gewalt geschildert (Arme umarmend auf den Rü-
cken getan beim Geschlechtsverkehr) hat, kein Sich-Wehren, keine Auseinander-
setzung während oder nach den sexuellen Handlungen, sondern gegenteils ein
freundschaftliches, kollegiales Verhalten nach den Vorkommnissen. Sie beschrieb
ihre Rolle bei diesen Handlungen als "so wie willenlos", gelähmt (Urk. 3/1 z.B.
Antworten 11, 97). Überdies hat sie wie schon mehrfach erwähnt von sich aus
ausgeführt, dem Privatkläger sei vermutlich gar nicht bewusst gewesen, was er
gemacht habe und vermutlich habe er gedacht, das sei normal. Damit bringt die
Beschuldigte letztlich zum Ausdruck, dass der Privatkläger nicht realisierte, dass
sie den Sex tatsächlich nicht wollte. An anderer Stelle führte sie dazu an, er hätte
merken können, dass sie das (Brust entblössen, an Brustwarze saugen) nicht
gewollt habe, das habe er ja schon früher gewusst (Urk. 3/1 Antworten 40, 96).
Der von ihr geschilderte äussere Ablauf der sexuellen Handlungen wie auch das
von ihr detailliert erzählt äussere Geschehen des gesamten Wochenendes – in
welchem sie mehrfach nach sexuellen Vorgängen, nach Zwischenstopps zuhause
und an anderen Orten wieder völlig freiwillig mit dem Privatkläger zusammen zum
Übernachten ins Gästezimmer bzw. in dessen Wohnung ging – sowie ihre Aussa-
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ge, der Privatkläger sei sich ihres Unwillens wohl nicht bewusst gewesen, spre-
chen nicht ernsthaft für eine Vergewaltigung oder sexuellen Nötigung im straf-
rechtlichen Sinne. Dies notabene aufgrund ihrer von Anfang an konstant wieder-
gegebenen Aussagen. Die Beschuldigte hat denn auch während der ausführli-
chen polizeilichen Einvernahme vom 23. September 2014 (Urk. 3/1 S. 1-18, Ant-
worten 1-132) nie von einer Vergewaltigung gesprochen, sondern immer wieder
betont, dass sie das alles (innerlich) nicht gewollt habe.
Etwas überspitzt zusammengefasst hat die Beschuldigte im Wesentlichen
deponiert, sie habe dem Privatkläger mehrmals gesagt, sie wolle das nicht, er ha-
be dies aber ignoriert und nicht ernst genommen und sie habe die sexuellen
Handlungen wie erstarrt über sich ergehen lassen, wobei der Privatkläger wohl
gedacht habe, es sei alles normal. Es ging letztlich darum, dass die Beschuldigte
"das Ganze" – vermutlich wegen ihrer inneren Widerstände (Fremdgehen) und al-
lenfalls weiterer Umstände (innerlich) nicht wirklich wollte und es – aufgrund des
Drängens und Flirtens des (lustigen, Komplimente machenden und unterhaltsa-
men) Privatklägers und des an sich schönen Wochenendes willenlos und wie in-
nerlich erstarrt und gelähmt geschehen liess, was sie sich selber nicht erklären
konnte. Dies hat sie im Kern in der fraglichen polizeilichen Befragung geschildert.
Hinweise, dass ein solches Erstarren möglich ist, gibt wie erwähnt die Zeugenbe-
fragung des Psychiaters Dr. med. D._ (Urk. 5/6 Antwort 19). Dass die Be-
schuldigte dies innerlich so erlebt hat, lässt sich jedenfalls nicht widerlegen. Zieht
man dabei, wie schon oben erwogen, in Betracht, dass die Beschuldigte damals
erst 20-jährig war, ihre erste Lehre wegen psychischen Problemen abgebrochen
hatte, IV-Taggelder bezog, eine KV-Lehre beim ... (im geschützten Rahmen für
Menschen, die nach einer psychischen Erkrankung Unterstützung bei der Arbeit
benötigen) besuchte, überdies eine Vorgeschichte wegen sexueller Belästigung
durch einen Ex-Freund der Mutter aufweist und ihre Mutter sowie deren Psychia-
ter ihr empfahlen, eine Anzeige bei der Polizei zu machen, wenn die sexuellen
Handlungen gegen ihren Willen erfolgt seien, erscheinen ihre Angaben jedenfalls
nachvollziehbar und nicht unglaubhaft. Anzufügen ist, dass auch der Privatkläger
die Beschuldigte (zumindest im Nachhinein) als eine Person sieht, die ein psychi-
sches Problem habe (Urk. 4/3 S. 7).
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Es ist in diesem Sinne bezeichnend, dass die Beschuldigte im vorliegenden
Verfahren zum Geschehen wiederholte, sie sei nach wie vor überzeugt, dass es
gegen ihren Willen passiert sei (vgl. auch Prot. II S. 9) und anfügt, sie sei mit der
ganzen Situation überfordert gewesen. Das habe schon angefangen, als der Pri-
vatkläger ihr am Freitagabend näher gekommen sei. Es sei an diesem Wochen-
ende so viel passiert, sie sei total überfordert und nicht sie selber gewesen
(Urk. 3/7 Antworten 3, 11-16, vgl. auch Urk. 3/1 Antwort 14, Prot. II S. 10). Vor
diesem Hintergrund erscheint es glaubhaft, wenn die Beschuldigte ausführt, sie
habe zu jenem Zeitpunkt nicht gewusst, ob es eine Vergewaltigung sei oder nicht.
Ihre Mutter und deren Psychiater hätten sie dazu gedrängt, zur Polizei zu gehen,
nachdem sie ihnen erzählt habe, es sei gegen ihren Willen geschehen. Die Be-
schuldigte räumte zudem ein, sie würde heute nicht nochmals so handeln, son-
dern zuerst zu einer Fachperson gehen und darüber sprechen, ob es wirklich eine
Vergewaltigung gewesen sei oder nicht. Sie habe dem Privatkläger nicht schaden
wollen (Urk. 3/7 S. 4 f.). Sie hat zudem bereits in der ersten polizeilichen Befra-
gung ausdrücklich erklärt, Ziel ihrer Aussage sei "einfach damit es mal aufge-
schrieben ist, damit er vermerkt ist, falls mit A._ wieder mal etwas ist."
(Urk. 3/1 Antwort 38). In der heutigen Berufungsverhandlung wiederholte sie, sie
habe einfach erzählen wollen, was passiert sei und sei sich der Folgen nicht be-
wusst gewesen (Prot. II S. 11 f.). Auch diese Depositionen erscheinen vor dem
geschilderten Hintergrund zumindest nicht unglaubhaft. Klarzustellen ist damit
auch, dass das Vorgehen der Beschuldigten mit der Einreichung einer Anzeige –
selbst wenn man vollständig von ihrer Darstellung ausgeht – naiv und nicht kor-
rekt war. Dies darf aber nicht mit einer bewussten Falschanzeige verwechselt
werden.
5.6. Dem WhatsApp-Chat zwischen der Beschuldigten und dem Privatkläger
lässt sich im Wesentlichen Folgendes entnehmen: Die Beschuldigte bedankte
sich beim Privatkläger, dass er sie zum Bahnhof gebracht habe. Sie teilte ihm mit,
dass sie ein schönes Wochenende gehabt hätten. Ihre Gefühle würden noch Ach-
terbahn fahren. Sie könne ihrem Freund nicht einfach die Wahrheit sagen, das
habe er nicht verdient (Urk. 3/5 Nr. 1, 6 und 7). Weiter äusserte die Beschuldigte,
dass sie schon länger nicht mehr mit Kollegen unterwegs und so "wäg" gewesen
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sei wie dieses Wochenende und er ihr richtig ans Herz gewachsen sei (Urk. 3/5
Nr. 12-15). Die Beschuldigte gab dem Privatkläger die Äusserungen ihres Freun-
des weiter, dieser wolle wissen, ob sie ihn betrogen habe etc. und teilte mit, dass
dieser es nun wisse (Urk. 3/5 Nr. 18-31). Der Privatkläger schrieb, er sei ja nur ein
Kollege (Urk. 3/5 Nr. 36). Dann erfährt man, dass die Beschuldigte in Zukunft in
Ruhe gelassen werden wolle und der Privatkläger sie mehrmals ersuchte, mit ihm
Kontakt aufzunehmen (Urk. 3/5 Nr. 50 ff.).
Die ersten Chats ("schönes Wochenende", "ans Herz gewachsen", "Gefühle
fahren Achterbahn", "vermissen"), welche von der Staatsanwalt als zentrales Be-
weismittel bezeichnet werden (Urk. 52 S. 4. f.), sprechen in der Tat auf den ersten
Blick klar dafür, dass sich keinerlei sexuellen Handlungen gegen den Willen der
Beschuldigten abgespielt haben. Die Beschuldigte konnte diese von ihr verschick-
ten Nachrichten denn auch nicht erklären und führte aus, sie sei total geschockt,
wenn sie das sehe (Urk. 3/5 S. 15). Bei näherer Betrachtung lässt sich indessen
im Kontext der oben gemachten Erwägungen daraus nicht mit genügender Si-
cherheit ableiten, dass sie die sexuellen Kontakte nicht wie von ihr beschrieben
empfunden hat. Letztlich gibt der Chat-Verkehr lediglich "schwarz auf weiss" das
von der Beschuldigten bei der Polizei selber bereits geschilderte ambivalente
Verhalten von ihr wieder. Die Beschuldigte hat von Anfang an ausgeführt, dass
sie eigentlich ein schönes Wochenende gehabt hätten, man habe sich – wie be-
reits erwähnt – gut verstanden, es lustig und unterhaltsam gehabt. Schon darin
spiegelt sich angesichts der gemäss ihrer Darstellung gegen ihren Willen erfolg-
ten sexuellen Handlungen seit Freitagabend ein ambivalentes Verhalten. Dies
zeigt sich auch darin, dass sie nach sexuellen Kontakten mehrmals völlig freiwillig
wieder mit dem Privatkläger ins Gästezimmer zum Übernachten und zu ihm nach
Hause ging, was sie genauso wenig wie die WhatsApp-Mitteilungen erklären
konnte. Sie hat im Übrigen ihr Gefühlschaos bereits vor der Eröffnung des Chat-
verlaufs geschildert und auch dass der Privatkläger sie danach zum Bahnhof ge-
bracht und umarmt habe. Sie ist offensichtlich hin und her gerissen zwischen Ge-
fühlen für den Privatkläger ("as härz gwachse") und ihrem Freund (dies könne sie
ihm nicht antun, sie könne ihn nicht belügen) und von der Situation überfordert,
was ihre Umschreibung im Chat Nr. 6, ihre Gefühle würden gerade Achterbahn
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fahren, treffend widerspiegelt. Die zitierten Mitteilungen im Chat ändern jedenfalls
insgesamt nichts an den obigen Erwägungen, dass es nicht unglaubhaft er-
scheint, dass die Beschuldigte die eigentlichen sexuellen Kontakte aus den obge-
nannten Gründen wie innerlich erstarrt und gelähmt aufgrund ihrer zwiespältigen
Gefühle und des "Drängen" des Privatklägers an diesem an sich schönen Wo-
chenende geschehen liess. Diese wie erwogen zumindest nicht unglaubhafte
Darstellung kann ihr aufgrund der Chatnachrichten nicht widerlegt werden. Im Üb-
rigen hat die Beschuldigte bereits zu Beginn der Untersuchung erwähnt, dass sie
und der Privatkläger sich geschrieben hätten und sie nicht wissen konnte, ob der
Privatkläger diese WhatsApp-Nachrichten gelöscht habe oder nicht (vgl. Urk. 3/1
etwa Antworten 12, 40).
6. Insgesamt ist somit nicht bewiesen, dass die Beschuldigte – wie ihr sinnge-
mäss vorgeworfen wird – in der fraglichen polizeilichen Einvernahme einen Nicht-
schuldigen einer Straftat bezichtigt. Des Weiteren lässt sich nicht erstellen, dass
die Beschuldigte fälschlicherweise bzw. wider besseren Wissens ausgesagt hatte,
dass sie die sexuellen Kontakte nicht gewollt habe. Damit ist nicht nachgewiesen,
dass die Beschuldigte ihre Vorwürfe wider besseren Wissens erhob, um eine
Strafverfolgung gegen den Privatkläger herbeizuführen. Zudem hat die Beschul-
digte im Kern kein strafrechtlich relevantes Verhalten des Privatklägers geschil-
dert. Der Sachverhalt ist demnach nicht erstellt und die Beschuldigte vom Vorwurf
der falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 StGB freizusprechen.
III. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Ergebnis – Bestätigung des vorinstanzlichen Freispruchs – ist
das vorinstanzliche Kostendispositiv zu bestätigen (Dispositivziffern 2, 5 und 6).
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ih-
res Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Staatsanwaltschaft
unterliegt mit ihren Anträgen. Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliess-
lich derjenigen der amtlichen Verteidigung und des unentgeltlichen Rechtsbei-
stands des Privatklägers, sind demnach auf die Gerichtskasse zu nehmen. Der
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amtliche Verteidiger ist mit Fr. 3'500.– (Urk. 51) und der unentgeltliche Rechts-
beistand des Privatklägers mit Fr. 677.80 (Urk. 50) zu entschädigen.
IV. Genugtuung
Die Beschuldigte ist für die ungerechtfertigte Haft von 11 Tagen mit Fr. 2'200.– zu
entschädigen. Die Vorinstanz hat dies zutreffend begründet und es kann zwecks
Vermeidung von Wiederholungen auf die entsprechenden Ausführungen verwie-
sen werden (Urk. 31 S. 17).