Decision ID: d3d5f5f2-8705-4958-b413-f30388a483f0
Year: 2020
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Stelle auf das Gesuch ein und klärte den medizinischen Sachverhalt ab.
5. In ihrem Bericht vom 10. Dezember 2018 diagnostizierte Dr. med. B._
neben dem Status nach Teilamputation der Dig. II-IV rechts namentlich ein
chronisches Zervikalsyndrom sowie eine Chondroskalzinose beider Knie
nach Meniskushinterhornläsion im rechten Knie und erachtete A._
aktuell zu 100 % arbeitsunfähig. Zuvor wurde das rechte Knie am 9. Juli
2018 operiert (Arthroskopie mit Resektion medialer Meniskus und
Resektion mediale Plica). Aufgrund persistierender Beschwerden, welche
Dr. med. C._ am ehesten auf die Hinterhornläsion des medialen
Meniskus zurückführte, empfahl dieser eine Re-Arthroskopie mit
Teilmeniskektomie medial (Bericht vom 9. November 2018), welche am 14.
Dezember 2018 durchgeführt wurde. Nachdem A._ am rechten
Kniegelenk beschwerdefrei geworden war, zeigten sich ähnliche
Beschwerden am linken Knie. Zudem wurde er am 26. Februar 2019 bei
festgestellter epigastrischer Hernie operiert. Nachdem sich der Verdacht
einer Hinterhornläsion des medialen Meniskus im linken Knie bestätigt
hatte, wurde am 8. Mai 2019 eine Arthroskopie am linken Knie mit
Teilmeniskektomie medial durchgeführt. Mit Bericht vom 7. August 2019
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wies Dr. med. B._ persistierende postoperative Schmerzen aus und
stellte den Verdacht auf eine Depression.
6. In der Folge holte die IV-Stelle ein bidisziplinäres Gutachten (Orthopädie
sowie Psychiatrie und Psychotherapie) beim Ärztlichen
Begutachtungsinstitut (ABI) in Basel ein (Explorationen am 28. Oktober
2019). Im Gutachten vom 18. November 2019 wiesen die Dres. med.
D._ und E._ folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit aus: partielle Amputation der Langfinger der rechten Hand,
Dig. II-IV im PIP, Dig. V im DIP; chronisch rezidivierendes lumbovertebrales
Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik bei Status nach
Dekompression und Spondylodese LWK5/SWK1 etwa im Jahr 2010 ohne
genaue anamnestische Angaben; beginnende degenerative
Veränderungen der Knie beidseits bei Status nach Arthroskopie mit
partieller medialer Meniskektomie links am 8. Mai 2019 und nach
Arthroskopie mit partieller medialer Meniskektomie rechts am 14.
Dezember 2018 und 9. Juli 2018; Dysthymia. Als Diagnose ohne Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit führten sie einen Status nach PTBS (F43.1) auf. Die
Gutachter erachteten A._ sowohl in seiner bisherigen als auch in einer
adaptierten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig.
7. Nachdem RAD-Ärztin Dr. med. F._ in ihrer Abschlussbeurteilung vom
2. Dezember 2019 das ABI-Gutachten für umfassend, konsistent und
abschliessend befand, stellte die IV-Stelle A._ mit Vorbescheid vom
4. Dezember 2019 die Aufhebung der Invalidenrente in Aussicht. Dagegen
erhob A._ am 15. Dezember 2019 bzw. 17. Februar 2020 Einwand.
8. Mit Verfügung vom 17. März 2020 entschied die IV-Stelle wie
vorbeschieden und hob die bisherige Invalidenrente auf das Ende des der
Verfügungszustellung folgenden Monats auf. Gestützt auf das ABI-
Gutachten ging sie von einer nur kurzzeitigen Aufhebung der
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Arbeitsfähigkeit infolge der Kniearthroskopien aus und stellte auf die darin
ausgewiesene Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 80 % ab. Für das
Valideneinkommen zog sie das in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Betriebsmitarbeiter erzielte Jahreseinkommen heran und das
Invalideneinkommen bemass sie anhand der Tabellenlöhne der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE). Daraus resultierte ein
rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 11 %. Zum Einwand führte sie
im Wesentlichen aus, das extern eingeholte bidisziplinäre Gutachten sei
schlüssig und nachvollziehbar. Zudem bestünden mit Blick auf das
Valideneinkommen keine konkreten Anhaltspunkte für eine berufliche
Weiterentwicklung von A._.
9. Mit am 14. Mai 2020 dagegen erhobener Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden beantragte A._
(nachfolgend Beschwerdeführer) neben der Aufhebung der angefochtenen
Verfügung, ihm sei eine ganze, mindestens aber eine halbe Invalidenrente
zuzusprechen. Zudem sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an
die IV-Stelle zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um
unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung. Zur Begründung brachte
er im Wesentlichen vor, sein Gesundheitszustand habe sich verschlechtert,
weshalb seine behandelnde Ärztin, Dr. med. B._, wegen zur
Amputation dreier Finger hinzugetretener Beschwerden ein Gesuch um
Rentenrevision gestellt und ihn zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben habe.
Das ABI-Gutachten, auf welches sich die IV-Stelle berufe, sei unbegründet,
hinsichtlich der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von 80 % in adaptierter
Tätigkeit nicht nachvollziehbar und mit Blick auf die Feststellung einer nur
kurzzeitig aufgehobenen Arbeitsfähigkeit infolge der Knie-Arthroskopien
falsch. Zudem sei es völlig weltfremd anzunehmen, er hätte sich ohne den
Unfall im Jahre 1995 beruflich nicht weiterentwickelt.
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10. Mit Vernehmlassung vom 3. Juni 2020 schloss die IV-Stelle (nachfolgend
Beschwerdegegnerin) auf Abweisung der Beschwerde, verzichtete indes
auf eine Wiederholung ihrer Begründung und verwies hierfür auf die
angefochtene Verfügung vom 17. März 2020.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Graubünden vom 17.
März 2020 (Akten des Beschwerdeführers [Bf-act.] B, Akten der IV-Stelle
[IV-act.] 194) stellt eine solche anfechtbare Verfügung der
Invalidenversicherung und folglich ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein
Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die
sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über
die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als Adressat der
strittigen Verfügung ist der Beschwerdeführer berührt und weist ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung auf (Art. 1
Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht
(Art. 1 IVG i.V.m. Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG) eingereichte Beschwerde
ist somit einzutreten.
2. Streitgegenstand bildet vorliegend die Frage, ob die Beschwerdegegnerin
den Anspruch auf eine Viertelsrente zu Recht revisionsweise per 30. April
2020 aufgehoben hat.
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Unstreitig ist das Vorliegen eines Revisionsgrundes. Die
Beschwerdegegnerin ist denn auch auf das Gesuch um Rentenerhöhung
eingetreten und hat – insbesondere mit der Einholung des bidisziplinären
ABI-Gutachtens vom 18. November 2019 – den Rentenanspruch des
Beschwerdeführers in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend
geprüft (vgl. BGE 141 V 9).
Uneins sind sich die Parteien aber hinsichtlich der (Rest-)Arbeitsfähigkeit
in leidensadaptierter Tätigkeit: Während die Beschwerdegegnerin gestützt
auf das ABI-Gutachten vom 18. November 2019 eine 80%ige
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit annahm, macht der
Beschwerdeführer eine Verschlechterung seines Gesundheitszustands
geltend und erachtet sich zu 100 % arbeitsunfähig. Des Weiteren kritisiert
er die Bemessung des Invaliden- und Valideneinkommens.
3.1. Zunächst ist jedoch die vom Beschwerdeführer sinngemäss geltend
gemachte Verletzung des rechtlichen Gehörs zu prüfen. Soweit der
Beschwerdeführer vorbringt, die Beschwerdegegnerin habe in der
angefochtenen Verfügung keine Angaben zur weiteren Arbeitstätigkeit des
Beschwerdeführers gemacht, vermag er nicht durchzudringen. Die aus
dem Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101)
fliessende Begründungspflicht verlangt nicht, dass sich die entscheidende
Behörde mit allen Parteistandpunkten auseinandersetzt und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Sie darf sich auf das für den Entscheid
Wesentliche beschränken. Den Betroffenen muss es aber immerhin
möglich sein, sich über die Tragweite des Entscheides Rechenschaft zu
geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die nächsthöhere Instanz
weiterzuziehen. Der Entscheid hat folglich zumindest kurz die
Überlegungen zu nennen, von denen sich die entscheidende Behörde
leiten liess und worauf sie ihren Entscheid stützt (vgl. BGE 143 IV 40
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E.3.4.3, 142 III 433 E.4.3.2 m.H.). Die Beschwerdegegnerin hat sich mit
den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vorbringen zum Validen-
und Invalideneinkommen befasst. Sie hat die revisionsweise Aufhebung
der Invalidenrente in einer – wenn auch kurzen – Begründung erläutert. Die
Überlegungen von denen sich die Beschwerdegegnerin leiten liess, können
im Kern nachvollzogen werden, und deren Motive gehen mit genügender
Klarheit aus der angefochtenen Verfügung hervor. Gestützt darauf war der
Beschwerdeführer denn auch in der Lage, den Entscheid vom 17. März
2020 sachgerecht anzufechten.
3.2. Zu prüfen ist sodann, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das ABI-
Gutachten vom 18. November 2019 abgestellt hat oder ob konkrete
Indizien gegen dessen Zuverlässigkeit sprechen bzw. dieses von den
übrigen medizinischen Akten derart in Zweifel gezogen wird, dass von der
80%igen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
(d.h. einer körperlich leichten Tätigkeit in wechselnder Position mit Hebe-
und Traglimite von 10 kg ohne Zwangshaltungen des Rumpfes und der
Beine, ohne repetitive Überkopfbewegungen der Arme und mit Einsatz der
rechten Hand ausschliesslich für grobmotorische Hilfsfunktionen)
abzuweichen wäre.
3.2.1. Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl.
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BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a). Ausschlaggebend für den
Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels
noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen
Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 351 E.3a, 122
V 157 E.1c mit Hinweisen). Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit
dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf
bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für
die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. BGE 125 V 351 E.3b, 118 V 286
E.1b, 112 V 30 E.1a mit Hinweisen). So ist den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei
der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 137 V
210 E.1.3.4, 125 V 351 E.3b/bb).
3.2.2. Soweit der Beschwerdeführer rügt, das ABI-Gutachten vom 18. November
2019 sei unbegründet und deren Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit nicht nachvollziehbar, kann ihm nicht gefolgt werden.
Vielmehr ist der Beschwerdegegnerin beizupflichten, dass die Gutachter
sich in ihrer Beurteilung in Kenntnis der medizinischen Vorakten (IV-act.
180 S. 14 ff.) sorgfältig mit den gesundheitlichen Einschränkungen des
Beschwerdeführers auseinandergesetzt und ihre Schlussfolgerungen
gestützt auf die eigenen Untersuchungen, den Laborbefunden und den
Erkenntnissen aus der Bildgebung getroffen haben (vgl. z.B. IV-act. 180
S. 25 ff. und S. 37 ff.). Auch flossen die vom Beschwerdeführer gemachten
Angaben zur Krankheitsentwicklung und zum jetzigen Leiden in die
Gesamtbeurteilung zum Gesundheitszustand und zur Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit mit ein (vgl. z.B. IV-act. 180 S. 6 f., S. 22 f. und S. 34 ff.).
In der Konsensbeurteilung hielten sie fest, aus orthopädischer Sicht
- 10 -
könnten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diejenigen
einer partiellen Amputation der Langfinger rechts Dig. II-IV im PIP und Dig.
V im DIP, eines chronisch-rezidivierenden lumbovertebralen
Schmerzsyndroms ohne radikuläre Symptomatik bei Status nach
Dekompression und Spondylodese LWK5/SWK1 etwa im Jahr 2010 und
von beginnenden degenerativen Veränderungen beider Knie gestellt
werden. Es bestehe ein Status nach Arthroskopie mit partieller medialer
Meniskektomie links am 8. Mai 2019 und partieller medialer Meniskektomie
rechts am 14. Dezember 2018 sowie 9. Juli 2018. Aus orthopädischer Sicht
objektiviert werden könnten Defizite vor allem der rechten Hand bei Status
nach partieller Amputation der Langfinger vor etwas über 20 Jahren,
degenerative Veränderungen an beiden Kniegelenken und degenerative
Veränderungen der LWS mit radiologisch korrektem Zustand nach
Spondylodese im lumbosakralen Übergangsbereich ohne relevante
Alternationen des proximalen Nachbarsegments. Die Einsatzfähigkeit der
rechten Hand sei aufgrund des Status nach Teilamputation deutlich
reduziert; sie könne aber für verschiedene Hilfstätigkeiten eingesetzt
werden. Zudem bestehe eine verminderte Belastbarkeit beider
Kniegelenke sowie des LWS-Bereichs mit Hebe- und Traglimite von 10 kg.
Der Beschwerdeführer könne keine Zwangshaltungen des Rumpfes oder
der Beine einnehmen; auch repetitive Überkopfbewegungen der Arme
sollten vermieden werden. Aus psychiatrischer Sicht ergebe sich das Bild
eines seit vielen Jahren weitgehend stabilen Zustandsbildes, welches
vorwiegend durch eine depressiv orientierte Grundstimmung geprägt sei.
Eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung werde vom
Beschwerdeführer seit vielen Jahren nicht mehr in Anspruch genommen
und auch jetzt nicht gewünscht bzw. gesucht. Aktuell liege beim
Beschwerdeführer eine Dysthymie vor, ohne dass er die Kriterien für das
Vorliegen einer depressiven Episode erfülle. Die Dysthymie habe aber
Krankheitswert und führe zu einer leichten Einschränkung der
Leistungsfähigkeit. Die früher noch vorhanden gewesene PTBS sei in der
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Zwischenzeit remittiert. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine leicht
eingeschränkte Durchhaltefähigkeit und eine leichte Einschränkung in der
Flexibilität und Umstellungsfähigkeit (IV-act. 180 S. 8).
3.2.3. Im Weiteren äusserten sich die ABI-Gutachter auch dazu, inwiefern sich im
Vergleich zum früheren, dem letzten materiellen Entscheid vom
10. September 2004 zugrundeliegenden Sachverhalt eine effektive
Veränderung des Gesundheitszustands eingestellt hat (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_346/2019 vom 6. September 2019 E.2.1.2). So hielten
sie fest, dass sich in Bezug auf die rechte Hand zwar immer noch
vergleichbare morphologische Verhältnisse zeigten wie im 2004, doch
habe sich der Beschwerdeführer nach dem vom orthopädischen Gutachter
gewonnenen Eindruck insgesamt gut an die bestehenden Defizite
adaptiert. Während der aktuellen Untersuchung habe er die rechte Hand in
geschickt wirkender Weise für verschiedene Aktivitäten eingesetzt, so dass
die im Bericht vom 18. Dezember 2002 anlässlich der MEDAS-
Begutachtung aus somatischer Sicht noch attestierte
Leistungseinschränkung von 30 % bei vollzeitlicher Präsenz nicht mehr
ausreichend begründet werden könne. Vielmehr sei es wichtig, dass die
ausgeführten Arbeiten den bestehenden morphologischen Defiziten
ausreichend Rechnung trügen, womit dann auch eine uneingeschränkte
Arbeits- und Leistungsfähigkeit umgesetzt werden könne. Seit 2004 sei es
an beiden Kniegelenken durch das Auftreten von gewissen
Degenerationen und durchgeführten arthroskopischen Interventionen zu
einer Verschlechterung gekommen, was sich durch eine gewisse
Anpassung der noch in Frage kommenden Tätigkeiten aber ausschliesslich
in qualitativer Weise auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Aus psychiatrischer
Sicht habe sich der Gesundheitszustand verbessert, ohne dass aber
retrospektiv exakt angegeben werden könnte, ab wann diese
Verbesserung eingetreten sei. Gegenüber dem psychiatrischen Gutachten
im Jahr 2002 habe sich die psychische Situation insofern gebessert, dass
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sich nur noch einzelne Restsymptome einer PTBS erkennen liessen und
auch das Ausmass der Depressivität erheblich geringer sei. Es fänden sich
nun eine chronisch depressive Verstimmung geringer Ausprägung
(Dysthymie). Die früher festgestellte 50%ige Arbeitsunfähigkeit habe sich
wesentlich auf die damaligen psychiatrischen Diagnosen abgestützt.
Aufgrund einer relevanten Verbesserung des psychischen Zustandsbildes
könne nun noch höchstens eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit in
angestammter oder angepasster Tätigkeit begründet werden (IV-act. 180
S. 10 f.).
3.2.4. Der psychiatrische Teilgutachter, Dr. med. D._, orientierte sich bei der
Frage, ob die diagnostizierten psychischen Leiden zu einer
Arbeitsunfähigkeit führen, rechtsprechungsgemäss an den
Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 (BGE 143 V 409 und 418)
(siehe IV-act. 180 S. 44 ff.). Geht es um psychische Erkrankungen oder
depressive Störungen, so sind für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
systematisierte Indikatoren (Beweisthemen und Indizien) beachtlich, die es
– unter Berücksichtigung von leistungshindernden/-hemmenden äusseren
Belastungsfaktoren wie auch von Kompensationspotentialen (Ressourcen)
– erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen
(BGE 145 V 361 E.3.1 ff.). Die Ausführungen von Dr. med. D._ zur
Beurteilung der medizinischen Situation sind entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers einleuchtend und die gezogenen Schlussfolgerungen
zum Gesundheitszustand nachvollziehbar begründet. So hielt er
namentlich zur Diagnoseherleitung fest, der Beschwerdeführer beschreibe
eine seit mehreren Jahren bestehende mehrheitlich leicht ausgeprägte
depressive Grundstimmung. Eine depressive Episode sei seit vielen
Jahren nicht mehr diagnostiziert und therapiert worden. Lediglich in einem
Bericht der Hausärztin sei kürzlich der Verdacht auf das Vorliegen einer
Depression geäussert worden. Bei der Dysthymie handle es sich um eine
Depression, die im Schweregrad nicht die Kriterien einer leichten (bzw.
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mittelgradigen oder schweren) depressiven Episode erfülle. Der vom
Beschwerdeführer als sehr reduziert beschriebene Alltag sei in erster Linie
Ausdruck einer erheblichen Passivität und nur zum geringeren Teil
Ausdruck einer depressiven Störung. Die Tatsache, dass seit ca.
anderthalb Jahrzehnten keinerlei psychiatrische oder
psychotherapeutische Behandlung in Anspruch genommen werde,
spreche ebenfalls klar gegen eine depressive Störung erheblicher
Schwere. Vom damals behandelnden Arzt (und bestätigt durch die
psychiatrische Begutachtung im 2002) sei eine PTBS infolge des Unfalls
von 1995 festgestellt worden. Diesbezüglich hätten sich inzwischen nur
noch einzelne Symptome (bspw. insgesamt erhöhte Nervosität), aber
sicherlich nicht mehr das Vollbild einer PTBS gezeigt. So sei es dem
Beschwerdeführer u.a. ohne erkennbare ängstliche Erregung möglich
gewesen, über das Unfallereignis und die Folgen zu sprechen (IV-act. 180
S. 39 f.). Gestützt auf diese schlüssige Herleitung der Diagnosen und in
Würdigung der Ressourcen (insbesondere: abgeschlossene
Berufsausbildung, Verständigung auf Deutsch für einfache Hilfstätigkeiten
und Vaterrolle) erscheint die von Dr. med. D._ ausgewiesene 80%ige
Arbeitsfähigkeit in bisheriger und adaptierter Tätigkeit (IV-act. 180 S. 41 f.)
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nachvollziehbar. Im
Übrigen ist der Beschwerdegegnerin darin beizupflichten, dass reaktive
Störungen auf einen abschlägigen IV-Entscheid, welche direkt negative
funktionelle Folgen zeitigen, rechtsprechungsgemäss auszuklammern sind
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_559/2019 vom 20. Januar 2020 E.3.2,
9C_371/2019 vom 7. Oktober 2019 E.5.1.3, 8C_329/2018 vom 7.
September 2018 E.5.2.3.2, 9C_680/2017 vom 22. Juni 2018 E.5.2 sowie
8C_628/2018 vom 31. Oktober 2018 E.4.5.1.1). Der Einwand des
Beschwerdeführers, er sei aufgrund des negativen Entscheids psychisch
erkrankt, zielt somit ins Leere.
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3.2.5. Ferner führte auch der orthopädische Teilgutachter, Dr. med. E._,
gestützt auf eine eingehende klinische und bildgebende Befunderhebung
des Bewegungsapparats (vgl. IV-act. 180 S. 25 ff.) namentlich mit Blick auf
die Kniebeschwerden nachvollziehbar aus, ab etwa 2017 sei es
zunehmend zum Auftreten von beidseitigen Knieschmerzen, rechts > links,
gekommen, was zu zwei arthroskopischen Eingriffen am rechten Knie und
einem solchen links geführt habe. Die Symptomatik habe sich nach
aktuellen Angaben des Beschwerdeführers allerdings nicht namhaft
bessern lassen. Er berichte von rezidivierenden Beschwerden an beiden
Kniegelenken, wo offenbar bis heute Therapiemassnahmen durchgeführt
würden. Bei der aktuellen orthopädischen Befunderhebung sei das
Gangbild auf der Treppe in beide Richtungen im Wechselschritt praktiziert
worden. Auf ebenem Terrain wirke es etwas kleinschrittig und steif, ohne
dass dabei aber eine Asymmetrie feststellbar sei. Die extensionsnahen
Gangvarianten gelängen nach anfänglichem Zögern zuletzt korrekt, doch
werde die belastete Knieflexion auf etwa 90° limitiert mit Verweis auf
beidseitige Knieschmerzen rechts > links. Dennoch könne bereits zu
Beginn der Untersuchung eine noch ordentlich gut erhaltene
Belastungsfähigkeit der unteren Körperhälfte erkannt werden, namentlich
unter Berücksichtigung des Umstandes, dass der Beschwerdeführer ein
massiv überhöhtes Körpergewicht aufweise, wodurch die Beine de facto
mit jedem Schritt Schwerarbeit leisten müssten. Bei der
Detailuntersuchung der Beine liege der Fokus anamnestisch auf beiden
Kniegelenken, wo der Beschwerdeführer bis heute anhaltende
Beschwerden angebe. Diese seien allerdings schwierig zuzuordnen, indem
es bspw. wenig plausibel wirke, dass die Meniskustestung zu einer
Schmerzangabe ausschliesslich im mittleren Bereich dorsal am
Oberschenkel führe. Hinweise auf ein akutes intraartikuläres Geschehen
mit Ergussbildung, Röntgen oder Überwärmung liessen sich jedenfalls an
beiden Kniegelenken nicht finden. Auch die Hüften seien ruhig und die
bestehende Senkform der Füsse sei wahrscheinlich funktionell
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bedeutungslos (IV-act. 180 S. 28 f.). Vor diesem Hintergrund leuchtet es
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers denn auch ein, wenn der
orthopädische Gutachter den Einschränkungen beider Kniegelenke,
welche seiner Ansicht nach etwas vermindert belastbar seien, in
qualitativer Hinsicht bei der Festlegung des Belastungsprofils Rechnung
trug und auswies, dass vor allem Zwangshaltungen vermieden werden
sollten (vgl. IV-act. 180 S. 31) sowie eine Hebe- und Traglimite von 10 kg
bestehe (vgl. IV-act. 180 S. 8).
3.2.6. Im Weiteren setzte sich Dr. med. E._ auch mit den weiteren
anamnestisch ausgewiesenen Diagnosen im Bereich der LWS, der HWS
und der Bauchwand auseinander. Diesbezüglich hielt er gestützt auf seine
klinische Befunderhebung nachvollziehbar fest, die Detailuntersuchung
des Rumpfes zeige in Anbetracht der durchgeführten lumbosakralen
Spondylodese eine gute Beweglichkeit in allen Ebenen, indem sich der
erhöhte Finder-Boden-Abstand später beim Langsitz auf etwa die Hälfte
reduzieren lasse, so dass hier eine gewisse Selbstlimitation zu postulieren
sei. Auch die Palpation des Rückens zeige keine Auffälligkeiten und der
Beschwerdeführer vermöge auch während 15 Sekunden den Globaltest
durchzuführen, so dass seine Rumpfmuskulatur durchaus nicht ganz
schlecht konditioniert wirke. Dies sei insbesondere unter Berücksichtigung
des Umstandes erwähnenswert, dass er sich einer laparoskopischen
Bauchwandstabilisation bei epigastrischer Hernie habe unterziehen
müssen. Die Bewegungen des Kopfes gelängen in allen Richtungen frei
und die Palpation des Nackens ergebe ebenfalls keine Auffälligkeiten,
wobei die kräftige Subkutis eine ganz differenzierte Beurteilung erschwere
(IV-act. 180 S. 29).
3.2.7. Wenn nun Dr. med. B._ den Beschwerdeführer insbesondere
aufgrund der diversen somatischen Leiden zu 100 % arbeitsunfähig
erachtete (vgl. Stellungnahme vom 19. November 2018 [IV-act. 135],
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Verlaufsberichte vom 3. März 2019 [IV-act. 157] und 7. August 2019 [IV-
act. 164]), ist dem sich darauf abstützenden Beschwerdeführer
entgegenzuhalten, dass ärztliche Beurteilungen von der Natur der Sache
her unausweichlich Ermessenzüge aufweisen, die es zu respektieren gilt
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_699/2018 vom 28. August 2019 E.4.2.2
m.H.). Nur weil eine behandelnde Ärztin zu einer anderen Einschätzung
gelangt bzw. an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen
festhält, ist es rechtsprechungsgemäss nicht geboten, ein
Administrativgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer
Abklärungen zu nehmen. Dr. med. B._ brachte in ihren
Stellungnahmen denn auch nichts vor, was in der bidisziplinären
Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sein soll (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 8C_379/2019 vom 21. August 2019 E.2). Vielmehr
unterscheiden sich die medizinischen Beurteilungen im ABI-Gutachten und
in den Stellungnahmen von Dr. med. B._ – wie im Gutachten
ausgewiesen – insbesondere in diagnostischer Hinsicht nicht wesentlich
(vgl. IV-act. 180/30). Auch mit Blick auf die Berichte vom 18. November
2019 und 11. Dezember 2019 des Kantonsspitals Graubünden, ist davon
auszugehen, dass die darin aufgeführten diffusen Beschwerden am linken
Knie, welche ohnehin nur konservativ und nicht operativ behandelt wurden
(IV-act. 189 S. 29 ff.), bereits anlässlich der Begutachtung gewürdigt und
in die Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit
eingeflossen sind.
3.2.8. Schliesslich kann dem Beschwerdeführer nicht gefolgt werden, soweit er
moniert, die bei ihm durchgeführten Knie-Operationen hätten jeweils für
längere Zeit zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit geführt. Zwar trifft es zu,
dass neben jener von Dr. med. G._ (vgl. IV-act. 190 S. 4) zahlreiche
Bescheinigungen der Arbeitsunfähigkeit aktenkundig sind (vgl. IV-act. 132
S. 1 ff.). Diese beziehen sich jedoch in erster Linie auf die damals
ausgeübte Tätigkeit und nicht auf leidensangepasste Verweistätigkeiten.
- 17 -
Diesbezüglich bejahte denn auch die behandelnde Ärztin Dr. med. B._
in ihrem Verlaufsbericht vom 3. März 2019 die Zumutbarkeit von anderen,
v.a. sitzenden Tätigkeiten (IV-act. 157 S. 4). Auch im Bericht vom 7. August
2019 wies sie aufgrund der festgestellten somatischen Beschwerden aus,
dass langes Gehen und Stehen für den Beschwerdeführer schmerzhaft
seien, was diese Einschränkungen berücksichtigende Verweistätigkeiten
trotz der von Dr. med. B._ nicht weiter begründeten Verneinung von
zumutbaren anderen Tätigkeiten für möglich erscheinen lässt (IV-act. 164
S. 3 f.). Sodann räumte denn auch der Beschwerdeführer anlässlich der
psychiatrischen Begutachtung selbst ein, dass ihm eine Tätigkeit ohne
körperliche Belastungen eigentlich möglich sei (vgl. IV-act. 180 S. 36).
Insofern erscheint es nicht abwegig, wenn der orthopädische ABI-
Gutachter festhielt, für körperlich adaptierte Tätigkeiten habe
wahrscheinlich seit Jahren im Grundsatz eine uneingeschränkte Arbeits-
und Leistungsfähigkeit bestanden. Zu vorübergehenden Unterbrechungen
mit Perioden voller Arbeitsunfähigkeit sei es jeweils im Zusammenhang mit
den Operationen an beiden Kniegelenken und an der Bauchdecke
gekommen, wobei solche Einschränkungen lediglich während einiger
Wochen bis weniger Monate bestanden hätten (IV-act. 180 S. 31). Auch
RAD-Ärztin Dr. med. F._ ging in ihrer Abschlussbeurteilung vom 2.
Dezember 2019 davon aus, dass infolge der einzelnen Knie-Arthroskopien
jeweils während zweier Monate eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bestanden habe (Case Report [CR] IV-act. 195 S. 15). Dass aus
medizinischer Sicht keine dauerhafte, sondern nur eine vorübergehende
Verschlechterung des Gesundheitszustands eintrat, geht denn auch aus
dem Bericht von Dr. med. C._ vom 7. Februar 2019 hervor, worin
dieser ausführte, dass der Beschwerdeführer nach der Re-Arthroskopie am
rechten Knie am 14. Dezember 2018 nun beschwerdefrei sei (IV-act. 157
S. 6). Auch nach der laparoskopischen Hernienreposition und Netzplastik
wurde berichtet, dass der Beschwerdeführer mit schmerzadaptierter
Analgesie stets beschwerdearm gewesen sei (vgl. Austrittsbericht vom 4.
- 18 -
März 2019 [IV-act. 189 S. 21]). Zudem können den persistierenden
Kniebeschwerden – wie bereits dargelegt – in qualitativer Hinsicht bei der
Festlegung des Anforderungsprofils einer adaptierten Tätigkeit Rechnung
getragen werden.
3.2.9. Insgesamt ergibt sich somit, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers
und die von ihm beigebrachten medizinischen Stellungnahmen nicht
geeignet sind, das ABI-Gutachtens vom 18. November 2019 in Frage zu
stellen. Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin
auf die darin attestierte 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten
Tätigkeit abstellte. Damit erübrigt es sich, die Angelegenheit zu weiteren
Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.1. Des Weiteren ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin das
Invalideneinkommen korrekt bemessen hat.
4.1.1. Zur Ermittlung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung
primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die
versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine
Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile
Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr
verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und
erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen
und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst
als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare
neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung die LSE-Tabellenlöhne herangezogen werden (vgl.
BGE 135 V 297 E.5.2 m.w.H.).
- 19 -
4.1.2. Der Beschwerdeführer macht diesbezüglich geltend, er arbeite in einem 50
%-Pensum bei seinem Bruder, wobei er aufgrund seiner gesundheitlichen
Beeinträchtigungen keine andere Anstellung finden könne. Abgesehen
davon, dass überhaupt fraglich erscheint, ob der Beschwerdeführer
tatsächlich noch als Hilfsarbeiter/-gipser bei der H._ GmbH tätig ist
(vgl. dazu ABI-Gutachten vom 18. November 2019 [IV-act. 180 S. 7],
wonach er bis zum 18. Juni 2018 bei der H._ GmbH gearbeitet habe),
ist ihm entgegenzuhalten, dass ihm aus medizinischer Sicht eine
Arbeitsfähigkeit von 80 % in adaptierter Tätigkeit zumutbar ist, weshalb
nicht zu beanstanden ist, wenn die Beschwerdegegnerin zur Ermittlung des
Invalideneinkommens die Tabellenlöhne herangezogen hat. Es entspricht
denn auch der Rechtsprechung, dass bei Versicherten, die nach Eintritt
eines Gesundheitsschadens – wie vorliegend – lediglich noch leichte
Arbeiten verrichten können, in der Regel vom Totalwert im niedrigsten (und
am schlechtesten bezahlten) Kompetenzniveau ausgegangen wird (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 8C_411/2019 vom 16. Oktober 2019 E.7.2,
9C_633/2013 vom 23. Oktober 2013 E.4.2). Dass Anlass dazu bestünde,
von dieser Regel abzuweichen, wird weder vom Beschwerdeführer
substantiiert geltend gemacht noch ist dies ersichtlich. Das sich gestützt
auf die LSE-Tabellenlöhne ergebende Invalideneinkommen von Fr.
54'734.70 (LSE 2016, Kompetenzniveau 1, Totalwert, Männer,
Arbeitsfähigkeit von 80 %, umgerechnet auf eine wöchentliche Arbeitszeit
von 41.7 Stunden, aufindexiert = Fr. 5'340.-- : 40 x 41.7 x 12 x 0.8 x
1.003995 x 1.01 x 1.01) liegt deutlich über dem vom Beschwerdeführer in
seiner Tätigkeit als Hilfsgipser bei der H._ GmbH erzielten Jahreslohn
von Fr. 34'788.-- (= 13 x Fr. 2'676.--) (vgl. Frageboden für Arbeitgebende
vom 3. Dezember 2018 [IV-act. 146 S. 5]), weshalb der Beschwerdeführer
seine Restarbeitsfähigkeit auch aus erwerblicher Sicht nicht voll
ausschöpft. Zudem kann angesichts des gutachterlichen Belastungsprofils
(insbesondere körperlich leichte Tätigkeiten in wechselnder Position mit
Hebe- und Traglimite von 10 kg ohne Zwangshaltungen des Rumpfes und
- 20 -
der Beine, ohne repetitive Überkopfbewegungen der Arme und mit Einsatz
der rechten Hand ausschliesslich für grobmotorische Hilfsfunktionen)
entgegen der vom Beschwerdeführer vertretenen Auffassung nicht gesagt
werden, dass die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form
möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kenne.
Vielmehr umfasst das hier anwendbare Kompetenzniveau 1 (einfache
Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art) typischerweise leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten. Zudem kann auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des
Arbeitgebers (Nischenarbeitsplätze) gerechnet werden (Urteil des
Bundesgerichts 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E.2.2.1 m.H.). Insofern
stehen dem Beschwerdeführer auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
genügend Einsatzmöglichkeiten in einer leidensadaptierten Tätigkeit offen.
4.1.3. Soweit der Beschwerdeführer auf seine multiplen Beeinträchtigungen
(Amputation dreier Finger an der rechten Hand, psychische Leiden und
Kniebeschwerden) verweist und, indem er diese als lohnmindernd einstuft,
sinngemäss einen Leidensabzug geltend macht, ist ihm entgegenzuhalten,
dass die sich aus medizinischer Sicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkenden
körperlichen Limitierungen, welche bereits in qualitativer Hinsicht bei der
Festlegung des Belastungsprofils berücksichtigt worden sind, nicht
nochmals – als abzugsrelevant – herangezogen werden dürfen. Dies käme
einer unzulässigen doppelten Anrechnung derselben Gesichtspunkte
gleich (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_771/2017 vom 29. Mai 2018
E.3.5.1 m.H.). Es bestehen denn auch keine Anhaltspunkte dafür, dass die
gesundheitlichen Einschränkungen nicht bereits vollumfänglich in der
Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierter
Tätigkeit enthalten sind. So wurde den Einschränkungen der rechten Hand,
der LWS und der Knie dadurch Rechnung getragen, als nur noch körperlich
leichte, wechselbelastende Tätigkeiten mit ausschliesslichem Gebrauch
der rechten Hand für grobmotorische Hilfsfunktionen, ohne
- 21 -
Zwangshaltungen des Rumpfes und der Beine und ohne Überkopfarbeiten
als zumutbar erachtet werden. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung
ist der Umstand allein, dass nur mehr leichte Arbeiten zumutbar sind, kein
Grund für einen zusätzlichen Leidensabzug, weil der Tabellenlohn im
Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten Tätigkeiten umfasst
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_841/2017 vom 14. Mai 2018
E.5.2.2.2, 8C_439/2017 vom 6. Oktober 2017 E.5.5, 8C_805/2016 vom 22.
März 2017 E.3.4.2 und 9C_386/2012 vom 18. September 2012 E.5.2). Es
beinhaltet namentlich auch wechselbelastende Tätigkeiten weitgehend
ohne Arbeiten über Schulterhöhe bzw. mit Zwangshaltungen oder
feinmotorischen Tätigkeiten, wobei bspw. leichte Überwachungs- oder
Kontrollfunktionen sowie leichte Prüf- und Verpackungsarbeiten in Frage
kämen (vgl. ärztliche Untersuchung durch Suva-Kreisarzt Dr. med.
K._ vom 30. Juli 1997 [IV-act. 1 S. 171] und Bericht Abklärung EVAL
vom 9. Juni 1997 [IV-act. 1 S. 163 f.]). Auf eine weitergehende Prüfung
kann indes verzichtet werden, da auch unter Berücksichtigung des
rechtsprechungsgemäss zulässigen maximalen Leidensabzugs – wie
nachfolgend aufgezeigt wird – kein rentenbegründender Invaliditätsgrad
resultieren würde.
4.2. Schliesslich bemängelt der Beschwerdeführer die Bemessung des
Valideneinkommens. Er bringt dazu namentlich vor, er hätte sich im
Gesundheitsfall mit Bestimmtheit weiterentwickelt. Das Gegenteil
anzunehmen, sei in heutigen Zeiten völlig weltfremd, sei er doch im
Zeitpunkt des Unfalls erst 32 Jahre alt gewesen. Er würde heute nicht mehr
nur als Betriebsmitarbeiter, sondern als Betriebsleiter tätig sein und dabei
ein Jahreseinkommen von mindestens Fr. 84'000.-- erzielen.
4.2.1. Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die
versicherte Person im Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns
überwiegend wahrscheinlich als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei
- 22 -
wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der
realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es
der Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne
Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein. Da die Invalidität der
voraussichtlich bleibenden oder längere Zeit dauernden
Erwerbsunfähigkeit zu entsprechend hat (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG), ist auch
die berufliche Weiterentwicklung zu berücksichtigen, die eine versicherte
Person normalerweise vollzogen hätte. Rechtsprechungsgemäss sind
theoretisch vorhandene berufliche Entwicklungs- oder
Aufstiegsmöglichkeiten nur dann beachtlich, wenn sie mit hoher
Wahrscheinlichkeit eingetreten wären. Entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers reicht es demnach nicht aus, eine berufliche
Weiterentwicklung nur plausibel zu machen. Vielmehr verlangt die
Rechtsprechung für die Annahme einer mutmasslichen Weiterentwicklung
den Nachweis konkreter Anhaltspunkte dafür, dass die versicherte Person
einen beruflichen Aufstieg und ein entsprechend höheres Einkommen auch
tatsächlich realisiert hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Es
müssen konkrete Hinweise für das behauptete berufliche Fortkommen
bestehen. Blosse Absichtserklärungen der versicherten Person genügen
nicht. Vielmehr muss die Absicht, beruflich weiterzukommen, bereits durch
konkrete Schritte wie Kursbesuche, Aufnahme eines Studiums etc.
kundgetan worden sein (Urteil des Bundesgerichts 9C_868/2018 vom
22. August 2019 E.3.1 m.w.H.).
4.2.2. Im vorliegenden Fall vermag der Beschwerdeführer mit seinen pauschalen,
seiner Ansicht nach der heutigen Zeit entspringenden Vorbringen, er hätte
sich im Gesundheitsfalle mit Bestimmtheit beruflich weiterentwickelt, den
vorerwähnten Anforderungen der Rechtsprechung nicht zu genügen.
Insbesondere zeigt er keine konkreten Schritte auf, wie z.B. der Besuch
eines Weiterbildungskurses, welche belegen würden, dass er sich ohne
- 23 -
gesundheitliche Beeinträchtigung lohnwirksame Aufstiegsmöglichkeiten
eröffnet hätte. Solche ergeben sich denn auch nicht aus seiner
Ausbildungsbiographie bzw. seiner bisherigen beruflichen Laufbahn. Nach
der Grundschule und einer Ausbildung zum Maschinenschlosser (vgl.
Anmeldung zum Bezug von IV-Leistungen für Erwachsene vom 27.
Oktober 1995 [IV-act. 1 S. 37]) arbeitete er in der Schweiz zunächst bei
diversen Firmen als Hilfsarbeiter, bevor er seit dem 16. November 1988 für
die Teigwarenfabrik I._ AG als Betriebsmitarbeiter im Bereich der
Tiefkühlproduktion tätig wurde (vgl. Suva-Bericht vom 21. August 1995 [IV-
act. 1 S. 13], Angaben des Versicherten über Arbeits- und
Verdienstverhältnisse vom 29. September 1995 [IV-act. 1 S. 17], ärztliche
Abschlussuntersuchung vom 29. September 1995 [IV-act. 1 S. 21],
Abklärungsbericht Dr. med. J._ vom 16. Dezember 1997 [IV-act. 1
S. 190] und ABI-Gutachten vom 18. November 2019 [IV-act. 180 S. 6]).
Daraus lassen sich keine konkreten Hinweise darauf entnehmen, dass dem
Beschwerdeführer im Verfügungszeitpunkt die Position eines
Betriebsleiters tatsächlich in Aussicht gestanden hätte (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_215/2016 vom 28. Oktober 2016 E.2.2.2). Insofern
kann nicht vom entsprechend höheren Valideneinkommen von Fr. 84'000.--
, für das der Beschwerdeführer ohnehin keinen Beleg eingereicht hat,
ausgegangen werden. Es ist mithin nicht zu beanstanden, wenn die
Beschwerdegegnerin das Valideneinkommen anhand des bereits in der
Verfügung vom 10. September 2004 festgesetzten und um die Dienstjahre
erhöhten Jahreseinkommens als Betriebsmitarbeiter ermittelt (vgl. dazu
insbesondere Abklärung der beruflichen Eingliederung vom 7. Februar
2003 [IV-act. 2 S. 101 ff.] und Verfügung vom 10. September 2004 [IV-act.
2 S. 210 f.]) und einen die Nominallohnentwicklung berücksichtigenden
Betrag von Fr. 61'785.30 errechnet hat (vgl. auch [CR] IV-act.195 S. 16 und
IV-act. 196).
- 24 -
4.3. Insgesamt resultiert bei einem Valideneinkommen von Fr. 61'785.30 und
einem Invalideneinkommen von Fr. 54'734.70 ein Invaliditätsgrad von
11.41 % (LSE 2016, TA 1, Kompetenzniveau 1, Totalwert, Männer,
Arbeitsfähigkeit von 80 %, Leidensabzug 0 %, umgerechnet auf eine
wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden, aufindexiert = Fr. 5'340.-- : 40
x 41.7 x 12 x 0.8 x 1.003995 x 1.01 x 1.01) bzw. unter Berücksichtigung
eines hier ohnehin nicht gerechtfertigten maximalen Leidensabzugs ein
solcher von 33.56 % (LSE 2016, TA 1, Kompetenzniveau 1, Männer,
Arbeitsfähigkeit 80 %, Leidensabzug 25 %, umgerechnet auf die
durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden, aufindexiert
= Fr. 5'340.-- x 12 : 40 x 41.7 x 0.8 x 1.003995 x 1.01 x 1.01 x 0.75), womit
ein Anspruch auf Invalidenrente entfällt. Die Beschwerdegegnerin hat die
dem Beschwerdeführer zugesprochene Viertelsrente somit zu Recht per
30. April 2020 revisionsweise aufgehoben.
5.1. Die Beschwerde erweist sich somit als unbegründet und ist abzuweisen.
5.2. Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung
von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die
Verweigerung von Leistungen aus der Invalidenversicherung vor dem
kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig (vgl. Art. 83 ATSG). Die
Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Bei Fällen
wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher Aufwand entstanden
ist, setzt das Gericht die Kosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen
Kostenrahmens auf Fr. 700.-- fest. Aufgrund des Verfahrensausganges
gehen diese grundsätzlich zulasten des Beschwerdeführers.
5.3. Vorliegend hat der Beschwerdeführer um unentgeltliche Rechtspflege und
Verbeiständung ersucht (vgl. BGE 144 V 97 E.3.1.1). Da die
Voraussetzungen der Notwendigkeit eines Rechtsbeistands im Sinne von
- 25 -
Art. 61 lit. f ATSG als auch der finanziellen Bedürftigkeit im konkreten Fall
erfüllt sind, indem die gerichtlich ermittelten Ausgaben die Einnahmen
übersteigen, kann dem Gesuch entsprochen werden. Im Übrigen war der
Beschwerdeführer als juristischer Laie offenkundig auch auf die Hilfe und
Unterstützung eines professionellen Rechtsvertreters zur Wahrung seiner
Rechte angewiesen.
5.4. Vorliegend hat der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers trotz
entsprechender Aufforderung durch das Gericht mit Schreiben vom 8. Juni
2020 keine Honorarnote eingereicht. Dem Beschwerdeführer ist deshalb
unter Berücksichtigung des reduzierten Stundenansatzes bei bewilligter
unentgeltlicher Vertretung von Fr. 200.-- pro Stunde (vgl. Art. 5 Abs. 1 HV),
eine pauschale Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'500.--
zuzusprechen. In diesem Umfang geht die Parteientschädigung ebenso zu
Lasten der Gerichtskasse.
5.5. Der obsiegenden Beschwerdegegnerin steht kein Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG e contrario).