Decision ID: bc4a6b5a-af8b-5c06-928b-5e6a3ffe295a
Year: 2017
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Mit Entscheid vom 20. September 2010 erteilte das Regierungsstatthalteramt der
Beschwerdeführerin die Baubewilligung für die Umnutzung und den Umbau des Hauses
H._ auf Parzelle Leubringen Grundbuchblatt Nr. G._. Am 23. Februar
2012 genehmigte die Gemeinde Leubringen eine Projektänderung. Damit erhielt die
Beschwerdeführerin die Baubewilligung, die bestehenden Räumlichkeiten in Wohnungen
umzubauen. Die Bewilligung enthielt insbesondere die folgenden Auflagen:
- Zugang von aussen: ein rollstuhlgängiger Zugang ab Trottoirniveau bzw.
Parkplatz/Einstellhalle bis und mit Wohnungstüren muss gewährleistet sein: Stufen/Schwellen
einseitig max. 25 mm, Steigungen max. 6%, Quergefälle max. 2%.
- Wohnungstüren: Türen möglichst schwellenlos. Falls unumgänglich Stufen/Schwellen
einseitig max. 25 mm.
2. Nach Fertigstellung des Bauvorhabens erliess die Gemeinde Leubringen gegen die
Baugesuchstellerin am 7. November 2016 folgende Wiederherstellungsverfügung:
Ziff. III.
a) Sie werden aufgefordert, folgende Massnahmen auszuführen;
- Die Zugänge zu den Wohnungen Nr. 1 (Familie D._) und Nr. 3/7 (Familie
E._) müssen vollständig nach SIA Norm 500 ausgeführt werden, resp. müssen eine
maximale Schwellenhöhe von 25 mm auf beiden Seiten aufweisen;
- Die Positionierung Sonnerie / Türklingel beim Lift muss auf eine maximale Höhe von 1.10 m
verschoben werden;
- Der Abstand der Briefkästen zur Betonbordüre muss auf eine Distanz von max. 25 cm
heruntergebracht werden;
- Der Zugang von der Hauszufahrt zum Lift muss nach SIA Norm 500 ausgeführt werden, sei
es durch eine lokale Erhöhung des Belages der Hauszufahrt oder durch eine Rampe die
parallel zu den Briefkästen zum Podest führen.
Diese Massnahmen müssen bis spätesten am 31. Januar 2017 ausgeführt werden.
b) ....
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3. Dagegen reichte die Beschwerdeführerin am 8. Dezember 2016 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragt, Ziffer
III. a) erstes Lemma (Zugang Wohnungen D._ und E._) der
Wiederherstellungsverfügung vom 7. November 2016 sei aufzuheben. Die Kosten seien
gemäss dem beantragten Verfahrensausgang anzupassen und die Gebühr von Fr. 960.00
sei herabzusetzen.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, gab den von
Amtes wegen am Verfahren Beteiligten 1 - 4 sowie der Gemeinde die Möglichkeit, sich
zum Verfahrensgegenstand zu äussern. Zudem holte es bei der Gemeinde die Vorakten
ein. Die von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten 1 und 2 sowie die Gemeinde
beantragen sinngemäss, die Wiederherstellungsverfügung sei zu bestätigen und die
Beschwerde sei abzuweisen. Die von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten 3 und 4
liessen sich zwar vernehmen, weisen aber darauf hin, dass sie nicht beurteilen können, ob
die Zustände öffentlich-rechtlich akzeptabel seien.
5. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis
48 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin durch die angefochtene Verfügung beschwert
und daher zur Beschwerde legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191). 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721).
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2. Streitgegenstand
a) Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz. Der Streitgegenstand braucht
sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses
hinausgehen. Innerhalb dieses Rahmens bestimmen die Parteien den Streitgegenstand.
Sowohl für das Einleiten eines Beschwerdeverfahrens als auch für dessen Umfang und
eine allfällige vorzeitige Beendigung gelten somit die Verfügungs- oder
Dispositionsmaximen sowie das Rügeprinzip. Die Parteien können den Streitgegenstand
im Verlauf des Verfahrens nicht erweitern, sondern nur einschränken.3
b) Die Beschwerdeführerin beantragt, Ziffer III. a) erstes Lemma der
Wiederherstellungsverfügung vom 7. November 2016 sei aufzuheben. Damit schränkt sie
den Verfahrensgegenstand auf die Rollstuhlgängigkeit der Zugänge zu den Wohnungen
der von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten ein. Die übrigen von der Gemeinde
angeordneten Wiederherstellungsmassnahmen sind in Rechtskraft erwachsen. Die
Gemeinde hat in ihrer Eingabe im Beschwerdeverfahren vor der BVE ausgeführt, auf
Grund der winterlichen Temperaturen sei der Belagsbau wohl nicht möglich. Daher sei sie
bereit, die Frist zur Ausführung der Arbeiten für den verbesserten Zugang von der
Hauszufahrt zum Lift (Ziffer III. a) viertes Lemma der Wiederherstellungsverfügung) auf
Ende April 2017 zu verlängern. Diese Frage liegt ausserhalb des Streitgegenstandes. Die
BVE verfügt daher nicht über die Möglichkeit, sich dazu zu äussern. Allerdings steht es der
Gemeinde frei, mit der Durchsetzung der Wiederherstellung zu warten, resp. auf ihren
Entscheid zurückzukommen.
3. Rollstuhlgängige Wohnungszugänge im Haus H._
a) Baubewilligungen können mit Bedingungen oder Auflagen verknüpft werden (Art. 38
Abs. 3 BauG4). Bedingungen sind entweder Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen,
damit die Baubewilligung genutzt werden darf (Suspensivbedingung), oder Vorbehalte,
deren Eintritt den Wegfall der Bewilligung zur Folge hat (Resolutivbedingung). Auflagen
sind Pflichten, die mit einer Baubewilligung verbunden sind. Die Nichterfüllung einer
3 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6 bis 8. 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721).
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Auflage berührt die Geltung der Baubewilligung nicht, kann aber baupolizeiliche
Massnahmen – insbesondere die Ersatzvornahme – und Bestrafung nach sich ziehen.5
Der Fachbericht Hindernisfreies Bauen, den das Regierungsstatthalteramt im Rahmen des
Baubewilligungsverfahrens einholte, verlangt unter anderem, dass ab Trottoirniveau bis
und mit Wohnungstüren die Stufen eine Höhe von max. 25 mm aufweisen und Steigungen
nicht mehr als 6 % und Quergefälle maximal 2 % betragen dürfen. Der Gesamtentscheid
des Regierungsstatthalteramtes vom 20. September 2010 nahm diese Auflagen auf. Damit
wurden sie Bestandteil der Baubewilligung. Auch der Bauentscheid der Gemeinde
Leubringen vom 23. Februar 2012, welcher die Projektänderung genehmigte, verwies
erneut auf die Verbindlichkeit der Auflagen. Dementsprechend muss ab Trottoirniveau bzw.
Parkplatz/Einstellhalle bis und mit Wohnungstüren ein rollstuhlgängiger Zugang
gewährleistet sein.
b) Die meisten Eingänge zu den Wohnungen des Hauses H._ befinden sich auf
der nordwestlichen Seite des Gebäudes. Die einzelnen Stockwerke sind einerseits durch
ein geschlossenes Treppenhaus im Westen und andererseits mit einem Lift im Zentrum der
Fassade erreichbar. Lift und Treppenhaus wiederum sind in den oberen Geschossen mit
einem Laubengang (Galerie) miteinander verbunden. Das Gartengeschoss liegt im
Vergleich zur Strasse auf einem etwas tieferen Niveau und wird daher ebenfalls via
Treppenhaus oder Lift erreicht. Die verschiedenen Eingänge sowie die Verbindung
zwischen dem Treppenhaus und dem Lift sind hingegen im Erdgeschoss nicht über eine
Galerie sondern über den Innenhof erreichbar. Vom Treppenhaus führt in allen
Stockwerken eine Türe auf die Galerie resp. den Innenhof hinaus.
c) Von der Strasse resp. dem Trottoir aus erreichen Bewohnerinnen und Bewohner ihre
Wohnungen somit immer via Treppenhaus resp. Lift. Damit die Zugänge zu den
Wohnungen rollstuhgängig sind, müssen daher nicht nur die einzelnen Wohnungstüren
den Auflagen entsprechen, sondern auch die Schwellen vom Lift zur Galerie und zum
Innenhof resp. insbesondere die Schwellen von der Galerie zum Treppenhaus dürfen nicht
höher als 25 mm sein.
5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 29 N. 1.
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4. Rollstuhlgängigkeit der Wohnung Nr. 1
a) Die Wohnung Nr. 1 der von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten 1 und 2 befindet
sich im Gartengeschoss. Der Zugang des Gartengeschosses vom Lift her ist
unbestrittenermassen rollstuhlgängig. Die Gemeinde hat in ihrer
Wiederherstellungsverfügung jedoch angeordnet, auch die Schwelle der Wohnungstüre
dürfe auf beiden Seiten nur eine maximale Höhe von 25 mm aufweisen.
b) Die Beschwerdeführerin macht geltend, der Eingang zur Wohnung der von Amtes
wegen am Verfahren Beteiligten 1 und 2 weise auf der Innenseite eine Schwellenhöhe von
30 mm auf. Dieser Umstand könne ohne bauliche Massnahmen behoben werden. Von der
Aussenseite her betrage die Schwelle 45 mm, sie plane diese mit einer kaum
wahrnehmbaren Rampensituation zu beheben. Auf Grund des Widerstandes der
Eigentümerschaft der Wohnung sei dies aber bisher nicht möglich gewesen.
Die von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten 1 und 2 entgegnen, eine Teppichlösung im
Innenbereich der Wohnung behebe die Situation nicht nachhaltig und die von der
Beschwerdeführerin vorgeschlagene Rampensituation im Aussenbereich könne sie
ebenfalls nicht akzeptieren. Sie entspreche weder dem Baubeschrieb, noch den Bauplänen
oder dem Kaufvertrag.
c) Bei der Wohnungstüre der Wohnung Nr. 1 beträgt der Absatz auf der Innenseite der
Schwelle 30 mm und auf der Aussenseite 45 mm. Damit sind die Vorgaben für einen
rollstuhlgängigen Zugang unbestrittenermassen nicht erfüllt. Nicht bauliche Massnahmen
wie das Anbringen eines Teppichs vermögen die sich nicht in Übereinstimmung mit der
Baubewilligung befindende Situation nicht zu beheben. Es sind daher sowohl im Innen- wie
auch im Aussenbereich geeignete bauliche Massnahmen zu ergreifen, um eine
rollstuhlgängige Situation zu gestalten. Die Anordnung der Wiederherstellung erweist sich
daher grundsätzlich als korrekt und die Beschwerde insofern als unbegründet.
5. Rollstuhlgängigkeit der Duplexwohnung Nr. 3/7
a) Die Duplexwohnung Nr. 3/7 der von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten 3 und 4
befindet sich im westlichen Teil der Liegenschaft und erstreckt sich vom Hochparterre bis
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zum Obergeschoss. Da für diese Wohnung zwei Wohnungen zusammengelegt wurden,
waren ursprünglich zwei Eingänge geplant; einer im Hochparterre und einer im
Obergeschoss. Beide hätten sich im Treppenhaus befunden. Von dort aus ist der Lift
jeweils via Treppenpodest und Galerie erreichbar. Der Eingang im Erdgeschoss ist nun
zugemauert, dafür befindet sich im Innern der Wohnung eine Verbindungstreppe. Zudem
besteht ein weiterer Eingang an der Westfassade. Die Gemeinde verlangt mit der
Wiederherstellungsverfügung, dass die Beschwerdeführerin die Schwellen von der Galerie
zum Treppenpodest sowohl im Erdgeschoss als auch im Obergeschoss rollstuhlgängig
ausgestaltet.
b) Die Beschwerdeführerin macht geltend, bei dieser Wohnung erfolge der
rollstuhlgängige Zugang heute über das Obergeschoss via Treppenhaus West und dieser
Zugang werde nicht bemängelt. Zudem habe Herr I._ von der Fachstelle für
behindertengerechtes Bauen anlässlich einer Nachkontrolle am 9. September 2015 die
vorhandene Situation toleriert. Der Zugang zur Duplexwohnung der von Amtes wegen am
Verfahren Beteiligten 3 und 4 sei daher nicht anzupassen.
Die von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten 3 und 4 erläutern, der historische Eingang
bei der Westfassade sei nicht mit vernünftigem Aufwand rollstuhlgängig zu machen und
dies widerspräche auch dem Denkmalschutz. Obwohl der ursprünglich geplante
Wohnungseingang im Erdgeschoss via Treppenhaus zurzeit zugemauert sei, sei trotzdem
der Übergang von der Galerie zum Treppenpodest im Erdgeschoss zwingend
behindertengerecht auszuführen, damit bei Bedarf dieser Zugang rollstuhlgängig
ausgestaltet werden könne. Zudem entspreche der eigentliche Wohnungseingang im
Obergeschoss zwar den Vorschriften, allerdings betrage der Absatz von der Galerie zum
Treppenpodest auf der Innenseite fast 5 cm.
c) Der Zugang zur Duplexwohnung Nr. 3/7 erfolgt heute über den historischen Eingang
an der Westfassade sowie über den Eingang im Obergeschoss. Gemäss der Auflage muss
ein Zugang zur Wohnung rollstuhlgängig sein. Dieser soll gemäss Angabe der
Beschwerdeführerin über das Obergeschoss erfolgen. Wie bereits ausgeführt (E. 3) reicht
es allerdings nicht aus, die Wohnungstüren rollstuhlgängig auszugestalten. Damit der
Zugang insgesamt den Auflagen entspricht, muss die Rollstuhlgängigkeit über den
gesamten Weg vom Trottoir bis und mit Wohnungstüre, das heisst via Lift über die Galerie
bis zum Treppenhaus, gewährleistet sein. Falls der Türbereich von der Galerie ins
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Treppenhaus im Obergeschoss auf der Innenseite eine Türschwelle von 50 mm oder 45
mm aufweist, erfüllt dieser Zugang die Auflage des Bauentscheides nicht. Allfällige
Zugeständnisse des Vertreters von Procap sind bedeutungslos. Es ist auch unerheblich, ob
die von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten, dies rüg(t)en oder nicht. Die Beschwerde
erweist sich damit bezüglich dieses Zugangs als unbegründet. Der Zugang von der Galerie
ins Treppenhaus im Obergeschoss ist rollstuhlgängig auszugestalten.
Da der Eingang zur Wohnung im Erdgeschoss via Treppenhaus West zugemauert ist,
erübrigt es sich hingegen, im Erdgeschoss den Zugang bis und mit Treppenpodest
rollstuhlgängig auszugestalten. Diese Massnahme würde nicht dazu führen, dass die
Wohnung mit einem Rollstuhl zugänglich würde. Soweit die Gemeinde mit der
Wiederherstellungsverfügung auch verlangt, dass die Schwelle von der Galerie zum
Treppenpodest im Erdgeschoss rollstuhlgängig auszugestalten ist, erweist sich die
Beschwerde daher als begründet. Es war überdies nie geplant, den historischen Eingang
an der Westfassade rollstuhlgängig auszugestalten, zumal pro Wohnung nur ein
rollstuhlgängiger Zugang erforderlich ist.
6. Wiederherstellung
a) Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer
Baubewilligung ausgeführt oder werden bei der Ausführung eines bewilligten Vorhabens
Vorschriften missachtet, so setzt die Baupolizeibehörde eine angemessene Frist zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands unter Androhung der Ersatzvornahme (Art.
46 Abs. 1 und 2 BauG6). Die Wiederherstellungsverfügung muss im öffentlichen Interesse
liegen, verhältnismässig sein und darf den Vertrauensgrundsatz nicht verletzen. Eine
Wiederherstellungsmassnahme ist verhältnismässig, wenn sie geeignet ist, das
angestrebte Ziel zu erreichen, nicht weiter geht, als zur Herstellung des rechtmässigen
Zustands nötig ist und die Belastung für die pflichtige Person in einem vernünftigen
Verhältnis zum verfolgten Ziel steht.7
6 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0). 7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9; BVR 2013 S. 85 E. 5.1.
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b) Es besteht ein öffentliches Interesse an der korrekten Umsetzung von
Baubewilligungen sowie an der rollstuhlgängigen Ausgestaltung von Bauten. Wie bereits
dargelegt, sind die Auflagen der Baubewilligung beim Eingang zur Wohnung Nr. 1 sowie
beim Zugang zur Wohnung Nr. 3/7 im Obergeschoss nicht vollständig umgesetzt. Die
Gemeinde hat die Beschwerdeführerin in der Wiederherstellungsverfügung vom 7.
November 2016 aufgefordert, die Zugänge zu den Wohnungen nach SIA Norm 500
auszuführen resp. die Schwellen so auszugestalten, dass sie die Höhe von 25 mm nicht
überschreiten. Damit würden die Auflagen des Bauentscheides umgesetzt,
dementsprechend erweist sich diese Anordnung grundsätzlich als geeignet, den
rechtmässigen Zustand herzustellen, bzw. den rollstuhlgängigen Zugang zu gewährleisten.
Es sind auch keine milderen Mittel ersichtlich, wie der rechtmässige Zustand anderweitig
hergestellt werden könnte, da beispielsweise das Unterlegen mit einem Teppich die
Situation nicht dauerhaft verbessert. Schliesslich stehen den öffentlichen Interessen an der
korrekten Umsetzung der Baubewilligung zwar finanzielle Interessen der
Beschwerdeführerin entgegen, wirtschaftliche Interesse alleine haben aber nach der
Rechtsprechung kein ausschlaggebendes Gewicht.8 Daher überwiegen die öffentlichen die
privaten Interessen. Die Massnahmen sind damit auch zumutbar und somit insgesamt
verhältnismässig.
Allerdings erweisen sich die angeordneten Massnahmen als zu wenig konkret; wie die
Wiederherstellung im Fall einer Ersatzvornahme genau vorgenommen würde, geht aus der
Wiederherstellungsverfügung nicht hervor. Insbesondere bleibt unklar, ob beispielsweise
mit dem Erstellen einer Rampe die Auflagen erfüllt werden könnten oder ob der Boden
angehoben werden muss oder Anpassungen in den Türbereichen bzw. an den Schwellen
möglich sind. Dabei ist zu beachten, dass keine gefährlichen Gegebenheiten,
beispielsweise durch Stolpermöglichkeiten, geschaffen werden. Allerdings verlangen die
Auflagen nicht, die Wohnungseingänge schwellenlos auszugestalten. Die Auflagen sind
grundsätzlich erfüllt, wenn die Schwellenhöhe nicht mehr als 25 mm beträgt und
Steigungen weder mehr als 6 % oder ein Quergefälle von mehr als 2 % aufweisen.
Inwiefern die Kaufverträge etwas anderes vorsehen, ist nicht Gegenstand der Überprüfung
im baupolizeilichen Verfahren. Es obliegt nicht der BVE erstmals konkrete
Wiederherstellungsmassnahmen anzuordnen, zumal die Gemeinde über bessere
Kenntnisse des Bauprojekts verfügt. Das Verfahren wird daher zur Präzisierung der
8 Vgl. Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 46 N 9c Bst. c mit Hinweisen.
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Wiederherstellungsmassnahmen an die Gemeinde zurückgewiesen. Im Übrigen ist darauf
hinzuweisen, dass die Anpassungen ausserhalb der Wohnungen nicht die Sonderrechte
der von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten betreffen, sondern Gebäudeteile
umfassen, welche im Gesamteigentum der Stockwerkeigentümergemeinschaft sein
dürften. Dementsprechend wäre es sinnvoll, diese am Verfahren zu beteiligen.
5. Vorinstanzliche Kosten
a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Kostenverfügung sei entsprechend dem
beantragten Verfahrensausgang anzupassen. Falls von einer Aufhebung der
angefochtenen Punkte abgesehen werden sollte, so seien ihr die Kosten zu ersetzen, da
sie nachgewiesenermassen von der Eigentümerschaft gehindert worden sei, die einzelnen
Massnahmen umzusetzen, resp. die Eigentümerschaft die Anpassung gar nicht verlange.
b) Die Beschwerdeführerin rügt nicht die Höhe der erstinstanzlichen Kosten, sondern
deren vollständige Auferlegung an sie. Sie hat allerdings nur gerade Ziffer III. a) erstes
Lemma der Wiederherstellungsverfügung angefochten, die übrigen
Wiederherstellungsmassnahmen sind in Rechtskraft erwachsen. Die Gemeinde hatte somit
unbestrittenermassen begründeten Anlass zur Durchführung eines baupolizeilichen
Verfahrens. Dementsprechend durfte sie der Beschwerdeführerin als Verhaltensstörerin
auch die damit verbundenen Kosten auferlegen. Da die Beschwerdeführerin zudem
alleinige Verfügungsadressatin ist, besteht kein Raum, die Kosten anderen Parteien
aufzuerlegen. Für die Kostenverlegung der Wiederherstellungsverfügung ist es daher
unerheblich, ob und inwiefern die Beschwerdeführerin von den von Amtes wegen am
Verfahren Beteiligten 1 und 2 an der Ausführung von Wiederherstellungsmassnahmen
gehindert worden ist. Entsprechende Streitigkeiten sind zivilrechtlicher Natur und nicht
Gegenstand des baupolizeilichen Verfahrens.
6. Verfahrenskosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin grösstenteils
mit ihren Anträgen. Sie hat drei Viertel der Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1
VRPG). Diese werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'000.– (Art. 103 Abs. 2
RA Nr. 120/2016/57 11
VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV9). Der Beschwerdeführerin werden daher
Verfahrenskosten im Umfang von Fr. 750.– auferlegt. Der Beschwerdeführerin wird
insofern Recht gegeben, als die Schwelle von der Galerie zum Treppenpodest im
Hochparterre nicht rollstuhlgängig auszugestalten ist. Dieser Zugang betrifft grundsätzlich
die Wohnung der von Amtes wegen am Verfahren Beteiligten 3 und 4. Da diese aber im
vorliegenden Verfahren keine konkreten Anträge gestellt haben, werden ihnen keine
Verfahrenskosten auferlegt. Dementsprechend wären die restlichen Verfahrenskosten von
der Gemeinde zu tragen. Da der Gemeinde aber keine Verfahrenskosten auferlegt werden
können (Art. 108 Abs. 2 VRPG), sind die restlichen Verfahrenskosten nicht zu erheben.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG).
Wie bereits dargelegt, gilt die Beschwerdeführerin im Umfang von einem Viertel ihrer
Anträge als obsiegend. Dementsprechend ist ihr ein Viertel ihrer Parteikosten zu ersetzen.
Die Kostennote des Anwaltes der Beschwerdeführerin im Umfang von 2'306.90 (inkl.
Auslagen sowie MWST) gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Da den von Amtes wegen
am Verfahren Beteiligten 3 und 4 mangels Anträgen auch keine Parteikosten auferlegt
werden können, hat die Gemeinde somit der Beschwerdeführerin die Parteikosten von
Fr. 576.75 (inkl. Auslagen sowie MWST) zu ersetzen.