Decision ID: 5fbdde9a-6ac9-4dcc-a049-24aeaadf7966
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1953 geborene
X._
erhält
seit
1.
Juli 2017 eine AHV-Rente (
Urk.
12/9-10). Am
5.
Juli 2017
meldete
sie
sich
bei
der
Stadt Dübendorf, Durch
führungsstelle für Zusatzleistungen zur AHV/IV,
zum Bezug von Zusatzleistun
gen zur AHV-Rente an (
Urk.
12/39). Die Durchführungsstelle
klärte die Einkom
mens- und Vermögensverhältnisse ab
(
Urk.
12/40-44
)
. D
a d
ie
von ihr
ermittelten anrechenbaren Einnahmen die anerkannten Ausgaben überstiegen, verneinte sie mit Verfügung vom
5.
Oktober 2017
einen Anspruch der Versicherten auf Zusatzleistungen
ab
1.
Juli 201
7.
D
ie Liegenschaft der Versicherten in Ecuador
berücksichtigte sie in ihrer Berechnung mit einem
Wert von
Fr.
96'000.--
(
Urk.
12/
49
).
Die von der Versicherten dagegen erhobene Einsprache
(
Urk.
12/50)
wies die
Durchführungsstelle mit
Einspracheentscheid
vom 1
6.
November 2017 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Ana Moncada, mit Eingabe vom 2
1.
Dezember 2017 Beschwerde
mit dem sinngemässen Antrag, es seien ihr Ergänzungsleistungen zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht bean
tragte sie die Bestellung von Rechtsanwältin Ana Moncada als unentgeltliche Rechtsvertreterin (
Urk.
1 S. 2). In der Beschwerdeantwort vom 2
3.
Februar 2018 schloss die Durchführungsstelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11).
Mit Verfügung vom 1
8.
April 2018 wies das Gericht das Gesuch um Bestellung
von Rechtsanwältin Ana Moncada als
unentgeltliche
Rechtsvertreterin ab (
Urk.
13). Mit Replik vom 2
6.
Juni 2018 hielt die Beschwerdeführerin, nunmehr vertreten durch
Y._
, Eidgenössis
ch d
iplomierte Sozialversicherungsfachfrau (
Urk.
15-16), an ihrem Antrag auf Zusprechung von Ergänzungsleistungen fest und reichte neu eine aktuelle Schätzung des Verkaufswerts ihrer Liegenschaft in Ecuador ein (
Urk.
18-19).
Mit Duplik vom
6.
Juli 2018 hielt die Durchführungs
stelle an ihrem Antrag auf Beschwerdeabweisung fest (
Urk.
23).
Auf die Vorbringen in den Rechtsschriften und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) entspricht die jährliche Ergänzungsleistung dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben (Art. 10 ELG) die anrechenbaren Einnahmen (Art. 11 ELG) übersteigen. Als Einnahmen werden unter anderem Einkünfte aus beweglichem und unbeweglichem Vermögen sowie ein Fünfzehntel beziehungsweise bei Altersrentnerinnen und –
rentnern
ein Zehn
tel des Reinvermögens angerechnet, soweit es bei
alleinstehenden Personen Fr. 37‘5
00.-- übersteigt (Art. 11 Abs. 1
lit
. b und c ELG).
Ebenfalls angerechnet werden Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist (
Art.
11
Abs.
1
lit
. g ELG).
Gemäss Art. 9 Abs. 5
lit
. d ELG in Verbindung mit Art. 23 Abs. 1 der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversiche
rung (ELV) sind für die Berechnung der jährlichen Ergänzungsleistung in der Regel die während des vorausgegangenen Kalenderjahres erzielten anrechenba
ren Einnahmen massgebend sowie das am 1. Januar des Bezugsjahres vorhandene Vermögen.
1.2
Gestützt auf Art. 9 Abs. 5
lit
. b ELG hat der Bundesrat in Art. 17 ELV nähere Best
im
mungen zur Vermögensbewertung erlassen. Gemäss Art. 17 Abs. 4 ELV sind Grundstücke, die dem Bezüger oder einer Person, die in die EL-Berechnung eingeschlossen ist, nicht zu eigenen Wohnzwecken dienen, zum Verkehrswert einzusetzen.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist
unter dem Verkehrswert der Verkaufswert (Marktpreis) zu verstehen, den eine Liegenschaft im normalen Geschäftsverkehr
besi
tzt
(Urteil
des Bundesgerichts 8C_849/
2008 vom 1
6.
Juni 2009 E. 6.3.4
).
Der so ermittelte Verkehrswert setzt eine konkrete und aktuelle Liegenschaftsschätzung voraus, was in der Regel nicht praktikabel ist, namentlich wenn sie auf Jahre zurück zu erfolgen hat. Es sind daher soweit möglich und sinnvoll andere geeignete Schätzungen heranzuziehen (Urteil des Bundesgerichts 9C_550/2017 vom
6.
Dezember 2017, E. 3).
Schwierigkeiten wirft dabei insbe
sondere die Bewertung ausländischer Liegenschaften
auf. In einem eine Liegen
schaft in Tunesien betreffenden Entscheid erkannte das Bundesgericht, der - von der Durchführungsstelle zu ermittelnde - relevante Verkehrswert der Liegenschaft könne durch Vergleich mit ähnlichen Objekten hinreichend genau geschätzt wer
den. Massgebende Kriterien seien neben der Grösse des Grundstücks und der Anzahl Zimmer die Lage (verkehrsmässige Erschliessung, Distanz zum Meer) und die Wohnqualität (ruhiges oder lärmiges, vornehmes oder ärmliches Quartier). Von Bedeutung sei auch, ob es ein Objekt für Touristen sei oder aber von Einhei
mischen bewohnt werde und einen entsprechend tieferen Ausbaustandard aufweise (Urteil des Bundesgerichts 9C_540/2009 vom 17. September 2009,
E. 5.3). Als fraglich erachtete das Bundesgericht, ob Verkaufsangebote im Internet eine zuverlässige Grundlage bildeten
,
und erklärte eine im Ausland erstellte Ver
kehrswertschätzung, die auf Geheiss eines lokalen Architekten gemacht worden war, für den Fall, dass eine andere Schätzung durch die Verwaltung nicht mit vernünftigem Aufwand einholbar sei, als massgeblich (Urteil des Bundesgerichts 9C_540/2009 vom 17. September 2009 E. 5.3).
I
m
Falle einer Wohn
liegenschaft
in Frankreich
hat das Bundesgericht
auf eine aktuelle Schätzung eines franzö
sischen Architekten abgestellt (Urteil des Bundesgerichts P
25/01 vom 2
6.
Juni
2001 E. 3a).
1.3
Bei nicht selbst
bewohnten
Liegenschaft
en gelten die Mietzinsen als Liegen
schaftsertrag, und zwar grundsätzlich in der vertraglich vereinbarten Höhe (vgl. Carigiet/Koch,
Ergänzungsleistungen zur AHV/IV,
2.
Auflage
, S. 172 sowie
Rz
3433.03 der Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherung
en
über die Ergänzungsleistungen zur
AHV und IV, Stand 1. Januar 2016
[WEL]). Bei nicht vermieteten
Liegenschaft
en ist derjenige Ertrag massgeblich
und als Verzichts
einkommen anzurechnen
, der bei Vermietung der
Liegenschaft
tatsächlich erzielt werden könnte, also ein marktkonformer Mietzins.
Im
Hinblick auf die Schwie
rigkeiten, mit welchen EL-Durchführungsstellen bei
der Beurteilung auslän
discher
Wohnungsmarktverhältnisse konfrontiert sind, hat das Bundesgericht zwei Bemessungsmethoden als
im
Einzelfall geeignet bezeichnet, um einen hinreichenden Erfahrungs- und Annährungswert zu liefern, der dem tatsächlich erzielbaren Marktwert
im
Ausland
nahe kommt (Urteil des Bundesgerichts
P 33/05 vom 8. November 2005, E. 3-4): Nach der einen Methode ist als fiktiver Mietzins ein durchschnittlicher Ertrag anzurechnen, welcher während der ganzen Lebensdauer der auf dem Grundstück stehenden Bauten einer angemessenen Ren
dite entspricht. Als durchschnittlicher Ertrag für die ganze Lebensdauer einer
Liegenschaft
kann von einem Mittelwert von 5 % des Verkehrswerts ausgegangen werden. Diesem hypothetischen Ertrag sind eine Pauschale für die Gebäude
unterhaltskosten (gemäss Art. 16 ELV gilt der für die direkte kantonale Steuer
im
Wohnsitzkanton anwendbare Pauschalabzug
; im Kanton Zürich beträgt dieser gemäss der Verfügung der Finanzdirektion über die Pauschalierung der Kosten für den Unterhalt und die Verwaltung von Liegenschaften des Privatvermögens vom
7.
September 2002 20 % des Brutto-Mietertrags beziehungsweise des Brutto-Mietwertes
) und der Hypothekarzins abzuziehen (vgl. auch Carigiet/Koch, a.a.O., S. 172). Nach der anderen Vorgehensweise sind dieselben Grundsätze wie
im
Falle eines Vermögensverzichts anzuwenden und
ist
deshalb zur Best
im
mung des hypothetischen
Liegenschaft
sertrages vom durchschnittlichen Zinssatz für Spar
einlagen
im
Vorjahr des Bezugsjahres auszugehen (vgl. auch
Rz
3482.10-11 WEL). Laut dem Bundesgericht kann nicht zum Vornherein gesagt werden, welche Methode jeweils
im
konkreten Fall zu einem realistischeren Ergebnis führt. Viel
mehr hat die EL-Durchführungsstelle und
im
Streitfall das Sozialversicherungs
gericht denjenigen fiktiven Mietzins zu eruieren, welcher am ehesten die relevan
ten Marktverhältnisse widerspiegelt (Urteil des Bundesgerichts P 33/05 vom 8. November 2005, E. 4).
1.4
Nach Art. 43 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG)
prüft der Versicherungsträger die Begehren, n
im
mt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt d
ie erforderlichen Auskünfte ein
.
D
ie Personen, die Leistungen beanspruchen,
trifft
in Ergänzung zur Untersuchungspflicht der Verwaltung eine Pflicht zur Mitwirkung bei der Sachverhaltsabklärung: Wer Leistungen beansprucht, muss nach Art. 28 Abs. 2 ATSG unentgeltlich alle Auskünfte erteilen, die zur Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der Leistungen erforderlich sind.
Art. 43 Abs. 3 ATSG sieht sodann vor, dass wenn die versicherte Person den Auskunfts- oder
Mitwirkungs
pflicht
en in unentsc
huldbarer Weise nicht nachkommt
, der Versicherungsträger aufgrund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschli
essen kann. Er muss die Person
vorher schriftlich mahnen und auf d
ie Rechtsfolgen hinweisen; ihr
ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen.
Wird die verweigerte Mitwirkung zu einem späteren Zeitpunkt erbracht, kann sich die festgelegte Sanktion (Nichteintreten oder Entscheid aufgrund der Akten) nur auf diejenige Zeitspanne beziehen, während der die Mitwirkung verweigert worden ist (vg
l. Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Auflage
, Zürich 2015,
Rz
103 zu Art. 43 mit Hinweisen
sowie
Rz
1110.03 WEL
).
2.
2.1
Mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 1
6.
November 2017 bestätigte die Durchführungsstelle ihre Verfügung vom
5.
Oktober 2017
(
Urk.
12/49)
und verneinte mangels eines Ausgabenüberschusses einen Anspruch der Beschwerde
führerin auf Ergänzungsleistungen ab
1.
Juli 201
7.
In der Berechnung berück
sichtigte
sie die Liegenschaft in Ecuador mit einem Wert von
Fr.
96'000.--. Dies begründete sie damit, dass sie den massgeblichen Verkehrswert zunächst anhand der Formel Steuerwert mal 2,5 zu ermitteln versucht habe. Auf
der
Basis des Katasterauszugs vom 1
0.
Juli 2017
habe
sich anhan
d dieser Formel ein Betrag von US-Dollar
73'398.95
ergeben
(USD
29'359.58 x 2,5).
Allerdings würden die im Internet ausgeschriebenen Liegenschaften in der Stadt
O._
in Ecuador
zu deutlich höheren Preisen verkauft.
Deshalb
habe sie eine Durchschnitts
berechnung
vorgenommen,
welche einen Verkehrswert von USD
94'500.-- beziehungs
weise, basierend auf dem Umrechnungskurs vom 3
0.
Dezember 2016,
Fr.
96'275.-- ergeben habe. Den
angerechneten
Liegenschaftsertrag
in Höhe von
Fr.
3'840.--
habe sie ermittelt, indem sie
von einem durchschnittlichen Ertrag von 5
%
des Verkehrswerts ausgegangen sei und hiervon
die Pauschale für Gebäudeunter
haltskosten v
on 20
%
in Abzug gebracht habe
(
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend,
sie habe ab
1.
Juli 2017
einen jährlichen
Anspruch auf Ergänzungsleistungen
in Höhe von
Fr.
5'669.--
. Gemäss der
kürzlich in Ecuador erstellten, mit der Replik eingereichten «Wertung vor Verkauf» habe die Liegenschaft einen Wert von
USD
34'655.86, was rund
Fr.
34'218.60 entspreche. Dabei handle es sich um eine Bewertung des Wieder
verkaufswertes und somit des massgebenden Verkehrswertes. Die Schätzung der Durchführungsstelle
von
Fr.
96'000.--
, welche dem 3,5-Fachen des
Steuer
wertes entspreche,
sei deutlich zu hoch.
Zu beachten sei, dass die Liegenschaft nicht wie von der Durchführungsstelle angenommen in der Region
O._
, sondern in der Region
Z._
liege; dort seien die Werte der Liegenschaften wesentlich tiefer.
Ihre Mitwirkungspflicht habe sie nicht verletzt: Sie habe der Durchführungsstelle sämtliche zugänglichen Unterlagen der Gemeinde zum Wert des Hauses
einge
reicht. Unter Berücksichtigung des Liegenschaftswerts von
Fr.
34'219.-- und eines Zinsertrags hiervon von
Fr.
1'367.-- resultierten Gesamteinnahmen von
Fr.
32'089.--. Gemessen an den
gesam
t
en Ausgaben in Höhe von
Fr.
37'758.-- ergebe sich ein Ausgabenüberschuss von
Fr.
5'669.--, welcher der jährlichen Ergänzungsleistung entspreche (
Urk.
1 S. 2 f.;
Urk.
18).
2.3
In der Beschwerdeantwort und
der
Duplik führt die Durchführungsstelle ergän
zend zu ihren Erwägungen im
Einspracheentscheid
aus, auch wenn die Liegen
schaft nicht wie ursprünglich angenommen in der Stadt
O._
, sondern in der Stadt
Z._
liege, sei weiterhin von einem Verkehrswert von
Fr.
96'000.-- auszugehen. Eine weitere Internetrecherche nach aktuellen Ver
kaufspreisen von
Liegenschaften in Ecuador bestätige diese Einschätzung. Die Stadt habe rund 25'000 Einwohner, liege 9 Meter über dem Meeresspiegel und befinde sich 60 Kilometer von der Provinzhauptstadt
O._
entfernt. Den von der Beschwerdeführerin eingereichten Farbfotos könne entnommen werden, dass sich das Haus in einem guten Zustand befinde. Es könne davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin die Liegenschaft in den Jahren 2005 bis 2008 erbaut und mit ihrer Witwenrente von anfänglich
Fr.
18'168.-- pro Jahr finanziert habe. Da sie ab
1.
Dezember 2004 Anspruch auf eine Witwenrente
gehabt
habe, könne die Liegenschaft höchstens 12 Jahre alt sein.
Indem die Beschwerdeführerin bis anhin keine Verkehrswertschätzung eingereicht habe, habe sie ihre Mitwirkungspflicht verletzt. Falls sie im Beschwerdeverfahren eine solche nachreiche, könne diese nicht bereits im Gerichtsverfahren, sondern erst im Rahmen eines neuen Leistung
sgesuchs berücksichtigt werden
(
Urk.
11 S. 2-4,
Urk.
23 S. 2).
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin gab
der Durchführungsstelle
am
5.
Juli 2017
bei der Übergabe des
Zusatzleistungsgesuch
s (vgl.
Urk.
12/39 S. 4) an, über ein
Haus in Ecuador
zu verfügen.
Das Haus habe sie nach der Trennung von ihrem Mann
über einen Zeitraum von mehreren Jahren
erbaut, da es in Ecuador teuer s
ei, ein Haus zu b
auen. Die Liegenschaft verfüge über ein Stockwerk, zwei Schlafzimmer, eine Küche und ein WC (
Urk.
12/24).
3.2
Mit Schreiben vom 1
4.
Juli 2017 forderte die Durchführungsstelle die
Beschwer
deführerin
auf, einen Katasterauszug
inklusive beglaubigter Übersetzung, eine Schätzung des Verkehrswerts des Hauses und des Grundstücks mit Angabe
der Landfläche
und
einer beglaubigten Übersetzung
sowie Fotos der Liegenschaft einzureichen (
Urk.
12/41 S. 2).
Am 1
8.
September 2017 ermahnte sie die
Beschwerde
führerin, die verlangten Unterlagen einzureichen,
und
setzte ihr hierzu eine Frist bis zum
5.
Oktober 2017 an
.
Gleichzeitig
drohte
sie
ihr unter Hinweis auf
Art.
43
Abs.
3 ATSG und
Rz
1110.03 WEL an, im Unterlassungsfall
werde sie ihr nicht rückwirkend ab
1.
Juli 2017 Ergänzungsleistungen zus
prechen, sondern werde auf das Leistungsg
esuch nicht ein
treten (
Urk.
12/43).
Mit Eingabe vom 2
0.
September
2017 (
Urk.
12/44)
reichte die Beschwerdeführerin
einen
Katasterauszug
vom 1
0.
Juli 2017
in spanischer Sprache ein.
Laut
diesem Dokument
ist s
ie
alleinige
Eigentümerin einer Liegenschaft an der
A._
in der Stadt
Z._
(
Z._
). Die Grund
stücksfläche beträgt 297,25 m
2
;
dafür wird bei
einem Preis pro m
2
von
USD 8.79 ein Katasterwert von USD 2'612.83 ausgewiesen. Das Gebäude wird mit USD 26'746.75 bewertet. Der Gesamtwert der Liegenschaft wird
auf USD 29
'359.58 beziffert (
Urk.
12/24/5). Aus der mit dem Katasterauszug eingereichten Steuer
rechnung vom 2
9.
Januar 2016 geht hervor, dass der Katasterwert der Liegen
schaft dem Steuerwert entspricht (
Urk.
12/24/5-6).
Telefonisch
gab
die
Beschwerdeführerin der
Durchführungsstelle
am
4.
Oktober 2017
an
,
sie sei vom 1
8.
Juli bis 1
0.
August 2017 in Ecuador gewesen. D
ie Liegenschaft liege im Randgebiet der
Stadt
O._
. Die Adresse kön
ne man im Internet nicht finden
(
Urk.
12/24/1).
3.3
Die Durchführungsstelle ermittelte
anhand der
auf Erfahrungswerten beruhenden
Formel Steuerwert mal 2,5
(
Urk.
12/24/3)
zunächst einen Verkehrswert
der Liegenschaft
von
USD
73'398.9
5.
Da eine Internetrecherche nach Verkaufsange
boten für
Liegenschaften
in Ecuador für drei kleine Eigentumswohnungen in
O._
sowie ein Haus in Küstennähe einen Durchschnittspreis von USD 116'000.-- ergab (
Urk.
12/24/7-8), nahm sie als Verkehrswert der Liegenschaft den Durchschnitt zwischen den beiden Beträgen von USD 94'500.-- respektive
Fr.
96'275.-- in ihre Berechnung auf (
Urk.
12/24/1
)
.
Die im Rahmen der Internet
recherche ebenfalls zu den Akten genommene
n Inserate für zwei kleinere Häuser mit je zwei Schlafzimmern und einem Badezimmer und Verkaufspreisen von USD 36'000.-- (in städtischer Umgebung) respektive USD 32'000.-- (in Küstennähe
) berücksichtigte s
ie bei ihren Berechnungen nicht (
Urk.
12/24
/9-10).
A
ufgrund des ermittelten Einnahmenüberschusses
lehnte sie
mit Verfügung vom
5.
Oktober 2017 die Zusprechung von Zusatzleistungen ab
(
Urk.
12/49)
. Im Begleitschreiben vom
6.
Oktober 2017 wies sie die Beschwerdeführerin darauf hin,
sie werde auf eine allfällige Einsprache nur eintreten, wenn die Beschwerdeführerin eine aktu
elle Verkehrswertschätzung sowie Fotos der Liegenschaft (innen und aussen) einreiche (
Urk.
12/45).
3.4
Mit der Einsprache vom
2.
Oktober 2017
(
Urk.
12/50/1) reichte die Beschwerde
führerin Fotos
ihrer Liegenschaft (
Urk.
12/50/3
) sowie eine notariell beglaubigte Bestätigung, dass ihre Familie im Haus in Ecuador wohne und ihr keine Miete zahle (
Urk.
12/50/1), ein.
4.
4.1
Fest steht, dass der
Katasterauszug vom 1
0.
Juli 2017 nicht den Verkehrswert
der Liegenschaft in
Ecuador
wiedergibt, sondern den Steuerwert (
Urk.
12/24/5-6). Da die Bestimmung des Verkehrswerts anhand von
Verkaufsangeboten im Internet
heikel
ist
(vorstehend E. 1.2)
und
die
Internetrecherche im konkreten Fall nicht besonders ergiebig
war (Urk.12/24/7-10; vgl. auch
Urk.
12/25/2-13
), ist nicht zu beanstanden, dass die Durchführungsstelle zur Bestimmung des Verkehrswerts der Liegenschaft von der Beschwerdeführerin am
1
4.
Juli 2017
(
Urk.
12/41 S. 2)
sowie erneut am
6.
Oktober 2017 (
Urk.
12/45)
verlangte, eine aktuelle Verkehrs
wertschätzung einzureichen. Die Mitwirkungspflicht der versicherten Person gilt insbesondere für solche Tatsachen, welche die Durchführungsstelle ohne ihre Mit
hilfe gar nicht oder nur mit erhöhtem Aufwand erheben kann. Dies trifft auf die Bewertung der fraglichen Liegenschaft
beziehungsweise das Organisieren einer Verkehrswertschätzung in Ecuador
sicherlich zu (vgl. BGE 124 II 361 E. 2a). Ob die Kosten einer solchen Verkehrswertschätzung gestützt auf
Art.
45
Abs.
1
ATSG
von der Durchführungsstelle übernommen werden müssen, kann angesichts der konkreten Umstände offen bleiben (vgl. Kieser, ATSG-Kommentar,
3.
Auflage, Zürich 2015,
Art.
45
Rz
11 ff. und 16 ff.).
4.2
Weil die Beschwerdeführerin trotz dem von der Durchführungsstelle mit Schrei
ben vom 1
8.
September 2017 korrekt durchgeführten Mahn- und
Bedenkzeitver
fahren
innert der angesetzten Frist bis zum
5.
Oktober 2017 (
Urk.
12/43 sowie vorstehend E. 3.2) keine Verkehrswertschätzung ihrer Liegenschaft eingereicht hatte,
ist nicht zu beanstanden, dass
die Durchführungsstelle
den Verkehrswert der Liegenschaft gestützt auf die - durch zumutbare Abklärungen ergänzten - Akten festsetzte. Wegen der lückenhaften
Datenlage
– im Internet war kein einziges Verkaufsangebot einer Liegenschaft in der Stadt
Z._
(
Z._
) auffindbar -
muss
te
eine solche Schätzung
relativ
ungenau blei
ben.
In einem ersten Schritt ermittelt
e
die Durchführungsstelle den Verkehrswert der Liegenschaft anhand der auf Erfahrungswerten beruhenden Formel Steuerwert mal 2,5 (
Urk.
12/24/3), was den Betrag von USD 73'398.95 ergab. Diesen Wert über
prüfte s
ie in einem zweiten Schritt auf dessen Plausibilität, indem sie ihn mit
den in Inseraten angebotenen Verkaufspreisen für Liegenschaften in Ecuador ver
glich. Das Spektrum der herangezogenen Inserate umfasste drei eher luxuriöse, kleinere Wohnungen in der Provinzhauptstadt
O._
mit
lediglich
einem Schlafzimmer und
Preisen von
USD 115'000.--
, USD 125'000.-- und
USD 145'000.-- (
Urk.
12/24/7)
,
ein Haus in Küstennähe mit einem Schlafzimmer, welches für USD 82'900.-- angeboten wurde (
Urk.
12/24/8)
,
sowie
zwei
ein
fachere
und mit Blick auf die inserierten Bilder eher ältere
Häuser
in einer kleineren Stadt
sowie
in Küstennähe mit zwei Schlafzimmern, für welche ein Kaufpreis von USD 36'000.
--
respektive USD 32'000.-- verlangt wurde (
Urk.
12/24/9-10). Da das Haus der Beschwerdeführerin in einer kleineren Stadt auf dem Land
60 km von der Provinzhauptstadt
O._
entfernt
liegt
(
Urk.
12/25/4)
, gleichzeitig aber über zwei Schlafzimmer verfügt
(
Urk.
12/24/1)
und sich ausweislich der eingereichten Fotos in einem guten Zustand befindet
(
Urk.
12/50/3; vgl. auch
Urk.
12/25/1)
, ist die von der Durchführungsstelle getroffene Auswahl an Inseraten im Rahmen des Möglichen hinreichend reprä
sentativ.
Weil
der Durchschnitt
spreis
aller sechs
Verkaufsinserate
USD
89'316.66 beträgt, erscheint
die erste Verkehrswertschätzung mit der Formel Steuerwert mal 2,5 als adäquat und nicht zu hoch. D
ieser Verkehrswert
kann für die Berechnung herangezogen werden, ohne dass
wegen des Ausgangs
geprüft zu werden braucht, ob der von der Durchführungsstelle in die Berechnung aufgenommene höhere Wert
von
Fr.
96'000.--
angemessen ist
(vgl.
nachfolgend E.
4.5
).
Multipliziert
mit dem
Wechselkurs
am
1.
Januar 2017 respektive am
3
0.
Dezember 2016 resultiert ein Verkehrswert der Liegenschaft in Ecuador von
Fr.
74'800.85
(USD
73'398.95 x 1,0191; vgl. www.finanzen.net/
währungsrechner
)
.
4.3
Die Beschwerdeführerin reichte die
auf den
Oktober 2017
datierte,
von einem Architekten in Ecuador erstellte «Baubewertung vor Verkauf» der Liegenschaft erst im Beschwerdeverfahren mit der Replik vom 2
6.
Juni 2018 ein (
Urk.
19). Diese Verkehrswertschätzung kann wegen des korrekt durchgeführten Mahnver
fahrens gemäss
Art.
43
Abs.
3 ATSG
für die Berechnung der Ergänzungsleistun
gen
frühestens ab
dem
Zeitpunkt
der Einreichung
berücksichtigt werden
(vgl. vorstehend E. 1.4)
; da der für das Sozialversicherungsgericht massgebliche Beur
teilungszeitraum mit dem Erlass des angefochtenen
Einspracheentscheids
am 1
6.
November 2017 endet,
ist
die «Baubewertung vor Verkauf» im vorliegenden Verfahren
unbeachtlich
.
Immerhin
bleibt
festzuhalten, dass die Baubewertung den Wert des Grundstücks, auf dem das Haus steht, nicht miteinschliesst und insofern unvollständig ist. Zudem werden in der Bewertung hauptsächlich die Baumaterialien beziehungsweise deren Kosten aufgelistet, ohne dass daraus klar h
ervor
geht, inwiefern auch die für den Hausbau erforderlichen Arbeitsleistungen berücksichtigt wurden
. Schliesslich wird zwar ein Betrag von 34'655.86 ausge
wiesen, eine Währungsangabe fehlt aber
(
Urk.
19).
4.4
Die Liegenschaft in Ecuador ist zwar bewohnt, die Beschwerdeführerin erhält dafür aber unbestrittenermassen keine Gegenleistung, etwa in Form eines Miet
zinses (
Urk.
12/50/1).
Ihr
ist deshalb der Ertrag, den sie bei Vermietung der Liegenschaft erzielen könnte, als Verzichtseinkommen anzurechnen.
Die Durch
führungsstelle ermittelte den
Liegenschaftsertrag, indem sie von einem durch
schnittlichen
Ertrag für die ganze Lebensdauer
der
Liegenschaft
von 5 %
des Ver
kehrswerts ausging und hiervon
für die Gebäudeunterhaltskosten
eine Pauschale von 20
%
abzog
(
Urk.
2 S. 3)
.
Dies ist unbestrittenermassen
(
Urk.
18 S. 2)
nicht zu beanstanden
, zumal Anhaltspunkte für eine hypothekarische Belastung der Liegenschaft fehlen (vgl. vorstehend E. 1.3)
. Ausgehend von einem Verkehrswert der Liegenschaft von
Fr.
74'800.
--
resultiert ein anrechenbarer jährlicher Liegen
schaftsertrag von
Fr.
2'992.
--
(
Fr.
74'800.
--
x 0.05 x 0.8).
4.5
Nach dem Gesagten ist anstelle des von der Durchführungsstelle angerechneten Verkehrswerts der Liegenschaft in Ecuador von
Fr.
96'000.-- ein Wert von
Fr.
74'800.
--
in die Berechnung aufzunehmen.
Durch den um
Fr.
21'200.-- geringeren Verkehrswert der Liegenschaft wird da
s
im Berechnungsblatt zur
Verfügung vom
5.
Oktober 2017 (welche
mit dem angefochtenen
Einspracheent
scheid
bestätigt
wurde)
berücksichtigte
Gesamtvermögen
von
Fr.
126'671.-- (
Urk.
12/49 S. 2)
auf
Fr.
105'471.--
reduziert
. Nach Abzug der Vermögensfrei
grenze von
Fr.
37'500.
--
verbleibt ein
Vermögen von
Fr.
67'971.--, wobei
bei den Einnahmen
ein
Zehntel dieses Vermögens, also
Fr.
6'797.
10, als jährlicher Vermögensverzehr anzurechnen ist.
Anstelle des von
der
Durchführungsstelle in die Berechnung aufgenommenen Liegenschaftsertrags von
Fr.
3'840.
-- (
Urk.
12/49 S. 2)
ist der in der vorstehenden Erwägung ermittelte Betrag von
Fr.
2'992.
-- anzurechnen. Wegen des um
Fr.
848.-- geringeren Liegenschaftsertrags ist der im Berechnungsblatt berück
sichtigte gesamthafte Vermögensertrag von
Fr.
3'900.--
(
Urk.
12/49 S. 2)
auf
Fr.
3’052.-- herabzusetzen.
Bezüglich dieser beiden Positionen ist die Berechnung der Durchführungsstelle zu modifizieren.
Zusammen mit den
im Ü
brigen
unveränderten Einnahmenposi
tionen
im Berechnungsblatt zur Verfügung vom
5.
Oktober 2017 (
AHV-Rente von
Fr.
19'848.-- sowie BVG-Rente von
Fr.
8'075.--;
Urk.
12/49 S. 3
) resultieren Gesamteinnahmen von
Fr.
37'772.1
0.
Da diese immer noch höher sind als die anrechenbaren Ausgaben in Höhe von
Fr.
37'758.--
(
Urk.
12/49 S. 3)
, bleibt es dabei, dass die Beschwerdeführerin im massgeblichen Beurteilungszeitraum von der Anmeldung zum Leistungsbezug am
5.
Juli 2017 (
Urk.
12/39) bis zum Erlass des angefochtenen
Einspracheentscheids
am 1
6.
November 2017 (
Urk.
2)
mangels eines Ausgabenüberschusses
keinen Anspruch auf Ergänzungsleistungen hat. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.