Decision ID: cae66fa3-352b-4fb2-8ab5-c265562db048
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1962, Mutter von zwei Kindern (
geboren
1986 und 1987), war seit September 2005 teilzeitlich als Verkäuferin in einem
Y._
-Shop und ab September 2013 zusätzlich in der Reinigung bei der Firma
Z._
tätig (vgl.
Urk.
8/16). Unter Hinweis auf eine starke Gehbehinderung meldete sich die Versicherte am 2
0.
Juli 2017 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/16). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und zog Akten des Krankentaggeldversicherers bei (
Urk.
8/28;
Urk.
8/32). Am
7.
August 2019 erfolgte eine Haushaltsabklärung (vgl. Bericht vom
8.
August 2019,
Urk.
8/48). Nach ergangenem Vorbescheid (
Urk.
8/51) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
4.
September 2019 bei einem Invaliditätsgrad von 36
%
einen Anspruch der Versicherten au
f eine Invalidenrente (
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 2
2.
Oktober 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
4.
September 2019 (
Urk.
2) und beantragte sinngemäss, diese sei aufzuheben und sie sei bei der Berechnung des Invaliditätsgrades als Vollerwerbstätige zu qualifizieren (
Urk.
1). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2.
Dezember 2019 (
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 1
1.
März 2020 (
Urk.
9) wurde der Beschwerdeführerin antragsgemäss (
Urk.
1) die unentgeltliche Prozessführung gewährt und ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet. Die Beschwerdeführerin reichte innert der angesetzten Frist zur Replik keine Stellungnahme ein. Dies wurde der Beschwerdegegnerin am
1
0.
Juli 2020
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
11
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich m
indes
tens 40 % arbeitsunfähig
gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.2
Am 1. Januar 2018 sind die geänderten Bestimmungen der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 1. Dezember 2017 in Kraft getreten. Mit dieser Änderung wurde für die Festlegung des Invaliditätsgrades von teilerwerbstätigen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) in Art. 27
bis
Ab
satz 2–4 IVV ein neues Berechnungsmodell eingeführt.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die galten, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2.1, 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Die angefochtene Verfügung ist am 2
4.
September 2019 und somit nach Inkraft
treten der Verordnungsänderung ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Verordnungsbestimmungen am 1. Januar 2018 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2017 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeit
punkt auf die revidierten Verordnungsbestimmungen abzustellen (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts I 428/04 vom 7. Juni 2006 E. 1).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.4
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach Massgabe des
Art.
69
Abs.
2 IVV; vgl. auch
Rz
. 3084 ff. des Kreisschreibens des BSV über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH]) stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der gesundheitlichen Einschränkung im Haushalt dar (Urteil des Bundesgerichts 9C_201/2011 vom 5. September 2011 E. 2, in: SVR 2012 IV Nr. 19 S. 86). Einer
ärztlichen Fachperson, die sich zu den einzelnen Positionen der Haushaltführung unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat, bedarf es nur in Aus
nahmefällen, namentlich bei unglaubwürdigen Angaben der versicherten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen (Urteil des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 2
8.
Mai 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen
).
Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt einer versicherten Person sind – analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskraft von Arztberichten (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweis) – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhältnissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Ein
schränkungen sein und in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 [in BGE 129 V 67 nicht veröffentlichte Erwägung]; Urteil des Bundesgerichts I 733/03 vom
6.
April 2004 E. 5.1.2; vgl. auch BGE 130 V 61 E. 6.2 und 128 V 93 E. 4 betreffend Abklärungsberichte im Zusammenhang mit der Hauspflege und Hilflosigkeit). Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haushalt massgebend, sondern gelten analog für jenen Teil eines Abklärungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von teilerwerbstätigen Versicherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen
).
2.
2.1
Strittig
und zu prüfen ist der Rentenanspruch, insbesondere die Qualifikation der Beschwerdeführerin.
2.2
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, dass der Beschwerdeführerin im Erwerbsbereich keine Tätigkeit mehr zumut
bar sei (S. 2 oben). Sie qualifizierte die Beschwerdeführerin als z
u 20
% im Erwerbsbereich und
zu 80
% im Haushaltsbereich tätig (S. 1
unten). Unter Berücksichtigung ein
er Einschrän
kung im Haushaltsbereich von 20
% errechnete die Beschwerdegegnerin e
inen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 36
%
(S. 2 oben).
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
7) hielt die Beschwerdegegnerin fest, die Beschwerdeführerin
sei
seit 1998 verwitwet und
beziehe
eine Witwenrente. Ihre Kinder seien 1986 und 1987 geboren. Somit hätte sie vor ihrer Erkrankung schon etliche Jahre ein höheres Arbeitspensum ausüben können. Es lägen keine An
haltspunkte dafür vor, dass die Beschwerdeführerin ihr Arbeitspensum später noch erhöht hätte (S. 1 unten). Im Übrigen sei davon auszugehen, dass
eine all
fällige
Invalidenrente
angesichts der nie sehr hohen Einkommen der Beschwerdeführerin tiefer ausfallen würde als ihr
e Witwenrente, weshalb weiter
hin nur di
e Witwenrente zur Auszahlung gelangen
würde (S. 2).
2.3
Die Beschwerdeführerin machte in der Beschwerde (
Urk.
1) geltend, dass sie die Frage, wie viel sie ohne gesundheitliche Einschränkungen arbeiten würde, komplett falsch verstanden habe. Natürlich würde sie sehr gerne mit einem Pensum von 100
%
arbeiten, da ihre Kinder 33 und 31 Jahre alt seien.
3.
3.1
Die Ärzte der i
ntegrierten Psychiatrie
A._
nannten im Bericht zu
handen der Beschwerdegegnerin vom 2
3.
August 2018 (
Urk.
8/39) als
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine Agoraphobie mit Panikstörung
(
Ziff.
2.5).
Zudem führten sie folgende
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
auf (
Ziff.
2.6):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol
: schädlicher Gebrauch
Aus psychiatrischer Sicht bestünden Einschränkungen aufgrund der agoraphobischen Ängste und Panikattacken. Die Beschwerdeführerin vermeide Menschenansammlungen, öffentliche Verkehrsmittel und Regionen ausserhalb ihrer bekannten Zone. Dies wirke sich weniger auf die Tätigkeit als mehr auf den Ort einer möglichen Arbeitstätigkeit aus. Die Einschränkungen aus somatischer Sicht könnten nicht beurteilt werden (
Ziff.
3.4).
Die bisherige Tätigkeit wie auch eine angepasste Tätigkeit seien im Umfang von
fünf bis acht
Stunden pro Tag zumutbar, sofern das Setting mit den beschriebenen Ängste
n vereinbar sei (Ziff. 4.1 f.).
3.2
PD
Dr.
med.
B._
, Leitender Oberarzt Wirbelsäulenchirurgie und Neurochirurgie an der
Klinik C._
,
hielt
im
Bericht vom
5.
September 2018 (
Urk.
8/40)
fest,
dass sich eine
stabile Situation ein Jahr postoperativ nach Dekompression
ein
es
Myelons
bei zervikaler Myelopathie
zeige
. Die
Myelopathie
habe sich leider nur geringfügig gebessert
(S. 2)
.
Die Beschwerdeführerin sei auf den Einsatz von Gehstöcken angewiesen und noch sehr stark eingeschränkt. Ohne Gehhilfe bestehe eine starke Gangunsicherheit (S. 1 unten).
Die Fortsetzung der funktionellen Therapie mit professionellen physiotherapeutischen Behandlungen werde dringend empfohlen.
Es bestehe weiterhin eine 100%ige A
rbeitsunfähig
keit
. A
uch
eine angepasste
Tätigkeit
in reduziertem Umfang erscheine aktuell nicht realistisch
(S. 2).
3.3
Dr.
med.
D._
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, nannte in der Stellungnahme vom
2.
Juli 2019 (
Urk.
8/50/7-8) folgende Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit:
-
Funktions- und Belastungseinschränkung der
Halswirbelsäule (
HWS
)
so
wie der Arme und Beine mit/bei:
-
Status nach Spondylodese am 1
9.
Februar
2019 C5/C6 und am 2
8.
August
2017 C6/C7
-
degenerative
zentrale Spinalkanalstenose und zervikale Myelopathie
-
beinbetonte
Tetraspastik
mit spastisch ataktischem Gangbild und beiderseitigen Fingerstreckparesen
Dr.
D._
hielt fest,
es
bestünden
Einschränkungen der Geh- und Stehfähigkeit sowie im Fingergebrauch. In der bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin / Putzfrau bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 1
3.
März 2017 dauerhaft.
Auch in einer angepassten Tätigkeit bestehe
seit 1
3.
März 2017 dauerhaft k
eine
Arbeitsfähigkeit. Aufgrund des bisherigen Verlaufs und des Alters sei keine wesentliche, arbeitsfähigkeitsrelevante Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten.
3.4
Dem
Bericht vom
8.
August 2019 über die Haushaltsabklärung
vom
7.
August 2019 (
Urk.
8/48) ist zu entnehmen, dass
d
ie Beschwerdeführerin einerseits beim
Y._
Shop im Verkauf gearbeitet
habe
. Das Pensum sei gemäss Beschwerdeführerin schwierig zu definieren, da sie je nach Saison sehr unter
schiedlich viele Stunden gearbeitet habe (S. 4 Mitte). Die Abklärungsperson ging aufgrund der durchschnittlichen Einnahmen 2015/2016 von
Fr.
5'921.-- und einem Stundenlohn von
Fr.
27.50 pro Stunde von etwa 215 Stunden pro Jahr
aus
, entspr
echend einem Pensum von etwa 10
% (S. 6
Ziff.
2.6.1). Des Weiteren sei die Beschwerdeführerin bei der
Z._
in der Reinigung tätig gewesen (S. 4 Mitte), dies während zwei Stunden pro Woche, entsprechend einem Pensum von etwa 5
%
(vgl. S. 6
Ziff.
2.6.1). Schliesslich sei sie jeweils zwei Mal pro Jahr für eine Woche einer Reinigungstätigkeit
im Schulhaus
E._
nachgegangen (S. 6
Ziff.
2.5). Dies entspreche einem Pensum von etwa 4
%
(S. 6
Ziff.
2.6.1). Die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass sie alle Jobs vor der Erkrankung bereits seit Jahren gemacht habe. Das gesamte Pensum habe für sie so gestimmt. Sie hätte gerne mehr gearbeitet, aber Stellen seien nicht einfach zu finden. Bei Gesundheit hätte sie mit der Arbeit so weitergemacht. Nur die Stelle im
Y._
Shop hätte sie verloren, da die Geschäftstätigkeit mittlerweile eingestellt worden sei. Da hätte sie sich etwas
a
nderes gesucht (S. 6
Ziff.
2.5). Die Abklärungsperson qualifizierte d
ie Beschwerdeführerin als zu 20
% im
Erwerbs
bereich und zu 80
% im Haushaltsbereich tätig (S. 6
Ziff.
2.6).
Entsprechend den Angaben der Abklärungsperson betrug die Einschränkung im mit
40
%
gewichteten Bereich „Ernährung“
20
%
und im mit
30
%
gewichteten Bereich „Wohnungs
- und Haus
pflege“
40
%
. Im mit
10
%
gewichteten Bereich „Einkauf
sowie weitere Besorgungen“ und
im mit
20
%
gewichteten Bereich „Wäsche und Kleiderpflege“ wurden keine Einschränkungen festgestellt (vgl. S.
8
ff.
Ziff.
6.1 - 6.
4
). Die entsprechend gewichteten einzelnen Einschränkungen ergaben eine Einschränkung von insgesamt
20
%
(S.
10
Ziff.
6.
6
).
4.
4.1
Vorab ist festzuhalten, dass der medizinische Sachverhalt nicht bestritten
ist. Die Beschwerdegegnerin ging
gestützt auf die Stellungnahme ihres RAD-Arztes
von einer vollen Arbeitsunfähigk
eit der Beschwerdeführerin aus
, was a
ngesi
chts der vorliegenden Akten
nicht zu beanstanden
ist.
Ebenfalls unbestritten ist die im Rahmen der Haushaltsabklärung ermittelte Ein
schränkun
g im Haushaltsbereich von 20
%
.
4.2
Damit
stellt sich die Frage nach dem Status der Beschwerdeführerin. Es ist zu klären, ob die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin zu Recht als zu
2
0
%
im Erwerbsbereich und zu
8
0
%
im Haushaltsbereich tätig qualifiziert hat.
4.3
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Rentenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditätsbemessung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betätigungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig ein
zustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten
Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Ent
scheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Ver
hältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
4.4
Aus den vorliegenden Akten ergibt sich
bezüglich Arbeitstätigkeit der
Beschwerdeführerin
ein stabiles Bild. So war sie
seit September 2005 teilzeitlich als Verkäuferin in einem
Y._
-Shop und ab September 2013 zusätzlich in der Reinigung bei der Firma
Z._
tätig. Daneben ging sie seit 2011 jeweils für zwei Wochen pro Jahr einer Reinigungstätigkeit im Schulhaus
E._
nach.
Die genannte bisherige
Arbeitstätigkeit
der Beschwerdeführerin
entsprach insgesamt
ein
em
Arbeitspensum von
ungefähr
20 %
,
was seitens der Beschwerdeführerin nicht beanstandet wurde und a
ufgrund der Berechnungen im Haushal
tsbericht
nachvollziehbar
erscheint (vgl. vorstehende Erwägung 3.4).
4.5
Die Beschwerdeführerin gab im Rahmen der Haushaltsabklärung an, dass sie gerne mehr gearbeitet hätte, aber bei Gesundheit mit der Arbeit so weitergemacht hätte.
In der Beschwerde hielt sie fest, dass sie die Frage falsch verstanden habe; natürlich würde sie sehr gerne mit einem Pensum von 100
%
arbeiten, da ihre Kinder 33 und 31 Jahre alt seien.
Für die Statusfrage ist massgebend
,
was die
Beschwerdeführerin
bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde
(vgl. E. 4.3). Die gesundheitlichen Probleme
trat
en im März
2017
auf (vgl.
Urk.
8/48
S. 2 unten)
, als
die Beschwerdeführerin
54 Jahre
alt und
d
as jüngere Kind
bereits 30 Jahre alt
war
.
Somit hätte die Beschwerdeführerin angesichts des Alters
der Kinder bereits seit Jahren mit einem höheren Pensum tätig sein können.
Es erscheint nicht überwiegend wahrscheinlich, dass
d
ie
Beschwerdeführerin
im Gesundheitsfall
nach diesem Zeitpunkt
plötzlich
mehr
gearbeitet hätte, nachdem sie sich über
viele
Jahre mit gering
en
Arbeitspensen
begnügt hatte.
Vor diesem Hintergrund ist überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerde
führerin heute als Gesunde
wie bisher
mit einem Pensum von
2
0
%
arbeiten würde. Soweit die Beschwerdegegnerin geltend machte, dass
sie gerne mehr gearbeitet hätte, finden sich in den Akten keine Hinweise darau
f, dass sie vor Eintritt des Gesundheitsschadens versucht hätte, eine zusätzliche oder eine andere Stelle mit einem höheren Pensum zu finden oder ihr Arbeitspensum in einer bestehenden Anstellung zu erhöhen
.
Nach dem Gesagten ist die
Beschwerdeführerin als zu 20
%
im Erwerbsbereich und
zu
80
%
im Haushaltsbereich tätig
zu qualifizieren.
Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen.
4.
6
Wie unter Erwägung 4.1 dargelegt, ist von einer
100%igen
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin
auszugehen.
Bezogen auf ein
2
0
%-Pensum resultiert somit ein Teilinvaliditätsgrad im Erwerbsbereich von
20
%.
Betreffend den Haushaltsbereich ist, wie gesehen (vgl. E. 3.
4
), von einer Ein
schränkung von insgesamt 20 % auszugehen. Bei der vorliegend massgebenden Gewichtung des Haushaltsbereiches mit 80
%
ergibt sich damit ein Teilinvaliditätsgrad von 16
%
.
Durch Addition der Teilinvaliditätsgrade im Erwerbs- und im Haushaltsbereich resultiert ein
rentenausschliessender
Gesamtinvaliditätsgrad von 36 %.
Somit
erweist sich die angefochtene Verfügung vom
2
4.
September 2019
als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
5.
Die Kosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
6
00.-- fest
zusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen
,
zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen
auf die Gerichtskasse zu nehmen
.
Die Beschwerdeführerin
ist
auf die Nachzahlungs
pflicht gemäss
§
16
Abs.
4
des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hin
zuweis
en.