Decision ID: 50960155-8b40-4251-95d6-cfa735d0304f
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._ war als selbständigerwerbender Holztransporteur freiwillig bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen Unfälle
versichert.
2. Am 1. Dezember 2017 zog sich A._ beim Abladen und Abspulen einer
Bobine eine Supraspinatussehnenruptur links zu. Daraufhin wurde
A._ eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert sowie Physiotherapie
verordnet. Die Suva erbrachte die gesetzlichen Versicherungsleistungen
(Heilkosten, Taggelder).
3. Am 27. Juni 2018 erlitt A._ einen weiteren Unfall, als er beim
Absteigen vom Kransitz ausrutschte, auf die rechte Schulter fiel und sich
dabei eine Supraspinatussehnenruptur rechts zuzog. Die Suva erbrachte
in der Folge die gesetzlichen Versicherungsleistungen (Heilkosten,
Taggelder).
4. Der Kreisarzt Dr. med. B._, Facharzt für Chirurgie, speziell Allge-
mein-, Unfall- und Handchirurgie, Mitglied FMH, untersuchte A._ am
19. Februar 2019 und berichtete am 25. Februar 2019, dass aktuell das
rechte Schultergelenk beschwerdeführend sei, wobei der Leidensdruck
nicht sehr ausgeprägt erscheine. A._ wolle den von Dr. med.
C._, Leitender Arzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
FMH, vorgeschlagenen minimalinvasiven Schultereingriff mit
Schulterarthroskopie und Tenotomie der langen Bicepssehne nicht
durchführen lassen. Da die zumutbare kleine Operation wahrscheinlich die
Schmerzen, nicht aber die Funktionalität beider Schultern verbessern
könnte, sei trotzdem vom Endzustand auszugehen. Die angestammte
Tätigkeit als Holztransporteur sei nicht mehr zumutbar. Ebenfalls nicht
zumutbar seien Überkopfarbeiten und belastende Tätigkeiten über
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Brusthöhe. Unterhalb der Brusthöhe sei A._ in der Lage, schwere
Tätigkeiten auszuführen.
5. In seinem Bericht vom 1. März 2019 über die medizinische Beurteilung
vom 28. (recte: wohl 25.) Februar 2019 schätzte der Kreisarzt Dr. med.
D._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, den Integritätsschaden auf total 10 % (Schulter
links: 5 %, Schulter rechts: 5 %). Zur Begründung hielt er fest, dass das
Defizit im Bereich der Schultergelenke jenem einer mässiggradigen
Omarthrose entspreche, die in der Tabelle 5 "je gemäss UVG" einem
Spielraum von 5-10 % zugeordnet sei.
6. Mit Schreiben vom 7. März 2019 teilte die Suva A._ mit, die ärztliche
Untersuchung habe ergeben, dass eine weitere Behandlung nicht mehr
notwendig sei, weshalb die Heilkostenleistungen mit dem heutigen Tage
eingestellt würden. Per 30. April 2019 würden auch die Taggeldleistungen
eingestellt. Unter Berücksichtigung des Zumutbarkeitsprofils könne
nämlich von einer ganztägigen Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt ausgegangen werden. Es werde nun geprüft, ob weitere
Versicherungsleistungen ausgerichtet werden könnten. Nebst einer
allfälligen Invalidenrente stehe ihm eine Integritätsentschädigung zu.
Darüber werde er zusammen mit der Rentenverfügung informiert.
7. Mit Verfügung vom 9. April 2019 sprach die Suva A._ eine Integri-
tätsentschädigung von insgesamt CHF 14'820.-- aufgrund einer
Integritätseinbusse von 10 % zu, lehnte aber gleichzeitig die Ausrichtung
einer Invalidenrente infolge eines Invaliditätsgrades von gerundet 4 % ab.
Die dagegen von A._ am 23. April 2019 erhobene Einsprache wies
die Suva mit Einspracheentscheid vom 24. Oktober 2019 ab.
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8. Hiergegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Eingabe
vom 22. November 2019 (Poststempel) Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit folgenden
Rechtsbegehren:
"1. Es sei mir eine IV-Rente analog der SVA GR von mindestens 75 % zuzusprechen.
2. Die Integritätsentschädigung sei durch das Kantonsgericht (recte:
Verwaltungsgericht) zu überprüfen.
3. Die Unfallgelder seien mir noch gemäss Unternehmerversicherung nachzuzahlen."
Zur Begründung hielt der Beschwerdeführer im Wesentlichen fest, wenn
er wenig und nur leichte Arbeiten ausführe, könne er relativ schmerzfrei
leben. Bei einer über längere Zeit (1 Std. +) dauernden und schwereren
Arbeit, z.B. Holz hacken mit der Maschine, habe er abends und auch
nachts teilweise starke Schmerzen. Laut ärztlicher Auskunft sei das jedoch
bei seinen Verletzungen eine normale Reaktion. Im angefochtenen
Einspracheentscheid werde versucht, einen Invalidenlohn anzurechnen,
der mehr als nur theoretischer Natur sei. Mit seinen lädierten Schultern sei
an eine ganztägige und entsprechend entlöhnte Tätigkeit nicht mehr zu
denken. Gemäss seinem Hausarzt Dr. med. E._, FMH Allgemeine
Innere Medizin, würden die Schulterverletzungen seine körperlichen
Fähigkeiten lebenslang beeinträchtigen. Die IV-Stelle des Kantons
Graubünden habe ihm mit Vorbescheid vom 5. April 2019 eine volle
Invalidenrente zugesprochen. Zur Berechnung der
Integritätsentschädigung könne er keine Stellung nehmen, da er
diesbezüglich schlicht überfordert sei. Daher bitte er unter Hinweis auf
seine Einsprache vom 23. April 2019 um Vornahme einer Bewertung. Mit
Schreiben vom 7. März 2019 habe ihm die Suva mitgeteilt, dass per 30.
April 2019 sämtliche Leistungen (Heilkosten, Taggelder) eingestellt
würden und die Unfälle somit abgeschlossen seien. Dagegen habe er sich
in der Einsprache vom 23. April 2019 gewehrt, jedoch nie eine Antwort
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darauf erhalten. Seit dem 1. Juli 2014 habe er bei der Suva eine freiwillige
Unternehmerversicherung nach UVG. Gemäss dieser sei er als Chauffeur
für Holztransporte versichert. Sowohl die Suva als auch die IV-Stelle des
Kantons Graubünden würden bestätigen, dass die Ausübung dieser
Tätigkeit mit seinen Schulterverletzungen nicht mehr möglich sei.
Trotzdem seien die Leistungen eingestellt worden. Dieser Punkt sei in
seiner Einsprache vom 23. April 2019 enthalten, werde im
Einspracheentscheid der Suva jedoch nicht erwähnt.
9. In ihrer Beschwerdeantwort vom 20. Januar 2020 beantragte die Suva
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde.
Begründend wurde im Wesentlichen ausgeführt, dem Beschwerdeführer
sei zuzustimmen, dass der Invalidenlohn auf einer theoretischen
Berechnung beruhe, was im Unfallversicherungsrecht allerdings üblich
sei. Nach der Rechtsprechung könnten die Tabellenlöhne gemäss den
vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden, wenn die
versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder
jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit
aufgenommen habe. Die Berechnung des Invaliditätsgrades sei korrekt
vorgenommen worden und gebe keinen Anlass zu Beanstandungen.
Stelle man nämlich das korrekt ermittelte Invalideneinkommen von CHF
64'356.-- dem massgeblichen Valideneinkommen von CHF 66'690.--
gegenüber, ergebe sich für den Beschwerdeführer kein seitens der
Unfallversicherung massgeblicher Invaliditätsgrad (3.5 %). Bei diesem
Ergebnis habe die Beschwerdegegnerin die Voraussetzungen für die
Ausrichtung einer Invalidenrente zu Recht verneint. Sodann sei darauf
hinzuweisen, dass die Schätzung des Integritätsschadens in erster Linie
den Ärzten obliege, welche aufgrund ihrer Kenntnisse und Erfahrungen
fähig seien, die konkreten Befunde zu erheben und den Integritätsschaden
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sachgemäss zu beurteilen. Vorliegend habe Dr. med. D._ diese
Beurteilung vorgenommen und beide Schultern mit je 5 %
Integritätseinbusse bewertet. Da seine Beurteilung allen bundesgerichtlich
aufgestellten Anforderungen an einen beweiswertigen Bericht entspreche,
sei darauf abzustellen. Somit erweise es sich als korrekt, dass die
Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine
Integritätsentschädigung bei einem Integritätsschaden von 10 %
zugesprochen habe. Ferner habe Dr. med. B._ nach durchgeführter
kreisärztlicher Abschlussuntersuchung darauf geschlossen, dass der
medizinische Endzustand erreicht sei. Das Erreichen des medizinischen
Endzustands stelle auch den Zeitpunkt des Rentenbeginns dar, womit der
Anspruch auf Taggeldleistungen (und Heilungskosten) von Gesetzes
wegen erlösche. Vorliegend habe der Rentenanspruch verneint werden
müssen, weil die Berechnung des Invaliditätsgrades ergeben habe, dass
der Beschwerdeführer in einer leidensangepassten Tätigkeit ein
rentenausschliessendes Einkommen erzielen könnte. Aufgrund der
vorstehenden Ausführungen erweise sich der angefochtene
Einspracheentscheid in allen Punkten als rechtens.
10. Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensparteien sowie die
eingereichten Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 24. Oktober 2019. Gemäss Art. 1 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) i.V.m.
Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann
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gegen einen Einspracheentscheid Beschwerde an das
Versicherungsgericht desjenigen Kantons erhoben werden, in welchem
die versicherte Person im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung ihren
Wohnsitz hat. Der Beschwerdeführer wohnt im Kanton Graubünden,
womit die örtliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden gegeben ist. Dessen sachliche Zuständigkeit ergibt sich aus
Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des kantonalen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als formeller und materieller
Adressat des angefochtenen Einspracheentscheids ist der
Beschwerdeführer davon überdies berührt und er weist ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Überprüfung auf (Art. 59 ATSG). Auf
die zudem frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 und
Art. 61 lit. b ATSG) ist somit einzutreten.
2. Streitig und zu prüfen ist, ob dem Beschwerdeführer zu Recht ein
Invalidenrentenanspruch versagt blieb und ob die
Integritätsentschädigung zu Recht auf insgesamt CHF 14'820.--, was einer
Integritätseinbusse von 10 % entspricht, festgelegt wurde.
3.1. Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Leistungen der Unfallversicherung bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt,
soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt
der versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der
Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist die versicherte Person infolge des
Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG), so hat sie gemäss
Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Art. 18 Abs. 1 UVG gewährt
der versicherten Person Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie
infolge des Unfalls zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 ATSG) ist. Kann von
der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden
und sind allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung
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abgeschlossen (Art. 19 Abs. 1 UVG), hat die zuständige
Unfallversicherungsgesellschaft den Fall unter Einstellung der
vorübergehenden Leistungen mit gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs
auf eine Invalidenrente und auf eine Integritätsentschädigung
abzuschliessen (vgl. BGE 134 V 109 E.4.1, 133 V 57 E.6.6.2; Urteil des
Bundesgerichts 8C_363/2020 vom 29. September 2020 E.3.2).
3.2. Für die Bemessung der Invalidität ist Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 18
UVG). Danach ist der Invaliditätsgrad aufgrund eines
Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität
und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen),
in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
3.3. Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte sind Sozialversicherungsträger
und Sozialversicherungsrichter auf Unterlagen angewiesen, die ihnen
vorab von Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Das Gericht hat die
medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess
gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) –
wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies
bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel,
unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu
entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf
es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess
nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die
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Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere
medizinische These abstellt (vgl. BGE 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c).
3.4. Dennoch hat es die bundesgerichtliche Rechtsprechung mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug
auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien
für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. BGE 125 V 351 E.3b, 118 V
286 E.1b). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231
E.5.1, 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c). Den Berichten eines
Versicherungsmediziners kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig
erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind
und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Bestehen aber
auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit seiner
Feststellungen, so sind weitere Abklärungen notwendig (vgl. BGE 145 V
97 E.8.5, 142 V 58 E.5.1, 139 V 225 E.5.2, 135 V 465 E.4.4 und 4.6 f., 125
V 351 E.3b/ee; Urteil des Bundesgerichts 9C_730/2018 vom 27. März
2019 E.5.1.2).
3.5. Bei der Beurteilung der vorliegend streitigen Fragen ist der Sachverhalt zu
berücksichtigen, der sich bis zum Erlass des angefochtenen
Einspracheentscheids am 24. Oktober 2019 verwirklicht hat (vgl. BGE 142
V 337 E.3.2.2). Massgeblich ist dabei der im Sozialversicherungsrecht
übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. BGE 141
V 15 E.3.1, 138 V 218 E.6).
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4.1. Der Beschwerde- und Behandlungsverlauf des Beschwerdeführers
präsentiert sich wie folgt:
4.2. Am 1. Dezember 2017 erlitt der Beschwerdeführer beim Abladen und
Abspulen einer Bobine eine Zerrung an der linken Schulter (vgl.
beschwerdegegnerische Akten Schadennummer 27.78502.17.0 [Bg-act.
II] 1, 9 und 11).
4.3. Am 3. April 2018 berichtete der Hausarzt Dr. med. E._ der
Beschwerdegegnerin über den bisherigen Verlauf der Schulterverletzung
links und liess ihr die Bilder der Röntgen- und Ultraschalluntersuchung
vom 4. Januar 2018 zukommen (vgl. Bg-act. II 21).
4.4. Am 5. April 2018 hielt der Versicherungsmediziner Dr. med. D._ fest,
dass der erhobene Befund einer Listenverletzung gemäss Art. 6 Abs. 2
lit. f UVG entspreche (vgl. Bg-act. II 23, siehe auch Bg-act. II 40).
4.5. Am 6. April 2018 anerkannte die Beschwerdegegnerin ihre
Leistungspflicht in Bezug auf die Übernahme von Heilbehandlungskosten
und die Ausrichtung eines Taggeldes (CHF 138.10) frühestens ab dem 31.
Dezember 2017 (vgl. Bg-act. II 27).
4.6. Am 27. Juni 2018 erlitt der Beschwerdeführer einen zweiten Unfall, als er
beim Absteigen vom Kransitz ausrutschte, auf die rechte Schulter fiel und
sich dabei eine Supraspinatussehnenruptur rechts zuzog (vgl.
beschwerdegegnerische Akten Schadennummer 25.44603.18.6 [Bg-act. I]
1 und 6).
4.7. Am 11. Juli 2018 anerkannte die Beschwerdegegnerin ihre
Leistungspflicht in Bezug auf die Übernahme von Heilbehandlungskosten
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und die Ausrichtung eines Taggeldes (CHF 138.10) frühestens ab dem 27.
Juli 2018 (vgl. Bg-act. I 8).
4.8. Der Hausarzt Dr. med. E._ attestierte dem Beschwerdeführer
hinsichtlich der linken Schulter eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 2.
Dezember 2017 bis zum 31. Januar 2018 (vgl. Bg-act. I 17 S. 3 sowie Bg-
act. II 3 und 12). Wegen der rechten Schulter wurde dem
Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 28. Juni 2018
bis zum 4. Juli 2018 (vgl. Bg-act. I 2), eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %
vom 5. Juli 2018 bis zum 15. August 2018 (vgl. Bg-act. I 9, 10 und 11) und
eine Arbeitsunfähigkeit von 75 % vom 16. August 2018 bis zum 8. März
2019 (vgl. Bg-act. I 11, 12, 15, 24, 29 ["AUF schliesst beide Unfälle ein"],
37, 39, 47, 48, 53 und 55 sowie Bg-act. II 32, 35, 44, 54, 58, 65, 67, 74,
75, 80 und 81) attestiert.
4.9. Am 17. August 2018 ging bei der Beschwerdegegnerin das bezüglich der
linken Schulter ausgefüllte Formular "Schadenmeldung UVG, Rückfall" ein
(vgl. Bg-act. II 31, siehe auch Bg-act. II 41).
4.10. In seinem Bericht vom 18. August 2018 über die am 14. August 2018
durchgeführte Ultraschalluntersuchung hielt Dr. med. F._, FMH
Innere Medizin fest, dass beim Beschwerdeführer komplexe Verletzungen
beider Schultern bestehen würden, rechts vor allem eine Intervallläsion
sowie kleine Einrisse im Bereich des Bizepsankers, wobei die lange
Bizepssehne noch intakt sei. Links finde man einen deutlichen Einriss der
Supraspinatussehne gegen ventral. Beidseits Hinweis mit Bursitis
subdeltoidea mit Flüssigkeit. Rechts zudem Verdacht auf Läsion des
vorderen Labrums bzw. links Verdacht auf Läsion des hinteren Labrums.
Falls ausgedehnte physiotherapeutische Massnahmen über 4-6 Wochen
nichts bewirken würden, sei eine Vorstellung beim Schulterspezialisten
angezeigt (vgl. Bg-act. I 14 und 17 sowie Bg-act. II 38).
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4.11. Anlässlich des Telefongesprächs vom 13. September 2018 teilte der
Hausarzt Dr. med. E._ der Beschwerdegegnerin mit, dass eine
Rehabilitation gut wäre, der Beschwerdeführer eine solche jedoch nicht
möchte (vgl. Bg-act. I 16).
4.12. Mit Überweisungsschreiben vom 14. September 2018 an Dr. med.
C._ bat der Hausarzt Dr. med. E._ um Beurteilung des
Beschwerdeführers bezüglich seiner beiden traumatisierten Schultern. Im
besagten Schreiben nahm Dr. med. E._ eine ausführliche Anamnese,
Befundung sowie Beurteilung der beiden Schulterverletzungen des
Beschwerdeführers für den Zeitraum vom 19. Dezember 2017 bis zum 14.
September 2018 vor (vgl. Bg-act. I 17 und Bg-act. II 45).
4.13. In seinem Zwischenbericht vom 12. Oktober 2018 führte der Hausarzt
Dr. med. E._ in Bezug auf den bisherigen Verlauf und den
gegenwärtigen Zustand aus, dass ein sehr protrahierter Verlauf mit immer
wieder Auftreten von Schmerzen in beiden Schultern vorliege. Wenn eine
Schulter mehr geschont werde, dann überlaste sich die andere. Bezüglich
Prognose hielt er fest, dass angesichts des Verlaufs bei schwierigem
Verständnis der Verletzung bzw. fehlendem Bewusstsein der Problematik
seitens Beruf ("murkse" wiederholt trotz attestierter Teilarbeitsfähigkeit)
insgesamt eher eine infauste Gesamtprognose bestehe. Zudem ist dem
besagten Zwischenbericht zu entnehmen, dass die gegenwärtige
Behandlung aus Physiotherapie, Heimtraining sowie Analgesie bestehe
(vgl. Bg-act. I 26).
4.14. Dr. med. C._, Leitender Arzt Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie FMH berichtete am 26. Oktober 2018 über die am 25.
Oktober 2018 erfolgte Untersuchung des Beschwerdeführers
dahingehend, dass seines Erachtens beidseits die Tendinopathie der
Biceps longus-Sehne im Vordergrund stehe. Er empfahl eine Arthro-MRI-
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Untersuchung und hielt fest, dass sich der Beschwerdeführer in den
kommenden Tagen hierfür anmelden werde (vgl. Bg-act. I 31 und Bg-act.
II 60).
4.15. Am 29. Oktober 2018 erfolgte ein Arthro-MRI beider Schultern durch
Dr. med. G._, Radiologie FMH. In seinem gleichentags verfassten
Bericht führte er betreffend Beurteilung Schulter rechts was folgt aus:
"Ruptur der Supraspinatussehne in der ventralen Hälfte mit KM-Austritt
subacromial. Unregelmässige Unterfläche der Supraspinatussehne.
Pulley-Läsion der Bizepssehne. Sulcus an der Basis vom Labrum
supraglenoidale ohne sichere SLAP-Läsion." Hinsichtlich der Beurteilung
der linken Schulter hielt Dr. med. G._ Folgendes fest: "Ruptur der
Supraspinatussehne am Ansatz mit einer deutlichen Retraktion. Nur
leichte Muskelatrophie. Mässige Pulley-Läsion der langen Bizepssehne.
Hochstand des Humeruskopfes" (vgl. Bg-act. I 42 und Bg-act. II 69).
4.16. Am 16. November 2018 berichtete Dr. med. C._ über die am 12.
November 2018 erfolgte Untersuchung dahingehend, dass sich in der MR-
Tomographie der Verdacht auf eine Rotatorenmanschettenläsion mit
beidseits Rupturierung des Pulley-Systems und konsekutiver
Tendinopathie der Biceps longus-Sehne bestätige. Er empfahl dem
Beschwerdeführer eine operative Minimalvariante im Sinne einer
Schulterarthroskopie links mit Tenotomie der langen Bicepssehne (vgl.
Bg-act. I 43 und Bg-act. II 70).
4.17. Am 27. Januar 2019 hielt der Kreisarzt Dr. med. B._ auf dem
beschwerdegegnerischen Formular "Vorlage Versicherungsmedizin"
insbesondere fest, dass der Endzustand vermutlich erreicht sei, da der
Beschwerdeführer keine Operation wolle (vgl. Bg-act. I 51).
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4.18. In seinem Bericht vom 25. Februar 2019 über die am 19. Februar 2019
erfolgte kreisärztliche Abschlussuntersuchung stellte der Kreisarzt
Dr. med. B._ folgende unfallkausalen Diagnosen: 1. Antero-superiore
Schulterschmerzen links mit/bei subtotaler transmuraler Ruptur der
Supraspinatussehne, Pulley-Läsion, Tendinopathie der Biceps longus-
Sehne; 2. Antero-superiore Schulterschmerzen rechts mit/bei anteriorer
transmuraler Supraspinatussehnenläsion, Pulley-Läsion, konsekutiver
Tendi-nopathie der Biceps longus-Sehne. In seiner Beurteilung hielt er
fest, dass aktuell das rechte Schultergelenk beschwerdeführend sei,
wobei der Leidensdruck nicht sehr ausgeprägt erscheine. Entsprechend
wolle der Beschwerdeführer den von Dr. med. C._ vorgeschlagenen
minimalinvasiven Schultereingriff mit Schulterarthroskopie und Tenotomie
der langen Bicepssehne nicht durchführen lassen. Da die zumutbare
kleine Operation wahrscheinlich die Schmerzen, nicht aber die
Funktionalität beider Schultern verbessern könnte, sei trotzdem vom
Endzustand auszugehen. Die angestammte Tätigkeit als Holztransporteur
sei nicht mehr zumutbar. Ebenfalls nicht zumutbar seien Überkopfarbeiten
und belastende Tätigkeiten über Brusthöhe. Unterhalb der Brusthöhe sei
der Beschwerdeführer in der Lage, schwere Tätigkeiten auszuführen (vgl.
Bg-act. I 66 und Bg-act. II 86).
4.19. In seinem Bericht vom 1. März 2019 nahm der Kreisarzt Dr. med. D._
eine Beurteilung des Integritätsschadens aufgrund der medizinischen
Beurteilung vom 28. (recte: wohl 25.) Februar 2019 vor. In befundlicher
Hinsicht führte er aus, dass im Bereich beider Schultergelenke eine leichte
Einschränkung bezüglich Beweglichkeit und Kraft bestehe. Den
Integritätsschaden schätzte er auf total 10 % (Schulter links: 5 %, Schulter
rechts: 5 %). In seiner Begründung hielt er zudem fest, dass das Defizit im
Bereich der Schultergelenke jenem einer mässiggradigen Omarthrose
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entspreche, die in der Tabelle 5 "je gemäss UVG" einem Spielraum von 5-
10 % zugeordnet sei (vgl. Bg-act. I 67 und Bg-act. II 87).
4.20. Mit Schreiben vom 7. März 2019 teilte die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer mit, die ärztliche Untersuchung habe ergeben, dass
eine weitere Behandlung nicht mehr notwendig sei, weshalb die
Heilkostenleistungen mit dem heutigen Tage eingestellt würden. Per 30.
April 2019 würden auch die Taggeldleistungen eingestellt. Unter
Berücksichtigung des Zumutbarkeitsprofils könne nämlich von einer
ganztägigen Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
ausgegangen werden. Es werde nun geprüft, ob weitere
Versicherungsleistungen ausgerichtet werden könnten. Nebst einer
allfälligen Invalidenrente stehe ihm eine Integritätsentschädigung zu.
Darüber werde er zusammen mit der Rentenverfügung informiert (vgl.
beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 5).
4.21. Die Beschwerdegegnerin sprach dem Beschwerdeführer mit Verfügung
vom 9. April 2019 aufgrund einer Integritätseinbusse von 10 % eine Integri-
tätsentschädigung von total CHF 14'820.-- zu, lehnte aber gleichzeitig die
Ausrichtung einer Invalidenrente infolge eines Invaliditätsgrades von
gerundet 4 % ab (vgl. Bf-act. 2).
4.22. In seiner Einsprache vom 23. April 2019 bestritt der Beschwerdeführer
sinngemäss das Zumutbarkeitsprofil bzw. die Verwertbarkeit der (Rest-)
Arbeitsfähigkeit, denn es sei falsch, von einer ganztägigen Arbeitsfähigkeit
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auszugehen. Vielmehr sei es so, dass
ihm schwere Arbeiten unter Brusthöhe – über eine Dauer von ca. 1 Std. –
ebenfalls starke Schmerzen bereiten würden (vgl. Bf-act. 3).
5.1. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden sprach dem Beschwerdeführer mit
Verfügung vom 3. Juli 2019 eine ganze Invalidenrente ab dem 1. Juni 2019
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zu, basierend auf einem Invaliditätsgrad von 75 % (vgl. Bg-act. I 79 und
80). Gestützt darauf beantragt der Beschwerdeführer nun eine
Invalidenrente nach UVG entsprechend einem Invaliditätsgrad von 75 %.
Er bringt hierzu vor, dass im angefochtenen Einspracheentscheid versucht
werde, einen Invalidenlohn anzurechnen, der mehr als nur theoretischer
Natur sei. Mit seinen lädierten Schultern sei an eine ganztägige und
entsprechend entlöhnte Tätigkeit nicht mehr zu denken, weshalb eine
Invalidenrente von 75 % angebracht und auch absolut gerechtfertigt sei.
5.2. Die Beschwerdegegnerin stimmt dem Beschwerdeführer zu, dass der
Invalidenlohn auf einer theoretischen Berechnung beruht, was im
Unfallversicherungsrecht jedoch üblich sei. Zwar sei für die Festsetzung
des Invalideneinkommens primär von der beruflich-erwerblichen Situation
auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret stehe. Dies aber
nur, wenn sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit ausübe, bei
der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben seien
und anzunehmen sei, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in
zumutbarer Weise voll ausschöpfe, und wenn zudem das Einkommen aus
der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheine.
Falls kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben sei,
namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare
neue Erwerbstätigkeit aufgenommen habe, so könnten nach der
Rechtsprechung die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für
Statistik periodisch herausgegebenen LSE herangezogen werden. Für die
konkrete Berechnung des Invaliditätsgrades verweist die
Beschwerdegegnerin auf ihren Einspracheentscheid und führt aus, dass
diese richtig vorgenommen worden sei und keinen Anlass zu
Beanstandungen gebe. Stelle man nämlich das korrekt ermittelte
Invalideneinkommen (CHF 64'356.--) dem massgeblichen
- 17 -
Valideneinkommen (CHF 66'690.--) gegenüber, so ergebe sich kein für die
Unfallversicherung massgeblicher Invaliditätsgrad (3.5 %). Bei diesem
Ergebnis seien die Voraussetzungen für die Ausrichtung einer
Invalidenrente zu Recht verneint worden.
5.3. In BGE 133 V 549 E.6.1 hat das Bundesgericht zwar den Grundsatz der
Einheitlichkeit des Invaliditätsbegriffs (vgl. BGE 126 V 288) wiederholt,
wonach bei gleichem Gesundheitsschaden die Invaliditätsbemessung in
der Invalidenversicherung, der Unfallversicherung und in der
Militärversicherung denselben Invaliditätsgrad ergeben soll. Diese
Zielsetzung wird indessen bereits durch BGE 126 V 288 selber insofern
relativiert, als die IV-Stellen und die Unfallversicherer die
Invaliditätsbemessung in jedem einzelnen Fall selbstständig vorzunehmen
haben. Keinesfalls dürfen sie sich ohne weitere eigene Prüfung mit der
blossen Übernahme des Invaliditätsgrades des Unfallversicherers oder
der IV-Stelle begnügen (vgl. BGE 126 V 288 E.2d). Der BGE 126 V 288
tragende koordinationsrechtliche Gesichtspunkt hat sodann dadurch an
Bedeutung verloren, dass nach AHI 2004 S. 186, E.4.3, I 564/02 und BGE
131 V 362 E.2.2 die Invaliditätsschätzung der Invalidenversicherung
gegenüber dem Unfallversicherer keine Bindungswirkung entfaltet (siehe
auch Urteil des Bundesgerichts 8C_224/2019 vom 18. September 2019
E.4.3). Triftige Gründe für eine Abkehr von dieser Rechtsprechung werden
in der Beschwerde weder geltend gemacht noch sind solche ersichtlich.
Vorliegendenfalls geht es für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit demnach allein um die Folgen der unfallbedingten
gesundheitlichen Beeinträchtigung (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
5.4. Ist die versicherte Person infolge eines Unfalls zu mindestens 10 % invalid,
so hat sie gemäss Art. 18 Abs. 1 UVG Anspruch auf eine Invalidenrente.
Als Invalidität gilt nach Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
- 18 -
Diese wiederum entspricht dem durch Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachten und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibenden ganzen oder
teilweisen Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen) (Art. 16 ATSG).
5.5. Für die Invaliditätsbemessung ist nicht darauf abzustellen, ob eine invalide
Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden
kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch
wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem
Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_558/2017 vom 1. Februar 2018 E.4.1.2, 9C_610/2007
vom 23. Oktober 2007 E.4.2, Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] I 824/02 vom 16. Juni 2004 E.2.2.1).
Gemäss Art. 16 ATSG ist bei der Bestimmung des Invaliditätsgrades
deshalb von einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage auszugehen. Der
Begriff umfasst einerseits ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem
Angebot und der Nachfrage nach Stellen; anderseits bezeichnet er einen
Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger
Stellen offenhält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten
beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des
körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im
Einzelfall, ob eine invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche
- 19 -
Erwerbsfähigkeit zu verwerten (vgl. BGE 110 V 273 E.4b; Urteil des
Bundesgerichts 8C_791/2009 vom 8. März 2010 E.3.2; Zeitschrift für die
Ausgleichskassen [ZAK] 1991 S. 318 E.3b). Das restliche erwerbliche
Leistungsvermögen hat sich somit in einem fiktiven Arbeitsmarkt zu
bewähren, der definitionsgemäss unter anderem konjunkturell
ausgeglichen ist (vgl. Urteil des EVG I 601/01 vom 17. Dezember 2002
E.4.3; RÜEDI, Im Spannungsfeld zwischen Schadenminderungspflicht und
Zumutbarkeitsgrundsatz bei der Invaliditätsbemessung nach einem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt, in: SCHAFFHAUSER/SCHLAURI [Hrsg.],
Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999,
S. 35). Bei der Prüfung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit darf allerdings nicht von realitätsfremden
Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden, sondern nur von Tätigkeiten,
die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven
Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_433/2020 vom 15. Oktober 2020 E.7.2). An die
Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind
allerdings rechtsprechungsgemäss keine übermässigen Anforderungen
zu stellen (vgl. BGE 138 V 457 E.3.1, vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
8C_391/2014 vom 9. Juli 2014 E.4).
5.6. Massgebend ist also einerseits das auf der Grundlage der medizinischen
Stellungnahmen zu beurteilende, durch die Unfallfolgen bestimmte
Zumutbarkeitsprofil und anderseits dessen erwerbliche Verwertbarkeit auf
dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. FLÜCKIGER, in: FRÉSARD-
FELLAY/LEUZINGER/PÄRLI [Hrsg.], Basler Kommentar zum
Unfallversicherungsgesetz, Basel 2019, Art. 18 Rz. 35).
5.7. Was das Zumutbarkeitsprofil anbelangt, stellte der Kreisarzt Dr. med.
B._ nach der am 19. Februar 2019 erfolgten Abschlussuntersuchung
in seiner Beurteilung vom 25. Februar 2019 fest, dass die angestammte
- 20 -
Tätigkeit als Holztransporteur nicht mehr zumutbar sei, ebenso wie
Überkopfarbeiten und belastende Tätigkeiten über Brusthöhe. Unterhalb
der Brusthöhe sei der Beschwerdeführer in der Lage, schwere Tätigkeiten
auszuführen (vgl. vorstehend Erwägung 4.18). Der Beschwerdeführer
beanstandet das Zumutbarkeitsprofil des Kreisarztes Dr. med. B._,
indem er vorbringt, bei einer über längere Zeit (1 Std. +) dauernden und
schwereren Arbeit, z.B. Holz hacken mit der Maschine, habe er abends
und auch nachts teilweise starke Schmerzen. Mit seinen lädierten
Schultern sei an eine ganztägige und entsprechend entlöhnte Tätigkeit
nicht mehr zu denken. In seiner Einsprache vom 23. April 2019 hatte er
geltend gemacht, dass ihm schwere Arbeiten unter Brusthöhe – über eine
Dauer von ca. 1 Std. – ebenfalls starke Schmerzen bereiten würden. Die
Argumentation des Beschwerdeführers erweist sich als nicht stichhaltig,
da seine Darstellung ärztlich nicht echtzeitlich unterlegt ist. Der
behandelnde Hausarzt Dr. med. E._ hielt in seinem
Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom 21. August 2018 fest, dass der
Beschwerdeführer vereinzelt, über den ganzen Tag verteilt, leichte
Arbeiten ausführen könne, vermehrt Pausen brauche und viele schwere
arbeitsplatzbezogene Arbeiten nicht machen könne (vgl. Bg-act. I 12).
Diese hausärztliche Einschätzung, die rund ein halbes Jahr vor der
kreisärztlichen Beurteilung erfolgte, steht jener nicht entgegen, sondern
stützt sie, indem mit der Unzumutbarkeit der angestammten Tätigkeit als
Holztransporteur übernommen wurde, was der Hausarzt Dr. med.
E._ bereits im August 2018 feststellte. Dem kreisärztlichen
Zumutbarkeitsprofil stehen keine echtzeitlichen oder späteren ärztlichen
Beurteilungen entgegen. So denn auch nicht die dem Beschwerdeführer
bis im März 2019 bescheinigte 75%ige Arbeitsunfähigkeit (vgl. vorstehend
Erwägung 4.8), weil sich diese auf die angestammte Tätigkeit bezieht. Das
kreisärztliche Zumutbarkeitsprofil ist somit beweiswertmässig nicht zu
beanstanden, zumal es doch für die streitigen Belange umfassend ist, auf
- 21 -
einer eingehenden persönlichen Untersuchung des Beschwerdeführers
und Befundung am 19. Februar 2019 beruht, die geklagten Beschwerden
des Beschwerdeführers berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese, Bildgebung und Akten bezüglich beider Schadenfälle)
abgegeben wurde und in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge bzw. der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet. Die kreisärztliche Abschlussbeurteilung vom 25. Februar 2019
ist schlüssig und nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei
und es sprechen keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit. Da keine auch
nur geringen Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
kreisärztlichen Feststellungen bestehen, sind keine weiteren Abklärungen
notwendig (vgl. vorstehend Erwägung 3.4).
Was die erwerbliche Verwertbarkeit der beschwerdeführerischen
Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt anbelangt, sind
keine Anhaltspunkte ersichtlich, die an der vollumfänglichen
Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in
angepasster Tätigkeit zweifeln lassen. Dies insbesondere aufgrund des
Umstands, dass der Beschwerdeführer nebst seiner Holztransporttätigkeit
auch noch selbständig erwerbend in der ihm gehörenden Garage, bei
welcher auch sein Sohn arbeitet, tätig ist (vgl. Bg-act. I 50 und 52). Dem
Beschwerdeführer steht ein genügend breites Spektrum an zumutbaren
Verweistätigkeiten offen, welche unter Beachtung des
Zumutbarkeitsprofils in angepasster Tätigkeit ausgeführt werden können,
wie z.B. leichte Arbeiten in einer Fabrik oder Überwachungs-, Prüf- und
Kontrolltätigkeiten von Maschinen. Solche zumutbaren Verweistätigkeiten
scheint der Beschwerdeführer denn auch selbst gegenüber der
Beschwerdegegnerin angegeben zu haben (vgl. Bg-act. I 50 S. 2).
5.8. Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret
- 22 -
steht. Ist kein tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben,
namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare
neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für
Statistik periodisch herausgegebenen LSE herangezogen werden (vgl.
BGE 143 V 295 E.2.2, 135 V 297 E.5.2, 129 V 472 E.4.2.1, Urteile des
Bundesgerichts 8C_315/2020 vom 24. September 2020 E.3.2,
8C_631/2019 vom 18. Dezember 2019 E.3, 8C_767/2018 vom 5. Februar
2019 E.3.3, 8C_448/2014 vom 29. Dezember 2014 E.4.2 und 5.1).
Rechtsprechungsgemäss kann von dem auf statistischer Grundlage
ermittelten Invalideneinkommen ein leidensbedingter Abzug
vorgenommen werden (vgl. BGE 135 V 297 E.5.2 mit Hinweisen). Wird
das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen
Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert
allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden,
dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der
Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die
Lohnhöhe haben können (vgl. BGE 142 V 178 E.1.3, 124 V 321 E.3b/aa)
und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene
Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (vgl. BGE
126 V 75 E.5b/aa). Der leidensbedingte Abzug soll aber nicht automatisch
erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht
übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E.5.2, 134 V 322 E.5.2, 126 V 75
E.5b/bb-cc; Urteil des Bundesgerichts 8C_112/2020 vom 13. Mai 2020
E.7.1 und 7.2). Allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen
Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen dürfen nicht
- 23 -
zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und
so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen (vgl.
BGE 146 V 16 E.4.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_433/2020 vom 15.
Oktober 2020 E.7.2, 8.1 und 8.2.2). Grundsätzlich können für einen
Leidensabzug nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt als ausserordentlich zu bezeichnen sind
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_82/2019 vom 19. September 2019
E.6.3.2, 8C_61/2018 vom 23. März 2018 E.6.5.2). Das kantonale Gericht
darf sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der
Verwaltung setzen; es muss sich somit auf Gegebenheiten abstützen
können, welche seine abweichende Ermessensausübung als
naheliegender erscheinen lassen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_477/2016 vom 23. November 2016 E.4.1 mit Hinweisen).
5.9. Die Beschwerdegegnerin zog bei der Bemessung des
Invalideneinkommens in der Verfügung vom 9. April 2019 den
Durchschnittslohn gemäss Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, Total,
Männer, der LSE 2016 von CHF 5'340.-- heran und errechnete unter
Berücksichtigung der betriebsüblichen durchschnittlichen Arbeitszeit von
41.7 Wochenstunden und der Nominallohnentwicklung bis 2019 sowie
unter Gewährung eines Leidens-abzugs von 5 % ein Invalideneinkommen
von CHF 64'355.--
(CHF 5'340.-- x 12 : 40 x 41.7 x 0.95 x 1.004 x 1.005 x 1.005) (vgl. Bf-
act. 2). Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 24. Oktober 2019
ermittelte die Beschwerdegegnerin ein Invalideneinkommen von
CHF 64'356.-- (Rundungsdifferenz CHF 1.--; vgl. Bf-act. 1). Da der
Beschwerdeführer keine ihm an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit
aufgenommen hat, ist die Berechnung des Invalideneinkommens gestützt
auf die LSE 2016 nicht zu beanstanden. Ebenso hat die
Beschwerdegegnerin zulässigerweise im Rahmen ihres Ermessen einen
- 24 -
Leidensabzug von 5 % gewährt (vgl. Bf-act. 1 und 2). Insofern hat es beim
von der Beschwerdegegnerin korrekt errechneten Invalideneinkommen
von CHF 64'355.-- bzw. CHF 64'356.-- sein Bewenden.
5.10. Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Bemessung des
Valideneinkommens auf einen angeblichen FUV-Vertrag vom 1. Januar
2019 mit einem versicherten Verdienst von CHF 66'690.-- (FUV =
Freiwillige Unternehmerversicherung; vgl. Bg-act. I 70 S. 1 f.), welcher
allerdings nicht in den Akten liegt. Angesichts des im Recht liegenden
FUV-Vertrags vom 30. Juni 2014 mit einem versicherten Verdienst von
CHF 63'000.-- (vgl. Bf-act. 6) ist das in der Verfügung vom 9. April 2019
bzw. im angefochtenen Einspracheentscheid vom 24. Oktober 2019 mit
CHF 66'690.-- bezifferte Valideneinkommen (vgl. Bf-act. 1 und 2) nicht zu
beanstanden, zumal die Annahme des höheren Valideneinkommens zu
Gunsten des Beschwerdeführers ausfiel. Es blieb denn auch im
Einsprache- sowie im Beschwerdeverfahren unbestritten.
5.11. Ausgehend von einem Valideneinkommen von CHF 66'690.-- und einem
Invalideneinkommen von CHF 64'355.-- bzw. CHF 64'356.-- resultiert ein
Invaliditätsgrad von gerundet 3.5 % und damit kein Anspruch auf eine
Invalidenrente der Unfallversicherung. Somit ist der Einspracheentscheid
in diesem Punkt rechtskonform und die Beschwerde bezüglich
Invalidenrentenanspruch nach UVG abzuweisen.
6.1. Des Weiteren beanstandet der Beschwerdeführer die ihm zugesprochene
Integritätsentschädigung von total CHF 14'820.-- nicht substanziert,
sondern er beantragt lediglich eine gerichtliche Überprüfung derselben.
Die Beschwerdegegnerin betont, dass die Schätzung des
Integritätsschadens in erster Linie den Ärzten obliege. Es gebe keine
Hinweise, die gegen die Schätzung von Kreisarzt Dr. med. D._
sprechen würden, welcher die Integritätseinbusse beider Schultern mit je
- 25 -
5 % bewertet habe, da die Defizite im Bereich der Schultergelenke jener
einer mässiggradigen Omarthrose entsprechen würden. Es seien keine
Berichte von behandelnden Ärzten vorhanden, die einen anderen
Integritätsschaden angeben würden. Es habe sich nur Kreisarzt Dr. med.
D._ zu dieser Thematik geäussert. Auf seine Beurteilung sei
abzustellen, da sie den bundesgerichtlichen Anforderungen an einen
beweiswertigen Bericht entspreche. Somit sei dem Beschwerdeführer zu
Recht eine Integritätsentschädigung bei einem Integritätsschaden von 10
% zugesprochen worden.
6.2. Der Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung entsteht,
wenn die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche
Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität
erleidet (Art. 24 Abs. 1 UVG). Nach Art. 36 Abs. 1 der Verordnung über
die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) gilt ein Integritätsschaden als
dauernd, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens
mindestens in gleichem Umfang besteht (Satz 1); er ist erheblich, wenn
die körperliche, geistige oder psychische Integrität, unabhängig von der
Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird (Satz 2).
6.3. Laut Art. 25 Abs. 1 UVG wird die Integritätsentschädigung in Form einer
Kapitalleistung gewährt (Satz 1). Sie darf den am Unfalltag geltenden
Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und
wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft
(Satz 2). Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung
der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch
gemacht. Gemäss Abs. 2 dieser Vorschrift gelten für die Bemessung der
Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhangs 3. Darin hat der
Bundesrat in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden
Skala (vgl. BGE 124 V 29 E.1b mit Hinweisen) häufig vorkommende und
typische Schäden prozentual gewichtet.
- 26 -
6.4. Für die im Anhang 3 zur UVV genannten Integritätsschäden entspricht die
Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des
Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die
Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird
nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (Ziff. 1 Abs. 2
Satz 1). In diesem Zusammenhang hat die Beschwerdegegnerin in
Weiterentwicklung der bundesrätlichen Skala zusätzliche
Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form erarbeitet. Diese in den
Mitteilungen der Medizinischen Abteilung der Beschwerdegegnerin
herausgegebenen Tabellen zur Integritätsentschädigung gemäss UVG
stellen Feinraster für die Bemessung dar. Sie sind, soweit sie lediglich
Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten
gewährleistet werden soll, mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (vgl. BGE
124 V 29 E.1c, 116 V 156 E.3a mit Hinweis).
6.5. Die Feststellung des Integritätsschadens ist eine Tatfrage, die ein
Mediziner zu beurteilen hat (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_734/2019
vom 23. Dezember 2019 E.4.2, 8C_121/2018 vom 14. Juni 2018 E.4.1,
8C_42/2018 vom 6. Juni 2018 E.5.1 mit Hinweisen unter anderem auf
BGE 132 V 393 E.3.2; BERGER, in: FRÉSARD-FELLAY/LEUZINGER/PÄRLI
[Hrsg.], Basler Kommentar zum Unfallversicherungsgesetz, Basel 2019,
Art. 25 Rz. 13). Dabei beurteilt sich die Schwere des Integritätsschadens
einzig nach dem medizinischen Befund. Bei gleichem medizinischem
Befund ist der Integritätsschaden für alle Versicherten gleich; allfällige
individuelle Besonderheiten der versicherten Person bleiben, im
Gegensatz zur privatrechtlichen Genugtuung, unberücksichtigt (vgl. BGE
115 V 147 E.1, 113 V 218 E.4b; Urteil des Bundesgerichts 8C_812/2010
vom 2. Mai 2011 E.6.2).
6.6. Am 1. März 2019 beurteilte der Kreisarzt Dr. med. D._ den
Integritätsschaden gestützt auf die kreisärztliche Abschlussbeurteilung
- 27 -
von Kreisarzt Dr. med. B._ vom 25. Februar 2019 und schätzte ihn
auf 10 % (Schulter links: 5 %, Schulter rechts: 5 %). In befundlicher
Hinsicht stellte er im Bereich beider Schultergelenke eine leichte
Einschränkung bezüglich Beweglichkeit und Kraft fest. Er schloss gestützt
auf die Tabelle 5 der Beschwerdegegnerin auf eine Integritätseinbusse
von total 10 %, was dem Spielraum bei einer mässiggradigen Omarthrose
von je 5-10 % pro Schulter entspricht (vgl. vorstehend Erwägung 4.19;
https://www.suva.ch/de-CH/material/Dokumentationen/tabelle-05-
integritaetsschaden-bei-arthrosen, zuletzt besucht am 11. März 2021).
Das angerufene Gericht erachtet die Integritätsschadensbeurteilung des
Kreisarztes Dr. med. D._ – zur entsprechenden Einschätzung sind
die Ärzte und nicht der Rechtsanwender berufen – als nachvollziehbar und
beweiswertig. Es ist den Akten nichts zu entnehmen, was gegen seine
Einschätzungen spricht und der Beschwerdeführer selbst bringt auch
nichts Substanziertes dagegen vor. Kreisarzt Dr. med. D._ nahm
seine Beurteilung zwar nicht nach persönlicher Untersuchung des
Beschwerdeführers vor, aber doch auf der Grundlage der gesamten
Aktenlage. Er berücksichtigte die geklagten Beschwerden des
Beschwerdeführers. Es sind zudem keine weiteren Berichte von
behandelnden Ärzten vorhanden, die einen höheren Integritätsschaden
angeben. Vielmehr äussert sich nur der Kreisarzt Dr. med. D._ zu
dieser Thematik und dies zuverlässig und schlüssig. Auf eine reine
Aktenbeurteilung wie diejenige des Kreisarztes Dr. med. D._ kann
abgestellt werden, wenn ein lückenloser Befund vorliegt und es im
Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden
medizinischen Sachverhalts geht (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_646/2019 vom 6. März 2020 E.4.3 mit Hinweisen), was vorliegend zu
bejahen ist. Der Beschwerdeführer vermag den fach- und kreisärztlichen
Einschätzungen keine anderslautende fachärztliche Meinung
entgegenzuhalten, welche jene in Zweifel ziehen würden. Die angebliche
https://www.suva.ch/de-CH/material/Dokumentationen/tabelle-05-integritaetsschaden-bei-arthrosen https://www.suva.ch/de-CH/material/Dokumentationen/tabelle-05-integritaetsschaden-bei-arthrosen
- 28 -
hausärztliche Feststellung, dass die Schulterverletzungen seine
körperlichen Fähigkeiten lebenslang beeinträchtigen würden, ist mit der
Integritätsentschädigung abgegolten. Die Beschwerdegegnerin ging bei
der Berechnung der Integritätsentschädigung vom geltenden
Höchstbetrag des versicherten Verdienstes am jeweiligen Unfalltag aus,
d.h. von CHF 148'200.-- (Art. 22 Abs. 1 UVV), was korrekt ist. Die
Beschwerdegegnerin hat die Integritätsentschädigung des
Beschwerdeführers aufgrund einer Integritätseinbusse von total 10 % in
Ausübung ihres Ermessens rechtskonform auf insgesamt CHF 14'820.--
([5 % von CHF 148'200.-- = CHF 7'410.--] + [5 % von CHF 148'200.-- =
CHF 7'410.--]) festgelegt (vgl. Bf-act. 2). Die Beschwerde ist somit auch
bezüglich einer Erhöhung der Integritätsentschädigung abzuweisen.
7.1. Im Übrigen beantragt der Beschwerdeführer die Nachzahlung von
Unfalltaggeldern, womit er sinngemäss zunächst die vorübergehende
Einstellung vom 25. Februar 2019 bis zum 26. März 2019 infolge seiner
Ferienabwesenheit in Thailand meint (vgl. Bg-act. I 8, 60 S. 4, 65, 68 S. 1
und 81 sowie Bg-act. II 27 und 105). Die Ferienabwesenheit des
Beschwerdeführers als solche wird vorliegend nicht bestritten. Die
"Freiwillige Unternehmerversicherung" (FUV) des Beschwerdeführers
wurde am 30. Juni 2014 abgeschlossen; sie verweist auf die
"Bedingungen für die Unternehmerversicherung", welche Bestandteil der
Police sein sollen (vgl. Bf-act. 6). Die auf der Homepage der
Beschwerdegegnerin abrufbaren "Bedingungen für die
Unternehmerversicherung", Stand April 2017, sehen keinen Unterbruch
von Taggeldleistungen infolge Ferien vor. Da sich die beiden Unfälle des
Beschwerdeführers im Dezember 2017 bzw. Juni 2018 ereigneten (vgl.
vorstehend Erwägungen 4.2 und 4.6), kann nach Auffassung des
angerufenen Gerichts auf diese Bedingungen, Stand April 2017, abgestellt
werden. Dies insbesondere auch, weil die Beschwerdegegnerin die
- 29 -
vorübergehende Einstellung der Taggeldleistungen infolge
Ferienabwesenheit des Beschwerdeführers nicht weiter begründet und
nicht auf anderslautende "Bedingungen für die Unternehmerversicherung"
verweist. So sehen denn auch die "Bedingungen für die
Unternehmerversicherung", Stand Dezember 2010, und damit die zum
Zeitpunkt des Abschlusses der FUV des Beschwerdeführers (30. Juni
2014) geltenden Konditionen ebenfalls keinen Unterbruch von
Taggeldleistungen infolge Ferien vor. Für die vorübergehende Einstellung
der Taggeldleistungen fehlt somit eine vertraglich vereinbarte
Rechtsgrundlage. Auch findet sich diesbezüglich keine normative
Rechtsgrundlage. Weder die Art. 16 Abs. 1 und 2 sowie 17 Abs. 1 UVG
noch Art. 25 Abs. 1 UVV sehen einen Unterbruch von Taggeldleistungen
infolge Ferien vor. Nach dem Gesagten sind dem Beschwerdeführer die
nicht ausgerichteten Taggelder für den Zeitraum vom 25. Februar 2019 bis
zum 26. März 2019 nachzuzahlen. Dies führt zu einer teilweisen
Gutheissung der Beschwerde in der Höhe von 30 Taggeldern à CHF
103.60 (75%ige Arbeitsunfähigkeit; vgl. vorstehend Erwägung 4.8) im
Totalbetrag von CHF 3'108.--.
7.2. Überdies rügt der Beschwerdeführer die definitive Einstellung der
Taggeldleistungen per 30. April 2019. Der Rentenanspruch entsteht, wenn
von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung
des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden
kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung
abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und
die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Die
Beschwerdegegnerin verweist in der Beschwerdeantwort auf die
kreisärztliche Abschlussbeurteilung des Kreisarztes Dr. med. B._,
wonach dieser auf das Erreichen des medizinischen Endzustands schloss
(vgl. vorstehend Erwägung 4.18), und führt aus, in diesem Zeitpunkt werde
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vom Arzt beurteilt, unter welchen Bedingungen die versicherte Person in
der angestammten oder einer angepassten Tätigkeit ihre Erwerbsfähigkeit
ausüben könne (Zumutbarkeitsprofil). Das Erreichen des medizinischen
Endzustands stelle auch den Zeitpunkt des Rentenbeginns dar, womit der
Anspruch auf Taggeldleistungen (und Heilungskosten) von Gesetzes
wegen erlösche (Art. 19 Abs. 1 UVG). Vorliegendenfalls habe der
Rentenanspruch verneint werden müssen, weil die Berechnung des
Invaliditätsgrades ergeben habe, dass der Beschwerdeführer in einer
leidensangepassten Tätigkeit ein rentenausschliessendes Einkommen
erzielen könnte.
7.3. Der Begriff der ärztlichen Behandlung gemäss Art. 19 Abs. 1 UVG setzt
eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf eine namhafte
Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete Vorkehr voraus.
Blosse ärztliche Verlaufskontrollen, manualtherapeutische Behandlungen
und vergleichbare Vorkehren erfüllen dieses Erfordernis nicht (vgl.
GEERTSEN, in: HÜRZELER/KIESER [Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, UVG, Bern 2018, Art. 19 Rz. 7). Ob eine
namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach
Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der
Arbeitsfähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die
Verwendung des Begriffes "namhaft" in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht
demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im
Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss.
Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht (vgl. BGE 134 V 109 E.4.3;
GEERTSEN, a.a.O., Art. 19 Rz. 8 f.). Weder eine weit entfernte Möglichkeit
eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung
noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu
erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch
auf deren Durchführung. In diesem Zusammenhang muss der
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Gesundheitszustand der versicherten Person prognostisch und nicht
aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_371/2020 vom 7. September 2020 E.2.2 und 4.1,
8C_614/2019 vom 29. Januar 2020 E.5.2). So stehen auch Massnahmen,
die der Stabilisierung eines Zustandes dienen, einem Fallabschluss nicht
entgegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_126/2008 vom 11. November
2008 E.5). Auch ist nicht notwendig, dass keine ärztliche Behandlung
mehr erforderlich ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_590/2008 vom
3. Dezember 2008 E.4.2). Grundlage für die Beurteilung dieser
Rechtsfrage bilden in erster Linie die ärztlichen Auskünfte zu den
therapeutischen Möglichkeiten und der Krankheitsentwicklung, die in der
Regel unter dem Begriff Prognose erfasst werden (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_371/2020 vom 7. September 2020 E.4.1,
8C_614/2019 vom 29. Januar 2020 E.5.2).
7.4. Angesichts der vorliegenden Akten zu den geklagten Beschwerden, den
medizinischen Diagnosen, Befunden, Therapiemassnahmen und den
diversen Arbeitsunfähigkeiten (100 %, 50 %, 75 %; vgl. vorstehend
Erwägung 4.8), die auf die Beschwerden abwechselnd an beiden
Schultern zurückgehen, sowie aufgrund der Ablehnung des
Beschwerdeführers, die unfallbedingten Gesundheitsschädigungen
mittels Operation zu verbessern (vgl. vorstehend Erwägungen 4.17 und
4.18), ist nachvollziehbar, dass die Beschwerdegegnerin den Endzustand
annahm, weil keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes des
Beschwerdeführers mehr zu erwarten war (vgl. Bg-act. I 50, 51, 56 und
60). Der Beschwerdeführer selbst beruft sich auf seinen Hausarzt Dr. med.
E._, der ihm gesagt habe, dass die Schulterverletzungen seine
körperlichen Fähigkeiten lebenslang beeinträchtigen würden. Den Akten
ist zu entnehmen, dass sich die medizinische Behandlung auf
Schmerzmittel (Olfen 1-2 Tabletten täglich) sowie Physiotherapie (vgl. Bg-
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act. I 60) und damit auf die Stabilisierung des beschwerdeführerischen
Gesundheitszustandes beschränkte. Eingliederungsmassnahmen der
Invalidenversicherung fanden keine statt. Somit ist der Fallabschluss und
die Einstellung der Taggeldleistungen per 30. April 2019 nicht zu
beanstanden.
8. Zusammenfassend ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, indem die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten ist, dem Beschwerdeführer 30
Taggelder (25. Februar 2019 bis 26. März 2019) à CHF 103.60 in der Höhe
von insgesamt CHF 3'108.-- zu erbringen. Im Übrigen ist die Beschwerde
abzuweisen.
9. Gerichtskosten sind keine zu erheben (aArt. 61 lit. a i.V.m. Art. 83 ATSG).
Da er nicht anwaltlich vertreten war, steht dem teilweise obsiegenden
Beschwerdeführer keine Parteientschädigung zu. Der teilweise
obsiegenden Beschwerdegegnerin steht kein Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).