Decision ID: 31f747cb-c8ea-517a-b306-0b88b8604107
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
In der Einwohnergemeinde Muri bei Bern (nachfolgend: EG Muri) steht die Schaffung der bau- und planungsrechtlichen Grundlagen für die Erstellung einer neuen Sporthalle im Gebiet «Moos» zur Diskussion. Am 19. August 2014 beschloss der Grosse Gemeinderat der EG Muri (GGR) mit 33 Ja-Stimmen zu 0 Nein-Stimmen bei 4 Enthaltungen, die Überbauungsordnung mit der Baureglements- und Zonenplanänderung «Ballsporthalle Moos, Gümligen» zu erlassen. Dieser Beschluss wurde am 22. August 2014 im Anzeiger Region Bern publiziert.
B.
Am 18. September 2014 erhoben A._, B._, C._, D._, E._ und F._ Beschwerde beim Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland (RSA) und stellten folgende Rechtsbegehren:
«Die Erläuterungen zur Volksabstimmung vom 28. September 2014 betreffend Überbauungsordnung, Baureglements- und Zonenplanänderung 'Ballsporthalle Moos, Gümligen' sind um folgende Informationen zur Herstellung der Transparenz gegenüber den Stimmberechtigten der Gemeinde Muri bei Bern zu ergänzen:
- Kostenfolgen für spätere Instandsetzung und Erneuerungen [...]
- Verhältnis der Vorlage zur Ballsporthalle zum Ergebnis der Urnenabstimmung vom 13.6.2010 unklar [...]
- Bestehende Nutzungsvereinbarung der Turnhalle International School of Berne [...]
- Nutzungsmöglichkeit und deren Kostenfolge der neuen Ballsporthalle Moos durch den Schulsport und die Sportvereine der Gemeinde [...]
- Nutzungsanteile der Kinder und Jugendlichen der Gemeinde und Auswärtige [...]
- Kein Auftrag und Bestellung durch den Gemeinderat Muri bei Bern [...]
- Keine Kostenfolgen für die Beschwerdeführenden [...].»
Mit Zwischenverfügung vom 25. September 2014 entzog der Regierungsstatthalter der Beschwerde die aufschiebende Wirkung.
Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der EG Muri nahmen die Vorlage zur Überbauungsordnung, Baureglements- und Zonenplanänderung «Ballsporthalle Moos, Gümligen» am 28. September 2014 mit 2'874 Ja-Stimmen zu 2'563 Nein-Stimmen an.
Mit Eingabe vom 27. Oktober 2014, die der Regierungsstatthalter als neue Beschwerde entgegennahm, beantragten A._, B._, C._, D._, E._ und F._, es sei die Aufhebung, eventuell die Wiederholung der Volksabstimmung «zu prüfen».
Nachdem er beide Verfahren vereinigt hatte, trat der Regierungsstatthalter am 30. Januar 2015 wegen Verspätung auf die Beschwerden nicht ein und entzog einer allfälligen Beschwerde gegen diesen Entscheid – soweit aus seiner Sicht noch notwendig – die aufschiebende Wirkung.
C.
Hiergegen haben A._, B._, C._, D._, E._ und F._ am 11. Februar 2015 Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben. Sie stellen folgende Anträge:
«1. Es sei der Eingabe die aufschiebende Wirkung zu erteilen beziehungsweise diese wieder herzustellen.
2. Es sei auf das ursprüngliche Begehren (Beschwerden vom 18. September 2014 und vom 27. Oktober 2014) einzutreten und in der Sache zu entscheiden eventualiter die Sache dementsprechend an die Vorinstanz zurückzuweisen.»
Die EG Muri schliesst mit Beschwerdeantwort vom 3. März 2015 auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei; gleichzeitig hat sie beantragt, das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung sei abzuweisen und die Beschwerde sei durch das Verwaltungsgericht «beförderlich, ausserhalb der Reihe, zu behandeln». Das RSA hat mit Vernehmlassung vom 9. März 2015 auf einen förmlichen Antrag verzichtet.
Mit Eingabe vom 27. März 2015 haben sich A._, B._, C._, D._, E._ und F._ erneut zur Streitsache geäussert.

Erwägungen:
1.
1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 2 Bst. c des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) zuständig. Das RSA ist auf die Rechtsmittel der Beschwerdeführenden nicht eingetreten (vorne Bst. B), weshalb sich deren Beschwerdebefugnis für das verwaltungsgerichtliche Verfahren unmittelbar aus dem negativen Prozessentscheid ergibt (vgl. BVR 2006 S. 481 E. 1.2; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 79 N. 3,
Art. 65 N. 6). Auf die grundsätzlich form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist – unter Vorbehalt der Ausführungen in E. 1.2 f. hiernach – einzutreten.
1.2 In Ziff. 2 ihrer Rechtsbegehren beantragen die Beschwerdeführenden Eintreten auf die in ihren Beschwerden vom 18. September 2014 bzw. 27. Oktober 2014 gestellten Anträge und einen Entscheid in der Sache, eventualiter deren Rückweisung an die Vorinstanz (vorne Bst. C). Weitergehende Anträge in der Sache fehlen. Es ist daher unter Zuhilfenahme der Begründung und der Prozessgeschichte zu ermitteln, was sie bei positivem Ausgang des Verfahrens erwirken wollen (vgl. VGE 2014/100 vom 1.9.2014 [zur Publ. bestimmt], E. 2.1; Markus Müller, Bernische , 2. Aufl. 2011, S. 80 f.). Im vorinstanzlichen Verfahren hatten die Beschwerdeführenden am 18. September 2014 zunächst die Ergänzung der «Erläuterungen zur Volksabstimmung vom 28. September 2014» beantragt (vgl. Vorakten RSA, pag. 3). Nach durchgeführter Abstimmung und Annahme der Abstimmungsvorlage durch die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger strebten sie mit Eingabe vom 27. Oktober 2014 die Aufhebung, eventuell die Wiederholung der Volksabstimmung an. Die Möglichkeit, dass die Abstimmung bei ausreichender Information der Stimmberechtigten über die Auswirkungen der Vorlage anders ausgefallen wäre, müsse bei dem knappen Abstimmungsergebnis ernsthaft in Betracht gezogen werden (vgl. Vorakten RSA, pag. 77). Mit ihrem Verweis auf diese beiden Eingaben vor der Vorinstanz geben die Beschwerdeführenden zu verstehen, dass sie vor Verwaltungsgericht primär die Aufhebung bzw. die Wiederholung der Abstimmung vom 28. September 2014 bei vorgängiger Information der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger entsprechend den von ihnen beantragten Ergänzungen der Abstimmungsbotschaft erreichen wollen. Eventualiter beantragen sie die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur materiellen Beurteilung. – Mit Entscheid vom 30. Januar 2015 ist das RSA wegen Verspätung auf die Beschwerden nicht eingetreten. Streitgegenstand des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht kann damit allein die Rechtmässigkeit dieses Nichteintretensentscheids bilden (vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 51 N. 14). Soweit die Beschwerdeführenden mehr verlangen als die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die Anweisung an das RSA, die vor der Vorinstanz gestellten Anträge materiell zu prüfen, ist auf die Beschwerde daher von vornherein nicht einzutreten.
1.3 Mit Eingabe vom 27. März 2015 stellen die Beschwerdeführenden den Antrag, die Befangenheit des Gemeindepräsidenten in der Sache «Ballsporthalle Moos, Gümligen» sei zu prüfen. Im vorinstanzlichen Verfahren hatten sie keinen entsprechenden Antrag gestellt, sondern in ihrer Eingabe vom 27. Oktober 2014 lediglich angemerkt: «[Die Beschwerdeführenden] gehen davon aus, dass aufgrund der Hinweise zu den Ausstandspflichten abgeklärt wird, ob der Gemeindepräsident befugt war und ist, im Geschäft 'Ballsporthalle' als Behördenmitglied eine aktive Rolle
wahrzunehmen» (vgl. Vorakten RSA, pag. 81, 83). In seinem Nichteintretensentscheid vom 30. Januar 2015 äusserte sich das RSA denn auch nur beiläufig zur aufgeworfenen Ausstandsfrage (vgl. angefochtener Entscheid, E. 3.2aa). Die Frage bildete nicht Gegenstand des Verfahrens und liegt damit auch im Verfahren vor Verwaltungsgericht ausserhalb des Streitgegenstands (vgl. BGE 136 II 457 E. 4.2; BVR 2011 S. 391 E. 2.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 81 N. 5 i.V.m. Art. 72 N. 6). Im Übrigen wäre die Rüge möglicher Befangenheit ohnehin zu spät erhoben worden (vgl. Art. 47 f. sowie Art. 49a des Gemeindegesetzes vom 16. März 1998 [GG; BSG 170.11] i.V.m. Art. 9 Abs. 3 Satz 2 VRPG; Art. 13 der Gemeindeordnung der EG Muri vom 23. Mai 2000 [GO]; VGE 2014/93 vom 22.5.2014 E. 2.1).
1.4 Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide behandeln die Mitglieder des Verwaltungsgerichts als Einzelrichterin oder Einzelrichter (Art. 57 Abs. 2 Bst. c des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
1.5 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 VRPG).
2.
Streitig und zu prüfen ist vor Verwaltungsgericht einzig, ob die Vorinstanz zu Recht wegen Verspätung auf die Beschwerden nicht eingetreten ist. Dazu ist vorab zu klären, was im vorinstanzlichen Verfahren Anfechtungsobjekt bildete.