Decision ID: 470996b5-066f-512d-9052-317a93e0c9c4
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 6. Juli 2004 wegen Beschwerden aufgrund einer
rheumatoiden Arthritis und einer Osteochondrose zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 1). Im von der IV-Stelle eingeholten rheumatologisch-psychiatrischen Gutachten
der MEDAS Ostschweiz vom 2. April 2007 wurden folgende Diagnosen mit
Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit aufgeführt: Polyarthralgien unklarer
Genese, DD: milde Verlaufsform einer rheumatoiden Arthritis; ein rezidivierendes
cervico- und lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit lumbospondylogener
Komponente beidseits; eine Anpassungsstörung mit vorwiegend Beeinträchtigung von
anderen Gefühlen; eine Agoraphobie mit Panikstörungen; eine psychische
Überlagerung der mutmasslich somatischen Beschwerden. Sowohl für die zuletzt
ausgeführte Tätigkeit als Konstrukteur als auch für eine andere körperlich leichte bis
höchstens mittelschwere leidensangepasste Tätigkeit bescheinigten die Gutachter eine
70%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 84). Gestützt auf diese medizinische Einschätzung
ermittelte die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von 30% und wies das Rentengesuch des
Versicherten ab (Verfügung vom 18. September 2007, IV-act. 101; die Abweisung des
Rentengesuchs wurde vom Versicherungsgericht im Entscheid vom 29. Mai 2009,
IV 2007/396 [IV-act. 122], und letztinstanzlich vom Bundesgericht im Urteil vom
12. November 2009, 9C_655/2009 [IV-act. 127], bestätigt).
A.b Am 21. August 2010 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug
bei der IV-Stelle an (IV-act. 129) und reichte verschiedene medizinische Berichte ein
(IV-act. 131). RAD-Ärztin Dr. med. B._, Fachärztin für Allgemeine Medizin, vertrat die
Auffassung, im Vergleich zum MEDAS-Gutachten könne keine Verschlechterung
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bestätigt werden (Stellungnahme vom 14. September 2010, IV-act. 132). Mangels
glaubhaft gemachter Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse verfügte die IV-Stelle
nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 23. September 2010,
IV-act. 135; Einwand vom 26. Oktober 2010, IV-act. 140; Einwandbegründung vom
26. November 2010, IV-act. 142), auf das Leistungsbegehren werde nicht eingetreten
(Verfügung vom 27. Dezember 2010, IV-act. 144). Auf Beschwerde des Versicherten
vom 1. Februar 2011 hin (IV-act. 156-7 ff.; siehe auch die ergänzende Begründung vom
14. Juni 2011, IV-act. 156-2 ff., samt eingereichter medizinischer Berichte, IV-
act. 159 ff.) widerrief die IV-Stelle am 5. August 2011 die Verfügung vom 27. Dezember
2010 und stellte die Durchführung weiterer Abklärungen in Aussicht (IV-act. 193; zum
Abschreibungsbeschluss des Versicherungsgerichts vom 20. September 2011,
IV 2011/51, siehe IV-act. 215).
A.c Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 26. und 28. März 2012
rheumatologisch und psychiatrisch in der MEDAS Ostschweiz untersucht. Die Experten
diagnostizierten mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit:
aktenanamnestisch rheumatoide Arthritis, seronegativ, CCP-AK negativ, ANA negativ
(ICD-10: M06.9); ein chronisch, lumbal betontes panvertebrales Schmerzsyndrom mit
lumbospondylogener Komponente beidseits (ICD-10: M54.8); eine Periarthropathia
humeroscapularis tendinotica beidseits vom Supraspinatustyp (ICD-10: M75.0); eine
rezidivierende depressive Störung, beginnend chronifiziert, in mittelgradiger
Ausprägung (ICD-10: F33.8); eine Agoraphobie mit Panikäquivalenten (ICD-10: F40.01);
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit narzisstischen, paranoiden, ängstlich
vermeidenden und histrionischen Anteilen (ICD-10: Z73.1), DD kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, paranoiden, ängstlich vermeidenden und
histrionischen Zügen (ICD-10: F61). Der psychiatrische Gutachter führte aus, dass im
Vergleich zur psychiatrischen Voruntersuchung vom Frühjahr 2007 eine doch deutlich
verschlechterte psychische Symptomatik vorliege. Retrospektiv sei davon auszugehen,
dass seit etwa Anfang 2011 eine deutliche Verschlechterung eingetreten sei.
Spätestens seit Sommer 2011 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50% für die
angestammte Tätigkeit. In leidensangepassten Tätigkeiten könne der Versicherte ein
tägliches Arbeitspensum von 6 bis 7 Stunden leisten bei einer Leistungsminderung von
ca. einem Drittel (Arbeitsunfähigkeit von 50%). Der somatische Gutachter stellte im
Vergleich zum Erstgutachten keine wesentlichen neuen Gesichtspunkte fest
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(Verlaufsgutachten vom 13. September 2012, IV-act. 228, insbesondere -27 ff.). RAD-
Ärztin Dr. B._ hielt die verlaufsgutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit für
beweiskräftig (Stellungnahme vom 19. September 2012, IV-act. 229).
A.d Der Rechtsdienst der IV-Stelle verneinte in der Stellungnahme vom 7. Dezember
2012 das Bestehen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens (IV-act. 230). Aus
gehend von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit stellte die IV-Stelle dem
Versicherten mit Vorbescheid vom 4. März 2013 die Abweisung des Rentengesuchs in
Aussicht (IV-act. 234). Dagegen erhob dieser am 23. April 2013 Einwand. Darin brachte
der Versicherte u.a. vor, das MEDAS-Verlaufsgutachten sei grundsätzlich
beweiskräftig. Hingegen sei die darin enthaltene Aussage, er sei seit einem halben Jahr
psychiatrisch unbehandelt, falsch. Wie aus der von den Gutachtern veranlassten
Blutuntersuchung hervorgehe, nehme er das Antidepressivum Sertralin ein (IV-
act. 237). Auf Rückfrage der IV-Stelle hin führte der psychiatrische Gutachter aus, es
liege kein Fehler hinsichtlich der Beurteilung der psychiatrischen Behandlung vor. Bei
dem schweren psychischen Krankheitsbild, das zum Explorationszeitpunkt vorgelegen
habe, sei nicht nur die Einnahme eines im Übrigen eher schwach wirksamen und nicht
adäquaten Antidepressivums entscheidend, um eine ausreichende psychiatrische
Behandlung annehmen zu können, sondern insbesondere sei eine engmaschige,
wöchentliche, wenn nicht stationäre psychiatrische Behandlung erforderlich. Insofern
sei die Aussage, dass der Versicherte seit einem halben Jahr psychiatrisch
unbehandelt sei, weiterhin richtig (Schreiben vom 5. Juni 2013, IV-act. 239). Am
24. Juni 2013 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Rentengesuchs. Der im
Einwand erhobene Antrag auf Wiedereingliederungsmassnahmen werde zur Prüfung an
die Abteilung der beruflichen Massnahmen weitergeleitet (IV-act. 240).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 24. Juni 2013 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 2. August 2013. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter Kosten-
und Entschädigungsfolge deren Aufhebung. Es sei ihm eine ganze Invalidenrente ab
1. Januar 2011 zuzusprechen (act. G 1). In der Beschwerdeergänzung vom 31. Januar
2014 stellt sich der Beschwerdeführer im Wesentlichen auf den Standpunkt, er leide an
einem invalidisierenden Gesundheitsschaden, weshalb bei der Bestimmung der
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Erwerbsunfähigkeit auf die gutachterlich bescheinigte 50%ige Arbeitsunfähigkeit
abzustellen sei (act. G 10).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 3. März
2014 die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie aus, es liege kein
eigenständiges depressives Leiden vor. Des Weiteren habe der Beschwerdeführer
keine konsequente Depressionstherapie befolgt. Ein invalidisierender psychischer
Gesundheitsschaden liege somit nicht vor (act. G 12).
B.c In der Replik vom 9. April 2014 hält der Beschwerdeführer unverändert an der
Beschwerde fest (act. G 14).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (vgl. act. G 16).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der
wiederangemeldete Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann
Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
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1.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.
Zunächst ist zu prüfen, ob der medizinische Sachverhalt rechtsgenüglich abgeklärt ist.
Das Verlaufsgutachten der MEDAS-Ostschweiz vom 13. September 2012 erfüllt
unbestrittenermassen die Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Expertise
(siehe hierzu vorstehende E. 1.2; vgl. auch die RAD-Stellungnahme vom 19. September
2012, IV-act. 229). Gestützt darauf ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand seit der abweisenden Verfügung vom
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18. September 2007 inzwischen aus psychiatrischer Sicht erheblich verschlechtert hat
(IV-act. 228-32) und für die angestammte sowie für leidensangepasste Tätigkeiten eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit besteht (IV-act. 228-33).
3.
Des Weiteren ist die umstrittene invalidenversicherungsrechtliche Erheblichkeit des
psychischen Leidens zu beurteilen.
3.1 Grundsätzlich bedarf es nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung für die
Annahme eines invalidisierenden Gesundheitsschadens einer fachärztlichen, lege artis
auf die Vorgaben eines Klassifikationssystems abgestützten Diagnose. Im Rahmen der
freien Beweiswürdigung dürfe sich dabei die Verwaltung - und im Streitfall das Gericht
- weder über die den beweisrechtlichen Anforderungen genügenden medizinischen
Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen, noch sich die ärztlichen Einschätzungen und
Schlussfolgerungen zur (Rest-)Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer konkreten
sozialversicherungsrechtlichen Relevanz und Tragweite zu eigen machen. Die
rechtsanwendenden Behörden hätten mit besonderer Sorgfalt zu prüfen, ob die
ärztliche Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte
(insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren)
mitberücksichtige, die vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus
unbeachtlich seien. Wo psychosoziale Einflüsse das Bild prägen würden, sei bei der
Annahme einer rentenbegründenden Invalidität Zurückhaltung geboten (Urteil des
Bundesgerichts vom 30. März 2011, 9C_1041/2010, E. 5.1 mit Hinweisen).
3.2 Gegen die invalidisierende Wirkung des psychischen Leidens wendet die
Beschwerdegegnerin ein, die „mittelgradige depressive Episode“ stehe im
Zusammenhang mit einer Schmerzstörung und habe keinen eigenständigen Charakter
(act. G 12, Rz 2b).
3.2.1 Vorab übersieht die Beschwerdegegnerin, dass der Beschwerdeführer nicht an
einer mittelgradigen depressiven Episode bzw. einer vorübergehenden/zeitlich
begrenzten depressiven Erkrankung, sondern an einer (andauernden) rezidivierenden
depressiven Störung, beginnend chronifiziert, in mittelgradiger Ausprägung (ICD-10:
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F33.8) leidet (IV-act. 228-27). Der psychiatrische Gutachter stellte in der Untersuchung
darüber hinaus „zeitweilig schwere depressive Symptome“ fest (IV-act. 228-22) und
ging retrospektiv vom teilweisen Auftreten schwerer depressiver Episoden aus (IV-
act. 228-23).
3.2.2 Das Vorbringen der Beschwerdegegnerin, der Beschwerdeführer leide an einem
mit einer somatoformen Schmerzstörung vergleichbaren syndromalen Leiden, erweist
sich als aktenwidrig. So hat der psychiatrische Gutachter wiederholt und
nachvollziehbar dargelegt, dass kein derartiges Beschwerdebild vorliegt (IV-
act. 228-23, -26 und -34 f.). Die psychischen Symptome bzw. Beeinträchtigungen
stünden „eindeutig“ im Vordergrund (IV-act. 228-23). Hinzu kommt, dass das
diagnostizierte chronische, lumbal betonte panvertebrale Schmerzsyndrom mit
lumbospondylogener Komponente beidseits mit zahlreichen objektiven Befunden
untermauert wurde. Gleiches gilt für die übrigen vom somatischen Experten genannten
Diagnosen (IV-act. 228-27). Ferner verkennt die Beschwerdegegnerin, dass das zu
beurteilende Störungsbild auf Grund klinischer psychiatrischer Untersuchungen klar
diagnostiziert worden und damit überprüf- bzw. objektivierbar im Sinn von Art. 7 Abs. 2
ATSG ist (vgl. betreffend eine Angststörung Urteil des Bundesgerichts vom
29. September 2014, 8C_371/2014, E. 5.2.1 mit Hinweisen).
3.2.3 Im Licht dieser Umstände besteht kein Anlass, das depressive Leiden des
Beschwerdeführers als blosse Begleiterscheinung zu einem pathogenetisch-ätiologisch
unklaren syndromalen Beschwerdebild ohne nachweisbare organische Grundlage zu
qualifizieren. Daran ändert nichts, dass der Beschwerdeführer anlässlich der
Begutachtung angegeben hat, die Beeinträchtigung seines psychischen
Gesundheitszustands sei schmerzabhängig (IV-act. 228-13 unten). Denn diese
Wahrnehmung ist durch das Krankheitsverständnis bzw. das „subjektive
Krankheitskonzept“ (IV-act. 228-25 unten; zu dessen Krankheitskonzept siehe auch IV-
act. 228-16; zur eingeschränkten Krankheitseinsicht siehe IV-act. 239-1) des
Beschwerdeführers geprägt, wonach sein Schmerzleiden primär aus den objektivierten
somatischen Erkrankungen hervorgeht. Entscheidend ist, dass der psychiatrische
Gutachter schlüssig darlegte, es bestehe eine aus dem depressiven Leiden fliessende
psychische Überlagerung der (objektiv ausgewiesenen) somatischen Beschwerden und
die psychische Symptomatik stehe eindeutig im Vordergrund des Beschwerdebilds (IV-
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act. 228-23). Der psychiatrische Gutachter empfahl denn auch die Besprechung eines
für den Beschwerdeführer nachvollziehbaren und tragfähigen psychosomatischen
Krankheitsmodells auch in Bezug auf seine Schmerzsymptomatik (IV-act. 228-25).
Demnach ist davon auszugehen, dass eine verstärkte Schmerzwahrnehmung durch
das depressive Leiden begründet wird und nicht umgekehrt. Zu ergänzen bleibt, dass
das Zusammenspiel des depressiven Leidens mit einem - wie vorliegend - nicht
unerheblichen körperlichen Gesundheitsschaden gerade für die invalidisierende
Wirkung der depressiven Erkrankung spricht (Urteil des Bundesgerichts vom
29. August 2014, 8C_148/2014, E. 3.1).
3.3 Sodann führt die Beschwerdegegnerin ins Feld, das depressive Leiden stehe im
Zusammenhang mit der schwierigen psychosozialen und soziokulturellen Situation des
Beschwerdeführers (act. G 12, Rz 2b).
3.3.1 Bei der Prüfung des Einflusses psychosozialer Umstände gilt es dem finalen
Charakter der Invalidenversicherung Rechnung zu tragen. Dies bedeutet, es wird bei
der Leistungsprüfung nicht nach der Art und Genese eines Gesundheitsschadens
gefragt, der die Erwerbsunfähigkeit verursacht. Der Gesundheitszustand ist folglich
immer gesamtheitlich zu betrachten. Selbst eine Erwerbsunfähigkeit, deren
psychogene krankhafte Grundlage (auch) durch eine psychosoziale oder soziokulturelle
Überforderung verursacht worden ist, fällt in den Geltungsbereich der
Invalidenversicherung, vorausgesetzt es handelt sich um ein davon verselbstständigtes
psychisches Leiden. Eine rentenbegründende Invalidität kann damit nicht allein mit
dem Hinweis auf das Vorhandensein soziokultureller oder psychosozialer
Belastungsfaktoren verneint werden (Urteil des Bundesgerichts vom 29. April 2014,
8C_830/2013, E. 5.2.3 mit Hinweisen auf Rechtsprechung und Literatur).
3.3.2 Weder aus den Ausführungen der Beschwerdegegnerin noch aus der Aktenlage
geht hervor, das depressive Leiden gehe vollständig in psychosozialen oder
soziokulturellen Umständen auf. Entscheidend ist des Weiteren, dass der
psychiatrische Gutachter sich ausdrücklich mit dem Vorliegen von psychosozialen und
sozialen Umständen auseinandersetzte und nachvollziehbar zur Auffassung gelangte,
es bestehe ein psychisches Leiden mit Krankheitswert. Die als „IV-fremd“ eingestuften
psychosozialen Belastungsfaktoren klammerte er bei der Beurteilung der
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Arbeitsfähigkeit ausdrücklich aus (IV-act. 228-25). In tatsächlicher Hinsicht ist somit
vom Bestehen eines von psychosozialen Faktoren selbstständigen depressiven
Leidens auszugehen, dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der psychiatrische
Gutachter unter ausdrücklicher Ausklammerung psychosozialer Aspekte eingeschätzt
hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. April 2013, 8C_651/2012, E. 5.3).
Schliesslich legt die Beschwerdegegnerin weder dar noch ist aus den Akten ersichtlich,
dass ein Wegfall der psychosozialen und/oder soziokulturellen Faktoren die langjährige
depressive Störung (unmittelbar) verschwinden lassen würde (vgl. zum Ganzen Urteil
des Bundesgerichts vom 7. Januar 2015, 9C_140/2014, E. 3.4.2). Demnach kann der
depressiven Störung bzw. deren Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit die
invalidenversicherungsrechtliche Relevanz nicht mit Verweis auf psychosoziale und/
oder soziokulturelle Umstände abgesprochen werden.
3.3.3 Im Übrigen ist es ohne weiteres nachvollziehbar, wenn Personen, die bereits an
erheblichen depressiv bedingten Beeinträchtigungen ihrer psychischen Ressourcen
leiden und krankheitsbedingt die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit sowie
entsprechende Verdienstmöglichkeiten verloren haben, durch einschneidende
psychosoziale Umstände sich zusätzlich belastet fühlen. Es erscheint daher der Sache
nicht angemessen, jegliche invalidisierende Wirkung einer gutachterlich bescheinigten
Arbeitsunfähigkeit zu verneinen, sobald auch psychosoziale oder soziokulturelle
Belastungsfaktoren vorhanden sind, zumal sich vorliegend nicht ergibt, diese seien
primär verantwortlich für die Aufrechterhaltung des depressiven Leidens.
3.4 Schliesslich stellt sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt, dass dem
depressiven Leiden eine invalidenversicherungsrechtliche Relevanz mangels Befolgens
einer konsequenten Depressionstherapie abgehe (act. G 12, Rz 2b).
3.4.1 Gemäss Rechtsprechung (BGE 127 V 294 E. 4c bestätigt etwa im Urteil des
Bundesgerichts vom 8. Oktober 2014, 9C_856/2013, E. 5.1.2 mit Hinweisen) und Lehre
(Ulrich Meyer/Marco Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG],
3. Auflage, Zürich 2014, S. 295, Rz 16) sagt die Behandelbarkeit einer psychischen
Störung, für sich allein betrachtet, nichts über deren invalidisierenden Charakter aus
und steht damit einem Rentenanspruch nicht entgegen. Wie das Bundesgericht in
Nachachtung von BGE 127 V 294 E. 4c wiederholt in der jüngeren Rechtsprechung
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bestätigt hat, schliesst die Behandelbarkeit des psychischen Leidens selbst bei
grundsätzlich guter Prognose einen Rentenanspruch nicht zum Vorneherein aus (Urteil
des Bundesgerichts vom 29. August 2014, 8C_148/2014, E. 3.1 mit Hinweis). Allein
schon vor diesem Hintergrund erweist sich der Einwand der Beschwerdegegnerin als
unbegründet.
3.4.2 Lediglich der Vollständigkeit halber ist zu ergänzen, dass der Beschwerdeführer
während mehrerer Jahre (seit 2004) eine psychotherapeutische Behandlung in
Anspruch genommen hat, ohne dass sich daraus eine erhebliche Verbesserung des
Gesundheitszustands mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit abzeichnete. Nach dem
Ruhestand des behandelnden Psychiaters Ende 2011 führte der Beschwerdeführer
lediglich noch eine psychopharmakologische Therapie weiter. Die Medikamente
bezieht er weiterhin vom ehemals behandelnden Psychiater (IV-act. 228-19). Das
Antidepressivum Sertralin konnte im Rahmen einer Blutuntersuchung im
therapeutischen Bereich nachgewiesen werden (IV-act. 228-36). Von einer
psychoanalytischen Behandlung riet der psychiatrische Gutachter bei derzeitiger
Tendenz zu paranoiden Erlebensweisen ab. Zwar sah der psychiatrische Gutachter ein
Potential für eine „Optimierung“ der Behandlung. Allerdings hielt er eine positive
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit lediglich für möglich (IV-act. 228-25), womit eine
solche nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bejaht werden kann, wie RAD-
Ärztin Dr. B._ zutreffend festhielt (IV-act. 229). Im Übrigen liegt das therapeutische
Optimierungspotential nicht primär in der mangelnden Motivation des
Beschwerdeführers begründet, sondern in der - vom Gutachter als plausibel
bezeichneten (IV-act. 239-1) - Überforderung aufgrund der Schwere seines
psychischen Leidens, worauf die Beschwerdegegnerin selbst hinweist (act. G 12,
Rz 2b).
3.5 Für die Erheblichkeit des langandauernden depressiven Leidens spricht sodann,
dass der psychiatrische Gutachter objektiv fassbare Beeinträchtigungen durch das
depressive Leiden wahrnahm: deutliche Einschränkungen der Aufmerksamkeit, der
Konzentrationsfähigkeit und der Ausdauer; deutliche Einschränkungen der emotionalen
Belastbarkeit, der Stress- und Frustrationstoleranz; Einschränkungen der sozialen
Kompetenzen, insbesondere eine stark erhöhte Kränkbarkeit und eine deutliche
Verminderung der Konfliktfähigkeit mit Tendenz zu aggressivem Verhalten (IV-
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act. 228-23). Darüber hinaus sprach er von einer Tendenz zu paranoiden
Erlebensweisen (IV-act. 228-25; siehe auch den Psychostatus in IV-act. 228-21) und
ging von in der Vergangenheit aufgetretenen schweren depressiven Episoden aus (IV-
act. 228-23). Des Weiteren gehen aus den Akten weder relevante Inkonsistenzen noch
ein suboptimales Leistungsverhalten hervor, die in die gutachterliche
Arbeitsfähigkeitsschätzung Eingang gefunden hätten (zur schlüssigen gutachterlichen
Ressourcenbeurteilung siehe IV-act. 228-23). RAD-Ärztin Dr. B._ erwähnte denn
auch in diesem Zusammenhang lediglich die vom Beschwerdeführer gegen den
somatischen (Haupt-)Gutachter geäusserten Drohungen (IV-act. 229). Diese finden ihre
Erklärung indessen in den aus den depressiven Leiden hervorgehenden
Beeinträchtigungen (deutliche Einschränkungen der emotionalen Belastbarkeit, der
Stress- und Frustrationstoleranz, deutliche Verminderung der Konfliktfähigkeit mit
Tendenz zu aggressivem Verhalten, IV-act. 228-23 unten).
3.6 In Anbetracht der genannten Umstände stellt die gutachterlich bescheinigte
Arbeitsunfähigkeit eine aus objektiver Sicht nicht überwindbare Erwerbsunfähigkeit im
Sinn von Art. 7 Abs. 1 und 2 ATSG dar.
4.
Zu prüfen bleiben damit die erwerblichen Auswirkungen der bescheinigten
Arbeitsfähigkeit.
4.1 Entgegen der Ausführung des Beschwerdeführers ist er zur Verwertung der
Restarbeitsfähigkeit nicht auf einen geschützten Rahmen angewiesen (act. G 10,
Rz 24). Der psychiatrische Gutachter hielt denn auch in diesem Zusammenhang fest,
dass eine Verwertung der Restarbeitsfähigkeit aus medizinisch-theoretischer Sicht in
der freien Wirtschaft grundsätzlich realisierbar sei. Daran vermag dessen ergänzende
Bemerkung, eine Tätigkeit in geschütztem Rahmen wäre zu Beginn von
Eingliederungsmassnahmen „als Hilfe“ für den Beschwerdeführer zum Wiedereinstieg
„anzusehen“ (IV-act. 228-24), nichts zu ändern. Denn weder aus den gutachterlichen
Ausführungen noch dessen Kontext geht hervor, ein Arbeitsbeginn im geschützten
Rahmen sei im Rahmen der Wiedereingliederung unentbehrlich. Vielmehr stellte der
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psychiatrische Gutachter diesen Vorschlag lediglich als hilfreiche, kurzfristige
Unterstützungsmassnahme im Rahmen einer Angewöhnungsphase in den Raum.
4.2 Da sich die gutachterlich bescheinigte Arbeitsunfähigkeit von 50% sowohl auf
die angestammte als auch auf eine leidensangepasste Tätigkeit bezieht und der
Beschwerdeführer keiner Erwerbstätigkeit nachgeht, besteht kein Anlass, zur
Bemessung des Invaliditätsgrads von den Grundlagen abzuweichen, wie sie vom
Versicherungsgericht im Entscheid vom 29. Mai 2009, IV 2007/396, E. 5.2 f. definiert
wurden (faktischer Prozentvergleich mit 10%igen Tabellenlohnabzug, IV-act. 122-15;
zur Forderung des Beschwerdeführers um Gewährung eines 10%igen
Tabellenlohnabzugs siehe act. G 10, Rz 24). Damit resultiert ein Invaliditätsgrad von
55% (50% + [50% x 10%]) und ein Anspruch auf eine halbe Rente. Hinsichtlich des
Rentenbeginns ist zu beachten, dass dem Beschwerdeführer im MEDAS-Gutachten
vom 2. April 2007 eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit für die angestammte Tätigkeit
bescheinigt wurde (IV-act. 84-21). Im Verlaufsgutachten wurde dem Versicherten
spätestens ab Sommer 2011 - und damit ab Ende Juni 2011 - eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (IV-act. 228-24). Dies führt dazu, dass das Wartejahr von
Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG (während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig) erst im Dezember 2011 erfüllt war.
Der Rentenbeginn des am 21. August 2010 angemeldeten Rentenanspruchs ist daher
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers, der von einem Rentenbeginn am
1. Januar 2011 ausgeht, nach Ablauf des Wartejahres auf den 1. Dezember 2011
festzusetzen (Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG).
5.
5.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
24. Juni 2013 aufzuheben und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Dezember
2011 eine halbe Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der
Rentenleistung ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
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St.Galler Gerichte
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der
Beschwerdeführer unterliegt lediglich in einem relativ untergeordneten Punkt
(Rentenbeginn), über den im Wesentlichen aufgrund der Beurteilung des
Rentenanspruchs befunden werden konnte, weshalb bei den Kosten- und
Entschädigungsfolgen auch insgesamt von einem vollständigen Obsiegen des
Beschwerdeführers auszugehen ist und die Beschwerdegegnerin die gesamten
Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen hat. Der geleistete Kostenvorschuss ist dem
Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier
zu beurteilenden Fall erscheint mit Blick auf vergleichbare Fälle (vgl. etwa den
Entscheid des Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vom 7. April 2014, IV
2012/363) eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.