Decision ID: 74a39d62-63a3-4475-9a5c-f901809b39ec
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
D
ie
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Aargau, IV-Stelle,
sprach
X._
, geboren 1959, mit Verfügungen
vom
21. Juni 2013
(Urk. 8/105) und vom 16. August 2013 (Urk. 8/113)
ab dem 1. August 2012 eine ganze Rente der Inva
lidenversicherung
sowie eine Hilflosenentschädigung leichten Grades
zu.
Am 6. Oktober 2017 heiratete der Versicherte
Y._
(fortan:
Z._
)
und teilte dies
der Ausgleichskasse Privatkliniken
am
23. November 2017 mit
(
Urk. 3/5, Urk. 1 S. 3). Nachdem
Z._
im Mai 2017
bei der Ausgleichskasse
medisuisse
eine Rentenvo
rausberechnung eingeholt (Urk. 3/4
,
Urk.
10/1
) und sich
am 1. April 2019 zum
Vorbezug
einer Altersrente der Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHV) angemeldet hatte (Urk. 3/6),
wurde
ihr
mit Verfügung vom 17. April 2019 mit Wirkung ab dem 1. Juni 2019
eine um ein Jahr vorbezogene Altersrente im Betrag von monatlich Fr. 2'085.-- zu
gesprochen
(Urk. 3/7).
Mit Verfügung vom 24. Januar 2020 kürzte die
AHV
, Ausgleichskasse Privatkliniken,
die Altersrente von
Z._
rückwir
kend per
1.
Juni 2019 um monatlich Fr. 511.-- und
forderte für die Zeitspanne vom 1. Juni 2019 bis am 31. Januar 2020 einen Betrag von Fr. 1'723.-- zurück. Zur Begründung
wurde angeführt
, die Summe der beiden Renten eines Ehepaares dürfe nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht mehr als 150 % des für sie mass
gebenden Höchstbetrages einer Altersrente betragen. D
er mit Verfügung vom 17. April 2019 zugesprochene Rentenbetrag
sei aus Ver
sehen
nicht mit der Inva
lidenrente
ihres
Ehemannes plafoniert worden (Urk. 3/10). Gegenüber
X._
verfügte d
ie IV-Stelle
des Kantons Aargau
am
24. Januar 2020
die
Kür
zung
seiner
Invalidenrente per 1. Juni 2019 um monat
lich Fr. 541.-- («Kürzung bei Plafonierung») und forderte für die Zeit
spanne
vom 1. Juni 2019 bis am 31. Januar 2020 einen Betrag von
Fr. 4
'328.-- (8 Monate à
Fr. 541.--) zurück (
Urk. 8/156).
Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Ver
sicherungsgericht
des Kantons Aargau
mit Urteil vom 1. Juli 2020
teilweise gut und hob die Verfü
gung der IV-Stelle Aargau vom 24. Januar 2020
infolge örtli
cher Unzuständigkeit der
selben
auf
(Urk. 8/
158).
D
ie IV-Stelle des Kantons Zürich
ordnete daraufhin
mit Verfügung vom 2. Oktober 2020
(
ebenfalls
)
die Kürzung der ganzen
Invali
denr
ente
des Versicherten
rückwirkend ab dem 1.
Juni 2019 um Fr. 541.-- pro Monat
an
(«Kürzung bei Plafonierung») und forderte
e
inen Betrag von Fr. 4'328.-- (8 Monate à
Fr. 541.--) zurück, da ihm in der
Zeitspanne vom 1. Juni 2019 bis am 31. Januar 2020
eine zu hohe Invalidenrente ausbezahlt wor
den sei
(Urk. 8/157 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 2. November 2020 Beschwerde und bean
tragte, es sei die angefochtene Verfügung vom 2. Oktober 2020 aufzuheben und
es sei ihm die bisherige Invalidenrente (ohne Plafonierung) zuzusprechen (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 4. Dezember 2020 schloss die IV-Stelle, unter Verweis auf die Stellungnahme der Ausgleichskasse
medisuisse
vom 1. Dezember 2020
,
auf Abweisung der Beschwerde (
Urk. 7 und Urk. 9). Mit Eingaben vom 22. Januar 2021 (Urk. 14
) und vom 18. Februar 2021 (Urk. 17 und Urk. 18
[Stel
lungnahme Ausgleichskasse
medisuisse
vom
10. Februar 2021
]
,
dem
Beschwer
deführer
zugestellt mit Verfügung vom 4. März 2021
[
Urk. 19
]
) reichten die Par
teien
jeweils
eine weitere Stellungnahme ein und hielten darin an ihren bisheri
gen Anträgen fest.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 36 Abs. 2
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sind
die Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenen
versicherung
(
AHVG
)
für
die Berechnung der ordentlichen Invalidenrenten
sinn
gemäss anwendbar. Der Bundesrat kann ergänzende Vorschriften erlassen.
Sind beide Ehegatten rentenberechtigt, so gilt für die Kürzung der beiden Rente
n Art.
35
AHVG
sinngemäss
(Art. 37 Abs.
1
bis
IVG).
1.2
Die Berechnungsgrundlagen der Altersrenten (
Art.
29
bis
ff.
AHVG
) beeinflussen die Höhe der Renten der Ehegatten gegenseitig. So wird das durchschnittliche Jahreseinkommen (
Art.
29
quater
AHVG
) der Ehefrau und des Ehemannes in den in
Art.
29
quinquies
Abs.
3
AHVG
normierten Fällen, insbesondere, wenn beide Ehegat
ten rentenberechtigt sind (lit. a), durch die Teilung und je hälftige Anrechnung der gesamten während der Kalenderjahre der
gemeinsamen Ehe erzielten Erwerbseinkommen sowie, unter den
tatbeständlichen
Voraussetzungen von
Art.
29
sexies
Abs.
1 und Art.
29
septies
Abs.
1
AHVG
, von Erziehungs- und Betreu
ungsgutschriften (
Art.
29
sexies
Abs.
3 und Art.
29
septies
Abs. 6
AHVG
) massgeblich mitbestimmt. Von Bedeutung ist sodann die Regelung des Art.
35 Abs.
1
AHVG
, wonach die Summe der Altersrenten eines Ehepaares (lit.
a), oder wenn ein Ehe
gatte Anspruch auf eine Altersrente und der andere Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat (lit.
b),
maximal 150
Prozent des Höchstbetrages der Altersrente beträgt. Als Folge der Rentenplafonierung kann mithin die Höhe der Altersrente (oder Invalidenrente) eines Ehegatten von Anfang an oder nachträg
lich reduziert werden, und zwar
im
Verhältnis des Anteils an der Summe der ungekürzten Renten (Art. 35 Abs. 3
AHVG
).
1.3
Der Sozialversicherungsträger ist verpflichtet respektive berechtigt, auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide
zurückzukommen, wenn
sich diese aufgrund neu entdeckter Tatsachen oder Beweismittel als unrichtig erweisen
oder
wenn sie zweifellos unrichtig sind und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist
(
Art. 53 Abs. 1 und Abs. 2
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG]).
1.4
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (Art. 25 Abs. 1 ATSG).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
hielt in ihrer Verfügung begründend fest,
m
it Verfügung vom 17.
April 2019 sei
der Ehefrau des
Beschwerdeführer
s
eine einfache Alters
rente in der
Höhe
von Fr. 2'085.-- zugesprochen worden, ohne dass der Betrag mit der I
nvalidenr
ente des
Beschwerdeführer
s plafoniert worden sei.
Da die
Summe der beiden Renten eines Ehepaares nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht mehr als 150 % des für sie massgebenden Höchstbetrages einer Altersrente betragen
dürfe, müsse
der
Rentenanspruch
des
Beschwerdeführer
s
plafoniert wer
den und
habe
er entsprechend eine zu hohe Invalidenrente bezogen. Der in der Zeitspanne vom 1. Juni 2019 bis am 31. Januar 2020 zu viel ausgerichtete Betrag von insgesamt Fr. 4'328.-- sei gestützt auf
Art. 25 ATSG zurückzuerstatten
(Urk. 2).
2.2
Dagegen brachte der
Beschwerdeführer
im Wesentlichen vor,
die
Beschwerdegeg
nerin
habe
nicht erklärt, dass
die Plafonierung bei Bezug einer
Invalidenrente
und einer
Altersrente zum Zuge komme, o
bwohl
der
Beschwerdegegnerin
bezie
hungsweise der leistenden Ausgleichskasse die Heirat
bekannt gewesen sei.
Die
Ehefrau
des
Beschwerdeführer
s habe sich
für die Frühpensionierung entschieden, da sie aufgrund der Auskünfte der beteiligten Ausgleichskassen davon ausgegan
gen sei, dass die Rente gemäss Vorausberechnung
ausgerichtet und
der
Beschwer
deführer
weiterhin die gleiche Invalidenrente erhalten
würde
.
Mehrfach habe sich sowohl der
Beschwerdeführer
bei der
Ausgleichskasse Privatkliniken sowie seine Ehefrau bei der Ausgleichskasse
m
edisuisse
erkundigt, wie die Leistungen nach der Hochzeit aussehen würden. Die Sachbearbeiter der
Beschwerdegegnerin
und der Ausgleichskasse
m
edisuisse
hätten zwar konkrete Auskünfte erteilt, jedoch sei nie erwähnt worden, dass die Invalidenrente des
Beschwerdeführer
s und die AHV-
Rente seiner Ehefrau beim
Vorbezug
ebenfalls plafoniert würden.
Vielmehr sei dem Beschwerdeführer mitgeteilt worden, dass die Invalidenrente unverändert ausgerichtet würde.
Wäre dem Beschwerdeführer
und seiner Ehefrau bewusst
gewesen, dass die AHV-Rente und die Invalidenrente auch beim
Vorbezug
plafo
niert würden, hätte sich die Ehefrau nicht frühpensionieren lassen, zumal das plafonierte Renteneinkommen zu tief ausfalle.
Durch die
falsche Information der Beschwerdegegnerin
beziehungsweise durch die falsche Verfügung sei dem
Beschwerdeführer
und seiner Ehefrau ein gewichtiger finanzieller Schaden ent
standen, welcher nicht wiedergutgemacht werden könne.
Da sämtliche Voraus
setzungen gemäss bundesgerichtlicher Praxis gegeben seien,
könne die
Beschwer
degegnerin
nach dem Grundsatz von Treu und Glauben
für die fa
lsche Auskunft behaftet werden
(Urk. 1 S. 2
f.
).
2.3
In ihrer Stellungnahme zuhanden der IV-Stelle vom 1. Dezember 2020 hielt die Ausgleichskasse
medisuisse
fest,
die Beratungs- und Hinweispflicht nach Art. 27 Abs. 2 und 3 ATSG bestehe nicht voraussetzungslos, sondern nur dann, wenn ein hinreichender Anlass zur Information bestehe.
Bereits im Schreiben zur Renten
vorausberechnung vom 22. Juni 2017 sei die damals unverheiratete
Y._
unter anderem darauf hingewiesen worden, dass eine Änderung des Zivil
standes einen wesentlichen Einfluss auf den Rentenanspruch und die Rentenhöhe haben könne.
Sodann könne
die Plafonierung bei Rentenbezug beider Ehegatten
etwa aufgrund der Diskussionen um die «Heiratsstrafe» als allgemein bekannt vorausgesetzt wer
den und sei kein Grund erkennbar, weshalb dies im Falle einer vorbezogenen Rente anders sein sollte. Ferner habe die Ehefrau des
Beschwerde
führer
s die Anmeldung zum
Vorbezug
am 1. April 2019 der falschen
Ausgleichs
kasse zukommen lassen und so den der
medisuisse
unterlaufenen Fehler mitge
setzt.
D
ass im Wissen um den Zivilstand explizit oder sinngemäss die Auskunft erteilt worden sei, es erfolge keine Plafonierung der Renten
, werde ausdrücklich bestrit
ten
. Etwas
Anderes wäre von den Versicherten zu beweisen. Hinsichtlich des gel
tend gemachten Grundsatzes des Vertrauensschutzes sei darauf hinzuwei
sen, dass
die Ehefrau des
Beschwerdeführer
s im Gesuch um Rentenvorausberech
nung angegeben habe, sie werde die Erwerbstätigkeit bereits «Ende Mai 2018», mit Voll
endung des 62. Altersjahres, beenden. Effektiv habe
sie
die Tätigkeit bei Dr.
A._
bis Ende 2018
und
somit vier Monate vor der Anmeldung zum Renten
vorbezug und der Zustellung der hinsichtlich der Plafonierung fehlerhaften Ver
fügung
aus
geübt
. Mithin sei überwiegend wahrscheinlich, dass die Ehefrau des
Beschwerde
führer
s
ihre
Erwerbstätigkeit auch bei Kenntnis der Plafonierung beendet und die Rente vorbezogen hätte (Urk. 9).
2.4
Der
Beschwerdeführer
führte
in seiner Stellungnahme vom 22. Januar 2021
aus
, dass die sogenannte Heiratsstrafe bereits bei einem
Vorbezug
in Verbindung mit einer Invalidenrente Anwendung finde
,
sei allgemein überhaupt nicht geläufig
.
Zudem hätten die Versicherten auch nicht bemerken können, dass die Rente der
Ehegattin des
Beschwerdeführer
s nicht bereits plafoniert gewesen sei. Aufgrund der erhaltenen Auskünfte hätten sie davon ausgehen dürfen, dass sie die korrek
ten Leistungen erhielten, ansonsten sie sich gerade nicht für den
Vorbezug
ent
schieden hätten. Das Ehepaar habe die Heirat sowohl der
Ausgleichskasse Privat
kliniken
als auch der
Ausgleichskasse
medisuisse
mitgeteilt. Dabei sei ihnen noch zugesagt worden, dass sie trotz Heirat weiterhin die gleiche Leistung (sprich: unveränderte Invalidenrente) erhalten würden.
Falls die
Beschwerdegegnerin
auch in der Duplik abstreiten möchte, dass die erfolgten Auskünfte nicht gemäss Beschwerdeschrift erfolgt seien, werde ei
ne öffentliche Verhandlung mit
Partei
befragung (inklusive der Sachbearbeiter
beider involvierter Ausgleichskassen
) beantragt.
Die Ehefrau des
Beschwerdeführer
s habe ihre Tätigkeit bei Dr.
A._
gerade im fehlerhaften Wissen darum aufgegeben, dass sie ihre Rente und der
Beschwerdeführer
weiterhin
seine ungekürzte Invalidenrente erhalten würde
n
(Urk. 14)
.
2.5
In ihrer im Rahmen der Duplik der
Beschwerdegegnerin
(vgl. Urk. 17) eingereich
ten Stellungnahme vom 10. Februar 2021 hielt die
Ausgleichskasse
medisuisse
fest,
ihr
Versehen
der
Nichtberücksichtigung der Plafonierung in der ursprüngli
chen Rentenverfügung
gegenüber der Ehefrau des
Beschwerdeführer
s
ändere nichts daran, dass bei Prüfung der Rechtsfolge
desselben
unter anderem auch ein Mitverschulden der Versicherten zu berücksichtigen sei. Dass eine erfahrene Ren
tensachbearbeiterin
den Versicherten zugesagt haben soll, die Renten würden bei einer Heirat nicht plafoniert, sei, da elementares Fachwissen, gänzlich ausge
schlossen. Es handle sich um eine reine, völlig unplausible Parteibehaup
tung. Ebenso
unplausibel
und wi
der
jeglicher Erfahrung
sei die Behauptung, nicht weniger als neun Rentensachbearbeiter hätten nicht beziehungsweise falsch informiert
. Eine Befragung
dieser Personen mache
nach fast zwei Jahren g
anz offensichtlich keinen Sinn
(Urk. 18).
3.
3.1
Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des vorliegen
den Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die Verfügung vom 2. Oktober 2020, mit welcher die IV-Stelle die Invalidenrente des
Beschwerdefüh
rer
s rückwirkend ab dem 1. Juni 2019 plafoniert und die Rückforderung der zwi
schen dem 1. Juni 2019 und dem 31. Januar 2020 zu viel bezahlten
Rentenbe
tref
f
nisse
verfügt hat (Urk. 2). Der betreffenden Verfügung ging dabei unbestrit
tenermassen folgender Sachverhalt voraus: Die
Ehefrau des
Beschwerdeführers
hatte die Ausgleichskasse
medisuisse
vor der Heirat mit dem Beschwerdeführer
um Vorausberechnung einer vorbezogenen Altersrente ersucht. In der entspre
chenden Berechnung vom 2
2.
Juni 2017 wurde sie darauf hingewiesen, dass die Gültigkeit der ausgewiesenen Leistungsbeträge zeitlich beschränkt sein könne: u.a. erfolge bei Invalidenrenten eine Neuberechnung beim Bezug der Altersrente durch den Antragsteller/die Antragstellerin oder im
2.
Versi
cherungsfall (Ehe
partner[in]
macht Anspruch auf eine Alters- oder Invalidenrente geltend). Die Verbindlichkeit der Vorausberechnung basiere auf den jetzigen persönlichen Ver
hältnissen und den gegenwärtig
en
gesetzlichen Bestimmungen, u.a. könne eine Änderung der persönlichen Situation (z.B. neuer Zivilstand, Arbeitslosigkeit, Aus
landaufenthalt etc.) einen wesentlichen Einfluss auf den Rentenanspruch und die Rentenhöhe haben. Zur Rentenhöhe wurde ausgeführt, die Summe der beiden Renten von Ehepaaren dürfe 150 Prozent der maximalen Rente der massgebenden Rentenskala nicht übersteigen, werde dieser Betrag überschritten, werde die Rente jedes Ehepartners anteilsmässig gekürzt (so genannte Plafonierung
,
Urk.
3/4). In der Anmeldung für die vorbezogene Altersrente von April 2019 hatte die Ehefrau des Beschwerdeführers den Zivilstand «verheiratet» angegeben und auch darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer bereits eine Rente der Ausgleichskasse Privatkliniken bezog (
Urk.
3/6). In der Folge sprach ihr
die Ausgleichskasse
medisuisse
–
die aufgrund des laufenden Rentenbezuges durch den Beschwerde
führer nicht zuständig war (vgl. Wegleitung über die Renten in der
Eidgenössi
schen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung
[
RWL
] Rz 2012) – am 1
7.
April 2019 eine
unplafonierte
Altersrente zu (
Urk.
3/7). Die zuständige Aus
gleichskasse Privatkliniken ersetzte diese Verfügung am 2
4.
Januar 2020 und pla
fonierte die Altersrente rückwirkend auf den
1.
Juni 2019 (
Urk.
3/10; vgl.
Urk.
9 S. 1
Ziff.
2 E. 2). Die zuständige
SVA
Zürich, IV-Stelle
,
plafonierte die Rente des Beschwerdeführers mit der angefochtenen Verfügung vom
2.
Oktober 202
0.
Die IV-Stelle und die Ausgleichskasse Privatkliniken forderten die zu Unrecht erbrachten
Rentenbetreffnisse
vom Beschwerdefüh
rer und seiner Ehefrau zurück.
3.2
3.2.1
Für die Festlegung einer (allfälligen) Rückerstattung von Leistungen ist in einem ersten Schritt über die Frage der Unrechtmässigkeit des Bezuges der Leistungen zu befinden (in der Regel mittels Wiedererwägung oder Revision, vgl. Art. 53
ATSG bzw. Art. 17 ATSG). Bei gegebener Unrechtmässigkeit des Leistungsbezu
ges schliesst sich daran der
Entscheid über die Rückerstattung
an, in dem zu klä
ren ist, ob eine rückwirkende Korrektur gemäss Art. 25 Abs. 1 Satz
1 ATSG erfolgt, was zu verneinen
ist, sofern die Leist
ungen in gutem Glauben empfangen wurden und wenn eine grosse Härte vorliegt (Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG, vgl.
auch Art. 4 Abs. 1
der
Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversi
cherungsrechts
[
ATSV
]
zum Ganzen:
Kieser
, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020
, N
12
ff. zu Art.
25 ATSG
).
3.2.2
Bei einer Rentenplafonierung, die – wie hier – nach Entstehung des Anspruchs auf eine Invalidenrente bei Eintritt
des zweiten
Versicherungsfalles (vorbezogene Altersrente der Ehefrau) gestützt auf
Art.
35
AHVG
i.V.m.
Art.
37
Abs.
1
bis
IVG
zu prüfen ist, sind die Revisionsvoraussetzungen nach einem AHV-analogen (und nicht einem IV-spezifischen) Gesichtspunkt erfüllt. Entsprechend gelangt Art.
88
bis
Abs. 2
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
nicht zur Anwendung und hat eine Korrektur rückwirkend zu
erfolgen (
vgl.
Urteil des Bun
desverwaltungsgerichts
C-2043/2016 vom 29. Mai 2018 E.
5.1.3
)
.
Erfolgt
die Kor
rektur durch eine Revision rückwirkend
, wird d
ie
bezogene Leistung zu einer unrechtmässig bezogenen Leistung
(
Kieser
,
a.a.O
,
N
29
).
3.3
Da
bei der
Ehefr
au des Beschwerdeführers per 1.
Juni 2019
neu ein Anspruch auf eine
(vorbezogene)
AHV-
Altersrente entstanden ist
(Urk. 3/7)
, sind die Renten – wie die
IV-Stelle
ausgeführt hat –
per 1.
Juni 2019 zu plafonieren
(E. 1.1-1.2)
,
die Voraussetzungen für eine Revision
gegeben
und die in der Zeitspanne vom 1. Juni 2019 bis am 31. Januar 2020 vom
Beschwerdeführer
bezogenen Leistun
gen im Umfang von Fr. 4'328.-- (8 Monate à Fr. 541.-- [Urk. 2])
entsprechend zu Unrecht bezogen worden
.
4.
4
.1
Erweist sich die rückwirkende Rentenherabsetzung auf den Zeitpunkt des Vorbe
zuges der Altersrente durch die Ehefrau des
Beschwerdeführer
s als rechtens, ist der erhobene Einwand zu prüfen,
ob
der Vertrauensschutz eine von der hiervor dargelegten Rechtslage abweichende Behandlung
er
fordert
(E. 2.2 und 2.4)
.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass die
dem
Beschwerdeführer
zugesprochenen
Renten
betreffnisse
der Invalidenversicherung Dauerleistungen sind, die stets unter dem Vorbehalt einer zukünftigen Korrektur stehen und die Verwaltung gehalten ist, auf solche Entscheide zurückzukommen, sofern sie zweifellos unrichtig sind oder sich der
zugrundeliegende
Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat (
E. 1.3
).
Mit der positivrechtlichen Regelung der Wiedererwägung
rechtskräftiger Verfügungen
hat der Gesetzgeber die im Ra
hmen des verfassungsrechtlichen
Ver
trauensschutzes vorzunehmende Abwägung zwischen der Durchsetzung des objektiven Rechts und dem Interesse an der
Bestandeskraft
der Verfügung abs
trakt und damit ve
rbindlich vorgenommen (Art. 190 der Bundesverfassung [
BV
]
).
Die richtige Anwendung von Art. 53
Abs. 2
ATSG ist somit von
Verfassungs
wegen mit dem
Vertrauensschutz
vereinbar
(BGE 138 V 258 E
. 6).
Zudem sieht Art. 25 ATSG vor, dass unrechtmässig bezogene Leistungen
innerhalb der Ver
wirkungs
frist zurückzuerstatten sind und von einer Rückerstattung nur dann abzusehen ist, wenn die Leistungen gutgläubig bezogen wurden und zusätzlich
ein Härtefall
vorliegt (E. 1.
4
).
In jedem Fall setzt aber eine vom Gesetz
abwei
chende Behandlung die Erfüllung sämtlicher Voraussetzungen für eine erfolgrei
che Beruf
ung auf den verfassungsmässigen
Vertrauensschutz
(Art. 9 BV)
voraus
(Urteil des Bundesgerichts
9C_311
/2014 vom 11. Aug
ust 2014 E. 3,
BGE 138 V 258
E.
6).
Nicht jede behördliche Auskunft taugt als Vertrauensbasis. Notwendig ist eine gewisse inhaltliche Bestimmtheit; eine lediglich vage Absichtskundgabe oder ein Hinweis auf die bisherige Praxis genügt nicht. Unmassgeblich ist die Form der Auskunftserteilung; auch eine mündliche Aus
kunft kann verbindlich sein (
Häfelin
/Müller/Uhlmann, Allgemeines V
erwaltungs
recht, 2020, Rn 668).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann nach dem in Art. 9 BV veran
kerten Grundsatz von Treu und Glauben eine unrichtige
Auskunft, welche eine Behörde einer rechtssuchenden Person erteilt, unter gewissen Umständen Rechts
wirkungen entfalten. Voraussetzung dafür ist, dass: a) es sich um eine vorbehalt
lose Auskunft der Behörden handelt; b) die Auskunft sich auf eine konkrete, die betroffene Person berührende Angelegenheit bezieht; c) die Amtsstelle, welche die Auskunft gegeben hat, dafür zuständig war oder die betroffene Person sie aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte; d) die betroffene Person die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne Weiteres hat erkennen können; e) die betroffene Person im Vertrauen hierauf nicht ohne Nachteile rückgängig zu machende Dispositionen getroffen
hat; f) die Rechtslage zur Zeit der Verwirkli
chung noch die gleiche ist wie im Zeitpunkt der Auskunftserteilung; g) das Inte
resse an der richtigen Durchsetzung des objektiven Rechts dasjenige am Vertrau
ensschutz nicht überwiegt. Diese Bedingungen müssen kumulativ erfüllt sein. Vertrauensschutz setzt nicht zwingend eine unrichtige Auskunft oder Verfügung voraus; er lässt sich auch aus einer blossen behördlichen Zusicherung und sons
tigem, bestimmte Erwartungen begründendem Verhalten der Behörden herleiten (BGE 143 V 95 E. 3.6.2; Urteil des Bundesgerichts
9C_296
/2020 vom 4. Septem
ber 2020 E. 2.2). Unterbleibt eine Auskunft entgegen gesetzlicher Vorschrift (vgl. Art. 27 ATSG) oder obwohl sie nach den im Einzelfall gegebenen Umständen geboten war, hat die Rechtsprechung dies der Erteilung einer unrichtigen Aus
kunft gleichgestellt (BGE 143 V 341 E. 5.2.1; Urteil des Bundesgerichts
8C_220
/2021 vom 12. Mai 2021 E. 3.1.3).
4.2
Der
Beschwerdeführer
macht geltend,
d
ie Sachbearbeiter der Beschwerdegegnerin und der
involvierten AHV-
Ausgleichskasse
n
hätten
im Rahmen ihrer
konkrete
n
Auskünfte nie erwähnt, dass
seine
Invalidenrente
sowie
d
ie AHV-Rente seiner Ehefrau bei
Vorbezug
plafoniert würden.
V
ielmehr
sei ihnen
mitgeteilt worden, dass die Invalidenrente
trotz Heirat
unverändert ausgerichtet würde
(E. 2.2, E. 2.4).
B
ereits bei Zusprache der
Invalidenrente mit Verfügung vom 21. Juni 2013 wurde der
Beschwerdeführer
darüber informiert, dass
eine Änderung
des
Zivilstand
es
(Heirat/Scheidung) eine
Verä
nderung in den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen
darstellt
, welche
seinen
Leis
tungsanspruch beeinflussen kann
(Urk. 8/106/3
, vgl. auch Urk. 3/
3
S. 2
).
Darauf, dass eine Änderung des Zivilstan
des einen wesentlichen Einfluss auf die Rentenhöhe haben kann
, wurde sodann auch in der gegenüber der Ehefrau des
Beschwerdeführer
s erstellten Rentenvor
ausberechnung hingewiesen
, zudem erfolgte auch ein Hinweis auf die Plafonie
rungsbestimmungen
(Urk. 3/4
und E. 3.1
hievor
). Dem
Beschwerdeführer
musste deshalb
– ungeachtet der gegenüber seiner Ehefrau fälschlicherweise verfügten
unplafonierten
Altersrente (Urk. 3/7) –
klar sein, dass
sich die Änderung seines Zivilstandes in Verbindung mit dem
Eintritt des
Versicherungsf
alles Alter
s
bei seiner Ehefrau
auf die
Höhe seiner Invalidenrente
auswirken
würde (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 62/02 vom 2. April 2004 E. 3.2)
.
Der Einwand des
Beschwer
deführer
s, er sei hinsichtlich der Plafonierung nie von der
Beschwerdegegnerin
informiert worden, erweist sich entsprechend als haltlos.
D
ie
bei verheirateten Paaren im
zweiten Versicherungsf
all
Platz
greifende Plafonierung
(vgl. E. 1.2) kann sodann als allgeme
in bekannt vorausgesetzt werden, wobei Art. 35
AHVG
explizit
auch den Fall abdeckt, in welchem ein Ehegatte eine Alters- und der andere Ehegatte eine Invalidenrente bezieht (Art. 35 Abs. 1 lit. b
AHVG
)
.
Inwie
fern es sich bei einem
Rentenv
orbezug
abweichend verhalten soll, ist nicht ein
zusehen
.
Vor diesem Hintergrund
und unter Berücksichtigung, dass
die vom Beschwerdeführer behauptete Auskunft
nicht dokumentiert wurde,
erweist es sich mit der Beschwerdegegnerin als unwahrscheinlich, dass dem Beschwerdeführer von Seiten einer sachbearbeitenden
Person der IV-Stelle oder einer involvierten AHV-Ausgleichskasse eine
den anwendbaren Bestimmungen
widersprechende
Auskunft
gegeben
worden
sein soll, wonach der
Vorbezug
der Altersrente durch seine Ehefrau ohne Einfluss auf
die Höhe
seine
r
Invalidenrente bleibe.
Umso unwahrscheinlicher erscheint
eine solche Auskunft
, wenn der
Beschwerdeführer
erklärt, dass
er diese
von neun Sachbearbeitern der involvierten AHV-Ausgleichskassen
erhalten habe
(Urk.
1 S. 3,
Urk.
14). Mit Blick darauf, dass
die
behauptete Auskunft
als Vertrauensgrundlage
den Zeitraum zwischen der Heirat (6. Oktober 2017) und der Anmeldung der Ehefrau zum
Vorbezug
der Altersrente
(
1.
April 2019) zu beschlagen hätte und sich der diesbezüglich relevante Sach
verhalt somit vor über 2.5 Jahren ereignet
e
, ist sodann nicht zu erwarten, dass die vom
Beschwerdeführer
offerierte Zeugenbefragung zu
entscheidrelevanten
Erkenntnis
sen
führen könnte.
Von
weitere
n
Beweiserhebungen in diesem Zusam
menh
ang kann
somit
in antizipierter
Beweiswürdigung
abgesehen
w
erden
(BGE
124 V 90 E.
4b
, 122 V 157 E.
1d
).
Damit ist auch auf die
in der Duplik
zu beweis
rechtlichen Zwecken beantragte öffentliche
Verhandlung
zu verzichten
(Urk. 14 S. 3)
.
Ein auf Art. 6
der
Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK)
bezo
gener
A
ntrag wurde nicht gestellt (BGE
125 V
37, Urteil des Bundesgerichts
9C_490
/2014 vom 23. Januar 2015 E. 2 mit Hinweisen
).
4.3
Nach dem Gesagten ist bereits das erste Kriterium einer vorbehaltlosen behördli
chen Auskunft, mit dem Inhalt einer behördlichen Zusicherung auf eine unver
änderte Weiterausrichtung der Rente der Invalidenversicherung im Falle des Vor
bezuges einer AHV-Altersrente durch die Ehefrau nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit erstellt. Damit erübrigen sich grundsätzlich auch weitergehende A
usführungen zum Erfordernis von durch den
Beschwerdeführer
getroffenen,
nicht ohne Nachteile rückgängig zu machenden Dispositionen im Vertrauen auf
die behauptete
falsche Auskunft
.
Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, seine
Ehefrau
hätte
aufgrund der falschen Auskunft nicht
weitergearbeitet (Urk. 1 S. 5 f. Ziff. 5)
,
steht
dem die
Tatsache entgegen, dass aus
ihrer
Anmeldung zum
Vorbezug
der Altersrente vom 1. April 2019
die Beendigung
der betreffenden
Anstellung bereits
per
31. Dezember 2018
hervorgeht
(Urk. 3/6 S. 6
).
Der bloss
e Verbrauch von Geldmitteln gilt sodann ohnehin
nicht als Disposition
im Sinne des Vertrauensschutzes (ARV 1999 Nr. 40 S. 237 f. E.
3b
)
.
Zusammengefasst
besteht keine von der
Beschwerdegegnerin
geschaffene Ver
trauensgrundlage, die zu schützen wäre. Die
Beschwerdegegnerin
hat die dem
Beschwerdeführer
in der Zeitspanne vom 1. Juni 2019 bis am 31. Januar 2020 zu viel ausgerichteten
Rentenbetreffnisse
zu Recht zurückgefordert. Das Quantitativ der Rückforderung, Fr. 4'328.--, ist im Übrigen unbestritten.
4.4
Die Beschwerde erweist sich damit insgesamt als unbegründet und die angefoch
tene Verfügung vom 2. Oktober 2020 als rechtens. Dies hat die Abweisung der Beschwerde zur Folge.
5.
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
weigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Darunter fallen auch Rückforderungen
unrechtmässig bezogener
Versicherungsleistungen
(Urteil des
Bundesgerichts I 721/05 vom 12.
Mai 2006 lit.
A und E.
4).
Das vor
liegende Verfahren ist daher kostenpflichtig.
Diese Kosten sind ermessensweise auf
Fr.
700.-- festzusetzen und ausgangsge
mäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.