Decision ID: 7f6eef4b-d236-40a8-b3b9-6b7bfdd27540
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Ueli Kieser, Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 1948, meldete sich am 20. Dezember 2007 wegen seit circa 2005
bestehender Fibromyalgie, Arthrose, Muskel- und Gelenkschmerzen und einer
Diskushernie zum Bezug einer Teilrente der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des
Kantons St. Gallen an (IV-act. 13).
A.b Am 14. Februar 2008 erstattete Dr. med. B._, Facharzt FMH für
Allgemeinmedizin, einen Arztbericht zuhanden der IV-Stelle. Er diagnostizierte ein
Fibromyalgiesyndrom, symptomatische distale Fingerarthrosen sowie eine seit über 20
Jahren bestehende Lumboischialgie bei Diskushernie L4/5, segmentaler Instabilität
L4/5 und diskreter Skoliose mit lumbaler Hyperlordose und attestierte eine seit
1. Dezember 2006 bestehende 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Im Beiblatt zum Arztbericht
führte Dr. B._ ergänzend aus, die bisherige Tätigkeit sei im Umfang von etwa vier bis
fünf Stunden weiterhin zumutbar, eine rückenschonende Tätigkeit mit
Wechselbelastung sei während etwa fünf Stunden pro Tag zumutbar, entsprechend
einem Teilzeitpensum von 50–60 % (IV-act. 33–1 ff.). Dem Arztbericht lagen weitere
medizinische Berichte bei, insbesondere ein Bericht von Dr. med. C._, Facharzt FMH
für Rheumatologie, vom 8. Juli 2005 betreffend eine rheumatologische Untersuchung
vom 21. Juni 2005. Dr. C._ hatte ein Fibromyalgiesyndrom, eine beginnende
Fingerpolyarthrose, anamnestisch ein rechtsbetontes Karpaltunnelsyndrom,
anamnestisch eine rezidivierende Lumboischialgie sowie eine Cholezystektomie circa
1980 diagnostiziert und festgehalten, aus rheumatologischer Sicht sei die
Arbeitsfähigkeit in leichten bis mittelschweren körperlichen Tätigkeiten nicht
eingeschränkt (IV-act. 33–4 ff.).
A.c Im Auftrag der IV-Stelle erstattete D._, Facharzt FMH für Innere Medizin und
Rheumatologie, am 30. Mai 2008 ein rheumatologisches Gutachten. Er diagnostizierte
im Wesentlichen ein panvertebrales Schmerzsyndrom, eine Cervikobrachialgie
beidseits, beginnende Fingerpolyarthrosen sowie einen Hallux rigidus bei
Grosszehengrundgelenksarthrose. Aus rein rheumatologischer Sicht bestehe in der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit im Haushalt eine 80%ige Arbeitsfähigkeit. Ungünstig seien
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repetitive Belastungen der Handkraft, repetitiv rückenbelastende Tätigkeiten, Arbeiten
in knienden Positionen sowie Arbeiten im Überkopfbereich, die die Schultergelenke
oder die Nackenmuskulatur strapazierten. In noch leichteren, den Beschwerden ideal
angepassten Tätigkeiten bestehe volle Arbeitsfähigkeit (IV-act. 45).
A.d Am 16. Dezember 2008 fand eine Abklärung im Haushalt der Versicherten statt.
Im entsprechenden Bericht vom 13. Januar 2009 wurde unter anderem festgehalten,
die Versicherte sei als zu 90 % Erwerbstätige zu qualifizieren, bezüglich der Tätigkeiten
im eigenen Haushalt bestehe keine Einschränkung (IV-act. 57).
A.e Mit Vorbescheid vom 14. Januar 2009 teilte die IV-Stelle mit, dass bei einem
Invaliditätsgrad von 18 % (20%ige Einschränkung im Erwerb, keine Einschränkung im
Haushalt, Berechnung des Invaliditätsgrades nach der so genannten „gemischten
Methode“) die Abweisung des Rentengesuchs vorgesehen sei (IV-act. 59).
A.f Am 26. Januar 2009 erhob die Versicherte mündlich Einwände gegen den
Vorbescheid vom 14. Januar 2009. Sie bemängelte insbesondere die Qualifikation als
zu 90 % Erwerbstätige sowie das Gutachten von D._ und beantragte, sie sei als voll
Erwerbstätige zu qualifizieren und es seien weitere Abklärungen vorzunehmen (IV-
act. 61–1). Gleichentags erhob die Versicherte ergänzend schriftlich Einwände, wobei
sie insbesondere die Verwertbarkeit der medizinisch-theoretischen Restarbeitsfähigkeit
in Frage stellte (IV-act. 61–2 f.).
A.g Die Versicherte liess der IV-Stelle sodann einen Arztbericht von Dr. med. E._,
Facharzt FMH für Innere Medizin und Rheumatologie, vom 7. April 2009 zugehen.
Dieser hatte im Wesentlichen ein chronisches Panvertebralsyndrom mit spondylogenen
Ausstrahlungen in alle Extremitäten, eine Fibromyalgie, Fingerarthrosen, eine
chronische Cephalea, einen Hallux rigidus sowie eine arterielle Hypertonie
diagnostiziert und eine maximal 50%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten sowie in
leidensadaptierten Tätigkeiten attestiert (IV-act. 64).
A.h Am 23. April 2009 sprach die Versicherte erneut – in Begleitung eines ihrer
Arbeitgeber – bei der IV-Stelle vor und übergab der zuständigen Sachbearbeiterin
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diverse Aufstellungen, die belegen sollten, dass sie vor Eintritt des
Gesundheitsschadens zu 100 % erwerbstätig gewesen war (IV-act. 65 ff.).
A.i Nachdem Dr. med. F._, Fachärztin FMH für Physikalische Medizin und
Rehabilitation, vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) in einer internen
Stellungnahme am 4. Mai 2009 festgehalten hatte, dass im Bericht von Dr. E._
lediglich eine unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen
Sachverhalts zu erblicken und deshalb für die Ermittlung des Invaliditätsgrades auf das
Gutachten von D._ abzustellen sei, verfügte die IV-Stelle am 29. Mai 2009 die
Abweisung des Rentengesuchs bei einem Invaliditätsgrad von 20 %, wobei sie davon
ausging, dass die Beschwerdeführerin als voll Erwerbstätige zu qualifizieren sei (IV-
act. 70).
B.
B.a Dagegen erhob die Beschwerdeführerin am 29. Juni 2009 Beschwerde. Sie
beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 29. Mai 2009 und die
Zusprache einer Rente der Invalidenversicherung und führte zur Begründung im
Wesentlichen aus, dass sich dem Bericht von Dr. E._ Verschlechterungen des
Gesundheitszustandes nach der Begutachtung durch D._ entnehmen liessen, dass
das Gutachten von D._ in verschiedener Hinsicht nicht überzeuge und dass sie
effektiv nur noch in erheblich reduziertem Ausmass erwerbstätig sei und ihr
Einkommen entsprechend zu einem erheblichen Anteil als Soziallohn zu qualifizieren
sei (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 2. September 2009 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen aus, der Meinung eines neutralen Experten sei ein grösserer Stellenwert
beizumessen als derjenigen des erfahrungsgemäss nicht ganz unbefangenen
behandelnden Arztes, der aufgrund seiner (auftragsrechtlichen) Vertrauensstellung in
Zweifelsfällen eher zugunsten seiner Patienten aussage, weshalb auf das Gutachten
von D._ abzustellen sei (act. G 4).
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B.c Am 26. Oktober 2009 erstattete die Beschwerdeführerin die Replik. Sie hielt an
den mit Beschwerde vom 29. Juni 2009 gestellten Anträgen fest und führte zur
Begründung ergänzend aus, dass D._ nicht einmal die von ihr zur Begutachtung
mitgebrachten Röntgenbilder angesehen habe, dass die Beschwerdegegnerin eine
einlässliche Würdigung der Widersprüche zwischen den beiden fachärztlichen
Berichten rechtswidrig unterlassen habe, weshalb sich der Sachverhalt insoweit als
ungenügend abgeklärt erweise, dass auch D._ eine auftragsrechtliche Stellung
innehabe– nämlich zur Beschwerdegegnerin –, dass die Frage der Eingliederung nicht
genügend geprüft worden sei und dass die Restarbeitsfähigkeit vorliegend nicht
verwertbar sei (act. G 8).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist in erster Linie, ob die Beschwerdegegnerin einen Anspruch
der Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung zu Recht verneint
hat. Sollte sich ergeben, dass der Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
grundsätzlich im Raum stünde, wäre ergänzend zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin
Eingliederungsmassnahmen zuverlässig geprüft hat.
2.
2.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten.
Obwohl der hier zu beurteilende Sachverhalt teilweise den Zeitraum vor deren
Inkrafttreten beschlägt, sind grundsätzlich die neuen Bestimmungen anzuwenden (vgl.
Ralph Jöhl, Übergangsrechtliche Probleme im Leistungsrecht der Sozialversicherung,
Diss., St. Gallen 1996, S. 2 f.). Hinsichtlich der hier einzig relevanten Änderung
bezüglich des Beginns des Rentenanspruchs ginge damit indessen eine erhebliche
Schlechterstellung und stossende Ungleichbehandlung gegenüber Versicherten, deren
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Leistungsgesuch vor Inkrafttreten der neuen Bestimmungen beurteilt wurde, einher.
Dass es angesichts dessen an einer übergangsrechtlichen Regelung fehlt, wird zu
Recht als auslegungsbedürftige Lücke angesehen (vgl. den Entscheid IV 2009/5 des
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vom 28. Oktober 2009, E. 2).
Diesbezüglich ist deshalb vorliegend altes Recht anzuwenden (vgl. auch das
Rundschreiben Nr. 253 des Bundesamtes für Sozialversicherungen vom 12. Dezember
2007 sowie den Entscheid 8C_312/2009 des Bundesgerichts vom 1. Dezember 2009,
E. 5.1, mit zahlreichen Hinweisen); im Übrigen kommt neues Recht zur Anwendung.
2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG), das heisst der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach ärztlicher Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG). Bei einem Invaliditätsgrad von
weniger als 40 % besteht kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
(Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG).
2.3 Die Feststellung des Gesundheitsschadens, das heisst die Befunderhebung und
die gestützt darauf gestellte Diagnose, aber auch die Prognose und die Ätiologie, die
durch den festgestellten Gesundheitsschaden verursachte Arbeitsunfähigkeit sowie
das noch vorhandene funktionelle Leistungsvermögen oder das Vorhandensein und die
Verfügbarkeit von Ressourcen sind Tatfragen (BGE 132 V 398 E. 3.2), deren
Beantwortung entsprechendes Fachwissen voraussetzt. Im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) hat die IV-Stelle daher in aller Regel
ärztliche Sachverständige zur Beantwortung dieser Fragen beizuziehen (vgl. Art. 43
Abs. 2 ATSG und Art. 69 Abs. 2 und 4 IVV), so etwa jene des IV-internen regionalen
ärztlichen Dienstes (RAD; vgl. Art. 49 Abs. 1 IVV) oder solche einer MEDAS. Aufgabe
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der IV-Stelle und des Versicherungsgerichts ist es, diese Tatsachen rechtlich zu
würdigen, das heisst zu beurteilen, ob die ärztlichen Aussagen und Schätzungen die
zuverlässige Beurteilung des Leistungsanspruchs erlauben und, falls dies der Fall ist,
gestützt auf diese Feststellungen sowie die Feststellungen zu den beiden
Vergleichseinkommen den Invaliditätsgrad zu bemessen (vgl. BGE 132 V 398 f.
E. 3.2 f.).
3.
In medizinischer Hinsicht liegen insbesondere das Gutachten von D._ sowie die
Arztberichte von Dr. E._, Dr. B._ und Dr. C._ im Recht. Es ist zu prüfen, ob
anhand dieser Berichte die zuverlässige Ermittlung des Invaliditätsgrades möglich ist.
3.1 Im Gegensatz zu den übrigen Ärzten gab D._ seine Beurteilung nicht nur
gestützt auf die im Rahmen einer ausführlichen Untersuchung erhobenen Befunde,
sondern auch in Kenntnis sämtlicher relevanter Vorakten ab. Er gelangte dabei im
Wesentlichen zu denselben Schlüssen wie bereits Dr. C._ in dessen Bericht vom
8. Juli 2005, dass nämlich in leichten bis mittelschweren körperlichen Tätigkeiten die
Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht nicht wesentlich beeinträchtigt sei. Diese
Schlussfolgerung scheint angesichts der erhobenen Befunde durchaus
nachvollziehbar. Die davon abweichende Einschätzung von Dr. E._, der weitgehend
identische Befunde erhob, die Arbeitsfähigkeit aber auch in leichten bis mittelschweren
körperlichen Tätigkeiten als erheblich beeinträchtigt qualifizierte, vermag dagegen nicht
zu überzeugen, lagen doch Dr. E._ offensichtlich nicht sämtliche relevanten Vorakten
vor, setzte er sich doch entsprechend auch nicht mit den Einschätzungen von D._
und Dr. C._ auseinander und begründete er doch schliesslich auch seine
Schlussfolgerung nicht weiter. Bezüglich leidensadaptierter Tätigkeiten ist daher
aufgrund des insofern nachvollziehbaren und überzeugenden Gutachtens von D._
von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
3.2 Bezüglich Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Haushaltsangestellte
gelangte D._ zum Schluss, diese sei lediglich um etwa 20 % beeinträchtigt, wobei
aber monotone Belastungen wie langdauerndes Staubsaugen, Bügeln oder ungünstige
Körperpositionen in knieender, vornübergebückter Haltung, Arbeiten im
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Überkopfbereich, mit repetitiv rumpfrotierenden Stereotypien oder mit langdauernd
erhobenen Armen zu vermeiden und eine freie Einteilbarkeit der anstehenden
Belastungen sowie die Annahme, dass schweres Heben und Tragen delegiert werden
könnten, vorauszusetzen seien (vgl. IV-act. 45–10). Diese Einschätzung vermag zwar in
medizinischer Hinsicht ebenfalls zu überzeugen, trägt aber offensichtlich den
Gegebenheiten der tatsächlich ausgeübten Tätigkeit zu wenig Rechnung.
Haushaltsangestelle – so auch die Beschwerdeführerin (vgl. etwa IV-act. 26–9, 32–5,
35–6 und 44–5) – werden nämlich in aller Regel zur Verrichtung der schwereren
Tätigkeiten im Haushalt beschäftigt, das heisst insbesondere zum Putzen, Waschen
und Bügeln. Diese Tätigkeiten erweisen sich nicht nur bezüglich der zu hebenden und
tragenden Lasten, sondern vor allem auch bezüglich Repetition, Monotonie und
Körper(zwangs)haltung als eher schwer bzw. im vorliegenden Fall als ungünstige und
zu vermeidende Arbeiten. Selbstverständlich können sie in aller Regel auch nicht
delegiert werden, besteht der Sinn und Zweck der Beschäftigung einer
Hausangestellten doch gerade darin, die entsprechenden Tätigkeiten an diese zu
übertragen; das Delegieren an eine andere Person ist ausgeschlossen oder jedenfalls
mit einer Erwerbseinbusse verbunden. Verrichtet die Haushaltsangestellte ihre Arbeit in
den verschiedenen Fremdhaushalten (Arbeitgebern) jeweils in Teilzeit (stundenweise
Anstellung, insgesamt aber 100% Erwerbstätigkeit), wie dies bei der
Beschwerdeführerin der Fall ist, so ist auch eine freie Einteilung der Arbeiten praktisch
ausgeschlossen. Mit anderen Worten bringt die von der Beschwerdeführerin konkret
ausgeübte Erwerbstätigkeit in weiten Teilen genau jene Belastungen mit sich, die
gemäss Gutachten von D._ an sich vermieden werden sollten. In der angestammten,
tatsächlich ausgeübten Tätigkeit scheint daher eine 80%ige Arbeits- bzw.
Leistungsfähigkeit nicht mehr zumutbar. Diesbezüglich vermag die Einschätzung von
Dr. E._, der insofern nachvollziehbar darlegte, dass für schwere, aber – u.a. aufgrund
der Fingerarthrosen – auch für leichtere, typische Haushaltsarbeiten eine erhebliche
Einschränkung vorliege, eher zu überzeugen. Bezüglich der angestammten Tätigkeit ist
deshalb von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
3.3 Zusammenfassend ist aufgrund der bei den Akten liegenden medizinischen
Berichte von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % in der angestammten Tätigkeit und einer
solchen von 100 % in leidensadaptierten Tätigkeiten auszugehen.
4.
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Es ist zu prüfen, in welcher Art und Weise der Beschwerdeführerin die Verwertung der
medizinisch festgestellten Arbeitsfähigkeit zumutbar ist.
4.1 Der Invaliditätsbegriff im Sinne der oben angeführten Bestimmungen (vgl. E. 2.2)
setzt bereits begrifflich notwendigerweise nicht nur eine medizinische, sondern auch
eine erwerbliche Eingliederung voraus. Die erwerbliche Eingliederung kann unter
Umständen einen Berufswechsel mit sich führen, wobei es sich dabei um einen
Ausfluss der Schadenminderungspflicht der Versicherten handelt. Diese wird indessen
– gemäss allgemeinen sozialversicherungsrechtlichen Grundsätzen – durch die
Zumutbarkeit begrenzt. Ob eine versicherte Person zu einem Berufswechsel
anzuhalten ist, hängt mithin davon ab, ob ihr dieser zumutbar ist. Bei der Prüfung der
Zumutbarkeit sind sämtliche Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich
das Alter der versicherten Person, die Dauer der bisherigen Berufstätigkeit, die
Qualifikation, die Verbundenheit mit dem Beruf, der Gesundheitszustand und so weiter
(vgl. Thomas Locher, Die Schadenminderungspflicht im Bundesgesetz vom 19. Juni
1959 über die Invalidenversicherung, in: Sozialversicherungsrecht im Wandel –
Festschrift 75 Jahre Eidgenössisches Versicherungsgericht, Bern 1992, S. 428).
4.2 Die 1948 geborene und seit 1980 in der Schweiz lebende Beschwerdeführerin
absolvierte lediglich die Primarschule in Spanien und erlernte keinen Beruf. Bereits im
Jahr ihrer Einreise in die Schweiz nahm sie die Tätigkeit als Haushaltsangestellte bei
einem der Arbeitgeber auf, der sie bis mindestens zum Erlass der angefochtenen
Verfügung beschäftigt hat (vgl. zum Ganzen IV-act. 13). Dem Auszug aus dem
Individuellen Konto lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin durchgehend
seit 1980 als Angestellte in verschiedenen fremden Haushalten arbeitete (vgl. IV-act. 5),
wobei sie verschiedene Anstellungen während Jahren bzw. Jahrzehnten innehatte und
teilweise nach wie vor innehat. Im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung
arbeitete die Beschwerdeführerin im Umfang von 50 % als Haushaltshilfe in
verschiedenen Haushalten; teilweise bezog sie einen Soziallohn, das heisst, der Lohn
entsprach nicht mehr der tatsächlich noch erbrachten Leistung. In diesem Zeitpunkt
war sie bereits 61 Jahre alt.
4.3 In Würdigung dieser Tatsachen ist die Zumutbarkeit eines Berufswechsels zu
verneinen. Die Beschwerdeführerin ist momentan eingegliedert und kommt dabei ihrer
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Schadenminderungspflicht insofern nach, als sie die medizinisch-theoretisch attestierte
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ausschöpft. Sie im Alter von über 60
Jahren zu verpflichten, ihre während über 30 Jahren und nach wie vor ausgeübte
Tätigkeit aufzugeben und sich eine andere, leidensadaptierte Tätigkeit zu suchen, hätte
de facto eine Ausgliederung aus dem Erwerbsleben zur Folge. Die schlecht
ausgebildete, kurz vor der ordentlichen Pensionierung stehende, in schweren wie in
feinmotorischen Tätigkeiten beeinträchtigte Beschwerdeführerin würde mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit keine geeignete Tätigkeit mehr finden, in der sie die
medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit von 100 % für leidensadaptierte Tätigkeiten
verwerten könnte. Zwar ist zu berücksichtigen, dass bei der Frage nach zumutbaren
Tätigkeiten auf den ausgeglichenen Arbeitsmarkt abzustellen ist, doch dürfen nicht
realitätsfremde bzw. unmögliche Annahmen getroffen werden. Erscheint das Finden
einer geeigneten Stelle von vornherein ausgeschlossen, weil die zumutbare Tätigkeit
nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass der allgemeine Arbeitsmarkt sie
praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen
eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre, kann auch unter Berücksichtigung
des ausgeglichenen Arbeitsmarktes nicht von einer zumutbarerweise verwertbaren
Tätigkeit gesprochen werden (vgl. etwa den Entscheid U 34/03 des Bundesgerichts
vom 28. Januar 2004, E. 4.1, mit Hinweisen). Massgebend für die Bemessung des
Invaliditätsgrades ist deshalb vorliegend die Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit.
5.
5.1 Der Invaliditätsgrad entspricht mithin dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, beträgt also
50 %. Damit hat die Beschwerdeführerin gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG Anspruch auf eine
halbe Rente der Invalidenversicherung.
5.2 In seinem Bericht vom 14. Februar 2008 attestierte Dr. B._ eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 % ab 1. Dezember 2006 (vgl. IV-act. 33–1 ff.). Die übrigen
Arztberichte, namentlich auch das Gutachten von D._, enthalten keine Angaben zum
Beginn der Arbeitsunfähigkeit. Einer der Arbeitgeber der Beschwerdeführerin gab aber
entsprechend dem Arztbericht von Dr. B._ in seinem Arbeitgeberbericht vom
18. Januar 2008 an, die Beschwerdeführerin habe das Pensum per 1. Januar 2007
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reduziert (vgl. IV-act. 25). Gesamthaft ist deshalb davon auszugehen, dass die
massgebende gesundheitsbedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit per
1. Dezember 2006 eingetreten ist. Der Rentenbeginn ist deshalb auf den 1. Dezember
2007 festzusetzen.
6.
6.1 In diesem Sinne ist die Beschwerde vom 29. Juni 2009 gutzuheissen, die
angefochtene Verfügung vom 29. Mai 2009 aufzuheben und die Sache zur
Rentenberechnung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festgelegt.
Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint vorliegend angemessen. Nach Art. 95
Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren
ganz oder teilweise abgewiesen werden. Angesichts des vollen Unterliegens der
Beschwerdegegnerin rechtfertigt es sich, ihr die Gerichtskosten gesamthaft
aufzuerlegen. Der Beschwerdeführerin ist der von ihr geleistete Kostenvorschuss
zurückzuerstatten.
6.3 Die obsiegende Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Die Parteikosten werden vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). In einem Fall mit mittlerem Aufwand und
Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine Pauschalentschädigung von Fr. 3’500.--
ausgerichtet. Insgesamt rechtfertigt sich in der vorliegenden Sache, die Entschädigung
auf pauschal Fr. 3’500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht