Decision ID: 202386bf-5580-4888-89fa-a3e761eedfc7
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1976 geborene und als Raumpflegerin tätige
X._
meldete sich am 1
7.
Januar 2017 unter Hinweis auf
gesundheitliche Beeinträchtigungen nach einem
Treppensturz
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/1). Diese tätigte in der Folge erwerbliche sowie medizinische Abklärungen
. Mangels subjektiver Eingliederungsfähigkeit zeigte die IV-Stelle
X._
mit Mitteilung vom 2
5.
Juli 2017 an, Ein
gliederungsmassnahmen würden nicht durchgeführt, indessen die Rentenprüfung an Hand genommen (
Urk.
11/15-16).
I
m Zuge dessen
wurde
die Versicherte an der Y._
am 1
5.
Januar 2018
unter
sucht
(Expertise vom 1
2.
März 2018,
Urk.
11/33
) und eine Abklärun
g
der beein
trächtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt durchgeführt (B
ericht vom 2
0.
Juli 2017 bzw. 1
2.
April 2018,
[
Urk.
11/34
]
).
Gestützt hierauf zeigte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 2
4.
April 2018 an, das Leistungs
gesuch abweisen zu wollen (
Urk.
11/37)
. Nach
hiergegen
erhob
enem Einwand von
X._
(
Urk.
11/43)
verfügte die IV-Stelle am
5.
Juli 2018
im angekündigten Sinne
(
Urk.
11/48).
1.2
Mit Neuanmeldung vom 1
5.
Oktober 2019 (Eingang,
Urk.
11/53)
brachte
X._
der IV-Stelle
zur Kenntnis
,
dass
sie sich einer
zweiten
Rückenoperation
habe
unterziehen müssen, weshalb
von einer Verschlechterung des
Gesundheits
zustand
es
auszugehen sei
.
In der Folge
führte die IV-Stelle eine erneute Ab
klärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt durch (Bericht vom 1
4.
April 2020 [
Urk.
11/85
]
),
zog aktuelle Arztberichte bei und holte eine Beurteilung ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) ein (
Urk.
11/87/9-10). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 2
5.
Mai 2021,
Urk.
11/88, Einwand vom 2
5.
Juni 2021,
Urk.
11/92) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
4.
Oktober 2021 einen
A
nspruch der Versicherten
auf Renten
leistungen
(
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
am
4.
November 2021 Beschwerde erheben und beantragen, es sei ihr in Aufhebung der angefochtenen Verfügung eine ganze Rente auszurichten. Eventualiter sei die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit
diese berufliche Massnahmen
im Sinne der Stellenvermittlung prüfe. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Versicherte um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Mit Eingabe vom 1
4.
Dezember 2021 legte die Beschwerdeführerin Unterlagen zum Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege auf. Die Beschwerde
gegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 1
6.
Dezember 2021 (
Urk.
10) auf
Abweisung der Beschwerde, was der Versicherten am 2
2.
Dezember 2021 an
gezeigt wurde (
Urk.
12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sach
verhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung, gestützt auf die Einschätzung des RAD sei der Beschwerdeführerin eine angepasste Tätigkeit mit einem Pensum von 80
%
zumutbar, womit sie in der Lage sei, ein jährliches Ein
kommen von
Fr.
44'580.10 zu erwirtschaften. Nachdem die Abklärung im Haus
haltsbereich eine Qualifikation von 50
%
Erwerb und 50
%
Haushalt ergeben
habe, bestehe im Erwerbsbereich eine Einschränkung von 20
%
und damit ein Teilinvaliditätsgrad von 10
%
. Im Haushaltsbereich betrage die E
inschränkung 11
%, der Invaliditätsgrad 5.5
%
. Insgesamt resultiere ein rentenausschliessender Invali
di
tätsgrad von 16
%
. Weder vermöge daran der neu eingereichte Bericht des Hausarztes der Beschwerdeführer
in
etwas zu ändern, gehe doch auch er von einer Teilarbeitsfähigkeit aus, noch seien Gründe für einen Leidensabzug akten
kundig
(
Urk.
2).
2.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin insbesondere entgegen, gemäss neuestem Bericht ihres Hausarztes bestehe auch in angepasster Tätigkeit keinerlei Arbeits
fähigkeit mehr. Das vom RAD formulierte Anforderungsprofil sei ferner der
massen einschränkend, dass sich auch auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt kein Arbeitgeber fi
nden lasse, welcher bereit wäre
,
sie
zu beschäftigen. Sodann sei betreffend Qualifikation von einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit auszugehen und bestehe im Übrigen aus näher dargelegten Gründen auch im Haushalt eine Ein
schränkung von 80 bis 100
%
. Selbst wenn auf die Einschätzung des RAD ab
gestellt würde, bestünde zumindest Anspruch auf eine
Viertelsrente
(
Urk.
1).
3.
3.1
Im Rahmen der am Y._
am 1
5.
Januar 2018 (
Urk.
11/33)
durchgeführten
poly
disziplinären Abklärung der Beschwerdeführerin
wurde
als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom beidseits mit ganz erheblicher Schmerzausweitung und Schmerzgeneralisierungs
tende
nz und mit
erheblicher allgemeiner muskulärer
Dekonditionierung
im Rahmen einer erheblichen Adipositas bei leichter Wirbelsäulenfehlhaltung mit betonter Schultergürtelprotraktionsfehlstellung LWS-Hyperlordose bei Status nach Dekompression L5/S1
und dorsaler
Spondylodese
beidseits genannt. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien eine (1) leichte depressive Episode, eine (2) chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, ein (3) metabolisches Syndrom, anamnestisch ein (4) Asthma bronchiale sowie ein (5) fortgesetzter N
ikotinkonsum (S. 19).
Hinsichtlich Arbeitsfähigkeit erachteten die Gutachter eine körperlich schwere Tätigkeit für nicht mehr zumutbar, während in körperlich leichten, wechsel
belas
tenden Tätigkeiten keine Einschränkung bestehe. In bisheriger Tätigkeit als Raumpflegerin bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 20
%
.
Das metabolische Syn
drom sei mittels Anpassung der medikamentösen Einstellung einer Verbesserung zugänglich. Die vom Psychiater diagnostizierte leichte depressive Episode erkläre die rheumatologisch festgestellte Schmerzausweitung und die somatisch nicht
vollständig objektivierbaren Beschwerden, schränke die Arbeitsfähigkeit der Be
schwerdeführerin inde
ssen nicht ein. Demgegenüber füh
le sich die Beschwerde
führerin nicht arbeitsfähig,
was sich nicht mit der Einschät
zung der Gutachter in Übereinstimmung bringen lasse. Bei den Untersuchungen seien eine erhebliche Selbstlimitierung und Schmerzausweitung festgestellt worden, was sich auch im Alltag, wo sich die Beschwerdeführerin bei verschiedenen Aktivitäten helfen lasse, auswirke. Auch die psychosoziale Situation mit mangelnder Ausbildung und wenig Berufserfahrung wirke sich negativ auf die subjektive Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus (
Urk.
11/33 S. 20-22).
3.2
3.2.1
Am
2
7.
Juni 2019
unterzog
sich die Versicherte a
m Kantonsspital Z._
einer erneuten Rückenoperation, wobei eine Dekompression über kom
plette Facettenektomie,
Nukleotomie
L4/5 mit Verlängerung der
Spondylodese
auf L4/5 mit
Expedium
und Einsetzen eines TPAL-Cage erfolgte. Der intra- und postoperative Verlauf gestaltete sich komplikationslos und
es
liess sich radio
lo
gisch der Nachweis
einer
regelrechten
Implantatlage
erbringen. Am fünften Tag
nach Eintritt
wurde
der Klinikaufenthalt beendet und
die Beschwerdeführerin
in die hausärztliche Betreuung überwiesen
(
Bericht
Z._
vom 15. Juli 2019,
Urk.
11/51
/1-6
)
.
3.2.2
Mit Bericht vom 1
4.
Oktober 2019 (
Urk.
11/60/21-22) erklärte der Operateur, es bestehe ein unbefriedigendes Operationsresultat der
Spondylodese
-Verlängerung L4/5, wobei zum jetzigen Zeitpunkt keine Hinweise für eine klare
radikuläre
Symptomatik vorlägen. Der von der Beschwerdeführerin geklagte starke Schmerz im linken Knie sei seiner Ansicht nach ein lokaler und nicht
radi
kulärer
Sc
hmerz. Es bestünden weder
Kloni
noch gesteigerte Reflexe oder ein
Babinski
und das neu durchgeführte Röntgen zeige weiterhin einen ausgezeichneten und unveränder
ten Sitz (des Implantates). Aus neurochirurgischer Sicht könne der Beschwerde
führerin daher aktuell wenig angeboten werden.
3.2.3
Nach Verlaufskonsultation vom
4.
Februar 2020
hielten
die Ärzte des
Z._
, Rheu
matologie
,
tags darauf
fest
(
Urk.
11/74)
, die Beschwerdeführerin habe über unveränderte Schmerzen berichtet, die linksseitig lumbal mit teilweiser Aus
strah
lung über das laterale Becken und das ventrale Bein bis zum Fussrücken aus
strahlten. Zusätzlich persistierten die linksseitigen Knieschmerzen. Insgesamt be
stünden mittlerweile Schmerzen am ganzen Körper, welche erst nach den durch
geführten Operationen aufgetreten seien und noch nicht seit Jahren bestünden. Mithin liege aktuell eine komplexe Situation vor, weshalb unter anderem eine stationäre multimodale Schmerztherapie
als weiteres Procedere
in Frage komme.
3.2.4
In der Folge hielt sich die Beschwerdeführerin vom 1
1.
bis zum 2
0.
März 2020 für eine multimodale Schmerztherapie stationär in der Uniklinik
A._
auf (Bericht vom
5.
März [recte wohl April] 2020
,
Urk.
11/76
). Deren Ärzte nannten folgende Austrittsdiagnosen:
-
1.
Chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom links
-
2.
Chronisches Schmerzsyndrom mit somatischen und psychischen
Faktoren
-
3.
Chronische
Gonalgie
links
-
4.
Gemischte Inkontinenz, DD Neurogene Blasenentleerungsstörung
-
5.
Diabetes mellitus Typ 2
-
6.
Hypertensive
Herzerkrankung
-
7.
Anamnestisch vaginaler Infekt
-
8.
Psoriasis
vulgaris
-
9.
Diskrete humorale Entzündungsaktivität
-
1
0.
Vitamin D3-Mangel
-
1
1.
Adipositas Grad II
-
1
2.
Hypercholesterinämie
-
1
3.
Amenorrhoe
Unter «jetziges Leiden» notierten die Ärzte, die Schmerzen seien seit 8 Jahren dauerhaft vorhanden ohne Besserung. Seit der zweiten Operation im Juni 2019 (
Spondylodeseverlängerung
)
seien sie stärker
. Hinsichtlich der Diagnose 1 zeig
t
e
n
sich ein unspezifisches
sensomotorisches Defizit im lin
ken Bein, ein Stabilitäts
defizit, Haltungsdefiz
it und ubiquitär ausgeprägte
Myo
gelosen
. In der neuen Bild
gebung nach Dekompression
hätten sich
keine H
inweis
e
für eine Kompression der Nervenwurzeln, eine
Spondylodeselockerung
oder für eine entzündliche Ak
tivität
finden lassen
.
Aufgrund der motorischen Schwäche des gesamten linken Beines sei zusätzlich eine neurophysiologische Untersuchung veranlasst worden, wo sich indessen sowohl klinisc
h als auch elektrophysiologisch
ebenfalls keine
Radikulopathie
habe nachweisen lassen.
Zusammenfassend sei damit weiterhin von einem
chronifizierten
lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom auszugehen, wobei zusätzlich sicherlich eine psychosoziale Komponente vorliege.
Trotz leicht erhöhter Entzündungswerte (DD: Adipositas, DD: HWI) hätten sich keine
Anhalts
punkte
auf eine rheumatisch entzündliche Grunderkrankung ergeben. Thera
peu
tisch habe sich die mul
t
imodale Schmerztherapie mit ausgeprägter Sprach
barriere und teilweise
unkooperativer
Patientin schwierig gestaltet. Wegen der Inkonti
nenz hätten keine Wassertherapien durchgeführt werden können. Zusammenfas
send habe die Beschwerdeführerin leider nur wenig von den Thera
pien profitiert
(
Urk.
11/76/9).
Was die linksseitigen Knieschmerzen anbelange, so habe mangels Rötung oder Überwärmung kein Anhalt für ein infektiöses Geschehen bestanden.
Sono
gra
phisch
habe
kein punktionswürdiger Erguss
festgestellt
, jedoch
hätten
beginnend degenerative Veränderung erhoben werden können. Insgesamt seien die Schmer
zen als mechanisch bedingt im Rahmen von degenerativen Beschwerden sowie eines Muskeldefizites des M.
quadrizeps
zu sehen.
Hinweise für eine entzündliche Genese im Rahmen einer
Psoriasisarthritis
hätten sich nicht finden lassen (
Urk.
11/76/9).
Sodann liege ein sehr schlecht eingestell
ter Diabetes mellitus Typ 2 vor (
Urk.
11/76/10).
3.2.5
Zur Aktenlage Stellung nehmend hielt RAD-A
rzt
Dr.
med. B._
, Facharzt für Chirurgie, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, am 2
5.
Januar 2021 dafür (
Urk.
11/87/9-10), d
ie Instabilität mit
Anterolisthe
se
L4/5 sei im Juli 2019 erfolgreich behandelt worden. Weder hätten sich
in der Folge
Hinweise auf eine Neurokompression, Lockerung der
Spondylodese
oder entzündliche Aktivitäten noch auf ein neurologisches Defizit ergeben. Die behauptete Schwäche des linken Beines habe
sich mittels Gang
- und Standprüfung nicht objektivieren lassen. Die neurophysiologischen Befunde seien unauffällig, eine entzündlich-rheumatische Erkrankung habe sich nicht finden lassen.
Die
Drang- und Belastungsinkontinenz wirke sich ferner nach urologischer Beurteilung nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus.
Was das linke Knie betreffe, so könnten die Befunde Beschwerden bei höhere
r
Geh- und Stehbelastung erklären und wirkten sich daher qualitativ auf die Ar
beitsfähigkeit aus. Zusammenfassend sei festzustellen, dass unverändert die Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren im Vordergrund stehe. Deutliche Diskrepanzen zwischen behaupteten Beschwerden und objekti
vierbaren Befunden würden die Diagnostik weiterhin erschweren. Durch die Ope
ration im Sommer 2019 könne eher eine Verbesserung der lumbalen Beschwerden angenommen werden; für die Beurteilung des Schmerzsyndroms sei weiterhin auf die Beurtei
lung durch die Gutachter des Y._
abzustellen. Wegen der Kniebe
schwerden seien überwiegend gehende und stehende Tätigkeiten zu vermeiden, weshalb die angestammte Tätigkeit ungeeignet sei. In einer ange
passten wechsel
belastenden
, überwiegend sitzenden
Beschäftigung bestehe spätestens seit Aus
tritt aus der Uniklinik
A._
im März 2020
eine Arbeits
fähigkeit, wobei unter
Berücksichtigung eines erhöhten Pausenbedarfs
für Regeneration und P
ositions
wechsel
ein Pensum von 80
%
zumutbar sei.
Hieran hielt er auch im Rahmen des
Einwandverfahrens
fest (Urk. 11/101/3).
4.
4.1
4.1.1
Einem ärztlichen Bericht kommt Beweiswert zu, wenn er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Be
schwerden berücksichtigt und in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgege
ben worden ist, wenn die Beschreibung der medizinischen Situation und Zusam
men
hänge einleuchtet und die Schlussfolgerungen des Arztes begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a). Der Arzt muss über die notwendigen fachlichen Qualifi
kationen verfügen (Urteil des Bundesgerichts 9C_8/2011 vom 21. Februar 2011 E. 4.1.2 mit Hinweisen). Diesen Anforderungen genügende Berichte Regionaler Ärztlicher Dienste können einen vergleichbaren Beweiswert haben wie ein Gut
achten (BGE 137 V 210 E. 1.2.1).
4.
1.
2
Auch reine Aktengutachten können beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Be
fund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärzt
li
che Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteile des Bundesgerichts 8C_119/2012 vom 30. März 2012 E. 4 und 9C_1063/2009 vom 22. Januar 2010 E. 4.2.1, in: SVR 2010 IV Nr. 46 S. 143). Dies gilt grund
sätzlich auch in Bezug auf Berichte und Stellungnahmen Regionaler Ärztlicher Dienste (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_524/2017 vom 21. März 2018 E. 5.1 mit Hinweisen).
4.
1.
3
Führen die im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes
nach Art.
43
Abs.
1 und
Art.
61
lit
. c ATSG
von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen den Versi
cherungsträger oder das Gericht bei umfassender, sorgfältiger, objektiver und in
haltsbezogener Beweiswürdigung (BGE 132 V 393 E. 4.1) zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so liegt im Verzicht auf die Abnahme weiterer Beweise keine Ver
letzung des Untersuchungsgrundsatzes (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3). Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an Vollständigkeit und/oder Rich
tigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermit
teln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesent
liche
Erkenntnisse zu erwarten sind (
zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 8C_701/2018 vom 28. Februar 2019 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht dabei auch nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf die (versicherungsinterne) Beurteilung des RAD zu entscheiden. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdi
gung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Fest
stellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (BGE 135 V 465 E. 4.4; 122 V 157 E. 1d; Urteil des Bundesgerichts 9C_28/2015 vom 8. Juni 2015 E. 3.3; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 9C_661/2019 vom 26. Mai 2020 E. 4).
4.2
4.2.1
Nach im Rahmen der Erstanmeldung
der Beschwerdeführerin erfolgter
poly
dis
ziplinäre
r
Begutachtung im Januar 2018 unterzog sich die Versicherte im Juni 2019 einer weiteren Rückenoperation, ohne dass dies zu einer Reduktion der von ihr geklagten starken Schmerzen zu führen vermochte. Eine
radikuläre
Sympto
matik liess sich
indessen
nicht
mehr
erheben und aus neurochirurgischer Sicht keine weitere Therapieoption formulieren (E. 3.2.2). Auch die nach
umfassenden
Abklärungen stationär durchgeführte multimodale Schmerztherapie blieb ohne wesentlichen Erfolg. Vielmehr bestätigte sich, dass
eine
Radikulopathie
nicht vor
liege
. Die
geklagte Schwäche im linken Bein
liess sich
ferner
nicht objektivieren (
Urk.
11/99/3)
.
E
benso wenig waren Hinweise auf eine rheumatische entzündliche Grunderkrankung zu erheben. Zusammenfassend gingen die Fachpersonen daher davon aus, dass weiterhin von einem
chronifizierten
lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom auszugehen sei, wobei sicherlich eine psychosoziale Kompo
nente vorhanden sei.
H
insichtlich geklagter linksseitiger
Kniebeschwerden schlossen sie auf einen mechanisch bedingten Knieschmerz im Rahmen
degene
rativer
Beschwerde
n
sowie eines Muskeldefizits (E
.
3.2.4).
Was die erstmals im Neuanmeldungsverfahren geklagte
Inkontinenz
anbelangt (vgl.
Urk.
11/6/9), so kommt dieser
aus urologischer Sicht
keine
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
zu
(Bericht des
Z._
, Klinik für U
r
ologie vom 2
1.
September 2020,
Urk.
11/71/2).
Eine psychiatrisch-psychother
apeutische Behandlung findet auss
erdem nicht statt (
Urk.
11/76).
Nachdem die Beschwerdeführerin umfassend untersucht und die von ihr geklagten Beschwerden
zudem
bildgebend abgeklärt worden waren (vgl. etwa
Urk.
11/76),
erlaubt
e
die
ärztliche
B
erichterstattung
dem über ortho
pä
dische Fachkenntnisse verfügenden RAD-Arzt
Dr.
B._
ohne weiteres
eine Ak
tenbeurteilung. Seine Einschätzung, wonach unter Berücksichtigung der ein
ge
schränkten Belastbarkeit des linken Kniegelenks überwiegend gehende und ste
hende Tätigkeiten ungeeignet sind, in einer angepassten wechselbelastenden,
überwiegend sitzenden Beschäftigung ab März 2020 unter
Berücksichtigung
ei
nes höheren Pausenbedarfs eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
besteht, ist mit Blick auf die medizinischen Unterlagen schlüssig und
überzeugt
.
4.2
.2
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin vermag hieran der Bericht ihres Hausarztes
Dr.
med. C._
, Allgemeine Innere Medizin, vom 2. No
vember 2021 (
Urk.
3/4) nichts zu ändern, legt das Gericht
zum einen
seiner Be
urteilung doch die bis zum Verfügungserlass vorhandenen Berichte zugrunde.
Zum anderen erschliesst sich aus dem
nach Verfügungserlass erstatteten
Bericht nicht, weshalb der Hausarzt, nachdem er
noch im Juni 2021 eine Teilarbeits
fä
higkeit für nicht belastende Tätigkeiten für
gegeben
erachtete
(
Urk.
3/3)
,
nun
mehr bei - soweit ersichtlich - unverändertem Gesundheitszustand eine Beschäftigung auch in leichten, körperlich nicht belastenden Tätigkeiten nicht mehr
für
zumut
bar
hält
.
Demzufolge vermag seine Einschätzung die gestützt auf die umfassende Aktenlage abgegebene
nachvollziehbare Beurteilung von Dr.
B._
nicht
in Zweifel zu ziehen
.
4
.3
Zusammenfassend ist daher darauf abzustellen, dass der Beschwerdeführerin eine Tätigkeit unter Berücksichtigung des von
Dr.
B._
formulierten Anforderungs
profils zu 80
%
zumutbar ist, während in bisheriger Tätigkeit als Reinigungs
an
gestellte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit besteht (E. 3.2.5
).
5
.
5
.1
Es bleibt zu klären, wie sich die auf eine angepasste Tätigkeit eingeschränkte Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
5
.2
5
.2.1
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditätsbe
messung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig ein
zustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Ent
scheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pen
sum sie hy
pothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonde
ren (vgl. Art. 27 IVV) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen
Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungs
aufgaben gegen
über Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Aus
bildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungs
verfügung ent
wickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungs
recht übliche Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Be
urteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2021 vom 11.
Mai
2021 E. 3.2 mit Hinweisen)
.
5
.2.2
Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen (Validen- und Invalideneinkommen) ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der In
validitätsgrad bestimmen lässt.
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Ta
bellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
ent
spricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berück
sichti
gung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentver
gleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundesge
richts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
5
.3
5
.3.1
Ob, wie die Beschwerdeführerin vorbringt, die Beschwerdegegnerin zu Unrecht die gemischte Methode zur Anwendung gebracht hat (
Urk.
2), braucht nicht ab
schliessen
d geklärt zu werden, resultiert
auch im Rahmen des Einkommens
ver
gleichs kein rentenbegründender Invaliditätsgrad. Ihren eigenen Angaben zu
folge ist die Beschwerdeführerin weder des Lesens noch des Schreibens mächtig und war in der Schweiz
in
Kleinstpensen
(vgl. IK-Auszug,
Urk.
11/86)
als un
gelernte Hilfskraft in der Reinigung tätig (
Urk.
11/53/5, 85/3)
.
Damit
ist
sowohl für das Validen- als auch das Invalideneinkommen der Lohn für
im Kompetenz
niv
eau 1 beschäftigte Frauen, im Total aller Wirtschaftszweige der LSE
2018
heranzuzie
hen
(vgl. auch LSE 2018 Tabelle T17, wonach in der Reinigung tätige Frauen im
Alter zwischen 30 und 49 Jahren
Fr. 4'103.-- erzielten, während der entspre
chende Wert für alle Hilfsarbeitskräfte bei
Fr.
4'387.-- lag).
5
.3.2
Gemäss Beurteilung des RAD sind für die Beschwerdeführerin Tätigkeiten mit Heben oder Tragen von Lasten von mehr als 5 kg, mit Heben aus der Hocke, Verharren in Zwangshaltungen, repetitive
n
Rumpfdrehungen und -beugungen sowie HWS-Rotationen, kniende, gebückte, vornüber geneigte Tätigkeiten sowie überwiegende Überkopfarbeiten oder Armvorhalte nicht geeignet. Ebenso sollte
n
das Ersteigen von Leitern und Gerüsten, häufiges Treppensteigen, das Gehen auf unebenem Untergrund sowie überwiegende Geh- und Stehbelastungen vermieden werden. Leichte, einfache, klar strukturierte, überwiegend sitzende Tätigkeiten in Wechselbelastung mit der Möglichkeit zum Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen sind ihr demgegenüber vollumfänglich möglich (
Urk.
11/87/9)
.
Dieses von
Dr.
B._
formulierte Anforderungsprofil ist entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht derart einschränkend, dass der ausgeglichene Ar
beitsmarkt eine solchermassen zumutbare Tätigkeit praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeit
gebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher zum vorn
herein als ausgeschlossen erscheint (Urte
il des Bundesgerichts 9C_644/
20
19 vom 2
0.
Januar 2020, E. 4.2).
Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch so
ge
nannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen Be
hinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rech
nen können. Für die Invaliditätsbemessung ist nicht massgebend, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage nach Arbeitsplätzen bestünde (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_645/2017 vom 23. Januar 2018 E. 4.3.2 mit Hinweis; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invaliden
versicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
132 zu Art. 28a).
Davon i
st wie dar
gelegt auszugehen,
sind der Beschwerdeführerin doch unter Berücksichtigung ihrer ge
sund
heitlichen Einschränkungen insbesondere Überwachungs-, Prüf- und Kon
trollar
beiten sowie die Bedienung und Überwachung von (halb-)auto
matischen Maschi
nen oder Produktionsarbeiten zumutbar.
Eine
Unverwertbarkeit
der
Rest
arbeits
fähigkeit
, wie sie die Beschwerdeführerin behauptet,
ist
mithin nicht
gege
ben
.
5
.3.3
Da
von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätig
kei
ten auszugehen
ist, müssten als ausserordentlich zu bezeichnende Umstände auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt vorliegen, welche einen Abzug vom Tabellen
lohn zu rechtfertigen vermöchten (vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts
8C_725/2020 vom 22. Dezember 2020 E. 4.4.1 und 4.4.2 mit Hinweis). Solche sind, anders als die Beschwerdeführerin ohne weitere Begründung vorträgt, nicht ersichtlich.
So gewährt etwa die
Rechtsprechung insbesondere dann einen Abzug vom Inva
lidene
inkommen, wenn eine versicherte
Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer
Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist, was vorliegend
indessen
nicht zutrifft. Zu beachten ist sodann, dass a
llfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähig
keit enthaltene gesundheitliche
Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedi
ngten Abzugs einfliessen und so
zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts füh
ren
dürfen
(BGE 146 V 16
E. 4.1 f. mit
Hinwe
isen; Urteil 8C_256/2021 vom 9.
März 2022 E. 6.3, zur Publikation vorgesehen).
Dr.
B._
hat einen Abzug von 20
%
infolge
erhöhten Pausenbedarf
s
, welcher für Regeneration und Positions
wechsel nötig sei, berücksichtigt (E. 3.2.5), weshalb sich hierfür ein weiterer Ab
zug verbietet.
Wenn
auss
erdem
– wie vorliegend – von einer Tätigkeit im Kom
petenzniveau 1 ausgegangen wird, rechtfertigen die fehlende berufliche Aus
bil
dung und die gegebenen
Sprachkenntnisse ebenfalls keinen Tabellenl
ohn
abzug (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_151/2020 vom 15. Juli 2020 E. 6.3.4 mit Hin
weis). Im Übrigen werden Hilfsarbeiten auf dem massgebenden ausgeglichenen Stellenmarkt alters
unabhängig nachgefragt (BGE 146
V
16 E. 7.2.1 mit Hinwei
sen)
.
5.3.4
Die Gegenüberstellung von Validen- (=100) und Invalideneinkommen (=80) führt zu einem
rentenausschliessenden
(
Art.
28
Abs.
1 IVG)
Invaliditätsgrad von 20
%
.
6
.
6
.1
Arbeitsunfähige (Art. 6 ATSG) Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, ha
ben gemäss Art. 18 Abs. 1 IVG Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes (
lit
. a) und auf begleitende Beratung im Hinblick auf die Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (
lit
. b). Die IV-Stelle ver
anlasst diese Massnahmen unverzüglich, sobald eine summarische Prüfung ergibt, dass die Voraussetzungen dafür erfüllt sind (Abs. 2).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
bedarf der Anspruch auf Arbeits
ver
mittlung weder der Invalidität noch eines Mindestinvaliditätsgrades. Zur Begrün
dung des Anspruchs ist jedoch eine spezifische Einschränkung gesund
heitlicher Art notwendig, wenn die Arbeitsfähigkeit einzig insoweit betroffen ist, als der versicherten Person nur leichte Tätigkeiten voll zumutbar sind. Die leistungsspe
zifische Invalidität des Anspruchs liegt vor, wenn die Behinderung Probleme bei
der Stellensuche verursacht. Dies trifft beispielsweise zu, wenn wegen Stummheit oder mangelnder Mobilität kein Bewerbungsgespräch möglich ist oder dem po
tenziellen Arbeitgeber die besonderen Möglichkeiten und Grenzen der versicher
ten Person erläutert werden müssen (zum Beispiel welche Tätigkeiten trotz Seh
behinderung erledigt werden können), damit sie überhaupt eine Chance hat, den gewünschten Arbeitsplatz zu erhalten (Urteile des Bundesgerichts 9C_239/2020 vom 6. August 2020 E. 3.2.3 und 8C_641/2015 vom 12. Januar 2016 E. 2, je mit Hinweisen; vgl. auch Kreisschreiben über die Eingliederungs
massnahmen beruf
licher Art [KSBE], Stand 1. Januar 2020,
Rz
5005).
6
.2
Die Beschwerdegegnerin hat einen allfälligen Anspruch der Beschwerdeführerin auf Arbeitsvermittlung nicht geprüft (vgl.
Urk.
11/101/1) und mittels angefoch
tener Verfügung bloss über den Anspruch auf Rentenleistungen ent
schieden (vgl.
Urk.
2 im Titel S. 1: «kein Anspruch au
f eine Invalidenrente», S. 3: «
Aus diesen Gründen wird am Entscheid festgehalten. Es besteht kein Anspruch auf Renten
leistungen»).
Auf
den
Eventualantrag
der Beschwerdeführerin, die Streitsache sei an die Beschwerdegegnerin zur Prüfung beruflicher Massnahmen im Sinne der Stellenvermittlung zurückzuweisen,
ist demgemäss mangels An
fechtungsobjekt
s
nicht einzutreten. Immerhin ist auf den Umstand hinzuweisen, wonach sie im Rahmen der Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haus
halt angegeben hat, sich seit 2016 nicht mehr arbeitsfähig zu fühlen und sich deshalb auch nicht um eine Anstellung bemüht zu haben (
Urk.
11/85/3)
. Ob eine überzeugende Bereitschaft der Beschwerdeführerin zur Teilnahme an beruflichen Eingliederungsvorkehren besteht, ist mit Blick hierauf zumindest fraglich, braucht vorliegend indessen nicht abschliessend geklärt zu werden.
7
.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde, soweit auf sie einzu
treten ist.
8
.
8
.1
Die Beschwerdeführerin beantragte die Gewährung der unentgeltlichen Rechts
pflege unter Bestellung von Rechtsanwalt Bernhard
Zollinger
als unentgeltlicher Rechtsvertreter (Urk. 1 S. 3).
Nach Gesetz und Prax
is sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Ver
beistän
dung
not
wendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin ist ausgewiesen (Urk. 8 und 9/1-10); da auch die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind, ist der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und die unentgeltliche Rechts
ver
tretung in der Person von Rechtsanwalt Bernhard
Zollinger
zu gewähren.
8
.2
Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 700.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu neh
men.
8
.3
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) be
misst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Ob
siegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Mit Verfügung vom 22. Dezember 2021 (
Urk.
12) wurde Rechtsanwalt Bernhard
Zollinger
auf die Möglichkeit der Einreichung einer Honorarnote vor Fällung des Endentscheids hingewiesen sowie darauf, dass im Unterlassungsfall das Gericht die Ent
schädi
gung nach Ermessen festsetze (Urk. 12). Mangels aufgelegter Honorarnote und in Anwendung der genannten Kriterien sowie des gerichtsüblichen Stunden
ansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist die Entschädigung au
f Fr. 1’7
00.-- (inklusiv Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
8
.4
Die Beschwerdeführerin ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Gerichtskosten sowie der Entschädigung an Rechtsanwalt Bern
hard
Zollinger
verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.