Decision ID: 5318d4b6-022d-5b1e-83fc-4015518554b2
Year: 2006
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- U.S. ist als ... selbständig erwerbstätig. Er wohnt in A. und war per Ende 2002 und
2003 Eigentümer von Grundstücken in A. im Kanton St. Gallen und in B. im Kanton
Thurgau sowie in Spanien.
B.- Für die Jahre 2002 und 2003 reichte er trotz zahlreicher Fristerstreckungen und
Mahnungen unter Androhung von Bussen und Ermessensveranlagung keine
Steuererklärungen ein. Deshalb wurde er ermessensweise am 22. September 2005 für
2002 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 21'200.-- zum Satz von Fr. 22'000.--
und am 14. September 2005 für 2003 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr.
20'900.-- zum Satz von Fr. 21'700.-- und für beide Jahre ohne steuerbares Vermögen
veranlagt.
Gegen diese Ermessensveranlagungen erhob U.S. durch seine Vertreterin mit Eingabe
vom 13. Oktober 2005 Einsprache unter Einreichung von nicht unterzeichneten
Jahresrechnungen per 31. Dezember 2002 und 31. Dezember 2003. Er beantragte,
nach Verrechnung von Verlusten früherer Geschäftsjahre ohne steuerbares Einkommen
veranlagt zu werden. Das kantonale Steueramt wies die Einsprachen mit Entscheiden
vom 26. Oktober 2005 ab. Es erwog dabei, die Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit
seien geschätzt und in den Veranlagungen netto, d.h. nach Verlustverrechnung mit Null
eingesetzt worden. Ein allenfalls ungenügend berücksichtigter Verlustvortrag könne in
einer späteren Steuerperiode nicht mehr nachgeholt werden.
C.- Gegen diese Einsprache-Entscheide erhob U.S. durch seine Vertreterin mit Eingabe
vom 24. November 2005 (persönlich überbracht am 25. November 2005) Rekurs bei
der Verwaltungsrekurskommission mit den Anträgen, die Ermessensveranlagungen
seien aufzuheben und das steuerbare Einkommen gemäss nachgereichten
Deklarationen von Fr. 156'900.-- für 2002 und Fr. 60'200.-- für 2003 sei für beide Jahre
unter Verrechnung der Geschäftsverluste der vorangegangenen sieben Geschäftsjahre
von Amtes wegen auf Fr. 0.-- festzusetzen.
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Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 5. Januar 2006, der Rekurs sei
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Rekurrenten vollumfänglich
abzuweisen. Sie machte zudem geltend, sie hätte auf die Einsprache nicht eintreten
können und sie materiell nicht behandeln müssen. Dazu nahm der Rekurrent mit
Eingabe vom 23. Februar 2006 Stellung.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird, soweit
notwendig, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der am 25. November 2005 persönlich überbrachte
Rekurs ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht
die gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1,
abgekürzt: StG; Art. 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- In verfahrensrechtlicher Hinsicht fragt sich, ob die Vorinstanz zu Recht auf die
gegen die Ermessensveranlagungen für die Jahre 2002 und 2003 erhobene Einsprache
eingetreten ist und sie materiell behandelt hat.
Vorab ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Rekurrenten unbestrittenermassen und
zu Recht für die Steuerperioden 2002 und 2003 nach Ermessen veranlagt hat. Der
Rekurrent ist der Pflicht gemäss Art. 168 Abs. 2 StG, die Steuererklärung
wahrheitsgemäss und vollständig auszufüllen, persönlich zu unterzeichnen und
zusammen mit den vorgeschriebenen Beilagen fristgemäss der zuständigen Behörde
einzureichen, nicht nachgekommen. Für beide Jahre wurde zahlreichen Begehren um
Erstreckung der Frist zur Einreichung der Deklarationen entsprochen. Der Rekurrent
wurde schliesslich von der Veranlagungsbehörde entsprechend Art. 168 Abs. 3 StG
und unter Hinweis auf die Möglichkeit der Veranlagung nach Ermessen im
Unterlassungsfall für die Steuererklärung 2002 am 9. Juni 2004 und für die
Steuererklärung 2003 unter anderem am 3. Juni 2005 aufgefordert, das Versäumte
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innert angemessener Frist nachzuholen. Damit waren die Voraussetzungen für die
Veranlagung der Steuerperioden 2002 und 2003 nach pflichtgemässem Ermessen im
Sinn von Art. 177 StG erfüllt.
Gemäss Art. 180 Abs. 2 StG kann der Steuerpflichtige eine Ermessensveranlagung nur
wegen offensichtlicher Unrichtigkeit anfechten. Die Einsprache ist zu begründen und
muss allfällige Beweismittel nennen. Diese Regelung führt zu einer Umkehr der
Beweisführungspflicht zulasten des Steuerpflichtigen. Jedoch ist auf jede begründete
Einsprache auch gegen eine Ermessensveranlagung einzutreten (vgl. Botschaft, in: ABl
1997 S. 1049). Insbesondere kann ein Nichteintretensentscheid nicht allein mit dem
Fehlen von Beweismitteln begründet werden (vgl. SGE 2001 Nr. 14).
Zusammen mit der Einsprache wurden zwar nicht die vollständigen Steuererklärungen
2002 und 2003 eingereicht. Jedoch lagen ihr die Jahresrechnungen über die
selbständige Erwerbstätigkeit des Rekurrenten in den Geschäftsjahren 2002 und 2003
bei. Zudem wurde der Antrag, der Rekurrent sei für 2002 und 2003 ohne
steuerpflichtiges Einkommen zu veranlagen mit der Verrechnung des Einkommens mit
Verlusten aus früheren Jahren begründet. Unter diesen Umständen ist die Vorinstanz
auf die Einsprache zu Recht eingetreten und hat einen materiellen Entscheid gefällt.