Decision ID: ad22ac75-dfec-4007-a190-8631dff51e11
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit Urteil vom 4. Juni 2010 (
Urk.
8/108
, Prozess IV.2008.00950
) hob das hie
sige Gericht die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 24. Juli 2008 (
Urk.
8/75 und
Urk.
8/79-81) betreffend
Renten
zusprache
an
X._
, geboren 1953, (ganze Rente ab 1. Septem
ber 2004, halbe Rente ab 1. März 2005,
Viertelsrente
ab 1. September 2005) auf und wies die Sache zur ergänzenden medizinischen Abklärung und erneuten Invalidi
t
ätsbemessung an die Verwaltung zurück.
Nach Eingang des Gutachtens der
Medas
Y._
GmbH vom 1. September 2011 (
Urk.
8/144/1-62) sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung
en
vom 20. Juli 2012 (
Urk.
2
,
Urk.
8/177-178
) mit Wirkung
ab 1. September 2004 eine ganze und
ab 1. Juni 2005 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 65
%
eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung zu.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 14. September 2012 Beschwerde und bean
tragte die Ausrichtung einer ganzen Rente
(auch)
ab 1. Juni 2005 (
Urk.
2 S. 2). Die IV-Stelle schloss am 18. Oktober 2012 (
Urk.
7) auf Abweisung der Be
schwerde, was der Versicherten am 19. Oktober 2012 (
Urk.
9) zur Kenntnis ge
bracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die massgebenden Rechtsgrundlagen wurden im Urteil des hiesigen Gerichtes vom 4. Juni 2010 (
Urk.
8/108
E. 1) dargelegt, worauf - mit den nachfolgenden Ergänzungen - verwiesen werden kann.
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung (IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglie
derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor
den wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs gemäss Art. 28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Mass
gabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorge
nommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypotheti
sche Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt. Diese
Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhält
nisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und 40 Prozent (Art. 28
Abs.
2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (so
genannter Prozentvergleich; BGE 114 V 310 E. 3a S. 313; Urteil des Bundesge
richts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis).
2.
2.1
2.1.1
Einig sind sich die Parteien, dass das Gutachten der
Medas
Y._
GmbH vom 1. September 2011 (
Urk.
8/144/1-62) beweiskräftig ist und von einer Restarbeitsfähigkeit von 50
%
bei einer qualitativen Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 10
%
bis 20
%
beziehungsweise von einer verbleibenden Arbeitsfähigkeit von 35
%
auszugehen ist (
Urk.
1 S. 4 f. und
Urk.
2
Verfügungsteil 2
S. 2).
2.1.2
Die
Medas
-Gutachter stellten in ihrer Expertise (
Urk.
8/144/1-62) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 34):
Chronifiziertes
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom mit/bei
-
Status nach
kraniozervikalem
Beschleunigungstrauma vom 1. September 2003 (Auffahrunfall, vgl. S. 26)
-
Status nach ventraler
interkorporeller
Aufrichtespondylodese
C5/6 und C6/7
m
it Bandscheibenimplantaten (Oktober 2003)
-
sich entwickelnde
r
, gegenüber den Jahren 2004 und 2006 zunehmende
r
Osteo
chondrose
des Bewegungssegments C4/5
-
chronischem Spannungstypkopfweh
-
Minderleistungen insbesondere der Aufmerksamkei
t und mit erhöhter Ermüd
barkeit
Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die
Gutachter
(S. 34 f.) eine akzentuierte Persönlichkeit mit vorwiegend hysterischen Anteilen, ein auffälliges Krankheit
s
verhalten (diagnostisch erfassbar als chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
)
, ein
Adie
-Syndrom sowie einen
Nikotinabusus
.
Aus interdisziplinärer Sicht erachteten die
Experten - nach der Heilungsphase ab 1. März 2005 -
sowohl die aktuelle Tätigkeit als Personalleiterin wie auch eine angepasste Verweistätigkeit zu 4 Stunden beziehungsweise 50
%
pro Tag
als zumutbar. Zusätzlich werde die qualitative Einschränkung der Leistungsfä
higkeit auf 10 bis maximal 20
%
geschätzt (S. 43). Zur Begründung verwiesen sie auf festgestellte neuropsychologische Einschränkungen und hielten fest, prinzipiell seien für die Beschwerdeführerin Tätigkeiten mit geringeren Anfor
derungen an die Aufmerksamkeit besser geeignet als solche mit höheren Anfor
derungen. Vor diesem Hintergrund
sei die aktuelle Tätigkeit als Personalverantwortliche nicht besonders gut geeignet. Andererseits könne sie in dieser
Tätigkeit
von ihren beruflichen Vorerfahrungen mit dem entsprechenden Fachwissen profitieren (S. 42).
2.1.3
Aufgrund des den Anforderungen der Rechtsprechung an den Beweiswert einer Expertise entsprechenden
(vgl. hierzu
BGE 125 V 351 E. 3a
)
Gutachtens der
Medas
Y._
GmbH ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin (ab März 2005) in der angestammten Tätigkeit als Personalverantwortliche sowie in anderen geeigneten Tätigkeiten im Umfang von 50
%
arbeitsunfähig ist und dabei in qualitativer
Hinsicht
im Ausmass von 10 bis 20
%
eingeschränkt ist.
2.2
2.2.1
Umstritten ist zwischen den Parteien dagegen der Einkommensvergleich. Die Beschwerdegegnerin
stützte sich zur Berechnung d
es
Valideneinkommens
auf den zu
letz
t
erzielten Jahresverdienst als Personalverantwortl
iche (aufgerechnet per 201
1:
Fr.
113‘067.--) und legte das Invalideneinkommen (im Sinne eines Prozentvergleichs) auf 35
%
dieses Wertes, mithin auf
Fr.
39‘574.-- fest (
Urk.
2 Verfügungsteil 2 S
.
2).
2.2.2
Die Beschwerdeführerin
machte dagegen geltend, die Aufrechnung des zuletzt im Jahr 2003 erzielten Verdienstes von
Fr.
106‘600.-- führe zu einem
Validen
einkommen
im Jahr 2011 von
Fr.
118‘427.-- (
Urk.
1 S. 8).
Aufgrund der Beurteilung der
Medas
-Gutachter sei offensichtlich, dass sie nicht mehr in der Lage sei, mit der verbliebenen, auf 35
%
reduzierten Restarbeitsfähigkeit 35
%
ihres früheren Einkommens zu erzielen. Sie sei im Zeitpunkt des Unfalles Human Resources Manager bei der
Z._
AG
(
Urk.
8/25)
gewesen. Die Zuständigkeit habe neben der Konzern-/Geschäftsleitung und den
„
Operation
Directors
“
die Bereiche
Sales
, Business Development,
Supply
Chain Management,
Finance
and
Human Resources umfasst. Es seien
ihr 250 Mitarbeitende
unterstellt gewesen (
Urk.
1 S. 6).
Den entsprechend hohen Verdienst von
Fr.
106‘600.-- erziele nur, wer viel Ver
antwortung zu tragen habe und mehr als 100
%
Leistung zu erbringen vermöge, da in dieser Position auch das Leisten von Überstunden verlangt werde.
Mit ei
ner Restarbeitsfähigkeit von 35
%
und den gutachterlich beschriebenen Gesundheitsbeeinträchtigungen könne sie nicht mehr als
Bereichsper
s
onalleiterin beziehungsweise HR-Managerin eingesetzt werden. Sie sei nicht mehr in der Lage, den Leistungsanforderungen der früheren Position zu genügen. Ein Teilzeitpensum von 35
%
wäre theoretisch noch in einem Kleinbetrieb mit weniger als zehn
Angestellten
oder als Abteilungsleiterin in einer kleinen Abteilung zu bewältigen.
Leider sei sie wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht einmal mehr in der Lage, die Arbeit als Personalleiterin einer kleinen Abteilung bei der
Unternehmung A._
zur Zufriedenheit der Arbeitgeberin auszu
üben. Obwohl die Arbeitgeberin ihre grosse Erfahrung und das Wissen aus den bisherigen Tätigkeiten, ihre Gewissenhaftigkeit und ihr Verantwortungsbe
wusstsein sehr geschätzt habe, habe sie doch das Arbeitsverhältnis wegen zu vieler Schreib-, Flüchtigkeitsfehler und
Anderem
per 30. November 2011 kündi
gen müssen.
Die anspruchsvolle und komplexe Tätigkeit als Human Resources Manager sei ihr wegen der gutachterlich dargelegten orthopädisch und kognitiv bedingten Gesundheitsbeschwerden auch in einem bescheidenen Rahmen nicht mehr möglich. Damit müsse das Invalideneinkommen gestützt auf die LSE berechnet werden, wobei sich (Sektor 3 Dienstleistungen, Anforderungsni
v
eau 3) ein Lohn von
Fr.
22‘907.40 ergebe (
Urk.
1 S. 7). Damit resultiere ein Invaliditätsgrad von 80,65
%
(
Urk.
1 S. 8).
3.
3.1
Vorwegzuschicken ist, dass der Meinung der Parteien, es liege eine lediglich noch 35%ige Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vor, nicht geteilt werden kann.
Die Gutachter attestierten eine 50%ige Restarbeitsfähigkeit und hielten Folgen
des fest: „Dabei ist davon auszugehen, dass in der verbliebenen Arbeitszeit auch von einer verminderten qualitativen Leistungsfähigkeit auszugehen ist, die al
lerdings nicht sehr stark ausgeprägt sein dürfte. Die qualitative Einschränkung der Leistungsfähigkeit in einem reduzierten Arbeitspensum wird aus neuropsy
chologischer Sicht auf 10
%
bis höchstens 20
%
geschätzt, dies in der An
nahme, dass die kognitive Leistungsfähigkeit in ausgeruhtem Zustand und bei besserer Schmerzsituation auch besser erhalten ist.“
(
Urk.
8/144 S. 42).
Diese Einschätzung kann nur so verstanden werden, dass die Beschwerdeführe
rin im zumutbaren 50
%
-Pensum zu 15
%
(gemittelt)
eingeschränkt ist, und zwar bezogen auf das verminderte Pensum und nicht absolut (bezogen auf ein Vollpensum). Hätten die Ärzte beispielsweise eine 50%ige Einschränkung beim
verbleibenden halben Pensum erwähnt, wäre klarerweise nicht von einer aufge
hobenen, sondern von einer verbleibenden 25%igen Arbeitsfähigkeit auszuge
hen gewesen. Denn die Beschwerdeführerin vermag das Restpensum qualitativ nicht mehr vollumfänglich
zu
bewältigen, sondern nur noch
eingeschränkt
.
Und diese Einschränkung beträgt gemittelt 15
%
.
Damit vermindert sich die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der qualitati
ven Einschränkungen auf 42,5
%
(50
%
x 85
%
) und nicht auf 35
%
.
3.2
3.2.1
Zur Ermittlung des
Valideneinkommens
stellten die Parteien auf den zuletzt bei der
Z._
AG während des Arbeitsverhältnisses vom 1. März 2001 bis 30. Juni 2004 erzielten Verdienst von zuletzt
Fr.
106‘600.-- (
Urk.
8/25
/1-5
Ziff.
12)
ab
. Die Beschwerdeführerin war als Personalverantwortliche beschäftigt und
zuständig
für die Personaldienstleistungen
am
Hauptsitz
der Firma mit 175 Mitarbeitenden. Die Tätigkeit umfasste die Rekrutierung, das Führen von Bewerbungsgesprächen, das Ausstellen von Verträgen, das Organisieren von Lohnrunden, die Beratung der Vorgesetzten und Weiteres (
Urk.
8/25/5).
Im Ar
beitszeugnis vom 30. Juni 2004 (
Urk.
3/1) wurde als Aufgabenbereich Folgendes genannt: Personalgewinnung, Beratung der Linienvorgesetzten und der Mitar
beitenden, Sicherstellen der
Pesonaladministration
sowie personelle und fachli
che Führung der unterstellen Mitarbeitenden (zwei Personen).
Nach den unbestritten gebliebenen Angaben der Arbeitgeberin wurde die Stelle
jedoch
per 30. Juni 2004 wegen Reorganisation aufgehoben, was der Beschwer
deführerin
schon
vor dem Unfallereignis
vom
1. September 2003 (
Urk.
8/24/2/1)
zur Kenntnis gebracht worden
war
(
Urk.
8/25/5
; vgl. auch Kündigungsschreiben vom 1
2.
Februar 2004,
Urk.
8/25/6
).
Damit steht fest, dass die Beschwerdeführerin
–
auch
bei intakter Gesundheit - die besagte Stelle nicht mehr innehätte, weil sie aufgehoben wurde. Zur
Beant
wortung der
Frage, was sie als Gesunde ab 1. Juni 2005 (Rentenherabsetzung) verdienen würde, kann demgemäss nicht auf das Einkommen bei der
Z._
AG abgestellt werden.
3.2.2
Den Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Unfalls eine drei Semester dauernde Zusatzausbildung zur eidgenössisch diplo
mierten Personalleiterin bei der
B._
absolvierte. Diese musste sie nach dem Unfall abbrechen (
Urk.
8/24/59-62 S. 4
,
Urk.
8/93/3-14
S. 10).
Bei der Festsetzung des
Valideneinkommens
ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auch ein beruflicher Aufstieg im Gesundheitsfall zu berück
sichtigen, den eine versicherte Person normalerweise vollzogen hätte; dazu ist allerdings erforderlich, dass konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ein beruflicher Aufstieg und ein entsprechend höheres Einkommen tatsächlich realisiert worden wären. Die Absicht, beruflich weiterzukommen, muss durch konkrete Schritte wie Kursbesuche, Ablegung von Prüfungen etc. kundgetan worden sein. Die theoretisch vorhandenen berufli
chen Entwicklungs- oder Aufstiegsmöglichkeiten sind nur dann zu berücksich
tigen, wenn sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eingetreten wären (BGE 96 V 29; AHI 1998 S. 166 E. 5a, I 287/95; RKUV 1993 Nr. U 168 S. 97 E. 3b, U 110/92; Urteil des Bundesgerichts 9C_787/2010 vom 24. November 2010 E. 4.2 mit Hinweisen).
Angesichts des Umstandes, dass die Beschwerdeführerin bereits 3⁄4 der Ausbil
dung absolviert hatte (
Urk.
8/93/125)
und keine gegenteiligen Anhaltspunkte vorliegen
, ist ohne
weiteres
davon auszugehen, dass sie diese abgeschossen hätte und im massgebenden Zeitpunkt als eidgenössisch diplomierte Leiterin Human Resources tätig gewesen wäre.
3.3
D
amit ergibt sich, dass der Beschwerdeführerin wohl allenfalls ihre bisherige Tätigkeit noch möglich ist, wobei die Gutachter angesichts der neuropsycholo
gischen Einschränkungen auch diesbezüglich Bedenken anmeldeten. Die Be
schwerdeführerin würde bei intakter Gesundheit indes mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine leicht andere Tätigkeit ausüben, nämlich
diejenige
eine
r
eidgenössisch diplomierten Leiterin Human Resources statt einer nicht diplo
mierten. Bei dieser Ausgangslage kann zur Ermittlung des Invaliditätsgrades nicht einfach ein Prozentvergleich vorgenommen werden (E. 1.3), weil dieser die Erwerbsgrundlagen nicht korrekt
abbildet
.
Vielmehr
ist eine Schätzung der Einkommenszahlen anhand der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung
(LSE) geboten
.
3.
4
3.4.1
Die Tätigkeit als eidgenössisch diplomierte Leiterin Human Resources
ist ohne weiteres
als dem Anforderungsniveau 1+2 (Verrichtung höchst anspruchsvoller und schwierigster Arbeiten/Verrichtung selbständiger und qualifizierter Arbei
ten
) entsprechend zu qualifizieren.
Dabei hätte
die Beschwerdeführerin
gemäss LSE 2004
(
S. 53 Tabelle TA1, Total) im Jahr 2004 bei einer 40-Stunden-Woche mit einem Einkommen von
Fr.
6‘241.-- rechnen können, was aufgerechnet auf die durchschnittliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden (Die Volkswirtschaft 9-2013 S. 94 Tabelle B9.2) und angepasst an die Lohnentwicklung bis ins massgebende Jahr 2005 (von Index 116,6 auf 117,9; Nominallohnindex Frauen, 2002-2010,
Bundesamt für Statistik)
Fr.
78‘934.-- ergibt (
Fr.
6‘241.-- : 40 x 41,7 x 1.011 x 12).
3.4.2
Der mit Gesundheitsschaden erzielbare Lohn der Beschwerdeführerin bewegt sich nicht mehr im Niveau 1+2, sondern im Niveau 3 (Berufs- und Fachkennt
nisse vorausgesetzt). Vorweg sind der Beschwerdeführerin jene (besser bezahl
ten) Stellen
vorenthalten
, welche einen eidgenössischen Fachausweis Leiter Human Resources verlangen. Sodann erachteten die
Medas
-Gutachter die Tätig
keit als Personalverantwortliche als nicht besonders gut geeignet, dies unter Hinweis auf die neuropsychologischen Einschränkungen (Aufmerksamkeit und erhöhte Ermüdbarkeit, E. 2.1.2).
Daraus ist zu schliessen, dass die Beschwerde
führerin nicht mehr im selben Umfang, wie es dem Titel einer eidgenössisch diplomierten Leiterin Human Resources entspricht, ihre Leistung erbringen kann. Dies rechtfertigt
das Abstellen auf das
Anforderungsniveau 3, welches Fachkenntnisse voraussetzt, welche die Beschwerdeführerin in ihrer beruflichen Laufbahn erworben hat.
Der entsprechende Monatslohn beläuft sich laut LSE 2004 auf
Fr.
4‘870.-- und aufgerechnet - entsprechend den identischen, unter E. 3.4.1 erwähnten Faktoren - per 2005 auf
Fr.
61‘594.--.
Angesichts der noch 42,5%igen Arbeitsfähigkeit vermindert sich der massgebende Lohn auf
Fr.
26‘177.--.
Für einen Abzug vom Tabellenlohn besteht keine Veranlassung, da sämtlichen einschränkenden Fak
toren mit der Wahl des Anforderungsniveaus 3 und der Berücksicht
ig
ung der qualitativen Leistungseinschränkungen Genüge getan ist.
3.4.3
Der Vergleich des
Valideneinkommens
von
Fr.
78‘934.-- mit dem
Invalidenein
kommen
von
Fr.
26‘177.-- ergibt eine Lohneinbusse von
Fr.
52‘757.-- und ei
nen Invaliditätsgrad von 66,8
%
. Bei diesem Ergebnis hat die Beschwerdeführe
rin - nach der Besserung des Gesundheitsschadens und mit Wirkung ab 1. Juni 2005 -
nurmehr
einen Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversi
cherung
.
3.5
Auch ein Heranziehen allenfalls abweichender statistischer Grundlagen ergibt kein anderes Ergebnis:
Stellt man beispielsweise auf die Tabelle TA11
(Monatlicher Bruttolohn nach Ausbildung, beruflicher Stellung und Geschlecht)
der LSE 2004
ab
,
fasste man die ohne Gesundheitsschaden ausgeübte Tätigkeit und die nunmehr noch mög
liche als der gleichen Stufe (1+2)
zugehörig
und wollte man dem Qualitätsun
terschied (mit beziehungsweise ohne Fachausbildung) mit der Wahl der
Ziff.
3 (Fachschule) und
Ziff.
6 (abgeschlossene Berufsausbildung) Rechnung tragen, so ergibt sich eine Lohndifferenz von 19,6
%
(
Fr.
7‘308.-- gegenüber
Fr.
5‘878.--).
Angesichts der identischen Aufrechnungsfaktoren resultiert bei dieser Betrach
tung und einer Restarbeitsfähigkeit von 42,5
%
ein Invaliditä
t
sgrad von 65,8
%
(100 - 42,5
%
x 80,4
%
).
Schliesslich
ergibt sich auch unter Heranziehung der
Salärempfehlungen
des KV Schweiz ein identisches Bild. Diese
können nach der Rechtsprechung grund
sätzlich nicht zur Ermittlung des Invalideneinkommens herangezogen werden, ausser sie bildeten bereits Grundlage für die Ermittlung des
Valideneinkommens
(Urteil des Bundesgerichts 9C_795/2012 vom
9.
Juli 2013 E. 2.2.2 mit Hinweis)
, was bei der vorliegenden (verifizierenden) Betrachtung der Fall ist
. Geht man für die Ermittlung des
Valideneinkommens
der im Jahr 2005 52-jährigen Be
schwerdeführerin von der Funktionsstufe E aus (unter anderem: Personalfüh
rungsaufgaben mit Verantwortung
über ein
e
ziemlich breite Gruppe sowie Budgetverantwortung), ergibt sich ein mittleres Jahressalär von
Fr.
109‘078.--. Die mit Gesundheitsschaden und ohne abgeschlossene Ausbildung anwendbare Funktionsstufe entspricht der Rubrik D (Personalführungsaufgaben betreffend
eine kleine
Gruppe), wobei ein mittleres Jahressalär von
Fr.
90‘063.-- resultiert. Die Differenz von 17,4
%
ergibt unter Berücksichtigung der Restarbeitsfähigkeit von 42,5
%
einen Invaliditätsgrad von 64,9
%
(100 - 42,5
%
x 82,6
%
).
3.6
Zusammenfassend steht fest, dass de
r
Beschwerdeführerin bei einer Restarbeitsfähigkeit von 42,5
%
eine Einkommenseinbusse zwischen 65
%
und 67
%
erwächst.
Dieser (57,5
%
übersteigende) Wert ergibt sich namentlich dadurch, dass die Beschwerdeführerin bei intakter Gesundheit als eidgenössisch diplomierte Leiterin Human Resources arbeiten würde und nicht als solche ohne Fachausweis. Die Lohndifferenz ist indes nicht derart erheblich, dass ein Invaliditätsgrad von
mindestens 69,5
%
resultiert. Hierfür wäre eine
funktionsbe
dingte
Lohneinbusse von
28,3
%
(
100 -
30
,5
%
:
42,5
%
) nötig.
Solches ist indes weder ausgewiesen noch überwiegend wahrscheinlich.
Beim errechneten Invaliditätsgrad hat die Beschwerdeführerin ab
1.
Juni 2005
nurmehr
Anrecht auf eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung. Die an
gefochtene Verfügung vom 2
0.
Juli 2012 erweist sich demgemäss im Ergebnis als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
4.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
sind ermessensweise auf
Fr.
6
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der
Beschwerdeführerin
aufzuerle
gen.