Decision ID: c07d7573-0140-5f26-9249-a81047cd29e0
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden reichten am 28. Oktober 2015 im damaligen
Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) F._ ein Asylgesuch ein.
Am 3. November 2015 fand die Befragung der Beschwerdeführenden zur
Person (BzP) statt. A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) wurde am
29. März 2018 eingehend zu seinen Asylgründen und am 31. Juli 2018 er-
gänzend angehört. Die Anhörung von B._ (nachfolgend: Beschwer-
deführerin) fand am 31. Juli 2018 statt. Auf die Anhörung der minderjähri-
gen Kinder wurde verzichtet.
Zur Begründung des Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer im We-
sentlichen vor, ethnischer Kurde syrischer Staatsangehörigkeit zu sein (frü-
her: Ajanib [behördlich registrierte, staatenlose Kurden]), aus Qamishli zu
stammen und im Alter von 17 oder 18 Jahren nach Damaskus gezogen zu
sein. Im Jahre 2012 habe er an verschiedenen Demonstrationen teilge-
nommen, weswegen er ins Visier der syrischen Behörden geraten sei. Im
Jahre 2013 seien Angehörige des Geheimdienstes zu Hause erschienen
und hätten ihn mitnehmen wollen. Er habe sich geweigert. Als sich seine
Ehefrau, die zu diesem Zeitpunkt schwanger gewesen sei, ebenfalls gegen
seine Mitnahme gewehrt habe, sei sie geschlagen und gegen eine Wand
gedrückt worden. Aufgrund der dadurch erlittenen Verletzungen habe sie
eine Fehlgeburt erlitten. Er selbst sei ebenfalls angegriffen und sein Kopf
sei mehrmals gegen eine Mauer geschlagen worden. Anschliessend sei er
in einem Bus mit weiteren Personen ins Gefängnis G._ gebracht
worden. Dort sei er körperlich misshandelt und aufgefordert worden, die
Teilnahme an Demonstrationen zuzugeben. Nach zwei Tagen sei er in ein
grosses Gefängnis nach H._ gebracht und auch dort schwer kör-
perlich misshandelt worden. Er sei sodann aufgefordert worden, mit einer
schriftlichen Einwilligung zu erklären, an keiner Demonstration mehr teilzu-
nehmen. Nachdem er dieser Aufforderung nachgekommen sei, habe man
ihn freigelassen. Er sei an eine Autobahn gebracht und dort sich selbst
überlassen worden. Mit einem Taxi habe er sich zu Angehörigen nach
I._ begeben und sei danach während eines Monats im Haus seines
Cousins geblieben. Wegen der anhaltenden Kämpfe zwischen dem syri-
schen Regime und der Freien Syrischen Armee sei er mit der Familie nach
J._ in Damaskus gereist und habe sich dort während acht Monaten
aufgehalten und gearbeitet. Danach seien sie nach K._ zu seinem
Onkel gereist und hätten dort eineinhalb Jahre gewohnt. Eines Tages hät-
ten bewaffnete Behördenvertreter in Zivil das Haus seines Onkels gestürmt
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und nach ihm, dem Beschwerdeführer, gefragt. Daraufhin seien sie nach
Qamishli zu seinem Vater gegangen, der ihn informiert habe, dass Ange-
hörige der Arbeiterpartei Kurdistans (Partiya Karkerên Kurdistanê; PKK)
alle jungen Männer zwangsrekrutieren würden und er sich daher in Gefahr
befinde. Die PKK habe ausserdem mehrmals bei seinem Vater nach ihm
gefragt. Nach einer Woche hätten er und seine Familie mithilfe eines
Schleppers über die Türkei in die Schweiz gelangen können.
Die Beschwerdeführerin, ebenfalls ethnische Kurdin und frühere Ajnabi,
heute syrische Staatsangehörige, brachte vor, aus L._ zu stammen
und nach ihrer Heirat im Jahr 2005 nach Damaskus gezogen zu sein.
Nachdem ihr Ehemann an Demonstrationen teilgenommen habe seien im
Jahr 2012 eines Abends Polizisten zu ihnen nach Hause gekommen und
hätten ihren Ehemann mitnehmen wollen. Sie sei im Zuge der Festnahme
von einem Polizisten an die Wand gestossen worden und auf den Boden
gestürzt, weshalb sie in der Folge eine Fehlgeburt erlitten habe. Ihr Ehe-
mann sei geschlagen und schliesslich mitgenommen worden. Er sei erst
nach einiger Zeit wieder nach Hause zurückgekehrt, nachdem er sich
schriftlich dazu verpflichtet habe, nie mehr an Demonstrationen teilzuneh-
men. Er habe aber weiterhin an Kundgebungen teilgenommen. Nachdem
ein Freund ihres Ehemannes getötet worden sei, habe der Ehemann Angst
bekommen und sie seien nach J._ in Damaskus gezogen, wo sie
etwa ein Jahr und sieben Monate gelebt hätten. Ihr Ehemann habe aber
dort nicht arbeiten können, weil sein Leben in Gefahr gewesen sei. Wegen
der ständigen Kämpfe in J._ seien sie ins Quartier M._ zu
einem Onkel ihres Ehemannes gezogen. Dort sei aber nach ihrem Ehe-
mann gesucht worden, weswegen sie nach Qamishli gereist seien. Ihr
Schwiegervater habe ihnen mitgeteilt, dass die PKK jeden rekrutiere, wes-
wegen ihr Ehemann aus Angst vor einer Rekrutierung bei den Nachbarn
geschlafen habe. Ihr Schwiegervater habe einen Schlepper organisiert, mit
dessen Hilfe sie über die Türkei in die Schweiz gelangt seien.
Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden
ihre syrischen Identitätskarten und ihr Familienbüchlein ein. Der Beschwer-
deführer reichte zudem sein Militärbüchlein zu den Akten.
B.
Am 13. August 2018 wurde das Militärbüchlein einer amtsinternen Doku-
mentenprüfung unterzogen. Am 22. August 2018 wurde den Beschwerde-
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führenden zum Ergebnis der Dokumentenanalyse das rechtliche Gehör ge-
währt. Am 7. September 2018 reichten die Beschwerdeführenden die ent-
sprechende Stellungnahme beim SEM ein.
C.
Mit Verfügung vom 15. Oktober 2018 – eröffnet am 17. Oktober 2018 –
stellte das SEM fest, die Beschwerdeführenden würden die Anforderungen
an die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, lehnte ihre Asylgesuche ab und
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Gleichzeitig stellte es die Un-
zumutbarkeit der Wegweisung fest und ordnete die vorläufige Aufnahme
der Beschwerdeführenden in der Schweiz an.
D.
Gegen diese Verfügung erhoben die Beschwerdeführenden – handelnd
durch den rubrizierten Rechtsvertreter – am 13. November 2018 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragten, die Verfügung
des SEM sei in den Dispositivziffern 1–3 aufzuheben, ihre Flüchtlingsei-
genschaft sei festzustellen und ihnen sei in der Schweiz Asyl zu gewähren.
Eventualiter sei die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung
und zum neuen Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen.
In formeller Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
sowie um Beiordnung ihres Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbei-
stand.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 22. November 2018 hiess die Instruktionsrich-
terin die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter
Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses gut und ordnete den rubri-
zierten Rechtsvertreter den Beschwerdeführenden als amtlichen Rechts-
beistand bei. Zudem wurde den Beschwerdeführenden die Möglichkeit zur
ergänzenden Stellungnahme zum Ergebnis der internen Dokumentenana-
lyse des Militärbüchleins gewährt.
F.
Mit Eingabe vom 5. Dezember 2018 reichten die Beschwerdeführenden
eine entsprechende Stellungnahme zu den Akten.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 7. Dezember 2018 wurde die Vorinstanz zur
Vernehmlassung eingeladen.
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Seite 5
H.
Die Vernehmlassung des SEM vom 14. Januar 2019 wurde den Beschwer-
deführenden am 16. Januar 2019 zur Kenntnisnahme zugestellt.
I.
Mit Eingabe vom 18. März 2019 wurde eine Kopie eines den Beschwerde-
führer betreffenden aktuellen Arztberichts der (...) vom 15. März 2019 zu
den Akten gereicht. Das Original des Arztberichts wurde am 22. März 2019,
zusammen mit einer aktualisierten Kostennote, nachgereicht.
J.
Mit Eingaben vom 8. September 2021 wurden Arztberichte die Beschwer-
deführerin betreffend vom Februar 2012 sowie ein aktueller Bericht über
die Therapie des Beschwerdeführers bei der (...) vom 24. August 2021 so-
wie eine aktualisierte Kostennote eingereicht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
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ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken.
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1 m.w.H.).
4.
4.1 Zur Begründung der abweisenden Verfügung führte das SEM aus, der
Beschwerdeführer habe inhaltlich und chronologisch widersprüchliche An-
gaben zu seinen Aufenthaltsorten in Syrien sowie zu seinem Ausreisezeit-
punkt gemacht. So habe er an der BzP vorgebracht, von Geburt an bis zu
seinem 17. oder 18. Lebensjahr in Qamishli, danach bis zum Jahr 2011 in
Damaskus und zuletzt bis zur Ausreise im Jahre 2015 wieder in Qamishli
gelebt zu haben. An der Anhörung habe er hingegen ausgeführt, im Alter
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von 15 oder 16 Jahren von Qamishli nach Damaskus gezogen zu sein, wo
er während 17 Jahren gelebt habe. Auf die Widersprüche angesprochen
habe er zunächst erwidert, sich nicht erinnern zu können, später habe er
den Dolmetscher kritisiert. Ebenso stimme das Ausreisedatum nicht über-
ein, gemäss BzP sei er vor einem Jahr und zwei Monaten beziehungsweise
im September 2014 ausgereist, gemäss Anhörung aber am 20. September
2015. Auch diesbezüglich habe er auf Vorhalt vorgebracht, sich nicht erin-
nern zu können, was er an der BzP gesagt habe. Seine beiden in der
Schweiz lebenden Brüder (N [...] und N [...]) hätten im Übrigen im Rahmen
ihrer Asylverfahren vorgebracht, er – der Beschwerdeführer – halte sich im
Irak auf, während der Beschwerdeführer darauf angesprochen erwidert
habe, nie im Irak gewesen zu sein. Auch die Beschwerdeführerin habe hin-
sichtlich des Ausreisedatums unterschiedliche Angaben gemacht. Ihre Er-
klärung, sich mit Daten nicht auszukennen, überzeuge nicht, da ihre zeitli-
chen Angaben zu stark voneinander abweichen würden. Die Beschwerde-
führenden hätten offenkundig unglaubhafte Angaben zu ihren Aufenthalten
in Syrien und dem Ausreisezeitpunkt gemacht, was insgesamt an ihrer per-
sönlichen Glaubwürdigkeit zweifeln lasse.
Des Weiteren seien die vorgebrachten Verfolgungsmotive – die Demonst-
rationsteilnahmen des Beschwerdeführers, dessen Inhaftierung und die
dort erlittene Folter – nicht überzeugend dargelegt worden. Trotz mehrma-
liger Aufforderung, seine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse zu schil-
dern, seien seine Ausführungen die Demonstrationen betreffend pauschal
und frei von subjektiv geprägten Wahrnehmungsmerkmalen geblieben. Er
habe die Demonstrationen lediglich vage und oberflächlich geschildert, so
dass nicht auf persönlich Erlebtes geschlossen werden könne. Ebenso we-
nig habe er seine Beweggründe für die Teilnahme an den Demonstrationen
überzeugend darlegen können. In diesem Zusammenhang habe er ausge-
führt, er habe als Ajnabi keine Rechte und sei für diese eingestanden, wo-
bei er angegeben habe, auch im Jahr 2013 noch keine syrische Staatsan-
gehörigkeit gehabt zu haben. Aus der von ihm eingereichten Identitätskarte
habe sich jedoch ergeben, dass er bereits seit dem Jahr 2011 die syrische
Staatsbürgerschaft innegehabt habe. Auf Vorhalt habe er dies nicht auflö-
sen können. Aufgrund der nicht glaubhaft gemachten Demonstrationsteil-
nahmen sei auch an der vorgebrachten Verhaftung zu zweifeln.
Zwar habe er in der freien Schilderung die Festnahmen, die Inhaftierungen,
die Haftorte sowie die angewandten Foltermethoden mehrheitlich detailliert
beschreiben können. Diesbezügliche Nachfragen habe er jedoch nur vage
und unsubstantiiert beantwortet, so dass weder ein Erlebnishintergrund
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noch eine persönliche Betroffenheit ersichtlich sei. Des Weiteren habe er
sich in Bezug auf die Anzahl der geltend gemachten Folterungen wider-
sprochen. ln der Anhörung habe er dargelegt, dass er circa 20 oder 25 Tage
im Gefängnis von H._ gewesen sei und etwa 20 Mal für Folterungen
in den Folterraum gebracht worden sei. Im Rahmen der ergänzenden An-
hörung habe er indessen vorgebracht, in H._ fünf- oder sechsmal
gefoltert worden zu sein.
Die Beschwerdeführerin habe sich nicht konsistent, sondern widersprüch-
lich bezüglich der geltend gemachten Mitnahme ihres Ehemannes geäus-
sert. Dies gelte auch hinsichtlich des Zeitpunktes der Entlassung ihres Ehe-
mannes aus der Haft. Auf Nachfrage habe sie wiederum ausgeführt, sich
mit Daten nicht gut auszukennen; es sei ungefähr vor 2012 gewesen und
es sei nicht im Winter gewesen. Auch die Schilderungen, wie sie die Zeit
nach der Haftentlassung ihres Ehemannes erlebt habe, seien, trotz mehr-
maliger Nachfrage, ohne persönlichen Bezug zum Vorgebrachten geblie-
ben und würden auch so gut wie keine Details enthalten, welche auf eine
subjektiv geprägte Wahrnehmung schliessen würden.
Dass der Beschwerdeführer, wie vorgebracht, bereits einen Monat nach
seiner Haftentlassung wieder an einer Demonstration teilgenommen habe,
widerspreche im Übrigen der allgemeinen Lebenserfahrung. Ebenfalls sei
nicht nachvollziehbar, dass ihm seine syrische Staatsangehörigkeit ge-
mäss seinen Aussagen an der BzP zu einem Zeitpunkt verliehen worden
sei, als er in Haft gewesen sei beziehungsweise sich auf der Flucht befun-
den habe. Weitere Widersprüche hätten sich in Bezug auf die Aufenthalts-
zeitpunkte in Damaskus, im Zusammenhang mit der Haftentlassung des
Beschwerdeführers und der Mitnahme des Beschwerdeführers durch die
Polizei ergeben.
Schliesslich habe die intern durchgeführte Dokumentenanalyse des einge-
reichten Militärbüchleins ergeben, dass die Fingerabdrücke auf den Seiten
6 sowie 8–9 nicht mit denjenigen des Beschwerdeführers übereinstimmen
würden. Zudem würden die Angaben zu seinen Brüdern nicht mit seinen
Aussagen übereinstimmen. Der Beschwerdeführer habe, auf die Unstim-
migkeiten angesprochen, keine schlüssige Begründung anbringen können,
weswegen der Verdacht bestehe, dass er die Schweizer Behörden mit der
Abgabe verfälschter Dokumente habe täuschen wollen. Auch zur vom Be-
schwerdeführer vorgebrachten drohenden Zwangsrekrutierung durch die
«Apo-Leute» (Anhänger von Abdullah Öcalan) beziehungsweise die PKK
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seien keine konkreten Anhaltspunkte erkennbar, dass eine solche tatsäch-
lich gedroht habe. Es sei sodann nicht davon auszugehen, dass ihm im
Falle einer Weigerung des Beitritts asylrelevante Repressionsmassnah-
men gedroht hätten.
4.2 Dem wird auf Beschwerdeebene entgegnet, dass die BzP aufgrund der
angespannten Unterbringungssituation verkürzt stattgefunden habe und
die hochschwangere Beschwerdeführerin aufgrund der strapaziösen
Flucht nach Ankunft in der Schweiz sogleich habe hospitalisiert werden
müssen. An der Bundesanhörung sei der Übersetzer nicht kurdischer Eth-
nie und die Stimmung gehetzt gewesen. In Bezug auf die von der
Vorinstanz angeführten Widersprüche sei festzustellen, dass der Be-
schwerdeführer seine Ausreise korrekt datiert habe. Die Angaben der Be-
schwerdeführerin zu den Aufenthaltsorten in Syrien seien ausserdem mit
denjenigen des Beschwerdeführers vereinbar, wenn man in Betracht ziehe,
dass beim Beschwerdeführer in Bezug auf den Zeitpunkt der Flucht fälsch-
licherweise «Jahr» statt «Monat» protokolliert worden sei. Zwar gebe es
gewisse widersprüchliche Angaben zu Daten und Zeitspannen. Es sei aber
darauf hinzuweisen, dass die schulferne Beschwerdeführerin mehrfach be-
kundet habe, sich nicht erinnern zu können beziehungsweise mit Daten
generell grosse Mühe zu haben. Ausserdem habe die Befragung sehr spät
nach der Flucht und den Ereignissen im Jahre 2012/2013 stattgefunden.
In Bezug auf die Einbürgerung «der Beschwerdeführerin» sei zu entgeg-
nen, dass sie erst später von dieser erfahren habe; ihr Vater habe mittels
eines Anwalts die Einbürgerung veranlasst. Da sie den Ausweis erst später
erhalten habe, habe sie zum fraglichen Zeitpunkt noch keine Kenntnis vom
Ende ihres Status’ als Staatenlose gehabt. Des Weiteren habe die Be-
schwerdeführerin, im Beisein eines Mannes bei der Anhörung, kulturell be-
dingt, nicht über erlittene frauenspezifische Fluchtgründe sprechen kön-
nen. Sie habe jedoch Andeutungen gemacht und ausgeführt, dass ein
Mann, der «wie ein Esel gewesen» sei, sie verletzt habe, sie sich danach
in gynäkologische Behandlung habe begeben müssen und als Folge der
Verletzung ihr Kind verloren habe.
In Bezug auf die vom Beschwerdeführer vorgebrachte Inhaftierung und
Folter sei ausserdem festzuhalten, dass er glaubhaft und detailliert von den
Ereignissen berichtet habe. Er habe Details geschildert, die unerwartet
seien und die nicht aus Schemawissen stammen würden. An der ergän-
zenden Anhörung habe das Ehepaar unter enormem Stress gelitten, da
ihnen ihr Kind weggenommen worden und dieses fremdplatziert worden
sei. Dies erkläre die Einsilbigkeit der Beschwerdeführenden. Der von der
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Vorinstanz angebrachte Widerspruch bezüglich der Anzahl Folterungen sei
darauf zurückzuführen, dass er fünf bis sechsmal in den Folterraum ge-
bracht worden sei, und während 20 bis 30 Tagen im Foltergefängnis ver-
bracht habe, sich also die letztere Angabe nicht auf die Anzahl Folterungen
beziehe. Überdies würden die Ausführungen der Beschwerdeführenden in
Bezug auf die erlittenen Verletzungen übereinstimmen. Auch sei es entge-
gen der vorinstanzlichen Einschätzung plausibel, dass der Beschwerde-
führer selbst nach der erlittenen Haft und Folter erneut an Demonstrationen
teilgenommen habe; jeder Mensch verarbeite erlittene Traumata auf eine
andere Weise. Das in der Haft Erlittene habe sein Engagement nur noch
mehr verstärkt. Schliesslich könne der falsche Informationsstand der Brü-
der des Beschwerdeführers nicht gegen die Beschwerdeführenden ver-
wendet werden, sie seien landesintern und nicht in den Irak geflohen. Es
hätte zudem gewürdigt werden müssen, dass einer der Brüder aufgrund
seines deutlichen politischen Profils sowie wegen Militärdienstverweige-
rung in der Schweiz Asyl erhalten habe. Damit zeige sich, dass die Familie
im Fokus der syrischen Behörden stehe und die Beschwerdeführenden
auch aus Gründen der Reflexverfolgung bei einer Rückkehr in ihren Hei-
matstaat gefährdet wären.
Schliesslich seien die Aussagen an der Erstbefragung nur mit Zurückhal-
tung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit heranzuziehen. Dass das SEM
die von der Beschwerdeführerin erlebte (sexuelle) Folter nicht weiter ge-
würdigt habe, sei besonders gravierend und verstosse gegen Art. 3 und 6
EMRK. Bei Widersprüchen in den Ausführungen der Beschwerdeführen-
den wäre die Vorinstanz gehalten gewesen, nachzufragen und Unklarhei-
ten sogleich zu klären. Insgesamt würden die im Kern glaubhaften Aussa-
gen der Beschwerdeführenden allfällige Unstimmigkeiten überwiegen, so
dass die Glaubhaftigkeit vorliegend zu bejahen sei.
Hinzu komme der subjektive Nachfluchtgrund der illegalen Ausreise.
5.
5.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Gericht zum Schluss, dass es
den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrelevante Verfol-
gung zum Zeitpunkt ihrer Ausreise respektive eine begründete Furcht vor
zukünftiger Verfolgung glaubhaft zu machen.
5.2 Wie von der Vorinstanz festgestellt, sind die Schilderungen des Be-
schwerdeführers soweit sie die Inhaftierung, die Umstände der Haft und
das während der Haft Erlittene betreffen, im Rahmen der ersten Anhörung
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Seite 11
in der freien Rede ausführlich ausgefallen. Das von ihm Ausgeführte, näm-
lich eine Verhaftung und Inhaftierung zum Zwecke der Informationsgewin-
nung im Zusammenhang mit Demonstrationsteilnahmen ist im damaligen
Kontext Syriens grundsätzlich auch nachvollziehbar. Nach Kenntnisstand
des Gerichts wurden während des in Frage stehenden Zeitraumes auch
Teilnehmende an Demonstrationen oder in anderer Art und Weise eine op-
positionelle Haltung einnehmende Personen mit lediglich geringem oppo-
sitionellen Profil inhaftiert. Wie nachfolgend ausgeführt, können die Vor-
bringen der Beschwerdeführenden im Gesamtkontext betrachtet jedoch
nicht für glaubhaft befunden werden.
5.3 Zunächst ist der Vorinstanz dahingehend zuzustimmen, dass der Be-
schwerdeführer bereits sein politisches Engagement in seinem Heimat-
staat durch die Teilnahme an Demonstrationen im Jahre 2012 nicht glaub-
haft machen konnte. Seine Ausführungen zu den Demonstrationsteilnah-
men sind sowohl an der ersten als auch der ergänzenden Anhörung knapp
und unsubstantiiert ausgefallen. Er vermochte beispielsweise den zeitli-
chen Ablauf und die inhaltliche Thematik der Demonstrationen nicht zu
schildern und blieb auch auf Nachfrage hin bei lediglich verallgemeinerten
Aussagen (act. A30/16 F64 ff., act. A38/13 F12 ff.). Seine Darstellung ver-
mittelt nicht den Eindruck, dass er tatsächlich persönlich an den Kundge-
bungen teilgenommen hat. Auch vermochte er nicht nachvollziehbar zu er-
läutern, was seine Motivation für die Demonstrationsteilnahmen war
(act. A38/13 F18 ff.). Seine Erklärung, alle hätten nach ihren Rechten und
nach Freiheit gerufen und alle seien gegen das Regime gewesen, greift
sehr kurz und überzeugt nicht. Sodann hat der Beschwerdeführer ange-
bracht, als Ajnabi und ohne syrische Staatsangehörigkeit für seine Rechte
eingestanden zu sein. Zutreffend hat die Vorinstanz aber darauf verwiesen,
dass der Beschwerdeführer zum besagten Zeitpunkt ausweislich der von
ihm eingereichten Identitätskarte, deren Inhalt er nicht gekannt haben will,
bereits syrischer Staatsangehöriger war. Die Ausführungen auf Beschwer-
deebene zum Erwerb der syrischen Staatsangehörigkeit, die sich nicht auf
den Beschwerdeführer, sondern die Beschwerdeführerin beziehen, sind
nicht behilflich, diesen Widerspruch zu lösen. Ebenso wenig konnte der
Beschwerdeführer auf Nachfrage darlegen, welches für ihn persönlich die
bedeutendste Demonstration gewesen sei (act. A38/13 F8). Es wäre zu
erwarten gewesen, dass er, der vorbringt, vor und auch nach seiner Inhaf-
tierung sehr oft an Demonstrationen teilgenommen zu haben, sich an diese
zu erinnern vermag, diese zeitlich einordnen kann und das Erlebte sub-
stantiiert und lebensnah schildern kann.
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Nach dem Gesagten kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Be-
schwerdeführer unter den von ihm vorgebrachten Umständen in seinem
Heimatstaat politisch in Erscheinung getreten ist. Es liegen auch keine
stichhaltigen Hinweise dafür vor, dass er in den Fokus der syrischen Be-
hörden geraten sein soll; seine Erklärung, die Informanten der Regierung
seien überall gewesen (act. A38/13 F29 f.), überzeugt nicht und ist für ein
konkretes Bedrohungsszenario nicht ausreichend.
5.4 Des Weiteren hat die Vorinstanz zutreffend festgestellt, dass die Aus-
sagen der Beschwerdeführenden zu ihren Aufenthaltsorten und den jewei-
ligen Aufenthaltsdauern in Syrien sowie zum Ausreisezeitpunkt wider-
sprüchlich ausgefallen sind. Diese Ungereimtheiten lassen sich zudem
nicht damit erklären, dass der Beschwerdeführer, wie in der Beschwerde
ausgeführt, von Monaten statt von Jahren gesprochen haben soll (Be-
schwerde S. 5; s. auch act. A4/12 F2.01; act. A30/16 F5 ff., F29; act. A37/18
F44 ff.). Zum anderen sind Diskrepanzen in den Aussagen zum Ausreise-
zeitpunkt festzustellen: Der Beschwerdeführer brachte diesbezüglich zu-
nächst vor, Syrien beziehungsweise Damaskus im September 2014 ver-
lassen zu haben (act. A4/12 F5.01; act. A30/16 F28), später führte er aus,
ungefähr am 20. September 2015 Damaskus und am 25. oder 26. Septem-
ber 2015 Syrien verlassen zu haben (act. A38/13 F60 f.). Auffallend ist ins-
besondere, dass die Brüder des Beschwerdeführers (N [...]; N [...]) im
Rahmen ihres jeweiligen Asylverfahrens anlässlich ihrer Befragungen im
Oktober beziehungsweise Dezember 2014 beide angaben, dass sich ihr
Bruder, der Beschwerdeführer, im Irak aufhalte (N [...] act. A11/14 F3.03;
N [...] act. 13/12 F3.03). Darauf angesprochen, vermochte der Beschwer-
deführer keine Erklärung für die Aussage seiner Brüder anzubringen und
beschränkte sich auf die Feststellung, nie im Irak gewesen zu sein
(act. A38/13 F58 f.). Auch die Ausführungen der Beschwerdeführerin konn-
ten den Widerspruch hinsichtlich des Ausreisezeitpunktes nicht auflösen,
zumal sie an ihrer BzP vorbrachte, die Familie habe Syrien vor ein bis zwei
Monaten (etwa im August/September 2015) verlassen (act. A5/12 F5.01),
an der Anhörung hingegen vorbrachte, sie seien Ende 2012 aus Syrien
ausgereist (act. A37/18 F123 ff.). Ihre Erklärung, sich mit Daten nicht gut
auszukennen, respektive bildungsfern zu sein, überzeugt nicht. Es wäre zu
erwarten gewesen, dass derart einschneidende Ereignisse wie die Flucht
aus dem Heimatland zeitlich eingeordnet werden können, insbesondere
anhand des ungefähren Alters ihrer Kinder. Insgesamt ergeben sich daher
erhebliche Zweifel an den Aufenthaltsorten und dem Zeitpunkt der Ausreise
aus Syrien und es ist – unter Berücksichtigung der Angaben der Brüder
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des Beschwerdeführers – anzunehmen, dass die Beschwerdeführenden
ihren Heimatstaat bereits zu einem früheren Zeitpunkt verlassen haben.
5.5 Auch die Verhaftung des Beschwerdeführers zu Hause, welche mit ei-
ner Gewaltanwendung der damals im zweiten Monat schwangeren Be-
schwerdeführerin einhergegangen sein und zu einer Fehlgeburt geführt ha-
ben soll, vermochten die Beschwerdeführenden zeitlich nicht einzuordnen.
So konnte die Beschwerdeführerin weder das Jahr noch die Jahreszeit die-
ses einschneidenden Vorfalls nennen (act. A37/18 F93 ff.). Der Beschwer-
deführer führte seinerseits an, der Vorfall habe im Jahr 2013 stattgefunden,
vermochte ihn aber ebenfalls zeitlich nicht näher einzugrenzen (act. A30/16
F41 f). Diese Aussage ist wiederum nicht mit den auf Beschwerdeebene
eingereichten ärztlichen Zeugnis zu vereinbaren, welches Bezug nimmt auf
die erlittene Fehlgeburt der Beschwerdeführerin, die sie am 8. Februar
2012 erlitten haben soll. Eine schlüssige Begründung für die Widersprüche
blieben die Beschwerdeführenden wiederum schuldig.
5.6 Es wird, auch angesichts der mit Eingabe vom 8. September 2021
nachgereichten Beweismittel (medizinische Unterlagen aus Syrien, datie-
rend vom 8. Februar 2012 betreffend die erlittene Fehlgeburt der Be-
schwerdeführerin), nicht in Abrede gestellt, dass die Beschwerdeführerin
eine Fehlgeburt erlitten hat. Nach dem Gesagten ist aber nicht davon aus-
zugehen, dass diese in einem Kontext zu einer asylrelevanten Verfolgung
steht. Ebenso kann die auf Beschwerdeebene angebrachte Kritik, die Be-
schwerdeführerin hätte in einem rein weiblichen Team angehört werden
müssen, mit Verweis auf die explizite Aussage der Beschwerdeführerin so-
wohl an der BzP als auch an der Anhörung, es sei ihr egal, ob die Anhörung
in einem reinen Frauenteam oder einem gleichgeschlechtlichen Team statt-
finde (act. A5/12 F9.01; act. A37/18 F65), nicht gehört werden, zumal sie
im vorinstanzlichen Verfahren keine erlittene sexuelle Gewalt geltend
machte oder andeutete. Auch auf Beschwerdeebene wird eine solche nicht
konkretisiert. Die Rüge der Verfahrenspflichtverletzung auf Beschwerde-
ebene erweist sich daher als unbegründet. Der in diesem Zusammenhang
eventualiter gestellte Antrag auf Rückweisung des Verfahrens zur weiteren
Abklärung ist abzuweisen.
5.7 Der Vollständigkeit halber ist hinsichtlich des bei der Vorinstanz einge-
reichten Militärbüchleins des Beschwerdeführers auf die Ausführungen des
SEM und die am 13. August 2018 durchgeführte interne Dokumentenana-
lyse zu verweisen (s. angefochtene Verfügung S. 9). Die bestehenden
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Zweifel an der Echtheit des Militärbüchleins, welche insbesondere auf-
grund völlig anderer Fingerabdrücke als gerechtfertigt erscheinen, konnten
auch auf Beschwerdeebene nicht ausgeräumt werden.
5.8 Es ist sodann auch nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdefüh-
renden einer oppositionell aktiven Familie entstammen und daher ein hö-
heres Gefährdungspotential zu bejahen wäre, oder gar eine Reflexverfol-
gung droht. Sie haben im vorinstanzlichen Verfahren nie geltend gemacht,
aus einer oppositionellen Familie zu stammen. Ein Teil ihrer Familien lebt
eigenen Angaben gemäss noch im Heimatstaat und zwar offenbar unbe-
helligt. Im Zusammenhang mit den in der Schweiz lebenden Brüdern des
Beschwerdeführers wurde erst auf Beschwerdeebene ausgeführt, dass ei-
ner der beiden eine vom Regime gesuchte und registrierte Person mit deut-
lichem politischen Profil sei (Beschwerde S. 9). Tatsächlich wurde
N._ ([...]) aufgrund seiner Beteiligung an regimekritischen De-
monstrationen am 29. Mai 2015 Asyl in der Schweiz gewährt. Dieser Um-
stand alleine führt aber noch nicht zur Annahme einer Reflexverfolgung in
Bezug auf den Beschwerdeführer, zumal auch in den Akten der beiden Brü-
der keinerlei Hinweise dafür zu entnehmen sind, dass die Familie opposi-
tionell aktiv wäre. Zudem wurde in der Beschwerde nicht aufgezeigt, wie
sich eine Reflexverfolgung wegen N._ politischer Aktivitäten beim
Beschwerdeführer geäussert hätte oder im Falle einer Rückkehr äussern
würde. Nach dem Ausgeführten sind keine konkreten Anhaltspunkte für
eine Reflexverfolgung ersichtlich.
5.9 Gemäss Praxis führt weder eine illegale Ausreise aus Syrien noch das
Stellen eines Asylgesuchs im Ausland zur begründeten Furcht, bei einer
Rückkehr in das Heimatland mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt zu werden. Angesichts
der Tatsache, dass die Beschwerdeführenden im Zeitpunkt der Ausreise
keiner Verfolgungssituation ausgesetzt waren und keine politische Expo-
niertheit vorliegt, ist das Vorliegen konkreter Indizien für die Annahme einer
begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung im Sinn der Rechtsprechung
(vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2 sowie BVGE 2011/50 E. 3.1.1) auch in dieser
Hinsicht zu verneinen.
5.10 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass die Beschwerdeführenden
weder zum Zeitpunkt der Ausreise noch heute begründete Furcht vor Ver-
folgung haben. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft ver-
neint und ihre Asylgesuche abgelehnt.
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6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
6.3 Da das SEM in seiner Verfügung vom 15. Oktober 2018 die vorläufige
Aufnahme der Beschwerdeführenden in der Schweiz infolge Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs angeordnet hat, erübrigen sich praxisge-
mäss auch Ausführungen zur Zulässigkeit und Möglichkeit des Vollzugs.
Der Vollständigkeit halber ist hierzu darauf hinzuweisen, dass den auf Be-
schwerdeebene mit Eingaben vom 22. März 2019 und 6. September 2021
geltend gemachten psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers
(posttraumatische Belastungsstörung und rezidivierende depressive Stö-
rung mit gegenwärtiger schwerer Episode mit psychotischen Symptomen)
durch die vom SEM angeordnete vorläufige Aufnahme Rechnung getragen
ist.
7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Verfügung vom
22. November 2018 wurde jedoch ihr Gesuch um unentgeltliche Prozess-
führung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen. Gemäss ZEMIS
(Zentrales Migrationsinformationssystem) ist der Beschwerdeführer zwar
seit Februar 2019 als Hilfskraft bei einem (...) tätig. Für die Beschwerde-
führerin ist keine Erwerbstätigkeit verzeichnet. Es ist aber dennoch nicht
anzunehmen, dass sich die finanzielle Lage der Beschwerdeführenden seit
Gutheissung des Gesuchs um unentgeltliche Prozessführung entscheidre-
levant verändert hat, weshalb keine Verfahrenskosten zu erheben sind.
7.2 Ebenfalls mit Verfügung vom 22. November 2018 wurde der rubrizierte
Rechtsvertreter den Beschwerdeführenden als amtlicher Rechtsbeistand
beigeordnet (vgl. aArt. 110a Abs. 1 und Abs. 3 AsylG). Er ist für seinen Auf-
wand unbesehen des Ausgangs des Verfahrens zu entschädigen, soweit
dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
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dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die am 8. Sep-
tember 2021 eingereichte Kostennote weist einen Stundenaufwand von
14.55, bei einem Stundenansatz von Fr. 300.– sowie Auslagen in der Höhe
von Fr. 116.60, mithin Gesamtkosten von Fr. 4'826.70 (inkl. Mehrwert-
steuer) aus. Der Aufwand scheint in zeitlicher Hinsicht zu hoch. Zudem wird
für die amtliche Verbeiständung bei Rechtsanwälten maximal ein Stunden-
ansatz von Fr. 220.– berücksichtigt, was dem im Asylbeschwerdeverfahren
vor dem Bundesverwaltungsgericht regelmässig auftretenden Rechtsver-
treter auch bekannt ist. Ausgehend vom genannten Stundenansatz ist dem
amtlich beigeordneten Rechtsvertreter zu Lasten des Gerichts demnach
ein amtliches Honorar von Fr. 2’000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer)
auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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