Decision ID: 516391f9-7fa6-5013-85bc-d632ed74aeb1
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger und
Paschtune aus der Provinz B._ – verliess seinen Heimatstaat eige-
nen Angaben zufolge am 27. November 2018 und gelangte am 16. August
2020 in die Schweiz, wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. Am
31. August 2020 fand im Bundesasylzentrum (BAZ) C._ eine Per-
sonalienaufnahme (PA) statt. Am 20. November 2020 wurde er gemäss
Art. 29 AsylG (SR 142.31) zu seinen Asylgründen angehört.
Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch im Wesentlichen da-
mit, er habe nach seinem Medizinstudium Ende 2017 in seinem Heimatdorf
D._ eine eigene (...) geführt. Da er in den drei umliegenden Distrik-
ten der einzige (...) gewesen sei, sei er von den Taliban zur Zusammenar-
beit gebeten worden. Er habe dies abgelehnt, da er kein (...) sei, (...), habe
den Taliban jedoch angeboten, ihn bei Bedarf anzurufen. Seine Absage
habe die Taliban sehr wütend gemacht. Am 14. Oktober 2018 sei einer sei-
ner (...) – der Dorfbewohner E._, ein früherer Taliban-Kommandant
– wegen eines wiederholten (...) von Angehörigen in seine (...) gebracht
worden. Er (der Beschwerdeführer) habe aufgrund des (...) von E._
entschieden, dass er in ein (...) gebracht werde. Während der Sohn von
E._ ein Auto für den Transport habe organisieren wollen, habe
E._ einen Atemstillstand erlitten und sei trotz Wiederbelebungs-
massnahmen in der (...) gestorben. Der Sohn habe ihn (den Beschwerde-
führer) daraufhin mit einer Pistole geschlagen und ihn erschiessen wollen,
wobei sich trotz Abdrücken kein Schuss gelöst habe. Er (der Beschwerde-
führer) habe ihm die Pistole entreissen können und sei damit zum Dorfäl-
testen F._ gerannt. Er habe ihm über den Vorfall berichtet und ihn
gebeten, seine Familie zu schützen. F._ habe jedoch nichts aus-
richten können. Stattdessen hätten die Angehörigen von E._ sein
Elternhaus (des Beschwerdeführers) anzünden wollen und seine (...) total
zerstört. Er sei von mehreren Angehörigen von E._ bedroht worden.
In der Folge hätten seine Eltern zusammen mit F._ entschieden,
dass er ausreisen müsse. Nachdem er nach Pakistan ausgereist sei, hät-
ten die Taliban seine Eltern unter Druck gesetzt, ihn auszuhändigen. Er sei
deshalb kurz nach Afghanistan zurückgekehrt, sei jedoch am nächsten Tag
wieder ausgereist.
Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen.
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Der Beschwerdeführer reichte zur Untermauerung seiner Angaben Kopien
seiner Tazkera, seines Reisepasses, seines Schuldiploms und seines Uni-
versitätsabschlusses sowie eine Bestätigung seiner ausbildungsbedingten
Praktika in Kabul als Beweismittel ein.
In einem Konsultationsbericht von G._, Fachärztin im H._,
vom (...) 2020 wurde dem Beschwerdeführer eine posttraumatische Belas-
tungsstörung mit mittelgradiger Episode einer reaktiven Depression diag-
nostiziert.
B.
Das SEM händigte der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers am
27. November 2020 den Entscheidentwurf aus mit der Gelegenheit, dazu
Stellung zu nehmen, und gewährte gleichzeitig Einsicht in die verfahrens-
wesentlichen Akten. Die Rechtsvertretung reichte am 27. November 2020
eine entsprechende Stellungnahme ein, worin ausgeführt wurde, der Be-
schwerdeführer habe an der Anhörung vom 20. November 2020 vergessen
zu erwähnen, dass er die Taliban zweimal auf Facebook öffentlich kritisiert
habe. Am (...) 2016 habe er in einem öffentlichen Post die Taliban seiner
Region mit Tieren verglichen, nachdem sie viele Dorfbewohner getötet hät-
ten. Er sei deshalb vom lokalen Taliban-Kommandanten bedroht worden,
worauf er seinen Post gelöscht habe. Dank der Vermittlung der Dorfältes-
ten habe eine Versöhnung mit den Taliban stattgefunden. Nach seiner Aus-
reise, als er sich in der Türkei befunden habe, habe er seinen Post von
2016 am (...) 2019 erneut veröffentlicht. Danach hätten die Taliban seinen
Eltern mit seiner Tötung gedroht. Sein Leben sei sowohl wegen seiner öf-
fentlich kritischen Äusserungen gegenüber den Taliban als auch wegen der
Probleme mit der Familie von E._ in Gefahr.
Gleichzeitig wurden zwei Auszüge aus dem Facebook-Account des Be-
schwerdeführers in Kopie eingereicht.
C.
Mit am gleichen Tag eröffneter Verfügung vom 14. Dezember 2020 stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegwei-
sung aus der Schweiz, schob deren Vollzug aber zufolge Unzulässigkeit
des Wegweisungsvollzugs zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. Es
begründete seine Verfügung im Wesentlichen damit, bei den Vorbringen
des Beschwerdeführers würde es sich nicht um eine Verfolgung nach Art. 3
AsylG handeln.
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D.
Mit Eingabe vom 13. Januar 2021 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung der an-
gefochtenen Verfügung und die Gewährung von Asyl. In verfahrensrechtli-
cher Hinsicht ersuchte er um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses. Gleichzeitig reichte er ein fremdsprachiges Dokument (angeb-
lich eine gerichtliche Vorladung des Taliban-Gerichts) in Kopie als Beweis-
mittel ein.
E.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
14. Januar 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG).
F.
Am 14. Januar 2021 wurde dem Beschwerdeführer der Eingang der Be-
schwerde bestätigt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
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2.
Da der Beschwerdeführer mit Verfügung des SEM in der Schweiz vorläufig
aufgenommen wurde (vgl. Ziffern 4 - 6 der angefochtenen Verfügung) und
diese vorläufige Aufnahme nach wie vor besteht, ist der Wegweisungsvoll-
zug nicht mehr zu prüfen. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sind
lediglich die Flüchtlingseigenschaft, das Asyl und die Wegweisung.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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5.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-
schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl.
Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe können zwar die Flüchtlings-
eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG begründen, führen jedoch nach
Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls. Stattdessen werden Personen,
welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen
können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu BVGE 2009/28
E. 7.1 S. 352, m.w.H.).
6.
6.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid damit, die Vorbringen des
Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-
schaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. So handle es sich bei den geltend
gemachten Problemen des Beschwerdeführers mit der Familie von
E._ und deren Mitglieder bei der Taliban und der Arbaki weder um
eine Verfolgung wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit
zu einer bestimmten sozialen Gruppe noch seien diese wegen seiner poli-
tischen Anschauungen erfolgt. Auch sei nicht darauf zu schliessen, dass
die Taliban ihn als Gegner ihrer Ideologie betrachtet hätten, bloss weil er
es abgelehnt habe, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Überdies wäre eine
allfällige künftige Verfolgung durch die Taliban ein Racheakt für den ver-
weigerten Beitritt und den Tod von E._ im Sinne eines gemeinrecht-
lichen Delikts und nicht eine Verfolgung aus einem der in Art. 3 Abs. 1
AsylG genannten Motive. Hinsichtlich der in der Stellungnahme des Be-
schwerdeführers vom 30. November 2020 (recte: 27. November 2020) er-
wähnten, von ihm auf Facebook veröffentlichten Kritik an den Taliban, er-
staune es, dass er dies nicht bereits anlässlich der fünfstündigen Anhörung
vom 20. November 2020 erwähnt habe. Bei der geltend gemachten allfäl-
ligen Verfolgung durch die Taliban infolge dieser kritischen Facebook-Posts
würde es sich wie bei den übrigen Asylvorbringen ohnehin um ein gemein-
rechtliches Delikt und nicht um eine Verfolgung nach Art. 3 AsylG handeln.
Der Beschwerdeführer habe in seiner Stellungnahme im Übrigen selber
festgestellt, dass er die Schwierigkeiten mit den Taliban nach seiner ersten
Facebook-Kritik im Jahre 2016 mithilfe von Dorfältesten habe lösen kön-
nen.
6.2 Der Beschwerdeführer machte demgegenüber im Wesentlichen gel-
tend, die Taliban hätten ihm, da er nicht als (...) für sie habe arbeiten wol-
len, mangelnde Mitarbeit respektive Ungehorsam vorgeworfen. Seine Wei-
gerung, für sie zu arbeiten, sei als politisch motiviert anzusehen. Zudem
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gehöre er als (...) einer bestimmten sozialen Gruppe an. Er hätte seitens
der afghanischen Behörden keinen adäquaten Schutz erhalten. Er habe
begründete Furcht vor künftiger Verfolgung, zumal er eine Gerichtsvorla-
dung erhalten habe, weil er das Leben von E._ nicht gerettet habe.
Auch das Bundesverwaltungsgericht habe in seinem Urteil D-3480/2019
vom 10. Juni 2020 die Weigerung einer Person zur Zusammenarbeit mit
den Taliban (Transport von explosive Materialien) als politischen Akt be-
zeichnet und Asyl gewährt. Im Übrigen gehe das UNHCR von Korruption
in der afghanischen Justiz und von der fehlenden Schutzfähigkeit des Staa-
tes aus.
7.
7.1 Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlings-
eigenschaft des Beschwerdeführers verneint und das Asylgesuch abge-
lehnt hat.
7.2 Die Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft setzt voraus, dass die asylsu-
chende Person wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu
einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschau-
ung verfolgt wird und von ihrem Verfolger in einer dieser (in Art. 3 AsylG
genannten) Eigenschaften getroffen werden will.
7.3 Die Vorinstanz ist in ihren Erwägungen zur zutreffenden Erkenntnis ge-
langt, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an
die Asylrelevanz im Sinne von Art. 3 AsylG nicht genügen. Der Beschwer-
deführer machte geltend, die Taliban hätten ihn in seiner Eigenschaft als
(...) im Visier gehabt; jedoch brachte er nicht vor, wegen seiner Weigerung,
mit ihnen zusammenzuarbeiten, von ihnen verfolgt worden zu sein. Viel-
mehr standen die Nachstellungen seitens der Familie von E._, wel-
che Mitglieder der Taliban und Arbaki gewesen seien, im Zusammenhang
mit dem Tod von E._, weshalb es sich dabei nicht um eine Verfol-
gung aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Motive handelt. Dies
gilt auch unter Berücksichtigung des fremdsprachigen Beweismittels, bei
dem es sich um eine gerichtliche Vorladung wegen dieses Todesfalls han-
deln soll. Weiter hat die Vorinstanz zutreffend auf die Stellungnahme des
Beschwerdeführers vom 27. November 2020 hingewiesen, wo er geltend
gemacht hat, dass er seine Schwierigkeiten mit den Taliban wegen seiner
Facebook-Kritik von 2016 mithilfe von Dorfältesten habe lösen können. Da-
mit erweisen sich die von ihm geltend gemachten Vorfluchtgründe als asyl-
rechtlich nicht relevant.
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Schliesslich hat die Vorinstanz der Gefährdungssituation des Beschwerde-
führers (implizit) seitens der Taliban, die mit seiner Tötung gedroht hätten,
bei der Prüfung der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung ge-
tragen. Dabei ist sie zu Recht vom Bestehen einer konkreten Gefahr ("real
risk") ausgegangen, dass ihm im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat
eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung droht, und hat
ihn deshalb vorläufig aufgenommen.
7.4 Demnach ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine im Zeit-
punkt der Ausreise bestehende oder drohende flüchtlingsrechtlich rele-
vante Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen.
7.5 Der Beschwerdeführer machte in seiner Stellungnahme vom 27. No-
vember 2020 ferner geltend, er habe seinen Facebook-Eintrag vom (...)
2016 nach seiner Ausreise in der Türkei am (...) 2019 erneut veröffentlicht,
weshalb er seitens der Taliban an Leib und Leben bedroht wäre. Damit
machte er subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend.
Den Akten kann indes nicht entnommen werden, dass die Taliban ihn res-
pektive seine Eltern wegen dieses Facebook-Eintrags behelligt hätten,
obschon sie offenbar auch in der Stadt, wo sie nach seiner Ausreise hin-
gezogen seien, «noch wenig bedroht» worden seien, also offenbar den Ta-
liban bekannt ist, wo sich diese befinden, und sie sich gegen diese hätten
wenden können (vgl. Akte A29 F27, F58, F67, F78). Die früheren Suchen
durch die Taliban bei seinen Eltern standen gemäss seinen Angaben an-
lässlich der Anhörung einzig im Zusammenhang mit dem Tod von
E._, bei denen die Taliban verlangt hätten, dass er zurückkomme
und sich (deswegen) stelle. Schliesslich erwähnte er auf Beschwerde-
ebene seinen Facebook-Eintrag auch nicht mehr als Grund für eine künf-
tige Verfolgungsgefahr. Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Taliban
– sollten sie seinen Facebook-Eintrag überhaupt zur Kenntnis genommen
haben – zumindest zum heutigen Zeitpunkt kein Interesse an ihm haben.
Folglich ist auch nicht von subjektiven Nachfluchtgründen auszugehen.
7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
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8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.3 Die vom SEM in seiner Verfügung vom 24. Oktober 2019 angeordnete
vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz tritt mit dem
vorliegenden Entscheid formell in Kraft.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
10.
Das Gesuch um Verzicht auf die Kostenvorschusserhebung ist mit vorlie-
gendem Urteil gegenstandslos geworden.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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