Decision ID: 0cbc3863-6541-4882-b6f8-ca1e9d5a1482
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im vereinfachten Verfahren am Bezirksgericht Zürich, 10. Abteilung, vom 3. November 2016 (FV160048-L)
- 2 -
Rechtsbegehren: (Urk. 2 S. 1 f.)
"1. Es sei der Beklagte unter Androhung von Busse nach Art. 292 StGB und Zwangsvollstreckung im Unterlassungsfall zu verpflichten, die ihm zur unentgeltlichen Nutzung übergebenen Grundstücke (Grundbuch C._-Zürich: Kat-Nr. ... 1, ... 2, ... 3, ... 4, ... 5, ... 6, ... 7, ... 8, ... 9, ... 10 und ... 11), an der D._-Strasse in ... C._-Zürich,  ordnungsgemäss zu räumen und zu verlassen und der Klägerin .
2. Es sei der Beklagte unter Androhung von Busse nach Art. 292 StGB und von Zwangsvollstreckung im Unterlassungsfall zu verpflichten, die ihm zur unentgeltlichen Nutzung übergebenen Gebäudeteile an  Nr. 12, Grundbuch C._-Zürich: Kat-Nr. ... 13 (Wagenschopf und Waschvorplatz, Empore im Wagenschopf, Werkstatt, Alter Hühnerstall, Unterstand westseits Wagenschopf), an der D._-Strasse ... in ... C._-Zürich, unverzüglich ordnungsgemäss zu räumen und zu  und der Klägerin zurückzugeben.
3. Es sei der Beklagte unter Androhung von Busse nach Art. 292 StGB und von Zwangsvollstreckung im Unterlassungsfall zu verpflichten, den ihm zur unentgeltlichen Nutzung übergebenen Kelleranteil () in Gebäude Nr. ..., Grundbuch C._-Zürich: Kat-Nr. ... 13, an der D._-Strasse in ... C._-Zürich, unverzüglich  zu räumen und zu verlassen und der Klägerin .
4. Es sei das zuständige Stadtammannamt anzuweisen, die Verpflichtung des Beklagten auf erstes Verlangen der Klägerin und auf Kosten des Beklagten zu vollstrecken.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) inklusive Kosten Schlichtungsverfahren von CHF 420.00 zu Lasten des ."
Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 3. November 2016: (Urk. 29 = Urk. 34)
1. Die beklagte Partei wird verpflichtet, die ihr zur unentgeltlichen Nutzung übergebenen Grundstücke (Grundbuch C._-Zürich: Kat-Nr. ... 1, ... 2, ... 3, ... 4, ... 5, ... 6, ... 7, ... 8, ... 9, ... 10 und ... 11), an der D._-Strasse in ... C._-Zürich, unverzüglich ordnungsgemäss zu räumen, zu verlassen und der klagenden Partei zurückzugeben.
2. Die beklagte Partei wird verpflichtet, die ihr zur unentgeltlichen Nutzung übergebenen Gebäudeteile am Gebäude Nr. 12, Grundbuch C.: Kat-Nr. ... 13 (Wagenschopf und Waschvorplatz, Empore im , Werkstatt, Alter Hühnerstall, Unterstand westseits Wagenschopf), an
- 3 -
der D._-Strasse ... in ... C._-Zürich, unverzüglich  zu räumen, zu verlassen und der klagenden Partei zurückzugeben.
3. Die beklagte Partei wird verpflichtet, den ihr zur unentgeltlichen Nutzung übergebenen Kelleranteil (Modelleisenbahnanlage) im Gebäude Nr. ..., Grundbuch C._-Zürich: Kat-Nr. ... 13, an der D._-Strasse in ... C._-Zürich, unverzüglich ordnungsgemäss zu räumen, zu verlassen und der klagenden Partei zurückzugeben.
4. Für den Fall eines Verstosses gegen die ihm gemachten Verpflichtungen gemäss Dispositivziffern 1 bis 3 wird der Beschuldigte auf die Strafdrohung von Art. 292 StGB aufmerksam gemacht, wonach mit Busse bestraft werden kann, wer der von einer zuständigen Behörde oder einem zuständigen  unter Hinweis auf die Strafdrohung dieses Artikels an ihn erlassenen Verfügung nicht Folge leistet.
Zudem wird der Beschuldigte darauf hingewiesen, dass im Falle eines Verstosses gegen die Verpflichtungen in den Dispositivziffern 1 bis 3 die Räumung im Sinne einer Zwangsmassnahme nach Art. 343 Abs. 1 lit. d ZPO vorgenommen werden kann.
5. Das zuständige Stadtammannamt Zürich ... wird angewiesen, die  gemäss Dispositivziffern 1 bis 3 auf erstes Verlangen der klagenden Partei zu vollstrecken. Die Kosten für die Vollstreckung sind von der  Partei vorzuschiessen. Sie sind ihr aber von der beklagten Partei zu .
6. Die Entscheidgebühr wird auf Fr. 3'420.– festgesetzt.
7. Die Gerichtskosten werden der beklagten Partei auferlegt und mit dem von der klagenden Partei geleisteten Vorschuss in der Höhe von Fr. 2'500.– . Der Fehlbetrag von Fr. 920.– wird direkt von der beklagten Partei nachgefordert.
8. Die beklagte Partei wird verpflichtet, der klagenden Partei eine  von Fr. 5'040.– (inkl. Mehrwertsteuer und Kosten des ) zu bezahlen. Zudem hat sie der klagenden Partei den  von Fr. 2'500.– zu ersetzen.
9. [Mitteilungssatz].
10. [Rechtsmittelbelehrung].
- 4 -
Berufungsanträge:
des Beklagten und Berufungsklägers (Urk. 33 S. 2):
"1. Es sei in Gutheissung der Berufung das angefochtene Urteil vom 3.  2016 in allen Teilen aufzuheben.
2. Es sei auf die Klage nicht einzutreten.
3. Eventuell es sei die Sache zur Entscheidung über die  des Beklagten an die Vorinstanz zurückzuweisen.
4. Subeventuell es sei die Klage vollumfänglich abzuweisen.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen für beide Instanzen zu Lasten der Klägerin und Berufungsbeklagten."
der Klägerin und Berufungsbeklagten (Urk. 39 S. 2):
"1. Es sei die Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 3. November 2016, Geschäfts-Nr. FV160048, abzuweisen, und es sei der erstinstanzliche Entscheid zu bestätigen.
2. Sämtliche Kosten seien dem Berufungskläger aufzuerlegen. Zudem sei die Berufungsbeklagte angemessen zu entschädigen (zuzüglich )."

Erwägungen:
I. Sachverhalt
1. Die Vorinstanz hat den Sachverhalt des vorliegenden Verfahrens wie folgt
zusammengefasst – was im Berufungsverfahren von keiner Partei beanstandet
wird (Urk. 34 E. III).
2. Die Klägerin und Berufungsbeklagte (fortan Klägerin) ist die Tante des Be-
klagten und Berufungsklägers (fortan Beklagter). Nach dem Tod der Grosseltern
des Beklagten bzw. der Eltern der Klägerin wurde die Klägerin gemeinsam mit
E._, dem Vater des Beklagten und Bruder der Klägerin, zur hälftigen Eigen-
tümerin von mehreren Grundstücken und Gebäuden, inklusive der streitigen Ob-
jekte. Im Jahr 2011 erwarb die Klägerin die Eigentumsanteile von E._ und
wurde so zur Alleineigentümerin der streitgegenständlichen Objekte. Der Beklagte
bestreitet zwar grundsätzlich die Rechtsgültigkeit des Verkaufs im Jahr 2011, an-
erkennt jedoch für dieses Verfahren die Alleineigentümerstellung der Beklagten.
- 5 -
Die streitigen Objekte werden bereits seit mehreren Jahren vom Beklagten mehr-
heitlich landwirtschaftlich genutzt.
3. Nach dem Tod von E._ am tt.mm.2012 kam es zu rechtlichen Ausei-
nandersetzungen. In einem Nottestament kurz vor seinem Tod hatte E._ sei-
nen Sohn – den Beklagten – als Alleinerben eingesetzt. Die Gültigkeit dieses Not-
testaments wurde jedoch von F._, einem Freund der Klägerin, welcher in ei-
nem früheren Testament von E._ als Willensvollstrecker eingesetzt worden
war, bestritten. F._ reichte Mitte Dezember 2012 Ungültigkeitsklage gegen
das Nottestament von E._ ein. Diese Klage wurde am 25. März 2013 ge-
stützt auf einen durch die Parteien und F._ unterschriebenen Vergleich als
erledigt abgeschrieben. Im Rahmen dieses Vergleichs vom 25. März 2013 unter-
zeichneten die Parteien gleichentags zwei separate Verträge, welche die Nutzung
der streitigen Objekte – mit Ausnahme der Nutzung des Kelleranteils, welche in
Ziffer 7 des Vergleichs vereinbart wurde – regelten. Beide Verträge wurden von
den Parteien als "Gebrauchsleihvertrag" betitelt.
4. Mit Schreiben an den Beklagten vom 22. September 2014 sprach die Kläge-
rin per 30. September 2015 die Kündigung der am 25. März 2013 unterzeichneten
"Gebrauchsleihverträge" sowie der in Ziffer 7 des Vergleichs vereinbarten Ge-
brauchsüberlassung für den Kelleranteil aus. Mit Schreiben vom 26. November
2014 machte die Klägerin dem Beklagten das Angebot, neue Gebrauchsleihver-
träge befristet auf ein Jahr abzuschliessen. Obwohl der Beklagte sein Interesse
am Abschluss solcher neuen Gebrauchsleihverträge mit Schreiben vom 25. Feb-
ruar 2015 bestätigte, kam es jedoch nicht zu neuen Vertragsabschlüssen. Trotz
der Kündigung der Verträge weigert sich der Beklagte, die streitigen Objekte zu
räumen und sie der Klägerin zurückzugeben. Seiner Ansicht nach handelt es sich
bei den Übereinkommen mit der Beklagten um langjährige Pachtverträge und
nicht um eine Gebrauchsleihe. Gestützt auf das Bundesgesetz über das bäuerli-
che Bodenrecht (BGBB; SR 211.412.11) sowie das Bundesgesetz über die land-
wirtschaftliche Pacht (LPG; SR 221.213.2) betrage die erste Pachtdauer für land-
wirtschaftliche Gewerbe mindestens neun Jahre und für einzelne Grundstücke
mindestens sechs Jahre (Art. 7 Abs. 1 LPG). Die Verträge vom 25. März 2013
- 6 -
seien demnach frühestens per Ende März 2022, eventuell per Ende März 2019,
kündbar. Die angebliche Kündigung der Klägerin gemäss ihrem Schreiben vom
22. September 2014 sei entsprechend nichtig und unbeachtlich (Urk. 15 S. 15-17;
Urk. 33 S. 7 f.).
II. Prozessgeschichte / Prozessuales
1. Mit Eingabe vom 19. März 2016 machte die Klägerin die vorliegende Klage
beim Einzelgericht am Bezirksgericht Zürich anhängig und stellte die eingangs
wiedergegeben Anträge (Urk. 2). Die erstinstanzliche Hauptverhandlung fand am
14. September 2016 statt (Prot. I S. 6 ff.). Nachdem zwischen den Parteien keine
Einigung erzielt werden konnte (Prot. I S. 21; Urk. 23 und 24), hiess die Vorin-
stanz mit (unbegründetem) Urteil vom 3. November 2016 die Klage gut und ver-
pflichtete den Beklagten zur Räumung und Rückgabe der streitgegenständlichen
Objekte an die Klägerin (Urk. 34). Mit Schreiben vom 28. November 2016 bean-
tragte der Beklagte fristgerecht die Begründung des Urteils (Urk. 28). Die begrün-
dete Fassung des Entscheids wurde der Klägerin am 4. Januar 2017 und dem
Beklagten am 5. Januar 2017 zugestellt (Urk. 30 und 31).
2. Mit Eingabe vom 1. Februar 2017 (Poststempel: 2. Februar 2017) erhob der
Beklagte gegen das vorinstanzliche Urteil innert Frist Berufung mit den eingangs
wiedergegebenen Rechtsbegehren (Urk. 33). Der vom Beklagten mit Verfügung
vom 8. Februar 2017 einverlangte Kostenvorschuss von Fr. 3'420.– ging fristge-
recht bei der Obergerichtskasse ein (Urk. 35 und 36). Die Berufungsantwort der
Klägerin datiert vom 4. Mai 2017 (Urk. 39) und wurde der Gegenpartei mit Verfü-
gung vom 10. Mai 2017 zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 41). Der Beklagte
liess sich daraufhin nicht mehr vernehmen.
3. Mit der Berufung kann eine unrichtige Rechtsanwendung und eine unrichtige
Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Beru-
fungsinstanz verfügt über eine vollständige Überprüfungsbefugnis der Streitsache,
d.h. über unbeschränkte Kognition bezüglich Tat- und Rechtsfragen. In der schrift-
lichen Berufungsbegründung (Art. 311 ZPO) ist hinreichend genau aufzuzeigen,
- 7 -
inwiefern der erstinstanzliche Entscheid in den angefochtenen Punkten als fehler-
haft zu betrachten ist bzw. an einem der genannten Mängel leidet. Das setzt vo-
raus, dass der Berufungskläger die vorinstanzlichen Erwägungen bezeichnet, die
er anficht, sich inhaltlich mit diesen auseinandersetzt und mittels genügend präzi-
ser Verweisungen auf die Akten aufzeigt, wo die massgebenden Behauptungen
bzw. Bestreitungen erhoben wurden und aus welchen Aktenstellen sich der gel-
tend gemachte Berufungsgrund ergeben soll (vgl. BGE 138 III 374 E. 4.3.1 = Pra
102 [2013] Nr. 4; BGer 5A_751/2014 vom 28. Mai 2015, E. 2.1). Diesen Anforde-
rungen von Art. 311 ZPO ist weder durch eine pauschale Verweisung auf die bei
der Vorinstanz eingereichten Rechtsschriften noch durch eine neuerliche Darstel-
lung der Sach- oder Rechtslage Genüge getan, welche nicht darauf eingeht, was
vor Erstinstanz vorgebracht und von dieser erwogen worden ist. Es geht deshalb
auch nicht an, frühere Vorbringen oder Rechtsschriften zum "integrierenden Be-
standteil" der Berufungsbegründung zu erklären, so wie dies der Beklagte in sei-
ner Berufungsschrift tut (Urk. 33 S. 3 a.E.). Ein derartiger Verweis ist unbeachtlich
(OGer ZH NP150009 vom 28.10.2015, E. II.3). Was nicht in einer den gesetzli-
chen Begründungsanforderungen genügenden Weise beanstandet wird, braucht
von der Rechtsmittelinstanz nicht überprüft zu werden. In diesem Rahmen ist in-
soweit auf die Parteivorbringen einzugehen, als dies für die Entscheidfindung er-
forderlich ist (BGE 134 I 83 E. 4.1, m.w.H.).
4. Schliesslich ist in prozessualer Hinsicht zu bemerken, dass neue Vorbrin-
gen im Berufungsverfahren lediglich eingeschränkt zulässig sind. Zu berücksichti-
gen sind neue Tatsachenvorbringen und Beweismittel, welche – kumulativ – ohne
Verzug vorgebracht werden und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster
Instanz vorgebracht werden konnten (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Diese gesetzliche
Novenbeschränkung gilt auch für Verfahren, die der eingeschränkten Untersu-
chungsmaxime unterstehen (Art. 247 Abs. 2 ZPO), ist doch eine analoge Anwen-
dung von Art. 229 Abs. 3 ZPO im Berufungsverfahren abzulehnen, da dies der im
Gesetz eigens vorgesehenen abweichenden Regelung von Art. 317 ZPO entge-
gensteht (BGE 138 III 625 E. 2.2 = Pra 102 [2013] Nr. 26; ZR 111 [2012] Nr. 35).
- 8 -
III. Materielle Beurteilung
A. Unzuständigkeitseinrede / Verletzung des rechtlichen Gehörs
1. Der Beklagte bestritt im vorinstanzlichen Verfahren die sachliche Zuständig-
keit des Einzelgerichts und beantragte, es sei vorab über die Unzuständigkeitsein-
rede zu entscheiden. Der Streitwert der vorliegenden Klage übersteige
Fr. 30'000.– um ein Vielfaches, weshalb das Einzelgericht sachlich nicht zustän-
dig und entsprechend auf die Klage nicht einzutreten sei (Urk. 15 S. 2 und 4 f.).
2. Berufungsweise rügt der Beklagte, die Vorinstanz habe sich mit seinem vor-
genannten Verfahrensantrag nie befasst, sondern habe nach Eingang der Kla-
geantwort direkt zur Hauptverhandlung vorgeladen. Die Unzuständigkeitseinrede
und den entsprechenden Verfahrensantrag habe sie vollständig ignoriert, womit
dem Beklagten das rechtliche Gehör verweigert worden sei. Im Urteilsdispositiv
des angefochtenen Entscheids gehe die Vorinstanz auf den Nichteintretensantrag
überhaupt nicht ein, was bedeute, dass sie über die Unzuständigkeitseinrede bis
heute formell nicht entschieden und damit dem Beklagten das rechtliche Gehör
verweigert habe. Der Beklagte habe Anspruch darauf, dass über die Einrede for-
mell entschieden werde, wobei schon über den entsprechenden Verfahrensantrag
hätte entschieden werden müssen, was die Vorinstanz schlichtweg ignoriert habe.
Die Sache sei demnach zum formellen Entscheid über die form- und fristgerecht
erhobene Unzuständigkeitseinrede an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der Be-
klagte beantragt zudem erneut, es sei auch im Berufungsverfahren vorab über die
Unzuständigkeitseinrede zu entscheiden (Urk. 33 S. 4 f.).
3. Die sachliche Zuständigkeit stellt eine Prozessvoraussetzung dar (Art. 59
Abs. 2 lit. b ZPO) und ist entsprechend von Amtes wegen zu prüfen (Art. 60 ZPO),
d.h. ungeachtet davon, ob überhaupt eine Unzuständigkeitseinrede erhoben wur-
de oder nicht. Kommt das Gericht zum Schluss, dass sämtliche Prozessvoraus-
setzungen vorliegen, findet der positive Eintretensentscheid in der Regel keine
ausdrückliche Erwähnung im Urteilsdispositiv, sondern – dies im Sinne einer Vor-
frage – lediglich in den Erwägungen (ZK ZPO-Zürcher, Art. 60 N 26, m.w.H.). In
diesem Sinne ergeht das Eintreten auf die Klage gemäss Art. 59 Abs. 1 ZPO
- 9 -
grundsätzlich nicht in einem Zwischenentscheid, ja nicht einmal in einer prozess-
leitenden Verfügung (BK ZPO I-Zingg, Art. 60 N 48). Jede Sachbeurteilung setzt
einen positiven Prozessentscheid (Eintretensentscheid) voraus; ein solcher geht
deshalb aus dem Dispositiv eines Sachendentscheids (implizit) hervor (Droese,
Res iudicata ius facit, Bern 2015, S. 153).
Vorliegend hat die Vorinstanz die Klage materiell gutgeheissen und den Be-
klagten zur Räumung und Rückgabe der streitgegenständlichen Grundstücke und
Gebäudeteile verpflichtet (Urk. 34 Dispositivziffer 1-3). Mit diesem Sachurteil hat
sie gleichzeitig auch einen Prozessentscheid gefällt, wonach sämtliche Eintre-
tensvoraussetzungen vorliegen würden. In seiner Erwägung II. (Urk. 34 S. 4-9)
hat der Vorderrichter über sechs Seiten ausführlich die Prozessvoraussetzungen
abgehandelt und kam letztlich im Sinne einer Vorfrage zum Schluss, dass auf die
Klage einzutreten sei und der prozessuale Antrag des Beklagten damit gegen-
standslos werde (Urk. 34 S. 9). Entgegen der Ansicht des Beklagten hat sich die
Vorinstanz somit eingehend mit seinem Nichteintretensantrag auseinandergesetzt
und ihre (sachliche) Zuständigkeit bejaht. Von einer Verletzung des rechtlichen
Gehörs kann nach dem Gesagten keine Rede sein.
4. Zudem ist das Vorgehen der Vorinstanz nicht zu beanstanden, wonach sie
erst mit dem Endentscheid über die sachliche Zuständigkeit befunden hat. Das
Gericht kann zwar zur Vereinfachung des Prozesses das Verfahren auf einzelne
Fragen oder auf einzelne Rechtsbegehren beschränken und daraufhin einen
selbständig anfechtbaren Zwischenentscheid erlassen (Art. 125 lit. a und Art. 237
ZPO). Die Parteien haben jedoch keinen Anspruch auf Erlass eines solchen Zwi-
schenentscheids (BSK ZPO-Steck, Art. 237 N 9; ZK ZPO-Staehelin, Art. 237
N 10; BK ZPO II-Killias, Art. 237 N 6; Engler, OFK-ZPO, Art. 237 N 2; OGer ZH
NP160025 vom 13.10.2016, E. 4.1; OGer ZH PC130056 vom 06.02.2014, E. 8.3).
Mit einem entsprechenden Antrag kann eine Partei daher keinen Zwischenent-
scheid erzwingen. Auch kein sofortiger Entscheid ist vorgeschrieben, wenn die
Frage der Zuständigkeit strittig ist. Bejaht das Gericht seine Zuständigkeit, kann
dies statt in einem Zwischenentscheid auch im Endentscheid erfolgen (Kriech,
DIKE-Komm-ZPO, Art. 237 N 5, mit Hinweis auf OGer ZH LB120037 vom
- 10 -
23.07.2012). Somit besteht – was die Zivilprozessordnung anbelangt – kein An-
spruch der Parteien auf eine Vorabprüfung aller oder einzelner bestrittener Pro-
zessvoraussetzungen, da der Bundesgesetzgeber die Ausgestaltung des Verfah-
rens bewusst in das gerichtliche Ermessen gestellt hat (KUKO ZPO-Domej,
Art. 59 N 6; ZK ZPO-Zürcher, Art. 60 N 13; BGer 5A_73/2014 vom 18. März 2014,
E. 2.3).
5. Das kantonal-zürcherische Gesetz über die Gerichts- und Behördenorgani-
sation (GOG) hält dahingegen in § 126 Abs. 2 (2. Satz) fest, dass über eine Un-
zuständigkeitseinrede nach Anhörung der Gegenpartei "sofort" zu entscheiden ist
(so auch früher § 111 Abs. 1 ZPO/ZH). Nachdem vorstehend dargelegt wurde,
dass von Bundesrechts wegen kein Anspruch auf einen separaten Zuständig-
keitsentscheid besteht, stellt sich die Frage, ob eine kantonale Verfahrensvor-
schrift das dem Richter durch die ZPO bewusst eingeräumte weite Ermessen ein-
schränken und ihn zu einem Zwischenentscheid zwingen kann. In diesem Zu-
sammenhang ist zu erwähnen, dass das Bundesgericht bereits den ersten Satz
von § 126 Abs. 2 GOG als bundesrechtswidrig befunden hat (BGE 140 III 355
E. 2.4). Ob auch der zweite Satz der vorgenannten Bestimmung der ZPO wider-
spricht, kann an dieser Stelle offenbleiben. Der Beklagte bringt nämlich vorliegend
nicht vor, inwiefern er dadurch beschwert ist, dass die Vorinstanz erst mit dem
Endentscheid über seine Unzuständigkeitseinrede befunden hat. Im Rahmen sei-
ner Berufung kann er sämtliche Einwände gegen die sachliche Zuständigkeit des
Einzelgerichts vorbringen, welche nun mit dem vorliegenden Berufungsentscheid
mit voller Kognition beurteilt werden. Insofern entgeht dem Beklagten auch die
Möglichkeit nicht, die streitgegenständliche Zuständigkeitsfrage alsdann durch
das Bundesgericht prüfen zu lassen.
Als Rechtsmittelvoraussetzung muss der Berufungskläger materiell be-
schwert sein, d.h., an der Abänderung des Entscheids ein konkretes Interesse
haben, weil der angefochtene Entscheid ihn in seiner Rechtsstellung trifft und für
ihn eine rechtlich nachteilige Wirkung entfaltet (BGE 120 II 5 E. 2a; OGer ZH
RT160066 vom 23. Juni 2016, E. 4a). Der Beklagte behauptet nicht, dass er
dadurch, dass die Vorinstanz seinem Antrag auf Erlass eines Zwischenentscheids
- 11 -
nicht gefolgt ist, einen entsprechenden Rechtsnachteil erlitten habe. Somit ist
auch nicht ersichtlich, welches Interesse der Beklagte an einer Rückweisung des
Verfahrens an die Vorinstanz hat, damit diese einen "formellen Entscheid über die
form- und fristgerecht erhobene Unzuständigkeitseinrede" fällen kann (vgl. Urk. 33
S. 5). Die Erstinstanz hat bereits über ihre Zuständigkeit entschieden (vgl. vorste-
hend), weshalb der Beklagte kein Rechtsschutzinteresse an einer nochmaligen
Beurteilung dieser Frage durch die Vorinstanz hat. Welchen rechtlichen Nachteil
der Beklagte erlitten haben soll, indem die Vorinstanz erst im Endentscheid (und
nicht vorab in einem Zwischenentscheid) ihre sachliche Zuständigkeit bejaht hat,
führt der Beklagte nicht näher aus und ist, wie bereits erwähnt, auch nicht ersicht-
lich. Dem Beklagten fehlt somit ein Rechtsschutzinteresse bzw. die materielle Be-
schwer in Bezug auf den von ihm beantragten Zwischenentscheid zur Frage der
Zuständigkeit.
6. Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz das rechtliche Gehör des Beklagten
nicht verletzt. Dem Antrag des Beklagten, wonach die Sache zur Entscheidung
über die Unzuständigkeitseinrede an die Vorinstanz zurückzuweisen sei (Urk. 33
S. 2 und 5), ist dementsprechend nicht zu folgen. Aus den dargelegten Gründen
ist auch die Berufungsinstanz nicht gehalten, über die Zuständigkeitsfrage vorab
zu entscheiden, wie dies der Beklagte erneut beantragt (Urk. 33 S. 5). Das Beru-
fungsgericht kann die Prozessvoraussetzungen im vorliegenden (End)Entscheid
prüfen und darüber befinden.
B. Sachliche Zuständigkeit / Streitwertberechnung
1. Die Vorinstanz bezifferte den Gesamtstreitwert der vorliegenden Klage auf
Fr. 23'400.–, weshalb die Zuständigkeit des Einzelgerichts gestützt auf § 24 lit. a
GOG i.V.m. Art. 243 Abs. 1 ZPO gegeben sei (Urk. 34 E.II.3.6). Die Qualifizierung
des zwischen den Parteien abgeschlossenen Vertrags (Gebrauchsleihe oder
Pacht) sei vorliegend sowohl für die sachliche Zuständigkeit als auch für die Be-
gründetheit der Klage bedeutsam; mithin handle es sich dabei um eine doppelre-
levante Tatsache. Solche seien grundsätzlich nur einmal, und zwar als eine Frage
der Begründetheit der Klage zu prüfen. Für die sachliche Zuständigkeit komme es
- 12 -
zunächst einzig darauf an, wie die Klage begründet sei bzw. auf was sich der ein-
geklagte Anspruch stütze. Vorliegend mache die Klägerin geltend, die Parteien
hätten sich auf eine unentgeltliche Gebrauchsleihe geeinigt. Hinweise, die dieses
Vorbringen auf der Stelle als haltlos erscheinen liessen, lägen keine vor. Es sei
deshalb von der Zuständigkeit der ordentlichen Gerichte (und nicht der Mietge-
richte) auszugehen und die sachliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts sei
zu bejahen (Urk. 34 E.II.2.5 ff.).
Was die Streitwertberechnung anbelangt, erwog die Vorinstanz unter Hin-
weis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, dass sich der Streitwert bei der
Gebrauchsleihe analog nach den für die Miete und Pacht entwickelten Kriterien
richte. Wenn die Kündigung strittig sei und somit im Ausweisungsverfahren vor-
frageweise überprüft werden müsse, richte sich der Streitwert nach dem Wert der
Nutzung der Sache bis zum Zeitpunkt, auf welchen gekündigt werden könnte, wä-
re die Kündigung nicht gültig erfolgt. Da für die Streitwertberechnung von dem
durch die Klage definierten Prozessthema auszugehen sei, d.h. einer Gebrauchs-
leihe, bestimme sich der Zeitpunkt, auf den die Nutzung der strittigen Objekte hät-
te gekündigt werden können – entgegen der Ansicht des Beklagten – nicht nach
den Minimalpachtdauern gemäss LPG, sondern nach den Bestimmungen zur Ge-
brauchsleihe. In den Gebrauchsleihverträgen vom 25. März 2013 hätten die Par-
teien vereinbart, dass der Vertrag frühestens per 30. September 2015 kündbar sei
und mangels Kündigung per 30. September 2015 automatisch bis zum 30. Sep-
tember 2018 verlängert werde. Somit könnten die beiden Gebrauchsleihverträge,
sollte die erfolgte Kündigung nicht rechtmässig sein, per 30. September 2018 ge-
kündigt werden. Insgesamt entspreche dies einer zusätzlichen Mietdauer von drei
Jahren, was gemäss Angaben der Klägerin einem entgangenen Pachtzins von
Fr. 15'600.– (= [Fr. 2'800.– + Fr. 2'400.–] x 3) entspreche. Für die im Vergleich
vom 25. März 2013 vereinbarte Nutzung des Kelleranteils sei hingegen keine be-
stimmte Dauer festgelegt worden, sodass sie nach Art. 310 OR jederzeit kündbar
wäre. Somit erscheine es sinnvoll, in Bezug auf den Kelleranteil nicht auf die
Kündigung, sondern auf den höheren Betrag des hypothetisch anfallenden Miet-
werts bis zum voraussichtlichen Ausweisungsentscheid abzustellen. Dabei sei
von einer Verfahrensdauer von rund 12 Monaten auszugehen; hinzuzuschlagen
- 13 -
sei die rund sechsmonatige Dauer von der Kündigung des Kelleranteils bis zur
Klageeinreichung, was insgesamt einer Dauer von 18 Monaten entspreche. Für
den Mietwert sei von Fr. 5'200.– pro Jahr auszugehen, weshalb das Streitinteres-
se bezüglich des Kelleranteils somit bei Fr. 7'800.– liege. Der Gesamtstreitwert
sei demnach auf Fr. 23'400.– zu veranschlagen (Urk. 34 E.II.3.3 ff.).
2. Der Beklagte bringt in diesem Zusammenhang vor Obergericht im Wesentli-
chen vor, bei der Streitwertberechnung eines Ausweisungsverfahrens komme es
auf die Begründung des Beklagten an. Fechte er die Kündigung des Mietvertra-
ges an oder verlange er dessen Erstreckung, gelte als Streitwert der Wert der
Nutzung für die streitige Dauer. Beim Streit um die Gültigkeit einer Kündigung be-
rechne sich der Streitwert nach dem Zeitraum, während dessen der Mietvertrag
fortdauere bzw. dem Zeitpunkt, auf welchen gekündigt werden könnte, wäre die
Kündigung nicht gültig. Der Beklagte beantrage vorliegend die Abweisung der
Klage. Was den Streitwert betreffe, mache er geltend, es liege ein langjähriges
Pachtverhältnis mit einer Mindestdauer von neun, eventuell sechs Jahren vor. In
materieller Hinsicht massgebend sei die Qualifikation der Verträge. Von der Klä-
gerin würden sie als Gebrauchsleihverträge qualifiziert, vom Beklagten als lang-
jährige Pachtverträge. Der Beklagte habe nachgewiesen, dass er sämtliche dem
Klagebegehren zugrundeliegenden Verträge als langjährige Pachtverhältnisse
von seinem Vater E._ übernommen habe. Dazu komme, dass die Bestim-
mungen des BGBB sowie des LPG zur Anwendung kämen. Demnach betrage die
erste Pachtdauer für landwirtschaftliche Gewerbe mindestens neun Jahre und für
einzelne Grundstücke mindestens sechs Jahre. Damit sei der Streitwert gemäss
Art. 91 ZPO bestimmt. Die Klägerin mache eine Kündigungsfrist null geltend, der
Beklagte eine Mindestpachtdauer von neun, eventuell sechs Jahren. Die Verträge
seien demgemäss nach Sachdarstellung des Beklagten frühestens per Ende
März 2022, eventuell Ende März 2019, kündbar. Gehe man vom Rechtsbegehren
vom 19. März 2016 (Urk. 2) aus und berücksichtige man, dass die Kündigung per
unverzüglich, also per Datum des Rechtsbegehrens stattfinden solle, ergebe sich
eine für den Streitwert massgebende Zeitspanne von sechs, eventuell drei Jah-
ren, welche streitig sei. Daraus resultiere ein Streitwert von Fr. 62'400.–
([Fr. 2'800.– + Fr. 2'400.– + Fr. 5'200.–] x 6), eventuell von Fr. 31'200.–
- 14 -
([Fr. 2'800.– + Fr. 2'400.– + Fr. 5'200.–] x 3), womit der Streit von Bundesrechts
wegen ins ordentliche Verfahren falle. Bei dieser Sachlage sei das vorinstanzliche
Urteil aufzuheben. Auf die Klage sei mangels sachlicher Zuständigkeit des vorin-
stanzlichen Richters nicht einzutreten (Urk. 33 S. 6-9).
3. Die Klägerin führt in ihrer Berufungsantwort zusammengefasst aus, sie an-
erkenne die Ausführungen der Vorinstanz zur Zuständigkeit und entsprechend
zum Streitwert vollumfänglich. Der Streitwert beurteile sich bei der Gebrauchslei-
he analog nach den für die Miete und Pacht entwickelten objektiven Kriterien. Vor-
liegend werde die Wirksamkeit der Kündigung vom Beklagten bestritten, sodass
die Vorinstanz rechtmässig davon ausgegangen sei, dass sich der Streitwert nach
dem Wert der Nutzung bis zu demjenigen Zeitpunkt richte, auf welchen gekündigt
werden könnte, wäre die Kündigung nicht gültig erfolgt. Diese Berechnungsweise
des Streitwerts werde auch vom Beklagten nicht bestritten. Es lägen in casu keine
Indizien vor, welche auf ein Pachtverhältnis schliessen lassen würden. Der Streit-
wert sei nicht nach der Minimalpachtdauer gemäss LPG, sondern nach den Be-
stimmungen zur Gebrauchsleihe zu berechnen. Nicht strittig sei der von der Klä-
gerin im vorinstanzlichen Verfahren zur Berechnung des Streitwerts geltend ge-
machte Pachtzins hinsichtlich der Grundstücke, der Gebäudeteile und des Keller-
anteils. Der Streitwert liege folglich in Übereinstimmung mit der Vorinstanz bei
Fr. 23'400.– und somit unter Fr. 30'000.–, weshalb das Einzelgericht im verein-
fachten Verfahren für die vorliegende Sache zuständig gewesen sei (Urk. 39
Rz. 11-15).
4. Der Beklagte bestreitet vor Obergericht nicht (mehr; vgl. Prot. I S. 11 a.E.),
dass erstinstanzlich die ordentlichen Gerichte und nicht die Mietgerichte zuständig
gewesen waren. Er rügt in Bezug auf die sachliche Zuständigkeit einzig die
Streitwertberechnung der Vorinstanz und ist der Ansicht, der Streitwert des vorlie-
genden Verfahrens übersteige Fr. 30'000.– (Urk. 33 S. 4 ff.).
4.1 Vorliegend ist unbestrittenermassen von einer vermögensrechtlichen Strei-
tigkeit auszugehen. Diesbezüglich sowie auch zu den theoretischen Ausführun-
gen zum Streitwert kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwie-
sen werden (Urk. 34 E. II.3.1). Gemäss Art. 91 Abs. 1 ZPO wird der Streitwert
- 15 -
durch das Rechtsbegehren bestimmt. Lautet das Rechtsbegehren nicht auf eine
bestimmte Geldsumme, so setzt das Gericht den Streitwert fest, sofern sich die
Parteien darüber nicht einigen oder ihre Angaben offensichtlich unrichtig sind
(Art. 91 Abs. 2 ZPO). Wie das Gericht bei der Bestimmung des Streitwerts im De-
tail vorzugehen hat, ist dem Gesetz nicht zu entnehmen. Entsprechend den Rege-
lungen in ehemaligen kantonalen Zivilprozessordnungen (vgl. bspw. § 22 Abs. 2
ZPO/ZH) sowie in Art. 51 Abs. 2 BGG ist ein Ermessensentscheid zu fällen. Das
Gericht hat den Streitwert nach objektiven Kriterien zu schätzen (ZK ZPO-Stein-
Wigger, Art. 91 N 25).
4.2 Das von der Klägerin gestellte Begehren auf Räumung, Verlassen und
Rückgabe der streitigen Grundstücke und Gebäudeteile (Urk. 2 S. 1 f.) stellt eine
Leistungsklage im Sinne von Art. 84 Abs. 1 ZPO dar (ZK ZPO-Bopp/Bessenich,
Art. 84 N 13; vgl. OGer ZH PF150043 vom 08.09.2015, E. 5.3 und OGer ZH
LH110002, vom 27.02.2012, E. 5.3). Handelt es sich um eine Leistungsklage ist
bei der Streitwertermittlung einzig auf das klägerische Interesse abzustellen.
Massgeblich ist dabei ausschliesslich derjenige Wert, welchen die beklagte Partei
bei einer Gutheissung der Klage an die klagende Partei verliert. Unberücksichtigt
bleiben dagegen beispielsweise der Aufwand, welcher der beklagten Partei durch
die Erbringung der eingeklagten Leistung entsteht oder die Veränderung ihrer
Vermögenslage durch mittelbare Effekte, auch wenn diese Interessen unter Um-
ständen ein Vielfaches des klägerischen Interesses betragen können (Rickli, Der
Streitwert im schweizerischen Zivilprozessrecht, Diss. 2014, Rz. 232, m.w.H.).
Dementsprechend ist das Verhalten der beklagten Partei für die Berechnung des
Streitwerts grundsätzlich irrelevant. Dies umfasst in erster Linie sämtliche Vertei-
digungsmittel der beklagten Partei wie tatsächliche, prozessuale und materiell-
rechtliche Bestreitungen, Einwendungen und Einreden (Rickli, a.a.O., Rz. 364).
4.3 Nur ausnahmsweise ist das Rechtsbegehren der klagenden Partei zwar
notwendig, aber nicht ausreichend zur Ermittlung des Streitwertes. Wenn sich die
beklagte Partei dem Begehren um Ausweisung widersetzt, kommt es auf ihre Be-
gründung an: Bestreitet sie das Eigentum der klagenden Partei, geht es um die
Sache an sich, und Streitwert ist der Verkehrswert der Liegenschaft – ficht sie da-
- 16 -
gegen die Kündigung des Vertrages an, gilt als Streitwert der Wert der Nutzung
für die streitige Dauer (Diggelmann, DIKE-Komm-ZPO, Art. 91 N 12). In diesem
Sinne gilt nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung als Streitwert ei-
nes Exmissionsverfahrens der durch die Verzögerung mutmasslich entstehende
Schaden bzw. der in der betreffenden Zeit hypothetisch anfallende Miet- oder Ge-
brauchswert (BGer 5A_645/2011 vom 17. November 2011, E. 1.1, mit Verweis
auf BGer 5A_295/2010 vom 30. Juli 2010, E. 1.3 [recte: 1.2]). Von dieser Berech-
nungsmethode ging auch die Vorinstanz aus, was grundsätzlich von keiner Partei
beanstandet wird. Gemäss angefochtenem Urteil richtet sich der Streitwert –
wenn die Kündigung strittig ist und somit vorfrageweise überprüft werden müsste
– nach dem Wert der Nutzung der Sache bis zum Zeitpunkt, auf welchen gekün-
digt werden könnte, wäre die Kündigung nicht gültig erfolgt (Urk. 34 E. II.3.4).
Dem stimmt sowohl die Klägerin als auch der Beklagte zu (Urk. 33 S. 7; Urk. 39
Rz. 11). Unterschiedliche Ansichten bestehen lediglich in Bezug auf den genauen
Zeitpunkt, auf welchen die Beklagte kündigen könnte, sollte die Kündigung per
30. September 2015 (Urk. 4/8) nicht gültig erfolgt sein. Zur Beantwortung dieser
Frage kommt es massgeblich darauf an, wie die Verträge zwischen der Klägerin
und dem Beklagten zu qualifizieren sind (Gebrauchsleihe oder Pacht). Diese Ver-
tragsqualifikation ist jedoch auch für die materielle Beurteilung der Räumungskla-
ge relevant. Die Vertragsqualifikation und damit die Ermittlung des Streitwerts
dient somit einerseits als Bestimmungselement für die sachliche Zuständigkeit
und bestimmt andererseits auch gleichzeitig den materiell-rechtlichen Streitge-
genstand. Entsprechend erwog die Vorinstanz zu Recht, dass die Qualifikation
der Verträge sowohl für die sachliche Zuständigkeit als auch für die Begründetheit
der Klage bedeutsam sei. Mithin handle es sich um eine sog. doppelrelevante
Tatsache, weshalb die von der klagenden Partei behaupteten Tatsachen für die
Frage der Zuständigkeit grundsätzlich als wahr unterstellt und erst bei der materi-
ellen Prüfung untersucht würden (Urk. 34 E. II.2.5 f.). Mit diesen Erwägungen der
Vorinstanz setzt sich der Beklagte vor Obergericht nicht auseinander. Er wieder-
holt diesbezüglich lediglich seine erstinstanzlichen Ausführungen, wonach seiner
Ansicht nach ein Pachtvertrag und keine Gebrauchsleihe vorliege (Urk. 33 S. 6-9).
Diese erneute Darstellung der Sach- und Rechtslage aus Sicht des Beklagten ge-
- 17 -
nügt den Anforderungen an eine schriftliche Berufungsbegründung nach Art. 311
ZPO nicht (vgl. vorstehend E. II.3). Zu der von der Vorinstanz als Begründung
vorgebrachten Theorie der doppelrelevanten Tatsachen äussert sich der Beklagte
mit keinem Wort und macht diesbezüglich weder eine unrichtige Rechtsanwen-
dung noch eine unrichtige Sachverhaltsfeststellung geltend (vgl. Art. 310 ZPO).
Entsprechend ist auf seine Berufung zu diesem Punkt nicht einzutreten.
4.4 Lediglich der Vollständigkeit halber ist anzumerken, dass die Erwägungen
der Vorinstanz zu diesem Thema inhaltlich nicht zu beanstanden wären. Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei der Beurteilung der Zuständigkeit pri-
mär auf den vom Kläger eingeklagten Anspruch und dessen Begründung abzu-
stellen. Die vom Kläger behaupteten Tatsachen, die sowohl für die (sachliche)
Zuständigkeit des angerufenen Gerichts als auch die Begründetheit der Klage er-
heblich sind (doppelrelevante Tatsachen), sind für die Beurteilung der Zuständig-
keit als wahr zu unterstellen. Sie werden erst im Moment der materiellen Prüfung
des eingeklagten Anspruchs untersucht; diesbezügliche Einwände der Gegenpar-
tei sind im Rahmen der Zuständigkeitsprüfung unbeachtlich. Eine Ausnahme gilt
nur für den Fall, dass der klägerische Tatsachenvortrag auf Anhieb fadenscheinig
oder inkohärent erscheint und durch die Klageantwort sowie die von der Gegen-
seite produzierten Dokumente unmittelbar und eindeutig widerlegt werden kann
(BGE 137 III 32 E. 2.2 f.; BGer 4A_234/2013 vom 20. Januar 2014, E. 3.3; BGer
4A_407/2011 vom 5. Dezember 2011, E. 2.1; ZR 114/2015 Nr. 36, E. 4.2). In ei-
ner vermögensrechtlichen Streitigkeit, in welcher nicht ausschliesslich eine be-
stimmte Geldsumme gefordert wird und zusätzlich keine Einigung der Parteien
über den Streitwert vorliegt, berechnet sich der Streitwert im Rahmen der Zustän-
digkeitsprüfung somit nach den schlüssigen, substantiierten und nicht offensicht-
lich unrichtigen Angaben der klagenden Partei (Rickli, a.a.O., Rz. 177). Vorlie-
gend ist die Frage, ob es sich bei den strittigen Verträgen um eine Gebrauchslei-
he oder um eine Pacht handelt, sowohl für die Streitwertberechnung und somit die
sachliche Zuständigkeit als auch für die materielle Beurteilung der Klage (Räu-
mung und Rückgabe der Grundstücke) von Bedeutung. Entsprechend ist bei der
Beurteilung der sachlichen Zuständigkeit und somit bei der Berechnung des
Streitwerts auf den von der Klägerin eingeklagten Anspruch und dessen Begrün-
- 18 -
dung abzustellen. Nach dem Gesagten ist für die Ermittlung des Streitwerts in
Übereinstimmung mit der Vorinstanz von einer Gebrauchsleihe und somit von ei-
ner zusätzlichen Vertragsdauer von drei Jahren auszugehen. Hinweise, die die
klägerische Behauptung einer Gebrauchsleihe auf der Stelle als fadenscheinig
oder inkohärent erscheinen lassen, liegen keine vor. Die Streitwertberechnung
der Vorinstanz (vgl. Urk. 34 S. 9) ist somit nicht zu beanstanden und es ist für das
vorliegende Verfahren von einem Streitwert von Fr. 23'400.– auszugehen.
C. Vertragsqualifikation
1. Unter dem Titel "Rechtliche Vertragsqualifikation" hat die Vorinstanz auf
rund vier Seiten ausführlich und nachvollziehbar dargelegt, dass es sich bei den
streitgegenständlichen Verträgen (Urk. 4/4 und 4/5) um eine Gebrauchsleihe und
nicht um eine Pacht handle (Urk. 34 E. IV.3).
Die Abgrenzung der Leihe von der Pacht erfolge nach dem Kriterium der
Unentgeltlichkeit. Gemäss Art. 4 LPG sei die Entgeltlichkeit ein objektiv wesentli-
cher Vertragsbestandteil der landwirtschaftlichen Pacht. Die Leihe sei dagegen
zwingend unentgeltlich. Der Wortlaut der am 25. März 2013 von den Parteien ab-
geschlossenen Verträge (Urk. 4/4 und 4/5) weise eindeutig auf eine unentgeltliche
Gebrauchsüberlassung hin – so die Vorinstanz weiter. Beide Verträge trügen den
Titel "Gebrauchsleihvertrag" und verwiesen ausdrücklich auf die auf den Leihver-
trag anwendbaren Gesetzesbestimmungen in Art. 305 ff. OR. Zudem werde aus-
drücklich festgehalten, dass beide Verträge die "unentgeltliche" Nutzung der
landwirtschaftlichen Grundstücke bzw. Gebäudeteile regeln würden. In diesem
Sinne enthielten die Verträge auch keinerlei Verpflichtung des Beklagten als Ent-
lehner zur Entrichtung eines Pachtzinses. Der Beklagte mache auch nicht gel-
tend, dass in den vorerwähnten Verträgen ein Pachtzins vereinbart worden oder
ein solcher jemals bezahlt worden sei. Vielmehr bringe er vor, er habe als Gegen-
leistung für die Gebrauchsüberlassung den Kaufrechtsvertrag zugunsten der Klä-
gerin zu einem viel zu tiefen Preis anerkannt. Zwar habe der Beklagte in dem von
den Parteien geschlossenen Vergleich auch den Kaufvertrag zwischen seinem
Vater und der Klägerin anerkannt (Urk. 4/6 Ziffer 4). Aus dem Vergleich gehe je-
- 19 -
doch nicht hervor, dass die vom Beklagten vergleichsweise eingegangenen Kon-
zessionen eine Gegenleistung für die vereinbarte Gebrauchsüberlassung hätten
darstellen sollen. Davon hätte nur die Rede sein können, wenn die Gebrauchs-
überlassungen einerseits und die Abreden zur vergleichsweisen Beilegung der
Rechtsstreitigkeit andererseits ein einheitliches Geschäft darstellen würde, des-
sen einzelne Abreden nach dem Willen der Parteien nur gemeinsam stehen oder
fallen sollten. Der Beklagte behaupte jedoch nicht, der Abschluss der Gebrauchs-
überlassungsverträge sei für ihn eine notwendige Bedingung, eine sog. conditio
sine qua non, für die Unterzeichnung des Vergleichs gewesen. Die Gegenleistung
für die Anerkennung des Kaufvertrags durch den Beklagten dürfte vielmehr darin
zu sehen sein, dass die Klägerin ihrerseits von der Anfechtung des Nottestamen-
tes, welches den Beklagten zum Alleinerben berufen habe, Abstand genommen
habe. Im Ergebnis sei daher klar zu verneinen, dass gemäss dem Parteiwillen
zwischen den Leihverträgen und der vergleichsweisen Anerkennung des Kaufver-
trags ein so enger Geltungszusammenhang bestehe, dass von konnexen Leis-
tungen gesprochen werden könnte (Urk. 34 E. IV.3.2-3.6).
2. Mit diesen Erwägungen der Vorinstanz setzt sich der Beklagte in seiner Be-
rufungsschrift wiederum nicht auseinander. Er wiederholt lediglich seinen Stand-
punkt, den er bereits im vorinstanzlichen Verfahren vertreten hat, und bezeichnet
die Ausführungen im angefochtenen Urteil pauschal als falsch und unzutreffend
(Urk. 33 S. 15). So führt der Beklagte aus, es sei von einem langjährigen Pacht-
verhältnis auszugehen. Die Argumentation der Vorinstanz sei falsch, wonach es
für die Abgrenzung von Leihe und Pacht auf das Kriterium der Unentgeltlichkeit
ankomme, und wonach der Wortlaut der am 25. März 2013 abgeschlossenen Ver-
träge eindeutig auf eine unentgeltliche Gebrauchsüberlassung hinweise. Das Ge-
genteil sei richtig: Zwar sei kein monatlicher Pachtzins vereinbart worden, als Ge-
genleistung sei jedoch der für die Überlassung des Bauernbetriebes völlig unan-
gemessen tiefe Kaufpreis abgegolten worden. Nochmals sei daran zu erinnern,
dass die Vereinbarung (Urk. 4/6) sowie die beiden Verträge (Urk. 4/4 und 4/5) als
einheitliches Vertragswerk zusammen gehörten, weshalb von einer unentgeltli-
chen Gebrauchsüberlassung keine Rede sein könne. Die grundsätzliche Pacht-
zinspflicht sei durch die Überlassung der Grundstücke ins Alleineigentum der Klä-
- 20 -
gerin verbunden mit einem unüblich tiefen Übernahmepreis sowie durch Verzicht
auf die Anfechtung des Kaufrechtsvertrages mehr als kompensiert worden
(Urk. 33 S. 15 f.). In seiner Berufungsschrift stellt der Beklagte somit den Erwä-
gungen der Vorinstanz einfach seine eigene Rechtsauffassung gegenüber, ohne
dabei inhaltlich auf die Argumente der Vorinstanz einzugehen. Damit kommt der
Beklagte seiner Begründungspflicht erneut nicht nach (vgl. einleitend E. II.3),
weshalb auch in diesem Punkt auf die Berufung nicht einzutreten ist.
3. Der Vollständigkeit halber bleibt anzumerken, dass die Erwägungen der Vor-
instanz inhaltlich nicht zu beanstanden wären. Um Wiederholungen zu vermeiden
kann vorab auf die korrekten Ausführungen im angefochtenen Urteil verwiesen
werden (Urk. 34 E. IV.3). Der klare Wortlaut der Verträge (Urk. 4/4 und 4/5), ins-
besondere die Überschrift ("Gebrauchsleihverträge"), die Parteibezeichnung
("Verleiherin"/"Entlehner") sowie der explizite Verweis auf die Art. 305 ff. OR
sprechen eindeutig für einen Leihvertrag. Darüber hinaus wird bereits auf der ers-
ten Seite ausdrücklich festgehalten, dass es sich um eine unentgeltliche Nutzung
handelt, wobei das Wort "unentgeltlichen" noch fett geschrieben und damit her-
vorgehoben wurde. In diesem Sinne findet sich im gesamten Vertragswerk auch
keine Bestimmung, welche den Beklagten zu einer Gegenleistung verpflichten
würde. Selbst der Beklagte gesteht ein, dass zwischen den Parteien kein Pacht-
zins vereinbart worden ist (Urk. 33 S. 15). Dies widerspricht jedoch klar der Le-
galdefinition der landwirtschaftlichen Pacht gemäss Art. 4 LPG, wonach der Päch-
ter sich verpflichtet, für die Gebrauchsüberlassung "einen Zins zu bezahlen".
Auch aus dem zwischen den Parteien abgeschlossenen Vergleich vom 25. März
2013 geht nicht hervor, dass die Anerkennung des Kaufvertrags vom 19. April
2011 eine direkte Gegenleistung zur Nutzung der Grundstücke und Gebäudeteile
darstellen soll (Urk. 4/6 Ziffer 4). Die Argumentation des Beklagten, wonach diese
Anerkennung des Kaufvertrages einen Ersatz für den Pachtzins darstellen solle,
wirkt konstruiert und findet in den Akten keine Stütze. Aufgrund der unentgeltli-
chen Nutzung der Grundstücke und Gebäudeteile durch den Beklagten fällt eine
Pacht bereits aus diesem Grund ausser Betracht. Nach dem Gesagten ist über-
einstimmend mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass es sich bei den zwi-
schen den Parteien abgeschlossenen Verträgen eindeutig um eine Gebrauchslei-
- 21 -
he handelt. Für die Annahme einer Pacht ergeben sich aus den vorliegenden Ak-
ten keine Hinweise. Weitere Einwendungen gegen die Vertragsqualifikation durch
die Vorinstanz bringt der Beklagte nicht vor, weshalb sich weitere Ausführungen
diesbezüglich erübrigen.
D. Materielle Einwände gegen die Gültigkeit der Verträge
1. Neben der beanstandeten Vertragsqualifikation macht der Beklagte in seiner
Berufungsschrift diverse materielle Einwände gegen die Gültigkeit der Vereinba-
rung vom 25. März 2013 (Urk. 4/6) sowie gegen die zwei gleichentags abge-
schlossenen Leihverträge (Urk. 4/4 und 4/5) geltend. Die diesbezüglichen Ausfüh-
rungen auf den Seiten 10 bis 16 der Berufungsschrift sind jedoch nur schwer ver-
ständlich (Urk. 33 S. 10-16). Soweit ersichtlich, begründet der Beklagte die Ungül-
tigkeit der erwähnten Vereinbarungen einerseits mit "Nötigungen" und Übervortei-
lung (Urk. 33 S. 10-13), andererseits mit Irrtum bzw. Dissens (Urk. 33 S. 14-16).
Dabei handelt es sich teilweise um schlichte Wiederholungen der bereits im erst-
instanzlichen Verfahren vorgebrachten Ausführungen, ohne dabei konkret aufzu-
zeigen, inwiefern die Erwägungen der Vorinstanz fehlerhaft sind. Teilweise han-
delt es sich aber auch um neue, erstmals im Berufungsverfahren vorgebrachte
Einwände, die aufgrund der Novenbeschränkung gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO
nicht gehört werden können. Die Vorbringen des Beklagten sind sodann nur
schwer nachvollziehbar. Einerseits behauptet er, bei den streitgegenständlichen
Verträgen handle es sich um eine landwirtschaftliche Pacht, weshalb eine Kündi-
gung frühesten nach neun bzw. sechs Jahren möglich sei. Andererseits bringt er
vor, ebendiese Verträge seien aufgrund von Nötigung, Übervorteilung, Irrtum und
Dissens ungültig und somit unbeachtlich. Demgemäss beantragt der Beklagte die
Abweisung der klägerischen Ausweisungsklage gestützt auf die zwischen den
Parteien abgeschlossenen Pachtverträge, behauptet jedoch gleichzeitig, genau
diese Verträge seien gleich aus mehreren Gründen gar nicht gültig. Diese Argu-
mentation ist widersprüchlich, und es ist nicht ersichtlich, was der Beklagte aus
einer allfälligen Ungültigkeit der strittigen Verträge zu seinen Gunsten ableiten
möchte.
- 22 -
2. "Nötigung" und Übervorteilung
2.1 Unter diesem Titel erwog die Vorinstanz, der Beklagte mache zwar geltend,
die Verträge vom 25. März 2013 seien nötigend, wenn nicht gar erpresserisch,
zustande gekommen. Er behaupte jedoch nicht, die Verträge innert Jahresfrist
seit Wegfall der Druckausübung im Sinne von Art. 31 Abs. 1 OR angefochten zu
haben. Der Beklagte habe die streitigen Objekte im Gegenteil genutzt, ohne sich
dafür auf einen anderen Rechtstitel berufen zu können. Ein allfälliger Willensman-
gel wäre somit zufolge Genehmigung als geheilt zu betrachten. Ausserdem habe
die Klägerin mit ihrer Ankündigung, den Beklagten "vom Hof zu jagen", bloss ihre
Absicht auf drastische Weise kund getan, von ihren Rechten Gebrauch zu ma-
chen. Dass sie dem Beklagten mit dem Leihvertrag übermässige Vorteile abgenö-
tigt hätte, werde nicht behauptet und sei auch nicht ersichtlich. Eine zu berück-
sichtigende Furcht vor der Geltendmachung eines Rechts sei daher nicht darge-
tan, weshalb die Verträge verbindlich seien (Urk. 34 E. IV.2.2).
2.2 Der Beklagte macht vor Obergericht bezüglich der Vereinbarung vom
25. März 2013 erneut "Nötigungen" geltend (Urk. 33 S. 10). Er sei damals von der
Klägerin und ihrem Freund F._ derart unter Druck gesetzt worden, dass er
einerseits glaubte, gar keine andere Wahl zu haben, als die Vereinbarung zu un-
terzeichnen. Andererseits habe ihm F._ vorgespiegelt, mit Unterzeichnung
der streitigen Vereinbarungen könne er den Bauernbetrieb auf unbestimmte Zeit
weiterführen. Er habe nicht erkannt, dass die Klägerin nicht nur berechtigt gewe-
sen sein solle, auf den 30. September 2015 erstmals zu kündigen, sondern dass
sie die Kündigung auf diesen erstmöglichen Zeitpunkt bereits bei Unterzeichnung
der Vereinbarung geplant habe. Richtig sei, dass die Parteien – aus Sicht des Be-
klagten – davon ausgegangen seien, dass die Klägerin "bei gutem Einverneh-
men" keine Veranlassung habe, die Verträge zu kündigen. Die Vorinstanz habe
aber übersehen – und der Beklagte habe dies nach Treu und Glauben auch nicht
erkannt – dass es der Klägerin schon bei Vertragsunterzeichnung keine Minute in
den Sinn gekommen sei, zu einem "guten Einvernehmen" beizutragen. Im Gegen-
teil habe sie nach einem verwerflichen und betrügerischen Plan erneut einen Kon-
flikt mit dem Beklagten provoziert, indem sie ihm eine anrüchige und unseriöse
- 23 -
Lebenshaltung vorgeworfen habe. Tatsache sei, dass diese Vorwürfe allesamt
unberechtigt seien. Der Beklagte habe sich stets in jeder Beziehung wohlverhal-
ten und die Klägerin nie provoziert. Durch das Verhalten der Klägerin werde die
Voraussetzung des "guten Einvernehmens" betrügerisch beseitigt (Urk. 33
S. 10 f.). Schliesslich komme es, entgegen der Annahme der Vorinstanz, nicht da-
rauf an, ob der Beklagte die Verträge innert Frist gekündigt habe. Denn die
Druckausübung habe über die Jahresfrist hinaus bis zum klägerischen Schreiben
vom 22. September 2014 angedauert (Urk. 33 S. 14).
Die Vorinstanz argumentiere sodann, dass die Klägerin dem Beklagten mit
dem "Leihvertrag" übermässige Vorteile abgenötigt hätte, werde nicht behauptet
und sei auch nicht ersichtlich. Vorab übersehe die Vorinstanz, dass die übermäs-
sigen Vorteile, welche sich die Klägerin zusammen mit ihrem Komplizen F._
erworben habe, nicht allein aus dem "Leihvertrag" geflossen seien. Massgebend
sei das Gesamtvertragswerk, bestehend aus der grundsätzlichen Vereinbarung
vom 25. März 2013 (Urk. 4/6) und den als unabtrennbare Bestandteile dazuge-
hörenden Leihverträgen gleichen Datums (Urk. 4/4 und 4/5). Aus den Akten erge-
be sich, dass die Klägerin und ihr Komplize F._ bereits seit Jahren alles da-
ran gesetzt hätten, um dem Vater des Beklagten die Liegenschaften abzuluchsen.
Dieses betrügerische Netzwerk sei die Grundlage der Vereinbarung vom 25. März
2013 gewesen. Als weiteren Schritt habe F._ sodann das Nottestament von
Vater E._ angefochten. Durch die Vereinbarung vom 25. März 2013 habe
F._ alsdann zwar auf die Anfechtung des Testaments von Vater E._
verzichtet. Gleichzeitig aber habe der Beklagte den Kaufrechtsvertrag einschliess-
lich Kaufpreis und die ihm diktierten "Gebrauchsleihverträge" anerkennen müs-
sen, womit F._ und die Klägerin an ihrem verwerflichen Ziel angelangt seien.
Mit anderen Worten habe die Klägerin unter Mithilfe von F._ das alleinige Ei-
gentum an Hof und Haus im Wissen um die Hilflosigkeit des Beklagten erwirkt.
Damit erweise sich die Annahme der Vorinstanz, wonach die Klägerin dem Be-
klagten keine übermässigen Vorteile abgenötigt habe, als haltlos (Urk. 33 S. 12
f.).
- 24 -
2.3 Sowohl bei der Übervorteilung gemäss Art. 21 OR als auch bei der Furchter-
regung im Sinne von Art. 29 f. OR hat die benachteiligte Partei innert Jahresfrist
zu erklären, dass sie den Vertrag nicht halte (Art. 21 Abs. 1 OR bzw. Art. 31
Abs. 1 OR). Dasselbe gilt im Übrigen auch für die vom Beklagten ebenfalls sinn-
gemäss vorgebrachte absichtliche Täuschung nach Art. 28 OR i.V.m. Art. 31
Abs. 1 OR. Bei der Übervorteilung beginnt die Jahresfrist mit dem Abschluss des
Vertrages (Art. 21 Abs. 2 OR), bei der Täuschung mit der Entdeckung und bei der
Furchterregung mit deren Beseitigung (Art. 31 Abs. 2 OR). Diesbezüglich bringt
der Beklagte vor Obergericht lediglich vor, die "Druckausübung" habe über die
Jahresfrist hinaus bis zum klägerischen Schreiben vom 22. September 2014 an-
gedauert (Urk. 33 S. 14). Soweit ersichtlich, handelt es sich dabei jedoch um ein
neues Vorbringen, was nach Art. 317 Abs. 1 ZPO nicht zulässig ist. Zumindest
behauptet der Beklagte nicht, dass er die Einhaltung der erwähnten Jahresfrist
bereits vor Vorinstanz substantiiert behauptet und belegt hätte. Somit hat der Be-
klagte eine angebliche Vertragsanfechtung wegen Übervorteilung bzw. Furchter-
regung nicht rechtzeitig geltend gemacht, da er die tatsächlichen Voraussetzun-
gen für eine gültige Anfechtung weder im erstinstanzlichen noch im zweitinstanzli-
chen Verfahren substantiiert vorgebracht hat. Die Berufung ist in diesem Punkt
unbegründet.
Darüber hinaus ist mit der Klägerin davon auszugehen, dass der Beklagte
bei der Vertragsunterzeichnung keineswegs unter Druck gesetzt worden ist (vgl.
Urk. 39 Rz. 17). Für die vom Beklagten behauptete Nötigung bzw. Furchterregung
ergeben sich aus den vorliegenden Akten keinerlei Hinweise. So verweist die Klä-
gerin auf ein Schreiben an das Friedensrichteramt vom 25. März 2013, worin der
Beklagte explizit bestätigte, dass er der Vereinbarung aus "freiem Willen" zuge-
stimmt habe (Urk. 4/7). Ebenfalls zu Recht verweist die Klägerin in ihrer Beru-
fungsantwortschrift auf einen Entwurf des Vergleichsvorschlages, welchen der
Beklagte bereits am 20. Februar 2013 unterzeichnet hat (Urk. 21/15). Die endgül-
tige Version der streitgegenständlichen Vereinbarung wurde daraufhin jedoch erst
am 25. März 2013 von allen Beteiligten unterschrieben (Urk. 4/6). Somit hatte der
Beklagte seit der Unterzeichnung des Entwurfs rund einen ganzen Monat Zeit, bis
er die endgültige Version unterschrieben hat. Diese chronologische Abfolge wi-
- 25 -
derspricht ebenfalls der vom Beklagten behaupteten Druckausübung bzw. Nöti-
gung. Zudem ist der Vereinbarung zu entnehmen, dass die beiden strittigen "Ge-
brauchsleihverträge" vom "Schweiz. Bauernsekretariat" ausgearbeitet wurden
(Urk. 4/6 Ziffer 5 und 6), was die Klägerin zu Recht als weiteres Indiz gegen eine
Nötigung vorbringt (vgl. Urk. 39 Rz. 17). Schliesslich widerspricht auch das Kün-
digungsschreiben vom 22. September 2014 (Urk. 4/8) der vom Beklagten behaup-
teten betrügerischen Machenschaften der Klägerin. Wie die Klägerin richtiger-
weise vorbringt (Urk. 39 Rz. 18), hat sie dem Beklagten im besagten Kündigungs-
schreiben die Weiterführung bzw. Ausarbeitung neuer Verträge mit einer Ver-
tragsdauer von jeweils einem Jahr angeboten und dem Beklagten die Möglichkeit
eingeräumt, sich bis zum 31. Oktober 2014 dazu zu äussern (Urk. 4/8 S. 3). Auch
dieser Vorschlag der Klägerin widerspricht eindeutig dem vom Beklagten ge-
zeichneten Bild, wonach die Klägerin schon von Anfang an geplant habe, den Be-
klagten so schnell wie möglich los zu werden. Nach dem Gesagten sind die Er-
wägungen der Vorinstanz nicht zu beanstanden, wonach vorliegend weder eine
Furchterregung noch eine Übervorteilung vorliege und die Verträge aus diesem
Grund verbindlich seien (Urk. 34 E. IV.2). Das angefochtene Urteil ist in diesem
Punkt zu bestätigen.
3. Irrtum bzw. Dissens
3.1 Unter diesem Titel bringt der Beklagte berufungsweise vor, die Verträge sei-
en aufgrund eines Irrtums über die tatsächliche Bedeutung und zeitliche Geltung
der Vereinbarungen ungültig. Dabei komme es, entgegen der Annahme der Vorin-
stanz, nicht darauf an, ob der Beklagte die Verträge innert Frist angefochten hät-
te. Erstens habe die Druckausübung über die Jahresfrist hinaus bis zum klägeri-
schen Schreiben vom 22. September 2014 angedauert. Dazu komme, dass es ei-
ner Anfechtung nicht einmal bedürfe. Vielmehr stehe fest, dass der Beklagte von
einem langjährigen Pachtverhältnis zum "witer puure" habe ausgehen dürfen. Es
liege ein Dissens vor, indem die Parteien in einem objektiv vertragsnotwendigen
und einem subjektiv wesentlichen Punkt voneinander abgewichen seien. Falls die
Parteien in diesem wesentlichen Punkt nicht zu einer Übereinstimmung gelangt
seien, sei der Vertrag als solcher nicht zustande gekommen. Die falsche Meinung
- 26 -
einer Partei, einen Vertrag geschlossen zu haben, vermöge nicht den fehlenden
Konsens zu ersetzen. Dies gelte erst recht, wenn die eine Partei betrügerisch er-
kannt und gewollt habe, dass die Gegenpartei von einem anderen Sachverhalt
ausgehe (Urk. 33 S. 14).
3.2 Zu diesen Ausführungen des Beklagten finden sich im angefochtenen Urteil
keine Erwägungen, da der Beklagte diese Behauptungen erst(mals) im Beru-
fungsverfahren vorbringt. Soweit ersichtlich hat sich der Beklagte im erstinstanzli-
chen Verfahren nie auf Irrtum bzw. Dissens berufen, weshalb er die tatsächlichen
Voraussetzungen diesbezüglich vor Vorinstanz auch nie substantiiert vorgetragen
hat. In seiner Berufungsschrift behauptet der Beklagte auch gar nicht, dass er
diese Tatsachen bereits vor Bezirksgericht dargetan habe und begründet auch
nicht, weshalb er dies nun erstmals vor Obergericht tut.
3.3 Wie einleitend bereits ausgeführt (E. II.4), werden Noven im Berufungsver-
fahren nur noch berücksichtigt, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden und
trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konn-
ten (Art. 317 Abs. 1 lit. a und b). Das Berufungsverfahren dient nicht dazu, dass
die Parteien Versäumtes nachholen bzw. nachbessern können. Alles, was rele-
vant ist, ist rechtzeitig in das erstinstanzliche Verfahren einfliessen zu lassen
(BGE 142 III 413 E. 2.2.2). Jede Partei, welche neue Tatsachen vorbringt, trägt
die Beweislast für die Zulässigkeit dieser Noven. Sie muss Behauptungen aufstel-
len und Beweise benennen, aus denen sich ergibt, dass sie die neu vorgebrach-
ten Tatsachen auch bei zumutbarer Sorgfalt nicht bereits vor Erstinstanz vorbrin-
gen konnte (BGE 143 III 42 E. 4.1). Dies hat der Beklagte vorliegend nicht getan.
Aus seinen Ausführungen geht nicht hervor, weshalb er nicht bereits vor Erstin-
stanz geltend gemacht hat, dass gar keine übereinstimmenden Willenserklärun-
gen vorgelegen haben (Dissens) bzw., dass er sich beim Abschluss der Verträge
über eine wesentliche Tatsache geirrt habe (Irrtum). Er ist somit seiner pro-
zessualen Pflichten nicht nachgekommen, weshalb die neu vorgebrachten Tatsa-
chen als verspätete Noven nicht zu berücksichtigen sind.
3.4 Darüber hinaus ist die neue Argumentation des Beklagten betreffend Irrtum
und Dissens widersprüchlich. Gemäss Bundesgericht verhindert eine fehlerhafte
- 27 -
Willensbildung (Irrtum) nicht den Konsens, sondern gibt der davon betroffenen
Partei allenfalls ein Recht, den Vertrag anzufechten. Umgekehrt setzt diese An-
fechtung notwendigerweise einen Konsens voraus. Wirksamer Dissens und Wil-
lensmangel schliessen sich gegenseitig aus (BGE 129 III 320 E. 6.2, mit Verweis
auf BGE 105 II 23 E. 2b). Erst wenn feststeht, dass ein Vertrag zustande gekom-
men ist, stellt sich in einem zweiten Schritt die Frage, ob er wegen eines Willens-
mangels für eine Partei unverbindlich ist (CHK-Kut, Art. 23-24 OR N 3, m.w.H.).
Im vorinstanzlichen Verfahren argumentierte der Beklagte, die strittigen Verträge
seien "nötigend, wenn nicht gar erpresserisch" zustande gekommen (Prot. I S. 12
ff.; vgl. auch Urk. 15 S. 9). Sinngemäss focht er die Vereinbarungen somit auf-
grund einer Furchterregung bzw. einer Übervorteilung an (vgl. vorstehen E. D.2).
Diese Willensmängel – sowie auch der berufungsweise neu vorgebrachte Irrtum –
setzen jedoch allesamt das gültige Zustandekommen der Verträge voraus, womit
ein Dissens ausgeschlossen ist. Erstmals vor Obergericht behauptet der Beklagte
nun, die Parteien seien in einem objektiv vertragsnotwendigen Punkt nicht zu ei-
ner Übereinstimmung gelangt, weshalb der Vertrag als solcher nicht zustande ge-
kommen sei (Urk. 33 S. 14). Wie erwähnt, handelt es sich bei dieser Behauptung
um ein unzulässiges Novum und sie widerspricht zudem den Vorbringen des Be-
klagten im erstinstanzlichen Verfahren. Zu einem ähnlichen Ergebnis führen die
(neuen) Ausführungen des Beklagten zum angeblichen Irrtum. Wer sich auf einen
Irrtum beruft, muss den Irrtum, seine Wesentlichkeit, die Kausalität zwischen Irr-
tum und Erklärung sowie dessen rechtzeitige Geltendmachung behaupten und
beweisen. All diese Voraussetzungen für eine rechtsgenügende Irrtumsanfech-
tung hat der Beklagte weder im erst- noch im zweitinstanzlichen Verfahren sub-
stantiiert dargelegt, geschweige denn bewiesen. Eine rechtzeitige und gültige Irr-
tumsanfechtung liegt nach dem Gesagten nicht vor. Die Berufung des Beklagten
ist auch in diesem Punkt abzuweisen, soweit darauf eingetreten wird.
4. Rechtsmissbrauch
4.1 Schliesslich macht der Beklagte ein rechtsmissbräuchliches Verhalten der
Klägerin geltend. So sei die Klage auch gestützt auf Art. 2 Abs. 2 ZGB abzuwei-
sen. Es stehe fest, dass der Beklagte in guten Treuen von einem langjährigen
- 28 -
Pachtverhältnis zum "witer puure" ausgegangen sei und auch hätte ausgehen
dürfen, während die Klägerin von allem Anfang an geplant habe, rechtsmiss-
bräuchlich die Verträge auf den erstmöglichen Zeitpunkt zu kündigen. Es liege
somit ein klarer Fall eines Verhaltens der Klägerin gegen Treu und Glauben vor
(Urk. 33 S. 15 f.).
4.2 Die Partei, die der anderen Rechtsmissbrauch vorwirft, hat die Umstände
nachzuweisen, aufgrund derer anzunehmen ist, dass ein rechtsmissbräuchliches
Verhalten vorliegt (BGE 134 III 52 E. 2.1 mit Verweis auf BGE 133 III 61 E. 4.1).
Was den Vorwurf des Rechtsmissbrauchs anbelangt, trägt somit der Beklagte die
Beweislast. Diesbezüglich behauptet er zwar, die Klägerin habe von allem Anfang
an geplant, die Verträge rechtsmissbräuchlich auf den erstmöglichen Zeitpunkt zu
kündigen. Einen Beweis dafür offeriert der Beklagte jedoch nicht, und er behaup-
tet auch nicht, dass er die entsprechenden Beweise zur Untermauerung seines
Rechtsmissbrauchsvorwurfs bereits im vorinstanzlichen Verfahren eingereicht
bzw. offeriert habe. Somit bleibt das Vorbringen, wonach die Klägerin von Anfang
an geplant habe, die Verträge rechtsmissbräuchlich auf den erstmöglichen Zeit-
punkt zu kündigen, eine reine Parteibehauptung. Darüber hinaus spricht das An-
gebot der Klägerin im Kündigungsschreiben vom 22. September 2014 (Urk. 4/8
S. 3), die Verträge um jeweils ein Jahr zu verlängern, klar gegen die Vorbringen
des Beklagten. Ein rechtsmissbräuchliches Verhalten der Klägerin konnte der Be-
klagte nicht darlegen und ist vorliegend auch nicht ersichtlich.
5. Zusammenfassend erweist sich die Berufung als unbegründet; sie ist dem-
gemäss abzuweisen, soweit darauf eingetreten wird, und der angefochtene Ent-
scheid ist zu bestätigen (Art. 318 Abs. 1 lit. a ZPO).
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Ausgang ist auch die Regelung der Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen des erstinstanzlichen Verfahrens (Urk. 34 Dispositivziffer 6-8) ohne
Weiteres zu bestätigen (Art. 106 Abs. 1 ZPO).
- 29 -
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind ebenfalls vollumfänglich dem mit
seinem Rechtsmittelantrag unterliegenden Beklagten aufzuerlegen (Art. 106
Abs. 1 ZPO). Beim vorliegenden Streitwert von Fr. 23'400.– ist die zweitinstanzli-
che Entscheidgebühr gestützt auf § 12 Abs. 1 und 2 in Verbindung mit § 2 und § 4
Abs. 1 GebV OG auf Fr. 3'420.– festzusetzen (Art. 105 Abs. 1 ZPO) und mit dem
vom Beklagten geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen (Art. 111 Abs. 1
ZPO).
3. Überdies ist der Beklagte zu verpflichten, der anwaltlich vertretenen Klägerin
für das zweitinstanzliche Verfahren antragsgemäss eine nach den Vorschriften
der AnwGebV zu bemessende Parteientschädigung zu bezahlen (Art. 105 Abs. 2
und Art. 111 Abs. 2 ZPO). Deren Höhe ist in Anwendung von § 2 Abs. 1, § 4
Abs. 1 sowie § 13 Abs. 1 und 2 AnwGebV auf Fr. 2'800.– (zuzüglich 8% MwSt.
von Fr. 224.–) festzusetzen.