Decision ID: 3d6399c2-6f6d-46d8-bdcd-6c547556c14b
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1967, war im Jahr 1997 bei der
Y._
, von 1998 bis 2000 be
i der
Z._
AG,
im J
ahr 2001 bei der
A._
AG
, von 2002 bis 20
03 bei der
B._
AG
, von 2004 bis 2008 b
ei der
C._
und von 2008 bis 2009 be
i der
D._
als Finanzexpertin tätig (Urk. 7/33). Unter Hinweis auf eine Rotatorenmanschetten
ruptur mit Schultergelenksarthrose meldete sie sich am 4. August 2016 (richtig: 2017) bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/11). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und veranlasste ein psychiatrisches Gutachten, das am 28. Mai 2019 erstattet wurde (Urk. 7/73).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/77; Urk. 7/81) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 9. Oktober 2019 einen Rentenanspruch (Urk. 7/85 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 8. November 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 9. Oktober 2019 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr eine ganze Rente ab Februar 2018 zuzusprechen (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 13. Dezember 2019 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde. Mit Gerichtsverfügung vom 8. Januar 2020 wurden antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Urk. 8). Die Beschwerdeführerin erstattete ihre Replik am 13. Januar 2020 (Urk. 10), die Beschwerdegegnerin teilte mit Eingabe vom 30. Januar 2020 (Urk. 12) mit, dass sie auf eine Duplik verzichte.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditätsbe
messung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie
hy
pothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonde
ren sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhält
nisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme eine
r im Gesundheitsfall ausgeübten
(Teil-)Erwerbstätig
keit der im Sozial
versicherungsrecht übliche Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 1
46 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
1.4
Es braucht in jedem Fall zur Annahme einer Invalidität ein medizinisches Sub
strat, das (
fach
)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesener
massen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fach
ärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleich
baren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungs
situation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unab
dingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo der Gutachter dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psycho
sozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheits
schaden gegeben
(BGE 127 V 294 E. 5.a)
.
1.5
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte
Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas
tungs
fak
toren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ande
rerseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE
141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1).
Die Anerkennung eines ren
tenbe
grün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktio
nellen Aus
wir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete
versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.6
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor-
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus,
dass die vom psychiatrischen Gutachter attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50 % für angepasste Tätigkeit nicht nachvollziehbar sei. Die Beschwerdeführerin sei belastet durch die angespannte finanzielle Situation, die wiederkehrenden Auseinandersetzungen mit dem Sozialamt und durch die mangelnde Perspektive. Dies seien invaliditätsfremde Faktoren, die nicht berücksichtigt werden könnten (S. 1).
Der psychische Zustand habe sich spätestens seit Mai 2018 gebessert. Für Haushaltstätigkeiten sei die Beschwerdeführerin nicht eingeschränkt und die vorhandenen körperlichen Beschwerden schränkten sie auch für Bürotätigkeiten nicht ein. Es bestünden genügend Ressourcen, um einer Erwerbstätigkeit nach
zugehen, da die Beschwerdeführerin unter anderem sehr intelligent und hochqualifiziert sei (S. 2 oben). Sie sei zu einigen Aktivitäten in der Lage, stehe sie doch sei
t
Jahren in einem andauernden Kampf mit dem Sozial
amt, wobei
auch gerichtliche Auseinandersetzungen statt
fänden
. Die im Gutachten genannte Opferrolle trage wesentlich dazu bei, dass sich die Beschwerdeführerin nicht arbeitsfähig fühle. Bei den von ihr genannten Alltagsaktivitäten sei nicht nach
vollziehbar, dass sie sich subjektiv überhaupt nicht arbeitsfähig fühle (S. 2 Mitte).
Eine psychische Beeinträchtigung bestehe bereits seit mehreren Jahren. Eine
IV-Anmeldung
sei jedoch erst jetzt erfolgt, als die Schulterbeschwerden aufgetaucht seien.
Es müsse folglich davon ausgegangen werden, dass die psychischen Leiden die Beschwerdeführerin nicht derart eingeschränkt hätten, dass eine IV-Anmeldung notwendig gewesen wäre (S.
2 unten).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
es erhelle bereits aus dem Umstand, dass der Gutachter auch dem ADHS eine Auswirkung auf die Konzentrationsfähigkeit im Zusammenhang mit der Depres
sion zuschreibe, dass es sich eben nicht um ausschliesslich psychosoziale Belastungsfaktoren handeln könne, die das Beschwerdebild prägten. Dass der Gutachter die nicht krankheitsbedingten/psychosozialen Einschränkungen separat erfasst und bei der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung ausgeklammert habe, gehe klar aus seinen Ausführungen hervor. So habe er angemerkt, dass sie
zudem auch
unter den psychosozialen Faktoren leide. Der Gutachter habe eine mittler
weile verselbständigte chronifizierte Depression mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbstätigkeit festgestellt. Dabei sei es völlig unerheblich, ob die jahrelangen Belastungen durch die Berufstätigkeit, die Aufgabe als Hausfrau und Mutter und die Gewalttätigkeiten des Ehemannes einst ursächlich für die Ent
wicklung der Depression gewesen seien. Diese Faktoren lägen heute nicht mehr vor. Für das
Vorliegen einer verselbständigten chronifizierten Depression spreche auch der Umstand, dass sie sich seit Jahren in ambulanter Psychotherapie befinde, welche vom Gutachter als adäquat beurteilt worden sei (S. 5 f. Ziff. 5).
Die Diagnosen «Status nach posttraumatischer Belastungsstörung» und «abhän
gige Persönlichkeitsstörung» seien bei den Ressourcen und Komorbiditäten zu berücksichtigen. Sie sei laut dem Gutachter in der Rolle des Opfers gefangen, aus der sie sich nicht lösen und entsprechend ihre Ressourcen wie Intelligenz und berufliche Qualifikation nicht nutzen könne (S. 6 Ziff. 6). Die gutachterlich attes
tierte Arbeitsunfähigkeit von 50
%
sei schlüssig und nachvollziehbar und lasse auch ein bestimmtes Mass an Freizeitaktivitäten zu, ohne dass eine Inkonsistenz vorliegen würde (S. 7 Ziff. 6). Es sei auf sie abzustellen (S. 7 f. Ziff. 7).
Von ihrem Ex-Mann werde sie finanziell nicht unterstützt. Selbst nach der Geburt ihrer Kinder 2006 und 2008 habe sie bis Mai 2011 gearbeitet. Der Betreuungs
aufwand für die Kinder halte sich mit Blick auf deren Alter stark in Grenzen, dies auch deshalb, weil diese eine Tagesschule besuchten.
Mit Blick auf ihre Ausbil
dung und Berufsbiographie sei
sie
daher
als voll Erwerbstätige zu qualifizieren (S. 8 Ziff. 8). Bei einer Restarbeitsfähigkeit von 50
%
resultiere aus einem auf die Zahlen des Bundesamts für Statistik gestützten Einkommensvergleich ein Anspruch auf eine ganze Rente (S. 8 Ziff. 9). Werde eine Qualifikation als Teiler
werbstätige angenommen, so beantrage sie eine Haushaltsabklärung zwecks Bemessung der Einschränkungen im Haushalt. Die Erledigung von schweren Haushaltstätigkeiten sei ihr aufgrund des Schulterleidens rechts nämlich nicht mehr möglich (S. 9 Ziff. 10).
2.3
In der Beschwerdeantwort (Urk. 6) führte
die Beschwerdegegnerin betreffend
die Qualifikation der Beschwerdeführerin aus, diese habe anlässlich der Begutach
tung erklärt, sie könne sich nicht vorstellen, in einem Pensum von 50 % zu arbeiten, da sie für ihre Kinder da sein müsse, wobei sie sehr beschäftigt sei mit der Suche nach einer neuen Schule für ihre Tochter. Sie habe gar keine Zeit, um arbeiten zu können. Sie sei deshalb nicht als voll erwerbstätig zu qualifizieren,
sondern vielmehr als zu 100
%
im Haushalt tätig (S. 1 unten
).
Gemäss dem psychiatrischen Gutachten sei die Beschwerdeführerin in der Tätig
keit als Hausfrau und in der Kinderbetreuung nicht beeinträchtigt. Aufgrund der Schul
t
erbeschwerden seien ihr zwar Überkopfarbeiten und das Hantieren in Körperferne nicht mehr zumutbar, auch seien repetitive
Umwendbewegungen
unter einer Belastung von mehr als 2 kg nur noch bedingt möglich und für den rechten Arm bestehe eine maximale Gewichtsbelastung von 2 kg bis Brusthöhe. Mit diesem Belastbarkeitsprofil seien ihr die Ausübung eines Grossteils der Haus
haltstätigkeiten ohne weiteres möglich. In antizipierter Beweiswürdigung könne
daher auf eine Haushaltsabklärung verzichtet werden, sei doch ausgeschlossen, dass daraus eine Einschränkung im Haushalt von auch nur annähernd 40
%
resultieren könnte (S. 2).
2.4
In der Replik (Urk. 10) führte die Beschwerdeführerin aus, es sei nun eine neue Schule beziehungsweise ein Internat für die Tochter gefunden worden. Die von der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort (vorstehend E. 2.3) zitierte Angabe betreffend fehlende Zeit für eine Erwerbstätigkeit sei nur vorübergehend
gültig
gewesen und habe sich nicht auf die hypothetische Frage der Erwerbs
tätigkeit im Gesundheitsfall bezogen, sondern auf die Mehrfachbelastung von Erwerbstätigkeit, Gesundheitsschaden und Kinderbetreuung beziehungsweise Suche nach einer neuen Schule für die Tochter (S. 1 Ziff. 1).
Aktuell werde sie im Haushalt drei Stunden in der Woche durch die Spitex
unterstützt. Tätigkeiten wie Staubsaugen, Fensterputzen et cetera seien ihr durch ihr somatisches Leiden nicht
möglich (S. 2
).
2.5
Strittig ist somit der Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin. Zu prüfen ist, ob ein von psychosozialen Faktoren genügend abgrenzbarer psychischer Gesund
heitsschaden
der Beschwerdeführerin
vorliegt und gegebenenfalls, welche Auswirkungen dieser unter Berücksichtigung der einschläg
igen Standardindika
toren auf ihre
Arbeitsfähigkeit zeitigt. Hernach
ist gegebenenfalls
die
Statusfrage zu
beantworten
und die Invaliditätsbemessung
vorzunehmen.
3.
3.1
Die Ärzte der p
sychiatrischen
K
linik
E._
bestätigten im Schreiben vom 26. März 2013 (Urk. 7/73/29), dass am 2. August 2011 nach ent
sprechender Überweisung durch den Hausarzt die Diagnose einer Aufmerksam
keitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (
ADHS;
ICD-10 F.90.0)
habe bestätigt werden können.
3.2
Die Ärzte der
Klinik F._
nannten im Bericht vom 2. Mai 2017 (Urk. 7/8 = Urk. 7/9 = Urk. 7/28/2-3 = Urk. 7/46) folgende Diagnose (S. 1):
-
Schulter rechts, dominant: Status nach Revision mit Re-Rekonstruktion der
Rotatorenmanschette
und superiorer Kapselrekonstruktion am 3. Oktober 2016 bei
-
Reruptur
einer 2014 rekonstruierten Rotatorenmanschettenruptur.
Aktuell: Status nach Sturz und Distorsion der Schulter am 25. Dezember 2016
Die gleichentags erfolgte dynamische Ultraschalluntersuchung sei sehr erfreulich
gewesen
und
habe ein
reizloses Einwachsen des Graftes mit guter Integration
gezeigt
. Auch der Übergang zu den benachbarten
Rotatorenmanschettensehnen
stelle sich sonographisch
erfreulich dar. Die Patientin zeige gut ein halbes Jahr nach der Revisionsoperation einen ansprechenden Verlauf (S. 2 oben).
Die Einschränkungen bezüglich Beweglichkeit und Kraft im Bereich der rechten Schulter seien als langfristig anzuerkennen. Eine Steigerung der Belastbarkeit werde als unwahrscheinlich erachtet. Rein unbelastete Tätigkeiten seien bis zu einem Aktivitätsniveau von Brusthöhe für die rechte Schulter zumutbar. Über
kopfarbeiten sowie das Hantieren in Körperferne seien nicht zumutbar. Repetitive
Umwendbewegungen
, insbesondere unter einer Belastung von mehr als 2 kg, seien ebenfalls nur bedingt möglich. Das Stehen und Gehen seien nicht einge
schränkt. Eine maximale Gewichtsbelastung werde für den rechten Arm bei 2 kg bis Brusthöhe gesehen. Spitex-Unterstützung im häuslichen Umfeld sei weiterhin Bestandteil der Betreuung. Manche Haushaltssachen seien für den rechten Arm nicht durchführbar (S. 2).
3.3
Dr. med.
G._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte im Bericht vom 16. Oktober 2017 (Urk. 7/27) aus, sie behandle die Beschwerdeführerin seit dem 16. Dezember 2011 (Ziff. 1.2).
Sie nannte folgende Diagnosen (Ziff. 1.1):
-
ICD-10
F34.1 anhaltende ängstliche Depression
-
Schulterschmerzen
Die Patientin sei 2011 zu ihr gekommen, weil sie Angst vor der bevorstehenden Entlassung ihres Mannes aus dem Gefängnis gehabt habe. Sie habe ihn wegen Drogenhandels und häuslicher Gewalt angezeigt gehabt; ein libanesischer Flücht
ling, mit dem sie zwei Kinder habe. Es seien 5 Jahre mit massiver körperlicher und seelischer Gewalt vorausgegangen. Nach der Entlassung anfangs 2012 seien Jahre mit juristische
n Auseinandersetzungen und der drohenden Entführung der
Kinder in den Libanon
gefolgt
. Schliesslich sei 2016 die Scheidung erfolgt, ihr Mann sei ausgewiesen worden.
Beide Kinder seien psychisch
auffällig gewesen, die Patientin habe für Therapie und Sonderschulen gekämpft. Heute, wo es an diesen Fronten ruhiger geworden sei, kämen gesundheitliche Probleme und eine tiefsitzende Hoffnungslosigkeit zum Tragen. Die Patientin habe zuerst Jus studiert und dann Wirtschaft abgeschlossen, habe hochkarätige Stellen innegehabt und 2002 ein erstes Burnout erlitten. Später sei
ein
ADHS
diagnostiziert und sie sei mit hochdos
iertem Ritalin behandelt worden.
Davon sei sie bis heute nicht mehr loszubringen. Es handle sich um eine einerseits lebhafte Patientin, deren Bewusst
sein von dauernden Katastrophen und einer erlernten Hilflosigkeit eingenommen
sei. Ihre Sicht sei fixiert auf alles, was nicht gehe, und habe so einen chronisch depressiven Anstrich. Gleichzeitig sei sie immer am Kämpfen, meist mit juris
tischen Mitteln (Ziff. 1.4). Trotz ihrer sehr vielen Begabungen und der sehr guten Intelligenz sei die Prognose schlecht (Ziff. 1.5). Gegenwärtig sehe sie die Patientin sporadisch und versuche, etwas Ordnung und Unterstützung zu geben. Einen kurativen Anspruch habe Dr.
G._
aufgegeben (Ziff. 1.5).
Ihre Arbeitsfähigkeit sei schwer einzuschätzen. Alle Versuche, sie zu etwas zu bewegen, seien fehlgeschlagen. Sie sei Mutter und mache den Haushalt (Ziff. 1.
6). Sie sei sehr sprunghaft, wenn es allerdings um juristische Plädoyers
gehe, leiste sie immer wieder E
rstaunliches. Eine Arbeitsfähigkeit müsste stundenweise aufgebaut werden, aber es sei sehr fraglich, ob das gehen würde. Alle Bürotätig
keiten seien seit dem Auftreten der Schulterbeschwerden zusätzlich erschwert. Eine
Recherchiertätigkeit
in einem Pensum von 50
%
bei einem Detektivbüro im Jahr 2016 habe für einige Wochen ideal geschienen, dann sei sie wegen der Schulteroperation ausgefallen und habe die Anstellung verloren (Ziff. 1.7).
3.4
Im Bericht vom 30. April 2018 (Urk. 7/51) nannte Dr.
G._
als Diagnose eine posttraumatische Belastungsstörung (F.43.1).
Ein erneuter An
lauf mit anti
depressiver medika
mentöser Behand
lung sei mit einer
guten Respon
se gekrönt gewesen. Vor Jahren, als der Druck der Ereignisse so domi
nant gewesen sei, habe die anti
depressive Therapie nichts gebracht. Jetzt reagiere sie mit einer Beruhi
gung der Stressachse. Sie sei weniger schnell alarmiert oder «getriggert» durch Ereignisse, die mit dem Ex-Mann
zusammenhingen
. Ansonsten sei sie jeweils über Tage wieder im alten Bedrohungsmodus ge
wesen, unfähig, sich auf etwas A
nderes
zu konzentrieren als die Bedro
hung der Kinder.
Die Diagnose lasse sich nun korrigieren als posttraumatische Belastungsstörung mit deutlich abgrenzba
ren
Triggerelementen
, an welchen nun psychotherapeutisch gearbeitet werden könne (Ziff. 1.
3
).
Somit sei es nun erstmals realistisch, über einen Aufbau in beruflicher Hinsicht nachzudenken. Die Konzentrationsfähigkeit der Patientin sei gebessert und die Angstbereitschaft beruhigt. Die Kinder seien aber beide
auch
traumatisiert und bräuchten nach wie vor viel Präsenz seitens der Mutter. Eine angepasste Tätigkeit sei schwer zu definieren (Ziff. 2.1).
Die Leistungsfähigkeit sei etwa bei 20 bis 30
%
anzusetzen und sei steigerungs
fähig auf 40 bis 50
%
(Ziff. 2.2). Neu finde wieder eine intensivere Psychotherapie mit einem wöchentlichen Rhythmus statt (Ziff. 3.1). Die Prognose sei viel positiver als noch vor Kurzem (Ziff. 3.3).
3.
5
Dr. med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte im Bericht vom 6. Oktober 2018 (Urk. 7/58) aus, er behandle die Beschwerdefüh
rerin seit dem 10. Mai 2017, gegenwärtig im vierzehntägigen Rhythmus (Ziff. 1.1-2). Er nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (Ziff. 2.5):
-
posttraumatische Belastungsstörung (F43.1)
-
Angst und depressive Störung gemischt (F41.2)
-
ADHS (F90.0)
-
abhängige Persönlichkeitsstörung (F60.7)
-
Schulterschmerz
Die Patientin sei im Milieu eines sehr autoritären Vaters und einer schwachen und abhängigen Mutter aufgewachsen. Kognitiv habe sie sich, zum Teil auch durch den Druck des Vaters, gut entwickelt. Emotional sei sie aber in einer Abhängigkeit verhaftet geblieben, die sich heute als Abhängigkeitsproblematik zeige. Auf grenzverletzendes Verhalten reagiere sie mit Angst und Stress, bis zur Erstarrung. Sie fühle sich zu autoritären Personen hingezogen, könne sich diesen aber nicht widersetzen. Beispiel dafür sei die schicksalhafte Heirat im Libanon, die sie trotz eines klaren inneren «Nein» eingegangen sei (Ziff. 2.1). Sie zeige Stimmungsschwankungen, Stimmungseinbrüche, ausgeprägte Ängste, ein hohes inneres Stressniveau, zum Teil Flashbacks, Freudlosigkeit, ein vernichtendes Selbstwertgefühl
, Konzentrationsstörungen und Antriebslosigkeit (unter Ritalin verbessert) und sozialen Rückzug
, habe sie doch nur noch zu den Eltern Kontakt
(Ziff. 2.2). Aufgrund der komplexen Störung und des weiterhin unruhigen sozia
len Umfelds (Aufhebung der Einreisesperre des Kindsvaters, dadurch Ängste einer Kindesentführung; Streitigkeiten mit dem Sozialamt) sei die Prognose ungünstig (Ziff. 2.7). Funktionseinschränkungen bei der bisherigen Tätigkeit bestünden in Form von ausgeprägten Konzentrationsstörungen und fehlender Stimmungss
tabilität (Ziff. 3.4).
Zurzeit seien der Patientin weder die bisherige noch eine angepasste Tätigkeit zumutbar (Ziff. 4.1-2). Bei den Haushaltsaufgaben sei sie teilweise eingeschränkt (Ziff. 4.5).
3.6
Am 28. Mai 2019 erstattete Dr. med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, sein psychiatrisches Gutachten (Urk. 7/73). Er nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 19 Ziff. 6.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1)
-
ADHS (F90.0)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 6.2) nannte er einen Status nach posttraumatischer Belastungsstörung (F43.1).
Zum psychiatrischen Befund wurde festgehalten, die Explorandin habe innerlich angetrieben gewirkt, habe schnell und viel gesprochen, sich zum Teil in Details verloren und Mühe gehabt, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Sie habe angetrieben gewirkt, die Stimmung sei klagsam, herabgesetzt, depressiv gewesen. Der affektive Kontakt zum Untersucher sei distanziert geblieben. Immer wieder sei sie auf ihre Rolle als Opfer der Gesellschaft, ihres Vaters, ihres Ehe
mannes und des Sozialamtes zu sprechen
ge
kommen. Sie scheine in der Opferrolle richtiggehend gefangen zu sein. Sie habe sich differenziert ausgedrückt, die im Rahmen der Untersuchung gemachten Beobachtungen und Feststellungen wiesen auf durchschnittliche Intelligenzleistungen hin. Sie habe Mühe gehabt, sich auf die gestellten Fragen zu konzentrieren. Die Merkfähigkeit und die Gedächtnisleis
tungen seien intakt und ihre Ausführungen anschaulich gewesen. Das Denken sei depressiv eingeengt (S. 18 f. Ziff. 4.3).
Zur Herleitung der Diagnosen hielt der Gutachter fest, w
egen ihres Ex-Mannes habe die Explorandin während Jahren unter grossen Ängsten gelitten. Erst im Laufe der letzten Jahre habe sie sich etwas beruhigen können. Noch immer werde sie aber an die Misshandlungen erinnert, wenn sie einen arabisch aussehenden Mann auf der Strasse sehe. Die Ängste seien deutlich zurückgegangen, auch die Nachhallerinnerungen träten nur noch selten auf und sie leide auch nicht unter Albträumen. Es könne daher ein Status nach posttraumatischer Belastungsstö
rung diagnostiziert werden (S. 19 f.
Ziff. 6.3
).
Die jahrelangen Belastungen durch ihre Berufstätigkeit, die Aufgabe als Hausfrau und Mutter und die Gewalttätigkeiten ihres Ehemannes hätten bei der Exploran
din zu einer depressiven Entwicklung geführt. Diese werde zurzeit auch durch die psychosozialen Belastungen, Sozialhilfeabhängigkeit und finanzielle Nöte mitverursacht. Zurzeit liege ein mittelgradiges depressives Zustandsbi
ld vor. Sie sei freudlos, zeige
einen sozialen Rückzug und habe keine Zukunftsperspektiven. Es handle sich um ein agitiertes depressives Zustandsbild, wobei nicht sicher auszuschliessen sei, dass die hohe Dosis Ritalin von 160 mg pro Tag diese innere Unruhe mitverursache
. Die Indikation für dieses Medikament sei dringend zu überprüfen, da die Explorandin früher in der Lage gewesen sei, zwei Studien erfolgreich abzuschliessen und erfolgreich zu arbeiten, weshalb nicht von einem schweren ADHS gesprochen werden könne (S. 20 oben). Das ADHS habe früher keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gehabt. Im Zusammenhang mit der Depression habe die Explorandin aber vermehrt Mühe, sich zu konzentrieren,
sodass das ADHS in Kombination mit der Depression die Arbeitsfähigkeit beein
trächtige (S. 20 Mitte
Ziff. 6.3
).
Zwar könne auch eine abhängige Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden, welche jedoch keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe, habe die Exploran
din doch wiederholt in leitenden Stellungen gearbeitet und dabei keine Probleme gehabt (S. 21 oben
Ziff. 6.3
). Sie lebe zusammen mit ihren Kindern und führe den Haushalt selbständig. Sie sei zu einigen Aktivitäten in der Lage. So stehe sie seit Jahren in einem andauernden Kampf mit dem Sozialamt, von dem sie sich zu wenig unterstützt fühle, es fänden auch gerichtliche Auseinandersetzungen statt.
Sie
mache der Umgebung, also dem Vater, dem Ex-Mann und den Behörden Vorwürfe, dass sie sie nicht genügend unterstützten, dass sie schuld seien an ihrer jetzigen Situation.
Sie sei in der Rolle des Opfers gefangen, aus der sie sich nicht lösen könne. Dies trage wesentlich dazu bei, dass sie sich als nicht arbeitsfähig einschätze. Bei den von der Explorandin beschriebenen Alltagsaktivitäten sei nicht nachvollziehbar, dass sie sich subjektiv als überhaupt nicht arbeitsfähig einschätze (S. 21 oben Ziff. 6.3).
Die Explorandin befinde sich seit Jahren in ambulanter Psychotherapie, wobei erst in den letzten Jahren eine kontinuierliche Therapie stattfinde. Diese sei an sich adäquat, es stelle sich aber die Frage, ob eine so hohe Dosis Ritalin notwendig sei. Sie sehe sich als nicht arbeitsfähig an, schäme sich, versagt zu haben und sei auf ihre Opferrolle fixiert. Dies trage wesentlich dazu bei, dass sie bis anhin keine Anstrengungen unternommen habe, um sich beruflich zu reintegrieren und auch jetzt dazu nicht bereit sei. Sie leide aber nicht an einer derart schweren psychiat
rischen Störung, dass es ihr völlig unzumutbar wäre, mindestens teilweise einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Ob sich die Opferrolle wesentlich verändern lasse, sei eher fraglich. Die Explorandin sei sich auch bewusst, dass sie aufgrund ihres Alters und ihres Lebenslaufes kaum mehr Chancen auf so gut bezahlte Arbeitsstellen mit Führungsfunktio
nen in der freien Wirtschaft habe
. Auch dies könne möglicherweise dazu beitragen, dass sie sich kaum als arbeitsfähig einschätze (S. 22 Ziff. 7.2).
In der
bisherigen leitenden Tätigkeit i
m Finanzwesen sei sie Explorandin nicht mehr arbeitsfähig (Ziff. 8.1.1).
Die entsprechende Arbeitsfähigkeit von 0
%
bestehe seit Beginn der ambulanten psychiatrischen Behandlung im Dezember 2011 (
S. 24
Ziff. 8.1.4). Angepasst sei eine Tätigkeit, welche keine hohen psychi
schen Belastungen aufweise und bei der kein hoher Leistungsdruck herrsche (Ziff. 8.2.1). In einer solchen Tätigkeit sei eine Präsenz von 4 bis 6 Stunden pro Tag möglich (Ziff. 8.2.2). Aufgrund der Depression und der eingeschränkten Konzentrationsfähigkeit, die durch das vorbestehende ADHS verstärkt werde,
bestehe dabei eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit (Ziff. 8.2.3). In einer angepassten Tätigkeit bestehe somit eine Arbeitsfähigkeit vo
n
50
%
(Ziff. 8.2.4). Es sei davon auszugehen, dass von Oktober 2011 bis April 2018 eine Arbeitsun
fähigkeit (richtig wohl: Arbeitsfähigkeit) von 0
%
bestanden habe. Seit Mai 2018 bestehe in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Dr.
G._
habe in ihrem Bericht vom
30. April 2018 (vorstehend E. 3.4
) erwähnt, dass sich das Zustandsbild gebessert habe, wobei sie eine Arbeitsfähigkeit bis zu 50
%
attestiert habe. Es fänden sich keine Hinweise dafür, dass sich der Gesund
heitszustand seither verschlechtert hätte, so dass die Arbeitsunfähigkeit von 100
%
, die der zurzeit behandelnde Psychiater attestiert
habe
,
nicht
nachvollzo
gen werden könne (S. 24 Ziff. 8.2.5). Die Explorandin sei immer in der Lage gewesen, sich um den Haushalt und die Kinder zu kümmern. In der Tätigkeit als Hausfrau bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
, auch rückwirkend könne hier keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden (S. 25 Ziff. 8.2.5).
3.7
Dr. med.
J._
, Facharzt für Chirurgie,
Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), empfahl in seiner Stellungnahme vom 7. Juni 2019 (Urk. 7/76 S. 5), den Beurteilungen des psychiatrischen Gutachters (vorstehend E. 3.5) zu folgen.
4.
4.1
Das psychiatrische Gutachten von Dr.
I._
vom
28. Mai 2019 (vorstehend E. 3.6
) ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersu
chungen, berücksichtigt auch die geklagten Beschwerden, wurde in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen in der Expertise sind begründet. Es ist somit bewei
skräftig (vgl. vorstehend E. 1.7
), weshalb grundsätzlich in Übereinstimmung mit der Stellung
nahme des RAD (vorstehend E. 3.7
)
darauf abgestellt werden kann.
4.2
Die
vom Gutachter
gestellte Diagnose einer
rezidivierende
n
depressive
n
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode,
lässt sich anhand des
anlässlich der Begut
achtung erhobenen
psychiatrischen Befundes
gut
nachvollziehen
. Eine (anhal
tende ängstliche) Depression hatte Dr.
G._
denn auch
bereits im Oktober 2017 diagnostiziert (vorstehend E. 3.3) und Dr.
H._
nannte im Oktober 2018 als Diagnose Angst und depressive Störung gemischt (vorstehend E. 3.5).
Über
z
eugend legte der Gutachter
dar, dass
die vormals noch diagnostizierte posttrau
matische Belastungsstörung
mangels
entsprechender
Symptomatik
abgeklungen sei und entsprechend keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mehr zeitige.
4.3
Zwar zitierte die Beschwerdegegnerin den Gutachter
in dem Sinne
richtig,
dass die Beschwerdeführerin
durch die angespannte finanzielle Situation, die wieder
kehrenden Auseinandersetzungen mit dem Sozialamt und die mangelnde Perspektive belastet
sei
(vorstehend E. 2.1).
Es stimmt auch, dass diese
Faktoren
für sich alleine betrachtet invaliditätsfremd
sind
.
Indessen diagnostizierte der Gutachter eine eigenständige Depression, welche
lediglich
ihren Ursprung in jahrelangen psychosozialen Belastungen hatte, die entsprechenden psychiat
rischen Befunde in diesen jedoch nicht in dem Sinne eine hinreichende Erklärung
finden
, dass sie in ihnen gleichsam aufgehen würden (vgl. E. 1.4).
Der Gutachter sprach lediglich von einer Mitverursachung der depressiven Entwicklung durch weiterhin bestehende psychosoziale Belastungen, was das Bestehen einer eigen
ständigen Depression
keineswegs ausschliesst
. Der psychiatrische Gesundheits
schaden besteht sodann nicht nur in der Depression, sondern diese
wird bei der Beschwerdeführerin
auf ungünstige Weise mit dem gutachterlich festgestellten, bereits im August 2011 diagnostizierte
n (vgl. E. 3.1) ADHS kombiniert.
Die
daraus resultierenden
zusätzlichen
Konzentrationsstörungen
beeinträchtigen die
Arbeitsfähigkeit
ebenfalls
.
4.4
Es liegen
folglich in
Gestalt
einer rezidivierenden depressiven Störung, gegen
wärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F.33.1)
,
sowie eines ADHS (F90.0)
fachärzt
lich schlüssig festgestellte psychische Störung
en
von Krankheitswert vor.
Entsprechend ist ein strukturiertes Beweisverfahren
gemäss
BGE 141 V 281 durchzuführen. Da das Gutachten eine schlüssige Beurteilung des Leistungsver
mögens der Beschwerdeführerin im Lichte der nunmehr massgeblichen Indikato
ren (E. 1.5
-6
) erlaubt, kann es vorlie
gend als Grundlage für die Rentenprüfung dienen.
4.5
Zum Komplex Gesundheitsschädigung ist in Bezug auf den Indikator Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin
in der Stimmung klagsam, herabgesetzt, depressiv ist. Sie ist affektiv distanziert, inner
lich angetrieben, teilweise verliert sie sich in Details und hat Mühe, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Ihre Konzentrationsfähigkeit ist herabgesetzt und ihr Denken depressiv eingeengt. Sie ist gefangen in d
er Opferrolle (vor
stehend E. 3.6
). Demnach bestehen bei der Beschwerdeführerin mässige
bis mittelschwere
psychische Beeinträchtigungen.
In Bezug auf den Indikator Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
–
resistenz
ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin seit
November 2014
zur Behandlung des
ADHS hochdosiertes Ritalin
(160-200 mg pro Tag)
einnimmt (vgl. Urk. 7/73/18+28
)
und seit Dezember 2011 ambulante psychiatrische Unter
stützung
bei Dr.
G._
in Anspruch nimmt.
I
m Bericht vom Oktober 2017
(vorstehend E. 3.3)
hielt diese allerdings
fest, sie sehe die Patientin gegenwärtig nur sporadisch, einen kurativen Anspruch habe sie aufgegeben. Immerhin berich
tete sie im April 2018 (vorstehend E. 3.4) wieder von einer intensiveren Psycho
therapie mit einem wöchentlichen Rhy
thmus
und
gemäss
Dr.
H._
bestand
im
Oktober 2018 (vors
tehend E. 3.5)
bei ihm ein
vi
erzehntägiger
Sitzungsr
hythmus, wobei
nicht ganz klar ist, ob die beiden Therapeuten
vorübergehend
parallel mit der Beschwerdeführerin
arbeite
te
n
.
Jedenfalls scheint sie
mittlerweile
vorwiegend
Dr.
H._
regelmässig aufzusuchen
(vgl. Urk. 7/73 S. 17 Ziff. 3.2.12
sowie S. 18 Ziff
. 3.2.13
).
Auch der Gutachter beschrieb eine erst in den letzten Jahren kontinuierliche Therapie, welche er indes als adäquat erachtete. Er stellte jedoch in Frage, ob eine derart hohe Dosis
Ritalin notwendig sei, könne doch die innere Unruhe auch durch die zu hohe Dosis Ritalin verursacht sein. Die Indikation für dieses Medikament sei daher dringend zu überprüfen. Im April 2018
hatte
Dr.
G._
(vorstehend E. 3.4) fest
gehalten
, ein erneuter Anlauf mit antide
pressiver medikamentöser Behandlung habe eine gute Wirkung gezeigt, es sei eine Beruhigung der Stressachse erfolgt.
Es bestehe wieder eine Leistungsfähig
keit und es sei bei einer viel positiveren Prognose nun realistisch, über einen Aufbau in beruflicher Hinsicht nachzudenken. Abgestützt auf diesen Bericht ist mit dem Gutachter somit von einem
spätestens ab April 2018
klar verbesserten
Gesundheitszustand aus
zugehen, was als Behandlungserfolg zu werten ist. Das
Behandlungspotenzial ist zudem
insbesondere das ADHS beziehungsweise die
Ritalindosierung
betreffend noch nicht ausgeschöpft.
Auch eine depressive Störung gilt ganz allgemein als behandelbar.
Im Jahr 2016 führte die Beschwerdeführerin einige Wochen in einem Pensum von 50
%
Recherchiertätigkeiten
bei einem Detektivbüro aus.
Diese Anstellung verlor sie allerdings
nicht
etwa
wegen psychischer Einschränkungen, sondern
infolge
einer Schulteroperation. Weitere Eingliederungsversuche sind nicht aktenkundig, womit keine Eingliederungsresistenz vorliegt.
Eine
psychiatrische Komorbidität
liegt
vor, da sowohl die depressive Störung als auch das ADHS Krankheitswert aufweisen, wobei sich die beiden Störungen in ungünstiger Weise miteinander kombinieren. Das ADHS wirkt sich dabei insbe
sondere auf die Konzentrationsfähigkeit negativ aus.
Die abhängige Persönlich
keitsstörung hingegen bestand m
it dem Gutachter bereits, als die Beschwerdefüh
rerin beruflich problemlos
unterwegs und
in leitenden Stellungen
als Finanz
expertin
tätig war. Sie wirkt sich folglich auf die Arbeitsfähigkeit nicht aus, ist nicht krankheitswertig und stellt entsprechend
entgegen der Beschwerdeführerin (vorstehend E. 2.2)
auch keine zu berücksichtigende psychiatrische Komorbidität dar (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 5.2.3).
Zum Komplex Persönlichkeit ist weiter hinzuzufügen, dass die Beschwerdeführe
rin
von 1990 bis
1994 ein Ju
s-, sowie von 1994 bis
1998 ein Wirtschaftsstudium
erfolgreich
absolviert und danach bis 2011 in diversen Unternehmen in leitender Stellung als Finanzexpertin gearbeitet hat (Urk. 7/73 S. 15 Ziff. 3.2.6-7). Gemäss Dr.
G._
verfüge sie über sehr viele Begabungen und eine sehr gute Intel
ligenz (vorstehend E. 3.3).
Auch Dr.
H._
erachtete sie als kognitiv gut ent
wickelt (vorstehend E. 3.5), während der Gutachter ihr in der Untersuchung eine durchschnittliche Intelligenzleistung attestierte. Die Beschwerdeführerin verfügt somit über
intakte
persönliche Ressourcen.
Zum Komplex sozialer Ko
ntext ist festzuhalten, dass die
Beschwerdeführer
in von
2005 bis 2011 mit ihrem Ex-Mann zusammenlebte und bis 2016 mit diesem verheiratet war. Aus der Ehe, welche von vielen Konflikten geprägt war, gingen
eine Tochter (Jahrgang 2006) und ein Sohn
(Jahrgang
2008) hervor.
Beide
sind psychisch auffällig. So habe die Tochter Mühe mit Gleichaltrigen, sei auch aggressiv und gehe zum Teil mit einem Messer auf diese los. Sie befinde sich in ambulanter psychiatrischer Behandlung. Auch der Sohn leide unter Ängsten, sei aber sozial gut integriert. Die Kinder leben
mit der Beschwerdeführerin
zusam
men, die Tochter weilt
unter der Woche allerdings im Internat und der Sohn besucht
eine
Tagesschule
.
Von den früheren Kontakten habe sie sich zurückgezogen, da sie sich schäme. Sie habe auch kein Geld, um an sozialen Aktivitäten teilnehmen zu können (Urk. 7/73 S. 16 Ziff. 3.2.9, vorstehend E. 2.4
),
sie
lebt also sehr zurückgezogen (
vgl.
Urk. 7/37 S. 23 Ziff. 7.4), Kontakt hat sie gemäss Dr.
H._
nur noch zu ihren Eltern (vorstehend E. 3.5). Ihr Tagesablauf gestalte sich so, dass sie von 21 bis 6.30 Uhr in der Regel gut schlafe, dann aufstehe und das Frühstück für die Kinder zubereite. Bis vor Kurzem habe sie diese jeweils auch in die Schule begleitet, was jetzt nicht mehr notwendig sei. Tagsüber kümmere sie sich um den Haushalt, den sie bis auf schwerere Arbeiten selbständig führe. Immer wieder gebe es
(auch juristische)
Auseinandersetzungen mit dem Sozialamt. Hobbys habe sie keine, sei aber in der Kirche aktiv, wo sie bei Anlässen helfe. Dies sei die einzige Beziehung zur Aussenwelt (Urk. 7/73 S. 17 Ziff. 3.2.11).
Ein sozialer Rückzug liegt
somit
klarer
W
eise vor, dieser erfolgt
aber offenbar nicht
nur
aufgrund fehlender Kraft, sondern
auch
aufgrund fehlender Finanzen
und eines
Schamgefühls
. In Anbetracht dessen, dass die Beschwerde
führerin über einen geregelten Tagesablauf verfügt, den Haushalt nur aus somatischen Gründen nicht vollständig alleine erledigt, sich um die Kinder kümmern kann und auch die Energie für juristische Auseinandersetzungen
mit dem Sozialamt
vorhanden zu sein scheint, ist insgesamt
trotz des sozialen Rück
zugs von nur leicht verminderten
sozialen Ressourcen auszugehen.
4.6
Zu prüfen ist weiter die Konsistenz.
Hinsichtlich d
es Gesichtspunkt
s
des Aktivi
täten
niveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen hielt der Gutachter zu Recht fest, es sei bei den beschriebenen Alltagsaktivitäten
(vgl. vorstehend E. 4.5)
nicht nachvollziehbar, dass sie sich subjektiv als überhaupt nicht arbeitsfähig einschätze. Zu dieser Einschätzung trage möglicherweise ihr Bewusstsein bei, dass sie aufgrund ihres Alters und ihres Lebenslaufes kaum mehr Chancen auf so gut bezahlte Arbeitsstellen mit Führungsfunktionen wie früher habe. Auch Dr.
G._
hatte in ihrem Bericht vom 16. Oktober 2017 (vorstehend E. 3.3) eine eher mässige Arbeitsmotivation angedeutet, indem sie festhielt, es seien alle Versuche, sie zu etwas zu bewegen, fehlgeschlagen.
Dies obwohl sie zum Beispiel Erstaun
liches leiste, wenn es um juristische Plädoyers gehe.
Es ist dem Gutachter daher darin zuzustimmen, dass d
as Aktivitätenniveau im Alltag mit einer Arbeitsun
fähigkeit von 100
%
in sämtlichen Tätigkeiten, wie sie von Dr.
H._
attestiert worden war, nicht vereinbar
ist
. Ob es mit der gutachterlich attestierten Arbeits
fähigkeit von 50
%
in angepasster Tätigkeit vereinbar ist, ist im Rahmen der Gesamtwürdigung der Standardindikatoren zu beur
teilen (vgl. nachstehend E. 4.7
).
Hinsichtlich des Gesichtspunkts des behandlungs- und eingliederungsanamnes
tisch ausgewiesenen Leidensdrucks ist schliesslich festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführerin
nach zunächst nur lockerem Sitzungsrhythmus
seit Frühjahr 2018 in relativ engmaschiger
, grundsätzlich geeigneter
psychotherapeutischer und psychopharmakologischer Behandlung b
efindet. Stationäre Aufenthalte wurden
bislang
keine notwendig. Behandlungsanamnestisch ist somit ein
mässi
ger bis mittlerer
Leidensdruck ausgewiesen.
Nachdem die Beschwerdeführerin
, welche sich selber als vollständig arbeitsun
fähig erachtet,
soweit ersichtlich bislang lediglich im Jahr 2016 einen kurzen Eingliederungsversuch unternommen hat
te
(vgl. vorstehend Ziff. 4.5), ist einglie
derungsanamnestisch kein Leidensdruck feststellbar.
4.7
Zusammengefasst erledigt
die Beschwerdeführerin den Haushalt praktisch selbständig, betreut am Abend (Sohn) und am Wochenende (Sohn und Tochter) die Kinder, ficht juristische Auseinandersetzungen mit dem Sozialamt aus und hilft gelegentlich bei Anlässen in der Kirche. Sie verfügt
über
intakte
persönliche
Ressourcen. Indes sind ihre
soziale
n
Ressourcen
leicht vermindert
, ihre Stimmung herabgesetzt und ihr Denken depressiv eingeengt, sie ist innerlich angetrieben, hat Mühe, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, ihre Konzentrations
fähigkeit ist
–
gerade auch infolge der
psychiatrischen Komorbidität
-
herabge
setzt und sie ist in der Opferrolle gefangen. Ein
mässiger bis
mittlerer Leidens
druck ist sodann behandlungsanamnestisch ausgewiesen.
In dieses
im Kern prägnante
und
auch an den Rändern scharfe
Gesamtbild
fügt sich die gutachterlich attestierte zumutbare Präsenzzeit von 4 bis 6 Stunden bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ohne hohe
psychische
Belastungen und ohne hohen Leistungsdruck passgenau ein. Ent
sprechendes gilt für den daraus gezogenen Schluss auf eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in einer solcherart angepassten Tätigkeit. Dass mit dem Gutachter in der anspruchsvollen
bisherigen
Tätigkeit als Finanzexpertin
mit leitender Stellung
bei den festgestellten Einschränkungen keine Arbeitsfähigkeit mehr gegeben ist, versteht sich von selber
und bedarf keiner weiteren Erörterung.
Die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 50
%
besteht laut dem Gutachter seit
der von Dr.
G._
am 30. April 2018
dokumentierten
deut
lichen Verbesserung des Gesundheitszustands. Von Oktober 2011 bis Ende April 2018 habe die Arbeitsfähigkeit auch hier 0
%
betragen. Nachdem ein Rentenan
spruch vorliegend frühestens ab 1. Februar 2018 geg
eben ist (vgl. nachstehend E. 6.6
), ist danach zu fragen, ob eine Arbeitsfähigkeit von 0
%
in jeglicher Tätig
keit im Zeitraum vom 1. Februar 2018 bis 30. April 2018 einer Prüfung
unter Beizug
der
einschlägigen
Standardindikatoren
(vorstehend E. 1.5-6)
standhält. Diese Frage ist zu verneinen, nachdem nicht ersichtlich ist,
inwiefern das Aktivi
täten
niveau
im Alltag
sowie die persönlichen und sozialen Ressourcen in diesem Zeitraum anders gewesen wären als im Zeitraum ab 1. Mai 201
8.
Dieses Aktivi
tätenniveau lässt sich mit einer Arbeitsfähigkeit von 0% nicht in Einklang bringen. Es bestünde
hier
eine unüberbrückbare Inkonsistenz selbst dann,
wenn
die
diagnoserelevanten Befunde damals noch
ausgeprägter vorhanden
gewesen sein sollte
n
. Dass deren Verbesserung erst Ende April 2018 eintrat, lässt sich anhand des Berichts von Dr.
G._
ohnehin nicht erste
llen, da sich diese
zum Zeitpunkt der eingetretenen Verbesserung nicht näher äussert.
Dass der
heutige
Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit
sodann
weiter verbessert werden können, erscheint angesichts der zuletzt positiven Entwick
lung
, des gutachterlich angesprochenen Verbesserungspotential
s
hinsichtlich der
Ritalindosierung
und der Tatsache, dass eine depressive Störung ganz grundsätz
lich (weiter) therapierbar ist, als realistisch. Die
Beschwerdeführer
in
wird im Rahmen
ihrer
Schadenminderungspflicht seitens der Beschwerdegegnerin zu einer leitliniengerechten psychiatrischen Behandlung anzuhalten sein und es wird nach Durchführung der Behandlung eine Nach
be
gutachtung vorzunehmen sein.
4.8
Es ist somit erstellt, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
spätestens
ab dem 1. Februar 2018 in der bisherigen Tätigkeit 0
%
und in einer angepassten
Tätigkeit ohne hohe psychische
Belastungen und ohne hohen Leistungsdruck 50
%
beträgt.
4.9
Für den Haushalt attestierte der Gutachter eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
seit jeher, da die Beschwerdeführerin immer in der Lage gewesen sei, sich um den Haushalt und
um
die Kind
er zu kümmern (vorstehend E. 3.6
). An anderer Stelle hielt er indes fest, schwerere Arbeiten im Haushalt könne sie nicht ausführen (vgl. vorstehend E. 4.5). Dies äusserte die Beschwerdeführerin auch in der Beschwerdeschrift, wo sie eventualiter eine Haushaltsabklärung beantragte und die Unmöglichkeit der Erledigung von schweren Haushaltstätigkeiten mit ihrem Schulterleiden rechts begründete (vorstehend E. 2.2). Zu den Einschränkungen in somatischer Sicht äusserte sich der
fachfremde
Gutachter richtigerweise nicht. Die Ärzte der
Klinik
F._
hatten im Mai 2017 indes nachvollziehbar darge
legt
(vorstehend E. 3.2)
, dass die Einschränkungen bezüglich Beweglichkeit und Kraft im Bereich der rechten Schulter langfristig bestünden.
Sie erwähnten auch die entsprechende Spitex-Unterstützung im häuslichen Umfeld, welche derzeit im wöchentlichen Umfang von zwei Stunden laut Gutachten
(Urk. 7/73 S. 16 Ziff. 3.2.9)
beziehungsweise drei Stunden laut unbelegter Darstellung der Beschwerdeführerin
(vorstehend E. 2.4)
erfolge. Es ist somit erstellt, dass mit der rechten Schulter beziehungsweise dem rechten Arm Überkopfarbeiten und das Hantieren in Körperferne nicht zumutbar und repetitive
Umwendbewegungen
, insbesondere unter einer Belastung von mehr als 2 kg
,
nur bedingt möglich sind
,
sowie
2 kg die maximale Gewichtsbelastung bis Brusthöhe darstellt.
Die Ärzte der
Klinik
F._
erwähnten, dass «manche Haushaltssachen» für den rechten Arm nicht durchführbar seien, der Gutachter und die Beschwerde
führerin grenzten dies
e
noch
weiter auf die «schweren» Haushaltsarbeiten
ein
. Indes genügen offenbar zwei bis drei Stunden wöchentliche Spitex-Unterstüt
zung, um diese Arbeiten zu erledigen.
Dafür, d
ass die Beschwerdeführerin weitere Unterstützung
von anderen Personen
erfahren würde,
gibt es in den
Akten
keine Anhaltspunkte.
Es ist somit von einer lediglich geringen Einschränkung im Haus
halt
sbereich
von einigen wenigen Prozent
en
auszugehen, welche jedenfalls die Marke von 25
%
auf keinen Fall übersteigt.
4.10
Zu Gunsten der Beschwerdeführerin ist im Folgenden von einer
Einschrän
kung
i
m Haushalt
sbereich
von 25
%
auszugehen.
5.
5.1
Hinsichtlich der
Statusfrage
(vorstehend E. 1.3)
vermochte sich die
Beschwerde
gegnerin
nicht festzulegen
. Dem Vorbescheid vom 21. Juni 2019 (Urk. 7/77) hatte sie gemäss dem entsprechenden Feststellungsblatt (Urk. 7/76) noch eine Qualifi
kation der Beschwerdeführerin als Teilerwerbstätige (70
%
Erwerbstätigkeit / 30
%
Haushalt) zugrunde gelegt (S. 4 unten). In der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) erwähnte sie die Qualifikation weiterhin nicht explizit. Laut dem ent
sprechenden Feststellungsblatt ging sie aber
hier nun
von einer Qualifikation als voll Erwerbstätige aus (Urk. 7/83 S. 1). In der Beschwerdeantwort schliesslich stellte sie sich auf den Standpunkt, die Beschwerdeführerin sei nicht als voll erwerbstätig zu qualifizieren, sondern vielmehr als zu 100
%
im Haushalt tätig (
vorstehend E. 2.3). Dies begründete sie mit einer Äusserung der Beschwerdefüh
rerin anlässlich der Begutachtung, wonach sich diese nicht vorstellen könne, in einem Pensum von 50 % zu arbeiten, da sie für ihre Kinder da sein müsse, wobei sie sehr beschäftigt sei mit der Suche nach einer neuen Schule für ihre Tochter. Sie habe gar keine Zeit, um arbeiten zu können.
5.2
Dass die Beschwerdeführerin eine
Familie
zu ernähren hat
,
von ihrem Ex-Mann aber
keine Unterhaltsbeiträge fliessen
, spricht ebenso für eine hypothetische Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall wie
ihre sehr gute Ausbildung und
die durch den IK-Auszug (Urk. 7/33) belegte Tatsache, dass sie auch nach der Geburt der beiden Kinder 2006 und 2008 bis 2011
und somit bis zum Beginn ihrer psy
chischen Schwierigkeiten arbeitstätig war.
Das genaue damalige Pensum ist allerdings nicht bekannt
und
die damalige Arbeitstätigkeit
wurde offenbar
auch durch die Übernahme von Betreuungsaufgaben durch die Eltern der Beschwerde
führerin
mitermöglicht
(vgl. Urk. 7/37 S. 16 Ziff. 3.2.9)
, welche
heute – ange
si
chts des
Alter
s der Eltern
(Jahrgänge 1930 und 1941; vgl. Urk. 7/73 S. 14 Ziff. 3.2.4
) verständlicherweise - nicht mehr
zu erfolgen
scheint. D
ie
Argumenta
tion
der Beschwerdeführerin vermag
nicht richtig
zu überzeugen, wonach ihre anlässlich der Begutachtung gemachte Angabe betreffend fehlende Zeit für eine Erwerbstätigkeit nur vorübergehend gewesen sei (vorstehend E. 2.4). Denn die Haushaltsführung einer alleinerziehenden Mutter für ihre dreiköpfige Familie bringt auch dann einen nicht unerheblichen Zeitaufwand mit sich, wenn die Kinder die Tagesschule oder ein Internat b
esuchen. Dies erst recht, wenn d
ie
se
wie vorliegend psychisch auffällig sind (vorstehend E. 4.5).
Zu berücksichtigen ist indes auch, dass sich die Beschwerdeführerin subjektiv ohnehin als nicht arbeitsfähig erachtet, weshalb es für die hypothetische Frage der Erwerbstätigkeit als Gesunde nicht zum Nennwert genommen werden darf, wenn sie sich eine Arbeitstätigkeit derzeit als gesundheitlich Angeschlagene nicht vorstellen kann.
5.3
Nach dem Gesagten ist sowohl eine Qualifikation als
zu
100
%
Erwerbstätige als auch eine solche als zu 100
%
im Haushalt Tätige abwegig.
Es erscheint hin
gegen in Übereinstimmung mit der im
Feststellungsblatt zum Vorbescheid
getroffenen Einschätzung (vorstehend E. 5.1)
als
am
R
ealistisch
sten
, dass die Beschwerdefüh
rerin bei im Übrigen unveränderten Umständen und ohne Bestehen einer gesund
heitlichen Beeinträchtigung heute einer Teilerwerbstätigkeit im Umfang von 70 Stellenprozenten nachgehen würde.
Die
Qualifikation 70
%
Teilerwerbstätigkeit und 30
%
Haushaltstätigkeit
ist somit
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt
(vgl. vor
stehend E. 1.3)
.
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
6.2
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 der
Verordnung über die Invalidenversiche
rung (IVV)
per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstätigen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätigkeit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teiler
werbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3 lit. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads, den die ver
sicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäftigungsgrad nach Absatz 3 lit. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
6.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) berechnet werden, wobei die für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversiche
rung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 f. zu Art.
28a
).
Dabei sind grundsätzlich
die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3).
6.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung
ebenfalls
Tabellenlöhne gemäss
LSE
herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Inva
lideneinkommens auf
grund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenver
sicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
6.5
Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Brut
to
löhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wo
bei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) aus
zugehen ist. Zulässig ist zur
Ermittlung des
Valideneinkommens
auch das Heranziehen der Tabellen
gruppe T17 (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_300/2015 vom 10. November 2015 E. 7.2).
Bei der Anwen
dung der beider Tabellengruppen gilt es ausserdem zu be
rücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübli
che Wochenarbeitszeit aufzu
rech
nen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
6.6
Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist grund
sätzlich auf die Gegeben
heiten im Zeitpunkt des hypothetischen Rentenbeginns abzustellen (BGE 129 V 222). Ein Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruches. Die IV-Anmeldung ging am 14. August 2017 bei der Beschwerdegegnerin ein (Urk. 7/11 sowie Aktenver
zeichnis zu Urk. 7). Ein Rentenanspruch bestünde somit frühes
tens ab dem 1.
Februar 2018.
6.7
In den
fünf
Jahren vor dem
Auftreten der psychischen Schwierigkeiten im
Jahr 2011
erzielte die Beschwerdeführe
rin gemäss dem IK-Auszug (Urk. 7/33
) folgende Bruttolöhne: Fr.
98’024.-- im Jahr 2006, Fr. 83'759.-- im Jahr 2007, Fr. 72'953.-- im Jahr 2008, Fr. 35'935.-- im Jahr 2009
und Fr.
58'149.-- im Jahr 201
0.
Dies entspricht einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von Fr. 69'764.-
-
. Es ist a
llerdings nicht klar, in welchem Pensum
die Beschwerde
führerin in diesem Zeit
raum angestellt war, nachdem in den Jahren 2006 und 2008 ihre beiden Kinder zur Welt kamen. Für die fünf davorliegenden Jahre hingegen ist von einem vollen Pensum auszugehen
, we
shalb es sachgerechter ist,
die dort erzielten
Bruttolöhne
heranzuziehen
: Fr. 153'398.-
-
im Jahr 2001, Fr. 93'786.
-
- im Jahr 2002, Fr. 49'845.
-
- im Jahr 2003, Fr. 80'417.-
-
im Jahr 2004 und Fr. 108'700.
-
- im Jahr 200
5.
Dies entspricht einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von Fr. 97'229.
-
-
.
U
nter Berücksichtigung der Entwicklung der Nominallöhne der Fraue
n vo
n 2’386 Punkten im Jahr 2005 auf
2
’732 Punkte
im Jahr 2018
(Bundesamt für Statistik, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Real
löhne, 1910-2017, T 39)
ergibt sich
ein hypothetisches Jahres
ein
kommen von rund Fr. 111'328.
-- (Fr. 97'229.- : 2'386 x 2'732)
.
Fast zum selben Ergebnis gelangt man, wenn man mit der Beschwerdeführerin zur Ermittlung des
Valideneinkommens
auf die statistischen Daten der
LSE 2016
,
TA1_tirage_skill_level Ziff. 64-66, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Kompetenzniveau 4, Frauen,
mit einem Monatslohn von Fr.
8'833.-
-
abstellt (vgl. Urk. 1 Ziff. 9).
Der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 2016 bei der Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
von 41.5 Stunden
(Bundesamt für
Statistik, Betriebsüb
liche Arbeitszeit nach Wirt
schaftsabteilungen, T. 03.02.03.01.04
.01, Ziff. 64-66)
angepasst, resultiert zunächst ein Jahreseinkommen von rund Fr. 109'971.-- (Fr. 8'833.-- x 12 : 40.0 x 41.5), welches unter Berücksichtigun
g der Nominallohnentwicklung von 2'709 Punkten im Jahr 2016 auf
2'732 Pun
kte
im Jahr 2018 auf Fr.
110'905.-
-
(Fr. 109'971.-
-
: 2'709 x 2'732)
ansteigt.
Es erweist sich demgemäss
als gerechtfertigt,
ausgehend vom in de
n Jahren 2001 bis 2005 erzielten durchschnittlichen Jahrese
inkommen
von einem hypothe
tischen
Valideneinkommen
von
rund
Fr. 111'328.-
-
auszugehen.
6.8
Da die Beschwerdeführerin bislang keine behinderungsangepasste Tätigkeit auf
genommen hat, ist das Invalideneinkommen gestützt auf statistische Werte zu ermitteln
(vorstehend E. 6
.
4).
6.9
Angesichts der Zumutbarkeit einer 50%igen behinderungsangepassten Tätig
keit
stehen der
Beschwerdeführerin auch bei Beachtung dessen, dass diese
ohne hohe psychischen Belastungen und ohne hohen Leistungsdruck sein soll, eine breite Palette von Tätigkeiten, insbesondere auch im Bürobereich, offen. Entgegen der Beschwerdeführerin
(vgl. Urk. 1 S. 8 Ziff. 9)
rechtfertigt es sich angesichts ihrer sehr guten Ausbildung, der gesammelten Berufserfahrung und der
vergleichs
weise
nicht
nur mittelgradig
einschränkenden Anforderungen an eine behinde
rungs
angepasste Tätigkeit nicht,
den
tiefsten denkbaren
standardisierten Durch
schnittslohn
, nämlich denjenigen
für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Arbeit in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors
,
heranzuziehen
(LSE 2016, Tabellengruppe
TA1_tirage_skill_level
, Total, Niveau 1).
Richtigerweise
ist
angesichts der beruflichen Fähigkeiten der Beschwerdefüh
rerin
auf den
standardisierten Durchschnittslohn für Frauen von Niveau 2 dersel
ben Tabelle für p
raktische Tätigkeiten wie Verkauf/ Pflege/ Datenverarbeitung und Administration/ Bedienen von Maschinen und elektronischen Geräten/ Sicherheitsdienst/ Fahrdienst
abzustellen.
Dieser beträgt Fr. 4'832.-
-
pro Monat.
Der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 2016
von 41.7
Stunden angepasst, resultiert zunächst ein Jahreseinkomme
n von rund F
r. 60'448.-- (Fr. 4'832.-- x 12
: 40.0 x 41.7
), welches unter Berücksichtigun
g der Nominal
lohnentwicklung von
2'709 Punkten im Jahr 2016
auf 2'732 Punkte
im Jahr 2018 auf Fr.
60'961
.
-
-
(Fr. 60'448.- : 2'709 x 2'732)
ansteigt.
Bei einem zumutbaren Arbeitspensum von 50 % re
sultiert ein hypothetisches Invalideneinkommen von rund Fr. 30'481.-- (Fr. 60’961.-- : 2). Aus der Gegenüberstellung mit dem
Valideneinkommen
von Fr. 111'328.
-
- resultiert bei einer Einkommenseinbusse von Fr. 80'847.
--
eine Einschränkung
im Erwerbsbereich von 72.62
%
.
6.10
Der Gesamtinvaliditätsgrad berechnet sich mittels Addition der Teilinvaliditäts
grade. Bei einem Anteil des erwerblichen Bereichs von 70
%
und einer Einschrän
kung im Erwerbsbereich von 72.62
%
(vgl.
vorstehend E.
5.3 und E.
6.10) ergibt dies anteilig einen Tei
linvalidi
tätsgrad von 50.83
%
(70
%
x 0.7262
). Bei einem Ant
eil des Haushaltsbereichs von 30
%
und einer Einschrä
nkung im Haushalts
bereich von 25
%
(vgl. vorstehend E. 4.10 und E. 5.3
) ergibt dies anteilig
einen Teilinvaliditätsgrad von 7.5
%
(30
%
x 0.25
).
Demnach resultiert bei einem Teilinvalidit
ätsgrad im Erwerbsbereich von 50.83
%
und einem solchen von 7
.5
%
im Haushaltsbereich ein Gesamt
invaliditätsgrad von gerundet 58
%
, was einen Anspruch auf eine
halbe Rente
begründet.
Dieser Anspruch bestünde selbst dann, wenn man von keinerlei Einschränkung im Haus
haltsbereich ausgehen wollte.
6.
11
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 9. Oktober 2019 daher aufzuheben und festzustellen, dass die Beschwerdeführerin ab dem 1. Februar 2018 Anspruch auf eine halbe Rente hat.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.