Decision ID: 51a5919c-1407-46bb-8797-33a6a33b680c
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
K._ ist Eigentümerin der mit dem Einfamilienhaus Assek.-Nr. 0000_ überbauten
Parzelle Nr. 0001_, Grundbuch X._. Nach dem Zonenplan der Politischen Gemeinde
X._ ist das Grundstück der Wohnzone WE zugewiesen. Laut der Gefahrenkarte des
Kantons St. Gallen und nach Angaben der Politischen Gemeinde X._ gemäss der
kommunalen Naturgefahrenkarte besteht auf dem Grundstück eine mittlere
Hochwassergefahr. Im Grenzbereich zu den (nord-)westlich gelegenen Grundstücken
Nrn. 0002_ und 0003_ verläuft die F._-strasse (Gemeindestrasse dritter Klasse) über
die Parzelle Nr. 0001_. Am 19. November 2019 bewilligte die Bauverwaltung X._ das
Baugesuch Nr. 2019-96 von K._ vom 25./30. Oktober 2019 für die Erweiterung der
bestehenden Stützmauer im Bereich des nordwestlichen Grenzpunkts der Parzelle
Nr. 0001_ (ehemals: Parzelle Nr. 0004_) im vereinfachten Verfahren. Am
20./23. März 2020, ergänzt am 22. April 2020, 29. Juni 2020 und 13. Juli 2020, reichte
K._ nachträglich das Baugesuch Nr. 2020-21 für den Ersatz der bestehenden
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Stützmauern (Blocksteine anstelle von Eisenbahnschwellen) auf Parzelle Nr. 0001_
ein. Während der öffentlichen Auflage vom 14. bis 27. Juli 2020 erhoben D._
(Eigentümerin der Parzelle Nr. 0002_) und E._, zu dessen Gunsten bis
31. Dezember 2036 ein Wohnrecht am Einfamilienhaus Assek.-Nr. 0005_ auf dem
Grundstück Nr. 0002_ lastet, Einsprache. Am 10. August 2020 reichten D._ und E._
den technischen Bericht "Analyse Blocksteinmauer Fam. K._" der H._ AG,
Zweigniederlassung J._, vom 6. Mai 2020, und am 27. November 2020 K._ die
"Allgemeine Beurteilung der talseitig gelegenen Blocksteinmauer auf Parzelle
Nr. 0001_" der R._ AG vom 26. November 2020 ein. Mit Entscheid vom
15. April 2021 (versandt am 21. April 2021) wies der Gemeinderat X._ die Einsprache
ab und erteilte die Baubewilligung insbesondere unter folgender Nebenbestimmung:
"4. Auflagen
Der Ersatzbau der alten Stützmauer (Eisenbahnschwellen) ist nach SIA Norm 216
bzw. die Tragsicherheit nach Norm zu sanieren. Für die Ausarbeitung der statischen
Unterlagen ist ein unabhängiger Ingenieur zu beauftragen. Dieser Ingenieur wird durch
den Gemeinderat bestimmt. Der Nachweis ist mindestens zwei Wochen vor
Sanierungsbeginn beim Gemeinderat einzureichen.
Die alten Eisenbahnschwellen, welche sich noch unter der neuen Stützmauer
befinden sind zu entfernen und fachgerecht zu entsorgen. [...]"
(act. 8/9/1, 8/12/2019-96/7-14, 8/12/2020-21/2-4, 6, 14, 22-25, 39, 49, 28/2, 8/13/3,
Beilage zu act. 8/1, S. 5 f. E. 4, www.geoportal.ch).
B.
Dagegen rekurrierten D._ und E._ am 5. Mai 2021 an das Baudepartement (seit
1. Oktober 2021: Bau- und Umweltdepartement). Am 2. August 2021 reichte K._ eine
Bestätigung der R._ AG vom 19. Juli 2021 ein, wonach die statische Sanierung der
Blocksteinmauer auf Parzelle Nr. 0001_ zur Erreichung der normkonformen
Tragfähigkeitsreserven durch Verstärkungen mit Beton durchgeführt werden könne, so
dass die Lage, Abmessungen, Form und das äusseres Erscheinungsbild der Mauer
unverändert blieben. Mit Entscheid vom 21. Juni 2022 hiess das Bau- und
Umweltdepartement den Rekurs teilweise gut, soweit es darauf eintrat, hob den
Entscheid des Gemeinderates X._ vom 15. April 2021 auf und wies die Angelegenheit
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im Sinn der Erwägungen zur Weiterbearbeitung und neuem Entscheid an den
Gemeinderat X._ zurück. Gleichzeitig stellte es fest, dass die Baubewilligung des
Bauamtes X._ vom 19. November 2019 nichtig sei (act. 2, 8/1, 8/13/2).
C.
Am 9. März 2022 erhoben D._ und E._ beim Kreisgericht Y._ Klage gegen K._
betreffend Anspruch auf Schutz vor Gefährdung durch nachbarliche Baute. Am
10. Mai 2022 reichte K._ eine Klageantwort ein. Mit prozessualem Zwischenentscheid
vom 27. September 2022 wies die zuständige Einzelrichterin des Kreisgerichts Y._ ein
Gesuch von D._ und E._ um superprovisorische Anordnung eines vorsorglichen
Baustopps auf Parzelle Nr. 0001_ ab. Mit Eingabe vom 7. Oktober 2022 bestätigten
D._ und E._ ihr Gesuch um Anordnung einer vorsorglichen Baueinstellung (act. 3/4,
16/4, 21/12, 15 f.).
D.
Gegen den Entscheid des Bau- und Umweltdepartements (Vorinstanz) vom
21. Juni 2022 erhob K._ (Beschwerdeführerin), vertreten durch L._ und M._, am
11. Juli 2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, in
Gutheissung der Beschwerde sei der angefochtene Entscheid unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen, zuzüglich Mehrwertsteuer, aufzuheben und die
Baubewilligungen vom 19. November 2019 und 15. April 2021 zu schützen (act. 1). Am
12. August 2022 schloss die Vorinstanz auf Abweisung der Beschwerde (act. 7). Am
23. September 2022 trug die Politische Gemeinde X._ (Beschwerdebeteiligte) auf
Gutheissung der Beschwerde an (act. 14). D._ und E._ (Beschwerdegegner)
beantragten durch ihre Rechtsvertreter am 28. September 2022, die Beschwerde sei
unter Kosten- und Entschädigungsfolge, zuzüglich Mehrwertsteuer, abzuweisen,
soweit darauf eingetreten werden könne. Es sei unverzüglich die Einstellung der
Bauarbeiten auf Parzelle Nr. 0001_ im Bereich der streitgegenständlichen Mauer unter
Strafandrohung zu verfügen (act. 15). Am 30. September 2022 hiess der zuständige
Abteilungspräsident des Verwaltungsgerichts das Gesuch der Beschwerdegegner
insoweit (teilweise) gut, als er superprovisorisch ab sofort und bis auf Widerruf
vorsorglich für die Dauer des Beschwerdeverfahrens die Einstellung sämtlicher
Bauarbeiten an den Stützmauern auf Grundstück Nr. 0001_ verfügte (act. 18). Am
17. Oktober 2022 beantragte die Beschwerdeführerin, es sei auf das Gesuch der
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Beschwerdegegner auf Erlass einer vorsorglichen Baueinstellung kostenfällig nicht
einzutreten. Eventualiter sei es abzuweisen (act. 20). Mit Eingabe vom
15. November 2022 beantragten die Beschwerdegegner, die Verfügung des
Abteilungspräsidenten vom 30. September 2022 sei insoweit superprovisorisch zu
ergänzen, als der Baustopp unter Strafandrohung zu verfügen sei (act. 23 f.).
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids sowie die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeeingabe
vom 11. Juli 2022 erfolgte rechtzeitig und erfüllt inhaltlich und formell die gesetzlichen
Voraussetzungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerdeführerin ist als Empfängerin des angefochtenen Entscheids und
Eigentümerin des Baugrundstücks Nr. 0001_ zur Erhebung des Rechtsmittels befugt
(Art. 89 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, Bundesgerichtsgesetz;
SR 173.110, BGG, in Verbindung mit Art. 111 Abs. 1 BGG und Art. 33 Abs. 3 Ingress
und lit. a des Bundesgesetzes über die Raumplanung, Raumplanungsgesetz; SR 700,
RPG; Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP), obgleich die Vorinstanz die
Angelegenheit mit noch offenem Ausgang an die Beschwerdebeteiligte zur
Neubeurteilung zurückgewiesen hat: Falls sich der angefochtene Entscheid als
rechtsfehlerhaft erweisen würde, hätte es mit der entsprechenden Gutheissung der
Beschwerde sein Bewenden. Eine Rückweisung an die Beschwerdebeteiligte würde
sich diesfalls erübrigen (vgl. dazu VerwGE B 2020/75 vom 25. Mai 2021 E. 1 mit
Hinweisen). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2.
Die Beschwerdegegner und die Beschwerdeführerin stellen die Beweisanträge (act. 15,
S. 2, 11, 17, 20 f. Ziff. II/2, III/3.2.4, 3.3.5, IV/2.6 f., act. 16 lit. B, act. 24 lit. B, act. 20,
S. 5, 7, 12, 21), es seien der Gemeindepräsident und der Leiter der Bauverwaltung der
Beschwerdebeteiligten bzw. S._ und T._ als Partei resp. als Zeugen zu befragen; es
bis
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sei ein Augenschein durchzuführen. Auf die beantragten Beweisvorkehren kann in
antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden. Die mit Blick auf die nachstehend zu
schildernden Gegebenheiten entscheidrelevanten tatsächlichen Verhältnisse ergeben
sich aus den Verfahrensakten und dem Geoportal (www.geoportal.ch, vgl. zu den nicht
beweisbedürftigen notorischen Tatsachen etwa BGer 1C_582/2018 vom
23. Dezember 2019 E. 2.3 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 143 IV 380 E. 1.2, in:
Pra 2018 Nr. 61). Bezüglich der sich hier vorab stellenden Fragen rechtlicher Natur ist
nicht ersichtlich, was die beantragten Zeugenbefragungen oder die Durchführung eines
Augenscheins an zusätzlichem Erkenntnisgewinn für das Gericht bringen würde (vgl.
dazu BGer 1C_90/2020 vom 15. September 2021 E. 3.4.1 mit Hinweisen).
3.
Die Beschwerdeführerin macht zunächst geltend (act. 1, S. 11-20 Ziff. II/3), die
Vorinstanz sei auf den offensichtlich rechtsmissbräuchlichen Rekurs der
Beschwerdegegner (Rechtsausübung ohne schützenswertes Interesse, krasses
Missverhältnis der Interessen, Zweckwidrigkeit des Rekurses, Aussichtslosigkeit der
Rechtsbegehren, bewusst wahrheitswidrige Behauptungen, widersprüchliches
Verhalten, Verzögerung ohne Verfolgung anderer Interessen) zu Unrecht (teilweise)
eingetreten.
Das Rechtsmissbrauchsverbot gilt als allgemeiner Rechtsgrundsatz in der ganzen
Rechtsordnung mit Einschluss des öffentlichen Rechts sowie des Prozess- und
Vollstreckungsrechts. Es bildet Bestandteil des schweizerischen Ordre public und ist
von jeder Instanz von Amtes wegen anzuwenden. Dies wird heute nicht mehr nur aus
Art. 2 Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB) abgeleitet, wonach
der offenbare Missbrauch eines Rechts keinen Rechtsschutz findet. Eine zusätzliche
Grundlage, und zwar bereits auf Verfassungsstufe, enthalten Art. 5 Abs. 3 sowie
Art. 9 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV).
Rechtsmissbrauch liegt unter anderem vor, wenn ein Rechtsinstitut zweckwidrig zur
Verwirklichung von Interessen verwendet wird, die nicht in dessen Schutzbereich
liegen. Ebenfalls missbräuchlich sind Verfahrensschritte, die einzig dazu dienen, die
Gegenpartei zu schikanieren oder ohne Verfolgung sonstiger Interessen eine
Verzögerung des Verfahrens zu erreichen. Das trifft auch auf das Bau- und
Planungsrecht zu, wo die Frage vor allem im Zusammenhang mit Haftungsansprüchen
praxisrelevant ist. Als missbräuchlich gilt namentlich, wenn mit der Prozessführung
andere Zwecke als der Rechtsschutz verfolgt werden, etwa die Schädigung der
Gegenpartei oder die Verzögerung eines Bauvorhabens. Rechtsmissbräuchlich handelt
3.1.
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sodann, wer andere als bau- oder nachbarrechtliche Anliegen verfolgt, insbesondere
entsprechende Verfahrensschritte nur deshalb unternimmt, weil er dafür entschädigt
wird bzw. sich dadurch Vorteile zu verschaffen versucht, auf die kein Anspruch besteht.
Prozessualer Rechtsmissbrauch muss offensichtlich und entsprechend nachgewiesen
sein, um zum Verlust von Verfahrensrechten zu führen (vgl. dazu BGer 1C_487/2020
vom 12. November 2021 in BGE 148 II 139 nicht publizierte E. 5.5; BGer 1C_282/2020
vom 10. Februar 2021 E. 1.1; VerwGE B 2022/148 vom 12. September 2022 E. 6;
VerwGE B 2020/211 vom 21. Mai 2021 E. 3.3; VerwGE B 2014/27 vom 30. Juni 2015
E. 2.1; VerwGE B 2012/245 vom 9. Oktober 2013 E. 3.2 je mit Hinweis[en]).
Nicht umstritten ist, dass die Beschwerdegegner als direkte Nachbarn der an das
Baugrundstück Nr. 0001_ angrenzenden Parzelle Nr. 0002_ zur Erhebung des
Rekurses befugt gewesen waren. Bereits aus diesem Grund kann den
Beschwerdegegnern aus rein objektiver Sicht ein praktisches Interesse an der
Rekursführung grundsätzlich nicht abgesprochen werden. Wie die Vorinstanz in
Erwägung 1.4.2 des angefochtenen Entscheids (act. 2, S. 12) nachvollziehbar dargelegt
hat, bestehen darüber hinaus keine Anhaltspunkte dafür und wird von der
Beschwerdeführerin auch nicht weiter nachgewiesen, dass die Beschwerdegegner
andere als Rechtsschutzinteressen verfolgt hätten. Insbesondere ist nicht erkennbar,
dass sie sich hinsichtlich der Rekurserhebung widersprüchlich verhalten und gegen
Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 3 BV) verstossen haben sollten (vgl. dazu
BGer 1C_97/2021 vom 14. Juni 2021 E. 3.3; BGer 8C_444/2020 vom 23. März 2021
E. 7.2.4 je mit Hinweisen). Demzufolge durfte die Vorinstanz das Vorliegen eines
prozessualen Rechtsmissbrauchs verneinen und auf den Rekurs der
Beschwerdegegner eintreten, ohne Recht zu verletzen. Entgegen anderslautender
Darstellung der Beschwerdeführerin kann ihr diesbezüglich auch keine
rechtsfehlerhafte Sachverhaltsfeststellung vorgehalten werden (vgl. dazu VerwGE
B 2021/49 vom 14. Februar 2022 E. 2.3 mit Hinweisen).
Soweit die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang Gehörsrügen (mangelhafte
Begründungsdichte, Verzicht auf die Abnahme beantragter Beweismittel) erhebt, ist
zum einen festzuhalten, dass die Begründung des angefochtenen Entscheids so
abgefasst ist, dass sich die Beschwerdeführerin über die Tragweite des Entscheids
hinreichend Rechenschaft geben und ihn denn auch, wie ihre ausführlich begründete
Beschwerde zeigt, in voller Kenntnis der Sache an das Verwaltungsgericht weiterziehen
konnte. Damit genügt die Begründung den von Lehre und Rechtsprechung verlangten
Anforderungen (vgl. dazu BGE 148 III 30 E. 3.1 mit Hinweisen). Zum anderen durfte die
3.2.
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4.
Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor (act. 1, S. 20-26 Ziff. II/4), die Aufhebung der
Baubewilligung vom 15. April 2021 sei unverhältnismässig. Die Blocksteinmauer
unterschreite den nicht erreichten Normwert nur minim. Die einfache statische
Sanierung der Mauer erfordere weder eine wesentliche Projektänderung noch eine
konzeptionelle Überarbeitung des Projekts. Es handle sich um einen untergeordneten
Mangel, welcher auflageweise habe geheilt werden können.
Vorinstanz implizit in antizipierter Beweiswürdigung auf die von der Beschwerdeführerin
im Rekursverfahren beantragten Zeugenbefragungen (act. 8/13, S. 9 f., 19, 21, 36, 44,
53, 55 f., 59) mangels Erkenntniswert verzichten (vgl. dazu BGer 5A_128/2020 vom
13. April 2021 in BGE 147 III 215 nicht publizierte E. 3.4; BGE 146 III 203 E. 3.3.2;
BGE 144 V 364 E. 6.5; BGE 141 I 60 E. 3.3 je mit Hinweisen). Eine Verletzung des
Anspruchs der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 4 lit. c
der Verfassung des Kantons St. Gallen; sGS 111.1, KV) liegt nicht vor.
Nicht (mehr) umstritten ist im vorliegenden Fall, dass sämtliche Änderungen der
streitbetroffenen Stützmauern auf dem Baugrundstück Nr. 0001_ bewilligungspflichtig
im Sinne von Art. 22 Abs. 1 RPG und Art. 136 Abs. 1 PBG sind (vgl. dazu auch Art. 136
Abs. 2 Ingress und lit. c und g PBG). Weiter schreibt Art. 101 PBG vor, dass Bauten
und Anlagen während der Erstellung und der Dauer des Bestehens den notwendigen
Anforderungen an die Sicherheit nach den Regeln der Baukunde entsprechen. Die
Regeln der Baukunde ergeben sich aus gesetzlichen Vorschriften und aus privaten
Regelwerken. Bauten und Anlagen, die den Erfordernissen der Sicherheit nicht
entsprechen, dürfen nicht bewilligt werden (vgl. dazu W. Locher, in: Bereuter/Frei/
Ritter [Hrsg.], Kommentar zum Planungs- und Baugesetz des Kantons St. Gallen,
Basel 2020, N 4 ff. zu Art. 101 PBG, VerwGE B 2015/308 vom 26. Oktober 2017 E. 7.1,
VerwGE B 2015/160 vom 30. Mai 2017 E. 3.2, VerwGE B 2015/14 vom 20. Januar 2017
E. 9 und VerwGE B 2012/142 und 147 vom 2. Juli 2013 E. 3.1 je mit Hinweisen,
allerdings in Bezug auf nahezu gleichlautenden Art. 52 des Gesetzes über die
Raumplanung und das öffentliche Baurecht, Baugesetz; nGS 32-47, BauG, in der
Fassung vom 1. Januar 2015). Nach Art. 33 Abs. 1 des Baureglements der Politischen
Gemeinde X._ (vom Baudepartement genehmigt am 27. Januar 1993, BauR) kann der
Gemeinderat für die Behandlung von Baugesuchen über Bauten an Lagen, die eine
Gefährdung vermuten lassen, vom Baugesuchsteller einen Nachweis über die
Sicherheit verlangen.
4.1.
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Erfüllt ein Baugesuch die gesetzlichen Anforderungen nicht, ist grundsätzlich der
Bauabschlag zu erteilen (Art. 146 PBG e contrario). Die Baubewilligung darf unter dem
Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2 BV) nicht verweigert werden,
wenn sie gemäss Art. 147 Abs. 1 PBG mit einschränkenden Bedingungen und Auflagen
verbunden werden kann. Durch solche Nebenbestimmungen können lediglich
untergeordnete Mängel eines Baugesuchs behoben werden. Die Möglichkeit, nach
Art. 147 Abs. 1 PBG vorzugehen, entfällt immer dann, wenn die Mängel eine
wesentliche Projektänderung bzw. eine konzeptionelle Überarbeitung des Projekts
erfordern. Die Anordnung von Nebenbestimmungen kommt mit anderen Worten nicht
in Betracht, wenn ohne grösseren planerischen Aufwand nicht mehr beurteilbar ist, wie
die Mängel zu beheben sind und welche baurechtlichen, konzeptionellen und
gestalterischen Auswirkungen dies nach sich zieht. Es geht beispielsweise nicht an,
einen Bau zu bewilligen mit der Auflage, die fehlende Erschliessung müsse vor
Baubeginn geregelt sein. Dies ergibt sich aus dem Grundsatz der Einheit des
Bauentscheids, mit dem eine einheitliche Beurteilung eines baurechtlichen
Sachverhalts sichergestellt werden soll. Nachgelagerte Verfahren (vgl. dazu auch
Art. 149 PBG) sind nur dann zulässig, wenn dies von der Sache her sinnvoll ist – so
etwa wenn die Beurteilung der Farb- und Materialwahl während der Bauausführung
besser möglich ist – und sich daraus keine wesentlichen neuen Auswirkungen oder
Änderungen für das Projekt ergeben oder ergeben können. Dabei ist auf die konkreten
Verhältnisse abzustellen (vgl. dazu VerwGE B 2018/246 vom 8. Juli 2019 E. 4.1 mit
Hinweisen, in Bezug auf den inhaltlich identischen Art. 87 Abs. 2 BauG, siehe auch
VerwGE B 2021/88 resp. VerwGE B 2021/89 je vom 21. Juni 2022 E. 2.4.1 bzw.
E. 3.4.2 je mit Hinweisen).
Des Weiteren werden laut (Art. 137 PBG in Verbindung mit) Art. 21 der Verordnung zum
Planungs- und Baugesetz (sGS 731.11, PBV) Baugesuche, welche die für die
Beurteilung notwendigen bzw. erforderlichen Unterlagen nicht enthalten und deshalb
unvollständig sind, zur Ergänzung oder Verbesserung zurückgewiesen, und die
Bewilligungsbehörde tritt auf das Gesuch bei Unterbleiben der Verbesserung innert der
angesetzten Frist nicht ein.
Wie die Beschwerdeführerin selbst eingeräumt hat (vgl. act. 1, S. 22 Ziff. II/4.3), erfüllt
die ohne Bewilligung auf Parzelle Nr. 0001_ erstellte bzw. geänderte Mauer entlang
der F._-strasse resp. der Grenze zur Parzelle Nr. 0006_ die Anforderungen der
einschlägigen Normen des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA),
insbesondere der SN Norm 505 266/2, gültig ab 1. Januar 2012 (act. 8/28/3),
4.2.
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hinsichtlich der Tragsicherheitsreserven, wenn auch ihrer Darstellung gemäss knapp,
nicht (vgl. dazu auch das von der Beschwerdeführerin im Rekursverfahren eingereichte
Schreiben der R._ AG vom 19. Juli 2021, wonach die von den SIA-Normen verlangten
Tragfähigkeitsreserven durch Verstärkungen mit Beton durchgeführt werden könnten,
act. 8/13/2). Demnach ist erstellt, dass die fragliche Mauer den Erfordernissen der
Sicherheit nicht entspricht und grundsätzlich nicht hätte bewilligt werden dürfen.
Im Weiteren hat die Vorinstanz in Erwägung 3.3.2 f. des angefochtenen Entscheids
(act. 2, S. 15 f.) hinsichtlich der strittigen Blocksteinmauer entlang der F._-strasse
resp. der Grenze zur Parzelle Nr. 0006_ auf Parzelle Nr. 0001_ nachvollziehbar
ausgeführt, dass die sicherheitspolizeilichen Anforderungen, namentlich diejenigen in
Bezug auf die Statik bzw. die Tragfähigkeit/-sicherheit, im Rahmen der baurechtlichen
Beurteilung einen zentralen Punkt darstellten, welcher eine wesentliche
Projektänderung oder eine konzeptionelle Überarbeitung des Projekts erforderlich
machen könnte. Diesbezüglich hat die Beschwerdeführerin die Unterlagen zum
Baugesuch Nr. 2020-21 vom 20./23. März 2020, 22. April 2020, 29. Juni 2020 bzw.
13. Juli 2020 (act. 8/12/2020-21/22) lediglich mit den Einschätzungen der R._ AG vom
26. November 2020 und 19. Juli 2021 (Beilage zu act. 8/12/2020-21/39, act. 8/13/2)
ergänzt. Daraus geht der genaue Umfang der Sanierungsarbeiten indes nicht hervor.
Darüber hinaus hat die Beschwerdeführerin bis dato nachträglich keine ergänzten
Baugesuchsunterlagen eingereicht. Ohne einen entsprechenden Nachweis samt
statischer Berechnung kann der Beschwerdeführerin jedoch nicht gefolgt werden,
soweit sie beteuert, dass die statische Sanierung allein durch die Verstärkung der
Hinterfüllung mit Sickerbeton durchgeführt werden könne, ohne die Lage,
Abmessungen, Form und das äusseres Erscheinungsbild der Mauer zu verändern.
Vielmehr ist bei gegebener Aktenlage mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass es
sich nicht mehr bloss um einen Mangel untergeordneter Natur handelt, welcher
auflageweise hätte geheilt werden dürfen. Dies umso mehr, als die Beschwerdeführerin
im Rahmen des strittigen Baugesuchs Nr. 2020-21 mit Zustimmung der
Beschwerdebeteiligten auf Objektschutzmassnahmen in einem Gebiet mit mittlerer
Gefährdung verzichtet hat (vgl. dazu Baugesuchsformular "Bauten und Anlagen im
Bereich von Naturgefahren GN", eingereicht am 29. Juni 2020, act. 8/12/2020-21/22,
und Beilage zu act. 8/1, S. 5 f. E. 4, sowie Art. 103 PBG, Art. 14 Abs. 1 BauR,
Checkliste der Naturgefahrenkommission und der Gebäudeversicherung des Kantons
St. Gallen, Bauen in Gebieten mit gravitativen Naturgefahren, Ausgabe Juli 2019, S. 2,
www.sg.ch). Demzufolge ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die
entsprechende Auflage Ziff. 4 der Baubewilligung der Beschwerdebeteiligten vom
15. April 2021 (Beilage zu act. 8/1, S. 7) in teilweiser Gutheissung des Rekurses
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5.
Schliesslich hält die Beschwerdeführerin dafür (act. 1, S. 7-11 Ziff. II/2), die Vorinstanz
habe die Nichtigkeit der Baubewilligung vom 19. November 2019 zu Unrecht
festgestellt.
Wie Beschwerdeführerin sowie die Beschwerdebeteiligte (act. 14) nicht ohne Grund
vorgebracht haben, erscheint fraglich, ob die von der Vorinstanz in
Erwägung 1.2.5.1-1.2.5.4 des angefochtenen Entscheids (act. 2, S. 8-10) ins Feld
geführte fehlende Zuständigkeit der Bauverwaltung der Beschwerdebeteiligten
betreffend die Bewilligung vom 19. November 2019 im vereinfachten Verfahren
(act. 8/12/2019-96/7) hinsichtlich der Erweiterung der Stützmauer im Bereich des
nordwestlichen Grenzpunkts der Parzelle Nr. 0001_ (Baugesuch Nr. 2019-96 vom
25./30. Oktober 2019, act. 8/12/2019-96/1-3, 9-14) für die Beschwerdeführerin
offensichtlich resp. leicht erkennbar war. Auch kann diesbezüglich sowie mit Blick auf
die Durchführung des vereinfachten Verfahrens trotz anderer Auffassung der Vorinstanz
nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass die Annahme der Nichtigkeit
nicht zu einer ernsthaften Gefährdung der Rechtssicherheit führte (vgl. zur Nichtigkeit:
BGer 1C_497/2020; 1C_507/2020 vom 27. Juni 2022 E. 6.4.1 mit Hinweisen [innerhalb
der Bauzone] und demgegenüber BGer 1C_709/2020 vom 24. August 2021 E. 4.2.2 mit
Hinweisen [ausserhalb der Bauzone]; zur Ausstattung von Verwaltungsstellen und
Kommissionen mit hoheitlichen Befugnissen: Art. 25 Abs. 1 RPG, Art. 135 PBG, Art. 3
Abs. 1, Art. 89 Abs. 1, Art. 90 Abs. 1 Ingress und lit. b, Art. 93 Abs. 1 des
Gemeindegesetzes; sGS 151.2, GG, Art. 95 Abs. 1 Ingress und lit. b der Verfassung
des Kantons St. Gallen; sGS 111.1, KV, Botschaft der Regierung zum Planungs- und
Baugesetz vom 11. August 2015, S. 103, Schindler/Rüefli, in: Jaag/Rüssli/Jenni [Hrsg.],
Kommentar zum Zürcher Gemeindegesetz, Zürich 2017, N 16 zu § 44 GG ZH, H.-R.
Arta, Die Zuständigkeitsordnung nach dem st. gallischen Gemeindegesetz in der
politischen Gemeinde mit Bürgerversammlung, St. Gallen 1990, S. 59 f., 76, 221,
allerdings in Bezug auf Art. 136 lngress und lit. c des alten Gemeindegesetzes vom
23. August 1979, Neudruck April 2001, nGS 36-29, BGE 148 III 172 E. 3.2.2 mit
Hinweisen, act. 3/3; zur Durchführung des vereinfachten Verfahrens: Präsidialentscheid
VerwGE B 2021/241 vom 17. Februar 2022 E. 4.2.1 in fine mit Hinweisen, insbesondere
aufgehoben und die Sache in dieser Hinsicht in Anwendung von Art. 56 Abs. 2 VRP zur
"Weiterbearbeitung" – d.h. zur Ergänzung des Baugesuchs unter Androhung von
Säumnisfolgen im Sinne von Art. 21 Abs. 3 PBV – und zu neuer Entscheidung an die
Beschwerdebeteiligte zurückgewiesen hat, soweit sie auf den Rekurs eingetreten ist.
Auch diesbezüglich kann der Vorinstanz im Übrigen keine rechtsfehlerhafte
Sachverhaltsfeststellung vorgehalten werden (vgl. dazu Hinweis unter E. 3.2 hiervor).
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auf BGer 1C_5/2019 vom 12. Juni 2019 E. 4.2 f., in: ZBl 2020, S. 444 ff.). Wie es sich
damit letztlich verhält, kann vorliegend indes aus folgenden Gründen dahingestellt
bleiben:
Das von der Beschwerdeführerin nachträglich eingereichte Baugesuch Nr. 2020-21
vom 20./23. März 2020, 22. April 2020, 29. Juni 2020 bzw. 13. Juli 2020
(act. 8/12/2020-21/22) für den Ersatz der bestehenden Stützmauern auf Parzelle
Nr. 0001_ umfasst unter anderem die gesamte Blocksteinmauer entlang der F._-
strasse resp. der Grenze zur Parzelle Nr. 0006_ einschliesslich der Erweiterung der
Blocksteinmauer im Bereich des nordwestlichen Grenzpunkts der Parzelle Nr. 0001_
(vgl. zur Einreichung von mehreren Baugesuchen Zaugg/Ludwig, Baugesetz des
Kantons Bern, Band I, 5. Aufl. 2020, N 12 ff. zu Art. 32-32d BauG BE, und Fritzsche/
Bösch/Wipf/kunz, Zürcher Planungs- und Baurecht, Band 1, 6. Aufl. 2019, S. 371,
siehe dazu auch VerwGE B 2018/206 vom 13. Mai 2019 E. 3.2 mit Hinweisen, bestätigt
mit BGer 1C_336/2019 vom 3. Juni 2020, wonach eine formell rechtskräftige
ursprüngliche Baubewilligung eine umfassende Prüfung im Rahmen eines späteren
Projektänderungsgesuchs nicht ausschliesst): Im Grundrissplan, eingereicht am
13. Juli 2020, wird zwar gemäss Art. 38 Abs. 6 BauR noch zwischen dem Ersatz der
bestehenden Stützmauern (rot dargestellt) und der Erweiterung der Stützmauer im
Bereich des nordwestlichen Grenzpunkts der Parzelle Nr. 0001_ (schwarz dargestellt)
unterschieden. Der Plan (Ansicht) "Mauer Nord", eingereicht am 29. Juni 2020, sowie
der Bericht der R._ AG vom 26. November 2020 (Beilage zu act. 8/12/2020-21/39)
beziehen sich indessen offenkundig auf die gesamte Mauer mitsamt der Erweiterung.
Wie unter Erwägung 4.2 hiervor bereits ausgeführt, muss das Baugesuch Nr. 2020-21
hinsichtlich der Einhaltung der sicherheitspolizeilichen Anforderungen ergänzt und neu
beurteilt werden. Im Rahmen der von der Vorinstanz angeordneten Rückweisung der
Sache sind demnach – unabhängig von der Baubewilligung vom 19. November 2019 –
ergänzende Unterlagen für die ganze, vom Baugesuch Nr. 2020-21 erfasste fragliche
Blocksteinmauer zu beschaffen (siehe zur unzulässigen Aufsplittung in mehrere
Zwischen- oder Teilverfügungen auch BGer 1C_474/2018 vom 11. Mai 2021 E. 6.1;
BGer 1C_658/2017 vom 18. September 2018 E. 3.3; BGer 1C_327/2016 vom
22. März 2017 E. 9.3; BGer 1C_150/2009 vom 8. September 2009 E. 2.2; VerwGE
B 2020/253 vom 23. Juni 2021 E. 3.2 je mit Hinweisen).
6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Dem Ausgang
des Verfahrens entsprechend hat die Beschwerdeführerin die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 3'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12,
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GKV); der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von
CHF 4'000 ist zu verrechnen. Der Restbetrag von CHF 1'000 ist ihr zurückzuerstatten.
Der Verlegung der amtlichen Kosten entsprechend hat die Beschwerdeführerin die
obsiegenden Beschwerdegegner, deren Rechtsvertreter keine Kostennote eingereicht
haben, für das Beschwerdeverfahren ermessensweise pauschal mit CHF 3'000
zuzüglich CHF 120 Barauslagen (vier Prozent von CHF 3'000) und Mehrwertsteuer zu
entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und 2 in Verbindung mit Art. 98 VRP; Art. 30 Ingress
und lit. b Ziff. 1 sowie Art. 31 Abs. 1 und 2 des Anwaltsgesetzes; sGS 963.70, AnwG;
Art. 6, Art. 22 Abs. 1 Ingress und lit. b, Art. 28 , Art. 29 der Honorarordnung, sGS
963.5, HonO).
Der Abteilungspräsident erwägt:
7.
Der Entscheid über das Gesuch der Beschwerdegegner um Erlass vorsorglicher
Massnahmen vom 28. September 2022 (act. 15, S. 2-17 Ziff. II/1, III/3, act. 23 f., siehe
dazu auch die entsprechenden Entgegnungen der Beschwerdeführerin vom
17. Oktober 2022, act. 20) fällt in die Zuständigkeit des Abteilungspräsidenten (Art. 64
in Verbindung mit Art. 18 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1,
VRP; Art. 33 Abs. 1 f. VRP in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 und 3 Satz 1 des Reglements
über die Organisation und den Geschäftsgang des Verwaltungsgerichts; sGS 941.22,
Reglement). Aufgrund der Akzessorietät zur Hauptsache ist der am
30. September 2022 im Beschwerdeverfahren superprovisorisch verfügte vorsorgliche
Baustopp (act. 18) mit dem vorliegenden Entscheid dahingefallen (vgl. dazu
Präsidialentscheid VerwGE B 2020/219 vom 29. März 2021 E. 3 mit Hinweisen, siehe
dazu auch Präsidialentscheid VerwGE B 2021/259 vom 27. Januar 2022 E. 6.2 mit
Hinweisen). Aus demselben Grund ist das beschwerdegegnerische Gesuch um Erlass
einer vorsorglichen Baueinstellung vom 28. September 2022, ergänzt am
15. November 2022, gegenstandslos geworden. Für das von der Beschwerdeführerin
nachgesuchte, noch nicht bewilligte Bauvorhaben besteht aber nach wie vor,
unabhängig von einer behördlichen Baueinstellungsverfügung, ein grundsätzliches
Bauverbot (vgl. dazu A. Ruch, in: Aemisegger/Moor/derselbe/Tschannen [Hrsg.],
Praxiskommentar RPG: Baubewilligung, Rechtsschutz und Verfahren, Zürich 2020, N 8
bis
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zu Art. 22 RPG, siehe dazu auch die Strafbestimmung von Art. 162 Ingress und lit. b
des Planungs- und Baugesetzes; sGS 731.1, PBG).