Decision ID: a60a03b0-5326-5713-bb29-b9f9482696bd
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit 2004. Anlässlich einer
Verkehrskontrolle in Gossau vom Sonntag, 30. August 2009, um 04.30 Uhr, wurde bei
ihm ein Atemalkoholwert von 0.58 Gew.-‰ festgestellt. Er anerkannte diesen Wert.
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B.- Am Samstag, 26. September 2009, um 16.50 Uhr, lenkte X den Personenwagen
"Audi S4" von St. Gallen auf die Autobahnausfahrt A1 in Gossau. An der mit "Kein
Vortritt" signalisierten Einmündung in die Querverbindung bog er nach links in Richtung
Gossau ab. Im Einmündungsbereich kam es zur Kollision mit einem von rechts aus
Richtung Arnegg kommenden Personenwagen.
C.- Das Strassenverkehrsamt entzog X mit Verfügung vom 27. Januar 2010 den
Führerausweis wegen Verursachens eines Verkehrsunfalls infolge Missachtens des
Vortrittssignals "Kein Vortritt" und der Trunkenheitsfahrt vom 30. August 2009 für die
Dauer von zwei Monaten.
D.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe vom 17. Februar 2010 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit den Anträgen, der Führerausweisentzug sei auf
einen Monat zu reduzieren und der Vollzug des Entzugs sei auf frühestens Ende April
2010 zu verschieben. Auf die Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. Die Vorinstanz verzichtete am 16. April
2010 auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 17. Februar 2010 (Poststempel) ist
rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist daher
einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 (SR 741.03)
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine
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leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden
trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch
Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in
Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Ist die Verletzung von Verkehrsregeln grob und
wird dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in
Kauf genommen, ist die Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG).
Der Rekurrent bestreitet nicht, dass er am 26. September 2009 in Gossau ein
Vortrittssignal missachtet und einen Verkehrsunfall verursacht hat. Damit hat er Art. 27
Abs. 1 SVG, wonach Signale und Markierungen zu befolgen sind und diese den
allgemeinen Regeln vorgehen, schuldhaft verletzt. Im Rekurs wird zu Recht auch nicht
beanstandet, dass die Vorinstanz eine mittelschwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsbestimmungen angenommen und den Führerausweis gestützt auf Art.
16b Abs. 1 lit. a SVG entzogen hat.
3.- Umstritten ist die Dauer des Entzugs des Führerausweises.
a) Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind
gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Gemäss Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer
mittelschweren Widerhandlung für mindestens einen Monat entzogen. Diese
Mindestdauer darf nicht unterschritten werden.
b) Die Vorinstanz ist von der gesetzlich vorgeschriebenen minimalen Entzugsdauer von
einem Monat abgewichen und hat dem Rekurrenten den Führerausweis für die Dauer
von zwei Monaten entzogen. Zur Begründung wird in der angefochtenen Verfügung
festgehalten, der polizeilichen Befragung sei zu entnehmen, dass der Rekurrent als
Vortrittsbelasteter die Verzweigung mit einer Geschwindigkeit von 20-30 km/h befahren
und dabei den vortrittsberechtigten Unfallbeteiligten übersehen habe. Bei langsamerem
Befahren der Verzweigung und pflichtgemässer Aufmerksamkeit wäre der
Verkehrsunfall durchaus vermeidbar gewesen. Ein solch leichtsinniges Verhalten wirke
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sich ebenso erhöhend auf die Entzugsdauer aus, wie die Trunkenheitsfahrt vom
30. August 2009. Der Rekurrent habe innert kurzer Zeit zwei Widerhandlungen gegen
die Strassenverkehrsvorschriften begangen.
Im Rekurs wird geltend gemacht, die Schilderung in der Verfügung der Vorinstanz
entspreche nicht seinen Angaben, die er gegenüber der Polizei gemacht habe. Er sei
sicher unaufmerksam gewesen. Der Verzweigung habe er sich aber nicht mit 20-30 km/
h, sondern mit Schritttempo genähert. Da er auf beiden Seiten keinen anderen
Verkehrsteilnehmer wahrgenommen habe, habe er danach wieder beschleunigt. Den
von rechts kommenden Personenwagen habe er erst beim Aufprall gesehen. Er sei
überrascht worden und habe sich bereits in der Beschleunigungsphase befunden,
weshalb er höchstwahrscheinlich beim Aufprall ca. 20-30 km/h schnell gewesen sei.
Ein leichtsinniges Verhalten könne ihm nicht unterstellt werden.
c) Gefährdung und Verschulden sind vorliegend als überdurchschnittlich einzustufen.
Der Rekurrent bog links auf eine Strasse ein, auf welcher das Tempolimit bei 80 km/h
liegt. Das Einbiegen auf eine Strasse, auf welcher hohe Geschwindigkeiten gefahren
werden, bedarf einer besonderen Aufmerksamkeit. Der Rekurrent richtete seine
Aufmerksamkeit nicht auf den vortrittsberechtigten Verkehr. Im fraglichen Abschnitt
verläuft die Strecke übersichtlich. Bei genügender Aufmerksamkeit hätte er das
herannahende Fahrzeug ohne weiteres wahrnehmen können und sein Fahrzeug
dementsprechend vor der Verzweigung vollständig abbremsen müssen. Es ist also
unerheblich, mit welcher Geschwindigkeit er auf die Verzweigung zufuhr. Die
mangelnde Aufmerksamkeit und damit sein Verschulden sind erheblich. Die vom
Rekurrenten durch die Missachtung des Vortrittsrechts verursachte Gefahr ist zudem
hoch. Der von rechts kommende Personenwagen geriet nach der Kollision ins
Schleudern und schoss über den Grasmittelstreifen auf die Gegenfahrbahn, wo er
stehenblieb. Dadurch hätten auch andere Personen gefährdet werden können. Das
Verhalten des Rekurrenten war also geeignet, einen Unfall mit Sach- und
Personenschaden zu verursachen.
Der Rekurrent macht einen ungetrübten automobilistischen Leumund geltend. Er führt
aus, in den vergangenen Jahren sei er privat, vor allem aber geschäftlich, viele
Kilometer unfallfrei gefahren und habe sich an die Strassenverkehrsgesetze gehalten.
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Dem steht gegenüber, dass er nicht nur einen Verkehrsunfall zufolge Missachtens des
Vortrittsrechts verursacht, sondern sich rund vier Wochen vorher eine Trunkenheitsfahrt
(0.58 Gew.-‰) hat zu Schulden kommen lassen. Letzteres ist massnahmeerhöhend zu
veranschlagen. Eine erhöhte Sanktionsempfindlichkeit, welche sich
massnahmemindernd auswirken könnte, wird weder aus den Akten ersichtlich noch im
Rekurs geltend gemacht.
d) Zusammenfassend ergibt sich, dass eine Entzugsdauer von zwei Monaten, d.h.
einen Monat über der Mindestentzugsdauer, nicht zu beanstanden ist. Der
Eventualantrag, den Führerausweis frühestens auf Ende April 2010 zu verschieben, ist
infolge Zeitablaufs gegenstandslos. Im Übrigen fällt die Festlegung des Zeitpunkts der
Führerausweisabgabe in die Zuständigkeit der Vorinstanz; denn dabei handelt es sich
um eine Vollzugsfrage, zu welcher sich das Gericht im Rekursverfahren nicht äussert.
In diesem Punkt ist auf den Rekurs nicht einzutreten.
4.- Somit ist der Rekurs abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- ist
angemessen (vgl. Art. 13 Ziff. 522 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen.