Decision ID: cdeeb2d3-585d-5fd3-85c5-44bad42ad876
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ A. R., geb. 6. Juni 1986, ist Staatsangehöriger von Mazedonien. Er gelangte 1994
im Rahmen des Familiennachzugs mit seiner Mutter und seinen zwei Brüdern zu
seinem in St. Gallen wohnhaften Vater. 1998 wurde erstmals ein auffälliges Verhalten
festgestellt, als A. R. als Schüler der sechsten Klasse in seinem Schulsack Hanfblätter
aufbewahrte und sein Vater dies der Polizei meldete. Zwischen 1998 und 2004 beging
A. R. zahlreiche Straftaten, namentlich Vermögens- und Betäubungsmitteldelikte, aber
auch Gewaltdelikte, namentlich eine mit einem Mittäter verübte Vergewaltigung einer
etwa gleichaltrigen Jugendlichen am 10. Mai 2003. Von 1998 an hielt sich A. R.
vorwiegend in Heimen und Erziehungs- sowie Massnahmevollzugsanstalten auf. Mit
Verfügung vom 21. Dezember 2006 entliess ihn die Jugendanwaltschaft definitiv aus
einer Heimeinweisung mit der Begründung, er sei massnahmeunfähig (Vorakten act.
218).
Am 20. Januar 2007 wurde A. R. wegen Verdachts der mehrfachen Begehung von
Einbruchdiebstählen in Untersuchungshaft gesetzt.
Mit Verfügung vom 2. Februar 2007 wies das Ausländeramt A. R. für die Dauer von
zehn Jahren aus der Schweiz aus. Den Beginn der Ausweisung setzte es auf den
Zeitpunkt der Entlassung aus der Untersuchungshaft fest. Einem allfälligen Rekurs
wurde die aufschiebende Wirkung entzogen. Zur Begründung wurde angeführt, A. R.
habe zu schweren Klagen Anlass gegeben. Weder die Verurteilungen noch die
Aufenthalte in den verschiedenen Jugendmassnahmeanstalten hätten ihn von weiteren
Straftaten abgehalten.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob A. R. durch seinen Rechtsvertreter
mit Eingabe vom 16. Februar 2007 Rekurs.
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C./ Am 19. April 2007 sprach das Kreisgericht St. Gallen A. R. des Diebstahls, des
mehrfachen versuchten Diebstahls, der mehrfachen Sachbeschädigung und des
mehrfachen sowie des mehrfachen versuchten Hausfriedensbruchs schuldig und
verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten.
D./ Mit Entscheid vom 22. März 2007 wies das Justiz- und Polizeidepartement den
Rekurs gegen die Aus-weisung ab und setzte die Dauer der Massnahme auf fünf Jahre
fest. Deren Beginn wurde auf den Zeitpunkt der Entlassung aus der Untersuchungshaft
festgesetzt. Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen.
E./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 25. April 2007 erhob A. R. Beschwerde
beim Verwaltungsgericht und beantragte, der Rekursentscheid vom 22. März 2007 sei
aufzuheben und es sei von einer Ausweisung abzusehen, der Beschwerde sei die
aufschiebende Wirkung zu erteilen und es sei die unentgeltliche Prozessführung zu
gewähren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Mit Verfügung vom 26. April 2007 wies der Präsident des Verwaltungsgerichts das
Begehren um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung sowie den
Antrag um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung ab.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 21. Mai 2007 die Abweisung
der Beschwerde.
Der Beschwerdeführer liess sich mit Eingabe vom 7. Juni 2007 zur vorinstanzlichen
Stellungnahme vernehmen.
Die von den Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge gemachten
Ausführungen werden, soweit wesentlich, in den folgenden Erwägungen dargelegt und
gewürdigt.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
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Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 25. April 2007
entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2. Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der
Ausländer (SR 142.20, abgekürzt ANAG) kann ein Ausländer aus der Schweiz
ausgewiesen werden, wenn er wegen eines Verbrechens oder Vergehens gerichtlich
bestraft wurde (lit. a) oder wenn sein Verhalten im allgemeinen und seine Handlungen
darauf schliessen lassen, dass er nicht gewillt oder nicht fähig ist, sich in die im
Gaststaat geltende Ordnung einzufügen (lit. b).
Die Ausweisung kann befristet, aber nicht für weniger als zwei Jahre, oder unbefristet
ausgesprochen werden (Art. 11 Abs. 1 ANAG). Sie soll nur verfügt werden, wenn sie
nach den gesamten Umständen angemessen erscheint (Art. 11 Abs. 3 Satz 1 ANAG).
2.1. Art. 10 Abs. 1 ANAG ist eine typische "Kann-Bestimmung". Das Gesetz schreibt
beim Vorliegen bestimmter Voraussetzungen nicht zwingend die Anordnung einer
Ausweisung vor, sondern es räumt der Verwaltung diesbezüglich einen
Ermessensspielraum ein. Das Verwaltungsgericht ist zur Ueberprüfung der
Angemessenheit einer Verfügung oder eines Entscheides nicht befugt (Art. 61 Abs. 1
und 2 VRP). Es darf daher auch bei der Prüfung der Angemessenheit im Sinne von Art.
11 Abs. 3 Satz 1 ANAG nicht sein eigenes Ermessen - im Sinne einer Prüfung der
Opportunität bzw. der Zweckmässigkeit der Massnahme - anstelle des Ermessens der
Verwaltung stellen (VerwGE vom 11. November 2003 i.S. M.B.A. mit Hinweis auf
VerwGE vom 17. August 1999 i.S. J. und S.R.; BGE 125 II 107). Es kann nur
überprüfen, ob der Entscheid der Verwaltung auf einer Ueberschreitung bzw. einem
Missbrauch des Ermessens beruht und damit rechtswidrig ist (GVP 1996 Nr. 9 mit
Hinweisen).
Für die Beurteilung der Angemessenheit der Ausweisung im Sinne von Art. 11 Abs. 3
ANAG bzw. der Verhältnismässigkeit sind namentlich die Schwere des Verschuldens
des Ausländers, die Dauer seiner Anwesenheit in der Schweiz sowie die ihm und seiner
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Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (Art. 16 Abs. 3 der
Vollziehungsverordnung zum ANAG, SR 142.201).
Je länger ein Ausländer in der Schweiz gelebt hat, desto strengere Anforderungen sind
an die Gründe für eine Ausweisung zu stellen. Dabei ist zu berücksichtigen, in welchem
Alter sich der Ausländer in der Schweiz niedergelassen hat. Selbst bei Ausländern der
zweiten Generation ist aber eine Ausweisung grundsätzlich zulässig. Sie kommt
namentlich dann in Betracht, wenn der Ausländer besonders schwere Gewalt-, Sexual-
oder Betäubungsmitteldelikte begangen und wenn er wiederholt delinquiert hat.
Personen, die ausgesprochen lange in der Schweiz gelebt haben, dürfen in der Regel
ebenfalls nicht schon wegen einer einzelnen Straftat ausgewiesen werden, selbst wenn
diese ernsthafter Natur ist. Vielmehr ist eine Ausweisung grundsätzlich erst bei
wiederholten Straftaten von einigem Gewicht angebracht. Unter Berücksichtigung aller
entscheidenden Umstände kann zwar auch eine einzelne Verurteilung wegen einer
besonders schwerwiegenden Straftat zur Ausweisung führen, doch ist diese bei sehr
langer Anwesenheit in der Regel erst anzuordnen, wenn eine sich zusehends
verschlechternde Situation vorliegt, d.h. wenn der Ausländer, statt sich zu bessern, mit
der deliktischen Tätigkeit fortfährt und sich namentlich immer schwerere Straftaten
zuschulden kommen lässt (vgl. BGE 2A.571/2005 vom 17. Januar 2006 mit Hinweisen,
unter anderem auf BGE 130 II 190).
2.2. Der von der Vorinstanz ausführlich dargelegte Sachverhalt blieb im
Beschwerdeverfahren unbestritten. In der Beschwerde wird ausdrücklich auf die
entsprechenden Feststellungen im Rekursentscheid verwiesen. Es kann deshalb darauf
verzichtet werden, die einzelnen Straftaten bzw. Verurteilungen sowie die Sanktionen
und das Verhalten des Beschwerdeführers während des Vollzugs der verschiedenen
Massnahmen zu wiederholen; diesbezüglich kann auf die unbestrittenen Feststellungen
im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (E. B).
2.3. Der Beschwerdeführer bestreitet das Vorliegen von Ausweisungsgründen nach Art.
10 Abs. 1 lit. a und b ANAG nicht. Insbesondere macht er auch keinen Rechtsanspruch
auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (SR 0.101) geltend. Er rügt ausschliesslich, die Ausweisung
für die Dauer von fünf Jahren sei unverhältnismässig. Dies ist im folgenden zu prüfen.
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2.4. Ausgangspunkt und Massstab für die Schwere des Verschuldens und die
fremdenpolizeiliche Interessenabwägung ist die vom Strafrichter verhängte Strafe (BGE
129 II 260). Dabei fällt in Betracht, dass der Beschwerdeführer bereits im Alter von rund
zwölfeinhalb Jahren erstmals straffällig wurde. Er beging in der Folge wiederholt
Einbruchdiebstähle, Ueberfälle auf Gleichaltrige, die er mit Schlägen und teilweise mit
Messern bedrohte, um Geld oder Marihuana zu erpressen, war an einem bewaffneten
Raubüberfall beteiligt, vergewaltigte am 10. Mai 2003 zusammen mit einem Kollegen
eine gleichaltrige Jugendliche und verletzte am 2. Juli 2003 im Jugendheim Prêles eine
Betreuerin (vgl. Rekursentscheid B a und b).
Der Beschwerdeführer bringt vor, er habe zwar wiederholt strafrechtlich relevante
Delikte begangen, doch handle es sich mehrheitlich um Vermögens- und leichte
Betäubungsmitteldelikte. Diese seien zwar nicht zu bagatellisieren, doch es sei objektiv
nicht gerechtfertigt, ihn als schweren Gewaltverbrecher hinzustellen. Dagegen wendet
die Vorinstanz zutreffend ein, der Beschwerdeführer bagatellisiere sein Verhalten, da er
in der Beschwerde gar nicht auf die Gewaltdelikte eingehe. Als schwerwiegend sind
namentlich die am 10. Mai 2003 begangene Vergewaltigung, aber auch die Raubdelikte
zu betrachten. Das deliktische Verhalten des Beschwerdeführers intensivierte sich mit
zunehmendem Alter. Bereits als rund Dreizehnjähriger bedrohte er mit Kollegen
Jugendliche mit Messern und Schlägen, um ihnen Geld abzunehmen. Im Alter von rund
16 Jahren beging er einen bewaffneten Raubüberfall auf einen Hanfshop und
vergewaltigte eine etwa gleichaltrige Jugendliche. Nach seinen Aeusserungen
anlässlich der psychiatrischen Begutachtung geht ihm das Unrechtsbewusstsein
bezüglich dieser Tat offenbar vollständig ab. Die Anordnungen der Jugendanwaltschaft
und die Heimeinweisungen schienen den Beschwerdeführer nicht merklich zu
beeindrucken oder zu einer Aenderung seines Verhaltens zu veranlassen. Im
Massnahmevollzug war er wiederholt renitent, war an einer Meuterei im Platanenhof
beteiligt, verletzte eine Betreuerin in Prêles und entwich wiederholt aus den Anstalten.
Ende 2006 wurde er wegen Massnahmeunfähigkeit entlassen. Sein Einwand, die letzte
Straftat liege nun schon über zwei Jahre zurück, geht fehl. In den letzten beiden Jahren
befand sich der Beschwerdeführer überwiegend in Massnahmevollzugsanstalten. Dass
er während dieser Zeit nicht delinquierte, kann daher nicht als besondere Leistung
qualifiziert werden. Das wiederholte Entweichen aus dem Massnahmezentrum Arxhof
ist ihm vielmehr als zusätzliches pflichtwidriges Verhalten vorzuwerfen. Nicht zu
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beanstanden ist auch die Feststellung der Vorinstanz, der Beschwerdeführer sei
unbelehrbar. Die Jugendanwaltschaft qualifizierte ihn ausdrücklich als
massnahmeunfähig. Auch ist aufgrund seines bisherigen Verhaltens nicht zu erwarten,
dass ihn das hängige Ausweisungsverfahren zu einer Verhaltensänderung zu bewegen
vermag. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Beurteilung in den
psychiatrischen Gutachten eine erhebliche Gefährdung für Drittpersonen darstellt
(Vorakten act. 370, 450, 590). Aus den dargelegten Gründen besteht in
fremdenpolizeilicher Hinsicht ein gewichtiges Interesse, dass der Beschwerdeführer die
Schweiz verlässt.
Der Beschwerdeführer gelangte im Alter von rund acht Jahren in die Schweiz. Er
begann bereits im Alter von weniger als 13 Jahren zu delinquieren und vermochte sich
weder persönlich noch beruflich in der Schweiz zu integrieren. Er hat weder eine Lehre
absolviert noch eine Erwerbstätigkeit ausgeübt.
Der Beschwerdeführer ist volljährig, nicht verheiratet und hat keine familiären
Verpflichtungen. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern er sich in Mazedonien nicht mehr
zurechtfinden kann, zumal dort verschiedene Verwandte leben, namentlich die
Grosseltern und zwei Onkel. Dass er bisher nur lose Kontakte mit seinem
Herkunftsland pflegte, ändert daran nichts. Immerhin hielt er sich dort im Jahr 2004 für
etwa einen Monat in den Sommerferien auf. Auch äusserte er wiederholt, nach
Mazedonien zurückkehren zu wollen, was erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der
Behauptung weckt, er spreche die mazedonische Sprache nur bruchstückhaft. Ein
Härtefall liegt bei einer Rückkehr jedenfalls nicht vor. Die Lebensbedingungen in
Mazedonien mögen schwieriger sein als in der Schweiz; damit ist der
Beschwerdeführer gegenüber der dortigen Bevölkerung aber nicht wesentlich
benachteiligt.
Das Interesse des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz vermag das
Interesse an dessen Fernhaltung nicht aufzuwiegen. Aufgrund der dargelegten
Umstände ist nicht ersichtlich, inwiefern eine Ausweisung von fünf Jahren
unverhältnismässig ist. Die Vorinstanz hat die massgebenden Tatsachen ausführlich
und zutreffend gewürdigt, weshalb vollumfänglich auf die entsprechenden Erwägungen
im Rekursentscheid verwiesen werden kann (E. 3, 4). Namentlich vermöchte aufgrund
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der Erfolglosigkeit der bislang ausgesprochenen Sanktionen die blosse Androhung
einer Ausweisung den Beschwerdeführer nicht zu einem klaglosen Verhalten zu
veranlassen. Folglich ist die Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'500.-- ist angemessen (inkl. Verfügung vom 26. April 2007,
Ziff. 381 und 382 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Sie ist mit dem geleisteten
Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).