Decision ID: 2f93f519-7599-5234-a756-cb4a115f2342
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
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1. Der Beschwerdegegner reichte am 28. November 2014 bei der Gemeinde Rumisberg
ein Baugesuch ein für die Erstellung eines Raumsystems zur Nutzung als Schulhaus und
Kindergarten auf Parzelle Rumisberg Grundbuchblatt J._. Die Parzelle liegt in der
Zone für öffentliche Nutzung ZöN B. Am 1. Dezember 2014 stellte der Beschwerdegegner
ein Ausnahmegesuch bezüglich der anwendbaren Gestaltungsvorschriften. Zur
Begründung führte er an, es bestehe ein Bedürfnis nach einem zentralen
Unterrichtsstandort für die ganze Primarstufe; gleichzeitig sei die zukünftige Entwicklung
unsicher, weshalb nur ein Raummodulbau in Frage komme. Der Berner Heimatschutz
hatte am 25. November 2014 eine Stellungnahme zum Bauvorhaben verfasst. Danach sind
hinsichtlich der Gestaltung die Bestimmungen für die Dorfzone zu beachten. Diese würden
mit dem Projekt nicht umgesetzt. Unter dem Gesichtspunkt einer befristeten Lösung sei
das Projekt an diesem Standort jedoch vertretbar. Der Baubewilligungsbehörde werde
empfohlen, die notwendigen Ausnahmebewilligungen zu gewähren und eine befristete
Baubewilligung auszustellen. Mit Auflagen sei eine zurückhaltende Farbgebung und eine
ortsgerechte Umgebungsgestaltung sicherzustellen.
Das Bauvorhaben wurde am 24. und 31. Dezember 2014 publiziert.1 Als beanspruchte
Ausnahmen wurden im Publikationstext die Abweichung in der Dachform (Art. 26 Abs. 4
GBR2) und das Überschreiten der Gebäudelänge und -breite (Art. 37 GBR) angeführt.
Gegen das Bauvorhaben erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache.
2. Mit Gesamtbauentscheid vom 28. April 2015 erteilte das H._ die
Baubewilligung unter Einschluss von Ausnahmebewilligungen betreffend die Abweichung
in der Dachform und betreffend das Überschreiten der zulässigen Gebäudelänge und -
breite. Der Entscheid enthält in Ziff. 4.5 und Anhang 7 Auflagen bezüglich der
Umgebungsgestaltung und der zurückhaltenden Farbgebung. Die Einsprache wurde
abgewiesen.
3. Gegen den Gesamtbauentscheid reichten die Beschwerdeführenden am 26. Mai
2015 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE)
ein. Sie beantragen die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die Erteilung des
1 Vorakten, pag. 34. 2 Baureglement der Einwohnergemeinde Rumisberg vom 19. Januar 2010.
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Bauabschlags. Sie machen insbesondere geltend, das Bauvorhaben beeinträchtige das
Orts- und Landschaftsbild, es fehle ein Gutachten betreffend die Einfügung des Flachdachs
in das Ortsbild, die Voraussetzungen für eine Ausnahme von den maximalen
Gebäudemassen seien nicht gegeben, die vorgesehenen Parkplätze seien ungenügend
und die Einhaltung der lärmschutzrechtlichen Grenzwerte sei nicht geprüft worden.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet3, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Es bat die Vorinstanz, sich in ihrer
Stellungnahme dazu zu äussern, dass sie im angefochtenen Entscheid hinsichtlich der
Ausnahmebewilligung bzw. der Gesamtbaubewilligung als ausschlaggebend erachtet, dass
es sich beim Bauvorhaben um eine befristete Lösung handelt, gemäss Entscheiddispositiv
jedoch die Bewilligung nicht befristet ist. Die Vorinstanz bekräftigt in ihrer Stellungnahme
vom 8. Juni 2015, dass ihres Erachtens keine explizite Befristung vorzusehen sei. Im
Übrigen verweist sie auf den angefochtenen Entscheid. Die Gemeinde Rumisberg nahm
mit Eingabe vom 30. Juni 2015 Stellung. Der Beschwerdegegner beantragt mit Eingabe
vom 1. Juli 2015 die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des angefochtenen
Entscheids. Auf die Argumente der Beteiligten wird, soweit sie entscheiderheblich sind, im
Rahmen der Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG4. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er –
unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG5 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
3 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191). 4 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 5 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721).
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der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprache abgewiesen wurde,
sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid formell beschwert. Sie sind Eigentümer
der Parzellen Rumisberg Grundbuchblatt Nr. K._, welche direkt an die Bauparzelle
angrenzt, und Nr. L._, welche schräg gegenüber auf der anderen Seite des
Mattenbodenwegs liegt. Von beiden Parzellen aus besteht Sichtkontakt zum Bauprojekt.
Damit sind die Beschwerdeführenden auch materiell zur Beschwerdeführung legitimiert.
Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Beeinträchtigung des Orts- und Landschaftsbildes
a) Die Beschwerdeführenden rügen, das Bauprojekt verschandle das Dorf- und
Landschaftsbild und verstosse damit gegen die Gestaltungsbestimmungen für die
Dorfzone. Das Bauprojekt solle in der Zone für öffentliche Nutzung ZöN B realisiert werden;
für Ergänzungs- und Anbauten gälten gemäss Gemeindebaureglement die Bestimmungen
der Dorfzone. Der vorgesehene Containerbau füge sich überhaupt nicht in die traditionelle
Bauweise des Dorfkerns ein. Der Bericht des Berner Heimatschutzes vom 25. November
2014 stütze diese Ansicht.
b) Die Vorinstanz geht im angefochtenen Entscheid ebenfalls davon aus, dass die Be-
stimmungen für die Dorfzone anwendbar sind, da Art. 36 Abs. 2 GBR für Ergänzungs- und
Anbauten in der ZöN B auf diese verweist. Die Vorinstanz nahm gestützt auf den Bericht
des Berner Heimatschutzes an, das Bauprojekt erfülle die Gestaltungsanforderungen in der
Dorfzone nicht.
Demgegenüber macht die Gemeinde Rumisberg in ihrer Stellungnahme vom 30. Juni 2015
geltend, es handle sich bei dem Projekt nicht um eine Ergänzungs- oder Anbaute, sondern
um einen selbständigen Bau. Daher seien nicht die Bestimmungen der Dorfzone
anwendbar, sondern diejenigen der ZöN. Das Projekt sei demnach zonenkonform.
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Der Beschwerdegegner geht in seiner Beschwerdeantwort vom 1. Juli 2015 davon aus,
dass die Bestimmungen über die Dorfzone grundsätzlich anwendbar seien. Allerdings
rechtfertigten sich gewisse Abweichungen. So sei zunächst zu berücksichtigen, dass
Bauten in der ZöN primär Nutzungen im öffentlichen Interesse zu gewährleisten hätten.
Sodann liege die ZöN B anders als die gesamte Dorfzone nicht im Ortsbildschutzperimeter,
für den das Gemeindebaureglement besondere ästhetische Anforderungen aufstelle.
Abgesehen vom Flach- statt Satteldach unterscheide sich zudem der projektierte Bau von
Aussen nicht wesentlich von der bestehenden Turnhalle. Auch die anderen Bauten in der
ZöN seien schlicht.
c) Art. 36 GBR regelt die Zone für öffentliche Nutzungen ZöN. Nach dessen Absatz 2
dient die ZöN B für die Nutzung als Schulhaus und Mehrzweckgebäude. Unter "Grundzüge
der Überbauung und Gestaltung" ist festgehalten: "Gemäss bestehender Überbauung. Für
Ergänzungs- und Anbauten gelten die Bestimmungen der Dorfzone".
Aus dieser Formulierung ergibt sich, dass in der ZöN B nur die bestehende Überbauung
sowie Ergänzungs- und Anbauten dazu überhaupt zulässig sind. Der projektierte Neubau,
der wie die bestehende Überbauung zum Zweck des Schulunterrichts genutzt werden soll,
kann ohne weiteres als Ergänzungsbaute im Sinne von Art. 36 Abs. 2 GBR betrachtet
werden. Die von der Gemeinde vertretene Interpretation von Art. 36 Abs. 2 GBR lässt sich
dagegen mit dem klaren Wortlaut nicht vereinbaren.
Gemäss Art. 36 Abs. 2 GBR sind demnach auf das Bauvorhaben die
Gestaltungsbestimmungen der Dorfzone anwendbar. Danach sind Bauten und Anlagen,
welche den Charakter der Dorfzone beeinträchtigen würden, untersagt (Art. 33 Abs. 2
GBR). Bauvorhaben müssen die Einpassung in die Umgebung und in die traditionelle
Bauweise gewährleisten. Im Baubewilligungsverfahren muss eine Fachinstanz (Ortsplaner,
Heimatschutz, kantonale Denkmalpflege o.ä.) beigezogen werden (Art. 33 Abs. 3 GBR).
Es ist unbestritten, dass das Bauvorhaben nicht innerhalb des Ortsbildschutzperimeters zu
liegen kommt. Die besonderen ästhetischen Anforderungen für dieses Gebiet (Art. 44
GBR) müssen nicht beachtet werden.
d) Die Vorinstanz geht gestützt auf den Bericht des Berner Heimatschutzes davon aus,
dass das Bauvorhaben die Gestaltungsanforderungen der Dorfzone nicht erfüllt. Gemäss
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dem Bericht sind die vorhandenen Bauten durch einfache, mehrgeschossige Volumen
unter Satteldach geprägt, wie sie im ländlichen Bereich überwiegend vorzufinden sind. Ein
modernes, zeitgemässes Bauvorhaben, das jedoch die Charakteristiken der typischen
ländlichen Bauweise und Umgebungsgestaltung berücksichtigt, könnte die
Gestaltungsanforderungen der Dorfzone erfüllen. Die projektierte Baute entspreche jedoch
einer typischen Containerlösung, wie sie für Provisorien üblich sei und oft angewendet
werde. Elemente wie Rahmen, Füllungen, Dachkränze oder Befensterungselemente
untermauerten diese Erscheinung. Damit erfülle das Projekt die Gestaltungsbestimmungen
der Dorfzone nicht.6
Diese Ausführungen des Berner Heimatschutzes sind unbestritten. Entsprechend ist auch
im Beschwerdeverfahren davon auszugehen, dass das Projekt die anwendbaren
gestalterischen Vorschriften nicht erfüllt. Ob die Voraussetzungen für die Gewährung einer
Ausnahmebewilligung vorliegen, richtet sich nach den kantonalen Bauvorschriften. Darauf
wird unten (Ziff. 5) eingegangen.
3. Flachdach
a) Nach Ansicht der Beschwerdeführenden hätte die Baubewilligung auch deshalb nicht
erteilt werden dürfen, weil eine Konstruktion mit Flachdach vorgesehen sei. Nach Art. 26
Abs. 4 GBR seien Flachdächer bei Hauptgebäuden nur zulässig, wenn die Einfügung ins
Ortsbild mit einem unabhängigen Fachgutachten nachgewiesen werden könne. Daran
mangle es; nach dem Bericht des Berner Heimatschutzes könne der geforderte Nachweis
gerade nicht erbracht werden.
b) Es ist unbestritten, dass mit dem Bericht des Berner Heimatschutzes ein
Fachgutachten vorliegt, welches die Einfügung des Bauvorhabens ins Ortsbild verneint.
Die Beurteilung bezieht sich auf das Projekt als Ganzes und nicht spezifisch auf das
Flachdach. Es wäre jedoch angesichts des Beurteilungsergebnisses des Berner
Heimatschutzes müssig, die fehlende Einordnung in das Ortsbild noch separat für das
Flachdach feststellen zu lassen; den Ausführungen im Bericht des Berner Heimatschutzes
lässt sich entnehmen, dass die Konstruktionsweise ("typische Containerlösung") für die
6 Vorakten, pag. 7 ff.
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Beurteilung als massgeblich erachtet wird und das Urteil demnach spezifisch für das
Flachdach gleich ausfallen würde wie für das Bauvorhaben als Ganzes. Daher erübrigt es
sich, ein separates Gutachten nach Art. 26 Abs. 4 GBR einzuholen. Vielmehr ist mit der
Vorinstanz davon auszugehen, dass die Voraussetzungen einer zulässigen
Flachdachkonstruktion nach Art. 26 Abs. 4 GBR nicht gegeben sind.
Der Berner Heimatschutz empfiehlt in seinem Bericht vom 25. November 2014 die
Gewährung der beantragten Ausnahmebewilligungen. Entgegen der Ansicht des
Beschwerdegegners ist diese Empfehlung nicht als Nachweis gemäss Art. 26 Abs. 4 GBR
zu werten. Die Vorinstanz hielt im angefochtenen Entscheid zu Recht fest, das
Bauvorhaben erfülle die Anforderungen nicht, weshalb u.a. für die Abweichung in der
Dachform die beantragte Ausnahmebewilligung zu prüfen sei. Die Kompetenz zum
Entscheid über die Ausnahme ist bei der Baubewilligungsbehörde7, nicht bei der
begutachtenden Fachbehörde; es gelten die Anforderungen von Art. 26 BauG. Darauf wird
unten (Ziff. 5) eingegangen.
4. Gebäudemasse
a) Die Beschwerdeführenden rügen, dass das Bauvorhaben die maximal zulässigen
Gebäudemasse gemäss Art. 37 GBR überschreite. Auch die Vorinstanz ging im
angefochtenen Entscheid davon aus, dass die maximalen Gebäudemasse nicht
eingehalten würden: Die zulässige Gebäudelänge werde um 2.99 m und die zulässige
Breite um 2.47 m überschritten.
b) Die zulässigen Gebäudemasse sind in Art. 37 GBR geregelt. Für die Wohnzonen W1
und W2 sowie die Dorfzone D sind der kleine und der grosse Grenzabstand, die
Gebäudehöhe, die Geschossziffer, die Gebäudelänge, die Gebäudetiefe, die
Ausnützungsziffer sowie die Lärmempfindlichkeitsstufe geregelt. Dagegen werden für die
ZöN lediglich Vorgaben für den kleinen Grenzabstand sowie für die Gebäudehöhe
gemacht.
7 Art. 27 Abs. 1 BauG.
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Nach Ansicht der Gemeinde sind nicht die Vorschriften zur Dorfzone, sondern diejenigen
zur ZöN anzuwenden, mit der Konsequenz, dass für Gebäudelänge und -breite keine
Maximalvorschriften gelten. Die Gemeinde begründet dies damit, dass keine Ergänzungs-
oder Anbaute im Sinne von Art. 36 Abs. 2 GBR vorliege. Dies wurde jedoch oben (Ziff. 2c)
bereits widerlegt.
Der Beschwerdegegner weist darauf hin, dass Art. 37 GBR (anders als Art. 36 Abs. 2
GBR) keine Verweisung enthält, wonach für die ZöN B die Bestimmungen der Dorfzone
anwendbar wären. Es sei deshalb fraglich, ob hinsichtlich der Gebäudelänge und -breite
überhaupt eine Ausnahmebewilligung notwendig sei. Im Baugesuchsverfahren sei jedoch
um eine entsprechende Ausnahmebewilligung ersucht worden und die Vorinstanz gehe
davon aus, dass eine solche erforderlich sei.
Art. 36 Abs. 2 GBR verweist für Ergänzungs- und Anbauten in der ZöN B hinsichtlich der
"Grundzüge der Überbauung und Gestaltung" auf die Bestimmungen der Dorfzone. Es ist
kein Grund ersichtlich, weshalb diese Verweisung auf die allgemeinen gestalterischen
Bestimmungen nach Art. 33 GBR beschränkt sein sollte, denn sie bezieht sich generell auf
die "Bestimmungen der Dorfzone". Zu diesen gehören auch die Vorschriften über die
zulässigen Gebäudemasse nach Art. 37 GBR. In der ZöN B sind demnach die in Art. 37
GBR für die Dorfzone vorgeschriebenen Masse zu beachten. Dass Art. 37 GBR die in der
ZöN zulässigen Masse separat regelt, spricht nicht gegen diese Auffassung, denn es gibt
noch weitere Zonen für öffentliche Nutzungen (ZöN A und ZöN C), für welche keine
Verweisung auf die Bestimmungen der Dorf- oder einer anderen Zone gilt.
c) Nach Art. 37 GBR darf demnach der projektierte Bau maximal 30 m lang und 14 m
breit sein. Gemäss den Plänen8 ist der projektierte Bau nordseitig 32.99 m lang; die
südseitige Längsfassade ist aufgrund der unregelmässigen Form 9 m kürzer. In der Breite
misst der Bau maximal 16.47 m. Daraus ergeben sich die von der Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid festgestellten Überschreitungen der zulässigen Masse. Die
Bewilligung des Bauvorhabens setzt demnach eine entsprechende Ausnahmebewilligung
voraus.
8 Situationsplan im Massstab 1:500 vom 24. November 2014 sowie Situationsplan im Massstab 1:200 vom 17. Dezember 2014, beide gestempelt vom Regierungsstatthalteramt Oberaargau am 28. April 2015.
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5. Ausnahmebewilligung
a) Die Beschwerdeführenden rügen, die Vorinstanz sei zu Unrecht davon ausgegangen,
dass die Voraussetzungen einer Ausnahmebewilligung gegeben seien. Sie habe nicht
dargelegt, welche besonderen Verhältnisse eine Ausnahme rechtfertigten. Dem Berner
Heimatschutz komme nicht die Kompetenz zu, gestützt auf Praktikabilitäts- und
Kostenoptimierungsgründe die Gewährung einer Ausnahmebewilligung zu empfehlen.
Dass es sich bei dem projektierten Bau angeblich um eine befristete Lösung handle,
vermöge die Ausnahmebewilligung nicht zu rechtfertigen. Zum einen sei die Befristung
eines Verstosses gegen die Bauvorschriften kein Ausnahmegrund. Zum andern enthalte
die Baubewilligung keine Befristung und es sei davon auszugehen, dass sich der Bau zum
Dauerprovisorium entwickle. Ohnehin überzeugten auch die dargelegten
Wirtschaftlichkeitsüberlegungen nicht, da mit der Zentralisierung bestehende Schulhäuser
geschlossen und dafür die projektierte Baute neu erstellt würden, obwohl die Schülerzahl
abnehme. Eine Ausnahmebewilligung für ein Flachdach dürfe nicht gewährt werden, weil
der Nachweis der Einordnung in das Ortsbild gemäss Art. 26 Abs. 4 GBR fehle. Die
Bauherrschaft vermöge auch nicht darzutun, warum es ihr unter Berücksichtigung der
kantonalen Vorgaben hinsichtlich Raum- respektive Klassenzimmergrösse nicht möglich
sei, ihr Bauprojekt unter Einhaltung der baurechtlichen Gebäudemasse zu konzipieren.
Die Beschwerdeführenden machen weiter geltend, die Vorinstanz habe die gemäss Art. 26
BauG erforderliche Abwägung mit entgegenstehenden öffentlichen und nachbarlichen
Interessen nicht vorgenommen. So habe sie nicht ausreichend gewürdigt, dass die
Überschreitung der zulässigen Gebäudemasse das Orts- und Landschaftsbild
beeinträchtige. Der Containerbau wäre aus weiter Distanz sichtbar und würde das gesamte
Ortsbild verunstalten. Zudem sprächen wesentliche nachbarliche Interessen gegen die
Erteilung der Ausnahmebewilligung: Die Liegenschaften der Beschwerdeführenden würden
infolge der Verschandelung des Ortsbildes entwertet. Die Ausnahmebewilligung sei daher
willkürlich erteilt worden. Die Gewährung unbegründeter Ausnahmen zu kommunalen
Baubestimmungen verstosse zudem gegen die Gemeindeautonomie.
b) Die Voraussetzungen der Bewilligung von Ausnahmen von Bauvorschriften sind
kantonalrechtlich in Art. 26 BauG geregelt. Diese Bestimmung gilt für Ausnahmen von
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sämtlichen baurechtlichen Vorschriften, auch solchen des kommunalen Rechts.9 Die
Gemeinden geniessen keine Autonomie hinsichtlich den Voraussetzungen einer
Ausnahmebewilligung.10 Entsprechend wird die Gemeindeautonomie durch die Gewährung
von Ausnahmebewilligungen nicht berührt.
c) Laut Art. 26 BauG können Ausnahmen von einzelnen Bauvorschriften bewilligt
werden, wenn besondere Verhältnisse es rechtfertigen und wenn keine öffentlichen
Interessen beeinträchtigt werden. Ausnahmen dürfen überdies keine wesentlichen
nachbarlichen Interessen verletzen, es sei denn, die Beeinträchtigung könne durch
Entschädigung vollwertig ausgeglichen werden. Diese Voraussetzungen müssen kumulativ
erfüllt sein.
Eine Ausnahmebewilligung soll die gesetzliche Regelung, die im Interesse der
Rechtssicherheit sowie der Rechtsgleichheit die tatsächlichen Verhältnisse generalisierend
erfasst, einzelfallgerecht verfeinern. Ausnahmegründe beziehen sich deshalb auf den
Zweck, den Umfang oder die Gestaltung eines Bauvorhabens, wenn diese in den
geltenden Vorschriften nicht genügend berücksichtigt sind. Sie müssen mit den
Besonderheiten des Baugrundstücks oder des Bauvorhabens zusammenhängen. Unter
Umständen können aber auch Besonderheiten, die sich aus den subjektiven Verhältnissen
der bauwilligen Personen ergeben, eine Ausnahme begründen. Rein finanzielle Interessen,
der Wunsch nach einer Ideallösung oder intensives Ausnützungsstreben rechtfertigen aber
keine Ausnahmebewilligung. Es geht vielmehr darum, ausgesprochene Unbilligkeiten und
Unzweckmässigkeiten zu vermeiden, die die strikte Anwendung der Vorschrift für die
Bauwilligen zur Folge hätte.
Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass der Ausnahmegrund keine absolute Grösse ist.
Ob ein Sachverhalt als Ausnahmegrund genügen kann, hängt von drei Komponenten ab:
vom Interesse des Bauherrn an der Ausnahme, von der Bedeutung der Vorschrift, von der
abgewichen werden soll, und von Art und Mass der verlangten Abweichung.11
9 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 1. 10 BVR 2003 S. 538. 11 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 26-27 N. 4
11
d) Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid aus, es sei unbestritten, dass es
sich bei dem geplanten Projekt um eine befristete Lösung handle, welche in den nächsten
Jahren den Schulbetrieb sicherstelle und damit im öffentlichen Interesse sei. Aufgrund der
ungewissen zukünftigen Entwicklung der Gemeinden komme für den Beschwerdegegner
nur ein Raummodulbau in Frage; damit schaffe der Beschwerdegegner finanzierbare und
flexible Strukturen. Auch der Berner Heimatschutz habe berücksichtigt, dass das geplante
Bauvorhaben zeitlich und organisatorisch den Schulbetrieb der drei Berggemeinden für die
nächsten Jahre sicherstelle und in der vorgeschlagenen Form auch finanziell umsetzbar
sei. Daher sei hinsichtlich der gestalterischen Anforderungen und der Dachform eine
Ausnahmebewilligung zu gewähren. Bezüglich der Überschreitung der Gebäudelänge
berücksichtigte die Vorinstanz zudem, dass sich die Gebäudemasse aus den kantonalen
Anforderungen an die Raum- bzw. Klassenzimmergrösse im Zusammenhang mit der
Bauart als Raumsystem ergeben. Die entsprechende Ausnahmebewilligung wurde daher
ebenfalls gewährt.
Auf Ersuchen der BVE äusserte sich die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 8. Juni
2015 zu dem Umstand, dass gemäss Begründung des angefochtenen Entscheids
entscheidend sei, dass es sich um eine befristete Lösung handle, das Dispositiv des
angefochtenen Entscheids jedoch keine Befristung der Ausnahmebewilligung bzw. der
Gesamtbaubewilligung enthalte. Die Vorinstanz führte dazu aus, ihres Erachtens könne im
vorliegenden Fall keine explizite Befristung verfügt werden.
e) Der Beschwerdegegner begründet einlässlich, weshalb er sich für die modulare
Bauweise entschieden hat. Demnach organisieren die drei Berggemeinden Rumisberg,
Wolfisberg und Farnern den Schulbetrieb gemeinsam. Die drei Gemeinden haben
gesamthaft 863 Einwohner; bei dieser Einwohnerzahl sei mit 64 Kindern zu rechnen,
welche auf dem Gebiet des Schulverbands Kindergarten- und Primarschulbildung
benötigten. Zur Zeit gehen die Kinder in Wolfisberg in den Kindergarten, besuchen die
Schule bis zur dritten Primarschulklasse in Rumisberg und bis zur sechsten
Primarschulklasse in Farnern. In jedem der drei Schulhäuser sei jeweils nur eine Lehrkraft
tätig. Falls diese wegen eines unvorhergesehenen Ereignisses (bspw. Behinderung auf
dem Arbeitsweg; medizinischer Notfall bei einem Kind) nicht bei der Klasse sein kann,
seien die Kinder unbeaufsichtigt. Zudem seien bei nur einer Lehrkraft gewisse
Unterrichtsmethoden erschwert; das gelte namentlich für den differenzierten Unterricht, bei
dem die Schüler einer Klasse individuell oder in kleineren Gruppen nach verschiedenen
12
Methoden unterrichtet werden. Schliesslich seien die Isolation der Lehrkräfte voneinander
und die geringe Anzahl von Schülern pro Schulhaus ungünstig für die Unterrichtsqualität
(kein Austausch unter den Lehrern) und den sozialen Zusammenhalt der Schüler. Aus
diesen Gründen habe sich der Beschwerdegegner für eine Zentralisierung des
Schulunterrichts bis zur sechsten Primarschulklasse an einem Standort entschieden. Eine
Verlegung der ganzen Primarstufe nach Wiedlisbach oder Niederbipp sei verworfen
worden. Dabei seien der lange Schulweg, die Mehrkosten (Schulgeld an die Gemeinde des
Schulstandortes) und das Fehlen entsprechender Kapazitäten an diesen Orten
ausschlaggebend gewesen.
Als Standort der zentralisierten Schulinfrastruktur sei Rumisberg gewählt worden. Das
bisherige Schulhaus sei zu klein. Anhand der Geburtenzahlen könne für die nächsten
sechs Jahre bereits heute bestimmt werden, wie viele Kinder jeweils in die Schule
eintreten. Die weitere Entwicklung sei ungewiss, zumal die drei kleinen Gemeinden mit
demographischen Problemen zu kämpfen hätten. Die Errichtung einer dauerhaften Baute,
welche etwa Fr. 2,5 Mio. kosten würde, sei daher wirtschaftlich nicht sinnvoll und politisch
nicht mehrheitsfähig. Der Beschwerdegegner habe sich daher für das vorgeschlagene
Raummodulsystem entschieden. Die Kosten dafür betrügen Fr. 750'000.-- und wären nach
16 Jahren amortisiert. Die Baute sei zudem zu einem späteren Zeitpunkt relativ einfach zu
entfernen oder zu redimensionieren. Die Gebäudelänge und -breite seien eine Konsequenz
aus der Einhaltung der kantonalen Richtwerte für die Raumgrössen.
f) Demnach wurde die Zentralisierung der Schule beschlossen, um einen geordneten
und qualitativ guten Unterricht gemäss den kantonalen Bildungsvorschriften zu
gewährleisten. Hinzu kommen Sicherheitsaspekte; die Betreuung der Schulkinder soll auch
bei unvorhergesehenen Ereignissen gewährleistet sein. Der Beschwerdegegner legt
überzeugend dar, dass die bisherige Situation unbefriedigend ist und mit einer
Zentralisierung des Schulstandorts markant verbessert würde. Auf die diesbezüglich
beantragte Sachverständigen- bzw. Zeugeneinvernahme kann verzichtet werden.
Das Interesse an einem geordneten und qualitativ guten Unterricht und an der Sicherheit
der Schulkinder ist gewichtig. Es handelt sich nicht um ein individuelles Interesse der
Bauherrschaft, sondern um ein öffentliches Interesse von grosser Bedeutung. Der
Sichtweise der Beschwerdeführenden, wonach der unbefriedigende Status Quo
weitergeführt werden sollte, bis sich die Führung einer Schule für die Gemeinden gänzlich
13
erübrige, kann angesichts der gewichtigen öffentlichen Interessen an Bildung und an
Sicherheit nicht gefolgt werden. Wie der Beschwerdegegner darlegt, ist unter den
gegebenen Verhältnissen weder der bisherige Zustand sinnvoll weiterzuführen noch eine
Alternativlösung zu einem zentralisierten Schulstandort in einer der drei
zusammengeschlossenen Gemeinden ersichtlich.
g) Aus dem Entscheid zu einem zentralisierten Schulstandort ergibt sich die weiter
führende Frage, in welcher Form und Ausgestaltung die entsprechende Infrastruktur
bereitgestellt werden soll. Das Projekt sieht ein modulares Raumsystem vor, welches sich
unter ästhetischen Aspekten nicht in die Umgebung einfügt. Ästhetischen
Schutzvorschriften ist generell grosse Bedeutung beizumessen; Ausnahmen sind nur mit
Zurückhaltung zu gewähren und setzen entsprechend gewichtige Gründe voraus.12 Reine
Wirtschaftlichkeitsüberlegungen vermögen eine Ausnahme von ästhetischen
Schutzvorschriften grundsätzlich nicht zu rechtfertigen.
Die Bauherrschaft hat sich jedoch vorliegend nicht aus rein finanziellen Gründen für eine
kostengünstige, jedoch ästhetisch wenig ansprechende Bauweise entschieden.
Ausschlaggebend war vielmehr, dass eine Prognose über die künftige Entwicklung der
Schülerzahlen schwierig ist. Im angefochtenen Entscheid ist von einer "befristeten Lösung"
die Rede. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass diese Wortwahl in die Irre führen
kann. Die Vorinstanz betont in ihrer Vernehmlassung, dass eine Befristung der Bewilligung
nicht sinnvoll sei. Gemeint ist denn auch offenbar nicht eine Befristung im technischen
Sinne. Vielmehr geht es darum, dem Umstand Rechnung zu tragen, dass eine Prognose
über die künftige Entwicklung der Schülerzahlen im heutigen Zeitpunkt schwierig ist. Darin
liegt der Grund, dass der Beschwerdegegner sich für die projektierte Bauart entschieden
hat, die vergleichsweise kostengünstig ist und mit relativ geringem Aufwand in den
Dimensionen angepasst oder gänzlich wieder entfernt werden kann. Die aufwendigere und
teurere Schaffung einer permanenten, unflexiblen Infrastruktur erscheint angesichts der
ungewissen Zukunft nicht sinnvoll. Entsprechend wäre sie auch aus politischen Gründen
nicht realisierbar, wie der Beschwerdegegner überzeugend darlegt.
Eine Ablehnung der vorgeschlagenen Bauweise würde demnach nicht dazu führen, dass
stattdessen ein aufwändigeres und weniger flexibles, ästhetisch jedoch ansprechenderes
12 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 26-27 N. 4.
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Projekt realisiert würde. Vielmehr müsste wohl das Projekt einer Zentralisierung der Schul-
infrastruktur aufgegeben und die bisherige Struktur weitergeführt werden, obwohl
bedeutsame pädagogische und sicherheitsbezogene Gründe dagegen sprechen. Gegen
die ästhetischen Vorschriften sind somit nicht reine Wirtschaftlichkeitsüberlegungen
aufzuwiegen, sondern auch solche der qualitativ guten Bildung und der Sicherheit. Dass
diese Aspekte als gewichtig zu werten sind, wurde bereits dargelegt. Die Bewilligung einer
Ausnahme von den ästhetischen Schutzvorschriften ist daher trotz der gebotenen
Zurückhaltung möglich, weil gewichtige Interessen für eine Ausnahme sprechen.
h) Beim Entscheid über die Gewährung einer Ausnahme sind schliesslich auch Art und
Mass der verlangten Abweichung zu berücksichtigen. Es ist unbestritten, dass sich die
projektierte Baute mit den vorgegebenen Standardelementen (Rahmen, Füllungen,
Dachkränze und Befensterungselemente) und dem Flachdach nicht auf ästhetisch
befriedigende Weise in die Umgebung einfügt. Der Berner Heimatschutz stellt in seinem
Bericht klar, dass er eine solche Bauweise ohne die besonderen Umstände des
vorliegenden Falles nicht gutheissen könnte. Es ist aber zu berücksichtigen, dass die
projektierte Baute am Dorfrand liegt, wobei die vorhandene Turnhalle zwischen den
Bauvorhaben und den in der Dorfzone bzw. im Ortsbildschutzperimeter gelegenen
Gebäuden steht. Der Blickkontakt zwischen diesen Gebäuden und der projektierten Baute
wird dadurch teilweise abgeschirmt. Die ästhetische Störwirkung ist geringer, als wenn sich
die Baute im Dorfkern bzw. zwischen ästhetisch besonders geschützten Gebäuden
befinden würde.
Hinsichtlich der Gebäudemasse sind die Abweichungen vom vorgeschriebenen Mass
(2.99 m in der Länge und 2.47 m in der Breite, bei einer zulässigen Länge von 30 m und
einer zulässigen Breite von 14 m) eher gering. Die Geringfügigkeit einer Abweichung stellt
an sich keinen Ausnahmegrund dar. Sie kann aber dazu führen, dass an den
Ausnahmegrund weniger hohe Anforderungen gestellt werden.13
Der Beschwerdegegner begründet die Abweichung bzw. das Gesuch um eine
entsprechende Ausnahmebewilligung damit, dass die Schulzimmer einer Normgrösse von
64 m2 genügen müssten;14 für den Kindergarten gilt eine Minimalgrösse von 75 m2.15 Nach
13 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 26-27 N. 5. 14 Vorakten, pag. 5; vgl. Art. 10 Abs. 1 Bst. b Volksschulverordnung (VSV; BSG 432.211.1). 15 Art. 10 Abs. 1 Bst. a VSV.
15
dem massgebenden Grundrissplan16 weist das Bauvorhaben zwei Schulzimmer und einen
Gruppenraum von je 63 m2 sowie einen Kindergartenbereich von 91m2 auf; hinzu kommen
eine Bibliothek, ein Lehrerzimmer sowie sanitäre Anlagen. Die jeweiligen Räume sind
offenkundig aus Elementen in Standardgrösse zusammengesetzt, wie es der gewählten
modularen Bauweise entspricht. Sowohl die vorgeschriebenen Mindestgrössen als auch
die Masse der Standardelemente wirken sich also auf die Dimensionierung des
Bauvorhabens aus. Die Mindestgrösse der Klassenzimmer ist durch die kantonale
Bildungsgesetzgebung vorgegeben; die Wahl der aus Standardmodulen
zusammengesetzten Bauweise entspricht nach dem Gesagten berechtigten, über reine
Wirtschaftlichkeitsüberlegungen hinausgehenden öffentlichen Interessen. Angesichts der
Geringfügigkeit der Abweichung erscheint die Erteilung einer Ausnahmebewilligung auch
hinsichtlich der Gebäudemasse als gerechtfertigt.
i) Wenn öffentliche oder wesentliche nachbarliche Interessen gegen die Gewährung
einer Ausnahmebewilligung sprechen, so sind diese abzuwägen gegen die Interessen der
Bauherrschaft sowie gegen öffentliche Interessen, die für die Gewährung einer
Ausnahmebewilligung sprechen.17 Die Abwägung gegenüber dem öffentlichen Interesse
am Schutz des Ortsbildes wurde bereits einlässlich behandelt und es wurde dargelegt,
dass das Interesse der Bauherrschaft und der Öffentlichkeit an einem geordneten und
qualitätvollen Schulbetrieb und an der Sicherheit der Schüler dieses im vorliegenden Fall
überwiegt. Entsprechendes gilt für das private Interesse der Nachbarn an einer intakten
Aussicht auf das Orts- und Landschaftsbild. Ob die projektierte Baute einen Wertverlust der
Grundstücke der Beschwerdeführenden zur Folge haben könnte, erscheint zumindest
fraglich. Das Vorhandensein einer Schulinfrastruktur, die den qualitativen und
sicherheitsbezogenen Erwartungen von Zuzüglern genügt, kann den Marktwert eines
Grundstücks auch steigern. Soweit ein Wertverlust einträte, könnte er im
Lastenausgleichsverfahren ausgeglichen werden; die Erteilung einer Ausnahmebewilligung
bliebe gemäss Art. 26 Abs. 2 BauG dennoch möglich. Schliesslich ist zu berücksichtigen,
dass die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid Auflagen bezüglich der
Umgebungsgestaltung und der Farbgebung gemacht hat, um die ästhetische
Beeinträchtigung möglichst gering zu halten.
16 Plan "Grundriss und Ansichten" im Massstab 1:100 vom 7. November 2013 / revidiert am 22. Oktober 2014, vom Regierungsstatthalteramt Oberaargau gestempelt am 28. April 2015. 17 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 26-27 N. 7.
16
j) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass gewichtige öffentliche Interessen für die
Bewilligung des Bauvorhabens sprechen. Darin sind besondere Verhältnisse im Sinne von
Art. 26 Abs. 1 BauG zu erblicken. Die entgegenstehenden öffentlichen und nachbarlichen
Interessen wiegen im Vergleich weniger schwer. Demnach ist die Bewilligung von
Ausnahmen von den anwendbaren Gestaltungsvorschriften einschliesslich der Dachform
und der Gebäudemasse gerechtfertigt.
6. Parkplätze
a) Die Beschwerdeführenden legen dar, dass das Bauprojekt die Erstellung von vier
Parkplätzen vorsehe. Dies liege zwar innerhalb der gesetzlichen Bandbreite. Jedoch seien
vier Parkplätze offensichtlich ungenügend. Die Beschwerdeführenden befürchten, dass
Besucher der Schulanlage auf ihren Parkplatz ausweichen könnten.
b) Die notwendige Anzahl Parkplätze richtet sich nach den Vorschriften von Art. 17 f.
BauG und 49 ff. BauV18. Bei einer Geschossfläche von 444 m2 gemäss Baugesuch19
errechnet sich aus der für Schulen geltenden Formel nach Art. 52 Abs. 1 BauV ein Bedarf
von zwischen 0 und 8 Parkplätzen. Somit ist erwiesen – und auch unbestritten – dass die
vorgesehenen vier Parkplätze innerhalb der gesetzlichen Bandbreite liegen. Gemäss
Art. 50 BauV legt die Bauherrschaft innerhalb dieser Bandbreite die Anzahl fest. Demnach
fehlt es an einer gesetzlichen Grundlage, um den Beschwerdegegner zur Erstellung einer
grösseren Anzahl Parkplätze zu verpflichten.
7. Lärm
a) Die Beschwerdeführenden weisen darauf hin, dass in der ZöN die
Lärmempfindlichkeitsstufe ES II gilt. Sie rügen, die Einhaltung der Immissionsgrenzwerte
sei nicht überprüft worden.
b) Die Vorinstanz erachtete die Einholung eines Lärmschutznachweises als nicht
notwendig. Das Bauvorhaben sei zonenkonform; Einwirkungen aus zonenkonformer
18 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1). 19 Vgl. Vorakten, pag. 2.
17
Nutzung müssten geduldet werden. Der Beschwerdegegner weist zudem darauf hin, dass
das projektierte Schulhaus weiter vom Grundstück der Beschwerdeführenden entfernt ist
als das bestehende Schulhaus. Die Lärmbelastung nehme also eher ab. Die Erschliessung
des neuen Gebäudes erfolge nicht entlang des Grundstückes der Beschwerdeführenden.
c) Art. 36 Abs. 2 GBR regelt für die ZöN B explizit, dass die
Lärmschutzempfindlichkeitsstufe II gilt. Nach Art. 43 Abs. 1 Bst. b LSV20 ist die
Empfindlichkeitsstufe II denjenigen Zonen zuzuordnen, in denen keine störenden Betriebe
zugelassen sind, namentlich in Wohnzonen sowie Zonen für öffentliche Bauten und
Anlagen. Für Kinderlärm nennt die Lärmschutzverordnung keine Belastungsgrenzwerte.
Die projektierte Baute befindet sich in einer eigens für die Schulnutzung ausgeschiedenen
Zone. Auf dem Baugrundstück wurde bereits bisher eine Schule betrieben. Die neue Baute
ist für mehr Schüler konzipiert als die bisherige Struktur, so dass eher mit einer Zunahme
der Immissionen zu rechnen ist. Auch die erweiterte Nutzung geht allerdings nicht über das
hinaus, was mit einer Nutzung als Schule generell verbunden ist. In einer zur Schulnutzung
ausgeschiedenen Zone kann der Betrieb eine Schule höchstens dann als störend
betrachtet werden, wenn die davon ausgehenden Immissionen deutlich intensiver sind als
die üblichen Einwirkungen eines Schulbetriebs. Dies ist vorliegend nicht ersichtlich.
Angesichts der eher grosszügigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Kinderlärm21
darf daher davon ausgegangen werden, dass sich die von der Schule ausgehenden
Immissionen definitionsgemäss innerhalb des Toleranzbereichs bewegen. Ein
entsprechender Nachweis erübrigt sich damit.
8. Zusammenfassung und Kosten
a) Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unbegründet. Sie ist daher abzuweisen und
der angefochtene Entscheid, mit dem die Baubewilligung einschliesslich der beantragten
Ausnahmen gewährt wird, ist zu bestätigen.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie
haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG22). Diese werden bestimmt
20 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41). 21 Vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_148/2010 vom 6. September 2010, E. 2.2.3. 22 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
18
auf eine Pauschalgebühr von Fr. 2'000.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19
Abs. 1 GebV23).
c) Der Beschwerdegegner beantragt den Zuspruch eines Parteikostenersatzes. Als
Bauherr sei er wie eine Privatperson betroffen, obwohl öffentliche Interessen auf dem Spiel
stünden. Gemäss Art. 104 Abs. 4 und Art. 2 Abs. 1 Bst. b VRPG haben Organe der
Gemeinden in der Regel keinen Anspruch auf Parteikostenersatz. Eine Ausnahme gilt
jedoch, wenn das Gemeindeorgan als Partei im engeren Sinne auftritt, insbesondere wenn
es um ein gemeindeeigenes Vorhaben geht. Dies ist vorliegend der Fall. Der
Beschwerdegegner hat daher Anspruch auf Ersatz seiner Parteikosten (Art. 108 Abs. 3
VRPG).
Der Rechtsvertreter des Beschwerdegegners macht Parteikosten im Umfang von
Fr. 4'963.95 geltend (Honorar Fr. 4'541.65, Auslagen Fr. 54.60, Mehrwertsteuer
Fr. 367.70). Dies gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdeführenden haben
somit dem Beschwerdegegner die Parteikosten von Fr. 4'963.95 zu ersetzen.