Decision ID: 55124f76-e5b6-4320-861d-eecaf9594295
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 27. Juni 2022 in der Schweiz um Asyl
nach. Auf dem gleichentags ausgefüllten Personalienblatt gab er an, am
(...) geboren und somit noch minderjährig zu sein. Am 14. Juli 2022 man-
datierte er die ihm zugewiesene Rechtsvertretung.
B.
Ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der Eurodac-Datenbank ergab, dass
der Beschwerdeführer am 10. Juni 2022 bereits in Österreich um Asyl er-
sucht hatte.
C.
Anlässlich der Erstbefragung als unbegleiteter, minderjähriger Asylsuchen-
der (EB UMA) vom 25. Juli 2022 gab der Beschwerdeführer im Wesentli-
chen zu Protokoll, er sei afghanischer Staatsangehöriger (...) Ethnie und
stamme aus der Provinz B._. Er sei im Dorf C._ geboren
und in der Stadt D._ aufgewachsen. Sein Geburtsdatum kenne er
nicht. Respektive dieses sei von seiner Familie zwar viele Male erwähnt
worden, aber er habe es vergessen. Das Personalienblatt habe ein Freund
ausgefüllt. Er habe diesem gesagt, dass er (...) Jahre alt sei, und der
Freund habe das Alter umgerechnet und eingetragen. Er selbst könne nicht
lesen und schreiben. Dies sei so in Afghanistan. Selbst Schüler, welche
dort die zehnte Klasse besuchen würden, könnten nicht schreiben und le-
sen. Sein Alter habe er von seiner Mutter erfahren, als er in Österreich ge-
wesen sei. Nachdem die österreichischen Behörden nach seinem Alter ge-
fragt hätten, habe er seine Mutter kontaktiert und diese habe ihm gesagt,
dass er (...) Jahre alt sei. Davor habe er keine Kenntnis von seinem Alter
gehabt. Er habe (...) Brüder, (...) ältere und einen jüngeren, sowie (...)
Schwestern, eine ältere und (...) jüngere. An das Alter der jüngeren Ge-
schwister könne er sich nicht erinnern. Er verfüge über eine Tazkira. Ein
Bruder habe ihm diese ausstellen lassen; er (der Beschwerdeführer) sei
bei der Ausstellung nicht dabei gewesen. Er könne nur eine Kopie einrei-
chen. Das Original sei zuhause in Afghanistan, wo sich auch noch seine
Impfkarte befinde. Er sei im Alter von 6 Jahren eingeschult worden und
habe die Schule bis zur vierten respektive bis zum Beginn der fünften
Klasse besucht. Als er mit der Schule aufgehört habe, sei er 11 oder
12 Jahre alt gewesen. Anschliessend habe er etwa drei Jahre bei einem
(...) gearbeitet. Nachdem dieser ihn mangels Aufträgen nicht mehr weiter-
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beschäftigt habe, sei er während sechs bis zwölf Monaten erwerbslos ge-
wesen. Die finanzielle Situation seiner Familie sei nicht gut gewesen. Sein
Vater sei (...) bei der (...) gewesen und habe kein hohes Einkommen ge-
habt. Der Vater habe nach der Machtübernahme der Taliban Drohungen
erhalten und deshalb das Haus drei Tage nach dem Regierungssturz ver-
lassen. Wo dieser sich seither aufhalte, wisse er nicht. Sein ältester Bruder
habe als (...) für die (...) gearbeitet, und ein anderer Bruder, der (...) ge-
wesen sei, sei bei einem Bombenanschlag getötet worden. Aufgrund die-
ser schwierigen Situation habe sein (Verwandter) für ihn die Ausreise or-
ganisiert. Etwa (...) Tage nach dem Sturz der Regierung habe er Afghanis-
tan verlassen und sei über E._, den F._, die G._,
H._, I._ und J._ nach Österreich gelangt. Dort sei er
erwischt und in ein Camp gebracht worden, und ihm seien die Fingerab-
drücke genommen worden. Nach sieben Tagen sei er weitergereist und
schliesslich am 23. Juni 2022 in die Schweiz gelangt. Er stehe mit seinem
jüngeren Bruder in telefonischem Kontakt. Auch mit der Mutter habe er ge-
sprochen. Diese habe ihm berichtet, dass die Taliban regelmässig kommen
und das Haus durchsuchen würden. Er habe keine körperlichen Beschwer-
den, aber psychische Probleme. Er mache sich viele Sorgen, sei oft traurig
und vergesslich und schlafe schlecht.
Dem Beschwerdeführer wurde am Ende der Befragung mitgeteilt, dass
Zweifel an der von ihm geltend gemachten Minderjährigkeit bestehen wür-
den, und er zu einer medizinischen Altersabklärung geschickt werde. Ihm
wurde der Ablauf der ärztlichen Untersuchung erklärt.
D.
Am (...) August 2022 wurde im K._ eine rechtsmedizinische Unter-
suchung des Beschwerdeführers durchgeführt und am (...) August 2022
ein entsprechendes Gutachten erstellt. Demzufolge habe der Beschwerde-
führer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das 18. Altersjahr
vollendet und die Volljährigkeit erreicht. Es wurde ein Mindestalter von
(...) Jahren festgestellt.
E.
E.a Mit Schreiben vom 18. August 2022 informierte das SEM den Be-
schwerdeführer über das Altersgutachten und es teilte ihm mit, dass es die
geltend gemachte Minderjährigkeit als nicht glaubhaft erachte und beab-
sichtige, sein Geburtsdatum im ZEMIS auf den (...) anzupassen. Es ge-
währte ihm hierzu das rechtliche Gehör. Gleichzeitig räumte es ihm das
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rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Österreichs zur Durch-
führung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gemäss der Verordnung
(EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), und zur allfäl-
ligen Wegweisung nach Österreich ein.
E.b Der Beschwerdeführer nahm mit Eingabe vom 23. August 2022 zur
geplanten Altersanpassung Stellung. Er hielt daran fest, minderjährig zu
sein. Die eingereichte Kopie der Tazkira bestätige dies.
E.c Am 25. August 2022 änderte das SEM das Geburtsdatum des Be-
schwerdeführers im ZEMIS auf den (...). Es versah den Eintrag mit einem
Bestreitungsvermerk.
F.
F.a Am 26. August 2022 ersuchte das SEM Österreich um Übernahme des
Beschwerdeführers.
F.b Die österreichischen Behörden stimmten der Wiederaufnahme des Be-
schwerdeführers am 30. August 2022 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b
Dublin-III-VO zu.
G.
Mit Schreiben vom 30. August 2022 reichte der Beschwerdeführer die Ko-
pie respektive eine Fotografie eines afghanischen Impfausweises ein, und
führte aus, dass er laut diesem Dokument am (...) geboren sei, was dem
(...) entsprechen würde (recte: [...]).
H.
Mit ergänzender Stellungnahme vom 4. Oktober 2022 erklärte der Be-
schwerdeführer, er wolle nicht nach Österreich zurück. Er sei dort von Po-
lizisten geschlagen worden und habe generell viel Gewalt erlebt. In der
Schweiz habe er hingegen Fuss gefasst. Zudem habe er hierzulande ent-
fernte Verwandte, die ihn in diversen Belangen unterstützen könnten.
I.
Mit Verfügung vom 4. November 2022 (eröffnet am 8. November 2022) trat
das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf
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das Asylgesuch nicht ein (Dispositivziffer 1). Es hielt fest, dass das Ge-
burtsdatum des Beschwerdeführers im ZEMIS auf den (...) laute und der
Eintrag mit einem Bestreitungsvermerk versehen sei (Dispositivziffer 2). Es
ordnete die Wegweisung aus der Schweiz in den zuständigen Dublin-Staat
(Österreich) an (Dispositivziffer 3), forderte den Beschwerdeführer auf, die
Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen (Dispositiv-
ziffer 4), und beauftragte den Kanton L._ mit dem Vollzug der Weg-
weisung (Dispositivziffer 5). Des Weiteren händigte es dem Beschwerde-
führer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus (Disposi-
tivziffer 6), und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen den
Entscheid keine aufschiebende Wirkung zukomme (Dispositivziffer 7).
Für die Begründung wird auf die Ausführungen der Vorinstanz in der Ver-
fügung verwiesen.
J.
Mit Eingabe vom 15. November 2022 erhob der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er ersuchte um Aufhebung der
Dispositivziffer 2 der vorinstanzlichen Verfügung und um Abänderung des
Geburtsdatums im ZEMIS auf den (...) sowie um Aufhebung der Disposi-
tivziffer 1 und um Eintreten auf das Asylgesuch, eventualiter um Aufhebung
der vorinstanzlichen Verfügung und um Rückweisung der Sache an das
SEM zwecks Neubeurteilung. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zudem beantragte er die Ausset-
zung des Vollzugs der Wegweisung und die Erteilung der aufschiebenden
Wirkung der Beschwerde. Des Weiteren ersuchte er um Anweisung an die
Vorinstanz, das Geburtsdatum bis zum rechtskräftigen Entscheid mit dem
(...) zu erfassen.
Auf die Begründung der Beschwerdebegehren wird – soweit für den Ent-
scheid wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
K.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
18. November 2022 in elektronischer Form vor. Gleichentags setzte die In-
struktionsrichterin den Vollzug der Überstellung im Sinne einer vorsorgli-
chen Massnahme einstweilen aus.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich um eine Verfügung ge-
mäss Art. 5 VwVG, die vom SEM als Vorinstanz im Sinne von Art. 33 Bst. d
VGG erlassen wurde. Da keine Ausnahme gemäss Art. 32 VGG vorliegt,
ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung der Beschwerde zustän-
dig (Art. 31 VGG).
1.2 Soweit mit der Beschwerde das vom SEM verfügte Nichteintreten auf
das Asylgesuch sowie die von ihm angeordnete Wegweisung nach Öster-
reich und deren Vollzug angefochten werden, entscheidet das Bundesver-
waltungsgericht vorliegend endgültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 37 VGG i.V.m.
Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. Mit uneinge-
schränkter Kognition entscheidet das Bundesverwaltungsgericht über die
Datenänderung im ZEMIS (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 49 VwVG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
2.3 In Anwendung von Art. 37 VGG i.V.m. Art. 57 Abs. 1 VwVG sowie
Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung eines Schrif-
tenwechsels verzichtet.
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3.
Der Beschwerdeführer beantragt die Abänderung des im ZEMIS vermerk-
ten Geburtsdatums ([...]) auf den (...) (vgl. Rechtsbegehren 1).
3.1 Die Vorinstanz führt zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben das
ZEMIS, welches der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer-
und dem Asylbereich dient (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 des Bundesgesetzes
über das Informationssystem für den Ausländer- und den Asylbereich vom
20. Juni 2003 [BGIAA, SR 142.51]) und in der Verordnung über das Zent-
rale Migrationsinformationssystem vom 12. April 2006 (SR 142.513;
ZEMIS-Verordnung) näher geregelt ist. Nach Art. 19 Abs. 1 ZEMIS-Verord-
nung richten sich die Rechte der Betroffenen, insbesondere deren Aus-
kunfts-, Berichtigungs- und Löschungsrecht sowie das Recht auf Informa-
tionen über die Beschaffung besonders schützenswerter Personendaten,
nach dem Datenschutzgesetz (DSG, SR 235.1) und dem VwVG.
3.1.1 Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu
vergewissern (Art. 5 Abs. 1 DSG). Werden Personendaten von Bundesor-
ganen bearbeitet, kann jede betroffene Person insbesondere verlangen,
dass unrichtige Personendaten berichtigt werden (Art. 5 Abs. 2 i.V.m.
Art. 25 Abs. 3 Bst. a DSG). Auf die Berichtigung besteht in einem solchen
Fall ein absoluter und uneingeschränkter Anspruch (vgl. die Urteile des
BVGer A-4256/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 3.2 und A-4313/2015 vom
14. Dezember 2015 E. 3.2, je m.w.H.; vgl. ferner Urteil des Bundesgerichts
[BGer] 1C_224/2014 vom 25. September 2014 E. 3.1). Die ZEMIS-Verord-
nung sieht im Übrigen in Art. 19 Abs. 3 ausdrücklich vor, dass unrichtige
Daten von Amtes wegen zu berichtigen sind.
3.1.2 Grundsätzlich hat die das Berichtigungsbegehren stellende Person
die Richtigkeit der von ihr verlangten Änderung zu beweisen, die Bundes-
behörde hat im Bestreitungsfall dagegen die Richtigkeit der von ihr bear-
beiteten Personendaten zu beweisen (vgl. Urteil des BGer 1C_240/2012
vom 13. August 2012 E. 3.1; BVGE 2013/30 E. 4.1; vgl. Urteile des BVGer
A-4313/2015 vom 14. Dezember 2015 E. 3.2 und A-1732/2015 vom
13. Juli 2015 E. 4.2). Nach den massgeblichen Beweisregeln des VwVG
gilt eine Tatsache als bewiesen, wenn sie in Würdigung sämtlicher Erkennt-
nisse so wahrscheinlich ist, dass keine vernünftigen Zweifel bleiben; un-
umstössliche Gewissheit ist dagegen nicht erforderlich. Die mit dem Be-
richtigungsbegehren konfrontierte Behörde hat zwar nach dem Untersu-
chungsgrundsatz den Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen abzu-
klären (Art. 12 VwVG); die gesuchstellende Person ist aber gemäss Art. 13
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Abs. 1 Bst. a VwVG verpflichtet, an dessen Feststellung mitzuwirken (vgl.
zum Ganzen Urteile des BVGer A-4256/2015 vom 15. Dezember 2015
E. 3.3, A-2291/2015 vom 17. August 2015 E. 4.3 und A-3555/2013 vom
26. März 2014 E. 3.3, je m.w.H.). Die materielle Beweislast, also die Folgen
der Beweislosigkeit, trägt aber grundsätzlich die Behörde, wenn sie wie
vorliegend im Bereich der Eingriffsverwaltung tätig ist (vgl. Urteil des
BVGer A-4035/2011 vom 19. Dezember 2011 E. 4.3). In Bezug auf auslän-
dische Identitätsdokumente ist ferner Folgendes zu beachten: Amtliche Do-
kumente ausländischer Staaten, deren Zweck es ist, die Identität ihres In-
habers nachzuweisen, geltend nicht als öffentliche Urkunden im Sinne von
Art. 9 ZGB, weshalb ihnen nicht ohne Weiteres ein erhöhter Beweiswert
zukommt und sie wie andere Urkunden einer freien Beweiswürdigung zu
unterziehen sind (vgl. Urteile des BVGer A-7588/2015 vom 26. Februar
2016 E. 3.3 und A-7822/2015 vom 25. Februar 2016 E. 3.3, je m.w.H.; vgl.
Urteile des BGer 6B_394/2009 vom 27. Juli 2009 E. 1.1 und 5A.3/2007
vom 27. Februar 2007 E. 2).
3.1.3 Kann bei einer verlangten beziehungsweise von Amtes wegen beab-
sichtigten Berichtigung weder die Richtigkeit der bisherigen noch diejenige
der neuen Personendaten bewiesen werden, dürfen grundsätzlich weder
die einen noch die anderen Daten bearbeitet werden (vgl. Art. 5 Abs. 1
DSG). Dies ist jedoch nicht immer möglich, müssen doch bestimmte Per-
sonendaten zur Erfüllung wichtiger öffentlicher Aufgaben notwendiger-
weise bearbeitet werden. Dies gilt namentlich auch für die im ZEMIS er-
fasste Herkunft, den Namen und die Geburtsdaten. In solchen Fällen über-
wiegt das öffentliche Interesse an der Bearbeitung möglicherweise unzu-
treffender Daten das Interesse an deren Richtigkeit. Art. 25 Abs. 2 DSG
sieht deshalb die Anbringung eines Vermerks vor, in dem darauf hingewie-
sen wird, dass die Richtigkeit der bearbeiteten Personendaten bestritten
ist. Spricht dabei mehr für die Richtigkeit der neuen Daten, sind die bishe-
rigen Angaben zunächst zu berichtigen und die neuen Daten anschlies-
send mit einem derartigen Vermerk zu versehen. Ob die vormals eingetra-
genen Angaben weiterhin abrufbar bleiben sollen oder ganz zu löschen
sind, bleibt grundsätzlich der Vorinstanz überlassen. Verhält es sich umge-
kehrt, erscheint also die Richtigkeit der bisher eingetragenen Daten als
wahrscheinlicher oder zumindest nicht als unwahrscheinlicher, sind diese
zu belassen und mit einem Bestreitungsvermerk zu versehen. Über dessen
Anbringung ist jeweils von Amtes wegen und unabhängig davon zu ent-
scheiden, ob ein entsprechender Antrag gestellt worden ist (vgl. zum Gan-
zen Urteile des BVGer A-4256/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 3.4,
A-3555/2013 vom 26. März 2014 E. 3.4 und A-181/2013 vom 5. November
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2013 E. 7.1, je m.w.H.; vgl. ferner Urteil des BGer 1C_240/2012 vom
13. August 2012 E. 3.2).
3.2 Vorliegend obliegt es demnach grundsätzlich dem SEM zu beweisen,
dass das aktuell im ZEMIS eingetragene Geburtsdatum ([...]) korrekt ist.
Der Beschwerdeführer wiederum hat nachzuweisen, dass das von ihm in
der Rechtsmitteleingabe vom 15. November 2022 geltend gemachte Ge-
burtsdatum ([...] [vgl. Rechtsbegehren 1]) richtig beziehungsweise zumin-
dest wahrscheinlicher ist als das im ZEMIS erfasste, ihm mithin eine hö-
here Glaubwürdigkeit zukommt als dem Eintrag (vgl. Urteil des BVGer A-
3051/2018 vom 12. März 2019 E. 5.5). Gelingt keiner Partei der sichere
Nachweis, ist dasjenige Geburtsdatum im ZEMIS zu belassen oder einzu-
tragen, dessen Richtigkeit wahrscheinlicher ist.
3.2.1 Asylsuchende sind verpflichtet, ihre Identität offenzulegen und Rei-
sepapiere sowie Identitätsausweise abzugeben (Art. 8 Abs. 1 Bst. a und b
AsylG). Eine geltend gemachte Minderjährigkeit ist von der asylsuchenden
Person zu beweisen, soweit ihr ein Beweis möglich ist, und andernfalls we-
nigstens glaubhaft zu machen. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist eine
Abwägung sämtlicher Anhaltspunkte, welche für oder gegen die Richtigkeit
der betreffenden Altersangaben sprechen, vorzunehmen. Dabei ist insbe-
sondere an für echt befundene Identitätspapiere oder an eigene Angaben
zu denken (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 5.3.3; Urteil des BVGer E-891/2017
vom 8. August 2018 E. 4.2.3 m.w.H.). Bei Fehlen rechtsgenüglicher Identi-
tätsausweise kann im Rahmen der Feststellung des Sachverhalts mit Un-
terstützung wissenschaftlicher Methoden abgeklärt werden, ob die Alters-
angabe der asylsuchenden Person dem tatsächlichen Alter entspricht
(Art. 7 Abs. 1 AsylV 1). Zu diesem Zweck kann das SEM Altersgutachten
veranlassen (Art. 17 Abs. 3bis AsylG). Das Resultat eines Altersgutachtens
stellt nur ein Element bei der Beurteilung der Frage der Glaubhaftigkeit ei-
ner geltend gemachten Minderjährigkeit dar (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 6.1 ff.).
Im datenschutzrechtlichen Verfahren betreffend die Berichtigung von Per-
sonendaten im ZEMIS verhält es sich anders als im Asylverfahren, wo das
Geburtsdatum, der allgemeinen asylrechtlichen Beweisregel folgend, von
der asylsuchenden Person zumindest glaubhaft zu machen ist. Im daten-
schutzrechtlichen Verfahren wird verlangt (vgl. bereits vorstehende
E. 3.1.3), dass die wahrscheinlichsten – also überwiegend wahrscheinli-
chen – Personendaten eingetragen werden.
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3.2.2 Das SEM erachtete das vom Beschwerdeführer angegebene Ge-
burtsdatum vom (...) respektive die von ihm geltend gemachte Minderjäh-
rigkeit als nicht glaubhaft. Mit den Kopien einer Tazkira und eines Impfaus-
weises habe er keine rechtsgenüglichen Identitätspapiere vorgelegt und
diese Dokumente vermöchten seine Minderjährigkeit und sein Geburtsda-
tum nicht zu belegen. Die Aussagen zu seinem Alter seien wenig überzeu-
gend. So seien seine Angaben zur schulischen Laufbahn nicht stimmig.
Das Alter zum Zeitpunkt des Schulabbruchs (11 oder 12 Jahre) stimme
nicht mit der Kombination von Einschulungsalter (6 Jahre) und Schuljahren
(4 Jahre) überein. Auf Vorhalt des Widerspruchs habe der Beschwerdefüh-
rer die Anzahl absolvierter Klassen wiederum anderslautend beziffert. Auch
erstaune die Aussage, trotz einer mindestens vierjährigen Schulbildung
weder lesen noch schreiben gelernt zu haben, so dass er das Personali-
enblatt nicht selber habe ausfüllen können. Die rechtsmedizinische Alters-
abklärung habe ergeben, dass der Beschwerdeführer das 18. Lebensjahr
mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vollendet und somit die
Volljährigkeit erreicht habe. Bei ihm könne aufgrund einer Zusammen-
schau aller Befunde von einem Mindestalter von (...) Jahren ausgegangen
werden. Das Altersgutachten sei somit ein starkes Indiz für die Volljährig-
keit des Beschwerdeführers. Die Angaben des Beschwerdeführers, sein
Geburtsdatum gar nicht zu kennen und erst während der Flucht sein Alter
erfahren zu haben, vermöchten nicht zu überzeugen. Nachdem er im Rah-
men der EB UMA sein Alter bei der Einschulung und beim Schulabschluss
ohne Weiteres habe benennen können, könne davon ausgegangen wer-
den, dass er bereits früher ein Bewusstsein für sein Alter gehabt habe. Die
nachgereichte Kopie eines von Hand ausgefüllten Impfausweises vermöge
mangels rechtsgenügenden Beweiswertes die Angaben des Beschwerde-
führers nicht zu stützen. Gleiches gelte für die Tazkira, zumal in Afghanis-
tan vermeintlich amtliche und nicht amtliche Dokumente beliebigen Inhalts
mühelos gegen Bezahlung erworben, nachgemacht oder verfälscht wer-
den könnten. Der Beschwerdeführer sei daher als volljährig zu erachten
und der (...) als Geburtsdatum im ZEMIS – mit Bestreitungsvermerk – ein-
zutragen.
3.2.3 Der Beschwerdeführer entgegnete in Bezug auf sein Geburtsdatum
in der Beschwerde im Wesentlichen, es könne ihm angesichts seiner ge-
ringen Schulbildung nicht vorgehalten werden, dass er Mühe mit zeitlichen
Angaben habe. Er habe bei der EB UMA erklären können, weshalb er nicht
lesen und schreiben gelernt habe. Laut seiner Tazkira sei er im Jahr (...),
welches der Zeitspanne vom (...) bis (...) entspreche, (...) Jahre alt gewe-
sen. Das von ihm angegebene Geburtsdatum vom (...) stimme zwar damit
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Seite 11
nicht überein, die Differenz betrage aber weniger als drei Monate. Die Impf-
karte nenne den (...) als Geburtsdatum, was gemäss hiesigem Kalender
dem (...) entspreche (recte: [...]). Dieses Datum stehe im Einklang mit der
Tazkira, womit mehrere Indizien für seine Minderjährigkeit sprechen wür-
den. Demgegenüber liege mit dem Altersgutachten lediglich ein Indiz für
eine mögliche Volljährigkeit und das vom SEM angenommene Geburtsda-
tum vom (...) vor. Das Geburtsdatum vom (...) sei als wahrscheinlicher zu
erachten und der ZEMIS-Eintrag entsprechend abzuändern.
3.3 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass das Geburtsdatum, welches der Beschwerdeführer zur Ein-
tragung im ZEMIS beantragt ([...]), nicht wahrscheinlicher ist als das dort
mit Bestreitungsvermerk eingetragene ([...]).
3.3.1 Die Angaben des Beschwerdeführers zu seinem Geburtsdatum sind
widersprüchlich. Auf dem am 27. Juni 2022 ausgefüllten Personalienblatt
gab er den (...) an. Bei der EB UMA vom 25. Juli 2022 sagte er hingegen,
sein Geburtsdatum gar nicht zu kennen. Dass ein Freund das Personali-
enblatt für den Beschwerdeführer ausgefüllt habe, ist eine nicht belegte
Behauptung; das Dokument, welches die Unterschrift des Beschwerdefüh-
rers trägt, enthält den Vermerk "selbständig ausgefüllt". Auch wirkt die Aus-
sage des Beschwerdeführers, gar nicht lesen und schreiben zu können,
wenig überzeugend, nachdem er seinen Angaben zufolge über eine vier-
bis fünfjährige Schulbildung verfügt und er das Personalienblatt sowie das
Protokoll der EB UMA eigenhändig unterzeichnet hat. Im Übrigen ist nicht
ersichtlich, wie der Freund auf das exakte Geburtsdatum vom (...) gekom-
men sein sollte, wenn der Beschwerdeführer diesem am 27. Juni 2022 le-
diglich gesagt habe, (...) Jahre alt gewesen zu sein. In Österreich wurde
der Beschwerdeführer mit einem von der hiesigen Angabe abweichenden
Geburtsdatum ([...]) verzeichnet (vgl. österreichische Verfahrenskarte, die
der Beschwerdeführer bei der am 23. Juni 2022 erfolgten Einreise in die
Schweiz bei sich trug). Die Angabe auf der Kopie einer Tazkira, wonach der
Beschwerdeführer im Jahr (...) [entspricht gemäss gregorianischem Kalen-
der dem Zeitraum vom (...) bis (...)]) (...)-jährig gewesen sei, steht nicht im
Einklang mit dem genannten Geburtsdatum im (...). Die nachgereichte Fo-
tografie eines afghanischen Impfausweises nennt wiederum ein anderes
Geburtsdatum (]...] [(...)]). Auf Beschwerdeebene beantragt der Beschwer-
deführer nunmehr die Eintragung des (...) als sein Geburtsdatum, wobei
Grund zur Annahme besteht, dass ein (erneuter) Umrechnungsfehler sei-
tens der Rechtsvertretung vorliegen dürfte, ist aufgrund der Beschwer-
debegründung doch davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer das
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auf dem Impfausweis vermerkte Geburtsdatum ([...]) im ZEMIS eintragen
lassen möchte. Der (...) entspricht im gregorianischen Kalender nicht dem
(...) (und auch nicht wie vom Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Ver-
fahren vorgebracht dem [...]), sondern dem (...).
3.3.2 Zudem vermag der Beschwerdeführer sein Geburtsdatum nicht an-
hand rechtsgenüglicher Identitätsdokumente zu belegen. Ein Impfausweis
stellt kein rechtsgenügliches Identitätspapier dar. Eine afghanische Tazkira
gilt nicht als fälschungssicher und ihr kommt deshalb gemäss geltender
Rechtsprechung nur ein verminderter Beweiswert zu. Der Beschwerdefüh-
rer hat lediglich eine Kopie eingereicht und selbst bei Vorliegen des Origi-
nals besteht die Möglichkeit, dass die darin enthaltenen zeitlichen Angaben
über das Geburtsdatum nicht dem wirklichen Alter entsprechen (vgl. BVGE
2019 I/6 E. 6.2, 2013/30 E. 4.2.2). Die beiden vorliegenden Dokumente
vermögen folglich in Bezug auf das Alter respektive das effektive Geburts-
datum des Beschwerdeführers keinen relevanten Beweiswert zu entfalten.
Dass der Beschwerdeführer am (...) – respektive am (...) – geboren wor-
den sei, vermag er mit diesen Dokumenten nicht zu belegen. Anderweitige
Anhaltspunkte, die aufgrund ihrer Beweiskraft geeignet wären, mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit für die Richtigkeit des vom Beschwerdefüh-
rer geltend gemachten Geburtsdatums zu sprechen, sind den Akten nicht
zu entnehmen.
3.3.3 Die durch das K._ erfolgte Begutachtung des Beschwerde-
führers hat ergeben, dass dieser im Zeitpunkt der Untersuchungen vom
(...) August 2022 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das
18. Lebensjahr vollendet und die Volljährigkeit erreicht hat; in einer Zusam-
menschau der Befunde sei von einem Mindestalter von (...) Jahren auszu-
gehen. Bei medizinischen Altersabklärungen sind gemäss dem Grundsatz-
urteil des Bundesverwaltungsgerichts BVGE 2018 VI/3 von den in der
Schweiz angewandten Methoden nur die Schlüsselbein- respektive Ske-
lettaltersanalyse und die zahnärztliche Untersuchung (nicht jedoch die
Handknochenaltersanalyse und die ärztliche körperliche Untersuchung)
zum Beweis der Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Person ge-
eignet. Anhand der medizinischen Altersabklärung lässt sich keine Aus-
sage zur Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Person machen,
wenn das Mindestalter bei der zahnärztlichen Untersuchung und der
Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse unter 18 Jahren liegt (vgl.
ebenda E. 4.2.1 f.). Für das Gericht ergeben sich vorliegend keine Anhalts-
punkte, welche geeignet sind, die Erkenntnisse des Gutachtens des
K._ vom (...) August 2022 in Frage zu stellen. Gestützt auf
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BVGE 2018 VI/3 ist ein starkes Indiz für die Volljährigkeit, wenn das Min-
destalter bei der Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse oder der
zahnärztlichen Untersuchung über 18 Jahren liegt und die sich anhand der
beiden Analysen ergebenden Altersspannen überlappen (vgl. ebenda
E. 4.2.2). Gemäss dem vorliegenden Gutachten vom (...) August 2022
liegt das Mindestalter bei der Schlüsselbeinanalyse bei (...) Jahren, bei der
zahnärztlichen Untersuchung bei (...) Jahren. Da bei der Mineralisation der
Weisheitszähne lediglich ein Mindestalter von (...) Jahren festgestellt wer-
den konnte und die zahnärztliche Untersuchung nur einen Mittelwert von
(...) Jahren nannte, überlappen sich die Altersspannen zwar insofern nicht,
als dass im Rahmen dieser Untersuchung keine konkrete Altersspanne an-
gegeben wird. Die Ergebnisse stehen demgegenüber nicht im Widerspruch
zueinander. Angesichts des Fazits des Gutachtens und insbesondere des
Befunds am Schlüsselbein, ist das Gutachten als ein Indiz zu werten, wel-
ches für die Volljährigkeit des Beschwerdeführers spricht. Das Resultat des
Altersgutachtens ist mit dem vom Beschwerdeführer genannten Geburts-
jahr von (...) respektive dem geltend gemachten Geburtsdatum vom (...)
(respektive vom (...) [(...)]) nicht vereinbar. Vielmehr ist vom Geburtsjahr
(...) auszugehen.
3.4 Nach dem Gesagten konnten weder das SEM noch der Beschwerde-
führer die Richtigkeit der jeweils behaupteten Geburtsdaten nachweisen.
Insgesamt erscheint das vom Beschwerdeführer geltend gemachte Ge-
burtsdatum vom (...) – respektive vom (...) ([...]) – aber nicht als wahr-
scheinlicher als dasjenige, welches im ZEMIS eingetragen ist ([...]). Daran
ändert auch der Umstand nichts, dass der aktuell im ZEMIS eingetragene
fiktive Geburtstag (im Gegensatz zu Geburtsjahr) des Beschwerdeführers
und damit dessen Geburtsdatum mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht kor-
rekt ist. Vielmehr lässt sich dies in Fällen, bei denen das Geburtsdatum der
betroffenen Person unbekannt ist und stattdessen praxisgemäss der (...)
als fiktiver Geburtstag erfasst wird, nicht vermeiden (vgl. Urteil des BVGer
A-7588/2015 vom 26. Februar 2016 E. 5.4 m.w.H.). Der bestehende
ZEMIS-Eintrag ist daher unverändert zu belassen; den Bestreitungsver-
merk hat das SEM bereits angebracht.
3.5 Aufgrund des Gesagten ist der Antrag des Beschwerdeführers um Ab-
änderung des im ZEMIS eingetragenen Geburtsdatums ([...]) auf den (...)
abzuweisen.
4.
Des Weiteren beantragte der Beschwerdeführer das Eintreten auf sein
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Asylgesuch (vgl. Rechtsbegehren 2). Er vertritt die Auffassung, die
Schweiz sei gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO für die Prüfung seines Asyl-
gesuchs zuständig, weil er minderjährig sei.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG).
4.1.1 Zur Bestimmung des zuständigen Staats prüft das SEM die Zustän-
digkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststel-
lung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs zu-
ständig ist, tritt das SEM, nachdem der betreffende Mitgliedstaat einer
Überstellung oder Rücküberstellung explizit oder implizit zugestimmt hat,
auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). In diesem Fall
verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
4.1.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-
gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals
ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines so-
genannten Aufnahmeverfahrens nach Art. 21 und 22 Dublin-III-VO (engl.:
take charge) sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kri-
terien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zu-
ständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es
ist dabei von der Situation in demjenigen Zeitpunkt auszugehen, in dem
der Asylsuchende erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat
(Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens
(Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (neue) Zuständigkeits-
prüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr statt (vgl. zum Ganzen BVGE
2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1).
4.1.3 Der nach der Dublin-III-VO zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an-
deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet
eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe
der Artikel 23, 24, 25 und 29 wiederaufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b
Dublin-III-VO).
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4.1.4 Im Fall von unbegleiteten Minderjährigen ohne familiäre Anknüp-
fungspunkte zu einem anderen Mitgliedstaat gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-
III-VO ist stets derjenige Mitgliedstaat zuständig, in dem der Minderjährige
seinen (aktuellen) Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat; solche
Minderjährige sind mithin vom Wiederaufnahmeverfahren ausgenommen
(vgl. CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin-III-Verordnung, Das
europäische Asylzuständigkeitssystem, 2014, K15 f. zu Art. 8 Dublin-III-
VO, m.w.H.).
4.2 Wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, vermochte der Be-
schwerdeführer die von ihm behauptete Minderjährigkeit nicht zu belegen.
Das im ZEMIS eingetragene Geburtsdatum vom (...) – und damit die Voll-
jährigkeit des Beschwerdeführers – hat sich als wahrscheinlicher erwiesen
als das vom Beschwerdeführer geltend gemachte Geburtsdatum vom (...)
und die von ihm behauptete Minderjährigkeit (vgl. E. 3.3-3.5). Der Einwand,
wonach er im Dublin-Verfahren als minderjährig zu erachten sei, erweist
sich folglich als nicht stichhaltig. Im Sinne einer Gesamtwürdigung aller In-
dizien ist vorliegend vielmehr festzustellen, dass es dem Beschwerdefüh-
rer, der die Beweislast trägt, nicht gelungen ist, die geltend gemachte Min-
derjährigkeit im Zeitpunkt der Asylgesuchstellung in der Schweiz glaubhaft
zu machen. Es überwiegen diejenigen Umstände, die für das Erreichen der
Volljährigkeit sprechen. Er hat die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen
(vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 5.2). Folglich fällt Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO
nicht als Kriterium zur Bestimmung des für das Asylverfahren zuständigen
Mitgliedstaats in Betracht.
4.3 Es ist unbestritten und durch den Abgleich der Fingerabdrücke des Be-
schwerdeführers mit der Eurodac-Datenbank belegt, dass dieser vor der
Einreise in die Schweiz bereits in Österreich am 10. Juni 2022 ein Asylge-
such gestellt hatte. Das SEM ersuchte deshalb die österreichischen Behör-
den am 26. August 2022 um Übernahme des Beschwerdeführers im Sinne
von Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Die österreichischen Behörden
stimmten der Wiederaufnahme des Beschwerdeführers am 30. August
2022 in Anwendung der besagten Bestimmung ausdrücklich zu. Die Zu-
ständigkeit Österreichs für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungs-
verfahrens des Beschwerdeführers ist somit gegeben. Daran vermag der
Wunsch des Beschwerdeführers um Verbleib in der Schweiz nichts zu än-
dern, zumal die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt,
den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE
2010/40 E. 8.3).
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4.4 Abgesehen vom nicht stichhaltigen Einwand der Minderjährigkeit
brachte der Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe vom 15. Novem-
ber 2022 nichts vor, was gegen die Zuständigkeit Österreichs beziehungs-
weise seine Überstellung dorthin sprechen würde. Österreich ist Signatar-
staat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zu-
satzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt sei-
nen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen nach. Es darf auch
davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne und schütze die
Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen
Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsa-
men Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen
Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013
zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internati-
onalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. Es besteht
denn auch kein Grund zur Annahme, die österreichischen Behörden, die
der Übernahme des Beschwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben,
würden ihm den Zugang zum Asylverfahren unter Einhaltung der Regeln
der Verfahrensrichtlinie verweigern beziehungsweise in seinem Fall den
Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein
Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen
würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Die An-
wendung von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO ist folglich nicht gerechtfer-
tigt.
4.5 Ebenso wenig liegen Gründe für die Anwendung der Souveränitäts-
klausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO vor.
4.5.1 Der Beschwerdeführer hat keine konkreten und ernsthaften Hinweise
für die Annahme dargetan, Österreich würde ihm nach der Überstellung
dorthin die aus der Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbe-
dingungen vorenthalten. Österreich ist ein Rechtsstaat und es steht dem
Beschwerdeführer offen, sich an die dort zuständigen Stellen zu wenden,
wenn er sich künftig von Drittpersonen bedroht oder von Behördenvertre-
tern ungerecht behandelt fühlen sollte. Es liegen keine Hinweise vor, wo-
nach die zuständigen österreichischen Organe ihm den erforderlichen
Schutz oder eine Anzeigeerstattung verweigern würden. Die im vorinstanz-
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lichen Verfahren vorgebrachten gesundheitlichen Beschwerden ([...]) ver-
mögen eine Unzulässigkeit im Sinne der restriktiven Rechtsprechung (vgl.
Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse
Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.) nicht zu rechtfertigen. Österreich
verfügt über eine ausreichende medizinische Infrastruktur und der Zugang
zum dortigen Gesundheitssystem ist für asylsuchende Personen gewähr-
leistet, zumal die Mitgliedstaaten den Antragstellern die erforderliche me-
dizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt
erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Stö-
rungen umfasst, zugänglich machen müssen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahme-
richtlinie), und den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen die erfor-
derliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich erforderlichen-
falls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren haben
(Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise vor, wonach
Österreich dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr im Bedarfsfall eine
adäquate medizinische Betreuung verweigern würde, und es obliegt ihm,
sich diesbezüglich an die zuständigen Behörden vor Ort zu wenden.
4.5.2 Der Vorinstanz kommt bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3
AsylV 1 Ermessen zu (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.), und den Akten sind keine
Hinweise auf eine gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106
Abs. 1 Bst. a AsylG) durch das SEM zu entnehmen. Das Bundesverwal-
tungsgericht enthält sich unter diesen Umständen weiterer Ausführungen
zur Frage eines Selbsteintritts.
4.5.3 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er-
messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO und an dieser Stelle bleibt
nochmals festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein
Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen
(vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3).
4.6 Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1
Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten.
Da der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder
Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Österreich in
Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32
Bst. a AsylV 1).
4.7 Unter diesen Umständen sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss
Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen, da das Fehlen
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von solchen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheids gemäss
Art. 31a Abs.1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.).
5.
Die Beschwerde ist aufgrund des Gesagten vollständig abzuweisen und
die Verfügung des SEM zu bestätigen.
6.
Mit vorliegendem Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen, wes-
halb sich die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung und auf
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses als gegenstandslos
erweisen.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da die Beschwerde als aussichts-
los im Sinne von Art. 65 Abs.1 VwVG zu betrachten war, ist das mit der
Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung abzuweisen.
8.
Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts auf dem Gebiet des Daten-
schutzes sind gemäss Art. 35 Abs. 2 der Verordnung vom 14. Juni 1993
zum Bundesgesetz über den Datenschutz (VDSG, SR 235.11) dem Eidge-
nössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) be-
kanntzugeben.
(Dispositiv nächste Seite)
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