Decision ID: a27170b5-1df4-4a51-9eab-825a72ed0fa2
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1983, war von
1.
Januar 2013
bis
Ende September 2013 (letzter effektiver Arbeitstag
2
8.
Juni 2013)
-
durch die
Y._
vermittelt
-
bei der
Z._
als
Mitarbeiterin
Auftragsprüfung (End
verpackung)
im Bereich der Produktion
in einem 100%-Pensum
tätig
(
Urk.
5/
13
,
Urk.
5/26/56
). Bei einem
Arbeitsunfall
am 2
8.
Juni 2013 zog sich die Versicherte
multiple Prellungen, insbesondere
eine Verletzung der linken
adominanten
Schul
ter zu (
vgl. Scha
den
meldung vom
8.
Juli 2013;
Urk.
5/
26
/
2
35
) und war f
olgend
ab dem 2
8.
Juni 2013
zu 100
%
arbeitsunfähig
(
Urk.
5/26/242)
.
Durch die angeordnete Physio
therapie konnte keine Besserung der Schmerzen erzielt werden
(
Urk.
5/
26/191
), sodass sich
die
Versicherte am
1
0.
und 1
4.
Januar 2014
einem operativen Eingriff an der
linken Schulter unterzog (
Urk.
5/
26/
175-
177
).
2.
Am 1
7.
Februar 2015 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf eine Periarthritis
humeroscapularis
(
PHS
) links bei der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invali
den
versicherung an (Urk. 5/4). Die IV-Stelle klärte die erwerblichen und medi
zini
schen Verhältnisse ab und zog wiederholt die Akten der für den Unfall zustän
di
gen Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt, Suva, (Urk. 5/15, Urk. 5/26, Urk. 5/33, Urk. 5/38, Urk. 5/41, Urk. 5/43, Urk. 5/45-46,
Urk.
5/49, Urk. 5/51,
Urk. 5/53-55, Urk. 5/60) bei und holte Berichte der behandelnden Ärzte (Urk
. 5/17, Urk. 5/18, Urk. 5/27, Urk. 5/52) sowie einen Auszug aus dem In
divi
duellen Konto der
Versicherten (IK
Auszug, Urk. 5/8) ein. Mit Mitteilung
vom 2.
De
zember 2015 teilte die IV-Stelle de
r
Versicherten mit,
dass
berufliche
Ein
gliederungsm
ass
nahmen
gesundheitsbedingt nicht angezeigt seien (
Urk.
5/29). In der Folge veran
lasste die IV-Stelle eine aktenbasierte Ei
nschätzung durch Dr. med. A._
,
Facharzt für Chirurgie,
orthopädische
Chirurgie und Trau
ma
tologie sowie Arzt des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; vgl. Fest
stell
ungsblatt,
Urk.
5/57 S. 9-10).
Ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 24 % verneinte die IV-Stelle nach
durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(Vor
bescheid vom 1
8.
Mai
2018 [
Urk.
5
/58], Einwand vom 1
8.
Juni 2018 [Urk. 5/62] sowie er
gänzend vom 2
5.
Juni 2018 [
Urk.
5/64]) mit Verfügung vom
4.
Oktober 2018 einen Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
2).
3.
Die SUVA ihrerseits hatte die Heilbehandlung und Taggeldleistungen per Ende Mai 2018 eingestellt
(vgl. Schreiben vom
1.
März 2018,
Urk.
5/54/2)
und der Versicherten ab 1.
Juni
201
8
gestützt auf eine Erwerbsunfähigkeit von
37
% eine
Rente
sowie eine Integritätsentschädigung
zugesprochen (Verfügung vom
3
0.
Mai
2018
, Urk.
5/60/2
).
Die Einsprache der Versicherten gegen die Bemessung der Rente wies die SUVA mit Entscheid vom 29. August 2019 (Urk. 9/364) ab, was mit Urteil UV.2019.00241 heutigen Datums geschützt wurde.
4.
Mit Eingabe vom
5.
November 2018 erhob die Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle vom
4.
Oktober 2018 und beantragte, es sei ihr eine ganze Invalidenrente und/oder Kostengutsprache für Eingliederungsmassnahmen zuzusprechen
. In prozessualer Hinsicht liess sie um Sistierung des Beschwerde
verfahrens bis zum rechtskräftigen Abschluss des hängigen Verfahrens bei der Unfallversicherung ersuchen
. Eventualiter sei ihr eine Nachfrist zur Ergänzung der Beschwerde anzusetzen
(
Urk.
1).
Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 1
2.
Dezember 2018 (
Urk.
4) unter Hinweis auf die von ihr eingereichten IV-Akten auf Ab
weisung der Beschwerde. Zu den prozessualen Anträgen der Beschwerdeführerin liess sie sich nicht vernehmen.
Mit Verfügung vom 1
6.
Januar 2019 wurde der Beschwerde
führerin d
ie Beschwerdeantwort
zur Kenntnisnahme
zugestellt
und gleichzeitig mitgeteilt, dass das Gesuch um Sistierung abgewiesen werde und ein zweiter Schriftenwechsel als nicht erforderlich erachtet werde
(Urk. 6).
Mit Schrei
ben vom 1
0.
Oktober 2019 reichte die Beschwerdeführerin eine Ergänzung zur Beschwerde ein, worin sie an ihren bereits gestellten Rechtsbegehren festhielt (
Urk.
7). Mit Verfügung vom 2
4.
Oktober 2019
wurde der Beschwerdegegnerin die Beschwerdeergänzung zur Stellungnahme zugestellt und gleichzeitig um Ein
reichung der im Verfahren UV.2019.00241 eingereichten Urk. 7/311-368 er
sucht (
Urk.
8). Die Beschwerdegegnerin ve
rzichtete mit Schreiben vom 25.
No
vem
ber 2019 auf Stellungnahme (
Urk.
10) und reichte die beigezogenen
Urk.
9/311-368 zu den Akten, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2
7.
November 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11).
5
.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom
4.
Oktober 2018 (
Urk.
2) hielt die Be
schwer
de
gegnerin fest, medizinische Abklärungen hätten ergeben, dass der Be
schwer
de
führerin nach Ausheilung des Infektes spätestens
ab
Juni 2015 eine körperlich angepasste Tätigkeit zu 80
%
zumutbar sei. Der Einkommensvergleich habe einen Invaliditätsgrad von 24
%
ergeben, weshalb kein Anspruch auf eine Invaliden
rente bestehe.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwer
d
e vom 5. No
vem
ber 2018
(
Urk.
1) sowie in der Ergänzung vom 1
0.
Oktober 2019 (
Urk.
7)
zu
sammengefasst geltend,
sie könne die linke Ober
extremität praktisch nicht mehr nutzen, weshalb nicht davon auszugehen sei, dass sie auf dem aus
ge
gliche
nen Arbeitsmarkt eine Stelle finden könne. Es gebe kaum Arbeiten, die einarmig ausgeführt werden könnten, insbesondere nicht im Berufssektor, der für die Be
schwerdeführerin in Frage komme. Hilfsarbeiter seien auf zwei Arme und Hände angewiesen, auch wenn es nur darum gehe, mit dem behinderten Arm leichte Tätigkeiten auszuführen. Dies sei ihr nicht möglich. Deshalb sei von einer vollen Invalidität auszugehen.
3.
3.1
Bei einem Treppensturz am 2
8.
Juni 2013 zog sich die Beschwerdeführerin
multi
ple Prellungen an der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule sowie im linken Schul
ter
bereich
zu (vgl. Schadenmeldung vom
8.
Juli 2013
[
Urk.
5/26/
235
], Arzt
zeugnis UVG [
Urk.
5/26/198]
).
Bei Verdacht auf eine
Capsulitis
der linken Schul
ter erhielt die Beschwerdeführerin
in der
B._
eine intraartikuläre
Kor
ti
son
infiltration
(vgl. Arzt
bericht vom 1
0.
Dezember 2013,
Urk.
5/26/191),
worauf
sich ein Infekt in der
linken
Schulter entwickelte (vgl. Arztbericht vom
7.
Ja
nuar 2014, Urk. 5/26/
1
86), mithin zweimal eine
arthroskopische
Schul
ter
spülung und eine offene Abszess-Drainage durchgeführt werden musste
n
(vgl. Opera
tionsberichte vom 1
0.
und 1
4.
Januar 2014,
Urk.
5/26/175-178).
Bei einer deutlichen Schmerz
symptomatik im Bereich des linken Schultergelenks unter der Physiotherapie wur
de radiologisch eine Subluxation des
Humeruskopfes
nach inferior
festgestellt (vgl. Arzt
bericht vom 1
9.
März 2014,
Urk.
5/26/127).
Neu hin
zugekommen seien nach Angaben der Beschwerdeführerin
Kribbel
paräs
the
sien
bzw. Hyposensibilitäten im Bereich des lateralen Oberarms im Versor
gungs
gebiet des
Nervus
axillaris
(vgl. Arztbericht vom 2
7.
März 2014,
Urk.
5/26/125).
Die in der Folge
durchge
führte neurologische Untersuchung
habe
keine
Hinweise auf ein Defizit neu
ro
lo
gischer Strukturen
ergeben
. Viel
mehr zeige sich
- so die
Neu
rologen
-
eine schmerz
bedingt eingeschränkte Kraft
entwicklung, insbeson
dere der Arm
ab
duk
tion und -adduktion
(vgl. Arzt
be
richt vom
3.
April 2014, Urk. 5/26/123).
Nach erneuter Initialisierung einer be
glei
tenden Physiotherapie habe sich die Sym
pto
matik etwas verbessert
. Die Beschwerdeführerin habe insbe
sondere von einem
Benefit
in Bezug auf die Beweglichkeit berichtet. Schmerzen habe sie nach wie vor und sie sei auf die Einnahme von Analgetika angewiesen
(vgl. Arzt
bericht vom 1
0.
Juni 2014, Urk. 5/26/114).
3.2
Zur Einholung einer Zweitmeinung wurde die Beschwerdeführerin
im August 2014 in der
C._
vorstellig. Die Ärzte äusserten den Verdacht auf einen persistierenden Infekt, der wahrscheinlich
low
grade sei
(vgl. Arztbericht vom 3
0.
September 2014, Urk. 5/26/77)
.
Unter Hinweis auf die Flüssigkeitsan
samm
lung im Schulterbereich
antero
-superior,
subacromial
und auch im Bereich der
Infraspinatussehne
wurde die Beschwerdeführerin an die
D._
verwiesen (vgl. Schreiben vom 1
6.
Dezember 2014,
Urk.
5/26/48),
wo eine inferiore Schulterinstabilität des linken Schul
tergelenks diagnostiziert wurde und aufgrund der persistierenden schmerz
haften Bewegungseinschränkungen
so
wie mangels anderer sinnvollen
thera
peu
tischen Möglichkeiten
eine Raffung des
Rotatorenmanschetten
intervalles
in Be
tracht gezogen wurde (vgl. Arztbericht vom
7.
Juli 2015, Urk. 5/26/12).
Der am
4.
September 2015 durchgeführte opera
tive Eingriff (Schulterarthroskopie, intra- und
subacromiales
Débridement
,
vor
derer
Bankart
-
R
epair
, PASTA-
Repair
und Intervallraffung; vgl. Operationsbericht vom
4.
September 2015,
Urk.
5/27/4) ver
lief komplikationslos. Unter physio
the
ra
peutischer Anleitung sei
es
- so die Ärzte de
r
D._
- zu einer zügigen Mobilisation der betroffenen Schul
ter gekommen
. Die Ärzte
hielten
ne
ben der postinfektiösen
Omarthrose
mit statisch inferiorer Schulterinstabilität
ein
en
Diabetes mellitus Typ II sowie eine Adipositas Grad I (BMI 32) als Austritts
diagnosen fest
(vgl. Austrittsbericht vom 8.
September 2015,
Urk.
5/27).
Im Ver
lauf habe die Beschwerdeführerin wieder über vermehrt Schmerzen in der operier
ten Schulter berichtet. Vier Monate post
operativ zeige sich trotz mobi
li
sie
render Phy
sio
therapie eine unveränderte Situa
tion gegenüber präoperativ. Die Ärzte ver
wiesen abermals auf die Wichtigkeit der muskulären Stabilisation des Schulter
gelenks
und die Fortführung der Physio
therapie
(vgl. Arztberichte vom 2
6.
Okto
ber 2015 [
Urk.
5/33/17] und vom 21. Ja
nu
ar 2016 [
Urk.
5/38/26]).
3.3
Vom 3
1.
März bis
4.
Mai 2016 war die Beschwerdeführerin in der
E._
hospitalisiert.
Die behandelnden Ärzte konstatierten, die Beweglichkeit im linken Schultergelenk habe sich während des Aufenthaltes nicht verändert. Die Beschwerdeführerin trage
den linken Arm weiterhin in einer Schlinge und schone ihn maximal. In Bezug auf die beruflichen Auswirkungen hielten sie fest, die noch vorhandenen, arbeitsrelevanten Probleme seien Schmerzen im linken Schultergelenk mit stark eingeschränkter Beweglichkeit. Die Beschwerdeführerin befinde sich noch in der medizinischen Phase und der weitere Verlauf bleibe abzuwarten (vgl. Austrittsbericht vom
9.
Mai 2016,
Urk.
5/41/2-10).
3.4
Nach dem erfolglosen Rehabilitationsversuch und bei fehlenden Hin
w
ei
sen
auf ei
n neurologisches Defizit,
insbesondere
für eine Läsion des
Nervus
su
pra
scapu
la
ris
oder des
Nervus
axillaris
(vgl. Arztberichte vom 22. August 2016 [
Urk.
5/43/85], 1
3.
September 2016 [
Urk.
5/43/93] und 3
0.
Januar 2017 [Urk. 5/45/26]), erachtete
Prof.
Dr.
med.
F._
, Leiter Schulterchirurgie an der
D._
, die
Implantation einer Schulterprothese oder eine
Schul
ter
arthrodese
als einzige Therapieoptionen
zur Beschwerdelinderung. Zur besseren Einschätzung
der medizinischen Varianten
wurde eine Infiltration
s
behandlung
durchgeführt. Bei po
si
ti
vem Ansprechen würde eher in Richtung Prothese tendiert werden, bei nega
tivem Ansprechen in Richtung
Arthrodese
(vgl. Arzt
bericht vom
7.
März 2017, Urk. 5/45/31).
Da die Infiltration
keine Besserung der Beschwerden zu bewirken vermochte,
erscheine die
Arthrodese
neben konservativem Zuwarten als die einzige Option (vgl. Ar
ztbericht vom
9.
Mai 2017, Urk.
5/46/13).
Betreffend die Prognose äusserten die Ärzte, aufgrund des fort
geschrittenen Knorpel
scha
dens und des jungen Alters sei die Gesamtprognose des Gelenkes limitiert.
Aktuell überwiege der Leidensdruck jedoch nicht die mögli
chen Risiken einer
Arthrodese
, sodass
die Beschwerdeführerin
eine abwartende Haltung eingenommen
habe
(vgl. Arztberichte vom
5.
Dezember 2017 [Urk.
5/52/4-7] und 3
1.
Ja
nuar 2018 [Urk. 5/55/14]).
3.5
Am 2
2.
Februar 2018 wurde die Beschwerdeführerin von
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Chirurgie, kreisärztlich untersucht (vgl.
Urk.
5/53/2-14).
Dr.
G._
konstatierte, die Beschwerdeführerin trage eine schulterunterstützende Schiene. Sie verwende die linke Hand kaum. Auch spontane Bewegungen in der linken Schulter oder Ellenbogen habe er keine beobachten können. Aufgrund der Schmer
zen und völliger Bewegungslosigkeit hätten sämtliche
Rotatoren
man
schetten
tests
für die linke Seite nicht durchgeführt werden können.
Bildgebende Befunde würden
eine bereits mässig fortgeschrittene
Omarthrose
und auch die Subluxationsstellung der linken Schulter deutlich zeigen.
Die Funktion des linken Armes sei als schlecht beziehungsweise inexistent zu bezeichnen. Aufgrund der statischen Subluxation nach inferior sei es für die Beschwerdeführerin wegen Schmerzen praktisch nicht möglich, die
schulterunterstützende Schlinge nicht zu tragen. Daher seien auch Bewegungen im Ellenbogen und mit der linken Hand kaum möglich.
Das Einrenken der Schulter aus der Subluxations
stel
lung emp
finde die Beschwerdeführerin als deutliche Erleichterung.
Dr.
G._
äusserte wei
ter, er habe die Beschwerdeführerin nochmals auf die
Arthrodese
hingewiesen, die mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine Verbes
se
rung
-
zumindest die Schmerzsituation betreffend
-
bringen würde
. Natürlich be
stünden bei der Beschwerdeführerin, die auch an einem Diabetes mellitus Typ II sowie Adipositas
Grad II (BMI 36)
leide, erhebliche Operationsrisiken. Von ande
ren invasiven medizinischen Massnahmen (z.B. Infiltrationen) rate er
hin
gegen
ab. Aufgrund der per
sistie
renden inferioren Subluxation wäre die Wirkung der Lokal
anästhe
tika nur von kurzer Dauer und bei einer
Kortisoninjektion
könne ein
low
grad
e
Infekt nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden und ein erneutes Aufflammen des Infektes wäre eine Katastrophe.
Dr.
G._
sprach nach Eva
lua
tion aller Faktoren von einem Endzustand. Die angestammte Tätigkeit als Mit
arbeiterin der Auf
trags
prüfung könne nicht wieder
vollzeitig
durchgeführt wer
den, da bei der Be
schwer
deführerin aufgrund der erlittenen Verletzung mit an
schliessendem Verlauf eine funktionelle
Einarmigkeit
bestehe. Er hielt folgendes Zumutbarkeitsprofil fest: das Heben und Tragen auf der rechen Seite sei frei, auf der linken Seite dürften keine Lasten getragen werden. Das Hantieren mit Werk
zeugen sei frei, links nicht durch
führbar. Arbeiten über Kopfhöhe sollten nicht durchgeführt werden, das Sitzen und Stehen, etwaige Knien und Kniebeugen
seien aber möglich. Die länger
dauernde Haltung solle frei gewählt werden können
. Die Fortbewegung sei nicht eingeschränkt. Arbeiten, die beidhändig seien, könnten bei funktioneller
Ein
armig
keit
nicht durchgeführt werden. Ebenso
seien
Arbeiten, die ein Gleich
gewicht/Balancieren bedingen, nicht
möglich
.
Wegen der ausge
prägten Schmerz
problematik bestehe eine zeitliche Einschrän
kung von 20
%
(Urk. 5/53/11-13).
3.6
RAD-Arzt
Dr.
A._
nahm am 1
6.
März 2018 eine aktenbasierte Einschätzung vor (vgl. Feststellungsblatt,
Urk.
5/57 S. 9-10) und führte aus, seit spätestens Se
ptem
ber 2017 könne ein Endzustan
d mit sch
m
erzhafter Schultersteife und Funk
tions
verlust des linken Arms angenommen werden. Der kreisärztlichen Be
ur
teilung der Arbeitsfähigkeit könne aus versicherungsmedizinischer Sicht ge
folgt werden. In einer angepassten Tätigkeit, die den Einsatz der linken oberen Extre
mität nicht
erfordere
und eine frei wählbare Schonhaltung des linken Arms er
mögliche
, sei unter Berücksichtigung eines erhöhten Pausenbedarfs eine 80%
ige Arbeitsfähig
keit
gegeben.
Eine retrospektive Beurteilung sei nicht möglich, da die vorlie
gen
den Berichte keine Stellung zur Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit nehmen würden.
Medizinisch-theoretisch könne jedoch nach Ausheilung des Infek
tes spätestens im Juni 2015 eine Arbeitsfähigkeit ohne Einsatz der linken Schulter angenommen werden (vgl. RAD-Stellungnahme vom
7.
Mai 2018,
Urk.
5/57 S. 10).
3.7
Am
5.
Oktober 2018 stellte sich die Beschwerdeführ
erin im H._
vor und berichtete über eine kugelige Raumforderung im Bereich der rechten Flanke, die schmerzhaft sei (vgl. Arztbericht vom 1
9.
Oktober 2018, Urk. 9/337/4). Die Ärzte des
H._
erkannten weder
sonographisch
noch
MR
-tomo
graphisch ein Korrelat für die von der Beschwerdeführerin angegebenen Beschwerden. Eine Raumforderung sei auch klinisch nicht palpabel. Differenzial
diagnostisch könnten die Schmerzen
muskuloskelettal
durch eine Fehlstellung im Rahmen einer anamnestisch vorhandenen Skoliose bedingt sein. Aus plastisch-chirur
gischer Sicht sei
jedoch
keine Therapie möglich (vgl. Arztbericht vom 11. De
zem
ber 2018,
Urk.
9/337/
6
)
.
4.
4.1
Es ist nach einhelliger ärztlicher Einschätzung erstellt, dass bei der Beschwerde
führerin seit dem Arbeitsunfall im Juni 2013 eine funktionelle
Einarmigkeit
besteht und sie in ihrer bisherigen Tätigkeit als Mitarbeiterin im Bereich der Produktion in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. Dies ist unbestritten.
4.2
Was die Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit betrifft, gelangte RAD-Arzt
Dr.
A._
gestützt auf die Einschätzung des Kreisarztes
Dr.
G._
, der
unter Berücksichtigung des Belastungsprofils
von einer 100%igen Arbeits
fähig
keit mit einer
schmerzbedingten
zeitlichen Einschränkung von 20
%
ausging (vgl. E. 3.5 in
fine
)
,
sowie aufgrund
d
er aktenkundigen medizi
ni
schen Berichte zum Schluss, dass sich die schmerzhafte Schultersteife und
der
Funk
tionsverlust des linken
adominanten
Arm
e
s inso
fern einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit aus
wirk
t
en
, als die Beschwerde
führerin nur noch in der Lage sei, unter Be
rück
sich
tigung des Belastungsprofils und eines erhöhten Pausenbedarfs
ein 80%-Pen
sum zu leisten (vgl. E. 3.6).
Dies vermag angesichts der medizinischen Aktenlage ohne Weiteres zu überzeugen.
Den aus der
Einarmigkeit
resultierenden funktio
nellen Einschränkungen
wurde mit dem von
Dr.
G._
formulierten Anfor
de
rungs
profil (E. 3.5) angemessen Rechnung getragen.
Von einer zusätzlichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der Schmer
zen im Zusammenhang mit der Raumforderung im Bereich der rechten Flanke ist nach
Lage der Akten nicht auszugehen. Schmerzen
an sich begründen
rechtsprechungsgemäss
noch
keine Arbeitsunfähigkeit
(vgl. etwa Urteil des dama
ligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 944/06 vom 2
9.
August 2007 E.
3.3)
. Vorliegend konnte weder
sonographisch
noch
MR
-tomographisch ein
orga
nisches Substrat für die geklagten Beschwerden gefunden werden (vgl. E. 3.7).
Dass weitere medizinische Abklärungen zu einem anderen Ergebnis führten, ist nicht anzunehmen, weshalb davon abgesehen werden kann (anti
zi
pierte Beweis
würdigung; BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen).
Die Beschwerdegegnerin ging demnach zu Recht von einer 80%igen Arbeits
fähigkeit in einer unter Berücksichtigung des Zumutbarkeitsprofils entsprech
en
den Verweistätigkeit aus (
Urk.
2
).
4.3
Soweit die Beschwerdeführerin monierte, es sei unrealistisch, dass sie angesichts der bestehenden
Einarmigkeit
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt über unein
geschränkte erwerbliche Möglichkeiten verfüge,
insbesondere vor dem Hinter
grund, dass ihr nur eine
Hilfstätigkeit im Berufssektor für die Kompetenzstufe 1
möglich sei
,
ist dem entgegenzuhalten,
dass auf dem ausgeglichenen Arbeits
markt
gemäss gefestigter Rechtsprechung genügend realistische Betätigungs
möglich
keiten selbst für Personen bestehen, die funktionell als Einarmige zu be
trachten sind und überdies nur noch leichte Arbeit verrichten können.
Längst nicht alle im Arbeitsprozess im weitesten Sinne notwendigen Aufgaben und Funk
tionen im Rahmen der Überwachung und Prüfung werden durch Computer und automa
tische Maschinen ausgeführt. Abgesehen davon müssen solche Geräte auch be
dient und ihr Einsatz ebenfalls überwacht und kontrolliert werden.
Zu denken ist etwa an einfache Überwachungs-, Prüf- und Kontrolltätigkeiten sowie an die Bedienung und Überwachung von (halb-) automatischen Maschinen oder Pro
duk
tions
einheiten sowie die Arbeit als Museums- oder Parkplatzwärter (
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_31/2017 vom 3
0.
März 2017 E. 6.2 mit Verweis auf
Urteile 8C_622/2016 vom 2
1.
Dezember 201
6 E. 5.2.2, 8C_477/2016 vom 23.
No
vember 2016 E. 4.3, 8C_345/2016 vom
1.
September 2016 E. 5, 8C_37/2016 vom
8.
Juli 2016 E. 5.1.2
, 8C_1050/2009 vom 2
8.
April 2010 E. 3.4
).
Die Beschwerdeführerin ist in der Lage - ohne den Einsatz ihres linken
adominanten
Armes -, jeder
körperlich nicht belastenden stehenden oder sitzenden Hilfs
arbei
ter
tätigkeit nac
h
zugehen.
Entgegen den Einwendungen in der Beschwerde ist nach dem Gesagten davon auszu
gehen, dass die Beschwerdeführerin trotz ihrer funktionellen
Ein
armigkeit
ein Erwerbs
ein
kommen erzielen könnte. Gründe, die zu einer anderen Betrachtungsweise Anlass geben
würden, werden keine vor
gebracht, weshalb die vorinstanzliche Schluss
folgerung zu bestätigen ist, wonach die Beschwerde
füh
rerin die ver
bliebene Arbeits
kraft bei ausgeglichener Arbeits
marktlage wirtschaft
lich ver
werten könn
te. Anzumerken ist, dass der Versicherer der versicherten
Person, selbst bei funk
tio
neller
Einarmigkeit
und Zumutbarkeit von lediglich noch
leichter Tätigkeiten - entgegen der Behaup
tung der Beschwer
de
führerin (
Urk.
1 S. 6) - keine konkreten Arbeitsgelegenheiten und Verdienst
aussichten präsent
i
e
ren muss
(
vgl.
Urteil
des Bun
desgerichts 9C_418/2008 vom 1
7.
September 2008 E. 3.2.1
f.
).
Anlass zu
weiteren
Abklä
rungen besteht folglich auch diesbezüglich nicht.
4.4
Bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades ging die Beschwerdegegnerin
für die Berechnung des
Validenlohns
mangels aussagekräftiger Angaben im IK-A
uszug der Beschwerdeführerin von
der
vom Bundesamt für Statistik
periodisch her
aus
gegebenen Lohnstrukturerhebungen
(LSE)
für das Jahr 2014
aus
.
Sie stellte
auf den Tabellenwert für Hilfs
arbeiten für das Jahr 2014 ab und gelangte so - unter Berücksichtigung der Nominal
lohnentwicklung und der im Jahr 2015 betriebsüb
lichen wöchentlichen Arbeits
zeit - zu einem hypothetischen
Validen
einkommen
von
Fr.
54'062.--. Angesichts dessen, dass
im
Einsatzvertrag bei der
Z._
ein
Stun
denlohn von Fr 25.-- sowie eine 42-Stunden-Woch
e
bestimmt war
(
Urk.
5/26/56), was unter Berücksichtigung von vier Wochen Fer
ien
einem Jahreseinkommen von Fr.
50'400.-- (
Fr.
25.-- x 42 x 48)
entsprechen
würde
, ist das hypothetische
Valideneinkommen
nicht zu beanstanden. Bei der Berech
nung des Invalideneinkommens
gewährte die Be
schwer
de
gegnerin zusätzlich zur schmerzbedingten zeitlichen Einschränkung von 20 % einen weiteren 5%igen lei
dens
bedingten Abzug aufgrund des einge
schränk
ten Belastungsprofils (
Urk.
5/56) und setzte das Invalideneinkommen auf Fr. 41'088.-- fest. Der von der
Be
schwer
degegnerin für den massgeblichen Zeit
punkt errechnete Invaliditätsgrad erscheint angemessen. Es ist darauf abzu
stellen und von einem Invaliditätsgrad in der Höhe von 2
4
%
auszugehen.
4.5
Zu einem allfälligen Anspruch auf berufliche Massnahmen
hat die Beschwerde
gegnerin
keine Stellung genommen. Da der Anspruch auf Eingliederungs
mass
nahmen nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung war, fehlt es vorliegend an einem Anfechtungsobjekt, womit auf diesen Antrag nicht einzu
treten ist.
4.6
Zusammenfassend
erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist abzu
weisen
, soweit darauf einzutreten ist
.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzuset
zen. Ausgangsgemäss sind sie der
Be
sc
hwer
deführer
in
aufzuerlegen.