Decision ID: 28042eb2-c40d-47c4-854b-626404326fc6
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1986, hatte im August 2002 eine Lehre als Poly
mechaniker begonnen. Dieses Lehrverhältnis wurde im Februar 2005 aufgelöst (Urk. 11/64; vgl. auch Urk. 11/93 S. 7 E. 4.1). In der Folge war der Versicherte in verschiedenen Anstellungen zuerst als Hilfsarbeiter und anschliessend als
Chauf
feur tätig, zuletzt vom 7. September 2010 bis 31. Mai 2011 bei der
Z._
AG (Urk. 11/8 und Urk. 11/9; vgl. auch Urk. 11/42-44). Am 20. Septem
ber 2011 (Eingangsdatum) meldete er sich
unter Hinweis auf eine seit 18. April 2011 bestehende psychische Erkrankung bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (Urk. 11/2). Nach erfolgten
medizinischen und beruflich-erwerbli
chen Abklä
rungen sowie
Beizug
der Akten der Krankentaggeldversicherung, der Schwei
zerischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG (Mobiliar, Urk. 11/11),
verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Ver
fügung vom 7. Februar 2012 einen Anspruch des Versicherten auf Leistungen der
Invalidenversicherung mangels eines ausgewiesenen Gesundheitsschadens (Urk.11/27).
1.2
Am 10. Mai 2012 (Eingangsdatum) wurde der IV-Stelle im Namen des Versicher
ten von der Klinik
A._, i
ntegrierte Psychiatrie
B._
, ein ärztlicher Bericht eingereicht. Darin wurde über die stationäre Behandlung des Versicherten mit Eintritt am 15. März 2012 informiert, und es wurde die Durchführung beruflicher Massnahmen empfohlen (Urk. 11/29). Die IV-Stelle nahm das Schreiben als Neuanmeldung entgegen, holte diverse Arztberichte ein, tätigte weitere beruflich-erwerbliche Abklärungen und zog die Akten
der Mobiliar
bei (Urk. 11/33). Am 25. Juni 2013 erteilte die IV-Stelle dem Versicherten eine Kostengutsprache für eine Potenzialabklärung vom 2. bis 30. Juli 2013 bei
der
C._
(Urk. 11/46) und
am 22. August 2013 für ein Aufbautraining vom 26. August 2013 bis 7. Februar 2014
, ebenfalls
bei der
C._
(Urk. 11/56). In der Mitteilung vom 12. Februar 2014 hielt die
IV-Stelle fest, dass das Aufbautraining vom Versicherten abgebrochen worden sei, weshalb die Mitteilung vom 22. August 2013 aufgehoben werde (Urk. 11/73). Die IV-Stelle klärte die medizinische Situation weiter ab und erteilte dem Versicher
ten mit Mitteilung vom 14. April 2015 erneut Kostengutsprache für eine berufli
che Abklärung vom 27. April bis 17.
Juli 2015 bei der
D._
AG
(Urk. 11/88). In der Mitteilung vom 18. Mai 2015 hielt die IV-Stelle fest, dass eine Weiterführung dieser beruflichen Massnahme nicht mehr möglich sei (vgl. Urk. 11/102), weshalb die Mitteilung vom 14. April 2015 aufgehoben werde (Urk. 11/97). Der Abbruch der beruflichen Massnahme bei der
D._
AG stand im Zusammenhang
mit dem Umstand
, dass das hiesige Gericht
mit
Urteil vom 10. März 2015 im Verfahren IV.2013.01082 entschieden hatte, dass dem Beschwerdeführer für die Zeit der zugesprochenen beruflichen Massnahmen ein grosses Taggeld nach Massgabe von Art. 23 Abs. 1 IVG zustehe, denn die zugesprochenen beruflichen Massnahmen gälten nicht als erstmalige berufliche Ausbildung (Urk. 11/93). In der Folge erteilte die IV-Stelle dem Beschwerdeführer am 19. Mai 2015 Kostengutsprache für eine berufliche Abklärung vom 18. Mai bis 12. Juni 2015 bei der Abklärungsstelle
E._
(Ur
k. 11/100). Diese erstat
tete ihren
Schlussbericht am 23. Juni 2015 (Urk. 11/113). Die Berufsberatung wurde am 29. Juni 2015 abgeschlossen (Urk. 11/114). Am 8. Dezember 2015 wurde dem Versicherten Kostengutsprache für eine Arbeitsvermittlung Plus –
1.
Teil (Assessment und Suche Trainings
-
arbeitsplatz
) bei der
F._
erteilt (Urk. 11/126), welche
den Abschlussbericht des Assessments am 2. Februar 2016
erstattete
(Urk. 11/132). Am 11. Juli 2016 wurde dem Versicherten Kostengut
sprache für ein Arbeitstraining (AV Plus –
2.
Teil, Arbeitstraining, Akquisition, Nachbetreuung) bei der
F._
mit Einsatzort bei der
G._ AG
erteilt (Urk. 11/138). Diese Mitteilung wurde am 7. September 2016 wieder aufgehoben; aufgrund der
aktuellen
Situation (teilweise schwierige Zusammenarbeit mit dem Kunden Anfangs 2016) werde auf eine Fortsetzung von Massnahmen «AV Plus» verzichtet und nur ein Arbeitstraining gesucht. Dem Ver
sicher
ten wurde Kostengutsprache für das
Arbeitstraining bei
F._
mit Einsatzort bei der
G._
AG vom 4. Juli 2016 bis 4. Januar 2017 erteil
t (Urk. 11/146 und Urk. 11/158), welches vom
Versicherte
n
erfolgreich
absolviert wurde (Urk. 11/162
). Am 19. Januar 2017 wurde die Arbeitsvermittlung abge
schlossen, da der Versicherte der IV-Stelle am 17. Januar 2017 mitgeteilt hatte, er verzichte auf die Weiterführung der Integration und wünsche die Prüfung der Rente (Urk. 11/159; Urk. 11). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vor
bescheid vom 20. Juli 2017 [Urk. 11/171]; Einwand des Versicherten vom 2. August 2017 [Urk. 11/173]) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren des Ver
sicherten
mit Verfügung vom
2.
Oktober 2017
ab (Urk. 2 [= Urk. 11/176]).
2.
Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch die Sozialen Dienste der Stadt Winterthur, mit Eingabe vom 2. November 2017 Beschwerde und beantragte, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei ihm eine Rente der Invalidenversi
cherung zuzusprechen; eventuell sei die Sache zur vollständigen Sachverhaltsab
klärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Subeventuell seien ihm erneut berufliche Massnahmen zu gewähren. In prozessualer Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
(Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 8. Dezem
ber 2017 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 10), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 11. Dezember 2017 angezeigt wurde (Urk. 12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend
objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141
V
281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Für die verlässliche Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und sei
ner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fach
ärzte beizuziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.4). Wichtigste Grundlage gutachterlicher Schlussfolgerungen bildet – gegebenenfalls neben standardisierten Tests – die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung (Urteil des Bundesgerichts 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2 mit Hinweis). Bezüglich der Wahl der Untersuchungsmethoden kommt der Expertin oder dem Experten ein weiter Ermessensspielraum zu, und es ist nicht zwingend notwendig, dass fremdanam
nestische Angaben eingeholt oder Zusatzuntersuchungen angeordnet werden (Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai 2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 9C_275/2014 vom 21. August 2014 E. 3).
Für den Aussagegehalt eines medizinischen Berichts kommt es nicht in erster Linie auf die Dauer der Untersuchung an. Massgeblich ist vielmehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist. Der für eine psychiatrische Untersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand hängt stets von der Fragestel
lung und der zu beurteilenden Psychopathologie ab (erwähntes Urteil 8C_47/20
16 vom 15. März 2016 E. 3.2.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid (Urk. 2), bei einem Invaliditätsgrad von 25 % bestehe kein Rentenanspruch. Als Chauffeur hätte der Beschwerdeführer in einem 100%-Pensum Fr. 71'759.50 verdient, in einer ange
passten Tätigkeit in einem zumutbaren 80%-Pensum Fr. 53'963.7
5.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, das
Valideneinkommen
sei nicht richtig ermittelt worden. Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens sei lediglich von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen und es sei ein leidens
bedingter Abzug vorzunehmen. Es werde sodann bestritten, dass der Beschwer
deführer seine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt verwerten könne. Schli
e
sslich sei festzustellen, dass weitere Abklärungen durch die Beschwerde
gegnerin keine neuen Erkenntnisse brächten und über den Rentenanspruch ent
schieden werden müsse (Urk. 1).
3.
3.1
Gemäss Bericht der
B._
vom 29. Juni 2011 (Urk. 11/11/7-9) stellte sich der Beschwerdeführer am 18. April 2011 notfallmässig im Ambulatorium vor, nach
dem sich infolge der Kündigung der letzten Arbeitsstelle im März 2011 eine depressive Symptomatik mit Insuffizienzgefühlen, trauriger Grundstimmung, Antriebsstörung, abendlichem Grübeln, Gedankenkreisen, Schlafstörungen sowie ausgeprägten Zukunfts- und
Existenzängsten entwickelt gehabt habe
.
Im Bericht
wurden die folgenden Diagnosen
aufgeführt
:
-
Depressive Episode, aktuell leichte depressive Symptomatik im Rahmen einer
adoleszentären
Entwicklungskrise (ICD-10: F98.9), ohne somatisches Syndrom
-
Differentialdiagnose: ADHS (Testergebnis noch ausstehend)
Dem Beschwerdeführer wurde eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis voraussicht
lich Mitte August 2011 attestiert.
3.2
Im Bericht der
B._
vom 10. November 2011 (Urk. 11/13) wurden die folgenden Diagnosen aufgeführt:
-
Nicht näher bezeichnete Verhaltens- und emotionale Störung mit Beginn in der Kindheit und Jugend, im Sinne einer
adoleszentären
Entwicklungs
krise (ICD-10: F98.9)
-
Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ADHS), bestehend seit Kindheit (ICD-10: F90.0)
-
Leichte depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F33.00), bestehend seit April 2011
-
Verdacht auf Epilepsie
Sodann wurde im Bericht festgehalten, es bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 % mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit von mindestens 50 %. In ange
stammter Tätigkeit als Lastwagenchauffeur bestehe Fahruntauglichkeit
; es laufe
eine neurologische Abklärung mit der Frage nach einer Epilepsie.
3.3
Im Bericht der
B._
vom 25. Juni 2012 (Urk. 11/33/2-4; vgl. auch Urk. 11/39/1-6) wurden nach zwei stationären Aufenthalten vom 15. März bis
7. Mai 2012 und vom 11. bis 25.
Mai 2012 (mit einem Unterbruch für die Epilepsieabklärung im Zentrum
H._
vom 7.-10. Mai 2012 [Urk. 11/36/4]) die fol
genden Diagnosen festgehalten:
-
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1)
-
Einfache ADHS (ICD-10: F90.0)
-
Schizotype
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F21)
Die Ärzte berichteten, der Beschwerdeführer leide unter einer depressiven Symp
tomatik, welche sich vor allem durch ein Gefühl der inneren Leere, Niederge
schlagenheit, Antriebslosigkeit und durch
Zukunftsängste ausdrücke. Daneben
zeige er im interaktionellen Bereich grosse Schwierigkeiten, welche nur teilweise durch das ADHS erklärt werden könnten. Es zeige sich zunehmend, dass der Beschwerdeführer Selbstregulations- und Interaktionsstrategien aufweise, welche seinen Selbstwert kurzfristig stabilisierten, jedoch grosses interaktionelles und intrapsychisches Konfliktpotential aufwiesen. Diese würden ursächlich für die Schwierigkeiten am Arbeitsplatz gesehen. Es bestehe keine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt. Es werde von einer längeren Phase in einem geschütz
ten Arbeitsumfeld ausgegangen.
3.4
Im Bericht der
B._
vom 20. September 2012 (Urk. 11/36) wurde die Fortsetzung einer ambulanten psychotherapeutisch-psychiatrischen Behandlung empfohlen zur weiteren Unterstützung in der Erarbeitung der Persönlichkeitsstruktur. Damit solle die Voraussetzung geschaffen werden, gezielt langfristig gesunde Verhal
tens- und Selbstregulationsstrategien erlernen zu können. Dabei gelte es, den Beschwerdeführer schnellstmöglich in einem geschützten Arbeitsumfeld zu integrieren. Damit solle gewährleistet werden, dass eine Auseinandersetzung mit Alltags- und Arbeitssituationen erfolgen könne, Misserfolgserlebnisse sollten aufgrund Überforderung jedoch vermieden werden. Das Verhalten des Beschwer
deführers auf der Station sowie die vorhandene Konzentrationsfähigkeit während den Gesprächen würden aus psychiatrischer Sicht keine hinreichenden Ver
dachtsmomente für eine Einschränkung der Fahrtauglichkeit zulassen (Urk. 11/36/2). Die bisherige Tätigkeit als LKW-Fahrer oder eine andere Tätigkeit
sei im geschützten Rahmen im Umfang von 50 % mit sukzessiver Steigerung zumutbar (Urk. 11/36/5).
3.5
Im Bericht des Zentrums
H._
vom 24. Mai 2012 (Urk. 11/40) über die
stationäre Untersuchung vom 7.
bis 10. Mai 2012 wurde unter anderem festgehalten, der Beschwerdeführer habe angegeben, im Rahmen seiner Tätigkeit als Kurierfahrer sei es zu zwei Auffahrunfällen mit Blechschäden gekommen, die nichts mit den von ihm beschriebenen (mentalen) Abwesenheiten zu tun gehabt hätten. Seiner Meinung nach habe er sich im
Stop
-
and
-Go-Verkehr in der Innenstadt Zürichs aufgrund seines ADHD einfach nicht richtig auf die Verkehrssituation konzentrieren können, weshalb er jeweils von hinten auf das voranfahrende Fahrzeug aufgefahren sei. Eine begleitende Bewusstlosigkeit oder andere anfallsverdächtigte Symptome seien verneint worden. Die Untersuchung des Beschwerdeführers habe ergeben, dass kein objektivierter Anhaltspunkt für das Vorliegen einer Epilepsie als Erklärung für die geschilderten Zustände bestehe (Urk. 11/40/2-3). Aus
epileptologischer
Sicht bestehe eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Eine Fahreignung sei wegen der berichteten a
lterierten Bewusst
seinszustände
nicht gegeben (Urk. 11/40/4).
3.6
Im Schlussbericht der
C._
vom
1
5.
beziehungsweise
16. August 2013 (Urk. 11/55) über die Potentialabklärung vom 2. bis 30. Juli 2013 wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer sei motiviert gewesen und immer pünktlich zur Arbeit und zu den Gesprächsterminen
erschienen
. Er habe überlegt vorgehen und Arbeitsschritte planen können. Serienarbeiten habe er nach Anlei
tung zuverlässig und in guter Qualität erledigt. In das Computerprogramm
Power
point
habe er sich selbständig eingearbeitet und einen Arbeitsauftrag originell und kreativ umgesetzt. Es sei deutlich geworden, dass er über Fähigkeiten im Computerbereich verfüge. Der Beschwerdeführer habe sich stets freundlich und zuvorkommend verhalten und sei darum bemüht gewesen, einen guten Eindruck zu hinterlassen. E
s sei deutlich geworden, dass sich
seit seinem Austritt aus der Klinik und der Tagesklinik vor über einem Jahr, wahrscheinlich unterstützt durch die regelmässige ambulante Psychotherapie, eine Stabilisierung eingestellt habe. Der Beschwerdeführer fühle sich nach eigenen Aussagen nun in der Lage, sich den Anforderungen der Arbeitswelt zu stellen. Gegenüber Vorgesetzten und Mit
arbeiterinnen und Mitarbeitern habe sich der Beschwerdeführer stets korrekt und freundlich verhalten. In den Gruppengesprächen hab
e er sich gut einbringen kön
nen.
E
r habe manchmal durch seine unkonventionelle äussere Erscheinung und seine speziellen, in mancher Hins
icht auch originellen, Ansichten
irritiert. Auf den zweiten Blick habe er sich jedoch als zugänglicher und durchaus sensibler Mensch entpuppt. Der Beschwerdeführer arbeite gewissenhaft und genau. Er habe gute Arbeitsleistungen erbringen können während der Anwesenheit von 50 %.
Fähigkeiten hätten sich im Bereich der kreativen Umsetzung von Arbeitsaufträ
gen gezeigt, bei denen er über einen gewissen eigenen Gestaltungsspielraum ver
fügt habe. Er habe sich schnell in ein neues Aufgabengebiet einarbeiten, sich einen Überblick verschaffen und Aufträge kreativ umsetzen können. Er habe sich für den Bereich des Prozessmanagements interessiert und interessante Vorschläge und Ideen eingebracht. Es bestehe somit ein Eingliederungspotential.
3.7
Im Verlaufsprotokoll der Beschwerdegegnerin zur Berufsberatung vom 12. Feb
ruar 2014
(Urk. 11/74)
wurde festgehalten, gemäss Telefon von Herrn
I._
,
C._
, sei es am 9. Januar 2014 zum Abbruch des Aufbautrai
nings, welches vom 26. August 2013 bis am 7. Februar 2014 geplant gewesen sei, gekommen. Es sei ein Ausseneinsatz bei der Migros geplant gewesen. Der Beschwerdeführer habe sich beim Vorstellungsgespräch jedoch schlecht präsen
tiert und sei zu spät erschienen, sodass der Arbeitgeber nicht bereit gewesen sei, ihm eine Chance zu geben. Der Beschwerdeführer sei mit seinem Verhalten kon
frontiert worden. Er habe seinen Eigenanteil nicht erkennen können. Es habe ein Gespräch beim Psychologen stattgefunden. Danach habe der Beschwerdeführer seinen
Badge
abgegeben und sei nicht mehr zum Training erschienen. Er wolle die Matura nachholen.
3.8
Dr.
med.
J._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in ihrem Bericht vom 6. Juli 2014
(Urk. 11/82/1-7)
die folgenden Diagnosen auf (Urk. 11/82/1):
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und
Borderline
-Zügen (ICD-10: F61.0) seit der Jugend
-
ADHS (ICD-10: F90.0) seit der frühen Kindheit
-
Leichtes atypisches
Asperger
-Syndrom seit der frühen Kindheit
Dr.
J._
erhob den folgenden Befund: Der Beschwerdeführer habe eine auf
fällige äussere Erscheinung (langer Rossschwanz, stets schwarze Kleidung mit Ketten
u.ä.
, schwere schwarze Schuhe), indessen sei er gepflegt. Er erscheine pünktlich zu den Terminen, sei stets bewusstseinsklar und wirke in Aufmachung und Verhalten "jugendliche
r" als seinem Alter entspreche
. Im Verlauf zeige er zwei Seiten seiner Persönlichkeit: einerseits freundlich zugewandt, adäquat, zeit
weise sei ein Leidensdruck spürbar, auch einsichtig. Handkehrum könne er (vor allem gegenüber von ihm als Autorität wahrgenommenen Personen) überheblich, misstrauisch, fordernd, stur und gehässig auftreten, dabei alle Schuld dem ande
ren zuweisen, was beim Betroffenen jeweils deutliche (negative) Reaktionen aus
löse. Er verwende häufig einen (pseudo-)intellektualisierenden, komplizierten und altklugen Gesprächsstil, bei eigentlich guten intellektuellen Fähigkeiten. Er sei jeweils phasenweise stark von einem persönlichen Thema eingenommen und
recherchiere dann viel dazu im Internet (z B. therapeutischer Cannabisgebrauch,
Asperger
-Störung). Bei uns (Dr.
J._
und
delegierte
Psychotherapie) sei er nie deutlich depressiv und affektiv moduliert, allenfalls themenbezogen resig
niert. Im Gespräch seien keine Aufmerksamkeits- oder Konzentrationsstörungen wahrnehmbar, keine Hinweise für Gedächtnisstörungen. Das formale Denken sei intakt, es bestünden nie Anhaltspunkte für Ich-Störungen oder eine paranoide Symptomatik («war die im Bericht der Klinik
A._
diagnostizierte
schizotype
Symptomatik ev. durch Cannabis-Abusus
bedingt?»
). Es bestünden keine Hin
weise für Phobien oder Zwänge (Urk. 11/82/6).
Dr.
J._
führte sodann aus, der Beschwerdeführer sei etwas reifer und reflektierter geworden. Setze sich die positive Entwicklung fort, sei die Prognose nicht so ungünstig. Die Psychotherapie sei unbedingt fortzusetzen. Insgesamt sei jedoch derzeit keine Prognose möglich, da noch zu viele unsichere Faktoren bestünden. Der Beschwerdeführer sei lange resigniert gewesen und habe sich nicht für eingliederbar gehalten. Im letzten halben Jahr habe er vor allem seine
Asperger
-Behinderung, welche laut ihm ja nicht therapierbar sei, gegen eine Arbeitsfähigkeit ins Feld geführt. Er habe eine diesbezügliche Abklärung gefor
dert. Engagiert zeige er sich vor allem im Hinblick auf die Wiedererlangung des Fahrausweises (u.a. weitgehende Cannabisabstinenz wegen Urinproben), wofür er die verlangten Unterlagen einreichen wolle und ein bemerkenswert strukturiertes und sauberes Dossier zusammengestellt habe. Insgesamt bestehe eine komplexe Psychopathologie, weshalb die Arbeitsfähigkeit schwer zu beurteilen sei. Die stärkste und wahrscheinlich ausschlaggebende Behinderung liege im sozialen Verhalten: Der Beschwerdeführer überwerfe sich regelmässig mit Autoritätsper
sonen. Die Kontaktfähigkeit zu Dritten sei leicht eingeschränkt, der Beschwerde
führer sei entsprechend ein Einzelgänger. Günstig wäre somit eine möglichst selb
ständige Tätigkeit ohne Team, mit nur wenig Sozialkontakten und möglichst ohne Präsenz von Vorgesetzten. Von daher sei die Tätigkeit als Fahrer/Chauffeur ideal gewesen und habe dem Beschwerdeführer auch ausgesprochen zugesagt, zumal er sehr gerne Auto
fahre und über eine gute Orientierung verfüge. Dem entgegen stehe
zur Zeit
noch die Unsicherheit, ob er den Fahrausweis wieder erhalten werde (Urk. 11/82/6-7).
3.9
Dr.
J._
legte ihrem Bericht zwei weitere Berichte bei:
3.9.1
Im Bericht vom 22. Juli 2011
(Urk. 11/82/8-10)
über die neuropsychologische Untersuchung des Beschwerdeführers vom 29. Juni 2011 und vom 16. Mai 2011 wurde festgehalten, die Exploration und die test- und neuropsychologische Untersuchung würden auf das Vorliegen einer ADHD hinweisen mit intakten, zum Teil überdurchschnittlichen kognitiven Leistungen (v.a. im mnestischen
Bereich) im Sinne einer leichten
Asperger
-Symptomatik mit leicht verminderter
Theory
of
mind
und nicht ganz
adäquatem sozialen Verhalten.
3.9.2
Im Kurzbericht vom 27. Juni 2014 (Urk. 11/82/11-13) über die Abklärung betref
fend ein
Asperger
-Syndrom wurde die Diagnose eines
Asperger
-Syndroms (ICD-10: F84.5), leichten Grades, atypischer Art, bestätigt. Es könne nicht von einem typischen Vollbild eines
Asperger
-Syndroms gesprochen werden. Durch die vor
handene
,
eher leichte
,
Symptomatik sei die Arbeitsfähigkeit trotzdem einge
schränkt. Der Kontakt- und Kommunikationsbereich sei für den Beschwerdefüh
rer sehr anstrengend und sehr verunsichernd. Er benötige immer wieder Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten. Es wäre vorteilhaft, wenn er für täglich 3-4 Stunden regelmässig einer Arbeit nachgehen könnte. Wechselnde Stundenpläne oder Schichtarbeit seien ungeeignet, ebenso sollten Arbeiten mit häufigem Sozialkon
takt vermieden werden. Ein ruhiger Arbeitsplatz und ein gut strukturierter Tages
ablauf könnten Ruhe und Ordnung in sein Leben bringen und vermutlich die Arbeitsfähigkeit etwas verbessern.
3.10
Im Schlussbericht der Abklärungsstelle
E._
vom 23. Juni 2015 (Urk. 11/113) über die
K._
-Abklärung vom 18. Mai bis 12. Juni 2015 wurde festgehalten, das Vorliegen einer Störung aus dem Autismus-Spektrum habe durch die Verhaltensbeobachtung während der
K._
Abklärung bestätigt wer
den können. Die vordiagnostizierte schizoide Persönlichkeitsstörung hingegen erscheine vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit dem Beschwerdeführer wäh
rend der Abklärungswochen weniger plausibel. Das ADHS habe sich nicht als behinderungsbestimmend diagnostizieren lassen. Es lägen gute Aufmerksam
keitsleistungen vor, die Ablenkbarkeit sei nicht pathologisch gesteigert und eine Hyperaktivität lasse sich ebenfalls nicht beobachten. Aufgrund dieser Beobach
tungen sei von einer Remission eines Teils der ADHS-Symptomatik auszugehen. Der Beschwerdeführer weise eine herabgesetzte Fähigkeit zur Empathie und zur Wahrnehmung zwischenmenschlicher Gefühle auf. Er werde oft als barsch und ungefiltert empfunden und es sei ihm nicht möglich, diese Wahrnehmungen des Gegenübers entscheidend zu beeinflussen. Durch Therapieerfahrung und Selbst
studium habe er sich ein gutes Wissen über seine Andersartigkeit und deren Aus
wirkungen erarbeitet und sei sich dieser Zusammenhänge bewusst. Eine Ände
rungsmotivation sei vorhanden und kombiniert mit einer realistischen Einschät
zung des limitierten Veränderungspote
nzials. Die häufig bei
Asperger
-
Autisten anzutreffenden Merkmale der motorischen Ungeschicklichkeit und der auffälli
gen Sprache lägen nicht vor und die Intelligenz sei gesamthaft im mittleren Bereich bis leicht überdurchschnittlich mit einigen besonderen Stärken im Bereich des abstrakten Denkens, bei insgesamt harmonischem Profil. Auffallend sei die motivationale Seite: einfache Routinearbeiten habe der Beschwerdeführer nur
unter grosser Willensanstrengung ausführen können und sei dabei teilweise recht unleidig gewesen. Hingegen sei er aufgeblüht, sobald er kognitiv und intellektuell gefordert worden sei. Dann habe er Biss und Durchhaltevermögen und eine gute Leistung gezeigt, die sicher auch im ersten Arbeitsmarkt verwertbar wäre. Mit Blick auf die nun schon mehrjährige berufliche Desintegration sei eine
Dekondi
tionierung
die Folge, die verständlich mache, dass der Beschwerdeführer aktuell nicht davon ausgehe, mehr als 50 % bzw. in idealer Umgebung 80 % arbeiten zu können. Aus psychiatrischer Sicht sollte in idealadaptierter Umgebung eine uneingeschränkte Leistung möglich sein und mögliche Limitationen seien eher auf der Ebene der Motivation zu verorten. Der Beschwerdeführer beschreibe für die vergangenen Jahre teilweise ausgeprägte Stimmungs-Schwankungen, die er mit den Begriffen „
Burn
Out" und auch „Depression" beschreibe. Während der
K._
-Abklärung hätten keine depressionstypischen Symptome beobachtet wer
den können. Es seien aber
ausgeprägtere
Stimmungsschwankungen mit teilweise gereizt-
dysphorischer
Stimmung aufgetreten, die aber eher flüchtig und aus dem situativen Kontext ableitbar gewesen seien.
Im Bericht wurde sodann dargelegt, es seien behinderungsbedingte Einschrän
kungen im Zusammenhang mit der Eingliederung vorhanden. Das Erleben, Ver
halten und die zwischenmenschlichen Fähigkeiten würden erhebliche Abwei
chungen von der Norm aufweisen und die soziale und berufliche Integration des Beschwerdeführers stören. Ausserdem liege eine sehr rigide Persönlichkeitsstruk
tur vor, die die Kompromissfähigkeit einschränke und das Entstehen von Kon
flikten begünstige. In einem normalen Teamrahmen im ersten Arbeitsmarkt wäre der Beschwerdeführer überfordert und würde mit hoher Wahrscheinlichkeit schei
tern. Aus psychiatrischer Sicht benötige er einen Nischenarbeitsplatz (möglichst im ersten Arbeitsmarkt), an dem seine rigide Persönlichkeitsstruktur und sein auf
fälliges Wesen kein Problem darstellten und idealerweise Wissen zum Umgang mit Menschen mit
Autismusspektrum
-Erkrankungen vorhanden sei. Unter solch idealadaptierten Umständen könnte eine 80%ige Leistung nach Überwindung der derzeitigen
Dekonditionierung
erwartet werden. Ein Einstieg sollte sinnvoller
weise mit einem 50%-Pensum erfolgen. Eine Steigerung auf 80 % sei im Verlaufe eines Jahres zu erwarten. Aber auch an einem wohlwollenden und verständnis
vollen Ort wäre der Beschwerdeführer darauf angewiesen, dass er sich mit der Tätigkeit identifizieren könne und ihm diese nicht langweilig oder überflüssig erscheine. Motivationale Probleme seien für den Beschwerdeführer mittelfristig nicht aushaltbar und würden zum Abbruch jedes Arbeitsverhältnisses führen.
3.11
Dr. med.
L._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, attestierte dem Beschwerdeführer im Zeugnis vom 1. September 2015 auf dem freien Arbeitsmarkt eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (Urk. 11/119).
3.12
Im Abschlussbericht des Arbeiterhilfswerks
F._
vom 2. Februar 2016 über das Assessment vom 9. November 2015 bis 8. Januar 2016 wurde aus
geführt, es habe sich herauskristallisiert, dass folgende Tätigkeiten Priorität hät
ten: Mitarbeit bei der Erstellung von (Fluss-)Diagrammen, bei der Erstellung von Checklisten oder für die Realisierung von PowerPoint-Präsentationen (Urk. 11/132).
3.13
Im Abschlussbericht vom 2. Februar 2017 (Urk. 11/162/1-4) des
F._
über das Arbeitstraining bei der
G._
AG vom 4. Juli 2016 bis 4. Januar 2017 wurde festgehalten, das Arbeitstraining sei über die gesamten sechs Monate nur positiv verlaufen. Der Einsatzverantwortliche habe wiederholt die Gewissenhaf
tigkeit des Beschwerdeführers und die gute Qualität seiner Arbeit betont. Auch seine gute Auffassungsgabe und selbständige Arbeitsweise sei stets gelobt wor
den. Der Beschwerdeführer sei zudem ununterbrochen zufrieden gewesen mit sei
nem Aufgabengebiet, den Rahmenbedingungen sowie dem Arbeitsklima. Der Beschwerdeführer habe auch bei kurzfristen Aufträgen bewiesen, dass er unter Zeitdruck arbeiten könne. Weiter habe er auch mehrere Aufträge gleichzeitig erledigen können. Infolgedessen habe der Einsatzbetrieb die Leistung für das 50%-Pensum als voll ausgeschöpft geschätzt. Während der sechs Monate seien die Präsenzzeiten einwandfrei eingehalten worden. Der informelle Kontakt zu Mitarbeitenden sei sehr gering gewesen, zum einen aufgrund des niedrigen Pen
sums, zum anderen aufgrund der Verschlossenheit und wenig proaktiven Art
des Beschwerdeführers
. Einzig das Pensum habe der Beschwerdeführer nicht zu stei
gern vermocht. Der Einsatzbetrieb habe
ihn
im Anschluss an das Arbeitstraining – entgegen dem eigenen Vorhaben – aufgrund des fehlenden Budgets nicht anstellen können. Bei Bedarf würde man jedoch mit dem Beschwerdeführer in Verbindung treten.
3.14
Dr.
L._
führte in seinem Bericht vom 24. März 2017 (Urk. 11/167) die Diagno
sen ADS (ICD-10: F90.0),
Asperger
-Syndrom (ICD-10: F84.5) sowie intermittie
rende rezidivierende Depressionen bis mittelgradig, derzeit in Remission (ICD-10 F33.4) auf. Er behandle den Beschwerdeführer seit dem 6. Oktober 201
4.
Er hielt fest, an einem geeigneten Nischenarbeitsplatz, an dem sich der Beschwerdeführer einbringen könne und Wertschätzung erfahre, erscheine eine 50%ige Arbeitsfä
higkeit möglich, nach einigen Jahren allenfalls auch mehr.
3.15
In der Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes wurde festgehalten, gemäss
K._
-Bericht vom 23. Juni 2015 könne der Beschwerdeführer in idealer Umgebung eine 80%ige Arbeitsfähigkeit erreichen. In diesem Sinne könne aus medizinisch-theoretischer Sicht ab sofort eine Arbeitsfähigkeit von 80 % in angepasster Tätigkeit attestiert werden (Urk. 11/170/6).
4.
4.1
Aufgrund
der vorstehenden Berichte ergibt sich kein schlüssiges Bild über den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers.
Während Dr.
J._
die in der
B._
gestellte Diagnose einer
s
chizotype
n
Persönlichkeitsstörung (
vgl. E. 3.3) nicht nachvollziehen und keinerlei Anhaltspunkte
für Ich-Störungen oder eine parano
ide Symptomatik finden konnte (E. 3.8), bestätigte
demgegenüber
Dr.
L._
die von Dr.
J._
diagnostizierte kombinierte Persönlichkeitsstörung mit nar
zisstischen und
Borderline
-Zügen (ICD-10: F61.0) nicht (E.
3.14
).
Die Diagnose eines
Asperger
-Syndroms
lässt sich
sodann
aufgrund der Ergebnisse des Arbeits
trainings bei der
G._
AG vom 4. Juli 2016 bis 4. Januar 2017 nicht vorbehaltlos nachvollziehen: Der Beschwerdeführer war imstande,
seine Leistung
während sechs Monaten
im Umfang eines
50%ige
n
Arbeitspensum
s
voll auszu
schöpfen, wobei von einer guten Qualität der Arbeit, einer guten Auffassungs
gabe und einer selbständigen Arbeitsweise berichtet wurde. Der Beschwerdeführer war auch im Stande, im Rahmen kurzfristiger Arbeitsa
ufträge
unter Zeitdruck
zu
arbeiten
und gleichzeitig
mehrere Aufträge
zu
erledigen
(E. 3.13).
Letzteres widerspricht der im Bericht vom 22. Juli 2011 festgestellten reduzierten sponta
nen Flexibilität
(Urk. 11/82/10).
Ferner wurde d
as diagnostizierte ADHS im Schlussbericht der Abklärungsstelle
E._
vom 23. Juni 2015 über die
K._
-Abklärung vom 18. Mai bis 12. Juni 2015 als
nicht
(mehr)
behinderungs
bestimmend beurteilt
; es hätten gute Aufmerksamkeitsleistungen vorgelegen, die Ablenkbarkeit sei nicht pathologisch gesteigert gewesen, und auch eine Hyper
aktivität habe sich nicht beobachten lassen. Aufgrund dessen sei von einer Remission eines Teils der ADHS-Symptomatik auszugehen
(E. 3.10)
.
Schliesslich
berichteten sowohl Dr.
J._
als auch
Dr.
L._
von einer Remission der depressiven Symptomatik (Urk. 11/82/5 f. und
E. 3.14
).
Es stellt sich daher die Frage,
welche gesundheitliche Einschränkung denn nun
(noch)
vorliegt beziehungsweise
ob die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus gesundheitlichen Gründen
überhaupt
eingeschränkt ist
. In Betracht zu ziehen wäre auch eine fehlende
Motivation
des Beschwerdeführers
, beendete
er
die beruflichen Massnahmen doch – aus nicht nachvollziehbarem Grund – zu einem Zeitpunkt, als sich ein Erfolg eingestellt hatte und ihm ein durchwegs positives Arbeitszeugnis ausgestellt
worden war
(Urk. 11/162/5).
Ausserdem zeigte er sich
,
als er die Möglichkeit zu einem Ausseneinsatz bei der
Migros erhielt, als nicht sehr motiviert
(E. 3.7).
Fraglich bleibt weiter
, ob dem Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit als LKW-Fahrer effektiv aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zumutbar ist. Die
Abklärungen am
H._
ergaben keine Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Epi
lepsie, weshalb dem Beschwerdeführer aus
epileptologischer
Sicht eine uneinge
schränkte Arbeitsfähigkeit attestiert wurde. Wenn das
H._
eine Fahreignung wegen der berichteten a
lterierten Bewusstseinszustände
dennoch
als nicht gege
ben
e
rachtete,
ist dies
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
als reine
Vorsichts
massnahme zu interpretieren
(E. 3.5).
Auch aus psychiatrischer Sicht konnten keine hinreichenden Verdachtsmomente für eine Einschränkung der Fahrtaug
lichkeit gefunden werden (E. 3.4).
Das
vom Beschwerdeführer als Grund für die Unfälle angeführte ADHS (E. 3.5) konnte nicht mehr als
behinderungsbestim
men
d beurteilt werden (E. 3.10).
Es
kann
schliesslich
nicht ausgeschlossen wer
den, dass die zwei vom Beschwerdeführer verursachten Auffahrunfälle, welche Anlass zur Abklärung am
H._
boten, unter Drogeneinfluss
geschahen
.
Immerhin ist bekannt, dass dem Beschwerdeführer
der Fahrausweis entzogen wurde und dass
er sich
wiederholten
Urinkontrollen
unterziehen muss
, wenn er den Fahr
ausweis
wiedererlangen möchte
(E. 3.8).
4.2
Nach dem Gesagten beruht die angefochtene Verfügung auf einem unvollständig abgeklärten medizinischen Sachverhalt.
Die Beschwerde ist daher
in dem Sinne
gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung
aufzuheben und die Sache zur
psychiatrischen Begutachtung des Beschwerdeführers
und
zum
anschliessendem Neuentscheid an die Verwaltung zurückzuweisen
ist
.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind
gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG auf Fr. 8
00.--
festzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der Beschwerdegeg
nerin aufzuerlegen sind.
Damit erweist
sich das Gesuch de
s
Beschwerde
führers
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung als gegenstandslos.