Decision ID: 9afaca4a-3325-445e-ae7c-a3a405ea0ddc
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
versuchte schwere Körperverletzung und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster vom 25. August 2011 (DG110003)
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Anklage
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 7. März
2011 (Urk. 29) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz vom 25. August 2011 (Urk. 50)
1. Der Beschuldigte ist schuldig der versuchten schweren Körperverletzung im
Sinne von Art. 122 Abs. 2 und 3 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Auf den Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom
25. Juni 2009 ausgefällten, bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 40.–
wird verzichtet.
3. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 25. Juni 2009
angesetzte Probezeit von zwei Jahren wird mit Wirkung ab heute um ein Jahr
verlängert.
4. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten.
5. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 22 Monaten aufgeschoben
und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (6 Monate abzüglich
29 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe
vollzogen.
6. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger aus
dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur
genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird der
Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger Fr. 3'500.– zuzüglich 5 %
Zins ab 28. Januar 2010 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
8. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 3'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'500.– Gebühr Vorverfahren
Fr. 430.50 Auslagen Vorverfahren
Fr. 4'150.– Kosten Kantonspolizei
Fr. .– amtliche Verteidigung (noch ausstehend)
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9. Die Kosten, inklusive derjenigen der Untersuchung, werden dem Beschuldigten
auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Staatskasse
genommen.
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger für das gesamte Verfahren
eine Prozessentschädigung von Fr. 3'250.– zzgl. 8% Mehrwertsteuer zu bezah-
len.
Berufungsanträge
a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 72 S. 1 f.):
A) Berufung
Hauptanträge: 1. Der Beschuldigte sei freizusprechen, dies insbesondere von den
Vorwürfen
- der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 und 3 StGB;
- der qualifizierten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 i.Vrb. mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB;
hinsichtlich der ihm vorzuwerfenden Tätlichkeiten sei das Verfah-
ren einzustellen;
2. Auf den Antrag der Anklägerin betr. Widerruf sei nicht einzutreten;
3. Auferlegung der Verfahrenskosten gemäss Erwägungen; Ausrich-
tung einer angemessenen Genugtuung für die erstandene Haft.
Eventualanträge: 1. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen
- der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB
evtl. - der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1
Abs. 1 StGB;
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2. Der Beschuldigte sei mit Busse von CHF 300.00 zu bestrafen,
wobei für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse
eine Ersatzfreiheitsstrafe von drei Tagen anzudrohen sei;
evtl.
sei er mit einer milden Strafe unter Gewährung des bedingten
Vollzuges, PZ 2 Jahre zu bestrafen;
3. Nichteintreten auf Widerrufsantrag
evtl.
Verzicht auf Widerruf der von der Staatsanwaltschaft
See/Oberland mit Strafbefehl vom 25. Juni 2009 bedingt ausge-
fällten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu CHF 40.00; stattdessen
sei der Beschuldigte zu verwarnen, subeventuell sei die Probezeit
um ein Jahr zu verlängern;
4. Auferlegung der Verfahrenskosten gemäss Erwägungen; Ausrich-
tung einer angemessenen Genugtuung für die erstandene Haft.
B) Anschlussberufung
Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft IV sei vollumfänglich
abzuweisen.
b) Der Staatsanwaltschaft IV (Urk. 74 S. 1):
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Uster vom 25. August 2011 sei grund-
sätzlich zu bestätigen, mit folgenden wesentlichen Ausnahmen:
2. Der Angeklagte sei mit einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten zu , unter Anrechnung der erstandenen Untersuchungshaft von
29 Tagen
3. Diese Freiheitsstrafe sei im Umfang von 12 Monaten als vollziehbar zu
erklären und im restlichen Umfang von 18 Monaten, unter Ansetzung
einer 3-jährigen Probezeit, im Vollzug aufzuschieben.
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Das Gericht erwägt:
I. Prozessuales
1. Nachdem der angefochtene erstinstanzliche Entscheid am 25. August 2011
ergangen ist, sind die Bestimmungen der schweizerischen Strafprozessordnung
anwendbar (Art. 448 und Art. 454 Abs. 1 StPO).
2. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz vom
25. August 2011 wurde der Beschuldigte A._ anklagegemäss der versuchten
schweren Körperverletzung schuldig gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von
28 Monaten bestraft, wobei ihm für 22 Monate der Freiheitsstrafe der bedingte
Strafvollzug gewährt wurde, unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren. Auf
den Widerruf einer bedingt aufgeschobene (Vor-) Geldstrafe wurde verzichtet und
diesbezüglich die Probezeit verlängert (Urk. 50 S. 22). Gegen diesen Entscheid
liess der Beschuldigte durch seinen amtlichen Verteidiger mit Eingabe vom 26.
August 2011 innert gesetzlicher Frist Berufung anmelden (Art. 399 Abs. 1 StPO;
Urk. 47). Die Berufungserklärung der Verteidigung ging ebenfalls innert gesetzli-
cher Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3 StPO; Urk. 51). Die
Staatsanwaltschaft hat mit Eingabe vom 24. Oktober 2011 innert Frist Anschluss-
berufung erhoben (Art. 400 Abs. 2 f. StPO und Art. 401 StPO; Urk. 58; Urk. 54).
Die Verteidigung hat die Berufung in ihrer Berufungserklärung nicht beschränkt
(Urk. 51; Art. 399 Abs. 4 StPO). Der Privatkläger hat beantragt, es sei der Be-
weisergänzungsantrag des Beschuldigten abzuweisen (Urk. 56). Weitere Anträge
stellte er im Berufungsverfahren nicht.
3.1. Die Verteidigung hat im Berufungsverfahren im Sinne einer Beweisergän-
zung erneut beantragt, es sei der Beschuldigte psychiatrisch zu begutachten
(Art. 389 Abs. 3 StPO; Urk. 51 S. 2). Mit Eingabe vom 6. Mai 2011 zuhanden der
Vorinstanz hatte die Verteidigung bereits beantragt, es sei zur Frage der Schuld-
fähigkeit des Beschuldigten im Zeitpunkt der Tat ein psychiatrisches Gutachten in
Auftrag zu geben. Zur Begründung wurde angeführt, der Beschuldigte verliere
nach eigenen Angaben die Beherrschung und reagiere unverhältnismässig, wenn
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er körperlich angegriffen werde (Urk. 36). Dieser Antrag wurde mit Verfügung vom
6. Juni 2011 von der Vorinstanz abgewiesen (Urk. 37). Anlässlich der Hauptver-
handlung wiederholte die Verteidigung den Beweisantrag und verwies zur Be-
gründung auf die zitierte Eingabe vom 6. Mai 2011 (Prot. I S. 5). Die Vorinstanz
hat diesen erneut abgewiesen (Prot. I S. 5; Urk. 50 S. 5). In der Berufungserklä-
rung wiederholte die Verteidigung den Antrag (Urk. 51 S. 2), Privatkläger und
Staatsanwaltschaft beantragen dessen Abweisung (Urk. 56 und Urk. 58). Mit Prä-
sidialverfügung vom 18. November 2011 wurde der Beweisantrag abgewiesen
(Urk. 67). Auch anlässlich der Berufungsverhandlung erneuerte die Verteidigung
ihren Beweisantrag mit gleicher Begründung wie vor Vorinstanz (Urk. 72 S. 3 ff.),
während die Staatsanwaltschaft wiederum die Abeisung beantragt (Prot. II S. 11).
3.2. Besteht ernsthafter Anlass, im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB an der Schuld-
fähigkeit des Täters zu zweifeln, ordnet die Untersuchungsbehörde oder das Ge-
richt eine sachverständige Begutachtung an (Art. 20 StGB). Ein Gutachten ist
nicht nur anzuordnen, wenn das Gericht tatsächlich Zweifel an der Schuldfähigkeit
hat, sondern auch, wenn es nach den Umständen des Falls ernsthafte Zweifel
haben sollte. Die Notwendigkeit eines Gutachtens ist erst gegeben, wenn Anzei-
chen vorliegen, die geeignet sind, Zweifel hinsichtlich der vollen Schuldfähigkeit
zu erwecken, wie etwa ein Widerspruch zwischen Tat und Täterpersönlichkeit o-
der ein völlig unübliches Verhalten. Bei der Prüfung dieser Zweifel ist zu berück-
sichtigen, dass nicht jede geringfügige Herabsetzung der Fähigkeit, sich zu
beherrschen, genügt, um eine verminderte Schuldfähigkeit anzunehmen. Der Be-
troffene muss vielmehr, zumal der Begriff des normalen Menschen nicht eng zu
fassen ist, in hohem Masse in den Bereich des Abnormen fallen. Seine Geistes-
verfassung muss nach Art und Grad stark vom Durchschnitt nicht bloss der
Rechts-, sondern auch der Verbrechensgenossen abweichen (Urteile des Bun-
desgerichtes 6B_186/2011 vom 10. Juni 2011, E. 2.4, und 6B_1003/2009 vom
16. März 2010, E. 1.3; BGE 133 IV 145 E. 3.3, je mit Hinweisen). Der Beweis-
antrag der Verteidigung ist wiederum abzuweisen, da keine begründeten Zweifel
an der (vollen) Schuldfähigkeit des Beschuldigten bestehen, zur Begründung ist
auf untenstehende Erwägungen zu verweisen (E. III.4.2.2).
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II. Schuldpunkt
1. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vom
7. März 2011 zusammengefasst vorgeworfen, am 28. Januar 2010 im Rahmen
einer tätlichen Auseinandersetzung vor dem Club "C._" in D._ dem Ge-
schädigten und Privatkläger B._ (im Folgenden: Privatkläger) Faustschläge
und Fusstritte versetzt zu haben, dies über mehrere Minuten und auch noch, als
sich der Privatkläger nicht mehr zur Wehr gesetzt respektive bereits am Boden
gelegen habe. Kurze Zeit später habe der Beschuldigte dem am Boden liegenden
Privatkläger noch einen kräftigen Fusstritt gegen Oberkörper und Kopf versetzt.
Als Folge der vom Beschuldigten geführten Faustschläge und Fusstritte habe der
Privatkläger ein Schädel-Hirn-Trauma mit einer Hirnerschütterung sowie diverse
Knochenbrüche im Gesicht erlitten. Eine unmittelbare Lebensgefahr sei beim Pri-
vatkläger nicht eingetreten; es habe jedoch die Gefahr bestanden, dass beim Pri-
vatkläger durch das massive Vorgehen des Beschuldigten lebensgefährliche Ver-
letzungen oder bleibende Körperschäden eintreten könnten, was der
Beschuldigte zumindest in Kauf genommen habe (Urk. 29 S. 2 f.).
2. Die Vorinstanz hat in ihrer Beweiswürdigung zusammengefasst erwogen,
das vorliegend bedeutendste Beweismittel sei die durch eine Überwachungs-
kamera vor dem Club aufgezeichnete Videosequenz. Darauf sei ersichtlich, dass
sich der Beschuldigte nach Verlassen des Clubs ein weiteres Mal zum Privatklä-
ger hin bewegt habe. Damit sei die Aussage des Beschuldigten, sich dem Privat-
kläger nicht mehr genähert zu haben, widerlegt. Aus der Videosequenz sei so-
dann ersichtlich, dass der Beschuldigte sich schnell und in einer Art "" (ausgespreizte Arme) und mit einem auffälligen rechten Beinschwung zum Privatkläger hinbewege. Aufgrund dieser Videoanalyse verbleibe kein ver-
nünftiger Zweifel, dass der Beschuldigte beim Verlassen des Clubs den Privatklä-
ger gemäss Anklagesachverhalt ein weiteres Mal mit einem kräftigen Fusstritt ge-
gen Oberkörper und Kopf traktiert habe. Dies werde auch durch die konstanten,
glaubhaften Aussagen von E._ bestätigt (Urk. 50 S. 10 f.).
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3. Entgegen der Vorinstanz hat der Beschuldigte den obzitierten Anklagesach-
verhalt nicht "im Wesentlichen" (Urk. 50 S. 5), sondern lediglich teilweise . In entscheidenden Punkten bestreitet der Beschuldigte die Sachdarstellung
gemäss Anklageschrift. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten, wie
er sie in der Untersuchung und anlässlich der Hauptverhandlung deponiert hat,
wiedergegeben (Urk. 50 S. 7-9), worauf vorab verwiesen werden kann. Gleiches
gilt für die theoretischen Grundsätze der richterlichen Beweiswürdigung (Urk. 50
S. 6; Art. 82 Abs. 4 StPO).
4. Nach anfänglichem Bestreiten (Urk. 5/1 S. 1 ff.) gestand der Beschuldigte in
der Folge, den Privatkläger geschlagen zu haben. Er sei von diesem angegriffen
worden und habe sich verteidigt. Er habe ihn wahllos geschlagen, überallhin. Der
Privatkläger habe begonnen und er habe sich verteidigt (Urk. 5/1 S. 6 ff.). Er sag-
te in der Hafteinvernahme, er habe diesen getreten und geschlagen (Urk. 5/2
S. 4). Möglicherweise habe er den Privatkläger auch ein- oder zweimal geschla-
gen, als dieser am Boden gelegen habe (Urk. 5/2 S. 5). Er habe ihn gegen den
Kopf und überallhin geschlagen. Er habe ihn auch mit den Füssen getreten; es sei
auch möglich, dass er den Privatkläger gegen den Kopf getreten habe (Urk. 5/2
S. 6). Er habe den Privatkläger auch geschlagen, als dieser auf dem Boden gele-
gen habe, er habe ihm einen oder zwei Fusstritte versetzt (Urk. 5/2 S. 7). Nach-
dem er in den Club zurückgegangen sei und seine Kollegen geholt habe, habe er
den Privatkläger nicht mehr getreten bzw. geschlagen (Urk. 5/2 S. 8). In der Kon-
frontationseinvernahme mit E._ sagte er, er habe dem Privatkläger Faust-
schläge versetzt und ihn getreten (Urk. 5/3 S. 5). Ob er den Privatkläger auch ge-
treten habe, als dieser am Boden gelegen habe, wisse er nicht mehr, es könne
aber sein. Es sei möglich, dass er dem am Boden liegenden Privatkläger einen
oder zwei Schläge oder auch einen oder zwei Fusstritte verpasst habe (Urk. 5/3
S. 6). Nachdem er im Club seine Kollegen geholt habe, habe er den Privatkläger
nicht mehr getreten (Urk. 5/3 S. 7). Als der Privatkläger zu Boden gegangen sei,
habe er ihm vielleicht noch einen oder zwei Schläge versetzt (Urk. 5/3 S. 9). In
der Schlusseinvernahme gab er an, nachdem er im Club seine Kollegen gerufen
habe, habe er den Privatkläger nicht mehr geschlagen (Urk. 5/4 S. 3). Vor Vo-
rinstanz gab er an, er habe den Privatkläger mit den Fäusten geschlagen und ihm
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Fusstritte versetzt, nicht jedoch, nachdem er wieder aus dem Club gekommen sei.
Als er den Club verlassen habe, habe er den Privatkläger nicht mehr berührt, er
habe eine Distanz von ca. drei bis vier Metern gehabt (Urk. 39 S. 4 f.). Er sei nicht
mehr zum Privatkläger hingegangen, nachdem er wieder aus dem Club gekom-
men sei; sein Kollege E._ sei zum Privatkläger hingegangen. Vielleicht habe
sich der Privatkläger seine Verletzungen zugezogen, als er zu Boden gegangen
sei (Urk. 39 S. 6).
Anlässlich der Berufungsverhandlung hat der Beschuldigte ausgesagt, er sei nach
dem Verlassen des Clubs drei bis vier Meter vom Privatkläger entfernt geblieben
(Urk. 71 S. 4). Auf Vorhalt der Verletzungen des Privatklägers hat er erklärt, es sei
möglich, dass er ihm diese zugefügt habe. Er wisse nicht, ob er es gewesen sei
oder sein Kollege, als dieser auf den Privatkläger losgegangen sei (Urk. 71 S. 5).
Es sei möglich, dass er dem Privatkläger einen oder zwei Fusstritte versetzt habe,
als dieser am Boden gelegen habe, in der zweiten Phase sei er aber drei bis vier
Meter entfernt vom Privatkläger geblieben und habe diesen nicht mehr getreten.
Sein Kollege sei auf den Privatkläger losgegangen (Urk. 71 S. 6). Was sein Kolle-
ge E._ gemacht habe, als er auf den Privatkläger zugegangen sei, wisse er
nicht. Er selber sei nicht mehr zum Privatkläger hingegangen, sondern immer drei
bis vier Meter auf Distanz geblieben (Urk. 71 S. 7 f.).
5. Demnach ist der Anklagesachverhalt gestützt auf die entsprechenden Zuga-
ben des Beschuldigten einzig – aber immerhin – dahingehend erstellt, dass der
Beschuldigte dem Privatkläger Faustschläge und Fusstritte versetzt hat, nachdem
er vom Privatkläger angegriffen wurde. Bestritten ist hingegen, dass der Beschul-
digte nach zwischenzeitlichem Betreten des Clubs den Privatkläger erneute an-
gegangen und diesem einen Fusstritt gegen Oberkörper und Kopf versetzt hat.
Nicht bestritten ist, dass der Privatkläger beim Eintreffen der Polizei am Tatort die
in der Anklageschrift angeführten Verletzungen aufgewiesen hat. Bestritten wird
jedoch seitens der Verteidigung, dass der Beschuldigte für diese Verletzungen
des Privatklägers verantwortlich ist (Urk. 51 S. 3; Urk. 72 S. 8).
6. Erstellt ist schon aufgrund der Schuhspuren an der linken Kopfseite des
Privatklägers, dass diesem tatsächlich mit einem Fuss gegen den Kopf getreten
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worden ist (Urk. 11/8 S. 2). Der Vorinstanz ist dahingehend beizupflichten, dass
den Aufnahmen der Überwachungskamera des Clubs (Kamera 30; Urk. 7/3) ein
nicht unbedeutender Beweiswert zukommt: Darauf ist – wenn auch nicht sehr
deutlich – zu erkennen, dass der Beschuldigte aus dem Club-Gebäude tritt, auf
den dort wartenden Privatkläger trifft, diesem die Hand entgegenstreckt, in der
Folge vom Privatkläger attackiert oder zumindest drangsaliert wird (was die An-
klage dem Beschuldigten ausdrücklich zugutehält) und anschliessend eine wech-
selseitig geführte tätliche Auseinandersetzung stattfindet (was der Beschuldigte
ausdrücklich anerkennt). Die Details der eigentlichen Schlägerei sind nicht er-
kennbar, da sie nicht im Sichtfeld der Kamera stattgefunden hat. Offensichtlich
falsch ist die Darstellung in der Anklageschrift, der Beschuldigte habe sein Schla-
gen und Treten nach vier bis fünf Minuten beendet; so dauerte die tätliche Aus-
einandersetzung doch gemäss Videoaufzeichnung nicht mehr als 20 bis 30 Se-
kunden. Deutlich ist weiter zu erkennen, wie der Beschuldigte sich entfernt, das
Clubgebäude betritt, dieses anschliessend – gefolgt von seinem Kollegen
E._ – wieder verlässt (vgl. Urk. 39 S. 8) und sich zügig und gezielt in Rich-
tung des Privatklägers hinbewegt. Mit der Vorinstanz ist allein gestützt auf diese
Videoaufnahmen erstellt, dass sich der Beschuldigte entgegen seinen Bestreitun-
gen nach Verlassen des Club-Gebäudes nochmals zum Privatkläger hinbegeben
hat und nicht in einer Distanz von drei bis vier Metern zum Privatkläger stehen
blieb. Dass und allenfalls wohin der Beschuldigte den Privatkläger in der Folge
getreten hat, ist allein gestützt auf die Videoaufnahme nicht zweifelsfrei erstellt, da
solches auf der Aufnahme nicht zu erkennen ist. Immerhin spricht das zielstre-
bige, zügige Sich-zum-Privatkläger-Hinbewegen des Beschuldigten keinesfalls
gegen ein anschliessendes Treten des Privatklägers durch den Beschuldigten.
Hiezu entscheidend ist jedoch ein weiteres belastendes Beweismittel, nämlich die
Aussage des Kollegen des Beschuldigten, E._. Dieser hat als Zeuge ausge-
sagt, als er zusammen mit dem Beschuldigten den Club verlassen habe, sei zu-
erst der Beschuldigte zum Privatkläger hingegangen und habe diesem einen kräf-
tigen Fusstritt versetzt; er selber sei anschliessend zum Privatkläger hingegangen
und habe diesen mit dem Fuss umgedreht (Urk. 6/1 S. 3 ff.; Urk. 6/2 S. 4; Urk. 6/3
S. 2 f. und S. 7 f.). Die Aussagen von E._ sind konstant und wirken erlebt.
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Der Versuch der Verteidigung, in die Aussagen von E._ Widersprüche hin-
einzuinterpretieren (Urk. 43 S. 6-8; Urk. 72 S. 8-10), ist unbehelflich. E._ hat
den Beschuldigten bei seiner Schilderung nicht übermässig belastet; im Gegenteil
versuchte er, ihn im Rahmen des Möglichen zu entlasten: So betonte er, der Pri-
vatkläger habe den Beschuldigten provoziert sowie der Beschuldigte habe den
Privatkläger möglicherweise nicht gegen den Kopf, sondern lediglich gegen den
Brustbereich getreten. Der Beschuldigte macht heute geltend, allenfalls habe
E._ die Verletzungen des Privatklägers verursacht; dieser sei auf den Privat-
kläger "losgegangen", was dieser genau gemacht habe, wisse er nicht (Urk. 71
S. 5 und S. 7). Die Verteidigung ging sogar soweit zu behaupten, E._ hätte
anstelle des Beschuldigten vor den Schranken des Gerichts zu stehen (Prot. I
S. 9; Urk. 72 S. 10). Bei dieser Darstellung handelt es sich offensichtlich um eine
nachgeschobene – und nicht nur deswegen – unglaubhafte Schutzbehauptung.
Vom Beschuldigten selber wurde über mehrere Einvernahmen bestätigt, E._
habe sich zum Privatkläger hinbegeben, um zu schauen, wie es diesem gehe
(Urk. 5/1 S. 8; Urk. 5/2 S. 8 f.; Urk. 5/3 S. 7), und nicht wie von der Verteidigung
behauptet, um diesem allenfalls einen Tritt zu geben (Urk. 72 S. 10 f.; Prot. II
S. 13). Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte er erstmals, er wisse nicht,
was E._ gemacht habe, als dieser auf den Privatkläger zugegangen sei, er
habe ihm die Schultern zugewandt (Urk. 71 S. 7). Der Vorhalt seitens der juristi-
schen Sekretärin der Staatsanwaltschaft anlässlich der Hafteinvernahme, der Vi-
deoprint deute darauf hin, dass auch E._ getreten habe (Urk. 6/2 S. 5), trifft
ferner nicht zu: Solches ist auf der Videoaufnahme nicht ersichtlich. Im Gegenteil
ist erkennbar, dass sich E._ nicht in derselben dynamischen Weise zum Pri-
vatkläger hinbewegt hat wie Sekunden vorher der Beschuldigte. Entsprechend
wurde auch das Strafverfahren gegen E._ mit Verfügung der Untersu-
chungsbehörde vom 7. März 2011 eingestellt (Urk. 28). E._ hatte schliesslich
keinerlei Motiv, auf den am Boden liegenden Privatkläger einzutreten. Die Darstel-
lung von E._ ist überzeugend und es ist darauf abzustellen. Der Beschuldigte
hingegen wurde vom Privatkläger erst provoziert und auch physisch drangsaliert,
was ihn in Rage versetzte. Er hat selber mehrfach geschildert, er habe im Rah-
men der Auseinandersetzung die Kontrolle über sich verloren. So gab er an, wenn
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er einmal zu schlagen beginne, gehe es bis zum Tod (Urk. 5/1 S. 6); er sei rasend
geworden und so zornig, dass er die Kontrolle verloren habe (Urk. 5/3 S. 5 ff.;
Urk. 71 S. 8). Er sei in Panik geraten (Urk. 5/4 S. 3 f.; Urk. 39 S. 5), er sei ausser
sich, ausserhalb des Normalen gewesen (Urk. 71 S. 6, S. 9). Er habe sich erst be-
ruhigt, als er im Auto gesessen habe (Urk. 5/3 S. 8). Hätte der Beschuldigte den
Privatkläger schliesslich nach dem erneuten Verlassen des Club-Gebäudes nicht
getreten, hätte er keinen Grund gehabt zu leugnen, dass er sich erneut zum Pri-
vatkläger hinbegeben hat. Diese Bestreitung wird durch die Videoaufnahme wie
vorstehend erwogen klar widerlegt.
7. Entsprechend ist der Anklagesachverhalt insgesamt auch dahingehend er-
stellt, dass der Beschuldigte dem am Boden liegenden Privatkläger nach seiner
Rückkehr aus dem Club-Gebäude einen Fusstritt versetzt hat. Aufgrund des Ver-
letzungsbildes des Privatklägers und des Spurenbildes (Schuhabdruck an der lin-
ken Kopfseite des Privatklägers, vgl. Urk. 11/8 S. 2 und Urk. 2 S. 4) muss dieser
letzte Fusstritt des Beschuldigten zweifellos gegen den Kopf und nicht "gegen den Oberkörper und Kopf" des Privatklägers geführt worden sein. In diesem Sinne ist die diesbezüglich unpräzise Anklageschrift zu präzisieren. Es ist ohnehin nicht nach-
vollziehbar, inwieweit mit einem einzigen Fusstritt gleichzeitig gegen Kopf und
Oberkörper (damit wohl gemeint: Torso/Rumpf über der Gürtellinie) getreten wer-
den kann.
Die vom Privatkläger erlittenen Verletzungen sind demnach einzig auf die Einwir-
kungen des Beschuldigten (namentlich Faustschläge in der ersten Phase sowie
Fusstritt an den Kopf in der zweiten Phase) zurückzuführen. Nachgeschobene
Erklärungsversuche des Beschuldigten und der Verteidigung, wonach sich der
Privatkläger bei einem Sturz – ohne Dazutun des Beschuldigten – verletzt haben
respektive ein Dritter für die Verletzungen verantwortlich sein könne (Urk. 43 S. 4
und S. 5; Urk. 39 S. 6; Urk. 72 S. 11; vgl. auch Prot. II S. 12 f.), wirken konstruiert
und sind ohne Weiteres unglaubhaft.
Mit den genannten Präzisierungen ist der Anklagesachverhalt rechtsgenügend er-
stellt.
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8.1. Die Staatsanwaltschaft hat den vorliegend zu beurteilenden Sachverhalt als
versuchte schwere Körperverletzung, eventualiter als qualifizierte einfache Kör-
perverletzung eingeklagt (Urk. 29 S. 4). Die Vorinstanz hat den Anklagesachver-
halt als versuchte schwere Körperverletzung qualifiziert und das Vorliegen einer
vollendeten schweren Körperverletzung verneint (Urk. 50 S. 11 ff.). Die Privatklä-
gerschaft hat dies – obwohl sie vor Vorinstanz eine Verurteilung wegen (vollende-
ter) schwerer Körperverletzung beantragt hatte – nicht angefochten. Die Verteidi-
gung akzeptiert im Berufungsverfahren eventualiter die Bejahung einer einfachen
Körperverletzung (Urk. 51 S. 2; Urk. 72 S. 2).
8.2. Zur Begründung hat die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid erwogen,
der Privatkläger habe durch die Fusstritte und Faustschläge des Beschuldigten
ein Schädel-Hirn-Trauma mit einer Hirnerschütterung, eine Fraktur des Nasen-
beins und der Nasenscheidewand sowie eine schwere Mittelgesichtsfraktur rechts
mit Fraktur des Orbitabodens und der medialen Orbitawand sowie eine Fraktur
des kompletten nasalen Pfeilers rechts erlitten, wobei dadurch keine lebenswich-
tigen Strukturen betroffen worden seien und keine unmittelbare Lebensgefahr
bestanden habe. Diese Verletzungen seien insgesamt als noch nicht schwer im
Sinne von Art. 122 StGB einzustufen. Eine dauernde und erhebliche Störung der
Grundfunktion des Auges werde einerseits nicht im Anklagesachverhalt darge-
stellt, andererseits sei mit Bezug auf die bundesgerichtliche Praxis offen, ob dies
überhaupt eine schwere Körperverletzung darstellen würde. Damit erweise sich
eine schwere Körperverletzung als nicht gegeben, da der entsprechende Erfolg
nicht eingetreten sei (Urk. 50 S. 13 f.). Dies wurde – wie erwähnt – seitens des
Privatklägers nicht angefochten.
Die Vorinstanz führte weiter aus, der Beschuldigte habe den im Anklagesachver-
halt umschriebenen subjektiven Tatbestand anerkannt und gewusst, dass er dem
Privatkläger aufgrund seiner Tat hätte Verletzungen beifügen können, welche für
letzteren zu lebensgefährlichen Verletzungen oder zu bleibenden Schäden des
Körpers, der Organe, der Glieder oder der sonstigen körperlichen oder geistigen
Gesundheit hätten führen können; dies habe er gewollt oder zumindest in Kauf
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genommen. Aufgrund des (zumindest eventualvorsätzlich) angestrebten Erfolgs
sei von einem Versuch auszugehen (Urk. 50 S. 12 f. und S. 14).
8.3. Der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB macht sich
– nebst weiterem – schuldig, wer vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich
verletzt (Abs. 1) oder dessen Körper, ein wichtiges Organ oder Glied verstümmelt
oder ein wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht (Abs. 2).
8.3.1. Unmittelbare Lebensgefahr im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB bedeutet die
Herbeiführung eines Zustandes, in dem sich die "Möglichkeit des Todes dermassen , dass sie zur ernstlichen und dringlichen Wahrscheinlichkeit wurde" (BGE 109 IV 18 E. 2c). Es genügt deshalb nicht, dass die Möglichkeit des Todes nur in etwelche
Nähe rückt. Anderseits genügt eine vorübergehende Lebensgefahr von kurzer
Dauer und es ist ohne Bedeutung, ob ärztliche Hilfe rechtzeitig eingreifen konnte
oder nicht. Sodann muss die Lebensgefahr durch eine Verletzung entstanden
sein (BSK Strafrecht II - Roth/Berkemeier, 2. Aufl., Basel 2007, Art. 122 N 5 ff. mit
Hinweisen; Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizerisches Strafgesetzbuch,
18. Aufl., Zürich 2010, Art. 122 N 8). Gemäss dem schriftlichen ärztlichen Befund
der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsspitals Zürich vom tt. April 2010
(Urk. 11/2) führten die dem Privatkläger durch den Beschuldigten zugefügten Ver-
letzungen zu keinem Zeitpunkt zu einer unmittelbaren Lebensgefahr.
8.3.2. Mit Körper im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB sind Schädel, Thorax und
Becken gemeint. Wichtige Organe sind neben den lebenswichtigen wie Nieren
und Leber beispielsweise Sinnes- und Geschlechtsorgane, wichtige Glieder sind
Hände, Füsse und Gelenke. Der (objektive) Tatbestand von Art. 122 Abs. 2 StGB
ist erfüllt, wenn diese verstümmelt oder unbrauchbar gemacht, d.h. erheblich in
ihrer Funktion gestört, werden (Trechsel/Fingerhuth, Schweizerisches Strafge-
setzbuch Praxiskommentar, Zürich 2008, Art. 122 N 4 f.; Donatsch/Flachsmann/
Hug/Weder, a.a.O., Art. 122 N 10, N 12). Der Privatkläger erlitt – wie erwähnt –
ein Schädel-Hirn-Trauma mit einer Hirnerschütterung, eine Fraktur des Nasen-
beins und der Nasenscheidewand, eine schwere Mittelgesichtsfraktur rechts mit
Fraktur des Orbitabodens und der medialen Orbitawand sowie eine Fraktur des
kompletten nasalen Pfeilers rechts (Urk. 11/2 und Urk. 11/5). Damit wurde weder
- 15 -
der Körper noch ein wichtiges Organ des Privatklägers im Sinne von Art. 122
Abs. 2 StGB verstümmelt oder unbrauchbar gemacht.
8.3.3. Spätestens mit dem heftigen Tritt des Beschuldigten gegen den Kopf des
am Boden liegenden Privatklägers war die Tat vollendet, doch trat der zur Er-
füllung des objektiven Tatbestands der schweren Körperverletzung gemäss
Art. 122 StGB notwendige Erfolg nicht ein. Es ist daher zu prüfen, ob ein vollende-
ter Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB gegeben ist.
8.4. Ein Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB liegt vor, wenn der Täter
sämtliche subjektiven Tatbestandsmerkmale (insbesondere Vorsatz) erfüllt und
seine Tatentschlossenheit manifestiert hat, ohne dass alle objektiven Tat-
bestandsmerkmale verwirklicht sind (BGE 137 IV 113 E. 1.4.2 mit Verweisen).
8.5. In subjektiver Hinsicht ist für die Erfüllung des Tatbestandes der schweren
Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 und 2 StGB Vorsatz erforderlich,
wobei Eventualvorsatz genügt.
Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und
Willen ausführt (Art. 12 Abs. 2 Satz 1 StGB). Vorsätzlich handelt bereits, wer die
Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 Satz 2
StGB). Nach ständiger Rechtsprechung ist Eventualvorsatz gegeben, wenn der
Täter den Eintritt des Erfolgs beziehungsweise die Tatbestandsverwirklichung für
möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts
in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein. Für den
Nachweis des Vorsatzes kann sich das Gericht – soweit der Täter nicht geständig
ist – regelmässig nur auf äusserlich feststellbare Indizien und auf Erfahrungs-
regeln stützen, die ihm Rückschlüsse von den äusseren Umständen auf die
innere Einstellung des Täters erlauben. Zu den äusseren Umständen, aus denen
der Schluss gezogen werden kann, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung
in Kauf genommen, zählt auch die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der
Tatbestandsverwirklichung und die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung. Je
grösser dieses Risiko ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt,
- 16 -
desto eher darf gefolgert werden, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in
Kauf genommen (BGE 134 IV 26 E. 3.2.2 mit Hinweisen).
8.6. Im Zusammenhang mit der Frage, ob der Beschuldigte schwere oder gar
lebensgefährliche Verletzungen in Kauf nahm, ist Folgendes zu berücksichtigen:
Gemäss erstelltem Anklagesachverhalt hat der Beschuldigte dem Privatkläger in
einer ersten Phase mehrfach und heftig mit den Fäusten ins Gesicht geschlagen.
Nachdem der Privatkläger als Folge dieser Schläge zu Boden gegangen war, ent-
fernte sich der Beschuldigte kurzzeitig, kehrte aber anschliessend zum am Boden
liegenden und wehrlosen Privatkläger zurück und trat diesem mit Anlauf heftig
gegen den Kopf. Das Folgende ist notorisch: Beim menschlichen Kopf handelt es
sich um einen sehr sensiblen Körperteil. Bei den Augen handelt es sich um wich-
tige, durch Gewalteinwirkung leicht irreparabel verletzbare Organe. Eine massive
Einwirkung auf die obere Kopfhälfte, die Schläfen oder den Hinterkopf kann rasch
zu einer Verletzung des Hirns führen, bei welchem es sich um eines der zentralen
und wichtigsten Organe des Menschen handelt. Ein massiver Impuls generell ge-
gen den Kopf führt regelmässig dazu, dass der Kopf ruckartig in eine Richtung
geschleudert wird, was oft Verletzungen der Halswirbelsäule mit starken gesund-
heitlichen Beeinträchtigungen des Betroffenen bis hin zu Körperlähmungen nach
sich zieht.
8.7. Das vorstehend Ausgeführte zur Sensibilität des menschlichen Kopfs und
des hohen Risikos schwerster Verletzungen für den Fall, dass massiv auf den
Kopf einer Person eingewirkt wird, gehört ohne Weiteres zum Allgemeinwissen
eines durchschnittlichen Erwachsenen. Der Beschuldigte hat – wie erwähnt – zu-
nächst während 20-30 Sekunden mit der Faust mehrfach auf den Kopf des ange-
trunkenen Privatkläger eingeschlagen und diesen auch mit den Füssen getreten,
so dass dieser schliesslich zu Boden ging. Kurze Zeit später hat er dem wehrlo-
sen, immer noch am Boden liegenden und darauf nicht vorbereiteten Privatkläger
heftig mit dem Fuss, der aufgrund des Spurenbildes überdies mit einem soliden
Schuhwerk versehen war (Urk. 11/8 S. 2), gegen den Kopf getreten. Die Wahr-
scheinlichkeit von schweren Verletzungen war derart gross und das Ausmass der
Pflichtverletzungen derart eklatant, dass die Verhaltensweise des Beschuldigten
- 17 -
nicht anders interpretiert werden kann, als dass er zumindest in Kauf genommen
hat, dass der Privatkläger dabei eine Verletzung der Augen, des Hirns oder der
Halswirbelsäule erleidet, welche die Schwere gemäss Art. 122 Abs. 2 StGB auf-
weist. Die Art und Weise der Tatbegehung lassen ebenfalls keine anderen
Schlüsse zu. So erklärte der Beschuldigte, er habe nicht überlegt, wohin er schla-
ge, er habe "wahllos" auf den Privatkläger eingeschlagen, "dort wo es halt grad zufällig hintrifft". Er habe ihn auch noch geschlagen bzw. getreten, als dieser bereits am Boden gelegen habe (Urk. 5/1 S. 5 f.; Urk. 5/2 S. 4, S. 6, S. 8; Urk. 5/3 S. 5 f.,
S. 8; Urk. 71 S. 6). Dies hat der Beschuldigte bereits in der Untersuchung ein-
gestanden. Auf die Frage, ob man nicht mindestens damit rechnen müsse, dass
eine recht massive Verletzung entstehe, wenn man auf jemanden einschlägt und
einer am Boden liegenden Person Fusstritte gegen den Kopf verpasst, antwortete
er nämlich, das sei normal. Er erklärte auf Frage weiter, es gebe viele Fälle, bei
denen jemand nach Schlägen an den Kopf bleibende Schäden erleidet oder
sterbe. Er präzisierte zwar, die Ärzte wüssten das, man selber nicht (Urk. 5/2
S. 9). Bei Fusstritten an den Kopf werde der andere verletzt, es könne auch
schwere Verletzungen verursachen (Urk. 5/3 S. 7 f.). Dies bestätigte er in der
Berufungsverhandlung, es könnten "sehr schwerwiegende Dinge passieren", wenn man jemandem mit dem Fuss heftig gegen den Kopf trete (Urk. 71 S. 7). Dass keine
schweren Verletzungen eingetreten sind, beruht einzig auf einem glücklichen
Zufall. Ob er allenfalls auch mit lebensgefährlichen Verletzungen rechnen musste
und diese durch seine Tat in Kauf nahm, kann unter diesen Umständen offen
bleiben. Zu betonen ist schliesslich, dass es – entgegen den Ausführungen der
Verteidigung (Urk. 72 S. 4) – unter diesen Umständen keine Rolle spielt, woran
der Beschuldigte im konkreten Augenblick dachte. Es genügt vielmehr – wie die
Staatsanwaltschaft zu Recht ausgeführt hat (Prot. II S. 10) – ein sogenanntes
"Mitbewusstsein". Der Täter braucht sich die betreffenden Merkmale im Moment
seines Handelns nicht besonders zu vergegenwärtigen, ein aktuelles Bewusstsein
ist nicht erforderlich (Donatsch/Tag, Strafrecht I, 8. Aufl., Zürich 2006, S. 109;
Trechsel/Jean-Richard, a.a.O., Art. 12 N 4; Stratenwerth, Strafrecht Allgemeiner
Teil I, § 9 N 73 mit Hinweisen). Dieses Mitbewusstsein, dass Schläge und Tritte
gegen den Kopf eines anderen schwere Verletzungen verursachen können, ist
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wie erwähnt notorisch und war auch beim Beschuldigten gegeben. Anhaltpunkte
für eine – von der Verteidigung geltend gemachte (Prot. II S. 12) – Dissoziation,
die es ihm allenfalls verunmöglicht hätte, dieses Wissen abzurufen, liegen keine
vor. Entsprechend erübrigt es sich – wie von der Verteidigung beantragt – ein
diesbezügliches Gutachten. Entscheidend ist, dass – wie gesehen – mehrere
Umstände vorliegen, die darauf schliessen lassen, dass der Beschuldigte wissent-
lich und willentlich auf den Privatkläger eingetreten hat, obschon ihm dabei
grundsätzlich bewusst war, dass dies beim Privatkläger eine schwere Körperver-
letzung zur Folge haben könnte. Dass dies für den Fusstritt in der zweiten Phase
der Fall war, anerkennt im Übrigen auch die Verteidigung (Urk. 72 S. 5 f. und
S. 8). Entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 72 S. 2 und S. 11 i.V.m.
Urk. 43 S. 9 f. und S. 11 f.) bleibt unter solchen Umständen aber für einen bloss
auf einfache Körperverletzung oder gar nur Tätlichkeiten gerichteten Vorsatz kein
Raum.
8.8. Im Urteil 6B_954/2010 vom 10. März 2011, E.3.4, hat das Bundesgericht in
einem Vergleichsfall, in dem der Täter einer am Boden liegenden Person in den
Kopf getreten hat, eine versuchte schwere Körperverletzung ohne Weiteres
bejaht. Nur durch Zufall sei es nicht zu einem lebensgefährlichen Zustand oder zu
schweren bleibenden Schäden am Kopf oder im Gesicht des Opfers gekommen.
Die Gefährlichkeit dieser Handlungsweise sei offenkundig. Im Weiteren hat das
Bundesgericht erwogen, es sei bei der genannten Konstellation von einer Verur-
teilung wegen qualifizierter einfacher Körperverletzung abzusehen, obwohl
Art. 123 Ziff. 2 StGB durchaus als erfüllt hätte betrachtet werden können. Der
Tatbestand der (versuchten) eventualvorsätzlichen schweren Körperverletzung
gehe bei gegebenen Voraussetzungen der (vollendeten) qualifizierten einfachen
Körperverletzung vor. Die unmittelbar letzte Erwägung erfolgte an dieser Stelle als
obiter dictum zum seitens der Staatsanwaltschaft vor Vorinstanz gestellten
Eventualantrag.
8.9. Die Verteidigung macht in keiner Weise substantiiert geltend, inwieweit die
Schuldfähigkeit des Beschuldigten zum Tatzeitpunkt nicht vorhanden gewesen
sein soll. Wie noch zu zeigen ist (unten E. III.4.2.2), legt sie nicht einmal ernsthaft
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und nachvollziehbar dar, dass beim Beschuldigten im Tatzeitpunkt eine Vermin-
derung der Schuldfähigkeit vorlag. Ernsthafte Zweifel an der Schuldfähigkeit des
Beschuldigten bestehen somit nicht. Diese ist im Gegenteil ohne Weiteres zu be-
jahen. Eine allfällige Verminderung der Schuldfähigkeit wäre nachstehend bei der
Strafzumessung zu berücksichtigen (Art. 19 Abs. 2 StGB).
8.10. Die Verteidigung macht – wenn auch im Rahmen der Strafzumessung – gel-
tend, es liege eine Notwehrsituation vor. Dies beschränkt sie jedoch ausdrücklich
auf die erste Phase, der Fusstritt in der zweiten Phase – falls erstellt – sei selbst-
verständlich nicht zu entschuldigen (Urk. 72 S. 12 ff.). Nachdem vorliegend erstellt
ist, dass der Beschuldigte dem Privatkläger in einer zweiten Phase einen Fusstritt
gegen den Kopf versetzte, als dieser bereits am Boden lag (vgl. oben E. II.7),
erübrigen sich grundsätzlich weitere Ausführungen.
Lediglich der Vollständigkeit und Klarheit halber ist festzuhalten, dass auch in der
ersten Phase der Rechtfertigungsgrund der Notwehr keinesfalls gegeben ist.
Ebenso wenig wäre ein Notwehrexzess zu bejahen. Auf (rechtfertigende) Notwehr
berufen kann sich, wer ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff
bedroht wird (Art. 15 StGB). Dabei muss die Abwehr in einer Notwehrsituation
nach der Gesamtheit der Umstände als verhältnismässig erscheinen. Eine Rolle
spielen vor allem die Schwere des Angriffs, die durch den Angriff und die Abwehr
bedrohten Rechtsgüter, die Art des Abwehrmittels und dessen tatsächliche Ver-
wendung. Angemessen ist die Abwehr, wenn der Angriff nicht mit weniger gefähr-
lichen und zumutbaren Mitteln hätte abgewendet werden können (BGE 136 IV 49
E. 3.2 mit Hinweisen und E. 3.3). Zwar ist es zutreffend, dass der Privatkläger
zuerst den Beschuldigten angegriffen hatte. Dieser tätliche Angriff war – entgegen
der Verteidigung (Urk. 72 S. 13) – aber nicht besonders heftig, was sich nicht
zuletzt darin zeigte, dass der Beschuldigte selber keine nennenswerten
Verletzungen davontrug (vgl. Urk. 5/1 S. 10). Um einen – für den Beschuldigten –
massiven Angriff kann es sich jedoch auch deshalb nicht gehandelt haben, da
dieser nachher nicht einmal mehr wusste, wie und wo er vom Privatkläger ge-
troffen worden war (Urk. 5/1 S. 6; Urk. 5/2 S. 4). Es ist auszuschliessen, dass der
massiv alkoholisierte Privatkläger (vgl. Urk. 12/5, Blutalkoholkonzentration zum
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Tatzeitpunkt zwischen 1,99 ‰ und 2,86 ‰) dem nahezu nüchternen und kräftigen
Beschuldigten nicht die Möglichkeit gelassen hätte, einem Angriff anders zu be-
gegnen, als massiv zurückzuschlagen. Dazu kommt, dass der Beschuldigte
zunächst diesen Angriff abwehrte, aber eingestandenermassen auch in der ersten
Phase noch auf den Privatkläger einschlug bzw. -trat, als dieser bereits am Boden
lag (Urk. 5/2 S. 5, S. 7; Urk. 5/3 S. 6, S. 9; Urk. 71 S. 6) und somit wehrlos war.
Damit hat er auch die zeitlichen Grenzen der Notwehr offensichtlich überschritten,
weshalb mangels tatsächlicher Notwehrsituation auch Art. 16 StGB keine
Anwendung findet. Wenn der Beschuldigte mehrfach von "Panik" sprach (Urk. 5/3
S. 6; Urk. 39 S. 5; Urk. 71 S. 5), handelt es sich dabei offensichtlich um den
nachgeschobenen Versuch, seine Tat zu beschönigen, und widerspricht seiner
früheren Darstellung, er habe aus Wut zugeschlagen. Dass der Beschuldigte
provoziert wurde, ist im Rahmen der Strafzumessung zu berücksichtigen.
8.11. Damit hat sich der Beschuldigte mit der Vorinstanz der versuchten schweren
Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB
schuldig gemacht. Der angefochtene vorinstanzliche Schuldspruch ist somit ins-
gesamt zu bestätigen.
III. Sanktion
1. Die Vorinstanz hat vom Widerruf der bedingt aufgeschobenen Geldstrafe
gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 25. Juni 2009 zur
Bildung einer Gesamtfreiheitsstrafe im Sinne von Art. 46 Abs. 1 StGB abgesehen
(Urk. 50 S. 18). Solches wird im Berufungsverfahren einerseits von der Staats-
anwaltschaft, die Anschlussberufung erklärte, nicht beantragt (Urk. 58) und ist
andererseits nach neuester bundesgerichtlicher Rechtsprechung auch nicht
möglich (BGE 137 IV 239 E. 3).
2. Die Vorinstanz hat den anwendbaren Strafrahmen von Art. 122 StGB mit
Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen bis Freiheitsstrafe von 10 Jahren
korrekt umrissen. Die tat- und täterangemessene Strafe ist grundsätzlich inner-
halb des ordentlichen Strafrahmens festzulegen. Der ordentliche Rahmen ist nur
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zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die be-
treffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint
(BGE 136 IV 55 E. 5.8). Solche aussergewöhnlichen Umstände liegen trotz der
versuchten Tatbegehung nicht vor, weshalb vom ordentlichen Strafrahmen aus-
zugehen ist (vgl. auch Urteil des Bundesgerichtes 6B_611/2010 vom 26. April
2011, E. 4; zur Frage der verminderten Schuldfähigkeit vgl. unten E. III.4.2.2).
3. Zu den theoretischen Grundsätzen der richterlichen Strafzumessung kann
auf die vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 50 S. 14 f.) sowie die bundesgerichtli-
che Praxis verwiesen werden (Urteil des Bundesgerichtes 6B_390/2009 vom
14. Januar 2010, E. 2.3.1 mit Verweisen auf die weitere bundesgerichtliche
Praxis; BGE 134 IV 17 E. 2.1).
4.1. In objektiver Hinsicht ist zunächst der eingetretene Erfolg zu berücksichti-
gen. Der Privatkläger erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma mit einer Hirnerschütterung,
eine Fraktur des Nasenbeins und der Nasenscheidewand sowie eine schwere
Mittelgesichtsfraktur rechts mit Fraktur des Orbitabodens und der medialen
Orbitawand sowie eine Fraktur des kompletten nasalen Pfeilers rechts. Jedoch
lagen weder lebenswichtige Verletzungen vor, noch entstanden bleibende Schä-
den. Der Beschuldigte schlug bzw. trat den Privatkläger in einer ersten Phase im
Rahmen einer gegenseitigen tätlichen Auseinandersetzung wiederholt mit Fäus-
ten und Füssen, bis dieser schliesslich zu Boden ging und sich nicht mehr wehrte.
In einer zweiten Phase kehrte er zum Privatkläger, der immer noch am Boden lag,
zurück und versetzte ihm einen heftigen Fusstritt. Damit zeigte der Beschuldigte
ein grosses Mass an Brutalität, Gewaltbereitschaft und krimineller Energie.
4.2.1. Im Rahmen der Bewertung der subjektiven Tatschwere bzw. des subjekti-
ven Tatverschuldens ist mit der Vorinstanz zu berücksichtigen, dass der Beschul-
digte sich in einer ersten Phase gegen den Angriff des Privatklägers wehrte, in
der Folge dann aber die Kontrolle über sein Verhalten verlor und seinen Angriff
weiterführte, obwohl vom Privatkläger keine Gegenwehr mehr ausging (Urk. 50
S. 15). Aufgrund des anfänglichen Angriffs des Privatklägers ist ihm eine gewisse
Verschuldensreduktion zuzugestehen. Das tatrelevante provokative Verhalten des
Privatklägers beschränkte sich jedoch auf den gegen den Beschuldigten geführ-
- 22 -
ten Schlag vor dem Club-Gebäude. Die vorangegangenen verbalen Ausfälligkei-
ten des Privatklägers im Club-Gebäude hatten den Beschuldigten offensichtlich
noch nicht provoziert. So ist auf der Aufnahme der Überwachungskamera zu se-
hen, dass der Beschuldigte beim Verlassen des Club-Gebäudes dem Privatkläger
ruhig gegenüberstand und ihm die Hand reichen wollte (Urk. 7/3 "Kamera 30"). Er
sagte auch selber aus, er sei beim Verlassen des Gebäudes noch nicht über den
Privatkläger erzürnt gewesen (Urk. 5/1 S. 6; Urk. 5/2 S. 3). Nach der gegenseitig
geführten Auseinandersetzung war der Privatkläger zu Boden gegangen und hat-
te den Kampf offensichtlich verloren; der Beschuldigte verliess den Tatort und be-
trat das Club-Gebäude, was ihm zusätzlich Gelegenheit hätte geben sollen, sei-
nen Ärger verrauchen zu lassen. Wenn er nach Minuten das Gebäude wieder ver-
liess und dem geschlagenen, wehrlosen, am Boden liegenden Privatkläger mit
Anlauf einen heftigen Fusstritt gegen den Kopf versetzte, kann er dafür keinerlei
Provokation oder gar Bedrängnis durch den Privatkläger mehr als Entschuldigung
reklamieren. Wer einen Wehrlosen mit voller Wucht gegen den Kopf tritt, manifes-
tiert eindeutig eine niedere Gesinnung und Rücksichtslosigkeit, die charakterlich
äusserst bedenklich wiegt. Dass heftige Fusstritte gegen den Kopf eines Opfers
äusserst gefährlich sind, ist offensichtlich und allgemein bekannt. Wohl ist beim
Beschuldigten noch davon auszugehen, dass er schwere Verletzungen des Pri-
vatklägers nicht gerade wollte, sondern diese nur in Kauf nahm. Aufgrund seines
Vorgehens liegt seine Einstellung jedoch nahe dem direkten Vorsatz, weshalb ihm
das eventualvorsätzliche Handeln nur ganz geringfügig zugute zu halten ist. Der
Beschuldigte liess sich durch eine geringfügige Provokation zu einem äusserst
brutalen und unbeherrschten Verhalten hinreissen.
4.2.2. Beim subjektiven Tatverschulden ist namentlich auch eine allfällige Vermin-
derung der Schuldfähigkeit (Art. 19 Abs. 2 StGB) zu berücksichtigen. Zwar hat die
Verteidigung im Haupt- wie im Berufungsverfahren die fachärztliche Begutachtung
des Beschuldigten beantragt, da dieser nach eigenen Angaben die Beherrschung
verliere und unverhältnismässig reagiere, wenn er körperlich angegriffen werde.
Es sei denkbar, dass er in irrationale und nicht mehr steuerungsfähige Angst ge-
raten sei. Die Alkoholisierung sei zudem geeignet gewesen, diese Panikstörung
zu verstärken (Urk. 36; Urk. 51; Urk. 72 S. 3 ff.). Eine Verminderung der Schuld-
- 23 -
fähigkeit des Beschuldigten wird dadurch jedoch weder ernsthaft noch nachvoll-
ziehbar dargetan. Der Beschuldigte hat in der Untersuchung ausgesagt, er habe
am besagten Abend lediglich zwei Bier getrunken und sei nicht betrunken respek-
tive höchstens "ein klein bisschen angetrunken" gewesen; es sei ihm gut gegangen (Urk. 5/1 S. 4; Urk. 5/2 S. 10). Eine Verminderung der Schuldfähigkeit infolge
Intoxikation ist auszuschliessen. Weiter hat der Beschuldigte angegeben, er sei
vom Privatkläger angegriffen worden und habe sich nachher verteidigt, es sei halt
so herausgekommen (Urk. 5/1 S. 10). Wie oft er vom Privatkläger geschlagen o-
der getreten worden sei, wisse er nicht (Urk. 5/1 S. 9). Der Privatkläger habe ihn
mit der Faust geschlagen, er wisse nicht mehr, ob ins Gesicht oder auf die Brust;
darauf habe er zurückgeschlagen (Urk. 5/1 S. 6); er sei rasend geworden
(Urk. 5/3 S. 5). Eine relevante psychische Abnormität des Beschuldigten lässt sich
allein daraus jedoch keinesfalls ableiten. Entgegen der Verteidigung ist auch nicht
davon auszugehen, dass der Beschuldigte seit seiner Kindheit an "derartigen " leidet, ergeben sich doch aus seinem Vorleben keine Hinweise dafür, dass er bereits früher in solchen bzw. ähnlichen Situationen in "Panik" geriet und
die Kontrolle über sich verlor, und er selber schilderte auch keine entsprechenden
Vorfälle. Vielmehr sagte er selber, er habe "noch nie derartige Probleme" gehabt (Urk. 71 S. 9). Es bestehen somit keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschul-
digte beispielsweise aufgrund einer Panikstörung im geforderten hohen Mass in
der Fähigkeit, sich zu beherrschen, eingeschränkt gewesen wäre. Daran ändert
der allgemeine Hinweis der Verteidigung auf die Definition von Panik gemäss
'Wikipedia' nichts. Dazu kommt, dass auch die Verteidigung anerkennt, dass der
Beschuldigte sich vor der zweiten Phase (Fusstritt gegen den Kopf des am Boden
liegenden Privatklägers) beruhigte und in der Lage war, sich zu beherrschen
(Urk. 72 S. 5 f.). Mithin bestehen keine Zweifel an der (vollen) Schuldfähigkeit des
Beschuldigten, die eine Begutachtung erfordern würden (vgl. oben E. I.3.2).
Insgesamt war die Schuldfähigkeit des Beschuldigten zum Tatzeitpunkt nicht
beeinträchtigt.
4.2.3. Dass entgegen der Verteidigung kein Notwehrexzess vorliegt, der ebenfalls
im Rahmen des subjektiven Tatverschuldens zu berücksichtigen wäre, wurde be-
reits ausgeführt (vgl. oben E. II.8.10).
- 24 -
4.3. Als verschuldensunabhängige Tatkomponente ist schliesslich zu berücksich-
tigen, dass es vorliegend bei einem Versuch blieb, mithin keine schwere Körper-
verletzung eintrat. Entgegen der Vorinstanz (Urk. 50 S. 15) ist dies jedoch nicht
stark reduzierend zu berücksichtigen. Heftige Fusstritte gegen den Kopf eines
Opfers führen regelmässig zu äusserst schweren und gefährlichen Verletzungen.
In concreto beruht es einzig auf einem glücklichen Zufall, dass keine solchen
eingetreten sind. Das Vorliegen eines Versuchs führt somit lediglich zu einer
geringen Reduktion der Tatschwere.
4.4. Wenn die Vorinstanz nach der Beurteilung der Tatkomponente noch von
einem leichten Verschulden ausging (Urk. 50 S. 15), ist dies nicht haltbar. Dieses
wiegt vielmehr mindestens nicht mehr leicht.
Die hypothetische Einsatzstrafe nach der Beurteilung der Tatkomponente kann
innerhalb des weiten Strafrahmens noch knapp im oberen Bereich des untersten
Drittels angesetzt werden.
5. Bei der Täterkomponente hat die Vorinstanz den Werdegang und die per-
sönlichen Verhältnisse des Beschuldigten angeführt (Urk. 50 S. 16). Anlässlich
der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte an, er werde sich voraussichtlich
scheiden lassen (Urk. 71 S. 2). Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten
wirken sich bei der Strafzumessung neutral aus. Dass die Vorinstanz dem Be-
schuldigten die nicht einschlägige Vorstrafe leicht straferhöhend angerechnet hat
(Urk. 50 S. 15), ist zu übernehmen. Zusätzlich straferhöhend wirkt sich aus, dass
der Beschuldigte das vorliegend zu beurteilende Delikt während laufender Probe-
zeit begangen hat (Urteil des Bundesgerichtes 6B_26/2011 vom 20. Juni 2011,
E. 3.8). Wenn die Vorinstanz dem Beschuldigten Reue und Einsicht sowie ein
kooperatives Verhalten im Strafverfahren weitgehend abgesprochen hat (Urk. 50
S. 15 f.), ist dies grundsätzlich zutreffend, dem Beschuldigten jedoch ausdrücklich
nicht erschwerend anzurechnen, da es sein prozessuales Recht ist, die ihm ange-
lastete Tat zu leugnen. Die Bemerkung der Vorinstanz, der Beschuldigte habe
den Grossteil des Anklagesachverhalts eingestanden, umfasst andererseits den
zentralen Punkt, nämlich den wuchtigen Fusstritt gegen den am Boden liegenden
Wehrlosen, gerade nicht. Deshalb ist das teilweise Geständnis nur leicht straf-
- 25 -
mindernd zu berücksichtigen. Eine erhöhte Strafempfindlichkeit weist der
Beschuldigte schliesslich nicht auf.
6. Die Beurteilung der Täterkomponente führt mit der Vorinstanz infolge der
Vorstrafe sowie des Delinquierens während laufender Probezeit zu einer leichten
Erhöhung der nach der Beurteilung der Tatkomponente festgesetzten hypotheti-
schen Einsatzstrafe. Die Staatsanwaltschaft als Anschlussberufungsklägerin
beantragt eine Bestrafung des Beschuldigten mit 30 Monaten (Urk. 58; Urk. 74).
Diesem Antrag kann gefolgt werden, wenn er auch an der unteren Grenze des
Angemessenen und Vertretbaren liegt. Es könnte an dieser Stelle auch durchaus
eine höhere Sanktion begründet werden.
7. Der Anrechnung der erstandenen Untersuchungshaft steht nichts entgegen
(Art. 51 StGB).
8.1. Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten den teilbedingten Strafvollzug ge-
währt (Urk. 50 S. 17). Angesichts der gesetzlichen Voraussetzungen in den
Art. 42 StGB und Art. 43 StGB sowie des in diesem Punkt nicht abweichenden
Antrags der Staatsanwaltschaft im Berufungsverfahren (Urk. 58; Urk. 74) ist dies
ohne Weiteres zu übernehmen.
8.2. Die Vorinstanz hat den vollziehbaren Strafteil auf das gesetzliche Minimum
von sechs Monaten festgesetzt. Eine Begründung dafür erfolgte nicht (Urk. 50
S. 17). Die Staatsanwaltschaft macht geltend, allein schon die Vorwerfbarkeit der
Tat, aber insbesondere auch die Legalprognose würden nicht zulassen, den un-
bedingt vollziehbaren Strafteil auf das gesetzliche Minimum festzulegen; dieser
sei erheblich höher, d.h. auf zwölf Monate, festzusetzen (Urk. 58 S. 2; Urk. 74
S. 3).
8.3. Wenn das Gericht auf eine teilbedingte Strafe erkennt, hat es im Zeitpunkt
des Urteils den aufgeschobenen und den zu vollziehenden Strafteil festzusetzen
und die beiden Teile in ein angemessenes Verhältnis zu bringen. Nach Art. 43
StGB muss der unbedingt vollziehbare Teil mindestens sechs Monate betragen
(Abs. 3), darf aber die Hälfte der Strafe nicht übersteigen (Abs. 2). Innerhalb des
- 26 -
gesetzlichen Rahmens liegt die Festsetzung im pflichtgemässen Ermessen des
Gerichts. Als Bemessungsregel ist das "Verschulden" zu beachten, dem in genü-
gender Weise Rechnung zu tragen ist (Art. 43 Abs. 1 StGB). Das Verhältnis der
Strafteile ist so festzusetzen, dass darin die Wahrscheinlichkeit der Legalbewäh-
rung des Täters einerseits und dessen Einzeltatschuld anderseits hinreichend
zum Ausdruck kommen. Je günstiger die Prognose und je kleiner die Vorwerfbar-
keit der Tat, desto grösser muss der auf Bewährung ausgesetzte Strafteil sein.
Der unbedingte Strafteil darf dabei das unter Verschuldensgesichtspunkten
(Art. 47 StGB) gebotene Mass nicht unterschreiten (BGE 134 IV 1 E. 5.6; Urteil
des Bundesgerichtes 6B_785/2007 vom 14. Mai 2008, E. 3.1).
8.4. Gemäss den vorstehenden Erwägungen wiegt das Verschulden des Be-
schuldigten entgegen der Vorinstanz nicht "leicht", sondern mindestens "nicht
mehr leicht". Bereits aus diesem Grund erweist sich die Festsetzung eines ge-
setzlich minimalen vollziehbaren Strafteils als der konkreten Vorwerfbarkeit der
Tat nicht angemessen. Wenn vorliegend eine Strafe im oberen Bereich des
untersten Strafdrittels festzusetzen ist, ist auch ein vollziehbarer Strafteil an der
oberen Grenze des untersten Drittels angemessen. Ein nicht minimaler vollzieh-
barer Strafteil ergibt sich sodann auch aus der zu stellenden Legalprognose: Der
Beschuldigte weist eine – wenn auch nicht einschlägige – Vorstrafe auf (Urk. 53),
in deren laufender Probezeit er erneut delinquierte. Diese Vorstrafe wird der Be-
schuldigte – wie nachstehend zu erwägen sein wird – nicht verbüssen müssen.
Die Einschätzung der Vorinstanz, weder das vergangene noch das laufende
Strafverfahren hätten den Beschuldigten sonderlich beeindruckt (Urk. 50 S. 15 f.),
ist sodann nicht von der Hand zu weisen. Insgesamt ist mithin die Legalprognose
nicht uneingeschränkt optimistisch.
Damit ist der vollziehbare Strafteil auf 10 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen; der
verbleibende Strafteil von 20 Monaten Freiheitsstrafe ist bedingt aufzuschieben,
wobei trotz der verbleibenden Bedenken zur Legalprognose die Probezeit auf
2 Jahre festzusetzen ist (Art. 44 Abs. 1 StGB).
9. Die Vorinstanz hat mit zutreffenden Erwägungen die bedingt aufgeschobene
Geldstrafe nicht widerrufen, sondern vielmehr deren Probezeit um ein Jahr
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verlängert (Urk. 50 S. 18; Art. 82 Abs. 4 StPO), was von der Staatsanwaltschaft
im Berufungsverfahren nicht angefochten wird (Urk. 58; Urk. 74). Dies ist zu
bestätigen.
IV. Zivilansprüche
Der Geschädigte B._ hat sich im Strafverfahren als Privatkläger konstituiert
(Urk. 23/8) und Schadenersatz sowie Genugtuungsansprüche gegen den
Beschuldigten gestellt (Urk. 41 S. 2). Die Vorinstanz hat vorab die gesetzlichen
Voraussetzungen der adhäsionsweisen Geltendmachung von Zivilforderungen
angeführt und anschliessend mit zutreffenden Erwägungen eine grundsätzliche
Schadenersatzpflicht des Beschuldigten gegenüber dem Privatkläger festgestellt,
den Privatkläger zur Feststellung deren Umfangs auf den Zivilweg verwiesen und
den Beschuldigten zur Leistung einer Genugtuung von Fr. 3'500.– zuzüglich Zins
an den Privatkläger verpflichtet (Urk. 50 S. 19-21). Der Privatkläger hat dies im
Berufungsverfahren nicht angefochten. Der Beschuldigte hat für den Fall eines
vollumfänglichen Schuldspruches (auch betreffend die zweite Phase) im Übrigen
ausdrücklich weder die Grundsatzverpflichtung zur Leistung von Schadenersatz
noch die vorinstanzlich zugesprochene Genugtuung bestritten (Urk. 72 S. 19). Die
vorinstanzliche Regelung ist angemessen und gemäss dem Ausgang des Beru-
fungsverfahrens im Schuldpunkt in allen Teilen zu übernehmen (Art. 82 Abs. 4
StPO).
V. Kosten und Entschädigung
1.1. Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten die Kosten der Untersuchung und
des Hauptverfahrens (exklusive Kosten der amtlichen Verteidigung) auferlegt
(Art. 426 Abs. 1 StPO). Die Kosten der amtlichen Verteidigung wurden auf die
Gerichtskasse genommen, allerdings – unbegründet und daher nicht nachvoll-
ziehbar – ohne den Vorbehalt eines staatlichen Rückgriffs auf den Beschuldigten
im Sinne von Art. 135 Abs. 4 StPO (Urk. 50 S. 21).
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1.2. Die Verteidigung rügt im Berufungsverfahren die in Rechnung gestellte
Pauschale für die DNA-Auswertungen von Fr. 4'150.–. Diese sei nicht nachvoll-
ziehbar. Ihm sei die entsprechende Dienstanweisung nicht bekannt, weshalb er
sie auch nicht überprüfen könne. Der Betrag sei jedenfalls nicht ausgewiesen
(Urk. 72 S. 19 f.; Prot. II S. 13 f.). Die Staatsanwaltschaft hat anlässlich der Beru-
fungsverhandlung die Dienstanweisung der Oberstaatsanwaltschaft betreffend die
"Verrechnung von polizeilichen Dienstleistungen" eingereicht (Urk. 75) und ausge-
führt, auf dem Aufwanderfassungsformular, das dem Kostenblatt beiliege, sei der
tatsächliche Aufwand ausgewiesen (Prot. II S. 12).
Zwar ist dem Kostenblatt (Urk. 27) ein Aufwanderfassungsformular beigeheftet,
auf diesem ist jedoch der konkrete Aufwand nicht ersichtlich, sondern ebenfalls
nur der Betrag aufgeführt. Wie die Verteidigung zu Recht monierte, ist nicht er-
sichtlich, weshalb die DNA-Auswertung IRM Fr. 4'150.– kostete, eine entspre-
chende Rechnung fehlt. Die eingereichte Dienstanweisung stellt keine genügende
Grundlage dar, um dem Beschuldigten pauschale Kosten für eine DNA-
Auswertung aufzuerlegen. Diese regelt vielmehr nur die Verrechnung von Dienst-
leistungen zwischen der Sicherheitsdirektion und der Direktion der Justiz und des
Innern (Urk. 75).
1.3. Entsprechend sind die Kosten gemäss vorinstanzlichem Kostenblock
(Urk. 50 S. 22) inklusive der Kosten "Kantonspolizei" von Fr. 4'150.– zu bestäti-
gen. Grundsätzlich sind die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens, inklusive
derjenigen der Untersuchung, dem Beschuldigten aufzuerlegen. Davon ausge-
nommen sind die Kosten "Kantonspolizei". Diese sind, da sie nicht ausgewiesen
sind, auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten für die amtliche Verteidigung
sind ebenfalls auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– festzu-
setzen.
Im Berufungsverfahren unterliegt der Beschuldigte grundsätzlich vollumfänglich.
Die Reduktion der Probezeit für den bedingten Teil der Strafe und die Änderung
der Kostenauflage sind diesbezüglich irrelevant. Die Staatsanwaltschaft hingegen
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obsiegt mit ihren Anträgen auf Straferhöhung und Erhöhung des vollziehbaren
Strafteils. Daher sind die Kosten dieses Verfahrens (exklusive Kosten der amtli-
chen Verteidigung) dem Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 428 StPO). Ein Rück-
griff auf den Beschuldigten für die Kosten der amtlichen Verteidigung, die auf die
Gerichtskasse zu nehmen sind, ist im Sinne von Art. 135 Abs. 4 StPO vorzubehal-
ten.
3. Die vorinstanzliche Verpflichtung des Beschuldigten zur Leistung einer Pro-
zessentschädigung an den Privatkläger von Fr. 3'250.– zuzüglich Mehrwertsteuer
für die Untersuchung und das Hauptverfahren ist von der Verteidigung anerkannt
(Urk. 72 S. 19) und als angemessen respektive ausgewiesen zu bestätigen
(vgl. Urk. 41 S. 16), auch wenn dafür in den Erwägungen – einmal mehr – eine
Begründung fehlt (Urk. 50 S. 21; Art. 433 Abs. 1 StPO).
Der Beschuldigte ist zudem zu verpflichten, in Anwendung von § 18 Abs. 1 i.V.m.
§ 17 AnwGebV dem Privatkläger für das Berufungsverfahren eine Prozess-
entschädigung von Fr. 250.– zuzüglich Mehrwertsteuer zu bezahlen.
Insgesamt ist er somit zu verpflichten, dem Privatkläger für das gesamte Verfah-
ren eine Prozessentschädigung von Fr. 3'780.– (inkl. Barauslagen und Mehrwert-
steuer) zu bezahlen.
Demnach wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der versuchten schweren Körperver-
letzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 30 Monaten Freiheitsstrafe, wovon
29 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 20 Monaten aufge-
schoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (10 Monate)
wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
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4. Auf den Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland
vom 25. Juni 2009 ausgefällten bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen
zu Fr. 40.– wird verzichtet.
5. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 25. Juni 2009
angesetzte Probezeit wird mit Wirkung ab heute um 1 Jahr verlängert.
6. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger
B._ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schaden-
ersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Schadenersatzanspruches
wird der Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Fr. 3'500.– zu-
züglich 5 % Zins seit 28. Januar 2010 als Genugtuung zu bezahlen.
Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
8. Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Dispositiv Ziff. 8) wird bestätigt.
9. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens, inklusive derjenigen der Unter-
suchung (mit Ausnahme der Kosten "Kantonspolizei" in der Höhe von
Fr. 4'150.–, die auf die Gerichtskasse genommen werden), exklusive der-
jenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse
genommen.
10. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 3'000.-- ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. amtliche Verteidigung
11. Die Kosten des Berufungsverfahrens, exklusive derjenigen der amtlichen
Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtli-
chen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen, wobei ein
nachträglicher Rückgriff des Staates auf den Beschuldigten nach Art. 135
Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt.
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12. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ für das gesam-
te Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 3'780.– zu bezahlen.
13. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten (übergeben)
− die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich (übergeben) − die Vertretung des Privatklägers B._ im Doppel für sich und zu-
handen des Privatklägers (Eine begründete Urteilsausfertigung – und nur hinsichtlich ihrer eigenen Anträge [Art. 84 Abs. 4 StPO] – wird den Privatklägern nur zugestellt, sofern sie dies innert 10 Tagen nach Erhalt des Dispositivs verlangen.)
sowie in vollständiger Ausfertigung an
− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten
− die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich
und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-
ger Rechtsmittel an
− die Vorinstanz − die Staatsanwaltschaft See/Oberland in die Untersuchungsakten
Nr. A-1/2009/458 − das Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs-
und Vollzugsdienste − das Migrationsamt des Kantons Zürich − die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A und Formular B − die KOST Zürich mittels Formular „Löschung des DNA-Profils und
Vernichtung des ED-Materials“ zwecks Löschung des DNA-Profils
14. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in  erhoben werden.
Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung
des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundes-
gerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.
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Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen
richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-
gesetzes.
Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer