Decision ID: 13db779a-dcf4-4e8f-a116-f7bc450ccde7
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend falsche Anschuldigung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil, Einzelgericht, vom 3. April 2019 (GG190002)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 29. Januar 2019 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 20).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 45 S. 18 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- der falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 2 StGB,
- des vorsätzlichen Führens eines Motorfahrzeuges ohne Führerausweis im Sinne von
Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2 SVG sowie
- der vorsätzlichen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in
Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 19 Abs. 1 lit. a SSV und Art. 25 Abs. 1 SSV.
2. Die Gewährung des bedingten Vollzugs für die Reststrafe von 61 Tagen der mit Entscheid
der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom 31. August 2017 ausgefällten Freiheitsstrafe
von 6 Monaten unter Ansetzung einer Probezeit von 1 Jahr ab der bedingten Entlassung am
25. Mai 2018 wird widerrufen.
3. Der Beschuldigte wird unter Einbezug dieses Strafrestes bestraft mit einer Freiheitsstrafe
von 12 Monaten als Gesamtstrafe sowie mit einer Busse von Fr. 200.–.
4. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen. Die Busse ist zu bezahlen.
5. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatz-
freiheitsstrafe von 2 Tagen.
6. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'500.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 3'465.25 Kosten amtliche Verteidigung (inkl. Fr. 330.25 Barauslagen und MwSt)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
Verlangt keine der Parteien eine schriftliche Begründung des Urteils, ermässigt sich die
Entscheidgebühr auf zwei Drittel.
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7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen
Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforde-
rung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
8. (Mitteilungen.)
9.-10. (Rechtsmittel.)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 4)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten
(Urk. 68 S. 1)
1. Freispruch von Schuld und Strafe mit Bezug auf sämtliche Anklagevorwürfe.
2. Kostenübernahme zu Lasten der Staatskasse, einschliesslich der Kosten
des erstinstanzlichen Verfahrens und der amtlichen Verteidigung.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 69 S. 1)
1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Hinwil, Strafgericht, vom 3. April 2019
(Geschäfts-Nr. GG190002) vollumfänglich zu bestätigen und demzufolge die
Berufung des Beschuldigten in sämtlichen Punkten abzuweisen.
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Beschuldigten aufzu-
erlegen.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Prozessuales
1. Anklagesachverhalt
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, am 12. Juli 2018 um ca.
23:50 Uhr, den Personenwagen Porsche, Kennzeichen SZ 1, in B._ [Ort] ge-
lenkt zu haben, obschon er nicht im Besitze eines Führerausweises war (Urk. 20).
Während dieser Fahrt sei er von der C._-Strasse nach links in die Strasse
zum E._-Platz B._ eingebogen und bis zum Restaurant D._ gefah-
ren, obschon auf dieser Strasse bzw. in diese Richtung ein Verbot für Motorwa-
gen und ein Linksabbiegeverbot signalisiert gewesen sei. Bei der anschliessen-
den Kontrolle durch eine Patrouille der Kantonspolizei Zürich habe der Beschul-
digte wahrheitswidrig angegeben, nicht er, sondern seine Freundin F._ habe
das Auto gelenkt (Urk. 20 S. 3 f.).
2. Erstinstanzliches Verfahren
Mit eingangs genanntem Urteil des Einzelrichters des Bezirksgerichts Hinwil
vom 3. April 2019 wurde der Beschuldigte wegen falscher Anschuldigung und
Strassenverkehrsdelikten schuldig gesprochen. Der Entscheid wurde dem Ver-
teidiger im Dispositiv am 8. April 2019 schriftlich mitgeteilt (Prot. I S. 24; Urk. 38).
Am Folgetag ging bei der Vorinstanz die Berufungsanmeldung ein (Urk. 39). Die
begründete Fassung des Urteils wurde dem Verteidiger am 3. Juli 2019 zugestellt
(Urk. 43 S. 2). Die Berufungserklärung des Beschuldigten ging am Folgetag
hierorts ein (Urk. 46). Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf ein Rechtsmittel und
beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids (Urk. 52).
3. Berufungsverfahren
Zur Berufungsverhandlung sind der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen
Verteidigers sowie der Vertreter der Staatsanwaltschaft erschienen (Prot. II S. 4).
Anlässlich der Berufungsverhandlung stellte der Verteidiger den Beweisantrag auf
Vornahme einer Tatrekonstruktion (vgl. sogleich Erw. I.4.).
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4. Beweisantrag
4.1. Bereits mit seiner Berufungserklärung stellte der Verteidiger den Beweis-
antrag, es sei eine Tatrekonstruktion vorzunehmen, indem die Fahrt des Polizei-
autos und diejenige des Porsches des Beschuldigen nachgespielt werde. Dies
ergebe nämlich, dass die Polizeibeamtinnen während rund 14 Sekunden nicht
hätten sehen können, was auf dem Parkplatz des Restaurants D._ passiert
und wer auf der Fahrerseite ausgestiegen sei. Deshalb könne der Standpunkt des
Beschuldigten, wonach er nicht gefahren sei und bloss ein Handy habe aus dem
Auto holen wollen, nicht als Alternativthese ausgeschlossen werden (Urk. 46
S. 2). Dieser Beweisantrag wurde mit Präsidialverfügung vom 9. August 2019
abgewiesen (Urk. 54). Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung wurde der
Antrag auf Durchführung einer Rekonstruktionsfahrt seitens der Verteidigung
wiederholt (Prot. II S. 6). Sie stützt ihren Beweisantrag unter anderem auf Be-
rechnungen, welche anhand der Standorte und Geschwindigkeiten beider Fahr-
zeuge die Aussagen der Zeuginnen widerlegen und belegen sollen, dass diese
das Fahrzeug des Beschuldigten entgegen ihren Aussagen für rund 8 Sekunden
nicht hätten sehen können. Eine Rekonstruktionsfahrt könne dies bestätigen und
aufzeigen, dass der Porsche für die Zeuginnen sogar noch länger, mithin bis zu
14 Sekunden, nicht sichtbar gewesen sei (Urk. 68 S. 6 ff.; Prot. II S. 9 ff.). Die
Staatsanwaltschaft beantragte unter Verweis auf ihre Stellungnahme vom
6. August 2019 die Abweisung des Beweisantrages (Prot. II S. 6; Urk. 52).
4.2. Vorab ist festzuhalten, dass die seitens der Verteidigung ausführlich dar-
gelegten Berechnungen rechnerisch nicht infrage zu stellen sind (Prot. II S. 10).
Allerdings gründen die hierzu vorgenommenen Überlegungen, mögen sie noch so
plausibel erscheinen, auf willkürlich ausgewählten Parametern und sind rein theo-
retischer Natur. Zum einen können weder mittels hypothetischer Berechnungen
noch anhand einer Rekonstruktion die exakten individuellen Geschwindigkeiten
der Fahrzeuge festgestellt werden, und damit auch nicht der Zeitpunkt, als der
Beschuldigte die Einmündung der E._-Strasse querte respektive wie viele
Meter das Polizeiauto dabei noch von dieser Einmündung entfernt war. Wie die
Verteidigung bspw. auf eine durchschnittlich gefahrene Geschwindigkeit des Poli-
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zeifahrzeuges von genau 28,8 km/h (Urk. 68 in Verbindung mit Urk. 34 S. 3 f.)
kommt ist nicht nachvollziehbar. Gleichzeitig geht die Verteidigung von einer
Durchschnittsgeschwindigkeit des Fahrzeugs des Beschuldigten von 43,2 km/h
aus (Urk. 34 S. 3 und 4), was ebenfalls völlig aus der Luft gegriffen ist. Zum ande-
ren ist ebenso reine Spekulation, wie viele Sekunden der Beschuldigte benötigte,
um sein Auto abzubremsen, auf den Vorplatz des Restaurants D._ ein-
zubiegen, dort zu parken, den Motor abzustellen und auszusteigen. Man kann
beispielsweise vor dem Aussteigen auch noch während einigen Sekunden einen
Radiobericht fertig hören, Handynachrichten prüfen, eine Jacke von der Hinter-
bank ergreifen, ein Portemonnaie einpacken oder kurz etwas anderes machen.
Diese Parameter bleiben vorliegend unbekannt. Bereits aus diesem Grund er-
weist sich eine Rekonstruktion vorliegend als nicht zielführend.
4.3. Sodann besagt der Grundsatz in dubio pro reo nicht, dass ein Beschuldig-
ter freizusprechen ist, wenn eine theoretische Möglichkeit besteht, dass der Tat-
ablauf zeitlich auch hätte anders ablaufen können. Solche theoretischen Möglich-
keiten bestehen immer, selbst bei klarsten Beweislagen. Massgebend ist viel-
mehr, ob eine glaubhafte Aussage aus zeitlichen Gründen zwingend ausge-
schlossen werden kann. Wie nachfolgend im Rahmen der Sachverhaltserstellung
noch ausgeführt wird, ist es bei normalem Ablauf der Dinge nach gewöhnlicher
Lebenserfahrung im vorliegenden Fall zwanglos möglich, dass die Polizistin
G._ einzig den Beschuldigten hat aus dem Fahrzeug aussteigen sehen. Da
nützt es nichts zu behaupten, es sei auch ein anderer zeitlicher Ablauf denkbar,
bei welchem dies nicht möglich gewesen wäre. Der Beweisantrag erweist sich als
unbehelflich und ist deshalb abzuweisen.
5. Verwertbarkeit der Aussagen des Beschuldigten sowie der Zeuginnen im Untersuchungsverfahren
5.1. Der Verteidiger wirft der Staatsanwaltschaft vor, ihr Antrag, den Beschul-
digten mit 12 Monaten zu bestrafen, sei zu tief ausgefallen. Bei diesem zu milden
Antrag sei es der Staatsanwaltschaft nur darum gegangen, die Vorschrift von
Art. 130 StPO über die notwendige Verteidigung auszuhebeln (Urk. 33 S. 1 und
Urk. 68 S. 3 f.). Es sei von Anbeginn der Untersuchung respektive spätestens an-
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lässlich der ersten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme ersichtlich gewesen,
dass ein Fall notwendiger Verteidigung vorgelegen habe. Die Einvernahmen des
Beschuldigten sowie die Zeugeneinvernahmen beider Polizeibeamtinnen seien
somit unverwertbar (Urk. 68 S. 2 ff.; Prot. II S. 7). Weiter führt die Verteidigung
sinngemäss und im Wesentlichen ins Feld, die Vorinstanz habe durch die un-
verzügliche Bestellung der amtlichen Verteidigung konkludent anerkannt, dass es
sich um einen Fall von notwendiger Verteidigung handle (Urk. 68 S. 2-4). Damit
sei ihr nichts anderes übrig geblieben, als eine Strafe von 12 Monaten oder we-
niger auszufällen. Ansonsten hätte eingestanden werden müssen, dass ein Fall
notwendiger Verteidigung zu bejahen gewesen wäre, was sämtliches Beweis-
material des Vorverfahrens unbrauchbar gemacht hätte. Der Vorderrichter sei
deshalb nicht mehr unabhängig gewesen und habe mit dem Urteilsspruch eine
Ermessensunterschreitung begangen (Urk. 68 S. 2-4).
5.2. Dieser Standpunkt ist insofern widersprüchlich, ja nahezu trölerisch, als
auch der Verteidiger keine höhere Strafe als 12 Monate beantragt. Die Vorinstanz
hat keine Strafe über 12 Monate ausgesprochen, zum beantragten Strafmass der
Staatsanwaltschaft bereits Ausführungen gemacht und den Einwand der Verteidi-
gung zu Recht verworfen (Urk. 45 S. 3-5). Zu Beginn der Untersuchung steht nie
fest, zu welcher Strafhöhe das Gericht in seinem Urteil gelangen wird. Art. 130
lit. b StPO beinhaltet immer eine gewisse hypothetische Annahme bzw. Spekula-
tionen, indem die Bestimmung eine notwendige Verteidigung verlangt, wenn eine
Freiheitsstrafe von mehr als 1 Jahr "drohe". Es besteht deshalb immer ein gewis-
ses Ermessen, welches aber nie verletzt sein kann, wenn im Endeffekt auch keine
Strafe von über 12 Monaten ausgesprochen wird. Dies kann der Vorinstanz nicht
angelastet werden. Zudem ist sie ohnehin nicht befugt gewesen, eine Strafe von
mehr als 12 Monaten auszufällen. Wäre dies in Betracht gezogen worden, hätte
das urteilende Einzelgericht die Akten dem Kollegialgericht überweisen müssen
(Art. 19 Abs. 2 lit. b StPO i.V.m. § 27 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 GOG). Die Vor-
bringen der Verteidigung zielen demnach ins Leere. Im Übrigen ist ganz generell
mit der Staatsanwaltschaft davon auszugehen, dass eine Untersuchungsbehörde
aufgrund der drohenden Unverwertbarkeit von Beweiserhebungen, die trotz er-
kennbarer notwendiger Verteidigung ohne eine solche vorgenommen wurden,
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kein Interesse daran haben dürfte, nur zwecks Verhinderung einer Verteidigung
gezielt von zu tiefen drohenden Sanktionen auszugehen (Urk. 69 S. 1 f.; vgl. BSK
StPO-RUCKSTUHL, Art. 130 N 17).
5.3. Die Verteidigung macht geltend, die Staatsanwaltschaft habe faktisch eine
Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr im Sinne von Art. 130 lit. b StPO be-
antragt, indem sie nebst einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten auch die Bestra-
fung mit einer Busse von Fr. 200.– und eine Ersatzfreiheitsstrafe von zwei Tagen
bei deren Nichtbezahlung gefordert habe (Urk. 68 S. 4). Auch dieser Einwand
geht fehl: Bei der Prüfung, ob konkret eine Freiheitsstrafe von mehr als einem
Jahr gemäss Art. 130 lit. b StPO droht, ist zwar gemäss Lehre der Widerruf einer
früheren Strafe oder eine bedingte Entlassung mit zu berücksichtigen, und ver-
schiedenartige, kumuliert ausgesprochene Sanktionen sind grundsätzlich analog
zu Art. 352 Abs. 3 StPO in Anwendung der gängigen Umrechnungssätze zu
addieren. Bussen fallen dabei jedoch ausser Betracht, da diese als Verbindungs-
strafe immer möglich sind (BSK StPO-RUCKSTUHL, Art. 130 N 17; SCHMID/
JOSITSCH, StPO Praxiskommentar, 3. Auflage, Art. 130 N 8). Nach Auffassung des
Bundesgerichtes sind bei der Frage der drohenden Strafhöhe sogar nur Freiheits-
strafen zu berücksichtigen und andere Strafarten ausser Acht zu lassen, da es
plausibel erscheine, dass der Gesetzgeber die notwendige Verteidigung nur für
die schwerste Sanktionsart habe vorsehen wollen (BSK StPO-RUCKSTUHL,
Art. 130 N 18, m.H.a. BGer 1B_444/2013 vom 31. Januar 2014, E. 2.1.2.). Dass
vorliegend nebst der Freiheitsstrafe von 12 Monaten auch die Bestrafung mit
einer Busse beantragt wird, ist nach gängiger Praxis somit kein Kriterium zur
Annahme eines Falles von notwendiger Verteidigung im Sinne von Art. 130 lit. b
StPO.
5.4. Weiter wird seitens der Verteidigung moniert, es erscheine fragwürdig,
weshalb dem Beschuldigten in der Untersuchung nicht von Amtes wegen eine
amtliche Verteidigung beigegeben worden sei (Urk. 68 S. 3 f.). Die Vorinstanz hat
in diesem Zusammenhang richtigerweise festgehalten, dass dem Beschuldigten
das Recht auf Beantragung einer amtlichen Verteidigung wiederholt vorgehalten
wurde, der Beschuldigte aber jeweils darauf verzichtete, einen entsprechenden
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Antrag zu stellen (Urk. 3/1 Frage 1; Urk. 3/2 Frage 3; Urk. 5 S. 2). Liegt kein be-
sonders komplexer Fall vor und lehnt eine beschuldigte Person den Beizug einer
Verteidigung ab, ist ein solcher Verzicht im Lichte von Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO
nicht zu beanstanden. Darauf hat die Vorinstanz zutreffend hingewiesen und
selbst die Verteidigung sieht dies grundsätzlich als zulässig an (Urk. 45 S. 5;
Urk. 68 S. 3 f.). Damit war erst bei Vorliegen eines entsprechenden Antrags sei-
tens des Beschuldigten – dann jedoch zwingend – über die Beigebung einer amt-
lichen Verteidigung zu entscheiden. Indem die Vorinstanz das gestellte Begehren
umgehend prüfte und gutgeheissen hat, ist sie prozessual korrekt vorgegangen.
Daraus lassen sich jedoch in keiner Weise irgendwelche Rückschlüsse auf die
Voraussetzungen einer notwendigen Verteidigung ziehen, wie dies die Verteidi-
gung geltend machen will. Die Bestellung erfolgte einzig aufgrund der gegebenen
Voraussetzungen der amtlichen Verteidigung, und wie in solchen Fällen vorge-
sehen, infolge des entsprechenden Antrags des Beschuldigten (Urk. 33 und 36).
5.5. Nach dem Gesagten verfangen die Vorbringen der Verteidigung nicht, und
die beanstandeten Beweismittel sind verwertbar. Der Vollständigkeit halber ist zu
bemerken, dass entgegen den Ausführungen des amtlichen Verteidigers auch
eine allfällige Unverwertbarkeit der genannten Beweismittel vorliegend nicht
zwingend zu einem Freispruch hätte führen müssen (Urk. 68 S. 6). Sofern ein Fall
von notwendiger Verteidigung vorgelegen wäre, hätte seitens der Vorinstanz eine
Rückweisung der Sache zwecks Wiederholung der betroffenen Untersuchungs-
handlungen an die Staatsanwaltschaft geprüft werden müssen (Art. 329 Abs. 2
StPO).
6. Verwertbarkeit der Konfrontationseinvernahme vom 10. September 2018
6.1. Die Verteidigung erachtet die Verwertbarkeit der Konfrontationseinvernah-
me vom 10. September 2018 als nicht gegeben (Urk. 5). Da dem Beschuldigten
nicht vorgehalten worden sei, dass auch der Vorwurf der falschen Anschuldigung
Gegenstand des Verfahrens bilde, sei die Einvernahme gemäss Art. 158 Abs. 2
StPO nicht verwertbar (Urk. 68 S. 6; Prot. II S. 8).
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6.2. Nach Art. 143 Abs. 1 lit. b und Art. 158 Abs. 1 lit. a StPO ist die beschuldig-
te Person zu Beginn der Einvernahme nebst anderem insbesondere über den
Gegenstand des Verfahrens zu informieren. Der Beschuldigte wurde anlässlich
der Konfrontationseinvernahme "lediglich" über die ihm vorgeworfenen Wider-
handlungen gegen das SVG informiert (Urk. 5 S. 2 und 4). Damit trifft zwar zu,
dass der Hinweis auf den Tatvorwurf der falschen Anschuldigung zu Beginn der
Konfrontationseinvernahme nicht ausdrücklich erfolgte (Urk. 5). Dies war vorlie-
gend jedoch auch nicht erforderlich. Der Vorwurf der falschen Anschuldigung
wurde erst erhoben, nachdem der Beschuldigte in der Konfrontationseinvernahme
unter dem (erneuten) Hinweis der Strafbarkeit einer falschen Anschuldigung sei-
nen Standpunkt, dass F._ an fraglichem Abend den Porsche gelenkt habe,
bekräftigte, und F._ ihrerseits ihre Erstaussage widerrief respektive nunmehr
ebenfalls geltend machte, dass sie gefahren sei (Urk. 5; Urk. 4/1-2). Bei dieser
Ausgangslage ist keine ungenügende Orientierungspflicht auszumachen, welche
ein prozessuales Hindernis im Sinne von Art. 158 Abs. 2 StPO darstellen würde.
Die Konfrontationseinvernahme ist verwertbar.
II. Umfang der Berufung
Der Beschuldigte bestreitet mit dem Auto gefahren zu sein. Er beantragt folglich
einen vollumfänglichen Freispruch (Urk. 46; Urk. 68). Die Staatsanwaltschaft er-
hob ihrerseits kein Rechtsmittel und beantragt die Bestätigung des vorinstanz-
lichen Entscheids (Urk. 52; Urk. 69).
III. Sachverhalt
1. Urteil der Vorinstanz
Die Vorinstanz sah es als rechtsgenügend erwiesen an, dass der Beschuldigte
das Auto gelenkt hat und nicht seine Freundin F._. Die Vorinstanz hat ihre
Auffassung über das Beweisergebnis konzis und überzeugend begründet, wes-
halb auf ihre vollumfänglich zutreffenden Erwägungen zum Sachverhalt verwiesen
werden kann (Urk. 45 S. 6-12; Art. 82 Abs. 4 StPO). Im Grunde genommen wären
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keine Korrekturen oder Ergänzungen nötig, weshalb es sich bei den nachfolgen-
den Ausführungen bloss um in andere Worte gefasste Wiederholungen handelt,
oder um Argumente, welche die vorinstanzliche Würdigung weiter untermauern.
2. Beweismittel
Als wesentliche Beweismittel liegen die Aussagen der beiden Polizeibeamtinnen
sowie die Aussagen der Freundin des Beschuldigten, F._, und die Aussagen
des Beschuldigten selbst vor (Urk. 3/1-2; Urk. 4/1-3; Urk. 5; Urk. 6/1-2). Über die
örtlichen Gegebenheiten finden sich sodann Fotos sowie ein Plan bei den Akten
(Urk. 2 und 34).
3. Grundsätze der Aussagenwürdigung
3.1. Wahre und erfundene Aussagen erfordern ganz unterschiedliche intellek-
tuelle Denkleistungen. Selbst erlebte, wahre Geschehnisse können für gewöhn-
lich spontan aus dem Gedächtnis abgerufen werden, ohne Reflexion, d.h. ohne
weitergehende Denkprozesse im Gehirn. Demgegenüber ist die Schilderung einer
unwahren bzw. bewusst inkorrekt geschilderten Sachdarstellung weitaus schwie-
riger, denn der Erzähler muss Details laufend selbst erfinden, den Faden weiter-
spinnen und eigene unwahre Behauptungen mit wahren unbestrittenen Fakten
verweben, unter Berücksichtigung logischer und empirischer Zusammenhänge.
Zudem ist das Erinnerungsvermögen an erfundenen Einzelheiten weitaus ge-
ringer als bei tatsächlich Erlebtem. Der Unwahres Erzählende muss sich also mit
der Kundgabe seiner Geschichte auch noch gleichzeitig im Gedächtnis gut mer-
ken, was er erzählt, um sich später nicht in Widersprüche zu verwickeln. Diese
unterschiedlichen Denkprozesse – die blosse Wiedergabe von Erinnerungen ei-
nerseits und das Kreieren einer (teilweise) unwahren, abgeänderten Version an-
dererseits – hinterlassen Spuren in den Aussagen und dem Aussageverhalten.
Unwahre Schilderungen enthalten fast immer Ungereimtheiten oder Wendungen
und Details, die unnatürlich erscheinen. Die Lehre spricht dabei von fehlenden
Realitätskriterien und vorhandenen Lügensignalen (vgl. BENDER/TREUER/NACK,
Tatsachenfeststellung vor Gericht, 4. Aufl., München 2014, S. 52 ff.).
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3.2. Allgemein bekannt ist, dass unwahre Darstellungen meist nicht in allen De-
tails falsch oder unglaubhaft sind, denn die meisten Menschen sind bis zu einem
gewissen Grade intellektuell durchaus imstande, eigene Kreationen glaubhaft
darzustellen. Äusserst selten ist es jedoch, dass jemand solche Versionen zu
100% fehlerfrei, das heisst vollständig realitätsnah und ohne Fantasiesignale,
schildern bzw. mit wahren Tatsachen kombinieren kann. Kommt hinzu, dass die
Einbettung einer eigenen Version in tatsächlich Vorgefallenes zwangsläufig dazu
führt, dass Teile der Darstellung stimmen, andere nicht. Auch eine unwahre Dar-
stellung kann deshalb durchaus Realitätskriterien enthalten und umgekehrt eine
grösstenteils wahre Darstellung Lügensignale. Abgesehen davon spielen noch
weitere Faktoren eine Rolle wie Gedächtnisverlust, Interpretation oder Irrtum. Er-
fahrungsgemäss weisen aber unwahre bzw. bewusst abgeänderte Schilderungen
trotzdem mehr Fantasiesignale und weniger Realitätskennzeichen auf als voll-
umfänglich wahre Wiedergaben.
3.3. Wie nachfolgend zu zeigen ist, sind in den Aussagen des Beschuldigten
wie auch in jenen von F._ solche Spuren von Fiktionen vorhanden, welche
nach den Erkenntnissen der Aussagenpsychologie als Lügensignale zu interpre-
tieren sind. Ihre Aussagen offenbaren einen deutlichen Kontrast zu den Aussagen
der beiden Zeuginnen H._ und G._, welche lebensnah, logisch und un-
gezwungen erscheinen.
4. H._
Die Polizistin H._ sagte als Zeugin aus, sie sei zusammen mit ihrer Berufs-
kollegin G._ auf Patrouillenfahrt in B._ unterwegs gewesen. Sie hätten
beabsichtigt, am Bahnhof B._ eine Runde zu machen (Urk. 6/2 Antwort 12).
Sie seien auf der C._-Strasse Richtung Norden gefahren, zunächst vorbei an
der Einmündung linker Hand zur Strasse zum Bahnhof B._. Bei dieser von
ihnen passierten Abbiegung oder Strasse handelt es sich um eine ca. 250 Meter
lange Strasse, die unmittelbar am Bahnhofsgebäude B._ vorbeiführt und irre-
führenderweise "E._-Platz" heisst. Die Polizistin H._ erklärte, weil diese
Strasse "E._-Platz" mit einem temporären Fahrverbot belegt gewesen sei,
hätten sie nicht diese erste Abzweigung, sondern erst die nächste nach links
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nehmen können. Bei dieser zweiten Abzweigung oder Strasse namens E._-
Strasse (nicht zu verwechseln mit vorgenannter Strasse namens E._-Platz)
handelt es sich um eine Strasse, die im Winkel von ca. 160° wieder zurück zum
Bahnhof B._ führt, wo sie in die E._-Platzstrasse, welche mit dem vor-
genannten Fahrverbot belegt war, einmündet (vgl. Urk. 34). Die Zeugin H._
fuhr fort, beim Linksabbiegen in die E._-Strasse habe sie im Rückspiegel ge-
sehen, dass hinter ihnen (ca. im Abstand von 150 Metern) ein dunkles Auto von
der C._-Strasse verbotenerweise in die E._-Platzstrasse eingebogen
sei, wo ein Fahrverbot bestanden habe (Urk. 6/2 Antwort 13). Bei der Einmün-
dung der E._-Strasse in die E._-Platzstrasse [auf welche das Polizei-
fahrzeug zusteuerte], habe ihre Kollegin dann das falsch abgebogene Auto von
links her vorbeifahren gesehen. Sie seien hinter diesem Fahrzeug nach rechts in
die E._-Platzstrasse eingebogen und hätten es auf dem Parkplatz des Res-
taurants D._, unmittelbar nach der Einmündung rechter Hand, wiederer-
kannt. Ihre Kollegin G._ sei auf dem Beifahrersitz gesessen und habe beo-
bachtet, wie aus dem besagten Auto ein Mann ausgestiegen und ins Restaurant
verschwunden sei (Urk. 6/2 Antwort 13 S. 4). Sie hätten dann angehalten und zu-
erst das Kontrollschild des Fahrzeugs überprüft. Nach kurzer Zeit sei der Mann
wieder aus dem Restaurant gekommen und habe sich an einen Tisch vor dem
Gebäude gesetzt. Dort hätten sie ihn dann einer Kontrolle unterzogen und ge-
fragt, ob er das Auto gelenkt habe, was er verneint habe. Darauf habe er seine
Freundin herausgerufen, die auf Nachfrage erklärt habe, sie sei gefahren. Die
Freundin habe keinen Führerausweis auf sich getragen (Urk. 6/2 Antwort 13
S. 4).
5. G._
Die Polizistin G._ sagte als Zeugin aus, sie sei bei der Patrouillenfahrt die
Beifahrerin von H._ gewesen (Urk. 6/1 Antwort 12). Als sie von der E._-
Strasse zur Einmündung zurück in die E._-Platzstrasse gefahren seien, ha-
be sie gesehen, dass der fragliche Porsche auf der E._-Platzstrasse von
links nach rechts vorbeigefahren sei. Da sie vom Fahrverbot gewusst hätten, hät-
ten sie sich zu einer Kontrolle entschlossen und seien hinter dem Porsche rechts
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in die E._-Platzstrasse eingebogen. Dann habe sie gesehen, wie der Por-
sche auf der rechten Seite im Halteverbot des Restaurants D._ angehalten
habe. Sie habe beobachten können, wie eine männliche Person auf der Fahrer-
seite ausgestiegen und in das Restaurant hineingegangen sei (Urk. 6/1 Ant-
wort 14). Sie hätten ihr Polizeifahrzeug hinter dem Porsche angehalten. Der Be-
schuldigte sei wieder aus dem Restaurant herausgetreten und habe sich
draussen auf einem Sitzplatz niedergelassen. Auf Nachfrage habe er gesagt,
F._ habe den Porsche gelenkt. Kurz darauf sei auch F._ aus dem Res-
taurant gekommen. Sie habe nach Alkohol gerochen. Da sie den Führerausweis
nicht auf sich getragen habe, seien sie mit ihr nach Hause gegangen, um diesen
zu holen. Auf dem Weg habe sie [die Zeugin G._] F._ darauf aufmerk-
sam gemacht, was auf sie zukommen werde, wenn sie mit Alkohol am Steuer ge-
fahren sei. Ebenso habe sie F._ eröffnet, dass sie [die Zeugin G._] wis-
se, dass eine männliche Person den Porsche gefahren habe. Daraufhin habe
F._ eingeräumt, dass ihr Freund, der Beschuldigte, gefahren sei (Urk. 6/1
Antwort 14 S. 4).
6. F._
6.1. F._ sagte anlässlich ihrer ersten Befragung vor der Polizei am 12. Juli
2018 aus, der Beschuldigte sei mit dem Porsche gefahren. Es sei aber nur eine
kurze Strecke gewesen, ca. eine Minute (Urk. 4/1 Antwort 6). Das Auto gehöre ei-
nem Kollegen des Beschuldigten namens I._. Den Nachnamen kenne sie
nicht. Sie selber besitze kein Auto (Urk. 4/1 Antwort 9). Sie seien vom Beschuldig-
ten zu Hause nach B._ gekommen und hätten im Restaurant eine Pizza es-
sen wollen (Urk. 4/1 Antwort 15). Der Beschuldigte sei gefahren (Urk. 4/1 Ant-
wort 16). Dies, weil sie getrunken und den Beschuldigten gebeten habe zu fahren
(Urk. 4/1 Antwort 18). Sonst fahre jeweils sie. Er habe eigentlich nicht fahren wol-
len, es sei ihre Schuld, weil sie Alkohol getrunken habe (Urk. 4/1 Antwort 19). Sie
wisse, dass der Beschuldigte nicht berechtigt sei, ein Auto zu lenken. Es sei alles
ihre Schuld (Urk. 4/1 Antwort 22). Auf die Frage, weshalb sie denn den kurzen
Weg bis zum Restaurant nicht zu Fuss gegangen seien, erwiderte F._, ja das
stimme, das hätten sie tun sollen (Urk. 4/1 Antwort 24).
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6.2. In der Konfrontationseinvernahme nahm F._ ihre Behauptung dann
zurück und erklärte, sie sei gefahren (Urk. 5 S. 5). Auf Vorhalt der gegenteiligen
polizeilichen Aussage machte F._ geltend, sie sei im Schock gewesen, dass
sie kontrolliert worden sei. Da sie positiv auf Alkohol getestet worden sei, habe sie
angegeben, dass ihr Freund gefahren sei (Urk. 5 S. 8). Auf die Frage, wie sie
denn wieder nach Hause gegangen wären, gab sie zu Protokoll, es sei schon öf-
ters vorgekommen, dass sie zum Restaurant gefahren und dann zu Fuss nach
Hause gegangen seien (Urk. 5 S. 8).
6.3. Dieser Sinneswechsel überzeugt nicht. Wer im Schock ist, beschuldigt
nicht an seiner Statt den Partner. Zumindest dann nicht, wenn wie vorliegend
keine Feindschaft zwischen den Partnern besteht. Zudem wusste F._ nach
eigenen Angaben, dass der Beschuldigte keinen Führerausweis hatte und nicht
fahren durfte (Urk. 4/2 Antwort 26).
7. Der Beschuldigte
Der Beschuldigte bestritt von Beginn weg, selbst gefahren zu sein. Er zeigte sich
an der ersten polizeilichen Befragung trotzig, aufbrausend und genervt (Urk. 3/1).
Auf Fragen antwortete er mit "ich diskutiere nicht mit ihnen" oder "das geht sie
nichts an", "fragen Sie mich keine solchen Sachen mehr", "fragen sie mich nicht
dumm" oder "ich habe nichts zu sagen" (Urk. 3/1 Antworten 3, 7, 11 f. und 30). Es
ist zumindest sehr ungewöhnlich, dass jemand, der sich überhaupt nichts hat zu-
schulden kommen lassen, derart unterschwellig aggressiv reagiert. Der Beschul-
digte hätte auch einfach die Aussage verweigern können. Aus diesem trotzigen
Verhalten allein kann natürlich noch nichts Wesentliches zu seinen Lasten ab-
geleitet werden. Das Bundesgericht hat allerdings schon verschiedentlich festge-
halten, dass die Art und Weise wie jemand aussagt manchmal von grösserer
Bedeutung sein könne als der Inhalt der Aussage, d.h. was eine Person aussagt
(BGE 140 IV 196 E. 4.4.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_970/2013 vom 24. Juni
2014, E. 2.1). Das Aussageverhalten des Beschuldigen stärkt jedenfalls seine
Glaubwürdigkeit in keiner Weise. Erschwerend kommt hinzu, dass von den Vor-
strafen des Beschuldigten nebst anderen Delikten deren fünf das Fahren ohne
Führerausweis betreffen, nämlich die Urteile oder Strafbefehle vom 6. März 2006,
- 16 -
vom 5. September 2011, vom 10. Dezember 2015, vom 4. November 2016 und
vom 31. August 2017 (Urk. 49 bzw. Urk. 61). Die einschlägigen Vorstrafen können
ein Grund dafür gewesen sein, dass sich der Beschuldigte entnervt und sensibel
zeigte, als er wegen desselben Vorwurfs erneut polizeilich kontrolliert wurde.
Dieses Vorleben dokumentiert aber auch, dass Fahren ohne Führerausweis bei
ihm kein aussergewöhnliches, persönlichkeitsfremdes Verhalten darstellt und
dass sich der Beschuldigte wohl auch kaum bemüssigt fühlen würde, einen
Verstoss gegen die Führerausweispflicht als eigenes schuldhaftes Fehlverhalten
zu taxieren und freimütig zuzugeben.
8. Gesamtbetrachtung
8.1. Falsche Anschuldigung durch die Polizeibeamtinnen
Die Aussagen der beiden Polizeibeamtinnen H._ und G._ sind glaubhaft
weil sie facettenreich, in sich stimmig, logisch und plausibel sind und sich auch
gegenseitig ineinanderfügen, ohne einstudiert zu wirken. Die Vorstellung von
"wild" gewordenen Polizeibeamtinnen, die aus Rache oder Frustration wahllos
Unschuldige einer Straftat oder einer Verkehrsregelverletzung bezichtigen, ent-
behrt einer Grundlage in der Realität. Solches Verhalten, d.h. die überdurch-
schnittliche Häufung von Anzeigen einzelner Polizeibeamtinnen, bei denen die
Beweislage offenkundig sehr zweifelhaft ist und die Beschuldigten den Vorwurf
krasser Lüge erheben, würde auch schnell ruchbar werden und Verdacht erregen.
Aktenkundig ist von den beiden Polizeibeamtinnen H._ und G._ nichts
dergleichen, und dafür, dass sie sich zu einer kriminellen Einzelaktion gegen den
Beschuldigten entschlossen haben, gibt es weder die geringsten Hinweise noch
ein vernünftiges Motiv. Bei einer solchen Mutmassung handelt es sich um eine
rein theoretische Möglichkeit, die immer und in allen Fällen besteht. Entschliessen
sich zwei Personen zu einer falschen Anschuldigung und sprechen sie sich zu
diesem Zweck vorgängig ab, hinterlässt dies gemäss Lehre der Aussagenanalyse
immer Spuren in ihren Aussagen, sei es in Form wörtlich identischer Formulie-
rungen oder durch lückenhafte und schwammige Aussagen in Punkten, in denen
keine vorgängige Synchronisierung möglich war. Vorliegend kommen sowohl die
Aussagen der Zeugin H._ als auch jene der Zeugin G._ völlig eigen-
- 17 -
ständig daher und weisen aufgrund der unterschiedlichen Perspektiven und
Wahrnehmungen auch einen ganz individuellen Charakter auf. Trotzdem passen
die Aussagen inhaltlich sehr gut zueinander und ergänzen sich logisch. Wenn die
beiden Polizistinnen eine falsche Anschuldigung gegen den Beschuldigten hätten
inszenieren wollen, so wäre beispielsweise zu erwarten gewesen, dass beide zu
Protokoll gegeben hätten, den Beschuldigten beim Aussteigen gesehen zu haben.
Im Gegensatz dazu sagte die Polizeibeamtin H._ aber beispielsweise aus,
sie habe den Beschuldigten nicht beim Aussteigen beobachtet, nur ihre Kollegin
G._ (Urk. 6/2 Antwort 13 S. 4). Aufgrund des Umstandes, dass H._ das
Polizeiauto lenkte und auf den Verkehr und die Umgebung achten musste, wäh-
rend ihre Kollegin G._ als Beifahrerin ungehindert beobachten konnte, er-
scheint dies auch logisch und stimmig. Solche lebensnahen Details machen Aus-
sagen glaubhaft.
8.2. Räumlich-zeitliche Situation
8.2.1. Die Zeugin G._ hat gesehen, dass der Porsche des Beschuldigten auf
der rechten Seite beim Restaurant D._ parkiert habe und der Beschuldigte
auf der Fahrerseite ausgestiegen sei (Urk. 6/1 Antwort 14). Die Auffassung der
Verteidigung, dies lasse sich durch eine Rekonstruktion des Tatablaufes widerle-
gen, ist unbegründet (Urk. 68 S. 8 f.; Prot. II S. 6). Ausgehend von der Tatsache,
dass die Polizistin H._ das auf der C._-Strasse abbiegende Auto des
Beschuldigten in dem Moment im Rückspiegel beobachtete, als sie selbst in die
E._-Strasse abbog, lässt sich anhand des Strassenplans leicht erkennen,
dass sie sich der Einmündung in die E._-Platzstrasse in dem Moment näher-
ten, als das Auto des Beschuldigten sie auf der E._-Platzstrasse querte bzw.
vorbeifuhr (Urk. 34). Ihr "Rückstand" auf den Beschuldigten kann sich in diesem
Moment nur im Bereich von ganz wenigen Sekunden bewegt haben. Wie bereits
erwähnt, könnten die exakten Geschwindigkeiten der Fahrzeuge auch durch eine
Rekonstruktion nicht ermittelt werden, weshalb eine solche sinnlos wäre. Theore-
tische Erwägungen über meter- und sekundengenaue Abstände sowie darauf
gründende Berechnungen sind deshalb ohne Belang, weder zu Gunsten noch zu
Lasten des Beschuldigten. Da die Strecke, welche das Polizeifahrzeug auf der
- 18 -
E._-Strasse zurücklegen musste, nur unweit länger ist als jene, welche der
Porsche des Beschuldigten ab dem verbotenen Linksabbiegen bis zur Einmün-
dung der E._-Strasse zu befahren hatte, kann man zwanglos annehmen,
dass die beiden Polizeibeamtinnen den sie querenden Porsche des Beschuldig-
ten in einer Distanz von höchstens ca. 30 bis 50 Meter sahen. Damit bogen sie
entgegen der Ansicht der Verteidigung in einem zeitlichen Abstand von höchstens
ein paar wenigen Sekunden hinter dem Beschuldigten in die E._-
Platzstrasse ein, und es erhellt, dass nur wenige Sekunden vergangen sein kön-
nen, in welchen das Fahrzeug des Beschuldigten durch die Polizeibeamtinnen
nicht einsehbar war. Das Restaurant D._ liegt unmittelbar bei der genannten
Einmündung, d.h. direkt in der Ecke E._-Strasse/E._-Platzstrasse, so
dass der Beschuldigte mit Sicherheit bereits nur noch langsam fuhr, weil er an-
sonsten gar nicht mehr hätte vor dem Restaurant anhalten können. Dementspre-
chend musste das Polizeiauto auch gar nicht mehr gross beschleunigen, um ihn
einzuholen. Bereits in der besagten Einmündung zur E._-Platzstrasse sieht
man, insbesondere vom Beifahrersitz auf der rechten Seite, gut auf den Vorplatz
vor dem Restaurant D._, wenngleich auch möglicherweise noch geparkte
Autos dazwischen standen (Urk. 2; Urk. 34). Bei dieser Ausgangslage ist es nicht
nur möglich, sondern aufgrund der räumlichen Verhältnisse sogar höchst plausi-
bel, dass die Zeugin G._ den Beschuldigten hat aussteigen sehen.
8.2.2. Nicht von Bedeutung ist deshalb die sekundengenaue Dauer des kurzen
Zeitraums, in welchem der Porsche gemäss Zeuginnen nicht im Blickfeld gewe-
sen sei. Wie im Rahmen der Ausführungen zum gestellten Beweisantrag bereits
ausgeführt, handelt es sich bei den diesbezüglich angestellten Berechnungen der
Verteidigung sodann um spekulative und ergebnisorientierte Annahmen. Dies be-
legen beispielsweise schon die seitens der Verteidigung definierten Parameter
(Urk. 68 S. 10; Prot. II S. 10). So geht die Verteidigung bezüglich des Porsche von
gefahrenen Geschwindigkeiten von 43.2 km/h bzw. 21.6 km/h aus, während das
Polizeifahrzeug auf der E._-Strasse konstant mit 28.8 km/h gefahren sein
soll. Wie die Verteidigung auf exakt diese Geschwindigkeiten gekommen ist, er-
schliesst sich nicht. Sie bringt dazu selber vor, es handle sich um plausible An-
nahmen (Urk. 68 S. 10). Es erweist sich aber als höchst unwahrscheinlich, dass
- 19 -
das Polizeifahrzeug konstant mit der genannten Geschwindigkeit gefahren sein
soll, obwohl auf dieser Strasse keine derartige Geschwindigkeitsbeschränkung gilt
und die sich im Dienst befindlichen Polizeibeamtinnen unmittelbar zuvor eine Ver-
kehrsregelverletzung beobachtet hatten. In einem solchen Fall wäre es nahelie-
gender, dass auch das Polizeifahrzeug die Geschwindigkeit zumindest vorüber-
gehend entsprechend beschleunigt, um das betroffene Fahrzeug einer Kontrolle
unterziehen zu können. Zudem hat die Verteidigung bei ihren Berechnungen oh-
nehin ausser Acht gelassen, dass das Parkieren, Motor abstellen und Aussteigen
zusätzlich eine gewisse Zeit benötigt. Die rein theoretischen Mutmassungen der
Verteidigung darüber, in welchem genauen Zeitraum das Fahrzeug nicht sichtbar
gewesen sei, vermögen die aus der plausiblen Sachdarstellung der Zeuginnen
gewonnenen Erkenntnisse somit nicht ansatzweise in Zweifel zu ziehen.
8.3. Aussageverhalten des Beschuldigten und von F._
8.3.1. Der Beschuldigte erwiderte in seiner polizeilichen Befragung auf die Frage,
weshalb er denn den Autoschlüssel in der Tasche habe, wenn seine Freundin
gefahren sei: "Weil ich den Schlüssel hatte und fertig" (Urk. 3/1 Antwort 17). Im
Protokoll ist vermerkt, dass er auf diese Antwort hin aufstand und auf den Tisch
klopfte. Eine Reaktion die ganz typisch ist für jemanden, der sich ertappt fühlt.
Tatsächlich ist es lebensfremd, dass nicht der Fahrer, sondern der Beifahrer den
Autoschlüssel in der Tasche hat. Eine vernünftige Erklärung dafür konnte der Be-
schuldigte in der polizeilichen Befragung nicht geben. Es ist offensichtlich, dass er
im Laufe der Untersuchung selbst zur Auffassung gelangte, seine ursprüngliche
Antwort sei wohl nicht sehr überzeugend gewesen, weshalb er die Darstellung der
Zeugin G._, wonach sie ihn beim Aussteigen auf der Fahrerseite gesehen
habe, in irgendeiner anderen Weise zu entkräften versuchte.
8.3.2. Dann in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme gab der Beschuldigte zu
Protokoll, sie seien schon einige Zeit vor der polizeilichen Kontrolle im Restaurant
gewesen und er sei zurück zum Auto gekommen, weil er sein Handy vergessen
habe (Urk. 3/2 S. 2). Selbstverständlich ist dies möglich, ein unvoreingenomme-
ner Leser fragt sich aber sofort, weshalb er dies dann nicht bereits bei der polizei-
lichen Befragung, als ihm die Ereignisse eigentlich noch am präsentesten gewe-
- 20 -
sen sein müssen, ausgesagt hat. Solche Ergänzungen oder Lückenfüllungen in
eigenen, unwahren Geschichten sind typische Lügensignale. Diese Vermutung
wird dadurch bestärkt, dass es wenig Sinn macht, dass der Beschuldigte auf der
Fahrerseite ein- und ausstieg um sein Handy zu holen, wenn er doch bloss Bei-
fahrer gewesen sein will. Ein Beifahrer lässt sein Handy für gewöhnlich auf der
Beifahrerseite liegen, allenfalls auf der Mittelkonsole, aber kaum auf der Fahrer-
seite. Da der Porsche vorwärts geparkt war, wäre es darüber hinaus nicht plausi-
bel gewesen, dass der Beschuldigte, hätte das Handy auf der Mittelkonsole gele-
gen, vom Ausgang des Restaurants aus den weiten Weg um den Porsche herum
lief, um das Mobiltelefon via Fahrerseite zu behändigen, anstatt via Beifahrerseite,
was kürzer gewesen wäre. Zwar kann die Sachdarstellung des Beschuldigten iso-
liert betrachtet nicht restlos widerlegt werden, aber plausibel oder lebensnah ist
sie deswegen nicht. Doch dieser Merkwürdigkeit nicht genug, schilderte der Be-
schuldigte dann in der Konfrontationseinvernahme, er habe das Handy seiner
Freundin, F._, geholt, welches sie im Auto gehabt habe (Urk. 5 S. 4). Es ist
schlecht erklärbar, wie es zu einem solchen Widerspruch kommen kann: In seiner
ersten Einvernahme war es noch sein Handy, in der zweiten dann plötzlich ihr
Handy.
8.3.3. Dass dem Beschuldigten die Fähigkeit zur Objektivität teilweise abgeht,
belegt auch seine mehr als eigenwillige Interpretation des beschilderten Fahr-
verbotes (Urk. 3/2 Antwort 8): "Links abbiegen war nicht verboten, es war sicher
nur verboten durchzufahren. Ich sagte ihr, sie soll da durchfahren, weil da ange-
schrieben war, für welche Hausnummer man durchfahren darf [...]. Man darf nicht
beim Restaurant D._ links abbiegen. Wir kamen jedoch von der anderen Sei-
te und fuhren geradeaus auf das Restaurant zu und das darf man gemäss Haus-
nummerbeschilderung. Man darf einfach nicht den ganzen Bahnhof überqueren
und man darf nicht abbiegen, so ist die Beschilderung, den Rest darf man." Im
Polizeirapport ist die Beschilderung fotografiert (Urk. 2). Es handelt sich um die
Tafel 2.43 der Signalisationsverordnung (Abbiegen nach links verboten) sowie
um die kombinierte Tafel 2.03 und 2.04 (Verbot für Motorwagen und Motorräder),
gepaart mit einem Hinweisschild mit dem Text "Hausnummer 7+9 gestattet". Das
Restaurant D._ hat die Hausnummer 18.
- 21 -
8.3.4. F._ sagte aus, sie habe kurz bevor sie den Beschuldigten abgeholt
habe in einer Bar noch ein Getränk, einen Jack Daniels, in einem Plastikbecher
bestellt. Dort habe sie aber nur einen Schluck genommen und den Rest mitge-
nommen (Urk. 4/2 Antworten 7 und 20). Das stimmt insoweit mit der Aussage des
Beschuldigten überein, welcher ausführte, F._ habe später wieder einen
Schluck von ihrem Getränk genommen (Urk. 5 S. 4). Natürlich ist es nicht unmög-
lich, dass jemand am Steuer etwas trinkt, aber wenn schon, dann aus einer Dose
oder kleinen Flasche und kaum aus einem Becher, dessen Inhalt beim Bedienen
des Lenkrades allzu leicht auszuschütten droht. Als Beifahrerin ist es aber weit-
aus besser möglich, einen Becher zu halten ohne auszuschütten. Umgekehrt
passt dieses Detail grundsätzlich stimmig in die ersten Aussagen von F._,
wonach sie den Becher mitgenommen und den Beschuldigten wegen ihres Alko-
holkonsums gebeten habe, an ihrer Stelle zu fahren, respektive wonach sie schon
einen weiteren Schluck aus dem Becher genommen habe, aber selber gefahren
sei (Urk. 4/1 Antwort 18 ff.; Urk 4/2 Antwort 7 und 18).
8.3.5. Bei näherer Gesamtbetrachtung erweist sich jedoch auch die Aussage von
F._ als eine Lüge. Zum einen ist es bereits äusserst ungewöhnlich bis völlig
lebensfremd, dass jemand in einer Bar einen Jack Daniels in einem Plastikbecher
bestellt und hernach mit diesem Becher in ein anderes Restaurant fährt, wo ja
ebenfalls Alkohol ausgeschenkt wurde. Wäre es tatsächlich so gewesen, hätte
F._ sicher Ausführungen zu diesem merkwürdigen Verhalten gemacht. Mas-
sgebend kommt jedoch hinzu, dass die Polizeibeamtin G._ nur den Beschul-
digten hat aus dem Porsche aussteigen sehen. Ebenso, wie dieser in das Restau-
rant hineingehastet sei (Urk. 6/1 Antwort 14). Wäre F._ gemäss ihrer Sach-
darstellung sowie derjenigen des Beschuldigten tatsächlich (mit-)gefahren, hätte
die Zeugin G._ zweifellos auch F._ aussteigen sehen müssen, zumal
sie ihre Beobachtung bzw. ihren Blick bewusst auf den Porsche konzentrierte und
der Eingang des Restaurants in ihrem Blickfeld war. Der Eingang zum Restaurant
befindet sich bei der Einmündung der E._-Strasse – auf der das Polizeifahr-
zeug Richtung E._-Platz fuhr – in den E._-Platz (Urk. 2 S. 2 und Urk.
34). Die Sicht auf den Eingangsbereich war für die Polizeibeamtinnen nicht einge-
schränkt. Dass F._ nach Ansicht der Verteidigung innert acht Sekunden un-
- 22 -
gesehen in das Restaurant habe gehen können (Urk. 68 S. 9), erweist sich als
blosse Spekulation und wurde bereits vorstehend anhand der zeitlichen Faktoren
widerlegt. Der geschilderte Ablauf würde eher zur Annahme passen, dass der Be-
schuldigte das Polizeifahrzeug wahrnahm und deshalb schnell ins Restaurant
hinein hastete, um seine dort wartende Freundin F._ dahingehend zu instru-
ieren, sie solle sagen, sie sei gefahren. Letztlich spielen die tatsächlichen Vor-
gänge im Restaurant aber keine Rolle.
8.4. Strafverfahren gegen F._
F._ wurde mit Urteil vom 3. April 2019 der Irreführung der Rechtspflege, der
Begünstigung und des Überlassens eines Motorfahrzeuges an einen Führer ohne
erforderlichen Ausweis mit einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu
Fr. 30.– sowie einer Busse von Fr. 200.– bestraft (Urk. 63 = Beizugsakten
GG190003). Das Urteilsdispositiv wurde ihr am 5. April 2019 zugestellt (Urk.
63/33). Gegen dieses Urteil legte F._ keine Berufung ein und es erwuchs in
Rechtskraft, worauf auch die Staatsanwaltschaft an der heutigen Verhandlung
hingewiesen hat (Urk. 69 S. 4). Aus diesem Umstand allein kann zwar nichts
Sachdienliches abgeleitet werden, jedoch wird in einer Gesamtbetrachtung die
Vermutung bestärkt, dass die ersten Aussagen von F._ bei der Polizei eher
der Wahrheit entsprachen. Deshalb akzeptierte sie auch ihre Verurteilung.
9. Fazit
9.1. Die Schlussfolgerungen der vorgenannten Würdigung würden, wenn man
jedes Resultat isoliert betrachtet, nicht für einen Schuldspruch ausreichen. Erst
wenn sich in einer Gesamtbetrachtung unter Berücksichtigung aller Beweismittel
ein Bild ergibt, das nicht mehr als Summe von blossen Zufälligkeiten erklärt wer-
den kann, darf sich das Gericht von einem Sachverhalt als überzeugt erklären.
Das Bundesgericht hat verschiedentlich zutreffend festgehalten, dass die Ge-
samtheit einzelner Indizien als "Mosaik" zu würdigen ist (vgl. dazu BGE 133 I 33
E. 4.4.1 ff.; Pra 2004 Nr. 51 S. 256, Ziff. 1.4.; Pra 2002 Nr. 180 S. 962 f.,
Ziff. 3.4.). Dies gilt auch für den vorliegenden Fall. Gewisse unglaubhafte Behaup-
tungen des Beschuldigten und F._ können einzeln betrachtet nicht rechtsge-
- 23 -
nügend widerlegt werden. Ihre Aussagen weisen aber vielerorts genau dort
Schwächen auf, wo sie gemäss Aussagen der Zeuginnen nicht stimmen können.
Derartige Koinzidenzen können vereinzelt auftreten. Ergibt sich aber eine uner-
klärliche, eklatante Häufung solcher Schwachpunkte, kann dies nicht mehr das
Resultat von blossen Zufällen sein. So erstaunt beispielsweise an der Version des
Beschuldigten, dass F._ ausgerechnet bei der polizeilichen Kontrolle ihren
Führerausweis vergessen hatte, obschon nach Darstellung des Beschuldigten sie
das Auto gelenkt habe. Selbstverständlich ist es möglich, dass jemand den Aus-
weis zu Hause vergisst. Dieses Detail passt aber weit besser zur Version, wonach
der Beschuldigte gefahren ist. Wer nicht selber fährt, braucht eben auch seinen
eigenen Führerausweis nicht bei sich zu tragen.
9.2. Bei einer Gesamtwürdigung ergibt sich, dass die Version des Beschuldig-
ten, wonach nicht er, sondern F._ das Auto gelenkt habe, zweifelsfrei ausge-
schlossen werden kann. Der Anklagesachverhalt ist vollumfänglich rechtsgenü-
gend erstellt.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Strassenverkehrsgesetz
Der Beschuldigte hat vorsätzlich die Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1
i.V.m. Art. 27 SVG (Signale sind zu befolgen) verletzt, indem er die Vorschrifts-
signale "Abbiegen nach links" (Art. 25 SSV) und "Verbot für Motorwagen" (Art. 19
Abs. 1 lit. a SSV) missachtete und von der C._-Strasse aus nach links in den
E._-Platz bzw. die E._-Platzstrasse eingebogen ist. Zudem hat er vor-
sätzlich ein Motorfahrzeug ohne Führerausweis gelenkt, was gemäss Art. 95 Abs.
1 lit. a SVG in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2 SVG strafbar ist.
2. Falsche Anschuldigung
2.1. Der Beschuldigte hat wider besseres Wissen behauptet, F._ habe das
Fahrzeug gelenkt. Die Staatsanwaltschaft und die Vorinstanz subsumieren dieses
- 24 -
Verhalten unter den Tatbestand der falschen Anschuldigung gemäss Art. 303
StGB.
2.2. Nach Art. 303 StGB ist zu bestrafen, wer einen Nichtschuldigen wider
besseres Wissens bei der Behörde eines Verbrechens, Vergehens oder eine
Übertretung beschuldigt. Das blosse Abstreiten der eigenen Täterschaft fällt nicht
automatisch unter diese Strafbestimmung. Vielmehr muss der Täter eine andere
Person wahrheitswidrig einer Straftat bezichtigen.
2.3. F._ verfügte über einen Führerausweis. Sie durfte also den Porsche
grundsätzlich lenken. Indem der Beschuldigte behauptete, sie sei gefahren, be-
zichtigte er sie keiner Straftat, weshalb sein Verhalten in dieser Hinsicht auch
nicht unter den Tatbestand von Art. 303 StGB fällt. Dabei ist rechtlich irrelevant,
dass seine wahrheitswidrige Angabe natürlich eine gewisse Irreführung der Be-
hörden mit sich brachte. Selbstbegünstigung ist zudem ohnehin nicht strafbar.
Dass der Beschuldigte wusste, dass F._ ihren Führerausweis zu Hause hat
liegen lassen und somit im Sinne von Art. 10 Abs. 4 SVG eine Übertretung
beging, kann ihm nicht nachgewiesen werden.
2.4. Allerdings wurde die Untersuchung auch wegen dem verbotenen Links-
abbiegen und dem Befahren der E._-Platzstrasse von der C._-Strasse
aus geführt (Urk. 3/1 Vorhalt 29; Urk. 3/2 Vorhalt 8; Urk. 5). Indem der Beschul-
digte F._ als Lenkerin bezeichnete, nahm er in Kauf, dass gegen sie wegen
dieser Übertretungen ein Strafverfahren geführt wird. Dabei spielt es keine Rolle,
dass es dem Beschuldigten natürlich einzig darum ging, seine Lenkerschaft in Ab-
rede zu stellen. Zwar mag er bei der polizeilichen Kontrolle und seiner ersten Be-
hauptung, er habe den Porsche nicht gelenkt, noch nicht an die Verkehrsregelver-
letzungen gedacht haben. Spätestens aber mit dem Vorhalt des verbotenen
Linksabbiegens und des verbotenen Befahrens der E._-Platzstrasse mit ei-
nem Motorwagen nahm er mit seinem Standpunkt eine Verurteilung von F._
wegen besagter Verkehrsregelübertretungen in Kauf. Gemäss Art. 303 Ziff. 2
StGB kann die falsche Anschuldigung auch Übertretungen betreffen. Der Be-
schuldigte ist deshalb auch wegen falscher Anschuldigung im Sinne von Art. 303
Ziff. 2 StGB schuldig zu sprechen.
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V. Strafzumessung
1. Parteistandpunkte
Die Verteidigung beantragt einen vollumfänglichen Freispruch und hat auf das
Stellen von Eventualanträgen ausdrücklich verzichtet (Prot. II S. 12). Die (nicht
appellierende) Staatsanwaltschaft beantragt, die seitens der Vorinstanz ausge-
sprochene Sanktion von 12 Monaten Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe, unter Ein-
bezug des Widerrufs der aufgrund einer bedingten Entlassung aus dem Strafvoll-
zug nicht verbüssten Reststrafe von 61 Tagen, sei zu bestätigen (Urk. 69 S. 4).
2. Strafrahmen und Einsatzstrafe
Haben zwei Strafbestimmungen den gleichen oberen Strafrahmen, so erscheint
es sachgerecht, von jenem Tatbestand auszugehen, für welchen konkret eine
höhere Strafe resultiert. Vorliegend ist dies das Lenken eines Motorfahrzeuges
ohne Führerausweis im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG. Diese Bestimmung
verlangt eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.
3. Tatverschulden
3.1. In objektiver Hinsicht ist von einem leichten Verschulden auszugehen. Die
Strecke und die Fahrdauer waren sehr kurz. Es ist auch nicht bekannt, dass der
Beschuldigte fahrtechnisch nicht in der Lage gewesen wäre, einen Personenwa-
gen zu steuern, was mit einer akuten konkreten Gefährdung der Verkehrssicher-
heit einher gegangen wäre. Immerhin liegt aber der Schutzgedanke von Art. 95
SVG weniger in der Gewährleistung der konkreten Sicherheit im Strassenverkehr,
sondern vielmehr in der Gewährleistung der allgemeinen Sicherheit im Strassen-
verkehr, indem sich nicht jedermann nach freiem Belieben in den Strassenverkehr
begeben darf, sondern nur Personen, welche sich durch einen Führerausweis
einmal als dazu befähigt gezeigt haben oder zeigen. Wer sich nicht an diese
Führerausweispflicht hält, stellt das gesamte System des Strassenverkehrsrechts
in Frage und untergräbt damit das legitime staatliche Bemühen, die Sicherheit im
Strassenverkehr zu gewährleisten. Macht dieses Verhalten Schule, hat dies zahl-
- 26 -
reiche Verkehrsopfer zur Folge. Deshalb darf das Führen eines Motorfahrzeuges
ohne Führerausweis auch nicht bagatellisiert werden.
3.2. Erheblicher fällt dagegen das subjektive Verschulden des Beschuldigten
ins Gewicht. Es wäre für den Beschuldigten problemlos möglich gewesen, die
rund 500 Meter vom damaligen Wohnort des Beschuldigten an der J._-
Strasse zum Restaurant D._ zu Fuss zurück zu legen. Es gab mit anderen
Worten nicht den geringsten Grund, das Auto zu nehmen, ausser reine Bequem-
lichkeit. Zudem ist im Vergleich zu manchem Strassenverkehrsdelikt, welches
fahrlässig begangen wird, nicht zu verkennen, dass der Beschuldigte mit direktem
Vorsatz handelte.
3.3. Insgesamt ist aber trotzdem von einem noch leichten Tatverschulden
auszugehen, weshalb eine Einsatzstrafe im Bereich von 1 Monat bzw. 30 Tages-
sätzen angemessen ist.
4. Straferhöhung infolge der falschen Anschuldigung
4.1. Der Tatbestand der falschen Anschuldigung gemäss Art. 303 Ziff. 1 StGB
sieht als oberen Strafrahmen eine Freiheitsstrafe bis zu 20 Jahren vor. Dieser
hohe abstrakte Strafrahmen ist nach hiesigem Rechtsverständnis weit weniger
durch die Verwerflichkeit einer Täuschung staatlicher Behörden geprägt, als viel-
mehr vom Gedanken, dass ein Opfer einer falschen Anschuldigung möglicher-
weise unschuldig jahrelang im Gefängnis sitzt, wenn die Strafjustiz dem Täter und
somit der falschen Anschuldigung Glauben schenkt. Bei kaum einer anderen
strafbaren Handlung drohen so massive ungerechtfertigte Freiheitsberaubungen
von Individuen wie bei der falschen Anschuldigung. Umgekehrt wird eine Ver-
ursachung unnötiger Umtriebe staatlicher Behörden in einem demokratischen,
modernen Rechtsstaat westlicher Prägung nicht als derart verwerflich und straf-
würdig erachtet, wie dies beispielsweise in totalitären Regimen der Fall ist, wo
Angriffe auf die staatliche Autorität als schwerste Kapitalverbrechen behandelt
werden. Die Verletzung der Integrität und der korrekten Funktion der Justiz kann
deshalb bei der Strafzumessung bei Art. 303 StGB nur eine untergeordnete Rolle
zukommen.
- 27 -
4.2. Betrifft die falsche Anschuldigung bloss eine Übertretung, so reduziert sich
der obere Strafrahmen auf drei Jahre Freiheitsstrafe (Art. 303 Ziff. 2 StGB). Auch
hier spielen jedoch beide Schutzgedanken der Bestimmung eine Rolle, d.h. der
ungestörte Gang der Strafrechtspflege und der Schutz des Individuums vor unge-
rechtfertigten Strafverfahren infolge falscher Anschuldigungen.
4.3. Im vorliegenden Fall fällt in Betracht, dass F._ mit der falschen An-
schuldigung einverstanden war, indem sie die Schuld an den Übertretungen
selbst auf sich nahm respektive nehmen wollte. Insofern wurden ihre privaten
Rechte gar nicht verletzt. Es kann somit nur in die Waagschale fallen, dass der
Beschuldigte die Strafbehörden hinters Licht führte. Hier ist allerdings wiederum
zu berücksichtigen, dass die Tat des Beschuldigten ausschliesslich der straffreien
Selbstbegünstigung diente und er mit seinen unwahren gar nicht bezweckte, eine
Strafuntersuchung wegen den Verkehrsregelverletzungen gegen F._ einzu-
leiten. Immerhin war ihm dies nach dem Vorhalt der Verkehrsregelverletzungen
aber klar und er nahm diese Nebenfolge ab diesem Zeitpunkt in Kauf. Der Be-
schuldigte erhob zudem nur eine falsche Behauptung, plante mit anderen Wor-
ten die falsche Anschuldigung nicht im Voraus und/oder mit besonders perfiden
Mitteln, indem er beispielsweise im Vorfeld falsche Spuren legte und seiner
Freundin Böses wollte. Zwar ist Art. 303 StGB ein Tätigkeitsdelikt, d.h. mit der
blossen falschen Anschuldigung ist das Delikt vollendet und ein Versuch ist nicht
möglich. Immerhin ist aber ein Erfolg im Sinne unnötiger Umtriebe der Strafunter-
suchungsbehörden weitgehend ausgeblieben, da ihm die Behörden keinen Glau-
ben schenkten. Sein Strafverfahren hätte nur unwesentlich weniger Aufwand er-
fordert, wenn er einfach seine Lenkerschaft bestritten hätte, ohne jemand anderen
zu nennen.
4.4. Wenn die Vorinstanz in diesem Zusammenhang von beträchtlicher krimi-
neller Energie sowie von erheblichen Umtrieben der Behörden spricht, und
F._ als armes Opfer des Beschuldigten darstellt (Urk. 45 S. 14), kann ihr in
keiner Weise zugestimmt werden. Die von der Vorinstanz festgelegte Einsatzstra-
fe von sechs Monaten ist massiv übersetzt, auch weil die Vorinstanz dogmatisch
unzutreffend die einschlägigen Vorstrafen beim Tatverschulden berücksichtigte
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(Urk. 45 S. 14, HANS MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 2. Aufl., Basel 2019, S.
121). Das Tatverschulden liegt im vorliegenden Fall im untersten Bereich. Noch
leichtere Tatvarianten sind nur wenige denkbar. Insgesamt ist eine Strafe von
30 Tagessätzen oder 1 Monat für die falsche Anschuldigung angemessen.
5. Täterkomponenten
5.1. Persönliche Verhältnisse
Der Beschuldigte ist in K._ in Nordspanien geboren und dort zusammen mit
seiner Schwester bei seinen Eltern aufgewachsen (Prot. I S. 10; Urk. 67 S. 2).
Sein Vater war Bauprojektleiter, seine Mutter Assistentin. Mit neun Jahren kam er
mit seiner Familie in die Schweiz und absolvierte hier den Rest der obligatori-
schen Schulpflicht bis zur Realschule. Gemäss eigenen Angaben habe der Be-
schuldigte eine gute Kindheit und Jugendzeit gehabt. Die Schule sei zwar wegen
sprachlicher Gründe anstrengend gewesen, aber er sei vom sozialen Umfeld in
der Schule gut akzeptiert worden. Er habe eine Lehre als Bodenleger begonnen,
welche er jedoch abgebrochen habe, da der Arbeitsweg zu weit gewesen sei
(Prot. I S. 11; Urk. 67 S. 2 f.). Danach habe er an verschiedenen Orten als Boden-
leger, als Aushilfe auf Baustellen und auch im Service gearbeitet. Zur Zeit sei er
beruflich selbstständig und wieder als Bodenleger tätig. Er verdiene dabei ge-
schätzt rund Fr. 3'000.– bis Fr. 4'000.– pro Monat. Er habe zwei Kinder im Alter
von ca. neun und elf Jahren, mit denen er zwar nicht zusammenlebe, aber guten
Kontakt pflege. Er sehe die Kinder monatlich oder alle zwei Wochen. Der Be-
schuldigte sei gegenüber den Kindern unterstützungspflichtig und leiste monatlich
zwischen Fr. 200.– und Fr. 400.– an Unterhaltsbeiträgen, jeweils abhängig von
seinen finanziellen Möglichkeiten. Er habe kein Vermögen, dafür Schulden, und
zwar wegen unbezahlter Steuerrechnungen und Unterhaltsbeiträgen (Prot. I
S. 12 f.; Urk. 67 S. 2 f.). Den geschilderten persönlichen Verhältnissen kann
nichts entnommen werden, was straferhöhend oder -mindernd Einfluss hätte.
5.2. Vorleben
Im Strafregister hat der Beschuldigte folgende Einträge erwirkt (Urk. 13/1 und
Urk. 61):
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- 6. März 2006, Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 16 Monate Gefängnis, unter
Anrechnung von 248 Tagen Untersuchungshaft, wegen mehrfachem Diebstahl,
Hehlerei, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachem Hausfriedensbruch,
Missbrauch von Ausweis und Schildern, mehrfacher Entwendung eines Motor-
fahrzeuges zum Gebrauch, mehrfachem Fahren ohne Führerausweis, mehrfa-
cher grober Verkehrsregelverletzung, einfacher Verletzung von Verkehrsregeln
und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes.
- 9. August 2010, Staatsanwaltschaft See/Oberland, Geldstrafe von 30 Tages-
sätzen zu Fr. 70.–, unter Anrechnung von 1 Tag Haft, wegen Beschäftigung
von Ausländern ohne Bewilligung.
- 5. September 2011, Staatsanwaltschaft March, Geldstrafe von 30 Tagessätzen
zu Fr. 90.– und Busse von Fr. 500.– wegen Missbrauchs von Ausweisen und
Schildern, mehrfacher Verletzung von Verkehrsregeln, Fahrens ohne Füh-
rerausweis und Fahrens ohne Fahrzeugausweis oder Kontrollschildern.
- 16. Mai 2013, Staatsanwaltschaft Luzern, Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu
Fr. 50.– wegen versuchter Nötigung.
- 10. Dezember 2015, Staatsanwaltschaft March, Geldstrafe von 180 Tages-
sätzen zu Fr. 30.– und Busse von Fr. 200.–, unter Anrechnung von 1 Tag Haft,
wegen Vernachlässigung von Unterstützungspflichten, Nichtabgabe von Aus-
weisen und/oder Kontrollschildern, mehrfachem Führen eines Motorfahrzeugs
ohne Führerausweis, Hinderung einer Amtshandlung, Fahrenlassen ohne
Fahrzeugausweis oder Kontrollschildern sowie ohne Haftpflichtversicherung,
missbräuchlicher Verwendung von Ausweisen und/oder Kontrollschildern,
mehrfacher Verfügung über mit Beschlag belegten Vermögenswerten.
- 31. März 2016, Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten, Geldstrafe von 20 Tages-
sätzen zu Fr. 50.– wegen Nichtabgabe von Ausweisen und/oder Kontrollschil-
dern.
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- 4. November 2016, Staatsanwaltschaft Graubünden, Geldstrafe von 90 Tages-
sätzen zu Fr. 110.– wegen Störung des öffentlichen Verkehrs und Führen eines
Motorfahrzeuges ohne Führerausweis.
- 31. August 2017, Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten, unbedingte Freiheits-
strafe von 6 Monaten und Busse von Fr. 500.– wegen Fälschung von Aus-
weisen, Übertretung des Bundesgesetzes gegen die Schwarzarbeit und Führen
eines Motorfahrzeuges ohne Führerausweis.
Von diesen acht Vorstrafen betreffen fünf das Fahren ohne Führerausweis und
sind somit einschlägig. Der Beschuldigte meinte vor Vorinstanz auf Vorhalt seines
Strafregisters, es gebe halt immer wieder Notfallsituationen, die ihn zwängen zu
fahren (Prot. I S. 14). Allein eine Rechtfertigung ist dies nicht und die Vorstrafen,
insbesondere die einschlägigen, dokumentieren eine exemplarische Unbelehrbar-
keit des Beschuldigten. Dies muss, vor allem in Bezug auf das erneute Fahren
ohne Führerausweis, massiv straferhöhend bewertet werden. Kommt hinzu, dass
der Beschuldigte nur unmittelbar nach seiner am 25. Mai 2018 erfolgten beding-
ten Entlassung aus dem Strafvollzug und somit innerhalb der Probezeit erneut
delinquierte und dies einschlägig und mit direktem Vorsatz (Urk. 61 S. 4). Ein
solches Verhalten fällt ebenfalls deutlich straferhöhend ins Gewicht.
5.3. Nachtatverhalten
Der Beschuldigte ist nicht geständig, was sich zwar nicht straferhöhend auswirkt,
aber auch nicht mindernd. Gemäss aktuellem Strafregisterauszug vom 22. Okto-
ber 2019 sind zwei neue Strafuntersuchungen gegen den Beschuldigten hängig,
wobei ein Verfahren den Vorwurf des Führens eines Motorfahrzeuges ohne er-
forderlichen Führerausweis betrifft (Urk. 61). Mit der Verteidigung sind diese Ver-
fahren aufgrund der geltenden Unschuldsvermutung vorliegend nicht zu berück-
sichtigen (vgl. Prot. II S. 12).
6. Strafart
Gemäss Art. 34 Abs. 1 StGB ist bei Strafen bis zu sechs Monaten grundsätzlich
eine Geldstrafe die Regelstrafe. Der Beschuldigte weist acht Vortrafen auf, davon
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fünf einschlägige. Er hat zudem Schulden bzw. seine finanziellen Verhältnisse
sind knapp. Es ist offenkundig, dass er sich deshalb durch eine Geldstrafe kaum
würde abhalten lassen, weiter zu delinquieren. Er ist nicht geständig und sein
Verschulden ist insgesamt nicht mehr leicht. Die beiden Straftaten, Fahren ohne
Führerausweis und die falsche Anschuldigung, stehen zudem in engem Zusam-
menhang, weshalb eine gleichartige Strafe für beide Delikte angezeigt ist (s.a.
Urteil des Bundesgerichts 6B_1196/2015 vom 27. Juni 2016, E. 2.4.2. m.H.). Es
kann deshalb nur die Sanktionierung mit einer Freiheitsstrafe in Frage kommen.
7. Strafhöhe
Obwohl das Verschulden für die jeweils zu verurteilenden Delikte noch im unters-
ten Bereich liegt, erscheint die von der Vorinstanz ausgesprochene Strafe von
11 Monaten Freiheitsstrafe aufgrund der tatunabhängigen Faktoren, insbesondere
der zahlreichen und einschlägigen Vorstrafen sowie der Delinquenz während
laufender Probezeit, vorliegend als angemessen.
8. Widerruf und Gesamtstrafe
8.1. Wie bereits erwähnt, wurde der Beschuldigte mit Strafbefehl der Staats-
anwaltschaft Muri-Bremgarten vom 31. August 2017 wegen Führens eines Motor-
fahrzeuges ohne Führerausweis und wegen Fälschung von Ausweisen zu einer
unbedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Gemäss Strafregister
wurde er am 25. Mai 2018 aus dem Vollzug bedingt entlassen, bei einer ver-
bleibenden Reststrafe von 61 Tagen und Ansetzung einer Probezeit von 1 Jahr
(Urk. 61). Da der Beschuldigte während der Probezeit einschlägig delinquierte, ist
besagte Reststrafe zu vollziehen. In Anwendung von Art. 89 Abs. 6 StGB ist da-
her mit der für die vorliegend angeklagten Delikte auszusprechenden Strafe eine
Gesamtstrafe nach den Grundsätzen von Art. 49 StGB zu bilden.
8.2. Insgesamt erscheint somit eine Freiheitsstrafe von 12 Monaten ange-
messen. Wegen der zahlreichen zum Teil einschlägigen Vorstrafen ist dem Be-
schuldigten eine schlechte Bewährungsprognose zu stellen. Durch eine bedingte
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Strafe lässt er sich nicht im Geringsten beeindrucken. Deshalb ist die Strafe zu
vollziehen (Art. 42 Abs. 1 StGB).
9. Busse für die Verkehrsregelverletzungen
Für das Linksabbiegen sowie das Befahren der E._-Platzstrasse von der
C._-Strasse aus in Widerhandlung der entsprechenden Verbotsbeschilde-
rung, wurde der Beschuldigte vor Vorinstanz mit einer Busse von Fr. 200.– be-
straft. Die Verteidigung machte auch hierzu an der Berufungsverhandlung keine
Ausführungen. Die Bussenhöhe entspricht dem Verschulden und den finanziellen
Verhältnissen des Beschuldigten. Die Busse ist deshalb zu bestätigen. Es ist eine
Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall der Nichtbezahlung festzusetzen, wobei praxis-
gemäss von einem Umwandlungssatz von 1 Tag pro Fr. 100.– auszugehen ist.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kostenauflage
Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Berufung vollumfänglich. Die erstinstanz-
liche Kostenfestsetzung und -auflage (Dispositivziffern 6 und 7) ist deshalb zu
bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO) und der Beschuldigte hat auch die Kosten des
Berufungsverfahrens zu tragen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die zweitinstanzliche Ge-
richtsgebühr ist dabei auf Fr. 3'000.– festzusetzen. Die Kosten der amtlichen Ver-
teidigung sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Eine Rückforderung
vom Beschuldigten, sobald seine wirtschaftlichen Verhältnisse es erlauben, ist
vorbehalten (Art. 135 Abs. 4 StPO).
2. Entschädigung amtliche Verteidigung
Die mit Honorarnote vom 7. November 2019 geltend gemachten Aufwendungen
der amtlichen Verteidigung über Fr. 2'267.50 erweisen sich insgesamt als an-
gemessen (Urk. 64 und 66). Daneben sind dem amtlichen Verteidiger gemäss
dessen Ausführungen zusätzlich 4.5 Stunden für die Erarbeitung des Plädoyers
sowie die Aufwendungen im Zusammenhang mit der heutigen Berufungsverhand-
lung samt Weg und Nachbesprechung (insgesamt rund 4 Stunden) zu vergüten
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(Prot. II S. 12). Es erscheint daher angemessen, Rechtsanwalt lic. iur. X._ für
seine Aufwendungen im Berufungsverfahren gesamthaft mit pauschal Fr. 4'200.–
(inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.