Decision ID: 9bb6de6d-ef39-4277-9955-a9d087ae3f1a
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1989, stellte am 14. Februar 2021 einen Antrag auf Prämienverbilligung
für das Jahr
2020 (Urk. 7/6).
Anlässlich eines
Telefonat
s
vom 12. Februar
2021,
mit E-Mail vom 16. Februar 2021
(Urk. 7/7) sowie mit Schreiben vom 11. März 2021 (Urk. 7/5) teilten
ihm die Gesundheitsdienste
der Stadt
Zürich (nachfolgend Gesundheitsdienste) mit, es bestehe kein entsprechender
Anspruch. Am 17. März 2021 (Urk. 7/4) verlangte
X._
eine anfechtbare Verfügung, worauf die Gesundheitsdienste am 31. März 2021 verfügten, es könne ihm für das Jahr 2020 keine individuelle Prämienverbilligung
(IPV)
zugesprochen werden (Urk. 7/3).
Die dagegen am 3. April 2021 (Urk. 7/2/1
) erhobene Einsprache wiesen
die Gesundheitsdienste mit Entscheid vom 7. Juni 2021 ab (Urk. 7/1 = Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 7. Juni 2021 (Urk. 2) erhob
X._
am 22. Juni 2021 Beschwerde und beantragte, dieser sei aufzuheben und es sei ihm für das Jahr 2020 die individuelle Prämienverbilligung zu gewähren (Urk. 1 S. 1).
Die
Beschwerdegegnerin
beantragt
e in der Beschwerdeantwort vom 5
.
August
2021
(Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde
, was dem Beschwerdeführer am 10
.
August
2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer für das Jahr 2020 im Kanton Zürich Anspruch auf einen Prämienverbilligungsbeitrag hat. Gestützt auf
§
11
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) wird der Fall, welcher aufgrund seines Streitwertes grundsätzlich im Bereich der einzel
richterlichen Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1
GSVGer
) liegt, wegen seiner
grundsätz
lichen
Bedeutung der Ka
mmer zur Behandlung überwiesen.
1.2
Gemäss
Art.
65
Abs.
1 Satz 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) gewähren die Kantone Versicherten in bescheidenen wirtschaftlichen Ver
hältnissen Prämienverbilligungen. Gemäss
Abs.
3 dieser Bestimmung sorgen die Kantone dafür, dass bei der Überprüfung der Anspruchsvoraussetzungen, ins
besondere auf Antrag der versicherten Person, die aktuellsten Einkommens- und Familienverhältnisse berücksichtigt werden. Ausserdem sorgen sie gemäss
Art.
65
Abs.
3 Satz 2 KVG nach der Feststellung der Bezugsberechtigung dafür, dass die Auszahlung der Prämienverbilligung so erfolgt, dass die anspruchsberechtigten Personen ihrer Prämienzahlungspflicht nicht vorschussweise nachkommen müssen.
1.3
Nach der Rechtsprechung geniessen die Kantone eine erhebliche Freiheit in der Ausgestaltung der Prämienverbilligung, indem sie autonom festlegen können, was unter "bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen" zu verstehen ist. Des
halb stellen die von den Kantonen erlassenen Bestimmungen bezüglich der Prämienverbilligung in der Krankenversicherung grundsätzlich autonomes kantonales Ausführungsrecht zu Bundesrecht dar (BGE 136 I 220 E. 4.1; BGE 134 I 313 E. 3 mit weiteren Hinweisen).
Im Kanton Zürich ist die Prämien
verbilligung
im Einführungsgesetz
zum Krankenversicherungsgesetz (EG KVG) und der vom Regierungsrat erlassenen Verordnung zum EG KVG (VEG KVG) geregelt.
Die Erlasse wurden in den
Jahr
en 2019 und
2020 revidiert.
1.4
Laut
§
8
Abs.
1 EG KVG
vom 13. Juni 1999
in der bis 3
1.
März
2020 gültigen Fassung
(nachfolgend:
aEG
KVG)
wu
rd
e
die Prämienverbilligung Personen in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen mit steuerrechtlichem Aufenthalt oder Wohnsitz und zivilrechtlichem Wohnsitz im Kanton gewährt. Der Anspruch auf Prämienverbilligung beurteilt
e
sich nach den persönlichen Verhältnissen am
1.
April des dem Auszahlungsjahr vorangehenden Jahres (Stichtag) und den am Stichtag bekannten wirtschaftlichen Verhältnissen (
§
9
Abs.
1
a
EG
KVG). Die wirtschaftlichen Verhältnisse bestimm
t
en sich nach dem steuerbaren Gesamt
einkommen und steuerbaren Gesamtvermögen gemäss der am Stichtag im Kanton vorliegenden jüngsten Steuereinschätzung. Einschätzungen für Steuerperioden, die mehr als vier Jahre hinter dem
Auszahlungsjahr zurückliegen, wu
rden nicht berücksichtigt (
§
9
Abs.
2 EG KVG).
W
ichen die wirtschaftlichen Verhältnisse einer Person von dem gemäss
§
9 Abs. 1 und 2 EG KVG bestimmt
en Einkommen und Vermögen ab, ko
nn
te
sie ab dem Folgejahr für dieses Jahr bei der Gemeinde eine Prämienverbilligung oder deren Anp
assung verlangen. Der Antrag war
nur für das betreffende Jahr gültig
(
§
16 Abs. 1 VEG KVG
vom 6. November 2013
in der bis 3
1.
März 2020 gültig gewesenen Fassung; nachfolgend
aVEG
KVG
). D
ie Gemeinde
entschied
über den Anspruch und leitet
e
die
Daten an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA)
weiter. Massgebend
waren
die wirtschaftlichen Verhältnisse gemäss den Steuerfaktoren des Vorjahres zum Jahr, für das der Antrag gestellt
wurde
(
§
16 Abs. 2
aVEG
KVG).
1.5
Die aktuell geltende VEG KVG
vom 25. März 2020
(gültig ab
1.
April 2020)
ihrerseits ist gemäss der Schlussbestimmung von
§
62 erstmals für das Prämien
verbilligungsjahr (Anspruchsjahr) 2021 anwendbar (Abs. 1). Ansprüche und Ver
fahren bis und mit Prämienverbilligungsjahr 2020 richten sich hingegen noch nach dem bisherigen, soeben dargelegten (E. 1.4) Recht (Abs. 2).
1.6
Gemäss
§
9 Abs. 1 des
aktuell geltenden
EG KVG
vom 29. April 2019
(gültig ab
1.
April 2020 beziehungsweise
unverändert
ab
1.
Januar 2021)
bestimmt sich d
as massgebende Einkommen nach der aktuellsten Steuereinschätzung. Einschätzungen für Steuerperioden, die
mehr als vier Jahre hinter dem An
spruchsjahr zurückliegen, werden nicht
berücksichtigt.
Bei der provisorischen Bestimmung der Prämienverbilligung wird auf die aktuellsten, höchstens vier Jahre hinter dem Anspruchsjahr zurückliegenden Steuerdaten abgestellt (
§
6 Abs. 1 VEG KVG). Bei der definitiven Bestimmung der Prämienverbilligung wird auf die Steuereinschätzung des Anspruchsjahres abge
stellt (
§
6 Abs. 3 VEG KVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (Urk. 2) davon aus, dass dem Beschwerdeführer gestützt auf die reguläre Beurteilung nach
§
9 Abs. 1 und 2
aEG
KVG keine Prämienverbilligung für das Jahr 2020 zugesp
rochen wer
den könne:
Stichtag für das Prämienverbilligungsjahr 2020 sei der 1. April 2019
, die jüngste zu diesem Zeitpunkt vorliegende Steuereinschätzung sei jene des Jahres 2017 mit Rechnungsdatum 10. Dezember 2018 gewesen, welche ein über der Berechtigungsgrenze von Fr. 36'300.
--
liegendes Gesamteinkommen von Fr. 43'200.-- ausgewiesen habe (Ziff. 15).
Bei einer Neub
eurteilung gemäss
§
16 Abs. 2
a
VEG
KVG aufgrund veränderter wirtschaftlicher Verhältnisse seien die Steuerfaktoren des Vorjahres zum Jahr, für das der Antrag gestellt worden sei, massgebend. Die definitive Steuerrechnung 2019 weise indes ebenfalls ein über der Berechtigungsgrenze von Fr. 36'300.--liegendes steuerbares
Gesamteinkommen von Fr. 40'200.--
aus, womit dem Beschwerdeführer auch bei einer Neubeurteilung keine Prämienverbilligung zu
gesprochen werden könne (Ziff. 16).
Dem Antrag des Beschwerdeführers, die Beurteilung des Anspruchs auf Prämien
verbilligung 2020 mit den Steuerfaktoren des Jahres 2020 vorzunehmen,
könne aufgrund der eng gefassten und klar formulierten Bestimm
ung von
§
16 Abs. 2
a
VEG
KVG nicht stattgegeben werden (Ziff. 17).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), es liege eine Verletzung von Bundesrecht durch die kantonale Rechtsetzung vor. Der Kanton Zürich habe mit der VEG KVG vom 25. März 2020, welche 2021 in Kraft getreten sei, seine Praxis aktualisiert und ziehe zur definitiven Bestimmung der Prämienverbilligung neu die Steuerfaktoren des Anspruchsjahres heran (
§
6 Abs. 3). Für das Jahr 2020 sei keine Übergangslösung vorgesehen worden, so dass
gemäss
§
16 Abs. 2
a
VEG
KVG die Steuerfaktoren des Vorjahres
(2019)
die Höhe der Prämienverbilligung bestimmten.
Personen, welche im Jahr 2020 ein tieferes steuerbares Einkommen als im Jahr 2019 erzielt hätten, erhielten dement
sprechend keine Prämienverbilligung. Die Einkommensverhältnisse des Jahres 2020 würden somit im Kanton Zürich – wohl absichtlich - vollkommen verdrängt (S. 1 Mitte).
Dieses Vorgehen verstosse gegen Bundesrecht. Die Kantone dürften gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung in Sachgebieten wie der Prämienver
billigung, die das Bundesrecht nicht abschliessend regle, nur solche Vorschriften erlassen, die nicht gegen Sinn und Geist des Bundesrechts verstiessen und dessen Zweck nicht beeinträchtigten oder vereitelten. Einfach ein ganzes Jahr zu über
springen und die Einkommenssituation in diesem Jahr nicht zu beachten, könne nicht Ziel einer solidarisch gestalteten Krankenversicherung sein (S. 1 f.). Diese Praxis sei deshalb einer konkreten Normenkontrolle zu unterziehen. Sie betreffe im Übrigen alle Personen, welche 2020 – etwa wegen Corona - weniger verdient hätten als 2019 (S. 2).
2.3
In der Beschwerdeantwort (Urk. 6) führte die Beschwerdegegnerin aus, sie sei bei der Beurteilung des Anspruchs auf Prämienverbilligung 2020 an die für dieses Prämienverbilligungsjahr massgebenden gesetzlichen Grundlagen gebunden. Es liege nicht in der Kompetenz oder im Ermessen der Gemeinde als Vollzugsorgan, von den unmissverständlichen Rechtsgrundlagen abzuweichen und in Ab
weichung von deren Wortlaut eine Übergangslösung zwischen altem und neuem Recht zu gestalten. Infolgedessen habe der Antrag des Beschwerdeführers nicht anders beurteilt werden können.
2.4
Unbestritten
und ausgewiesen
ist, dass der Beschwerdeführer ges
tützt auf das
kantonale
Recht
(vorstehend E. 1.4-6)
über keinen Anspruch auf Prämienver
billigung für das Jahr 2020 verfügt. Zu prüfen ist, ob
die kantonalen Bestimmungen eine genügende gesetzliche Grundlage für die Anspruchsprüfung darstellen und insbesondere, ob sie
gegen
übergeordnetes Recht
verstossen.
Gegebenenfalls wäre zu prüfen, ob gestützt auf letzteres ein Anspruch auf Prämienverbilligung für das Jahr 2020 besteht beziehungsweise – angesichts der
noch nicht im Recht liegenden Ausweise über das im Jahr 2020 erzielte Ein
kommen – zumindest bestehen könnte.
3.
3.1
Die in den Jahren 2019 und 2020 vorgenommenen Anpassungen im Prämien
verbilligungsrecht des Kantons Zürich wurden insoweit, als sie für den vorliegenden Fall relevant sind, bereits dargestellt (vorstehend E. 1.4-6). Die Revision erfolgte unter anderem mit der Zielsetzung, die Bedarfsgerechtigkeit des Prämienverbilligungssystems zu verbessern: Von einer Prämienverbilligung
soll
en diejenigen Personen profitieren, welche wegen ihrer schlechten finanziellen Situation am Dringendsten auf eine staatliche Unterstützung an
gewiesen sind (Weisung des Regierungsrats vom 21. September 2016, Amtsblatt des Kantons Zürich Nr. 40 vom 7. Oktober 2016 [ABI 2016-10-07
]
S. 23 Ziff. 5.2).
Zudem sollte
erreicht werden, dass
fortan sämtliche Änderungen der persönlichen
oder finanziellen Verhältnisse
nach einheitlichen Grundsätzen behandelt werden
(a.a.O., S. 34 Ziff. 5.3).
3.2
Die
Zuständigkeit zur Gesetzgebung
im Kanton Zürich obliegt dem Parlament, mithin dem Kantonsrat
(Art. 54 Abs. 1
lit
. b der Verfassung des Kantons Zürich, KV). Das neue EG KVG
vom 29. April 2019
wurde demnach kompetenzgemäss vom Kantonsrat erlassen.
Da das IPV-Verfahren bereits im Frühling des Vorjahres zum
ersten
Anspruchsjahr
2021 nach der neuen Rechtslage
beginnen muss
te
(Feststellung der Personen mit Anspruch auf IPV und Zustellung der Antrags
formulare an diese Personen), trat das neue Gesetz bereits am 1. April 2020 in Kraft (Beschluss des Regierungsrats des Kantons Zürich Nr. 175/2020 vom 26. Februar 2020).
Gemäss
§
9 EG KVG bestimmt sich das massgebende Einkommen nach der aktuellsten Steuereinschätzung. Einschätzungen für Steuerperioden, die mehr als vier Jahre hinter dem Anspruchsjahr zurückliegen, werden nicht
berücksichtigt (Abs. 1). Liegt keine den Anforderungen von
Abs.
1 genügende Steuerein
schätzung vor, wird auf die aktuellste Steuererklärung abgestellt (Abs. 2)
.
Liegt keine Steuererklärung vor, wird auf andere Ausweise über das Einkommen ab
gestellt
(Abs. 3).
In
§
9 Abs. 4 EG KVG wird festgelegt, dass d
er Regierungsrat die Einzelheiten in der Verordnung
regeln solle
.
Demnach ist
nicht
zu beanstanden, dass der Regierungsrat
festlegte, es sei b
ei der definitiven Bestimmung der Prämienverbilligung auf die Steuereinschätzung des
Anspruchsjahres
abzustellen (
§
6 Abs. 3 VEG KVG),
und
das neue Recht
sei
erst
mals für das Prämienverbilligungsjahr (Anspruchsjahr) 2021 anwendbar (
§
62 Abs. 1),
wobei
sich Ansprüche und Verfahren bis und mit Prämienverbilligungs
jahr 2020 hingegen noch nach dem bisherigen Recht
zu
richten
hätten
(
§
62 Abs. 2; vgl. vorstehend E. 1.5-6).
Die erwähnten Verordnungsbestimmungen stellen demnach eine genügende gesetzliche Grundlage für die IPV-Anspruchsprüfung dar
.
3.3
Unbestritten und ausgewiesen ist, dass der Beschwerdeführer
bei Anwendung des kantonalen Rechts
über keinen Anspruch auf Prämienverbilligung für das Jahr 2020 verfügt (vorstehend E. 2.4).
Der Beschwerdeführer erachtet
dieses
indes als bundesrechtswidrig und verlangt eine konkrete Normenkontrolle (E. 2.2).
3.4
Das Bundesrecht macht gegenläufige Vorgaben für das IPV–Verfahren: Einerseits müssen die Kantone dafür sorgen, dass die Berechtigten ihrer Prämienzahlungs
pflicht «nicht vorschussweise nachkommen müssen» (Art. 65 Abs. 3 Satz 2 KVG).
Die
s setzt voraus, dass die SVA den Versicherern noch vor Beginn des Anspruchs
jahres die Höhe der IPV der einzelnen Versicherten mitteilt, sodass die Versicherer Prämienrechnungen ausstellen können, die nur noch die Restprämien (Kranken
kassenprämie abzüglich IPV) umfassen. Anderseits müssen bei der Prüfung des IPV-Antrags «die aktuellsten Einkommens- und Familienverhältnisse berück
sichtigt werden» (
Art.
65
Abs.
3 Satz 1 KVG). Da die persönlichen und finanziellen Verhältnisse einer Person erst in der Gegenwart
beziehungsweise
im Nachhinein feststehen, führte diese gesetzliche Anforderung
für sich gesehen
dazu, dass die
I
PV erst am Ende des Anspruchsjahres ausbezahlt werden könnte (ABI 2016-10-07 S. 19 Ziff. 4.2).
In Anbetracht dieses vom Bundesrecht vorgegebenen Spannungsfeldes ist die vom kantonalen Verordnungsgeber getroffene Lösung, bei der provisorischen Bestimmung der IPV auf die aktuellsten Steuerdaten und bei der definitiven Bestimmung der IPV auf die Steuereinschätzung des Anspruchsjahres abzustellen (vgl. E. 1.6)
,
nicht zu beanstanden, zumal
sowohl
im Zeitpunkt der
provisorischen als auch der definitiven Bestimmung
der IPV auf die
jeweils
aktuellsten verfüg
baren Steuerdaten abgestellt wird.
Verändern sich die Grundlagen zur Berechnung der Prämienverbilligung einer Person, sodass sie eine wesentlich höhere Prämienverbilligung zugute hätte, kann
sie
im Folg
ejahr deren Anpassung verlangen (
§
11 Abs. 1 EG KVG).
In Härtefällen und in weiteren in der Verordnung bezeichneten Fällen kann die SVA die Prämienverbilligung bereits im Jahr, in dem die Änderung eingetreten ist, ganz
oder teilweise anpassen
(
§
11 Abs. 3 EG KVG)
.
Damit ist auch der bundesrecht
lichen Vorgabe, eine vorschussweise Prämienzahlung durch die Berechtigten möglichst zu verhindern, genüge getan, zumal die erhebliche Freiheit der Kantone in der Ausgestaltung der Prämienverbilligung zu respektieren ist (vorstehend E. 1.3).
3.5
D
er Beschwerdeführer
rügt
ferner
als bundesrechtswidrig
, dass die Einkommens
verhältnisse des Jah
res 2020 vollkommen verdrängt wü
rden
(E. 2.2)
,
nachdem sie
für die
Beurteilung des Anspruchs auf individuelle
Prämienverbilligung
weder
im Jahr 2020 noch im Jahr 2021 noch in einem anderen Jahr die massgebliche Berechnungsgrundlage bilde
te
n
(E. 2.2)
.
Zunächst ist festzuhalten, dass eine vollständige Verdrängung der Einkommens
verhältnisse des Jahres 2020 nicht stattfindet, nachdem diese grundsätzlich zur provisorischen Bestimmung der Prämienverbilligung für eines der nachfolgenden Anspruchsjahre herbeigezogen werden (
§
6 Abs. 1 VEG KVG). Demgegenüber trifft es zu, dass bei der definitiven Bestimmung der Prämienverbilligung für kein Anspruchsjahr auf die Einkommensverhältnisse des Jahres 2020 abgestellt wird.
3.
6
Mit
der Handhabung von allfälligen
Bemessungslücken hat sich das Bundes
gericht bereits
diverse
Male auseinandergesetzt. Im Urteil
9C_154/2008
vom 18. August 2008
ging es um die Festsetzung von B
eiträgen des selbständig erwerbstätigen Beschwerdeführers an die Ausgleichskasse. Dieser
hatte
im Geschäftsjahr 2000
einen
aus
serordentlichen Kapitalverlust in der Höhe von Fr.
928'206
.--
erlitten
.
U
nter der bis Ende 2000 gültig gewesenen Rechtslage
war
eine periodenübergreifende Verlustverrechnung im Bereich des AHV-Beitragsrechts nicht zul
ässig
(Vergangenheitsbemessung mit zweijähriger Beitrags- und Bemessungsperiode;
Art.
22
Abs.
1 und 2
der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversi
cherung
, AHVV,
in der bis 3
1.
Dezember 2000 in Kraft gewesenen Fassung), anders als unter der ab
1.
Januar 2001 geltenden Rechtslage
(Urteil E. 3.2). D
er Verlust aus dem Jahre 2000
wurde daher
auch
bei
der Bemessung des beitragspflichtigen Einkommens des Jahres 2001 nicht berücksichtigt
.
Dass die Umstellung auf die Gegenwartsbemessung zu einer Bemessungslücke führt,
sei bereits vom
Eidg
enössischen
Versicherungsgericht als gesetz- und verfassungsmässig beurteilt
worden
(SVR 2
003 AHV Nr. 14 S. 36, H 319/01), so das Bundesgericht.
Es
sei
im Ermessen des Verordnungsgebers
gestanden
, in den Übergangsbestimmungen
für in der Bemessungslücke erzielte Kapitalgewinne die Erhebung von Sonderbeiträgen vorzusehen
,
und in der Bemessungslücke anfallende Einkommensminderungen, auch wenn sie al
s aus
serordentlich zu gelten hätt
en, unberücksichtigt zu lassen
(Urteil E. 3.3).
3.
7
Dem
Urteil H 319/01 vom 28. Januar 2003
hatte ein vergleichbarer Sachverhalt zugrunde gelegen. Das
Eidgenössische Versicherungsgericht
hatte festgehalten
, d
ie Änderung der zeitlichen Bemessungsgrundlage für die AHV-Beiträge der
Selbstständigerwerbenden
im Sinne der Ablösung der Vergangenheits- durch
die Gegenwartsbemessung entspreche
dem diesbezüglichen Wechsel im Steuerrecht (Ersetzung der
Pränumerandobesteuerung
mit Vergangenheitsbemessung durch die
Postnumerandobesteuerung
mit Gegenwartsbemessung), welchen die meisten Kantone ebenfalls mit Wirkung per
1.
Januar 2001 vollzogen
hätten.
Analog zur steuerrechtlichen Beurteilung (nicht veröffentlichte Urteile G. vom 1
1.
Juli 2002, 2A.557.2001
,
und R. vom
7.
Dezember 2001, 2A.124/2001)
sei
die Gesetzes- und Verfassungskonformität sowohl dieser Umstellung als auch der diesem Vorgang inhärenten Entstehung einer Bemessungslücke zu bejahen
(Urteil E. 5.
2).
3.
8
Vorliegend handelt es sich im Ergebnis ebenfalls um eine Ablösung
der
Ver
gangenheits
- durch
die Gegenwartsbemessung im Bereich der
individuellen
Prämienverbilligung. Diese ist mit Blick auf die zitierte Praxis des
Bundesgerichts (E. 3.6-7
) als zuläss
ig zu erachten.
Eine Bemessungslücke lässt sich
bei einem
derartigen
Systemwechsel
naturgemäss nich
t
vermeiden und ist hinzunehmen.
Inwiefern damit g
egen den Sinn und Geist
von Art. 65 KVG
verstossen
und dessen Zweck beeinträchtigt oder
gar
vereitelt
würde (vgl. BGE 134 I 125 E. 2.1), wurde vom Beschwerdeführer nicht näher dargetan und
ist
auch nicht ersichtlich.
3.9
Der angefochtene
Einspracheentscheid
erweist sich demgemäss als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.