Decision ID: e170f17a-081c-4ef6-b06f-5ca3916d204a
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
K._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Gabriela Grob Hügli, procap, Schweizerischer
Invaliden-Verband, Froburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen
Sachverhalt:
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A.
A.a Die 1966 geborene K._ meldete sich am 4./10. Februar 2004 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an und beantragte namentlich Berufsberatung,
Umschulung, Wiedereinschulung, Arbeitsvermittlung und eine Rente. Sie habe den
Beruf der Zahnarztgehilfin gelernt. Seit 1995 sei sie als Hausfrau tätig. Sie sei seit dem
16. Januar 2003 zu 100 % arbeitsunfähig (bescheinigt durch die Orthopädische Klinik
des Kantonsspitals Liestal vom 10. Oktober 2003).
A.b Dr. med. A._, FMH Innere Medizin, spez. Rheumatologie, gab in ihrem
Arztbericht vom 9. März 2004 als Diagnosen an, es liege eine symmetrische
seronegative ANA negative Polyarthropathie mit nur knochenszintigraphisch
dokumentierter Entzündungsaktivität vor. Die Versicherte sei seit dem 3. September
2003 zu 100 % arbeitsunfähig. Sie gehe keiner beruflichen Tätigkeit nach, lebe in
Scheidung und versorge die beiden Kinder im Alter von dreizehn und acht Jahren und
den Haushalt. Sie könnte aber gegenwärtig keiner ausserhäuslichen Tätigkeit
nachgehen und nach ihren Angaben sei sie auch im Haushalt eingeschränkt. Ihr
Gesundheitszustand sei aber besserungsfähig. Eine ergänzende medizinische
Abklärung sei angezeigt. Es bestehe ein hochgradiger Verdacht auf eine beginnende
entzündliche Gelenkserkrankung. Die Rheumaserologie sei zurzeit negativ. In einem
beigelegten Bericht hatte Dr. med. B._, Rheumatologie FMH, der Ärztin am 2. März
2004 berichtet, die Versicherte sei trotz Medikamenteneinnahme nicht beschwerdefrei.
Er ginge von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % noch aus, bis in etwa zwei Monaten
die Wirkung eines einzusetzenden Basismedikaments zu erwarten sei. Er schlage eine
MEDAS-Abklärung vor.
A.c Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung (Dr. med. C._)
hielt am 25. März 2004 weitere Abklärungen zurzeit nicht für sinnvoll. Die Versicherte
sei zu 100 % arbeitsunfähig.
A.d In ihrem Arztbericht vom 3. Juli 2004 gab Dr. med. D._, FMH Psychiatrie/
Psychotherapie, an, es bestünden eine Polyarthritis (seit 2001) und eine Erschöpfungs-
Depression (seit 2001 bzw. Sommer 2003). Die Versicherte sei seit 2003 zu 100 %
arbeitsunfähig. Die Erschöpfung werde eventuell bessern, wenn die Konflikte
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(Scheidungsverfahren) und die Mehrfachbelastung gelöst seien. Die Arbeitsfähigkeit
hänge vom Verlauf der Polyarthritis ab, weshalb entsprechende Angaben von Dr. A._
einzuholen seien. Die Versicherte sei wegen der Polyarthritis zu 100 % arbeitsunfähig.
Einem Arztzeugnis von Dr. D._ vom 19. April 2004 war zu entnehmen gewesen, dass
die Versicherte psychisch nicht belastbar sei und mit den Konflikten um die
Ehetrennung und der Betreuung der Kinder oft an die Grenze der Belastbarkeit komme.
Eine Arbeit könne daher auch aus psychiatrischer Sicht nicht zugemutet werden.
A.e Mit Schreiben vom 5. Juli 2004 liess die Versicherte beantragen, sie als
Erwerbstätige einzustufen. Aufgrund der Trennung von ihrem Ehemann sei sie
gezwungen, einer Tätigkeit nachzugehen, was aber krankheitshalber nicht möglich sei.
Eine Wiederaufnahme ihres Berufes als Zahnarztgehilfin müsste sie wegen der
finanziellen Probleme sofort in die Wege leiten. Die beiden Töchter seien dabei kein
Hindernis.
A.f Dr. B._ benannte in seinem Arztbericht vom 11. August 2004 als Diagnosen eine
seronegative Polyarthralgie und ein fibromyalgisches Syndrom. Als Hausfrau und in
einer Bürotätigkeit sei die Versicherte (trotz glaubhaften Schmerzen) zu 100 %
arbeitsfähig. Zu vermeiden seien Belastungen durch Heben von Gewichten über zehn
bis 20 kg. Aufgrund des sehr guten Verlaufs sei nicht damit zu rechnen, dass eine
ernsthafte entzündlich rheumatische Erkrankung vorliege. Die Basistherapie könne
sistiert werden. Falls sich dann wider Erwarten Synovitiden objektivieren lassen
würden, wäre die Arbeitsfähigkeit neu zu evaluieren. Die Versicherte benötige keine
Hilfsmittel und sei nicht auf Hilfe Dritter angewiesen. Eine MEDAS-Abklärung sei zu
befürworten.
A.g Am 11. Oktober 2004 fand eine Abklärung an Ort und Stelle im Haushalt statt.
Dabei wurde erhoben, dass die Versicherte auf die Ausübung einer vollzeitlichen
ausserhäuslichen Tätigkeit angewiesen wäre, da sie seit Oktober 2002 von ihrem
Ehemann getrennt lebe und nun geschieden sei.
A.h Am 8./10. November 2004 meldete sich die Versicherte zum Bezug einer
Hilflosenentschädigung der IV an und erklärte, sie sei beim An- und Auskleiden, beim
Zerkleinern der Nahrung, bei der Körperpflege, beim Ordnen der Kleider und bei der
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Fortbewegung im Freien und der Pflege gesellschaftlicher Kontakte auf Hilfe
angewiesen. Dr. A._ erklärte dazu am 13. Juni 2005, während eines Schubes
benötige die Versicherte regelmässig beim Ankleiden und bei der Körperpflege der
Hilfe, ausserdem manchmal beim Essen, dann beim Gang auf die Toilette und beim
Ordnen der Kleider sowie beim Gehen zum Arzt oder in ein Restaurant. Schübe träten
seit November 2002 auf, und zwar monatlich etwa ein Mal. Am 31. August 2005
ergänzte die Ärztin, nach Angaben der Versicherten dauere die Hilfsbedürftigkeit
während eines Schubes unterschiedlich lange und sei sie auch ausserhalb eines
Schubes auf die Hilfe Dritter angewiesen (zeitweise beim Anziehen, dauernd für
schwere Haushaltarbeiten).
A.i Am 15. Februar 2005 war eine rheumatologisch/psychiatrische Abklärung
veranlasst worden und am 21. Dezember 2005 wurden Ergänzungsfragen zur
Hilfsbedürftigkeit vorgesehen.
A.j Die Klinik Gais berichtete am 11. Januar 2006 über einen Rehabilitationsaufenthalt
der Versicherten vom 28. November bis 23. Dezember 2005. Es lägen eine
Erschöpfungsdepression und eine Polyarthritis vor. Die erstere habe sich im Rahmen
einer psychosozialen Belastungssituation (schwierige Scheidungsproblematik,
Erziehungsschwierigkeiten) entwickelt. Bezüglich der Polyarthritis seien keine Probleme
aufgetreten. Die Rehabilitation habe zu einer verbesserten psychophysischen
Befindlichkeit geführt. Die Versicherte sei weiterhin nicht arbeitsfähig.
A.k Am 24. März 2006 erstattete das Begutachtungsinstitut ABI das Gutachten. Als
Hauptdiagnosen wurden benannt: (erstens) eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung, (zweitens) eine leichte depressive Episode und (drittens) ein
chronisches zervikozephales Schmerzsyndrom bei Wirbelsäulenfehlhaltung und -
fehlform und reaktiver deutlicher Myogelose der subokzipitalen Trapeziusmuskulatur
beidseits. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien die seronegative, nicht
klassifizierbare Polyarthritis, aktuell klinisch ohne objektivierbare Entzündungsaktivität,
und eine anamnestisch rezidivierende Migräne. Die Versicherte sei als Hausfrau in der
Arbeitsfähigkeit um 20 % eingeschränkt, im Wesentlichen betreffend körperlich
schwerer belastende Tätigkeiten (schwerere Einkäufe, Staubsaugen,
Wäscheaufhängen usw.). Die psychiatrisch bedingte Arbeitsunfähigkeit von 20 % sei
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nicht additiv zu werten. Für sämtliche wechselbelastenden, leichten bis mittelschweren
adaptierten beruflichen Tätigkeiten - unter Vermeiden von repetitivem Tragen und
Heben von Lasten über 10 kg sowie der Einhaltung einer fixierten Körperposition über
längere Zeit - bestehe eine ganztägig zumutbare Arbeitsfähigkeit mit einer
Leistungseinbusse aus psychiatrischer Sicht um 20 %.
A.l Mit Verfügung vom 25. April 2006 wies die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des
Kantons St. Gallen das Leistungsgesuch der Versicherten ab. Sie vermöge ganztägig
eine Leistung von 90 % zu erbringen. Die Erwerbseinbusse (Valideneinkommen
Fr. 47'136.--, Invalideneinkommen Fr. 36'000.--) mache 24 % aus. Ein Rentenanspruch
bestehe daher nicht.
A.m Die Versicherte liess am 18. Mai 2006 Einsprache erheben und Aufhebung der
Verfügung und Zusprechung einer Rente, eventualiter die Einholung eines neuen
Zeugnisses von Dr. A._, beantragen. Die Beurteilung des ABI erscheine,
insbesondere bezüglich der psychiatrischen Erkrankung, oberflächlich und
unvollständig. Der Austrittsbericht der Klinik Gais sei nicht entsprechend gewürdigt und
die behandelnde Psychiaterin Dr. med. E._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, sei nicht angefragt worden. Nach deren Angaben habe sich der
Zustand der Versicherten verschlechtert. Am 13. Juli 2006 liess die Versicherte
ergänzen, der psychiatrische Gutachter habe übersehen, dass sie seit mehr als einem
Jahr durch Dr. E._ behandelt werde. Nach deren Angaben vom 28. Juni 2006
ergäben sich klare Hinweise auf eine psychiatrische Komorbidität. Sie spreche von
einer schweren Depression der Versicherten. Es seien die Kriterien der Rechtsprechung
erfüllt, um von einer Unüberwindlichkeit der somatoformen Schmerzstörung
auszugehen. Die Versicherte sei daher auch in einer adaptierten Tätigkeit vollständig
arbeitsunfähig. Schliesslich sei auch der Einkommensvergleich unklar. Dr. E._ hatte
in ihrem Bericht vom 28. Juni 2006 angegeben, dass die Versicherte zu 75 %
arbeitsfähig sein sollte, mute grotesk an. Sie halte sie - seit sie sie im April 2005
erstmals gesehen habe - allein schon aus psychischen Gründen für zu 75 % invalid.
Leichte Haushaltarbeiten seien ihr bei freier Einteilungsmöglichkeit zumutbar, eine
berufliche Tätigkeit ausser Hauses hingegen infolge der Konzentrationsstörungen, der
Erschöpfung und Erschöpfbarkeit nicht. In Frage käme höchstens eine Tätigkeit von
zwei Stunden ohne Lastenheben (selbst nicht Ordner ablegen) und mit der Möglichkeit,
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sich alle halbe bis eine Stunde kurz hinzulegen. Eine Tätigkeit im Service sei schon seit
1996 nicht mehr möglich, auch im Haushalt sei sie schon seit dieser Zeit
eingeschränkt. Vor einem Jahr habe sie (die Ärztin) eine schwere Depression
diagnostiziert. Der Zustand der Versicherten habe sich unter Efexor nur vorübergehend
leicht gebessert. Bedingt durch die ständigen Gelenks- und Muskelschmerzen habe sie
mit einem Burnout in der Klinik Gais hospitalisiert werden müssen. Es sei zu einer
kurzfristigen leichten Erholung gekommen, die aber zehn Tage später schon wieder
beseitigt gewesen sei. Sie habe sich sozial total zurückgezogen, gehe nur mit ihrem
Lebenspartner einkaufen. Die Diskrepanz zu der Beurteilung des ABI erkläre sie sich
damit, dass es dort nicht gelungen sei, in die noch nicht aufgearbeiteten Traumata der
Versicherten vorzudringen, ohne sie zu traumatisieren. Die Reaktionen der Versicherten
auf die psychiatrische Exploration liessen an eine posttraumatische Belastungsstörung
denken. Die Versicherte sei nach der Begutachtung zusammengebrochen und habe
nicht mehr leben wollen. Es seien dabei die schrecklichen Bilder der geschilderten
sexuellen Übergriffe und des Kindestodes des Zweitgeborenen immer stärker in ihr
hochgestiegen. Nachdem sie mit dem Wunsch nach frischer Luft aufgestanden sei,
habe der psychiatrische Gutachter sie harsch zur Selbstbeherrschung angehalten
(wenn sie jetzt gehe, könne sie die IV vergessen). Es sei verwunderlich, dass sie (die
Ärztin) von der Invalidenversicherung nicht zur Einreichung eines ärztlichen Berichts
aufgefordert worden sei.
A.n Auf Vorhalt dieser Schilderungen teilte das ABI am 20. Oktober 2006 mit, an der
Beurteilung werde festgehalten. Die Besprechung früherer Traumata sei immer
schwierig. Es sei zu bedauern, dass die Versicherte sich nach der Exploration schlecht
gefühlt habe. Die Anschuldigung, sie bedroht und ihr für den Fall eines Unterbruchs
eine Rentenabweisung in Aussicht gestellt zu haben, werde aber in aller Form
zurückgewiesen. Der Verlauf depressiver Erkrankungen sei naturgemäss schwankend.
Zum Zeitpunkt der Untersuchung und in Berücksichtigung der Aktenlage hätten
keinerlei Hinweise darauf bestanden, dass die Versicherte an einer schweren
depressiven Störung leiden könnte. Das werde auch durch den Bericht der Klinik Gais
bestätigt. Entgegen ihren Behauptungen nehme die Versicherte die Antidepressiva nur
unregelmässig ein, was ein Hinweis gegen das Vorliegen einer schweren depressiven
Störung sei.
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A.o Dr. E._ teilte am 15. November 2006 mit, die Versicherte habe am 25. September
2006 einen erst zu nehmenden Suizidversuch unternommen.
A.p Die Versicherte liess am 4. Dezember 2006 darlegen, es sei nicht nachvollziehbar,
dass der psychiatrische Gutachter zu einem solchen Entscheid habe gelangen können,
nachdem er sie zwei Stunden lang gesehen habe. Menschen mit einer Behinderung im
psychischen Bereich neigten oft zu Selbstüberschätzung. Der Suizidversuch spreche
für sich.
A.q Mit Entscheid vom 22. Dezember 2006 wies der Rechtsdienst der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle die Einsprache ab. Es bestehe kein Anlass,
ausnahmsweise von einer invalidisierenden somatoformen Schmerzstörung
auszugehen. Zwar liege mit der Polyarthritis eine chronische Begleiterkrankung vor,
doch habe bereits Dr. B._ einen regredienten Verlauf festgestellt. Das ABI habe denn
auch nur unauffällige Befunde erheben können. Einen primären Krankheitsgewinn habe
es ausgeschlossen. Eine psychische Komorbidität liege nicht vor. An der Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit durch das ABI vermöge das gravierende und nicht zu
bagatellisierende Ereignis des Suizidversuchs nichts zu ändern. Es sei nicht geeignet,
die Diagnose einer schweren Depression oder eine Arbeitsunfähigkeit zu belegen,
zumal davon auszugehen sei, dass an dem Vorfall erhebliche soziale Faktoren
(Nachwehen der Scheidung, Zerwürfnisse mit den Töchtern, finanzielle Sorgen usw.)
mitbeteiligt gewesen seien. Die Differenzen der Arbeitsfähigkeitsschätzungen des ABI
und der behandelnden Ärzte erklärten sich durch die diagnostischen Abweichungen
und durch die Annahme, dass Schmerzstörungen überwindbar seien. Den
Einschätzungen behandelnder Ärzte komme weniger Beweiskraft als der solchen eines
unabhängigen Gutachters zu. Die Versicherte sei als Hilfsarbeiterin zu betrachten, ihre
Invalidität durch Vergleich zweier statistischer Lohngrössen zu ermitteln. Aus dem
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 20 % und einem Leidensabzug von höchstens 10 %
ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 28 %.
B.
Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwältin lic. iur. Gabriela
Grob Hügli, procap, für die Betroffene am 31. Januar 2007 erhobene Beschwerde. Die
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Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin beantragt, der Einspracheentscheid sei
aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei eine Invalidenrente zuzusprechen,
eventualiter sei die Sache zu weiteren Abklärungen zurückzuweisen, die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die Kosten für eine Begutachtung durch einen
unabhängigen Facharzt zu übernehmen, und sie sei zu verpflichten, der
Beschwerdeführerin auf den Invalidenleistungen einen Verzugszins von 5 % ab wann
rechtens zu bezahlen. Die Einschätzungen des ABI seien falsch. Dr. E._ erachte die
Beschwerdeführerin als schwer depressiv und vollständig arbeitsunfähig. Es gebe nach
ihrem Bericht klare Hinweise für eine psychisch ausgewiesene Komorbidität.
Ausserdem seien weitere Faktoren vorhanden, welche die Unzumutbarkeit der
Schmerzüberwindung belegten, etwa der ausgewiesene soziale Rückzug. Gerade bei
einer so komplexen psychischen Erkrankung sei der Meinung der behandelnden Ärztin
mehr Beweiswert zuzugestehen, während die Begutachtung lediglich eine
Momentaufnahme darstelle, welche offensichtlich keine aussagekräftigen
Rückschlüsse auf die Zusatzkriterien zuliessen. Die Gutachter hätten sich auch nicht
mit der Rechtsprechung auseinandergesetzt. In der Beschwerdeergänzung vom
26. Februar 2007 bringt die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin vor, diese habe
sich nach Angaben von Dr. E._ sozial total zurückgezogen. Zu der körperlichen
Problematik komme, dass die Beschwerdeführerin in der gesamten Kindheit und
Jugend vom Vater sexuell missbraucht worden sei. Im Alter von 19 Jahren sei sie von
einem Bekannten der Mutter vergewaltigt und während dreier Tage eingesperrt und
misshandelt worden. Nach Angaben von Dr. E._ verstärke die Schmerzsymptomatik
(Fibromyalgie, Polyarthritis) das depressive Geschehen. Die Traumata seien noch nicht
verarbeitet. Es sei durchaus möglich, dass die Beschwerdeführerin den Gutachter in
ihrem aufgewühlten Zustand missverstanden habe. Zustände, in denen Gesprächsteile
abgespalten, nicht oder verändert aufgenommen würden, seien bei überforderten
Personen normal. Die Beschwerdeführerin neige ausserdem zu Dissimulation, was
insbesondere bei Versicherten öfter erlebt werde, die sexuellem Missbrauch und
Gewalt ausgesetzt gewesen seien. Der Gutachter habe sich mit diesen
Zusammenhängen nicht auseinandergesetzt. Ein voller Beweiswert könne dem deshalb
wenig aussagekräftigen Gutachten daher nicht zukommen. Die Beschwerdeführerin sei
nach wie vor suizidgefährdet. Es liege ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr
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angehbarer innerseelischer Verlauf einer missglückten, psychisch aber entlastenden
Konfliktbewältigung vor.
C.
Die Beschwerdegegnerin beantragt am 5. März 2007 Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:
1.
1.1 Da ein Sachverhalt zu beurteilen ist, wie er sich bis zum Erlass des angefochtenen
Entscheids vom 22. Dezember 2006 entwickelt hat, sind die auf den 1. Januar 2008 in
Kraft getretenen Rechtsänderungen nicht anwendbar.
1.2 Im Streit liegt der Entscheid, mit welchem die Beschwerdegegnerin die Einsprache
der Beschwerdeführerin gegen die Ablehnung ihres Leistungsgesuchs abgewiesen hat.
Die Beschwerdeführerin beantragt in diesem Verfahren Rentenleistungen.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente. Für die Bemessung der Invalidität von
erwerbstätigen Versicherten ist gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG Art. 16 ATSG anwendbar.
2.2 Für die Invaliditätsbemessung, welche das Mass der Zurücksetzung der
erwerblichen Leistungsfähigkeit infolge gesundheitlicher Beeinträchtigung ergeben soll,
sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen von Bedeutung. Aufgabe des Arztes
oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beschreiben und dazu Stellung zu
nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person
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arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind in der Folge eine wichtige Grundlage
für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch
zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4; ZAK 1982 S. 34; Rz 3047 f. des vom
Bundesamt für Sozialversicherung erlassenen Kreisschreibens über die Invalidität und
Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH). Ob die versicherte Person eine ihr
zumutbare Tätigkeit auch tatsächlich ausübt, ist für die Invaliditätsbemessung
hingegen unerheblich (Rz 3046 KSIH).
2.3 Zum Gesundheitszustand und der zumutbaren Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin ist eine medizinische Begutachtung erfolgt. Diese Begutachtung
basiert auf einer Kenntnisnahme von den Vorakten mit den verschiedenen
Arztberichten. Es wurden ferner der internistische Status erhoben und eine
rheumatologische sowie eine psychiatrische Untersuchung durchgeführt. Dabei wurde
jeweils die Anamnese erhoben. Das Gutachten setzt sich mit den geklagten
Beschwerden, der Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin und den früheren
ärztlichen Einschätzungen auseinander. Durch diese umfassende Abstützung kommt
dem Gutachten ein hoher Beweiswert zu. Auch mit der abweichenden Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit durch die behandelnde Psychiaterin hat sich der psychiatrische
Gutachter nachträglich noch befasst und an seinen Schlussfolgerungen festgehalten.
2.4 Im Einzelnen hat die rheumatologische Untersuchung ergeben, dass repetitiv
schwer belastende Tätigkeiten für die Beschwerdeführerin ungeeignet sind und sie
hierfür voll arbeitsunfähig ist. Sämtliche leichten bis intermittierend mittelschwer
belastenden adaptierten beruflichen Tätigkeiten unter Vermeidung von repetitivem
Tragen und Heben von Lasten über 10 kg oder der Einhaltung einer fixierten
Körperhaltung über längere Zeit hinweg seien vollumfänglich zumutbar. Diese
Beurteilung beruht auf dem Umstand, dass im Bereich des Nackens und
Schultergürtels eine Fehlhaltung und eine deutliche reaktive Myogelose bestünden. Es
wurden hingegen - wie schon anderweitig wiederholt festgestellt - keinerlei Synovitiden
oder Tenosynovitiden gefunden. Es imponiere insgesamt aus rheumatologischer Sicht
eine deutliche Diskrepanz der subjektiv anhaltenden, teilweise invalidisierenden
Polyarthralgien und den unauffälligen objektiven Befunden. Die Diagnose einer sehr
milden seronegativen Polyarthritis könne im Hinblick auf die schulter- und
kniepathologische Skelettszintigraphie vom September 2003 durchaus weiter postuliert
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werden. Diesbezüglich seien mit grosser Wahrscheinlichkeit wesentliche nicht
somatisch fassbare Gründe für die Schmerzverstärkung und -chronifizierung
verantwortlich. Diese Begründung erscheint nachvollziehbar. Insbesondere ist etwa
darauf hinzuweisen, dass bereits Dr. B._ (im August 2004) keine Synovitiden
vorgefunden und die Beschwerdeführerin als zu 100 % arbeitsfähig bezeichnet hatte,
und dass während des vierwöchigen Rehabilitationsaufenthalts in der Klinik Gais im
Jahr 2005 keine die Polyarthritis betreffenden Probleme aufgetreten sind.
2.5 Was den psychiatrischen Aspekt betrifft, liegen gemäss dem Gutachten eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung und eine leichte depressive Episode vor. Die
Beschwerdeführerin sei zurzeit psychosozial belastet (durch die Scheidung,
wirtschaftliche Schwierigkeiten, Erziehungsschwierigkeiten). Auf diese
Belastungssituationen seien die beiden Leiden - insbesondere aber die leichte
depressive Episode - zurückzuführen: Es bestehe eine psychische Überlagerung, die
Beschwerdeführerin sei leicht vermindert belastbar, könne sich nicht mehr richtig
freuen und zeige einen gewissen sozialen Rückzug, der aber auch sozial bedingt sei.
Ausserdem sei sie etwas affektlabil und teilweise etwas demonstrativ gewesen, was
der somatoformen Schmerzstörung zuzuordnen sei. Hinweise auf schwere depressive
Verstimmungen bestünden nicht, auch nicht auf unbewusste Konflikte; ein primärer
Krankheitsgewinn sei nicht vorhanden. Aus psychiatrischer Sicht bestehe lediglich eine
geringfügige Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit (um 20 %). Die subjektive
Krankheitsüberzeugung der Beschwerdeführerin könne aus psychiatrischer Sicht nicht
objektiviert werden.
2.6 Diese gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ist
überzeugend begründet. Zu einer anderen Einschätzung ist dagegen Dr. D._ im April
(Juli) 2004 gelangt, die eine Erschöpfungsdepression diagnostiziert und der
Beschwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert hatte. Diese Diagnose
stellte auch die Klinik Gais. Dr. E._ schliesslich diagnostizierte eine schwere
Depression. Sie hält die Beschwerdeführerin allein schon aus psychischen Gründen für
zu 75 % invalid. Für leichte Haushaltarbeiten bei freier Einteilungsmöglichkeit sei die
Beschwerdeführerin arbeitsfähig, eine berufliche Tätigkeit sei aber wegen der
Konzentrationsstörungen, der Erschöpfung und Erschöpfbarkeit nicht zumutbar. In
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Frage käme höchstens eine Tätigkeit von zwei Stunden ohne jegliches Lastenheben
und mit der Möglichkeit, sich alle halbe bis eine Stunde kurz hinzulegen.
2.7 Einigkeit besteht darüber, dass die Beschwerdeführerin sich in einer psychosozial
belastenden Situation befindet. Nach der Aktenlage ist ferner davon auszugehen, dass
die Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin erheblich von der objektivierbaren
Sachlage abweicht. Die Diskrepanz zwischen ihren Angaben bei der Anmeldung zur
Hilflosenentschädigung vom November 2004 und den Erhebungen Dr. B._'s vom
August 2004 etwa fällt auf, auch wenn ein allfälliger Schubcharakter der Polyarthritis
berücksichtigt wird. Es liegt unter solchen Umständen nahe, dass die behandelnden
Ärztinnen bei ihrer Arbeitsunfähigkeitsschätzung von der pessimistischen
Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin mitbeeinflusst wurden. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E._ geht in den bezeichneten Einschränkungen
ausserdem noch weiter, als es sich den Angaben der Beschwerdeführerin selbst
während der Begutachtung und ihrer Schilderung des Tagesablaufs (IV-act. 53-13 f./
40) entnehmen lässt, hat sie dort doch angegeben, sie sei im Haushalt (nur) bei
schwereren Arbeiten auf Hilfe angewiesen. Auch die Schilderung des sozialen
Rückzugs ist erheblich gravierender ausgefallen als jene der Beschwerdeführerin in der
Begutachtungssituation. Ferner ist zu berücksichtigen, dass es sich um
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der Ärztinnen handelt, welche sich auf die Behandlung
der Beschwerdeführerin konzentrieren und zu ihr in einem - hierfür unabdingbaren -
Vertrauensverhältnis stehen. Die Arbeitsunfähigkeitsangabe der Klinik Gais scheint sich
des Weiteren daran orientiert zu haben, dass die Beschwerdeführerin bereits seit zwei
Jahren (mit entsprechender Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) bei der
Invalidenversicherung angemeldet war.
2.8 Zu der im Gutachten verwendeten Aussagekraft der Blutuntersuchungen ist
relativierend zu erwähnen, dass der Blutserumspiegel eines Medikaments aus
individuellen Gründen um einen Faktor 20 variieren kann (J. John Mann, Drug Therapy,
The Medical Management of Depression, in New England Journal of Medicine, October
27, 2005, 1829). Ferner trifft zu, dass die behandelnden Ärzte und Ärztinnen eine
versicherte Person und eine Erkrankung über einen längeren Zeitraum hinweg
beobachten können (was einerseits eine vertiefte Auseinandersetzung ermöglicht und
anderseits einen näheren Bezug schafft). Vorliegend fallen jedoch deren
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(psychiatrische) Angaben und jene des an einem einzigen Tag begutachtenden
Spezialarztes weniger in Bezug auf die Sachverhaltsfeststellungen als vielmehr
hinsichtlich der Würdigung der entsprechenden Auswirkungen auf die zumutbare
Arbeitsfähigkeit auseinander. Wie dem psychiatrischen Gutachten zu entnehmen ist,
hat der Experte auch die Begleitumstände der Begutachtung wahrgenommen und sie
bereits geschildert. Auf die überzeugenden Ausführungen und die Beurteilung der
massgeblichen Zumutbarkeit einer Arbeitsleistung im Gutachten kann unter diesen
Umständen vorliegend abgestellt werden.
2.9 Es bestehen vorliegend keine Anhaltspunkte dafür, dass weitere medizinische
Abklärungen zu einem anderen Ergebnis führen könnten. Auch der an sich gravierende
Umstand, dass die Beschwerdeführerin einen Suizidversuch unternommen hat, vermag
hieran nichts zu ändern. Das depressive Leiden hat der psychiatrische Gutachter -
angesichts der erhobenen Befunde - lediglich als leicht bezeichnet, aber festgehalten,
dass ein solches Leiden Schwankungen aufweisen kann. Sollten sich aus dem weiteren
Leidensverlauf allerdings Indizien dafür ergeben, dass ein zusätzliches oder anderes
psychiatrisches Leiden zu diagnostizieren wäre, stünde einer neuen Anmeldung nichts
im Weg.
2.10 Zusammenfassend ist der Beschwerdeführerin somit gemäss dem Gutachten
eine Arbeitstätigkeit wegen der somatoformen Schmerzstörung und der leichten
depressiven Episode sowie der zervikozephalen Beeinträchtigung im Umfang von 20 %
unzumutbar. Eine Arbeitsfähigkeit von 80 % in adaptierten Tätigkeiten hingegen darf
sie sich danach zumuten.
3.
Angesichts dieser Arbeitsfähigkeit von 80 % ist mit der Beschwerdegegnerin davon
auszugehen, dass ein rentenbegründender Invaliditätsgrad nicht vorliegt.
4.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG, vgl. Rechtslage vor der
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Änderung des IVG vom 16. Dezember 2005, lit. b der betreffenden
Übergangsbestimmungen).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht