Decision ID: 58876b45-0d8b-4bb2-95c0-13a5427cec9c
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1976 geborene
X._
war bei der Suva obligatorisch gegen die Fol
gen von Unfällen versichert, als sie am
5.
November 2012 auf einem Fuss
gänger
streifen von einem Personenwagen ang
efahren wurde (Urk. 11/3). Nach
dem die Versicherte am 1
5.
Januar 2013 telefonisch mitgeteilt hatte, dass sie seit dem 2
6.
November 2012 wieder voll arbe
ite und die Arztbehandlungen ab
geschlossen seien (vgl.
Urk.
2 S. 2,
Urk.
11/12), meldete sie der Suva am 1
9.
September 2013 einen Rückfall zum Unfall vom
5.
November 2012 (
Urk.
1 S.
4,
Urk.
2 S. 2,
Urk.
11/15).
Die Suva verneinte mangels Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 5. November 2012 und den als Rückfall gemeldeten Rückenbeschwerden mit Schreiben vom 28. März 2014 (Urk. 11/48) eine Leistungspflicht.
Daran hielt sie mit Verfügung vom 28. September 2016 fest (Urk. 11/54). Hiege
gen erhob die Versicherte am 24. Oktober 2016 Einsprache (Urk. 11/55), welche von der Suva mit Einspracheentscheid vom 6. Februar 2017 abgewiesen wurde (Urk. 11/58 = Urk. 2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom
6.
Februa
r 2017 (Urk. 2) erhob die Versi
cherte mit Eingabe vom
9.
März 2017 Beschwerde mit den Anträgen, es seien ihr die zustehenden Versicherungsleistungen auszurichten, zudem sei die Suva zu verpflichten, gestützt auf
Art.
43 ATSG die notwendigen Abklärungen durchzu
führen und es sei ein medizinisches Gerichtsgutachten einzuholen, eventualiter sei die Sache an die Suva zurückzuweisen zwecks Einholens eines versicherungs
externen medizinischen Gutachtens.
Weiter beantragte die Versicherte, die Suva sei zu verpflichten, ihr im Einspracheverfahren einen unentgeltlichen Rechtsver
treter zu bewilligen.
In prozessualer H
insicht be
antragte sie
für das Gerichtsver
fahren
unter anderem die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Rechtsanwalt Michael Keiser als unentgeltlic
hem Rechtsbeistand die Durch
füh
rung eines zweiten Schriftenwechsels sowie die Durchführung einer öffentli
chen Verhandlung gestützt auf
Art.
6 EMRK (
Urk.
1 S. 2). Mit Eingabe vom 2
7.
April 2017 substantiiert
e die Beschwerdeführerin ihr Ge
such um unentgeltli
che Rechtsvertretung (
Urk.
8,
Urk.
9/1-10).
Die Suva schloss in ihrer Vernehmlassung vom 2
7.
April 2017 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10).
Mit Schreiben vom 24. Mai 2017 verzichtete die Beschwer
deführerin auf die Einreichung einer Duplik (Urk. 13). Mit Gerichtsverfügung vom 11. Dezember 2017 wurde das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtsvertretung im Beschwerdeverfahren abgewiesen (Urk. 14). Mit Schreiben vom 20. März 2018 zog die Beschwerdeführerin das Gesuch um Durchführung einer öffentliche Verhandlung vorbehaltslos zurück (Urk. 16).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) wer
den
soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungs
leistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (Abs. 2). Ausserdem erbringt die Ver
siche
rung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heil
behand
lung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
den
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Die Versicherungsleistungen werden auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt (Art. 11 der Verordnung über die Unfallversicherung, UVV). Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeits
unfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen können (BGE 118 V 293 E. 2c mit Hinweisen).
Rückfälle und Spätfolgen schliessen sich begrifflich an ein bestehendes Unfall
er
eignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht der Unfallver
sicherung nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwer
den und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E. 2c in fine).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Auch den Berichten und Gut
achten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich wider
spruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpartei
lichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gutachterin aller
dings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/ee, 122 V 157 E. 1c; vgl. auch BGE 123 V 331 E. 1c). Allerdings kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklä
rungen nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE 139 V 225 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Einspracheentscheid vom
6. Februar 2017
(
Urk.
2) davon aus,
dass ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen den im Rückfall gemeldeten Rückenbeschwerden und dem Unfallereig
nis vom 5. November 2012 nicht mit überwiegender Wahrschein
lichkeit gegeben sei. Eine bloss mögliche Unfallkausalität genüge für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (S. 11 Ziff. 5).
Die Beschwerde
gegnerin berief sich dabei auf die Berichte des
Kan
tonsspitals
Y._
, vom
9.
November 2012
(Urk. 11/10), 5. November 2013 (Urk. 11/32) und 18. November 2013
(
Urk.
1
1/33), auf diverse Radiologiebe
richte vom 1
4.
November 2012 (
Urk.
11/39), 2
5.
Juli
2013 (Urk. 11/38), 26. August 2013 (Urk. 11/29) und 24. Oktober 2013
(
Urk.
11/31) sowie auf die kreisärztlichen Beurteilungen vom 2
5.
März 2014 (
Urk.
11/47) und vom 2
1.
September 2016 (
Urk.
11/53). Die Kreis
ärztin
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Chirurgie,
sei
zum Schluss
gekommen
, aus pathophysiologischer Sicht müsse aufgrund der vorliegenden bildgebende
n Diagnostik bei fehlender nach
weisbarer traumatischer struktureller Läsion davon a
usgegangen werden, dass es bei
m Unfallereignis vom
5.
November 2
012 zu multiplen leichten Kontu
sionen, wie im Austrittsbericht des Kantons
spit
als Y._ dokumen
tiert, ge
kommen sei. Entsprechend der allgeme
inen Lehrmeinung würden Prellun
g
en/Kon
tusionen ohne nachweisbare strukturelle Läsionen innerhalb von ein paar Tagen/Wochen folgenlos abheilen. Da in der durchgeführten bildge
benden Diagnostik keine traumatische strukturelle Ver
letzung nachweisbar sei, seien die
g
eklagten Schmerzen nicht mit der
geforderten überwiegenden Wahr
schein
lichkeit auf das Unfallereignis vom
5.
November 2012 zurückzuführen (
S. 10 Mitte f.
).
2.2
Die Beschwerdeführerin bringt demgegenüber Kritik am Abklärungsverhalten der Suva vor
(Urk. 1 S. 5 f.)
und beruft sich
für die geltend gemachte Unfallkausalität
auf den zuhanden der Suva erstellten ärztlichen Zwischenbericht ihrer behan
delnden Ärztin
med. pract. A._ vom 5. November 2013. Die Unfallkausalität werde von med. pract. A._ bejaht. Ent
spre
chend vermöge ihre Beurteilung mehr als nur geringe Zweifel an der Zuver
läs
sigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen der Beschwerde
ge
gnerin zu begründen. Im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sei somit zwin
gend eine versicherungsexterne medizinische Begutachtung angezeigt, um die Frage der Unfallkausalität schlüssig beantworten zu können
(
Urk.
1 S. 6 unten)
.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin im Zusammenhang mit den
von der
Beschwerdeführer
in
als Rückfall zum Unfall vom
5. November 2012
gemeldeten
Rückenbeschwerden
eine Leistungspflicht trifft.
3.
3.1
Am
5. November
2012
wurde
die Beschwerdeführerin
auf einem Fussgängerstrei
fen von einem Fahrzeug angefahren
(vgl. Unfallmeldung vom
12. November 2012, Urk. 11/3 Ziff. 4-6
). Die Erstbehandlung erfolgte gleichentags im
Kantonsspital Y._
(
Y._; Urk. 11/3 Ziff. 11
).
Mit Austrittsbericht vom
9. November 2012
(
Urk. 11/10
) berichteten die Ärzte
des Y._
von der Hospitalisation der Beschwerdeführerin vom
5.
bis
7. November
201
2
und nannten als Diagnose
n multiple Kontusionen des Schädels, der linken Hüfte und des linken Oberschenkels sowie eine unklare Flüssigkeitskollektion entlang der Vena iliaca communis links (S. 1). Dazu führten die Ärzte aus, die neurologische Überwachung habe sich problemlos gestaltet. Bei einer unklaren Flüssigkeitskollektion entlang der Vena iliaca communis links im Politrauma-CT sei am 6. November 2012 eine Verlaufssonographie des Abdomens durchgeführt worden, in der sich keine Grössenprogredienz, keine freie Flüssigkeit in abdomine und weiterhin kein Hinweis für Organläsionen gezeigt hätten. Durch ausgebaute analgetischen Therapie sei die Beschwerdeführerin beschwerdearm gewesen und habe gut mobilisiert werden können. Die Beschwerdeführerin sei in gutem Allge
meinzustand und ohne Gehilfe mobil nach Hause entlassen worden (S. 2 unten). Die Ärzte attestierten vom 5. bis 16. November 2012 eine 100%ige Arbeitsunfä
higkeit (S. 1 Mitte).
3.2
Am 14. November 2012 (Urk. 11/39) berichteten die Ärzte des Y._ nach druch
geführtem MRI der linken Hüfte über eine unauffällige Darstellung der knöcher
nen Grundstrukturen ohne Hinweise auf traumatische Veränderungen um das Hüftgelenk. Es bestünden leichtgradige Irregularitäten im anterosuperioren Anteil des knorpeligen Anteils. Möglicherweise zeige sich ein kleinstes Os acetabuli. Es bestünden insgesamt normal zur Darstellung kommende Beckenorgane mit nebenbefundlich kleinsten Ovarzysten ohne pathologische Bedeutung.
3.3
Dr. med. B._, Facharzt für Radiologie, Radiologie am Graben, führte im Bericht vom 25. Juli 2013 (Urk. 11/38) nach durchgeführtem MRI der Lendenwirbelsäule (LWS) aus, bei anlagebedingt schon eher engem Spinalkanal komme es durch eine breitbasige Diskusprotrusion L4/5 links zu einer leichten Kompression der rezessalen Nervenwurzeln L5 links. Im Übrigen bestehe kein Nachweis einer lumbalen Nervenwurzelkompression.
3.4
Dr. med. C._, Facharzt für Radiologie, Y._, sowie Dr. med. D._, Fachärztin für Radiologie, berichteten am 26. August 2013 (Urk. 11/29) über ein gleichentags stattgefundenes MRI des Iliosakralgelenks (ISG) und führten dazu aus, es bestehe eine altersentsprechend normale Darstellung von Illiosakral
gelenken und knöchernen Strukturen, insbesondere ohne Nachweis entzündungs- oder frakturspezifischer Veränderungen.
3.5
Dr. med. E._, Fachärztin für Radiologie, Y._, berichtete am 24. Oktober 2013 (Ur. 11/31) über ein MRI der Halswirbelsäule (HWS) und führte dazu aus, es bestünden ein altersentsprechend regelrechtes MRI der HWS, kein Hinweis auf eine Diskushernie, keine Nervenwurzelkompression und keine pathologische Foramenstenose beidseits.
3.6
Die Ärzte des Y._ berichteten am 5. November 2013 (Urk. 11/32) über den Ver
lauf bis am 4. November 2013 und nannten folgende Diagnosen (S. 1):
-
chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom, differential
diagnostisch intermittierend mögliche Kompression L5 links bei
-
anlagebedingt schon eher engem Spinalkanal und breitbasiger Dis
kusprotrusion L4/5 mit leichter Kompression der rezessalen Nerven
wurzel L5 links (MRI der LWS vom 23. Juli 2013)
-
altersentsprechend normaler Darstellung von ISG und knöchernen Strukturen, insbesondere ohne Nachweis entzündungs- oder fraktur
spezifischer Veränderung (MRI ISG vom 26. August 2013)
-
Status nach Autounfall mit multiplen Kontusionen am 5. November 2012 an Schädel, Hüfte links und Oberschenkel links
-
chronisches zervikospondylogenes Schmerzsyndrom bei
-
altersentsprechend regelrechtem HWS MRI, keinen Hinweisen auf eine Diskushernie, keiner Nervenwurzelkompression, keiner pathologischen Foramenstenose beidseits (MRI HWS vom 24. Oktober 2013)
-
Dopplersonographie der oberen Thoraxappertur vom 14. November 2008: keine Hinweise für Stenosen der A. subclavia in der Scalenus
lücke oder der costoclavikulären Passage (auch in Provo
kations
stellung)
Dazu führten die Ärzte aus, trotz Einzel-Physiotherapie sei es zu keiner deutlichen Verbesserung der lumbalen Schmerzen gekommen. Eine Übernahme in die medi
zinische Trainingstherapie (MTT) sei nicht möglich gewesen, da die Beschwerde
führerin bereits eine MTT-Serie aus der obligatorischen Kranken
pflege
versiche
rung bekommen hätte. So sei die Beschwerdeführerin für ein eigen
verantwortlich durchzuführendes Heimprogramm instruiert worden. Die durch
geführte MRI-Untersuchung der HWS habe keine Wurzelkompression ergeben (S. 1 unten). Aktuell bestehe keine Indikation für ein operatives Vorgehen, ins
besondere da bei der Verlaufskontrolle am 16. Oktober 2013 objektiv der Zehen- und Fersen
gang, das monopedale Wippen und das einbeinig Hüpfen seitengleich sym
metrisch gewesen seien. Slump und Lasègue seien negativ und der Langsitz gut möglich gewesen. Bezüglich des chronischen zervikospondylogenen Schmerz
syndroms habe eine Nervenwurzelkompression im MRI der HWS ausgeschlossen werden können. Beide Schmerzsymptome würden weiterhin als nicht mehr unfallbedingt beurteilt. Es seien keine weiteren Verlaufskontrollen mehr vorge
sehen. Die Beschwerdeführerin sei instruiert, das erlernte Heim
programm konse
quent durchzuführen (S. 2 oben). Seit dem 1. Oktober 2013 sei keine Arbeitsun
fähigkeit mehr attestiert worden. Der Beschwerdeführerin sei nochmals mitgeteilt worden, dass aus rheumatologischer Sicht weder krankheits- noch unfallbedingt eine Arbeitsunfähigkeit bestehe (S. 2 Mitte).
3.7
Med. pract. A._, praktische Ärztin, führte im ärztlichen Zwischenbericht beziehungsweise im Arztzeugnis für Rückfall vom 5. November 2013 (Urk. 11/25-26) aus, seit dem Autounfall sei es zu zunehmen
den Schmerzen lumbal links gekommen. Aktuell bestünden seit dem Unfall Schmerzen lumbal und im Gesässbereich links mit Ausstrahlung ins Bein und Nackenschmerzen. Als Therapien wurden Physiotherapie, MTT, Wassergymnastik und Analgesie genannt. Es bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bis auf wei
teres (Urk. 11/26) beziehungsweise die wiederaufnahme der Arbeit zu 40
50 % sei vorgesehen ab 25. Oktober 2013 (Urk. 11/25).
3.8
Dr. med. Z._, Fachärztin für Chirurgie, führte in der kreisärztlichen Stellungnahme vom 25. März 2014 (Urk. 11/47) aus, im MRI der LWS vom 23. Juli 2013 seien ausschliesslich degenerative Veränderungen beschrieben wor
den. Im MRI des ISG links vom 26. August 2013 sowie im MRI der linken Hüfte vom 14. November 2012 seien keine traumatischen strukturellen Ver
letzungen festgestellt worden.
3.9
Dr. Z._ führte in der kreisärztlichen Beurteilung vom 20. September 2016 (Urk. 11/53) weiter aus, a
ufgrund der vorliegenden Unterlagen
habe die Beschwerdeführerin
am
5. November
2012 einen Unfall
erlitten,
als sie auf dem Fussgängerstreifen angefahren
worden sei
. Erstbehandlung
sei
im Kantonsspital
Y._ erfolgt
.
D
abei
sei am Unfalltag ein CT-
Polytrauma
erfolgt
, wobei eine ossäre Verletzung der Wirbelsäule
, des
Becken
s und der
Extremitäten
habe
ausgeschlossen werden
können (S. 3 unten).
In der Eintrittsuntersuchung
seien
im Bereich der Halswirbelsäule und gesamten Wirbelsäule keine Druckdolenzen dokumentiert
worden
. Im Becken
seien kein Beckenkompressions
schmerz oder Symphysendruckschmerz dokumentiert
worden
. Es
seien
eine Druckdolenz über dem Trochanter major links und eine freie Beweglichkeit der oberen und unteren Extremitä
ten dokumentiert worden (S. 4 oben).
Gemäss Krankenaktenauszügen
von
Dr. F._
sei die Beschwerdeführerin
anschliessend in hausärztlicher Beurteilung
gewesen
und ab März 2013
seien
starke lumbale Schmerzen
im
Becken links und
im Nacken doku
mentiert
worden
.
Zur Beurteilung liege sämtliche durchgeführte bildgebende Diagnostik vor.
Gesamthaft
habe
in der bildgebenden Diagnostik auch im Verlauf keine trauma
t
isch
e strukturelle Verletzung im Bereich der
linken Hüfte, des linken ISG, der HWS und
LWS nachgewiesen werden
können
. Entsprechend
sei
auch von Seiten
von
Dr. O._
, Rheumatologische Klinik,
Y._
, eine fortbestehende Unfallkau
salität bezüglich der Bes
chwerden im November 2013 ver
neint
worden (S. 4 Mitte)
.
Aus pathophysiologischer Sicht
müsse
aufgrund der vorliegenden bildgebenden Diagnostik bei fehlender nachweisbarer traumatischer struktureller Läsion davon
ausgegangen werden
, dass es beim Unfallereignis
vom
5. November
2012 zu mul
tiplen leichten Kontusionen, wie im Austrittsbericht des Kantonsspital
Y._
dokumentiert, gekommen
sei (S. 4 Mitte)
.
Entsprechend der allgemeinen Lehrmeinung
würden
Prellungen/Kontusionen ohne nachweisbare strukturelle Läsionen innerhalb von ein paar Tagen/Wochen folgenlos ab
heilen
, sodass
es bei der Einschätzung der Rückfallkausalität vom 18. Dezember 2013 bleibe, wonach
die
g
eklagten Schmerzen im Ber
eich der LWS, HWS, linken Hüfte sowie des
ISG nicht mit der geforderten überwiegenden Wahr
scheinlichk
eit auf das Unfallereignis vom 5. November
2012 zurückzu
führen
seien
, da in der durchgeführten bildgebenden Diagnostik keine traumatische
n
strukturelle
n
Verletzung
en
nachweisbar
seien
. Aus somatischer pathophysiologi
scher Sicht sollten innerhalb von ein paar Tagen/Wochen die Prellungen/ Kontu
s
ionen folgenlos abgeheilt sein (S. 4 Mitte).
4.
4.1
Anlässlich des Unfalls vom 5. November 2012 erlitt die Beschwerdeführerin mul
tiple Kontusionen im Bereich des Schädels, der linken Hüfte sowie des linken Oberschenkels und wurde deswegen bis am 7. November 2012 hospitalisiert. In der aufgrund einer unklaren Flüssigkeitskollektion entlang der Vena iliaca communis links durchgeführten Verlaufssonographie des Abdomens wurde keine Grössenprogredienz, keine freie Flüssigkeit im Abdomen und weiterhin keine Hinweise für Organläsionen festgestellt (vgl. vorstehend E. 3.1). Im MRI der linken Hüfte war die Darstellung der knöchernen Grundstrukturen unauffällig und ohne Hinweise auf traumatische Veränderungen um das Hüftgelenk. Auch die Becken
organe stellten sich normal dar (vgl. vorstehend E. 3.2). Die unfallbedingt attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100 % dauerte vom Unfalltag bis am 16. November 2012 (vgl. vorstehend E. 3.1).
Zumal sich weder aus den SUVA-Akten noch aus der Beschwerde etwas Gegen
teiliges ergibt, ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin am 26. No
vember 2012 wieder voll zu arbeiten begann und die Arztbehandlungen abge
schlossen waren (vgl. Urk. 11/12).
4.2
Im Jahr 2013 wurde die Beschwerdeführerin aufgrund von anhaltenden lumbalen Beschwerden mehrfach bildgebend untersucht (vgl. vorstehend E. 3.3-6).
Im MRI der LWS stellte Dr. B._ bei anlagebedingt schon eher engem Spinal
kanal eine breitbasige Diskusprotrusion L4/5 links, die zu einer leichten Kompression der rezessalen Nervenwurzel L5 links führe, fest, wobei im Übrigen kein Nachweis einer lumbalen Nervenwurzelkompression bestand (vgl. vor
stehend E. 3.3). Dr. C._ stellte im MRI der HWS eine altersentsprechend normale Dar
stellung des ISG sowie der knöchernen Strukturen, ohne Nachweis entzündungs- oder frakturspezifischer Veränderungen, fest (vgl. vorstehend E. 3.4). Auch Dr. E._ stellte im MRI der HWS eine altersentsprechende Darstellung fest und fand keinen Hinweis auf eine Diskushernie, keine Nerven
wurzelkompression und keine pathologische Foramenstenose.
Die Ärzte des Y._ nahmen im Verlaufsbericht vom 5. November 2013 auf die bildgebenden Abklärungen Bezug und diagnostizierten ein chronisches lumbo
spondylogenes Schmerzsyndrom, differentialdiagnostisch intermittierend mögli
che Kompression L5 links, sowie ein chronisches zervikospondylogenes Schmerz
syndrom. Die Ärzte des Y._ beurteilten die beiden Schmerzsyndrome als nicht unfallbedingt und hielten fest, dass aus rheumatologischer Sicht weder krank
heits- noch unfallbedingt eine Arbeitsunfähigkeit bestehe (vgl. vorstehend E. 3.6).
4.3
Zur Beurteilung der Rückfallkausalität stützte sich die Beschwerdegegnerin auf die medizinische Einschätzung durch Suva-Kreisärztin Dr. Z._ ab, welche gestützt auf die vorhandenen Unterlagen zum Schluss kam, dass die geklagten Schmerzen im Bereich der LWS, HWS, linken Hüfte und des ISG nicht mit der geforderten überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 5. November 2012 zurückzuführen seien, da in der durchgeführten bildgebenden Diagnostik keine traumatische strukturelle Verletzung nachweisbar sei (vgl. vor
stehend E. 3.8-9). Dies ist nicht zu beanstanden. Angesichts der in medizinischer Hinsicht bestehenden und weitgehend übereinstimmenden Aktenlage und der fachärztlichen Beurteilungen, erscheint die Einschätzung durch Suva-Ärztin Dr. Z._ als schlüssig, nachvollziehbar begründet und in sich widerspruchsfrei. Demgegenüber vermag die gegenteilige und weitgehend unbegründete hausärzt
liche Beurteilung der Unfallkausalität (auf einem Formular der Suva) durch die behandelnde Hausärztin med. pract. A._ (vgl. vorstehend E. 3.7) man
gels fehlender traumatischer struktureller Läsionen/Verletzungen nicht zu über
zeugen und vermag ohne Bezug zu (neuer oder anderslautender) bildgebender Diagnostik die fachärztlichen Beurteilungen entgegen der Ansicht der Beschwer
deführerin auch nicht in Zweifel zu ziehen.
4.4
Der Ansicht der Beschwerdeführerin, wonach auf die Berichte des Y._ nicht abgestellt werden könne, weil diese ohne Kenntnis der vollständigen Akten ver
fasst worden seien (vgl. Urk. 1 S. 5 Ziff. 2.4), kann nicht gefolgt werden. Die Einschätzung und Beurteilung der Ärzte des Y._ beruht zum einen auf den am Unfalltag stattgefundenen umfassenden Untersuchungen. Zum anderen führten die Ärzte des Y._ ein Jahr nach dem Unfall eine Verlaufskontrolle durch und berücksichtigten zudem die in der Zwischenzeit durchgeführten bildgebenden Untersuchungen. Den Ärzten des Y._ lagen somit im Zeitpunkt der Verlaufs
kontrolle alle medizinisch relevanten Unterlagen vor. Welche Unterlagen genau den Ärzten des Y._ nicht vorgelegen haben sollen, bringt die Beschwerdeführe
rin nicht explizit vor, meinte damit wohl aber die Akten des Haftpflichtversiche
rers oder der Polizei und dass diese von der Beschwerdegegnerin hätten beigezo
gen werden müssen (vgl. Urk. 1 S. 4 Ziff. 2.2). Die Beschwerdeführerin verkennt, dass vorliegend in erster Linie nicht das Unfallereignis (wie beispielsweise bei der Adäquanzprüfung), sondern die gleichentags im Spital nach einer umfassenden Abklärung festgestellten Verletzungen, relevant sind. Dabei ist insbesondere in medizinischer Hinsicht nicht anzunehmen, dass die Ärzte des Y._ zu einem anderen Schluss gekommen wären, hätten sie die Akten des Haftpflichtversiche
rers oder die entsprechenden Polizeiakten gekannt, zumal davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin alle Beschwerden genannt hatte.
4.5
Dass
die Beschwerdegegnerin
in antizipierter Beweiswürdigung auf die Vornahme we
iterer medizinischer Abklärungen und insbesondere auf die Einholung eines medizinischen Gutachtens
verzichtet hat, kann bei der
bestehenden und weitge
hend übereinstimmenden und umfassenden
medizinischen Aktenlage
und fach
ärztlichen Beurteilungen
sowie auch unter Berücksichtigung
des
Umstandes
, dass
der
Bericht respektive die Einschätzung von med. pract. A._ ohne Bezug zu (neuer oder anderslautender) bildgebender Diagnostik mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit auf den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin beruht, nicht bemängelt werden. Entsprechend hat die Beschwerdegegnerin die ihr obliegende Abklärungspflicht nicht verletzt.
4.6
Zusammenfassend steht gestützt auf die überzeugende, nachvollziehbare und ausführlich begründete Einschätzung der Suva-Kreisärztin Dr. Z._ fest, dass die als Rückfall geklagten Schmerzen im Bereich der LWS, HWS, linken Hüfte und ISG nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 5. November 2012 zurückzuführen sind.
Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin
ihre
Leistungspflicht verneinte.
Bei dieser Aktenlage ist sodann in antizipierter Beweiswürdigung auch kein Gerichtsgutachten einzuholen und es hat keine Rückweisung zu erfolgen, da davon keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (BGE 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d).
5.
5.1
Abschliessend ist der Anspruch auf unentgeltliche Rechtsvertretung im Verwal
tungsverfahren (vgl. Urk. 1 S. 2 Ziff. 6) zu beurteilen.
Gemäss Art. 37 Abs. 4 ATSG wird der gesuchstellenden Person im Sozialversi
cherungsverfahren ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo die Verhält
nisse es erfordern. Unentgeltliche Verbeiständung im Verwaltungsverfahren wird gewährt, wenn die Partei bedürftig ist, die Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheinen und die Vertretung im konkreten Fall sachlich geboten ist (vgl. Art. 29 Abs. 3 BV). Eine anwaltliche Mitwirkung drängt sich nur in Ausnahmefällen auf, wenn schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen dies als notwendig erschei
nen lassen und eine Verbeiständung durch Verbandsvertreter, Fürsorger oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen nicht in Betracht fällt. Könnte der Einsprecher im Falle des Unterliegens die unentgeltliche Verbeistän
dung beanspruchen, hat er bei Obsiegen Anspruch auf eine Parteientschädigung (BGE 132 V 200 E. 4.1 mit Hinweisen; vgl. BGE 125 V 32).
5.2
Die Beschwerdegegnerin lehnte die unentgeltliche Verbeiständung im Ein
spracheverfahren zufolge Aussichtslosigkeit ab (vgl. Urk. 2 S. 12 Ziff. 7, Urk. 10 S. 9 Ziff. 11). Dies ist angesichts der in medizinischer Hinsicht bestehenden und weitgehend übereinstimmenden Aktenlage und der fachärztlichen Beurteilungen, wonach keine traumatischen strukturellen Läsionen/Verletzungen hätten festge
stellt werden können, nicht zu beanstanden. Erscheinen doch die Gewinnaussich
ten einer gegenteiligen hausärztlichen Beurteilung der Unfallkausalität ohne Bezug zu (neuer oder anderslautender) bildgebender Diagnostik ex ante betrach
tet als beträchtlich geringer als die Verlustgefahren und können deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden. Aus den dargelegten Gründen wurde auch das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsver
tretung im Beschwerdeverfahren zufolge Aussichtslosigkeit abgewiesen
(Gerichts
ver
fügung vom 11. Dezember 2017, Urk. 14).
5.3
Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf unentgeltliche Rechtsvertretung im Verwaltungsverfahren zu Recht verneint.
6.
Zusammenfassend erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid vom
6. Februar 2017 als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.