Decision ID: cf9d4f13-14a5-548d-97da-99f2282d635c
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 17. Juni 2010 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 5). Gemäss
einem Frühinterventions-Gesprächsprotokoll vom 28. Juni 2010 nannte der Hausarzt
der Versicherten, Dr. med. B._, Innere Medizin FMH, als Diagnosen einen cervico-
brachialen Schmerz linksbetont mit Hyperkontraktion des Musculus trapezius,
vereinbar mit dem Vorliegen einer fokalen Dystonie, den Status nach HWS-
Schleudertrauma (infolge eines Auffahrunfalls am 6. November 2006, act. G 6.1, 6.2)
mit chronifiziertem Schmerzsyndrom, den Status nach Botulinumtoxin-Injektion in den
M. trapezius links mit akuten massiven Schmerzen, aber Rückbildung der Dystonie
sowie den Verdacht auf medikamenteninduzierten Kopfschmerz, DD: Kopfschmerz
multipler Genese, u.a. fraglich erhöhter Augeninnendruck bei geröteten Augen
assoziiert zu den Kopfschmerzen. Dr. B._ gab an, dass die Versicherte seit dem
HWS-Schleudertrauma im November 2006 über längere Zeit keine
Nackenbeschwerden beklagt habe. Es liege allerdings eine vorbestehende Fehlhaltung
des Rückens mit wiederholt erforderlichen Behandlungen von Lumbalgien vor. Seit
Februar 2010 beklage die Versicherte vermehrte Schulter-, Nacken- und
Armschmerzen und sei zu 50% arbeitsunfähig. Die halbtägige Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit als Näherin sei steigerbar (IV-act. 15, 27).
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A.b In einem Arbeitgeberbericht vom 7. Juli 2010 gab die C._ AG an, dass die
Versicherte seit dem 2. April 2002 als “Annäherin“ mit einem Pensum von 100%
beschäftigt sei. Nach Eintritt des Gesundheitsschadens betrage das Arbeitspensum
der Versicherten noch 50%, namentlich vom 26. Februar bis 26. Mai 2010 und seit 21.
Juni 2010 bis auf weiteres (IV-act. 24).
A.c Die behandelnde Ärztin im Muskelzentrum am Kantonsspital St. Gallen (KSSG),
Dr. med. D._, Neurologie FMH, nannte in ihrem Bericht vom 15. Oktober 2010
folgende Diagnosen: ein cerviko-brachialer Schmerz linksbetont bei Status nach HWS-
Schleudertrauma mit chronifiziertem Schmerzsyndrom, bestehend seit November
2006, eine Hyperkontraktion von M. trapezius und M. rhomboideus links, vereinbar mit
dem Vorliegen einer fokalen Dystonie, diagnostiziert seit 01/2010, sicher schon länger
vorbestehend, sowie ein episodischer Kopfschmerz. Dr. D._ hielt fest, dass dystone
Hyperkontraktionen von Muskeln infolge von Traumata auftreten könnten. Ansonsten
bleibe die Aetiologie aber oft ungeklärt. Als bisherige Therapie seien zwei Mal
Botulinumtoxin-Injektionen in die betroffenen Muskeln erfolgt mit deutlicher
Rückbildung der Hyperkontraktionen und des massiven Schulterschiefstandes. Zu
einer Linderung der massiven Schmerzen sei es aber nicht gekommen. Dieses
chronifizierte, äusserst schwere Schmerzsyndrom, welches von der Versicherten auf
der Schmerzskala VAS stets zwischen 6 und 8 angegeben werde, führe zu einer
eingeschränkten Belastbarkeit. In der bisherigen Tätigkeit als Näherin sei die
Versicherte seit dem 18. Januar 2010 zu 50% arbeitsunfähig. Eine leidensangepasste
Tätigkeit sei halbtägig zumutbar. Ob mit einer Erhöhung der 50%igen Arbeitsfähigkeit
gerechnet werden könne, müsse offen bleiben (IV-act. 34). Im Rahmen einer
Verlaufskontrolle berichtete Dr. D._ am 28. Oktober 2010, dass die Versicherte
sicherlich an einem mehrschichtigen Beschwerde- und Krankheitsbild leide, jedoch
habe der jetzige Verlauf klar gezeigt, dass eine segmentale Dystonie vorliege. So sei es
unter Botulinumtoxin-Injektionen in den M. trapezius und M. rhomboideus zu einem
deutlichen Rückgang der Hyperkontraktion dieser Muskeln gekommen. Neu sei jedoch
eine vermehrte Kontraktion des M. pectoralis aufgetreten. Bei Dystonien zeige sich
wiederholt, dass neue Muskelgruppen involviert werden könnten. Da es sich hier um
cervikal bis thorakal versorgte, benachbarte Muskeln handle, sei doch von einer
segmentalen Dystonie auszugehen. Eine Fortführung der Therapie mit Botulinumtoxin
sei leider nicht möglich, da die Versicherte die Injektionen als äusserst schmerzhaft
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wahrnehme. Es sei darauf hinzuweisen, dass eine Dystonie eine neurologische
Erkrankung und nicht durch “Willensakte überwindbar“ sei. Darüber hinaus sei aber
nicht von der Hand zu weisen, dass bei chronischen Schmerzen, chronifziertem
Schmerz nach einem HWS-Schleudertrauma und episodischen Kopfschmerzen auch
psychogene Komponenten eine Rolle spielen könnten (IV-act. 43-6 f.).
A.d Gemäss einem Austrittsbericht der Klinik Valens vom 3. März 2011 hatte die
Versicherte vom 24. Januar bis 12. Februar 2011 einen stationären
Rehabilitationsaufenthalt absolviert. Als Diagnosen wurden angegeben ein cerviko-
brachiales Syndrom links bei linkskonvexer thorakaler Torsionsskoliose mit
Rippenbuckel, bei Botulinumtoxin-Injektion in den M. trapezius und M. rhomboideus
links 05 und 09/2010 bei Verdacht auf segmentale Dystonie mit Einbezug cervikal bis
thorakal innervierter Muskeln, bei HWS-Distorsionstrauma 11/2006 sowie mit
episodischem Kopfschmerz. Die behandelnden Ärzte hielten fest, dass es trotz
intensiver physio- und ergotherapeutischer Bemühungen und trotz sichtlicher
Motivation der Versicherten im Rahmen der Therapie zu einer deutlichen
Schmerzverstärkung sowie zu einem anhaltenden Schwindelgefühl und damit zu einer
sehr niedrigen Belastbarkeit gekommen sei. Aufgrund der anhaltenden reduzierten
Affektlage sei die Versicherte zudem durch den psychosomatischen Dienst mitbetreut
worden, wobei sich der Verdacht auf ein reaktiv depressives Geschehen im Sinn einer
Anpassungsstörung ergeben habe. Insgesamt seien die von der Versicherten
geschilderten Beschwerden diagnostisch mit den Symptomen eines hauptsächlich
muskulär bedingten cerviko-brachialen Syndroms bei Wirbelsäulenfehlhaltung und
muskulärer Insuffizienz vereinbar, wobei es nach psychischer und körperlicher
Überlastung jeweils zu einer deutlichen Zunahme der Beschwerden begleitet von
vegetativer Dysregulation und rascher Erschöpfbarkeit gekommen sei. Bezüglich der
Arbeitsfähigkeit werde ein gestaffelter Einstieg in die angestammte Tätigkeit als
Näherin mit einem initialen Pensum von 50% empfohlen (IV-act. 62).
A.e In einem Schlussbericht vom 20. Januar 2012 hielt die
Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle fest, es sei zunächst davon ausgegangen
worden, dass die Versicherte nach der Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit als Näherin zu
50% am 21. Juni 2010 das Arbeitspensum werde steigern können. Jedoch sei es beim
Versuch schnell zu einer Ausweitung der Beschwerden gekommen, so dass die
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Arbeitsfähigkeit der Versicherten in der bisherigen und in adaptierten Tätigkeiten auf
50% festgelegt worden sei. Es sei gelungen, den Arbeitgeber der Versicherten zu einer
Vertragsanpassung mit einem reduzierten Pensum von 50% zu bewegen. Die
Arbeitszeit sei in eine Morgenschicht von 05:00 Uhr bis 09:30 Uhr und eine
Nachmittagsschicht von 14:00 Uhr bis 18:30 Uhr eingeteilt worden. Der Bruttolohn für
ein 50%-Pensum betrage Fr. 1‘575.50. Der angepasste Vertrag gelte ab 15. April 2012.
Mit dieser Lösung habe der Arbeitsplatz der Versicherten gesichert und erhalten
werden können (IV-act. 72). Am 27. Februar 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit, dass sie in ihrer angestammten Tätigkeit mit einem Pensum von 50% angemessen
eingegliedert sei, so dass keine weiteren beruflichen Massnahmen notwendig seien (IV-
act. 78)
A.f Die Ärzte der Klinik E._, wo die Versicherte vom 14. Februar bis 10. März 2012
stationär behandelt worden war (IV-act. 80), nannten in einem Bericht vom 21. März
2012 folgende arbeitsfähigkeitsrelevante Diagnosen: multilokuläres Schmerzsyndrom
mit klinisch deutlichen Hinweisen für eine somatoforme Schmerzstörung bei Status
nach HWS-Schleudertrauma 2006, segmentale Dystonie mit Einbezug cervikaler und
thorakaler Muskeln (M. trapezius, M. rhomboideus, M. pectoralis, thorakale paraspinale
Muskulatur links), chronische Spannungskopfschmerzen mit Hinweisen für
medikamenteninduzierten Kopfschmerz, Anpassungsstörung im Sinn einer längeren
depressiven Reaktion bei komplexer psychosozialer Belastungssituation, generalisierte
Angststörung sowie dissoziative Störung. Die Ärzte hielten fest, die Ziele des
stationären Aufenthaltes seien die Durchführung eines Tramalentzugs, die
Verbesserung der Entspannungsfähigkeit sowie die Durchführung von
Verhaltensanalysen zur Ermittlung störungsaufrechterhaltender Faktoren gewesen.
Dazu habe die Versicherte engagiert und motiviert am multimodalen
Behandlungsprogramm teilgenommen. Im Rahmen des Tramalentzugs habe die
Versicherte über das Erleben starker Nebenwirkungen berichtet. Bezüglich der
Arbeitsfähigkeit bestehe bei der Versicherten eine eingeschränkte körperliche und
psychische Belastbarkeit. Die Konzentrations- und Merkfähigkeit sei bislang durch den
übermässigen Gebrauch von Tramal vermindert gewesen. Aufgrund der bestehenden
Komorbidität mit langjähriger Schmerzstörung, generalisierten Ängsten, depressiv-
dysphorischen Stimmungseinbrüchen im Rahmen der Anpassungsstörung sowie der
Tendenz zur Hyperventilation in Belastungssituationen und dissoziativer Symptomatik
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sei die Belastbarkeit weiterhin deutlich eingeschränkt. Die Versicherte beabsichtige, ab
dem 26. März 2012 ihre bisherige Tätigkeit mit einem Pensum von 50% wieder
aufzunehmen (IV-act. 80). In einem Verlaufsbericht des Muskelzentrums am KSSG vom
20. März 2012 wurde festgehalten, dass es während des stationären Aufenthalts in der
Klinik E._ offensichtlich gelungen sei, die Versicherte vom Tramal zu entziehen. Dafür
bestehe jetzt vermutlich eine Xanax-Abhängigkeit. Das nochmalige Angebot,
Botulinumtoxin zu spritzen, habe die Versicherte aufgrund ihrer Angst vor Schmerzen
zurzeit abgelehnt (IV-act. 82).
A.g Auf Veranlassung des RAD (IV-act. 84) wurde die Versicherte vom 14. bis 18.
Januar 2013 im Zentrum für Medizinische Begutachtung (ZMB), Basel, polydisziplinär
untersucht. Im entsprechenden Gutachten vom 25. April 2013 wurden folgende
arbeitsfähigkeitsrelevante Diagnosen genannt: ein verzögertes Auftreten einer
schmerzhaften segmentalen Dystonie im Sinn eines Torticollis spasmodicus mit
zunehmendem Einbezug weiterer Muskeln cervical und im Schultergürtel links, den
Status nach dreimaliger Botulinumtoxin-Injektion mit nur kurzfristigem Ansprechen und
jeweils akuten Schmerzexazerbationen sowie ein kranio-cervicales
Beschleunigungstrauma QTF - Klassifikation II am 6. November 2006 mit
persistierenden cervico-brachialen Schmerzen links mit ausgeprägter muskulärer
Dysbalance mit Schulterhochstand links und konsekutiver skoliotischer Fehlhaltung. In
der Gesamtbeurteilung hielten die Gutachter fest, aus neurologischer Sicht entspreche
das heutige Beschwerdebild einer sogenannten fokalen Dystonie und zwar der
häufigsten Variante, nämlich einer cervicalen Dystonie mit Ausbreitung auf Schulter und
möglicherweise obere linke Thoraxhälfte. Eine symptomatische Dyskinesie sei aufgrund
des Verlaufes und der erfolgten neurologischen Abklärungen im KSSG weitgehend
ausgeschlossen. Diskutiert würden in der Literatur auch psychogene Dystonieformen
im Sinn von dissoziativen Störungen. Die Angaben über die Häufigkeit schwankten in
der Literatur zwischen 1,6 bis 2,3% der Dystonien. Bei der Versicherten seien das weit
im Vordergrund stehende Schmerzsyndrom sowie das fehlende Ansprechen auf
Botulinumtoxin-Injektionen nebst den initial massiv schmerzhaften Injektionen auffällig.
Der Befund im Neurostatus sei mit Ausnahme dieses kontrakten Zustandes mit
hochgezogener linker Schulter ganz unauffällig. Peripherneurogene Ausfallzeichen,
aber auch zentrale Motorikstörungen fehlten bis auf die kontrahierten Schulter- und
Halsmuskeln links. Auch die bisherigen radiologischen und elektrophysiologischen
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Untersuchungen der Schultermuskulatur seien unauffällig gewesen. In
rheumatologischer Hinsicht sei es infolge der durch den Unfall am 6. November 2006
erlittenen HWS-Distorsion zu einem chronischen Schmerzsyndrom im Nacken-/
Schulterbereich links und des linken Arms mit einer ausgeprägten Fehlstellung der
linken Schulter und dadurch bedingt zu einer skoliotischen Fehlform der
Brustwirbelsäule gekommen. Einschränkend müsse jedoch bemerkt werden, dass der
Vorzustand unbekannt sei und deshalb nicht gesagt werden könne, ob allenfalls nicht
eine leichte Skoliose vorbestehend gewesen sei. Aktuell sei eine ausgesprochen
ausgeprägte muskuläre Dysbalance feststellbar mit deutlicher Verkürzung des M.
pectoralis beidseits. Die aktuellen Röntgenbilder zeigten – wie die früheren Aufnahmen
– keine wesentlichen degenerativen Veränderungen. Auf der anderen Seite bestünden
jedoch deutliche Hinweise für eine nicht organische Schmerzkomponente bzw.
Zentralisierung des Schmerzes. Dafür sprächen z.B. auch die Druckdolenz sämtlicher
Dornfortsätze, die ausgesprochene Schmerzhaftigkeit, zum Teil die nicht kongruenten
Befunde bei der klinischen Untersuchung und die Spontanbewegungen sowie die
Hyposensibilität in der gesamten linken Gesichts- und Köperhälfte. Sämtliche
bisherigen therapeutischen Massnahmen, wobei es sich immerhin um zwei stationäre
Aufenthalte, eine intensive, ambulante physiotherapeutische Behandlung sowie
dreimalige Botulinumtoxin-Injektionen gehandelt habe, hätten keinerlei bleibende
Verbesserung gebracht, weder bezüglich der subjektiven Beschwerden noch bezüglich
der objektiven Befunde (z.B. Schulterhochstand links). Aus psychiatrischer Sicht sei vor
dem Hintergrund der organisch nur zum Teil erklärbaren Schmerzen und der
psychosozialen Problematik (grosse Belastung durch den hyperaktiven Sohn,
schwierige Arbeitsplatzsituation mit Schichtarbeit beider Ehepartner, Angst vor
Stellenverlust, angespannte finanzielle Situation) die Diagnose einer somatoformen
Schmerzstörung mit dissoziativen Anteilen, DD: Angst- und depressive Störung
gemischt, gestellt worden. Aufgrund dieser Diagnosen bestehe eine Rendement-
Verminderung von 20% (IV-act. 108-41). Des Weiteren liege ein gefährlicher Gebrauch
von Benzodiazepinen vor. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter fest, die
Versicherte sei aus neurologischer Sicht zu 50% arbeitsfähig in der bisherigen
Tätigkeit. In einer adaptierten und vor allem wechselnde Arbeitshaltungen
ermöglichenden Tätigkeit sei eine leicht bessere Arbeitsfähigkeit von 60 - 70% zu
erwarten. Aus rheumatologischer Sicht bestehe infolge der Schmerzproblematik in
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einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit unter Ausschluss von Arbeiten mit den
Armen über der Horizontalen eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 30%. In
psychiatrischer Hinsicht bestehe bei Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung
nach geltendem Recht keine Arbeitsunfähigkeit. Gesamthaft betrachtet, sei die
Versicherte in ihrer bisherigen Tätigkeit zu 50% arbeitsfähig. Aus neurologischer Sicht
werde zwar empfohlen, dass die Versicherte eine andere Tätigkeit finde, bei welcher sie
nicht mehr derart stereotype Arbeitsbewegungen bei konstanter Arbeitshaltung
ausführen müsse. Aus psychiatrischer Sicht sei jedoch mit einer Verschlechterung zu
rechnen, wenn die Versicherte die ihr bekannte Arbeitsstelle ohne Ersatz durch eine
wirklich adaptierte Tätigkeit verliere. Entsprechend sei davon auszugehen, dass der
aktuelle Arbeitsplatz aus neurologischer und rheumatologischer Sicht zwar nicht ideal,
aber wahrscheinlich eben doch optimal sei – ausser es werde ein besserer Arbeitsplatz
zur Verfügung gestellt (IV-act. 108). Gemäss seiner Stellungnahme vom 23. Mai 2013
kam der RAD zum Schluss, dass auf das Gutachten des ZMB abgestützt werden
könne und dass bei der Versicherten in der bisherigen Tätigkeit als Näherin eine
50%ige und in einer adaptierten Tätigkeit eine 60 - 70%ige Arbeitsfähigkeit bestehe
(IV-act. 110).
A.h Mit einem Vorbescheid vom 6. Juni 2013 stellte die IV-Stelle die Abweisung des
Rentengesuchs der Versicherten in Aussicht. In der Begründung stützte sie sich auf
das Gutachten des ZMB und ging von einer 60 - 70%igen Arbeitsfähigkeit, bzw. einer
65%igen Arbeitsfähigkeit (Mittelwert), in leidensadaptierten Tätigkeiten aus. Zum
Einkommensvergleich führte die IV-Stelle aus, dass es der Versicherten ohne
gesundheitliche Beeinträchtigung in der bisherigen Tätigkeit möglich wäre, ein
zumutbares Jahreseinkommen von Fr. 44‘250.-- (ausgehend vom zuletzt erzielten
Verdienst vor dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit) zu erzielen. In einer
leidensangepassten Tätigkeit, unter Berücksichtigung des Minderverdienstes, sei es
der Versicherten zumutbar, ein Jahreseinkommen von Fr. 30‘201.-- (ausgehend von
den Durchschnittslöhnen gemäss den Lohnstrukturerhebungen des Bundesamtes für
Statistik) zu erzielen. Es resultiere eine Erwerbseinbusse von Fr. 14‘049.--, was einem
Invaliditätsgrad von 32% entspreche (IV-act. 114). Gegen diesen Vorbescheid liess die
Versicherte am 4. Juli 2013 einwenden, sie sei mit ihrer jetzigen Stelle im 50%-Pensum
bestmöglich in den Arbeitsmarkt eingegliedert. Im Gutachten sei festgehalten worden,
dass bei einem Verlust dieser Stelle ohne Ersatz durch eine wirklich adaptierte Tätigkeit
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eher mit einer Verschlechterung zu rechnen sei; entsprechend sei davon auszugehen,
dass der aktuelle Arbeitsplatz neurologisch und rheumatologisch betrachtet zwar nicht
ideal, aber wahrscheinlich eben doch optimal sei. Sie sei seit über 10 Jahren beim
selben Arbeitgeber beschäftigt und werde dort als sehr gute Mitarbeiterin geschätzt.
Gemäss dem Gutachten seien ihre Ressourcen für eine berufliche Neuorientierung sehr
begrenzt. Auch die IV-Stelle habe wiederholt festgehalten, dass sie mit ihrer jetzigen
Stelle angemessen eingegliedert sei. Das Ziel der IV-Stelle sei der Erhalt des
Arbeitsplatzes gewesen, was mit dem neuen Teilzeitvertrag ab 15. April 2012 erreicht
worden sei. Diese Lösung sei somit als optimale Eingliederung zu betrachten. Beim
Einkommensvergleich sei daher nicht auf einen statistischen Lohn, sondern auf das
tatsächliche Einkommen abzustellen. Selbst wenn für die Bestimmung des
Invalideneinkommens die Tabellenlöhne herangezogen würden, müsste die
Parallelisierung der Vergleichseinkommen beachtet werden, da sie vor Eintritt des
Gesundheitsschadens aus wirtschaftlicher Notwendigkeit unfreiwillig ein erheblich
unterdurchschnittliches Einkommen erzielt habe. Zusätzlich sei aufgrund der zu
erwartenden Lohnnachteile aufgrund der gesundheitsbedingt erforderlichen Anpassung
der Verhältnisse bei einem potentiellen Arbeitgeber sowie aufgrund des akuten Risikos
einer Verschlechterung bei einer “nicht wirklich adaptierten Tätigkeit“ ein
Tabellenlohnabzug von mindestens 15% vorzunehmen. Folglich sei ihr ab 1. Januar
2011 eine halbe Rente zuzusprechen (IV-act. 115). Mit einer Verfügung vom 12. August
2013 lehnte die IV-Stelle einen Rentenanspruch der Versicherten ab. Zum Einwand der
Versicherten hielt die IV-Stelle fest, dass entgegen der Ansicht der Versicherten nicht
nur auf die angestammte Tätigkeit abzustellen sei. Bei langer Dauer der
Arbeitsunfähigkeit werde auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder
Aufgabenbereich berücksichtigt. Die Arbeitsfähigkeit betrage gemäss dem Gutachten
60 - 70%. Die Einschränkungen seien dabei bereits angemessen berücksichtigt. Weiter
sei das Valideneinkommen nicht aus gesundheitlichen Gründen so tief und stelle daher
einen IV-fremden Faktor dar (IV-act. 119).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde der Versicherten
(nachfolgend Beschwerdeführerin), vertreten durch Rechtsanwalt Dieter Studer, vom
4. September 2013. Die Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung der
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angefochtenen Verfügung und die Zusprache einer halben Rente mit Wirkung ab 1.
Januar 2011. Der Rechtsvertreter hält zur Begründung fest, die angefochtene
Verfügung sei bereits aus formellen Gründen aufzuheben. Indem sich die
Beschwerdegegnerin gar nicht bzw. ungenügend mit den Vorbringen der
Beschwerdeführerin im Einwandverfahren auseinandergesetzt habe, liege eine klare
Verletzung des rechtlichen Gehörs vor. In materieller Hinsicht wiederholt der
Rechtsvertreter die bereits im Einwand vom 4. Juli 2013 erwähnten Vorbringen (act. G
1, IV-act. 115).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt am 29. Oktober 2013 die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung führt sie aus, dass die angefochtene Verfügung in
formeller Hinsicht die Mindestbedingungen an die Begründungspflicht erfülle. Es sei
zum Einwand vom 4. Juli 2013 Stellung genommen worden, wenn auch etwas kurz.
Wenn überhaupt, würde es sich jedenfalls nur um eine leichte Verletzung des
rechtlichen Gehörs handeln, da es lediglich um die Würdigung von bereits bekannten
Tatsachen gegangen sei. Weil in der Beschwerdeantwort zu den Einwänden Stellung
genommen werde, könne praxisgemäss eine allfällige Verletzung des rechtlichen
Gehörs geheilt werden. In materieller Hinsicht sei der Einwand der Beschwerdeführerin,
dass beim Einkommensvergleich das tatsächliche Einkommen als Invalideneinkommen
zu berücksichtigen sei, nicht stichhaltig. Da der Invaliditätsgrad gestützt auf eine der
Beschwerdeführerin zumutbare Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
zu bestimmen sei, könne nicht einfach auf das tatsächlich geleistete Arbeitspensum
bzw. Einkommen einer versicherten Person abgestellt werden. Der tatsächlich erzielte
Verdienst könne nur dann als Invalideneinkommen übernommen werden, wenn
besonders stabile Arbeitsverhältnisse eine Bezugnahme auf den hypothetisch
ausgeglichenen Arbeitsmarkt erübrigten und wenn anzunehmen sei, dass die
Restarbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise ausgeschöpft werde. Gemäss dem ZMB-
Gutachten sei die Beschwerdeführerin wegen der Schmerzproblematik nur zu 70%
arbeitsfähig. Da jedoch bei der Beschwerdeführerin ein Zervikobrachialsyndrom, d.h.
ein mit einer somatoformen Schmerzstörung vergleichbarer pathogenetisch-ätiologisch
un-klarer syndromaler Zustand vorliege, werde die Arbeitsfähigkeit dadurch nur dann
eingeschränkt, wenn eine zusätzliche psychische Komorbidität von erheblicher
Schwere, Ausprägung und Dauer gegeben sei. Dies sei vorliegend nicht der Fall. Auch
sogenannte Förster-Kriterien seien nicht ersichtlich. Die vom Rheumatologen des ZMB
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erwähnten muskulären Verspannungen seien ebenfalls nicht invalidisierend. Demnach
sei die Beschwerdeführerin bei richtiger Betrachtung aus rheumatologischer Sicht in
einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig. Auch aus neurologischer Sicht lasse sich
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen. Die vom Neurologen des ZMB
diagnostizierte Dystonie sei nicht invalidisierend, weil diese ebenfalls nur aus
muskulären Verspannungen ableitbar sei. Weil bei der Beschwerdeführerin lediglich
differentialdiagnostisch eine Angst- und depressive Störung gemischt vorliege, seit
entgegen dem ZMB-Gutachten auch aus psychiatrischer Sicht von einer vollen
Arbeitsfähigkeit auszugehen. Somit sei die Beschwerdeführerin aus polydisziplinärer
Sicht in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig. Insofern könne vom ZMB-
Gutachten abgewichen werden, ohne dass diesem deshalb im restlichen Teil der
Beweiswert abgesprochen werden müsse. Beim Einkommensvergleich sei für die
Bestimmung des Invalideneinkommens auf die Tabellenlöhne abzustellen.
Hilfsarbeiterinnen stünden nach Eintritt der Invalidität eine Vielzahl von Stellen im
Produktions- und Dienstleistungssektor offen. Für die Beschwerdeführerin geeignete
Tätigkeiten seien etwa leichtere Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie
Verpackungsarbeiten, leichtere Arbeiten bei der Lager- und Ersatzteilbewirtschaftung
sowie Kurier- und leichtere Lieferdienste. Da der entsprechende Tabellenlohn höher sei
als das Valideneinkommen, sei eine Parallelisierung der Vergleichseinkommen bis zu
einer Differenz von 5% durchzuführen. Weiter sei ein Leidensabzug von 10%
vorzunehmen, da die Beschwerdeführerin nur noch leichte Hilfstätigkeiten ausführen
könne. Aus dem Einkommensvergleich resultiere so ein Invaliditätsgrad von 5%. Damit
habe die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Rente (act. G 4).
B.c Mit einer Replik vom 6. Dezember 2013 hält die Beschwerdeführerin an ihren
Beschwerdeanträgen fest. Der Rechtsvertreter bringt im Wesentlichen vor, dass die
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin in der bisherigen und in adaptierten
Tätigkeiten aufgrund der entsprechenden objektiven Befunde regelmässig fachärztlich
bestätigt und auch vom RAD im Sinn eines invalidisierenden Leidens anerkannt worden
sei. Mit der Beschwerdeantwort widerspreche die Beschwerdegegnerin somit den
aktenkundigen Tatsachen und überdies ihrem eigenen im Abklärungsverfahren
eingenommenen Standpunkt. Bei den vorliegenden medizinischen Befunden handle es
sich entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht lediglich um ein syndromales
Schmerzleiden ohne organische Grundlage. Bei der Beschwerdeführerin liege eine
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deutlich objektivierte Dystonie mit zunehmendem Einbezug weiterer Muskeln cervikal
und im Schultergürtel vor. Die zumutbarerweise verwertbare Restarbeitsfähigkeit
betrage maximal 50%, was übereinstimmend aus den Akten hervorgehe. Insbesondere
sei darauf hinzuweisen, dass die Gutachter die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen
Tätigkeit auf 50% geschätzt und aus neurologischer Sicht “eine leicht bessere
Arbeitsfähigkeit“ von 60 - 70% in adaptierten Tätigkeiten angegeben hätten. Aus
psychiatrischer Sicht sei nur – aber immerhin – ausgeführt worden, dass durch die
anhaltende somatoforme Schmerzstörung in Kombination mit der
differentialdiagnostisch nicht ausgeschlossenen Angst- und depressiven Störung
gemischt eine Rendement-Verminderung von 20% bestehe. Die gutachterliche
Beurteilung sei nachvollziehbar und unter Einbezug sämtlicher medizinscher Akten
sowie der Ergebnisse der eigenen Untersuchungen erfolgt. Es gebe somit keinen
Grund von deren Arbeitsfähigkeitsschätzung abzuweichen. Selbst wenn von einer
reinen Schmerzstörung auszugehen wäre, seien die sogenannten Förster-Kriterien bei
der Beschwerdeführerin erfüllt (act. G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf die Einreichung einer Duplik (act. G 8).
B.e Mit einer Eingabe vom 8. Mai 2014 reicht der Rechtsvertreter einen Bericht von
Dr. med. F._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 16. Dezember 2013 ein. Er
hält fest, dass die Beschwerdeführerin seit dem 16. August 2012 bei Dr. F._ in
Behandlung sei. Weder die Beschwerdegegnerin noch der psychiatrische ZMB-
Gutachter hätten bezüglich dieser Behandlung weitere Abklärungen durchgeführt. Dr.
F._ weise insbesondere darauf hin, dass aus ihrer Sicht keine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung vorliege, weil keine klare somatische Diagnose bestehe.
Eine psychische Komorbidität halte sie für ausgewiesen. Aufgrund dieser Angaben
können nicht ohne weiteres auf die Arbeitsunfähigkeitsschätzung des psychiatrischen
Gutachters von 20% abgestellt werden. Dies spreche ebenfalls für den Anspruch auf
eine halbe Rente ab 1. Januar 2011 (act. G 9). Dr. F._ hatte berichtet, dass sie vom
16. August 2012 bis Ende Juli 2013 für die ambulante Behandlung der
Beschwerdeführerin im Fachbereich Psychosomatik am KSSG zuständig gewesen sei.
Nach einer dreimonatigen Pause bis zur Eröffnung ihrer Praxis sei die
Beschwerdeführerin seit dem 2. November 2013 wieder bei ihr in Behandlung. Der
psychiatrische ZMB-Gutachter habe bei der Beschwerdeführerin keine psychiatrische
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Komorbidität festgestellt. Dieser Beurteilung könne sie aufgrund der erhobenen
psychopathologischen Befunde sowie der kontinuierlichen psychiatrisch-
psychotherapeutischen Behandlungen widersprechen. Bereits am 16. August 2012
habe sie bei der Beschwerdeführerin die Verdachtsdiagnose Dysthymia gestellt. Weiter
habe sie noch folgende Diagnosen gestellt: psychische Verhaltensstörung durch
Sedativa und Hypnotika, Xanax-Missbrauch, schädlicher Gebrauch von nicht
abhängigkeitserzeugenden Substanzen, Analgetika, Verdacht auf andauernde
Persönlichkeitsveränderung bei chronischem Schmerzsyndrom. Die Diagnose einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung habe sie nie gestellt, da eine klare
somatische Diagnose bestehe. Die Diagnose Dysthymia oder ängstliche Depression
könne mit folgenden diagnostischen Kriterien belegt werden: die Beschwerdeführerin
habe seit 2006 eine chronische depressive Verstimmung, fühle sich meistens müde
und depressiv und erlebe alles als anstrengend. Die Beschwerdeführerin fühle sich
permanent überfordert, mit ihren Symptomen eine minimale Funktionsfähigkeit im
Familien- und Arbeitsleben zu zeigen (act. G 9.1).
B.f Mit einer Eingabe vom 10. Juni 2014 reicht der Rechtsvertreter einen
Verlaufsbericht von Dr. F._ vom 28. Mai 2014 ein (act. G 11). In diesem Bericht hatte
Dr. F._ folgende Hauptdiagnosen genannt: Dysthymia und anankastische zwanghafte
Persönlichkeitsstörung. Als Nebendiagnosen hatte sie eine andauernde
Persönlichkeitsveränderung bei chronischem Schmerzsyndrom bei Zustand nach
Autounfall 2006, ein schädlicher Gebrauch von nicht abhängigkeitserzeugenden
Substanzen, Analgetika, sowie einen Xanax-Missbrauch angegeben (IV-act. 11.1).
B.g Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf die Einreichung einer Stellungnahme
(act. G 10, 12).

Erwägungen
1.
In formeller Hinsicht hat die Beschwerdeführerin zunächst eine Verletzung ihres
Anspruchs auf rechtliches Gehör gerügt. Die Beschwerdegegnerin habe sich in der
angefochtenen Verfügung mit den Einwänden zum Vorbescheid nicht bzw. nicht
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ausreichend auseinander gesetzt. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29
Abs. 2 BV) folgt unter anderem die grundsätzliche Pflicht der Behörden, ihren
Entscheid zu begründen. Die Begründung eines Entscheids muss so abgefasst sein,
dass die betroffene Person diesen in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz
weiterziehen kann; in diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr
Entscheid stützt (Bundesgerichtsentscheid vom 4. Mai 2009, 8C_541/2008; BGE 134 I
83 E. 4.1). Nicht erforderlich ist hingegen, dass sich der Entscheid mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt (Bundesgerichtsentscheid vom 28. Oktober 2008, 9C_508/2008;
BGE 133 III 439 E. 3.3). Die Beschwerdegegnerin hat zu den Einwänden der
Beschwerdeführerin vom 4. Juli 2013 (vgl. IV-act. 115) insofern Stellung genommen, als
sie angegeben hat, dass für die Bestimmung des Invalideneinkommens die
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit massgebend sei und nicht – wie von der
Beschwerdeführerin geltend gemacht – die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit.
Die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer
adaptierten Tätigkeit liege gemäss dem ZMB-Gutachten bei 60 - 70% (vgl. IV-act. 119).
Die Beschwerdegegnerin hat keinen Bezug genommen auf das Vorbringen der
Beschwerdeführerin, wonach die bisherige Tätigkeit als Näherin von den ZMB-
Gutachtern aus neurologischer und rheumatologischer Sicht zwar nicht als ideal, aber –
vor dem Hintergrund der zu erwartenden Verschlechterung bei einem Verlust dieser
Stelle ohne Ersatz durch eine wirklich adaptierte Tätigkeit – wahrscheinlich eben doch
als optimal qualifiziert worden sei. Weiter ist die Beschwerdegegnerin auch nicht auf
den Einwand der Beschwerdeführerin eingegangen, dass das Ziel der beruflichen
Eingliederung der IV-Stelle darin bestanden habe, den bisherigen Arbeitsplatz zu
erhalten, was mit einer Vertragsanpassung auf ein 50%-Pensum gelungen sei. Damit
sei sie als bestmöglich in den Arbeitsmarkt eingegliedert zu betrachten. In der
angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin weiter festgehalten, dass im
Rahmen der Arbeitsfähigkeitsschätzung bereits sämtliche Einschränkungen
angemessen berücksichtigt worden seien. Schliesslich sei das Valideneinkommen der
Beschwerdeführerin nicht aus gesundheitlichen Gründen so tief gewesen und sei daher
als IV-fremder Faktor nicht zu berücksichtigen. Mit diesen Aussagen hat die
Beschwerdegegnerin wohl sinngemäss die von der Beschwerdeführerin im Einwand
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erhobenen Forderungen nach einem Tabellenlohnabzug von mindestens 15%
einerseits sowie einer Parallelisierung der Vergleichseinkommen andererseits
abgelehnt. Die Ablehnung ist kurz, pauschal und ohne eine die Argumente der
Beschwerdeführerin berücksichtigende Begründung erfolgt. Die Mindestanforderungen
an die Begründungspflicht sind vor diesem Hintergrund als nicht erfüllt zu betrachten.
Da sich die Beschwerdegegnerin aber immerhin – wenn auch ungenügend – zu den
vorliegend für die Bemessung des Invaliditätsgrads wesentlichen Punkten, namentlich
der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin und dem Einkommensvergleich, geäussert
hat, ist von einer lediglich leichten Verletzung des rechtlichen Gehörs auszugehen. Eine
solche kann praxisgemäss geheilt werden, wenn die versicherte Person – wie
vorliegend – die Möglichkeit hat, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die
sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 126 V 132).
Zudem würde eine Rückweisung der Sache zu einem formalistischen Leerlauf und
damit zu unnötigen Verzögerungen führen, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten)
Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung nicht zu
vereinbaren wären (BGE 116 V 187 E. 3d). Die Beschwerdeführerin selbst hat der
materiellen Behandlung den Vorzug gegeben, indem sie in der Beschwerde an das
Versicherungsgericht in materieller Hinsicht vollumfänglich auf die Vorbringen im
Einwand vom 4. Juli 2013 verwiesen hat. (vgl. act. G 1). Eine Aufhebung der
angefochtenen Verfügung aus formellen Gründen kann folglich unterbleiben.
2.
2.1 In materieller Hinsicht ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin umstritten.
2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein
Anspruch auf eine Viertelsrente. Gemäss Art. 16 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ist zur Bemessung
des Invaliditätsgrades das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
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Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Das ausschlaggebende Element der Bemessung des zumutbaren
Invalideneinkommens – und damit indirekt des Invaliditätsgrades – ist grundsätzlich der
Grad der verbliebenen Arbeitsfähigkeit, so dass dessen Ermittlung normalerweise den
ersten Schritt bei der Erhebung des massgeblichen Sachverhalts bildet.
2.3 Die gesetzlichen Definitionen von Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit, Invalidität,
Ermittlung des Invaliditätsgrades usw. stellen Rechtsbegriffe dar. Gerichtliche
Schlussfolgerungen in ihrem Geltungsbereich, z.B. die Bejahung oder Verneinung einer
erheblichen Arbeitsunfähigkeit oder einer rentenbegründenden Invalidität, sind daher
Akte der Rechtsanwendung und nicht Schritte der Sachverhaltsfeststellung. Indessen
hängen Rechts- und Tatfragen im Bereich der Invaliditätsbemessung aufs Engste
miteinander zusammen, handelt es sich doch bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades
um einen mehrstufigen Prozess, in dessen Verlauf mannigfaltige
Tatsachenfeststellungen (einschliesslich Schätzungen) getroffen werden (BGE 132 V
393 E. 3.1).
2.4 Um den Grad der Arbeitsunfähigkeit, der Erwerbsunfähigkeit und der Invalidität
bemessen zu können, sind Verwaltung und Gericht auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe der ärztlichen Sachverständigen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen
und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten
die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen).
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
3.
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3.1 Vorab zu klären ist die Frage, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt. Die
Beschwerdegegnerin hat in rein medizinischer Hinsicht auf das ZMB-Gutachten vom
25. April 2013 abgestellt. Bezüglich der Arbeitsfähigkeitsschätzung ist sie jedoch in der
Beschwerdeantwort vom Gutachten abgewichen. Sie hat festgehalten, dass bei der
Beschwerdeführerin ein Zervikobrachialsyndrom, d.h. ein mit einer somatoformen
Schmerzstörung vergleichbarer pathogenetisch-ätiologisch unklarer syndromaler
Zustand vorliege, bei welchem gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur dann
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit angenommen werde, wenn eine zusätzliche
psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer gegeben
sei. Dies sei vorliegend nicht der Fall. Da bei der Beschwerdeführerin die Angst- und
depressive Störung nur differentialdiagnostisch vorliege und zudem die sogenannten
Förster-Kriterien nicht erfüllt seien, bestehe aus psychiatrischer Sicht eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit. Die vom rheumatologischen Gutachter festgestellten muskulären
Verspannungen seien ebenfalls nicht invalidisierend. Daher sei die Beschwerdeführerin
bei richtiger Betrachtung aus rheumatologischer Sicht in einer adaptierten Tätigkeit voll
arbeitsfähig. Auch aus neurologischer Sicht lasse sich keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit begründen. Die vom neurologischen Gutachter diagnostizierte
Dystonie sei nicht invalidisierend, weil diese ebenfalls nur aus muskulären
Verspannungen ableitbar sei. Somit sei die Beschwerdeführerin aus polydisziplinärer
Sicht in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig (vgl. act. G 4).
3.2 Die Beschwerdegegnerin hat sich bei ihrer Argumentation auf die mit dem
Bundesgerichtsentscheid 130 V 352 im Jahr 2004 eingeführte Praxis gestützt, wonach
das Vorliegen der Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (sowie
von anderen pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern
ohne organische Grundlage, vgl. die Auflistung in BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) zur
Vermutung der Überwindbarkeit des Leidens mittels zumutbarer Willensanstrengung
und damit in der Regel nicht zur Annahme einer invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit der
betroffenen Person führt. Nach dieser Praxis ist eine Arbeitsunfähigkeit ausnahmsweise
nur dann zu bejahen, wenn die sogenannten Förster-Kriterien in ausreichendem
Ausmass vorliegen. Dazu gehört insbesondere das Kriterium der neben der
somatoformen Schmerzstörung vorliegenden psychischen Komorbidität von
erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Mit einem Entscheid vom 3. Juni 2015,
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BGE 141 V 281 ff., hat das Bundesgericht nun aber seine langjährige Praxis geändert.
Neu begründet die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und
von vergleichbaren psychosomatischen Leiden keine Überwindbarkeitsvermutung
mehr. Anstelle des Regel-/Ausnahmemodells hat gemäss neuer Praxis ein
strukturiertes Beweisverfahren zu treten. In dessen Rahmen ist das tatsächlich
erreichbare Leistungsvermögen der betroffenen Person in einer Gesamtbetrachtung
einzelfallgerecht und ergebnisoffen zu beurteilen. Diese Bewertung erfolgt anhand
eines Katalogs von Indikatoren, welche die massgeblichen Aspekte psychosomatischer
Leiden umfassen. Die neue Rechtsprechung ändert nichts an der gesetzlichen
Voraussetzung, dass eine invalidisierende Erwerbsunfähigkeit nur dann vorliegen kann,
wenn sie aus objektiver Sicht als unüberwindbar scheint. Die versicherte Person trägt
zudem nach wie vor die Beweislast bzw. den Nachteil der Beweislosigkeit. Anhand der
Indikatoren ist künftig stärker als bisher zu berücksichtigen, welche Auswirkungen das
Leiden auf die Arbeits- und Alltagsfunktionen der betroffenen Person hat. Bereits bei
der Diagnosestellung ist vermehrt dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die
Diagnose “Schmerzstörung“ einen gewissen Schweregrad voraussetzt. Weitere
Rückschlüsse auf die Folgen der psychosomatischen Störung geben der Verlauf und
der Ausgang von Therapien und von beruflichen Eingliederungsbemühungen. Mehr als
bisher einzubeziehen sind zudem auch die Ressourcen, welche die Leistungsfähigkeit
einer betroffenen Person begünstigen können. Hier sind insbesondere die
Persönlichkeit und der soziale Kontext zu berücksichtigen. Entscheidend ist weiter, ob
die geltend gemachten Einschränkungen in den verschiedenen Lebensbereichen
(Arbeit und Freizeit) gleichermassen auftreten und ob sich der Leidensdruck in der
Inanspruchnahme therapeutischer Möglichkeiten zeigt (vgl. Medienmitteilung des
Bundesgerichts “Psychosomatische Leiden und IV-Rente: Bundesgericht ändert
Rechtsprechung“ vom 17. Juni 2015). Schematisch können die Indikatoren
folgendermassen dargestellt werden (vgl. BGE 141 V 297 f., E. 4.1.3):
I Funktioneller Schweregrad
1. Komplex “Gesundheitsschädigung“
1.1. Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
1.2. Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
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1.3. Komorbiditäten
2. Komplex “Persönlichkeit“: Persönlichkeitsdiagnostik (Persönlichkeitsstruktur,
Persönlichkeitsentwicklung und -störungen, persönliche Ressourcen)
3. Komplex “Sozialer Kontext“
3.1. Abgrenzung psychosozialer und soziokultureller Faktoren
3.2. Eruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds
II Konsistenzprüfung (Gesichtspunkte des Verhaltens)
1. Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen
2. Behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck
(bzw. Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen)
3.3 Das Gutachten des ZMB vom 25. April 2013 ist unter Geltung der altrechtlichen
Praxis erstellt worden. Das Bundesgericht hat im BGE 141 V 281 ff. festgehalten, dass
in intertemporalrechtlicher Hinsicht Gutachten, welche nach altem Verfahrensstand
eingeholt worden seien, nicht per se ihren Beweiswert verlören. Bezüglich der nunmehr
geänderten materiell-beweisrechtlichen Anforderungen sei in jedem Einzelfall zu prüfen,
ob die beigezogenen administrativen und/oder gerichtlichen
Sachverständigengutachten – gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen
Berichten – eine schlüssige Beurteilung im Licht der massgeblichen Indikatoren
erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte könne zudem unter
Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen (BGE 141 V 309, E. 8). Zu prüfen ist
somit im Folgenden, ob das ZMB-Gutachten in Verbindung mit den weiteren
vorliegenden medizinischen Akten eine im Sinne derneuen Praxis rechtsgenügliche
Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
3.3.1 Der psychiatrische ZMB-Gutachter hat festgehalten, es sei infolge der bei der
Beschwerdeführerin nun seit Jahren anhaltenden breiten Schmerzproblematik vor dem
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Hintergrund deutlicher emotionaler Konflikte bzw. psychosozialer Probleme die
Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung zu stellen (vgl. IV-act.
108-39). Der Gutachter hat die Förster-Kriterien geprüft und ist bezüglich der
Arbeitsfähigkeit zum Schluss gekommen, dass aufgrund der anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung in Kombination mit der differentialdiagnostisch nicht
ausgeschlossenen Angst- und depressiven Störung gemischt eine Rendement-
Verminderung von 20% bestehe (vgl. IV-act. 108-41). In der Gesamtbeurteilung haben
die Gutachter jedoch festgehalten, dass gemäss geltendem Recht bei somatoformen
Schmerzstörungen keine Arbeitsunfähigkeit bestehe (vgl. IV-act. 108-45). Folglich sind
sie aus psychiatrischer Sicht von einer vollen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
ausgegangen. Diese Schlussfolgerung ist unter der neu geltenden Praxis des
Bundesgerichts nicht mehr zulässig. Erforderlich ist daher eine Ergänzung des
psychiatrischen Fachgutachtens im Sinn einer Prüfung der massgeblichen neuen
Standardindikatoren gemäss dem Bundesgerichtsentscheid vom 3. Juni 2015, BGE
141 V 281 ff. (vgl. oben E. 3.2). Falls so eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht festgestellt werden sollte, wäre diese
auch im Rahmen der Konsensbeurteilung vollumfänglich zu berücksichtigen.
3.3.2 Im Beschwerdeverfahren hat der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zwei
Berichte von Dr. F._ vom 16. Dezember 2013 (vgl. act. G 9.1) und 28. Mai 2014 (vgl.
act. G 11.1) eingereicht. Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätzlich
die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Erlasses der angefochtenen Verfügung
massgebend (BGE 121 V 366 E. 1b mit Hinweisen). Tatsachen, die sich erst später
verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berücksichtigen, als sie mit dem
Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die
Beurteilung im Zeitpunkt des Verfügungserlasses zu beeinflussen. Vorliegend ist ein
enger Sachzusammenhang zu bejahen, da Dr. F._ die Beschwerdeführerin bereits
seit dem 16. August 2012 und damit noch vor Erlass der Verfügung vom 12. August
2013 behandelt hat. Diesbezüglich ist auch darauf hinzuweisen, dass die ZMB-
Gutachter keinen Bericht von Dr. F._ eingeholt haben, obwohl die
Beschwerdeführerin im Rahmen der psychiatrischen Exploration erwähnt hatte, dass
sie in psychosomatischer Behandlung sei (vgl. IV-act. 108-35). Dr. F._ hat als
Diagnosen insbesondere eine Dysthymia, d.h. eine neurotische Depression, und eine
anankastisch zwanghafte Persönlichkeitsstörung angegeben. In Abweichung vom
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ZMB-Gutachten hat sie festgehalten, dass sie die Diagnose einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung nicht stellen könne, da eine klare somatische Diagnose
vorliege (vgl. act. G 9.1). Im Rahmen der vorliegend erforderlichen ergänzenden
Abklärungen hat der psychiatrische ZMB-Gutachter die Berichte von Dr. F._ zu
berücksichtigen und dazu Stellung zu nehmen.
3.3.3 Der neurologische ZMB-Gutachter hat bei der Beschwerdeführerin als
Hauptdiagnose eine segmentale Dystonie mit zunehmenden Einbezug weiterer
Muskeln cervical und im Schultergürtel links festgestellt. Die Diagnose einer Dystonie
war zuvor bereits von Dr. D._ vom Muskelzentrum am KSSG (vgl. IV-act. 34-1), sowie
von den Ärzten der Klinik E._ (vgl. IV-act. 80-7) festgestellt worden. Unklar ist, ob der
neurologische Gutachter die Dystonie bei der Beschwerdeführerin auf psychogene
Faktoren im Sinne einer dissoziativen Störung zurückführt. Seine diesbezüglichen
Aussagen im Gutachten sind nicht eindeutig. So hat er einerseits darauf hingewiesen,
dass die Häufigkeit von psychisch bedingten Dystonien in der Literatur mit 1,6 bis
2,3% aller Dystonien angegeben werde (vgl. IV-act. 108-31). Diese geringe Häufigkeit
würde wohl eher gegen das Vorliegen einer psychisch bedingten Dystonie sprechen.
Andererseits hat er festgehalten, dass bei der Beschwerdeführerin das weit im
Vordergrund stehende Schmerzsyndrom sowie das fehlende Ansprechen auf die
Botulinumtoxin-Injektionen nebst den initial massiv schmerzhaften Injektionen auffällig
seien. Weiter sei der Befund im Neurostatus mit Ausnahme dieses kontrakten
Zustandes mit hochgezogener linker Schulter ganz unauffällig. Peripher-neurogene
Ausfallzeichen, aber auch zentrale Motorikstörungen fehlten bis auf die kontrahierten
Schulter- und Armmuskeln links. Auch die bisherigen elektrophysiologischen und
radiologischen Untersuchungen (MRTs von Schulter und HWS) der Schultermuskulatur
seien unauffällig gewesen (vgl. IV-act. 108-31 f.). Ob diese Feststellungen dahingehend
zu deuten sind, dass bei der Beschwerdeführerin eine psychisch bedingte Dystonie
vorliegt, ist unklar. Dr. D._ vom Muskelzentrum am KSSG hat in ihrem Bericht vom
28. Oktober 2010 festgehalten, sie habe die Beschwerdeführerin darüber orientiert,
dass eine Dystonie eine neurologische Erkrankung und nicht psychogen sei. Dass bei
der Beschwerdeführerin eine segmentale Dystonie vorliege, habe der Verlauf ganz klar
gezeigt. So sei es unter den Botulinumtoxin-Injektionen in den M. trapezius und
M. rhomboideus zu einem deutlichen Rückgang der Hyperkontraktion dieser Muskeln
gekommen. Neu sei eine vermehrte Kontraktion des M. pectoralis aufgetreten. Bei
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Dystonien zeige sich wiederholt, dass neue Muskelgruppen involviert werden könnten
(vgl. IV-act. 43). Dr. D._ ist gemäss ihren Ausführungen bezüglich der Dystonie
offenbar von einem klar somatischen Beschwerdebild ausgegangen. Die
Unterscheidung ist insofern relevant, als dass eine psychisch bedingte Dystonie als
psychosomatisches Leiden ohne organische Grundlage in den Anwendungsbereich der
(bisherigen und) neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu den somatoformen
Schmerzstörungen und vergleichbaren syndromalen Beschwerdebildern ohne
organische Grundlage fallen würde, eine neurologisch bedingte Dystonie als
somatisches Leiden hingegen nicht. Es ist angezeigt, dass sich die ZMB-Gutachter zu
dieser Frage ergänzend äussern. Sollte die Dystonie bei der Beschwerdeführerin ganz
oder auch nur teilweise psychisch bedingt sein, so wäre eine allfällige Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der mit dem BGE 141 V 281 ff. neu
eingeführten Praxis, namentlich unter Berücksichtigung der massgeblichen neuen
Indikatoren, zu begründen.
3.3.4 In rheumatologischer Hinsicht hat die Beschwerdegegnerin geltend gemacht, die
vom Gutachter diagnostizierte muskuläre Dysbalance sei nicht invalidisierend. Der
rheumatologische Gutachter hat in seiner Beurteilung festgehalten, dass bei der
Beschwerdeführerin eine ausgesprochen ausgeprägte muskuläre Dysbalance mit
deutlicher Verkürzung der M. pectoralis beidseits bestehe (vgl. IV-act. 108-25). Dem
Gutachten ist nicht klar zu entnehmen, ob diese muskuläre Dysbalance im
Zusammenhang mit der Dystoniesteht. Jedoch gibt es Hinweise, die für einen
Zusammenhang sprechen. So hat Dr. D._ am 28. Oktober 2010 von einer neu
aufgetretenen vermehrten Kontraktion des M. pectoralis links im Rahmen der Dystonie
berichtet (vgl. IV-act. 43-7) und auch der neurologische ZMB-Gutachter hat eine
mögliche Ausbreitung der Dystonie auf die obere linke Thoraxhälfte erwähnt (vgl. IV-
act. 108-31). Ob ein Zusammenhang besteht und inwiefern es sich um ein somatisch
oder psychisch bedingtes Leiden handelt, ist bei den ZMB-Gutachtern ergänzend
abzuklären. Eine invalidisierende Wirkung der muskulären Dysbalance kann jedenfalls
nicht ausgeschlossen werden, selbst wenn es sich um ein rein psychosomatisches
Leiden handeln würde. Allfällige Auswirkungen des Leidens auf die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin wären auch in diesem Fall unter Berücksichtigung der neuen
bundesgerichtlichen Praxis zu prüfen.
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3.4 Zusammengefasst stellt das ZMB-Gutachten vom 25. April 2013 im Licht der mit
dem Bundesgerichtsentscheid vom 3. Juni 2015, BGE 141 V 281 ff., eingeführten
neuen Praxis keine ausreichende Grundlage dar, um die Restarbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu beurteilen. Die
Angelegenheit ist folglich an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese die
erforderlichen ergänzenden Abklärungen bei den ZMB-Gutachtern im Sinn der
Erwägungen vornehmen kann.
4.
4.1 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung
der angefochtenen Verfügung vom 12. August 2013 teilweise gutzuheissen und die An
gelegenheit zur ergänzenden medizinischen Abklärung im Sinn der Erwägungen und
entsprechender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Grundsätzlich gilt die Rückweisung zur Neubeurteilung praxisgemäss als volles
Obsiegen (BGE 132 V 235 E. 6). Da sich jedoch vorliegend der Abklärungsbedarf im
Wesentlichen aus dem Umstand einer nach Erlass der angefochtenen Verfügung
geänderten Praxis des Bundesgerichts ergibt, kann der Beschwerdegegnerin
diesbezüglich kein Vorwurf gemacht werden. Jedoch hat sich im vorliegenden Fall
gezeigt, dass die Beschwerdegegnerin den Anspruch der Beschwerdeführerin auf
rechtliches Gehör verletzt hat, indem sie bei der Begründung der angefochtenen
Verfügung nur ungenügend auf die im Einwandverfahren geltend gemachten
Beanstandungen eingegangen ist. Die Beschwerdeführerin war dadurch gezwungen,
Beschwerde zu erheben, um mit ihren Vorbringen gehört zu werden. Hinzu kommt,
dass weder die ZMB-Gutachter noch die Beschwerdegegnerin einen Bericht der
psychosomatisch behandelnden Ärztin Dr. F._ eingeholt haben, obwohl die
Beschwerdeführerin angegeben hatte, in entsprechender Behandlung zu sein (vgl. IV-
act. 108-35). Damit hat die Beschwerdegegnerin die ihr obliegende
Untersuchungspflicht verletzt. Unter diesen Umständen sind die Gerichts- und
Parteikosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4.3 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
bis
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Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt.
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit angemessen. Die (bezüglich der Kosten) unterliegende
Beschwerdegegnerin hat die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der
von der Beschwerdeführerin in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss ist ihr
zurückzuerstatten.
4.4 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Für einen
durchschnittlichen Vertretungsaufwand, wie es die vorliegende Angelegenheit erfordert
hat, erscheint eine praxisgemäss pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Die Beschwerdegegnerin
hat somit dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.