Decision ID: 19df49b7-b4c9-576c-bb7f-c2bc4f5a030c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer – ein somalischer Staatsangehöriger mit letz-
tem Wohnsitz in B._, Somaliland [Anmerkung des Gerichts: das
vom SEM protokollierte in Äthiopien liegende C._ ist als Redakti-
onsfehler zu werten] – gelangte am 2. August 2018 in die Schweiz, wo er
am darauffolgenden Tag ein Asylgesuch stellte. Er wurde am 24. Au-
gust 2018 summarisch zu seiner Person befragt (BzP; Protokoll in den
SEM-Akten A15/14). Dabei gab er an, minderjährig zu sein.
A.b Aufgrund der Zweifel am angegebenen Alter liess das SEM durch die
Rechtsmedizin der Universität D._ am 4. September 2018 ein Gut-
achten zur Alterseinschätzung erstellen. Dieses kam zum Schluss, dass
der Beschwerdeführer das 18. Lebensjahr mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit vollendet und die Volljährigkeit erreicht habe.
Aufgrund dieser Einschätzung und nach Gewährung des rechtlichen Ge-
hörs betrachtete das SEM den Beschwerdeführer für das weitere Verfah-
ren als volljährig.
A.c Nachdem der Beschwerdeführer seit dem 21. September 2018 als ver-
schwunden galt, schrieb das SEM sein Asylgesuch mit Verfügung vom
22. November 2018 ab. Nach seiner am 24. Dezember 2018 erfolgten
Rückkehr in die Schweiz wurde das Asylverfahren am 16. Januar 2019 wie-
deraufgenommen.
A.d Am 11. November 2019 wurde der Beschwerdeführer zu seinen Asyl-
gründen angehört (Protokoll in den SEM-Akten: A37/16).
B.
Mit Verfügung vom 4. März 2020 – eröffnet am 9. März 2020 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte sein Asylgesuch ab, und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz
und deren Vollzug an.
C.
Gegen diese Verfügung liess der Beschwerdeführer mit einer eigenen Ein-
gabe vom 2. April 2020 und einer solchen seines Rechtsvertreters vom
16. April 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben. Er
beantragt die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Rückwei-
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sung der Sache an die Vorinstanz zur hinreichenden Abklärung des rechts-
erheblichen Sachverhalts. Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl, eventualiter die vorläufige
Aufnahme, zu gewähren, subeventualiter sei er aufgrund des unzumutba-
ren Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen.
In formeller Hinsicht ersucht er um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Ausserdem seien die Asylverfahrensakten des Bruders des Beschwerde-
führers (N [...]) beizuziehen.
D.
Am 6. April 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang
der Beschwerde und stellte fest, der Beschwerdeführer könne den Aus-
gang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS
2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerde vom 2. April 2020
sinngemäss vor, eine rechtsgenügliche Beschwerdeerhebung sei ihm ver-
unmöglicht worden, weil er aufgrund der aktuellen Situation im Rahmen
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der Corona-Pandemie keine rechtzeitige juristische Unterstützung habe er-
hältlich machen können. Diesbezüglich ist festzustellen, dass es ihm ge-
lungen ist, seine Beschwerde sowohl von der Form her rechtsgenüglich
(vgl. Art. 52 Abs. 1 VwVG) als auch fristgerecht (aArt. 108 Abs. 1 AsylG)
einzureichen. Nachdem inzwischen eine ergänzende Begründung nachge-
reicht wurde, erübrigt es sich, auf den diesbezüglichen Antrag um Anset-
zung einer Nachfrist einzugehen. Der Beschwerdeführer hat sodann am
Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene
Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an de-
ren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung
der Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
demnach einzutreten.
2.
Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG); im Bereich des Ausländerrechts ist auch
die Angemessenheit überprüfbar (Art. 49 VwVG; vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Angesichts des vorliegenden Entscheides in der Sache wird das Gesuch
um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos.
5.
Streitig und zu prüfen sind im vorliegenden Verfahren die Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers und die Asylgewährung. Falls kein Asyl zu
gewähren ist, sind im Weiteren die Wegweisung und der Wegweisungs-
vollzug zu beurteilen.
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Seite 5
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2
6.2.1 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn
die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für
gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-
chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den
Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.2.2 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge-
nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich
nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht
widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen
oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss der
Gesuchsteller persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann
nicht der Fall ist, wenn er wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst
falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert
oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwirkung am Verfahren
verweigert. Die Tatsache, dass einzelne Aussagen erst im späteren Verlauf
des Asylverfahrens vorgebracht werden, macht die Vorbringen der asylsu-
chenden Person aber noch nicht zwingend unglaubhaft. So kann unter be-
sonderen Umständen eine nachvollziehbare Erklärung für die Verspätung
des Vorbringens vorliegen. Die Glaubhaftigkeit nachgeschobener Vorbrin-
gen ist durch eine Gesamtwürdigung im konkreten Einzelfall zu beurteilen.
Der Standard des Glaubhaftmachens bedeutet – im Gegensatz zum strik-
ten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für
gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Ent-
scheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhalts-
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darstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objekti-
vierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3; Entschei-
dungen und Mitteilungen der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskom-
mission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 und 1998 Nr. 4 E. 5; Urteil des BVGer
D-2322/2009 vom 7. Juli 2009 E. 5).
6.3 Die Asylbehörden und das Bundesverwaltungsgericht stellen den
Sachverhalt unter Vorbehalt der Mitwirkungspflicht der Parteien von Amtes
wegen fest (Art. 12 und Art. 13 VwVG sowie Art. 8 AsylG). Sie würdigen die
Beweise grundsätzlich frei, ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, so-
wie umfassend und pflichtgemäss (Grundsatz der freien Beweiswürdigung;
vgl. Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 des Bundesgesetzes über den Bundeszi-
vilprozess [BZP, SR 273]; BGE 137 II 266 E. 3.2).
7.
7.1 In der Folge ist der rechtserhebliche Sachverhalt festzustellen. Dazu
sind die Vorbringen des Beschwerdeführers auf ihre Glaubhaftigkeit zu prü-
fen.
7.2 Der Beschwerdeführer bringt zu seinen persönlichen Umständen vor,
in E._, Somaliland, geboren und aufgewachsen zu sein und über
seinen Vater dem Minderheiten-Clan der (...) anzugehören. Sein Vater sei
2006 verstorben. Seine Mutter gehöre dem (...)-Clan an.
Zu seinen Asylgründen gab er in der BzP an, seine Familie sei aufgrund
ihrer Clan-Zugehörigkeit benachteiligt gewesen und habe keine Freihei-
ten gehabt. Die Schule habe er nach vier Jahren abbrechen müssen,
weil er oft geschwänzt habe. Aufgrund der beabsichtigten Heirat seines
Bruders mit einer Angehörigen des (...)-Clans hätten sie Probleme mit
der Familie seiner Ehefrau erhalten. Sein Bruder sei deshalb geflüchtet
und habe in der Schweiz Asyl erhalten. Auch die übrige Familie habe
E._ verlassen müssen und sie seien nach B._ gezogen.
Aufgrund seiner Clan-Zugehörigkeit habe er in Somaliland keine Möglich-
keit gehabt, zu arbeiten und seine Familie sei arm gewesen. Er habe
B._ 2014 nach vier Monaten verlassen. Danach habe er für je zwei
Jahre in Äthiopien (F._) und Libyen gelebt. Seine Mutter, seine
Schwester und seine beiden anderen Brüder lebten immer noch in
B._.
In der Anhörung legte er seine Fluchtgründe wie folgt dar: Zusammen mit
seiner Familie sei er aufgrund der Probleme seines Bruders 2014 von
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E._ nach B._ geflohen. Aufgrund dieser Flucht habe er die
Sekundarschule nach insgesamt rund elf Jahren Schulbesuch abbrechen
müssen. In B._ sei er rund einen Monat gewesen, bevor er nach
G._ gegangen sei. Dort habe er in einem (...)center Arbeit gefun-
den und bis zu seiner Ausreise 2018 bei seinem Arbeitgeber gelebt. Im
Januar 2018 habe er einen Verkehrsunfall beobachtet. Dabei habe ein
Mann, den er gekannt habe, eine schwangere Frau angefahren. Er habe
die Frau ins Spital gebracht, wo sie verstorben sei. In der Folge sei er von
der Polizei befragt und es sei ein Gerichtsverfahren eingeleitet worden, in
dem er als Zeuge gegen den Täter ausgesagt habe. Der Täter sei aufgrund
seiner Aussage zum Tod verurteilt worden. Danach sei er von den Ange-
hörigen des Täters gesucht worden, eine Anzeige bei der Polizei habe
nichts genützt. Als er eines Abends von zwei Männern attackiert worden
sei, habe er sich mit einem Stock gewehrt. Daraufhin sei er nach
H._ geflohen, wo er von seinem Arbeitgeber erfahren habe, dass
einer der beiden Personen, die ihn angegriffen hätten, aufgrund der Verlet-
zungen, verstorben sei. In F._ sei er zwölf Tage geblieben, bevor er
in I._ über einen Schlepper die Reise nach Europa organisiert habe.
7.3 Das SEM hält dem Beschwerdeführer vor, seine Sachverhaltsdarstel-
lung würde den Anforderungen an die Glaubhaftmachung nicht standhal-
ten. Insbesondere habe er in der BzP und in der Anhörung komplett unter-
schiedliche Asyl- beziehungsweise Ausreisegründe geltend gemacht.
Im Rahmen der Anhörung habe er vorgebracht, bedroht worden zu sein,
weil er in einem Gerichtsprozess als Zeuge gegen einen Unfallverursacher
ausgesagt habe. In der BzP habe er dies nicht erwähnt. Dort habe er an-
gegeben, aufgrund von Problemen mit der Familie der Ehefrau des Bruders
geflohen zu sein. Dies habe er wiederum in der Anhörung mit keinem Wort
erwähnt. Die dafür vorgebrachte Begründung, er habe bei der BzP Angst
gehabt, dass man ihn in seine Heimat zurückschicken könnte, und er habe
vom Tod des Angreifers in Somalia erst erfahren, als er von der Schweiz
aus nach Deutschland gegangen sei, vermöge nicht zu erklären, weshalb
er die bei der Anhörung dargelegten zentralen Gründe nicht bereits bei der
BzP erwähnt habe. Es sei davon auszugehen, dass er diese Asylgründe
im Laufe des Verfahrens bewusst nachgeschoben habe, weil er sich
dadurch einen positiven Einfluss auf den Asylentscheid erhofft habe.
Zudem habe er bezüglich seiner Biographie widersprüchliche Angaben ge-
macht, so insbesondere hinsichtlich seiner Schulbildung, seiner Arbeitstä-
tigkeiten und seiner Aufenthaltsorte vor seiner Ankunft in der Schweiz.
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Auch hier sei es unverständlich, dass Angst der Grund gewesen sein solle,
falsche biographische Angaben zu machen. Naheliegender sei, dass er die
Schweizer Asylbehörden bewusst über seine Biographie zu täuschen ver-
sucht habe. Dafür spreche auch der Umstand, dass er offensichtlich fal-
sche Angaben zu seinem Alter gemacht und bis heute keinerlei Identitäts-
dokumente vorlegt habe. Offensichtlich sei er nicht gewillt, mit den Schwei-
zer Asylbehörden zu kooperieren und seine wahre Identität offenzulegen.
Die widersprüchlichen Aussagen, insbesondere zu seiner Biographie, wür-
den die Zweifel an seinen Asylvorbringen zusätzlich verstärken.
7.4 Der Beschwerdeführer bringt in seinen Rechtsmitteleingaben vor, in-
dem die Vorinstanz die an der Anhörung dargelegten Vorbringen als nach-
geschoben qualifiziert habe, habe sie es unterlassen, die Glaubhaftigkeit
seiner Aussagen eingehend zu prüfen, und sie habe das Asylgesuch pau-
schal abgelehnt, ohne auf die Asylgründe einzugehen. Dabei seien be-
günstigende Beweismittel vom SEM nicht beigezogen worden, so die Ver-
fahrensakten des Bruders, dem 2014 in der Schweiz Asyl gewährt worden
sei. Diese Akten würden nicht nur die Vorbringen des Beschwerdeführers
stützen, sondern auch andere Umstände, wie dass er dem (...)-Clan ange-
höre. Das SEM sei sodann in keiner Weise auf die sowohl vom Bruder als
auch vom Beschwerdeführer geltend gemachte Flucht der Familie nach
Äthiopien eingegangen, um zu eruieren, ob der Beschwerdeführer und
seine Familie in Somalia Verfolgung oder Diskriminierung ausgesetzt
seien. Damit habe das SEM den Untersuchungsgrundsatz verletzt bezie-
hungsweise sei der Sachverhalt im Ergebnis unvollständig festgestellt wor-
den, da nicht alle für den Entscheid relevanten Sachumstände berücksich-
tigt und die für den Beschwerdeführer sprechenden Umstände nicht ge-
würdigt worden seien.
Die Aussagen des Beschwerdeführers bei der Anhörung seien im Übrigen
sehr wohl glaubhaft ausgefallen, und es sei zutreffend, dass er gewisse
Aspekte seiner Asylgeschichte bei der BzP aus Angst nicht dargelegt habe,
zumal es nicht unüblich sei, dass eine Person sich dafür entscheide, nur
gewisse und nicht alle Faktoren der Fluchtursachen darzulegen. Der Bru-
der habe aufgrund der auch vom Beschwerdeführer dargelegten Um-
stände in der Schweiz Asyl erhalten, was ganz klar für die Glaubwürdigkeit
des Beschwerdeführers spreche. Zudem habe er sowohl während der BzP
als auch während der Anhörung stets daran festgehalten, dass er zum Clan
der (...) gehöre, und es seien diesbezüglich keine Widersprüche festgestellt
worden. Auch diese für die Glaubhaftigkeit des Beschwerdeführers spre-
chenden Elemente seien von der Vorinstanz ausser Acht gelassen worden.
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Alle Vorbringen seien schliesslich gesamthaft zu betrachten und sprächen
so nicht gegen die Glaubhaftigkeit, wobei insbesondere die bereits bei der
BzP geltend gemachten Benachteiligungen aufgrund der Zugehörigkeit zu
einem Minderheitenclan nicht getrennt vom geltend gemachten Verkehrs-
unfall betrachtet werden könnten.
8.
8.1 Unter Berücksichtigung der Grundsätze der Glaubhaftigkeitsprüfung
gelangt das Gericht in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss,
dass die vom Beschwerdeführer für seine Ausreise vorgebrachten unmit-
telbaren Fluchtgründe nicht glaubhaft ausfallen.
8.2 Das SEM hat die Erklärung des Beschwerdeführers, weshalb er seine
wahren Asylgründe erst an der Anhörung habe vorbringen können, zu
Recht in Frage gestellt. Der pauschale Hinweis, wonach er aus Angst, nach
Somalia zurückgeschafft zu werden, an der BzP noch nicht alles offenge-
legt habe, vermag die Zweifel an der erst bei der Anhörung vorgebrachten
Sachverhaltsdarstellung nicht auszuräumen. Zwar ist eine gewisse Zurück-
haltung gegenüber Behörden bei in der Schweiz neu ankommenden asyl-
suchenden Personen nicht ausgeschlossen, dieser Umstand erklärt aber
vorliegend nicht, weshalb der Beschwerdeführer die für seine Ausreise
zentralen Probleme im Zusammenhang mit einem Verkehrsunfall und die
sich daraus ergebende Bedrohungslage in der BzP nicht wenigstens an-
satzweise erwähnte. Zum einen liegt diesem Konflikt ein privates Problem
zugrunde und es erhellt nicht, weshalb er dies den schweizerischen Behör-
den verschweigen sollte. Hinzu kommt, dass er bereits bei der BzP von
einer Rechtsvertreterin begleitet war und davon ausgegangen werden darf,
dass auch der in der Schweiz als Flüchtling anerkannte Bruder ihn betref-
fend Ablauf des Asylverfahrens und hiesigem Umgang mit den Behörden
vorbereiten konnte. Zum anderen hat der Beschwerdeführer an der BzP
nicht nur die zentralen Asylgründe verheimlicht, sondern es ergeben sich
auch in Bezug auf Angaben zu seinen persönlichen Umständen massive
Widersprüche, welche nicht mit der von ihm vorgebrachten Begründung
erklärt werden können. Insbesondere sind keine guten Gründe dafür er-
sichtlich – und werden auch auf Beschwerdeebene nicht dargelegt –, wes-
halb er nicht bereits bei der BzP richtige Angaben zu seiner Schulbildung,
zur Frage, ob er in seinem Heimatland gearbeitet habe oder nicht, sowie
zu seinen Aufenthaltsorten vor der Ankunft in der Schweiz gemacht hat
(vgl. insb. A15 Ziff. 1.17.04, Ziff. 5.01 f.; A37 F42, F45). Auch hinsichtlich
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seines Alters hat der Beschwerdeführer gemäss rechtsmedizinischen Al-
tersgutachten unwahre Angaben gemacht (vgl. Gutachten vom 4. Septem-
ber 2018).
Ein solches Aussageverhalten lässt erhebliche Zweifel an der persönlichen
Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers aufkommen. Auch das aktenkun-
dige Untertauchen während des Asylverfahrens und die Rückkehr in die
Schweiz nach Erhalt eines negativen Asylentscheids in Deutschland, ver-
stärkt diesen Eindruck.
8.3 Die in der Anhörung geltend gemachten unmittelbaren Ausreisegründe
fallen aber auch für sich allein betrachtet nicht glaubhaft aus. So wirken die
Schilderungen des Unfalls sowie der nachfolgenden Gerichtsverhandlun-
gen wenig substantiiert und weisen kaum erlebnisbasierte Eindrücke auf
(vgl. z.B. A37 F89 f., F93 ff., F99, F106). Nicht nachvollziehbar ist insbe-
sondere, dass der Beschwerdeführer weder den Namen der verunfallten
Frau noch ihre Clan-Zugehörigkeit angeben kann, obwohl er für diese an
einem Gerichtsverfahren als Zeuge ausgesagt und von ihrer Familie
Schutz zugesichert bekommen haben will (vgl. A37 F82 f.). Seine diesbe-
züglichen Erklärungsversuche, wonach ihm diese Informationen nicht
wichtig gewesen seien, sind nicht überzeugend (vgl. A37 F113). Angesichts
der geltend gemachten Benachteiligungen, welche er als Angehöriger ei-
nes Minderheiten-Clan erfahren habe, und dem Vorbringen, den Verursa-
cher des Unfalls schon länger gekannt zu haben, erstaunt es sodann, dass
er auch dessen Clan-Zugehörigkeit nicht kennt (vgl. A37 F88). Nicht in
Übereinstimmung zu bringen ist die angebliche Verfolgung im Januar 2018
und die nachgehende Flucht aus Somaliland im Februar, welche finanziell
von seinem Arbeitgeber unterstützt worden sei (vgl. A37 F32, F42, F116),
schliesslich mit den Angaben in der BzP beziehungsweise bei den Eintritts-
fragen, wonach er 2014 beziehungsweise 2016 aus Somalia ausgereist sei
und sich danach für je zwei Jahre in Äthiopien und Libyen aufgehalten
habe, sowie dass er in seinem Heimatland nie gearbeitet habe (vgl. SEM-
Akte A3 [Questionnaire Europe], S. 1; A15 Ziff. 5.01 f., Ziff. 1.17.04).
8.4 In Bezug auf die Probleme des Bruders, welcher in der Schweiz als
Flüchtling anerkannt ist, stellt das Gericht fest, dass sich aus den diesbe-
züglichen Vorbringen des Beschwerdeführers, welche das SEM nicht per
se in Frage stellt, keine konkreten Anhaltspunkte für eine asylrelevante Ge-
fährdung ergeben. Aufgrund der Akten lässt sich vielmehr schliessen, dass
der Beschwerdeführer nach dem Wegzug aus E._ über vier Jahre
hinweg offenbar unbehelligt in der 40 Minuten von dort entfernten Stadt
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Seite 11
G._ wohnen und arbeiten konnte (vgl. A37 F32, F92). Auch ist sei-
nen Aussagen nicht zu entnehmen, dass seine Familie in B._ auf-
grund dieser Streitigkeit und der Flucht des Bruders weiterhin Probleme
hatte, zumal der Weiterzug des Beschwerdeführers von dort nach
G._ finanzielle Gründe gehabt zu haben scheint beziehungsweise
nicht mit einer Verfolgung seitens der Familie seiner Schwägerin im Zu-
sammenhang stand (vgl. A37 F35 f.). In der Beschwerde wird geltend ge-
macht, die Aussagen des Beschwerdeführers und seines Bruders, wonach
die Familie nach Äthiopien geflüchtet sei, seien übereinstimmend ausge-
fallen, was für die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers
zu werten sei. Solches ergibt sich aber nicht aus den Akten. Vielmehr ist
den Befragungsprotokollen einzig zu entnehmen, dass die Familie inner-
halb von Somaliland (in die Heimatstadt seiner Mutter B._) umge-
zogen sei, und gerade nicht nach Äthiopien (vgl. A15 Ziff. 2.01, Ziff. 3.01,
A37 F19, F32). Auch sonst werden in der Rechtsmitteleingabe keine Argu-
mente vorgebracht, die an der Einschätzung des SEM etwas zu ändern
vermögen.
8.5 Unter diesen Umständen gab es für das SEM keinen Anlass, die Ver-
fahrensakten des Bruders beizuziehen, da sie von vornherein nicht geeig-
net sind an der Sachverhaltsfeststellung und der darauf beruhenden Wür-
digung etwas zu ändern. Der entsprechende Antrag ist auch auf Beschwer-
destufe abzuweisen. Auch sonst ist aufgrund der Akten nicht ersichtlich,
inwiefern der Sachverhalt nicht vollständig oder unrichtig festgestellt wor-
den wäre. Eine Verletzung der Untersuchungspflicht oder anderer Verfah-
rensgrundsätze ist nicht festzustellen, zumal die Beweiswürdigung auch
nicht einseitig zu Ungunsten des Beschwerdeführers ausfiel. Das SEM
kam vielmehr zu Recht und mit zutreffender Begründung zum Schluss,
dass die in der Anhörung geltend gemachten Gründe für seine Ausreise
nicht glaubhaft ausgefallen sind. Es ist davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer sein Heimatland aus anderen als den vorgebrachten Grün-
den verlassen hat.
8.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, eine objektiv begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne
von Art. 3 AsylG darzutun. Die Vorinstanz hat zu Recht seine Flüchtlings-
eigenschaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
9.
9.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
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Seite 12
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG).
9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
10.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
10.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
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Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
10.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes
für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.), was vorliegend nicht ersichtlich ist.
10.2.4 Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt
den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig er-
scheinen. Diesbezüglich kann darauf verwiesen werden, dass das Bundes-
verwaltungsgericht selbst für Mogadischu nicht von einer Situation extre-
mer allgemeiner und verbreiteter Gewalt ausgeht, die als dermassen inten-
siv einzustufen ist, dass für jede in der Stadt wohnhafte Person eine ernst-
hafte Gefahr unmenschlicher Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK ge-
geben wäre (vgl. BVGE 2013/27). Die Lage in der Region Somalialand prä-
sentiert sich vergleichsweise besser als in der Hauptstadt (vgl. das sich zur
Region Puntland äussernde Referenzurteil des BVGer E-6310/2017 vom
15. Januar 2020 E. 11.2.2).
10.2.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
10.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
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Vorliegend ist zu beachten, dass der Beschwerdeführer in der autonomen
Region Somalialand aufgewachsen ist und dort bis zu seiner Ausreise ge-
lebt hat. Die allgemeine Sicherheitslage gilt dort im Vergleich zu jener in
der Region Puntland und dem restlichen Somalia als stabiler, was sich
auch positiv auf die humanitäre Lage auswirkt. Es erübrigt sich auf die Si-
tuation vor Ort näher einzugehen, da im Fall des Beschwerdeführers – un-
abhängig von der Frage, ob diese überhaupt Voraussetzung für die Zumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs sind – begünstigende Umstände für ei-
nen Wegweisungsvollzug dorthin vorliegen. So ist dieser jung, soweit ak-
tenkundig gesund und verfügt über elf Jahre Schulbildung. Auch hatte er
vor seiner Ausreise eine Anstellung in einem (...)center, wo er vier Jahre
lang arbeitete und bei seinem Arbeitgeber nicht nur wohnen konnte, son-
dern von diesem sogar bei seiner Ausreise finanziell unterstützt wurde (vgl.
A37 F35, F38 f., F116 f.). Mit seiner aktuell in J._ lebenden Mutter
und seinen Geschwistern, welche in B._ von ihrem Onkel unter-
stützt werden (vgl. A37 F14 ff., F25 ff.), verfügt er sodann über ein Bezie-
hungsnetz. Sie sowie auch sein in der Schweiz lebender Bruder dürften
ihm bei einer Rückkehr ins Heimatland eine Stütze sein. Dass der Be-
schwerdeführer dem (...)-Clan angehört, fällt angesichts der aufgezählten
für die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprechenden Umstände
unabhängig von der Frage der Glaubhaftigkeit nicht entscheidend ins Ge-
wicht, zumal die geltenden gemachten Benachteiligungen unkonkret be-
ziehungsweise betreffend den Zugang zur Schule und zur Arbeit gerade
nicht glaubhaft ausfielen.
Die hohen Anforderungen an die Annahme einer konkreten Gefährdung im
Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG (vgl. dazu BVGE 2014/26 E. 7.7) sind vorlie-
gend demnach nicht erfüllt. Der Vollzug der Wegweisung des Beschwer-
deführers erweist sich entsprechend als zumutbar.
10.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).
10.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG).
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11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Sein Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs.
1 VwVG ist unabhängig von der bisher nicht nachgewiesenen Bedürftigkeit
abzuweisen, da sich die Beschwerde bereits im Zeitpunkt ihrer Einreichung
als aussichtslos im Sinne der massgeblichen Bestimmung erwiesen hat. Er
hat demzufolge die Kosten des Verfahrens zu tragen und diese sind auf
insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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