Decision ID: 232e11eb-2217-4e2f-bb90-382f609b4c96
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1966, war als Unterhaltsreinigerin und im Hausdienst tätig, als sie sich am 21. August 2015
unter Hinweis auf eine Depression, starke Schmerzen im Nacken und in der Schulter und einen Bandscheibenvorfall
bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
be
zug anmeldete (Urk. 7/9).
Die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab
und
zog Akten der Pensionskasse (Urk. 7/15; Urk. 7/32)
und des Krankentaggeldversicherers (Urk. 7/24; Urk. 7/29; Urk. 7/35) bei.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7/42;
Urk.
7/45; Urk. 7/55) verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 21. Dezember 2016 (Urk.
7/63 = Urk. 7/64/4-6
= Urk. 7/65/8-10
)
einen Leistungsanspruch
.
Die dagegen
erhobene Beschwerde (Urk.
7/65/3-7) wurde vom hiesigen Gericht
mit Urteil vom 26. Juni 2018 (
Prozess Nr.
IV.2017.00149; Urk. 7/87/1-10) in dem Sinne gutgeheissen, dass die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde, damit diese nach erfolgten Abklärungen neu verfüge.
1.2
In Umsetzung dieses Urteils holte die IV-Stelle unter anderem ein polydisziplinä
res Gutachten bei der
Y._
ein, welches am 3. Februar 2020 erstattet wurde (Urk. 7/122
/1-50
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/124 = Urk. 7/128; Urk. 7/129) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 22. Juni 2020 (Urk. 7/133 = Urk. 2) einen Leistungsanspruch.
2.
Die Vers
icherte erhob am 24. August 2020
Besch
werde gegen die Verfügung vom 22
.
Juni 2020
(Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr
mit Wirkung ab 1. April 2016 eine ihrer Erwerbsunfähigkeit entsprechenden Invali
denrente
zuzusprechen (U
rk. 1 S.
2
Ziff. 1-2
). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
25. September 2020
(Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde. Mit
Verfügung vom 5. Oktober 2020 (Urk. 11)
wurd
e antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S.
2 Mitte) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt
und der
Beschwerdeführerin
die Beschwerdeantwort zugestellt.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130
V
396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145
V
215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die
es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlau
-
ben
, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141
V
281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
-
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.6
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.7
Hinsichtlich
des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
ging
in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2)
davon aus, das eingeholte
Gutachten sei umfassend und nachvollziehbar
und
die Schlussfolgerungen aus den erhobenen med
izinischen Befunden
seien
plausibel, weshalb darauf abzustellen
sei
.
A
nhand der erhobenen Befunde
sei der Beschwer
deführerin
die bisherige Tätigkeit als Reinigungskraft seit jeher zu 80 % zumut
bar, eine höhere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei nicht begründet.
Die Beschwerdeführerin könne in einem 80 %-Pensum ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen, weshalb sie keinen Anspruch auf Leistungen der Invaliden
versicherung habe (S. 1 unten f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber beschwerdeweise (Urk. 1) geltend,
dass sie von allen psychiatrisch behandelnden
Ärzten
seit mindestens April 2015 und
durchgehend bis heute zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben werde. Die gut
achterliche Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit vermöge nicht zu überzeugen. So seien
sowohl
die Wechselwirkung zwischen der schweren psychischen Erkran
kung und den chronischen Schmerzsyndromen als auch die absolut fehlenden Ressourcen nicht genügend beleuchtet worden. Vielmehr s
ei gestützt auf den interdisziplinären Bericht des
Z._
vom 13. Mai 2019
davon auszugehen, dass sie aufgrund ihrer somatischen und psy
chischen Leiden in jeder Tätigkeit voll erwerbsunfähig sei (S. 3 ff. Ziff. II).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdeführerin
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung und dabei i
nsbesondere auf eine Rente hat.
3.
3.1
Nachdem das hiesige Gericht
in seinem Urteil vom 26. Juni 2018 (Prozess Nr. IV.2017.00149; Urk. 7/87/1-10) die bislang vorliegenden Berichte (vgl. E. 3 des genannten Urteils) als für die Frage der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
nicht genügend aussagekräftig beurteilte (vgl. E. 4 des genannten Urteils), kann auf eine Wiedergabe an dieser Stelle verzichtet werden.
3.2
Dr.
med. A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Nephrologie,
führte in seinem Bericht vom 11. November 2018 (Urk. 7/95) aus, dass er die Beschwerdeführerin seit März 2017 behandle (Ziff. 1.1)
,
und nannte eine rezidivierende depressive Störung, mittelgradige bis schwere Episode, sowie einen Verdacht auf ein Fibromyalgiesyndrom als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.5). Für die Tätigkeit als Reinigungskraft habe vom 8. August 2016 bis zum 2. November 2018 eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden und seit dem 3. November 2017 liege eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis auf Weiteres vor (Ziff. 1.3).
3.3
Eine Ärztin des
Z._
führte in ihrem Bericht vom 16. November 2018 (Urk. 7/96) aus, dass sie die Beschwerdeführerin seit November 2017 behandle (Ziff. 1.1)
,
und nannte
als psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.5)
eine seit zirka 1985 bestehende
posttraumatische B
elastungsstörung (ICD-10 F43.1) un
d eine seit zirka 1985 bestehende
rezidivierende depressive Stö
rung, gegenwärtig schwere Episode ohne psych
otische Symptome (ICD-10 F33.2).
Seit Mai 2015 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit. Die depressiven und posttrauma
tischen Symptome hätten sich trotz medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung nicht wesentlich reduziert. Die Prognose für eine Arbeitsfähigkeit sei deshalb negativ (Ziff. 2.7).
3.4
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in ihrem Bericht vom 9. Dezember 2018 (Urk. 7/97) aus, dass sie die Beschwerdeführerin seit März 2016 behandle (Ziff. 1.1), wobei die Beschwerde
führerin dieses Jahr nur zwei Mal bei ihr in der ambulanten psychiatrischen Behandlung gewesen sei, namentlich im Juni und im September 2018, da sie regelmässig in der Tagesklinik behandelt worden sei (Ziff. 1.2). Die Beschwerde
führerin leide an einer rezidivierenden depressiven Störung (Ziff. 2.4).
3.5
In ihrem Bericht vom 8. März 2019 (Urk. 7/100/7-10) führte eine Ärztin des
Z._
bei gleich gebliebenen Diagnosen (Ziff. 2.5; vgl. vorstehend E. 3.3) aus, dass die Beschwerdeführerin einmal pro Monat
im
Z._
psychologisch behandelt werde (Ziff. 1.2). Seit Mai 2015 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 2.7). Es werde eine Weiterführung der psychiatrischen und psychologischen Behandlung empfohlen (Ziff. 2.8).
3.6
Die Ärzte des
Z._
erstatteten am 13. Mai 2019 einen Bericht zur
interdisziplinä
ren Schmerzbehandlung (Urk. 7/112 = Urk. 7/114) und nannten dabei folgende, nachfolgend gekürzt aufgeführte Diagnosen (S. 1 f.):
-
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
-
z
ervikozephales
Syndrom
-
Thorakolumbalskoliose
-
lumbovertebrales
Syndrom
-
Beckenschmerzen beidseits
-
Fibromyalgie
-
Status nach laparoskopische
r
Adnexektomie am 5. Juni 2015
Aus orthopädisch-chirurgischer Sicht sollten aufgrund der Befunde an der Hals
wirbelsäule
(HWS)
die oberen Extremitäten nur leicht belastet werden. Eine Ein
gliederung in eine so angepasste Arbeit sei auch bei
multiplen, teilweise mit den HWS-Befunden einhergehenden
Insertionstendinosen
zu Beginn mindestens halbtags zumutbar. Aus wirbelsäulenchirurgischer Sicht bestehe bei der Beschwerdeführerin eine verminderte Belastbarkeit des Achsenorgans. Für alle Tätigkeiten mit schwerem Heben oder Tragen von Lasten sowie in wirbelsäulen
belastenden Tätigkeiten und in Zwangshaltung, für langandauerndes reines Ste
hen insbesondere in vorübergeneigter Körperhaltung, für alle Tätigkeiten mit repetitiven Rumpf- oder HWS-rotierenden Stereotypen sowie Arbeiten überwie
gend im Überkopfbereich, sei die Beschwerdeführerin aufgrund der medizinischen
Diagnosen nicht geeignet. Zumutbar seien körperlich leichte Tätigkeiten in wir
belsäulenadaptierten Wechselpositionen mit der Möglichkeit zum Wechseln zwi
schen Sitzen, Stehen und Gehen, insbesondere kein Heben von schweren Lasten, nicht mehr als 5 kg kurzfristig und 2 kg längerfristig. In einer solchen der Behin
derung angepassten Tätigkeit wäre die Beschwerdeführerin voll arbeitsfähig. Aus somatischer Sicht liege somit eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vor. A
us psychiat
rischer Sicht
liege
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
vor, auch für angepasste Tätigkeiten.
Aufgrund der Schwere der depressiven Störung, posttraumatischen Belastungssymptome und chronische
n
Schmerzen
liege
für
die Tätigkeit als Rei
nigungsmitarbeiterin
sowie
für
eine leichte, angepasste Tätigkeit
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vor
(S. 9).
Die 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe seit 2015, eine Besserung der psychischen Leiden und körperlichen Beschwerden habe bis
her trotz Behandlungen nicht stattgefunden, weshalb kein Rehabilitationspoten
tial ersichtlich sei (S. 10 Mitte).
3.7
Die Gutachterinnen und Gutachter der
Y._
erstatteten am 3. Februar 2020 (Urk. 7/122/1-50) das von der
Beschwerdegegnerin
in Auftrag gegebene polydis
ziplinäre Gutachten gestützt auf die ihnen überlassenen Akten (S. 15 ff. Ziff. II) sowie auf ein
internistisches (S. 21 ff. Ziff. III-FF), ein psychiatrisches (S. 29 ff. Ziff. III-PSY) und ein rheumatologisches (S. 40 ff. Ziff. III-RHE) Teilgutachten.
Die Gutachterinnen und Gutachter nannten folgende Diagnosen mit Einfluss au
f
die
Arbeitsfähigkeit (S. 8 f. Ziff. I.4.2
.a
):
-
leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0, F32.10)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
generalisiertes
multilokuläres
Schmerzsyndrom
-
chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
Dysbalancen der Schultergürtelmuskulatur
-
klinisch keine Hinweise für radikuläre Symptomatik
-
radiologisch
Osteochondrose
C6/7 (Radiographie
Februar 2018)
-
kernspintomographisch kein Nachweis einer Diskushernie (MRI August 2016)
-
chronisches
thorakolumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
myostatische Insuffizienz mit den entsprechenden
muskuloligamentä
ren
Überlastungsreaktionen
-
S-förmige
Thorakolumbalskoliose
-
klinisch keine Hinweise für radikuläre Symptomatik
-
radiologisch linkskonvexe Skoliose der
Lendenwirbelsäule (
LWS
)
, leichte kaudal betonte Spondylarthrose
(Radiographie
Februar
2018)
-
kernspintomographisch kein Nach
weis einer Diskushernie (MRI August
2016)
-
Hypermobilität
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
stellten die Gutachterinnen und Gutachter keine (S. 9 Ziff. I.4.2.b).
In der interdisziplinären Beurteilung
legten die Gutachterinnen und Gutachter dar, dass die Beschwerdeführerin
Schmerzen an verschiedenen Körperstellen sowie psychische Probleme
mit Depressionen und Angstzuständen an
gegeben habe
.
Anlässlich der
psychiatrischen
Untersuchung sei
eine leichte bis mittelgra
dige depressive
Episode diagnostiziert
worden
. Die Diagnose einer posttrauma
ti
schen Belastungsstörung habe
nicht
bestätigt werden
können
. Die
Beschwerde
führerin sei
durch die depressive Symptomatik im Alltag und in ihrer
Leistungs
fähigkeit
leicht eingeschränkt. Es bestehe
auch noch eine chronische
Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktoren.
Aus psychiatrischer Sicht wirke
sich dies nicht verstärkt auf die Arbeitsfähigkeit aus.
Die Schmerzstö
rung äussere
sich in der rheumatologischen Diagnose eines generalisierten
multiloku
lären
Sch
merzsyndroms. Objektiv hätten
bei der rheumatologischen
Untersu
chung m
ä
ssig ausgeprägte degen
erative Veränderungen der Wirbel
säule
bestan
den
. Als
Diagnose sei
ein chroni
sches
zervikospondyl
ogenes
und
thorakolumbos
pondylogenes
Schmerzsyndrom gestellt
worden. Weiter bestehe
eine Hypermobi
lität. Die Belastbarkeit des
Bewegungsapparates sei
dadurch vermindert. Körper
lich schwere Tätigkeiten und solche mit
Zwangshaltungen seien
für di
e Beschwer
deführerin
nicht mehr geeignet.
Anlässlich der
allgemeininternistischen
Untersu
chung seien
keine Diagnosen gestellt
worden
. Eine
Einschränk
ung der Arbeitsfä
higkeit bestehe
aus allge
meininternistischer Sicht nicht (S. 9 Ziff. I.4.3).
Für die bisherige Tätigkeit liege eine 80%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit vor. Aufgrund der Untersuchungsbefunde und den Befundangaben in den Akten ergä
ben sich keine Hinweise für eine frühere, höhergradige Arbeitsunfähigkeit
(S. 10 Ziff. I.4.6)
.
Auch für eine angepasste, körperlich leichte bis gelegentlich mittel
schwere, wechselbelastende Tätigkeit - worunter auch die Tätigkeit als Raumpfle
gerin falle - liege eine 80%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit vor (S. 10 Ziff. I.4.7).
Die Beschwerdeführerin sei seit dem Jahr 2015 krankgeschrieben. Eine kurzzeitig verstärkte depressive Symptomatik sei möglich. In den Akten würden aber keine lang anhaltenden depressiven Beschwerden höheren Grades beschrie
ben. Die von ihnen festgestellte Arbeitsunfähigkeit könne daher über die Zeit gemittelt seit April 2015 bestätigt werden (S. 10
f.
Ziff. I.4.6
.4 und Ziff. I.4.7.5
).
Die Leistungseinschränkung bei der angestammten wie auch bei der angepassten Tätigkeit sei verursacht durch das psychische Leiden mit leichter bis mittelgradi
ger depressiver Episode. Die bisherige Tätigkeit entspreche wie erwähnt einem
angepassten Belastungsprofil, weshalb für diese Tätigkeit keine höhere Arbeits
unfähigkeit durch rheumatologische Befunde entstehe (S. 11 Ziff. I.4.8). Eine Ver
besserung der Arbeitsfähigkeit mit medizinischen Massnahmen sei nicht möglich (S. 11 Ziff. 4.9).
3.8
Med.
pract
.
C._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in ihrer Stellungnahme vom 18. Februar 2020 (Urk. 7/123/
5-6) aus, das Gutachten der
Y._
sei
umfassend und nachvollziehbar und die Schlussfolgerungen aus den erhobenen medizinischen Befunden
seien
plausibel, weshalb darauf abgestellt werden könne.
Die Beschwerdeführerin sei durch die depressive Episode im Alltag und in ihrer Leistungsfähigkeit leicht eingeschränkt. Körperlich schwere Tätigkeit und Arbeiten in Zwangshaltungen seien ihr nicht mehr zumutbar. Für die bishe
rige Tätigkeit als Reinigungskraft bestehe seit jeher eine 20%ige Arbeitsunfähig
keit, eine langandauernde Arbeitsunfähigkeit habe nicht bestanden. Für ange
passte körperlich leichte bis gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten in Wechsel
belastung bestehe seit jeher eine 80%ige Arbeitsfähigkeit.
3.9
RAD-Ärztin med.
pract
.
C._
hielt
am
16. Juni 20
20
an ihrer Stellungnahme vom 18. Februar 2020 (vgl. vorstehend E. 3.8) fest, wonach auf das Gutachten der
Y._
(vgl. vorstehend E. 3.7) abgestellt werden könne (Urk. 7/132/3). So sei das Gutachten umfassend und nachvollziehbar und die Schlussfolgerungen aus den erhobenen medizinischen Befunden seien plausibel. Die psychiatrischen Befunde seien nach der Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (AMDP) erhoben und dokumentiert worden. Sie würden ein in sich schlüssiges Bild bieten und stünden nicht im Widerspruch zu den übrigen Fachgebieten. Der psychiatrische Gutachter würdige die bisherigen Berichte und den Verlauf und leite nachvollziehbar her, warum er den Diagnosen des
Z._
nicht folgen könne.
4.
4.1
Das polydisziplinäre Gutachten der
Y._
vom Februar 2020 (vorstehend E. 3.7) umfasst die Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie und Rheumatologie. Die Gutachterinnen und Gutachter verfügen über den entspre
chenden Facharzttitel und waren somit in ihren Fachgebieten zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin befähigt (vgl.
Urk.
7/122/1-50 S. 13). Das Gutachten der
Y._
erscheint denn auch für die streitigen Belange umfassend und berücksichtigt die geklagten Beschwer
den der Beschwerdeführerin. Zudem wurde es in Kenntnis der
Vorakten
(Anam
nese) erstellt
und leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerun
gen wurden nachvollziehbar begründet. Damit erfüllt das Gutachten der
Y._
die praxisgemässen Kriterien an ein beweiskräftiges Gutachten (vorstehend E. 1.7)
vollumfänglich
.
4.2
In somatischer Hinsicht diagnostizierten die Gutachter
innen und Gutachter
ein chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom, ein chronisches
thorako
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
und eine Hypermobilität (vorstehend E. 3.7).
Die
rheumatologische Gutachter
in
führte in
ihrem
Teilgutachten
aus
, dass bis auf eine verminderte Belastbarkeit der Wirbelsäule und die allgemeine Hyper
mobilität der Beschwerdeführerin aus rein rheumatologischer Sicht sämtliche Fähigkei
t
en
und Ressourcen zur Verfügung
stünden, die zur Ausübung einer adaptierten Tätigkeit erforderlich seien (Urk.
7/122/1-50 S. 47
Ziff. III-
RHE.7.4).
Die angestammte Tätigkeit als Reinigungsangestellte sei der Beschwerdeführerin zu 100 % zumutbar (Urk. 7/122/1-50 S. 47 Ziff. III
-
RHE.8.1). Eine angepasste, leichte bis gelegentlich mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit sei ihr
eben
falls zu 100 % zumutbar (Urk
. 7/122/1-50 S. 47 f. Ziff. III-
RHE.8.2). Aus Sicht des Bewegungsapparates gebe es keine Hinweise dafür, dass die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten
oder in einer
leichte
n
bis gelegentlich mittelschwere
n
, adaptierte
n
Tätigkeit in den vergangenen Jahren längerfristig relevant einge
schränkt gewesen sei (Urk. 7/122/1-50 S. 47 f. Ziff. III
-
RHE.8.1.4 und Ziff. III
-
RHE.8.2.5).
Die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in angestamm
ter und angepasster Tätigkeit erscheint aufgrund der erhobenen Befunde als schlüssig und nachvollziehbar.
4.3
Dr.
A._
diagnostizierte im November 2018 neben einer rezidivierenden depressiven Störung, mittelgradige bis schwere Episode, einen Verdacht auf ein Fibromyalgiesyndrom und attestierte der Beschwerdeführerin in der angestamm
ten Tätigkeit als Reinigungskraft vom 8. August 2016 bis zum 2. November 2018 eine 80%ige und seit dem 3. November 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (vorstehend E. 3.2).
Die
rheumatologische Gutachter
in
legte in ihrem
Teilgutachten in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise dar, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Unter
suchung über sämtlichen
fibromyalgietypischen
Ten
derpoints Druckschmerzen angegeben habe
. Da sie jedoch auch
Druckdole
nzen
an den sogenannten Kon
trollpunkten angegeben habe, bestehe
gemäss
den American College
of
Rheuma
tology
(
ACR
-)
Kriterien
keine Fibromyalgie, sondern
ein generalisiertes
multiloku
läres
Schmerzsyndrom (
Urk. 7/122/1-50 S. 46 Ziff. III-
RHE.7.1).
Bezüglich der
von
Dr.
A._
attestierten Arbeitsunfähigkeit ist darauf hinzuweisen, dass sich die beiden Arbeitsunfähigkeiten zeitlich überschneiden, wobei es sich wohl um einen
Schreib
fehler
handelt. Zudem ist in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzte wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräfte auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Die attestierten Arbeitsunfähigkeiten sind nicht begründet und ausserdem ist
Dr.
A._
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Nephrologie, weshalb
seinen Ausführungen zum
rheumatologischen Gesund
heitszustand der Beschwerdeführerin
mit Vorbehalt
zu
begegnen ist
.
Der genannte Bericht vermag somit nichts an der gutachterlichen Beurteilung zu ändern.
4.4
Die Ärzte des
Z._
diagnostizierten in ihrem Bericht
zur interdisziplinären Schmerzbehandlung vom 13. Mai 2019
(vorstehend E. 3.6)
in somatischer Hin
sicht ein
z
ervikozephales
Syndrom, eine
Thorakolumbalskoliose
, ein
lumbover
tebrales
Syndrom, Beckenschmerzen beidseits, eine Fibromyalgie und einen Sta
tus nach einer laparoskopischen Adnexektomie am
5.
Juni 2015 und attestierten der Beschwerdeführerin
aus somatischer Sicht
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit.
Hinsichtlich der diagnostizierten Fibromyalgie kann auf die obigen
nachvollzieh
baren
Ausführungen der rheumatologischen Gutachterin
in ihrem
Teilgutachten
verwiesen werden.
Bezüglich der übrigen diagnostizierten somatischen Diagno
sen decken sich diese mit den gutachterlich festgestellten somatischen Diagnosen (vorstehend E. 3.7). In Bezug auf den Bericht der Ärzte des
Z._
vom 13. Mai 2019 hielt
die
rheumatologische Gutachter
in in ihrem
Teilgutachten fest,
dass der Beschwerdeführerin aus wirbelsäulenchirurgischer Sicht eine verminderte Belast
barkeit des Achsenorgans attestiert worden sei, was sich mit ihrer Auffassung decke.
Zumutbar seien leichte, adaptierte Tätigkeiten. In einer solchen der Behin
derung angepassten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht voll arbeitsfähig, was sich mit ihrer Auffassung decke. Weiter werde aus ortho
pädisch-chirurgischer Sicht angegeben, dass aufgrund der Befunde an der HWS die oberen Extremitäten nur leicht belastet werden sollten. Eine adaptierte Tätig
keit sei mindestens halbtags zumutbar (
Urk. 7/122/1-50 S. 47 Ziff. III-
RHE.7.3.3).
Der
rheumatologischen Gutachter
in
war somit der Bericht der Ärzte des
Z._
vom 13. Mai 2019 zum Zeitpunkt der Begutachtung der Beschwerdeführerin
bekannt und wurde von ihr
bei der Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin gewürdigt. Ausserdem ist auch hier in Bezug auf
Berichte von Hausärztinnen und Hausärzte wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräfte auf die Erfahrungstatsache hinzu
weisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aus
sagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Dies zeigt sich aus dem Umstand, dass die behandelnden Ärzte - im Gegensatz zur rheumatologischen Gutachterin (vgl.
Urk. 7/122/1-50 S. 46
Ziff. III-
RHE.7.3.1)
-
die Plausibilität der Beschwerden nicht überprüften.
Der genannte Bericht vermag somit ebenfalls nichts an der gutachterlichen Beurteilung zu ändern.
4.
5
Der medizinische Sachverhalt ist nach dem Gesagten in somatischer Hinsicht als dahingehen
d erstellt zu erachten, dass die
Beschwerdeführerin
sowohl
in der angestammten Tätigkeit als
Reinigungsangestellte
als auch
in
einer
angepasste
n
, leichte
n
bis gelegentlich mittelschwere
n
, wechselbelastende
n
Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig ist
(
Urk.
7/122/1-50 S. 47 f.
Ziff.
III
-
RHE.8.2).
4.
6
In psychiatrischer Hinsicht diagnostizierten die Gutachter
innen und Gutachter
eine leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0, F32.10) und eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (vorstehend E. 3.7).
Der psychiatrische
Gutachter führte in seinem Teilgutachten hinsichtlich der gestellten Diagnosen aus, dass bei der Beschwerdeführerin diagnostisch eine leichte bis mittelgradige depressive Episode, gekennzeichnet durch depressive Verstimmungen mit verminderter Freude, Interessensverlust, aber auch durch erhöhte Ermüdbarkeit, Schlafstörungen, Insuffizienzgedanken und leichte Kon
zentrationsstörungen bestehe. Es bestehe diagnostisch auch eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, gekennzeichnet durch diffuse, ausgeweitete Schmerzen im Bewegungsapparat, deren Ausmass mit der Überzeugung, nicht mehr arbeiten zu können, mit somatischen Befunden nicht hinreichend objektiviert werden könne und die sich nicht nur auf eine Somatisierung im Rahmen der Depression zurückführen lassen. Es bestünden psy
chosoziale und emotionale Belastungsfaktoren, worüber die Beschwerdeführerin im Untersuchungsgespräch habe reden können. Auch über die Belastungen mit häuslicher Gewalt in der Kindheit habe sie reden können und dabei weder eine emotionale Abstumpfung noch eine Erregtheit gezeigt. Dies spreche neben dem Fehlen traumatischer Erinnerungen in sich wiederholt aufdrängenden Gedanken oder Träumen und zwar so, als ob das traumatische Ereignis unmittelbar statt
finde, gegen die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung. Diagnos
tisch handle es sich um eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren. Der Verlauf sei deutlich chronifiziert, so dass sich beide Störungen gleichermassen zu je gleichen Anteilen und anhaltend einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten (Urk
. 7/122/1-50 S. 33 f. Ziff. III-
PSY.6.3).
Der psychiatrische Gutachter attestierte der Beschwerdeführerin aus psychiatri
scher Hinsicht für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit eine 80%ige Arbeitsfähigkeit (
Urk. 7/122/1-50 S. 36 Ziff. III-
PSY.8.1
; vgl. vorstehend E. 3.7
). Auch alle soma
tisch angepassten und den Fähigkeiten entsprechenden Tätigkeiten seien der Beschwerdeführerin zu 80 % zumutbar (Urk. 7/122/1-50 S. 36 f. Ziff.
III-
PSY.8.2
; vgl. vorstehend E. 3.7
).
Von den attestierten Arbeitsfähigkeiten könne mit Sicher
heit seit mindestens der aktuellen Untersuchung ausgegangen werden. Auch gemittelt über den Verlauf könne aber seit 2015, seitdem in den Akten fachärzt
liche psychiatrische Befunde vorlägen, eine höhergradige Arbeitsunfähigkeit nicht bestätigt werden (Urk
. 7/122/1-50 S. 36 f. Ziff. III-
PS
Y.8.1.4 und Ziff. III-
PSY.8.2.5; vgl. vorstehend E. 3.7).
4.7
Das Bundesgericht entschied mit BGE 143 V 418, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (vgl. vorste
hend
E. 1.4
), so auch vorliegend. Es ist deshalb nachfolgend anhand der Standard
indikatoren zu beurteilen, ob aufgrund der
leichten bis mittelgradigen depressiven Episode und der chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren eine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen ist.
Zum Komplex Gesundheitsschädigung ist in Bezug auf den Indikator Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde festzuhalten
,
dass die
Beschwerdeführerin
an Schlafstörungen in der Nacht, einer erhöhten Ermüdbarkeit am Tag, an Insuffi
zienzgedanken und leichten Konzentrationsstörungen leidet. Die Aufmerksam
keit, die Auffassung und das Gedächtnis sind hingegen nicht gestört (Urk. 7/122/1-50 S. 33
Ziff. III-
PSY.4.3). Die
Beschwerdeführerin
ist durch die depressive Symptomatik im Alltag und in ihrer Leistungsfähigkeit leicht einge
schränkt. Es besteht auch noch eine chronische
Schmerzstörung mit somat
ischen und psychischen Faktoren, die sich jedoch
nicht verstärkt
auswirkt (Urk. 7/122/1-50 S. 9 Ziff. I.4.3). Ausserdem liegen psychosoziale Faktoren wie namentlich ein Migrationshintergrund, drei gescheiterte Ehen und finanzielle Probleme vor, die jedoch krankheitsfremd sind (Urk. 7/122/1-50 S. 9 Ziff. I.4.4, S.
36 Ziff.III-
PSY.7.4).
In Bezug auf den Indikator Behandlungs- und Eingliederungserfolg ist festzuhal
ten
, dass sich die
Beschwerdeführerin
seit 2015 in psychiatrisch-psychotherapeu
tischer Behandlung befindet und eine antidepressive Medikation erhält, wobei der Medikamentenspiegel darauf hinweist, dass die Compliance nicht optimal ist
(Urk. 7/122/1-50 S. 34
Ziff.III-
PSY.7.2; vgl. S.
7 f. Ziff. I.3.2, S. 15 ff. Ziff. II.1.1).
Die Behandlung kann intensiviert werden, vorausgesetzt, die
Beschwerdeführerin
nimmt die Medikamente regelmässig ein (Urk. 7/122/1-50 S. 34
Ziff.III-
PSY.7.2
, S.
38 Ziff. III-
PSY.8.5.4
).
Eine teil- oder stationäre Behandlung hat bisher nicht stattgefunden.
Zudem gab
die
Beschwerdeführerin
anlässlich der psychiatrischen Begutachtung an, keinen Alkohol zu konsumieren, das alkoholspezifische CDT war aber grenzwertig pathologisch erhöht und ist somit kontrollbedürftig (
Urk. 7/122/1-50 S. 38 Ziff.III
-
PSY.8.5.4
).
In Bezug auf Komorbidität
en
ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin
neben der leichten bis mittelgradigen depressiven Episode
an einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
leidet (
vorstehend
E. 4.5). Weitere Komorbiditäten sind nicht ersichtlich.
Zum Komplex Persönlichkeit ist festzuhalten, dass keine Persönlichkeitsstörung vorliegt (vgl. Urk. 7/122/1-50 S. 33 f.
Ziff.III-
PSY.6).
Die
Beschwerdeführerin
verfügt demnach über persönliche Ressourcen.
Zum Komplex sozialer Kontext ist festzuhalten, dass die
Beschwerdeführerin
praktisch nichts mehr im
Haushalt macht, sie unterhält aber nach wie vor Kon
takte und stützt viel auf die Hilfe von der Umgebung ab. Auch sonst macht sie nicht mehr viel, sie reist auch nicht mehr in die Ferien und lässt sich überall hinbegleiten. Sie fällt aber aus ihr
em sozialen Rahmen nicht hinaus (Urk. 7/122/1-50 S. 38
Ziff.III-PSY.
8.5.3). Zudem bestehen Ressourcen bezüglich angelernter Arbeiten, so war die
Beschwerdeführerin
mehrere Jahre mit voller Leistung arbeitsfähig (Urk. 7/122/1-50 S. 36
Ziff.III-
PSY.7.4).
Somit verfügt die
Beschwerdeführerin
durchaus über gewisse soziale Ressourcen.
Zu prüfen ist weiter die Konsistenz.
Hinsichtlich des Gesichtspunkts der gleich
mässigen Einschränkungen des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Le
-
bensbereichen
ist festzuhalten
, dass diesbezüglich keine gleichmässigen Ein
schränkungen bestehen. Die
Beschwerdeführerin
war zuletzt
bis im Frühjahr 2015 an drei verschiedenen Orten als Reinigungsmitarbeiterin angestellt, seither hat
sie nicht mehr gearbeitet
und fühlt sich aufgrund der Schmerzen und Depressionen nicht mehr arbeitsfähig (vgl. Urk. 7/122/1-50 S. 23 Ziff.III-FF.3.2.5, S. 32 Ziff. III-PSY.3.2).
Demgegenüber hält sie nach wie vor Kontakte und telefoniert mit ihrer Mutter in Kroatien (Urk. 7/122/1-50 S. 32 Ziff. III-PSY.3.2, S. 38 Ziff.III.PSY-8.5.3).
Die
Beschwerdeführerin
zeigt eine deutliche Selbstlimitierung, sie lässt sich überall hinbegleiten, auch zuhause erhält sie viel Hilfe mit täglicher
Spitexbe
treuung
. Wenn ihr zu viel abgenommen wird, kann ein sekundärer Krankheits
gewinn entstehen. Die
Beschwerdeführerin
wurde durch eine Nachbarin
zur
gut
achterlichen
Untersuchung
nach
D._
begleitet, sie
kann
sich
also durchaus
Hilfe mobilisiere
n (Urk. 7/122/1-50 S. 35 Ziff.III-PSY.7.3.2).
Hinsichtlich des Gesichtspunkts des behandlungs- und eingliederungsanamnes
tisch ausgewiesenen Leidensdrucks ist schliesslich festzuhalten
, dass die
Beschwerdeführerin
zwar regelmässig psychiatrisch-psychotherapeutisch behan
delt wird, jedoch nicht alle verordneten Psychopharmaka einnimmt (Urk. 7/122/1-50 S. 34 Ziff.III-PSY.7.2; S. 38 Ziff. 8.5.4). Es ist deshalb durchaus von einem gewissen Leidensdruck der
Beschwerdeführerin
auszugehen.
4.
8
Zusammengefasst führt die Prüfung der einzelnen Indikatoren zum Schluss, dass das Gutachten der
Y._
, wonach
die psychischen Leiden
eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit
sowohl
in der angestammten Tätigkeit als Raumpflegerin als auch in einer angepassten,
körperlich leichte
n
bis gelegentlich mittelschwere
n
, wechselbelastende
n
Tätigkeit - worunter auch die Tät
igkeit als Raumpflegerin fällt - von 20 % bewirken, schlüssig und widerspruchsfrei ist und diesem gefolgt werden kann. Es steht somit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass die
Beschwerdeführerin
ihre angestammte Tätigkeit als Raumpflegerin
sowie
eine angepasste Tätigkeit seit April 2015 zu 80 % ausüben kann.
4.
9
Dr.
A._
diagnostizierte im November 2018 neben einem Verdacht auf ein Fibromyalgiesyndrom eine rezidivierende depressive Störung, mittelgradige bis schwere Episode, und attestierte der Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit als Reinigungskraft vom 8. August 2016 bis zum 2. November 2018 eine 80%ige und seit dem 3. November 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (vor
stehend E. 3.2).
Die behandelnde Psychiaterin
Dr.
B._
diagnostizierte im Dezember 2018 eine rezidivierende depressive Störung, wobei sie
erwähnte, dass sie
die Beschwerdeführerin im Jahr 2018 nur zwei Mal gesehen habe (vorstehend E. 3.4).
Eine Ärztin des
Z._
diagnostizierte
im November 2018
sowie
im
März 2019
eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und
eine
rezidivie
rende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
,
und attestierte der Beschwerdeführerin eine seit Mai 2015 bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit (vorstehend E. 3.3, E. 3.5). In ihrem Bericht zur interdisziplinären Schmerzbehandlung vom Mai 2019 (vorstehend E. 3.6) stellten die Ärzte des
Z._
neben den soeben genannten psychiatrischen Diagnosen ein
z
ervikozephales
Syndrom, eine
Thorakolumbalskoliose
, ein
lum
bovertebrales
Syndrom, Beckenschmerzen beidseits, eine Fibromyalgie sowie einen Status nach laparoskopische Adnexektomie am
5.
Juni 2015
als somatische Diagnosen
und attestierten der Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht eine 50%ige und aus psychiatrischer Sicht eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 201
5.
I
n Bezug auf die vor der polydisziplinären Begutachtung der Beschwerdeführerin vorliegenden Berichte
(
vgl. Urk. 7/122/1-50 S. 34 Ziff.II.1
)
legte der psychiatri
sche Teilgutachter
dar, dass in den Akten auch eine mittelgradige depressive Epi
sode angegeben, aber auch die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstö
rung aufgeführt
worden sei
. Schliesslich
sei im
Z._
eine rezidivierende depres
sive
Störung festgehalten
worden
. Ein deutlicher rezidivierender Verlauf mit Pha
sen von
Verschlechterung und Verbesserung u
nd symptomfreien Intervallen sei
aber nicht
erwiesen. Die Beschwerdeführerin sei
nie psychiatrisch hospitalisiert
worden. Sie selber habe
einen
kontinuierlichen Verlauf an
gegeben
. Die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung,
die von de
r
früher behandel
nden Psychiaterin gestellt worden sei, könne
aufgrund der heutigen
Untersuchung nicht bestätigt werden. Die
Beschwerdeführerin klag
e nicht über das wiederholte
Erleben traumatischer Erinnerungen in sich aufdrängende
r
Gedanken und Träume und
zwar so, als ob das traumatische
Ereignis unmittelbar stattfinde. Ins
besondere fehl
e für
die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung eine deutliche Entfremdung im
Querschnittsbefund der heutigen Untersuchung oder Phasen von Erregtheit. Menschen
mit einer deutlichen posttrauma
tischen Belas
tungsstörung würden
in einem
Untersuchungsgespräch auf
fallen; sie seien in sich gekehrt, würden
nicht so viel
reden
, wie dies die
Beschwerdeführerin getan habe
,
wirk
t
en emotional abgestumpft bei der Schilderung der
Anamnese und
bei
der Frage nach erlebter Gewalt oder sonstigen schlimmen Ereignissen,
könn
t
en sie in einen Erregungszustand komm
en. Dies sei bei der Beschwerdeführerin
nicht der
Fall. Die Depression sei
rein aufgrund der objektiv erhebbaren Befunde leicht bis
mittelgradig ausgeprägt. Aufgru
nd der täglichen Aktivitäten sei
von einer deut
lichen
Selbstlimitierung und einem sekundär
en Krankheitsgewinn auszugeh
en
(Urk. 7/122/
1-50 S. 35 Ziff.III-PSY.7.3.3).
Der psychiatrische Teilgutachter legte in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise dar, weshalb zum Zeitpunkt der Begutachtung von einer leichten bis mittelgradi
gen depressiven Episode und einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren auszugehen ist (vgl. auch vorstehend
E. 4.5
).
Er wür
digte die bisherigen Berichte und den Verlauf und leitete die Diagnosen in nach
vollziehbarer Weise her.
Der Einwand der
Beschwerdeführerin
, wonach das psy
chiatrische Teilgutachten eher kurz ausfalle und oberflächlich sei (vgl. Urk. 1 S. 4 Ziff. II.6),
erweist sich daher als unbegründet.
In Bezug auf die genannten Berichte ist
erneut
auf die Erfahrungstatsache hinzu
weisen, dass Hausärztinnen und Hausärzte wie überhaupt behandelnde Arztper
sonen beziehungsweise Therapiekräfte mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen
und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Die vom behandelnden Arzt
Dr.
A._
seit August 2016 bestehende 80%ige bezie
hungsweise 100%ige Arbeitsunfähigkeit (vorstehend E. 3.2) ist nicht näher begründet. Ausserdem
ist die
Einschätzung des psychiatrischen Gesundheitszu
stands der Beschwerdeführerin
durch
Dr.
A._
als Allgemeinmediziner und Nephrologe
keine fachärztliche. Auch die von den Ärzten des
Z._
seit April 2015 aus psychiatrischer Sicht bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit (vorstehend E. 3.3, E. 3.5, E. 3.6) ist nicht näher begründet und vermag nicht zu überzeugen.
Die genannten Berichte der behandelnden Ärzte vermögen nach dem Gesagten nichts am Beweiswert des
Y._
Gutachtens zu ändern und die diesbezügli
chen Einwände der Beschwerdeführerin (vgl. vorstehend E. 2.2) erweisen sich als nicht begründet.
4.
10
Der medizinische Sachverhalt ist nach dem Gesagten in psychiatrischer Hinsicht als dahingehend erstellt zu erachten, dass der
Beschwerdeführerin
sowohl
die angestammte Tätigkeit als Raumpflegerin als auch eine angepasste, körperlich leichte bis gelegentlich mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit - worunter auch die angestammte Tätigkeit fällt - seit April 2015 zu 80 % zumutbar ist.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt, wie sich das reduzierte Leistungsvermögen der
Beschwerdefüh
rerin
in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.
5.2
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Pro
zentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbs
einkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkom
men auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs. 2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (Urteil des Bundes
gerichts 9C_492/2018 vom 24. Januar 2019 E. 4.3.2 mit Hinweis auf Urteil 8C_333/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung. Diesfalls ent
spricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichti
gung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentver
gleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundesge
richts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
5.3
Nachdem der
Beschwerdeführerin
sowohl
die angestammte Tätigkeit als Raum
pflegerin als auch eine angepasst
e Tätigkeit seit April 2015 zu 80 % zumutbar ist (vorstehend
E. 4.4, E. 4.9
), ergibt dies einen eindeutig rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 20 %, weshalb auf eine ziffernmässige Berechnung des Validen- und Invalideneinkommens verzichtet werden kann.
Der angefochtene Entscheid erweist sich somit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerle
gen, infolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6.2
Die Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsvertretung wird gestützt auf
§
8 in Verbindung mit
§
7 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädi
gungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) nach dem Zeitauf
wand u
nd den Barauslagen bemessen. Die unentgeltliche Rechtsvertretung
reicht dem Gericht hierzu vor dem Endentscheid eine detaillie
rte Zusammenstellung über ihren Zeitaufwand und ihre
Barauslagen ein. Im Unterlassungsfall setzt das Gericht die Entschädigung nach Ermessen fest.
Nachdem die zur unentgeltlichen Rechtsvertreterin bestellten Rechtsanwältin Ursula
Sintzel
trotz des Hinweises durch das Gericht (vgl.
Urk.
11) keine Kosten
note eingereicht hat, ist die Entschädigung
beim praxisgem
ä
ssen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
nach Ermessen auf
Fr. 2'000.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festzusetzen.
6.3
Die Beschwerdeführerin wird auf die Nachzahlungspflicht von
§
16
Abs.
4
GSVGer
hingewiesen.