Decision ID: 8a804ea4-1db7-5d5c-82ed-b29f7a6449c6
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der tamilische Beschwerdeführer reiste eigenen Angaben gemäss am
13. Juli 2016 auf dem Luftweg aus dem Heimatland über Indien und Russ-
land aus und am 15. August 2017 in die Schweiz ein, wo er gleichentags
um Asyl nachsuchte. Die Befragung zur Person (BzP) erfolgte am 28. Au-
gust 2017, die Anhörung am 2. März 2020.
Der Beschwerdeführer brachte vor, die Familie stamme ursprünglich aus
B._, ab 1996 seien sie auf der Flucht gewesen und ins C._-
Gebiet gezogen, danach an verschiedene Orte im Distrikt D._, zu-
letzt ab 2007 hätten sie in E._ im Distrikt D._ gelebt. Er sei
13 Jahre lang zur Schule gegangen und habe danach eine Ausbildung als
Bauzeichner im Hoch- und Tiefbau gemacht, wobei er anschliessend ein
Praktikum in dem Bereich absolviert und als Assistent bei Projekten mitge-
arbeitet habe.
Ein Onkel von ihm sei Mitglied bei den Liberation Tigers of Tamil Eelam
(LTTE) gewesen. Dieser habe sich aus Angst vor Misshandlung durch das
Militär nicht für das für LTTE-Mitglieder vorgeschriebene Rehabilitations-
programm gemeldet, woraufhin ihn das Militär in seinem Flüchtlingslager
gesucht habe. Seine Eltern hätten den Onkel vor der zu erwartenden Miss-
handlung durch das Militär retten wollen, weshalb sie ihn mittels Beste-
chung aus dem Flüchtlingslager freigekauft und ihn für drei Monate zu sich
nach Hause geholt hätten. Danach habe der Onkel mit der Hilfe seiner El-
tern eine Heirat arrangieren können und sei weggezogen. Wegen der den-
noch fortdauernden Probleme mit dem Militär habe er sich im Jahr 2014
erneut für zwei Wochen bei ihnen versteckt und schliesslich im Mai dessel-
ben Jahres das Land verlassen.
Der Beschwerdeführer habe ab Mai, Juni 2015 angefangen, einen Politiker
der F._ [Name Partei] ehrenamtlich zu unterstützen. In der Wahl-
kampfzeit von August 2015 habe er für ihn Flugblätter verteilt und Plakate
geklebt. Daraufhin habe er Probleme mit der G._ [Name Partei] be-
kommen. Er sei mehrfach von G._ [Name Partei]-Anhängern bis
mindestens Ende 2015 geschlagen worden. Ende des Jahres habe er mit
seiner Tätigkeit für den Politiker aufgehört, weil Anhänger der G._
[Name Partei] auch angefangen hätten, seine Mutter zu beschimpfen.
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Wegen des Beherbergens des Onkels sei das Militär ab Februar/März
2016 mehrere Male zu ihnen nach Hause gekommen und habe den Be-
schwerdeführer gesucht, der jeweils nicht anwesend gewesen sei. Er sei
beschuldigt worden, seinem Onkel geholfen zu haben. Ihm würde zudem
als junger Mensch generell unterstellt, beim Wiederaufbau der LTTE betei-
ligt zu sein. Sein Vater habe ihn daraufhin im Februar 2016 nach Colombo
geschickt, wo er sich in H._ (Colombo) einige Monate bis zur Aus-
reise bei einem Freund versteckt habe. Auch als er bereits in Colombo ge-
wesen sei, hätten ihn die Militärangehörigen zu Hause gesucht. Daher
habe sein Vater für seine Ausreise aus dem Heimatland einen Schlepper
organsiert, mit dessen Hilfe er in die Schweiz gelangt sei. Auch nach seiner
Ausreise sei das Militär noch einige Male bei ihm erschienen und habe ihn
gesucht.
Der Beschwerdeführer reichte folgende Dokumente bei der Vorinstanz ein:
Identitätskarte in Kopie, Zeugnis vom 19. Januar 2020 über den Arbeits-
einsatz in einem freiwilligen Projekt, Geburtsschein des Beschwerdefüh-
rers und des Vaters (jeweils im Original), Ausbildungsbestätigung der
Schule aus D._ (Kopie).
B.
Mit Verfügung vom 12. März 2020 – eröffnet am 13. März 2020 – stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Das SEM erachtete die Ver-
folgungsvorbringen als nicht glaubhaft und den Wegweisungsvollzug als
zulässig, zumutbar und möglich.
C.
Am 16. März 2020 reichte der Beschwerdeführer beim SEM seine Identi-
tätskarte im Original ein sowie drei Arztberichte des (...)spitals I._,
(...) (Operationsbericht vom 8. August 2019, Austrittsbericht vom 22. Au-
gust 2019 und ambulanter Bericht vom 10. Februar 2020).
D.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner
Rechtsvertreterin vom 14. April 2020 Beschwerde beim Bundesverwal-
tungsgericht und beantragte dabei, die Verfügung der Vorinstanz vollum-
fänglich aufzuheben und dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren sowie
eventualiter die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzuges festzustellen und infolgedessen die vorläufige Aufnahme
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anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um die Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege, um Bewilligung der amtlichen Ver-
beiständung durch die Unterzeichnende und um Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses. Zudem sei festzustellen, dass die Beschwerde
aufschiebende Wirkung habe.
In der Beschwerde wurde an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen festgehal-
ten und vorgebracht, der Beschwerdeführer sei psychisch angeschlagen
und beabsichtige, sich in psychologische Behandlung zu begeben. Er habe
auch wegen der diversen (...)brüche seiner (...) infolge eines Unfalles noch
immer Schmerzen.
Der Beschwerde lagen eine Fürsorgebestätigung vom 1. April 2020 und
eine undatierte Kostennote bei.
E.
Am 15. April 2020 bestätigte das Gericht den Eingang der Beschwerde.
F.
Mit Verfügung vom 5. Mai 2020 hielt die zuständige Instruktionsrichterin
fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten. Gleichzeitig wurde auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses einstweilen verzichtet und der Entscheid über die Gesuche um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amtlichen Rechtsver-
beiständung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist – mit nachstehender Einschränkung (vgl. E. 4) – einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung
eines Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Hinsichtlich des Verfahrensantrages, die aufschiebende Wirkung sei fest-
zustellen, ist anzumerken, dass die Beschwerde von Gesetzes wegen auf-
schiebende Wirkung hat (Art. 55 Abs. 1 VwVG) und das SEM einer allfälli-
gen Beschwerde diese aufschiebende Wirkung nicht entzogen hat (Art. 55
Abs. 2 VwVG). Auf den Antrag ist daher mangels Rechtsschutzinteresses
nicht einzutreten.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
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Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Das SEM begründet seinen Entscheid damit, dass es die Verfolgungs-
vorbringen als unglaubhaft erachte.
6.1.1. Es entstehe nicht der Eindruck, als habe der Beschwerdeführer das
Geschilderte tatsächlich erlebt. Dieser habe behauptet, während des Wahl-
kampfes für die F._ [Name Partei] mit der G._ [Name Partei]
und später wegen seines Onkels mit dem Militär Probleme gehabt zu ha-
ben. Insgesamt wiesen die Aussagen, trotz mehrfacher Gelegenheit, die
Vorbringen frei zu schildern, nicht die erforderliche Qualität auf, die zu er-
warten gewesen wäre, wenn er die Ereignisse tatsächlich erlebt hätte. Es
handle sich bei den Aussagen um blosse Wiedergaben von angeblichen
Handlungsabläufen ohne Realkennzeichen, subjektive Empfindungen o-
der persönliche Eindrücke. Zu keinem Zeitpunkt werde der Eindruck er-
weckt, der Beschwerdeführer habe das Geschilderte selbst erlebt. Auch
würden sich die Aussagen teilweise wortwörtlich wiederholen, was ein Indiz
für auswendig Gelerntes sei.
Auch seien die Vorbringen unlogisch. In Bezug auf die Probleme mit der
G._ [Name Partei] sei es nicht nachvollziehbar, dass er sich wie-
derholt von den Partei-Anhängern habe rufen lassen, um dann von ihnen
geschlagen zu werden. Dies habe er auch nicht plausibilisieren können.
Zudem habe er sich zur Dauer der Probleme mit der G._ [Name
Partei] widersprüchlich geäussert.
Überdies seien die Probleme mit dem Militär nicht nachvollziehbar. So sei
es nicht plausibel, dass dem Beschwerdeführer durch den Aufenthalt des
Onkels im Elternhaus von einigen Monaten im Jahr 2009 und von zwei
Wochen im Jahr 2014 persönlich Probleme hätten erwachsen sollen.
Schliesslich habe der Vater, nicht der Beschwerdeführer, die Freilassung
und Heirat organisiert und den Onkel in seinem Haus beherbergt, weshalb
für die Behörden der Vater eigentlich als Schuldiger hätte dastehen müs-
sen. Indes sei der Vater ohne spezifische Probleme weiter in Sri Lanka
wohnhaft. Die Argumentation, wonach der Beschwerdeführer in den Fokus
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der Behörden geraten sei, weil diese denken würden, er habe seinem On-
kel geholfen und ihm werde der versuchte Wiederaufbau der LTTE unter-
stellt, wirke konstruiert. Auch die stereotype Erklärung, wonach die Behör-
den nur jungen, aber nicht älteren Leuten wie seinem Vater Probleme ma-
chen würden, vermöge nicht zu überzeugen. Der Beschwerdeführer versu-
che, eine persönliche Betroffenheit zu kreieren. Es sei davon auszugehen,
dass er das Heimatland aus anderen Gründen verlassen habe.
Dafür würden auch die Widersprüche in den Aussagen zu entscheidenden
Details sprechen. So habe er sich in der BzP und der Anhörung in Bezug
darauf widersprochen, wer ihn gesucht habe, ob der Criminal Investigation
Department (CID) oder aber ein Polizist und zwei Militärangehörige. Auch
sei er nach Angaben der Erstbefragung zweimal vom CID mitgenommen,
befragt und geschlagen worden. Nach seinen Aussagen anlässlich der An-
hörung sei er jedoch bei den behördlichen Suchen nie persönlich anwe-
send gewesen.
6.1.2. Weiter prüfte das SEM das Vorliegen von Nachfluchtgründen. Es ge-
langte zum Schluss, es sei bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der ge-
mäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung geltenden Risiko-
faktoren-Prüfung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit asylrelevanten Ver-
folgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde. Den Wegweisungsvollzug
erachtete das SEM für zulässig, zumutbar – angesichts des Vorliegens in-
dividueller Zumutbarkeitskriterien – und möglich.
6.2 In der Beschwerde wurde an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen fest-
gehalten.
6.2.1. Es wurde bemängelt, dass das SEM die widersprüchlichen Aussa-
gen zwischen der BzP und Anhörung zu stark gewichtet habe, was nicht
rechtmässig sei. Der Beschwerdeführer habe seine Asylgründe plausibel
machen können und seine Aussagen wiesen subjektive Empfindungen auf.
So habe er über seine Angst und sein Motiv, die F._ [Name Partei]
zu unterstützen, berichtet. Er habe auch Details aufgeführt, wie beispiels-
weise den Versuch, den Onkel durch das Arrangement einer Heirat vor
dem Militär zu schützen. Es sei ihm auch gelungen, die Wohnung, in der
er festgehalten worden sei, und den Ablauf der Inhaftierung detailliert zu
beschreiben.
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6.2.2. Die Vorinstanz habe nicht aufgeführt, welche Aussagen er angeblich
wortwörtlich wiederholt habe. Im Übrigen wären keine Widersprüche ent-
standen, wenn er tatsächlich seine Aussagen auswendig gelernt und wort-
wörtlich wiedergegeben hätte. Es sei somit vielmehr ein Zeichen für tat-
sächlich Erlebtes, wenn er Ereignisse unterschiedlich beschrieben habe.
Auch durch die Übersetzung seiner Aussagen hätte es überdies dazu kom-
men können, dass teilweise Wörter gleich übersetzt würden, obwohl er un-
terschiedliches Vokabular verwendet habe.
6.2.3. Soweit die Vorinstanz behaupte, es sei unlogisch, dass er sich
scheinbar wiederholt von den G._ [Name Partei]-Anhängern habe
rufen lassen, um dann von ihnen geschlagen zu werden, sei dem zu ent-
gegnen, dass er mit «gerufen» gemeint habe, dass er von ihnen auf der
Strasse aus wenigen Metern Entfernung angesprochen worden sei. Er
habe dann zumeist verständlicherweise auf Fluchtversuche verzichtet, aus
Angst, dass er bei einem Fluchtversuch noch stärker geschlagen würde.
Die G._ [Name Partei] sei eine regierungsfreundliche paramilitäri-
sche Gruppe und sei, zusammen mit anderen Gruppen und den staatlichen
Sicherheitskräften, für kriminelle Aktivitäten verantwortlich zu machen. Es
gäbe viele dokumentierte Fälle, wonach die Akteure der tamilischen Zivil-
gesellschaft in B._ durch die G._ [Name Partei] bedroht,
entführt und gefoltert würden. Es sei insbesondere im Hinblick auf die ban-
denmässige Organisation der G._ [Name Partei] und der Nähe zu
den sri-lankischen Behörden absolut nachvollziehbar, wieso er sich den
Mitgliedern der G._ [Name Partei] ausgeliefert gefühlt habe. Entge-
gen der Ansicht der Vorinstanz habe er sich auch nicht widersprüchlich zur
Dauer der Probleme mit den Mitgliedern der G._ [Name Partei] ge-
äussert. Vielmehr habe er ausgesagt, dass er auch nach den Tätigkeiten
für die F._ [Name Partei] Probleme mit den G._ [Name Par-
tei]-Mitgliedern gehabt habe. Dies schliesse nicht aus, dass die Probleme
andere gewesen seien als vorher.
6.2.4. Im Gegensatz zur Auffassung der Vorinstanz sei es auch plausibel,
dass der Beschwerdeführer wegen des Onkels, der ehemaliger LTTE-
Kämpfer gewesen sei, in den Fokus der sri-lankischen Behörden geraten
sei. Zumal ihm nicht nur die Unterstützung des Onkels, sondern auch der
Versuch des Wiederaufbaus der LTTE zusammen mit dem Onkel vorge-
worfen worden sei. Es sei plausibel, dass er und nicht sein Vater ins Visier
des Staates geraten sei, da der sri-lankische Staat gerade Personen, die
in ihrer Jugend den Krieg gegen die LTTE miterlebt hätten, unterstelle,
dass sie das Gedankengut eines unabhängigen tamilischen Staates in der
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frühen Kindheit eingeimpft bekommen hätten. Es handle sich mithin nicht
um Einzelfallschilderungen, sondern um eine systematische Verfolgung
durch den sri-lankischen Staat.
6.2.5. Sodann habe er sowohl mit dem CID als auch mit dem Militär Prob-
leme gehabt. Er habe die beiden Festnahmen durch den CID bereits in der
BzP erwähnt, in der Anhörung habe er diese aber nicht noch einmal explizit
genannt, da er zu diesem Zeitpunkt psychisch angeschlagen gewesen sei.
Er sei nämlich traumatisiert und habe daher Mühe gehabt, die Anforderun-
gen an die Befragung zu den Asylgründen zu erfüllen. Er sei tatsächlich
zweimal vom CID gesucht und verhaftet worden. Als ihn das Militär gesucht
habe, sei er hingegen nicht anwesend gewesen. Es sei dadurch, dass er
in der Anhörung nicht erneut über die beiden Verhaftungen des CID ge-
sprochen habe, der Eindruck entstanden, er sei bei den behördlichen Su-
chen nie anwesend gewesen. Jedoch sei dies nur bei den Suchen des Mi-
litärs nach ihm der Fall gewesen. So habe er auch zu Protokoll gegeben,
er habe niemals das Militär getroffen. Er sei aber nie explizit gefragt wor-
den, ob er zu Hause gewesen sei, als ihn der CID gesucht habe. Unter
Mitberücksichtigung seiner psychischen Verfassung würden seine Aussa-
gen ein kohärentes und detailreiches Bild ergeben. Er sei sowohl von den
G._ [Name Partei]-Mitgliedern als auch vom sri-lankischen Militär
und vom CID asylrelevant verfolgt worden und auch noch nach seiner Aus-
reise gesucht worden. Es bestehe nach wie vor ein Verfolgungsinteresse
an ihm.
6.2.6. Angesichts der Vorverfolgung sei auch eine begründete Furcht vor
zukünftiger Verfolgung anzunehmen. Der Beschwerdeführer erfülle zudem
mehrere Risikofaktoren, da er bereits inhaftiert worden und ihm vorgewor-
fen worden sei, zusammen mit dem Onkel den Wiederaufbau der LTTE zu
organisieren. Der aktuelle Regierungswechsel und die damit einherge-
hende Zunahme an Repressionen bestätigten die Annahme zukünftiger
Verfolgung.
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen von Asylvorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt
und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
7.2 Das Gericht schliesst sich der Einschätzung des SEM an, wonach die
Vorbringen des Beschwerdeführers als unglaubhaft zu erachten sind. Die
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Beschwerdeargumente vermögen nicht zu überzeugen. Sowohl die Prob-
leme mit der G._ [Name Partei] wegen der Tätigkeit für einen Poli-
tiker der F._ [Name Partei] als auch die mit den Behörden wegen
des Onkels sind als unglaubhaft zu erachten, wobei beide Probleme nicht
im Zusammenhang stehen (vgl. act. A19, S. 17, F148).
7.2.1. Es handelt sich bei den Aussagen des Beschwerdeführers tatsäch-
lich um blosse Wiedergaben angeblicher Handlungsabläufe ohne Real-
kennzeichen. Auch sind einzelne Passagen wortwörtlich wiederholt wor-
den. Hinzuweisen ist beispielsweise auf folgende Aussagen: «Schon da-
mals hatte ich Probleme mit der G._ [Name Partei] gehabt» (fast
wortgleich in act. A19, S. 7, F54 und F55). Auch die Sätze «Als sie einmal
zu uns kamen, war ich nicht zu Hause. Mein Vater hat dann aus Angst mich
nach Colombo, nach H._ geschickt.» finden sich fast wortgleich an
zwei verschiedenen Stellen des Anhörungsprotokolls (vgl. act. A19, S. 7,
F55 und S. 8, F57).
7.2.2. Soweit in der Beschwerde behauptet wird, der Beschwerdeführer
habe subjektive Empfindungen wiedergegeben (vgl. Beschwerde, S. 10),
kann dem nicht gefolgt werden. Auch wenn er in der Erzählung der Asyl-
gründe berichtet, die Familie habe wegen des Onkels und der Suche des
Militärs Angst gehabt (vgl. act. A19, S. 7, F54), fehlt es einer tiefergehen-
den Schilderung der persönlichen Empfindungen. Auch die Motivation,
weshalb er für den Politiker gearbeitet habe, gibt er nur plakativ wieder (vgl.
act. A19, S. 10, F73).
7.2.3. Sofern in der Beschwerde denn die Meinung vertreten wird, der Be-
schwerdeführer habe in den Befragungen Details wiedergegeben, habe
beispielsweise die Wohnung, in der er festgehalten worden sei, und den
Ablauf der Inhaftierung detailliert beschrieben (vgl. Beschwerde, S. 10),
wirft diese Behauptung Fragen auf, da diese Beschreibungen den Proto-
kollen nicht zu entnehmen sind. Wie an späterer Stelle noch darauf einzu-
gehen sein wird (vgl. E. 7.2.6), hat der Beschwerdeführer in der BzP mit
wenigen Sätzen behauptet, er sei zweimal festgenommen und zu einem
Ort in der Nähe von J._ gebracht, befragt, geschlagen und wieder
freigelassen worden (vgl. act. A8, S. 8). Eine Beschreibung einer Wohnung
oder der Ablauf der Inhaftierung ist diesen Sätzen des BzP-Protokolls nicht
zu entnehmen. In der Anhörung hat er dann gar keine Inhaftierung mehr
vorgebracht, sondern auf Nachfrage ausgesagt, so etwas wie eine Mit-
nahme, Befragung und erfolgte Misshandlung sei nicht passiert (vgl.
act. A19, S. 16, F143, 144).
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7.2.4. Auch das Gericht ist der Ansicht, dass die Probleme mit der
G._ [Name Partei] nicht ganz logisch sind. Selbst wenn der Be-
schwerdeführer mit «gerufen», wie es die Rechtsvertreterin ausführt, ge-
meint haben will, dass er von den Peinigern auf der Strasse angesprochen
worden sei, erscheint es nicht überzeugend, dass er diesem gewaltsamen
Vorgehen nicht ausgewichen sein will, einfach seinen normalen Weg ge-
nommen und keine Fluchtversuche unternommen habe und sich in vier
Monaten bestimmt 15 bis 20 Mal von ihnen habe schlagen lassen (vgl. act.
A19, A. 10, F71-78). Auch bleibt unklar, ob er auch nach der Beendigung
seiner Tätigkeit Ende 2015 noch geschlagen worden sei (vgl. act. A19, S.
11, F81-87). Insgesamt erschliesst sich überdies auch der Zeitpunkt und
die Dauer der Tätigkeit für die F._ [Name Partei] nicht, da er in der
BzP als Zeitraum seiner Tätigkeit für die F._ [Name Partei] den Zeit-
raum August 2015 bis Februar 2016 angegeben hat (vgl. act. A8, S. 4), in
der Anhörung aber ausgesagt hat, er habe ab Mai, Juni 2015 angefangen
mit seiner Tätigkeit für die Partei (vgl. act. A19, S. 9, F65, F66), wobei diese
vier Monate gedauert habe (vgl. act. A19, S. 10, F77). Diese hätte diesfalls
bis spätestens Oktober 2015 gedauert. Auf der anderen Seite will er die
Tätigkeit aber bis Ende Dezember 2015 ausgeführt haben (vg. Act. A19,
S. 11, F81). Im Hinblick darauf, dass sich der Beschwerdeführer, wie es die
Rechtsvertreterin in der Beschwerde ausführt, den Mitgliedern der
G._ [Name Partei] mit ihrer bandenartigen Organisation ausgelie-
fert gefühlt habe (vgl. Beschwerde, S. 11,12), ist es auch umso weniger
überzeugend, dass er diese zahlreichen Schläge einfach hingenommen
und erst dann mit seiner Unterstützungstätigkeit für den Politiker der
F._ [Name Partei] aufgehört habe, als auch seine Mutter von ihnen
beschimpft worden sei und die Probleme wegen des Onkels hinzugekom-
men seien (vgl. act. A19, S. 11, F80 f.). Zudem bleibt auch fraglich, ob er
nach Beendigung seiner Partei-Unterstützung noch Probleme mit der
G._ [Name Partei] gehabt habe (vgl. act. A19, S. 11, F82, F87).
7.2.5. Die Beschwerdeausführungen vermögen sodann die vermeintlichen
Probleme mit dem Militär nicht glaubhaft zu machen. Es wird nicht plausibel
gemacht, wieso die Behörden dem Beschwerdeführer statt seinem Vater,
der die Freilassung des Onkels organisiert und bezahlt sowie den Onkel
bei sich aufgenommen habe, Probleme bereiten sollten. Der Vater hat aber
gemäss den Ausführungen des Beschwerdeführers wegen des Onkels kei-
nerlei Probleme mit den Behörden gehabt (vgl. act. A19, S. 7, F54 ff.). Die
Erklärung des Beschwerdeführers in der Anhörung, die Behörden würden
denken, dass er seinem Onkel geholfen habe, und ihm unterstellen, beim
Wiederaufbau der LTTE mitzuwirken, wirkt konstruiert. Auch die Erklärung,
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Seite 12
dass die Probleme nur junge Leute, nicht ältere Personen bekommen wür-
den, überzeugt nicht (vgl. act. A19, S. 14, F121 f.). Schliesslich hat er den
Behörden keinen Anlass gegeben, in Verdacht zu geraten, mit den LTTE in
Verbindung zu stehen. Insofern vermögen auch die Beschwerdeausführun-
gen nicht zu überzeugen (vgl. Beschwerde, S. 12-14).
Zudem erschliesst es sich ohnehin nicht, wieso der Beschwerdeführer erst
Anfang 2016 Probleme wegen des Onkels, der bereits im Mai 2014 aus
dem Heimatland ausgereist sei, bekommen haben sollte, zumal der Onkel
lediglich einige Monate im Jahr 2009 und erneut zwei Wochen 2014 bei
ihnen gewohnt habe. Zudem gibt der Beschwerdeführer verschiedene Zeit-
räume an, wann die Probleme mit dem Militär begonnen haben sollen, ab
Anfang 2016 (vgl. act. A19, S. 13, F107), Ende Januar/Anfang Februar
2016 (vgl. act. A19, S. 13, F107) oder März 2016 (vgl. act. A8, S. 8).
7.2.6. Als entscheidend erweist sich schliesslich, dass der Beschwerdefüh-
rer verschiedene Versionen für seine behördlichen Probleme vorgebracht
hat. So hat er in der BzP ausgesagt, er habe Probleme mit dem CID gehabt
(vgl. act. A8, S. 8). Abgesehen von den Suchen bei ihm zu Hause habe ihn
der CID auch zweimal mitgenommen, festgehalten, befragt und geschla-
gen (vgl. act. A8, S. 8). In der Anhörung hat er demgegenüber nicht Prob-
leme mit dem CID, sondern mit dem Militär (A19, S. 7, F54) vorgebracht,
wobei ein Polizist und zwei Militärpersonen bei ihm zu Hause erschienen
seien (vgl. act. A19, S. 13, F102). Von Problemen mit dem CID ist in der
Anhörung nicht die Rede, auch sei er bei den behördlichen Suchen nach
ihm nie persönlich anwesend gewesen (vgl. act. A19, S. 9, F60).
Soweit in der Beschwerde nun behauptet wird, der Beschwerdeführer habe
in der Anhörung die Probleme mit dem CID einfach nicht mehr explizit er-
wähnt, da er psychisch angeschlagen und infolge Traumatisierung in sei-
ner Aussagefähigkeit beeinträchtigt gewesen sei (vgl. Beschwerde, S. 8,
14), er sei aber zweimal vom CID verhaftet worden, bei den Suchen des
Militärs bei ihm zu Hause sei er dann nicht anwesend gewesen, kann der
Argumentation nicht gefolgt werden. Zum einen sind weder dem Protokoll
der BzP noch dem der Anhörung Hinweise darauf zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer infolge einer Traumatisierung nicht in der Lage gewesen
wäre, seine Asylvorbringen abschliessend vorzubringen. Zudem hat sich
der Beschwerdeführer in BzP und Anhörung auch als gesund bezeichnet,
abgesehen von den in der Anhörung erwähnten unfallbedingten Verletzun-
gen der (...) (A19, S. 18, F155 ff.). Die Arztberichte über die Operation der
(...) hat der Beschwerdeführer beim SEM nachgereicht. Betreffend eine
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Traumatisierung oder eine sonstige psychische Erkrankung wurde dage-
gen bis heute kein ärztliches Zeugnis vorgelegt.
Der in der Beschwerde geschilderte Sachverhalt (vgl. Beschwerde, S. 6
und 7) muss denn auch als eine Konstruktion eines gänzlich neuen Sach-
verhaltes bezeichnet werden. Zum einen ist die Schilderung in der Be-
schwerde, wonach er mehrere Tage in einer leerstehenden Wohnung fest-
gehalten worden sei, wobei die Wohnung und die erlittenen Schläge in der
Beschwerde genauer beschrieben werden (Beschwerde, S. 7), wie bereits
festgestellt (vgl. E. 7.2.3), keiner protokollierten Aussage der BzP und
schon gar nicht der Anhörung zu entnehmen. Es handelt sich um neue Vor-
bringen. In der BzP hiess es nur, er sei zweimal zu einem Ort in der Nähe
von J._ mitgenommen, festgehalten, befragt und geschlagen wor-
den (vgl. act. A8, S. 8). Eine Beschreibung der Wohnung, der Schläge oder
der Dauer des Aufenthaltes ist dem BzP-Protokoll mithin nicht zu entneh-
men (vgl. act. A, S. 8). Soweit nun in der Beschwerde behauptet wird, der
Beschwerdeführer habe nur ausgesagt, bei den Suchen nach dem Militär
nicht zu Hause gewesen zu sein (vgl. act. A19, S. 9, F60), mag das zwar
auf die gestellte Frage zutreffen. Das erklärt aber nicht, dass er die Suche
nach dem CID – selbst wenn er nicht explizit danach gefragt wurde – in der
Anhörung weggelassen hat. Gemäss der Sachverhaltsschilderung in der
Beschwerde (vgl. Beschwerde, S. 6, 7) wechseln sich Festnahmen durch
den CID und die Suchen durch das Militär zudem ab, was ebenfalls nicht
in den Protokollen zu finden ist (vgl. act. A8, S. 8, A19, S. 7, F54 ff.). Wi-
derlegt werden kann dieser neu dargestellte Sachverhalt der Beschwerde
mit der Antwort des Beschwerdeführers in der Anhörung, als er auf die in
der BzP erwähnten Festnahmen angesprochen wird: «So etwas sei nicht
passiert.» (vgl. act. A19, S.-6, F143).
7.2.7. Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer keine asylrechtlich re-
levanten, im Zeitpunkt der Ausreise aktuell bestehenden, Verfolgungs-
gründe glaubhaft machen können.
7.3 Nachdem nicht von einer aktuellen Vorverfolgung des Beschwerdefüh-
rers auszugehen ist, bleibt zu prüfen, ob er bei einer Rückkehr in seinen
Heimatstaat dennoch – aufgrund von Nachfluchtgründen – ernsthafte
Nachteile im Sinn von Art. 3 AsylG zu gewärtigen hat.
7.3.1. Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei
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Seite 14
einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Ge-
fahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Zur Be-
urteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in
Form von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risiko-
faktoren identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder
vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der "Stop List" und die
Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als
stark risikobegründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid
dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung
einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Feh-
len ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, gut
sichtbare Narben und eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen
Land schwach risikobegründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden,
die diese weitreichenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene
Gruppe tatsächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nach-
teile im Sinn von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lanki-
schen Behörden bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wieder aufle-
ben zu lassen und so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick
auf die dargelegten Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer
gefährdet, deren Namen in der am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop
List" vermerkt seien und der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung be-
ziehungsweise einen Strafregistereintrag im Zusammenhang mit einer tat-
sächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE enthalte. Entspre-
chendes gelte für sri-lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland re-
gimekritisch betätigt hätten (vgl. a.a.O. E. 8).
7.3.2. Der Beschwerdeführer hat weder die vermeintlichen Probleme mit
der G._ [Name Partei] noch diejenigen mit dem Militär glaubhaft
machen können. Er ist bis zur Ausreise im Norden wohnhaft geblieben.
Weiter ist er gemäss seinen protokollierten Angaben nie Mitglied der LTTE
gewesen (vgl. act. A4, S. 7). Er ist nicht verdächtigt, an Anschlägen der
LTTE mitgewirkt zu haben, und hat kein Rehabilitationscamp besucht.
Zwar seien neben dem bei ihnen (angeblich) beherbergten Onkel noch wei-
tere, mittlerweile im Ausland lebende Verwandte bei den LTTE gewesen,
aber deretwegen habe er nie Probleme gehabt (vgl. act. A19, S. 16, F135-
140). Überdies ist der Beschwerdeführer problemlos mit seinem eigenen
Reisepass ausgereist, nachdem er sich zuvor nach Kriegsende noch sie-
ben Jahre bis zur Ausreise im Juli 2016 im Heimatland aufgehalten hat.
Auch wurde er zu keinem Zeitpunkt einer Straftat bezichtigt. Allein aus der
tamilischen Ethnie und der mittlerweile vierjährigen Landesabwesenheit
kann keine Gefährdung abgeleitet werden. Der Beschwerde kann sodann
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Seite 15
mangels persönlichen Bezugs keine begründete Furcht vor zukünftiger
Verfolgung im Hinblick auf die erfolgte Präsidentschaftswahl von Novem-
ber 2019 und eine etwaige Verschärfung der Gefährdungssituation ent-
nommen werden (vgl. Beschwerde, S. 19, 20). Unter Würdigung aller Um-
stände ist somit anzunehmen, dass der Beschwerdeführer von der sri-lan-
kischen Regierung nicht zu jener Gruppe gezählt wird, die bestrebt ist, den
tamilischen Separatismus wieder aufleben zu lassen, und so eine Gefahr
für den sri-lankischen Einheitsstaat darstellt. Es ist nicht davon auszuge-
hen, dass ihm persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernst-
hafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden.
7.4 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abge-
lehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab, so verfügt es in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt da-
bei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2
9.2.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
D-2007/2020
Seite 16
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.2.2. Das SEM wies in seiner angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
9.2.3. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lassen
weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug als unzulässig
erscheinen (vgl. Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 f. [als Refe-
renzurteil publiziert]). Auch der Europäische Gerichtshof für Menschen-
rechte (EGMR) hat – wie vom SEM zutreffend erwähnt – wiederholt fest-
gestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Ta-
milen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoein-
schätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des
EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11,
Ziff. 37). Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür,
der Beschwerdeführer hätte bei einer Rückkehr nach Sri Lanka dort mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten, die über ei-
nen sogenannten «Backgroundcheck» (Befragung und Überprüfung von
Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden oder dass er dadurch
D-2007/2020
Seite 17
persönlich gefährdet wäre. Nach neuesten Erkenntnissen des Bundesver-
waltungsgerichts lässt auch der Vorfall rund um die Mitarbeiterin der
Schweizerischen Botschaft in Sri Lanka im vorliegenden Fall keine andere
Einschätzung zu, da kein konkreter Grund zur Annahme besteht, die allge-
meinen politischen Entwicklungen in Sri Lanka könnten sich zum heutigen
Zeitpunkt auf den Beschwerdeführer auswirken (vgl. Urteil des BVGer
D-1466/2020 vom 23. März 2020). Der Vollzug der Wegweisung ist zuläs-
sig.
9.3
9.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.2. Das SEM hat die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs bejaht.
Seine Schlussfolgerungen sind im Ergebnis nicht zu beanstanden. Der be-
waffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den LTTE ist
im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt. An dieser Einschätzung vermögen
auch die am Ostersonntag 2019 erfolgten Anschläge auf Kirchen und Lu-
xushotels nichts zu ändern (vgl. Urteil des BVGer E-868/2020 vom
25. März 2020). Auch unter Berücksichtigung des Vorfalls im Zusammen-
hang mit der Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft und der aktuellen
politischen Situation rund um Präsident Gotabaya Rajapaksa, dessen Auf-
lösung des Parlaments sowie den beabsichtigten Neuwahlen sieht das
Bundesverwaltungsgericht keine Veranlassung, den Wegweisungsvollzug
sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie als generell unzumut-
bar einzustufen (vgl. Urteil des BVGer E-1128/2020 vom 17. März 2020).
9.3.3. Gemäss Rechtsprechung ist der Vollzug von Wegweisungen in die
Nord- und Ostprovinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zu-
mutbarkeitskriterien – insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären
oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Ein-
kommens- und Wohnsituation – bejaht werden kann (vgl. Urteil des BVGer
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2). In seinem als Referenzurteil publi-
zierten Entscheid qualifizierte das Bundesverwaltungsgericht auch den
Vollzug von Wegweisungen ins "Vanni-Gebiet" als grundsätzlich zumutbar
(vgl. Urteil des BVGer D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5).
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Seite 18
Der Beschwerdeführer lebte bis vor seiner Ausreise mit seinen Eltern und
seiner Schwester im Distrikt D._ (Nordprovinz; vgl. act. A8, S. 4, 5).
Weitere Verwandte leben im Heimatland (vgl. act. A19, S. 4, F22-26). Ein
Vollzug in dieses Gebiet ist, wie erwähnt, grundsätzlich zumutbar. Der Be-
schwerdeführer steht in regelmässigem telefonischen Kontakt zu seinen
Eltern (vgl. act. A19, S. 3, F14). Seinen Angaben gemäss verdient der Va-
ter, der Eigentümer eines Hauses und Grundstücks sei, mit seiner Tätigkeit
als Büroangestellter gut für die Familie (vgl. act. A19, S. 5, F32 f.), sodass
er nicht befürchten muss, in eine existenzielle Notlage zu geraten. Zudem
leben weitere Verwandte mütterlicherseits in den [verschiedene Länder],
weshalb diese ihn notfalls sicherlich in finanzieller Hinsicht unterstützen
könnten (vgl. act. A8, S. 5). Damit verfügt er in seiner Heimat über ein Be-
ziehungsnetz, auf dessen Unterstützung er nach einer Rückkehr – sofern
notwendig – bei der Suche nach einem Arbeitsplatz und der Reintegration
zurückgreifen kann.
Der eine langjährige Schulausbildung aufweisende Beschwerdeführer, der
sich auch in der Schweiz in einem Beschäftigungs- und Sprachprogramm
durch grosses Engagement ausgezeichnet hat (vgl. Zeugnis zum Engage-
ment vom 19. Januar 2020), hat sodann eine Ausbildung als Hoch- und
Tiefbauzeichner absolviert und in dem Bereich im Praktikum und freiberuf-
lich bei der Mitwirkung an Projekten Arbeitserfahrung sammeln können und
Geld verdient (vgl. act. A19, S. 5, F23-40). Es ist daher davon auszugehen,
dass er sich – mit Unterstützung seiner Familie bei der Wiedereingliede-
rung – eine neue Existenz wird aufbauen können.
9.3.4. Der Beschwerdeführer hat mit der Beschwerde erstmals auf gesund-
heitliche Probleme hingewiesen. Zum einen macht er Schmerzen infolge
seiner Unfallverletzungen geltend. Zum Unfall und der erfolgten Operation
sowie Behandlung hat er nach Erlass der vorinstanzlichen Verfügung am
16. März 2020 (Eingangsstempel SEM) drei Spitalberichte des (...)spitals
I._, Bereich (...), eingereicht (Operationsbericht vom 8. August
2019, Austrittsbericht vom 22. August 2019 und ambulanter Bericht vom
10. Februar 2020). Diesen ist zu entnehmen, dass er bei seiner Arbeit als
(...) in der Schweiz am 3. August 2019 seine (...) unfallbedingt verletzt und
sich einen (...)bruch zugezogen hatte. Die Operation des (...)bruchs sei
am 8. August 2019 mit (...) erfolgt. Der Beschwerdeführer habe sich stati-
onär vom 3. bis 12. August 2019 in der Klinik aufgehalten. Im ambulanten
Bericht vom 19. Februar 2020 über die sechs Monate nach der Operation
erfolgte klinisch-radiologische Verlaufskontrolle heisst es in der Anamnese,
der Beschwerdeführer selber sei mit dem Verlauf sehr zufrieden und könne
D-2007/2020
Seite 19
die Physio- und Ergotherapie bald abschliessen. Manchmal habe er noch
Schmerzen am Morgen, wenn er die (...) viel eingesetzt habe. Die (...)
störten ihn nicht. Im Arztbericht wird in der Beurteilung festgehalten, dass
sich postoperativ sechs Monate später ein sehr schöner Verlauf mit exzel-
lenter Beweglichkeit zeige. Da sich der Beschwerdeführer durch das (...)
nicht gestört fühle, werde es nicht entfernt. Ansonsten könne er sich jeder-
zeit bei der Klinik melden. Es seien keine weiteren Termine vereinbart und
die Behandlung werde somit abgeschlossen. Zudem werde keine Arbeits-
unfähigkeit attestiert. Insbesondere diesem letzten Arztbericht vom 10.
Februar 2020 ist somit zu entnehmen, dass die Operation der (...) erfolg-
reich verlaufen ist und der Beschwerdeführer mittlerweile bis auf leichte
Schmerzen keine weiteren Beeinträchtigungen zu erleiden hat. In der spä-
ter stattgefundenen Anhörung zu den Asylgründen vom 2. März 2020, die
mithin nach der Verlaufskontrolle vom 10. Februar 2020 stattfand, hat er
zwar erwähnt, die (...) würden operativ entfernt. Allerdings sei eine Opera-
tion bisher noch nicht geplant. Er habe einen baldigen Therapietermin zur
Besprechung des weiteren Vorgehens (vgl. act. A19, S. 18, F156-158). Da
er keinen weiteren Arztbericht eingereicht hat, ist von dem letzten Stand
des medizinischen Berichtes vom 10. Februar 2020 auszugehen, wonach
die Behandlung an sich abgeschlossen sei und der Verlauf positiv beurteilt
werde (siehe oben). Ausgehend von den oben aufgeführten Arztberichten
ergibt sich neben der bald abgeschlossenen Physio- und Ergotherapie an-
scheinend kein (...) Handlungsbedarf. Physische Gesundheitsgründe ste-
hen dem Wegweisungsvollzug mithin nicht entgegen.
Soweit in der Beschwerde neben den unfallbedingen Verletzungen erst-
mals psychische Probleme geltend gemacht werden, ist festzuhalten, dass
diese nicht mittels ärztlicher Berichte belegt werden. Überdies finden sich
auch in den Protokollen keinerlei Anhaltspunkte für eine psychische Er-
krankung oder Traumatisierung. In der BzP hat der Beschwerdeführer auf
Nachfrage ausgesagt, er sei gesund (vgl. act. A8, S. 9). Auch in der Anhö-
rung hat er keine psychischen Probleme vorgebracht, sondern ausgesagt,
neben den Asylgründen keine weiteren Probleme zu haben. Anschliessend
erwähnte er seine Unfallverletzung der (...) (vgl. act. A19, S. 18, FN155).
Die psychischen Probleme des Beschwerdeführers, der sich im Übrigen
gemäss dem eingereichten Zeugnis vom 19. Januar 2020 seit dem 9. Mai
2018 regelmässig und motiviert in einem Beschäftigungs- und Sprachpro-
gramm engagiert, bleiben somit unbelegt und wirken nachgeschoben.
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Seite 20
Sodann wäre grundsätzlich davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh-
rer, sollten sich allfällige psychische Probleme verstärken oder behand-
lungsbedürftig werden, diese in seinem Heimatstaat behandeln lassen
könnte. Generell hat Sri Lanka in der medizinischen Versorgung grosse
Fortschritte gemacht und weist neben 23 Spitälern mit psychiatrischen Ab-
teilungen zur stationären Betreuung auch zahlreiche Einrichtungen für die
ambulante Behandlung von psychisch kranken Patienten auf (vgl. Urteil
des BVGer E-7137/2018 vom 23. Januar 2019 E. 12.3 m.w.H.). Praxisge-
mäss ist bei einer Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Prob-
lemen ohnehin nur dann von einer medizinisch bedingten Unzumutbarkeit
auszugehen, wenn die ungenügende Möglichkeit einer Weiterbehandlung
eine drastische und lebensbedrohliche Verschlechterung des Gesund-
heitszustands nach sich zöge (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3). Diese Schwelle
ist vorliegend klar nicht erreicht.
9.3.5. Der Vollzug der Wegweisung ist sowohl in genereller als auch in in-
dividueller Hinsicht nicht als unzumutbar einzuschätzen.
9.4 Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung
des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu
beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG; dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), wes-
halb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist
(Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvoll-
zug nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt vo-
raus, dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, son-
dern voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf
Monate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären
Hindernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e). Bei der Corona-Pandemie handelt es
sich – wenn überhaupt – um ein bloss temporäres Vollzugshindernis, wel-
chem somit im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Be-
hörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der
Situation im Heimatland angepasst wird.
9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-7137/2018 http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/50
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Seite 21
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit auf
diese einzutreten ist (vgl. E. 4).
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Dieser hat jedoch um die Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung ersucht und seine Bedürftigkeit
belegt. Den vorstehenden Erwägungen ist zu entnehmen, dass die Be-
schwerde ausserdem nicht aussichtslos war. Das Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist
somit gutzuheissen und es sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
11.2 Gleichzeitig ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der amt-
lichen Rechtsverbeiständung. Da das Bundesverwaltungsgericht auf An-
trag einer asylsuchenden Person, die von der Bezahlung der Verfahrens-
kosten befreit wurde, grundsätzlich eine amtliche Rechtsbeiständin oder
einen amtlichen Rechtsbeistand bestellt (aArt. 110a Abs. 1 AsylG), ist das
Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung gutzuheissen und dem
Beschwerdeführer antragsgemäss die im Rubrum bezeichnete Rechtsver-
treterin MLaw Cora Dubach zur amtlichen Verbeiständung zu bestellen, zu-
mal deren Zulassungsvoraussetzungen nach aArt. 110a Abs. 3 AsylG er-
füllt sind. Ihr ist somit ein amtliches Honorar auszurichten.
11.3 Das Bundesverwaltungsgericht geht bei amtlicher Vertretung im Asyl-
bereich in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.–
für Anwältinnen und Anwälte und Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltli-
che Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m Art. 10 Abs. 2
VGKE). Es wird nur der notwendige Aufwand entschädigt. Die Rechtsver-
treterin reichte mit der Beschwerdeeingabe vom 14. April 2020 eine Hono-
rarnote ein. Darin wurde der Aufwand insgesamt mit Fr. 2'639. – (beste-
hend aus dem Aufwand der Rechtsvertretung, Dolmetscherkosten und
Auslagen) beziffert, wobei von einem den oben aufgeführten Faktoren ent-
sprechendem Stundenansatz von Fr. 150. – ausgegangen und ein Vertre-
tungsaufwand von insgesamt 16,5 Stunden geltend gemacht wurde. Mit
Blick auf Umfang und Komplexität des vorliegenden Falles erweist sich der
zeitliche Aufwand als überhöht. Der Stundenaufwand ist entsprechend auf
acht Stunden zu kürzen. Die Kosten für die Übersetzung (zwei Stunden à
D-2007/2020
Seite 22
Fr. 80.–) sowie Auslagen (Fr. 4.–) sind zu ersetzen. Das amtliche Honorar
beträgt somit insgesamt Fr. 1'364.– und geht zulasten der Gerichtskasse
des Bundesverwaltungsgerichts. Das Honorar umfasst keinen Mehrwert-
steuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE.
(Dispositiv nächste Seite)
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