Decision ID: d1799a70-99f0-4225-b1a6-43f1113bf71d
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg erhob am 10. August 2020
Anklage gegen den Beschuldigten wegen mehrfacher sexueller
Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB, mehrfacher
Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 1 StGB, mehrfacher Pornografie
gemäss Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB und Verabreichen von gesundheits-
gefährdender Stoffe an Kinder gemäss Art. 136 StGB.
Der Sachverhalt gemäss Anklage lautet wie folgt:
[...]
I. Zur Last gelegte strafbare Handlungen (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO)
[...]
1. Mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern, Art. 187 Ziff. 1 StGB
Der Beschuldigte hat im Zeitraum vom 1. Dezember 2018 bis 30. November 2019 mit dem damals unter 16-jährigen Privatkläger A., geb. tt.mm.2004, zu nicht näher bekannten Zeiten mehrfach, mindestens zehnmal, in Q. am Wohnort des Privatklägers und in R. am Wohnort des Beschuldigten sexuelle Handlungen in Form von Anal- und Oralverkehr vollzogen. Beim Analverkehr war der Beschuldigte stets aktiv und der Privatkläger passiv, d.h. der Beschuldigte führte seinen Penis jeweils in den Anus des Privatklägers ein. Der Oralverkehr erfolgte beidseitig.
Der Beschuldigte wusste dabei oder nahm zumindest billigend in Kauf, dass der Privatkläger im vorgenannten Zeitraum noch nicht 16 Jahre alt war.
Zeit: 1. Dezember 2018 bis 30. November 2019, nicht näher bekannte Zeiten Ort: Q. und R.
2. Mehrfaches Überlassen von Pornografie, Art. 197 Abs. 1 StGB
Der Beschuldigte hat im Zeitraum vom 1. Dezember 2018 bis 30. November 2019 dem damals unter 16-jährigen Privatkläger A., geb. tt.mm.2004, zu nicht näher bekannten Zeiten mehrfach, mindestens zweimal, von einem unbekannten Ort eine Bildaufnahme seines Penis über die App GRINDR gesendet. Der Kontakt über die App GRINDR zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger bestand hauptsächlich aus sexuellem Interesse. Die Übermittlung der Penisbilder an den Privatkläger sollten der sexuellen Erregung des Privatklägers dienen.
Der Beschuldigte wusste dabei oder nahm zumindest billigend in Kauf, dass der Privatkläger im vorgenannten Zeitraum noch nicht 16 Jahre alt war.
Zeit: 1. Dezember 2018 bis 30. November 2019, nicht näher bekannte Zeiten Ort: unbekannt
3. Mehrfacher Konsum und Besitz zum Eigenkonsum von harter Pornografie,
Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB
- 3 -
Der Beschuldigte hat im Zeitraum vom 1. Dezember 2018 bis 30. November 2019 vom damals unter 16-jährigen Privatkläger A., geb. tt.mm.2004, zu nicht näher bekannten Zeiten mehrfach, mindestens zweimal, eine Bildaufnahme des Penis des Privatklägers erhalten und konsumiert. Der Beschuldigte hat diese Bildaufnahmen auf seiner App GRINDR zumindest zwischenzeitlich gespeichert und hat diese somit auf einem unbekannten Gerät an unbekanntem Ort zum Eigenkonsum zumindest zwischenzeitlich besessen. Der Kontakt über die App GRINDR zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger bestand hauptsächlich aus sexuellem Interesse. Die Übermittlung der Penisbilder an den Beschuldigten sollten der sexuellen Erregung des Beschuldigten dienen.
Der Beschuldigte wusste dabei oder nahm zumindest billigend in Kauf, dass der Privatkläger im vorgenannten Zeitraum minderjährig war.
Zeit: 1. Dezember 2018 bis 30. November 2019, nicht näher bekannte Zeiten Ort: unbekannt
4. Verabreichen gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder, Art. 136 StGB
Der Beschuldigte hat dem damals unter 16-jährigen Privatkläger A., geb. tt.mm.2004, mindestens einmal am tt.mm.2019 in Q. eine unbekannte Menge Alkohol und Zigaretten zum Konsum zur Verfügung gestellt.
Der Beschuldigte wusste dabei oder nahm zumindest billigend in Kauf, dass der Privatkläger im vorgenannten Zeitraum noch nicht 16 Jahre alt war.
Zeit: tt.mm.2019 Ort: Q.
2.
Die Präsidentin des Bezirksgerichts Rheinfelden, handelnd als
ausserordentliche Vertretung des Bezirksgerichts Laufenburg, fällte am
27. September 2021 folgendes Urteil:
1. Der Beschuldigte wird von den Vorwürfen - des mehrfachen Überlassens von Pornografie an eine Person unter 16 Jahren gemäss
Art. 197 Abs. 1 StGB - des mehrfachen Konsums und Besitzes zum Eigenkonsum von harter Pornografie
(tatsächliche sexuelle Handlungen mit Minderjährigen) gemäss Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB
von Schuld und Strafe freigesprochen.
2. Der Beschuldigte ist schuldig - der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB - des Verabreichens gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder gemäss Art. 136 StGB.
3. Gemäss Art. 52 StGB wird von Strafe Umgang genommen.
4. Auf den Widerruf des mit Urteil der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 18. Januar 2018 für 55 Tagessätze Geldstrafe zu einem Tagessatz von je Fr. 150.– gewährte bedingte Vollzug, wird gestützt auf Art. 46 Abs. 2 StGB verzichtet.
- 4 -
5. Auf die Anordnung, dem Beschuldigten gegenüber ein Tätigkeitsverbot im Sinne von Art. 67 Abs. 3 lit. b und d StGB auszusprechen, wird gemäss Art. 67 Abs. 4bis verzichtet.
6. 6.1. Die Kostennote der Vertreterin des Zivil- und Strafklägers [A.], Renate Senn, Rechtsanwältin, wird in der Höhe von Fr. 2'039.55 (inkl. Fr. 145.80 MwSt.) gerichtlich genehmigt.
6.2. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger [A.], einen Parteikostenersatz von Fr. 2'039.55 zu bezahlen.
7. Über das beschlagnahmte Mobiltelefon wird zu einem späteren Zeitpunkt befunden.
8. Die Verfahrenskosten bestehen aus: a) der Gebühr von Fr. 1'800.00 b) Anklagegebühr Fr. 1'000.00 c) den Kosten für die unentgeltl. Verbeiständung von Fr. 0.00 d) den Kosten für Übersetzungen von Fr. 0.00 e) den Kosten für Gutachten von Fr. 0.00 f) den Kosten der Mitwirkung anderer Behörden von Fr. 0.00 g) den Spesen von Fr. 72.00 h) andere Auslagen Fr. 0.00 Total Fr. 2'872.00
Dem Beschuldigten werden die Gebühren sowie die Kosten gemäss lit. g im Gesamtbetrag von Fr. 2'872.00 auferlegt.
9. Der Beschuldigte trägt seine Kosten selber.
3.
3.1.
Mit Berufungserklärung vom 21. Februar 2022 beantragte die
Staatsanwaltschaft, der Beschuldigte sei zusätzlich zu den mehrfachen
sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB und
dem Verabreichen gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder gemäss
Art. 136 StGB auch der mehrfachen Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 1
StGB sowie der mehrfachen Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 5 Satz 2
StGB schuldig zu sprechen. Der dem Beschuldigten mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 18. Januar 2018 gewährte
bedingte Strafvollzug sei zu widerrufen. Der Beschuldigte sei insgesamt zu
einer bedingten Freiheitsstrafe von 10 Monaten, Probezeit 4 Jahre, einer
Busse von Fr. 1'500.00 sowie einer Gesamtgeldstrafe (inkl. Widerrufs-
strafe) von 150 Tagessätzen à 130.00, d.h. Fr. 19'500.00, zu verurteilen.
Als Massnahme sei ein lebenslängliches Berufs- und Tätigkeitsverbot
anzuordnen.
- 5 -
3.2.
Die Staatsanwaltschaft reichte am 28. Februar 2022 vorgängig zur
Berufungsverhandlung eine schriftliche Berufungsbegründung ein.
3.3.
Mit vorgängiger Berufungsantwort und Anschlussberufungserklärung vom
17. März 2022 beantragte der Beschuldigte, die Berufung der Staats-
anwaltschaft sei abzuweisen. Zudem sei er vom Vorwurf der mehrfachen
sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB sowie
des Verabreichens gesundheitsgefährdender Stoffe an ein Kind gemäss
Art. 136 StGB freizusprechen. Auf ein Berufs- und Tätigkeitsverbot sowie
den Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft
vom 18. Januar 2018 bedingt ausgesprochenen Geldstrafe sei zu
verzichten und es sei ihm eine Entschädigung zuzusprechen. Der Antrag
auf Herausgabe des Mobiltelefons des Beschuldigten wurde anlässlich der
Berufungsverhandlung zurückgezogen.
3.4.
Die Berufungsverhandlung mit Einvernahme des Beschuldigten sowie von
A. als Auskunftsperson fand am 16. September 2022 statt.

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Berufung einen vollumfänglichen
Schuldspruch gemäss Anklage. Der Beschuldigte hingegen beantragt
einen vollumfänglichen Freispruch. Damit ist das vorinstanzliche Urteil
vollumfänglich zu überprüfen.
2.
2.1.
Hinsichtlich der Vorwürfe der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem
Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB sowie dem Verabreichen von gesund-
heitsgefährdenden Stoffen an ein Kind gemäss Art. 136 StGB ergibt sich
Folgendes:
2.2.
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der mehrfachen sexuellen
Handlungen mit einem Kind sowie dem Verabreichen gesundheits-
gefährdender Stoffe an ein Kind schuldig gesprochen. Der Beschuldigte
habe im Zeitraum vom 1. Dezember 2018 bis 30. November 2019 die
angeklagten sexuellen Kontakte im Sinne von Oral- und Analverkehr zu
sowie das Verabreichen von Alkohol und Zigaretten am tt.mm.2019 an den
damals unter 16-jährigen A. eingestanden, womit die objektiven
Tatbestände erfüllt seien. Er habe eventualvorsätzlich gehandelt, indem er
- 6 -
in Kauf genommen habe, dass A. unter 16 Jahre alt gewesen sei, trotz
gegenteiliger Hinweise. Hinweise, die darauf hingedeutet haben könnten,
dass A. über 16 Jahre alt sei, hätten den Beschuldigten nicht von seiner
Pflicht befreit, sich zu vergewissern, dass sein Gegenüber tatsächlich 16
Jahre alt sei (vorinstanzliches Urteil E. 6.4 und E. 7.3).
Der Beschuldigte bringt dagegen vor, er habe bezüglich beider Tatvorwürfe
weder vorsätzlich noch eventualvorsätzlich gehandelt. A. habe ihn auf der
App «Grindr» angeschrieben, deren Nutzung die Volljährigkeit erfordere. A.
habe vom Aussehen her deutlich älter gewirkt, ihm einen Ausweis gezeigt,
auf dem er über 16 Jahre alt gewesen sei, ihm sein Alter bewusst
verheimlicht, ihm gesagt, er gehe auf die Kunstschule und würde alleine in
einer Wohnung leben. Er habe folglich nicht gewusst und auch nicht wissen
können, dass A. noch nicht 16 Jahre alt war. Somit habe er die
Tatbegehung auch nicht wollen oder in Kauf nehmen können (GA
act. 35 ff.; Protokoll der Berufungsverhandlung, Anschlussberufungs-
begründung, S. 3 ff.).
2.3.
Gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB macht sich der sexuellen Handlungen mit
Kindern schuldig, wer mit einem Kind unter 16 Jahren eine sexuelle
Handlung vornimmt, es zu einer solchen Handlung verleitet oder es in eine
sexuelle Handlung einbezieht. In subjektiver Hinsicht ist mindestens
Eventualvorsatz erforderlich (Urteil des Bundesgerichts 6B_506/2019 vom
27. August 2019 E. 2.2 mit Hinweis), d.h. der Täter muss mit dem Wissen
handeln, mindestens möglicherweise ein Kind unter 16 Jahren vor sich zu
haben.
Gemäss Art. 136 StGB macht sich dem Verabreichen gesundheits-
gefährdender Stoffe an Kinder schuldig, wer einem Kind unter 16 Jahren
alkoholische Getränke oder andere Stoffe in einer Menge, welche die
Gesundheit gefährden kann, verabreicht oder zum Konsum zur Verfügung
stellt. In subjektiver Hinsicht ist ebenfalls mindestens Eventualvorsatz
erforderlich.
Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen
und Willen ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der
Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB; zum
Eventualvorsatz: BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; zum Nachweis des Vorsatzes
insbesondere des Eventualvorsatzes: Urteil des Bundesgerichts
6B_675/2018 vom 26. Oktober 2018 E. 2.3.2 mit Hinweisen).
2.4.
In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt sowie unbestritten, dass mindestens
zehn sexuelle Kontakte in Form von Oral- und Analsex zwischen dem
Beschuldigten und dem damals unter 16-jährigen A. stattgefunden haben
- 7 -
und folglich der objektive Tatbestand von Art. 187 Ziff. 1 StGB erfüllt ist (UA
act. 116; GA act. 33 f.; vorinstanzliches Urteil E. 6.4; vgl. Protokoll der
Berufungsverhandlung, Anschlussberufungsbegründung, S. 9). Ebenso
unbestritten geblieben ist, dass der Beschuldigte A. Bier, Vodka und
Zigaretten zum Konsum zur Verfügung gestellt hat, in einer Menge, welche
die Gesundheit gefährden kann und folglich den objektiven Tatbestand von
Art. 136 StGB erfüllt (UA act. 120 und 107 f.; GA act. 25; vorinstanzliches
Urteil E. 7.2; Protokoll der Berufungsverhandlung, Anschlussberufungs-
begründung, S. 6). Umstritten ist, ob der Beschuldigte im Wissen darum
gehandelt hat, dass A. im damaligen Zeitpunkt mindestens möglicherweise
noch nicht 16 Jahre alt war (GA act. 33; Protokoll der Berufungs-
verhandlung, Anschlussberufungsbegründung, S. 3 ff.).
2.5.
Das Vorbringen des Verteidigers des Beschuldigten, der Beschuldigte habe
nicht gewusst und auch nicht wissen können, dass A. noch nicht 16 Jahre
alt war, vermag nicht zu überzeugen. Aufgrund der äusseren Umstände
muss es der Beschuldigte mindestens für möglich gehalten haben, dass A.
unter 16 Jahre alt war. Der Beschuldigte selbst liess sich in der Berufungs-
verhandlung nicht vernehmen. A. sah selbst am 9. April 2019 mit knapp
15 Jahren und damit mehrere Monate nach dem ersten Treffen mit dem
Beschuldigten noch deutlich jünger aus als 16-jährig. Davon konnte sich
das Obergericht ein eigenes Bild machen anhand seiner in diesem
Zeitpunkt auf Video aufgezeichneten Einvernahme im Rahmen eines
anderen Strafverfahrens (UA act. 72). Er hatte dazumal gemäss eigenen
Angaben denn auch noch keinen Bartwuchs (vgl. Protokoll der
Berufungsverhandlung, S. 8). Dass A. hingegen sein damaliges Auftreten
als älter wirkend einschätzte, ändert nichts daran (vgl. Protokoll der
Berufungsverhandlung, S. 8). Auch die Anfrage von A., ob der Beschuldigte
ihm Vodka, Bier und Zigaretten – z.T. bereits ab 16 Jahren erhältlich –
mitbringen könnte (UA act. 107 und 120; GA act. 25), will beim Beschul-
digten keine Zweifel geweckt haben, dass A. jünger als 16 Jahre sein
könnte. Es erscheint jedoch lebensfremd, dass sich der Beschuldigte in
dieser Konstellation keine Gedanken über das Alter des Gegenübers
gemacht haben will. Das gilt umso mehr, als dass der Beschuldigte, der
u.a. die Bar «D.» in C. betreibt, um die Bedeutung der Altersgrenze bzw.
Alterskontrollen wusste. Die Annahme, dass A. jünger als 16 Jahre sein
könnte, hat sich vorliegend geradezu aufgedrängt. Bemerkenswert ist in
diesem Zusammenhang denn auch, dass der Beschuldigte bei seinen
Sexualpartnern nie nach einem Ausweis habe fragen müssen, weil diese
jeweils «Autofahren, Motorradfahren usw.» konnten (GA act. 25). Dass
dies bei A. eben gerade nicht der Fall war und es der Beschuldigte trotz
seiner eigens aufgestellten Kriterien zur Alterskontrolle unterliess, dem
nachzugehen, unterstreicht den Eindruck, er habe sich mit dem Alter seines
Gegenübers gar nicht auseinandersetzen wollen. Damit steht aber auch
fest, dass er im Wissen gehandelt haben muss, mindestens
- 8 -
möglicherweise ein Kind unter 16 Jahren vor sich zu haben. Zudem hat der
Beschuldigte A. in die Nähe der Oberstufenschule in Q. gefahren. Dass der
Beschuldigte davon ausgegangen sei, A. gehe dort auf eine Kunstschule
(UA act. 116; GA act. 24), wo die Schüler regelmässig älter als 16 Jahre alt
sind, ist als Schutzbehauptung zu werten, zumal der Beschuldigte selbst
aussagte, A. habe ihm mitgeteilt, dass er die Absicht hätte, eine
Kunstschule zu besuchen (UA act. 116). Daran ändert auch nichts, dass
der Beschuldigte A. lediglich an der Bushaltestelle vor der Schule abgesetzt
haben soll und diese durch Büsche verdeckt worden sei (Protokoll der
Berufungsverhandlung, S. 7). Ebenso erscheint fraglich, ob die Wohnung,
in der sich A. und der Beschuldigte teilweise zum Sex trafen, tatsächlich
keine offensichtlichen Hinweise enthielt – bzw. A. diese jeweils alle
versteckt habe (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 10) –, dass dort
neben A. auch seine Mutter wohnte, selbst wenn der Beschuldigte aufgrund
der Ferienabwesenheit der Mutter nie das Gefühl verspürt haben will, sich
verstecken zu müssen (UA act. 109 und 118; GA act. 24 f.). A. sagte denn
auch aus, das erste Treffen durch den Hinweis «alleine zuhause» zu sein,
initiiert zu haben, was dem Beschuldigte hätte aufzeigen müssen, dass A.
normalerweise nicht alleine dort wohnte (Protokoll der Berufungs-
verhandlung, S. 9 f.). Schliesslich fügt sich auch die ausbleibende
überraschte Reaktion des Beschuldigten, als A. ihn – ein paar Tage vor der
ersten polizeilichen Einvernahme in diesem Fall und somit mehrere Monate
nach dem ersten sexuellen Kontakt – fragte, ob er die Bar des
Beschuldigten für seinen 16. Geburtstag mieten dürfe, in das gewonnene
Bild ein (UA act. 107 und 112). Die Aussage des Beschuldigten, dass A.
nicht erwähnt haben soll, welchen Geburtstag er feiern möchte, ist als
Schutzbehauptung des Beschuldigten zu qualifizieren (UA act. 120), zumal
es für den Inhaber einer Bar regelmässig von grossem Interesse sein
dürfte, wie alt die Besucher seines Lokals sind, nicht zuletzt aufgrund der
geltenden Jugendschutzbestimmungen im Bereich Alkohol- und
Tabakverkauf. Ebenso als Schutzbehauptung zu qualifizieren ist die
Aussage des Beschuldigten, wonach A. ihm vor einem Grenzübertritt nach
Deutschland einen falschen Ausweis gezeigt haben soll, auf welchem
dieser 17 oder 18 Jahre alt gewesen sei (UA act. 116 und 120 f.; GA
act. 24: Auf dem Ausweis sei der Jahrgang 2000 gestanden; Protokoll der
Berufungsverhandlung S. 10 f.). A. hat dies bei seiner Einvernahme vom
3. März 2020 auf Rückfrage hin, was sie über sein Alter beredet hätten,
nicht erwähnt. Vielmehr sagte er gegenteilig aus, dass der Beschuldigte ihn
nicht nach der ID gefragt habe (UA act. 107). Erst anlässlich der
erstinstanzlichen Hauptverhandlung, zu der er gemeinsam mit dem
Beschuldigten erschienen ist (GA act. 21), änderte er seine frühere
Aussage komplett ab: Ein Kollege mit Jahrgang 2002 habe seinen Ausweis
bei einer Party vergessen und er habe ihn sogleich an sich genommen und
dem Beschuldigten bei ihrem ersten Treffen – ca. Ende 2018 – gezeigt (GA
act. 20 f.; vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 10 f.). An der
- 9 -
Berufungsverhandlung ergänzte er diese Aussage in nicht nachvoll-
ziehbarer Weise dahingehend, dass er alles auf dem Ausweis abgedeckt
habe und dem Beschuldigten lediglich das Geburtsdatum gezeigt habe, als
es darum gegangen sei, nachzuschauen, ob sie ihre Ausweise dabeihätten
(Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 11). Auf die in diesem Punkt
widersprüchlichen, nicht nachvollziehbaren und damit nicht glaubhaften
Aussagen von A. kann nicht abgestellt werden. Daran würde auch eine
Einvernahme von A. als Zeuge nichts ändern. A. hatte sich denn auch
zumindest im erstinstanzlichen Verfahren als Privatkläger beteiligt und ist
entsprechend als Auskunftsperson einzuvernehmen. Der diesbezügliche
Beweisantrag des Beschuldigten ist abzuweisen (Protokoll der Berufungs-
verhandlung, S. 2).
Zusammengefasst steht für das Obergericht zweifelsfrei fest, dass der
Beschuldigte die sexuellen Handlungen und die Abgabe von Alkohol und
Zigaretten im Wissen darum vorgenommen hat, dass A. zum Tatzeitpunkt
mindestens möglicherweise noch keine 16 Jahre alt war. Somit erweist sich
die Anschlussberufung des Beschuldigten in diesem Punkt als
unbegründet. Er ist der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind
gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB sowie dem Verabreichen gesundheits-
gefährdender Stoffe an ein Kind gemäss Art. 136 StGB schuldig zu
sprechen.
3.
3.1.
Hinsichtlich der Vorwürfe der mehrfachen Pornografie gemäss Art. 197
Abs. 1 StGB und Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB ergibt sich Folgendes:
3.2.
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten vom Vorwurf der mehrfachen
Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 1 StGB und Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB
freigesprochen. Sie erwog, dass keine ausgetauschten Bilder in den Akten
vorhanden seien, weshalb nicht beurteilt werden könne, ob diese die
angeklagten Tatbestände erfüllen würden (vorinstanzliches Urteil E. 5.5).
Die Staatsanwaltschaft bringt dagegen vor, es sei aufgrund der Aussagen
von A. sowie des Beschuldigten erstellt, dass beide sich gegenseitig
mindestens zwei Mal im Zeitraum vom 1. Dezember 2018 bis
30. November 2019 intime Bilder mit Betonung des Genitalbereichs zur
sexuellen Aufreizung überlassen bzw. konsumiert und zum Eigenkonsum
besessen haben. Die versandten Bilder würden die vorgeworfenen
Tatbestände erfüllen (Berufungsbegründung Ziff. II/B/1 S. 3).
3.3.
Gemäss Art. 197 Abs. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren
oder Geldstrafe bestraft, wer u.a. pornografische Bildaufnahmen einer
- 10 -
Person unter 16 Jahren anbietet, zeigt, überlässt oder zugänglich macht.
Gemäss Art. 197 Abs. 5 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren
oder Geldstrafe bestraft, wer Gegenstände oder Vorführungen im Sinne
von Abs. 1, die tatsächliche sexuelle Handlungen mit Minderjährigen zum
Inhalt haben, konsumiert oder zum eigenen Konsum herstellt, einführt,
lagert, erwirbt, sich über elektronische Mittel oder sonst wie beschafft oder
besitzt.
Der Begriff der Pornografie setzt zum einen voraus, dass die Darstellungen
oder Darbietungen objektiv betrachtet darauf ausgelegt sind, den
Konsumenten sexuell aufzureizen. Zum anderen ist erforderlich, dass die
Sexualität so stark aus ihren menschlichen und emotionalen Bezügen
herausgetrennt wird, dass die jeweilige Person als ein blosses
Sexualobjekt erscheint, über das nach Belieben verfügt werden kann. Das
sexuelle Verhalten wird dadurch vergröbert und aufdringlich in den
Vordergrund gerückt. Entscheidend ist der Gesamteindruck (Urteil des
Bundesgerichts 6B_954/2019 vom 20. Mai 2020 E. 1.3.2; vgl. BGE 144 II
233 E. 8.2.3 mit Hinweisen).
3.4.
In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass der
Beschuldigte und der damals unter 16-jährige A. sich über die Plattform
«Grindr» kennengelernt und sich später auch über WhatsApp ausgetauscht
haben (UA act. 38 ff., 105, 108 und 119; GA act. 25; vgl. Protokoll der
Berufungsverhandlung, Anschlussberufungsbegründung, S. 5). Umstritten
ist, ob dabei auch Bildmaterialien mit pornografischem Inhalt ausgetauscht
worden sind und der Beschuldigte pornografische Bildmaterialien von A.
konsumiert und/oder zum Eigenkonsum besessen hat (GA act. 38 ff.;
Protokoll der Berufungsverhandlung, Berufungsantwort, S. 1 ff.).
3.5.
A. führte anlässlich seiner Einvernahmen durch die Polizei vom 3. März
2020 schlüssig und nachvollziehbar aus, dass er und der Beschuldigte sich
gegenseitig Fotos ihrer Penisse zugesandt haben. Er habe die Dateien auf
seinem Handy belassen und gehe davon aus, dass der Beschuldigte dies
ebenfalls getan habe (UA act. 110 f.). Nachdem er zu den Vorwürfen der
Pornografie an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung nicht befragt wurde,
bestätigte er seine Aussagen anlässlich der Berufungsverhandlung, wobei
er jedoch zunächst verneinte, Penisbilder erhalten zu haben und selbst
lediglich Fotos von seinem freien Oberkörper versandt haben will, wo man
seine Schambehaarung gesehen habe (Protokoll der Berufungs-
verhandlung, S. 12 f.). Auf Rückfrage hin gab er an, Ganzkörperbilder
versandt zu haben, auf denen man einen halberigierten Penis gesehen
habe. Schliesslich ergänzte er, er sei damals sehr schlimm gewesen und
habe vielen Typen Bilder gesandt. Dem Beschuldigten habe er sicherlich
15 – 20 Bilder allenfalls mit sensiblen Inhalten gesandt. Es seien aber nicht
- 11 -
einfach konkret 20 Schwanzbilder gewesen. Der Beschuldigte habe ihm im
Gegenzug nur ca. neun Schwanzbilder oder Bilder mit Unterhosen auf
denen sich eine Beule bilde geschickt (Protokoll der Berufungs-
verhandlung, S. 13). Der Beschuldigte bestätigte in der polizeilichen
Einvernahme vom 3. März 2020 zwei oder drei Mal Fotos mit Intimitäten
ausgetauscht zu haben, vermutlich über Grindr oder WhatsApp. Es seien
meist Aufforderungen zu einem Treffen gewesen. Die Fotos seien
vermutlich auf Grindr gespeichert worden. Er habe seine Fotos als Antwort
auf die Fotos von A. versandt (UA act. 119). Obwohl auch ihm an der
erstinstanzlichen Hauptverhandlung keine expliziten Fragen bezüglich der
Vorwürfe der Pornografie gestellt wurden, äusserte er sich dazu und
relativierte seine bisherige Aussage: Ihm sei nicht klar, was sie sich
zugeschickt hätten. Die Bilder auf seinem Handy würden denn auch
verschwinden, wenn er sie nicht herunterlade (GA act. 25). An der
Berufungsverhandlung liess er sich nicht vernehmen.
Entgegen der Vorinstanz ist aufgrund der schlüssigen und ein in sich
stimmiges Bild erzeugenden Aussagen von A. und den schlüssigen
Aussagen des Beschuldigten bei der Polizei erstellt, dass sich der
Beschuldigte und A. gegenseitig Fotos mit pornografischem Inhalt
zugesandt haben. Der Beschuldigte gab ausdrücklich an, die Fotos seien
meist Aufforderungen zu einem Treffen gewesen (UA act. 119), wobei der
Inhalt dieser Treffen unbestrittenermassen sexueller Natur war (UA
act. 108 und 117). A. ging in der Berufungsverhandlung denn auch davon
aus, mit solchen Bildern die «Typen auf Trab» gehalten zu haben (Protokoll
der Berufungsverhandlung, S. 13). Fotos mit Betonung des Genital-
bereichs auf denen insbesondere die Penisse des Beschuldigten bzw. A.s
abgebildet sind, die als Aufforderung zu einem sexuellen Treffen zu
verstehen sind oder einen «auf Trab halten», lassen keine Zweifel daran,
dass sie den Zweck verfolgten, A. bzw. den Beschuldigten sexuell
aufzureizen und die abgebildete Person als Sexualobjekt erscheinen
lassen – unabhängig davon, ob dem Gericht die Bildaufnahmen vorliegen
oder nicht. Der pornografische Inhalt der Fotos ist folglich erstellt. Insoweit
der Beschuldigte vorbringt, es liege eine Verletzung des Anklageprinzips
vor, da der Vorwurf der Einordnung der Fotos als pornografisch ohne deren
Vorliegen nicht genügend konkret sei (Protokoll der Berufungsverhandlung,
Berufungsantwort, S. 3), verkennt er, dass die Anklageschrift konkret von
Bildaufnahmen der Penisse des Beschuldigten bzw. A. ausgeht und die
Anklageschrift somit alle diesbezüglich relevanten und notwendigen
Informationen beinhaltet (Anklageschrift Ziff. I/2 und 3). Der Beschuldigte
hat seine Verteidigungsrechte angemessen ausüben können und dabei
gewusst, welche Vorwürfe gegen ihn erhoben wurden.
Indem der Beschuldigte A. mindestens zwei Mal Fotos mit pornografischem
Inhalt vorsätzlich überliess, obwohl er wusste oder mindestens in Kauf
nahm, dass dieser unter 16 Jahre alt ist (vgl. oben), hat er sich der
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mehrfachen Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.
Ebenso konsumierte der Beschuldigte vorsätzlich mindestens zwei Mal
Fotos mit pornografischen Inhalt, die A. und folglich eine minderjährige
Person zeigten – was der Beschuldigte wusste oder mindestens in Kauf
nahm (vgl. oben) – in strafbarer Weise, indem er die Fotos mit dem Penis
von A. zur sexuellen Erregung bewusst anschaute (vgl. ISENRING/KESSLER,
in: Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, N. 52m zu Art. 197 StGB), was
insbesondere durch die Antwort des Beschuldigten im Sinne vom Versand
eigener Fotos bestätigt wird. Dem Vorbringen des Beschuldigten, es könne
kein strafbarer Konsum vorliegen, da er vor dem Öffnen der Fotos nicht um
deren Inhalt wusste und kein strafbarer Konsum nach dem Öffnen der
Fotos angeklagt sei (GA act. 43; Protokoll der Berufungsverhandlung,
Berufungsantwort, S. 3), kann nicht gefolgt werden. Zum einen war der
Kontakt zwischen A. und dem Beschuldigten sexueller Natur und die Fotos
dienten dazu, ein Treffen zu initiieren (UA act. 119). Sein behauptetes
Nichtwissen um den Inhalt der erhaltenen Fotos bei deren Öffnung kann
vor diesem Hintergrund insbesondere aufgrund der mehrfachen Vorfälle
und seiner Antwort auf die Fotos (vgl. oben) nur als Schutzbehauptung
gewertet werden. Zudem besagt die Überschrift des angeklagten
Sachverhalts ausdrücklich «Mehrfacher Konsum und Besitz zum
Eigenkonsum von harter Pornografie [...]» und im Sachverhalt wird von
«[...] erhalten und konsumiert» gesprochen sowie davon, dass die Fotos
der sexuellen Erregung des Beschuldigten dienten, was den Konsum im
rechtlichen Sinne umschreibt. Folglich hat sich der Beschuldigte auch der
mehrfachen Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB schuldig
gemacht.
Die Berufung der Staatsanwaltschaft ist in diesen Punkten gutzuheissen.
Der Beschuldigte hat sich der mehrfachen Pornografie gemäss Art. 197
Abs. 1 StGB und Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB schuldig gemacht.
4.
4.1.
Der Beschuldigte hat sich der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem
Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB, des Verabreichens gesundheits-
gefährdender Stoffe an ein Kind gemäss Art. 136 StGB und der
mehrfachen Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 1 StGB und Art. 197 Abs. 5
Satz 2 StGB strafbar gemacht.
4.2.
4.2.1.
Die Vorinstanz sah – neben den Freisprüchen für die Tatbestände der
Pornografie – von einer Bestrafung des Beschuldigten für die Delikte der
mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1
StGB sowie des Verabreichens gesundheitsgefährdender Stoffe gemäss
Art. 136 StGB gestützt auf Art. 52 StGB ab. A. und der Beschuldigte seien
- 13 -
befreundet gewesen und hätten eine sexuelle Beziehung miteinander
geführt. Es mache nicht den Anschein, dass A. durch diese Beziehung in
seiner sexuellen Entwicklung gestört worden sei (vorinstanzliches Urteil
E. 8.7).
Die Staatsanwaltschaft bringt dagegen vor, dass negative Folgen aus der
Gefährdung des geschützten hochwertigen Rechtsguts der ungestörten
sexuellen Entwicklung eines Kindes oft erst nach Jahren einträten und
gravierende und langanhaltende Wirkungen entfalten würden. Die Anwen-
dung von Art. 52 StGB liesse sich aus generalpräventiven Überlegungen
bei Art. 187 StGB kaum rechtfertigen (Berufungsbegründung der Staats-
anwaltschaft S. 3 f.).
4.2.2.
Gemäss Art. 52 StGB sieht das Gericht von einer Bestrafung ab, wenn
Schuld und Tatfolgen geringfügig sind. Das Verhalten des Täters muss im
Quervergleich zu typischen, unter dieselbe Gesetzesbestimmung fallenden
Taten insgesamt – vom Verschulden wie von den Tatfolgen her – als uner-
heblich erscheinen, sodass die Strafbedürftigkeit offensichtlich fehlt. Die
Behörde hat sich mithin am Regelfall der Straftat zu orientieren. Für die
Anwendung der Bestimmung bleibt nur ein relativ eng begrenztes Feld
(Urteil des Bundesgerichts 6B_519/2020 vom 27. September 2021 E. 2.4
mit weiteren Hinweisen).
4.2.3.
Entgegen der Vorinstanz kann vorliegend nicht von einer Bestrafung
abgesehen werden. Zwar ist hinsichtlich der Tatbestände der sexuellen
Handlungen mit einem Kind und der mehrfachen Pornografie nicht von
einem schweren Verschulden auszugehen (siehe dazu unten), zumal A. im
Tatzeitraum bereits 14 bzw. 15 Jahre alt war und der Beschuldigte nicht mit
direktem Vorsatz handelte. Sein Verhalten ist mit Blick auf die Intensität
und Häufigkeit der vorgenommenen sexuellen Handlungen, namentlich
dem mehrfachen Anal- und Oralverkehr, jedoch keinesfalls zu
bagatellisieren. Der Beschuldigte hat damit das zentrale – und sehr hoch
zu gewichtende – Rechtsgut der ungestörten sexuellen Entwicklung von
Kindern und Jugendlichen, welches durch das Verbot der sexuellen
Handlungen mit Kindern, des Überlassens von Pornografie an unter 16-
jährige sowie der Kinderpornografie geschützt werden soll, mehrfach
verletzt. Angesichts der Hochwertigkeit des Rechtsgutes besteht aus
generalpräventiven Gründen ein eminentes Interesse der Öffentlichkeit,
dass sexueller Kindsmissbrauch grundsätzlich nicht straflos bleibt (Urteil
des Bundesgerichts 6B_215/2013 vom 27. Januar 2014 E. 2.5.3). Die
Auswirkungen der Tat sind daher als durchaus bedeutend einzustufen,
auch wenn zwischen dem Beschuldigten und A. stets eine Freundschaft
bestanden hat und sich A. – nach eigenen Angaben – aufgrund der
sexuellen Handlungen mit dem Beschuldigten vor seinem 16. Geburtstag
- 14 -
nicht in seiner sexuellen Entwicklung gestört sieht (Protokoll der
Berufungsverhandlung, S. 16). Zu beachten ist sodann, dass weder eine
echte Liebesbeziehung vorlag, noch handelt es sich bei einem
Altersunterschied von rund 25 Jahren um Umstände, die eine
Strafbefreiung rechtfertigen würden (vgl. Urteil des Bundesgerichts
6B_215/2013 vom 27. Januar 2014 E. 2.5.3).
In Bezug auf das Verabreichen gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder
gemäss Art. 136 StGB ist festzuhalten, dass das Verschulden des
Beschuldigten nur noch als knapp leicht zu bewerten ist (vgl. unten) und
folglich ein geringfügiges Verschulden ausschliesst.
4.3.
4.3.1.
Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte für die sexuellen Handlungen mit
einem Kind, das Verabreichen gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder
sowie und die mehrfache Pornografie angemessen zu bestrafen.
Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE
144 IV 217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4. ff.; je mit
Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden.
4.3.2.
Die Tatbestände der sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss
Art. 187 Ziff. 1 StGB, der Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 1 und Abs. 5
Satz 2 StGB sowie des Verabreichens gesundheitsgefährdender Stoffe an
Kinder gemäss Art. 136 StGB sehen jeweils Freiheits- oder Geldstrafen
vor. Wie zu zeigen sein wird, kommt für die sexuellen Handlungen mit
einem Kind aufgrund der Schwere des Verschuldens nur eine Freiheits-
strafe infrage. Für die übrigen Delikte ist auf eine Geldstrafe zu erkennen
(vgl. BGE 147 IV 241 E. 3).
4.4.
4.4.1.
Der Beschuldigte hat im Zeitraum vom 1. Dezember 2018 bis
30. November 2019 mehrfach sexuelle Handlungen, namentlich Anal- und
Oralverkehr, mit A. vollzogen. Die genaue Anzahl der Übergriffe lässt sich
aufgrund des mehrmonatigen Tatzeitraums nicht exakt eruieren. Der
Beschuldigte sowie A. gehen jedoch von rund zehn Vorfällen aus (UA
act. 108 und 117). Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich, die
Einsatzstrafe für den ersten Vorfall, bei welchem es zu Anal- und Oralsex
gekommen ist, festzusetzen und diese aufgrund der weiteren Vorfälle in
Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen. Im Rahmen
der Asperation ist die Gesamtheit der Handlungen im Blick zu behalten und
es ist nicht für jede Handlung gesondert nach Art. 49 Abs. 1 StGB zu
- 15 -
verfahren, zumal die Anzahl der einschlägigen Handlungen gar nicht
bestimmbar ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_432/2020 vom 30.
September 2021 E. 1.4 mit Hinweisen).
4.4.2.
Hinsichtlich des ersten Vorfalls, bei welchem es zu Anal- und Oralverkehr
mit A. gekommen ist und für welchen die Einsatzstrafe festzusetzen ist,
ergibt sich Folgendes:
Der Täter, der eine sexuelle Handlung mit einem Kind begeht, wird mit
Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft. Das Gericht
misst die Strafe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens nach dem
Verschulden zu (Art. 47 Abs. 1 StGB). Ausgangspunkts für die Strafzumes-
sung bildet die Verletzung oder Gefährdung des geschützten Rechtsguts
(Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Straftatbestand der sexuellen Handlungen mit
Kindern schützt die ungestörte psychisch-emotionale und sexuelle
Entwicklung des Kindes (BGE 146 IV 153 E. 3.5.2). Der damals 14-jährige
A. schrieb den 39-jährigen Beschuldigten über Grindr an und sie trafen sich
nach einem Kennenlerntreffen zum Oral- und Analverkehr, wobei A. sexuell
bereits erfahren war. Zwischen dem Beschuldigten und A. bestand eine
grosse Altersdifferenz von 25 Jahren. Es handelte sich auch nicht um eine
Liebesbeziehung. Im Zentrum stand Sex (UA act. 108). Ob und inwiefern
sich die Gefährdung der sexuellen oder seelischen Entwicklung von A.
nachhaltig verwirklicht hat, kann zum heutigen Zeitpunkt nicht
abschliessend beurteilt werden und ist auch nicht entscheidend. Mögliche
drohende Langzeitfolgen werden bei Opfern von Sexualdelikten oft erst
nach Jahren manifest, können dann aber gravierende und langanhaltende
Wirkungen zeitigen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_1076/2021 vom
28. Oktober 2021 E. 2.6.4 f. und 6B_215/2013 vom 27. Januar 2014
E. 2.5.2).
Die Art und Weise der Tatbegehung bzw. die Verwerflichkeit des Handelns
ist nicht wesentlich über die blosse Erfüllung des Tatbestandes
hinausgegangen. Dabei ist auch zu beachten, dass es A. war, der den
Beschuldigten auf Grindr angeschrieben hatte und die folgenden Treffen
grösstenteils durch A. selbst initiiert worden sind und von seinem Willen
getragen wurden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_249/2016 vom
19. Januar 2017 E. 1.4.2 mit weiterem Hinweis).
Der sexuellen Handlungen mit einem Kind ist eine sexuelle sowie
egoistische Motivation immanent, was für sich allein nicht
verschuldenserhöhend zu berücksichtigen ist (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6P.194/2001 vom 3. Dezember 2002 E. 7.4.2). Der
Beschuldigte handelte eventualvorsätzlich, was verschuldensmässig
weniger schwer als direktvorsätzliches Handeln zu gewichten ist (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 6B_190/2012 vom 25. Mai 2012 E. 5.4).
- 16 -
Der Beschuldigte verfügte hingegen über ein sehr hohes Mass an
Entscheidungsfreiheit, was sich verschuldenserhöhend auswirkt. Es war
ihm jederzeit möglich, die sexuellen Handlungen zu unterlassen. Je leichter
es für den Beschuldigten gewesen wäre, sich an die gesetzlichen Normen
zu halten, desto schwerer wiegt die Entscheidung dagegen und damit
einhergehend das Verschulden (vgl. BGE 117 IV 112 E. 1 mit Hinweisen).
Insgesamt ist in Relation zum Strafrahmen von bis zu 5 Jahren Freiheits-
strafe von einem nicht mehr leichten bis mittelschweren Verschulden und
einer dafür angemessenen Einsatzstrafe von 12 Monaten Freiheitsstrafe
zuzüglich einer Verbindungsbusse (siehe dazu unten) als eine in ihrer
Summe angemessenen Sanktion auszugehen.
4.4.3.
Der Beschuldigte hat nebst dem zeitlich erstgelegenen Oral- und
Analverkehr mit A. weitere sexuelle Handlungen mit A. im Zeitraum vom
1. Dezember 2018 bis 30. November 2019 vorgenommen. Dabei ist es zu
rund neun weiteren Vorfällen mit oralen und analen Penetrations-
handlungen gekommen. Das Tatvorgehen und die Tatumstände haben
sich bei diesen weiteren Vorfällen nicht vom ersten Vorfall unterschieden,
weshalb auch hinsichtlich dieser weiteren sexuellen Handlungen für sich
betrachtet von einem jeweils nicht mehr leichten bis mittelschweren
Verschulden und dafür angemessenen Einzelstrafen von je 12 Monaten
auszugehen ist.
Im Rahmen der Asperation dieser weiteren Straftaten ist einerseits zu
berücksichtigen, dass insofern ein gewisser Zusammenhang zwischen den
einzelnen Vorfällen besteht, als sie immer mit A. stattfanden und jeweils
auf ähnliche Art und Weise begangen worden sind. Andererseits besteht
hinsichtlich der verschiedenen Zeitpunkte und Örtlichkeiten sowie des
langen Tatzeitraums keine natürliche Handlungseinheit. Vielmehr hat der
Beschuldigte den Eventualvorsatz hinsichtlich der zahlreichen Vorfälle
immer wieder von Neuem gefasst. Insgesamt rechtfertigt es sich, die
Einsatzstrafe von 12 Monaten Freiheitsstrafe aufgrund ihres jeweiligen
Gesamtschuldbeitrags angemessen um 6 Monate auf 18 Monate zu
erhöhen.
4.4.4.
Im Rahmen der Täterkomponente wirkt sich leicht straferhöhend aus, dass
der Beschuldigte – teilweise im Bereich des Sexualstrafrechts – vorbestraft
ist (BGE 136 IV 1 E. 2.6). Er ist mit Urteil des Militärstrafgerichts vom
16. Januar 2014 wegen sexueller Belästigung und einfacher Körperver-
letzung nach dem Militärstrafgesetz zu einer bedingten Geldstrafe von 5
Tagessätzen sowie einer Busse und mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Basel-Landschaft vom 18. Januar 2018 wegen grober Verletzung der
- 17 -
Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe von 55 Tagessätzen sowie
einer Busse verurteilt worden. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass aus
dem täterbezogenen Strafzumessungskriterium der Vorstrafe nicht indirekt
ein tatbezogenes Kriterium gemacht werden darf. Mithin dürfen die Vorstra-
fen nicht wie eigenständige Delikte gewürdigt werden (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_510/2015 vom 25. August 2015 E. 1.4).
Der Beschuldigte lebt heute in stabilen persönlichen Verhältnissen. Dies
wirkt sich neutral aus. Er arbeitet in einer Bar sowie im Büro einer Firma,
die Prüfungsvorbereitungskurse anbietet (GA act. 22 f.; vgl. Protokoll der
Berufungsverhandlung, S. 16).
Der Beschuldigte hat sich hinsichtlich der ihm zum Nachteil von A.
gemachten Vorwürfe von Anfang an geständig gezeigt, was die
Strafverfolgung und Wahrheitsfindung zweifellos erleichtert hat. Nachdem
sich der Beschuldigte im Berufungsverfahren jedoch nicht vernehmen liess
bzw. sich gemäss seinem Verteidiger erneut auf den Standpunkt gestellt
hat, er habe nicht um das wahre Alter von A. gewusst und das auch nicht
wissen können, kann nicht von einer nachhaltigen Einsicht und Reue, die
über eine blosse Tatfolgenreue hinausgeht, ausgegangen werden. Unter
diesen Umständen kommt nur eine leichte, nicht aber eine erhebliche
Strafminderung, wie sie bei einem von Anfang an geständigen, nachhaltig
einsichtigen und aufrichtig reuigen Täter möglich ist, infrage.
Weitere Umstände, die im Rahmen der Täterkomponente zu berück-
sichtigen wären, sind nicht ersichtlich. Insbesondere liegen hinsichtlich der
Strafempfindlichkeit des Beschuldigten keine aussergewöhnlichen
Umstände vor (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1053/2018 vom
26. Februar 2019 E. 3.4 mit Hinweisen).
Insgesamt überwiegen die positiven Faktoren und es rechtfertigt sich, die
Täterkomponente im Umfang von 3 Monaten strafmindernd zu berücksich-
tigen.
4.4.5.
Zusammenfassend erscheint dem Obergericht für die mehrfachen
sexuellen Handlungen mit einem Kind eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten
zuzüglich einer Verbindungsbusse (siehe dazu unten) als dem nicht mehr
leichten bis mittelschweren Verschulden und den persönlichen Verhält-
nissen des Beschuldigten angemessen.
4.5.
4.5.1.
Der Beschuldigte ist sodann wegen des Verabreichens gesundheits-
gefährdender Stoffe an Kinder gemäss Art. 136 StGB sowie mehrfacher
- 18 -
Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 1 StGB und Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB
zu einer Geldstrafe zu verurteilen.
4.5.2.
Die Einsatzstrafe für die mit einer Geldstrafe zu bestrafenden Straftaten ist
für das Verabreichen von Alkohol und Zigaretten an den dazumal 15-
jährigen A. als konkret schwerste Straftat festzusetzen. Dazu ergibt sich
Folgendes:
Der Täter, der einem Kind alkoholische Getränke zum Konsum zur
Verfügung stellt, wird gemäss Art. 136 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu drei
Jahren oder Geldstrafe bestraft. Das geschützte Rechtsgut ist die Gesund-
heit der Kinder. Der Beschuldigte stellte A. am tt.mm.2019 – wenige Tage
nach seinem 15. Geburtstag – Vodka, Bier und Zigaretten in einer
unbekannten Menge und auf seine Bitte hin zum Konsum zur Verfügung.
Bier und Zigaretten sind bereits ab 16 Jahren erhältlich, wohingegen Vodka
einen deutlich erhöhten Alkoholgehalt beinhaltet und erst ab 18 Jahren
freigegeben ist. Aufgrund der unbekannten Menge der abgegebenen Stoffe
kann das Ausmass der Gefährdung nicht abschliessend eruiert werden.
Fest steht jedoch, dass zumindest eine geringe Gefahr bestanden hat, da
diese potentiell für Kinder gesundheitsgefährdenden Stoffe für A. erst rund
ein bzw. drei Jahre später legal erhältlich gewesen wären. Es ist von einer
noch knapp leichten Gefährdung des geschützten Rechtsguts auszugehen.
Die Art und Weise des Vorgehens ging nicht über die blosse Erfüllung des
Tatbestandes hinaus und wirkt sich somit neutral aus. Leicht verschul-
denserhöhend zu berücksichtigen ist hingegen das hohe Mass an
Entscheidungsfreiheit, über das der Beschuldigte verfügte. Es wäre ihm
ohne weiteres möglich gewesen, weder Alkohol noch Zigaretten zur
Verfügung zu stellen (vgl. oben).
Die Beweggründe des Beschuldigten, den Geburtstagswünschen von A.
nachzukommen, ist neutral zu werten. Der Beschuldigte handelte zudem
mit Eventualvorsatz, was verschuldensmässig weniger schwer zu
gewichten ist (vgl. oben).
Insgesamt ist von einem noch knapp leichten Verschulden und einer dafür
angemessenen Einsatzstrafe von 90 Tagessätzen Geldstrafe zuzüglich
einer Verbindungsbusse (siehe dazu unten) als eine in ihrer Summe
angemessenen Sanktion auszugehen.
4.5.3.
Hinsichtlich der mehrfachen Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 5 Satz 2
StGB ergibt sich Folgendes:
- 19 -
Der Täter, der Gegenstände oder Vorführungen, die tatsächliche sexuelle
Handlungen mit Minderjährigen zum Inhalt haben, konsumiert, wird mit
Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Der
Straftatbestand schützt die ungestörte sexuelle Entwicklung von Kindern
und Jugendlichen. Der Konsum kinderpornografischer Erzeugnisse weckt
die Nachfrage für die Herstellung solcher Produkte und schafft den
finanziellen Anreiz zur Begehung von Straftaten (Urteil des Bundesgerichts
1B_189/2018 vom 2. Mai 2018 E. 3.3). Der Beschuldigte erhielt vom
25 Jahre jüngeren und somit 14-jährigen A. im Zeitraum vom 1. Dezember
2018 bis 30. November 2019 zwei Mal ein Foto von seinem Penis als
Aufforderung zu einem Treffen, an dem es jeweils zu sexuellen Han-
dlungen kam. Der Beschuldigte konsumierte diese Fotos beide Male in
strafbarer Weise. Im Spektrum der denkbaren Handlungen zur Erfüllung
des Tatbestandes handelt es sich bei den einzig durch den Beschuldigten
konsumierten Fotos des Penis von A. um jeweils vergleichsweise leichte
Gefährdungen des geschützten Rechtsguts.
Die Art und Weise bzw. die Verwerflichkeit des Handelns ist nicht über die
blosse Erfüllung des Tatbestands hinausgegangen, zumal dem Beschul-
digten die pornografischen Fotos von A. ohne explizite Aufforderung
zugeschickt worden waren. Dies ändert freilich nichts daran, dass sie der
Beschuldigte in der Folge bewusst angeschaut hatte. Leicht verschuldens-
erhöhend ist denn auch in diesem Zusammenhang das hohe Mass an
Entscheidungsfreiheit zu berücksichtigen, wäre es dem Beschuldigten
doch ohne Weiteres möglich gewesen, sich dem strafbaren Konsum der
Fotos mit tatsächlich sexuellen Handlungen als Inhalt zu entziehen.
Die Beweggründe des Beschuldigten, die auf die eigene sexuelle
Befriedigung ausgerichtet waren, dürfen dagegen nicht zusätzlich verschul-
denserhöhend berücksichtigt werden (vgl. oben). Der Beschuldigte
handelte zudem in Bezug auf das Alter von A. mit Eventualvorsatz, was
verschuldensmässig weniger schwer zu gewichten ist (vgl. oben).
Insgesamt ist bei isolierter Betrachtungsweise der beiden Vorfälle des
strafbaren Konsums von Pornografie mit minderjährigen Personen von
einem noch leichten Verschulden und einer dafür angemessenen Einzel-
strafe von je 30 Tagessätzen Geldstrafe auszugehen. Im Rahmen der
Asperation ist zu beachten, dass insoweit ein Zusammenhang zwischen
den beiden Vorfällen besteht, als dass sich diese identisch zugetragen
haben und A. jeweils der Absender der Fotos war. Dennoch war der zweite
Vorfall von einem neuen Eventualvorsatz des Beschuldigten getragen,
zumal es um eine Aufforderung zu einem neuen Treffen ging. Hingegen
besteht kein Zusammenhang zum Tatbestand der Verabreichung
gesundheitsgefährdender Stoffe, für welchen die Einsatzstrafe festgesetzt
worden ist. Insgesamt rechtfertigt es sich, die Einsatzstrafe von 90
- 20 -
Tagessätzen aufgrund des Gesamtschuldbeitrages angemessen um 40
Tagessätze auf 130 Tagessätze Geldstrafe zu erhöhen.
4.5.4.
Hinsichtlich der mehrfachen Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 1 StGB
ergibt sich Folgendes:
Der Täter, der pornografische Bildaufnahmen einer Person unter 16 Jahren
überlässt, wird nach Art. 197 Abs. 1 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu drei
Jahren oder Geldstrafe bestraft. Das geschützte Rechtsgut ist identisch mit
demjenigen des Tatbestandes der Pornografie nach Art. 197 Abs. 5 Satz 2
StGB (vgl. oben). Der Beschuldigte überliess A., der zu diesem Zeitpunkt
unter 16 Jahre alt war, an zwei unterschiedlichen Zeitpunkten im Zeitraum
vom 1. Dezember 2018 bis 30. November 2019 ein Foto von seinem Penis
als Antwort auf die von A. an ihn gesandten Fotos, die jeweils eine
Aufforderung zu einem neuen Treffen waren. Im Spektrum der denkbaren
Handlungen zur Erfüllung des Tatbestandes handelt es sich beim Versand
von Penisbildern an eine Person unter 16 Jahren, die selbst zuvor
Penisbilder versandte, um eine vergleichsweise noch leichte Gefährdung
des geschützten Rechtsguts.
Die Art und Weise bzw. die Verwerflichkeit des Handelns ist nicht über die
blosse Erfüllung des Tatbestandes hinausgegangen, zumal die Initiative
des Zusendens von Penisbildern nicht vom Beschuldigten, sondern von A.
ausgegangen ist. Leicht verschuldenserhöhend ist das hohe Mass an
Entscheidungsfreiheit zu werten. Der Beschuldigte hätte ohne Weiteres auf
den Versand der Fotos mit pornografischem Inhalt verzichten können (vgl.
oben). Die Beweggründe des Beschuldigten, die auf die eigene sexuelle
Befriedigung ausgerichtet waren, dürfen dagegen nicht zusätzlich
verschuldenserhöhend berücksichtigt werden (vgl. oben). Der Beschuldigte
handelte zudem mit Eventualvorsatz, was verschuldensmässig weniger
schwer zu gewichten ist (vgl. oben).
Insgesamt ist bei isolierter Betrachtung von einem noch leichten
Verschulden und einer dafür angemessenen Einzelstrafe von 30 Tages-
sätzen auszugehen. Im Rahmen der Asperation ist zu berücksichtigen,
dass das Überlassen der Bildaufnahmen in einem engen sachlichen und
zeitlichen Zusammenhang zum Konsum von Kinderpornografie gemäss
Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB steht (vgl. oben), indem der Beschuldigte A.
die Fotos von seinem Penis als Antwort auf dessen Penisfotos überliess.
Entsprechend geringer fällt ihr Gesamtschuldbeitrag aus. Angemessen
erscheint eine Erhöhung der Einsatzstrafe um insgesamt 20 Tagessätze
auf 150 Tagessätze.
- 21 -
4.5.5.
Die Täterkomponente wirkt sich auch hinsichtlich der Geldstrafe
verschuldensmindernd aus (siehe dazu oben). Es rechtfertigt sich, die
Täterkomponente im Umfang von 10 Tagessätzen strafmindernd zu
berücksichtigen.
4.5.6.
Zusammenfassend erscheint dem Obergericht für das Verabreichen
gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder gemäss Art. 136 StGB und der
mehrfachen Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 1 StGB und Art. 197 Abs. 5
Satz 2 StGB eine Geldstrafe von 140 Tagessätzen zuzüglich einer
Verbindungsbusse (siehe dazu unten) als dem Verschulden und den
persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten angemessen.
4.6.
Die Höhe des Tagessatzes bemisst sich nach den Verhältnissen des Täters
im Urteilszeitpunkt (Art. 34 Abs. 2 StGB). Massgebende Kriterien für die
Bestimmung der Tagessatzhöhe sind das Einkommen, das Vermögen und
der Lebensaufwand des Beschuldigten, seine Unterstützungspflichten und
persönlichen Verhältnisse sowie sein Existenzminimum (BGE 142 IV 315
E. 5 = Pra 2018 Nr. 52, Bestätigung der bisherigen Rechtsprechung).
Ausgangspunkt ist das Nettoeinkommen, das der Täter im Zeitpunkt des
Urteils durchschnittlich erzielt bzw. alle geldwerten Leistungen, die ihm
zufliessen (BGE 134 IV 60 E. 6.1).
Der ledige und kinderlose Beschuldigte, der keine Unterhaltspflichten hat,
verfügt über ein monatliches Nettoeinkommen von Fr. 2'500.00 (GA
act. 52; vgl Protokoll der Berufungsverhandlung S. 16). Er lebt somit nahe
am Existenzminimum. Das für die Berechnung des Tagessatzes mass-
gebende Nettoeinkommen ist deshalb um 50 % zu reduzieren (BGE 134 IV
60 E. 6.5.2). Da vorliegend eine hohe Anzahl Tagessätze ausgesprochen
wird, ist eine Reduktion um weitere 20 % angebracht (BGE 134 IV 60 E.
6.5.2). Somit ist der Tagessatz auf Fr. 30.00 festzusetzen.
4.7.
4.7.1.
Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe
von höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe
nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Ver-
brechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB).
Der Beschuldigte hat die vorliegend zu beurteilenden Straftaten noch
während der Probezeit des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-
Landschaft vom 18. Januar 2018 für die Geldstrafe von 55 Tagessätzen
gewährten bedingten Strafvollzugs begangen. Ist der Täter während der
Probezeit erneut straffällig geworden, hat gemäss Art. 46 Abs. 1 StGB ein
- 22 -
Widerruf zu erfolgen, wenn wegen der Begehung neuer Delikte zu erwarten
ist, dass der Täter weitere Straftaten verüben wird, d.h. wenn wegen der
erneuten Straffälligkeit eine eigentliche Schlechtprognose besteht (BGE
134 IV 140 E. 4.2 und 4.3).
Das Nebeneinander von zwei Sanktionen (neue Strafe und Widerrufs-
strafe) erfordert eine Beurteilung in Varianten: Möglich ist, dass der Vollzug
der neuen Strafe erwarten lässt, der Verurteilte werde dadurch von weiterer
Straffälligkeit abgehalten, weshalb es nicht notwendig erscheine, den
bedingten Vollzug der früheren Strafe zu widerrufen. Umgekehrt kann der
nachträgliche Vollzug der früheren Strafe dazu führen, dass eine
Schlechtprognose für die neue Strafe im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB
verneint und diese folglich bedingt ausgesprochen wird (Urteil des Bundes-
gerichts 6B_808/2018 vom 6. Mai 2019 E. 2.3 mit Hinweisen).
4.7.2.
Die gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom
18. Januar 2018 bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 55 Tagessätzen
ist zu widerrufen. Dieser Vollzug führt dazu, dass die neu ausgesprochene
Freiheits- und Geldstrafe bedingt ausgesprochen werden kann:
Der Beschuldigte ist mehrfach vorbestraft (siehe oben). Weder die bedingte
Geldstrafe von 5 Tagessätzen vom 16. Januar 2014 wegen einfacher
Körperverletzung und sexueller Belästigung noch die bedingte Geldstrafe
von 55 Tagessätzen vom 18. Januar 2018 wegen grober Verletzung der
Verkehrsregeln konnten den Beschuldigten von der Begehung der vorlie-
gend zu beurteilenden Straftaten abhalten. Der Beschuldigte scheint aus
den bedingt ausgesprochenen Vorstrafen nichts gelernt zu haben. Er
beging die neuen Delikte bereits knapp 1 Jahr nach Eröffnung des
Strafbefehls vom 18. Januar 2018 und somit während laufender Probezeit.
Die familiären sowie beruflichen Verhältnisse des Beschuldigten sind zwar
stabil (vgl. oben), was sie aber bereits bei der Verübung der letzten
Vorstrafe waren und ihn nicht von der Begehung weiterer Straftaten
abhalten konnte. In Anbetracht dessen ist der Widerruf der mit Strafbefehl
vom 18. Januar 2018 ausgesprochenen bedingten Geldstrafe von 55
Tagessätzen angezeigt. Der anzuordnende Vollzug führt in einer Gesamt-
abwägung jedoch dazu, dass beim Beschuldigten für die neuen Freiheits-
und Geldstrafen von einer begründeten Aussicht auf Bewährung ausge-
gangen werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_377/2017 vom
5. Juli 2018 E. 2.2, nicht publ. in BGE 144 IV 277) und diese folglich bedingt
auszusprechen sind. Den noch bestehenden Bedenken an seiner
Legalbewährung ist mit einer erhöhten Probezeit von 3 Jahren Rechnung
zu tragen.
- 23 -
4.8.
Bedingt ausgesprochene Geld- und Freiheitsstrafen können mit einer
Busse verbunden werden (Art. 42 Abs. 4 StGB). Vorliegend ist die
Verbindung der bedingt ausgesprochenen Geld- und Freiheitsstrafen mit
einer Busse angezeigt, um dem Beschuldigten die Ernsthaftigkeit der Sank-
tion und die Konsequenzen seines Handelns deutlich vor Augen zu führen.
Um dem akzessorischen Charakter der Verbindungsstrafe gerecht zu
werden, erscheint unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse
und des Verschuldens des Beschuldigten sowie des Umstands, dass der
Verbindungsstrafe nicht lediglich symbolische Bedeutung zukommen soll,
eine Verbindungsbusse von Fr. 2'000.00 zur bedingt ausgesprochenen
Freiheitsstrafe und Geldstrafe angemessen (vgl. BGE 135 IV 188 E. 3.4.4).
Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaftem Nichtbezahlen der Verbindungs-
busse ist ausgehend vom als Umrechnungsschlüssel zu verwendenden
Tagessatz von Fr. 30.00 (BGE 134 IV 60 E. 7.3.3 S. 77) auf 67 Tage fest-
zusetzen.
4.9.
Zusammengefasst ist der Beschuldigte zu einer bedingten Freiheitsstrafe
von 15 Monaten, einer bedingten Geldstrafe von 140 Tagessätzen à
Fr. 30.00, d.h. Fr. 4'200.00, Probezeit je 3 Jahre, und einer Verbindungs-
busse von Fr. 2'000.00, ersatzweise 67 Tage Freiheitsstrafe zu verurteilen.
Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 18. Janu-
ar 2018 bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 55 Tagessätzen à
Fr. 150.00, d.h. Fr. 8'250.00, ist zu widerrufen.
5.
5.1.
Die Vorinstanz hat kein Berufs- und Tätigkeitsverbot gemäss Art. 67 Abs. 3
StGB ausgesprochen mit der Begründung, von einer Bestrafung
abgesehen zu haben, wodurch die Voraussetzungen für das Aussprechen
eines Berufs- und Tätigkeitsverbots gemäss Art. 67 Abs. 3 StGB in der
Fassung vom 1. März 2018 nicht mehr gegeben seien.
Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Berufungserklärung ein Berufs- und
Tätigkeitsverbot gemäss Art. 67 Abs. 3 StGB auszusprechen.
Der Beschuldigte geht im Falle einer Verurteilung davon aus, dass die
Strafe tiefer anzusetzen wäre, als dass ein Berufs- und Tätigkeitsverbot in
der Fassung vom 1. März 2018 vorgesehen werden könnte (Protokoll der
Berufungsverhandlung, Berufungsantwort, S. 6). Vor Vorinstanz ging der
Beschuldigte davon aus, dass ein besonders leichter Fall gemäss Art. 67
Abs. 4bis StGB vorliegen würde. Die Anordnung eines Berufs- und
- 24 -
Tätigkeitsverbotes sei im konkreten Fall nicht notwendig, um den
Beschuldigten von weiteren Straftaten abzuhalten (GA act. 53).
5.2.
Am 1. Januar 2019 ist die revidierte Fassung des Art. 67 StGB in Kraft
getreten, wobei das Berufs- und Tätigkeitsverbot gemäss Art. 67 Abs. 3
StGB beim Vorliegen von Katalogtaten wie der sexuellen Handlung mit
einem Kind oder der Pornografie nach Art. 197 Abs. 1 und 5 Satz 2 StGB
lebenslänglich ausgesprochen werden muss. In der vorangehenden
Fassung des Art. 67 Abs. 3 StGB vom 1. März 2018 wurde ein Berufs- und
Tätigkeitsverbot für Katalogtaten insbesondere nur bei einer ausgespro-
chenen Freiheitsstrafe von über 6 Monaten und für 10 Jahre ausge-
sprochen. Gemäss Art. 2 Abs. 2 StGB ist grundsätzlich das im Zeitpunkt
der Verübung der Tat geltende Gesetz anwendbar, es sei denn, das neue
Gesetz sei das mildere (sog. lex mitior).
Das Berufs- und Tätigkeitsverbot ist nach der heutigen Fassung von Art. 67
StGB zu beurteilen. Der Beschuldigte hat die mehrfachen sexuellen
Handlungen mit einem Kind im Zeitraum vom 1. Dezember 2018 bis
30. November 2019 vorgenommen. Gemäss seinen Aussagen hat er sich
mit A. circa einmal monatlich getroffen, wobei es beim ersten Treffen nicht
zu sexuellen Handlungen gekommen sei (UA act. 117). A. geht denn auch
davon aus, dass es erst Wochen oder Monate nach dem ersten Treffen
zum Sex gekommen sei (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 10).
Daraus lässt sich schliessen, dass – wenn überhaupt – maximal ein Vorfall
im Jahr 2018 stattfand, wohingegen der Grossteil der Vorfälle – mindestens
neun – im Jahr 2019 stattfand. Gleiches gilt für das Überlassen der
Pornografie sowie des Konsums von Kinderpornografie, zumal die Fotos
jeweils vor den Treffen versandt wurden bzw. um den Beschuldigten «auf
Trab» zu halten (vgl. oben). Folglich ist das Berufs- und Tätigkeitsverbot für
die nach dem 1. Januar 2019 erfolgten Straftaten gemäss der heutigen
Fassung von Art. 67 StGB zu beurteilen.
5.3.
5.3.1.
Die Anordnung des Tätigkeitsverbots soll – grundsätzlich unabhängig von
den Umständen des Einzelfalls und der Höhe der konkret ausgespro-
chenen Strafe – zwingend angeordnet werden und lebenslänglich dauern
(vgl. Botschaft zur Änderung des Strafgesetzbuchs und des Militärstraf-
gesetzes [Umsetzung von Art. 123c BV] vom 3. Juni 2016, BBl 2016 6115).
In besonders leichten Fällen, in denen das Tätigkeitsverbot nicht notwendig
erscheint, um den Täter vor weiteren einschlägigen Straftaten abzuhalten,
kann das Gericht gemäss Art. 67 Abs. 4bis StGB ausnahmsweise auf die
Anordnung eines solchen Verbots verzichten, sofern der Täter keine
besonders qualifizierte Anlasstat begangen hat und er nicht pädophil ist im
- 25 -
Sinne von international anerkannten Klassifikationskriterien (Art. 67 Abs. 4
bis lit. a und b StGB).
5.3.2.
Dem Beschuldigten ist gestützt auf Art. 67 Abs. 3 lit. b sowie Art. 67 Abs. 3
lit. d Ziff. 1 und 2 StGB lebenslänglich jede berufliche und jede
ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minder-
jährigen umfasst, verboten. Er hat sich zwar keiner besonders qualifizierten
Anlasstat i.S.v. Art. 67 Abs. 4bis lit. a StGB schuldig gemacht und bei ihm
wurde auch keine Pädophilie diagnostiziert. Dennoch hat er mehrfach
sexuelle Handlungen mit einem Kind, namentlich Anal- und Oralverkehr,
vorgenommen, Kinderpornografie konsumiert und Pornografie einer
Person unter 16 Jahren überlassen. Selbst wenn der Konsum der Kinder-
pornografie sowie das Überlassen von Pornografie an eine Person unter
16 Jahren für sich selbst das Absehen eines Berufs- und Tätigkeitsverbotes
ermöglichen würden, ist eine Gesamtbetrachtung vorzunehmen. Wie
bereits ausgeführt, liegt in Bezug auf die mehrfachen sexuellen
Handlungen mit Kindern eine nicht zu bagatellisierende Gefährdung des
geschützten Rechtsgutes vor (vgl. oben). Es handelte sich auch nicht um
einen Fall von Jugendliebe, zumal der Altersunterschied 25 Jahre betrug
und keine Liebesbeziehung zwischen dem Beschuldigten und A. bestand
(vgl. BBl 2016 6115, S. 6155). Ein Absehen von der Anordnung eines
Berufs- und Tätigkeitsverbotes kommt nicht in Betracht.
6.
6.1.
Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei
im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon
ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge
gutgeheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_330/2016 vom
10. November 2017 E. 4.3).
Die Berufung der Staatsanwaltschaft ist vollumfänglich gutzuheissen. Die
Anschlussberufung des Beschuldigten ist abzuweisen. Die obergericht-
lichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 (§ 18 VKD) sind vollumfänglich
dem Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ausgangsgemäss
hat der freigewählt verteidigte Beschuldigte keinen Anspruch auf eine
Entschädigung (Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 429 StPO e contrario).
6.2.
Die erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsregelung bedarf keiner
Änderung. Der Beschuldigte wird verurteilt und hat deshalb die Verfahrens-
kosten zu tragen (Art. 428 Abs. 3 i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO). Er hat
keinen Anspruch auf eine Entschädigung (Art. 429 Abs. 1 StPO e
contrario).
- 26 -
Die Höhe der Entschädigung der Vertreterin des Privatklägers aus dem
erstinstanzlichen Verfahren ist im Berufungsverfahren nur im Zusammen-
hang mit einem beantragten Freispruch angefochten worden (Protokoll der
Berufungsverhandlung, Anschlussberufungsbegründung, S. 2 ff.). In Anbe-
tracht des Verfahrensausgangs ist darauf nicht zurückzukommen. Der
Beschuldigte ist zu verpflichten, A. für das erstinstanzliche Verfahren eine
Parteientschädigung von Fr. 2'039.55 zu bezahlen (Art. 433 Abs. 1 lit. a
StPO).
7.
Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es
ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO,
Art. 81 StPO).