Decision ID: 104dd3be-bebb-4517-b259-17ae9887610f
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 22. Mai 2020 stellte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Be-
schwerdeführers, einem 1968 geborenen syrischen Staatsangehörigen,
fest. Gleichzeitig lehnte es sein Asylgesuch wegen Asylunwürdigkeit ab,
wies ihn aus der Schweiz weg und nahm ihn infolge Unzulässigkeit des
Wegweisungsvollzugs vorläufig auf.
B.
Am 11. Januar 2021 ersuchte der Beschwerdeführer um Familiennachzug
für seine Ehefrau, B._ (geboren am ... ), den Sohn C._ (ge-
boren am ... ) und die Tochter D._ (geboren am ... ), alle aus Syrien
stammend (nachfolgend: Gesuchstellende). Die Vorinstanz wies ihn mit
Schreiben vom 26. Januar 2021 und vom 3. Juni 2021 auf die noch nicht
erfüllten zeitlichen Nachzugsvoraussetzungen hin und schrieb nach aus-
gebliebener Rückmeldung des Beschwerdeführers das Gesuch am 2. Juli
2021 als gegenstandslos geworden ab.
C.
Am 16. April 2021 beantragten die Gesuchstellenden bei der Schweizeri-
schen Botschaft in Beirut die Ausstellung von humanitären Visa.
D.
Mit Formularverfügung vom 21. April 2021 verweigerte die Botschaft die
Ausstellung der Visa.
E.
Mit Verfügung vom 28. Juli 2021 wies die Vorinstanz die am 24. Juni 2021
gegen die Verweigerung der Visa erhobene Einsprache des Beschwerde-
führers ab.
F.
Am 27. August 2021 gelangte der Beschwerdeführer an das Bundesver-
waltungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuhe-
ben und die Sache dem SEM zur vollständigen und richtigen Abklärung
des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung zurückweisen.
Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und es seien die beantragten
Visa zu gewähren.
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G.
Mit Zwischenverfügung vom 24. September 2021 wies das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche
Rechtspflege ab und forderte ihn auf, einen Kostenvorschuss zu leisten.
Dieser Pflicht kam der Beschwerdeführer fristgerecht nach.
H.
In ihrer Vernehmlassung vom 17. November 2021 beantragte die
Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer unter-
liess es, hierauf innert Frist zu replizieren.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Einspracheentscheide des SEM betreffend humanitäre Visa sind mit
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 112 Abs. 1
AIG [SR 142.20] i.V.m. Art. 31 ff. VGG). In diesem Bereich entscheidet das
Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das
VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48
Abs. 1 VwVG). Auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen sind erfüllt,
weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist (vgl. Art. 50 und Art. 52 VwVG).
2.
Mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49
VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Am-
tes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung
der Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als
den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer macht in formeller Hinsicht geltend, die Vor-
instanz habe seinen Anspruch auf rechtliches Gehör und die Pflicht zur
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vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts
verletzt. Er begründet diese Rügen nicht weiter.
3.2 Das rechtliche Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 ff. VwVG) dient einer-
seits der Sachaufklärung, anderseits stellt es ein persönlichkeitsbezoge-
nes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar. Dazu gehört ins-
besondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines solchen Ent-
scheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen und Ein-
sicht in die Akten zu nehmen. In engem Konnex hierzu steht die Begrün-
dungspflicht (Art. 35 VwVG), welche die Betroffenen in die Lage versetzen
soll, den Entscheid sachgerecht anzufechten. Die Behörde hat daher kurz
die wesentlichen Überlegungen zu nennen, von denen sie sich leiten liess
und auf die sie ihren Entscheid stützt. Je weiter der Entscheidungsspiel-
raum, je komplexer die Sach- und Rechtslage und je schwerwiegender der
Eingriff in die Rechtsstellung der betroffenen Person, desto höhere Anfor-
derungen sind an die Begründung zu stellen (vgl. zum Ganzen BGE 137 II
266 E. 3.2; 136 I 229 E. 5.2, je m.w.H.).
3.3 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-
listeten Beweismittel. Die Sachverhaltsfeststellung ist unrichtig, wenn der
Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird
oder Beweise falsch gewürdigt worden sind. Unvollständig ist sie, wenn
nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksich-
tigt werden (Urteil des BVGer E-2479/2018 vom 31. Mai 2018 E. 6.1). Der
Untersuchungspflicht der Vorinstanz stehen gesetzliche sowie aus Treu
und Glauben abgeleitete Mitwirkungspflichten der Parteien gegenüber.
Eine beschwerdeführende Partei hat auch in einem dem Untersuchungs-
grundsatz unterstehenden Verfahren gewisse Substantiierungs- und Be-
weislasten zu tragen (Art. 13 Abs. 1 VwVG, Art. 5 Abs. 3 BV, Art. 90 AIG).
3.4 Das Vorgehen der Vorinstanz ist weder unter dem Gesichtspunkt des
rechtlichen Gehörs noch unter demjenigen der Untersuchungspflicht zu be-
anstanden. Die Mitwirkungsrechte des Beschwerdeführers wurden ge-
mäss Aktenlage gewahrt. Im angefochtenen Entscheid wird sodann aus-
reichend dargelegt, dass nach Ansicht der Vorinstanz in Bezug auf die Ge-
suchstellenden keine unmittelbare, ernsthafte und konkrete Gefährdung an
Leib und Leben vorliege. Die verfügende Behörde darf sich auf die wesent-
lichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1). Dem Be-
schwerdeführer war eine sachgerechte Anfechtung möglich. Es ist deshalb
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nicht ersichtlich, inwiefern das SEM die ihm zukommende Begründungs-
pflicht verletzt haben könnte. Das gleiche gilt für die Untersuchungspflicht.
Dass die Vorinstanz nach einer Abklärung des Sachverhalts und einer Wür-
digung der Akten zu einem anderen Schluss als der Beschwerdeführer ge-
langte – insbesondere in Bezug auf die gesundheitliche Situation von
B._ und deren Relevanz für das vorliegende Verfahren – stellt keine
Verletzung der fraglichen Garantien dar. Vielmehr handelt es sich um eine
materielle Frage, welche nachfolgend zu prüfen sein wird.
4.
4.1 Als Staatsangehörige Syriens unterliegen die Gesuchstellenden der Vi-
sumspflicht gemäss Art. 9 der Verordnung vom 15. August 2018 über die
Einreise und die Visumerteilung (VEV, SR 142.204). Mit ihren Gesuchen
beabsichtigen sie einen längerfristigen Aufenthalt, weshalb diese nicht
nach den Regeln zur Erteilung von Schengen-Visa, sondern nach den
Bestimmungen des nationalen Rechts zu prüfen sind (vgl. BVGE 2018
VII/5 E. 3.5 und E. 3.6.1).
4.2 Gemäss Art. 4 Abs. 2 VEV kann in Abweichung von den allgemeinen
Einreisevoraussetzungen (vgl. Art. 4 Abs. 1 VEV) in begründeten Fällen
aus humanitären Gründen ein Visum für einen längerfristigen Aufenthalt
erteilt werden. Ein solcher Fall liegt insbesondere vor, wenn die betreffende
Person im Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und
Leben gefährdet ist. Praxisgemäss werden humanitäre Visa nur unter sehr
restriktiven Bedingungen ausgestellt (vgl. BVGE 2015/5 E. 4.1.3). Diese
werden dann als erfüllt angesehen, wenn bei einer Person aufgrund der
konkreten Umstände offensichtlich davon ausgegangen werden muss,
dass sie sich im Heimat- oder Herkunftsstaat in einer besonderen Notsitu-
ation befindet, die ein behördliches Eingreifen zwingend erforderlich macht
und es rechtfertigt, ihr – im Gegensatz zu anderen Personen in derselben
Lage – ein Einreisevisum zu erteilen. Das kann etwa bei akuten kriegeri-
schen Ereignissen oder aufgrund einer konkreten individuellen Gefähr-
dung, die sie mehr als alle anderen Personen betrifft, gegeben sein. Befin-
det sich die betroffene Person bereits in einem Drittstaat (BVGE 2018 VII/5
E. 3.6.3) oder ist sie nach einem Aufenthalt in einem solchen freiwillig in ihr
Heimat- oder Herkunftsland zurückgekehrt (vgl. Urteil des BVGer
F-4658/2017 vom 7. Dezember 2018 E. 4.3) und hat sie die Möglichkeit,
sich erneut in den Drittstaat zu begeben, ist in der Regel davon auszuge-
hen, dass keine Gefährdung mehr besteht. Das Visumsgesuch ist unter
Berücksichtigung der aktuellen Gefährdung, der persönlichen Umstände
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der betroffenen Person und der Lage im Heimat- oder Herkunftsland sorg-
fältig zu prüfen. Dabei können auch weitere Kriterien wie das Bestehen von
Bindungen zur Schweiz und die hier bestehenden Integrationsaussichten
oder die Unmöglichkeit, in einem anderen Land um Schutz nachzusuchen,
berücksichtigt werden (vgl. BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3; Urteil F-4658/2017
E. 3.2 f.).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründet ihren ablehnenden Entscheid damit, dass die
Gesuchstellenden scheinbar ohne Probleme in den Libanon eingereist und
wieder nach Syrien zurückkehrt seien. Würden sie von der syrischen Re-
gierung gesucht oder unter Druck gesetzt, wären sie spätestens beim Ver-
lassen des Libanons und der Einreise nach Syrien von den Behörden an-
gehalten bzw. festgenommen worden. Nach unbelegten Angaben sei zwar
die sie begleitende Schwester von B._ festgenommen worden. Es
sei jedoch nicht ersichtlich, weshalb nicht auch die Gesuchstellenden ver-
haftet worden seien. Zudem zeige die Tatsache, dass sie den Libanon frei-
willig verlassen und nicht versucht hätten, dort zu verbleiben, dass sie ak-
tuell nicht an Leib und Leben gefährdet seien. Der Umstand, dass sie sich
nicht im Libanon bei einer der zahlreich vor Ort tätigen Hilfsorganisationen
gemeldet oder sich beim "United Nations High Commissioner for Refu-
gees" (UNHCR) registriert hätten, sondern freiwillig nach Syrien zurückge-
kehrt seien, stelle ein starkes Indiz dafür dar, dass die geltend gemachte
Gefährdung an Leib und Leben dort aktuell nicht unmittelbar bestehe. In
Bezug auf die psychischen Probleme von B._ sei zu vermerken,
dass sie sich in ärztlicher Behandlung befinde und entsprechende Medika-
mente verabreicht würden. Die schwierigen Lebensumstände der Gesuch-
stellenden seien nicht zu verkennen. Jedoch seien diese gemessen am
Fortkommen vieler anderer sich in der gleichen Situation befindlicher Per-
sonen aus Syrien nicht dermassen unmittelbar und konkret, dass sie aktu-
ell an Leib und Leben gefährdet seien und ein behördliches Eingreifen
zwingend erforderlich erscheine. Es sei als möglich und zumutbar zu er-
achten, dass sich die Gesuchstellenden wieder in den Libanon begeben
würden, um dort den nötigen Schutz zu erhalten.
5.2 Der Beschwerdeführer bringt demgegenüber vor, die Vorinstanz habe
Art. 4 Abs. 2 VEV verletzt. Seine Ehefrau sei beim Grenzübertritt deshalb
nicht festgenommen worden, weil sie krank und ihre Krankheit deutlich
sichtbar sei. Die der Beschwerde in Kopie beigelegte Vorladung durch die
Staatsanwaltschaft Tartous beweise, dass die syrischen Behörden ent-
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schlossen seien, B._ trotz ihrer Krankheit zu bestrafen. Sie sei des-
halb untergetaucht. Eine Person mit Schizophrenie könne in einem zerstör-
ten Land wie dem Libanon ohne finanzielle Mittel und medizinische Versor-
gung nicht leben. Die Vorinstanz berücksichtige weder den Krankheitszu-
stand von B._ noch den Kindesschutz. Zudem habe die Entführung
der Tochter des Beschwerdeführers durch das syrische Regime erhebliche
Auswirkungen auf die Gesundheit der Eltern gehabt.
5.3 In ihrer Vernehmlassung weist die Vorinstanz darauf hin, dass es sich
beim Libanon grundsätzlich um einen Drittstaat handle, in dem weder (Bür-
ger-)Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt herrsche. Die Lage dort
lasse somit nicht auf eine individuelle Gefährdung der Gesuchstellenden
schliessen, falls sie beabsichtigen sollten, in den Libanon zurückzukehren.
Auch sei eine minimale medizinische Versorgung sowie psychologische
Betreuung gewährleistet.
5.4 Die Vorinstanz ist in ihrer Verfügung zum zutreffenden Ergebnis ge-
langt, die Gesuchstellenden erfüllten die Voraussetzungen für die Erteilung
humanitärer Visa nicht. So begaben sie sich zwecks Einreichung der Ge-
suche in den Libanon und kehrte danach freiwillig nach Syrien zurück, was
in der Regel gegen eine Gefährdung im Heimatland spricht. Es ist nicht
davon auszugehen und wird auch nicht geltend gemacht, dass sie sich im
Libanon ernsthaft um die Inanspruchnahme von Hilfe bemüht haben. Es
wäre ihnen offen gestanden, sich an eine der dort ansässigen Hilfsorgani-
sationen oder an die lokalen Behörden zu wenden. Im Libanon ist zumin-
dest eine minimale medizinische Versorgung gewährleistet. Insbesondere
versorgt "Médecins Sans Frontières" (MSF) syrische Flüchtlinge kostenlos
mit medizinischer Hilfe. Diese umfasst die Behandlung akuter und chroni-
scher Krankheiten, Impfungen, Geburtshilfe und psychologische Betreu-
ung. Auch von Seiten des UNHCR ist eine Grundversorgung – allerdings
teils mit Kostenbeteiligung der Betroffenen – sichergestellt. Wenn auch neu
ankommende syrische Staatsangehörige sich nicht mehr beim UNHCR re-
gistrieren können, so hat dieser Umstand keinen Einfluss auf die Frage, ob
sie dort Beratung und grundlegende Unterstützung erlangen können
(vgl. Urteil des BVGer F-533/2020 vom 31. Mai 2021 E. 6.2.2 m.w.). Es ist
überdies nicht ersichtlich, dass Behandlungen bzw. medizinische Eingriffe
in Syrien gar nicht durchführbar sind (vgl. zum Ganzen Urteil des BVGer
F-4690/2021 vom 30. März 2022 E. 5 m.w.H.). Vielmehr ist davon auszu-
gehen, dass spezialisierte Behandlungen für chronische Krankheiten in
Damaskus oder in den Küstenorten Tartous – wo sich die Gesuchstellen-
den nach eigenen Angaben aufhalten – und Lattakia verfügbar sind
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(vgl. Urteil des BVGer F-2247/2020 vom 22. Februar 2021 E. 5.1). Die feh-
lende Erschwinglichkeit einer medizinischen Behandlung ist schliesslich
nicht geeignet, eine Notlage zu begründen und der Umstand, dass in der
Schweiz eine medizinische Behandlung geeigneter und leichter zugänglich
wäre als in Syrien oder im Libanon kann – für sich allein – ein behördliches
Eingreifen nicht rechtfertigen (vgl. Urteile des BVGer F-662/2019 vom
11. Juni 2019 E. 4.2; F-6511/2018 vom 28. August 2019 E. 4.5 m.H.).
5.5 Der Beschwerdeführer hat im Beschwerdeverfahren keine aktuellen
medizinischen Unterlagen der Gesuchstellenden eingereicht. Gemäss bei
den Akten liegenden Arztberichten vom 27. und vom 29. Januar 2020 bzw.
deren miteingereichten Übersetzungen leide B._ unter repetitiven
Kopfschmerzattacken mit wiederholten Bewusstlosigkeitsanfällen und seit
drei Jahren an einer Psychophobie. Sie sei durch ständige Medikation in
Behandlung. D._ leide ihrerseits unter Verhaltensstörungen, na-
mentlich Bettnässen, Angst, Unsicherheit und einer nächtlichen Phobie.
Sie benötige eine Verhaltenstherapie und pharmakologische Unterstüt-
zung. In einem weiteren Bericht vom 18. Februar 2021 wird ausgeführt,
B._ besuche aufgrund folgender Symptome eine psychiatrische
Praxis: Chronische Kopfschmerzen, Bewusstlosigkeitsanfälle, psychische
Symptome, Phobie und Angst. Ihr Zustand sei nicht stabil, da Nervenzu-
sammenbrüche trotz medikamentöser Behandlung erneut auftreten wür-
den. Sie brauche deshalb Hilfe von Drittpersonen bei der Betreuung und
Erziehung der Kinder. Unter diesen Umständen ist zwar von einem beein-
trächtigten Gesundheitszustand von zwei der drei Gesuchstellenden aus-
zugehen. Gleichzeitig ergibt sich, dass sie für die psychischen Beschwer-
den in Tartous auf fachärztliche Betreuung zurückgreifen können.
5.6 Schliesslich bestehen keine hinreichend konkreten Hinweise darauf,
dass die Gesuchstellenden an ihrem jetzigen Aufenthaltsort in asylrelevan-
ter Hinsicht verfolgt würden. Die Vorinstanz schenkte im Asylverfahren den
Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe in Syrien als hochrangiger Be-
rufsmilitär gedient, zwar glauben. Sie ging deshalb davon aus, dass er bei
einer Rückkehr asylrelevante Nachteile zu gewärtigen hätte. Eine Re-
flexverfolgung seiner Familienangehörigen kann somit nicht per se ausge-
schlossen werden (vgl. zu Reflexverfolgungen in Syrien etwa Urteil des
BVGer E-2257/2019 vom 15. März 2021 E. 7.3). Dem Beschwerdeführer
gelingt es mit seinen unsubstantiierten Ausführungen aber nicht, das Vor-
liegen einer solchen hinreichend darzutun. Namentlich die eingereichte
Übersetzung einer (scheinbar handschriftlich erfolgten) Vorladung von
B._ vor die Staatsanwaltschaft in Tartous ist hierfür unzureichend.
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Im syrischen Kontext ist nahezu jedes amtliche Dokument gegen Bezah-
lung erhältlich (vgl. Urteil des BVGer D-4744/2020 vom 23. Dezember
2020 E. 5.2). Selbigen ist nur dann eine relevante Beweiskraft beizumes-
sen, wenn sie im Kontext eines hinreichend schlüssigen Sachverhaltsvor-
trages eingereicht werden (vgl. Urteil des BVGer D-2977/2019 vom 30. No-
vember 2021 E. 7.3.3 m.H.). Dies ist vorliegend nicht der Fall, da insbe-
sondere die freiwillige Rückkehr der Gesuchstellenden nach Syrien, wie
dargelegt (vgl. E. 5.4), gegen eine hinreichend konkrete Gefährdung im
Heimatland spricht (vgl. Urteil des BVGer F-3986/2019 vom 22. Oktober
2020 E. 5.3). Selbst andernfalls könnte eine behördliche Einvernahme wie
die vorliegend geltend gemachte für sich alleine nicht als eine für die Ertei-
lung eines humanitären Visums nötige unmittelbare, ernsthafte und kon-
krete Gefahr an Leib und Leben eingestuft werden (vgl. Urteile des BVGer
F-5587/2019 vom 21. September 2020 E. 7.2; F-5795/2018 vom 6. August
2019 E. 7.3). Die Entführung der Tochter des Beschwerdeführers bleibt
schliesslich eine unbelegte Behauptung. Das Gericht gelangt nach Durch-
sicht der Akten deshalb zum Schluss, dass sich keine konkreten Hinweise
dafür ergeben, dass die Gesuchstellenden in Syrien aufgrund der Ausreise
des Beschwerdeführers mit hoher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile
zu befürchten haben.
5.7 Letztlich beabsichtigt der Beschwerdeführer eine Bewilligung für den
Familiennachzug. Dieser Wunsch ist verständlich, gerade auch angesichts
der Situation im Heimatland. Jedoch ist das Verfahren zur Erteilung eines
nationalen Visums aus humanitären Gründen nicht das für dieses Anliegen
vorgesehene und kann auch nicht verwendet werden, um das zutreffende
ausländerrechtliche Verfahren zu umgehen (vgl. Urteile des BVGer
F-1427/2020 vom 10. Mai 2021 E. 6.5; F-3248/2020 vom 10. Januar 2022
E. 6.3).
6.
Das vom Beschwerdeführer mit seinem Verweis auf den Kindesschutz an-
gesprochene Übereinkommen vom 20. November 1989 über die Rechte
des Kindes (KRK, SR 0.107) vermittelt keinen Anspruch auf ein humanitä-
res Visum (BGE 143 I 21 E. 5.5.2; BVGE 2014/20 E. 8.3.6; Urteil des
BVGer F-5610/2019 vom 26. März 2021 E. 6.2).
7.
Nach dem Ausgeführten ist die Situation der Gesuchstellenden in Syrien
zweifelsohne schwierig und sehr belastend. Von einer unmittelbaren Ge-
fährdung, welche die Ausstellung humanitärer Visa rechtfertigen würde, ist
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jedoch nicht auszugehen. Die angefochtene Verfügung erweist sich somit
im Lichte von Art. 49 VwVG als rechtmässig. Damit ist die Beschwerde ab-
zuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen und auf Fr. 1’000.– festzusetzen (vgl. Art. 63
VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Gerichts-
kostenvorschuss gedeckt.
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