Decision ID: 5b515364-be79-5d1e-ba77-b76a716f2538
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a A._ meldete sich am 21. Mai 2010 zum Bezug von Invalidenleistungen an (act.
G 4.1.1, 4.1.6). Gemäss dem Telefongespräch zwischen der RAD-Ärztin Dr. med.
C._ und dem Hausarzt der Versicherten, Dr. med. B._, vom 28. Mai 2010 lag bei
der Versicherten ein Zustand nach subakutem Leberversagen und eine Depression vor.
Die Versicherte sei am 8. August 2008 zu 100% arbeitsunfähig geschrieben worden.
Nachdem sich ihre Leberfunktion vorübergehend verbessert habe, sei ihr für eine
körperlich leichte Tätigkeit wieder eine Arbeitsfähigkeit attestiert worden. Die
Realisierbarkeit der bescheinigten Arbeitsfähigkeit sei aber nicht gegeben; es habe
auch in den Arbeitsprogrammen des Arbeitsamtes Schwierigkeiten gegeben (act.
G 4.1.17-1).
A.b Im Bericht vom 24. August 2010 diagnostizierte Dr. med. D._, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
depressive Episode seit Mai 2007 (eventuell auch seit 2003), eine Leberinsuffizienz bei
Hepatopathie unklarer Ätiologie (akut von Juli 2008 bis etwa Oktober 2008). Ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe ein Verdacht auf übermässigen Gebrauch
von Benzodiazepinen. Die Versicherte sei im Juni 2007 wegen Depression mit
insbesondere Schlafstörungen in seine ambulante Behandlung überwiesen worden.
Diese habe sie aber bald abgebrochen und sich Rezepte gegen Schlafstörungen
schicken lassen. Seit Oktober 2008 bestehe eine regelmässige ambulante Behandlung
(delegierte Psychotherapie und Psychopharmakatherapie) in seiner Praxis. Es
bestünden Antriebslosigkeit, Unruhe, Schlafstörungen und weitere Symptome einer
Depression, wie z.B. Perspektivlosigkeit und fehlende Motivation. Die Versicherte sei
als Hilfsarbeiterin seit Anfang August 2008 zu 100% arbeitsunfähig. Mit Hilfe von
Massnahmen zur beruflichen Eingliederung könne aber möglicherweise eine
Arbeitsfähigkeit von 50% erreicht werden (act. G 4.1.25-6).
A.c In zwei Berichten von 17. September 2010 hielt Dr. med. E._, Facharzt für
Neurologie, fest, der EEG-Befund sei soweit regelrecht, ohne Herdbefund und ohne
Nachweis von epileptischen Potentialen. Er gehe letztendlich von einem provozierten
epileptischen Anfall aus, bei bekannter Hepatopathie, aber auch raschem
Benzodiazepinentzug. Weiter gehe er davon aus, dass bei der Versicherten auch eine
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äthyltoxisch induzierte Enzephalopathie vorliege. Hierfür spreche, dass sie auf
Benzodiazepinentzug schnell mit einem epileptischen Anfall reagiere (act. G 4.1.36).
A.d Mit Schreiben vom 26. Oktober 2010 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, es
seien auf Grund ihres Gesundheitszustands zurzeit keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich (act. G 4.1.33).
A.e Am 23. November 2010 wurde die Versicherte polydisziplinär im ABI (Ärztliches
Begutachtungsinstitut GmbH), Basel, untersucht (act. G 4.1.30). Im Gutachten vom
13. Januar 2011 kamen die Experten zum Schluss, dass bei der Versicherten in der
angestammten sowie in anderen leichten bis mittelschweren Tätigkeiten eine Arbeits-
und Leistungsfähigkeit von 100% bestehe. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit hielten sie eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0), einen Status
nach Alkoholabhängigkeit (ICD-10 F10.2), eine Benzodiazepinabhängigkeit (ICD-10
F13.2), einen asymmetrischen diskreten Haltetremor unklarer Ätiologie (ICD-10 G25.9),
ein Mikroadenom der Hypophyse (MRI-Verdachtsdiagnose; ICD-10 D35.2V), einen
Verdacht auf eine leichte sensible Polyneuropathie (toxisch, ICD-10 G62.1), einen
Status nach subakutem Leberversagen bei Hepatopathie unklarer Ätiologie 08/2008
(ICD10 K72.0Z) und mit Verdacht auf äthyltoxische Genese und aktuell normalen
Leberenzymen, Übergewicht mit BMI von 29kg/m (ICD-10 E66.9), Nikotinabusus
(ICD-10 F17.1) und einen Status nach Nephrolithiasis (ICD-10 N20.0Z) fest (act.
G 4.1.35).
A.f Gemäss dem Untersuchungsbericht des Spitals F._ vom 3. Januar 2011 erlitt die
Versicherte am 2. Januar 2011 ein Supinationstrauma des linken OSG. Es ergaben sich
aber keine Hinweise auf ossäre Läsionen (act. G 4.1.34).
A.g RAD-Ärztin Dr. med. G._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in
der Stellungnahme vom 5. April 2011 fest, dass das ABI-Gutachten die Versicherte aus
internistischer, neurologischer und psychiatrischer Sicht konsensuell und
widerspruchsfrei beurteilt habe. Die psychiatrischen Ausführungen seien jedoch etwas
knapp gehalten. Unter der beschriebenen Benzodiazepinabhängigkeit lasse sich
derzeit nicht mit ausreichender Sicherheit ein IV-relevanter psychischer
Gesundheitsschaden diagnostizieren. Es sei aber vorstellbar, dass nach erfolgreichem
2
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Benzodiazepin-Entzug eine IV-relevante Störung sichtbar werde. Deshalb werde auch
unter diesem Aspekt dringend ein Benzodiazepin-Entzug empfohlen (act. G 4.1.38).
A.h Mit Vorbescheid vom 18. April 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, einen Rentenanspruch mangels rentenbegründenden Invaliditätsgrades zu
verneinen (act. G 4.1.44).
A.i Dagegen erhob die Versicherte am 13. Mai 2011 Einwand. Sie brachte vor, dass sie
die IV-Rente nicht wegen ihrer Alkoholabhängigkeit beantragt habe, sondern wegen
ihrer Depressionen. Ihre Leber sei wieder gesund und ihr Alkoholproblem habe sie im
Griff. Seit 2008 nehme sie jedoch regelmässig Antidepressiva, Beruhigungs- und
Schlafmittel. Dies könnten ihre Ärzte bestätigen (act. G 4.1.45).
A.j RAD-Ärztin Dr. G._ nahm dazu am 23. Mai 2011 Stellung. Das Suchtverhalten,
welches aktuell als Hauptursache für die Einschränkungen angenommen werde, sei die
Benzodiazepinabhängigkeit und nicht der Zustand nach Alkoholabusus. Auch der
behandelnde Psychiater habe in seinem Bericht vom 24. August 2010 den Verdacht auf
übermässigen Gebrauch von Benzodiazepinen bestätigt (act. G 4.1.47).
A.k Am 16. August 2011 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid und
lehnte einen Rentenanspruch der Versicherten ab. Die Abklärungen hätten ergeben,
dass die Arbeitsunfähigkeit vor allem durch das Abhängigkeitsverhalten begründet sei,
weshalb keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliege (act. G 11.1.12).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegend zu beurteilende Beschwerde der
Versicherten vom 29. August 2011 mit dem sinngemässen Antrag auf deren Aufhebung
und Zusprache einer Rente. Zur Begründung führte die Versicherte aus, dass sie seit
2003 immer wieder unter depressiven Verstimmungen leide. Nach Erhalt der
Kündigung im Oktober 2007 habe sie angefangen, Alkohol zu konsumieren, habe
jedoch im August 2008 eine schwere Lebererkrankung durchgemacht. Nach Besserung
der Lebererkrankung hätten sich ihre Depressionen verschlechtert. Sie leide immer
noch unter schweren Depressionen, sei immer müde, antriebslos und oft nicht in der
Lage, selbständig ihren Haushalt zu erledigen. Ohne Medikamente könne sie nicht
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schlafen und nicht normal funktionieren. Die Medikamente würden ihr helfen, normal zu
funktionieren (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 19. Oktober 2011 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeabweisung. Gestützt auf die
Bundesgerichtspraxis begründe Alkoholismus wie auch Drogensucht und
Medikamentenabhängigkeit für sich allein keine Invalidität. Vielmehr würden diese
Süchte invalidenversicherungsrechtlich erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder
einen Unfall bewirkt hätten, in deren Folge ein Gesundheitsschaden eingetreten sei,
oder wenn sie selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheitsschadens seien, dem Krankheitswert zukomme. Dem Alkoholproblem
könne vorliegend keine IV-rechtliche Relevanz zugebilligt werden und der leichten
depressiven Episode (ICD-10 F32.0) sei kein Krankheitswert beizumessen. Daher
würden die psychiatrischen Befunde keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit
begründen (act. G 4).
B.c In der Replik vom 6. November 2011 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen fest. Sie fügte hinzu, dass ihr neu Dr. med. H._ beim Entzug des
Medikaments Bromazepamum helfen würde. Dr. H._ sei der Meinung, dass alle
Symptome auf Parkinson hindeuten würden. Einen Termin beim Neuropsychiater
müsse sie aber noch vereinbaren. Bevor eine Entscheidung getroffen werde, ersuche
sie daher das Gericht, Dr. H._ zu kontaktieren (act. G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom 11. November 2011 auf
die Einreichung einer Duplik (act. G 8).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
Rentenleistung streitig.
2.
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2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein
Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss kommt
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einem Gutachten oder anderen medizinischen Beurteilungen schon dann kein voller
Beweiswert zu, wenn Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht
feststehen, dass die medizinischen Beurteilungen effektiv nicht den Tatsachen
entsprechen, was nicht mit medizinischen Fachpersonen besetzte Behörden in der
Regel nicht beurteilen können (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG;
seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. Oktober
2002, I 779/01, E. 4.2).
2.4 Das sozialversicherungsrechtliche Verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz
beherrscht, indem Verwaltung und Sozialversicherungsgericht von sich aus für die
richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen
haben. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in
den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2 mit Hinweisen; vgl. BGE
130 I 183 E. 3.2). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinn einer
Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen
mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Fall der
Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift
allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (BGE 117 V 265 E. 3b mit Hinweisen).
2.5 Nach Art. 43 Abs. 2 ATSG hat sich die versicherte Person ärztlichen oder fach
lichen Untersuchungen zu unterziehen, soweit diese für die Beurteilung notwendig und
zumutbar sind. In Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes ist die Verwaltung vor
einem Entscheid zunächst aber verpflichtet, diejenigen Sachverhaltsabklärungen zu
treffen, die ohne Schwierigkeiten und ohne besonderen Aufwand auch ohne die
verlangte Mitwirkung der versicherten Person möglich sind.
3.
3.1 Vorab zu klären ist die Frage, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt. Die
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Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung auf das ABI-
Gutachten vom 13. Januar 2011 (act. G 4.1.35).
3.2 In der gesamtgutachterlichen Würdigung kamen die Experten zum Schluss, dass
bei der Beschwerdeführerin für angestammte und andere leichte bis mittelschwere
Tätigkeiten eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 100% bestehe (act. G 4.1.35-16).
Dem psychiatrischen Teilgutachten von Dr. med. I._ ist zu entnehmen, dass die
Schwierigkeiten der Beschwerdeführerin im Jahr 2003 begonnen hätten, als sie mit
ihrer Familie umgezogen sei. Schon im Vorfeld habe der Umzug die
Beschwerdeführerin belastet, sie sei antidepressiv und mit einem Benzodiazepin
behandelt worden. Am neuen Wohnort habe sie sich nie wohl gefühlt und bei der Arbeit
sei sie vom Chef immer wieder kritisiert worden. Der Benzodiazepinkonsum habe sich
gesteigert, gleichzeitig habe sie auch mehr Alkohol konsumiert. Nach Verlust der
Arbeitsstelle infolge Kündigung durch die Arbeitgeberin sei sie arbeitslos gewesen und
habe einige Arbeitseinsätze in einem Altersheim und einer Textilwerkstatt gehabt. Dann
sei sie an einer schweren Leberentzündung erkrankt. Während der akuten Phase habe
sie unter Bewegungsstörungen gelitten, die sich in der Zwischenzeit aber
zurückgebildet hätten. Seit der Lebererkrankung 2008 trinke sie keinen Alkohol mehr,
nach wie vor nehme sie aber grosse Mengen eines Benzodiazepinpräparates ein. Sie
habe Mühe, sich für die Hausarbeit zu motivieren. Nachts leide sie unter
Schlafstörungen, die auch damit zusammenhingen, dass sie den Alltag sehr passiv
verbringe und sich tagsüber immer wieder hinlege. Sie klage vor allem über Müdigkeit,
mangelnden Antrieb und auch eine gewisse Ängstlichkeit. Sie beklage einen gewissen
Lebensverleider, verneine jedoch Suizidgedanken. Es handle sich hierbei um eine
leichte depressive Episode. Daneben bestehe eine ausgeprägte
Benzodiazepinabhängigkeit. Im Sommer 2010 habe die Beschwerdeführerin in den
Ferien einen epileptischen Anfall erlitten, als sie zu wenig Lexotanil (ein Benzodiazepin)
bei sich gehabt habe. Auch dies sei ein Hinweis dafür, dass die Beschwerdeführerin
einen massiven Benzodiazepinkonsum betreibe. Die Klagen über Müdigkeit,
Antriebslosigkeit, der Rückzug ins Bett und auch die im Rahmen der Untersuchung
festgestellte Verlangsamung und Müdigkeit seien im Zusammenhang mit der massiven
Benzodiazepinabhängigkeit zu sehen. Eine mittelgradige oder schwere depressive
Störung liege nicht vor. Auch sei die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht nicht
eingeschränkt. Es bestünden keine Hinweise auf irreversible, geistige oder psychische
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Schäden nach langjähriger Alkoholabhängigkeit. Der Konsum von Benzodiazepinen
führe nicht zu irreversiblen geistigen oder psychischen Schäden. Die depressive
Störung sei geringgradig ausgeprägt und schränke die Arbeitsfähigkeit nicht ein. Die
geklagten Ängste seien im Rahmen der leichten depressiven Störung, aber auch im
Zusammenhang mit dem Konsum der Benzodiazepine zu sehen. Die
Beschwerdeführerin nehme derart hohe Mengen von Benzodiazepinen ein, dass der
Abfall des Benzodiazepinspiegels im Blut immer wieder leichte Unsicherheit und
Ängste hervorrufe. Hinsichtlich der psychiatrischen Einschätzung von Dr. D._ vom
24. August 2010 hielt Dr. I._ fest, der behandelnde Arzt habe eine Depression
diagnostiziert, die er aber nicht näher ausgeführt habe, und eine Benzodiazepin
abhängigkeit erwähnt. Dr. D._ sehe die Arbeitsfähigkeit einzig durch die depressive
Störung beeinträchtigt. Ab August 2010 habe er eine Arbeitsunfähigkeit von 100%
attestiert. Dagegen habe er (Dr. I._) im Gutachten dargelegt, dass die depressive
Störung lediglich geringgradig ausgeprägt sei. Demgegenüber bestehe eine
ausgeprägte Benzodiazepinabhängigkeit. Auch die Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin einen schweren epileptischen Anfall erlitten habe, spreche dafür,
dass es sich um eine massive Abhängigkeitserkrankung handle. Bei der
neurologischen Begutachtung durch Dr. med. J._ vom 23. November 2010 sei ein
Verhangensein der Beschwerdeführerin zusammen mit einem "Müde wirken" und
langsamen Bewegungsabläufen aufgefallen. Dies könne durch die
Benzodiazepineinnahme erklärt werden. Kognitive Defizite seien bei der neurologischen
Untersuchung nicht feststellbar, Merkfähigkeit und Aufmerksamkeit hätten sich als
ausreichend gut erwiesen. Während der Untersuchung sei nur einmal während des
Ansprechens eines belastenden Themas ein Tremor aufgefallen. Es hätten sich keine
weiteren Zeichen im Sinne einer extrapyramidalen Bewegungsstörung ergeben. Die
Feinbeweglichkeit und grobe Kraft seien erhalten (act. G 4.1.35).
3.3 Nach der Rechtsprechung begründet eine Drogen- bzw. Medikamenten- und
Alkoholsucht für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Die
Suchterkrankung kann jedoch im Rahmen der Invalidenversicherung relevant werden,
wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher
oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden
eingetreten ist, oder wenn sie selber Folge eines geistigen Gesundheitsschadens ist,
dem Krankheitswert zukommt (BGE 99 V 28 E. 2; Urteil des Bundesgerichtes vom 13.
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April 2007, I 207/2006). Ob die Sucht ursächlich für eine andere
Gesundheitsschädigung war oder erst in Folge einer solchen auftrat, ist in einem
solchen Fall nicht mehr von Belang. Erforderlich ist lediglich, dass auch ein anderer
Gesundheitsschaden vorliegt, der mit der Sucht in Zusammenhang steht. Ist dies
erfüllt, so geht es nicht etwa darum, den auf die Sucht entfallenden Anteil der
Arbeitsunfähigkeit abzuspalten und als nicht invalidisierend zu bezeichnen. Vielmehr ist
bei Bejahung eines solchen Zusammenhangs mit einer anderen Erkrankung auch die
Sucht vollumfänglich zu berücksichtigen (Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 25. Juni 2009, IV 2008/307, E. 2.1). Im vorliegenden Fall schätzten die
ABI-Gutachter die Benzodiazepinabhängigkeit weder als Folge einer Krankheit noch als
ursächlich für einen anderen invalidisierenden Gesundheitsschaden ein. Zwar befand
die RAD-Ärztin Dr. G._ in der Stellungnahme vom 5. April 2011 die gutachterlichen
Beurteilungen des ABI grundsätzlich als konsensuell und widerspruchsfrei, wobei die
psychiatrischen Ausführungen etwas knapp gehalten seien. Sie hielt fest, der Gutachter
könne trotz Benzodiazepinabhängigkeit keine Arbeitsunfähigkeit erkennen. Er sehe die
Notwendigkeit des Entzugs offenbar im subjektiven Gewinn für die Versicherte.
Allerdings äusserte die RAD-Ärztin auch gewisse Zweifel an der Stimmigkeit des
Gutachtens. So lasse sich ihres Erachtens unter der beschriebenen
Benzodiazepinabhängigkeit derzeit nicht mit ausreichender Sicherheit ein IV-relevanter
psychischer Gesundheitsschaden diagnostizieren, es sei jedoch vorstellbar, dass nach
erfolgreichem Benzodiazepin-Entzug eine IV-relevante Störung sichtbar werde.
Deshalb empfehle der RAD auch unter diesem Aspekt dringend einen Benzodiazepin-
Entzug (act. G 4.1.38). In der Stellungnahme vom 30. September 2011 bestätigte Dr.
G._, dass eine deutlichere psychische Störung durch den hohen Benzodiazepin-
Konsum verdeckt sein könne. Primär sei es angezeigt, den übermässigen
Benzodiazepin-Konsum zu reduzieren, auch um den kausalen Therapiezugang zu
öffnen (z.B. verhaltenstherapeutische Interventionen, adäquate antidepressive
Medikation mit Aufdosieren/Switchen). Dies werde jedoch in einem stationären
Aufenthalt erfolgen müssen, um Zusammenhänge erkennen und Compliance und
Zwischenfälle begleiten zu können (act. G 4.1.52). Dass die RAD-Ärztin dennoch
insgesamt auf das ABI-Gutachten abstellen möchte, weil derzeit nicht mit
ausreichender Sicherheit ein IV-relevanter psychischer Gesundheitsschaden
festgestellt werden könne, überzeugt nicht. Nachdem die RAD-Ärztin nämlich die
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Möglichkeit aufzeigte, dass neben dem Benzodiazepinüberkonsum noch eine
deutlichere psychische Störung vorhanden sein könnte, kann nicht mit der Beweiskraft
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass den
Einschränkungen der Beschwerdeführerin keine IV-relevante Krankheit zu Grunde liegt.
Insgesamt ergeben sich somit erhebliche Zweifel an den Schlussfolgerungen des ABI-
Gutachtens. Die IV-Stelle wird daher ein neues medizinisches Gutachten einholen
müssen. Dieses wird darüber Auskunft zu geben haben, ob bei der Beschwerdeführerin
ein psychisches Leiden vorliegt, das die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt und das von der
Suchtmittelabhängigkeit überlagert ist. Die Wahl der Untersuchungsmethode
(Abklärung im ambulanten oder stationären Rahmen) wird Sache der zu
beauftragenden Gutacherstelle sein.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 16. August 2011 teilweise gutzuheissen. Die Sache ist zur weiteren
Abklärung und zu neuer Verfügung im Sinne der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles
Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss der Beschwerdeführerin von Fr. 600.-- ist ihr
zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 16. August 2011
aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung und zu neuer Verfügung im
Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
bis
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2. Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin
zurückerstattet.
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