Decision ID: 9c5f4b05-88de-45c0-ab93-f891b89be9ca
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
R._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Hans Frei, Kriessernstrasse 40, 9450 Altstätten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen
Sachverhalt:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.
A.a Bereits in früher Jugend konsumierte der 1965 geborene R._ Nikotin, Alkohol und
Cannabis. Im Jahr 1980 begann er mit dem Konsum von Heroin und Kokain (IV-act. 4).
Nach Ende der obligatorischen Schulzeit trat der Versicherte im Jahr 1981 eine Lehre
zum Feinmechaniker an, die er im dritten Lehrjahr abbrach. Seit dem Jahr 1990
substituiert der Versicherte seine Opiatabhängigkeit mit Methadon (IV-act. 34-3 f.).
Nachdem er von September 1991 bis August 1993 eine Gefängnisstrafe verbüsst hatte,
meldete er sich am 29. März 1996 bei der Invalidenversicherung (IV) erstmals zum
Leistungsbezug an. Die geltend gemachte Einschränkung in der Erwerbsfähigkeit im
Umfang von 50% begründete der Versicherte mit dem jahrelangen Drogenmissbrauch
(IV-act. 1). Dieses Leistungsbegehren lehnte die Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen (SVA) am 5. Juli 1996 mit der Begründung ab, ein Suchtverhalten
begründe für sich allein keine Invalidität. Ein (allenfalls auch suchtbedingter)
Gesundheitsschaden, der die Erwerbsfähigkeit massgeblich beeinträchtige, sei nicht
ausgewiesen (IV-act. 8). Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft.
A.b Ab Februar 1998 war der Versicherte im Rahmen eines von der Gemeinde
organisierten Beschäftigungsprogramms vorerst mit einem Pensum von 100%,
anschliessend mit einem halben Arbeitspensum im Altersheim A._ tätig. Diese
Anstellung endete im April 2001 (IV-act. 34-10). Gemäss IK-Einträgen übte der
Versicherte danach keine Erwerbstätigkeit mehr aus und lebte von Sozialhilfeleistungen
(IV-act. 13-2).
A.c Vom 8. bis 13. Februar 2006 war der Versicherte in stationärer Behandlung in der
Klinik St. Pirminsberg in Pfäfers. Die Ärzte der Klinik diagnostizierten bei ihm eine
mittelschwere depressive Episode mit latenter Suizidalität und Schlafstörungen (ICD-10
F32.1), ein Cannabisabhängigkeitssyndrom (ICD-10 F12.2), ein methadonsubstituiertes
Opiatabhängigkeitssyndrom (ICD-10 F11.23), Status nach
Kokainabhängigkeitssyndrom (ICD-10 F15.20) sowie Hepatitis B und C, Status nach
Helicobacter-Infektion im Jahr 1998. Während des Anamnesegesprächs hätten sich
keine Anhaltspunkte für Gedächtnis- oder Aufmerksamkeitsstörungen ergeben. Der
Versicherte habe aber von solchen berichtet. Keine Hinweise ergäben sich auch für
Zwänge, Halluzinationen oder Ich-Störungen. Der Versicherte sei psychomotorisch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ruhig, im Affekt nur eingeschränkt schwingungsfähig und weinerlich und zeige eine
depressive Grundstimmung. Im Rahmen der körperlich neurologischen
Aufnahmeuntersuchung sei ein 2/6 Systolikum mit Punktum maximum über dem
Erbschen Punkt aufgefallen. Ansonsten hätten die Untersuchung von Haut, Kopf und
Halsorganen, Lunge, Herz, Bauch und Bewegungsapparat sowie die neurologische
Untersuchung von Kopf, Hirnnerven, Muskeleigenreflexen und Pyramidenbahnzeichen,
Motorik, Sensibilität und Koordination keine Auffälligkeiten ergeben (IV-act 53).
A.d Am 7. Dezember 2006 gelangte der Versicherte erneut an die Invalidenversicherung
und beantragte die Ausrichtung einer Invalidenrente. Als Grund für die
Einschränkungen in der Erwerbstätigkeit gab er körperliche und psychische
Folgeschäden aufgrund einer 11-jährigen Heroinsucht und anschliessendem 16-
jährigen Methadonprogramm an (IV-act. 9). Dr. med. B._, langjähriger Hausarzt des
Versicherten, diagnostizierte mit Arztbericht vom 23. März 2007 ein
methadonsubstituiertes Opiatabhängigkeitssyndrom, Status nach Kokainabhängigkeit,
und eine Persönlichkeitsstörung. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit leide der
Versicherte zudem an Hepatitis B und C. Der Versicherte beschäftige sich
hauptsächlich am Computer und bewege sich wenig. Er sei untrainiert und
übergewichtig, ansonsten aber in einem guten körperlichen Zustand, was von ihm
selbst nicht so wahrgenommen werde, sei er doch überzeugt, keine körperliche Arbeit
mehr verrichten zu können. Für ein körperliches Leiden bzw. eine Krankheit bestünden
jedoch keine Anhaltspunkte. Auch mental weise er keine Defizite auf. Wenn schon
seien beim Versicherten berufliche Massnahmen angezeigt (IV-act. 17).
A.e Auf Anweisung des Regionalen Ärztlichen Dienstes der Invalidenversicherung (RAD)
wurde der Versicherte am 5. November 2007 durch die Psychiatrischen Dienste
Graubünden, Dr. C._, psychiatrisch begutachtet. Diese stellte bei ihm eine
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) fest. Ohne Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit qualifizierte Dr. C._ die substituierte Opiatabhängigkeit des
Versicherten, seine Cannabisabhängigkeit sowie das bei ihm diagnostizierte Hepatitis B
und C. Die Sucht müsse als Folge einer emotional vernachlässigten und mit vielen
Traumata belasteten Kindheit und Jugend angesehen werden. Der aktuellen
Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit liege ein psychisches Leiden mit Krankheitswert
zugrunde, das nie habe aufgearbeitet werden können. Der Versicherte sei intelligent,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
durch die lange Arbeitslosigkeit und durch negative Erfahrungen aber wenig motiviert,
wieder in einen Job einzusteigen. Offensichtliche körperliche Störungen mit akutem
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten seien nicht nachweisbar. Der
Versicherte weise soziale und emotionelle Ressourcen auf. Es sei davon auszugehen,
dass er in einer tragenden Umgebung Fuss fassen und seinen Ressourcen
entsprechend gefördert werden könnte. Eine Beschäftigung sei ihm zumutbar, wobei
das Pensum zu Beginn auf 50% anzusetzen und darauf zu achten sei, dass das
Arbeitsumfeld nicht patriarchalisch-autoritär sei. Für die Motivation sei es zudem
wichtig, dass der Versicherte in der Tätigkeit gefordert sei (IV-act. 34).
A.f Zur Prüfung beruflicher Massnahmen wurde der Versicherte in der Folge mit
Schreiben vom 7. Mai 2008 zu einem Gespräch mit einem Berufsberater eingeladen
(IV-act. 38). Bereits vorgängig zu diesem Gespräch teilte der Versicherte dem
Berufsberater telefonisch mit, dass es sich bei dieser Einladung nur um ein
Missverständnis handeln könne, da sein Gesundheitszustand die Aufnahme einer
regelmässigen Erwerbstätigkeit nicht zulasse (IV-act. 39). Vergleichbar äusserte er sich
im Erstgespräch mit dem Berufsberater dahingehend, dass er sich körperlich nicht
imstande fühle, einer geregelten Arbeit nachzugehen (IV-act. 48). Aufgrund dieser
Aussagen lehnte die IV-Stelle einen Anspruch auf berufliche Massnahmen mit
Vorbescheid vom 23. Juli 2008 und Verfügung vom 22. September 2008 wegen
fehlendem Eingliederungswillen ab (IV-act. 51, 56). Diese Verfügung blieb
unangefochten.
A.g Am 15. Mai 2009 fand auf Antrag des RAD eine Verlaufsbegutachtung durch die
Psychiatrischen Dienste Graubünden, Dr. med. D._, statt. Gemäss Gutachter
berichtete der Versicherte seit der Behandlung mit Antidepressiva über eine deutliche
Besserung seiner Stimmung. Es bestünde keine Suizidalität mehr und er gehe nach
draussen, ziehe sich nicht mehr in ein verdunkeltes Zimmer zurück. Der Versicherte
habe sich in ausgeglichener Stimmung befunden. Es zeigten sich keine Freudlosigkeit
und kein Interesseverlust. Weiterhin vorhanden sei eine Antriebsminderung, die sich
aber ohne Weiteres durch eine Resignation aufgrund der Lebensumstände erklären
lasse. Es bestehe eine depressive Episode, seit Frühjahr 2008 remittiert. Eine
Persönlichkeitsstörung lasse sich beim Versicherten nicht nachweisen. Auch nach
Remission der Depression bestehe weiterhin eine Resignation. Der Versicherte habe
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sich in seiner jetzigen Lebenssituation eingerichtet und sei im Hinblick auf seine
Äusserungen gegenüber der IV an einer Eingliederung ins Berufsleben offenbar nicht
mehr interessiert. Das Hauptproblem des Versicherten seien nicht gesundheitliche
Einschränkungen, sondern die lange Entwöhnung vom Arbeitsprozess und die
Resignation, die sich aufgrund von negativen Erfahrungen eingestellt habe. Dem
Versicherten seien alle Tätigkeiten zumutbar, die nicht mit sehr hohen
Belastungsspitzen und sehr grossen emotionalen Belastungen einhergingen (IV-act.
61).
A.h Mit Vorbescheid vom 17. Juni 2009 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, die beantragte Invalidenrente zu verweigern, da Abklärungen ergeben hätten,
dass seine Arbeitsunfähigkeit vor allem durch das Abhängigkeitsverhalten begründet
sei. Es liege deshalb keine Invalidität vor (IV-act. 65). Dagegen liess der Versicherte am
16. September 2009 durch Rechtsanwalt Hans Frei, Altstätten, Einwand erheben und
beantragen, es sei sein körperlicher Gesundheitszustand gründlich zu untersuchen und
es seien ihm im Rahmen seiner körperlichen Möglichkeiten berufliche Massnahmen zu
gewähren. Zudem sei ihm die unentgeltliche Prozessverbeiständung zu bewilligen,
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung führte der
Rechtsvertreter insbesondere an, dass der Versicherte zwar psychisch genau abgeklärt
worden sei, dass aber auf den körperlichen Zustand in sämtlichen ärztlichen
Untersuchungen nicht näher eingegangen werde. Dabei sei der körperliche
Allgemeinzustand des Versicherten eher schlecht, erfordere doch bereits eine
Fussstrecke von ein paar hundert Metern eine Ruhepause. Zudem leide der Versicherte
unter Rücken- und Gelenkschmerzen, letzteres vor allem in den Fingern, so dass er die
Faust nicht mehr richtig machen könne. Schliesslich habe der Versicherte auch Wasser
in den Händen und Beinen. Sollten die körperlichen Untersuchungen ergeben, dass
eine Restarbeitsfähigkeit des Versicherten bestehe, sei dieser durchaus bereit, im
Rahmen seiner Möglichkeiten an einer beruflichen Integration mitzuwirken (IV-act. 71).
A.i Die IV-Stelle hielt mit Verfügung vom 25. September 2009 an ihrer Auffassung fest.
Die vorgebrachten körperlichen Beschwerden hätten keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit. Der Versicherte sei vielmehr aufgrund körperlicher Inaktivität
dekonditioniert. Eine medizinisch begründete Einschränkung der Arbeits- und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Leistungsfähigkeit liege nicht vor. Damit bestehe weder ein Anspruch auf
Rentenleistungen noch ein solcher auf berufliche Massnahmen (IV-act. 76).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von R._ durch seinen Rechtsvertreter am
28. Oktober 2009 beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen angehobene
Beschwerde mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die
Sache zur weiteren Abklärung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Zudem sei dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor Versicherungsgericht die
unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Die Begründung entspricht im
Wesentlichen derjenigen im Einwand vom 16. September 2009 (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 23. November 2009 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Aus dem Umstand, dass der
Versicherte aufgrund seiner Inaktivität und seines Lebenswandels dekonditioniert sei,
dürfe keine Arbeitsunfähigkeit aus somatischen Gründen konstruiert werden. Der
Hausarzt sehe den Versicherten täglich für die Methadonabgabe und hätte eine
somatische Erkrankung mit Auswirkungen auf die (adaptierte) Arbeitsfähigkeit in
seinem Bericht vom 3. April 2007 oder anlässlich des von der Beschwerdegegnerin am
25. September 2009 mit ihm geführten Telefongesprächs sicherlich erwähnt. Es sei
somit auf die Einschätzung in der letzten Begutachtung abzustellen. Da der Versicherte
voll arbeitsfähig sei, habe er keinen Anspruch auf eine Rente oder andere IV-
Leistungen (act. G 3).
B.c Mit Verfügung vom 30. November 2009 gewährte die Präsidentin der 1. Abteilung
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen dem Beschwerdeführer die
beantragte unentgeltliche Prozessführung (act. G 4).
B.d Mit Eingabe vom 14. Januar 2010 hält der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
an seinen Anträgen fest. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin habe Dr. B._
den Beschwerdeführer letztmals am 3. April 2007 eingehend untersucht. Er sehe den
Beschwerdeführer zwar täglich für die Abgabe des Methadons; ansonsten habe jedoch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
keine ärztliche Beratung stattgefunden. So habe sich Dr. B._ z.B. nicht zur
medikamentös bedingten raschen Gewichtszunahme des Beschwerdeführers
geäussert und sich auch mit der ungewöhnlich schnellen Ermüdbarkeit und den
Atemproblemen des Beschwerdeführers nicht näher auseinandergesetzt. Ein aktueller
ärztlicher Bericht fehle in den Akten und eine medizinische Untersuchung der
somatischen Beschwerden habe in den letzten Monaten und Jahren nicht
stattgefunden. Dies sei im Rahmen einer interdisziplinären Begutachtung nachzuholen
(act. G 7).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 9).

Erwägungen:
1.
1.1 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung - und im Beschwerdefall das Gericht - von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit
Hinweisen). Zusätzliche Abklärungen haben Verwaltungsbehörden immer dann
vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn glaubhafte Parteivorbringen oder andere sich
aus den Akten ergebende Anhaltspunkte dazu hinreichend Anlass bieten (vgl. Thomas
Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., Bern 2003, § 68 N 3 mit
Hinweis).
1.2 Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer
Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen
mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der
Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift
allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). Die Verwaltung resp. das Gericht
dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen
überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern
das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten
Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der Richter und die Richterin
haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V
195 E. 2, je mit Hinweisen).
1.3 Die Beschwerdegegnerin wies das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers ab,
ohne die geklagten körperlichen Beschwerden (Rücken- und Gelenkschmerzen,
Wasser in Händen und Beinen, Übergewicht [offenbar als Folge der Antidepressiva seit
April 2009], Atemprobleme, rasche Erschöpfung) und allfällige Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit medizinisch abklären zu lassen. In der Beschwerdeantwort stellt sie
sich auf den Standpunkt, dass Dr. B._ den Beschwerdeführer täglich für die
Methadonabgabe sehe und eine somatische Erkrankung mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit daher wohl erkannt und in seinem Bericht vom 3. April 2007 oder
anlässlich des mit ihm geführten Telefongesprächs vom 25. September 2009 erwähnt
hätte. Dagegen bringt der Beschwerdeführer zu Recht vor, dass ein tägliches
Aufsuchen des Hausarztes für den Bezug von Methadon eine eingehende ärztliche
Untersuchung nicht zu ersetzen vermag. Dazu kommt, dass offenbar das
Vertrauensverhältnis zwischen dem Hausarzt und dem Beschwerdeführer gestört ist
(vgl. IV-act. 34-5) und auch keine Behandlungen mehr stattfinden (vgl. IV-act. 57 und
Replik 1.2). Die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden sind - gerade im
Hinblick auf seinen langjährigen Suchtmittelabusus - auch nicht von Vornherein
unglaubhaft. Immerhin hat die Klinik St. Pirminsberg im Rahmen des körperlich
neurologischen Aufnahmebefundes im März 2006 ein 2/6 Systolikum mit Punktum
maximum über dem Erbschen Punkt als auffällig bezeichnet. Aus den Akten geht nicht
hervor, dass der Beschwerdeführer je körperlich umfassend untersucht worden wäre.
Ob die geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit und Eingliederungsunmöglichkeit auf
körperliche Beeinträchtigungen zurückzuführen ist, lässt sich damit nicht schlüssig
beantworten.
2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.1 Nach dem Gesagten erfordert eine abschliessende Beurteilung des
Leistungsanspruchs eine somatische Abklärung des Beschwerdeführers. In
Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
25. September 2009 daher aufzuheben und die Sache zur Vornahme weiterer
medizinischer Abklärungen und zur neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
2.2 Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles Obsiegen (BGE
132 V 235 E. 6). Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch
auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Eine Parteientschädigung von
pauschal Fr. 2'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) erscheint
angemessen.
2.3 Das Verfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1 IVG in
der seit dem 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Fassung) und ermessensweise auf Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
2.4 Damit erübrigt sich die Festsetzung eines Honorars aus unentgeltlicher
Prozessführung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG