Decision ID: f5f6e824-cea3-4b93-997e-a6f784dba096
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_HG
Chamber: ZH_HG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
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Rechtsbegehren der Hauptklage gemäss Klagebegründung: (act. 1 S. 2)
"1. Die Beklagte sei zu verurteilen, der Klägerin CHF 2'816'087.–  Zins zu 5 %
- ausmachend für die Zeit vom 25. Mai 1989 bis zum 31.  2010 CHF 328'106.–
- und ab dem 1. November 2010 auf CHF 2'816'087.– zu bezahlen. Die Mehrforderung wird vorbehalten. 2. Unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beklagten."
Rechtsbegehren der Hauptklage gemäss Replik: (act. 48 S. 2)
"1. Die Beklagte sei zu verurteilen, der Klägerin CHF 2'318'004.–  Zins zu 5 % seit dem 1. Dezember 2012 zu bezahlen.
2. Die Mehrforderung bleibt vorbehalten. 3. Unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beklagten."
Rechtsbegehren der Widerklage: (act. 9 S. 2)
"Antrag: 1. Es sei die Beklagte zu verurteilen, der Klägerin CHF 640'814.– zu
bezahlen. 2. Im Mehrbetrag sei die Klage abzuweisen, unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen zulasten der Klägerin.
Widerklage: 3. Es sei festzustellen, dass die Beklagte der Klägerin als Schaden-
ersatz und Genugtuung insgesamt nicht mehr als CHF 640'814.– schuldet.
4. Es sei der Beklagten die Hinterlegung von CHF 640'814.– bei der Zürcher Kantonalbank zu bewilligen.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Klägerin."
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Inhaltsverzeichnis
A. Sachverhaltsübersicht ..................................................................................... 4
B. Prozessverlauf ................................................................................................. 5
1. Formelles ......................................................................................................... 8 1.1. Anwendbares Prozessrecht .................................................................... 8 1.2. Zuständigkeit ........................................................................................... 8 1.3. Anpassung des Rechtsbegehrens nach dem Teilvergleich ..................... 8 1.4. Zulässigkeit der Noveneingabe der Klägerin vom 17. Juni 2013 ............. 9 1.5. Anerkennung eines Teils der Klage im Eventualfall ................................ 9
2. Haftung der Beklagten ................................................................................... 10 2.1. Haftungsgrundlage ................................................................................ 10 2.2. Verletzung der Klägerin durch den Unfall .............................................. 10 2.3. Anerkennung der Haftung dem Grundsatze nach ................................. 10 2.4. Selbstverschulden ................................................................................. 11 2.5. Fazit ...................................................................................................... 14
3. Art und Umfang des Schadenersatzes .......................................................... 15 3.1. Rechtsgrundlage ................................................................................... 15 3.2. Strittige Schadenspositionen ................................................................. 16 3.3. Rechnungstag ....................................................................................... 16
4. Erwerbs- resp. Lohnausfallschaden .............................................................. 16 4.1. Rechtliches zur Definition und Berechnung ........................................... 16 4.2. Anwendbarer Kapitalisierungszinsfuss .................................................. 21 4.3. Invalideneinkommen ............................................................................. 23 4.4. Hypothetisches Valideneinkommen ...................................................... 24 4.5. Anrechenbare Leistungen der Sozialversicherung ................................ 47 4.6. Anrechenbare Einsparungen ................................................................. 49 4.7. Fazit Erwerbsausfallschaden ................................................................ 50
5. Rentenausfallschaden ................................................................................... 51 5.1. Darstellung der Klägerin ........................................................................ 51 5.2. Darstellung der Beklagten ..................................................................... 52 5.3. Ersatz des Rentenausfallschadens ....................................................... 54
6. AHV-Beiträge als Nichterwerbstätige ............................................................ 55 6.1. Darstellung der Klägerin ........................................................................ 55 6.2. Darstellung der Beklagten ..................................................................... 55 6.3. Ersatzpflicht für AHV-Beiträge als Nichterwerbstätige ........................... 56
7. Fazit ............................................................................................................... 59
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8. Kosten- und Entschädigungsfolgen ............................................................... 59 8.1. Streitwert ............................................................................................... 59 8.2. Gerichtskosten ...................................................................................... 59 8.3. Parteientschädigung.............................................................................. 60
Sachverhalt und Verfahren
A. Sachverhaltsübersicht
a. Die Klägerin erlitt am 25. Mai 1989 im Alter von vierzehn Monaten auf dem
Bauernhof ihrer Eltern einen schweren Verkehrsunfall. Sie wurde mit einem im
Unfallzeitpunkt bei der Beklagten haftpflichtversicherten Lieferwagen Ford Transit
120 (amtliches Kennzeichen ...), gelenkt von einem Angestellten des Fahrzeug-
halters C._, überfahren. Der Unfall ereignete sich, als der auf dem Hof der
Familie der Klägerin Spenglerei- und Sanitärarbeiten ausführende Handwerker
mit dem Lieferwagen losfuhr, um seine Znünipause zu machen. Die Klägerin be-
fand sich zu diesem Zeitpunkt unter resp. unmittelbar vor dem Lieferwagen und
wurde von diesem beim Losfahren mit einem Rad (oder zwei Rädern) auf Höhe
des Kopfes überrollt. Die Klägerin erlitt schwerste Hirnverletzungen, die sie irre-
versibel invalidisierten. Aufgrund dieses Unfalles wird die Klägerin nie eine Er-
werbstätigkeit ausüben können und der dauernden Pflege bedürfen, darin sind
sich die Parteien einig (act. 1 S. 2 f.; act. 9 S. 23). Die Beklagte, eine Aktienge-
sellschaft mit Sitz in Zürich, war im Unfallzeitpunkt wie erwähnt der Motorfahr-
zeughaftpflichtversicherer des Unfallfahrzeuges (act. 1 S. 4 f.).
b. Die Klägerin macht mit der vorliegenden Klage ihren aufgelaufenen und
künftigen Erwerbsschaden, ihren Rentenschaden, die von ihr als Nichterwerbstä-
tige zu bezahlenden AHV-Beiträge, den Betreuungsschaden bis 31. Oktober
2010, aufgelaufene Kosten bis 31. Oktober 2010 sowie einen Genugtuungsan-
spruch geltend. Eingeklagt wurde unter diesen Positionen gemäss dem Rechts-
begehren der Klagebegründung ein Gesamtbetrag von CHF 2'816'087.– nebst
Zins (act. 1 S. 2 f.).
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c. Die Beklagte anerkennt die Haftung des Halters für den Lenker dem
Grundsatze nach, jedoch nur mit einer Quote von 75 %, und macht einen Selbst-
verschuldensabzug von 25 % geltend. Ausserdem bestätigt sie ihre versiche-
rungsvertragliche Leistungspflicht gegenüber der Klägerin für die Kausalhaftung
des Halters aufgrund des direkten Forderungsrechts (act. 9 S. 20 f.). Die von der
Klägerin vorgenommene Berechnung der Schadenspositionen und die Höhe der
Genugtuung bestreitet die Beklagte und stellt ihr eine eigene Berechnung gegen-
über (act. 9 S. 10). In der Duplik beantragt die Beklagte die Abweisung der Klage;
eventualiter die Gutheissung im Betrag von CHF 70'346.– und Abweisung im
Mehrbetrag. Den Betrag von CHF 70'346.– erhält die Beklagte aufgrund ihrer Be-
rechnung der aus dem mutmasslichen Erwerb möglichen Vermögensbildung der
Klägerin unter Abzug eines Anteils von 25 % für Selbstverschulden (act. 53 S. 2,
52).
d. Mit ihrer Klageantwort erhob die Beklagte zudem Widerklage auf Feststel-
lung, dass sie der Klägerin für den gesamten Schadenersatz- und Genugtuungs-
anspruch aus diesem Unfallereignis insgesamt, d.h. auch unter Einbezug der von
der Klägerin nicht eingeklagten Schadenspositionen, nicht mehr als zusätzliche
CHF 640'814.– schuldet (act. 9 S. 2).
B. Prozessverlauf
a. Am 31. Dezember 2010 reichte die Klägerin die Klageschrift und die Wei-
sung vom 29. Oktober 2010 ein (act. 1 und 3). Mit ihrer Klageantwortschrift vom
29. März 2011 erhob die Beklagte Widerklage (act. 9). Die der Klägerin mit Verfü-
gung vom 31. März 2011 angesetzte Frist zur Erstattung der Widerklageantwort
(Prot. S. 3) wurde ihr mit Verfügung vom 21. April 2011 abgenommen und den
Parteien Frist angesetzt, um zu einem allfälligen Nichteintreten auf die Widerklage
Stellung zu nehmen (Prot. S. 4). Die Parteien reichten am 9. Mai 2011 (act. 13)
resp. am 25. Mai 2011 (act. 15) entsprechende Stellungnahmen ein, welche mit
Verfügung vom 27. Mai 2011 jeweils der Gegenseite zugestellt wurden (Prot.
S. 6). Mit Beschluss vom 22. Juni 2011 wurde auf die Widerklage nicht eingetre-
ten und der Beklagten Frist angesetzt, um das zuständige Gericht im Hinblick auf
eine Prozessüberweisung zu bezeichnen (act. 17). Die Eingabe der Beklagten
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vom 5. Juli 2011 betreffend Terminanfrage des Handelsgerichts hinsichtlich einer
Referentenaudienz und Vergleichsverhandlung (act. 19) wurde der Klägerin mit
Verfügung vom 8. Juli 2011 zugestellt (Prot. S. 7). Mit Eingabe vom 26. Juli 2011
bezeichnete die Beklagte das Bezirksgericht Zürich im Hinblick auf eine Prozess-
überweisung als das für die von ihr erhobene Widerklage zuständige Gericht (act.
21). In der Folge wurde der Prozess hinsichtlich der Widerklage mit Verfügung
vom 2. August 2011 an das Bezirksgericht Zürich überwiesen (Prot. S. 8).
b. Aufgrund einer Mitteilung des im vorliegenden Verfahren als Referent einge-
setzten Handelsrichters (act. 22) hatten sich die Parteien zu erklären, ob sie ge-
stützt darauf dessen Ausstand verlangen (Prot. S. 9). Die Klägerin teilte mit Ein-
gabe vom 23. August 2011 (act. 25) mit, dass sie kein Ausstandbegehren stelle.
Die Beklagte erklärte mit Eingabe vom 26. August 2011 (act. 26), dass der vom
Handelsrichter in seiner Mitteilung befürchtete Sachverhalt gemäss internen Ab-
klärungen nicht zutreffe, und stellte ebenfalls kein Ausstandbegehren.
c. Gegen den Beschluss vom 22. Juni 2011 betreffend Nichteintreten auf die
Widerklage erhob die Beklagte Beschwerde beim Bundesgericht (act. 27/1, act.
29). Das Bundesgericht wies die Beschwerde mit Urteil vom 24. Februar 2012 ab,
soweit es darauf eintrat (act. 40A).
d. Am 6. Juli 2012 fand eine Vergleichsverhandlung statt, anlässlich welcher
die Parteien einen Teilvergleich schlossen (Prot. S. 13 f., act. 42). Gestützt auf
diesen Teilvergleich wurde das Verfahren mit Teilerledigungsverfügung vom
12. Juli 2012 (act. 45) in Bezug auf die Schadenspositionen Genugtuung inklusive
Zins, bisheriger Betreuungs- und Pflegeschaden bis 31. März 2011 inklusive Zins
sowie abzüglich der von der Beklagten geleisteten Akontozahlungen im Umfang
von CHF 205'000 sowie deren Verzinsung und bis 31. Dezember 2011 aufgelau-
fene Kosten (Pflegeheim D._ sowie Transportkosten inklusive Zins) als durch
Vergleich erledigt abgeschrieben. Dabei wurde die Regelung der Kosten- und
Entschädigungsfolgen für den Teilvergleich dem Endentscheid vorbehalten (act.
45).
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Prozessgegenstand sind damit noch der aufgelaufene und künftige Erwerbsscha-
den, der Rentenschaden und die von der Klägerin als Nichterwerbstätige zu be-
zahlenden AHV-Beiträge sowie die Regelung der Kosten- und Entschädigungs-
folgen in Bezug darauf und bezüglich des Teilvergleichs.
e. Fortgesetzt wurde das Verfahren mit Replik vom 12. November 2012 (act.
48) und Duplik vom 1. Februar 2013 (act. 53). Die Duplik wurde der Klägerin mit
Verfügung vom 6. Februar 2013 zugestellt (act. 55). Am 17. Juni 2013 reichte die
Klägerin eine Noveneingabe ein (act. 57). Zu dieser nahm die Beklagte mit Ein-
gabe vom 20. August 2013 Stellung (act. 61). Diese Stellungnahme wurde der
Klägerin mit Verfügung vom 21. August 2013 zugestellt (act. 63).
f. Mit Verfügung vom 12. November 2013 wurde den Parteien Frist angesetzt,
um sich zu den vom Gericht zur Schätzung des Schadens in Erwägung gezoge-
nen Statistiken des Bundesamtes für Statistik bfs zu äussern (act. 66). Die Be-
klagte nahm dazu mit Eingabe vom 29. November 2013 Stellung (act. 68), die
Klägerin reichte ihre Stellungnahme mit Eingabe vom 16. Dezember 2013 (act.
72) ein. Mit Verfügung vom 18. Dezember 2013 (act. 73) wurde den Parteien je-
weils eine Ausfertigung der Stellungnahme der Gegenpartei zugestellt, woraufhin
die Beklagte mit Eingabe vom 21. Dezember 2013 (act. 75) eine Replik zur Ein-
gabe der Klägerin erstattete. Diese wiederum wurde der Klägerin mit Verfügung
vom 27. Dezember 2013 (act. 76) zugestellt. Auf die Eingabe der Beklagten nahm
die Klägerin mit Schreiben vom 9. Januar 2014 (act. 78) Stellung, welches der
Beklagten mit Verfügung vom 10. Januar 2014 (act. 79) zugestellt wurde.
g. Das Verfahren erweist sich als spruchreif.
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Erwägungen
1. Formelles
1.1. Anwendbares Prozessrecht
1.1.1. Am 1. Januar 2011 ist die eidgenössische Zivilprozessordnung (ZPO) in
Kraft getreten. Nach deren Art. 404 Abs. 1 gilt für Verfahren, die bei Inkrafttreten
dieses Gesetzes rechtshängig sind, das bisherige Verfahrensrecht bis zum
Abschluss vor der betroffenen Instanz. Für die Rechtsmittel gilt hingegen das
Recht, das bei der Eröffnung des Entscheides in Kraft ist (Art. 405 Abs. 1 ZPO).
1.1.2. Die vorliegende Klage wurde am 31. Dezember 2010 (Datum Poststempel,
act. 1) eingereicht und war somit am 1. Januar 2011 bereits rechtshängig.
Demnach ist das frühere kantonale Verfahrensrecht (ZPO/ZH und GVG)
massgebend, für die Rechtsmittel indes das neue Prozessrecht (Art. 308 ff. ZPO).
1.2. Zuständigkeit
Hinsichtlich der örtlichen und sachlichen Zuständigkeit ist auf den Beschluss vom
22. Juni 2011 zu verweisen (act. 17), welchen das Bundesgericht mit Urteil vom
24. Februar 2012 bestätigte, soweit es auf die Beschwerde eintrat (act. 40A).
Übereinstimmend mit diesem Beschluss (act. 17 S. 5) ist festzuhalten, dass die
örtliche und sachliche Zuständigkeit des Handelsgerichts des Kantons Zürich für
die Hauptklage gegeben ist und auch unbestritten blieb (act. 9 Rz. 18; act. 13 Rz.
1).
1.3. Anpassung des Rechtsbegehrens nach dem Teilvergleich
1.3.1. In der Replik berechnete die Klägerin den Forderungsbetrag auf den Rech-
nungstag 30. November 2012 anstelle des 31. Oktober 2010 neu und verlangt
gestützt darauf für den nach Abschluss des Teilvergleichs noch offenen Teil der
Klage in ihrem Rechtsbegehren die Verpflichtung der Beklagten zur Zahlung von
2'318'004.– nebst Zins zu 5 % seit 1. Dezember 2012 (act. 48 S. 2, 40 ff.).
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1.3.2. Die Berechnung der im vorliegenden Verfahren noch strittigen Schadens-
positionen mit einem neuen Rechnungstag führt zu einer Erhöhung des für diese
Positionen eingeklagten Betrages von CHF 2'228'415.00 auf CHF 2'335'619.00.
Sodann anerkennt die Klägerin die Anrechnung eines jährlichen Ersparnisses für
das Umweltschutzabonnement für die öffentlichen Verkehrsmittel von für die
Dauer der Erwerbstätigkeit insgesamt CHF 17'615.–, was den noch strittigen
Betrag gemäss dem abgeänderten Rechtsbegehren von CHF 2'318'004.– nebst
Zins ergibt. Dennoch handelt es sich um die identische Klage.
1.4. Zulässigkeit der Noveneingabe der Klägerin vom 17. Juni 2013
1.4.1. Die Noveneingabe der Klägerin bezieht sich auf den anwendbaren
Kapitalisierungszinsfuss. Die Klägerin macht mit Noveneingabe vom 17. Juni
2013 als neues Argument geltend, dass das BAG für die Durchführung der
obligatorischen Unfallversicherung den technischen Zinsfuss mit einer Mitteilung
vom 7. Februar 2013 ab dem 1. Januar 2014 für Renten aus Unfallereignissen um
0.25 % gesenkt habe (act. 57). Von dieser Senkung habe die Klägerin am 12.
Juni 2013 erfahren. Zum Beweis der Senkung ruft die Klägerin die auf der
Webseite des BAG publizierte Mitteilung an.
1.4.2. Die Beklagte nahm zur Noveneingabe der Klägerin am 20. August 2013
Stellung (act. 61).
1.4.3. Die von der Klägerin in ihrer Noveneingabe behauptete Senkung des
technischen Zinsfusses für die Durchführung der obligatorischen Unfallversiche-
rung durch das BAG wurde erst nach der letzten Rechtsschrift (1. Februar 2013)
veranlasst und kann anhand des neu eingereichten Schreibens (act. 58) sofort
bewiesen werden. Die Noveneingabe der Klägerin und die dadurch veranlasste
Stellungnahme der Beklagten sind daher nach § 115 Ziff. 1 und 2 ZPO/ZH noch
zulässig.
1.5. Anerkennung eines Teils der Klage im Eventualfall
1.5.1. In ihren Anträgen der Duplik anerkennt die Beklagte für den Eventualfall
eine Forderung der Klägerin im Umfang von CHF 70'346.– (act. 53 S. 2). Da es
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sich dabei indessen nur um eine Anerkennung für den Eventualfall handelt, dass
die Klage nicht entsprechend dem Hauptantrag der Beklagten abgewiesen wird,
ist die Klage nicht teilweise durch Anerkennung erledigt abzuschreiben.
2. Haftung der Beklagten
2.1. Haftungsgrundlage
Wird durch den Betrieb eines Motorfahrzeugs ein Mensch getötet oder verletzt
oder Sachschaden verursacht, so haftet der Halter für den Schaden (Art. 58 Abs.
1 SVG). Der Geschädigte hat im Rahmen der vertraglichen Versicherungsde-
ckung ein Forderungsrecht unmittelbar gegen den Versicherer (Art. 65 Abs. 1
SVG). Der Halter wird von der Haftpflicht befreit, wenn er beweist, dass der Unfall
durch höhere Gewalt oder grobes Verschulden des Geschädigten oder eines Drit-
ten verursacht wurde, ohne dass ihn selbst oder Personen, für die er verantwort-
lich ist, ein Verschulden trifft und ohne dass fehlerhafte Beschaffenheit des Fahr-
zeuges zum Unfall beigetragen hat (Art. 59 Abs. 1 SVG). Beweist der Halter, der
nicht nach Absatz 1 befreit wird, dass ein Verschulden des Geschädigten beim
Unfall mitgewirkt hat, so bestimmt der Richter die Haftpflicht unter Würdigung aller
Umstände (Art. 59 Abs. 2 SVG). Sind bei einem Unfall, an dem ein Motorfahrzeug
beteiligt ist, mehrere für den Schaden eines Dritten ersatzpflichtig, so haften sie
solidarisch (Art. 60 Abs. 1 SVG).
2.2. Verletzung der Klägerin durch den Unfall
Die Parteien sind sich darin einig, dass die Klägerin als Folge des Unfalls vom 25.
Mai 1989 und der dort erlittenen Verletzungen nie eine Erwerbstätigkeit wird aus-
üben können und dauernd hilflos im mittleren Grade bleiben wird (act. 1 S. 2, act.
9 S. 23 f.).
2.3. Anerkennung der Haftung dem Grundsatze nach
2.3.1. Die Beklagte anerkennt die Haftung des Halters für den Lenker bezüglich
des der Klägerin durch den Unfall vom 25. Mai 1989 verursachten Schadens dem
Grundsatze nach. Sie bestreitet indessen eine pflichtwidrige Unvorsichtigkeit des
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Lenkers und macht geltend, dass die reine Kausalhaftung des Halters mit einem
groben Selbstverschulden der Klägerin, das ihr aus dem groben Unterlassungs-
verschulden ihrer für sie verantwortlichen Eltern anzurechnen sei, eventuell mit
einem direkt konkurrierenden groben Verschulden der solidarisch haftenden
Eltern konkurriere. Gestützt darauf macht die Beklagte einen Selbstverschuldens-
abzug von 25 % geltend und anerkennt die Haftung des Halters mit einer Quote
von 75 % (act. 9 S. 20 f., act. 53 S. 8).
Ferner bestätigt die Beklagte, aufgrund des direkten Forderungsrechts nach Art.
65 Abs. 1 SVG gegenüber der Klägerin für die Kausalhaftung des Halters versi-
cherungsvertraglich leistungspflichtig und damit passivlegitimiert zu sein (act. 9
S. 20).
2.3.2. Die Beklagte macht als Folge des von ihr behaupteten Selbstverschuldens
der Klägerin (eventuell Drittverschuldens der Eltern) nicht eine Haftungsbefreiung
des Halters im Sinne von Art. 59 Abs. 1 SVG geltend, sondern will dieses nur im
Rahmen eines Abzuges von 25 % berücksichtigt haben. Damit ist anerkannt, dass
der Halter für den Schaden der Klägerin aus dem Unfall vom 25. Mai 1989 für den
Lenker haftet und die Beklagte für den Schaden der Klägerin dieser gegenüber in
vollem Umfang leistungspflichtig ist, soweit nicht ein Abzug für Selbstverschulden
gestützt auf Art. 59 Abs. 2 SVG zum Tragen kommt. Das im Eventualfall
behauptete Drittverschulden der Eltern der Klägerin führt dagegen nur zu einer
solidarischen Haftung mit dem Halter (Art. 60 Abs. 1 SVG), gestützt auf welche
die Beklagte allenfalls einen Regressanspruch hat.
2.4. Selbstverschulden
2.4.1. Die Beklagte macht geltend, die mangels eines Verschuldens des Lenkers
reine Kausalhaftung des Halters konkurriere mit einem groben Selbstverschulden
der Klägerin, das ihr aus dem groben Unterlassungs-Verschulden ihrer für sie
verantwortlichen Eltern anzurechnen sei. Im vorliegenden Fall sei klar, dass die
urteilsunfähige Klägerin keine eigene Schuld treffen könne, aber ihre Eltern seien
eben nicht Dritte, sondern als Eltern sowohl Sorge- wie auch Vertretungs-
pflichtige, und deren Verschulden müsse sich auch ein schuldunfähiges Kind wie
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andere Vertretene wie eigenes Verschulden anrechnen lassen. Daraus resultiere
ein Selbstverschuldensabzug von 25 %. Die rechtliche Grundlage für diese
Anrechnung des Verschuldens der Eltern als Selbstverschulden des Kindes sieht
die Beklagte im von ihr durch Auslegung ermittelten Inhalt von Art. 32 ff. OR
sowie Art. 301 und 304 ZGB. Zudem leitet sie sie aus Art. 333 ZGB und Art. 54
OR her (act. 9 S. 20 f.; act. 53 S. 4 ff).
2.4.2. Nach Ansicht der Klägerin hat die Beklagte eine hundertprozentige Haftung
zu vertreten (act. 1 S. 17). Die Klägerin hält fest, losgelöst von der Frage, ob ein
oder beide Elternteile ein Verschulden treffe, könne nach ihrer Auffassung im
vorliegenden Verfahren selbst dann, wenn ein Elternteil oder gar beide einen Ver-
schuldensvorwurf zu vertreten hätten, dies nicht dazu führen, dass die Beklagte
den der Klägerin geschuldeten Ersatz deswegen reduzieren könne. Könne die 14
Monate alte Klägerin mangels Urteilsfähigkeit nicht selbst haften, könne sie auch
nicht über den im Rahmen des ausservertraglichen Haftpflichtrechts ohnehin
untauglichen Weg des Stellvertretungsrechts für das Verhalten ihrer Eltern in
Anspruch genommen werden und könne ihr demgemäss auch kein
Selbstverschulden bzw. keine Haftungsreduktion entgegengehalten werden (act.
48 S. 4 ff.).
2.4.3. Die Parteien sind sich einig, dass die Klägerin im Zeitpunkt des Unfalls
wegen ihres Kindesalters urteilsunfähig war (Art. 16 ZGB). Aufgrund der
Urteilsunfähigkeit fehlt der Klägerin die subjektive Komponente des Verschuldens
(vgl. ROLAND BREHM, Berner Kommentar zum Privatrecht, Obligationenrecht
Allgemeine Bestimmungen, Die Entstehung durch unerlaubte Handlungen, Art. 41
- 61 OR, 4. Aufl. 2013, N 179 zu Art. 41 OR) und ihr kann damit kein eigenes
Verschulden angelastet werden.
2.4.4. Die Eltern der Klägerin sind im Verhältnis zwischen Klägerin und
Fahrzeughalter resp. Beklagter Dritte, selbst wenn sie die gesetzlichen Vertreter
der Klägerin sind. Damit ein allfälliges Verschulden der Eltern wie ein Selbst-
verschulden der Klägerin berücksichtigt werden könnte, wie dies die Beklagte
geltend macht, wäre eine entsprechende gesetzliche Bestimmung notwendig.
Eine solche Norm ist jedoch nicht ersichtlich. Insbesondere ergibt sich aus den
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von der Beklagten angerufenen Bestimmungen in ZGB und OR und aus deren
Auslegung keine derartige Anrechnung des Verschuldens der gesetzlichen
Vertreter als Selbstverschulden des Kindes. Die Vertretung zwischen Eltern und
Kind ist in Art. 304 ff. ZGB geregelt und stützt sich nicht auf die Vorschriften von
Art. 32 ff. OR zur Stellvertretung. Die Vertretungsbefugnis der Eltern nach Art. 304
Abs. 1 ZGB besteht nicht, soweit es sich um ein vertretungsfeindliches Geschäft
handelt, wie dies bei schweren Eingriffen in das Persönlichkeitsrecht des Kindes
wie hier der Fall ist (vgl. INGEBORG SCHWENZER, in: Basler Kommentar
Zivilgesetzbuch I, 4. Aufl. 2010, N 5 zu Art. 304/305 ZGB). Das Unterlassen der
Eltern kann dem Kind somit nicht gestützt auf die Vertretungsbefugnis
angerechnet werden. Art. 333 ZGB regelt nur eine Kausalhaftung des Familien-
haupts für einen unmündigen Hausgenossen. Eine konträre Verantwortlichkeit
des Unmündigen für das Familienhaupt oder die Eltern ist darin nicht normiert und
schon gar nicht eine Anrechnung des Verschuldens des Familienhauptes als
Verschulden des Unmündigen. Schliesslich erfolgt auch bei der in Art. 54 OR
geregelten Haftung urteilsunfähiger Personen nicht eine Anrechnung von
fremdem Verschulden, sondern es handelt sich um eine Kausalhaftung für einen
von der urteilsunfähigen Person selbst verursachten Schaden, d.h. es wird gerade
kein Verschulden verlangt (vgl. CHRISTIAN HEIERLI/ANTON K. SCHNYDER, in: Basler
Kommentar Obligationenrecht I, 5. Auf. 2011, N 1 zu Art. 54 OR). Die Anrechnung
des Verschuldens der Eltern als Selbstverschulden ihres Kindes lässt sich somit
nicht auf das Gesetz stützen.
2.4.5. Dies entspricht der langjährigen (über 100-jährigen) Rechtsprechung des
Bundesgerichts. Nur in dem von der Beklagten zitierten BGE 24 II 205 E. 5 hat
das Bundesgericht das Verschulden der Eltern als Selbstverschulden des Kindes
berücksichtigt und dies gestützt auf den rein praktischen Gesichtspunkt, dass es
in erster Linie die Eltern seien, welchen die zu zahlende Entschädigung,
wenigstens mittelbar, zu gute komme. Bereits in BGE 31 II 31 E. 3 hat das
Bundesgericht seine Rechtsprechung geändert und ein Mitverschulden des
verunglückten Kindes aus der Anrechnung der Schuld der Eltern abgelehnt mit
der Begründung, dass ein derartiger, durchaus singulärer Rechtssatz nur auf
einer ausdrücklichen Norm des positiven Rechts beruhen könnte und es an einer
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solchen überall fehle. Seither hat das Bundesgericht mehrfach festgehalten, dass
ein Verschulden der Eltern dem Kind nicht als Selbstverschulden angelastet
werden kann (vgl. etwa BGE 95 II 255 E 4.b, BGE 81 II 159 E. 3 m.w.H.). Dabei
hat es zu der in BGE 24 II 205 angeführten Begründung ausgeführt, dass nichts
Abweichendes daraus folgt, dass die dem Kinde aus der Haftpflicht zukommen-
den Leistungen an die Eltern als gesetzliche Vertreter zu erbringen sind. Denn es
handelt sich um Kindesvermögen, das seinem Zwecke nicht entfremdet und von
den Eltern nicht zur Erfüllung eigener Schulden, insbesondere nicht bei einem
Rückgriff der Beklagten auf sie, verwendet werden darf (vgl. die Art. 290 ff.
aZGB). Nur soweit Dritte, wie eben etwa die Eltern eines verunfallten Kindes,
ihnen selbst zustehende Ansprüche aus der Motorfahrzeughaftpflicht des Halters
erheben, müssen sie sich eine Herabsetzung ihrer Forderungen gefallen lassen,
soweit sie dann der Beklagten gegenüber rückgriffspflichtig wären (BGE 81 II 159
E. 3 mit Hinweis auf BGE 34 II 582, BGE 57 II 433, BGE 60 II 224, 63 II 62; Urteil
i.S. Sihltalbahn-Gesellschaft gegen Eheleute Frei vom 16. März 1944 Erw. 1c).
2.4.6. Damit ist der Klägerin ein mögliches Verschulden ihrer Eltern nicht als
Selbstverschulden anzurechnen. Entsprechend hat es bei einem allfälligen
Rückgriff der Beklagten auf die Eltern der verunfallten Klägerin nach Art. 60 Abs.
1 SVG sein Bewenden (vgl. HANS GIGER, SVG Kommentar Strassenverkehrs-
gesetz, 7. Aufl. 2008, N 1 zu Art. 60 SVG).
2.5. Fazit
Da die Beklagte die Haftung des Halters für den Schaden der Klägerin dem
Grundsatze nach anerkennt und zudem kein Selbstverschulden der Klägerin als
Ermässigung der Halterhaftung nach Art. 59 Abs. 2 SVG vorliegt, ist von einer
Haftung des Halters in vollem Umfang für den der Klägerin durch den Unfall vom
25. Mai 1989 entstandenen Schaden auszugehen. Die Leistungspflicht der Be-
klagten besteht im Umfang der Haftung des Halters. Demnach ist die Beklagte für
den der Klägerin durch den Unfall vom 25. Mai 1989 verursachten Schaden in vol-
lem Umfang leistungspflichtig. Das allfällige Verschulden der Eltern der Klägerin
ist ein Drittverschulden und könnte, da es keine Unterbrechung des Kausalzu-
- 15 -
sammenhangs bewirkt, nur zu einem Regressanspruch der Beklagten gegen die
Eltern führen.
3. Art und Umfang des Schadenersatzes
3.1. Rechtsgrundlage
3.1.1. Art und Umfang des Schadenersatzes richten sich nach den Grundsätzen
des Obligationenrechts über unerlaubte Handlungen (Art. 62 Abs. 1 SVG). Nach
Art. 46 Abs. 1 OR gibt Körperverletzung dem Verletzten Anspruch auf Ersatz der
Kosten sowie auf Entschädigung für die Nachteile gänzlicher oder teilweiser
Arbeitsunfähigkeit, unter Berücksichtigung der Erschwerung des wirtschaftlichen
Fortkommens.
3.1.2. Die in Art. 46 Abs. 1 OR genannten Schadenspositionen stehen entgegen
der Auffassung der Beklagten (act. 9 S. 8) nicht in einer Rangfolge, gemäss
welcher primär ein Anspruch auf Ersatz der Kosten und nur sekundär Anspruch
auf Entschädigung der Nachteile der Arbeitsunfähigkeit als wirtschaftliche Folge
der Körperverletzung gewährt wird. Vielmehr handelt es sich dabei um eine Auf-
zählung und es gilt der Grundsatz der Totalreparation sämtlicher Schadensposten
(CHRISTIAN HEIERLI/ANTON K. SCHNYDER, in: Basler Kommentar Obligationenrecht
I, a.a.O., N 1 zu Art. 46 OR; HARDY LANDOLT, N 45 der Vorbemerkungen zu Art.
45/46 OR). Die Nachteile der Arbeitsunfähigkeit sind im wirtschaftlichen Sinne zu
verstehen; massgebend ist die Verminderung der Erwerbsfähigkeit (BGE 129 III
135 E. 2.2. = Pra 92 (2003) Nr. 69).
3.1.3. Wer Schadenersatz beansprucht, hat den Schaden zu beweisen. Der nicht
ziffernmässig nachweisbare Schaden ist nach dem Ermessen des Richters mit
Rücksicht auf den gewöhnlichen Lauf der Dinge und auf die vom Geschädigten
getroffenen Massnahmen abzuschätzen (Art. 42 Abs. 1 und 2 OR). Diese
Bestimmung enthält eine bundesrechtliche Beweisvorschrift, die dem Geschädig-
ten den Schadensnachweis erleichern soll. Sie räumt dem Sachgericht für Fälle,
in denen der strikte Nachweis des Schadens ausgeschlossen ist, einen erweiter-
ten Ermessensspielraum ein, indem sie ihm gestattet, den Schaden aufgrund
- 16 -
einer blossen Schätzung als ausgewiesen zu erachten (Urteil des Bundesgerichts
4A_116/2008 vom 13. Juni 2008 E. 3.2.1., nicht publizierte Erwägung von BGE
134 III 489).
3.2. Strittige Schadenspositionen
Strittig sind im vorliegenden Verfahren noch die Schadenspositionen Erwerbsaus-
fallschaden, Rentenschaden und AHV-Beiträge für Nichterwerbstätige.
3.3. Rechnungstag
Rechnungstag für die Schadensberechnung ist der Urteilstag, vorliegend der
3. März 2014. Zur Berechnung werden die neuesten Kapitalisierungsfaktoren ge-
mäss STAUFFER/SCHAETZLE/WEBER, Barwerttafeln und Berechnungsprogramme,
6. Auflage 2013 verwendet. Da es sich beim Rechnungstag zudem um den Ge-
burtstag der Klägerin handelt, würde für diesen Rechnungstag die Berechnung
des Erwerbsausfallschadens anhand der Barwerttafel mit der Berechnung mit
dem Rechenprogramm Leonardo übereinstimmen. Auf die Diskussion der Partei-
en, ob die Berechnung mit Leonardo vorgenommen werden darf oder nicht (act. 9
S. 13, act. 53 S. 45; act. 48 S. 44), ist deshalb nicht näher einzugehen.
4. Erwerbs- resp. Lohnausfallschaden
4.1. Rechtliches zur Definition und Berechnung
4.1.1. Mit dem Lohnausfallschaden (Erwerbsausfallschaden) werden die wirt-
schaftlichen Folgen einer Erwerbsunfähigkeit des Unselbstständigerwerbenden
entschädigt. Der Lohnausfallschaden besteht gemäss Rechtsprechung und herr-
schender Lehre in der Differenz zwischen dem ohne Eintritt des haftungsbegrün-
denden Ereignisses erzielbaren Erwerbseinkommen (Valideneinkommen) und
dem trotz Erwerbsunfähigkeit noch erzielbaren Erwerbseinkommen (Invalidenein-
kommen; HARDY LANDOLT, Zürcher Kommentar Obligationenrecht, Teilband V1c,
Zweite Lieferung, Zürich/Basel/Genf 2007, N 533 zu Art. 46 OR m.w.H.).
- 17 -
4.1.2. Die Berechnung des Erwerbsausfalls erfolgt nach der geänderten Praxis
des Bundesgerichts auf der Grundlage des Nettolohnes. Zunächst ist das Brutto-
einkommen zu bestimmen, welches die Geschädigte durch Berufstätigkeit erzielt
hätte, wenn sie nicht Opfer des Unfalls geworden wäre. Sodann müssen von
jenem Einkommen die Arbeitnehmer-Beiträge an die Sozialversicherungen
abgezogen werden, um das mutmassliche Nettoeinkommen der Geschädigten zu
bestimmen und auf dieser Grundlage den von ihr erlittenen gegenwärtigen und
zukünftigen Erwerbsausfall zu berechnen (vgl. BGE 129 III 135 E. 2.2. und 2.3.3 =
Pra 92 (2003) Nr. 69).
4.1.3. Der Lohnausfall, der vom Zeitpunkt des Eintritts des haftungsbegründenden
Ereignisses an bis zum Urteilstag eingetreten ist, ist entsprechend den allgemei-
nen Grundsätzen konkret zu berechnen. Das mutmassliche Valideneinkommen
bis zum Urteilszeitpunkt ist dem seit dem Verletzungszeitpunkt tatsächlich erziel-
ten bzw. erzielbaren Invalideneinkommen gegenüberzustellen. Da die tatsäch-
liche Lohnentwicklung nicht bekannt ist, sind mutmassliches Validen- und
Invalideneinkommen der jeweiligen Nominallohnentwicklung bis zum Urteilstag
anzupassen (HARDY LANDOLT, a.a.O., N 552 ff. zu Art. 46 OR).
4.1.4. Eine Geschädigte, die vor dem Unfall keiner Erwerbstätigkeit nachging,
aber nach Eintritt des haftungsbegründenden Ereignisses einen Lohnausfall- bzw.
Gewinnausfallschaden behauptet, muss dartun, dass eine künftige Erwerbs-
tätigkeit überwiegend wahrscheinlich gewesen wäre. Sie hat substantiiert den
mutmasslichen Erwerbstätigkeitsgrad darzulegen. Die Annahme einer Voll-
erwerbstätigkeit muss in Würdigung der gesamten Umstände wahrscheinlicher
sein als die Aufnahme einer Teilerwerbstätigkeit. Hätte die Geschädigte ihre
Erwerbstätigkeit in Zukunft mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu Gunsten
einer Hausarbeitstätigkeit aufgegeben oder umgekehrt, ist ein Erwerbsausfall-
und ein Haushaltteilschaden zu entschädigen. Bei Kindern und Jugendlichen
muss eine Prognose hinsichtlich der zukünftigen Berufskarriere gemacht werden.
In der Regel ist davon auszugehen, dass nach der obligatorischen Schulzeit bzw.
ab dem 16. Lebensjahr eine Berufslehre gemacht und diese mit Alter 19 bzw. 20
abgeschlossen wird. Steht die mutmassliche Berufskarriere fest, ist der
- 18 -
Ausbildungslohn und das nach erfolgter Ausbildung überwiegend wahrscheinliche
Lohnprofil zu schätzen. Der nach Abschluss der Berufslehre erzielbare Validen-
lohn ist anhand des Durchschnittslohnes gemäss der Lohnstrukturerhebung oder
allfälliger Lohnrichtlinien festzusetzen. Nötigenfalls ist auf statistische Durch-
schnittslöhne, zum Beispiel den Medianwert, abzustellen. Allfällige Karriere-
schritte bzw. individuelle Reallohnerhöhungen sind zu berücksichtigen (HARDY
LANDOLT, a.a.O., N 578, N 582, N 589 ff. und N 605 zu Art. 46 OR m.w.H.).
4.1.5. Stehen die mutmassliche Validen- und die Invalidenberufskarriere bzw. das
jeweilige Erwerbseinkommen im Urteilszeitpunkt fest, ist die zukünftige Lohnent-
wicklung im jeweiligen Beruf zu schätzen. Die Geschädigte hat die zukünftige
Lohnentwicklung, namentlich auch allfällige Reallohnerhöhungen rechtsgenüglich
zu behaupten und zu beweisen. Die Löhne steigen erfahrungsgemäss am Beginn
des Berufslebens stark und erhöhen sich hernach bis zum 50. Altersjahr, um dann
bis zur Pensionierung relativ konstant zu bleiben (BGE 129 III 135 = Pra 2003 Nr.
69). Dabei ergeben Teuerung und Reallohnerhöhung zusammen das Nominal-
lohnwachstum (HARDY LANDOLT, a.a.O, N 628 ff. zu Art. 46 OR). Der zukünftige
Lohnausfall ist bis zum Erreichen des ordentlichen Pensionierungsalters der
Geschädigten anhand der Aktivitätskoeffizienten zu kapitalisieren (BGE 123 III
115 E. 6.c).
4.1.6. Entschädigung nur im Umfang der Sparquote
4.1.6.1. Die Beklagte ist demgegenüber der Auffassung, vorliegend falle eine
Forderung auf vollen Ersatz unter anderem eines potentiellen Erwerbsausfalles,
auf Ersatz eines Rentenschadens und auch eines Haushaltschadens wegen der
dadurch bewirkten ungerechtfertigten Bereicherung der Erben der Klägerin ausser
Betracht. Die Kosten der Lebensführung würden der Klägerin grundsätzlich über
den Pflege- und Betreuungsschaden entschädigt. Einige Kosten seien mit der
Entschädigung des Pflege- und Betreuungsschadens jedoch nicht gedeckt, die in
Anlehnung an die Positionen des betreibungsrechtlichen Notbedarfs geschätzt
und so entschädigt werden könnten. Würde nun der Klägerin der ganze mutmass-
liche Erwerbsausfall entschädigt, ohne die davon in Abzug zu bringenden Auf-
wendungen einer gesunden Vergleichsperson zu berücksichtigen, so würde ihr
- 19 -
Vermögenszuwachs enorm viel grösser als wenn man sich das Unfallereignis
wegdenke. Es würde eine Überentschädigung der Klägerin entstehen in dem
Sinne, dass sie zur Trägerin eines grossen Vermögens würde, obwohl sie ohne
den Unfall mit Erwerbstätigkeit nie ein derart grosses Vermögen hätte äufnen
können, weil sie von ihrem Erwerbseinkommen Lebenshaltungskosten und
Gewinnungskosten wie Arbeitsweg oder auswärtige Verpflegung usw. hätte ab-
ziehen müssen. Dieses Vermögen werde die Klägerin mangels Handlungsfähig-
keit mit bedauerlich zuverlässiger Voraussehbarkeit lebenslänglich nicht zu ihren
eigenen Gunsten einsetzen können. Daher sei der Klägerin als Nachteil der durch
den Unfall eingetretenen Arbeitsunfähigkeit einzig die kapitalisierte jährliche
Sparquote zu schätzen, zu kapitalisieren und zu entschädigen, also der Betrag,
den die Klägerin ohne den Unfall aus ihrem Erwerbs- und Renteneinkommen
während ihres Lebens in der aktiven wie allenfalls der Rentenphase hätte
aufsparen können, wäre sie nicht verunfallt (act. 9 S. 8 ff., 42; act. 53 S. 27 ff.).
4.1.6.2. Die Klägerin führt dazu aus, die These der Beklagten, wonach im vor-
liegenden Fall die Klägerin ihren Erwerbsausfall bloss dergestalt ersetzt erhalten
solle, als ihr der Betrag zur Verfügung gestellt werde, den sie als Gesunde hätte
sparen können, sei abwegig. Zu ersetzen habe der Haftpflichtige das, was die
Geschädigte nicht mehr in der Lage sei zu erzielen. Die Beklagte masse sich an
zu bestimmen, wofür die Klägerin welche Beträge auszugeben habe, und darüber
zu befinden, dass die Klägerin beispielsweise keine Reisen unternehmen dürfe,
weil sie ihr hierfür nichts zur Verfügung stelle (act. 48 S. 27 f.).
4.1.6.3. Die Frage, in welchem Umfang der Klägerin allenfalls ein Haushalt-
schaden zu ersetzen ist, stellt sich im vorliegenden Verfahren nicht. Der Haushalt-
schaden ist nicht eingeklagt und deshalb auch nicht Thema des Prozesses (§ 54
Abs. 2 ZPO/ZH).
4.1.6.4. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist der der Geschädigten
zustehende Schadenersatzanspruch nicht dazu bestimmt, ihre Bedürfnisse zu
decken, sondern er soll die durch die unerlaubte Handlung bewirkte Verminde-
rung des Vermögens ausgleichen. Insbesondere steht die unter dem Titel des
Lohnausfalls zugesprochene Entschädigung nicht in Zusammenhang mit den
- 20 -
wirklichen Bedürfnissen der Geschädigten. Einer Person in guter Gesundheit
steht es frei, ihr Arbeitseinkommen so zu verwenden, wie sie es für richtig hält: sie
kann Ersparnisse machen, sie kann investieren oder sie kann es auf die eine oder
andere Weise ausgeben. Es kann daher im Haftpflichtrecht nicht in Betracht
kommen, die Ersatzleistungen je nach diesen rein subjektiven Verhaltensweisen
verschieden zu bemessen, und es besteht kein Grund, einen Vollinvaliden anders
zu behandeln als einen Gesunden oder nur Teilbehinderten (vgl. BGE 108 II 422
E. 3 = Pra 72 (1983) Nr. 30). Entsprechend dieser Rechtsprechung des Bundes-
gerichts ist für die Höhe des Schadenersatzanspruches der Klägerin für Erwerbs-
ausfall nicht von Bedeutung, welche Bedürfnisse sie hat oder ob sie den
Schadenersatz zu ihren Gunsten einsetzen kann. Auch ist irrelevant, wie sie den
Erwerb eingesetzt hätte und welche Ersparnisse sie gebildet hätte. Durch den
Ersatz dieses Schadens entsteht auch keine ungerechtfertigte Bereicherung im
Sinne von Art. 62 ff. OR, da Art. 46 OR den Haftpflichtigen zum Ersatz der
Nachteile der Arbeitsunfähigkeit verpflichtet. Der Klägerin ist daher unter dem
Titel Nachteile der Arbeitsunfähigkeit entgegen der Ansicht der Beklagten nicht
nur eine durchschnittliche Sparquote zu entschädigen, sondern ihr ist unabhängig
von der Verwendung die durch die Arbeitsunfähigkeit bewirkte Verminderung des
Vermögens, der Erwerbsausfallschaden auszugleichen. Wie bereits dargelegt,
besteht dieser in der Differenz zwischen dem ohne Eintritt des haftungsbegrün-
denden Ereignisses erzielbaren Erwerbseinkommen (Valideneinkommen) und
dem trotz Erwerbsunfähigkeit noch erzielbaren Erwerbseinkommen.
4.1.6.5. Im Übrigen ist die Beklagte darauf hinzuweisen, dass der Pflege- und
Betreuungsschaden nur Kosten umfasst, die der Verletzten als Folge eines
Dienst- und Sachleistungsmehrbedarfs, der durch eine verletzungsbedingte
Hilfsbedürftigkeit hervorgerufen wird, entsteht (HARDY LANDOLT, a.a.O., N 241 zu
Art. 46 OR). Die Kosten der Lebensführung, welche der Klägerin auch ohne den
Unfall angefallen wären, sind daher nicht über den Pflege- und Betreuungs-
schaden entschädigt.
4.1.6.6. Der Beklagten ist einzig darin zuzustimmen, dass die eingesparten
variablen Erwerbskosten vom Schadenstotal abzuziehen sind. Es handelt sich
- 21 -
dabei etwa um Automobilspesen, Bahnkosten für den Arbeitsweg oder für
Kundenbesuche usw., welche nicht in Anspruch genommen wurden (ROLAND
BREHM, a.a.O., N 42 zu Art. 46 OR). Auf die von der Beklagten für den
Eventualfall zu den eingesparten Aufwendungen gemachten Ausführungen (vgl.
act. 53 S. 50) ist daher im Anschluss an die Berechnung des Erwerbsausfall-
schadens näher einzugehen.
4.2. Anwendbarer Kapitalisierungszinsfuss
4.2.1. Die Klägerin macht geltend, dass sie keine Möglichkeit habe, im Rahmen
des aktuell geltenden Kapitalisierungszinsfusses von 3.5 % eine ausreichende
reale Rendite zu erzielen. Würde man mit diesem Zinszfuss rechnen, würde sie
definitiv unterentschädigt. Der Kapitalisierungszinsfuss von 3.5 % sei zu hoch.
Dies begründet die Klägerin anhand von mehreren, von ihr zitierten Lehr-
meinungen, die im Jahr 2004 publiziert wurden, sowie anhand von im
Zusammenhang mit dem BVG-Mindestzinssatz veröffentlichten Artikeln und
derzeit von Finanz- und Versicherungsunternehmen erzielten Renditen.
Ausserdem beruft sie sich zu den in Zukunft realisierbaren Renditen auf die
massiv verschärften Eigenkapitalvorschriften für Banken, welche dazu führten,
dass die vor 2007 erwirtschafteten Renditen mittelfristig nicht mehr erreicht
werden könnten. Schliesslich nennt die Klägerin als Grund für die Senkung des
Kapitalisierungszinsfusses in ihrer Noveneingabe die Senkung des technischen
Zinsfusses für die Durchführung der obligatorischen Unfallversicherung durch das
BAG ab 1. Januar 2014, mit welcher der technische Zinsfuss für Renten aus
Unfallereignissen vor dem 1. Januar 2014 von 3 % auf 2.75 % gesenkt und für
solche ab dem 1. Januar 2014 auf 2 % festgesetzt wurde. Aus diesen Gründen
sei die Kapitalisierung vorliegend mit einem Zinsfuss von 2.5 % vorzunehmen
(act. 1 S. 42 ff.; act. 48 S. 23 ff, act. 57).
4.2.2. Die Beklagte führt zum Kapitalisierungszinsfuss zusammengefasst aus,
nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts sei der geltende Kapitalisierungs-
zinsfuss von 3.5 % abzuändern, wenn hinreichend sichere Anzeichen dafür
bestünden, dass ein Realertrag von 3.5 % auf Kapitalabfindungen in absehbarer
Zukunft nicht realisierbar wäre bzw. wenn sich mit hinreichender Gewissheit
- 22 -
sagen liesse, dass der bisherige Zinssatz von 3.5 % mit dem Grundsatz des
vollen Schadensausgleichs nicht zu vereinbaren wäre. Diese Voraussetzungen
seien nicht gegeben. Auch die Senkung des technischen Zinsfusses für die
Durchführung der obligatorischen Unfallversicherung, welche Teil des gesetzlich
geregelten Rechnungslegungs- und Finanzierungsverfahrens derselben sei,
ändere daran nichts. Für eine langfristige Kapitalanlage wie die Kapitalentschädi-
gung der Klägerin sei der Kapitalisierungszinsfuss von 3.5 % demzufolge nach
wie vor angemessen (act. 9 S. 25 ff.; act. 53 S. 20 ff., act. 61 S. 2 ff.). Zur
Kapitalisierung der künftigen IV-Renten macht die Beklagte demgegenüber
geltend, aufgrund der bisherigen Praxis des BSV bzw. des Bundesrates sei davon
auszugehen, dass im Durchschnitt der Jahre eine Erhöhung der IV-Renten um
1 % pro Jahr erfolge, um Kostensteigerungen auszugleichen, was wegen der
existenzsichernden Funktion der IV-Renten weiterhin sachrichtig sein werde.
Deshalb sei die Rechnung hier mit einem Barwertfaktor von 2.5 % statt 3.5 %
vorzunehmen (act. 9 S. 50).
4.2.3. Das Bundesgericht hielt in seinem Entscheid vom 11. Mai 1999 nach
Würdigung der Aussagen von verschiedenen Experten am Kapitalisierungs-
zinsfuss von 3.5 % fest und erklärte, die Änderung dieser langjährigen, bisherigen
Rechtsprechung rechtfertige sich nur, wenn hinreichend sichere Anzeichen dafür
bestehen, dass ein Realertrag von 3.5 % auf Kapitalabfindungen in absehbarer
Zukunft nicht realisierbar ist, und sich mit hinreichender Gewissheit sagen lässt,
dass der seit 1946 geltende Kapitalisierungszinsfuss mit dem Grundsatz des
vollen Schadensausgleichs nicht zu vereinbaren ist. In Würdigung der Aussagen
der Experten sei davon auszugehen, dass ein realer Ertrag von 3.5 % jedenfalls
seit Mitte der achtziger Jahre im Rahmen dessen läge, was sich mit einem
angemessen gemischten Wertschriften-Portfeuille oder mit Anteilen an einem auf
eine vorsichtige Anlagestrategie ausgerichteten Anlagefonds erzielen lasse.
Dafür, dass sich die derzeitige Ertragslage solcher Anlagen in absehbarer Zukunft
nicht mehr werde halten können, bestünden keine hinreichend gesicherten
Anhaltspunkte (BGE 125 III 312 E. 7). Diese Praxis bestätigte das Bundesgericht
in verschiedenen weiteren Entscheiden in den folgenden Jahren und zuletzt 2011,
wobei es sich mit der dagegen erwachsenen Kritik auseinandersetzte und eine
- 23 -
Anpassung an den variablen BVG-Mindestzinssatz erneut ablehnte (Urteil des
Bundesgerichts 4a_127/2011 vom 12. Juli 2011 E. 11 m.w.H.). Auch die von der
Klägerin für die Senkung des Kapitalisierungszinsfusses vorgebrachten Argu-
mente liefern keine hinreichend gesicherten Anhaltspunkte dafür, dass sich die
Ertragslage, von der das Bundesgericht noch 2011 ausgegangen ist, in abseh-
barer Zukunft nicht mehr wird halten können. Insbesondere ist eine Anpassung an
den BVG-Mindestzinssatz, auf den sich die Klägerin beruft, in Übereinstimmung
mit der Praxis des Bundesgerichts abzulehnen. Ebenso liefert die Senkung des
technischen Zinsfusses für die Durchführung der obligatorischen Unfallversiche-
rung per 1. Janaur 2014 um 0.25 % für Renten aus Unfallereignissen vor dem
1. Januar 2014 keine hinreichend gesicherten Anhaltspunkte, gestützt auf welche
der Kapitalisierungszinsfuss von 3.5 % auf 2.5 % angepasst werden müsste. Die
Kapitalabfindung der Klägerin ist daher mit einem Zinsfuss von 3.5 % zu kapita-
lisieren. Dieser Kapitalisierungszinsfuss gilt dabei in Übereinstimmung mit der
Rechtsprechung des Bundesgerichts (vgl. etwa BGE 129 III 135 = Pra 92 (2003)
Nr. 69 E. 2.3.2.3.) entgegen der Ansicht der Beklagten auch für die Kapitalisie-
rung der IV-Rente. Eine zukünftige Erhöhung der IV-Rente wegen der alle zwei
Jahre erfolgenden Anpassung der Höhe der IV-Renten an die Lohn- und Preisent-
wicklung (Art. 40 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 37 Abs. 1 IVG und Art. 33ter Abs. 1
AHVG) ist nicht einzurechnen, da bei der Festsetzung des angewandten Kapitali-
sierungszinssatzes von 3.5 % der mutmasslichen künftigen Teuerung bereits
durch die Verwendung des erwarteten Realzinses Rechnung getragen wird (vgl.
SCHAETZLE/WEBER, Kapitalisieren, Handbuch zur Anwendung der Barwerttafeln, 5.
Aufl. 2001, Rz. 1.142) und die von der Beklagten unter Hinweis auf den Ausgleich
von Kostensteigerungen dargelegte Erhöhung der IV-Renten (act. 53 S. 43) nur
deren Anpassung an die Teuerung und nicht etwa eine reale Erhöhung darstellt,
welche zusätzlich durch einen tieferen Kapitalisierungszinsfuss berücksichtigt
werden müsste.
4.3. Invalideneinkommen
Die Parteien sind sich einig, dass die Klägerin aufgrund der Verletzungen, die sie
beim Unfall vom 25. Mai 1989 erlitten hat, nie einer Erwerbstätigkeit wird nachge-
- 24 -
hen können (act. 1 S. 26, act. 9 S. 42). Aufgrund dieser Darstellungen der Partei-
en ist von einer 100 % Erwerbsunfähigkeit resp. keinem erzielbaren Invalidenein-
kommen der Klägerin auszugehen.
4.4. Hypothetisches Valideneinkommen
4.4.1. Darstellung der Klägerin
4.4.1.1. Die Klägerin geht bei der Darstellung ihres hypothetischen Validenein-
kommens davon aus, dass sie bis zu ihrer Pensionierung mit 64 Jahren immer zu
100 % erwerbstätig gewesen wäre, selbst wenn sie geheiratet hätte. Die Klägerin
bestreitet aber, dass sie ohne Unfall geheiratet und/oder Kinder gehabt hätte. Im
Falle einer anzunehmenden Heirat weist sie darauf hin, dass sie einen ent-
sprechenden Unterhaltsanspruch gegenüber ihrem Ehemann erworben hätte,
was jetzt nicht möglich sei. Die Beklagte hätte ihr also den Lebensstandard zu
ersetzen, den sie gehabt hätte, wenn sie geheiratet hätte. Zusammen mit dem
Haushaltführungsschaden dürfte all dies auf dasselbe herauskommen, wie wenn
ihr der verlangte Schadenersatz unter dem Titel des Erwerbsschadens zuge-
sprochen werde. Der Vergleich mit einer ehelichen Situation lasse sich aber hier
nicht heranziehen, weil solches schlechterdings unmöglich sei (act. 48 S. 35, 37).
4.4.1.2. Weiter legt die Klägerin zur Fundierung des von ihr in ihrer Hauptbe-
gründung behaupteten, hypothetischen beruflichen Werdegangs die Laufbahn
ihrer Eltern und Geschwister dar. Diese Darstellungen blieben unbestritten.
Demnach ist der Vater der Klägerin gelernter Landwirt mit Meisterprüfung und
führt den eigenen Bauernbetrieb als selbständiger Unternehmer. Der älteste
Bruder der Klägerin, E._ (*1976), absolvierte eine Lehre als Landwirt und
anschliessend ebenfalls die Meisterprüfung. Er ist im väterlichen Betrieb
angestellt und Teil der Gemeinschaft F._. Die Schwester G._ (*1979)
schloss die Lehre zur Konditorin ab und führt in einer Bäckerei die Feinbäckerei-
/Konditor-/Confiseurabteilung und die Ausbildung der Lehrlinge. Die zweite
Schwester H._ (*1982) schloss die Berufsschule für Gesundheits- und
Krankenpflege ab als diplomierte Pflegefachfrau DN I und erwarb zusätzlich das
Diplom Pflegefachfrau HF. Sie arbeitet im ...spital in I._. Der zweite Bruder
- 25 -
J._ (*1984) schloss die Berufslehre als Müller Fachrichtung Lebensmittel ab
und absolvierte anschliessend eine Zusatzlehre als Müller Fachrichtung
Tiernahrung. Er ist ebenfalls im väterlichen Betrieb angestellt und führt den
Betriebszweig ... selbständig (act. 1 S. 28 ff.). Die Mutter der Klägerin hat
ursprünglich eine Lehre als Floristin abgeschlossen und besuchte anschliessend
die Landwirtschaftsschule während eines halben Jahres. Als Mutter von vier
Kindern bestand sie vor der Geburt der Klägerin zudem die Meisterprüfung für
landwirtschaftlichen Haushalt. Auf dem Bauernhof der Familie A1._
kümmerte sie sich stets um die Finanzen und die Angestellten (act. 48 S. 32 f.).
Die Klägerin hält dazu fest, aufgrund dieser Lebensläufe sei ersichtlich, dass das
soziale Umfeld von Eltern und Geschwistern der Klägerin beruflich betrachtet
nicht in den akademischen Bereich falle, dass aber sämtliche Familienmitglieder
problemlos und erfolgreich Lehrabschlüsse erreicht hätten und sich in gefestigten
Stellen- und Lohnverhältnissen befänden (act. 1 S. 30).
4.4.1.3. In ihrer Hauptbegründung erachtet es die Klägerin auch nach Darlegung
ihrer heute zu Tage tretenden Neigungen als wahrscheinlich, dass sie selbst wie
auch ihre Geschwister mit Sicherheit eine gute Berufsausbildung absolviert und
dabei einen Beruf im sozialen Milieu einer kaufmännischen Tätigkeit vorgezogen
und sich einem Beruf im Gesundheitswesen, nämlich in der diplomierten Kranken-
pflege, zugewandt und dort eine entsprechende Ausbildung absolviert hätte.
Dabei legt sie ihren mutmasslichen Werdegang und das hypothetische Ein-
kommen im Einzelnen wie folgt dar: Nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit
hätte sie zusätzlich eine weiterführende Schule besucht und nach deren Ab-
schluss im Alter von 18 Jahren eine Ausbildung zur diplomierten Pflegefachfrau
angetreten. Während der Ausbildung zur Krankenpflegerin sei von monatlichen
Löhnen von CHF 800.– im ersten Lehrjahr 2007-2008, CHF 1'000.– im zweiten
Lehrjahr 2008-2009 und CHF 1'250.– im dritten Lehrjahr 2009-2010 auszugehen.
Anschliessend hätte sie ab dem 1. August 2010 im Alter von 22 Jahren als
diplomierte Krankenpflegerin bei Ersteinstellung nach dem Besoldungssystem
des Kantons Basel-Landschaft bei Einstufung in die Lohnklasse 16, Erfahrungs-
stufe B einen Jahresbruttolohn von CHF 65'560.– inkl. 13. Monatslohn erzielt.
Aufgrund des automatischen Lohnanstiegs wäre dieser Lohn in der Folge bis
- 26 -
2012 auf CHF 71'251.– in der Stufe 1 der Lohnklasse 16 gestiegen. Die Klägerin
nimmt weiter an, dass sie während zehn Jahren in der gleichen Lohnklasse
geblieben wäre und dabei bei einem jährlichen Erfahrungsanstieg im Jahre 2020
die Erfahrungsstufe 9 erreicht hätte, was einen Jahreslohn von CHF 87'045.50
bedeute. Dann sei aufgrund der Erfahrung und in Anlehnung an den Werdegang
ihrer Geschwister davon auszugehen, dass die Klägerin berufsbegleitend zusätz-
liche Ausbildungen angestrebt hätte und dies mit der Übernahme von Vorge-
setztenfunktionen einher gegangen wäre. Entsprechend der Übernahme vermehr-
ter Verantwortung und Leitungstätigkeit sei davon auszugehen, dass sie im Sinne
einer Beförderung im Jahr 2020 neu in Lohnklasse 15 bei gleicher Erfahrungs-
stufe eingereiht worden wäre und somit im Jahr 2021 einen Lohnsprung auf CHF
92'365.65 gemacht hätte. Dieses Einkommen werde bis zum Alter 50 einer
jährlichen 1 %-igen Steigerung unterzogen, was bis zu jenem Zeitpunkt zu einem
Einkommen von CHF 110'482.– führe. Sodann werde diese Grösse bis zum Ende
der beruflichen Tätigkeit unverändert belassen (act. 1 S. 30, 34 ff.; act. 48 S. 40
ff.).
4.4.1.4. Ferner legt die Klägerin dar, vom Bruttoeinkommen sei für AHV/IV/EO/
ALV initial ein Abzug von 6.05 % und ab dem Jahr 2012 von 6.25 %
vorzunehmen. Was die BVG-Abzüge angehe, halte sich die Klägerin ans Gesetz
und nehme die in Art. 16 BVG vorgesehenen Prozentsätze des koordinierten
Lohnes als Abzug vom Bruttolohn. Die Abzüge würden daher zunächst 3.5 % für
das 25. bis 34. Altersjahr, dann 5 % für das 35. bis 44. Altersjahr, dann 7.5 % für
das 45. bis 54. Altersjahr und schliesslich 9 % für das 55. bis 64. Altersjahr
betragen (act. 48 S. 34).
4.4.1.5. Gestützt auf diese Darstellungen errechnet die Klägerin einen
Erwerbsausfall von CHF 188'470.– bis Ende November 2012 sowie einen mit
dem Zinsfuss von 3.5 % und dem Koeffizient 20.76 kapitalisierten künftigen
Erwerbsausfall von CHF 1'803'804.– (resp. von CHF 2'118'834 bei einem Kapitali-
sierungszinsfuss von 2.5 % und dem Koeffizient 24.13) von Dezember 2012 bis
zur Pensionerung per 1. April 2052 (vgl. act. 48 S. 41 ff.).
- 27 -
4.4.1.6. Zudem macht die Klägerin geltend, es sei bei einer Tätigkeit als diplo-
mierte Pflegefachfrau zusätzlich von einem durchschnittlichen Zuschlag zum Lohn
für Inkonvenienzen zwischen CHF 200.– und CHF 500.– pro Monat auszugehen,
bei einem Mittelwert von CHF 350.– monatlich von einer pauschalen Abgeltung
von CHF 4'200.– jährlich, welcher nicht dynamisiert werde. Bei der Berechnung
werde für das Jahr 2010 bei Stellenantritt pauschal CHF 1'000.– angenommen.
Vom 1. August 2010 bis zum 30. November 2012 mache diese Schadensposition
CHF 9'600.– aus, der Kapitalwert ab dem 1. Dezember 2012 bis zur Pensionie-
rung betrage mit Kapitalisierungszinsfuss 2.5 % und Kapitalisierungsfaktor 24.13
CHF 101'338.–; beim Kapitalisierungszinsfuss 3.5 % mit einem Faktor von 20.76
stünden die künftigen Lohnzulagen mit CHF 87'205.– zu Buche (act. 1 S. 41 f.;
act. 48 S. 44 f.).
4.4.1.7. Für den Fall, dass das Gericht nicht vom Berufsweg als diplomierte
Pflegefachfrau ausgehen sollte, legt die Klägerin in einer Eventualbegründung
auch die Lohnentwicklung gestützt auf statistische Zahlen zum Einkommen der
Arbeitnehmer dar. Hierzu macht sie geltend, lege man der Berechnung des
Erwerbsausfalles eine vierjährige Lehre zugrunde und wende anschliessend die
vom Bundesamt für Sozialversicherungen herausgegebenen Zahlen über das
durchschnittliche Einkommen der Arbeitnehmer an, so beliefe sich der Einstiegs-
lohn im Jahre 2008 auf CHF 53'900.–, welcher sich bis zum 25. Altersjahr auf
CHF 61'600.– und bis zum 30. Altersjahr auf CHF 69'300.– erhöhe. Anschlies-
send sei vom Durchschnittslohn von CHF 77'000.– auszugehen, welcher einer
mindestens 1 % igen jährlichen Reallohnsteigerung zu unterziehen sei. Dies führe
bis zum Alter 50 zu einem Bruttoeinkommen über CHF 93'955.–. Unter Annahme
eines Lehrlingslohnes von zunächst CHF 600.– pro Monat, im zweiten Lehrjahr
CHF 800.– pro Monat, im dritten Lehrjahr CHF 1'000.– und im letzten Lehrjahr
CHF 1'100.– pro Monat ergebe diese, auf statistischen Daten beruhende
Schadensberechnung einen bisherigen Erwerbsschaden von CHF 159'682.– und
einen künftigen Erwerbsschaden bei einem Zinssatz von 2.5 % von CHF
1'381'168.–. Bei einem Zinssatz von 3.5 % belaufe sich der künftige Schaden auf
CHF 1'174'340.– (act. 1 S. 36, act. 48 S. 47).
- 28 -
4.4.2. Darstellung der Beklagten
4.4.2.1. Die Beklagte bestreitet das von der Klägerin dargestellte Validenein-
kommen im Einzelnen und erachtet die Berechnung der Klägerin als intransparent
(act. 53 S. 43 f.). Sie stellt der klägerischen Darstellung ihre eigene Darstellung
und Berechnung gegenüber:
4.4.2.2. Auch die Beklagte ist der Auffassung, dass die für eine Schätzung zur
Anwendung kommende Methodik eine multifaktorielle sein müsse, wobei das
familiäre und soziale Umfeld und die Entwicklung der Geschwister bedeutsam
sein könnten. Die Darstellung des Werdegangs von Geschwistern sowie Vater
und Mutter habe aber vorliegend eine eng limitierte Bedeutung, da die
Heranziehung von Berufslaufbahnen in der Familie auf einem überholten Vorver-
ständnis der beruflichen Generationennachfolge beruhe. Vor allem sei nach den
Erfahrungen des Lebens unwahrscheinlich, dass die Klägerin denselben Berufs-
weg eingeschlagen hätte wie eines ihrer Geschwister, insbesondere wie von der
Klägerin behauptet analog ihrer älteren Schwester H._, oder wie ihre Mutter.
Es wisse keiner, welchen beruflichen und persönlichen Weg die Klägerin ohne
den Unfall eingeschlagen hätte. Es sei daher auf die Statistiken und ihre Mittel-
werte abzustellen (act. 9 S. 43 f., 46; act. 53 S. 31 ff.).
4.4.2.3. Die Beklagte bestreitet als unrealistisch und statistikwidrig, dass die
Klägerin bis Alter 64 durchgehend zu 100 % berufstätig gewesen wäre. Es arbeite
nur ein kleiner Teil der Frauen 100 %, und bei den verheirateten Frauen und
speziell bei den Müttern sei es statistisch nur eine kleine Zahl. Die meisten berufs-
tätigen Frauen würden Teilzeit arbeiten. Für die Klägerin bestehe dieselbe Wahr-
scheinlichkeit einer Familienpause wie für die meisten anderen Frauen auch,
wobei diese Familien-Wahrscheinlichkeit in ausgesprochen ländlichen Gegenden
wie zwischen ...- und ...tal vermutlich immer noch grösser sei als in metro-
politanen Räumen und Agglomerationen. Und sie sei wohl noch grösser deshalb,
weil die beiden älteren Schwestern der Klägerin diesem Muster bisher nicht
folgten, denn dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass wenigstens das Leben der
dritten Tochter der Familie A1._ diesem mehrheitlichen Frauen-
Lebensmuster gefolgt wäre. Die Beklagte geht daher davon aus, dass die
- 29 -
Klägerin ohne den Unfall wahrscheinlich das mehrheitliche Lebensmuster von
Frauen durchlebt, also geheiratet und Kinder gehabt hätte. Dies habe mit der vom
Bundesamt für Statistik ermittelten Heiratswahrscheinlichkeit zu tun, welche mit
0.14 % aller Heiraten von Frauen durch 17-jährige Frauen beginne, bei 9.77 %
aller Heiraten durch 29-jährige Frauen gipfle, und dann auslaufe. Ausserdem
habe die Anzahl Kinder je Frau im Kanton Basel-Landschaft im Jahr 2011 bei
1.51 gelegen. Der von der Klägerin behauptete Fall, dass sie unverheiratet und
kinderlos bis zum AHV-Schlussalter 100 % gearbeitet hätte, sei aufgrund aller
Statistiken des BFS gerade der unwahrscheinlichste Fall. Die BFS-Statistiken
würden die Vermutung begründen, dass die Klägerin ohne Unfall geheiratet hätte
und Mutter geworden wäre. Konkret nimmt die Beklagte für die Schätzung an,
dass die Klägerin 2013, also in einem in ländlichen Gegenden immer noch
üblichen Alter von 25 Jahren, geheiratet hätte und Mutter geworden wäre. Für die
übliche Familienphase sei mit einem entsprechenden Einbruch beim
Erwerbseinkommen der Klägerin zu rechnen. So sei während eines Drittels der
beruflich aktiven Phase der Klägerin, d.h. während 15 von 45 Jahren, mit einer
über diese 15 Jahre gemittelten Einkommenseinbusse von 67 % zu rechnen.
Dabei sei von anfänglich 5 Jahren 0 %, dann 5 Jahren 33 % und zuletzt 5 Jahren
67 % auszugehen. Dies basiere auf einer allgemeinen Erfahrung des Lebens,
indem die Beklagte für die Klägerin Heirat und Mutterschaft im mutmasslichen
Alter von 25 Jahren, dann einen anfänglichen völligen Rückzug aus dem
erwerblichen Arbeitsprozess ausserhalb eines Landwirtschaftsbetriebes in der
zweiten Hälfte der ersten Schwangerschaft, und in der Folge einen sukzessiven
Wiedereintritt ins Berufsleben ab etwa Alter 30 bis zum Alter 40, allerdings nicht
mit einer substantiellen weiteren Erhöhung mit Rücksicht auf die Mutterpflichten,
annehme. Es wäre vermutlich Ziel der Klägerin gewesen, vor Alter 40 wieder ein
50-70 % Pensum zu haben. Zu schätzen sei dann für Alter 41 bis 64 mit einem
durchschnittlichen Pensum von 60 % (act. 9 S. 45 ff.; act. 53 S. 35 ff.).
4.4.2.4. Zum mutmasslichen Valideneinkommen der Klägerin führt die Beklagte
aus, sie rechne für ein 100 % Pensum und ohne Fixierung auf eine Berufsrichtung
gestützt auf die Lohnstatistiken und den Salarium Lohnrechner des BFS für Alter
22 mit einem geschätzten Starteinkommen von brutto rund CHF 50'000.– für eine
- 30 -
Zwanzigjährige. Bei einer jährlichen realen Steigerung von 1,5 % bis Alter 50
ergebe sich über die Zeit bis zum Schlussalter 64 bei einem 100 % Pensum ein
durchschnittliches Nettojahreseinkommen von CHF 56'210.–. Im Alter 50 und bis
im Schlussalter 64 würde das letzte 100 % Jahresbruttoeinkommen CHF 77'000.–
betragen, was sicher als respektables Einkommen gelten dürfe. In diesem Ein-
kommen seien Naturalleistungen und Erschwerniszulagen inbegriffen, d.h. solche
seien nicht extra in die Schätzung einzubeziehen. Die von ihr zu dieser Rechnung
in der Klageantwort genannten Beitragssätze an die Sozialversicherungen
(7.55 % Abzug AHV/IV/EO/ALV/FAK und 3 % bzw. 6.6 % bzw. 10.4 % bzw.
11.3 % BVG-Abzug) korrigiert die Beklagte in der Duplik auf 6.25 % Arbeitneh-
merbeiträge für AHV/IV/EO/ALV ab 2012 und hält fest, dass die FAK-Beiträge
vom Arbeitgeber erbracht werden, sofern die Klägerin nicht selbständig erwerbs-
tätig sei. Sodann beziffert sie nun die BVG-Beitragssätze per 1. Juli 2012
aufgrund der Beitragssätze der überparitätischen PUBLICA bei paritätischer
Berechnung für 22-34 Jahre auf 5.85 %, für 35-44 Jahre auf 7.45 %, für 45-54
Jahre auf 11.538 % und für 55-70 Jahre auf 15.0 %. Zusätzlich sei die Hälfte der
Risikoprämie von 3-4 % für Invalidität und Hinterlassenenleistungen in die
Berechnung einzuziehen. Dennoch hält die Beklagte aber an dem von ihr ge-
schätzten durchschnittlichen Nettojahreseinkommen der Klägerin von CHF
56'210.– fest. Zu ihrer Schätzung führt sie aus, diese werde auch durch die
neueste Statistik des Statistischen Amtes des Kantons St. Gallen vom März 2011
gestützt, wo für Frauen in der Nordwestschweiz durchschnittliche Monats-
Bruttolöhne 2008 mit einem Median von CHF 5'200.– ausgewiesen würden, also
noch tiefer als CHF 72'000.– pro Jahr. Dieser Median verlaufe ab Alter 33 bei den
Frauen ziemlich waagrecht (act. 9 S. 44, 47; act. 53 S. 31 ff.).
4.4.2.5. Gestützt auf die von ihr geschätzten Parameter geht die Beklagte von
einer Berufstätigkeit ab 1. Oktober 2010 in drei Phasen mit einem Pensum von
100 % vom 1. Oktober 2010 bis 31. März 2013, von 33.333 % vom 1. April 2013
bis 31. März 2028 und anschliessend von 60 % vom 1. April 2028 bis 31. März
2052 und einem durchschnittlichen Nettolohn bei 100 % Pensum von 56'210.–
pro Jahr aus. Sodann macht sie geltend, die bis zum 31. März 2011 mutmasslich
ohne Unfall erzielbaren Einkommen seien unter Hinweis auf die übliche
- 31 -
Konsumption des Lehrlingslohnes durch die Auszubildenden unwesentlich, da
keine Sparquote übrig geblieben wäre. Diese Einnahmen bestreitet die Beklagte
deshalb. Das mutmassliche Einkommen ohne Unfall betrage nach Darstellung der
Beklagten vom 1. Dezember 2012 bis zum 31. März 2013 bei 100 %
Erwerbstätigkeit CHF 18'081.– und vom 1. April 2013 bis 31. März 2052 CHF
1'282'150.– abzüglich CHF 404'339.– für die Mutterphase und CHF 190'664.– für
Teilzeiterwerbstätigkeit 60 %, was ein mutmassliches Einkommen ohne Unfall ab
1. Dezember 2012 bis 31. März 2052 von CHF 705'228.– ergebe. Auf die von ihr
geschätzten Zahlen lasse sich die Beklagte aber bei der gerichtlichen Wahl einer
anderen Schätzungsart oder -methodik nicht behaften (act. 9 S. 47 ff.; act. 53
S. 52).
4.4.2.6. Zudem ist die Beklagte der Auffassung, dass auch die Klägerin dem
durchschnittlichen Arbeitslosenrisiko ausgesetzt gewesen wäre, was in der
Berechnung eines Einkommens zu berücksichtigen sei (act. 53 S. 35). In welcher
Form oder welchem Ausmass diese Berücksichtigung zu erfolgen hätte, legt die
Beklagten indes nicht dar.
4.4.3. Schätzung des Gerichts
4.4.3.1. Die Klägerin wird aufgrund des im Alter von vierzehn Monaten erlittenen
Unfalls nie eine Erwerbstätigkeit ausüben können; darin sind sich die Parteien
einig. Da dieser Unfall im frühen Kindesalter geschah, kann weder anhand einer
bereits in Angriff genommenen Ausbildung noch aufgrund der schulischen Leis-
tungen oder der Interessen der Klägerin eine überwiegende Wahrscheinlichkeit
für eine bestimmte, mutmasslich künftige berufliche Tätigkeit ausgemacht werden.
Aus dem von der Klägerin beschriebenen Werdegang ihrer Geschwister und
Eltern lässt sich zwar erahnen, dass die Klägerin wohl eine Ausbildung absolviert
und abgeschlossen hätte. Doch eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für eine
bestimmte berufliche Tätigkeit lässt sich daraus nicht herleiten, insbesondere
auch nicht der von der Klägerin in ihrer Hauptbegründung dargestellte Werdegang
und Berufsweg als diplomierte Pflegefachfrau analog ihrer Schwester H._.
Damit fallen auch die von der Klägerin für die berufliche Tätigkeit als diplomierte
Pflegefachfrau geltend gemachten Inkonvenienz-Zulagen ausser Betracht.
- 32 -
Vielmehr kann aufgrund der vielen Unbekannten einzig ein durchschnittlicher
Werdegang als dem gewöhnlichen Lauf der Dinge entsprechend zur Schätzung
des Erwerbsausfallschadens nach Art. 42 Abs. 2 OR herangezogen werden. Zur
Ermittlung des mutmasslichen Valideneinkommens der Klägerin ist daher auf die
statistischen Werte des Bundesamtes für Statistik (bfs) zum durchschnittlichen
Lohn und Beschäftigungsgrad von Frauen nach Lebensalter abzustellen, soweit
die Parteien in ihren Darstellungen zum mutmasslichen Werdegang gemäss
Statistik (die Klägerin in ihrer Eventualbegründung) nicht von übereinstimmenden
Annahmen ausgehen oder gemeinsam über die vom Gericht ermittelten,
statistischen Werte hinausgehen resp. die Klägerin weniger verlangt, als jene ihr
zugestehen würden. Aufgrund der umfangreichen, durch das bfs im Internet
publizierten Statistiken zum durchschnittlichen Lohn und Beschäftigungsgrad, auf
die das Gericht seine Schätzung stützen kann, ist von der Einholung einer
schriftlichen Auskunft des bfs abzusehen. Den Parteien war indes Gelegenheit zu
geben, zu den nachfolgenden Statistiken Stellung zu nehmen:
a. "Bruttoerwerbseinkommen pro Jahr der Erwerbstätigen nach Erwerbsstatus,
Berufsgruppen ISCO 88 (COM), Beschäftigungsgrad und Geschlecht, Stän-
dige Wohnbevölkerung, Zentralwert in Franken 2012" des bfs (vgl.
http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/03/04/blank/key/erwerbs
einkommen.html, besucht am 12. November 2013)
b. "Monatlicher Bruttolohn (Zentralwert und Quartilbereich) nach Lebensalter,
Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes und Geschlecht, privater und öf-
fentlicher Sektor (Bund, Kantone, Bezirke, Gemeinden, Körperschaften) zu-
sammen, Schweiz 2008 resp. 2010" des bfs (vgl. http://www.bfs.admin.
ch/bfs/portal/de/index/themen/03/04/blank/data/01/06_01.html#5, Tabelle
Monatlicher Bruttolohn nach Lebensalter - Privater und öffentlicher Sektor
zusammen - Schweiz je-d-03.04.01.00.09 besucht am 12. November 2013)
c. "Erwerbsquoten nach Nationalität und Altersgruppe 2012" des bfs (vgl.
http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/00/09/blank/ind42.indica
tor.420007.420002.html, Tabelle Erwerbsquoten nach Geschlecht, Natio-
- 33 -
nalität, Altersgruppen, Familientyp je-d-03.01.02.02 besucht am 12. No-
vember 2013).
d. "Beschäftigungsgrad der Erwerbstätigen Personen nach Altersgruppe 2010 -
2012" des bfs (vgl. http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/
03/02/blank/data/03.html, Tabelle Beschäftigungsgrad nach Geschlecht, Na-
tionalität, Altersgruppen, Familientyp je-d-03.02.01.15 besucht am 12. No-
vember 2013)
4.4.3.2. Die Klägerin legt in ihrer Stellungnahme dar, es sollten zur Schätzung
auch Analysen der Zukunftsszenarien gemäss der Broschüre "Szenarien zur Be-
völkerungsentwicklung der Schweiz 2010 - 2060" des bfs (abrufbar unter http://
www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/news/publikationen.html?publicationID=
3989 besucht am 24. Januar 2014) berücksichtigt werden, da es sich um die
Schätzung eines Schadens für die kommenden rund 40 Jahre handle. Ausserdem
seien das Diskriminierungsverbot und Gleichstellungsgebot zu berücksichtigen,
weshalb zwischen den Löhnen für Frauen und Männer nicht mehr zu unter-
scheiden sei. Zudem hätten die Erwerbsquote und der Beschäftigungsgrad von
Frauen in der jüngeren Vergangenheit stetig zugenommen und diese Tendenz
werde sich fortsetzen. Der in den vergangenen Jahren zu beobachtende Rück-
gang der Erwerbsquote bei Männern und Frauen in der Altergruppe der 55- bis
64-jährigen dürfe nicht berücksichtigt werden, werde doch mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit in 40 Jahren ein höheres Rücktrittsalter auch für Frauen
gelten. Dies vorweggenommen, ergebe sich aus den Statistiken, dass der
überwiegende Teil der Frauen erwerbstätig sei und in jeder Altersgruppe der
Beschäftigungsgrad von 90 bis 100 % markant überwiege. Bei einer derartigen
Aufschlüsselung müsse entscheidend sein, welche Altersgruppe für sich allein
gegenüber den jeweils anderen überwiege. Zudem werde gemäss allen drei
Grundszenarien zur Bevölkerungsentwicklung der Schweiz 2010 bis 2060 des bfs
die Erwerbsquote der 15- bis 64-jährigen Frauen relativ stark zunehmen. Ferner
sei der Schätzung des Lohnes das Anforderungsniveau 2 zugrunde zu legen,
ohne zwischen den Löhnen von Frauen und Männern zu unterscheiden. Die
- 34 -
Schätzung sei mit jährlichen Reallohnsteigerungen entsprechend den individuel-
len und generellen Lohnsteigerungen zu versehen (act. 72 und 78 S. 2).
4.4.3.3. Die Beklagte führt in ihrer Stellungnahme aus, bei der Wahl der
Statistiken sei zu berücksichtigen, dass die Klägerin in einer ländlichen und relativ
schwach besiedelten Gegend wohne und wohl auch bis zur wirtschaftlichen
Selbständigkeit bei ihren Eltern gelebt hätte. Alsdann wäre sie vermutlich nach
I._ als nächstes Regionalzentrum als Ausbildungsort gegangen und dieser
Ort wäre vermutlich auch als Ort einer weiteren beruflichen Entwicklung im
Vordergrund gestanden ebenso wie der Bezirk K._. Daher sei als
Schätzungsgrundlage nicht auf die auf der Basis der gesamten Schweiz
erhobenen Statistiken des bfs abzustellen, sondern es sei die Schätzung auf die
Baselbieter Statistik aufzubauen, ergänzt mit der Lohnlandschaft Ostschweiz, vor
allem den konkreten Einkommensmöglichkeiten in I._. Dies liefere eine
konkretere, präzisere Schätzungsgrundlage. Eine mögliche Unterstützung der
richterlichen Schätzung biete die Einholung einer schriftlichen Auskunft beim bfs
konkret für I._ und den Bezirk K._ (act. 68). Zu den von der Klägerin in
deren Stellungnahme zusätzlich herangezogenen Zukunftsszenarien hält die
Beklagte fest, dabei handle es sich nicht um reale Fakten, weshalb in der
Rechtsprechung darauf nicht abgestellt werden dürfe. Auch die Erhöhung des
Rentenalters hätte nur berücksichtigt werden müssen, falls sie während des
Prozesses geltendes Recht geworden wäre. Ausserdem gehe es um die
Berechung für eine Frau und nicht für einen Mann (act. 75).
4.4.3.4. Bei der Auswahl der verwendeten Statistiken des bfs ist, soweit
überhaupt möglich, zu berücksichtigen, dass die Klägerin eine Frau mit Schweizer
Bürgerrecht ist. Dies sind die einzigen bekannten Tatsachen als Grundlage für die
Schätzung des Valideneinkommens. Entgegen der klägerischen Darstellung
erscheint es angemessen, tatsächlich auf die statistischen Werte für Frauen abzu-
stellen und nicht eine geschlechtsneutrale Schätzung vorzunehmen, soweit die
Lohnunterschiede auf erklärbare Unterschiede zwischen den Geschlechtern
zurückzuführen sind. Aus demselben Grund erfolgt auch die Kapitalisierung
anhand von nach Geschlecht unterscheidenden Kapitalisierungsfaktoren. Die in
- 35 -
den Statistiken des bfs sichtbaren Lohnunterschiede zwischen Frauen und
Männern kommen mehrheitlich aufgrund von erklärbaren Merkmalen zustande,
und nur ein Anteil von rund 37 % der Differenz (im Jahr 2010) ist auf nicht
erklärbare Gründe zurückzuführen (vgl. dazu http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/
de/index/themen/03/04/blank/key/lohnstruktur/ nach_geschlecht.html besucht am
13. Januar 2014). Es hat daher nur eine Erhöhung des für Frauen ermittelten,
statistischen Medianlohnes um rund 40 % der Differenz zu dem in der Statistik für
Männer ausgewiesenen Wert zu erfolgen, um die verfassungswidrigen
Geschlechtsunterschiede (Art. 8 Abs. 3 BV) zu korrigieren. Weiter ist entgegen
der Beklagten für die Klägerin keine Eingrenzung auf die Wohnregion Kanton
Baselland oder gar die Stadt I._ und die Region K._ vorzunehmen, dies
wegen der reduzierten Aussagekraft von auf ein derart kleines Gebiet
beschränkten Statistiken sowie auch angesichts der grossen Wahrscheinlichkeit
eines Wohnortwechsels innerhalb der Schweiz (gerade wegen der von der
Beklagten angedeuteten, beschränkten beruflichen Optionen in dieser Gegend).
Bezüglich des von der Klägerin vorgebrachten Einbezugs von Zukunftsszenarien
und jährlichen Reallohnsteigerungen aufgrund der zunehmenden Berufserfahrung
ist festzuhalten, dass die jeweiligen Reallohnsteigerungen in die Statistiken schon
durch die Berücksichtigung der Löhne nach Altersklassen Eingang gefunden
haben. Eine mittlere Reallohnsteigerung durch die zunehmende Berufserfahrung
ist somit eingerechnet. Im Übrigen ist auf die drei von der Klägerin angerufenen
Zukunftsszenarien nicht abzustellen. Aus prozessualer Sicht ist dieses Vorbringen
der Klägerin zwar noch zu berücksichtigen (FRANK/STRÄULI/MESSMER, Kommentar
zur Zürcherischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 1997, N 12 zu § 114/115
ZPO/ZH). Es wäre aber einerseits widersprüchlich, diese Szenarien - wie es die
Klägerin verlangt - nur teilweise zu berücksichtigten, nämlich soweit sie eine
Erhöhung der Erwerbsquote schätzen, und gleichzeitig den Rückgang der
Erwerbstätigkeit ab Alter 55 Jahre unberücksichtigt zu lassen. Bereits deshalb ist
eine solche partielle Berücksichtigung im Grundsatz abzulehnen. Andererseits
basieren die einzelnen Zukunftsszenarien jeweils auf mehreren, unterschiedlich
formulierten Hypothesen für die Zukunft, welche zu recht divergenten
Ergebnissen führen. Gestützt darauf wird die Entwicklung der Erwerbsquoten
- 36 -
vorausgeschätzt, wobei im Rahmen der kommentierten Ergebnisse festgehalten
wird, insgesamt betrachtet zeigten die Szenarien und Varianten zwar eine positive
Entwicklung der Erwerbsquote der 15- bis 64-Jährigen (mit einigen wesentlichen
Ausnahmen einer schwach negativen Veränderung), aber das Ausmass dieser
Entwicklung sei relativ bescheiden (vgl. http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/
index/news/publikationen.htmpublicationID=3989, Broschüre Szenarien zur
Bevölkerungsentwicklung der Schweiz 2010 - 2060 besucht am 24. Januar 2014,
S. 51 ff.). Auch in Anbetracht dessen erscheint es angemessen, die Schätzung
des hypothetischen Einkommens auf der Basis der gegenwärtigen Verhältnisse
vorzunehmen und auf die gegenwärtigen, statistisch erhobenen Zahlen abzu-
stellen. Weiter sind entgegen den klägerischen Ausführungen (act. 72 S. 4) nicht
die Medianwerte des Anforderungsniveaus II zu Grunde zu legen, sondern es ist
von den Medianwerten aller Anforderungsniveaus zusammen auszugehen, da die
vorliegenden Grundtatsachen bereits die Festlegung auf ein bestimmtes
Anforderungsniveau nicht zulassen. Das Abstellen auf den Medianwert aller
Anforderungsniveaus erscheint daher geboten. Schliesslich sind für die Klägerin
keine Annahmen zu treffen, ob sie geheiratet und Kinder bekommen hätte oder
nicht. Ihr hypothetisches Erwerbseinkommen kann anhand der obgenannten
Statistiken unabhängig von den mutmasslichen Familienverhältnissen geschätzt
werden.
4.4.3.5. Vom hypothetischen Bruttoerwerbseinkommen in Abzug zu bringen sind
die Arbeitnehmerbeiträge an die Sozialversicherungen AHV, IV, EO und ALV
sowie ab dem 25. Altersjahr der Klägerin die Altersgutschriften an die berufliche
Vorsorge (2. Säule; vgl. BGE 129 III 135 = Pra 92 (2003) Nr. 69 E. 2.3.2.3.). Die
Beitragssätze betrugen bis 2010 für AHV 4.2 %, IV 0.7 %, EO 0.15 % und ALV
1 %, womit bis 2010 ein Abzug von 6.05 % vorzunehmen ist. Ab 2011 wurden die
Beiträgssätze für EO auf 0.25 % und für ALV auf 1.1 % erhöht, weshalb ab 2011
der Abzug 6.25 % beträgt. Weiter ist entgegen der Darstellung der Beklagten bei
den Beiträgen für die berufliche Vorsorge im Rahmen der Schätzung des
hypothetischen Valideneinkommens der Klägerin als dem gewöhnlichen Lauf der
Dinge entsprechend auf die gesetzlichen Altersgutschriften nach Art. 16 BVG
abzustellen und von paritätischen Zahlungen auszugehen, womit im Alter von 25
- 37 -
bis 34 Jahren 3.5 %, von 35 bis 44 Jahren 5 %, 45 bis 54 Jahren 7.5 % und ab 55
Jahren 9 % vom koordinierten Lohn (nicht vom gesamten Lohn) abzuziehen ist.
4.4.3.6. Beide Parteien gehen bei ihrer Darstellung des mutmasslichen Validen-
einkommens nach Statistiken davon aus, dass die Klägerin zunächst eine Aus-
bildung absolviert und im Alter von 20 Jahren abgeschlossen hätte. Die Beklagte
macht dabei keine Angaben dazu, wie lange die Ausbildung gedauert hätte oder
welches Erwerbseinkommen die Klägerin erzielt hätte, da sie dieses Einkommen
bei ihrer Berechnung der Sparquote nicht für relevant hält. Gestützt darauf be-
streitet sie Einnahmen in dieser Zeit. Die Klägerin dagegen nimmt eine vierjährige
Ausbildung mit Beginn im Alter von 16 Jahren im August 2004 und Lehrabschluss
im August 2008 an, bei welcher sie im ersten Lehrjahr CHF 7'200.–, im zweiten
CHF 9'600.–, im dritten CHF 12'000.– sowie im vierten CHF 13'200.– verdient
hätte (act. 48 S. 47). Nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge wird in der
Berufsausbildung ein Einkommen erzielt, weshalb ein solches für die Klägerin zu
schätzen ist. Gemäss den statistischen Werten 2012 beträgt der Lehrlingslohn
von Frauen durchschnittlich CHF 8'600.– im ersten, CHF 11'900.– im zweiten und
CHF 15'000.– im dritten und vierten Lehrjahr (vgl. Tabelle "Bruttoerwerbsein-
kommen pro Jahr der Erwerbstätigen nach Erwerbsstatus, Berufsgruppen ISCO
88 (COM), Beschäftigungsgrad und Geschlecht, Ständige Wohnbevölkerung,
Zentralwert in Franken 2012", http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/
themen/03/04/blank/key/erwerbseinkommen.html besucht am 12. November
2013). Da die Klägerin auch nach Berücksichtigung der eingetretenen Nominal-
lohnentwicklung bei Frauen seit dem mutmasslichen Lehrbeginn im August 2004
bis zum Zeitpunkt der statistischen Erhebung 2012 (2004: 2360, 2005: 2386,
2006: 2417, 2007: 2454, 2012: 2630; BFS Publikation Lohnentwicklung 2012,
S. 23) weniger als das durchschnittliche Einkommen gemäss Statistik als hypo-
thetischen Lohn während der Ausbildung geltend macht (unter Berücksichtigung
der Nominallohnentwicklung durchschnittlich 2004 CHF 7'717.– 1. Lehrjar, 2005
CHF 10'796.– 2. Lehrjahr, 2006 CHF 13'785.– 3. Lehrjahr, 2007 CHF 13'996.–
4. Lehrjahr; die damaligen statistischen Erhebungen sind online nicht verfügbar),
ist das hypothetische Valideneinkommen während der vierjährigen Lehre nach
den Behauptungen der Klägerin anzunehmen. Die Klägerin hätte damit vom 1.
- 38 -
August 2004 bis zum 31. Juli 2008 ein hypothetisches Bruttovalideneinkommen
von total CHF 42'000.– (CHF 7'200.– + CHF 9'600.– + CHF 12'000.– + CHF
13'200.–) erzielt. Davon in Abzug zu bringen sind die Arbeitnehmerbeträge an die
Sozialversicherungen von AHV 4.2 %, IV 0.7 %, EO 0.15 % sowie ALV 1 % in den
Jahren 2004 bis 2008, womit für diese Zeitperiode ein hypothetisches
Nettovalideneinkommen von CHF 39'459.– (= CHF 42'000.– x 0.9395) resultiert.
4.4.3.7. Ab 1. August 2008 bis zum 2. März 2013, d.h. vor dem 25. Geburtstag
der Klägerin, gehen beide Parteien davon aus, dass die Klägerin einer 100 %
Erwerbstätigkeit als Arbeitnehmende nachgegangen wäre. Die Klägerin macht
geltend, sie hätte mit einem Einstiegslohn von CHF 53'900.– brutto pro Jahr
begonnen und ihr Einkommen hätte sich bis zum 25. Altersjahr auf CHF 61'600.–
erhöht. Bei einer gleichmässigen Erhöhung um CHF 1'540.– pro Altersjahr hätte
die Klägerin die unten in der Tabelle dargestellten Einkommen erzielt. Nach
beklagtischer Darstellung hätte die Klägerin demgegenüber am 1. August 2008
mit einem Bruttojahreseinkommen von CHF 50'000.– begonnen, welches jährlich
bis Alter 50 eine reale Steigerung von 1,5 % erfahren hätte (vgl. dazu ebenfalls
die Tabelle unten). Nach der Statistik "Monatlicher Bruttolohn (Zentralwert und
Quartilbereich) nach Lebensalter, Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes und
Geschlecht, privater und öffentlicher Sektor (Bund, Kantone, Bezirke, Gemeinden,
Körperschaften) zusammen, Schweiz" des bfs von 2008 für die Jahre 2008 und
2009 resp. von 2010 für die Zeit ab 2010 (vgl. http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/
de/index/themen/03/04/blank/data/01/06_01.html#5, Tabelle Monatlicher Brutto-
lohn nach Lebensalter - Privater und öffentlicher Sektor zusammen - Schweiz
je-d-03.04.01.00.09 besucht am 12. November 2013) betrug der Medianwert des
monatlichen Bruttolohnes für Frauen aller Anforderungsniveaus im Alter von 20
bis 29 Jahren 2008 CHF 4'571.– (pro Jahr CHF 54'852.–) und 2010 CHF 4'694.–
(pro Jahr CHF 56'328.–). Angepasst an die Nominallohnentwicklung ist sodann
2009 von CHF 56'015.33 (Nominallohn Basis 1939 = 100, 2008 = 2499, 2009 =
2552) und 2011 von CHF 56'874.03 resp. 2012 von CHF 57'441.89 (Nominallohn
Basis 1939 = 100, 2010 = 2579, 2011 = 2604, 2012 = 2630) auszugehen, wobei
die Veränderung des Lohnes jeweils auf den Geburtstag der Klägerin hin
- 39 -
anzunehmen ist. Gegenüber gestellt ergibt dies folgende Tabelle für Alter 20 bis
24 der Klägerin:
Klägerin Beklagte Statistik Frauen Alter Bruttojahreseink. Bruttojahreseink. Bruttojahreseink.
20 CHF 53'900 CHF 50'000.00 CHF 54'852.00 21 CHF 55'440 CHF 50'750.00 CHF 56'015.33 22 CHF 56'980 CHF 51'511.25 CHF 56'328.00 23 CHF 58'520 CHF 52'283.92 CHF 56'874.03 24 CHF 60'060 CHF 53'068.18 CHF 57'441.89 25 (CHF 61'600)
Soweit die Klägerin mit ihrer Behauptung nicht bereits unter dem Medianwert für
Frauen gemäss Statistik liegt (Alter 20 und 21), ist das jeweilige Bruttojahresein-
kommen den Medianwerten bei Männern gegenüber zu stellen und um 40 % der
Differenz zu erhöhen. Nach der Statistik "Monatlicher Bruttolohn (Zentralwert und
Quartilbereich) nach Lebensalter, Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes und
Geschlecht, privater und öffentlicher Sektor (Bund, Kantone, Bezirke, Gemeinden,
Körperschaften) zusammen, Schweiz" des bfs von 2008 für die Jahre 2008 und
2009 resp. von 2010 für die Zeit ab 2010 (vgl. http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/
de/index/themen/03/04/blank/data/01/06_01.html#5, Tabelle Monatlicher Brutto-
lohn nach Lebensalter - Privater und öffentlicher Sektor zusammen - Schweiz
je-d-03.04.01.00.09 besucht am 12. November 2013) betrug der Medianwert des
monatlichen Bruttolohnes für Männer aller Anforderungsniveaus im Alter von 20
bis 29 Jahren 2008 CHF 4'911.– (pro Jahr CHF 58'932.–) und 2010 CHF 5'007.–
(pro Jahr CHF 60'084.–). Angepasst an die Nominallohnentwicklung ist sodann
2009 von CHF 60'171.49 (Nominallohn Basis 1939 = 100, 2008 = 2092, 2009 =
2136) und 2011 von CHF 60'642.66 resp. 2012 von CHF 61'117.52 (Nominallohn
Basis 1939 = 100, 2010 = 2151, 2011 = 2171, 2012 = 2188) auszugehen.
- 40 -
Alter Statistik Männer Differenz zu 40 % der Differenz Betrag korrigiert Bruttojahreseink. Statistik Frauen um unbegr. Diff. 22 CHF 60'084.00 CHF 3'756.00 CHF 1'502.40 CHF 57'830.40 23 CHF 60'642.66 CHF 3'768.63 CHF 1'507.45 CHF 58'381.48 24 CHF 61'117.52 CHF 3'675.62 CHF 1'470.25 CHF 58'912.14
Wo die Klägerin in ihrer Darstellung unter dem statistischen Medianwert für Frau-
en oder unter dem korrigierten Wert liegt, ist von dem von ihr geltend gemachten
Bruttojahreseinkommen auszugehen; liegt sie darüber, von dem aufgrund der
Statistik geschätzten Betrag (in der Tabelle fett abgedruckt). Während des 20. Al-
tersjahres ist das Einkommen zudem nur pro Rata für die Zeit vom 1. August
2008 bis zum 2. März 2009 anzurechnen, d.h. im Betrag von CHF 31'741.11. So-
dann sind die Sozialversicherungsbeiträge vom Bruttoeinkommen abzuziehen, bis
31. Dezember 2010 im Umfang von 6.05 und ab 1. Januar 2011 von 6.25 %. Dies
ergibt einen Erwerbsausfall für die Zeit vom 1. August 2008 bis zum 2. März 2013
von CHF 245'449.41 (Nettoerwerbseinkommen).
von bis Bruttojahreslohn pro Rata Abzug Nettolohn pro Rata 01.08.2008 02.03.2009 CHF 53'900.00 CHF 31'741.11 6.05 % CHF 29'820.77 03.03.2009 02.03.2010 CHF 55'440.00 CHF 55'440.00 6.05 % CHF 52'085.88 03.03.2010 31.12.2010 CHF 56'980.00 CHF 47'166.78 6.05 % CHF 44'313.19 01.01.2011 02.03.2011 CHF 56'980.00 CHF 9'813.22 6.25 % CHF 9'199.90 03.03.2011 02.03.2012 CHF 58'381.48 CHF 58'381.48 6.25 % CHF 54'732.64 03.03.2012 02.03.2013 CHF 58'912.14 CHF 58'912.14 6.25 % CHF 55'230.13
01.08.2008 02.03.2013 Total CHF 245'382.51
4.4.3.8. Ab dem 25. Geburtstag der Klägerin geht sie selbst davon aus, dass sie
weiterhin eine Vollzeiterwerbstätigkeit ausgeübt hätte und ihr Bruttoerwerbs-
einkommen bis zum 30. Altersjahr von CHF 61'600 auf CHF 69'300 angestiegen
wäre, mithin erneut um jährlich CHF 1'540.–. Ab dem 30. Altersjahr macht die
Klägerin ein Bruttojahreseinkommen bei 100 % Erwerbstätigkeit von 77'000.– mit
einer jährlichen Steigerung um 1 % bis zum 50. Altersjahr und ab diesem
Zeitpunkt konstant bei CHF 93'955.– geltend.
- 41 -
Demgegenüber hätte nach Darstellung der Beklagten die Klägerin von Alter 25 bis
30 nicht gearbeitet, von 30 bis 35 zu 33 1⁄3 % und von 35 bis 40 zu 66 2⁄3 % sowie
anschliessend zu 60 % bis zur Pensionierung. Das Bruttojahreseinkommen hätte
sich weiterhin jährlich um 1.5 % erhöht, um ab dem 50. Altersjahr konstant bei
CHF 77'000 zu bleiben.
Gemäss der Statistik "Erwerbsquoten nach Nationalität und Altersgruppe" des bfs
waren im Jahr 2012 von den Schweizerinnen im Alter von 25 bis 39 Jahren
86.1 %, von denjenigen im Alter von 40 bis 54 Jahren 86.2 % und von den 55 bis
64-jährigen 64.8 % erwerbstätig (vgl. http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/
themen/00/09/blank/ind42.indicator.420007.420002.html, Tabelle Erwerbsquoten
nach Geschlecht, Nationalität, Altersgruppen, Familientyp je-d-03.01.02.02 be-
sucht am 12. November 2013). Der Beschäftigungsgrad der erwerbstätigen Frau-
en für das Jahr 2012 ist in der Tabelle "Beschäftigungsgrad der Erwerbstätigen
Personen nach Altersgruppe" des bfs erfasst (vgl. http://www.bfs.admin.ch/bfs/
portal/de/index/themen/03/02/blank/data/03.html, Tabelle Beschäftigungsgrad
nach Geschlecht, Nationalität, Altersgruppen, Familientyp je-d-03.02.01.15 be-
sucht am 12. November 2013). Wird bei den einzelnen Bereichen des Beschäfti-
gungsgrades jeweils der mittlere Beschäftigungsgrad genommen und mit dem An-
teil der in diesem Umfang tätigen Frauen multipliziert (ohne diejenigen zu berück-
sichtigen, welche keine Angaben zu ihrem Beschäftigungsgrad gemacht haben)
sowie anschliessend aus diesen Werten der durchschnittliche Beschäftigungsgrad
der erwerbstätigen Frauen berechnet, ergibt dies für die 29 bis 39 -jährigen 73.01
%, für die 40 bis 54 -jährigen 67.94 % und für die 55 bis 64 -jährigen 66.14 %
(Bsp.: 27.108:(638.897-11.506) x 10 % = 4.32 %; vgl. die nachfolgende Tabelle).
Daten gemäss Statistik 2012 Berechnungen Frauen 2012 ø-Werte in 1'000
Mittlerer Beschäftigungsgrad
Anteil bez. Pers. mit Angaben
Durchschnittlicher Beschäftigungsgrad
25-39 Jahre 638.897
73.01 % Unter 20% 27.108 10% 4.32%
20-49% 109.686 35% 17.48% 50-69% 102.475 60% 16.33% 70-89% 88.388 80% 14.09% 90-100% 299.734 95% 47.77% Keine Angabe/Weiss nicht 11.506
- 42 -
40-54 Jahre 752.566
67.94%
Unter 20% 36.072 10% 4.93% 20-49% 146.068 35% 19.94% 50-69% 171.082 60% 23.36% 70-89% 133.446 80% 18.22% 90-100% 245.690 95% 33.55% Keine Angabe/Weiss nicht 20.208
55-64 Jahre 295.864
66.14% Unter 20% 19.175 10% 6.71%
20-49% 57.975 35% 20.30% 50-69% 67.606 60% 23.67% 70-89% 51.316 80% 17.96% 90-100% 89.586 95% 31.36% Keine Angabe/Weiss nicht 10.206
Wird weiter berücksichtigt, welcher Anteil der Schweizerinnen der jeweiligen Al-
tersklassen überhaupt erwerbstätig ist, ergeben sich aufgrund der statistischen
Werte folgende durchschnittlichen Erwerbsgrade:
25-39 Jahre: 73.01 % x 86.1 % = 62.86 %
40-54 Jahre: 67.94% x 86.2 % = 58.56 %
55-64 Jahre: 66.14% x 64.8 % = 42.86 %
Sodann ist gemäss dem Medianwert für alle Anforderungsniveaus bei Frauen der
Statistik "Monatlicher Bruttolohn (Zentralwert und Quartilbereich) nach Lebensal-
ter, Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes und Geschlecht, Privater und öffentli-
cher Sektor (Bund, Kantone, Bezirke, Gemeinden, Körperschaften) zusammen"
des bfs für 2010 (vgl. http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/03/04/
blank/data/01/06_01.html#5, Tabelle Monatlicher Bruttolohn nach Lebensalter -
Privater und öffentlicher Sektor zusammen - Schweiz je-d-03.04.01.00.09 besucht
am 12. November 2013) unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung bis
2012 von 2579 auf 2630 (Basis 1939 = 100; die Nominallohnentwicklung 2013 ist
noch nicht verfügbar) von nachfolgend dargestellten Bruttoerwerbseinkommen
auszugehen, welche mit dem jeweiligen Beschäftigungsgrad zu multiplizieren
sind.
- 43 -
Alter Median Frauen Bruttolohn / Mt
Median Frauen Bruttolohn / Jahr
Nominallohnentw.  Bruttolohn / Jahr
Frauen Bruttolohn x 
25-29 CHF 4'694.00 CHF 56'328.00 CHF 57'441.89 62.86 % CHF 36'107.75
30-39 CHF 6'033.00 CHF 72'396.00 CHF 73'827.64 62.86 % CHF 46'407.77
40-49 CHF 6'024.00 CHF 72'288.00 CHF 73'717.50 58.56 % CHF 43'170.26
50-54 CHF 6'069.00 CHF 72'828.00 CHF 74'268.18 58.56 % CHF 43'492.74
55-64 CHF 6'069.00 CHF 72'828.00 CHF 74'268.18 42.86 % CHF 31'830.00
Diese rein nach den statistischen Werten für Frauen berechneten Löhne sind den
entsprechenden Werten bei Männern gegenüberzustellen und um 40 % der Diffe-
renz zu erhöhen.
Alter Median Männer Bruttolohn / Mt
Median Männer Bruttolohn / Jahr
Nominallohnentw.  Bruttolohn / Jahr
Männer Bruttolohn x 
25-29 CHF 5'007.00 CHF 60'084.00 CHF 61'117.52 62.86 % CHF 38'418.24
30-39 CHF 6'541.00 CHF 78'492.00 CHF79'842.16 62.86 % CHF 50'188.47
40-49 CHF 7'290.00 CHF 87'480.00 CHF 88'984.77 58.56 % CHF 52'111.04
50-54 CHF 7'495.00 CHF 89'940.00 CHF 91'487.09 58.56 % CHF 53'576.43
55-64 CHF 7'495.00 CHF 89'940.00 CHF 91'487.09 42.86 % CHF 39'209.71
Daraus ergeben sich folgende, um die nicht erklärbare Differenz von 40 % zu den
Bruttolöhnen der Männer bereinigten Bruttolöhne für Frauen:
Alter Differenz /Frauen
40 % der 
Frauen Bruttolohn x  bereinigt
25-29 CHF 2'310.49 CHF 924.19 CHF 37'031.94
30-39 CHF 3'780.70 CHF 1'512.28 CHF 47'920.05
40-49 CHF 8'940.78 CHF 3'576.315 CHF 46'746.57
50-54 CHF 10'083.69 CHF 4'033.48 CHF 47'526.22
55-64 CHF 7'379.71 CHF 2'951.88 CHF 34'781.88
- 44 -
Diese Zahlen gemäss Statistik (um die unerklärbare Differenz zwischen den Ge-
schlechtern bereinigt) sind als dem gewöhnlichen Lauf der Dinge entsprechende
Schätzung des Bruttoerwerbseinkommens durch das Gericht den von den Partei-
en behaupteten Bruttoeinkommen gegenüber zu stellen. Verlangt die Klägerin
weniger, ist davon auszugehen; verlangt die Klägerin mehr und schätzt auch die
Beklagte im Rahmen der klägerischen Vorgabe höher, ist auf die beklagtische
Schätzung abzustellen. Wo schliesslich die Klägerin höher und die Beklagte tiefer
als der statistische Wert liegt, ist von der Schätzung des Bruttoerwerbseinkom-
mens durch das Gericht auszugehen.
Anschliessend sind zur Berechnung des jeweiligen hypothetischen Nettoerwerbs-
einkommens der Klägerin die Arbeitnehmerbeiträge an die Sozialversicherungen
von den derart ermittelten hypothetischen Bruttoerwerbseinkommen der Klägerin
abzuziehen. Bis zum Rechnungstag 3. März 2014 handelt es sich um bisheriges
Einkommen. Für das hypothetische Nettoerwerbseinkommen der Klägerin ab dem
3. März 2014 ist demgegenüber die Kapitalisierung nach Aktivität und temporär
bis zum Erreichen des AHV-Alters vorzunehmen.
Diese Schritte - Gegenüberstellung des von den Parteien und dem Gericht ge-
schätzten Bruttoerwerbseinkommens, Berechnung des jeweiligen Nettoerwerbs-
einkommens ohne Unfall und der Kapitalisierungsfaktor nach Aktivitätstafeln ge-
mäss der Tafel A2y Temporäre Aktivitätsrente Frauen (bestimmte Dauer) (STAUF-
FFER/SCHAETZLE/WEBER, a.a.O., S. 275 ff) - werden in der nachfolgenden Tabelle
dargestellt und berechnet. Der Kapitalisierungsfaktor beträgt insgesamt 20.62,
was dem Wert gemäss Tafel A3y Temporäre Aktivitätsrente bis Alter 64 Frauen
entspricht (STAUFFFER/SCHAETZLE/WEBER, a.a.O., S. 291).
- 45 -
Alter Klägerin (CHF) Beklagte
(CHF) Statistik bereinigt
(CHF) Entscheid
(CHF) Koord. Lohn
Abzug BVG %
Abzug BVG (CHF)
ANB übrige
(6.25 %)
Soz.vers. Abzüge in %
Nettoein- kommen Faktor
Kap. Betrag Aktivität, temporär bis 64 (CHF)
25 61'600.00 0.00 37'031.94 37'031.94 12'461.94 3.50% 436.17 2'314.50 7.43% 34'281.28 --- ab 03.03.2014
26 63'140.00 0.00 37'031.94 37'031.94 12'461.94 3.50% 436.17 2'314.50 7.43% 34'281.28 0.98 33'595.65
27 64'680.00 0.00 37'031.94 37'031.94 12'461.94 3.50% 436.17 2'314.50 7.43% 34'281.28 0.95 32'567.22
28 66'220.00 0.00 37'031.94 37'031.94 12'461.94 3.50% 436.17 2'314.50 7.43% 34'281.28 0.92 31'538.78
29 69'300.00 0.00 37'031.94 37'031.94 12'461.94 3.50% 436.17 2'314.50 7.43% 34'281.28 0.89 30'510.34
30 77'000.00 19'342.35 47'920.05 47'920.05 23'350.05 3.50% 817.25 2'995.00 7.96% 44'107.79 0.85 37'491.63
31 77'770.00 19'632.48 47'920.05 47'920.05 23'350.05 3.50% 817.25 2'995.00 7.96% 44'107.79 0.83 36'609.47
32 78'547.70 19'926.97 47'920.05 47'920.05 23'350.05 3.50% 817.25 2'995.00 7.96% 44'107.79 0.79 34'845.16
33 79'333.18 20'225.87 47'920.05 47'920.05 23'350.05 3.50% 817.25 2'995.00 7.96% 44'107.79 0.77 33'963.00
34 80'126.51 20'529.26 47'920.05 47'920.05 23'350.05 3.50% 817.25 2'995.00 7.96% 44'107.79 0.74 32'639.77
35 80'927.77 41'674.40 47'920.05 47'920.05 23'350.05 5.00% 1'167.50 2'995.00 8.69% 43'757.54 0.72 31'505.43
36 81'737.05 42'299.52 47'920.05 47'920.05 23'350.05 5.00% 1'167.50 2'995.00 8.69% 43'757.54 0.69 30'192.71
37 82'554.42 42'934.01 47'920.05 47'920.05 23'350.05 5.00% 1'167.50 2'995.00 8.69% 43'757.54 0.66 28'879.98
38 83'379.97 43'578.02 47'920.05 47'920.05 23'350.05 5.00% 1'167.50 2'995.00 8.69% 43'757.54 0.64 28'004.83
39 84'213.77 44'231.69 47'920.05 47'920.05 23'350.05 5.00% 1'167.50 2'995.00 8.69% 43'757.54 0.62 27'129.68
40 85'055.90 40'405.65 46'746.57 46'746.57 22'176.57 5.00% 1'108.83 2'921.66 8.62% 42'716.08 0.60 25'629.65
41 85'906.46 41'011.73 46'746.57 46'746.57 22'176.57 5.00% 1'108.83 2'921.66 8.62% 42'716.08 0.58 24'775.33
42 86'765.53 41'626.91 46'746.57 46'746.57 22'176.57 5.00% 1'108.83 2'921.66 8.62% 42'716.08 0.55 23'493.84
43 87'633.18 42'251.31 46'746.57 46'746.57 22'176.57 5.00% 1'108.83 2'921.66 8.62% 42'716.08 0.53 22'639.52
44 88'509.51 42'885.08 46'746.57 46'746.57 22'176.57 5.00% 1'108.83 2'921.66 8.62% 42'716.08 0.52 22'212.36
45 89'394.61 43'528.36 46'746.57 46'746.57 22'176.57 7.50% 1'663.24 2'921.66 9.81% 42'161.67 0.49 20'659.22
46 90'288.56 44'181.29 46'746.57 46'746.57 22'176.57 7.50% 1'663.24 2'921.66 9.81% 42'161.67 0.48 20'237.60
- 46 -
Alter Klägerin (CHF) Beklagte
(CHF) Statistik bereinigt
(CHF) Entscheid
(CHF) Koord. Lohn
Abzug BVG %
Abzug BVG (CHF)
ANB übrige
(6.25 %)
Soz.vers. Abzüge in %
Nettoein- kommen Faktor
Kap. Betrag Aktivität, temporär bis 64 (CHF)
47 91'191.44 44'844.01 46'746.57 46'746.57 22'176.57 7.50% 1'663.24 2'921.66 9.81% 42'161.67 0.46 19'394.37
48 92'103.36 45'516.67 46'746.57 46'746.57 22'176.57 7.50% 1'663.24 2'921.66 9.81% 42'161.67 0.44 18'551.13
49 93'024.39 46'199.42 46'746.57 46'746.57 22'176.57 7.50% 1'663.24 2'921.66 9.81% 42'161.67 0.43 18'129.52
50 93'954.63 46'200.00 47'526.22 47'526.22 22'956.22 7.50% 1'721.72 2'970.39 9.87% 42'834.12 0.41 17'561.99
51 93'954.63 46'200.00 47'526.22 47'526.22 22'956.22 7.50% 1'721.72 2'970.39 9.87% 42'834.12 0.40 17'133.65
52 93'954.63 46'200.00 47'526.22 47'526.22 22'956.22 7.50% 1'721.72 2'970.39 9.87% 42'834.12 0.37 15'848.62
53 93'954.63 46'200.00 47'526.22 47'526.22 22'956.22 7.50% 1'721.72 2'970.39 9.87% 42'834.12 0.37 15'848.62
54 93'954.63 46'200.00 47'526.22 47'526.22 22'956.22 7.50% 1'721.72 2'970.39 9.87% 42'834.12 0.35 14'991.94
55 93'954.63 46'200.00 34'781.88 46'200.00 21'630.00 9.00% 1'946.70 2'887.50 10.46% 41'365.80 0.34 14'064.37
56 93'954.63 46'200.00 34'781.88 46'200.00 21'630.00 9.00% 1'946.70 2'887.50 10.46% 41'365.80 0.32 13'237.06
57 93'954.63 46'200.00 34'781.88 46'200.00 21'630.00 9.00% 1'946.70 2'887.50 10.46% 41'365.80 0.31 12'823.40
58 93'954.63 46'200.00 34'781.88 46'200.00 21'630.00 9.00% 1'946.70 2'887.50 10.46% 41'365.80 0.30 12'409.74
59 93'954.63 46'200.00 34'781.88 46'200.00 21'630.00 9.00% 1'946.70 2'887.50 10.46% 41'365.80 0.29 11'996.08
60 93'954.63 46'200.00 34'781.88 46'200.00 21'630.00 9.00% 1'946.70 2'887.50 10.46% 41'365.80 0.28 11'582.42
61 93'954.63 46'200.00 34'781.88 46'200.00 21'630.00 9.00% 1'946.70 2'887.50 10.46% 41'365.80 0.26 10'755.11
62 93'954.63 46'200.00 34'781.88 46'200.00 21'630.00 9.00% 1'946.70 2'887.50 10.46% 41'365.80 0.25 10'341.45
63 93'954.63 46'200.00 34'781.88 46'200.00 21'630.00 9.00% 1'946.70 2'887.50 10.46% 41'365.80 0.24 9'927.79
Total: 20.62 853'718.40
- 47 -
4.4.3.9. Demnach ist zum bisherigen Nettoeinkommensausfall der Klägerin von
August 2004 bis zum 2. März 2013 noch der Betrag von CHF 34'309.02 für ihr 25.
Altersjahr (3. März 2013 bis 2. März 2014) hinzuzuzählen. Damit ist der bisherige
Nettoerwerbsausfall auf total CHF 319'122.79 (CHF 39'459.– plus CHF
245'382.51 plus CHF 34'281.28) zu schätzen. Der künftige, kapitalisierte Netto-
erwerbsausfall der Klägerin von ihrem 26. Altersjahr an bis zu ihrem Eintritt ins
ordentliche Pensionierungsalter 64 ist entsprechend der obigen Tabelle auf CHF
853'718.40 zu schätzen.
4.5. Anrechenbare Leistungen der Sozialversicherung
4.5.1. Die Parteien legen übereinstimmend dar, dass von diesem Erwerbsausfall
der Klägerin zur Ermittlung des Anspruchs gegenüber der Beklagten die an die
Klägerin geleisteten Renten der IV abzuziehen sind (act. 1 S. 47 ff.; act. 9 S. 49).
In der Tat erwarb die IV im Zeitpunkt des Schadensereignisses die Ansprüche der
geschädigten Klägerin bis auf die Höhe ihrer Leistungen von Gesetzes wegen
(Art. 52 aIVG). Diese Subrogation tritt insofern ein, als der Sozialversicherer mit
seinen Leistungen einen mit dem Haftpflichtanspruch des Geschädigten
vergleichbaren Schaden deckt; mit anderen Worten muss auch eine Kongruenz in
zeitlicher und sachlicher Hinsicht bestehen (BGE 131 III 360 = Pra 95 (2006) Nr.
18 E. 6.1 ff.). Da die an die Klägerin geleisteten IV-Renten zum Schadenersatz
aus Erwerbsausfall kongruent sind, sind sie davon in Abzug zu bringen.
4.5.2. Auch die Höhe der ab 1. April 2006 bis 30. November 2012 an die Klägerin
erbrachten IV-Renten beziffern die Parteien übereinstimmend, wobei die
monatliche IV-Rente ab dem 1. Januar 2011 CHF 1'547.– betragen habe (act. 48
S. 42, act. 53 S. 43). Demnach hat die Klägerin die folgenden Leistungen
erhalten:
01.04. - 31.12.2006 CHF 12'897.00
01.01. - 31.12.2007 CHF 17'676.00
01.01. - 31.12.2008 CHF 17'676.00
01.01. - 31.12.2009 CHF 18'240.00
- 48 -
01.01. - 31.12.2010 CHF 18'240.00
01.01. - 31.12.2011 CHF 18'564.00
01.01. - 30.11.2012 CHF 17'017.00
Total bis 30.11.2012 CHF 120'310.00
4.5.3. Bis zum Rechnungstag 3. März 2014 ist für den Monat Dezember 2012
zusätzlich eine monatliche Rente von CHF 1'547.– anzurechnen. Per 1. Januar
2013 wurde sodann der Mindestbetrag der monatlichen IV-Rente auf CHF 1'170.–
festgesetzt (Art. 3 Abs. 1 der Verordnung 13 über Anpassungen an die Lohn- und
Preisentwicklung bei der AHV/IV/EO, SR 831.108). Der Klägerin, die einen
Anspruch auf eine ausserordentliche IV-Rente im Umfang von 133 1⁄3 % dieses
Betrages hat (Art. 39 Abs. 1 und Art. 40 Abs. 3 IVG in Verdingung mit Art. 42 Abs.
1 AHVG), ist entsprechend bis zum Rechnungstag ab 1. Januar 2013 eine IV-
Rente von monatlich CHF 1'560.–, resp. insgesamt CHF 23'400.–, auf den
Erwerbsausfall anzurechnen. Insgesamt wurde der Klägerin somit bis zum
Rechnungstag ein Betrag von CHF 143'710.– an IV-Renten ausgerichtet.
4.5.4. Ausserdem wird die Klägerin auch ab dem 3. März 2014 bis zu ihrem
Eintritt ins ordentliche Pensionsalter am 1. April 2052 eine IV-Rente im Umfang
von 133 1⁄3 % des Mindestbetrages erhalten. Eine zukünftige Erhöhung der Rente
wegen der alle zwei Jahre erfolgenden Anpassung der Höhe der IV-Renten an die
Lohn- und Preisentwicklung (Art. 40 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 37 Abs. 1 IVG
und Art. 33ter Abs. 1 AHVG) ist - wie bereits dargelegt (vgl. Erwägung 4.2.3) -
entgegen der Ansicht der Beklagten nicht einzurechnen. Bei Kapitalisierung der
aktuellen jährlichen IV-Rente von CHF 18'720.– ab dem Rechnungstag bis zum
AHV-Alter der Klägerin mit einem Kapitalisierungszinsfuss von 3.5 % und dem
Faktor 20.62 (Alter der Klägerin am Rechnungstag 26 Jahre, Temporäre
Aktivitätsrente bis Alter 64, STAUFFFER/SCHAETZLE/WEBER, a.a.O., Tafel A3y, S.
291) ergibt dies eine anrechenbare künftige Rente von CHF 386'006.40.
- 49 -
4.6. Anrechenbare Einsparungen
4.6.1. Die Beklagte macht weiter geltend, dass im Eventualfall der Entschädigung
eines Erwerbsschadens Vorteilsanrechnungen für eingesparte Gewinnungs-
kosten, Lebenshaltungskosten, Miete etc. vorzunehmen seien. Für den Eventual-
fall, dass das von ihr verlangt werde, beziffert die Beklagte die eingesparten
Lebenshaltungskosten der Klägerin für die allgemeinen Lebenshaltungskosten mit
dem betreibungsrechtlichen Notbedarf plus 33 %, für die Miete einer 2,5-
Zimmerwohnung in ... mit Mietkosten von CHF 15'000.– pro Jahr und das TNW-
Verbundabonnement zum Arbeitsort ... K._ mit CHF 730.– pro Jahr (act. 9 S.
41 f., act. 53 S. 50).
4.6.2. Die Klägerin hält fest, es falle ihr schwer, auf die Vorbringen der Beklagten
zur Vorteilsanrechnung für eingesparte Gewinnungskosten, Lebenshaltungs-
kosten, Miete etc. zu replizieren, da diese vage und unsubstantiiert seien. Sie
betont, dass auch die Vorteilsanrechnung dem Kongruenzprinzip unterliege und
allfällige Vorteile auf jene Schadenspositionen anzurechnen seien, aus welchen
sich der entsprechende Vorteil ergebe. Insofern könnten im vorliegenden Fall
unter dem Titel Vorteilsanrechnung beim Erwerbsschaden bloss allenfalls einge-
sparte Gewinnungskosten berücksichtigt werden, wobei es sich dabei aus-
schliesslich um die Einsparungen für die Kosten des Arbeitsweges handeln
könne. Die Klägerin sei bereit, sich den jährlichen Betrag des Umweltschutz-
abonnements für das öffentliche Verkehrsmittel im Tarifverbund Nordwestschweiz
in Höhe von CHF 730.– pro Jahr anrechnen zu lassen. Dies ergebe einen Kapital-
wert von kapitalisiert bis zur Pensionierung CHF 17'615.–, welcher vom Gesamt-
betrag der nach dem Teilvergleich noch strittigen Entschädigungsforderung in
Abzug zu bringen sei (act. 48 S. 51 f.).
4.6.3. Da die Beklagte nicht darlegt, für welche Jahre oder ab wann der Betrag für
das TNW-Verbundabonnement von CHF 730.– pro Jahr in Abzug zu bringen ist
und auch keine gesamte bisherige und künftige Einsparung nennt, ist die
Einsparung für das öffentliche Verkehrsmittel im Tarifverbund Nordwestschweiz
im von der Klägerin anerkannten Umfang von CHF 17'615.– an den Erwerbsaus-
- 50 -
fallschaden anzurechnen. Gemäss Klägerin sind damit die eingesparten Aus-
gaben bis zu ihrer Pensionierung gedeckt. Es handelt sich somit um einen Betrag
von CHF 15'052.60 (CHF 730 x Kapitalisierungsfaktor 20.62; Temporäre
Aktivitätsrente bis Alter 64 Frauen, STAUFFFER/SCHAETZLE/WEBER, a.a.O., Tafel
A3y, S. 291) für künftige Einsparungen für die öffentlichen Verkehrsmittel und
CHF 2'562.40 (CHF 17'615.– minus CHF 15'052.60) für bisherige Einsparungen.
Diese Beträge sind an den Erwerbsausfallschaden anzurechnen.
4.6.4. Es ist der Klägerin zuzustimmen, dass eine Vorteilsanrechnung nur dann
gerechtfertigt ist, wenn die Vorteile mit dem Schaden in einem inneren
Zusammenhang stehen, d.h. wenn Kongruenz zwischen dem Schaden und dem
Vorteil besteht (BGE 112 Ib 322 E. 5.a; ROLAND BREHM, a.a.O., N 34 zu Art. 42
OR). Eine solche Kongruenz liegt zwischen den gesamten Lebenshaltungkosten
und Mietzinsen der Klägerin und dem Erwerbsausfallschaden nicht vor. Diese
Kosten dienen nicht der Erzielung des Erwerbseinkommens, sondern sie fallen
der Klägerin grundsätzlich auch ohne Erwerbstätigkeit an, weshalb der Klägerin
aufgrund ihrer Erwerbsunfähigkeit nicht Einsparungen in deren gesamtem Um-
fang entstehen. Inwiefern der Klägerin zur Erzielung des hypothetischen Validen-
einkommens Gewinnungskosten in Form von höheren Lebenshaltungskosten
oder Mietzinsen angefallen wären, welche sie nun einspart, führt die Beklagte
demgegenüber, abgesehen von den angerechneten Kosten des öffentlichen
Verkehrs, nicht aus. Kongruente Vorteile sind somit nicht dargelegt. Sollten der
Klägerin aufgrund ihres Betreuungs- und Pflegebedarfs im Bereich der
Lebenshaltungs- und Mietkosten Einsparungen entstehen, stehen diese sodann
nicht in einem inneren Zusammenhang mit dem Erwerbsausfallschaden. An den
Erwerbsaufallschaden sind daher keine Vorteile wegen Einsparungen von
Lebenshaltungskosten und Mietzinsen anzurechnen.
4.7. Fazit Erwerbsausfallschaden
4.7.1. Der Klägerin ist durch den Unfall ein bisheriger Erwerbsausfall von CHF
319'122.80 (gerundet) und ein künftiger von CHF 853'718.40 entstanden.
Gesamthaft sind an den Anspruch der Klägerin gegenüber der Beklagten auf
Ersatz des Erwerbsausfallschadens CHF 143'710.– bisherige und CHF
- 51 -
386'006.40 künftige IV-Renten anzurechnen. Ausserdem sind CHF 2'562.40
bisherige und CHF 15'052.60 künftige Einsparungen für Kosten für die
öffentlichen Verkehrsmittel anzurechnen.
4.7.2. Damit erlitt die Klägerin durch den Unfall vom 25. Mai 1989 einen
bisherigen Erwerbsausfallschaden bis zum Rechnungstag von CHF 172'850.40
(CHF 319'122.80 minus CHF 143'710.– minus CHF 2'562.40) und einen künftigen
Erwerbsausfallschaden von CHF 452'659.40 (CHF 853'718.40 minus CHF
386'006.40 minus CHF 15'052.60). Die Beklagte ist zu verpflichten, der Klägerin
diesen Erwerbsausfallschaden in Höhe von insgesamt CHF 625'509.80 zu
ersetzen.
4.7.3. Die Klägerin verlangt auf ihrer Forderung Zins zu 5 % seit 1. Dezember
2012 (act. 48 S. 2, 51). Die Beklagte äussert sich nicht zum Schadenszins. Der
bisherige Erwerbsausfallschaden wäre zu 5 % (Art. 104 Abs. 1 OR) ab dem
mittleren Verfall zu verzinsen, welcher ungefähr im September 2010 zu liegen
käme. Da die Klägerin erst ab dem 1. Dezember 2012 Zins verlangt, ist er auf den
CHF 172'945.05 zu 5 % ab dem 1. Dezember 2012 zuzusprechen. Auf dem
künftigen Erwerbsausfallschaden von CHF 453'210.85 läuft der Schadenszins
von 5 % indessen erst ab dem Rechnungstag 3. März 2014 und ist somit ab
diesem Datum zuzusprechen.
4.7.4. Zusammengefasst ist die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin CHF
626'155.90 nebst Zins zu 5 % auf CHF 172'945.05 seit dem 1. Dezember 2012
und auf CHF 453'210.85 seit dem 3. März 2014 zu bezahlen.
5. Rentenausfallschaden
5.1. Darstellung der Klägerin
Die Klägerin macht geltend, aufgrund ihrer Invalidität werde ihr verwehrt, sich ein
Altersguthaben in der zweiten Säule zu äufnen. Sie erleide einen Rentenverkür-
zungsschaden. Nach ihrer Darstellung betrage das hypothetische letzte Brutto-
Valideneinkommen vor Pensionierung CHF 110'482.–. Sie hätte also ohne Unfall
- 52 -
ein Erwerbseinkommen erzielt, welches über dem maximalen rentenbildenden
Erwerbseinkommen zu liegen gekommen wäre, und es wäre ihr möglich gewe-
sen, durch ihre Beiträge eine ungekürzte AHV-Altersrente im Maximalbetrag zu
erhalten. Ein Invalideneinkommen existiere nicht. Zusammen mit den Altersrenten
aus der 2. Säule und ihrer maximalen AHV-Rente hätte die Klägerin wohl mehr
als 70 % ihres zuletzt bezogenen Bruttoeinkommens erhalten. Der Prozentsatz für
die hypothetischen Altersleistungen werde auf 70 % festgesetzt. Diese Versor-
gungsquote entspreche den Verhältnissen bei Angestellten des Kantons Basel-
Landschaft. Die Altersrente der Pensionskasse mache gemäss Dekret über die
berufliche Vorsorge durch die Basel-Landschaftliche Pensionskasse 60 % des
versicherten Lohnes aus, wozu noch die AHV-Altersrente komme. Die Versor-
gungsquote liege somit eher über 70 %. Zusammen mit der Altersrente aus der 2.
Säule und ihrer maximalen AHV-Altersrente gemäss Tabelle 3y von SCHAETZLE/
WEBER, Leonardo II, N 4.7, betrage der Rentenschaden in Prozent damit 70 %,
bei einem Alter am Unfalltag von < 25 und einem Pensionsierungsalter von 64.
Bei einer jährlichen Versorgungsquote von CHF 77'337.– errechne sich unter Ab-
zug der effektiven AHV-Leistungen von CHF 18'564.– ein jährlicher Rentenver-
sorgungsschaden von CHF 58'773.–. Kapitalisiert mit einem bis zum AHV-Alter
aufgeschobenen Mortalitätskoeffizient 6.65 bei einem Zinssatz von 2.5 % ergebe
dies einen haftpflichtrechtlich zu ersetzenden Rentenausfallschaden von gesamt-
haft CHF 390'790.– resp. beim Kapitalisierungszinssatz 3.5 % und Mortalitäts-
koeffizient 4.05 von CHF 238'201.– (act. 1 S. 50 f., act. 48 S. 48 f.).
5.2. Darstellung der Beklagten
Die Beklagte bestreitet einen Rentenverkürzungsschaden der Klägerin für die 1.
und 2. Säule. Sie führt aus, die Klägerin habe nie Ansprüche auf eine Alters- oder
Invalidenrente der 2. Säule gehabt, und sie werde auch nie einen solchen An-
spruch erwerben. Das sei aber die Voraussetzung für die Beanspruchung eines
Rentenverkürzungsschadens. Die Klägerin könne nur dann einen Rentenschaden
erleiden, wenn sie bereits im Besitze eines Vorsorgeausweises wäre, aus wel-
chem man ihre Ansprüche ermitteln könnte, welche sie durch einen Unfall wäh-
rend ihres BVG-Obligatoriums erlitten hätte. Sie habe vor dem Unfall keine finan-
- 53 -
zierten Altersleistungen erworben. Wäre die Klägerin versichert gewesen, wären
solche nämlich durch die obligatorische Zusatzversicherung Beitragsbefreiung bei
Erwerbsunfähigkeit weiterfinanziert worden, sodass sie gar keinen Rentenscha-
den hätte erleiden können. Die entscheidende Fehlüberlegung der Klägerin sei,
dass es im BVG keine Vorversicherung von Minderjährigen bis zum Obligatorium
oder von anderen Nichtversicherten gebe, und deshalb hätten Nichtversicherte
generell keine Anspruch auf einen allfälligen Rentenschaden, sondern blieben auf
eine allenfalls erhaltene Freizügigkeitsleistung verwiesen. Die klägerische Be-
rechnung eines Rentenverkürzungsschadens gehe von falschen Basiswerten aus,
lege die Rechnungsgrundlagen nicht offen und rechne mit zwei verschiedenen
Abzinsungszinsfüssen, sage aber nicht, welchen sie angewendet wissen wolle.
Sie werde bestritten. Jede Berechnung mit einem anderen Abzinsungszinsfuss
als 3.5 % bleibe ohnehin bestritten. Aus den Tabellen werde auch nicht klar, ob
die Klägerin einen Schadenersatz, einen Direktschaden oder einen Regress ge-
gen die Beklagte geltend mache. Zu diesen Unklarheiten des Leonardo-
Computerprogramms verweist die Beklagte auf ihre Ausführungen in der Kla-
geantwort. Die Klägerin habe eine Verkürzung der AHV-Rente erst in der Replik
thematisiert. Die Beklagte bestreite, dass die Klägerin ohne Unfall im Alter eine
ungekürzte AHV-Altersrente im Maximalbetrag erhalten hätte. Die Klägerin gebe
zwar an, es wäre ihr möglich gewesen, aber eine blosse Möglichkeit schliesse ei-
ne überwiegende Wahrscheinlichkeit regelmässig aus, und die Klägerin beziffere
diesen Schaden auch nicht. Alle ihre Versorgungsbedürfnisse, speziell auch im
Alter ab 64, würden durch die Entschädigung des Betreuungsschadens im weite-
ren Sinne gedeckt, sodass ein Rentenschaden-ähnlicher oder -kongruenter
Schaden als Nachteil der Arbeitsunfähigkeit gar nicht entstehen werde. Dass die
Klägerin aus ordentlichen Renten der beruflichen Vorsorge ab dem 1. April 2052
noch hätte Vermögen bilden können und ihre Unfallverletzungen einen dement-
sprechenden Nachteil der Arbeitsunfähigkeit im Rentenalter bewirken würden,
behaupte sie nicht. Die AHV-Rente werde die Klägerin ohnehin erhalten (act. 9 S.
50 f., act. 53 S. 48 f.).
- 54 -
5.3. Ersatz des Rentenausfallschadens
5.3.1. Nach der bundesgerichtlichen Rechtssprechung ist der Erwerbsschaden
aufgrund der entgangenen Netto-Einkünfte festzulegen und dagegen der künftige
Rentenschaden durch einen Vergleich der hypothetisch ohne das schädigende
Ereignis erzielten Versicherungsleistungen mit den mutmasslich nach der
Schädigung noch anfallenden Renten festzulegen (BGE 131 III 12, E. 6.2 (nicht
publiziert) = Pra 94 (2005) Nr. 119). Der Altersrenten-Direktschaden entspricht
der Differenz zwischen den hypothetischen Altersleistungen und den von den
Sozialversicherungen tatsächlich erbrachten Leistungen. Erfahrungsgemäss
erreichen die hypothetischen Altersrenten wertmässig je nach der Höhe des
beitragspflichtigen Einkommens einen Betrag, der zwischen 50 bis 80 % des
massgeblichen Bruttolohns liegt (BGE 129 III 24 = Pra 92 (2003) Nr. 69 E. 3.3).
5.3.2. Die Klägerin geht von hypothetischen Altersrenten in der Höhe von 70 %
des letzten Bruttolohnes aus. Da die Beklagte diesen spezifischen Punkt nicht be-
streitet, ist es angebracht, von diesem Satz auszugehen. Der letzte hypothetische
Bruttolohn der Klägerin ist CHF 46'200.–; davon 70 % entspricht CHF 32'340.–.
Gestützt auf Art. 33bis Abs. 1 AHVG wird die Klägerin nach Eintritt ins
Pensionsalter ab 1. April 2052 eine ihrer IV-Rente entsprechende AHV-Rente in
Höhe von 133 1⁄3 % des Mindestbetrages, mithin CHF 18'720.– erhalten. Diese ist
von den hypothetischen Validenaltersrenten in Abzug zu bringen. Die Differenz
von CHF 13'620.– entspricht dem Rentendirektschaden, den die Klägerin vom
Pensionsalter an jährlich erleiden wird. Dieser Betrag ist nach Tafel M4y aufge-
schobene Leibrente bis Alter 64 Frauen mit Kapitalisierungszinsfuss 3.5 % von
STAUFFER/SCHAETZLE (a.a.O.) zu kapitalisieren und folglich bei Rechnungstag 3.
März 2014 mit dem Faktor 4.32 zu multiplizieren. Dies ergibt einen
Rentenausfallschaden der Klägerin von CHF 58'838.40.
5.3.3. Auch für den Ersatz des künftigen Rentenausfallschadens ist nicht wie von
der Klägerin beantragt ab 1. Dezember 2012, sondern ab dem Urteilsdatum Zins
zu 5 % (Art. 104 Abs. 1 OR) zuzusprechen.
- 55 -
5.3.4. Demnach ist die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin den Rentenausfall-
schaden in Höhe von CHF 58'838.40 nebst Zins zu 5 % seit 3. März 2014 zu
ersetzen.
6. AHV-Beiträge als Nichterwerbstätige
6.1. Darstellung der Klägerin
Die Klägerin macht ferner geltend, da der Erwerbsschaden nach Massgabe des
Nettolohnes berechnet werde, seien ihr die von ihr zu bezahlenden AHV-Beiträge
als Nichterwerbstätige zurück zu erstatten. Die IV-Rente sei als Einkommen nicht
beitragspflichtig. Übriges Einkommen bestehe nicht. Die Beitragspflicht werde
sich somit ganz wesentlich nach Massgabe des im Rahmen des vorliegenden
Verfahrens gutgesprochenen Kapitalbetrages richten. Ausgegangen werde ge-
mäss Art. 28 AHVV und der hierfür geltenden Beitragstabelle für Nichterwerbstä-
tige von AHV-Beiträgen für die Vergangenheit ab Alter 20 von CHF 460.– jährlich
resp. CHF 1'380.– ab Alter 20. Bis zum 30. November 2012 macht die Klägerin
unter diesem Titel insgesamt einen bisherigen Schaden von CHF 2'500.– geltend,
für die beiden folgenden Jahre bis und mit 2014 je CHF 1'300.– unter Berücksich-
tigung des durch den Teilvergleich erhaltenen Kapitals. Ab dem 1. Januar 2015
gehe die Klägerin alsdann von einem jährlichen Beitrag von CHF 4'000.– aus.
Kapitalisiert mit einem Zinsfuss von 2.5 % ergebe dies ein Kapital von CHF
92'813.– (24.13 x CHF 1'000 + 22.89 x CHF 3'000.–). Bei einem Zinsfuss von
3.5 % belaufe sich der Kapitalwert auf CHF 79'376.– (20.76 x CHF 1'000 + 19.54
x CHF 3'000.–; act. 1 S. 61 f., act. 48 S. 50).
6.2. Darstellung der Beklagten
Die Beklagte bestätigt, dass sich die Beitragspflicht der Klägerin zur AHV als
Nichterwerbstätige nach ihrem Vermögen richte. Dies bedeute, dass die Klägerin
ab Erhalt einer Kapitalentschädigung höhere Beiträge zu entrichten habe als die
bisherigen CHF 460.– pro Jahr resp. CHF 1'380.– bis 31. Dezember 2011, wobei
die Beklagte darauf hinweist, dass die am 1. Januar 2011 gültige Beitragstabelle
für Nichterwerbstätige einen jährlichen Mindestbeitrag von neu CHF 475.– vorse-
- 56 -
he. Die Beklagte hält aber fest, die entsprechende Forderung werde mit dem
Hinweis darauf bestritten, dass die bezahlten Beiträge bzw. die Einstufung auf-
grund einer gesetzlichen Grundlage erfolge. Sie sei nicht eine Folge der Haftung,
sondern der Entschädigung, an welche das Sozialversicherungsrecht eine zusätz-
liche Beitragspflicht anknüpfe, was deshalb nicht als Schaden gelten könne, weil
der Haftpflichtige nicht Urheber dieser Regelung sei. Steuern und Abgaben seien
nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung kein Schaden, sondern öffentliche Las-
ten, und so verhalte es sich auch mit den sozialversicherungsrechtlichen Beiträ-
gen. Umgekehrt unterlägen durch die höheren Beitragszahlungen eventuell ent-
stehende Mehreinkommen der Klägerin nicht der Vorteilsanrechnung, da haft-
pflichtrechtlich nicht in Betracht fallend. Die Beklagte bestreitet sodann die kläge-
rische Berechnung und erachtet einen Abzinsungsfuss von 2.5 % als unzulässig
(act. 9 S. 51 f., act. 53 S. 49).
6.3. Ersatzpflicht für AHV-Beiträge als Nichterwerbstätige
6.3.1. Die Klägerin ist infolge ihrer vollen Erwerbsunfähigkeit als Nichterwerbs-
tätige gemäss Art. 3 Abs. 1 AHVG ab dem 1. Januar nach Vollendung des 20.
Altersjahres bis zum Ende des Monats, in dem sie das 64. Altersjahr vollendet,
zur Leistung von AHV-Beiträgen verpflichtet. Diese AHV-Beitragspflicht gründet
zwar auf der gesetzlichen Regelung des AHVG. Dennoch handelt es sich dabei
um einen durch den Unfall vom 25. Mai 1989 erlittenen Schaden der Klägerin,
denn ohne den Unfall wäre sie entsprechend der obigen Darstellung ihres hypo-
thetischen Valideneinkommens erwerbstätig gewesen und ihre AHV-Beitrags-
pflicht wäre durch einen Abzug von ihrem Bruttoerwerbseinkommen erfüllt
worden. Wegen der durch den Unfall verursachten Erwerbsunfähigkeit werden
diese Beiträge nicht geleistet. Zudem erhält die Klägerin nur Schadenersatz in der
Höhe des hypothetischen Nettoerwerbseinkommens, das heisst ohne Entschädi-
gung der AVH-Beiträge. Die von der Klägerin als Nichterwerbstätige zu leistenden
AHV-Beiträge verursachen ihr daher eine zusätzliche, durch den Unfall verursach-
te, unfreiwillige Vermögensdifferenz. Dieser Schaden ist ihr von der leistungs-
pflichtigen Beklagten zu ersetzen (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
- 57 -
1A.228/2004 vom 3. August 2005 E 9.4.5., nicht publizierte Erwägung von BGE
131 II 656).
6.3.2. Die AHV-Beiträge der Klägerin als Nichterwerbstätige werden für jedes
Beitragsjahr festgesetzt, wobei das Kalenderjahr als Beitragsjahr gilt (Art. 29 Abs.
1 AHVV). Die IV-Rente untersteht nicht der Beitragspflicht. Die jährlichen Beiträge
der Klägerin bemessen sich daher allein nach ihrem Vermögen jeweils zum Stand
am 31. Dezember (Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 Abs. 2 AHVV).
6.3.3. Die Klägerin hatte demnach ab dem Jahr 2009 und entgegen ihrer
Darstellung nicht ab Alter 20 AHV-Beiträge als Nichterwerbstätige zu bezahlen.
Für die AHV-Beiträge bis 30. November 2012 macht die Klägerin einen Betrag
von CHF 2'500.– geltend. Dabei geht sie selbst davon aus, dass sie bis zur
Erledigung des vorliegenden Verfahrens den Mindestbeitrag erbringen muss von
im Jahr 2010 CHF 460.–. Die Beklagte bestätigt dies unter Hinweis auf den
gestiegenen Mindestbeitrag für 2011 von CHF 475.–. Demnach ist der Klägerin
für die Jahre 2009 bis 2011 der jeweilige Mindestbeitrag von CHF 460.– (2009
und 2010) resp. CHF 475.– (2011) zu ersetzen. Im Jahr 2012 erhielt die Klägerin
von der Beklagten aufgrund des Teilvergleichs vom 6. Juli 2012 eine Genugtuung
von CHF 240'000.–, weitere CHF 80'000.– für bisherigen Betreuungs- und
Pflegeschaden bis 31. März 2011 inklusive Zins und CHF 205'000.– für
aufgelaufene Kosten des Pflegeheims D._ sowie Transportkosten inkl. Zins.
Da der Schadenersatz für bisherigen Betreuungs- und Pflegeschaden der
Klägerin bis 31. März 2011 und für die Kosten des Pflegeheims und den
Transport nicht vermögensbildend ist - dieser Betrag musste von der Klägerin für
Kosten der Betreuung und Pflege sowie das Pflegeheim und den Transport
bereits aufgewendet werden und ist nicht Ersatz für künftigen Schaden - und vor
dieser Zahlung kein Vermögen der Klägerin behauptet wurde, ist für die
Festsetzung der AHV-Beiträge von einem massgeblichen Vermögen der Klägerin
per 31. Dezember 2012 von CHF 240'000.– auszugehen. Bei diesem Vermögen
liegt der AHV-Beitrag auch für 2012 beim Mindestbeitrag von CHF 475.–. Für die
Jahre 2009 bis 2012 ist der Klägerin somit insgesamt ein Schaden von CHF
1'870.– entstanden. Auch für das Jahr 2013 wird aufgrund dieses Vermögens-
- 58 -
standes der Klägerin wiederum nur ein AHV-Beitrag in der Höhe des
Mindestbeitrages von neu CHF 480.– anfallen (vgl. zur jeweiligen Höhe des
Mindestbeitrages die Merkblätter der Informationsstelle AHV/IV zu den Beiträgen
der Beiträge der Nichterwerbstätigen an die AHV, die IV und die EO für die
entsprechenden Jahre).
6.3.4. Vom Zeitpunkt der Erledigung des vorliegenden Prozesses an geht die
Klägerin gestützt auf den eingeklagten Betrag von AHV-Beiträgen in Höhe von
CHF 4'000.– jährlich aus. Aufgrund des vorliegenden Urteils wird das Vermögen
der Klägerin per 31. Dezember 2014 um rund CHF 738'000.– (Schadenersatz für
Erwerbsausfall CHF 625'509.80 nebst Zins zu 5 % auf CHF 175'663.90 seit dem
1. Dezember 2012 plus Schadenersatz für Rentenausfall CHF 58'838.40 plus
Schadenersatz für AHV-Beiträge CHF 41'043.–) auf rund CHF 978'000.–
ansteigen. Die Höhe der AHV-Beiträge als Nichterwerbstätige richtet sich nach
diesem Vermögen und beträgt gemäss der Beitragstabelle für Nichterwerbstätige
im Merkblatt der Informationsstelle AHV/IV zu den Beiträgen der
Nichterwerbstätigen an die AHV, die IV und die EO für 2014 CHF 1'854.– jährlich.
Der Akontobeitrag für das erste Quartal 2014 bis zum Rechnungstag müsste
daher auf CHF 463.50 festgesetzt werden. Für den künftigen Schaden ist der
aufgrund des Vermögens der Klägerin ermittelte AHV-Beitrag von jährlich CHF
1'854.– anhand der Tafel A3y von STAUFFER/ SCHAETZLE (a.a.O.) bis zum
ordentlichen Pensionsalter 64 bei einem Kapitalisierungszinsfuss von 3.5 % mit
dem Faktor 20.62 zu kapitalisieren. Die Beklagte ist entsprechend zu verpflichten,
der Klägerin für die künftigen AHV-Beiträge Schadenersatz in Höhe von CHF
38'229.48 zu bezahlen.
6.3.5. Gesamthaft ist die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin Schadenersatz für
die AHV-Beiträge als Nichterwerbstätige in Höhe von CHF 41'043.– (CHF
2'813.50 plus CHF 38'229.50) zu bezahlen. Der bisherige Schaden von CHF
2'813.50 (je CHF 460.– für 2009 und 2010, je CHF 475.– für 2011 und 2012, CHF
480.– für 2013, CHF 463.50 für 1. Quartal 2014) ist entsprechend dem
klägerischen Antrag seit dem 1. Dezember 2012 zu 5 % zu verzinsen. Auf dem
- 59 -
künftigen Schaden ist Verzugszins zu 5 % seit dem Urteilsdatum 3. März 2014
zuzusprechen.
7. Fazit
7.1 Zusammengefasst ist die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin für den
bisherigen und künftigen Erwerbsausfallschaden, für den Rentenausfallschaden
sowie für die bisherigen und künftigen AHV-Beiträge als Nichterwerbstätige
Schadenersatz in Höhe von CHF 725'391.20 (Erwerbsausfallschaden CHF
625'509.80, Rentenausfallschaden CHF 58'838.40 und AHV-Beiträge CHF
41'043.–) nebst Zins zu 5 % auf CHF 175'663.90 (CHF 172'850.40 plus CHF
2'813.50) seit 1. Dezember 2012 und auf CHF 549'727.30 (CHF 452659.40 plus
CHF 58'838.40 plus CHF 38'229.50) seit 3. März 2014 zu bezahlen.
7.2 Eine Minderheit des Gerichts vertrat eine abweichende Meinung (vgl. act.
84).
8. Kosten- und Entschädigungsfolgen
8.1. Streitwert
Zur Bemessung des Streitwerts ist auf Erwägung 4.3. des Beschlusses des Han-
delsgerichts vom 22. Juni 2011 zu verweisen (act. 17). Demnach beträgt der
Streitwert des vorliegenden Verfahrens CHF 2'816'087.–.
Der Streitwert für die Beschwerde ans Bundesgericht bestimmt sich nach den Be-
gehren, die im vorliegenden Verfahren streitig geblieben sind (Art. 51 Abs. 1 lit. a
BGG). Demnach ist dieser mit CHF 2'318'004.– zu beziffern (vgl. Rechtsbegehren
der Replik, act. 48 S. 2).
8.2. Gerichtskosten
8.2.1. Bei der Bemessung der Gerichtskosten ist zu berücksichtigen, dass über
einen Anteil von 43.6 % bereits im Beschluss vom 22. Juni 2011 (act. 17)
entschieden wurde. Demnach ist im Rahmen dieses Urteils unter Einschluss der
Kosten für die Teilerledigung gemäss Verfügung vom 12. Juli 2012 (act. 45) noch
- 60 -
über 56.4 % der Gerichtskosten zu entscheiden. Davon macht der durch den
Teilvergleich vom 6. Juli 2012 (act. 42) und die Teilerledigungsverfügung vom 12.
Juli 2012 erledigte Teil 20.3 % ([Genugtuung CHF 190'000 plus Pflege-
/Betreuungskosten CHF 462'283.– plus Kosten Tagesheim/Transport CHF
125'472.–- Akontozahlung CHF 205'000 = CHF 572'755.–] / CHF 2'816'087.–)
aus. Die Gerichtsgebühr für den Teilvergleich ist in Anwendung von § 4 Abs. 1 in
Verbindung mit § 10 Abs. 1 aGGebV auf 20.3 % der Hälfte der Grundgebühr,
mithin auf rund CHF 5'000.–, festzusetzen. Bei einem Vergleich werden sie in der
Regel den Parteien je zur Hälfte auferlegt, wenn sie nichts anderes vereinbart
haben (§ 65 Abs. 2 ZPO/ZH). Demnach sind vorliegend die Gerichtskosten im
Umfang des Teilvergleichs den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen.
8.2.2. Die Gerichtsgebühr für die restlichen 36.1 % des Verfahrens, über welche
mit dem vorliegenden Urteil entschieden wird, ist unter Berücksichtigung des
Aufwandes des Gerichts in Anwendung von § 4 Abs. 1 und 2 aGGebV auf
CHF 23'500.– festzusetzen. In Abweichung von § 64 Abs. 2 ZPO/ZH sind die
Gerichtskosten für das Urteils nicht ausschliesslich nach dem betragsmässigen
Obsiegen und Unterliegen der Parteien aufzuerlegen, sondern es ist zudem auch
das Veranlassungsprinzip sowie das für das zahlenmässige Ergebnis bei einer
Schadensschätzung nach Art. 42 Abs. 2 OR wesentliche richterliche Ermessen
mitzuberücksichtigen. Unter diesem Gesichtspunkt rechtfertigt es sich, auch die
Kosten für das Urteil den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen.
8.3. Parteientschädigung
Da den Parteien die Gerichtskosten je zur Hälfte auferlegt werden, sind keine Par-
teientschädigungen zuzusprechen (§ 68 Abs. 1 und 2 ZPO/ZH).
- 61 -
Das Handelsgericht erkennt:
1. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin CHF 725'391.20 nebst Zins zu
5 % auf 175'663.90 seit 1. Dezember 2012 und auf CHF 549'727.30 seit
3. März 2014 zu bezahlen.
Im Mehrbetrag wird die Klage abgewiesen.
2. Die Gerichtskosten werden festgesetzt auf CHF 28'500.–.
3. Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt.
4. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.
5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien (unter Beilage der abweichenden Mei-
nung, act. 84) sowie an die FINMA, 3003 Bern.
6. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb
von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht,
1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-
schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art.
113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 und
90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streitwert
beträgt CHF 2'318'004.–.