Decision ID: bc3755cf-874c-4f75-8b93-bf4811dc6f2c
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
H._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Hagmann, Obere Bahnhofstrasse 11,
Postfach, 9501 Wil SG 1,
gegen
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Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rückerstattung von Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A. H._ meldete sich am 10. April 2004 zum Bezug einer Ergänzungsleistung zur
Invalidenrente an. Im Gesuchsformular verneinte sie die Frage, ob sie an einer
unverteilten Erbschaft beteiligt sei. Bei der Anspruchsberechnung ab 1. September
2004 berücksichtigte die EL-Durchführungsstelle deshalb kein Vermögen. Die
monatliche Ergänzungsleistung ab 1. September 2004 belief sich auf Fr. 2374.-
(inklusive eine ausserordentliche Ergänzungsleistung von Fr. 145.- monatlich). Die
entsprechende Verfügung erging am 11. November 2004. Am 29. Dezember 2004
stellte die EL-Durchführungsstelle die Ausrichtung der ausserordentlichen
Ergänzungsleistung ein. Gleichzeitig setzte sie die ordentliche Ergänzungsleistung ab 1.
Januar 2005 auf Fr. 2261.- monatlich fest. Am 14. April 2005 zog die EL-
Durchführungsstelle die beiden Verfügungen vom 11. November und vom 29.
Dezember 2004 in Wiedererwägung. Sie berücksichtigte neu rückwirkend ab 1.
September 2004 eine höhere Invalidenrente. Die monatliche Ergänzungsleistung belief
sich deshalb bis Ende 2004 auf Fr. 1020.- (inklusive eine ausserordentliche
Ergänzungsleistung von Fr. 145.- monatlich) und ab 1. Januar 2005 auf Fr. 881.- (ohne
ausserordentliche Ergänzungsleistung). Auch diese wiedererwägungsweise korrigierte
Anspruchsberechnung enthielt kein anrechenbares Vermögen. Die Wiedererwägungs-
und Rückforderungsverfügung erging am 14. April 2005. Ab 1. Januar 2006 belief sich
die monatliche Ergänzungsleistung auf Fr. 897.-. Mit einer Verfügung vom 29.
Dezember 2006 setzte sie EL-Durchführungsstelle die monatliche Ergänzungsleistung
auf Fr. 895.- fest.
B. Die Versicherte teilte der EL-Durchführungsstelle am 27. Juni 2007 telephonisch
mit, dass sie ein Freizügigkeitskonto von Fr. 18'000.- besitze und dass sie ausserdem
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an einer unverteilten Erbschaft beteiligt sei. Am 5. Juli 2007 gab sie dann aber im
Revisionsformular wieder an, sie sei nicht an einer unverteilten Erbschaft beteiligt. Das
Freizügigkeitsguthaben von Fr. 19'115.65 sei inzwischen ausbezahlt worden. Am 21.
Dezember 2007 sprach die EL-Durchführungsstelle der Versicherten mit Wirkung ab 1.
Januar 2008 eine monatliche Ergänzungsleistung von Fr. 901.- zu, bei deren
Berechnung sie nach wie vor kein Vermögen berücksichtigte. Am 5. Februar 2008 teilte
die EL-Durchführungsstelle der Versicherten mit, dass der Wert des Anteils an der
unverteilten Erbschaft ab dem Todestag des Erblassers angerechnet werden müsse.
Da dieser Wert aber noch nicht bekannt sei, werde weiterhin eine monatliche
Ergänzungsleistung von Fr. 1012.- ausgerichtet. Diese Leistungsausrichtung stehe aber
unter dem Rückforderungsvorbehalt. Bei einem allfälligen Erlassgesuch könnte deshalb
kein gutgläubiger Bezug angenommen werden. Die EL-Durchführungsstelle forderte die
Versicherte auf, den Wert des Erbteils mitzuteilen, sobald ihr dieser bekannt sei.
Ebenfalls am 5. Februar 2008 sprach die EL-Durchführungsstelle der Versicherten mit
Wirkung ab 1. Januar 2008 eine monatliche Ergänzungsleistung von Fr. 1012.- zu. Als
Vermögen fand das ausbezahlte Freizügigkeitskapital von Fr. 19'116.-
Berücksichtigung. Hinzu kam ein Zinsertrag aus diesem Vermögen von Fr. 115.-.
C. Die Versicherte teilte am 20. Februar 2008 mit, ihr Stiefvater lebe noch. Sollte sie
zu einem Erbe kommen, werde sie das mitteilen. Am 21. April 2008 gab die Versicherte
ergänzend bekannt, Erblasserin sei die am 27. Oktober 2001 verstorbene A._. Das
gesamte Erbe sei an den Stiefvater gegangen. Sie selbst habe nichts erhalten, Sie habe
damals etwas unterschrieben, die Unterlagen aber weggeworfen. Die EL-
Durchführungsstelle beauftragte die AHV-Zweigstelle mit der weiteren Abklärung. Am
30. Juni 2008 übermittelte die AHV-Zweigstelle der EL-Durchführungsstelle u.a. eine
Vereinbarung zwischen B._ und der Versicherten vom 31.Januar/12. Februar 2003
betreffend die Erbschaft A._ sel. Die Erblasserin war die Mutter der Versicherten
gewesen. Der überlebende Ehegatte B._ war der Stiefvater der Versicherten. Die
Versicherte war auf den Pflichtteil gesetzt worden. Dieser Pflichtteil hatte Fr. 50'000.-
betragen. Davon waren der Versicherten im Jahr 2003 Fr. 20'000.- ausbezahlt worden.
Den Restbetrag von Fr. 30'000.- hatte die Versicherte ihrem Stiefvater zinsfrei bis zu
dessen Ableben gestundet. Im Rahmen eines über die Versicherte eröffneten
Konkursverfahrens hatte die Konkursverwaltung versucht, B._ dazu zu bewegen, die
gestundeten Fr. 30'000.- zu bezahlen. B._ hatte die Zahlung aber unter Verweis auf
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die mit der Versicherten abgeschlossene Vereinbarung verweigert. Die EL-
Durchführungsstelle nahm rückwirkend ab Anspruchsbeginn am 1. September 2004
eine Neuberechnung unter zusätzlicher Berücksichtigung des Vermögens von
Fr. 30'000.- und eines daraus hypothetisch zu erzielenden Ertrages von Fr. 150.- vor.
Ab 1. Januar 2008 kamen das Vermögen aus der Auszahlung des
Freizügigkeitsguthabens von Fr. 19'116.- und ein daraus zu erzielender Zins von Fr.
115.- hinzu. Die Neuberechnung ergab, dass die Versicherte ordentliche
Ergänzungsleistungen von Fr. 2647.- und ausserordentliche Ergänzungsleistungen von
Fr. 580.- zu Unrecht bezogen hatte. Die Wiedererwägungs- und
Rückforderungsverfügung erging am 24. Juli 2008. Die wiedererwägungsweise
Neuberechnung hatte für die Zeit ab Januar 2008 eine monatliche Ergänzungsleistung
von Fr. 863.- ergeben. Die laufende monatliche Ergänzungsleistung ab August 2008
betrug aber gemäss einer zweiten Verfügung vom 24. Juli 2008 nur Fr. 853.-.
D. Die Versicherte erhob am 18. August 2008 Einsprache. Die EL-
Durchführungsstelle wies die Einsprache am 7. Oktober 2008 ab. Sie machte geltend,
die Versicherte habe ihrem Stiefvater ein Darlehen über Fr. 30'000.- gewährt. Dieses
Darlehen sei ein tatsächlicher Vermögenswert und deshalb gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. c
ELG anzurechnen.
E. Die Versicherte liess am 7. November 2008 Beschwerde gegen diesen
Einspracheentscheid erheben. Sie beantragte dessen Aufhebung und die Rückweisung
zur Neuberechnung einer allfälligen Rückforderung. Ausserdem ersuchte sie um die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung und Prozessführung. Zur
Begründung ihres Hauptantrages liess sie ausführen, die Gewährung eines zinslosen
Darlehens sei praxisgemäss als Verzichtshandlung zu qualifizieren. Wenn ein
Verzichtsvermögen vorliegen würde, müsste es gemäss Art. 17a ELV jährlich um Fr.
10'000.- vermindert werden. Somit hätten 2004 Fr. 30'000.-, 2005 aber nur noch Fr.
20'000.- angerechnet werden dürfen. Als Folge des Vermögensfreibetrages ergäbe
sich also nur für die Zeit bis Ende 2004 eine Rückforderung. Bei der
Anspruchsberechnung ab Januar 2008 hätte kein Vermögen aus der BVG-
Kapitalauszahlung berücksichtigt werden dürfen, da das Geld für die Schuldentilgung
und für dringende Auslagen verbraucht worden sei. Ende 2007 habe sie über keinerlei
Vermöge mehr verfügt. Deshalb sei auch kein Zins aus dem Sparvermögen
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anzurechnen. Der Zins aus dem Verzichtsvermögen sei der jährlichen Verminderung
anzupassen.
F. Die EL-Durchführungsstelle beantragte am 11. Dezember 2008 eine teilweise
Gutheissung der Beschwerde. Die Rückforderung sei nämlich auf Fr. 2415.- zu
reduzieren, weil ab 1. Januar 2008 kein Sparvermögen in die Anspruchsberechnung
einzusetzen sei.
G. Die Versicherte hielt am 16. Januar 2009 an ihrem Antrag fest.
H. Die EL-Durchführungsstelle verzichtete am 23. Januar 2009 auf eine Duplik.
I. Die Versicherte reichte am 2. April 2009 u.a. ein Schreiben des Konkursamtes
vom 14. November 2007 an den Stiefvater B._ ein, laut dem die Forderung über
Fr. 30'000.- mit einem Konkursbeschlag belegt war. Der Anspruch sollte öffentlich
versteigert oder an einen Konkursgläubiger abgetreten werden.

Erwägungen:
1. Mit der Verfügung vom 24. Juli 2008 hat die Beschwerdegegnerin ordentliche
und ausserordentliche Ergänzungsleistungen zurückgefordert. Von einem
unrechtmässigen Leistungsbezug im Sinne von Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG kann
allerdings erst dann ausgegangen werden, wenn die formell rechtskräftige Verfügung,
auf die sich der Sozialversicherungsträger damals bei der Leistungsausrichtung
gestützt hat, aufgehoben und durch eine neue Verfügung ersetzt worden ist, mit der
neu tiefere Leistungen zugesprochen werden oder mit der neu ein Leistungsanspruch
verneint wird. Die ursprüngliche, formell rechtskräftige Leistungsverfügung muss als
prozessual revidiert (Art. 53 Abs. 1 ATSG), wiedererwogen (Art. 53 Abs. 2 ATSG) oder
rückwirkend an eine Sachverhaltsveränderung angepasst bzw. herabgesetzt oder
aufgehoben werden (Art. 17 ATSG), damit von einem unrechtmässigen Leistungsbezug
ausgegangen und eine Rückforderung verfügt werden kann. Der Wortlaut der
Verfügung vom 24. Juli 2008 enthält keinen Hinweis auf eine Korrektur der früheren,
formell rechtskräftigen Leistungsverfügungen. Dem Wortlaut nach zu urteilen würde die
Beschwerdegegnerin als Ergänzungsleistungen zurückfordern, die gestützt auf eine
formell rechtskräftige Verfügung (und die darauf folgenden formell rechtskräftigen
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Revisionsverfügungen) und damit im Sinne von Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG
rechtmässig ausgerichtet worden sind. Wären die Verfügung vom 24. Juli 2008 bzw.
der sie ersetzende angefochtene Einspracheentscheid nur dem Wortlaut gemäss zu
interpretieren, müsste der angefochtene Einspracheentscheid also ohne weiteres als
rechtswidrig, weil gegen Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG verstossend, aufgehoben werden.
Nun sind Verfügungen (und Einspracheentscheide) aber nicht nur nach ihrem Wortlaut
auszulegen. Massgebend ist vielmehr der vom erlassenden Sozialversicherungsträger
beabsichtigte Inhalt der Verfügung (oder des Einspracheentscheides). Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen geht in ständiger Praxis davon aus, dass
Verfügungen der Beschwerdegegnerin, die als reine EL-Rückforderungsverfügungen
abgefasst sind, auch eine wiedererwägungs- oder revisionsweise Korrektur der
früheren, formell rechtskräftigen Leistungsverfügung enthalten. Mit der Verfügung vom
24. Juli 2008 sind somit die Wiedererwägungsverfügung vom 14. April 2005 und die
Revisionsverfügungen vom 29. Dezember 2006 und vom 5. Februar 2008 aufgehoben
und durch eine (abgestufte) Leistungszusprache mit Wirkung ab 1. September 2004
ersetzt worden. Dabei handelt es sich um eine Wiedererwägung.
2. Die Wiedererwägung der Wiedererwägungsverfügung vom 14. April 2005 setzt
deren zweifellose Unrichtigkeit und eine erhebliche Bedeutung der Korrektur voraus
(Art. 53 Abs. 2 ATSG). Die zweite Voraussetzung ist angesichts der Tatsache, dass es
sich um Dauerleistungen handelt, offensichtlich erfüllt. Zu prüfen bleibt, ob bei der
Zusprache ordentlicher und ausserordentlicher Ergänzungsleistungen zu Unrecht
weder die auf unbestimmte Zeit gestundete Forderung über Fr. 30'000.- noch ein
daraus hypothetisch (Art. 11 Abs. 1 lit. g i.V.m. Art. 11 Abs. 1 lit. b ELG) zu erzielender
Ertrag Berücksichtigung gefunden haben. Aufgrund der Akten steht fest, dass die
Beschwerdeführerin gegenüber ihrem Stiefvater aus dem Nachlass ihrer Mutter eine
Forderung über Fr. 30'000.- hat. Diese Forderung ist gestundet bis zum Tod des
Stiefvaters. Ob es sich dabei um ein Darlehen nach Art. 312 ff. OR handelt oder nicht,
ist in diesem Zusammenhang irrelevant. Von Bedeutung ist nur, dass die
Beschwerdeführerin gegenüber ihrem Stiefvater eine reale Forderung über Fr. 30'000.-
hat, mit deren Tilgung sie rechnen kann, auch wenn die Forderung bis auf weiteres
noch gestundet bleibt. Auch eine gestundete Forderung weist einen wirtschaftlichen
Wert auf. Sie kann deshalb zumindest "indirekt" im Sinne von Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG
verzehrt werden (z.B. durch eine entgeltliche Zession). Es handelt sich deshalb um ein
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reales und nicht, wie die Beschwerdeführerin annimmt, um ein hypothetisches
Vermögen (vgl. Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV Soziale Sicherheit,
Ralph Jöhl und Patricia Usinger-Egger, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, S. 1789 Fn.
755). Deshalb ist es nicht möglich, den Betrag von Fr. 30'000.- in Anwendung von Art.
17a ELV jährlich um Fr. 10'000.- zu reduzieren. Das von der Beschwerdeführerin
angerufene, in AHI-Praxis 2004 S. 157 f. publizierte Bundesgerichtsurteil betrifft nicht
die Frage nach einem Vermögensverzicht durch die Gewährung eines Darlehens,
sondern die Frage nach einem Verzicht auf Einnahmen durch die Gewährung eines
zinslosen Darlehens. Die Beschwerdegegnerin hat also zu Recht durchgehend ein
Vermögen von Fr. 30'000.- angerechnet.
3. Gemäss der Vereinbarung vom 31. Januar/12. Februar 2003 zwischen der
Beschwerdeführerin und ihrem Stiefvater ist die Forderung zinsfrei gestundet. Daraus
darf aber nicht ohne weiteres auf einen Verzicht auf einen Zinsertrag geschlossen
werden, wie es die Beschwerdegegnerin getan hat. Die Beschwerdegegnerin hat es
nämlich in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes unterlassen abzuklären, welchen
Grund die Beschwerdeführerin hatte, die Forderung über Fr. 30'000.- zinsfrei zu
stunden. Ein Verzicht auf Einkünfte (Art. 11 Abs. 1 lit. g i.V.m. Art. 11 Abs. 1 lit. b ELG)
liegt nur dann vor, wenn eine versicherte Person nicht durch äussere Umstände, über
die sie keine Kontrolle gehabt hat, gezwungen gewesen ist, auf die Erzielung eines
Vermögensertrages zu verzichten, und wenn das Fehlen eines Vermögensertrages
nicht durch einen anderen, ökonomisch gleichwertigen Vorteil kompensiert worden ist.
Eine zinslose Stundung kann also auf einer Rechtspflicht beruhen oder es kann eine
Gegenleistung für die Stundung in anderer Form als in einem Zinsertrag vorliegen. Von
einem Verzicht auf eine Verzinsung des gestundeten Betrages von Fr. 30'000.- könnte
also beispielsweise dann nicht ausgegangen werden, wenn die Beschwerdeführerin nur
so einen langwierigen, teuren und risikobehafteten Erbteilungsprozess gegen ihren
Stiefvater hätte vermeiden können. Solange nicht bekannt ist, welchen Grund die
Beschwerdeführer gehabt hat, auf die Verzinsung des gestundeten Betrages zu
verzichten, kann gar nicht darüber entschieden werden, ob ein hypothetischer
Zinsertrag auf Fr. 30'000.- anzurechnen sei. Diesbezüglich beruht der angefochtene
Einspracheentscheid also auf einer nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erstellten Sachverhaltsannahme. In diesem Punkt ist der
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angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und die Sache ist zur weiteren
Sachverhaltsabklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4. In ihrer Beschwerdeantwort hat die Beschwerdegegnerin eingeräumt, dass kein
Vermögen und auch kein Vermögensertrag aus der Auszahlung des
Freizügigkeitskontos hätten angerechnet werden dürfen. Bei der rückwirkenden
Neuberechnung hatte die Beschwerdegegnerin diesen Vermögensteil samt dem
entsprechenden hypothetischen Ertrag ab 1. Januar 2008 berücksichtigt. Aufgrund der
ausserordentlich schlechten finanziellen Lage der Beschwerdeführerin ist deren
Behauptung, sie habe das ausbezahlte Kapital sofort zur Schuldentilgung und zur
Deckung ihres Lebensbedarfs verwendet, überwiegend wahrscheinlich zutreffend. Die
Kapitalauszahlung aus dem Freizügigkeitskonto kann deshalb tatsächlich nicht
angerechnet werden. Das gilt natürlich auch für den hypothetischen Ertrag daraus. Die
in der Beschwerdeantwort beantragte Reduktion der Rückforderung ordentlicher
Ergänzungsleistungen auf Fr. 2415.- erweist sich als richtig. Die Rückforderung
ausserordentlicher Ergänzungsleistungen st. gallischen Rechts (Fr. 580.-) wird dadurch
nicht tangiert.
5. Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Sache zur Weiterführung des
Wiedererwägungsverfahrens in bezug auf die Anrechnung eines hypothetischen
Ertrages auf der gestundeten Forderung von Fr. 30'000.- an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. In bezug auf die Anrechnung des gestundeten Betrages von Fr.
30'000.- als verzehrbares Vermögen erweist sich die angefochtene Wiedererwägung
als korrekt. In bezug auf die Anrechnung eines Vermögens aus der Auszahlung des
Freizügigkeitsguthaben und eines hypothetischen Ertrages daraus ist die
Wiedererwägung – dem Antrag der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort
gemäss – zu korrigieren, indem auf die Anrechnung sowohl der Vermögens wie des
hypothetischen Ertrages zu verzichten ist. Das wieder aufzunehmende
Wiedererwägungsverfahren wird also auf die Abklärung der Frage nach einem
Einnahmenverzicht durch die zinslose Stundung der Forderung über Fr. 30'000.-
beschränkt sein. Die Beschwerdegegnerin wird nach Abschluss des Verfahrens die
Rückforderung ordentlicher Ergänzungsleistungen neu festsetzen. Insofern ist die
Beschwerde in bezug auf die ordentlichen Ergänzungsleistungen teilweise
gutzuheissen. In bezug auf die Wiedererwägung und die daraus resultierende
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Rückforderung ausserordentlicher Ergänzungsleistungen ist die Beschwerde
abzuweisen. Die Rückweisung zur weiteren Abklärung ist in bezug auf den Anspruch
auf eine Parteientschädigung rechtsprechungsgemäss als vollständiges Obsiegen zu
werten. Die Beschwerdeführerin hat deshalb einen Anspruch auf den Ersatz ihrer
Vertretungskosten durch die Beschwerdegegnerin. Dies betrifft allerdings nur die
Rückforderung ordentlicher Ergänzungsleistungen. In bezug auf die Rückforderung
ausserordentlicher Ergänzungsleistungen ist die Beschwerde vollumfänglich
abzuweisen, weil sie durch das Ergebnis der weiteren Sachverhaltsabklärung nicht
tangiert wird. Demnach kann kein Anspruch auf eine Parteientschädigung bestehen.
Nun hat die Anfechtung dieses Teils des Einspracheentscheides vom 7. Oktober 2008
aber gar keinen zusätzlichen Aufwand verursacht, da die Rückforderung
ausserordentlicher Ergänzungsleistungen in sachverhaltlicher und rechtlicher Hinsicht
mit der Rückforderung ordentlicher Ergänzungsleistungen parallel gelaufen ist. Mit dem
Ersatz der Vertretungskosten, die aus der Anfechtung der Rückforderung ordentlicher
Ergänzungsleistungen resultiert haben, sind deshalb sämtliche Aufwendungen
abgegolten. Die Parteientschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache
und nach der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g Satz 2 ATSG). Das vorliegende
Beschwerdeverfahren ist bezüglich beider Kriterien als erheblich unter dem
Durchschnitt liegend zu qualifizieren. Mit einer Parteientschädigung von Fr. 2000.-
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) ist deshalb dem gesamten
Vertretungsaufwand Rechnung getragen. Die Beschwerdegegnerin hat den
Beschwerdeführer also mit Fr. 2000.- zu entschädigen. Damit erübrigt sich eine
Behandlung des Gesuchs um die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung, denn praxisgemäss interpretiert das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen entsprechende Gesuche als eventualiter für den Fall gestellt, dass
kein Anspruch gegenüber dem Sozialversicherungsträger auf eine volle
Parteientschädigung bestehen sollte. Das Gesuch um die Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung ist zum vornherein gegenstandslos gewesen, da das
Beschwerdeverfahren kostenlos ist (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG