Decision ID: 4459b944-ae5b-402a-aeea-1e52a0014acc
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Juli 2016 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu ihrer
AHV-Rente an (EL-act. 24). Dem Anmeldeformular und den eingereichten Akten war zu
entnehmen, dass die Versicherte am 31. Dezember 2015 ein Sparguthaben von Fr.
22'067.21 gehabt hatte (EL-act. 27), im Jahr 2016 eine Altersrente in Höhe von Fr.
22'536.-- erhielt (EL-act. 29 S. 2) und einen monatlichen Bruttomietzins in Höhe von Fr.
1'280.-- (inkl. Radio- und TV-Gebühren) zahlte (EL-act. 29 S. 1). Laut der
Veranlagungsberechnung der Kantons- und Gemeindesteuer des Jahres 2015 besass
die Versicherte eine Liegenschaft im Wert von Fr. 137'000.-- mit einem Ertrag von Fr.
5'440.-- (EL-act. 28). Im Beiblatt 1 zum Anmeldeformular hatte die Versicherte
angegeben, ihre Liegenschaft habe einen Wert von € 57'610.-- (EL-act. 24 S. 9). Dabei
hatte sie sich offenbar auf einen Katasterplan aus B._ vom 15. Juni 2016 gestützt.
Diesem war zu entnehmen, dass die Liegenschaft in zwei Stockwerke à 135m2 und
155m2 unterteilt sei, wobei der erste Teil eine "Rendita" von € 149.77 und der zweite
Teil eine solche von € 325.37 abwerfe. Total habe das Haus sechs Zimmer und 100m2
sowie eine "Rendita" von € 475.14. Um den Wert der Liegenschaft in Höhe von €
57'610.48 zu errechnen, waren die unter "Rendita" verbuchten Beträge einzeln je mit
5% und mit 115.5 multipliziert und anschliessend addiert worden (EL-act. 26). Einem
älteren Dokument aus B._ vom 23. Mai 2012, welches der EL-Durchführungsstelle
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zusammen mit einem Schreiben der Z._ vom 28. März 2013 bereits seit dem 2. April
2013 vorlag, war zu entnehmen, dass die Liegenschaft der Versicherten und D._
gehörte. Der damals unter "Rendita" ausgewiesene Betrag in Höhe von € 981.27 war
auf dem Dokument mit 115.55 multipliziert und durch 2 geteilt worden, woraus sich ein
Liegenschaftswert in Höhe von € 56'668.34 ergeben hatte. Der Mitarbeiter von Z._
führte zu diesem Dokument aus, dass es in B._ keinen Eigenmietwert gebe und dass
die Grundstückbesitzer in B._ nur Gebühren für Strom, Kehricht, Wasser etc., nicht
jedoch Grundstücksteuern bezahlen müssten. Bei den € 981.27 handle es sich nicht
um eine Rendite, dieser Betrag sei vielmehr das Ergebnis einer individuellen
Berechnung der zuständigen Gemeinde. Der Wert der Liegenschaft betrage, bezogen
auf eine Person, € 56'668.--. Um den Liegenschaftswert für beide Personen zu
berechnen, habe dieser Betrag also verdoppelt werden müssen (EL-act. 8).
A.b Mit einer Verfügung vom 8. September 2016 verneinte die EL-Durchführungsstelle
aufgrund eines Einnahmenüberschusses in Höhe von Fr. 1'185.-- einen Anspruch auf
Ergänzungsleistungen. Sie erklärte, sie habe den Wert der ausländischen Liegenschaft
für die EL-Berechnung anhand der Kurse für die soziale Sicherheit für Wanderarbeiter
des Bundesamtes für Statistik (BSV) umgerechnet. Der Verkehrswert von € 56'668.--
habe mit 1,09297 und mit 2 multipliziert Fr. 123'872.84 ergeben. Der Eigenmietwert,
der 5% des Verkehrswertes ausmache, betrage Fr. 6'193.64 und der
Gebäudeunterhalt, der 1/5 des Eigenmietwerts betrage, sei mit Fr. 1'238.72
angerechnet worden (EL-act. 18). Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am 28.
September 2016 eine Einsprache. Sie beantragte die erneute Überprüfung der EL-
Berechnung, weil der tatsächliche Wert ihrer Liegenschaft in B._ ihres Erachtens
niedriger war als jener, der im Rahmen der EL-Berechnung berücksichtigt worden war
(EL-act. 15).
A.c Am 25. Oktober 2016 ging der durch die Versicherte ausgefüllte Fragebogen
betreffend die Liegenschaft in B._ bei der EL-Durchführungsstelle ein. Diesem war zu
entnehmen, dass die Versicherte die drei Zimmer (zwei Schlafzimmer, ein
Wohnzimmer) umfassende, sich in E._ befindende Liegenschaft im Jahr 1966 für 6
Millionen Lire gekauft hatte. Die Liegenschaft war nicht vermietet, Investitionen waren
im Sinne von Reparaturen und Sanierungen aufgrund eines Erdbebens im Jahr 1980
vorgenommen worden (EL-act. 13).
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A.d Mit einem Einspracheentscheid vom 25. November 2016 wies die EL-
Durchführungsstelle die Einsprache der Versicherten ab. Zur Begründung führte sie
aus, sie habe in der EL-Berechnung fälschlicherweise den Liegenschaftswert aus dem
Jahr 2012 angerechnet. Stattdessen sei der dem Dokument vom 15. Juni 2016 zu
entnehmende Liegenschaftswert in Höhe von € 57'610.-- zu berücksichtigen und zu
verdoppeln, da sich dieser Wert nur auf eine Person beziehe. Setze man den neuen
Wert in die im Rahmen der angefochtenen Verfügung verwendete Berechnung ein, so
erhöhten sich der Liegenschaftswert um Fr. 2'060.-- und der Vermögensverzehr um Fr.
206.--. Weil die Liegenschaft in B._ nicht vermietet sei, liege ausserdem ein Verzicht
vor, weshalb ein Eigenmietwert anzurechnen sei. Der Eigenmietwert betrage 5% des
Liegenschaftswertes und betrage Fr. 6'296.--. Für die Gebäudeunterhaltskosten gelte
der für die direkte kantonale Steuer im Wohnsitzkanton anwendbare Pauschalabzug
von 20% des Bruttomietertrags, weshalb Gebäudeunterhaltskosten von Fr. 1'260.--
anzurechnen seien. Somit erhöhe sich der Einnahmenüberschuss auf Fr. 1'473.-- und
es bestehe weiterhin kein Anspruch auf Ergänzungsleistungen (EL-act. 10).
B.
B.a In der dagegen erhobenen Beschwerde vom 21. Dezember 2016 beantragte die
Versicherte (nachfolgend Beschwerdeführerin) sinngemäss die Aufhebung des
Einspracheentscheids, die Anrechnung der tatsächlichen Werte ihrer Liegenschaft und
somit die Zusprache von Ergänzungsleistungen. Zur Begründung führte sie aus, die EL-
Durchführungsstelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) hätte den sich aus dem
Katasterplan vom 15. Juni 2016 ergebenden Wert nicht verdoppeln dürfen, da diese
Vorgehensweise nur üblich sei, wenn ein Grundstück im Besitz von zwei Personen sei.
Ihr Ehemann sei jedoch im Jahr 2012 verstorben, weshalb der Wert der Liegenschaft
gemäss dem aktuellen Katasterplan € 57'610.48 und nicht Fr. 125'932.-- betrage. Im
Rahmen der Steuererklärung werde im Übrigen ein seit Jahren nicht aktualisierter Wert
berücksichtigt. Zur Berechnung des Eigenmietwertes liege der Berechnungsschlüssel
"Calcolo rendita catastale rivalutata 2016" von der IMU (offizielle Gemeindesteuerstelle)
vor. Im konkreten Fall seien eine Garage (C2) und sämtliche Räume (A/3) zu bewerten,
wobei jeder noch so kleine Raum (Küche, Bad, Abstellraum) zähle. Gemäss dem
italienischen Berechnungsschlüssel ergebe sich der Eigenmietwert aus folgender
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Berechnung: Wert der Liegenschaft in € + 5% × 160 (beim Katasterplan vom 15. Juni
2016 habe dieser Wert noch Fr. 115.50 betragen).
B.b In einer Beschwerdeantwort vom 15. Februar 2017 beantragte die EL-
Durchführungsstelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) innert erstreckter Frist die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie ergänzend zu ihren

Erwägungen im Einspracheentscheid aus, dass es sich bei dem Liegenschaftswert in
Höhe von Fr. 137'000.--, den das Steueramt F._ berücksichtige, um einen selbst
deklarierten Wert handle. Ausserdem sei die Steuerveranlagung des Jahres 2016 nicht
angefochten worden und damit rechtskräftig. Des Weiteren erscheine es als
befremdlich, dass sich der Wert einer Liegenschaft mit dem Tod des Ehepartners
halbiere. Weil ausserdem im Katasterauszug vom 15. Juni 2016 mit einer Rendite von
115.50 gerechnet werde, wohingegen bei der Übersicht "Calcolo rendita catastale
rivalutata 2016 IMU TASI" vom 5. Februar 2016 eine Rendite von 160 aufgeführt werde,
wäre der Wert ohnehin höher als die erwähnten € 57'610.48 (act. G 3 ff.).
B.c Am 23. März 2017 liess die Beschwerdeführerin im Rahmen der Replik eine
Schätzungsurkunde des Geometers G._ vom 10. März 2017 einreichen, gemäss
welcher die Liegenschaft mit sechs Zimmern und einem Lagerraum für
landwirtschaftliche Lebensmittel im Erdgeschoss einen Wert von € 49'500.-- hatte (act.
G 7).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 6. April 2017 auf eine Duplik und erklärte,
vollumfänglich an ihren bisherigen Ausführungen im Einspracheentscheid und in der
Beschwerdeantwort festzuhalten (act. G 9).
Erwägungen
1.
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung [SR 831.30; ELG]). Als anrechenbare Einnahmen sind dabei unter
anderem gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. b und c ELG Einkünfte aus beweglichem und
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unbeweglichem Vermögen, bei Altersrentnerinnen ein Zehntel des Reinvermögens,
soweit es bei alleinstehenden Personen Fr. 37'500.-- übersteigt, sowie gemäss lit. g
Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist, anzurechnen. Mit dem
angefochtenen Einspracheentscheid hat die Beschwerdegegnerin einen EL-Anspruch
der Beschwerdeführerin aufgrund eines Einnahmenüberschusses von Fr. 1'473.--
verneint (EL-act. 10). Die Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, die EL-Berechnung
stimme in Bezug auf die Einnahmenposten "Grundeigentum" und "Eigenmietwert"
nicht mit der Realität überein (act. G 1). Im vorliegenden Beschwerdeverfahren ist also
umstritten, ob die mit der Liegenschaft der Beschwerdeführerin in B._
zusammenhängenden Beträge in korrekter Höhe berücksichtigt worden sind. Weiter
sind die übrigen Positionen der EL-Berechnung zu überprüfen.
2.
2.1 Bei der Berechnung des Liegenschaftswertes hat sich die Beschwerdegegnerin
gemäss ihren Ausführungen im angefochtenen Einspracheentscheid am
Katasterauszug vom 15. Juni 2016 orientiert. In diesem Katasterauszug sind zwei mit
"Rendita" benannte Werte in Höhe von € 149.77 und € 325.37 je mit 5% und mit
115.50 multipliziert worden. Die Produkte dieser Multiplikationen sind anschliessend
miteinander addiert worden und haben eine Summe von € 57'610.48 ergeben (EL-act.
26). Diesen Betrag hat die Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Anmeldung als
Liegenschaftswert angegeben (EL-act. 24 S. 9). Allerdings hat die Beschwerdeführerin
auch erklärt, dass der sich aus dem Katasterplan ergebene Liegenschaftswert aufgrund
des Todes ihres Ehemannes nicht mehr doppelt angerechnet werden dürfe (act. G 1,
vgl. auch EL-act. 8). Weil nicht nachzuvollziehen ist, weshalb der Wert einer
Liegenschaft von der Anzahl der Eigentümer beeinflusst sein sollte, bestehen Zweifel
daran, dass der Katasterplan tatsächlich Aufschluss über den Wert der Liegenschaft
gibt. Am 23. März 2017 hat die Beschwerdeführerin jedoch eine Schätzungsurkunde
des Geometers G._ vom 10. März 2017 einreichen lassen, gemäss welcher der
"Handelswert" der Liegenschaft ("valore commerciale") € 49'500.-- betrage (act. G 7.1).
In der Steuerveranlagung des Jahres 2015 ist demgegenüber ein Liegenschaftswert in
Höhe von Fr. 137'000.-- aufgeführt worden (EL-act. 28). Die Beschwerdeführerin hat
angegeben, dabei handle es sich um einen "seit Jahren nicht aktualisierten Wert" (vgl.
act. G 1). Wann die Beschwerdeführerin den Liegenschaftswert in Höhe von Fr.
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137'000.-- im Rahmen der Steuererklärung angegeben hat, ist nicht bekannt.
Angesichts der ökonomischen Entwicklung in B._ erscheint es aber als durchaus
möglich, dass der Wert der Liegenschaft "über die Jahre" von Fr. 137'000.-- auf
umgerechnet Fr. 53'555.53 (€ 49'500.-- × 1.09297) gesunken ist. Es ist also kein Grund
ersichtlich, weshalb der durch den Geometer G._ geschätzte "Handelswert" der
Liegenschaft in Höhe von € 49'500.-- nicht den Tatsachen entsprechen sollte. Es steht
jedoch noch nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, dass es sich dabei um den auch für das Jahr 2016 geltenden
und für die Ergänzungsleistungen relevanten Marktwert handelt. Deshalb wird dies
noch im Rahmen der Untersuchungspflicht gemäss Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (SR 830.1; ATSG) durch die
Beschwerdegegnerin in Erfahrung zu bringen sein, etwa indem sie sich mit einer
entsprechenden Anfrage an den Geometer G._ oder an eine andere
Immobilienfachperson mit Ortskenntnissen aus B._ wendet.
2.2 Anhand des sich aus dem Katasterplan vom 15. Juni 2016 ergebenden
vermeintlichen Liegenschaftswertes in Höhe von Fr. 123'872.-- ([€ 57'610.48 × 2] ×
1.09297) hat die Beschwerdegegnerin den Eigenmietwert und die Kosten für den
Gebäudeunterhalt abgeleitet (vgl. EL-act. 10). Der anhand der Grundsätze der direkten
kantonalen Steuer zu ermittelnde Eigenmietwert wird jedoch praxisgemäss nur für
selbstbewohnte Liegenschaften herangezogen (vgl. RALPH JÖHL,
Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: Schweizerisches Sozialversicherungsrecht, Band
XIV Soziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016, Rz 152 mit Hinweisen). Liegt aber im Sinne von
Art. 11 Abs. 1 lit. g i.V.m. Art. 11 Abs. 1 lit. b ELG ein Verzicht auf Einkünfte aus dem
unbeweglichen Vermögen vor, indem eine nichtbewohnte Liegenschaft nicht vermietet
wird, obwohl dies objektiv möglich wäre, so ist in der EL-Berechnung nicht der
steuerrelevante Eigenmietwert, sondern der Marktmietwert zu berücksichtigen. Die
Höhe des Markmietwertes entspricht dem, was auf dem freien Markt für
Liegenschaften der betreffenden Art, Grösse, Lage etc. als Mietzins verlangt werden
könnte (vgl. JÖHL, a.a.O., Rz 157). Weil der Eigenmietwert und der Marktmietwert also
auf unterschiedlichen Berechnungsmethoden beruhen und in unterschiedlichen
Situationen Berücksichtigung zu finden haben, hat die Beschwerdegegnerin bei der
Anrechnung eines Verzichts auf Einkünfte aus unbeweglichem Vermögen nicht auf den
- zugegebenermassen leichter, da rechnerisch bestimmbaren - Eigenmietwert abstellen
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und diesen mit dem Marktmietwert gleichsetzen dürfen. Den Akten sind keine Hinweise
darauf zu entnehmen, ob und in welchem Umfang die Liegenschaft der
Beschwerdeführerin vermietet werden kann und ob reelle Chancen bestehen, einen
Mieter zu finden. Ebenso wenig ist die Höhe eines allfälligen Marktmietwertes der
Liegenschaft der Beschwerdeführerin im Jahr 2016 bekannt. Da der für den Verzicht
auf Einnahmen aus unbeweglichem Vermögen massgebliche Sachverhalt somit nicht
mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht,
hat die Beschwerdegegnerin auch hier im Rahmen ihrer Untersuchungspflicht gemäss
Art. 43 Abs. 1 ATSG weitere Abklärungen vorzunehmen, indem sie beispielsweise den
Geometer G._ oder eine andere Immobilienfachperson aus B._ mit
Ortskenntnissen befragt.
2.2.1 Gemäss Art. 10 Abs. 3 lit. b ELG sind die Gebäudeunterhaltskosten und
Hypothekarzinsen bis zur Höhe des Bruttoertrages der Liegenschaft bei der
Anspruchsberechnung als Ausgaben anzurechnen. Der Verordnungsgeber hat aber
gestützt auf den Art. 9 Abs. 5 lit. b ELG im Art. 16 Abs. 1 der Verordnung über die
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (SR
831.301; ELV) die ausschliessliche Anrechnung der für die direkte kantonale Steuer im
Wohnsitzkanton anwendbaren Pauschale vorgeschrieben. Diese beläuft sich im Kanton
St. Gallen auf 20% des Bruttomietertrages ohne Nebenkosten oder des angerechneten
Eigenmietwertes (Art. 29 Abs. 1 der st. gallischen Steuerverordnung [StV; sGS 811.11]).
Ein solcher Abzug ist jedoch nur möglich, wenn die Liegenschaft einen Ertrag abwirft
bzw. abwerfen könnte, weshalb zunächst mit dem erforderlichen Beweisgrad
feststehen muss, ob die Liegenschaft der Beschwerdeführerin überhaupt vermietet
werden kann (vgl. E 2.2). Sollte sich die Liegenschaft nämlich beispielsweise in einem
derart schlechten Zustand befinden, dass alle potentiellen Mieter abgeschreckt
würden, würde auch keine Abzugsmöglichkeit für die Gebäudeunterhaltskosten
bestehen (vgl. JÖHL, a.a.O., Rz 102 mit Hinweisen). Die Ermittlung der pauschalen
Gebäudeunterhaltskosten wird deshalb erst dann erfolgen können, wenn die übrigen
Sachverhaltsabklärungen abgeschlossen worden sind.
3.
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3.1 In einer internen Notiz vom 29. Juli 2016 zur Verfügung vom 8. September 2016
hat die Beschwerdegegnerin festgehalten, das Vermögen der Beschwerdeführerin
habe per 31. Dezember 2012 Fr. 56'007.28 und per 31. Dezember 2015 Fr. 22'067.21
betragen, sodass die Beschwerdeführerin innerhalb von drei Jahren Fr. 33'940.07
ausgegeben habe. Grundsätzlich könne für drei Jahre ein pauschaler
Vermögensverzehr von Fr. 30'000.-- akzeptiert werden. Ob es sich bei der
verbleibenden Differenz in Höhe von Fr. 3'940.07 um einen Vermögensverzicht handle,
sei jedoch nicht weiter zu prüfen, da ein solcher keinen Einfluss auf die EL-Berechnung
hätte (EL-act. 21). Um den EL-Anspruch der Beschwerdeführerin erstmalig prüfen und
die dafür erforderliche EL-Berechnung durchführen zu können, müssen alle
massgeblichen Sachverhaltselemente feststehen. Gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG sind
Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist, als Einnahmen anzurechnen. Diese
Vermögenswerte bilden als so genanntes hypothetisches Vermögen Teil des gemäss
Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG anrechenbaren Vermögens. Grundsätzlich gilt im
Ergänzungsleistungsrecht, dass das Vermögen so weit wie möglich erhalten bleiben
muss, damit es später nötigenfalls einmal zur Bestreitung des Existenzbedarfs wird
verzehrt werden können. Zweck des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG ist es jedoch nicht, eine
versicherte Person daran zu hindern, sich ihres Vermögens zu entäussern oder es zu
verschwenden. Diese Freiheit bleibt vollumfänglich gewahrt. Insofern gibt es die vom
Bundesgericht befürchtete "Lebensführungskontrolle" natürlich nicht. Der Art. 11 Abs.
1 lit. g ELG soll lediglich diejenige Person, die sich ihres Vermögens entäussert oder es
verschwendet hat, daran hindern, den entsprechenden Ausfall an anrechenbaren
Einnahmen (Vermögensverzehr) durch eine Ergänzungsleistung kompensieren und
damit die Verantwortung für die Folgen ihrer früheren Lebensführung auf die
Allgemeinheit überwälzen zu können (JÖHL, a.a.O., Rz 203).
3.2 Die Beschwerdeführerin ist bis zum Tod ihres Ehemannes im Dezember 2012 in
dessen EL-Berechnung einbezogen gewesen. Nach dem Tod des Ehemannes ist ein
EL-Anspruch der Beschwerdeführerin selbst aufgrund eines Einnahmenüberschusses
verneint worden (vgl. EL-act. 21, 24). Am 28. Juli 2016 hat die Beschwerdeführerin sich
erneut zum Bezug von Ergänzungsleistungen angemeldet (EL-act. 24). Weil sie vor ihrer
Anmeldung im Jahr 2016 schon einmal in eine EL-Anspruchsberechnung einbezogen
gewesen ist und so mittelbar Ergänzungsleistungen bezogen hat und weil sie keine
regelmässigen, ihre Ausgaben deckenden Einnahmen gehabt hat, ist es für sie
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voraussehbar gewesen, dass sie sich in Zukunft wohl wieder zum Bezug von
Ergänzungsleistungen würde anmelden müssen. Demnach hätte sie im Sinne des
Vorsorgegedankens auch während der Zeit vor ihrer aktuellen EL-Anmeldung sparsam
mit ihrem Vermögen umgehen müssen. Anders wäre dies beispielsweise bei einer
vollzeittätigen Juristin, die ein Jahreseinkommen von Fr. 140'000.-- hat und aufgrund
unerwarteter Lebensumstände innerhalb kürzester Zeit in die Lage gerät, sich zum
Bezug von Ergänzungsleistungen anmelden zu müssen. Diese Juristin hätte in der Zeit
vor der EL-Anmeldung nicht davon ausgehen müssen, dass sie ihren Lebensunterhalt
in naher Zukunft nicht mehr vollumfänglich aus eigenen Kräften würde bestreiten
können. Sie wäre also in der Zeit vor der EL-Anmeldung viel weiter vom
Vorsorgegedanken entfernt gewesen, als es die Beschwerdeführerin effektiv war.
Deshalb steht die Beschwerdeführerin, weil sie hohe Ausgaben gehabt hat, zumindest
teilweise "im Verdacht", dem Vorsorgegedanken zuwidergehandelt und ihr Vermögen
"verschwendet" zu haben, während im Fall der beschriebenen Juristin dieselben oder
gar höhere Ausgaben nicht als "Verschwendung" eines der Vorsorge dienenden
Vermögens qualifiziert werden könnten. Die Beschwerdegegnerin hat bei der
Beschwerdeführerin einen pauschalen Vermögensverzehr in Höhe von jährlich Fr.
10'000.-- akzeptiert. Anhand welcher Überlegungen sie zu dem Schluss gekommen ist,
dass die Beschwerdeführerin jedes Jahr Fr. 10'000.-- ihres Vermögens habe
verbrauchen dürfen, lässt sich den Akten nicht entnehmen. Es stellt sich somit die
Frage, wie der Vermögensverzehr der Beschwerdeführerin in den Jahren 2013 bis 2015
unter der Berücksichtigung des Vorsorgegedankens zu beurteilen ist.
3.3 Bei EL-beziehenden Altersrentnerinnen ist ein Vermögensverzehr von 1/10 des
nach Abzug des Freibetrags verbliebenen Vermögens zu akzeptieren (Art. 11 Abs. 1 lit.
c ELG). Weil die Beschwerdeführerin seit 2013 keine Ergänzungsleistungen mehr
bezogen hat, kann ihr jedoch nicht unterstellt werden, sie habe gemäss Art. 11 Abs. 1
lit. g ELG auf Vermögen verzichtet, weil sie während der Zeit vor ihrer Anmeldung den
gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG erlaubten Vermögensverzehr überschritten und sich
somit nicht wie eine EL-Bezügerin verhalten habe. Das würde eine zu enge Umsetzung
der Vorsorgepflicht darstellen. Dennoch hätte die Beschwerdeführerin auch während
des Zeitraumes, in dem sie keine Ergänzungsleistungen bezogen hat, immerhin
berücksichtigen müssen, dass sie nur über geringe Einnahmen verfügte, so dass ihr
Vermögen je nach Lebensstil rasch aufgebraucht sein würde (vgl. E 3.2). Unter der
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Berücksichtigung des Vorsorgegedankens hätte sie ihren Vermögensverbrauch
deshalb ihrem Einnahmenpotential anpassen müssen, um ihren Lebensunterhalt so
lange wie möglich aus eigener Kraft bestreiten zu können. Um den aus diesem
Vorsorgegedanken heraus akzeptablen jährlichen Vermögensverzehr der
Beschwerdeführerin zu eruieren, ist deshalb unter der Berücksichtigung der EL-
rechtlich anerkannten Ausgaben (inkl. der EL-rechtlich anerkannten Krankheits- und
Behinderungskosten) und der jährlichen Einnahmen der Beschwerdeführerin zu prüfen,
wie viel der Beschwerdeführerin gefehlt hätte, um ihre EL-rechtlich anerkannten,
jährlichen Ausgaben zu decken. Liegt der tatsächliche jährliche Vermögensverzehr über
dem sich so ergebenden akzeptablen Vermögensverzehr, ist in Höhe der Differenz von
einem Verzichtsvermögen gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG auszugehen. Weil aufgrund
des Gesagten keine Pauschale für die Bestimmung des akzeptablen
Vermögensverzehrs herangezogen werden kann (vgl. Art. 10 Abs. 1 lit. c ELG), sondern
auf die Umstände des Einzelfalls abgestellt werden muss, wird die
Beschwerdegegnerin ihre Sachverhaltsermittlungen noch so weit zu ergänzen haben,
bis sie dazu in der Lage ist, den jeweiligen von 2012 bis 2015 akzeptablen jährlichen
Vermögensverzehr zu bestimmen, um anschliessend einen allfälligen
Vermögensverzicht zu prüfen.
3.4 Ebenfalls in der internen Notiz vom 29. Juli 2016 zur Verfügung vom 8. September
2016 hat die Beschwerdegegnerin notiert, dass weitere Versicherungsleistungen (Rente
aus B._) infolge des Einnahmenüberschusses nicht weiter abgeklärt würden (EL-act.
21). Gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. d ELG sind Renten, Pensionen und andere
wiederkehrende Leistungen als Einnahmen anzurechnen. Wenn die
Beschwerdegegnerin, obwohl die Beschwerdeführerin im Anmeldeformular angegeben
hat, keine ausländischen Renten zu beziehen (vgl. EL-act. 24), einen Anlass zur
Annahme gesehen hat, die Beschwerdeführerin erhalte eine Rente aus B._, hat sie
deshalb entsprechende Abklärungen zu tätigen, bis mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, welche Renteneinnahmen der
Beschwerdeführerin jährlich anzurechnen sind.
4.
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Der Sachverhalt erweist sich folglich als ungenügend abgeklärt, weshalb der
angefochtene Einspracheentscheid vom 25. November 2016 in Verletzung der
Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) ergangen und deshalb als rechtswidrig
aufzuheben ist. Da es nicht die Aufgabe des Versicherungsgerichtes sein kann, ein
Versäumnis hinsichtlich der ureigensten Aufgabe der Beschwerdegegnerin, nämlich der
Sachverhaltsabklärung, nachzuholen, ist die Sache zur weiteren Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Festzuhalten ist, dass die Beschwerdeführerin
die Beschwerdegegnerin im Rahmen ihrer Mitwirkungs- und Auskunftspflicht (vgl. Art.
43 Abs. 3 ATSG) bei der Sachverhaltsabklärung zu unterstützen hat. Allfällige der
Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der Sachverhaltsabklärung entstandene
entstehende Kosten sind jedoch vollumfänglich durch die gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG
untersuchungspflichtige Beschwerdegegnerin zu tragen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).