Decision ID: 950aab05-0430-5ebc-8640-9fe2c7db176b
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 19. März 2007 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1).
Dr. med. B._, FMH Chirurgie und Handchirurgie, berichtete der IV-Stelle am 13. April
2007 (IV-act. 11), die Versicherte leide an einer beginnenden Handgelenksarthrose links
nach Scaphoidpseudarthrose nach Unfall am 10. Oktober 2005, an einem St. n. CRPS
links (M. Sudeck) posttraumatisch und an chronischen Handgelenksschmerzen rechts
(Krankheit). Als Reinigungsangestellte sei die Versicherte seit dem Unfalltag zu 100%
arbeitsunfähig. Bei einem Sturz aufgrund einer Schwindelattacke habe sie sich eine
Kahnbeinfraktur links zugezogen. Die Scaphoidpseudoarthrose sei am 8. Mai 2006
operiert worden. Der Knochen sei inzwischen durchgebaut. Trotzdem liege eine
beginnende Handgelenksarthrose links vor. Die Versicherte trage dauernd eine
Handgelenksschiene. Ab April 2006 habe die Versicherte auch an rezidivierenden
Handgelenksschmerzen rechts gelitten, deren Ursache unklar gewesen sei. Aktuell sei
das rechte Handgelenk wieder schmerzfrei und gut beweglich. Am linken Handgelenk
leide die Versicherte an einem Druckschmerz radioscaphoidal bei leicht
eingeschränkter Beweglichkeit. Tätigkeiten ohne Handbelastung seien an vier Stunden
täglich mit voller Leistung zumutbar. Die C._ AG teilte am 17. April 2007 mit (IV-act.
13), die Versicherte sei als Unterhaltsreinigerin zu ca. 70% beschäftigt gewesen. Das
Arbeitsverhältnis sei per 31. August 2006 aufgelöst worden. Aktuell würde die
Versicherte Fr. 19.25 pro Stunde verdienen. Dr. med. D._, Allgemeine Medizin FMH,
St. Gallen, berichtete der IV-Stelle am 26. April 2007 (IV-act. 15), er habe folgende
arbeitsfähigkeitsrelevante Diagnosen erhoben: St. n. CRPS links bei
Scaphoidpseudarthrose, unklares Schmerzsyndrom Hand rechts, rezidivierende
funktionelle Abdominalbeschwerden, rezidivierende Zervikalgien und Lumbalgien. Als
Reinigungsangestellte sei die Versicherte seit dem Unfalltag zu 100% arbeitsunfähig. Er
habe sie betreffend die Handbeschwerden in der letzten Zeit nicht mehr gesehen. Die
Versicherte war vom 6. Juni bis 4. Juli 2007 in der Rehaklinik Bellikon hospitalisiert. Im
Austrittsbericht vom 9. Juli 2007 wurde festgehalten (IV-act. 22), infolge einer gewissen
Symptomausweitung, Selbstlimitierung und Inkonsistenz seien die Resultate der
physischen Leistungstests für die Beurteilung der zumutbaren Belastbarkeit nur
teilweise verwertbar. Es sei davon auszugehen, dass die Versicherte bei einem guten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Effort eine bessere Leistung hätte erbringen können, als sie bei den Tests und der
Therapie gezeigt habe. Das Ausmass der demonstrierten physischen Einschränkungen
habe sich mit den objektivierbaren pathologischen Befunden der klinischen
Untersuchungen und der bildgebenden Abklärung sowie den Diagnosen aus
somatischer Sicht nur zum Teil erklären lassen. Es liege keine psychiatrische Störung
mit Krankheitswert vor, die eine Arbeitsunfähigkeit bewirken könnte. Unter
Berücksichtigung nur der linken Hand sei die Versicherte in einer leichten Arbeit
ganztags arbeitsfähig, wenn sie das linke Handgelenk nicht häufig wiederholt bewegen
müsse, wenn sie mit der linken Hand nicht Kraft aufwenden müsse und wenn sie nicht
auf Leitern tätig sein müsse. Dr. med. E._ vom RAD notierte am 3. September 2007
(IV-act. 24), in einer adaptierten Tätigkeit sei die Versicherte zu 100% arbeitsfähig.
A.b Am 20. November 2007 fand eine Haushaltabklärung statt. Im Bericht vom
8. Dezember 2007 wurde festgehalten (IV-act. 34), die Versicherte habe angegeben,
ohne den Gesundheitsschaden wäre sie weiterhin mit einem Arbeitspensum von 70%
tätig. Die eigentliche Haushaltabklärung ergab für den Bereich Haushaltführung keine
Einschränkung, für den Bereich Ernährung eine Arbeitsunfähigkeit von 60% und einen
Invaliditätsgrad (unter Berücksichtigung der zumutbaren Mithilfe der Familienange
hörigen) von 47% (anteilig 21,6%), für den Bereich Wohnungspflege eine
Arbeitsunfähigkeit von 55% und einen Invaliditätsgrad von 21% (anteilig 3,7%), für den
Bereich Einkaufen und weitere Besorgungen eine Arbeitsunfähigkeit/Invalidität von
10% (anteilig 0,5%), für den Bereich Wäsche und Kleiderpflege eine Arbeitsunfähigkeit
von 90% und eine Invalidität von 60% (anteilig 11,6%) und schliesslich für die Bereiche
Kinderbetreuung und Verschiedenes keine Einschränkungen. Die Invalidität im
Haushalt betrug insgesamt 37,4% (Arbeitsunfähigkeit 55,04%). Bei einem Anteil der
Haushaltarbeit von 29% entsprach das einem anteiligen Invaliditätsgrad von 10,9%.
Dr. D._ berichtete der IV-Stelle am 17. Dezember 2007 (IV-act. 36), es bestehe ein
dringender Verdacht auf eine Psoriasisarthritis. Ausserdem leide die Versicherte an
einer depressiven Episode/Anpassungsstörung. Aufgrund der Handgelenksschmerzen
bds., der diffusen Schmerzen und der depressiven Stimmungslage bestehe zur Zeit
keine wesentliche verwertbare Arbeitsfähigkeit. Möglicherweise werde sich das unter
Therapie mit Methotrexat ändern. Dr. med. F._, Fachassistenzarzt der Abteilung für
Rheumatologie am Kantonsspital St. Gallen berichtete der IV-Stelle am 21. Februar
2008 (IV-act. 40), seit der Beurteilung durch die Rehaklinik Bellikon seien zunehmend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
deutliche entzündliche Veränderungen im Bereich der Gelenke und Sehnen
aufgetreten, welche die Arbeitsfähigkeit zusätzlich einschränkten. Die aktuellen
therapeutischen Bemühungen seien darauf ausgerichtet, diese entzündlichen
Veränderungen unter Kontrolle zu bringen. Die chronischen Schmerzen im Bereich der
linken Hand und die chronischen, mechanisch ausgelösten Rückenschmerzen könnten
dadurch nicht beeinflusst werden. Reinigungsarbeiten seien an zwei bis drei Stunden
täglich mit einer um 50% reduzierten Leistung zumutbar. Dasselbe gelte für eine leichte
Erwerbstätigkeit. Bei gutem Verlauf der Therapie könne mittel- bis langfristig eine
ganztägige Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte Arbeiten mit voraussichtlich mässig
reduzierter Leistung erreicht werden. Dr. E._ vom RAD notierte am 12. März 2008,
die Verschlechterung sei etwa im August 2007 eingetreten (IV-act. 41). Dr. D._ gab
am 2. Juli 2008 an (IV-act. 44), die Arbeitsfähigkeit sei immer noch erheblich
eingeschränkt. Dr. F._ teilte am 7. Oktober 2008 mit (IV-act. 47), die
Arbeitsunfähigkeit sei unverändert.
A.c Die IV-Stelle beauftragte die MEDAS Ostschweiz mit einer polydisziplinären
Begutachtung (IV-act. 51). Dr. F._ berichtete am 11. November 2008 (IV-act. 52), die
Wahrscheinlichkeit für eine weitere Verbesserung des Gesundheitszustands und der
Arbeitsfähigkeit sei gering. Die Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz führten in
ihrem Gutachten vom 8. April 2009 aus (IV-act. 59), folgende arbeitsfähigkeitsrelevante
Diagnosen seien erhoben worden: Chronifiziertes panvertebrales und linksseitiges
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom und chronische Polyarthralgien (Handgelenk
linksbetont, PIP rechts, MTP I links, OSG bds.). Die Sachverständigen machten weiter
geltend, bei der Begutachtung habe die Versicherte einerseits über Polyarthralgien in
den Händen und Füssen und andererseits über ausgedehnte Beschwerden im Bereich
des gesamten Achsenskeletts sowie in den Oberschenkeln linksbetont geklagt. Seit
dem operativen Eingriff bezüglich der Scaphoidfraktur links bestünden chronische
persistierende Schmerzen im volaren radialen Handgelenksbereich links mit
schmerzhafter Bewegungseinschränkung. Die im Verlauf aufgetretenen Schmerzen im
Handgelenksbereich rechts und in den PIP nähmen wie die axialen Beschwerden
belastungsabhängig zu. Die medikamentöse Behandlung habe zu einer 20 bis
höchstens 30%igen Schmerzabnahme geführt. Insgesamt habe sich eine Diskrepanz
zwischen den von der Versicherten geschilderten Beschwerden und den
objektivierbaren klinischen Befunden gezeigt. Die Selbsteinschätzung der körperlichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Leistungsfähigkeit im PACT-Test habe weit unter der Belastungsgrenze für eine
körperlich leichte Tätigkeit gelegen. In den neu angefertigten konventionellen
Röntgenaufnahmen der Hände und der Füsse seien keine spezifischen
psoriasisarthritischen Veränderungen objektivierbar gewesen. Auch die konventionellen
Röntgenaufnahmen der HWS, BWS und LWS in zwei Ebenen hätten keine
Veränderungen gezeigt, die auf einen entzündlichen axialen Befall im Rahmen der
postulierten Psoriasis (Spond-) Arthropathie hingewiesen hätten. Beschrieben worden
seien eine Osteochondrose C5/6 mit ventraler Spondylose, Spondylarthrosen der
distalen HWS und des zervikothorakalen Übergangs, eine Spondylose im mittleren und
distalen BWS-Bereich, eine lumbale Spondylose und Osteochondrose L4/5, eine
Pseudospondylolisthesis L3/4 und Spondylarthrosen der mittleren und distalen LWS.
Aufgrund der festgestellten Zeichen eines nichtorganischen Krankheitsverhaltens sei
eine schlüssige Interpretation der von der Versicherten geschilderten multiplen
muskuloskelettalen Beschwerden erschwert. Die Verdachtsdiagnosen einer
Psoriasisarthritis und insbesondere einer beidseitigen Sacroileitis könnten weder
bestätigt noch widerlegt werden. Die im November 2007 festgestellten
sonographischen Veränderungen seien stark untersucherabhängig, weil sie einen
grossen Interpretationsspielraum böten. Die Signalveränderungen der
Sacroiliacalgelenke in der MRI-Untersuchung vom 5. Dezember 2007 liessen keine
klare Differenzierung zwischen degenerativen und arthritischen Veränderungen zu. Die
Beschwerden seien hartnäckig therapierefraktär sowohl auf die Basisbehandlung mit
Methotrexat als auch auf die Behandlung mit zwei verschiedenen TNF-Alphablockern
gewesen. In der aktuellen, eingehenden rheumatologischen Untersuchung hätten sich
keine entzündlichen Veränderungen gefunden, die auf eine floride periphere
Psoriasisarthritis oder auf einen aktuell entzündlichen Befall des Achsenskeletts
hingewiesen hätten. Auch eine Erhöhung der serologischen Parameter sei nicht fassbar
gewesen, was allerdings eine Psoriasis (Spond-) Arthritis nicht ausschliesse. Aufgrund
der Anamnese und der klinischen Befunde sei jedoch von einer Schmerzausweitung
auszugehen, deren Ursache organisch nicht adäquat begründet werden könne. Die
psychiatrische Abklärung habe eine Entwicklung körperlicher Symptome aus
psychischen Gründen ergeben, die aber keine Arbeitsunfähigkeit bewirke. In einer
körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne Heben und Tragen grösserer
Lasten und ohne repetitive oder kraftfordernde manuelle Tätigkeiten sei die Versicherte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
arbeitsfähig. Bei einem allfälligen Arbeitsversuch wäre die Versicherte aber geneigt,
aufgrund eines primären Krankheitsgewinns oder aufgrund des histrionischen
Verhaltens eine Arbeitsunfähigkeit vorzugeben. Nach dem Sturzereignis vom 10.
Oktober 2005 dürfte eine Arbeitsunfähigkeit von 100% bestanden haben. Die von der
Suva ermittelte Erwerbsunfähigkeit (Verfügung vom 9. August 2007) sei als adäquat zu
betrachten. Die Einschränkung im Haushalt betrage 20% bis höchstens 30%. Die
effektiv ermittelte Gesamteinschränkung von 37,4% dürfte höher ausgefallen sein, da
es sich um eine auf einer ausschliesslichen Befragung der Versicherten beruhende
Einschätzung gehandelt habe.
A.d Die IV-Stelle ermittelte für die Zeit ab dem 10. Oktober 2006 einen Invaliditätsgrad
von 100% (IV-act. 63). Für die Zeit ab 9. Juli 2007 stellte sie einen Lohn für 2008 von
Fr. 28'707.-- einem zumutbaren Invalideneinkommen als Hilfsarbeiterin von Fr.
36'960.-- gegenüber, so dass keine Invalidität bestand. Für den Haushalt ging sie von
einer Invalidität von 30% aus, was bei einem Haushaltanteil von 29% einen
Invaliditätsgrad von 8,7% ergab. Für die Zeit vom 10. Oktober 2006 bis zum 31. Juli
2007 addierte sie einen anteiligen Invaliditätsgrad von 71% im Erwerb (100% invalid
bei einem Erwerbsanteil von 71%) mit einem anteiligen Invaliditätsgrad im Haushalt von
9%, was einen Gesamtinvaliditätsgrad von aufgerundet 80% ergab. Für die Zeit ab
1. August 2007 betrug der Gesamtinvaliditätsgrad aufgerundet 9%. Mit einem
Vorbescheid vom 14. Oktober 2009 kündigte die IV-Stelle der Versicherten die
Zusprache einer ganzen Invalidenrente für die Periode Oktober 2006 bis und mit Juli
2007 an (IV-act. 67). Die Versicherte liess am 16. November 2008 sinngemäss
beantragen (IV-act. 71), es sei ihr ab dem 1. Oktober 2006 auf unbestimmte Zeit eine
ganze Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 80% zuzusprechen und es seien
weitere Abklärungen bezüglich der Psoriasisarthropathie in die Wege zu leiten. Zur
Begründung wurde geltend gemacht, für den Haushaltbereich müsse der im
Abklärungsbericht angegebene Invaliditätsgrad von 37,4% massgebend sein. Im
Gutachten der MEDAS sei die Diagnose einer Psoriasisarthropathie weder bestätigt
noch mit Sicherheit widerlegt worden. Es sei durchaus möglich, dass eine
Arbeitsunfähigkeit bestehen könnte. Deshalb müsse noch einmal geprüft werden, ob
diese Verdachtsdiagnose bestätigt werden könne oder nicht. Dr. E._ vom RAD hielt
am 25. November 2009 gestützt auf einen Bericht des Kantonsspitals St. Gallen fest
(IV-act. 72, 73), der Verlauf der gesundheitlichen Entwicklung nach der Begutachtung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
habe die Diagnose einer Psoriasisarthritis immer unwahrscheinlicher werden lassen.
Die Versicherte liess am 11. Dezember 2009 geltend machen (IV-act. 75), dass sich die
Frage stelle, warum die Diagnose einer Psoriasisarthritis nicht geändert worden sei,
wenn sie doch gar nicht richtig sei. Es seien sowohl in somatischer als auch in
psychiatrischer Hinsicht weitere Abklärungen vorzunehmen. Am 29. April 2010 sprach
die IV-Stelle der Versicherten für die Periode Oktober 2006 bis Juli 2007 eine ganze
Invalidenrente zu. Für die Zeit ab August 2007 verneinte sie einen Rentenanspruch der
Versicherten (IV-act. 80).
B.
B.a Die Versicherte liess am 3. Juni 2010 Beschwerde erheben und sinngemäss die
Zusprache einer ganzen Invalidenrente über den 31. Juli 2007 hinaus beantragen;
eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, weitere medizinische
Abklärungen betreffend den Arbeitsfähigkeitsgrad in die Wege zu leiten (act. G 1). Zur
Begründung führte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin aus, der behandelnde
Psychiater habe in seinem Bericht vom 29. Mai 2010 angegeben, die
Beschwerdeführerin sei auf die Einnahme von Antidepressiva angewiesen, ein
Kuraufenthalt wäre sinnvoll. Auch das Kantonsspital St. Gallen habe schon früher eine
psychiatrische Betreuung vorgeschlagen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
zog daraus den Schluss, dass die Auffassung des psychiatrischen Sachverständigen
der MEDAS, aus der Sicht seines Fachgebiets bestehe keine Arbeitsunfähigkeit, nicht
überzeuge. Der Abklärungsbericht Haushalt zeige, dass die Beschwerdeführerin unter
Dauerbeschwerden leide, die durchaus Auswirkungen auf die psychische Gesundheit
haben könnten. Die psychiatrische Begutachtung sei deshalb nicht schlüssig. In Bezug
auf die mögliche entzündliche rheumatische Erkrankung habe sich die
Beschwerdegegnerin auf einen unvollständig festgestellten Sachverhalt gestützt. Sie
sei deshalb gerichtlich zu verpflichten, weitere medizinische Abklärungen in die Wege
zu leiten.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 11. August 2010 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Sie machte insbesondere geltend, der Bericht des
behandelnden Psychiaters eigne sich nicht, um das psychiatrische Gutachten in Frage
zu stellen. Die Einnahme von Medikamenten und der Antrag auf einen Kuraufenthalt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
besage nichts über die Auswirkungen des Gesundheitsschadens auf die
Arbeitsfähigkeit. Die Verdachtsdiagnose einer Psoriasisarthritis sei hinlänglich
abgeklärt, denn Dr. E._ vom RAD habe den Verlauf nach der Begutachtung als
überzeugendes Indiz für die Richtigkeit der gutachterlichen Einschätzung gewürdigt.
B.c Die Beschwerdeführerin liess am 6. September 2010 u.a. einwenden (act. G 6),
dass die Verdachtsdiagnose der Psoriasisarthritis trotz der Beurteilung durch Dr. E._
nicht genügend geklärt sei, so dass tatsächlich eine Verletzung der
Untersuchungspflicht vorliege.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 22. September 2010 auf eine
Stellungnahme (act. G 8).

Erwägungen:
1.
Anspruch auf eine Invalidenrente hat, wer zu mindestens 40% invalid ist (Art. 28 Abs. 2
IVG). Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Bei nichterwerbstätigen Versicherten
im Sinne von Art. 5 Abs. 1 IVG – so namentlich bei im Haushalt tätigen Personen – wird
hingegen für die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in welchem Mass eine
Behinderung besteht, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2
IVG). Bei einer versicherten Person, die nur zum Teil erwerbstätig wäre, wird die
Invalidität diesbezüglich nach Art. 16 ATSG festgelegt. Wäre die versicherte Person
daneben in einem Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind die Anteile der Erwerbstätigkeit und
der Tätigkeit im anderen Aufgabenbereich festzustellen und der Invaliditätsgrad ist
entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG).
Diese Art der Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss als gemischte Methode
bezeichnet. Anlässlich der Haushaltabklärung vom 20. November 2007 hat die
Beschwerdeführerin angegeben, sie ginge weiterhin zu 70% ihrer bisherigen Tätigkeit
als Reinigungsangestellte nach, wenn sie gesund wäre. Insbesondere aufgrund der
familiären und der finanziellen Situation ist diese Aussage als überzeugend zu werten.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Beschwerdegegnerin hat deshalb zu Recht die gemischte Methode der
Invaliditätsbemessung zur Anwendung gebracht, wobei sie aufgrund der konkreten
Beschäftigungsdauer der Beschwerdeführerin vor dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
von einem Erwerbsanteil von 71% und dementsprechend von einem Haushaltanteil von
29% ausgegangen ist.
1.1 Gemäss Art. 16 ATSG ist zur Bemessung des Invaliditätsgrades das Einkommen,
das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung
der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum Erwerbseinkommen, das sie
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Das
ausschlaggebende Element der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens -
und damit indirekt des Invaliditätsgrades - ist in aller Regel der Grad der verbliebenen
Arbeitsfähigkeit. Die Beschwerdegegnerin hat auf die im Gutachten der MEDAS
angegebene Arbeitsunfähigkeit abgestellt. Demgemäss war die Beschwerdeführerin
vom 10. Oktober 2005 bis zum Austritt aus der Rehaklinik Bellikon am 4. Juli 2007 zu
100% arbeitsunfähig für jegliche Art von Erwerbstätigkeit. Seither ist sie für eine der
Behinderung angepasste Erwerbstätigkeit zu 100% arbeitsfähig. Dr. B._ hat
allerdings bereits am 13. April 2007 eine
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Erwerbstätigkeit von 50% angegeben. Die
Gesundheitsbeeinträchtigung hat bis zum Klinikaustritt aus den Folgen der (operierten)
Scaphoidfraktur und aus den Rückenbeschwerden bestanden. Erst anschliessend ist
ein Verdacht auf eine Psoriasisarthritis diagnostiziert worden. Dr. D._ und Dr. F._
haben am 17. Dezember 2007 bzw. 21. Februar 2008 übereinstimmend angegeben,
der Gesundheitszustand unter Einbezug des Verdachts auf eine Psoriasisarthritis habe
eine (nahezu) vollständige Arbeitsunfähigkeit zur Folge. Auch Dr. E._ hat am 12. März
2008 von einer Verschlechterung des Gesundheitszustands gesprochen. Es ist zwar
durchwegs nur von einem Verdacht auf eine Psoriasisarthritis gesprochen worden, die
Therapie war aber eindeutig auf diese Krankheit ausgerichtet und die behandelnden
Ärzte Dr. D._ und Dr. F._ dürften davon ausgegangen sein, dass diese Krankheit
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die Ursache eines erheblichen Teils der
geklagten Beschwerden sei und dass sie eine Arbeitsunfähigkeit bewirke. Dr. F._ hat
die Beschwerdeführerin nicht nur mittels bildgebender Verfahren, sondern auch klinisch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gründlich untersucht. Der entsprechende Bericht vom 21. Februar 2008 zeigt, dass
diese Untersuchung ausschliesslich therapeutischen Zwecken gedient hat. Es fehlt
jedes Indiz dafür, dass Dr. F._ versucht hätte, eine allfällige Abweichung zwischen
den geklagten Beschwerden und dem objektiv bestehenden Gesundheitszustand (im
Sinn einer organisch nicht erklärbaren Schmerzausweitung) festzustellen. Seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung (0%) hat also nur auf der Diagnose eines Verdachts auf eine
Psoriasisarthritis beruht. Demgegenüber hat der rheumatologische Sachverständige
der MEDAS nicht nur untersucht, ob tatsächlich eine Psoriasisarthritis vorliege, sondern
auch, ob sich die geklagten Beschwerden objektivieren liessen. In bezug auf die
Diagnose ist er nicht weiter gekommen als die behandelnden Ärzte, d.h. er hat den
Verdacht auf eine Psoriasisarthritis weder bestätigen noch definitiv widerlegen können.
In bezug auf die geklagten Beschwerden hingegen ist ihm der Nachweis gelungen,
dass die Beschwerdeführerin in einem teilweise erheblichen Ausmass Beschwerden
angegeben hat, die objektiv nicht oder nur in deutlich geringerer Stärke bestanden
haben können. Selbst wenn die Beschwerdeführerin also an einer Psoriasisarthritis
leiden sollte, sind die daraus (sowie aus den weiteren Gesundheitsbeeinträchtigungen)
resultierenden Beschwerden nicht geeignet, für eine behinderungsadaptierte
Erwerbstätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Entgegen der Auffassung des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin hängt die Überzeugungskraft der
Arbeitsfähigkeitsschätzung also nicht vom definitiven Nachweis des Bestehens einer
Psoriasisarthritis ab. Damit erübrigen sich diesbezüglich weitere medizinische
Abklärungen. Es kann offen bleiben, ob eine definitive Diagnose gestellt werden könnte
oder ob in antizipierender Beweiswürdigung davon auszugehen wäre, dass eine
definitive Diagnosestellung aufgrund der Besonderheit des Einzelfalls objektiv gar nicht
möglich sei. Es genügt, wenn gestützt auf die bildgebenden Verfahren und die klinische
Untersuchung durch den rheumatologischen Sachverständigen der MEDAS mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Arbeitsfähigkeit
in einer behinderungsadaptierten Tätigkeit geschlossen werden kann. Sowohl in der
psychiatrischen Begutachtung als auch in den Ausführungen des behandelnden
Psychiaters fehlen Hinweise darauf, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung (aus rein
psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit) falsch sein könnte. Da
sowohl die rheumatologische als auch die psychiatrische Abklärung alle Anforderungen
erfüllt hat, die an eine Begutachtung zu stellen sind, ist das erforderliche Beweismass
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erfüllt: Ab dem Begutachtungszeitpunkt besteht also eine Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit von 100%. Der rheumatologische Sachverständige hat auch für
die Zeit vor der Begutachtung eine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben. Die
Beschwerdeführerin soll bis zum Austritt aus der Rehaklinik Bellikon auch für eine
adaptierte Erwerbstätigkeit zu 100% arbeitsunfähig, für die Zeit ab dem Austritt dann
aber zu 100% arbeitsfähig gewesen sein. Die Beschwerdeführerin ist am 4. Juli 2007
ausgetreten. Im Bericht der Rehaklinik Bellikon ist für eine adaptierte Tätigkeit ebenfalls
eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit angegeben worden. Dr. B._ hat allerdings
schon einige Monate früher, nämlich am 13. April 2007, eine Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit von 50% angegeben. Diese Einschätzung ist dem
rheumatologischen Sachverständigen der MEDAS bekannt gewesen. Dass er sie nicht
übernommen hat, lässt darauf schliessen, dass er sie als medizinisch nicht plausibel
qualifiziert hat. Demnach ist sie als nicht überwiegend wahrscheinlich richtig zu
betrachten. Der psychiatrische Sachverständige hat darauf hingewiesen, dass auch
anlässlich der stationären Rehabilitation in Bellikon keine arbeitsfähigkeitsrelevante
Einschränkung der psychischen Gesundheit festgestellt worden sei. Daraus hat er wohl
den Schluss gezogen, dass aus der Sicht seines Sachgebiets nie eine
Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Zusammenfassend ist bis und mit Juli 2007 von
einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit und für die Zeit ab August 2007 von einer
100%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Erwerbstätigkeit auszugehen. Da sich
die erwerbliche Leistungsfähigkeit ohne und mit Behinderung nach einer
durchschnittlichen Hilfsarbeit richtet, kann der Einkommensvergleich in der Form eines
Prozentvergleichs erfolgen. Die Erwerbsquote beläuft sich auf 71%. In die gemischte
Invaliditätsbemessung ist deshalb bis und mit Juli 2007 ein anteiliger Invaliditätsgrad im
Erwerb von 71% einzusetzen. Für die Zeit ab August 2007 beträgt der anteilige
Invaliditätsgrad im Erwerb 0%.
1.2 Die Invaliditätsbemessung für den Haushalt erfolgt mittels eines
Betätigungsvergleichs. Dabei wird untersucht, inwieweit die versicherte Person den
einzelnen hauswirtschaftlichen Aufgaben noch gewachsen ist. Eine Arbeitsunfähigkeit
liegt nicht nur dann vor, wenn eine bestimmte Aufgabe behinderungsbedingt gar nicht
mehr erfüllt werden kann, sondern auch wenn die versicherte Person bei der
Ausführung verlangsamt ist (vgl. Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, bearbeitet von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ulrich Meyer, 2. A., S. 333 ff.). Besteht eine Schadenminderungspflicht in der Form der
Mithilfe von Familienangehörigen, so liegt der Invaliditätsgrad im Ausmass der
zumutbaren Mithilfe unter dem Arbeitsunfähigkeitsgrad. Im vorliegenden Fall hat die
Haushaltabklärung einen Invaliditätsgrad von 37,4% ergeben. Der
Arbeitsunfähigkeitsgrad war mit über 50% noch deutlich höher. Nun hat diese
Abklärung aber nur auf den Selbstangaben der Beschwerdeführerin beruht. Die
berichterstattende Abklärungsperson hat deshalb darauf hingewiesen, dass
nachträglich noch medizinisch beurteilt werden müsse, ob das Resultat der Abklärung
nachvollziehbar sei. Die Sachverständigen der MEDAS haben eine Arbeitsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin im Haushalt von 20% bis maximal 30% angegeben. Die
Beschwerdegegnerin hat ohne weiteres den Wert von 30% übernommen. Das ist
grundsätzlich richtig gewesen, weil die Selbstangaben der Beschwerdeführerin
tatsächlich medizinisch nicht plausibel waren. Sie beruhten nämlich auf einer organisch
nicht begründeten Schmerzausweitung und entsprachen deshalb nicht dem objektiven
Ausmass der Beschwerden. Nicht zulässig war allerdings, den Wert von 30% als
massgebend zu betrachten, da gemäss der höchstrichterlichen Praxis bei
Bandbreitenangaben zur Arbeitsunfähigkeit immer der Mittelwert der plausibelste sein
soll. Massgebend ist also ein Arbeitsunfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin im
Haushalt von 25%. Damit ist allerdings der Schadenminderungspflicht noch nicht
Rechnung getragen. Diese hat im Rahmen der Haushaltabklärung bewirkt, dass der
Invaliditätsgrad um mehr als 10% tiefer gewesen ist als der Arbeitsunfähigkeitsgrad.
Das deutet darauf hin, dass es den Familienangehörigen der Beschwerdeführerin
zumutbar wäre, annähernd die Hälfte der Einschränkung von 25% zu kompensieren.
Eine genauere Abklärung kann unterbleiben, da selbst bei einem Invaliditätsgrad im
Haushalt von 25% keine rentenrelevante anteilige Invalidität (bei einem Haushaltanteil
von 29% nämlich nur 7,25%) resultiert. Zusammen mit dem anteiligen Invaliditätsgrad
aus dem Erwerb von 71% liegt der Gesamtinvaliditätsgrad für die Zeit vom Oktober
2005 bis Juli 2007 auf jeden Fall über der Grenze für einen Anspruch auf eine ganze
Rente (70% gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG). Bei einem anteiligen Invaliditätsgrad im Erwerb
von 0% ab Juli 2007 ist die Untergrenze für die Entstehung eines Rentenanspruchs
(40% gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG) auch bei voller Anrechnung der anteiligen Invalidität
im Haushalt (7,25%) offensichtlich nicht erreicht.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.3 Der Anspruch auf eine Invalidenrente kann frühestens mit der Absolvierung des
sogenannten Wartejahres (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) und frühestens nach Ablauf von
sechs Monaten seit der Anmeldung zum Leistungsbezug (Art. 29 Abs. 1 IVG)
entstehen. Die zweitgenannte Voraussetzung gilt allerdings nur für jene Fälle, in denen
der Versicherungsfall nach dem Inkrafttreten der aktuellen Fassung des Art. 29 Abs. 1
IVG am 1. Januar 2008 (5. IV-Revision) eingetreten ist (vgl. die IV-Rundschreiben Nr.
253 und Nr. 300 des Bundesamtes für Sozialversicherungen). Die Beschwerdeführerin
hat am 10. Oktober 2006 das Wartejahr erfüllt, d.h. ihr Versicherungsfall hat sich vor
dem Inkrafttreten der 5. IV-Revision verwirklicht. Deshalb ist nicht das Datum der
Anmeldung (19. März 2007), sondern das Datum der Erfüllung des Wartejahres
massgebend (aArt. 29 Abs. 1lit. b IVG). Der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente ist
somit am 1. Oktober 2006 entstanden, da die Beschwerdeführerin ab dem 10. Oktober
2005 in ihrer angestammten Tätigkeit als Reinigerin zu 100% arbeitsunfähig und ab 10.
Oktober 2006 zu über 70% invalid gewesen ist. Der Invaliditätsgrad ist im Juli 2007 auf
weniger als 40% gesunken. In analoger Anwendung der Rentenrevisionsbestimmungen
(Art. 17 Abs. 1 ATSG, Art. 88a Abs. 1 IVV) endet der Rentenanspruch nach dem Ablauf
von drei Monaten seit der massgebenden Veränderung des Invaliditätsgrades, also am
31. Oktober 2007.
2.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin für die Periode
1. Oktober 2006 bis 31. Oktober 2007 einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente
hat; ab 1. November 2007 besteht kein Anspruch mehr auf eine Invalidenrente. Die
Beschwerde ist deshalb teilweise gutzuheissen. Dieser Verfahrensausgang rechtfertigt
aber keine volle Parteientschädigung, weil der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
seine Begründung auf einer Argumentation aufgebaut hat, die nichts mit dem Grund für
die teilweise Korrektur der angefochtenen Verfügung zu tun gehabt hat. Er hat nämlich
zur Hauptsache die Sachverhaltsermittlung als unvollständig/unrichtig bezeichnet. Das
Gericht hat die Sachverhaltsermittlung aber als vollständig und korrekt qualifiziert. Die
Beschwerdegegnerin kann nicht verpflichtet werden, einen Vertretungsaufwand zu
entschädigen, der nichts zum teilweisen Obsiegen beigetragen hat, denn dies würde
sich mit dem Charakter der Parteientschädigung als Haftpflichtnorm im weitesten Sinn
und dem daraus abgeleiteten Unterliegerprinzip (vgl. M. Bernet, Die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Parteientschädigung in der schweizerischen Verwaltungsrechtspflege, Diss. ZH 1986,
S. 134 ff.) nicht in Übereinstimmung bringen lassen. Zu entschädigen ist also nur
derjenige Vertretungsaufwand, der unverzichtbar gewesen ist. Dazu gehören
insbesondere das Aktenstudium, eine allfällige Besprechung mit der
Beschwerdeführerin und die Formalien (Erstellung der Beschwerdeschrift usw.). Dieser
Vertretungsaufwand rechtfertigt ermessensweise eine Parteientschädigung von Fr.
2'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer). Das Beschwerdeverfahren in IV-
Sachen ist kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr richtet sich nach dem
Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Die nicht massgebenden Ausführungen des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin haben zwar einen gewissen
Verfahrensaufwand verursacht. Dieser erweist sich aber im Vergleich zum übrigen
Verfahrensaufwand als minimal. Deshalb kann auf eine Aufteilung der Gerichtsgebühr
verzichtet werden. Die Beschwerdegegnerin hat somit für die gesamten
Verfahrenskosten aufzukommen. Die Gerichtsgebühr ist ausgehend vom
durchschnittlichen Verfahrensaufwand praxisgemäss auf Fr. 600.-- festzusetzen. Der in
gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird der Beschwerdeführerin
zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP