Decision ID: 1e04e14e-a89c-432d-935b-755f4b01c575
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Freiheitsberaubung etc. Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen vom 18. März 2014 (GG120018)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 25. Juni 2012
ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 24).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte B._ ist nicht schuldig und wird freigesprochen.
2. Der Beschuldigte C._ ist nicht schuldig und wird freigesprochen.
3. Der Beschuldigte D._ ist nicht schuldig und wird freigesprochen.
4. Die Genugtuungsklage des Privatklägers wird abgewiesen.
5. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten werden auf die
Gerichtskasse genommen.
6. Dem Beschuldigten B._ wird eine Prozessentschädigung von
Fr. 22'750.– (zzgl. 8 % MWSt) für anwaltliche Verteidigung aus der Gerichts-
kasse zugesprochen.
7. Dem Beschuldigten C._ wird eine Prozessentschädigung von
Fr. 17'000.– (zzgl. 8 % MWSt) für anwaltliche Verteidigung aus der Gerichts-
kasse zugesprochen.
8. Dem Beschuldigten D._ wird eine Prozessentschädigung von
Fr. 10'875.– (zzgl. 8 % MWSt) für anwaltliche Verteidigung aus der Gerichts-
kasse zugesprochen.
9. Dem Privatkläger werden keine Entschädigungen zugesprochen.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten B._:
(Urk. 105 S. 2)
1. Für die Untersuchung und das erstinstanzliche Verfahren sei dem Be-
schuldigten B._ eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 27'300.–
(inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
2. Im Übrigen sei das erstinstanzliche Urteil zu bestätigen.
3. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Privatkläger aufzuer-
legen.
4. Für die entstandenen Anwaltskosten im Berufungsverfahren sei der
Beschuldigte B._ vollumfänglich zu entschädigen.
b) Der Verteidigung/Vertretung des Beschuldigten und Privatklägers C._:
(Urk. 103 S. 1)
1. Betreffend Verfahren SB140332:
1.1. Die Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Horgen vom
18. März 2014 sei vollumfänglich abzuweisen.
1.2. Die Kosten des Verfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen.
1.3. Es sei dem Beschuldigten für das Berufungsverfahren eine angemes-
sene Entschädigung für die Anwaltskosten auszurichten.
2. Betreffend Verfahren SB140334:
2.1. Ziff. 1 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Horgen, Einzel-
gericht, vom 18. März 2014 (Geschäfts-Nr. GG130008) sei aufzuheben
und der Beschuldigte A._ schuldig zu sprechen.
2.2. Ziff. 3 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Horgen, Einzel-
gericht, vom 18. März 2014 (Geschäfts-Nr. GG130008) sei aufzuheben
und die Kosten dem Beschuldigten aufzuerlegen.
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2.3. Ziff. 4 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Horgen, Einzel-
gericht, vom 18. März 2014 (Geschäfts-Nr. GG130008) sei aufzuhe-
ben.
2.4. Ziff. 5 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Horgen, Einzel-
gericht, vom 18. März 2014 (Geschäfts-Nr. GG130008) sei aufzuheben
und dem Privatkläger eine angemessene Entschädigung zuzuspre-
chen.
c) Der Verteidigung des Beschuldigten D._:
(Urk. 106 S. 1)
1. Die Berufung sei abzuweisen.
2. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Freiheitsberaubung und des
Amtsmissbrauchs freizusprechen.
3. Es sei dem Beschuldigten für die entstandenen Anwaltskosten eine
Entschädigung zuzusprechen.
4. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Privatkläger aufzuer-
legen.
d) Der Verteidigung/Vertretung des Beschuldigten und Privatklägers A._:
(Urk. 101 S. 1 ff.)
A. Zum Verfahren gegen die Beschuldigten B._, C._ und
D._
1. Es seien die Beschuldigten B._, C._ und D._ im Sinne
der Anklage der Freiheitsberaubung etc. schuldig zu sprechen und zu
bestrafen.
2. Es sei das Kosten- und Entschädigungsdispositiv des erstinstanzlichen
Entscheides entsprechend dem Ausgang neu zu formulieren.
Insbesondere seien die vor erster Instanz geltend gemachten Kosten
der Geschädigtenvertretung den Beschuldigten aufzuerlegen.
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3. Die Kosten des heutigen Verfahrens seien ausgangsgemäss den Be-
schuldigten aufzuerlegen.
4. Die Beschuldigten seien zu verpflichten, dem Geschädigten die im
Kontext des Berufungsverfahrens entstandenen Anwaltskosten zu er-
setzen.
5. Die Beschuldigten seien weiter zu verpflichten, meinem Klienten und
Geschädigten eine vom Gericht nach Ermessen zu bestimmende Um-
triebsentschädigung zu bezahlen.
B. Zum Verfahren gegen den Beschuldigten A._
1. Mein Klient A._ sei vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen
Beamte frei zu sprechen.
2. Das vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv sei zu be-
stätigen.
3. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Kläger C._ auf-
zuerlegen.
4. Der Kläger C._ sei zu verpflichten, die Kosten der Verteidigung
des Beschuldigten A._ zu ersetzen.
5. Der Kläger sei weiter zu verpflichten, dem Beschuldigten eine vom Ge-
richt nach Ermessen zu bestimmende Umtriebsentschädigung zu be-
zahlen.

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1. Die Beschuldigten B._, C._ und D._ wurden mit Urteil des
Bezirksgerichts Horgen, Einzelgericht, vom 18. März 2014 von den Vorwürfen der
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Freiheitsberaubung und des Amtsmissbrauchs freigesprochen. Die Genugtuungs-
klage des Privatklägers wurde abgewiesen, und es wurden ihm keine Entschädi-
gungen zugesprochen. Dem Beschuldigten B._ wurde eine Prozessentschä-
digung von Fr. 22'750.–, dem Beschuldigten C._ eine solche von
Fr. 17'000.– und dem Beschuldigten D._ eine solche von Fr. 10'875.–, je zu-
züglich 8 % MWSt, für anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugespro-
chen (Urk. 79 S. 41 f.).
2. Das vorinstanzliche Urteil vom 18. März 2014 wurde am 20. März 2014
mündlich eröffnet, den Beschuldigten und dem Privatkläger als unbegründetes Ur-
teil übergeben und der Staatsanwaltschaft am 21. März 2014 zugestellt. Der Pri-
vatkläger liess vor Schranken Berufung erklären (Prot. I S. 50, Urk. 70 f.). Mit Ein-
gabe vom 21. März 2014 bestätigte der Rechtsvertreter des Privatklägers die am
Vortag mündlich angemeldete Berufung schriftlich (Urk. 72). Das begründete Ur-
teil wurde der Staatsanwaltschaft und den Beschuldigten B._ und D._
am 14. Juli 2014, dem Privatkläger am 16. Juli 2014 und dem Beschuldigten
C._ am 19. Juli 2014 zugestellt (Urk. 77/1-5). Mit Eingabe vom 23. Juli 2014
reichte der Rechtsvertreter des Privatklägers fristgerecht die Berufungserklärung
ein, womit das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich angefochten wurde. Dabei
beantragte der Privatkläger, die Beschuldigten seien im Sinne der Anklage schul-
dig zu sprechen und angemessen zu bestrafen. Beweisanträge wurden vorbehal-
ten (Urk. 80/1). Mit Eingabe vom 12. August 2014 liess einzig der Beschuldigte
B._ rechtzeitig Anschlussberufung erheben, welche er auf die Höhe der zu-
gesprochenen Prozessentschädigung (Dispositivziffer 6 des vorinstanzlichen Ur-
teils) beschränkte (Urk. 84; Urk. 85/1; Urk. 87). Die Staatsanwaltschaft verzichtete
ausdrücklich auf Anschlussberufung (Urk. 86). Beweisergänzungen wurden keine
beantragt. Mit Eingabe vom 12. August 2014 reichte der Beschuldigte C._
das Datenerfassungsblatt samt Beilagen zu seinen wirtschaftlichen Verhältnissen
ein (Urk. 88 f.). Mit Eingabe vom 18. August 2014 reichte der Beschuldigte
D._ das Datenerfassungsblatt samt Beilagen zu seinen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen ein (Urk. 90 f.). Schliesslich liess der Beschuldigte B._ mit Einga-
be vom 23. August 2014 Unterlagen über seine wirtschaftlichen Verhältnisse ein-
reichen (Urk. 92/1-4).
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3. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in
Rechtskraft (Schmid, StPO Praxiskommentar, 2. Auflage 2013, N 1 zu Art. 402
StPO; Art. 437 StPO). Da der Privatkläger seine Berufung nicht beschränkte
(Urk. 80/1 S. 3), ist keine Dispositivziffer des vorinstanzlichen Urteils in Rechts-
kraft erwachsen.
4. Die Verfahren SB140332 und SB140334 wurden heute gleichzeitig ver-
handelt. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung liessen die Parteien die
eingangs erwähnten Anträge stellen.
5. Mit Beschluss vom 31. August 2010 hatte die Anklagekammer des Ober-
gerichts des Kantons Zürich eine Strafuntersuchung gegen die Beschuldigten
B._ und C._ im Zusammenhang mit den vorliegenden Vorwürfen eröff-
net. Und mit Beschluss der III. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich
vom 30. September 2011 wurde der Staatsanwaltschaft ebenso die Ermächtigung
zur Strafverfolgung des Beschuldigten D._ erteilt (Urk. 10/2; Urk. 10/4
S. 2 f.).
6. Als Privatklägerschaft gilt nach Art. 118 Abs. 1 StPO die geschädigte Per-
son, die ausdrücklich erklärt, sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilklägerin
bzw. -kläger zu beteiligen (vgl. Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO). Der Privatkläger liess
am 30. Juli 2010 Strafanzeige gegen die am 7. April 2010 involvierten Polizeibe-
amten einreichen (Urk. 2). Damit kommt ihm ohne Weiteres die prozessuale Stel-
lung eines Privatklägers zu.
II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Den gegen die Beschuldigten erhobenen Tatvorwürfen liegt im Wesentli-
chen folgender Anklagesachverhalt zu Grunde: Am 7. April 2010 ca. um 14.15
Uhr habe der Beschuldigte B._, nachdem der vom Privatkläger in dessen
Reitanlage, ... [Adresse], beschäftigte Pferdepfleger E._ aus Polen keine Ar-
beitsbewilligung habe vorweisen können, den Privatkläger in dessen ...Büro
"F._" in G._ angerufen und verlangt, dieser solle sofort in die ... [Adres-
se der Reitanlage] kommen. Dort befinde sich ein Mitarbeiter ohne Bewilligung.
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Der Privatkläger habe entgegnet, er sei derzeit unabkömmlich in einer Bespre-
chung, sei aber ca. in einer Stunde wieder frei und könne dann kommen. Ausser-
dem besitze der polnische Mitarbeiter eine gültige Bewilligung und arbeite seit
dem Vortag dort. Drei bis vier Minuten nach diesem Telefonat seien die Beschul-
digten C._ und D._ beim ...Büro in G._ eingetroffen und hätten
sich durch den Mitarbeiter H._ ins Büro des Privatklägers im 2. Oberge-
schoss führen lassen, wo dieser mit I._ in einer Besprechung gewesen sei.
Die beiden Beschuldigten C._ und D._ hätten sich als Polizeibeamte
vorgestellt, und der Beschuldigte C._ habe den Privatkläger mehrfach aufge-
fordert, sie freiwillig für eine Befragung nach Urdorf zu begleiten, was dieser ab-
gelehnt habe, da er in einer Besprechung sei und deshalb erst anschliessend, ca.
in einer halben Stunde, kommen könne. Die Arbeitsbewilligung des Polen befinde
sich im Büro in den Unterlagen seiner Ehefrau, welche innerhalb der nächsten
Minuten erscheine und die Bewilligung vorweisen könne. Er kenne sich im Abla-
gesystem seiner Ehefrau nicht aus. Nach einem Telefonat des Beschuldigten
C._ mit dem Einsatzleiter, dem Beschuldigten B._, über die im ...-Büro
angetroffene Situation und die Weigerung des Privatklägers freiwillig mitzukom-
men sowie einer daraufhin ausgesprochenen letzten erfolglosen Aufforderung, die
beiden Polizeibeamten freiwillig zu begleiten, hätten die Beschuldigten C._
und D._ den am Tisch sitzenden Privatkläger unvermittelt grob gepackt und
Handschellen angelegt, welche sie sehr eng angezogen hätten, so dass dieser
Schürfungen und Kontusionen an den Handgelenken erlitten habe. Dabei sei der
Besprechungstisch um einen halben Meter verschoben, die Tischplatte zerkratzt
und die darauf liegenden Pläne zerknittert worden. Anschliessend hätten die bei-
den Beschuldigten den Privatkläger abgeführt, durchs Treppenhaus nach unten
ins Polizeifahrzeug bugsiert und nach Urdorf gebracht.
1.1. Die nur wenig später im ...-Büro eingetroffene Ehefrau des Privatklä-
gers sei von den Mitarbeitern und von I._ über das Vorgefallene orientiert
worden, worauf sie die Zusicherung der Aufenthaltsbewilligung des Migrationsam-
tes des Kantons Luzern für E._ vom 22. Januar 2010 mit einer Gültigkeits-
dauer bis 30. Juni 2010 aus der Ablage im Büro hervorgeholt und nach einem
kurzen Telefonat mit dem Privatkläger an die Polizeidienststelle gefaxt habe.
Nach dem Eintreffen dieses Dokumentes sowie nach den vom Beschuldigten
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B._ im Anschluss an die Verhaftung des Polen parallel dazu durchgeführten
telefonischen Abklärungen bei verschiedenen kantonalen Migrationsämtern seien
der Privatkläger und E._ um 15.35 Uhr wieder aus dem Polizeigewahrsam
entlassen worden.
1.2. Da mit der Verhaftung des Polen keine Kollusionsgefahr mehr vorgele-
gen habe, sei die vorläufige Festnahme des Privatklägers nicht mehr gerechtfer-
tigt gewesen. Stattdessen hätte es gereicht, das Ende der Sitzung des Privatklä-
gers oder die Ankunft von dessen Ehefrau, welche Kenntnis über den Aufbewah-
rungsort der Bewilligung gehabt habe, abzuwarten und dem Privatkläger die Mög-
lichkeit einzuräumen, die tatsächlich vorhandene Bewilligung vorzuweisen.
1.3. Die durch den Beschuldigten B._ als Einsatzleiter angeordnete
umgehende Festnahme des Privatklägers sowie die durch die Beschuldigten
C._ und D._ in der Folge durchgeführte gewaltsame Verhaftung sei da-
her ohne ausreichende gesetzliche Grundlage, mithin widerrechtlich erfolgt oder
zumindest unverhältnismässig gewesen. Der Freiheitsentzug habe von 14.45 Uhr
bis 15.35 Uhr gedauert uns sei daher über ein kurzfristiges, vorübergehendes
Festhalten deutlich hinausgegangen, was die drei Beschuldigten gewusst und
gewollt hätten. Diese hätten die ihnen als Polizeifunktionäre verliehenen Machtbe-
fugnisse wissentlich und willentlich unrechtmässig angewendet, indem sie kraft ih-
res Amtes Zwang ausgeübt und in Grundfreiheiten eingegriffen hätten, ohne dass
die gesetzlich notwendigen Voraussetzungen dafür gegeben gewesen wären.
Durch die unter den gegebenen Umständen nicht mehr angemessene Festnahme
sei der Privatkläger in seiner Menschenwürde und Persönlichkeit verletzt worden
(Urk. 24 S. 2 ff.).
2. Die Beschuldigten haben den äusseren Ablauf der im Anklagesachverhalt
festgehaltenen Geschehnisse anerkannt, bestreiten indessen ein unrechtmässi-
ges Vorgehen und stellen wesentliche Details der Geschehnisse anders dar
(Urk. 4/1; Urk. 4/2 f.; Urk. 4/4; Urk. 7/1 –3; Prot. I S. 13 ff., 29 ff. und 26 ff.).
An dieser Darstellung hielten die Beschuldigten auch anlässlich der Beru-
fungsverhandlung fest (Prot. II S. 10 und S. 16 ff.). Der Beschuldigte C._
führte aus, von einem Mitarbeiter des Privatklägers in dessen Sitzungszimmer ge-
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führt worden zu sein. Dort habe er den Privatkläger aufgefordert, die Arbeitsbewil-
ligung des Polen vorzulegen oder sie ansonsten freiwillig auf den Polizeiposten in
Urdorf zu begleiten. Die Antworten des Privatklägers seien gewesen: "Sie können
mich schriftlich vorladen. Ich werde dann schauen, ob ich zu einer Befragung
komme oder nicht." und "Sie können mich hier im Büro befragen, wenn Sie mich
befragen wollen." Er habe dem Privatkläger wiederum erklärt, dass man von ei-
nem Vergehen rede und dass man ihn schriftlich befragen und er dafür freiwillig
mitkommen müsse, ansonsten man ihn mitnehmen müsse. Auf die Frage, ob der
Privatkläger erwähnt habe, dass seine Frau die Arbeitsbewilligung habe und sie
bald kommen werde, führte der Beschuldigte C._ aus, die einzige Bemer-
kung, die er ihm gegenüber gemacht habe, sei gewesen: "Wenn Sie mich ein-
sperren wollen, müssen Sie auch meine Frau einsperren, da sie auch zuständig
für das Personal ist." Der Privatkläger habe aber nie gesagt, dass seine Frau ver-
antwortlich sei und habe auch keine Anstalten gemacht, die Arbeitsbewilligung im
Büro zu suchen. Nach Rücksprache mit dem Beschuldigten B._ habe er dem
Privatkläger nochmals angeboten, freiwillig mitzukommen, aber als er sich gewei-
gert habe, hätten er und der Beschuldigte D._ den Privatkläger mit Hand-
schellen verhaftet. Rückblickend würde er es wieder so machen. Er sei der Auf-
fassung gewesen, dass die Voraussetzungen für eine Verhaftung gegeben gewe-
sen seien und Kollusionsgefahr vorgelegen habe (Prot. II S. 16 ff.). Der Beschul-
digte D._ führte aus, der Beschuldigte C._ habe dem Privatkläger im
Sitzungszimmer die Sachlage erklärt und ihm gesagt, dass er mit ihnen mitkom-
men oder ihnen das Dokument zeigen müsse. Der Privatkläger habe gesagt, er
habe keine Zeit und werde nicht mitkommen. Entweder solle man ihn vorladen
oder im Büro befragen. Er habe sich nicht dahingehend geäussert, dass seine
Frau bald kommen würde und wisse, wo sich die Arbeitsbewilligung befinde. Erst
im Auto habe er gesagt, dann müssten sie auch seine Frau verhaften, weil sie
auch für die Mitarbeiter zuständig sei. Der Beschuldigte D._ führte aus, er
beurteile sein Verhalten rückblickend als korrekt und sei der Auffassung gewesen,
dass die Vor-aussetzungen für eine Verhaftung des Privatklägers und Kollusions-
gefahr gegeben gewesen seien (Prot. II S. 22 f.).
3. Da sich die Anklage fast ausschliesslich auf die Aussagen der befragten
Personen stützt und neben dem Personalbeweis mit Ausnahme der Zusicherung
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der Aufenthaltsbewilligung des Migrationsamtes des Kantons Luzern für E._
vom 22. Januar 2010 (Urk. 3/3) keine weiteren sachdienlichen Beweismittel vor-
liegen, ist näher auf die Aussagen einzugehen und der der Anklage zugrunde lie-
gende Sachverhalt aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorge-
brachten Argumente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu würdigen.
3.1. Der Vorderrichter hat die rechtstheoretischen Grundsätze der Beweis-
würdigung und der Würdigung von Aussagen mit der Unterscheidung zwischen
der allgemeinen Glaubwürdigkeit der aussagenden Person und der übergeordne-
ten Bedeutung der Glaubhaftigkeit des konkreten Inhalts der Aussagen korrekt
aufgeführt, um Wiederholungen zu vermeiden, kann vollumfänglich darauf ver-
wiesen werden (Urk. 79 S. 7 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.2. Die generelle Glaubwürdigkeit der drei Beschuldigten, des Privatklägers
und der befragten Zeugen wurde im angefochtenen Urteil ebenfalls zutreffend po-
sitiv gewürdigt, weshalb wiederum darauf verwiesen werden kann (Urk. 79
S. 9 ff.). Ergänzend ist nochmals hervorzuheben, dass es keinen einzigen unab-
hängigen Zeugen gibt, der in keiner irgendwie gearteten Abhängigkeit oder Be-
ziehung zum Privatkläger oder den Beschuldigten stehen würde und entspre-
chend unabhängige Aussagen aus eigener Wahrnehmung zu den Äusserungen
und den Geschehnissen anlässlich der polizeilichen Kontrolle durch den Beschul-
digten B._ in ... [Ort der Reitanlage] oder zum Ablauf und Gesagten anläss-
lich der polizeilichen Arretierung des Privatklägers in dessen Büro in G._
durch die Beschuldigten C._ und D._ machen könnte, was die vorlie-
gende Beweiswürdigung erheblich erschwert. Entweder stehen die Zeugen in ei-
ner Geschäftsbeziehung zum Privatkläger oder sind dessen Beauftragte oder an-
gestellte Arbeitnehmer oder befinden sich in einer privaten Beziehung, wie seine
Ehefrau und Mitarbeiterin im Personalwesen seines ...Büros. Beim Zeugen
J._ handelt es sich schliesslich um den Polizeibeamten, der den Beschuldig-
ten B._ in ... als Mitarbeiter begleitet hatte und gleichzeitig Arbeitskollege der
Beschuldigten C._ und D._ war. Schliesslich ist darauf hinzuweisen,
dass es - entgegen der Auffassung des Vertreters des Privatklägers (Urk.101 S. 7
ff.) - nicht um eine einzige beide Verfahren (SB140332 und SB140334) beschla-
gende Glaubwürdigkeitsproblematik, welche für beide Verfahren gleich entschie-
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den werden müsste, geht und man nur entweder den Ausführungen der Beamten
oder den Ausführungen des Privatklägers (bzw. des Beschuldigten im Verfahren
SB140334) glauben könne. In beiden Verfahren gilt der Grundsatz in dubio pro
reo, weshalb es möglich ist, die Glaubhaftigkeit der Aussagen in beiden Verfahren
unterschiedlich zu werten und es kein Widerspruch ist, in beiden Verfahren zu ei-
nem Freispruch zu kommen.
3.3. Sodann wurden die wesentlichen Aussagen des Privatklägers und der
drei Beschuldigten, wie auch jene der Zeugen im angefochtenen Urteil korrekt
wiedergegeben und mit einer Ausnahme (vgl. nachstehend, Erw. II.6.2.) zutref-
fend gewürdigt. Es kann vorab auf diese Erwägungen verwiesen werden (Urk. 79
S. 12 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Den nachfolgenden Erwägungen kommt daher, mit
Ausnahme vorerwähnter Korrektur, lediglich ergänzende und präzisierende Be-
deutung zu.
3.4. Zunächst sind wesentliche Aussagen des Privatklägers und der diver-
sen Zeugen zum möglichen Haftgrund nochmals näher zu betrachten, wobei vor-
auszuschicken ist, dass sämtlichen Aussagen gemeinsam ist, dass sie erst lange
Zeit nach den Vorkommnissen in ... und G._ vom 7. April 2010 bei der
Staatsanwaltschaft zu Protokoll gegeben wurden, nachdem auch die vom Privat-
kläger erstatte Strafanzeige vom 30. Juli 2010 erst beinahe vier Monate nach den
anklagegegenständlichen Geschehnissen eingereicht worden war (Urk. 2).
3.4.1. So erfolgte die erste Befragung der Beschuldigten B._ und
C._ erst rund sieben Monate nach den Geschehnissen vom 7. April 2010
(Urk. 4/1 ff.), nachdem die damals dafür zuständige Anklagekammer des Oberge-
richts des Kantons Zürich bereits mit Beschluss vom 31. August 2010 einen Mo-
nat nach der Anzeigeerstattung die dafür notwendige Strafuntersuchung eröffnet
hatte (§ 22 Abs. 6 StPO ZH; Urk. 10/2). Die Befragung des Beschuldigten
D._ erfolgte erst am 24. November 2011 (Urk. 4/4), nachdem die Strafanzei-
ge auf ihn ausgeweitet worden war und die III. Strafkammer des Obergerichts des
Kantons Zürich mit Beschluss vom 30. September 2011 der Staatsanwaltschaft
auch die Ermächtigung zur Strafverfolgung des Beschuldigten D._ erteilt hat-
te (Urk. 10/4 S. 2 ff.).
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3.4.2. Der Privatkläger war exakt ein Jahr nach den Vorkommnissen erst-
mals befragt worden. Er räumte ein, am Vorabend seiner Befragung die Strafan-
zeige seines Rechtsvertreters und den von seiner Ehefrau und ihm verfassten
"Ablauf Verhaftung A._" (Urk. 2; Urk. 3/2) durchgesehen zu haben (Urk. 5
S. 3). Der Zeitablauf von einem Jahr und die Konsultation dieser Dokumente am
Vorabend dürften ungewollt seine bereits etwas verblassten Erinnerungen daran,
was er damals unmittelbar wahrgenommen hatte, etwas verwässert haben.
3.4.3. Alle weiteren Zeugen wurden erst beinahe zwei Jahre nach den an-
klagegegenständlichen Geschehnissen in Gegenwart der drei Beschuldigten, des
Privatklägers und deren Rechtsvertreter befragt (Urk. 6/1-4; Urk. 6/6-9).
3.4.4. Nebst dem Erschwernis, dass es keine unabhängigen Dritten als Zeu-
gen gab, wurden sämtliche Zeugen mithin erst nach Ablauf so langer Zeit befragt,
dass sich ihr Erinnerungsvermögen bereits erheblich verblasst haben dürfte und
sie obendrein sehr viel Zeit zur Verfügung hatten, sich mit Beteiligten oder Dritten
über ihre damaligen Wahrnehmungen zu unterhalten oder ihre verblassten Erin-
nerungen durch die Konsultation des erwähnten, vom Privatkläger zusammen mit
seiner Ehefrau erstellten Dokumentes "Ablauf Verhaftung A._" (Urk. 3/2) auf-
zufrischen, was die Genauigkeit und Authentizität der wiedergegebenen Wahr-
nehmungen – wenn auch ungewollt – doch erheblich beeinträchtigt haben dürfte.
3.5. Der Beschuldigte B._ gab anlässlich seiner staatsanwaltschaftli-
chen Befragung vom 15. Dezember 2010 u.a. zu Protokoll, der Slowake
(K._) habe ihnen damals (am 7. April 2010) die Auskunft gegeben, dass der
Pole bereits einen Monat für den Privatkläger tätig gewesen sei. Der Pole selber
habe gesagt, dass er seit einem Tag dort arbeite. Der Privatkläger habe am Tele-
fon ebenfalls erklärt, der Pole arbeite seit dem Vortag für ihn und habe ihm ge-
genüber erklärt, eine Arbeitsbewilligung zu haben. Er hätte dies aber nicht weiter
abgeklärt (Urk. 4/1 S. 2 f.). Nachdem unbestritten ist, dass der Pole sich anläss-
lich der polizeilichen Kontrolle nicht ausweisen und auch keine Bewilligung vorle-
gen konnte, lag ein hinreichender Anfangstatverdacht für ein Vergehen gegen die
Ausländergesetzgebung vor, welcher sich durch abweichende Angaben darüber,
wann dessen Arbeitsbeginn gewesen sei, noch verdichtete, sofern sich die ent-
sprechenden Aussagen des Beschuldigten B._ erhärten lassen.
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3.6. Anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befragung als Zeuge vom
13. März 2012 gab J._, Kantonspolizist und Mitarbeiter des Beschuldigten
B._, Arbeitskollege des Beschuldigten C._ und D._, beinahe zwei
Jahre nach den anklagegegenständlichen Geschehnissen im Wesentlichen zu
Protokoll (Urk. 6/9 S. 3 ff.), mit dem Privatkläger habe er nur an jenem Tag auf der
Dienststelle zu tun gehabt. Sie hätten sich rudimentär über die Strafanzeige un-
terhalten, welche der Privatkläger eingereicht habe. Er sei am 7. April 2010 mit
dem Beschuldigten B._ unterwegs gewesen. Sie hätten zuerst eine Arbeits-
kontrolle auf der dortigen Baustelle durchgeführt. Ein von ihnen kontrollierter aus-
ländischer Arbeiter habe zu ihnen gesagt, sie sollten auf dem Reiterhof nach-
schauen. Dort arbeite seit einigen Wochen eine komische Person. In den dortigen
Stallungen hätten sie einen Mann angetroffen, der in einer Pferdebox ein Pony
gestriegelt habe. Als sie sich vorgestellt und nach einem Pass oder Ausweis ge-
fragt hätten, sei keine Antwort gekommen. Mit Händen und Füssen hätten sie die-
sem klar gemacht, dass er mitkommen müsse. Er habe sie in eine Einlegerwoh-
nung geführt. Die erneute Frage nach dem Ausweis sei wieder nicht beantwortet
worden. Auf Geheiss habe der Mann dann seine Sachen eingepackt und sei mit
ihnen zum Dienstfahrzeug gegangen. Der Beschuldigte B._ sei zurück zur
Baustelle, um herauszufinden, wer für den Hof zuständig sei. Er habe gesehen,
wie dieser wahrscheinlich mit dem Polier gesprochen habe, der dann telefoniert
habe. Der Beschuldigte B._ habe ihm dann mitgeteilt, dass ein ... [Berufsbe-
zeichnung] aus G._ namens A._ zuständig sei für diesen Mann. Dieser
(der Privatkläger) wolle auf telefonische Vorladung hin nicht zur Polizeidienststelle
Urdorf erscheinen. Sie seien dann mit dem Polen und dessen Effekten zur
Dienststelle nach Urdorf gefahren. Über den Beschuldigten B._ habe er dann
erfahren, dass die Beschuldigten C._ und D._ nach G._ gegangen
seien, um den Privatkläger zu holen. Diese seien dann auch nach Urdorf gekom-
men. Über das vom Beschuldigten B._ mit dem Handy von K._ mit dem
Privatkläger geführte Telefongespräch wisse er nichts, auch über dessen Inhalt
nicht. Er habe 40 bis 50 Meter von dort entfernt gestanden. Der Beschuldigte
B._ habe nur gesagt, den Privatkläger erreicht zu haben. Dieser wolle aber
nicht zur Befragung nach Urdorf kommen. Man gehe ihn holen bzw. dort vorspre-
chen. Der Auftrag habe gelautet, die beiden Beschuldigten C._ und D._
sollten nach G._ gehen und den Privatkläger auffordern, zur Befragung nach
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Urdorf zu kommen. An ein weiteres Gespräch zwischen den Beschuldigten
B._ und C._ könne er sich nicht erinnern. Er nehme an, die Verhaftung
des Privatklägers sei auf Anweisung des Beschuldigten B._ vorgenommen
worden. Er gehe davon aus, dass dies wegen Kollusionsgefahr gewesen sei. Als
sie noch auf der Baustelle gewesen seien, hätten sie dies miteinander ange-
schaut. Die Kollusionsgefahr habe aufgrund einer Person ohne Namen und Aus-
weis, des Verdachtes der Schwarzarbeit und der illegalen Anwesenheit vorgele-
gen. Auf der anderen Seite sei ein Arbeitgeber gewesen, der sich geweigert habe,
bei ihnen zu erscheinen, um den Sachverhalt zu klären. Er habe sich in erster Li-
nie um den verhafteten Polen gekümmert, weshalb er nicht wisse, was zwischen
dem Beschuldigten B._ und dem Privatkläger diskutiert worden sei. Wegen
der Kollusionsgefahr habe man den Privatkläger als Arbeitgeber umgehend be-
fragen wollen. In der Regel kämen die Arbeitgeber freiwillig mit. Er erinnere sich
nicht daran, einen ähnlichen Fall gehabt zu haben. Er wisse nicht, was der Privat-
kläger gesagt habe. Dieser hätte auch einem Arbeiter auf der Baustelle anrufen
und diesen beeinflussen können. Der Hinweis sei ja von einem Arbeitnehmer der
Baustelle gekommen. Über die Büroräumlichkeiten, wo sich der Privatkläger auf-
gehalten habe, wisse er nichts und habe nichts über eine Drohung gegenüber ei-
nem Polizisten gehört. Vielleicht zwei Tage später sei dies gesagt worden. Weite-
re Angaben konnte der Zeuge nicht machen, da er nach der Verhaftung mit dem
festgenommenen Polen zusammen gewesen sei.
3.7. Anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befragung als Zeuge vom 13. März 2012 gab K._, Angestellter im Pferdebetrieb des Privatklägers seit
2008, im Wesentlichen zu Protokoll (Urk. 6/6 S. 3 ff.), sein Aufgabengebiet sei
Organisieren, Pferdepflege, Kontakt mit Leuten und Kommunikation. Am 7. April
2010 um ca. 15.30 Uhr habe ihn ein Kollege, ein Pole, angerufen und mitgeteilt
die Polizei sei dort und suche einen Verantwortlichen. Als er dort angekommen
sei, habe er erklärt, der Privatkläger sei der Verantwortliche. Auf Bitte der Polizis-
ten habe er den Privatkläger angerufen und sein Telefon dem Polizisten überge-
ben. Er erinnere sich nicht mehr, welcher der Anwesenden es damals gewesen
sei. Der Pole sei als Pfleger in der Reitanlage tätig gewesen. Wann dieser zu ar-
beiten begonnen habe, wisse er nicht genau. Irgendwie um Ostern herum. Aber
er sei sich nicht sicher. Er erinnere sich nicht daran, damals danach gefragt wor-
- 16 -
den zu sein. Nein, es sei nicht richtig, dass er den Polizisten damals gesagt habe,
E._, der Pole, arbeite seit ca. 4 Wochen in der Stallungen. Er könne sich
nicht daran erinnern, irgendetwas in diese Richtung gesagt zu haben. Alles sei
sehr schnell gegangen. Es sei gar nicht darüber gesprochen worden, wie lange
dieser dort gewesen sei. Während seiner Anwesenheit seien die Papiere des Po-
len kein Thema gewesen. Vom Inhalt des Telefonates zwischen dem Polizeibe-
amten und dem Privatkläger habe er nicht ganz alles verstanden. Am Anfang sei
der Ton normal gewesen und mit der Zeit "höher" geworden. Was auf der ande-
ren Seite gesprochen worden sei, habe er gar nicht mitbekommen. Die Ge-
sprächslänge könne er nicht genau sagen, 2 bis 5 Minuten. Wer das Gespräch
von den sonst noch Anwesenden auch noch habe hören können, wisse er nicht.
Der Beschuldigte B._ habe nach dem Gespräch irgendetwas gesagt, wie,
der Privatkläger wolle nicht zusammenarbeiten und dass sie ihn nach Urdorf über-
führen würden. Ob je von der Arbeitsbewilligung des Polen die Rede gewesen
sei, daran könne er sich nicht erinnern. Eine Äusserung: "A._, Du Sau, ich
hol Di!" habe er auch nicht gehört. Er habe nur das gehört, was er bereits gesagt
habe. Worüber und mit wem der Beschuldigte B._ dann noch telefoniert oder
über Funk gesprochen habe, wisse er nicht. Die Bewilligung des Polen sei mit ihm
erst in Urdorf thematisiert worden. Ob Frau A._ [L._] einmal ein Thema
gewesen sei, oder dass einer der Polizeibeamten vom Privatkläger bedroht wor-
den sei, daran erinnere er sich nicht. So etwas habe er nicht gehört.
3.7.1. Mit dieser Aussage bestätigt der Zeuge K._ zwar nicht, gegen-
über der Polizei angegeben zu haben, der Pole habe bereits seit einem Monat für
den Privatkläger gearbeitet. Nach beinahe zwei Jahren war er sich über den Zeit-
punkt nicht mehr sicher. Wollte sich dagegen aber noch daran erinnern, dass die
Papiere während seiner Anwesenheit kein Thema gewesen seien und gar nicht
darüber gesprochen worden sei, wie lange der Pole dort gewesen sei. Seine
diesbezüglichen Aussagen sind angesichts des offenkundig selektiven Erinne-
rungsvermögens und des Umstandes, dass die Papiere und die Anstellungsdauer
des Polen das zentrale Thema der polizeilichen Kontrolle waren, wenig glaubhaft,
weshalb nicht vorbehaltlos auf sie abgestellt werden kann.
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3.7.2. Die dem Beschuldigten B._ vom Privatkläger vorgeworfene
Äusserung: "A._, Du Sau, ich hol Di!" konnte der Zeuge nicht bestätigen.
3.8. Auch die Aussagen des Privatklägers im Zusammenhang mit der An-
stellung des polnischen Staatsangehörigen E._ erweisen sich als auffallend
widersprüchlich.
3.8.1. Anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befragung als Auskunfts-
person vom 7. April 2011, mithin ein Jahr nach den anklagegegenständlichen Ge-
schehnissen, betonte der Privatkläger auf die Frage, ob er dem Beschuldigten
B._ gesagt habe, dass nicht er, sondern seine Ehefrau die zuständige Ver-
antwortliche sei, zunächst, sich nicht sicher zu sein, dies bereits dem Beschuldig-
ten B._ am Telefon gesagt zu haben oder erst später gegenüber dem Be-
schuldigten C._. Er denke, dies nicht während des Telefonats mit B._
getan zu haben. Bei C._ sei er sich dessen aber sicher. Er habe sich damals
gefragt, warum man ihn verhaften wolle. Seine Frau sei genauso wie er für das
Personal zuständig. Sie hätten eine Kollektivgesellschaft und würden das Perso-
nal gemeinsam einstellen. So legte er an dieser Stelle denn auch Wert darauf,
genau gewusst zu haben, wie der Pole heisst. Er habe auch gewusst, dass sie die
Bewilligung im Büro gehabt hätten (Urk. 5 S. 9).
3.8.2. Im späteren Verlauf der selben Befragung meinte er dann davon ab-
weichend (S. 17 f.), bereits gegenüber der Polizei angegeben zu haben, der Pole
E._ habe ihm versichert, über eine gültige Arbeitsbewilligung zu verfügen. Er
habe diese vor dem 7. April 2010 aber nie gesehen. Innerhalb des Betriebes sei
seine Ehefrau hierfür zuständig. Er habe sich nicht vergewissert, ob die Angaben
des Polen richtig seien. Er habe alles seiner Ehefrau überlassen (S. 18). Obwohl
er am 7. April 2011, wie erwähnt, noch zu Protokoll gegeben hatte, die Bewilli-
gung vor dem 7. April 2010 noch nie gesehen zu haben (Urk. 5 S. 17 u.), sagte er
vor dem Vorderrichter diesbezüglich aus, von seiner Ehefrau gewusst zu haben,
dass der Pole ein Bewilligungspapier habe (Prot. I S. 37 f.):
"Als es darum ging, ob wir den Polen anstellen sollten, war selbstverständ-
lich Thema, ob er eine Arbeitsbewilligung habe oder ob man eine Arbeits-
bewilligung einholen müsse. Das macht immer meine Frau. Wir haben ge-
- 18 -
wusst, dass er im Luzernischen in einem anderen Reitbetrieb gearbeitet hat-
te und dass er eine Arbeitsbewilligung hatte. Er gab sie mir. Meine Frau
verwaltet das Administrative. Das war mir selbstverständlich klar und be-
wusst."
Er habe diese Arbeitsbewilligung in der Hand gehabt. Anschliessend habe er die-
se seiner Frau übergeben (Prot. I S. 8).
3.8.3. Im Zusammenhang mit dem Stellenantritt erklärte der Privatkläger an-
lässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befragung als Auskunftsperson präzi-
sierend (Urk. 5 S. 17), dies sei nach den Ostern, anfangs April (2010), gewesen.
Der Pole sei aber bereits einmal im März (2010) bei ihnen gewesen und habe sich
vorgestellt und damals auch etwas mitgeholfen. Sie hätten schliesslich wissen
wollen, was das für einer sei. Dieser habe aber nicht gearbeitet und keinen Lohn
bezogen. Sie hätten ihn einfach ein paar Tage lang getestet. Daraufhin sei er
nach Polen zurückgekehrt und habe dann nach Ostern bei Ihnen zu arbeiten be-
gonnen. Im März sei er ein paar Tage, vielleicht zwei bis drei Tage, bei ihnen tätig
gewesen. Den Beschuldigten habe er erzählt, dass der Pole seit anfangs April bei
ihnen arbeiten würde. Sie hätten mit diesem auch einen Arbeitsvertrag abge-
schlossen, welcher auch bei den Unterlagen seiner Frau sei. Ob der Arbeitsver-
trag am 7. April (2010) bereits verfasst gewesen sei oder nicht, wisse er nicht.
Eventuell sei dieser erst später geschrieben worden.
3.8.4. Bereits aus diesen Aussagen des Privatklägers ergibt sich, dass des-
sen Ehefrau nicht alleine für die Personalangelegenheiten zuständig war, wie er
durch seinen Rechtsvertreter vor Vorinstanz geltend machen liess (Urk. 65 S. 20).
3.9. Anlässlich ihrer staatsanwaltschaftlichen Befragung als Zeugin vom
27. Februar 2012 gab L._, Ehefrau des Privatklägers, im Wesentlichen zu
Protokoll (Urk. 6/3), es sei zutreffend, dass sie beim schriftlichen Verfassen der
Ereignisse vom 7. April 2010 (= "Ablauf der Verhaftung" Urk. 3/2 S. 2 f.) beteiligt
gewesen sei. Sie habe dieses Dokument gestern Abend ausgedruckt und letzt-
mals durchgelesen. Für das in der Reitanlage beschäftigte Personal sei im We-
sentlichen sie zuständig. E._ hätten sie auf den 1. April 2010 eingestellt. Im
März 2010 hätten sie einen Ausfall eines Stallmitarbeiters gehabt. Sie hätten er-
- 19 -
fahren, dass ein Pole dringend eine andere Stelle suche. Dieser sei vorbeige-
kommen und habe, soweit sie sich erinnere, auch ein paar Tage probehalber ge-
arbeitet. Dafür sei er nicht entlöhnt worden. Vor der Anstellung habe er noch nach
Hause nach Polen gehen wollen. Er habe die Stelle per 1. April 2010 erhalten und
effektiv nach Ostermontag bei ihnen zu arbeiten begonnen. Den Arbeitsvertrag
habe sie im ersten Drittel März 2010 erstellt. Sie könne nachsehen, wann der Ver-
trag unterschrieben worden sei. Dieser sei ja datiert. Am ersten Tag, das müsse
der 6. April 2010 gewesen sein, habe der Pole ihrem Ehemann, dem Privatkläger,
in der ... [Reitanlage] eine Zusicherung der Aufenthaltsbewilligung ausgehändigt.
Dieser habe die Zusicherung noch am selben Tag im Büro im "F._" an sie
weitergegeben. Die Bewilligung habe sie in eine Klarsichtmappe ins Pendenzen-
fach gelegt, da sie ja noch Abklärungen habe tätigen wollen. Sie sei am 7. April
2010 erstmals um ca. 14.30 Uhr durch ein Telefonat eines Mitarbeiters damit kon-
frontiert worden, dass die Polizei eine Kontrolle durchgeführt habe (Urk. 6/3
S. 3 ff.).
Da die Zeugin L._ zur fraglichen Zeit weder in ... [Reitanlage] noch in
G._ anwesend war, konnte sie zu den anklagegegenständlichen Vorkomm-
nissen keine Angaben aus eigener Wahrnehmung machen, sondern nur vom Hö-
ren Sagen, aufgrund von nachträglichen Angaben des Privatklägers und der Mit-
arbeiter des ...-Büros. Nachdem sie die Ereignisse vom 7. April 2010 (= vom Pri-
vatkläger geschilderter "Ablauf der Verhaftung" Urk. 3/2 S. 2 f.) am Vorabend ihrer
Zeugenbefragung rund zwei Jahre nach den Geschehnissen nochmals konsultiert
hatte, dürfte sie in ihrer Befragung massgeblich durch die Angaben des Privatklä-
gers und den Inhalt dieser Aufzeichnungen geprägt gewesen sein.
4. Mit diesen nunmehr genaueren Angaben zur Anstellung von E._ be-
stätigte sowohl der Privatkläger als auch seine Ehefrau als Zeugin, die der Polizei
anfänglich nicht offengelegte Tatsache, dass der Pole bereits im März 2010 in ih-
rem Reitstall auf Probe tätig gewesen war. Dies wiederum ist ein klarer Hinweis
dafür und lässt plausibel und glaubhaft erscheinen, dass der Slowake, K._,
am 7. April 2010 gegenüber der Polizei tatsächlich angegeben hatte, der Pole ha-
be seit einem Monat dort gearbeitet, obwohl er sich in seiner fast zwei Jahre spä-
ter erfolgten Zeugeneinvernahme nicht mehr daran erinnerte. Ausserdem spricht
- 20 -
dies für den Wahrheitsgehalt der entsprechenden Aussage des Beschuldigten
B._ und beseitigt mögliche Zweifel an dessen Darstellung, welche durch die
in diesem Punkt wenig glaubhafte Zeugenaussage des Slowaken vom 13. März
2012 (vgl. vorstehend, Erw. II.3.7.1.) verursacht wurden.
4.1. Es ist demzufolge erstellt, dass der Polizei am Nachmittag des 7. April
2010 zunächst divergierende Angaben hinsichtlich des Zeitpunkt des Stellenantrit-
tes bzw. der Anstellungsdauer von E._ vorlagen. Damit war aufgrund seiner
nicht vorhandenen Ausweispapiere nicht nur ein hinreichender Anfangstatver-
dacht eines Vergehens gegen die Ausländergesetzgebung durch ihn und den Pri-
vatkläger bis zum Auftauchen der Zusicherung der Aufenthaltsbewilligung
EG/EFTA des Amtes für Migration des Kantons Luzern zu Gunsten von E._
vom 22. Januar 2010 auf dem Faxgerät der Polizeidienststelle Urdorf (Urk. 3/3)
gegeben, sondern aufgrund dieser der Polizei vorliegenden widersprüchlichen
Angaben über die Anstellungsdauer auch Kollusionsgefahr u. a. zwischen dem
bereits verhafteten polnischen Staatsangehörigen E._, dem Privatkläger und
seinem weiteren Angestellten, dem slowakischen Staatsangehörigen, K._.
Der Verteidigung des Beschuldigten B._ ist zuzustimmen: In jenem Zeitpunkt
war der Täterkreis noch offen (Urk. 66 S. 23). Demzufolge bestand bezüglich die-
ser Frage in jenem Zeitpunkt für so lange Kollusionsgefahr, bis die Beteiligten pro-
tokollarisch befragt sein würden, resp. bis dieser Haftgrund durch Vorlage eines
Exemplars der erwähnten Verfügung des Amtes für Migration des Kantons Luzern
(Urk. 3/3) beseitigt wurde. Dass Kollusionsgefahr beim Beschuldigten B._
bereits vor Ort in ... [Reitanlage] ein Thema war, bestätigen auch die glaubhaften
Aussagen des Zeugen M._ (vgl. nachstehend, Erw. II.5.5.) und dass dieser
Haftgrund im Büro des Privatklägers vor der vorläufigen Festnahme erwähnt wur-
de, der Zeuge O._ (Urk. 6/7 S. 10).
4.2. Der eine Kollusionsgefahr verneinende Anklagesachverhalt (Urk. 24
S. 4) lässt sich demnach nicht erstellen.
5. Im Weiteren sind die Aussagen der diversen Zeugen zu den Umständen
der vorläufigen Festnahme des Privatklägers nochmals näher zu betrachten.
- 21 -
5.1. Der Zeuge I._, welcher damals bei der vorläufigen Festnahme des
Privatklägers in dessen Büro unmittelbar anwesend war, gab anlässlich seiner
staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 27. Februar 2012, mithin beinahe zwei
Jahre nach den Geschehnissen, auf die Frage, ob der Privatkläger damals Anstal-
ten gemacht habe, nach den Unterlagen bzw. der Bewilligung des Polen zu su-
chen, ausdrücklich an (Urk. 6/1 S. 5), nein, dies habe der Privatkläger nicht getan.
Es sei ganz klar die Sache der Ehefrau gewesen, da diese mit der Bewilligung zu
tun gehabt habe. Woher der Zeuge so genau um diesen Umstand Bescheid zu
wissen glaubte, geht aus der Befragung nicht weiter hervor. Der Privatkläger habe
aber per Handy versucht, seine Frau zu kontaktieren. Ob der Privatkläger am Te-
lefon (mit dem Beschuldigten B._) gesagt habe, gar nicht der zuständige
Verantwortliche zu sein, konnte der Zeuge nicht mehr genau sagen (S. 6). Auch
zur Frage, ob der Privatkläger gegenüber dem Beschuldigten B._ am Telefon
erklärt habe, der Pole besitze eine gültige Bewilligung, konnte I._ keine An-
gaben machen. Den Anrufer des Telefongesprächs habe er nicht hören können.
Daran, dass der Privatkläger dem Beschuldigten B._ am Telefon gesagt ha-
be, er habe keine Bewilligung und dieser habe ihm als "Polizistli" nichts zu sagen,
könne er sich nicht erinnern. Es sei schon lange her. Auf den Vorhalt, wonach der
Privatkläger zum Beschuldigten B._ gesagt haben soll, dieser könne ihn am
Arsch lecken und das Telefon unterbrochen haben soll, erklärte der Zeuge, es sei
grundsätzlich anzufügen, dass sie eigentlich wegen des Projektes zusammenge-
kommen seien. Was genau am Telefon gesagt worden sei, habe er nicht im Detail
abgespeichert. Auf die Frage, ob er die Worte "am Arsch lecken" gehört habe o-
der nicht, meinte I._, dies könne er im Detail heute nicht mehr sagen (S. 7).
5.1.1. Auf die Frage, ob der Privatkläger dem Beschuldigten am Telefon er-
klärt habe, dass er mit der Besprechung bald fertig sei und dann komme, gab der
Zeuge zu Protokoll, der Privatkläger habe gesagt, er sei in einer Besprechung und
würde sich danach wieder melden. Eigentlich habe es keinen Grund gegeben, die
Besprechung nicht zu unterbrechen. Er (I._) habe sonst keine anderen Ter-
mine gehabt. Er habe gehört, dass der Privatkläger gesagt habe, dass er nach
der Sitzung kommen könne. Die beiden Polizisten seien nicht angekündigt wor-
den, sondern plötzlich im Büro gestanden. Soweit er sich erinnere, seien sie allei-
ne herein gekommen. Nein, man habe ihn nicht als Banker vorgestellt. Er wisse
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noch, dass man den Privatkläger ca. drei Mal aufgefordert habe, mitzukommen.
Ob die Bewilligung des Polen nochmals Thema gewesen sei und der Privatkläger
aufgefordert worden sei, diese zu zeigen, worauf dieser erklärt habe, nicht zu wis-
sen, wo diese sei, könne er nicht mehr sagen. Im Übrigen konnte sich der Zeuge
an den genauen Ablauf oder weitere Details nicht erinnern (S. 7 ff.).
5.1.2. Auch auf den Vorhalt, der Privatkläger soll zum Beschuldigten
C._ gesagt haben, falls er angefasst würde, haue er diesem die Faust "uf
d'Schnurre", konnte der Zeuge dies so nicht bestätigen. Es habe damals ein
Wortgefecht stattgefunden. Es sei schon eine gewisse Zeit her. Er wisse es ein-
fach nicht mehr. Es sei aber schon so, dass der Privatkläger nicht habe mitgehen
wollen. Details aus dem Gespräch wisse er aber nicht mehr (S. 11). Auf  des Rechtsvertreters des Privatklägers, wonach dieser ihm erklärt ha-
be, den Gesprächspartner am Telefon zwei Mal aufgefordert zu haben, doch an-
ständig zu sein, konnte Zeuge I._ sich daran vorbehaltlos erinnern: "Ja, das
habe ich auch gehört."
5.1.3. Wenn ein Anwesender sich gegenüber einem Polizeibeamten anläss-
lich einer so angespannten Situation in dieser Weise bedrohlich äussert oder am
Telefon mit einem deftigen Schimpfwort betitelt, wäre eigentlich zu erwarten, dass
sich Anwesende mit einem durchschnittlichen und gesunden Erinnerungsvermö-
gen daran erinnern, ob solches geschehen ist oder nicht, zumal sich der Zeuge
zwei Jahre nach den Geschehnissen andererseits offenbar uneingeschränkt da-
ran erinnerte, dass der Privatkläger den Beschuldigten B._ am Telefon auf-
gefordert habe, doch anständig zu sein. Obwohl zwischen ihm und dem Privatklä-
ger ein rein geschäftliches Verhältnis bestand, er dessen Pferdestall gebaut hatte
und anlässlich der Zeugenbefragung nicht mehr sagen konnte, ob er den Privat-
kläger seither noch zwei- oder dreimal gesehen habe (Urk. 6/1 S. 3), konnte er
sich daran erinnern und war für ihn ganz klar, dass es dessen Ehefrau gewesen
sei, welche mit der Bewilligung zu tun gehabt habe (Urk. 6/1 S. 5).
5.1.4. Die Aussagen des Zeugen I._ hinterlassen insgesamt den Ein-
druck eines selektiven Erinnerungsvermögens zugunsten seines Auftraggebers
beim Bau des Reitstalles in .... Es bestehen daher erhebliche Zweifel am unein-
- 23 -
geschränkten Wahrheitsgehalt seiner Aussagen, sodass nicht unbesehen zu Las-
ten der Beschuldigten auf diese abgestellt werden kann.
5.2. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Zeugeneinvernahme von H._, damaliger Mitarbeiter des Privatklägers bis August 2010, vom 27. Feb-
ruar 2012, mithin ebenfalls beinahe zwei Jahre nach den fraglichen Geschehnis-
sen, erklärte dieser (Urk. 6/2 S. 3 ff.), soweit er sich erinnere, seien es die Be-
schuldigten D._ und C._ gewesen, welche er damals (im ...-Büro beim
Privatkläger in G._) in Empfang genommen habe. Es habe sich um ein gutes
Arbeitsverhältnis zwischen ihm und dem Privatkläger gehandelt. Als er die Vorla-
dung erhalten habe, habe er mit dem Privatkläger telefoniert. Über den Fall hätten
sie nicht gesprochen. Er habe wissen wollen, ob es um diese Geschichte ginge.
Sein Büro habe sich gleich neben dem Eingang beim Treppenhaus befunden. Es
habe bei diesem Nebeneingang geklingelt, und er habe die Türe geöffnet. Die
Beschuldigten D._ und C._ hätten sich als Angestellte der Kantonspoli-
zei ausgewiesen und gesagt, sie müssten dringend zum Privatkläger. Er habe
nach oben gehen wollen, um den Privatkläger zu fragen, ob er sie empfangen
wolle. Die beiden Beschuldigten seien ihm aber hinterhergerannt. So genau kön-
ne er sich aber nicht mehr erinnern, ob gerannt worden sei. Sie seien zu Dritt
nach oben gegangen sozusagen in die Sitzung geplatzt. Er sei nicht lange oben
gewesen, sondern gleich wieder nach unten gegangen. Der Privatkläger habe
normal, wie immer, auf den Besuch der beiden Polizisten reagiert. Er sei ruhig
gewesen und habe gefragt, worum es gehe. Der Privatkläger habe gesagt, er be-
finde sich in einer Sitzung und sobald er fertig sei, komme er vorbei. Dies sei alles
gewesen, was er mitbekommen habe.
5.3. Anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befragung als Zeuge vom 27. Februar 2012 gab N._, damaliger Polier auf der Baustelle ... [Reitanlage]
des Privatklägers in ..., im Wesentlichen zu Protokoll (Urk. 6/4), er habe mitbe-
kommen, als der Beschuldigte B._ am Telefon gesagt habe: "A._, Sie
kriegen wir auch noch!" Der Beschuldigte B._ sei anständig geblieben, aber
sei laut und bestimmt gewesen und habe gesagt, dass er den Privatkläger holen
kommen würde. Dies habe er mitbekommen. Den anderen habe man verhaftet,
nachdem Herr B._ gesagt habe, man müsse diesen verhaften. Später habe
- 24 -
er noch mitbekommen, dass man auch den Privatkläger noch verhaftet habe. Für
ihn sei dies ein grosses Fragezeichen, Kindergarten, gewesen. Der Beschuldigte
B._ sei sehr engagiert gewesen. Dieser sei am falschen Ort gewesen. Dies
sei seine persönliche Meinung gewesen. Er wisse ja nicht, was der Privatkläger
dem Beschuldigten B._ (am Telefon) gesagt habe. Über E._ habe er gar
nichts gewusst und mit diesem nichts zu tun gehabt. Es sei lange her. Vom Tele-
fongespräch des Beschuldigten B._ habe er nur eine Seite gehört. Herr
B._ habe die Bewilligung gewollt. Dieser habe den Verdacht gehabt, dass es
sich um eine "illegale Person" handle. Es sei schon lange her, aber er könne sich
mit Sicherheit noch an die Äusserung erinnern: "Herr A._, Sie kriegen wir
auch noch!" Er wolle weder den Beschuldigten noch den Privatkläger belasten
oder entlasten. Er habe einfach nur eine Seite des Gesprächs mitbekommen und
könne sagen, dass Herr B._ sehr engagiert sei. Er finde dies nicht gut und
denke, dass man als Bürger auch noch etwas Recht haben solle. Dies sei aber
seine persönliche Meinung. Er nehme an, den Privatkläger habe dies nicht gross
interessiert, da dieser ja gewusst habe, dass alles in Ordnung gewesen sei. Wo-
her der Zeuge dies gewusst haben will, wurde er nicht gefragt. Das Gespräch ha-
be 3 – 5 Minuten gedauert. Ausser dem anderen Polizisten sei niemand mehr vor
Ort gewesen. Der Beschuldigte B._ sei sehr impulsiv gewesen. Bezüglich ei-
nes Ausspruches: "A._ Du Sau, ich hol Di!" sei er sich nicht sicher. Er könne
sich daran erinnern, dass dieser gesagt habe: "A._, Sie hol ich au no!" Das
mit der "Sau" wisse er nicht. Der Beschuldigte B._ habe immer in der "Sie-
Form" gesprochen. Dass der Privatkläger gegenüber dem Beschuldigten B._
erwähnt habe, dass er mit der Besprechung bald fertig sei und dann komme, ha-
be er am selben Abend vom Privatkläger selber gehört. Dieser habe ihn darüber
informiert, dass man ihn später im Büro verhaftet habe. Die anderen seien dann
mit dem Polen zum Auto und er zurück auf die Baustelle. Dass er während dieser
Zeit mit M._ telefoniert habe, sei gut möglich. Er habe den Bauleiter über die
Anwesenheit der Polizei informiert. In welchem Zeitpunkt, wisse er nicht mehr.
Der Beschuldigte B._ sei erst am Telefon "gestiegen". Alles andere sei seine
Meinung. Ja, es sei so, dass der Beschuldigte während des Telefonats immer lau-
ter geworden sei. Er sei aber nicht unverschämt geworden, sondern bestimmt.
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5.4. Anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befragung als Zeuge vom
13. März 2012 gab O._, Geschäftspartner des Privatklägers, im Wesentli-
chen zu Protokoll (Urk. 6/7 S. 2 ff.), der ersten Vorladung zum Befragungstermin
vom 26. Februar 2012 habe er unentschuldigt keine Folge geleistet, da er diesen
wegen viel Arbeit schlicht vergessen habe. Am 7. April 2010 sei er in seinem Büro
am Arbeiten gewesen. Die Türe sei offen gewesen. Der Sitzungstisch, wo die
Verhandlung stattgefunden habe, sei ca. 5 bis 6 Meter von seinem Standort aus
entfernt gewesen. Er habe mitbekommen, dass ein sehr aufgeregtes Telefonge-
spräch stattgefunden habe. Danach habe der Besuch jener zwei Polizisten statt-
gefunden. Als es lauter geworden sei, habe er mitbekommen, dass es um irgend-
eine Arbeitsbewilligung gegangen sei, welche der Privatkläger nicht greifbar ge-
habt habe. Der Privatkläger habe den Polizeigrenadieren erklärt, dass die dafür
zuständige Ehefrau in ca. einer halben bzw. einer Stunde wieder da sei. Er selber
würde sich nicht getrauen, in ihren Sachen herumzuwühlen. Daraufhin hätten die
beiden Grenadiere den Privatkläger aufgefordert, umgehend mit auf den Posten
zu kommen. Dieser habe erklärt, dass er dies nicht tun würde. Darauf hin habe
man ihm gesagt, wenn er nicht freiwillig komme, man ihn dazu zwingen würde.
Dann habe der Privatkläger gesagt, dass sie dies tun sollten. Dann sei Action ge-
wesen. Man habe den Privatkläger auf den Tisch gezerrt, ihn mit Kabelbindern ar-
retiert und hinausgeführt. Am Telefon habe der Privatkläger gesagt, dass er in ca.
einer Stunde mit der Sitzung fertig sei. Sinngemäss habe er erklärt, dass er es
richten könne. Den genauen Wortlaut habe er jedoch nicht mitbekommen.
5.4.1. Der Privatkläger sei am Telefon nicht aufgebracht gewesen. Er sei
zwischen ruhig und aufgebracht gewesen. Am Schluss habe der Privatkläger
ziemlich wütend und aufgeregt das Telefon aufgelegt. Das Telefongespräch habe
ca. 5 Minuten gedauert. Danach habe er die Sitzung weitergeführt. Anstalten,
nach den Unterlagen bzw. der Bewilligung zu suchen, habe er nicht gemacht. Ob
er dem Anrufer versprochen habe, sich darum zu kümmern, könne er nicht mehr
sagen (S. 5). Der Privatkläger habe seine Ehefrau angerufen und gesagt, dass sie
ins Büro kommen müsse. Er habe nur mitbekommen, dass dieser es vorgehabt
habe. Der Privatkläger habe den Polizeibeamten nur gesagt, dass die Arbeitsbe-
willigung vorhanden sei. Man könne nicht verlangen, dass der Privatkläger wisse,
wo sich die Bewilligung befunden habe. Es handle sich um das Büro der Ehefrau
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des Privatklägers. Er wisse aus eigener Erfahrung, dass man keine Chance habe,
aus deren Ablagesystem etwas zu finden. Es stimme sicher nicht, dass der Pri-
vatkläger dem Anrufer gesagt haben soll, dieser könne ihn am Arsch lecken. Es
könne sein, dass der Privatkläger zum Beschuldigten B._ am Telefon gesagt
habe, dessen Besprechung sei bald fertig, und dieser dann komme, aber er wisse
es echt nicht. Dies würde Sinn machen, aber ob er das gehört habe, wisse er
nicht. Es sei vermutlich so gewesen. Die Stimmung sei sehr geladen gewesen,
als die beiden Polizisten anwesend gewesen seien. Die Bewilligung des Polen sei
klar thematisiert worden. Der Privatkläger habe erklärt, nicht in den Unterlagen
seiner Sekretärin wühlen zu können. Man solle die Geduld haben zu warten, bis
sie komme. Man habe den Privatkläger ultimativ aufgefordert, entweder die Bewil-
ligung zu zeigen oder auf den Posten mitzukommen. Man habe ihn gebeten, frei-
willig mitzukommen. Man habe erwähnt, dass Kollusionsgefahr bestehe, weshalb
man ihn mitnehmen müsse, falls er nicht freiwillig komme (S. 10). Dass der Pri-
vatkläger dem Polizisten Schläge angedroht habe, habe er nicht gehört. Er habe
sich weder zu Wort gemeldet noch anderweitig interveniert. Er habe in seinem
Büro stets am Tisch sitzend gearbeitet.
5.4.2. Aus den Aussagen des Zeugen O._ geht hervor, dass er die vor-
läufige Festnahme des Privatklägers aus einer Distanz von 5 bis 6 Metern und
damit wie Zeuge I._ aus nächster Nähe mitverfolgen konnte. Dennoch äus-
serte er teilweise blosse Vermutungen, seine persönlichen Wertungen und Bege-
benheiten vom Hören Sagen und traf Annahmen. Obwohl er sich in unmittelbars-
ter Nähe bei offener Türe in seinem Büro aufgehalten hatte und die Polizeibeam-
ten von hinten sehen konnte (Urk. 6/7 S. 8 ff.), wusste er nach rund zwei Jahren
vieles nicht mehr, anderes dagegen schon. So wusste er zum Beispiel noch, dass
der Privatkläger sicher nicht einen Polizeibeamten beschimpft habe. Die Aussa-
gen des Zeugen wirken über weite Strecken nicht sehr glaubhaft und hinterlassen
den Eindruck, als habe er den Privatkläger mit seinen Antworten in ein möglichst
gutes Licht rücken wollen, weshalb nicht vorbehaltlos zu Lasten der Beschuldig-
ten auf diese Aussagen abgestellt werden kann.
5.5. Anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befragung als Zeuge vom
13. März 2012 gab M._, seit April 2001 beim Privatkläger angestellter Baulei-
- 27 -
ter mit "mässig freundschaftlicher" Beziehung, im Wesentlichen zu Protokoll
(Urk. 6/8 S. 3 ff.), er sei auch für die Reitanlage ... zuständig gewesen. Am 7. Ap-
ril 2010 habe ihn der Polier N._ über die Anwesenheit der Polizei telefonisch
informiert. Dort angekommen, sei er vom Beschuldigten B._ nach dem Pri-
vatkläger gefragt worden. Er habe geantwortet, dieser sei im Büro in einer Be-
sprechung. Der Beschuldigte B._ habe zu ihm gesagt, er dürfe nicht mit dem
Privatkläger telefonieren und solle vor Ort bleiben. Er habe das Wort Kollusions-
gefahr gehört, aber nicht gewusst, was dies sei. Über den Polen E._
(E._) habe er gewusst, dass dieser Pferdepfleger sei. Er wisse nicht, wann
dieser dort zu arbeiten angefangen habe. Dieser sei irgendwann einmal zwei oder
drei Wochen vorher dort gewesen. Dies sei nach seinem Empfinden. Er wisse es
nicht genauer. Er glaube nicht, dass er mit den Polizisten über den Polen gespro-
chen habe. Die Anstellungszeit des Polen sei kein Thema gewesen. Er sei dazu-
gekommen, kurz bevor der Pole aus dem Haus geführt worden sei. Über Auswei-
se oder Bewilligungen des Polen habe er nichts gewusst. Dass der Beschuldigte
B._ irgendwann einmal gesagt haben soll: "A._, Du Sau, ich hol Di!",
habe er nicht gehört. Auch über Drohungen habe er nichts gehört.
6. Den vorstehend wiedergegebenen Aussagen der Zeugen L._,
I._, H._, N._, K._, O._ und M._ ist neben den Aus-
wirkungen des nach beinahe zwei Jahren verblassten Erinnerungsvermögens ein
sichtliches Wohlwollen gegenüber dem Privatkläger gemeinsam. Aus den Befra-
gungen geht ein Bestreben hervor, seinen Arbeitgeber, Geschäftspartner, Auf-
traggeber oder Ehepartner möglichst nicht in ein schlechtes Licht stellen zu müs-
sen.
6.1. Diesen Zeugenaussagen lässt sich zusammenfassend weiter entneh-
men, dass sowohl der Zeuge I._, als auch der Zeuge O._, welche beide
die Geschehnisse anlässlich der vorläufigen Festnahme aus nächster Nähe mit-
verfolgt hatten, die Frage, ob der Privatkläger damals Anstalten gemacht habe,
nach den Unterlagen bzw. der Bewilligung des Polen zu suchen, ausdrücklich
verneinten. O._ betonte indes, die Bewilligung des Polen sei klar thematisiert
worden. Ferner bestätigten diese beiden Zeugen, dass der Privatkläger mehrmals
(ca. drei Mal) aufgefordert worden ist, freiwillig mitzukommen, was der Privatklä-
- 28 -
ger vor Vorinstanz bestätigte (Prot. I S. 35). O._ meinte diesbezüglich, man
habe den Privatkläger ultimativ aufgefordert, entweder die Bewilligung zu zeigen
oder auf den Posten mitzukommen. Man habe erwähnt, dass Kollusionsgefahr
bestehe, weshalb man ihn mitnehmen müsse, falls er nicht freiwillig komme. Der
Anklagesachverhalt (Urk. 24 S. 4) erweist sich in diesem Punkt somit als erstellt.
6.2. Weiter bestätigten die Zeugen I._ und O._, dass der Privat-
kläger während der Anwesenheit der Beschuldigten C._ und D._ in sei-
nem Büro – entgegen der vorinstanzlichen Beweiswürdigung (Urk. 79 S. 31 u.,
S. 33, 2. Absatz, S. 34 letzter Absatz) – versucht hatte, seine Ehefrau telefonisch
zu erreichen und dass er diesen beiden erklärt habe, er sei in einer wichtigen Sit-
zung und werde sich danach wieder melden. Letzteres hatte auch Zeuge H._
bestätigt. Seine dafür zuständige Ehefrau werde ca. in einer halben bzw. in einer
Stunde da sein. Die Ehefrau des Privatklägers hatte diesbezüglich als Zeugin in-
des zu Protokoll gegeben, am 7. April 2010 erstmals um ca. 14.30 Uhr durch ein
Telefonat eines Mitarbeiters damit konfrontiert worden zu sein, dass die Polizei
eine Kontrolle durchgeführt habe (vgl. vorstehend, Erw. II.3.9.a.E.).
6.2.1. Daraus lässt sich zweifelsfrei schliessen, dass der Privatkläger seine
Ehefrau nicht erreicht hatte, wie er selber stets bestätigte (Urk. 5 S. 4 ff.; Prot. I
S. 35). Daraus ergibt sich weiter, dass er den Polizeibeamten unter diesen Um-
ständen auch nicht ernsthaft anbieten konnte, seine Ehefrau würde, wovon im
Anklagesachverhalt ausgegangen wird, innert einer halben Stunde bzw. "inner-
halb der nächsten Minuten" oder "demnächst" erscheinen und die Arbeitsbewilli-
gung vorlegen (Urk. 24 S. 3 u.). Da der Privatkläger seine Ehefrau nicht erreicht
hatte, konnte er dies entgegen seiner Aussage als Auskunftsperson (Urk. 5 S. 11)
weder wissen noch zusichern. Dies entspricht auch den Aussagen der Beschul-
digten C._ und D._ anlässlich der Berufungsverhandlung, in welchen sie
verneinten, dass der Privatkläger ihnen gegenüber gesagt hätte, seine Frau wer-
de bald kommen (Prot. II S. 18 und S. 23). Selbst wenn der Privatkläger den Be-
schuldigten gesagt hätte, dass seine Frau demnächst kommen werde, hätten die-
se nicht wissen können, ob dies tatsächlich zutrifft oder eine Hinhaltetaktik ist,
nachdem der Privatkläger seine Frau ja nicht erreichen konnte. Entgegen der Auf-
fassung des Vertreters des Privatklägers machte das Telefonat des Beschuldigten
- 29 -
C._ an den Beschuldigten B._ nicht nur dann Sinn, wenn der Privatklä-
ger gesagt hätte, dass seine Frau bald kommen und die Arbeitsbewilligung zeigen
werde (Urk. 101 S. 28). Vielmehr hätte der Beschuldigte C._ den Beschuldig-
ten B._ nicht anzurufen brauchen, wenn der Privatkläger überzeugend hätte
darlegen können, dass seine Frau demnächst komme und die Arbeitsbewilligung
vorlegen könne, denn diesfalls hätte für die Beschuldigten kein Anlass bestanden,
den Privatkläger festzunehmen. Aufgrund des unkooperativen Verhaltens des Pri-
vatklägers und mangels Vorlage der Bewilligung hatte der Beschuldigte C._
hingegen Anlass, seinen Vorgesetzten B._ anzurufen, um nach Rücksprache
mit diesem die Festnahme vornehmen zu können. Der Anklagesachverhalt lässt
sich daher in diesem Punkt nicht erstellen.
6.2.2. Gemäss seinen eigenen Aussagen vor Vorinstanz wusste der Privat-
kläger nicht, wo die Arbeitsbewilligung abgelegt worden war. Er führte aus, dies
hätte eine Suche von 15 Minuten bedeuten können (Prot. I S. 39). Laut den über-
einstimmenden und unwiderlegbaren Aussagen des Privatklägers und seiner
Ehefrau hatte er selber dieses Dokument am 6. April 2010 vom Polen E._
überreicht erhalten und anschliessend noch am selben Tag im ...-Büro "F._"
an seine Ehefrau weitergegeben. Diese hatte das Dokument in der Folge dort of-
fenbar in einer Klarsichtmappe in ihr Pendenzenfach gelegt, da sie noch weitere
Abklärungen habe treffen wollen (vorstehend, Erw. II.3.8.2. und 3.9.; Urk. 6/3
S. 5 ff.).
6.2.3. Demnach hatte der Privatkläger die Bewilligung laut unwiderlegbaren,
übereinstimmenden Aussagen erst am Vortag im ...-Büro seiner Ehefrau überge-
ben, weshalb er nicht ernsthaft annehmen und gegenüber den Beschuldigten
C._ und D._ geltend machen konnte, die Bewilligung sei für ihn nicht
greifbar. Ausserdem hatte er selber ausgesagt, gewusst und dem Beschuldigten
D._ gesagt zu haben, dass sie die Bewilligung im Büro gehabt hätten (Urk. 5
S. 9; Prot. I S. 35). Kommt hinzu, dass gemäss den Aussagen der Beschuldigten
C._ und D._ in der Berufungsverhandlung vom Privatkläger gar nicht
erwähnt worden sei, dass seine Frau die Arbeitsbewilligung habe (Prot. II S. 18
und S. 23), weshalb Zweifel dran bestehen, ob der Privatkläger überhaupt er-
wähnte, dass eine Arbeitsbewilligung vorhanden sei. Auf jeden Fall musste bei
- 30 -
den Beschuldigten unter diesen Umständen der Eindruck entstehen, dass der
polnische Mitarbeiter über keine Arbeitsbewilligung verfügte.
6.2.4. Weshalb der Privatkläger angesichts dieser Begebenheiten gemäss
übereinstimmenden Aussagen der beiden Zeugen I._ und O._ keine
Anstalten machte, nach der Bewilligung zu suchen, resp. laut den Beschuldigten
C._ und D._ sich weigerte, dieses Papier den Polizeibeamten vorzuwei-
sen, ist nicht leicht nachzuvollziehen, zumal laut Zeuge I._ kein Grund be-
stand, ihre Besprechung nicht zu unterbrechen (Urk. 6/1 S. 8). Noch weniger ver-
ständlich ist dies, nachdem sein polnischer Mitarbeiter, E._, sich zur selben
Zeit bereits in Polizeigewahrsam befand, und der Privatkläger diesen durch das
simple Vorweisen der in unmittelbarer Nähe im Büro seiner Ehefrau mit geringem
zeitlichen Aufwand für ihn greifbaren Bewilligung hätte aus der Haft erlösen kön-
nen.
7. Zusammenfassend ist somit erwiesen, dass die Beschuldigten C._
und D._ erst zur vorläufigen Festnahme des Privatklägers schritten, nach-
dem dieser definitiv nicht bereit war, den Polizeibeamten die für ihn innert kürzes-
ter Zeit greifbare Zusicherung der Aufenthaltsbewilligung des Migrationsamtes
des Kantons Luzern vom 22. Januar 2010 (Urk. 3/3) vorzuweisen und sie ihn al-
ternativ mehrmals dazu aufgefordert hatten, sie stattdessen freiwillig zu einer pro-
tokollarischen Befragung auf den Polizeiposten Urdorf zu begleiten, nachdem sie
ihm auch den Haftgrund der Kollusionsgefahr dargelegt hatten. Anhaltspunkte da-
für, dass die beiden Beschuldigten bei der Festnahme unverhältnismässige Ge-
walt angewendet hätten, welche die körperliche Unversehrtheit stärker beein-
trächtigt hätte, als es einer solchen Zwangsmassnahme üblicherweise ohnehin
immanent ist, gehen weder aus den Aussagen des Privatklägers noch aus jenen
der Zeugen I._ und O._ hervor (Urk 6/1 S. 12; Urk. 6/7 S. 11 f.).
8. Der Vertreter des Privatklägers machte anlässlich der Berufungsverhand-
lung geltend, der Beschuldigte B._ habe auf dem Bauplatz eine Amtsge-
heimnisverletzung begangen, da die anderen anwesenden Personen das Telefo-
nat mit dem Privatkläger mitbekommen hätten und da er den Slowaken als Dol-
metscher beigezogen habe (Urk. 101 S. 19 f. und S. 94 ff., Prot. II S. 27 E1).
Ebenso habe der Beschuldigte C._ eine Amtsgeheimnisverletzung began-
- 31 -
gen, als er im Sitzungszimmer des Privatklägers in Anwesenheit von I._ und
in Hörweite von O._ mit dem Privatkläger über die gegen ihn erhobenen
Vorwürfe gesprochen habe (Urk. 101 S. 24 ff. und S. 94 ff.). Bei den Gesprächen
der Beschuldigten mit dem Privatkläger ging es um Vorabklärungen. Inwiefern sie
dadurch ein Amtsgeheimnis preisgegeben haben oder für die Polizeibeamten eine
Amtsgeheimnisverletzung hätte erkennbar sein sollen, ist nicht ersichtlich. Es wä-
re nicht praktikabel, sondern realitätsfremd gewesen, alle Anwesenden wegzu-
schicken, bevor man mit dem Privatkläger hätte reden können. Einen Anwesen-
den beizuziehen, um bei der Übersetzung eines Gesprächs mit jemandem, wel-
cher der deutschen Sprache nicht mächtig ist, zu helfen, ist sodann ein normaler
Lebensvorgang. Würden sich Polizeibeamte jedes Mal einer Amtsgeheimnisver-
letzung strafbar machen, wenn sie mit einem Verdächtigen in der Öffentlichkeit
reden und diesen festnehmen würden, würde dies die Polizeiarbeit stark ein-
schränken. Ausserdem fällt auf, dass der Vertreter des Privatklägers während den
beinahe 5 Jahren seit dem eingeklagten Vorfall nie eine Amtsgeheimnisverletzung
geltend machte und erst heute eine solche thematisierte. Aus den genannten
Gründen besteht kein Anlass, diesen Vorwürfen weiter nachzugehen und wurde
zu Recht keine Anzeige erhoben. Ebenso wenig ist deshalb - entgegen der Auf-
fassung des Vertreters des Privatklägers (Urk. 101 S. 98 f.) - von einer Begünsti-
gung durch die Strafverfolger oder Richter auszugehen, welche gemäss Auffas-
sung des Vertreters des Privatklägers ihrer Anzeigepflicht nicht nachgekommen
seien.
9. Hinsichtlich der rechtlichen Voraussetzungen einer rechtmässigen Fest-
nahme kann vorab auf die Erwägungen im angefochtenen Urteil verwiesen wer-
den (Urk. 79 S. 35 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
9.1. Der Vorderrichter hat den rechtlichen Erwägungen die zum Zeitpunkt
der anklagegegenständlichen Geschehnisse noch geltende Strafprozessordnung
des Kantons Zürich (StPO ZH) zu Grunde gelegt, wonach gemäss den damals
anwendbaren Bestimmungen die Polizeiorgane bei Vorliegen eines ein Vergehen
oder Verbrechen betreffenden dringenden Tatverdachtes und eines Haftgrundes
dazu verpflichtet waren, eine Person festzunehmen (§ 54 Abs. 1 Ziff. 2 StPO ZH;
§ 58 Abs. 1 StPO ZH). Er hat zudem zutreffend darauf hingewiesen, dass für die
- 32 -
Beurteilung, ob ein dringender Tatverdacht vorlag, nach der Zürcher Strafpro-
zessordnung massgebend war, ob im Zeitpunkt der vorläufigen Festnahme mit
hoher Wahrscheinlichkeit damit gerechnet werden konnte, dass der Verdächtige
das betreffende Verbrechen oder Vergehen begangen hat, wobei diese Beurtei-
lung aufgrund einer ex ante Betrachtung zu erfolgen hat.
9.2. Die Verteidigung des Beschuldigten B._ machte anlässlich der Be-
rufungsverhandlung geltend, dass aufgrund der lex-mitior-Regel gemäss Art. 2
Abs. 2 StGB betreffend die Voraussetzungen der vorläufigen Festnahme die
Schweizerische StPO anwendbar sei, da das geänderte Prozessrecht unmittelba-
re Auswirkungen auf die objektiven Straftatbestände der Freiheitsberaubung und
des Amtsmissbrauchs habe und für die Beschuldigten das mildere Recht sei
(Urk. 105 S. 6 ff.).
9.3. Die vorläufige Festnahme nach Art. 217 ff. der Schweizerischen StPO
setzt - im Gegensatz zur Strafprozessordnung des Kantons Zürich - keinen drin-
genden Tatverdacht und Haftgründe im Sinne von Art. 221 voraus. Ein hinrei-
chender Tatverdacht, ein Prima-facie-Beweis, wie er sich aus den Voraussetzun-
gen der vorläufigen Festnahme sowohl nach Art. 217 Abs. 1 und 2 wie auch nach
Art. 218 Abs. 1 StPO ergibt, genügt (Weder, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, StPO
Komm., 2. Aufl. 2014, Art. 217 N 11; BSK StPO-Albertini/Armbruster, 2. Aufl.
2014, Art. 217 N 2), wobei selbstredend stets der Verhältnismässigkeitsgrundsatz
zu beachten ist (Art. 197 Abs. 1 lit. d StPO). Die neue StPO hat somit tatsächlich
Einfluss auf die Strafbarkeit gemäss Art. 183 und Art. 312 StGB, da die Tatbe-
standsmerkmale bzw. Unrechtsmerkmale dieser Tatbestände ("unrechtmässig")
bei einer vorläufigen Festnahme nach Art. 217 ff. der Schweizerischen StPO we-
niger schnell erfüllt sind als bei einer solchen nach § 54 ff. StPO ZH. Deshalb
kommt die Rückwirkung des milderen Rechts gemäss Art. 2 Abs. 2 StGB zur An-
wendung, auch wenn es sich um eine Gesetzesrevision über die Prozessregeln
handelte (vgl. BSK StGB I-Popp/Berkemeier, 3. Aufl. 2013, Art. 2 N 14 f.). Damit
kommen vorliegend grundsätzlich die Bestimmungen der Schweizerischen StPO
betreffend die vorläufige Festnahme zur Anwendung, da sie gegenüber der Best-
immungen der Strafprozessordnung des Kantons Zürich die milderen sind. Aller-
dings ist das Vorliegen eines dringenden Tatverdachts ohnehin erstellt und war
- 33 -
der Haftgrund der Kollusionsgefahr im Zeitpunkt der vorläufigen Festnahme des
Privatklägers ebenfalls gegeben (vgl. vorstehend, Erw. II.4.1. f., II.7.), weshalb die
Verhaftung ex ante, aus dem damaligen Wissenstand der Beschuldigten betrach-
tet, selbst nach den Voraussetzungen gemäss der Stafprozessordnung des Kan-
tons Zürich zulässig war.
9.4. Das Festnahmerecht bzw. die Festnahmepflicht wird sowohl nach neu-
en wie auch nach altem Prozessrecht durch den Grundsatz der Verhältnismässig-
keit, vor allem durch das Subsidiaritätsprinzip relativiert. Gestützt darauf ist der
Betroffene wenn immer möglich zunächst aufzufordern, sich dem Beamten freiwil-
lig zu stellen bzw. ihm freiwillig zur Einvernahme zu folgen (Donatsch, in Kom-
mentar zur Strafprozessordnung des Kantons Zürich, N 9 zu § 54 StPO ZH; We-
der, a.a.O., Art. 217 N 8 und N 12).
9.5. Wie bereits dargelegt, forderten die Beschuldigten ihren strafprozessua-
len Pflichten folgend den Privatkläger vor der vorläufigen Festnahme zunächst
mehrmals auf, die Arbeitsbewilligung seines polnischen Mitarbeiters vorzulegen,
resp. sie freiwillig zur Einvernahme zu begleiten (Donatsch, a.a.O., § 54 N 9). Der
Privatkläger kam dieser Aufforderung trotz der Androhung der Zwangsmassnah-
me nicht nach. Seine vorläufige Festnahme erweist sich somit auch als verhält-
nismässig, zumal der Privatkläger um 15.35 Uhr, mithin nach 50 Minuten, umge-
hend wieder auf freien Fuss gesetzt wurde, als der anfängliche Tatverdacht besei-
tigt war. Der Ermessensspielraum von Polizeibeamten ist in einer solchen Situati-
on gross und es ist nicht ersichtlich, dass die Beschuldigten ihr Ermessen miss-
bräuchlich ausgeübt hätten. Das unkooperative Verhalten des Privatklägers und
die Unklarheit, ob eine Arbeitsbewilligung vorliegt, reichte aus, um eine vorläufige
Festnahme vorzunehmen.
9.6. Demzufolge fehlt es bereits am objektiven Tatbestand der Unrechtmäs-
sigkeit der Festnahme, weshalb das Vorgehen der Beschuldigten den Tatbestand
der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB nicht erfüllt. Im
Übrigen liesse sich auch nicht nachweisen, dass die Beschuldigten den Privatklä-
ger wissentlich und willentlich unrechtmässig festgenommen haben. Die Beschul-
digten sind daher vom Vorwurf der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183
Ziff. 1 Abs. 1 StGB freizusprechen.
- 34 -
10. Auch hinsichtlich der rechtlichen Voraussetzungen des Tatbestandes
des Amtsmissbrauchs im Sinne von Art. 312 StGB kann vollumfänglich auf die zu-
treffenden Erwägungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 79
S. 38 ff.).
10.1. Da die gesetzlich notwendigen Voraussetzungen einer Verhaftung,
wie vorstehend dargelegt, erfüllt waren, die vorläufige Festnahme des Privatklä-
gers mithin rechtskonform und verhältnismässig war, kann auch keine unrecht-
mässige Anwendung von Amtsgewalt und damit auch kein Missbrauch der Amts-
gewalt im Sinne von Art. 312 StGB vorliegen.
10.2. Die Beschuldigten sind daher auch vom Vorwurf des Amtsmiss-
brauchs im Sinne von Art. 312 StGB freizusprechen.
III. Zivilansprüche
Das vor Vorinstanz noch gestellte Begehren des Privatklägers um Entrich-
tung einer Genugtuung (Urk. 65 S. 2 f.) wurde anlässlich der Berufungsverhand-
lung nicht mehr gestellt (Urk. 101 S. 2 f. und S. 11).
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das erstinstanzliche Kosten- und
Entschädigungsdispositiv (Ziff. 5 bis 9), mit Ausnahme der vom Beschuldigten
B._ mit seiner Anschlussberufung angefochtenen Höhe der ihm zugespro-
chenen Prozessentschädigung (Ziff. 6) zu bestätigen.
2. Die Verteidigung des Beschuldigten B._ macht mit Anschlussberu-
fung einzig geltend, die für die vormalige Verteidigung im Vorverfahren zugespro-
chene Prozessentschädigung von Fr. 16'250.– sei nicht zu beanstanden. Dage-
gen sei sein Aufwand für das Hauptverfahren durch die vorinstanzlich bemesse-
nen Fr. 6'000.– Grundgebühr, zuzüglich Fr. 500.– für Auslagen, nicht gedeckt. Sie
beantragt eine Entschädigung von Fr. 9'227.50, entsprechend einem Stunden-
aufwand von 36.91 Stunden, sowie Fr. 1'004.– für Auslagen, zuzüglich Mehrwert-
steuer, für das gerichtliche Verfahren vor Vorinstanz gemäss ihren mit ihrer Kos-
- 35 -
tennote belegten Aufwendungen, da der vorliegende Fall einige Schwierigkeiten
geboten habe (Urk. 105 S. 2 und S. 13; Urk. 100; Urk. 87 S. 2 f.; Urk. 62).
2.1. Gemäss Art. 436 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO hat
die beschuldigte Person, wenn sie freigesprochen wird, Anspruch auf Entschädi-
gung für ihre Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrens-
rechte. Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach den Anwaltstarifen und
nach dem Zeitaufwand, den der Verteidiger aufgewendet hat. Zumindest dem
Grunde nach sollen diese Verteidigungskosten voll entschädigt werden. Die Be-
mühungen des Anwaltes müssen im Umfang aber den Verhältnissen entspre-
chen, d.h. sachbezogen und angemessen sein. Die Verteidigungskosten müssen
mithin in einem vernünftigen Verhältnis zur Komplexität bzw. Schwierigkeit des
Falles und zur Wichtigkeit der Sache stehen (Wehrenberg/Frank, in: Basler Kom-
mentar Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Auflage 2014, N 15 f. zu Art. 429
StPO).
2.2. Die von der Verteidigung für das vorinstanzliche Gerichtsverfahren gel-
tend gemachte Entschädigung von Fr. 10'231.50, zuzüglich MWSt, das heisst
insgesamt Fr. 11'050.–, erweist sich nicht als unangemessen. Dabei ist zu beach-
ten, dass der vormaligen Verteidigung des Beschuldigten für das Vorverfahren mit
Fr. 16'250.–, zuzüglich MWSt, bereits annährend so viel entschädigt wurde, wie
für die vergleichbare Verteidigung des Beschuldigten C._ für das Vorverfah-
ren und das erstinstanzliche Gerichtsverfahren zusammen (Urk. 62 S. 1). Der
Verteidiger des Beschuldigten B._ weist zurecht darauf hin, dass er die Ver-
teidigung erst nach der Anklageerhebung übernommen hat und zusätzlich zu den
Mandaten bei den anderen Beschuldigten ein längerer Einarbeitungsaufwand als
Vorbereitung des Parteivortrages vor Vorinstanz hinzukam. Der dafür in der Ho-
norarnote vom 12. März 2014 geltend gemachte Aufwand für das Aktenstudium
und die Vorbereitung des vorinstanzlichen Verteidigungsplädoyers erweisen sich
daher als sachbezogen und angemessen. Es ist daher der gesamte geltend ge-
machte Aufwand zu berücksichtigen und dem Beschuldigten B._ für das
Vorverfahren und das gesamte vorinstanzliche Gerichtsverfahren eine Prozess-
entschädigung für anwaltliche Verteidigung von insgesamt Fr. 27'300.– (inkl.
MWSt) zuzusprechen.
- 36 -
3. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massga-
be ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). In Art. 428 StPO
wird lediglich die Auflage der Verfahrenskosten (Art. 422 StPO) nicht aber der
Entschädigungen und Genugtuungen geregelt. Wie diese im Rechtsmittelverfah-
ren zu verlegen sind, ist in Art. 436 StPO geregelt. Als Partei im Sinne von
Art. 428 StPO kommt nicht nur die beschuldigte Person, sondern auch die Privat-
klägerschaft in Frage (Art. 104 Abs. 1 StPO; Domeisen, in: Basler Kommentar
Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Auflage 2014, N 3 f. zu Art. 428 StPO).
4. Der Privatkläger beantragte mit seiner Berufung die Schuldigsprechung
und angemessene Bestrafung der drei Beschuldigten (Urk. 80/1 S. 3). Nachdem
die Beschuldigten freizusprechen sind und der Beschuldigte B._ mit seiner
Anschlussberufung betreffend vorinstanzliche Prozessentschädigung obsiegt, un-
terliegt der Privatkläger vollumfänglich, weshalb ihm ausgangsgemäss die Verfah-
renskosten aufzuerlegen sind.
5. Für das Berufungsverfahren haben alle drei Beschuldigten die Zuspre-
chung einer Prozessentschädigungen beantragt (Urk. 103 S. 1; Urk. 105 S. 2;
Urk. 106 S. 1). Art. 436 Abs. 1 StPO verweist für die Ansprüche auf Entschädi-
gung und Genugtuung im Rechtsmittelverfahren auf die Artikel 429 – 434 StPO.
5.1. Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder
wird das Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie Anspruch auf Entschädigung
ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte
(Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO); auf Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen,
die ihr aus ihrer notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind
(lit. b) sowie auf Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persönli-
chen Verhältnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug (lit. c). Die Strafbehörde prüft
den Anspruch von Amtes wegen. Sie kann die beschuldigte Person auffordern, ih-
re Ansprüche zu beziffern und zu belegen (Abs. 2).
5.2. Die Aufwendungen für die Verteidigung des Beschuldigten B._ sind
ausgewiesen und betrugen ohne die Berufungsverhandlung Fr. 5'212.60
(Urk. 100). Zusätzlich ist der Aufwand für die Berufungsverhandlung inkl. Weg
und eine Nachbesprechung von insgesamt 6.75 Stunden zu berücksichtigen, was
- 37 -
bei einem Stundenansatz von Fr. 250.– einen Betrag von insgesamt Fr. 7'035.10
(inkl. MWSt) ergibt.
Die Aufwendungen für die Verteidigung des Beschuldigten C._ sind
ausgewiesen und betrugen ohne die Berufungsverhandlung Fr. 5'7984.40
(Urk. 104). Zusätzlich ist der Aufwand für die Berufungsverhandlung inkl. Weg
und eine Nachbesprechung von insgesamt 6.75 Stunden zu berücksichtigen, was
bei einem Stundenansatz von Fr. 250.– einen Betrag von insgesamt Fr. 7'606.90
(inkl. MWSt) ergibt. Allerdings ist darin auch der Aufwand enthalten, der für das
Berufungsverfahren SB140334, in welchem der Beschuldigte C._ in der Rol-
le des Privatklägers Berufungskläger ist, notwendig war. Gestützt auf das Plädo-
yer des Verteidigers zu beiden Verfahren ist davon auszugehen, dass für das vor-
liegende Verfahren 1⁄4 und für das Berufungsverfahren SB140334 3⁄4 der geltend
gemachten Zeit verwendet wurde (vgl. dazu Urk. 103). Für das vorliegende Ver-
fahren kann deshalb nur 1⁄4 von Fr. 7'606.90 berücksichtigt werden, was ein Be-
trag von Fr. 1'901.75 ergibt.
Die Aufwendungen für die Verteidigung des Beschuldigten D._ sind
ausgewiesen und betrugen ohne die Berufungsverhandlung Fr. 1'766.45 (Urk. 99,
Urk. 107). Zusätzlich ist der Aufwand für die Berufungsverhandlung inkl. Weg und
eine Nachbesprechung von insgesamt 6.75 Stunden zu berücksichtigen, was bei
einem Stundenansatz von Fr. 280.– einen Betrag von insgesamt Fr. 3'807.65
(inkl. MWSt) ergibt.
5.3. Art. 432 StPO sieht vor, dass die obsiegende beschuldigte Person ge-
genüber der Privatklägerschaft Anspruch auf angemessene Entschädigung für die
durch die Anträge zum Zivilpunkt verursachten Aufwendungen hat (Abs. 1). Der
Gesetzgeber hat eine Regelung entworfen, welche die Möglichkeit vorsieht, den
freigesprochenen Beschuldigten zu entschädigen. Aus Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO
ergibt sich, dass die Verteidigungskosten betreffend den Strafpunkt grundsätzlich
zu Lasten des Staates gehen. Es handelt sich um eine Folge des Grundsatzes,
wonach die Verantwortung für die Strafverfolgung dem Staat obliegt. Aus diesem
Grunde bestimmte der Gesetzgeber Korrekturen für Situationen, in denen das
Verfahren mehr im Interesse der Privatklägerschaft geführt wird oder wenn Letz-
tere dessen Durchführung absichtlich erschwert hat (vgl. Art. 432 StPO). Wenn
- 38 -
die Berufung nur durch die einzige Privatklägerschaft eingelegt wurde, darf die
Tatsache nicht übersehen werden, dass es dann keinen staatlichen Eingriff hin-
sichtlich der Fortsetzung des Verfahrens vor der Beschwerdeinstanz mehr gibt.
Folglich ergibt sich eine vergleichbare Situation, wie sie in Art. 432 StPO um-
schrieben ist, insoweit die Fortsetzung des Verfahrens ausschliesslich vom Willen
der Privatklägerschaft abhängt. Es entspricht daher dem vom Gesetzgeber ge-
schaffenen System, dass in einem solchen Fall die Privatklägerschaft die Vertei-
digungskosten der beschuldigten Person vor der Berufungsinstanz zu tragen hat
(BGE 139 IV 45 E. 1.2 = Pra 102 [2013] Nr. 60).
5.4. Der Privatkläger A._ ist demnach zu verpflichten, dem Beschuldig-
ten B._ eine Prozessentschädigung von Fr. 7'035.10, dem Beschuldigten
C._ eine solche von Fr. Fr. 1'901.75 und dem Beschuldigten D._ eine
solche von Fr. Fr. 3'807.65 (je inkl. MWSt) für anwaltliche Verteidigung im Beru-
fungsverfahren zu bezahlen.
6. Gemäss Art. 433 Abs. 1 lit. b StPO kann ein Freigesprochener zu einer
Entschädigung an den Privatkläger verpflichtet werden, wenn die gleichen Vor-
aussetzungen erfüllt sind, welche es erlauben, ihm die Kosten aufzuerlegen. Wie
hiervor ausgeführt, sind diese Voraussetzungen vorliegend nicht erfüllt, weshalb
dem Privatkläger keine Prozessentschädigung zuzusprechen ist.