Decision ID: 81c089d8-ccf3-4c43-806a-437d873588e0
Year: 2005
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

I. Im April 2003 stellte A, im Jahr 1979 geborene Staatsangehörige Brasiliens, bei der Direktion für Soziales und Sicherheit (Migrationsamt) ein Gesuch um Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung. Die Direktion wies das Gesuch mit Verfügung vom 14. Oktober 2003 ab. Zwei Versuche, die Verfügung an verschiedene Adressen zuzustellen, scheiterten.
Am 3. Juni 2004 teilte das Bundesamt für Zuwanderung, Integration und Auswanderung (IMES; nunmehr Bundesamt für Migration) A mit, dass die kantonale Wegweisungsverfügung rechtskräftig geworden sei und auf die ganze Schweiz ausgedehnt werde.
II.
Am 28. Juni 2004 ersuchte A das IMES um die Feststellung, dass die erwähnte Wegweisungsverfügung nicht in Rechtskraft erwachsen sei. Nachdem sich das IMES in einem Brief für unzuständig erklärte hatte, gelangte A am 6. Juli 2004 mit demselben Begehren an die Direktion für Soziales und Sicherheit. Am 14. Oktober stellte sie den Antrag sodann auch beim Regierungsrat.
Mit Beschluss vom 15. Dezember 2004 stellte der Regierungsrat fest, dass die Wegweisungsverfügung formell rechtskräftig geworden sei. Nach der Begründung des Entscheids hat die Frist zur Anfechtung der Verfügung mit der Akteneinsicht zu laufen begonnen, die dem Anwalt von A im April 2004 gewährt wurde.
III.
Mit Beschwerde vom 3. Februar 2005 beantragte A neben der Aufhebung des regierungsrätlichen Entscheids die Feststellung, dass die Verfügung vom 14. Oktober 2003 nicht in Rechtskraft erwachsen sei. Weiter beantragte sie die Zusprechung einer Parteientschädigung. Der Regierungsrat beantragte die Abweisung der Beschwerde; die Direktion für Soziales und Sicherheit liess sich nicht vernehmen.

Die Kammer zieht in Erwägung:
Die Kammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Das Verwaltungsgericht ist in ausländerrechtlichen Fällen zuständig, soweit die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ans Bundesgericht offen steht (§ 43 Abs. 2 in Verbindung mit Abs. 1 lit. h des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959, VRG, LS 175.2).
Gemäss Art. 97 Abs. 1 des Bundesrechtspflegegesetzes vom 16. Dezember 1943 (OG, SR 173.110) in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde auch gegen die Abweisung von Feststellungsbegehren gegeben (vgl. Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 19 N. 64). Die vorliegend zu beurteilende Angelegenheit fällt sodann nicht in den bundesrechtlichen Ausnahmekatalog (vgl. Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 OG), da die Beschwerdeführerin mit einem Schweizer verheiratet ist und somit grundsätzlich einen Anspruch auf Bewilligungsverlängerung hat (Art. 7 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer, ANAG, SR 142.20). Mit einem Feststellungsentscheid, dass die ablehnende Verfügung der Beschwerdegegnerin (Verweigerung der Bewilligungsverlängerung; im Folgenden kurz Wegweisungsverfügung) noch nicht rechtskräftig geworden ist, würde im Übrigen lediglich gesagt, dass die Beschwerdeführerin die Frist zur Einreichung eines Rekurses eingehalten hat. Einen Entscheid in der Sache hätte das Verwaltungsgericht schon deshalb nicht zu fällen, da der Regierungsrat die Anordnung der Beschwerdegegnerin inhaltlich nicht überprüfte. Eine Gutheissung der vorliegenden Beschwerde hätte lediglich zur Folge, dass die Sache an den Regierungsrat zu überweisen wäre, worauf dieser einen Sachentscheid zu fällen hätte.
Einem Feststellungsentscheid steht damit auch nicht § 43 Abs. 2 VRG in Verbindung mit Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 OG im Wege, wonach das Verwaltungsgericht die Frage der Wegweisung nicht überprüfen darf. Vorliegend geht es weder um die Frage der Rechtmässigkeit der Bewilligungsverweigerung noch um die daraus folgende Wegweisung, sondern einzig um die Frage der Zustellung der Wegweisungsverfügung und damit um die Rechtzeitigkeit der Rekurserhebung. Aus Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 OG folgt dagegen, dass auf die Beschwerde nicht einzutreten ist, soweit damit die Aufhebung der vorinstanzlichen Vollzugsanordnungen beantragt wird.
1.2 Gemäss § 41 VRG sind letztinstanzliche Anordnungen von Verwaltungsbehörden an das Verwaltungsgericht weiterziehbar. Unter diesen Begriff fallen sowohl Rechtsmittelentscheide als auch Verfügungen des Regierungsrats (Kölz/Bosshart/Röhl, § 41 N. 5 in Verbindung mit N. 28 f.). Im Rahmen der Eintretensfrage kann deshalb offen gelassen werden, ob der Regierungsrat als verfügende Behörde oder als Rechtsmittelinstanz tätig wurde.
1.3 Wenn die Verwaltungsgerichtsbeschwerde, wie hier, zulässig ist, ergeben sich die Anforderungen an die Beschwerdelegitimation aus Art. 103 lit. a in Verbindung mit Art. 98a Abs. 3 OG. Danach ist zur Beschwerde legitimiert, wer durch die angefochtene Anordnung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Für das Stellen von Feststellungsbegehren gelten dieselben Anforderungen (Alfred Kölz/Isabelle Häner, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. A., Zürich 1998, N. 201).
Die Beschwerdeführerin ist durch den angefochtenen Feststellungsbeschluss berührt. Sie hat ein schutzwürdiges Interesse, einen umgekehrt lautenden Feststellungsentscheid des Verwaltungsgerichts zu erwirken, da damit gesagt würde, dass die Frist zur Erhebung eines Rekurses eingehalten wurde und die Sache somit zur materiellen Behandlung an den Regierungsrat zu überweisen wäre (vorn 1.1). Würde der angefochtene Entscheid dagegen bestätigt, stünde einer Ausdehnung der Wegweisungsverfügung auf die ganze Schweiz nichts mehr entgegen (vgl. Art. 12 Abs. 3 Satz 4 ANAG). Nach dem Gesagten würde die Beschwerdeführerin ohne einen Feststellungsentscheid nachteilige Massnahmen in Kauf nehmen müssen (vgl. BGE 108 Ib 540 E. 3). Ihre Legitimation ist damit zu bejahen. Da auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
Die Beschwerdeführerin ist durch den angefochtenen Feststellungsbeschluss berührt. Sie hat ein schutzwürdiges Interesse, einen umgekehrt lautenden Feststellungsentscheid des Verwaltungsgerichts zu erwirken, da damit gesagt würde, dass die Frist zur Erhebung eines Rekurses eingehalten wurde und die Sache somit zur materiellen Behandlung an den Regierungsrat zu überweisen wäre (vorn 1.1). Würde der angefochtene Entscheid dagegen bestätigt, stünde einer Ausdehnung der Wegweisungsverfügung auf die ganze Schweiz nichts mehr entgegen (vgl. Art. 12 Abs. 3 Satz 4 ANAG). Nach dem Gesagten würde die Beschwerdeführerin ohne einen Feststellungsentscheid nachteilige Massnahmen in Kauf nehmen müssen (vgl. BGE 108 Ib 540 E. 3). Ihre Legitimation ist damit zu bejahen. Da auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Wegweisungsverfügung sei ihr anfänglich nie eröffnet worden und deshalb nichtig.
Ein Entscheid, der nie eröffnet wurde, existiert nicht und entfaltet demgemäss auch keine Rechtswirkungen. Die fehlende Eröffnung stellt einen schwerwiegenden und offensichtlichen Mangel dar und bewirkt die Nichtigkeit des Entscheids (BGE 129 I 361 E. 2.1, 122 I 97 E. 3a/bb, 101 II 149 E. 4b; RB 1983 Nr. 62, 1982 Nr. 22 = ZBl 83/1982, S. 470 f.; Kölz/Bosshart/Röhl, § 10 N. 3). – Auf welche Weise ein Entscheid zu eröffnen ist, wird in § 10 Abs. 1 VRG geregelt. Danach hat die Behörde ihre Verfügung schriftlich mitzuteilen. Die Zustellung des Entscheids bildet Bestandteil der schriftlichen Eröffnung (Kölz/Bosshart/Röhl, § 10 N. 3 und 20 f.). Das Zustellungsverfahren wird im Gerichtsverfassungsgesetz vom 13. Juni 1976 (GVG, LS 211.1) geregelt. Verwaltungsbehörden haben §§ 176 ff. GVG analog anzuwenden (RB 1998 Nr. 2 E. 1).
Gemäss § 181 Satz 1 GVG haben die Parteien während der Dauer des Verfahrens die Änderung ihres gewöhnlichen Aufenthaltsortes unverzüglich anzeigen. Die Beschwerdeführerin ist dieser Pflicht Ende August 2003 nachgekommen. Die Beschwerdegegnerin stellte ihre Wegweisungsverfügung in der Folge dennoch an die alte Adresse der Beschwerdeführerin zu. Aufgrund von § 181 Satz 2 GVG entfaltet diese Zustellung keine rechtlichen Wirkungen.
Aufgrund von § 179 Abs. 1 GVG ist die Zustellung zu wiederholen, wenn ein erster Zustellungsversuch scheiterte. – Am 24. Oktober 2003 unternahm die Beschwerdegegnerin den ersten rechtserheblichen Versuch einer Zustellung an die von der Beschwerdeführerin zuletzt gemeldete Adresse. Diese Sendung wurde in der Folge als "nicht abgeholt" retourniert. In der Folge unterliess es die Beschwerdegegnerin, den Entscheid ein zweites Mal zuzustellen. Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts darf indes erst nach zweimaliger erfolgloser Zustellung davon ausgegangen werden, dass zumindest eine Abholungseinladung richtig hinterlegt worden ist und daher als zugestellt gelten kann (RB 1998 Nr. 2 E. 4). Die Beschwerdegegnerin legte im Übrigen nicht dar, inwiefern die Beschwerdeführerin beim ersten (und einzigen) rechtserheblichen Zustellungsversuch die Zustellung im Sinne von § 179 Abs. 2 GVG schuldhaft verhindert haben soll. Nach dem Gesagten wurde die Wegweisungsverfügung anfänglich nicht eröffnet und blieb solange ohne rechtliche Wirkungen.
Aufgrund von § 179 Abs. 1 GVG ist die Zustellung zu wiederholen, wenn ein erster Zustellungsversuch scheiterte. – Am 24. Oktober 2003 unternahm die Beschwerdegegnerin den ersten rechtserheblichen Versuch einer Zustellung an die von der Beschwerdeführerin zuletzt gemeldete Adresse. Diese Sendung wurde in der Folge als "nicht abgeholt" retourniert. In der Folge unterliess es die Beschwerdegegnerin, den Entscheid ein zweites Mal zuzustellen. Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts darf indes erst nach zweimaliger erfolgloser Zustellung davon ausgegangen werden, dass zumindest eine Abholungseinladung richtig hinterlegt worden ist und daher als zugestellt gelten kann (RB 1998 Nr. 2 E. 4). Die Beschwerdegegnerin legte im Übrigen nicht dar, inwiefern die Beschwerdeführerin beim ersten (und einzigen) rechtserheblichen Zustellungsversuch die Zustellung im Sinne von § 179 Abs. 2 GVG schuldhaft verhindert haben soll. Nach dem Gesagten wurde die Wegweisungsverfügung anfänglich nicht eröffnet und blieb solange ohne rechtliche Wirkungen.
3. Es fragt sich, ob die Wegweisungsverfügung bei einer Befragung der Polizei mündlich eröffnet werden durfte (dazu sogleich unter 3.1). Ist diese Frage zu verneinen, fragt sich weiter, ob die Beschwerdeführerin die Tragweite des Gesagten erkennen musste und gehalten gewesen wäre, den Inhalt der Verfügung in Erfahrung zu bringen (hinten 3.2).