Decision ID: 6e4d4c30-54b9-51c9-acb7-185a06ba738d
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Halil Morina, geboren am 10. Oktober 1964, Staatsangehöriger von Serbien und
Montenegro, hielt sich in den Jahren 1990 bis 1992 als Saisonnier, Kurzaufenthalter
und Besucher in der Schweiz auf. Am 2. Oktober 1992 heiratete er in Rorschach die
Schweizer Bürgerin B.L. (geboren 1966). Das Ausländeramt erteilte Halil Morina am 29.
Oktober 1992 die Aufenthaltsbewilligung, deren Gültigkeit letztmals bis zum 11. August
1997 verlängert wurde. Am 14. Mai 1998 wurde die Ehe zwischen Halil Morina und B.L.
geschieden.
Am 25. August 1996 ersuchte Halil Morina beim (damals zuständigen) Bundesamt für
Polizeiwesen gestützt auf die Ehe mit B.L. um erleichterte Einbürgerung. Am 17. April
1997 wurde Halil Morina eingebürgert. Mit Verfügung vom 18. März 2002 erklärte das
Bundesamt für Ausländerfragen (heute Bundesamt für Migration) die erleichterte
Einbürgerung von Halil Morina für nichtig. Die gegen diese Verfügung erhobene
Beschwerde wies das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement mit Entscheid
vom 25. April 2003 ab. Zur Begründung wurde im wesentlichen ausgeführt, dass Halil
Morina in rechtsmissbräuchlicher Weise wesentliche Tatsachen (eheliche
Schwierigkeiten, langjährige Beziehung zu Bukurije Morina-Limani, Zeugung und
Geburt einer Tochter) verheimlicht und so die Einbürgerungsbehörde gezielt irregeführt
habe. Dieser Entscheid ist in Rechtskraft erwachsen.
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Bukurije Morina-Limani, geboren am 29. Mai 1970, Staatsangehörige von Serbien und
Montenegro, kehrte nach illegaler Einreise in die Schweiz und Ansetzung einer
Wegweisungsfrist Mitte 1994 wieder in ihr Heimatland zurück. Bukurije Morina-Limani
und Halil Morina haben eine gemeinsame Tochter, Linda Morina, welche am 6. Mai
1996 im Heimatland geboren wurde. Am 19. Oktober 1998 reiste Bukurije Morina-
Limani zusammen mit dem Kind Linda erneut in die Schweiz ein und stellte ein
Asylgesuch. Am 19. Februar 1999 heirateten Halil Morina und Bukurije Morina-Limani in
Rorschach. Mit rechtskräftiger Verfügung vom 9. August 1999 wies das Bundesamt für
Flüchtlinge das Asylgesuch von Bukurije Morina-Limani und Linda Morina ab und
ordnete gleichzeitig gestützt auf den Beschluss des Bundesrates vom 7. April 1999
über die gruppenweise vorläufige Aufnahme von jugoslawischen Staatsangehörigen
mit letztem Wohnsitz in der Provinz Kosovo die vorläufige Aufnahme von Mutter und
Kind an. Mit Beschluss vom 11. August 1999 hat der Bundesrat die gruppenweise
vorläufige Aufnahme per 16. August 1999 aufgehoben. Halil Morina und Bukurije
Morina-Limani haben zwei weitere Kinder, Emonda (geboren am 12. November 1999)
und Rinor (geboren am 5. April 2002), welche in der Schweiz geboren sind.
Am 24. Februar 1999 ersuchte Halil Morina um Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen
für seine Ehefrau und das Kind Linda. Am 5. September 2001 teilte das Ausländeramt
Halil Morina mit, dass das Verfahren betreffend Familiennachzug bis zum Abschluss
des Verfahrens betreffend Aberkennung des Schweizer Bürgerrechts pendent gehalten
werde.
Mit Schreiben vom 7. Juli 2003 forderte das Ausländeramt Halil Morina unter
Androhung der polizeilichen Ausschaffung auf, den Kanton St. Gallen bis zum 7.
September 2003 zu verlassen. Mit Verfügung vom 9. Juli 2003 trat das Ausländeramt
auf das Gesuch von Halil Morina um Familiennachzug nicht ein und forderte Bukurije
Morina-Limani und Linda Morina auf, den Kanton St. Gallen bis zum 7. Septem-ber
2003 zu verlassen. Die dagegen erhobenen Rekurse wies das Justiz- und
Polizeidepartement mit Entscheid vom 7. Juni 2004 ab, soweit es darauf eintrat. Unter
teilweiser Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde hob das
Verwaltungsgericht mit Urteil vom 2. Dezember 2004 diesen Entscheid sowie die
Verfügungen des Ausländeramts vom 7. und 9. Juli 2003 auf und wies die Streitsache
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zur neuen Beurteilung im Sinn der Erwägungen und zur neuen Entscheidung an das
Ausländeramt zurück.
B./ Nachdem das Ausländeramt Halil Morina in bezug auf die beabsichtigte
Wegweisung das rechtliche Gehör gewährt hatte, ordnete es mit Verfügung vom 22.
Februar 2005 gestützt auf Art. 12 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und
Niederlassung der Ausländer (SR 142.20, abgekürzt ANAG) seine Wegweisung an und
forderte ihn auf, die Schweiz bis spätestens 30. April 2005 zu verlassen. Gegen diese
Verfügung erhob Halil Morina am 9. März 2005 erfolglos Rekurs beim Justiz- und
Polizeidepartement. Gegen den abschlägigen Entscheid des Justiz- und
Polizeidepartements vom 15. November 2005 erhob Halil Morina am 1. Dezember 2005
Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen
Entscheide und die Erteilung der Niederlassungsbewilligung, eventuell der
Aufenthaltsbewilligung. Mit Urteil vom 21. März 2006 hiess das Verwaltungsgericht die
Beschwerde insofern teilweise gut, als dem Beschwerdeführer eine Ausreisefrist von
vier Monaten seit Rechtskraft des Urteils anzusetzen sei. Im übrigen wurde die
Beschwerde abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde. Das Gericht erwog im
wesentlichen, aufgrund der Akten müsse davon ausgegangen werden, dass Halil
Morina und B.L. die Ehe nicht bloss zum Schein eingegangen seien, indes die Ehe im
für die Begründung des Anspruchs auf Niederlassung massgeblichen Zeitpunkt bereits
zerrüttet gewesen sei. Die Anrufung der Ehe zwecks Erhalts einer
Niederlassungsbewilligung erweise sich folglich als rechtsmissbräuchlich. Auch habe
Halil Morina keinen Anspruch auf Erteilung bzw. Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung, da diese bereits 1997 abgelaufen sei. Die persönlichen
Interessen von Halil Morina vermöchten die öffentlichen Interessen an einer Ausreise
nicht zu überwiegen. Die gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts erhobene
Verwaltungsgerichtsbeschwerde wies das Bundesgericht mit Urteil vom 27. Juli 2006
ab.
C./ Am 17. August 2006 gewährte das Ausländeramt Halil Morina und Bukurije Morina-
Limani das rechtliche Gehör in bezug auf die beabsichtigte Verweigerung des
Familiennachzugs von Bukurije Morina-Limani und der Kinder Linda, Emonda und
Rinor. Mit Stellungnahme vom 4. September 2006 ersuchten Halil Morina und Bukurije
Morina-Limani für sich und die gemeinsamen Kinder gestützt auf Art. 13 lit. f der
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Verordnung über die Begrenzung der Zahl der Ausländer (SR 823.21, abgekürzt BVO)
um Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen und Weiterleitung des Gesuchs mit
positivem Antrag an das Bundesamt für Migration.
Mit Verfügungen vom 18. September 2006 trat das Ausländeramt auf das Gesuch in
bezug auf Halil Morina nicht ein und wies das Gesuch in bezug auf Bukurije Morina-
Limani und die Kinder ab bzw. weigerte sich, das Gesuch dem Bundesamt für
Migration zu unterbreiten. Die Familie Morina-Limani wurde aufgefordert, die Schweiz
bis zum 31. Januar 2007 zu verlassen. Die Nichteintretensverfügung wurde im
wesentlichen damit begründet, dass das Gesuch von Halil Morina als
Wiedererwägungsgesuch entgegengenommen worden sei, indes mit Blick auf die
Verfügung des Ausländeramts vom 22. Februar 2005, die mit Urteil des Bundesgerichts
vom 27. Juli 2006 in Rechtskraft erwachsen sei, kein wesentlich veränderter
Sachverhalt vorliege. In bezug auf die Abweisung des Gesuchs wurde festgehalten,
dass es Bukurije Morina-Limani und den Kindern zumutbar sei, dem Ehemann bzw.
Vater ins Heimatland zu folgen.
D./ Gegen die Verfügungen des Ausländeramts vom 18. September 2006 erhoben Halil
Morina und Bukurije Morina-Limani am 3. Oktober 2006 Rekurs beim Justiz- und
Polizeidepartement mit dem Antrag, es sei festzustellen, dass das Ausländeramt zu
Unrecht nicht auf das Gesuch von Halil Morina um Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 13 lit. f BVO eingetreten sei und dieses statt
dessen als Wiedererwägungsgesuch behandelt und einen Nichteintretensentscheid
gefällt habe; die Verfügung des Ausländeramts vom 18. September 2006 betreffend
Bukurije Morina-Limani und die Kinder sei aufzuheben; es sei Halil Morina sowie seiner
Ehefrau und den gemeinsamen Kindern eine Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 13
lit. f BVO zu erteilen und das Ausländeramt anzuweisen, das Gesuch mit einem
positiven Antrag dem Bundesamt für Migration zur Zustimmung zu unterbreiten.
Das Departement entschied in der Angelegenheit am 22. Januar 2007, indem der
Rekurs von Halil Morina und Bukurije Morina-Limani abgewiesen wurde, soweit darauf
eingetreten wurde. Das Ausländeramt wurde eingeladen, Halil Morina und Bukurije
Morina-Limani eine neue Frist zur Ausreise anzusetzen. Das Departement erwog im
wesentlichen, das Ausländeramt habe das Gesuch von Halil Morina zu Recht als
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Wiedererwägungsgesuch behandelt. Der Nichteintretensentscheid erweise sich als
rechtmässig, da kein Wiedererwägungsgrund vorliege. Dem Verwaltungsgericht seien
bei seinem Entscheid vom 21. März 2006 der Grad der Integration von Halil Morina
sowie seine sozialen und familiären Verhältnisse in der Schweiz bekannt gewesen.
Bukurije Morina-Limani und den Kindern sei eine Rückkehr nach Serbien zumutbar. Ein
Härtefall im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung liege nicht vor.
E./ Halil Morina und Bukurije Morina-Limani erhoben gegen den Entscheid vom 22.
Januar 2007 am 6. Februar 2007 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie stellen
folgende Anträge:
1. Es sei festzustellen, dass die Vorinstanz und das Ausländeramt zu unrecht nicht auf
das Gesuch von Halil Morina um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art.
13 lit. f BVO (humanitäre Bewilligung) eingetreten sind und stattdessen das Gesuch zu
unrecht als Wiedererwägungsgesuch behandelt und einen Nichteintretensentscheid
gefällt haben.
2. Der Entscheid der Vorinstanz vom 22. Januar 2007 und die Verfügung des
Ausländeramtes vom 18. September 2006 betreffend Bukurije Morina sowie deren
Kinder Linda, Emonda und Rinor seien aufzuheben.
3. Es sei Halil Morina, geb. 10.10.1964 sowie seiner Ehefrau Bukurije Morina, geb.
29.05.1970, und deren gemeinsamen Kindern Linda, geb. 6.5.1996, Emonda, geb.
12.11.1999 und Rinor, geb. 5.4.2002, eine Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 13
lit. f BVO (humanitäre Bewilligung) zu erteilen.
4. Die Vorinstanz sei anzuweisen, das Gesuch mit einem positiven Antrag dem
Bundesamt für Migration (BFM) zur Zustimmung zu unterbreiten.
5. Es sei festzustellen, dass der Beschwerde aufschiebende Wirkung in dem Sinne
zukommt, als dem Ehepaar Halil und Bukurije Morina-Limani sowie deren Kindern
Linda, Emonda und Rinor gestattet ist, sich bis zum Entscheid betreffend Gesuch um
Erteilung einer humanitären Bewilligung in der Schweiz aufzuhalten.
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6. Eventualiter seien Halil und Bukurije Morina-Limani und die Kinder Linda, Emonda
und Rinor im Sinne einer vorsorglichen Massnahme gemäss Art. 18 VRP für berechtigt
zu erklären, sich bis zum Abschluss des Verfahrens betreffend Erteilung einer
Bewilligung gemäss Art. 13 lit. f BVO in der Schweiz aufzuhalten.
7. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Mit Verfügung vom 7. Februar 2007 wurde das Ausländeramt angewiesen, im Sinne
einer vorsorglichen Massnahme auf Vollzugsmassnahmen zu verzichten.
In der Beschwerdebegründung vom 23. Februar 2007 stellen sich Halil Morina und
Bukurije Morina-Limani auf den Standpunkt, das Ausländeramt sei zu Unrecht auf das
Gesuch um Erteilung einer Härtefallbewilligung von Halil Morina nicht eingetreten. Da
Halil Morina vor dem 4. September 2006 nie ein entsprechendes Gesuch gestellt habe,
sei das Gesuch zu Unrecht als Wiedererwägungsgesuch behandelt worden. Im
weiteren wird geltend gemacht, die langjährige Anwesenheit von Halil Morina in der
Schweiz, sein tadelloses Verhalten, seine finanzielle Unabhängigkeit sowie seine
ausgezeichnete berufliche sowie soziale Inte¬gration, aber auch die Tatsache, dass
seine drei Kinder in der Schweiz verwurzelt seien, müssten dazu führen, dass der
gesamten Familie eine Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 13 lit. f BVO erteilt
werde. Unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände sei es ihnen nicht mehr
zuzumuten, in einem anderen Land als der Schweiz zu leben.
In der Vernehmlassung vom 28. Februar 2007 beantragt das Justiz- und
Polizeidepartement die Abweisung der Beschwerde, unter Kostenfolge. Zur
Begründung wird auf die tatsächlichen und rechtlichen Ausführungen im
angefochtenen Entscheid verwiesen, an denen vollumfänglich festgehalten wird.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführer sind grundsätzlich zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art.
64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Ein Vorbehalt gilt diesbezüglich
allerdings hinsichtlich des Begehrens, es sei festzustellen, dass die Vorinstanz und das
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Ausländeramt zu Unrecht nicht auf das Gesuch von Halil Morina um Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 13 lit. f BVO eingetreten seien und stattdessen
das Gesuch zu Unrecht als Wiedererwägungsgesuch behandelt und einen
Nichteintretensentscheid gefällt hätten (Ziff. 1). Gegenstand einer
Feststellungsverfügung bzw. eines Feststellungsentscheids sind der Bestand,
Nichtbestand oder Umfang individualisierter öffentlich-rechtlicher Rechte und Pflichten.
Voraussetzung dafür ist das Vorliegen eines Feststellungsinteresses. Dieses wird
bejaht, wenn der Betroffene ein rechtliches oder tatsächliches, aktuelles Interesse am
Erlass eines Feststellungsentscheids dartut und wenn die Verfügung bzw. der
Entscheid Rechtsfolgen und nicht theoretische Rechtsfragen zum Gegenstand hat.
Darüber hinaus ist ein Feststellungsentscheid nur zulässig, wenn das schutzwürdige
Interesse nicht ebenso gut mit einem rechtsgestaltenden Entscheid gewahrt werden
kann (BGE 126 II 303 mit weiteren Hinweisen). Vorliegend wird den Interessen der
Beschwerdeführer durch den Entscheid über den Antrag auf Aufhebung des
vorinstanzlichen Entscheids und der diesem zugrunde liegenden Verfügungen Genüge
getan. Im weiteren besteht weder ein rechtliches noch ein tatsächliches Interesse an
der beantragten Feststellung, wonach der Beschwerde aufschiebende Wirkung in dem
Sinne zukomme, als die Beschwerdeführer und ihre Kinder berechtigt seien, sich bis
zum rechtskräftigen Entscheid über die Erteilung einer humanitären Bewilligung in der
Schweiz aufzuhalten (Ziff. 5). Wie eingangs dargelegt, wurde das Ausländeramt mit
Verfügung vom 7. Februar 2007 angewiesen, während des Beschwerdeverfahrens
keine Vollzugsmassnahmen durchzuführen. Damit sind die Interessen der
Beschwerdeführer hinreichend gewahrt, und das Begehren erweist sich als
gegenstandslos. Mit Blick auf die verfahrensleitende Verfügung vom 7. Februar 2007
erweist sich auch das Eventualbegehren als gegenstandslos, wonach die
Beschwerdeführer und ihre Kinder im Sinn einer vorsorglichen Massnahme für
berechtigt zu erklären seien, sich bis zum Abschluss des Verfahrens in der Schweiz
aufzuhalten (Ziff. 6). Nicht eingetreten werden kann im weiteren auf den Antrag der
Beschwerdeführer, Halil Morina sei gestützt auf Art. 13 lit. f BVO eine
Aufenthaltsbewilligung zu erteilen (Ziff. 3). Wie bereits die Vorinstanz im angefochtenen
Entscheid zutreffend erwogen hat, kann im Rechtsmittelverfahren nur die Frage, ob das
Ausländeramt zu Recht auf das Gesuch von Halil Morina nicht eingetreten ist,
Streitgegenstand sein. Das Gesagte führt dazu, dass auf die Anträge gemäss Ziff. 1, 5
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und 6 des Rechtsbegehrens nicht einzutreten ist. Gleiches gilt bezüglich Ziff. 3, soweit
die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an Halil Morina beantragt wird. Im übrigen
entsprechen die Beschwerdeeingabe vom 6. Februar 2007 sowie deren Ergänzung
vom 23. Februar 2007 zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die
Beschwerde ist unter den erwähnten Vorbehalten einzutreten.
2. Die Beschwerdeführer machen wie bereits im Rekursverfahren geltend, das
Ausländeramt hätte ihre Eingabe vom 4. September 2006 in bezug auf Halil Morina als
erstmaliges Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 13 lit. f
BVO behandeln müssen und nicht als Wiedererwägungsgesuch entgegen nehmen
dürfen.
2.1. Mit Verfügung vom 18. September 2006 teilte das Ausländeramt den
Beschwerdeführern mit, dass es das Schreiben vom 4. September 2006 in bezug auf
Halil Morina als Wiedererwägungsgesuch betrachte. Das Ausländeramt bezog sich
dabei auf die Verfügung vom 22. Februar 2005, welche in Rechtskraft erwachsen sei.
Gegenüber der Verfügung vom 22. Februar 2005 liege kein wesentlich veränderter
Sachverhalt vor und es könnten keine neuen tatsächlichen Verhältnisse geltend
gemacht werden, die noch berücksichtigt werden müssten. Folglich werde auf das
Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten und an der Verfügung vom 22. Februar
2005 werde festgehalten.
Die Vorinstanz bestätigte im Entscheid vom 22. Januar 2007 die Entgegennahme des
Gesuchs von Halil Morina vom 4. September 2006 als Wiedererwägungsgesuch und
erachtete auch die Nichteintretensverfügung als rechtmässig. Das Departement erwog
im wesentlichen, dass das Ausländeramt in der Verfügung vom 22. Februar 2005
dargelegt habe, weshalb es die Voraussetzungen für das Vorliegen eines
schwerwiegenden persönlichen Härtefalls gemäss Art. 13 lit. f BVO in bezug auf Halil
Morina als nicht erfüllt betrachte. Es sei nicht von Belang, dass sich Halil Morina im
damaligen Verfahren nicht ausdrücklich auf Art. 13 lit. f BVO berufen bzw. ein
entsprechendes Begehren gestellt habe. Die Offizialmaxime erlaube es der
erstverfügenden Behörde, den Gegenstand eines Verfahrens unabhängig von
Parteibegehren zu bestimmen. Die Rechtsmittelinstanzen hätten in der Folge unter
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Berücksichtigung der bisherigen Aufenthaltsdauer, der beruflichen Situation und der
familiären Verhältnisse erwogen, dass Halil Morina die Rückkehr in sein Heimatland
zugemutet werden könne bzw. kein Härtefall vorliege. Im Ergebnis beinhalte das
Gesuch vom 4. September 2006, soweit es sich auf Halil Morina beziehe, nichts
anderes als ein Ersuchen an das Ausländeramt, auf die Verfügung vom 22. Februar
2005 zurückzukommen.
2.2. Art. 21 Abs. 2 VRP bestimmt, dass die erstinstanzliche Verwaltungsbehörde nicht
an die Begehren der Beteiligten gebunden ist. Diese Bestimmung ist Ausfluss des
Offizialprinzips, welches besagt, dass die Verwaltungs- und Justizbehörden von Amtes
wegen darüber entscheiden, ob ein Verfahren eingeleitet oder beendet wird und was
Gegenstand des Verfahrens ist. In nichtstreitigen Verwaltungsverfahren findet
grundsätzlich das Offizialprinzip Anwendung; eine Ausnahme gilt bei
mitwirkungsbedürftigen Verfügungen, wo auch das Dispositionsprinzip Anwendung
findet und mithin die Beteiligten über Einleitung und Beendigung eines Verfahrens
sowie über dessen Gegenstand entscheiden (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 5. Aufl., Zürich 2006, Rz. 1618 ff.; Rhinow/Koller/Kiss, Öffentliches
Prozessrecht und Justizverfassungsrecht des Bundes, Basel 1996, Rz. 893 ff.).
2.2.1. Die Verfügung vom 22. Februar 2005 wurde im nichtstreitigen
Verwaltungsverfahren erlassen. Die Regelung des ausländerrechtlichen Status des
Beschwerdeführers wird durch das Offizialprinzip beherrscht. Dementsprechend
entschied das Ausländeramt von Amtes wegen darüber, was Gegenstand des
Verfahrens ist. Es ist deshalb grundsätzlich nicht zu beanstanden, wenn das
Ausländeramt in der Verfügung vom 22. Februar 2005 auch die Voraussetzungen für
die Erteilung einer Härtefallbewilligung nach Art. 13 lit. f BVO geprüft hatte, auch wenn
sich der Beschwerdeführer im damaligen Verfahren nicht auf Art. 13 lit. f BVO berufen
hatte. Ob damit dem Anspruch auf Gewährung des rechtlichen Gehörs Genüge getan
wurde, kann vorliegend offenbleiben.
2.2.2. Vor diesem Hintergrund bleibt zu prüfen, ob das Ausländeramt zu Recht davon
ausgegangen ist, dass das Gesuch vom 4. September 2006, soweit es sich auf den
Beschwerdeführer bezieht, mit Blick auf die Verfügung vom 22. Februar 2005 als
Wiedererwägungsgesuch zu betrachten ist. Dabei fällt in Betracht, dass das
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Ausländeramt in der Verfügung vom 22. Februar 2005 die Voraussetzungen von Art. 13
lit. f BVO einzig unter Hinweis auf die Scheinehe, die der Beschwerdeführer mit B.L.
eingegangen sein soll, beurteilt und verneint hat. Indes hat sich das
Verwaltungsgericht, wie eingangs ausgeführt, im Urteil vom 21. März 2006 der
Auffassung des eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements angeschlossen,
wonach der Beschwerdeführer und B.L. zumindest in den ersten beiden Ehejahren in
einer tatsächlichen und ungetrennten ehelichen Gemeinschaft gelebt haben. Anders als
das Ausländeramt und das kantonale Justiz- und Polizeidepartement hat das
Verwaltungsgericht mithin das Vorliegen einer Scheinehe verneint. Das Urteil vom 21.
März 2006 ist mit dem bundesgerichtlichen Urteil vom 27. Juli 2006 in formelle und
materielle Rechtskraft erwachsen. Dies bedeutet, dass die im verwaltungsgerichtlichen
Urteil getroffenen rechtlichen und tatsächlichen Feststellungen verbindlich sind, wobei
die Bindungswirkung auch für die verfügenden bzw. entscheidenden Behörden gilt.
Daran vermag auch nichts zu ändern, dass grundsätzlich nur das Dispositiv des Urteils,
nicht dagegen die Begründung in Rechtskraft erwächst. Rechtskräftige
Rechtsmittelentscheide sind rechtsbeständig, d.h. inhaltlich unabänderlich, und das
Dispositiv ist im Lichte der Erwägungen auszulegen (vgl. F. Gygi,
Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 321 ff.; Kölz/Bosshart/Röhl,
Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. Aufl., Zürich
1999, N 5 der Vorbem. zu §§ 86a-86d). Die Verneinung der Scheinehe im
verwaltungsgerichtlichen Urteil führt folglich dazu, dass der Argumentation des
Ausländeramts in der Verfügung vom 22. Februar 2005, mit der die Voraussetzungen
für das Vorliegen einer Härtefallbewilligung nach Art. 13 lit. f BVO verneint worden sind,
die rechtliche und tatsächliche Grundlage entzogen ist. Wie ausgeführt worden ist,
wurden die Voraussetzungen für die Erteilung einer Härtefallbewilligung in der
Verfügung vom 22. Februar 2005 einzig mit dem Hinweis auf die angebliche Scheinehe
mit B.L. verneint. Unter den gegebenen Umständen grenzt es an Willkür, wenn das
Ausländeramt in der Verfügung vom 18. September 2006 das Gesuch von Halil Morina
vom 4. September 2006 unter Bezugnahme auf die Verfügung vom 22. Februar 2005
als Wiedererwägungsgesuch qualifiziert. Entgegen der vorinstanzlichen Auffassung
wäre das Ausländeramt vielmehr gehalten gewesen, das Gesuch des
Beschwerdeführers um Erteilung einer Härtefallbewilligung nach Art. 13 lit. f BVO unter
der verbindlichen Vorgabe zu prüfen, dass keine Scheinehe vorliegt. Wie erwähnt, hat
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das Verwaltungsgericht entschieden, dass der Beschwerdeführer in
rechtsmissbräuchlicher Weise an seiner Ehe mit B.L. festgehalten hat. Zwischen dem
rechtsmissbräuchlichen Festhalten an einer bereits zerrütteten Ehe und dem Eingehen
einer Scheinehe besteht mit Blick auf das dem Ausländer vorwerfbare Fehlverhalten
indes ein wesentlicher Unterschied. So wird künftig das Eingehen einer Scheinehe mit
Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 118 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer vom 16. Dezember 2005),
während das rechtsmissbräuchliche Festhalten an einer zerrütteten Ehe keine
strafrechtlichen Sanktionen nach sich zieht. Beim Entscheid, ob ein Härtefall im Sinne
von Art. 13 lit. f BVO vorliegt, ist unter anderem auch das persönliche Verhalten des
Ausländers und was er sich gegebenenfalls zuschulden hat kommen lassen von
Bedeutung (vgl. Weisungen und Erläuterungen über Einreise, Aufenthalt und
Arbeitsmarkt des IMES, 2. Aufl., Bern 2004, Ziff. 654). Dabei wiegt das Eingehen einer
Scheinehe grundsätzlich schwerer als das rechtsmissbräuchliche Festhalten an einer
zerrütteten Ehe. Dies zeigt sich auch darin, dass das Ausländeramt bei Vorliegen einer
Scheinehe praxisgemäss eine Einreisesperre verfügt, während das
rechtmissbräuchliche Festhalten an einer zerrütteten Ehe keine vergleichbaren
Sanktionen nach sich zieht. Hinzu kommt, dass sich das Verwaltungsgericht im Urteil
vom 21. März 2006 nicht, wie die Erwägungen im vorinstanzlichen Entscheid (E. 2)
andeuten, zu den Voraussetzungen von Art. 13 lit. f BVO geäussert hat, sondern
lediglich geprüft hat, ob die Vorinstanz dem Beschwerdeführer den Aufenthalt im
Rahmen des Ermessens von Art. 4 ANAG zu Recht verweigert hat.
2.3. Aus dem Gesagten folgt, dass das Ausländeramt entgegen der Auffassung der
Vorinstanz das Gesuch des Beschwerdeführers um Erteilung einer humanitären
Aufenthaltsbewilligung vom 4. September 2006 zu Unrecht als
Wiedererwägungsgesuch behandelt hat. Die Angelegenheit ist an das Ausländeramt
zur materiellen Behandlung des Gesuchs um Erteilung einer Härtefallbewilligung
gestützt auf Art. 13 lit. f BVO zurückzuweisen, wobei das Ausländeramt zu
berücksichtigen haben wird, dass der Beschwerdeführer entsprechend den
verbindlichen Feststellungen des Verwaltungsgerichts keine Scheinehe mit B.L.
eingegangen ist. Neu zu entscheiden hat das Ausländeramt aber auch über die
Gesuche der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder um Unterbreitung als Härtefall. Die
Gesuche der Beschwerdeführerin und der Kinder können nicht unabhängig vom
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Gesuch des Beschwerdeführers beurteilt werden. Hinzu kommt, dass das
Ausländeramt in der Verfügung vom 18. September 2006 betreffend der
Beschwerdeführerin und der Kinder entgegen den Feststellungen des
Verwaltungsgerichts im rechtskräftigen Urteil vom 21. März 2006 völlig
unverständlicherweise wiederum auf die Scheinehe des Beschwerdeführers Bezug
genommen hat (vgl. E. 6). Diese Umstände führen zur teilweisen Gutheissung der
Beschwerde und zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids sowie der Verfügungen
vom 18. September 2006. Als Folge der Rückweisung nicht stattgegeben werden kann
den Anträgen, wonach der Beschwerdeführerin und den drei Kindern eine
Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 13 lit. f BVO zu erteilen sei (Ziff. 3) und die
Vorinstanz anzuweisen sei, das Gesuch mit positivem Antrag dem Bundesamt für
Migration zur Zustimmung zu unterbreiten (Ziff. 4). Wie dargelegt, müssen die Gesuche
der Beschwerdeführer und ihrer Kinder einer gemeinsamen Prüfung unterzogen
werden. Insofern ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend - die Beschwerde ist teilweise gutzuheissen,
im übrigen aber abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist - sind die amtlichen Kosten
des Beschwerdeverfahrens anteilsmässig den Beschwerdeführern und dem Staat
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Die Entscheidgebühr ist auf Fr. 2'000.-- festzulegen
(Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS 941.12) und den Beschwerdeführern und dem Staat
je zur Hälfte aufzuerlegen. Der Anteil der Beschwerdeführer von Fr. 1'000.-- ist mit dem
einbezahlten Kostenvorschuss von Fr. 2'000.-- zu verrechnen. Der Restbetrag von Fr.
1'000.-- ist ihnen zurückzuerstatten. Auf die Erhebung des Kostenanteils des Staates
wird verzichtet (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Analog den Kosten des Beschwerdeverfahrens sind auch die amtlichen Kosten des
Rekursverfahrens von Fr. 1'500.-- den Beschwerdeführern und dem Staat je zur Hälfte
aufzuerlegen. Der Anteil der Beschwerdeführer von Fr. 750.-- ist mit dem geleisteten
Kostenvorschuss von Fr. 1'500.-- zu verrechnen. Der Restbetrag von Fr. 750.-- ist
ihnen zurückzuerstatten. Auf die Erhebung des Kostenanteils des Staates wird
verzichtet (Art. 95 Abs. 3 VRP). Nachdem keiner der Beteiligten mehrheitlich obsiegt
hat, sind keine ausseramtlichen Entschädigungen zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 und 2
in Verbindung mit Art. 98bis VRP; R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 183).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
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St.Galler Gerichte
Demnach hat das Verwaltungsgericht