Decision ID: 90b6b1f4-93bf-4932-98fe-cf6a5e5b7412
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ bezog ab November 2003 Ergänzungsleistungen zu einer Rente der
Invalidenversicherung (vgl. EL-act. 250). Am 3. Januar 2013 ging der bei der EL-
Durchführungsstelle eine Meldung der AHV/IV-Zweigstelle betreffend einen
Wohnungswechsel des EL-Bezügers ein (EL-act. 146–1). Der seit dem 20. Dezember
2012 gültige Mietvertrag (EL-act. 146–2 f.) betraf eine möblierte Wohnung mit drei
Zimmern. Der Mietzins betrug 1’280 Franken netto respektive 1’450 Franken brutto. Da
dieser Betrag genau jenem entsprach, den der EL-Bezüger davor bereits als Mietzins
für die alte Wohnung hatte bezahlen müssen, und da der EL-Bezüger die neue
Wohnung wiederum mit einer nicht in die Anspruchsberechnung einbezogenen Person
teilte, weshalb weiterhin nur der halbe Mietzins als Ausgabe zu berücksichtigen war
(vgl. EL-act. 143), ergab sich keine Änderung des EL-Anspruchs (vgl. EL-act. 144 f. mit
EL-act. 148 f.). Im April 2013 erhielt die EL-Durchführungsstelle einen zweiten
Mietvertrag betreffend den Mitbewohner des EL-Bezügers zugestellt (EL-act. 125). Der
Vermieter gab an, der EL-Bezüger und der Mitbewohner teilten sich eine Wohnung mit
fünfeinhalb Zimmern; die beiden Wohnungsteile würden separat vermietet (vgl. EL-act.
125 und 134). Der Mietzins des Wohnungsanteils des Mitbewohners belief sich auf 800
Franken (EL-act. 124). Die EL-Durchführungsstelle beschloss deshalb, neu den ganzen
Mietzins von 1’450 Franken pro Monat bei der Anspruchsberechnung zu
berücksichtigen (EL-act. 118). Mit einer Verfügung vom 17. Mai 2013 erhöhte die EL-
Durchführungsstelle deshalb die laufende Ergänzungsleistung rückwirkend ab dem 1.
März 2013 entsprechend. Neu hatte der EL-Bezüger auch einen Anspruch auf eine
kantonalrechtliche, sogenannt ausserordentliche Ergänzungsleistung, die dazu diente,
den von der bundesrechtlichen, sogenannt ordentlichen Ergänzungsleistung nicht
gedeckten Teil des Bruttomietzinses zu finanzieren (EL-act. 117). Das Sozialamt
A.a.
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äusserte im Juli 2013 den Verdacht, dass der EL-Bezüger nicht den gesamten
vertraglich vereinbarten Mietzins bezahlen müsse (EL-act. 113). Die von der EL-
Durchführungsstelle beim EL-Bezüger in der Folge einverlangten Zahlungsnachweise
belegten aber, dass der EL-Bezüger in den Monaten April bis und mit Juli 2013 jeweils
den vollen vertraglich vereinbarten Mietzins überwiesen hatte (EL-act. 112).
Per 1. September 2014 wechselte der EL-Bezüger innerhalb des Hauses in eine
andere Wohnung (EL-act. 94). Es handelte sich um eine möblierte Wohnung mit zwei
Zimmern; der Nettomietzins betrug nun lediglich noch 1’080 Franken. Zur Mietsache
gehörten aber neu ein Sitzplatz für 80 Franken pro Monat und ein „Ein Zimmer-Attiko“
für 150 Franken pro Monat. Der Gesamtmietzins betrug deshalb wiederum (brutto)
1’450 Franken pro Monat. Mit einer Verfügung vom 16. Oktober 2014 nahm die EL-
Durchführungsstelle aufgrund der Ergebnisse einer periodischen Überprüfung des
Anspruchs eine Anpassung der laufenden Ergänzungsleistungen vor (EL-act. 91). Diese
Anpassung hatte eine Herabsetzung der kantonalrechtlichen, ausserordentlichen
Ergänzungsleistung per 1. September 2014 zur Folge, denn die EL-Durchführungsstelle
berücksichtigte bei der Anspruchsberechnung lediglich den Wohnungsmietzins, nicht
aber die Mietkosten für den Sitzplatz und das „Zimmer Attiko“; die laufende ordentliche
Ergänzungsleistung wurde minimal erhöht. Der EL-Bezüger erhob am 14. November
2014 eine Einsprache gegen die Verfügung vom 16. Oktober 2014 (EL-act. 89). Er
machte geltend (EL-act. 88), bevor er den neuen Wohnungsmietvertrag unterzeichnet
habe, habe er bei der AHV/IV-Zweigstelle angefragt, ob er diesen Vertrag als EL-
Bezüger eingehen könne. Ihm sei mitgeteilt worden, dass der Mietvertrag in Ordnung
sei und dass er diesen bedenkenlos unterschreiben könne. Er benötige den
zusätzlichen Wohnraum, da seine vier schulpflichtigen Kinder sich mehrmals pro
Woche bei ihm aufhielten. Ihm sei es ein Anliegen, dass er seine Kinder regelmässig
sehe und so die Beziehung aufrecht erhalten könne. Der Sitzplatz gehöre zur Wohnung
dazu. Die EL-Durchführungsstelle forderte den EL-Bezüger am 15. Januar 2015 auf
anzugeben, weshalb er in eine kleinere Wohnung umgezogen sei, wenn er so viel Platz
für seine Kinder benötige, an welchen Tagen er Besuch von seinen Kindern erhalte und
weshalb der Sitzplatz im Mietvertrag ausgewiesen werde, wenn er zur Wohnung
gehöre (EL-act. 83). Der EL-Bezüger antwortete am 19. Februar 2015 (EL-act. 82–1), er
habe im Dezember 2012 umziehen müssen, weil allen Mietern wegen
A.b.
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Renovationsarbeiten gekündigt worden sei. Die Wohnungssuche habe sich sehr
schwierig gestaltet. Durch die Vermittlung eines Kollegen habe er dann eine Wohnung
mit vier Zimmern an der aktuellen Adresse mieten können. Diese Wohnung habe sich
im dritten Stock befunden. Sie sei nur über eine dunkle, steile Treppe zu erreichen
gewesen. Infolge seiner Herzbeschwerden habe er sich nach einer Möglichkeit
erkundigt, in eine Parterrewohnung umzuziehen. Nach einer Rücksprache mit der AHV/
IV-Zweigstelle (Herr B._) habe er dann in seine jetzige Wohnung an derselben
Adresse gewechselt. Da der Mietpreis insgesamt unverändert geblieben sei, habe man
ihm gesagt, dass er problemlos umziehen könne. Leider sei ihm damals noch nicht
bewusst gewesen, dass der Sitzplatz und das Attikazimmer separat ausgewiesen
würden. Er würde gerne sofort wieder in eine Wohnung mit vier Zimmern umziehen. Die
jetzige Wohnung sei möbliert; seine eigenen Möbel habe er einlagern müssen. Leider
sei es in seiner Situation sehr schwierig, eine Wohnung zu finden. Ohne Beziehungen
sei es fast aussichtslos. Die Kinder würden ihn nicht zu fixen Zeiten besuchen. Sie
dürften kommen, wann immer sie wollten. Der Vermieter hatte am 19. Februar 2015
bestätigt, dass der EL-Bezüger den Sitzplatz alleine nutzen könne; normalerweise
müssten sich die Mieter von drei Wohnungen einen Sitzplatz teilen (EL-act. 82–2). Ein
Sachbearbeiter der EL-Durchführungsstelle notierte am 9. März 2015 (EL-act. 81), die
Wohnsituation des EL-Bezügers könne als eine Übergangslösung akzeptiert werden.
Bei der Anspruchsberechnung sei folglich weiterhin ein Mietzins von 1’450 Franken zu
berücksichtigen. Am 12. März 2015 verfügte die EL-Durchführungsstelle rückwirkend
per 1. September 2014 neu (EL-act. 77). Das hatte eine Erhöhung der
ausserordentlichen Ergänzungsleistung (allerdings nicht mehr auf den bis 31. August
2018 ausgerichteten Betrag) und damit eine Nachzahlung von Ergänzungsleistungen
zur Folge. Die ordentliche Ergänzungsleistung blieb unverändert. Das
Einspracheverfahren wurde als gegenstandslos abgeschrieben (EL-act. 76).
Am 24. Januar 2018 teilte die IV-Stelle der EL-Durchführungsstelle mit, dass ein
Rentenrevisionsverfahren hängig sei (EL-act. 42). Sie erkundigte sich unter anderem
danach, ob der Mietzins von 1’450 Franken marktüblich sei und den „üblichen EL-
Richtlinien“ entspreche und wie allfällige diesbezügliche Unsicherheiten beseitigt
werden könnten. Die EL-Durchführungsstelle antwortete am 29. Januar 2018 (EL-act.
41), mit Blick auf den Wohnungsmarkt erscheine der Mietzins als „eher hoch“. Allenfalls
A.c.
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sei es sinnvoll, eine Abklärung vor Ort durchzuführen. Mit einem Schreiben vom 13.
März 2018 forderte die EL-Durchführungsstelle den EL-Bezüger auf, bei ihr
vorzusprechen, damit die offenen Fragen zur Wohnsituation beantwortet werden
könnten (EL-act. 40). Der EL-Bezüger holte die eingeschriebene Sendung nicht ab (EL-
act. 37). Am 5. April 2018 mahnte die EL-Durchführungsstelle den EL-Bezüger zur
Erfüllung seiner Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung (EL-act. 35). Sie
setzte einen neuen Besprechungstermin an und drohte dem EL-Bezüger an, dass sie
die Ergänzungsleistung einstellen werde, wenn er den Termin nicht wahrnehme. Der
EL-Bezüger reagierte nicht auf dieses Schreiben, weshalb die EL-Durchführungsstelle
die Ergänzungsleistung mit einer Verfügung vom 20. April 2018 gestützt auf den Art. 43
Abs. 3 ATSG einstellte (EL-act. 34). Am 2. Mai 2018 teilte ein Bekannter des EL-
Bezügers der EL-Durchführungsstelle telefonisch mit, dass dieser sich im Ausland
aufhalte, dort erkrankt sei und erst in etwa zehn Tagen wieder in die Schweiz werde
zurückreisen können (EL-act. 33). Die EL-Durchführungsstelle unternahm nichts. Die
Ausgleichskasse meldete der IV-Stelle am 29. Juni 2018 den Vollzug einer
Renteneinstellung per Juli 2018 (EL-act. 32). Die EL-Durchführungsstelle erliess am 3.
Juli 2018 eine Verfügung, mit der sie die Ergänzungsleistung als Folge der
Rentenaufhebung definitiv per 1. Juli 2018 aufhob (EL-act. 31). Diese Verfügung
erwuchs unangefochten in formelle Rechtskraft.
Offenbar nahm die EL-Durchführungsstelle am 29. August 2018 eine Besichtigung
der Wohnung des EL-Bezügers vor, denn ein Sachbearbeiter der EL-
Durchführungsstelle notierte am 6. November 2018 (EL-act. 21–6), bei einer
„AOS“ (wohl: Abklärung an Ort und Stelle) habe sich gezeigt, dass es sich beim
zusätzlichen Zimmer nicht um ein Attikazimmer, sondern um eine unbewohnbare
Abstellkammer im Estrich handle, die der EL-Bezüger bereits seit Dezember 2012
benutze. Angeblich bewahre er darin Hausrat aus der Zeit auf, als die Familie noch
zusammengelebt habe. Diesbezüglich habe also per 1. September 2014 keine
Sachverhaltsveränderung stattgefunden, die einen höheren Mietzins hätte rechtfertigen
können. Bei der Zwei-Zimmer-Wohnung handle es sich um einen relativ kleinen Raum,
der durch zwei Gipswände aufgeteilt worden sei. Der Mietzins sei seit September 2014
offensichtlich übersetzt. Es rechtfertige sich, dafür höchstens einen Mietzins von 800
Franken pro Monat als Ausgabe zu berücksichtigen. Die EL-Durchführungsstelle nahm
A.d.
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mehrere Fotos zu den Akten, die offenbar von Sachbearbeitern bei der
Wohnungsbesichtigung am 29. August 2018 erstellt worden waren (EL-act. 24). Diese
Fotos zeigten die Verhältnisse in der eigentlichen Wohnung und im Attikazimmer. Mit
einer Verfügung vom 7. November 2018 setzte die EL-Durchführungsstelle die
ordentliche Ergänzungsleistung rückwirkend für die Zeit vom 1. September 2014 bis
zum 30. April 2018 herab. Die ausserordentliche Ergänzungsleistung wurde
rückwirkend per 31. August 2014 eingestellt (EL-act. 14). Zur Begründung führte die
EL-Durchführungsstelle an, sie habe die Anspruchsberechnung korrigiert und lediglich
noch einen Mietzins von 9’600 Franken pro Jahr berücksichtigt. Die daraus
resultierende rückwirkende Herabsetzung der Ergänzungsleistung habe eine
Rückforderung von 26’166 Franken zur Folge.
Der EL-Bezüger erhob am 3. Dezember 2018 eine Einsprache gegen die
Verfügung vom 7. November 2018 (EL-act. 11). Er machte geltend, der Mietzins sei
vom Vermieter festgesetzt worden. Er habe den vereinbarten Mietzins stets bezahlt.
A.e.
Bereits am 26. November 2018 hatte das Sozialamt den EL-Bezüger aufgefordert
(EL-act. 10–3), einen den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechenden Mietvertrag für
den von ihm bewohnten knapp 20 Quadratmeter grossen Raum einzureichen.
Andernfalls werde es ab Dezember 2018 nicht mehr für die Mietauslagen aufkommen.
Der EL-Bezüger hatte den Vermieter in der Folge gebeten, ihm eine Wohnung mit
einem oder eineinhalb Zimmern für maximal 800 Franken pro Monat zur Verfügung zu
stellen (EL-act. 10–1). Am 3. Dezember 2018 wurde ein neuer Mietvertrag betreffend
eine Wohnung im „Parterra“ mit zwei Zimmern zu einem Mietzins von 900 Franken
netto respektive 1’020 Franken brutto erstellt (EL-act. 10–2 und 10–4).
A.f.
Mit einem Entscheid vom 13. März 2019 wies die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache ab (EL-act. 4). Zur Begründung führte sie an, hier liege ein Verzicht in der
Form von überhöhten Ausgaben vor. Das rechtfertige es, bei der
Anspruchsberechnung im Rahmen einer wiedererwägungsweisen Korrektur einen
hypothetischen anstelle des realen Mietzinses zu berücksichtigen.
A.g.
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B.

Erwägungen
1.
Der Streitgegenstand dieses Beschwerdeverfahrens muss dem Gegenstand des mit
dem angefochtenen Entscheid vom 26. Februar 2019 abgeschlossenen
Einspracheverfahrens entsprechen. Weil auch das Einspracheverfahren ein („echtes“)
Rechtsmittelverfahren gewesen ist, das auf die Überprüfung der Verfügung vom 7.
November 2018 auf deren Rechtmässigkeit beschränkt gewesen ist, hat sein
Gegenstand jenem des vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprochen. Jenes
Verwaltungsverfahren soll gemäss der Auffassung der Beschwerdegegnerin ein
Wiedererwägungsverfahren im Sinne des Art. 53 Abs. 2 ATSG gewesen sein, das auf
die Korrektur einer gestützt auf den Art. 17 Abs. 2 ATSG ergangenen rückwirkenden
Revisionsverfügung per 1. September 2014 abgezielt habe. Die einzige Verfügung mit
Wirkungszeitpunkt 1. September 2014 ist jene vom 12. März 2015 gewesen, mit der die
Beschwerdegegnerin eine Wiedererwägung pendente lite gemäss Art. 53 Abs. 3 ATSG
vorgenommen hatte. Die Beschwerdegegnerin hatte den Wohnungswechsel per 1.
September 2014 nämlich bereits in ihrer Verfügung vom 16. Oktober 2014 gewürdigt.
Aufgrund der im noch laufenden Einspracheverfahren gewonnenen neuen
Sachverhaltskenntnisse hat die Beschwerdegegnerin diese Verfügung widerrufen und
durch die Verfügung vom 12. März 2015 ersetzt, worauf sie das Einspracheverfahren
(formell rechtskräftig) abgeschrieben hat. Das mit der Verfügung vom 7. November
2018 abgeschlossene Verwaltungsverfahren (und damit auch das anschliessende
Einspracheverfahren) hat also die Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) einer
Am 4. April 2019 erhob der EL-Bezüger (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 13. März 2019 (act. G 1). Er stellte
den Antrag, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und von einer
Rückforderung sei abzusehen. Zur Begründung führte er aus, er habe den vertraglich
vereinbarten Mietzins von 1’450 Franken Monat für Monat bezahlt (vgl. act. G 1.2). Der
Vermieter habe den Erhalt der vollen Miete bestätigt (vgl. act. G 1.3). Bei der EL-
Anspruchsberechnung dürfe deshalb kein tieferer Mietzins berücksichtigt werden.
B.a.
Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte
am 29. April 2019 unter Hinweis auf die Erwägungen im angefochtenen
Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
B.b.
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Wiedererwägung pendente lite (Art. 53 Abs. 3 ATSG) zum Gegenstand gehabt. Die am
12. März 2015 pendente lite wiedererwogene Verfügung vom 16. Oktober 2014 hatte
nicht nur eine Anpassung der ausserordentlichen Ergänzungsleistung an den per 1.
September 2014 erfolgten Wohnungswechsel, sondern auch eine Anpassung der
ordentlichen Ergänzungsleistung an eine Verringerung des Vermögens von 6’837
Franken auf 346 Franken und an eine Reduktion des Vermögensertrages von neun auf
null Franken beinhaltet (vgl. EL-act. 93 mit EL-act. 101). Demnach sind am 16. Oktober
2014 eigentlich zwei Verfügungen ergangen, nämlich eine Verfügung betreffend die
ordentliche Ergänzungsleistung und eine (sich nur auf das kantonale EL-Recht und auf
das kantonale Verwaltungsverfahrensrecht stützende) Verfügung betreffend die
ausserordentliche Ergänzungsleistung. Weil der Beschwerdeführer nur die
Revisionsverfügung betreffend die ausserordentliche Ergänzungsleistung per 1.
September 2014 angefochten hatte, ist die Revisionsverfügung betreffend die
bundesrechtliche, ordentliche Ergänzungsleistung per 1. Mai 2014 unangefochten in
formelle Rechtskraft erwachsen; sie hat also nicht zum Einspracheverfahren gehört. Die
Beschwerdegegnerin hat denn auch in ihrer Widerrufsverfügung vom 12. März 2015
nur die Revision der ausserordentlichen Ergänzungsleistung per 1. September 2014
korrigiert. Erst im hier zu überprüfenden Wiedererwägungsverfahren hat die
Beschwerdegegnerin inhaltlich eine Revision per 1. September 2014 sowohl der
kantonalrechtlichen, ausserordentlichen als auch der bundesrechtlichen, ordentlichen
Ergänzungsleistung vorgenommen. Dieses Gerichtsverfahren betrifft folglich zwei
Gegenstände, nämlich einerseits die Wiedererwägung der Wiedererwägung pendente
lite vom 12. März 2015 betreffend die Revision der ausserordentlichen
Ergänzungsleistung per 1. September 2014 und andererseits eine rückwirkende,
erstmalige Revision der ordentlichen Ergänzungsleistung per 1. September 2014. An
sich müssten die nachfolgenden Erwägungen und das Urteilsdispositiv entsprechend
aufgeteilt werden. Mit Blick darauf, dass im bundesrechtlichen Beschwerde- und im
kantonalrechtlichen Rekursverfahren die Frage nach der Höhe des als Ausgabe
anzuerkennenden Mietzinses im Mittelpunkt steht, rechtfertigt es sich hier zur
Vermeidung von unnötigen Wiederholungen ausnahmsweise, von einer solchen
Aufteilung abzusehen. Weil das Gerichtsverfahren aber sowohl die ausserordentliche
als auch die ordentliche Ergänzungsleistung betrifft, ist der Rechtsmittelweg geteilt.
2.
Die Wiedererwägung einer formell rechtskräftigen Verfügung setzt gemäss dem
Art. 53 Abs. 2 ATSG (für die Wiedererwägung einer nach kantonalem Recht
ergangenen Verfügung der Art. 13 ELG/SG i.V.m. dem Art. 53 Abs. 2 ELG) voraus, dass
2.1.
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die entsprechende Verfügung zweifellos unrichtig und dass die Berichtigung von
erheblicher Bedeutung ist. Für die Beantwortung der Frage nach der zweifellosen
Unrichtigkeit ist nach der bundesgerichtlichen Auffassung entscheidend, ob der
ursprüngliche rechtsgestaltende Entscheid bei der Sach- und Rechtslage, wie sie sich
im Zeitpunkt der Eröffnung der ursprünglichen (möglicherweise zweifellos unrichtigen)
Verfügung dargestellt haben, vertretbar gewesen ist (vgl. etwa Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 53 N 59 f., mit zahlreichen Hinweisen auf die
Rechtsprechung).
Die Verfügung pendente lite vom 12. März 2015 scheint auf den ersten Blick in
sachverhaltlicher Hinsicht nicht zweifellos unrichtig gewesen zu sein, denn die dem
Gericht vorliegenden Akten belegen mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit, dass der Beschwerdeführer in der Zeit ab dem 1.
September 2014 jeweils einen Wohnungsmietzins von 1’450 Franken bezahlt hat.
Kämen für die Bemessung der anerkannten Mietzinsausgaben nur der Art. 10 Abs. 1 lit.
b Ziff. 1 ELG bzw. der Art. 5 des ELG/SG (in der in diesem Fall weiter anwendbaren bis
Ende 2015 gültigen Fassung) zur Anwendung, wäre nur massgebend, wie hoch die
effektiven Mietzinsausgaben waren. Die Beschwerdegegnerin ist aber davon
ausgegangen, dass auch der Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG (für die ausserordentliche
Ergänzungsleistung der Art. 7 ELG/SG i.V.m. Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG) zur Anwendung
gelangen müsse, das heisst dass von einem Verzicht in der Form zu hoher
Mietzinsausgaben auszugehen sei, so dass ein hypothetischer, tieferer Mietzins von
800 Franken monatlich als Ausgabe zu berücksichtigen sei. Die
Wiedererwägungsverfügung vom 7. November 2018 hat also auf die Berichtigung einer
fehlerhaften Rechtsanwendung (unterbliebene Anwendung des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG
bzw. Art. 7 ELG/SG i.V.m. Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG) und damit – aufgrund des
besonderen Regelungsinhalt der zusätzlich anzuwendenden Norm – auch auf die
Berichtigung des der Rechtsanwendung zugrunde zu legenden Sachverhalts
(hypothetischer statt effektiver Mietzins) abgezielt.
2.2.
Weil die Ergänzungsleistung die Deckung des tatsächlichen Existenzbedarfs
bezweckt, soweit die effektiv zur Verfügung stehenden Einnahmen diesen nicht decken
können, sind bei der Anspruchsberechnung grundsätzlich die tatsächlich anfallenden
Ausgaben den tatsächlich zur Verfügung stehenden Einnahmen gegenüber zu stellen.
Von diesem Grundsatz sieht der Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG eine Ausnahme vor: Als
Einnahmen sind auch Einkünfte und Vermögenswerte anzurechnen, auf die verzichtet
worden ist. Diese Norm regelt, wie auf eine Verletzung der
ergänzungsleistungsspezifischen Schadenminderungspflicht zu reagieren ist. Eine
2.3.
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solche Schadenminderungspflichtverletzung liegt vor, wenn ein EL-Bezüger nicht das
ihm Mögliche und Zumutbare unternommen hat, um den massgebenden „Schaden“
möglichst tief zu halten. Weil der massgebende „Schaden“ der Differenz zwischen den
anerkannten Ausgaben und den anrechenbaren Einnahmen entspricht (vgl. Art. 9 Abs.
1 ELG, für das kantonale Recht Art. 7 ELG/SG i.V.m. Art. 9 Abs. 1 ELG), ist seine Höhe
nicht nur vom Betrag der anrechenbaren Einnahmen, sondern auch vom Betrag der
anerkannten Ausgaben abhängig. Folglich muss die Pflicht eines EL-Bezügers, das ihm
Mögliche und Zumutbare zu unternehmen, um den „Schaden“ möglichst tief zu halten,
nicht nur die Einnahmen-, sondern auch die Ausgabenseite betreffen: Eine Verletzung
der Schadenminderungspflicht liegt vor, wenn die anrechenbaren Einnahmen
insgesamt tiefer sind, als sie wären, wenn der EL-Bezüger seine zumutbaren
Möglichkeiten zur Erzielung von anrechenbaren Einnahmen ausgeschöpft hätte, aber
auch dann, wenn die anerkannten Ausgaben insgesamt höher sind, als sie wären,
wenn der EL-Bezüger seine anerkannten Ausgaben auf das ihm mögliche und
zumutbare Minimum beschränkt hätte. Vor diesem Hintergrund ist nicht einzusehen,
weshalb – dem Wortlaut des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG folgend – nur eine Verletzung der
ergänzungsleistungsspezifischen Schadenminderungspflicht in der Form von zu tiefen
anrechenbaren Einnahmen mit der Anwendung des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG
beziehungsweise der dadurch bewirkten Leistungskürzung sollte sanktioniert werden
können, während eine Verletzung der Schadenminderungspflicht in der Form von zu
hohen Ausgaben folgenlos bleiben würde. Dem Gesetzgeber kann nicht unterstellt
werden, dass er sich ganz bewusst für eine Lösung entschieden hätte, die der
Verletzung der ergänzungsleistungsspezifischen Schadenminderungspflicht nur bei
einem Teil der Verzichtsfälle Rechnung tragen würde. Dies hätte nämlich eine
willkürliche Ungleichbehandlung der diese Schadenminderungspflicht verletzenden
Versicherten zur Folge, weil die Sanktion, also das Abstellen auf einen hypothetischen
Sachverhalt ohne Verzicht, nur bei den auf anrechenbaren Einnahmen verzichtenden
Versicherten eintreten könnte. Bei der Auslegung des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG ist
deshalb davon auszugehen, dass der Gesetzeswortlaut versehentlich zu eng gefasst
worden ist (und dass der Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG versehentlich am falschen Ort ins
Gesetz eingefügt worden ist; die Norm müsste sich ausserhalb der Art. 10 und 11 ELG
in einem separaten Artikel befinden) respektive dass der Gesetzeswortlaut dem Sinn
und Zweck der Norm nur unzureichend Rechnung trägt. Die teleologische Auslegung
erfordert also die Anwendung des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG nicht nur bei einem Verzicht
auf anrechenbare Einnahmen, sondern auch bei einem Verzicht in der Form von
überhöhten Ausgaben. Die Folge einer Verletzung der Schadenminderungspflicht ist in
dieselbe: Anstelle der realen Einnahmen oder Ausgaben werden jene hypothetischen
Einnahmen oder Ausgaben bei der Anspruchsberechnung berücksichtigt, die bei einer
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(fiktiven) Erfüllung der EL-spezifischen Schadenminderungspflicht zufliessen respektive
anfallen würden. Verzichtet ein EL-Bezüger beispielsweise auf die Erzielung eines
Erwerbseinkommens, ist ihm in Anwendung des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG in Verbindung
mit dem Art. 11 Abs. 1 lit. a ELG (bei der ausserordentlichen Ergänzungsleistung Art. 7
ELG/SG i.V.m. den beiden genannten Bestimmungen des ELG) jenes hypothetische
Erwerbseinkommen anzurechnen, das er erzielen könnte, wenn er seine
Schadenminderungspflicht vollumfänglich erfüllen würde. Liegt ein Verzicht in der Form
von überhöhten Ausgaben vor, beispielsweise wenn sich ein EL-Bezüger nicht auf die
zur Erzielung seines Erwerbseinkommens unbedingt notwendigen Gewinnungskosten
beschränkt, ist bei der Anspruchsberechnung in Anwendung des Art. 11 Abs. 1 lit. g
ELG in Verbindung mit dem Art. 10 Abs. 3 lit. a ELG (für die ausserordentlichen
Ergänzungsleistungen Art. 7 ELG/SG i.V.m. den genannten Bestimmungen des ELG)
nur jener Teil der Gewinnungskosten zu berücksichtigen, der zur Erzielung des
Erwerbseinkommens unbedingt notwendig gewesen wäre. Das Bundesgericht teilt
diese Auffassung zur richtigen, den Gesetzeswortlaut teilweise ignorierenden
Auslegung des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG. So hat es etwa in seinem Urteil vom 8. Mai
2013 (9C_429/2013) festgehalten, dass eine Studentin in Erfüllung ihrer EL-
spezifischen Schadenminderungspflicht gehalten gewesen wäre, bei ihrem Vater statt
in einer eigenen Wohnung zu leben, um so ihre Mietzinsausgaben und damit ihren
Bedarf nach einer Ergänzungsleistung möglichst tief zu halten. (Im Sinne eines obiter
dictum wird darauf hingewiesen, dass diese Auslegung des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG
dazu zwingt, sämtliche Ausgabenpositionen konsequent auf ein allfälliges Sparpotential
zu prüfen.)
Die im August 2018 durchgeführten Abklärungen der Beschwerdegegnerin haben
ergeben, dass der Beschwerdeführer ab September 2014 entgegen der im Mietvertrag
verwendeten Formulierung nicht eine Wohnung mit zwei Zimmern und einem Sitzplatz
sowie zusätzlich ein „Attika-Zimmer“ bewohnt hat, sondern dass ihm lediglich ein
weniger als 20 Quadratmeter grosser Wohnraum und ein kleines Abteil im Estrich zur
Verfügung gestanden haben. Der vertraglich vereinbarte Mietzins von 1’450 Franken
erscheint deshalb auf den ersten Blick als deutlich übersetzt. Daraus folgt aber nicht
ohne Weiteres, dass tatsächlich ein Verzicht in der Form von überhöhten
Mietzinsausgaben vorgelegen hätte. Der Beschwerdeführer hatte nämlich bereits im
Frühjahr 2015 darauf hingewiesen, dass er keine andere Wohnung gefunden habe und
dass er sich deshalb gezwungen gesehen habe, diese Wohnung zu mieten, obwohl er
lieber eine grössere Wohnung gemietet hätte. Das deutet darauf hin, dass der
Beschwerdeführer faktisch gezwungen gewesen sein könnte, den übersetzten Mietzins
zumindest so lange zu akzeptieren, bis er eine andere Wohnung hätte finden können.
2.4.
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3.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG und Art. 97 VRP/SG).