Decision ID: af486209-d0bc-5b97-8c53-88cd3a72ba51
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1947,
arbeitete als Handwerker bei den
Y._
und war damit bei der
Pensionskasse
der Stadt
Zürich (nachfolgend: Pensionskasse) vorsorgeversichert. Im Jahr 2007 erlitt er einen
Unfall, worauf das Arbeitsverhältnis per 3
1.
Oktober 2008 wegen Invali
d
ität beendet wurde (Verfügung vom 2
9.
September 2008, Urk. 9/30). In der Fol
ge
wurden dem Versicherten seitens der Invalidenversicherung (Urk. 9/15), der Unfallversicherung (Urk. 9/20
)
sowie der Pensionskasse Invalidenleistungen zu
gesprochen. Letztere kürzte die Pensionskasse wegen Überentschädigung
, wel
che
sich seit 2010 auf monatlich Fr. 103
1
.35 belief (vgl. Urk. 9/29 und
Leis
tungs
ausweis
bzw. Überentschädigungsberechnung vom 9. August 2010, Urk. 9/12).
Nachdem
der Versicherte
das 6
5.
Altersjahr zurückgelegt hatte, wurde
seine
IV-Rente mit Wirkung ab
1.
August 2012
durch eine Altersrente der AHV abgelöst
(Urk. 9/4)
.
In diesem Zusammenhang überprüfte d
ie Pensionskasse
ihre
Über
entschädigungsberechnung
und teilte dem Versicherten am 3
1.
Mai 2012 mit, die Verhältnisse hätten sich nicht wesentlich geändert, womit er weiterhin An
spruch auf die bisherigen Leistungen habe (Urk. 9/5). Der Versicherte ersuchte da
raufhin die Pensionskasse um Ausrichtung der ungekürzten
berufsvorsorge
rechtlichen
Invalidenrente,
da die AHV-Rente nicht mehr in die
Überentschädi
gungsberechnung
einzubeziehen sei (Urk. 9/2).
Die Pensionskasse
stellte sich
dem
gegenüber
auf den Standpunkt,
wie
d
i
e
früher bezogene
IV-Rente sei
auch
die AHV-
R
ente
als Einkommen an
zurechnen
, weshalb
sie nach wie vor be
rech
tigt sei, ihre Leistungen zu kürz
en (
”
Einspracheentscheid
”
vom 17.
August 2012, Urk. 9/1).
2.
Mit Eingabe vom
5.
November 2012 (Urk. 1) liess
X._
Klage ge
gen die Pensionskasse erheben und beantragen, die AHV-Rente sei bei der
Über
entschädigungsberechnung
per
1.
August 2012 nicht anzurechnen, und es sei dem
Kläger die volle Invalidenpension auszuzahlen.
Mit Klageantwort vom
2
2.
Januar 2013 (Urk. 8) ersuchte die Beklagte um Ab
weisung der Klage. In einem zweiten Schriftenwechsel hielten die Parteien an
ihren Standpunkten fest (Replik vom
1.
März 2013 [Urk. 12], Duplik vom 4. Apri
l 2013 [Urk. 16; dem Kläger zugestellt am 1
0.
April 2013, Urk. 17]
)
.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Für die Berechnung der Überentschädigung finden die im jeweiligen Zeitraum geltenden gesetzlichen Bestimmungen Anwendung. Dies gilt analog für die Än
derung reglementarischer Überentschädigungsregelungen und ist auch auf lau
fende Renten anwendbar (
BGE 134 V 64 E. 2.3.1,
BGE 126 V 470
Erw
. 3
je
mit weiteren Hinweisen).
Die Beklagte hat daher die Überentschädigungsberechnung
per
1. August 2012 (Erreichen des AHV-Alters)
zu Recht
aufgrund der
Bestim
mung
en des Vorsorgereglements (VSR) 2012
vorgenommen
(
Urk. 9/34,
vgl.
Urk.
16 S.
3 oben).
Der vom Kläger vertretenen Auffassung, es sei das VSR 2008
(Urk. 33)
anwen
dbar, ist somit nicht zu folgen (vgl. Urk. 12 S. 3).
2.
2.1
Nach
Art.
24
Abs.
1 der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterl
assenen- und Invalidenvorsorge (
BVV
2)
kann die Vorsorgeeinrichtung die Hinterlasse
nen- und Invalidenleistungen kürzen, soweit sie zusammen mit anderen anre
chenbaren Einkünften 90 Prozent des mutmasslich entgangenen Verdienstes über
steigen
.
Als anrechenbare Einkünfte gelten Leistungen gleicher Art und Zweck
bestimmung, die der anspruchsberechtigten Person aufgrund des schädi
genden Ereign
isses ausgerichtet werden (Art. 24 Abs. 2 Satz 1 BVV
2; sog.
Kon
gruenzprinzip
; vgl. BGE 135 V 29 E.
4.1 mit Hinweisen). Mangels sachlicher und ereignisbezogener Kongruenz
waren
Altersleistungen der ersten Säule
bis zum Inkrafttreten von Abs.
2
bis
von
Art.
24 BVV
2 per
1.
Januar
2011
nicht in die Berechnung der Überentschädigung durch eine lebenslänglich auszurich
tende Invalidenrente der obligatorischen beruflichen Vorsorge einzubeziehen
. Mit Abs.
2
bis
von
Art.
24 BVV
2
besteht eine neue
Rechtsgrundlage, die die An
rechn
ung von Altersleistungen der 1.
Säule jedenfalls im
Obligatorium
zulässt
.
2.2
Im Bereich der weitergehenden Vorsorge kann die Vorsorgeeinrichtung für
die Frage der Überentschädigung
eine vom Gesetz abwe
ichende Regelung vorsehen (Art. 49 Abs. 2 BVG e
contrario
). Es ist
- und war auch vor Inkrafttreten des vorerwähnten Abs. 2
bis
BVV 2 -
daher bei einer umhüllenden
Vorsorgeeinrich
tung
grundsätzlich zulässig, in die reglementarische Regelung der
Überentschä
digung
durch eine Invalidenrente auch dazu nicht kongruente Leistungen wie die Altersrente einzubeziehen
(Urteil des Bundesgerichts
9C_687/2009
vom 1
9.
März 2010 E. 4.3; vgl. auch
I
sabelle
V
etter-Schreiber
, Komment
ar Berufliche Vorsorge, 2013
,
Rz
35 zu Art. 24 BVV 2
)
.
2.3
Die im vorliegenden Fall anwendbare
n
Bestimmung
en
des
VSR 2012
lauten
wie folgt:
"1) Invaliden- und
Hinterlassenenleistungen
werden gekürzt, soweit sie
mit anderen anrechenbaren Einkünften 90 % des mutmasslich entgangenen Ver
dienstes übersteigen.
2
a)
Als anrechenbare Einkünfte gelten
Leistungen mit dem Zweck, die Anspruchsberechtigten für den eingetretenen Erwerbsausfall zu entschädigen (nach Erreichen des AHV-Rentenalters auch Altersleistungen), wie z.B. Leistungen von in- und ausländischen Sozialversicherungen,
Vorsorgeein
richtungen
und Haftpflichtigen, mit Ausnahme von
Hilflosenentschädigungen
"
(Art. 25; Urk. 9/34).
2.4
Da es sich bei der
Beklagten
um eine öffentlich-rechtliche Vo
rsorgeeinrichtung handelt (Art. 1 Abs. 1
VSR 2012
), hat die Auslegung der einschlägigen Bestim
mungen
des VSR
nach den gewöhnlichen Regeln de
r Gesetzesauslegung zu er
folgen.
Danach ist das Gesetz in erster Linie nach seinem Wortlaut auszulegen. Ist der Text nicht ganz klar und sind verschiedene Auslegungen möglich, so muss nach seiner wahren Tragweite gesucht werden unter Berücksichtigung al
ler Auslegungselemente, namentlich von Sinn und Zweck sowie der dem Text zu Grunde liegenden Wertung. Wichtig ist ebenfalls der Sinn, der einer Norm im Kontext zukommt. Vom klaren, d.h. eindeutigen und unmissverständlichen Wortlaut darf nur ausnahmsweise abgewichen werden, u.a. dann nämlich, wenn triftige Gründe dafür vorliegen, dass der Wortlaut nicht den wahren Sinn der Bestimmung wiedergibt
(
BGE 134 V 208 E. 2.2 mit Hinweisen)
.
Der vorstehend zitierte
Art.
2 a des VSR 2012 (vgl. E. 2.3) hält klar und unmiss
verständlich fest, dass die AHV-Rente in die Überentschädigung einzubeziehen
ist.
Der Kläger macht indessen geltend, die Bestimmung sei zu wenig klar, als ge
stützt darauf die AHV-Renten anrechenba
r wären
.
Er lässt allerdings offen,
wie die Formulierung "nach Erreichen des AHV-Rentenalters auch
Altersleis
tung
en
" seiner Auffassung nach
anders
zu interpretieren wäre (vgl. Urk.
1 S. 4 un
ten)
,
weshalb sich eine
weitere Auseinandersetzung
damit erübrigt
.
2.5
Im Kern hält der Kläger aber jegliche reglementarische Bestimmung, welche die AHV-Renten in die Überentschädigungsberechnung einbezieht, als mit dem
Kongruenzgrundsatz nicht vereinbar
(Urk. 1 S. 4)
.
Wie die vorstehenden Aus
füh
rungen zeigen, besteht für die Anrechenbarkeit der AHV-Rente im Bereich des
Obli
gatoriums
mit Art. 24
Abs. 2
bis
BVV 2 seit dem
1.
Januar 2011 eine recht
liche Grundlage. Für den überobligatorischen Bereich erachtete das Bundes
ge
richt auch vor dem
1.
Januar 2011 die
Anrechenbarkeit der Altersleistungen der
AHV bei genügender reglementarischer Grundlage als rechtens. In den vom Klä
ger zitierten Entscheiden (vgl. Urk. 1 S.
5)
ging es um
Reglements
bestim
mung
en
, welche sich in der Wiedergabe des Art. 24 Abs. 1 BVV 2 erschöpften und aus
diesem Grund den Einbezug der AHV-Renten wegen des in
dieser Bestimmung ent
haltenen Kongruenzgrundsatzes (...
Leistungen gleicher Art und Zweckbe
stimmung, die der anspruchsberechtigten Person aufgrund des schädigenden Er
eignisses ausgerichtet werden ...) nicht erlaubten. Wie die Beklagte zu Recht aus
führte,
wählte die Beklagte bereits im VSR 2008 eine vom Gesetz abwei
chen
de, weniger einschränkende Bestimmung zur Überentschädigung (vgl. Urk. 16 S. 3). Ob
diese
die Anrechnung der AHV-Rente ebenfalls zulassen würde, brauch
t
an
gesichts der klaren Bestimmung im anwendbaren VSR 2012 nicht abschliess
end geklärt zu werden.
3.
Gestützt auf diese Erwägungen erweist sich die
Klage
als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.