Decision ID: 986d4cbe-3d94-5741-8840-2d614c92de6b
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
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A.a A._ meldete sich am 19. März 2008 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1).
Die B._ teilte am 11. April 2008 mit (IV-act. 13), sie beschäftige die Versicherte seit
1998 als Annäherin im Werk C._. Diese Tätigkeit bestehe aus dem Annähen von
Stoffen (90%) und dem Flicken und Reparieren von Wellentüchern (10%). Der Lohn
2008 betrage Fr. 43'290.--. Vom 2. bis 15. Januar 2008 hatte sich die Versicherte zur
stationären Rehabilitation in der Klinik D._ aufgehalten. Im Austrittsbericht vom 18.
Januar 2008 (IV-act. 18-12 ff.) war ausgeführt worden, die Versicherte leide an einem
panvertebralen Schmerzsyndrom (mit/bei mehrsegmentalen Chondrosen und
Diskusprotrusionen sowie Diskushernie C4/5 mit möglichem Myelonkontakt, aber ohne
klinisches Korrelat), an einem myofaszialen Schmerzsyndrom, an einer mittelgradigen
depressiven Episode (aktuell Ausbau der antidepressiven Therapie und eingeleitete
psychosomatische Therapie) und an einer Autoimmunthyreopathie. Das sehr aktiv
geprägte Therapieprogramm habe schnell zu einer Überforderung der Versicherten
geführt, worauf die Therapie entsprechend angepasst worden sei. In einem
psychosomatischen Konsilium sei eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert
worden, worauf eine medikamentöse und eine Gesprächstherapie eingeleitet worden
seien. In einem Arztzeugnis vom 15. Januar 2008 hatte die Abteilungsärztin Dr. med.
E._ von der Klinik D._ eine Arbeitsunfähigkeit von 50% attestiert (IV-act. 18-10). Dr.
F._, FMH Allgemeinmedizin, gab der IV-Stelle am 28. April 2008 an, die Versicherte
sei seit dem 11. Juni 2007 zu 100% arbeitsunfähig. Sie sei sowohl physisch als auch
psychisch nicht mehr einsetzbar (IV-act. 18-5 ff.). Vom 31. März bis 25. April 2008 hatte
sich die Versicherte einer ambulanten Rehabilitation in der Klinik G._ unterzogen.
Chefarzt Dr. med. H._ berichtete dem Hausarzt am 8. Mai 2008 (IV-act. 23), folgende
Diagnosen seien erhoben worden: Mittelgradige depressive Episode mit somatischem
Syndrom und Verdacht auf eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Im Verlauf
der Therapie sei es zu einer zunehmenden Besserung des psychischen Zustands und
der körperlichen Leistungsfähigkeit gekommen, obwohl bis zum Ende der
Rehabilitation eine reduzierte psychische Belastbarkeit bestanden habe. Aus rein
psychiatrischer Sicht habe beim Austritt aus der Klinik eine volle Arbeitsfähigkeit
bestanden. Die Ärzte des Psychiatrie-Zentrums I._ berichteten am 24. Juni 2008 (IV-
act. 21), die Versicherte leide an einer mittelgradigen depressiven Episode, an einem
panvertebralen Schmerzsyndrom und an einem schweren, generalisierten myofaszialen
Schmerzsyndrom: Fibromyalgiesyndrom; sie sei seit 10/07 zu 100% arbeitsunfähig. In
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der Stickerei habe die Versicherte eine körperlich schwere Arbeit ausgeübt. Nach dem
Abbruch der Rehabilitation in der Klinik D._ habe sich die Versicherte bei ihnen in
eine ambulante psychiatrische Behandlung begeben. Da sie sich noch in der
Akutphase der depressiven Erkrankung befinde, sei noch keine Aussage zur
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Erwerbstätigkeit möglich. Dr. F._ berichtete der
IV-Stelle am 12. August 2008 (IV-act. 25-2), es sei sowohl psychisch als auch physisch
zu einer deutlichen Verschlechterung des Zustandsbilds gekommen. Die
psychosomatische Tagesklinik habe keinen bleibenden Erfolg gebracht. Dr. med. J._
vom RAD hielt am 15. August 2008 fest (IV-act. 26), der Gesundheitszustand sei
instabil. Die Ärzte des Psychiatrie-Zentrums berichteten am 25. Mai 2009 (IV-act. 40),
die Versicherte befinde sich aktuell in einer akuten Erkrankungsphase und sei auch in
einer adaptierten Erwerbstätigkeit zu 100% arbeitsunfähig. Dr. J._ vom RAD empfahl
am 16. Oktober 2009 eine polydisziplinäre Begutachtung (IV-act. 45).
A.b Die Sachverständigen der ABI Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH berichteten
in ihrem Gutachten vom 19. April 2010 (IV-act. 56), sie hätten folgende Diagnosen
erhoben: Leichte depressive Episode, chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom
ohne radikuläre Symptomatik sowie - ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit -
Schmerzverarbeitungsstörung (multilokuläres Schmerzsyndrom), anamnestisch
Hypothyreose (bei St. n. Autoimmunthyreoiditis) und Adipositas (BMI 32). Weiter wurde
ausgeführt, aus orthopädischer Sicht wirke sich das chronische panvertebrale
Schmerzsyndrom auf die Arbeitsfähigkeit aus. Körperlich mittelschwere bis schwere
Tätigkeiten sowie Tätigkeiten, die länger dauernde Zwangshaltungen von Nacken und
Rumpf sowie repetitive Überkopfbewegungen der Arme erforderten, seien bleibend
nicht mehr zumutbar. Für körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere,
wechselbelastende, aus orthopädischer Sicht adaptierte Tätigkeiten, bei denen eine
Hebe- und Traglimite von 10 kg nur ausnahmsweise überschritten werden müsse,
bestehe eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Aus
psychiatrischer Sicht wirke sich die leichte depressive Episode auf die Arbeitsfähigkeit
aus. In einer aus orthopädischer Sicht adaptierten Tätigkeit resultiere deshalb bei
einem ganztägigen Einsatz eine Leistungseinbusse von 20%. Weder aus internistischer
noch aus somatischer Sicht lägen ein Befund oder eine Diagnose vor, welche die
Arbeitsfähigkeit tangieren würden. Aufgrund der anamnestischen Angaben, der
Untersuchungsbefunde, der vorliegenden Dokumente und der früher attestierten
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Arbeitsunfähigkeiten sei davon auszugehen, dass die Arbeitsunfähigkeit seit Ende
Oktober 2007 bestehe. Mit Sicherheit könne das ab Januar 2010 bestätigt werden.
Über die Zeit gemittelt sei seit Oktober 2007 von einer Arbeitsfähigkeit im aktuell noch
feststellbaren Ausmass auszugehen. Die Diskrepanz zur Selbsteinschätzung der
Versicherten sei begründet insbesondere in einer ausgeprägten Selbstlimitierung, wie
sie bei Schmerzverarbeitungsstörungen häufig zu beobachten sei. Bei der
Anamneseerhebung und der Untersuchung seien teilweise erhebliche Diskrepanzen
und Inkonsistenzen aufgefallen. Die angegebenen invalidisierenden Beschwerden im
Bereich der gesamten Wirbelsäule sowie in der Muskulatur sämtlicher Extremitäten
hätten angesichts des Fehlens klinisch objektivierbarer pathologischer Befunde, der
nur moderaten strukturellen Moderationen in der aktuellsten Bildgebung der
Wirbelsäule und den wiederholt völlig unauffälligen Laboruntersuchungen nicht
nachvollzogen werden können. Beim An- und Ausziehen der Kleider und der fast
kniehohen Lederstiefel habe sich die Versicherte ohne jegliche Behinderung bewegt
inklusive endgradige Überkopfbewegungen beider Arme, spontaner Einnahme des
Einbeinstands bds. und tiefem Vorneigen des Oberkörpers. Aufgefallen seien auch
erhebliche Diskrepanzen bei der Untersuchung der Wirbelsäulenbeweglichkeit. In
Bezug auf den Bewegungsapparat bestehe eine recht gute Befundübereinstimmung
zum Begutachtungsbericht von med. pract. K._, FMH Innere Medizin, speziell
Rheumatologie, manuelle Medizin SAMM, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM,
vom 10. Juli 2009. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung hingegen bestehe eine
Differenz. Auch zum Bericht der Rheumatologie des Kantonsspitals St. Gallen bestehe
eine teilweise Befundübereinstimmung. Erstaunlicherweise sei dort der Umstand, dass
der Finger-Boden-Abstand 33 cm betragen habe, der Lasèguetest aber bds. negativ
ausgefallen sei, gar nicht kommentiert worden. Der Hausarzt habe am 28. April 2008
eine Arbeitsunfähigkeit von 100% ab 11. Juni 2007 angegeben. Dabei sei ihm
entgangen, dass die Versicherte die Arbeit am 20. Juli 2007 wieder aufgenommen habe
und dass sie erst ab 23. Oktober 2007 dauerhaft arbeitsunfähig geblieben sei. Der
Hausarzt habe die von ihm attestierte Arbeitsunfähigkeit vorwiegend mit den Angaben
der Versicherten begründet. Die Begutachtung durch die ABI GmbH hingegen beruhe
auf der Anwendung objektiver Kriterien.
A.c Dr. J._ vom RAD erachtete das Gutachten der ABI GmbH als umfassend,
kohärent und in sich widerspruchsfrei (IV-act. 58). Die Arbeitsfähigkeit von 80% sei ab
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Oktober 2007 anzunehmen. Mit Sicherheit könne diese Arbeitsfähigkeit ab Januar 2010
bestätigt werden. Allerdings sei fraglich, ob die Annahme einer Arbeitsunfähigkeit vor
der hierzu bestehenden Rechtsauffassung bestehen könne. Die IV-Stelle verglich ein
Einkommen 2009 als Annäherin von Fr. 43'610.-- mit einem um 20% reduzierten
Durchschnittseinkommen einer Hilfsarbeiterin von Fr. 36'637.-- und ermittelte so einen
Invaliditätsgrad von 16% (IV-act. 59 f.). Mit einem Vorbescheid vom 17. September
2010 kündigte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des Rentenbegehrens an
(IV-act. 63). Die Versicherte liess am 25. Oktober 2010 einwenden (IV-act. 68), der im
Gutachten erwähnte Bericht von med. pract. K._ fehle in den Akten. Er müsse noch
eingeholt und ihr zur Stellungnahme vorgelegt werden. Med. pract. K._ habe die
Arbeitsfähigkeit gemäss den Angaben im Gutachten der ABI GmbH auf 70-80%
geschätzt, wobei sich die Einschränkung seiner Auffassung nach aus der allgemein
verminderten Belastbarkeit bei generalisiertem Schmerzsyndrom ergeben habe. Die
Abweichung zur orthopädischen Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten der ABI
GmbH sei nicht erklärt worden. Da med. pract. K._ als Gutachter für die SWICA tätig
gewesen sei, müsse seiner Beurteilung grundsätzlich derselbe Beweiswert zukommen
wie dem Gutachten der ABI GmbH. Seine abweichende Beurteilung wecke deshalb
Zweifel an der Einschätzung der Sachverständigen der ABI GmbH. Aus diesem Grund
müsse eine rheumatologische bzw. orthopädische Oberbegutachtung erfolgen. In den
Akten fehle auch das Gutachten von Dr. L._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, an die SWICA, in dem eine Arbeitsunfähigkeit von 50% attestiert
worden sei. Die behandelnden Ärzte des Psychiatrie-Zentrums I._ hätten in einem
Bericht vom 20. Oktober 2010 eine leichte bis mittelgradige depressive Episode
angegeben. Gemäss einer telephonischen Auskunft von med. pract. M._ lasse sich
die Differenz in der Schwere der Diagnose dadurch erklären, dass die Begutachtung an
einem "guten" Tag stattgefunden habe. So sei es den Sachverständigen schwer
möglich gewesen zu erkennen, wie stark die psychische Beeinträchtigung an einem
"schlechten" Tag sei. Die Versicherte liess eine erneute psychiatrische Abklärung
beantragen, bei der dem Umstand, dass es zu Stimmungsschwankungen komme,
Rechnung getragen werde. Die IV-Stelle forderte am 20. Dezember 2010 bei der
SWICA die beiden genannten Gutachten an (IV-act. 75). Die SWICA kam diesem
Ersuchen am 22. Dezember 2010 nach. Dr. L._ hatte in einem von der SWICA in
Auftrag gegebenen psychiatrischen Gutachten vom 23. Februar 2009 (Fremdakten) u.a.
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ausgeführt, es hätten sich keine emotionalen Konflikte oder psychosozialen Probleme
identifizieren lassen, die schwerwiegend genug wären, um als entscheidende
ursächliche Einflüsse bei der Entstehung der Schmerzen gelten zu können. Die
chronischen Schmerzen seien eine Belastung und es bestehe ein dysfunktionaler
Umgang mit Schmerzen. Zudem seien im Verlauf psychosoziale Probleme (vor allem
finanzielle Probleme) aufgetreten. Dies alles reiche aber nicht aus, um eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung diagnostizieren zu können. Der dysfunktionale Umgang
mit den Schmerzen lasse sich z.T. mit der erhöhten Empfindsamkeit durch die
Depression erklären. Gesamthaft liege aus psychiatrischer Sicht eine Beeinträchtigung
der Arbeitsfähigkeit aufgrund der höchstens mittelgradigen depressiven Episode von
höchstens 50% für jede in Frage kommende Tätigkeit vor. Med. pract. med. K._ vom
IME Institut für medizinische und ergonomische Abklärungen, hatte in seinem Bericht
an die SWICA vom 10. Juli 2009 (Fremdakten) ausgeführt, es bestehe eine Tendenz zu
einem generalisierten Schmerzsyndrom mit zervikozephaler und rechtsseitiger
zervikobrachialer Betonung. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Näherin bestehe
aufgrund der dort mit grosser Wahrscheinlichkeit nötigen Zwangshaltung eine
ungenügende Belastbarkeit insbesondere der HWS und des Nacken-/Schultergürtels.
Für eine solche Tätigkeit bestehe aus rheumatologischer Sicht weiterhin eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit. In einer ideal angepassten Tätigkeit bestehe aus
rheumatologischer Sicht eine maximale Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um
20-30%. Ursache dieser Einschränkung sei eine allgemein verminderte Belastbarkeit.
Bei einer Verringerung der psychischen Beschwerden sei auch mit einer Verringerung
der subjektiv stark wahrgenommenen körperlichen Beschwerden zu rechnen. Dr. J._
vom RAD wies am 16. Februar 2011 darauf hin, dass diese beiden Gutachten den
Sachverständigen der ABI GmbH vorgelegen hätten (IV-act. 78). Med. pract. M._
hatte der früheren Rechtsvertreterin der Versicherten am 20. Oktober 2010 angegeben
(IV-act. 81), es bestehe eine leicht- bis mittelgradige depressive Episode. Die
Arbeitsfähigkeit betrage je nach Zustandsbild 30% bis maximal 50%. Dr. J._ ging
weiterhin davon aus, dass die Einschätzung im Gutachten der ABI GmbH überzeuge
(IV-act. 84). Mit einer Verfügung vom 15. April 2011 wies die IV-Stelle das
Rentengesuch der Versicherten ab, da der Invaliditätsgrad nur 16% betrage (IV-act.
85).
B.
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B.a Die Versicherte erhob am 27. Mai 2011 Beschwerde (act. G 1), wobei sie
sinngemäss die Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung des
Sachverhalts beantragte. Sie machte geltend, sie sei nicht mehr anwaltlich vertreten.
Deshalb reiche sie den "Einwand" gegen den Vorbescheid als Beschwerde ein.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 2. September 2011 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung machte sie geltend, sowohl der orthopädische
Sachverständige der ABI GmbH als auch med. pract. K._ hätten keine mit den
Schmerzangaben korrelierenden pathologischen Befunde am Bewegungsapparat
erhoben. Deshalb vermöge die Arbeitsfähigkeitsschätzung von med. pract. K._ nicht
zu überzeugen. Diejenige des orthopädischen Sachverständigen der ABI GmbH sei die
plausiblere. Der psychiatrische Sachverständige der ABI GmbH habe in der fehlenden
medikamentösen Behandlung ein Indiz gegen eine ausgeprägte Depression gesehen.
Dr. L._ habe rund ein Jahr vor der Begutachtung durch die ABI GmbH eine
mittelgradige depressive Episode angegeben. Es sei deshalb durchaus möglich, dass
seiner Untersuchung ein anderer Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
zugrunde gelegen habe. Eine leichte depressive Episode stelle
rechtsprechungsgemäss keine Komorbidität von erheblicher Schwere und Ausprägung
dar. Deshalb lasse sich damit keine Arbeitsunfähigkeit begründen. Dasselbe gelte für
die von Dr. L._ angegebene mittelgradige depressive Episode. Es habe also zu keiner
Zeit eine erhebliche psychische Komorbidität zur Schmerzverarbeitungsstörung
bestanden. Diese Erkrankung selbst habe auch keine Arbeitsunfähigkeit zur Folge,
zumal eine medizinische Behandlung als erfolgversprechend betrachtet worden sei. Bei
einem Valideneinkommen von Fr. 48'801.-- und einem zumutbaren
Invalideneinkommen von Fr. 51'368.-- bestehe keine Invalidität.

Erwägungen:
1.
Anspruch auf eine Invalidenrente hat, wer zu mindestens 40% invalid ist (Art. 28 Abs. 2
IVG). Gemäss Art. 16 ATSG ist zur Bemessung des Invaliditätsgrads das Einkommen,
das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung
der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
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ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum Erwerbseinkommen, das sie
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Das
ausschlaggebende Element der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens -
und damit indirekt des Invaliditätsgrads - ist in aller Regel der Grad der verbliebenen
Arbeitsfähigkeit, so dass dessen Ermittlung normalerweise den ersten Schritt bei der
Erhebung des massgebenden Sachverhalts bildet.
1.1
1.1.1 Der orthopädische Sachverständige der ABI GmbH hat für eine
behinderungsadaptierte Tätigkeit eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit angegeben,
während med. pract. K._ als Gutachter der SWICA eine Arbeitsfähigkeit von lediglich
70-80% attestiert hatte. Der Sachverständige der ABI GmbH hat um diese
abweichende Einschätzung gewusst. Er hat sie damit erklärt, dass die
Beschwerdeführerin in den ersten Monaten nach einer Arbeitsaufnahme aufgrund der
Dekonditionierung abends jeweils erschöpft gewesen wäre, was sich aber bald
gebessert hätte. Die Frage, welche Einschätzung die überzeugendere sei, kann offen
bleiben, denn der Einkommensvergleich wird zeigen, dass der Invaliditätsgrad selbst
bei einer Arbeitsunfähigkeit von 25% die Grenze von 40% (Art. 28 Abs. 2 IVG) nicht
erreichen würde.
1.1.2 Der psychiatrische Sachverständige der ABI GmbH hat die psychisch
bedingte Arbeitsunfähigkeit auf lediglich 20% geschätzt. Demgegenüber sind die
behandelnden Ärzte von einer deutlich höheren Einschränkung ausgegangen. Eine
Ausnahme bildet einzig Dr. H._ von der Klinik G._, der am 8. Mai 2008, nach einem
beinahe zweimonatigen Rehabilitationsaufenthalt der Beschwerdeführerin, eine
Arbeitsfähigkeit von 100% ab dem Ende des Arbeitsverhältnisses am 30. Juni 2008
angegeben hat. Er hat diese Einschätzung mit dem Erfolg der Rehabilitation begründet.
Die Ärzte des Psychiatrie-Zentrums I._ haben nur einen Monat später berichtet, die
Beschwerdeführerin befinde sich in einer Akutphase, so dass keine
Arbeitsfähigkeitsschätzung möglich sei. Noch ein Jahr später, am 25. Mai 2009, haben
sie angegeben, es bestehe eine Akutphase. Diesmal haben sie allerdings eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben (0%). Am 20. Oktober 2010 haben sie dann
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eine leichte Verbesserung des Gesundheitszustands festgestellt und eine
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 30% bis maximal 50% attestiert. Diese
Angaben waren dem psychiatrischen Sachverständigen der ABI GmbH alle bekannt. Er
hat die erhebliche Differenz zu seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung (80%) nicht mit einer
Verbesserung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin, sondern mit einer
allzu pessimistischen und auf einer teilweisen Verkennung der Symptome beruhenden
Einschätzung der behandelnden Ärzte des Psychiatrie-Zentrums I._ begründet. Er
hat dabei darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin nur ein leicht sedierendes
Antidepressivum in niedriger Dosierung auf die Nacht einnehme. Bei einer deutlichen
Depression nähme sie ein entsprechendes Antidepressivum in ausreichender
Dosierung ein. Es bestehe zwar ein sozialer Rückzug, aber innerhalb der Familie habe
die Beschwerdeführerin gute Kontakte. Während des Untersuchungsgesprächs habe
sie sich gut konzentrieren können. Sie fahre auch immer noch selber Auto, was eine
gute Konzentrationsfähigkeit voraussetze. Der chronische Verlauf und die attestierte
anhaltende Arbeitsunfähigkeit seien durch eine deutlich ausgeprägte subjektive
Krankheitsüberzeugung bedingt. Erfahrungsgemäss neigen behandelnde Ärzte dazu,
die pessimistische Selbsteinschätzung ihrer Patienten als objektiv zu qualifizieren und
Indizien dafür zu ignorieren, dass der Gesundheitszustand effektiv besser ist. Die mit
einer unabhängigen Einschätzung beauftragten medizinischen Sachverständigen
hingegen suchen den objektiven Zustand zu ermitteln, was ihnen erlaubt, die Angaben
der Exploranden an den Symptomen und anderen Indizien zu messen und
Abweichungen sofort zu erkennen und zu würdigen. Das Argument, die
Beschwerdeführerin sei an einem "guten" Tag untersucht worden, weshalb die
Einschätzung der Krankheit zu optimistisch ausgefallen sei, ist nicht stichhaltig, denn
der psychiatrische Sachverständige der ABI GmbH verfügte nicht nur über das Resultat
seiner Untersuchung, sondern auch über sämtliche psychiatrischen Vorakten. Er wäre
also ohne weiteres in der Lage gewesen, eine erhebliche Abweichung als Folge einer
Schwankung im psychischen Gesundheitszustand festzustellen. Seine Einschätzung
wird zudem bestätigt durch einen behandelnden Arzt, nämlich durch Dr. H._ von der
Klinik G._, der eine objektive und erhebliche Besserung während der langen
Rehabilitationsaufenthalts festgestellt hatte. Dr. L._ hat zwar als psychiatrischer
Sachverständiger eine Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin von "höchstens"
50% als Folge einer "höchstens" mittelgradigen depressiven Episode attestiert. Aber
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bereits diese bewusste Einschränkung in der Genauigkeit zeigt auf, dass dem
Gutachten nicht die erforderliche Überzeugungskraft beigemessen werden kann. Zum
einen fehlen deutliche Symptome einer mittelgradigen depressiven Episode, zum
andern hat Dr. L._ offenbar die meisten Angaben der Beschwerdeführerin unkritisch
übernommen, worin er offenbar durch die telephonische Auskünfte behandelnder Ärzte
bestärkt worden ist. Seine Arbeitsfähigkeitsschätzung vermag deshalb nicht zu
überzeugen oder auch nur Zweifel an der Richtigkeit der Arbeitsfähigkeitsschätzung
der Sachverständigen der ABI GmbH zu wecken. Es ist unwahrscheinlich, dass sich
der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin unmittelbar im Anschluss
an den Austritt aus der Klinik G._ drastisch verschlechtert haben sollte. Viel
wahrscheinlicher ist, dass sich ihre subjektive Krankheitsüberzeugung nach dem Ende
des Arbeitsverhältnisses mit der B._ und mit der Rückkehr in der Familienalltag (bzw.
in die Situation eines sekundären Krankheitsgewinns dank der Hilfe der
Familienangehörigen) massiv verstärkt hat und dass dies von den behandelnden Ärzten
des Psychiatrie-Zentrums I._ als objektive Verschlechterung fehlinterpretiert worden
ist. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ist die Beschwerdeführerin somit spätestens
seit der Abklärung durch die Sachverständigen der ABI GmbH, also ab Januar 2010,
aus rein psychiatrischer Sicht zu höchstens 20% arbeitsunfähig. Da der Invaliditätsgrad
von 40% nicht erreicht wird, kann die von der Beschwerdegegnerin aufgeworfene
Frage, ob eine leichte depressive Episode, die als Komorbidität eine
Schmerzverarbeitungsstörung aufweise, überhaupt geeignet sei, eine
Arbeitsunfähigkeit auszulösen, unbeantwortet bleiben.
1.1.3 Eine durchgehende Arbeitsunfähigkeit an der letzten Arbeitsstelle ist ab dem
23. Oktober 2007 attestiert. Da die Anmeldung zum Bezug einer Invalidenrente bereits
im April 2008 erfolgt ist, kann offen bleiben, ob Art. 29 Abs. 1 IVG oder die
Übergangsbestimmung zur 5. IV-Revision gemäss dem IV-Rundschreiben Nr. 253 des
Bundesamtes für Sozialversicherungen anwendbar ist. Zur Diskussion steht nämlich in
jedem Fall ein Rentenanspruch frühestens ab Oktober 2008. Die Sachverständigen der
ABI GmbH haben ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung (80% in einer
behinderungsadaptierten Erwerbstätigkeit) nicht nur auf die Zeit ab der Untersuchung
im Januar 2010, sondern auch auf die Zeit ab Oktober 2007 bezogen. Obwohl sich die
Einschätzung für die Zeit vor Januar 2010 nicht direkt auf die eigene Untersuchung
stützen kann, ist sie doch im massgebenden Teil mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
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richtig, denn sie deckt sich mit der Einschätzung von Dr. H._ von der Klinik G._.
Das gilt allerdings nur für die Zeit ab dem 1. Juli 2008, denn für die Zeit davor ist auch
Dr. H._ von einem deutlich schlechteren psychischen Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin (bzw. von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit am letzten
Arbeitsplatz) ausgegangen. Da der Rentenanspruch erst ab Oktober 2008 zu prüfen ist,
spielt dies allerdings keine Rolle.
1.2 Da ein Rentenanspruch ab 2008 zur Diskussion steht und da die Arbeitsfähigkeit
nach 2008 stabil geblieben ist, hat der Einkommensvergleich (Art. 16 ATSG) auf der
Grundlage der in diesem Jahr erzielbaren Einkommen zu erfolgen. Gemäss den
Angaben der B._ hätte die Beschwerdeführerin im Jahr 2008 Fr. 43'290.-- verdient.
Das Durchschnittseinkommen der Hilfsarbeiterinnen hat gemäss der Tabelle TA1 im
Anhang zu der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen schweizerischen
Lohnstrukturerhebung 2008 Fr. 51'368.-- betragen. Die Beschwerdeführerin hat also
unterdurchschnittlich verdient. Rechtsprechungsgemäss ist das Valideneinkommen
deshalb anhand des um 5% reduzierten Durchschnittseinkommens festzusetzen. Es
beläuft sich auf Fr. 48'800.--. Bei der Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens
ist nicht von diesem reduzierten, sondern vom vollen Durchschnittseinkommen, also
von Fr. 51'368.--, auszugehen, da die Beschwerdeführerin die verbliebene
Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsadaptierten Tätigkeit in praktisch jeder Branche
des ausgeglichenen Arbeitsmarkts verwerten könnte. Bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad
von 80% resultiert ein Einkommen von Fr. 41'094.--, bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad
von 75% (Mittelwert der Bandbreitenangabe von med. pract. K._) ein solches von Fr.
38'526.--. Da die Beschwerdeführerin gegenüber gesunden Arbeitnehmerinnen mit
gleichem Beschäftigungsgrad einige Konkurrenznachteile aufweist (keine Flexibilität in
bezug auf Überstunden oder den Arbeitsplatz, Gefahr überdurchschnittlicher
Krankheitsabsenzen, Notwendigkeit besonderer Rücksichtnahme, insbesondere
zufolge Leistungsschwankungen während des Tages usw.), sind die genannten
Einkommen ermessensweise um weitere 10% zu reduzieren. Es resultieren zumutbare
Invalideneinkommen von Fr. 36'985.-- bzw. Fr. 34'673.--. Bei einem Valideneinkommen
von Fr. 48'800.-- beträgt die behinderungsbedingte Erwerbseinbusse Fr. 11'815.--
bzw. Fr. 14'127.--. Das entspricht einem Invaliditätsgrad von 24% bzw. - bei einem
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 25% - von 29%. Selbst wenn man sich - entgegen der
ständigen Rechtsprechung - auf die obere Grenze der von med. pract. K._
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angegebenen Bandbreite, also auf eine Arbeitsunfähigkeit von 30%, stützen würde,
erreichte der Invaliditätsgrad nicht die Grenze von 40%, denn bei einem
Invalideneinkommen von Fr. 32'362.-- würde die Erwerbseinbusse lediglich Fr.
16'438.-- bzw. 34% ausmachen. Die Beschwerdegegnerin hat also im Ergebnis zu
Recht einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verneint.
2.
Dementsprechend ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren in IV-
Sachen ist kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr richtet sich nach dem
Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Sie ist von der unterliegenden
Beschwerdeführerin zu bezahlen. Da es sich um ein durchschnittliches Verfahren
gehandelt hat, ist die Gerichtsgebühr praxisgemäss auf Fr. 600.-- festzusetzen. Sie ist
durch den von der Beschwerdeführerin geleisteten Vorschuss von ebenfalls Fr. 600.--
gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP