Decision ID: ca06324c-ea2d-486f-b515-603fe134e6f4
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
KPT Krankenkasse AG, Tellstrasse 18, Postfach 8624, 3001 Bern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Leistungsaufschub
Sachverhalt:
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A.
A.a A._ ist bei der KPT Krankenkasse AG (nachfolgend: KPT) obligatorisch
krankenpflegeversichert. Im Jahr 2006 ist er der Prämienzahlungspflicht nicht
nachgekommen, woraufhin die KPT beim Betreibungsamt B._ einen Betrag von
Fr. 3'295.95 (12 Monatsprämien à Fr. 278.50 abzüglich einer Zahlung von Fr. 46.05
vom 13. September 2006) in Betreibung setzte (Betreibung Nr. C._). Gegen den am
11. Juli 2007 zugestellten Zahlungsbefehl erhob der Versicherte am 3. August 2007
Rechtsvorschlag (act. G 7.1/Beilage 7). Mit Verfügung vom 2. Oktober 2007 hob die
KPT den Rechtsvorschlag auf und wies mit Einspracheentscheid vom 29. August 2008
die hiergegen erhobene Einsprache ab. In den Entscheiden des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 3. Juni 2009 (KV 2008/17) und des Bundesgerichts vom
18. Dezember 2009 (9_C707/2009) wurden die vom Versicherten erhobenen
Beschwerden abgewiesen (act. G 7.1/Beilage 1).
A.b Am 1. März 2010 stellte die KPT beim Betreibungsamt B._ das
Fortsetzungsbegehren in der Betreibung Nr. C._ (act. G 7.1/Beilagen 1 und 4, S. 2).
Mit Schreiben vom gleichen Tag eröffnete sie dem Versicherten, dass sie einen
Leistungsaufschub für Leistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung
veranlasst habe (act. G 7.1/Beilage 6). Mit Schreiben vom 31. März 2010 teilte das
Betreibungsamt B._ der KPT mit, dass der Versicherte gegen die Fortsetzung der
Betreibung Einrede (Art. 81 Abs. 2 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und
Konkurs [SchKG; SR 281.1] i.V.m. Art. 79 Abs. 2 SchKG) erhoben habe. Aufgrund
dieser Einrede könne dem Fortsetzungsbegehren nicht entsprochen werden. Die
Fortsetzung der Betreibung könne erst verlangt werden, nachdem ein Entscheid des
Rechtsöffnungsrichters am Betreibungsort erwirkt worden sei (act. G 7.1/Beilage 4, S.
2).
A.c Auf Begehren des Versicherten wurde der Leistungsaufschub am 16. Juni 2010
als beschwerdefähige Verfügung erlassen (act. G 7.1/Beilage 4). Die gegen diese
Verfügung erhobene Einsprache vom 6. September 2010 (act. G 7.1/Beilage 3) wies die
KPT mit Einspracheentscheid vom 9. November 2010 ab (act. G 7.1/Beilage 2).
B.
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B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vom Versicherten am 13.
Dezember 2010 eingereichte Beschwerde mit den Anträgen, es sei festzustellen, dass
die Beschwerdegegnerin ihm am 1. März 2010 keine Mitteilung über den
Leistungsaufschub zugestellt habe, dass die rechtlichen Voraussetzungen für einen
Leistungsaufschub nicht gegeben seien und dass die Beschwerdegegnerin
unverzüglich alle noch offenen Forderungen der Leistungserbringer im rechtlichen
Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zu bezahlen habe. Zur
Begründung führt der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, dass dieselbe Person
sowohl die Verfügung als auch den Einspracheentscheid verfasst habe. Das
Betreibungsamt sei auf das Fortsetzungsbegehren der Beschwerdegegnerin aufgrund
der Einrede gemäss Art. 81 Abs. 2 SchKG nicht eingetreten, weshalb sie keinen
Leistungsaufschub habe verfügen können. Sodann habe der Krankenversicherer der
betroffenen versicherten Person den Leistungsaufschub schriftlich und nachweisbar
anzuzeigen. Dieses Informationsschreiben habe er – entgegen den Ausführungen der
Beschwerdegegnerin – nicht erhalten. Den Beweis für die erfolgte Zustellung habe die
Beschwerdegegnerin zu erbringen. Bei dieser Aktenlage sei der verfügte
Leistungsaufschub klar rechtswidrig und komme einer unzulässigen
Rechtsverweigerung gleich (act. G 1). Zusätzlich zur Beschwerde legte der
Beschwerdeführer mehrere Akten ins Recht (act. G 1.1-8).
B.b Eine von der Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 7. Januar 2011 beantragte
Verfahrenssistierung wurde vom Versicherungsgericht abgelehnt, nachdem sich der
Beschwerdeführer mit einer Sistierung nicht einverstanden erklärt hatte (act. G 3, 5 und
6).
B.c Mit Beschwerdeantwort vom 26. Januar 2011 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge gemäss Art. 61 lit. a des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1). Aus der eingereichten Beschwerde (Ziffer 3) ergebe sich, dass der
Beschwerdeführer das Schreiben über den Leistungsaufschub erhalten habe. Die
Forderung aus der dem Leistungsaufschub zugrundeliegenden Betreibung Nr. C._
des Betreibungsamts B._ sei vom Kreisgericht Rheintal im Urteil vom 17. Dezember
2010 mit Erteilung der definitiven Rechtsöffnung bestätigt worden (act. G 7).

Erwägungen:
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1.
1.1 In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer, dass dieselbe Person sowohl die
Verfügung vom 16. Juni 2010 als auch den angefochtenen Einspracheentscheid
verfasst habe.
1.2 Das Sozialversicherungsrecht selbst sieht in Art. 52 Abs. 1 ATSG das
Einspracheverfahren vor, um den Versicherten die Möglichkeit zu geben, sich zu einer
behördlich erlassenen Verfügung zu äussern und der verfügenden Behörde
Gelegenheit zu bieten, ihre Entscheidung zu überarbeiten. Dass die verfügende und
überprüfende Behörde bzw. Person dieselbe ist, macht das Wesen des
Einspracheverfahrens aus, weshalb der angefochtene Einspracheentscheid
diesbezüglich nicht zu beanstanden ist.
2.
2.1 Streitig ist vorliegend der von der Beschwerdegegnerin am 16. Juni 2010 verfügte
Leistungsaufschub für Leistungen aus der obligatorischen Krankenpflegeversicherung.
2.2 Bezahlt die versicherte Person fällige Prämien oder Kostenbeteiligungen nicht, so
hat der Versicherer sie schriftlich zu mahnen, ihr eine Nachfrist von dreissig Tagen
einzuräumen und sie auf die Folgen des Zahlungsverzugs (Abs. 2) hinzuweisen (Art.
64a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung [KVG; SR 832.10]).
Bezahlt die versicherte Person trotz Mahnung nicht und wurde im
Betreibungsverfahren ein Fortsetzungsbegehren bereits gestellt, so schiebt der
Versicherer die Übernahme der Kosten für die Leistungen auf, bis die ausstehenden
Prämien, Kostenbeteiligungen, Verzugszinse und Betreibungskosten vollständig
bezahlt sind. Gleichzeitig benachrichtigt der Versicherer die für die Einhaltung der
Versicherungspflicht zuständige kantonale Stelle über den Leistungsaufschub.
Vorbehalten bleiben kantonale Vorschriften über eine Meldung an andere Stellen (Art.
64a Abs. 2 KVG).
2.3 Beseitigt eine Krankenkasse ausserhalb des Kantons der Betreibung mit der
Verfügung über die Zahlungspflicht des Versicherten auch den Rechtsvorschlag,
bleiben die Einreden nach Art. 81 Abs. 2 SchKG erhalten und es ist das Verfahren nach
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Art. 79 Abs. 2 SchKG einzuschlagen (BGE 128 III 248 E. 2). Art. 79 Abs. 2 SchKG (in
der bis 31. Dezember 2010 gültigen und aufgrund der allgemeinen
intertemporalrechtlichen Regeln vorliegend anwendbaren Fassung) sieht vor, dass das
Betreibungsamt dem Schuldner nach Eingang des Fortsetzungsbegehrens eine Frist
von 10 Tagen ansetzt, innert welcher er gegen den Entscheid Einreden nach Art. 81
Abs. 2 SchKG erheben kann, mit der Folge, dass der Gläubiger die Fortsetzung der
Betreibung erst verlangen kann, nachdem er einen Entscheid des
Rechtsöffnungsrichters am Betreibungsort erwirkt hat.
3.
3.1 Vorliegend ist aktenkundig und unbestritten, dass der Beschwerdeführer gegen
das Fortsetzungsbegehren vom 1. März 2010 Einrede nach Art. 81 Abs. 2 SchKG i.V.m.
Art. 79 Abs. 2 SchKG erhoben hat (act. G 1.5 und G 7.1/Beilage 4, S. 2).
Dementsprechend gelangte die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 8. Oktober
2010 (nicht in den Akten) ans Kreisgericht Rheintal, worin sie die Beseitigung der
Einrede beantragte (act. G 7.1/Beilage 1). Mit Entscheid vom 17. Dezember 2010
entsprach das Kreisgericht Rheintal dem Antrag der Beschwerdegegnerin (act. G 7.1/
Beilage 1).
3.2 Wird eine Einrede nach Art. 79 Abs. 2 SchKG erhoben, so hat das
Betreibungsamt dem Gläubiger davon sofort Mitteilung zu machen und die Fortsetzung
der Betreibung bleibt solange eingestellt, bis der Gläubiger beim Rechtöffnungsrichter
des Betreibungsortes ein diese Einreden als unzutreffend zurückweisendes
Rechtsöffnungsurteil erwirkt hat (Daniel Staehelin, SchKG-Kommentar I, Art. 79 Rz 40).
Aufgrund der vom Beschwerdeführer am 29. März 2010 erhobenen Einrede wurde die
Fortsetzung der Betreibung somit bis zu deren gerichtlichen Beseitigung (17. Dezember
2010) unterbrochen. Im Sinn eines nachträglichen Rechtsvorschlags (vgl. Staehelin-
Kommentar, a.a.O., Art. 79 Rz 40) kommt dem gestellten Fortsetzungsbegehren somit
keine rechtliche Wirkung zu. Die definitive Rechtsöffnung wurde vorliegend erst mit
dem Urteil des Kreisgerichts Rheintal vom 17. Dezember 2010 erteilt. Bis zu diesem
Urteil war somit auch der Rechtsvorschlag noch nicht beseitigt, weshalb vor diesem
Zeitpunkt noch kein gültiges Fortsetzungsbegehren gestellt werden konnte.
Dementsprechend ist dem Auszug des Betreibungsamts B._ über die offenen
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Betreibungen des Beschwerdeführers vom 6. September 2010 auch zu entnehmen,
dass der Stand in der Betreibung Nr. C._ immer noch auf Rechtsvorschlag laute (act.
7.1/Beilage 3). Aufgrund des Wortlauts des Art. 79 Abs. 2 SchKG kann der Gläubiger
erst nach der Beseitigung der Einrede die Fortsetzung der Betreibung verlangen.
Vorliegend konnte somit frühestens ab 17. Dezember 2010 die Betreibung fortgesetzt
werden. Im Zeitpunkt des verfügten Leistungsaufschubs war somit einem
Fortsetzungsbegehren noch nicht entsprochen worden. Da somit eine Voraussetzung
für den Erlass eines Leistungsaufschubs nicht gegeben war, ist die Verfügung vom 16.
Juni 2010 zu Unrecht ergangen.
3.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist nicht weiter abzuklären, ob die
Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer den Leistungsaufschub per 1. März 2010
mitgeteilt hat.
4.
4.1 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 9. November 2010 in dem Sinn gutzuheissen, dass der
verfügte Leistungsaufschub für Leistungen der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung gegen den Beschwerdeführer aufgehoben wird.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 Abs. 1 lit. a ATSG).
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Darunter werden in der bisherigen
Rechtsprechung insbesondere die Vertretungskosten verstanden. Sonstige Kosten der
nicht vertretenen Partei werden nach der Rechtsprechung nur ausnahmsweise
übernommen. Es muss sich um eine komplizierte Sache mit einem hohen Streitwert
handeln, wobei der - in einem vernünftigen Rahmen betriebene - Aufwand denjenigen
Rahmen überschreitet, der von der Partei auf sich zu nehmen ist (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 2. Aufl., Art. 61 Rz 113). Da der Beschwerdeführer im vorliegenden
Verfahren keinen Rechtsvertreter beigezogen hat und die Voraussetzungen für die
Übernahme der sonstigen Kosten nicht gegeben sind, ist keine Parteientschädigung
geschuldet.
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP