Decision ID: 7d5d3050-227c-4c4b-bd13-55725b0f0e88
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit Urteil vom 15. April 2013 im Prozess IV.2012.00248 in Sachen
X._
gegen die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, auferlegte das Sozialversicherungsgericht
X._
die Gerichtskosten im Betrag von Fr. 800.
, welche indessen zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh
rung einstweilen auf die Gerichtskasse genommen wurden, und entschädigte den unentgeltlichen Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Stefan
Galligani
, mit Fr. 2'129.35 (inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse.
X._
wurde auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hingewiesen, wonach eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nach
zahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (Urk. 2/1).
2.
Am 27. Juli 2018 ersuchte der Kanton Zürich durch
die Zentrale Inkassostelle der Gerichte,
Obergericht des Kantons Zürich, um Feststellung der Nachzahlungs
pflicht von
X._
für die Gerichtskosten im Betrag von Fr. 800.
sowie die unentgeltliche Rechtsvertretung im Betrag von Fr. 2'129.35, insgesamt somit von Fr. 2'929.35 (Urk. 1). Mit Verfügung vom
10. Dezember 2018 wurde der
Gesuchs
gegnerin
das Formular zur Abklärung
ihrer
finanziellen Verhältnisse zugestellt und ihr eine Frist von 30 Tagen ab Erhalt der Verfügung angesetzt, um das For
mular vollständig und wahrheitsgetreu ausgefüllt sowie unter Beilage sämtlicher Belege
zur finanziellen Situation dem Gericht einzureichen und um zum Gesuch um Feststellung der Nachzahlungspflicht Stellung zu nehmen.
Diese Fristansetzung war mit der Androhung verbunden, dass bei Säumnis Ver
zicht auf Stellungnahme angenommen und der Entscheid über die Nachzahlungs
pflicht aufgrund der Akten gefällt werde (Urk. 3). Die
Gesuchsgegnerin
hat innert der angesetzten Frist weder das Formular zur Abklärung der
finanziellen Verhält
nisse eingereicht noch zur
Nachzahlungspflicht Stellung genommen (vgl. Urk. 5).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss § 16 Abs. 4
Satz 1
GSVGer
ist eine Partei, der die unentgeltliche Rechts
pflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist.
1.2
Mittellosigkeit im Sinne des prozessualen Armenrechts setzt voraus, dass die Ge
such stellende Person sämtliche eigenen Hilfsmittel zur Finanzierung des Prozes
ses erschöpft hat. Zu berücksichtigen ist unter anderem auch die Möglichkeit, vom Ehegatten aufgrund der ehelichen Unterhaltspflicht (
Art.
163 ZGB) einen angemessenen Prozesskostenvorschuss zu erhalten. In zweiter Linie ist zu prüfen, ob die um das Armenrecht nachsuchende Partei über eigenes Vermögen verfügt. Erst in dritter Linie ist die Gesuch stellende Person sodann auf die allgemeine eheliche Beistandspflicht zu verweisen. Die Pflicht des Staates zur Gewährung der unentgeltlichen Rechtsvertretung geht der Unterhaltspflicht aus Familienrecht nach; erst wenn alle diese Mittel zur Finanzierung des Prozesses nicht ausreichen, ist die Mittellosigkeit im Sinne des prozessualen Armenrechts gegeben (ZR 90
Nr. 82 S. 260).
2.
2.1
Die
Gesuchsgegnerin
hat innert der angesetzten Frist weder das Formular zur Abklärung der finanziellen Verhältnisse eingereicht noch zum Gesuch um Fest
stellung der Nachzahlungspflicht Stellung genommen. Der Entscheid ist daher androhungsgemäss aufgrund der vorhandenen Akten zu fällen.
2.2
Das Einkommen der
Gesuchsgegnerin
und ihres Ehemannes beläuft sich nach ihren eigenen Angaben (Urk. 2/4 S. 5) und der Steuerdeklaration 2017 (Urk. 2/5 S. 2) auf Fr. 44'846.--. Überdies deklarierten die Eheleute gegenüber den Steuer
behörden ein Vermögen - bestehend aus Wertschriften und Guthaben - von Fr. 72'195.-- (Urk. 2/5 S. 4). Selbst wenn der Lebensunterhalt des Ehepaars mit dem erzielten Einkommen nur knapp bestritten werden kann, bleiben
dem Ehe
paar
unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen Vermögensfreibetrages von Fr. 20'000.-- genügend Mittel, um die im Jahr 2013 auf die Gerichtskasse genom
menen Gerichtskosten von Fr. 800.
sowie die
aus der Gerichtskasse erfolgte
Entschädigung an den unentgeltlichen Rechtsvertreter von Fr. 2'129.
35
selber zu bestreiten.
2.3
Nach dem Dargelegten ist dem Antrag des Gesuchstellers zu entsprechen und die
Gesuchsgegnerin
zu verpflichten, dem Gesuchsteller betreffend das Verfahren IV.2012.00248 des hiesigen Gerichts Fr. 2'929.35 nachzuzahlen.
3.
In analoger Anwendung von § 28
lit
. a
GSVGer
in Verbindung mit Art. 119 Abs. 6 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO) ist für das Nachzahlungs
verfahren weder eine
Entscheidgebühr
zu erheben noch eine Parteientschädigung zuzusprechen.