Decision ID: e19b6deb-8c5d-46d3-8d88-ed0df136b6af
Year: 2021
Language: de
Court: ZG_VG
Chamber: ZG_VG_004
Canton: ZG
Region: Central_Switzerland
Law Area: public_law

A. A._, geboren 1986, Staatsangehöriger von Bosnien und Herzegowina, reiste nach eigenen Angaben am 13. Dezember 2020 via Kroatien und Italien über Chiasso in die Schweiz ein. Am 10. Februar 2021 wurde er von der Zuger Polizei an der Eingangstüre eines Lokals in B._ wegen des Verdachts auf Schwarzarbeit verhaftet. In der polizeilichen Einvernahme gab er an, in die Schweiz gekommen zu sein, um einem langjährigen Freund bei der Renovation seines Restaurants, das noch eine Baustelle sei, unentgeltlich zu helfen. Mit Strafbefehl vom 10. Februar 2021 wurde A._ von der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug der illegalen Einreise und der Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à Fr. 30.-- verurteilt. Nach der Entlassung aus der Haft wurde er am 10. Februar 2021, 15.00 Uhr, vom Amt für Migration (AFM) in Ausschaffungshaft genommen. Am 10. Februar 2021 wies ihn das AFM aus der Schweiz weg und ordnete gemäss Art. 64d Abs. 2 AIG die sofortige Vollstreckung der Wegweisung an. Am 11.  2021 eröffnete ihm das AFM die auf Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 AIG gestützte Ausschaffungshaft und ein vom Staatssekretariat verfügtes Einreiseverbot für die Schweiz, Liechtenstein und die Schengen-Staaten, gültig vom 16. Februar 2021 bis 15. Februar 2023.
B. Mit Eingabe vom 11. Februar 2021 ersuchte das AFM das Verwaltungsgericht um Prüfung der angeordneten Ausschaffungshaft nach Art. 76 AIG und um Bestätigung der Haft für die Dauer von zwölf Tagen.

Die Haftrichterin erwägt:
1. Gemäss Art. 80 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und  und über die Integration vom 16. Dezember 2005 (Ausländer- und , AIG, SR 142.20; vormals AuG) in der seit 1. Januar 2019 geltenden Fassung sind die Rechtmässigkeit und die Angemessenheit der Haft spätestens nach 96 Stunden durch eine richterliche Behörde aufgrund einer mündlichen Verhandlung zu überprüfen, wobei die Frist nicht erst ab Haftanordnung läuft, sondern sich nach dem Zeitpunkt , in dem der Betroffene aus ausländerrechtlichen Gründen tatsächlich festgehalten wurde (Andreas Zünd, Kommentar Migrationsrecht, 4. Aufl., Zürich 2015, AuG 80 N 2 und die dort zitierten Bundesgerichtsentscheide). Kantonale richterliche Behörde im Sin-
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ne des AIG ist das Verwaltungsgericht, welches aus seiner Mitte den Haftrichter  (§ 5 des am 1. Mai 2013 in Kraft getretenen Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und zum Asylgesetz vom 31. Januar 2013, EG AuG, BGS 122.5, i.V.m. § 56 Abs. 3 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 1. April 1976, VRG, BGS 162.1, und § 3 Abs. 1 Ziff. 2 der Geschäftsordnung des  vom 14. Januar 1977, GO, BGS 162.11).
1.1 Der Antragsgegner wurde am 10. Februar 2021, 7.20 Uhr, von der Zuger  an der Eingangstüre eines Lokals in B._ wegen des Verdachts auf Schwarzarbeit verhaftet. Nach der ebenfalls am 10. Februar 2021 erfolgten Entlassung aus der strafrechtlichen Haft wurde er gleichentags um 15.00 Uhr vom AFM in Ausschaffungshaft genommen, sodass die Frist von 96 Stunden für die Haftüberprüfung in diesem Zeitpunkt beginnt. Mit der schriftlichen Eröffnung des vorliegenden Entscheids am 12. Februar 2021 ist die Frist von 96 Stunden gemäss Art. 80 Abs. 2 AIG in jedem Fall eingehalten.
1.2 Die richterliche Behörde kann gemäss Art. 80 Abs. 3 AIG auf eine mündliche  verzichten, wenn die Ausschaffung voraussichtlich innerhalb von acht Tagen nach der Haftanordnung erfolgen wird und die betroffene Person sich damit schriftlich  erklärt hat; kann die Ausschaffung nicht innerhalb dieser Frist durchgeführt werden, so ist eine mündliche Verhandlung spätestens zwölf Tage nach der  nachzuholen. Nach den Akten sollte die Wegweisung am 15. Februar 2021 und  innert acht Tagen vollzogen werden können, nachdem bereits ein Flug über Belgrad nach Sarajevo gebucht worden ist. Zudem hat der Antragsgegner bei der Eröffnung der Ausschaffungshaft unterschriftlich bestätigt, dass er auf eine mündliche Verhandlung . Aus diesem Grund wird die Haftüberprüfung im schriftlichen Verfahren .
2. Die zuständige Behörde kann einen Ausländer zur Sicherstellung des Vollzugs eines Weg- oder Ausweisungsentscheides in Ausschaffungshaft nehmen, soweit die  von Art. 76 AIG erfüllt sind. Danach ist erforderlich, dass ein , nicht notwendigerweise auch ein rechtskräftiger Weg- oder Ausweisungsentscheid vorliegt (vgl. BGE 122 II 148 ff.), dessen Vollzug (z.B. wegen fehlender Reisepapiere,  bezüglich Identität usw.) noch nicht möglich, jedoch absehbar ist. Zudem muss einer der in Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 1-5 AIG genannten Haftgründe gegeben sein (BGE 124 II 1 Erw. 1). Sodann muss die Haft verhältnismässig (vgl. BGE 122 II 148 Erw. 3) und
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die Ausschaffung rechtlich und tatsächlich möglich sein (Art. 80 Abs. 6 lit. a AIG; vgl. BGE 122 II 148 Erw. 3). Auf Seiten der Behörden sind die für den Vollzug der Wegweisung  Vorkehrungen (wie Identitäts- und Herkunftsabklärungen, Papierbeschaffung) umgehend zu treffen (Art. 76 Abs. 4 AIG, Beschleunigungsgebot; vgl. BGE 124 II 49 ff.). Schliesslich sind die gesetzlichen Anforderungen an die Haftbedingungen zu beachten (z.B. geeignete Räume, geeignete Beschäftigung; vgl. Art. 81 Abs. 2 AIG). Der Betroffene muss überdies hafterstehungsfähig sein.
3. Gemäss Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 AIG ist ein Haftgrund gegeben, wenn ein  Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet wurde und das bisherige Verhalten des Betroffenen darauf schliessen lässt, dass er sich behördlichen Anordnungen .
3.1 Das AFM hat den Antragsgegner mit Verfügung vom 10. Februar 2020 aus der Schweiz weggewiesen und gestützt auf Art. 64d Abs. 2 AIG die sofortige Vollstreckung der Wegweisung angeordnet. Den Erhalt dieser Wegweisung hat der Antragsgegner  bestätigt. Damit liegt ein Wegweisungsentscheid im Sinne von Art. 76 Abs. 1 AIG vor.
3.2 Der Antragsgegner ist nach eigenen Angaben am 13. Dezember 2020 in die Schweiz eingereist, um einem Kollegen bei der Renovation seines Lokals zu helfen und für diesen angeblich unentgeltlich zu arbeiten. Dies tat er – wie er in der polizeilichen  einräumte – im Wissen, dass für eine Arbeitstätigkeit in der Schweiz eine  notwendig gewesen wäre. Dass die unbestrittenermassen für seinen Kollegen  Tätigkeit unentgeltlich gewesen sein soll, ist zudem unglaubwürdig und als  zu qualifizieren. Er ist denn auch von der Staatsanwaltschaft der  Einreise und der Ausübung einer nicht bewilligten Erwerbstätigkeit schuldig  und mit einer bedingten Geldstrafe belegt worden. Mit seinem bisherigen Verhalten und den offensichtlich auch wahrheitswidrigen Angaben hat der Antragsgegner , dass er nicht gewillt ist, sich an die hiesige Rechtsordnung zu halten und behördliche Anordnungen zu befolgen. Damit sind die Voraussetzungen für den Haftgrund nach Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 AIG offenkundig erfüllt.
3.3 Die Ausschaffungshaft stellt einen schweren Eingriff in die persönliche Freiheit des Betroffenen dar. Anordnung und Aufrechterhaltung sind daher nur zulässig, wenn sie dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit und Angemessenheit zu genügen vermögen. Der An-
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tragsgegner verzichtete ausdrücklich auf eine mündliche Verhandlung. Im Rahmen der Hafteröffnung vom 11. Februar 2021 gab er gegenüber dem AFM an, dass er gesund sei und keine ärztliche Konsultation benötige. Zweifel an der Hafterstehungsfähigkeit des  bestehen jedenfalls nicht; zudem ist die ärztliche Betreuung in der  sichergestellt. Die Haftbedingungen in der Abteilung Ausschaffungshaft der  Zug entsprechen zudem bekanntermassen den Vorgaben gemäss Art. 81 AIG. Das AFM hat in Nachachtung des Beschleunigungsgebots umgehend die notwendigen  getroffen und den Vollzug der Wegweisung mit einem auf den 15. Februar 2021 gebuchten Flug via Belgrad nach Sarajevo organisiert. Auch ein gültiger Reisepass, mit dem der Antragsgegner ohne Weiteres nach Bosnien und Herzegowina ausreisen kann, liegt vor. Innert weniger Tage wird er mithin in seine Heimat ausfliegen können. Wenn er pflichtgemäss kooperiert, wird die Ausschaffung, der im Übrigen keine erkennbaren  oder faktischen Hindernisse entgegenstehen, sehr rasch vollzogen werden können, da auch die Corona-Situation einer Heimreise nach Sarajevo offensichtlich nicht . Entsprechend dürfte die Haft nur wenige Tage dauern. Eine mildere Massnahme als die Haft steht angesichts des bisherigen Verhaltens des Antragsgegners zur  des Vollzugs der Wegweisung nicht zur Verfügung. In Berücksichtigung aller Aspekte und des Interesses der Schweiz an einer geordneten Ausschaffung erweist sich die  Haft als verhältnismässig. Da somit alle gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind, kann die Ausschaffungshaft für die beantragte Dauer von zwölf Tagen, d.h. bis 21.  2021, bestätigt werden. Sollte der Antragsgegner wider Erwarten nicht innert acht  seit der Haftanordnung, d.h. bis 17. Februar 2021, die Schweiz verlassen haben, so wäre die Haft innert zwölf Tagen seit der Haftanordnung, mithin spätestens am 21.  2021, aufgrund einer mündlichen Verhandlung zu überprüfen (Art. 80 Abs. 3 AIG).
4. Im Bereich der Zwangsmassnahmen werden gemäss § 14 Abs. 3 EG AuG in der Regel keine Verfahrenskosten erhoben.
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