Decision ID: 9d89e317-33cb-4a09-bbb0-570ad08ccd84
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Am Freitag, 22. Juni 2012, um 12.25 Uhr, hielt ein Personenwagen auf der
Langgasse in St. Gallen vor einem Fussgängerstreifen an, um einer Fussgängergruppe
das Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen. Der Lenker des hinter diesem
Personenwagen fahrenden Lieferwagens, X, konnte nicht mehr rechtzeitig anhalten. Er
bremste stark ab und wich dann auf die Fahrspur der Gegenrichtung aus, wo er links
an der Schutzinsel vorbeifuhr. Die Fussgängergruppe befand sich zu diesem Zeitpunkt
auf dem Fussgängerstreifen auf der anderen Seite der Schutzinsel. X setzte seine Fahrt
daraufhin fort und wechselte nach der Schutzinsel über die Sicherheitslinie wieder nach
rechts auf seine Fahrspur.
B.- Am 2. August 2012 teilte das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt St. Gallen X
mit, dass aufgrund der schweren Verkehrsregelverletzung vom 22. Juni 2012 ein
Führerausweisentzug von drei Monaten vorgesehen sei und gewährte ihm das
rechtliche Gehör. Mit Schreiben vom 14. August 2012 beantragte X durch seinen
Rechtsvertreter die Sistierung des Administrativverfahrens bis zur Erledigung des
Strafverfahrens, worauf das Strassenverkehrsamt am 15. August 2012 mitteilte, dass
dem Antrag entsprochen werde. Am 1. März 2013 wurde am Kreisgericht St. Gallen
einzelrichterlich entschieden, dass X vom Vorwurf der mehrfachen Verletzung der
Verkehrsregeln (Überholen eines Fahrzeugs, dessen Führer vor einem
Fussgängerstreifen anhielt, um Fussgängern das Überqueren der Strasse zu
ermöglichen; Missachtung des Signals "Hindernis rechts umfahren"; links neben einer
Sicherheitslinie fahren) freigesprochen werde. Er wurde lediglich der einfachen
Verletzung der Verkehrsregeln (ungenügender Abstand beim Hintereinanderfahren) für
schuldig befunden und zu einer Busse von Fr. 300.--, bei schuldhaftem Nichtbezahlen
ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 3 Tagen, verurteilt. Die Verfahrenskosten
wurden X zu zwei Dritteln und dem Staat zu einem Drittel auferlegt. Für die Kosten der
privaten Verteidigung wurde er vom Staat entschädigt. Der Entscheid erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
Mit Schreiben vom 18. April 2013 informierte das Strassenverkehrsamt X darüber, dass
aufgrund der mittelschweren Verkehrsregelverletzung vom 22. Juni 2012 ein
Führerausweisentzug von einem Monat vorgesehen sei und gewährte ihm das
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rechtliche Gehör. Am 22. April 2013 stellte X durch seinen Rechtsvertreter beim
Strassenverkehrsamt den Antrag, es sei auf jedwede Massnahme zu verzichten,
eventualiter sei allerhöchstens eine Verwarnung auszusprechen. Er verwies dabei auf
die rechtliche Würdigung des Vorfalls im Strafurteil des Einzelrichters des Kreisgerichts
St. Gallen. In der Folge zog das Strassenverkehrsamt die vollständigen Strafakten bei
und erklärte am 6. Mai 2013, eine Verwarnung von X zu beabsichtigen. Mit Schreiben
vom 8. Mai 2013 beantragte der Rechtsvertreter eine Parteientschädigung von
Fr. 438.45.
C.- Am 13. Mai 2013 verfügte das Strassenverkehrsamt, dass X wegen einer leichten
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften eine Verwarnung erteilt werde.
Die Verfahrensgebühr betrage Fr. 200.--. Im Übrigen könne dem Antrag auf eine
Parteientschädigung nicht entsprochen werden. Dagegen erhob Xam 27. Mai 2013
Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit den Anträgen, die Verfügung der
Vorinstanz vom 13. Mai 2013 sei insofern abzuändern, als dem Rekurrenten
ausseramtliche Kosten im Umfang von Fr. 438.50 zu ersetzen seien; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Vorinstanz. Die Vorinstanz beantragte mit
Vernehmlassung vom 7. Juni 2013 die Abweisung des Rekurses.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten und der Vorinstanz wird, soweit erforderlich, in

den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 27. Mai 2013 ist rechtzeitig eingereicht
worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
bis
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2.- Der Rekurrent macht geltend, dass die Vorinstanz sein rechtliches Gehör verletzt
habe, indem sie auf seine Argumentation zur Parteientschädigung mit keinem Wort
eingegangen sei. Die Vorinstanz bezieht keine Stellung zu diesem Vorwurf.
a) Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt: BV) gewährt den Parteien
Anspruch auf rechtliches Gehör. Aus diesem Anspruch leitet das Bundesgericht die
Pflicht der Behörde ab, ihre Verfügungen und Entscheide zu begründen (z.B. BGE 133
III 439 E. 3.3). Als persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht verlangt dieser
Grundsatz, dass die Behörden die Vorbringen des vom Entscheid oder der Verfügung
in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft
und in der Entscheidfindung berücksichtigt (G. Steinmann, in: St. Galler Kommentar,
2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2008, N 27 zu Art. 29 BV). Der von einem Entscheid oder
einer Verfügung Betroffene soll wissen, warum die Behörde entgegen seinem Antrag
entschieden hat; die Begründung muss deshalb so abgefasst sein, dass der Betroffene
den Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (BGE
133 III 439 E. 3.3). Dies ist nur möglich, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die
Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheids oder der Verfügung ein Bild
machen können; in diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt
werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid
stützt. Auf der anderen Seite bedeutet dies nicht, dass sich die Behörde ausdrücklich
mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid oder die
Verfügung wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1). Ist die
Sachlage klar und sind die anwendbaren Normen bestimmt, kann ein Hinweis auf diese
Rechtsnormen genügen, während ein weiter Spielraum der Behörde – aufgrund von
Ermessen oder unbestimmten Rechtsbegriffen – und eine Vielzahl von in Betracht
fallenden Sachverhaltselementen eine ausführliche Begründung gebieten (Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen B 2009/211 vom 18. März 2010, E. 2.1 mit
Hinweisen zur Lehre und Rechtsprechung; VRKE IV-2010/93 vom 27. Januar 2011, im
Internet unter: www.gerichte.sg.ch). Eine Heilung des Mangels im
Rechtsmittelverfahren ist möglich, wenn der Rechtsmittelinstanz die gleiche Kognition
wie der Vorinstanz zukommt und dem Rekurrenten dadurch kein Nachteil erwächst (U.
P. Cavelti/T. Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen – dargestellt an
den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, Rz. 4.81).
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b) Der Rechtsvertreter des Rekurrenten hatte bei der Vorinstanz mit Eingabe vom
8. Mai 2013 eine Parteientschädigung beantragt und diesen Antrag begründet. Die
Vorinstanz erklärte in der Begründung der Verfügung nur in zwei Sätzen mit Verweis auf
die anwendbare Bestimmung des VRP, dass dem Antrag nicht entsprochen werden
könne, da im erstinstanzlichen Verfahren keine Parteientschädigungen zugesprochen
würden. Auf die Begründung des Rekurrenten ging sie nicht ein. Obwohl an eine
Verwaltungsbehörde in Bezug auf die Begründung bei voller Kognition der
Rechtsmittelinstanz keine zu hohen Anforderungen gestellt werden dürfen, hätte die
Vorinstanz dennoch mindestens in knapper Form zu den Vorbringen des Rekurrenten
Stellung beziehen müssen. Wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen werden, ist die
Sache nicht so klar, wie sie von der Vorinstanz dargestellt wurde. Da die
Verwaltungsrekurskommission über volle Überprüfungsbefugnis verfügt, wird die
Verletzung des rechtlichen Gehörs jedoch im vorliegenden Verfahren geheilt. Die
Heilung der Gehörsverletzung im Rekursverfahren darf für den Betroffenen indessen
keinen Nachteil zur Folge haben, was unabhängig vom Verfahrensausgang im Rahmen
der Kostenverlegung zu berücksichtigen ist.
3.- Strittig ist, ob dem Rekurrenten für das Verfahren vor der Vorinstanz eine
Parteientschädigung zu bezahlen ist.
a) Im Rekurs wird hauptsächlich geltend gemacht, dass der Rekurrent im
Strafverfahren von den schwerwiegenden Vorwürfen freigesprochen und nur noch
wegen eines geringfügigen Delikts milde gebüsst worden sei. Die Vorinstanz habe das
Verschulden des Rekurrenten aber dennoch als mittelschwer eingestuft und einen
Führerausweisentzug für die Dauer eines Monats in Aussicht gestellt, ohne zuvor
Einsicht in die Akten des Strafverfahrens genommen zu haben. Erst infolge der
ausführlichen Stellungnahme des Rechtsvertreters des Rekurrenten vom 22. April 2013
habe sich die Vorinstanz dazu veranlasst gesehen, Einsicht in die gesamten Strafakten
zu nehmen, obwohl dieses Vorgehen bereits zuvor von Amtes wegen angezeigt
gewesen wäre. Der Strafrichter habe das Verhalten des Rekurrenten völlig anders und
wesentlich milder beurteilt als Staatsanwaltschaft und Vorinstanz. Nach Einsicht in die
Strafakten habe die Vorinstanz ihre Meinung geändert und dem Rekurrenten lediglich
eine Verwarnung in Aussicht gestellt. Der Rekurrent habe sich dann auf den
Standpunkt gestellt, dass die Vorinstanz seine Anwaltskosten zum Teil zu übernehmen
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habe. Mit der Verfügung vom 13. Mai 2013 sei ihm dann ohne Begründung und
lediglich mit einem Verweis auf Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP die Zusprechung amtlicher
Kosten verweigert worden.
Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP schliesse jedoch die Entschädigung ausseramtlicher Kosten
nicht generell aus. Die Formulierung "in der Regel" weise darauf hin, dass eine
Parteientschädigung in begründeten Fällen möglich sei. Der Vorinstanz sei bekannt
gewesen, dass ein ordentliches Strafverfahren durchgeführt worden sei, weshalb sie
auf Gesuch des Rekurrenten das Verfahren bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen
Entscheids ausdrücklich sistiert habe. Nicht nur die Sachverhaltsfeststellung, sondern
auch die rechtliche Würdigung des Verhaltens des Rekurrenten durch den Strafrichter
sei in einem solchen Fall für die Administrativbehörde verbindlich. Die Vorinstanz hätte
deshalb nach Abschluss des Strafverfahrens von Amtes wegen sämtliche Strafakten
beiziehen müssen, um sich über die konkreten Umstände und die Einschätzung des
Strafrichters ein genaues Bild machen zu können. Indem sie dies nicht gemacht und
lediglich auf das unbegründete Strafurteil abgestellt habe, habe sie ihre Sorgfaltspflicht
massiv verletzt. Die Folge davon sei eine Fehlbeurteilung des Verschuldens des
Rekurrenten gewesen. Ein Führerausweisentzug hätte die wirtschaftliche Existenz des
Berufschauffeurs jedoch bedroht. Aufgrund des starken Interesses des Rekurrenten
daran, einen Führerausweisentzug abzuwenden, habe er durch seinen Rechtsvertreter
die Stellungnahme vom 22. April 2013 verfassen lassen. Hätte die Vorinstanz korrekt
gehandelt und die Strafakten beigezogen, so hätte sie ohne weiteres gemerkt, dass
vorliegend höchstens eine Verwarnung in Betracht komme. Durch die Pflichtwidrigkeit
der Vorinstanz sei dem Rekurrenten ein erheblicher Mehraufwand für die Verfassung
der entsprechenden Stellungnahme entstanden. Unter diesen Umständen sei
ausnahmsweise eine Entschädigung der unnötig verursachten ausseramtlichen Kosten
zuzusprechen. Der geltend gemachte Aufwand von 1.45 Stunden für die
entsprechende Stellungnahme sei ohne Weiteres angemessen und gerechtfertigt.
Die Vorinstanz entsprach dem Antrag um Parteientschädigung in der Verfügung vom
13. Mai 2013 mit der Erklärung, im erstinstanzlichen Verfahren würden keine
Parteientschädigungen zugesprochen, und einem Hinweis auf Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP
nicht. In der Vernehmlassung vom 7. Juni 2013 beantragt sie die Abweisung des
Rekurses. Sie erklärt, dass für das erstinstanzliche Verfahren nach Art. 98 Abs. 3 lit. b
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VRP in der Regel keine ausseramtlichen Kosten zugesprochen würden, da es sich
dabei um kein eigentliches Parteiverfahren handle, sondern sich lediglich die
anordnende Behörde und der Private gegenüberstünden (Urteil Verwaltungsgericht, B
2011/88, vom 18. Oktober 2011). Eine Parteientschädigung sei im erstinstanzlichen
Verfahren nur gerechtfertigt, wenn das Verfahren willkürlich eröffnet werde oder wenn
für die Betroffenen durch die Eröffnung des Verfahrens zur Wahrung ihrer Rechte der
Beizug eines Anwalts unbedingt erforderlich sei (GVP 1987 Nr. 46). Von einer
willkürlichen Eröffnung könne keine Rede sein. Das vorliegende Verfahren sei in jeder
Beziehung korrekt durchgeführt worden. Dem Eventualantrag, allerhöchstens eine
Verwarnung auszusprechen, sei entsprochen worden. Für den Beizug eines Anwalts
zur Wahrung der Rechte habe weder eine Veranlassung bestanden noch sei eine
solche unbedingt erforderlich gewesen. Gegen eine allfällige Entzugsverfügung bestehe
die Möglichkeit, diese sowohl hinsichtlich der Rechtmässigkeit als auch der
Verhältnismässigkeit durch die Rekursinstanz in vollem Umfang überprüfen zu lassen.
b) Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP bestimmt, dass in erstinstanzlichen Verfahren in der Regel
keine ausseramtlichen Kosten zugesprochen werden. Eine ausseramtliche
Entschädigung ist im erstinstanzlichen Verfahren jedoch dann gerechtfertigt, wenn das
Verfahren willkürlich eröffnet wurde oder wenn für die Betroffenen durch die Eröffnung
des Verfahrens zur Wahrung ihrer Rechte der Beizug eines Anwalts unbedingt
erforderlich ist (GVP 1987 Nr. 46). So hielt denn die Verwaltungsrekurskommission
bereits im Jahre 1987 fest, dass darin, dass das Gesetz eine ausseramtliche
Entschädigung im erstinstanzlichen Verfahren für den Regelfall ausschliesse, gerade
die Befugnis und auch die Verpflichtung liege, in besonders gelagerten Fällen eine
ausseramtliche Entschädigung dennoch zuzusprechen (GVP 1987 Nr. 46 E. b). Die
ausseramtliche Entschädigung wird bei Zusprechung nach Obsiegen und Unterliegen
auferlegt (Art. 98 VRP). Die zivilprozessualen Vorschriften über die
Parteientschädigung gelangen sachgemäss zur Anwendung (Art. 98 VRP).
Für eine willkürliche Verfahrenseröffnung ergeben sich vorliegend keine Anhaltspunkte.
Eine solche wird vom Rekurrenten auch nicht geltend gemacht. Ob der Beizug eines
Anwalts notwendig ist, hängt insbesondere von der Schwierigkeit der sich in einem
Verfahren stellenden Fragen, von den Rechtskenntnissen der ins Verfahren
einbezogenen Parteien, von der Tragweite des Entscheids und von einer allfälligen
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Rechtsvertretung der Gegenpartei ab (vgl. BGE 104 Ia 72, 77). Die ältere
Rechtsprechung stellte an die Notwendigkeit und Angemessenheit ausseramtlicher
Kosten im erstinstanzlichen Verfahren ausserordentlich hohe Anforderungen. Im Jahre
1987 erklärte die Verwaltungsrekurskommission, dass die gesteigerte
Massnahmenempfindlichkeit von Berufschauffeuren für sich allein noch keine
Notwendigkeit rechtsanwaltlicher Vertretung begründe, sondern im Zusammenhang
mit den übrigen Kriterien beurteilt werden müsse. Im erstinstanzlichen Verfahren
müssten für den Beizug eines Anwalts geradezu "bedingende Umstände" vorliegen,
insbesondere dann, wenn gegen den erstinstanzlichen Entscheid Rekurs erhoben
werden könne und die Rekursinstanz über eine volle Überprüfungsbefugnis verfüge
(GVP 1987 Nr. 46 E. b/bb; vgl. auch BGE 111 Ia 5, 10).
In der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine gewisse Lockerung der
Praxis zur Notwendigkeit einer Rechtsverbeiständung ersichtlich, welche insbesondere
im Zusammenhang mit der unentgeltlichen Rechtspflege, die mit Art. 29 Abs. 3 BV
inzwischen verfassungsrechtlich ausdrücklich verankert ist, immer wieder thematisiert
wurde. So hielt das Bundesgericht fest, dass bei einem besonders starken Eingriff in
die Rechtsstellung des Betroffenen eine rechtliche Verbeiständung grundsätzlich
geboten sei (BGE 119 Ia 264 E. 3b; BGE 125 V 32 E. 4b). Die Anwendbarkeit von
Offizialmaxime oder Untersuchungsgrundsatz würde sodann die Notwendigkeit der
anwaltlichen Vertretung nicht ausschliessen (BGE 119 Ia 264 E. 3b). Ferner könne die
Notwendigkeit der Rechtsverbeiständung nicht grundlegend davon abhängig gemacht
werden, dass es sich um ein streitiges Verfahren handle, sondern falle grundsätzlich für
jedes staatliche Verfahren in Betracht (BGE 125 V 32, E. 4a und 4c; BGE 130 I 180 E.
2.2). In BGE 130 I 180 erklärte das Bundesgericht schliesslich, dass es nicht
gerechtfertigt sei, die Notwendigkeit der Rechtsverbeiständung im erstinstanzlichen
Verfahren generell mit dem Hinweis auf eine umfassende Überprüfungsbefugnis der
Rechtsmittelinstanz zu verneinen. Die Erfahrung zeige, dass es schwierig sei, ein
Verfahren erst in einem späteren Stadium auf die richtige Bahn zu bringen (E. 3.2).
c) Die Zweispurigkeit von Strafverfahren und Administrativmassnahmen im Bereich des
Strassenverkehrsrechts bietet eine gewisse Komplexität. Sodann ist der Rekurrent
Berufschauffeur, weshalb eine erhöhte Massnahmenempfindlichkeit gegeben ist; ein
Ausweisentzug hätte damit einen erheblichen Eingriff in seine Rechtsstellung bedeutet.
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Zudem hätte ein Ausweisentzug zu einer härteren administrativrechtlichen Massnahme
bei einer allfälligen weiteren Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz
(SR 741.01, abgekürzt: SVG) führen können. Sodann ist eine Kurskorrektur in einem
nachfolgenden Verfahren schwieriger, als wenn sie gleich im laufenden
erstinstanzlichen Verfahren vollzogen werden kann. Die Beurteilung der
entsprechenden Fragen im Rechtsmittelverfahren hätte ausserdem einen zusätzlichen
Aufwand bedeutet und damit mit Sicherheit unter anderem auch zu höheren – vom
Staat zu entschädigenden – ausseramtlichen Kosten geführt. Der Beizug des
Rechtsanwaltes im erstinstanzlichen Verfahren hat dementsprechend zu einer besseren
Prozessökonomie geführt. Dass die Stellungnahmen des Rechtsvertreters zu –
zweimaliger – Kurskorrektur der Vorinstanz geführt hatten, weist ferner darauf hin, dass
seine Bemühungen für einen korrekten Ablauf des Verfahrens unabdingbar und die sich
stellenden Rechtsfragen zudem nicht einfach waren. Unter Beachtung sämtlicher
Umstände war der Beizug eines Rechtsanwaltes notwendig. Die Vorinstanz ist dem
Eventualantrag des Rechtsvertreters in der Stellungnahme vom 22. April 2013 gefolgt
und hat ihm Recht gegeben. Eine Parteientschädigung für die Verfassung der
entsprechenden Stellungnahme ist folglich angezeigt.
Der Rekurrent macht für die vierseitige Stellungnahme vom 22. April 2013 einen
Aufwand von Fr. 438.45 inkl. MwSt geltend. In Art. 22 Abs. 1 lit. a der Honorarordnung
für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (sGS 963.75, abgekürzt: HonO) wird
festgehalten, dass das Honorar in der Verwaltungsrechtspflege vor
Verwaltungsbehörden pauschal Fr. 500.-- bis Fr. 6'000.-- beträgt. Eine Entschädigung
von Fr. 438.45 erscheint als tarifkonform.
d) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Notwendigkeit des Beizugs eines
Rechtsanwaltes im erstinstanzlichen Verfahren unter Würdigung sämtlicher Umstände
gegeben war. Dementsprechend ist der Rekurs gutzuheissen. Eine Entschädigung in
der Höhe von Fr. 438.45 erscheint als angemessen. Folglich ist der Rekurrent vom
Staat (Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt) mit Fr. 438.45 zu entschädigen.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 800.-- ist angemessen (vgl.
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Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Dem Rekurrenten ist der
Kostenvorschuss von
Fr. 800.-- zurückzuerstatten.
5.- Gemäss Art. 98 Abs. 2 VRP werden im Rekursverfahren ausseramtliche Kosten
entschädigt, soweit sie aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und
angemessen erscheinen. Im Rekursverfahren war der Beizug eines Rechtsbeistandes
geboten. Im Übrigen darf dem Rekurrenten aufgrund der Gehörsverletzung im
erstinstanzlichen Verfahren kein Nachteil entstehen. Eine Kostennote ist nicht
eingereicht worden, entsprechend werden die Parteikosten nach Ermessen
zugesprochen (Art. 6 HonO). Angesichts des geringen Aktenumfangs und des auf die
Thematik der Parteientschädigung beschränkten Prozessthemas erscheint eine
Entschädigung von Fr. 800.-- (Barauslagen und Mehrwertsteuer inbegriffen) als
angemessen (Art. 19, 22 Abs. 1 lit. b, 28 und 29 HonO). Entsprechend dem
Verfahrensausgang sind dem Rekurrenten die ausseramtlichen Kosten vollumfänglich
zu entschädigen (Art. 98 VRP). Kostenpflichtig ist der Staat (Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt).