Decision ID: c9a418fb-63f9-501e-9da8-64fb5e62bcef
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Die Beschwerdeführerinnen verliessen Syrien laut Angaben der  1 am (...) und gelangten nach längeren Aufenthalten in C._ und in D._ am (...) illegal in die Schweiz, wo die Beschwerdeführerin 1 am 22. November 2004 für sich und ihre Tochter um Asyl nachsuchte. Am 25. November 2004 wurde die  1 in E._ summarisch befragt und am 6. Januar 2005 von F._ zu ihren Asylgründen angehört.
Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin 1 geltend, sie sei syrische Staatsangehörige kurdischer Ethnie sowie sunnitischen Glaubens und stamme aus G._ (...), wo sie (...). Am (...) habe sie sich von ihrem Ehemann, zu dem sie keinen Kontakt mehr pflege, scheiden lassen. Sie habe mit (...) oft Kurdisch gesprochen und im (...) anlässlich von Diskussionen gegenüber Arbeitskollegen Stellung für (...) bezogen. Am (...) sei sie - vermutlich aufgrund einer Denunziation - während (...) vom syrischen Nachrichtendienst festgenommen worden. Auf dem Posten des H._ sei sie einvernommen, beschimpft und sexuell belästigt worden. Nach zwei Tagen Haft habe man sie gegen Abgabe einer schriftlichen Erklärung und Hinterlegung einer Kaution freigelassen. In der Folge habe sie sich wiederholt auf dem Posten melden müssen; die Beamten hätten ihr vorgeworfen, für (...) tätig zu sein, und man habe sie aufgefordert, ihre Nachbarn auszuspionieren. Anfang (...) habe sie zu Hause eine Vorladung erhalten mit der Aufforderung, sich am (...) bei I._ zu melden. Sie habe der Vorladung aus Angst, gefoltert und getötet zu werden, keine Folge geleistet. Am (...) sei sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Tochter nach J._ gegangen, wo ihr ein Verwandter ihres Vaters zur illegalen Ausreise in C._ verholfen habe. Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen. Die Beschwerdeführerin 1 reichte im erstinstanzlichen Verfahren zwei Zivilregisterauszüge sie und ihre Tochter betreffend sowie mit Eingabe vom 25. Januar 2005 (Poststempel) ihre Identitätskarte, einen , in arabischer Sprache verfassten Ausweis sowie eine  der K._ vom (...) zu den Akten.
B. Mit Verfügung vom 1. Februar 2006 - eröffnet am 2. Februar 2006 an
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den damaligen Rechtsvertreter - stellte das Bundesamt fest, die  erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche ab, wies sie aus der Schweiz weg und nahm sie  Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig auf.
C. Mit Rechtsmitteleingabe vom 6. März 2006 (Poststempel) bei der  zuständigen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK)  die Beschwerdeführerinnen durch ihren Rechtsvertreter die Aufhebung dieser Verfügung und wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur , eventualiter die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen  sowie anschliessenden Neubeurteilung, subeventualiter die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und unter Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft die Gewährung von Asyl, subsubeventualiter unter Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs die Aufhebung der Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der vorinstanzlichen Verfügung. In prozessualer Hinsicht beantragten sie die Einsichtnahme in die vorinstanzlichen Aktenstücke (...) und (...) sowie die Ansetzung einer angemessenen Nachfrist zur Einreichung einer . Auf die Begründung der Rechtsbegehren wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen .
D. Am 23. März 2006 stellte der Instruktionsrichter der ARK den  antragsgemäss Kopien der (vorinstanzlichen) Aktenstücke (...) und (...) zu, wies unter Verweis auf Art. 32 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das  (VwVG, SR 172.021) den Antrag auf Ansetzung einer  Nachfrist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung ab und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
E. Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung vom 13. April 2006 an der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der .
F. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerinnen hielt in seiner Replik vom 9. Mai 2006 mit entsprechender Begründung an seinen Rechtsbe-
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gehren fest, verwies auf den Umstand, dass die mit Briefsendung vom 25. Januar 2005 beim BFM eingereichten Dokumente im  nicht erwähnt seien und reichte eine Kopie des Urteils der ARK vom 22. März 2006 betreffend den Bruder der  1 (...) zu den Akten.
G. Am 31. Mai 2006 reichte der Rechtsvertreter der  eine Bestätigung der Post betreffend Zustellung der Briefsendung vom 25. Januar 2005 an das BFM ein.
H. Am 16. April 2007 teilte der (neue) Instruktionsrichter den  mit, dass das bei der ARK anhängig gemachte  am 1. Januar 2007 vom Bundesverwaltungsgericht übernommen worden ist.
I. Am 10. März 2009 reichte der Rechtsvertreter der  seine Kostennote ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17.  2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die  der am 31. Dezember 2006 bei der ARK hängigen Rechtsmittel
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übernommen. Das neue Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).
1.3 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Die  sind durch die angefochtene Verfügung  berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren  beziehungsweise Änderung. Die Beschwerdeführerinnen sind  zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 und 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist .
2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
3.1 Gemäss Art. 17 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 6 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) wird die asylsuchende Person von einer Person gleichen Geschlechts befragt, wenn konkrete Hinweise auf geschlechtsspezifische  vorliegen. Geschlechtsspezifisch ist die Verfolgung dann, wenn sie in der Form sexueller Gewalt stattfindet oder die sexuelle Identität des Opfers treffen soll (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 2 E. 5a und b S. 16 ff.). Das Geschlecht soll nach Möglichkeit auch bei der  der Personen, die als Dolmetscher eingesetzt werden und das Protokoll führen, berücksichtigt werden. Art. 6 AsylV 1 - der bei Frauen sowie Männern gleichermassen Anwendung findet - ist eine  des rechtlichen Gehörs, mithin eine Schutzvorschrift, deren Zweck es ist, dass asylsuchende Personen ihre Vorbringen  vortragen, das heisst konkret erlittene Übergriffe möglichst frei und unbeeinträchtigt von Schamgefühlen schildern können.  dient sie dazu, die Richtigkeit der Sachverhaltsabklärung zu . Da diese Schutzvorschrift nicht bloss ein Recht der  Person beinhaltet, eine solche Befragung zu verlangen, sondern die Behörde dazu verpflichtet, in der vorgesehenen Weise vorzugehen, sobald entsprechende Hinweise vorliegen, ist sie  von Amtes wegen anzuwenden. Ein Verzicht der betroffenen asylsuchende Person auf die Befragung durch eine Person gleichen
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Geschlechts könnte nur dann angenommen werden, wenn er  erklärt wird (vgl. EMARK 2003 Nr. 2 E. 5b/dd und 5c S. 19 f.).
3.2 Vorliegend ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin 1 bereits anlässlich der Kurzbefragung in E._ auf die Frage, ob man ihr auf dem Posten als Frau zu nahe getreten sei, antwortete, man habe versucht, sie sexuell zu belästigen, sie habe dies aber nicht  und sich gewehrt (vgl. A1/10 S. 6). Mit dieser Aussage lagen eindeutige Hinweise auf eine geschlechtsspezifische Verfolgung vor, welche zwingend (vgl. EMARK 2003 Nr. 2 E. 5c S.19) Anlass dazu hätten geben müssen, die Schutzvorschrift von Art. 6 AsylV 1  und die Beschwerdeführerin bei der kantonalen Anhörung durch ein Frauenteam anhören zu lassen. Das Bundesamt verkennt mit seinen diesbezüglichen Ausführungen in der Vernehmlassung, die Vorbringen der Beschwerdeführerin 1 seien als unglaubhaft qualifiziert worden, womit auch ihre geschlechtsspezifischen Aussagen nicht  werden könnten, und des Weiteren seien auch  mit frauenspezifischen Fluchtgründen der Wahrheits- und  unterstellt, zudem habe sie eingangs der Anhörung die Frage, ob sie Einwände gegen die Anwesenheit von Männern an der Befragung habe, ausdrücklich verneint, den Sinn und Zweck dieser Schutzvorschrift. Erschwerend kommt hinzu, dass die  1 weder über ihre diesbezüglichen Rechte aufgeklärt noch ihr damaliger Rechtsvertreter zur kantonalen Anhörung eingeladen wurde. Angesichts dieser Sachlage stellt die Erklärung der  1 zu Beginn der kantonalen Anhörung, sie habe keine  gegen die Anwesenheit von Männern, keinen Verzicht auf eine  durch eine Person gleichen Geschlechts dar.
3.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass das Bundesamt , dass es die Beschwerdeführerin 1 trotz Hinweisen auf eine  Verfolgung nicht durch ein Frauenteam zu ihren Asylgründen anhören liess, den Anspruch auf rechtliches Gehör , den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig respektive  festgestellt und damit Bundesrecht verletzt hat.
4. Beschwerden gegen Verfügungen des BFM über die Verweigerung des Asyls und die Wegweisung haben grundsätzlich reformatorischen und nur ausnahmsweise kassatorischen Charakter (Art. 105 AsylG und Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 61 Abs. 1 VwVG). Eine reformatorische Ent-
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scheidung setzt indessen Entscheidreife, insbesondere eine richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes, . Dies ist vorliegend nicht der Fall. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 1. Februar 2006  und die Vorinstanz anzuweisen, der Beschwerdeführerin 1 das rechtliche Gehör im Sinne der Erwägungen zu gewähren, den  Sachverhalt richtig respektive vollständig festzustellen und in der Sache neu zu entscheiden.
5.
5.1 Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind keine  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
5.2 Den vertretenen Beschwerdeführerinnen ist zulasten der  eine Parteientschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in der Kostennote vom 10. März 2009 ausgewiesene zeitliche Vertretungsaufwand von 12.87 Stunden zu  Stundenansatz von Fr. 230.–, total also Fr. 2960.10, scheint dem vorliegenden, nicht übermassig komplexen oder umfangreichen  nicht als vollumfänglich angemessen respektive notwendig im Sinne von Art. 64 Abs. 1 VwVG. Unter Berücksichtigung der  Bemessungsfaktoren (Art. 9 - 13 VGKE) und der  in Vergleichsfällen ist der zeitliche Vertretungsaufwand für das Beschwerdeverfahren auf insgesamt 10 Stunden festzusetzen. Den Beschwerdeführerinnen ist somit eine Parteientschädigung im  von Fr. 2517.60 (Vertretungsaufwand von 10 Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 230.– zuzüglich Auslagen von Fr. 39.80 und Mehrwertsteuer von 7,6 Prozent) zu entrichten.
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