Decision ID: 463da922-1153-4c44-8abd-ccc58291bb6d
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im März 2009 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 2). Er gab an, er habe in seinem Herkunftsland eine
Berufslehre zum Schreiner absolviert. In den Jahren 2001–2007 sei er als
Lagermitarbeiter tätig gewesen. Ab dem 7. September 2007 habe er eine
Arbeitslosenentschädigung bezogen. Am 25. Mai 2008 habe er einen Unfall erlitten. Die
frühere Arbeitgeberin des Versicherten teilte im Oktober 2009 mit (IV-act. 15), sie habe
das Arbeitsverhältnis im Juli 2007 fristlos aufgelöst, da der Versicherte der Arbeit ab
Mitte Mai 2007 unentschuldigt ferngeblieben sei. Das Kantonsspital B._ hatte der
Suva im Juni 2008 berichtet (Suva-act. 3), der Versicherte habe bei einem Sturz mit
einem Motorrad ein Polytrauma mit einem leichten Schädel-Hirn-Trauma, einem
stumpfen Thoraxtrauma (Lungenkontusion, kleiner ventraler Pneumothorax links und
Fraktur der ersten Rippe rechts), einer Wirbelsäulenverletzung (Kompressionsfraktur
BWK 6, ventral betonte Kompressionsfrakturen BWK 3 und 5 sowie leichte
Deckplattenimpression BWK 7 und 8), einer distalen extra-articulären Radius-Fraktur
links sowie einer Schürfwunde prätibial rechts erlitten. Der Kreisarzt Dr. med. C._
hatte im Oktober 2008 festgehalten (Suva-act. 21), objektiv sei der organische
Heilverlauf in den vergangenen viereinhalb Monaten als recht günstig zu bezeichnen.
Die Verletzungen seien stabil ausgeheilt. Im Vordergrund stehe ein beträchtliches
somatisches Schmerzsyndrom. Eine weitere Somatisierung sei nicht ausgeschlossen,
weshalb der weitere Rehabilitationsverlauf derzeit noch ungewiss sei. In dieser
Situation sei eine stationäre Behandlung zu empfehlen. Im Dezember 2008 hatte die
Rehaklinik Bellikon über eine stationäre Behandlung im Zeitraum vom 4. November
2008 bis zum 12. Dezember 2008 berichtet (Suva-act. 25). Die Ärzte hatten ausgeführt,
eine szintigraphische Abklärung habe den Verdacht auf ein CRPS im Bereich des linken
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Handgelenks bestätigt. Zudem seien eine leicht- bis mittelgradige depressive Störung
und eine posttraumatische Belastungsstörung festgestellt worden. Aktuell sei der
Versicherte vollständig arbeitsunfähig. Im Februar 2009 hatte das Psychiatrie-Zentrum
D._ eine weiterhin bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit des Versicherten
wegen einer nun mittelgradigen depressiven Episode und einer posttraumatischen
Belastungsstörung attestiert (Suva-act. 31). Im Mai 2009 hatte der Pneumologe Dr.
med. E._ berichtet (Suva-act. 54), in der Lungenfunktionsprüfung habe er „formal“
eine mittelschwere restriktive und leicht obstruktive Ventilationsstörung festgestellt. Ein
Grund dafür sei nicht ersichtlich. Die Frage, weshalb es dem Versicherten trotz des
Aufbautrainings, das angeblich alle zwei Tage stattfinde, nicht besser gehe, könne er
nicht beantworten. Im September 2009 hatte das Psychiatrie-Zentrum D._ mitgeteilt
(Suva-act. 75), dass der Versicherte vom 27. Mai 2009 bis zum 19. Juni 2009
tagesklinisch behandelt worden sei. Er sei zunächst drei halbe Tage nachmittags zur
Therapie erschienen. Leider habe keine grosse Motivation festgestellt werden können.
Er habe nur unregelmässig am Tagesprogramm teilgenommen. Ausserdem sei er
häufig – teils entschuldigt, teils unentschuldigt – abwesend gewesen. Er sei nicht bereit
gewesen, sich im Rahmen des tagesklinischen Aufenthaltes mit seiner
Schmerzproblematik auseinanderzusetzen oder diese zu bearbeiten. Wegen eines
Mangels an Motivation sei die tagesklinische Behandlung schliesslich am 19. Juni 2009
beendet worden. Im Oktober 2009 berichtete das Psychiatrie-Zentrum D._ (Suva-act.
80), der Versicherte habe während der tagesklinischen Behandlung vermehrt an „flash
backs“ gelitten und könne sich deshalb auch eine weitere teil- oder vollstationäre
Behandlung nicht vorstellen. Er sei aber sehr motiviert, die ambulante Behandlung
weiterzuführen. Am 19. Januar 2010 begab sich der Versicherte dann doch für eine
stationäre psychiatrische Behandlung in die Klinik F._ (vgl. Suva-act. 110). Die
stationäre Behandlung wurde allerdings auf Wunsch des Versicherten bereits am 2.
Februar 2010 wieder beendet. Im Juni 2010 wurde das Osteosynthesematerial im
Bereich der linken Hand entfernt (Suva-act. 131). Im Juni 2010 berichtete das
Psychiatrie-Zentrum D._ (Suva-act. 132), der Versicherte leide nach wie vor an einer
mittelgradigen depressiven Episode und an einer posttraumatischen
Belastungsstörung. Die Behandlung habe unter anderem deshalb nicht wie geplant in
einem wöchentlichen Rhythmus durchgeführt werden können, da der Versicherte
mehrfach unentschuldigt nicht erschienen sei. Die Ehefrau habe nicht in die
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Behandlung miteinbezogen werden können, da sie bereits zum ersten Termin
unentschuldigt nicht erschienen sei. Da das bisherige therapeutische Angebot nicht zu
einer Verbesserung geführt habe, sei von einem schlechten Verlauf auszugehen. Der
Kreisarzt Dr. med. G._ hielt im August 2010 fest, dass der Versicherte aus rein
somatischer Sicht wieder uneingeschränkt arbeitsfähig sei (Suva-act. 144). Im
September 2010 berichtete das Psychiatrie-Zentrum D._ über weitere
unentschuldigte Absenzen des Versicherten (Suva-act. 151). Mit einer Verfügung vom
28. September 2010 stellte die Suva ihre Versicherungsleistungen per 30. September
2010 ein (Suva-act. 155). Eine dagegen erhobene Einsprache (vgl. Suva-act. 160) wies
sie mit einem Entscheid vom 14. Januar 2011 ab (Suva-act. 167). Das
Versicherungsgericht hob diesen Einspracheentscheid mit einem Urteil vom 9. August
2012 (UV 2011/13; vgl. Suva-act. 199) auf und es wies die Sache zur weiteren
Abklärung betreffend die Frage nach dem Vorliegen von unfallbedingten
Gesundheitsschäden an der Brustwirbelsäule, an der linken Hand und hinsichtlich der
Lungenfunktion an die Suva zurück.
A.b Der Versicherte war bereits in den ersten Monaten des Jahres 2010 im Auftrag der
Haftpflichtversicherung des Halters jenes Motorrades, mit dem der Versicherte gestürzt
war, observiert worden (IV-act. 40). Nach einer Einsichtnahme in die
Observationsergebnisse notierte Dr. med. H._ vom IV-internen regionalen ärztlichen
Dienst (RAD) am 10. August 2011 (IV-act. 42), das Observationsmaterial widerspreche
„in eklatanter Weise“ den geltend gemachten Einschränkungen. Im Februar 2010 habe
sich der Versicherte noch in einer psychotherapeutischen Behandlung befunden und
dabei den Eindruck erweckt, wegen des „weiter defizitären körperlichen Zustandes“
und des Schmerzerlebens eine spezifische Psychotherapie zu benötigen. Offenbar sei
er aber in jener Zeit „mehr an seiner hingebungsvollen Beschäftigung mit Autos“ als
„an irgendwelchen Psychotherapien“ interessiert gewesen. Es sei „kaum möglich, sich
etwas anderes als eine absichtliche Täuschung der Sozialversicherungen vorzustellen“.
Es sei rückblickend „erschütternd“ festzustellen, wie hier nach einem „im Sinne der
Terminologie in der ICD-10 F 43.1 kaum aussergewöhnlichen Motorradunfall eine
posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert und tradiert“ worden sei, „ohne
dass sich einer dieser Fachärzte mit dem ‚schweren Unfall‘ näher befasst hätte“. Der
Fall müsse strafrechtlich verfolgt werden. Am 30. August 2011 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass sie eine psychiatrische Begutachtung durch Dr. med. I._
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vorsehe (IV-act. 46). Sie informierte den Rechtsvertreter des Versicherten zudem am 2.
September 2011 darüber, dass sie Dr. I._ nebst den im „Standard-Fragebogen“
vorgesehenen noch weitere „Zusatzfragen“ stellen wolle (IV-act. 48). Am 26.
September 2011 liess der Versicherte einwenden (IV-act. 51), dass eine der im
Fragebogen vorgesehenen Fragen „suggestiv, rechtlich nicht haltbar und unnötig“ sei
und dass auch die Zusatzfragen „suggestiv und vor allem unnötig“ seien. Für den Fall,
dass die IV-Stelle die Fragen nicht streichen wolle, werde der Erlass einer anfechtbaren
Zwischenverfügung verlangt. Mit einer verfahrensleitenden Verfügung vom 5. Oktober
2011 hielt die IV-Stelle an der vorgesehenen Begutachtung inklusive sämtlicher Fragen
fest (IV-act. 52). Eine dagegen erhobene Beschwerde (vgl. IV-act. 56) wurde vom
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit einem Entscheid vom 13. August
2012 (IV 2011/362; vgl. IV-act. 73) abgewiesen. Am 6. November 2012 erteilte die IV-
Stelle Dr. I._ den Auftrag für eine psychiatrische Begutachtung des Versicherten (IV-
act. 77).
A.c Am 17. Januar 2013 führte der Fachpsychologe Dr. phil. J._ im Auftrag von Dr.
I._ eine Untersuchung zur Beurteilung der Motivation des Versicherten in Bezug auf
die vorgesehene Begutachtung durch. Er hielt fest (IV-act. 81–70 ff.), angesichts der
Testergebnisse bestehe ein hinreichender Verdacht auf eine Simulation von geltend
gemachten neurokognitiven Einschränkungen. Am 30. Januar 2013 erstattete Dr. I._
sein Gutachten (IV-act. 81–1 ff.). Er hielt fest, der objektive klinische Befund sei
weitgehend unauffällig gewesen. Während der Dauer des eineinhalbstündigen
Gesprächs habe weder die Aufmerksamkeit noch die Konzentration abgenommen. Die
Beschwerdeschilderung sei allerdings sehr vage gewesen. Der Versicherte habe zwar
über verschiedene depressive Symptome geklagt und auf der „Hamilton
Depressionsskala 17“ insgesamt 14 Punkte erzielt (was offenbar einer leichten
depressiven Störung entspricht), aber klinisch hätten keine entsprechenden Befunde
erhoben werden können. Auch in den Akten fehlten überzeugende Hinweise auf eine
längerdauernde psychische Erkrankung. Gesamthaft fänden sich „viele eindeutige
Hinweise auf eine Simulation von geltend gemachten Einschränkungen“. Eine Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit könne nicht gestellt werden. Ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit sei ein Vortäuschen von neuropsychologischen
Einschränkungen zu diagnostizieren. Aus rein psychiatrischer Sicht sei die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten nicht beeinträchtigt. Am 25. Februar 2013 notierte Dr.
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H._ (IV-act. 82), das Gutachten von Dr. I._ sei überzeugend. Auf das
Observationsmaterial aus dem Jahr 2010 hätte verzichtet werden können; eine
medizinische Begutachtung hätte ausgereicht. Das von „einer anderen Versicherung“
eingereichte Observationsmaterial belege allerdings die Täuschungsabsicht des
Versicherten. Im Auftrag der Suva erstattete der Orthopäde PD Dr. med. K._ am 8.
Juli 2013 ein fachärztliches Gutachten (Suva-act. 270). Er führte aus, der Versicherte
leide an einer ausgeheilten Kompressionsfraktur BWK 3 und 6, an einer ausgeheilten
Deckplattenimpressionsfraktur BWK 5, 7 und 8 mit einer konsekutiv schmerzhaften
Hyperkyphosierung der Brustwirbelsäule, an einer posttraumatischen CTS-
Symptomatik am linken Handgelenk sowie (gemäss dem Austrittsbericht der Klinik
Bellikon) an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Als diesen
Gesundheitsbeeinträchtigungen ideal entsprechende Tätigkeiten seien leichte
körperliche Arbeiten, die mit Gehen verbunden seien oder in wechselnden Positionen
verrichtet werden könnten, zu qualifizieren. Der Versicherte müsse langes Sitzen
vermeiden können. Auch Arbeiten mit nach vornübergebeugtem Oberkörper, Bücken
und Arbeiten in der Hocke sollten vermieden werden. In derartigen Tätigkeiten könnten
„geringe Einschränkungen (20 Prozent)“ gegeben sein. Am 25. Oktober 2013 notierte
die RAD-Ärztin Dr. med. L._ (IV-act. 90), das psychiatrische Gutachten von Dr. I._
überzeuge in jeder Hinsicht. Das orthopädisch-traumatologische Gutachten von PD Dr.
K._ weise dagegen formelle Mängel auf, denn es sei erstellt worden, ohne dass der
Sachverständige Kenntnis vom damals bereits vorliegenden Gutachten von Dr. I._
genommen habe. Die Empfehlung einer psychiatrischen Begutachtung überzeuge
deshalb nicht. In einer chirurgisch-orthopädischen und neurologischen Beurteilung
vom 6. März 2014 führten zwei Kreisärzte der Suva aus (Suva-act. 272), das Gutachten
von PD Dr. K._ enthalte trotz eines entsprechenden Auftrags der Suva kein
pneumologisches Teilgutachten. In der Aktenzusammenfassung fehlten wesentliche
Dokumente. Die geklagten Beschwerden seien nicht sauber von der objektiven
Sachlage abgegrenzt worden. Die objektiven Befunde seien unvollständig erhoben
worden. Die Diagnosestellung sei nicht nachvollziehbar. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung
sei unzureichend begründet worden. Zusammenfassend weise das Gutachten
erhebliche formale und fachliche Defizite auf, weshalb eine erneute Begutachtung
notwendig sei.
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A.d Im Auftrag der Suva erstattete die Universitätsklinik Balgrist am 20. Mai 2015 ein
interdisziplinäres orthopädisches, neurologisches, neurophysiologisches und
pneumologisches Gutachten (nicht nummeriertes Suva-act.). Die Sachverständigen
hielten fest, der Versicherte leide an einer Lumbo-Thoraco-Dorsalgie, an einer
Kraftminderung und an Schmerzen der linken Hand, an einer mittelschweren
restriktiven Ventilationsstörung, an einem Status nach einem stumpfen Thoraxtrauma,
an einem Status nach einem leichten Schädel-Hirn-Trauma sowie (verdachtsweise) an
einem Status nach einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer leichten bis
mittelgradigen depressiven Episode. Unter Berücksichtigung der erhobenen objektiven
klinischen Befunde könne dem Versicherten die angestammte Tätigkeit als
Staplerfahrer uneingeschränkt zugemutet werden. Am 19. August 2015 notierte Dr.
L._ (IV-act. 106), das pneumologisch-neurologische Gutachten sei überzeugend.
Damit stehe nun fest, dass keine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliege.
Mit einem Vorbescheid vom 7. Oktober 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens vorsehe (IV-act. 108). Dagegen liess der
Versicherte am 27. November 2015 einwenden (IV-act. 111), das Gutachten von Dr.
M._ weise gravierende Mängel auf, weshalb nicht darauf abgestellt werden könne: Es
handle sich um eine unzulässige „second opinion“ einer unerfahrenen Ärztin und es
fehle jegliche Auseinandersetzung mit dem Vorgutachten von PD Dr. K._. Auch das
Gutachten von Dr. I._ sei nicht beweiskräftig, da dieser voreingenommen gewesen
sei. Die IV-Stelle habe zu Unrecht keine polydisziplinäre Begutachtung durchgeführt.
Mit einer Verfügung vom 3. Dezember 2015 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des
Versicherten ab (IV-act. 112). Zur Begründung führte sie an, selbst wenn auf das
Gutachten von PD Dr. K._ abgestellt würde, würde nur ein nicht
renten¬begründender Invaliditätsgrad von 36,8 Prozent resultieren.
B.
B.a Am 19. Januar 2016 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 3. Dezember 2015 erheben. Sein
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Zusprache einer Rente nach der Durchführung von weiteren medizinischen
Abklärungen auf psychiatrischem und neurologischem Gebiet. Zur Begründung führte
er an, das psychiatrische Gutachten von Dr. I._ überzeuge nicht, denn dieser habe
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die von ihm selbst erhobenen „zahlreichen und gravierenden psychopathologischen
Befunde“ schlichtweg ignoriert. Zudem habe er zu Unrecht festgehalten, dass
eindeutige Hinweise auf eine Simulation vorlägen. „Höchst fragwürdig“ sei auch der
Umgang mit früheren Arztberichten. Schliesslich sei der Hinweis von Dr. I._, der
Beschwerdeführer habe ihn bezüglich der Medikamenteneinnahme angelogen,
aktenwidrig. In neurologischer Hinsicht erweise sich der massgebende Sachverhalt
nach wie vor als ungenügend abgeklärt. „Somatisch“ (gemeint wohl: Orthopädisch)
bestehe ein Widerspruch zwischen dem Gutachten der Universitätsklinik Balgrist und
jenem von PD Dr. K._. Das Gutachten der Universitätsklinik Balgrist sei von sehr
unerfahrenen Ärzten erstellt worden. Zudem handle es sich dabei um eine unzulässige
„second opinion“. Die Sachverständigen hätten sich offenbar durch das „unhaltbare
und geradezu bösartige“ Gutachten von Dr. I._ beeinflussen lassen. Das Gutachten
von PD Dr. K._ sei dagegen in jeder Hinsicht überzeugend. Das Valideneinkommen
sei gestützt auf die eingehenden Abklärungen der Suva auf 56’000 Franken
festzusetzen. Bereits unter Berücksichtigung der von PD Dr. K._ festgestellten
Arbeitsunfähigkeit von 40 Prozent und einem „Leidensabzug“ von 15 Prozent ergebe
sich ein rentenbegründender Invaliditätsgrad.
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 27. April 2016
die Abweisung der Beschwerde (act. G 9). Zur Begründung führte sie aus, der
Beschwerdeführer habe offenbar seine subjektiven Angaben gegenüber Dr. I._ mit
objektiven klinischen Befunden verwechselt. Diese Befunde seien weitgehend
unauffällig gewesen. Ein Medikamentenspiegel habe in Bezug auf das Medikament
„Lyrica“ einen Wert unterhalb der Nachweisgrenze ergeben, weshalb die Aussage von
Dr. I._, der Beschwerdeführer habe das Medikament gar nicht eingenommen,
berechtigt gewesen sei. Die Suva habe mit einer überzeugenden Begründung
dargelegt, weshalb nicht auf das Gutachten von PD Dr. K._ abgestellt werden könne.
In neurologischer Hinsicht stehe der massgebende Sachverhalt fest. Selbst wenn auf
das Gutachten von PD Dr. K._ abgestellt würde, ergäbe sich nur ein Invaliditätsgrad
von 36,8 Prozent. Da der Beschwerdeführer aber uneingeschränkt arbeitsfähig sei,
betrage der Invaliditätsgrad null Prozent.
B.c Der Beschwerdeführer liess am 31. August 2016 an seinen Anträgen festhalten
(act. G 17). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 21).
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Erwägungen
1.
Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität
wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre.
2.
Bei den Akten befindet sich unter anderem ein ausführlicher Bericht betreffend eine
Observation des Beschwerdeführers, die im Auftrag einer Haftpflichtversicherung
durchgeführt worden ist. Die Frage nach der Zulässigkeit jener Observation stellt sich in
diesem Verfahren nicht, da sie nicht im Auftrag der Beschwerdegegnerin, sondern im
Auftrag einer Haftpflichtversicherung durchgeführt worden ist. Massgebend ist hier nur,
ob das Observationsmaterial im durch die angefochtene Verfügung vom 3. Dezember
2015 abgeschlossenen Verwaltungsverfahren hat verwertet werden dürfen (zur
Differenzierung zwischen der Zulässigkeit einer Observation und der Verwertung von
Observationsergebnissen vgl. BGE 143 I 377 E. 5 S. 384 ff. mit zahlreichen Hinweisen).
Weder das ATSG noch das IVG enthalten gesetzliche Bestimmungen zur Frage nach
der Zulässigkeit der Verwertung von Observationsergebnissen, was allerdings nicht
bedeutet, dass stets sämtliches Observationsmaterial uneingeschränkt verwertet
werden dürfte. Das Bundesgericht hat in Anlehnung an die Bestimmungen in der ZPO
im BGE 143 I 577 Kriterien für die Beantwortung der Frage nach der Verwertbarkeit von
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Observationsmaterial im Sozialversicherungsverfahren aufgestellt. Zusammenfassend
hat es sich auf den Standpunkt gestellt, dass bis zur Schaffung einer spezifischen
gesetzlichen Grundlagen eine Interessenabwägung zwischen den privaten Interessen
der observierten Person und den öffentlichen Interessen (insbesondere Verhinderung
eines Versicherungsmissbrauchs) vorzunehmen sei. Die vom Bundesgericht
formulierten Kriterien erlauben eine weitgehend uneingeschränkte Verwertung von
Observationsmaterial. Darauf muss hier allerdings nicht näher eingegangen werden, da
das Observationsmaterial vorliegend keine wesentliche Bedeutung gehabt hat. Der
RAD-Arzt Dr. H._ hat bereits im Februar 2013 notiert, dass das Observationsmaterial
im Prinzip überflüssig sei. Die medizinischen Sachverständigen haben zwar Bezug auf
das Observationsmaterial genommen, aber sie haben ihre Diagnosen und ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzungen nicht mit den Ergebnissen der Observation, sondern rein
medizinisch begründet. Selbst wenn das Observationsmaterial aus den Akten entfernt
werden müsste, würde sich am materiellen Entscheid betreffend das Rentenbegehren
des Beschwerdeführers nichts ändern, wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer hat angegeben, dass er in seinem Heimatland eine
Berufslehre zum Schreiner abgeschlossen hat. Er verfügt aber nicht über einen
entsprechenden Fähigkeitsausweis. Nach seiner Einreise in die Schweiz ist er nicht als
Schreiner erwerbstätig gewesen, sondern er hat Hilfsarbeiten verrichtet. In den Akten
finden sich keine Hinweise auf eine (deutlich) unter- oder überdurchschnittliche
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers, weshalb davon auszugehen ist, dass er
ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage
einen durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn erzielt hätte. Das Valideneinkommen
entspricht folglich dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne in der Schweiz.
3.2 Bei der Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens
kommt der medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung in aller Regel eine entscheidende
Bedeutung zu. Zur Beantwortung der Frage nach der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers hat die Beschwerdegegnerin nicht nur Berichte der behandelnden
Ärzte eingeholt, sondern zusätzlich ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben
und sich mit Zusatzfragen an zwei Begutachtungen im Auftrag der Suva beteiligt. Eines
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der beiden im Auftrag der Suva erstellten Gutachten, nämlich jenes von PD Dr. K._,
erweist sich allerdings aus mehreren Gründen als nicht überzeugend: Der
Sachverständige hat aus nicht nachvollziehbaren Gründen nur einen Teil der damals
vorliegenden medizinischen Berichte gewürdigt; gemäss den detaillierten und
überzeugenden Ausführungen in der kreisärztlichen Würdigung seines Gutachtens hat
der Sachverständige die massgebenden klinischen Befunde nicht vollständig erhoben;
im Gutachten sind die objektiven Befunde und die subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers vermischt worden; die Arbeitsfähigkeitsschätzung überzeugt nicht,
denn der Sachverständige hat nicht begründet, weshalb die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers sogar in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit zu 20 Prozent
eingeschränkt sein sollte. Zudem geht aus dem Gutachten auch nicht mit der
notwendigen Klarheit hervor, ob der Arbeitsunfähigkeitsgrad 20 Prozent oder höher ist,
denn einmal hat PD Dr. K._ eine Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent attestiert und
einmal hat er festgehalten, der Beschwerdeführer könne nur während sechs Stunden
pro Tag arbeiten und sei (offenbar zusätzlich) in seiner Leistungsfähigkeit um 20–30
Prozent eingeschränkt. Zusammenfassend kann dem Gutachten von PD Dr. K._ kein
Beweiswert beigemessen werden. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers scheint
diesbezüglich übersehen zu haben, dass nicht die Herkunft oder die Urheberschaft
eines Gutachtens für dessen Beweiswert entscheidend ist, sondern dass im Rahmen
der freien Beweiswürdigung nur der Inhalt des Gutachtens respektive dessen
inhaltliche Überzeugungskraft ausschlaggebend sein kann. Nur weil das Gutachten von
PD Dr. K._ stammt, muss es also nicht überzeugend sein. Zudem ist offenbar
hauptsächlich ein Assistenzarzt für die Erstellung des Gutachtens verantwortlich
gewesen. Auch bezüglich des Gutachtens der Universitätsklinik Balgrist gilt, dass nicht
in erster Linie massgebend ist, wer das Gutachten verfasst hat, sondern vielmehr, ob
es inhaltlich überzeugend ist. Die nur ad personam gerichtete Kritik des
Rechtsvertreters des Beschwerdeführers am Gutachten der Universitätsklinik Balgrist
geht deshalb an der Sache vorbei. Die Sachverständigen der Universitätsklinik Balgrist
haben – anders als PD Dr. K._ – sämtliche Vorakten gewürdigt. Sie haben die
subjektiven Angaben des Beschwerdeführers umfassend wiedergegeben und sie
haben die massgebenden objektiven klinischen Befunde vollständig erhoben und
verständlich beschrieben. Zusammenfassend haben sie sich also umfassend mit dem
für sie massgebenden medizinischen Sachverhalt auseinandergesetzt. Alle drei (das
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neurologische, das orthopädisch-chirurgische und das pneumologische) Teilgutachten
enthalten eine nachvollziehbare und überzeugend begründete Diagnosestellung und
Arbeitsfähigkeitsschätzung. Weder in den Teilgutachten selbst noch in den übrigen
Akten finden sich Hinweise, die Zweifel an der Zuverlässigkeit der Diagnosestellung
oder der Arbeitsfähigkeitsschätzung wecken würden. Auch die zuständige RAD-Ärztin
hat das Gutachten als in jeder Hinsicht überzeugend qualifiziert. Gestützt auf das
Gutachten der Universitätsklinik Balgrist steht folglich mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer in
somatischer Hinsicht nie länger dauernd wesentlich in seiner Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigt gewesen ist. In psychiatrischer Hinsicht steht das Gutachten von Dr.
I._ im Vordergrund. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat unter anderem
geltend gemacht, dieser Sachverständige habe die von ihm erhobenen Befunde nicht
gewürdigt. Dabei muss der Rechtsvertreter aber übersehen haben, dass Dr. I._
praktisch gar keine objektiven klinischen Befunde hat erheben können. Was der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers als Befunde interpretiert hat, sind nur die von
Dr. I._ wiedergegebenen Aussagen des Beschwerdeführers gewesen, die
selbstverständlich keine hinreichende Grundlage für eine Diagnosestellung und eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung bilden können. Es besteht auch kein Grund zur Annahme,
dass Dr. I._ wesentliche objektive Befunde übersehen hätte, denn er hat die von ihm
erhobenen – unauffälligen – klinischen Befunde ausführlich beschrieben. Zudem hat er
sich eingehend mit den subjektiven Angaben des Beschwerde¬führers
auseinandergesetzt und er hat auch die Berichte der behandelnden Psychiater
umfassend gewürdigt. Der Sachverständige Dr. I._ hat seine Diagnosestellung und
seine Arbeitsfähigkeitsschätzung überzeugend begründet. Der Hinweis auf den unter
der Nachweisgrenze liegenden Wert des Wirkstoffs eines vom Beschwerdeführer
angeblich eingenommenen Medikamentes ist angesichts der Laborergebnisse
berechtigt gewesen, hat aber für die Beurteilung keine entscheidende Rolle gespielt.
Ähnliches gilt auch bezüglich der Hinweise auf eine Simulation. Immerhin hatte eine
vorgängige neuropsychologische Testung einen hinreichenden Verdacht auf eine
Simulation ergeben. Auch diese Hinweise sind für die Diagnosestellung und für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht von ausschlaggebender Bedeutung gewesen. Die
Kritik des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers am Gutachten von Dr. I._ weckt
zusammenfassend keine ernsthaften Zweifel an der Überzeugungskraft jenes
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Gutachtens. Auch in den übrigen Akten finden sich keine Indizien, die Zweifel am
Beweiswert des Gutachtens von Dr. I._ wecken würden. Somit steht auch in
psychiatrischer Hinsicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer nie länger dauernd wesentlich in
seiner Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt gewesen ist. Zusammenfassend ist der
Beschwerdeführer also in der Lage, weiterhin (leidensadaptierte) Hilfsarbeiten in einem
Vollpensum mit einer vollen Leistung zu verrichten. Er kann folglich trotz seiner
Gesundheitsbeeinträchtigung weiterhin einen durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn
erzielen, weshalb das zumutbarerweise erzielbare Invalideneinkommen dem
Valideneinkommen entspricht. Damit erweist sich die Abweisung des Rentenbegehrens
als rechtmässig, weshalb die gegen die entsprechende Verfügung vom 3. Dezember
2015 erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
4.
Die Gerichtskosten von 600 Franken sind dem unterliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen. Sie sind durch den von ihm geleisteten Kostenvorschuss von 600
Franken gedeckt. Der unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.