Decision ID: 955381ea-013e-4c43-a2e0-be44c13b5cec
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1963, war vom
1.
September 1988
bis am 3
0.
November 2019
als Polizist beziehungsweise Dienstchef der Ordnungsbussen
zentrale bei d
er
Polizei Y._
angestellt
, wobei er ab
dem 2
4.
Novem
ber 2017 krank
geschrieben war. Am 2
8.
Februar 2018 meldete er sich unter Hinweis auf eine Erschöpfungsdepression bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
10/4
,
Urk.
10/70/5
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, führte in der Folge erwerbliche und medizinische Abklärungen durch und holte
ein psychiatrisch-neuropsychologisches Gutachten bei
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und P
sychotherapie
,
und
Dr.
sc. hum.
d
ipl.
psych.
A._
ein, das am 3
0.
März
beziehungs
weise am 2
6.
Juni 2020 erstattet wurde (
Urk.
10/69 f.)
. Mit Vorbescheid vom 1
5.
September 2020 stellte sie dem Versicherten die Abweisung seines Leistungs
begehrens in Aussicht (
Urk.
10/77)
. Nachdem
der V
ersicherte dagegen am
6.
Oktober 2020 Einwand erhoben hatte (
Urk.
10/79), wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 2
0.
November 2020 wie angekündigt ab (
Urk.
10/82 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Stephanie Schwarz, am 2
3.
Dezember 2020 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, die Verfügung der IV-Stelle Zürich vom 2
0.
November 2020 sei aufzuheben und es sei ihm ab November 2018 eine ganze und auch ab August 2019 weiterhin eine
Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen
. In prozessualer Hinsicht bean
tragte sie, der Gutachterin Ergänzungsfragen zu stellen, eventuell eine erneute neuropsychologische Abklärung zu veranlassen
(
Urk.
1 S. 2). Mit
Beschwerde
antwort vom 2
6.
April 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9). Am 1
8.
Mai 2021 verzichtete der Beschwerdeführer auf die Erstattung einer Replik und hielt an seinen beschwerdeweisen Ausführungen und Anträgen fest (
Urk.
13), wovon
der Beschwerdegegnerin
mit Verfügung vom 1
9.
Mai 2021 Kenntnis erteilt wurde (
Urk.
15).
Schliesslich
erfolgte mit Verfügung vom
5.
Mai 2022 die Beiladung der Pensionskasse der Stadt
B._
zum Verfahren (
Urk.
16), welche sich innert Frist nicht vernehmen
liess
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.5
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1
.6
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene
Verfügung
damit, ihre Abklärungen
hätten
ergeben, dass eine vollständige Genesung durch eine
optimale
Behandlung möglich sei
.
Somit sei aus versicherungsmedizinischer Sicht keine Beeinträchtigung ausgewiesen, die sich langfristig auf die Arbeitsfähig
keit auswirke. Zusätzlich lägen
gemäss dem Gutachten Inkonsistenzen zwischen der subjektiven Beschwerdeschilderung und d
en objektiven Befunden vor
(
Urk.
2
S. 1).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor, die Annahme, dass eine vollständige Genesung durch eine optimale Behandlung möglich sei, widerspreche sämtlichen medizinischen Beurteilungen, insbesondere dem Gutachten von
Dr.
Z._
(
Urk.
1 S. 4). Selbst wenn eine Besserung der Leistungsfähigkeit künftig möglich sein sollte, müssten beim Leistungsen
t
scheid die Arbeitsfähigkeit und der Leistungsanspruch auch rückwirkend für die Zeit ab November 2018 (Ablauf des Wartejahrs) beurteilt werden, zumal er sich damals längere Zeit
in stationärer und teilstationä
rer Behandlung befunden habe. Entsprechend halte auch die Gutach
terin
zu Recht fest, dass eine Teila
rbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit frühestens seit der Beendigung des tagesklinischen Aufenthaltes bestehe. Bei dieser Ausgangslage sei nach Ablauf des Wartejahrs im November 2018 bis jedenfalls drei Monate nach Beendigung der tagesklinischen Behandlung im Mai 2019 der Anspruch auf eine ganze Rente und auch danach noch
auf
eine Rente der Invalidenversicherung ausgewiesen (
Urk.
1 S. 5 f.).
Dr.
Z._
habe ihm eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit
2017
für die Tätigkeit als Leiter der Ordnungsbussenzentrale
und prognostisch eine Arbeits
fähigkeit von 80
%
in einer angepassten Tätigkeit
attestiert.
Sie
habe
dabei
das ihr zustehende Ermessen in Nachachtung der aus
Art.
7 ATSG fliessenden normativen Vorgaben ausgeübt, weshalb
von
v
ornherein
kein Platz für eine juristische Paral
le
lprüfung oder eine Ressourcenprüfung durch die Sachbearbei
tung bleibe (
Urk.
1 S. 6).
Die Beschwerdegegnerin habe in ihrer Ressourcenprü
fung die
gutachterlicherseits
diagnostizierte kombinierte Persönlichkeitsstörung komplett ausser Acht gelassen. Zudem könne allein mit einer Auflistung von Diskrepanzen nicht von einem Gutachten, das in Kenntnis dieser angenommenen Diskrepanzen erstellt worden sei,
abgewichen
werden. Würde gestützt auf die gutachterlichen Ausführungen von einer Arbeitsunfähigkeit
in
der angestammten und
von
einer Teilarbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit ausge
gangen, bestünde angesichts des hohen
Valideneinkommens
jedenfalls ein Rentenanspruch (
Urk.
1 S. 7).
Dr.
Z._
sei mit der Annahme einer Restarbeitsfähigkeit von 80
%
in einer angepassten Tätigkeit viel zu optimistisch. Die Vertrauensärztin der Pensionskasse sei, wie die behandelnden Ärzte, zum Schluss gekommen, dass zukünftig in einer angepassten Tätigkeit ausserhalb des Polizeidienstes höchstens von einer Arbeitsfähig
keit von 20
%
auszugehen sei
. Darauf sei abzustellen. Die Beurteilung von
Dr.
Z._
,
wie auch die Annahme von Diskrepanzen beruhe auf einer nicht in allen Punkten genügenden Exploration und verschie
denen
,
unzutreffenden Annahmen. Entsprechend habe er beantrag
t,
Ergänzungs
fragen an die Gutachterin zu stellen, was bisher nicht erfolgt sei
(
Urk.
1 S. 8 ff.)
.
Auf das neuropsychologische Gutachten könne sodann nicht abgestellt werden. Die Gutachterin habe - trotz erfolgtem Hinweis - sein
e grosse
Müdigkeit aufgrund Schlafmangels nicht berücksichtigt. Statt zu einer zweiten Abklärung e
inzulad
en
,
habe sie sich ungehalten und
voreingenommen
gezeigt und sogar eigenhändig einen Test beendet, bei dem er M
ühe bekundet habe, was
nicht leitliniengerecht sein könne. Aus seiner Sicht sei der medizinische Sachverhalt mit dem psychiat
rischen Gutachten und den in den Akten liegenden medizinischen
Unterlagen
jedoch
genügend abgeklärt und es erübrige sich eine erneute neuropsycholo
gische Be
gutachtung, allenfalls sei
durch das Gericht
eine
neue Person mit einer solchen Begutachtung zu betrauen (
Urk.
1 S. 12).
Aus den Akten gehe hervor, dass er
für
zudienende
administrative Hilfstätigkeiten nicht ausgebildet sei und auch nicht über diesbezügliche Erfahrung verfüge. Beim von der Gutachterin erwähnten Beispiel einer Tätigkeit im Back-Office einer Polizeizentrale handle es sich um eine äusserst stressige Tätigkeit, die nicht einer klar strukturierten Tätigkeit mit umschriebenen Arbeitszeiten
entspreche
. Zudem sei er aus Krankheitsgründen bei der Polizei
entlassen
worden und beziehe eine Berufsinvalidenrente, weshalb keine Möglichkeit bestehe, im Back-
Office
einer Polizeizentrale tätig zu sein (
Urk.
1 S. 13).
Insgesamt sei
daher
von einer (Teil
)Arbeitsfähigkeit
in einer einfachen Hilfstätigkeit auszugehen, wobei eine erheblich tiefere T
eilar
b
e
itsfähigkeit anzunehmen sei. Die angestammte Tätigkeit sei ihm dauerhaft nicht me
hr zumutbar (
Urk.
1 S. 14). Da sein Einkommen in den
Jahr
en
2015
und 2016
aufgrund längerer (Teil-)Arbeitsunfähigkeit erheblich niedriger gewesen
sei
als in den Jahren 2009 bis 2014,
sei das
Valideneinkommen
über den Durchschnitt der Jahre 2010-2014 zu ermitteln und der Nomin
allohn
entwicklung anzupassen
. Gestützt darauf sei jedenfalls ein Anspruch von
mindestens
einer halben bis
zu
einer
Dreiv
iertel
s
rente
ausgewiesen, bei der
von den behandelnden Ärzten und der Vertrauensärztin der Pensionskasse angenom
menen tieferen Teilarbeitsfähigkeit von 20
%
bestünde ein Anspruch auf eine ganze Rente (
Urk.
1 S. 15).
2.3
Die Beschwerdegegnerin ergänzte in der Beschwerdeantwort, es sei eine Rechtsfrage, ob einer fachärztlich ausgewiesenen psychiatrischen Diagnose invalidisierende Wirkung zukomme. Rechtsprechungsgemäss sei daher bei sämtlichen psychischen Leiden grundsätzlich im Rahmen eines strukturierten Beweisverfahrens zu prüfen, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Fest
stellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf eine Arbei
tsfähigkeit schliessen liessen (
Urk.
9 S. 1 f.).
In den
medizinischen
Akten werde die Diagnose einer
p
osttraumatischen Belastungsstörung gestellt. Von
Dr.
Z._
werde diese indessen mangels Erfüllung der Diagnosekriterien zu Recht verneint. Eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit aufgrund von kognitiven Defiziten habe nicht evaluiert werden können, da der Beschwerdeführer während der neuropsychologischen Begutach
tung so stark
aggraviert
habe, dass die Testergebnisse nicht
hätten
gebraucht werden können. In der psychiatrischen Begutachtung hätten sich jedenfalls keine Hinweise auf relevante neuropsychologische Einschränkungen ergeben
(
Urk.
9
S. 2).
Eine Persönlichkeitsstörung
, wie sie von der Gutachterin diagnostiziert worden sei,
zeige sich bereits in der Kindheit in Form von Verhaltensstörungen. Für die Kindheit, Jugend und auch das Erwachsenenalter seien bis zum Eintritt der aktuellen Problematik jedoch keine wesentlichen Auffälligkeiten dokumentiert. Die Diagnose der Persönlichkeitsstörung und
die
dadurch nun ein
getreten
e Arbeitsunfähigkeit sei
en
nicht nachvollziehbar. Ferner liege seit 2008 eine Über
lastung in der beruflichen Tätigkeit vor und der Beschwerdeführer sei zudem im damaligen Zeitpunkt Alleinerziehender von zwei pubertierenden Kindern gewesen. Aus den medizinischen Akten sei ersichtlich, dass eine Erschöpfungs
depression vorliege. Diese beruhe auf psychosozialen Belastungsfaktoren und sei kein langandauernder Gesundheitsschaden und somit nicht invalidenversichert
(
Urk.
9 S. 2 f.)
.
Insgesamt seien kaum Befunde objektivierbar gewesen, weshalb von einem leichtgradigen beziehungsweise nicht invalidisierenden Gesundheitsschaden auszugehen sei. In Bezug auf den Indikator
Behandlungserfolg
/ -resistenz sei eine Verbesserung des Gesundheitszustandes ausgewiesen und deshalb eine Behandlungsresistenz zu verneinen. B
etreffend
Komorbidität
en
sei
von keiner weite
ren Einschränkung auszugehen
. Der soziale Kontext stehe weiter im Wider
spruch zur angegebenen Arbeitsfähigkeit und die diversen Aktivitäten würden von zahlreichen Ressourcen zeugen. Unter dem Gesichtspunkt der gleichmässigen Einschränkungen im Aktivitätsniveau werde im Gutachten angegeben, dass ein nur leicht reduziertes Alltagsaktivitätsniveau bestehe. Der angegebene Leidens
druck habe sodann nicht ohne Weiteres in der
ange
gebenen
Intensität wahrgenommen werden können. Insgesamt könne in Anwendung des struktu
rellen Beweisverfahrens gefolgert werden, dass keine
langandauernde
schwer
wiegende gesundheitliche Einschränkung
vorliege
beziehungsweise eine relevante Arbeitsunfähigkeit nicht ausgewiesen sei. Das Erstellen eines Einkom
mensvergleich
s
sei daher hinfällig. Ein Rentenanspruch entstehe nicht
(
Urk.
9
S. 3 f.)
.
Schliesslich habe das neuropsychologische Gutachten aufgrund der fehlenden Mitarbeit des
Beschwerdeführers
nicht verwertet werden können. Es sei nicht davon auszugehen, dass eine erneute Abklärung zu besser verw
ertbaren Resulta
ten führe
, weshalb darauf verzichtet werden könne (
Urk.
9 S. 5).
3.
3.1
Der Beschwerdeführer hielt sich vom
1.
April bis am 1
9.
Mai 2018 zur stationären psychosomatischen Rehabilitation im
Rehazentrum
C._
auf. Die behandelnden Ärzte
nannten
in ihrem Bericht vom 1
4.
Oktober 2019
in psychi
atrischer Hinsicht als
Diagnosen eine depressive Episode,
zur Zeit
mittelschwer, psychogene, nicht epileptische Anfälle mit dissoziativen Bewegungsstörungen nach einem
schweren
Töffunfall
im November 1995, einem Velounfall 2015 und einer Nahtoderfahrung 1995 (
Urk.
10/51/1). Sie führten aus, das Hauptproblem bei
Klinike
intritt sei die Depression gewesen, welche sich vor allem durch Freud
verlust, Zukunftsä
ngste und erhebliche Schlafstör
ungen mit Albträumen ausgedrückt habe. Des Weiteren hätten den Beschwerdeführer die
Zitteranfälle
und
Anfälle von
unkontrollierten Bewegungen, wenn er sich unter Druck fühle, belastet. Er habe motiviert und
kooperativ
am Therapieprogramm teilgenommen und
intensiv
an tiefergreifenden Themen und den Ursprüngen seiner Beschwer
den gearbeitet.
Obwohl die Anfälle gegen Ende des Aufenthaltes immer noch vorhanden gewesen seien, habe der Beschwerdeführer diese besser akzeptieren und damit umgehen können. Der Schlaf habe sich im Verlauf verbessert (
Urk.
10/51/3). Vom
1.
April bis am 1
0.
Juni 2018 sei der Beschwerdeführer zu 100
%
arbeitsunfähig
gewesen
. Einen beruflichen Wiedereinstieg sähen sie frühestens gegen Ende Sommer (
Urk.
10/51/4).
3.2
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte am
1.
Oktober 2018 eine vertrauensärztliche Untersuchung zur Abklärung der Arbeitsfähigkeit für die zuständige Pensionskasse durch. Sie stellte die Diag
nose einer anhaltenden mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1) auf dem Boden e
iner komplexen posttraumatischen
Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) mit zusätzlich dissoziativer Bewegungsstörung (ICD-10 F44.4).
Der Beschwerdeführer sei für seine Tätigkeit als Dienstchef Ordnungsbussen dauerhaft zu 100
%
arbeitsunfähig. Er leide seit 1995 an traumaassoziierten Sympto
men und habe in der Kindheit eine
Persönlichkeit
entwickelt, welche mit einer erhöhten Vulnerabilität unter anderem für Depressionen verbunden sei. Das vorbestehende labile psychische Gleichgewicht sei durch Belastungen zunehmend aus dem Gleichgewic
ht geraten. Im Vordergrund stünden
aktuell die anhaltende depressive Symptomatik und die Zunahme der vorbestehenden Albträume
, Bewegungsstörung
en
und Schreckhaftigkeit. Unter der Erfahrung der Arbeits
unfähigkeit mit Scham, Schuld, Angst vor der Zukunft, Ohnmacht und Hilflosig
keit sei im Laufe des Sommers 2018 wieder eine zunehmende Verstärkung der psychischen Symptomatik eingetreten, am ehesten erklärbar durch vermehrtes Aufbrechen der vorbestehenden posttraumatischen Belastungsstörung. Er sei der Führungsfunktion nicht mehr gewachsen, bei der er sich schon länger überfordert gefühlt habe. Wegen des schlechten psychischen Befindens bestehe aktuell weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für angepasste Tätigkeiten, die Behandlung stehe derzeit im Vordergrund. Die Dauer dieser Arbeitsunfähigkeit sei noch nicht sicher beurteilbar, da sie abhängig vom weiteren Verlauf sei (
Urk.
10/49/13).
3.3
Vom 2
5.
Oktober bis am 2
8.
November 2018 erfolgte ein weiterer stationärer Aufenthalt
im
Rehazentrum
C._
. Die behandelnden Ärzte
hielten fest, der Beschwerdeführer leide an einer
komplexen posttraumatischen Belas
tu
ngsstö
rung (ICD-10 F44.4) mit zusätzlicher dissoziative
r Bewegungsstörung (ICD-10 F43.1
)
und
schwerer depressiver Episode (ICD-10 F32.1), kombiniert mit Ängsten und dissoziativen Zitteranfällen vor dem Hintergrund mehrerer traumatischer Erlebnisse und einer belastenden Lebenssituation
,
insbesondere im beruflichen Umfeld und aufgrund der seit November 2017 anhaltenden Beschwerden im Rahmen seiner Erkrankung. Er zeige deutliche perfektionistische Persönlichkeits
züge mit einem überhöhten Selbstanspruch und verminderter Selbstwahr
nehmung und Selbstfürsorge vor dem Hintergrund von Traumatisierungen in der
Kindheit
und im Strassenverkehr und einer sehr hohen Belastung sowohl im Privaten als alleinerziehender Vater als auch im Beruflichen im Rahmen seiner Führungsposition. Er habe sich während des Aufenthaltes emotional stabilisieren können, seine Stimmung habe sich aufgehellt und sein Schlaf habe sich verbes
sert, wenngleich A
l
bträume, Unruhe und Angst weiter anhalten würden. Er benötige dringend eine weitere Therapie inklusive einer Traumatherapie, weshalb eine Anmeldung bei einer Tagesklinik erfolgt sei. Zur Überbrückung bis zum Eintritt und anschliessend ergänzend zur tagesklinischen Behandlung sei sodann eine Unterstützung durch eine psychiatrische Spitex eingeleitet worden. Der Beschwerdeführer sehe eine berufliche Reintegration
subjektiv als unrealistisch an
, darin könnten sie ihn nur unterstützen (
Urk.
10/52/
4).
Er
sei vom 2
5.
Oktober bis am 3
1.
Dezember 2019 zu 100
%
arbeitsunfähig, worauf die Weiterbeurtei
lung durch den weiterbehandelnden Arzt zu erfolgen habe. Eine Wiederaufnahme der angestammten beruflichen Tätigkeit bei der Polizei sei langfristig aus medi
zinischer Sicht nicht realistisch (
Urk.
10/52/5).
3.4
Hausarzt
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte in seinem Bericht vom 2
1.
März 2019 als aktuelle, für die Arbeits
fähigkeit relevante Diagnose einen depressiven Zustand und verwies für die genaue Diagnose und Therapie auf den behandelnden Psychiater
dipl.
med.
F._
, an den er den Beschwerdeführer überwiesen habe, nachdem
dies
er in seiner Sprechstunde im September 2017 eine psychische Belastungssituation mit depressiven Symptomen und einer Schlafstörung bei einer starken beruflichen Belastung
geschildert habe (
Urk.
10/32/7 f.).
3.5
Der Beschwerdeführer befand sich vom
4.
Februar bis am 3
0.
April 2019 in tagesklinischer Behandlung in der Akut-Tagesklinik für Erwachsene der
Psychiatrie G._
(
Urk.
10/42/5).
Die behandelnden Fachpersonen stellten
in ihrem Bericht vom 1
8.
Juni 2019
die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, aktuell schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome, einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) mit zusätzlich dissoziativer Bewegungsstörung (ICD-10 F44.4), einer Persönlichkeitsakzentuierung mi
t zwanghaften Anteilen (ICD-10 Z
73) sowie eines Tinnitus (
Urk.
10/42/7).
Der Beschwerdeführer habe insgesamt vom empat
h
ischen und verständnisvollen Setting in der Tagesklinik und den verschiedenen Therapieangeboten, bei denen er sich zunehmend habe einbringen können, profitiert. Auf Symptomebene habe sich jedoch keine relevante Verbesserung der depressiven und posttraumatischen Symptomatik gezeigt (
Urk.
10/42/6). Aufgrund der gestellten Diagnosen bestehe langfristig eine vollständige Arbeits
unfähigkeit sowohl im angestammten als auch in einem angepassten Tätigkeits
bereich (
Urk.
10/42/7). Eine spezifische
traumafokussierte
Behandlung sei im weiteren Verlauf eine therapeutische Option, aktuell zeige sich der Beschwerde
führer jedoch wenig motiviert, weitere Therapien in Angriff zu nehmen. Von einer entsprechenden
traumafokussierten
Psychotherapie sei eine weitere Stabilisie
rung zur besseren Bewältigung des Alltages zu erhoffen, mit nicht zu erwartender ausreichender Verbesserung sowohl der Symptomatik als auch des Funktions
niveaus, um längerfristig wieder in den beruflichen Alltag
reintegriert
werden zu können (
Urk.
10/42/7 f.).
3.6
Dr.
D._
führte am 2
6.
März 2019
eine weitere
vertrauensärztliche Unter
suchung durch (
Urk.
10/35/1). In ihrem Bericht vom 2
7.
März 2019 diagnosti
zierte sie eine anhaltende mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10 F32.1/2) auf dem Boden einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung mit zusätzlich dissoziativer Bewegungsstörung (ICD-10 F44.4). Aufgrund der komplexen, schwer ausgeprägten und bisher praktisch therapieresistenten psychischen Erkrankung stellte sie eine dauerhaft ungünstige Prognose. Der Gesundheitszustand habe sich seit November 2017 trotz adäquater und intensiver Behandlung nicht wesentlich gebessert
. Es sei dauerhaft von einer Arbeitsun
fähigkeit von 100
%
als Dienstchef Ordnungsbussen auszugehen. Auch für eine angepasste Tätigkeit bei der Polizei, wie sie 2018 vorgesehen gewesen sei, bestehe eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Für eine angepasste Tätigkeit bei einem anderen
Arbeitgeber
bestehe wegen des schlechten Zustandes bis auf weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
, zukünftig könne im besten Fall eine Arbeitsfähigkeit von 20
%
in
einer
optimal angepassten Tätigkeit ausserhalb der Stadtpolizei erwartet werden (
Urk.
10/35/3).
3.7
Dipl. med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, bei dem sich der Beschwerdeführer seit dem 2
4.
November 2017 in ambulanter Behand
lung befindet,
nannte
in seinem Bericht vom 2
7.
Februar 2020
als
Diagnosen
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
eine schwere rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.2) seit 2017, Schlafstörungen (ICD-10 F51.8)
,
eine
n
Tinnitus
auricum
(ICD-10 H93.1
)
und eine Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.9) seit der Kindheit. Er hielt fest
, prognostisch sei eine Arbeitstät
igkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht möglich (
Urk.
10/64/3).
3.8
Dr.
A._
vom
Zentrum H._
hielt im neuropsycho
logischen Teilgutachten vom 3
0.
März 2020 fest, sie könne aufgrund
des
aggra
vierende
n
Verhalten
s
keine Diagnosen mit oder ohne Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit stellen (
Urk.
10/70). Die Zusammenstellung der Befunde der Leistungs
tests lasse auf ein Aggravationsverhalten des Beschwerdeführers schliessen. Daher könnten die Ergebnisse der Leistungstests inhaltlich nicht ausgewertet werden und würden wegen mangelnder Mitarbeit keine verwertbaren neuropsy
chologischen Befunde liefern, da sie wahrscheinlich nicht das effektiv vorhandene kognitive Leistungsniveau abbilden würden. Unter diesen Umstän
den bestehe andererseits auch das Risiko, dass tatsächliche und spezifische kognitive Defizite differenzialdiagnostisch nicht festgestellt werden könnten (
Urk.
10/70/11
-14
).
3.9
Im psychiatrischen Gutachten vom 2
6.
Juni 2020
nannte
Dr.
Z._
als
Diagnosen
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
eine rezidivierende depressive Störung, leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0) und eine kombi
nierte Persönlichkeitsstörung (zwanghaft, narzisstisch, ängstlich vermeidend; ICD-10 F61.0). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bleibe eine dissoziative Bewegungsstörung (ICD-10 F44.4;
Urk.
10/69/51).
Dr.
Z._
führte aus, im Rahmen der Exploration sei der Beschwerdefüh
rer am ehesten durch akzentuierte Persönlichkeitszüge aufgefallen. Anamnestisch habe er Situationen mit erhöhter Kränkbarkeit beschrieben, indem er schon als Jugendlicher zum Beispiel aus Wut infolge
einer
Kränkung einen Suizidversuch habe begehen wollen. Er habe auch angegeben, dass er sich sehr schäme, als Versager dazustehen, weshalb er es vermeide
,
den ÖV zu benutzen. Zudem gehe er nur mit der Sonnenbrille auf die Strasse und vermeide auch Begegnungen mit seinen früheren Kollegen. Die Persönlichkeitsakzentuierung sei primär narziss
tisch ausgeprägt, wobei davon auszugehen sei, dass es in diesem Rahmen auch immer wieder zu depressiven Einbrüchen komme. Der Beschwerdeführer habe
anamnestisch
ebenfalls
über depressive Episoden berichtet. Im Weiteren sei seine Persönlichkeit durch hohe Ansprüche an sich selbst, einen Perfektionismus und teilweise auch zwanghafte Züge geprägt, wobei davon a
usgegangen werden könne
, dass in
einem nicht so ausgeprägten Ausmass auch ängstlich-vermeidende Züge vorhanden seien. Das depressive Zustandsbild präsentiere sich derzeit als leichtgradig ausgeprägt. Der Beschwerdeführer verfüge über ein erhebliches Ressourcen-Potential und sei in der Lage gewesen, eine erneute Partnerschaft einzugehen. Offenbar habe er auch einen guten und regelmässigen Kontakt zu seinen Kindern, sei während seiner Freizeit aktiv und mache zusammen mit seiner Partnerin auch ausgedehnte Ferienreisen (
Urk.
10/69/57).
Dr.
Z._
kam zum Schluss, der Beschwerdeführer sei in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Leiter der Ordnungsbussenzentrale
seit 2016
(richtig: 2017;
Urk.
10/11/15)
zu 100
%
arbeitsunfähig
(
Urk.
10/69/60). Für einfache Büroarbeiten, zum Beispiel im
Backoffice
einer Polizeizentrale
,
könne er einge
setzt werden. Diese Arbeiten müssten klar strukturiert, mit umschriebenen Arbeitszeiten und ohne Führungsfunktion sein. Die Arbeitsfähigkeit in einer solchen Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt schätze sie als zu 80
%
gegeben
ein, dies mindestens seit der Beendigung des tagesklinischen Aufenthaltes. Für die Aufenthalte sowohl i
m
Rehazentrum
C._
als auch in der Tagesklinik bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
10/69/61).
3.10
Dr.
med.
I._
, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie, vom regionalen ärztlichen Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, erachtete in ihrer Aktenbeur
teilung vom 3
0.
Juni 2020 das Gutachten als einleuchtend und die gezogenen Schlussfolgerungen als in nachvollziehbarer Weise hergeleitet (U
rk.
10/76/7).
Sie empfahl, vollumfänglich auf die gutachterliche Beurteilung hinsichtlich Gesund
heitsschaden und Arbeitsunfähigkeit abzustellen (Urk. 10/76/10).
4.
4.1
Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers liegt insbeson
dere das psychiatrisch-neuropsychologische Gutachten vom 3
0.
März und 2
6.
Juni 2020
(
Urk.
10
/69 f.)
vor
.
Es
ist vorab
zu klären, ob diesem im Sinne der Rechtsprechung Beweiswert zukommt und es damit als Grundlage für die Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers dienen kann.
4.2
Dr.
Z._
nannte als
Diagnosen
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
neben
eine
r
rezidivierenden depressive
n
Störung, derzeit leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0)
,
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (zwanghaft, narzisstisch, ängstlich vermeidend; ICD-10 F61.0
;
Urk.
10
/69/51). Die Beschwer
degegnerin vertritt
jedoch
die Ansicht, dass die Diagnose einer Persönlichkeits
störung nicht nachvollziehbar sei
(
Urk.
9 S. 3).
Zwar trifft es zu, dass der Beschwerdeführer in seinem bisherigen Erwerbsleben, insbesondere in seiner rund dreissigjährigen Tätigkeit für die
Polizei Y._
,
ausgesprochen
erfolgreich war
und zuletzt die Stellung eines Dienst
chefs bekleidete
.
Dr.
Z._
berücksichtigte diesen Aspekt in ihrer Beurteilung und hielt dennoch fest, dass
deswegen
eine Persönlichkeitsstörung
nicht
negiert werden könne und dass der Beschwerdeführer - neben der Erschöpfungsdepression - anamnestisch vor allem aufgrund seiner Persönlich
keitszüge und vor allem zum Zeitpunkt
dekompensiert
sei
,
als
ihm
neue Aufgaben
im Sinne
von weiteren Führungsaufgaben (Urk. 10/69/3
6
)
übertragen
worden
seien
(
Urk.
10
/69/
53 f.).
Der Beschwerdeführer habe auch anamnestisch Situationen mi
t erhöhter Kränkbarkeit beschrie
ben, zum Beispiel in dem er schon als Jugendlicher aus Wut infolge einer Kränkung einen Suizidversuch habe begehen wollen (
Urk.
10
/69/57).
Weiter erläuterte sie
mit Blick auf die in Betracht fallenden Diagnosen
, dass sich klinisch Hinweise
nicht nur
auf eine Persönlich
keitsakzentuierung fänden, sondern in Bezug auf die Persönlichkeit eine erhöhte Kränkbarkeit und ausgeprägte Schamgefühle sowie ein Perfektionismus festzu
stellen gewesen
seien;
der Beschwerdeführer habe denn auch angegeben, hohe Ansprüche an sich selbst zu haben (
Urk.
10
/69/52).
Er weise vor allem perfek
tionistische Züge auf, im Weiteren seien vor allem narzisstische und teilweise auch ängstlich-vermeidende Züge wahrzunehmen
(
Urk.
10
/
69/53).
Darüber hinaus diagnostizierte auch der behandelnde Psychiater
dipl.
med
.
F._
eine nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.9
;
Urk.
10
/64/2
)
. D
ie behandelnden Ärzte der Tagesklinik
sprachen immerhin von
akzentuierte
n
Persönlichkeitszüge
n
mit zwangh
aften Anteilen (ICD-10 Z73;
Urk.
10
/42/7) beziehungsweise
diejenigen des
Rehazentrums
C._
von
deut
liche
n
perfektionistische
n
Persönlichkeitszüge
n
mit einem überhöhten Selbst
anspruch und
verminderter Selbstwahrnehmung und
Selbstfürsorge vor dem Hintergrund von Traumatisierungen in der Kindheit und im Strassenverkehr (
Urk.
10/52/4)
; sie erhoben mithin ihrerseits auffällige Zustandsbilder
.
Rechtsprechungsgemäss kann
die psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen und dem begutachtenden Psychiater
bleibt
praktisch immer ein gewisser Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medi
zinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_629/2017 vom 2
8.
November 2017 E. 4.3 mit Hinweis auf 8C_839/2013 vom 1
3.
März 2014 E. 4.2.2.1) - was nach dem Gesagten im vorliegenden Fall
zutrifft
.
D
ie Vorbringen
der Beschwerdegegnerin
sind
nicht geeig
n
et, an der
seitens der Gutachterin mit
ausführlicher
und nachvollziehbarer Begründung
diagnostizier
ten
Persönlichkeitsstörung
Zweifel
zu erwecken.
Die RAD-Ärztin
legte
hiezu
dar, dass unter günstigen äusseren Bedi
n
gungen Persönlichkeitsstörungen über viele Jahre gut kompensiert sein können und sich im Alltag und im beruflichen Bereich wenig auswirken (
Urk.
10/76/8)
, wovon hier auszugehen ist
.
Zudem gilt es zu beachten, dass
gemäss
der Rechtsprechung die konkrete diagnostische Einord
nung einer psychischen Störung nicht von ausschlaggebender Bedeutung ist. Vielmehr sind die funktionellen Beeinträchtigungen für die Beurteilung, ob und inwiefern eine psychische Erkrankung invalidisierend ist,
massgebe
nd
(Urteile des Bundesgerichts 9C_345/2019 vom 25. September 2019 E. 4.2.1 und 9C_851/2018 vom 23. Mai 2019 E. 4.1.4; BGE 140 V 193 E. 3.1).
4.3
Insofern die Beschwerdegegnerin davon ausgeht, dass
lediglich
eine auf psycho
sozialen Belastungsfaktoren basierende - und damit nicht invalidenversicherte - Erschöpfungsdepr
ession vorliegt, ist darauf hinzuweisen
,
dass
zwar schwierige Lebensumstände, wie sie im Fall des Beschwerdeführers vorlagen, geeignet sein können, ein depressives Zustandsbild zu bewirken und zu unterhalten. Soweit die psychische Störung wieder verschwindet, wenn die Belastungsfaktoren wegfallen, fehlt es an einem verselbstä
ndigten Gesundheitsschaden (
Urteil
des Bundesge
richts 9C_736/2011 vom
7.
Februar 2012 E. 2.3.
3.
mit Hinweisen). Hat sich aber ein eigenständiger, invalidisierender Gesundheitsschaden entwickelt, spielt es keine Rolle mehr, dass psychosoziale oder soziokulturelle Umstände bei der Entstehung einer Gesundheitsschädigung eine wichtige Rolle spielten (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1, Urteil 9C_776/2010
vom 20. Dezember 2011 E. 2.3.3).
Vorliegend ist den Akten zwar zu entnehmen
, dass im Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit eine beru
fliche Überlastung vorlag und der Beschwerdeführer
unter dem Eindruck von
zusätzlichen
ihm zugewiesenen Aufgaben
dekompen
sierte
(
Urk.
10/
69/36)
.
Dr.
Z._
stellte
die
genannten
psychiatrischen Diagnosen
und erhob
damit
krankheitswertige
psychiatrische Befunde.
Solche beschrieben
auch die behandelnden Ärzte
beziehungsweise die Vertrauensärztin der Pensionskasse
und
er
fassten sie als
mittel- bis
schwergradige
depressive Episoden im Zusammenhang mit einer posttraumatischen Belastungsstörung
(
Urk.
10/35/3,
Urk.
10/42/7,
Urk.
10/49/13,
Urk.
10/51/1, Urk.10/52/4)
. Dass sich diese
s Zustandsbild
und die dazugehörigen Befunde
in
einer Reaktion auf
belastende
Umstände erschöpfen
würden
,
kann
vor dem
Hintergrund
dieser medizinischen Beurteilungen
nicht gesagt werden
, zumal der Beschwerdeführer seine Arbeitsstelle im Verlauf aufg
ab
und die akute Belastungssituation wegge
fallen ist
, ohne dass eine gesundheitliche Besserung eingetreten wäre
.
Die Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers erfolgte somit anhand eines medizinischen Substrats, das
fachärztlicherseits
schlüssig festgestellt wurde.
Damit
ist von
eine
r
von allfälligen psychosozialen Belastungsfaktoren zu unter
scheidende
n
und in diesem Sinne verselbst
ändigten, psychischen Störung
auszu
gehen
, die
Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
zeitig
t
(vgl.
BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
4.4
4.4
.1
Der Beschwerdeführer
brachte
im Weiteren
vor
,
die Beurteilung des ihm noch zumutbaren Arbeitspensum
s
von 80
%
in einer Verweistätigkeit
sei
zu optimis
tisch, was auf einer nicht in allen Punkten genügenden Exploration und verschie
denen unzutreffenden Annahmen beruhe. Dementsprechend beantragte er, der Gutachterin verschiedene A
ngaben zum Beginn der Partnerschaft und zu Einschränkungen im Alltag und zu Hause vorzulegen
und ihre Stellungnahme dazu einzuholen
(
Urk.
1 S. 10
f.
).
4.4
.2
Zunächst
legte der Beschwerdeführer dar
, die Annahme der Gutachterin, dass er nach Eintritt der Erkrankung noch in der Lage gewesen sei, eine neue Partner
schaft einzugehen
,
sei unzutreffend und sie schliesse daher zu Unrecht auf ein erhebliches Ressourcenpotential (
Urk.
1 S. 9).
A
us dem Gutachten ergibt
sich
, dass gemäss den Ausführungen des Beschwerde
führers «die ganze Geschichte
» im Sinne der gesundheitlichen Schwierigkeiten
bereits im Jahr 2008 begonnen habe (
Urk.
10
/69/36)
.
Daher
erscheint
die Darstellung von
Dr.
Z._
im Rahmen der Ressourcenprüfung
, er habe eine neue
stützende
Partnerschaft eingehen können
(
Urk.
10
/69/60)
,
nicht als unzutreffend, auch wenn sie diesen Umstand zeitlich nicht präzise einordnete.
Dass
Dr.
Z._
die Partnerschaft als Hinweis dafür wertet, dass der Beschwerdeführer allgemein in der Lage ist, neue Beziehungen einzugehen, ist sodann nicht ersichtlich.
Darüber hinaus wird
vom Beschw
erdeführer nicht bestritten
, dass sich die Partnerschaft als sehr stützend erweist
; vielmehr
bekräf
tigt er durch
die Aussage
, seine Partnerin trage und unterstütze
ihn seit Krank
heitseintritt (
Urk.
1 S. 9) dass die Partnerschaft an sich
-
unabhängig von deren Dauer -
jedenfalls eine erhebliche Ressource darstellt
, wovon letztlich auch die Gutachterin ausging
.
4.4
.3
Weiter
kritisierte
der Beschwerdeführer die
Annahmen der Gutachterin betreffend die nicht objektivierbaren Konzentrationsstörungen beziehungsweise die Störung der Auffassungs-, Gedächtnis-, und Merkfähigkeit (
Urk.
1 S. 9)
. Gemäss
Dr.
Z._
zeigte er
während der zweistündigen psychiatrischen Untersuchung eine durchgehend aufrechterhaltene Aufmerksamkeit mit ungestörter Konzentration und ohne Merkfähigkeitsstörungen (
Urk.
10
/69/44). Inwiefern
die in diesem Zeitpunkt bereits ein Jahr alte Mini-ICF-Abklärung sowie der
lediglich ange
dachte
Eingliederungsversuch
im Jahr 2018
(vgl.
Urk.
10/23 f.)
diese auf aktuellen objektiven Beobachtungen beruhende Beurteilung in Frage stellen sollten, ist nicht ersichtlich und wird vom Beschwerdeführer auch nicht dargetan.
Einschränkung
en
der kognitiven Fähigkeiten
konnten sodann
auch mit
tels
neuropsychologischer Testverfahren nicht objektiviert werden
.
Vielmehr schloss
Dr.
A._
auf ein
aggraviertes
Verhalten des Beschwerdeführers
a
ufgrund der Symptomvalidierungstests, deren Resultate extrem weit unter denen lagen, die bei motivierter Mitarbeit hätten erreicht werden können
,
sowie aufgrund von Inkonsistenzen bei der Bearbeitung unterschiedlicher Tests und einer Variabilität der verlangsamten R
eaktionszeiten, die
sie
neuropsycho
logisch nicht
zu erklären vermochte
(
Urk.
10/70/13)
.
Dass diese Inkonsistenzen durch Müdigkeit des Beschwerdeführers erklär
t werd
en könnten, erscheint insbesondere betreffend d
ie
Unterschiede
zwischen dem klinischen Eindruck und den Testresultaten
als unwahrscheinlich
.
Dr.
A._
war
sich
sodann
der Müdigkeit des Beschwerde
führers aufgrund dessen Äusserung, nicht geschlafen zu haben
,
sowie aufgrund des Umstandes, dass er erschöpfungsbedingt die letzten Tests abbrach beziehungsweise nicht durchführte (
Urk.
10/70
/5,
Urk.
10/70/10), bewusst
,
sah darin jedoch keine
Erklärung
für die
inkonsistenten
Testergebnisse
.
D
ie Vernei
nung eines gesicherten Schlusses auf eine neuropsychologische Störung
(
Urk.
10/70/10)
, ist
somit
nicht zu beanstanden.
Der pauschale Vor
wurf,
Dr.
A._
sei ungehalten gewesen und habe einen Test selbst beendet
(
Urk.
1
S. 12)
,
lässt sodann
für sich allein
nicht auf eine Voreingenommenheit der Gutach
terin schliessen und
ändert jedenfalls
nichts daran, dass auch in
psychiatrischer Hinsicht keine Anhaltspunkte für eine kognitive Störung vorlagen.
Eine erneute neuropsychologische Untersuchung erscheint mangels
Hinweisen
für objektivier
bare kognitive Einschränkungen nicht erforderlich
und angesichts der scheinbar nicht
uneingeschränkten
Mitwirkung am Verwaltungs
gutachten
auch
nicht gerechtfertigt (Urteil des Bundesgerichts 9C_29/2020 vom 1
6.
März 2020 E. 3.2.3)
.
4.4
.4
Der Beschwerdeführer machte weiter geltend, die zu optimistische Beurteilung von
Dr.
Z._
wie auch die Annahme von Diskrepanzen beruhe auf einer nicht in allen Punkten genügenden Exploration (
Urk.
1 S. 8).
Dr.
Z._
hatte den Beschwerdeführer
jedoch
anlässlich ihrer psychiatrischen Untersuchung ausführlich befragt und dabei insbesondere
seine protokollierten
Angaben zu dessen Tagesablauf und Freizeitaktivitäten sowie dem sozialen Umfeld eingeholt.
Gestützt
dar
auf kam sie nachvollziehbar zum Schluss, dass die Alltagsaktivität nur leicht reduziert und der Beschwerdeführer bei
den Haushaltsarbeiten
nicht manifest eingeschränkt sei (
Urk.
10
/69/52).
Insoweit
der Beschwerdeführer bezie
hungsweise dessen Partnerin nun
mehr
davon abweichende Angaben
machen
, die eine schwerere Einschränkung belegen sollten, ist dies nicht überzeugend,
denn
den «Aussagen der ersten Stunde»
kommt
in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zu als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nach
träglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2
a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis)
.
Was die Einschränkungen bei der Selbstbehauptung und Kontaktfähigkeit betrifft, handelt es sich sodann bei der geschilderten Nervosität beim Besuch des Sohnes und dem Termin bei der Bank
(
Urk.
1 S. 10 f.)
lediglich um
Wahrnehmun
gen von nicht
medizinisch
geschulten Dritten
, die von
v
ornherein nicht geeignet
sind
, die Einschätzung der Gutachterin in Frage zu stellen.
4.4
.5
Insgesamt erweis
t sich somit
die medizinischen Aktenlage
als schlüssig und
von den
vom Beschwerdeführer beantragten Ergänzungsfragen
ist nicht zu erwarten, dass sie neue Erkenntnisse
bringen
zur
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit beziehungsweise
zu seinen
Ressourcen, weshalb davon abzusehen ist
(antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d, 136 I 229 E. 5.3)
.
4.5
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich
das Gutachten vom 3
0.
März
und 2
6.
Juni 2020 als umfassende Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers erweist, das auf detaillierter Kenntnis der
Vorakten
(
Urk.
10
/69/6 ff.) und umfassenden psychiatrischen und neuropsychologischen Untersuchungen mit ausführlicher Befragung des Beschwerdeführers zu seinen Beschwerden sowie zu weiteren Themen beruht (
Urk.
10
/69/35 ff.,
Urk.
10
/70/
4
). Die geklagten Leiden fanden im Rahmen der Feststellung der Diagnosen Berück
sichtigung, wobei sowohl diese als auch die aus medizinischer Sicht resultieren
den Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit dargelegt und nachvollziehbar erläutert wurden (
Urk.
10
/69/51 ff.). Soweit notwendig erfolgte ausserdem
eine Auseinandersetzung mit vorangegangenen ärztlichen Beurteilungen (
Urk.
10
/69/59 f.). Gesamthaft erfüllt
das Gutachten vom 3
0.
März
und 2
6.
Juni 2020 somit die formellen Kriterien für eine beweiswerte med
izinische Expertise (vgl. E. 1.6
). Für die Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung kann daher darauf abgestellt werden.
Was die Beurteilung von
Dr.
Z._
betrifft, der Beschwerdeführer sei in der bisherigen Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig und in einer klar strukturierten Tätigkeit mit umschriebenen Arbeitszeiten und ohne Führungsfunktion zu 80
%
arbeitsfähig (
Urk.
10
/69/61), ist indes - wie grundsätzlich bei allen psychischen Störungen - mittels eines strukturierten Beweisverfahrens zu überprüfen, ob sie sich dabei an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten hat, mithin ob die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf eine Arbeitsunfäh
igkeit schliessen lassen (E. 1.5
). Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann (BGE 144 V 50 E. 4.3).
4.6
4.6
.1
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche
Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
4.6
.2
Zum Komplex Gesundheitsschädigung ist zur Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde festzuhalten
, dass
Dr.
Z._
eine rezidi
vierende depressive Störung, derzeit leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0) diagnostizierte, die bereits definitionsgemäss einer leichten psychischen Einschränkung entspricht.
Damit übereinstimmend hielt
Dr.
Z._
an psychiatrischen Befunden vor allem einen eher bedrückten Affekt und eine leicht
gradige depressive Stimmung fest, wobei der Beschwerdeführer über eine Energielosigkeit und Störungen des Antriebs berichtet habe, jedoch schwingungs
fähig und auslenkbar gewesen sei (
Urk.
10
/45/63).
Die darüber hinaus diagnosti
zierte Persönlichkeitsstörung
äussert sich durch eine erhöhte
K
r
änkbarkeit, ausgeprägte Schamgefühle sowie einen
Perfektionismus (
Urk.
10
/69/52)
.
In
funktioneller
Hinsicht
hielt
Dr.
Z._
sodann
mittelgradige
Störungen
der
Flexibilität
un
d Umstellungsfähigkeit sowie der
Durchhaltefähigkeit
fest
. Weniger ausgeprägt würden sich Störungen in Bezug auf die Selbstbehauptungsfähigkeit und Konta
ktfähigkeit zu Dritten sowie
die Gruppenfähigkeit zeigen (
Urk.
10/69/52).
Insgesamt ist
daher
von einer
eher
leicht
- bis höchstens mittel
gradigen
Ausprägung der Befunde auszugehen.
Zum Indikator Behandlungs- und Eingliederungserfolg beziehungswe
ise
–
resistenz
berücksichtigte
Dr.
Z._
,
dass
der Beschwerdeführer sich in einer regelmässigen psychiatrischen Behandlung
befindet, wobei
auch eine anti
depressive Therapie, die als leitliniengerecht angese
hen werden könne, durchge
führt und
das Medikament
Escitalopram
regelmässig eingenommen werde. Der Beschwerdeführer habe angegeben, vor allem durch eine Schlafstörung beein
trächtigt zu sein, diesbezügliche medikamentöse Massnahmen
würden
jedoch
offenbar nicht umgesetzt
.
Sie hielt es für
sinnvoll, den
Beschwerdeführer
auch antidepressiv schlafinduzierend zu behandeln, falls
von ausgeprägten
Schlaf
störungen
auszugehen sei
. Anamnestisch hätten ein stationärer und ein tages
klinische
r Aufenthalt
scheinbar den V
erlauf positiv beeinflusst
.
Dr.
Z._
empfahl
die Weiterführung
der bisherigen Behandlung, ging
indessen davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit dadurch nicht relevant verbessert werden könne (
Urk.
10/69/62).
Somit ist
zwar von einer erfolgten Besserung durch die
(teil-)stationären
und medikamentösen
Behandlungen auszugehen, jedoch gemäss
Dr.
Z._
auch
von einer gewissen Behandlungsresistenz der noch verbleibenden psychis
chen Beeinträchtigung
, wobei betreffend die medika
mentöse Behandlung noch Verbesserungspotential ersichtlich ist
(
Urk.
10/69/57)
. Dem ist betreffend die
Fähigkeit zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt
hinzuzu
fügen, dass dem Beschwerdeführer von seinem ehemaligen Arbeitgeber
eine an seine Beschwerden
angepasste Stelle angeboten wurde
, die dieser indessen
nach Ansicht von
Dr.
D._
aufgrund seiner psychischen Beschwerden nicht antreten konnte
(
Urk.
10/23/1,
Urk.
10/25/1,
Urk.
10/35/3)
. Weitere Eingliede
rungsversuche - insbesondere nach Abschluss der stationären und tageskli
nischen Therapien - hat der Beschwerdeführer nicht unternommen
; wobei selbst die IV-Stelle am 1
1.
März 2019 Eingliederungsmassnahmen nicht für möglich hielt (
Urk.
10/31)
, was auf eine
n
gewissen eingliederungsanamnestischen Leidensdruck hindeutet.
An Komorbiditäten besteht eine dissoziative Bewegung
sstörung (ICD-10 F44.4), der
Dr.
Z._
angesichts des Umstandes, dass diese
Anfälle
gemäss dem Beschwerdeführer nicht mehr so häufig auftreten (
Urk.
10
/69/37),
nachvollzieh
bar
keinen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beimass. Ferner liegt ein Tinnitus vor,
der Beschwerdeführer nahm die ihm dafür empfohlene Therapieoption jedoch bisher nicht wahr (
Urk.
10
/69/37), so dass nicht davon auszugehen ist, dass er dadurch massgeblich beeinträchtigt ist.
Ressourcenhemmende Komorbiditäten bestehen somit keine.
4.6
.4
Was die Persönlichkeit des Beschwerdeführers betrifft, liegt
laut
Dr.
Z._
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit zwanghaften, narzisstischen und ängstlich vermeidenden Anteilen vor, die zu
Schwierigkeiten
im interpersonellen Kontakt, Störungen der Emotionsregulation mit deutlichem Mangel an Anpassungs- und Teamfähigkeit, niedriger Frustrationstoleranz und einge
schränkter Ein- und
Umstellfähigkeit führt
(
Urk.
10
/69/53).
Andererseits
berück
sichtigte
Dr.
Z._
zu Recht
, dass der Beschwerdeführer
- obwohl diese Persönlichkeitsanteile definitionsgemäss bereits vorhanden waren - im Jahr 2010 in der Lage war, eine erneute Partnerschaft einzugehen und diese bis heute aufrechtzuerhalten
,
und schloss daher auf erhebliche Ressourcen
(
Urk.
10/69/57)
.
Dem ist hinzuzufügen, dass
der Beschwerdeführer
auch
sein bisheriges Erwerbs
leben erfolgreich zu meistern vermochte
.
Ebenfalls als Ressource anzusehen ist
sodann seine
im mittleren bis oberen Normbereich liegende Intelligenz
(
Urk.
10
/69/46)
.
I
nsgesamt
ist hinsichtlich der
Persönlichkeit des Beschwerdefüh
rers
dennoch
von einer
gewissen
ressourcenhemmend
e
n
Wirkung
auszugehen
.
4.6
.5
Zum sozialen Kontext ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer eine Partnerin hat, mit der
er inzwischen auch zusammenlebt und
die
ihn seit Krankheitsbeginn trägt und unterstützt (vgl.
Urk.
1 S. 9). Darüber hinaus hat der Beschwerdeführer einen guten und regelmässigen Kontakt zu seinen Kindern (
Urk.
10
/69/57).
Ansonsten berichtete der Beschwerdeführer, sich sozial zurückgezogen zu haben
,
und erwähnte zusätzlich einzig, regelmässig Kontakt mit seinem Bruder zu haben (
Urk.
10/39/63).
Dass er den Kontakt zu den
von i
hm im Austrittsbericht des
Rehazentrums
C._
vom 1
4.
Oktober 2019
erwähnten «wenigen aber guten Freunden»
(
Urk.
10/51/2)
hätte
aufrechterhalten können - wovon die Beschwer
degegnerin in der Beschwerdeantwort
ausgeht (
Urk.
9 S. 4)
-
ist nicht ersichtlich, schilderte der Beschwerdeführer doch ausserhalb des familiären Kontextes keinerlei soziale Aktivitäten.
Jedoch
hielt er damals auch fest, er sei
ohnehin
eher ein Einzelgänger
(
Urk.
10/51/2).
Damit
ist zwar ein gewisser sozialer Rückzug ersichtlich,
doch
enthält der
familiäre
Lebenskontext
auch
beträchtliche Ressour
cen, auf die der Beschwerdeführer zurückgreifen kann.
4.6
.6
Zum beweisrechtlich massgeblichen Aspekt der Konsistenz ist festzuhalten,
dass
Dr.
Z._
bei ihrer
Untersuchung
diverse
Hinweise auf nicht im geklagten Umfang vorhandene Funktionsbeeinträchtigungen
ausmachte
und diese bei ihrer Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
berücksichtigte
.
So konnten unter anderem die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Konzentrationsstörungen weder in der psychiatrischen noch in der neuropsychologischen Untersuchung objektiviert werden und
der Beschwerdeführer
weist
gemäss
Dr.
Z._
nur
ein leicht reduziertes Alltagsaktivitätsniveau
auf
(
Urk.
10
/69/52
)
.
Diesbezüglich
hatte der Beschwerdeführer
ausgeführt
, er
sei im Haushalt für die Erledigung der Wäsche und das Putzen zuständig
, wobei er keine Hilfe benötige
,
und
daneben
von Freizeitbeschäftigungen wie Musikhören, Malen nach Zahlen, E-Bike- beziehungsweise Fahrradfahren und Beschäftigung am PC sowie von Ferienreisen mit der Partnerin, zuletzt einer Tour durch die Schweiz mit einem Auto mit Dach
zelt und Fahrrädern
,
berichtet
(
Urk.
10/69/42).
Da das Aktivitätsniveau der versicherten Person in rechtlicher Hinsicht im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu beurteilen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1),
korreliert das
nicht unerhebliche
Aktivitätsnivea
u jedenfalls mit Bezug auf die vom Beschwerdefüh
rer
gestützt auf die Einschätzung von
Dr.
D._
geltend gemachte
80%ige
Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
1 S. 8, vgl.
Urk.
10/
35/3)
nicht
.
Die von
Dr.
Z._
angenommene lediglich geringe Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten
von 20
%
ist dagegen konsistent mit den Aktivitäten des Beschwerdeführers.
Die
ausgeübten
Aktivitäten
lassen
jedoch
bei Weitem nicht
auf eine
Leistungsfähigkeit
,
wie
sie
die
anspruchsvolle Tätigkeit als Dienstchef der Ordnungsbussenzentrale mit Führungsfunktion über 15 Mita
rbeitende erfor
dert,
schliessen
, weshalb
auch die von
Dr.
Z._
attestierte vollumfäng
liche Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit nicht diskrepant zu seinem Leistungsniveau in der Freizeit
erscheint
.
Somit hält
in Würdigung der gesamten Umstände die von
Dr.
Z._
attestierte Arbeitsunfähigkeit
der Konsis
tenzprüfung stand.
Bezüglich des
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdrucks hielt
Dr.
Z._
fest, der
Beschwerdeführer
befinde sich in einer
regelmässigen
Behandlung, medikamentöse
Massnahmen
betreffend seine Insomnie seien jedoch nicht ersichtlich und weitergehende empfohlene Therapien (
Tinnitusbehandlung
, Traumatherapie)
seien von ihm nicht in Anspruch genommen worden. Es scheine inzwischen ein begrenzter Leidensdruck vorhan
den zu sein (
Urk.
10
/69/58).
4.6
.7
Insgesamt liegt nach dem Gesagten zwar
lediglich eine
leicht
- bis mittel
gradige Ausprägung der psychiatrischen Befunde vor,
indessen wird die Situation durch die Persönlichkeitsstörung
,
welche sich limitierend auswirkt
,
verkompliziert und liegt gemäss
Dr.
Z._
auch eine gewisse Therapieresistenz vor
.
Obwohl das Aktivitätsniveau im Alltag nur leichtgradig eingeschränkt ist, erweist sich dies als konsistent mit der attestierten geringen Einschränkung der Arbeitsfähig
keit in einer angepassten Tätigkeit von lediglich 20
%
.
Zudem erscheint trotz dieser
Alltagsa
ktivitäten nachvollziehbar, dass sich auch die verhältnismässig diskreten psychischen Beeinträchti
gungen des Beschwerdeführers in
Bezug auf die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sowie die Durchhaltefähigkeit und insbesondere die Selbstbehauptungsfähigkeit und Kontaktfähigkeit zu Dritten und die Gruppenfähigkeit, nachhaltig auf seine Fähigkeit zur Ausübung der anspruchsvollen Tätigkeit als Dienstchef der Ordnungsbussenzentrale auswirken.
Insgesamt ist festzuhalten, dass d
ie Beurteilung von
Dr.
Z._
das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen
umfasst
und sie
so verfasst
ist
, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde.
Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob sie sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren einge
schätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist zu bejahen. Die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen.
Demnach rechtfertigt es sich nicht, aus juristischer Sicht von dieser medizinischen gutachterlichen Beurteilung, welcher sich
auch
Dr.
I._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom Regionalärztlichen Dienst der Beschwerdegegnerin
anschloss (
Urk.
10/76/10)
,
abzuweichen.
5.
5.1
Zu prüfen bleiben die Auswirkungen der eingeschränkten Arbeitsfähigkeit auf die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
5.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Valideneinkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrschein
lichkeit erstellt sein (BGE 145 V 141 E. 5.2.1, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Dem Arbeitgeberfragebogen vom 2
3.
März 2018 lässt sich entnehmen, dass der
AHV-beitragspflichtige Lohn
im Jahr 2018
Fr.
116'610.--
betrug
(
Urk.
10/9/4)
,
O
bschon
die anhaltende Arbeitsunfähigkeit bereits im November 2017 eintrat (
Urk.
10/9/15)
, liegt dieser Lohn
etwas höher als das
laut
Lohnkont
i
in den Vorjahren erzielte Einkommen
von
Fr.
106'380.-- (2017) und
Fr.
104'700.-- (2016;
vgl.
Urk.
10/9/10 ff.)
.
Da
indes das
im Zeitpunkt des frühestmöglichen Renten
beginns erzielte Einkommen massgebend ist
, ist
hier
-
in Anbetracht der Anmel
dung am
2
8.
Februar 2018
und des Ablauf
s
des Wartejahres Ende 2018 - a
uf diese
für das Jahr 2018 geltende
, unbestritten gebliebene
Angabe
der Arbeit
geberin
abzustellen
,
und es besteht kein Anlass dafür
- wie dies der Beschwerde
führer vorbringt (
Urk.
1 S. 14 f.)
-
auf einen mehrere Jahre zuvor erzielten Dur
ch
schnittslohn
zurückzugreifen
.
Es ist daher für das Jahr 2018 von einem
Validen
einkommen
von
Fr.
116'610.-- auszugehen.
5.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Da der Beschwerdeführer im Verfügungszeitpunkt keine Erwerbstätigkeit ausübte, ist auf die Tabellenlöhne der Lohnstrukturerhebung 2018 abzustellen.
Gemäss
Belastungsprofil kann
er
klar strukturierte Tätigkeiten mit umschriebenen Arbeitszeiten ohne Führungsfunktion verrichten (
Urk.
10/69/61).
Entgegen dem Beschwerdeführer rechtfertigt es sich indessen nicht, aufgrund der fehlenden Ausbildung für administrative Bürotätigkeiten auf den Durchschnittslohn für Hilfsarbeiten abzustellen (
Urk.
1 S. 14).
Angesichts seiner langjährigen Erfahrung als Polizist und Dienstchef der Ordnungsbussenzentrale, wo er unter anderem administrative Arbeiten und Aufgaben im Bereich des Rechnungswesens erledigte, rechtfertigt es sich, auf den Lohn
von Männern
für praktische Tätigkei
ten (Zentralwert), Kompetenzniveau 2, abzustellen und somit von einem
standar
disierten
monatlichen Einkommen von
Fr.
5’649.-- auszugehen (LSE 2018, Tabelle TA1, TOTAL, Kompetenzniveau 2). Aufgerechnet auf die durchschnittliche bet
riebsübliche Arbeitszeit von 41.
7 Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, A-S) ergibt dies bei e
inem Beschäftigungsgrad von 80
%
, welcher dem Beschwerdeführer zumutbar ist, ein B
ruttoeinkommen von Fr. 56‘535.-- (
Fr.
5’649.-- /
40 x 41,7 x 12
x
0.8
).
Persönliche oder berufliche Merkmale, aufgrund derer der Beschwer
deführer negative Auswirkungen auf die Lohnhöhe zu gewärtigen hätte (vgl. BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
), sind nicht ersichtlich und werden auch nicht geltend gemacht, weshalb ein zusätzlicher leidensbedingter Abzug nicht angezeigt ist.
5.4
5.4.1
Dr.
Z._
führte aus, die attestierte Arbeitsfähigkeit bestehe mindestens seit der Beendigung des tagesklinischen A
ufenthaltes. Für die Aufenthalte
im
Reha
z
entrum
C._
und in der Tagesklinik sei von einer 100%igen Arbeitsun
fähigkeit auszugehen (
Urk.
10/69/61). Da der Beschwerdeführer sich
vom
1.
April bis 19 Mai 2018 (
Urk.
10/51) sowie
vom 2
5.
Oktober bis 2
8.
November 2018 (
Urk.
10/52) im
stationären und
vom
4.
Februar 2019 bis 2
9.
April 2019
in
einem tagesklinischen Aufenthalt in einer engmaschigen psychiatrischen Betreuung befand und ihm ab dem 2
4.
November 2017 bis Ende April 2019 von den behan
delnden Ärzten durchgängig eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
attestiert wurde (
Urk.
10/42/7,
Urk.
10/49/13,
Urk.
10/51/4,
Urk.
10/52/5
), ist für die Dauer des Wartejahrs bis am
2
4.
November 2018
von
eine
r
durchschnittliche
n
Arbeitsun
fähigkeit von 100
%
auszugehen (vgl. E. 1.3
).
Zwar erfolgte nach dem ersten stationären A
ufenthalt im
Reha
z
entrum
C._
eine Besserung, die von den behandelnden Ärzten erwartete
Steigerung der
Arbeitsfähigkeit per Ende Sommer 2018
(
Urk.
10/51/4)
trat jedoch aufgrund einer Verschlechterung des psychischen Zustandes nicht ein
(
Urk.
10/49/13,
Urk.
10/52/1)
.
Nach Ablauf der Wartezeit war der Beschwerdeführer
in Anbetracht der
seinerzeitigen
Hospitalisation
zunächst
weiterhin für jegliche Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsunfähig. Da er sich
bereits
am
2
8.
Februar 2018 bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug angemeldet hat (vgl.
Urk.
10/4), besteht somit ab dem
1.
November 2018 (vgl.
Art.
29
Abs.
1 und
Abs.
3 IVG) Anspruch auf eine ganze Rente.
5.4.2
Per Ende des tagesklinischen Aufenthaltes am 3
0.
April 2019
attestierte
Dr.
Z._
dem Beschwerdeführer
eine
80%ige
Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit (
Urk.
10/69/61
).
Aus der Gegenüberstellung des
Valideneinkommens
von
Fr.
116'610.--
und
de
s
Invalideneinkommen
s
von
Fr.
56'535.--
resultiert eine Erwerbseinbusse von
Fr.
60'075.--
was einen Invaliditätsgrad von
51.5
%
, ergibt. Damit hat der Beschwerdeführer
nach drei Monaten, mithin
ab dem
1.
August 2019
(
Art.
88a
Abs.
1 IVV)
Anspruch auf eine halbe Rente.
5.5
Die Beschwerde ist
somit
gutzuheissen
. Die
angefochtene Verfügung vom
2
0.
November 2020
ist dahingehend abzuändern
, dass der Beschwerdeführer vom
1.
November 2018 bis am 3
1.
Juli 2019
Anspruch auf eine ganze Rente und ab dem
1.
August 2019
Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung hat.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf
Fr.
900.-- festzusetzen.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozi
alversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers machte mit Honorarnote vom 1
8.
Mai 2021 einen Aufwand von 8 Stunden 40 Minuten
sowie Bar
auslagen im Betrag von
Fr.
57.20
zuzüglich Mehrwertsteuer geltend
(
Urk.
14
).
Dies ist unter Berücksichtigung der genannten Grundsätze angemessen. Dementsprechend ist die Prozessentschädigung auf
Fr.
2‘115.10 (inklusive Barauslagen und Mehrwert
steuer) festzusetzen.