Decision ID: 12e65085-f805-5fed-95bd-76f66209b9a0
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer sein Heimat-
land im März 2011 und gelangte über diverse afrikanische Länder nach
Spanien und von dort am 12. Februar 2014 in die Schweiz, wo er glei-
chentags um Asyl nachsuchte. Am selben Tag wurde dem Beschwerde-
führer mitgeteilt, dass er per Zufallsprinzip der Testphase des Verfahrens-
zentrums Zürich zugewiesen wurde.
B.
Am 14. Februar 2014 wurde dem Beschwerdeführer Rebecca Moses,
Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende im VZ Zürich, als Rechtsvertrete-
rin zugewiesen.
C.
Am 17. Februar 2014 wurde der Beschwerdeführer im Beisein seiner
Rechtsvertreterin zu seiner Person und summarisch zum Reiseweg sowie
den Asylgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]).
D.
Am 25. März 2014 wurde dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass das
eingeleitete Dublin-Verfahren beendet sei und sein Asylgesuch in der
Schweiz geprüft werde.
E.
Am 1. April 2014 wurde der Beschwerdeführer im Beisein seiner Rechts-
vertreterin vertieft zu den Gründen seiner Flucht angehört.
Er begründete sein Gesuch im Wesentlichen damit, dass sein Vater poli-
tisch aktiv gewesen sei und seine Familie daher verfolgt werde.
F.
Am 3. April 2014 gab das BFM der Rechtsvertreterin des Beschwerdefüh-
rers Gelegenheit, zum Entscheidentwurf Stellung zu nehmen. Am 7. April
2014 wurde die entsprechende Stellungnahme eingereicht.
G.
Mit Verfügung vom 9. April 2014 (Eröffnung am gleichen Tag) lehnte das
BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Weg-
weisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
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H.
Am 10. April 2014 legte die Rechtsvertreterin ihr Mandat nieder.
I.
Mit Eingabe vom 17. April 2014 (Poststempel) focht der Beschwerdefüh-
rer die ablehnende Verfügung des BFM beim Bundesverwaltungsgericht
an und beantragte sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfü-
gung und die Gewährung von Asyl.
J.
Die vorinstanzlichen Akten trafen am 23. April 2014 beim Bundesverwal-
tungsgericht ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu
den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun-
desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im
Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist
daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen ei-
nes Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerde-
führende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig
entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6
AsylG).
Aufgrund der Zuweisung des Beschwerdeführers in die Testphase des
Verfahrenszentrums in Zürich kommt die Verordnung vom 4. September
2013 über die Durchführung von Testphasen zu den Beschleunigungs-
massnahmen im Asylbereich (TestV, SR 142.318.1) zur Anwendung
(Art. 1 und Art. 4 Abs. 1 TestV).
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1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 38 TestV i.V.m. Art. 112b Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie
Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.4 An dieser Stelle sei im Sinne eines Hinweises an die Vorinstanz noch
erwähnt, dass die Rechtsmittelbelehrung in der angefochtenen Verfügung
fehlerhaft ist, zumal die Beschwerdefrist nicht – wie in der Verfügung an-
gegeben – 10 Arbeitstage, sondern 10 Tage – mithin Kalendertage – be-
trägt (vgl. den Wortlaut von Art. 38 TestV).
Trotz dieser unrichtigen Rechtsmittelbelehrung wurde die Beschwerde
rechtzeitig eingereicht; die Frage des Vertrauensschutzes stellt sich daher
vorliegend nicht.
2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise
einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der
Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh-
rung eines Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder
begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden
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(Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge-
fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen,
die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2
AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-
chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den
Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch damit, er sei ivo-
rischer Staatsangehöriger und gehöre der Volksgruppe der Guere an.
Sein Vater sei anlässlich der Präsidentschaftswahlen im Jahre 2010 als
Wahlhelfer von Laurent Gbagbo tätig gewesen. Kurz nach den Wahlen
sei seine Familie von bewaffneten Angehörigen der Ethnie der Djoula, die
auf der Seite des Gegenkandidaten Ouattara gestanden hätten, zuhause
aufgesucht worden. Dabei hätten sie das Haus verwüstet, sämtliche Fa-
milienangehörigen geschlagen und dem Vater vorgeworfen, Gbagbo ge-
wählt zu haben. Den Vater hätten die Männer anschliessend mitgenom-
men. Aus Angst, getötet zu werden, hätten er (der Beschwerdeführer) und
sein Bruder das Land am nächsten Tag verlassen. Während sein Bruder
in X._ geblieben sei, sei er (der Beschwerdeführer) über verschie-
dene Länder nach Spanien gelangt und einige Monate später in die
Schweiz gereist.
5.2 Das BFM begründete seine Verfügung damit, der Beschwerdeführer
habe lediglich oberflächlich über die Wahlveranstaltungen des Vaters be-
richten können, was er mit seinem Desinteresse an Politik zu erklären
versucht habe. Es überzeuge jedoch nicht, dass sich ein (junger) Mann
nicht für Politik interessiere, während sein ganzes Land in Aufruhr sei und
er einer Ethnie angehöre, welche verfolgt werde. Vom Sohn eines poli-
tisch aktiven Vaters sei zu erwarten, dass er selbst in entsprechende Dis-
kussionen oder Aktionen involviert gewesen wäre, und somit detaillierter
darüber berichten könnte. Aufgrund dieser unsubstanziierten Aussagen
seien die Vorbringen nicht glaubhaft und es erübrige sich, auf die Un-
glaubhaftigkeitsmomente in den Schilderungen des Überfalls und der
Verschleppung des Vaters einzugehen.
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5.3 Diesen Erwägungen wurde in der Beschwerdeschrift entgegnet, sein
Vater habe Treffen organisiert, anlässlich welcher er Plakate und Flugblät-
ter verteilt habe. Die Teilnahme an einer Wahlveranstaltung für Gbagbo
stelle eine strafbare Handlung dar, die mit Gefängnis oder Tod bestraft
werde. Nach den Wahlen seien die Unterstützer von Gbagbo systema-
tisch angegriffen worden. Da der Beschwerdeführer der Volksgruppe der
Guere angehöre und sein Vater Gbagbo unterstützt habe, sei er in erheb-
lichem Ausmass gefährdet, da der Staat weiterhin gegen solche Perso-
nen massiv vorgehe.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich der Auffassung der Vor-
instanz an. In Ergänzung zu deren Ausführungen ist auf die wider-
sprüchliche Schilderung des Überfalls auf die Familie des Beschwerde-
führers hinzuweisen. Gemäss Aussagen in der BzP sei seine Familie zu-
hause aufgesucht worden. Man habe sie geschlagen und zum Verlassen
des Hauses aufgefordert. Dort habe man den Vater mitgenommen, wäh-
rend der Rest der Familie zurückgelassen worden sei (act. A5 S.7). Im
Rahmen des freien Erzählens in der Anhörung wurde dem widerspre-
chend ausgeführt, sämtliche Familienangehörige seien mit dem Auto fort-
gebracht worden und man habe schliesslich alle, mit Ausnahme des Va-
ters, wieder aussteigen lassen (act. A18 F13). Im späteren Verlauf der
Anhörung gab der Beschwerdeführer an, es hätten zwar alle ins Auto
einsteigen müssen, aber nur der Vater sei schliesslich fortgebracht wor-
den (act. A18 F31). Kurze Zeit später korrigierte er seine Aussage dahin-
gehend, dass nur der Vater ins Auto gestiegen und weggebracht worden
sei (act. A18 F48 bis F50).
Des Weiteren sind die Aussagen hinsichtlich des Vorfalles sehr vage und
oberflächlich ausgefallen, indem etwa die konkreten Reaktionen der ein-
zelnen Familienmitglieder nicht haben beschrieben werden können (vgl.
act. A18 F36 und F39 bis F41). Dadurch erwecken sie nicht den Eindruck,
der Beschwerdeführer habe das Geschilderte tatsächlich erlebt.
Der Beschwerde sind keine Einwände zu entnehmen, welche dieser
Feststellung entgegenstehen. Das BFM erachtete die Vorbringen des Be-
schwerdeführers damit zu Recht für unglaubhaft.
6.2 Auch mit dem auf Beschwerdeebene erneut bekräftigten Vorbringen,
der Beschwerdeführer sei aufgrund seiner Zugehörigkeit zur Volksgruppe
der Guere gefährdet, vermag er nicht durchzudringen, zumal diese all-
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gemein gehaltene Befürchtung nur einen indirekten Bezug zu seiner – für
unglaubhaft befundenen – konkret erlittenen Verfolgung aufweist. Ohne-
hin ist hinsichtlich der Unruhen nach den Präsidentschaftswahlen im
Frühjahr 2011 zu erwähnen, dass sich die Situation seither kontinuierlich
verbessert hat (vgl. dazu etwa Human Rights Watch: World Report 2014 -
Côte d’Ivoire, 21. Januar 2014; UN Security Council, Thirty-third report of
the Secretary-General on the United Nations Operation in Côte d’Ivoire,
S/2013/761, 24. Dezember 2013).
6.3 Das BFM hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Be-
schwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein,
so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der
Familie (Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie
bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu bewei-
sen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in
den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83
Abs. 3 AuG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
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Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der
Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar-
auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden
Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerde-
führers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5
AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit (im
Sinne eines «real risk» gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtsho-
fes für Menschenrechte [EGMR] sowie jener des UN-Anti-Folteraus-
schusses [vgl. etwa Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Febru-
ar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.]) einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzuläs-
sig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung so-
wohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zu-
lässig.
8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat
aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und
medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Ge-
fährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die
vorläufige Aufnahme zu gewähren.
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8.5 Das BFM begründete die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
damit, dass seit der Präsidentschaft von Ouattara die ivorische Wirtschaft
wieder Tritt gefasst und sich die Versorgungslage normalisiert habe. Die
Behörden seien sichtlich bemüht, die Infrastruktur wieder auf- bzw. aus-
zubauen. Auch die Sicherheitslage habe sich, insbesondere in Abidjan,
merklich gebessert und die meisten aus den Städten vertriebenen Perso-
nen seien zurückgekehrt. Die Reformierung des Sicherheitsapparates
und der Aufbau einer unabhängigen Justiz würden jedoch wichtige Punk-
te darstellen, die für eine langfristige Stabilisierung der Elfenbeinküste
weiter vorangetrieben werden müssten. Vor diesem Hintergrund sei der
Wegweisungsvollzug grundsätzlich für zumutbar zu erachten. Es seien
auch keine individuellen Gründe ersichtlich, die gegen die Zumutbarkeit
sprächen, zumal der Beschwerdeführer jung und gesund sei und seit
Kindesalter in Abidjan gelebt habe. Seinen Ausführungen könne auch
nicht entnommen werden, dass er über keine Angehörigen in der Heimat
verfüge, welche ihn bei einer Rückkehr unterstützen könnten.
8.6 Mit Bezug auf die Sicherheits- und Menschenrechtslage in der Côte
d'Ivoire ist zunächst auf eine vom Bundesverwaltungsgericht vorgenom-
mene Lageeinschätzung im publizierten Urteil vom 24. November 2009
(BVGE 2009/41) zu verweisen. Das Gericht hielt darin fest, dass im
Rahmen des Abkommens von Ouagadougou vom März 2007 die politi-
sche Lage sich deutlich habe stabilisieren können und eine positive Ent-
wicklung der allgemeinen Sicherheits- und Menschenrechtslage festzu-
stellen sei (vgl. a.a.O. E. 7.3.2 ff.). Weiter wurde festgehalten, dass eine
Rückkehr von Personen in den Norden und in den Westen des Landes
aufgrund der dort zurzeit herrschenden ungenügenden Sicherheitslage
nicht zumutbar sei. Bei Personen, die aus dem Westen oder dem Norden
des Landes stammen, könne jedoch grundsätzlich eine interne Aufent-
haltsalternative im Süden und Osten des Landes, insbesondere in den
grossen Städten, bejaht werden, wobei jedoch eine individuelle Prüfung
ihrer Situation (Gesundheitszustand, Berufsausbildung, Beziehungsnetz,
Möglichkeit der Reintegration) zu erfolgen habe (vgl. a.a.O. E. 7.10 f.). In
der Côte d'Ivoire fanden am 28. November 2010 Präsidentschaftswahlen
statt. Nachdem der abgewählte Präsident Laurent Gbagbo den Wahlsieg
seines Herausforderers Alassane Ouattara nicht anerkannt hatte, brach-
ten im März 2011 heftige Kämpfe zwischen den Truppen der Kontrahen-
ten aus. Am 11. April 2011 wurde Gbagbo festgenommen; in manchen
Teilen Abidjans dauerten die Kämpfe bis Anfang Mai 2011. Am 1. Juni
2011 stellte Präsident Ouattara die neue Regierung vor. Seither hat sich
die Sicherheitslage in Abidjan kontinuierlich verbessert. Am 29. November
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2011 wurde Gbagbo an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag
ausgeliefert und die Parlamentswahlen vom 11. Dezember 2011 sind –
wie der UN-Vertreter für die Elfenbeinküste, Bert Koenders, mitteilte – im
Grossen und Ganzen friedlich verlaufen. In der Côte d'Ivoire herrscht ak-
tuell keine landesweit bestehende Bürgerkriegssituation oder eine Situa-
tion allgemeiner Gewalt, und auch in Abidjan hat sich die Lage normali-
siert (vgl. dazu auch die Ausführungen in Erwägung 6.2).
Wie das BFM zu Recht festhielt, sprechen in casu auch keine individuel-
len Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Der Be-
schwerdeführer lebte vor seiner Ausreise in Abidjan und es kann ange-
nommen werden, dass sich dort weiterhin Familienangehörige aufhalten
(vgl. dazu act. A5 S. 4 f.; act. A18 F71 bis F76). Gemäss seinen Aussa-
gen (vgl. dazu act. A5 S. 4) sowie der Qualität der eigenhändig verfassten
Beschwerdeschrift verfügt er über eine solide Schulbildung und ist – so-
weit aktenkundig – gesund.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung folglich
auch als zumutbar.
8.7 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als
möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).
8.8 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung
der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4
AuG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist
abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 600.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
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über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-
richt [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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