Decision ID: 775f3d4f-2e0b-45fc-a6ef-2dca8d85a9f3
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 2012 geborene
X._
wurde von seinen Eltern am 2
5.
April
2014 (Eingangsdatum) unter Hinweis auf das Geburtsgebrechen Ziffer 395 (
l
eichte
cerebrale
Bewegungsstörungen [
Behandlu
ng bis Ende des 2.
Lebensjahres])
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Bezug von medizinischen Massnahmen angemeldet (
Urk.
8/2). Die IV-Stelle teilte am
7.
Juli 2014 mit, dass sie die Kosten für die Behandlung d
e
s Geburtsgebrechens Ziffer 395 und
ärztlich verordnete Behandlungsgeräte ab dem 2
5.
April 2013 längstens bis zum vollendete
n
2.
Altersjahr (Urk. 8/9) sowie
die Kosten für ambulante Phy
siotherapie nach ärztli
chen Verordnung übernehme (Urk.
8/10).
Am 1
1.
August 2014
(Eingangsdatum)
wurde der Versicherte unter Hinweis auf das Geburtsge
brechen Ziffer 390 (
a
ngeborene
cerebrale
Lähmungen [spastisch,
dyskinetisch
, ataktisch]) erneut zum
Leistungsbezug angemeldet (Urk.
8/12). Nach Einholung ärztlicher Berichte (
Urk.
8/15,
Urk.
8/16) erklärte die IV-
Stelle mit Mitteilung
en
vom 27.
Oktober 2014, dass sie die Kosten für ambulante Physiotherapie nach ärztlicher Verordnung im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziffer 3
90 weiterhin bis 3
1.
Juli 2016 (
Urk.
8/19) und
die Kosten für die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziffer 390
sowie
d
ie ärztlich verordneten Behandlungsgeräte in einfacher und zweckmässiger Ausführung vom
1.
August 2014 bis 3
1.
Juli 2019
übernehme
(
Urk.
8/20).
Am 2
0.
April 2015 erteilte die IV-Stelle dem Ver
si
cherten Kostengutsprache für eine Knöchelorthese (
Urk.
8/30). Mit Verfügung vom 2
1.
Oktober 2015 sprach die IV-Stelle dem Versicherten ab
1.
Oktober 2014 eine Entschädigung wegen Hilflosigkeit leichten und ab
1.
Oktober 2015 eine Entschädigung wegen Hilflosigkeit mittleren Grades zu. Einen Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag ver
neinte sie hingegen (Urk.
8/42)
. Am
7.
Januar 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie die Kosten für Botox-Injektionen sowie intensivierte Physiotherapie im Zusammenhang
mit dem Ge
burtsgebrechen Ziffer 390
ab Beginn für zwei Monate übernehme (
Urk.
8/44). Die IV-Stelle übernahm zudem die Kosten für orthopädische Spezialschuhe nach ärz
tlicher Verordnung (
Urk.
8/50), für ein iPad Air 64 GB inklusive App Go Talk
Now
und Gebrauchstraining und Installation (
Urk.
8/71), für sechs Sitzungen Ernährungsberatung (
Urk.
8/73), kam weiterhin für die Kosten ambulanter Phy
siotherapie nach ärztlicher Verordnung auf (
Urk.
8/73) und stellte
ein
e
Buggy
Fahr
- und Sitzeinheit zur Verfügung
(
Urk.
8/66).
Mit Mitteilung vom
9.
Dezember 2017 hielt die IV-Stelle fest, dass sie die Kosten für die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziffer 387 (
a
ngeborene Epilepsie [
ausgenommen Formen, bei
denen eine antikonvulsive Therapie nicht oder nur währ
end eines Anfalls not
wendig ist]
)
und die ärztlich verordneten Behandlungsgeräte in einfacher und zweckmässiger Ausführung vom
8.
Mai
2017 b
is 3
1.
Mai
2022 übernehme (Urk.
8/90).
Am 1
3.
September 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass er weiterhin unverändert Anspruch auf die bisherige Entschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit habe (
Urk.
8/97).
In der Folge erteilte die
IV-Stelle Kosten
gutsprache für eine antikonvulsive Therapie mit
Petnidan
S
anft nach ärztlicher
Verordnung im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziffer 387 (
Urk.
8/102
) und kam weiter für
die Kost
en für ambulante Physiotherapie,
für die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziffer 390 und
für
die ärztlich verordneten Behand
lungs
geräte in einfacher und zweckmässiger Ausführung a
uf
(
Urk.
8/104,
Urk.
8/105).
1.2
Am 2
0.
September 2019 (Eingangsdatum) beantragten die Eltern des Versicherten eine Erhöhung der Hilf
losenentschädigung (
Urk.
8/108), worauf die IV-Stelle a
m
6.
März 2020 beim Versicherten zu Hause eine Abklärung betreffend Hilflosigkeit und Betreuungsaufwand vor
nahm
(
Urk.
8/125).
Mit Vorbescheid vom 1
1.
März
2020 stellte die IV-Stelle in Aussicht, weiterhin eine Entschädigung wegen Hilf
l
osigkeit mittleren Grades und zusätzlich ab 2
0.
September 2020 einen Intensiv
pflegezuschlag von 4 Stunden
auszurichten
, wobei die Leistung für d
iejenigen Tage übernommen werde
, an denen der Versicherte zu Hause übernachte (
Urk.
8/126). Am 2
6.
März 2020 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für Inkon
tinenzprodukte (
Urk.
8/134) und am
2.
April 2020 für das Komm
unikationsgerät iPad
7.
Generation inklusive
Zubehör, Kosten für Gebrauchstraining und
Instal
lation (
Urk.
8/139). Mit Eingabe vom
7.
Mai 2020
liess der Versicherte
Einwand gegen den Vorbescheid vom 1
1.
März 2020 betreffend Hilflosenentschädigung und Inten
sivpflegezuschlag erheben (Urk.
8/140).
Mit Verfügung vom 1
5.
Juli 2020 hielt die IV-Stelle fest, dass der Versicherte weiterhin Anspruch auf eine Entschädigung wegen Hilflosigkeit mittleren Grades habe
. Zusätzlich erbringe
sie ab 2
0.
September 2020 einen Intensivpflegezuschlag von vier Stunden
, wobei diese
Lei
s
tung für die Tage übernommen
werde
, an denen der Versicherte zu Hause übernachte (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess der Versicherte, vertret
en durch seine Mutter und diese vertreten durch Advokatin Andrea
Mengis
,
mit Eingabe vom 1
4.
September 2020 Be
schwerde erheben und beantragen
(
Urk.
1)
:
1.
In Abänderung der Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 1
5.
Juli 2020 sei dem Beschwerdeführer spätestens ab
1.
September 2019 eine Hilflo
sen
entschädigung schweren Grades und ein Intensivpflegezuschlag für
einen behinderungsbedingten Mehraufwand von über 8 Stunden pro Tag zuzusprechen.
2.
Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.
Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die Kosten für die fach
me
dizinische St
ellungnahme von Frau
Dr.
med.
Z._
,
Fach
ärztin für Kinder- und Jugendmedizin,
des
Spitals A._
zu über
nehmen.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer) z
ulasten der Beschwerdegegnerin.
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
1.
Oktober 2020 (
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde.
Am 2
7.
Oktober 2020 ergänzte die Beschwerdegegnerin ihre Beschwerdeantwort und beantragte neu die Beschwerde sei in dem Sinne teilweise gutzuheissen, dass die H
i
lflosenentschädigun
g
mittle
ren Grades
sowie ein Intensivpflegezuschlag von 4 Stunden bereits
ab dem 2
0.
September 2019 auszurichten sei
en
(
Urk.
9). Die Beschwerdeantwort vom 21
.
Oktober 2020 und deren Ergänzung vom 2
7.
Oktober 2020 wurden
dem Be
schwerdeführer
mit Verfügung vom 2
8.
Oktober 2020 zur Kenntnisnahme zuge
stellt (
Urk.
10).
Mit Eingabe vom 2
3.
November 2020 (
Urk.
11) reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme der Schule
B._
vom 1
5.
September 2020 (
Urk.
12/1) und eine Stellungnahme des
H
eims
C._
vom 19.
November
2020 (
Urk.
12/2) ein. Die Bes
chwerdegegnerin erklärte am 21.
Dezember 2020 auf eine Stellungnahme
dazu
zu verzichten (Urk.
15). D
er Beschwerdeführer
wurde darüber
mit Verfügung vom
7.
Januar 2021 in Kenntnis gesetzt (
Urk.
16).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
)
in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine Hilflosen
ent
schädigung. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der Verordnung
über die Invalidenversicherung, IVV
). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensver
richtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
Ankleiden, Auskleiden;
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
Essen;
Körperpflege;
Verrichtung der Notdurft;
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.2
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Ab
gabe von Hilfsmitteln:
a.
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; oder
c.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades nach Art. 37 Abs. 2 lit. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebens
verrichtungen voraus (BGE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E. 2).
Gemäss
Art.
37
Abs.
1 IVV gilt die Hilflosigkeit als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter ange
wiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf.
1.3
Gemäss
Art.
42
bis
Abs.
5 IVG haben Minderjährige keinen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung, wenn sie lediglich auf lebenspraktische Begleitung ange
wie
sen sind. Bei ihnen ist ausserdem nur der Mehrbedarf an Hilfeleistung und persönlicher Überwachung im Vergleich zu nicht behinderten Minderjährigen gleichen Alters zu berücksichtigen (
Art.
37
Abs.
4 IVV).
Für Minderjährige, die zusätzlich eine intensive Betreuung brauchen, wird die Hilflosenentschädigung gemäss
Art.
42
ter
Abs.
3 IVG um einen Intensivpflege
zu
schlag erhöht.
D
er monatliche Intensivpflegezuschlag beträgt bei einem invalidi
tätsbedingten Betreuungsaufwand von mindestens 8 Stunden pro Tag 100
%
, bei einem solchen von m
indestens 6 Stunden pro Tag 70
%
und bei einem solchen von mindestens 4 Stunden pro Tag 40
%
des Höchstbetrages der Altersrente nach Artikel 34
Abs.
3 und 5
des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassen
en
versicherung
(
AHVG
)
. Der Zuschlag berechnet sich pro Tag.
Gemäss
Art.
39 IVV
ist als
Betreuung der Mehrbedarf an Behandlungs- und Grundpflege im Vergleich zu nicht behinderten Minderjährigen gleichen Alters
anrechenbar
. Nicht anrechenbar ist der Zeitaufwand für ärztlich verordnete medi
zinische Massnahmen, welche durch medizinische Hilfspersonen vorgenommen werden, sowie für pädagogisch-therapeut
ische Massnahmen (Abs.
2). Bedarf eine minderjährige Person infolge Beeinträchtigung der Gesundheit zusätzlich einer dauernden Überwachung, so kann diese als Betreuung von zwei Stunden ange
rechnet werden. Eine besonders intensive behinderungsbedingte Überwachung ist als Betreuung von vier Stunden anrechenbar
(
Abs.
3)
.
1.4
Gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines Leistungs
anspruchs unter anderem Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen
(vgl. auch Rz 8131 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der IV, KSIH, gültig ab 1. Januar 2015).
Nach der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit (Art. 9 ATSG) oder des Pflegebedarfs folgen
den Anforderungen zu genügen: Als Berichterstatterin oder Berichterstatter wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhält
nisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergeben
den Beeinträchtigungen und Hilfsbedürftigkeiten hat. Bei Unklarheiten über phy
sische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie der tatbestandsmässigen Erfordernisse der dauernden Pflege und der persönlichen
Überwachung und der lebenspraktischen Begleitung sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigen
den Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungs
per
son näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (
BGE
133 V 450 E. 11.1.1, 130 V 61 E. 6.1 f.
). Diese Grundsätze gelten entsprechend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem Gesichtspunkt der lebenspraktischen Begleitung (BGE 133 V 450 E. 11.1.1; vgl. Urteil des Bun
des
gerichts 8C_464/2015 vom 14. September 2015 E. 4) sowie unter dem Aspekt des Intensivpflegezuschlags (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_
573/2018 vom 8. Januar 2019 E. 3.2
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 1
5.
Juli 2020 (
Urk.
2) davon
aus
, dass der Beschwerdeführer in den Lebensverrichtungen Anklei
den/
Auskleiden, Essen, Körperpflege, Verrichtung der Notdurft und Fortbewe
gung
nicht a
ltersgemäss entwickelt sei. Aufg
rund der schweren Form des
Angelman
-Syndroms sei weiterhin eine intensive Überwachung anzurechnen.
Der Beschwer
de
führer habe deshalb An
s
pruch auf eine Entschädigung wegen Hilflosigkeit mittleren Grades und zusätzlich auf einen Intensivpflegezuschlag von 4 Stunden. Mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
Oktober 20
2
0 (
Urk.
9) anerkannte die Beschwer
degegnerin, dass der Intensivpflegezuschlag mit Wirkung ab
2
0.
September 2019 und nicht erst ab
2
0.
September 2020 auszurichten sei und beantragte in dem Sinne die teilweise Gutheissung der Beschwerde.
2.2
Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend (
Urk.
1 und
Urk.
11),
er sei in allen alltäglichen Lebensverrichtungen auf eine nicht mehr altersgemäss
e
Dritthilfe angewiesen und er benötige eine besondere intensive Überwachung. Es sei ihm daher eine Hilflosenentschädigung schweren Grades auszurichten. Der behinderungsbedingte Mehrbedarf betrage aufgrund der von den Eltern beschrie
benen Dritthilfe und mit der erhöhten Überwachungspauschale von 4 Stunden pro Tag für die besonders intensive Überwachung insgesamt weit über 8 Stunden pro Tag, was den Anspruch auf den höchsten Intensivpflegezuschlag begründe.
Die Beschwerdegegnerin
habe
in der angefochtenen Ve
r
fügung nicht
erklärt
, warum es sich ihrer Meinung nach bei einigen Hilfeleistungen (welchen?) um
pädagogisch-therapeutische Anleitungsarbeiten und erzieherische Massnahmen handeln soll. Sie scheine zu verkennen, dass die a
ngegebene Dritthilfe nötig sei, w
eil
er
die Notwendigkeit für die jeweilige Lebensverrichtung behinderungs
be
dingt nicht einsehe und deshalb auch nicht oder nur beschränkt lernen
könne
. Es handle sich folglich keineswegs um (normale) erzieherische Massnahmen für einen 8-jähr
igen.
Das Erhöhungsgesuch sei am 1
6.
September 2019 eingereicht worden, sodass der Anspruch spätestens auf diesen Zeitpunkt zu erhöhen sei. Da die fachmedizinischen Stellungnahmen
von
Dr.
Z._
für die Beurteilung seines Leistungsanspruchs unerlässlich seien, habe die Beschwerdegegnerin die Kosten dieser Abklärung zu übernehmen.
3.
Der Beschwerdeführer leidet unter einem
Angelman
-Synd
rom. Gemäss Dr.
Z._
(
Urk.
3/3)
haben alle Kind
er, welche unter einem
Angelman
-Syndrom leiden
,
eine schwere Sprachentwicklungsstörung
. E
ine Kommunikation über Sprache ist ihnen nicht möglich, sie können aber
auf Dinge zeigen oder in begren
z
t
em Rahmen an
einer
unterstützten Kommunikation teilnehmen. Das Sprachverständnis sei wahrscheinlich etwas besser, ein selbständiges Leben als Erwachsene sei nicht möglich. Alle genannten Merkmale träfen auf den Be
schwerdeführer zu. Er könne zudem von sich aus keinen Antrieb zur Körperpflege zeigen und sie auch nicht selbständig richtig ausführen. Die Mutter müsse ihn sicher zu
m
Waschen motivieren und begleiten sowie d
ies
auch zu einem grossen Teil verrichten. Es sei zu hoffen, dass der Beschwerdeführer diese Tätigkeiten in Zukunft zum Teil besser selbst übernehmen könne, eine vollständige Selbständig
keit werde er auch dabei aber nicht erreichen könne
n
. Die Ursachen des erhöhten Aufwandes der Eltern l
ägen in der
genetischen Grunderkrankung
des Beschwer
de
führers
mit Hyperaktivität und autistischen Zügen. Die Mutter sei sehr
enga
giert, liebevoll und geschickt im Umgang mit
den
Einschränkungen
des Be
schwerdeführers
. Sie gehe davon aus, dass die Angaben der Mutter bezüglich ihres benötigten Aufwandes korrekt seien.
4.
4.1
4.1.
1
Hinsichtlich der alltäglichen Lebensverrichtung An- und Auskleiden ging die Beschwerdegegnerin davon aus, dass der Beschwerdeführer in regelmässiger und erheblicher Weise auf Hilfe Dritter angewiesen sei. Der zeitliche Aufwand hierfür betrage
42
Minuten pro Tag. Dieser setze sich zusammen
aus je 5 Minuten für An-/Auskleiden morgens
, tagsüber und abends und
a
us 2 Minuten für Kleider
auswählen
und bereitlegen
. Zusätzlich berücksichtigte die Beschwerdegegnerin
15
Minuten für vermehrtes Kleiderwechseln und 10 Minuten für schwieriges Verhalten. In Abzug
brachte sie
5 Minuten Zeitaufwand, welche auch für ein nicht behindertes
Kind im selben Alter anfallen
. Es resultierte so
ein anrechen
barer zeitlicher Mehraufwand von
37
Minuten (
Urk.
2;
Urk.
8/125/
2,
Urk.
8/145/1
).
Der Beschwerdeführer
machte
hingegen einen täglichen Mehraufw
and von 84
Minuten geltend
, welcher sich aus 25 Minuten An-/Auskleiden morgens und abends, 54 Minuten für An-/Auskleiden um nach draussen zu gehen, 6 Minuten für das Wechseln der Spucktücher und 4 Minuten für d
as
Bere
i
tmachen der Kleider für die Schule zusammensetz
e
, wovon 5 Minuten altersentsprechende Hilfe in Abzug zu bringen seien (
Urk.
8/108/2
,
Urk.
8/140/1-2,
Urk.
1 S. 7).
Zwischen den Parteien ist unumstritten, dass der Beschwerdeführer beim An-
und
Auskleiden praktisch vollständig Hilfe
braucht
, er Oppositionsverhalten zeig
t
und vermehrt die Kleider wechseln muss. Strittig ist
nur, aber immerhin, der hierfür benötigte beziehungsweise anrechenbare zeitliche Aufwand.
Die Festsetzung des zeitlichen Mehraufwandes beinhaltet naturgemäss ein gewisses Ermessen.
Wie dargelegt (E. 1.4) darf das Gericht
bei einem den rechtsprechungsgemässen Anfor
derungen genügenden Abklärungsbericht
in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein
greifen
, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen
.
Der Abklärungsbericht vom
6.
März
20
20
(
Urk.
8/125) inklusive der
ausführlichen Stellungnahme der Abklärungs
person
vom 15.
Juli
2020 (
Urk.
8
/145) erfüllt die Anforderungen an einen beweiskräftigen Bericht (E. 1.4).
W
eder die Ausführungen der Eltern des Beschwerdeführers im Rahmen der Ab
klä
rungen (
Urk.
8/108,
Urk.
8/125) noch
ihre
Vorbringen
im Einwand- (
Urk.
8/140
) und Beschwerdeverfahren (
Urk.
1) noch die aktenkundigen Berichte der behan
delnden Ärztin
(
Urk.
3/3)
und der betreuend
en Fachpersonen
(
Urk.
3/4
,
Urk.
12/1,
Urk.
12/2)
geben Anhaltspunkte, welche auf eine Fehleinschätzung der Abklä
rungsperson schliessen liessen.
Vielmehr erweisen sich
die von den Eltern des Beschwerdeführers geltend gemachten 54 Minuten
f
ür das An-/Auskleiden um nach draussen zu gehen
als sehr hoch, ohne dass sie sich durch die Berichte der behandelnden Fachpersonen stützen liessen.
Soweit der Beschwerdeführer beanstandet,
die Beschwerdegegnerin
habe zu Un
recht
die Maximalwerte gemäss KSIH
Anhang IV als zwingend erachtet
(Urk.
1 S. 7)
, ist darauf hinzuweisen, dass die zeitlichen Höchstgrenzen zur Sicherstellung der Rechtsgleichheit festgelegt wurden.
In den meisten Fällen kann die Situation der versicherten Person durch die Anwendung der Höchstbeträge angemessen abgebildet werden. Durch die verschiedenen Zusätze kann zudem der Besonder
heit jedes Einzelfalls Rechnung getragen werden. Allerdings gibt es Ausnahmen,
in denen der Hilfebedarf aus medizinischen Gründen nachweislich über d
en festgelegten Ansätzen liegt
(z. B. mehr Interventionen nötig; KSI
H
Rz. 8074
, IV-Rundschreiben Nr. 379
; vgl. auch Urteil des Versicherungsgerichts
St. Gallen IV 2019/127 vom 16.
März 2020 E. 4.4.2
).
Vorliegend ergeben sich
jedoch
weder aus den Akten
noch aus den Ausführungen der Parteien
Aspekte, welche ein aus
nahmsweises Abweichen vom Maximalwert rechtfertigen würden.
Der von der Abklärungsperson erhobene zeitliche Mehraufwand für das An-/Auskleiden von 37 Minuten ist daher nicht zu beanstanden.
4.
1
.
2
Betreffend die alltägliche Lebensverrichtung
Aufstehen, Absitzen, Abliegen ver
neinte die Beschwerdegegnerin
eine Hilfsbedürftigkeit
(
Urk.
2)
. Sie erklärte dazu,
motorisch könne der Beschwerdeführer sämtliche Transfers bzw. Positions
wechsel
selbständig vornehmen. Verbale Aufforderungen
,
sich hinzusetzen oder aufzu
stehen, sich ins Bett zu legen oder vom Bett aufzustehen, seien nicht erheblich. Die Handlung müs
ste aktiv begleitet werden mit Abstützen oder A
ufziehen. Schlafrituale begründeten keine Hilflosigkeit und könnte
n
nicht im Bereich Auf
stehen, Absitzen
,
Abliegen anerkannt werden, ausser es bestehe dazu eine medizi
nische Notwendigkeit und sie überstiegen ein normales Mass. Das E
rfordernis der blossen Anwesenheit einer Drittperson beim Aufstehen in der Nacht sei nur unter dem Gesichtspunkt der persönlichen Überwachung von Bedeutung, nicht
aber
im Rahm
en der Teilfunktion «Aufstehen»
.
Der Beschwerdeführer liess dagegen einwenden, er benötige auch mit 8 Jahren weiterhin eine zeitaufwändige Begleitung beim Zubettgehen und Aufstehen. Ent
gegen der Meinung der Abklärungsperson in der Stellungnahme vom 1
5.
Juli 2020 seien Einschlafrituale beim Positionswechsel sehr wohl zu berücksichtigen, wenn sie nicht mehr altersgemäss seien, was gemäss KSIH ab dem
8.
Altersjahr der Fall sei. Ausserdem gingen die Hilfestellungen klar über
die
blosse Anwesen
heit einer Drittperson hinaus, könne er sich doch nicht einmal selber zudecken und schlafe im Zimmer seiner Mutter.
Er
zei
ge zudem ein starkes Oppositions
verhalten tagsüber. So müsse er oft von der Strasse oder einem anderen gefähr
lichen Ort weggetragen werden, weil er die Gefahr nicht sehe und sich weigere, von sich aus aufzustehen. Gemäss KSIH Rz. 8029 sei auch
die Notwendigkeit einer
indirekte
n
Dritthilfe als Hilflosigkeit zu berücksichtigen, wenn die versi
cherte Person die alltäglichen L
ebensverrichtungen zwar funktionsmässig selber ausführen k
önne
, dies aber nicht, nur unvollständig oder zu Unzeiten
tun
würde, wenn sie sich selbst überlassen wäre. Diese Weisung habe das Bundesgericht in seiner konstanten Rechtsprechung als gesetzeskonform erklärt. Die geltend gemachten 35 Minuten pro Ta
g seien daher anzurechnen (Urk.
1 S. 8).
Gemäss KSIH Rz. 8015
liegt e
ine Hilflosigkeit in der alltäglichen Lebensverrich
tung
Aufstehen, Absitzen, Abliegen
vor, wenn die versicherte Person ohne Hilfe Dritter nicht aufstehen, absitzen oder abliegen kann. Kann aber die versicherte Person die Transfers selbstständig machen, liegt keine Hilfslosigkeit vor (
vgl. auch Urteil des Bun
desgerichts 8C_680/2020 vom 15.
Dezember 2020 E. 4.2
). Verbale Aufforderungen
,
sich hinzusetzen oder aufzustehen, sich ins Bett zu legen oder vom Bett aufzustehen
,
sind nicht erheblich. Die Handlung muss aktiv begleitet werden (ständige Präsenz und Kontrolle; KSIH Rz. 8016.1). Schlafrituale begrün
den keine Hilflosigkeit und können nicht im Bereich Aufstehen, Absitzen, Ab
liegen anerkannt werden, es sei denn, dass das Ausmass deutlich über die übliche Norm an altersentsprechender Betreuung (Zuwendung) hinausgeht. Dies müsste jedoch in bestehenden ärztlichen Berichten klar dokumentiert sein (medizinische Behandlungsmassnahmen wie z. B. Medikamentenabgabe wurden in Betracht gezogen; KSIH Rz. 8016.2). Unruhiges Schlafverhalten und regelmässiges Auf
wachen in der Nacht können nur berücksichtigt werden, wenn die versicherte Person dann wieder beruhigt werden muss, jemand bei ihr sein muss, bis sie wieder eingeschlafen ist und dies auch in zeitlicher Hinsicht aufwändig wird. Dies müsste jedoch in bestehenden ärztlichen Berichten
ebenfalls
klar dokumentiert sein. Diese Hilfe geht
über eine blosse Anwesenheit
hinaus (KSIH Rz. 8016.3). Das
Erfordernis der blossen Anwesenheit einer Drittperson beim Aufstehen in der Nacht
ist nur unter dem Gesichtspunkt der persönlichen Überwachung (Rz 8035 ff.) von Bedeutung, nicht aber im Rahmen der Teilfunktion „Aufstehen“ (KSIH
Rz. 8017).
Aus den Ausführungen der P
a
rteien und der Akten ergibt sich, dass der Be
schwerdeführer motorisch beim Aufstehen, Absitzen und Abliegen keine Hilfe benötigt (
Urk.
8/108/2). Betreffend die von den Eltern des Beschwerdeführers ge
schilderte Unterstützungsbedürftigkeit beim Zudecken (vgl.
Urk.
8/108/3) ist die
Einschätzung der Abklärungsperson,
dass es im Rahmen der Schadenmin
de
rungspflicht zumutbar ist, dass der Beschwerdeführer beispielsweise mit Hilfe eine
s
Schlafsackes schläft, nicht zu beanstanden. Hinsichtlich der von den Eltern geschilderten Überwachungsbedürftigkeit sowohl während des Tages als auch während der Nacht gilt es zu beachten, dass
die
für die Eltern ohne Zweifel
be
lastende Überwachung
als Pauschalzuschlag gemäss
Art.
39
Abs.
3 IVV zu be
rück
sichtigen
ist
und nicht doppelt (einmal konkret, einmal pauschal) gezählt
werden kann (Urteil des Bundesgerichtes 9C_627/2007 vom 1
7.
April 2008 E. 4.4.
2
mit Hinweisen
).
Nach dem Gesagte
n
stellt die
Verneinung einer Hilfsbedürftigkeit in der alltäg
lichen Lebensverrichtung
Aufstehen, Absitzen, Abliegen durch die Abklärungs
person keine
klar
feststellbare Fehleinschätzung dar, weshalb ihre Einschätzung nicht zu beanstanden ist.
4.
1
.3
Hinsichtlich der alltäglichen Lebensverrichtung Essen anerkannte die Beschwer
de
gegnerin einen anrechenbareren zeitlichen Mehraufwand von 37 Minuten pro Tag (
Urk.
2). Die Beschwerdegegnerin berücksichtigte für Frühstück, Mittag- und Abendessen je 10 Minuten und für Znüni und
Zvieri
je 5 Minuten. Zudem rechnete sie 2 Minuten für d
as Zerschneiden von Mahlzeiten
an
. Hiervon in Abzug brachte sie den Zeitaufwand für ein nicht
behindertes Kind von 5 Minuten (
Urk.
8/125/3,
Urk.
8/145/2).
Der Beschwerdeführer liess dagegen einen Mehraufwand von 75 Minuten pro Tag geltend machen.
Es sei zu berücksichtigen, dass bei ihm wegen der muskulären Hypotonie im Gesicht und starker Speichelbildung eine antikonvulsive Therapie durchgeführt werden müsse. Dieselben Schwierigkeiten beim Schlucken fielen beim Essen als grosse behinderungsbedingte Beeinträchtigung ins Gewicht und verunmöglichten es deshalb einem Elternteil, gleichzeitig zu essen, was unbe
stritten sei. Es sei daher ein Mehrbedarf von 75 Minuten pro Tag zu berück
sich
tigen
(
Urk.
1 S. 8)
.
Wie sich aus den Beschreibungen der Eltern des Beschwerdeführers ergibt,
isst der Beschwerdeführer grundsätzlich selber. Er braucht dabei aber Anweisungen
und Überwachung
und das Essen muss teilweise
z
erkleinert werden
(Urk.
8/108
/3). Die Abklärungsperson
berücksichtigte einen zeitlichen A
ufwand a
ufgrund des Oppositionsverhaltens und der Notwendigkeit der
Z
erkleinerung der Nahrung. Sie anerkannte zudem, dass
ein Elternteil nicht gleichzeitig essen kann. Den Aufwand für die Überwachung erachtete sie als durch die Überwachung im Sinne von
Art.
39
Abs.
3 IVV abgegolten (
Urk.
8/125/3).
Diese Einschätzung der Abklä
rungs
person wird durch
die Vorbringen
des Beschwerdeführers bzw. seiner
Ver
tretung
nicht infrage gestellt
, darf doch, wie ausgeführt (E. 4.
1
.2), die Zeit für die Überwachung nicht doppelt berücksichtigt werden
. Die Beurteilung der
Abklä
rungsperson
stellt jedenfalls zumindest keine klar fest
stellbare Fehleinschätzung dar,
womit kein Anlass besteht, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person einzugreifen
.
4.
1
.4
Betreffend die alltägliche
Lebensverrichtung Körperpflege
anerkannte die Be
schwerdegegnerin die Hilfsbed
ürftigkeit des Beschwerdeführers
und
ging von einem zeitlichen Aufwand von 56 Minuten aus
(
Urk.
2
,
Urk.
8/125/47, Urk.
8/145
). Der Beschwerdeführer machte demgegenüber einen
zeitlichen Aufwand
von
64
Minuten pro Tag geltend (
Urk.
1 S. 9).
Hierbei gilt es zu beachten, dass die Eltern des Beschwerdeführers zunächst
zwar
einen zeitlichen Aufwand von
53
Minuten ge
ltend gemacht
hatten
(
Urk.
8/108/4)
,
sie dabei jedoch
das wöchent
liche Schneiden der Finger- und
Z
e
hennäge
l
sowie das wöchen
tliche Putzen der Ohren
im Umfang von 10 Minuten als täglichen Aufwand von 10 Minuten
ein
rechneten
. Unter Anrechnung von durchschnittlich 2
statt 10
Minuten täglich für das Schneiden der Nä
gel und das Putzen der Ohren ist von einem effektiv geltend gemachten Au
fwand von 45 Minuten auszugehen
. Im Rahmen des
Einsprache
verfahrens
liess der Beschwerdeführer zusätzlich 20 Minuten für Op
positions
verhalten geltend mach
en (
Urk.
8/140). Dass der Beschwerdeführer gegen die Körperpflege opponiert
,
ist unbestritten und wird auch von der Beschwerde
geg
nerin anerkannt (
Urk.
8/125/4). Dieses Oppositionsverhalten ist jedoch ein Haupt
grund für den von den Eltern angeführten zeitlichen Mehraufwand. Nachdem die Beschwerdegegnerin diesen
praktisch gesamthaft
anerkannt hat, kann er nicht nochmals zusätzlich berücksichtigt werden.
Der von der Abklärungsperson erho
bene zeitliche Aufwand kann jeden
falls nicht als offensichtlich
Fehleinschätzung qualifiziert werden. Es ist daher für die alltä
gliche Lebensverrichtung Körper
p
f
l
ege von einem anrechenbaren zeitlichen
Aufwand von 56 Minuten auszu
gehen. Hiervon ist der Aufwand für die altersentsprechende Hilfe
von
15 Minuten
Abzug zu bringen
, woraus sich ein
anrechenbare
r
zeitliche
r
Mehraufwand von 41 Minuten
ergibt
.
4.
1
.5
Hinsichtlich der alltäglichen Lebensverrichtung
Verrichtung der
Notdurft aner
kannte die Beschwerdegegnerin einen zeitlichen Mehraufwand von 45 Minuten pro
Tag (
Urk.
2,
Urk.
8/145/3)
. Dieser anerkannte Aufwand wird vom Beschwer
deführer
nicht infrage gestellt (
Urk.
1 S. 10) und
erweist sich als rechtens
.
4.
1
.6
Betreffend die
alltägliche Lebensverrichtung
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme
gingen die Parteien übereinstimmend von Hilfsbedürftigkeit aus
(
v
gl.
Urk.
8/125/5,
Urk.
1 S. 10).
Einen zeitlichen Mehraufwand rechnete die Beschwerdegegnerin nicht an, was vom Beschwerdeführer zu Recht nicht infrage
ge
stellt wurde.
4.
1
.
7
Nach dem Gesagten ist von einer Hilfsbedürftigkeit in den
fünf
alltägliche
n
Lebensverrichtungen Ankleiden bzw.
Auskleiden, Essen Körperpflege,
Verrich
tung
der Notdurft
und Fortbewegung bzw. Kontaktaufnahme
auszugehen
. Der zeitliche Mehraufwand beträgt in
s
gesamt 1
60
Minuten
(An-/Auskleiden 37 Minuten, Essen 37 Minuten, Körperpflege von 41 Minuten, Verrichtung der Notdurft 45
Minuten)
.
In de
r
alltäglichen Lebensverrichtung
Aufstehen, Absitzen, Ablie
gen besteht hi
ngegen keine Hilfsbedürftigkeit
.
Der Beschwerdeführe
r hat daher
Anspruch auf eine Hilfl
o
s
enentschä
digung für mittelschwere Hilfl
o
sig
keit
(vgl. E.
1.2)
.
4.2
Hinsichtlich des dem Beschwerdeführer zustehenden Intensivpflegezuschlags gilt es zu prüfen, ob er
– bloss
- dauernder Überwachung oder besonders intensiver behinderungsbedingt
er
Überwachung bedarf
(vgl.
Art.
39
Abs.
3 IVV
)
, mithin ein Zeitzuschlag von zwei oder vier Stunden zu berücksichtigen ist
.
Eine besonders intensive dauernde Überwachung liegt vor, wenn von der Betreu
ungsperson überdurchschnittlich hohe Aufmerksamkeit und ständige Interven
tions
bereitschaft gefordert wird. Dies bedeutet, dass sich die Betreuungsperson permanent in unmittelbarer Nähe der versicherten Person aufhalten muss, da eine kurze Unachtsamkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit lebensbedrohliche Folgen hätte oder zu einer massiven Schädigung von Personen und Gegenständen führen würde. Aufgrund der geforderten 1:1 Überwachung/Betreuung kann sich die Betreuungsperson kaum anderen Aktivitäten widmen. Zudem müssen zum Schutz der versicherten Person und ihrer Umgebung bereits geeignete Mass
nah
men zur Schadenminderung getroffen worden sein, wobei es diesbezüglich nicht zu einer unzumutbaren Situation der Umgebung kommen darf (KSIH Rz. 8079).
Die Abklärungsperson hielt im Abklärungsbericht fest, dass ohne die intensive Überwachung und den Sicherheitsvorkehrungen eine erhebliche Selbstgefähr
dung beste
he
. Der Beschwerdeführer erkenne keinerlei Gefahrenquelle. Es sei eine
24-Stunden Betreuung notwendig. Aus ihrer Sicht sei eine intensive Überwa
c
hung ausgewiesen, da die Überwachungsfunktionen nicht mehr altersentspre
chend seien (
Urk.
8/125/7).
Die Abklärungsperson kreuzte an, dass der Beschwerde
führer keiner besonders intensiven Überwachung bedürfe (
Urk.
8/125/7). Die Beschwerdegegnerin ging entsprechend davon aus, dass der Beschwerdeführer zwar dauernder Überwachung, nicht aber besonders intensiver behinderungs
bedingter Überwachung bedürfe (
Urk.
2).
Der Beschwerdeführer
wendete dagegen ein, die Abklärungsperson habe das Kreuz irrtümlich bei der normalen persönlichen Überwachung gesetzt. Die Be
schwerdegegnerin gebe in der angefochtenen Verfügung zudem selber an, dass aufgrund der schweren Form des
Angelman
-Syndroms eine besonders intensive Überwachung ausgewiesen sei. Leider habe die Beschwerdegegnerin jedoch nicht bemerkt, dass irrtümlich die falsche Pauschale a
ngewendet worden sei (
Urk.
1 S.
10).
Entgegen dem Einwand des Beschwerdeführers anerk
a
nnt
e
die Beschwerde
geg
nerin in der angefochtenen Verfügung nicht, dass eine besonders intensive Über
wachung ausgewiesen sei. Die Beschwerdegegnerin
hielt
in der angefochtenen
Verfügung lediglich fest, dass eine intensive Überwachung anzurechnen sei, dass diese besonders intensiv sei, h
ie
lt sie jedoch nicht fest.
Hierbei gilt es zu beachten, dass a
uch
die «gewöhnliche» Überwachung
nur anrechenbar
ist
, wenn
sie
eine gewisse Intensität aufweist (KSIH Rz. 8078.2).
Gemäss
Art.
42
ter
Abs.
3 IVG, welcher die gesetzliche Grundlage für
Art.
39
Abs.
3 IVV bildet, setzt
ein An
spruch auf einen Intensivpflegezuschlag
zudem
per se eine
intensive Betreuung
voraus
(vgl.
Meyer/Reichmuth,
IVG
,
3.
Auflage 2014, R
z
.
49
f
f
. zu
Art.
42-42
ter
).
Aus den
Angaben der Eltern
(
Urk.
8/125/7
)
,
welche sich im Rahmen des
Ein
spracheverfahrens
mit der Anrechnung der Pauschale von
«lediglich»
120 Minu
ten als einverstanden erklärt hatte
n
(
Urk.
8/140/4),
der betreuenden Personen (
Urk.
3/4
,
Urk.
12/1,
Urk.
12/2
) und der behandelnden Ärztin (
Urk.
3/3)
ergibt sich nichts, was die Einschätzung der Abklärungsperson
, dass der Beschwerdeführerin zwar dauernder, nicht aber besonders intensiver Überwachung bedürfe,
als
klar feststellb
are Fehleinschätzungen erscheinen liesse (vgl. E.
1.4)
. So h
ie
lt Dr.
Z._
in ihrem Bericht vom 3
1.
Juli 2020 fest, dass der Beschwerde
führer zwar im öffentlichen Raum gar nicht, im häuslichen, gesicherten Bericht jedoch begrenzt aus den Augen gelassen werden könne (
Urk.
3/3)
.
Es besteht nach dem Gesagten für das Gericht kein Anlass, in das Ermessen der Abklärungsperson einzugreifen (vgl. E. 1.4). Es erweist sich daher als rechtens, dass die Beschwer
degegnerin die dauernde Überwachungsbedürftigkeit bejaht und eine
Pausch
a
l
e von zwei Stunden angerechnet hat.
4
.3
Insgesamt bedarf der Beschwerdeführer
damit
eines tägliche
n
invaliditä
t
s
be
dingten Betreuungsaufwand
es
von
4
Stunden und
40
Minuten. Er hat daher An
spruch auf einen entsprechenden Intensivpflegezuschlag
(vgl. E. 1.3)
.
5.
Zusammenfassend ergibt sich, dass
der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung bei einer Hilflosigkeit mittleren Grades und auf einen Intensivpflegezuschlag für einen Betreuungsaufwand von
4
Stunden und
40
Minu
ten pro Tag hat.
Der massgebende Zeitpunkt für die Leistungsanpassung ist
September
2019
(
Art.
88
bis
Abs.
1 lit. a IVV)
, das heisst, der Beschwerdeführer hat ab September 2019 zusätzlich zur bereits seit
1.
Oktober 2015
ausgerichteten Hilfl
osenentschädigung mittleren Grades (vgl.
Urk.
8/42,
Urk.
8/97) Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag
entsprechend
einem Betreuungsaufwand von min
des
tens vier
Stunden
pro Tag
. Die Beschwerde ist in dem Sinne teilweise gut
zu
heissen
.
6.
6.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist abweichend von Art. 61 lit. a ATSG das Beschwe
r
deverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versic
herungsgericht kostenpflichtig.
Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgele
gt. Vorliegend sind sie auf
Fr.
8
00.
--
anzusetzen. Es rechtfertigt sich, diese
der Beschwerdegegnerin zu einem
Viertel
(je Fr.
2
00.--)
und dem Beschwerdeführer zu drei Viertel
n
(Fr. 600.
)
aufzuerlegen (vgl. Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_568/2010 vom 3.
Dezember 2010 E. 4.2).
6.2
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3 GSVGer).
Ist das Quantitative einer Leistung strittig, rechtfertigt
ein Überklagen
nach der in Rentenangelegenheiten ergangenen Rechtsprechung eine Reduktion der Partei
entschädigung nur, wenn das ziffernmässig bestimmte Rechtsbegehren den Pro
-
zessaufwand
beeinflusst hat (Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_568/2010 vom 3.
Dezember 2010 E. 4.1).
Der Beschwerdeführer obsiegt hinsichtlich des Beginn
s
des Anspruch
s
auf
einen Intensivpflegezuschlag, unterliegt jedoch hinsichtlich de
s
Grades
der
Hilflosigkeit
und des
Intensivpflegezuschlag
s
.
Da e
in Grossteil der Beschwerdeschrift die Höhe der auszurichtenden Leistungen
und nicht den Leis
tungsbeginn betrifft
(
Urk.
1)
, ist d
ie unter Berücksichtigung der Kriterien gemäss
§
34
Abs.
3 GSVGer auf
Fr.
2'000.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bemessen
d
e Prozessentschädigung
um drei Viertel auf Fr. 500
.-- zu kürzen.
Nach der Rechtsprechung sind unter dem Titel Parteientschädigung auch die Kosten privat eingeholter Gutachten zu vergüten, soweit die Parteiexpertise für die Entscheidfindung unerlässlich war (Urteil des ehemaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 591/06 vom 15. Dezember 2006, E. 5.1
mit Hinweisen
). Dieser Grundsatz ist für das Verwaltungsverfahren ausdrücklich in Art. 45 Abs. 1 ATSG bzw. Art. 78 Abs.
3
IVV festgehalten.
D
ie
vom Beschwerdeführer einge
holte
Bericht
e
von
Dr.
Z._
(
Urk.
3/3) erweisen sich
für die Entscheid
fin
dung nicht als unerlässlich,
liess sich der
entscheidrelevante
Sachverhalt doch
auch ohne
Beizug
diese
r
Bericht
e
erstellen. Das Gesuch um Übernahme der
Kosten
de
r
Bericht
e
ist daher abzuweisen.