Decision ID: 3eb84980-d14b-4d9a-b7c6-8a14531cbfc8
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ stellte am 9. November 2016 bei der kantonalen Arbeitslosenkasse Antrag
auf Insolvenzentschädigung, nachdem er für die Zeit vom 1. Mai bis 12. Juli 2014 von
seiner Arbeitgeberin, der B._ GmbH, trotz geleisteter Arbeit keinen Lohn erhalten
hatte (act. G 5.1/ 89 ff.).
A.b Der Versicherte war bei der B._ GmbH ab 1. Mai 2014 als Hilfsarbeiter angestellt
(act. G 5.1/87). Mit Schreiben vom 15. Juli 2014 forderte der Versicherte seine
Arbeitgeberin auf, die ausstehenden Löhne innert zehn Tagen zu überweisen, und
verweigerte bis auf weiteres die Arbeit (act. G 5.1/94). Mit Schreiben vom 17. Juli 2014
kündigte die B._ GmbH das Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten fristlos, da dieser
unentschuldigt nicht mehr am Arbeitsplatz erschienen sei (act. G 5.1/62). Am 21.
August 2014 leitete der Versicherte eine Betreibung über Fr. 27‘503.10 gegen die B._
GmbH ein (act. G 5.1/95). Am 23. Dezember 2014 reichte der Versicherte schliesslich
bei der zuständigen Stelle ein Vermittlungsbegehren ein (act. G 5.1/68). Nach der
erfolglosen Durchführung des Schlichtungsversuchs vom 3. März 2015 wurde dem
Versicherten die Klagebewilligung erteilt (act. G 5.1/64 f.). Daraufhin erhob der
Versicherte am 3. Juni 2015 Klage beim Kreisgericht C._. Dieses verpflichtete die
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B._ GmbH mit Entscheid vom 10. Mai 2016 zur Bezahlung von Fr. 32‘963.--
zuzüglich Zins zu 5% seit dem 1. September 2014 an den Versicherten und erteilte im
Umfang von Fr. 27‘503.10 nebst Zins zu 5% seit dem 1. September 2014 sowie Fr.
103.30 Betreibungskosten die definitive Rechtsöffnung in der entsprechenden
Betreibung (act. G 5.1/97 ff.). Am 18. Oktober 2016 wurde über die B._ GmbH der
Konkurs eröffnet (vgl. act. G 5.1/116). Am 7. November 2016 wurde das
Konkursverfahren gegen die B._ GmbH mangels Aktiven eingestellt (act. G 5.1/63).
A.c Mit Schreiben vom 10. November 2016 teilte die Arbeitslosenkasse dem
Versicherten mit, dass dieser die offenen Lohnforderungen nicht rechtzeitig geltend
gemacht habe. Dies betreffe den Zeitraum vom 21. August 2014
(Betreibungsbegehren) bis zur Einreichung der Klage vom 3. Juni 2015. Ein
Arbeitnehmer erwerbe keinen Anspruch auf Insolvenzentschädigung, wenn er seine
Lohnforderungen nicht mit tauglichen Mitteln durchsetze. Dem Versicherten wurde das
rechtliche Gehör gewährt und er wurde aufgefordert, die Korrespondenz betreffend
Lohnausstände beizulegen (act. G 5.1/118).
A.d Mit Schreiben vom 15. Dezember 2016 nahm der Versicherte gegenüber der
Arbeitslosenkasse Stellung. Er beantragte die Ausrichtung einer
Insolvenzentschädigung von total Fr. 16‘146.65 für die Zeit vom 1. Mai bis 12. Juli 2016
(recte: 2014). Weiter beantragte er die unentgeltliche Rechtspflege sowie die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Verfahren vor der Arbeitslosenkasse. In
der Zeit vom 1. April (recte: Mai) 2014 bis 12. Juli 2014 habe der Versicherte den
Geschäftsführer der Arbeitgeberin mehrmals mündlich aufgefordert, die ausstehenden
Löhne zu bezahlen. Da die Lohnzahlungen trotzdem ausgeblieben seien, habe er diese
schliesslich am 15. Juni (recte: Juli) 2014 schriftlich eingefordert, worauf ihm die Stelle
fristlos gekündigt worden sei. Anfang August 2014 habe er nochmals persönlich das
Gespräch mit dem Geschäftsführer gesucht, was aber auch nicht den gewünschten
Erfolg gebracht hätte. Deshalb habe er am 21. August 2014 die Betreibung eingeleitet.
Am 23. Dezember 2014 habe er bei der zuständigen Schlichtungsbehörde ein
Vermittlungsbegehren eingereicht. Nach erfolgloser Schlichtungsverhandlung vom 3.
März 2015 habe er schliesslich am 3. Juni 2015 Klage eingereicht. Mit Entscheid vom
10. Mai 2016 sei die B._ GmbH verpflichtet worden, ihm einen ausstehenden Lohn
von Fr. 32‘963.-- zuzüglich Zins zu 5% seit 1. September 2014 zu bezahlen. Erst am
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18. Oktober 2016 sei der Konkurs über die damalige Arbeitgeberin eröffnet worden. Bis
zum 10. Mai 2016 sei die B._ GmbH noch tätig gewesen, habe mehrere
Arbeitnehmer beschäftigt und diesen angeblich auch regelmässig den Lohn
ausbezahlt. Deshalb habe er bis zu diesem Zeitpunkt von einer Zahlungsfähigkeit
ausgehen können. Dies zeige, dass er den geforderten Lohn frühzeitig genug und auch
mit genügendem Nachdruck eingefordert habe und dass die ehemalige Arbeitgeberin
zumindest bis im Mai 2016 noch als zahlungsfähig habe taxiert werden müssen (act. G
5.1/70 ff.).
A.e Mit Verfügung vom 28. Dezember 2016 lehnte die Arbeitslosenkasse den Antrag
auf Insolvenzentschädigung vom 9. November 2016 ab. Zur Begründung führte sie aus,
dass der Versicherte, nachdem die Lohnzahlungen für Mai und Juni 2014 ausgeblieben
seien, diese erstmals mit Schreiben vom 15. Juli 2014 schriftlich eingefordert habe.
Nachdem die Arbeitgeberin Rechtsvorschlag auf den Zahlungsbefehl erhoben habe,
habe der Versicherte vier Monate zugewartet bis zur Stellung des
Schlichtungsgesuchs. Auch nach ausgestellter Klagebewilligung seien wieder drei
Monate ohne konsequentes Vorantreiben des Rechtsweges verstrichen. Es müsse
deshalb davon ausgegangen werden, dass der Versicherte der
Schadenminderungspflicht nicht innert nützlicher Frist nachgekommen sei (act. G
5.1/80 ff.).
B.
B.a Dagegen erhob der Versicherte am 21. Januar 2017 Einsprache. Er beantragte die
Ausrichtung einer Insolvenzentschädigung in der Höhe von mindestens Fr. 16‘146.65,
die Erteilung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das vorinstanzliche
Verfahren sowie die Erteilung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das
Einspracheverfahren. Zur Begründung wiederholte er im Wesentlichen die
Ausführungen der Stellungnahme vom 15. Dezember 2016 (act. G 5.1/4 ff.).
B.b Mit Einspracheentscheid vom 22. Mai 2017 wies die Arbeitslosenkasse die
Einsprache des Versicherten und damit dessen Antrag auf Insolvenzentschädigung ab.
Der Versicherte habe angegeben, dass er bis zur ersten schriftlichen Lohnforderung
vom 15. Juli 2014 ausschliesslich mündlich bei der Arbeitgeberin den ausstehenden
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Lohn abgemahnt hätte. Danach habe er zeitnah die Betreibung eingeleitet, jedoch habe
er nach Erhebung des Rechtsvorschlags durch die Arbeitgeberin am 25. August 2014
mit der Beseitigung desselben bis zum 23. Dezember 2014 (Schlichtungsgesuch)
zugewartet. Damit sei der Versicherte der Schadenminderungspflicht nicht hinreichend
nachgekommen, weshalb die Ablehnung des Anspruchs auf Insolvenzentschädigung
zu Recht erfolgt sei. Da sich im vorliegenden Fall keine besonders schwierigen
Rechtsfragen stellten, die den Beizug eines Rechtsanwalts notwendig machen würden,
seien die Voraussetzungen für die unentgeltliche Prozessführung nicht gegeben (act. G
5.1/58 ff.).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom
22. Juni 2017. Der Beschwerdeführer beantragt dessen Aufhebung und die
Ausrichtung einer Insolvenzentschädigung von mindestens Fr. 16‘146.65 für die Zeit
vom 1. Mai bis 12. Juli 2014. Weiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm
für das Stellungnahmeverfahren sowie für das Einspracheverfahren die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung zu gewähren. Infolge Mittellosigkeit sei ihm auch für das
vorliegende Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege sowie die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung zu erteilen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Er sei
während des Arbeitsverhältnisses seiner Schadenminderungspflicht konsequent und
kontinuierlich nachgekommen. Er habe seinen damaligen Arbeitgeber wiederholt
mündlich aufgefordert, den ausstehenden Lohn zu bezahlen. Zudem habe er nicht mit
einem Lohnverlust rechnen müssen, da die B._ GmbH anderen Angestellten die
Löhne noch bis ins Jahr 2016 bezahlt habe und er somit von einer Zahlungsfähigkeit
habe ausgehen können (act. G 1).
C.b Nach entsprechender Aufforderung durch das Versicherungsgericht (vgl. Schreiben
vom 28. Juni 2017; act. G 2) reicht der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 20. Juli
2017 das ausgefüllte und unterzeichnete Formular „Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege“ samt zusätzlichen Unterlagen ein (act. G 4).
C.c Mit Beschwerdeantwort vom 28. August 2017 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verweist sie auf die Verfügung vom
28. Dezember 2016 sowie auf den Einspracheentscheid vom 22. Mai 2017 (act. G 5).
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C.d Mit Schreiben vom 4. September 2017 teilt die Verfahrensleitung dem
Beschwerdeführer mit, dass eine prozessuale Bedürftigkeit nicht ausgewiesen
erscheine (act. G 6). Mit Schreiben vom 11. Oktober 2017 nimmt der Beschwerdeführer
diesbezüglich Stellung (act. G 11).
C.e Am 19. September (recte: Dezember) 2017 reicht der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers eine Kostennote über Fr. 3‘650.40 (Honorar 13 Stunden à Fr.
250.--, total Fr. 3‘250.-- zuzüglich 4% Barauslagen und 8% Mehrwertsteuer) ein (act. G
13).
C.f Mit Schreiben vom 23. Januar 2018 gibt der Beschwerdeführer bekannt, dass er
nach der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses im September 2017 zurück in seine
Heimat D._ gegangen sei und dort kein Einkommen erzielt habe. Seit kurzem halte er
sich wieder in der Schweiz auf und sei beim RAV und beim Sozialamt angemeldet (act.
G 15).

Erwägungen
1.
1.1 Vorliegend wird dem Beschwerdeführer eine Verletzung der
Schadenminderungspflicht vorgeworfen, weil er sich nicht in ausreichendem Masse um
die Einforderung seiner Lohnausstände bemüht habe. Es ist daher zu prüfen, ob dieser
Vorwurf zu Recht erfolgte oder ob ein Anspruch auf Insolvenzentschädigung gegeben
ist.
1.2 Beitragspflichtige Arbeitnehmende von Arbeitgebern, die in der Schweiz der
Zwangsvollstreckung unterliegen oder in der Schweiz Arbeitnehmende beschäftigen,
haben unter anderem Anspruch auf Insolvenzentschädigung, wenn gegen ihren
Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen
zustehen (Art. 51 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]). Die
Insolvenzentschädigung deckt die Lohnforderungen für die letzten vier Monate des
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Arbeitsverhältnisses vor der Konkurseröffnung sowie allenfalls Lohnforderungen für
Arbeitsleistungen nach der Konkurseröffnung, für jeden Monat jedoch nur bis zum
Höchstbetrag nach Art. 3 Abs. 2 AVIG (Art. 52 Abs. 1 Satz 1 AVIG).
1.3 Die Arbeitnehmenden müssen im Konkurs- oder Pfändungsverfahren alles
unternehmen, um ihre Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber zu wahren, bis die
Kasse ihnen mitteilt, dass sie an ihrer Stelle in das Verfahren eingetreten ist (Art. 55
Abs. 1 Satz 1 AVIG). Gemäss der Rechtsprechung des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts (EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts) müssen versicherte Personen nicht nur im Konkurs- oder
Pfändungsverfahren und nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses die Lohnansprüche
innert nützlicher Frist geltend machen, sondern es obliegt ihnen bereits vor Auflösung
des Arbeitsverhältnisses eine Schadenminderungspflicht, wenn die Arbeitgeberschaft
der Lohnzahlungspflicht nicht oder nur teilweise nachkommt und die Arbeitnehmenden
mit einem Verlust rechnen müssen (ARV 2002 Nr. 30 S. 192 E. 1b).
1.4 Die Bestimmung von Art. 55 Abs. 1 AVIG bezieht sich gemäss Wortlaut auf das
Konkurs- und Pfändungsverfahren. Sie bildet jedoch Ausdruck der allgemeinen
Schadenminderungspflicht, welche auch dann Platz greift, wenn das Arbeitsverhältnis
vor der Konkurseröffnung aufgelöst wird (ARV 2010 Nr. 1 S. 48 E. 3.2; ARV 2007 Nr. 3
S. 50 E. 2.1). Eine Ablehnung der Insolvenzentschädigung infolge Verletzung der
Schadenminderungspflicht im Sinne von Art. 55 Abs. 1 AVIG setzt voraus, dass der
versicherten Person ein schweres Verschulden, also vorsätzliches oder
grobfahrlässiges Handeln oder Unterlassen vorgeworfen werden kann (Urteil des
Bundesgerichts vom 20. Oktober 2010, 8C_534/2010, E. 3.1; Urteil des EVG vom 19.
Oktober 2006, C 144/06, E. 3.1 mit Hinweisen). Das Ausmass der vorausgesetzten
Schadenminderungspflicht richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls (ARV 2007
Nr. 3 S. 51 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts vom 20. Oktober 2010, 8C_534/2010, E.
3.1). Es hat eine Gesamtbetrachtung der Bemühungen des Arbeitnehmers bzw. der
Arbeitnehmerin Platz zu greifen (URS BURGHERR, Die Insolvenzentschädigung, Diss.
Zürich 2004, S. 166). Dabei ist es ausreichend, wenn die arbeitnehmende Person
zunächst unmissverständliche Zeichen (Mahnung, Einleiten der Betreibung usw.) setzt,
aus denen die Ernsthaftigkeit ihrer Lohnforderung zu erkennen ist. Sie darf allerdings
nicht untätig bleiben und zuwarten, bis der Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberin in
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Konkurs fällt (Urteil des EVG vom 15. Oktober 2001, C 194/01, E. 2b mit Hinweisen;
BURGHERR, a.a.O., S. 166).
1.5 Nach konstanter Rechtsprechung genügt es für die Erfüllung der
Schadenminderungspflicht in der Regel nicht, wenn Lohnausstände lediglich mündlich
gemahnt werden. Dies gilt beispielsweise, wenn es um eine lang andauernde, das
heisst über zwei bis drei Monate hinaus andauernde Nichterfüllung der vertraglichen
Verpflichtung des Arbeitgebers geht; wenn überhaupt keine, also auch keine Akonto-
oder Teilzahlung erfolgt; wenn aus der Sicht der versicherten Person nicht mit guten
Gründen damit gerechnet werden kann, dass sich bald eine Besserung der Situation
ergibt, und wenn nicht andere im Einzelfall verständliche Gründe vorliegen, die ein
Zuwarten mit zielgerichteten Schriften aus objektiver Sicht verständlich erscheinen
lassen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2011, 8C_61/2011 E. 4.2 und vom
23. Oktober 2009, 8C_682/2009, E. 4, veröffentlicht in ARV 2010 S. 46).
2.
2.1 Dem Beschwerdeführer wird vorgeworfen, dass er vom 1. Mai bis 15. Juli 2014
immer nur mündlich auf seine Lohnausstände aufmerksam gemacht habe. Danach
habe er am 21. August 2014 zwar zeitnah die Betreibung eingeleitet, nach der
Erhebung des Rechtsvorschlages durch die Arbeitgeberin am 25. August 2014 habe er
aber vier Monate zugewartet, um diesen beseitigen zu lassen. Damit sei der
Beschwerdeführer der Schadenminderungspflicht nicht hinreichend nachgekommen,
was zur Ablehnung des Anspruchs auf Insolvenzentschädigung geführt habe (act. G
5.1/59).
2.2 Der Beschwerdeführer nahm das Arbeitsverhältnis bei der B._ GmbH am 1. Mai
2014 auf. Er wurde als Hilfsarbeiter bei einem monatlichen Bruttogehalt von Fr. 3‘950.--
eingestellt (act. G 5.1/87). Bereits im ersten Monat seiner Anstellung erhielt der
Beschwerdeführer keinen Lohn ausbezahlt. Auch im folgenden Monat erhielt er keine
Lohnzahlung. Gemäss eigenen Angaben habe er die Arbeitgeberin in dieser Zeit
mehrmals mündlich zur Zahlung der ausstehenden Löhne aufgefordert. Gestützt auf die
Versprechen der Arbeitgeberin habe er trotzdem weitergearbeitet. Zudem habe die
damalige Arbeitgeberin meistens die Auslagen für das Mittagessen und auch für die
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stattgefundenen Pausen übernommen, wobei die Mittagsentschädigung gestützt auf
den Landesmantelvertrag für das Schweizerische Bauhauptgewerbe (LMV) ein Teil des
Arbeitsvertrages und somit geschuldet gewesen sei. Ausserdem habe er den Worten
des Geschäftsführers Glauben geschenkt, da er diesen gekannt habe und weil beide
aus der gleichen Gegend stammen würden (vgl. act. G 1, S. 6 f.). Erst am 15. Juli 2014
forderte der Beschwerdeführer seine Arbeitgeberin schriftlich auf, die ausstehenden
Löhne innert zehn Tagen zu überweisen, und verweigerte bis auf weiteres die Arbeit
(act. G 5.1/94).
2.3 Vorliegend hat der Beschwerdeführer nach den angeblichen mündlichen
Mahnungen rund eineinhalb Monate nach der ersten ausgebliebenen Lohnzahlung
auch schriftlich reagiert, die ausstehenden Zahlungen eingefordert und bis auf weiteres
die Arbeit verweigert. Somit kann vorliegend noch nicht von einer lang andauernden
Nichterfüllung der vertraglichen Verpflichtungen durch die Arbeitgeberin gesprochen
werden, weshalb allein aus diesem Verhalten noch keine Verletzung der
Schadenminderungspflicht des Beschwerdeführers gesehen werden kann. Auch die
Einleitung der Betreibung am 21. August 2014 erfolgte – wie auch die
Beschwerdegegnerin festhielt – zeitnah. Dieses Vorgehen war zielgerichtet und genügt
in diesem Sinne der Schadenminderungspflicht.
2.4 Die Beschwerdegegnerin wirft dem Beschwerdeführer jedoch vor, dass er,
nachdem die Arbeitgeberin am 25. August 2014 Rechtsvorschlag erhoben hatte, vier
Monate zugewartet habe, um diesen beseitigen zu lassen und erst mit Schreiben vom
23. Dezember 2014 ein Vermittlungsbegehren an die Schlichtungsbehörde richtete (vgl.
act. G 5.1/59). Auch nach dem Erhalt der Klagebewilligung habe er drei Monate
verstreichen lassen, ohne den Rechtsweg konsequent voranzutreiben (vgl. act. G
5.1/81).
2.5 Der Beschwerdeführer leitete am 21. August 2014 die Betreibung gegen die B._
GmbH ein, worauf diese am 25. August 2014 Rechtsvorschlag erhob (vgl. act. G
5.1/95). Der Beschwerdeführer verwies in der Stellungnahme vom 15. Dezember 2016
darauf, dass ihm mit Schreiben vom 18. August 2014 die Zustellung einer
abschliessenden Lohnabrechnung in den nächsten Tagen von der Arbeitgeberin in
Aussicht gestellt wurde (vgl. act. G 5.1/66 f.). Zudem seien umfangreiche Bemühungen
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nötig gewesen, um die Forderung aus Arbeitsrecht gegenüber der Arbeitgeberin
beziffern zu können. Dies auch weil zuerst die Unterstellung unter den LMV habe
geprüft werden müssen, der festgelegte Lohn zu tief angesetzt worden sei und weil er
viel Überzeit geleistet habe, so dass zuerst die Sollzeit, normale Zeit, vorgeholte Zeit
und Kompensationszeit habe festgestellt werden müssen (act. G 5.1/73). Am 23.
Dezember 2014 reichte er schliesslich ein Vermittlungsbegehren bei der zuständigen
Schlichtungsbehörde ein (act. G 5.1/68). Nachdem der Schlichtungsversuch am 3.
März 2015 erfolglos durchgeführt wurde, wurde dem Beschwerdeführer die
Klagebewilligung erteilt (vgl. act. G 5.1/64 f.). Gestützt darauf erhob er schliesslich am
3. Juni 2015 Klage beim Kreisgericht C._ gegen seine ehemalige Arbeitgeberin (vgl.
act. G 5.1/97 ff.).
2.6 Der Beschwerdeführer wartete fast vier Monate ab Erhebung bzw. "Kenntnis" des
Rechtsvorschlags bis zur Einreichung des Vermittlungsbegehrens. Wie vom
Beschwerdeführer geltend gemacht, erscheint es plausibel, dass noch diverse
Abklärungen getätigt werden mussten, um insbesondere den geforderten Betrag im
Vermittlungsbegehren festzustellen. Solche Abklärungen nehmen neben der ebenfalls
nötigen Instruktion des Rechtsvertreters eine gewisse Zeit in Anspruch. Weiter ist auch
die Tatsache, dass der Beschwerdeführer nach der Erteilung der Klagebewilligung die
Frist von drei Monaten bis zur Klageeinreichung ausschöpfte, nachvollziehbar, da auch
hier die detaillierte Ausarbeitung der Klageschrift eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt.
Des Weiteren musste der Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt auch nicht mit der
Uneinbringlichkeit der Lohnforderungen rechnen.
2.7 Der Beschwerdeführer ist somit seiner Schadenminderungspflicht rechtsgenüglich
nachgekommen, weshalb der Anspruch auf Insolvenzentschädigung im angefochtenen
Einspracheentscheid zu Unrecht verneint worden ist. Die Beschwerdegegnerin, an
welche die Sache zurückzuweisen ist, wird nun nach den Vorgaben des Urteils des
Kreisgerichtes C._ vom 10. Mai 2016 bezüglich Lohnansprüche in den einzelnen
Monaten den Umfang der Insolvenzentschädigung zu prüfen und diese betraglich
festzusetzen haben.
3.
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3.1 Zu prüfen bleibt die Frage der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im
Verwaltungs- bzw. im Einspracheverfahren.
3.2 Gemäss Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV; SR 101) hat jede Person, die
nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und deren Rechtsbegehren nicht
aussichtslos erscheint, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege. Falls es zu Wahrung
ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf unentgeltliche
Rechtsverbeiständung.
3.3 Der gesuchstellenden Person wird im Sozialversicherungsverfahren ein
unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo die Verhältnisse es erfordern (Art. 37 Abs.
4 des Bundesgesetztes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]). Rechtsprechungsgemäss besteht im Einspracheverfahren, welches
Elemente eines streitigen Verfahrens aufweist, ein Anspruch auf unentgeltliche
Verbeiständung, soweit die Voraussetzungen der Bedürftigkeit der Partei, der
fehlenden Aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren und die sachliche Gebotenheit im
konkreten Fall erfüllt sind. Hinsichtlich der sachlichen Gebotenheit der unentgeltlichen
anwaltlichen Verbeiständung im Einspracheverfahren sind die Umstände des
Einzelfalls, die Eigenheiten der anwendbaren Verfahrensvorschriften sowie die
Besonderheiten des jeweiligen Verfahrens zu berücksichtigen. Dabei fallen neben der
Komplexität der Rechtsfragen und der Unübersichtlichkeit des Sachverhalts auch in
der Person des Betroffenen liegende Gründe in Betracht, wie etwa seine Fähigkeit, sich
im Verfahren zurechtzufinden. Falls ein besonders starker Eingriff in die Rechtsstellung
des Bedürftigen droht, ist die Verbeiständung grundsätzlich geboten, andernfalls bloss,
wenn zur relativen Schwere des Falls besondere tatsächliche oder rechtliche
Schwierigkeiten hinzukommen, denen der Gesuchsteller auf sich alleine gestellt nicht
gewachsen ist, und wenn auch eine Verbeiständung durch Verbandsvertreter,
Fürsorger oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen nicht in
Betracht fällt. Die sachliche Notwendigkeit wird nicht allein dadurch ausgeschlossen,
dass das in Frage stehende Verfahren von der Offizialmaxime oder dem
Untersuchungsgrundsatz beherrscht wird, die Behörde also gehalten ist, an der
Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts mitzuwirken. Die Offizialmaxime
rechtfertigt es jedoch, an die Voraussetzungen, unter denen eine anwaltliche
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Verbeiständung sachlich geboten ist, einen strengen Massstab anzulegen (Urteil des
Bundesgerichts vom 10. April 2015, 8C_48/2015, E. 2.2 mit Hinweisen).
3.4 Im vorliegenden Fall handelte es sich bezüglich des Gesuchs um
Insolvenzentschädigung um einen klaren, im Wesentlichen unbestrittenen Sachverhalt,
welcher überdies auch im Entscheid des Kreisgerichts C._ vom 10. Mai 2016 zu
einem grossen Teil festgehalten wurde (vgl. act. G 5.1/97 ff.). Es wäre dem
Beschwerdeführer ohne weiteres zumutbar gewesen, den Sachverhalt ohne die
Unterstützung seines Rechtsvertreters anzugeben und die entsprechenden Unterlagen
dazu einzureichen. Weiter sind auch weder eine besondere Komplexität der
Rechtsfragen oder besondere Eigenheiten der anwendbaren Verfahrensvorschriften zu
erkennen, die eine Rechtsverbeiständung bereits im Verwaltungs- bzw. im
Einspracheverfahren notwendig gemacht hätten. Somit mangelt es insgesamt an der
sachlichen Gebotenheit der unentgeltlichen anwaltlichen Verbeiständung, an welche in
diesem Verfahrensstadium rechtsprechungsgemäss strenge Anforderungen zu stellen
sind. Demnach ist die Abweisung des entsprechenden Gesuchs durch die
Beschwerdegegnerin nicht zu beanstanden.
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise
gutzuheissen. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 22. Mai 2017 ist
aufzuheben. Zur Festsetzung des Umfangs und der Höhe der Insolvenzentschädigung
ist die Streitsache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten, welche vom Versicherungsgericht festgesetzt
und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach
der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden. In der Verwaltungsrechtspflege
beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Mit
Schreiben vom 19. September 2017 (act. G 13) reicht der Anwalt des
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Beschwerdeführers für seine Bemühungen eine Kostenrechnung über den Betrag von
Fr. 3'650.40 (13 Stunden à Fr. 250.-- plus 4% Barauslagen und Mehrwertsteuer) ein.
Darin eingeschlossen sind auch die Abklärungen im Zusammenhang mit der
unentgeltlichen Prozessführung im Beschwerdeverfahren und mit dem aktuellen
Aufenthaltsort des Beschwerdeführers, wofür die unterliegende Beschwerdegegnerin
nicht aufzukommen hat. Mit Blick auf vergleichbare Fälle erscheint vorliegend eine
pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen. Somit ist das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das vorliegende Verfahren gegenstandslos.