Decision ID: 447b6e31-9e42-4904-9d66-ecedec585464
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Mit E-Mail vom 29. Januar 2021 lud die Gemeinde B._ die C._
AG, D._ AG und die A._ AG zur Einreichung eines Angebots für
Belagsarbeiten für die Umlegung der E._ im Zusammenhang mit dem
Alterszentrum "F._" in B._ ein. Alle drei eingeladenen
Unternehmungen reichten innert Eingabefrist ein Angebot ein.
2. Mit Verfügung vom 15. März 2021 vergab die Gemeinde B._ den
Zuschlag an die C._ AG. Die Offerte der A._ AG wurde wegen
Unvollständigkeit von der Vergabe ausgeschlossen.
3. Mit Einsprache (recte: Beschwerde) vom 18. März 2021 (Poststempel
23. März 2021) gelangte die A._ AG (nachfolgend
Beschwerdeführerin) ans Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
und beantragte die Aufhebung des Vergabeentscheids vom 15. März
2021, die Gültigerklärung ihrer Offerte sowie die Vergabe der Arbeiten an
sich selbst. Begründend führte sie im Wesentlichen aus, dass ihre Offerte
alle Eignungskriterien erfülle. Diese sei vollständig gewesen, da das
Lohnblatt keine geforderte Beilage gewesen sei. Ihr Angebot sei das
wirtschaftlich günstigste gewesen, womit der Zuschlag an sie zu erteilen
sei.
4. Die Gemeinde B._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin) beantragte in
ihrer Vernehmlassung vom 31. März 2021 die Abweisung der
Beschwerde; unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge. Sie
erklärte sich mit der Gewährung der aufschiebenden Wirkung
einverstanden, sofern umgehend ein Entscheid in der Sache erfolge. Die
Unternehmen seien mit E-Mail vom 29. Januar 2021 ausdrücklich darauf
hingewiesen worden, dass ihre Offerten das Kalkulationsschema zu
enthalten hätten und dieses der E-Mail beiliege. Dieses Erfordernis gehe
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zudem auch aus den Angebotsunterlagen hervor. Die Beschwerdeführerin
habe das Kalkulationsschema nicht ausgefüllt. Folglich seien die
Angebotsunterlagen unvollständig eingereicht worden, weshalb die
Beschwerdeführerin berechtigterweise ausgeschlossen worden sei. Die
Beschwerde sei daher abzuweisen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften sowie
auf die eingereichten Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet der
Vergabeentscheid vom 15. März 2021, mit dem die Beschwerdegegnerin
den Zuschlag für die Belagsarbeiten für die Umlegung der E._ im
Zusammenhang mit dem Neubau des Alterszentrums "F._" in
B._ im Einladungsverfahren an die C._ AG für CHF 397'062.10
erteilte und das Angebot der Beschwerdeführerin mit der Begründung
ausschloss, dass sie das erforderliche Kalkulationsschema nicht
eingereicht habe. Beschwerdethema bildet daher die Frage, ob der
Ausschluss der Beschwerdeführerin zu Recht erfolgte.
2. Die strittige Auftragsvergabe untersteht unbestritten dem öffentlichen
Beschaffungsrecht. Konkret kommen die Interkantonale Vereinbarung
über das öffentliche Beschaffungswesen (IVöB; BR 803.510) sowie das
Submissionsgesetz für den Kanton Graubünden (SubG; BR 803.300) mit
zugehöriger Submissionsverordnung (SubV; BR 803.310) zur
Anwendung. Das vorliegende Verfahren vor Verwaltungsgericht richtet
sich nach dem Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100).
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3. Gemäss Art. 50 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRG; BR 370.100) ist zur Beschwerde legitimiert, wer durch den
angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an
seiner Aufhebung oder Änderung hat. Vorliegend ist die
Beschwerdeführerin als preislich günstigste Offerentin zweifellos zur
Beschwerdeerhebung berechtigt, da sie durch ihren Ausschluss
offenkundig um die Möglichkeit gebracht wird, als allfällige Siegerin (mit
dem wirtschaftlich günstigsten Angebot gemäss Art. 21 Abs. 1 SubG) aus
dem Einladungsverfahren hervorzugehen und somit einen finanziellen
Nachteil erleidet. Die Beschwerdeschrift ist ausserdem form- und
fristgerecht (vgl. Art. 38 Abs. 1 und 2 VRG und Art. 26 Abs. 1 SubG) beim
dafür zuständigen Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden (vgl. Art.
25 Abs. 1 SubG) eingereicht worden, weshalb auf die Beschwerde
einzutreten ist.
4.1. In materieller Hinsicht bringt die Beschwerdeführerin vor, dass ihr Angebot
zu Unrecht ausgeschlossen worden sei. Ihre Offerte sei vollständig
gewesen, da das Kalkulationsschema keine geforderte Beilage gewesen
sei.
4.2. Die Beschwerdegegnerin ist hingegen der Auffassung, dass der
Ausschluss der Beschwerdeführerin rechtmässig erfolgt sei. Das
Erfordernis der Einreichung des Kalkulationsschemas ergebe sich zum
einen aus der Einladung zur Offerteinreichung vom 29. Januar 2021, zum
anderen aus den Ausschreibungsunterlagen selbst.
4.3. Gemäss Art. 22 Abs. 1 lit. c SubG wird ein Angebot von der
Berücksichtigung u.a. dann ausgeschlossen, wenn der Anbieter ein
Angebot einreicht, das unvollständig ist oder den Anforderungen der
Ausschreibung nicht entspricht. Nach gefestigter Rechtsprechung des
Verwaltungsgerichts wird ein strenger Massstab an das Erfordernis der
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Übereinstimmung zwischen den Grundlagen der Ausschreibung und den
tatsächlich dargebotenen Offerten gelegt. Erwähnte Vorschrift (Art. 22
SubG) will namentlich sicherstellen, dass nur vollständige und den
Ausschreibungsunterlagen genügende Angebote berücksichtigt werden
(PVG 2005 Nr. 33, 1999 Nr. 61 und 1997 Nr. 60). Den Anbietern soll damit
gewährleistet werden, dass keiner der Wettbewerbsteilnehmer bevorteilt
wird bzw. alle mit gleich langen Spiessen kämpfen, während für die
Vergabebehörde anderseits damit eine klare, übersichtliche und zu keinen
Diskussionen Anlass gebende Ausgangslage geschaffen wird (PVG 1998
Nr. 55, 1997 Nr. 60, 1991 Nr. 9). Diese streng gehandhabte Praxis gilt aber
nicht mehr unbesehen. So kann sich aus dem Verbot des überspitzten
Formalismus eine Pflicht der Behörde ergeben, den Privaten von Amtes
wegen auf Verfahrensfehler hinzuweisen, welche er begangen hat oder
die er im Begriff ist zu begehen. Diese Pflicht setzt voraus, dass der Fehler
leicht zu erkennen ist und rechtzeitig behoben werden kann (BGE 125 I
166 E.3a m.H.; Zwischenentscheid des Bundesverwaltungsgerichts B-
1774/2006 vom 13. März 2007 E.3.2 m.H.). Grundsätzlich besteht ein
gewisser Ermessensspielraum der Vergabestelle, ob sie ein
unvollständiges Angebot von der Vergabe überhaupt ausschliessen oder
aber die fehlenden Angaben und Unterlagen nachträglich noch einholen
bzw. vorhandene Unklarheiten durch entsprechende Rückfragen
beseitigen will. Die Vergabebehörde muss aber vermeiden, dass mit der
nachträglichen Behebung des Mangels eine Ungleichbehandlung oder
Bevorzugung einzelner Anbieter entsteht. Die Tendenz in Lehre und
Rechtsprechung geht denn auch dahin, in Beachtung des
Gleichbehandlungsgebots in solchen Fällen eine strenge Haltung
einzunehmen und auch in nur geringem Masse unvollständige oder
veränderte Angebote konsequent von der Vergabe auszuschliessen. Von
einem überspitzten Formalismus ist eher dann auszugehen, wenn der
Mangel auf eine Unklarheit der Ausschreibungsunterlagen oder ein
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offensichtliches Versehen des Anbieters zurückzuführen ist, als wenn er
von diesem bewusst in Kauf genommen wurde (vgl. Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich VB.2011.00581 vom 7. März
2012 E.4.1 m.H.). Seitens der Vergabebehörden ist namentlich auch dort
eine gewisse Zurückhaltung geboten, wo die fehlenden Angaben ohne
grossen Aufwand durch diese selbst ergänzt werden können oder die
Bewertung der Wirtschaftlichkeit eines Angebots nicht im Entferntesten
von diesen Angaben abhing (vgl. VGU U 01 113 vom 13. November 2001
E.1).
4.4. Vorliegend ist der Beschwerdeführerin darin zuzustimmen, dass das
Kalkulationsschema nicht in der Position 250, Angebot, Beilagen (BG-act.
2, S. 6) aufgeführt wurde. Dies ist aber nicht alleine entscheidend dafür,
ob das Kalkulationsschema eine erforderliche Beilage war oder nicht. Das
Erfordernis des Kalkulationsschemas ergibt sich nämlich aus
Position 411.100 (BG-act. 2, S. 17). Zudem wurde das
Kalkulationsschema gemeinsam mit den anderen
Ausschreibungsunterlagen am 29. Januar 2021 der Beschwerdeführerin
zugestellt und in der Einladung zur Offerteinreichung explizit erwähnt. Aus
diesen gesamten Umständen musste der Beschwerdeführerin klar sein,
dass sie zur Einreichung eines korrekt ausgefüllten Kalkulationsschemas
verpflichtet gewesen war. Dieses wurde im Übrigen auch von den beiden
anderen Anbietern korrekt ausgefüllt und eingereicht.
4.5 Der Ausschluss von der Vergabe stellt vorliegend denn auch keinen Fall
des überspitzten Formalismus dar. Handelt es sich doch weder um eine
Angabe, die von der Vergabestelle selbst hätte ergänzt werden können,
noch um eine Angabe, die nicht im Entferntesten einen Einfluss auf die
Wirtschaftlichkeit des Angebots hatte. Vielmehr ist das
Kalkulationsschema entscheidend für die Verifizierung einer realistischen
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Aufwandsbeurteilung, und damit auch für die Beurteilung der
Wirtschaftlichkeit.
5. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass sich der angefochtene Vergabe-
entscheid vom 15. März 2021 als rechtens und vertretbar erweist, was zu
seiner Bestätigung und folglich zur Abweisung der dagegen erhobenen
Beschwerde führt.
6.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf
Art. 73 Abs. 1 VRG der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Die Staatsgebühr wird angesichts des Beschaffungsvolumens von rund
CHF 400'000.00, des einmaligen Schriftenwechsels sowie der geringen
Komplexität der zu beurteilenden Angelegenheit auf CHF 2'000.00
festgesetzt.
6.2. Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben
betrauten Organisationen wird gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG in der Regel
keine Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen
Wirkungskreis obsiegen. Davon abzuweichen besteht vorliegend kein
Anlass, weshalb der Beschwerdegegnerin keine aussergerichtliche
Entschädigung zuzusprechen ist.
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