Decision ID: 86aceea0-48bc-4d3d-9a59-aee811d913a1
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._ AG,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Perret, Grossfeldstrasse 40, Postfach 380,
7320 Sargans,
gegen
Amt für Wirtschaft und Arbeit, Rechtsdienst, Davidstrasse 35, 9001 St. Gallen,
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Beschwerdegegner,
betreffend
Kurzarbeitsentschädigung (betriebsüblicher Arbeitsausfall)
Sachverhalt:
A.
A.a Die A._ AG, mit Sitz in B._ hatte bereits in der Zeit Dezember 2008 bis
November 2010 Kurzarbeitsentschädigung im Umfang von Fr. 1'267'885.80 bezogen.
Aufgrund einer am 15. April 2011 durchgeführten Arbeitgeberkontrolle forderte das
Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) mit Verfügung vom 6. Mai 2011 wegen
Nichtkontrollierbarkeit des geltend gemachten Arbeitsausfalls die gesamte
Kurzarbeitsentschädigung zurück (vgl. dazu das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
vom 24. April 2012, B-4571/2011). Nachdem ein Nachfolgegeschäft mit der Firma
C._ im Sommer 2011 mit einem Auftragsvolumen von rund Fr. 5'000'000.--
aufgrund der damaligen Frankenstärke nicht habe realisiert werden können, bezog die
Gesellschaft für den Gesamtbetrieb erneut während der Dauer vom 1. September bis
30. November 2011 Kurzarbeitsentschädigung (vgl. zum Ganzen Einspracheentscheid
vom 2. Dezember 2011, act. G 3/B6).
A.b Am 25. November 2011 (Datum Postaufgabe) ersuchte die Gesellschaft um
Fortsetzung der Kurzarbeit für den Gesamtbetrieb (act. G 3/A8). Gegen die Auszahlung
der Kurzarbeitsentschädigung für den Zeitraum vom 1. Dezember 2011 bis 31. Mai
2012 erhob das Amt für Arbeit mit Verfügung vom 8. Dezember 2011 Einspruch (act.
G 3/A9).
A.c Dagegen erhob die Gesellschaft am 17. Januar 2012 Einsprache (act. G 3/A12).
Im Februar 2012 reichte die Gesellschaft der Kantonalen Arbeitslosenkasse die
Abrechnungsunterlagen für Dezember 2011 ein (vgl. Schreiben des Rechtsvertreters
vom 17. Februar 2012, act. G 3/B26). Das Amt für Arbeit wies die Einsprache mit
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Einspracheentscheid vom 19. März 2012 ab. Zur Begründung brachte es vor, der
Umsatz sei nicht eingebrochen. Wenn auch ein erheblicher Auftragsverlust habe
hingenommen werden müssen, so zeigten die Unternehmenszahlen des Jahres 2011
verglichen mit denjenigen des Jahres 2010 deutlich, dass dieser durch den Verkauf
anderer Produkte habe aufgefangen werden können. Selbst wenn durch die Kosten der
Produktentwicklung, die hohen Lagerkosten und die Marktlancierungsmassnahmen die
Liquidität stark beansprucht worden sei, so sei doch festzuhalten, dass dies
betriebsübliche Kosten darstellen würden, die nicht durch Kurzarbeitsentschädigung
abgedeckt werden könnten (act. G 3/A16).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 19. März 2012 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 20. April 2012. Die Beschwerdeführerin beantragt darin unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen dessen Aufhebung und die Bewilligung der anbegehrten
Kurzarbeitsentschädigungen für die Dauer vom 1. Dezember 2011 bis 31. Mai 2012.
Sie stellt sich auf den Standpunkt, der Beschwerdegegner verkenne das Ziel der Kurz
arbeitsentschädigung, wende den Begriff des wirtschaftlichen Grundes falsch an und
taxiere Umstände sowie konjunkturelle Gründe zu Unrecht als Betriebsrisiko. Entgegen
der beschwerdegegnerischen Ansicht könne das Vorliegen eines wirtschaftlichen
Grundes nicht einzig davon abhängig gemacht werden, ob ein Umsatzeinbruch
vorliege oder nicht. Ausgangspunkt der gegenwärtigen Situation bilde der Umstand,
dass im Sommer 2011 ein Nachfolgegeschäft mit einem Auftragsvolumen von rund
Fr. 5'000'000.-- wegen der Frankenstärke nicht habe realisiert werden können. In der
momentanen wirtschaftlichen Situation stelle dieser Auftragsverlust zweifelsfrei einen
aussergewöhnlichen und vorübergehenden Umstand dar, der zu einer
Entschädigungsberechtigung führe, was der Beschwerdegegner schliesslich auch im
Einspracheentscheid vom 2. Dezember 2011 betreffend die Entschädigungsperiode
vom 1. September bis 30. November 2011 anerkannt habe. Wieso der
Beschwerdegegner diesen Umstand nun nicht mehr gelten lassen wolle, sei weder
einsichtig noch nachvollziehbar. Nachvollziehbar sei aber, dass ein derartiger
Auftragsverlust in der gegenwärtig schwierigen Situation nicht einfach innert weniger
Monate kompensiert werden könne. Der Auftragsverlust sei nicht Folge mangelnder
Konkurrenzfähigkeit. Weitere Ursachen seien das zurückhaltende Bestellverhalten der
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Euro-Kunden und die immer noch anhaltende Frankenstärke. Sie sei zuversichtlich, die
momentane Durststrecke innert nützlicher Frist überwinden und damit sämtliche
Arbeitsplätze erhalten zu können (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 6. Juni 2012 beantragt der Beschwerdegegner
unter Verweis auf die Begründung des angefochtenen Einspracheentscheids die
Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
B.c Die Beschwerdeführerin hat nach einer Einsichtnahme in die Akten auf eine
weitere Stellungnahme verzichtet (act. G 7).

Erwägungen:
1.
1.1 Arbeitnehmende, deren normale Arbeitszeit verkürzt oder deren Arbeit ganz
eingestellt ist, haben Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung, wenn u.a. der
Arbeitsausfall anrechenbar und vorübergehend ist und erwartet werden darf, dass
durch Kurzarbeit die Arbeitsplätze erhalten werden können (Art. 31 Abs. 1 lit. b und d
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und
Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]). Ein Arbeitsausfall ist anrechenbar, wenn er
auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen und unvermeidbar ist (Art. 32 Abs. 1 lit. a
AVIG) und wenn er zudem je Abrechnungsperiode mindestens 10% der Arbeitsstunden
ausmacht, die von den Arbeitnehmenden des Betriebes normalerweise insgesamt
geleistet werden (Art. 32 Abs. 1 lit. b AVIG). Ein auf wirtschaftliche Gründe
zurückzuführender und an sich grundsätzlich anrechenbarer Arbeitsausfall gilt jedoch
dann nicht als anrechenbar, wenn er durch betriebsorganisatorische Massnahmen wie
Reinigungs-, Reparatur- oder Unterhaltsarbeiten sowie andere übliche und
wiederkehrende Betriebsunterbrechungen oder durch Umstände verursacht wird, die
zum normalen Betriebsrisiko des Arbeitgebers gehören (Art. 33 Abs. 1 lit. a AVIG).
Ebenfalls nicht anrechenbar ist ein Arbeitsausfall, wenn er branchen-, berufs- oder
betriebsüblich ist oder durch saisonale Beschäftigungsschwankungen verursacht wird
(Art. 33 Abs. 1 lit. b AVIG). Damit will das Gesetz vor allem regelmässig wiederkehrende
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Arbeitsausfälle von der Kurzarbeitsentschädigung ausschliessen (BGE 121 V 374 E. 2a
mit Hinweisen; ARV 1999 Nr. 10 S. 50 E. 2).
1.2 Vorübergehend ist ein Arbeitsausfall dann, wenn mit einer gewissen
Wahrscheinlichkeit voraussehbar ist, dass der Betrieb innert nützlicher Frist wieder zur
vollen Beschäftigung zurückkehren kann. Davon ist auszugehen, wenn nicht konkrete
Anhaltspunkte die gegenteilige Schlussfolgerung zulassen. Die Verhältnisse sind im
Zeitpunkt der angefochtenen Einspruchsverfügung prospektiv zu beurteilen. Weil zu
diesem Zeitpunkt oft nur Mutmassungen über die weitere Entwicklung angestellt
werden können und sich entsprechende Beurteilungskriterien kaum finden lassen, ist
die Prognose zurückhaltend zu stellen und im Zweifel davon auszugehen, dass der
Arbeitsausfall vorübergehender Natur ist und mit der Kurzarbeitsentschädigung die
Arbeitsplätze erhalten werden können (Thomas Nussbaumer,
Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR],
Bd. XIV, Soziale Sicherheit, 2. Aufl. Basel 2007, Rz 470; BGE 121 V 373 E. 2a). Der
Umstand, dass ein Arbeitgeber bzw. eine Arbeitgeberin in der Vergangenheit
wiederholt Kurzarbeit eingeführt hat, lässt für sich allein nicht den Schluss zu, dass ein
neuerlicher Arbeitsausfall wahrscheinlich nicht vorübergehend sein werde und dass mit
der Kurzarbeit die Arbeitsplätze nicht erhalten werden könnten (BGE 111 V 384 E. 2b).
2.
Der Beschwerdegegner wendet gegen einen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung
ab Dezember 2011 ein, die Beschwerdeführerin habe gegenüber dem Rechnungsjahr
2010 (Umsatzvolumen 2010: Fr. 3'251'306.--, 2011: Fr. 3'690'038.--) im Jahr 2011 ein
Umsatzplus erzielt. Wenn auch ein erheblicher Auftragsverlust habe eingesteckt
werden müssen, so zeigten diese Umsatzzahlen, dass dieser durch den Verkauf
anderer Produkte habe aufgefangen werden können (act. G 3/A16).
2.1 Es trifft zu, dass die Beschwerdeführerin für das Jahr 2011 einen Umsatz von
insgesamt Fr. 3'690'038.-- meldete, der 13% über dem des Vorjahres von
Fr. 3'251'306.-- lag (act. G 3/A18). Hinzu kommt, dass der geschätzte Umsatz für den
Monat November 2011 im Betrag von Fr. 300'000.-- in etwa dem Jahresdurchschnitt
entsprach. Zwar liegt der für den Monat Dezember 2011 geschätzte Umsatz von
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Fr. 210'000.-- deutlich unter diesem Jahresdurchschnittswert. Allerdings ist dabei zu
berücksichtigen, dass bereits der Dezemberumsatz der Jahre 2008 und 2009 deutlich
unter den damaligen Jahresdurchschnittszahlen lag. Ferner ist zu berücksichtigen,
dass die Beschwerdeführerin die Umsatzschätzung offenbar eher zurückhaltend
vorzunehmen pflegt, was sich aus der Voranmeldung vom 25. Mai 2010 ergibt
(Umsatzschätzung: Mai 2010: Fr. 200'000.--, Juni 2010: Fr. 180'000.-- und Juli 2010:
Fr. 180'000.-- [act. G 3/A4]; tatsächliche Umsatzzahlen: Mai 2010: Fr. 248'295.--, Juni
2010: Fr. 320'522.-- und Juli 2010: Fr. 191'797.-- [act. G 3/A18]).
2.2 Die genannten Umstände sprechen gegen einen relevanten Umsatzrückgang
bzw. Rückgang der Nachfrage nach den von der Beschwerdeführerin angebotenen
Gütern und Dienstleistungen sowie einen damit zusammenhängenden Arbeitsausfall.
Diese Sichtweise wird durch die im Erlassverfahren AVI 2013/3 eingereichte
Erfolgsrechnung für das Jahr 2011 vom 28. Juni 2012 bestätigt. Denn diese weist u.a.
einen Nettoerlös von Fr. 5'389'305.-- (Vorjahr: Fr. 3'698'181.--) und einen im Vergleich
zum Vorjahr mehr als doppelt so hohen Personalaufwand aus (Fr. 1'382'449.--; Vorjahr:
Fr. 670'960.--; act. G 1.4 im Verfahren AVI 2013/3). Vor diesem Hintergrund kann nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem anrechenbaren Arbeitsausfall
ausgegangen werden.
3.
Selbst wenn das Vorliegen eines relevanten Arbeitsausfalls aufgrund des Wegfalls des
Grossauftrags bejaht würde, so könnte dieser nicht bloss als vorübergehend
bezeichnet werden. So gab die Beschwerdeführerin selbst an, der fragliche Auftrag -
und damit überwiegend wahrscheinlich die entsprechend angefallene Arbeitsleistung -
hätte sich über eine Laufzeit von "ca. 7 Jahren" erstreckt (Schreiben der
Beschwerdeführerin vom 21. November 2011, act. G 1.4, S. 4).
4.
Da der vorliegend umstrittene Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Kurzarbeitsentschädigung bereits aus anderen Gründen zu verneinen ist, kann offen
bleiben, ob der geltend gemachte Arbeitsausfall wirtschaftlich bedingt ist.
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5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Ausgangsgemäss hat die
Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP