Decision ID: f7ffd4f2-f865-5092-b3a0-e902d81bc0ca
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh, Oberer Graben 26, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rentenrevision
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 3./10. Mai 2002 bei der Invalidenversicherung an und
beantragte berufliche Massnahmen. Er sei als gelernter Schlosser tätig (zunächst ab
Mai 1988 Saisonnier gewesen) und sei seit 21. August 2001 zu 50 % arbeitsunfähig.
Angaben zur Behinderung seien dem Austrittsbericht der Klinik Valens (chronisches
thorakovertebrales bis -cephales Syndrom) zu entnehmen (vgl. IV-act. 1, 3 und 4).
Gemäss der Arbeitgeberbescheinigung hatte der Versicherte bis zum 21. August 2001
in Vollzeit gearbeitet. Im Jahr 2000 hatte er ein Jahreseinkommen von Fr. 66'546.90
erzielt. Ab 17. September 2001 arbeitete er während eines halben Pensums (IV-act. 9).
Dr. med. B._, Innere Medizin FMH, gab im IV-Arztbericht vom 7. Juni 2002 (IV-
act. 10 f.) an, es lägen als Hauptdiagnosen ein chronisches thorakovertebrales
Syndrom bei Status nach thorakalem Morbus Scheuermann, schwerer
Wirbelsäulenfehlhaltung und Fehlform sowie muskulärer Dysbalance und Adipositas
vor. Der Versicherte sei vom 21. August bis 16. September 2001 voll arbeitsunfähig
gewesen und sei seit dem 17. September 2001 bis auf weiteres zu 50 %
arbeitsunfähig. Schon 1999 sei eine Abklärung von Rückenschmerzen und stechenden
Schmerzen in der Herzgegend erfolgt. Eine PHS links vom Januar 2001 habe auf
Physiotherapie und Infiltration hin gebessert. Im Sommer 2001 seien erhebliche Brust-,
Schulter- und bis ins rechte Bein ausstrahlende lumbale Schmerzen aufgetreten, die
trotz regelmässiger NSAR und Physiotherapie persistiert hätten. Die
belastungsabhängigen Schmerzen würden am Schluss der vierstündigen Arbeitszeit so
stark zunehmen, dass die von der Klinik Valens empfohlene Steigerung der
Arbeitsfähigkeit nicht möglich gewesen sei. Die gegenwärtige Tätigkeit sei dem
Versicherten halbtags ohne Leistungseinbusse zumutbar. Eine leichte Tätigkeit wäre
sinnvoll, lasse sich aber aus Fähigkeitsgründen nicht realisieren. Es sei also besser, ihn
am bisherigen Arbeitsplatz zu belassen. Die Klinik Valens hatte im Austrittsbericht vom
1. Februar 2002 (IV-act. 13) nach einem Aufenthalt des Versicherten vom 27. Dezember
2001 bis 22. Januar 2002 erklärt, bei guter Belastungsbereitschaft habe der Versicherte
seine funktionelle Leistungsfähigkeit steigern können (auf mittelschwere
Arbeitsbelastung). Die von ihm bezeichneten Gewichtsbelastungen bei der Arbeit
würden seine momentane funktionelle Leistungsfähigkeit übersteigen. Er sei jedoch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
unter Berücksichtigung der ergonomischen Leistungsfähigkeit dort weiterhin zu 50 %
arbeitsfähig. Unter weiterer medizinischer Trainingstherapie könne nach zwei bis drei
Monaten eine Steigerung auf 100 % angestrebt werden.
A.b In dem auf Initiative des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der Invalidenver
sicherung veranlassten Gutachten vom 1. Oktober 2003 berichtete die MEDAS
St. Gallen über das Ergebnis der interdisziplinären Begutachtung des Versicherten vom
5. bis 8. Mai 2003 (IV-act. 27). Es liege als Hauptdiagnose ein chronifiziertes thorako-
lumbovertebrales Syndrom mit lumbospondylogener Komponente vor, bei Skoliose,
thorakaler Hyperkyphose, muskulärer Dysbalance, segmentaler Dysfunktion, kleiner
subligamentärer Diskushernie L5/S1 mit möglicher intermittierender
Nervenwurzelirritation S1 links, beginnender Osteochondrose L4/5 und
Diskusprotrusion L4/5, hypertropher Spondylarthrose der distalen LWS, Chondrose
Th7/8, beginnend Th2/3 und Spondylose der BWS sowie St. n. thorakalem M.
Scheuermann. Der Versicherte sei in der ausgeübten Tätigkeit als
Konstruktionsschlosser/Schweisser noch zu 50 % (halbtags) arbeitsfähig. In körperlich
leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten unter Vermeidung rückenbelastender
Arbeiten wie repetitiven Lastenhebens über 15 kg bestehe theoretisch eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit, doch erscheine es zurzeit nicht sinnvoll, den Ver
sicherten in eine neue Berufstätigkeit umzuschulen. Mit zunehmendem Alter müsse mit
einer Progredienz der degenerativen thorako-lumbalen Veränderungen gerechnet
werden, so dass dahingestellt bleibe, wie lange der Versicherte die körperlich schwere
Tätigkeit noch werde ausüben können. Auf eine ergänzende Rückfrage hin erklärten die
Gutachter am 23. März 2004 (IV-act. 33), die theoretische volle Arbeitsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit sei zumutbar. Sollte der Versicherte schnell und dauerhaft eine
solche Arbeitsstelle finden, dürfte die Prognose gut sein. Wenn er aber den bisherigen
Arbeitsplatz verlieren und längere Zeit arbeitslos sein werde, sei nicht
unwahrscheinlich, dass aus psychischen Gründen mit der Zeit eine vollständige
Dauerinvalidität einsetzen werde. Ob berufliche Massnahmen zielführend seien, könne
von ärztlicher Seite nicht genau beurteilt werden. Falls nicht, dürfte es medizinisch-
therapeutisch und langfristig auch unter Kostengesichtspunkten sinnvoller sein, dass
der Versicherte so lange wie möglich an seinem Arbeitsplatz belassen und teilweise
berentet werde.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.c Gestützt auf diese medizinischen Überlegungen verfügte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen am 5. Mai 2004 (IV-act. 41;
vorderhand ab 1. Juni 2004) und am 23. Juni 2004 (IV-act. 42) die Ausrichtung einer
halben Rente bei einem Invaliditätsgrad von 50 % (Valideneinkommen Fr. 66'820.--,
Invalideneinkommen Fr. 33'410.--; vgl. IV-act. 39) ab 1. August 2002.
B.
B.a In einem Fragebogen zur Revision gab der Versicherte am 25. April 2006 an, sein
Gesundheitszustand sei gleich geblieben. Er verrichte nach wie vor beim gleichen
Arbeitgeber im gleichen Beruf leichtere Arbeiten in einem Pensum von 50 % (IV-act.
46).
B.b Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle kam nach Einholen von Arbeitgeber- und
Arztbericht zum Schluss, die seinerzeitige Rentenzusprache sei aufgrund einer falschen
Rechtsanwendung erfolgt, denn die Invalidität sei nicht aufgrund der zumutbaren
Erwerbsfähigkeit auf dem offenen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt ermittelt worden,
sondern lediglich im Rahmen der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit (IV-act. 52, 53). Die IV-Stelle verfügte daher am 22. Juni 2006
die Wiedererwägung der Verfügungen vom 5. Mai und 23. Juni 2004 mit Aufhebung
dieser Verfügungen und Einstellung der Rentenzahlungen (IV-act. 56).
B.c Mit Einsprache vom 29. Juni 2006 liess der Versicherte die Aufhebung der
Wiedererwägungsverfügung beantragen. Sie sei nicht hinreichend begründet; es seien
keine Gründe erkennbar, die eine Wiedererwägung rechtfertigen könnten. Es gebe
keine Anzeichen für eine zweifellose Unrichtigkeit (IV-act. 57). In der nachgereichten
Einsprachebegründung vom 9. August 2006 beantragte ein neu bestellter
Rechtsvertreter des Versicherten ergänzend die Ausrichtung einer halben Rente über
den 22. Juni 2006 hinaus, eventualiter die Rückweisung der Sache zur Einholung
weiterer medizinischer Berichte/Gutachten mit anschliessender Neubeurteilung,
subeventualiter die Gewährung von Eingliederungsmassnahmen. Der Versicherte habe
sich, da eine Wiedererwägung nie angekündigt worden sei, dazu nicht äussern oder
Beweisanträge stellen können. Die Verfügung widerspreche ausserdem dem Grundsatz
von Treu und Glauben und es seien alle Voraussetzungen des Vertrauensschutzes
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erfüllt (so habe der Versicherte im Vertrauen auf die Verfügung namentlich nachteilige
Dispositionen getroffen). Sollte an der Wiedererwägung festgehalten werden, habe der
Versicherte Anspruch auf eine Übergangsfrist bis zum Eintritt der
Wiedererwägungswirkungen. Er habe im Weiteren kurz nach dem Empfang der
angefochtenen Verfügung einen massiven gesundheitlichen Rückschlag erlitten und sei
gemäss dem beigelegten Arztzeugnis seit dem 19. Juli 2006 zu 100 % arbeitsunfähig
geschrieben. Zusätzlich zu den körperlichen Einschränkungen lägen nun
behandlungsbedürftige psychische Probleme vor (IV-act. 63). - Dr. B._ hatte dem
Versicherten in einem ärztlichen Zeugnis vom 26. Juli 2006 eine volle Arbeitsunfähigkeit
ab 19. Juli 2006 attestiert (IVact.65).
B.d Nachdem sie einen Verlaufsbericht von Dr. B._ (IV-act. 68) eingeholt hatte,
veranlasste die IV-Stelle am 5. bzw. 17. Oktober 2006, die Rente wieder auszurichten
und die Nachzahlung ab August 2006 zu leisten (IV-act. 74, 79). Das Psychiatrische
Zentrum St. Gallen (Dr. med. C._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie)
teilte in einem Arztbericht vom 17. November 2006 mit, der Versicherte leide seit
Wochen, mindestens seit Beginn der Behandlung am 4. August 2006 an einer
depressiven Episode mittelschweren Grades und sei zu 50 % arbeitsunfähig. Es sei
eine erneute Abklärung zu befürworten (IV-act. 82). Der RAD hielt eine Änderung des
Sachverhalts nicht für ausgewiesen (IV-act. 83) und nahm dann einen instabilen
Gesundheitszustand an, weshalb nach Abwarten des Verlaufs während eines halben
Jahres weitere Berichte einzuholen seien (IV-act. 85). In der Folge wurde festgehalten,
die Wiedererwägungsverfügung (vom 22. Juni 2006) sei aufzuheben, weil der
rechtserhebliche Sachverhalt zurzeit noch nicht feststehe. Unklar sei, ob sich der
psychische Gesundheitszustand verschlechtert habe (IV-act. 86). Mit Verfügung vom
24. Januar 2007 widerrief die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle die Verfügung vom
22. Juni 2006. Es würden weitere medizinische Abklärungen durchgeführt (IV-act. 87).
B.e Im MEDAS-Gutachten vom 10. Dezember 2007 (IV-act. 96; Begutachtung vom
29. und 31. Oktober 2007) wurden als Hauptdiagnosen benannt: (erstens) ein
chronifiziertes thoracolumbovertebrales Schmerzsyndrom mit anamnestisch
rezidivierenden, aetiologisch unklaren, sensiblen Reiz- und Ausfallsymptomen zirkulär
an den Unterarmen und Händen beidseits (mit unter anderem elektrographisch akuter
Denervation "C8" rechts, L5 und S1 links, mehrsegmentalen Osteochondrosen cervical
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sowie L4/5 und L5/S1, leichten zirkumferentiellen Diskushernien C5/6 und C6/7 ohne
Neurokompression, hemizirkumferentiell akzentuierten kleinvolumigen Diskushernien
L4/5 und L5/S1 mit dorsalem Einriss des Anulus fibrosus und linksseitiger rezessaler
Enge L4/5 ohne Neurokompression, hypertrophen, aktivierten Spondylarthrosen L3-S1
und mit klinischem Verdacht auf diskretes sensibles Sulcus ulnaris-Syndrom
rechtsbetont), (zweitens) eine Meralgia parästhetica rechtsbetont und (drittens) eine
Anpassungsstörung mit depressiven Reaktionen und Beeinträchtigung von anderen
Gefühlen bei einem chronischen Schmerzsyndrom infolge körperlicher Krankheit.
Sowohl in der aktuellen als auch in einer umschriebenen adaptieren Tätigkeit bestehe
eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %, und zwar seit mindestens August 2006
(Befundänderung Mitte 2006). Der Gesundheitszustand des Versicherten habe sich aus
somatischer Sicht gegenüber dem Vorgutachten eher verschlechtert denn verbessert.
Die Einschränkung auch für körperlich adaptierte Tätigkeiten beruhe auf einer
Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands. Nach einer vorübergehenden
vollen Arbeitsunfähigkeit während dreier Monate ab 19. Juli 2006 habe der Versicherte
die Tätigkeit als Konstruktionsschlosser/Schweisser wieder zu 50 % aufgenommen.
Der psychiatrische Sachverständige hatte die psychischen Störungen des Versicherten
als grundsätzlich gut behandelbar betrachtet. Das Problem liege jedoch in den
somatischen Beschwerden, welche bis dato weder durch adäquate ambulante noch
stationäre Behandlungen wesentlich hätten gebessert werden können. Die weitere
Entwicklung der Arbeitsfähigkeit in körperlich adaptierten Tätigkeiten bleibe aus
psychiatrischer Sicht offen, wobei damit gerechnet werden müsste, dass sich der
psychische Gesundheitszustand bei einem Verlust der aktuellen Arbeitsstelle erneut
verschlechtern dürfte.
B.f Der RAD führte in seiner Stellungnahme vom 11. Januar 2008 aus, da keine
depressive Episode mittleren Grades mehr, sondern nur noch eine Anpassungsstörung
vorliege, welche die Kriterien für eine depressive Störung klar nicht erfülle, sei eine
Verbesserung des Zustands zu verzeichnen. Eine Anpassungsstörung per se vermöge
keine Arbeitsunfähigkeit zu begründen. In einer Tätigkeit mit genügend Fremdkontrolle
und ohne relevante Eigenverantwortung sei der Versicherte unter Berücksichtigung der
somatischen Kriterien voll arbeitsfähig (IV-act. 97).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.g Mit einem Vorbescheid vom 22. Januar 2008 stellte die IV-Stelle eine Abweisung
des Leistungsgesuchs des Versicherten in Aussicht. Die erstmalige Rentenzusprache
im Jahr 2004 habe auf einer falschen Rechtsanwendung basiert, da lediglich auf die
Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit abgestellt worden sei, was dem
Invaliditätsbegriff widerspreche. Der Versicherte sei 2004 nicht in einer
leidensangepassten Tätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu mindestens
40 % erwerbsunfähig gewesen. Er sei in einer solchen Tätigkeit auch jetzt weiterhin voll
arbeitsfähig. Da sie zweifellos unrichtig gewesen seien, seien die Verfügungen vom 7.
Mai 2004 (recte: 5. Mai 2004), vom 23. Juni 2004 und vom 17. Oktober 2006 in
Wiedererwägung zu ziehen und rückwirkend aufzuheben. Der Invaliditätsgrad betrage
5 %. Auf eine Rückforderung zu viel erbrachter Rentenleistungen werde verzichtet (IV-
act. 103 f.).
B.h Gegen den Vorbescheid liess der Versicherte durch seinen nunmehrigen
Rechtsvertreter am 22. Februar 2008 einwenden, grundsätzlich seien die
Voraussetzungen für eine wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügungen aus den
Jahren 2004 und 2006 nicht gegeben. Der Versicherte habe annehmen dürfen, dass
ihm zu Recht eine Rente ausgerichtet worden sei, womit so oder anders lediglich über
seine zukünftigen Ansprüche entschieden werden könne. Es liege zudem eine weit
höhere Arbeitsunfähigkeit vor, wie einem beigelegten aktuellen Bericht von Dr. med.
D._, Facharzt medizinische Radiologie FMH, zu entnehmen sei, wonach eine akute
Lumboischialgie bestehe. Es sei bei Dr. D._ ein umfassender Bericht einzuholen (IV-
act. 105). Am 26. März 2008 brachte der Rechtsvertreter unter Beilage eines ärztlichen
Zeugnisses von Dr. B._ vom 29. Februar 2008 vor, der Versicherte stehe bei diesem
Arzt in intensiver Behandlung, insbesondere weil er Ende Dezember 2007 einen
neuerlichen Bandscheibenvorfall erlitten habe. Er sei zurzeit voll arbeitsunfähig (IV-act.
111). Der RAD hielt in der Folge fest, gemäss dem MRI-Befund habe sich eine
rechtsseitige Diskushernie L5/S1 entwickelt, die nun offensichtlich vermehrt
Beschwerden verursache. Der RAD sei über die objektiven Befunde nicht informiert; es
sei ein Bericht von Dr. B._ einzuholen (IV-act. 112).
B.i Dr. B._ führte im Arztbericht vom 14. April 2008 bei den Diagnosen unter
anderem an, aktuell bestehe eine Diskopathie L5/S1 mit Nervenwurzelkompression S1
rechts und ausserdem liege ein depressives Zustandsbild vor. Der Versicherte sei vom
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
30. März 2007 bis 29. Dezember 2007 zu 50 % arbeitsunfähig gewesen und sei seit
dem 30. Dezember 2007 (Ausstrahlung krampfartiger Schmerzen in das rechte Bein)
bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Trotz regelmässiger psychotherapeutischer
Behandlung, physikalischer Massnahmen und ausgebauter medikamentöser Therapie
leide der Versicherte unter ausgeprägten belastungsabhängigen Schmerzen. Trotz
zweimaliger PRT (periradikulärer Therapie) am 14. Januar und im April 2008 seien die
Beschwerden nur unvollständig zurückgegangen. Die neurologischen Ausfälle hätten
sich zurückgebildet, doch bestehe noch ein hinkender Gang. Das höchste realistische
Ziel wäre ein Wiedererreichen einer Arbeitsfähigkeit von 50 %. Von einer raschen
Berentung zu 50 % erwarte er (der Arzt) eine Stabilisierung der psychosozialen
Situation: Dass die negativen Vorbescheide den Versicherten weiter verunsichert
hätten, sei offensichtlich. Es seien ein Bericht des Psychiatrischen Zentrums einzuholen
und allenfalls eine erneute rheumatologische Beurteilung zu veranlassen. Die bisherige
Tätigkeit als Konstruktionsschlosser sei dem Versicherten allerhöchstens zu 50 %
zumutbar, andere Tätigkeiten seien es nicht, da seine Ressourcen aufgrund der
Polymorbidität deutlich eingeschränkt seien (IV-act. 113).
B.j Der RAD kam zum Schluss, dass es Ende Dezember 2007 zu einer akuten
Verschlechterung des lumbovertebralen Syndroms mit radikulärer Symptomatik
gekommen sei, weshalb ab diesem Zeitpunkt von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 %
auszugehen sei. Da es sich in der Regel um eine vorübergehende Verschlechterung
handle, sei auf Ende Juli 2008 ein Verlaufsbericht von Dr. B._ einzuholen. Es sei auch
sinnvoll, über das aktuelle psychische Zustandsbild informiert zu sein (IV-act. 114).
B.k Dr. C._ gab in ihrem Arztbericht vom 8. Juni 2008 als psychiatrische Diagnose
eine chronifizierte Depression mittleren Grades an. Diese sei seit Behandlungsbeginn
am 4. August 2006 feststellbar. Bis zum 30. Dezember 2007 habe eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 % bestanden, seither betrage die Arbeitsunfähigkeit wegen
einer Diskushernie 100 %. Der Versicherte sei sehr leistungsbezogen und ehrgeizig;
sein Leben seien seine fachlich sehr kompetente Arbeit und die Sorge für die Familie
gewesen. Da dies nicht mehr vollumfänglich möglich sei, und durch die zunehmenden
und dauerhaften Schmerzen im Bewegungsapparat habe sich eine zunehmende,
deutlich chronifizierte Depression entwickelt. Der Versicherte wolle sein restliches
Pensum unbedingt beibehalten, könne es aber nur noch mühsam aufrechterhalten.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Eine Operation sei indiziert; zusätzlich seien erhebliche internistische Probleme
(Hypertonie, Diabetes) vorhanden. Bei einer erfolgreichen Behandlung der Diskushernie
werde ein 50 %-Pensum wieder möglich sein. Ein Wechsel der angestammten Tätigkeit
werde weder vom Versicherten noch vom Arbeitgeber gewünscht. Aus psychiatrischer
Sicht sei eine Verschlechterung spürbar, die aber klar mit der Zunahme der
körperlichen Beschwerden korreliere. Der Versicherte zeige eine grosse Bereitschaft,
weiterhin zu arbeiten (IV-act. 119).
B.l In einem weiteren Verlaufsbericht vom 25. August 2008 gab Dr. B._ unter
Beilage von Berichten der Interdisziplinären medizinischen Dienste am Kantonsspital
St. Gallen vom 31. Juli 2008 an, die Diagnosen hätten sich geändert. Besonders die
Krämpfe in den Beinen und ferner das Spannungsgefühl hätten sich zurückgebildet.
Neu seien aber Hyp- und Parästhesien im Bereich der Finger IV und V aufgetreten, so
dass eine Abklärung habe veranlasst werden müssen. Eine relevante Pathologie habe
ausgeschlossen werden können. Ab dem 25. August 2007 (recte wohl: 2008) sei
probatorisch die Aufnahme der Arbeit zu 25 % (halbes Tempo, halbe Zeit) geplant. Ob
eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 50 % möglich sein werde, sei sehr fraglich (IV-
act. 122).
B.m Der Rechtsvertreter des Versicherten reichte am 18. September 2008 einen
Bericht von Dr. B._ an ihn (den Rechtsvertreter) vom 1. April 2008, einen Bericht von
Dr. D._ vom 9. Januar 2008 sowie einen Bericht des Instituts für Radiologie am
Kantonsspital St. Gallen vom 14. Januar 2008 (über die durchgeführte CT-gesteuerte
PRT) ein. Dr. B._ rege bei dieser relevanten Befundverschlechterung eine
Begutachtung an; es sei davon auszugehen, dass weitere medizinische Abklärungen
getätigt würden (IV-act. 123). Dr. B._ stellte im Übrigen die Frage, weshalb das
Gutachten vom Dezember 2007 keine Berücksichtigung gefunden habe.
B.n Der RAD hielt am 30. September 2008 fest, es bestünden Anhaltspunkte, dass
sich der Gesundheitszustand des Versicherten Ende Dezember 2007 sowohl in
somatischer wie auch in psychischer Hinsicht verschlechtert habe; die Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit könnten nicht beurteilt werden. Eine "Vergleichsbegutachtung"
sei indiziert (IV-act. 125).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.o Das zweite polydisziplinäre Verlaufsgutachten der MEDAS wurde am 23. April
2009 erstattet (Untersuchungen am 9. und 11. Februar 2009; IV-act. 132). Als
Hauptdiagnosen lagen danach vor: (erstens) ein chronifiziertes
thoracolumbovertebrales und der Verdacht auf ein intermittierendes lumboradikuläres
Reizsyndrom S1 rechts (mit unter anderem mässiggradiger mediorechtslateraler, nach
caudal sequestrierender Diskushernie L5/S1 mit mässiger Kompression der
Nervenwurzel S1 rechts recessal und einer hemizirkumferentiellen, kleinvolumigen
Diskushernie L4/5 ohne Neurokompression) und (zweitens) eine mittelgradige
depressive Episode mit somatischem Syndrom. Die Arbeitsunfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht betrage in Übereinstimmung mit dem Vorgutachten vom
Dezember 2007 für jegliche berufliche Tätigkeit 50 % (seit ca. Mitte 2006). Die vom 30.
Dezember 2007 bis August 2008 attestierte volle Arbeitsunfähigkeit sei aus
somatischer Sicht nachvollziehbar. Auch die seit Ende August 2008 bestätigte
Arbeitsunfähigkeit von 75 % (Arbeitsfähigkeit von 25 %) sei aus somatischer Sicht als
den gegebenen Umständen und der aktuell ausgeführten, als mittelschwer
einzustufenden Tätigkeit als Konstruktionsschlosser adäquat. Spätestens ab dem
Zeitpunkt der aktuellen Begutachtung sei eine Arbeitsfähigkeit in körperlich leichten bis
gelegentlich mittelschweren, wechselbelastenden beruflichen Tätigkeiten (unter
Vermeidung von Heben/Tragen von Lasten über 15 kg, ohne Tätigkeiten in
Wirbelsäulenzwangshaltungen und ohne repetitive Wirbelsäulenflexionen/-extensionen)
gegeben. Unter Einhaltung der Rückendisziplin sollte auch die angestammte Tätigkeit
auf 50 % (halbtags bzw. ganztags mit reduzierter Leistung) gesteigert werden können.
Der Versicherte sei jedoch sichtlich bestrebt, die Restarbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit beim bisherigen Arbeitgeber aufrechtzuerhalten. Der
Gesundheitszustand habe sich seit der letzten MEDAS-Begutachtung 2007
insbesondere aus somatischer Sicht passager verschlechtert. Die anlässlich der ersten
psychiatrischen Verlaufsbegutachtung gestellte Diagnose einer Anpassungsstörung mit
depressiven Reaktionen lasse sich heute nicht mehr aufrechterhalten, die depressiven
Phänomene seien deutlich ausgeprägt. Es bestehe eine Zunahme der psychischen
Beschwerden, vor allem depressiver Art.
B.p In seiner Stellungnahme vom 27. Mai 2009 hielt der RAD fest, retrospektiv sei
davon auszugehen, dass bereits Mitte 2006 eine mittelgradige depressive Episode
vorgelegen habe, welche nun chronifiziert sei. In Abweichung von der früheren
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Auffassung sei es deshalb angebracht, ab August 2006 aus psychiatrischer Sicht eine
(Arbeitsfähigkeit bzw.) Arbeitsunfähigkeit von 50 % für jegliche Tätigkeit anzunehmen.
Nach der Verschlechterung und der Verbesserung sei ab Ende April 2009 (Datum der
Begutachtung) wieder von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen (IV-act. 134).
B.q In einem Arbeitgeberbericht vom 3. Juli 2009 (IV-act. 136) wurde bescheinigt, dass
der Versicherte ein halbes Pensum leiste und einen dem Pensum gemässen Lohn
(Fr. 33'080.-- mit Fr. 2'000.-- Gratifikation; bei Fr. 62'160.-- Lohn für ein Vollzeitpensum
ohne Gratifikation) beziehe, der seiner Arbeitsleistung entspreche.
B.r Mit einem Vorbescheid vom 18. August 2009 stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle in Aussicht, dem Versicherten ab 1. März 2008 bei
einem Invaliditätsgrad von 80 % eine ganze und ab 1. Mai 2009 bei einem
Invaliditätsgrad von 57 % eine halbe Rente auszurichten (IV-act. 142 f.).
B.s Nachdem der Versicherte am 18. September 2009 die Ausrichtung einer ganzen
Rente auch für die Zeit ab Mai 2009 hatte beantragen (IV-act. 144), aber keine weiteren
Darlegungen hatte einreichen lassen, sprach die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
ihm mit Verfügung vom 28. Januar 2010 (IV-act. 153; dem Versicherten statt seinem
Rechtsvertreter eröffnet) rückwirkend für die Zeit vom 1. März 2008 bis 30. April 2009
eine ganze Rente bei einem Invaliditätsgrad von 80 % zu. Die Nachzahlung brachte sie
vollständig zur Verrechnung.
C.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh für den
Betroffenen am 1. März 2010 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers beantragt, die angefochtene Verfügung sei insofern aufzuheben,
als dem Beschwerdeführer keine ganze Invalidenrente zugesprochen werde, und es sei
ihm eine ganze Rente zuzusprechen. Die Beschwerdegegnerin gehe in medizinischer
Hinsicht von falschen Annahmen aus. Der Beschwerdeführer habe in der vergangenen
Zeit zwar zu 50 % gearbeitet, dabei aber nur eine sehr beschränkte Leistung erbringen
können. Von den jüngst Begutachtenden sei übersehen worden, dass es sich bei der
Arbeit des Beschwerdeführers um eine ausserordentlich harte und belastende Tätigkeit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
handle. Bereits zum Zeitpunkt der Verfügung habe er keine Arbeitsfähigkeit mehr
verwerten können; die Lumboischialgie verunmögliche es ihm, seiner bisherigen
Tätigkeit nachzugehen. Nach der Zeit, für welche ihm eine ganze Rente ausgerichtet
werde, habe sich keine Verbesserung ergeben. Zwischenzeitlich sei das
Arbeitsverhältnis durch den Arbeitgeber aufgelöst worden, weil der Beschwerdeführer
die Tätigkeit krankheitshalber nicht mehr habe verrichten können (IV-act. 156).
D.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 30. Juli/2. August 2010 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers in der bis 28. August 2009 ausgeübten Tätigkeit als Schlosser sei
nicht von Relevanz. Abzustellen sei vielmehr auf eine zumutbare Tätigkeit auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Gemäss dem dritten Gutachten habe sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers vorübergehend verschlechtert.
Spätestens ab der Begutachtung sei in einer adaptierten Tätigkeit aber wieder eine
Arbeitsfähigkeit von 50 % gegeben gewesen. Inwiefern diese Beurteilung
rechtsfehlerhaft sein sollte, sei nicht nachvollziehbar. Ab Februar 2009 habe sie (die
Beschwerdegegnerin) daher zu Recht eine Arbeitsfähigkeit von 50 % angenommen
und die ganze Rente ab 1. Mai 2009 auf eine halbe herabgesetzt. Auch die
medizinischen Unterlagen, die der Beschwerdeführer nach dem Zeitpunkt der
angefochtenen Verfügung eingereicht habe, vermöchten das Gutachten nicht zu
erschüttern. Insbesondere sei keine Verschlechterung des Gesundheitszustands
erkennbar, wie sich den Stellungnahmen des RAD vom 13. und vom 16. Juli 2010
entnehmen lasse. Gegen den Einkommensvergleich sei nichts eingewendet worden. -
Den Akten lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin vom
Beschwerdeführer nach Kenntnisnahme von der Beschwerde diverse Auskünfte
angefordert hatte, unter anderem ein ausführliches Arztzeugnis, das die
Verschlechterung seit der Begutachtung erörtere. Daraufhin sind verschiedene Berichte
eingereicht worden. Dr. B._ hatte in einem Arztbericht vom 15. Juni 2010 (IV-
act. 174-6 f.) berichtet, seit der letzten Begutachtung sei eine weitere Chronifizierung
eingetreten. Im Juni 2009 habe ein Perianalabszess behandelt werden müssen (vgl.
hierzu den Bericht der Klinik für Chirurgie am Kantonsspital St. Gallen vom 30. Juni
2009, IV-act. 174-4 f.). Im Januar 2010 habe eine erneute Abklärung auf der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schmerzsprechstunde am Kantonsspital stattgefunden (vgl. dazu die Berichte des
Departements Interdisziplinäre medizinische Dienste am Kantonsspital St. Gallen vom
4. Januar 2010, IV-act. 174-8 f., und vom 2. Februar 2010, IV-act. 174-1). Aktuell stehe
der Beschwerdeführer wegen einer Impingement-Symptomatik Schulter rechts in
Behandlung (vgl. diesbezüglich den Bericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie am
Kantonsspital St. Gallen vom 26. Mai 2010, IV-act. 174-9 f.). Er könne nur noch
körperlich nicht belastende Tätigkeiten ausüben, und zwar zu maximal 50 %. - Der
RAD hatte am 13. Juli 2010 dafürgehalten, die Kündigung sei aus invaliditätsfremden
Gründen erfolgt. Dr. B._ benenne keine stichhaltigen Argumente, welche die MEDAS-
Beurteilung entkräften könnten. Welche Funktionseinschränkungen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit sich aus den Schultergelenksbeschwerden rechts ergäben, lasse sich
erst bei stabilem Zustand feststellen. Zum Impingement-Syndrom sei ein Arztbericht
einzuholen (IV-act. 176). Nachdem die Klinik für Orthopädische Chirurgie am
Kantonsspital St. Gallen mitgeteilt hatte, mehr Informationen als die im Bericht vom
26. Mai 2010 enthaltenen seien nicht vorhanden, hatte der RAD am 16. Juli 2010 das
Abstellen auf das Ergebnis der Begutachtung befürwortet. Weitere Anzeichen für eine
Verschlechterung bestünden nicht. - In einer Arbeitgeberbescheinigung vom 1. Juni
2010 (IV-act. 162) war angegeben worden, das Arbeitsverhältnis sei aus
wirtschaftlichen Gründen und wegen der Nachfolgeregelung auf den 31. Mai 2010
aufgelöst worden. Letzter effektiver Arbeitstag des Beschwerdeführers sei der 28.
August 2009 gewesen. Die Kündigung war am 19. Februar 2010 erfolgt (IV-
act. 162-10).
E.
Von der ihm mit Schreiben vom 9. August 2010 eingeräumten Möglichkeit zur Replik
hat der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers keinen Gebrauch gemacht.

Erwägungen:
1.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 28. Januar 2010 hat die Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer während laufender halber Rente für eine begrenzte zurück
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
liegende Zeit (vom 1. März 2008 bis 30. April 2009) eine ganze Rente zugesprochen.
Sie hat damit über die Ergebnisse einer im April 2006 aufgenommenen Revision
(Anpassung) von Amtes wegen (vgl. IV-act. 40-1 und 46) verfügt. - Der Sachverhalt, der
mit der Verfügung nach Inkrafttreten der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 zu beurteilen
war, reicht in eine Zeit vor dieser Gesetzesrevision zurück, was aber, weil die materielle
Rechtslage bezüglich der Invaliditätsbemessung und der hier strittigen Aspekte der
Anpassung (z.B. nicht Art. 31 Abs. 1 IVG) unverändert blieb, keine Bedeutung hat. Die
Rechtsänderungen nach Erlass der angefochtenen Verfügung sind vorliegend nicht
relevant.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit 1. Januar 2008 gültigen Fassung) besteht der
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur
Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE
130 V 349 f. E. 3.5). Ob eine revisionsbegründende Änderung eingetreten ist, beurteilt
sich nach einer neueren Rechtsprechung durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im
Zeitpunkt der letzten (der versicherten Person eröffneten) rechtskräftigen Verfügung
bestand, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen
Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108), mit demjenigen zur
Zeit der streitigen Neubeurteilung (BGE 130 V 351 E. 3.5.2; BGE 125 V 369 E. 2).
2.3 Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind in
der Folge eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4; ZAK 1982 S. 34). Ob die versicherte Person eine ihr zumutbare Tätigkeit auch
tatsächlich ausübt, ist für die Invaliditätsbemessung hingegen unerheblich (Rz 3045
des vom Bundesamt für Sozialversicherungen erlassenen, ab 1. Januar 2012 gültigen
Kreisschreibens über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung =
KSIH).
2.4 Für die richterliche Beurteilung sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse
massgebend, wie sie bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verwaltungsverfügung
bestanden haben. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind insoweit zu
berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang
stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Verfügungserlasses zu
beeinflussen (Bundesgerichtsentscheid i/S L. vom 16. Februar 2010, 8C_393/09;
BGE 99 V 102).
3.
Dem Beschwerdeführer war im Mai/Juni 2004 bei einem Invaliditätsgrad von 50 %
formell rechtskräftig eine halbe Rente zugesprochen worden. Dabei war auf eine
entsprechende Arbeitsunfähigkeit in der weiterhin tatsächlich ausgeübten
angestammten, schweren Tätigkeit als Schlosser (gemäss dem MEDAS-Gutachten von
2003) abgestellt worden.
4.
4.1 Im Juli/August 2006 ist in der Folge, wie dem MEDAS-Gutachten vom
10. Dezember 2007 zu entnehmen ist, eine Verschlechterung des Gesundheitszustands
des Beschwerdeführers eingetreten, welche nach einer vorübergehenden kurzen vollen
Arbeitsunfähigkeit eine Herabsetzung der Arbeitsfähigkeit auch für eine adaptierte
Tätigkeit (von vorher 100 %) auf 50 % bewirkte. Die psychiatrisch bedingte
Verschlechterung ist nachträglich auch durch den RAD als
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
arbeitsunfähigkeitsbegründend anerkannt worden. Zu einer Erhöhung des Grades an
Erwerbsunfähigkeit führte diese Veränderung nicht, da immer noch eine
Arbeitsfähigkeit von 50 % erhalten blieb.
4.2 Am 30. Dezember 2007 erlitt der Beschwerdeführer einen Bandscheibenvorfall
(Diskushernie L5/S1). Dr. B._ attestierte ihm am 14. April 2008 eine Arbeitsunfähigkeit
von 100 % seit dem 30. Dezember 2007 bis auf weiteres. Nach dem Verlaufsbericht
vom 25. August 2008 sah der Arzt ab jenem Tag (zunächst versuchsweise) eine
Herabsetzung der Arbeitsunfähigkeit auf 75 % vor. Die MEDAS folgte dieser
Einschätzung der massgeblichen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in ihrem
Gutachten von 2009. Es kann demnach festgehalten werden, dass ab Dezember 2007
eine volle und ab August 2008 eine Arbeitsunfähigkeit von 75 % - für alle Tätigkeiten -
bestand, womit, wie die Beschwerdegegnerin zu Recht festgelegt hat, ein
Invaliditätsgrad vorliegt, der zum Bezug einer ganzen Rente berechtigt. Nach Art. 88a
Abs. 2 IVV ist eine anspruchsbeeinflussende Änderung bei einer Verschlechterung der
Erwerbsfähigkeit zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei
Monate angedauert hat. Dass die Beschwerdegegnerin den Anspruch des
Beschwerdeführers mit der angefochtenen Verfügung ab 1. März 2008 (Art. 88 Abs. 1
lit. b IVV erfordert keinen späteren Zeitpunkt) von einer halben auf eine ganze Rente
heraufgesetzt hat, ist nicht zu beanstanden (s. unten E. 5.4).
5.
5.1 Spätestens bis zum Zeitpunkt der Begutachtung - somit wohl im Februar 2009 -
war dem Beschwerdeführer hernach nach Auffassung der Gutachter somatisch
betrachtet eine Arbeitsfähigkeit für leichte bis gelegentlich mittelschwere,
wechselbelastende Arbeit wieder zumutbar geworden. Es verblieb nach gutachterlicher
Beurteilung eine (generelle) Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 50 % aus
psychiatrischen Gründen. Für die angestammte Tätigkeit waren die Gutachter mit
zurückhaltender Formulierung von einer Steigerungsmöglichkeit auf 50 %
Arbeitsfähigkeit ausgegangen, womit wohl nicht eine erst künftig (nach einer weiteren
Verbesserung) zu erwartende Steigerung gemeint war, die noch nicht zu
berücksichtigen wäre, sondern ein bereits zumutbarer Ausbau im Vergleich zum
Geleisteten.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.2 Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, eine solche Verbesserung
des Gesundheitszustands mit Wiedererlangen einer Arbeitsfähigkeit von 50 % sei
entgegen gutachterlicher Auffassung nicht eingetreten. Er habe seine belastende
angestammte Tätigkeit zwar zu 50 %, aber mit sehr reduziertem Rendement ausgeübt.
Schon bei Erlass der angefochtenen Verfügung habe er die Arbeitsfähigkeit nicht mehr
verwerten können. Das Arbeitsverhältnis sei danach aufgelöst worden, weil er die
Arbeit krankheitshalber nicht mehr habe verrichten können. - Dr. B._ stützt diesen
Standpunkt in seinem Bericht vom 15. Juni 2010 über den Verlauf seit der letzten
Begutachtung (nach Erlass der Verfügung erstellt, aber nicht ohne Bezug auch auf den
hier massgeblichen Zeitraum) insofern, als er den Beschwerdeführer in seiner
angestammten Tätigkeit immer noch lediglich als zu 25 % arbeitsfähig bezeichnet. Die
Beurteilung von Dr. B._ vermag allerdings im Beweiswert gegen jene der
interdisziplinären Gutachterstelle nicht anzukommen. Das Gutachten der MEDAS von
2009 kann als umfassend bezeichnet werden. Es ist begründet und sein Ergebnis
erscheint nachvollziehbar. Es besteht kein Anlass, diesbezüglich ergänzende
Abklärungen vorzusehen. Auch aus den nach Erlass der angefochtenen Verfügungen
beigebrachten medizinischen Unterlagen lässt sich für den hier zu beurteilenden
Zeitraum somit nicht auf eine 50 % überschreitende Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers in der bisherigen oder einer adaptierten Tätigkeit schliessen. -
Gemäss den Angaben der Arbeitgeberin vom 24. Juli 2009 (IV-act. 139) waren dem
Beschwerdeführer im Übrigen in der betreffenden Zeit (ab Februar 2009) jeweils aktuell
höhere als 50-prozentige Arbeitsunfähigkeiten attestiert worden, doch hatte seine
Arbeitsleistung stets dem Arbeitsfähigkeitsgrad entsprochen, was gegen eine
Verminderung des Rendements spricht. Dass die Kündigung schliesslich andere als
wirtschaftliche Gründe gehabt haben könnte, lässt sich den Akten nicht entnehmen.
Aus welchen Gründen der letzte Arbeitstag bereits im August 2009 geleistet wurde, als
auch nach Angaben vom 24. Juli 2009 wieder eine Arbeitsfähigkeit von 50 % vorlag, ist
nicht bekannt.
5.3 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung
primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte
Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei
der - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen
ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und
nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als
Invalidenlohn. Ist aber kein solches effektives Erwerbseinkommen gegeben, namentlich
weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder
jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so
können nach der Rechtsprechung statistische Werte beigezogen werden (vgl. BGE 129
V 472 E. 4.2.1, Bundesgerichtsentscheid i/S B. vom 6. Januar 2010, 8C_579/2009). Der
Beschwerdeführer hat nach Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigungen seine
Arbeit bei der Arbeitgeberin wieder aufgenommen und sie im Rahmen seiner
Arbeitsfähigkeit für diese Tätigkeit weiterführen können. Das war zur Vermeidung von
Arbeitslosigkeit wohl sinnvoll, war aber auch aus medizinischer Sicht befürwortet
worden, weshalb bei der ursprünglichen Rentenzusprechung (vom Mai 2004) hierauf
Rücksicht genommen worden ist. Diese ursprüngliche Rentenzusprache ist vorliegend
nicht zu beurteilen. Seit August 2006 waren die angestammte wie eine adaptierte
Tätigkeit im selben Ausmass medizinisch zumutbar. Der Beschwerdeführer hat die
angestammte Arbeit weitergeführt. Für die Zeit ab der Verbesserung einen neuen
Einkommensvergleich anzustellen, erübrigt sich daher, weil die massgebende
Arbeitsfähigkeit wieder das vor der interkurrenten Verschlechterung bestehende Mass
erreicht hat und die erwerblichen Verhältnisse unverändert (vgl. unten E. 5.4) sind. Es
rechtfertigt sich demnach, für die Zeit ab Februar 2009 bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der angefochtenen Verfügung (28. Januar 2010) im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit in
der angestammten Tätigkeit von einem Invaliditätsgrad von 50 % auszugehen.
5.4 Das konkrete Lohniveau wäre für einen auf die bisherige Tätigkeit bezogenen
Einkommensvergleich im Übrigen nicht von Bedeutung, da unter den gegebenen
Umständen ausnahmsweise (vgl. Bundesgerichtsentscheid i/S S. vom 18. Oktober
2007, 9C_575/2007) von der Arbeits- auf die Erwerbsunfähigkeit zu schliessen wäre.
Dass der Beschwerdeführer nach November 2009 kein tatsächliches Einkommen mehr
erzielte (vgl. IV-act. 162-4 f.), lässt sich nach der Aktenlage nicht auf die Invalidität
zurückführen. Durch den Verlust der Anstellung erfährt ein Invaliditätsgrad
grundsätzlich keine Änderung (vgl. Urs Müller, Die materiellen Voraussetzungen der
Rentenrevision in der Invalidenversicherung, Freiburg i. Üe. 2003, N 572). Es ist
vorliegend denn auch damit zu rechnen, dass der Beschwerdeführer im zu
beurteilenden Zeitraum seine beruflichen Fähigkeiten auch anderweitig im gleichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rahmen verwerten konnte. Ein Vergleich mit den statistischen Werten, die nach der
Rechtsprechung beigezogen werden, wenn kein repräsentatives effektives
Erwerbseinkommen gegeben ist (vgl. BGE 129 V 472 E. 4.2.1,
Bundesgerichtsentscheid i/S B. vom 6. Januar 2010, 8C_579/2009), zeigt, dass mit
einem rentenrelevant höheren oder tieferen Invaliditätsgrad angesichts des gleichen
Arbeitsunfähigkeitsgrades auch bei einem Wechsel auf den allgemeinen Arbeitsmarkt
nicht zu rechnen wäre.
5.5 Denn es wäre zu erwarten, dass der ausgebildete Beschwerdeführer in seiner
angestammten Tätigkeit bei einem anderen Arbeitgeber im statistischen Durchschnitt
für eine vollzeitliche Tätigkeit im Jahr 2008 (angesichts der gleichförmigen Entwicklung
kann auf eine Anpassung auf 2009 verzichtet werden) ein Jahreseinkommen von
Fr. 71'073.-- (Tabellenlohn für das Anforderungsniveau 3) hätte erzielen können, mit
seiner Arbeitsfähigkeit von 50 % also grundsätzlich Fr. 35'536.--, bei Berücksichtigung
eines angemessenen Abzugs von 10 % aber Fr. 31'982.--. Wenn der
Arbeitgeberbescheinigung vom 3. Juli 2009 zu entnehmen ist, dass er im Jahr 2008
ohne Gesundheitsschädigung (bei Vollpensum) ein Einkommen von Fr. 62'160.-- (ohne
Gratifikation) erzielt hätte, so war er an diesem konkreten Arbeitsplatz unterdessen
unterdurchschnittlich entlöhnt. Weil kein Anhaltspunkt dafür besteht, dass er sich
freiwillig mit einem unterdurchschnittlichen Einkommen begnügte, wäre für das
Valideneinkommen 2008 vom genannten Tabellenlohn von Fr. 71'073.-- auszugehen.
Löhne in ungefähr dieser Höhe hatte der Beschwerdeführer im Übrigen in den Jahren
1994, 1995 und nochmals 1998 und 1999 (aber nicht dazwischen und nicht mehr im
Jahr vor Eintritt des Gesundheitsschadens) tatsächlich erzielt. Der nach Tabellenlöhnen
berechnete Invaliditätsgrad machte somit 55 % (100 % - 0.9 x 50 %) aus. Unter
Berücksichtigung der Parallelisierungsaussparung von 5 % gemäss BGE 135 V 297
ergäbe sich ebenfalls ein Invaliditätsgrad, der zu einer halben Rente berechtigte
(Fr. 65'671.-- Valideneinkommen [92.4 % von Fr. 71'073.--; Fr. 62'120.-- liegen 12.6 %
unter dem Tabellenwert von Fr. 71'073.--; ausgeglichen werden nur 7.6 %
Minderverdienst]; Fr. 31'982.-- Invalideneinkommen [Fr. 71'073.-- x 0.5 x 0.9];
Invaliditätsgrad rund 51 %).
5.6 Da im Februar 2009 wieder ein Invaliditätsgrad von 50 % erreicht war, ist nicht zu
beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch ab 1. Mai 2009
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
herabgesetzt hat. Denn nach Art. 88a Abs. 1 IVV ist die anspruchsbeeinflussende
Änderung bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung oder
Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem
angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in
jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei
Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Ob für die Stufe
drei volle Monate hätten abgewartet werden (und die Herabsetzung daher auf 1. Juni
2009 hätte vorgesehen werden) müssen, kann vorliegend offen bleiben, da auch die
Heraufsetzung nach dem gleichen Modus wie die Herabsetzung vorgenommen wurde
(s. oben E. 4.2).
5.7 Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtmässig.
6.
Aus den im Beschwerdeverfahren eingereichten Akten geht hervor, dass dem
Beschwerdeführer nach Erlass der angefochtenen Verfügung wie erwähnt die jahrelang
innegehabte Anstellung gekündigt worden ist. Ausserdem ist beim Beschwerdeführer
eine Impingement-Symptomatik an der rechten Schulter aufgetreten. Nach Angaben
von Dr. B._ vom 15. Juni 2010 bewirkt sie, dass auch eine mittelschwere Arbeit nicht
mehr zumutbar sei. Für eine den Beschwerden adaptierte Tätigkeit attestiert der Arzt
ein Ausmass von Arbeitsfähigkeit von maximal 50 %. Ob sich der relevante
medizinische und erwerbliche Sachverhalt nach dem 28. Januar 2010 verändert hat, ist
vorliegend nicht zu beurteilen, sondern wäre Gegenstand eines neuen
Revisionsverfahrens.
7.
7.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
7.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Eine
Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint vorliegend angemessen. Nach Art. 95 Abs. 1
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz
oder teilweise abgewiesen werden. Demnach hat der unterliegende Beschwerdeführer
die Gerichtskosten gesamthaft zu tragen. Mit dem geleisteten Kostenvorschuss in
gleicher Höhe ist die geschuldete Gerichtsgebühr getilgt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP