Decision ID: 2a7a42a0-2c2d-40f3-a012-b267d22db2d6
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch B._,
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gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rückforderung Hilflosenentschädigung (Verwirkung, Vertrauensschutz)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ leidet seit Geburt unter anderem an einer schweren Cerebralparese
(Geburtsgebrechen 390) sowie an einer taktil-kinästhetischen Wahrnehmungsstörung
(act. G 7.1/16.3). Ab 1. Oktober 1995 wurden den Eltern der Versicherten (altrechtliche)
Pflegebeiträge für eine Hilflosigkeit mittleren Grades sowie Beiträge an die Kosten der
Hauspflege ausgerichtet (act. G 7.1/48 und 49). Die Leistungen wurden in den Jahren
1999 und 2002 revidiert und jeweils bestätigt (act. G 7.1/68, 69, 81, 82, ). Im Jahr 2004
wurden die altrechtlichen Leistungen erneut revidiert und ins neue Recht überführt. Der
Versicherten wurde somit ab 1. Januar 2004 eine Hilflosenentschädigung mittleren
Grades zuzüglich eines Intensivpflegezuschlags (20 %) zugesprochen (act. G 7.1/106).
A.b Nach Erreichen der Volljährigkeit erfolgte per 1. April 2006 eine erneute Revision,
wobei der Versicherten weiterhin eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades -
nunmehr ohne Intensivpflegezuschlag - zugesprochen wurde. Obwohl die IV-Stelle St.
Gallen der Ausgleichskasse einen entsprechenden Berechnungsauftrag erteilte,
richtete die Kasse irrtümlich eine Hilflosenentschädigung schweren Grades aus (act.
G 7.1/137, 138 und 141). Dieser Irrtum wurde erst anlässlich der nächsten Revision
vom Sommer 2010 bemerkt. Ausserdem wurde festgestellt, dass die Versicherte seit
4. August 2008 im Heim wohnte, weshalb ab diesem Zeitpunkt nur noch der halbe
Ansatz geschuldet sei. Der Versicherten wurde weiterhin eine Hilflosenentschädigung
mittleren Grades zugesprochen (act. G 7.1/175 und 177).
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A.c Mit Verfügung vom 26. August 2010 forderte die IV-Stelle St. Gallen für den
Zeitraum vom April 2006 bis August 2008 Fr. 19'065.-- sowie für den Zeitraum vom
September 2008 bis Juli 2010 Fr. 28'686.-- zurück, wobei letzterer Betrag direkt mit der
Nachzahlung von Ergänzungsleistungen verrechnet wurde (act. G 7.1/178). Mit Ver
fügung vom 18. September 2010 korrigierte die IV-Stelle den Rückforderungsbetrag
auf Fr. 18'402.--, da eine weitere Verrechnung mit Ergänzungsleistungen im Umfang
von Fr. 663.-- habe vorgenommen werden können (act. G 7.2/3). In Bezug auf die erste
Rückforderungsverfügung stellte der Vertreter der Versicherten (Vater) am 6.
September 2010 ein Erlassgesuch. Er habe die Verwaltung mit Schreiben vom 19.
Dezember 2006 auf ihren Irrtum hingewiesen. Die Hilflosenentschädigung sei deshalb
in gutem Glauben bezogen worden (act. G 7.2/4). Mit Schreiben vom 21. September
2010 teilte die Sozialversicherungsanstalt dem Vertreter mit, das fragliche Schreiben
sei ihr nicht bekannt, und forderte ihn auf, eine Kopie davon zur Prüfung des Erlasses
einzureichen (act. G 7.2/2). Diese ging zusammen mit dem Erlassgesuch bezüglich der
zweiten Rückforderungsverfügung am 29. September 2010 bei der
Sozialversicherungsanstalt ein (act. G 7.2/1). Dass die Sozialversicherungsanstalt das
Erlassgesuch weiter bearbeitet hätte, ist aus den Akten nicht ersichtlich.
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 18. September 2010 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 6. Oktober 2010 samt Ergänzung vom 21. Oktober 2010 mit dem
Antrag, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben. Ausserdem sei
gerichtlich festzustellen, dass die Rückforderung der Hilflosenentschädigung im Betrag
von Fr. 18'402.-- nicht geschuldet sei. Die Sozialversicherungsanstalt St. Gallen sei mit
Schreiben vom 19. Dezember 2006 auf den Irrtum aufmerksam gemacht worden,
nachdem sie diesbezüglich bereits zwei Mal telefonisch kontaktiert worden sei.
Nachdem die Sozialversicherungsanstalt (Ausgleichskasse) weiterhin eine
Hilflosenentschädigung schweren Grades ausgerichtet habe, sei er (der Inhaber der
elterlichen Sorge) von deren Rechtmässigkeit ausgegangen. Er berufe sich auf den
Vertrauensschutz gemäss Art. 5 Abs. 3 BV. Die Verfügung vom 6. Juni 2006 habe im
Dispositiv unmissverständlich festgehalten, dass die Beschwerdeführerin Anspruch auf
eine Hilflosenentschädigung schweren Grades habe. In der Begründung habe die
Beschwerdegegnerin indes ausgeführt, es liege bloss eine Hilflosigkeit mittleren
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Grades vor. Gemäss allgemeinen Grundsätzen sei das Dispositiv massgebend, nicht
die Begründung. Nachdem vorliegend der Vertrauensschutz zu beachten sei, sei die
Verfügung aufzuheben. Zudem seien die behaupteten Rückforderungsansprüche auf
Grund der relativen Frist von Art. 25 Abs. 2 ATSG verwirkt, da die Beschwerdegegnerin
bereits mit besagtem Schreiben vom 19. Dezember 2006 auf ihren Fehler aufmerksam
gemacht worden sei (act. G 1 und 3).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 4. Januar 2011 beantragt die Verwaltung Abweisung
der Beschwerde. Der vom Vertreter der Beschwerdeführerin genannte Brief vom
19. Dezember 2006 sei bei der Beschwerdegegnerin nicht aktenkundig. Es werde
deshalb bestritten, dieses Schreiben erhalten zu haben. Ebenso würden die
telefonischen Kontakte bestritten. Nachdem somit der Fehler erst anlässlich der
periodischen Überprüfung habe entdeckt werden können, sei die einjährige
Verwirkungsfirst eingehalten. Der Rechtsvertreter habe ausserdem gegen die
Meldepflicht verstossen, sei doch der Heimeintritt der Beschwerdeführerin im August

2008 nicht gemeldet worden. Nachdem zwischen Dispositiv und den Erwägungen ein
offensichtlicher Widerspruch gelegen habe, hätte der Vertreter der Beschwerdeführerin
auch diesbezüglich eine Meldepflicht gehabt. Er berufe sich deshalb zu Unrecht auf
den guten Glauben (act. G 7).
B.c Mit Replik vom 7. März 2011 macht der Vertreter der Beschwerdeführerin
weiterhin geltend, die relative Verwirkungsfrist des Rückforderungsanspruchs beginne
spätestens mit dem Eingang des Schreibens der Beschwerdeführerin vom 19.
Dezember 2006 bei der Sozialversicherungsanstalt zu laufen. Es gehe nicht an, dass im
geschäftlichen Alltag jedes einzelne Schriftstück mit eingeschriebener Post zugestellt
werden müsse. Das mangelhafte Ablagesystem und das Fehlen von internen Notizen
bei der Beschwerdegegnerin könne der Beschwerdeführerin nicht zum Nachteil
gereichen. In Bezug auf den Aufenthalt im Wohnheim C._ sei festzustellen, dass die
Beschwerdegegnerin sehr wohl davon Kenntnis gehabt haben müsse, seien doch in
der Verfügung vom 20. November 2008 (Ergänzungsleistungen) die entsprechenden
Kosten berücksichtigt worden (act. G 13). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine
Duplik (act. G 15).
Erwägungen:
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1.
Vorliegend ist einzig die Frage der Rückforderung der nicht mit nachträglich erbrachten
Ergänzungsleistungen verrechenbaren Hilflosenentschädigung umstritten (Zeitraum
vom April 2006 bis August 2008). Unbestritten ist demgegenüber der Grad der
Hilflosigkeit sowie die Tatsache, dass ab Heimeintritt im August 2008 nur noch
Anspruch auf den halben Ansatz besteht, und damit auch die Berechnung der
Rückforderung als solcher. Ebenso ist unbestritten, dass die Beschwerdegegnerin die
für den Zeitraum September 2008 bis Juli 2010 entstandene Rückforderung -
vorbehältlich der durch Verwirkung untergegangenen Rückforderung betreffend
Heimaufenthalt (vgl. nachstehende Erwägung 3.2) - mit der Nachzahlung der
periodengleichen Ergänzungsleistungen verrechnen durfte.
2.
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten. Wer Leistungen in gutem
Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte
vorliegt (Art. 25 Abs. 1 ATSG). Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf
eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat,
spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen
Leistung (Art. 25 Abs. 2 ATSG).
3.
3.1 Zunächst ist die Frage zu klären, ob die Rückforderung, wie vom Rechtsvertreter
geltend gemacht, zum Zeitpunkt des Erlasses der Rückforderungsverfügung bereits
verwirkt war. In Bezug auf die Ausrichtung einer schweren anstatt einer mittleren
Hilflosenentschädigung macht der Rechtsvertreter zunächst geltend, er habe die
Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 19. Dezember 2006 sowie zwei vorgängigen
Telefonaten darauf aufmerksam gemacht, dass zwischen dem Verfügungsteil 2,
welcher der Beschwerdeführerin eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades
zuspreche, und der Berechnungsverfügung der Ausgleichskasse vom 6. Juni 2006, der
von einer schweren Hilflosigkeit ausgehe, ein Widerspruch bestehe. Demgegenüber
bestreitet die Beschwerdegegnerin, dieses Schreiben sowie die Telefonanrufe erhalten
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zu haben. Auf Grund der Aktenlage kann nicht gesagt werden, das fragliche Schreiben
(act. G 7.2/1.2) sei erst nachträglich erstellt worden. Immerhin sind auf der vom
Rechtsvertreter als Beweismittel eingereichten Kopie der Verfügung vom 6. Juni 2006
aber noch andere handschriftliche Notizen angebracht, nämlich die Ansätze für die
Hilflosenentschädigung ab 1. Januar 2007 und ab 1. Januar 2009 (act. G 1.3, S 1).
Dabei wurden die jeweiligen Sätze für eine Hilflosenentschädigung schweren Grades
festgehalten (act. G 1.3). Denkbar wäre somit, dass das fragliche Telefongespräch vom
"13/12" (act. G 1.3, S. 4) nicht 2006 stattgefunden hat sondern erst 2008 (oder noch
später), als die Sätze für 2009 bekannt waren (was nebenher noch erklären würde,
weshalb das Gespräch erst im Dezember [2006] stattgefunden haben soll und nicht
unmittelbar nach Erhalt der fraglichen Verfügung). Denkbar wäre im Weiteren auch,
dass sich das Gespräch mit Frau D._ nicht auf den umstrittenen Widerspruch
bezogen hat, sondern nur auf die zu erwartende Hilflosenentschädigung, wären doch
sonst wohl die korrekten Ansätze vermerkt worden. Zwar spricht der Ort der
Telefonnotiz (Rückfragen betreffend Grad der Hilflosigkeit) für die Version der
Beschwerdeführerin, wohingegen die Tatsache, dass von den behaupteten drei
Meldungen keine einzige aktenkundig geworden ist, wiederum dagegen spricht.
Nachdem es weiter auch keine Hinweise darauf gibt, dass die Beschwerdegegnerin
das fragliche Schreiben vom 19. Dezember 2006 fahrlässig verloren oder gar
vorsätzlich aus den Akten entfernt haben könnte, steht somit Aussage gegen Aussage.
Die von der Beschwerdeführerin behauptete Meldung im Dezember 2006 ist damit
nicht (mindestens) mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
dargetan. Da die Beschwerdeführerin aus der rechtzeitigen Zustellung des Schreibens
Rechte ableiten will, trägt sie nach einem allgemeinen Rechtsgrundsatz die Folgen der
Beweislosigkeit.
3.2 Replicando macht die Beschwerdeführerin zudem geltend, die
Beschwerdegegnerin hätte die Überprüfung des Anspruchs nicht erst nach vier Jahren
vornehmen dürfen. Dem ist jedoch entgegen zu halten, dass die Überprüfung des
Anspruchs bei der Zusprache im April 2006 auf den 1. April 2010 festgelegt wurde (act.
G 7.1/137). Dies ist nicht zu beanstanden, kann doch bei langlaufenden
Dauerleistungen und bei stabilen Verhältnissen von der Verwaltung nicht verlangt
werden, dass sie die Leistungsausrichtung in sehr kurzen Abständen immer wieder
überprüft. Vielmehr muss es genügen, wenn sie dies in einem gewissen zeitlichen
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Abstand tut. Ein Revisionsintervall von vier Jahren erscheint in einem Fall wie dem
vorliegenden - auch im Interesse der versicherten Person - sinnvoll. Weiter ergeben
sich keine Anhaltspunkte, dass die Beschwerdegegnerin auf Grund der Umstände
früher auf den Fehler hätte aufmerksam werden können und sollen. Diesbezüglich ist
auch die Besonderheit zu berücksichtigen, dass die Beschwerdegegnerin nur den Grad
der Hilflosigkeit festlegt, die Berechnung der konkreten Leistung aber durch die
Ausgleichskasse erfolgt. Zusammenfassend ist die Beschwerdegegnerin ihrer
Überprüfungspflicht genügend nachgekommen, wenn sie den Fehler anlässlich der
nächsten periodischen Revision spätestens am 29. Juni 2010 entdeckt hat (vgl. act. G
7.1/176). Indem sie bereits am 26. August 2010 (erstmals) die Rückforderung verfügt
hat (act. G 7.1/178), hat sie die einjährige relative Verwirkungsfrist ohne Weiteres
eingehalten.
4.
4.1 Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, die Sozialversicherungsanstalt
habe bereits vor der Revision vom Mai 2010 von ihrem Aufenthalt in der
Wohngemeinschaft C._ ab dem 4. August 2008 gewusst. So habe sie (genauer: die
Ausgleichskasse) die entsprechenden Kosten bei der Berechnung der
Ergänzungsleistung berücksichtigt (vgl. Verfügung vom 20. November 2008 [act. G
13.3]). Dies trifft unbestrittenermassen zu. Im Weiteren geht auch aus dem
Schlussbericht des Berufsberaters der IV hervor, dass die Beschwerdeführerin nach
Abschluss der Ausbildung in der Industrieabteilung des E._ tätig sein werde und ihr
Privatleben im Wohnheim C._ gestalten werde (act. G 7.1/16). Im Feststellungsblatt
vom 24. Juli 2008 hat die IV-Stelle (Rentenabteilung) sodann festgehalten, die
Beschwerdeführerin beziehe eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades (act. G
7.1/162). Somit wusste nicht nur die Ausgleichskasse vom Heimaufenthalt (wenngleich
sie sich offenbar nicht gewahr wurde, dass bei Heimaufenthalt die
Hilflosenentschädigung nicht zum ganzen Ansatz in die EL-Berechnung hätte
eingesetzt werden dürfen) sondern auch die Rentenabteilung der IV-Stelle (vgl. auch
Feststellung vom 29. Juni 2010 [act. G 7.1/176], wonach die zuständige Abteilung
[Hilflosenentschädigung] von der Rentenabteilung nicht über den Heimaufenthalt
informiert worden sei). Nachdem die IV-Stelle sowohl für die Eingliederung als auch für
die Bemessung der Invalidität und der Hilflosigkeit zuständig ist (Art. 57 Abs. 1 IVG),
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muss sich die Abteilung Hilflosenentschädigung die Kenntnis der anderen Abteilung
innerhalb derselben Verwaltungseinheit anrechnen lassen (vgl. BGE 112 V 182 E. 4c).
Im Übrigen ist für die Recht suchende Person gar nicht ohne Weiteres erkennbar, dass
die einzelnen Leistungsarten von verschiedenen Abteilungen der IV-Stelle bearbeitet
werden, ist auf den Verfügungen doch nur angegeben, ob die Ausgleichskasse oder
die IV-Stelle zuständig ist. Eine weitere Unterteilung der IV-Stelle in Abteilungen ist
daraus nicht ersichtlich und wird etwa auch nicht auf der Homepage der
Sozialversicherungsanstalt kommuniziert. Der Vertreter der Beschwerdeführerin durfte
zudem davon ausgehen, der Umstand des Heimeintritts per 4. August 2008 sei der
Beschwerdegegnerin bekannt. So war die Beschwerdeführerin und ihr Vertreter im
regelmässigen, relativ engen Kontakt mit den Durchführungsorganen der IV, namentlich
auch zum Zeitpunkt der Beendigung der Ausbildung im E._, als es darum ging, das
weitere Vorgehen zu planen.
4.2 Mithin ist davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin bereits ab der
Feststellung vom 24. Juli 2008, spätestens aber mit der EL-Verfügung vom 20.
November 2008 Kenntnis des (vorgesehenen) Heimaufenthaltes hatte. Die
Verwirkungsfrist endete damit spätestens am 19. November 2009. Die
Rückforderungsverfügung vom 26. August 2010 ist damit in Bezug auf die den
Heimaufenthalt betreffende Rückforderung für die Zeit September 2008 bis August
2009 (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 19. Februar 2010, 9C_482/2009, E. 3.3.3) zu
spät erfolgt. Demzufolge ist der Rückforderungsanspruch für diesen Teil verwirkt,
weshalb auch keine Verrechnung erfolgen kann. Die Verrechnung ist - auch ohne
konkreten Antrag - von Amtes wegen zu korrigieren. Zwar hat die erneute Korrektur für
die Beschwerdeführerin keine Auswirkungen, indessen werden Hilf
losenentschädigungen und Ergänzungsleistungen nicht aus den gleichen Mitteln
alimentiert. Die Neuberechnung der Ergänzungsleistungen sowie die Verrechnung mit
der Rückforderung der Hilflosenentschädigung ab September 2008 bis August 2009
sind damit - in Bezug auf den Heimeintritt (halber Ansatz) - rückgängig zu machen.
5.
5.1 In Bezug auf den nicht verwirkten Teil der Rückforderung ist sodann zu prüfen, ob
sich die Beschwerdeführerin auf den Vertrauensschutz berufen kann. In seiner
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Beschwerde vom 6. Oktober 2010 macht der Vertreter geltend, die
Beschwerdegegnerin habe im Dispositiv unmissverständlich festgehalten, dass der
Beschwerdeführerin ein Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung schweren Grades
zustehe. In der Begründung sei dann ausgeführt worden, es liege bloss eine
Hilflosenentschädigung mittleren Grades vor. Nachdem die Beschwerdegegnerin auf
seine Telefonanrufe und sein Schreiben vom 19. Dezember 2006 nicht reagiert habe,
habe er in guten Treuen davon ausgehen dürfen, dass der Verfügungsinhalt im
Dispositiv zu gelten hat und nicht die Begründung.
5.2 Diese Ansicht trifft nicht zu. Zunächst stellt der von der Ausgleichskasse
ausgestellte Teil der Verfügung vom 6. Juni 2006 (act. G 7.1/141) die blosse
Abrechnung dar. Entgegen der Ansicht des Vertreters enthält der daran angeheftete -
durch die IV-Stelle ausgefertigte - Verfügungsteil 2 nicht bloss die Begründung sondern
auch das Dispositiv ("Wir verfügen deshalb: ..."). Dort wird unmissverständlich
festgehalten, dass die Beschwerdeführerin ab 1. April 2006 Anspruch auf eine
Entschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit habe (act. G 7.1/138.2). Es ist damit
offensichtlich, dass die durch die Ausgleichskasse erstellte Abrechnung fehlerhaft war
(entsprechend einem blossen Rechnungsfehler). Dass die vom Vertreter (grundsätzlich
richtig) aufgeführten Voraussetzungen für den Vertrauensschutz vorliegend nicht erfüllt
sind, ergibt sich schon allein daraus, dass er den Fehler nach eigenen Angaben
bemerkt hat und der Beschwerdegegnerin gemeldet haben will. Selbst wenn er die
Beschwerdegegnerin tatsächlich auf den Widerspruch aufmerksam gemacht haben
sollte, könnte er sodann nicht automatisch von der Untätigkeit der
Beschwerdegegnerin auf die Richtigkeit der zu hohen Auszahlung schliessen.
Nachdem er im Revisionsfragebogen vom 29. März 2006 angegeben hat, es habe
keine wesentliche Veränderung seit der letzten Eingabe stattgefunden (act. G
7.1/132.5) und nachdem die Beschwerdeführerin seit 1995 Anspruch auf eine Hilf
losenentschädigung (bzw. Pflegebeiträge) für eine mittlere Hilflosigkeit gehabt hatte,
musste die plötzliche Ausrichtung einer Hilflosenentschädigung schweren Grades ohne
entsprechende Begründung als unplausibel erscheinen. Dass ihm bei den diversen
(geltend gemachten) telefonischen und schriftlichen Kontakten von der
Beschwerdegegnerin zugesichert worden wäre, mit der Auszahlung der höheren
Entschädigung habe es seine Richtigkeit, wird vom Vertreter schliesslich nicht einmal
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behauptet. Mangels Vertrauensgrundlage kann sich die Beschwerdeführerin somit
nicht auf den Vertrauensschutz berufen.
6..
Zu prüfen bleibt noch die Frage, ob eine rückwirkende Änderung des Anspruchs im
Sinn von Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV möglich ist. Grundsätzlich kann nur rückwirkend
angepasst werden, wenn die versicherte Person die Leistung unrechtmässig erwirkt hat
oder ihr (oder ihrem Rechtsvertreter) eine Meldepflichtverletzung vorgeworfen werden
kann. Ersteres trifft vorliegend nicht zu. Ob letzteres zutrifft, kann offen bleiben, ist
doch davon auszugehen, dass die genannte Bestimmung hier nicht anwendbar ist.
Passiert der Fehler - wie vorliegend - bei der Umsetzung des der Ausgleichskasse
durch die IV-Stelle formell richtig mitgeteilten Beschlusses, ist ein iv-spezifischer
Gesichtspunkt zu verneinen, womit es bei der Rückerstattungsordnung von Art. 25
ATSG bleibt (Ulrich Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2. Aufl.,
S. 406 f. mit Hinweisen). Dass schliesslich für die Rückforderung ein Rückkommenstitel
(Wiedererwägungsgrund) vorliegt, ist zu Recht nicht umstritten. So war die Auszahlung
einer Hilflosenentschädigung schweren Grades, obwohl nur eine solche mittleren
Grades verfügt worden war, offensichtlich unrichtig und die Berichtigung von grosser
Bedeutung.
7.
7.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde - was den Zeitraum von April 2006 bis
August 2008 betrifft - abzuweisen. Für den Folgezeitraum von September 2008 bis
August 2009 ist festzustellen, dass die auf der Anwendung des halben Satzes
beruhende Rückforderung (Heimaufenthalt) verwirkt ist. Es kann somit diesbezüglich
keine Rückforderung mehr vorgenommen werden. Analog dazu ist die EL-Berechnung
ebenfalls wieder zu korrigieren, womit der Gesamtanspruch der Beschwerdeführerin
allerdings unverändert bleibt. Ebenso ändert sich nichts an der Verrechenbarkeit der
nicht verwirkten Forderung (schwere/mittlere Hilflosigkeit) mit den periodengleichen
Ergänzungsleistungen.
bis
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7.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Nachdem
der Verfahrensausgang einem vollständigen Unterliegen der Beschwerdeführerin
entspricht, sind ihr die Kosten vollumfänglich aufzuerlegen. Der von ihr geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist daran anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP