Decision ID: 0552633f-1946-4e36-a1fc-8d074f42209a
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1958, zuletzt tätig gewesen als Verkaufsberaterin in einem Dessous- und Modegeschäft, verletzte sich am 20.
Januar
2004 beim Transport eines Stein-Glas-Tisches mit anschliessendem Sturz in eine Gartenrabatte am linken Daumen (Urk.
7/30/186).
Am 21. März 2006
(Eingang)
meldete sich die Versicherte zum Leistungsbezug bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung an (Urk. 7/21). Schliesslich
sprach ihr die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Wirkung ab 1. März 2008 eine halbe Invalidenrente zu (Verfügung vom 18. November 2010 [Urk. 7/120]). Diese Verfügung wurde mit Urteil des Sozial
versicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 6. Juli 2012 (Prozess Nr. IV.2010.01241; Urk. 7/127) bestätigt. Dabei errechnete das
Sozialversicherungs
gericht
einen Inv
aliditätsgrad von 59 % (E. 4.6), basierend unter anderem auf dem Zumutbarkeitsprofil, wonach der Versicherten lediglich noch eine körper
lich leichte Tätigkeit, welche überwiegend einhändig durchführbar ist, mit ei
nem Pensum von 50 % zumutbar ist (E. 3.6).
1.2
Mit Schreiben vom 19. August 2015 (Urk. 7/136/1; vgl. auch Urk. 7/136/2-3) wandte sich die Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG (nach
folgend: Mobiliar), die der Versicherten als zuständige Unfallversicherung we
gen der Folgen des Unfalls vom 20. Februar 2004 eine Invalidenrente ausrich
tete, an die IV
Stelle und liess ihr diverse Akten zukommen (vgl. Urk. 7/136/
4-28). Aus diesen Akten ging hervor, dass die Mobiliar gestützt auf
Observa
tionsmaterial
, das sie
von
einer
beauftragten
Privatdetektei
erhalten
hatte, nicht nur eine Rentenrevision plane, sondern die vorsorgliche Einstellung der Invali
denversicherung in Betracht ziehe.
1.3
Am 11. September 2015
(
Urk.
7/150)
teilte die IV
Stelle
, die bereits im Juni 2015 ein Rentenrevisionsverfahren eingeleitet hatte (vgl. Urk. 7/131),
der Versi
cherten mit, dass sie beabsichtige, die
Invalidenrente zu sistieren. Dabei verwies die IV
Stelle unter anderem auf Observationsmaterial, das ihr von
der
Mobiliar zugesandt worden war. Die IV
Stelle hielt dafür, dass die Ergebnisse der er
wähnten Observation auf eine Verbesserung des Gesundheitszustandes schlies
sen liessen.
Mit Eingabe vom 25. September 2015 (Urk. 7/156) liess die Versicherte
unter anderem die Weiterausrichtung der bisherigen Invalidenrente und die Vernich
tung der Observationsunterlagen beantragen.
Mit Verfügung vom 2. Oktober 2015 (Urk. 2 = Urk. 7/160) sistierte die IV
Stelle - wie angekündigt - die bishe
rige Invalid
enrente per Ende September 2015 und entzog einer allfälligen Be
schwerde die aufschiebende Wirkung.
2.
Dagegen liess die Versicherte mit Eingabe vom 14. Oktober 2015 (Urk. 1) Be
schwerde erheben mit folgenden Anträgen:
1.
Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 02. Oktober 2015 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin anzuweisen, die per 01. Oktober 2015 eingestellten Rentenleistungen unverzüglich weiter auszurichten;
2.
Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die Observationsakten zu vernichten;
3.
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Beschwerde
gegnerin
.
Die IV
Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 17. November 2015 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde, was der Versicherten am 18. November 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (vgl. Urk. 9).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
3.
Die Mobiliar stellte mit Verfügung vom 8. September 2015 die Rentenleistungen vorsorglich ein. Die dagegen am 16. September 2015 erhobene Beschwerde hat das hiesige Gericht mit heutigem Urteil abgewiesen (Prozess Nr. UV.2015.00187).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]).
1.2
Gemäss Lehre (Urs Müller, Das Verwaltungsverfahren in der Invalidenversiche
rung, Bern 2010,
Rz
2329) und Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts 9C_45/2010 vom 12. April 2010 E. 2 mit Hinweisen, insbesondere auch auf
Art. 45 Abs. 2
lit
.
g
des
Bundesgesetz
es
über das Verwaltungsverfahren [
VwVG
]
in der bis Ende 2006 gültig gewesenen Fassung
)
sind
die
Sozialversicherungs
träger
grundsätzlich zum Erlass vorsorglicher Massnahmen ermächtigt. Die Er
mächtigung gründet in der Anknüpfung an das
VwVG
(Art. 4 und Art. 19) be
ziehungsweise an das Bundesgesetz über den Bundeszivilprozess (BZP; Art. 41 beziehungsweise Art. 79) und stützt sich insbesondere auf das materielle Bun
desrecht, dessen Durchsetzung die vorsorglichen Massnahmen sichern sollen. Die Befugnis zum Erlass vorsorglicher Massnahmen gilt auch für
Rentenrevisi
onsverfahren
gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG, in Verfahren betreffend
Wiederer
wägung
gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG sowie bei einer prozessualen Revision nach Art. 53 Abs. 1 ATSG (Urs Müller, a.a.O.,
Rz
23
30
)
.
Hauptanwendungsfälle von vorsorglichen Massnahmen in der Praxis sind einer
seits die Einstellung einer laufenden Rente und andererseits der Entzug der aufschiebenden Wirkung einer Beschwerde (Urs Müller, a.a.O.,
Rz
2328).
Dabei hat die über die Anordnung vorsorglicher Massnahmen befindende Be
hörde eine Interessenabwägung vorzunehmen, wobei die gleiche
Interessenab
wägung
wie bei der Frage des
Suspensiveffekts
(vgl.
Art. 11 der Verordnung
über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSV] in Verbindung mit Art. 55
VwVG
) zum Zug kommt. Mithin ist zu prüfen, ob die Gründe, die für die Wirksamkeit der vorsorglichen Anordnung sprechen, gewichtiger sind als jene, die für die gegenteilige Lösung angeführt werden können, wobei der beurteilenden Behörde ein gewisser Ermessensspielraum zusteht und beim Ent
scheid im Allgemeinen auf den Sachverhalt abzustellen ist, der sich aus den vorhandenen Akten und ohne zeitraubende weitere Erhebungen ergibt. Bei der vorzunehmenden Abwägung der widerstreitenden Interessen fallen auch die Aussichten auf den Ausgang des Verfahrens in der Hauptsache ins Gewicht, welche allerdings eindeutig sein müssen (vgl. etwa Urteile des damaligen Eidge
nössischen Versicherungsgerichts I 426/05 vom 8. August 2005 E. 2.2, I 57/03 vom 3. April 2003 E. 4.1 und U 21/02 vom 11. Dezember 2002 E. 7.2 und 8.2, je mit Hinweisen).
Bei der Abwägung der Gründe für und gegen eine einstweilige Sistierung der Rentenleistungen steht dem Interesse der Versicherung, eine Rückforderung we
gen der damit verbundenen administrativen Erschwernisse und der Gefahr der
Uneinbringlichkeit
nach Möglichkeit zu vermeiden, das Interesse der versicher
ten Person gegenüber, während der Dauer des Prozesses den Lebensunterhalt ohne entsprechende Versicherungsleistungen bestreiten zu müssen. Für den Fall, dass die Prozessaussichten der versicherten Person im Hauptverfahren nicht eindeutig positiv sind, das Interesse der
Verwaltung beziehungsweise der Versi
cherung an der Vermeidung administrativer Umtriebe und Verhinderung von Rückforderungsausfällen regelmässig höher gewichtet wird als dasjenige der versicherten Person, nicht in eine Notlage zu geraten (vgl. Urteil des Schweize
rischen Bundesgerichts 8C_110/2008 vom 7. Mai 2008, E. 2.3 sowie Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 426/05 vom 8. August 2005 E. 2.3, mit Hinweisen auf BGE 105 V 269 E. 3, AHI 2000 S. 185 E. 5 und RKUV 2004 Nr. U 521 S. 50 E. 4.1, mit dortigen Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete
in der angefochtenen Verfügung vom 2. Oktober 2015 (Urk. 2)
die Sistierung der bisherigen Invalidenrente per Ende September 2015
im Wesentlichen damit, dass die von der Mobiliar veranlasste Observation Anhaltspunkte ergeben habe, die auf eine Verbesserung des Ge
sundheitszustandes der Beschwerdeführerin schliessen liessen. Das
Observa
tionsmaterial
zeige, dass die Beschwerdeführerin beidhändig eine uneinge
schränkte Handfunktion habe. Aufgrund des Filmmaterials sei davon auszuge
hen, dass ihr dies über eine längere Zeitspanne möglich sei und nicht nur - wie geltend gemacht - nach Einnahme starker Schmerzmittel. Es sei möglich, dass eine nicht gemeldete Verbesserung vorliege, weshalb die Voraussetzungen für eine Sistierung gegeben seien. Zur weiteren Klärung des Sachverhalts sei eine polydisziplinäre Begutachtung notwendig, die bereits in die Wege geleitet wor
den sei.
2.2
Demgegenüber liess die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vortragen (Urk. 1), dass es im Sozialversicherungsrecht ganz allgemein keine gesetzliche Grundlage für die vorsorgliche Einstellung / Sistieru
ng von Rentenleistungen gebe
(S. 12). Zudem sei die Observation der Beschwerdeführerin nicht rechtmässig gewesen. Die Mobiliar und die von ihr beauftragte Person hätten das Gebot der Verhält
nismässigkeit verletzt. Die Observation sei objektiv nicht geboten gewesen.
Es hätten keine konkreten Anhaltspunkte vorgelegen, die Zweifel an den geäus
serten gesundheitlichen Beschwerden oder an der geltend gemachten Arbeits
unfähigkeit hätten aufkommen lassen. Die Observation habe gegen Art. 179
quater
des Strafgesetzbuches (StGB) verstossen, weshalb die Beschwerdegegnerin an
zuweisen sei, die Observationsunterlagen zu vernichten (S. 13 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Rentenleistungen zu Recht per Ende September 2015 sistiert hat. Vorweg ist über die Rechtmässig
keit der von der Mobiliar angeordneten Observation beziehungsweise über den
Antrag der Beschwerdeführerin zu befinden, die gewonnenen
Observationsun
terlagen
aus den Akten zu entfernen.
Vorauszuschicken ist, dass der Einwand der Beschwerdeführerin, wonach es im Sozialversicherungsrecht keine gesetzliche Grundlage für die vorsorgliche Ein
stellung beziehungsweise Sistierung von Rentenleistungen gebe, - wie in E. 1.2 dargelegt - nicht stichhaltig ist. Auch im Übrigen, etwa in Bezug auf die vorzu
nehmende Interessenabwägung, ist auf die Ausführungen in E. 1.2 zu verwei
sen.
3.
3.1
In BGE 137 I 327 E. 5.6 hielt das Bundesgericht zur Zulässigkeit einer Observa
tion durch Privatdetektive, die durch einen Sozialversicherungsträger beauftragt wurden, Folgendes fest:
Zusammenfassend ergibt sich daher Folgendes: Wenn konkrete An
haltspunkte bestehen, die Zweifel an der behaupteten Arbeitsunfähig
keit wecken (objektive Gebotenheit der Observation), die Observation nur während einer verhältnismässig kurzen, begrenzten Zeit stattfindet (hier: während drei Tagen), und einzig Verrichtungen des Alltags ohne engen Bezug zur Privatsphäre (hier: vorwiegend Putzen des Balkons, Einkaufstüten tragen) gefilmt werden, ist der Persönlichkeitsbereich auch bei einer Observation im öffentlich einsehbaren, privaten Raum nur geringfügig tangiert und wiegt der Eingriff in die Persönlichkeits
rechte nicht schwer (vgl. auch BGE 136 III 410 E. 4.4 S. 418 f.; BGE 135 I 169 E. 5.4.2 S. 173 f.; BGE 133 I 77 E. 5.3 S. 85). Umgekehrt hat die Versicherung und die dahinter stehende Versichertengemeinschaft ein erhebliches schutzwürdiges Interesse daran, dass nicht zu Unrecht Leistungen erbracht werden. Mit anderen Worten wird bei der erfolgten Observation kein Rechtsgut verletzt, welches Vorrang vor dem öffentli
chen Interesse der Missbrauchsbekämpfung hat, und unter Einbezug sämtlicher Umstände sind die Interessen der Beschwerdeführerin ge
genüber den privaten Interessen der Beschwerdegegnerin als höher
wertig einzustufen. Die durchgeführte Observation ist als zumutbar und damit verhältnismässig im engeren Sinn zu bezeichnen. Der Kerngehalt von Art. 13 BV wird durch die Anordnung einer solchen Überwachung ebenfalls nicht angetastet.
In seinem Urteil 8C_192/2013 vom 16. August 2013 bestätigte das Bundesge
richt dieses Urteil und hielt ausdrücklich fest, dass die dargelegten Grundsätze nicht nur im Bereich der Invalidenversicherung, sondern auch im
Unfallversi
cherungsrecht
Anwendung finden (E. 3.2):
Das Bundesgericht hat im Urteil BGE 137 I 327 E. 5 entschieden, dass die
privatdetektivliche
Observation der versicherten Person in einem
von jedermann ohne Weiteres frei einsehbaren Privatbereich (z.B. Bal
kon) erlaubt ist, soweit sie objektiv geboten sowie in zeitlicher und in
haltlicher Hinsicht zumutbar ist. Zulässig ist eine Observation, die Ver
richtungen des Alltags ohne engen Bezug zur Privatsphäre (z.B. Putzen des Balkons, Tragen von Einkaufstüten) betrifft. Gemäss E. 6 dieses Urteils verletzen Videoaufnahmen der versicherten Person, die sie bei alltäglichen Verrichtungen (Haushaltsarbeiten) auf dem frei einsehba
ren Balkon zeigen, Art. 179
quater
StGB nicht. Diese im
invalidenversi
cherungsrechtlichen
Verfahren ergangene Rechtsprechung ist analog im Bereich der Unfallversicherung anzuwenden (Urteil 8C_830/2011 vom
9.
März 2012 E. 6.2). Als zulässig hat das Bundesgericht auch die Observation in einer öffentlichen Tennishalle (Urteil 8C_239/2008 vom 1
7.
Dezember 2009 E. 6.4.1), beim Lenken eines Autos (Markus Hug, Observation durch Privatdetektive im Sozialversicherungsrecht, in:
Li
ber
amicorum
für Andreas
Donatsch
, Zürich 2012, S. 699 mit Hinwei
sen auf die Rechtsprechung) und bei der Mitarbeit in einem Restaurant (Urteil U 589/06 vom 2
1.
Dezember 2007 E. 7.3; vgl. auch Urteil 9C_891/2010 vom 3
1.
Dezemb
er 2010 E. 4.3 und 5) erachtet.
3.2
Wie in E. 3.2 des heute ergangenen unfallversicherungsrechtlichen Urteils des Sozialversicherungsgerichts in Sachen der Beschwerdeführerin gegen die Mobi
liar (Prozess Nr. UV.2015.00187) dargelegt wurde, erweist sich die von der Mo
biliar in Auftrag gegebene Observation in allen Punkten als rechtens. Grund
sätzliche kann vorliegend auf die genannte Erwägung verwiesen werden.
F
estzuhalten
ist
, dass aufgrund der Informationen auf der Homepage des Ehemannes der Beschwerdeführerin (Hinweise
auf
Velotouren und Skilaufen) bei objektiver Betrachtungsweise Zweifel am geltend gemachten Gesundheits
zustand aufkommen liessen, zumal beide genannten Sportarten durchaus die Hände beziehungsweise Handgelenke beanspruchen. Dies
scheint
mit dem der bisherigen Rente zugrundeliegenden Zumutbarkeitsprofil (körperlich leichte Tä
tigkeit, welche überwiegend einhändig durchführbar ist, mit einem Pensum von 50 % [vgl. Urk.
7/127 E. 3.6]) nur schwer vereinbar
zu
sein.
Zudem fand die Observation nur an wenigen Tagen statt. Schliesslich wurde die Beschwerde
führerin nur bei alltäglichen Verrichtungen ohne engen Bezug zur Privatsphäre beobachtet.
Insgesamt ist festzuhalten, dass die Observation als verhältnismässig zu qualifi
zieren ist. Somit erweist sich auch die Art und Weise, wie die Observation durchgeführt wurde, als rechtens. Es besteht somit - entgegen dem Antrag der Beschwerdeführerin - kein Grund, das gewonnene Observationsmaterial aus den Akten zu entfernen.
3.3
Eine Durchsicht der Observationsunterlagen (vgl. insbesondere Urk. 8) ergibt, dass sich die Beschwerdeführerin ohne erkennbare Einschränkung bewegen und verschiedenen Aktivitäten nachgehen kann. Sie kann Post aus dem Briefkasten nehmen und diese durchsehen; dabei benützt sie beide Hände (S. 7 und 10). Die Beschwerdeführerin trägt unter dem linken Arm eingeklemmt zwei
Badehandtü
cher
und in der linken Hand eine Tasche. Sie hält sich beim Einstieg ins Schwimmbecken mit beiden Händen am Treppengeländer fest (S. 13). Auch beim Ausstieg aus dem Schwimmbecken hält sich die Beschwerdeführerin mit beiden Händen fest. Später schüttelt sie ihr Handtuch aus und kann sich auf dem Bauch liegend mit beiden angewinkelten Armen abstützen (S. 15). Die Be
schwerdeführerin stützt sich beim Sitzen auf ihren linken Arm ab (S. 16). Sie hebt eine Tasche (S. 17). Die Beschwerdeführerin kann beidhändig eine
Ein
kaufstüte
tragen (S. 19).
4.
Nach Erstellung des Observationsberichts holten sowohl die Beschwerdeführerin als auch die Mobiliar bei zwei Ärzten medizinische Beurteilungen ein. Die Be
schwerdeführerin wandte sich dabei an
Dr.
med.
Y._
, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin. Die Mobiliar legte die Akten
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, vor.
4.1
Dr.
Y._
diagnostizierte in seinem Bericht vom 29. August 2015 (Urk. 3/6) in erster Linie ein chronisches Schmerzsyndrom bei CRPS Typ II links und hielt weiter fest, dass weder eine Teilberentung noch eine volle Berentung körperli
che und sportliche Aktivitäten ausschliessen würden. Er befürworte sogar, dass chronische Schmerzpatienten körperlich aktiv seien und sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten sportlich betätig
t
en. Seines Erachtens sei auch Schwimmen eine körperliche Aktivität, die für das körperliche und psychische Wohlbefinden för
derlich sei. Speziell in der vorliegenden Situation sei Schwimmen angesichts der eingeschränkten Schulterbeweglichkeit und des Muskelschwunds therapeutisch sinnvoll. Versicherungsmedizinische oder ärztliche Argumente, die zu einer In
tervention oder zu einer Meldung an die Invalidenversicherung hätten führen müssen, habe er nicht finden können.
4.2
Dr.
Z._
führte in seinem Bericht vom 13. Oktober 2015 (Urk. 11/1/513 im Prozess Nr. UV2015.00187) aus, dass in keiner Sequenz der
Observationsunter
lagen
in Bezug auf den linken Arm (einerseits im Vergleich zum Einsatz des rechten Arms und andererseits unter Berücksichtigung der allgemeinen Normen) eine Behinderung oder funktionelle Einschränkung erkennbar sei (S. 3). Aus fachärztlicher Sicht bestehe weder in Bezug auf die Funktion/Greiffähigkeit im
Hand
/Fingerbereich noch bezüglich der Funktion im Ellenbogen- und im Schultergelenk eine Einschränkung. Es könne demnach weder eine Einschrän
kung in der angestammten Tätigkeit als Modeberaterin/Dessous-Verkäuferin noch eine verminderte Funktionsfähigkeit für die verschiedenen
Haushaltsar
beiten
bestätigt werden (S. 4). Es sei unbestreitbar, dass weder ein weitgehend funktionsloser linker Arm noch eine „Hilfshand links“ vorliege; es könnten nicht die geringsten Anzeichen eines chronischen Schmerzsyndroms erkannt werden (S. 5).
5.
Aufgrund des vorliegenden Observationsmaterials (vgl. E. 3.3) und der nachvollziehbaren Beurteilung von
Dr.
Z._
(vgl. E. 4.2)
kann nicht ausge
schlossen werden
, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nicht (mehr) so darstellt, wie bei der
Rentenzusprache
angenommen. Dass der Beschwerdeführerin lediglich noch eine körperlich leichte Tätigkeit, welche überwiegend einhändig durchführbar ist, mit einem Pensum von 50 % zumut
bar sei, wovon das Sozialversicherungsgericht im Jahr 2012 ausgegangen war (
Urk.
7/127
E. 3.6; vgl. dazu auch die Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes [RAD] vom 15. Dezember 2009 [Urk. 7/105/4]), erscheint vielmehr auf
grund der neu gewonnenen Erkenntnisse als unwahrscheinlich. An diesem Er
gebnis kann auch die von der Beschwerdeführerin
(im
unfallversicherungs
rechtlichen
Prozess) geübte Kritik
an der Pers
on von
Dr.
Z._
nichts ändern. Abgesehen davon, dass es sich bei
Dr.
Z._
um einen ausgewiesenen Fach
mann handelt, wäre seine Beurteilung im vorliegenden Verfahrensstadium (einstweilige Renteneinstellung) gar nicht unbedingt notwendig gewesen;
i
m vorliegenden Fall hätte auch allein der Observationsbericht ausgereicht. Hinzu kommt, dass sich die Ausführungen und insbesondere auch die Folgerungen von
Dr.
Z._
(vgl. E. 4.2) als nachvollziehbar, konsistent und plausibel er
weisen. Demgegenüber erweisen sich die lediglich allgemein gehaltenen Aus
führungen von
Dr.
Y.
_
(vgl
. E. 4.1) als nicht überzeugend.
Aus dem Gesagten folgt, dass nicht nur die offensichtlichen und überdies schüt
zenswerten finanziellen Interessen der Beschwerdegegnerin (Gefahr der
Unein
bringlichkeit
einer allfälligen Rückforderung), sondern auch die Erfolgsaussich
ten in der Hauptsache (Hauptsachenprognose) für die Zulä
ssigkeit der
Renten
sistierung
sprechen (vgl. dazu oben E. 1.2). Bezüglich Hauptsachenprognose ist angesichts des vorliegenden Materials der Schluss naheliegend, dass die Er
folgsaussichten der Beschwerdeführerin in der Hauptsache nicht grösser sind als diejenigen der Beschwerdegegnerin.
Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen.
6.
Das vorliegende Verfahren hat nicht die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen, sondern lediglich die vorläufig unterbleibende Auszahlung zum Gegenstand und ist demzufolge kostenlos (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG] e
contrario
)
.