Decision ID: 249f2353-d964-594c-addc-9bb7ab80a5ff
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Am 30. Juni 2015 überschritt der Lenker des Personenwagens mit den
Kontrollschildern SG 0_ auf der X._-Strasse in X._ (Österreich) um 12.28 Uhr die
zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h um 51 km/h. Die
Bezirkshauptmannschaft Dornbirn verurteilte den Halter des Fahrzeugs, A._, am
26. August 2015 zu einer Geldstrafe von € 334 und aberkannte ihm am 5. Oktober
2015 für die Dauer von zwei Wochen das Recht, von seinem schweizerischen
Führerausweis in Österreich Gebrauch zu machen. Strafverfügung und
Aberkennungsbescheid wurden nicht angefochten. Gesuche um Wiedererwägung wies
die Bezirkshauptmannschaft am 13. Januar 2016 zurück.
Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen eröffnete wegen der
Geschwindigkeitsüberschreitung gegenüber A._ am 16. November 2015 ein
Administrativverfahren und stellte ihm einen mindestens dreimonatigen
Führerausweisentzug in Aussicht. Mit Schreiben vom 23. November 2015 machte A._
geltend, nicht er, sondern sein Sohn habe den Personenwagen am 30. Juni 2015
gelenkt. Am 28. Januar 2016 reichte er Unterlagen ein, die belegen sollten, dass nicht
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er der Lenker gewesen sei. Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt entzog ihm den
Führerausweis am 21. April 2016 für die Dauer von sechs Monaten. Die dagegen bei
der Verwaltungsrekurskommission und beim Verwaltungsgericht erhobenen
Rechtsmittel blieben erfolglos. Das Verwaltungsgericht kam zum Schluss, die
Verwaltungsbehörde sei angesichts der Verpflichtung des Betroffenen, nach Treu und
Glauben Einwände, die an den Grundfesten der Strafbarkeit des Verhaltens rühren,
bereits im Strafverfahren vorzubringen, und der Bindung an die tatsächlichen
Feststellungen im Strafverfahren, nicht gehalten gewesen, zusätzliche Beweise zu
erheben (B 2016/248 vom 6. Dezember 2017).
B. Mit Urteil vom 6. Juli 2018 hiess das Bundesgericht die von A._ erhobene
Beschwerde gut, hob den angefochtenen Entscheid auf und wies die Sache zu neuer
Entscheidung an das Verwaltungsgericht zurück. Es erwog, es lägen klare
Anhaltspunkte vor, welche die Sachverhaltsfeststellung in der Strafverfügung als
möglicherweise unrichtig erscheinen und Zweifel an den von den österreichischen
Behörden lediglich anhand des Radarbildes festgestellten Tatumständen aufkommen
lassen. Das Verwaltungsgericht wäre verpflichtet gewesen, eigene Erhebungen
vorzunehmen, um diese Anhaltspunkte näher zu untersuchen. Aufgrund der vom
Beschwerdeführer dargestellten Sachlage erscheine es durchaus möglich, dass nicht
er, sondern sein Sohn am 30. Juni 2015 den Personenwagen bei der
Geschwindigkeitsüberschreitung gelenkt hat. Die Vorinstanz werde diesbezüglich die
massgeblichen Abklärungen zu treffen haben, um die Zweifel an der
Sachverhaltsfeststellung in der Strafverfügung zu beseitigen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Bundesgericht hiess die Beschwerde gut, hob den Entscheid des
Verwaltungsgerichts vom 6. Dezember 2017 auf und wies die Angelegenheit zu
weiteren Sachverhaltsabklärungen an das Verwaltungsgericht zurück.
Dementsprechend hätten sich auch die Rechtsmittel des Beschwerdeführers in den
kantonalen Verfahren als gerechtfertigt erwiesen. Da das Verwaltungsgericht eigene
Sachverhaltsabklärungen nur trifft, wenn dies aus Gründen der Verfahrensökonomie
geboten ist (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen,
2. Aufl. 2003, Rz. 1029), und Vergleichbares auch für die Vorinstanz gilt, ist die
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Angelegenheit gestützt auf Art. 64 und Art. 56 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, VRP) an den Beschwerdegegner zurückzuweisen.
2. Diesem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des Rekurs-
und des Beschwerdeverfahrens von je CHF 1‘500 vom Staat zu tragen (Art. 95 Abs. 1
VRP). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Für diesen Entscheid
werden keine amtlichen Kosten erhoben (Art. 97 VRP) Die vom Beschwerdeführer für
das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren geleisteten Kostenvorschüsse von
CHF 1‘200 und CHF 1‘500 sind ihm zurückzuerstatten. Die Vorinstanz ist entsprechend
anzuweisen.
Der Beschwerdeführer hat Anspruch auf die Entschädigung seiner ausseramtlichen
Kosten im Rekurs- und Beschwerdeverfahren (Art. 98 Abs. 1 und 2 sowie Art. 98
VRP). Sein Rechtsvertreter hat für das Rekursverfahren eine Kostennote über
CHF 3‘830 zuzüglich Barauslagen von CHF 167 und Fahrspesen von CHF 60 sowie 8
Prozent Mehrwertsteuer eingereicht (act. 10/22). Für das Beschwerdeverfahren liegt
keine Kostennote vor. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Verwaltungsgericht, Verwaltungsrekurskommission und Versicherungsgericht pauschal
CHF 1‘000 bis 12‘000 (Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten; sGS 963.75, HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das Grundhonorar
nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen,
der Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten
bemessen (Art. 19 HonO). Der Aufwand von CHF 3‘830 (ohne Barauslagen und
Mehrwertsteuer), wie er sich aus der vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers für
das Rekursverfahren eingereichten Kostennote ergibt, ist ein Aspekt der Bemessung.
Insbesondere kann die Kostennote für die Beurteilung, ob eine Angelegenheit mit
einem vom durchschnittlichen Fall abweichenden Aufwand verbunden war,
herangezogen werden. Die Beschwerdesache weicht insofern vom üblichen
Warnungsentzugsverfahren ab, als die Bedeutung einer strafrechtlichen Verurteilung in
einem vereinfachten ausländischen Verfahren für das schweizerische
Administrativmassnahmeverfahren zu klären und im Verfahren vor der Vorinstanz eine
mündliche Verhandlung durchgeführt worden war. Unter diesen Umständen erscheint
eine pauschale Entschädigung für das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren von
zusammen CHF 5‘000 zuzüglich tatsächliche Barauslagen von CHF 227 im
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Rekursverfahren (Art. 28 Abs. 1 und 2 HonO) und pauschale Barauslagen von CHF 80
im Beschwerdeverfahren (vier Prozent von CHF 2‘000; Art. 28 Abs. 1 HonO) sowie –
die anwaltlichen Leistungen wurden im Wesentlichen vor dem 1. Januar 2018 erbracht
– acht Prozent Mehrwertsteuer (Art. 29 HonO; Ziff. 2.1 der MWST-Info 19 zur
Steuersatzänderung per 1. Januar 2018, www.estv.admin.ch) als angemessen.