Decision ID: 7229b9af-05c4-5a93-85ce-15836f6ecff6
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die Ortsgemeinde X._ ist Eigentümerin eines Gebäudes (Vers.-Nr. 00.0000) an der
A._-Strasse auf der Alp B._ in der Politischen Gemeinde Y._. Am 9. August 2015
ereignete sich in der Region Y._ ein Unwetter mit Niederschlägen, in dessen Folge ein
Schaden an der bergseitigen Rückwand an besagtem Gebäude entdeckt wurde,
welcher der Gebäudeversicherung des Kantons St. Gallen (GVA) gemeldet wurde. Am
25. August 2015 besichtigte der Schadenexperte der GVA das Gebäude. Gemäss dem
Schadenermittlungsprotokoll vom 14. September 2015 belief sich die Schadensumme
am Gebäude auf netto CHF 19'850. Mit Schreiben vom 14. September 2015 teilte der
Leiter Schadendienst der Ortsgemeinde X._ mit, die GVA erachte sich für den
vorliegenden Schaden als nicht leistungspflichtig. Nachdem die Ortsgemeinde X._
dazu Stellung genommen hatte, lehnte die GVA mit Verfügung vom 4. Januar 2016 die
Versicherungsleistung vollumfänglich ab. Zur Begründung führte sie zusammenfassend
aus, aufgrund der topographischen Situation könne kein Oberflächenwasser direkt
gegen die Bruchsteinmauer geflossen sein. Die Deformation der Bruchsteinmauer auf
der Innenseite sei folglich auf kein bei der GVA versichertes Ereignis zurückzuführen,
weshalb die GVA nicht leistungspflichtig sei. Die dagegen erhobene Einsprache wies
die GVA mit Entscheid vom 26. August 2016 ab.
B. Gegen den Einspracheentscheid erhob die Ortsgemeinde X._ Rekurs beim
Verwaltungsrat der GVA. Sie beantragte die Aufhebung des Entscheids über die
Ablehnung der Versicherungsleistung sowie die Übernahme der Instandstellungskosten
des Gebäudes Vers.-Nr. 00.0000. In der Folge wurde die Instruktion und die
Weiterführung des Rekursverfahrens vom Sicherheits- und Justizdepartement (SJD)
übernommen. Am 25. November 2016 besichtigte die GVA den Schaden am Gebäude
auf der Alp B._ in Abwesenheit einer Vertretung der Ortsgemeinde X._, um gestützt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
auf die Erkenntnisse der Besichtigung die Vernehmlassung vom 19. Dezember 2016
auszuarbeiten. Mit Entscheid vom 20. Juni 2018 wies der Verwaltungsrat der GVA den
Rekurs ab und auferlegte die Entscheidgebühr von CHF 1'500 der Ortsgemeinde X._.
C. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 20. August 2018 und Ergänzung vom
24. Oktober 2018 erhob die Ortsgemeinde X._ (Beschwerdeführerin) gegen den ihr am
6. Juli 2018 zugestellten Rekursentscheid des Verwaltungsrats der GVA (Vorinstanz)
Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie beantragte, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei der angefochtene Rekursentscheid aufzuheben und die
Angelegenheit zur Durchführung eines gesetzeskonformen Rekursverfahrens an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Am 12. November 2018 verzichtete die Vorinstanz auf eine
Vernehmlassung unter Verweis auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid. Mit
Eingabe vom 14. Januar 2019 nahm die Beschwerdeführerin nach Einsicht in die Akten
erneut Stellung. Die Eingabe wurde der Vorinstanz zur Kenntnis gebracht.
Auf die Ausführungen der Verfahrensparteien zur Begründung ihrer Anträge, den
angefochtenen Entscheid und die Akten wird – soweit wesentlich und erforderlich – in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. [...]
2. Die Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung des angefochtenen Entscheids
vom 20. Juni 2018 und die Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz zur
Durchführung eines gesetzeskonformen Rekursverfahrens. Sie macht insbesondere
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend, da sie bei der Besichtigung des
Schadens am 25. November 2016 durch die GVA nicht beigeladen worden sei. Weiter
seien die von ihr formrichtig angebotenen Beweisanträge nicht geprüft bzw. nicht
berücksichtigt worden. Schliesslich habe die Vorinstanz in unzulässiger Weise die
Beweislast umgekehrt.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.1. Der Augenschein ist die unmittelbare sinnliche Wahrnehmung von Tatsachen
durch die entscheidende Instanz. Er dient der unmittelbaren Wahrnehmung von (in der
Regel streitigen) Tatsachen oder dem besseren Verständnis des Sachverhalts. Der
Entscheid darüber, ob ein Augenschein angeordnet wird, steht im Ermessen der
anordnenden Behörde. Es besteht nur dann eine Pflicht zur Durchführung eines
Augenscheins, wenn die tatsächlichen Verhältnisse auf andere Weise nicht abgeklärt
werden können. Ergibt sich eine Tatsache zweifelsfrei aus den Akten, so braucht sie
nicht durch einen Augenschein überprüft zu werden. Aus dem Anspruch auf rechtliches
Gehör folgt, dass die Beteiligten grundsätzlich Anspruch darauf haben, persönlich oder
durch einen Vertreter am Augenschein teilzunehmen. Nach der Rechtsprechung ist es
Mitgliedern einer Behörde nicht verwehrt, sich informell an Ort und Stelle zu begeben,
um über einen Sachverhalt ein besseres Bild zu erhalten. Hiervon ist allerdings mit
Zurückhaltung Gebrauch zu machen. Sobald eine solche Besichtigung aber dem
Zweck dient, einen umstrittenen Sachverhalt abzuklären, müssen die Beteiligten
beigezogen werden (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen –
dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2003, Rz. 966 ff.;
BGer 1C_192/2010 vom 8. November 2010 E. 3.3; 1C_76/2012 vom 6. Juli 2012
E. 2.3).
2.2. Der "Augenschein" vom 25. November 2016 wurde durch die GVA während des
laufenden Rekursverfahrens vorgenommen, um damit ihre Vorbringen in der
Vernehmlassung zu untermauern. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
handelt es sich dabei nicht um einen Augenschein im oben (E. 2.1) dargelegten Sinne.
Die Verfahrensleitung stand zu jenem Zeitpunkt bereits der Vorinstanz – und nicht der
GVA – zu; eine an sich zulässige Kompetenzdelegation an einen (vorinstanzlichen)
Sachbearbeiter fand ebenfalls nicht statt (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 968). Damit
handelt es sich nicht um eine unmittelbare Wahrnehmung durch die Vorinstanz,
sondern um Abklärungshandlungen einer am Rekursverfahren beteiligten Partei. Nichts
desto trotz stellt sich vorliegend jedoch die Frage, ob die Vorinstanz (bzw. bereits die
GVA) gehalten gewesen wäre, in ihrem Verfahren einen Augenschein unter Beiladung
der Verfahrensbeteiligten durchzuführen.
2.3. Zur Notwendigkeit des beantragten Augenscheines führte die Beschwerdeführerin
bereits im Einspracheverfahren vor der GVA insbesondere aus, der Schaden sei nicht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
auf "Baumängel" oder dergleichen zurückzuführen. Vielmehr habe das Ereignis vom
9. August 2015, welches von ausserordentlicher Intensität gewesen sei, den Schaden
verursacht (vgl. act. 13/14). Mit Entscheid vom 26. August 2016 wies die GVA die
Einsprache ab. Die Ablehnung der Versicherungsleistung begründete sie damit, dass
aufgrund der topographischen Situation auf die Aussenwand der bergseitigen
Rückwand, an welcher eine Deformation festgestellt worden sei, kein
Oberflächenwasser direkt gegen die Bruchsteinmauer geflossen sein könne. Vielmehr
sei die Bruchsteinmauer aufgrund ihrer Lage und des immer wieder feuchten Erdreichs
permanentem Bergdruck ausgesetzt und habe diesen aufzunehmen. Weshalb im
konkreten Fall auf die Durchführung eines Augenscheins verzichtet wurde, führte die
GVA im Einspracheentscheid nicht aus (vgl. act. 13/16). Im Rekursverfahren führte die
Beschwerdeführerin im Wesentlichen erneut aus, es sei davon auszugehen, dass das
Wasser wie ein Bach über den angrenzenden Abhang in Richtung des beschädigten
Gebäudes geflossen sei, so dass das Erdreich mit Wasser durchtränkt worden sei.
Dieses sei deshalb sehr viel schwerer geworden und vorab unterirdisch abgeglitten. Ein
vollständiges Abgleiten wiederum sei durch das bestehende Gebäude verhindert
worden; hingegen habe die bergseitige Rückwand aufgrund des wegen dem Unwetter
plötzlich massiv gesteigerten Drucks der Erdmassen eine Deformation nach innen
erlitten. Aus diesem Grund sei ein Augenschein durchzuführen und eine Expertise zur
Ursache für die Deformation einzuholen (vgl. act. 14/11 S. 7 f.). Die Vorinstanz hielt im
angefochtenen Entscheid vom 20. Juni 2018 zunächst fest, es sei unbestritten, dass
am 9. August 2015 ein Unwetter in der Region Y._ niedergegangen sei und sich im
Bereich des C._-Bachs ausgewirkt habe. Dem Bericht von Z._ AG vom 21. Oktober
2015, welche von der Naturgefahrenkommission beauftragt worden sei, könne jedoch
nicht entnommen werden, dass das Unwetter auch im Gebiet der Alp B._ (stark)
niedergegangen und kausal für den Schaden am Gebäude der Beschwerdeführerin
gewesen sei (vgl. E. 5a [S. 9] des angefochtenen Entscheids). Dem Vorbringen, das
Unwetter habe den Schaden am Gebäude verursacht, hielt sie entgegen, es sei auf die
Topographie in der nahen Umgebung des Gebäudes Augenmerk zu richten. Aus den
Akten ergebe sich, dass die Schüttung unmittelbar hinter dem Gebäude auf einer
Länge von ungefähr zwei Metern stark ansteige und zur Dachtraufe hin abfallend sei.
Der weitere Verlauf des Geländes sei relativ flach und falle nach ungefähr 50 Metern
wieder ab. Die Erklärung der GVA, dass aufgrund der Topographie allfälliges
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Oberflächengewässer nicht zum Gebäude gelangen, sondern seitlich abfliessen würde,
erscheine daher als plausibel (vgl. E. 5b des angefochtenen Entscheids).
Wie es sich damit verhält, braucht derzeit nicht beurteilt werden. Das aktenkundige
Vorgehen der GVA – Durchführung einer Besichtigung, Begehung vor Ort durch die im
vorinstanzlichen Verfahren mit der Erarbeitung der Vernehmlassung betraute Person –
spricht dafür, dass sich die Sachlage offensichtlich eben gerade nicht zweifelsfrei aus
den Akten ergab, ansonsten sie sich nicht ein Bild vor Ort hätte machen müssen. Mit
ihrem Verhalten anerkennt sie demnach selbst die Notwendigkeit der Durchführung
eines Augenscheins. Die Vorinstanz wiederum stützt sich im angefochtenen Entscheid
denn auch hauptsächlich auf den von der GVA erstellten "Bericht" im Zusammenhang
mit der Begehung vom 25. November 2016, wobei dieser zum einen aus
Kartenausschnitten, welche auf dem Geoportal (www.geoportal.ch) öffentlich
zugänglich sind, besteht, zum andern insbesondere aus Fotografien vom Gelände in
unmittelbarer Nähe des beschädigten Gebäudes mit handschriftlichen Notizen in Form
von Pfeilen und Stichworten (vgl. act. 13/31). Bei dieser Sachlage kann dem
vorinstanzlichen Schluss, dass aufgrund der eingereichten Akten, insbesondere der
Fotos, der rechtlich erhebliche Sachverhalt – unter Berücksichtigung der
topographischen Landeskarten und dem öffentlich zugänglichen Geoportal – soweit
wie möglich geklärt sei (vgl. angefochtener Entscheid E. 2), und daher kein
Augenschein mehr erforderlich sei, nicht gefolgt werden.
2.4. Zusammengefasst ergibt sich, dass die Vorinstanz – nachdem die
rechtserheblichen Tatsachen durch die GVA erst aufgrund einer im Zuge der
Erarbeitung der Rekursvernehmlassung erfolgenden, die Eigentümerin des
streitbezogenen Gebäudes aussen vor lassenden Begehung erhoben wurden – keinen
Entscheid ohne Durchführung eines Augenscheins mit den Verfahrensbeteiligten hätte
fällen dürfen. Der angefochtene Entscheid ist mithin in Verletzung des rechtlichen
Gehörs der Beschwerdeführerin ergangen.
3. Als Rechtsmittelinstanz stellt sich für das Verwaltungsgericht die Frage, ob es im Fall
einer – wie hier – unvollständigen und in Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör ergangenen Feststellung des Sachverhalts diesen selbst ergänzen oder
berichtigen oder ob es die Angelegenheit an die Vorinstanz oder an die erstverfügende
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Behörde zurückweisen soll. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur.
Seine Verletzung führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache
selbst zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Vorbehalten bleiben Fälle, in
denen die Gehörsverletzung nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird,
dass die Partei, deren rechtliches Gehör verletzt wurde, sich vor einer Instanz äussern
kann, welche sowohl die Tat- als auch die Rechtsfragen uneingeschränkt überprüft.
Unter dieser Voraussetzung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör von einer Heilung des Mangels auszugehen, wenn die
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zu einem formalistischen Leerlauf und damit
zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse der betroffenen
Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (vgl.
BGer 6B_623/2018 vom 22. August 2018 E. 2.2 mit Hinweisen). Eine Ergänzung des
Sachverhalts wird grundsätzlich dann durch das Gericht selbst vorgenommen, wenn
keine besondere Fachkenntnis erforderlich ist oder der zu ergänzende Sachverhalt von
untergeordneter Bedeutung erscheint. Umgekehrt entscheidet das Gericht auf
Rückweisung, wenn technische oder andere Fragen, die spezifische Fachkenntnisse
erfordern, zu ergänzen sind, wenn Sachverhaltselemente festzulegen sind, die als
typische Verwaltungsaufgaben erscheinen oder wenn sich der Sachverhalt gegenüber
dem angefochtenen Entscheid erheblich verändert (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 991,
1028 ff.).
Für die Beurteilung, ob der Schaden am Gebäude der Beschwerdeführerin auf der Alp
B._ darauf zurückzuführen ist, dass die bergseitige Rückwand aufgrund des wegen
dem Unwetter plötzlich massiv gesteigerten Drucks der Erdmassen eine Deformation
nach innen erlitten hat (so die Beschwerdeführerin) oder ob die Bruchsteinmauer
aufgrund ihrer Lage und des immer wieder feuchten Erdreichs permanentem
Bergdruck ausgesetzt gewesen sei (so die GVA), erfordert spezifische Fachkenntnisse.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde ohne Ausführungen zu den
weiteren streitigen Fragen gutzuheissen und der vorinstanzliche Entscheid vom
20. Juni 2018 aufzuheben ist. Damit sind auch die diesem zugrunde liegende
Verfügung vom 4. Januar 2016 und der Einspracheentscheid vom 26. August 2016 der
GVA aufgehoben (sog. Devolutiveffekt). Die Angelegenheit ist gestützt auf Art. 64 in
Verbindung mit Art. 56 Abs. 2 VRP zur weiteren Abklärung des Sachverhalts im
Allgemeinen und zur Durchführung eines Augenscheins im Speziellen sowie zu neuer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Entscheidung an die GVA als erstverfügende Behörde zurückzuweisen (vgl. auch BGer
1C_168/2018 vom 26. Oktober 2018 E. 5).
Soweit dies für den neuen Entscheid erforderlich ist, wird die GVA dabei auch weitere,
bisher unterlassene Sachverhaltsabklärungen vornehmen müssen. Sie wird
insbesondere zu prüfen haben, ob allenfalls die Einholung einer Expertise erforderlich
ist oder nicht. Schliesslich hat sie bei der Beweislast die allgemeine Regel von Art. 8
des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB) zu beachten, wonach derjenige
das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen hat, der aus ihr Rechte
ableitet. Auch im Privatversicherungsrecht gilt der Grundsatz, wonach Personen, die
gegenüber einem Versicherer einen Versicherungsanspruch erheben, im Sinn von Art. 8
ZGB bezüglich der Frage, ob ein Versicherungsfall eingetreten ist, grundsätzlich
behauptungs- und beweispflichtig sind. Behauptet der Versicherer indessen eine die
Leistungspflicht ausschliessende oder herabsetzende Tatsache, ist es an ihm, diese zu
beweisen. Diese Beweislastverteilung gilt auch im öffentlichen
Gebäudeversicherungsrecht, namentlich bei der Anwendung von Art. 31 Abs. 1 Ziff. 3
GVG (vgl. VerwGE B 2004/101 vom 25. Januar 2005 E. 2b, www.gerichte.sg.ch;
VerwGE B 2016/185 vom 28. Juni 2018 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen,
www.gerichte.sg.ch). Dabei gilt im Versicherungsrecht generell die Beweiserleichterung
der "überwiegenden Wahrscheinlichkeit" (vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 mit Hinweis auf
BGE 128 III 271 E. 2b/aa; vgl. zum Ganzen auch K. Plüss, in: A. Griffel [Hrsg.],
Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, § 7
N 26-28 mit Hinweisen).
4. [...]
Grundsätzlich hat das Gemeinwesen – dazu gehört als Ortsgemeinde auch die
Beschwerdeführerin (vgl. Art. 1 Abs. 1 lit. d des Gemeindegesetzes, sGS 151.2) –
keinen Anspruch auf Kostenersatz. Dieser Grundsatz gilt indes nicht uneingeschränkt.
Ihr ist ausnahmsweise eine Entschädigung zuzusprechen, wenn sie – wie vorliegend –
wie eine Privatperson betroffen ist (vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st.
gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 176 f.). Entsprechend
der Verlegung der amtlichen Kosten hat die Vorinstanz die Beschwerdeführerin daher
sowohl für das Beschwerde- als auch das Rekursverfahren ausseramtlich zu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
entschädigen (Art. 98 in Verbindung mit Art. 98 VRP). Ihr Rechtsvertreter hat keine
Kostennote eingereicht. In der Verwaltungsrechtspflege ist die Honorarpauschale
innerhalb des von Art. 22 Abs. 1 Ingress der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten am 1. Januar 2019 (sGS 963.75, HonO) festgelegten Rahmens vor
Verwaltungsbehörden zwischen CHF 500 und CHF 6‘000 (lit. a) und vor
Verwaltungsgericht zwischen CHF 1'500 und CHF 15'000 (lit. b) festzulegen. Innerhalb
des für eine Pauschale gesetzten Rahmens wird das Grundhonorar nach den
besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der
Schwierigkeit des Falls und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten
bemessen (Art. 19 HonO sowie Art. 31 Abs. 1 und 2 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70,
AnwG). Im Rekursverfahren erscheint ein Honorar von CHF 1'200 (zuzüglich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Entsprechend dem
Verfahrensausgang hat die GVA die Beschwerdeführerin daher insgesamt mit
CHF 1'248 zu entschädigen. Hinzuzuzählen ist die Mehrwertsteuer (Art. 29 HonO),
wobei angesichts des Umstandes, dass die anwaltlichen Leistungen im
Rekursverfahren hauptsächlich vor dem 31. Dezember 2017 erbracht wurden, noch der
Satz von 8 % zur Anwendung gelangt (vgl. Ziff. 2.1 der MWST-Info 19 zur
Steuersatzänderung per 1. Januar 2018, www.estv.admin.ch). Im Beschwerdeverfahren
vor Verwaltungsgericht ist sodann eine Entschädigung von CHF 2'500 zuzüglich
CHF 100 pauschale Barauslagen und 7,7 Prozent Mehrwertsteuer angemessen. Dass
die Beschwerdeführerin die Entschädigung nicht zuzüglich Mehrwertsteuer beantragte,
schadet nicht, da der Antrag noch vor Inkrafttreten der revidierten Honorarordnung am
1. Januar 2019 gestellt wurde.