Decision ID: 5b216236-ce1d-4ddc-b5df-33bd14e41960
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
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St.Galler Gerichte
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Michael Weissberg, Plänkestrasse 32, Postfach,
2501 Biel/Bienne,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Hilfsmittel
Sachverhalt:
A.
A.a A._ ist seit einem Operationszwischenfall im Jahre 1991 (vgl. IV-act. 42-1)
Bezügerin einer ganzen Invalidenrente sowie einer mittleren Hilflosenentschädigung
(vgl. u.a. IV-act. 7, 9, 30 und 31). Am 6. April 2012 beantragte die Versicherte
Kostengutsprache für zwei invaliditätsbedingt angepasste neue Handrollstühle sowie
einen Hilfsantrieb "Rollstuhlschiebhilfe Via Mobil V25" (IV-act. 38 ff.). Für den
Innenbereich benötige sie einen Rollstuhl, der leicht und wendig sei. Neben den bereits
bekannten Beschwerden hätten sich Folgeschäden (u.a. Schulterprobleme) entwickelt,
welche sie zu einer Anpassung bzw. Erleichterung der Fortbewegung zwängen. Dies
werde ihr durch einen Tiefersitzer-Rollstuhl ermöglicht, welcher sich auch mit den
Füssen bewegen lasse. Im Aussenbereich reichten ihre Kräfte nicht aus, um sich in
einem Handrollstuhl selbst fortzubewegen. Bisher habe sie einen Aktivrollstuhl mit
Hilfsantrieb und Joystick-Steuerung, welcher von der Haftpflichtversicherung des
Schadenverursachers finanziert wurde, benützt. Da sie aufgrund der Verschlechterung
ihres Gesundheitszustandes einen Rollstuhl mit Joystick-Steuerung nur für sehr kurze
Zeit und nur unter günstigen Bedingungen selbst bedienen könne, beantrage sie für
den Aussenbereich einen individuell angepassten Aktivrollstuhl mit elektrischer
Schiebe- und Bremshilfe, welche durch eine Begleitperson bedient werde (IV-act. 38).
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A.b Dr. med. B._, Facharzt FMH Allgemeine Medizin, gab im Arztbericht vom 25. Mai
2012 an, die Versicherte leide an Tetraparese nach Operationszwischenfall (seit 1991),
Impingement und Supraspinatusläsion linke Schulter (seit Dez. 2010), zunehmender
Fingerpolyarthrose (seit 2007) sowie Osteoporose. Die Beschwerden infolge der
Polyarthrose hätten zugenommen und die Probleme mit der linken Schulter würden die
Transfers erschweren. Das Gedächtnis und die Konzentration der Versicherten seien
eingeschränkt, sodass sie sich nur etwa ein- bis eineinhalb Stunden konzentrieren
könne. Den Handrollstuhl könne sie wegen der reduzierten Kraft und besonders wegen
der deutlichen Schwäche des rechten Armes nur auf ebenem Boden selber bedienen.
Schon bei leichter Steigung oder leichtem Gefälle habe sie den Rollstuhl nicht mehr
unter Kontrolle. Einen Elektrorollstuhl könne die Versicherte mit der rechten Hand gar
nicht bedienen. Bei der linken Hand sei die Feinmotorik zu stark gestört, sodass sie
wegen ungenauen Bewegungen den Elektrorollstuhl nicht richtig steuern könne. Für
das Rollstuhlfahren ausserhalb des Hauses sei die Versicherte auf eine Person
angewiesen, welche sie schiebe und bremse (IV-act. 42).
A.c Mit Schreiben vom 31. Mai 2012 beauftragte die IV-Stelle St. Gallen das SAHB
Hilfsmittel-Zentrum, St. Gallen, mit der fachtechnischen Abklärung. Unter anderem sei
die Frage zu klären, warum die Versicherte einen zweiten Rollstuhl beantragt habe (IV-
act. 43). In der fachtechnischen Beurteilung vom 13. September 2012 führte das SAHB
Hilfsmittel-Zentrum aus, dass die Versicherte sich nur mit einem Handrollstuhl
fortbewegen könne. Das Antreiben des Rollstuhles erfolge durch Trippeln mit den
Füssen und mit Unterstützung der Arme. Die Feinmotorik in den Händen sei
eingeschränkt. Das Bedienen eines Elektro-Rollstuhles sei der Versicherten nur für
kurze Strecken möglich, da gemäss ihren Angaben die Konzentration für längere
Strecken nicht ausreiche. Ihre Kraft, einen Handrollstuhl anzutreiben, reiche nur auf
ebenen Flächen aus. Die Wohnung der Versicherten befinde sich in einem
Mehrfamilienhaus, welches am Hang stehe. Die Wohnung sei rollstuhlgängig und mit
einem Senkrechtlift ausgestattet. Der Rollstuhl, den die Versicherte seit 2007 besitze,
müsse invaliditätsbedingt ersetzt werden. Sie habe zwei Rollstühle gleicher Bauart
beantragt, um einen im Aussen- und einen im Innenbereich einzusetzen. Die
Wohnsituation erfordere jedoch nur einen Rollstuhl, da die Wohnung rollstuhlgängig
sei. Im Aussenbereich könne die Versicherte nicht ohne Hilfspersonen Rollstuhl fahren.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sei ein Hilfsantrieb nur dann zu Lasten
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der IV zuzusprechen, wenn das Hilfsmittel nicht nur von einer Hilfsperson, sondern
durch die Versicherte selbst bedient werden könne. Diese Voraussetzung erfülle der
offerierte Hilfsantrieb nicht, da er nur durch eine Begleitperson gesteuert werden
könne. Es sei in diesem Zusammenhang irrelevant, ob sich die Versicherte nur mit Hilfe
des Elektro-Hilfsantriebes selbständig fortbewegen könne oder nicht (IV-act. 51).
A.d Mit Vorbescheid vom 5. Oktober 2012 stellte die SVA der Versicherten die
Kostengutsprache von Fr. 4'731.50 für den Innenrollstuhl in Aussicht. Sie hätte den
Anspruch auf einen Handrollstuhl geprüft und die Voraussetzungen für eine
Kostengutsprache seien erfüllt. Der gewünschte zweite Rollstuhl sei aufgrund der
Wohnsituation nicht notwendig. Die Voraussetzungen für den beantragten Hilfsantrieb
seien ebenfalls nicht erfüllt, da sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der
Lage sei, sowohl einen Hilfsantrieb als auch einen Elektrorollstuhl über längere
Distanzen selbständig zu bedienen. Die Kosten für einen Zweitrollstuhl und einen
Hilfsantrieb könnten daher nicht übernommen werden (IV-act. 56 f.). Dagegen liess die
Versicherte am 12. November 2012 einwenden, dass aufgrund des
Gesundheitszustandes ein Anspruch auf einen Elektro-Rollstuhl ausgewiesen sei. In
Ausschöpfung der Austauschbefugnis stehe es ihr zu, einen Elektroantrieb zu
beanspruchen. Sie wohne am Hang und es könne einer Drittperson nicht zugemutet
werden, einen manuellen Rollstuhl über längere Distanz zu schieben. Ohne
Elektroantrieb wäre sie nicht mehr in der Lage, sich ausserhalb der Liegenschaft mit
dem Rollstuhl fortzubewegen (IV-act. 58).
A.e Am 20. November 2012 verfügte die IV-Stelle die Kostengutsprache entsprechend
den Ausführungen im Vorbescheid. Die Notwendigkeit eines zweiten Rollstuhles müsse
eingehend begründet werden und sei vorliegend aufgrund der Wohnsituation nicht
ausgewiesen. Die Voraussetzungen für die Abgabe eines Elektrorollstuhles und damit
eines Hilfsantriebes seien nicht erfüllt, da sie einen Elektro-Rollstuhl nicht selber
bedienen könne (IV-act. 62).
B.
B.a Die Versicherte lässt am 21. Dezember 2012 Beschwerde erheben und beantragt
die Zusprache eines Zweitrollstuhles sowie eines Hilfsantriebs (Elektro-Schiebhilfe). Sie
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sei zur Fortbewegung ausser Haus auf einen Rollstuhl mit einem Hilfsantrieb
angewiesen. Aus eigener Kraft könne sie sich nicht über längere Distanzen
fortbewegen und einen Elektrorollstuhl könne sie nur über eine kurze Distanz
verwenden. Aufgrund der Hanglage der von ihr bewohnten Liegenschaft sei die
Neigung ohnehin nur mittels eines Elektroantriebs zu bewältigen. Um sich überhaupt
ausser Haus fortbewegen zu können und zur Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen
Kontakte sowie zur Besorgung ihrer Angelegenheiten sei sie zwingend auf die
beantragten Hilfsmittel angewiesen. Aufgrund ihrer übrigen gesundheitlichen
Einschränkungen benötige sie die Assistenz einer Drittperson. Ungeachtet dessen
habe sie Anspruch auf angemessene Hilfsmittelversorgung. Der gegenteilige Schluss
der Beschwerdegegnerin würde dazu führen, dass Schwerstbehinderte, welche auf
Dritthilfe angewiesen seien, bei der Hilfsmittelversorgung gegenüber weniger
eingeschränkten Personen schlechter gestellt wären. Dies sei mit dem
Diskriminierungsverbot nicht vereinbar (act. G 1).
B.b Am 18. März 2013 beantragt die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Be
schwerde. Mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach ein
Elektrorollstuhl bzw. ein Rollstuhl mit Schub- oder Zuggerät nur dann zu Lasten der IV
gehe, wenn dieser auch von der versicherten Person selbst bedient werden könne,
komme die Kostenübernahme vorliegend von vorneherein nicht in Frage. Die
Beschwerdeführerin sei nicht mehr in der Lage, einen Elektrorollstuhl bzw. einen
Handrollstuhl mit Elektroantrieb selbständig zu bedienen. Die Notwendigkeit eines
zweiten Handrollstuhles für den Aussengebrauch sei sodann nicht ausgewiesen, da
sich die beiden beantragten Modelle lediglich in der Bereifung unterscheiden würden.
Die offerierte Spezialbereifung sei aus dem Umstand erfolgt, dass im Freien keine
Hilfsperson zum Pumpen zur Verfügung stehe. Da sich die Beschwerdeführerin
vorliegend jedoch ohnehin nicht ohne Hilfsperson im Freien bewege, sei die
Spezialbereifung nicht als unbedingt notwendig anzusehen. Es handle sich um die
exakt gleichen Modelle. Die Wohnung sei durchgehend rollstuhlgängig, sodass ein
Rollstuhlwechsel nicht nötig sei, wenn die Beschwerdeführerin nach draussen gehe
(act. G 4).
B.c In der Replik vom 3. Mai 2013 lässt die Beschwerdeführerin ergänzend ausführen,
dass die beiden Rollstühle nicht identisch seien. Damit sie sich innerhalb des Hauses
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selbständig fortbewegen könne, sei die Sitzhöhe des Innenrollstuhls tiefer und die
Vorderräder seien schmaler. So lasse sich der Rollstuhl leichter fahren und sie müsse
weniger Kraft aufwenden, wodurch ihre bereits stark geschädigten Gelenke geschont
und ihre Schmerzen soweit als möglich eingedämmt würden. Der vorgesehene
Rollstuhl für den Aussenbereich habe demgegenüber eine höhere Sitzhöhe, dickere
Räder und eine pannenfreie Bereifung. Sie habe mit Fachleuten abgeklärt, welche
Rollstühle ihren Bedürfnissen am besten Rechnung tragen würden. Wenn sie den
Innenrollstuhl auch im Aussenbereich verwenden müsste, würde jede Erschütterung
des Rollstuhles enorme Schmerzen auslösen (act. G 7).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet mit Schreiben vom 27. Mai 2013 auf eine
Duplik (act. G 10).

Erwägungen:
1.
In formeller Hinsicht ist vorweg festzuhalten, was Gegenstand des Beschwerdever
fahrens bildet. Anfechtungsgegenstand bildet der angefochtene Rechtsakt der Behörde
im formellen Sinn, vorliegend demnach die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
20. November 2012. Der Verfügungsgegenstand bezeichnet den materiellen Inhalt des
Anfechtungsgegenstandes. Die Beschwerdeführerin hatte die Kostengutsprache eines
Innen- und eines Aussenrollstuhles sowie eines Hilfsantriebes beantragt. Die Verfügung
der Beschwerdegegnerin vom 20. November 2012 hält im Dispositiv lediglich die
Kostengutsprache für den Innenrollstuhl fest. Aus den Erwägungen der Verfügung
ergibt sich jedoch, dass die Beschwerdegegnerin die Anspruchsvoraussetzungen für
den Aussenrollstuhl sowie den Hilfsantrieb verneinte. Das Dispositiv der Verfügung
kann nur so interpretiert werden, dass von den drei beantragten Hilfsmitteln einzig eine
Kostengutsprache für den Innenrollstuhl erfolgte unter gleichzeitiger (impliziter)
Abweisung der anderen zwei beantragten Hilfsmittel. Verfügungsgegenstand bildet
demnach die Kostengutsprache eines Handrollstuhles (Innenrollstuhl), die Abweisung
eines zweiten Handrollstuhles (Aussenrollstuhl) sowie die Abweisung eines
Hilfsantriebes. Als Streitgegenstand wird der effektiv angefochtene und damit strittige
Teil des Verfügungsgegenstandes bezeichnet. Gemäss dem Beschwerdebegehren sind
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streitig und zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf einen zweiten
Handrollstuhl (Aussenrollstuhl) sowie einen Hilfsantrieb (Elektro-Schiebhilfe) hat.
2.
2.1 Versicherte Personen, die infolge Invalidität für die Fortbewegung, für die Her
stellung des Kontakts mit der Umwelt und für die Selbstsorge kostspieliger Geräte be
dürfen, haben im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht
auf die Erwerbsfähigkeit einen Anspruch auf ein solches Hilfsmittel (Art. 21 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Gemeint ist nicht die
Invalidität i.S. von Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1), also die teilweise oder vollständige
Unfähigkeit, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, sondern eine leistungsspezifische
Invalidität (vgl. Art. 8 Abs. 2 IVG). Dies wird durch Art. 21 Abs. 2 IVG ganz eigenständig
definiert. Sie besteht in einer durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung bewirkten
Einschränkung bei der Wahrnehmung von drei essentiellen Bereichen der
Lebensführung, nämlich der Mobilität, der Kommunikation mit anderen Menschen und
der Fähigkeit, die lebensnotwendigen Tätigkeiten wie Nahrungszubereitung, persönlich
Hygiene usw. selbständig auszuführen. Kann eine versicherte Person eine
Einschränkung durch ein bestimmtes Hilfsmittel überwinden, so liegt die für dieses
Hilfsmittel spezifische Invalidität vor. Der Bundesrat hat die Pflicht, eine Liste der
Hilfsmittel aufzustellen, an das zuständige Departement delegiert (Art. 14 Abs. 1 der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Dieses ist seiner
Aufgabe mit dem Erlass der Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die
Invalidenversicherung (HVI; SR 831.232.51), insbesondere durch die eigentliche
Hilfsmittelliste im Anhang zu dieser Verordnung, nachgekommen.
2.2 Die Hilfsmittelversorgung unterliegt den allgemeinen Anspruchsvoraussetzungen
gemäss Art. 8 IVG (Geeignetheit, Erforderlichkeit, Eingliederungswirksamkeit; BGE 122
V 212 E. 2c S. 214). Die Invalidenversicherung ist auch im Bereich der Hilfsmittel keine
umfassende Versicherung, welche sämtliche durch die Invalidität verursachten Kosten
abdecken will; das Gesetz will die Eingliederung lediglich soweit sicherstellen, als diese
im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist und zudem der voraussichtliche Erfolg
der Eingliederungsmassnahme in einem vernünftigen Verhältnis zu ihren Kosten steht
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(Art. 8 Abs. 1 IVG; BGE 134 I 105 E. 3 S. 107 f. mit Hinweisen). Leistungen, die im
Anhang zur HVI aufgeführt sind, werden nicht ohne weiteres, sondern nur soweit
erforderlich und lediglich in einfacher und zweckmässiger Ausführung erbracht (Art. 21
Abs. 2 IVG; Art. 2 Abs. 4 HVI). Nach der Rechtsprechung bezieht sich die
Notwendigkeit des Hilfsmittels auf die konkrete Situation, in welcher die versicherte
Person lebt (vgl. BGE 135 I 161 E. 5.1 S. 165 f.).
2.3 Gemäss Art. 2 Abs. 3 HVI erstreckt sich der Leistungsanspruch auch auf das
invaliditätsbedingt notwendige Zubehör und auf die invaliditätsbedingt notwendigen
Anpassungen. Erlaubt das Hilfsmittel also in seiner Normal- bzw. Grundausstattung der
versicherten Person nicht, die hilfsmittelspezifische Invalidität zu überwinden, so ist
dem Leistungsanspruch erst mit dem notwendigen Zubehör oder mit einer
ausreichenden Anpassung Rechnung getragen. Das Zubehör bzw. die Anpassung
muss notwendig sein, um die ausreichende Nutzbarkeit des Hilfsmittels sicherzustellen,
darf den Grundsatz der einfachen und zweckmässigen Hilfsmittelversorgung aber nicht
verletzen.
3.
3.1 Zu prüfen ist einerseits, ob die Beschwerdeführerin neben dem bereits zuge
sprochenen Innenrollstuhl Anspruch auf einen zweiten (Aussen-) Rollstuhl und
andererseits, ob sie Anspruch auf einen Hilfsantrieb (Elektro-Schiebhilfe) hat.
3.2 Die hilfsmittelspezifische Invalidität der Beschwerdeführerin besteht in der durch
die Gesundheitsbeeinträchtigung bewirkten Unfähigkeit, kürzere Distanzen innerhalb
und ausserhalb des Hauses selbständig zu überwinden, d.h. gehend zurückzulegen.
Unbestrittenermassen ist sie demnach in ihrer Fortbewegung eingeschränkt und
innerhalb wie ausserhalb ihrer Wohnung auf einen Rollstuhl angewiesen, um eine
ausreichende Mobilität zu erreichen. Die Rollstühle sind in der Ziffer 9 der Liste im
Anhang zur HVI geregelt. Die Verwaltungspraxis geht davon aus, dass im Normalfall ein
Rollstuhl genüge, um den entsprechenden Hilfsmittelbedarf zu decken. Welches die
Voraussetzungen der ausnahmsweisen Versorgung mit zwei Rollstühlen ist, wird nicht
dargelegt. Das Kreisschreiben über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die
Invalidenversicherung (KHMI, in der seit 1. Januar 2013 gültigen Fassung) sieht nur vor,
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dass die Notwendigkeit der Abgabe eines zweiten Rollstuhls eingehend begründet
werden müsse, ohne aber anzugeben, welches die Anforderungen an eine Versorgung
mit zwei Rollstühlen seien, worin also die eingehende Begründung zu bestehen habe
(Ziffer 9.01 Rz 2075 KHMI). Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE
133 V 257 E.6) sind für die Abgabe von mehr als einem Rollstuhl die persönlichen
Bedürfnisse der versicherten Person im Einzelfall wesentlich, welche nach Massgabe
von Art. 21 Abs. 2 IVG abzuklären sind.
3.3 Die Beschwerdegegnerin stellt sich hierzu auf den Standpunkt, dass sich der
Aussenrollstuhl vom Innenrollstuhl lediglich durch die andere Bereifung unterscheide,
wobei die Spezialbereifung obsolet sei, da die Beschwerdeführerin ausserhalb der
Wohnung für das Rollstuhlfahren durchgehend auf eine Drittperson angewiesen sei. Da
die gesamte Wohnung und der Zugang dazu rollstuhlgängig seien, bestehe keine
Notwendigkeit, den Rollstuhl zu wechseln, und damit auch keine Notwendigkeit für die
Abgabe eines zweiten Handrollstuhls. Die Beschwerdeführerin lässt dagegen
ausführen, dass sich die Rollstühle, neben der Sitzhöhe und der Bereifung, auch darin
unterscheiden würden, dass beim Innenrollstuhl die Vorderräder schmaler seien. So
lasse er sich leichter fahren und sie müsse weniger Kraft aufwenden, wodurch ihre
bereits stark geschädigten Gelenke geschont und die Schmerzen soweit als möglich
eingedämmt würden. Müsste sie den Innenrollstuhl auch im Aussenbereich verwenden,
würde jede Erschütterung des Rollstuhles enorme Schmerzen auslösen.
3.4 Aus den Kostenvoranschlägen (IV-act. 39 f.) ist lediglich ersichtlich, dass der
Aussenrollstuhl eine höhere Sitzhöhe (50-44 cm) als der Innenrollstuhl (46-43 cm)
aufweist und über eine Spezialbereifung (vgl. IV-act. 38, Position 500202) verfügt.
Letzteres macht auch die Preisdifferenz zwischen den beiden Kostenvoranschlägen
aus. Ob sich die beiden beantragen Rollstühle noch in anderen Punkten unterscheiden,
wie dies die Beschwerdeführerin behauptet, ist unklar. In der fachtechnischen
Beurteilung fällt auf, dass die in den Kostenvoranschlägen ersichtlichen
unterschiedlichen Sitzhöhen, nicht erwähnt und die Rollstühle bis auf die Bereifung als
identisch bezeichnet werden. Klar ist jedenfalls, dass die Beschwerdeführerin drinnen
wie draussen auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Nicht bekannt ist, ob beispielsweise
die Sitzhöhe für die Benützung des Rollstuhles drinnen und draussen je anders
ausfallen muss, damit der Rollstuhl den konkreten Bedürfnissen der
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Beschwerdeführerin entsprechend benutzt werden kann. Drinnen bewegt sich die
Beschwerdeführerin selbständig mit dem Rollstuhl durch Trippeln mit den Füssen fort.
Deswegen wurde eine tiefere Sitzhöhe gewählt, damit sie mit den Füssen den Boden
erreichen kann. Draussen ist die Beschwerdeführerin darauf angewiesen, dass eine
Drittperson sie im Rollstuhl schiebt; die Beschwerdeführerin darf also mit den Füssen
den Boden gerade nicht berühren, während sie geschoben wird. Ob eine Anpassung
der Sitzhöhe behinderungsbedingt notwendig ist, wenn die Beschwerdeführerin den
Rollstuhl draussen verwenden möchte, ist von der Beschwerdegegnerin nicht abgeklärt
worden. Ungeklärt ist auch die Frage, ob sich die Sitzhöhe des bereits zugesprochene
Innenrollstuhls durch die Beschwerdeführerin entsprechend für den Einsatz draussen
anpassen lässt, falls diese Anpassung zwingend notwendig ist, um eine genügende
Mobilität auch draussen zurückzugewinnen. Für die unterschiedlichen Vorderräder gilt
das Gleiche. Es ist unklar, ob die Vorderräder überhaupt – wie dies von der
Beschwerdeführerin ausgeführt wird – unterschiedlich sind, sowie was für
Auswirkungen dies auf die Beschwerdeführerin beim Einsatz des Rollstuhles drinnen
und draussen und damit auf die Überwindung ihrer hilfsmittelspezifischen Invalidität
hat. Eine ausreichende bzw. zweckmässige Versorgung mit einem Hilfsmittel liegt
jedenfalls nicht vor, wenn die Beschwerdeführerin aufgrund von (vermeidbaren)
Schmerzen, die durch unangepasste Vorderräder entstehen, auf ihre Mobilität
draussen verzichtet und immer zu Hause bleibt. Insgesamt steht demnach nicht mit
dem erforderlichen Beweisgrad fest, inwiefern sich der zugesprochene Innenrollstuhl
vom beantragten Aussenrollstuhl genau unterscheidet und worin diese Unterschiede
genau begründet liegen, insbesondere ob diese behinderungsbedingt notwendig sind.
Sind behinderungsbedingt (andere) notwendige Anpassungen an den Rollstuhl nötig,
wenn er draussen benutzt wird, stellt sich die Frage inwiefern sich der bereits
zugesprochene (Innen-)Rollstuhl von der Beschwerdeführerin selbständig anpassen
lässt. Sind behinderungsbedingt notwendige Anpassungen für den Ausseneinsatz des
Rollstuhles derart umständlich vorzunehmen oder gar unmöglich, ist ein Anspruch auf
einen zweiten, spezifisch für den Aussenbereich angepassten, Handrollstuhl im
Grundsatz zu bejahen, damit sich die Beschwerdeführerin auch im Aussenbereich
fortbewegen kann. Zur Abklärung der vorgenannten Punkte und nachfolgender Neu
verfügung ist die Sache deshalb an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
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4.1 Unabhängig davon, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf einen zweiten
Handrollstuhl für draussen hat, ist zu prüfen, ob ihr grundsätzlich ein Anspruch auf die
Abgabe eines Hilfsantriebes (Rollstuhlschiebhilfe "Via Mobil V25") für die Fortbewegung
im Aussenbereich zusteht, da der Hilfsantrieb theoretisch auch an den bereits
zugesprochenen Innenrollstuhl montiert werden könnte.
4.2 Die Unfähigkeit zu gehen lässt normalerweise einen Anspruch auf einen Rollstuhl
ohne motorischen Antrieb (Handrollstuhl) entstehen. Kann die versicherte Person
allerdings einen solchen Rollstuhl behinderungsbedingt nicht selbst bedienen, hat sie
einen Anspruch auf einen Elektrorollstuhl, sofern sie sich dank dem elektromotorischen
Antrieb selbständig fortbewegen kann (vgl. Rz 9.02 HVI-Anhang). Sofern die versicherte
Person Anspruch auf einen Elektrorollstuhl hat, kann sie alternativ ihren
(Hand-)Rollstuhl mit einer motorischen Antriebshilfe ausstatten lassen, welche sie
eigenständig bedient (sog. Austauschbefugnis). Eine Antriebshilfe, die von der
versicherten Person selbständig bedient werden kann, ist nichts anderes als eine
technisch weniger aufwendige und damit wohl auch kostengünstigere Möglichkeit als
der Elektrorollstuhl, die selbständige Fortbewegung zu ermöglichen. Die
Beschwerdeführerin kann im Aussenbereich aufgrund ihrer gesundheitlichen
Beeinträchtigung unbestrittenermassen weder einen Handrollstuhl noch einen
Elektrorollstuhl auf längere Distanz selbständig bedienen. Deswegen hat die
Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf einen Elektrorollstuhl und kann entsprechend
auch keine Austauschbefugnis (Austausch Elektrorollstuhl durch Handrollstuhl mit
Hilfsantrieb) geltend machen. Der beantragte Hilfsantrieb (Schiebhilfe "Via Mobil V25")
ist daher darauf zu prüfen, ob er ein behinderungsbedingt zwingend notwendiges
Zubehör zum Handrollstuhl darstellt.
4.3 Die Beschwerdeführerin kann im Aussenbereich keinen Rollstuhl selbständig
über längere Distanz bedienen. Sie ist zur Fortbewegung ausserhalb ihrer Wohnung
zwingend auf eine Begleitperson angewiesen, die ihren Rollstuhl schiebt bzw. steuert.
Eine ausreichende Versorgung mit einem Handrollstuhl ist in dieser Konstellation nur
dann gegeben, wenn die versicherte Person durch den Beizug der Drittperson zu
dessen Bedienung ihre Mobilität in einem ausreichenden Mass zurückgewinnt, mit
anderen Worten, ihre hilfsmittelspezifische Invalidität überwinden kann. Dies ist dann
nicht der Fall, wenn aufgrund nachteiliger Umstände (z.B. der topographischen Wohn
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lage) eine mit durchschnittlichen Körperkräften ausgestattete Drittperson den
Handrollstuhl nicht so bedienen kann, dass die notwendige Mobilität der versicherten
Person gewährleistet ist, d.h. die versicherte Person immer wieder auf ihre Mobilität
verzichten und zuhause bleiben muss, weil sie niemanden findet, der fähig oder bereit
ist, ihren Handrollstuhl zu bedienen. Eine elektrische Schieb- und Bremshilfe
(Hilfsantrieb) erlaubt in diesem Zusammenhang den Einsatz eines Handrollstuhls unter
Beizug einer Drittperson auch bei schwierigen Wegverhältnissen, indem sie der
Drittperson die (allzu) schwere Arbeit des Schiebens und Bremsens in steilem Gelände
oder auf Naturstrassen weitgehend abnimmt. Insofern handelt es sich beim vorliegend
beantragten Hilfsantrieb (Rollstuhlschiebhilfe "Via Mobil V25") grundsätzlich um ein
Zubehör im Sinne von Art. 2 Abs. 3 HVI zum Handrollstuhl, welches die ausreichende
Einsetzbarkeit des Hilfsmittels Handrollstuhls gewährleistet. Die eigenhändige
Bedienbarkeit des Hilfsantriebs ist in diesem Fall irrelevant, da die versicherte Person
ohnehin auf eine Drittperson angewiesen ist. Ein Anspruch auf Abgabe eines
Hilfsantriebes (im Sinne eines Zubehörs zum Handrollstuhl) kann entsprechend nicht
von vornherein mit Hinweis auf die mangelnde Selbstbedienung des Geräts verneint
werden (vgl. zum Ganzen auch Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
St.Gallen vom 28. März 2013, IV 2011/368).
4.4 Da die Beschwerdegegnerin die Abgabe des Hilfsantriebes mit der unzutreffenden
Begründung verweigert hat, es bestehe mangels selbständiger Steuerbarkeit des
Hilfsantriebs kein Leistungsanspruch, ist eine ausreichende Abklärung der Strassen-
und Wegverhältnisse auf den Strecken, die von der Beschwerdeführerin im
Aussenbereich befahren werden müssen, unterblieben. In der fachtechnischen
Beurteilung wird lediglich festgehalten, dass die Beschwerdeführerin an einem Hang
wohnt. Es steht deshalb nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad fest, dass die
Einsatzfähigkeit des Handrollstuhls - unabhängig davon, ob es sich dabei um den
bereits zugesprochenen Innenrollstuhl oder um einen allfälligen zweiten Rollstuhl für
den Aussenbereich handelt – nur durch eine Schieb- und Bremshilfe in der Art des "Via
Mobil V25"-Geräts sichergestellt werden kann. Ebenso wenig steht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass das "Via Mobil V25"-
Gerät unter Berücksichtigung des Kriteriums der einfachen und zweckmässigen
Versorgung das richtige Zubehör (für den Rollstuhl an den es letztendlich montiert
werden soll) darstellt und dass der im Kostenvoranschlag genannte Betrag
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angemessen ist. Die Sache ist deshalb auch in diesem Punkt – unter grundsätzlicher
Bejahung eines Anspruchs der Beschwerdeführerin auf ein Schieb- und Bremsgerät als
Zubehör zum Handrollstuhl – zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
5.
In Bezug auf die Verfahrenskosten ist dieser Verfahrensausgang als vollumfängliches
Obsiegen der Beschwerdeführerin zu werten. Die Beschwerdeführerin hat deshalb
einen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Die Parteientschädigung wird vom Ver
sicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Be
deutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61
lit. g ATSG). Aufgrund des unterdurchschnittlichen Vertretungsaufwandes erscheint
im vorliegenden Fall eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Die unterliegende
Beschwerdegegnerin hat nicht nur für diese Parteientschädigung, sondern auch für die
Gerichtskosten aufzukommen. Da der Beurteilungsaufwand als durchschnittlich zu
werten ist, wird die Gerichtsgebühr praxisgemäss auf Fr. 600.-- festgesetzt. Der von
der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird
zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39