Decision ID: 78e93a97-8f07-478e-96b0-aef9941d2823
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ wurde per xx.yy.2003 an der Hochschule für Technik (vormals Neu-Technikum)
Buchs (nachfolgend: NTB; seit 1. September 2020 Ost – Ostschweizer
Fachhochschule) als Dozent angestellt. Per xx.yy.2005 wurde er unter Verleihung des
Titels eines Professors zum vollamtlichen Dozent gewählt. A._ kündigte das
Anstellungsverhältnis per xx.yy.2012. Konfrontiert mit von A._ geltend gemachten
Ansprüchen aus Ferien- und Gleitzeitguthaben ermittelte der Rektor für das Jahr 2012
auf den Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsverhältnisses eine "Mehrarbeitszeit" von
zwei Monaten und veranlasste im Sinn eines maximalen Entgegenkommens auf
freiwilliger Basis ohne Anerkennung einer Rechtspflicht eine entsprechende
Auszahlung von brutto CHF 27'690. Weitere Ansprüche lehnte der Hochschulrat am
7. November 2014 ab.
B.
A._ (Kläger) erhob mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 30. September 2020 bei
der Rekurskommission der NTB Klage gegen die Ost – Ostschweizer Fachhochschule
(Beklagte) mit dem Rechtsbegehren, die Beklagte sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu verpflichten, ihm Lohnzahlungen von CHF 186'907.50 brutto,
unter Abzug der Arbeitnehmerbeiträge an die Sozialversicherungen und an die
Personalvorsorge, nebst Zins zu fünf Prozent seit 26. Oktober 2013 zu bezahlen und
die Abzüge zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen an die Sozialversicherungs- und
Vorsorgeträger abzuführen. Die Rekurskommission leitete die Klage am 18. Januar
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2021 zuständigkeitshalber an das Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen weiter.
Die Ost – Ostschweizer Fachhochschule (Beklagte) beantragte mit Klageantwort vom
12. März 2021, die Klage sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich
Mehrwertsteuer abzuweisen.
Der Kläger hielt mit Replik vom 28. Mai 2021 an seinen Ansprüchen, die Beklagte
ihrerseits mit Duplik vom 14. Juli 2021 an deren Unbegründetheit fest. Der Kläger
antwortete darauf am 26. August 2021; die Beklagte äusserte sich dazu am
13. September 2021. Der verfahrensleitende Abteilungspräsident schlug den
Beteiligten am 12. November 2021 vor, eine gütliche Verständigung zu versuchen. Der
Kläger erklärte sich am 16. November 2021 mit diesem Vorgehen einverstanden. Die
Beklagte teilte am 3. Januar 2022 mit, sie verzichte auf die Teilnahme an einer
gerichtlichen Verständigungsverhandlung.
Am 28. März 2022 hat das Verwaltungsgericht die Angelegenheit in Anwesenheit des
Klägers und seines Rechtsvertreters einerseits sowie des Rechtsvertreters der
Beklagten und des Rektors ihrer Rechtsvorgängerin öffentlich verhandelt. An
Schranken reduzierte der Kläger sein Begehren auf CHF 175'657.55. Die
Vergleichsgespräche, welche die Parteien nach Abschluss der mündlichen
Verhandlung führten, blieben erfolglos.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge, die
Akten und die Ausführungen der Beteiligten anlässlich der mündlichen Verhandlung
wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts zur Behandlung der Klage ist von den
Parteien anerkannt. Sie ergibt sich aus Art. 79 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, VRP) und Art. 63 Abs. 3 der Vereinbarung über
die Ost – Ostschweizer Fachhochschule (sGS 218.21, nachfolgend: Vereinbarung Ost).
Die Ost – Ostschweizer Fachhochschule ist die Rechtsnachfolgerin der NTB (vgl. Art. 2
Abs. 2 der Vereinbarung zur Aufhebung der "Vereinbarung über die Hochschule für
Technik Buchs", in: ABl 2019 S. 1185; vgl. auch sGS 234.111.1). Der Hochschulrat hat
als oberste in der Sache zuständige Verwaltungsbehörde der Rechtsvorgängerin der
Beklagten (vgl. Art. 15 Abs. 1 der Vereinbarung über die Hochschule für Technik
Buchs; nGS 36-80, nachfolgend: Vereinbarung NTB) die vom Kläger geltend
gemachten vermögensrechtlichen Ansprüche am 7. November 2014 abgelehnt (Art. 80
quater
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Abs. 2 VRP). Die Klage vom 30. September 2020 erfüllt in inhaltlicher und formeller
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (vgl. Art. 80 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 64
und Art. 48 Abs. 1 VRP). Die Eintretensvoraussetzungen sind dementsprechend erfüllt
und die Klage materiell zu behandeln.
2. Klagefrist
Ausgangslage
Die Beklagte erhebt gegen die vom Kläger erhobenen Ansprüche keine Einrede der
Verjährung. Von der Verjährung der Forderung zu unterscheiden ist eine allenfalls
bestehende prozessuale Frist zur Klageeinreichung. Der Beschluss des Hochschulrates
der NTB vom 7. November 2014 war mit dem Hinweis versehen, dagegen könne bei
der Rekurskommission der Hochschule für Technik Buchs Klage erhoben werden. Eine
Frist zu deren Einreichung wurde nicht genannt. Der Kläger hat die Klage am
30. September 2020 bei der Rekurskommission der NTB erhoben. Zwar macht die
Beklagte nicht geltend, die Ansprüche des Klägers seien wegen verspäteter Erhebung
der Klage verwirkt. Indessen gehört die Verwirkung, insbesondere auch jene nach
Art. 336b Abs. 2 des Schweizerischen Obligationenrechts (SR 220, OR), nicht zu den
Einreden, welche die Beklagte in das Verfahren einbringen muss (vgl. BGer 4C.36/2006
vom 29. März 2006 E. 3.1).
2.1.
Rechtsgrundlage
Art. 20 der im Zeitpunkt der Ablehnung am 7. November 2014 geltenden Vereinbarung
NTB regelte die Zuständigkeiten der Rekurskommission (Abs. 1) und ermächtigte die
Regierungen der Vertragspartner, durch eine gemeinsame Verordnung Organisation
und Verfahren zu regeln (Abs. 2). Eine solche Verordnung war indessen nie erlassen
worden. Jedoch hatte der Technikumsrat (nGS 5 341, seit 20. Oktober 2001
Hochschulrat, nGS 36-80) beschlossen, dass in sämtlichen Verfahren vor ihm und vor
ihm unterstellten Kommissionen und Amtsstellen die Vorschriften der st. gallischen
Verwaltungsrechtspflege sachgemäss angewendet werden (Beschluss des
Technikumsrates des Neu-Technikums Buchs betreffend anzuwendende
Verfahrensvorschriften vom 5. Februar 1992, nGS 27-55, nachfolgend: Beschluss
Verfahrensvorschriften NTB). Die Rekurskommission war allerdings – zumal sie
Beschwerdeinstanz gegen Verfügungen und Entscheide des Hochschulrates war –
keine dem Hochschulrat unterstellte Kommission. Der Verweis auf die st. gallische
Verwaltungsrechtpflege kann immerhin lückenfüllend von Bedeutung sein. Die
ebenfalls vom Technikumsrat erlassene Anstellungsordnung für Dozenten, Assistenten,
Verwaltungs- und Betriebspersonal des Neu-Technikums Buchs vom 8. Juli 1977
(Stand 17. November 2004, GS 25-67, nachfolgend: Anstellungsordnung NTB) enthielt
2.2.
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sowohl materielle als auch inhaltliche Regeln zu den Anstellungsverhältnissen. Für
besondere Regelungsgegenstände – Sozialzulagen (Art. 30), Teuerungszulagen
(Art. 31), Besoldung während des Militär- und Zivilschutzdienstes (Art. 33 Abs. 1) und
während Krankheit und Unfall (Art. 34), Personalfürsorge (Art. 38) – verwies sie auf die
für das Staatspersonal des Kantons St. Gallen geltenden Vorschriften. Gemäss Art. 39
galten für die Anstellungsverhältnisse zudem ergänzend – allgemein – Art. 319-362 OR
sowie die weiteren einschlägigen eidgenössischen und kantonalen gesetzlichen
Vorschriften. Darunter fielen insbesondere auch die für das st. gallische Staatpersonal
geltenden Regeln, auf welche die Anstellungsordnung – wie dargelegt – teilweise auch
ausdrücklich verwies.
Das im Zeitpunkt der Ablehnung des Anspruchs des Klägers am 7. November 2014
geltende Recht der NTB sah gegen Verfügungen des Hochschulrates das Rechtsmittel
der Beschwerde vor (Art. 20 Abs. 1 der Vereinbarung NTB; für den Fall der Beendigung
des Dienstverhältnisses vgl. BGer 8C_501/2016 vom 19. Dezember 2017 Sachverhalt A
und B). Daraus und aus dem Verweis im Beschluss Verfahrensvorschriften NTB ist zu
schliessen, dass die in der st. gallischen Verwaltungsrechtspflege geltende
Rechtsmittelfrist von 14 Tagen gemäss Art. 47 Abs. 1 VRP angewendet wurde. Der
Hochschulrat ging jedoch entsprechend seinem "Hinweis zum Rechtsweg" im
Beschluss vom 7. November 2014 davon aus, dass gegen seine, vermögensrechtliche
Ansprüche aus dem Dienstverhältnis mit der NTB ablehnenden Beschlüsse bei der
Rekurskommission Klage zu erheben sei. Zur Frist enthielt das Recht der NTB keine
Regelung. Das st. gallische Verwaltungsrechtspflegegesetz sah und sieht keine Frist
vor, innert welcher bei Ablehnung eines gegen ein Gemeinwesen erhobenen Anspruchs
durch deren in der Sache zuständige oberste Verwaltungsbehörde die öffentlich-
rechtliche Klage bei der zuständigen Behörde zu erheben ist (vgl. insbesondere Art. 79
ff. VRP für die Klage vor dem Verwaltungsgericht). Jedoch galt für vermögensrechtliche
Ansprüche aus Anstellungsverhältnissen im Anwendungsbereich des st. gallischen
Personalgesetzes gemäss Art. 81 PersG für die Erhebung der Klage eine Frist von
sechs Monaten seit Abschluss des Schlichtungsverfahrens (nGS 47-31 und 2015-003;
ob die Frist auch bei Anstellungsverhältnissen mit Gemeinden gilt, offengelassen, weil
sie eingehalten gewesen wäre, in VerwGE K 2013/3 Teilentscheid vom 28. April 2015
E. 3). Mit dieser Klagefrist wird die zivilrechtliche Frist nach Art. 336b Abs. 2 OR bei
missbräuchlicher Kündigung sachgemäss angewendet (Personalgesetz, Botschaft und
Entwurf der Regierung vom 27. April 2010, in: ABl 2010, S. 1585 ff., S. 1647). Die Frist
zur Geltendmachung einer Entschädigung aus missbräuchlicher Kündigung nach
Art. 336b Abs. 2 OR hat gemäss dessen Satz 2 nach unbenütztem Ablauf
Verwirkungsfolge. Dementsprechend gehen allfällig bestehende Ansprüche – anders
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als nach Ablauf zur Einleitung der Klage nach Erteilung der Klagebewilligung gemäss
Art. 209 Abs. 3 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (Zivilprozessordnung, SR
272, ZPO) – mit unbenütztem Ablauf der Frist unter. Die Verwirkungsfrist wurde mit der
Absicht ins Gesetz aufgenommen, nach dem Scheitern der Verhandlungen möglichst
schnell Klarheit über die geltend gemachten Ansprüche zu schaffen. Dabei war sich der
Gesetzgeber bewusst, dass Rechtsuchende, die über diese speziellen Fristen nicht
orientiert sind, zu deren Opfer werden können, nahm dies aber mit Blick auf die
Rechtssicherheit in Kauf (vgl. BGE 136 III 96 E. 2.1 mit Hinweis auf die Materialien). Die
in ihrer Wirkung Art. 336b Abs. 2 OR entsprechende Frist von Art. 81 PersG gilt
aufgrund ihrer systematischen Stellung im Abschnitt über die personalrechtliche Klage
nicht nur für Ansprüche aus einer missbräuchlichen Kündigung, sondern für sämtliche
vermögensrechtlichen Ansprüche aus einem Dienstverhältnis nach einem erfolglos
abgeschlossenen Schlichtungsverfahren. Mit dem VIII. Nachtrag zum VRP vom
31. Januar 2017 (anwendbar ab 1. Juni 2017) verkürzte der st. gallische Gesetzgeber
im Übrigen die Frist von sechs auf drei Monate (nGS 2017-032). Damit wurde der Sinn
der Frist von Art. 81 PersG, dass der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber gegenüber in
einem Schlichtungsverfahren erfolglos erhobene vermögensrechtliche Ansprüche innert
nützlicher Frist auf dem Klageweg weiterverfolgen soll, erneut unterstrichen.
Das Personalrecht der NTB sah zwar kein Schlichtungsverfahren im Sinn des
kantonalen Personalrechts vor. Sieht ein Gemeinwesen für vermögensrechtliche
Ansprüche aus einem Anstellungsverhältnis kein solches Schlichtungsverfahren vor,
tritt nach der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung die Ablehnung eines solchen
Anspruchs durch die oberste in der Sache zuständige Verwaltungsbehörde des
betreffenden Gemeinwesens – vorliegend den Hochschulrat – an die Stelle der
Feststellung der Schlichtungsbehörde, dass das Schlichtungsverfahren gescheitert ist
(vgl. GVP 2015 Nr. 65; U. Gmünder, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/ St. Gallen 2020, N 17 zu
Art. 71e-71g VRP). Der Kläger selbst ging zudem auch nicht davon aus, dass er –
nachdem die interkantonale Vereinbarung über die Rechtsnachfolgerin der NTB für
personalrechtliche Streitigkeiten ein Schlichtungsverfahren vor der Klageerhebung
beim Verwaltungsgericht vorsieht (vgl. Art. 40 Abs. 2 der Vereinbarung Ost,
angewendet ab 1. September 2020; nGS 2019-075) – zunächst ein
Schlichtungsverfahren vor der Schlichtungsbehörde (vgl. Art.55-57 des
Personalreglements; sGS 218.312) hätte durchlaufen müssen.
Schlussfolgerung
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass entsprechend dem Verweis in
2.3.
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3. Ansprüche
Im Übrigen erwiesen sich die vom Kläger geltend gemachten Ansprüche aus
Überstunden und nicht bezogenen Ferien auch als unbegründet.
Art. 39 der Anstellungsordnung NTB für die Erhebung der Klage nach der Ablehnung
der vom Kläger geltend gemachten vermögensrechtlichen Ansprüche aus seinem
Anstellungsverhältnis bei der Rechtsvorgängerin der Beklagten durch den
Hochschulrat am 7. November 2014 die Klage entsprechend dem ergänzend
anwendbaren Art. 81 PersG innerhalb von sechs Monaten bei der Rekurskommission
der NTB anzuheben gewesen wäre. Allfällige Ansprüche des Klägers sind damit
verwirkt, und die Klage ist abzuweisen. Da das Gericht das Recht von Amtes wegen
anwendet und seine Auffassung im Rahmen des verfassungsrechtlichen Anspruchs der
Parteien auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101) begründen muss, besteht kein Anlass,
dem Beweisantrag des Klägers, ihm ein vom früheren Verwaltungsgerichtspräsidenten
verfasstes Rechtsgutachten zum Rechtsmittelweg gegen Entscheide des
Hochschulrates der NTB zuzustellen, zu entsprechen. Die Parteien wurden an der
mündlichen Verhandlung vor dem zweiten Vortrag zudem auf dieses Fristproblem
hingewiesen, so dass nicht von einer überraschenden Rechtsanwendung gesprochen
werden kann (vgl. BGer 2C_329/2021 vom 21. September 2021 E. 4.2.1). Der Kläger
hat zur Frage auch noch schriftlich Stellung genommen (act. 52).
Vorbringen
Der Kläger anerkennt, dass die in den massgebenden Jahren gültig gewesene
Anstellungsordnung NTB weder Arbeitszeit noch Ferienansprüche der Dozenten
festlegte und damit den zeitlichen Umfang der Leistungserbringung in keiner Weise
begrenzte. Jedoch sei er in der Wahlanzeige ausdrücklich auf eine 42-Stunden-Woche
als Regelarbeitszeit und von der Schulleitung zur Leistungserfassung verpflichtet
worden. Die Leistungserfassung habe die offenen Ferien- und Gleitzeitansprüche
jederzeit ausgewiesen und ein berechtigtes Vertrauen in das Recht zu deren Bezug und
Kompensation begründet. Seine Arbeit in Lehre (Pensum 120 Prozent) und
angewandter Forschung sei durch Leistungsaufträge seitens der Schulleitung, des
Rektors und der Institutsleitung vorgegeben gewesen. Seinen Vorgesetzten sei durch
Visierung und Genehmigung der Übersichten der Leistungserfassung seine über alle
Massen angewachsene zeitliche Überlastung jederzeit bekannt gewesen. Die
Verantwortung für eine Entlastung sei bei der Schulleitung gelegen. Die
Gleitzeitüberhänge seien am Jahresende jeweils auf einen Minimalwert gekürzt und
entsprechend in die Leistungserfassung des Folgejahres übernommen worden. Sei
3.1.
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eine Kompensation in der Abrechnungsperiode wegen betrieblicher Bedürfnisse nicht
möglich, wandle sich ein positiver Gleitzeitsaldo in – zu entschädigende – Überstunden
um. Eine Kompensation ohne die Aufgabenerfüllung zu vernachlässigen und/oder die
Budgetziele zu verfehlen, sei nicht möglich gewesen. Ferienansprüche verwirkten
grundsätzlich nicht durch Nichtbezug. Die Leistungserfassung habe jeweils im
Folgejahr das Ferienguthaben aus dem Vorjahr übernommen und fortgeschrieben. Bis
zum Ende des Anstellungsverhältnisses nicht bezogene Ferien seien zwingend durch
Geldleistungen abzugelten.
Die Beklagte verweist demgegenüber auf die besondere personalrechtliche Stellung
der Dozenten als Hochschullehrer und Wissenschaftler. Für sie habe ein freiheitliches
Konzept gegolten, das auf Eigenverantwortung beruht und ihnen ein Maximum an
Autonomie eingeräumt habe. Einzuhalten gewesen seien eine Anwesenheit von
wöchentlich dreissig Stunden und während der Unterrichtszeiten (ab 2005 zweimal 14
Wochen im Jahr) der Grundsatz der Fünftagewoche. Die ganze unterrichtsfreie Zeit sei
den Dozenten eigenverantwortlich für Vorbereitung des Unterrichts, Weiterbildung und
Freizeit zur Verfügung gestanden. Zur Freizeit hätten selbstredend auch die Ferien
gehört. Während die Anstellungsordnung die Ferien für die Assistenten sowie das
Verwaltungs- und Betriebspersonals ausdrücklich geregelt habe, sei für die Dozenten
kein fester Ferienanspruch definiert worden. Sie hätten eigenverantwortlich ohne
Genehmigung und ohne Kontrolle entschieden, wann sie in der unterrichtsfreien Zeit
Ferien beziehen wollten. Nach Massgabe dieser Anstellungsordnung habe für
Dozenten kein überjähriges Ferien- beziehungsweise Freizeitguthaben entstehen
können. Wäre es einem Dozenten aus dienstlichen Gründen nicht möglich gewesen,
Ferien entsprechend seinen Wünschen zu beziehen, wäre er verpflichtet gewesen, die
Zustimmung zu einem entsprechenden Übertrag und, wenn notwendig, eine
Anpassung des Arbeitsplanes zu beantragen. Für Dozenten habe es – anders als für
Assistenten und das Verwaltungs- und Betriebspersonal – auch keinen Anspruch auf
zusätzliche Zahlung für Mehrleistungen gegeben. Habe sich ein Dozent durch sein
Arbeitspensum überlastet gesehen, wäre es sein Recht und seine Pflicht gewesen, eine
Anpassung des Arbeitsplanes zu verlangen. Bei der Leistungserfassung für die
Dozenten habe es sich stets um ein blosses "Verrechnungsinstrument", das der
Erfüllung der statistischen Rapportverpflichtung gegenüber dem Bundesamt für
Statistik sowie dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation gedient
habe, und nie um ein Kontrollinstrument gehandelt. Im Bereich Lehre habe sie deshalb
auch nicht die tatsächlich geleisteten Arbeitszeiten, sondern lediglich Planungswerte
enthalten. Insbesondere Dozenten wie der Kläger, welche ein- und dieselbe
Unterrichtseinheit im selben Semester und in anschliessenden Studienjahren mehrfach
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hielten, hätten für den Unterricht tatsächlich weit weniger Zeit als den Planungswert
einsetzen müssen. Das habe dann auch dazu führen können, dass sich ein
Planungswert für ein Pensum von mehr als 100 Prozent ergeben habe. Als Leiter seiner
Curriculum-Gruppe sei es dem Kläger zudem freigestanden, den Umfang seines
Pensums auf eine für ihn passende Grösse zu begrenzen. Anträge zur Erteilung von
Lehraufträgen für Unterrichtseinheiten, welche die Mitglieder der Curriculum-Gruppe
nicht selbst hätten abdecken können oder wollen, seien allesamt genehmigt worden.
Der Kläger habe also genau jenes Unterrichtspensum erfüllt, das er selbst gewählt
habe und habe übernehmen wollen, es sei ihm nicht "zugeteilt" worden. Andere
Mitglieder der Curriculum-Gruppe hätten noch so gerne mehr Unterricht erteilt, allein
der Kläger habe das nicht gewollt. Soweit in der Wahlanzeige auf eine Fünftagewoche
mit "42 Stunden" hingewiesen worden sei, habe es sich um eine Richtgrösse für den
Professor zur Bemessung des eigenen Arbeitspensums gehandelt.
Rechtsgrundlagen3.2.
Arbeitsgesetz
Der Kläger stützt seine Ansprüche – zu Recht – nicht auf das Bundesgesetz über die
Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel (Arbeitsgesetz; SR 822.11, ArG). Das Gesetz
ist nach Art. 3 Ingress und lit. d – grundsätzlich – nicht anwendbar auf Arbeitnehmer,
die eine wissenschaftliche Tätigkeit ausüben. Art. 10 der Verordnung 1 zum
Arbeitsgesetz (SR 822.111, ArGV 1) konkretisiert den Begriff der wissenschaftlichen
Tätigkeit. Dazu gehören Forschung und Lehre, wenn dem Arbeitnehmer oder der
Arbeitnehmerin in Bezug auf die Zielsetzung der Arbeit, deren Ausführung und
Einteilung eine grosse Freiheit zukommt (Abs. 1). Die Forschung umfasst neben der
Grundlagenforschung auch die angewandte Forschung, nicht aber deren Umsetzung in
die Praxis wie die Entwicklung und die Produktion (Abs. 2). Zudem ist der Kläger auch
als an einer selbständigen öffentlich-rechtlichen Anstalt mit eigener
Rechtspersönlichkeit (vgl. Art. 1 Abs. 2 der Vereinbarung NTB) tätiger Lehrer gemäss
Art. 3 Ingress und lit. e ArG vom Geltungsbereich des Gesetzes ausgenommen. Ob der
Kläger Anspruch auf Entschädigung von Überstunden beziehungsweise Überzeit und
von nicht bezogenen Ferien hat, ist deshalb nach den personalrechtlichen Vorschriften
des NTB, die während der Zeit seiner Anstellung galten, und allfälligen besonderen
Vereinbarungen in seinem Anstellungsverhältnis zu entscheiden.
3.2.1.
Personalrecht der NTB
Gemäss Art. 1 Abs. 3 des Organisationsreglements der Interstaatlichen Hochschule für
Technik Buchs NTB vom 16. März 2007 (act. 2/5; nachfolgend: Organisationsreglement
3.2.2.
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NTB) erfüllte die NTB Leistungsaufträge in den beiden Hauptbereichen Lehre (samt
Weiterbildung) und Technologietransfer (umfassend die angewandte Forschung und
Entwicklung sowie Dienstleistungen). Aufgabe des Rektors der NTB war unter anderem
die Leitung des einen der beiden Hauptleistungsbereiche (Lehre oder
Technologietransfer) und die Leistungsvereinbarungen mit allen Dozierenden (Art. 8
Abs. 2 Ingress und lit. g und h). Den anderen Hauptleistungsbereich leitete der
Prorektor, dem in diesem Bereich Weisungsbefugnis gegenüber den beteiligten
Dozierenden und Mitarbeitenden zukam (Art. 9 Abs. 2). Jedem Dozierenden und jedem
Mitarbeitenden stand das Recht zu, einmal jährlich ein formelles Mitarbeitergespräch
mit der vorgesetzten Stelle einzufordern, in welchem persönliche Ziele, die
Zielerreichung und die Qualifikation besprochen wurden. Wurde von diesem Recht kein
Gebrauch gemacht, oblag es der vorgesetzten Stelle, mindestens alle zwei Jahre ein
Mitarbeitergespräch anzuordnen und durchzuführen, in welchem auch eine
Rückmeldung über die Zusammenarbeit einzuholen war. Alle Dozierenden hatten eine
individuelle oder für eine Gruppe von Dozierenden anwendbare Leistungsvereinbarung,
deren wesentlicher Teil die Planung der Kapazitäten für Lehre, Technologietransfer und
zusätzliche Aufgaben war. Die Planung erfolgte in der Regel für ein Jahr im Voraus. Die
Leistungsvereinbarung orientierte sich an der Jahresarbeitszeit. Bei Abweichungen
sorgte die Schulleitung für Ausgleichstätigkeiten beziehungsweise für Entlastung
(Art. 12 Abs. 3 und 4). Die Leistungsvereinbarung wurde unter Miteinbezug der
Beteiligten erarbeitet (Art. 12 Abs. 6).
Art. 11 ff. der Anstellungsordnung NTB enthielten die Regelungen zu Arbeitszeit,
Ruhetagen und Ferien. Für die Arbeitszeit der Dozierenden wurde auf deren
Verantwortung für die Erfüllung des Lehrauftrags und die Verpflichtung, zusätzliche
Aufgaben unter Berücksichtigung der Gesamtbelastung ohne zusätzliche
Entschädigung zu übernehmen (Art. 11). Arbeitsort der Dozierenden war grundsätzlich
das Neu-Technikum Buchs, wo sie während wenigstens dreissig Stunden wöchentlich
anwesend sein mussten (Art. 11 Abs. 1). Abwesenheiten von Dozierenden vom Neu-
Technikum von einem halben Tag und mehr waren im Voraus zu melden (Art. 14
Abs. 2). Die wöchentliche Arbeitszeit während der Unterrichtswochen richtete sich
nach den Grundsätzen der Fünftagewoche (Art. 11 Abs. 2). Für die Dozierenden
bestimmte der Direktor (nGS 5 341, seit 20. Oktober 2001: Rektor, nGS 36-79) in
Zusammenarbeit mit ihnen deren Arbeitsplan.
bis
bis
Würdigung3.3.
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Überstunden
Soweit – wie dies oft bei leitenden Angestellten der Fall ist – keine vertraglich näher
bestimmte Arbeitszeit festgesetzt ist, können streng genommen gar keine Überstunden
anfallen (vgl. Portmann/Rudolph, in: Basler Kommentar zum OR I, 7. Aufl. 2019, N 10
zu Art. 321c OR). Für die Beurteilung, ob dies auch für das Anstellungsverhältnis des
Klägers galt, sind insbesondere die Entscheidungsfreiheit beziehungsweise der
Entscheidungsspielraum, über den der Angestellte verfügt, sowie die mit
Verantwortung verbundene selbständige Stellung im Betrieb, die eine freie Gestaltung
der Arbeitszeit ermöglicht, ausschlaggebend. Das ist der Fall, wenn der Angestellte
seine Arbeitszeit weitgehend selber einteilen kann, sie also kaum kontrolliert wird, und
er Überstunden auch kompensieren kann (vgl. VerwGE B 2021/182 vom 13. April 2022
E. 3.1 mit Hinweisen auf weitere Rechtsprechung). War die Arbeitszeit des Klägers
vertraglich nicht näher festgelegt und verfügte er aufgrund der für ihn geltenden
Regelungen in der Anstellungsordnung NTB und dessen, was sich aus der
Wahlanzeige (act. 2/4) ergibt, über eine solche Freiheit in der Gestaltung seiner
Arbeitszeit, erübrigt sich eine ergänzende Anwendung der Regeln von Art. 321c OR.
Die Anstellungsordnung hielt für die Dozierenden – anders als für Assistenten sowie
Verwaltungs- und Betriebspersonal (42-Wochen-Stunden gemäss Art. 12) – keine
maximale Arbeitszeit in Wochenstunden fest, sondern erklärte sie verantwortlich für die
Erfüllung des Lehrauftrags und sah die Möglichkeit vor, sie – unter Berücksichtigung
der Gesamtbelastung – zur Übernahme zusätzlicher Aufgaben ohne zusätzliche
Entschädigung zu verpflichten. Ebenso wenig enthielt sie – wiederum im Gegensatz
zum Anstellungsverhältnis von Assistenten sowie Verwaltungs- und Betriebspersonal
(Pflicht zur Leistung in zumutbarem Rahmen mit Zeitausgleich, ausnahmsweise mit
Entschädigung gemäss Art. 12 ) – eine Regelung zur Überzeit. Die Dozierenden waren
deshalb nicht auf die Leistung einer bestimmten Anzahl von Arbeitsstunden, sondern
auf die Erfüllung von bestimmten Aufgaben verpflichtet. Die Anstellungsordnung NTB
ging von einer weitgehenden organisatorischen Selbständigkeit der Dozierenden
bezüglich der Erfüllung ihres Lehrauftrags und allfälliger Verpflichtungen in anderen
Leistungsbereichen, insbesondere im Technologietransfer aus. Dies schlug sich in der
Freiheit hinsichtlich der Gestaltung des Arbeitsalltags und seiner Abgrenzung zur
Freizeit nieder. Zu dieser Freiheit steht die Verpflichtung zur Leistungserfassung nicht
im Widerspruch. Die Leistungserfassung diente in erster Linie der Erfüllung der
Anforderungen des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie an eine –
einheitliche – Kostenrechnung und des Bundesamtes für Statistik an eine – einheitliche
– Leistungserfassung im Hinblick auf die Erhebungen zum Personal der
3.3.1.
bis
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Fachhochschulen (act. 2/8, Ziff. 1). Zumal die Leistungserfassung im Bereich der Lehre,
in welchem der Kläger weit überwiegend tätig war, auf der Anrechnung von
Standardwerten beruhte (act. 2/8, Ziff. 4.1.2.1 und 4.2.2.1), war sie nicht geeignet, die
konkrete zeitliche Belastung des Klägers wiederzugeben. Anders als für die
Dozierenden, wurden für die Mitarbeitenden des Mittelbaus für
Unterrichtsunterstützung nicht Standardwerte, sondern der effektive Aufwand erfasst
(act. 2/8, Ziff. 4.1.2.2 und 4.2.2.2). Darin kommt – wiederum – zum Ausdruck, dass
Dozierenden an einer Fachhochschule hinsichtlich des zeitlichen Aufwands, den sie für
ihre Lehrtätigkeit betreiben, eine erhebliche Freiheit zukommt und sie nicht verpflichtet
sein sollten, den von ihnen erbrachten Zeitaufwand akribisch zu erfassen. Wenn der
Kläger die jeweilige Beschränkung des Übertrags am Jahresende auf zehn Stunden
nicht beanstandet hat, war dies ebenfalls ein Zeichen dafür, dass er nicht davon
ausging, kompensierbare oder entschädigungspflichtige Überstunden geleistet zu
haben. Arbeitgeber und Arbeitnehmer gingen damit davon aus, dass bei Dozierenden
keine entschädigungspflichtigen Überstunden anfallen.
Art. 11 Abs. 2 der Anstellungsordnung NTB verpflichtete die Dozierenden, neben der
Erfüllung des Lehrauftrags unter Berücksichtigung der Gesamtbelastung zusätzliche
Aufgaben zu übernehmen, ohne dass die Arbeitgeberin dafür eine zusätzliche
Entschädigung schuldete. Der Kläger ist der Auffassung, er sei zur Übernahme
zusätzlicher Aufgaben verpflichtet worden, welche seine Gesamtbelastung nicht
berücksichtigt habe. Er macht nicht geltend, es seien ihm Aufgaben ausserhalb der
vertraglich vereinbarten Leistungsbereiche übertragen worden oder es habe die ganze
Belegschaft während längerer Zeit in wesentlichem Umfang Überstunden geleistet (vgl.
dazu BGer 8C_446/2010 vom 25. Januar 2011 E. 2.5.1). Vielmehr geht er davon aus,
die Gesamtbelastung habe eine 42-Stunden-Woche weit überstiegen. In der Mitteilung
der Wahl an den Kläger hielt das NTB fest, die Anwesenheitsverpflichtung von dreissig
Stunden beziehe sich auf den "Rahmen einer Fünftagewoche mit 42 Stunden" (act.
2/4). Damit wurde dem Kläger gegenüber allerdings nicht eine 42-Stunden-Woche
festgelegt, sondern es wurde – was schon in Art. 11 Abs. 2 der Anstellungsordnung
NTB für die Unterrichtswochen festgehalten wurde – verdeutlicht, dass die Aufgaben,
welche ihm in den Leistungsbereichen der Schule übertragen werden konnten und er
zu erfüllen hatte, nicht auf eine 30-, sondern auf eine 42-Stunden-Woche ausgerichtet
sein würden. War der Kläger der Auffassung, der vom Rektor zusammen mit ihm
bestimmte Arbeitsplan sei innerhalb einer 42-Stunden-Woche offensichtlich nicht
umsetzbar, stand ihm das Recht zu, in einem Mitarbeitergespräch eine seiner Meinung
nach über den zulässigen Rahmen hinausgehende Beanspruchung zu thematisieren,
bis
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sie gegebenenfalls mit der Leistungserfassung, soweit sie als Führungsinstrument und
Grundlage für die Leistungsvereinbarung und die Zielüberprüfung geeignet war
(act. 2/8, Ziff. 2), zu plausibilisieren, und Entlastung zu verlangen. Solche Entlastungen
wurden – was unbestritten geblieben ist – in anderen Bereichen mit der Erteilung
weiterer Lehraufträge regelmässig gewährt. Dass die Erteilung zusätzlicher
Lehraufträge für den Kläger möglicherweise – vorübergehend – einen gewissen
Mehraufwand verursacht hätte, ändert nichts daran, dass das Vorgehen geeignet
gewesen wäre, ihn mittel- und langfristig erheblich zu entlasten.
Ferien
Während die Anstellungsordnung NTB für die Assistenten sowie das Verwaltungs- und
Betriebspersonal den Anspruch auf Ferien und deren Bezug detailliert – unter anderem
mit Verweis auf das für das st. gallische Staatspersonal geltende Recht – regelte, hielt
es für die Dozierenden unter dem Randtitel "unterrichtsfreie Zeit der Dozenten" fest,
diese Zeit stehe ihnen für Vorbereitung des Unterrichts, Weiterbildung und Freizeit zur
Verfügung (Art. 17 Abs. 1). Der Anspruch auf Ferien der Dozierenden war in der
Anstellungsordnung NTB nicht quantifiziert. Für die Assistenten sowie das
Verwaltungs- und Betriebspersonal wurde auf die Dienst- und Besoldungsordnung für
das – st. gallische – Staatspersonal verwiesen (Art. 18). Deshalb ist es – entgegen der
Auffassung des Klägers – durchaus gerechtfertigt, den Begriff der Freizeit, für welche
die unterrichtsfreie Zeit den Dozierenden unter anderem zur Verfügung stehen sollte, in
einem weiten Sinn zu verstehen. Wie viele Ferien Dozierende in dieser Zeit bezogen,
war – soweit sie ihre Verpflichtungen, wie sie sich aus dem Arbeitsplan ergaben,
erfüllten – grundsätzlich ihnen überlassen. Eine Kontrolle zur Vermeidung exzessiven
Ferienbezugs bot die Verpflichtung der Dozierenden, ihre Abwesenheiten vom
Arbeitsort – der grundsätzlich das Technikum in Buchs war (Art. 11 Abs. 1) – von
einem halben Tag und mehr anzumelden (Art. 14 Abs. 2).
Der Kläger kann auch aus den obligationenrechtlichen Regeln zu Dauer und Bezug der
Ferien keine Ansprüche ableiten. Nach Art. 329a Abs. 1 OR hat der Arbeitgeber dem
Arbeitnehmer ab dem 21. Altersjahr jedes Dienstjahr – in der Regel in dessen Verlauf
(Art. 329c Abs. 1 OR) – wenigstens vier Wochen Ferien gewähren. Der Kläger macht
nicht geltend, dass er Ferien beziehen wollte und die Rechtsvorgängerin der Beklagten
ihm diesen Bezug verweigert hätte. Der Kläger musste deshalb davon ausgehen, dass
Ferien nur dann übertragen werden konnten, wenn sie aus dienstlichen Gründen in der
unterrichtsfreien Zeit nicht bezogen werden konnten. War er in den Jahren, für welche
er nun die Abgeltung nicht bezogener Ferien geltend macht, seiner Meinung nach aus
3.3.2.
bis
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 14/15
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4. Zusammenfassung
Die vom Kläger geltend gemachten Ansprüche auf die Entschädigung von Überstunden
und von nicht bezogenen Ferien erweisen sich als unbegründet. Selbst wenn sie sich
als begründet erwiesen hätten, wären sie allerdings angesichts des Zuwartens mit der
Klageerhebung während beinahe sechs Jahren nach Ablehnung des Anspruchs durch
den Hochschulrat der Rechtsvorgängerin der Beklagten verwirkt. Die Klage ist
dementsprechend abzuweisen.
5. Kosten
Entsprechend dem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten des Klageverfahrens
dem Kläger aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 5'000
erscheint angemessen. Da der Streitwert – der Kläger hat seine Forderung anlässlich
der Hauptverhandlung mit CHF 175'657.55 brutto unter Abzug der
Arbeitnehmerbeiträge an die Sozialversicherungen und an die Personalvorsorge nebst
fünf Prozent Zins seit 26. Oktober 2013 beziffert – CHF 30'000 übersteigt, sind die
amtlichen Kosten zu erheben (vgl. Art. 97bis Abs. 1 Ingress und lit. b VRP). Der vom
Kläger in der Höhe von CHF 4'000 geleistete Kostenvorschuss ist anzurechnen.
Die Beklagte hat Anspruch auf Entschädigung ihrer ausseramtlichen Kosten. Ihr
Rechtsvertreter hat eine Kostennote mit einem (pauschalen) Honorar von CHF 15'000
dienstlichen Gründen nicht in der Lage, nach seinen Wünschen Ferien zu beziehen,
wäre es ihm oblegen, auf eine Anpassung seines jährlichen Arbeitsplans hinzuwirken.
Die nötigen Instrumente standen ihm mit dem Recht, in einem Mitarbeitergespräch
seine Verpflichtungen in den Hauptleistungsbereichen Lehre und Technologietransfer
zu thematisieren und bei der Bestimmung des Arbeitsplanes mitzuwirken, zur
Verfügung. Es trifft zwar zu, dass auch für den Rektor der geringe Bezug von Ferien
durch den Kläger aus der Leistungserfassung ersichtlich wurde (vgl. act. 2/8,
Prozessablauf Leistungserfassung). Das allerdings vermag keinen Anspruch auf
Übertrag und Akkumulation nicht bezogener Ferien zu begründen.
Beweisanträge
Zumal der Kläger aus den Rechtsgrundlagen zu seinem Anstellungsverhältnis bei der
Rechtsvorgängerin der Beklagten keinen Anspruch auf die Entschädigung von
Überstunden und von nicht bezogenen Ferien ableiten kann, erübrigt es sich in
tatsächlicher Hinsicht, deren konkretes Ausmass durch weitere
Sachverhaltsabklärungen und insbesondere mittels der Einvernahme von Zeugen und
Parteibefragungen zu ermitteln. Die entsprechenden Beweisanträge der Parteien
können deshalb ohne weiteres abgewiesen werden.
3.3.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 15/15
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zuzüglich pauschalen Barauslagen von CHF 600 (vier Prozent von CHF 15'000) und
Fahrtkosten von CHF 88.20 (Buchs – St. Gallen retour, 126 Kilometer à CHF 0.70)
sowie Mehrwertsteuer von CHF 1'208 (7.7 Prozent von CHF 15'688.20 eingereicht. Den
Zeitaufwand bis zur Hauptverhandlung beziffert er mit 63 Stunden (act. 48). Der
Rechtsvertreter des Klägers geht in seiner Kostennote ebenfalls von einem pauschalen
Honorar von CHF 15'000 aus, das er zudem um einen Drittel erhöht hat (act. 47). Das
Honorar vor Verwaltungsgericht beträgt pauschal CHF 5'000 bis CHF 15'000 und kann
in aussergewöhnlich aufwendigen Fällen um bis zu hundert Prozent erhöht werden
(Art. 22 Abs. 1 Ingress und lit. b und Abs. 2 der Honorarordnung; sGS 963.75, HonO).
Innerhalb des Rahmens wird das Grundhonorar nach den besonderen Umständen,
namentlich nach Art und Umfang der notwendigen Bemühungen, der Schwierigkeit des
Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten bemessen (Art. 19 HonO).
Unter Berücksichtigung einerseits des Aufwands, der mit der Streitsache verbunden
war, namentlich dem dreifachen Schriftenwechsel, den Abklärungen im Hinblick auf die
Durchführung eines vom verfahrensleitenden Abteilungspräsidenten vorgeschlagenen
Verständigungsversuchs, der mündlichen Verhandlung und der anschliessenden
erneuten Bemühungen um eine gütliche Einigung, und anderseits der wirtschaftlichen
Bedeutung einer Streitsache mit einem Streitwert von rund CHF 175'000 für die
Beteiligten, ist es gerechtfertigt, das pauschale Honorar an der oberen Grenze des
ordentlichen Rahmens auszurichten und der Beklagten CHF 15'000 zuzusprechen.
Zum pauschalen Honorar kommen die pauschalen Barauslagen für Versand-,
Telekommunika-tions-, Kopier- und Scankosten von CHF 600 (Art. 28 HonO) und die
Fahrtkosten von CHF 88.20 (Art. 28 Abs. 2 Ingress und lit. c HonO) sowie die
Mehrwertsteuer von CHF 1'208 (Art. 29 HonO).