Decision ID: 55ddc0a5-2ea8-477b-81cb-dc3c1eea8e62
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X erwarb den Führerausweis für Personenwagen am 17. Januar 1992. Am Samstag,
21. Januar 2012, um 11.15 Uhr lenkte er einen Personenwagen auf der Bergstrasse
von Flums Dorf in Richtung Flumserberg. Die Strasse war schneebedeckt, es galt ein
Schneekettenobligatorium (ausser für Fahrzeuge mit Allradantrieb). In der
Gegenrichtung war eine Patrouille der Kantonspolizei St. Gallen unterwegs. Gemäss
deren Feststellungen überholte X beim Weiler Brünsch drei vor ihm in einer Kolonne
hinter einem Reisebus herfahrende Personenwagen. Um eine Kollision zu vermeiden,
habe das Polizeifahrzeug abbremsen und nach rechts ausweichen müssen. Das
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen entzog X wegen dieses
Vorfalls den Führerausweis mit Verfügung vom 24. Mai 2012 für die Dauer von drei
Monaten.
B.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe vom 31. Mai 2012 (Datum
Poststempel: 7. Juni 2012) und Ergänzung vom 5. August 2012 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem sinngemässen Antrag, die angefochtene
Verfügung sei ersatzlos aufzuheben. Auf die Ausführungen zur Begründung des

Begehrens wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Wegen Abwartens des Ausgangs des Strafverfahrens wurde das Rekursverfahren
formlos sistiert. Mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes Uznach, Zweigstelle Flums,
vom 21. Juni 2012 wurde X aufgrund des Vorfalls vom 21. Januar 2012 wegen grober
Verletzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu
je Fr. 140.-- und einer Busse von Fr. 800.-- verurteilt. Der Strafbefehl wurde
unangefochten rechtskräftig. Der Rekurrent nahm dazu mit Schreiben vom 5. August
2012 Stellung. Die Vorinstanz verzichtete am 27. August 2012 auf eine
Vernehmlassung.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 7. Juni 2012 ist rechtzeitig eingereicht
worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
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(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege,
sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist,
der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden einer schweren Widerhandlung erfüllt sind
(vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487).
3.- In tatsächlicher Hinsicht bestreitet der Rekurrent sinngemäss, Verkehrsregeln
verletzt zu haben.
a) Er macht geltend, bereits bei der Talfahrt habe er eine halbe Stunde warten müssen,
da ein Car steckengeblieben sei. Er habe sich noch gewundert, warum die Polizei das
Kettenobligatorium nicht kontrolliere. Als er dann auf dem Rückweg über längere Zeit
mit 20 km/h einer Kolonne mit einem Reisecar und dahinter etwa sechs Autos gefolgt
sei, habe er bei Brünsch versucht zu überholen. Dort sei die beste Stelle für ein
Überholmanöver. Weshalb er das entgegenkommende Polizeiauto nicht gesehen habe,
wisse er nicht. Erst nachdem er zwei Autos überholt habe, habe er das Polizeiauto
erblickt, welches gleich rechts an den Rand gefahren sei und ihm genügend Zeit
gelassen habe, wieder auf die rechte Fahrspur einzulenken. Er habe sich dafür noch
mit einem Handzeichen bedankt. Er hätte das Überholmanöver jederzeit abbrechen
können, wenn das Polizeifahrzeug nicht auf der rechten Seite angehalten hätte. Er sei
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mit maximal 50 km/h unterwegs gewesen. Das Ganze sei nicht so knapp gewesen wie
von der Polizei beschrieben.
b) Nach ständiger Rechtsprechung darf die Verwaltungsbehörde von den tatsächlichen
Feststellungen im Strafurteil nur abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem
Entscheid zu Grunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht
beachtet hat, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung zu einem anderen
Entscheid führt, oder wenn die Beweiswürdigung durch den Strafrichter den
feststehenden Tatsachen klar widerspricht (hat sie hingegen keine zusätzlichen
Beweise erhoben, hat sie sich grundsätzlich an die Würdigung des Strafrichters zu
halten) oder schliesslich wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den
Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat, insbesondere die Verletzung
bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat (BGE 124 II 103). Die Verteidigungsrechte
und allfällige Rechtsmittelmöglichkeiten hat der Beschuldigte bereits im Strafverfahren
wahrzunehmen, wenn er weiss oder annehmen muss, dass gegen ihn auch ein
Führerausweisentzugsverfahren durchgeführt werden wird
c) Am 17. April 2012 wurde gegen den Rekurrenten ein Administrativverfahren eröffnet
und ihm das rechtliche Gehör dazu gewährt. Dabei wurde ihm mitgeteilt, dass der
Führerausweis nach einer schweren Widerhandlung für mindestens drei Monate
entzogen werde (act. 16/15). Die Verfügung mit dem dreimonatigen
Führerausweisentzug erging am 24. Mai 2012. Auf Begehren des Rekurrenten wurde
das von ihm angestrengte Rekursverfahren am 19. Juni 2012 sistiert mit dem Hinweis,
es werde der rechtskräftige Strafentscheid abgewartet, dem für das
Administrativmassnahmeverfahren Bedeutung zukomme (act. 7). Mit Strafbefehl des
Untersuchungsamtes Uznach vom 21. Juni 2012 wurde der Rekurrent wegen grober
Verletzung von Verkehrsregeln nach Art. 35 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG
zu einer unbedingten Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu je Fr. 140.-- und einer Busse
von Fr. 800.-- verurteilt. Gleichzeitig wurde er über die Weiterleitung des Strafbefehls
an das Strassenverkehrsamt sowie über die Möglichkeit der Einspracheerhebung
orientiert (act. 9). Der Rekurrent erhob keine Einsprache, womit der Strafbefehl in
Rechtskraft erwuchs.
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Der Rekurrent wusste demnach – auch wegen der Begründung der Sistierung dieses
Rekursverfahrens – um die Bedeutung des Ausgangs des Strafverfahrens für das
Administrativmassnahmeverfahren. Dessen ungeachtet erhob er keine Einsprache
gegen den Strafbefehl. Die Administrativbehörde ist an die tatsächlichen Feststellungen
im Strafverfahren grundsätzlich gebunden. In tatsächlicher Hinsicht hat die
Strafbehörde im Strafbefehl vom 21. Juni 2012 festgestellt, dass der Rekurrent am
21. Januar 2012 bei winterlichen Strassenverhältnissen eine hinter einem
Gesellschaftswagen langsam bergwärts fahrende Fahrzeugkolonne überholt habe,
obwohl zwischen den vorausfahrenden Fahrzeugen ein ungehindertes Wiedereinbiegen
nicht möglich gewesen und ein Polizeifahrzeug entgegengekommen sei, welches sich
bereits auf Höhe des Gesellschaftswagens befunden habe. Der Lenker des
Polizeifahrzeugs habe brüsk abgebremst und sei nach rechts ausgewichen, um eine
Kollision zu verhindern. Der Rekurrent habe wenige Meter vor dem Polizeifahrzeug
wieder auf seine Fahrbahn einbiegen können, da die Fahrzeugkolonne ebenfalls
gebremst und eine Lücke geschaffen habe.
Die Voraussetzungen für ein Abweichen vom Strafbefehl (vgl. E. 2a) sind nicht erfüllt. Es
gibt keine Hinweise, dass die Angaben der involvierten Polizeibeamten nicht zutreffen.
Der Rekurrent bestreitet nicht, trotz Gegenverkehrs überholt zu haben. Er kann sich nur
nicht erklären, weshalb er den Gegenverkehr nicht gesehen hat (act. 1). In der
Rekurseingabe führt er sodann selbst aus, dass die Polizei auf der rechten Seite
angehalten und ihm genügend Zeit gelassen habe, sich wieder in die Kolonne
einzufügen. Daraus ist in Übereinstimmung mit der Schilderung der Polizeibeamten zu
schliessen, dass er den Gegenverkehr behindert hat und es ohne Anhalten der Polizei
zu einer Kollision gekommen wäre. Übereinstimmend mit dem Strafbefehl ist sodann in
tatsächlicher Hinsicht davon auszugehen, dass der Rekurrent beim Wiedereinbiegen
auf die rechte Fahrspur die Fahrzeuge im Kolonnenverkehr behindert hat. Deren Lenker
mussten abbremsen, um eine Lücke zu schaffen. Wenn sich der Sachverhalt nicht so
zugetragen haben sollte, leuchtet nicht ein, weshalb sich der Rekurrent im ordentlichen
Strafverfahren nicht entsprechend verteidigt hat. Dass die Polizei den Rekurrenten
nicht sogleich angehalten hat, ist für das hier zu beurteilende Fehlverhalten des
Rekurrenten ohne Belang.
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4.- a) In rechtlicher Hinsicht sind sowohl die Vorinstanz als auch der Strafrichter von
einer Verletzung von Art. 35 Abs. 2 SVG ausgegangen, wonach Überholen und
Vorbeifahren an Hindernissen nur gestattet ist, wenn der nötige Raum übersichtlich und
frei ist und der Gegenverkehr nicht behindert wird. Im Kolonnenverkehr darf nur
überholen, wer die Gewissheit hat, rechtzeitig und ohne Behinderung anderer
Fahrzeuge wieder einbiegen zu können. Wer überholt, muss zudem auf die übrigen
Strassenbenützer, namentlich auf jene, die er überholen will, besonders Rücksicht
nehmen (Art. 35 Abs. 3 SVG).
b) An die rechtliche Würdigung durch den Strafrichter ist die Verwaltungsbehörde nicht
gebunden, es sei denn, diese Würdigung hänge von Tatsachen ab, welche der
Strafrichter besser kennt, insbesondere weil er den Täter persönlich einvernommen hat
(vgl. BGE 120 Ib 312 E. 4b, 119 Ib 158 E. 3c/bb, 104 Ib 359). Da das Strafverfahren
zum Vorfall vom 21. Januar 2012 mit einem Strafbefehl abgeschlossen wurde und sich
der Strafrichter zur Beurteilung einzig auf den Polizeirapport stützte (act. 18), welcher
bei den Akten liegt, ist die Verwaltungsrekurskommission in der rechtlichen Beurteilung
frei.
Die eingangs genannten Verkehrsregeln hat der Rekurrent insoweit missachtet, als er
ein Überholmanöver startete, obwohl er sich angesichts der sehr langen Kolonne vor
ihm (ein Reisecar und mindestens sechs Fahrzeuge) keine Gewissheit verschaffen
konnte, den Vorgang rechtzeitig beenden zu können. Das entgegenkommende
Polizeifahrzeug befand sich im Zeitpunkt des Beginns des Überholmanövers bereits auf
Höhe des Reisecars. Trotzdem sah der Rekurrent das Auto nicht. Als er den
Gegenverkehr schliesslich wahrgenommen hatte, bog er wieder auf die rechte
Fahrspur ein, obschon dort zwischen den im Kolonnenverkehr fahrenden Autos nicht
genügend Raum vorhanden war. Die Fahrzeugkolonne musste bremsen. Der Rekurrent
behinderte damit beim Wiedereinbiegen andere Fahrzeuge.
5.- Die Vorinstanz ist von einer schweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften ausgegangen und hat den Führerausweis
dementsprechend gestützt auf Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG entzogen. Die Annahme einer
schweren Widerhandlung setzt kumulativ eine qualifizierte objektive Gefährdung und
ein qualifiziertes Verschulden voraus (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_355/2009 vom
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21. Dezember 2009 E. 2.2). Für die Anwendung von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG kann auf
die Auslegung von Art. 90 Ziff. 2 SVG zurückgegriffen werden (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6A.64/2006 vom 20. März 2007, E. 2 mit Hinweis auf BGE 132 II 238
E. 3.1 und 3.2; Urteil des Verwaltungsgerichts B 2010/167 vom 14. Oktober 2010,
E. 2.3). Der Rekurrent bringt vor, er habe niemanden absichtlich gefährden wollen.
a) Der qualifizierte Tatbestand der groben Verletzung von Verkehrsregeln im Sinn von
Art. 90 Ziff. 2 SVG ist objektiv erfüllt, wenn der Täter eine wichtige Verkehrsvorschrift in
objektiv schwerer Weise missachtet und die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet.
Eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer ist nicht erst bei einer konkreten,
sondern bereits bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung gegeben. Die erhöht
abstrakte Gefahr setzt die nahe liegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder
Verletzung voraus (vgl. BGE 130 IV 32 E. 5.1 mit Hinweisen).
Die Bestimmungen, welche das Überholen regeln, sind für die Gewährleistung der
Sicherheit im Strassenverkehr wichtig (vgl. allgemein BGE 129 IV 155 E. 3.2.1; 121 IV
235 E. 1c). Das Überholen – vorab auf Strassen mit Gegenverkehr – gehört zu den
gefährlichsten Fahrmanövern. Ein solches Manöver ist deshalb nur gestattet bzw. darf
nur durchgeführt werden, wenn es nicht überhaupt verboten ist, der nötige Raum
übersichtlich und frei ist und der Gegenverkehr nicht behindert oder gefährdet wird
(vgl. BGE 129 IV 155 E. 3.2.1 mit Hinweisen). Der Überholende muss von Anfang an die
Gewissheit haben, sein Überholmanöver sicher und ohne Gefährdung Dritter
abschliessen zu können. Nicht nur die für den Überholvorgang benötigte Strecke muss
übersichtlich und frei sein, sondern zusätzlich jene, die ein entgegenkommendes
Fahrzeug bis zu jenem Punkt zurücklegt, wo der Überholende die linke Strassenseite
freigegeben haben wird (BGE 121 IV 235 E. 1b). Erkennt der Überholende während des
Überholmanövers, dass er es nicht gefahrlos zu Ende führen kann, so gebietet Art. 35
Abs. 2 SVG, dass er das Manöver abbricht und sich hinter dem zu Überholenden in
den Verkehr einfügt (BGE 96 I 766 E. 7).
Der Rekurrent bog nur wenige Meter vor dem auf der Gegenfahrbahn stillstehenden
Polizeifahrzeug wieder auf die rechte Fahrspur ein. Dadurch gefährdete er die Insassen
des Polizeifahrzeugs konkret. Eine Kollision mit dem korrekt entgegenkommenden
Polizeifahrzeug gab es nur deshalb nicht, weil dieses abbremste und nach rechts
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auswich. Zudem wurden durch das Einbiegen auf die nicht freie rechte Fahrspur die
Lenker der überholten Fahrzeuge gefährdet. Auch diese mussten bremsen, um eine
Kollision zu verhindern. Angesichts der winterlichen Strassenverhältnisse, der
topographischen Gegebenheiten und des erhöhten Verkehrsaufkommens hätte eine
Kollision hohen Sachschaden oder auch Personenschaden zur Folge haben können.
Durch das verkehrsregelwidrige Verhalten beim Überholen rief der Rekurrent eine
ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervor. Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG ist in
objektiver Hinsicht erfüllt.
b) Subjektiv erfordert Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG ein rücksichtsloses oder sonst
schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten, d.h. ein schweres Verschulden, bei
fahrlässigem Handeln mindestens grobe Fahrlässigkeit (BGE 131 IV 133 E. 3.2; 130 IV
32 E. 5.1, je mit Hinweisen); davon ist auszugehen, wenn der Täter sich der
allgemeinen Gefährlichkeit seiner verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist. Grobe
Fahrlässigkeit kann aber auch vorliegen, wenn der Täter die Gefährdung anderer
Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht gezogen, also unbewusst
fahrlässig gehandelt hat (BGE 130 IV 32 E. 5.1 mit Hinweis).
Obschon die Strecke, welche der Rekurrent zum Überholen sämtlicher vor ihm in der
Kolonne fahrender Fahrzeuge sowie des Reisecars benötigt hätte, nicht frei war, setzte
er zum Überholmanöver an. Hinzu kommen die ungünstigen Strassenverhältnisse: Die
Strasse war schneebedeckt und es galt ein Kettenobligatorium (ausser für Fahrzeuge
mit Allradantrieb). Indem er die allgemeine Gefährlichkeit seines verkehrsregelwidrigen
Manövers, die unter den gegebenen Umständen offensichtlich erkennbar war, nicht
bedachte, sondern vielmehr darauf vertraute, jederzeit wieder in den Kolonnenverkehr
einbiegen zu können, setzte er sich bedenkenlos über die Interessen der anderen
Verkehrsteilnehmer hinweg und handelte damit rücksichtslos. Sein Verhalten war unter
diesen Umständen grobfahrlässig. Auch hinsichtlich des Verschuldens sind damit die
Voraussetzungen der schweren Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG
erfüllt.
4.- Die von der Vorinstanz verfügte Entzugsdauer entspricht der Mindestentzugsdauer
von drei Monaten gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG, die nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung zu Art. 16 Abs. 3 SVG selbst bei einer beruflichen Angewiesenheit des
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Betroffenen auf den Führerausweis und bei einem ungetrübten automobilistischen
Leumund nicht unterschritten werden darf (vgl. BGE 132 II 234 E. 2.3 bezüglich eines
selbständig erwerbenden Taxichauffeurs).
5.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen.