Decision ID: 6be406c1-a422-4783-85bc-2444479f7291
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:
1. Die Beschwerdeführer erstatteten am 25. Februar 2022 bei der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau Strafanzeige gegen die Beschuldigte wegen "Urkundenfälschung im Amt gem. Art. 317 STGB" und erklärten, als Zivil- und Strafkläger am Strafverfahren teilnehmen zu wollen.
2. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau nahm diese von ihr unter dem  der Urkundenfälschung im Amt (Art. 317 StGB) beurteilte Strafanzeige mit Verfügung vom 24. März 2022 nicht an die Hand, stellte fest, dass keine Verfahrenskosten entstanden seien, sprach keine Entschädigungen oder Genugtuungen zu und verwies die Beschwerdeführer für allfällige  auf den Zivilweg.
Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau genehmigte diese  am 25. März 2022.
3. 3.1. Die Beschwerdeführer erhoben gegen die ihnen am 31. März 2022  Nichtanhandnahmeverfügung mit Eingabe vom 7. April 2022 mit  Anträgen Beschwerde:
" 1. Die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 24. März 2022 sei aufzuheben und die Staatsanwaltschaft , eine Strafuntersuchung zu eröffnen.
2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens seien auf die Staatskasse zu .
3. Den Beschwerdeführern sei eine Parteientschädigung gemäss  Honorarnote in Höhe von CHF 2'282.60 (inkl. MwSt.) zuzusprechen."
3.2. Die Verfahrensleiterin der Beschwerdekammer in Strafsachen des  forderte die Beschwerdeführer mit Verfügung vom 25. April 2022 auf, der Obergerichtskasse innert 10 Tagen ab (am 27. April 2022 erfolgter) Zustellung dieser Verfügung eine Kostensicherheit von Fr. 1'000.00 zu , was diese am 29. April 2022 taten.
3.3. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau beantragte mit  vom 11. Mai 2022 die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolgen.
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3.4. Die Beschuldigte beantragte mit Beschwerdeantwort vom 24. Mai 2022 die Abweisung der Beschwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Die Parteien können eine Nichtanhandnahmeverfügung innert 10 Tagen bei der Beschwerdeinstanz anfechten (Art. 310 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 322 Abs. 2 StPO; Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO).
Die Parteistellung der Beschwerdeführer und damit ihre  hängt vorliegend davon ab, ob sie als Geschädigte des von ihnen behaupteten Urkundendelikts zu betrachten sind (Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO i.V.m. Art. 118 Abs. 1 StPO und Art. 115 Abs. 1 StPO). Ob und  dies vorliegend der Fall ist, kann offen bleiben, weil die Beschwerde abzuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist.
2. 2.1. Dass die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau den beanzeigten Sachverhalt (einzig) unter dem Aspekt der Urkundenfälschung im Amt (Art. 317 StGB) beurteilte, ist nicht zu beanstanden.
2.2. Gemäss Art. 317 Ziff. 1 StGB werden Beamte oder Personen öffentlichen Glaubens, die vorsätzlich eine Urkunde fälschen oder verfälschen oder die echte Unterschrift oder das echte Handzeichen eines andern zur  einer unechten Urkunde benützen (Abs. 1), oder die vorsätzlich eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig beurkunden, namentlich eine  Unterschrift oder ein falsches Handzeichen oder eine unrichtige  beglaubigen (Abs. 2), wegen Urkundenfälschung im Amt mit  bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft. Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe Busse (Art. 317 Ziff. 2 StGB).
Bei der Urkundenfälschung handelt es sich um ein abstraktes . Geschütztes Rechtsgut ist das besondere Vertrauen, das im Rechtsverkehr einer Urkunde als Beweismittel entgegengebracht wird. Die Tathandlungen gemäss Art. 317 Ziff. 1 StGB entsprechen der  im engeren Sinn (Abs. 1) und der Falschbeurkundung (Abs. 2)  Art. 251 Ziff. 1 StGB. Die Urkundenfälschung im engeren Sinn erfasst das Herstellen einer unechten Urkunde, deren wirklicher Aussteller mit dem aus ihr ersichtlichen Urheber nicht identisch ist. Demgegenüber betrifft die Falschbeurkundung die Errichtung einer echten, aber unwahren Urkunde, bei der also der wirkliche und der in der Urkunde enthaltene Sachverhalt
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nicht übereinstimmen. Die Falschbeurkundung erfordert eine qualifizierte schriftliche Lüge. Eine solche wird nach der bundesgerichtlichen  angenommen, wenn der Urkunde eine erhöhte Glaubwürdigkeit zukommt und der Adressat ihr daher ein besonderes Vertrauen . In subjektiver Hinsicht verlangt die Urkundenfälschung im Amt –  als die Urkundenfälschung gemäss Art. 251 StGB – keine - oder Vorteilsabsicht. Es genügt der Vorsatz hinsichtlich des  Verhaltens. Doch muss der Täter mit dem Willen zur  im Rechtsverkehr handeln. Die Täuschungsabsicht ergibt sich aus dem Willen des Täters, die Urkunden als echt zu verwenden. Dass eine Person tatsächlich getäuscht wird, ist nicht erforderlich. Der Täter muss eine Täuschung im Rechtsverkehr bezwecken oder zumindest in Kauf . Das Delikt ist bereits mit dem Inverkehrbringen der unechten  vollendet (Urteil des Bundesgerichts 1C_587/2015 vom 10. März 2016 E. 3.2 und 3.3).
2.3. Die Beschwerdeführer warfen der Beschuldigten mit Strafanzeige im  vor, dem Beschwerdeführer 2 zur Einsichtnahme vorgelegte -Urkunden (betreffend eine von der Beschuldigten gegenüber der  3 ausgeübte Beistandschaft) ohne erkennbares  geschwärzt zu haben, um über ihre Amtstätigkeit zu .
Wie von der Beschuldigten mit Beschwerdeantwort überzeugend , waren die Schwärzungen für jedermann klar als (mutmasslich) von der Beschuldigten vorgenommene Anpassungen der fraglichen Urkunden zu erkennen. Insofern sind diese Schwärzungen von Teilen des Inhalts der fraglichen Urkunden ohne Weiteres vergleichbar mit offensichtlich  angebrachten handschriftlichen Anmerkungen bzw.  inhaltlicher Art etwa auf einem ausgedruckten Dokument. Selbst wenn (was regelmässig der Fall sein dürfte) durch solche Schwärzungen oder inhaltlichen Anmerkungen Einfluss darauf genommen werden soll, wie das ursprünglich Verurkundete zu verstehen ist, vermag dies allein noch nicht einmal ansatzweise einen Verdacht auf eine Täuschung im Sinne  Urkundendelikts zu begründen. Im Ergebnis stellt eine in Bezug auf den Inhalt transparent geschwärzte (oder kommentierte) Urkunde nämlich eine neue, vom jeweiligen Bearbeiter verfasste Urkunde dar, die weder über ihre Echtheit noch über den verurkundeten Inhalt täuscht. Dies , weil eine bezüglich des Inhalts transparent bearbeitete Urkunde – in welcher die Bearbeitungen kenntlich gemacht und damit gerade nicht  werden – eben nicht als Zeugnis für den ursprünglichen Gehalt der Urkunde zu verstehen ist, sondern einzig als Zeugnis für den  bearbeiteten Gehalt der Urkunde. Dass eine persönlich bearbeitete  einen von der ursprünglichen Urkunde abweichenden Gehalt haben
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kann, ist geradezu offensichtlich und liegt sozusagen in der Natur der , weshalb in solchen Fällen (zumindest in aller Regel) nicht von einer Täuschung gesprochen werden kann. Weshalb es vorliegend  anders gewesen sein soll, ist nicht einsichtig. Bezeichnenderweise verhält es sich hier denn auch nicht so, dass die Beschwerdeführer  getäuscht worden wären. Vielmehr scheinen sie von Anbeginn an ein Interesse daran gehabt zu haben, auch Kenntnis von den geschwärzten Stellen zu erhalten, mithin davon ausgegangen zu sein, dass der ihnen  gemachte Gehalt der erkennbar bearbeiteten Urkunden nicht dem Gehalt der ursprünglichen Urkunden entspreche. Selbst wenn die , worauf nichts hinweist, mit den Schwärzungen (wie von den  vermutet) etwas zu ihrem Vorteil hätte verheimlichen , läge damit keine Urkundenfälschung (im Amt) vor.
Auch ist nicht ersichtlich, dass ein anderer Straftatbestand erfüllt sein könnte. Soweit die Beschwerdeführer mit ihren Ausführungen, dass es sich bei den geschwärzten Akten um Originalakten gehandelt habe, zum  bringen wollen, dass die Beschuldigte in strafbarer Weise  Informationen zu ihrer Amtsführung sozusagen endgültig vernichtet  könnte, vermag dies bereits deshalb nicht zu überzeugen, weil die Schwärzungen offensichtlich (wie von der Staatsanwaltschaft  bereits in ihrer Nichtanhandnahmeverfügung überzeugend ) einzig Ausdrucke eines elektronisch geführten Journals betrafen und es keinerlei Hinweise darauf gibt, dass die Beschuldigte das elektronisch geführte Journal selbst in einer strafbaren Weise (etwa durch Verletzung einer Aktenführungs- oder Dokumentationspflicht) irgendwie verändert  könnte.
2.4. Bereits deshalb erweist sich die Beschwerde als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist.
3. 3.1. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens sind ausgangsgemäss den  Beschwerdeführern unter Anordnung der solidarischen Haftung (Art. 418 Abs. 2 StPO) aufzuerlegen. Eine Entschädigung ist ihnen nicht auszurichten.
3.2. Im kantonalen Beschwerdeverfahren richtet sich der  der obsiegenden beschuldigten Person für ihre  in Anwendung von Art. 436 Abs. 1 StPO bei Offizialdelikten gegen den Staat (Art. 429 Abs. 1 StPO) und bei Antragsdelikten gegen den  (Art. 432 Abs. 2 StPO), was nicht nur bei Beschwerden gegen Einstel-
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lungsverfügungen gilt, sondern auch bei Beschwerden gegen  (vgl. zum Ganzen BGE 147 IV 47 E. 4.2.5 und 4.2.6). Nachdem es vorliegend einzig um Offizialdelikte geht, ist die  vom Staat zu entschädigen.
Dass sich die Beschuldigte in diesem Strafverfahren anwaltlich verteidigen liess, ist nicht zu beanstanden. Ihr Verteidiger musste sich mit der  (4-seitigen) Nichtanhandnahmeverfügung, der hiergegen  (10-seitigen) Beschwerde und soweit erforderlich den () Verfahrensakten vertraut machen. Sodann verfasste er eine 7-seitige Beschwerdeantwort. Besondere Schwierigkeiten rechtlicher oder  Art sind keine auszumachen, weshalb ein zeitlicher Aufwand von  6 Stunden angemessen erscheint (1 Stunde für den Austausch mit der Beschuldigten; 2 Stunden für das Aktenstudium; 3 Stunden für das  der Beschwerdeantwort). Bei einem Regelstundenansatz von Fr. 220.00 (§ 9 Abs. 2bis AnwT) und einer Auslagenpauschale von  3 % des eigentlichen Honorars beläuft sich der  der Beschuldigten in zusätzlicher Berücksichtigung der  von 7.7 % somit auf insgesamt Fr. 1'464.30 (Fr. 220.00 x 6 x 1.03 x 1.077).