Decision ID: 71d8582d-f46d-5aea-912c-285fc08c5d2c
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 22. August 2008 erstmals zum
Leistungsbezug bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) an (IV-
act. 1).
A.b Am 7. März 2008 hatte die Versicherte bei der Autobahnausfahrt in B._ einen
Autounfall mit Heckauffahrkollision und anschliessender Kollision auf der Fahrerseite
erlitten (Suva-act. 1, 9/1 ff.). Gleichentags war sie im Spital C._ aufgenommen
worden und hatte sich bis am 10. März 2008 dort aufgehalten. Anschliessend war sie
für die Rehabilitationsbehandlung zunächst in das Spital D._ verlegt worden, danach
hatte sie sich vom 26. März bis 30. April 2008 in der Klinik Valens,
Rehabilitationszentrum, aufgehalten (Suva-act. 6, 12, 13, 15, 18, 19, 21, 60/1, 2). Es
waren eine stabile vordere und hintere Beckenringfraktur linksseitig, eine
Rissquetschwunde der linken Augenbraue sowie eine Commotio cerebri diagnostiziert
worden (Suva-act. 13). Bis zum 18. Mai 2008 hatte eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit
bestanden, danach war der Versicherten bis 1. Juni 2008 eine Arbeitsunfähigkeit von
50% attestiert worden (Suva-act. 15/2, 21). Anlässlich der Untersuchung am 13. Juni
2008 hatte Suva-Kreisarzt Dr. med. E._, Facharzt FMH Orthopädische Chirurgie, die
100%-ige Arbeitsunfähigkeit der Versicherten ab 1. Mai 2008 bis auf weiteres als
ausgewiesen angesehen (Suva-act. 45/1, 2, 3; 47). Mit Bericht vom 16. Juni 2008
(Suva-act. 56/1, 2) hatte Dr. med. F._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie
Psychosomatik, eine dissoziative Störung (Konversionsstörung) vor dem Hintergrund
einer Extremtraumatisierung in der Kindheit, einen Verdacht auf eine
Somatisierungsstörung, eine Anpassungsstörung bei Veränderung der
Lebensumstände (Migration) und Verlust eines nahen Angehörigen in der Kindheit
diagnostiziert. Eine Beckenübersicht und Computertomographie des knöchernen
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Beckens hatte eine Dislokation des oberen und unteren Schambeinasts bzw. eine nicht
konsolidierte vordere Beckenringfraktur links sowie eine ebenfalls ältere, jedoch stabile
Fraktur im Bereich des Os sacrums links ergeben (Suva-act. 57). Eine
Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirnschädels vom 16. Juli 2008 (Suva-act.
68) hatte mindestens fünf kleine Demyelinisierungsherde im frontalen Marklager
beidseits (von der Anamnese und Lokalisation her vereinbar mit Residuen eines
Schertraumas des Gehirns; diffuse axonale Verletzungen) sowie eine Streckhaltung der
HWS mit paradoxer Kyphosierung der HWS, jedoch keinen Anhaltspunkt auf
posttraumatische Veränderungen gezeigt.
A.c Vom 2. September bis 29. Oktober 2008 hielt sich die Versicherte in der Rehaklinik
Bellikon zur stationären Rehabilitation auf (Suva-act. 97/1, 99/1 ff.). Im Austrittsbericht
vom 4. November 2008 wurde ab 30. Oktober 2008 eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit
für alle beruflichen Tätigkeiten attestiert (Suva-act. 99/2).
A.d Mit Aktennotiz vom 24. November 2008 stellte RAD-Arzt Dr. med. G._ fest, dass
aktuell kein Eingliederungspotenzial bestehe (IV-act. 27). Gleichentags teilte die IV-
Stelle der Versicherten mit, dass zu jenem Zeitpunkt keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 26).
A.e Seit 10. Februar 2009 befand sich die Versicherte in ambulant psychiatrisch-
psychotherapeutischer Behandlung bei Dr. med. H._, Oberärztin im psychiatrischen
Zentrum I._(Suva-act. 164/1, 2).
A.f Vom 4. Mai bis 30. Juni 2009 hielt sich die Versicherte stationär in der Rehaklinik
Bellikon auf (Suva-act. 176; 198/1, 2; 204/1 ff.). Ab 4. August 2009 wurde jeweils an
zwei Vormittagen pro Woche eine Beschäftigung im geschützten Rahmen
(Haushaltstraining) im Haus J._ durchgeführt (Suva-act. 193, 198/1, 220). Ende
Oktober 2009 wurde die Beschäftigung im Haus J._ aufgrund fehlender Motivation
der Versicherten beendet (Suva-act. 238/5, 241/1, 243).
A.g Die MRT vom 18. Mai 2010 führte eine Chondrose L4/L5 mit posteromedialer
Rissbildung im Anulus fibrosus zutage, begleitet von einem minimalen Nucleus
pulposus Prolaps (Suva-act. 299).
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A.h Am 30. August 2010 erstellte RAD-Arzt Dr. med. K._ anhand einer medizinischen
Stellungnahme ein Leistungsprofil der Versicherten (IV-act. 37). Als anerkannte
medizinische Befunde und Beeinträchtigungen hielt er fest, dass kognitive
Einschränkungen bei posttraumatischem Stirnhirnschaden, kognitive Einschränkungen
durch Schmerzen sowie als Folgen einer posttraumatischen Belastungsstörung
emotionale Abstumpfung (numbing) beständen. Dr. K._ ging von einer
Verdeutlichung aus. Es liege ein vernetztes Krankheitsbild vor. Würde die Versicherte
anlässlich einer Observation physisch und psychisch völlig normale Verhaltensweisen
zeigen, so wäre das gesamte Krankheitsbild unwahrscheinlich. Während als zu
erwartendes Verhalten von ihm festgehalten wurde, dass die Versicherte nicht alleine
Auto fahren, auch leichte körperliche Anstrengungen meiden, nur in Begleitung
einkaufen und das Haus selten und dann nur für Therapien alleine verlassen würde,
wurde als nicht zu erwartendes Verhalten angegeben, dass die Versicherte aufgestellt,
fröhlich und kommunikativ und in ihren Bewegungen völlig frei sei, den Kopf
unbehindert in alle Richtungen drehe, hebe und senke.
A.i Am 26. Januar 2011 stellte die IV-Stelle ein Akteneinsichtsgesuch an die Basler
Versicherung AG, Basel (IV-act. 38). Letztere liess der IV-Stelle die Ermittlungs- und
Observationsberichte vom 23. Februar 2010 (IV-act. 41), 3. Juni 2010 (IV-act. 42) und
21. Juli 2010 (IV-act. 43) sowie die entsprechenden Observations-DVD zukommen.
A.j Mit medizinischer Stellungnahme zum Observationsbericht vom 7. März 2011 (IV-
act. 45) hielt Dr. K._ fest, dass einige der von der Versicherten und den Gutachtern
erwähnten Punkte, die das innere Erleben der Versicherten beträfen, mittels einer
Observation verständlicherweise nicht zu beurteilen bzw. zu widerlegen seien. Die
Versicherte scheine in erster Linie aus psychischen Gründen nicht mehr in der Lage
oder willens zu sein, ein Fahrzeug zu lenken. Dies begründe keine Arbeitsunfähigkeit,
da die Versicherte sich zu Fuss alleine genügend weit fortbewegen könne, um einen
Arbeitsplatz zu erreichen. Die Observationsergebnisse würden zeigen, dass die
medizinisch attestierten Einschränkungen im Rahmen des deutlich reduzierten sozialen
Umfelds der Versicherten keine objektivierbaren Auswirkungen auf die körperlichen,
psychischen und mentalen Funktionen hätten. Der soziale Rückzug entspreche
ausschliesslich einem Rückzug in ihr familiäres und soziokulturelles Umfeld. Er stelle
gleichzeitig einen Verzicht auf aktive Integrationsbemühungen dar. Eine soziale
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Funktionsunfähigkeit könne in diesem Rahmen nicht objektiviert werden. Ein einfacher,
den Ressourcen bezüglich Sprache und Vorkenntnissen angepasster Arbeitsplatz sei
deshalb zumutbar. Die Angst, es könne den Kindern etwas passieren, könne keine
Arbeitsunfähigkeit begründen.
A.k Mit Vorbescheid vom 21. April 2011 orientierte die IV-Stelle die Versicherte über
ihre Absicht, das Rentengesuch abzuweisen (act. G 1.1.3). Dagegen erhob die
Versicherte am 31. Mai 2011 Einwand (act. G 1.1.4). Am 16. November 2011 verfügte
die IV-Stelle die Abweisung des Rentengesuchs (act. G 1.1.2).
B.
B.a Die Versicherte liess am 3. Januar 2012 durch Rechtsanwalt lic. iur. Simon Kehl,
Heiden, Beschwerde erheben mit dem Antrag, die Verfügung vom 16. November 2011
sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin anzuweisen, der Beschwerdeführerin ab
dem 1. März 2009 eine ganze Rente auszurichten (act. G 1). Unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Zudem liess sie das von ihr veranlasste polydisziplinäre
Gutachten von Dr. med. L._, Neurologie FMH, Physikalische Medizin und
Rehabilitation FMH, einreichen (act. 1.6). Zur Begründung führte der Rechtsvertreter
insbesondere an, eine Observation sei mangels eines hinreichenden Anfangsverdachts
objektiv nicht geboten gewesen, die IV-Organe seien befangen bzw. hätten die Akten
lückenhaft geführt, eine reine Aktenbeurteilung sei in diesem Fall nicht ausreichend
oder zulässig gewesen, die Beschwerdegegnerin habe zu Unrecht die ärztlicherseits
konstant bestätigte vollständige Arbeitsunfähigkeit gestützt auf die
Observationsunterlagen "vom Tisch gewischt". Vorsorglich werde die Erstellung eines
polydisziplinären Gerichtsgutachtens beantragt. Die Beschwerdegegnerin habe den
Grundsatz Eingliederung vor Rente verletzt.
B.b Dem am 25. Januar 2012 gestellten Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
wurde am 4. Juni 2012 entsprochen (act. G 4, G 16).
B.c Mit Beschwerdeantwort vom 15. März 2012 (act. G 7) schloss die
Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf
die angefochtene Verfügung und brachte im Wesentlichen vor, dass die Basler
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Versicherung AG als Privatversicherung gehandelt habe und sich die Rechtmässigkeit -
abgesehen davon, dass genügend Anzeichen für Zweifel vorgelegen hätten - nicht
nach den Kriterien für amtliche Handlungen bemesse. Das Gutachten von Dr. L._ sei
aufgrund von überdeutlichen Zeichen einer Befangenheit und des Fehlens des
Observationsberichts vom 21. Juli 2010 nicht geeignet, zu Gunsten der
Beschwerdeführerin eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nachzuweisen.
Ausserdem sei es lediglich möglich, dass eine relevante Hirnschädigung eingetreten
sei.
B.d Mit Replik vom 16. Mai 2012 (act. G 14) liess die Beschwerdeführerin die Edition
sämtlicher Regress- und BVM-Akten, die bisher offenbar geheim gehalten worden
seien, sowie des Falljournals und des Case-Reports beantragen und hielt im Übrigen
an ihrem bisherigen Standpunkt fest.
B.e Mit Duplik vom 29. Juni 2012 (act. G 19) hielt die Beschwerdegegnerin ihrerseits
am bisherigen Standpunkt fest.
B.f Am 8. März 2013 wurde das invalidenversicherungsrechtliche Verfahren bis zur
rechtskräftigen Erledigung des parallel hängigen Unfallversicherungsverfahrens der
Beschwerdeführerin (UV 2011/96) vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
sistiert (act. G 40). Die Sistierung wurde am 17. November 2015 wieder aufgehoben
Das im Unfallversicherungsverfahren eingeholte polydisziplinäre Gerichtsgutachten des
Univer¬sitätsspitals Basel, asim, Versicherungsmedizin, wurde ins IV-Verfahren
einbezogen und den Parteien gleichentags zur Stellungnahme unterbreitet (act. G 43).
Die Beschwerdegegnerin liess sich dazu am 11. Januar 2016 (act. G 46) vernehmen
und der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin äusserte sich am 19. Januar 2016
(act. G 48).

Erwägungen
1.
Im vorliegenden Verfahren zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
2.
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Am 1. Januar 2008 traten die anlässlich der 5. IV-Revision vorgenommenen
Änderungen und am 1. Januar 2012 die im Zug des ersten Massnahmenpakets der 6.
Revision revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über die Invalidenversicherung
(IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft. In zeitlicher Hinsicht gilt der
übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zugrunde zu
legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt
gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt
verwirklichte (vgl. BGE 130 V 445 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Da die Anmeldung für Invalidenversicherungsleistungen am 22. August 2008 erfolgte,
sind in Bezug auf den allfälligen Rentenbeginn die ab 1. Januar 2008 geltenden
Bestimmungen anzuwenden. Die Beschwerdegegnerin hat die angefochtene Verfügung
am 16. November 2011 und somit vor Inkrafttreten der IV-Revision 6a erlassen. Für die
Invaliditätsbemessung hat sich damit die Rechtslage in materieller Hinsicht indessen
nicht geändert, weshalb in diesem Zusammenhang die bereits gültigen Bestimmungen
wiedergegeben werden.
3.
3.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG). Gemäss Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
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Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Grundlage der Bemessung des Invalideneinkommens bilden die
Arbeitsfähigkeitsschätzung und die Umschreibung der trotz der
Gesundheitsbeeinträchtigung noch möglichen und zumutbaren Tätigkeiten (vgl. Art. 6
ATSG). Dabei ist Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im
bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer
wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich
berücksichtigt.
3.2 Einen Rentenanspruch haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können,
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid
sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
3.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit zu beurteilen und somit den
Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das
Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung gestellt haben. Nach dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die
Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswerts eines ärztlichen Gutachtens
ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich
mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinandersetzt, was vor
allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist, in Kenntnis der und gegebenenfalls
in Auseinandersetzung mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, ob es in
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der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen des medizinischen Experten in einer Weise begründet sind,
dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann (vgl. BGE 125 V
351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c, je mit Hinweisen).
3.4 Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nicht ohne zwingende Gründe von den
Einschätzungen des medizinischen Experten ab. Ein Grund zum Abweichen kann
vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht
eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen
gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn
gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig
genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es,
dass es die Überprüfung durch einen Oberexperten für angezeigt hält, sei es, dass es
ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende
Schlussfolgerungen zieht (BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.6, 125 V 351 E. 3a und 3b/aa
mit Hinweis; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2015, N55
zu Art. 43).
4.
4.1 Als Erstes stellt sich die Frage, ob die von der Haftpflichtversicherung erstellten
Observationsunterlagen im vorliegenden Verfahren zu verwenden sind. Diese wurden
zur Anfertigung des Gerichtsgutachtens der asim, Universitätsspital Basel, beigezogen
(vgl. Schreiben vom 18. November 2013, UV 2011/96; act. G43.1 Beilage 2, S. 9, 12)
und bei der darin erfolgten Beurteilung des Gesundheitszustands und der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin berücksichtigt.
4.2 Die Rechtmässigkeit der Observation beurteilt sich nach Art. 28 Abs. 2 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210), wonach eine Verletzung der
Persönlichkeit widerrechtlich ist, wenn sie nicht durch Einwilligung der verletzten
Person, durch ein überwiegendes privates oder öffentliches Interesse oder durch
Gesetz gerechtfertigt ist. Unter den Persönlichkeitsschutz fällt auch das vorliegend
tangierte Recht am eigenen Bild (BGE 136 III 401). Das Bundesgericht sieht im
Verhältnis zwischen privater Haftpflichtversicherung und einer Privatperson
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vorgenommene Überwachungen als durch ein überwiegendes privates und öffentliches
Interesse gerechtfertigt an, da weder die Versicherung noch die dahinter stehende
Versichertengemeinschaft zu Unrecht Leistungen erbringen müsse und die versicherte
Person gegenüber der Haftpflichtversicherung (und vorliegend der
Invalidenversicherung) einen Anspruch erhebe, der sich auf den Gesundheitszustand
und die Arbeitsfähigkeit abstütze, so dass diesbezüglich Eingriffe in die Persönlichkeit
zu erdulden seien, was das Interesse der versicherten Person geringer erscheinen
lasse. Hinweise dafür, dass der durch Art. 179quater des Schweizerischen
Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) strafrechtlich gezogene Rahmen (Verletzung des
Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte) nicht eingehalten worden wäre,
ergeben sich nicht, fanden doch die Überwachungen der Beschwerdeführerin
durchgehend im öffentlichen bzw. im (privaten) frei einsehbaren Raum statt (BGE 137 I
327). Wie es sich mit den im M._, N._, O._, P._ und Q._ vorgenommenen
Observationen mit Blick auf den Hausfriedensbruch (Art. 186 StGB; Antragsdelikt) und
den Besitzesschutz (Art. 928 i.V.m. Art. 641 Abs. 2 ZGB) verhält und ob hier allfällige
Melde- oder Bewilligungspflichten wünschenswert wären (vgl. dazu LUCIEN MÜLLER,
Videoüberwachung in öffentlich zugänglichen Räumen - insbesondere zur Verhütung
und Ahndung von Straftaten, Diss. Zürich/ St. Gallen 2011, 346 ff., 375 f.), kann
vorliegend offen bleiben. Der höchstrichterlichen Betrachtung der Rechtslage
entsprechend ist auch im vorliegenden Fall davon auszugehen, dass die von der
Privatversicherung erhobenen Beweismittel rechtmässig erlangt worden sind (BGE 136
III 410, E. 2.2.3; BGE 129 V 323).
4.3 Eine andere Frage ist, ob solche Beweise auch von der IV-Stelle verwertet werden
dürfen. Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen ist eine kantonale öffentlich-rechtliche
Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit und nimmt bundesrechtlich definierte
Aufgaben hoheitlich wahr (Art. 53 Abs. 1, 54 Abs. 2 und 57 IVG; ULRICH MEYER/
MARCO REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2014, N3 zu Art. 53-57). Als solche hat sie - analog der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (Suva), die eine selbständige öffentlich-rechtliche Anstalt
des Bundes (Art. 61 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR
832.20]) ist - die Grundrechte der Beschwerdeführerin zu achten (Art. 35 Abs. 2 BV;
RAINER J. SCHWEIZER, Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar,
in: BERNHARD EHRENZELLER/BENJAMIN SCHINDLER/RAINER J. SCHWEIZER/
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KLAUS A. VALLENDER [Hrsg.], 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2014, N 43 zu Art. 35). Die
Anordnung der Observation wie auch die Verwertung der Ergebnisse beschlagen den
Schutzbereich des Grundrechts auf Schutz der Privatsphäre gemäss Art. 13 Abs. 1 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101). Eine
Einschränkung der Grundrechte ist nur unter den Voraussetzungen des Art. 36 BV
gerechtfertigt, wenn also eine gesetzliche Grundlage vorliegt (Abs. 1), ein öffentliches
Interesse an der Einschränkung besteht (Abs. 2), die Einschränkung verhältnismässig
ist (Abs. 3) und der Kerngehalt der Grundrechte nicht angegriffen wird (Abs. 4).
4.3.1 Spezialgesetzliche Grundlage bildet Art. 59 Abs. 5 IVG, der den Beizug von
Spezialisten zur Bekämpfung des ungerechtfertigten Leistungsbezugs zulässt. Dass
hiermit insbesondere der Beizug von Privatdetektiven zur Observation versicherter
Personen gemeint ist, steht ausser Frage (MEYER/REICHMUTH, a.a.O., N20 zu Art. 59;
BGE 137 I 327 E. 5.2 mit Hinweisen).
4.3.2 Das öffentliche Interesse an der Einschränkung des Schutzes der Privatsphäre
liegt - wie bereits in Zusammenhang mit der Persönlichkeitsverletzung (E. 4.2) erwähnt
- darin, nur geschuldete Leistungen zu erbringen, um die Versichertengemeinschaft
nicht zu schädigen (BGE 137 I 327 E. 5.3). Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung ist auch das Interesse der IV-Stelle, Unterlagen, welche Hinweise auf
laufende Observationsabklärungen enthalten, erst nach deren Durchführung den Akten
hinzuzufügen, um die Observation nicht zu gefährden, nachvollziehbar und berechtigt;
insbesondere werde dadurch der Anspruch auf Akteneinsicht nicht verletzt (Urteil des
Bundesgerichts vom 27. März 2012, 8C_866/2011, E. 3.2). Die Rechtsprechung lässt
ebenfalls zu, dass ein durch eine Haftpflichtversicherung gestützt auf die (rechtmässig)
durchgeführte Überwachung erstellter Bericht im sozialversicherungsrechtlichen
Verfahren als Beweismittel zu den Akten genommen wird, selbst wenn nicht Einblick in
die gesamten Akten des Haftpflichtversicherers genommen werden konnte (BGE 132 V
241, 129 V 323; Urteil des Bundesgerichts vom 15. Dezember 2011, 8C_195/2011, E.
3.3, bezogen auf die Verwertung durch die Invalidenversicherung).
4.3.3 In Bezug auf die Verhältnismässigkeit hat eine Interessenabwägung unter den
Aspekten der Eignung, Erforderlichkeit und Zumutbarkeit (Verhältnismässigkeit im
engeren Sinne) zu erfolgen. Rechtsprechungsgemäss wird die Anordnung einer
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Observation als ein zur wirksamen Bekämpfung von Missbräuchen grundsätzlich
geeignetes Mittel betrachtet (BGE 137 I 327 E. 5.4.1). Bei der Erforderlichkeit stellt sich
die Frage, ob die Observation objektiv geboten ist, womit gemeint ist, dass konkrete
Anhaltspunkte vorliegen müssen, die Zweifel an den geäusserten gesundheitlichen
Beschwerden oder der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit aufkommen lassen.
Solche Anhaltspunkte können beispielsweise gegeben sein bei widersprüchlichem
Verhalten der versicherten Person, oder wenn Zweifel an der Redlichkeit derselben
bestehen (eventuell durch Angaben und Beobachtungen Dritter), bei Inkonsistenzen
anlässlich der medizinischen Untersuchung, Aggravation, Simulation oder
Selbstschädigung u.Ä. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin vertritt die Ansicht,
dass die Observation objektiv nicht geboten gewesen sei und es sich um eine reine
"fishing expedition" der Haftpflichtversicherung gehandelt habe, welche schliesslich
keinerlei brauchbare Ergebnisse erbracht bzw. die Beschwerden und Einschränkungen
gar bestätigt habe. Die Basler Versicherung AG äusserte sich am 27. Juli 2011 zur
Frage des "Anfangsverdachts" folgendermassen (IV-act. 52): Die Versicherte sei bereits
schon dreimal in einer Reha gewesen, ohne dass diese Aufenthalte eine Besserung des
Gesundheitszustands ergeben hätten. Bei den jeweiligen Besprechungen mit der Case-
Managerin der Suva und dem Schadeninspektor (der Basler Versicherungen AG) habe
die Versicherte jeweils sehr zurückgezogen gewirkt: sie habe mit dünner, kaum
hörbarer Stimme gesprochen; ihr Ehemann habe jeweils als Dolmetscher fungiert. Der
Ehemann habe bei den Besprechungen geäussert, dass die Versicherungen da seien,
um alles Mögliche zu unternehmen, dass seine Ehefrau wieder gesund werde. Das
Ehepaar sei aber nicht bereit, seinen Anteil dazu beizutragen. Nach der ersten Reha in
Bellikon habe die Versicherte klare Vorgaben gehabt, welche Therapien sie zu Hause
durchführen müsse. Leider habe dies nicht geklappt, die Therapietermine seien
vergessen gegangen oder sie habe sich gar nicht erst angemeldet. Nach der ersten
Besprechung mit allen Beteiligten im Februar 2009 seien die Therapien wieder
aufgenommen worden. Auch nach dem zweiten Reha-Aufenthalt in Bellikon habe das
gleiche Spiel wieder begonnen. Die Therapien seien nur bis zu einem gewissen
Zeitpunkt wahrgenommen oder gar krankheitshalber immer wieder abgesagt worden.
Die Suva und die Basler Versicherungen AG hätten sich überlegt, ob die Familie mit der
ganzen Situation überfordert oder ob hier gar kein Wille vorhanden sei, wieder gesund
zu werden, um allenfalls auf eine Rente zu spekulieren. In der Verfügung vom 16.
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November 2011 (IV-act. 56) hält die Beschwerdegegnerin unter anderem fest, es habe
sich eine medizinisch diffuse Situation präsentiert, die eine Arbeitsunfähigkeit nicht
schlüssig zu begründen vermöge. Auch bei der Behandlung habe die
Beschwerdeführerin eine nicht optimale Compliance gezeigt. Der Umstand, dass für
diese Situation keine hinreichende medizinische Erklärung greifbar gewesen sei, müsse
als Anhaltspunkt dafür gelten, dass eine deutlich bessere Arbeitsfähigkeit hätte
bestehen können. Da in den Akten Aggravationen und andere Verhaltensweisen
(übertriebene oder simulierte psychische Dysfunktionen, Verfälschungstendenzen; vgl.
Bericht Rehaklinik Bellikon vom 21. September 2010, act. G7.2, 11-51/71) beschrieben
seien, die von einer gutachterlichen Abklärung kein Ergebnis mit einem guten
Beweiswert erwarten liessen, habe eine Observation das Abklärungsinstrument der
Wahl dargestellt. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung stellt an die Zulässigkeit
einer Observation im Einzelfall keine hohen Anforderungen (vgl. etwa BGE 137 I 327 mit
Hinweisen auf weitere Urteile). Die von der Beschwerdegegnerin beschriebenen
Anhaltspunkte hätten daher wohl auch zur Rechtfertigung einer Observation durch die
IV-Stelle selbst genügt, weshalb sich Weiterungen erübrigen.
4.3.4 Die Zumutbarkeit wird anhand einer Interessenabwägung beurteilt. Die
Beschwerdeführerin beantragt eine ganze Rente. Mit Blick auf ihr Alter (Jahrgang 1984)
stehen vorliegend umfangreiche Leistungen zur Diskussion. Das Ausmass der
Observation liegt in zeitlicher Hinsicht angesichts der bescheidenen Ergebnisse zwar
im oberen Grenzbereich (Phase 1: sieben Tage; Phase 2: vier Tage und Phase 3: sechs
Tage), ist allerdings gesamthaft gesehen nicht zu beanstanden, da das Ausmass auch
in inhaltlicher Hinsicht nicht überschritten wurde. Insgesamt ist das Verhältnis zwischen
dem Ziel der Verhinderung des ungerechtfertigten Leistungsbezugs und dem durch die
Observation erfolgten Eingriff in die Privatsphäre der Versicherten als angemessen und
das öffentliche Interesse einer wirksamen Missbrauchsbekämpfung als höherwertig zu
betrachten.
4.3.5 Da auch der Kerngehalt von Art. 13 BV durch die Anordnung einer solchen
Überwachung nicht angetastet wird (BGE 135 I 169, E. 5.4.2; 129 V 323, E. 3.3.3), ist
die erfolgte Überwachung der Beschwerdeführerin als rechtmässig zu qualifizieren. Die
Observationsergebnisse konnten folglich als Beweismittel verwertet werden.
5.
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5.1 Zu prüfen ist, ob das asim-Gutachten des Universitätsspitals Basel vom 11. Januar
2016 (act. G43.1) zur Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin als Beweisgrundlage tauglich ist.
5.2 Im asim-Gutachten des Universitätsspitals Basel vom 11. Januar 2016 wurden eine
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, eine
Panikstörung, ein chronisches Zervikalsyndrom mit Halswirbelsäulenfehlform und
erheblicher HWS-Motilitätsstörung, ein chronisches lumbovertebrales
Schmerzsyndrom, ein Status nach vorderer Beckenringfraktur links und intraartikulärer
Fraktur der linken Massa lateralis des Os Sacrum und ein chronischer
posttraumatischer Kopfschmerz diagnostiziert. Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen
Tätigkeit wie auch für Verweistätigkeiten betrage aktuell zeitlich 70% Präsenzfähigkeit,
darin 50%-ige Leistungsfähigkeit (bezogen auf eine volle Leistungsfähigkeit im
Vollpensum). Durch die vorgeschlagenen Massnahmen (berufliche
Reintegrationsmassnahmen, psychotherapeutische Behandlung mit Schwerpunkt der
Stärkung der Ressourcen und der Reintegration und der Eigenaktivität,
fachneurologische Mitbetreuung bezüglich Kopfschmerzbehandlung) sei eine
Steigerung der Präsenzfähigkeit auf 80% bei voller Leistung (80%) zu erhoffen. Die
verbleibende Einschränkung von 20% sei somatisch begründet durch den Restzustand
am Bewegungsapparat (orthopädisch; vermehrter Pausenbedarf aufgrund der
schmerzhaften HWS-Motilitätsstörung, der Statikstörung der LWS und des sekundären
ISG-Syndroms). Als qualitativ zumutbar wurde eine leichte, wechselbelastende Arbeit
in Tischhöhe ohne Vorneigehaltung, Bücken, Heben, Tragen und Bewegen von Lasten
über 4kg, mit regelmässigem, ca. stündlichem Positionswechsel und ohne Kälteeinfluss
formuliert.
5.3 Die Beschwerdegegnerin anerkannte die im asim-Gutachten aus somatischer Sicht
auf 20% angesetzte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als nachvollziehbar und
grundsätzlich überzeugend. Hingegen werfe die psychiatrische Beurteilung Fragen auf.
5.3.1 Die Beschwerdegegnerin rügt zunächst, das psychiatrische Teilgutachten vom
13. November 2013 weise auf die zum Zeitpunkt seiner Erstellung noch nicht
existierende neuropsychologische Abklärung hin, was den Anschein auf eine falsche
Datierung des Gutachtens erwecke. Die Aussage von R._, Fachärztin für Psychiatrie
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und Psychotherapie FMH - in Abwägung der aktuellen Befunde sowohl in der
psychiatrischen als auch der neuropsychologischen Untersuchung und unter Einbezug
der Aktenlage fänden sich trotz eindeutig bestehender psychischer Beeinträchtigungen
auch Hinweise auf Aggravation, die eine angemessene Beurteilung aus psychiatrischer
Sicht erschwerten - erscheint in Anbetracht dessen, dass die neuropsychologische
Untersuchung zum Zeitpunkt der auf den 13. November 2013 datierten psychiatrischen
Berichterstattung noch nicht stattgefunden hatte, auf den ersten Blick tatsächlich nicht
schlüssig. Der Umstand, dass das auf das Untersuchungsdatum am 12. November
2013 datierte neurologische Fachgutachten ebenfalls Bezug auf die
testneuropsychologischen Befunde (erste Untersuchungsdaten 14./15. November
2013) nimmt (act. G43.1, Beilage 4, S. 11), legt den Schluss nahe, dass die
Fachgutachter ihre Berichte zwar am Untersuchungs- bzw. am Folgetag ihrer
Untersuchung angelegt, jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt fertiggestellt haben.
Unter Berücksichtigung, dass die neuropsychologischen Untersuchungen im
Anschluss an den Beschluss der bei der Konsensbesprechung beteiligten Gutachter
vom 26. März 2014 am 19. und 22. Mai 2014 wiederholt wurden (vgl. act. G43.1 S. 4
und Beilage 5, S. 2), rückt das Erstellungsdatum der Fachgutachten wesentlich in den
Hintergrund. Zumindest lässt das ungewisse genaue Datum der Fachgutachten allein
keine Zweifel an den Ergebnissen des asim-Gutachtens nach der zweiten
Konsensbesprechung am 20. August 2014 zu.
5.3.2 Nach Ansicht der Beschwerdegegnerin fehlt im asim-Gutachten angesichts der
in der neuropsychologischen Abklärung nachgewiesenen bewussten Aggravation eine
zuverlässige Abgrenzung zwischen den IV-rechtlich relevanten krankheitswertigen
Einschränkungen und den vorgespielten Anteilen. Die Psychiaterin stellte erkennbare
Inkonsistenzen zwischen ihren Beobachtungen und den Aussagen der
Beschwerdeführerin fest, welche die Glaubwürdigkeit des Ausmasses der Symptome
fraglich erscheinen liessen (act. G43.1 Beilage 2, S. 11). Hierbei bezog sie sich auf die
von der Beschwerdeführerin geschilderten Erscheinungen wie Schlafstörungen,
"schlechte Gedanken" (Angst, ihr oder ihrer Familie könne etwas zustossen),
anfallsweise Panik mit Druckgefühl auf der Brust, Herzklopfen, Schwindel, Atemnot und
Angst zu sterben. Diese Symptome diskutierte sie unter dem Aspekt der Diagnose
einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Sie kam zum Schluss, dass sich
aufgrund dieser fraglichen Symptome gegenwärtig keine PTBS diagnostizieren lasse.
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Im Zusammenhang mit der von ihr diagnostizierten chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren hielt sie fest, dass trotz eindeutig bestehender
psychischer Beeinträchtigungen Hinweise auf Aggravation eine angemessene
Beurteilung aus psychiatrischer Sicht erschwerten (act. G43.1 Beilage 2, S. 12). Eine
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren als direkte
Unfallfolge sei gesichert. Ebenfalls gesichert sei die spezifische Phobie, selbständig ein
Fahrzeug zu führen. Zudem sei eine subdepressive Verstimmung beobachtbar. Fraglich
beständen eine Panik bzw. generalisierte Ängste im Rahmen einer Anpassungsstörung,
wie sie noch 2009 diagnostiziert worden sei. Die Angaben zu den Ängsten und
Befürchtungen, das beobachtbare Verhalten in der Exploration als auch die
Videoaufzeichnung sprächen gegen eine derart beeinträchtigende Störung. Damit
sonderte die begutachtende Psychiaterin die von ihr festgestellten Inkonsistenzen in
der Beschwerdeschilderung der Beschwerdeführerin aus und sprach ihnen einen
Einfluss auf den Gesundheitszustand und damit auch auf die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin ab. Nach zweimaliger, eingehender neuropsychologischer
Abklärung hielten dipl. psych. S._, eidg. anerkannte Psychotherapeutin,
Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, und lic. phil. T._, Psychologin FSP,
Neuropsychologin, fest, weder eine HWS-Distorsion noch eine leichte traumatische
Hirnverletzung (MTBI) Grad I eigneten sich nach derzeitigem Kenntnisstand als
Erklärung für über Jahre hinweg persistierende kognitive Beeinträchtigungen im von
der Beschwerdeführerin demonstrierten Ausmass. Selbst wenn die im MRI sichtbaren
kleinen Veränderungen im Bereich des Frontalhirns tatsächlich traumatisch bedingt
sein sollten, könne hieraus lediglich abgeleitet werden, dass neuropsychologische
Funktionsstörungen vorhanden sein könnten. Rückschlüsse über Art und Ausmass
seien angesichts der in mehreren neuropsychologischen Abklärungen
nachgewiesenermassen unzureichenden Mitwirkung der Beschwerdeführerin nicht
möglich. Die psychiatrischerseits festgehaltene chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren vermöge weder das nicht-authentische
Antwortverhalten noch das Ausmass der auf Testebene gezeigten kognitiven Defizite
zu erklären. Aufgrund der negativen Antwortverzerrung seien eventuell bestehende,
authentische schmerzbedingte kognitive Leistungseinbussen nicht nachweisbar.
Zweifelsohne lägen bei der Beschwerdeführerin (trotz ihrer Eigenangaben über
durchweg gute und stabile Befindlichkeit bis zum Unfallereignis) mit einer nicht ganz
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unbelasteten Kindheit und Migrationshintergrund psychosoziale Belastungsfaktoren
vor, die psychische Störungen begünstigten. Im Fall der Beschwerdeführerin
unterlägen die negativen Antwortverzerrungen aber zumindest in Teilen der bewussten
Reflexion und Steuerung. Diese Einschätzung hatte zur Folge, dass aufgrund der
invaliden Testbefunde aus neuropsychologischer Sicht keine Aussage zur
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin getroffen werden konnte. Als nicht
einzuordnende Diagnose wurde schliesslich eine nicht-authentische
neuropsychologische Störung auf dem Boden möglicher echter leicht bis maximal
mittelgradiger Leistungseinbussen festgehalten. Damit wurden die krankheitswertigen
Gesundheitseinschränkungen der Beschwerdeführerin im asim-Gutachten gestützt auf
eine sorgfältige Begutachtung eruiert, allfällige Inkonsistenzen benannt und
ausgesondert, weshalb die Rüge der Beschwerdegegnerin unbegründet ist.
5.3.3 Die Beschwerdegegnerin äusserte aufgrund der psychiatrischen
Arbeitsfähigkeitsschätzung weitere Zweifel an der psychiatrischen Beurteilung, da die
Präsenzfähigkeit von 70% zusätzliche Einschränkungen auf eine Leistungsfähigkeit von
50% für Tätigkeiten unter Zeit- und Leistungsdruck erfahre, aber nicht alle Tätigkeiten
mit einem solchen Druck verbunden seien. Die neuropsychologische Testung habe
zudem keine verminderte Stressresistenz ergeben. Schliesslich weise das
psychiatrische Teilgutachten darauf hin, dass die Therapieoptionen nicht ausgeschöpft
seien, weshalb noch keine Erwerbsunfähigkeit angenommen werden könne. Die
Beschwerdeführerin habe durch die Aggravation eine zuverlässige Beurteilung
verunmöglicht, weshalb sie die Folgen der unsicheren Beweislage zu tragen habe.
Entgegen der nicht näher begründeten Auffassung der Beschwerdegegnerin ist
Folgendes zu bemerken: Jede Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt untersteht einem
gewissen Zeit- und Leistungsdruck, denn der Arbeitgeber erwartet im Gegenzug zum
von ihm bezahlten Lohn eine Arbeitsleistung, die gewissen Qualitäts- und
Quantitätsanforderungen zu entsprechen hat. Gerade bei den - für die
Beschwerdeführerin wohl in Frage kommenden - einfachen und repetitiven Tätigkeiten
ist die Leistung oftmals quantitativ messbar und ermöglicht einen direkten Vergleich mit
Referenzwerten und/oder anderen Mitarbeitenden. Daher ist eine Einschränkung der
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf 50% als eine realistische gutachterliche
Schätzung anzusehen. Die neuropsychologische Begutachtung lässt keine Schlüsse
auf die Stressresistenz der Beschwerdeführerin (im Arbeitsumfeld) zu, auch wenn darin
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beschrieben wird, dass die Beschwerdeführerin auf Fehler gleichgültig reagiert habe,
während der gesamten Testung nicht erkennbar unter Druck geraten und stets ruhig
geblieben sei (act. G43.1, Beilage 5, S. 7). Schliesslich versuchte die
Beschwerdeführerin gerade nicht, konsistente Leistungen in den
neuropsychologischen Testungen zu erzielen bzw. resultieren aus den Testungen keine
gültigen Befunde. Hinsichtlich der Ausschöpfung der Therapieoptionen ist festzuhalten,
dass R._ als einzige ärztliche Behandlung eine begleitende psychotherapeutische
Behandlung empfahl und eine solche gemäss den anamnestischen Angaben bis vor
zwei Jahren durchgeführt worden war (act. G43.1, Beilage 2, S. 5 und 9). Was die
gutachterlich nahegelegten beruflichen Reintegrationsmassnahmen anbelangt, so
dienen diese wohl eher dazu, dass die Beschwerdeführerin grundsätzlich wieder Fuss
im Arbeitsleben fasst. Insgesamt vermag die Kritik der Beschwerdegegnerin keine
Zweifel an der psychiatrischen Arbeitsfähigkeitsschätzung zu wecken.
5.4 Zusammenfassend handelt es sich beim asim-Gutachten an sich um eine
beweistaugliche Grundlage und es kann darauf abgestellt werden.
6.
6.1 Allerdings verhält es sich bei der Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren um eine solche, die unter die (mit BGE 141 V
281 teilweise geänderte) Rechtsprechung des Bundesgerichts zu den somatoformen
Schmerzstörungen fällt (Urteile des Bundesgerichts vom 4. März 2014, 8C_759/2013,
E. 3.1, vom 5. November 2014, 8C_264/2014, E. 4.5.1.3 und vom 18. November 2015,
9C_125/2015, E. 4.3f.). Daher sind die gemäss BGE 141 V 281 auf den funktionellen
Schweregrad und die Konsistenz bezogenen Indikatoren nachfolgend zu diskutieren.
6.1.1 Die gutachterlich festgestellten Diagnosen wurden im Umfang der Aggravation
bereinigt (vgl. E. 5.3.2; die inzwischen remittierte posttraumatische Belastungsstörung
und die Anpassungsstörung wurden trotz weiterhin berichteter Symptomatik aufgrund
eines erheblichen sekundären Krankheitsgewinns von R._ nicht berücksichtigt; vgl.
act. G43.1, Beilage 2, S. 13). Hinsichtlich des funktionellen Schweregrads und
namentlich der im Komplex Gesundheitsschädigung zu prüfenden Ausprägung der
diagnoserelevanten Befunde stehen bei einer chronischen Schmerzstörung mit
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somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F 45.41) - wie sie R._ bei der
Beschwerdeführerin diagnostiziert hat - seit mindestens sechs Monaten bestehende
Schmerzen in einer oder mehreren anatomischen Regionen im Vordergrund, die in
klinisch bedeutsamer Weise Leiden und Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen
oder anderen wichtigen Funktionsbereichen verursachen (Urteil des Bundesgerichts
vom 18. November 2015, 9C_125/2015, E. 7.1). Die Beschwerdeführerin leidet seit dem
Unfall vom 7. März 2008 an durchgehend dokumentierten Kopfschmerzen, die bis
heute in einer anhaltend starken Ausprägung (VAS 7), mit Zunahme unter Belastung
(VAS 8-9) beklagt werden und laut eigenanamnestischer Angaben zu Einschränkungen
in der Alltagsgestaltung und -bewältigung führen. Des Weiteren bestehen Schmerzen in
den Schultern, im Rücken und in den Beinen. Laut R._ droht kein selbstverletzendes
Verhalten oder Suizidalität. Als die Beschwerdeführerin noch vor drei Jahren viele
Therapien wahrgenommen hatte, sei es ihr insbesondere morgens viel besser
gegangen und sie sei in der Lage gewesen, die Kinder zur Schule zu bringen oder
spazieren zu gehen. Sie habe damals viele Kontakte gehabt und viele Menschen hätten
sich um sie gekümmert. Gerade im sozialen Bereich der Alltagsfunktionen verspricht
die von R._ empfohlene Fortsetzung der begleitenden psychiatrisch-
psychotherapeutischen Behandlung daher eine Besserung. Bei der Beschreibung ihres
Tagesablaufs äusserte die Beschwerdeführerin gegenüber R._, sie gehe spazieren,
kaufe Kleinigkeiten ein, bereite das Mittagessen vor und führe leichtere
Haushaltarbeiten aus. Insofern werden Aktivitäten körperlicher Art durchgeführt. Auch
wenn die Beschwerdeführerin in gewissen Alltagsfunktionen durchaus beeinträchtigt
ist, fällt eine schwere Ausprägung der Störung ausser Betracht.
6.1.2 Hinsichtlich des Indikators Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -
resistenz ist festzuhalten, dass psychische Störungen der hier interessierenden Art
nach der Rechtsprechung nur als invalidisierend gelten, wenn sie schwer und
therapeutisch nicht (mehr) angehbar sind. Rückschlüsse auf den Schweregrad einer
Gesundheitsschädigung ergeben sich nicht nur aus der medizinischen Behandlung,
sondern auch aus der Eingliederung im Rechtssinne (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2). Die
Beschwerdeführerin nahm nach dem Unfall am 7. März 2008 regelmässig diverse
Therapien wahr und die Suva bezahlte bis am 28. Februar 2011 Taggeldleistungen
(Suva-act. 351). Die Beschwerdegegnerin hatte ihre Eingliederungsbemühungen bereits
am 24. November 2008 abgeschlossen, da die Ärzte bis zum Aufenthalt in der
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Rehaklinik Bellikon vom 4. Mai bis 30. Juni 2009 noch primär von einer hirnorganischen
Schädigung mit vollumfänglicher Arbeitsunfähigkeit ausgegangen waren (IV-act. 26,
Suva-act. 204/1ff.). Die ab 30. Juni 2009 weiterhin ärztlich attestierte volle
Arbeitsunfähigkeit war insbesondere mit der zu jenem Zeitpunkt diagnostizierten
posttraumatischen Belastungsstörung begründet worden, doch blieb die traumatische
Hirnverletzung weiterhin als Diagnose erwähnt (vgl. auch Stellungnahme des
Kreisarztes Dr. E._ vom 21. Juli 2009, wonach eine kognitive
Gesundheitsproblematik im Vordergrund stehe; Suva-act. 208/1). Die ambulante
Rehabilitation vom August bis Oktober 2009 im Haus J._ - einem Kompetenzzentrum
für Menschen mit einer Hirnverletzung - bezweckte das Training alltagsrelevanter
Fähigkeiten und eine Tagesstrukturierung (Suva-act. 202/5). Insofern war die
Behandlung und die Eingliederung der Beschwerdeführerin lange Zeit unter dem
(rückblickend nicht zutreffenden) Aspekt einer organischen Hirnschädigung betrachtet
worden. Entsprechend sieht R._ einen Anteil an der Entstehung bzw. Ausprägung der
Symptomatik auch in den Behandlungsfolgen begründet (act. G43.1, Beilage 2, S. 6).
Gemäss R._ wird in den Akten im Mai/Juni 2010 eine Befundverbesserung des
psychischen Beschwerdebilds beschrieben (vgl. act. G43.1, Beilage 2, S. 9). Erst in
diesem Zeitraum war der Beschwerdeführerin die notwendige Behandlung der
posttraumatischen Belastungsstörung und der Anpassungstörung zugekommen, so
dass diese schliesslich remittierten. Die asim-Gutachter empfehlen aus heutiger Sicht
in erster Linie berufliche Reintegrationsmassnahmen. Durch den unfallbedingten
Verlust des Arbeitsplatzes sei es, neben körperlichen Beeinträchtigungen, welche das
Selbstvertrauen in die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit untergraben hätten, zu einer
Entwöhnung von Arbeit gekommen. Deshalb seien begrenzte psychosomatische
Rehabilitationsbehandlungen ungeeignet, sondern es sollte ein "praktisches Einüben"
beruflicher Abläufe erfolgen. Aktuell bestehe eine geringe Eigenmotivation ins
Erwerbsleben zurückzukehren. Hilfreich, um dies zu überwinden, sei ein Arbeitstraining,
welches niedrigschwellig beginne (regelmässiges tägliches Training bei geringem
wöchentlichem Pensum), ausreichend lange erfolge (mindestens ein Jahr) und sich an
den Interessen und Fähigkeiten der Beschwerdeführerin orientiere und ihr
gegebenenfalls die Möglichkeit zur langfristigen Qualifikation biete. Auch die
empfohlene begleitende psychotherapeutische Behandlung hat zum Zweck, die
Stärkung der Ressourcen, die Reintegration und die Eigenaktivität der
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Beschwerdeführerin zu bewirken. Zum funktionellen Schweregrad der Störung lässt
sich aufgrund dieser Angaben ableiten, dass unter Umständen noch weitere
(Eigen-)Ressourcen mobilisiert werden können (vgl. auch E. 5.3.3), damit aber
gesamthaft erst begonnen werden konnte, als aus therapeutischer Sicht der Weg eines
hirnorganischen Einflusses verlassen und mittels Intensivierung der psychiatrischen
Behandlung eine Remission der PTBS und der Anpassungsstörung erreicht werden
konnte (vgl. act. G43.1, Beilage 2, S. 12). Damit ist bereits ein signifikanter
Behandlungserfolg zu verzeichnen. Der Eingliederungserfolg kann bei diesen
gutachterlichen Empfehlungen jedenfalls noch nicht als gescheitert betrachtet werden.
6.1.3 Obwohl R._ eine subdepressive Verstimmung - welche im Rahmen
verschiedener psychischer Störungen, z.B. als Begleitreaktion chronischer Schmerzen,
anhaltender Ängste aber auch bei Dysthymie oder Persönlichkeitsakzentuierungen
auftrete - beobachten konnte, war aus ihrer Sicht keine zusätzliche Diagnose zu stellen.
Da sie die Diagnose einer Panikstörung als fraglich bezeichnet, und sich aufgrund der
Angaben zu den Ängsten und Befürchtungen, des beobachtbaren Verhaltens in der
Exploration als auch der Videoaufnahmen gegen eine derart beeinträchtigende Störung
ausspricht, ist keine psychiatrische Komorbidität ausgewiesen. Es bestehen mehrere
somatische Gesundheitsbeeinträchtigungen bei einem chronischen Zervikalsyndrom
mit Halswirbelsäulenfehlform und erheblicher HWS-Motilitätsstörung, einem
chronischen lumbovertebralen Schmerzsyndrom, einem Status nach vorderer
Beckenringfraktur links und intraartikulärer Fraktur der linken Massa lateralis des Os
Sacrum und einem chronischen posttraumatischen Kopfschmerz. Der Restzustand am
Bewegungsapparat begründet eine bleibende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von
20%. Die asim-Gutachter gehen davon aus, dass sich die psychische Störung im
Gefolge der somatischen Verletzungen und reaktiv darauf entwickelt hat. Die
chronische Schmerzstörung habe sich im Verlauf zentral in den Vordergrund
geschoben und bestimme heute das klinische Bild. Unterliegend verbleibe aber ein
somatischer Kern (act. G43.1, S. 17). Die organischen Begleiterkrankungen sind
krankheitswertig und wirken sich somit unabhängig von der psychischen Störung
invalidisierend aus.
6.1.4 Im Komplex "Persönlichkeit" sind die Persönlichkeitsentwicklung, und -struktur,
und die grundlegenden psychischen Funktionen aber - je nach Eignung - auch die
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"komplexen Ich-Funktionen" (u.a. Selbst- und Fremdwahrnehmung, Realitätsprüfung
und Urteilsbildung, Affektsteuerung und Impulskontrolle sowie Intentionalität [Fähigkeit,
sich auf einen Gegenstand zu beziehen] und Antrieb) der Beschwerdeführerin zu
betrachten. Wie sie bereits in den Vorberichten geschildert wird, beschreibt auch R._
die Beschwerdeführerin als affektarm, ideenarm, verlangsamt und eingeengt. Es liesse
sich eine affektive Beeinträchtigung erkennen. Ihre Belastungsfaktoren (psychische und
somatische Unfallfolgen, als auch begleitende psychosoziale Auswirkungen)
begünstigten das Entstehen affektiver Symptome. Zugrunde liegende Ursache könnte
dabei zum Beispiel eine passiv-ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstruktur sein.
Hinweise dafür fänden sich in über die Jahre dokumentierten Verhaltensweisen (z.B.
Ergotherapie). Der Ausgestaltung der Symptomatik der chronischen Schmerzstörung
mit somatischen und psychischen Faktoren sei als Ausdrucksverhalten subjektiv
erlebter Beeinträchtigung Bedeutung beizumessen. Die begrenzte Bildung und
einfache Intelligenz spielten nicht nur bei der Ausgestaltung der Symptomatik, sondern
auch bei der Überwindbarkeit dieser Störung eine Rolle. Die von R._ beobachtete
subdepressive Stimmung ist im Komplex "Persönlichkeit" ebenfalls zu berücksichtigen.
Auskünften bezüglich lebensgeschichtlich belastender Faktoren wich die
Beschwerdeführerin bei der Exploration durch R._ aus. Zusammenfassend fallen
einige der hier im Rahmen der umfassenden Ressourcenprüfung zu prüfenden
Merkmale negativ ins Gewicht. Die Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin
bietet nach dem Gesagten bei der Überwindbarkeit ihrer Beschwerden nur beschränkte
Ressourcen und begünstigt gar das Entstehen psychischer Krankheiten.
6.1.5 Zum sozialen Kontext ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin in der
eigenen Familie (trotz Verlust der Mutter durch Suizid als Achtjährige und bei gutem
Verhältnis zur Stiefmutter; drei Geschwister; act. G43.1, Beilage 2, S. 4f.) und in
derjenigen des Mannes gut eingebettet ist. R._ stellte zwar eine Verschiebung des
Schlaf-Wach-Rhythmus, mit innerhalb der Familie bestehendem sozialem Rückzug
(durch frühes zu Bett gehen) fest. Zudem erklärte die Beschwerdeführerin trotz einem
Wunsch nach sozialen Kontakten aufgrund der Schmerzen dazu nicht in der Lage zu
sein. Begegnungen mit gesunden Freundinnen habe sie abgebrochen, da sie mit ihnen
nicht unbeschwert zusammen sein könne, auf ihren eigenen Körper hören müsse und
aufgrund ihrer Schmerzen nicht ausreichend belastbar sei (vgl. act. G43.1, Beilage 2, S.
4 und 11). Trotz dieser Einschränkungen bietet das familiäre Umfeld insgesamt viel
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Raum für Unterstützung und steht als Ressource zur Verfügung (vgl. etwa act. G43.1,
Beilage 2, S. 5, wonach die Schwiegereltern der Beschwerdeführerin eine
Sprachschule und den Führerschein ermöglichten, und bei der Betreuung der Kinder
Hand boten). Von einem völligen sozialen Rückzug ist auch aufgrund der von der
Beschwerdeführerin im Alltag wahrgenommenen familiären Aufgaben (vgl. Tagesablauf
in act. G43.1, Beilage 2, S. 4) nicht auszugehen, und es sind potenziell günstig auf die
Ressourcen auswirkende Faktoren ersichtlich.
6.2 Bei der Konsistenzprüfung werden Gesichtspunkte des Verhaltens der
Beschwerdeführerin in die Beurteilung miteinbezogen. Hier fallen auf den ersten Blick
insbesondere die invaliden Testbefunde bei zweimaliger neuropsychologischer
Begutachtung ins Gewicht (act. G43.1, Beilage 5). Bei der Diagnose nicht-authentische
neuropsychologische Störung auf dem Boden möglicher echter, leicht bis maximal
mittelgradiger Leistungseinbussen konnte aus neuropsychologischer Sicht keine
Aussage zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gemacht werden. R._ hielt zwar
ebenfalls erkennbare Inkonsistenzen zwischen den Aussagen der Beschwerdeführerin
und ihren Beobachtungen fest, doch beschreibt sie entsprechende Verhaltensweisen
wie Schmerzverhalten / Verdeutlichung auch im Bereich psychischer Symptome als
Teil einer psychischen Störung, welche als unterschiedlich bewusstseinsnahe
Handlung zu werten sei. Diese Verdeutlichung ermögliche der Beschwerdeführerin, die
erlebte innere Beeinträchtigung (Leidensdruck) bei mangelhaften sprachlichen
Kompetenzen oder reduzierter Introspektions- und Reflexionsfähigkeit auszudrücken
(act. G43.1, Beilage 2, S. 7). Hinsichtlich der Inanspruchnahme von therapeutischen
Optionen fällt auf, dass die Beschwerdeführerin die Gesprächspsychotherapie bis zwei
Jahre vor der asim-Begutachtung wahrgenommen, und danach wegen der Distanz
sistiert hatte (act. G43.1, Beilage 2, S. 3). Die asim-Gutachter gehen nicht von einer
krankheitsbedingten Unfähigkeit der Beschwerdeführerin zur Therapieadhärenz aus,
sondern trauen der Beschwerdeführerin zu, durch eine angemessene Begleitung eine
(weitere) Besserung ihres psychischen Gesundheitszustands erreichen zu können.
Gesamthaft kann der Beschwerdeführerin im Rahmen der Konsistenzprüfung ihr
verdeutlichendes Verhalten nicht zur Last gelegt werden, da sie Teil der psychischen
Störung bildet.
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6.3 Bei gesamter Betrachtung sind in der Kategorie "funktioneller Schweregrad"
organische Komorbiditäten gegeben und beim Komplex "Persönlichkeit"
ressourcenhemmende Punkte ersichtlich. Beim Komplex "Sozialer Kontext" sind
potenziell stabilisierende Faktoren vorhanden und der Beschwerdeführerin stehen im
Rahmen der Schadenminderungspflicht die von den asim-Gutachtern empfohlenen
Massnahmen zur Verfügung, die noch (weiter) auszuschöpfen sind. Bis zwei Jahre vor
der asim-Begutachtung hatte die Beschwerdeführerin diverse Therapieangebote
wahrgenommen und es konnte so eine Remission der PTBS und der
Anpassungsstörung erreicht werden. Für den vorliegend strittigen Zeitraum bis zum
Erlass der Verfügung vom 16. November 2011 (IV-act. 56) hält das Verhalten der
Beschwerdeführerin einer Konsistenzprüfung stand, so dass ein invalidisierender
psychischer Gesundheitsschaden in Anwendung der neuen Beweisindikatoren zu
bejahen ist.
6.4
6.4.1 Damit ist der Beschwerdeführerin qualitativ eine leichte, wechselbelastende
Arbeit in Tischhöhe ohne Vorneigehaltung, Bücken, Heben, Tragen und Bewegen von
Lasten über 4kg, mit regelmässigem Positionswechsel, ohne Kälteeinfluss zumutbar.
Zudem besteht ein vermehrter Pausenbedarf aufgrund der schmerzhaften HWS-
Motilitätsstörung, der Statikstörung der LWS und des sekundären ISG-Syndroms.
6.4.2 Gestützt auf das beweiskräftige asim-Gutachten besteht in quantitativer Hinsicht
seit 1. März 2011 (ab Leistungseinstellung Suva) eine 50%-ige Leistungsfähigkeit in
einem zeitlich möglichen 70%-Pensum (act. G43.1, S. 13 und 16).
6.4.3 Da die IV-Anmeldung am 22. August 2008 erfolgte (IV-act. 1), beginnt ein
möglicher Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach
Geltendmachung des Leistungsanspruchs, das heisst am 1. März 2009 (Art. 29 Abs. 1
IVG; bei verzögertem Heilverlauf des Beckens steht bereits aus somatischen Gründen
eine volle Arbeitsunfähigkeit seit dem Unfall am 7. März 2008 bzw. während des
Wartejahrs im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG unbestrittenermassen fest). R._
setzte sich mit den vorangehenden Diagnosen bzw. der bisherigen Aktenlage
eingehend auseinander (vgl. act. G43.1, Beilage 2, S. 7ff.). Sie hielt im Zusammenhang
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mit den Vorakten insbesondere fest, dass erst die seit 10. Februar 2009 behandelnde
Dr. H._ im Bericht vom 27. März 2009 die Diagnose einer Anpassungsstörung mit
längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21) gestellt habe (Suva-act. 164). Eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung hatte Dr. H._ in diesem Bericht nicht abgegeben. Doch
war gemäss R._ unter Berücksichtigung der Diagnose von Dr. H._ im Rahmen des
erneuten stationären Aufenthalts im Mai/Juni 2009 in der Rehaklinik Bellikon eine
genauere Beobachtung der Symptomatik erfolgt und im diesbezüglichen
Austrittsbericht vom 30. Juni 2009 (Suva-act. 204) ärztlich attestiert worden, dass der
Beschwerdeführerin eine berufliche Tätigkeit aktuell nicht zumutbar sei. Es bestehe
eine schwere Leistungsminderung infolge einer psychischen Störung mit
Krankheitswert. Von dieser Arbeitsfähigkeitsschätzung ist bereits ab
Behandlungsbeginn bei Dr. H._ bzw. ab 1. März 2009 auszugehen. Gemäss R._
war die Symptomatik von den Ärzten der Rehaklinik Bellikon einer PTBS zugeordnet
worden. Möglicherweise habe zeitweilig das Vollbild einer PTBS bestanden, wobei
diese gegen andere Traumafolgestörungen wie Angst- und Panikstörungen, aber auch
Depressionen schwierig abgegrenzt werden könne. In den Berichten vom 19. Oktober
2009 (Suva-act. 231) und vom 29. Dezember 2009 (Suva-act. 251) sprach Dr. H._
von einer organischen Persönlichkeitsstörung im Sinn eines Frontal-Hirn-Syndroms mit
vorherrschender Antriebsminderung sowie einer PTBS. Am 10. Juni 2010 berichtete sie
- nach einer Zeitspanne mit intensiver psychotherapeutischer Behandlung mit
wöchentlichen Gesprächen - über eine deutliche Befundverbesserung bei psychischer
Stabilisierung der Beschwerdeführerin, allerdings erneut ohne Angaben zur
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu machen (Suva-act. 309). Ebenso äusserte
med. pract. U._, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Rehaklinik
Bellikon, im psychiatrischen Teilgutachten vom 3. November 2010 (Suva-act. 333) bei
Diagnose einer PTBS (ICD-10: F43.1) und dem im Aktenverlauf erstmalig erhobenen
Verdacht auf eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren (ICD-10: F45.41) die Auffassung, es sei in den letzten Monaten tendenziell
eher zu einem Rückgang der Beschwerden und zu einer Zunahme der allgemeinen
Belastbarkeit der Beschwerdeführerin gekommen und es empfehle sich mehr
Ressourcen-orientiert zu arbeiten und Abstand zu nehmen von einer hirnorganischen
Komponente der Beschwerden. Zudem räumte sie ein, die Abgrenzung zur isolierten
Diagnose einer Angst- oder Panikstörung oder aber auch einer depressiven
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Symptomatik sei schwer. Würde man primär die im Rahmen der Symptomvalidierung
(vgl. dazu Suva-act. 332) beobachteten deutlichen Zeichen der Aggravation
ausblendend von einer nahezu 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgehen, so müsse man
in deren Berücksichtigung davon ausgehen, dass bei der Beschwerdeführerin
durchaus eine Restarbeitsfähigkeit bestehe. Das Ausmass hänge davon ab, wie die
diagnostizierte Aggravation gewichtet werde. Allerdings müsse man der
Beschwerdeführerin auch zugutehalten, dass sie bis zum aktuellen Zeitpunkt aufgrund
der zuvor gestellten Diagnosen und Therapien von einer organischen
Hirnfunktionsstörung ausgehen musste, was den therapeutischen Prozess sicher
zusätzlich erschwert habe. Aus aktueller psychiatrischer Sicht schliesst R._ in
Übereinstimmung mit med. pract. U._ ebenfalls auf eine erfreuliche Verbesserung
seit Juni 2010, welche den hirnorganischen Einfluss an der Entstehung der
psychopathologischen Symptomatik weiter in den Hintergrund treten lasse.
Zusammenfassend ist daher seit der Berichterstattung von Dr. H._ am 10. Juni 2010
eine Verbesserung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit als ausgewiesen zu betrachten, insbesondere weil die Remission
der Anpassungsstörung und der PTBS von R._ auf diesen Zeitpunkt hin
angenommen wird (vgl. act. G43.1, Beilage 2, S. 12). Dabei ist zu berücksichtigen, dass
Dr. H._ keine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin abgab, und
der von med. pract. U._ erwähnte und unbezifferte Anteil der Aggravation von R._
ausgesondert und angemessen gewichtet wurde (vgl. E. 6.1.1). Mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass die von R._ nach der Exploration
attestierte 50%-ige Leistungsfähigkeit in einem zeitlich möglichen 70%-Pensum bereits
seit der von Dr. H._ festgehaltenen Befundverbesserung vorliegt, da R._
rückblickend von keiner weiteren dazwischenliegenden Verbesserung des
Gesundheitszustands spricht und die ihrer Beurteilung zufolge seit 28. Februar 2011
bestehende verminderte Leistungsfähigkeit im gleichen Rahmen einzig im Zeitpunkt
der Leistungseinstellung der Suva begründet liegt. Gemäss Art. 88a IVV ist jede
Änderung des Anspruchs nach drei Monaten zu berücksichtigen. Vorliegend wirken
sich die Verbesserung der Erwerbsfähigkeit und die damit verbundene Herabsetzung
der Leistung somit ab 1. Oktober 2010 aus.
6.4.4 Die asim-Gutachter sehen ein Verbesserungspotential bis auf eine 80%-ige
Arbeitsfähigkeit (act. G43.1, S. 4). Einer allfälligen, weiteren Verbesserung des
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Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin kann gegebenenfalls im Rahmen einer
Revision (Art. 17 ATSG) Rechnung getragen werden.
7.
7.1 Soweit der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin geltend macht, der Grundsatz
der "Eingliederung vor Rente" sei verletzt worden, da die Beschwerdegegnerin keine
beruflichen Eingliederungsmassnahmen mehr geprüft habe, ist dem entgegenzuhalten,
dass das Verfahren zur beruflichen Eingliederung mit Mitteilung vom 24. November
2008 abgeschlossen worden war (IV-act. 26). Auch im asim-Gutachten des
Universitätsspitals Basel vom 15. Oktober 2014 wird auf eine geringe Eigenmotivation
zur Rückkehr ins Erwerbsleben hingewiesen (act. G43.1 S. 8 und S. 13). Der
Beschwerdeführerin steht es frei, eine erneute Prüfung von beruflichen Massnahmen
im Sinne von Arbeitsvermittlung zu beantragen, wenn sie sich subjektiv arbeitsfähig
sieht (vgl. auch IV-act. 56). Von der Invalidenversicherung angeordnete
Eingliederungsmassnahmen können notfalls auch abgemahnt werden.
7.2 Für den Einkommensvergleich (vgl. dazu E. 3.1) ist zunächst das
Valideneinkommen der Beschwerdeführerin zu ermitteln. Gemäss den Angaben der
damaligen Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin erzielte diese ein Jahreseinkommen
von Fr. 28'817.15, wobei aus diesen Auskünften nicht klar hervorgeht, ob sich diese
Zahl auf das Jahr 2007 oder 2008 bezieht (IV-act. 9-3/12). Den beigelegten
Lohnkontoblättern ist zudem zu entnehmen, dass der Beschwerdeführerin
Entschädigungen für Überzeit, eine Zulage für Schichtbereitschaft, eine
Leistungsprämie, eine Zulage für Nachtschicht und eine anteilige Wegentschädigung
geleistet worden waren, so dass sich ihr Bruttoeinkommen im Jahr 2007 offenbar auf
Fr. 49'504.85 belief (IV-act. 9-11/12). Aufgrund fehlender, aussagekräftiger Grundlagen
ist als Valideneinkommen auf den LSE-Tabellenlohn 2006 abzustellen. Massgebend ist
der in Tabelle TA1, privater Sektor, Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive
Tätigkeiten), Total Frauen, festgehaltene monatliche Bruttolohn von Fr. 4'019.-- bzw.
ein Jahresbruttogehalt von Fr. 48'228.--. Angepasst an die Nominallohnentwicklung
(+1,5%) und die Wochenarbeitszeit des Jahres 2007 (41,7 Wochenarbeitsstunden)
ergibt dies Fr. 51'031.86.
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7.3 Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens sind ebenfalls die Zahlen der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Jahres 2006, nach Anpassung an die
Teuerung und die Wochenarbeitszeit des Jahres 2007, beizuziehen. Sind Validen- und
Invalideneinkommen ausgehend vom selben Tabellenlohn zu berechnen, entspricht der
Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung des Abzugs
vom Tabellenlohn (sog. Prozentvergleich, vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. Juli
2012, 8C_365/2012, E. 7 mit Hinweis).
7.4 Mit dem Tabellenlohnabzug von maximal 25% ist zu berücksichtigen, dass
gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten
behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren
arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand
Rechnung getragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer
versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben
können (BGE 129 V 481 E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2). Unter
Berücksichtigung dessen, dass der Beschwerdeführerin nur noch leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten mit einer Gewichtslimite von 4kg offenstehen, sie bei
einer reduzierten Präsenzzeit von 70% lediglich 50% Leistungsfähigkeit zu erbringen
vermag und sich ein Konkurrenznachteil aufgrund ihres erhöhten Pausenbedarfs
ergeben könnte, da dies einem potenziellen Arbeitgeber zusätzliche organisatorische
Vorkehrungen und eine erhöhte Flexibilität abverlangt, erscheint ein Tabellenlohnabzug
im Umfang von 10% gerechtfertigt.
7.5 Für den Zeitraum vom 1. März 2009 bis 30. September 2010 bestand bei voller
Arbeitsunfähigkeit ein Invaliditätsgrad von 100%, weshalb die Beschwerdeführerin
Anspruch auf eine ganze Rente hat. Die Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen
ergibt ab 1. Oktober 2010 einen Invaliditätsgrad von 55% (1 - 0.5 x 0.9). Ab diesem
Zeitpunkt hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine halbe Rente.
8.
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8.1 Nach dem Gesagten ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde die Verfügung
vom 16. November 2011 aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1.
März 2009 eine ganze Rente zuzusprechen. Ab 1. Oktober 2010 ist der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin auf eine halbe Rente herabzusetzen. Zur
Festsetzung der Rentenhöhe ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
8.2 Die gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG zu erhebenden und angesichts des
durchschnittlichen Aufwands auf Fr. 600.-- festzusetzenden Gerichtskosten hat
ausgangsgemäss die Beschwerdegegnerin zu bezahlen (vgl. Art. 95 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
8.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. In der
vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit erscheint eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
angemessen.