Decision ID: 8aaeebbf-0a08-475b-9a59-2cbee6e93347
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Simon Kehl, Poststrasse 22, Postfach 118,
9410 Heiden,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
berufliche Massnahmen (Umschulung/Arbeitsvermittlung
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ erlitt am 18. August 2005 eine kraniale inkomplette Berstungsfraktur LWK 1.
Am 25./29. August 2005 wurde er operiert (Fremdakten). Am 9. März 2007 meldete er
sich zum Bezug von IV-Leistungen (Berufsberatung, Umschulung) an (IV-act. 1, 7). Er
gab an, er habe von 2002 bis 2005 eine Ausbildung als Betagtenbetreuer absolviert
und mit einem Fähigkeitsausweis abgeschlossen. Dr. med. B._, Allgemeine Medizin
FMH, berichtete der IV-Stelle am 18. April 2007 (IV-act. 11), der Versicherte habe starke
Rückenschmerzen beim Heben von Patienten. Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr
zumutbar. Ideal wäre eine Tätigkeit in sitzender oder stehender Position, bei der nur
Gewichte von wenigen Kilogramm gehoben werden müssten. Die Stiftung C._ teilte
der IV-Stelle am 14. Mai 2007 mit (IV-act. 18), der Versicherte sei bei ihr mit einem
befristeten Vertrag als Betagtenbetreuer angestellt gewesen. Der Jahreslohn habe Fr.
52'000.- betragen. Der Berufsberater der IV-Stelle notierte am 8. Januar 2008 (IV-act.
27), zunächst habe die berufsberaterische Abklärung in Richtung Haustechnikplaner
gewiesen. Die Tests für das Vorstellungsvermögen und das technische Verständnis
seien aber ungenügend ausgefallen. Der Versicherte habe Interesse am kaufmännisch
administrativen Bereich geäussert. Er habe nach einer Lehrstelle gesucht, aber nur
Absagen erhalten. Deshalb werde wohl eine schulische Ausbildung nötig sein. Der
Versicherte weise eine hohe Motivation für das Erlernen des kaufmännischen Berufs
auf und er sei dazu geeignet. Er benötige aber einen Vorkurs. Der kaufmännischen
Ausbildung sei gegenüber der Ausbildung zum technischen Kaufmann der Vorzug
einzuräumen, weil der Versicherte noch jung sei und mit dem kaufmännischen
Fähigkeitsausweis gut gerüstet für Berufspraxis und Weiterbildung wäre. Zudem könne
er nicht auf fachspezifische Berufskenntnisse zurückgreifen, die den technischen
Kaufleuten den Einstieg in die kaufmännische Berufspraxis erleichterten. Die dreijährige
Umschulung sei der dreijährigen Ausbildung zum Betagtenbetreuer gleichwertig. Mit
einer Mitteilung vom 17. Januar 2008 bewilligte die IV-Stelle einen kaufmännischen
Vorkurs bei der D._ AG (IV-act. 32). Der Berufsberater hielt am 18. Juni 2008 fest (IV-
act. 37), der Versicherte habe den Vorkurs mit guten Noten absolviert. Die Schulleitung
sei überzeugt, dass er für eine kaufmännische Ausbildung gut geeignet und hoch
motiviert sei. Die dreijährige Ausbildung beinhalte vier Schulsemester und zwei
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Praktikumssemester. Mit einer Mitteilung vom 24. Juni 2008 bewilligte die IV-Stelle
dem Versicherten die Umschulung zum Kaufmann bei der D._ AG vom 13. Juli 2008
bis 15. Juli 2010 (IV-act. 40). Der Berufsberater teilte dem Rechtsvertreter des
Versicherten am 30. Juli 2009 mit (IV-act. 50), er habe von der D._ AG erfahren, dass
der Versicherte das Bürofachdiplom nach zwei Semestern nicht bestanden habe.
Dadurch sei die Promotion ins dritte Semester nicht möglich bzw. könne das
Praktikumsjahr nicht begonnen werden. Der Versicherte habe sich ohne Wissen der IV-
Stelle für eine Repetition des ersten Jahres angemeldet. Am 11. August 2009 notierte
der Berufsberater (IV-act. 51), die Ausbildung zum Kaufmann B sei die bessere
Voraussetzung, um im Beruf als Kaufmann Fuss zu fassen und
Entwicklungsmöglichkeiten zu haben, als der Lehrgang zum technischen Kaufmann.
Mit einer Mitteilung vom 17. August 2009, welche diejenige vom 24. Juni 2008
"ersetzte", übernahm die IV-Stelle die Kosten der Repetition des ersten Semesters. Am
27. Januar 2010 bewilligte die IV-Stelle auch die Repetition des zweiten Semesters (IV-
act. 62).
A.b Der Berufsberater der IV-Stelle hielt am 2. März 2010 fest (IV-act. 65), man habe
gemeinsam beschlossen, den Weg über den technischen Kaufmann zu wählen. Der
Wechsel werde wegen der nicht erwachsenengerechten Behandlung und wegen der zu
kleinen Fortschritte im Repetitionssemester angestrebt. In der Ausbildung zum
technischen Kaufmann könne der Versicherte individueller gefördert werden. Diese
Ausbildung sei einem Lehrabschluss gleichwertig, wenn der Versicherte die
eidgenössische Fachprüfung bestehe. Auch mit einem internen technischen Kaufmann
wäre der Versicherte rentenausschliessend eingegliedert, aber dann wären die
Weiterbildungsmöglichkeiten begrenzt. Mit einer Mitteilung, die diejenige vom 27.
Januar 2010 "ersetzte", übernahm die IV-Stelle die Kosten des ersten und des zweiten
Semesters der Umschulung zum technischen Kaufmann am Bildungszentrum BVS in
St. Gallen (IV-act. 67). Der Berufsberater teilte dem Rechtsvertreter am 19. April 2011
mit (IV-act. 74), der Versicherte habe den internen technischen Kaufmann mit Erfolg
bestanden. Die Durchschnittsnote betrage 4,26. Die weitere Umschulung zum
technischen Kaufmann mit eidgenössischem Fachausweis wäre nur mit einer
Durchschnittsnote von 4,8 möglich. In Übereinstimmung mit der Schulleiterin sei er
zum Schluss gekommen, dass der Versicherte ungenügende Leistungen für das
Bestehen der eidgenössischen Prüfung aufgezeigt habe und dass er nicht über die
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entsprechenden Ressourcen verfüge. Mit dem internen Abschluss des technischen
Kaufmanns BVS sei der Versicherte erfolgreich umgeschult und auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt vermittelbar. Am 16. Mai 2011 hielt der Berufsberater fest (IV- act. 78), der
Versicherte habe sich für das Prüfungsvorbereitungssemester an der BVS angemeldet.
Der Versicherte sei darüber informiert gewesen, dass die Schule eine
Durchschnittsnote von 4,8 empfehle und dass die Invalidenversicherung diese
Durchschnittsnote fordere. Er könne die weitere Ausbildung des Versicherten mangels
Leistung und Ressourcen nicht unterstützen. Mit einem Vorbescheid vom 27. Mai 2011
orientierte die IV-Stelle den Rechtsvertreter des Versicherten darüber (IV-act. 82), dass
er mit überwiegender Wahrscheinlichkeit an der Prüfung für den eidgenössischen
Fachausweis keine genügende Leistung erzielen werde. Mit dem schulinternen
Abschluss sei der Versicherte angemessen umgeschult und er habe seine
Verdienstmöglichkeiten gegenüber dem Betagtenbetreuer gesteigert. Für schulische
Weiterbildungen stünden durch die abgeschlossene Lehre als Betagtenbetreuer
nämlich dieselben Fähigkeiten wie vor dem Eintritt des Gesundheitsschadens zur
Verfügung. Der Versicherte liess am 28. Juni 2011 einwenden (IV-act. 85), ein interner
Kurs von zwei Semestern könne einer dreijährigen Berufslehre zum Fachmann
Betreuung EFZ nicht gleichauf sein. Der Rechtsvertreter machte weiter geltend, der
Versicherte könne nicht wie ältere technische Kaufleute auf fachspezifische Kenntnisse
zurückgreifen. Eine Versicherung habe ihm eine Stelle in Aussicht gestellt, wenn er die
eidgenössische Fachprüfung bestehe. Das Gleichwertigkeitskriterium sei streng zu
handhaben, da der Versicherte noch sehr jung sei. Die Zulassungsbedingungen für die
eidgenössische Fachprüfung seien erfüllt, weshalb die Vergütung des
Vorbereitungssemesters nicht von einem Notendurchschnitt von 4,8 abhängig gemacht
werden dürfe. Am 29. Juli 2011 erliess die IV-Stelle eine Verfügung mit folgendem
Dispositiv: "Eine Kostengutsprache für die Weiterführung der Umschulung wird
abgelehnt und die berufliche Massnahme somit abgeschlossen". Zur Begründung
machte sie insbesondere geltend, das Gleichwertigkeitserfordernis beziehe sich in
erster Linie auf die Verdienstmöglichkeiten und nicht auf die Dauer der Ausbildung. Im
Übrigen bestehe aufgrund der allgemeinen Erfahrung bei seinem Notendurchschnitt
keine Aussicht auf ein Bestehen der eidgenössischen Fachprüfung.
B.
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B.a Der Versicherte liess am 13. September 2011 Beschwerde erheben (act. G 1) und
beantragen, die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, ihm eine Kostengutsprache für
die Weiterführung der Umschulung zur Erlangung des eidgenössischen Fachausweises
und - nötigenfalls - für eine Wiederholung der Prüfung für den Fall des erstmaligen
Nichtbestehens der eidgenössischen Fachprüfung zu erteilen; davon unabhängig sei
die Beschwerdegegnerin anzuweisen, Arbeitsvermittlung durchzuführen. Zur
Begründung führte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers an, die Ausbildung zum
technischen Kaufmann ohne eidgenössisches Diplom sei in Bezug auf die
Ausbildungsdauer, die Qualität, die Weiterbildungsmöglichkeiten, den Berufseinstieg,
die Arbeitsplatzsicherheit und die Verdienstmöglichkeiten nicht gleichwertig. Für die
Anmeldung zur eidgenössischen Fachprüfung genüge ein Notendurchschnitt von 4,0.
Es sei nicht nachzuvollziehen, weshalb die Beschwerdegegnerin einen höheren
Notenschnitt verlange. Die Arbeitsvermittlung sei der letzte Schritt der beruflichen
Eingliederung, so dass er darauf einen Anspruch haben müsse.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 28. November 2011 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Sie machte geltend, der Begriff der Gleichwertigkeit beziehe
sich nicht in erster Linie auf das Ausbildungsniveau, sondern auf den zu erwartenden
Verdienst. Der Beschwerdeführer habe als Betagtenbetreuer Fr. 4'000.-- verdient. Als
technischer Kaufmann könnte er bis Fr. 5'000.-- verdienen. Er habe die eidgenössische
Prüfung nicht bestanden, weshalb die Kostenübernahme zu Recht abgelehnt worden
sei. Da die Schwierigkeiten bei der Stellensuche nicht auf gesundheitlich bedingte
Einschränkungen zurückzuführen seien, bestehe kein Anspruch auf Arbeitsvermittlung.
B.c Der Beschwerdeführer liess am 2. Februar 2012 einwenden (act. G 10), für einen
technischen Kaufmann ohne eidgenössischen Fachausweis gebe es keine anerkannten
relevanten Weiterbildungsmöglichkeiten. Gerade bei jungen Versicherten mit einer
langen verbleibenden Aktivitätsdauer sei das Erfordernis der Gleichwertigkeit streng
auszulegen. Der Misserfolg bei der Abschlussprüfung sei massgeblich auf die von der
Beschwerdegegnerin verursachte Stresssituation zurückzuführen gewesen. Er werde
zu gegebener Zeit wieder zur Prüfung antreten. Die Beschwerdegegnerin habe ihn
dabei zu unterstützen. Bei der Stellensuche sei er auch gesundheitlich beeinträchtigt.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 20. Februar 2012 auf eine Stellungnahme
(act. G 12).
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Erwägungen:
1.
1.1 Der Berufsberater der Beschwerdegegnerin hat am 2. März 2010 festgehalten,
dass das nach dem Abbruch der Umschulung zum Kaufmann Typus B gewählte neue
Umschulungsziel in einer Ausbildung zum technischen Kaufmann mit eidgenössischer
Fachprüfung an der BVS St. Gallen bestehe. Sollte der Beschwerdeführer die
eidgenössische Fachprüfung bestehen, sei diese Ausbildung einem Lehrabschluss
gleichwertig. Die Umschulung zum technischen Kaufmann ist also auf die Ausbildung
bis zur eidgenössischen Fachprüfung angelegt gewesen, um die Gleichwertigkeit mit
dem bestehenden Lehrabschluss als Betagtenbetreuer zu erreichen. Trotzdem hat der
Berufsberater dann aber nur die Zusprache der ersten beiden Semester beantragt.
Damit kann er nur beabsichtigt haben, zunächst die erste Etappe auf dem Weg zum
technischen Kaufmann mit eidgenössischer Fachprüfung definitiv zu bewilligen.
Obwohl die Mitteilung vom 5. März 2010 nur die Übernahme der beiden ersten
Semester erwähnt und sich überhaupt nicht zum Umschulungsziel äussert, ist
demnach davon auszugehen, dass sich die Beschwerdegegnerin damit implizit
verpflichtet hat, später auch die zweite Etappe (Vorbereitung und Absolvierung der
eidgenössischen Fachprüfung) zu bewilligen, falls die entsprechenden
Voraussetzungen erfüllt sind. Die ersten beiden Semester der Ausbildung zum
technischen Kaufmann sind also definitiv bewilligt worden, während die - zukünftige -
definitive Bewilligung der Vorbereitung auf die eidgenössische Fachprüfung implizit von
der Erfüllung einer Bedingung abhängig gemacht worden ist. Dem Berufsberater und
der Schulleitung der BVS dürfte aufgrund der langjährigen Erfahrung bekannt gewesen
sein, dass nur diejenigen Auszubildenden ausreichende Erfolgschancen bei der
eidgenössischen Fachprüfung haben, die während der ersten beiden Semester einen
Notendurchschnitt von wenigstens 4,8 erreicht haben. Deshalb hat die Bedingung, von
der die Zusprache der zweiten Etappe abhängig gemacht worden ist, im Erreichen
dieses Notendurchschnitts bestanden, auch wenn das in der Mitteilung vom 5. März
2010 nicht erwähnt worden ist. Der Beschwerdeführer hat also auf den ersten Blick die
Bedingung für die Gewährung der zweiten Etappe der Ausbildung zum technischen
Kaufmann mit eidgenössischer Fachprüfung nicht erfüllt. Die Begründung für diese
Bedingung kann nur im Grundsatz der Verhältnismässigkeit gesucht werden: Nach der
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Auffassung der Beschwerdegegnerin wäre es offenbar unverhältnismässig, auch jenen
Personen die zweite Etappe der Ausbildung zum technischen Kaufmann mit
eidgenössischer Fachprüfung zu bewilligen, die mit grösster Wahrscheinlichkeit die
Prüfung nicht bestehen würden, weil ihr in den ersten beiden Semestern erworbenes
Wissen nicht ausreichen würde.
1.2 Der Beschwerdeführer hat in den ersten beiden Semestern einen
Notendurchschnitt erreicht, der deutlich unter dem geforderten Durchschnitt von 4,8
gelegen hat. Zu prüfen ist, ob es tatsächlich unverhältnismässig ist, dem
Beschwerdeführer die zweite Etappe der ursprünglich geplanten Ausbildung, also die
Prüfungsvorbereitungs- und die Prüfungskosten zu bewilligen. Die
Beschwerdegegnerin ist davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer praktisch
keine Chance habe, die eidgenössische Fachprüfung zu bestehen, so dass die
Ausgaben zur Deckung der mit der Zusprache der zweiten Ausbildungsetappe
verbundenen Kosten "verschwendet" wären. Was die Beschwerdegegnerin dabei nicht
beachtet hat, ist der Umstand, dass der Beschwerdeführer kein Standardfall einer
Umschulung zum technischen Kaufmann mit eidgenössischer Fachprüfung ist.
Erfahrungsgemäss schult die Beschwerdegegnerin nur ältere Berufsleute, die aus
ihrem früheren Beruf grosse Erfahrung mitbringen, zu technischen Kaufleuten um, da
diese Erfahrung dann bei der Ausübung des neuen Berufs des technischen Kaufmanns
gewinnbringend eingesetzt werden kann. Hinzu kommt, dass diese technischen
Kaufleute nicht mehr so lange berufstätig sein werden, dass ein relevanter Bedarf nach
einer Weiterbildung besteht. Der Beschwerdeführer hingegen ist sehr jung, d.h. der
Beruf des technischen Kaufmanns wird bei ihm beinahe das gesamte Berufsleben
prägen. Er hat in seinem erlernten Beruf wohl (noch) keine Kenntnisse erworben, die er
als technischer Kaufmann verwerten könnte. Deshalb ist davon auszugehen, dass der
Ausbildungsbedarf überdurchschnittlich hoch sein wird, wenn dem Beschwerdeführer
durch die Umschulung eine gute Chance eröffnet werden soll, sich im neuen Beruf zu
etablieren. Für ihn ist die Umschulung in einen qualifizierten neuen Beruf also wichtiger
als für den durchschnittlichen zum technischen Kaufmann umgeschulten Versicherten,
der nicht unbedingt auf eine Absolvierung der eidgenössischen Fachprüfung
angewiesen ist. Nur eine Umschulung zum technischen Kaufmann mit eidgenössischer
Fachprüfung gibt dem Beschwerdeführer die Chance, den Erfahrungsvorsprung der
älteren, zu technischen Kaufleuten umgeschulten Versicherten zu kompensieren und
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einen durchschnittlichen Lohn zu erzielen. Hinzu kommt, dass nur dann von
realistischen Weiterbildungs- und Karrierechancen (die im Gesundheitsbereich für den
gelernten Betagtenbetreuer vorhanden gewesen wären) ausgegangen werden kann,
wenn eine qualifizierte Ausbildung als Grundlage vorhanden ist. Unter diesen
Umständen ist es unverhältnismässig gewesen, dem Beschwerdeführer die zweite
Etappe der Umschulung zum technischen Kaufmann mit eidgenössischer Fachprüfung
zu verweigern, um die entsprechenden Ausgaben einzusparen. Der nicht ausreichende
Notendurchschnitt aus den ersten beiden Semestern hätte zum Anlass genommen
werden müssen, dem Beschwerdeführer eine besonders intensive Vorbereitung auf die
eidgenössische Fachprüfung zu ermöglichen, um seine Erfolgschancen zu verbessern.
An dieser Einschätzung vermöchte der nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung
erlittene Misserfolg bei der eidgenössischen Fachprüfung, der gerichtlich nicht
gewürdigt werden kann, weil er sich erst nach dem Erlass der angefochtenen
Verfügung ereignet hat, nichts zu ändern. Mit einer besonders intensiven und allenfalls
auch verlängerten Vorbereitung auf diese Prüfung hätte der Beschwerdeführer
erfolgreich sein können, denn sein Notendurchschnitt nach den ersten beiden
Semestern war nicht so tief, dass die Sache aussichtslos gewesen wäre.
1.3 Die Unverhältnismässigkeit der Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin ergibt
sich auch aus dem Umstand, dass keine Alternativen zur Ausbildung zum technischen
Kaufmann mit eidgenössischer Fachprüfung gesucht worden sind. Die
Beschwerdegegnerin hat sich darauf beschränkt, die - überzeugende - frühere
Auffassung des Berufsberaters, die Gleichwertigkeit der Umschulung sei erst mit dem
Bestehen der eidgenössischen Fachprüfung erreicht, zu desavouieren und zu
behaupten, die Absolvierung der beiden ersten Semester an der BVS bedeute eine der
dreijährigen Lehre als Betagtenbetreuer gleichwertige berufliche Qualifikation des
Beschwerdeführers. Tatsächlich ist diese Ausbildung an der BVS weder qualitativ noch
lohnmässig dem früheren Beruf gleichwertig. Der Beschwerdeführer hat eine
Berufslehre absolviert, die ihm umfassende berufliche Kenntnisse verschafft hat und
die gegenüber jedem potentiellen Arbeitgeber die berufliche Qualifikation aufgezeigt
hat. Der BVS-interne Abschluss als technischer Kaufmann nach zwei Semestern belegt
nach aussen keine qualifizierte kaufmännische Ausbildung (sondern höchstens das
Scheitern an der eidgenössischen Fachprüfung), zumal es sich um eine reine
schulische Ausbildung handelt, die in einem Jahr nicht mehr als die Grundzüge des
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Kaufmannsberufs vermittelt haben kann. Der allgemeine und ausgeglichene
Arbeitsmarkt weist zwar tatsächlich Arbeitsstellen auf, an denen der Beschwerdeführer
einen seinem (fiktiven) Einkommen als Betagtenbetreuer entsprechenden Lohn erzielen
könnte. In der freien Wirtschaft wird es für den Beschwerdeführer aber kaum möglich
sein, tatsächlich einen solchen Arbeitsplatz zu finden, da er sich gegen technische
Kaufleute mit eidgenössischer Fachprüfung oder gegen technische Kaufleute mit
grosser Erfahrung aus dem früheren Beruf durchsetzen müsste. Die "Umschulung" in
der Form der Absolvierung von zwei Semestern an der BVS liefe im Endeffekt mit
einiger Wahrscheinlichkeit nur auf eine "Umschulung zur Arbeitslosigkeit" hinaus. In
Bezug auf den erzielbaren Lohn als Komponente der Gleichwertigkeitsprüfung geht es
zudem nicht nur um die Erreichung eines möglichst hohen Anfangslohns, wie die
Argumentation der Beschwerdegegnerin vermuten lässt, sondern um den Erwerb einer
neuen Berufskarriere, die der früheren auch langfristig gleichwertig ist. Die Umschulung
muss also auch zum Ziel haben, das Risiko einer Arbeitslosigkeit möglichst gering zu
halten, d.h. möglichst gute Anstellungschancen zu schaffen. Sie muss aber auch die
Grundlage einer Karriere bieten, die derjenigen gleichwertig ist, die im früheren Beruf
möglich gewesen wäre. Diese Ziele sind mit der bestehenden "Umschulung", d.h. den
beiden an der BVS absolvierten Semestern, noch nicht erreicht. Fehlt die
Gleichwertigkeit zwischen dem früheren Beruf als Betagtenbetreuer und dem
technischen Kaufmann ohne eidgenössische Fachprüfung, so ist der
Umschulungsanspruch noch nicht erschöpft. Die am 29. Juli 2011 verfügte
Verweigerung weiterer Umschulungsmassnahmen ist deshalb rechtswidrig. Sie ist
aufzuheben und die Sache ist zur Weiterführung der Umschulung des
Beschwerdeführers an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dabei ist der
Beschwerdeantrag weit zu interpretieren, d.h. es ist davon auszugehen, dass auch eine
nicht auf die Weiterführung der Ausbildung zum technischen Kaufmann beschränkte
weitere Umschulung durch den Beschwerdeantrag abgedeckt wäre. Die
Beschwerdegegnerin wird im Rahmen einer qualifizierten Berufsberatung abzuklären
haben, ob der Beschwerdeführer mit einer (von ihr finanzierten) intensiven Vorbereitung
ausreichende Chancen darauf hat, die eidgenössische Fachprüfung im zweiten Anlauf
zu bestehen. Sollte diese Frage zu verneinen sein oder sollte der Beschwerdeführer
auch beim zweiten Versuch scheitern, wird die Beschwerdegegnerin gestützt auf
weiterführende berufsberaterische Abklärungen eine neue, dem gelernten
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Betagtenbetreuer gleichwertige Umschulung finden und umsetzen müssen. Da die
Umschulung weiterzuführen ist, besteht (noch) kein Bedarf nach einer
Arbeitsvermittlung, so dass die Abweisung des entsprechenden Leistungsbegehrens
verfrüht und deshalb zu Unrecht erfolgt ist. Soweit die angefochtene Verfügung einen
Anspruch auf Arbeitsvermittlung verneint, ist sie deshalb ersatzlos aufzuheben. Die
Beschwerdegegnerin wird nach dem Abschluss der Umschulung über das
entsprechende Leistungsbegehren des Beschwerdeführers zu verfügen haben.
2.
Die Beschwerde ist somit gutzuheissen und die Sache ist zur Weiterführung der
Umschulung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Der obsiegende
Beschwerdeführer hat einen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Da der
Vertretungsaufwand als durchschnittlich zu werten ist, erscheint praxisgemäss eine
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen. Auch der Verfahrensaufwand ist als durchschnittlich zu werten, weshalb
die von der unterliegenden Beschwerdegegnerin zu entrichtende Gerichtsgebühr
praxisgemäss auf Fr. 600.-- festzusetzen ist. Der Kostenvorschuss von ebenfalls Fr.
600.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP