Decision ID: 533aaac1-2a90-51aa-bbc5-27103fcd4640
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
W._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Markus Roos-Niedermann, Postgasse 5,
Postfach, 9620 Lichtensteig,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a W._, Jahrgang 1965, zog sich am 11. September 2002 bei einem Auffahrunfall
eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) zu. Am 22. September 2003 meldete sie sich
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an und beantragte
Berufsberatung und Umschulung (IV-act. 1). Der behandelnde Arzt med. pract. A._
attestierte am 3. November 2003 eine Arbeitsfähigkeit von bis zu sechs Stunden täglich
bei um 20% reduzierter Leistungsfähigkeit (IV-act. 14-7). Am 20. September 2004
berichtete er von einem verbesserten Gesundheitszustand. Regelmässiges
Fitnesstraining im April 2004 und die Reduktion der Arbeitsfähigkeit (richtig:
Arbeitstätigkeit) auf 50% hätten zu einer deutlichen Verbesserung der
Allgemeinsituation geführt. Am Ziel der Arbeitsfähigkeit von 70-80% könne
festgehalten werden (IV-act. 32-2).
A.b Mit Verfügung vom 19. November 2004 erklärte die IV-Stelle die beruflichen
Massnahmen für abgeschlossen (IV-act. 37). Gleichentags lehnte sie den
Rentenanspruch bei einem Invaliditätsgrad von 25% ab (IV-act. 38). Auf Einsprache hin
widerrief sie die Verfügungen am 3. März 2005 (IV-act. 51) und gab eine
polydisziplinäre Begutachtung bei der MEDAS Ostschweiz in Auftrag (IV-act. 62, 63).
Im Gutachten vom 5. Januar 2006 werden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit folgende
Diagnosen genannt: leichte depressive Episode ohne somatisches Syndrom, leichte bis
mittelschwere kognitive Funktionsstörungen, chronisches zerviko-zephales
Schmerzsyndrom und Status nach HWS-Distorsionstrauma. Im zuletzt ausgeübten
Beruf als kaufmännische Angestellte sei die Versicherte aufgrund der kognitiven
Funktionsbeeinträchtigungen und der psychischen Störungen zu 50% reduziert. In
einer anderen Tätigkeit halte man sie für zu 30% arbeitsunfähig (IV-act. 68-18, 68-22).
Einige Rückfragen der IV-Stelle beantwortete der MEDAS-Arzt Dr. med. B._ am
26. Januar 2006 (IV-act. 71).
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A.c Im März 2006 trat die Versicherte eine Anstellung mit einem Pensum von 50% als
Automatenbetreuerin bei der C._ an (IV-act. 76-1). Die IV-Stelle verfügte daraufhin
am 3. April 2006 den Abschluss der beruflichen Massnahmen (IV-act. 84). Die
Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Mit einer weiteren Verfügung vom
12. Mai 2006 sprach die IV-Stelle der Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 49%
mit Wirkung ab 1. Mai 2006 eine Viertelsrente zu (IV-act. 90-1). Am 26. Mai 2006
verfügte sie für die Zeit 1. September 2003 bis 30. April 2006 beim selben
Invaliditätsgrad ebenfalls eine Viertelsrente (IV-act. 91-1). Gegen die beiden
Rentenverfügungen erhob Rechtsanwalt lic. iur. Markus Roos am 9. Juni 2006 in
Vertretung der Versicherten Einsprache. Er beantragte die Festsetzung des
Invaliditätsgrads der Versicherten auf mindestens 54% (IV-act. 92-2; 93-16). Der
Rechtsdienst der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) wies die
Einsprachen in Vertretung der IV-Stelle mit Entscheid vom 18. Dezember 2006 ab. Das
MEDAS-Gutachten entspreche den Anforderungen der Rechtsprechung. Das
Valideneinkommen belaufe sich auf Fr. 67'833.-. Ausgehend von einem
Beschäftigungsgrad von 70% sei das Invalideneinkommen gestützt auf die
Schweizerische Lohnstrukturerhebung (LSE) auf Fr. 34'809.- festzulegen. Die
angefochtenen Verfügungen seien nicht zu beanstanden (act. G 1.1.1).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde des
Rechtsvertreters der Versicherten vom 31. Januar 2007. Er beantragt die Aufhebung
des Entscheids. Der Versicherten sei mit Wirkung ab 1. September 2003 eine ganze,
eventualiter mindestens eine halbe Rente zuzusprechen. Das Verfahren sei bis zum
rechtskräftigen Entscheid im Verfahren gegen die SUVA zu sistieren, alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Praxis, d.h. die seit den getroffenen
medizinischen Abklärungen ausgeübten Tätigkeiten der Beschwerdeführerin zeigten,
dass sie auch bei nicht kaufmännischen Tätigkeiten nicht in der Lage sei, mehr als 50%
zu arbeiten. Insbesondere die im März 2006 aufgenommene Arbeit als
Automatenbetreuerin habe sie noch während der Probezeit wegen Überforderung
wieder verloren. Med. pract. A._ habe am 14. November 2006 bestätigt, dass die
Beschwerdeführerin nicht mehr als 50% arbeiten könne (act. G 1.1.4). Ab 1. Januar
2007 arbeite die Beschwerdeführerin zu 40% bei der D._ AG als Allrounderin Büro
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und Hausabwartin. Der Rechtsvertreter bemängelt die Festsetzung des
Invalideneinkommens durch die Beschwerdegegnerin als nicht nachvollziehbar.
Jedenfalls sei neben dem Abzug aufgrund des reduzierten Pensums von 50% ein
weiterer Abzug von 15% vorzunehmen. Aufgrund eines Invaliditätsgrads von 70.23%
habe die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine ganze Rente. Selbst wenn man von
einer Arbeitsfähigkeit von 70% ausginge, resultiere unter Berücksichtigung eines
Abzugs von 15% ein Invaliditätsgrad von 58.32% (act. G 1).
B.b Dem Gesuch der Beschwerdeführerin entsprechend sistierte die zuständige
Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts das IV-Verfahren am 1. Februar 2007 bis
zur rechtkräftigen Erledigung des ebenfalls gerichtshängigen Prozesses UV 2006/53
(act. G 2). Mit Entscheid vom 14. Februar 2007 wies die Abteilung III des
Versicherungsgerichts die Beschwerde in jenem Verfahren ab. Das Bundesgericht
bestätigte den kantonalen Entscheid mit dem Urteil 8C_131/2007 vom 3. Januar 2008.
C.
C.a Das Versicherungsgericht hob daraufhin die Sistierung des Verfahrens IV 2007/58
mit Schreiben vom 12. Februar 2008 auf (act. G 6). Die Beschwerdegegnerin beantragt
in der Beschwerdeantwort vom 10. April 2008 die Abweisung der Beschwerde. Das
Bundesgericht habe sich im Urteil vom 3. Januar 2008 auf das MEDAS-Gutachten
gestützt, weshalb auf die Einwände gegen jenes Gutachten nicht weiter einzugehen
sei. Betreffend Bemessung des Invalideneinkommens sei darauf hinzuweisen, dass
kein Abzug von den Tabellenlöhnen vorgenommen werden könne, weil sich die
Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit primär auf das psychische Leiden beziehe. Auch
ein teilzeitbedingter Abzug könne bei Frauen nicht gewährt werden (act. G 7).
C.b In der Replik vom 15. Juli 2008 lässt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
festhalten. Beim Invalideneinkommen sei von einem Monatslohn gemäss
Tabellenlöhnen von Fr. 3'959.80 auszugehen. Dies sei sogar noch zu hoch bewertet, da
die Einkommen in der Region Ostschweiz bis zu 15% unter dem schweizerischen
Einkommensdurchschnitt lägen. Des Weiteren sei ein Abzug von 15% zu
berücksichtigen. Der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin liege damit über 70%,
eventualiter aber über 50% (act. G 13).
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C.c Die Beschwerdegegnerin hält im Schreiben vom 28. Juli 2008 an ihrem Antrag fest
und verzichtet auf weitere Ausführungen (act. G 15).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 Erw. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
des streitigen Einspracheentscheids vom 18. Dezember 2006 eingetretenen
Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366 Erw. 1b), sind auf den angefochtenen
Einspracheentscheid die bis dahin geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.
2.1 Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 1 IVG in der bis 31. Dezember 2007 gültig
gewesenen Fassung besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn der
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Versicherte mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn er
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40%
auf eine Viertelsrente (aArt. 28 Abs. 1 IVG).
2.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 Erw. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a).
2.3 Im vorliegenden Fall stellt sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, die
Realität habe gezeigt, dass sie nur noch zu 50% arbeitsfähig sei. Diesbezüglich
verweist ihr Rechtsvertreter auf den gescheiterten Arbeitsversuch bei der C._ im
März/April 2006. Die dortige Personalverantwortliche hatte gegenüber der
Beschwerdegegnerin am 5. Mai 2006 telefonisch ausgeführt, die Beschwerdeführerin
sei der Tätigkeit nicht gewachsen gewesen und habe fast doppelt so viel Zeit
gebraucht als dafür vorgesehen. Um ihr eine Hilfestellung anbieten zu können, habe
man ihr den Vorschlag gemacht, das Pensum bei gleichbleibendem Arbeitsanfall von
50% auf 60% zu erhöhen. Dies habe sie jedoch abgelehnt mit dem Hinweis, ihr Arzt
habe ihr dies untersagt. Leider müsse der motivierte Eindruck aus den
Einstellungsgesprächen revidiert und die Arbeitsmotivation eher in Frage gestellt
werden (IV-act. 89). Im MEDAS-Gutachten vom 5. Januar 2006 wurde eine reduzierte
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin anerkannt. So führten die Gutachter aus,
die zuletzt ausgeführte Tätigkeit als kaufmännische Angestellte sollte zu 50%, und zwar
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ganztags bei reduzierter Leistung, durchgeführt werden, um ausreichende Pausen zur
Erholung zu gewährleisten (IV-act. 68-22). Für gut adaptierte Tätigkeiten, die nur
niedrige Anforderungen an die geistige Leistungsfähigkeit wie Konzentration und
Gedächtnis stellten, wie einfache manuelle Tätigkeiten, besteht gemäss den MEDAS-
Gutachtern eine Arbeitsfähigkeit von 70%, vorausgesetzt, sie müssten nicht unter
einem besonderen Zeitdruck verrichtet werden (IV-act. 71-2). Der gescheiterte
Arbeitsversuch im Frühjahr 2006 vermag nicht zu belegen, dass die im MEDAS-
Gutachten geschätzte Arbeitsfähigkeit zu hoch bemessen wäre. Viel eher ist
anzunehmen, dass die Arbeit nicht optimal geeignet war und/oder die Arbeitgeberin
möglicherweise nicht das nötige Verständnis, die nötige Rücksichtnahme aufbrachte.
2.4 Die Beschwerdeführerin hatte bei der Begutachtung durch die MEDAS Ostschweiz
über Konzentrationsstörungen, eine Schwindelsymptomatik, linksseitige
Schulterschmerzen mit Ausstrahlung in den linken Arm und Ausbreitung über den
Nacken und Kopf mit Exazerbation bei körperlicher Anstrengung berichtet. Bei der
neurologischen Untersuchung liessen sich keine fokal-neurologischen Ausfälle
objektivieren; insbesondere hätten sich keine Hinweise für eine zervikale
Radikulopathie oder Myelopathie ergeben, auch hätten keine Anhaltspunkte bestanden
für eine peripher-vestibuläre oder zentrale Schwindelursache. Im Vordergrund seien ein
zerviko-zephales Schmersyndrom sowie eine Migräne ohne Aura gestanden, aus der
sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ableiten lasse. Radiologisch hätten sich
keine posttraumatischen Veränderungen ergeben. Die weiterführende zerebro-
vaskuläre Dopplersonographie sei unauffällig und ohne Hinweise für atheromatöse
Veränderungen oder Gefässstenosen gewesen. Der psychiatrische Teilgutachter sei zur
Erkenntnis gelangt, dass eine akzentuierte Persönlichkeit mit perfektionistischen und
anankastischen Zügen im Vordergrund stehe. Zusätzlich habe er eine depressive
Symptomatik nachweisen können, die sich langsam entwickelt habe. Bei der
orthopädischen Exploration habe am Bewegungsapparat kein pathologischer Befund
aufgezeigt werden können. In der beruflichen Tätigkeit sollten keine Zwangshaltungen
über längere Zeit eingenommen werden müssen. Die neuropsychologische
Teilgutachterin habe leichte bis mittelschwergradige kognitive Funktionsstörungen
erkannt. Sie habe leichte bis mittelschwere Störungen der Lern- und
Gedächtnisfähigkeit im sprachlichen und nicht-sprachlichen Bereich, der
Aufmerksamkeit und der exekutiven Funktionen sowie mittelschwere Störungen der
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komplexen visuellen Verarbeitung aufgedeckt. Im Vordergrund stehe eine erheblich
reduzierte allgemeine Belastbarkeit aufgrund von vegetativen und unspezifisch
psychischen sowie körperlichen Symptomen. Nach Ansicht der Neuropsychologin
wäre es möglich, dass bereits prämorbid ein knapp durchschnittliches kognitives
Leistungsvermögen bestanden haben könnte (IV-act. 68-21 f.). Das MEDAS-Gutachten
erscheint insgesamt als schlüssig und nachvollziehbar. Auf die Vorakten wird
eingegangen. Die Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und die Beurteilung
der Gesamtsituation leuchten ein, das Gutachten erscheint als sorgfältig und
umfassend.
2.5 Die Einschätzung von med. pract. A._ steht nicht in direktem Widerspruch zu
den Erkenntnissen der MEDAS-Gutachter. Am 20. September 2004 er hatte
festgehalten, am Ziel der Arbeitsfähigkeit von 70-80% könne festgehalten werden (IV-
act. 32-2). Möglicherweise im Hinblick auf die IV-rechtliche Auseinandersetzung führte
der Allgemeinmediziner am 14. November 2006 aus, aufgrund seiner Beobachtungen
und Erfahrungen im Arbeitsprozess sei die Versicherte nicht in der Lage, mehr als 50%
zu arbeiten. Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50%, die auf den Autounfall vom
September 2002 zurückzuführen sei (act. G 1.1.4). Diese Einschätzung vermag keine
erheblichen Zweifel an der Zuverlässigkeit der MEDAS-Beurteilung auszulösen. Med.
pract. A._ verweist selbst explizit auf die von der Beschwerdeführerin berichteten
Erfahrungen im Arbeitsprozess. Dabei handelt es sich um die subjektive Schilderung
der Beschwerdeführerin, die die Einschätzung des Hausarztes offensichtlich
massgeblich beeinflussten. Wie bereits erläutert, sind diese – nach Lage der Akten bis
Dezember 2006 wenigen – Erfahrungen nicht geeignet, eine zuverlässige, vom MEDAS-
Gutachten abweichende Beurteilung zuzulassen. Auf den Einsatz der
Beschwerdeführerin als Automaten-Betreuerin wurde bereits eingegangen. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin machte in der Beschwerde zudem geltend, der
Wunsch der Beschwerdeführerin, neben einer Angestelltentätigkeit zusätzlich im
Rahmen von 20% eine selbstständige Tätigkeit mit Ayurveda-Gesichtsmassagen
aufzunehmen, habe sich als illusorisch und mit der Angestelltentätigkeit nicht vereinbar
herausgestellt (act. G 1, S. 6 Rz. 21). Weder lässt sich belegen, noch wird geltend
gemacht, noch ist wahrscheinlich, dass dieser Versuch aus gesundheitlichen Gründen
scheiterte. Selbst wenn dem so wäre, liesse dies keine Rückschlüsse auf die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu. Bei dem die Beschwerdeführerin bereits
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seit längerem betreuenden Hausarzt med. pract. A._ ist im Übrigen der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass sich behandelnde Ärzte mitunter im
Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten
ihrer Patienten äussern (vgl. m.w.H. etwa den höchstrichterlichen Entscheid U 84/05
vom 12. September 2006, Erw. 2.2.2.8). Mangels überzeugender gegenteiliger
Anhaltspunkte ist für die vorliegende Beurteilung des Sachverhalts, wie er sich im
relevanten Zeitraum bis zum Erlass des Einspracheentscheids zugetragen hat, nach
dem Gesagten auf die MEDAS-Beurteilung abzustellen und somit davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin in einer optimal adaptierten Tätigkeit zu 70% arbeitsfähig
ist.
3.
3.1 Zu überprüfen bleibt die von der Beschwerdegegnerin gestützt auf die MEDAS-
Beurteilung vorgenommene Invaliditätsbemessung. Vor dem Unfall erzielte die
Beschwerdeführerin bei ihrer damaligen Arbeitgeberin einen Monatslohn von
Fr. 5'100.- (x13). Im Jahr 2003 hätte sie gemäss Angaben im Arbeitgeberfragebogen
vom 13. Oktober 2003 ein Einkommen von Fr. 5'595.- inkl. 13. Monatslohn erzielt (IV-
act. 12-2). Im Schlussbericht vom 13. März 2006 führte die IV-Eingliederungsberaterin
an, gemäss Arbeitgeberfragebogen hätte die Beschwerdeführerin im Jahr 2003 ein
Einkommen von Fr. 5'595.- x 13 erzielen können. Bei Anstellungsbeginn im Oktober
1999 habe die Beschwerdeführerin lediglich ein Einkommen von Fr. 4'400.- erzielt. Bei
unveränderter Funktionsstufe sei diese Lohnentwicklung als absolut unüblich zu
bezeichnen und nicht begründbar. Für das Valideneinkommen werde das zuletzt
erwirtschaftete Einkommen von Fr. 5'100.- bis 2005 aufgerechnet (IV-act. 78-1). Der
Eingliederungsberaterin entging offensichtlich, dass im von der Arbeitgeberin
angeführten Lohn von Fr. 5'595.- für das Jahr 2003 der 13. Monatslohn bereits
eingerechnet war, was einen Jahreslohn von Fr. 67'140.- ergäbe. Im Jahr 2002 hätte
der Jahreslohn Fr. 66'300.- betragen (Fr. 5'100.- x 13). Die Jahreslohnerhöhung von
Fr. 840.- bzw. Monatslohnerhöhung von lediglich Fr. 70.- liegt damit deutlich unter den
Lohnerhöhungen, die die Beschwerdeführerin bei jener Arbeitgeberin in den Vorjahren
erzielt hatte (IV-act. 12-2) und kann nicht als unverhältnismässig hoch betrachtet
werden. Vor diesem Hintergrund ist von einem Valideneinkommen von Fr. 67'140.- im
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Jahr 2003 auszugehen. Die Nominallohnentwicklung belief sich im Jahr 2004 auf +0.9,
sodass das Valideneinkommen 2004 Fr. 67'744.- betrug.
3.2 Bei der Bemessung des Invaliditätsgrads sind für die beiden Vergleichseinkommen
Zahlen aus derselben Vergleichsperiode beizuziehen. Da davon auszugehen ist, dass
sich die beiden Einkommen in etwa gleich entwickeln, kann direkt auf die Zahlen des
Jahrs 2004 abgestellt werden, ohne dass eine Aufrechnung für spätere Jahre erfolgen
müsste. In Bezug auf das Invalideneinkommens ist folgendes festzuhalten:
3.2.1 Die Beschwerdeführerin war zum Zeitpunkt des Erlasses des
Einspracheentscheids nicht erwerbstätig. Somit ist nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin für die Bemessung des Invalideneinkommens auf die
Tabellenlöhne der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) abgestellt hat. Angemessen erscheint es auch, auf die
Löhne für Frauen im tiefsten Anforderungsniveau (einfache und repetitive Tätigkeiten)
abzustellen. Denn obwohl die Beschwerdeführerin früher während mehrerer Jahre als
kaufmännische Angestellte gearbeitet und als solche auch recht gut verdient hatte, so
reicht ihre berufliche Qualifikation dennoch nicht aus um anzunehmen, sie würde auf
einem höheren Anforderungsniveau eine adaptierte Tätigkeit finden – d.h. eine
qualifizierte Tätigkeit ohne grosse Anforderungen an Konzentrationsfähigkeit und
Belastbarkeit –, die sie zu 70% ausüben könnte. Im Jahr 2004 erzielten Frauen im
privaten Sektor im Anforderungsniveau 4 ein durchschnittliches Monatseinkommen von
Fr. 3'893.-. Aufgerechnet auf die im Jahr 2004 betriebsübliche durchschnittliche
Wochenarbeitszeit von 41.6 Stunden ergibt sich ein Jahreseinkommen von
Fr. 48'585.-.
3.2.2 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin rügt, dass die Beschwerdegegnerin
auf die Angaben der gesamtschweizerischen Tabellenlöhne abgestellt hat und nicht auf
die durchschnittlich tieferen in der Ostschweiz. Das Bundesgericht hält in konstanter
Rechtsprechung fest, dass üblicherweise auf die Tabelle TA1, also auf die
gesamtschweizerischen und nicht die regionalen Zahlen abzustellen ist. Es lehnt die
Berücksichtigung regionaler Löhne von Grossregionen ab, da die versicherte Person
ihre Resterwerbsfähigkeit nicht bloss in einer bestimmten Region zu verwerten
vermöge (Beschluss des Gesamtgerichts vom 10. November 2005; in SZS 2007 S. 64
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publiziertes Urteil I 424/05 vom 22. August 2006, Erw. 3.2.3; siehe auch die Urteile
9C_466/07 vom 25. Januar 2008, Erw. 4.2.1; 8C_610/07 vom 15. Mai 2008, Erw. 5.1).
Auch wenn fraglich ist, ob diese Rechtsprechung zu überzeugen vermag, erscheint es
im vorliegenden Fall nicht als sachgerecht, davon abzuweichen.
3.2.3 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragt die Vornahme eines
zusätzlichen Abzugs vom Invalideneinkommen von 15%. Der oftmals als
"Leidensabzug" bezeichnete Abzug hat nichts mit dem Leiden zu tun. Vielmehr sollen
damit jene Nachteile ausgeglichen werden, die der versicherten Person – neben der
Arbeitsunfähigkeit – auf dem Arbeitsmarkt aufgrund ihrer Behinderteneigenschaft eine
zusätzliche Lohneinbusse verursachen. In BGE 126 V 75 neues Fenster ff. hat das
Bundesgericht festgestellt, dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne
herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des
konkreten Einzelfalls (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) abhängig ist. Der Einfluss sämtlicher
Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen, d.h. dass nicht für jedes Merkmal der entsprechende Abzug
zu quantifizieren ist und die einzelnen Abzüge zusammenzuzählen sind. Schliesslich ist
der Abzug auf höchstens 25% zu begrenzen. Bei der Überprüfung des gesamthaft
vorzunehmenden Abzugs darf das Sozialversicherungsgericht sein Ermessen nicht
ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss sich
somit auf Gegebenheiten abstützen können, die seine abweichende
Ermessensausübung als nahe liegender erscheinen lassen. Die Beschwerdegegnerin
betont in der Beschwerdeantwort zu Recht, ein "Teilzeitabzug" komme vorliegend nicht
in Frage. Gemäss Statistik wirkt sich eine Teilzeitbeschäftigung bei Frauen mit einem
Beschäftigungsgrad zwischen 50% und 74 % im Anforderungsniveau 4 eher
lohnerhöhend, jedenfalls aber nicht lohnmindernd aus (vgl. Tabelle 6* der LSE 2004, S.
25).
3.2.4 Vorliegend fällt aber ins Gewicht, dass die Beschwerdeführerin gegenüber einem
gesunden Konkurrenten für einen bestimmten Arbeitsplatz ein deutlich höheres
Krankheitsrisiko hat. Aus der Sicht eines ökonomisch denkenden Arbeitgebers senkt
dieses Risiko, dessen Verwirklichung die Gesamtlohnkosten des Betriebes erhöhen
würde, den "Wert" der Beschwerdeführerin als Arbeitnehmerin. Um dies zu
https://swisslex.westlaw.com/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx126xVx75_82&AnchorTarget=BGEx126xVx75
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kompensieren und konkurrenzfähig zu bleiben, müsste sie mit einem entsprechend
tieferen Lohn rechnen. Die Beschwerdeführerin weist eine deutlich verminderte
Belastbarkeit auf, was sich offenbar auch bei ihrer Anstellung als Automaten-Betreuerin
zeigte (IV-act. 89). Ihre Konzentrationsfähigkeit und die Gedächtnisleistung sind
gemäss MEDAS-Gutachten vermindert und sie leidet unter mehreren weiteren leichten
bis mittelschweren neuropsychologischen Einschränkungen (IV-act. 68-22). Die
Notwendigkeit der Vermeidung langandauernder Zwangshaltungen spricht eher gegen
die Verrichtung reiner Schreibtischarbeit (IV-act. 71-3). Die Beschwerdeführerin ist
körperlich und psychisch gegenüber einem gesunden Konkurrenten mit gleichem
Teilpensum klar benachteiligt, sodass sie eine Lohneinbusse wird in Kauf nehmen
müssen. Ein Abzug von den Tabellenlöhnen von 10% erscheint im konkreten Fall
jedenfalls als angemessen. Das Invalideneinkommen beläuft sich damit auf Fr. 30'609.-
(Fr. 48'585.- x 0.7 x 0.9).
3.3 Bei einem Valideneinkommen von Fr. 67'744.- und einem Invalideneinkommen von
Fr. 30'609.- ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 55%. Die Beschwerdeführerin hat somit
Anspruch auf eine halbe Invalidenrente. Selbst wenn man mit dem Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin von einem Abzug von den Tabellenlöhnen in der Höhe von 15%
ausgehen wollte, würde sich am Anspruch auf eine halbe Rente nichts ändern, läge der
Invaliditätsgrad in diesem Fall doch bei 57% (Invalideneinkommen: Fr. 28'908.-).
3.4 Im Beschwerdeverfahren informierte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
darüber, dass diese per 1. Januar 2007 eine neue Anstellung mit einem Arbeitspensum
von 40% gefunden habe. Gemäss Arbeitsvertrag vom 20./22. Dezember 2006 erzielte
sie dafür ein Einkommen von Fr. 1'720.- x 13 (act. G 1.1.5). Die Beschwerdegegnerin
wird gegebenenfalls in einem Revisionsverfahren abzuklären haben, ob die
Beschwerdeführerin diese Anstellung längerfristig behalten konnte und ob das
Arbeitspensum von 40% von ihr im konkreten Fall auch mit einem durchschnittlichen
Zeitaufwand von 40% bewältigt werden kann. Nur in diesem Fall wäre es
gerechtfertigt, das Invalideneinkommen gestützt auf die konkret erzielten
Einkommenszahlen unter Aufrechnung auf das zumutbare Pensum von 70% neu zu
bemessen. Benötigt die Beschwerdeführerin jedoch für die von der Arbeitgeberin
geforderte Leistung von 40% einen über dieser Grenze liegenden Zeitaufwand, wäre
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dies zu berücksichtigen und das zumutbare Einkommen könnte nicht mit linearer
Aufrechnung ermittelt werden.
4.
4.1 Die Beschwerde ist gemäss den obigen Erwägungen unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 18. Dezember 2006 teilweise gutzuheissen. Die
Beschwerdeführerin hat ab Rentenbeginn am 1. September 2003 bei einem
Invaliditätsgrad von 55% Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
4.2 Gemäss den Schlussbestimmungen des IVG zur Änderung vom 16. Dezember
2005, in Kraft seit 1. Juli 2006, gilt für die am 1. Juli 2006 bei der IV hängigen
Einsprachen das bisherige Recht (lit. b der Schlussbestimmungen). Somit gelangt
Art. 69 Abs. 1 IVG zur Kostenpflicht von Streitigkeiten um die Bewilligung oder die
Verweigerung von IV-Leistungen im kantonalen Gerichtsverfahren nicht zur
Anwendung. Gerichtskosten sind demnach keine zu erheben.
4.3 Da sich die angefochtene Verfügung als rechtswidrig erwiesen hat und da die
Beschwerdeführerin auf jeden Fall gezwungen gewesen ist, Beschwerde zu führen, um
nicht rechtswidrig behandelt zu werden, muss in Bezug auf die Kostentragungspflicht
unabhängig vom konkreten Beschwerdebegehren (in Analogie zur entsprechenden
Regelung bei einer Rückweisung zur weiteren Abklärung, vgl. ZAK 1987 S. 266 Erw. 5a)
von einem vollumfänglichen Obsiegen der Beschwerdeführerin ausgegangen werden.
Sie hat somit Anspruch auf eine ungekürzte Parteientschädigung, die vom Gericht
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff.
VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand angemessen
erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG