Decision ID: dc39d42b-acc1-47bc-b948-73024b58e367
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Mit Verfügung vom 10. Juli 2008 sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA), IV-Stelle,
X._
, geboren 1976, mit Wirkung ab dem 1. Mai 2008
eine
halbe Rente der Invalidenversicherung
zu (Urk.
14/4 S. 4-
8). Am 15. Juli 2008 meldete
sich
X._
da
raufhin für den Bezug von
Zusatzleistungen - Ergänzungsleistungen zur AHV/IV sowie kantonale Beihilfe und Gemeindezuschüsse - an (
Urk.
14/3). Mit Verfügung vom 4. September 2008
legte die SVA,
Zusatzleistungen zur AHV/IV
,
für die Zeit ab dem Rentenbeginn am 1. Mai 2008 einen Anspruch von
X._
auf Zusatzleistungen im monatlichen Gesamtbetrag von Fr. 1‘960.-- fest, bestehend aus Ergänzung
sleistungen in der Höhe von Fr.
1‘697.--, kantonaler Beihilfe in der Höhe von Fr. 202.-- und
Gemeindezu
schüssen
in der Höhe von Fr. 61.-- (
Urk.
14/27
; vgl. auch die interne
Nachzah
lungsverfügung
vom
18. September 2008,
Urk.
14/28)
.
In der Folge
erhöhte die SVA
den Zusatzleistungsanspruch von
X._
mit Verfügung vom 7. Januar 2009 für die Zeit ab dem 1. Januar 2009 auf einen monatlichen Gesamtbetrag von Fr. 1‘980.-- (
Urk.
14/34) und mit Verfügung vom 7. Januar 2010 für die Zeit ab dem 1. Januar 2010 auf einen monatlichen Gesamtbetrag von Fr. 2‘
007.-- (
Urk.
14/45).
Nachdem die Invalidenrente von
X._
rückwirkend
für die Zeit ab September 2008
auf eine ganze Rente hinaufgesetzt
worden war (vgl.
den
Verrechnungsantrag vom 1.
Februar 2010,
Urk.
14/49
, und die Verf
ügung vom 3. Februar 2010, Urk.
14/93
),
ber
echnete die SVA
den Anspruch auf Zu
satzleistungen neu und setzte diese Leistungen in nachträglicher Änderung der ursprünglichen Verfügungen m
it den
Verfügungen vom 3. und vom 18.
Februar 2010
für September bis Dezember 2008 auf monatlich Fr. 1‘023.--, für Januar bis Dezember 2009 auf monatlich Fr. 1‘014.-- und für die Zeit ab Januar 2010 auf monatlich Fr. 1‘041.-- fest (
Urk.
14/56 S. 3-4 und S. 1-2, Urk.
14/54; vgl
.
auch das Berechnungsblatt in
Urk.
14/51).
1.2
Neben der Ausrichtung von Zusatzl
eistungen vergütete die SVA
X._
mit Verfügung vom 13. November 2008
(
Urk.
14/31)
die Kosten von zwei Zahnbehandlungen,
die von August bis Oktober 2008
erbracht und
am 17. September und am 15. Oktober 2008 in Rechnung gestellt worden waren (
Urk.
14/30). Des Weiteren bezahlte sie mit Verfügung vom 2
2.
Dezember 2009 einen Kostenbeteiligungsbetrag der Krankenkasse von Fr. 74.--
(
Urk.
14/44)
und
mit Verfügung vom 7. Januar 2010 weitere Krankheitskosten in der Hö
he von Fr. 226.-- (
Urk.
14/46).
1.3
Im Oktober 2010 le
itete die SVA
eine periodische Prüfung des Zusatzleistungs
-
an
spruchs
in die Wege und holte hierzu die Angaben von
X._
vom 1.
Dezember 2010 ein (
Urk.
14/60
).
Dabei erhielt sie Kenntnis von der Mitteilung der BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich an
X._
vom 13. November 2008, wonach für die Zeit ab dem 1. Mai 2008 Anspruch auf eine Invalidenrente der beruflichen Vorsorge im monatlichen Betrag von Fr. 1‘742.15
bestehe
(
Urk.
14/72).
Gestützt darauf be
rechnete sie den Zusatzleistungsanspruch für die gesamte Zeit ab dem 1. Mai 2008 neu
(
Urk.
14/74 und
Urk.
14/77), setzte die Leistungen mit den Verfügun
gen vom 3. Februar 2011 neu fest (
Urk.
14/76) und forderte von
X._
mit Verfügung
gleichen Datums
einen Betrag von Fr.
37‘807.-- für zu viel bezahlte Zusatzleistungen zurück (
Urk.
14/75).
1.4
M
it Schreiben vom 1. März 2011
liess
X._
, vertreten durch ihren Vater
Y._
, ein Gesuch um Erlass der Rückforde
rung
stellen (
Urk.
14/81) und liess im Nachgang dazu mit Brief vom 17. Mai 2011 (
Urk.
14/87) die
einverlangten
Unterlagen einreichen, unter anderem eine Mitteilung der BVK vom 9. Mai 2011, dass die Rente der beruflichen Vorsorge zu Unrecht zugesprochen worden sei und per Ende Juni 2011 wieder aufgeho
ben werde, wobei auf eine Rückforderung der fälschlicherweise ausgerichteten Leistungen verzichtet werde (
Urk.
14/92).
Mit Verfügung vom 19. August 2011
wies die SVA das Erlassgesuch ab
(Urk.
14/105).
X._
liess durch ihren Vater mit Eingabe vom 15. September 2011 Einsprache erheben (
Urk.
14/106) und als neuen Beleg einen Bericht des früheren Hausarztes
Dr.
med.
Z._
zuhanden der BVK vom 14. Mai 2011 einreichen (Urk
.
14/108). Mit
Entscheid vom 19. Oktober
2011 wies die SVA die Einsprache ab (
Urk.
2 =
Urk.
14/111).
2.
Gegen den
Ei
nspracheentscheid
vom 19. Oktober
2011 erhob
Y._
namens seiner Tochter mit Eingabe vom 11. November 2011 Be
schwerde (
Urk.
1).
Nachdem das Gericht die eingereichte Vollmacht vom 21. Februar 2011 (
Urk.
5) zunächst als ungenügend für das Gerichtsverfahren er
achtet hatte (vgl. die Verfügung vom 1. Dezember 2011,
Urk.
8), kam es mit Verfügung vom 20. Januar 2012 auf diese Auffassung zurück und forderte die SVA zur Beantwortung der Beschwerde auf (
Urk.
11). Die SVA schloss mit Ein
gabe vom 10. Februar 2012 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
13). In der Replik vom
14. März 2012 liess
X._
an ihrem Antrag fest
halten (
Urk.
17). Die SVA verzichtete mit Eingabe vom 5. April 2012 auf die Erstattung einer Duplik (
Urk.
20), was der Gegenpartei am 1
1. A
p
r
il 2012 mit
geteilt wurde (
Urk.
21).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 3 Abs. 1 der ab 1. Januar 2008 gültigen Fassung des Bundesgeset
zes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversi
che
rung
(ELG) bestehen die Ergänzungsleistungen aus der jährlichen
Ergänzungs
leis
tung
(
lit
. a) und aus der Vergütung von Krankheits- und Behinderungskosten (
lit
. b).
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht gemäss Art. 9 Abs. 1 ELG dem Be
trag,
um den die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen über
steigen.
Die anerkannten Ausgaben sind in Art. 10 ELG, die anrechenbaren Einnahmen in
Art. 11 ELG aufgelistet.
Bei Personen, die nicht dauernd oder längere Zeit in ei
nem Heim oder Spital leben,
also bei zu Hause lebenden Personen, bestehen die anerkannten Ausga
ben in einem nach oben begrenzten jährlichen Betrag für den allgemeinen
Le
bens
bedarf
(Art. 10 Abs. 1
lit
. a ELG) und im ebenfalls auf einen jährlichen Höchstbetrag begrenzten Mietzins einer Wohnung (Art. 10 Abs. 1
lit
. b ELG). Zu den anrechenbaren Einnahmen
gehören unter anderem die Renten, Pensionen und anderen wiederkehrenden Leistungen, einschliesslich der Renten der AHV und der IV (Art. 11 Abs. 1
lit
. d ELG)
.
1.2
In Bezug auf die Beihilfen nach dem kantonalen Gesetz über die Zusatzleistun
gen zur eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (Zusatzleistungsgesetz; ZLG) finden nach § 15 ZLG die Vorschriften, die für die jährliche Ergänzungsleistung nach Art. 9 ff. ELG gelten, entsprechende Anwen
dung, soweit für die Beihilfe nichts Abweichendes bestimmt ist.
Nach § 17 ZLG wird für die Berechnung der Beihilfe auf die Bedarfsrechnung für die jährliche Ergänzungsleistung abgestellt, wobei die tatsächlich ausge
richteten Ergänzungsleistungen als anrechenbare Einnahmen behandelt werden (Abs. 1
lit
. a) und der Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf bei zu Hause wohnenden Personen um den Höchstbetrag der Beihilfe (vgl. § 16 ZLG) erhöht wird (Abs. 1
lit
. b).
1.3
Gemäss § 20 ZLG können die Gemeinden Gemeindezuschüsse zu den Beihilfen gewähren, die nicht als Einkommen anzurechnen sind.
2.
2.1
Sowohl auf die Leistungen nach ELG als auch auf die Beihilfen nach ZLG und auf die Gemeindezuschüsse
sind
die Verfahrensbestimmungen nach dem Bun
desgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
an
wendbar
(Art. 1 ELG, §
§
15 und 20a ZLG).
2.2
Art.
31
Abs.
1 ATSG schreibt vor, dass jede wesentliche Änderung in den für eine Leistung massgebenden Verhältnissen von den Bezügerinnen und Bezügern sowie von den Angehörigen oder von den Dritten, denen die Leistung zukommt, dem Versicherungsträger oder dem jeweils zuständigen Durchführungsorgan zu melden ist.
Ausserdem ist die Meldepflicht im Sinne einer Spezialnorm auch in
Art.
24 der
Verordnung
über
die
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlasse
nen- und Invalidenversi
che
rung
(ELV) geregelt. Danach hat die anspruchsbe
rechtigte Person der kantonalen Durchführungsstelle von jeder Änderung ihrer persönlichen und von jeder ins Gewicht fallenden Änderung ihrer wirtschaftli
chen Verhältnisse unverzüglich Mitteilung zu machen.
2.3
Zeitlich massgebend für die Berechnung der jährlichen Ergänzungsleistung sind nach Art. 23 Abs. 1 ELV in der Regel die während des vorausgegangenen Ka
lenderjahres erzielten anrechenbaren Einnahmen sowie das am 1. Januar des
Be
zugsjahres
vorhandene Vermögen. Jedoch sind nach Art. 23 Abs. 3 ELV im Falle von Renten, Pensionen und anderen wiederkehrenden Leistungen die lau
fenden Beträge anzurechnen.
Art. 25 ELV sieht vor, dass die jährliche Ergänzungsleistung in bestimmten Fäl
len während des laufenden Jahres erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben wird, namentlich bei Eintritt einer voraussichtlich längere Zeit dauernden Verminde
rung oder Erhöhung der vom ELG anerkannten Ausgaben und anrechenbaren Einnahmen sowie des Vermögens, entweder wenn diese Änderungen vom Bezü
ger gemeldet werden, oder im Rahmen einer periodischen Überprüfung von Amtes wegen (vgl. Art. 25 Abs. 1
lit
. c-d ELV und Art. 25 Abs. 2
lit
. b-d ELV).
Bei einer Verminderung des Ausgabenüber
schusses (
Art.
25
Abs.
1
lit
. c
ELV) ist die jährliche Ergänzungsleistung spätestens auf den Be
g
inn des Monats neu zu bemessen, der auf die neue Verfügung folgt
,
wobei die Rückforderung bei Ver
letzung der Meldepflicht vorbehalten bleibt
(
Art.
25 Abs.
2
lit
. c ELV).
2.4
Nach
Art.
25
Abs.
1 Satz 1 ATSG sind unrechtmässig bezogen
e Leistungen zurück
zuerstatten.
Rechtsprechungsgemäss dürfen form
ell rechtskräftig ausgerichtete
Leistungen
aber
nur dann zurückgefordert werden, wenn entweder die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung oder die Voraussetzungen für eine pr
ozessuale Revision
(
Art.
53
Abs.
1 und 2 ATSG)
erfüllt sind
(vgl.
Kieser
, ATSG-Kommentar, 2.
Aufl
age
,
Zürich
2009, N
3 ff. zu
Art.
25 ATSG
;
vgl. auch
BGE 130 V 380 E.
2.3.1
mit Hinweisen
).
Eine
Person, die Leistungen in gutem Glauben empfangen hat,
muss
diese nach
Art.
25
Abs.
2 Satz 2 ATSG dann nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt.
Die Rechtsprechung
verneint den guten Glauben
, wenn die
leistungs
beziehende
Person eine grobe Nachlässigkeit begangen hat (vgl. SVR 2007 EL Nr. 8 S. 19 E. 2.2), was umgekehrt bedeutet, dass der gute Glaube bei lediglich leichter Nachlässigkeit noch nicht fehlt (vgl.
Kieser
,
a.a.O., N 33 zu Art.
25 ATSG).
3.
3.1
Die Rückforderung in der Höhe von
Fr.
37‘807.--
für zu viel bezahlte Zusatzleis
tungen
(
Urk.
14/75)
basiert
gemäss den Neuberechnungen der Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
14/74 und
Urk.
14/77)
auf dem Umstand, dass die BVK der Beschwerdeführerin gemäss der Mitteilung vom 13. November 2008 (
Urk.
14/72) ab Mai 2008 eine Invalidenrente der beruflichen Vorsorge im monatlichen Betrag von
Fr.
1‘742.15 ausgerichtet hatte, welche die
Beschwer
degegnerin
bei der Bemessung und Auszahlung der Zusatzleistungen für die Monate Mai 2008 bis Dezember 2010 nicht als
anrechenbare Einnahmen nach
Art.
11 Abs. 1
lit
. d ELG
berücksichtigt hatte.
Die inhaltliche Richtigkeit der Rückforderung war im Schreiben vom 1. März 2011 nicht in Frage gestellt worden, sondern der Vater der Beschwerdeführerin hatte darin einzig vorgebracht, seine Tochter habe die erhaltenen Zusatzleistun
gen im guten Glauben empfangen und eine Rückerstattung würde für sie eine grosse Härte bedeuten (
Urk.
14/81). Das Schreiben vom 1. März 2011
(
Urk.
14/81)
war somit einzig als Erlassgesuch und nicht (auch) als Beschwerde gegen die Rückforderungsverfügung vom 3. Februar 2011 zu verstehen und
trug in Übereinstimmung damit denn auch die Überschrift „Gesuch um Erlass der Rückforderung“. Die Beschwerdegegnerin beschränkte sich demnach richtig
erweise auf die Prüfung der Voraussetzungen für den Erlass, und nur diese sind Gegenstand der Verfügung vom 19. August 2011 (
Urk.
14/105) und des ange
fochtenen
Einspracheentscheids
(
Urk.
2). Dementsprechend ist auch im vorlie
genden Verfahren einzig zu prüfen, ob der Beschwerdeführerin die
Rückforde
rung zu erlassen ist.
3.2
Die Beschwerdegegnerin wies das Erlassgesuch mit der Begründung ab, die Be
schwerdeführerin habe sie nicht von
der Mitteilung der BVK vom 13.
November 2008 über die Zusprechung einer Invalidenrente der beruflichen Vorsorge in Kenntnis gesetzt. Dadurch habe sie die Meldepflicht nach
Art.
31 ATSG und
Art.
24 ELV verletzt, und diese Meldep
flichtverletzung
sei
als grobfahrlässig
einzustufen, weshalb es der Beschwerdeführer
in
beim Bezug der zurückgefor
derten Zusatzleistungen am g
uten Glauben gefehlt habe (Urk.
14/105 S. 2,
Urk.
2 S. 2,
Urk.
13 S. 2 ff.).
Die Beschwerdeführerin machte nicht geltend, der Beschwerdegegnerin die Zuspre
chung der Rente der beruflichen Vorsorge
gemeldet
zu haben. Sie liess jedoch zum einen vorbringen,
sie sei sich über ihre Meldepflicht nicht im Klaren gewesen, weil sie angenommen habe, die BVK er
statte der Beschwerdegegnerin
Meldung
, und
zum andern liess sie dartun, sie sei aus gesundheitlichen Gründen nicht dazu in der Lage gewesen, ihre
administrativen
Angelegenheiten mit der nötigen Sorgfalt zu regeln
,
und
habe
somit
weder
ihre Meldepflicht wahrneh
men
noch
den unrechtmässigen Leistungsbezug erkennen
können
(Urk. 14/81, Urk.
14/106
,
Urk.
1,
Urk.
17).
3.3
Auch wenn die Rechtmässigkeit der Rückforderung als solche nach dem Gesag
ten nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist, so spielt sie immerhin insoweit eine Rolle, als
der gute Glaube dort ohne Weiteres zu bejahen ist, wo die Beschwerdeführerin Anspruch auf die ausgerichteten Leistungen hatte und die Rückforderung
somit
gar nicht gerechtfertigt war.
Die
Rentenzahlungen der BVK
sind
indessen
gestützt auf
Art.
11
Abs.
1
lit
. d ELG
offensichtlich als anrechenbar
e Einnahmen zu berücksichtigen und zwar ungeachtet dessen, dass die BVK den Anspruch der Beschwerdeführerin später mit
dem
Schreiben vom 9. Mai 2011 widerrief
(
Urk.
14/92), denn sie forderte die schon geleisteten Zahlungen nicht wieder zurück.
Die Beschwerdeführerin hatte somit auf die Zusatzleistungen, die ohne diese Berücksic
htigung ausgerichtet worden waren
, keinen Anspruch
. Dies gilt auch für die Zusatzleistungen des Zeitraums, in dem eine Berücksichtigung
der Rente der BVK
deshalb noch nicht erfolgen konnte, weil der Entscheid der BVK noch nicht vorlag,
also für den Zeitraum vom 1.
Mai bis zum 13. November 2008.
Die in diesem Zeitraum aus
gerichteten Zusatzleistungen unterscheiden sich von den später ausgerichteten Zusatzleistungen
zwar
dadurch, dass der Anspruch im Zeitraum der Ausrich
tung zunächst bestanden hatte und erst nachträglich, durch die
Rentennach
zahlung
, entfiel. Das Bundesgericht hat jedoch entschieden, dass eine
Rücker
stattungspflicht
auch in einem solchen Fall der Rentennachzahlung bestehe, und zwar in Abweichung von
Art.
25
Abs.
2
lit
. c und d ELV unabhängig von einer allfälligen Meldepflichtverletzung (BGE 122 V 134;
Carigiet
/Koch,
Ergän
zungsleistungen
zur AHV/IV,
2.
Auflage, Zürich
2009, S.
107
f.).
3.4
3.4.1
Eine
Meldepflichtverletzung
fällt für den
Zeitraum vom 1. Mai bis zum 13.
November 2008 jedoch ausser Betracht. Ferner konnte
die Beschwerdefüh
rerin
bei der Entgegennahme der in diesem Zeitraum ausgerichteten Zusatzleis
tungen auch nicht damit rechnen, eine Rentennachzahlung der BVK zu erhal
ten
, zumal diese den Anspruch später mit dem Schreiben vom 9. Mai 2011 rückwirk
end wieder verneinte
(Urk.
14/92). In Bezug auf diese Leistungen ist der gute Glaube der Beschwerdeführerin somit zu bejahen.
3.4.2
Es handelt sich dabei um die Zusatzleistungen, die für die Monate Mai bis Novem
ber 2008 ausgerichtet worden sind. Der November
2008
gehört des
wegen
noch dazu, weil davon auszugehen ist, dass die Beschwerdegegnerin den
Zu
satzleistungsbetrag
jeweils in den ersten paar Tagen des Monats, für den er be
stimmt war, bezahlte.
Dies ist daraus zu schliessen, dass
- als Beispiel -
die Zahlung der SVA für den Dezember 2009 im Betrag von
Fr.
2‘947.--
(Rente
der Invalidenversicherung
im Betrag von
Fr.
967.--,
Urk.
14/34 S. 3, und Zusatz
leistungen im Betrag von
Fr.
1‘980.--
,
Urk.
14/34 S. 1
) in einem
Bankkonten
auszug
der Beschwerdeführerin am 7. Dezember 200
9 verbucht wurde
(vgl.
Urk.
14/63 S. 2), also in der ersten Hälfte der 20 Tage, innert derer die Zahlung gemäss der Angabe in den Zusatzleistungsverfügungen erfolgen soll (vgl.
Urk.
14/27 und
Urk.
14/28 sowie
Urk.
14/34 und
Urk.
14/45).
Der Betrag der u
r
sprünglich ausgerichteten Zusatzleistungen für die Monate Mai bis November 2008 beläuft sich gemäss der Aufstellung der Beschwerdegegnerin über die Rückforderung
(
Urk.
14/77)
auf
Fr.
10‘
909.-- ([4 x
Fr.
1‘960.-- = Fr.
7‘840.--] + [3 x
Fr.
1‘023.-- =
Fr.
3‘069.--]).
Davon in Abzug zu bringen ist der
Zusatzleis
tungsbetrag
von
Fr.
1‘128.--, welcher der Beschwerdeführerin für die Monate Mai bis August 2008 unter Berücksichtigung der Rente der BVK noch zustand (vgl.
Urk.
14/77). Daraus ergibt sich ein Betrag von
Fr.
9‘781.--, den die Beschwerdeführerin gutgläubig in Empfang genommen hat.
Ferner ist der gute Glaube der Beschwerde
führerin
auch in Bezug auf die
Kosten von zwei Zahnbehandlungen zu bejahen, welche die SVA ihr
mit Verfügung vom 13. November 2008 unter dem Titel Krankheitskosten im Betrag von
Fr.
2
‘
043.-- vergütet hat
(
Urk.
14/31). Denn
die
Mitteilung der BVK
datiert
ebenf
alls (erst) vom 13. November 2008 (
Urk.
14/72), des Weiteren hatte die
erste der
beiden Behandlungen
gemäss der Rechnung vom 17. September 2008 (
Urk.
14/30)
bereits
im August 2008
begonnen, als auch unter Berücksichtigung der Rente der BVK noch ein Anspruch auf Zusatzleistungen bestanden hatte
, und schliesslich is
t der Anspruch auf die Vergütung
von Krankhei
tskosten gestützt auf
Art.
14
Abs.
6 ELG nicht zwingend vom Anspruch auf Zusatzleis
tungen abhängig (vgl.
Carigiet
/Koch, a.a.O., S. 205 f.).
3.4.3
Zusammengefasst war die Beschwerdeführerin somit auf jeden Fall beim Erhalt des Rückforderungs-Teilbetrags in der Höhe von
Fr.
11‘824.--
(
Fr.
9‘781.-- + Fr.
2‘043.--) gutgläubig.
3.5
3.5
.1
Nachdem die Beschwerdeführerin den Bescheid der BVK vom 13. November 2008 erhalten hatte, traf sie jedoch objektiv betrachtet eine Pflicht, die rückwir
kende Rentenzusprechung der Beschwerdegegnerin zu melden.
Dies gilt
- wie sich aus der Rechtsprechung ergibt -
unabhängig davon, ob die BVK die Beschwerdegegnerin ihrerseits über die Rentenzusprechung hätte informieren müssen
, und auch unabhängig davon, ob die Beschwerdegegnerin diese Infor
mation von sich aus bei der BVK hätte beschaffen können oder müssen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_834/2010 vom
2.
Dezember 2010, E. 2.2
;
Carigiet
/Koch, a.a.O., S. 97
).
Deshalb vermochte der Umstand, dass die Beschwerdegegnerin auf ihre Anfrage hin von der BVK am 26. August 2008 die Antwort erhalten hatte, der Rentenentscheid werde etwa Ende Oktober 2008 vorliegen (
Urk.
14/23),
die Beschwerdeführerin
nicht von der Pflicht
zu
befreien,
der Beschwerdegegnerin den Entscheid vom 13. November 2008 mitzuteilen. Die Frage nach dem Zeitpunkt, zu dem die Beschwerdegegnerin auch ohne eine solche Mitteilung
selbst
hätte Kenntnis nehmen können von der
Rentenzuspre
chung
, weil sie durch die BVK vorinformiert gewesen war,
wäre
unter dem Aspekt der Verwirkung der Rückforderun
g (vgl.
Art.
25
Abs.
2 ATSG) zu prüfen gewesen. Dieser Aspekt betrifft jedoch die Zulässigkeit der Rückforderung als solche und hätte daher im Rahmen einer Beschwerde gegen die
Rückforde
rungsverfügung
geltend gemacht werden müssen.
3.5
.2
Im vorliegenden Verfahren kann sich lediglich noch die Frage stellen, ob die Beschwerdeführerin, wie sie geltend machen lässt, darauf vertrauen durfte, dass die Beschwerdegegnerin direkt von der BVK von deren Rentenentscheid erfah
ren werde.
Auch wenn dies jedoch zutreffen sollte, so musste es der Beschwer
deführerin objektiv betrachtet auffallen, dass sie nach dem Einsetzen der monatlichen Rentenzahlungen der BVK in der Höhe von
Fr.
1‘742.15
Zusatz
leistungen in unveränderter Höhe
erhielt, obwohl die Pensionskassenrente in die Berechnung zur Verfügung vom
4.
September 2008 noch nicht einbezogen worden war.
Denn sie musste aufgrund der
Fragen, die ihr die
Beschw
erdegeg
nerin
am 1
8.
Juli 2008
stellte (
Urk.
14/8 und
Urk.
14/18) davon Kenntnis haben, dass die Höhe der Leistungen der Pensionskasse für ihren Anspruch auf Zusatz
leistungen relevant war
. In objektiver Hinsicht hätte
die Beschwerdeführerin somit
beim Erhalt der ersten Rentenzahlungen der
BVK
ohne
Weiteres
erkennen
können und
müssen,
dass ihr die Zusatzleistungen auf jeden Fall nicht mehr im bisher bezogenen Umfang zustanden
.
Dannzumal hätte sie auch
merken müs
sen, dass
die BVK
der Beschwerdegegnerin
keine Meldung gemacht hatte, und hätte die Beschwerdegegnerin alsdann selber informieren müssen.
3.5
.3
Trotz dieser Erkennbarkeit wäre die Beschwerdeführerin dann als gutgläubig zu betrachten, wenn
ihr fehlerhaftes Verhalten nur leicht fahrlässig gewesen wäre. Dabei beurteilt sich das Mass der erforderlichen Sorgfalt zwar
nach einem objektiven Massstab;
das den Betroffenen in ihrer Subjektivität Mögliche und Zumutbare darf jedoch nach der Formulierung in der Rechtsprechung nicht ausgeblendet werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_391/2008 vom 1
4.
Juli 2008, E. 4.4.1 mit Hinweisen). Nach rein objektivem Ma
s
sstab liegt grobe Fahr
lässigkeit vor, denn praxis- und rechtsprechungsgemäss ist die Unterlassung der Meldung von veränderten Renten- oder Erwerbseinkünften
oder die Unterlas
sung der Meldung von leicht erkennbaren Berechnungsfehlern nicht nur leicht nachlässig (vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_391/2008 vom 14.
Juli 2008,
E. 4.4.1 und E. 4.4.4
;
Rz
4652.03 der Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversi
cherungen [BSV] über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV [WEL; Stand 1. Januar 2013]).
Die Beschwerdeführerin macht indessen geltend,
sie habe aus gesundheitlichen Gründen den unrichtigen Leistungsbezug nicht erkennen und
nicht in
der gebotenen Weise
darauf
reagieren können (
Urk.
14/81,
Urk.
14/106,
Urk.
1,
Urk.
17).
Dass die Beschwerdeführerin zur Zeit der Geltendmachung und des Bezugs von Zusatzleistungen an einer psychischen Erkrankung litt, ist in den Akten doku
mentiert. In den Berichten des Sanatoriums
A._
vom 1
2.
Juni 2007 und vom 2
9.
Februar 2008 wurden die Diagnosen einer emotional instabilen
Per
sönlichkeitsstörung
und einer rezidivierenden depressiven Störung gestellt (
Urk.
14/1 und
Urk.
14/2), und im Bericht des Sanatoriums
A._
vom 7.
Januar 2009
wurde vor allem die Persönlichkeitsstörung als
verstärkt
einge
schätzt
und qualit
ativ neu als kombinierte Persönlichkeitsstörung beurteilt
(
Urk.
14/35), was die Klinik
B._
in ihrem psychiatrischen Gut
achten vom
4.
Mai 2009 bestätigte (
Urk.
14/36, insbesondere S. 10).
D
abei wies die Klinik
namentlich
auf die Schwierigkeit
der Beschwerdeführerin hin
, in einem Team zu arbeiten (
Urk.
14/36 S. 10).
Auch die in der Beschwerdeschrift beschriebenen Krisensituationen nach dem Empfang von amtlicher Post
(vgl.
Urk.
1 S. 2
,
Urk.
14/81
)
sind nicht anzuzweifeln.
Dennoch
bestehen
in Übereinstimmung mit der Ansicht der
Beschwerdegegne
rin
(
Urk.
2 S. 2,
Urk.
13 S.
3 f.)
verschiedene An
haltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin dazu in der Lage war, den Schriftverkehr
betreffend den Anspruch auf Zusatzleistungen
adäquat zu handhaben, gerade auch, was ihre Angaben zu den Leistungen der Vorsorgeeinrichtung betrifft. Zwar trifft zu, dass die Beschwerdeführerin die Anmeldung
vom 1
5.
Juli 2008
(
Urk.
14/3)
zum Bezug von Zusatzleistungen nicht ganz vollständig ausgefüllt hatte. Entgegen den Vorbringen in der Replik (vgl.
Urk.
17 S. 2)
zeugt
aber der Umstand, dass die unverheiratete Beschwerdeführerin jeweils auch die Fragen nach der finan
ziellen Situation des Ehepartner ausgefüllt (und verneint) hatte, noch nicht
von
eine
r
Unbeholfenheit in administrativen Belangen
. Auch das Leerlassen der Frage nach dem Erhalt einer Rente der beruflichen Vorsorge (vgl.
Urk.
14/3 S. 4) kann für sich allein betrachtet nicht als Zeichen der
Überforderung verstanden
werden, sondern kann umgekehrt auch damit zusammenhängen, dass dieser Anspruch im Juli 2008 tatsächlich noch nicht festgestanden hatte.
Für diese Interpretation spricht, dass die Beschwerdeführerin die expliziteren Fragen
der Beschwerdegegnerin vom 18.
Juli 2008 korrekt damit beantwortete, der An
spruch
sei
in
Abklärung
, und dass sie sogar den dafür zuständigen Sachbear
beiter samt Telefonnummer aufführte (
Urk.
14/15).
Ein weiteres Indiz für die grundsätzlich erhaltene Fähigkeit der Beschwerdeführerin, den Schriftverkehr mit der Beschwerdegegnerin zu führen, sind ih
re Angaben im Fragebogen vom 1.
Dezember 2010, den sie anlässlich der amtlichen Überprüfung ihres
Zusatz
leistungsanspruchs
ausfüllte (
Urk.
14/60). Denn darin
ist nunmehr die Frage nach einer Rente der beruflichen Vorsorge richtig mit „ja“ und mit der Angabe des jährlichen Betrags beantwortet (
Urk.
14/60 S. 4). Dass sich die Beschwerde
führerin beim Ausfüllen der Formulare helfen liess
(
vgl.
Urk.
14/106
S. 3
,
Urk.
17 S. 2)
, mindert ihre eigene Fähigkeit nicht, sondern ist vielmehr Aus
druck davon, dass sie ihre Schwierigkeiten, Hilfe anzunehmen (vgl. Urk.
14/81,
Urk.
14/106 S. 1 und S. 3,
Urk.
1 S. 1,
Urk.
17 S. 2)
, auch überwinden konnte.
Des Weiteren
mag der Inhalt des
Schreiben
s
der Beschwerdeführerin vom
1
0.
Dezember 2010 (
Urk.
14/67)
zwar
auf deren
Annahme
hinweisen
, die Zah
lungen der BVK seien der Beschwerdegegnerin bereits seit längerem bekannt, jedoch ergibt sich daraus
nicht, dass
die gesundheitlichen Probleme ursächlich für diese
- unrichtige - Annahme
waren. Immerhin war die Beschwerdeführerin jeweils dazu in der Lage, der Beschwerdegegnerin von sich aus die Belege zu ih
ren Krankheitskosten
zukommen zu lassen und deren Vergütung zu beantra
gen (vgl.
Urk.
14/30, Urk.
14/38,
Urk.
14/41,
Urk.
14/42,
Urk.
14/71).
3.5.4
Damit ist es auch unter Berücksichtigung des beeinträchtigten Gesundheits
-
zustan
des
als grobfahrlässig zu beurteilen, dass die Beschwerde
führerin in der Zeit ab Dezember 2008 nicht merkte, dass die Rente der BVK bei der Bemessung der Zusatzleistungen unberücksichtigt geblieben war, und dies der Beschwerde
-
gegnerin
nicht meldete.
3.6
Die Rückforderung im Teil
betrag von
Fr.
25‘983.--
(
Fr.
37‘807.-- abzüglich Fr.
11‘824.--) kann somit in Ermangelung des guten Glaubens nicht erlassen werden.
Da hingegen hinsichtlich der Rückforderung im Teilbetrag von
Fr.
11‘824.-- der gute Glaube zu bejahen ist (vgl. E. 3.4.3)
,
wird die Beschwerdegegnerin diesbe
züglich die Frage der grossen Härte als weitere Voraussetzung für den Erlass noch zu prüfen haben.
Demnach ist die Beschwerde in dem Sinne teilweise gutzuheissen, dass der ange
fochtene
Einspracheentscheid
vom 1
9.
Oktober 2011 insoweit aufzuheben ist, als die Rückforderung im Teilbetrag von
Fr.
11‘824.-- nicht erlassen wurde, und die Sache an die Beschwerdegegnerin zur Prüfung der Frage der grossen Härte zurückzuweisen ist. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.