Decision ID: 80adb1f9-daa5-4c2e-a166-0e20f11685d2
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1959, ist gelernte
Damencoiffe
use
(
Urk.
7/1)
. Seit 15. Oktober 1993
war
sie als Allrounderin im Sportcenter
Y._
tätig (
Urk.
7/11) und arbeitet
e
zudem seit 1981 als selbständige
Coiffeuse
sowie ab 1993 als selbständige Spielgruppenleiterin (
Urk.
7/2
Ziff.
6.3.1). Am 29. Januar 2002 meldete sie sich wegen Nacken- und Rückenschmerzen bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2
Ziff.
7.2). Die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische (
Urk.
7/10;
Urk.
7/13-14) und erwerbliche (
Urk.
7/11
;
Urk.
7/5-6) Abklärungen und sprach der Versicherten mit Verfügung vom 24. Januar 2003 bei einem Invaliditätsgrad von 50
%
eine halbe Rente ab 1. Juni 2001 zu (
Urk.
7/31;
Urk.
7/28).
Anlässlich
der im Jahr 2005 veranlassten Rentenrevision (
Urk.
7/36-40;
Urk.
7/42)
wurde mit Verfügung vom
28. Februar 2006
(
Urk.
7/42) ein unveränderter
Invalidi
tätsgrad
festgestellt. Im Rahmen des
Einspracheverfahrens
(
Urk.
7/43;
Urk.
7/45
)
wurde eine rheumatologische (
Urk.
7/48) und eine psychiatrische (
Urk.
7/51) Begutachtung veranlasst
. Nachdem die IV-Stelle der Versicherten am 20. März 2008 eine
reformatio
in
peius
angedroht hatte (
Urk.
7/56), zog diese ihre Ein
sprache am 9. April
2008 zurück (
Urk.
7/57), womit die Verfügung vom 28.
Fe
-
bruar
2006 in Rechtskraft erwuchs.
Im Jahr 2009 wurde eine weitere Rentenrevision veranlasst (
Urk.
7/64-66), wel
che einen unveränderten Invaliditätsgrad und Rentenanspruch ergab (Mitteilung vom
29. Mai 2009
;
Urk.
7/68).
1.2
Am
20. Oktober 2010
machte die Versicherte eine Verschlechterung geltend (
Urk.
7/70).
Die IV-Stelle tätigte erneut medizinische (
Urk.
7/72;
Urk.
7/81;
Urk.
7/83
;
Urk.
7/97
;
Urk.
7/99
) und erwerbliche (
Urk.
7/76;
Urk.
7/80) Abklä
rungen
und veranlasste eine
polydisziplinäre Begutachtung an der Medizini
schen Abklärungsstelle (MEDAS)
Z._
, des
sen Gutachten am 30. März 2012 erstattet wurde (
Urk.
7/105). Nach durchge
führtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/109;
Urk.
7/113;
Urk.
7/120;
Urk.
7/122;
Urk.
7/131), in dessen Rahmen weitere Arztberichte (
Urk.
7/119;
Urk.
7/123-125;
Urk.
7/130) ergingen, hob die IV-Stelle die bisherige halbe Rente mit Ver
fügung vom 23. April 2013 auf das Ende des der Zustellung folgenden Monats auf (
Urk.
7/133 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 23. April 2013 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am 23. Mai 2013 Beschwerde mit dem Antrag auf deren Aufhebung und Zusprechung einer mindestens halben Rente ab Juni 2013 sowie rückwirkend
ab dem Jahr 2010
einer höheren Rente. Zudem seien ein zweiter Schriftenwechsel und eine medizinische Begutachtung anzuordnen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort
vom 20. Juni 2013 (
Urk.
6) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Mit Gerichtsverfügung vom 6. September 2013 w
urde die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels abgelehnt und der Beschwerde
führerin die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. Au
-
gust
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revi
sionsgrund
im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.2
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkom
mensvergleichs
(bei Anhaltspunkten für
eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Recht
sprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 134 V 131 E. 3 und 133 V 108 E. 5.4 mit Hinweis). Nach der bundesgerichtlichen Rechtspre
chung ist eine Verfügung verzichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durch
geführten Revision keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (Art. 74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Invalidenversiche
rung, IVV
) und die bisherige Invalidenrente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (Art. 74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer (ordentlichen) rechts
kräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010, je E. 2.2, mit Hinweisen).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) damit, dass gestützt auf die Begutachtung von einer Verbesserung und von einer Ar
beitsfähigkeit von 80
%
auszugehen sei. Die Beeinträchtigung der Beschwerde
führerin sei bis und mit Dezember 2012 berücksichtigt worden und es lägen keine neuen medizinischen Erkenntnisse vor. Neue kardiologische Befunde oder Funktionseinschränkungen würden nicht beschrieben (
Urk.
2 S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend, sie habe sich nach der letzten Überprü
fung des Rentenanspruchs im Jahr 2009 mehreren Eingriffen unterziehen müs
sen.
Die Beschwerdegegnerin habe die
seither aufgetretenen Herz-, Karpaltun
nel- und Fingerbeschwerden nicht berücksichtigt, obwohl diese relevante Aus
wirkungen auf ihre Arbeitsfähigkeit gehabt hätten.
Der Sachverhalt sei deshalb ungenügend abgeklärt worden. Auf das
Z._
-Gutachten
könne aus näher be
schriebenen Gründen mangels Vollständigkeit und Schlüssigkeit nicht abgestellt werden. Auch habe sich ihr psychischer Zustand nach der Untersuchung vom Herbst 2011 verschlechtert (
Urk.
1 S. 4 ff.).
Auf den Entscheid der
Beschwerde
gegnerin
, die Invaliditätsbemessung aufgrund der tatsächlich ausgeübten Tätig
keit vorzunehmen, könne nicht zurückgekommen werden (S. 18).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Hinsichtlich der z
eitliche
n
Vergleichsbasis
ist festzuhalten, dass bei der im Jahr 2009 durchgeführten Revision keine genauen Angaben über die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer behinderungsangepassten Tätigkeit vorlagen, denn Hausarzt
Dr.
med.
A._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH,
welcher als einziger
Arzt
zur Berichterstattung eingeladen
wurde, nahm dazu nicht klar Stellung (vgl.
Urk.
7/66/5-6
und
Urk.
7/67/2
). Die Mittei
lung vom
29. Mai 2009
(
Urk.
7/68
) basierte damit nicht auf einer
rechtskonfor
men
Sachverhaltsabklärung (vgl. vorstehend E.
1.2). Deshalb
bildet die
Verfü
gung vom 28. Februar 2006 (
Urk.
7/42)
den zeitlichen Referenzpunkt für die Prüfung einer Veränderung der Verhältnisse.
3.2
Dr.
A._
stellte mit Bericht vom 18. Dezember 2005 (
Urk.
7/39) folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2):
chronisches
Zervikobrachialsyndrom
,
Osteochondrose
C5
zunehmendes
Lumbovertebralsyndrom
reaktive
Tendinosen
im Schultergürtel und Beckengürtelbereich
OSG-Arthrose links
Heberden
- und Bouchard-Arthrosen beidseits
Die Beschwerdeführerin habe im Oktober 2004 die Tätigkeit in der Tennishalle aufgeben müssen, da dort Arbeitszeiten von fünf bis sechs Stunden am Stück verlangt seien, die sie infolge der verspannungsbedingten Schmerzen nicht mehr bewältigen könne. Dies zeige sich auch
bei
der Tätigkeit in ihrem gelern
ten Beruf als
Coiffeuse
,
in welchem
sie täglich maximal zwei bis zweieinhalb Stunden arbeiten könne. Somit bestehe noch eine Arbeitsfähigkeit von etwa 25
%
(S. 1). Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei für etwa zwölf bis vierzehn Stunden wöchentlich zumutbar (
Urk.
7/39/4).
Mit Bericht vom 5. Januar 2006 (
Urk.
7/40/2) hielt
Dr.
A._
fest, dass sich d
ie Beschwerden sowohl im angestammten Beruf als
Coiffeuse
als auch in jedem anderen Beruf sehr negativ aus
wirkten
, womit eine Umschulung in eine andere berufliche Tätigkeit mit korrespondierendem Schulabschlussbedarf wie
Coiffeuse
zu keiner Verbesserung führen könne. Dies würden alles monotone oder eher körperlich betonte Tätigkeiten sein.
3.3
Die Ärzte der
B._
stellten in ihrem am 4. August 2006 (
Urk.
7/48) erstatteten Gutachten folgende Diagnosen (S.
12):
chronifiziertes
Zervikovertebralsyndrom
mit und bei
pseudoradikulärer
Ausstrahlung in beide Oberarme rechtsbetont
Wirbelsäulen-
Fehlform
und -Fehlhaltung
Fibromyalgie
rezidivierende Arthralgien der Fingergelenke, DD: beginnende
Finger
-
poly
arthrosen
im Rahmen Diagnose 2
anamnestisch rezidivierende Sprunggelenksbeschwerden links mehr als rechts
Im Vergleich zur Begutachtung im Jahr 2002 ergebe sich eine gewisse Verän
derung der Diagnosen. Weiterhin stehe ein
Zervikovertebral
-Syndrom im Vor
dergrund mit
pseudoradikulärer
Ausstrahlung in die Oberarme, welches auf die Wirbelsäulenfehlform und -
fehlhaltung
, die muskuläre
Dysbalance
und die mässig ausgeprägten degenerativen Veränderungen C4-C7 zurückgeführt wer
den könne. Die angegebene Zunahme der Beschwerden im HWS-Bereich sei durch die radiologisch dargestellte Progredienz der Degeneration erklärbar. Die zervikalen Beschwerden seien allerdings mittlerweile
chronifiziert
. Die übrigen Beschwerdelokalisationen, auch die lumbalen Beschwerden, entsprächen kli
nisch einer
Fibromyalgie
. Die geschilderte Müdigkeit, die Schlafstörungen und die frontalen Kopfschmerzen seien wohl Zusatzsymptome der
Fibromyalgie
(S. 13).
D
ie rezidivierenden Arthralgien der distalen und proximalen Fingergelenke
könnten nicht näher zugeordnet werden. A
uch die intermittierenden Sprunggelenk
schmerzen blieben unklar (S. 14).
In der gelernten Tätigkeit als
Coiffeuse
bestehe aus rheumatologischer Sicht we
gen der verminderten Belastbarkeit der HWS und des rechten Armes eine Ar
beitsfähigkeit von 40
%
.
In der weiteren Tätigkeit als Betreuerin einer
Kinder
spielgruppe
sowie in einer
behinderungsangepasste
n Tätigkeit (
wechselbelas
tend
, ohne Heben und Tragen von Lasten über 10 kg, ohne stereotype Belastung des rechten Armes, ohne Überkopfarbeit, ohne länger dauernde monotone Kopf- oder Körperstellung) bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von 60
%
(S. 14).
3.4
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, stellte in ihrem am 29. September 2006 erstatteten Gutachten (
Urk.
7/51) keine psychiatrische Diagnose.
Aus rein psychiatrischer Sicht sei
die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht eingeschränkt (S. 15).
3.5
Gestützt auf diese Aktenlage stellte die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 20. März 2008 (
Urk.
7/56) eine
reformatio
in
peius
in Aussicht, da der Be
schwerdeführerin eine behinderungsangepasste Tätigkeit im Umfang von 60
%
zumutbar sei, woraus sich ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 38
%
ergebe. Die Beschwerdeführerin zog daraufhin ihre Einsprache zurück (vgl.
Urk.
7/57).
Damit erwuchs die Verfügung vom
28. Februar 2006 (
Urk.
7/42)
, womit das Erhöhungsgesuch der Beschwerdeführerin abgewiesen wurde, in Rechtskraft. An der ärztlichen Feststellung, wonach eine
behinderungsange
passte
Arbeitsfähigkeit von 60
%
bestand, änderte dies jedoch nichts, zumal nur das Dispositiv der Verfügung in Rechtskraft erwuchs.
4.
4.1
Im weiteren Verlauf ergingen die folgenden Arztberichte.
Dr.
A._
stellte mit Bericht vom
3. Mai 2009 (
Urk.
7/66) folgende Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
chronisches
Zervikobrachialsyndrom
Osteochondrosen
myofasziales
Schmerzsyndrom
chronisches
Lumbovertebralsyndrom
Fibromyalgie
Rhizarthrosen
,
Heberden
, Bouchard
Die zusätzlich bestehenden Diagnosen eines
Hal
l
ux
valgus
, einer USG-Arthrose und einer reaktiven Depression wirkten sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus.
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Coiffeuse
sei die Beschwerdeführerin seit 29. Mai 2000 mindestens zu 50
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6). Eine
behinderungs
angepasste
Tätigkeit sei nur stundenweise zumutbar (
Urk.
7/66/5).
4.2
Vom 19. bis 25. August 2010 war die Beschwerdeführerin infolge einer operativ behandelten Herzerkrankung im Spital
D._
. Mit Austrittsbericht vom
7. September 2010 (
Urk.
7/72/7-9) wurden folgende Diagnosen gestellt:
koronare Herzkrankheit, Erstdiagnose August 2010
makulo-feinpapulöses
Exanthem
Als Nebendiagnosen wurden eine
Fibromyalgie
und ein Verdacht auf Depres
sion, differentialdiagnostisch eine psychosoziale Belastungssituation festgestellt. Am 14. August 2010 habe die Beschwerdeführerin nach einer mehrwöchigen Anamnese von Leistungsminderung einen retrosternalen Schmerz verspürt und der Notfallarzt habe
einen Herzinfarkt festgestellt (
Urk.
7/72/9). Vom 14. bis
25. August 2010 bestehe
eine
volle Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
7/72/11).
4.3
Vom 25. August bis 18. September 2010
hielt sich die Beschwerdeführerin zur stationären Rehabilitation im
E._
auf. Mit
Austritts
bericht
vom 23. September 2010 (
Urk.
7/72/5-6) stellten die Fachärzte folgende Diagnosen (S. 1):
koronare Herzkrankheit, Erstdiagnose August 2010
aktuell:
intero-posteriorer
STEMI am 14. August 2010
PTCA/BMS
Stenting
der RCX
persistierende Stenosen 1.DA (80
%
), RIVA distal (50
%
)
linksventrikuläre EF 65
%
mit
Hypokinesie
inferio-posterior
kardiovaskuläre Risikofaktoren
Status nach
Nikotinabusus
Dyslibidämie
arterielle Hypertonie
Fibromyalgie
rezidivierende depressive Störung, derzeit mittelgradige Episode mit
so
-
ma
tischem
Syndrom (ICD-10 F33.11)
Status nach
Makulo-feinpapulärem
Exanthem (allergische Reaktion auf
Cordarone
oder Kontrastmittel)
Vom 25. August bis 21. September 2010 bestehe
eine
volle Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
7/72/12). Anschliessend bis 14. November 2010 sei die Beschwerdeführe
rin als Kinderbetreuerin und
Coiffeuse
zu 25
%
arbeitsfähig. Sie sei in dieser Zeit zu 75
%
arbeitsunfähig (
Urk.
7/72/13).
4.4
Seit 7. Oktober 2010 ist die Beschwerdeführerin in ambulanter Behandlung im
F._
(
Urk.
7/81
Ziff.
1.2). Mit Bericht vom 28. Oktober 2010 (
Urk.
7/81) wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit gestellt (
Ziff.
1.1):
rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode mit soma
tischem Syndrom (ICD-10 F33.11), DD Anpassungsstörung, verlän
gerte depressive Reaktion (ICD-10 F43.21)
Status nach
Benzodiazepinabhängigkeit
Diese Diagnosen bestünden seit 200
2.
Die somatischen Diagnosen könnten psy
chiatrisch nicht beurteilt werden. Am 10. November 2010 sei eine
Re-Korona
r
angiographie
bei erneut hochgradiger Stenose eines Koronargefässes erfolgt. Dieser Eingriff sei von der Beschwerdeführerin wiederum als extrem belastend erlebt worden und in der Folge könne nun auch eine Verschlechte
rung des psychischen Zustandes beobachtet werden
(
Ziff.
1.4). Im Rahmen der aktuellen depressiven Episode bestehe eine Einschränkung der psychischen Be
lastbarkeit im Umfang von 50
%
. In der angestammten Tätigkeit sei die Be
schwer
-
deführerin
zu 50
%
arbeitsunfähig. Eine behinderungsangepasste Tätig
keit sei ebenfalls im Umfang von 50
%
zumutbar (
Ziff.
1.7). Die Einschränkun
gen
liessen sich durch regelmässige psychotherapeutische Behandlung vermin
dern (
Ziff.
1.8).
4.5
Vom 10. bis 11. November 2010 wurde eine Koronarangiographie durchgeführt; die Beschwerdeführerin konnte am 11. November 2010 nach Hause entlassen werden (
Urk.
7/119/7).
4.6
Dr.
A._
stellte mit Bericht vom 6. Januar 2011 (
Urk.
7/83/1-4) folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
Status nach Herzinfarkt am 14. August 2010
PTCA
Stenting
2.
Stenting
am 10. November 2010
arterielle Hypertonie, Depression
Dyslipidämie
Fibromyalgie
, Arthrosen
Als
Coiffeuse
sei die Beschwerdeführerin vom 28. Juni bis 13. August 2010 zu 50
%
und vom 14. August bis 18. September 2010 zu 100
%
arbeitsunfähig ge
wesen. Seit 19. September 2010 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 75
%
bis auf weiteres (
Ziff.
1.6). Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei während zwei Stunden täglich zumutbar (
Ziff.
1.7).
4.7
Dr.
med.
G._
, FMH Rheumatologie, berichtete am 1
0.
November 2011 (
Urk.
7/97) und diagnostizierte ein
fibromyalgiformes
Schmerzsyndrom sowie bekannte Fingerpolyarthrosen (S. 1). Bezüglich der Arbeitsfähigkeit bestehe aus streng rheumatologischer Sicht bei den bestehenden
fibromyalgiformen
Be
schwerden eine Einschränkung der Tätigkeit in sitzender oder länger stehender Position. Für eine Tätigkeit als
Coiffeuse
bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
(S. 2).
4.
8
Am 2
2.
Dezember 2011 und am
9.
Februar 2012 fand eine
Karpaltunnelopera
tion
statt (
Urk.
3/1;
Urk.
3/3).
Dr.
med.
H._
, Chirurgie und Handchirurgie FMH, führte dazu aus, dass in den meisten handwerklichen Be
rufen anschliessend an die Operation eine Arbeitsunfähigkeit von
acht
Wochen eingehalten werden müsse. Bei schwerer manueller Belastung dauere die Ar
beitsunfähigkeit in der Regel acht Wochen. Bis zur vollständigen
Beschwerde
freiheit
im Operationsgebiet dauere es meistens insgesamt drei bis sechs Monate (
Urk.
3/1).
4.9
Nach Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer internistischen, rheumatologischen und psychiatrischen Untersuchung
vom 2
7.
Oktober und
3.
November 2011
stellten die Gutachter des
Z._
in ih
rem am 3
0.
März 2012 erstatteten Gutachten (
Urk.
7/105) folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 53):
chronifizierte
therapieresistente belastungs- und bewegungsabhängige
zer
vikovertebrale
Schmerzen mit und bei
mehrsegmentalen
Chondrosen
, keine Diskushernien, keine Kompres
sion der Nervenwurzeln
ohne Hinweise auf eine facettengelenksfortgeleitete
oder
radikuläre
Reiz- oder Ausfallssymptomatik
Tendenz zur Weichteilgeneralisierung im Sinne einer möglichen inkom
pletten
Fibromyalgie
inkonstant reproduzierbare Tenderpoints im Bereich der oberen und un
teren Körperhälfte mit diskrepanten Untersuchungsbefunden und
unspezifischen Arthralgien im Bereich sämtlicher Finger- und Hand
gelenke, im Bereich des Mittelfusses links
belastungsabhängige Missempfindungen im Bereich des rechten Sprung
-
ge
lenks
bei MRI-dokumentierter degenerativer Veränderung
Gelenkspaltverschmälerung
Articulatio
subtalaris
,
Flüssigkeitsvermeh
rung
in der Sehnenscheide des M.
flexor
hallucis
longus
mit Inhibi
tion der Weichteile im Bereich des Sinus
tarsi
Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten folgende Diagnosen (S. 53 f.):
nicht näher spezifizierbare Fingergelenks- und Zehengelenksarthralgien mit und bei
diskret beginnender möglicher
Rhizarthrosebildung
links, Spreizfuss
-
bil
dung
mit
Hallux
valgus
linksbetont ohne degenerative
Verände
-
rungen
leichte depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.00)
Status nach Benzodiazepin-Abhängigkeit (ICD-10 F13.20)
Koronare Herzkrankheit mit und bei
Status nach
inferioposteriorem
Myocardinfarkt
im August 2010
Status nach Dilatation und
Stenting
einer subtotalen RCX-Stenose am 1
4.
August 2010
Status nach Dilatation und
Stenting
einer 95%igen Stenose des
Dia
-
go
nalastes
residueller
diastolischer Dysfunktion bei
Hypokinesie
inferoposterior
und normaler linksventrikulärer Funktion mit 65
%
asymptomatischer 30%iger Reststenosen
kardiovaskulären Risikofaktoren
Allergie auf Kontrastmittel
formal leichte Niereninsuffizienz
Die Beschwerdeführerin zeige sich bei Erhebung der Anamnese nicht
schmerz
geplagt
, die Aufmerksamkeit könne gut gehalten werden und es seien im Ge
spräch keine
mnestischen
Störungen erkennbar. Im Untersuch erfolge dann Wehklagen und es seien ausgeprägte Verdeutlichungstendenzen und
Selbstli
mitation
festzustellen (S. 38 unten f.). Aus rheumatologischer Sicht seien die Veränderungen an der Halswirbelsäule gut kompensiert und erklärten rheuma
tologisch-somatisch das Ausmass der beklagten Beschwerden in dieser anato
mischen Region nicht. Ein Korrelat für die Missempfindungen im rechten Arm sei nicht auffindbar, eine
radikuläre
Komponente fehle. Man könne diese Miss
empfindungen in den Zusammenhang mit der Weichteilgeneralisierungstendenz stellen. Dystrophe oder
atrophe
Veränderungen seien nicht vorhanden. An den Händen finde man eine unauffällige Funktion aller Gelenke, auch der Handge
lenke, ohne dystrophe Veränderungen
und ohne fassbare degenerative Verän
derungen, so dass auch mit Blick auf die anlässlich der Begutachtung von 2006 durchgeführten Röntgenuntersuchungen das Ausmass der Beschwerden, wie sie subjektiv beschrieben würden, somatisch-rheumatologisch weder erklärbar noch nachvollziehbar sei. Am rechten Sprunggelenk bestehe eine beginnende Dege
neration
subtalar
mit einem möglichen Sinus
tarsi
-Syndrom, die klinische Un
tersuchung sei aber schmerzfrei und ohne Funktionseinschränkung. Alle Be
schwerden hätten zusammengefasst nur ein beschränktes Korrelat, entsprechend sei die klinische Untersuchung ohne Hinweise für eine relevante strukturelle oder funktionelle Einschränkung. Aufgrund des Schmerzverhaltens und der Schmerzpräsentation bestünden Hinweise für eine subjektive
Schmerzverdeutli
chung
mit Selbstlimitierung; das Ausmass der Belastbarkeitseinschränkung könne aufgrund der klinischen und radiologischen Befunde nicht erklärt wer
den. Da aber mehrere Etagen, wenn auch moderat, Veränderungen aufwiesen, müsse dem im Sinne einer Einschränkung der Belastbarkeit in der angestamm
ten Tätigkeit als
Coiffeuse
und Spielgruppenleiterin sowie in jeder anderen leichten bis höchstens zeitweise mittelschweren wechselbelastenden Tätigkeit Rechnung getragen werden. Für solche Tätigkeiten sei aus rheumatologischer Sicht eine zumutbare Restarbeitsfähigkeit von 80
%
gegeben, die verbleibenden 20
%
ergäben sich aus der Notwendigkeit von regelmässigen Pausen. Der Gut
achter wies darauf hin, dass die Beschwerdeführerin
keine Schmerzmittel
ein
nehme (S. 45 f.).
Die psychiatrische Begutachtung ergab eine depressive Symptomatik
leichtgra
diger
Ausprägung. Es gebe keine klaren Hinweise für eine rezidivierende de
pressive Störung. In einer Anamnese sei eine Erschöpfungsdepression ohne be
legte Befunde erwähnt worden und die Beschwerdeführerin sei aufgrund
von
Eheproblemen und Trennung zwei Mal kurzzeitig in einer ambulanten Ge
sprächstherapie gewesen. Ob es sich aber um eine depressive Episode gehandelt habe, gehe aus den Unterlagen nicht hervor. Aus versicherungspsychiatrischer Sicht bestehe
eine
volle Arbeitsfähigkeit (S. 51 f.).
Aus dem Bericht des
Z._
vom 2
8.
Oktober 2010 gehe nicht hervor, aufgrund welcher Psychopathologie
eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert worden sei; die Befunde sprächen eher für eine
leichtgradige
depressive Störung. Zudem sei nicht erläutert
worden
, warum es sich um ein Rezidiv handle
. Aufgrund dessen sei auch die Arbeitsunfähigkeit von 50
%
nicht nachvollziehbar (S. 52 f.).
Bezüglich der bestehenden koronaren Herzkrankheit sei die Beschwerdeführerin aktuell asymptomatisch, wie schon bei der letzten kardiologischen Untersu
chung, dies auch bei Ausübung der Tätigkeit als
Coiffeuse
, Spielgruppenleiterin und im Haushalt. Entsprechend zeige das aktuelle EKG keine Hinweise auf Rhythmusstörungen, Ischämie oder kardiale Hypertrophie. Die kardiovaskulären Risikofaktoren seien unter aktueller medikamentöser Therapie gut eingestellt. Die leichte Niereninsuffizienz sei ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Weiter berichte die Beschwerdeführerin über eine baldige Abklärung und eventuell Operation eines beidseitigen Karpaltunnelsyndroms. Die entsprechende Untersu
chung sei wegen generalisierten Schmerzklagen schon bei leichter Palpation nicht sicher verwertbar
(S. 59 unten f.). Bei der psychiatrischen Exploration stünden die Schmerzen in keiner Weise im Hauptfokus der Aufmerksamkeit der Beschwerdeführerin. Innerlich bleibe sie nicht bei den Schmerzen haften, son
dern gebe an, sich damit arrangiert zu haben. In der Schmerzschilderung wirke sie in keiner Weise leidend
. Hauptthema sei vor allem der im August 2010 er
littene Herzinfarkt und die dadurch bedingte Leistungseinschränkung, zweiter Schwerpunkt sei die unsichere finanzielle Situation. Im Gespräch seien keine kognitiven oder
mnestischen
Defizite
eruierbar
; die Beschwerdeführerin könne Daten und Zusammenhänge schnell und präzise wiedergeben und die Auf
merksamkeit lasse während des ganzen Gesprächs nicht nach (S. 61).
Zusammenfassend und unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Be
funde sei die Beschwerdeführerin aus rheumatologischer Sicht für die bisherige und für eine angepasste Tätigkeit zu 80
%
arbeitsfähig. Aus psychiatrischer und internistischer Sicht liege weder für die bisherigen noch für angepasste Tätig
keiten eine Arbeitsunfähigkeit vor (S. 62).
Dr.
G._
habe aus rheumatologi
scher Sicht für die Tätigkeit als
Coiffeuse
aufgrund der
fibromyalgen
Schmerzen und der Fingerpolyarthrosen eine 50%ige Arbeitsfähigkeit festgeste
llt. Dies sei zu grosszügig, da
die Fingerpolyarthrosen, wenn überhaupt, nur
von
sehr ge
ringer Ausprägung seien und eine
Fibromyalgie
ohne
Komorbidität
mit gewis
sem Ausmass und Schwere als überwindbar gelte. Im Rahmen der rheumatolo
gischen Begutachtung im Jahr 2006 bis heute habe sich das Beschwerdebild ge
bessert. Allerdings könne nicht zurückdatiert werden, ab wann dies der Fall ge
wesen sei. Der Hausarzt
Dr.
A._
habe die Arbeitsunfähigkeit unter Ein
bezug der rheumatischen und psychiatrischen, zuletzt auch der internistischen Probleme beurteilt, wobei aber aus seinen Berichten keine Quantifizierung der
verschiedenen Anteile hervorgegangen sei. Somit gelte die aktuelle Beurteilung ab sofort (S. 63 f.).
4.10
Zuhanden der Rechtsvertreterin der Beschwe
rdeführerin berichteten die Fach
-
per
sonen
des
F._
am 2
9.
Mai 2012 (
Urk.
7/119) und
hielten fest, dass sie den Einwand der Beschwerdeführerin bezüglich Auf
hebung der Invalidenrente unterstützten. Diagnostiziert wurde
eine seit 2002 bestehende rezidivierende mittelgradige Störung, aktuell mittelgradige
depressive
Episode, mit somatischem Syn
drom (ICD-10 F33.11) sowie ein
Status nach
Benzodiaze
pinabhängigkeit
(ICD-10 F13.20; S. 1).
Die aktuelle depressive Störung wirke sich auf die Arbeitsfähigkeit aus, indem die Aufmerksamkeitsleistung und Kon
zentrationsfähigkeit sowie die
Planungsfähigkeit reduziert
, der Umgang mit Bela
stungssituationen inflexibel
und das Durchsetzungsvermögen reduziert sei. Deshalb bestehe
zurzeit
eine Arbeitsunfähigkeit von 40
%
(S. 3).
4.11
Die Ärzte des
I._
, Kardiologie, stellten mit Bericht vom 1
9.
September 2012 (
Urk.
7/123/5-7) zusätzlich zur im Wesentlichen unverän
derten bisherigen Diagnose (vgl. vorstehend E. 4.3) die Diagnosen einer chroni
schen mittelschweren Niereninsuffizienz (Stadium 3) und einer Dystonie des linken Auges
.
Am 2
0.
April 2011 habe eine zweite Koronarangiographie statt
gefunden und ein gutes Langzeitergebnis gezeigt (S. 1). Die Beschwerdeführerin
berichte
über eine zunehmende Anstrengungsdyspnoe seit den letzten vier Mo
naten sowie über im Vergleich zur letzten Konsultation vor einem Jahr stabil vorhandene, atypische thorakale Schmerzen. Klinisch präsentiere sie sich
kardio
pulmonal
kompensiert. Zusammenfassend könne man eine Progression der koronaren Herzkrankheit aufgrund der zunehmenden Anstrengungsdyspnoe sowie der fraglichen positiven
Ergonometrie
nicht
sicher ausschliessen und empfehle eine Stressechokardiographie, welche im Spital
D._
erfolgen solle. Differentialdiagnostisch könne die Symptomatik nach Ausschluss einer kardioischämischen Ursache auch im Rahmen der Depression, der
Fibromyalgie
sowie einer
Dekonditionierung
interpretiert werden. Die nächste Kontrolle im
I._
erfolge bei Bedarf (S. 3).
4.12
Mit Bericht vom 1
8.
Oktober 2012 (
Urk.
7/125) stellten die Fachpersonen des
F._
zusätzlich zur bereits genannten
Diagnose (vgl. vorstehend E. 4.10
) diejenige einer Persönlichkeitsakzentuierung mit hohen in
neren Ansprüchen und wenig Flexibilität (ICD-10 Z73.1). Es zeige sich ein zu
nehmend
chronifizierter
Krankheitsverlauf. Das psychische Leiden stehe in en
gem Zusammenhang mit den somatischen Beschwerden, beruhe aber auch im Sinne fehlender
Copingstrategien
auf einer unflexiblen
Persönlichkeitsakzentu
ierung
mit zugleich hohen inneren Ansprüchen
(S. 3)
.
Die Beschwerdeführerin
sei bis
auf w
eiteres zu 60
%
arbeitsunfähig. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei zu 40
%
zu
mutbar (S. 4 f.).
4.13
Dr.
G._
führte mit Schreiben vom 1
2.
Dezember 2012 zuhanden der
Rechts
vertreterin
aus, die Beschwerdeführerin sei bezüglich der
fibromyalgiformen
Schmerzproblematik
für längere Tätigkeiten im Stehen oder Sitzen mit Heben oder Halten von Lasten und mit Tätigkeiten auf Brusthöhe zu 50
%
einge
schränkt. Die degenerativen Fingergelenksveränderungen führten dazu, dass sie ihre Tätigkeit als
Coiffeuse
nicht mehr im gewohnten Rahmen ausüben könne. Aus rheumatologischer Sicht bestehe hierfür lediglich eine 30
-
bis
40%ige Ar
beitsfähigkeit (
Urk.
7/130).
5.
5.1
Gestützt auf den Bericht der
B._
vom
4.
August 2006 (vorstehend E. 3.3) war im Jahr 2008 von einer behinderungsangepassten
Restarbeitsfähig
keit
von 60
%
auszugehen (vgl. vorstehend E. 3.5). Es vermag deshalb nicht zu überzeugen, dass
Dr.
A._
im Verlauf von einer nur noch stundenweisen Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ausging (vgl. vorstehend E. 4.1; Bericht vom
3.
Mai 2009), zumal er
im Wesentlichen die gleichen Diagnosen stellte wie die Ärzte der
B._
im Jahr 2006 und
diese
doch erhebliche Abweichung
nicht weiter beg
ründete
.
Dr.
A._
erwähnte
in der Folge
zu
dem in seinem Bericht vom
6.
Januar 2011 (vorstehend E. 4.6) die von ihm bis
her gestellten Diagnosen eines chronischen
Zervikobrachialsyndromes
,
Osteo
chondrosen
,
myofasziales
Schmerzsyndrom und chronisches
Lumbovertebral
syndrom
(vgl. E. 4.1) nicht mehr, ohne dies zu begründen. Konnte er diese Di
agnosen nicht mehr stellen, so wäre eigentlich eine Verbesserung anzunehmen, was jedoch keinen Eingang in
seinen
Bericht fand.
Weiterhin
erachtete er eine behinderungsangepasste Tätigkeit nur noch im Rahmen von zwei Stunden täglich als zumutbar, was nicht begründet wurde und auch nicht nachvollziehbar ist.
Es ist zu berücksichtigen, dass
Dr.
A._
mit der Be
urteilung von koronaren, rheumatologischen und psychischen Beschwerden sein Fachgebiet der
Allgemein
en Innere M
edizin
verliess, was den Beweiswert seiner Berichte - nebst den dargestellten
U
nklar
heiten
-
stark
herabsetzt.
Seine Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vermag deshalb nicht zu überzeugen.
5.2
Die Beschwerdeführerin musste sich mehreren Herzoperationen unterziehen, weshalb gemäss der Beurteilung der behandelnden Spezialisten eine volle Ar
beitsunfähigkeit vom 1
4.
bis 2
5.
August 2010 (vgl. vorstehend E. 4.2), vom 2
5.
August bis 2
1.
September 2010 und anschliessend bis 1
4.
November 2010
eine Arbeitsunfähigkeit von 75
%
bestand (vgl. vorstehend E. 4.3), was insge
samt drei Monate ausmacht. Eine weitere diesbezügliche Arbeitsunfähigkeit ist nicht
belegt:
Die Koronarangiographie vom 2
0.
April 2011 habe ein gutes
Lang
zeitergebnis
gezeigt und die Beschwerdeführerin
sei
anlässlich der Untersu
chung vom September 2012 ka
rdiopulmonal kompensiert gewesen
(vgl. vor
ste
hend E. 4.11
). Wenngleich eine Progression der Herzkrankheit ni
cht sicher aus
geschlossen werden konnte
, liegen doch keine Angaben zu einer dadurch
wei
terhin verursachten
Arbeitsunfähigkeit vor. Damit ist
für den Zeitraum vom 1
4.
August bis 1
4.
November 2010
eine
genau
dreimonatige Verschlechterung ausgewiesen
, was nicht anspruchsrelevant ist (Art. 88a
Abs.
2 IVV).
5.3
Die Fachleute des
F._
h
ielten mit Bericht vom 2
8.
Oktober 2010 (vgl. vorstehend E. 4.4) fest, dass die von ihnen gestellten Di
agnosen einer
rezidivierenden
depressiven Störung und einer
Benzodiazepinab
hängigkeit
seit 2002 bestünden. Dies steht im Widerspruch zur Aktenlage, denn
Dr.
C._
vermochte in ihrem Gutachten vom September 2006 keine psychi
atrische Diagnose zu stellen (vgl. vorstehend E. 3.4) und auch die Ärzte der
B._
erwähnten keine psychiatrische Diagnose (vgl. vorstehend
E. 3.3). Es ist davon auszugehen, dass den Ärzten am
F._
nicht alle
Vorakten
zur Verfügung standen, was den Beweiswert
(vgl. vorstehend E. 1.3
) ihrer Beurteilung entscheidend herabsetzt. Warum die Be
schwerdeführerin auch in einer behinderungsangepassten Tätigkeit nur zu 50
%
arbeitsfähig sei, wurde
zudem nicht begründet
. Zum Bericht vom
2
9.
Mai 2012 (vorstehend E. 4.10
) ist zu bemerken, dass es nicht Sac
he der behandelnden Ärzte ist, ein Rechtsmittel in einem Versicherungsverfahren zu unterstützen. Die Ärzte des
F._
nahmen zudem weder Stellung zur Beurteilung durch die MEDAS-Gutachter noch zu einer behinderungsangepassten Arbeitsfä
higkeit der Beschwerdeführerin; letzteres fehlt
in diesem Bericht
gänzlich. Dies wurde im Bericht vom 1
8.
Oktober 2012 (vorstehend E. 4.12
) zwar nachgeholt und eine Restarbeitsfähigkeit von 40
%
postuliert, was jedoch wiederum nicht begründet wurde und angesichts der in diesem Bericht erwähnten
eher unauf
fällig anmutenden
Befunde (vgl.
Urk.
7/125/3) auch nicht als schlüssig er
scheint.
5.4
Rheumatologe
Dr.
G._
nahm in seinem Bericht vom 1
0.
November 2011 (vgl. vorstehend E. 4.7) keine verlässliche Beurteilung der
behinderungsange
passten
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vor, sondern äusserte sich le
diglich zur Arbeitsfähigkeit als
Coiffeuse
. Dies holte er zwar in seinem Schrei
ben vom 1
2.
Dezember 2012 (vgl. v
orstehend E. 4.13
) nach
. D
abei handelt es sich aber nicht um einen Arztbericht im beweisrechtlich
en Sinne (vgl. vorste
hend E. 1.3
), fehlt es doch darin an Anamnese, Befunden und Bezugnahme auf
die weiteren Akten. Damit vermag auch die Beurteilung durch
Dr.
G._
kei
nen genügenden Aufschluss über die Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführe
rin und die Frage einer Verschlechterung zu geben.
5.5
Eine Gesamtbeurteilung aller Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin durch entsprechende Fachärzte fand anlässlich der MEDAS-Begutachtung statt. Das Gutachten vom 3
0.
März 2012 erging unter Berücksichtigung der Akten,
mittels
Durchführung der wesentlichen
-
auch bildgebenden
-
Untersuchungen und
nach
sorgfältiger Würdigung der Ergebnisse und ist für die hier zu beurteilende Frage umfassend. Darin kamen die Gutachter unter nachvollziehbarer Begründung zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der rheumatologischen Ge
gebenheiten
in der
bisherige
n
und
in
eine
r
behinderungsangepasste
n
Tätigkeit zu 80
%
arbeitsfähig ist
, und trugen damit den objektivierbaren Beeinträchti
gungen der Beschwerdeführerin genügend Rechnung
.
Die Gutachter legten dar, dass sämtliche Beschwerden nur ein beschränktes Korrelat hätten und aufgrund des Schmerzverhaltens und der Schmerzpräsentation Hinweise für eine subjek
tive Schmerzverdeutlichung bestünden. Auch könne das Ausmass der
Belast
barkeitseinschränkung
aufgrund der klinischen und radiologischen Befunde nicht erklärt werden.
Die
pseudoradikuläre
Ausstrahlung in beide Oberarme, die die
Ärzte de
r
B._
im Jahr 2006
feststellten und welche sich ihrer Ansicht nach
damals
massgeblich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkte (vgl. vor
stehend E. 3.3), liess sich nun nicht mehr feststellen. Auch konnten die Gutach
ter
aus der aktuellen bildgebenden Untersuchung der Hände keine fassbaren de
generativen Veränderungen lesen; die Funktion der Hände sei unauffällig.
Dass die Beschwerdeführerin in der Folge zwei Handgelenksoperationen durchführen musste, steht der MEDAS-Beurteilung nicht entgegen, denn Fachärztin
Dr.
H._
hielt fest, dass dadurch einzig eine vorübergehende Arbeits
unfähigkeit zu erwarten sei. Zu einer dadurch bedingten Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin nahm sie nicht Stellung (vgl. vorstehend E. 4.8).
Aus psychiatrischer
und internistischer Sicht liegt gemäss MEDAS-Gutachten
keine Arbeitsunfähigkeit vor. Letzteres steht in Übereinstimmung mit den Be
richten der Herzspezialisten (vgl. vorstehend E.
5.2), und ersteres erscheint an
gesichts der anlässlich der Untersuchung erhobenen
psychiatrischen
Befunde
(vgl. S. 50 des Gutachtens)
als nachvollziehbar. Die Gutachter nahmen zudem Stellung zu den bisherigen Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit der Beschwer
deführerin. Damit
erfüllt das Gutachten alle erforderlichen Kriterien und es
ist von
einer
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf 80
%
ab
1.
April 2012 auszu
gehen.
5.6
Die von der Beschwerdeführerin angeführten Argumente (vgl.
Urk.
1 S. 6 ff.) vermögen diese Beurteilung nicht zu entkräften.
Rechtsprechungsgemäss darf das Gericht Gutachten externer Spezialärzte, welche von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt wurden und den einschlägigen An
forderungen entsprechen, vollen Beweiswert zuerkennen, solange
- wie vorlie
gend - keine
konkrete
n
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise spre
chen. Demgegenüber stehen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versicherten Person und haben sich zudem in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren. Ihre Berichte verfolgen daher nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungs
ansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die materiellen Anforderungen an ein Gutachten ge
mäss BGE 125 V 352 E. 3a. Aus diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungs
tatsache, dass Hausärzte - beziehungsweise regelmässig behandelnde Spezial
ärzte (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 551/06 vom
2.
April 2007 E. 4.2) - mit
unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen,
kommt
im Str
eitfall eine direktes Abstellen
einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte
nur selten
in Frage (vgl.
das
Urteil des Bundesgerichts 8C_1055/2010 vom 1
7.
Februar 2011 E. 4.1 mit Hinweisen).
6.
6.1
Bei einer Arbeitsfähigkeit von 80
%
in der angestammten Tätigkeit kann unter Vornahme eines Prozentvergleichs von einem rentenausschliessenden
Invalidi
tätsgrad
von 20
%
ausgegangen werden.
6.2
Die
am
1
6.
Oktober 1959
geborene Beschwerdeführer
in (vgl.
Urk.
7/1
) war im Zeitpunkt der rentenauf
hebenden Verfügung vom 2
3.
April
2013 (
Urk.
2)
54
Jahre alt und bezog seit
1.
Juni
2001 (
Urk.
7/31), mithin seit rund 12
Jahren, eine
halbe
Rente. Mit keinem der beiden Kriterien (Alt
er und
Dauer
des
Rentenbezug
s
) fällt die
Beschwerdeführer
in
unter den vom Bundesgericht besonders geschütz
ten Personenkreis
(vgl. das
Urteil 9C_228/2010 E. 3.3 vom 2
6.
April 2011
)
, bei welchem die Beschwerdegegnerin vor der Renteneinstellung die Frage der Zu
mutbarkeit der Selbsteingliederung zu prüfen beziehungsweise diesbezüglich Hil
feleistungen anzubieten hat. Der
Beschwerdeführer
in
ist die Verwertung
ihres
Leistungspotentials demnach ohne vorgängige Durchführung
befähigender
Massnahmen
zuzumuten, zumal sie
ihre Arbeit immer
teilzeitlich
beibehalten hat.
6.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht eine revisionsrelevante Sachverhaltsänderung angenommen und beim neu
be
stim
-
mten
Invaliditätsgrad von
20
%
eine Renteneinstellung verfügt hat.
Die angefochtene
Verfügung vom 2
3.
April
2013 (
Urk.
2) erweist sich deshalb als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
9
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie de
r
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.