Decision ID: e1238d7e-62ba-4fdc-a6ba-6feeb7418702
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973, verletzte sich anlässlich eines am 2
8.
März 2008 erlittenen S
turzes am linken Arm (
Urk.
7/13/31) und meldete sich am 13.
Dezem
ber 2008 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/10). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, zog Akten der Suva bei, holte Arztberichte ein und veranlasste
insbesondere eine psychiatrisch-
neurolo
gische und
orthopädisch
e
Untersuchung des Versicherten durch den Regionalen Ärztlic
hen Dienst
(RAD)
, worüber am 3
0.
Juli 2012 berichtet wurde (
Urk.
7/
56
57).
Mit Verfügung vom 2
0.
November
2012
(
Urk.
7/70
und
Urk.
7/84) sprach die IV
Stelle dem Versicherten
ab
1.
Juli 2009
eine ganze Rente und
ab
1.
Mai 2012
eine
Viertelsrente
zu. Nachdem der Versicherte dagegen am 2
7.
Dezemb
er 2012 Beschwerde erhoben und die
Zusprache
einer unbefristeten ganzen Rente sowie eventualiter eine Rückweisung zur Neubeurteilung beantragt hatte (Urk.
7/110/3
8), wurde
er an einer Instruktionsverhandlung vo
m
3.
Juni 2013 auf die Möglichkeit einer
reformatio
in
peius
im Falle einer Rückweisung oder der Anordnung eines Gerichtsgutachtens hingewiesen (vgl.
Urk.
7/127/7). Am 11.
Juli 2013 zog er die Beschwerde zurück (vgl. Abschreibungsverfügung vom 2
9.
Juli 2013,
Urk.
7/127
/1-3
).
1.2
Am
3.
Juni und 1
4.
Oktober 2013 (
Urk.
7/153) stellte der Rechtsdienst der
IV
Stelle
fest, die Verfügung vom 2
0.
Novembe
r 2012 sei zweifellos unrichtig
gewesen
und die unklare medizinische Aktenlage
sei
zu bereinigen. In der Folge holte die IV-Stelle beim Zentrum
Y._
ein interdisziplinäres (orthopädisch-psychiatrisches) Gutachten ein, das am
8.
Juli 2014 erstattet wurde (
Urk.
7/146).
Nach
Einholung unter anderem einer ergän
zenden Stellungnahme der Gutachter (
Urk.
7/157) sowie
durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(
Urk.
7/162, 7/168,
Urk.
7/213,
Urk.
7/216) hob die IV
Stelle mit Verfügung vom 1
1.
Dezember 2019 die Verfügung vom 20.
November 2012 wiedererwägungsweise auf
(
Urk.
7/218 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 2
3.
Januar 2020 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
1.
Dezember 2019 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben, und es sei ihm weiterhin eine
Viertelsrente
auszurichten. Die IV-Stelle beantragte mit Beschwer
deantwort vom
2.
März 2020 die Abweisung der Beschwerde
(
Urk.
6)
, was dem Beschwerdeführer am
1
2.
Mai 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.2
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
1.3
Unabhängig von einem materiellen Revisionsgrund kann die IV-Stelle auf formell rechtskräftige Verfügungen, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Überprüfung gebildet haben, zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn – was auf periodische Dauerleistungen regelmässig zutrifft (BGE 119 V 475 E. 1c mit Hinweisen) – ihre Berichtigung von erheblicher Bedeu
tung ist (Art. 53 Abs. 2 und 3 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2, 138 V 147 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_819/2017 vom 13. Februar 2017 E. 2.2). Die Wiedererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhaltes (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_121/2017 vom 5. Juli 2018 E. 8.2).
Die Wiedererwägung nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG setzt voraus, dass kein vernünfti
ger Zweifel an der Unrichtigkeit der Verfügung möglich, folglich nur dieser ein
zige Schluss denkbar ist. In diesem Sinne qualifiziert unrichtig ist eine Verfügung, wenn eine Leistung aufgrund falscher Rechtsregeln beziehungsweise ohne oder in unrichtiger Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zugesprochen wurde (BGE 141 V 405 E. 5.2, 140 V 77 E. 3.1 mit Hinweis). Gleiches gilt bei einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, insbesondere wenn die notwendigen fachärztlichen Abklärungen überhaupt nicht oder nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt wurden (vgl. Art. 43 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2017 vom
2.
August 2018 E. 3.2 mit Hinweisen). Soweit ermessensgeprägte Teile der Anspruchsprüfung vor dem Hin
tergrund der Sach- und Rechtslage einschliesslich der Rechtspraxis im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung in vertretbarer Weise beurteilt worden sind, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (BGE 141 V 405 E. 5.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_766/2016 vom 3. April 2017 E. 1.1.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus,
die
Verf
ügung vom 2
0.
November
2012 sei zweifellos unrichtig
gewesen
, da
bei der
Zusprache
der Invalidenrente der Untersuchungsgrundsatz verletzt wor
den sei. D
em
psychiatrisch-neurologischen
Bericht des RAD vom 3
0.
Juli 2012
komme
kein Beweis
wert zu und auch die im RAD-Bericht aus psychiatrischer Sicht attestierte Arbeitsfähigkeit von 50
%
sei nicht nachvollziehbar sei
(S. 2 Mitte, S. 4 Mitte).
Zur Beurteilung des aktuellen Rentenanspruchs ging die Beschwerdegegnerin von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerde
führers in der angestammten Tätigkeit in der Reinigungsbranche, und – abwei
chend von der Beurteilung im 2014 erstatteten
Y._
-Gutachten
(vgl. S. 3 oben)
– von einer mindestens 76%igen Arbeitsfähigkeit in einer optimal behinderungs
angepassten Tätigkeit aus
(S. 3 unten)
,
und ermittelte gestützt darauf einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 24
% (
S. 4 oben).
2.2
Der Beschwerdeführer
stellte sich
demgegenüber
auf den Standpunkt
(
Urk.
1), die Voraussetzungen für eine wiedererwägungsweise Aufhebung
der Verfügung vom 2
0.
November 2012
seien nicht
erfüllt (S. 5
Ziff.
11)
. Die
Beurteilun
g des RAD sei unter dem Gesichtspunkt der Ermessensbetätigung dur
chaus vertretbar gewesen (S. 4
Ziff.
9).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Aufhebung der 2012 zugesprochenen
Viertels
rente
rechtens ist.
3.
3.1
Die
Ärzte des
Departements Chirurgie,
Kantonsspital
Z._
,
diagno
stizierten mit Bericht
vom 2
4.
Februar 2009 (
Urk.
7/22)
e
ine Handgelenks
distorsion links vom 2
8.
März 2008 mit TFCC-Läsion im
styloidalen
Anteil und
Lunatummalazie
im Stadium III nach Lichtmann (
Ziff.
1.1)
,
und
führten aus,
am 1
0.
Dezember 2008
sei
eine
Lunatumrettungsoperation
mittels
vaskularisiertem
Radiusspan durch
geführt
worden
(
Ziff.
1.4).
3.2
Am
2
7.
November 2009
(
Urk.
7
/31/6
) berichteten die Ärzte des
Z._
,
das
Lunatum
sei mittlerweile konsolidiert und nur geringfügig höhengemindert. Der Beschwerdeführer leide trotz Neurotomie des
Nervus
interosseus
posterior
unter anhaltenden Schmerzen im linken Handgelenk in Ruhe und auch unter Belastung.
Im Bericht vom 1
4.
Dezember 2009 (
Urk.
7/31/1-6) bezeichneten die Ärzte die
b
isherige Tätigkeit
bis
auf weiteres
als nicht zumutbar
(7/
31
Ziff.
1.7).
3.3
Dr.
med.
A._
, Leitender Arzt
der Klinik für Hand- und Plastische Chirurgie des
Z._
, berichtete am
1
6.
April 2010 (
Urk.
7/34/24), a
ktuell
bestehe ein
komplexes regionales Schmerzsyndrom
(CRPS
)
1
mit Symptomausweitung in Richtung Mittelhand und Schulter. Operati
v
sei
keine Verbesserung erzielbar.
Aufgrund der Schmerzsituation sei der Beschwerdeführer aktuell und wohl auch in Zukunft voll arbeitsunfähig
.
Der
Einsatz der linken oberen Extremität für jegliche manuelle
n
Tätigkeiten sei im Moment undenkbar.
3.4
Suva-Kreisarzt
Dr.
med. B._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie, berichtete am
1
9.
Juli 2010
nach
gleichentags erfolgte
r
Untersuchung
(
Urk.
7
/34/
5-9
)
, beim Beschwerdeführer persistiere eine Schmerzhaftigkeit im linken Handgelenk. Phasenweise hätten sich anscheinend auch Aspekte eines CRPS gezeigt, diese Diagnose stehe jedoch au
f wackeligen Füssen
. Er habe eine aktuelle konventionell-radiologische Bildgebung veranlasst (S.
4 unten).
Die
se
ergab gemäss Beurteilung durch
Dr.
B._
vom 1
8.
August 2010 (
Urk.
7/35/19) keine Veränderungen, die ein chirurgisches Vorgehen erfordert hätten, und au
ch keine Hinweise für ein CRPS.
3.5
Am
1.
Oktober 2010 fand im Schmerzzentrum des
Z._
eine interdisziplinäre Besprechung statt, an welcher
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.3),
Dr.
med.
C._
, Leitende Ärztin des Instituts für Anästhesiologie,
Dr.
med.
D._
, Oberarzt d
er psychiatrischen Poliklinik, i
ntegrierte Psychiatrie
E._
, sowie der Hausarzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Innere Medizin
und für
Rheuma
tologie
, teilnahmen und worüber am
8.
Oktober 2010 berichtet wurde (
Urk.
7/35/5-7). Die Ärzte nannten
die
folgende
n,
hier
verkürzt wiedergegebenen Diagnosen (S. 1):
-
chronisches Schmer
zsyndrom der linken Hand
-
depressive Episode, gegenwärtig leicht bis mittelgradig (ICD-10 F31.1)
-
Verdacht auf Angststörung (ICD-10 F41.9)
-
modulierende Verhaltens- und psychische Faktoren bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10 F54).
3.6
Im Bericht vom
9.
Mai 2011
über die Abschlussuntersuchung vom
2.
Mai 2011 (
Urk.
7/36/6-10) führte Suva
-Kreisarzt
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.4) aus
,
die
Trophik
der linken
Hand
sei
gut und
die
Muskulatur
des linken Armes
erstaunlich kräftig, sodass davon ausgegangen werden dürfe, dass die gezeigten Leistungen für
die
Handhabung von Gewicht
so
wie Kraftentfaltung die untere
Li
mite
des Möglichen darstellten.
Zu vermeiden seien sicher
Schläge, auf das Handgelenk wirkende Vibrationen und sehr flinke
Bewegungen
.
Zur
definitiven Beurteilung habe er eine
neue
Röntgenuntersuchung
veranlasst (S. 5 Mitte).
Nach
dem diese am 1
4.
Juli 2011 durchgeführt worden war
(vgl.
Urk.
7/39/35), nahm Suva-Kreisarzt
Dr.
G._
am
gleichen Tag
ergänzend Stellung (
Urk.
7/39/29) und attestierte dem Beschwerdeführer eine volle Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung des von Kreisarzt
Dr.
B._
formulierten Zumut
barkeitsprofils (
Urk.
7/29/42).
3.7
Am
1
2.
Juli 2011 (
Urk.
7/
39/22-23
) berichtete
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.3) von einer
akute
n
Schmerzversc
hlechterung ohne erneutes Trauma (S. 1 Mitte)
.
Er führte aus, die durchgeführte Magnetresonanztomographie (
MRI
) habe
stabile Verhältnisse
gezeigt
und keine Erklärung für die Schmerzen
geliefert
.
Der klini
sche
Eindruck
sei
unauffällig
(S. 1 unten)
.
H
andchirurgisch
sei aktuell kein
Behandlungsansatz vorhanden
(S. 2 oben)
.
3.8
Der
(neue)
Hausarzt m
ed. prakt.
H._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, berichtete am
8.
Dezember 2011
(
Urk.
7
/43
) und attestierte dem Beschwerde
führer eine volle Arbeitsunfähigkeit
als Reinigungsangeste
llter seit 2
8.
März
200
8.
Zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer
behinderungs
angepasst
en Tätigkeit erachtete er einen
A
rbeitsversuch als erforderlich
(
Ziff.
3,
Ziff.
6.2)
.
3.9
Dr.
D._
,
E._
(vorstehend E. 3.5),
nannte im B
ericht
vo
m
6.
März 2012 (
Urk.
7
/47
)
a
ls Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähi
g
keit (
Ziff.
1.1)
eine depressive Episode, gegenwärtig leicht bis mittelgradig (ICD-10 F31.1), einen Ver
dacht auf eine Angststörung (ICD-10 F41.9) sowie modulierende Verhaltens
fak
toren und psychologische Faktoren bei chronischem Schmerz
syndrom (ICD
10 F54
).
Er führte aus, es liege ein langjähriger protrahierter somatischer Verlauf mit
komorbider
psychiatrischer Problematik vor. Es bestehe eine ausgeprägte
Chro
nifizierung
(S. 3 oben). Beim Beschwerdeführer bestünden eine Antriebs
armut, eine verminderte Stresstoleranz sowie eine Angst vor Verschlimmerung bei
Benutzung der linken Hand (
Ziff.
1.7). Die Arbeitsfähigkeit müsse
in erster Linie aus soma
tischer Sicht beurteilt werden. Aus r
ein psychiatrisch
er Sicht sollte min
destens eine
50%ige Tätigkeit mit schrittweisem Wiederei
nstieg möglich sein
(
Ziff.
1.6)
.
3
.10
Am 1
4.
Juni 2012 wurde der Beschwerdeführer durch RAD-Arzt
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, unter
sucht. In seinem Bericht vom
3
0.
Juli 2012 (
Urk.
11/57
) nannte
Dr.
I._
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches
Schmerzsyn
drom der linken Hand und des gesamten linken Arm
es nach CRPS bei Zustand nach operativer Behandlung einer
Lunatummalazie
Stadium III im Dezember
2008 bei Zustand n
ach Handgelenksdistorsion im März
2008 (
Ziff.
8)
. Er führte aus, aufgrund des ausgewiesenen somatischen Gesundheitsschadens sei der Beschwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit als Reinigungs
kraft/
Gebäude
reiniger
seit dem 2
8.
März 2008
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dauerhaft
nicht mehr arbeitsfähig. In einer optimal angepassten Tätigkeit
– gemäss näher formuliertem Belastungsprofil (vgl. S. 8 oben) –
sei, übereinstimmend mit
Dr.
D._
von der
E._
, ab 2
9.
Februar 2012 (letzte Konsultation in der
E._
) von einer zunächst 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen, welche aber schritt
weise auf 100
%
steigerbar
sei bei einem Zeithorizont von eineinhalb bis zwei Jahren (S. 7 unten).
3.11
Ebenfalls a
m 1
4.
Juni 2012 wurde der Beschwerdeführer durch RAD-Arzt
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie, untersucht. In seinem Bericht vom 3
0.
Juli 2012 (
Urk.
7/56) nannte
Dr.
J._
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0, F32.1) sowie ein komplexes regionales Schmerzsyndrom CRPS Typ 2, Kausalgie (S. 10
Ziff.
9).
Er führte aus, d
urch die ausgeprägte Schmerzsymptomatik bestünden Leiden und Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen und anderen wichtigen Funktionsbe
reichen (S. 11 Mitte).
In
der bisherigen Tätigkeit als Rei
niger sei
gestützt auf die
plausiblen
Arztber
ichte
und Akten der Suva
eine
volle
Arbeitsunfähigkeit seit dem Unfallereignis
ausgewiesen. Für eine angepasste Tätigkeit sei gestützt a
uf die Angaben von
Dr.
D._
von der
E._
ab 29.
Februar 2012 von einer min
destens 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Eine schrittweise langsame Stei
gerung der Arbeitsfähigkeit bis auf 100
%
binnen eines Jahres sei medizintheo
retisch möglich und dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht zumutbar (S. 12 Mitte). Die attestierte Arbeitsunfähigkeit sei auf ein Leiden mit Krankheitswert zurückzuführen (S. 11 Mitte).
3.12
In ihrer abschliessenden Stellungnahme vom
2
5.
Juli 2012 (
Urk.
7
/59 S. 7
)
resü
mierten
RAD-Arzt
Dr.
I._
und RAD-Arzt
Dr.
J._
,
i
n der bisherigen Tätigkeit als Reinigung
skraft/Gebäudereiniger bestehe
seit dem Unfalltag am 2
8.
März 2008 eine mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dauernde Arbeitsunfähigkeit. In optimal angepasster Tätigkeit sei, übereinstimmend mit
Dr.
D._
von der
E._
, ab 2
9.
Februar 2012 von einer zunächst 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen, welche aber schrittweise
steigerbar
sei. Angesichts der langjährigen Arbeitsent
wöhnung und der ausgeprägten Schmerzsymptomatik sollte ein sehr langsamer schrittweiser Wiedereinstieg in das Berufsleben erfolgen mit einer sich über ein
einhalb bis zwei Jahre steigernden Arbeitsfähigkeit bis hin zu 100
%
(S. 7 Mitte)
. Dabei sei folgendes Belastungsprofil zu beachten: nur körperlich sehr leichte Tätigkeiten ohne Heben und Tragen von Lasten von mehr als fünf Kilogramm, ohne die Notwendigkeit zum Gebrauch des linken Armes, ohne beidhändiges und feinmotorisches Hantieren mit Werkzeugen oder Gerätschaften, ohne Arbeiten in Armvorhalte oder über Kopf, mit nur selten vornübergebeugtem Stehen oder Sitzen, ohne längeres Verharren in Rotationsstellungen des Kopfes oder Rumpfes, ohn
e Knien/Kn
i
e
beuge, ohne häufiges Treppensteigen. Eine medizinische Neube
urteilung werde etwa zwei Jahre nach Beginn des berufl
ichen Wiedereinstiegs empfohlen (S. 7 unten).
3.13
Gestützt auf diese Aktenlage ging die Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 2
0.
November 2012 (
Urk.
7/40 und
Urk.
7/84
) davon aus,
der Beschwerdeführer sei seit 2
8.
März 2008 in seiner Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Gebäudereiniger erheblich eingeschränkt
(
Urk.
7/40 S. 1 unten). Ab dem 2
9.
Februar 2012 habe sich sein Gesundheitszustand verbessert. Ab 2
9.
Februar 2012 sei in einer optimal leidensangepassten Tätigkeit von einer zunächst 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen, welche aber schrittweise
steigerbar
sei (
Urk.
7/40 S. S. 2 oben, S. 2 unten, S. 3 oben).
4.
Am
8.
Juli 2014 erstatteten die Ärzte des
Y._
ein
Gutachten
im Auftrag der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
7/146)
, dies gestützt auf die ihnen zur Verfügung gestellten Akten sowie ihre vom 2
6.
bis 2
8.
Mai 2014 erfolgten internistischen (S.
22 ff.), orthopädischen (S. 24 ff.) und psychiatrischen (S. 31 ff.) Unter
suchungen (vgl. S. 1 unten, S. 3 oben). Die Gutachter nannten folgende Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 41 oben):
-
chronische Handgelenksschmerzen mit Ausstrahlungen nach proximal bei
-
Status nach Sturz auf die linke Hand im März 2008 und
-
Lunatummalazie
Stadium III nach Lichtmann
-
Teilriss
des TFCC
-
Status nach
Lunatumrettungsoperation
links mit
vaskularisiertem
Radiusspan (Dezember 2008)
-
Status nach CRPS I
-
chronische Hüftschmerzen rechts bei beginnender
Coxarthrose
rechts mit
femoroacetubalärem
Impingement
und Status nach Hüftarthroskopie rechts mit Pfannenrandtrimmung, Labrum-
Débridement
und Re-Taillierung des Schenkelhalses
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode
-
sonstige spezifische Angststörung
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
-
Verdacht auf beginnende dissoziative Störung der Bewegung und Empfindung, Differentialdiagnose: Ausgestaltungstendenz
Zur Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus,
i
n der bisherigen Tätigkeit als Reiniger sei der Beschwerdeführer seit dem Ereignis vom 2
8.
März 2008 nicht mehr einsetzbar (S. 43
Ziff.
10). Aus somatischer Sicht sei
er
heute als funk
tioneller
Einarmer
anzusehen. Die linke Hand könne auch nicht als Hilfs- oder Gegenhand eingesetzt werden. In einer adaptierten Tätigkeit (gemäss dem aus somatischer Sicht formulierten Belastungsprofil
, vgl. S. 43 unten
) sei der Beschwerdeführer
aus psychiatrischer
Sicht zusätzlich im Sinne eines verminder
ten Rendements arbeitsfähig, welches aktuell sehr schw
ierig zu schätzen sei, da der Beschwerdeführer
einen erhebliche
n sozialen Rückzug zeige und invaliditäts
fremde Faktoren teilweise eine Rolle spielten.
Das medizinisch begründbare ver
minderte Rendement werde aktuell auf etwa 50
%
geschätzt
(S.
43
f.
).
5
.
5
.1
Bei der im Jahr 2012 erfolgte
n
Rentenzusprache
stellte die Beschwerdegegnerin massgeblich auf die RAD-Berichte vom 3
0.
Juli
2012 (vorstehend E. 3.10, E. 3.11) ab. Für die Zeit ab 2
9.
Februar 2012 ging sie dementsprechend von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit und gestützt darauf von einem Anspruch auf eine
Viertelsr
ente
ab
1.
Mai 2012 (Verbesser
ung plus
3
Monate) aus
(
Urk.
7/70,
Urk.
7/84)
.
5
.2
In der angefochtenen Verfügung stellte sich d
ie Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt, der RAD-Orthopäde habe keine nachvollziehbare Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit und zum Belastungsprofil abgegeben, namentlich die Arbeits
fä
higkeit in angepasster Tätigkeit sei aus somatischer Sich
t unklar gewesen (
Urk.
2 S. 2).
Der Beschwerdegegnerin ist insofern beizupflichten, als der von
Dr.
I._
(vorste
hend E. 3.10)
in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit angebrachte Verweis auf die (psychiatrische) Beurteilung durch
Dr.
D._
(vor
stehend E. 3.9)
irritiert.
Mit Blick auf die
abschlie
ssende,
aus
bidisziplinärer
Sicht a
bgegebene
Stellungahme vom 2
5.
Juli 2012 (vorstehend E.
3.12) durfte
die Beurteilung durch
Dr.
I._
aber letztlich
wohl
so verstanden werden, dass
dem Beschwerdeführer in
eine
r
körperlich angepasste
n Tätigkeit entsprechend dem von
Dr.
I._
formulierten Belastungsprofil aus somatischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit zugestanden und die 50%ige Einschränkung durch die psychiatri
sche Problematik begründet wurde.
Davon schien auch die Beschwer
degegnerin ausgegangen zu sein.
Dass
Dr.
I._
dem Beschwerdeführer in der
angestammte
n
Tätigkeit in der Reinigungsbranche
eine volle
Arbeitsun
fähigk
eit attestierte
, erscheint sodann nicht
unplausibel
, zumal sich das aus somatischer Sicht formulierte Belastungsprofil (vorstehend E. 3.12)
kaum
mit einer entspre
chenden Tätigkeit vereinbaren lässt.
Hinreichende Anhaltspunkte dafür, dass das von
Dr.
I._
– immerhin
nach persönlicher Untersuchung
-
aus somatischer Sicht
formulierte Belastungsprofil zweifellos unrichtig wäre,
bestehen nicht.
Soweit
die Beschwerdegegnerin auf ungeklärte Diskrepanzen in Bezug auf die formulierte Hebe- und
Traglimite
gemäss Suva-Kreisarzt
Dr.
B._
(mindestens
500
Gramm) und gemäss RAD-Arzt
Dr.
I._
(bis 5
Kilogramm) hinwies, ist zu bemer
ken, dass
im Kreisarztbericht die gezeigte Leistung für die Handhabung eines Gewichts von 500 Gramm (
Urk.
7/36 9 unten) als an der
unteren
Limite
des Mög
lichen liegend beurteilt wurde (vorstehend E.
3.6), was
mit der
Einschätzung durch
Dr.
I._
ohne weiteres vereinbar ist
.
5
.3
Die Be
schwerdegegnerin
machte ferner geltend, auch die aus psychiatrischer Sicht attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50
%
sei nicht nachvollziehbar. Eine leichte bis mittelgradige depressive Episode sei rechtsprechungsgemäss über
windbar, da es sich nur um ein vorübergehendes Leiden handle. Zudem
spielten
psychosoziale Faktoren eine Rolle.
Der Beschwerdegegnerin ist insofern beizupflichten, als dass angesichts der beim Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht gestellten Diagnose vor dem Hinter
grund der im Jahr 2012 im Zusammenhang mit depressiven Episoden geltenden Rechtsprechung
(
vgl. etwa Urteile
des Bundesgerichts
9C_266/2012 vom 2
9.
August 2012 E. 4.3.2, 9C_302/2012 vom 1
3.
August 2012 E. 4.3.2
)
auch ein anderer Entscheid denkbar gewesen wäre.
In die Beurteilung durch
Dr.
D._
, auf welchen die RAD-Ärzte letz
t
lich Bezug nahmen, wurde aber auch
von einer ausgeprägt
ch
ronifizier
ten
Schmerzproblematik berichtet
, welcher im Rahmen der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung offenbar (
ebenfalls
) Rechnung
getragen wurde.
Was schliesslich die von der Beschwerdegegnerin geltend gemachten psychosozialen
Faktoren anbelangt, so gehen solche zwar wohl aus dem Bericht von RAD-Arzt
Dr.
J._
hervor (
Urk.
7/56 S. 11 oben). Gleichzeitig h
i
elt
Dr.
J._
aber auch fest, die attestierte Arbeitsunfähigkeit sei auf ein krankheitswertiges Leiden zurückzu
führen, womit
er zum Ausdruck brachte
, dass die psychosozialen Faktoren im Rahmen der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung ausgeklammert blieben.
5
.4
I
n Bezug auf die im Jahr 2012 vorgenommene Invaliditätsbemessung
(vgl.
Urk.
2 S. 4 oben) ist keine
offensichtliche Fehler
haftigkeit auszumachen, sodass sich
zusammenge
fasst
ergibt
, dass die im Jahr 2012 erfolgte
Zusprache
einer
Viertels
rente
zwar nicht vollumfänglich überzeugend war beziehungsweise auch ein anderer Entscheid denkbar gewesen wäre, die
Zusprache
aber nicht als zweifellos unrichtig gewertet werden kann.
5
.5
Der nach durchgeführter Instruktionsverhandlung erfolgte Beschwerderückzug vom
1
1.
Juli 2013 (vgl.
Urk.
7/127/1-3)
steht
diesem Ergebnis
nicht entgegen.
Die Beschwerde wurde damals zurückgezogen, weil das Gericht darauf hingewiesen hat, dass es eine Rückweisung erwäge und diese eine Schlechterstellung zur Folge haben könnte. Das Gericht hat
aber
nicht festgestellt, die verfügungsweise erfolgte
Zusprache
sei unzutreffend und in Aussicht gestellt, sie deshalb aufzu
heben. Dass das Gericht die damalige
Zusprache
als - aufgrund der damals vor
liegenden Abklärungen - möglicherweise (noch) nicht hinreichend ausgewiese
n erachtete, macht diese nicht zweifellos unrichtig
. Ob die nach erfolgter Rückwei
sung getätigten Abklärungen zum Schluss geführt hätten, die
Zusprache
sei richtig oder sie sei nicht gerechtfertigt, muss
offen
bleiben
.
Dass die rentenzu
sprechende Verfügung nach der Rückweisung keinen Bestand gehabt hätte,
wäre lediglich möglich gewesen
.
5
.6
Mit Blick auf den im
Y._
-Gutachten vom Juli 2014 (vorstehend E. 4) beschriebe
nen Gesundheitszustand ergeben sich schliesslich keine Anhaltspunkte für einen veränderten Gesundheitszustand oder darauf, dass die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit geringer geworden wären, womit eine Anpassung im Sinne von
Art.
1
7 ATSG ausser Betracht fällt.
5
.7
Dies führt zusammengefasst zum Schluss, dass die Verfügung vom 2
0.
November 2012 weder in Wiedererwägung gezogen werden kann
,
noch
dass die Voraus
setzungen einer revisionsweisen Anpassung gegeben sind.
Demnach ist die angefochtene Verfügung in Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde mit der Feststellung aufzuheben, dass der Beschwerdeführer weiter
hin Anspruch auf eine
Viertelsrente
hat.
6
.
6
.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
6
00.-- festzusetzen und aus
gangsgemäss der B
eschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6
.2
Dem obsiegenden und anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer steht eine Parteientschädigung zu, die beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwert
steuer) ermessensweise auf
Fr.
1'700
.-- (inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzu
erle
gen ist.