Decision ID: dda0c273-18c7-51dd-b5d3-154b599bd4fe
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden – mit letztem offiziellen Wohnsitz in D._
– seien am (...) 2019 aus ihrem Heimatland nach Spanien ausgereist. Am
27. Dezember 2019 seien sie in die Schweiz eingereist und suchten tags
darauf bei den hiesigen Behörden um Asyl nach (SEM Vorhabens-
Nr. 1059340).
B.
B.a Am 8. Januar 2020 wurden von B._ (Beschwerdeführer) und
A._ (Beschwerdeführerin) im Bundesasylzentrum Region (...) die
Personalien aufgenommen. Beide seien in E._ (Departamento
Cundinamarca) nordwestlich von Bogotá aufgewachsen. Der Beschwerde-
führer habe eine Tochter namens F._, welche in Kolumbien bei ihrer
Mutter lebe. Die Beschwerdeführerin habe zwei Kinder, deren Vater in Ko-
lumbien lebe: C._ (geboren am [...]), welcher sich bei der Be-
schwerdeführerin aufhalte und in vorliegendes Beschwerdeverfahren mit-
einbezogen wurde, und G._ (geboren am [...]), welche seit 2018 in
E._ (Spanien) studiere.
B.b Der Beschwerdeführer und die Beschwerdeführerin wurden am
11. Februar 2020 einzeln zu ihren Asylgründen angehört. Nachdem die Fa-
milie am 14. Februar 2020 dem erweiterten Verfahren zugwiesen wurde,
wurden alle Beschwerdeführenden am 25. respektive 26. August 2020 er-
gänzend angehört.
Dabei brachten sie im Wesentlichen vor, der Beschwerdeführer habe in
den letzten acht bis zehn Jahren als Techniker an politischen Veranstaltun-
gen wie Wahlauftritte von regionalen Politikern (in den Departementen Bo-
gotà und Cundinamarca) gearbeitet, so auch vor und während den Regio-
nalwahlen vom 27. Oktober 2019. Am (...) 2019 hätten er und die Be-
schwerdeführerin den fiebrigen C._ ins Spital fahren wollen, als sie
gemerkt hätten, dass eine unbekannte Person sie fotografiert habe. Nach
dem Spitalbesuch habe der Beschwerdeführer auf seinem Mobiltelefon
den ersten Drohanruf erhalten: Wenn er sich von seinen politischen (eher
rechten) Idealvorstellungen nicht löse, werde seine Familie umgebracht.
Am gleichen Nachmittag hätten sie von der Wohnung aus beobachtet, wie
Unbekannte von der Strasse her auf ihre Wohnung gezeigt hätten. Darauf-
hin hätten sie am (...) 2019 bei der Staatsanwaltschaft eine Anzeige ein-
gereicht, welche von dieser entgegengenommen worden sei. Nichtsdestot-
rotz hätten sie immer wieder Drohanrufe erhalten. Am (...) 2019 seien beim
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Pförtner ihres Wohnhauses Dokumente vermeintlich von der Staatsanwalt-
schaft abgegeben worden, welche jedoch tags darauf nach Rücksprache
erklärt habe, es gebe keine Vorladung respektive Anzeige (wegen eines
Betrugsvorwurfs) gegen den Beschwerdeführer. Als das Ehepaar am (...)
2019 auf dem Wochenmarkt habe einkaufen wollen, habe C._, wel-
cher zuhause geblieben sei, angerufen und erzählt, dass eine fremde Per-
son vor der Wohnungstür stehe und sich als Kurier ausgebe. Obwohl sie
die Polizei unterwegs schon angerufen hätten, sei das Ehepaar vor dieser
in der Wohnung eingetroffen; doch die fremde Person sei nicht mehr vor
Ort gewesen.
In diesem Moment hätten sie sich äusserst schutzlos gefühlt, insbesondere
auch, weil José Humberto Rodríguez, der gewählte Bürgermeister von
Sutatausa (...), auf der Strasse – vermutlich von der Opposition – umge-
bracht worden sei. Das Ehepaar habe als Schutzmassnahme C._
zu dessen Vater gebracht und begonnen, seinen Hausrat zu verkaufen.
Seit dem (...) 2019 hätten sie bis zu ihrer Ausreise bei Familienangehöri-
gen in E._ und H._ (Departamento Cundinamarca) Unter-
schlupf gefunden, doch sie seien weiterhin von vermutlich Oppositionellen
fast täglich telefonisch (mit unterdrückter Nummer) bedroht worden.
C.
Mit Eingabe vom 19. Februar 2020 reichten die Beschwerdeführenden fol-
gende Dokumente (im Original mit Übersetzungen) zu den Akten der Vor-
instanz (vgl. Beweismittelverzeichnis SEM):
 eine Strafanzeige vom (...) 2019 eingereicht bei der Staatsanwalt-
schaft bezüglich der Drohungen vom (...) 2019;
 eine Liste mit empfohlenen Schutzmassnahmen;
 ein Schutzantrag der Beschwerdeführenden vom (...) 2019 (gerich-
tet an die Staatsanwaltschaft);
 eine eidesstattliche Erklärung vom (...) 2018, beglaubigt vom No-
tariat I._, bezüglich der Kinder, welche die Beschwerdefüh-
rerin in die Ehe mit dem Beschwerdeführer mitbrachte;
 ein Auszug aus dem Eheregister (nationales Zivilstandsregister),
dass das Ehepaar am (...) 2015 geheiratet hat, sowie eine Bestäti-
gung ihrer religiösen Trauung der Diözese von J._,
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 eine notariell beglaubigte Einverständniserklärung von K._
(Kindsvater von C._ [Anmerkung des Gerichts]) vom
10. Dezember 2019, dass sein Sohn C._ am (...) 2019 in
die Schweiz ausreisen darf;
 ein Auszug aus dem Geburtsregister des Sohnes der Beschwerde-
führerin (wobei dieser im Beweismittelverzeichnis nicht aufgeführt
ist [Anmerkung des Gerichts]).
D.
Mit Verfügung vom 3. September 2020 – eröffnet am 7. September 2020 –
verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden,
wies ihre Asylgesuche ab und wies sie aus der Schweiz weg. Gleichzeitig
wurde (mit Verweis auf die COVID-19-Verordnung Asyl vom 20. April 2020,
SR 142.318) die Ausreisefrist auf den 29. Oktober 2020 angesetzt. Auf De-
tails der Begründung wird – soweit entscheidwesentlich – in den Erwägun-
gen eingegangen.
E.
Mit Laieneingabe vom 2. Oktober 2020 an das Bundesverwaltungsgericht
erhoben die Beschwerdeführenden Beschwerde gegen die vorinstanzliche
Verfügung. Implizit beantragten sie, die Asylverfügung sei aufzuheben und
sie seien – unter Asylgewährung – als Flüchtlinge anzuerkennen.
F.
Am 8. Oktober 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-
gang der Beschwerde und verfügte, die Beschwerdeführenden könnten
den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten.
G.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
7. Oktober 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf
Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech-
sels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
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4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM hielt in seiner Verfügung fest, dass es sich bei den geltend
gemachten Problemen der Beschwerdeführenden um eine Verfolgung
durch Dritte handle. Diesbezüglich gehe es davon aus, dass der kolumbi-
anische Staat grundsätzlich über eine funktionierende Schutzinfrastruktur,
insbesondere über einen funktionierenden Polizeiapparat sowie über ein
Rechts- und Justizsystem verfüge. Diese Annahme werde vorliegend
dadurch bestätigt, dass die Staatsanwaltschaft am (...) 2019 die Anzeige
der Beschwerdeführenden entgegengenommen habe. Ausserdem hätten
diese gemäss den Schutzempfehlungen am (...) 2019 die Polizei angeru-
fen, nachdem eine fremde Person vor ihrer Wohnungstür gestanden habe,
als [C._] allein zuhause gewesen sei. Diese sei – wenn auch später
als das Ehepaar – am Ort des Geschehens eingetroffen und habe sich
nach dem Befinden der Beschwerdeführenden erkundigt. Der Umstand,
dass Beamte der Polizei und der Staatsanwaltschaft aufgrund ihres
Schutzersuchen reagiert hätten, bestätige die obige Einschätzung betref-
fend Schutzwilligkeit und -fähigkeit der kolumbianischen Behörden sowie
den Umstand, dass den Beschwerdeführenden eine Inanspruchnahme
dieses Schutzsystems zumutbar und möglich gewesen sei.
Weiter, so das SEM, sei die von den Beschwerdeführenden umschriebene
Furcht aus subjektiver Sicht zwar verständlich, lasse sich indes aus objek-
tiver Sicht aufgrund der Akten nicht bestätigen. Die Beschwerdeführenden
hätten sich nach dem ersten Drohanruf vom (...) 2019 (...) Monate im ge-
wohnten Umfeld in derselben Region aufgehalten, bevor sie Kolumbien
(...) 2019 verlassen hätten. Der (...) Aufenthalt bei Familienangehörigen
lasse nicht auf eine akute Gefährdung schliessen, da mutmassliche Verfol-
ger mit Sicherheit zuerst bei Angehörigen der Beschwerdeführenden ge-
sucht hätten. Den Akten würden sich ferner keine Hinweise entnehmen las-
sen, wonach sie im heutigen Zeitpunkt eine Gefährdung durch die Verfol-
ger zu befürchten hätten. Das SEM verwies insbesondere auf den Um-
stand, dass es sich aufgrund der Tätigkeit des Beschwerdeführers im Rah-
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men der Gouverneurs- und Bürgermeisterwahlen um eine lokale Verfol-
gung gehandelt habe, weshalb auch ein alternativer Aufenthaltsort inner-
halb von Kolumbien in Frage käme.
Zusammenfassend würden die Vorbringen den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten. Die einge-
reichten Beweismittel könnten diese Einschätzung ebenfalls nicht umstür-
zen.
5.2 Die Beschwerdeführenden brachten in ihrer Rechtsmitteleingabe dem-
gegenüber vor, die Korruption – und damit einhergehend das mangelhafte
polizeiliche Schutzsystem – sowie die Gewaltsituation dürfe trotz des Frie-
densvertrages nicht ignoriert werden. Ferner sei aufgrund ihrer guten In-
tegration von einem Vollzug der Wegweisung abzusehen.
5.3 Nach Prüfung der Akten ist festzustellen, dass die Beschwerdeführen-
den die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, weil die dargelegte Gefähr-
dung – Drohanrufe, welche trotz des Wissens um den Aufenthalt der Be-
schwerdeführenden während (...) Monaten ohne Folgen blieben – nur
schon die erforderliche Intensität von Art. 3 AsylG nicht erfüllt. Eine Gefähr-
dung des Leibes erreicht die geforderte Intensität dann, wenn dem Be-
troffenen ernsthafte Verletzungen (physischer oder psychischer Natur) zu-
gefügt worden oder zu befürchten sind, beziehungsweise die Person direk-
ter und ernsthafter Todesgefahr ausgesetzt ist. Leichtere Eingriffe errei-
chen die nötige Intensität nicht. Mehrere Eingriffe in die in Art. 3 AsylG ge-
nannten Rechtsgüter, die zwar für sich allein die nötige Intensität nicht er-
reichen, insgesamt gesehen das Mass des Erträglichen überschreiten kön-
nen. Mehrere Eingriffe im obgenannten Sinne, die nicht intensiv genug
sind, können zwar zu einem unerträglichen psychischen Druck führen, der
für die betroffene Person ein weiteres Verbleiben im Heimatland verunmög-
licht. Dabei ist aber zu beachten, dass der von der asylsuchenden Person
geltend gemachte psychische Druck objektiv gesehen nachvollziehbar sein
muss (vgl. Urteil des BVGer D-6214/2014 vom 2. Februar 2017 E. 4.1.1).
Dies ist vorliegend nicht der Fall.
5.4 Überdies ist darauf hinzuweisen, dass bezüglich den Drohungen kein
Motiv – auch kein politisches Motiv – erkennbar ist. So ist nicht ersichtlich,
weshalb ein Techniker von politischen Veranstaltungen – quasi eine Ne-
benfigur – politisch verfolgt wird, während die Hauptpersonen – vorliegend
die Kandidaten für politische Ämter – davon unberührt bleiben. Aus Pres-
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semitteilungen ist der Grund für die Ermordung des im Oktober 2019 ge-
wählten Bürgermeisters von Sutatausa (Departamento Cundinamarca)
José Humberto Rodríguez vom 3. Dezember 2019 nicht ersichtlich. Im Au-
gust 2020 wurden diesbezüglich drei Personen festgenommen, die der kri-
minellen Bande Los Cacharros zuzuordnen sind, deren Mitglieder den Ruf
haben im Auftrag zu morden («...Estos miembros hacían parte de una est-
ructura criminal, la cual se dedicaba al sicariato en diversas regiones del
territorio nacional ...»; vgl. El Espectador, «Capturan a presuntos asesinos
del alcalde de Sutatausa, Cundinamarca» vom 28. August 2020
[https://www.elespectador.com/noticias/bogota/capturan-a-presuntos-
asesinos-del-alcalde-de-sutatausa-cundinamarca/, besucht am 22. Okto-
ber 2020]). Es ist zwischen der Ermordung von José Humberto Rodríguez
und der Tätigkeit des Beschwerdeführers kein Zusammenhang erkennbar.
5.5 Letztlich hat das SEM richtigerweise festgestellt, dass es sich vorlie-
gend mutmasslich um Übergriffe Dritter handelt. Im Sinne der sogenannten
Schutztheorie ist eine nichtstaatliche Verfolgung nur dann asylrelevant,
wenn der Staat unfähig oder nicht willens ist, Schutz vor besagter Verfol-
gung zu bieten, beziehungsweise trotz allgemeiner Schutzfähigkeit und all-
gemeinem Schutzwillen, die Betroffenen aus einem asylrechtlichen Motiv
im Konkreten nicht geschützt werden. Es ist dabei nicht eine faktische Ga-
rantie für langfristigen individuellen Schutz der von nichtstaatlicher Verfol-
gung bedrohten Personen zu verlangen, weil es keinem Staat gelingen
kann, die absolute Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger jederzeit und
überall zu garantieren. Erforderlich ist aber, dass eine funktionierende und
effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfügung steht, wobei in erster Linie an
polizeiliche Aufgaben wahrnehmende Organe wie an ein Rechts- und Jus-
tizsystem zu denken ist, welches eine effektive Strafverfolgung ermöglicht.
Ob das bestehende Schutzsystem als in diesem Sinne effizient erachtet
werden kann, hängt letztlich auch davon ab, dass der Schutz die von Ver-
folgung betroffene Person tatsächlich erreicht (vgl. BVGE 2011/51 E. 7.3
m.w.H.). Die Inanspruchnahme dieses Schutzsystems muss der betroffe-
nen Person demnach objektiv zugänglich und individuell zumutbar sein,
was jeweils im Rahmen einer Einzelfallprüfung unter Berücksichtigung des
länderspezifischen Kontextes zu beurteilen ist.
Dem SEM ist zuzustimmen, dass im vorliegenden Fall von der Schutzfä-
higkeit und -willigkeit der kolumbianischen Strafverfolgungs- und Justizbe-
hörden auszugehen ist. Im Grossen und Ganzen kann denn auch auf die
vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden. Zu betonen ist an dieser
Stelle, dass – als die Beschwerdeführenden ein einziges Mal die Polizei
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angerufen haben – diese ihre Pflichten erfüllt und vor Ort die Sachlage
überprüft hat. Später haben die Beschwerdeführenden keinen weiteren
Versuch mehr unternommen, adäquaten Schutz zu erhalten.
5.6 Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der
Beschwerdeführenden zu Recht verneint und ihre Asylgesuche abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
7.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
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Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den
Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden
in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht-
mässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführenden
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wären. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr («real risk»)
nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschie-
bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des
EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, § 124 ff. m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation
im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt
nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der
Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen
Bestimmungen zulässig.
7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
Weder die allgemeine Lage in Kolumbien noch individuelle Gründe wirt-
schaftlicher und sozialer Natur lassen auf eine konkrete Gefährdung der
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Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr schliessen. Die Vorinstanz
hat diesbezüglich zu Recht auf das soziale Beziehungsnetz der Familien-
mitglieder – notabene auch der Vater von C._ – und die Berufser-
fahrung des Ehepaars hingewiesen. Die Beschwerdeführerin hat eine Aus-
bildung als (...) sowie im kaufmännischen Bereich absolviert. Um ihren fa-
miliären Verpflichtungen besser nachkommen zu können, hat sie ihre ad-
ministrative Arbeit in einer (...) im Jahr 2019 gekündigt. Darauffolgend hat
sie online gesunde Ernährung verkauft und Interessierte dazu beraten. Der
Vater ihrer Kinder hat ein eigenes Unternehmen und finanziert derzeit das
Studium der gemeinsamen Tochter in Spanien. Der Beschwerdeführer hat
seit Jahren im Eventbereich gearbeitet und sich vor ungefähr zwei Jahren
selbständig gemacht. Durch seine Kontakte, teilweise noch aus Schulzei-
ten, konnte er diverse Wahlauftritte von regionalen Politikern sowie ge-
schäftliche und private Feiern technisch begleiten und für Theaterhäuser
arbeiten. Ein Vollzugshindernis gesundheitlicher Natur ist den Akten nicht
zu entnehmen.
Die von den Beschwerdeführenden vorgebrachten Integrationsbemühun-
gen sind im Zusammenhang mit dem Kindswohl (vgl. dazu BVGE 2015/30
E. 7.2) zu berücksichtigen. Die erfolgte Integration kann jedoch nur bei ei-
nem längeren Aufenthalt in der Schweiz für die Feststellung eines allfälli-
gen unzumutbaren Wegweisungsvollzugs relevant sein, was vorliegend
nicht der Fall ist.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung somit auch
als zumutbar.
7.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
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Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Die Kosten sind bei diesem Ausgang des Verfahrens den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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