Decision ID: 504be9b6-06e3-5f61-a2d3-c7ed30ffe97b
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Urs Bertschinger, St. Gallerstrasse 46,
Postfach 945, 9471 Buchs SG 1,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente (Einstellung/vorsorgliche Massnahme)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 24. April 2008 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1).
A.b Am 22. Mai 2008 gingen der IV-Stelle diverse Arztberichte zu, unter anderem ein
Bericht von PD Dr. med. B._, Facharzt FMH für Neurologie, vom 9. Mai 2008, in
welchem der Verdacht auf einen Morbus Parkinson vom rigid-akinetischen
Typ (Differenzialdiagnose: somatoforme Schmerzstörung), ein Status nach
Nierenzellkarzinom, eine mittelschwere Aorteninsuffizienz sowie eine arterielle
Hypertonie diagnostiziert worden waren (IV-act. 17–1 f.), der Austrittsbericht des
Spitals C._ vom 3. April 2008 betreffend eine stationäre Behandlung vom 23. bis zum
28. März 2008, in welchem der Verdacht auf eine Somatisierungsstörung, eine
mittelschwere Niereninsuffizienz, eine arterielle Hypertonie, ein Nierenzellkarzinom, eine
mittelschwere Aorteninsuffizienz, ein unklarer Leberherd sowie ein unklarer subkutaner
Tumor in der linken Leiste diagnostiziert worden waren (IV-act. 17–8 ff.), und ein MRI-
Bericht vom 19. März 2008 betreffend die Lendenwirbelsäule, gemäss welchem initiale
Chondrosen distal L2 sowie postero-mediale Rissbildungen im Anulus fibrosus der
Bandscheiben L4–S1 nachgewiesen worden waren (IV-act. 16).
A.c Am 28. Mai 2008 erstattete Dr. med. D._, Fachärztin FMH für Rheumatologie,
einen Arztbericht. Sie führte aus, aufgrund eines chronischen lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms sei der Versicherte als Lagerist zu 100 % arbeitsunfähig. In
Anbetracht der Polymorbidität mit doch erheblichen Diagnosen sei der Versicherte
ihres Erachtens auch für eine andere leichte, leidensadaptierte Tätigkeit nicht
arbeitsfähig (IV-act. 19–3 f.).
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A.d Am 24. September 2008 erstattete PD Dr. B._ einen Arztbericht. Er führte aus,
von Mai bis September 2008 habe sich der Zustand des Versicherten trotz
Durchführung einer dopaminergen Therapie des Morbus Parkinson verschlechtert,
weshalb die Behandlung abgebrochen worden sei. In der klinischen Verlaufskontrolle
hätten nun keine eindeutigen Hinweise auf Morbus Parkinson mehr vorgelegen. Auf
neurologischem Fachgebiet bestehe daher keine eindeutige Diagnose, die zu einer
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führe. Bei Verdacht auf eine somatoforme
Schmerzstörung werde eine multidisziplinäre Begutachtung empfohlen (IV-act. 28).
A.e Gleichentags erstattete auch Dr. D._ einen Arztbericht. Sie führte aus, aufgrund
der vielfältigen Krankheitsbilder sei dem Versicherten keine Erwerbstätigkeit mehr
zumutbar (IV-act. 29).
A.f Am 8. Oktober 2008 erstattete Dr. med. E._, Fachärztin FMH für Anästhesie,
einen Arztbericht. Sie erachtete sowohl die angestammte wie auch leidensadaptierte
Tätigkeiten für nicht mehr zumutbar. Der Versicherte befinde sich inzwischen im
fortgeschrittenen, progredienten Abbaustadium, sowohl cerebral als auch physisch (IV-
act. 30).
A.g Am 20. Januar 2009 erstattete Prof. Dr. B._ einen weiteren Arztbericht. Er diag
nostizierte einen psychogenen Tremor, eine Anpassungsstörung mit Angst und De
pression, eine valvuläre und hypertensive Herzkrankheit mit mittelschwerer
Aorteninsuffizienz sowie einen Status nach Nierenzellkarzinom und führte aus, die
aktuelle Arbeitsunfähigkeit werde seines Erachtens im Wesentlichen durch die
psychiatrische Erkrankung bedingt. Er empfehle die Einholung eines Gutachtens durch
den behandelnden Psychiater (IV-act. 34).
A.h Am 6. März 2009 ging der IV-Stelle der Bericht der Klinik Valens vom 2. März
2009 über eine interdisziplinäre arbeitsspezifische Abklärung vom 16. Februar 2009 zu.
Die Ärzte hatten im Wesentlichen ein chronisches Panvertebralsyndrom, eine
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom, psychologische Faktoren
und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Krankheiten, eine mittelschwere
Aorteninsuffizienz, eine arterielle Hypertonie, eine mittelschwere Niereninsuffizienz,
Blindheit rechts, eine Cholezytolithiasis sowie einen Status nach Nephrektomie rechts
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im Juni 2007 diagnostiziert und eine maximale Arbeitsfähigkeit von 50 % für eine sehr
leichte, wechselbelastende Tätigkeit attestiert. Aus interdisziplinärer Sicht sei dem
Versicherten allerdings eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit zu attestieren, weil er aufgrund
der Summe der schweren internistischen, rheumatologischen und psychiatrischen
Erkrankungen die nötige Willensanspannung zur Überwindung seiner gesundheitlichen
Einschränkungen nicht mehr aufbringen könne (IV-act. 39).
A.i Am 30. Mai 2009 erstattete Dr. med. F._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, einen Arztbericht. Er diagnostizierte eine Anpassungsstörung mit
Angst und Depression, eine valvuläre und hypertensive Herzkrankheit, einen Status
nach Nierenzellkarzinom, einen Visusverlust des rechten Auges sowie lumbale Rücken
schmerzen und attestierte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 43–1 ff.).
A.j Nachdem Dr. med. G._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) am
27. Juli 2009 ausgeführt hatte, aufgrund der medizinischen Unterlagen sei dauerhaft
von vollständiger Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten seit der Nierenoperation
im Juni 2007 auszugehen (IV-act. 48), sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit
Verfügung vom 2. Dezember 2009 (IV-act. 59)/13. April 2010 (IV-act. 64) eine ganze
Rente mit Wirkung ab dem 1. Juni 2008 zu.
B.
B.a Anlässlich einer Observation eines Sohnes des Versicherten kam im Oktober 2010
der Verdacht auf, der Versicherte gehe einer Erwerbstätigkeit nach (IV-act. 69). Am
8. Oktober 2010 beauftragte die IV-Stelle deshalb ein Ermittlungsbüro mit der
Observation des Versicherten (IV-act. 71 f.).
B.b Am 12. November 2010 erstattete das Ermittlungsbüro den Observationsbericht.
Der Versicherte sei vom 4. bis zum 7. Oktober 2010 überwacht worden. Dabei habe
sich herausgestellt, dass er sich täglich während mehreren Stunden in der Autogarage
I._ aufgehalten habe und dort in irgendeiner Form tätig gewesen sei (IV-act. 74).
B.c Am 21. Dezember 2010 führte der RAD-Arzt Dr. med. H._ aus, anhand des
Observationsmaterials könne die vorab von psychiatrischer Seite monierte
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Arbeitsunfähigkeit widerlegt werden. Bezüglich der körperlichen Belastbarkeit könnten
zumindest leichte Arbeiten zugemutet werden (IV-act. 75).
B.d Am 11. Januar 2011 erhob die IV-Stelle unter anderem gegen den Versicherten
Straf- und Zivilklage wegen Betrugs und Widerhandlungen gegen Art. 70 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) beim
Untersuchungsamt (IV-act. 77).
B.e Mit Verfügung vom 30. März 2012 stellte die IV-Stelle die Rente vorsorglich ein
(IV-act. 85).
C.
C.a Dagegen richtet sich die am 14. Mai 2012 erhobene Beschwerde, mit der die
Weiterausrichtung der Rente und die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung
der Beschwerde beantragt und zur Begründung ausgeführt wird, die Rente sei
aufgrund fachärztlicher Berichte zugesprochen worden, wobei für die geltend
gemachten Einschränkungen klare und objektive Befunde erhoben worden seien. Das
anlässlich der Observation beobachtete Verhalten widerlege die fachärztlichen Berichte
nicht, weshalb die Rente zu Unrecht eingestellt worden sei (act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung der Beschwerde. In ihrer
Beschwerdeantwort vom 4. Juli 2012 führte sie zur Begründung aus, der
Beschwerdeführer habe ein Verhalten gezeigt, das erhebliche Zweifel an der
Zuverlässigkeit der medizinischen Berichte wecke, weshalb die Überprüfung der Rente
im Rahmen einer (so genannt prozessualen) Revision angezeigt sei. Im Strafverfahren
seien umfangreiche Beweise erhoben worden. Eine Fortsetzung des IV-Verfahrens sei
erst angezeigt, wenn die Strafakten beigezogen worden seien (act. G 4).
C.c Am 24. Juli 2012 reichte die Beschwerdegegnerin einen Auszug aus einem
Gesprächsprotokoll vom 15. Juni 2006 nach, wonach einer der Söhne des Versicherten
ausgesagt hatte, sein Vater führe einen kleinen Autohandel (act. G 6 und G 6.1).
C.d Mit Replik vom 17. September 2012 liess der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen festhalten (act. G 8). In der Beilage liess er dem Gericht das Protokoll des
Untersuchungsamtes zur Einvernahme vom 19. April 2012 zugehen (act. G 8.1).
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C.e Mit Duplik vom 18. Oktober 2012 liess auch die Beschwerdegegnerin an ihrem
Antrag festhalten (act. G 10).
C.f Am 10. Dezember 2012 forderte die zuständige Abteilungspräsidentin des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen den Beschwerdeführer auf, Belege über
die aktuellen finanziellen Verhältnisse einzureichen (act. G 11).
C.g Dieser Aufforderung kam der Beschwerdeführer am 10. Januar 2013 nach
(act. G 12).

Erwägungen:
1.
1.1 Die angefochtene Verfügung stellt eine Zwischenverfügung dar, da sie das
Verfahren nicht abschliesst, sondern lediglich vorsorgliche Massnahmen anordnet.
Gemäss Art. 56 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann auch gegen Zwischenverfügungen
Beschwerde erhoben werden, doch ist rechtsprechungsgemäss ein nicht wieder
gutzumachender Nachteil Voraussetzung dafür, dass auf die Beschwerde eingetreten
werden kann (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, Art. 56 N 9 und 11, mit
Hinweisen). Für die Annahme eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils genügt ein
tatsächliches, insbesondere wirtschaftliches, Interesse. So ist das Vorliegen eines nicht
wieder gutzumachenden Nachteils etwa dann zu bejahen, wenn die plötzliche
Einstellung der Rentenzahlungen eine versicherte Person aus dem finanziellen
Gleichgewicht bringt und zu kostspieligen oder sonst wie unzumutbaren Massnahmen
zwingt (BGE 109 V 229 E. 2b S. 233).
1.2 Gemäss den vom Beschwerdeführer eingereichten Unterlagen (act. G 12.1) setzte
sich das Einkommen der Familie im Jahr 2011 aus den beiden Renten der Invalidenver
sicherung für den Beschwerdeführer und seine Ehefrau sowie der Invalidenrente aus
beruflicher Vorsorge für den Beschwerdeführer zusammen. Vermögen war keines vor
handen. Zufolge Wegfalls der Rente der Invalidenversicherung und – daran gekoppelt
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(vgl. act. G 12.1.6) – der Invalidenrente aus beruflicher Vorsorge steht der Familie ledig
lich noch die geringe Rente der Invalidenversicherung für die Ehefrau zur Verfügung.
Diese reicht zur Bestreitung des Lebensbedarfs nicht aus. Die vorsorgliche Rentenein
stellung bringt die Familie deshalb aus dem finanziellen Gleichgewicht, weshalb der
nicht wieder gutzumachende Nachteil zu bejahen und auf die Beschwerde
entsprechend einzutreten ist.
2.
2.1 In der Rechtsprechung und der Lehre ist anerkannt, dass den
Sozialversicherungsträgern die Möglichkeit zur Anordnung vorsorglicher Massnahmen
offen steht (vgl. etwa Franz Schlauri, Die vorsorgliche Einstellung von Dauerleistungen
der Sozialversicherung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri (Hrsg.), Die Revision von
Dauerleistungen in der Sozialversicherung, 1999, S. 191 ff., 196, 202 ff. und 216 ff.).
Vorsorgliche Massnahmen werden im Hinblick auf ein einzuleitendes Hauptverfahren
oder während der Dauer eines solchen erlassen, um eine Übergangslösung bis zum
Endentscheid in der Hauptsache zu schaffen. Sie dienen entweder dazu, bedrohte
rechtliche Interessen sicherzustellen oder den bestehenden rechtlichen oder
tatsächlichen Zustand einstweilen zu erhalten. Mit sichernden Vorkehren wird
gewährleistet, dass der bestehende tatsächliche oder rechtliche Zustand einstweilen
unverändert bleibt, mit gestaltenden Massnahmen wird ein Rechtsverhältnis
provisorisch geschaffen oder einstweilen neu geregelt. Vorsorgliche Massnahmen
sollen mit anderen Worten die Wirksamkeit der noch zu erlassenden Verfügung
sicherstellen. Mit Erlass der Verfügung fallen sie dahin; sie sind zum Entscheid in der
Hauptsache akzessorisch.
2.2 So genannte gestaltende Massnahmen, also vorsorgliche Massnahmen, die der
einstweiligen Sicherstellung bedrohter Interessen dienen, zu denen auch eine vorsorg
liche Renteneinstellung gehört, schaffen provisorisch ein Rechtsverhältnis oder regeln
ein solches einstweilig neu (BGE 130 II 149). Sie beruhen auf einer bloss summarischen
Prüfung der Sach- und Rechtslage. Die Hauptsachenprognose kann dabei berück
sichtigt werden – allerdings nur, wenn sie eindeutig ist. Bei tatsächlichen oder recht
lichen Unklarheiten drängt sich hingegen Zurückhaltung auf, weil in diesem Fall die
erforderlichen Entscheidgrundlagen im Hauptverfahren erst noch beschafft werden
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müssen (BGE 130 II 149). Auch im Rechtsmittelverfahren kann die Sache deshalb nicht
eingehend abgeklärt und damit der Entscheid in der Hauptsache vorweggenommen
werden. Vielmehr ist aufgrund der vorhandenen Akten zu prüfen, ob die Voraus
setzungen für eine vorsorgliche Massnahme gegeben sind. Der Entscheid über die
Anordnung vorsorglicher Massnahmen setzt Dringlichkeit voraus, das heisst es muss
sich als notwendig erweisen, die fraglichen Vorkehren sofort zu treffen. Sodann muss
der Verzicht auf Massnahmen für den Betroffenen einen Nachteil bewirken, der nicht
leicht wieder gutzumachen ist, wofür ein tatsächliches, insbesondere wirtschaftliches
Interesse genügt. Erforderlich ist schliesslich, dass die Abwägung der verschiedenen
Interessen den Ausschlag für den einstweiligen Rechtsschutz gibt und dieser ver
hältnismässig erscheint. Der durch die Endverfügung zu regelnde Zustand soll weder
präjudiziert noch verunmöglicht werden (BGE 130 II 149). Nach der Rechtsprechung
hat die über die Anordnung vorsorglicher Massnahmen nach Art. 56 VwVG befindende
Behörde zu prüfen, ob die Gründe, die für die vorsorgliche Regelung sprechen, ge
wichtiger sind als jene, die für die gegenteilige Lösung angeführt werden können. Dabei
steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu (vgl. Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts P 52/01 vom 3. Oktober 2001).
3.
3.1 Dem Beschwerdeführer ist mit formell rechtskräftiger Verfügung vom
2. Dezember 2009/13. April 2010 eine ganze Rente der Invalidenversicherung mit
Wirkung ab dem 1. Juni 2008 zugesprochen worden. Die leistungszusprechende
Verfügung stützte sich auf verschiedene medizinische Berichte, unter anderem auf ein
Gutachten der Klinik Valens. In den Berichten wurden einerseits verschiedene
somatische Gesundheitsbeeinträchtigungen ausgewiesen, namentlich
Rückenbeschwerden bei unter anderem nachgewiesenen Rissen im Anulus fibrosus,
Herz-Kreislaufbeschwerden, Blindheit rechts und Nierenbeschwerden bei Status nach
Nierenzellkarzinom und Entfernung einer Niere. Andererseits wurden psychische
Beeinträchtigungen festgestellt. Die von den Ärzten attestierte vollständige
Arbeitsunfähigkeit selbst für leidensadaptierte Tätigkeiten fand ihren Grund sowohl in
den psychischen Beeinträchtigungen als auch im Zusammenspiel sämtlicher
festgestellter Beschwerdebilder. Die Ärzte der Klinik Valens führten explizit aus, die
Summe der festgestellten Gesundheitsbeeinträchtigungen verunmögliche eine
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Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. Nach Erlass der leistungszusprechenden Verfügung
wurden keine weiteren medizinischen Berichte eingeholt. Die Zweifel der
Beschwerdegegnerin an der Rechtmässigkeit der Rentenausrichtung stützen sich
ausschliesslich auf die Ergebnisse der von ihr in Auftrag gegebenen Observation sowie
auf die Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. H._ zum Observationsmaterial.
3.2 Gestützt auf diese dürftigen Unterlagen erscheint die Möglichkeit einer rück
wirkenden Korrektur der leistungszusprechenden Verfügung mittels Wiedererwägung
oder Revision eher als wenig wahrscheinlich. Allenfalls fällt eine Anpassung der
Rentenleistungen für die Zukunft in Betracht. Auch diesbezüglich erlauben die wenigen
Akten aber noch keine weiteren Schlüsse. Zu beachten ist diesbezüglich auch, dass
eine Anpassung sich gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG und Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV erst
frühestens am ersten Tag des zweiten der Anpassungsverfügung folgenden Monats an
auf die Leistungen auswirkt. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts liegt die
ratio legis dieser Bestimmung darin, dass die versicherte Person nicht wegen einer
rückwirkenden Reduktion oder Einstellung einer Invalidenrente Geldleistungen soll
zurückzahlen müssen, welche sie aufgrund eines rechtskräftigen Rentenentscheids
gutgläubig bezogen hat. Zudem will ihr die Bestimmung Zeit zur Anpassung an die
neuen finanziellen Verhältnisse geben (BGE 136 V 45). Eine Herabsetzung oder
Aufhebung der Leistungen unter diesem Titel würde somit erst für die Zeit nach
Abschluss des Hauptverfahrens und Erlass der entsprechenden materiellen
Anpassungsverfügung möglich. Ein solches Hauptverfahren vermag die vorsorgliche
Massnahme (im Unterschied zu einem solchen mit Abschluss nach Art. 88 Abs. 2 lit.
b IVV bei unrechtmässiger Erwirkung oder Meldepflichtverletzung) nicht zu
rechtfertigen (vgl. den Entscheid IV 2011/271 des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 28. Mai 2013, E. 4.4).
3.3 Ein dringlicher Handlungsbedarf scheint vorliegend nicht zu bestehen. Nach dem
Erhalt der Observationsergebnisse im Dezember 2010 hat die Beschwerdegegnerin
während mehr als einem Jahr keinerlei Abklärungen getätigt. Sie ist bis im März 2012
untätig geblieben und hat dann gewissermassen aus dem Nichts heraus die ange
fochtene Verfügung erlassen. Die Untätigkeit während mehr als eines Jahres lässt sich
mit einer für eine vorsorgliche Renteneinstellung notwendigen Dringlichkeit nicht ver
einbaren. Offensichtlich hat im März 2012 kein dringlicher Handlungsbedarf bestanden,
bis
bis
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der die vorsorgliche Renteneinstellung gerechtfertigt hätte. Ohnehin ist bis heute nicht
belegt, dass der Beschwerdeführer ein Erwerbseinkommen erzielt hat, einer Erwerbs
tätigkeit nachgegangen ist oder gesundheitlich in der Lage wäre, einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen. Es liegen nicht einmal neuere Verlaufsberichte der behandelnden Ärzte
bei den Akten. Der Ausgang des von der Beschwerdegegnerin angestrebten
Verfahrens ist vor diesem Hintergrund noch so offen, dass eine vorsorgliche
Renteneinstellung nicht gerechtfertigt ist.
4.
4.1 In Gutheissung der Beschwerde ist deshalb die angefochtene Verfügung
ersatzlos aufzuheben.
4.2 Die gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG zu erhebenden und angesichts des
durchschnittlichen Aufwands auf Fr. 600.-- festzusetzenden Gerichtskosten hat die Be
schwerdegegnerin zu bezahlen. Der vom Beschwerdeführer geleistete
Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird ihm zurückerstattet.
4.3 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat eine Honorarnote über
Fr. 4’994.70 eingereicht (act. G 16.1). Da keine besonderen Umstände vorliegen,
welche die Zusprache einer über die ordentliche Pauschale hinausgehenden
Parteientschädigung rechtfertigen würden, ist die Parteientschädigung auf Fr. 3’500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP