Decision ID: f797a3ee-d627-4cc7-9e0f-3f835af005de
Year: 2017
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Unterschied zum Sachverhalt von VGU S 16 75 sei, dass der
Beschwerdeführer ab 20. Juni 2016 einen Zwischenverdienst gehabt
habe. Für dessen Ausübung inklusive Arbeitsweg hätte der
Beschwerdeführer jederzeit vorübergehend vom KADES dispensiert
werden können. Der Umfang der angetretenen Teilzeitstelle sei zu keiner
Zeit so gross gewesen, dass eine ergänzende Teilnahme am
Einsatzprogramm infolge zeitlich kurzer Dauer allenfalls keinen Sinn mehr
gemacht hätte. Auch seien Betreuungspflichten gegenüber
minderjährigen Kindern kein persönlicher Grund, der eine
arbeitsmarktliche Massnahme unzumutbar mache. Die Einstelldauer von
31 Tagen entspreche dem Minimum für die Ablehnung arbeitsmarktlicher
Massnahmen im Wiederholungsfall gemäss AVIG-Praxis Rz. D72.
Betreffend die zweite Verfügung hätte zwar anstelle der Sanktion eine
Überweisung an die kantonale Amtsstelle erfolgen müssen; weil der
Beschwerdeführer aber seine Pflichten grundsätzlich erfülle, habe man
darauf verzichtet. Die Überweisung hätte zur wesentlich gravierenderen
vollständigen Ablehnung der Vermittlungsfähigkeit des
Beschwerdeführers geführt.
13. Am 26. Januar 2017 hielt der Beschwerdeführer replicando an seinen
Anträgen fest. Er vertiefte darin seine Ausführungen der
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Beschwerdeeingabe. Zudem machte er geltend, dass im vorliegenden
Verfahren zusätzlich sein Begehren betreffend die ungerechtfertigte
Durchführung des formlosen Verfahrens, die gemeinsame elterliche
Fürsorge, sein Zwischenverdienst und der Reiseweg als
Unzumutbarkeitsgründe geltend gemacht würden. Somit würden sich die
beiden Verfahren in einigen Punkten unterscheiden.
14. Am 2. Februar 2017 verzichtete der Beschwerdegegner auf die
Einreichung einer Duplik.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften, auf
den angefochtenen Einspracheentscheid vom 19. September 2016 sowie
auf die weiteren im Recht liegenden Beweismittel wird, soweit erforderlich
und rechtserheblich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid
des Beschwerdegegners vom 19. September 2016. Gegen
Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenversicherung
kann gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0)
i.V.m. Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) Beschwerde beim
kantonalen Versicherungsgericht eingereicht werden. Örtlich zuständig ist
gemäss Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 sowie Art. 119 Abs. 1
lit. a und Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV, SR
837.02) das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die
versicherte Person zur Zeit des Verfügungserlasses die Kontrollpflicht
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erfüllt. Da der Beschwerdeführer die Kontrollpflicht im Kanton
Graubünden erfüllt, fällt die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde
demnach in die örtliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts. Die
sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 57
ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des kantonalen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als Adressat des
angefochtenen Einspracheentscheids ist der Beschwerdeführer berührt
und weist ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung auf (Art. 59
ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde (Art. 60 sowie 61 lit. b ATSG) ist somit einzutreten.
2. a) Anfechtungsobjekt im vorliegenden Beschwerdeverfahren bildet der
Einspracheentscheid des Beschwerdegegners vom 19. September 2016.
Die zugrunde liegenden Verfügungen können aufgrund des
Devolutiveffekts nicht separat vor Gericht angefochten werden, gelten
aber als mitangefochten. Streitig und nachfolgend zu prüfen ist, ob der
Beschwerdeführer zu Recht wegen faktischer Ablehnung einer
arbeitsmarktlichen Massnahme mit Verfügung vom 3. August 2016 für
31 Tage sowie mit Verfügung vom 23. August 2016 für 41 Tage in der
Anspruchsberechtigung eingestellt wurde. Der Beschwerdeführer rügt
diesbezüglich, dass ihm nicht zugemutet werden könne, das
Einsatzprogramm KADES zu absolvieren.
b) Der Beschwerdeführer rügt ausserdem sinngemäss, dass im
Einspracheentscheid vom 19. September 2016 auf seine Einsprachen
gegen die mit Verfügung vom 24. Juni 2016 erfolgte Zuweisung des
Beschwerdeführers zu einer arbeitsmarktlichen Massnahme sowie gegen
das ebenfalls angefochtene, formlose Zuweisungsschreiben vom
4. August 2016 nicht eingetreten worden sei. Nach Art. 102 Abs. 1 AVIG
ist zur Beschwerde berechtigt, wer durch die Verfügung berührt ist und
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Ein
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schutzwürdiges Interesse kann rechtlicher oder tatsächlicher Natur sein
(BGE 135 I 43 E.1.3, 127 V 82 E.3a/aa, 121 V 317 E.4a, 114 V 202 E.2c).
Der Beschwerdegegner weist diesbezüglich zu Recht darauf hin, dass
eine versicherte Person kein schutzwürdiges Interesse an der Anfechtung
einer Verfügung hat, mit welcher sie angewiesen wird, an einem
Weiterbildungskurs nach Art. 17 Abs. 3 lit. a AVIG oder einem Programm
zur vorübergehenden Beschäftigung teilzunehmen. Denn die kantonale
Amtsstelle ist gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. d und Abs. 2 AVIG verpflichtet,
eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu verfügen, wenn die
versicherte Person aus unentschuldbarem Grund der Anweisung nicht
Folge leistet. Wird gegen die Einstellungsverfügung Beschwerde erhoben,
hat das Gericht vorfrageweise zu entscheiden, ob die Anweisung zum
Kursbesuch oder zur Teilnahme an einem Beschäftigungsprogramm zu
Recht ergangen ist (SVR 1998 ALV Nr. 12 S. 38 E.3d; vgl. die Urteile des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts C 49/02 vom 2. Juli 2002 E.4.bb
sowie C 85/03 vom 20. Oktober 2003 E.2.2). Direkt anfechtbar ist einzig
derjenige Teil der Zuweisung, der eventuelle Reise- und
Verpflegungskosten betrifft (Spesenteil, vgl. AVIG-Praxis über die
arbeitsmarktlichen Massnahmen, gültig ab Januar 2016 [AVIG-Praxis
AMM], Rz. A80). Der Spesenteil wurde vorliegend nicht angefochten. Der
Beschwerdegegner ist somit zu Recht auf die Einsprachen gegen die mit
Verfügung vom 24. Juni 2016 erfolgte Zuweisung des Beschwerdeführers
zu einer arbeitsmarktlichen Massnahme sowie gegen das ebenfalls
angefochtene, formlose Zuweisungsschreiben vom 4. August 2016 nicht
eingetreten.
3. a) Gemäss Art. 17 Abs. 1 Satz 1 AVIG hat der Versicherte, der
Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unterstützung des
zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare zu unternehmen, um
Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Der Versicherte hat auf
Weisung der zuständigen Amtsstelle an arbeitsmarklichen Massnahmen
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teilzunehmen, die seine Vermittlungsfähigkeit fördern (Art. 17 Abs. 3 lit. a
AVIG). Der Versicherte ist nach Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG in der
Anspruchs-berechtigung einzustellen, wenn er die Kontrollvorschriften
oder die Weisungen der zuständigen Amtsstelle nicht befolgt, namentlich
eine zumut-bare Arbeit nicht annimmt oder eine arbeitsmarktliche
Massnahme ohne entschuldbaren Grund nicht antritt, abbricht oder deren
Durchführung oder Zweck durch sein Verhalten beeinträchtigt oder
verunmöglicht.
b) Bei den in Art. 30 Abs. 1 AVIG beschriebenen Tatbeständen handelt es
sich um eine gesetzliche Umschreibung der im Sozialversicherungsrecht
geltenden Schadensminderungspflicht. Daraus schliesst die Praxis, dass
der Versicherte alle Anstrengungen zu unternehmen und jede zumutbare
Gelegenheit zu ergreifen hat, um seine Arbeitslosigkeit zu beenden
(CHOPARD, Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Diss., Zürich
1998, S. 134). Die versicherte Person hat von sich aus, d.h. ohne
besondere Aufforderung durch eine Amtsstelle oder Abgabe eines
Merkblattes, ihr Möglichstes zur Schadensminderung vorzukehren (Urteil
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts C 199/2005 vom
29. September 2005 E.2.1; KUPFER BUCHER, in: MURER/STAUFFER [Hrsg.],
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG, 4. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2013, S. 102).
4. a) Im vorliegenden Fall wurde der Beschwerdeführer in der
Anspruchsberechtigung eingestellt, weil er der Weisung des RAV vom
16. Juni 2016 sowie vom 4. August 2016, mit dem Ziel der Überprüfung
der Vermittelbarkeit am dreimonatigen Einsatzprogramm KADES
teilzunehmen, unbestrittenermassen jeweils keine Folge leistete. Der
Beschwerdeführer begründet seine Weigerung, am Einsatzprogramm
KADES teilzunehmen unter anderem damit, dass aufgrund seiner
beruflichen Spezialisierung eine Netzwerkerweiterung nur durch eine
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arbeitsmarktliche Massnahme im Grossraum X._ erreicht werden
könne und er aus dem Einsatzprogramm KADES demnach keinen Nutzen
ziehen könne. In Abweichung vom Verfahren S 16 75 seien ausserdem
neu seine Betreuungspflichten gegenüber seiner Tochter ausserhalb der
regulären Arbeitszeiten an gewissen Tagen sowie sein Teilzeit-
Zwischenverdienst bei der B._ AG zu berücksichtigen.
b) Beim Einsatzprogramm KADES handelt es sich um ein vorübergehendes
Beschäftigungsprogramm im Sinne von Art. 64a Abs. 1 lit. a AVIG. Dieses
ist subsidiärer Natur und kommt erst in Frage, wenn dem Beschäftigten
keine zumutbare Beschäftigung zugewiesen werden kann und keine
andere arbeitsmarktliche Massnahme angezeigt ist (BGE 125 V 362
E.4b). Anders als bei der Zuweisung einer Stelle auf dem ersten
Arbeitsmarkt beurteilt sich die Frage, ob eine dem Versicherten
zugewiesene vorüber-gehende Beschäftigung diesem zumutbar ist, laut
Art. 64a Abs. 2 AVIG in sinngemässer Anwendung von Art. 16 Abs. 2 lit. c
AVIG. Es ist deshalb einzig zu prüfen, ob die zugewiesene
vorübergehende Beschäftigung dem Alter, den persönlichen
Verhältnissen und dem Gesundheitszustand des Versicherten
angemessen und damit zumutbar ist. Die weiteren Kriterien von Art. 16
Abs. 2 lit. a, b sowie d-i AVIG sind unbeachtlich. Dem Versicherten steht
es demnach nicht frei, unter welchen Umständen er an einem
Einsatzprogramm teilnehmen will oder nicht (Urteil des Bundesgerichts
8C_833/2007 vom 14. Mai 2008 E.3.2; Urteil des Verwaltungsgerichts des
Kantons Graubünden S 15 38 vom 24. September 2015 E.4b).
c) Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, dass aufgrund
seiner beruflichen Spezialisierung eine Netzwerkerweiterung nur durch
eine arbeitsmarktliche Massnahme im Grossraum X._ erreicht
werden könne. Er rügt somit sinngemäss die Zumutbarkeit des
Einsatzprogramms KADES. Wie der Beschwerdegegner zu Recht
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einbringt, ist die Argumentation des Beschwerdeführers, wonach ihn die
Teilnahme am Einsatzprogramm KADES an der Stellensuche bzw.
Netzwerkpflege im Raum X._ hindere, unbehelflich. Als Kriterien für
eine mögliche Unzumutbarkeit bei der Zuweisung einer vorübergehenden
Beschäftigung sind gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG ausschliesslich das
Alter, die persönlichen Verhältnisse und der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers relevant. Das Alter des Beschwerdeführers von 37
Jahren stellt keinen Unzumutbarkeitsgrund dar, und eine allfällige
Unzumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen ist weder nachgewiesen
noch behauptet. Dem Beschwerdegegner ist zuzustimmen, dass die
Einwände des Beschwerdeführers bezüglich Stellensuche sowie
Netzwerkpflege im Grossraum X._ nicht unter die persönlichen
Verhältnisse zu subsumieren sind, da unter diese insbesondere der
Zivilstand, die Zahl der betreuungsbedürftigen Kindern, die Intensität der
Verwurzelung am Wohnort oder das Vorhandensein eines Eigenheims
fallen (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden S 14
165 vom 12. Januar 2015 E.4c). Zudem ist nicht ersichtlich, inwiefern der
Besuch des Einsatzprogramms KADES den Beschwerdeführer an der
Stellensuche im Grossraum X._ gehindert hätte, da die Möglichkeit
einer Dispensierung vom Einsatzprogramm KADES für konkrete
Bewerbungsgespräche zweifellos beständen hätte. Es sind somit keine
Unzumutbarkeitsgründe i.S.v. Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG ersichtlich, womit
es dem Beschwerdeführer zumutbar gewesen wäre, am
Einsatzprogramm KADES teilzunehmen. Seine neue Arbeit bei der
Personalvorsorgestiftung in X._ fand der Beschwerdeführer offenbar
auch erst nach dem Ergehen des angefochtenen Entscheides, zumal er
diese erstmals in seiner Beschwerdeschrift vom 3. Oktober 2016 erwähnt.
Dies wurde bereits mit dem in Rechtskraft erwachsenen Urteil des
Verwaltungsgerichts S 16 75 vom 16. August 2016 so entschieden.
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d) Auch die gegenüber VGU S 16 75 neu geltend gemachten
Betreuungspflichten gegenüber minderjährigen Kindern (ausserhalb der
regulären Arbeitszeiten an gewissen Tagen) stellen grundsätzlich keinen
persönlichen Grund dar, der eine arbeitsmarktliche Massnahme
unzumutbar macht. Dies ist höchstens dann denkbar, wenn eine
Kinderbetreuung durch Drittpersonen bei objektiver Betrachtungsweise
nicht in Frage kommt, was selbst bei Müttern nach Ablauf des
Mutterschaftsurlaubs regelmässig nicht mehr der Fall sein dürfte (BGer
C_43/04 E.2.2). Dieses Faktum ist zwar nicht der einzige Unterschied
zum Sachverhalt von VGU S 16 75, ändert indessen nichts an der
Beurteilung der vorliegenden Angelegenheit. Dasselbe gilt auch für die
Aufnahme des teilzeitlichen Zwischenverdienstes ab dem 20. Juni 2016.
Für die Ausübung dieser Tätigkeit inklusive Arbeitsweg hätte der
Beschwerdeführer jederzeit vorübergehend vom KADES dispensiert
werden können. Der Umfang der angetretenen Teilzeitstelle war nicht so
gross, dass eine ergänzende Teilnahme am Einsatzprogramm infolge
zeitlich kurzer Dauer allenfalls keinen Sinn mehr gemacht hätte. Der
Beschwerdeführer hat sich zu 100 % einer Stelle dem Arbeitsmarkt zur
Verfügung gestellt und hat im Juni 2016 während 35 h, im Juli während
17 h, im August während 49 h und im September 2016 während 12 h der
erwähnten Beschäftigung nachgehen können. Während der am 24. Juni
verfügten Dauer des Einsatzprogramms vom 4. Juli bis 3. Oktober 2016
wäre der Beschwerdeführer auf total 76 h gekommen, was einem
durchschnittlichen Arbeitspensum von geringfügigen ca. 15 % einer
Vollzeitstelle entsprochen hätte.
e) Der Beschwerdeführer bringt zudem – unverständlicherweise – wie im
Verfahren S 16 75 nochmals vor, dass ihm aufgrund des
Berufsbildungsgesetzes analog zum Mitspracherecht der Lernenden bei
der Zuteilung in eine arbeitsmarktliche Massnahme ein gewisses
Mitspracherecht zustehe. Das Bundesgesetz über die Berufsbildung
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(BBG; SR 412.10) sieht in Art. 2 Abs. 2 vor, dass das BBG nicht für
Bildungen anwendbar ist, die in anderen Bundesgesetzen geregelt sind.
Bildungsmassnahmen im Rahmen von arbeitsmarktlichen Massnahmen
sind in Art. 60 ff. AVIG geregelt und fallen somit grundsätzlich nicht unter
den Regelungsbereich des BBG. Art. 60 Abs. 5 AVIG sieht zwar vor, dass
die Bildungsmassnahmen soweit als möglich nach den Grundsätzen des
BBG zu gestalten sind und die Koordination der arbeitsmarktlichen
Massnahmen und der Massnahmen nach BBG zum Ziel hat, einen
einheitlichen und transparenten Arbeitsmarkt zu fördern. Der
Gesetzestext unterscheidet somit klar zwischen arbeitsmarktlichen
Massnahmen und Massnahmen nach BBG und legt damit fest, dass die
Regelungen des BBG nicht ohne weiteres auf andere Massnahmen
übertragen werden können. Der Beschwerdeführer kann somit auch aus
Art. 10 BBG nichts zu seinen Gunsten ableiten.
f) Im Sinne eines Zwischenfazits ist damit festzuhalten, dass der
Beschwerdeführer Weisungen der zuständigen Amtsstelle ohne
entschuldbaren Grund keine Folge geleistet hat, weshalb die Einstellung
in der Anspruchsberechtigung zu Recht erfolgt ist.
5. a) Damit bleibt nachfolgend zu prüfen, ob die Dauer der Einstellung in der
Anspruchsberechtigung von 31 Tagen (Verfügung vom 3. August 2016)
sowie von 41 Tagen (Verfügung vom 23. August 2016) angemessen ist.
Gemäss Art. 30 Abs. 3 Satz 3 AVIG bemisst sich die Dauer der
Einstellung nach dem Grad des Verschuldens und beträgt je nach
Einstellungsgrund höchstens 60 Tage. Bei leichtem Verschulden bewegt
sie sich zwischen 1-15 Tagen, bei mittelschwerem Verschulden zwischen
16-30 Tagen und bei schwerem Verschulden zwischen 31-60 Tagen
(Art. 45 Abs. 2 AVIV). Die diesbezüglich relevante Weisung des SECO
(AVIG-Praxis, Rz. D79, 3.C) sieht erstmals bei Nichtantritt einer
vorübergehenden Beschäftigung eine Anzahl von 21 bis 25 Tagen vor.
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Der Beschwerdeführer wurde demgemäss mit Verfügung vom 29. April
wegen faktischer Ablehnung einer arbeitsmarktlichen Massnahme für 23
Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt. Dies wurde mit dem in
Rechtskraft erwachsenen Urteil des Verwaltungsgerichts S 16 75 vom
16. August 2016 so bestätigt und geschützt. Beim zweiten Mal sieht die
Weisung hierfür eine Einstellung von 31 bis 37 Tagen vor, mit dem
Hinweis, dass bei erneuter Ablehnung einer vorübergehenden
Beschäftigung die Vermittlungsfähigkeit überprüft werde. Beim dritten Mal
sieht die Weisung sodann eine Überweisung zum Entscheid an die
kantonale Amtsstelle vor. Bei jeder Einstellung ist das Gesamtverhalten
der versicherten Person zu berücksichtigen (dazu BGE 130 V 125 E.3.5;
Urteil des Bundesgerichts 8C_285/2011 vom 22. August 2011 E.3.2.1
m.w.H.). Wird im konkreten Einzelfall vom Raster abgewichen, so ist in
der Verfügung eine Begründung für die strengere oder mildere Einstellung
anzuführen. Bei der verfügten Einstellungsdauer handelt es sich
typischerweise um einen Ermessensentscheid, bei welchem den
Verfügungsinstanzen ein gewisser Ermessungsspielraum zusteht.
Deshalb ist dem Verwaltungsgericht bei der Beurteilung der Einstelldauer
Zurückhaltung geboten (vgl. dazu BGE 126 V 353 E.5d; Urteil des
Bundesgerichts 8C_22/2008 vom 5. März 2008 E.3). Es darf sein
Ermessen nicht ohne triftige Gründe an die Stelle desjenigen der
Verwaltung setzen, sondern muss sich bei der Korrektur auf Gegebenheit
abstützen können, welche eine abweichende Ermessensausübung als
naheliegender erscheinen lassen (BGE 126 V 353 E.5d; 123 V 150 E.2
m.w.H.).
b) Soweit sich der Beschwerdeführer darauf beruft, dass die Einstellung der
Anspruchsberechtigung von 41 Tagen dem Einstellraster KAST/RAV, D79
3.C Ziff. 3 der AVIG-Praxis des SECO, widerspreche, zumal beim dritten
Nichtantritt eines Beschäftigungsprogrammes eine Überweisung zum
Entscheid an die kantonale Amtsstelle vorgesehen und dies im
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vorliegenden Fall nicht gemacht worden sei, kann ihm nicht gefolgt
werden. Bei der erwähnten Bestimmung geht es um eine Überweisung
zum Entscheid an die kantonale Amtsstelle, die für die
Arbeitslosenversicherung festzustellen hat, ob der Versicherte noch
vermittlungsfähig ist, was bei Verneinung der Frage zur Folge hat, dass
kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung mehr besteht. Aus der
Nichtteilnahme am Einsatzprogramm KADES (arbeitsmarktliche
Massnahme) darf in der Regel nicht auf mangelnde
Vermittlungsbereitschaft geschlossen werden, solange diese nur
Ausdruck unzureichender Erfüllung der Schadenminderungspflicht sind.
Dazu bedarf es besonders qualifizierter Umstände (vgl. dazu Urteile des
Bundesgerichts 8C_833/2007 vom 14. Mai 2008 E.2.3; C 113/04 vom
2. September 2004 E.2.3). Im vorliegenden Fall stehen solche besonders
qualifizierte Umstände und die Aberkennung der Vermittlungsfähigkeit als
schwerste Sanktion ausser Frage, hält sich der Beschwerdeführer doch
mit Ausnahme der mehrmaligen Nichtteilnahme am Einsatzprogramm
KADES grundsätzlich an die relevanten Vorschriften und bemühte sich
insbesondere um Arbeit. Insofern durfte der Beschwerdegegner zu Recht
den Beschwerdeführer für den mehrmaligen Nichtantritt einer
arbeitsmarktlichen Massnahme ohne entschuldbaren Grund in der
Anspruchsberechtigung einstellen; die Dauer der Einstellung bemisst sich
nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 1 lit. d i.V.m. Art. 30
Abs. 3 Satz 3 AVIG).
c) Vorliegend wurde der Beschwerdeführer für den zweitmaligen Nichtantritt
einer arbeitsmarktlichen Massnahme ohne entschuldbaren Grund mit
Verfügung vom 3. August 2016 für die Dauer von 31 Tagen in der
Anspruchsberechtigung eingestellt. Damit bewegt sich die Einstelldauer
im unteren Bereich des schweren Verschuldens. Es sind keine Gründe
ersichtlich, welche ein Abweichen des Gerichts vom Einstellraster
rechtfertigen würden. Insbesondere entspricht die verfügte Einstelldauer
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der AVIG-Praxis zur Arbeitslosenentschädigung des SECO (D79 3.C
Ziff. 2). Mit einer Dauer von 31 Tagen verfügte der Beschwerdegegner
eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung auch diesbezüglich im
unteren Bereich des vorgegebenen Einstellrasters (31 bis 37 Tage). Der
Einspracheentscheid des Beschwerdegegners vom 19. September 2016
bzw. die diesem zugrunde liegende Verfügung vom 3. August 2016
erweist sich in diesem Punkt als rechtens.
d) Schliesslich wurde der Beschwerdeführer für den drittmaligen Nichtantritt
einer arbeitsmarktlichen Massnahme ohne entschuldbaren Grund mit
Verfügung vom 23. August 2016 für die Dauer von weiteren 41 Tagen in
der Anspruchsberechtigung eingestellt. Wie nachfolgend aufzuzeigen sein
wird, erweist sich die verwaltungs- und versicherungsrechtliche Sanktion
von insgesamt 72 Tagen (Verfügung vom 3. sowie 23. August 2016) in
Würdigung der gesamten Umstände und des Gesamtverhaltens des
Beschwerdeführers als nicht rechtmässig und unangemessen. Die Dauer
der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens und
beträgt je nach Einstellungsgrund höchstens 60 Tage (Art. 30 Abs. 3 Satz
3 AVIG). Art. 45 Abs. 5 AVIV sieht sodann vor, dass die
Einstellungsdauer angemessen verlängert wird, wenn die versicherte
Person wiederholt in der Anspruchsberechtigung eingestellt wird. Für die
Verlängerung werden die Einstellungen der letzten zwei Jahre
berücksichtigt. In diesem Sinn stipuliert ebenso D63c der AVIG-Praxis,
dass, wenn die versicherte Person im Beobachtungszeitraum von 2
Jahren wiederholt aus demselben Grund (gleicher Tatbestand) eingestellt
werden muss, die Einstellungsdauer gemäss Einstellraster für KAST/RAV
(D72) zu verlängern ist. Im vorliegenden Verfahren rechtfertigt es sich,
über die Einstellung in der Anspruchsberechtigung nur einmal zu befinden
und das Verschulden gesamthaft zu würdigen, beruhen doch die zwei
Nichtteilnahmen am selbigen Einsatzprogramm KADES auf einem
einheitlichen Willensentschluss des Beschwerdeführers (vgl. dazu auch
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CHOPARD, Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, X._ 1998,
S. 165; KUPFER BUCHER, Fokus Arbeitslosenversicherung: Ein
Kompendium zu den Kernthemen des Arbeitslosenversicherungsrechts,
X._ 2016, S. 63). Vorliegend missachtete der Beschwerdeführer
innerhalb einer kurzen Zeitspanne die Weisungen des RAV vom 16. Juni
sowie vom 4. August 2016, verweigerte aufgrund eines einzigen und
einheitlichen Willensentschlusses jeweils die Teilnahme am selbigen
Einsatzprogramm KADES und wurde daraufhin am 3. August 2016 für 31
Tage sowie am 23. August 2016 für 41 Tage eingestellt. Die verfügte
Einstelldauer im Umfang von 41 Tagen für den Wiederholungsfall mit
gleichem Sachverhalt kommt nach dem Gesagten einer doppelten Strafe
gleich, die verfügten 31 Einstelltage sind im vorliegenden Einzelfall
lediglich angemessen zu verlängern, zumal selbst die 23 Einstelltage zu
diesem Zeitpunkt noch nicht rechtskräftig entschieden waren.
Straferhöhend wirkt sich im Übrigen unter anderem aus, dass der
Beschwerdeführer bereits wegen faktischer Ablehnung einer
arbeitsmarktlichen Massnahme für 23 Tage eingestellt wurde (bestätigt
durch VGU S 16 75). In Würdigung der gesamten Umstände und des
Gesamtverhaltens des Beschwerdeführers (dazu BGE 130 V 125 E.3.5;
Urteil des Bundesgerichts 8C_285/2011 vom 22. August 2011 E.3.2.1
m.w.H.) erscheint die Einstellung in der Anspruchsberechtigung im
Umfang von insgesamt 35 Tagen statt der 72 Tage für die zweitmalige
und drittmalige Verweigerung der Teilnahme am Einsatzprogramm
KADES dem Gericht als angemessen und verhältnismässig.
6. a) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die zweitmalige und drittmalige
Verweigerung der Teilnahme am Einsatzprogramm KADES auf ein
schweres Verschulden des Beschwerdeführers zurückgeht. Das
Verhalten des Beschwerdeführers ist in Würdigung der gesamten
Umstände im vorliegenden Fall allerdings nicht mit 72 Einstelltagen zu
sanktionieren. Dem Gericht erscheint eine Einstellung in der
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Anspruchsberechtigung im Umfang von gesamthaft 35 Tagen ab 25. Juni
2016 als angemessen. Damit wird die Beschwerde teilweise gutgeheissen
und der der angefochtene Einspracheentscheid vom 19. September 2016
und die zugrunde liegenden Verfügungen insofern aufgehoben, als der
Beschwerdeführer in seiner Anspruchsberechtigung gesamthaft im
Umfang von 35 statt 72 Tagen (31 und 41 Einstelltage; verfügt am 3. und
23. August 2016) eingestellt wird.
b) Gerichtskosten werden keine erhoben, da das Verfahren vor dem
kantonalen Versicherungsgericht – ausser bei mutwilliger oder
leichtsinniger Prozessführung – gemäss Art. 61 lit. a ATSG kostenlos ist.
Der nicht anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat keinen Anspruch
auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG).