Decision ID: cb86ef99-7d39-4937-833c-4fbd46bd18d8
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Mit rechtskräftigem Urteil vom 28. September 2010 wies das Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
die gegen die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 27. Oktober 2008 gerichtete Beschwerde von
X._
ab (
Urk.
8/61,
Urk.
8/84
). Dabei stützte es sich in medizinischer Hinsicht auf das Gutachten des Begutachtungsinstituts
Y._
vom 5. August 2008, worin dem Versicherten eine weitge
hende Arbeitsunfähigkeit für körperlich schwere Tätigkeiten und Überkopfarbeiten mit Zwangshaltung im Nacken
/
Schulterbe
reich, für eine körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere Tä
tigkeit ohne die genannten Zwangshaltungen hingegen eine 100%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit attest
iert worden war (vgl. Urk. 8/55
).
1.2
Am 21. März 2011 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von Leistun
gen der Invalidenversicherung an
(
Urk.
8/86)
.
Im daraufhin
veranlassten Gut
achten
der MEDAS
Z._
, Interdisziplinäre medizinische Gutachterstelle, vom 19. Dezem
ber 2012 wurde dem Versicherten für eine körperl
ich
schwere Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit, für eine
leichte bis
mittelschwere Tätigkeit
eine 60%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit bescheinigt (
Urk.
8/111). Mit Vorbescheid vom 15. Jan
uar 2013 stellte die IV-Stelle
erneut die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht
, da der Gesundheitszustand unverändert sei. Es liege lediglich eine revi
si
onsrechtlich unbeachtlich
e andere Würdigung des gleichen
Sachverhalts vor (
Urk.
8/114). In der Folge gelangte der Versicherte am 21. Februar 2013 an das Sozialversicherungsgericht und ersuchte um (prozessu
ale) Revision des Urteils vom 28. September 2010.
M
it Beschluss vom 28. Feb
ruar 2013
trat dieses
auf das Begehren nicht ein
(Urk.
11
). Die dagegen erho
bene Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten wies das Bundesge
richt mit Urteil vom 8. Juli 2013 ab (Urk.
10/2). Zwischenzeitlich hatte die IV
Stelle mit Verfügung vom 26. Februar 2013 - in Bestätigung des Vorbe
scheids - einen Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente verneint (
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 26. Februar 2013 liess der Versicherte
am 18. März 2013 Beschwerde erheben und die Zusprechung einer ganzen Invalidenrente ab 1. März 2011 zuzüglich Zins seit 1. März 2013 beantragen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (
Urk.
1 S.
2). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 29. April 2013 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis). Massgeblich ist jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Ver
hältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentli
chen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswir
kungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
2.
2.1
Streitig
und zu prüfen ist
der Anspruch des Beschwerdeführer
s auf eine Invali
denrente
.
2.2
Gemäss den vorstehenden rechtlichen Erwägungen
ist für die Beurteilung dieser Frage massgebend
,
ob
seit Erlass der früheren Verfügung vom 27
. Oktober 2008 eine wesentliche
Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten ist,
wel
che
ei
nen Rentenanspruch zu begründen vermag.
Die Parteien sind sich unei
nig, ob gestützt auf das Gutachten der MEDAS
Z._
eine solche Änderung ausgewiesen ist.
Dazu
hat sich das Sozialversicherungsgericht bereits im Beschluss vom 28.
Februar 2013 im Zusammenhang mit der prozessualen Revision geäussert
(
Urk.
11)
. Da es sich um eine Sachverhaltswürdigung handelt, gelten diese Aus
führungen auch im vorliegenden Zusammenhang.
Ausgeführt hat es Fol
gendes (E. 4.2):
„Aus dem als neues Beweismittel eingereichten Gutachten der MEDAS
Z._
sind keine neuen Tatsachen ersichtlich, welche den dem Urteil
vom
28. September 2010 zugrunde gelegten, bis zum 27. Oktober 2008, dem Zeit
punkt der damals angefochtenen Verfügung, massgebenden medizinischen
Sachverhalt in Frage stellen könnten. Zwar führen die MEDAS-Gutachter nun einzelne im Gutachten des
Instituts Y._
überhaupt noch nicht genannte oder mit andern Begriffen umschriebene Diagnosen
an
. Doch liegen diesen keine neuen Erkenntnisse zugrunde, welche die für das Urteil vom 28. September 2010 massgebend gewesenen Befunde und Diagnosen in Zweifel ziehen könnten. Soweit der
Beschwerdeführer
sich auf die vom
Y._-
Gutachten abweichende Beurteilung der in einer angepassten Tätigkeit noch zumutbaren Arbeitsfähigkeit der Gutachter der MEDAS
Z._
beruft, so handelt es sich bei der nunmehr noch bescheinigten Arbeitsfähigkeit von 40 % nicht um eine neue Tatsache, sondern höchstens um eine andere Bewertung des dem Urteil zugrunde liegenden Sachverhalts, die unter dem Gesichtspunkt der prozessualen Revision indes unerheblich ist. Davon abge
se
hen geht aus dem neuen Gutachten nicht einmal andeutungsweise hervor, dass mit der aktuellen Zumutbarkeitsbeurteilung diejenige der
Y._-
Gutachter wider
legt oder zumindest in Frage gestellt werden soll. Selbst wenn aus dem Umstand, dass im Vorbescheid vom 15. Januar 2013 betreffend Neuanmeldung aufgrund des aktuellen Gutachtens eine für eine Rentenzusprechung erforderli
che gesundheitliche Veränderung verneint wird, abgeleitet werden könnte, dass die
Gesuchsgegnerin
nun bereits hinsichtlich des Zeitpunkts der ursprünglichen Rentenablehnung von einer 60%igen Arbeitsun
fähigkeit ausgeht, so würde auch dies nur auf eine als neue Tatsache nicht in Betracht fallende andere Bewertung des damaligen Sachverhalts hinauslaufen.“
Das Bundesgericht bestätigte (unter dem
Blickwinkel der
eingeschränkten Kogni
tion) diese Einschätzung mit Urteil vom 8. Juli 2013 (
Urk.
10/2).
2.3
Aus diesen Erwägungen ergibt sich ohne
Weiteres
, dass seit dem Erlass der Verfü
gung vom 27. Oktober 2008 keine wesentliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten ist. Vielmehr
na
hmen
die
Gutachter der MEDAS
Z._
eine
andere Beurteilung
des nämlichen Sachverhalts vor
, was revisionsrechtlich unerheblich ist
.
Dass keine relevante Veränderung seit der Begutachtung durch das
Institut Y._
beziehungsweise der Verfügung vom 27. Oktober 2008
eingetreten ist,
ergibt sich
sodann
aus dem
Gutachten
der MEDAS
Z._
selbst. Die Gut
ach
ter erklärten
auf
entsprechende Frage
, die rheumatologische Situation habe sich eventuell verschlechtert. In psychischer Hinsicht habe eine mass
gebliche Ver
schlechterung aller Wahrscheinlichkeit nach nicht stattge
funden, vermutlich
sei es dem
Beschwerdeführer bereits
zum Zeitpunkt der Neuanmel
dung
vom 2
2.
März 2011 ähnlich schlecht gegangen wie heute
(
Urk.
8/111/26)
.
Aus den rheumatologischen und psychiatrischen Gutachten, worauf im Gesamtgutachten
verwiesen wird
(
Urk.
8/111
/20+23), geht indessen
deutlich hervor, dass
bei dieser Beurtei
lung nicht auf die Neuanmeldung,
sondern
auf das Y._-
Gutachten Bezug genommen wurde. Der rhe
umatologische Gutachter führte aus
, seine vom Institut Y._
abweichende Beurteilung rühre daher, dass diese den schlecht eingestellten Diabetes mellitus nicht diskutiert hätten (
Urk.
8/111/56). Der psychiatrische Gutachter
kritisierte das
Y._
-Gutachten grundsätzlich
(U
rk.
8/11
1
/41). Eine Verschlechterung seit der Begutachtung durch das
Institut Y._
behauptete, geschweige denn belegte, keiner der beiden Gutachter. Vor diesem Hintergrund läuft die Argumentation des Beschwerdeführers, wonach zwar nach der Neuanmeldung vom 2
2.
März 2011 keine, aber zuvor eine Verschlechterung eingetreten sei, ins Leere (
Urk.
1
S. 6 ff.)
.
Im Übrigen trifft es nicht zu, dass die im MEDAS-Gut
achten erwähnte
n
Segmentdegeneration
en
C3/4, C4/5 und C6/7, Diskushernien sowie
Osteochondrosen
erstmals mit dem Röntgenbild vom 2
2.
August 2012
erkannt
worde
n wären (vgl.
Urk.
1 S. 7). Dieser Befund zeigte bereits das CT der Halswirbelsäule vom 5. Juli 2007 und war den
Y._
-Gutachtern bekannt (Urk.
8/46/8 [Bericht
Dr.
A._
vom 10. Juli 2007],
Urk.
8/55/4+12).
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.
3.
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeiständung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Die Bedürftigkeit des Beschwerdeführers ist ausgewiesen (
Urk.
3/4)
. Da der Pro
zess nicht als von
v
ornherein aussichtslos bezeichnet werden kann und
die
anwaltliche
Verbeiständung
geboten war, sind die Voraussetzungen der unent
geltlichen Rechtspflege erfüllt.
Demnach sind die aufgrund von
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (I
VG
)
auf
Fr.
700.
festzusetzenden Verfahrenskosten
einstweilen
auf die Gerichtskasse
zu nehm
en
und ist dem Beschwerdeführer
Rechts
anwältin Dr.
Vögeli
Galli
zur unentgeltlichen Rechtsvertreterin zu bestel
len. Diese ist unter Berücksichtigung
des geltend gemachten Aufwands von 6,5
Stunden, der Barauslagen von
Fr.
95.--
und in Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
200.-- - statt des geltend gemachten von
Fr.
280.--
(
Urk.
1 S. 12)
- mit
Fr.
1‘506.60 (
[
6.5 x
Fr.
200.-- +
Fr.
95.--
] x 1.08
, inkl. Mehrwertsteuer
) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.