Decision ID: 0c896bf8-0455-41e4-9b37-a950304e0511
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._, geboren 1982, wohnt in der Gemeinde B._ und war
zuletzt als Lehrer auf der Sekundarstufe I tätig. Am 3. August 2020
meldete er einen Anspruch auf Arbeitslosenversicherungstaggelder im
Umfang von 80 % ab demselben Datum an.
2. Mit Verfügung vom 26. Februar 2021 teilte das Amt für Industrie, Gewerbe
und Arbeit Graubünden (KIGA) A._ mit, dass er in der
Anspruchsberechtigung auf Arbeitslosenentschädigung für 4 Tage ab dem
1. Februar 2021 eingestellt werde. Begründend hielt das KIGA fest, dass
sich A._ mit nur gerade vier wertbaren Arbeitsbemühungen für
die Kontrollperiode Januar 2021 persönlich nicht genügend um zumutbare
Arbeit bemüht habe.
3. Gegen diese Einstellungsverfügung erhob A._ mit Eingabe vom
2. März 2021 Einsprache beim KIGA mit dem Begehren um Aufhebung
der Verfügung und damit verbundene Rücknahme der Einstelltage.
4. Mit Entscheid vom 16. März 2021 wies das KIGA die Einsprache von
A._ gegen seine Verfügung vom 26. Februar 2021 ab.
5. Dagegen erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am
1. April 2021 (Poststempel) Beschwerde beim Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden mit folgenden Begehren:
1) Anerkennung der Arbeitsbemühungen bei C._ AG 2) Anerkennung des Eintrags in der Stellvertreter Liste für Lehrpersonen als permanente Arbeitsbemühung 3) In Folge 1) und 2) Überprüfung der 4 Einstelltage gemäss Verfügung Nr. 341241684 und Entscheid ALV nach Einsprache A._
Zur Begründung brachte der Beschwerdeführer vor, dass das KIGA nicht
vollständig auf seine Stellungnahme vom 18. Februar 2021 eingegangen
sei. Es übersehe, dass darin eine telefonische Stellenbewerbung bei der
C._ AG thematisiert worden sei. Diese Stelle sei erst anfangs
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2021 zu besetzen gewesen und könne daher keine Wiederholung sein.
Als Beilage dazu sei eine Stellenbeschreibung mitgeschickt worden. Die
Bestätigung per Mail der C._ AG lege er als Beilage 2 der
Beschwerde bei. Durch den Eintrag in die Stellvertreterliste werde der
Schadenminderungspflicht nachgekommen. Er habe in den Monaten
Dezember CHF 2'223.--, Januar CHF 2'222.40 und Februar CHF 2'963.20
durch die Stellvertretung erhalten, gesamthaft CHF 7'408.60. Zähle der
Eintrag gemäss Arbeitslosenversicherung (ALV) nicht als
Arbeitsbemühung, werde er gelöscht. Er wäre also im November nicht für
die Stellvertretung auffindbar gewesen und diese wäre nicht zustande
gekommen. Durch eine Stellvertretung könne eine Lehrperson wichtige
Kontakte vor Ort knüpfen, welche einen starken Vorteil bei einer
freiwerdenden Stelle darstellten. In diesem Sinne führe der Kanton das
Praktikum für arbeitslose Lehrer als AMM in der "Angebotsübersicht 2020"
als Assistenzpraktikum (Lehrer/in / Kindergärtner/in) auf S. 64. Wieso nun
einer proaktiven arbeitslosen Lehrkraft die Arbeitsbemühung in
obgenannter Form aberkannt werden sollte, könne er bei bestem Willen
nicht nachvollziehen. Weiter sei der Eintrag als Arbeitsbemühung von
September bis Dezember in keiner Sitzung mit dem RAV Berater
besprochen oder von diesem beanstandet worden. Es sei daher schwer
nachzuvollziehen, wieso die Arbeitsbemühung im Januar nicht gewertet
werden könne. Die Aussage des RAV Beraters an die ALV vom 8. Februar
2021 (Zitat: "Im Januar hat STES nun die Stellvertreterliste Kanton
Graubünden erneut aufgeführt [dies hat er bereits im November
aufgeführt]. Er wird [und wurde] kontaktiert, wenn es Stellvertretungen
gibt. Eine erneute Nachfrage ist unnötig und keine erneute AB.") sei in der
Verfügung vom 26. Februar 2021 wie im Entscheid vom 16. März 2021
unerwähnt geblieben. Das Vorgehen von RAV und ALV sei nicht
nachvollziehbar. Sollten seine Arbeitsbemühungen gemäss Anträgen 1)
und 2) gewertet werden können, müsste der Beschwerde Recht gegeben
und die Einstelltage sistiert werden. Sollte nur Antrag 1) oder 2) als
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Arbeitsbemühung gewertet werden, müssten die 4 Einstelltage reduziert
werden.
6. Mit Beschwerdeantwort vom 30. April 2021 beantragte das KIGA
(nachfolgend Beschwerdegegner) die Abweisung der Beschwerde unter
gesetzlicher Kostenfolge. Der Beschwerdeführer begründe seine
Beschwerde erneut mit der Behauptung, die telefonische Bewerbung bei
der C._ AG vom 14. Januar 2021 stelle keine
Wiederholungsbemühung dar und der Eintrag in der Stellvertreterliste des
Kantons Graubünden entspreche einer permanenten Arbeitsbemühung.
Zur Begründung wurde auf die Schadenminderungspflicht (Art. 17 Abs. 1
AVIG) sowie auf das Erfordernis des Nachweises quantitativ wie qualitativ
genügender Arbeitsbemühungen hingewiesen. In dem vom
Beschwerdeführer am 14. August 2020 unterzeichneten Formular
"Wiedereingliederungsstrategie" sei vermerkt, dass
Wiederholungsbemühungen innert vier Monaten nicht gewertet werden
könnten. Auf dem Formular "Nachweis der persönlichen
Arbeitsbemühungen" für die Kontrollperiode September 2020 finde sich
mit Datum vom 24. September 2020 der Eintrag "Montagemithilfe bei der
C._ AG". Seiner Abrechnung zufolge sei der Beschwerdeführer
für diese Firma vom 16. bis zum 23. September 2020 als Aushilfe im
Einsatz gewesen. Für die Kontrollperiode Januar 2021 habe der
Beschwerdeführer am 14. Januar 2021 aufgeführt: "Nachfragen bezüglich
möglicher Stelle vom September 2020". Entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers, es habe sich dabei um eine proaktive Berufssuche
und einer Pflege des Netzwerks gehandelt, sei dies höchstens als
Vorbereitungshandlung und nicht als Arbeitsbemühung zu qualifizieren; da
diese Nachfrage innert vier Monaten seit der letzten Arbeitstätigkeit bei der
C._ AG erfolgt sei, müsste sie ohnehin als
Wiederholungsbemühung gewertet werden. Daran vermöge auch die
äusserst knappe E-Mailbestätigung von Herrn E._ vom 25. März
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2021 nichts zu ändern. Trotz dieser Bestätigung entstehe nicht der
Eindruck, dass es sich bei diesem Telefonat um eine ernste
Arbeitsbemühung gehandelt habe. Auch der Eintrag in die
Stellvertreterliste des Kantons Graubünden habe nicht erneut gewertet
werden können. Habe sich die versicherte Person einmal eingetragen,
beschränke sich ihr Aufwand auf die Aktualisierung der Daten. Von einer
permanenten Arbeitsbemühung könne nicht die Rede sein. Daran ändere
auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer durch den Eintrag
einzelne Stellvertretereinsätze habe leisten können, nichts. Auch hierbei
handle es sich bestenfalls um eine Vorbereitungshandlung. Aus den ins
Recht gelegten Protokollen der Beratungsgespräche gehe klar hervor,
dass die Arbeitsbemühungen des Beschwerdeführers von Beginn weg
minimalistisch gewesen seien und dieser vom Personalberater wiederholt
wegen seiner Arbeitsbemühungen gerügt und über das erforderliche Mass
an deren Qualität aufgeklärt worden sei. Damit sei erstellt, dass dieser in
der Kontrollperiode Januar 2021 anstelle der vereinbarten sechs nur
gerade deren vier wertbare Arbeitsbemühungen vorgenommen habe. Die
angefochtene Verfügung als auch der Einspracheentscheid seien folglich
rechtens, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen sei.
7. Mit Replik vom 6. Mai 2021 (Poststempel) brachte der Beschwerdeführer
einige "Richtigstellungen" an. Die Wortwahl des Beschwerdegegners zur
E-Mailbestätigung von Herrn E._ zeuge von einer
Geringschätzung gegenüber der Arbeitswelt. Gerade in einem ländlichen
Kanton seien die direkten Kommunikationskanäle sehr wichtig. Im
Gespräch mit dem RAV Berater Ende Januar sei die erforderliche Zahl an
Arbeitsbemühungen thematisiert worden. Der Beschwerdeführer habe
sechs Arbeitsbemühungen gemacht und hätte noch zwei machen müssen.
Er sei in einem intensiven Bewerbungsprozess für eine Stelle bei
D._ gestanden. Er habe seine Situation dem RAV Berater
geschildert und ihm gesagt, dass er noch zwei Bewerbungen machen
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könne, diese aber im Sinne der Quantität und nicht der Qualität, worauf der
RAV Berater gemeint habe, dass in diesem Fall sechs Arbeitsbemühungen
genügten. Auch in Bezug auf den Eintrag in die Stellvertreterliste, der bis
heute nicht zur Abmeldung vom Bezug von Arbeitslosenentschädigung
geführt habe, glänze der Beschwerdegegner durch Unkenntnis der
Arbeitswelt. Lehrpersonen würden für eine Festanstellung per 1. August
jedes Jahr gesucht. Es verwundere also nicht, dass im Februar noch keine
Anstellung als Lehrperson gefunden worden sei (mittlerweile habe er eine
Stelle als Elektroingenieur in Bern per 17. Mai). Die Aussage des
Beschwerdegegners, dass der Beschwerdeführer bei seinen
Arbeitsbemühungen von Beginn weg minimalistisch gewesen sei, sei eine
bodenlose Frechheit und schmerze ihn. Der Beschwerdegegner scheine
nicht in der Lage zu sein, aufgrund der Akten ein Gesamtbild seiner
Situation (Stellensuche und Arbeitseinsatz im Zwischenerwerb) zu
zeichnen. Einerseits habe er immer wieder mehr als die geforderten 10
Arbeitsbemühungen pro Monat geleistet. Andererseits habe er durch
seinen Zwischenerwerb nur einmal mehr als 50 % der ALV Gelder
bezogen.
8. Mit Eingabe vom 18. Mai 2021 verzichtete der Beschwerdegegner auf die
Einreichung einer Duplik in dieser Streitsache.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften, den
angefochtenen Einspracheentscheid und die übrigen im Recht liegenden
Beweismittel wird, sofern erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

II. Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt ist der Einspracheentscheid des Beschwerdegegners
vom 16. März 2021, womit er die Einsprache des Beschwerdeführers gegen
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die Verfügung vom 26. Februar 2021 abwies und an der Einstellung in der
Anspruchsberechtigung für vier Tage ab dem 1. Februar 2021 festhielt.
1.2. Nach Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0)
i.V.m. Art. 2 sowie Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann
gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenversicherung
Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden.
Gemäss Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIV;
SR 837.02) ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen
(Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das Verwaltungsgericht
desselben Kantons örtlich zuständig. Der angefochtene
Einspracheentscheid wurde vom KIGA als kantonale Amtsstelle im Sinne von
Art. 85 AVIG erlassen, sodass die örtliche Zuständigkeit des angerufenen
Gerichts gegeben ist. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts
des Kantons Graubünden ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2
lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100).
1.3. Als Adressat des angefochtenen Entscheids ist der Beschwerdeführer
berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder
Änderung auf, weshalb er zur Beschwerdeerhebung legitimiert ist (vgl. Art.
59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht am 1. April 2021
eingereichte Beschwerde (Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG) ist demnach
einzutreten.
1.4. Das Verwaltungsgericht entscheidet in einzelrichterlicher Kompetenz, wenn
der Streitwert CHF 5'000.-- nicht überschreitet (Art. 43 Abs. 3 lit. a VRG) und
keine Fünferbesetzung (Art. 43 Abs. 2 VRG) vorgeschrieben ist.
Ausgangspunkt für die Bemessung des Streitwerts ist vorliegend der
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versicherte Verdienst (Art. 23 AVIG) des Beschwerdeführers von CHF
6'208.-- (vgl. Akten des Beschwerdegegners [Bg-act.] 1). Dieser Verdienst
wird zum Taggeldsatz von 80 % (Art. 22 Abs. 2 AVIG) entschädigt (Bg-act.
1). Der Beschwerdeführer hat demzufolge Anspruch auf ein Taggeld von
CHF 228.85 (ermittelt aus: CHF 6'208.-- x 0.8 : 21.7 Tage [Art. 40a AVIV]).
Aus der vom Beschwerdegegner verfügten, hier angefochtenen
Einstellungsdauer von vier Tagen in der Anspruchsberechtigung ergibt sich
ein Streitwert von insgesamt CHF 915.40 (4 x CHF 228.85). Da der Streitwert
somit unter CHF 5'000.-- liegt und die Streitsache nicht in Fünferbesetzung
entschieden werden muss, ist die Zuständigkeit der Einzelrichterin gegeben.
1.5. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung fliesst aus dem Anspruch auf
rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) die Pflicht der Behörden,
die Vorbringen des von einem Entscheid in seiner Rechtsstellung
Betroffenen tatsächlich zu hören, zu prüfen und in der Entscheidfindung zu
berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich die Behörden mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegen. Vielmehr können sich die Behörden auf
die für einen Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung
muss so abgefasst sein, dass sich die Betroffenen über die Tragweite eines
Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die
höhere Instanz weiterziehen können. In diesem Sinne müssen wenigstens
kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat
leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_187/2020 vom 11. November 2020 E.2.1.2 mit Hinweis
auf BGE 142 I 135 E.2.1; 138 I 232 E.5.1; 136 I 229 E.5.2).
1.6. Der Beschwerdeführer macht zunächst implizit eine Gehörsverletzung
geltend, wenn er ausführt, der Beschwerdegegner gehe im angefochtenen
Einspracheentscheid nicht vollständig auf die Stellungnahme vom 18.
Februar 2021 (vgl. Akten des Beschwerdeführers [Bf-act.] 1-1) bezüglich der
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telefonischen Bewerbung bei der C._ AG für eine erst anfangs 2021
zu besetzende Stelle ein, welche keine Wiederholung gewesen sei. Zu
diesem Vorbringen gilt es seitens des Gerichts festzuhalten, dass sich der
Beschwerdeführer damit auf eine Akte als Beweismittel stützt, deren
Missachtung er bereits in der Einsprache (Bg-act. 9) gerügt hat und die im
angefochtenen Einspracheentscheid (Bf-act. 8 Ziff. 2) erwähnt und behandelt
wird. Der Beschwerdeführer kann daher daraus nichts zu seinen Gunsten
ableiten. Im Übrigen ist in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des
Bundesgerichts (vgl. Erwägung 1.5 hiervor) darauf hinzuweisen, dass zur
Wahrung des rechtlichen Gehörs nicht auf jedes einzelne Vorbringen
einzugehen ist, sondern wenigstens kurz die Überlegungen zu nennen sind,
von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid
stützt, womit eine Begründung zu leisten ist, die es dem Betroffenen erlaubt,
sich ein Bild von den entscheidrelevanten Gesichtspunkten zu machen und
gestützt darauf einen allfälligen Weiterzug an die nächsthöhere Instanz
abschätzen zu können. Diese formellen Voraussetzungen sind im konkreten
Fall zweifelsfrei erfüllt, weshalb eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
vorliegend zu verneinen ist.
2. Strittig und inhaltlich zu klären ist vorliegend, ob der Beschwerdegegner den
Beschwerdeführer zu Recht in der Anspruchsberechtigung auf
Arbeitslosenentschädigung für vier Tage wegen ungenügender persönlicher
Arbeitsbemühungen gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG eingestellt hat oder
nicht.
3.1. Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG hat der Versicherte alles Zumutbare zu
unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (Satz 1).
Insbesondere ist er verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch
ausserhalb seines bisherigen Berufes (Satz 2). Er muss seine Bemühungen
nachweisen können (Satz 3). Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung
laut Art. 30 AVIG dient dazu, die in Art. 17 Abs. 1 AVIG statuierte
Schadenminderungspflicht des Versicherten durchzusetzen. Sie hat die
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Funktion einer Haftungsbegrenzung der Versicherung für Schäden, welche
der Versicherte hätte vermeiden oder vermindern können. Als
versicherungsrechtliche Sanktion bezweckt sie die angemessene
Mitbeteiligung der versicherten Person am Schaden, den sie durch ihr
Verhalten der Arbeitslosenversicherung in schuldhafter Weise natürlich und
adäquat kausal verursacht hat. Kern der Pflicht, alles Zumutbare zu
unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen, sind die
persönlichen Arbeitsbemühungen der versicherten Person selbst
(GERHARDS, Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz [AVIG], Bern
1987, Bd. I [Art. 1-58], Rz. 12 zu Art. 17), welche in der Regel streng beurteilt
werden. Es gilt gewissermassen der Grundsatz, dass die
Arbeitsbemühungen umso intensiver sein müssen, je weniger Aussicht eine
versicherte Person hat, eine Stelle zu finden. Dabei stehen sowohl Tatsache
als auch Intensität, nicht aber der Erfolg dieser Bemühungen im Vordergrund
(GERHARDS, a.a.O., Rz. 14 zu Art. 17; BGE 133 V 89 E.6.1.1). Nach Art. 26
Abs. 1 AVIV muss der Versicherte sich gezielt um Arbeit bemühen, in der
Regel in Form einer ordentlichen Bewerbung. Diese Bemühungen müssen
bei der zuständigen Amtsstelle nachgewiesen werden können und zwar für
jede Kontrollperiode – d.h. für jeden Kalendermonat (Art. 27a AVIV) –
spätestens am fünften Tag des folgenden Monats oder am ersten auf diesen
Tag folgenden Werktag, wobei ohne entschuldbaren Grund verspätet
nachgewiesene Arbeitsbemühungen nicht mehr berücksichtigt werden (Art.
26 Abs. 2 AVIV). Wenn sich der Versicherte persönlich nicht genügend um
zumutbare Arbeit kümmert, so ist er nach Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG in der
Anspruchsberechtigung einzustellen. Wie bereits einleitend gesagt, handelt
es sich bei den Art. 17 und Art. 30 AVIG um eine gesetzliche Umschreibung
der im Sozialversicherungsrecht geltenden Schadenminderungspflicht.
Daraus schliesst die Praxis, dass der Versicherte alle Anstrengungen zu
unternehmen und jede zumutbare Gelegenheit zu ergreifen hat, um seine
Arbeitslosigkeit zu beenden (KUPFER BUCHER, in: STAUFFER/CARDINAUX
[Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AVIG, 5. Aufl.,
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Zürich/Basel/Genf 2019, Art. 30 Ziff. 2.3, S. 220 ff.; CHOPARD, Die Einstellung
in der Anspruchsberechtigung, Diss. 1998, S. 134; vgl. Urteile des
Verwaltungsgerichts [VGU] S 20 13 vom 1. Juli 2020 E.2.1 und S 19 141 vom
27. Mai 2020 E.2.1).
3.2. Lehre und Rechtsprechung haben sowohl quantitative wie auch qualitative
Kriterien entwickelt, die im Einzelfall die Beurteilung, ob jemand genügend
persönliche Arbeitsbemühungen nachweisen kann, erleichtern. So schützte
das Bundesgericht die Praxis, wonach in der Regel durchschnittlich zehn bis
zwölf Bewerbungen im Monat als genügend erachtet werden (vgl. dazu Urteil
des Bundesgerichts 9C_376/2021 vom 19. Januar 2022 E.4.3.3, BGE 141 V
365 E.4.1 mit Hinweis auf BGE 139 V 524 E.2.1.4; KUPFER BUCHER, a.a.O.,
Ziff. 2.3 S. 222; Praxis über die Arbeitslosenentschädigung [AVIG-Praxis
ALE] vom Januar 2022, herausgegeben vom Staatssekretariat für Wirtschaft
[SECO], Rz. B315). Das Bundesgericht betonte aber auch, dass eine
allgemein gültige Aussage über die erforderliche Mindestzahl an
Bewerbungen nicht möglich sei. Die Anzahl der erforderlichen
Stellenbewerbungen richte sich nach den konkreten Umständen. Es handle
sich um Richtwerte für den Regelfall, die aber stets unter Berücksichtigung
der jeweiligen konkreten (objektiven wie subjektiven) Umstände und
Möglichkeiten, worunter etwa das Alter, die Schulbildung, allfällige
Sprachschwierigkeiten, die Berufsbildung sowie auch die Arbeitsmarktlage
fallen, zu beurteilen sind (vgl. zum Ganzen Urteile des Bundesgerichts
8C_708/2019 vom 10. Januar 2020 E.3.2, 8C_737/2017 vom 8. Januar 2018
E.2.2, 8C_583/2009 vom 22. Dezember 2009 E.5.1, Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts C 258/2006 vom 6. Februar 2007
E.2.2; sowie KUPFER BUCHER, a.a.O., Ziff. 2.3 S. 221, AVIG-Praxis ALE, Rz.
B316).
3.3. Das Verwaltungsgericht hat bereits mehrfach festgehalten, dass wiederholte
Bemühungen die qualitativen Anforderungen nur dann erfüllen, wenn sie in
Würdigung der konkreten Umstände reelle Chancen auf Erhalt eines
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Arbeitsplatzes eröffnen. Dies ist der Fall, wenn z.B. ein Arbeitgeber einer
versicherten Person eine Stelle zu einem späteren Zeitpunkt in Aussicht
stellt, sie zu einer nochmaligen Bewerbung aufgefordert wurde oder wenn
zwischen den Bewerbungen eine gewisse vernünftige Zeitspanne liegt,
welche eine reelle Chance auf einen Arbeitsplatz erhöht (siehe VGU S 20 13
vom 1. Juli 2020 E.2.3. sowie S 17 92 vom 16. August 2017 E.4).
3.4. Mit dem schriftlichen Nachweis der getätigten Arbeitsbemühungen soll die
Verwaltung in die Lage versetzt werden, Quantität und Qualität der
Anstrengungen zur Überwindung der Arbeitslosigkeit umfassend abzuklären
und zu würdigen (BGE 120 V 74 E.3c). Die nachgewiesenen
Arbeitsbemühungen müssen überprüfbar sein (AVIG-Praxis ALE Rz. B321).
Sämtliche Bewerbungen sollten daher dokumentiert sein (vgl. VGU S 16 48
vom 17. Mai 2016 E.3).
4.1. Im vorliegenden Fall ist also der Nachweis von genügenden
Arbeitsbemühungen für die Kontrollperiode Januar 2021 zu prüfen. Im
betreffenden Monat wurden vom Beschwerdeführer ausnahmsweise – in
Absprache und mit Billigung des zuständen RAV Beraters – nur sechs
Arbeitsbemühungen erwartet (siehe Bf-act. 5-5). Gemäss Nachweisformular
(Bf-act. 6-1) hat der Beschwerdeführer zwar sechs Arbeitsbemühungen
angegeben, wovon aber lediglich vier gewertet wurden.
4.2. Entgegen der anderslautenden Darstellung des Beschwerdeführers kann der
Argumentation des Beschwerdegegners gefolgt werden, wonach die
Bewerbung bei der C._ AG bloss eine Wiederholung einer bereits
realisierten Arbeitsbemühung vom 16. bis 23. September 2020 als Aushilfe
bei derselben Firma darstellt, welche jedoch nicht anrechenbar ist, weil keine
reelle Chance auf eine Arbeitsstelle bei dieser Firma bestand. Auf eine
entsprechende Anfrage des Beschwerdeführers per E-Mail vom 22. März
2021 bestätigte der Firmeninhaber mit E-Mail vom 25. März 2021 (Bf-act. 2)
zunächst, dass die Stelle als PV und Solartermin Projektleiter erst seit
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anfangs Jahr neu zu besetzen sei; gleichzeitig stellte er klar fest, dass er den
Beschwerdeführer in dieser Position nicht sehe, was nur bedeuten kann,
dass für ihn keine Chance auf Erhalt dieser Arbeitsstelle bestanden hatte.
Wie dem Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühungen für den Monat
Januar 2021 (Bg-act. 6) zu entnehmen ist, führte der Beschwerdeführer
selbst am 14. Januar 2021 folgende Arbeitsbemühung auf: "Nachfragen
bezüglich möglicher Stelle vom September 2020". Diese Nachfrage kann
jedoch nicht gezählt werden, da eine erneute Anstellung des
Beschwerdeführers bei der C._ AG nicht als realistisch bezeichnet
werden kann. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer am 14. August 2020
unbestritten bereits das Formular "Wiedereingliederungsstrategie"
unterzeichnet hatte und damit wusste oder hätte – bei gehöriger
Aufmerksamkeit – wissen müssen, dass reine Wiederholungsbemühungen
innert vier Monaten nicht (erneut) gewertet würden. Diese Frist war noch
nicht abgelaufen, arbeitete der Beschwerdeführer doch vom 16. bis 23.
September 2020 als Aushilfe bei der C._ AG und waren bis am 14.
Januar 2021 noch nicht vier Monate verstrichen, um sich erneut bei der
C._ AG auf eine Stelle im Sinne einer wertbaren Arbeitsbemühung
zu melden. Dies umso mehr, als dass die C._ AG ihm weder eine
Stelle zu einem späteren Zeitpunkt in Aussicht gestellt noch ihn zu einer
(nochmaligen) Bewerbung aufgefordert hatte. Was die am 19. Januar 2021
deklarierte Arbeitsbemühung betreffend Kanton Graubünden (Eintrag
Stellvertreterliste GR [für Lehrer]) betrifft (Bg-act. 6), so handelt es sich dabei
offenkundig – wenn überhaupt – um eine blosse Aktualisierung einer
bestehenden Registrierung, was nicht anrechenbar ist. Eine solche
Konstellation lässt sich am ehesten mit dem Vorgang vergleichen, wonach
der ausschliessliche Beizug einer Vermittlungsfirma keine genügende
persönliche Arbeitsbemühung darstellt (vgl. KUPFER BUCHER, a.a.O., Ziff. 2.3
S. 222; AVIG-Praxis ALE Rz. B315). Beide Arbeitsbemühungen – sowohl
diejenige bei der C._ AG wie auch jene für das Figurieren auf der
Stellvertreterliste des kantonalen Amts für Volksschule und Sport für die
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Kontrollperiode Januar 2021 – sind folglich qualitativ unzulänglich, weshalb
sie vom Beschwerdegegner zu Recht nicht berücksichtigt wurden.
4.3. Selbst wenn der Eintrag auf der Stellvertreterliste GR anerkannt würde – wie
dies offenbar nach Angaben des Beschwerdeführers in den Monaten
Oktober bis Dezember 2020 der Fall war (Bf-act. 1-1) -, so wäre die
Bemühung bei der C._ AG weiterhin nicht zu berücksichtigen, so
dass mit fünf Arbeitsbemühungen das gegenseitig vereinbarte Soll von sechs
Arbeitsbemühungen nicht erfüllt war.
4.4. Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung gestützt auf Art. 17 Abs. 1
AVIG und insbesondere Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG ist damit zu Recht erfolgt.
5. Zu prüfen bleibt die Dauer der verfügten Einstellung in der
Anspruchsberechtigung.
5.1. Gemäss Art. 30 Abs. 3 AVIG bemisst sich die Dauer der Einstellung nach
dem Grad des Verschuldens und beträgt je nach Einstellungsgrund 1 bis 15
Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem und 31 bis 60 Tage
bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3 AVIV). Vorliegend geht es konkret
um die verfügte Einstellungsdauer von vier Tagen, womit der
Beschwerdegegner das Verschulden des Beschwerdeführers offensichtlich
als leicht qualifizierte. Da es sich bei der Einstellungsdauer typischerweise
um einen Ermessensentscheid handelt, bei dem den Verfügungsinstanzen
ein grosser Ermessensspielraum zusteht, ist für das Verwaltungsgericht bei
der Beurteilung der Einstellungsdauer Zurückhaltung geboten (BGE 126 V
353 E.5d). Es darf sein Ermessen nicht ohne triftige Gründe an die Stelle
desjenigen der Verwaltung setzen, sondern muss sich bei der Korrektur auf
Gegebenheiten abstützen können, welche eine abweichende
Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (siehe BGE 137
V 71 E.5.2, 126 V 75 E.6, 126 V 353 E.5d; Urteile des Bundesgerichts
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8C_332/2019 vom 18. September 2019 E.3.3, 8C_302/2019 vom 22. August
2019 E.3.3.2, 8C_138/2017 und 8C_143/2017 vom 23. Mai 2017 E.6.1).
5.2. Konkret wich der Beschwerdegegner vom Mittelwert von aufgerundet acht
Tagen für ein leichtes Verschulden um die Hälfte auf vier Tage nach unten
zu Gunsten des Beschwerdeführers ab und siedelte damit die verhängte
Sanktion im unteren Bereich des leichten Verschuldens an. Das
streitberufene Gericht vermag hier keine Verletzung des
Ermessensspielraums des Beschwerdegegners zu erkennen. Die kritisierte
Einstellungsdauer von vier Tagen ist folglich nicht zu beanstanden.
6. Der angefochtene Einspracheentscheid ist demnach rechtens, was zur
Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
7.1. Nach Art. 61 lit. fbis ATSG ist das kantonale Beschwerdeverfahren bei
Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig, wenn dies im jeweiligen
Einzelgesetz vorgesehen ist; sieht das Einzelgesetz keine Kostenpflicht bei
solchen Streitigkeiten vor, so kann das Gericht einer Partei, die sich mutwillig
oder leichtsinnig verhält, Gerichtskosten auferlegen. Da das AVIG keine
Kostenpflicht statuiert und Mutwilligkeit oder Leichtsinn nicht vorliegen, sind
dem Beschwerdeführer keine Kosten aufzuerlegen.
7.2. Dem obsiegenden Beschwerdegegner steht kein Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).