Decision ID: 56328ef8-1870-4491-94fb-7e4f75b6d1b5
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 14./19. September 2017 (IV-act. 1) bei der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an. Er habe bis zum ersten Vordiplom 199_ _ studiert und
hernach 199_ eine dreijährige Lehre als B._ abgeschlossen. Er sei in einem seit 2011
bestehenden Arbeitsverhältnis noch bis 30. September 2017 angestellt und habe einen
Lohn von Fr. 65'260.--. Seit 27. Mai 2017 sei er nicht mehr fähig, die erforderliche
Leistung im Beruf zu erbringen. Er sei körperlich und psychisch ausgelaugt, leide an
Appetitlosigkeit und habe Angst, versagt und nicht genug geleistet zu haben.
Ausserdem bestehe eine Suchterkrankung. Eine Krankschreibung wegen einer
erlittenen Thrombose habe zur Kündigung (sc. im Juni 2017, vgl. IV-act. 6-9) geführt,
dann habe er im Sommer einen völligen Zusammenbruch erlitten. - Die Arbeitgeberin
bestätigte im Bericht vom _. September 2017 (IV-act. 6), der Lohn betrage seit Januar
2017 Fr. 65'_.--. Das Arbeitsverhältnis werde voraussichtlich Ende Jahr enden. Sie
habe u.a. wegen hoher Absenzzeit, fehlender Kommunikation und häufigen Zu-spät-
Kommens gekündigt. Im beigelegten Kündigungsschreiben vom _. Juni 2017 (IV-
act. 6-9) war auf eine Verwarnung vom April 2016 hingewiesen worden.
A.a.
Am 6. November 2017 wurden die Akten der Krankentaggeldversicherung (Fremd-
act.) eingereicht. - Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, hatte der
Versicherung in einem ärztlichen Erstbericht vom 4. August 2017 betreffend eine
Arbeitsunfähigkeit ab 29. Mai 2017 (Fremd-act. 1-1 bis 3) angegeben, es bestünden
beim Versicherten eine Depression und ein Opiat-Ersatzprogramm mit Sevre-long,
daneben bestehe (ohne Einfluss auf die Arbeitsunfähigkeit) eine Venenthrombose. Es
lägen eine Erschöpfung und ein Gewichtsverlust vor. Der Arzt wies auf einen (Austritts-)
Bericht der Psychiatrischen Klinik D._ vom 14. März 2016 hin. Als nicht-
medizinischen Grund mit einem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit benannte er den
A.b.
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Umstand, dass dem Versicherten gekündigt worden sei. Eine Leistung von 50 % über
den Tag hinweg sei in der aktuellen Tätigkeit zumutbar. Möglich und zumutbar sei auch
eine Tätigkeit als Allrounder im Bereich _. - Dem Vorgesetzten des Versicherten hatte
Dr. C._ am 4. August 2017 (Fremd-act. 1-8) geschrieben, er danke ihm dafür, dass er
diesen in all den Jahren des Arbeitsverhältnisses gut behandelt habe. Leider habe sich
dessen Gesundheitszustand in den letzten Monaten verschlechtert, so dass er nicht
mehr als B._ arbeiten könne. Er werde sich in eine erneute intensive Behandlung
begeben. Nachher werde mit Hilfe der Invalidenversicherung versucht werden, ihn zum
Beispiel in eine Funktion im Bereich _ umzuschulen. - Im erwähnten Austrittsbericht
vom 14. März 2016 (Fremd-act. 1-4 f., vgl. auch IV-act. 57-4 f.; betreffend einen
Aufenthalt des Versicherten vom 6. Januar 2016 bis 14. März 2016) hatte die Klinik
(Suchttherapie Station, Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie)
festgehalten, der Versicherte sei freiwillig auf die Entzugsstation eingetreten. Er sei
zunächst wieder auf Methadon und im Verlauf auf Subutex eingestellt worden, womit er
gut habe stabilisiert werden können. Ein schwieriges Gespräch mit dem Vorgesetzten
habe der Versicherte nutzen und diesen über seine Suchterkrankung in Kenntnis setzen
können, was ihn sehr erleichtert habe. Es habe nur wenige Rückfälle gegeben.
Bearbeitet worden seien auch die Abgrenzung des Versicherten gegenüber [...], der
Wiedereinstieg an seiner Arbeitsstelle und ein schrittweiser Abschied von seiner
Identität als Süchtiger.
Die Psychiatrie F._ (Suchttherapie Station, Dr. E._) gab in einem Bericht vom
29. November 2017 (IV-act. 14, vgl. Austrittsbericht vom 25. Oktober 2017, IV-act. 12)
an, es bestünden beim Versicherten seit Jahren Störungen durch Opioide:
Abhängigkeitssyndrom: gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwachten
Ersatzdrogenprogramm, Störungen durch Cannabinoide: Abhängigkeitssyndrom:
gegenwärtig abstinent, aber in beschützender Umgebung, Störungen durch Kokain:
Abhängigkeitssyndrom: gegenwärtig abstinent, aber in beschützender Umgebung, ein
St. n. Thrombose im linken Unterschenkel 5/17 und im rechten Unterschenkel vor
vielen Jahren (mit einer Gerinnungsstörung), und eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und narzisstischen Anteilen. Der
Versicherte sei am 10. August 2017 aufgrund einer psychosozialen Belastungssituation
mit Stellenverlust vor dem Hintergrund einer langjährigen Opiatabhängigkeit und
A.c.
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regelmässigen Cannabis- und Kokainkonsums zur achten Hospitalisation (letzter
vorangegangener Aufenthalt von Januar bis März 2016) gekommen. Am 25. Oktober
2017 sei er zur weiteren stationären Suchttherapie in die Klinik G._ übergetreten.
Nach der Thrombophlebitis sei er längere Zeit bei der Arbeit ausgefallen und habe
dann die Kündigung erhalten. Er wolle eventuell eine Umschulung machen. - Die
Personalberaterin IIZ des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) erkundigte
sich am 11. April 2018 (IV-act. 15) nach IV-Unterstützungsmöglichkeiten, da der
Versicherte nach Klinikaustritt im Geschäft seines _ im Bereich _ eine Tätigkeit zu
50 % aufnehmen könne.
Die Klinik G._ (Dr. med. H._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie;
fallführend I._) berichtete am 17. April 2018 (IV-act. 18; bei Eintritt am 25. Oktober
2017 und geplantem Austritt am 20. April 2018; vgl. auch Austrittsbericht vom 20. April
2018, IV-act. 21) von folgenden Diagnosen: (erstens) Zyklothymia (bei Eintritt leichte
Symptome einer hypomanen Phase, im Februar und März mittelschwere depressive
Phase, derzeit milde bis mässige Ausprägung depressiver Symptome, nicht mehr
klinisch relevant im Sinn von BDI), (zweitens) einfache Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung ADS, und (drittens) St. n. Thrombose im linken Unterschenkel
5/17 und im rechten Unterschenkel vor vielen Jahren bei ausgeprägter Varikosis. Ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien u.a. Störungen durch Opioide, durch
Cannabinoide, durch Kokain und durch Tabak (ausser bei Kokain je
Abhängigkeitssyndrom). Der Versicherte habe erklärt, er wolle von den Drogen
wegkommen und strebe wegen seiner psychischen Verfassung eine berufliche
Umschulung an. Er habe den Arbeitsalltag im bisherigen Betrieb nur unter
Drogeneinfluss aushalten können. Es wurde berichtet, zu Beginn hätten leichte
Symptome einer hypomanen Phase imponiert, die dann nach Wochen zunehmend in
Gereiztheit und innere Unruhe bis zur Ideenflucht übergegangen seien. Das habe zu
einer Phase mit anhaltender Müdigkeit, Verlust von Selbstvertrauen und depressiver
Verstimmtheit geführt, von der er sich im Januar wieder erholt habe. Ab Februar sei es
erneut zu einer depressiven Entwicklung gekommen. Seine Mutter habe an einer
bipolaren Störung gelitten, die viele Klinikaufenthalte nach sich gezogen habe. Das
Störungsbild der Zyklothymia komme gehäuft bei solchen Verhältnissen vor. Der
Versicherte habe die Funktion seines Konsums verstanden und zeige sich motiviert,
A.d.
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seine Abstinenz aufrechtzuerhalten. Bei Kontrollen seien zwei begrenzte Rückfälle mit
Mischkonsum von Heroin und Kokain und zwei Vorfälle mit Alkohol festgestellt worden.
Die niedergeschlagene Stimmung berge beim Versicherten die Versuchung, sie mit
Drogen aufzuhellen. Er sei im Arbeitsbereich B._ei eingeteilt - entsprechend einer
Beschäftigung von 50 % -, zeige Zuverlässigkeit, hohes Engagement und Konstanz,
und sein Geschick und seine Leistungen würden vom Arbeitstherapeuten sehr betont.
Er wäre auch auf dem freien Arbeitsmarkt ein B._, der mit seinem Können und seinen
kreativen Vorschlägen hervorsteche. In der Sozialtherapie seien seine Schwierigkeiten
mit der Selbststrukturierung und der Selbstorganisation aufgefallen, die auf ein ADS
zurückgeführt würden. Im Austrittsbericht wurde empfohlen, den Beschäftigungsgrad
zunächst bei 50 % zu behalten und später zu steigern. Der Versicherte habe die
Chance, in den nächsten Monaten in der _-Unternehmung seiner _ und seines _
angelernt zu werden. Auf Anraten der Invalidenversicherung habe sich der Versicherte
am 9. April 2018 beim RAV angemeldet. - In einem Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom
3. April 2018 (IV-act. 18-6) war festgehalten worden, der Versicherte werde (sc. nach
dem Austritt) ab dem 21. April 2018 zu 50 % arbeitsunfähig sein. - Am 8. Mai 2018 (IV-
act. 20) wurde eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bis vorläufig 31. Mai 2018 attestiert; es
folgten später zahlreiche monatliche Verlängerungen (bis Juni 2020, vgl. IV-act. 85).
Am 21. Juni 2018 ging eine Vertretungsvollmacht des Versicherten vom 23. August
2008 an den genannten _ ein (IV-act. 23, vgl. Aktenverzeichnis S. 1).
A.e.
Die zuständige Ärztin des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der
Invalidenversicherung empfahl am 25. Juni 2018 (IV-act. 24), die Austrittsberichte der
sieben früheren Hospitalisationen einzuholen und Abklärungen zur Thrombose und zur
Gerinnungsstörung zu treffen.
A.f.
Dr. C._ gab in einem Bericht vom 4. Juli 2018 (IV-act. 28-2) an, der Versicherte
habe seit der Jugend eine Depressionskrankheit, mitverursacht durch das Miterleben
der schweren psychiatrischen Erkrankung seiner Mutter. Die Suchtkrankheit sei eine
Flucht aus dieser Depression gewesen und sei es noch. Der Versicherte habe viele
Jahre lang über seine gesundheitlichen Verhältnisse hinaus gearbeitet. Er (der Arzt)
habe ihm immer wieder geraten, das Arbeitspensum zu reduzieren, weil der Versicherte
körperlich chronisch erschöpft gewesen und in eine Magersucht geraten sei. Aus Angst
A.g.
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vor einem Stellenverlust habe er aber durchgehalten. Im Dezember 2016 habe er sich
dann mit einer mittelschweren Depression und allgemein grosser Erschöpfung gezeigt.
In der Klinik habe er sich von August bis Oktober 2017 etwas erholen können. Ein
erneuter Arbeitsversuch habe wieder zu einem Zusammenbruch geführt, so dass er
von Oktober 2017 bis April 2018 nochmals stationär behandelt worden sei. Ein weiterer
Arbeitseinsatz am bisherigen Arbeitsplatz sei nicht mehr möglich und wäre auch nicht
mehr sinnvoll gewesen. Derzeit sei der Allgemeinzustand etwas besser, aber es
bestünden starke innere Unruhe, Ängste und eine sehr schwache Belastbarkeit. Schon
kleinste Telefonate mit dem RAV brächten den Versicherten in eine Paniksituation, so
dass er jene Beziehung abgebrochen habe. Weil er auf verschiedene Antidepressiva
schlecht angesprochen habe, behandle er den Versicherten gegen seine Ängste und
Panikattacken mit hochdosiertem Lasea.
In einem IV-Arztbericht vom 6. März 2019 (IV-act. 40) benannte die Klinik G._ als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig leichte Episode (06.03.2019)/mittelgradig (im Herbst, Winter
2018), eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung ADS (2018/
vorbestehend), einen St. n. Thrombose im linken Unterschenkel 5/17 und im rechten
Unterschenkel vor vielen Jahren bei ausgeprägter Varikosis, und einen St. n. OP
(November 2018) Varizen. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien die Störungen
durch die Suchtmittel. Der Versicherte stehe seit 21. April 2018 in ambulanter
Behandlung und sei seither noch zu 50 % arbeitsunfähig. Eine Steigerung sei nicht
absehbar, weil er mit diesem Ausmass schon sehr am Limit sei. Er mache sich selber
unnötigen Druck. Als er kurzfristig wegen eines dringenden Auftrags etwas mehr habe
arbeiten müssen, habe er nicht mehr schlafen können. Unter Focalin hätten sich seine
morgendlichen Antriebsschwierigkeiten sehr gebessert. Zurzeit könne er wieder
vielmals nur zwei Stunden schlafen, weshalb ihm ein Aussetzen dieses Medikaments
angeraten worden sei. Der Versicherte bemühe sich redlich und nach Kräften, die
erwarteten Leistungen zu erbringen. Er benötige eine längerfristige finanzielle
Sicherheit, die wieder zur psychischen Stabilität beitrage.
A.h.
Die Vertrauensärztin der Krankentaggeldversicherung (Dr. med. J._, Spezialärztin
für Psychiatrie und Psychotherapie) gab am 8. August 2018 (IV-act. 40-9 ff.) u.a.
aufgrund der Angaben der behandelnden Psychotherapeutin der Klinik G._ (wohl:
A.i.
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I._) an, es lägen eine "einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung ADHS" und
eine Zyklothymie mit Übergang in eine bipolare Störung vor. Sollte sich eine bipolare
Störung künftig eindeutig manifestieren, wäre eine medikamentöse Phasenprophylaxe
indiziert. Die "Primärerkrankung ADHS" sei bisher nicht störungsspezifisch behandelt
worden. Eine Behandlung mit Methylphenidat habe möglicherweise mit eventuell
ungünstigem Erfolg stattgefunden. Der Versicherte habe die akademische Ausbildung
wegen des nicht erkannten "ADHS" verpasst. Die Tätigkeit als B._ sei aus
psychischen und möglicherweise auch aus physischen Gründen nicht mehr möglich. In
einer adaptierten Tätigkeit sei der Versicherte zurzeit an vier Stunden pro Tag
arbeitsfähig, im günstigsten Fall auf sechs bis acht Stunden steigerungsfähig. Die
Leistung betrage ca. 30 %, nicht zuletzt wegen der fehlenden Ausbildung in der (neuen)
Branche, im günstigsten Fall seien 50 % zu erwarten.
Mit Mitteilung vom 24. Juni 2019 (IV-act. 50) teilte die Sozialversicherungsanstalt/
IV-Stelle dem damaligen Rechtsvertreter des Versicherten mit, weitere berufliche
Massnahmen seien für diesen nicht angezeigt, da er sich zu einer Steigerung des halb
tägigen Pensums in seinem (des _) Betrieb im kaufmännischen Bereich nicht in der
Lage sehe.
A.j.
Am 5. September 2019 (IV-act. 56) wurden eine Zusammenfassung der
Krankengeschichte vom 12. Januar 2001 (IV-act. 57-16 f.; Aufenthalt vom 4. bis
7. Januar 2001), ein Kurz-Austrittsbericht vom 26. Juni 2006 (IV-act. 57-14 f.;
Aufenthalt vom 15. bis 19. Juni 2006) und vier zusätzliche Austrittsberichte (vom
1. September 2006, IV-act. 57-12 f., Aufenthalt vom 10. Juli 2006 bis 1. September
2006; vom 31. August 2007, IV-act. 57-10 f., Aufenthalt vom 13. Juli 2007 bis
31. August 2007; vom 14. Juli 2008, IV-act. 57-8 f., Aufenthalt vom 29. Januar 2008 bis
19. Juni 2008; und vom 14. April 2009, IV-act. 57-6 f., Aufenthalt vom 6. bis 14. April
2009) der Psychiatrie F._ bzw. der Psychiatrischen Klinik D._ eingereicht. - In der
Zusammenfassung der Krankengeschichte vom Januar 2001 war festgehalten worden,
der Versicherte habe erklärt, im Studium trotz hohen Aufwands zu wenig Leistung
erbracht zu haben, weil er zu viel Cannabis und Alkohol konsumiert habe. Seit etwa
drei Jahren, ungefähr der Zeit nach Abschluss der Lehre (199_), konsumiere er Heroin.
Es wurde (in der Zusammenfassung) festgehalten, der Versicherte sei sehr
verschlossen gewesen und die Kontaktaufnahme sei zögerlich erfolgt. Ausser einer
A.k.
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stark abgeflachten affektiven Schwingungsfähigkeit sei der Psychostatus unauffällig
gewesen. Er könne seine Bedürfnisse und Probleme im täglichen Kontakt schwer
äussern. Es sei ein Methadon-gestützter Heroinentzug erfolgt, der nach wenigen Tagen
abgebrochen worden sei. Es lägen eine Polytoxikomanie, methadonsubstituiert, und
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit abhängigen und selbstunsicheren Zügen
vor. - In den weiteren Berichten war eine Persönlichkeitsstörung teilweise vermutet,
teilweise diagnostiziert worden. Erwähnt waren u.a. auch ein Von Willebrand-Jürgens-
Syndrom (vgl. IV-act. 57-10; Angiohämophilie) und eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (vgl. IV-act. 57-4).
Die Arbeitslosenkasse gab am 2. Oktober 2019 (IV-act. 62) bekannt, der
Versicherte sei seit dem 12. November 2009 mit einer Vermittlungsfähigkeit von 100 %
und einem versicherten Lohn von Fr. 5'288.-- angemeldet gewesen, ohne dass
(damals) ein Arztzeugnis über eine Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe. Für welchen
Zeitraum Taggeldleistungen erbracht worden seien, sei dem Kontoauszug (Fremd-
act. 2, vom 2. Oktober 2019) zu entnehmen.
A.l.
Dr. C._ erklärte in einem Arztbericht vom 16. Oktober 2019 (IV-act. 63), es
bestünden diagnostisch eine rezidivierende mittelschwere Depression und ein ADS und
es lägen ein reduzierter Allgemein- und Ernährungszustand, innere Unruhe, soziale
Phobie, allgemeine Schwäche, Zukunftsängste und Stressintoleranz vor. Der
Versicherte habe körperlich weniger Schmerzen als zu seiner Zeit als B._, aber
psychisch gehe es ihm schlechter. Zurzeit sei er vorwiegend mit Büroarbeit mit
gelegentlichem Kundenkontakt über die Woche hinweg mit 50 % Leistung tätig. Es sei
zu hoffen, dass er die Stelle werde behalten können. - In einem beigelegten älteren
Schreiben vom 29. Juni 2017 (IV-act. 63-7 f.) hatte Dr. C._ der Psychiatrischen Klinik
D._ (Dr. E._) berichtet, der Versicherte sei zurzeit massiv "geschlagen" und habe
eine reaktive mittelschwere Depression. Infolge der ausgeprägten Venenentzündung
mit Thrombosierung habe er arbeitsunfähig geschrieben werden müssen. Im (wohl:)
Arztzeugnis habe ein Tag gefehlt, worauf der Vorgesetzte das Arbeitsverhältnis
sogleich gekündigt habe.
A.m.
In einem Arztbericht vom 9. Dezember 2019 (IV-act. 68-5 ff.) gab die Klinik G._
an, der Versicherte sei weiterhin zu 50 % arbeitsunfähig. Es bestünden u.a. eine
A.n.
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rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (DD bipolare
affektive Störung), eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung ADS (2018/
vorbestehend) und eine Akzentuierung von Persönlichkeitszügen (ängstlich-
vermeidend). Schon mit den 50 % Arbeit sei der Versicherte am Limit. Eine Steigerung
würde zu einer unvermeidbaren Dekompensation des psychischen Zustands führen.
Der Versicherte habe berichtet, zurzeit mit den Haushaltarbeiten nicht nachzukommen,
wegen Reizüberflutung verschiebe er wieder Einkäufe, vor allem in Geschäften mit
vielen Leuten (Vermeidungsverhalten), administrative Arbeiten verschiebe er bis zum
letzten Zeitpunkt. - In einem Verlaufsbericht vom 10. Dezember 2019 (IV-act. 68-2 bis
4) erklärte die Klinik, im Sommer habe sich der Zustand des Versicherten verbessert,
im Oktober habe er wieder Symptome gehabt, die einer mittelgradigen Depression
entsprochen hätten. Das Angebot einer Auszeit in der Klinik habe er abgelehnt, weil er
seine Arbeit und die damit gegebene Struktur schätze und nicht aus dem Rhythmus
fallen wolle.
In seinem psychiatrischen Gutachten vom 13. Juli 2020 (IV-act. 89; Begutachtung
am 27. April 2020) - unter Mitberücksichtigung einer neuropsychologischen Beurteilung
des Fachpsychologen für Neuropsychologie Dr. phil. K._ vom 5. Juli 2020 (IV-
act. 89-72 ff.; Untersuchung am 2. Juni 2020) - hielt Dr. med. L._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, als beim Versicherten vorliegende Diagnosen
einerseits psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch
(Opiate, Cannabinoide, Alkohol): Abhängigkeitssyndrom, und anderseits eine einfache
Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung fest. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
sei eine bipolare II Störung. Es sei davon auszugehen, dass zwischen der Letzteren
und der Entwicklung der Abhängigkeitserkrankung ein ursächlicher Zusammenhang
bestehe. Die in der neuropsychologischen Abklärung beschriebenen Einschränkungen
seien zumindest teilweise als Sucht-Folgeschäden zu betrachten. Der gegenwärtige
Konsum könne diese Resultate mitbeeinflusst haben (vgl. IV-act. 89-59 f.). Für eine
Persönlichkeitsstörung fänden sich keine eindeutigen Hinweise (vgl. IV-act. 89-62).
Aufgrund der einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung bestünden gewisse
neuropsychologische Einschränkungen, die in der neuropsychologischen Abklärung
detailliert beschrieben seien. Aufgrund des langjährigen Drogenkonsums und der
bipolar II Störung seien im Lauf der Zeit zusätzliche Einschränkungen (auch der
A.o.
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neuropsychologischen Leistungsfähigkeit) hinzugetreten. Bei konsequentem Verzicht
auf Beikonsum wäre die Leistungsfähigkeit besser als bei der aktuellen Abklärung
vorhanden. Die Belastbarkeit des Versicherten sei etwas eingeschränkt. Insgesamt sei
die Arbeitsfähigkeit im erlernten Beruf (IV-act. 65) und in einer kaufmännischen
Tätigkeit - wie zurzeit ausgeübt (vgl. IV-act. 89-66) - derzeit (beim gegenwärtigen
Konsum) zu höchstens 30 % eingeschränkt. Bei ganztägiger Leistungsfähigkeit
bestünden ein erhöhter Pausenbedarf und gewisse qualitative Einschränkungen
aufgrund der kognitiven Einschränkungen (vgl. IV-act. 89-64 f.), und zwar (bei
kontinuierlicher Zunahme) seit dem 25. Oktober 2017. Die derzeit mindestens 70 %
betragende Arbeitsfähigkeit nehme bei konsequenter Vermeidung eines Beikonsums
möglicherweise noch zu. - Der Versicherte habe angegeben, er sei schon immer
ambivalent gewesen, habe Schuld- und Insuffizienzgefühle, sei oft innerlich unruhig
und ängstlich. Er habe Angst vor der Zukunft und Existenzängste, seit er nicht mehr
voll arbeite. Stimmungsschwankungen habe er schon, seit er sich erinnern könne. Es
komme vor, dass er ein Gefühl von Lebensüberdruss habe. Er habe gelegentlich
Einschlaf- und regelmässig Durchschlafstörungen (vgl. IV-act. 89-53). Bis vor zwei
Jahren habe er hauptsächlich als B._ gearbeitet, aber es habe auch ein paar Monate
gegeben, in denen er temporär andere Arbeiten gemacht habe. Bis vor zwei Jahren
habe er eigentlich immer zu 100 % gearbeitet; früher habe er nie grosse Ausfälle
gehabt, aber er habe Stellen verloren, weil er am Morgen Mühe habe, rauszukommen.
Er müsse sich zusammennehmen, um in den Tag und unter die Leute zu gehen (vgl. IV-
act. 89-44). - Die RAD-Ärztin befürwortete am 10. August 2020 (IV-act. 92) das
Abstellen auf das Gutachten.
Mit Vorbescheid vom 13. August 2020 (IV-act. 95) wurde dem damaligen
Rechtsvertreter des Versicherten eine Abweisung dessen Leistungsgesuchs um eine
Rente bei einem Invaliditätsgrad von 28 % (Valideneinkommen Fr. 65'783.--,
Invalideneinkommen Fr. 47'325.--) in Aussicht gestellt.
A.p.
Die Geschäfts- und regionale Fachstelle procap erhob als neu bestellte
Rechtsvertretung am 17. September 2020 (IV-act. 99-1 bis 3) für den Versicherten
Einwand und beantragte, sein Valideneinkommen sei nach korrekter Anpassung des
Einkommens von 2017 an die Teuerung festzusetzen, es sei ein Leidensabzug von
15 % zu gewähren, sein Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit seien vollständig
A.q.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/28
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unter Einschluss des somatischen Gesundheitsschadens sowie anhand einer
Evaluation der Leistungsfähigkeit abzuklären und der Rentenanspruch sei nach
Abschluss der medizinischen Abklärungen neu zu prüfen. Das Gutachten von Dr. L._
sei in Frage zu stellen, da gemäss dem Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 9. Januar 2019 die wirtschaftliche Abhängigkeit des
Gutachters von der Invalidenversicherung evident sei. In einem beigelegten Bericht
vom 15. September 2020 habe die Behandlerin I._ von der Klinik für Suchttherapie
G._ nochmals Stellung genommen. Ebenso werde ein persönlicher Bericht des
Versicherten eingereicht. Der somatische Gesundheitszustand sei nicht weiter
abgeklärt worden. Namentlich würden nach der Thrombose vom Mai 2017 und dem
operativen Eingriff vom November 2018 bei längerem Stehen immer noch die Beine
anschwellen und schmerzen. Hierzu werde ein Bericht von Dr. med. M._, Facharzt für
Dermatologie und Venerologie, vom 17. September 2018 eingereicht. Ausserdem seien
auch die Rückenbeschwerden nicht abgeklärt worden. Es seien die Berichte der in
Gang gesetzten orthopädischen und angiologischen Abklärungen abzuwarten. - Die
Klinik G._ hatte unter Bestätigung des Versicherten bekräftigt, dass er bereits mit
einer Arbeitsleistung von 50 % an seine Grenze komme und es häufig nicht mehr
schaffe, seinen häuslichen und administrativen Aufgaben nachzukommen (vgl. IV-
act. 99-4 f.). - Dr. M._ hatte (erstens) eine Varikothrombose, proximaler
Unterschenkel links medial, bei (zweitens) Kniekehlenperforansveneninsuffizienz links
mit Seitenastvarikose diagnostiziert (vgl. IV-act. 99-6 f.). - Der Versicherte hatte
berichtet, er habe auf die wohl wichtigste Fangfrage des Gutachters nicht richtig
reagiert. Denn dass er bis drei Jahre vor der IV-Anmeldung erfolgreich zu 100 % als
B._ gearbeitet habe, treffe so leider nicht zu. Zwar habe er fachlich wohl oft gute und
saubere Arbeit geliefert, doch die permanente psychische Überforderung habe ihm -
schon am Morgen - Kraft geraubt und er habe unter Hochstress gestanden. Er habe
mit zu genauem Arbeiten und zu häufigem Überprüfen der Arbeitsschritte reagiert,
weshalb die Leistung den Erwartungen der Arbeitgeber selten entsprochen habe.
Ängste und Zweifel hätten auch seine ganze Freizeit beherrscht. Folgen davon seien
Schlaflosigkeit, Übermüdung, fehlender Appetit und Freudlosigkeit gewesen. Er habe
Panik davor gehabt, es nicht allen recht machen und seinen eigenen Ansprüchen nicht
genügen zu können. Das habe immer wieder zu einem Verlust von Arbeitsstellen
geführt. Nur mit Hilfe niedrig dosierten Opiats habe er sich mehr als zwanzig Jahre lang
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/28
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mehr schlecht als recht über die Runden gebracht. Bis 2016 habe er seine
Suchtproblematik in der Arbeitswelt geheim gehalten. Nachdem Dr. C._ ihn einmal
im Januar 2017 wegen Untergewichts und einmal im Mai 2017 wegen der Thrombose
krankgeschrieben habe, sei ihm gekündigt worden, weil er zu oft krank gewesen sei. Im
Juli 2017 sei er einem Zusammenbruch nahe gewesen und sei, obwohl diesmal kein
Entzug nötig gewesen sei, in die ihm bekannte Suchtstation eingetreten. Schon nach
wenigen Stunden habe er grösste Mühe mit Stehen. Daher frage sich, wie er den
ganzen Tag in der im Stehen zu verrichtenden Tätigkeit als B._ sollte arbeiten
können, oder wie man als gelernter Arbeiter in der Baubranche 70 % Leistung über den
ganzen Tag sollte verteilen können. Entweder man arbeite dort voll oder gar nicht. All
die Zeugnisse vieler medizinischer Fachleute über eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %
seien nicht berücksichtigt worden. Der Sachbearbeiter der Sozialversicherungsanstalt/
IV-Stelle habe ihm bestätigt, dass er seine neue Tätigkeit als Büroangestellter in der_
unbedingt weiterführen solle. - Dr. C._ hielt in der Folge am 14. Oktober 2020 (IV-
act. 102-1 und -6) fest, dass der Versicherte weiterhin nur zu 30 bis 50 %
leistungsfähig sei. Bei der Abklärung betreffend dessen allgemeine Müdigkeit, speziell
die Muskelschwäche, sowie die Rücken- und Beinschmerzen bei längerem Stehen,
Gehen und Lastentragen habe sich eine Osteoporose gezeigt, im Rahmen der
entsprechenden Abklärung dann auch ein starker Testosteronmangel. Diese beiden
Krankheiten bestünden sicherlich bereits seit vielen Jahren. Sie würden sich durch
Behandlung einigermassen stabilisieren lassen, die entstandenen Schäden könnten
aber nicht mehr gutgemacht werden. Während er den Versicherten früher vor allem als
psychiatrischen und Sucht-Patienten gesehen habe, betrachte er dessen zeitweilige
Einnahme von Suchtmitteln unter der Drogen-Ersatzbehandlung nun anders. Denn
jeder Rückenpatient bekomme Schmerzmittel - und zum Teil auch Opiate - verordnet. -
Nebst einem Laborbericht (IV-act. 102-2 f.) legte der Arzt auch einen Bericht von
Dr. med. N._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, vom 1. Oktober 2020 (IV-act. 102-4 f.) ein. Dr. N._ hatte einen
Z.n. i.v. Drogenabhängigkeit, eine Osteoporose mit erhöhter Frakturgefahr, BWK 6 und
LWK 2 eine Kompressionsfraktur mit Höhenminderung und vermehrter Kyphosierung
der Wirbelsäule, und eine chronisch venöse Insuffizienz mit Z.n. Thrombose und
postthrombotischem Syndrom diagnostiziert. Der Versicherte habe nun keine
Rückenschmerzen mehr; als er als B._ gearbeitet habe, habe er erhebliche
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Schmerzen gehabt. - Mit Schreiben vom 28. Oktober 2020 (IV-act. 107) teilte Dr. C._
mit, der Versicherte sei in der Zwischenzeit bei einem Venenspezialisten gewesen.
Dieser führe die Beinbeschwerden des Versicherten, die im Lauf des Tages
belastungsabhängig zunähmen, auf den Rücken und nicht auf die Zirkulation zurück.
Der Versicherte habe bei der aktuellen Konsultation eine ausgeprägte Adynamie und
zunehmende Rückenschmerzen im Lauf des Tages mit Ausstrahlung in die Beine
beklagt. Er werde maximal zu 50 % leistungsfähig bleiben. - In einem IV-Arztbericht
vom 27. Oktober 2020 (IV-act. 108) teilte Dr. N._ mit, Tätigkeiten ohne schweres
Heben und Tragen und nicht in gebückter Haltung seien dem Versicherten vollschichtig
zumutbar.
In einem orthopädischen Gutachten vom 23. Dezember 2020 (Untersuchung am
Vortag) hielt die Begutachtungsstelle Neurologie Toggenburg AG (Dr. med. O._,
Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates)
fest, es lägen beim Versicherten eine Belastungsminderung der Wirbelsäule bei
manifester Osteoporose (DXA gesichert) und stattgehabtem BWK 6-Sinterungsbruch,
niedrigenergetisch, sowie eine vermehrte BWS-Kyphose (Rundrücken) vor. Ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei eine venöse Insuffizienz linker Unterschenkel.
Es bestünden bei statisch-dynamischer Insuffizienz der Wirbelsäule mit Rundrücken bis
auf weiteres Belastungsminderungen für das Heben und Tragen von Lasten über 10 kg.
Solche Arbeiten könnten in der angestammten Tätigkeit als etwa zu 50 % vorkommend
angenommen werden, so dass sich zumindest ab dem Zeitpunkt der Diagnosestellung
der Osteoporose am 1. Oktober 2020 mit zuvor stattgehabter Wirbelkörpersinterung
eine entsprechend reduzierte Leistungsfähigkeit ergebe (vorher volle Arbeitsfähigkeit).
Mit dieser Reduktion bei zumutbarer Präsenzzeit von 8.5 Stunden pro Tag sei dem
Schutz der Wirbelsäule ausreichend Rechnung getragen. In einer adaptierten Tätigkeit
- ohne häufiges Heben und Tragen von Lasten über 10 kg, ohne ständiges Bücken in
Vorneigung und ohne dauernde Zwangshaltung der Wirbelsäule - sei der Versicherte
voll arbeitsfähig. Eine Besserung der Knochenfragilität sei durch konsequente
antiresorptive und ggf. osteoanabole Behandlung nach mindestens drei bis fünf Jahren
zu erwarten. Ausserdem seien Physiotherapie, eine endokrinologische Betreuung des
Testosteronmangels, Ernährungsberatung und eine Vermeidung
osteoporosefördernden Verhaltens (Nikotinabusus) angezeigt. - Die RAD-Ärztin hielt am
A.r.
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26. Januar 2021 (IV-act. 119) dafür, auf das orthopädische Gutachten könne abgestellt
werden, und ergänzte am 22. Februar 2021 (a.a.O.), aus dem Bericht der Klinik G._
vom 15. September 2020 würden keine im Vergleich zum psychiatrischen Gutachten
neuen medizinischen Erkenntnisse ersichtlich.
Mit einem zweiten Vorbescheid vom 26. Februar 2021 (IV-act. 120) kündigte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der damaligen Rechtsvertretung des Versicherten
an, am bisherigen Entscheid festhalten zu wollen.
A.s.
Die Geschäfts- und regionale Fachstelle procap wandte in ihrer Stellungnahme
vom 9. März 2021 (IV-act. 123) ein, es müsse ergänzend dem langjährigen Suchtleiden
des Versicherten Rechnung getragen werden, da dieses eine generelle
Leistungseinbusse bewirke. Es werde diesbezüglich eine neue Einschätzung von
Dr. C._ nachgereicht werden. Aufgrund des krankheitsbedingt eingeschränkten
Stellenprofils müsse zudem mit einer unterdurchschnittlichen wirtschaftlichen
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit gerechnet werden, so dass ein Leidensabzug
von 15 % zu gewähren sei. Primär sei jedoch gemäss BGE 126 V 75 auf die konkrete
tatsächliche beruflich-erwerbliche Situation abzustellen. Der Versicherte habe sich
selber in einer niederschwelligen, orthopädisch und psychiatrisch ideal adaptierten
Tätigkeit im kaufmännischen Bereich auf dem ersten Arbeitsmarkt eingliedern können.
Als Invalideneinkommen sei daher das Jahreseinkommen anzurechnen, das sich aus
dem tatsächlichen Verdienst bei einem Pensum von 70 % ergebe, nämlich
Fr. 31'850.-- (monatlich Fr. 1'750.-- bei 50 %, Fr. 2'450.-- bei 70 %; bei
13 Monatslöhnen). - Dr. C._ erklärte am 10. März 2021 (IV-act. 124), trotz grösster
Willensanstrengung sei der Versicherte nicht fähig, über den Tag hinweg verteilt eine
Leistung von mehr als 50 % zu erbringen. Er erlebe den Versicherten als sehr fragil.
Dieser wolle es allen recht machen, so dass er immer wieder an seine Grenzen komme.
Die stattgehabten Spezialuntersuchungen würden nicht das Bild widerspiegeln, das der
Versicherte im Alltag zeige. - Die RAD-Ärztin hielt am 25. März 2021 (IV-act. 126) fest,
eine wesentliche und anhaltende Veränderung des Gesundheitszustands mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit im Vergleich zum psychiatrischen Gutachten vom
Juli 2020 und zum orthopädischen Gutachten vom Januar 2021 sei nicht ersichtlich.
A.t.
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B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 6. Mai 2021 (Poststempel:
7. Mai 2021; act. G 1). Der Beschwerdeführer beantragt sinngemäss die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und Zusprache einer halben Rente, ausserdem die
unentgeltliche Rechtspflege (unentgeltliche Prozessführung). Auf die Einschätzungen
seiner Arbeitsfähigkeit in den beiden Gutachten könne nicht abgestellt werden. Die
vertrauensärztliche Einschätzung von Dr. J._ treffe eher zu. Sie beziehe sich auch
spezifisch auf die Berichte der Klinik G._, den Austrittsbericht der Klinik D._ und
den Bericht von Dr. C._ und sie beschreibe, dass er im angestammten Beruf nicht
mehr leistungsfähig und in einer adaptierten Tätigkeit noch an vier Stunden pro Tag mit
einer Leistungsfähigkeit von maximal 50 % arbeitsfähig sei. Die Ärztin gehe auf sein
langjähriges Suchtleiden ein, infolge dessen sein Körper gezeichnet sei und er nicht
mehr die frühere Leistung erbringen könne, obwohl er erfolgreich den Ausstieg daraus
geschafft habe. Ab April 2018 hätten ihm sein _ und seine _ in ihrer Unternehmung
eine Anstellung mit einem Pensum von 50 % in der _ gegeben. Dieses vermöge er
knapp zu leisten. Das erfahre er nun bereits seit drei Jahren. Er habe das Pensum
bisher nicht steigern können und seine Leistungen seien nicht konstant. Seine
derzeitigen Arbeitgeber seien tolerant und sozial. Die langjährige sozialpraktische
Arbeitsfähigkeit sei mitzuberücksichtigen. In einem beiliegenden Schreiben habe sein
_ eine Einschätzung seiner Arbeitsleistung abgegeben. - Die Unternehmung hatte am
7. Mai 2021 (act. G 1.2) festgehalten, der Beschwerdeführer arbeite jeweils morgens
vier Stunden, was ein Pensum von 50 % ausmache. Aufgrund seines abnehmenden
Konzentrationsvermögens und der Leistungseinbusse sei der Aufgabenbereich
eingeschränkt und er benötige für die Aufgaben mehr Zeit. Nach zwei Stunden
Anwesenheit nehme die Fehlerquote zu, so dass Kontrollen durchgeführt werden
müssten. Beim Pensum von 50 % liege die Leistung des Beschwerdeführers im
Vergleich zu andern Angestellten oder zum Berichtenden selber insgesamt bei 30 %.
Nach der morgendlichen Arbeit gehe der Beschwerdeführer nach Hause und benötige
eine lange Erholungspause, bis er seine Alltagsaufgaben erledigen könne. - Nachdem
ein zum Ausfüllen zugesandtes Formular betreffend die unentgeltliche Rechtspflege
nicht innert Frist eingereicht worden war, ist ankündigungsgemäss (vgl. act. G 2) von
einem Rückzug des Gesuchs ausgegangen worden (vgl. act. G 4 und 7, vgl. auch
act. G 6).
Mit Verfügung vom 25. März 2021 (IV-act. 127) lehnte die Sozialversicherungs
anstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen einen Rentenanspruch des Versicherten bei
einem Invaliditätsgrad von 28 % ab.
A.u.
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C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 23. Juni 2021 (act. G 5) beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Beim Gutachten von Dr. L._
handle es sich um eine äusserst fundierte Expertise, die auch das langjährige
Suchtgeschehen beim Beschwerdeführer und den Bericht von Dr. J._ mit einbeziehe.
Letztere habe dagegen offensichtlich invaliditätsfremde Faktoren in ihrer Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit mitberücksichtigt, habe sie doch angenommen, der
Beschwerdeführer verfüge nicht zuletzt auch wegen der fehlenden Ausbildung in der
Branche nur über eine Leistungsfähigkeit von 30 %. Einzig aus dem Grund, dass der
Experte regelmässig für medizinische Begutachtungen beigezogen werde, könne der
Beweiswert seiner Gutachten nicht erheblich herabgesetzt werden, denn das wäre ein
Verstoss gegen den Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Auch auf das Gutachten
von Dr. O._ könne abgestellt werden. Die Arbeitstätigkeit des Beschwerdeführers
werde im Weiteren auch durch motivationale Aspekte geprägt und eine rein subjektive
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei nicht massgebend. Entscheidend sei nicht die
Einschätzung der Leistungsfähigkeit durch den Arbeitgeber, sondern die anhand der
objektiven Befunderhebung festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit.
D.
Mit Replik vom 14. September 2021 (act. G 8) legt der Beschwerdeführer dar, in den
letzten Monaten sei es ihm psychisch immer schlechter gegangen. Seit dem Frühjahr
habe er kaum seine Post öffnen und richtig erledigen können. Versagensängste
beeinträchtigten sein Leben rund um die Uhr. Er sei deswegen kaum fähig,
Entscheidungen selber zu treffen. Andere um Hilfe zu bitten, bereite ihm grösste
Schwierigkeiten. Deshalb sei er zu spät gewesen, um das Gesuchsformular betreffend
die unentgeltliche Rechtspflege rechtzeitig auszufüllen und einzureichen. Auch dieses
(vorliegende) Schreiben stresse ihn seit einigen Wochen. Er frage sich, ob er es
abschicken solle oder nicht, ob es ihm nütze oder schade. Im Moment sei sein Zustand
mehr als bedenklich; er glaube nicht mehr an ein gutes Ende. Vier Jahre mit
medizinischen und psychologischen Abklärungen reichten scheinbar nicht aus, um ihm
seine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit zu glauben. Er frage sich, ob er, um
glaubwürdiger zu sein, sich etwas antun müsse. Die Gutachten stelle er weiterhin in
Frage, denn sie seien von der Invalidenversicherung erkauft worden. Entsprechend sei
die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeitsschätzung ausgefallen. Dieses Thema
werde in den Medien berichtet und dokumentiert. Es sei erwiesen, dass die Gutachten
weder neutral noch ohne wirtschaftliche Abhängigkeit erstattet und meist zugunsten
der Versicherung ausfallen würden. Sein gegenwärtiger Arbeitsplatz sei ein
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Nischenarbeitsplatz. Die diesbezügliche Beurteilung seiner effektiven Arbeits- und
Leistungsfähigkeit sei ohne wirtschaftliche Abhängigkeit und unvoreingenommen
abgegeben worden. Denn wäre diese höher, so würden ihn seine _ und sein _ zu
einem höheren Arbeitspensum einstellen.
E.
Die Beschwerdegegnerin hat am 12. Oktober 2021 (act. G 10) auf die Erstattung einer
Duplik verzichtet.

Erwägungen
1.
Im Streit liegt die Verfügung vom 25. März 2021, mit welcher die Beschwerdegegnerin
einen (im September 2017 gestellten) Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Rente
abgelehnt hat. Er beantragt die Zusprache einer halben Rente. Streitgegenstand bildet
demnach zunächst der allfällige Rentenanspruch. - Berufliche Massnahmen hatte die
Beschwerdegegnerin am 24. Juni 2019 abgelehnt, da sich der Beschwerdeführer zu
einer Steigerung des tatsächlich ausgeübten halbtägigen Pensums nicht in der Lage
sehe. Ergäbe sich, dass ohne Eingliederungsmassnahmen ein Rentenanspruch in
Frage stünde, so gehörte zum Streitgegenstand notwendigerweise auch die Frage, ob
die Beschwerdegegnerin den Grundsatz "Eingliederung vor Rente" beachtet und eine
allfällige Pflicht des Beschwerdeführers zu Massnahmen ausreichend in Anspruch
genommen habe.
2.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG, SR
831.20; in der vorliegend anwendbaren, bis 31. Dezember 2021 in Kraft gewesenen
Fassung, vgl. BGE 132 V 215 E. 3.1.1) besteht der Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.1.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/28
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3.
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG;
vgl. schon BGE 102 V 165). - Sämtliche psychischen Erkrankungen - darunter auch
Abhängigkeitssyndrome, vgl. BGE 145 V 215 E.6.2 - sind nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1 f.) grundsätzlich (bei Ausnahmen nach dem
jeweiligen Beweisbedarf) einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu
unterziehen. Die funktionellen Folgen der Gesundheitsschädigung sind danach
qualitativ zu erfassen und quantitativ einzuschätzen. Für die Beurteilung des
funktionellen Leistungsvermögens sind in der Regel diverse Standardindikatoren
beachtlich, die in zwei Kategorien systematisiert werden, nämlich einerseits in der
Kategorie des funktionellen Schweregrads und anderseits in jener der Konsistenz. Zum
funktionellen Schweregrad sind die Komplexe "Gesundheitsschädigung" (mit den
Aspekten der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde, des Behandlungs- und
Eingliederungserfolgs oder der entsprechenden Resistenz und der Komorbiditäten),
"Persönlichkeit" (mit Persönlichkeitsdiagnostik und persönlichen Ressourcen) und
"Sozialer Kontext" zu berücksichtigen. In der Kategorie der Konsistenz geht es um
Gesichtspunkte des Verhaltens, namentlich um eine gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen und um behandlungs- und
eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdruck (vgl. BGE 141 V 281
E. 4.1.3). Sind Ausschlusskriterien (vgl. BGE 131 V 49 E. 1.2 a.E., vgl. BGE 141 V 281
E. 2.2; wie Aggravation oder eine ähnliche Konstellation) von Bedeutung, ohne dass
deswegen eine rechtserhebliche Gesundheitsschädigung von vornherein
auszuschliessen wäre (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2.2), sind die entsprechenden
Umstände zu bewerten (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1).
Zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sind im
Rahmen der Abklärungen (nebst dem Einholen von diversen weiteren Arztberichten)
insbesondere in zweifacher Hinsicht medizinische Begutachtungen veranlasst worden.
3.1.
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Einerseits erfolgte im April 2020 eine psychiatrische Begutachtung durch Dr. L._
(unter Mitwirkung des Neuropsychologen Dr. K._). Das Gutachten gelangte zum
Schluss, der Beschwerdeführer sei (unter diesem Aspekt) sowohl in seiner bisherigen
Tätigkeit als B._ wie in der derzeit ausgeübten Tätigkeit als kaufmännischer
Angestellter ganztags arbeitsfähig, doch bestünden (seit 25. Oktober 2017) ein erhöhter
Pausenbedarf und aufgrund der kognitiven Einschränkungen gewisse qualitative
Einschränkungen. Die Arbeitsfähigkeit betrage mindestens 70 % (vgl. IV-act. 89-65 f.).
3.2.
Der Gutachter stützte sich bei seiner Beurteilung auf die Vorakten, hat die
Beschwerden und Einschränkungen des Beschwerdeführers sowie die weitere
Anamnese erfragt und den Befund (einschliesslich Labor und Hamilton
Depressionsskala) erhoben.
3.2.1.
In seiner Begründung bezog sich der Experte der Psychiatrie auch auf die Stan
dardindikatoren, wie es erforderlich ist. Er hielt fest, es hätten sich keine Hinweise für
gravierende Diskrepanzen oder Widersprüche ergeben. Im Rahmen der
neuropsychologischen Abklärung sei explizit eine Symptomvalidierung durchgeführt
worden, die unauffällig gewesen sei (vgl. IV-act. 89-63). - Bei der Auseinandersetzung
mit den Beurteilungen der behandelnden Ärzteschaft erklärte der Gutachter,
diagnostisch gehe er in teilweiser Abweichung von der Annahme einer
Persönlichkeitsstörung vom Vorliegen einer bipolar II Störung (vgl. IV-act. 89-63, IV-
act. 89-58; die aber selten stark ausgeprägt gewesen sei, vgl. IV-act. 89-64 Ziff. 7.4)
und einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung aus. Zu Recht hielt er fest,
dass zwar im Arztbericht der Psychiatrie F._ vom 29. November 2017 eine
Persönlichkeitsstörung diagnostiziert worden war (vgl. IV-act. 98-58; so wie teilweise in
den vorangegangenen Berichten), im Bericht der Klinik G._ vom 9. Dezember 2019
aber lediglich akzentuierte Persönlichkeitszüge (vgl. IV-act. 98-58). In den
vorangegangenen Berichten der Letzteren war selbst das bis März 2019 nicht der Fall
gewesen. Der Gutachter erläuterte nachvollziehbar, bei einer Persönlichkeitsstörung
handle es sich definitionsgemäss um ein gravierend auffälliges Verhalten und Erleben,
das andauernd und gleichförmig sein müsse (vgl. IV-act. 98-58). Beim Aspekt der
Persönlichkeit und der persönlichen Ressourcen legte er dar, für das Vorliegen einer
Persönlichkeitsstörung beim Beschwerdeführer hätten sich insgesamt keine
eindeutigen Hinweise finden lassen (vgl. IV-act. 89-62). Er wies darauf hin, dass er wie
die behandelnde Ärzteschaft eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit annehme.
Doch lasse sich eine solche von 50 % nicht begründen. Der Beschwerdeführer habe
angegeben, vor allem seine Behandlerin habe ihm empfohlen, die Arbeitstätigkeit nicht
über 50 % hinaus zu steigern, und er habe berichtet, er müsse Überstunden abbauen,
3.2.2.
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so dass eine höhere Leistungsfähigkeit dokumentiert sei (vgl. IV-act. 89-63 f.). Neben
den neuropsychologischen Einschränkungen berücksichtigte der Gutachter auch
Ressourcen des Beschwerdeführers. Dieser habe trotz der einfachen Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung und der seit vielen Jahren bestehenden Polytoxikomanie eine
Berufsausbildung abgeschlossen und viele Jahre lang immer zu 100 % gearbeitet, bis
er die letzte Stelle vor nicht allzu langer Zeit verloren habe (vgl. IV-act. 89-64 f.
Ziff. 7.3.3 und 7.4). Gemäss dem IK-Auszug hat der Beschwerdeführer zwar von Mai
2003 bis 2011 mehrere temporäre Arbeitsstellen gehabt und war teilweise arbeitslos
gewesen (vgl. unten E. 5.2), davor und danach aber hatte er mehrjährige
Arbeitsverhältnisse, so dass sich die gutachterliche Annahme nicht als relevant
korrekturbedürftig erweist. Des Weiteren legte der Gutachter dar, im Lauf der Zeit seien
zusätzliche Einschränkungen dazugekommen (vgl. IV-act. 89-64 f. Ziff. 7.4). Die bipolar
II Störung sei zwar zurzeit remittiert, berge aber die Gefahr, dass auch in Zukunft
wieder depressive (oder hypomanische) Episoden aufträten, wenngleich diese in der
Vergangenheit nie besonders stark ausgeprägt gewesen seien oder über längere Zeit
angehalten hätten. Dennoch sei die Belastbarkeit des Beschwerdeführers aus diesem
Grund etwas eingeschränkt (vgl. IV-act. 89-65). Seine kognitive Leistungsfähigkeit
würde sich möglicherweise durch eine konsequente Abstinenz bezüglich des
Beikonsums verbessern lassen (vgl. IV-act. 89-63, -65 und -67). Die ambulante
psychotherapeutische Begleitung sollte weitergeführt werden. Die gegenwärtige
Behandlung sei der Situation angemessen (vgl. IV-act. 89-63). Einschränkungen des
Aktivitätsniveaus bestünden eigentlich nicht (vgl. IV-act. 89-63). Die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit betrage höchstens 30 % (vgl. IV-act. 89-65).
Das Begutachtungsergebnis erscheint damit insofern vollständig und
nachvollziehbar begründet.
3.2.3.
Am 22. Dezember 2020 wurde der orthopädische Zustand des Beschwerdeführers
durch die Neurologie Toggenburg AG begutachtet. Der Gutachter der Orthopädie hielt
fest, in der bisherigen Tätigkeit sei der Beschwerdeführer bei ganztägiger
Umsetzbarkeit in der Leistungsfähigkeit um 50 % eingeschränkt, weil dort in diesem
Umfang die Belastungsfähigkeit übersteigende Arbeiten anzunehmen seien (vgl. IV-
act. 118-15), in einer adaptierten Tätigkeit aber nicht eingeschränkt (vgl. IV-
act. 118-16).
3.3.
Auch dieses Gutachten basiert auf einer Kenntnis der Vorakten, einschliesslich
spezifisch von Röntgenbefunden von BWS und LWS, je in zwei Ebenen, und einer
DEXA-Messung LWS (1-4) und Schenkelhälse, allesamt vom 1. Oktober 2020. Der
3.3.1.
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4.
Experte der Orthopädie nahm die geklagten Beschwerden sowie die Anamnese auf
und erhob den Befund.
Der Gutachter hielt fest, es sei eine deutlich vermehrte BWS-Kyphose
aufgefallen. Am ehesten sei an eine Keilwirbelbildung zu denken. Die Fraktur (BWK 6)
sei längst konsolidiert, habe aber die statisch-dynamische Belastbarkeit der
Wirbelsäule reduziert. Allein aus der erkannten reduzierten Knochenmasse ergebe sich
eine Arbeitsunfähigkeit nicht, da eine suffiziente Behandlung in der arbeitsfreien Zeit
möglich sei. Mit Zunahme der Knochenentkalkung sei wegen der steigenden
Frakturgefährdung eine Belastungsminderung zu unterstellen. Bei manifestem Eintritt
einer Fraktur sei eine Arbeitsunfähigkeit von im Allgemeinen drei bis sechs Monaten zu
erwarten. Bei Fehlstellung einer abgeheilten Fraktur könnten zunächst körperlich
schwere Arbeiten mit Heben und Tragen von Lasten über 10 kg durchaus nicht mehr
zumutbar sein. Infolge der Frakturgefährdung sei die Arbeitsschwere zu limitieren, aber
nicht die Arbeitszeit. Eine optimal angepasste Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer seit
jeher ohne zeitliche Einschränkung zumutbar (vgl. IV-act. 118-14). Der
Beschwerdeführer verfüge über die entsprechenden Ressourcen (vgl. IV-act. 118-15).
3.3.2.
Auch dieses Gutachten wurde demnach auf der Grundlage einer vollständigen
Abklärung erstattet.
3.3.3.
Der Beschwerdeführer erhebt gegen diese medizinischen Beurteilungen
verschiedene Einwände.
4.1.
Dr. C._ hielt am 10. März 2021 dafür, die beiden gutachterlichen Ergebnisse
würden nicht widerspiegeln, was der Beschwerdeführer im Alltag an Leistungsfähigkeit
zeige. - Beide Gutachter erfassten indessen - was bei der Beurteilung der
Leistungsfähigkeit wie erwähnt einen relevanten Faktor darstellt - die berichteten
Alltagsaktivitäten des Beschwerdeführers.
4.1.1.
In Bezug auf den somatischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ist
nach dem oben Dargelegten darauf hinzuweisen, dass die Rückenbeschwerden
gutachterlich untersucht wurden und dass deren Einfluss auf die Leistungsfähigkeit für
schwere und adaptierte Tätigkeiten nachvollziehbar beschrieben wurde. Schon
Dr. N._ hatte im Übrigen eine adaptierte Tätigkeit für den Beschwerdeführer als
vollschichtig zumutbar betrachtet. Auch das Venenleiden (die venöse Insuffizienz) hat
im orthopädischen Gutachten Berücksichtigung gefunden. Diesem Leiden wurde vom
4.1.2.
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Experten kein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zugemessen und auch diesbezüglich
ergibt sich kein Anhaltspunkt für einen Mangel. Wie Dr. C._ am 28. Oktober 2020
berichtet hat, sind die Beinbeschwerden auch gemäss dem Venenspezialisten nicht auf
die Zirkulation zurückzuführen.
Der Beschwerdeführer beruft sich des Weiteren auf die Einschätzung von
Dr. J._ vom 8. August 2018. Die Vertrauensärztin der Krankentaggeldversicherung
legte die tägliche zumutbare Arbeitszeit auf vier Stunden fest, wobei im günstigsten Fall
eine stufenweise Steigerung auf sechs bis acht Stunden möglich sei. Sie schloss auf
eine Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers von lediglich 30 %, künftig im günstigsten
Fall von 50 %. Dabei führte sie als Grund für diese Einschränkung allerdings mit der
fehlenden Ausbildung des Beschwerdeführers in der Branche einen als wesentlich
betrachteten Grund an, der nicht die medizinische Leistungsfähigkeit (sondern allenfalls
die erwerblichen Auswirkungen) betrifft, so dass die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
nicht stichhaltig erscheint. Die Vertrauensärztin nahm zudem an, der Beschwerdeführer
habe die akademische Ausbildung wegen der nicht erkannten einfachen Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung verpasst, während sich aus den Akten auch anderweitige
Gründe ersehen lassen (vgl. unten E. 5.2). Die Gesichtspunkte sowohl der bipolar II
Störung wie des ADS als solche wurden, wie der psychiatrischen Expertise zu
entnehmen ist, dort gutachterlich berücksichtigt und beurteilt.
4.1.3.
Des Weiteren hält der Beschwerdeführer dafür, sein langjähriges Suchtleiden
habe eine generelle Leistungseinschränkung zur Folge, die ergänzend berücksichtigt
werden müsse. Der Gutachter der Psychiatrie hat jedoch die damit
zusammenhängenden Beeinträchtigungen in seine Beurteilung eingeschlossen und er
hat dem Abhängigkeitssyndrom und der ADS wie erwähnt auch eine Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit zugemessen, allerdings mit entsprechender nachvollziehbarer
Begründung keine so weitreichende Einschränkung, wie es die behandelnden Ärzte
tun. Anlass zur Beanstandung besteht deswegen nicht.
4.1.4.
Zusammenfassend ist kein Sachverhaltsaspekt ersichtlich, der bei den beiden
Begutachtungen zu Unrecht ausser Acht gelassen worden wäre. Dass eine
Begutachtung (namentlich die psychiatrische) unter Missachtung der erforderlichen
Unvoreingenommenheit des Sachverständigen erfolgt sein sollte, darauf gibt es keinen
Hinweis. Der Einwand der Parteilichkeit wird denn auch allein allgemein mit einer
wirtschaftlichen Abhängigkeit (samt Medienberichten) begründet, was für die Annahme
eines entsprechenden Anscheins nicht genügt (vgl. zur wirtschaftlichen Abhängigkeit
Bundesgerichtsurteil vom 2. Juni 2021, 9C_202/2021 E. 3.3).
4.2.
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5.
Der Hinweis des Beschwerdeführers, dass er seine Leistungsfähigkeit bei der seit
längerem ausgeübten tatsächlichen Erwerbstätigkeit nicht habe steigern können und
sie gemäss seiner Arbeitgeberin seit April 2018 gar nur 30 % ausmache, vermag bei
diesen Gegebenheiten keinen relevanten Zweifel an den gutachterlichen
Schlussfolgerungen zu wecken. Denn massgebend ist nicht das Ausmass der Leistung,
die in einem Betrieb erbracht wird (u.a. allenfalls auch begrenzt durch den
vorgegebenen Anfall an geeigneter Arbeit), sondern was dem Beschwerdeführer an
Arbeitsleistung medizinisch-theoretisch betrachtet zugemutet werden kann.
4.3.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass auf die beiden medizinischen Gutachten
abgestellt werden kann. Demnach sind dem Beschwerdeführer körperlich schwere
Arbeiten nicht mehr zumutbar; die bisherige Tätigkeit ist ihm unter der Annahme, dass
dort 50 % adaptierte Arbeit anfällt, zu 50 % zumutbar. Eine adaptierte Arbeit aber ist
ihm (bei diesbezüglich einzig psychiatrischen Gründen für die Beeinträchtigung) zu
mindestens 70 % medizinisch zumutbar.
4.4.
Was die erwerblichen Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung betrifft, wird
nach Art. 16 ATSG (vgl. Art. 28a Abs. 1 Satz 1 IVG) für die Bestimmung des
Invaliditätsgrads das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der
Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
5.1.
Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns überwiegend wahrscheinlich
als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten,
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten
Verdienst angeknüpft, da es der Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne
Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 6.
Oktober 2020, 9C_316/2020 E. 3.1, und vom 22. August 2019, 9C_868/2018 E. 3.1,
BGE 139 V 28 E. 3.3.2, BGE 129 V 222). - Der Beschwerdeführer hat ein _studium
abgebrochen. Dass dafür im Wesentlichen invalidenversicherungsrechtlich relevante
Gründe verantwortlich waren, lässt sich aufgrund seiner diesbezüglichen
Schilderungen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit annehmen. In der Folge hat
er eine Lehre gemacht (wie er es von sich aus schon zuvor erwogen hatte) und hat sie
5.2.
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auch abgeschlossen (vgl. IV-act. 89-43). Gemäss dem IK-Auszug hat er danach von
Januar 1999 bis Mai 2003 in einem Arbeitsverhältnis gestanden und dort im letzten
vollen Jahr ein Einkommen von Fr. 64'214.-- verdient (vgl. IV-act. 9-3). Anschliessend
war er während der gut sieben Jahre bis 2011 teilweise arbeitslos gewesen und hatte
diverse temporäre Arbeitsstellen innegehabt, bevor er das letzte vollzeitliche
Arbeitsverhältnis aufgenommen hat. Dort betrug der Jahreslohn ab 2017 gemäss der
Arbeitgeberbescheinigung vom _. September 2017 Fr. 65'_.--. Dieses Einkommen
liegt unter dem statistischen Durchschnitt der Einkommen für einfache Tätigkeiten
körperlicher oder handwerklicher Art, also des Kompetenzniveaus 1, von Männern
gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung LSE des Bundesamtes für Statistik
(vgl. Anhang 2 der Textausgabe Invalidenversicherung, Allgemeiner Teil des
Sozialversicherungsrechts, Gesetze und Verordnungen, 2022, herausgegeben von der
Informationsstelle AHV/IV, S. 278) von damals Fr. 67'102.--. Das Arbeitsverhältnis als
B._ wurde dem Beschwerdeführer von der damaligen Arbeitgeberin gekündigt. Es
rechtfertigt sich, ihm als Einkommen ohne gesundheitliche Beeinträchtigung
(Valideneinkommen) einen Verdienst anzurechnen, wie er dem genannten statistischen
Durchschnittswert entspricht, zumal dieser Betrag auch als Ausgangspunkt zur
Bemessung seines Invalideneinkommens massgebend ist (vgl. unten E. 5.3 f.).
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht.
Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ -
besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die
ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint
zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als
Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist
aber kein solches effektives Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die
versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung statistische Werte beigezogen werden (vgl. Bundesgerichtsurteil vom
7. April 2016, 9C_783/2015; BGE 139 V 592 E. 2.3; BGE 129 V 472 E. 4.2.1). - In der
Zeit, nach welcher der Beschwerdeführer im Jahr 2016 (nach 2009 erstmals wieder)
einen Klinikaufenthalt gehabt hatte und nach welcher gemäss Dr. C._ ab 29. Mai
2017 bzw. gemäss Dr. L._ ab 25. Oktober 2017 eine Arbeitsunfähigkeit eingetreten
war, hat der Beschwerdeführer ab Klinikaustritt im April 2018 wieder eine Anstellung
bei einer Arbeitgeberin aus dem _ Umfeld annehmen können. Zunächst war dafür
kein Lohn oder allenfalls eine Entschädigung vorgesehen gewesen (vgl. IV-act. 21-5),
im Mai 2019 war von einem Einkommen für das Pensum von 50 % (vier Stunden
5.3.
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täglich) von monatlich Fr. 1'_.-- berichtet worden (vgl. IV-act. 47-4 f.). Damals war
eine bestmögliche Verwertung der Arbeitsfähigkeit angenommen worden (vgl. IV-
act. 45 und 47-4). Der Beschwerdeführer berichtete anlässlich der Begutachtung vom
27. April 2020, das genannte Entgelt habe er zu einer Zeit bekommen, als er (auch)
noch Taggeld gehabt habe; es sei damals zu viel gewesen, weil er am Anfang noch
nichts gekonnt habe. Aber nun sei es allmählich etwas zu wenig, denn er könne
inzwischen vieles (vgl. IV-act. 89-47). Noch nach Angaben vom März 2021 ist es bei
dem betreffenden Einkommen (vgl. IV-act. 123-2) geblieben, nach Angaben vom Mai
2021 auch bei dem Pensum von 50 % (vgl. IV-act. 130). Auch wenn anerkennenswert
ist, dass der Beschwerdeführer nach dem Verlust seiner angestammten Berufstätigkeit
wieder eine Arbeit (in einem anderen Bereich) aufgenommen hat, auch wenn des
Weiteren angenommen werden kann, dass es sich um ein stabiles Arbeitsverhältnis
handelt, und auch wenn schliesslich (im Hinblick auf das andernfalls drohende Risiko
einer faktischen Arbeitslosigkeit) verständlich erscheint, dass dieses faktisch
beibehalten wird, so kann doch das dabei erzielte tatsächliche Einkommen nicht als
Basis für die Festlegung des zumutbaren Invalideneinkommens des
Beschwerdeführers nach IVG dienen. Denn es ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer seine medizinisch zumutbare Arbeitsfähigkeit mit dem tatsächlichen
Arbeitsverhältnis und dessen Entlöhnung nicht ausschöpft. Massgebend ist nämlich
wie erwähnt nicht das tatsächlich erbrachte Leistungsniveau, sondern das medizinisch
zumutbare. Es genügt diesbezüglich aber auch nicht, das Einkommen aus der
halbtägigen Beschäftigung auf das medizinisch zumutbare Mass eines Pensums von
70 % aufzurechnen. Vielmehr ist das Invalideneinkommen des Beschwerdeführers
grundsätzlich anhand der Tabellenlöhne festzusetzen. Diese Anrechnung setzt
allerdings im Weiteren voraus, dass seine Arbeitsfähigkeit verwertbar ist.
Bei der Invaliditätsbemessung wird, wie in Art. 16 ATSG angeordnet, eine ausge
glichene Arbeitsmarktlage angenommen. Es kommt demnach nicht darauf an, ob eine
invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen tatsächlich an eine
Stelle vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob und in welchem Rahmen sie
die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die
verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprächen (vgl.
Bundesgerichtsurteil vom 4. Mai 2018, 9C_294/2017 E. 5.4.2., AHI 1998 S. 287 E. 3b).
Der massgebliche theoretische und abstrakte ausgeglichene Markt (vgl. BGE 134 V 64,
BGE 129 V 480 E. 4.2.2) hat rein hypothetischen Charakter und dient ausserdem dazu,
die Risiken von Arbeitslosigkeit und Invalidität voneinander abzugrenzen (vgl. BGE 141
V 351 E. 5.2, Bundesgerichtsurteil vom 23. September 2014, 9C_192/2014 E. 3.1; BGE
110 V 276 E. 4b). Was die verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen
5.4.
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wie auch den körperlichen Einsatz angeht, weist er einen Fächer verschiedenster
Tätigkeiten auf (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 5. November 2018, 9C_304/2018
E. 5.1.1, und vom 10. April 2019, 8C_811/2018 E. 4.4.1). Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts umfasst er selbst sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und
Arbeitsangebote, bei welchen gesundheitlich Beeinträchtigte mit einem sozialen
Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können (vgl.
Bundesgerichtsurteile vom 18. Dezember 2019, 9C_693/2019 E. 5.1.3, und vom 28.
November 2014, 9C_485/2014). Realitätsfremde Einsatzmöglichkeiten dürfen bei der
Invaliditätsbemessung aber nicht berücksichtigt werden (vgl. Bundesgerichtsurteile
vom 6. Mai 2020, 8C_30/2020 E. 5.3, und vom 25. September 2018, 8C_290/2018
E. 5.4, ZAK 1991 S. 318 E. 3b). - Der Gutachter der Psychiatrie umschrieb die Kriterien
eines für den Beschwerdeführer adaptierten Arbeitsplatzes so, dass allgemein die
Reaktionsanforderungen leicht unterdurchschnittlich bis durchschnittlich sein sollten,
die Anforderungen im Bereich Multitasking gar deutlich unterdurchschnittlich.
Arbeitsaufträge sollten bei Bedarf wiederholt oder schriftlich gegeben werden und nur
eine begrenzte Anzahl Informationseinheiten beinhalten. Ausserdem bestehe ein etwas
erhöhter Pausenbedarf (vgl. IV-act. 89-66; nach der Aktenlage verfügt der
Beschwerdeführer zudem nicht über einen Führerausweis). Orthopädisch betrachtet
kommt dazu, dass die Tätigkeit des Beschwerdeführers kein häufiges Heben und
Tragen von Lasten über 10 kg, keine ständig vorgeneigte, gebückte Haltung und keine
dauernden Zwangshaltungen der Wirbelsäule erfordern soll. Die psychiatrisch bedingte
Einschränkung der Belastbarkeit des Beschwerdeführers ist mit der quantitativ (um
30 %) reduzierten medizinisch zumutbaren Arbeitsfähigkeit berücksichtigt worden. Es
ist davon auszugehen, dass die gutachterlich umschriebene medizinische
Leistungsfähigkeit, wenn ihre Umsetzung somit auch verschiedene qualitativen
Anforderungen an einen angepassten Arbeitsplatz stellt, ausreicht, um eine
Arbeitsleistung zu erbringen, die auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwertbar ist.
Damit zeigt sich, dass für das Valideneinkommen und als Ausgangswert für die
Bestimmung des Invalideneinkommens gleichermassen die Tabellenlöhne zu
verwenden sind. Der Invaliditätsgrad entspricht unter solchen Verhältnissen dem Grad
der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs (zur Ermittlung
des Invalideneinkommens) gemäss BGE 126 V 75 (vgl. Bundesgerichtsurteile vom
26. September 2019, 8C_536/2019 E. 5.2.1, vom 9. Mai 2016, 8C_934/2015 E. 2.1, und
vom 20. April 2010, 9C_215/2010 E. 5.2).
5.5.
Bestehen im Einzelfall Anhaltspunkte dafür, dass die versicherte Person ihre
gesundheitlich zumutbare verbleibende (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen
5.6.
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