Decision ID: d0430cce-d33e-4eee-8e5d-5c18e744a354
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Manfred Dähler, Poststrasse 12, 9000 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a S._, geboren 1972, war 2007 von April bis 28. Juni bei der A._ tätig und
dadurch obligatorisch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen
die Folgen von Unfällen versichert. Am 22. Januar 2008 wurde er bei einem
Motorradunfall in Südostasien, wo er seit mehreren Jahren bei seiner Partnerin und
dem gemeinsamen Sohn seinen Wohnsitz hatte und jeweils acht bis neun Monate
lebte, schwer verletzt. Mit Schreiben vom 1. Oktober 2008 machte sein
Rechtsvertreter, Rechtsanwalt lic.iur. Manfred Dähler, St. Gallen, bei der Suva
Versicherungsdeckung und Versicherungsleistungen geltend. Die Unfallversicherung
bzw. die frühere Arbeitgeberin seines Mandanten seien ihrer Informationspflicht über
die Möglichkeit der Abredeversicherung nicht nachgekommen und hätten diesen so zu
stellen, wie wenn er eine Abredeversicherung abgeschlossen hätte (act. G 5.1/1, 1.1/6).
A.b Der Aussendienstmitarbeiter der Suva erhob im Betrieb der Arbeitgeberin, dass
der Leistungsansprecher bei seinem Austritt nicht ausdrücklich auf die Möglichkeit der
Abredeversicherung hingewiesen worden war. Hingegen hange seit mehreren Jahren
an zentraler, allen Mitarbeitenden zugänglicher Stelle das Merkblatt der Suva über
deren Versicherungsschutz inklusive Möglichkeit der Abredeversicherung (act. G 5.1/3).
Mit Verfügung vom 12. November 2008 hielt die Suva fest, der Betrieb sei seiner
Informationspflicht nachgekommen und die Versicherung wegen fehlender Deckung für
den Unfall vom 22. Januar 2008 nicht mehr wirksam gewesen, weshalb sie keine
Leistungen erbringen könne.
B.
Die dagegen erhobene Einsprache vom 15. Dezember 2008 (act. G 5.1/7) wies die
Suva mit Entscheid vom 19. Juni 2009 ab.
C.
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C.a Dagegen richtet sich die Beschwerde vom 22. Juli 2009 mit den Anträgen auf
Aufhebung des Einspracheentscheids vom 19. Juni 2009 bzw. der Verfügung vom
12. November 2008; auf Feststellung, dass die Aufklärungspflicht über die
Abredeversicherung verletzt worden und darum die gesetzlichen UVG-Leistungen
durch die Suva zu erbringen seien, und auf Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen
aus dem Unfall vom 22. Januar 2008; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu
Lasten der Suva. Weiter werden die unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung
durch den bisherigen Rechtsvertreter, Rechtsanwalt lic.iur. Manfred Dähler, St. Gallen,
und die Durchführung einer mündlichen Verhandlung beantragt. Zur Begründung wird
geltend gemacht, die Arbeitgeberin, diesbezüglich Organ der Unfallversicherung, sei
ihrer Informationspflicht über die Möglichkeit der Abredeversicherung nicht genügend
nachgekommen. Daher sei der Beschwerdeführer gleich zu stellen, wie wenn er eine
Abredeversicherung abgeschlossen hätte.
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 28. August 2009
die Abweisung der Beschwerde. Der Informationspflicht sei mit dem Aushang "Der
Versicherungsschutz der Suva; darüber sollten Sie informiert sein" im Betrieb (act.
G 5.1/3, 5.1/10) Genüge getan worden, eine weitergehende Informationspflicht habe
nicht bestanden.
C.c Mit Replik vom 30. September 2009 lässt der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen festhalten und verschiedene Belege einreichen, die seinen Willen belegen
würden, für ausreichenden Unfallversicherungsschutz zu sorgen, wäre er genügend
über die Möglichkeit der Abredeversicherung informiert worden.
C.d Die Beschwerdegegnerin hat die Frist für die Einreichung einer Duplik unbenutzt
verstreichen lassen und damit darauf verzichtet (vgl. act. G 9, 11).
C.e Zwischenzeitlich hat der Beschwerdeführer am 4. September 2009 die
detaillierten Unterlagen zum Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung einreichen
lassen (act. G 6, 6.1). Diese ist ihm mit Schreiben vom 2. November 2009 bewilligt
worden, in der Person seines bisherigen Rechtsvertreters Rechtsanwalt Dähler (act.
G 10).
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C.f Mit Schreiben vom 1. Dezember 2010 (act. G 12) lässt der Beschwerdeführer auf
die Durchführung einer mündlichen Verhandlung verzichten.
C.g Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt

der übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihrer Informationspflicht über die
Möglichkeit der Deckungsverlängerung durch Abrede genügend nachgekommen ist.
Sollte eine Verletzung der Informationspflicht bejaht werden, wäre weiter zu prüfen, ob
der Beschwerdeführer nach vertrauensschutzrechtlichen Grundsätzen so zu stellen sei,
wie wenn er eine Abredeversicherung abgeschlossen hätte.
2.
2.1 Art. 3 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20)
schreibt den Unfallversicherern vor, dass sie den Versicherten die Möglichkeit bieten
müssen, die Versicherung (gegen Nichtberufsunfälle bzw. die gesetzliche Nachdeckung
von 30 Tagen gemäss Art. 3 Abs. 2 UVG) durch besondere Abrede um bis zu 180 Tage
zu verlängern. Gemäss Art. 27 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) besteht für Versicherungsträger und
Durchführungsorgane im Rahmen ihres Zuständigkeitsbereichs eine Informationspflicht
gegenüber den interessierten Personen über ihre Rechte und Pflichten. BGE 131 V 472
E. 4.1 S. 476 führt dazu aus, Art. 27 Abs. 1 ATSG stipuliere eine allgemeine und
permanente Aufklärungspflicht der Versicherungsträger und Durchführungsorgane, die
nicht erst auf persönliches Verlangen der interessierten Personen zu erfolgen habe, und
hauptsächlich durch die Abgabe von Informationsbroschüren, Merkblättern und
Wegleitungen erfüllt werde, während Abs. 2 von Art. 27 ATSG das individuelle Recht
auf Beratung beschlage (vgl. auch U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, N 13 f.
zu Art. 27 ATSG). Nach Art. 72 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR
832.202) sorgen die Versicherer dafür, dass die Arbeitgeber ausreichend über die
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Durchführung der Unfallversicherung informiert werden. Die Arbeitgeber ihrerseits sind
verpflichtet, die Information an die Arbeitnehmenden weiterzugeben.
2.2 Das Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG; seit 1. Januar 2007:
Sozialversicherungsrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) hatte im
Grundsatzentscheid BGE 121 V 28 zur Tragweite der Informationspflichten von
Versicherer und Arbeitgeber über die Abredeversicherung Stellung genommen und sich
zur Beweislast und den Folgen der Verletzung der Informationspflicht geäussert. Der
Arbeitgeber erfüllt danach seinen Teil der Informationspflicht durch Aushang von
Informationsmaterial am ständigen Anschlag, durch Informationen an
Betriebsversammlungen usw. (E. 2b S. 33; siehe auch A. Maurer, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, 2. unveränderte Aufl. 1989, S. 75 f.). In Anwendung und
Umsetzung dieses Entscheids hat das höchste Sozialversicherungsgericht am 29. März
2004 im konkreten Streitfall bestätigt, dass die Information (über die Möglichkeit der
Abredeversicherung) durch allgemeinen Anschlag für die Erfüllung der
Informationspflicht gemäss Art. 72 UVV ausreiche (RKUV 2004 Nr. U 517, 428
[U 255/03] E. 2.2). Im Entscheid 8C_784/2008 vom 11. September 2009 (SVR 2010 UV
Nr. 2 S. 7 [E. 1 publiziert als BGE 135 V 412]) ging das Bundesgericht davon aus, die
Arbeitgeberin habe die Informationen der Unfallversicherung nicht weitergeleitet,
wodurch die Informationspflicht gegenüber dem Versicherten verletzt worden sei (E. 4).
3.
3.1 Im vorliegenden Verfahren ist streitig, ob die Arbeitgeberin des
Beschwerdeführers ihre Informationspflicht gemäss Art. 72 2. Satz UVV erfüllt hat, ob
sie die Information über das Ende der Versicherung und die Möglichkeit der
Abredeversicherung in rechtsgenüglicher Weise an die Arbeitnehmenden
weitergegeben hat. Eine allfällige Verletzung der zweiten Stufe der Informationspflicht
hätte sich die Beschwerdegegnerin wie ihr eigenes Verhalten anrechnen zu lassen (vgl.
SVR 2010 UV Nr. 2 S. 7 E. 2). Unbestritten ist, dass im Betrieb der Arbeitgeberin an
allgemein zugänglicher Stelle das Merkblatt "Der Versicherungsschutz der Suva;
darüber sollten Sie informiert sein" aushängt bzw. aushing, als der Beschwerdeführer
am 28. Juni 2007 letztmals dort arbeitete (act. G 5.1/3, 5.1/10). Dieser Aushang hätte
nach der einschlägigen, mit BGE 121 V 28 begründeten Rechtsprechung für die
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Erfüllung der Informationspflicht gemäss Art. 72 UVV ausgereicht (BGE 121 V 28 E. 2b
S. 33; RKUV 2004 Nr. U 517, 428 [U 255/03] E. 2.2).
3.2 Ob die Information durch Aushang auch unter Art. 27 Abs. 1 ATSG (in Kraft
getreten auf den 1. Januar 2003 [AS 2002, 3393]) weiterhin genügt, scheint eher
fraglich. Letztlich kann im vorliegenden Fall aber offen bleiben, ob die
Informationspflicht für die Unfallversicherer gegenüber den früher geltenden Regeln
verstärkt wurde und sie gestützt auf diese Gesetzesbestimmung gehalten sind, bei der
Beendigung von Anstellungsverhältnissen für die individuelle Abgabe von
Informationen über das Ende der Versicherungsdeckung und die Möglichkeit der
Deckungsverlängerung durch Abrede besorgt zu sein, ähnlich wie es die für die
Durchführung der obligatorischen Unfallversicherung (gemäss Art. 68 ff. UVG)
zugelassenen Privatversicherer mit der Abgabe von Merkblättern tun (vgl. Wegleitung
zur obligatorischen Unfallversicherung UVG, herausgegeben vom Schweizerischen
Versicherungsverband SVV, 3. Aufl. 2004, S. 26 und 31, abrufbar unter http://
www.svv.ch/de/publikationen/wegleitung-zur-obligatorischen-unfallversicherung-uvg
[Abfrage vom 17. Dezember 2010]). Wie nachfolgend darzulegen sein wird, hat sich der
Beschwerdeführer nicht um seinen Sozial-Versicherungsschutz gekümmert, obwohl
aufgrund seiner konkreten Situation entsprechender Informationsbedarf bestanden
hätte. Weiter ist nicht anzunehmen, dass er eine Abredeversicherung abgeschlossen
hätte, hätte er diese Möglichkeit gekannt.
3.3 Soweit der Beschwerdeführer - besonders wegen seines speziellen
Arbeitsverhältnisses (jeweils ca. drei Monate Arbeitstätigkeit in der Schweiz aufgrund
einer Art Rahmen-Arbeitsvertrag, acht bis neun Monate Leben in Südostasien mit
dortigem Wohnsitz) - eine individuell-konkrete, detaillierte Informations- bzw.
Aufklärungspflicht durch seine Arbeitgeberin (diesbezüglich stellvertretend für die
Unfallversicherung) geltend macht, kann er sich weder auf eine Gesetzes- oder
Verordnungspflicht noch auf einschlägige Gerichtsurteile berufen. Zu individuell-
konkreter Beratung gemäss Art. 27 Abs. 2 ATSG wäre die Beschwerdegegnerin nur
verpflichtet gewesen, wenn der Beschwerdeführer bei ihr (bzw. bei der Arbeitgeberin
als ihrer diesbezüglichen Stellvertreterin) entsprechenden Informationsbedarf geltend
gemacht hätte, was jedoch nicht der Fall war (vgl. BGE 131 V 472 E. 4.1 S. 476, Kieser,
a.a.O., N 16 ff. zu Art. 27 ATSG).
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4.
4.1 Wie der Beschwerdeführer selbst ausführen lässt und sich aus dem Auszug aus
seinem individuellen Konto ergibt, war er von April 1991 bis November 1997 bei seiner
ehemaligen Lehrfirma als Maurer tätig. 1998 ist keine Berufstätigkeit in der Schweiz
verzeichnet, ab Juni 1999 jeweils eine solche von rund drei Monaten pro Jahr (act.
G 1.1/6). Seinen Wohnsitz hatte er laut eigenen Angaben nach Südostasien verlegt
(Beschwerde Rn 23). Es wird nicht geltend gemacht, dass er sich jeweils zu Ende der
dreimonatigen Aufenthalte und Arbeitstätigkeiten in der Schweiz, erstmals im
September 1999, letztmals Ende Juni 2007, bevor er wieder an seinen Wohnsitz
zurückkehrte über seinen weiteren (Sozial-)Versicherungsschutz erkundigt hatte,
obwohl sich dazu mehrere komplexere Fragen stellten. Aufgrund seiner
Eigenverantwortung (vgl. Art. 6 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft [BV; SR 101]) hätte es dem Beschwerdeführer klar sein müssen,
dass sich solche Fragen stellten und dass zu deren Klärung eine eingehende
individuelle Beratung nötig wäre. Insbesondere konnte er nicht davon ausgehen, dass
er sich durch seine Erwerbstätigkeit in der Schweiz während jeweils drei Monaten ohne
weitere Prämienzahlung oder andere Verpflichtungen Unfall-Versicherungsschutz für
die restlichen neun Monate des Jahres an seinem Wohnsitz in Südostasien erwerben
konnte.
4.2 Aus dem Polizeirapport zum Unfall vom 22. Januar 2008 geht hervor, dass er in
Südostasien als Tauchlehrer tätig war (act. G 5.1/1). Träfe dies zu und wäre dem
Beschwerdeführer schon bei Beendigung der Arbeitstätigkeit in der Schweiz klar
gewesen, dass er auch in Südostasien erwerbstätig sein würde, hätten sich auch
Fragen zum internationalen Sozialversicherungsrecht gestellt, wie betreffend allfälligem
Versicherungsschutz durch eine Berufstätigkeit im Ausland, zum Verhältnis der
Rechtssysteme zueinander, zum allfälligen Ruhen der Versicherung nach UVG gemäss
dessen Art. 3 Abs. 4 aufgrund der ausländischen Versicherung (sofern letztere
obligatorisch gewesen wäre). Solcher Informationsbedarf wäre aber nur durch
individuelle Beratung zu decken gewesen, von der der Beschwerdeführer nicht geltend
macht, dass er sie je verlangt habe, weder von der Arbeitgeberin noch von der
Beschwerdegegnerin.
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4.3 Auch als der Beschwerdeführer auf den fehlenden Versicherungsschutz bei der
Krankenversicherung aufmerksam wurde, mit der Helsana diesbezüglich Rücksprache
nahm und diese Versicherung in der Folge kündigte, nahm er diese Situation nicht zum
Anlass, sich über seinen übrigen, besonders seinen Unfall-Versicherungsschutz kundig
zu machen und diesen passend zu seinem Bedarf zu regeln. - Ob die
Krankenversicherung bei ihrer konkreten Beratung den Beschwerdeführer hätte an
andere Sozialversicherungsträger verweisen müssen (vgl. Art. 27 Abs. 3 ATSG; Kieser,
a.a.O., N 18 ff. zu Art. 27 ATSG), kann offen bleiben, da deren Pflichten nicht
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sind.
4.4 Mit der Replik lässt der Beschwerdeführer Belege einreichen und Beweismittel
benennen, wonach er seine Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung in der Schweiz
weitergeführt hatte (act. G 8.1/7 f.), Gönner bei der Rega und der Schweizer
Paraplegiker Stiftungen war (act. G 8.1/9, G 8.1/13), bei der Professional Association of
Diving Instructors (PADI) gegen Tauchunfälle versichert war und bei den AXA
Versicherungen AG (früher AXA Winterthur bzw. Winterthur Versicherungen AG) eine
Intertours-Reiseversicherung abgeschlossen hatte (act. G 8.1/11 f.). Er lässt in diesem
Zusammenhang geltend machen, sein Wille, sich genügend zu versichern habe
durchaus bestanden, gefehlt hätten lediglich die nötigen Informationen. Die Deckung
von Einzelrisiken zeigt, dass sich der Beschwerdeführer durchaus
(Versicherungs-)Schutz gegen einzelne Gefahren verschafft hat, bestätigt aber auch,
dass er die Versicherungssituation, sei es willentlich oder aus Nachlässigkeit, nicht
gesamthaft geklärt hat.
5.
5.1 Für den Fall, dass die Beschwerdegegnerin oder an ihrer Stelle die Arbeitgeberin
ihre Informationspflicht verletzt hätte, was im vorliegenden Streitfall offen gelassen wird
(E. 3.2), ist weiter zu prüfen, ob der Beschwerdeführer nach
vertrauensschutzrechtlichen Grundsätzen so zu stellen ist, wie wenn er eine
Abredeversicherung abgeschlossen hätte. Es ist danach zu fragen, ob der
Beschwerdeführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Abredeversicherung
abgeschlossen hätte, wenn er diese Möglichkeit gekannt hätte; mithin nach dem
hypothetischen Kausalverlauf (vgl. SVR 2010 UV Nr. 2 S. 7 E. 5.2 f. mit Hinweisen).
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5.2 Der Versicherungsschutz durch die Abredeversicherung kann für maximal 180
Tage vereinbart werden (Art. 3 Abs. 3 UVG). Zusammen mit der Nachdeckung von 30
Tagen gemäss Art. 3 Abs. 2 UVG ergibt sich eine Deckung für knapp sieben Monate
nach Ende des Lohnanspruchs. Der Beschwerdeführer hätte nach eigenen Angaben
jeweils während acht bis neun Monaten Versicherungsschutz in Südostasien benötigt.
Kostenvergütungen für Behandlungen, Reisen, Transporte, Rettungen und Bergungen
im Ausland sind in der Versicherung nach UVG betraglich begrenzt (Art. 10 Abs. 3, 13
Abs. 2 und 14 Abs. 1 UVG und Art. 17, 20 Abs. 2 und 21 UVV). Der
Versicherungsschutz durch die Abredeversicherung hätte den
Unfallversicherungsbedarf des Beschwerdeführers damit sowohl in zeitlicher Hinsicht
als auch bezüglich Leistungsumfangs lediglich teilweise decken können. Nach der
allgemeinen Lebenserfahrung ist es unwahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer mit
der Abredeversicherung einen solch lückenhaften Unfallversicherungsschutz
eingegangen wäre, hätte er diese Möglichkeit gekannt (vgl. SVR 2010 UV Nr. 2 S. 7
E. 5.4).
5.3 Somit ist nicht überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer die
gesetzliche Nachdeckung bei der Beschwerdegegnerin durch Einzelabrede um 180
Tage verlängert hätte und er ist nach vertrauensschutzrechtlichen Grundsätzen nicht so
zu stellen, wie wenn er eine Abredeversicherung abgeschlossen hätte. Er geniesst
mithin keinen Versicherungsschutz aus der Abredeversicherung und die
Beschwerdegegnerin hat eine Leistungspflicht für die Folgen des Unfalls vom
22. Januar 2008 zu Recht verneint.
6.
6.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
6.2 Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Rechtsverbeiständung am
2. November 2009 bewilligt. Wenn es seine wirtschaftlichen Verhältnisse gestatten,
kann er jedoch zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung und der vom Staat
entschädigten Parteikosten verpflichtet werden (Art. 288 Abs. 1 des
Zivilprozessgesetzes [ZPG; sGS 961.2], i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
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Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]). Der Staat ist zufolge unentgeltlicher
Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die Kosten der Rechtsvertretung des
Beschwerdeführers aufzukommen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass dem
unentgeltlichen Rechtsbeistand lediglich ein um 20% reduziertes Honorar zusteht (vgl.
Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes; sGS 963.70). In der Verwaltungsrechtspflege wird
das Honorar vom Gericht pauschal festgesetzt, wobei der Rahmen vor
Versicherungsgericht in der Regel Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.-- beträgt (Art. 22 Abs. 1
lit. b der Honorarverordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten [HonO; sGS
963.75]). Vorliegend scheint, wie in vergleichbaren Fällen üblich, ein Betrag von
Fr. 2'800.-- (80% von Fr. 3'500.--; inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) der
Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG