Decision ID: 3267b993-6c6b-4341-a61a-c030c418f15e
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Studer, Hauptstrasse 11a,
8280 Kreuzlingen,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
A.a B._ (Jahrgang 1944) ist bei einem Invaliditätsgrad von 92% Bezüger einer
ganzen Invalidenversicherungsrente seit 1. Juni 2002. Der Versicherte leidet an einer
Funktionseinschränkung beider Schultern (G act. 1.1.4). Am 1. Februar 2006 meldete er
sich zum Bezug von Ergänzungsleistungen (EL) an (EL-act. 75). Zur Abklärung eines
allfälligen hypothetischen Einkommens stellte die EL-Durchführungsstelle am 29. März
2006 der Ehefrau des Versicherten (Jahrgang 1952) einen Fragebogen zu (EL-act. 72).
Darin gab diese an, sie habe eine kaufmännische Ausbildung gemacht und sei vom
27. November 2002 bis 30. Juni 2003 bei einem Pensum von 50% in einem
Beschäftigungsprogramm tätig gewesen. Weil ihr Mann auf ihre ganztägige Hilfe
angewiesen sei, sei sie zu 100% im Haushalt tätig (EL-act. 71). Am 16. Mai 2006
forderte die EL-Durchführungsstelle die Ehefrau des Versicherten auf, sich beim
Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) anzumelden und sich als
Stellensuchende einzutragen (EL-act. 70). Der Hausarzt des Versicherten, Dr. med.
A._, Allgemeine Medizin FMH, berichtete der EL-Durchführungsstelle am
5. September 2006, der Versicherte leide an einer komplexen Problematik mit
eingeschränkten Schulterbeweglichkeit und zunehmendem Schwindel (EL-act. 66). Am
18. Oktober 2006 meldete das RAV der EL-Durchführungsstelle, die Ehefrau des
Versicherten habe sich am 24. August 2006 als stellensuchend eingetragen. Auf Grund
des Alters und der Sprachkenntnisse erweise sich die Stellensuche als schwierig (EL-
act. 65). Mit Verfügung vom 5. Dezember 2006 sprach die EL-Durchführungsstelle dem
Versicherten ab 1. Februar 2006 eine Ergänzungsleistung in der Höhe von Fr. 780.--
pro Monat zu. In der Berechnung der Ergänzungsleistung wurde kein hypothetisches
Einkommen der Ehefrau berücksichtigt (EL-act. 64).
A.b Der Versicherte liess der EL-Durchführungsstelle durch seinen Rechtsvertreter am
5. April 2007 melden, dass in der EL-Berechnung gemäss Verfügung vom 5. Dezember
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2006 ein zu tiefer Unfalltaggeld-Ansatz verwendet worden sei. Er erhalte jährlich
Fr. 24'017.-- statt Fr. 17'501.--. Dennoch ändere sich nichts an seinem EL-Anspruch,
weil der Beitrag für Nichterwerbstätige nicht berücksichtigt worden sei (EL-act. 62). In
der Folge stellte die EL-Durchführungsstelle mit Verfügung vom 26. April 2007 die
Leistungsausrichtung auf den 1. Mai 2007 ein. Aus der Berechnung geht hervor, dass
in der Verfügung vom 5. Dezember 2006 auch ein zu hoher Mietzins berücksichtigt
worden war, was nun korrigiert wurde. Aus dem höheren Unfalltaggeld sowie dem
tieferen Mietzins resultierte ein Einnahmenüberschuss von Fr. 3'476.--. Zu den
Einwänden des Versicherten führte die EL-Durchführungsstelle auf, dass die
Nichterwerbstätigen-Beiträge erlassen worden seien, weshalb sie nicht in der EL
berücksichtigt werden könnten (EL-act. 61). Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft.
A.c Am 16. Mai 2007 verfügte die EL-Durchführungsstelle die Rückforderung der
bisher ausbezahlten Ergänzungsleistungen in der Höhe von Fr. 11'191.20 (EL-act. 60).
Der Versicherte liess am 31. Mai 2007 ein Erlassgesuch stellen (EL-act. 56). Gleichzeitig
erhob er gegen diese Verfügung Einsprache. Er führte aus, gemäss der Berechnung zur
Rückforderung der zuviel ausgerichteten Ergänzungsleistungen sei man wieder von
einem Mietzins von Fr. 17'904.-- statt Fr. 15'000.-- wie in der Verfügung vom 26. April
2007 ausgegangen. Unter zusätzlicher Berücksichtigung der Beiträge für
Nichterwerbstätige erscheine ein Anspruch des Versicherten auf Ergänzungsleistungen
ab 1. Februar 2006 gegeben (EL-act. 48). Am 18. Juli 2007 teilte die EL-
Durchführungsstelle dem Versicherten mit, dass auch mit Berücksichtigung der
Beiträge für Nichterwerbstätige kein Anspruch auf Ergänzungsleistungen bestehe. Die
Berechnungsblätter, die der Verfügung vom 16. Mai 2007 beigelegen hätten, seien
nicht korrekt. Bei den Mietzinsausgaben sei maximal ein Betrag von Fr. 15'000.--
anzurechnen. Ohne Gegenbericht des Versicherten bis spätestens 24. August 2007
werde die Einsprache als erledigt betrachtet (EL-act. 45).
A.d Mit Verfügung vom 30. Oktober 2007 wies die EL-Durchführungsstelle das
Erlassgesuch des Versicherten ab (EL-act. 37). Die dagegen erhobene Einsprache vom
20. November 2007 wurde mit Entscheid vom 13. Juni 2008 abgewiesen (EL-act. 29
und 13). Dieser Entscheid ist in Rechtskraft erwachsen.
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A.e Der Versicherte verlangte am 6. Februar 2008 die Neuberechnung des Anspruchs
auf Ergänzungsleistungen, weil die Zusatzrente für die Ehegattin auf den 1. Januar
2008 weggefallen sei (EL-act. 26). Zusammen mit dem am 14. Mai 2008 ausgefüllten
Anmeldeformular stellte der Versicherte der EL-Durchführungsstelle die Verfügung der
IV-Stelle des Kantons St. Gallen vom 6. Mai 2008 zu. Darin wurde dem Versicherten ab
1. Oktober 2005 eine Hilflosenentschädigung leichten Grades in der Höhe von Fr.
430.-- beziehungsweise ab 1. Januar 2007 in der Höhe von Fr. 442.-- zugesprochen.
Die IV-Stelle gab dazu an, die leichte Hilflosigkeit sei gegeben, weil der Versicherte auf
erhebliche Dritthilfe bei den Verrichtungen An- und Auskleiden, Körperpflege sowie
Verrichtung der Notdurft angewiesen sei. Seit Mai 2007 besitze der Versicherte einen
Closomat, der ihm eine selbständige Verrichtung der Notdurft ermögliche. Der
Versicherte sei auf keine ständige persönliche Überwachung Dritter angewiesen. Die
Nachzahlung der Hilflosenentschädigung wurde in derselben Verfügung mit der offenen
Rückforderung der Ergänzungsleistungen verrechnet (EL-act. 16). Am 3. Juni 2008
teilte die EL-Durchführungsstelle erneut die Absicht der Anrechnung eines
hypothetischen Einkommens der Ehegattin mit und bat um Beantwortung
verschiedener Fragen. Die Ehegattin gab dazu am 19. Juni 2008 an, weil ihr Ehegatte
auf ihre Hilfe angewiesen sei, könne sie keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. In der
Beilage reichte der Versicherte ein Arztzeugnis von Dr. med. C._, Facharzt FMH für
Allgemeine Medizin, vom 19. Juni 2008 ein, worin dieser den ganztägigen Bedarf nach
Begleitung durch die Ehefrau als ausgewiesen erachtete (EL-act. 12). Sodann stellte er
der EL-Durchführungsstelle am 10. Oktober 2008 die Verfügung der Suva vom
24. September 2008 zu. Demgemäss ist sein Taggeldanspruch ab 1. September 2008
in eine Rente umgewandelt worden (EL-act. 8).
A.f Mit Verfügung vom 5. November 2008 wies die EL-Durchführungsstelle den
Anspruch auf Ergänzungsleistung erneut ab, weil aus dem Vergleich der Ausgaben und
Einnahmen ein Einnahmeüberschuss von Fr. 2'274.-- resultiere. Dabei berücksichtigte
die EL-Durchführungsstelle ein hypothetisches Einkommen der Ehegattin in der Höhe
von Fr. 5'304.-- (EL-act. 5). Dagegen liess der Versicherte am 28. November 2008
Einsprache erheben. Er rügte, der Anspruch auf Ergänzungsleistungen sei ab 1. Januar
2008 und nicht erst ab Mai 2008 zu überprüfen. Sodann seien die Beiträge für
Nichterwerbstätige in der Berechnung nicht berücksichtigt worden. Auch sei die Höhe
der Rente der Suva um Fr. 17.-- zu reduzieren. Schliesslich entspreche der Betrag von
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Fr. 5'304.-- der Hilflosenentschädigung der IV von monatlich Fr. 442.-- und dürfe nicht
angerechnet werden, weil sich der Versicherte nicht in einem Heim aufhalte.
Zusammenfassend sei ihm deshalb eine Ergänzungsleistung zuzusprechen (EL-act. 2).
A.g Der Rechtsdienst der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen wies die
Einsprache des Versicherten mit Entscheid vom 21. Januar 2009 ab. Er führte dazu
aus, dass der Anspruch auf Ergänzungsleistungen bereits ab Februar 2008 gemäss der
damals eingereichten Anmeldung geprüft worden sei. Sodann seien die Beiträge für
Nichterwerbstätige der Ehegattin seit 2001 und des Versicherten seit 2003 erlassen
worden. Diese könnten somit nicht in der Berechnung berücksichtigt werden. Die
Einnahme aus der Rente der Suva sei um Fr. 17.-- zu reduzieren. Diese kleine Differenz
führe jedoch nicht zu einem Anspruch auf Ergänzungsleistung. Schliesslich sei die
Hilflosenentschädigung von Fr. 5'304.-- nicht als Einnahme angerechnet worden. Weil
die Ehegattin 56 Jahre alt und nicht invalid sei, wäre ihr ohne weiteres eine
Erwerbstätigkeit zumutbar. Wegen den Schwindelanfällen bedürfe der Versicherte
jedoch der Unterstützung durch die Ehefrau. Die Hilflosenentschädigung diene daher
als Bezahlung der Ehegattin für ihre Dienste. Deshalb sei die Hilflosenentschädigung
als Einkommen unter dem Titel Einkommensverzicht angerechnet worden. Im Übrigen
sei nicht ausgewiesen, dass die Ehegattin wegen der leichten Hilflosigkeit des
Versicherten diesen permanent betreuen müsse. Demnach wäre ihr eine
Teilzeittätigkeit von mindestens 50% zumutbar. Gemäss den Tabellen der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebungen (LSE) verdienten Hilfsarbeiterinnen im Jahr
2006 Fr. 50'278.--. Bei einem Pensum von 50% könnte die Ehegattin des Versicherten
ein Einkommen von Fr. 25'139.-- erzielen. Die Anrechnung von lediglich Fr. 5'304.-- sei
daher sehr wohlwollend (EL-act. 84).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die Beschwerde des Versicherten vom
19. Februar 2009. Er beantragt die Aufhebung des Einspracheentscheids und die
Zusprache einer jährlichen Ergänzungsleistung ab 1. Februar 2008. Eventualiter sei die
Sache zur weiteren Abklärung und zur anschliessenden Verfügung an die Verwaltung
zurückzuweisen. Der Versicherte führte aus, die Abklärungen der EL-
Durchführungsstelle im Rahmen der Zusprache von Ergänzungsleistungen am
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5. Dezember 2006 hätten ergeben, dass kein Einkommensverzicht der Ehegattin
vorläge. Diese habe sich nämlich beim RAV angemeldet und sei beraten worden. Die
Stellenvermittlung sei jedoch erfolglos gewesen. Daran habe sich seither nichts
geändert. Weder die Chancen auf dem Arbeitsmarkt noch die gesundheitliche Situation
des Beschwerdeführers hätten sich verbessert. Die Begründung im angefochtenen
Entscheid, wonach es der Ehegattin ohne weiteres zumutbar sei, eine Erwerbstätigkeit
auszuüben, entbehre jeder Grundlage. Abklärungen seien keine vorgenommen worden,
die eine Änderung der Verhältnisse belegen würden. Die Anrechnung der
Hilflosenentschädigung sei deshalb willkürlich erfolgt. Die Hilflosenentschädigung
decke Kosten für Hilfeleistungen Dritter zur Bewältigung des täglichen Lebens einer
versicherten Person. Sollten diese nun mit dem Erwerbseinkommen des Ehegatten
gleichgesetzt werden, so seien diese Kosten auf der anderen Seite auch bei den
Ausgaben zu berücksichtigen. Zusammenfassend bestehe keine Rechtsgrundlage für
die Anrechnung der Hilflosenentschädigung (G act. 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt am 3. März 2009 unter Verweis auf die

Erwägungen im Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (G act. 3).
B.c Der Beschwerdeführer verzichtet innert Frist auf eine Replik (G act. 4).
Erwägungen:
1.
Auf den 1. Januar 2008 ist das neue Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen zur
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30) in Kraft getreten.
Es ersetzt das ELG vom 19. März 1965 in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen
Fassung. In Bezug auf die vorliegend umstrittene Frage der Anrechnung der
Hilflosenentschädigung als Einkommen der Ehegattin beziehungsweise eines
hypothetischen Erwerbseinkommens für die Ehegattin hat sich die Rechtslage materiell
jedoch nicht geändert.
2.
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2.1 Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG; Art. 3a Abs. 1
aELG). Die anerkannten Ausgaben und die anrechenbaren Einnahmen, worin in
bestimmtem Umfang auch das Vermögen einbezogen ist, werden nach den in Art. 10
und 11 ELG (Art. 3b und 3c aELG) sowie Art. 11 bis 18 der Verordnung über die
Ergänzungsleistungen zur AHV und IV (ELV; SR 831.301) festgelegten Bestimmungen
ermittelt. Als Einnahmen anzurechnen sind nach Art. 11 Abs. 1 ELG (Art. 3c Abs. 1
aELG) unter anderem Einkünfte, auf die verzichtet worden ist (lit. g). Eine
Verzichtshandlung liegt vor, wenn die versicherte Person ohne rechtliche Verpflichtung
auf Vermögen verzichtet hat, wenn sie einen Rechtsanspruch auf bestimmte Einkünfte
und Vermögenswerte hat, davon aber faktisch nicht Gebrauch macht bzw. ihre Rechte
nicht durchsetzt oder wenn sie aus von ihr zu verantwortenden Gründen von der
Ausübung einer möglichen und zumutbaren Erwerbstätigkeit absieht (Entscheid des
Bundesgerichts vom 9. Juli 2002 [P 18/02]; BGE 121 V 205 E. 4a; AHI 2001 S. 133
E. 1b).
2.2 Nicht als Einnahmen anzurechnen sind gemäss Art. 11 Abs. 3 lit. d ELG (Art. 3c
Abs. 2 lit. d aELG) Hilflosenentschädigungen der Sozialversicherungen. Nach Art. 15b
ELV wird die Hilflosenentschädigung der AHV, IV oder UV [...] als Einnahme
angerechnet, wenn in der Tagestaxe eines Heims oder Spitals auch die Kosten für die
Pflege einer hilflosen Person enthalten sind. Sodann ist in Art. 69 Abs. 3 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) geregelt, dass Renten der AHV und der IV sowie alle Hilflosen- und
Integritätsentschädigungen von einer Kürzung wegen Überentschädigung
ausgeschlossen sind.
2.3 An den Ergänzungsleistungen partizipieren auch Personen, die in die
Anspruchsberechnung der versicherten Person einbezogen sind, da diese den
Existenzbedarf der ganzen Familie sicherstellen. So ist auch der Ehegatte indirekt
Leistungsempfänger. Verzichtet er auf die mögliche und zumutbare Erzielung eines
Erwerbseinkommens, so ist die Geltendmachung eines Anspruchs auf
Ergänzungsleistungen zur Deckung jenes Teils der anerkannten Ausgaben, der durch
das Erwerbseinkommen des Ehegatten gedeckt werden könnte, missbräuchlich (vgl.
Ralph Jöhl, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: SBVR XIV-Meyer, Soziale Sicherheit,
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Basel 2007, S. 1759, Rz. 179). Deswegen ist bei der Berechnung der
Ergänzungsleistung der versicherten Person ein hypothetisches Erwerbseinkommen
des Ehegatten anzurechnen, sofern dieser auf die mögliche und zumutbare Erzielung
eines Einkommens verzichtet. Um bei der Ermittlung des anrechenbaren Einkommens
ein hypothetisches Erwerbseinkommen im Sinn von Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG
berücksichtigen zu können, muss in jedem Einzelfall geprüft werden, ob vom Ehegatten
unter den gegebenen Umständen verlangt werden kann, von nun an einem
Arbeitserwerb nachzugehen, und wie hoch der Lohn wäre, den dieser bei gutem Willen
erzielen könnte. Anhaltspunkte dafür sind familiäre Verpflichtungen, Alter,
Gesundheitszustand, Ausbildung und gegebenenfalls die Zeitdauer, während der er
nicht (mehr) im Berufsleben gestanden ist (BGE 117 V 290 E. 3a mit Hinweisen; Urteil
des Bundesgerichts vom 16. Januar 2007 [I 920/06] E. 3.3).
2.4 Gemäss Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG nimmt die EL-Durchführungsstelle im
Rahmen der Prüfung eines EL-Gesuches die notwendigen Sachverhaltsabklärungen
vor. Diese Untersuchungspflicht bezieht sich auch auf die Frage, ob eine bestimmte
Person auf die Erzielung von Erwerbseinkünften verzichtet. Die EL-Durchführungsstelle
hat also zu untersuchen, ob es einer Person, die keiner Erwerbstätigkeit nachgeht,
möglich und zumutbar ist, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, und welches
Einkommen sie dabei erzielen könnte. Dieser Pflicht könnte die EL-Durchführungsstelle
eigentlich nur dadurch vollumfänglich nachkommen, dass sie der betreffenden Person
die Ablehnung einer konkreten Arbeitsplatzofferte nachweisen würde. Dies würde
letztlich darauf hinauslaufen, dass die EL-Durchführungsstelle der betreffenden Person
eine konkrete Arbeitsstelle vermitteln müsste, um – bei einer Nichtannahme dieser
Stelle – den Nachweis des Verzichts auf die Verwertung der Erwerbsfähigkeit mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit führen zu können. Die dabei
entstehenden Durchführungsprobleme würden dazu führen, dass Art. 11 Abs. 1 lit. g
ELG in Bezug auf die Verwertung der Erwerbsfähigkeit praktisch toter Buchstabe
bliebe. Die EL-Durchführungsstelle darf sich daher auf die aus der Lebenserfahrung
resultierende, natürliche Vermutung stützen, dass eine arbeitswillige und
einsatzfreudige, nötigenfalls auch einen unterdurchschnittlichen Lohn akzeptierende
Person im Allgemeinen eine Arbeitsstelle finden kann. Dies ändert zwar nichts an der
grundsätzlichen Abklärungspflicht. Die EL-Durchführungsstelle darf sich aber bei der
Erfüllung dieser Pflicht darauf beschränken, den Gesuchsteller oder die in die
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Anspruchsberechnung einbezogene Person unter Hinweis auf die zu vermutende
Möglichkeit der Verwertung der Erwerbsfähigkeit aufzufordern, sich intensiv um in
Frage kommende Arbeitsstellen zu bewerben (vgl. Jöhl, a.a.O, S. 1763 f., Rz. 185).
Ernsthafte, aber erfolglose Bewerbungen sind nicht nur Indizien, die die natürliche
Vermutung für die Verwertbarkeit der Erwerbsfähigkeit widerlegen, sondern sie sind
auch Ausdruck der (insbesondere in Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG zum Ausdruck
kommenden) Pflicht, soweit als möglich aus eigener Kraft den Existenzbedarf zu
bestreiten. Die nicht widerlegte Vermutung für die Verwertbarkeit der Erwerbsfähigkeit
bewirkt also eine Vermutung für die Verletzung der Pflicht zur selbstverantwortlichen
Finanzierung des Existenzbedarfs und damit für den gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG
relevanten Verzicht auf die Erzielung eines Erwerbseinkommens (vgl. die Entscheide
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 14. Juni 2007 [EL 2007/14] E. 3
f., und vom 8. November 2007 [EL 2007/21] E. 2).
3.
3.1 Die EL-Durchführungsstelle hat die Hilflosenentschädigung in der Höhe von
jährlich Fr. 5'304.-- unter dem Titel Einkommensverzicht beziehungsweise Einkommen
der Ehegattin bei den Einnahmen angerechnet. Der Beschwerdeführer dagegen macht
geltend, dass diese Anrechnung willkürlich sei, weil dazu keine Rechtsgrundlage
bestehe. Die Ehegattin habe nicht auf Einkommen verzichtet, sondern betreue ihn.
Werde die Hilflosenentschädigung nun mit dem Einkommen der Ehegattin
gleichgesetzt, so fehle es an einer entsprechenden Berücksichtigung bei seinen
Ausgaben. Die Hilflosenentschädigung soll jene Kosten decken, die aus der
Hilflosigkeit einer versicherten Person entstehen und dienen deshalb nicht der Deckung
des allgemeinen Existenzbedarfs (vgl. Jöhl, a.a.O, S. 1763 f., Rz. 310). Wie aus den
zitierten Bestimmungen von Art. 11 Abs. 3 lit. d ELG sowie Art. 69 Abs. 3 ATSG
hervorgeht, hat der Gesetzgeber deshalb eine Anrechnung von
Hilflosenentschädigungen nicht vorgesehen. Lediglich im speziell vom Bundesrat
geregelten Fall des Heimbewohners, der auch bei der Berechnung von
Ergänzungsleistungen entsprechend höhere (Pflege-)Ausgaben geltend machen kann,
wird sie ausnahmsweise angerechnet. Damit soll verhindert werden, dass die
versicherte Person diese Leistung doppelt erhält. Indem der Beschwerdeführer nun
Hilflosenentschädigung erhält und die Hilfeleistung durch seine Ehegattin geleistet
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wird, liegt hingegen keine Doppelausrichtung dieser Entschädigung vor. Er kann sie
auch nicht als Krankheits- oder Betreuungskosten geltend machen. Somit besteht
keine Überentschädigung und deshalb kein Grund, den vorliegenden Fall analog zu
einem Heimaufenthalt zu behandeln und die Hilflosenentschädigung entsprechend
anzurechnen (vgl. auch Jöhl, a.a.O, S. 1763 f., Rz. 296). Auch wenn die
Beschwerdegegnerin behauptet, die Anrechnung erfolge, weil die
Hilflosenentschädigung das Einkommen der Ehegattin darstelle, so handelt es sich
dennoch um eine Berücksichtigung der Hilflosenentschädigung, wenn auch in
indirekter Weise. Jedoch widerspricht auch eine indirekte Anrechnung der
Hilflosenentschädigung den klaren Gesetzesbestimmungen. Würden
Hilflosenentschädigungen jeweils bei Ehegatten angerechnet, so entstünde eine
rechtsungleiche Behandlung. Würde nämlich die Hilfe Dritter durch Verwandte des
Beschwerdeführers geleistet, die nicht in der EL-Berechnung einbezogen werden, wäre
die Hilflosenentschädigung klar nicht zu berücksichtigen. Auch bei einer ökonomischen
Betrachtungsweise des Ehepaars steht es der Ehegattin frei, die entsprechenden
Dienste ohne Entgelt zu leisten, weshalb nicht einfach angenommen werden kann, die
Hilflosenentschädigung entspreche dem ihr zustehenden Entgelt. Eine Anrechnung der
Hilflosenentschädigung als Einkommen der Ehegattin widerspricht daher der klaren
gesetzlichen Regelung. Für eine Ausweitung der Ausnahme von Art. 15b ELV besteht
kein Raum.
3.2 Die Beschwerdegegnerin hat in ihrem Einspracheentscheid sinngemäss
angegeben, selbst wenn die Hilflosenentschädigung nicht als Einkommen der
Ehegattin anzurechnen wäre, wäre ihr ein hypothetisches Einkommen ohne weiteres
zumutbar. Der Beschwerdeführer verneint die Zulässigkeit der Anrechnung, weil 2006
kein hypothetisches Einkommen berücksichtigt worden sei und sich die Situation
seither nicht verändert habe. Er sei auf die Betreuung durch seine Ehegattin
angewiesen. Wie aus den Akten hervorgeht, leidet der Beschwerdeführer an den
Folgen einer beidseitigen Schulterverletzung und ist deshalb in der Verrichtungen An-
und Auskleiden sowie Körperpflege auf erhebliche Hilfe Dritter angewiesen. Er bedarf
aber keiner ständigen Überwachung. Seit Einbau eines Closomats im Mai 2007 ist er
auch selbständig in der Verrichtung der Notdurft. Davor war er auch bei dieser
Verrichtung auf die Hilfe Dritter angewiesen (EL-act. 16). Der Hausarzt des
Beschwerdeführers hat in seinem Bericht vom 19. Juni 2008 attestiert, der
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Beschwerdeführer sei ständig auf Begleitung angewiesen (EL-act. 12). Gemäss der
Verfügung zur Ausrichtung einer Hilflosenentschädigung ist auf Grund der Abklärungen
der IV-Stelle eine ständige Überwachung jedoch verneint worden. Der Hausarzt bringt
keine objektiven Befunde vor, die seit Anmeldung zur Hilflosenentschädigung zu einer
Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers geführt hätten
und einen höheren Bedarf an Hilflosenentschädigungen begründen würden. Daher
erscheint nicht überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer ganztags auf
eine persönliche Überwachung angewiesen ist. Unter diesen Umständen ist es der
Ehegattin des Beschwerdeführers zumutbar, einer Erwerbstätigkeit mindestens
teilweise nachzugehen, um zum finanziellen Auskommen des Ehepaars beizutragen.
3.3 Bisher ist die Ehegattin des Beschwerdeführers davon ausgegangen, dass ihr
kein hypothetisches Einkommen angerechnet werde. Auch durch die Anschaffung des
Closomats und den Wegfall der Zusatzrente hat sich an ihrer Überzeugung, keine
Arbeitsstelle suchen zu müssen, nichts geändert. Im Gegensatz zur Situation im Jahr
2006 hat die EL-Durchführungsstelle auf die Abmahnung der
Schadenminderungspflicht beziehungsweise der Aufforderung zur Stellensuche
verzichtet. Sie ist wohl davon ausgegangen ist, dass die Hilflosenentschädigung als
Einkommen bei der Ehegattin angerechnet werden könnte. Will man nun in diesem
speziellen Fall ein hypothetisches Einkommen anrechnen, so ist die Ehegattin des
Beschwerdeführers erneut abzumahnen, sich um eine Stelle zu bemühen. Sie konnte
nach dem Verhalten und aus der Erfahrung mit der Beschwerdegegnerin nämlich
davon ausgehen, dass ihr kein hypothetisches Einkommen angerechnet werden würde,
auch wenn sich ihre finanzielle Lage verschlechtert hatte. Unter diesen Umständen liegt
kein Einkommensverzicht vor, der im Rahmen von Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG
berücksichtigt werden müsste.
3.4 Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Hilflosenentschädigung
nicht als Einkommen der Ehefrau angerechnet werden kann. Eine hier erforderliche
Abmahnung der Schadenminderungspflicht der Ehegattin fehlt. Bei der Berechnung
des EL-Anspruchs ist somit (noch) kein hypothetisches Einkommen anzurechnen.
4.
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Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen,
der angefochtene Einspracheentscheid ist aufzuheben und die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die EL-Berechnung unter Streichung
des (hypothetischen) Einkommens der Ehefrau erneut vornehme und neu verfüge.
Praxisgemäss ist die Rückweisung zur Neuberechnung in Bezug auf den Anspruch auf
Parteientschädigung als vollumfängliches Obsiegen zu qualifizieren, so dass ein
Anspruch auf ungekürzte Entschädigung besteht (vgl. etwa ZAK 1987 S. 266 E. 5a). Die
Parteientschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). Unter Berücksichtigung dieser
Kriterien erscheint eine Entschädigung von Fr. 3'000.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen. Gerichtskosten sind keine zu erheben.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG