Decision ID: 211b761d-d346-5826-8f4d-7fb237e1f624
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Anwaltskanzlei St. Jakob,
St. Jakob Strasse 37, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
betreffend
medizinische Abklärung
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 7. Juli 1992 aufgrund eines sensomotorischen
Hemisyndroms links mit unklarer Genese zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1).
A.b Zum Zeitpunkt der Anmeldung befand sich der Versicherte in stationärer
Behandlung in der Klinik Valens. Im Austrittsbericht vom 30. Juli 1992 betreffend den
Aufenthalt vom 11. Juni bis zum 25. Juli 1992 diagnostizierten die Ärzte ein
Schleudertrauma der Halswirbelsäule und eine Commotio cerebri nach einem
Verkehrsunfall am 10. Februar 1992 und einem unklaren Sturzereignis am 1. März 1992
mit zehn Minuten dauernder Bewusstlosigkeit, retro- und anterograder Amnesie und
sensomotorischem Hemisyndrom links ohne Hirnnervenbeteiligung,
neuropsychologische Ausfälle – Wortfindungsstörungen, mnestische Störungen,
psychomotorische Verlangsamung und Konzentrationsstörungen – sowie eine
subligamentäre Discushernie C6/7 ohne Myelonkompression und attestierten bis auf
weiteres eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 10).
A.c Im Rahmen einer beruflichen Abklärung konnte der Versicherte die anfängliche
Präsenzzeit von 30–40 Prozent auf 50–60 Prozent und seine Leistung von maximal
30 Prozent auf etwa 70 Prozent steigern. Der IV-Eingliederungsverantwortliche hielt in
einem Bericht vom 1. Februar 1994 fest, der Arbeitgeber, der dem Versicherten zu
Beginn der Abklärung keinen Lohn ausgerichtet habe, richte dem Versicherten
aufgrund dieser Steigerung auf eine Leistungsfähigkeit von gesamthaft etwa 30 Prozent
einen Lohn von monatlich Fr. 1’100.-- aus (IV-act. 50).
A.d Im Anschluss an eine Abklärung im elterlichen Betrieb am 8. März 1994 gelangte
der Abklärungsbeauftragte zum Schluss, der Invaliditätsgrad liege bei 82 Prozent. Er
empfahl deshalb die Zusprache einer ganzen Rente ab Einstellung des während der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
beruflichen Abklärung ausgerichteten Taggeldes bzw. ab dem 1. Februar 1994 (IV-
act. 53).
A.e Am 16. Juni 1994 verfügte die Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen
entsprechend (IV-act. 58).
B.
B.a Im Rahmen einer von Amtes wegen eingeleiteten Rentenrevisionsprüfung gelangte
die IV-Stelle am 26. Mai 2011 zum Schluss, dass aufgrund der mangelhaften Doku
mentation der beiden Unfälle im Jahr 1992, der gemäss Bericht der Klinik Valens
fehlenden organisch fassbaren neurologischen Ursachen für die Beschwerden und
einer erst im Jahr 1998 durchgeführten Einzelphotonen-
Emissionscomputertomographie (SPECT) mit unauffälligen Ergebnissen von einem
syndromalen Schmerzleiden ohne fassbare organische Ursache auszugehen sei. Der
Fall wurde daher für eine ausserordentliche Revision im Sinne der
Schlussbestimmungen zur sechsten IV-Revision (erstes Massnahmenpaket)
vorgemerkt. Weiter wurde festgehalten, dass Wiedererwägungspotential bestehe,
zumal das Valideneinkommen bei der Rentenzusprache nicht schlüssig ermittelt
worden sei (IV-act. 119).
B.b Anlässlich einer Nachbesprechung am 27. April 2012 gelangte die IV-Stelle zum
Schluss, dass eine ausserordentliche Rentenrevision aufgrund des Rentenbezugs
während mehr als 15 Jahren ausgeschlossen sei, dass das Valideneinkommen bei der
Rentenzusprache aber fehlerhaft ermittelt worden und deshalb die rentenzusprechende
Verfügung allenfalls in Wiedererwägung zu ziehen sei. Jedenfalls sei zur Überprüfung
des Rentenanspruchs eine Begutachtung erforderlich (IV-act. 120).
B.c Am 9. Mai 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass eine polydisziplinäre
Begutachtung (Innere Medizin, Neurologie, Rheumatologie, Psychiatrie) vorgesehen
sei. Die Fachstelle werde nach dem Zufallsprinzip gewählt (IV-act. 122).
B.d Am 20. Juni 2012 liess der Versicherte darum ersuchen, den Gutachtensauftrag der
Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS) Zentralschweiz zu erteilen, zusätzlich eine
neuropsychologische und eine orthopädische Untersuchung durchführen zu lassen und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
den vorgesehenen Fragekatalog wie folgt abzuändern bzw. zu ergänzen: „Als Zusatz
frage zur Frage B.1: Sollte eine andere Einschätzung als in den bisherigen Berichten
erfolgen, Begründung der Abweichung. Als Zusatzfrage zum Fragenblock B.2: Sollte
eine andere Einschätzung als in den bisherigen Berichten erfolgen, Begründung der
Abweichung. Bei Frage B.3: ‚psychische Störung‘ durch ‚gesundheitliche Gesamt
situation‘ ersetzen. Bei Bemerkungen, weitere Fragen, die erste Frage
folgendermassen ergänzen: Besteht ein neurologischer und/oder
neuropsychologischer Gesundheitsschaden? Bei Bemerkungen, weitere Fragen, zur
zweiten Frage die folgende Zusatzfrage: Sollte die aktuelle Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit anders als bisher beurteilt werden, Begründung der Abweichung.
Bei Bemerkungen, weitere Fragen, die dritte Frage folgendermassen ergänzen: Hat
sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit Frühling 2005 (letzte IV-Revision)
erheblich verändert?“ (IV-act. 128).
B.e Am 6. Juli 2012 führte Dr. med. B._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst
(RAD) aus, die beiden ersten und die beiden letzten Ergänzungsfragen seien aus
medizinischer Sicht zuzulassen. Die Frage nach einer psychischen Störung sei
allerdings eine Standardfrage, die so gestellt werden müsse. Eine neuropsychologische
Untersuchung sei nicht indiziert, da kein Hirnschaden bestehe. Das SPECT vom
28. Januar 1998 sei unauffällig gewesen. Es bestehe schliesslich kein triftiger Grund,
die Begutachtung durch die MEDAS Zentralschweiz durchführen zu lassen. Auch sei
eine orthopädische Begutachtung nicht indiziert (IV-act. 129). Am 9. Juli 2012
antwortete die IV-Stelle dem Versicherten entsprechend (IV-act. 130).
B.f Dagegen wandte sich der Versicherte mit Schreiben vom 19. Juli 2012. Eine neuro
psychologische wie auch eine orthopädische Untersuchung würden weiterhin als unab
dingbar angesehen (IV-act. 131).
B.g Nachdem der RAD-Arzt Dr. B._ am 13. August 2012 ausgeführt hatte, weshalb
weder eine neuropsychologische noch eine orthopädische Untersuchung angezeigt sei
(IV-act. 132), erliess die IV-Stelle am 15. August 2012 eine Zwischenverfügung, mit
welcher sie an der vorgesehenen polydisziplinären Untersuchung festhielt (IV-act. 133).
C.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.a Dagegen richtet sich die am 28. August 2012 erhobene Beschwerde, mit der die
zusätzliche Durchführung einer neuropsychologischen Untersuchung im Rahmen der
Begutachtung beantragt wird (act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung der Beschwerde
(Beschwerdeantwort vom 23. Oktober 2012; act. G 4).
C.c Mit Replik vom 15. November 2012 liess der Beschwerdeführer am mit
Beschwerde vom 28. August 2012 gestellten Antrag festhalten (act. G 8).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).
C.e Am 22. Februar 2013 liess der Beschwerdeführer dem Versicherungsgericht einen
neuropsychologischen Bericht der Rheinburg-Klinik vom 24. Januar 2013 zugehen, in
welchem mittelschwere bis schwere Leistungseinschränkungen diagnostiziert worden
waren (act. G 12.1).
C.f Die Beschwerdegegnerin liess sich dazu nicht vernehmen.

Erwägungen:
1.
1.1 Anfechtungsgegenstand der vorliegend zu behandelnden Beschwerde bildet die
Verfügung vom 15. August 2012, mit der die Beschwerdegegnerin an der Durchführung
einer polydisziplinären Begutachtung festgehalten hat. Streitgegenstand bildet die vom
Beschwerdeführer beantragte und von der Beschwerdegegnerin verweigerte Durch
führung einer neuropsychologischen Untersuchung im Rahmen der Begutachtung. Da
die Verfügung vom 15. August 2012 das vorinstanzliche Verfahren nicht abschliesst, ist
sie als Zwischenverfügung zu qualifizieren.
1.2 Die Beschwerde gegen die Zwischenverfügung ist mit Blick auf Art. 46 Abs. 1 lit. a
des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (VwVG; SR 172.021) nur zulässig,
wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken kann. Die Möglichkeit
eines solchen Nachteils muss von der Beschwerde führenden Person nachgewiesen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bzw. glaubhaft gemacht werden (Thomas Merkli/Arthur Aeschlimann/Ruth Herzog,
Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, 1997,
Art. 61 N 4). Erforderlich ist ein schutzwürdiges Interesse an der sofortigen Aufhebung
oder Abänderung einer Zwischenverfügung, also nicht zwingend die Gefahr eines
irreparablen Schadens, sondern lediglich die Möglichkeit, dass selbst ein günstiger
Endentscheid nicht jeden Nachteil zu beseitigen vermag (Merkli/Aeschlimann/Herzog,
a.a.O., Art. 61 N 5).
1.3 Es ist demnach zu prüfen, ob der Beschwerdeführer ein schutzwürdiges Interesse
an der Aufhebung der angefochtenen Verfügung hat. Sofern dies nicht der Fall ist, ist
auf die Beschwerde nicht einzutreten. Der Beschwerdeführer liess diesbezüglich in
seiner Beschwerdeschrift vorbringen, die Begutachtung falle ohne
neuropsychologische Untersuchung unvollständig aus und er riskiere, damit nicht mehr
gehört zu werden, wenn er die Zwischenverfügung vom 15. August 2012 nicht
anfechte. Diese Auffassung trifft zwar nicht zu, da Gutachten im Verfahren betreffend
Leistungen der Invalidenversicherung frei zu würdigen sind und solche, die nicht auf
den erforderlichen Untersuchungen beruhen, jedenfalls nicht alleinige Grundlage eines
Entscheids bilden können, selbst wenn sich die versicherte Person im Rahmen der
Erteilung des Gutachtensauftrages nicht gegen eine entsprechende Beschränkung der
Untersuchungen gewendet hat. Allerdings wirkt sich die Wahl der in die Begutachtung
mit einzubeziehenden Fachrichtungen unmittelbar auf das Ergebnis des Gutachtens
aus. Die Verweigerung einer von der versicherten Person beantragten Untersuchung im
Rahmen einer polydisziplinären Begutachtung kann daher einen nicht wieder
gutzumachenden Nachteil im oben dargelegten Sinn bewirken, weshalb auf die
vorliegende Beschwerde einzutreten ist.
1.4 Im Übrigen trifft es nicht zu, dass der Erlass der Zwischenverfügung unnötig ge
wesen ist. Solange zwischen den Parteien streitig ist, welche Fachrichtungen in eine
Begutachtung mit einbezogen werden sollen, kann das Verfahren nicht sinnvoll weiter
geführt werden. Mit einer Zwischenverfügung eröffnet die IV-Stelle der betroffenen
Person die Möglichkeit, zu dieser Frage den Rechtsweg zu beschreiben und sich damit
gegen die Ansicht der IV-Stelle zu wehren. Der Erlass der Zwischenverfügung ist also
angezeigt gewesen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.5 Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin ist es nicht als „bedenklich“ anzu
sehen, dass der Beschwerdeführer im Rahmen der Überprüfung der
Zwischenverfügung auch die Frage geklärt haben will, ob auch ein
neuropsychologisches Gutachten zu erstellen ist. Es ist nicht einzusehen, inwiefern
damit „der Bogen überspannt“ werden sollte. Der Beschwerdegegnerin kann die
Zeitverzögerung, die durch das Rechtsmittelverfahren entsteht, grundsätzlich
gleichgültig sein. Ein Interesse an der beförderlichen Behandlung eines Gesuchs hat
vor allem die versicherte Person. Wenn deswegen, wie vorliegend, eine
Rentenreduktion oder Renteneinstellung im Revisionsverfahren verzögert wird, könnte
allenfalls eine vorsorgliche Massnahme zur Verhinderung dieser Folge ergriffen werden.
Sollte dies im Einzelfall nicht möglich sein, ist wohl in Kauf zu nehmen, dass eine Rente
aufgrund eines Gerichtsverfahrens (deutlich) länger ausgerichtet werden muss. Die
Grenze liegt beim Rechtsmissbrauch. Vorliegend sind allerdings keinerlei Hinweise für
einen solchen ersichtlich, weshalb eine vorsorgliche Massnahme nicht in Betracht fällt.
2.
2.1 In materieller Hinsicht ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass es im Ermessen
des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln die Sach
verhaltsabklärung gemäss Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) zu erfolgen hat, und dass ihm im
Rahmen der Verfahrensleitung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendig
keit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zukommt (statt
vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_1037/2010 vom 10. Oktober 2011 E. 5.1). Bei der
Beurteilung von Fragen, die in diesen Ermessensspielraum fallen, auferlegt sich das
Gericht Zurückhaltung. Anderes gilt selbstverständlich, wenn das Ermessen rechts
fehlerhaft betätigt, also insbesondere der Ermessensspielraum unterschritten, über
schritten oder missbraucht wird.
2.2 Gemäss Art. 49 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201) wählen RAD-Ärzte die geeigneten Prüfmethoden im Rahmen ihrer medi
zinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundes
amtes für Sozialversicherungen frei. Diese Kompetenz steht in Einklang mit Art. 59
Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wonach der RAD der IV-Stelle unter anderem zur Beurteilung der medizinischen
Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung steht. Es liegt denn auch auf
der Hand, dass geeignete Fachärzte anhand der massgebenden Akten eher beurteilen
können, welche Disziplinen in eine polydisziplinäre Begutachtung mit einzubeziehen
sind, als Rechtsanwender. Dass im Einzelfall ein RAD-Arzt prüft, welche Untersuchun
gen in Auftrag zu geben sind, ist daher sachlogisch. Wenn der Gutachterstelle zusätz
lich die Möglichkeit eingeräumt wird, weitere notwendig erscheinende Untersuchungen
im Rahmen der Begutachtung durchzuführen, besteht ausreichend Gewähr dafür, dass
die Untersuchungen umfassend durchgeführt werden.
2.3 Vorliegend sind einerseits in den Akten neuropsychologische Defizite ausgewiesen,
unter anderem auch im neusten Bericht der Rheinburg-Klinik vom 24. Januar 2013. Die
behandelnden und untersuchenden Ärzte, deren Berichte im Verfahren betreffend
Rentenzusprache beigezogen wurden, gingen sodann davon aus, der Beschwerde
führer habe bei den beiden Unfällen im Jahr 1992 (milde) traumatische
Hirnverletzungen erlitten, die erfahrungsgemäss neuropsychologische Defizite zur
Folge haben können. Andererseits fielen hirnorganische Untersuchungen, namentlich
das SPECT im Jahr 1998, unauffällig aus. Es ist fraglich, ob sich der neurologisch-
medizinische Sachverhalt in den vergangenen 15 Jahren relevant geändert hat. Der
Bericht der Rheinburg-Klinik legt diesen Schluss zumindest nahe. Ohne Weiteres sollte
angesichts dessen nicht zum Vorneherein auf eine neuropsychologische Untersuchung
verzichtet werden (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_675/2012 vom 7. Dezember
2012, insb. E. 5.1 und 5.2.1). Dem Argument des Beschwerdeführers, mittels einer
direkten Anordnung einer neuropsychologischen Begutachtung könnten weitere
verfahrensmässige Aufwände und Verzögerungen vermieden werden, könnten wohl nur
die zusätzlichen Kosten einer neuropsychologischen Testung entgegen gehalten
werden. Ansonsten spricht nichts gegen die Durchführung einer solchen Testung.
Letztlich scheint es am sinnvollsten, es den Gutachtern zu überlassen, ob sie eine
neuropsychologische Testung für angezeigt erachten. Der Fragekatalog ist daher um
die Frage zu erweitern, ob eine neuropsychologische Testung/Beurteilung notwendig
sei. Falls die Frage zu verneinen sei, sei dies kurz zu begründen, falls sie zu bejahen
sei, seien die Tests direkt vorzunehmen.
3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.1 Die Beschwerde ist daher abzuweisen. Die Ergänzung des Fragekataloges im oben
erwähnten Sinne wirkt sich auf das Ergebnis nicht wesentlich aus. Sollten die
Gutachter auf eine neuropsychologische Untersuchung verzichten, kann sich erst im
Rahmen der Würdigung des Gutachtens unter Berücksichtigung sämtlicher
medizinischer Akten zeigen, ob die Begutachtung als nicht umfassend zu qualifizieren
ist. Über diese Frage ist daher nach Vorliegen des Gutachtens zu befinden.
3.2 Entgegen den Ausführungen des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers in der
Beschwerdeschrift hat ihn die Beschwerdegegnerin mit dem Erlass der Zwischenver
fügung nicht gleichsam gezwungen, Beschwerde zu erheben, um seine Rechte im
weiteren Verfahren wahren zu können. Offenbar war dem Rechtsvertreter im Zeitpunkt
der Beschwerdeerhebung nicht bewusst, dass sich das Vorgehen der Beschwerde
gegnerin auf eine Praxisänderung des Bundesgerichts stützte (BGE 137 V 210), wes
halb er fälschlicherweise davon ausging, die Beschwerdegegnerin wolle mit dem Erlass
der Zwischenverfügung die Würdigung des zu erstellenden Gutachtens zumindest
teilweise präjudizieren. Eine entsprechende Nachfrage bei der Beschwerdegegnerin
hätte zur Klärung des Missverständnisses geführt. Es rechtfertigt sich jedenfalls
nicht, hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen nicht auf den Ausgang
des Beschwerdeverfahrens abzustellen. Die angesichts des reduzierten Aufwands
auf Fr. 400.-- festzusetzenden Gerichtskosten hat daher der Beschwerdeführer zu
bezahlen. Der von ihm geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird ihm daran an
gerechnet und im Restbetrag zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Der Beschwerdeführer hat die Gerichtskosten von Fr. 400.-- zu bezahlen. Der
von ihm geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird ihm im Betrag von Fr. 400.--
daran angerechnet und im Betrag von Fr. 200.-- zurückerstattet.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 11.07.2013 Art. 43 Abs. 1 ATSG. Art. 49 Abs. 1 IVV Wahl der Untersuchungsmethoden im Rahmen einer polydisziplinären Begutachtung. Frage nach der Notwendigkeit einer neuropsychologischen Untersuchung. Gelangt der zuständige RAD-Arzt bei fehlenden hirnorganischen Befunden zum Schluss, eine neuropsychologische Untersuchung sei im Rahmen einer Begutachtung entbehrlich, so übt er damit das ihm zustehende Ermessen nicht rechtsfehlerhaft aus. Die Würdigung des Gutachtens wird durch diesen Entscheid nicht präjudiziert (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. Juli 2013, IV 2012/308).
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
2021-09-19T12:30:42+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen