Decision ID: 75590fb0-2218-4292-882f-7a5738189852
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1977, arbeitete v
om 1
5.
Februar 2013 bis zum 31.
Dezember 2016 zu einem Pensum von 80
%
als Pflegeassistentin im Alterszentrum
Y._
(Arbeitsver
trag vom
6.
November 2012, Urk.
7/6; Arbeitszeugnis vom 2
3.
Dezember 2016,
Urk.
7/11/2).
Nach der Beendigung dieses Arbeitsverhältnisses eröffnete sie
Anfang
2017 das
Z._
und war ab dem
1.
Februar 2017 der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (
SVA
), Ausgleichskasse, als
Selbständigerwerbende
angeschlossen
(Bestätigungen der Ausgleichskasse vom 1
4.
Juni 2017,
Urk.
3/2+3 =
Urk.
7/18/2+3
).
Am 1
2.
Januar 2018 meldete sich
X._
bei der Arbeitslosenversicherung zur Vermittlung einer 60%-Stelle
a
n (Anmeldebestätigungen vom 12.
und vom 2
3.
Januar 2018,
Urk.
7/1-3) und stellte Antrag auf Ausrichtung von
Arbeitslosenentschädigung ab
dem
1.
Januar 2018
(A
ntrag vom 1
2.
Januar 2018, Urk.
7/4)
. Zusammen
mit
dem Antrag reichte sie eine von ihr selbst unterzeichnete Arbeitgeberbescheinigung zu ihrer Tätigkeit im
Z._
ein (
Urk.
7/5).
Nachdem das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA)
mit einschlägigem Fragebogen
von der Versicherten die Angaben zu ihrer selbständigen Tätigkeit im Beauty-Studio vom 3
0.
Januar 2018 eingeholt hatte (
Urk.
7/8), eröffnete ihr die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich mit Verfügung vom 1
4.
Februar 2018, dass sie ab dem 1
2.
Januar 2018 keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung habe, da sie während der massgebenden Rahmenfrist
vom 1
2.
Januar 2016 bis zum 11.
Januar 2018 die zwölfmonatige Beitragszeit nicht erfüllt habe (
Urk.
7/9).
X._
erhob
mit Eingabe vom 2
1.
Februar 2018 (E
ingangsdatum) Einsprache
und
stellte sich auf den Standpunkt,
mit ihrer Tätigkeit im Alterszentrum die Beitragszeit zu erfüllen (
Urk.
7/11/1). Mit Entscheid vom 2
8.
März 2018 wies die Arbeitslosenkasse die Einsprache ab (
Urk.
2 =
Urk.
7/16).
2.
Mit Eingabe vom
3.
April 2018 (Datum des Poststempels) gelangte
X._
an die Arbeitslosenkasse und erklärte sich als nicht einverstanden mit dem
Einspracheentscheid
vom 2
8.
März 2018 (
Urk.
1). Die Arbeitslosenkasse überwies die Eingabe mit Schr
eiben vom
4.
April 2018
zuständigkeitshalber dem Sozialversicherungsgerich
t zur Behandlung als Beschwerde (
Urk.
4)
, worauf ihr
m
it Verfügung vom
9.
April 2018
Frist
zu
deren
Beantwortung
an
gesetzt wurde
(
Urk.
5). In der Beschwerdeantwort vom 2
7.
April 2018 schloss die Kasse auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was
der Versicherten
mit Verfügung vom 30.
April 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) gelten - soweit das Gesetz nichts
anderes
vorsieht - für den Leistungsbezug und für die Beitragszeit zweijährige Rahmenfristen. Die Rahmenfrist für den Leistungsbezug beginnt mit dem ersten Tag, für den sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (
Art.
9 Abs. 2 AVIG), und die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor diesem Tag (Art. 9 Abs. 3 AVIG).
Ferner wird nach
Art.
9a
Abs.
2 AVIG die Rahmenfrist für die Beitragszeit von Versicherten, die den Wechsel zu einer selbständigen Erwerbstätigkeit ohne Bezug von Leistungen vollzogen haben, um die Dauer der selbständigen Erwerbstätigkeit, höchstens aber um zwei Jahre verlängert.
Mit dieser Regelung soll dem erhöhten Risiko Rechnung getragen werden, welches mit der Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit verbunden ist. Die Tatsache, dass aufgrund einer selbständigen Erwerbstätigkeit keine genügende Beitragszeit generiert werden konnte, soll nicht zum Ausschluss vom Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung führen (vgl. BGE 133 V 85 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts C 188/06 vom
8.
Mai 2007 E. 3.1). Voraussetzung für die Rahmenfristverläng
erung ist jedoch eine
Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit
, die definitiv sein muss
(Urteil des Bundesgerichts
C 188/06 vom
8.
Mai 2007 E. 3.2
mit Hinweis;
Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR],
3.
Auflage, Basel 2015, S. 2299
Rz
108)
; die Rückstufung auf eine bloss nebenerwerbliche Tätigkeit genügt nicht (Nussbaumer, a.a.O., S. 2299
Rz
108 mit Hinweis).
1.2
1.2.1
Eine der Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung besteht nach Art. 8 Abs. 1
lit
. e AVIG darin, dass die versicherte Person die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist.
1.2.2
Nach Art. 13 Abs. 1 AVIG hat die Beitragszeit erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist nach Art. 9 Abs. 3 AVIG während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat. In Art. 13 Abs. 2
AVIG sind ausserdem diejenigen Zeiten aufgelistet, die den Zeiten einer beitragspflichtigen Beschäftigung gleichgestellt sind, obwohl eine solche nicht ausgeübt wird (Zeiten der Arbeitnehmertätigkeit vor Entstehen der AHV-Beitragspflicht, schweizerischer Militärdienst, Zeiten der Krankheit und des Unfalls in einem bestehenden Arbeitsverhältnis und Arbeitsunterbrüche wegen Mutterschaft).
Für die Arbeitslosenversicherung beitragspflichtig
sind
nach
Art.
2
Abs.
1
AVIG zum einen
die
Arbeitnehmer,
die
nach dem Bundesgesetz über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(
AHVG
) versichert und für Einkommen aus unselbständiger Tätigk
eit beitragspflichtig sind
(
lit
. a)
, und zum andern
die Arbeitgeber
, die
Arbeitsentgelte an ihre obligatorisch
versicherten Personen ausrichten (
lit
. b mit Hinweis auf
Art.
12 AHVG)
.
Beitragspflichtige
Beschäftigung im Sinne von Art.
13 AVIG kann demnach nur e
ine Erwerbstätigkeit im Status als
unselbständiger Arbeitnehmer, nicht aber eine selbständige Erwerbstätigkeit sein.
Die Ermittlung der Beitragszeit wird in
Art.
11 d
er Verordnung über die obligato
rische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) näher geregelt. Nach Abs. 1 dieser Bestimmung zählt als Beitragsmonat jeder volle Kalendermonat, in dem die versicherte Person beitragspflichtig ist. Gemäss Abs. 2 werden Beitragszeiten, die nicht einen vollen Kalendermonat umfassen, zusammengezählt (Satz 1), wobei je 30 Kalendertage als ein Beitragsmonat gel
ten (Satz 2).
1.2.3
Art.
14 AVIG zählt die Tatbestände auf, die zu einer Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit führen. Nach Art. 14 Abs. 1 AVIG sind Personen befreit, die innerhalb der Rahmenfrist
nach
Art. 9 Abs. 3 AVIG während insgesamt mehr als zwölf Monaten aus bestimmten Gründen
(Aus- oder Weiterbildung, Kran
kheit, Unfall oder Mutterschaft sowie
Haft)
nicht in einem Arbeitsverhältnis standen und deshalb die Beitragszeit nicht erfüllen konnten.
Ferner sind nach
Art.
14 Abs.
2 AVIG Personen von der
Erfüllung der Beitragszeit befreit
,
die wegen Trennung oder Scheidung der Ehe,
wegen Invalidität
oder Todes des Ehegatten oder aus ähnlichen Gründen oder wegen Wegfalls einer Invalidenrente gezwungen sind, eine unselbstständige Erwerbstätigkeit aufzunehmen oder zu erweitern.
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung hat.
Der Anspruch kann nicht früher als
am Tag der Anmeldung entstehen, denn die
Anmeldung ist nach
Art.
8
Abs.
1
lit
. g AVIG in Verbi
ndung mit
Art.
17
Abs.
2 AVIG eine der Anspruchsvoraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit gestützt
auf
Art.
9
Abs.
2 AVIG die Rahmenfrist für den Leistungsbezug beginnen kann. Die Beschwerdeführerin hat sich am 1
2.
Januar 2018 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum Bülach
(RAV)
angemeldet (
Urk.
7/1-3). Ungeachtet dessen, dass sie im Antrag angab, ab dem
1.
Januar 2018 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung zu erheben (
Urk.
7/4 S. 1),
wird somit ihre Rahmenfrist für den Leistungsbezug erst am 1
2.
Januar 2018 in Gang gesetzt, und der Anspruch a
b diesem Datum hängt davon ab, dass
sie
innert der Rahmenfrist für die Beitragszeit, die gestützt auf
Art.
9
Abs.
3 AVIG vom 1
2.
Januar 2016 bis zum 1
1.
Januar 2018 lief, die Beitragszeit nach
Art.
13 AVIG erfüllt hat oder gestützt auf
Art.
14 AVIG von der Beitragszeit befreit werden kann.
2
.2
2.2.1
Es steht fest und ist unbestritten, dass es sich bei der Tätigkeit
als Pfl
egeassistentin im Alterszentrum
, welche die Beschwerdeführerin vom 1
5.
Februar 2013 bis zum 3
1.
Dezember 2016 ausübte, um eine Arbeitnehmertätigkeit und somit um eine
beitragspflichtige Beschäftigung im Sinne von
Art.
13
Abs.
1 AVIG handelt. Der Beschwerdegegnerin ist jedoch darin zuzustimmen (
Urk.
2 S. 2 f.), dass die Beschwerdeführerin mit dieser Tätigkeit in der o
rdentlichen
Beitragsr
ahmenfrist vom 12.
Januar 2016 bis zum 1
1.
Januar 2018 kein ganzes, zwölfmonati
ges Beschäftigungsjahr erreicht hat
, da ihr im Monat Januar 2016 nur die Tage ab
dem Beginn der Rahmenfrist vo
m 1
2.
Januar
2016
angerechnet werden können
.
2.2.2
Die Beschwerdeführerin wies sodann in der Beschwerdeschrift
auf ihre selbständige Tätigkeit
hin, auf deren Einkommen sie Sozialversi
cherungsbeiträge zu
entrichte
n habe
(
Urk.
1). Entgegen ihrer Auffassung macht diese Beitragspflicht die selbständige Tätigkeit jedoch nicht zu einer beitragspflichtigen Beschäftigung im arbeitslosen
versicherungsrechtlichen Sinne. Denn anders als AHV-Beiträge sind Beiträge an die Arbeitslosenversicherung nur auf den Einkünften
geschuldet, die mit einer
unselbständigen Arbeitnehmert
ätigkeit erzielt werden
. Mit ihrer selbständigen Tätigkeit kann die Beschwerdeführerin somit keine Beitragszeit im Sinne von
Art.
13 AVIG erwerben.
2.2.3
Richtigerweise hat die Beschwerdegegnerin aber noch geprüft,
ob die Rahmenfrist für die Beitragszeit wegen der selbständigen Erwerbstätigkeit gestützt auf
Art.
9a
Abs.
2 AVIG verlängert werden kann. Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend dargelegt hat (
Urk.
2
S. 3), ist Voraussetzung dafür, dass die selbständige Erwerbstätigkeit in der ordentlichen Rahmenfrist für die Beitragszeit aufgegeben worden ist. Dies ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen (E. 1.1).
Im Antrag auf Arbeitslosenentschädigung
und in der Arbeitgeberbescheinigung, je
vom 1
2.
Januar 2018
,
gab die Beschwerdeführerin an, ihre Tätigkeit im
Z._
sei per Ende 2017 infolge Geschäftsaufgabe beendet worden (
Urk.
7/4 S.
2,
Urk.
7/5 S. 1); in der Arbeitgeberbescheinigung
nannte
sie
zudem
den
Grund für die Beendigung
, nämlich
eine wirtschaftlich unbefriedi
gende Situation
(
Urk.
7/5 S. 1). Die weiteren Akten, die nach der Antragsstellung hinzugekommen sind, zeigen indessen, dass die Geschäftsaufgabe keine definitive war. So gab die Beschwerdeführerin
Ende Januar 2018
im Formular "Angaben der versicherten Person" an, in Monat
Januar 2018
die selbständige Erwerbstätigkeit noch ausgeübt zu haben und nunmehr ab dem
1.
Februar 2018 eine 60%-S
telle zu suchen (
Urk
7/7 S. 2). Im Fragebogen, den ihr das AWA unterbreitete und
den sie ebenfalls am 3
0.
Januar 2018 ausfüllte
, erwähnte sie aber keine Geschäftsaufgabe, sondern erklärte durch
Ankreuzen
zwar ihre Bereitschaft, die selbständige Erwerbstätigkeit zugunsten einer Arbeitnehmertätigkeit aufzugeben, bejahte jedoch die Frage, ob ihre selbständige Erwerbstätigkeit auf Dauer ausgerichtet sei (
Urk.
7/8 S. 1).
Auch aus dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin in
den Formularen
für die Monate Februar und März 2018 die Frage nach der Ausübung einer selbständigen Erwerbstätigkeit
nunmehr verneinte
(
Urk.
7/13 S.
2, Urk. 7/17
S. 2),
ist nicht auf
eine Geschäftsaufgabe
definitiven Charakters zu schliessen
. Denn
in der Beschwerdeschrift hielt die Beschwerdeführerin unter Berufu
ng auf die Bestätigungen der Ausgleic
hskasse vom 1
4.
Juni 2017 (Urk.
7/18/1+2)
in der Gegenwartsform
fest, sie übe
d
ie selbständige Tätigkeit
noch
aus und bezahle Sozialabgaben (
Urk.
1). Damit
stimmt auch überein, dass die
H
ompage
"
www.
z._
.ch
",
auf die im
Firmenstempel auf der Arbeitgeberbescheinigung
verwiesen wird
(
Urk.
7/5 S. 2),
immer noch aktiv ist (Abrufdatum des
31. August
2018) und
sich
dort kein Hinweis auf eine Geschäfts
aufgabe
findet
.
Damit ist eine Verlängerung der Rahmenfrist für die Beitragszeit nicht möglich.
2.3
Die Beschwerdegegnerin ist demnach zu Recht zur Beurteilung gelangt, dass die Beschwerdeführerin für einen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 1
2.
Januar 2018 oder später die Beitragszeit nicht erfüllt hat.
Zeiten, die im Sinne von
Art.
13
Abs.
2 AVIG den Zeiten einer beitragspflichtigen Beschäftigung gleichkommen, stehen nicht zur Diskussion. Ebenso
fehlen Hinweise auf
einen Be
fre
i
ungsgrund nach
Art.
14 AVIG
; die Beschwerdeführerin verneinte im Antrag auf Arbeitslosenentschädigung sämtliche Fragen in diesem Zusammenhang (
Urk.
7/4 S. 3 f.).
Damit ist die Beschwerde abzuweisen.