Decision ID: 61f3b166-fa1c-5a8e-be8b-354d342173b1
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein Tamile mit letztem Aufenthalt in B._
(Nordprovinz), verliess sein Heimatland eigenen Angaben gemäss am
15. Juni 2015 und hielt sich anschliessend in C._ und D._
auf. Von C._ aus reiste er am 14. März 2018 nach Italien; er ge-
langte am 9. April 2018 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nach-
suchte.
A.b Das SEM führte mit dem Beschwerdeführer am 18. April 2018 die Be-
fragung zur Person (BzP) durch. Er erklärte, er sei im Februar/März 2013
von der sri-lankischen Armee festgenommen und in ein Camp (...) des CID
(Criminal Investigation Department) gebracht worden, wo er bis Ende 2014
festgehalten worden sei; insgesamt sei er in vier Camps gewesen. Dort sei
er befragt und misshandelt worden, manchmal habe man ihn auch aufge-
fordert, Leute zu identifizieren, die ihm vorgeführt worden seien. Wenn die
Soldaten betrunken gewesen seien, sei er zu sexuellen Zwecken miss-
braucht worden. Seine Mutter habe sich 2013 an die Menschenrechtskom-
mission gewandt, deren Mitglieder ihn aber nicht hätten besuchen dürfen.
Einem Pfarrer sei es gelungen, seine Freilassung zu erwirken. Während
der Zeit des Waffenstillstandes habe sein Bruder E._ mit Mitglie-
dern der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) verkehrt, die von Vanni
gekommen seien. Diese hätten ihm (dem Beschwerdeführer) Waffen zur
Aufbewahrung gegeben. Als im Jahr 2005 der Krieg erneut ausgebrochen
sei, seien die LTTE-Leute und sein Bruder ins Vanni-Gebiet entkommen.
Da er immer noch die Waffen gehabt habe, seien die Militärs zu ihm ge-
kommen und hätten ihn gefoltert. Nach seiner Freilassung im September
2014 habe er sich eine Woche lang zu Hause aufgehalten. Eines nachts
seien vier Personen gekommen, um die Waffen (drei Pistolen und eine
Granate) abzuholen. Danach habe er sich in der Pfarrei aufgehalten und
sei nicht mehr nach Hause zurückgekehrt. Weil er die Waffen bei sich auf-
bewahrt habe, sei über den CID in Colombo ein Verfahren gegen ihn eröff-
net worden; er hätte sich beim Gericht von F._ melden müssen;
seine Eltern hätten ihm erklärt, sie hätten Ende 2017 vom Gericht eine Vor-
ladung für ihn erhalten. In den Jahren 2005 und 2006 sei er wegen Unter-
suchungen je zwei Tage in einem Camp festgehalten worden. Seit Ende
Mai 2005 habe er jedes Monatsende zwecks Leistung einer Unterschrift
zum Camp von G._ gehen müssen. Zudem habe er mit der EDPD
(Eelam People’s Democratic Party) Probleme gehabt, da diese Leute ille-
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gal Alkohol gebrannt hätten. Zusammen mit Freunden habe er gegen de-
ren Aktivitäten protestiert und im Jahr 2002 deren Apparaturen zerstört. Ein
Junge, der dabei gewesen sei, sei an jenem Tag getötet worden. Die Leute
der EDPD hätten ihn wegen des Umstands, dass er Waffen versteckt ge-
habt habe, bei den Militärs denunziert. Nach gesundheitlichen Problemen
gefragt, gab der Beschwerdeführer an, er habe wegen der erlittenen Folter
seit Ende 2016 vor allem nachts starke Schmerzen in der Brust und am
Arm und etwa einmal wöchentlich Atembeschwerden.
A.c Der Beschwerdeführer reichte beim SEM am 2. Mai 2018 einen Haft-
befehl, ein Schreiben eines Pfarrers vom 26. April 2018 und eine Bestäti-
gung der Human Rights Commission of Sri Lanka (HRC) vom 4. April 2018
ein.
A.d Am 5. August 2019 hörte das SEM den Beschwerdeführer einlässlich
zu seinen Asylgründen an. Er machte im Wesentlichen geltend, die Behör-
den hätten von seinen in Sri Lanka verbliebenen Angehörigen wissen wol-
len, wo er sich aufhalte. Seitdem die Sache an das Gericht überwiesen
worden sei, würden sie in Ruhe gelassen. Er sei in H._ aufgewach-
sen und habe nach Abschluss der Schule als (...) und (...) gearbeitet. We-
gen seines Bruders E._ sei er mit der Bewegung in Kontakt gekom-
men. Sein Bruder habe sich im Vanni-Gebiet aufgehalten und sei im Jahr
2003 mit zwei Kollegen zurück nach Hause gekommen, nachdem die
Strasse geöffnet worden sei. Die Kollegen seines Bruders hätten ihm (dem
Beschwerdeführer) gesagt, falls er drei Pistolen und drei Handgranaten für
sie aufbewahre, würden sie seinen Bruder freilassen. Sein Bruder sei im
Vanni-Gebiet, wo er bei einer Tante gelebt habe, (möglicherweise 1999)
zwangsrekrutiert worden. Obwohl er die Waffen entgegengenommen
habe, hätten sie seinen Bruder noch am selben Tag wieder mitgenommen.
Er habe die Waffen in einem Waldstück versteckt. Im Jahr 2007 habe es
Wahlen gegeben und sein Kollege I._, der gewusst habe, dass er
eine Pistole habe und wo sich diese befinde, habe diese geholt und einen
Sympathisanten der EDPD namens J._ bedroht. Sein Kollege sei
einige Tage später (im März 2007) getötet worden. Ein anderer Kollege
namens K._, der dabei gewesen sei, als I._ erschossen
worden sei, sei 2008/2009 nach Deutschland geflohen. Als er (der Be-
schwerdeführer) am 20. oder 25. März 2013 nach Hause gegangen sei, sei
er von der Armee festgenommen worden; er glaube, der EDPD-Mann habe
ihn verraten. Man habe ihn ins G._-Camp gebracht, wo er befragt
worden sei. Man habe ihn gefragt, wo K._ und die Waffen seien. Er
habe den Waffenbesitz bestritten und sei monatelang festgehalten worden.
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Während dieser Zeit sei er geschlagen und sexuell misshandelt worden.
Man habe ihn nach L._, M._ und F._ (...) mitgenom-
men, wo er Personen hätte identifizieren sollen. Die Befrager hätten ihm
manchmal gesagt, sie hätten einen Kollegen von ihm festgenommen, der
alles gestanden habe, und falls er auch die Wahrheit sage, werde er frei-
gelassen. In der Zeit vor seiner Freilassung sei er besser behandelt worden
und man habe ihm mitgeteilt, dass er gegen Bezahlung freigelassen werde.
Man habe auch kontrolliert, ob er Verletzungen oder Narben habe. Am
20. September 2014 sei er freigelassen worden, nachdem Pfarrer
N._ Geld bezahlt habe; die Soldaten hätten ihm geraten, er solle
sich in Sicherheit bringen, da er erneut festgenommen werden könnte. Man
habe ihn am Abend zu einem Tempel gefahren und ihm gesagt, er könne
gehen. Am Tag nach der Freilassung sei eine Person gekommen, die ihm
einen vereinbarten Code genannt habe, worauf er ihr die Waffen ausge-
händigt habe. Gleichentags beziehungsweise zwei oder drei Tage später
habe ihn Pfarrer O._ abgeholt und nach P._ gebracht. Der
Pfarrer habe seine Ausreise organisiert.
A.e Das SEM unterzog den vom Beschwerdeführer eingereichten Haftbe-
fehl am 4. Dezember 2019 einer internen Dokumentenprüfung.
A.f Mit Schreiben vom 6. Dezember 2019 teilte das SEM dem Beschwer-
deführer mit, dass es den Haftbefehl einer Prüfung unterzogen habe. Zu
den offengelegten Gründen für seine Einschätzung, dass es sich um ein
gefälschtes Dokument handle, gewährte es ihm das rechtliche Gehör.
A.g Der Beschwerdeführer übermittelte dem SEM am 12. Dezember 2019
seine Stellungnahme.
B.
Mit Verfügung vom 14. Februar 2020 – eröffnet am 17. Februar 2020 –
stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Zugleich verfügte es seine
Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung
an.
C.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 18. März 2020 erhob der Be-
schwerdeführer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde. In dieser wird beantragt, die Verfügung des SEM sei aufzu-
heben, und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit,
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allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und
ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hin-
sicht wird beantragt, dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Pro-
zessführung zu gewähren; insbesondere sei von der Erhebung eines Kos-
tenvorschusses abzusehen. Seine Rechtsvertreterin sei als amtliche
Rechtsbeiständin beizuordnen. Es sei festzustellen, dass die Beschwerde
aufschiebende Wirkung habe und dass das rechtliche Gehör verletzt wor-
den sei. Der Eingabe lagen ein Auszug aus dem Todesregister, eine Post
Mortem Examination, ein Post Mortem Report, ein Bericht zu Sri Lanka
vom Januar 2020 und eine Kostennote bei.
D.
Der Instruktionsrichter hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VvWG mit Zwischenverfügung
vom 27. März 2020 gut, unter der Voraussetzung, dass eine Fürsorgebe-
stätigung nachgereicht werde. Ansonsten habe der Beschwerdeführer bis
zum 20. April 2020 einen Kostenvorschuss von Fr. 750.– zu leisten. Werde
weder eine Fürsorgebestätigung eingereicht noch der Kostenvorschuss
geleistet, werde auf die Beschwerde nicht eingetreten. Über das Gesuch
um amtliche Verbeiständung werde zu einem späteren Zeitpunkt befunden.
Zur Nachreichung angekündigter Dokumente setzte er dem Beschwerde-
führer Frist bis zum 30. April 2020.
E.
Der erhobene Kostenvorschuss wurde am 14. April 2020 eingezahlt.
F.
Nachdem ein Gesuch um Fristverlängerung vom 29. April 2020 gutgeheis-
sen wurde, liess der Beschwerdeführer am 29. Mai 2020 ein Schreiben des
sri-lankischen Rechtsanwalts Q._ vom 26. Mai 2020 und eine Be-
stätigung des (...) H._ vom 20. Mai 2020 einreichen.
G.
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Akten des Bruders des Beschwer-
deführers, E._ (N [...]), beigezogen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Nachdem der Kosten-
vorschuss innert angesetzter Frist eingezahlt wurde, ist auf die frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) einzutreten.
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel
verzichtet.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Das SEM führt zur Begründung seines Entscheides aus, der vom Be-
schwerdeführer eingereichte Haftbefehl habe sich als Fälschung heraus-
gestellt. Das Dokument sei im Original eingereicht worden, was gemäss
der sri-lankischen Gesetzgebung nicht möglich sei. Auf dem Dokument sei
eine Aktennummer festgehalten, die nicht den Regeln entspreche, und es
werde ein Haftgrund genannt, der nicht mit dem ausgestellten Dokument
in Übereinstimmung stehe. Im Rahmen des gewährten rechtlichen Gehörs
habe er den Ausführungen des SEM nichts Überzeugendes entgegnet.
Demnach sei das Verfolgungsrisiko, das er aus diesem Dokument ableite,
unbegründet. Es sei unwahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer in ein
Gerichtsverfahren involviert (gewesen) sei, zumal er 2014 freigelassen
worden sei. Es gebe keine Hinweise dafür, dass die Freilassung an Bedin-
gungen geknüpft gewesen sei und dass er zurzeit von den heimatlichen
Behörden gesucht werde. Das Schreiben der HCR könne nicht authentisch
sein, da es sich auf den gefälschten Haftbefehl beziehe. Solche Schreiben
würden auf Verlangen der interessierten Personen aufgrund deren Aussa-
gen ausgestellt. Auch dem Schreiben des Pfarrers könne kein Beweiswert
beigemessen werden, da es gefälligkeitshalber ausgestellt worden sei.
Der Beschwerdeführer habe erst bei der Anhörung angegeben, dass zwei
seiner Kollegen vom Waffenversteck Kenntnis gehabt hätten. Bei der BzP
habe er nicht ansatzweise darauf hingewiesen, obwohl es ein wesentliches
Element seiner Asylvorbringen sei. Das Vorbringen, zwei Personen hätten
vom Waffenversteck gewusst und eine davon habe eine Waffe benutzt, um
jemanden zu bedrohen, sei unglaubhaft.
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Es bestehe kein Zweifel daran, dass der Beschwerdeführer in Haft eine
schwere Zeit gehabt habe. Das SEM gehe davon aus, dass die Verfol-
gungsmassnahmen, denen er ausgesetzt gewesen sei, durch seine Frei-
lassung abgeschlossen gewesen seien und keine Hinweise auf eine zu-
künftige Verfolgung bestünden. Seine Freilassung sei an keine Bedingun-
gen geknüpft gewesen und die geltend gemachte, drohende Verfolgung
habe sich als unglaubhaft erwiesen. Der Umstand, dass der Pfarrer eine
nicht genannte Summe für seine Freilassung bezahlt habe, ändere daran
nichts, da Korruption in Sri Lanka weit verbreitet sei. Hätten die Behörden
noch einen Verdacht gegen ihn gehabt, hätten sie ihn nicht auf diese Weise
freigelassen. Den Aussagen des Beschwerdeführers sei zu entnehmen,
dass das Ansinnen der Behörden, von ihm den Ort eines Waffenverstecks
zu erfahren, mit der Zeit nicht mehr im Vordergrund gestanden habe bezie-
hungsweise nicht mehr vorhanden gewesen sei, sei er doch als Kopfnicker
eingesetzt worden. Diese Aufgabe habe ihn in eine andere Position ge-
bracht, sei doch davon auszugehen, die Behörden hätten ein gewisses
Vertrauen in ihn gehabt. Die Festnahme und die dabei erlittenen Misshand-
lungen seien demnach nicht mehr asylrelevant.
Die Teilnahme des Beschwerdeführers an gegen eine Alkoholfabrik gerich-
teten Aktionen im Jahr 2002 begründe im heutigen Zeitpunkt keine begrün-
dete Furcht vor künftiger Verfolgung. Das Ereignis sei somit als abge-
schlossen zu erachten.
Nach Sri Lanka zurückkehrende Personen würden einem «background
check» unterzogen. Diese Abklärungen und die Eröffnung eines Verfah-
rens wegen illegaler Ausreise erreichten keine asylrelevante Intensität.
Auch allfällige Überwachungsmassnahmen am Herkunftsort seien asyl-
rechtlich nicht relevant.
Der Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft gemacht, vor seiner Ausreise
asylrechtlich relevanten Massnahmen ausgesetzt gewesen zu sein. Er
habe bis im Juni 2015 in seinem Heimatland gelebt, weshalb bestehende
Risikofaktoren bis dahin zu keinen behördlichen Massnahmen geführt hät-
ten. Auch die Präsidentenwahlen vom November 2019 änderten nichts an
dieser Einschätzung. Die Beiziehung der Akten des Bruders des Be-
schwerdeführers führe nicht zu einer anderen Würdigung des Sachver-
halts.
4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Familie des Beschwer-
deführers habe seit dem Jahr 2000 Probleme mit J._, der Mitglied
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der EDPD gewesen sei. Während des Bürgerkriegs habe diese paramilitä-
rische Gruppe eine militärische Funktion gehabt, heute agiere sie vermehrt
wie eine kriminelle Bande. Die EDPD sei auf der Suche nach neuen Mit-
gliedern, die allenfalls auch zwangsrekrutiert würden. Sie begehe in gros-
sem Stil Menschenrechtsverletzungen, wozu es viele dokumentierte Fälle
gebe. J._ habe die Familie beim Militär angeschwärzt, da er sie ver-
dächtigt habe, mit den LTTE unter einer Decke zu stecken. Der Beschwer-
deführer sei im Mai 2003 von Unbekannten bei einer Kirche abgefangen
und nach dem Aufenthalt seines Bruders gefragt worden. Die Männer hät-
ten ihm unterstellt, bei den LTTE zu sein. Es sei ihm eine monatliche Un-
terschriftspflicht auferlegt worden. 2007 habe I._ den Beschwerde-
führer überrascht, als er das Waffenversteck auf Spuren untersucht habe.
Sein Freund habe eine Waffe ausgegraben und habe mit dieser zusammen
mit K._ R._ bedroht. Er habe die Waffe danach wieder ver-
graben und dem Beschwerdeführer erzählt, was er damit gemacht habe.
Wenige Tage später sei I._ erschossen worden, K._ sei un-
tergetaucht und nach Deutschland geflohen. Kurz darauf habe R._
dem Beschwerdeführer gedroht, es werde ihm das Gleiche wie I._
widerfahren, falls er nicht aufpasse. Es sei anzunehmen, dass R._
die Armee über das Vorgefallene informiert und die Vermutung geäussert
habe, der Beschwerdeführer stecke mit I._ und K._ unter
einer Decke. Ende März 2013 sei der Beschwerdeführer von drei Unifor-
mierten überrascht und festgenommen worden; sie hätten ihn ins
G._-Armeecamp gebracht. Er sei in einem Haus in einer Zelle un-
tergebracht und 17 Monate lang festgehalten worden. Im Camp sei er zu-
erst nach K._ und zu den Waffen befragt worden. Der Beschwerde-
führer sei misshandelt worden und habe deshalb eine Zeit lang nicht gehen
können. Bei den Befragungen sei teilweise auch J._ zugegen ge-
wesen, der ihm angeboten habe, er werde freigelassen, falls er kooperiere.
Er sei anderen Verhafteten gegenüberstellt worden und die Militärs hätten
gesagt, diese Personen hätten ihn verraten. Der Beschwerdeführer sei re-
gelmässig sexuell missbraucht worden. Die Soldaten hätten gedroht, ihn
zu töten, falls er höheren Offizieren davon erzähle. Seine Familie habe sich
an die Menschenrechtskommission in F._ gewandt, um sich gegen
die willkürliche Inhaftierung zur Wehr zu setzen. Gegen Ende der Haft hät-
ten die Befragungen und Schläge abgenommen und man habe ihm gesagt,
er werde bald freigelassen werden. Man habe ihm aber gesagt, man sei
nicht dafür verantwortlich, was ihm nach der Freilassung widerfahren
werde. Er sei angehalten worden, niemandem etwas über seinen Aufent-
halt im Camp zu sagen. Nach seiner Ausreise sei er bei seiner Familie ge-
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sucht worden, weshalb ihm diese von einer Rückkehr nach Sri Lanka ab-
geraten habe. Es sei ein Gerichtsverfahren gegen ihn eröffnet worden und
er hätte vor Gericht erscheinen müssen. Er versuche, Originalauszüge aus
den Gerichtsakten zu erhalten und diese nachzureichen. Die Familie habe
berichtet, dass auch der Dorfvorsteher verpflichtet worden sei, die Behör-
den zu informieren, falls der Beschwerdeführer auftauche. Seine Familie
stehe immer noch unter Überwachung und er getraue sich nicht, mit seinen
Angehörigen telefonisch frei zu sprechen. Als seine Angehörigen im Januar
2020 nach Indien gereist seien, seien sie vom CID gefragt worden, wo er
sich befinde. Man habe seinen Angehörigen gesagt, eine nächste Ausland-
reise müssten sie bei der Polizeistation vorgängig anmelden. R._
sei nun Mitglied des Gemeinderats von H._, womit er an Macht und
Einfluss gewonnen habe. Der Beschwerdeführer habe am Bein sichtbare
Narben, die von den Folterungen herrührten. Es gehe ihm psychisch nicht
gut, aber er habe sich bisher nicht in Therapie begeben können. Er versu-
che, nicht an die traumatischen Erlebnisse zurückzudenken. Falle er trotz-
dem in diese Gedankenspirale komme, könne er kaum atmen. Er wünsche,
diesbezüglich eine Therapie zu beginnen, angesichts des Corona-Virus sei
aber mit Verzögerungen zu rechnen. Man bitte um Geduld, bis ein Bericht
zur psychischen Verfassung des Beschwerdeführers eingereicht werden
könne.
Hinsichtlich der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers sei
festzuhalten, dass es nicht legitim sei, widersprüchliche Angaben zwischen
der BzP und der Anhörung derart stark zu gewichten wie es das SEM vor-
liegend getan habe. Dies lasse sich sowohl der Praxis des Bundesverwal-
tungsgerichts als auch derjenigen des Europäischen Gerichtshofs für Men-
schenrechte (EGMR) entnehmen. Der Beschwerdeführer sei 2014 nur
dank Bestechung eines Beamten freigekommen. Er habe damit rechnen
müssen, zu einem späteren Zeitpunkt wieder Probleme wegen des Waf-
fenverstecks zu erhalten. Dies sei durch die Eröffnung des Verfahrens
dann auch geschehen; es sei von den nicht bestochenen Behörden einge-
leitet worden. Es werde ihm vorgehalten, er habe in der Anhörung gesagt,
es sei ein weiterer Freund anwesend gewesen, als er I._ die Waffe
übergeben habe. Er habe davon gesprochen, dass bei der Bedrohung von
R._ ein weiterer Freund namens K._ zugegen gewesen sei.
Zudem bestehe ein Missverständnis hinsichtlich der Annahme, er sei al-
leine als Kopfnicker eingesetzt worden. Er sei nicht so sehr zum Identifizie-
ren anderer Verhafteter eingesetzt worden, vielmehr sei es darum gegan-
gen, Druck auf ihn auszuüben, um ihn zum Reden zu bringen. Der Einsatz
als Kopfnicker wäre unlogisch gewesen, da er nicht bei den LTTE gewesen
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Seite 11
sei. Die kurze Herleitung der fehlenden Glaubhaftmachung durch das SEM
scheine nicht überzeugend, da es an Details und einer vertieften Auseinan-
dersetzung mit seinen Aussagen mangle. Den Erzählungen des Beschwer-
deführers seien viele Realkennzeichen zu entnehmen, die in einer erfun-
denen Geschichte fehlen würden. Der Beschwerdeführer habe die ge-
samte Verfolgungssituation glaubhaft machen können.
Das SEM habe bei der Würdigung des Sachverhalts die Rechtsprechung
bezüglich Risikofaktoren, aus denen auf eine künftige Verfolgung ge-
schlossen werden könne, nicht beachtet, obwohl es von erlebter Inhaftie-
rung und Folter gesprochen habe. Der Beschwerdeführer sei bereits Opfer
von Verfolgung geworden und es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass er
es nicht wieder werde. Die Behörden hätten nach seiner Ausreise immer
noch nach ihm gesucht und es sei ein Verfahren gegen ihn eröffnet worden.
Personen, die unter Verdacht stünden, mit den LTTE in Verbindung zu ste-
hen oder gestanden zu haben, unterlägen einer erhöhten Verfolgungsge-
fahr. Auch die Verwandtschaft mit einem LTTE-Mitglied, frühere Inhaftie-
rungen, das Fehlen erforderlicher Identitätspapiere bei der Rückkehr, eine
Asylgesuchstellung im Ausland sowie Narben am Körper gälten als Risiko-
faktoren. Die sri-lankische Regierung sei noch immer besorgt, die LTTE
könnte wiederaufleben und erstarken. Gefährdet seien bei einer Rückkehr
Personen, die aus Sicht der Regierung bestrebt seien, den ethnischen
Konflikt im Land wieder aufflammen zu lassen.
Der Beschwerdeführer sei bereits inhaftiert und es sei gegen ihn ein Ver-
fahren eröffnet worden. Der unterstellte Bezug zu Waffenverstecken führe
auch zum Verdacht, er sei am Wiederaufbau der LTTE beteiligt. Den Be-
hörden sei bekannt, dass sein Bruder den LTTE gedient habe. Aufgrund
der vorhandenen Narben, könne er als Folteropfer identifiziert werden. Es
lägen ausreichende Fakten vor, dass ihm künftig asylrelevante Verfolgung
drohe. Diese Annahme werde durch den Regierungswechsel und die damit
einhergehende Zunahme der Repression bestätigt. Der gewählte Präsi-
dent gelte als Verantwortlicher der brutalen Zerschlagung der LTTE, bei der
viele zivile Opfer in Kauf genommen worden seien. Die allgemeine Lage
werde sich für die Angehörigen ethnischer Minderheiten verschlechtern.
Die Verfolgung des Beschwerdeführers sei gezielt gegen ihn gerichtet und
kausal für seine Flucht gewesen. Sie fusse auf seiner ethnischen Zugehö-
rigkeit und seiner politischen Gesinnung. Es könne von einem fehlenden
Schutzwillen des sri-lankischen Staats ausgegangen werden.
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Seite 12
5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-
scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar
2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.).
5.2
5.2.1 Bei der Anhörung gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, sein Bru-
der E._ sei zusammen mit einer Tante ins Vanni-Gebiet gegangen,
da diese sozusagen alleine gewesen sei. Die Tante habe irgendwann (viel-
leicht 1999) einen Brief geschrieben, dass E._ von den LTTE mit-
genommen worden sei (vgl. SEM-act. A18/20 S. 9). Bei der BzP erklärte
er, während der Zeit des Waffenstillstands zwischen den sri-lankischen Si-
cherheitskräften und den LTTE (ab 2003) habe sein Bruder E._ mit
LTTE-Mitgliedern verkehrt, die vom Vanni-Gebiet gekommen seien. Die
LTTE hätten ihm (dem Beschwerdeführer) Waffen zur Aufbewahrung ge-
geben. 2005 habe der Krieg wieder begonnen und sein Bruder und andere
Personen seien ins Vanni-Gebiet entkommen (vgl. SEM-act. A6/13 S. 7).
Im Rahmen der Anhörung sagte er, er habe wegen seines Bruders mit den
LTTE Kontakt gehabt. Dieser sei mit zwei Kollegen aus der politischen Ein-
heit zurückgekommen, als die Strasse aus dem Vanni-Gebiet geöffnet wor-
den sei; die beiden hätten ihn (den Beschwerdeführer) unter Druck gesetzt,
damit er für sie die Waffen aufbewahre, und versprochen, sie liessen sei-
nen Bruder frei, falls er in die Waffenaufbewahrung einwillige. Obwohl er
schliesslich eingewilligt habe, hätten die beiden seinen Bruder, den er nur
kurz gesehen habe, wieder mitgenommen (vgl. SEM-act. A18/20 S. 5 f.
und S. 9).
5.2.2 Den Ausführungen bei der BzP gemäss hätte sich der Bruder des
Beschwerdeführers mit anderen LTTE-Angehörigen zwischen den Jahren
2003 und 2005 unbehelligt in seiner Heimatregion bewegt. Während der
Anhörung gab der Beschwerdeführer indessen an, er habe seinen Bruder
nur einmal kurz gesehen, als er mit zwei LTTE-Mitgliedern zum elterlichen
Haus gekommen sei. Diese Schilderungen weichen erheblich voneinander
ab.
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Seite 13
5.3
5.3.1 Aus den beigezogenen Akten des Bruders des Beschwerdeführers
(N [...]) ergibt sich, dass dieser bezüglich seines Aufenthalts in seinem Hei-
matdorf während des Friedensprozesses und seiner Verbindungen zu den
LTTE andere Angaben machte als der Beschwerdeführer.
5.3.2 E._ gab an, er habe bis im Jahr 1995 in H._ gelebt,
danach sei er wegen der Auseinandersetzungen zwischen der sri-lanki-
schen Armee und den LTTE bis im Jahr 2003 ins Vanni-Gebiet gegangen,
wo er bei seiner Tante und deren Tochter gewohnt habe. 2003 sei er zu-
sammen mit seiner Tante und deren Tochter nach H._ zurückge-
kehrt, wo er bis 2005 geblieben sei. Es sei ein Friedensprozess im Gang
gewesen und er habe seine Familie wiedersehen wollen. Anschliessend
sei er auf Anraten seiner Familie ins Vanni-Gebiet zurückgekehrt, wo er bis
im Jahr 2008 in der (...) eines Kollegen gearbeitet habe. Er habe (2005 –
2008) die (...) von LTTE-Mitgliedern repariert und manchmal LTTE-Leute
(...). 2008 habe die LTTE Zwangsrekrutierungen vorgenommen und ein
Kollege, der bei den LTTE gewesen sei, habe ihm zur Flucht verholfen (vgl.
SEM-act. A8/11 S. 1 ff. und A16/13 S. 3 f. und S. 7 [N {...}]).
5.4 Aus den Akten des Bruders des Beschwerdeführers ergibt sich nicht,
dass dieser vor dem Jahr 2005 Kontakte zu den LTTE hatte. Er machte
nicht geltend, im Jahr 1999 oder in einem anderen Jahr vor seiner Rück-
kehr nach H._ im Jahr 2003 von den LTTE «mitgenommen» worden
zu sein; vielmehr gab er an, die LTTE hätten ab Ende 2007 erfolglos ver-
sucht, ihn zu rekrutieren. Die Angaben des Beschwerdeführers zur Rück-
kehr von E._ aus dem Vanni-Gebiet sind einerseits in sich wider-
sprüchlich, anderseits stimmen sie nicht mit den Aussagen des Letzteren
überein. E._ sagte nie aus, er habe im Jahr 2003 zusammen mit
zwei LTTE-Leuten bei seiner Familie vorgesprochen und bei diesen Waffen
zurückgelassen. Er machte auch nicht geltend, er sei 2005 zusammen mit
LTTE-Leuten ins Vanni-Gebiet entkommen, sondern, er sei auf Anraten sei-
ner Familie allein dorthin zurückgekehrt, nachdem einer seiner Kollegen
getötet worden sei. Die Aussagen der Brüder stehen somit in verschiede-
nen wesentlichen Punkten nicht miteinander in Einklang.
6.
6.1 Im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes hat die Behörde von Am-
tes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserhebli-
chen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwendigen Unter-
lagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzuklären und
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ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1;
KRAUSKOPF/EMMENEGGER/BABEY, in: Praxiskommentar zum Bundesge-
setz über das Verwaltungsverfahren, Waldmann/Weissenberger (Hrsg.)
2015, Art. 12 VwVG N 15 ff., KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfah-
ren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich 2013,
Rz. 1043 ff.)
6.2 Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung aus, es habe die
Asylakten des Bruders des Beschwerdeführers beigezogen, die jedoch zu
keiner anderen Würdigung des erhobenen Sachverhalts führen könnten.
Diesbezüglich wären indessen aufgrund der Akten N (...) weitere Abklärun-
gen notwendig gewesen. Die Angaben des anerkannten Flüchtlings
E._ stehen nämlich in wesentlichen Punkten im Widerspruch zu
denjenigen des Beschwerdeführers. E._ machte geltend, er habe
erst ab 2005 Hilfsdienste an die LTTE geleistet, was in offensichtlichem
Widerspruch zu den Angaben des Beschwerdeführers steht, E._
habe mit zwei LTTE-Leuten im Jahr 2003 Waffen bei ihm zurückgelassen.
Da der Beschwerdeführer die Probleme mit den sri-lankischen Sicherheits-
behörden, die ihn zur Ausreise bewogen hätten, zur Hauptsache mit den
angeblich bei ihm deponierten Waffen in Verbindung bringt, entstehen zu-
mindest Zweifel am vom Beschwerdeführer genannten Grund für seine 17-
monatige Inhaftierung, soll er doch während der Haftzeit praktisch aus-
schliesslich zum Waffenversteck und einem Kollegen namens K._
befragt worden sein, wobei K._ ebenfalls im Zusammenhang mit
den angeblich versteckten Waffen von Interesse für die Behörden gewesen
sein soll. Das Bundesverwaltungsgericht erachtet aufgrund vorstehender
Ausführungen den rechtserheblichen Sachverhalt als nicht erstellt, da für
den Entscheid wesentliche Sachverhaltselemente nicht ermittelt werden
konnten.
6.3 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an
die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-
stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-
ren ist (vgl. PHILIPPE WEISSENBERGER, ASTRID HIRZEL, Praxiskommentar
Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 61 VwVG, N 16 S. 1264).
Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar
auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies
im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie
muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2015/10 E. 7.1).
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6.4
6.4.1 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass das SEM auf-
grund eines nicht vollständig und damit nicht richtig festgestellten Sachver-
halts entschieden hat. Entweder haben der Beschwerdeführer oder sein
Bruder oder beide (teilweise) falsche Angaben zu den sie persönlich be-
treffenden Ereignissen in ihrem Heimatland gemacht, womit einer oder
beide durch eine Verletzung der Mitwirkungspflicht die unvollständige Fest-
stellung des Sachverhalts mitverschuldet haben. Bei gründlicher Durch-
sicht der vom SEM beigezogenen Akten N (...) wären die unter Erwägung
5 festgestellten Ungereimtheiten hinsichtlich wesentlicher Punkte der Vor-
bringen des Beschwerdeführers indessen aufgefallen, wonach sie ihm vom
SEM im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs hätten vorgehal-
ten werden müssen. Auch wenn der Bruder des Beschwerdeführers allen-
falls keine Vollmacht hinsichtlich der Bewilligung der Gewährung der Ein-
sicht in seine Akten erteilen sollte, könnte das SEM dem Beschwerdeführer
soweit Einsicht in dessen Akten gewähren, wie es zur Wahrung des recht-
lichen Gehörs notwendig sein wird (vgl. Urteile des BVGer
D-8014/2016 vom 2. Oktober 2017 E. 3.3 und E-5901/2016 31. Juli 2018
E. 3.13).
6.4.2 Unbesehen der Frage, wer in welchem Umfang unzutreffende Anga-
ben zum Sachverhalt machte, muss im Rahmen der Gewährung des recht-
lichen Gehörs beziehungsweise allenfalls einer ergänzenden Anhörung
des Beschwerdeführers abgeklärt werden, ob die geltend gemachte Inhaf-
tierung weiterhin als glaubhaft zu werten ist, und, sollte dies bejaht werden,
weshalb er inhaftiert wurde. Sollte sich nach Gewährung des rechtlichen
Gehörs beziehungsweise einer ergänzenden Anhörung des Beschwerde-
führers herausstellen, dass die geltend gemachte Inhaftierung als glaub-
haft gemacht zu beurteilen ist, hätte das SEM diesem Umstand bei der
Analyse des Risikoprofils des Beschwerdeführers im Fall dessen Rückkehr
nach Sri Lanka praxiskonform Rechnung zu tragen.
6.4.3 Die in der angefochtenen Verfügung vorgenommene Würdigung, es
sei dem Beschwerdeführer nicht gelungen, glaubhaft zu machen, dass er
vor seiner Ausreise asylrechtlich relevanter Verfolgung ausgesetzt gewe-
sen sei, erweist sich in Anbetracht dessen, dass das SEM die 17-monatige
Inhaftierung und die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Behand-
lung während derselben nicht als unglaubhaft wertete, jedenfalls als un-
haltbar. Selbst wenn das SEM davon ausginge, der Beschwerdeführer sei
im September 2014 auf ordentliche Weise freigelassen worden, was nicht
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seinen Aussagen entspricht, müsste eine zurückliegende Haft im Zusam-
menhang mit anderen, allenfalls vorliegenden Risikofaktoren bei der Ri-
siko-Beurteilung einer Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka
Rechnung getragen werden (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 E. 8.4 f.).
6.4.4 Sollte beim SEM der in Aussicht gestellte Bericht über die psychische
Verfassung des Beschwerdeführers eingereicht werden, wird es auch die-
sen zusammen mit den auf Beschwerdeebene eingereichten Eingaben
und Beweismittel im Rahmen der neuen Entscheidfindung zu prüfen ha-
ben. Da es nicht Aufgabe des Bundesverwaltungsgerichts sein kann, den
Sachverhalt auf Beschwerdeebene rechtsgenüglich zu erstellen und das
Asylgesuch aufgrund des zu vervollständigenden Sachverhalts direkt zu
prüfen, ist die angefochtene Verfügung vollumfänglich aufzuheben und die
Sache an das SEM zurückzuweisen.
6.4.5 Das Bundesverwaltungsgericht enthält sich aufgrund des vorstehend
Gesagten im heutigen Zeitpunkt ausdrücklich einer eingehenden Prüfung
der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers und einer Wür-
digung der eingereichten Beweismittel.
7.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insofern gutzuheissen, als die Sa-
che zur ergänzenden Feststellung des Sachverhalts und zu neuem Ent-
scheid an das SEM zurückzuweisen ist. Die angefochtene Verfügung ist
demnach aufzuheben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen
und zur erneuten Beurteilung im Sinne der Erwägungen an das SEM zu-
rückzuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 und 3 VwVG). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 750.–
ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
9.
9.1 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm
notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Das Gesuch,
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die Rechtsvertreterin sei dem Beschwerdeführer als Rechtsbeiständin bei-
zuordnen, erweist sich damit als gegenstandslos, weil eine öffentlichrecht-
liche Entschädigung eines amtlichen Rechtsbeistandes oder einer amtli-
chen Rechtsbeiständin lediglich subsidiär zum Tragen kommt.
9.2 Die Rechtsvertreterin weist in der Honorarnote, die sie mit der Stellung-
nahme vom 29. Mai 2020 einreichte, einen Aufwand von 16 Stunden und
50 Min. à Fr. 150.– sowie Dolmetscher-Kosten von Fr. 200.– und Baraus-
lagen von Fr. 14.– aus. Der veranschlagte Zeitaufwand erscheint auch in
Anbetracht der Mehrsprachigkeit des Dossiers als überhöht (das Bundes-
verwaltungsgericht geht von einem als angemessen zu erachtenden zeitli-
chen Aufwand von 12 Stunden aus), die Dolmetscherkosten und die Spe-
sen erscheinen angemessen. Die von der Vorinstanz auszurichtende Par-
teientschädigung ist demnach auf insgesamt Fr. 2014.– festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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