Decision ID: 2ab63024-f2d8-54a2-8d64-c7f6362c0b09
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis der Fahrzeugkategorien A1, B, D1, BE und D1E seit
8. Juli 1983. Am 4. Juli 2012 wurde er vom Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des
Kantons St. Gallen verwarnt, nachdem er am 25. April 2012 auf der Autostrasse bei
Montlingen die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h um 25 km/h
überschritten hatte.
B.- Am 8. Juli 2015 zeigte das Landespolizeikommando Vorarlberg der
Bezirkshauptmannschaft Dornbirn an, dass das Fahrzeug mit den Kontrollschildern
SG 000‘000 am 30. Juni 2015 um 12.28 Uhr auf der Lustenauer Strasse in Lustenau
(Österreich) die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h nach Abzug der
Messgerätetoleranz um 51 km/h überschritten habe. Nachdem sich die
Bezirkshauptmannschaft Dornbirn beim Strassenverkehrsamt St. Gallen nach dem
Halter des Fahrzeugs erkundigt hatte, verurteilte es X mit Strafverfügung vom
24. August 2015 wegen Überschreitens der zulässigen Höchstgeschwindigkeit zu einer
Geldstrafe von € 334.–. Am 5. Oktober 2015 sprach die Bezirkshauptmannschaft
Dornbirn gegenüber X zudem ein für Österreich gültiges Fahrverbot von zwei Wochen
aus. Sowohl die Strafverfügung vom 24. August 2015 als auch der
Aberkennungsbescheid der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn vom 5. Oktober 2015
erwuchsen unangefochten in Rechtskraft.
C.- Am 16. November 2015 eröffnete das Strassenverkehrsamt wegen der
Geschwindigkeitsüberschreitung vom 30. Juni 2015 ein
Administrativmassnahmeverfahren gegen X. Es teilte ihm mit, dass die in Österreich
begangene Geschwindigkeitsüberschreitung in der Schweiz eine schwere
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Verkehrsregelverletzung darstelle und deswegen auch hierzulande ein
Führerausweisentzug vorgesehen sei. Es stellte ihm einen Führerausweisentzug von
mindestens drei Monaten in Aussicht und gewährte ihm das rechtliche Gehör. Mit
Schreiben vom 23. November 2015 brachte X vor, dass nicht er, sondern sein Sohn am
30. Juni 2015 die Geschwindigkeitsüberschreitung in Österreich begangen habe. Er
habe nicht damit gerechnet, zusätzlich noch in der Schweiz belangt zu werden, und
geglaubt, dass sich die Angelegenheit mit dem zweiwöchigen Fahrverbot in Österreich
sowie dem Bezahlen der Geldstrafe erledigt hätte. Im von seinem Sohn
mitunterzeichneten Schreiben ersuchte er das Strassenverkehrsamt schliesslich, nicht
ihn, sondern seinen Sohn zu bestrafen. Das Strassenverkehrsamt gewährte X mit
Schreiben vom 17. Dezember 2015 eine Frist von zehn Tagen, um bei der zuständigen
ausländischen Behörde ein Wiedererwägungsgesuch einzureichen. Das daraufhin von
X eingereichte Wiedererwägungsgesuch wurde mit Bescheid der
Bezirkshauptmannschaft Dornbirn vom 13. Januar 2016 als verspätet eingebrachter
Einspruch zurückgewiesen.
D.- Mit Schreiben vom 28. Januar 2016 stellte X dem Strassenverkehrsamt den
ablehnenden Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn zu. Er reichte weitere
Unterlagen ein, wonach er am Nachmittag des 30. Juni 2015 an einer Weiterbildung in
Y teilgenommen habe und zum Zeitpunkt der Geschwindigkeitsüberschreitung
zusammen mit zwei weiteren Personen in einem anderen Fahrzeug auf dem Weg zum
Treffpunkt in Z gewesen sei. Am 3. März 2016 ersuchte das Strassenverkehrsamt die
Bezirkshauptmannschaft Dornbirn um Zustellung der Verfahrensakten. Mit Verfügung
vom 21. April 2016 entzog das Strassenverkehrsamt X den Führerausweis wegen
schwerer Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von
sechs Monaten.
E.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 2. Mai
2016 und Ergänzung vom 2. Juni 2016 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission.
Er beantragte, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei die angefochtene Verfügung
aufzuheben und von jeder Administrativmassnahme zu seinem Nachteil abzusehen.
Eventualiter sei die Angelegenheit zur Ergänzung des Sachverhalts und zu neuer
Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Schliesslich beantragte er die
Durchführung einer mündlichen Verhandlung. Zeitgleich mit dem Rekurs vom 2. Mai
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2016 stellte der Rechtsvertreter des Rekurrenten beim Strassenverkehrsamt ein
Wiedererwägungsgesuch, auf welches mit Verfügung vom 24. Mai 2016 nicht
eingetreten wurde. Das Strassenverkehrsamt verzichtete am 24. Juni 2016 auf eine
Vernehmlassung zum Rekurs.
Am 24. November 2016 fand die mündliche Verhandlung statt, an welcher X und sein
Rechtsvertreter teilnahmen (vgl. Verhandlungsprotokoll). Die Vorinstanz war auf ihr
Ersuchen hin vom Erscheinen dispensiert worden. Auf die Ausführungen des
Rekurrenten und die Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 2. Mai 2016 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt zusammen mit der Rekursergänzung vom 2. Juni 2016 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45,
47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- a) In tatsächlicher Hinsicht wurde in der Strafverfügung der
Bezirkshauptmannschaft Dornbirn vom 24. August 2015 gestützt auf eine digitale
Radarmessung (act. 8/10) festgestellt, der Rekurrent habe am 30. Juni 2015, um 12.28
Uhr, auf der Lustenauer Strasse L 204 in Lustenau die zulässige
Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h nach Abzug der Sicherheitsmarge um 51 km/h
überschritten. Die österreichische Strafbehörde verurteilte ihn deshalb zu einer Busse
von € 334.– (act. 8/12 f.). Am 5. Oktober 2015 aberkannte die Bezirkshauptmannschaft
Dornbirn dem Rekurrenten aufgrund der Geschwindigkeitsüberschreitung zudem
während zwei Wochen das Recht, den schweizerischen Führerausweis in Österreich zu
gebrauchen und ein Fahrzeug zu lenken (act. 8/6 f.). Die Strafverfügung und der
Aberkennungsbescheid wurden dem Rekurrenten zugestellt (act. 8/9 und 8/26). Sie
blieben unangefochten und erwuchsen in Rechtskraft.
bis
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b) Die Geschwindigkeitsüberschreitung als solche wird vom Rekurrenten nicht
bestritten. Er bringt jedoch vor, dass nicht er, sondern sein Sohn gefahren sei. Am
fraglichen Tag habe er an einem Ausflug in Y teilgenommen, was eine Vielzahl von
Personen bestätigen könnten. Zwei Personen könnten zusätzlich bezeugen, dass er ab
12.15 Uhr – und damit zum Zeitpunkt der Geschwindigkeitsüberschreitung – als
Mitfahrer in einem anderen Fahrzeug gesessen sei, welches zum Treffpunkt in Z
gefahren sei. Die Verkehrsregelverletzung in Österreich könne er daher gar nicht
begangen haben. Als Laie habe er nicht damit gerechnet und nicht wissen können,
dass eine Verkehrsregelverletzung im Ausland zu einem Führerausweisentzug im Inland
führen könne. Dazu sei die Geschwindigkeitsüberschreitung in Österreich als
eigentliche Bagatelle abgewickelt worden, weshalb er auch keinen Anlass gehabt habe,
zulasten seines Sohnes in Österreich zu intervenieren. Ein Rechtsmittel hätte
ausserdem Einvernahmen und Sachverhaltsabklärungen in einem Ausmass ausgelöst,
die durch Arbeitszeitverlust, Fahrkosten und dergleichen viel grössere Auswirkungen
gehabt hätten, als die Bezahlung der Busse und das Einhalten des vierzehntägigen
Fahrverbotes. Es sei in Österreich kein ordentliches Strafverfahren durchgeführt
worden und der österreichischen Strafverfügung liege auch kein Polizeibericht
zugrunde, sondern ausschliesslich ein Verzeigungsrapport gestützt auf ein digitales
Radarbild. Es habe keine unmittelbaren Wahrnehmungen von Polizeibeamten an Ort
und Stelle gegeben und es seien auch keine Aussagen von Beteiligten erhoben
worden. Die vom Bundesgericht statuierten Voraussetzungen für die Bindungswirkung
des Strafurteils für die Verwaltungsbehörde seien damit nicht erfüllt. Die Vorinstanz
habe weiter übersehen, dass sie an eine ausländische Strafverfügung nicht gebunden
sei. Als sie ihm mit Schreiben vom 16. November 2015 einen Ausweisentzug in
Aussicht gestellt habe, habe er umgehend reagiert und wie von ihm gefordert ein
Wiedererwägungsgesuch bei den österreichischen Behörden eingereicht. Nachdem auf
dieses nicht eingetreten worden sei, habe er der Vorinstanz sogleich weitere Beweise
eingereicht, die seine Unschuld belegen würden. Die Vorinstanz habe es pflichtwidrig
unterlassen, den Sachverhalt zu überprüfen und die Angelegenheit in Abweichung von
der österreichischen Strafverfügung von Grund auf neu zu beurteilen. Ihr Verhalten sei
inkonsequent gewesen. Dass das Strassenverkehrsamt einen nachgewiesenermassen
völlig unschuldigen Automobilisten sanktionieren wolle, sei absolut unverständlich und
verletze das Verbot des überspitzten Formalismus ganz offenkundig. Der Grundsatz
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der Gesetzmässigkeit der Verwaltung sei fundamental und vorliegend von der
Vorinstanz missachtet worden. Würde ihm tatsächlich – obwohl nachweislich ohne
jedes von ihm begangene Strassenverkehrsdelikt – der Führerausweis für sechs
Monate entzogen, so wäre er in seiner beruflichen Tätigkeit faktisch mit einem
Berufsverbot belegt. Ohne gültigen Führerausweis lasse sich seine berufliche Tätigkeit
nicht aufrecht erhalten (act. 12 und 21).
3.- a) Nach Strassenverkehrsdelikten befindet die Strafbehörde über die
strafrechtlichen Sanktionen (Freiheitsstrafe, Geldstrafe, Busse) und die
Verwaltungsbehörde in einem separaten Verfahren über Administrativmassnahmen
(insbesondere Führerausweisentzug, Verwarnung). Beiden Verfahren liegt der gleiche
Sachverhalt zugrunde, der im Strafverfahren festzustellen ist. Die im
Strassenverkehrsgesetz verankerte Parallelität von Straf- und Verwaltungsverfahren ist
zulässig und mit dem Grundsatz von ʺne bis in idemʺ (Verbot der doppelten Bestrafung)
vereinbar (BGE 137 I 363). Zwischen dem administrativen und dem strafrechtlichen
Verfahren liegt ein genügend enger inhaltlicher und zeitlicher Zusammenhang, um sie
als zwei Aspekte eines einheitlichen Systems zu betrachten. Der Entzug des
Führerausweises ist direkte Konsequenz der strafrechtlichen Verurteilung (Urteil des
Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte i.S. Rivard gegen die Schweiz,
NR. 21563/12 vom 4. Oktober 2016).
b) Nach der Rechtsprechung ist die Administrativbehörde grundsätzlich an die
tatsächlichen Feststellungen nicht nur der inländischen, sondern auch der
ausländischen Strafbehörde gebunden (Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons St.
Gallen B 2014/76 vom 30. Juni 2015 E. 2.2, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). Von
den tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil darf sie nur abweichen, wenn sie
Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zugrunde legt, die dem Strafrichter unbekannt
waren oder die er nicht berücksichtigt hat, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt, deren
Würdigung zu einem anderen Entscheid führt, wenn die Beweiswürdigung durch den
Strafrichter den feststehenden Tatsachen klar widerspricht oder wenn der Strafrichter
bei der Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt
hat, namentlich die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat (BGE 136 II
447 E. 3.1, 124 II 103 E. 1c; Urteil der Verwaltungsrekurskommission [VRKE]
IV-2012/126 vom 21. März 2013, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). Die
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Verwaltungsbehörde hat vor allem dann auf die Tatsachen im Strafurteil abzustellen,
wenn dieses im ordentlichen Verfahren mit öffentlicher Verhandlung unter Anhörung
von Parteien und Einvernahme von Zeugen ergangen ist (BGE 119 Ib 158 E. 3c). Die
Bindungswirkung an die Sachverhaltsdarstellung besteht aber auch dann, wenn die
Strafsache mit Bussenverfügung erledigt wurde, welche auf einen Polizeibericht
abstellt, der auf Wahrnehmungen der Polizeibeamten an Ort und Stelle beruht und sich
auf Aussagen von Beteiligten stützt, die unmittelbar nach dem Vorfall eingeholt wurden
und für den Führerausweisentzug massgebend sind. Dies gilt namentlich dann, wenn
der Betroffene weiss oder angesichts der Schwere der ihm vorgeworfenen Delikte
voraussehen musste, dass gegen ihn auch ein Verfahren wegen
Führerausweisentzuges eingeleitet wird. Nach dem Grundsatz von Treu und Glauben
muss der Betroffene allfällige Verteidigungsrechte und Beweisanträge im Strafverfahren
vorbringen und dort gegebenenfalls alle Rechtsmittel ausschöpfen (Urteil des
Bundesgerichts [BGer] 1C_266/2014 vom 17. Februar 2015 E. 2.1.2 und 1C_476/2014
vom 29. Mai 2015 E. 2.3 je mit Hinweisen). Selbständige Beweiserhebungen hat die
Verwaltungsbehörde nötigenfalls dann durchzuführen, wenn klare Anhaltspunkte für die
Unrichtigkeit der Tatsachenfeststellungen durch die Strafbehörde bestehen (vgl. BGer
1C_446/2011 vom 15. März 2012 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 136 II 447 E. 4.1).
c) Die Strafverfügung der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn vom 24. August 2015 (8/12
f.) stützt sich einzig auf die Anzeige des Landespolizeikommandos Vorarlberg vom
8. Juli 2015 (act. 8/10). Ein ordentliches Strafverfahren wurde nicht durchgeführt und es
wurden auch keine Parteien angehört oder Zeugen befragt. Der Anzeige des
Landespolizeikommandos Vorarlberg sind keine Wahrnehmungen von Polizisten an Ort
und Stelle oder sonstige Aussagen von Beteiligten zu entnehmen; es wird lediglich
angezeigt, dass mit einem technischen Messgerät eine
Geschwindigkeitsüberschreitung festgestellt worden sei (act. 8/10). Dies bedeutet
indessen nicht, dass nicht auf den im österreichischen Strafbescheid festgestellten
Sachverhalt abgestellt werden kann. Vielmehr gilt auch in diesem Fall der Grundsatz,
dass die Verwaltungsbehörde in der Regel an die tatsächlichen Feststellungen der
ausländischen Strafbehörden gebunden ist (vgl. E. 3 lit. a). Dass das in Österreich
durchgeführte Strafverfahren den rechtsstaatlichen Grundsätzen nicht genügt haben
soll, ist nicht ersichtlich und wird vom Rekurrenten auch nicht dargetan (vgl. BGer
1C_392/2013 vom 23. Januar 2014 E. 3.2). Ausserdem ist das österreichische
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Verfahren bei Geschwindigkeitsüberschreitungen mit demjenigen in der Schweiz
vergleichbar. Der Rekurrent wurde sowohl im Strafbescheid vom 24. August 2015 als
auch im Aberkennungsbescheid vom 5. Oktober 2015 auf seine Verteidigungsrechte
und allfällige Rechtsmittelmöglichkeiten aufmerksam gemacht (act. 8/6 f. und 8/12 f.).
Es standen ihm mithin dieselben Verfahrensrechte zu wie in der Schweiz. Der
Rekurrent hat die beiden Verfügungen unbestrittenermassen erhalten und zur Kenntnis
genommen. Von der Möglichkeit der Einsprache machte er jedoch keinen Gebrauch; er
liess die beiden Verfügungen unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Damit
akzeptierte er im Strafverfahren, dass er am 30. Juni 2015 die
Geschwindigkeitsüberschreitung in Österreich begangen hatte. Dass er sich aufgrund
der vergleichsweise geringen Busse von € 334.– und dem zweiwöchigen Fahrverbot für
Österreich nicht veranlasst sah, gegen die beiden Verfügungen der
Bezirkshauptmannschaft Dornbirn Einsprache zu erheben, erscheint zwar nicht
abwegig. Dies ändert indessen nichts daran, dass er seine im schweizerischen
Administrativmassnahmenverfahren vorgebrachten Einwände im österreichischen
Strafverfahren hätte vorbringen können und müssen. Dies gilt vorliegend umso mehr,
als der Rekurrent nach eigenen Aussagen bei Erhalt des österreichischen
Strafbescheids sofort wusste, dass er nicht gefahren ist (Verhandlungsprotokoll, S. 3),
und er beteuert, zur fraglichen Zeit in einem anderen Fahrzeug mitgefahren zu sein. Es
muss von ihm erwartet werden, dass er sich unter diesen Umständen gegen eine zu
Unrecht erfolgte Verurteilung verteidigt. Hinzu kommt, dass sein Sohn – der gemäss
Ausführungen des Rekurrenten die Geschwindigkeitsüberschreitung in Österreich
begangen hat – in der Schweiz wohl nicht mit denselben Konsequenzen wie der
Rekurrent hätte rechnen müssen (vgl. E. 5). Es handelt sich beim Vorbringen des
Rekurrenten um eine Rüge, die er ohne weiteres bereits im Zeitpunkt des
österreichischen Straf- und Massnahmeverfahrens hätte geltend machen müssen.
Indem er bewusst darauf verzichtete, seine Täterschaft zu bestreiten, hat er es zu
verantworten, dass die Behörde von der (angeblichen) Täterschaft seines Sohnes
nichts wusste. Es ist widersprüchlich, die strafrechtliche Verurteilung zu akzeptieren
und gegen deren tatsächlichen Grundlagen im anschliessenden Administrativverfahren
Einwände zu erheben (vgl. BGer 1C_266/2014 vom 17. Februar 2015 E. 2.1.4 mit
Hinweisen auf die Rechtsprechung). Dass das Strafverfahren in Österreich stattfand,
steht dem nicht entgegen, da dem im Grenzgebiet zu Österreich wohnhaften
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Rekurrenten zumutbar war, sich gegen die Entscheide der Bezirkshauptmannschaft
Dornbirn zur Wehr zu setzen (BGE 123 II 97 E. 3c/aa). Sodann kann der Rekurrent aus
seiner geltend gemachten Rechtsunkenntnis über allfällige Auswirkungen des
österreichischen Strafbescheids und Fahrverbotes auf den Entzug des
Führerausweises in der Schweiz nichts zu seinen Gunsten ableiten (BGer 1C_392/2013
vom 23. Januar 2014 E. 3.2). Angesichts der massiven
Geschwindigkeitsüberschreitung von 51 km/h konnte er nicht in guten Treuen davon
ausgehen, dass die in Österreich begangene Verkehrsregelverletzung mit straf- und
massnahmenrechtlichen Folgen in der Schweiz ohne Konsequenzen bleiben würde.
Abgesehen davon wohnt und arbeitet der Rekurrent im Rheintal. Aufgrund der
Grenznähe ist dort allgemein bekannt, dass massive
Geschwindigkeitsüberschreitungen in Österreich Administrativmassnahmen in der
Schweiz nach sich ziehen können. Selbst wenn er nicht in Grenznähe wohnen würde,
hätte insbesondere mit Blick auf das Ausmass der Geschwindigkeitsüberschreitung
von ihm erwartet werden müssen, dass er sich über die möglichen weiteren Folgen der
in Österreich begangenen Verkehrsregelverletzung informiert. Indem der Rekurrent im
österreichischen Strafverfahren die Täterschaft anerkannte, nahm er in Kauf, dass er in
der Schweiz zusätzlich administrativrechtlich belangt wird.
d) Vor diesem Hintergrund kann im vorliegenden Verfahren nicht mehr auf die
Sachverhaltsfeststellungen im rechtskräftigen österreichischen Strafbescheid
zurückgekommen werden. Der Rekurrent muss sich den Sachverhalt, wie er im
österreichischen Strafbescheid festgestellt wurde, entgegenhalten lassen.
Insbesondere kann er im Administrativmassnahmenverfahren nicht mehr an den
Grundfesten des Strafentscheids rütteln und seine Täterschaft bestreiten.
Entsprechend ist auf die beantragte Einvernahme verschiedener Zeugen zu verzichten.
e) Mit der Vorinstanz ist folglich davon auszugehen, dass der Rekurrent am Dienstag,
30. Juni 2015, in Lustenau (Österreich) die zulässige Geschwindigkeit von 100 km/h
nach Abzug der Sicherheitsmarge um 51 km/h überschritt.
4.- a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt:
SVG) wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen
das Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen
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ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen.
Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b
SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung
begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit
anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a
SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung
begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden Bestandteile einer schweren
Widerhandlung erfüllt sind (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487).
b) Nach einer Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im Ausland wird
der Führerausweis entzogen, wenn im Ausland ein Fahrverbot verfügt wurde und die
Widerhandlung nach den Art. 16b und Art. 16c SVG als mittelschwer oder schwer zu
qualifizieren ist (Art. 16c Abs. 1 SVG). Bei der Festlegung der Entzugsdauer sind die
Auswirkungen des ausländischen Fahrverbots auf die betroffene Person angemessen
zu berücksichtigen. Die Mindestentzugsdauer darf unterschritten werden. Bei
Personen, die im Administrativmassnahmen-Register gemäss Art. 104b SVG nicht
verzeichnet sind, darf die Entzugsdauer das am Begehungsort verfügte Fahrverbot
indessen nicht überschreiten (Art. 16c Abs. 2 SVG). Aus dem gesetzlichen Verweis
auf Art. 16b und Art. 16c SVG und dem Hinweis, dass die gesetzlichen Mindestdauern
unterschritten werden dürfen, ergibt sich, dass grundsätzlich die für Inlandtaten
geltenden Vorschriften anzuwenden sind, sofern sich aus Art. 16c SVG nichts
anderes ergibt (BGer 1C_392/2013 vom 23. Januar 2014 E. 2.2 mit Hinweis auf 1C_47/
2012 vom 17. April 2012 E. 2.2).
c) Die Bezirkshauptmannschaft Dornbirn erteilte dem Rekurrenten am 5. Oktober 2015
ein zweiwöchiges Fahrverbot auf österreichischem Gebiet (act. 8/6 f.). Die Gemeinde
Lustenau, in der die Geschwindigkeitsüberschreitung stattfand, fällt unter die
Zuständigkeit des Bezirksgebiets Dornbirn (www.vorarlberg.at/vorarlberg/gemeinden/
allevorarlbergerstaedte_g.htm). Die Bezirkshauptmannschaften sind zur Bestrafung
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bis
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nahezu aller Verwaltungsübertretungen zuständig, zu welchen auch die
Verkehrsübertretungen zählen (www.vorarlberg.at/vorarlberg/
bezirkshauptmannschaften/dornbirn/abteilungen/strafsachen/weitereinformationen/
aufgaben_leistungen/strafsachen-allgemeineinf.htm). Die Bezirkshauptmannschaft
Dornbirn war daher zuständige Behörde. Deren Aberkennungsverfügung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft. Das später vom Rekurrenten eingereichte
Wiedererwägungsgesuch wies die Bezirkshauptmannschaft Dornbirn mit Entscheid
vom 13. Januar 2016 ab. Die Voraussetzung von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG, wonach
im Ausland ein Fahrverbot verfügt wurde, ist somit erfüllt.
d) Unabhängig von den konkreten Umständen liegt ein objektiv schwerer Fall im Sinn
von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG etwa dann vor, wenn die Geschwindigkeit jeweils
mindestens um 25 km/h innerorts, 30 km/h ausserorts oder 35 km/h auf einer
Autobahn überschritten wird (vgl. BGer 1C_335/2011 vom 26. Oktober 2011 E. 2.2 mit
Hinweis auf 1C_83/2008 vom 16. Oktober 2008 E. 2). Nach dieser Rechtsprechung
stellt eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 51 km/h, wie sie der Rekurrent am
30. Juni 2015 im Ausserortsbereich von Lustenau beging, objektiv eine schwere
Widerhandlung dar.
In subjektiver Hinsicht verlangt Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG ein rücksichtsloses oder sonst
schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten, d.h. ein schweres Verschulden, bei
fahrlässigem Handeln mindestens grobe Fahrlässigkeit. Bei einer Überschreitung der
zulässigen Höchstgeschwindigkeit, die in objektiver Hinsicht den Tatbestand von
Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG erfüllt, geht das Bundesgericht in konstanter Rechtsprechung
davon aus, dass dem Lenker eine solche Überschreitung nicht verborgen bleiben kann
und sie zumindest auf grober Fahrlässigkeit beruht, es sei denn, es bestehe eine
Ausnahmesituation (vgl. BGer 1C_263/2011 vom 22. August 2011 E. 2.6 mit Hinweisen
auf BGE 123 II 37 E. 1f und 1C_222/2008 vom 18. November 2008 E. 2.3). Eine solche
Ausnahme wird nicht geltend gemacht. Der Rekurrent musste sich aufgrund des
Ausmasses der Geschwindigkeitsüberschreitung bewusst gewesen sein, dass er die
zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h massiv überschreitet. Sein
Verschulden ist demnach als schwer einzustufen und eine schwere Widerhandlung
nach Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG auch in subjektiver Hinsicht zu bejahen.
bis
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e) Demzufolge stellt die Geschwindigkeitsüberschreitung des Rekurrenten vom 30. Juni
2015 eine schwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im Sinn von
Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG dar; davon ist auch die Vorinstanz ausgegangen (act. 2/1).
5.- a) Gemäss Art. 16c Abs. 2 Satz 3 SVG darf die Entzugsdauer bei Personen, die im
Administrativmassnahmen-Register (Art. 104b SVG) nicht verzeichnet sind, die am
Begehungsort im Ausland verfügte Dauer des Fahrverbots nicht überschreiten. Bei
Rückfalltätern darf die schweizerische Behörde jedoch über die Dauer des am
Begehungsort verfügten Fahrverbots hinausgehen (BGE 141 II 256 E. 2.4). Diese
Rückfallregel gilt auch, wenn der Betroffene früher wegen einer Widerhandlung gegen
die Strassenverkehrsvorschriften verwarnt wurde (vgl. 16c Abs. 2 i.V.m. Art. 104b
Abs. 3 lit. e SVG). Die Mindestentzugsdauer für schwere Widerhandlungen beträgt
gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG drei Monate. Bei der Festsetzung der Dauer des
Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind die Umstände des Einzelfalls zu
berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden,
der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein
Motorfahrzeug zu führen (Art. 16 Abs. 3 SVG). Die Auswirkungen des ausländischen
Fahrverbots auf die betroffene Person sind angemessen zu berücksichtigen (BGE 141
II 256 E. 2).
b) Der Rekurrent ist im Administrativmassnahmen-Register mit einer Verwarnung vom
4. Juli 2012 verzeichnet (act. 8/14). Das von der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn
verfügte zweiwöchige Fahrverbot für Österreich darf demzufolge überschritten werden.
Eine schwere Widerhandlung liegt unter anderem dann vor, wenn ein Fahrzeuglenker
die zulässige Höchstgeschwindigkeit ausserorts um 30 km/h oder mehr überschritten
hat (vgl. E. 4 lit. d). Diesen Grenzwert überschritt der Rekurrent am 30. Juni 2015
massiv, und zwar war er 51 km/h zu schnell unterwegs. Die Mindestentzugsdauer ist
deshalb spürbar zu erhöhen. Die Verwarnung, welche der Rekurrent am 4. Juli 2012
nach einer Geschwindigkeitsüberschreitung vom 25. April 2012 erteilt worden war,
führt wegen getrübten automobilistischen Leumunds nicht zu einer Erhöhung der
Entzugsdauer; denn verschiedene Massnahmearten (Verwarnung und
Führerausweisentzug) können nicht aufgerechnet werden (vgl. VRKE IV-2010/38 vom
23. September 2010 E. 5b/aa). Das österreichische Fahrverbot wirkte sich gemäss
eigenen Aussagen des Rekurrenten nur sehr beschränkt auf ihn aus (act. 12 Ziff. 5;
bis
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Verhandlungsprotokoll, S. 2). Er ist indessen beruflich auf das Führen eines Fahrzeuges
angewiesen (act. 8/49 f.), was massnahmenmindernd zu berücksichtigen ist. Insgesamt
erscheint eine Entzugsdauer von sechs Monaten als angemessen, weshalb der von der
Vorinstanz verfügte Entzug des Führerausweises für die Dauer von sechs Monaten zu
bestätigen ist.
6.- Die Vorinstanz ordnete in Ziffer 2 der angefochtenen Verfügung an, dass der
Rekurrent den Führerausweis und allfällig vorhandene weitere Ausweise bis spätestens
am 21. Juli 2016 abzugeben habe. Hierbei handelt es sich um eine
vollstreckungsrechtliche Anordnung, die separat verfügt werden müsste. Darauf ist
indessen nicht weiter einzugehen; denn der Abgabetermin (21. Juli 2016) ist schon
längst vorüber, weshalb Ziffer 2 zufolge Gegenstandslosigkeit aufzuheben ist. Die
Vorinstanz wird einen neuen Abgabetermin festlegen müssen. Allerdings hätte Ziffer 2
der angefochtenen Verfügung aufgehoben werden müssen, wenn die Abgabefrist nicht
bereits abgelaufen wäre; dies ist bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen.
7.- Die Kosten des Rekursverfahrens sind dem Rekurrenten zu vier Fünfteln und dem
Staat zu einem Fünftel aufzuerlegen. Denn einerseits unterliegt der Rekurrent in der
Hauptsache und andererseits hat die Vorinstanz die materielle Verfügung
(Führerausweisentzug) in unzulässiger Weise mit der Vollzugsanordnung (Abgabetermin
des Führerausweises) kombiniert. Eine Entscheidgebühr von Fr. 1‘500.– (vgl. Art. 7
Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12) erscheint angemessen. Der
Kostenvorschuss von Fr. 1‘200.– ist mit dem Kostenanteil des Rekurrenten in gleicher
Höhe zu verrechnen.
Bei diesem Verfahrensausgang ist keine ausseramtliche Entschädigung zuzusprechen
(Art. 98 VRP).