Decision ID: ae435d8b-dfee-5315-8feb-e183a95f05ef
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1968, war
vo
n
August
1997
bis Dezember 2016 bei der
A._
GmbH
(früher
B._
AG
resp.
C._
AG)
als Customer Service Manager in einem
90
%-Pensum angestellt (
Urk.
7/12 und
Urk.
7/29)
.
Am
9.
März 2016 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf einen Bandscheibenvorfall vom
2.
November 2015 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/2). Die IV-Stelle klärte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab, zog die Akten der Krankentaggeldversicherung bei (
Urk.
7/53) und holte die Berichte des behandelnden Arztes (
Urk.
7
/43 und
Urk.
7/44) sowie einen Auszug aus dem Individuellen Konto der Versicherten (IK-Auszug,
Urk.
7/9) ein. In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine aktenbasierte Einschätzung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD). RAD-Arzt
Dr.
D._
, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie
,
nahm am 2
6.
Januar 2017 Stellung (
Urk.
7/54). Mit Vorbescheid vom
2.
März 2017 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/55). Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom
8.
März 2017 Einwand (Urk. 7/58) und reichte Arztb
erichte des
Dr.
E._, Neurochirurgie FMH,
zu den Akten (
Urk.
7/77 und
Urk.
7/78). Ausgehend von keiner ren
tenrelevanten Arbeitsunfähigkeit verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
1.
April 2017 wie vorbeschieden einen Anspruch auf Leistungen der Invaliden
versicherung (
Urk.
7/65 = Urk. 2).
2.
M
it
an die Beschwerdegegnerin gerichteter
Eingabe vom 1
6.
Mai 2017 (Urk. 1/1) beantragte
die Versicherte
, es sei die angefochtene Verfügung vom 2
1.
April 2017
wiedererwägungsweise aufzuheben und der Sachverhalt sei weiter abzuklären. Eventualiter sei
en ihr
die gesetzlichen Leistungen in Form einer Invalidenrente und beruflicher Massnahmen zu erbrin
gen
.
Subeventualiter
beantragte sie die Weiterleitung des Gesuchs an das hiesige Gericht.
Mit Schreiben vom 2
2.
Mai 2017 (
Urk.
1/2) leitete die Beschwerdeführe
rin ihre Eingabe vom 1
6.
Mai 2017 (
Urk.
1/1) an das hiesige Gericht.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
Juni 2017 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom
3.
Juli 2017 wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
8). Am 1
4.
Juli 2017 reichte die Beschwerdeführerin
eine
Replik ein und beantrag
t
e
,
die ange
fochtene Verfügung vom 2
1.
April 2017 sei aufzuheben und die Angelegenheit sei zur Weiterabklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
9). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 1
4.
September 2017 auf das Einreichen einer
Duplik (
Urk.
12), was der Beschwerdeführerin am 2
8.
September 2017 zur Kennt
nis gebracht wurde (
Urk.
13). In der Folge reichte die Beschwerdeführerin diverse
medizinische Unterlagen
ein (
Urk.
15,
Urk.
18,
Urk.
20,
Urk.
23
,
Urk.
26,
Urk.
29)
.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Sie kann Folge von Geburtsgebre
chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
Bundesgesetz über die Invaliden
versicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der kör
perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumut
barer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1
.4
Führen die von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen die Verwaltung oder das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, ein bestimm
ter Sachverhalt sei als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so ist auf die Abnahme weiterer Beweise zu verzichten (antizipierte Beweiswürdigung). In einem solchen Vorgehen liegt kein Verstoss gegen das rechtliche Gehör gemäss
Art.
29
Abs.
2 BV (BGE 124 V 90 E. 4b; 122 V 157 E. 1d).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) vom
2
1.
April
2017 hielt die Beschwer
degegnerin fest,
die Abklärung habe ergeben, dass die Beschwerdeführerin seit November 2016 und damit direkt nach Ablauf des Wartejahrs wieder uneinge
schränkt erwerbsfähig gewesen sei
. Da
bei
entspreche
ihre früher ausgeübte berufliche Tätigkeit einer angepassten Tätigkeit. Die Beschwerdeführerin habe damit kein
en
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer
mit Begleitschreiben vom 2
2.
Mai 2017 (
Urk.
1/2) eingereichten
Beschwerde vom
1
6.
Mai
2017 (
Urk.
1
/1
)
sowie in ihrer Replik vom 1
4.
Juli 2017 (
Urk.
9)
zusammengefasst geltend,
der medizinische Sachverhalt sei nicht vollständig abgeklärt, weshalb die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen sei. Im Übrigen sei bei der Invaliditäts
gradberechnung auch zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin, selbst wenn von einer (Teil-)Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden würde, kein gleich
we
rtiges Einkommen mehr erzielen könne
und sie insbesondere auch aufgrund ihres Alters und der funktionellen Einschränkungen im Vergleich zu ihren Mit
konkurrenten allergrösste Mühe haben werde, sich im Bewerbungsprozess im
IT-Bereich durch
zusetzen
. Es sei daher ein leidensbedingter Abzug von mindestens 15
%
anzubringen.
3.
3.1
Der rentenabweisenden Verfügung vom 2
1.
April 2017 lagen im Wesentlichen der Arztbericht des behandelnden Arztes
Dr.
F._
, Facharzt All
gemeine Innere
Medizin FMH, vom 2
1.
Oktober 2016 (
Urk.
7/43) und die
diesem beigelegten
Bericht
sowie
das
durch die Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebenen neurologische Gutachten vom
9.
Januar 2017 (
Urk.
7/53) zu Grunde.
3.2
Laut
Dr.
F._
leide die Beschwerdeführerin
seit Jahren
an rezidivierenden Rückenschmerzen
.
Anfang November 2015
sei
es
zu tieflumbalen Schmerzen mit Ausstrahlung in den linken Oberschenkel gekommen (vgl.
Urk.
7/87 S. 2)
. Am 1
3.
November 2015 führte
Dr.
G._
, FMH Radiologie, eine Mag
netresonanztomographie (MRI) der Lendenwirbelsäule (LWS) sowie des
Iliosakral
gelenks
(ISG) durch und stellte eine links paramediane flache Diskushernie mit Dorsalverlagerung der linken
rezessalen
L5 Wurzel fest (vgl. Urk. 7/43/6-7). Eine CT-gesteuerte Nervenwurzelinfiltration am 1
1.
Januar 2016 habe subjektiv zu keiner wesentlichen Veränderung geführt (vgl.
Urk.
7/43/10).
3.3
Aufgrund einer konservativ austherapierten
gluteo
-proximalen Ischialgie links in Kombination mit einem sekundären ISG-Irritationssyndrom, welche auf eine
dis
koligamentäre
Rezessusstenose
L4/5 links bei
kypholordosierender
Überbeweg
lichkeit zurückzuführen sei, führte Dr.
E._
am 1
9.
Mai 2016 eine Mikrochi
rurgische Dekompression L4/5/S1 auf der linken Seite durch
(Urk.
7/43/8f.). Im Rahmen einer postoperativen Nachkontrolle gab die Beschwerdeführerin an, die Schmerzen im linken Bein hätten sich vollständig zurückgebildet. Die Rücken
schmerzen hätten sich etwas gelindert, würden sich jedoch weiterhin deutlich bemerkbar machen.
Dr.
E._
führte aus, die klinische Untersuchung habe keine peripheren neurologischen Ausfälle der unteren Extremitäten ergeben. Sowohl die Prüfung der Berührungssensibilität als auch die grobe Kraft und der Mus
keleigenreflex habe sich symmetrisch und ohne Einschränkung gezeigt. Die von der Beschwerdeführerin geklagten Rückenschmerzen paravertebral rechts seien auf
Myogelosen
am Beckenkamm rechts zurückzuführen.
Dr.
E._
empfahl Physiotherapien zwecks Kräftigung und Stabilisation der Rumpf-, der tiefen Bauch- und der Oberschenkel-Muskulatur mit Übergang zu freiem Krafttraining (Urk. 7/43/11-13).
Dr.
F._
fasste
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
zusammen
:
-
Persistierende
l
umbospondylogene
Schmerzen bei:
-
Zustand nach mikrochirurgischer Dekompression L4/5 links (1
9.
Mai 2016) wegen:
-
Discoligamentärer
Foramen
-Stenose L4/5 links
-
Hypermobilität
-
Lumboischialgie
links, proximales L5 Syndrom
-
Rückenschmerzen seit ca. 10 Jahren
Er
attestierte der Beschwerdeführerin aufgrund der fortgeführten konservativen Therapien eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit, wobei die Prognose sehr gut sei (Arztbericht vom 21. Oktober 2016;
Urk.
7/43).
3.4
Im Rahmen der neurologischen Begutachtung am 2
9.
November 2016 (
Urk.
7/53) gab die Beschwerdeführerin an, sie leide hauptsächlich an Kreuzschmerzen. Sel
ten komme es auch zur Ausstrahlung in das linke Gesäss. Bei kalter Witterung sowie bei längerem Sitzen und Rumpfbeugen würden sich die Schmerzen ver
schlechtern. Insgesamt seien die Schmerze
n auch seelisch belastend (Urk.
7/53/7).
Der Gutachter
Dr.
H._
, Facharzt für Neurologie FMH,
hielt im Rahmen der Befunderhebung fest, dass die Beschwerdeführerin den Untersu
chungsraum mit einem flüssigen Gangbild und ohne pathologische Bewegungs
muster betreten habe. Während der Exploration sei sie zunächst entspannt auf dem Stuhl gesessen, habe dann nach etwa 15 Minuten mehrfach die Sitzposition gewechselt. Das Aus- und Anziehen gelinge zügig und geschickt, ebenso werde der Kopf spontan frei in alle Richtungen gewandt. Die Beschwerdeführerin habe während der Begutachtung nicht schmerzgequält gewirkt. An der Halswirbelsäule sei keine
radikuläre
Symptomatik auslösbar, die Wirbelsäule sei frei beweglich. Es werde ein Druckschmerz paravertebral links über dem ISG angegeben, ansons
ten gebe es weder einen wesentlichen Klopfschmerz an der Wirbelsäule, noch einen wesentlichen Muskelhartspann palpabel. Der Test nach
Lasègue
(lumbaler Nervendehnungsschmerz) sei beidseits unauffällig. Beim umgedrehten
Lasègue
-Zeichen habe die Beschwerdeführerin nach Testung des rechten und des linken Beins Kreuzschmerzen angegeben, typische Nervenwurzelirritationen seien hin
gegen keine auslösbar. Es bestehe kein Hinweis für ein motorisches oder sensibles Defizit am Körperstamm (Urk. 7/53/9-11).
Dr.
H._
diagnostizierte linksbetonte Lumbalgien, bei bekannter
mässiggradiger
degenerativer Erkrankung
der LWS, im MRI der LWS vom 13.
November 2015 (vgl. E. 3.2 vorstehend) gesichert, im Anschluss an eine mik
rochirurgische Dekompression L4/5 und L5/S1
links am 1
9.
Mai 2016 (vgl. E.
3.3 vorstehend), derzeit ohne Anhalt für eine
radikuläre
oder
nervale
Schmerzgenese
(vgl. Urk. 7/53/14)
. Der begutachtende Neurologe führte aus, in der Exploration habe sich ein normaler neurologischer Untersuchungsbefund gezeigt. Es habe sich kein nervenwurzelbezogenes Defizit als Korrelat einer anhaltenden
Radikulopa
thie
ergeben. Ausserdem liesse sich in der körperlichen Untersuchung keine lum
bale Nervenwurzelirritation auslösen, weder für die Segmente L5 und S1 noch für die Segmente L3 und L
4.
Die elektrophysiologische Untersuchung (
Tibialis
-SEP) sei ohne sicheren Hinweis für eine lumbale Nervenwurzelläsion gewesen. Ein spe
zifischer
radikulärer
Schmerz könne somit nicht mehr diagnostiziert werden.
Pathogenetisch
handle es sich am ehesten um eine linksbetonte Lumbalgie bei
myofaszialen
Schmerzen im Rahmen von muskulären
Dysbalancen
und einer muskulären
Dekonditionierung
. Ein aktives Gymnastikprogramm zur Kräftigung und Lockerung der Rumpf- und Rückenmuskulatur sei dringend zu empfehlen. Zusammenfassend werde festgestellt, dass bei der Beschwerdeführerin ein anhal
tender, unspezifischer Rückenschmerz vorliege. Die in der Vergangenheit diag
nostizierte
Radikulopathie
habe si
ch
postoperativ vollständig zurückgebildet und sei nicht mehr nachweisbar.
Die Prognose sei entsprechend gut.
Aufgrund der anhaltenden Rückenschmerzen seien der Beschwerdeführerin bis auf weiteres schwere körperliche Tätigkeiten nicht zumutbar, sprich keine Tätigkeiten mit regelmässigem Heben und Tragen schwerer Lasten. Auch Tätigkeiten mit anhal
tender Zwangsposition, so etwa dauerhaftes Arbeiten in kauernder Position oder dauerhaftes Arbeiten mit repetitivem Bücken seien ihr nicht zumutbar, ebenso wenig dauerhaft anhaltendes Arbeiten in Kälte und Nässe. In einer optimal lei
densadaptierten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin ab Zeitpunkt der Begutach
tung prinzipiell arbeitsfähig, wobei die bisherige berufliche Tätigkeit als
EDV-Mitarbeiterin als leidensadaptierte Tätigkeit aufgefasst werden könne. Es solle ein aktives Gymnastikprogramm zur Überwindung der deutlichen
Dekonditionierung
durchgeführt werden. Nach vier Wochen sei sie dann zu 50 % einsetzbar, nach weiteren vier bis sechs Wochen mit einem akt
iven Gymnastikprogramm zu 100 %
(7/53/15-17).
3.5
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichte die Beschwerdeführerin die Stel
lungnahme von
Dr.
E._
vom
3.
Mai 2017
zum Gutachten
vom 2
9.
November 2016 (vgl.
vorstehend
E.
3.4) zu den Akten (vgl. Arztbericht v
om
3.
Mai 2017;
Urk.
7/77). Dr.
E._
führte aus, anlässlich der Begutachtung sei die Wirbelsäu
lenbeweglichkeit als frei angegeben worden. In den wiederholten rheumatologi
schen Untersuchungen
habe sich
diese
jedoch
inkonstant
gezeigt
mit teilweiser objektiver Blockierung
und
auch
einer
ISG
Dysfunktion auf der linken Sei
t
e
. Es würden sich nach wie vor keine neurologischen/
radikulären
Defizite finden
,
jedoch eine anhaltende ausgeprägte muskuläre
Dekonditionierung
. In Bezug auf die im Gutachten festgehaltenen unspezifischen Rückenschmerzen sei zu berück
sichtigen, dass bei der Beschwerdeführerin eine LWS Degeneration mit einer
kypholordosierenden
Überbeweglichkeit L4/5 sowie
ein
Zustand nach mikrochi
rurgischer Dekompression L4/5/S1
bestehe. Was die Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit betrifft
,
äusserte Dr.
E._
, der durch
Dr.
H._
prognostizierte rasche Belastungsaufbau sei sowohl aufgrund der Befunde als auch des weiteren Rehabilitationsverlaufes nicht realistisch. Anfang März 2017 hab
e
die Beschwer
deführerin ein
en
Arbeitsversuch zu 20 % infolge eines massiven Schmerzrezidivs nach kurzer Zeit abbrechen müssen. Eine stabile, auf dem freien Arbeitsmarkt
verwertbare Arbeitsfähigkeit habe bis anhin zu keinem Zeitpunkt erreicht werden können.
Aufgrund des komplexen postoperativen Verlaufs werde die Beurteilung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer/orthopädischer Sicht bei statisch bedingter Wirbelsäulenproblematik und nicht mehr vorliegenden neurologisch/
radikulären
Symptomatologie empfohlen.
Bei erneuter Exazerba
tion mit invalidisierenden Rückenschmerzen seien überdies weitere intensive Behandlungsmassnahmen namentlich eine stationäre Rehabilitation
in der Klinik
I._
vorgesehen.
Vom 19.
Mai bis
8.
Juni 2017 war die Beschwerdefüh
rerin in der Rehaklinik
I._
zur postoperativen
muskuloskelettalen
Reha
bilitation
hospitalisiert
. Unter Hinweis auf anhaltende
lumbosakrale
Belastungs
intoleranz und muskuläre
Dekonditionierung
berichteten die behandelnden Ärzte der Rehaklinik, dass es im Verlauf durch intensive Therapien zu einer deutlichen Verbesserung der Mobilität, Ausdauer und Belastbarkeit gekommen sei, aufgrund der erheblichen Schmerzsymptomatik die Analgetika während der
Hospitalisation
jedoch nicht habe reduziert werden können (provisorischer Austrittsbericht vom
6.
Juni 2017,
Urk.
15/5). Anschliessend wurde der Beschwerdeführerin unverän
dert eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (
Urk.
15/1-4,
Urk.
18/1-4,
Urk.
20/1-3).
3.6
Infolge anhaltender Belastungsintoleranz und Persistenz des
lumbovertebralen
Schmerzsyndroms sowie der
claudicationellen
Ischialgie im
Dermatom
L5 links
seitig bei nicht konklusivem Befund gab
Dr.
E._
ein Funktions-MRI in Auf
trag (
Urk.
23/1). Diese Abklärung erbrachte eine dynamische und in
Reklination
hochgradige
Foraminalstenose
L5/S1 links bei latenter
diskogener
dynamischer
Rezessusstenose
L4/5 links, was auf zwei Etagen zu einer Nervenwurzelirritation L5 führte (
Urk.
26/1). Im August 2018 unterzog sich die Beschwerdeführerin des
halb einer mikrochirurgischen Re-Dekompression links mit
Spondylodese
L4/S
1.
Im Austrittsbericht vom 2
8.
August 2018 wird ausgeführt, dass der Grund für die persistierenden Rückenschmerzen sich erst in den verschiedenen
Verlaufs
radiologien
mit zum Schluss auch der funktionellen Untersuchungen gezeigt habe. Damit sei der Nachweis einer radiologisch progredienten und in
Reklination
schweren
Foraminalstenose
L5/S1 links bei variabler
Diskusrotrusion
L4/5
para
media
/links unbekannter Wertigkeit gelungen (
Urk.
29/1).
4.
4.1
Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berücksich
tigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b; 99 V 98).
4.2
Der im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vorliegenden medizinischen Ak
tenlage ist zu entnehmen, dass die von der Beschwerdeführerin geklagten Schmerzen keinem neurologischen oder
radikulären
Defizit zugeordnet werden konnten. Sowohl die behandelnden Ärzte wie auch der neurologische Gutachter erhoben muskuläre
Dysbalancen
bzw. eine muskuläre
Dekonditionierung
, wes
halb ein aktives Gymnastikprogramm zur Durchführung empfohlen wurde (vgl. auch
Urk.
7/77). Die nach Verfügungserlass durchgeführte Rehabilitation (E. 3.5) konnte die Mobilität zwar verbessern, hatte jedoch keinen Einfluss auf die Schmerzen. Angesichts der nachfolgenden Berichte von
Dr.
E._
(E. 3.6) muss davon ausgegangen werden, dass spätere rheumatologische und bildgebende Untersuchungen die persistierenden Schmerzen erklären konnten. Auch wenn dieser Verlauf und diese medizinischen Erkenntnisse nach Verfügungserlass erhoben wurden, kann aufgrund dieser Berichte nicht ausgeschlossen werden, dass bereits im Zeitpunkt der neurologischen Begutachtung rheumatologische, orthopädische oder neurochirurgische Ursachen für die Schmerzproblematik bestanden, welche zu weitergehenden funktionellen Einschränkungen führten. Damit ist die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Gutachters
Dr.
H._
von November 2016 aus rein neurologischer Sicht in Frage gestellt. Demzufolge lassen die vorliegenden medizinischen Akten eine abschliessende Beurteilung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit auch im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbe
ginns nicht zu. Die Sache ist daher unter Aufhebung der angefochtenen Verfü
gung vom 2
1.
April 2017 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie nach weiteren medizinischen Abklärungen über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu entscheide. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
5.
5.1
Ausgangsgemäss hat
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Pro
zessentschädigung.
Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Nach Einsicht in die Honorarnote vom 1
0.
September 2018 (
Urk.
28), womit ein Aufwand von 8,6 Stunden bis Ende 2017 und 2,85 Stunden ab Januar 2018 ausgewiesen wird, und unter Berücksichtigung des gerichtsübli
chen Stundenansatzes von
Fr.
220.— wird die Parteientschädigung auf
Fr.
2'800.--festgesetzt und entsprechend dem Ausgang der Beschwerdegegnerin auferlegt.
5.2
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen der Invalidenversicherung geht, ist das Verfahren kos
tenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab
hängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind die auf
Fr.
600.— anzusetzenden Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.