Decision ID: ae4606be-98e8-46f8-a169-f459749a3237
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y. (auch: Z.), kosovarischer Staatsangehöriger, geboren 1973, besuchte ab dem
1. September 1987 die Handelsmittelschule „A.“ in K., Kosovo, welche er am
18. April 1991 abschloss. Ab dem 20. Oktober 2005 belegte er an der Universität
Freiburg einen jährigen Vorbereitungskurs für das Hochschulstudium (Zulassung ohne
Maturität 30+, vgl. Art. 7 des Reglements über die Zulassung an die Universität
Freiburg, SGF 431.1.111) und absolvierte daraufhin ab Herbstsemester 2006 bis
Herbstsemester 2013/2014 ebenfalls in Freiburg ein siebeneinhalbjähriges
Bachelorstudium in Betriebswirtschaft (act. 3.1 f., act. 9/3 und 9/3a/1, act. 9/18a/1 und
3, act. 9/22a/1 f., www.unifr.ch).
B. Nach unbestrittenen Angaben der Stipendienabteilung (Dienst für Finanzen und
Informatik des Bildungsdepartements) des Kantons St. Gallen wurden X.Y. seit 2005
bis zum Studienjahr 2012/2013 Stipendien in der Höhe von über CHF 114‘000 und
Studiendarlehen im Betrag von über CHF 30‘000 gewährt (act. 7). Auf Beginn des
Herbstsemesters 2014 am 1. August 2014 liess sich X.Y. an der Universität St. Gallen
immatrikulieren (act. 9/1a/4). Am 6. September 2014 reichte er ein Stipendiengesuch
für das Masterstudium in Rechnungswesen und Finanzen im Ausbildungsjahr
2014/2015 ein (unbestritten, von Amtes wegen beigezogen, Beilage zu act. 11). Am 8.
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Oktober 2014 gewährte ihm die Universität St. Gallen gestützt auf Art. 12 lit. b des
Reglements für den Darlehens- und Stipendienfonds sowie weitere Fonds der
Universität St. Gallen (DSR, www.unisg.ch) ein Not-Darlehen von CHF 3000 (act. 9/3a/
2). Mit Verfügung vom 16. Oktober 2014 lehnte die Stipendienabteilung das
Stipendiengesuch vom 6. September 2014 mit der Begründung ab, er habe die
beitragsberechtigte Ausbildungszeit von längstens zwölf Jahren überschritten (act.
9/1a/1).
C. Dagegen rekurrierte X.Y. am 29. Oktober 2014 beim Bildungsdepartement (act. 9/1).
Mit Verfügung vom 7. Januar 2015 lehnte das Sicherheits- und Justizdepartement sein
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das Rekursverfahren ab (act. 9/10). Eine
dagegen erhobene Beschwerde wies der Präsident des Verwaltungsgerichtes mit
Entscheid B 2015/8 vom 2. März 2015 ab (act. 9/12). Am 25. Mai 2015 reichte X.Y. drei
am 20. Oktober 2003 nachträglich durch die seit dem Jahr 1999 tätige United Nations
Interim Administration Mission in Kosovo (UNMIK, www.unmik.unmissions.org) erstellte
Zeugnisse des Ausbildungszentrums „A.“ für die Schuljahre 1987-1990 sowie ein am
10. November 2003 ebenfalls von der UNMIK nachträglich erstelltes Duplikat eines
Diploms dieser Schule vom 18. April 1991 ein (act. 9/18-18a/1). Am 3. Juni 2015
ergänzte er diese Unterlagen mit einer Fotokopie einer Bestätigung eines
Verwaltungsbeamten der technischen Mittelschule B., in K., vom 2. Juni 2015
(act. 9/22-22a/2). Mit Entscheid vom 10. August 2015 wies das Bildungsdepartement
den Rekurs vom 29. Oktober 2014 ab (act. 2). Es begründete seinen Entscheid im
Wesentlichen damit, X.Y. bestreite nicht, dass seine Ausbildungszeit in der Schweiz
achteinhalb Jahre betragen habe. Überdies sei seinen Stipendiengesuchen vom
9. Dezember 2005, 7. Dezember 2006, 26. September 2007, 10. Oktober 2008, 7.
Oktober 2009, 7. Oktober 2010 und 22. September 2011 zu entnehmen, dass er von
1987 bis 1991 die Handelsmittelschule im Kosovo während vier Jahren besucht habe.
Anhand des Diploms vom 18. April 1991 und den drei Jahreszeugnissen vom 5. Juni
1988, 25. August 1989 sowie 26. Mai 1990 sei belegt, dass die Handelsmittelschule im
Kosovo mindestens dreieinhalb Jahre gedauert habe. Die mit Schreiben vom 3. Juni
2015 ins Recht gelegte Bestätigung der Maturitätsschule im Kosovo, deren
Glaubwürdigkeit zumindest als fraglich erscheine, ändere daran nichts. Danach habe er
die Handelsmittelschule vom 1. September 1987 bis 26. Mai 1990 besucht und sie mit
Prüfung 18. April 1991 abgeschlossen. Von dieser somit dreieinhalbjährigen Ausbildung
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habe er drei Jahre in der Schule verbracht. Im Übrigen sei im Ergebnis unerheblich, ob
die Handelsmittelschule dreieinhalb oder vier Jahre gedauert habe, da die maximal
stipendienberechtigte Ausbildungszeit von zwölf Jahren ohnehin überschritten sei.
D. Gegen den Entscheid des Bildungsdepartements (Vorinstanz) vom 10. August 2015
liess X.Y. (Beschwerdeführer) durch seinen Rechtsvertreter am 28. August 2015
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren erheben, der
angefochtene Entscheid sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und
das Gesuch um Ausrichtung von Stipendien für das Ausbildungsjahr 2014/2015
gutzuheissen (act. 1). Mit Vernehmlassung vom 23. September 2015 beantragte die
Vorinstanz, die Beschwerde sei unter Kostenfolge abzuweisen (act. 8).
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge

und die Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Auch wenn die
Universität St. Gallen dem Beschwerdeführer am 8. Oktober 2014 bereits ein
Studiendarlehen für das Masterstudium gewährt hat (act. 9/3a/2), ist er zur Ergreifung
des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Im
Gegensatz zum bereits gewährten Studiendarlehen (vgl. Art. 12 lit. b DSR und Art. 12
Abs. 1 lit. b der Interkantonalen Vereinbarung zur Harmonisierung von
Ausbildungsbeiträgen, sGS 211.531, Stipendien-Konkordat, sowie Art. 16 des
Gesetzes über die staatlichen Stipendien und Studiendarlehen vom 3. Dezember 1968,
Stipendiengesetz; sGS 211.5, StipG) müssten die beantragten Stipendien nicht
zurückgezahlt werden (vgl. Art. 12 Abs. 1 lit. a Stipendien-Konkordat sowie Art. 12 Abs.
1 StipG). Auch schliessen weder das Stipendien-Konkordat noch das StipG selbst im
Falle einer Zweitausbildung – der Beschwerdeführer war ab Dezember 1995 über vier
Jahre lang erwerbstätig (vgl. Art. 7 Abs. 1 Stipendien-Konkordat) – von vornherein aus,
dass in Ergänzung zu Studiendarlehen ausnahmsweise Stipendien gewährt werden
bis
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(Art. 10 Abs. 2 Stipendien-Konkordat in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 StipG). Die
Beschwerdeeingabe vom 28. August 2015 (act. 1) erfolgte unter Berücksichtigung der
Gerichtsferien rechtzeitig und entspricht formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1, Art. 30 Abs. 1 VRP und Art.
145 Abs. 1 lit. b der Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung; SR
272, ZPO, sowie Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Aus Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
(SR 101, BV) lässt sich keine allgemeine Pflicht der Behörde zur Abnahme aller
angebotenen Beweise ableiten. So kann ein Beweisantrag abgelehnt werden, wenn die
Verwaltungs- oder Gerichtsbehörde sich ihre Meinung aufgrund zuvor erhobener
Beweise bereits bilden konnte und sie ohne Willkür in vorweggenommener, antizipierter
Beweiswürdigung annehmen darf, die gewonnene Überzeugung werde durch weitere
Beweiserhebungen nicht erschüttert (vgl. BGer 2C_564/2014 vom 20. April 2015 E. 3.1
mit Hinweisen).
Der Sachverhalt ist umfassend der schriftlichen Darstellung zugänglich. Es ist nicht
ersichtlich und wird vom Beschwerdeführer auch nicht weiter dargetan, welche neuen
entscheidrelevanten Erkenntnisse, die sich nicht bereits aus den Akten ergeben, durch
die von ihm beantragte Zeugeneinvernahme (act. 1, S. 5 f., Ziff. 4 f.) gewonnen werden
könnten. Darauf ist daher in antizipierter Beweiswürdigung zu verzichten.
3. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht vorliegend die Frage, ob der
Beschwerdeführer wegen der Überschreitung der maximal zulässigen
Beitragsberechtigungsdauer seines Anspruchs auf Stipendien für das Ausbildungsjahr
2014/2015 verlustig ging.
Der Beschwerdeführer macht geltend, aus dem Vorbereitungskurs und dem
Bachelorstudium an der Universität Freiburg resultiere eine Ausbildungszeit von
achteinhalb Jahren. Mit der Handelsmittelschule im Kosovo habe er am 1. September
1987 begonnen. Aus der Bestätigung der Technischen Mittelschule B. in K., der
Rechtsnachfolgerin des Ausbildungszentrums A., vom 2. Juni 2015 gehe hervor, dass
die Ausbildungszeit an dieser Schule bis am 26. Mai 1990 und damit drei Jahre
gedauert habe. Nach telefonischer Auskunft des Schulsekretärs der Technischen
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Mittelschule B. in K. hätten im Jahr 1990 wegen der damals vorherrschenden
politischen Instabilität die Schüler aus dem Dorf L., Kosovo, aus welchem er stamme,
nicht in die Schule in K. gehen resp. die Maturaprüfung nicht ordentlich im April 1990
abschliessen können. Deswegen habe er die Maturaprüfung erst im Folgejahr abgelegt.
Diese Verschiebung des Prüfungstermins stelle kein weiteres Ausbildungsjahr dar. Ihm
seien deshalb nur elfeinhalb Ausbildungsjahre anzurechnen. Hinzu komme der Aspekt,
dass er zufolge seiner lediglich dreijährigen Ausbildung an der Universität Freiburg
einen jährigen Vorbereitungskurs habe absolvieren müssen.
3.1. Nach Ablehnung der eidgenössischen Stipendieninitiative vom 20. Januar 2012 am
14. Juni 2015 bleibt das Stipendienwesen grundsätzlich Sache der Kantone (vgl. hierzu
Art. 3 Abs. 1 lit. c der Verfassung des Kantons St. Gallen, sGS 111.1, KV, und VerwGE
B 2011/68-70 vom 15. Dezember 2011, in GVP 2011 Nr. 5 nicht publizierte E. 3 mit
Hinweisen auf GVP 1998 Nr. 73 und M. Müller, Das Stipendienrecht des Kantons
St. Gallen mit Berücksichtigung der Stipendiengesetzgebung des Bundes, St. Gallen
1987, S. 16 ff., www.gerichte.sg.ch, siehe auch Bundesgesetz über Stipendien an
ausländische Studierende und Kunstschaffende in der Schweiz, SR 416.2). Auch auf
der Tertiärstufe verzichtet der Bund mittlerweile darauf, gestützt auf Art. 66 Abs. 1 Satz
2 BV gewisse Mindeststandards festzulegen. In Art. 4 des am 1. Januar 2016 in Kraft
getretenen Bundesgesetzes über Beiträge an die Aufwendungen der Kantone für
Stipendien und Studiendarlehen im tertiären Bildungsbereich vom 12. Dezember 2014
(Ausbildungsbeitragsgesetz, SR 416.0) wird hinsichtlich den Voraussetzungen der
Beitragsberechtigung auf Art. 3, 5 bis 14 und 16 Stipendien-Konkordat verwiesen (vgl.
demgegenüber Art. 5 ff. des aufgehobenen Ausbildungsbeitragsgesetzes vom 6.
Oktober 2006).
Am 28. Januar 2014 genehmigte der Kantonsrat den Regierungsbeschluss über den
Beitritt zum Stipendien-Konkordat (sGS 211.53 und sGS 211.530). Die Anpassung des
kantonalen Rechts an das Stipendien-Konkordat (vgl. Art. 25 Stipendien-Konkordat),
welchem Gesetzesrang zukommt (vgl. Art. 65 lit. c und Art. 67 KV), erfolgte mit dem
III. Nachtrag zum StipG vom 28. Januar 2014 (nGS 2015-052) resp. dem III. Nachtrag
zur Stipendienverordnung (sGS 211.51, StipV) vom 28. April 2015 (nGS 2015-053),
welche zusammen mit dem Stipendien-Konkordat am 1. August 2015 in Kraft traten
(vgl. Ziff. 3 des Kantonsratsbeschlusses je in Verbindung mit Ziff. IV des III. Nachtrags
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zum StipG resp. zur StipV). Nach Art. 26 StipG in der Fassung vom 1. August 2015
werden Gesuche, welche bei Vollzugsbeginn des III. Nachtrags zum StipG vom 28.
Januar 2014 noch nicht abgeschlossen sind, nach neuem Recht beurteilt, wenn dieses
für den Gesuchsteller günstiger ist.
3.2. Das strittige Stipendiengesuch reichte der Beschwerdeführer am
6. September 2014 und damit vor Inkrafttreten der revidierten Stipendiengesetzgebung
ein. Wie es sich damit intertemporalrechtlich verhält, kann aber genauso offen gelassen
werden wie die Frage, ob der Beschwerdeführer eine Erst- oder Zweitausbildung
absolviert hat (vgl. hierzu Art. 10 Abs. 2 Stipendien-Konkordat sowie Kommentar der
Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren vom 18. Juni 2009
zur Interkantonalen Vereinbarung zur Harmonisierung von Ausbildungsbeiträgen
[nachfolgend: Kommentar], S. 13, www.edk.ch, wonach Zweitausbildungen und
Weiterbildungen vom Konkordat nicht erfasst werden, siehe auch E. 1 hiervor), da die
Beschwerde so oder anders abzuweisen ist (vgl. E. 3.5 hiernach).
3.3. Laut Art. 13 Stipendien-Konkordat erfolgt die Ausrichtung von
Ausbildungsbeiträgen für die Dauer der Ausbildung; bei mehrjährigen
Ausbildungsgängen besteht der Anspruch bis zwei Semester über die
Regelstudiendauer hinaus (Abs. 1). Der Anspruch auf Ausbildungsbeiträge geht bei
einem einmaligen Wechsel der Ausbildung nicht verloren. Die Dauer der
Beitragsberechtigung richtet sich grundsätzlich nach der neuen Ausbildung, wobei die
Kantone bei der Berechnung der entsprechenden Beitragsdauer die Zeit der ersten
Ausbildung in Abzug bringen können. Gemäss Art. 16 Stipendien-Konkordat ist zeitlich
und inhaltlich besonders ausgestalteten Studiengängen bei der Ausrichtung von
Stipendien im Einzelfall gebührend Rechnung zu tragen (Abs. 1). Wenn die Ausbildung
aus sozialen, familiären oder gesundheitlichen Gründen als Teilzeitstudium absolviert
werden muss, ist die beitragsberechtigte Studienzeit entsprechend zu verlängern (Abs.
2). Art. 10 StipG bestimmt, dass Stipendien für die ordentliche Dauer der Ausbildung
gewährt werden. In besonderen Fällen sind Abweichungen zulässig (Abs. 1). Stipendien
werden für längstens zwölf Jahre gewährt. Ausbildungen oder Weiterbildungen, für die
keine Stipendien oder Studiendarlehen gewährt wurden, werden angerechnet (Abs. 2,
vgl. zur Vereinbarkeit von Art. 10 Abs. 2 StipG mit Art. 13 und 16 Stipendien-Konkordat
Botschaft und Entwurf vom 18. Juni 2013 zum Kantonsratsbeschluss über die
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Genehmigung des Regierungsbeschlusses über den Beitritt zur Interkantonalen
Vereinbarung zur Harmonisierung von Ausbildungsbeiträgen und III. Nachtrag zum
Stipendiengesetz, S. 16 f., www.ratsinfo.sg.ch). Nach Art. 5 Abs. 1 StipV dauert die
Beitragsberechtigung bis zum tatsächlichen Abschluss der Ausbildung, in der Regel
längstens bis zwei Semester nach dem frühestmöglichen Abschluss. Nach Abs. 2
dieser Bestimmung entspricht die Beitragsberechtigung bei einem Ausbildungswechsel
der ordentlichen Dauer der neuen Ausbildung abzüglich der Beitragsdauer der ersten
Ausbildung. Gemäss Art. 6 StipV richtet sich die Anrechnung an die zulässige
Ausbildungszeit von zwölf Jahren nach dem ECTS. 60 ECTS-Punkte gelten als ein Jahr
(Abs. 1). Wendet eine Ausbildungsstätte das ECTS nicht an, wird sachgemäss auf die
Angaben und Vorschriften der Ausbildungsstätte über Dauer und Intensität der
Ausbildung abgestellt (Abs. 2, vgl. zu den Mitgliedern des Europäischen
Hochschulraums, www.ehea.info).
3.4. Art. 13 Abs. 1 Stipendien-Konkordat entspricht Art. 9 des aufgehobenen
Ausbildungsbeitragsgesetzes vom 6. Oktober 2006 (vgl. Kommentar, S. 14). Danach
sollen Beiträge – sofern die übrigen Bedingungen erfüllt sind – für die ganze ordentliche
Ausbildungsdauer, also während der für die jeweilige Ausbildung geltenden
Regelstudiendauer, ausgerichtet werden (vgl. Botschaft vom 7. September 2005 zur
Ausführungsgesetzgebung zur Neugestaltung des Finanzausgleichs und der
Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen [NFA], BBl 2005 6029, 6111). Für die
vom Beschwerdeführer angestrebte Verleihung des Master-Titels M.A. HSG in
Rechnungswesen und Finanzen (Accounting and Finance, MAccfin) ist bei einem
Vollzeitstudium von etwa 1800 Stunden pro Jahr von einer Regelstudiendauer gemäss
Art. 13 Abs. 1 Stipendien-Konkordat von achteinhalb Jahren (vier Jahre Mittelschule,
drei Jahre Bachelor- und eineinhalb Jahre Master-Stufe) auszugehen, wobei der
Anspruch auf Ausrichtung von Ausbildungsbeiträgen bis zwei Semester über die
Regelstudiendauer hinaus – gesamthaft neuneinhalb Jahre lang – besteht (vgl. Art. 9
Abs. 2, Art. 10 Abs. 2 und Art. 11 Abs. 2 des Mittelschulgesetzes, sGS 215.1, MSG,
Art. 1 Abs. 1 sowie Art. 2 Abs. 2 der Richtlinien des Hochschulrates für die koordinierte
Erneuerung der Lehre an den universitären Hochschulen der Schweiz im Rahmen des
Bologna-Prozesses, Bologna-Richtlinien UH; SR 414.205.1, Art. 25a Abs. 1 des
Gesetzes über die Universität des Kantons Freiburg, SGF 431.0.1, Art. 2 Abs. 1 des
Reglements für den Erwerb der Bachelor of Arts an der Wirtschafts- und
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Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg, SS 4.3.0.1.1, www.unifr.ch,
Art. 9 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Universität St. Gallen, sGS 217.11, UG, Art. 16
und Art. 88 Abs. 1 lit. h des Universitätsstatuts, sGS 217.15, US, Art. 1 und Art. 20 Abs.
1 der Prüfungsordnung für die Master-Stufe der Universität St. Gallen, Art. 6 Abs. 1 der
Studienordnung für die Master-Stufe der Universität St. Gallen sowie Studienplan
Master of Arts in Rechnungswesen und Finanzen / Accounting and Finance [MAccfin]
vom 15. Dezember 2008, www.unisg.ch). Anhaltpunkte dafür, dass der
Beschwerdeführer einen Ausbildungswechsel im Sinne von Art. 13 Abs. 2 Stipendien-
Konkordat in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 StipV vorgenommen hat oder er aus
sozialen, familiären oder gesundheitlichen Gründen nur ein Teilzeitstudium absolvieren
konnte (Art. 16 Abs. 2 Stipendien-Konkordat und Art. 10 Abs. 1 Satz 2 StipG), sind
weder ersichtlich noch werden solche von ihm dargetan und nachgewiesen. Daneben
vermag allein die Tatsache, dass er vom Juli bis November 2011 einem temporären
Teilzeiterwerb (20 %-Pensum) nachging (vgl. Stipendiengesuch vom 6. September
2014, Beilage zu act. 11), die beitragsberechtigte Studienzeit nicht entsprechend zu
verlängern. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Vollzeitstudierende der
Betriebswirtschaftslehre während des Studiums zeitweise einer solchen
Nebenbeschäftigung nachgehen. Ob sein Studiengang wegen des an der Universität
Freiburg absolvierten jährigen Vorbereitungskurses besonders ausgestaltet war (Art. 16
Abs. 1 Stipendien-Konkordat und Art. 10 Abs. 1 Satz 2 StipG) und sich der zeitliche
Rahmen, der im vorliegenden Fall für die Verleihung des Master-Titels M.A. HSG
ausreichen muss, dadurch verlängert hat, kann sodann offen gelassen werden, da die
anspruchsberechtigte Regelstudiendauer so oder anders überschritten ist (vgl. E. 3.5
hiernach).
3.5. Die bisherige Ausbildungsdauer des Beschwerdeführers ohne Berücksichtigung
seiner Immatrikulation an der Universität St. Gallen beläuft sich unbestrittenermassen
auf mindestens elfeinhalb Jahre. Damit hat er nach dem Gesagten sowohl die
anspruchsberechtigte Regelstudiendauer resp. ordentliche Dauer der Ausbildung
gemäss Art. 13 Abs. 1 Stipendien-Konkordat bzw. Art. 10 Abs. 1 Satz 1 StipG in
Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 StipV von neuneinhalb Jahren als auch die im Einzelfall
gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Stipendien-Konkordat resp. Art. 10 Abs. 1 Satz 2 StipG
unter Berücksichtigung des Vorbereitungskurses in den Jahren 2005/2006 allenfalls
maximal um ein weiteres Jahr auf zehneinhalb Jahre verlängerte beitragsberechtigte
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Ausbildungsdauer (vgl. E. 3.4 hiervor) bereits vor Aufnahme des Masterstudiums
überschritten. Damit steht ihm weder nach Konkordatsrecht noch nach kantonalem
Stipendienrecht ein Anspruch auf Ausrichtung weiterer Ausbildungsbeiträge zu. Somit
bleibt auch kein Raum, ihm für ein weiteres Semester, d.h. für insgesamt längstens
zwölf Jahre Stipendien zu gewähren. Dessen ungeachtet ist die maximal zulässige
beitragsberechtigte Ausbildungsdauer von zwölf Jahren (Art. 10 Abs. 2 Satz 1 StipG),
wie nachfolgend aufzuzeigen ist, ohnehin erreicht.
3.6. Die Befristung gemäss Art. 10 Abs. 2 Satz 1 StipG geht auf das II.
Nachtragsgesetz zum Stipendiengesetz vom 10. Januar 2002 (nGS 38-40) zurück (vgl.
Botschaft und Entwurf der Regierung vom 19. Dezember 2000, in: ABl 2001 S. 68 ff., S.
77 f.). Danach soll der Staat zwar Ausbildungsbeiträge unabhängig vom Alter der
gesuchstellenden Person gewähren und damit auch die Konkurrenzfähigkeit älterer
Erwerbstätiger unterstützen. Er soll indessen die individuelle Bildung nur in einem
zeitlichen Rahmen fördern, der für den Aufbau und die Bewahrung der beruflichen
Existenz ausreichen muss. Weiter wurde mit dem II. Nachtragsgesetz zum
Stipendiengesetz angesichts der Mobilität und Vernetzung der Aus- und
Weiterbildungen und mit Blick auf die freie Wahl des Ausbildungsortes Art. 5 StipG in
der Fassung vom 3. Dezember 1968 (nGS 5, 533, vgl. auch Neudruck vom Mai 1978,
nGS 13-22) aufgehoben, welcher vorschrieb, dass die Ausbildung in der Schweiz zu
erfolgen hat. Damit ist davon auszugehen, dass zur Ermittlung der bisherigen Dauer
auch im Ausland absolvierte Aus- und Weiterbildungen angerechnet werden (vgl. hierzu
auch Art. 14 Abs. 1 Stipendien-Konkordat und Art. 6 StipV).
Aufgrund der Untersuchungspflicht gemäss Art. 12 VRP muss die Behörde die
entscheidrelevanten Tatsachen mindestens so weit abklären, dass diese im Rahmen
des im konkreten Fall erforderlichen Beweismasses bzw. Beweis- oder
Wahrscheinlichkeitsgrades als erstellt gelten können. Der Bewerber ist indessen nach
Art. 22 StipG gehalten, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken. Diese
Mitwirkungs- und Auskunftspflicht besteht selbst dann, wenn sich die Auskunft zum
Nachteil des Rechtsunterworfenen auswirkt (vgl. BGE 132 II 113 E. 3.2). Grundsätzlich
gilt das Regelbeweismass der vollen Überzeugung. Demnach gilt ein Beweis dann als
erbracht, wenn die Entscheidinstanz nach objektiven Gesichtspunkten von der
Richtigkeit eines Sachverhaltselements überzeugt ist. Absolute Gewissheit kann dabei
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nicht verlangt werden. Es genügt, wenn die Entscheidbehörde am Vorliegen der
behaupteten Tatsache keine ernsthaften Zweifel mehr hat oder allenfalls verbleibende
Zweifel als leicht erscheinen bzw. wenn die Überzeugung von der Lebenserfahrung und
Vernunft getragen und auf sachliche Gründe abgestützt ist (vgl. k. Plüss, in: A. Griffel
[Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl.
2014, § 7 N 25 f., und Kiener/Rütsche/Kuhn, öffentliches Verfahrensrecht, 2. Aufl. 2015,
§ 5 N 727). Nach Art. 21 Abs. 3 VRP würdigt die Entscheidbehörde die Beweise nach
freier Überzeugung. Dies bedeutet, dass die Bewertung der einzelnen Beweismittel
nicht starren Regeln folgt und dass die Entscheidbehörde frei darüber befindet, ob das
gesetzlich geforderte Beweismass erreicht ist. Kann eine Tatsache nicht direkt
bewiesen werden, ist es zulässig, mittelbar auf diese zu schliessen. Diesfalls müssen
Umstände (Vermutungsbasis) vorliegen, die auf die zu beweisende Tatsache
(Vermutungsfolge) mit Sicherheit oder doch mit möglichst hoher Wahrscheinlichkeit
schliessen lassen (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen,
2. Aufl. 2003, N 615 f., 619 und 621, und BGE 130 II 482 E. 3.2 mit Hinweisen). Das
VRP enthält keine Bestimmung zur Beweislast. Soweit sich – wie vorliegend – auch aus
den übrigen anzuwendenden gesetzlichen Bestimmungen keine bestimmte Zuordnung
der Beweislast ergibt, ist der in Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210,
ZGB) enthaltene Grundsatz, wonach "derjenige das Vorhandensein einer behaupteten
Tatsache zu beweisen hat, der aus ihr Rechte ableitet", sachgemäss heranzuziehen
(vgl. VerwGE B 2014/80 vom 27. November 2015 E. 3.1.1, www.gerichte.sg.ch).
3.7. Zunächst steht im konkreten Fall fest, dass die Ausbildungszeit des
Beschwerdeführers in der Schweiz bis zum Abschluss des Bachelorstudiums
achteinhalb Jahre betragen hat. Weiter ist nicht umstritten, dass seine Ausbildungszeit
an der Handelsmittelschule in K., Kosovo, welche in den Jahren 1987 bis 1991 das
ECTS noch nicht anwenden konnte (vgl. Bologna-Erklärung vom 19. Juni 1999,
www.sbfi.admin.ch), gestützt auf Art. 10 Abs. 2 Satz 2 StipG voll an die Zwölfjahresfrist
anzurechnen ist (vgl. hierzu Art. 8 Abs. 1 Stipendien-Konkordat sowie Art. 2 Abs. 2 lit. a
und Art. 3 Abs. 2 lit. a StipG). Sodann leitete die Vorinstanz in Erwägung 5c des
angefochtenen Entscheides (act. 2, S. 6 f.) anhand der Angaben des
Beschwerdeführers in den Stipendiengesuchen vom 9. Dezember 2005,
7. Dezember 2006, 26. September 2007, 10. Oktober 2008, 7. Oktober 2009,
7. Oktober 2010 und 22. September 2011 (von Amtes wegen beigezogen, Beilagen zu
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act. 11) sowie dem Diplom vom 18. April 1991 und den drei Zeugnissen der Schuljahre
1987 bis 1990 (act. 9/18a/1) ab, dass er die Handelsmittelschule in K., Kosovo,
während mindestens dreieinhalb Jahren besuchte. Diese von der Vorinstanz getroffene
Vermutungsfolge ist nicht zu beanstanden. Aufgrund dieser Belege, namentlich der
während sechs Jahren unbestrittenermassen gleichlautenden Selbstdeklarationen des
Beschwerdeführers, bestehen keine ernsthaften Zweifel an seiner mindestens
dreieinhalbjährigen Ausbildung im Kosovo. Dafür spricht auch die vom
Beschwerdeführer eingereichte Bestätigung eines Verwaltungsbeamten der
technischen Mittelschule B., in K., vom 2. Juni 2015 (act. 3.1 und act. 9/22-22a/2).
Danach wurde er vom 1. September 1987 bis am 26. Mai 1990 an der fraglichen
Handelsmittelschule unterrichtet und schloss diese mit der Abschlussprüfung vom
18. April 1991 ab. Ob er die unterrichtsfreie Zeit zwischen 26. Mai 1990 und 18. April
1991 lediglich zur Prüfungsvorbereitung nutzte oder daneben auch einer
Erwerbstätigkeit oder einem Praktikum nachging, ist dabei unerheblich. Soweit der
Beschwerdeführer unter Berufung auf eine telefonische Auskunft des Schulsekretärs
der Technischen Mittelschule B. in K. demgegenüber behauptet, er habe wie alle
Schüler aus dem Dorf L., Kosovo, im Jahr 1990 wegen der damals vorherrschenden
politischen Instabilität nicht in die Schule in K. gehen resp. die Maturaprüfung nicht
ordentlich im April 1990 abschliessen können, verstrickt er sich in einen unauflösbaren
Widerspruch. Mit dem Zeugnis der von ihm belegten Handelsmittelschule für das
Schuljahr 1989/1990 vom 26. Mai 1990 (act. 9/18a/1) ist nachgewiesen, dass er
zumindest im ersten Halbjahr 1990, insbesondere im April 1990, vom Dorf L. aus die
Schule in K. besuchen konnte. Ansonsten hätte ihm dieses Zeugnis nicht ausgestellt
werden können, zumal sich in den Akten keine Anhaltspunkte für die Möglichkeit eines
Fernstudiums in K. finden. Wenn die Ausbildung gemäss der Darstellung des
Beschwerdeführers nur drei Jahre gedauert hätte, hätte er dementsprechend die
Abschlussprüfung im April 1990 ablegen können. Die Behauptungen des
Beschwerdeführers sind nicht geeignet, seine früheren Angaben und die gestützt
darauf getroffene tatsächliche Vermutung der Vorinstanz zu widerlegen. Dies umso
mehr, als nicht erstellt ist, dass der von ihm zitierte Sekretär der offenbar neu als
„Technische Mittelschule B. in K.“ benannten Schule in den Jahren 1987 bis 1991
überhaupt an der damals als „Ausbildungszentrum oder Mittelschule A.“ bezeichneten
Schule in K. tätig war. Dementsprechend ist die Vorinstanz zu Recht davon
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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ausgegangen, dass die Ausbildungsdauer des Beschwerdeführers bis zum Abschluss
der Bachelor-Stufe insgesamt mindestens zwölf Jahre betragen hat und die maximale
Ausbildungsdauer von zwölf Jahren gemäss Art. 10 Abs. 2 Satz 1 StipG damit erreicht
ist.
4. (...).