Decision ID: 70d5cabe-2f38-50e0-a142-f080c6034103
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, indischer Staatsangehörige, reiste am 10. April
2018 mit einem Schengen-Visum der Kategorie C (gültig vom 19. Juli 2017
bis 18. Juli 2020, Aufenthaltsdauer 90 Tage) in die Schweiz ein. Die Be-
schwerdeführerin, ebenfalls indische Staatsangehörige, folgte ihm mit der
gemeinsamen Tochter am 21. Mai 2018, ebenfalls im Besitz eines Schen-
gen-Visums der Kategorie C (gültig vom 4. Mai bis 3. November 2018, Auf-
enthaltsdauer 90 Tage). Anlässlich einer koordinierten Aktion zwischen der
Wirtschaftspolizei und der Fachgruppe Ausländerbelange der Stadtpolizei
Zürich wurde wegen Verdachts auf Schwarzarbeit und illegalen Aufenthalt
am 27. Juni 2018 eine Kontrolle im Restaurant C._ in D._
durchgeführt. Dabei wurden die Beschwerdeführenden im Restaurant an-
getroffen und zusammen mit zwei weiteren Personen festgenommen.
Anlässlich der polizeilichen Einvernahmen vom 28. Juni 2018 bestritten die
Beschwerdeführenden, einer Arbeit nachgegangen zu sein und Personen
ohne Arbeitsbewilligung beschäftigt zu haben.
B.
Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 29. Juni 2018
wurde die Beschwerdeführerin der Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung im
Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. c AuG (SR 142.20) in Verbindung mit Art. 11
AuG sowie des rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne von Art. 115 Abs. 1
lit. b AuG schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von 30
Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft, unter Ansetzung einer Probezeit von zwei
Jahren.
Der Beschwerdeführer wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zü-
rich-Limmat vom 29. Juni 2018 der Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung im
Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. c AuG in Verbindung mit Art. 11 AuG, des
rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG sowie der
Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern ohne Bewilligung im
Sinne von Art. 117 Abs. 2 AuG in Verbindung mit Art. 11 Abs. 1 und Art. 91
Abs. 1 AuG schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von
45 Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft, unter Ansetzung einer Probezeit von
zwei Jahren.
Dagegen erhoben die Beschwerdeführenden am 9. Juli 2018 Einsprache.
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C.
Am 28. Juni 2018 wurde den Beschwerdeführenden das rechtliche Gehör
zu einer allfälligen Wegweisung und Erlass eines Einreiseverbots gewährt.
Dabei machten sie geltend, in der Schweiz nicht gearbeitet und auch nie-
manden beschäftigt zu haben, weshalb sie weder über ein entsprechendes
Visum noch über eine Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung verfügen wür-
den.
D.
Das Migrationsamt des Kantons Zürich wies die Beschwerdeführenden mit
Verfügungen vom 29. Juni 2018 aus der Schweiz weg und ordnete an, sie
hätten die Schweiz spätestens am 3. Juli 2018 zu verlassen. Einem allfäl-
ligen Rekurs entzog es die aufschiebende Wirkung.
E.
Mit Verfügungen vom 3. Juli 2018 (eröffnet am 28. März und 2. Mai 2019)
erliess die Vorinstanz gegen die Beschwerdeführenden Einreiseverbote,
gültig vom 4. Juli 2018 bis 3. Juli 2021. Weiter ordnete sie die Ausschrei-
bung der Einreiseverbote im SIS II an.
F.
Gegen die vorinstanzlichen Verfügungen erhoben die Beschwerdeführen-
den mit Eingaben vom 7. Mai 2019 Beschwerden beim Bundesverwal-
tungsgericht und beantragten die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfü-
gungen und der Einreiseverbote. Die Ausschreibung der Einreiseverbote
im SIS II sei zu löschen. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
G.
Mit Zwischenverfügungen vom 27. Mai 2019 wies das Bundesverwaltungs-
gericht die Gesuche um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses ab und forderte die Beschwerdeführenden auf, einen solchen fristge-
recht zu leisten.
H.
Die Beschwerdeführerin ersuchte mit Schreiben vom 29. Mai 2019 um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung, unter Beilage einer aktuellen
Steuererklärung, sowie um Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters
als unentgeltliche Rechtsvertretung. Eventualiter sei die Frist zur Leistung
eines Kostenvorschusses neu anzusetzen. Das Bundesverwaltungsgericht
hob mit Zwischenverfügung vom 5. Juni 2019 die Dispositivziffern 2 und 3
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der Verfügung vom 27. Mai 2019 auf und forderte die Beschwerdeführerin
auf, ihre finanziellen Verhältnisse offenzulegen und mit den nötigen Be-
weismitteln versehen zuzustellen. Am 24. Juni 2019 zog die Beschwerde-
führerin ihr Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zurück.
I.
Beide Beschwerdeführenden leisteten in der Folge fristgerecht den einge-
forderten Kostenvorschuss.
J.
In ihren Vernehmlassungen vom 12. Juli 2019 beantragte die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerden.
K.
Das Bundesverwaltungsgericht wies die Beschwerdeführenden mit Zwi-
schenverfügungen vom 23. Juli 2019 auf die Möglichkeit hin, für die Ent-
scheidfindung andere Fernhaltegründe (insbesondere Art. 67 Abs. 2 Bst. a
AIG [SR 142.20]) heranzuziehen (sog. Motivsubstitution). Die Beschwer-
deführenden replizierten am 12. September 2019 und reichten Sistierungs-
verfügungen vom 24. Juli 2018 bezüglich der Strafverfahren der Staatsan-
waltschaft Zürich-Limmat, einen Untermietvertrag für das Restaurant in
D._ zwischen E._ und F._ vom 4. Juni 2018 sowie
einen Handelsregisterauszug der letztgenannten vom 1. März 2018 ein.
L.
Die Vorinstanz duplizierte am 3. Oktober 2019, die Tripliken der Beschwer-
deführenden erfolgten am 15. Oktober 2019.
M.
Mit Schreiben vom 10. August 2020 erkundigten sich die Beschwerdefüh-
renden nach dem Stand des Verfahrens. Das Bundesverwaltungsgericht
beantwortete diese Anfrage am 19. August 2020.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2019 ist die Teilrevision des Ausländergesetzes vom 16. De-
zember 2005 (AuG) abschliessend in Kraft getreten (AS 2018 3171). Dabei
wurde auch der Titel des Gesetzes in «Ausländer- und Integrationsgesetz»
(AIG) geändert. Das Gericht wendet deshalb die neue Bezeichnung an, mit
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dem Hinweis, dass die in diesem Urteil behandelten wesentlichen Bestim-
mungen nicht geändert wurden. Gleiches gilt für die Bestimmungen der
Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Er-
werbstätigkeit (VZAE, SR 142.201).
2.
2.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen des SEM, die gestützt auf Art. 67 AIG ein
Einreiseverbot zum Gegenstand haben (Art. 33 Bst. d VGG; Art. 32 VGG;
Art. 112 Abs. 1 AIG).
2.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
2.3 Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten zur Erhe-
bung der Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und
formgerecht eingereichten Beschwerden ist einzutreten (Art. 50 und 52
VwVG).
2.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache
endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
3.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62
Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann
die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage
zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
4.
Angesichts der persönlichen und sachlichen Konnexität der beiden Verfah-
ren F-2207/2019 und F-2212/2019 sind diese koordiniert zu führen. Die
entsprechenden Verfahren sind deshalb zu vereinigen und in einem Ent-
scheid zu behandeln.
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5.
5.1 Das SEM kann gestützt auf Art. 67 Abs. 2 Bst. a–c AIG gegenüber aus-
ländischen Personen Einreiseverbote verfügen, die gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen haben
oder diese gefährden (Bst. a), Sozialhilfekosten verursacht haben (Bst. b),
oder in Vorbereitungs-, Ausschaffungs- oder Durchsetzungshaft genom-
men worden sind (Bst. c). Das Einreiseverbot wird für eine Dauer von
höchstens fünf Jahren verfügt. Es kann für eine längere Dauer angeordnet
werden, wenn die betroffene Person eine schwerwiegende Gefahr für die
öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AIG). Aus hu-
manitären oder anderen wichtigen Gründen kann die zuständige Behörde
ausnahmsweise von der Verhängung eines Einreiseverbots absehen oder
ein Einreiseverbot endgültig oder vorübergehend aufheben (Art. 67 Abs. 5
AIG).
5.2 Das in Art. 67 AIG geregelte Einreiseverbot stellt keine Sanktion dar,
sondern eine Massnahme zur Abwendung einer künftigen Störung der öf-
fentlichen Sicherheit und Ordnung (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über
die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002 [nachfolgend: Bot-
schaft], BBl 2002 3709, S. 3813). Die öffentliche Sicherheit und Ordnung
im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG bildet den Oberbegriff für die Ge-
samtheit der polizeilichen Schutzgüter; sie umfasst unter anderem die Un-
verletzlichkeit der objektiven Rechtsordnung und der Rechtsgüter Einzel-
ner (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 3809). Somit liegt ein Verstoss gegen die öf-
fentliche Sicherheit und Ordnung dann vor, wenn gesetzliche Vorschriften
oder behördliche Verfügungen missachtet werden (vgl. Art. 77a Abs. 1
Bst. a VZAE). Widerhandlungen gegen Normen des Ausländerrechts fallen
ohne weiteres unter diese Begriffsbestimmung und können ein Einreise-
verbot nach sich ziehen (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 3813). Die Verhängung
eines Einreiseverbots knüpft an das Risiko einer künftigen Gefährdung an.
Gestützt auf sämtliche Umstände des Einzelfalles ist eine entsprechende
Prognose zu stellen. Dabei ist naturgemäss primär das vergangene Ver-
halten der betroffenen Person zu berücksichtigen (vgl. anstelle vieler Urteil
des BVGer F-4025/2017 vom 1. Oktober 2018 E. 3.2 m.H.).
5.3 Wird gegen eine Person, die nicht die Staatsangehörigkeit eines Mit-
gliedstaates der EU oder der EFTA besitzt, ein Einreiseverbot verhängt, so
wird sie nach Massgabe der Bedeutung des Falles im SIS II zur Einreise-
verweigerung ausgeschrieben (vgl. Art. 21 und 24 der Verordnung [EG]
Nr. 1987/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. De-
zember 2006 über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des
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Schengener Informationssystems der zweiten Generation, Abl. L 381/4
vom 28. Dezember 2016 sowie Art. 20–22 der Verordnung vom 8. März
2013 über den nationalen Teil des Schengener Informationssystems [N-
SIS] und das SIRENE-Büro [N-SIS-Verordnung, SR 362.0]).
6.
6.1 Die Vorinstanz führt zur Begründung ihrer Verfügungen an, die Be-
schwerdeführenden seien von der zuständigen Behörde gemäss Art. 64d
AIG weggewiesen worden und die Wegweisung sei sofort zu vollstrecken.
Gemäss Art. 67 Abs. 1 lit. a AIG sei deshalb eine Fernhaltemassnahme
anzuordnen. Die Stellungnahmen im Rahmen des rechtlichen Gehörs wür-
den keine Gründe enthalten, die es rechtfertigen würden, davon abzuse-
hen.
6.2 Die Beschwerdeführenden machen in ihren Beschwerden geltend, die
Wegweisung sei nicht sofort vollstreckt worden, sondern ihnen sei eine
Ausreisefrist von wenigen Tagen angesetzt worden. Damit fehle es offen-
sichtlich an der Voraussetzung für die Verfügung eines Einreiseverbots ge-
mäss Art. 67 Abs. 1 lit. a AIG, weshalb dieses aufzuheben und die Aus-
schreibung im SIS II zu löschen sei.
6.3 In ihren Vernehmlassungen hält die Vorinstanz fest, die Beschwerden
würden keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel enthalten,
die eine Änderung des Entscheids rechtfertigen würden. Die Beschwerde-
führerin sei mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom
29. Juni 2018 wegen Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung und rechtswidrigen
Aufenthalts mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft
worden. Der Beschwerdeführer zusätzlich wegen Beschäftigung von Aus-
länderinnen und Ausländern ohne Bewilligung zu einer Geldstrafe von 45
Tagessätzen zu Fr. 30.–. Gemäss ständiger Praxis und Rechtsprechung
liege damit ein schwerer Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung im Sinne von Art. 67 AIG vor. Dabei sei unerheblich, ob die Wegwei-
sung unmittelbar durch Ausschaffung vollstreckt oder ob zwecks Vorberei-
tung der Ausreise eine längere Ausreisefrist gewährt werde. Die Beschwer-
deführenden hätten durch die gerichtliche Bestrafung einen Grund zum Er-
lass der Fernhaltemassnahmen gesetzt.
6.4 Replizierend erwidern die Beschwerdeführenden, die Strafbefehle
seien nicht in Rechtskraft erwachsen, da die Verfahren seit geraumer Zeit
sistiert seien. Der den Strafverfahren zugrunde liegende Sachverhalt sei
zudem illiquid. Weitere Zeugen seien einzuvernehmen, welche bestätigen
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könnten, dass die Beschwerdeführenden nicht in der Schweiz gearbeitet
hätten. Sie hätten die Schweiz innert kurzer Frist verlassen müssen und
keine Gelegenheit gehabt, sich gegen die straf- und ausländerrechtlichen
Vorwürfe zur Wehr zu setzen. Weiter seien ihre Teilnahmerechte nicht ge-
währt geworden, weshalb allfällig belastende Zeugenaussagen nicht ver-
wertbar seien. Unklar sei, auf welche Beweise sich die Vorinstanz stütze
und wie sie diese werte. Die Begründungspflicht als Ausfluss des rechtli-
chen Gehörs sei deshalb verletzt. Es könne nicht nachvollzogen werden,
ob und inwiefern sie gegen das AIG und somit gegen die öffentliche Sicher-
heit und Ordnung verstossen haben sollen. Damit fehle es an der Voraus-
setzung für die Anordnung eines Einreiseverbots gemäss Art. 67 Abs. 2
Bst. a AIG.
6.5 Die Vorinstanz führt duplizierend aus, sie habe von der Sistierung der
Verfahren vor der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat Kenntnis genommen.
Die Beschwerdeführenden seien von der Kantonspolizei Zürich im
C._ bei der Arbeit angetroffen worden. Allgemein gelte, dass für die
Verhängung eines Einreiseverbots kein Strafurteil erforderlich sei. Es ge-
nüge, wenn die ausländische Person die Einreise- oder Aufenthaltsvor-
schriften falsch interpretiere und dagegen verstosse. Die Beschwerdefüh-
renden hätten im Rahmen des rechtlichen Gehörs zugegeben, weder über
ein gültiges Visum noch über eine Aufenthaltsbewilligung zu verfügen und
auch nicht im Besitz einer Arbeitsbewilligung zu sein. Damit liege ein
schwerer Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne
von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG vor.
6.6 Triplizierend merken die Beschwerdeführenden an, sie seien entgegen
der Behauptung der Vorinstanz von der Kantonspolizei Zürich nicht bei der
Arbeit im Restaurant angetroffen worden. Sie hätten nicht gearbeitet, wes-
halb sie auch keine entsprechenden Visa beziehungsweise entsprechende
Bewilligungen benötigt hätten.
7.
7.1 Die Beschwerdeführenden rügen eine Verletzung der Begründungs-
pflicht und damit eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Dabei handelt es
sich um eine formelle Rüge, die vorab zu beurteilen ist, da sie allenfalls
geeignet wäre, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügungen zu bewir-
ken.
7.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
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Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Im Zentrum steht das Recht, vor dem Erlass einer be-
lastenden Verfügung angehört zu werden (Art. 30 VwVG). Mit dem Gehörs-
anspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu
hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu
berücksichtigen. Die Begründungspflicht dient der rationalen und transpa-
renten Entscheidfindung und soll die Betroffenen in die Lage versetzen,
den Entscheid sachgerecht anzufechten. Das setzt voraus, dass die Be-
hörde die Überlegungen nennt, von denen sie sich beim Entscheid leiten
liess. Dabei ist sie nicht gehalten, zu jedem Argument der Partei explizit
Stellung zu nehmen. Es genügt, wenn aus der Gesamtheit der Begründung
implizit hervorgeht, weshalb das Vorgebrachte als unrichtig oder unwesent-
lich übergangen wird (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2; BVGE 2012/24 E. 3.2).
Die Begründung muss dabei nicht zwingend in der Verfügung selbst ent-
halten sein; es genügt, dass sich die die Begründung aus einer separaten
schriftlichen Mitteilung ergibt (UHLMANN/SCHILLING-SCHWANK, in: Praxis-
kommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 35 N 13 m.H.).
7.3 Den Eingaben der Vorinstanz lässt sich nicht entnehmen, wie sie zur
Feststellung gelangt sei, dass die Beschwerdeführenden arbeitstätig ge-
wesen sein sollen. Nach Kenntnisnahme der sistierten Strafverfahren
führte sie aus, die Beschwerdeführenden seien von der Kantonspolizei im
C._ bei der Arbeit als Untermieter von G._ (Beschwerdefüh-
rer) beziehungsweise bei der Arbeit (Beschwerdeführerin) angetroffen wor-
den. Sie präzisierte jedoch nicht, zu welchem Zeitpunkt die Beschwerde-
führenden dort angetroffen worden sein sollen. Den Akten ist sodann zu
entnehmen, dass im Restaurant anlässlich einer koordinierten Aktion zwi-
schen der Wirtschaftspolizei und der Fachgruppe Ausländerbelange der
Stadtpolizei Zürich am 27. Juni 2018 eine Kontrolle durchgeführt worden
sei. Unklar bleibt damit, ob die Vorinstanz von dieser Kontrolle ausgeht o-
der ob sie von einer weiteren Kontrolle durch die Kantonspolizei Kenntnis
hat. Weiter begründete die Vorinstanz nicht, wie sie zur Erkenntnis ge-
langte, der Beschwerdeführer habe seine Ehefrau und Tochter sowie einen
Koch für die Mitarbeit engagiert. Unbeachtlich ist in diesem Zusammen-
hang, dass die Beschwerdeführenden anlässlich des rechtlichen Gehörs
angegeben haben, über kein entsprechendes Visum, keine Aufenthalts-
und Arbeitsbewilligung zu verfügen; beide machen geltend, in der Schweiz
nicht gearbeitet zu haben, weshalb aus Sicht der Beschwerdeführenden
keine derartigen Bewilligungen beziehungsweise Visa nötig gewesen wä-
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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Seite 10
ren. Die Vorinstanz führte weder in ihrer Verfügung noch in der Vernehm-
lassung und Duplik aus, weshalb sie davon ausgeht, die Beschwerdefüh-
renden seien in der Schweiz einer Arbeitstätigkeit nachgegangen. Sie zog
für ihre Begründung keine Aussagen von weiteren Personen bei und er-
wähnte auch nicht die in den Akten liegenden Videoaufnahmen. Weiter
nahm die Vorinstanz keine wertende Abwägung zwischen dem öffentlichen
Interesse an der Massnahme einerseits und den von der Massnahme be-
einträchtigten privaten Interessen der Betroffenen andererseits vor. Den
Beschwerdeführenden ist es damit nicht möglich, die Verfügung der Vor-
instanz rechtsgenüglich anzufechten.
7.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Anspruch der Beschwerde-
führenden auf rechtliches Gehör verletzt. Eine Heilung ist aufgrund der
Schwere der Verletzung der Verfahrensgrundsätze ausgeschlossen. Die
Vorinstanz äusserte sich trotz mehrfachem Schriftenwechsel nicht detail-
lierter zur angeblichen Arbeitstätigkeit der Beschwerdeführenden und
nahm auch keine Verhältnismässigkeitsprüfung vor. Die Beschwerden sind
daher gutzuheissen. Die Verfügungen vom 3. Juli 2018 sind aufzuheben
und die Sache ist im Sinne der Erwägungen zur Gewährung des rechtli-
chen Gehörs und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Die bereits geleisteten Kostenvorschüsse
sind den Beschwerdeführenden zurückzuerstatten.
8.2 Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die
ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es
wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb die notwendigen Parteikos-
ten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE).
Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13
VGKE) ist den Beschwerdeführenden zulasten der Vorinstanz eine Partei-
entschädigung von insgesamt Fr. 1‘500.– (Fr. 750.– je Verfahren; inkl. Aus-
lagen und Mehrwertsteuerzuschlag) zuzusprechen.
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