Decision ID: 1c3e05bd-bc03-4308-a5b7-eb87877fef6a
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1960, war seit Mai 2005 bei der
A._
angestellt. Die obligatorische Unfallversicherung führte die AXA Versiche
rungen AG. Am
4.
März 2016 gegen 18.00 Uhr befand sich der Versicherte
gemäss Schilderung in der Unfallmeldung vom 2
1.
März 2016
stehend in einem fahrenden Bus. In einer Kurve verlor er das Gleichgewicht und griff nach der Haltestange. Hierbei verspürte er
ein Reissen im rechten Oberarm (Urk. 9/A1).
Am 1
7.
März 201
6 begab sich der Versicherte
zu
Dr.
B._
,
Fach
arzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, in Behandlung. Dieser erwähnte im Zeugnis vom
1.
April 2016
,
der
Impingement
-Test sei positiv gewesen und der Röntgenbefund zeige eine Tendinitis calcarea. Als Diagnose nannte
Dr.
B._
in der Folge ein Distraktionstrauma der rechten Schulter und wies darauf hin, er habe den Versicherten an
Dr.
C._
, FMH für O
rthopädische Chirurgie und Traumatologie, überwiesen (Urk. 9/M2).
Dieser diagnostizierte in seinem
Bericht vom 2
9.
März
2016
eine
symptomatische
Tendinosis
calcar
ea
der
Supra
spinatussehne
an der rechten Schulter bei Status nach akutem Distraktionstrauma des rechten Arms
am
4.
März 2016
(Urk. 9/M1).
Nachdem die AXA dem Versicherten zum Unfallhergang zusätzliche Fragen gestellt und jener diese am
6.
April 2016 beantwortet hatte (Urk. 9/A2)
,
erliess sie am 2
6.
Mai 2016 eine Verfügung
,
mit der sie eine Leistungspflicht im Zusam
menhang mit dem Ereignis vom
4.
März 2016 verneinte (Urk. 9/A4). Dagegen erhob der Versicherte am 2
8.
Juni 2016 Einsprache (Urk. 9/A5). Mit
Einsprache
entscheid
vom
8.
Dezember 2016 wies die AXA die Einsprache ab (Urk. 2 =
Urk.
9/A7).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
8.
Dezember 201
7 erhob der Versicherte am 2
5.
Januar 2017 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, der Vorfall vom
4.
März 2016 sei als Unfall anzuerkennen und es seien demzufolge die gesetzlichen Leis
tungen zu erbringen, namentlich die Erstattung der Heilungskosten und die Deckung allfälliger Spätfolgen (Urk. 1). Die AXA beantragte in der Beschwerde
antwort die Abweisung der Beschwerde (Urk. 8).
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Absatz 1 der Übergangsbesti
mmungen zur Änderung des Bundes
gesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 25. September 2015 werden
Versiche
rungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem Inkrafttreten der Änderung
vom 25. September 2015, das heisst vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, nach bis
herigem Recht gewährt, weshalb im Folgenden die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesene Rechtslage massgebend ist.
1.2
Die massgeblichen gesetzlichen Bestimmungen und die zu beachtenden
Grund
s
ätze der Rechtsprechung betreffend d
en Unfallbegriff und
betreffend unfallähn
liche Körperschädigungen
hat
die Beschwerdegegnerin im angefochte
nen
Ein
spracheentscheid
zutreffend dargelegt (Urk. 2 S. 3 ff. Ziff. 4.1.1
f., Ziff. 4.2.1
f.
,
Urk.
8 S. 6 ff.
Ziff.
2.2.1
)
.
Darauf wird verwiesen.
2.
2.1
D
i
e
Beschwerdegegner
in
verneinte
ihre
Leistungspflicht
zusammengefasst
mit der Begründung, der gesetzliche Unfallbegriff sei nicht erfüllt.
Gestützt auf die Angaben des Beschwerdeführers, soweit auf diese abgestellt werden könne, könne das Erfordernis
eines
ungewöhnlichen äusseren Faktor
s
, der auf den Körper des Beschwerdeführers eingewirkt habe
, nicht bejaht werden.
Keiner der Ärzte habe sodann eine der für eine
unfallähnliche Körperschädigung
in Frage kommende Diagnose gestellt.
Die in
Art.
9
Abs.
2 der Verordnung über die Unfallversiche
rung (UVV) genannten Verletzungen bildeten nach dem Willen des Gesetzgebers eine abschliessende Liste
(Urk. 2 S. 3 ff
.
Ziff.
4.1.3 u.
Ziff.
4.2.3, Urk. 8 S. 8
ff.
Ziff. 2.2.2 f.
).
2.2
Der Beschwerdeführer macht geltend,
der gesetzliche
Unfall
begriff sei
erfüllt
. Ins
besondere sei das Kriterium des ungewöhnlichen äusseren Faktors
zu bejahen
,
weil
er entgegen der gewohnten Weise aufgrund der Busbewegung ins Stürzen geraten sein.
Er könne nicht genau sagen, was an jenem Tag passiert sei, da es so schnell gegangen sei. Jedenfalls sei es vor dem Spurwechsel des Buses zu einem ruckartigen Bremsen und/oder zu einem starken Schlenker des Fahrzeuges gekommen.
Die direkt-kausalen Folgen seien die auftretenden Schmerzen gewe
sen, die durch die ärztlichen Untersuchungen bestätigt worden seien. Indem die Beschwerdegegnerin primär die Diagnose der Kalkschulter in den Vordergrund stelle, werde übersehe, dass die erste
Diagnose
von
Dr.
B._
der Verdacht auf eine
n
Bizepsankerabriss gewesen sei und der Facharzt
Dr.
C._
neben der Kalkschulter auch
ein akutes Distraktionstrauma diagnostiziert habe. Die
Beschwerdegegnerin habe bei dieser Sachlage zu Unrecht eine
unfallähnliche Körperschädigung
verneint
(Urk. 1 S. 1 f.)
.
3.
3.1
Zentral
bei der Prüfung der Elemente des Unfallbegriffs im Sinne von
Art.
1
Abs.
1
UVG in Verbindung mit Art.
4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) im Zusammenhang mit dem Ereignis vom
4.
März 2016 ist der Aspekt des
ungewöhnlichen äusseren Faktors.
Grund
lage für diese Beurteilung ist die Sachdarstellung des Beschwerdeführers hierzu. Die Beschwerdegegnerin hat dessen Sachdarstellung
in
den verschiedenen Sta
dien
des Verfahrens in der Beschwerdeantwort im Detail analysiert (
Urk.
8 S. 8 ff.
Ziff.
2.2.2).
Hervorzuheben
sind die folgenden Angaben:
In der Unfallmeldung findet
sich die Schilderung, bei der Kurvenfahrt des Bu
s
ses habe der Beschwerdeführer das Gleichgewicht verloren und nach der Haltestange gegriffen (Urk. 9/A1 S. 2).
Im Beiblatt zum Fragebogen der Beschwerdegegner
in zum Vorfall vom
4.
März 2016
führte der Beschwerdeführer am
6.
April 2016 aus, zwischen den Stationen Uetlihof und Strassenverkehrsamt
in Zürich habe der Bus die Fahrspur gewech
selt, was an dieser Stelle normal sei. Er habe im Bus gestanden und das Gleich
gewicht verloren, weswegen er nach
der Haltestange
gegriffen und sich hochge
zogen
habe. Direkt danach habe er Schmerzen im Oberarm verspürt
(Urk. 9/A2 S.
1 u
nd
2).
Gemäss Zeugnis von
Dr.
B._
gab der Beschwerdeführer diesem an, der Bus habe gebremst, weswegen er sich notfallmässig habe festhalten müssen (Urk. 8/M2).
Im Bericht von
Dr.
C._
vom 2
9.
März 2016
hinwiederum
ist
ver
merkt, der Beschwerdeführer habe im Bus den festen Stand verloren und habe sich an einer Stange festhalten müssen (Urk. 9
/M1 S. 1
)
.
In der Einsprache vom 2
8.
Juni 2016 gab der Beschwerdeführer an, er fahre die Strecke mit dem Bus täglich. In der Regel halte er sich während der Fahrt nirgends f
est. Normal sei, dass der Bus an
der betreffenden St
elle einen Spurwechsel mache. An
diesem Tage jedoch habe es vor dem Spurwechsel ein ruckartiges Bremsen und/oder ein starkes Schlenkern des Bus
s
es gegeben. Dies habe ihn aus dem Gleich
gewicht gebracht. U
m nicht zu stürzen
,
habe er zur Haltestange gegriffen (Urk. 9/A5 S. 1). Bei dieser Sachdarstellung blieb der Beschwerdeführer in der Beschwerdeschrift (Urk. 1 S. 1).
3.2
Der Vergleich der verschiedenen Schilderungen zeigt, dass anfänglich von einem unvorhergesehenen Manöver des Bus
s
es als Auslöser für den Verlust des Gleich
gewichts und den Griff an die Haltestange nicht die Rede
war, sondern allein von einem Sp
urwechsel
während der Busfahrt
. Dieser war
dem Beschwerdeführer
allerdings
aufgrund der täglichen Benützung des Bus
s
es
explizit
vertraut
(Urk.
1
S. 1,
Urk.
9/A5 S. 1)
.
D
er
Darstellung folgend
führte
somit
zwar ein
äusserer Fak
tor -
nämlich der
Spurwechsel
des Bus
s
es
- zum Verlust des Gleichgewichts und zum
Ergreifen der Haltestange, jedoch mangelt es
dem betreffenden Faktor
an der Ungewöhnlichkeit.
Manöver dieser Art sind regelmässig Teil
einer
Busfahrt,
zumal der hier in Frage stehende Spurwechsel
dem Beschwerdeführer nach eige
nem Bekunden
gar
vertraut
war
.
Die Beschwerdegegnerin hat
zutreffend
festge
halten, das Auftreten von Schmerzen allein erfülle die Voraussetzung des unge
wöhnliche
n äusseren Faktors nicht (Urk. 8
S.
8).
Da
s Fahr
manöver und das Ergreifen der Haltestange sind alltägliche Vorgänge
während der Fahrt in einem Bus
.
Hierbei unvermittelt auftretende Schmerzen können nicht Unfallfolge sein.
Auch i
m Übrigen sind die Überlegungen der Beschwerdegegnerin in diesem Zusammenhang überzeugend, weswegen ergänzend auf die entsprechenden Aus
führungen im
Einspracheentscheid
verwiesen wird (Urk.
2 S.
3 f.
Ziff.
4.1.3).
3.3
Auf die Schilderung des Beschwe
rdeführers, Ursache des Verlust
s des Gleichge
wichts sei ein plötzliches Bremsmanöver oder ein unvorhergesehener Schlenker des Bus
s
es gewesen, kann aus zwei Gründen nicht abgestellt werden. Zum einen vermag der Beschwerdeführer
das unvermittelte Manöver des Bu
s
ses nicht näher zu beschreiben, was er
selber einräumte (Urk. 1 S. 1,
Urk.
9/A5 S. 1).
Ein
plötz
liches Bremsen oder
ein unvermittelter Schlenker sind somit zwar mögliche Sach
verhaltsabläufe,
jedoch gen
ügt
die
blosse Möglichkeit für einen bestimmten Geschehensablauf
nicht als Nachweis. Daf
ür erforderlich ist der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
.
Zum anderen ist nicht auszuschliessen
,
dass
Überlegungen versicherungsrechtlicher Art zu den
Sachverhaltsergänzungen
Anlass gaben. Zu Recht
geht
die Beschwerdegegnerin
davon aus
, dass in dieser Konstellation
der
Beweismaxime der sogenannten Aussage der ersten Stunde zu folgen und
auf die
der Unfallmeldung
zu Grunde liegende Sachverhaltsdarstel
lung abzustellen
ist (Urk.
8
S.
9).
3.4
Am
6.
April 2016 erwähnte der
Beschwerdeführer
zusätzlich
, er habe
nach dem Vorfall vom
4.
März 2016
seine
n
Arm mit Salbe behandelt. Am 1
6.
März 2016 hab
e er abends im Büro die Schränk
e zugezogen, wahrscheinlich zu schnell, denn danach sei der Schmerz wieder aufgetreten, und nunmehr schlimmer als zuvor. Am nächsten Tag sei er dann zum Arzt gegangen
(
Urk.
9/A2 S. 2)
.
Diese Ausfüh
rungen lassen zusätzlich die Frage zu, inwieweit
die geklagten und zur
Arztbe
handlung Anlass gebenden Beschwerden
direkte Folge des Vorfalls vom 4.
März
2016
sind
.
Da bezüglich des Vorfalls vom
4.
März 2016 der Unfallbegriff nicht erfüllt ist und betreffend
das weitere Ereignis ke
ine Unfallmeldung
erfolgte, ist auf diesen Aspekt
jedoch
nicht näher einzugehen
.
4.
Da ein ungewöhnlicher äusserer Faktor zu verneinen ist, prüfte die Beschwerde
gegnerin ihre Leistungspflicht korrekt auch unter dem Aspekt des Vorliegens einer unfallähnlichen Körperverletzung und verneinte diese in Ermangelung einer der in
Art.
9
Abs.
1 UVV aufgeführten Diagnosen (Urk. 2 S.
5
Ziff.
4.2.3).
Dieser Würdigung ist beizupflichten. Die von
Dr.
C._
gestellte Diagnose einer
Tendi
nosis
calcarea
der
Supraspinatussehne
respektive die als möglich erwähnte Tendi
nitis
der langen
Bizepssehne
(Urk. 9/M1 und
Urk.
9/M3-4
; vgl. auch
Urk.
3/2-6
)
sind keine
Diagnosen im Sinne der gesetzlichen Liste unf
allähnlicher Körperschä
digungen, denn
sie
be
zeichnen nicht eine traumatisch
bedingte Läsion, sondern das Ergebnis eines degenerativen und somit unfallfremden Prozesses. Für die Anna
hme eines Unfalltraumas besteht
trotz des von
Dr.
C._
als auch von
Dr.
B._
erwähnten Distraktionstraumas
kein Anlass,
fanden sich
doch
zu keinem Zeitpunkt Anhaltspunkte für eine solche Läsion. Namentlich die bildge
benden Untersuchungen sprechen dagegen (
Urk.
9/M1-2)
.
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht im Zusam
menhang mit dem Ereignis vom
4.
März 2016 zu Recht verneint. Der
Einsprache
entscheid
, mit dem die Beschwerd
egegnerin die Verfügung vom 26.
Mai 2016 bestätigte, ist nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde
ist daher
abzuweisen.