Decision ID: 03e16913-7b47-4d47-8f60-0eb09251127f
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1940, ist bei der
Sanitas
Grundversicherungen AG für die Leistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung im Rah
men des besonderen Versicherungsmodels
CallMed
versichert (vgl.
Urk.
2 S. 2
E III/A/8).
Am 1
2.
Juli 2010 unterzog sich die Versicherte einer Kataraktoperation
rechts
in der Klinik
Z._Z._
. Behandelnde Ärztin war PD
Dr.
med.
A._
des Zentrums für Augenheilkunde und plastische Chirurgie,
B._
(vgl.
Opera
tionsbericht
vom 1
2.
Juli 2010,
Urk.
8/5). Bereits im Vorfeld
hatte
die
Hausärz
tin
der Versicherten,
Dr.
med.
C._
, um Kostengutsprache für einen stationä
ren Aufenthalt mit jeweils eine
r
Übernachtung für die Kataraktoperation rechts vom 1
2.
Juli 2010
wi
e auch für diejenige
des
linken
Auges, welche
sodann
am 16. August 2010 stattfand (
Urk.
8/1,
8/5,
8/7)
, ersucht
. Die
Sanitas
lehnte
eine Kostengutsprache für die
stationären Aufenthalt
e ab, da die
geplante
n
Eingriff
e
auch
teilstationär
respektive
ambulant
durchführbar (gewesen) wären
(
Urk.
6/3 und
6/8)
. Mit Schreiben vom 19. August
2010 gelangte
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Pneumologie und Innere Medizin, Lungenzentrum der Klinik
Z._
, an die Krankenkasse und
erklärte, die Versicherte
habe
anlässlich obiger Eingriffe
wegen Schwindel und Angstzuständen jeweils über Nacht in der Klinik bleiben müssen (
Urk.
8/9). Nach Rücksprache mit dem Vertrauensarzt (
Urk.
8/10) hielt die Krankenkasse an der Beschränkung der Kostenübernahm
e auf die Kosten ambulanter Eingriffe
nach gültigem
Tarmed
-Tarif fest (
Urk.
8/11). Mit Berichten vom 23. Dezember 2010 und 4. Januar 2011 sprachen sich
PD
Dr.
A._
und
Dr.
C._
f
ür eine Übernahme der Kosten für die stationären Aufenthalte
aus (
Urk.
8/13, 8/15)
.
Hierauf bat der vertrauensärztliche Dienst der Kasse
Dr.
C._
um Einreichung der Austrittsberichte der beiden
Hospitalisationen
(
Urk.
8/26) und
Dr.
A._
um die entsprechenden Anästhesieprotokolle (
Urk.
8/31). Nach Eingang der letzteren (
Urk.
8/32-35) und neuerlicher Rücksprache mit dem Vertrauensarzt (
Urk.
8/37) verneinte die Krankenkasse mit Verfügung vom 9. November 2011 das Vorliegen einer Sp
italbedürftigkeit betreffend die
stationären Aufenthalte in
der Klinik
Z._
vom 1
2.
bis 13. Juli 2010 und vom 16. b
is 17. August 201
0 und beschränkte ihre Kostengutsprache auf die
Leistungen nach den be
stehenden Tarifen für ambulante Kataraktoperationen aus der obligatorischen Krankenpfl
egeversicherung
(
Urk.
8/43). Die Einsprache der Versicherten vom
1. Dezember 2011 (
Urk.
8/72) wies sie – wiederum nach Rücksprache mit dem Vertrauensarzt (
Urk.
8/75) - mit Entscheid vom 13. April 2012 ab (
Urk.
2).
Am 18. April 2012 gelangte die Versicherte telefonisch an die Kasse, um ihre Situa
tion darzulegen (
Urk.
8/87).
2.
Am 11. Mai 2012 liess
X._
Beschwerde gegen den
Ein
spracheentscheid
vom 13. April 2012 erheben und vollumfängliche
Kostenüber
nahme
beantragen (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit der Vernehm
lassung vom 21. Juni 2012 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Am 17. Juni 2013 bat das Gericht die Rechtsvertreterin um Einreichung der
Austritts
berichte
der Klinik
Z._
sowie der Spitalrechnungen betreffend die beiden Aufenthalte (
Urk.
10). Am 24. Juni 2013 liess die Beschwerdeführerin eine Rechnung über
Fr.
8‘861.85 betreffend beide Aufenthalte einreichen (
Urk.
12/1-2) und telefonisch mitteilen, dass gemäss Rücksprache mit
PD
Dr.
A._
keine Austrittsberichte existierten (
Urk.
11).
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
Streitig und zu prüfen in diesem Verfahren ist, ob die Beschwerdegegnerin aus der obligatorischen Krankenpflegeversicherung nur die Kosten für die ambu
lante oder aber die Kosten für die stationäre Durchführung der
Kataraktoperati
onen
rechts und links zu übernehmen hat, wobei auch
diesfalls
nur die
Kosten
übernahme
aus der Grundversicherung zur Diskussion stünde
.
Die Rechnung der Klinik
Z._
vom 21. März 2011 beläuft sich
auf
Fr. 8‘861.85 (
Urk.
12/2). Da
mit
liegt
der Streitwert
jedenfalls
unter
Fr.
20’000.--
,
so dass
die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
) fällt.
2.
2.1
Art. 24
des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG)
verpflichtet die Kranken
kassen, aus der obligatorischen
Kranken
pflege
versicherung
die Kosten für die in Art. 25-31 KVG aufgelisteten Leistun
gen nach Massgabe der in Art. 32
34 KVG festgelegten Voraussetzungen zu übernehmen.
2
.2
Zum Leistungsbereich gemäss Art. 25-31 KVG gehören die Kosten für die Leistun
gen, die der Diagnose oder Behandlung einer Krankheit und ihrer Folgen dienen (Art. 25 Abs. 1 KVG). Diese Leistungen umfassen nach Art. 25 Abs. 2 KVG (in der hier anwendbaren, bis Ende 2010 gültig gewesenen Fassung) unter anderem die Untersuchungen, Behandlungen und
Pflegemass
nahmen
, die am
bulant, bei Hausbesuchen, stationär, teilstationär oder in einem Pflegeheim durchgeführt werden (
lit
. a), die ärztlich durchgeführten oder angeordneten Massnahmen der medizinischen Rehabilitation (
lit
. d) und den Aufenthalt in der allgemeinen Abteilung eines Spitals (
lit
. e).
2
.3
In Art. 32 Abs. 1 KVG wird als generelle Voraussetzung für die
Lei
stungs
pflicht
aus der obligatorischen Krankenpflegeversicherung verlangt, dass die Leis
tun
gen nach den Artikeln 25-31 KVG wirk
sam, zweckmässig und wirtschaftlich sind. Das Gebot der Wirtschaftlichkeit besagt, dass die Krankenversicherer die Leistungen auf das Mass zu beschränken haben, das für den Behandlungszweck erforderlich ist. Demnach haben sie dort, wo gleichzeitig mehrere Massnahmen als wirksam und zweckmässig zu qualifizieren sind, nur für die kosten
günstige
re dieser Massnahmen aufzukommen (vgl. RKUV 1999 KV Nr. 64 S. 67 f. E. 3a+b mit Hinweisen).
Anwendungsfall des Wirtschaftlichkeitsgebotes bei der Frage nach der
Leis
tungs
pflicht
für stationäre Behandlungen in einem Spital - das heisst in einer Einrichtung, die der stationären Behandlung akuter Krankheiten oder der stati
onären Durchführung von Massnahmen der medizinischen Rehabilitation dient (vgl. Art. 39 Abs. 1 KVG) - ist das Erfordernis der Spitalbedürftigkeit. Die
Spi
talbedürftigkeit
wird vom Bundesgericht dahingehend umschrieben, dass eine Krankheit vorliegen muss, die eine Akutbehandlung oder eine medizinische Re
habilitation unter Spitalbedingungen erforderlich macht. Spitalbedürftigkeit in diesem Sinne ist nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung einerseits dann gegeben, wenn die notwendigen diagnostischen und therapeutischen Massnah
men nur in einem Spital zweckmässig durchgeführt werden können, und ander
seits auch dann, wenn die Möglichkeiten ambulanter Behandlung erschöpft sind und nur noch im Rahmen eines Spitalaufenthaltes Aussicht auf einen Behand
lungserfolg besteht. Dabei kann eine Leistungspflicht für den Spitalaufenthalt auch dann bestehen, wenn der Krankheitszustand der versicherten Person einen solchen Aufenthalt nicht unbedingt erforderlich macht, die medizinische Be
hand
lung jedoch wegen besonderer persönlicher Lebensumstände nicht anders als im Spital durchgeführt werden kann (BGE 126 V 323 E. 2b mit Hinweisen).
2
.4
Zwischen den Begriffen der ambulanten und der stationären Behandlung stand in der Fassung von Art. 25 Abs. 2 KVG, die bis Ende 2010 in Kraft gewesen war, der Begriff der teilstationären Behandlung. Dieser Begriff wurde im Rah
men der letzten Teilrevision des KVG per 1. Januar 2011 aufgehoben, und in Art. 49 KVG existiert er bereits seit dem 1. Januar 2009 nicht mehr. Zur Be
gründung für die Streichung des Begriffs hatte der Bundesrat ausgeführt, das Konzept der teilstationären Krankenpflege habe sich in der Praxis nicht durch
gesetzt (vgl. die Botschaft betreffend die Änderung des KVG vom 15.
September 2004,
BBl
2004 VI 5567 und 5578).
Auch in der
Verordnung über die
Kosten
ermittlung
und die Leistungserfassung durch Spitäler und Pflegeheime in der Krankenversicherung (VKL), wo in Art. 3-5 die stationäre, die teilstationäre und die ambulante Behandlung voneinander abgegrenzt worden waren, wurde per 1. Januar 2009 auf die Kategorie der teilstationären Behandlung verzichtet.
Gemäss
Art. 3 VKL in der neuen Fassung gilt als stationäre Behandlung jeder Aufenthalt zur Untersuchung, Behandlung und Pflege im Spital, der mindestens 24 Stunden dauert, oder jeder solche Aufenthalt von weniger als 24 Stunden, bei dem während einer Nacht ein Bett belegt wird. Umgekehrt ist neu jede Be
handlung als ambulant zu betrachten, die
nicht als stationär im Sinne der vor
stehenden Definition zu qualifizieren ist. Weggefallen ist die Vorschrift, wonach eine Behandlung als teilstationär gilt, wenn ein geplanter Aufenthalt zur Un
tersuchung, Behandlung und Pflege eine
anschliessende
Überwachung oder Pflege sowie die Benutzung eines Bettes erfordert (früherer Art. 4 VKL).
3.
3.1
Es
steht ausser Frage, dass eine Kataraktoperation beim heutigen Stand der Tech
nik ambulant im Sinne der vorstehenden Definition, also ohne Übernach
tung im Spital, zweckmässig durchgeführt werden kann
,
und
auch,
dass dies mittlerweile dem Regelfall entspricht
.
Die Beschwerdegegnerin verneinte im angefochtenen Entscheid das Vorliegen
medizinischer
Gründe, welche eine ausnahmsweise Spitalbedürftigkeit der Be
schwerdeführerin zu begründen vermöchten. Dabei stellte sie sich im Wesentli
chen auf den Standpunkt, dass die behaupteten Beschwerden
-
wie
diejenige
ei
ne
r
hypertensive
n
Krise und ein
es
Glaskörperdruckanstieg
s -
durch die medizi
nischen Akten nicht belegt würden (
Urk.
2).
Auch lägen keine besonderen per
sönlichen Umstände vor, welche eine
Spitalbedürftigkeit zu begründen ver
möchten (
Urk.
7 S. 4).
Die Beschwerdeführerin lässt dagegen geltend machen
, dass den Berichten von PD
Dr.
A._
und
Dr.
D._
wie auch von
Dr.
C._
die
Spitalbe
dürftigkeit
in medizinischer
Hinsicht zu
entnehmen sei
. Zudem sei sie im Zeit
punkt der Operationen alleinstehend und in einer Trauerphase gewesen, da ihr Ehepartner kurz zuvor verstorben sei (
Urk.
1 S. 6).
3.2
Den Akten ist dazu Folgendes zu entnehmen:
Die Hausärztin
Dr.
C._
begründete in ihrem vor der ersten Operation gestell
ten Kostengutsprachegesuch (undatiert,
Urk.
8/1) die Spitalbedürftigkeit damit, dass die Beschwerdeführerin vor allem wegen starker Empfindlichkeit auf Medi
kamente bei entsprechender Vorgeschichte mit einer allergischen Reaktion
post
Anästhesie
für die beiden Kataraktoperationen
auf stationäre Aufenthalte an
gewiesen sei
.
Nach Ablehnung derselben
durch die Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
8/2 und 8/3) ging einen Tag nach der ersten Operation vom 1
2.
Juli 2010 ein Kosten
gutsprachegesuch der Klinik
Z._
für einen stationären Aufenthalt ab 1
2.
Juli 2010 in der halbprivaten Abteilung für eine IOL (Intraokularlinse) rechts ein. Als
behandelnder Arzt wurde
Dr.
D._
aufgeführt, als Aufnahmegrund „Krankheit“, wobei die Eintrittsart als
„
Normaleintritt
“
bezeichnet wurde (
Urk.
8/4).
Das Kostengutsprachegesuch zur Operation vom 1
6.
August 2010 ging am Operati
onstag um 12.52 Uhr -
ebenfalls als Normaleintritt
deklariert -
bei der Beschwerdegegnerin ein (
Urk.
8/6).
I
n den
Operationsbericht
en
vom 1
2.
Juli
und vom 1
6.
August
2010
legte
PD
Dr.
A._
die präoperative
n
Diagnosen und das operative Vorgehen dar
(
Urk.
8/5, 8/7).
Mit Schreiben vom 1
9.
Au
gust 2010 erklärte
Dr.
D._
, dass er die Beschwer
deführerin auf Wunsch von PD
Dr.
A._
jeweils nach durchgeführten Kataraktoperationen internistisch wegen insta
biler Hypertonie gesehen habe; d
ie
Beschwerdeführerin
habe unter Schwindel und Angstzustä
n
den gelitten und
deshalb jeweils über Nacht bleiben müssen (
Urk.
8/9).
Mit als Wiedererwägungsgesuch bezeichnetem Schreiben vom 2
3.
Dezember 2010 erklärte PD
Dr.
A._
sodann, dass sich bei der Beschwerdefüh
rerin am 1
2.
Juli 2010 bereits präoperativ
zum ambulant geplanten Eingriff
eine
hypertensive
Krise entwickelt habe. Der Blutdruck habe nur unter intensiver in
travenöser Therapie soweit gesenkt werden können, dass mit der Operation habe begonnen werden können. Intraoperativ sei sodann ein ausgeprägter
Glaskör
perdruckanstieg
mit aufgehobener Vorderkammer aufgetreten. Nur mit grosser Mühe habe
die Operation
bei persistierender Augendruck-Dekompensation bei der trotz tiefer Sedierung sehr unruhigen Patientin beendet werd
en können. Postoperativ habe die Beschwerdeführerin
unter Schwindel und Angstzuständen gelitten,
weshalb ein internistisches
Konsil
bei
Dr.
D._
angemeldet wor
den sei. Dieser
habe die internistische Behandlung der Beschwerdeführerin über Nacht übernommen. Parallel dazu hätten bei persist
ierendem
Glaskörperdurck
über Nacht wiederholte Kontrollen und intravenöse Injektionen mit
Carboan
hydrasehemmer
bis
morgens um 3 Uhr durchgeführt wer
den
müssen
.
Die Operation am Gegenauge sei ebenfalls
ambulant geplant gewesen. Wiede
rum habe die Beschwerdeführerin eine
hypertensive
Krise entwickelt und sei intraoperativ sehr unruhig gewesen. Auch habe sich wieder ein ausgeprägter Glaskörperdruck entwickelt. Postoperativ habe die Beschwerdeführerin unter Schwindel gelitten, weshalb wiederum ein internistisches
Konsil
bei
Dr.
D._
angemeldet worden sei.
Dr.
D._
habe die stationäre Auf
nahme allein schon aus
internistischer Sicht als erforderlich
erachtet
. Gleichzei
tig sei im Rahmen wiederholter Kontrollen ein stark erhöhter Augendruck ge
messen worden, so d
ass intravenöse Infusionen mit
C
arboanhydrasehemmer
über Nacht bis um 5 Uhr morgens erforderlich gewesen seien
. Versehen, wenn auch nicht unterz
eichnet, war der Bericht mit dem
Namen von PD
Dr.
A._
und mit demjenigen von
Dr.
D._
(
Urk.
8/12, 8/13).
Auf Bitte von PD
Dr.
A._
ersuchte
Dr.
C._
mit Arztzeugnis vom
4.
Januar 2011 neuerlich um Übernahme der Kosten für die stationären Aufent
halte. Ihre Erklärung, wonach die Beschwerdeführerin seit längerem zu einem Blutdruck neige, der unter Stress grosse Probleme verursache, weshalb es sie nicht überrasche, dass es bei den Kataraktoperationen zu
hypertensiven
Krisen gekommen sei (
Urk.
8/15), entspricht
im Wesentlichen
dem
Formulierungsvor
schlag
von PD
Dr.
A._
vo
m 2
3.
Dezember 2010 (
Urk.
8/14).
Nach Eingang der Anästhesieprotokolle (
Urk.
8/32-35)
legte der Vertrauensarzt
Dr.
E._
in seiner Beurteilung vom
9.
September 2011 dar, dass im
Ope
rationsbericht
vom 1
2.
Juli 2010 ein prob
lemloser Verlauf festgehalten wo
rden
sei
. Gemäss Anästhesieprotokoll sei vor der Operation ein Blutdruck von 180/90
mmHg
gemessen worden, welcher sich
perioperativ
kontinuierlich gesenkt
habe und Ende der Operation
140/80
mmHg
betragen habe. Die Überwachung habe um 12.10 Uhr begonnen, beendet worden sei die
Operation
um 13.00 Uhr. Es seien die üblichen Medikamente appliziert worden
. Auch der zweite
Operations
bericht
weise auf keine Besonderheiten hin; dabei sei der Blutdruck
i
nitial
bei 195/90
mmHg
und am
Ende der Operation
normotensiv
bei 115/75
mmHg
bei einer Überwachu
ngszeit von 11.15 bis 11.55 Uhr gelegen.
Es
könne sicher
nicht von
hypertensiven
Krisen
, nur von stressbedingten
Blut
drucksteigerungen
zu Beginn der Operationen
gesprochen werden
. Beide
Kata
raktoperationen
seien um die Mittagszeit erfolgt, sodass genügend Zeit für eine postoperative Überwachung am Nachmittag verblieben sei. Über den
weiteren
Verlauf nach den Operationen lägen keine objektiven Befunde vor, weshalb aufgrund der vorliegenden Unterlagen nicht nachvollziehbar sei, weshalb die Beschwerdeführerin aus medizinischen Gründen
jeweils
über Nacht in der Klinik habe bleiben müssen (
Urk.
8/37).
Am 1
7.
November 2011 nahm
Dr.
D._
auf Bitte der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin Stellung und erklärte, dass bei der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Spitaleintritts vom 1
2.
Juli 2010 eine Spitalbedürftigkeit vorgele
gen habe und präoperativ Schwindel und Angstzustände eingetreten seien. Während der Operation
und
postoperativ sei eine hypertone Krise eingetreten, weswegen PD
Dr.
A._
einen internistischen Rat verlangt habe. Im Rahmen der zweiten Operation sei primär keine Spitalbedürftigkeit vorgelegen. Jedoch habe die Beschwerdeführerin unter der Angst gelitten, das
s
bei der zweiten
Operation die gleichen Probleme
wie beim ersten Eingriff auftreten könnten, weshalb es medizinisch absolut nachvollziehbar gewesen sei, dass die Operateurin gewünscht habe, dass die Beschwerdeführerin über Nacht bezüglich Blutdruck, Puls und Angst überwacht werde (
Urk.
8/47).
Im Rahmen des
Einspracheverfahrens
nahm
Dr.
E._
neuerlich Stellung und hielt zusammengefasst daran fest, dass gestützt auf die vorhandene medizi
nische Aktenlage mangels Unterlagen über den postope
rativen Verlauf ange
sichts der
objektivierbaren Befunde nicht nachvollziehbar sei, weshalb die Be
schwerdeführerin nicht jeweils am späteren Nachmittag des Operationstages, also nach adä
quater postoperativer Überwachungszeit entlassungsfähig gewesen sein soll (
Urk.
8/75).
Gemäss Aktennotiz der Beschwerdegegnerin vom 1
8.
April 2012 erklärte die Beschwerdeführerin telefonisch, dass sie den Eindruck habe, im
Einspracheent
scheid
vom 1
3.
April 2012 seien moralische und ethische Gesichtspunkte nicht berücksichtigt worden. Zur Zeit der Kataraktoperationen sei
es
ihr sehr schlecht gegangen; ihr Mann habe Alzheimer gehabt und sei in der Zwischenzeit ver
storben (
Urk.
8/87).
Auf telefonische Aufforderung des Gerichts vom 1
7.
Juni 2013, die
Austrittsbe
richte
der Klinik
Z._
zu den beiden Spitalaufenthalten einzureichen (
Urk.
10), liess die Beschwerdeführer
in am 2
4.
Juni 2013
mitteilen, dass gemäss Auskunft von PD
Dr.
A._
keine solchen
Berichte existierten, da die Operateurin
selbständig in den Räumlichkeiten der Klinik
Z._
operiert habe (
Urk.
11).
3.3
Der Vergleich
der vorhandenen medizinischen Unterlagen
macht die Divergenz zwischen de
n Verläufen, welche
den Operationsberichten (
Urk.
8/5 und 8/7) und Anästhesieprotokollen (
Urk.
8/32-25) zu entnehmen
sind
,
und den
,
insbesondere von PD
Dr.
A._
, aber auch von
Dr.
D._
und
Dr.
C._
darge
legten Komplikationen
deutlich.
Nicht zu übersehen sind zudem gewisse Unge
reimtheiten in den Aussagen der behandelnden ärztlichen Fachpersonen.
Wie
Dr.
E._
in seinen Beurteilungen vom
9.
September 2011 und
4.
Februar 2012 (
Urk.
8/36-37 und 8/74-75) in Auseinandersetzung mit der Aktenlage nachvollziehbar begründet darlegte, lassen insbesondere die
Operati
onsberichte
vom 1
2.
Juli
und vom 1
6.
August 2010 (
Urk.
8/5 und 8/7) auf keine Komplikationen schliessen
.
Beide Operationen erfolgten in Tropfanästhesie mit Monitorüberwachung
mit einer halben Tablette
Dormicum
als Prämedikation
. Weder finden sich darin Hinweise
auf eine präoperative h
ypert
on
e
Krise
noch
solche
auf
eine entsprechende Medikation; auch lässt sich dem
Operationsbe
richt
vom 1
2.
Juli 2010 kein
Hinweis auf die
von PD
Dr.
A._
in ih
rem Wiederwägungsgesuch vom 2
3.
Dezember 2010
(vgl.
Urk.
8/22)
behauptete
erhebliche Unruhe der Beschwerdeführerin entnehmen
.
Zum angeblich anläss
lich beider Operationen aufgetretenen
ausgeprägten Glaskörperdruckanstieg ist festzuhalten, dass g
emäss Beurteilung von
Dr.
E._
vom
4.
Februar 2012 die von PD
Dr.
A._
offensichtlich regelmässig eingesetzten Infusio
nen mit dem
Acetasolamid
Diamox
nicht
dem
Standard bei Kataraktoperationen in der Schweiz
entsprechen
(
Urk.
8/74). Jedenfalls lassen auch die nach beiden Operationen verabreichten Infusionen von
Diamox
500 mg nicht auf besondere Komplikationen
im Sinne eines übermässigen Glaskörperdruckanstiegs
schlies
sen, sieht doch das Arzneimittel-Kompendium der Schweiz in akuten Fällen Dosierungen bis zu 1000 mg täglich vor (vgl. unter: www.compendium.ch).
Zutreffend erscheinen auch die Ausführungen von
Dr.
E._
zu den
behaup
teten
hypertensiven
Krisen. Eine Hochdruckkrise, welcher nicht selten eine Stresss
ituation bei b
ekanntem Hypertonus
zugrunde liegt, kennzeichnet sich durch starke Erhöhung
insbesondere des diastolisch
en Blutdruckes (über 120
mmHG
; vgl.
Gerlach/van
Husen
/Wagner/Wirth, Innere Medizin für
Kranke
pflegeberufe
,
3.
Auflage, Stuttgart 1989, S. 252 f.).
Wie
Dr.
E._
aus
führte, kann bei den gemessenen Blutdruckwerten nicht von
hypertensiven
Krisen gesprochen werden. Am Ende beider Operationen lagen
zudem
normotensive
W
erte vor (vgl.
Urk.
8/37, 8/75), welche gemäss
Anästhesieproto
kollen
keine Behandlungs- oder besondere Kontrollbedürftigkeit erkennen las
sen.
Für die behauptete
n
postoperativen Komplikationen und
Behandlung
en
in der Klinik
Z._
existieren offensichtlich keine Spitalberichte (vgl.
Urk.
11).
Dr.
med.
F._
, welcher von PD
Dr.
A._
mit Schreiben vom
1
3.
April 2011 aufgefordert worden
war, eine Bestätigung der hypertonen Ent
gleisung einzureichen (
Urk.
8/28), beschränkte sich bezeichnenderweise auf
die
Einreichung der Anästhesieprotokolle (
Urk.
8/32-35).
Das von
Dr.
C._
er
stellte Schreiben vom
4.
Januar 2011, welches offensichtlich auf der Vorlage von PD
Dr.
A._
basiert (vgl.
Urk.
8/20 und 8/14), rückt nicht nur die Angaben von
Dr.
C._
, sondern auch diejenigen von PD
Dr.
A._
in ein ungünstiges Licht, dies gilt umso mehr, als im ursprünglichen Kosten
gutsprachegesuch von
Dr.
C._
nicht die Rede von Blutdruckproblemen war, sondern
lediglich
von einer Empfindlichkeit auf Medikamente mit allergischen Reaktionen (
Urk.
8/1)
.
Zweifel
drängen sich des Weitern an der Behauptung von PD
Dr.
A._
auf
, wonach beide Operationen ambulant geplant gewesen seien
,
jedoch
aufgrund der postoperativen Schwindel und Angstzustände in beiden Fällen ein internistisches
Konsil
bei
Dr.
D._
angemeldet worden sei, welcher die sta
tionäre Aufnahme alleine aus internistischer Sicht für erforderlich gehalten habe
(vgl.
Urk.
8/13)
. Gemäss Anästhesieprotokoll vom 1
6.
August 2010 war die Operation kurz vor 12.00 Uhr mittags bei
normotensiven
Blutdruckwerten von 115/70
mmHG
beendet (
Urk.
8/35). Bereits um
12.52 Uhr ging bei der
Be
schwerdegegnerin
das per FAX eingereichte Kostengutsprachegesuch für den stationären Aufenthalt in der halbprivaten Abteilung ein. Als behandelnde Ärz
tin aufgeführt wurde PD
Dr.
A._
; der Eintritt wurde als
Normalein
tritt
bezeichnet
. Hinweise auf eine Beteiligung von
Dr.
D._
fehlen ebenso wie
Hinweise
auf
intra- oder postoperative
Komplikationen
, welche einen stati
onären Aufenthalt erforder
te
n
(
Urk.
8/6).
Letztlich
weisen auch die Angaben von
Dr.
D._
Inkongruenzen auf. In seiner kurzen Stellungnahme vom 1
9.
August 2010 sprach er noch davon, dass er die Beschwerdeführerin nach beiden Operationen auf Wunsch der Operateu
rin wegen instabiler Hypertonie gesehen habe, dass sie unter Schwindel und Angstzuständen gelitten habe und daher beide Male über Nacht habe in der Kli
nik bl
eiben müssen (
Urk.
8/9). Im Schreiben vom 1
7.
November 2011 zuhanden der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin legte er sodann dar, dass die Schwindel und Angstzustände anlässlich der Operation vom 1
2.
Juli 2010 präoperativ aufgetreten seien und postoperativ eine hypertone Krise vorgelegen habe. Beim Spitaleintritt zur Operation vom 1
6.
August 2010 sei primär keine Spitalbedürftigkeit vorgelegen, jedoch habe die Beschwerdeführerin unter der Angst gelitten, dass wiederum die gleichen Probleme wie bei der ersten Opera
tion aufträten, weshalb sie auch auf Wunsch der Operateurin über Nach
t
über
wacht worden sei (
Urk.
8/47). Von tatsächlich
eingetretenen Komplikationen nach
der zweiten Operation ist darin, anders als im seinem Schreiben vom 1
9.
August 2010 (
Urk.
8/9) und im Bericht von PD
Dr.
A._
vom 2
3.
Dezember 2010 (
Urk.
8/13),
keine Rede mehr.
Angesichts dieser Aktenlage
lässt sich im Rahmen der Beweiswürdigung der Eindruck nicht verwehren, dass die Angaben der beteiligten ärztlichen
Fach
personen
zumindest teilweise im Hinblick auf die Begründung der
Spitalbedürf
tigkeit
gemacht wurden. Den zeitechten medizinischen Unterlagen, mithin den Operationsbe
richten und Anästhesieprotollen
,
aber auch den
Kostengutsprache
gesuchen
sind die behaupteten
Komplikationen nicht respektive nicht in der be
haupteten Schwere zu entnehmen
. Gemäss Angaben der Beschwerdeführerin
(
Urk.
11) existieren
keine Berichte der Klinik
Z._
; auch lässt sie keine andern, noch nicht in den Akten liegenden medizinischen Unterlagen einrei
chen oder zum Beweis offerieren (
Urk.
1).
Wie
Dr.
E._
in seiner überzeu
genden
Beurteilung vom
4.
Februar 2012
(
Urk.
8/74)
ausführte, ist angesichts der vorliegenden Berichte insb
esondere nicht erkennbar, aus welchem Grund die postoperative Überwachung über Nacht notwendig gewesen sein sollte, nach
dem beide Operationen vor 13.00 Uhr mittags beendet waren und
folglich
eine mehrstündige adäquate Überwachung im ambulanten Rahmen möglich gewesen wäre. Damit aber ist nicht mit
dem im Sozialversicherungsrecht notwendigen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit
(BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3)
erstellt, dass besondere medizi
nische Umstände für eine stationäre Durchführung der Kataraktoperationen vom 1
2.
Juli und 1
6.
August 2010 vorlagen.
Angesichts der Ungereimtheiten in den ärztlichen Berichten ist in antizipierter Beweiswürdigung
(BGE 124 V 90 E. 4b; 122 V 157 E. 1d) auf weitere Beweisvorkehren, insbesondere die Befra
gung
en
von PD
Dr.
A._
,
Dr.
C._
und
Dr.
D._
zu verzichten; die Beschwerdeführerin hat die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen
(BGE 117 V 261
E. 3b).
3.
4
Zu prüfen bleibt, ob persönliche Umstände vorlagen, welche die medizinischen Behandlungen im Spital erforderten.
Die Beschwerdeführerin lässt hierzu vorbringen, dass sie im Zeitpunkt der Operati
onen alleinstehend gewesen sei und sich in einer Trauerphase befunden habe, nachdem ihr Ehepartner kurz zuvor verstorben sei (
Urk.
1 S. 6).
Wie die Beschwerdegegnerin in der Vernehmlassung vom 2
1.
Juli 2012 zutref
fend darlegte (
Urk.
7 S. 4), besteht bei Kataraktoperationen im Regelfall keine zeitliche Dring
lichkeit, weshalb zumindest einer mittelfristigen Verschiebung der
Operationsdaten bei psychisch labilem Zustand ka
um etwas entgegenge
standen sein dürfte. Des W
eitern
sind keine Umstände - wie zum Beispiel ein Mobilitätsproblem oder eine besondere Pflegebedürftigkeit
–
ersichtlich
oder geltend gemacht
, aufgrund welcher eine postoperative Betreuung
der im
Opera
tionszeitpunkt
(erst)
70-jährigen Beschwerdeführerin zu Hause respektive in Form ambulanter Arztbesuche nicht hätte möglich sein sollen.
Auch liess die Beschwerdeführerin ein Auge nach dem andern operieren
, was grundsätzlich eine weitgehende Selbständigkeit
ermöglichte.
Die Tatsache allein, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Operationen alleinstehend war, vermag eine Spitalbedürftigkeit aufgrund besonderer persön
licher Umstände nicht zu begründen (vgl. auch: Empfehlungen betreffend
Ka
taraktoperationen
im
Manual
der Schweizer Vertrauensärzte, unter:
www.vertrauensaerzte.ch
, wo in der Punkteskale
die Lebensform
„alleinstehend“ nicht als sozialer, weiterer Faktor aufgeführt ist).
Dass im Rahmen einer Augenoperation Angstgefühle auftreten können (vgl. entsprechende Ausfüh
rungen in der Beschwerdeschrift,
Urk.
1 S. 6), ist ange
sichts der Sensibilität des betroffenen Organs unbestrit
ten, für sich alleine aber
kein Grund für die Annahme einer Spitalbedürftigkeit,
gilt dies doch für j
ede versicherte Person
.
Zusammenfassend ist der Beschwerdegegnerin darin zuzustimmen, dass nicht überwiegend wahrscheinlich ist, dass die Beschwerdeführerin bei/nach den
Ka
taraktoperationen
vom 1
2.
Juli und 1
6.
Au
gust 2010 spitalbedürftig war. D
ie Beschränkung der Kostenübernahme auf diejenigen der ambulanten Leistungen im angefochtenen Entscheid erweist sich folglich als zutreffend.
Die Beschwerde ist abzuweisen.