Decision ID: bde4fac5-cdfa-55f3-90f9-702dd5fdc8fc
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit 11. August 2015 arbeitslos und damit
über die Kantonale Arbeitslosenkasse St. Gallen bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) obligatorisch gegen die Folgen von
Unfällen versichert. Zuletzt hatte der Versicherte bei der B._ AG in der
Auftragsabwicklung im Büro gearbeitet. Er ist gelernter Drucktechnologe mit
Ausbildung zum Druckkaufmann (Suva-act. II-1, 39-2, 68, 181, 211).
A.a.
Am 3. April 2016 stürzte der Versicherte auf der Rennstrecke in Misano (Italien) bei
einem Fahrsicherheitskurs mit dem Motorrad und verletzte sich die rechte Hand (Suva-
act. II-1, 11, 14). Bei diagnostizierten Luxationsfrakturen Metacarpale (MC) III und IV
sowie dorsaler Luxation MC V an der rechten Hand wurde er am 4. April 2016 im
Kantonsspital St. Gallen (KSSG) operiert (offene Reposition und Plattenosteosynthese
Basis MC III; Kirschnerdraht-Transfixation MC III-V sowie MC V-Hamatum) und am
Folgetag in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen (Suva-act. II-6 f.). Die Suva
anerkannte für die Folgen des Unfalls ihre Leistungspflicht und erbrachte die
gesetzlichen Versicherungsleistungen (Heilbehandlung und Taggeld; Suva-act. II-4).
Am 20. Mai 2016 wurde der Kirschnerdraht entfernt (Suva-act. II-17). Bei anhaltenden
Beschwerden an der rechten Hand wurde nach einem Untersuch im Muskelzentrum
des KSSG mit Bericht vom 20. Juli 2016 eine Läsion des Ramus profundus nervi
ulnaris rechts (iatrogen) diagnostiziert (Suva-act. II-32). Am 17. August 2016 fand eine
A.b.
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weitere Operation statt (OSME Basis MC III Hand rechts dorsal, Exploration distaler
Nervus ulnaris mit Dekompression der Loge de Guyon sowie Neurolyse des Ramus
profundus aus der Narbenplatte palmar über der ehemaligen Fraktur Basis MC III Hand
rechts; Suva-act. II-35). Am 19. August 2016 konnte der Versicherte in gutem
Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden (Suva-act. II-36). Kreisärztin med.
pract. C._, Fachärztin für Chirurgie, untersuchte den Versicherten am 13. Januar
2017 und diagnostizierte aktuell neuropathische Schmerzen und
Funktionseinschränkungen an der Hand (Suva-act. II-64).
Am 31. März 2017 verbrannte sich der Versicherte zu Hause beim Kochen von
Butter die linke Hand und beide Oberschenkel (Suva-act. III-1, 6). Die Suva anerkannte
auch für dieses Ereignis ihre Leistungspflicht (Suva-act. III-4).
A.c.
Am 8. Januar 2018 erlitt der Versicherte einen weiteren Unfall, als er mit dem
Fahrrad stürzte (Suva-act. I-4). Die Ärzte des KSSG diagnostizierten eine
Rissquetschwunde (RQW) mit Strecksehnenläsion 40 % Zone II (zentral) und offenem
PIP-Gelenk (proximalem Interphalangealgelenk) Dig IV Hand links und operierten den
Versicherten am 9. Januar 2018 (Wundexploration, Gelenkspülung PIP-Gelenk, Naht
Strecksehne, Wundverschluss mittels Rotationsplastik (Suva-act. I-1 f.). Die Suva
anerkannte ihre Leistungspflicht (Suva-act. I-5). Bei anhaltenden Beschwerden am
linken Ringfinger (schmerzhafte Narbe und Knopflochdeformität Dig IV Hand links)
erfolgte am 13. Juni 2018 ein weiterer Eingriff (Narbenexzision, Rekonstruktion
Zentralzügel nach Hellmann und Transfixation PIP-Gelenk; Suva-act. I-22 f.).
A.d.
Seit Mai 2017 hatte sich der Versicherte in eine ambulante psychiatrische Therapie
bei med. pract. D._, Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, begeben (Suva-act.
II-104). Dieser diagnostizierte mit Bericht vom 14. Dezember 2018 eine chronische
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit
somatischem Syndrom, sowie eine sonstige Angststörung (Suva-act. II-172).
A.e.
Am 18. Dezember 2018 untersuchte Kreisarzt Dr. med. E._, Facharzt für
Chirurgie, spez. Unfallchirurgie, den Versicherten. Er diagnostizierte aktuell eine
inkomplette sensomotorische distale Nervus ulnaris Läsion mit
Funktionseinschränkung und Gebrauchsminderung der rechten Hand und ein
A.f.
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B.
chronisch neuropathisches Schmerzsyndrom, geringe Narbenrestbeschwerden an der
linken Hand ohne funktionelle Einschränkung sowie eine Bewegungseinschränkung
und Funktionsstörung am linken Ringfinger mit Belastungsschmerzen im PIP. Bei den
klinischen und radiologischen Befunden handle es sich in allen drei Schadenfällen um
einen stabilen medizinischen Dauerzustand, der durch weitere
Behandlungsmassnahmen nicht gebessert werden könne, noch in absehbarer Zukunft
eine massgebliche Verschlimmerung medizinisch erwarten lasse. Zumutbar sei rein
unfallkausal eine zeitlich unlimitierte Arbeitsfähigkeit von 100 % in angepasster
Tätigkeit, für leichte manuelle Tätigkeiten mit der rechten Hand ohne feinmotorische
Anforderungen oder repetitive Kraftbeanspruchung und leichte bis mittelschwere
manuelle Tätigkeiten mit der linken Hand. Entsprechend sei für die erlernte Tätigkeit als
Drucker und die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Sachbearbeiter volle Arbeitsfähigkeit
gegeben (Suva-act. I-32). Den Integritätsschaden schätzte Dr. E._ auf 10 % (7.5 %
für die rechte Hand, 2.5 % für den linken Ringfinger; Suva-act. I-33).
Bei anhaltender Beschwerdeproblematik am linken Ringfinger wurde der Fall für
eine Zweitmeinung Dr. med. F._, Facharzt Allgemein-, Unfall- und Handchirurgie,
vorgelegt (Suva-act. I-34 ff.). Dieser bestätigte bezüglich der rechten Hand einen
medizinischen Endzustand. In Bezug auf den linken Ringfinger empfahl er einen
erneuten Rekonstruktionsversuch der Strecksehne (Suva-act. I-46). Von einem solchen
wurde in der Folge abgesehen (Suva-act. I-52). Dr. E._ bestätigte am 17. Oktober
2019 seine Einschätzung vom 21. Dezember 2018 (Suva-act. I-54).
A.g.
Am 6. Dezember 2019 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass die Heilkosten-
und Taggeldleistungen am 31. Januar 2020 eingestellt würden (Suva-act. II-206).
A.h.
Mit Verfügung vom 19. Dezember 2019 sprach die Suva dem Versicherten eine
Integritätsentschädigung von Fr. 14'820.-- (Integritätsschaden 10 %) zu und lehnte
einen Rentenanspruch ab (Suva-act. II-209).
A.i.
Gegen die Verfügung vom 19. Dezember 2019 erhob der Versicherte am 20.
Januar 2020 Einsprache (Suva-act. II-221). Am 6. Februar 2020 erhob der
Krankenversicherer, die Concordia, Einsprache (Suva-act. II-217).
B.a.
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C.
Nachdem ein unfallkausales Karpaltunnelsyndrom rechts im Raum stand (Suva-
act. II-199), ersuchte die Suva diesbezüglich um eine neurologische Beurteilung durch
Dr. med. G._, Fachärztin für Neurologie FMH. Diese kam mit Beurteilung vom 6. Mai
2020 zum Schluss, dass aktuell ein elektroneurographischer Normalbefund bestehe
und keine Hinweise für ein Karpaltunnelsyndrom rechts vorliegen würden (Suva-act.
II-229).
B.b.
Mit Entscheid vom 26. Mai 2020 wies die Suva die Einsprachen des Versicherten
und der Concordia ab (Suva-act. II-230).
B.c.
Gegen den Einspracheentscheid vom 26. Mai 2020 liess der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt Daniel Christe,
Winterthur, am 19. Juni 2020 Beschwerde erheben. Der Einspracheentscheid sei
aufzuheben und die Sache sei zu ergänzenden medizinischen Abklärungen und zum
Neuentscheid über die Invalidenrente und die Integritätsentschädigung an die Suva
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Es sei dem
Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung und in der Person des
Unterzeichnenden die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu bewilligen. In
prozessualer Hinsicht sei dem Beschwerdeführer die Möglichkeit zur Replik bzw. zur
ergänzenden Beschwerdebegründung einzuräumen (act. G 1).
C.a.
In der Beschwerdeantwort vom 13. Juli 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde sowie die Bestätigung des Einspracheentscheids (act.
G 4).
C.b.
Am 20. August 2020 teilte Rechtsanwalt Christe auf Nachfrage des
Versicherungsgerichts mit, dass die Orion Rechtsschutz-Versicherung AG zufolge
Aussichtlosigkeit keine Kostengutsprache für das Beschwerdeverfahren erteilt habe.
Der Beschwerdeführer habe ihm einen Kostenvorschuss von Fr. 2'000.-- geleistet.
Dabei handle es sich nicht um Eigenmittel des Beschwerdeführers, sondern um ein
Darlehen aus dem näheren persönlichen Umfeld (act. G 5).
C.c.
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Am 26. August 2020 wurde dem Gesuch des Beschwerdeführers um Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtspflege, umfassend die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
durch Rechtsanwalt Christe, abzüglich des bereits geleisteten Kostenvorschusses von
Fr. 2'000.--, entsprochen (act. G 6). Am 28. August 2020 teilte Rechtsanwalt Christe
dem Versicherungsgericht mit, dass er den Abzug für den geleisteten Kostenvorschuss
von Fr. 2'000.-- nicht nachvollziehen könne. Er ersuche um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung ohne Abzug (act. G 8). Am 3. September 2020
teilte das Versicherungsgericht mit, dass über den Umfang der Entschädigung für die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung, explizit über die Anrechnung des geleisteten
Kostenvorschusses in der Höhe von Fr. 2'000.--, im Endurteil entschieden werde (act.
G 9).
C.d.
Mit Replik vom 23. Oktober 2020 liess der Beschwerdeführer durch seinen
Rechtsvertreter unverändert an seinen Anträgen und deren Begründungen festhalten
(act. G 12). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine umfassende Duplik, erneuerte
den Antrag auf Abweisung und verwies zur Begründung auf die Beschwerdeantwort
(act. G 14).
C.e.
Auf Anfrage des Versicherungsgerichts (act. G 16, 18) reichte Rechtsanwalt Christe
die durch die IV-Stelle des Kantons St. Gallen veranlassten Gutachten der Medas
Interlaken Unterseen GmbH (nachfolgend: Medas) vom 23. Oktober 2020 (act. G 17.1)
und der SMAB AG St. Gallen (nachfolgend: SMAB) vom 14. Juni 2021 (act. G 19.1) ein.
Den Parteien wurde Gelegenheit gegeben, sich dazu zu äussern (act. G 20). Mit
Stellungnahme vom 18. August 2021 führte Rechtsanwalt Christe aus, dass gemäss
SMAB-Gutachten von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % ausgegangen werde. Gestützt
darauf sei somit zumindest ein Anspruch auf eine Teilrente sowie auf eine
Integritätsentschädigung bei psychischen Folgen von Unfällen auszugehen (act. G 21).
C.f.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
C.g.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist ein Rentenanspruch
des Beschwerdeführers sowie die Höhe der Integritätsentschädigung.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls mindestens zu 10 % invalid, so hat
sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der
Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und
allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind.
Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen (temporäre
Leistungen) dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird
das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(sog. Valideneinkommen; Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
1.1.
Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche
Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie
Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Die
Integritätsentschädigung wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein
Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art.
24 Abs. 2 UVG).
1.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61
lit. c ATSG). Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen
1.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 8/18
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2.
Vorab ist festzuhalten, dass der Zeitpunkt des Fallabschlusses (vgl. zum Fallabschluss
Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 143) in Bezug auf alle
drei Unfälle unbestritten und medizinisch ausgewiesen ist (Suva-act. I-32-8, 46-1, 52-1,
54-1). Insbesondere liegt auch kein behandlungsbedürftiges unfallkausales
Karpaltunnelsyndrom rechts vor (Suva-act. II-229). Entsprechend beantragte der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers einen Neuentscheid über die Invalidenrente
und die Integritätsentschädigung (Dauerleistungen) und nicht die Weiterausrichtung der
temporären Leistungen (act. G 1 S. 2). Der Zeitpunkt der Prüfung eines
Rentenanspruchs (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG) und einer Integritätsentschädigung (vgl. Art.
24 Abs. 2 UVG) ist damit nicht zu beanstanden. Ebenfalls medizinisch ausgewiesen ist,
dass im Zeitpunkt der Rentenprüfung und über den Fallabschluss hinaus weiterhin
Unfallfolgen bestehen. Während bezüglich des Unfalls vom 31. März 2017 (vgl. im
Sachverhalt lit. A.c) nachvollziehbar keine relevanten Beeinträchtigungen mehr
vorliegen, leidet der Beschwerdeführer aufgrund des Unfalls vom 3. April 2016 (vgl.
und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen
und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Bezüglich Beweiswert eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben worden ist, in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
Berichte und Gutachten, welche die Versicherungen während des
Administrativverfahrens von ihren eigenen Ärzten und Ärztinnen einholen, können
beweistauglich sein. An deren Beweiswürdigung sind indes strenge Anforderungen zu
stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (BGE 135 V 470 f. E. 4.4 mit Hinweis; bestätigt im Urteil des
Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_592/2012, E. 5.3). Erachtet das
Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen tatsächlichen Entscheidgrundlagen
bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den Prozess ohne
Weiterungen abschliessen. Diesfalls besteht kein Anspruch auf Beizug
versicherungsexterner medizinischer Gutachten (BGE 135 V 465, BGE 122 V 157).
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dazu im Sachverhalt lit. A.b) an einer inkompletten sensomotorischen distalen Nervus
ulnaris Läsion mit Funktionseinschränkung und Gebrauchsminderung sowie an einem
neuropathischen Schmerzsyndrom an der rechten Hand. Im Weiteren rührt aus dem
Unfall vom 8. Januar 2018 (vgl. dazu im Sachverhalt lit. A.d) eine
Bewegungseinschränkung und eine Funktionsstörung am linken Ringfinger mit
Belastungsschmerzen im PIP (Suva-act. I-32-6 f.). Diese somatischen Unfallfolgen sind
unbestrittenermassen in die Leistungsbeurteilung miteinzubeziehen.
3.
Umstritten und zu prüfen ist, ob die psychische Problematik (rezidivierende depressive
Störung; act. G 19.1 S. 15) nebst den genannten somatischen Unfallfolgen ebenfalls
unfallkausal und damit bei der Prüfung eines Rentenanspruchs und/oder einer
Integritätsentschädigung zu berücksichtigen ist.
Die Unfallkausalität bildet Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der
Unfallversicherung. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht demnach nur
für Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten
Unfallereignis (Art. 4 ATSG) zusammenhängen (André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in:
Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung,
Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert:
KOSS UVG]; Irene Hofer, N 63 ff. zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne
Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019
[nachfolgend zitiert: BSK UVG]; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 53 ff.). Während es
Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist, den natürlichen Kausalzusammenhang zu
beurteilen, obliegt es dem Gericht, die Frage nach dem adäquaten
Kausalzusammenhang zu beantworten (KOSS UVG-Nabold, N 53 zu Art. 6; BSK UVG-
Hofer, N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 88). Im Bereich klar
ausgewiesener organischer Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung
der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des
Unfallversicherers praktisch keine Rolle (vgl. BGE 117 V 365 E. 5d/bb mit Hinweisen
auf Lehre und Rechtsprechung; BGE 118 V 291 f. E. 3a). Sind dagegen die Unfallfolgen
organisch nicht (hinreichend) fassbar, ist eine eigenständige Adäquanzbeurteilung
durchzuführen, bei welcher wie folgt zu differenzieren ist: Zunächst ist festzustellen, ob
der Versicherte beim Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule (HWS) oder einen
äquivalenten Verletzungsmechanismus oder ein Schädel-Hirntrauma erlitten hat,
dessen Folgen sich mit jenen eines Schleudertraumas vergleichen lassen, oder ob es
sich um einen Unfall mit anderen somatischen Verletzungen und gesundheitlichen
3.1.
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Folgen handelt. Im letzteren Fall erfolgt die Adäquanzbeurteilung psychischer
Unfallfolgen nach den in BGE 115 V 133 ff. entwickelten Kriterien (sogenannte Psycho-
Praxis). Bei Unfällen mit Schleudertrauma oder mit einer diesem gleichgestellten
Verletzung der HWS oder einem Schädel-Hirntrauma ist hingegen die Adäquanz
gemäss BGE 117 V 359 ff., präzisiert in BGE 134 V 126 ff. E. 10, zu beurteilen
(sogenannte Schleudertrauma-Praxis). Der Unterschied besteht darin, dass bei Unfällen
mit Schleudertrauma der HWS oder einer äquivalenten Verletzung auf eine
Differenzierung zwischen physischen und psychischen Unfallfolgen verzichtet wird,
während bei den übrigen Unfällen für die Beurteilung der Adäquanz psychischer
Fehlentwicklungen lediglich das Unfallereignis als solches und die dabei erlittenen
körperlichen Gesundheitsschäden sowie deren objektive Folgen massgebend sind (vgl.
u.a. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 7. November 2002, U
377/01, E. 4.3).
Der Beschwerdeführer hat bei seinen Unfällen weder ein Schleudertrauma der
HWS noch einen äquivalenten Verletzungsmechanismus oder ein Schädel-Hirntrauma
erlitten. Entsprechend hat die Adäquanzbeurteilung nach den für die Psycho-Praxis
entwickelten Kriterien zu erfolgen. Dabei kann praxisgemäss die Frage nach einer
natürlichen Kausalität der entsprechenden Beschwerden zum versicherten
Unfallereignis offenbleiben, wenn ein allfälliger Kausalzusammenhang nicht adäquat
und damit nicht rechtsgenüglich wäre (BGE 135 V 472 E. 5.1).
3.2.
Ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, wenn dem Unfall eine massgebende
Bedeutung für die Entstehung der Beschwerden zukommt. In objektivierter
Betrachtungsweise werden die Unfälle nach ihrer erfahrungsgemässen Eignung,
psychische Beschwerden zu bewirken, eingeteilt in banale und leichte Unfälle
einerseits, schwere Unfälle andererseits und in einen dazwischenliegenden Bereich der
mittelschweren Unfälle. Bei banalen Unfällen kann der adäquate Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne
weiteres verneint werden, weil auf Grund der allgemeinen Lebenserfahrung davon
ausgegangen werden kann, dass ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen
invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden zu verursachen. Bei schweren
Unfällen dagegen ist der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel zu bejahen,
denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen
Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, invalidisierende psychische
Gesundheitsschäden zu bewirken. Dabei gelten als schwer nur solche Unfälle, bei
denen sämtliche Umstände, insbesondere die Dramatik des Unfallereignisses und die
Dauer desselben wie auch die somatischen Unfallfolgen eine für die versicherte Person
3.3.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/fr/php/aza/http/index.php?lang=fr&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F115-V-133%3Afr&number_of_ranks=0#page133 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/fr/php/aza/http/index.php?lang=fr&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F117-V-359%3Afr&number_of_ranks=0#page359
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aussergewöhnliche Eindrücklichkeit aufweisen. Bei Unfällen im mittleren Bereich lässt
sich die Frage, ob zwischen dem Unfall und der psychisch bedingten
Erwerbsunfähigkeit ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des
Unfalls allein schlüssig beantworten. Vielmehr sind weitere, objektiv fassbare
Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als
direkte bzw. indirekte Folge davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung
einzubeziehen. Die wichtigsten Kriterien sind dabei besonders dramatische
Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die Schwere oder
besondere Art der erlittenen Verletzung, insbesondere ihre erfahrungsgemässe
Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; ungewöhnlich lange Dauer der
ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerschmerzen; ärztliche Fehlbehandlung, welche
die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche
Komplikationen sowie Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE
115 V 138 ff. E. 6 f.). Um die adäquate Kausalität bejahen zu können, müssen nicht alle
Umstände gegeben sein. Bei einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den
schweren Ereignissen genügt ein Kriterium. Ansonsten müssen mehrere
unfallbezogene Kriterien bejaht werden können, falls keinem Kriterium besonderes
Gewicht zukommt (Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 62 ff.). Bei mittelschweren Unfällen
im engeren Sinn genügen drei Adäquanzkriterien, bei Unfällen im mittleren Bereich an
der Grenze zu den leichten Unfällen sind hingegen vier Adäquanzkriterien zu erfüllen
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 29. Januar 2010, 8C_897/2009, E. 4.5, und vom
7. Dezember 2009, 8C_487/2009, E. 5 mit Hinweis). Bei der Prüfung der
Adäquanzkriterien sind – wie bereits erwähnt – die Folgen der organisch nicht
ausgewiesenen Beschwerden nicht in die Beurteilung miteinzubeziehen (vgl. auch
Urteil des Bundesgerichts vom 28. April 2010, 8C_903/2009, E. 4.6).
Offenkundig handelte es sich gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung bei den
Ereignissen vom 31. März 2017, als sich der Beschwerdeführer versehentlich heisse
Butter auf Hand und Beine goss (Suva-act. III-1, 7), und beim dokumentierten Sturz
vom Fahrrad ohne Fremdeinwirkung vom 8. Januar 2018 (Suva-act. I-4) höchstens um
mittelschwere Unfälle an der Grenze zu leichten Unfällen (vgl. dazu die Kasuistik in
Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 64 f.). Beim Motorradsturz in Misano vom 3. April 2016
ist dem Beschwerdeführer anlässlich eines Fahrfähigkeitstrainings in einer Kurve das
Hinterrad weggerutscht (Suva-act. II-1, 14). Der Sturz ereignete sich ohne
Fremdeinwirkung bzw. Kollision mit anderen Teilnehmern des Kurses. Auch
diesbezüglich ist bei objektiver Betrachtungsweise und im Sinne der Rechtsprechung
von einem mittelschweren Unfall an der Grenze zu den leichten Ereignissen
auszugehen, zumal ein mehrfaches Überschlagen des Beschwerdeführers im
3.4.
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Anschluss an einen Motorradsturz nichts Aussergewöhnliches ist und der
Beschwerdeführer nicht angefahren oder gar überfahren wurde. Im Weiteren sind die
Sturzräume auf der Rennstrecke Misano weit, frei und sicher (vgl. https://
www.misanocircuit.com/strutture/circuito; eingesehen am 4. Oktober 2021). Zu
beachten ist auch, dass der Beschwerdeführer gegenüber dem SMAB-Psychiater, dem
er den Töffunfall sehr genau und detailliert schilderte (act. G 19.1 S. 14), kein
mehrmaliges Überschlagen erwähnte, sondern sagte, er sei mehrere Meter weit
geflogen (act. G 19.1 S. 7), was bei einem Sturz, bei dem das Hinterrad in der Kurve
wegrutscht, eher unwahrscheinlich erscheint. Aufgrund der objektiviert betrachteten
Schwere des Unfalls bedarf es zur Bejahung der Adäquanz der psychischen
Beschwerden demnach der Erfüllung von vier Adäquanzkriterien in einfacher Form.
Das Kriterium besonders dramatischer Begleitumstände oder besonderer
Eindrücklichkeit der Unfälle kann ohne weiteres verneint werden. Bei den Unfällen hat
der Beschwerdeführer auch keine Verletzungen erlitten, welche erfahrungsgemäss
geeignet wären, psychische Fehlentwicklungen auszulösen. Auch eine ungewöhnlich
lange Dauer der auf die somatischen Leiden zielenden ärztlichen Behandlung ist nicht
erkennbar. Daran ändert nichts, dass bei der Operation der rechten Hand eine
iatrogene sensomotorische Schädigung des Ramus profundus des Nervus ulnaris
rechts als Komplikation verursacht wurde (Suva-act. I-32-7). Daraus resultierten zwar
zusätzliche Behandlungen und insgesamt ein längerer Heilverlauf. Der
Behandlungsverlauf kann im Sinne der Rechtsprechung indes nicht als ungewöhnlich
lange bzw. als ausserordentlich belastend qualifiziert werden. Auch handelt es sich bei
der anlässlich des Eingriffs verursachten Nervenschädigung um keine ärztliche
Fehlbehandlung im Sinne der Rechtsprechung (vgl. Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 72),
sondern um eine schicksalhafte Komplikation, welche der indizierten Operation an der
rechten Hand inhärent war. Hingegen führt die iatrogene Schädigung dazu, dass das
Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und/oder einer erheblichen Komplikation in
einfacher Form zu bejahen ist. Die Heilung wurde dadurch relevant beeinträchtigt. Ob
die Kriterien der körperlichen Dauerschmerzen aufgrund des chronischen
neuropathischen Schmerzsyndroms, welches den Beschwerdeführer weiterhin
belastet, und des Grads und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit
erfüllt sind, kann offenbleiben. Selbst bei einer Bejahung sind höchstens drei
Adäquanzkriterien erfüllt, was nicht zur Annahme der Adäquanz führt. Zu erwähnen ist
immerhin, dass sich die Schmerzen in der geltend gemachten Intensität nicht
hinlänglich erklären lassen (vgl. dazu das Medas-Gutachten act. G 17.1 S. 87 f., 102 f.)
und es damit fraglich ist, ob tatsächlich von körperlichen Dauerschmerzen im Sinne der
Rechtsprechung auszugehen ist. Mangels Adäquanz kommt den Unfällen überwiegend
3.5.
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4.
Nach dem Gesagten (vgl. vorstehende E. 3) sind einzig die Auswirkungen der
unfallkausalen somatischen Problematik an den Händen (vgl. vorstehende E. 2) in die
Rentenbeurteilung einzubeziehen. Diesbezüglich besteht Uneinigkeit in Bezug auf die
zumutbare Arbeitsfähigkeit aufgrund der Einschränkungen. Während die
Beschwerdegegnerin gestützt auf die kreisärztlichen Beurteilungen trotz Unfallfolgen
von einer vollen Leistungsfähigkeit im angestammten Beruf als Drucktechnologe und
auch in weiteren angepassten Tätigkeiten ausgeht, sieht sich der Beschwerdeführer in
Beachtung des SMAB-Gutachtens als zumindest 20 % in seiner Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt, sowohl in angestammter als auch in adaptierter Tätigkeit. Die
Arbeitsunfähigkeit liege gar noch höher.
wahrscheinlich keine massgebende Bedeutung für die Entstehung der psychischen
bzw. nicht somatisch objektivierbaren Beschwerden zu. Diese sind damit nicht in die
Beurteilung eines Rentenanspruchs und einer Integritätsentschädigung
miteinzubeziehen.
Kreisarzt Dr. E._ attestierte dem Beschwerdeführer trotz der verbliebenen
Beeinträchtigungen eine zeitlich unlimitierte Arbeitsfähigkeit für leichte manuelle
Tätigkeiten mit der rechten Hand ohne feinmotorische Anforderungen oder repetitive
Kraftbeanspruchung sowie leichte bis mittelschwere manuelle Tätigkeiten mit der
linken Hand. Als angepasste Arbeit erachtete er auch die erlernte Tätigkeit als Drucker
sowie die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Sachbearbeiter (Suva-act. I-32-8). Diese
Beurteilung von Dr. E._ beruht auf einer eingehenden persönlichen Untersuchung
(Suva-act. I-32-5 f.), ist für die streitigen Belange umfassend, erging in Kenntnis der
Vorakten (Suva-act. I-32-1 ff.) sowie in Würdigung der Bildgebung und der geklagten
Beschwerden (Suva-act. I-32-4 ff.). Er trägt im Zumutbarkeitsprofil schlüssig den
objektivierbaren Schmerzen und Funktionseinschränkungen an den Händen Rechnung
und es ist einleuchtend, dass bei Einhaltung der Adaptionskriterien eine volle
Arbeitsfähigkeit zumutbar sein sollte. Zu demselben Schluss bezüglich
Leistungsfähigkeit und Belastungsprofil (zusätzlich Vermeidung von Kälte- und
Wärmeexposition; act. G 17.1 S. 11, 103) gelangen die neurologischen Experten und
der handchirurgische Gutachter der Medas (act. G 17.1 S. 89, 104), welche die
geklagten Schmerzen an der rechten Hand aus somatischer Sicht indes nur teilweise
nachvollziehen können und zusätzlich von einer psychosomatischen Überlagerung
ausgehen. Im Weiteren beschreiben sie auch schlüssig Inkonsistenzen und einen
Verdacht auf Aggravation bezüglich der geschilderten Schmerzproblematik (act. G 17.1
4.1.
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5.
Im Weiteren beantragt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine höhere
Integritätsentschädigung bzw. die Rückweisung der Sache zur diesbezüglich
rechtsgenüglichen Abklärung. Die Beschwerdegegnerin erachtete die
Integritätsentschädigung als nicht strittig bzw. mittels Einsprache vom 20. Januar 2020
als nicht angefochten, weshalb sie im Einspracheentscheid vom 20. Mai 2020 darauf
nicht einging (Suva-act. II-230-3).
S. 87 f., 102 f.). Sämtliche Beurteilungen der Fachpersonen entsprechen den
Anforderungen der Rechtsprechung vollumfänglich und es besteht kein Anlass,
bezüglich der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit von deren Einschätzungen
abzuweichen. Entsprechend ist überwiegend wahrscheinlich davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer aus unfallkausaler Sicht in Beachtung des Zumutbarkeitsprofils
im Zeitpunkt des Fallabschlusses zu 100 % arbeitsfähig ist. Weshalb der
handchirurgische Gutachter der Medas dem Beschwerdeführer in der angestammten
Tätigkeit als Druckkaufmann, im Gegensatz zu einer angepassten Arbeit, lediglich eine
80%-ige Leistungsfähigkeit aufgrund vermehrter Pausen bescheinigt (act. G 17.1 S.
103), ist nicht nachvollziehbar, zumal es sich bei der gelernten Tätigkeit um eine
adaptierte körperlich leichte Tätigkeit handelt, welche vorwiegend im Büro ausgeübt
wird (vgl. dazu den Lebenslauf des Beschwerdeführers in Suva-act. II-68; vgl. ferner
https://www.berufsberatung.ch/dyn/show/1900?id=3056, eingesehen am 4. Oktober
2021). Was der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers gegen die bescheinigte 100%-
ige Arbeitsfähigkeit vorbringt, überzeugt nicht. Nachdem eine psychische/nicht
somatische Problematik nicht den Unfällen angelastet werden kann, vermag das
psychiatrische und neuropsychologische Gutachten des SMAB (act. G 19.1) nichts
zum Beweis einer unfallkausalen Arbeitsfähigkeit beizutragen. Im Weiteren ist für die
Frage, ob es dem Beschwerdeführer zuzumuten ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen,
eine objektivierte Betrachtungsweise massgebend und nicht sein subjektives
Empfinden (vgl. dazu Art. 7 Abs. 2 ATSG). Die rechtserheblichen tatsächlichen
Entscheidgrundlagen erweisen sich in Bezug auf die Beurteilung eines
Rentenanspruchs als schlüssig, sodass sich Weiterungen erübrigen.
Bei 100%-iger Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit besteht offenkundig
keine Erwerbseinbusse und entsprechend kein rentenbegründender Invaliditätsgrad
(vgl. vorstehende E. 1.1). Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen.
4.2.
Vorab ist festzuhalten, dass die Verfügung vom 19. Dezember 2019 bezüglich
Integritätsentschädigung nicht unangefochten blieb bzw. nicht in Rechtskraft
5.1.
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erwachsen ist, wie es die Beschwerdegegnerin ausführt. Der zum damaligen Zeitpunkt
nicht vertretene Beschwerdeführer machte in der Einsprache vom 20. Januar 2020
geltend, dass er mit keinem Punkt der Verfügung vom 19. Dezember 2019 (Suva-act.
II-209) einverstanden sei (Suva-act. II-221). Steht der Wille der Partei aber fest, die
angefochtene Verfügung nicht hinnehmen zu wollen, gilt diese als insgesamt
angefochten (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 49 zu Art. 52).
Entsprechend hätte die Beschwerdegegnerin in einem Einspracheentscheid auch über
die Integritätsentschädigung bzw. deren Höhe befinden müssen. Nachdem sie dies
nicht getan hat, mangelt es im Beschwerdeverfahren bezüglich
Integritätsentschädigung grundsätzlich an einem Anfechtungsgegenstand (zum
Anfechtungsgegenstand siehe BGE 131 V 164 f. E. 2.1) und der Beschwerdeführer
hätte sich mittels Rechtsverweigerungsbeschwerde nach Art. 56 Abs. 2 ATSG zur Wehr
zu setzen. Diese formale Herangehensweise ist im vorliegenden Fall indes nicht sach
gerecht. Vielmehr rechtfertigt es sich, aus prozessökonomischen Gründen und zur
Vermeidung eines Leerlaufs den Streitgegenstand auf die Frage der
Integritätsentschädigung auszudehnen (vgl. zu den Voraussetzungen dazu Urteil des
Bundesgerichts vom 10. Januar 2014, 8C_744/2013, E. 2), nachdem diese, wie sich
nachfolgend zeigt, spruchreif ist. Im Weiteren hat sich die Beschwerdegegnerin in der
Beschwerdeantwort eventualiter materiell mit der Integritätsentschädigung
auseinandergesetzt, womit die Verfahrensrechte der Parteien, insbesondere deren
Anspruch auf rechtliches Gehör, bei Ausdehnung des Streitgegenstands nicht verletzt
werden. Gestützt auf das Gesagte ist damit auch über die Integritätsentschädigung
materiell zu befinden.
Die Integritätsentschädigung wird gemäss Art. 25 Abs. 1 UVG entsprechend der
Schwere des Integritätsschadens abgestuft. Bei gleichem medizinischem Befund ist
der Integritätsschaden für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär
bemessen. Spezielle Behinderungen der betroffenen Person bleiben dabei
unberücksichtigt (BGE 124 V 35 E. 3c, 113 V 221 E. 4b). Die Bemessung des
Integritätsschadens hängt somit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalls
ab; es geht vielmehr um die medizinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung
der körperlichen und/oder geistigen Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser Acht
zu lassen sind (BGE 115 V 147 E. 1). Nach Art. 36 Abs. 2 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) wird die Integritätsentschädigung gemäss den
Richtlinien des Anhangs 3 zur UVV bemessen. Dieser Anhang enthält eine als
gesetzmässig und nicht abschliessend anerkannte Skala. Die medizinische Abteilung
der Suva hat in Weiterentwicklung der bundesrätlichen Skala zusätzliche
Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sogenannte Feinraster) erarbeitet.
5.2.
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Diese Tabellen enthalten Richtwerte, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten
gewährleistet werden soll; sie sind mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 32
E. 1c mit Hinweis). Trotz des Feinrasters der Suva-Tabellen gibt es Integritätsschäden,
die sich nicht direkt einer Position der Skala von Anhang 3 zur UVV oder der Suva-
Tabellen zuordnen lassen. In diesen Fällen ist in direkter oder analoger Anwendung von
Ziff. 1 Abs. 2 von Anhang 3 zur UVV der Grad der Schwere für spezielle oder nicht
aufgeführte Integritätsschäden vom Skalenwert bzw. von Positionen der Suva-Tabellen
abzuleiten. Zuerst ist mithin zu prüfen, ob ein Integritätsschaden in der Skala von
Anhang 3 zur UVV figuriert. Falls dies nicht zutrifft, ist in den Suva-Tabellen eine
passende Position zu suchen. Bei negativem Ausgang der Suche ist schliesslich die
Schwere des Integritätsschadens mittels Vergleichs zu den Werten in der Skala von
Anhang 3 zur UVV oder der Suva-Tabellen abzuleiten (KOSS UVG-Frei, N 17 f. zu Art.
25). Insbesondere die Einordnung von Nichtlisten- und kombinierten Fällen öffnet dem
Arzt oder der Ärztin einen grossen Ermessensspielraum, in welchen die Verwaltung
bzw. das Sozialversicherungsgericht nicht ohne Not bzw. nur dann eingreifen soll,
wenn die unfallmedizinische Beurteilung im Hinblick auf die Liste im Anhang 3 UVV
sachlich nicht gerechtfertigt ist und zu stossenden Ungleichheiten führen würde (Urteil
des Bundesgerichts vom 14. August 2008, 8C_660/2007, E. 4.2).
Die Beschwerdegegnerin sprach dem Beschwerdeführer gestützt auf die
kreisärztliche Beurteilung vom 18. Dezember 2018 (Suva-act. I-33) mit Verfügung vom
19. Dezember 2019 eine Integritätsentschädigung basierend auf einem
Integritätsschaden von 10 % zu (Suva-act. II-209). Dr. E._ führte aus, dass sich
gemäss Suva-Tabelle 1 (Integritätsschaden bei Funktionsstörungen an den oberen
Extremitäten) bei einer kompletten distalen Ulnarislähmung ein Integritätsschaden von
10 % rechtfertige. Beim Beschwerdeführer liege eine inkomplette Ulnarislähmung
rechts vor, sodass die Einbusse auf 7.5 % eingeschätzt werde. Nach Tabelle 3
(Integritätsschaden bei einfachen oder kombinierten Finger-, Hand- und Armverlusten)
bemesse sich ein Endgliedverlust am Ringfinger mit 0 %, ein Verlust des Ringfingers
auf Höhe PIP mit 5 %. Bei erheblicher Funktionsstörung im PIP des Ringfingers und
dadurch begleitender leichter Funktionsstörung der linken Hand werde die Einbusse
auf 2.5 % geschätzt. Insgesamt rechtfertige sich ein Integritätsschaden von 10 % (7.5
% für die rechte Hand, 2.5 % für den linken Ringfinger; Suva-act. I-33). Diese
Darlegungen des Kreisarztes leuchten bezüglich Herleitung als auch Höhe des
Integritätsschadens vollumfänglich ein, zumal sie auf persönlicher Befunderhebung
beruhen, die Funktionseinschränkungen berücksichtigen und anderslautende
medizinische Einschätzungen nicht im Recht liegen. Triftige Gründe, nicht auf die
Beurteilung von Dr. E._ abzustellen, sind auf jeden Fall nicht ersichtlich, zumal die
5.3.
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6.
geltend gemachte nichtsomatische Problematik mangels Kausalzusammenhangs auch
bei der Bemessung der Integritätsentschädigung nicht zu berücksichtigen ist (vgl. dazu
vorstehende E. 3.5). Weitere Abklärungen erübrigen sich damit und eine Erhöhung der
Integritätsentschädigung steht nicht zur Diskussion. Die Beschwerde ist auch in diesem
Punkt abzuweisen.
Gestützt auf das Gesagte ist die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen.6.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (aArt. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember
2020 gültigen, für das vorliegende Verfahren gemäss Art. 82a ATSG noch
anwendbaren Fassung).
6.2.
Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt
(act. G 6). Der Staat ist mithin zu verpflichten, für die Kosten seiner Rechtsvertretung
aufzukommen. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt
und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach
der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO; sGS
963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. In der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit erscheint mit Blick auf vergleichbare Fälle eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 4'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
angemessen. Der Beschwerdeführer hat seinem Rechtsvertreter indes bereits vor
Einreichung des Gesuchs um unentgeltliche Prozessführung/Rechtsverbeiständung
einen Kostenvorschuss von Fr. 2'000.-- geleistet (act. G 5). Dieser ist ihm nicht
zurückzuerstatten, sondern anzurechnen (vgl. Ziff. 5.2 der vom st. gallischen
Kantonsgericht erlassenen "Richtlinien zur unentgeltlichen Rechtspflege im Zivilprozess
und für die Privatklägerschaft im Strafprozess" vom Mai 2011, die vom
Versicherungsgericht praxisgemäss analog angewendet werden; vgl. ferner BSK ZPO-
Rüegg/ Rüegg, Art. 118 N 5). Die Literatur geht gar soweit, dass auch
Kostenvorschüsse, welche nach Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege bezahlt
wurden, nicht zurückerstattet bzw. von der rechnerisch vollen Entschädigung des mit
der unentgeltlichen Vertretung betrauten Anwalts abgezogen werden (vgl. BSK ZPO-
Rüegg/Rüegg, Art. 119 N 4). Daran ändert nichts, dass der Beschwerdeführer, wie es
sein Rechtsvertreter unbelegt mit Eingabe vom 28. August 2020 geltend macht, für die
Aufbringung des Kostenvorschusses ein Darlehen aufnehmen musste (act. G 8). Der
Beschwerdeführer hat mit der Leistung des Kostenvorschusses selbst bewiesen, dass
6.3.
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