Decision ID: edba901e-0af1-4809-819d-3124687d798c
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Fredy Fässler, Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 9. März 2005 zum Bezug von Rentenleistungen der
Invalidenversicherung an. Die im Januar 1998 in die Schweiz eingereiste A._ arbeitete
seit April 2002 Teilzeit als Haushaltshilfe (IV-act. 1). Dr. med. B._, Spezialarzt für
Neurologie FMH, attestierte ihr im Arztbericht vom 18. April 2005 eine teils traumatisch
bedingte Epilepsie bei sicher hereditärer Grundlage (alle drei Kinder der Versicherten
würden ebenfalls unter Epilepsie leiden). Zudem lägen ein Status nach Schädel-
Hirntrauma durch körperliche Gewaltanwendung, pulsierende Kopfschmerzen, eine
Depression und eine psychoorganisch bedingte Minderleistung vor. Als Putzfrau
betrage die Arbeitsunfähigkeit 60% (IV-act. 13). Der Hausarzt der Versicherten, Dr.
med. C._, diagnostizierte im Bericht vom 16. September 2005 mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit Migräne mit Aura, rezidivierende Episoden von passageren
sensomotorischen Ausfällen der oberen und unteren Extremitäten, Gedächtnis- und
Konzentrationsstörung sowie einen Verdacht auf Epilepsie (IV-act. 18). Dr. med. D._,
Spezialärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt am 26. Februar 2006 als
Diagnose eine rezidivierende depressive Störung mit somatischem Syndrom (ICD-10:
F33.01) fest, wodurch die Arbeitsfähigkeit jedoch wenig, das heisse etwa 30%,
eingeschränkt sei (IV-act. 26).
A.b Gestützt auf den Bericht von Dr. B._ vom 19. Mai 2006 (IV-act. 35) stellte die IV-
Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 4. August 2006 in Aussicht, einen
Rentenanspruch zu verneinen, da sie bereits invalid in die Schweiz eingereist sei und
mit ihrem Herkunftsland kein Sozialversicherungsabkommen bestehe (IV-act. 39).
A.c Dagegen liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. F. Fässler,
St. Gallen, am 20. September 2006 Einwand erheben (IV-act. 43). Mit Begründung vom
27. November 2006 machte dieser geltend, gestützt auf verschiedene Arztberichte
habe sich der Gesundheitszustand der Versicherten erst nach Einreise in die Schweiz
verschlechtert. Insbesondere habe sich gemäss Dr. D._ eine rezidivierende
depressive Störung mit somatischem Syndrom auf Grund der psychosozialen
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Problematik (Ungewissheit der Aufenthaltsdauer und grosse Probleme mit den Kindern)
in der Schweiz eingestellt (IV-act. 47-1f.).
A.d Vom 29. September bis 19. Oktober 2006 war die Versicherte in der Klinik E._
hospitalisiert (IV-act. 62-24).
A.e Der RAD-Arzt Dr. med. F._ kam mit Stellungnahme vom 27. März 2007 zum
Schluss, es müsse mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass
die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit deutlich nach 1997 (wahrscheinlich erst ab
1999) anzusetzen sei. Daher sei auf das Leistungsgesuch der Versicherten einzutreten.
Zur Abklärung der Höhe der zumutbaren Arbeitsfähigkeit empfahl er die Durchführung
einer polydisziplinären Begutachtung (IV-act. 52).
A.f Am 7. und 8. April 2008 wurde die Versicherte im Ärztlichen Begutachtungsinstitut
GmbH (ABI) Basel untersucht. Im Gutachten vom 8. Mai 2008 befanden die Gutachter
sie für körperlich schwer belastende berufliche Tätigkeiten als nicht arbeitsfähig.
Körperlich mittelschwer belastende Tätigkeiten seien ihr demgegenüber zu 50% und
körperlich leichte zu 100% zumutbar (IV-act. 62-1 bis 19).
A.g Nach operativer therapeutischer Laparoskopie mit Myomenukleation vom 3. Juni
2008 wurde die Versicherte vom 10. bis 24. Juni 2008 in der Klinik E._ hospitalisiert
(IV-act. 69-7, 69-14).
A.h Gestützt auf die am 3. September 2008 durchgeführte IV-Abklärung vor Ort hielt
die Abklärungsperson im Bericht vom 2. Oktober 2008 fest, dass die Versicherte allein
erziehende Mutter von noch zwei zu Hause wohnhaften Kindern ohne
Unterstützungsleistungen sei. Aus finanziellen Gründen würde sie daher ohne
gesundheitliche Einschränkungen ein 100%-Pensum ausführen (IV-act. 71-9). Gemäss
dem Schlussbericht zur beruflichen Eingliederung vom 16. März 2009 lag in der freien
Wirtschaft keine praktische Eingliederungsfähigkeit der Versicherten vor, da sie dem
Druck, etwas leisten zu müssen, nicht mehr gewachsen sei. Daher sei die
Restarbeitsfähigkeit nur im geschützten Rahmen zu verwerten und der Fall mit der
Klärung der Rentenfrage abzuschliessen (IV-act. 82).
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A.i Am 4. November 2009 wurde die Versicherte erneut im ABI Basel begutachtet.
Gemäss Bericht vom 24. November 2009 hat sich der Gesundheitszustand seit der
Begutachtung im April 2008 nicht verändert (IV-act. 92-26). Der RAD-Arzt Dr. med.
G._ hielt gestützt darauf am 22. Dezember 2009 fest, dem Gutachten könne
vollumfänglich gefolgt werden (IV-act. 94-2).
A.j Gegen den Vorbescheid der IV-Stelle vom 6. Januar 2010, welcher eine
Ablehnung des Rentenanspruchs vorsah (IV-act. 97), reichte der Rechtsvertreter der
Versicherten am 8. März 2010 Einwand ein (IV-act. 105).
A.k Am 22. März 2010 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid und
lehnte einen Rentenanspruch der Versicherten gestützt auf einen Invaliditätsgrad von
0% ab (IV-act. 107).
B.
B.a Gegen diese Verfügung vom 22. März 2010 richtet sich die vorliegend zu
beurteilende Beschwerde vom 26. April 2010. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin beantragte darin unter Kosten- und Entschädigungsfolge deren
Aufhebung. Es sei der Beschwerdeführerin mindestens eine halbe Rente der
Invalidenversicherung auszurichten. Zur Begründung hielt er fest, sämtliche
begutachtenden Ärzte seien sich darüber einig, dass der Beschwerdeführerin schwere
und mittelschwere Arbeiten nicht mehr zumutbar seien. Das ABI komme dennoch zur
Auffassung, für leichte Tätigkeiten sei die Beschwerdeführerin zu 100% arbeitsfähig.
Realistischer sei die Annahme einer 50%igen Arbeitsfähigkeit entsprechend dem
Bericht von Dr. J._ vom 11. September 2007 (act. G 1).
B.b Am 27. April 2010 eröffnete das Versicherungsgericht der Beschwerdeführerin
Nachfrist zur Beschwerdeergänzung (act. G 3). Mit Schreiben vom 27. Mai 2010 zog
der Rechtsvertreter im Namen der Beschwerdeführerin die Beschwerde vom 26. April
2010 zurück (act. G 4). Am 31. Mai 2010 erschien die Beschwerdeführerin auf der
Kanzlei des Versicherungsgerichts und erklärte, mit dem Beschwerderückzug durch
ihren Anwalt nicht einverstanden zu sein (act. G 5).
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B.c Mit Schreiben vom 2. Juni 2010 erklärte der Rechtsvertreter, dass er beim
Beschwerderückzug einem Irrtum unterlegen sei. Da die Erklärung somit mit
Willensmängeln behaftet gewesen sei, könne ihr keine eigenständige Bedeutung
beigemessen werden. Dem Gesuch um nochmalige Fristerstreckung zur
Beschwerdebegründung (act. G 6) wurde mit Schreiben vom 8. Juni 2010 stattgegeben
(act. G 7).
B.d In der Beschwerdebegründung vom 28. Juli 2010 ersuchte der Rechtsvertreter
um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung. Weiter hielt er fest, dass
die Beschwerdeführerin durch die starken Symptome in der Arbeitsfähigkeit stark
beeinträchtigt und die Voraussetzungen für eine Invalidenrente vorliegend erfüllt seien.
Zwar begründe die diagnostizierte Schmerzverarbeitungsstörung bzw. eine
Fibromyalgie als solche noch keine Invalidität, jedoch seien die Kriterien vorliegend
erfüllt, dass eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen sei. Realistischer als die
Beurteilung des ABI, welches von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leichte
Tätigkeiten ausgehe, sei eine 50%ige Arbeitsfähigkeit, wie sie sich auch mit der
Einschätzung des RAD vom 30. Januar 2009 decke. Die vom ABI angegebene
Möglichkeit der Mitarbeit an einem Mittagstisch sei vor allem deshalb unrealistisch,
weil eine solche eben (nur) über Mittag und nicht ganztags geleistet werden könne.
Derart theoretische Arbeitsstellen würden gar nicht existieren. Alles in allem könne wohl
nur eine genaue Abklärung der Arbeitsmöglichkeiten aufzeigen, was der
Beschwerdeführerin noch zumutbar sei. Daher werde eine BEFAS-Abklärung
beantragt. Zudem sei eine aktuelle Einschätzung des behandelnden Hausarztes zu
edieren. Schliesslich habe die Beschwerdegegnerin zu Unrecht auch keinen
Leidensabzug gemacht, welcher im Rahmen von 25% vorzunehmen sei (act. G 10).
B.e Mit Beschwerdeantwort vom 7. September 2010 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie begründete sie damit, dass
die beiden ABI-Gutachten vom 8. Mai 2008 und 24. November 2009 der
Beschwerdeführerin für behinderungsangepasste, körperlich leichte Tätigkeiten eine
100%ige Arbeitsfähigkeit attestierten. Auf Grund des Abklärungsergebnisses erscheine
es mit Blick auf die Rechtsprechung, wonach die subjektiven Schmerzangaben der
versicherten Person für die Begründung einer Invalidität allein nicht genügten, sondern
die Schmerzangaben durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig festgestellte
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Befunde hinreichend erklärbar sein müssten, plausibel, dass die Gutachter der
Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht für optimal angepasste körperlich leichte
Tätigkeiten eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestierten. Zudem könne den von
der Beschwerdeführerin erwähnten Problemen bei der Stellensuche im Rahmen einer
dabei zu gewährenden Unterstützung begegnet werden. Auf Grund sämtlicher
Umstände bestehe kein Anlass für einen Abzug vom Tabellenlohn. Jedoch läge die
Invalidität selbst bei Anerkennung des höchstmöglichen Abzugs von 25% wesentlich
unter dem anspruchsbegründenden Prozentsatz von 40% (act. G 12).
B.f Mit Präsidialentscheid vom 10. September 2010 wurde dem Gesuch um
Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) entsprochen (act. G 13).
B.g In der Replik vom 11. Oktober 2010 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen fest. Sie wies darauf hin, dass sie in den letzten Jahren von mehreren Ärzten
untersucht und oft nach wenigen Konsultationen weiterverwiesen worden sei. Vor
diesem Hintergrund könne bei den verschiedenen Ärzten, welche die Beurteilung der
ABI-Gutachter nicht stützten, nicht vom Aufbau eines Vertrauensverhältnisses
ausgegangen werden. Ihre Berichte dürften daher nicht einfach ignoriert werden (act.
G 15).
B.h Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 17).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf
Rentenleistungen der Invalidenversicherung hat.
2.
2.1 Vorab stellt sich die Frage, ob die Beschwerdeführerin an die Rückzugserklärung
ihres Rechtsvertreters vom 27. Mai 2010 (act. G 4) gebunden ist oder ob sie darauf
zurückkommen konnte, wie sie es am 31. Mai 2010 durch persönliche Erklärung auf
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der Kanzlei des Gerichts (act. G 5) bzw. mit Schreiben ihres Rechtsanwalts vom 2. Juni
2010 getan hat (act. G 6).
2.2 Eine Rückzugserklärung ist nicht frei widerruflich, sondern sie steht - wie alle
Willenserklärungen - unter dem Gebot von Treu und Glauben. Der Widerruf einer
Rückzugserklärung ist somit nur zu beachten, wenn der Betroffene Willensmängel
geltend machen kann (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen
- Dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl. St. Gallen 2003,
Rz 1043 mit Hinweisen). Vorliegend erklärte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin, die Beschwerde offensichtlich auf Grund eines evidenten Irrtums
zurückgezogen zu haben. Er habe sowohl das Schreiben des Gerichts bezüglich der
Leistung eines Kostenvorschusses als auch jenes betreffend die erteilte Nachfrist zur
Begründung an die Beschwerdeführerin weitergeleitet mit dem Ersuchen, sich sofort
mit ihm in Verbindung zu setzen, um insbesondere auch ein Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung stellen zu können. Nachdem keine Reaktion erfolgt sei und eine
Nachfrage am Versicherungsgericht ergeben habe, dass der Kostenvorschuss vor
Ablauf der Frist nicht bezahlt worden sei, habe er sich entschlossen, die Beschwerde
ohne weitere Rückfrage zurückzuziehen. Dass die Beschwerdeführerin selber direkt
über das Versicherungsgericht ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gestellt
haben könnte, habe er nicht in Betracht gezogen (act. G 6).
2.3 Vorliegend hat die Beschwerdeführerin mit der Einreichung des Gesuchs um
unentgeltliche Prozessführung deutlich kundgetan, dass sie an der Fortführung des
Verfahrens interessiert ist, und es liegen keine Anhaltspunkte vor, welche gegen die
Schilderung des Rechtsanwalts zum Handlungsablauf sprechen würden. Mithin kann
ein Grundlagenirrtum bejaht werden, zumal das Versicherungsgericht den
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin anlässlich seiner telefonischen Nachfrage
betreffend die Bezahlung des Kostenvorschusses hätte darüber informieren müssen,
dass mit der Beschwerdeführerin ein Direktkontakt stattgefunden bzw. sie bereits ein
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gestellt hatte. Damit entfaltet die
Rückzugserklärung keine Wirkung. Auf die Beschwerde ist folglich einzutreten.
3.
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3.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass
der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am 22.
März 2010 (IV-act. 107) ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem
Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
begonnen hat. Daher und auf Grund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung
betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den
allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die
damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der
5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage
zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die
seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
3.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
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50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
3.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss kommt
einem Gutachten oder anderen medizinischen Beurteilungen schon dann kein voller
Beweiswert zu, wenn Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht
feststehen, dass die medizinischen Beurteilungen effektiv nicht den Tatsachen
entsprechen, was nicht mit medizinischen Fachpersonen besetzte Behörden in der
Regel nicht beurteilen können (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG;
seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. Oktober
2002, I 779/01, E. 4.2).
4.
4.1 Die Beschwerdegegnerin stützt ihre Leistungsablehnung auf die ABI-Gutachten
vom 8. Mai 2008 und 24. November 2009. Gemäss dem Gutachten vom 24. November
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2009 wurde als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein generalisiertes
Schmerzsyndrom, aktuell ohne Hinweise auf periphere Neuropathie, Plexusparese oder
radikuläre Läsion (ICD-10: R.52) festgehalten. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
seien die diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4), ein
Reizdarmsyndrom (ICD-10: K58.9), ein anamnestischer Hämorrhoiden Grad I,
Adipositas (BMI 31kg/m ; ICD-10: E66.0) sowie Urinstressinkontinenz (ICD-10: N39.3).
Obgleich die Beschwerdeführerin im Vergleich zur Begutachtung vom April 2008
vermehrt Schmerzen angebe, welche nun mehr rechts im Nacken mit Ausstrahlung in
die rechte Kopfseite und den rechten oberen Quadranten, aber auch im Bereich der
lumbalen Wirbelsäule mit Ausstrahlung in die rechte Hüfte und in beide Flanken und
inguinal verspürt würden, liessen sich anlässlich der Begutachtung vom November
2009 objektiv keine neuen Befunde erheben. Nach wie vor bestehe ein unspezifisches
generalisiertes Schmerzsyndrom ohne Hinweise auf das Vorliegen eines radikulären
Reiz- bzw. sensomotorischen Ausfallsyndroms. Auf Grund der radiomorphologisch
nachgewiesenen Kleindiskushernie C5/6 ohne neurokompressive Wirkung könne eine
verminderte Belastbarkeit des Achsenskeletts nachgewiesen werden. Insgesamt
bestehe jedoch eine ausgeprägte Diskrepanz zwischen dem Ausmass der subjektiv
geklagten Beschwerden und den objektivierbaren Befunden. Aus rein somatischer
Sicht bestehe für die zuletzt ausgeübten Tätigkeiten im Reinigungsdienst und allgemein
für mittelschwere Tätigkeiten eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 50%. Als
Haushaltshilfe oder auch in der aktuellen Tätigkeit als Betreuerin eines Mittagstisches,
allgemein für leichte Tätigkeiten, bestehe eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von
100%. Aus psychiatrischer Sicht könne lediglich die Diagnose einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung gestellt werden, die aber per se zu keiner
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führe. Ausser der anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung könne keine weitere psychiatrische Diagnose gestellt werden, zudem
fehlten Hinweise auf unbewusste Konflikte und auch primärer Krankheitsgewinn sei
nicht vorhanden. Es könne der Beschwerdeführerin daher zugemutet werden, trotz der
geklagten Beschwerden die nötige Willensanstrengung aufzubringen, eine körperlich
adaptierte Tätigkeit im erwähnten Arbeitspensum auszuüben. Aus internistischer oder
anderweitig somatischer Sicht bestünden keine Befunde und Diagnosen, welche sich
auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würden. Die attestierte volle Arbeitsfähigkeit in
leichten adaptierten Tätigkeiten sei der Beschwerdeführerin auch in der freien
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Wirtschaft zumutbar. Sofern eine allfällige Steigerung des Arbeitspensums in Zukunft
jedoch nicht möglich sein sollte, sei dies auf invaliditätsfremde Faktoren (fixierte
Krankheits- und Invaliditätsüberzeugung) zurückzuführen (IV-act. 92-24ff.).
4.2 Hinsichtlich der neurologischen ABI-Begutachtung vom November 2009 hielt
Dr. med. H._, FMH Neurologie, fest, dass es gegenüber der Voruntersuchung vom
April 2008 zu einer Veränderung der subjektiven Symptomatik gekommen sei, die aus
somatisch neurologischer Sicht nicht nachvollziehbar sei. Es könne keine Veränderung
der objektivierbaren Befunde festgestellt werden. Nach wie vor bestehe ein
unspezifisches generalisiertes Schmerzsyndrom. Die häufigen Wechsel der
Symptomatik (Seitenwechsel der Schmerzen und der Sensibilitätsstörungen, heute
keine Angabe von Kopfschmerzen) würden für eine funktionelle Störung sprechen. Im
Weiteren sei eine erhebliche Symptomausweitung feststellbar, welche zu multiplen
spezialärztlichen Abklärungen geführt habe (IV-act. 92-23). Am 24. Juli 2008 war eine
neurologische Abklärung im KSSG erfolgt. Dabei fanden sich bei klinisch weitgehend
unauffälligem Befund elektromyographisch diskrete Hinweise für eine akute axonale
Läsion des Nervus femoralis bei Nachweis von gering ausgeprägter pathologischer
Spontanaktivität im Vastus medialis des Musculus quadriceps femoris links (IV-
act. 72-4). Eine zusätzliche Untersuchung durch SEP des Nervus cutaneus femoris
lateralis ergab beidseits gut ausgeprägte Amplituden. Linksseitig fand sich eine
verlängerte Absolutlatenz der ortsständigen Antwort P34 bei rechts unauffälligen
Befunden. Die Ärzte beurteilten das pathologische SEP des Nervus cutaneus femoris
lateralis links als passend zur Klinik (IV-act. 72-1). Die ABI-Gutachter hielten dazu fest,
tatsächlich werde in keinem neurologischen Befund eine Sensibilitätsstörung im
Versorgungsgebiet dieses Nervs beschrieben. Es handle sich nicht um eine geeignete
Methode zum Nachweis einer Plexusneuropathie. Hinzu komme, dass die gemessene
Latenz von 34.5 msec den Normwert (bis 34.1 msec) nur geringfügig überschreite und
keine signifikante Seitendifferenz gegenüber der rechten Seite vorliege. Es sei somit
anzunehmen, dass es sich um keinen klinisch relevanten Befund handle. Die
Untersuchungen hätten sich mit der klinischen Gesamtsituation der Versicherten nur
oberflächlich auseinandergesetzt. Auch unter Annahme einer geringfügigen Läsion des
Plexus lumbosacralis (lediglich diskrete Hinweise für eine leichte axonale Schädigung
des Nervus femoralis) wären die hochgradigen Schmerzen und die erheblichen
funktionellen Einschränkungen der Versicherten nicht erklärbar. Bei der aktuellen
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klinischen Untersuchung ergäben sich weder Anhaltspunkte für das Vorliegen einer
Neuropathie des Nervus femoralis noch fände sich ein neuropathisches
Schmerzsyndrom (IV-act. 92-23f.). Ärztliche Berichte, welche an dieser Beurteilung
Zweifel hervorzurufen vermöchten, liegen keine vor. Auf die gutachterlichen
Ausführungen zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin aus neurologischer
Sicht ist daher abzustellen.
4.3 In psychiatrischer Hinsicht ist auf die Berichte von Dr. D._ zu verweisen. Die
Psychiaterin hielt im Schreiben vom 11. März 2003 fest, dass die Beschwerdeführerin
bei klarer Bewusstseinslage und allseits orientiert sei, die Konzentration aktuell jedoch
herabgesetzt und das Denken durch pessimistische Gedanken bezüglich ihrer Zukunft
und der Zukunft der Kinder geprägt sei. Sie äussere hypochondrische Ängste, fühle
sich ständig bedroht und verfolgt und wirke kraftlos, müde, schlapp, ängstlich und
schwer deprimiert. Sie sei antriebslos und äussere spontan Suizidgedanken, weshalb
ein Rückfall in die depressive Störung festzustellen sei (IV-act. 18.33). Im Arztbericht
vom 24. Februar 2006 diagnostizierte Dr. D._ eine rezidivierende depressive Störung
mit somatischem Syndrom (ICD-10: F33.01). Die zumutbare Arbeitsfähigkeit sei aus
psychiatrischer Sicht wenig eingeschränkt, das heisse etwa 30%. Diese
Arbeitsfähigkeit sei eher in Teilzeit mit voller Leistung realisierbar. Als zumutbare
Tätigkeiten in Frage kämen industrielle Arbeiten, Arbeit in einem Lager oder als
Haushaltshilfe. Nach dem Wegzug der Beschwerdeführerin nach St. Gallen habe sie
die Behandlung bei ihr jedoch abgebrochen (IV-act. 26). Bezugnehmend auf die
Berichte von Dr. D._ konnte der Gutachter Dr. med. I._, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, zurzeit keine depressiven Verstimmungen feststellen. Die gelegentlich
auftretenden, leichten depressiven Verstimmungen seien im Rahmen der anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung zu sehen. Zudem werde die Beschwerdeführerin auch
nicht antidepressiv behandelt, es fänden nur gelegentlich psychiatrische
Konsultationen statt. Ausser der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung könne
keine weitere psychiatrische Diagnose gestellt werden, weshalb aus psychiatrischer
Sicht keine Arbeitsfähigkeitseinschränkung attestiert werden könne (IV-act. 92-19).
Somit hat Dr. I._ seine Beurteilung in Kenntnis der vorangegangenen psychiatrischen
Berichte und darauf bezugnehmend nachvollziehbar begründet. Da zudem keine
anderslautenden psychiatrischen Stellungnahmen vorliegen, ist seiner Einschätzung zu
folgen.
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4.4 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin führt gegen das ABI-Gutachten vom
November 2009 ins Feld, dass sämtliche Ärzte schwere und mittelschwere Arbeiten für
die Beschwerdeführerin als nicht mehr zumutbar erachteten. Betreffend diese Rüge ist
festzuhalten, dass der Hausarzt Dr. C._ im Arztbericht vom 26. Januar 2009 der
Beschwerdeführerin für leichte körperliche Arbeiten maximal eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit attestierte. Ausgeschlossen seien Überkopfarbeiten, Nachtarbeit,
Arbeiten draussen oder in feuchten oder kalten Räumen sowie monotone Bewegungen
(IV-act. 78.3f.). Auch Dr. J._ befand die Beschwerdeführerin im Bericht vom
13. September 2007 auf Grund seiner rheumatologischen Untersuchung vom
11. September 2007 in leichteren Arbeiten lediglich noch zu 50% arbeitsfähig. Nach
kurzer Einsicht ins ABI-Gutachten vom 24. November 2009 nahm er dazu aber insofern
korrigierend Stellung, als er die Diagnose einer Fibromyalgie nicht abstreiten könne.
Auch wenn diese bei der IV zwar nicht zur Rente berechtige, halte er berufliche
Massnahmen im Sinn einer Eingliederung in eine leichte Arbeit für sinnvoll (act. G 10.2).
Bezüglich der Hausarztberichte als auch übriger vom Gutachten abweichender
Einschätzungen der behandelnden Ärzte ist anzumerken, dass diese alle vor der
Begutachtung ergangen und bei der Erstellung des ABI-Gutachtens berücksichtigt
worden sind. Ferner setzten sich die Gutachter mit ihnen auseinander und begründeten
die gemachten Erkenntnisse nachvollziehbar.
4.5 Insofern als der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin mit Verweis auf die
Stellungnahme des RAD vom 30. Januar 2009 für leichte Tätigkeiten an einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit festhält, ist darauf hinzuweisen, dass der RAD-Arzt Dr. G._ in jener
Stellungnahme zwar aktuell (ab 26. Januar 2009) eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für
leichte Tätigkeiten angab, er jedoch explizit auch festhielt, dass es sich bei diesen
Angaben um keine Stellungnahme für die Rentenbeurteilung handle (vgl. IV-act. 79).
Damit ist offensichtlich, dass es sich lediglich um eine provisorische, für den konkreten
Zeitpunkt geltende Beurteilung handelte, weshalb sie ebenfalls keine erheblichen
Zweifel am ABI-Gutachten hervorzurufen vermag.
4.6 Bei der Würdigung des ABI-Gutachtens vom 24. November 2009 fällt weiter ins
Gewicht, dass es auf eigenständigen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange
umfassend ist. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und die von der
Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden berücksichtigt und gewürdigt. Die
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Attestierung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte leichte Tätigkeiten
leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung
der medizinischen Situation ein. Weiter bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass
objektiv wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden wären. Die
Beschwerdegegnerin hat damit bei der Bestimmung des Invaliditätsgrads zu Recht die
Leistungsfähigkeitsbeurteilung des ABI-Gutachtens zugrunde gelegt. Entgegen dem
Antrag der Beschwerdeführerin erübrigt sich damit die Edition einer aktuellen
Einschätzung des Hausarztes Dr. C._. Im Übrigen ist im vorliegenden Verfahren
sowieso lediglich auf den Sachverhalt bzw. die Entwicklung des Gesundheitszustands
abzustellen, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 22. März
2010 eingestellt hat (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). Aus gleichem Grund
erübrigen sich Ausführungen zum ärztlichen Zeugnis von Dr. C._ vom 24. April 2010
(act. G 10.1), welches sich explizit auf den aktuellen und somit den nach
Verfügungserlass bestehenden Gesundheitszustand bezog.
4.7 Wie RAD-Arzt Dr. G._ mit Stellungnahme vom 22. Dezember 2009 bestätigte,
gibt es gemäss ABI-Gutachten vom 24. November 2009 somit keine medizinische
Begründung für die Notwendigkeit eines geschützten Arbeitsplatzes. Aus
gutachterlicher Sicht ist die Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft umsetzbar. Wegen
der fixierten Eigeneinschätzung der Beschwerdeführerin sei zukünftig jedoch nicht mit
einer Verbesserung der Situation zu rechnen, weshalb weitere berufliche Massnahmen
keinen Sinn machten (IV-act. 94-2). Auf die vom Rechtsvertreter beantragte BEFAS
Abklärung kann damit verzichtet werden. Der Beschwerdeführerin wäre es aus
medizinischer Sicht möglich und zumutbar, in der freien Wirtschaft einer adaptierten
leichten Tätigkeit nachzugehen und beispielsweise in der Industrie leichte sitzende
Montagearbeiten auszuführen oder im Sinn einer Begleitung oder Unterstützung von
Kindern z.B. als Mithilfe am Mittagstisch einer Arbeit nachzugehen. Für die Vermittlung
einer geeigneten Stelle kann sich die Beschwerdeführerin bei der IV-Stelle melden,
worauf bereits die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort hingewiesen hat.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
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5.2 Der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Rechtspflege am
10. September 2010 bewilligt (act. G 13). Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse der
Beschwerdeführerin es gestatten, kann sie jedoch zur Nachzahlung der
Gerichtskosten, der Auslagen für die Vertretung und der vom Staat entschädigten
Parteikosten verpflichtet werden (Art. 288 Abs. 1 ZPO/SG i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/
SG).
5.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der
unterliegenden Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.--
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu
befreien.
5.4 Der Staat ist zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die
Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin aufzukommen. Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin verzichtete auf das
Einreichen einer Kostennote. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit
erscheint mit Blick auf vergleichbare Fälle eine pauschale Parteientschädigung von
Fr. 3'500.-- angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG).
Somit hat der Staat den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin pauschal (BGE 125 V
201) mit Fr. 2'800.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP