Decision ID: 61b1a494-ad56-5b7a-b80c-8d42b8e6a3d0
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reiste am 8. Juli 2019 in die Schweiz ein und er-
suchte am 10. Juli 2019 hierzulande um Asyl.
B.
Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Euro-
dac»-Datenbank ergab, dass er am 14. Juni 2017 in Italien ein Asylgesuch
eingereicht hatte. Am 22. Juli 2019 wurde ihm im Rahmen des Dublin-Ge-
sprächs das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Italiens für die Durchfüh-
rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu einer allfälligen Rückkehr
dorthin sowie zum medizinischen Sachverhalt gewährt.
C.
Am 1. August 2019 hiessen die italienischen Behörden ein vom SEM ge-
stelltes Gesuch um Rückübernahme des Beschwerdeführers gemäss
Art. 18. Abs. 1 Bst. b Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist
(nachfolgend: Dublin-III-VO) gut.
D.
Mit Verfügung vom 5. August 2019 trat das SEM in Anwendung von
Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers nicht ein und ordnete seine Wegweisung nach Italien an.
Mit Urteil F-4096/2019 vom 5. Dezember 2019 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht eine dagegen gerichtete Beschwerde gut, hob die angefoch-
tene Verfügung auf und wies die Sache im Sinne der Erwägungen an die
Vorinstanz zurück.
E.
Am 14. April 2020 trat das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdefüh-
rers erneut nicht ein und verfügte wiederum seine Wegweisung nach Ita-
lien. Auch eine dagegen gerichtete Beschwerde hiess das Bundesverwal-
tungsgericht mit Urteil F-2287/2020 vom 19. Mai 2020 gut, soweit die Auf-
hebung der angefochtenen Verfügung beantragt wurde, und wies die Sa-
che im Sinne der Erwägungen zur vollständigen und richtigen Sachver-
haltsabklärung sowie zur erneuten Beurteilung und Entscheidung an die
Vorinstanz zurück.
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F.
Mit Verfügung vom 15. Juni 2021 (eröffnet am 23. Juni 2021) trat das SEM
ein drittes Mal auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ord-
nete die Wegweisung nach Italien an und forderte ihn – unter Androhung
von Zwangsmassnahmen im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz am Tag
nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte die
Vorinstanz den Kanton Thurgau mit dem Vollzug der Wegweisung, hän-
digte dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Akten-
verzeichnis aus und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen
den Entscheid keine aufschiebende Wirkung zukomme.
G.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 30. Juni 2021 be-
antragt der Beschwerdeführer, die angefochtene Verfügung sei vollum-
fänglich aufzuheben, auf das Asylgesuch einzutreten und die Angelegen-
heit zur materiellen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Even-
tualiter sei die Verfügung vollumfänglich aufzuheben und die Angelegen-
heit zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen; subeventualiter sei
die Verfügung vollumfänglich aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen,
keinen weiteren Nichteintretensentscheid zu erlassen, bevor eine Bestäti-
gung der zuständigen italienischen Behörde vorliege, wonach die Notwen-
digkeit der nahtlosen Behandlung des Beschwerdeführers zur Kenntnis ge-
nommen werde, die Überstellung nicht zu einer Unterbrechung der medi-
zinischen Betreuung führen sowie dem Beschwerdeführer umgehend nach
seiner Ankunft in Italien Obdach gewährleistet werde. In verfahrensrechtli-
cher Hinsicht ersucht er unter anderem um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege samt Verbeiständung, Zuerkennung der aufschiebenden Wir-
kung der Beschwerde und Erlass vorsorglicher Massnahmen.
Das Rechtsmittel war insbesondere mit medizinischen Unterlagen und ei-
nem ergänzenden Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom
10. Juni 2021 zu den Aufnahmebedingungen in Italien ergänzt.
H.
Am 2. Juli 2021 setzte die Instruktionsrichterin gestützt auf Art. 56 VwVG
den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 8. Juli 2021 erteilte das Bundesverwaltungs-
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gericht der Beschwerde die aufschiebende Wirkung und verwies die wei-
teren Verfahrensanträge (unentgeltliche Rechtspflege, Einholen eines me-
dizinischen Gutachtens) auf einen späteren Zeitpunkt.
J.
Auf den weiteren Inhalt der Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwä-
gungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von
Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33
Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und
so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwür-
diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist da-
her zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105 AsylG und
Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1
VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die
unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, ein Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf ein Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.H.).
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Seite 5
3.
3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
3.3 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Besagte Bestim-
mung ist nicht unmittelbar anwendbar, sondern kann nur in Verbindung mit
einer anderen Norm des nationalen oder internationalen Rechts angerufen
werden (vgl. BVGE 2010/45 E. 5). Im Landesrecht wird dieses sogenannte
Selbsteintrittsrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. Au-
gust 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert.
3.4 Erweist sich die Überstellung einer asylsuchenden Person in einen
Dublin-Mitgliedstaat als unzulässig im Sinne der EMRK oder einer anderen
die Schweiz bindenden, völkerrechtlichen Bestimmung, muss das SEM die
Souveränitätsklausel anwenden und das Asylgesuch in der Schweiz be-
handeln (BVGE 2015/9 E. 8.2.1; 2010/45 E. 7.2). Ein Verstoss gegen Art. 3
EMRK kann dabei vorliegen, wenn eine schwer kranke Person durch die
Abschiebung mit einem realen Risiko konfrontiert würde, einer ernsten, ra-
schen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszu-
stands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheb-
lichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des
EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kam-
mer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
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Seite 6
4.
4.1 Den vorliegenden Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
am 14. Juni 2017 in Italien ein Asylgesuch gestellt hat, weshalb die Vor-
instanz Italien am 22. Juli 2019 um seine Wiederaufnahme gemäss Art. 18
Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO ersuchte. Die italienischen Behörden hiessen
das Gesuch am 1. August 2019 gut. Die grundsätzliche Zuständigkeit Itali-
ens ist somit gegeben.
4.2 Gestützt darauf trat das SEM mit Verfügung vom 5. August 2019 in An-
wendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers nicht ein und verfügte die Überstellung nach Italien. Zur
Begründung brachte es im Wesentlichen vor, Italien sei für sein Verfahren
zuständig, da er dort im Jahr 2017 um Asyl ersucht habe und im dortigen
Asyl- und Aufnahmesystem keine systemischen Mängel vorliegen würden.
Ausserdem sei festzuhalten, dass dieser Staat über eine ausreichende me-
dizinische Infrastruktur verfüge und gemäss Richtlinien der EU verpflichtet
sei, dem Beschwerdeführer die erforderliche medizinische Versorgung,
welche zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Be-
handlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasse,
zu gewähren. Es sei im Rahmen des Dublin-Systems davon auszugehen,
dass der zuständige Dublin-Staat angemessene medizinische Versor-
gungsleistungen erbringen könne und den Zugang zu notwendiger medizi-
nischer Behandlung gewährleiste. Es liege kein Hinweis vor, wonach Italien
eine medizinische Behandlung verweigert hätte oder künftig verweigern
würde. Er sei überdies bereits dort operiert und mit Medikamenten versorgt
worden. Für das Dublin-Verfahren sei ausschliesslich seine Reisefähigkeit
ausschlaggebend. Diese werde erst kurz vor der Überstellung definitiv be-
urteilt. Zudem trage das SEM seinem Gesundheitszustand bei der Organi-
sation der Überstellung Rechnung, indem es die italienischen Behörden
über seinen Gesundheitszustand und die notwendige medizinische Be-
handlung informiere.
4.3 Eine dagegen gerichtete Beschwerde hiess das Bundesverwaltungs-
gericht mit Urteil F-4096/2019 vom 5. Dezember 2019 gut. Es argumen-
tierte, der Beschwerdeführer gehöre aufgrund seiner Krankengeschichte
zweifellos zur Gruppe der besonders vulnerablen Personen. Diese Perso-
nengruppe habe nach den auf das «Salvini-Dekret» erfolgten Gesetzesän-
derungen keinen Anspruch mehr auf Unterbringung in einem SPRAR-bzw.
SIPROMI-Zentrum. Gestützt auf den medizinischen Sachverhalt sei das
SEM anzuweisen, bei der zuständigen italienischen Behörde eine Bestäti-
gung zu erwirken, dass die Notwendigkeit einer nahtlosen Behandlung des
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herzkranken Beschwerdeführers zur Kenntnis genommen und die Über-
stellung nicht zu einer Unterbrechung der medizinischen Betreuung führen
würde. Sollte die Vorinstanz seitens Italiens keine solche Zusage in schrift-
licher Form erhalten, wäre sie gehalten, erkennbar individuell und in Wür-
digung der konkreten Umstände die Anwendbarkeit der Souveränitätsklau-
sel zu prüfen.
4.4 Mit Verfügung vom 14. April 2020 trat das SEM erneut auf das Asylge-
such des Beschwerdeführers nicht ein. Es führte dabei aus, die italieni-
schen Behörden am 17. Dezember 2019 erfolglos um eine Garantieerklä-
rung ersucht zu haben. Zum derzeitigen Zeitpunkt müsse jedoch von einer
stark verbesserten Situation des Gesundheitszustands des Beschwerde-
führers ausgegangen werden, sodass dieser nicht mehr unter die Katego-
rie der besonders vulnerablen Personen falle. Sein Herzklappenfehler sei
am 12. September 2019 operativ behoben worden. Gemäss dem ambu-
lanten Bericht des Kantonsspitals X._ vom 4. Dezember 2019 habe
sich sein Allgemeinzustand gebessert. Seine damals aktuelle Therapie mit
vier Medikamenten (worunter ein Betablocker und ein Antibiotikum) sei re-
duziert worden und das ihm verschriebene Antibiotikum habe abgesetzt
werden können. Des Weiteren sei eine nach drei Monaten angedacht ge-
wesene echokardiographische Kontrolle auf unbestimmte Zeit verschoben
worden. Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers vermöge weder
einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK zu begründen, welcher eine Überstel-
lung nach Italien verhindern könnte noch seien Gründe ersichtlich, welche
die Anwendung der Souveränitätsklausel aus medizinischer Sicht rechtfer-
tigen würden.
4.5 Auch eine dagegen gerichtete Beschwerde hiess das Bundesverwal-
tungsgericht mit Urteil F-2287/020 vom 19. Mai 2020 gut und wies die Sa-
che zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück. Es hielt fest, dass sich
der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zwar stabil präsentiere,
der Betroffene aufgrund der aktenkundigen medizinischen Unterlagen hin-
gegen zurzeit und wohl auch längerfristig auf einen nahtlosen Zugang zu
medizinischer Betreuung und medikamentöser Behandlung angewiesen
sein werde. Ein solcher Zugang sei in Italien derzeit nicht in jedem Fall mit
Sicherheit gewährleistet, womit der Beschwerdeführer anlässlich einer
Überstellung in dieses Land mit dem realen Risiko einer ernsten, raschen
und unwiederbringlichen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes
konfrontiert sein könnte. Das SEM sei deshalb anzuweisen, sich gestützt
auf aktuelle medizinische Berichte erkennbar individuell mit den möglichen
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Konsequenzen eines allfälligen verzögerten Zugangs des Beschwerdefüh-
rers zu einer adäquaten medizinischen Versorgung in Italien auseinander-
zusetzen und dabei die möglichen Auswirkungen einer Reduktion der ärzt-
lichen Betreuung auf eine Notfallversorgung, respektive die Auswirkungen
einer zeitweiligen Unterbrechung der Behandlung auf seinen Gesundheits-
zustand zu beurteilen.
4.6 Die Vorinstanz bekräftigte in der Begründung des dritten in dieser An-
gelegenheit am 15. Juni 2021 ergangenen Nichteintretensentscheids, dass
die Zuständigkeit für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfah-
rens des Beschwerdeführers bei Italien liege. In Ergänzung zu seinen
früheren Entscheiden verwies das Staatssekretariat hierbei auf das am
20. Dezember 2020 in Kraft getretene Dekret Nr. 173/2020. Mit den durch
dieses Gesetzesdekret eingeführten praktischen und rechtlichen Änderun-
gen seien sowohl die medizinische Versorgung in den italienischen Erst-
aufnahmestrukturen als auch die Identifikation allfälliger Vulnerabilitäts-
merkmale sowie die Behandlung und Betreuung physischer und psychi-
scher Krankheiten gewährleistet. Dies gelte im Rahmen der verfügbaren
Plätze auch für die Zweitaufnahmestrukturen. Der EGMR habe in seinem
Urteil 46595 M.T. gegen die Niederlande vom 23. März 2021 denn auch
festgehalten, dass es bei Familien keine Verletzung von Art. 3 EMRK dar-
stelle, sie ohne das vorgängige Einholen von Garantien vorübergehend in
italienischen Erstaufnahmestrukturen unterzubringen. In Anbetracht des-
sen sei davon auszugehen, dass das dortige Aufnahmesystem derzeit an-
gemessene medizinische Versorgungsleistungen erbringen könne und
Asylsuchenden Zugang zu notwendiger medizinischer Behandlung ge-
währleiste. Die vom Bundesverwaltungsgericht geforderte Bestätigung sei
von den italienischen Behörden bis dato zwar nicht erbracht worden, auf-
grund des derzeit stark verbesserten Gesundheitszustandes des Be-
schwerdeführers falle er aber nicht mehr unter die besonders vulnerablen
Personen, weshalb darauf verzichtet werden könne. Die Rechtslage sowie
die Aufnahmesituation von Personen, welche nach einem Transfer nach
Italien unmittelbare medizinische Betreuung benötigten, habe sich seit dem
Referenzurteil E-962/2019 und im Anschluss an das Inkrafttreten des
Dekrets 130/2020 entscheidend weiterentwickelt.
4.7 Der Beschwerdeführer hielt in der Rechtsmitteleingabe vom 30. Juni
2021 im Wesentlichen dagegen, die Angelegenheit sei bereits zweimal an
die Vorinstanz zurückgewiesen worden. Unter Berücksichtigung des Be-
schleunigungsgebotes habe sie auf sein Asylgesuch einzutreten und die-
ses materiell zu prüfen. Eventualiter sei die Sache aufgrund verschiedener
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Mängel an das SEM zurückzuweisen. In der angefochtenen Verfügung sei
wichtigen Tatsachen (schwere Krankheit des Betroffenen, fortbestehendes
Erfordernis einer nahtlosen medizinischen Behandlung, keine Gewährleis-
tung einer solchen Behandlung in Italien), welche zur Zuständigkeit der
Schweizer Behörden führten, auch nach den beiden Rückweisungsent-
scheiden des Bundesverwaltungsgerichts nicht genügend Rechnung ge-
tragen worden. Das SEM habe es unterlassen, nach erfolgter Rückweisung
entsprechende Abklärungen zu treffen sowie eine einzelfallbezogene Prü-
fung vorzunehmen. Andernfalls sei die Vorinstanz erneut anzuweisen, von
den italienischen Behörden eine konkrete schriftliche Zusicherung einzu-
holen, so dass seine nahtlose medizinische Betreuung garantiert bleibe.
Ohne eine solche Zusicherung könne eine Überstellung nicht verantwortet
werden.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer leidet seit Jahren an einer postrheumatischen
Herzerkrankung, derentwegen er sich in mehreren Ländern einer medizi-
nischen Behandlung unterzog. Bereits im Jahr 2005 war er in seinem Hei-
matland Gambia wegen Herzinsuffizienz ärztlich behandelt worden. Nach
seiner Einreise in Italien erfolgte dort im November 2017 wegen einer
schweren Mitralklappenstenose eine Ballonvalvuloplastie der Mitralklappe.
Nachdem er im Juli 2019 auch in der Schweiz um Asyl ersucht hatte, fan-
den im Kantonsspital X._ weitere kardiologische Untersuchungen
statt.
5.2 Aufgrund der festgestellten schweren postrheumatischen Herzerkran-
kung und des gemischten Aortenklappenvitiums wurde der Beschwerde-
führer am 12. September 2019 im Herz-Neuro-Zentrum Y._ in
Z._ operiert. Hinweise auf eine chronische Endokarditis der Aorten-
und Mitralklappe führten damals zudem zu einer antibiotischen Behand-
lung. Die anschliessenden Verlaufskontrollen ergaben stabile Befunde,
weswegen das Antibiotikum Ende jenes Jahres wieder abgesetzt werden
konnte.
5.3 Ein ambulanter Bericht der Kardiologie des Kantonsspitals X._
vom 28. April 2020 führte als Hauptdiagnosen nunmehr einen Status nach
Endokarditis von Aorten- und Mitralklappe durch Bartonella quintana
09/2019, eine mittelgradig einschränkte Nierenfunktion, eine Niereninsuffi-
zienz (AKIN 1) und eine hyperchrome mikrozytäre Anämie auf. Gemäss
Beurteilung präsentiere sich der klinische und echokardiographische Ver-
lauf stabil. Wichtig sei eine gute und stabile Marcoumarisierung mit einer
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Ziel-INR von 3.5 (3.0 bis 4.0), gegebenenfalls würden sich engmaschige
Kontrollen empfehlen, um dies sicherzustellen. Bezüglich der für den Pati-
enten störenden Narbe sei eine mehrmals täglich durchzuführende Kom-
pression und bei ausbleibendem Erfolg eine dermatologische Vorstellung
zu empfehlen. Aufgrund der mit einem Eingriff möglicherweise einherge-
henden Bakteriämie und des erhöhten Infektrisikos seien aktuell keine Kor-
tisoninjektionen oder operative Massnahmen in diesem Bereich zu emp-
fehlen. Aufgrund des Endokarditiskeims und der flottierenden Struktur im
LVOT sei überdies eine echokardiographische Verlaufskontrolle nach drei
Monaten zu empfehlen. Bei Fieberschüben oder anderen Zeichen eines
bakteriellen Allgemeininfekts werde um sofortige Wiedervorstellung zur
transösophagealen Echokardiographie gebeten. Hinsichtlich des Inhalts
der vom August 2019 bis im Frühjahr 2020 erstellten Berichte sowie der
festgestellten Diagnosen kann im Einzelnen auf die Auflistung im Urteil
F-2287/2020 vom 19. Mai 2020 (siehe dortige E. 5.1-5.7) verwiesen wer-
den.
5.4 Seither sind drei ärztliche Berichte hinzugekommen. Einem Arztbericht
vom 28. November 2020 kann entnommen werden, dass der Beschwerde-
führer, basierend auf den bisherigen Diagnosen, lebenslang auf eine Blut-
verdünnung mit Marcoumar angewiesen sei. Eine Blutwertkontrolle alle
drei bis vier Wochen sowie eine jährliche Herzkontrolle seien hierbei unab-
dingbar. Ohne eine solche Behandlung bestehe die Gefahr einer tödlichen
Embolie (vgl. Akten der Vorinstanz [SEM act.] 77). Im ambulanten Bericht
der Dermatologie des Spitals W._ vom 18. Dezember 2020 figurie-
ren wiederum die Hauptdiagnosen und es wird auf eine Behandlung der
Operationsnarbe verwiesen, welcher sich der Patient dort unterzogen hat
(SEM act. 81). Aus einem ärztlichen Bericht für die medizinische Sachver-
haltsabklärung im Asylverfahren vom 23. April 2021 schliesslich geht eben-
falls hervor, dass der Beschwerdeführer lebenslang das Medikament Mar-
coumar zur Hemmung der Blutgerinnung einzunehmen habe, die Medika-
tion alle drei bis vier Wochen kontrolliert werden müsse und jedes Jahr eine
Herzkontrolle durchzuführen sei. Mit Behandlung sei künftig eine gute
Prognose gewährleistet, ohne Behandlung bestehe die Gefahr von Throm-
bosen. Aus ärztlicher Sicht spreche nichts gegen eine medizinische Be-
handlung im Herkunftsstaat (SEM act. 82).
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Seite 11
6.
6.1 Wie erwähnt, erläuterte die Vorinstanz in ihrem dritten Nichteintretens-
entscheid vor allem das Gesetzesdekret Nr. 130/2020 und führte exempla-
risch Verbesserungen gegenüber dem zuvor in Kraft gewesenen sog. Sal-
vini-Dekret auf. Bezogen auf den Gesundheitszustand des Beschwerde-
führers gab das SEM praktisch im Wortlaut die im zweiten Nichteintretens-
entscheid vom 14. April 2020 eingenommene Haltung wieder (stark ver-
besserte Situation des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers, so
dass er nicht mehr als besonders vulnerable Person gelte), einzig ergänzt
durch einen Verweis auf den ärztlichen Bericht vom 23. April 2021.
6.2 Dem SEM ist dahingehend zuzustimmen, dass sich der Gesundheits-
zustand des Beschwerdeführers gemäss den medizinischen Akten zurzeit
als stabil bezeichnen lässt. Dennoch gilt es nicht ausser Acht zu lassen,
dass er nach wie vor eine lückenlose und engmaschige medizinische Be-
treuung benötigt. Konkret wird er lebenslang auf eine orale Antikoagulation,
eine alle drei bis vier Wochen zu erfolgende Kontrolle der Medikation sowie
regelmässige kardiologische Verlaufskontrollen angewiesen sein. Sind die-
se Folgetherapie und eine regelmässige medizinische Versorgung nicht
gewährleistet, setzte man den Beschwerdeführer der Gefahr einer tödli-
chen Embolie (SEM act. 77) bzw. Thrombose (SEM act. 82) aus. Liegen
die Blutwerte, wie in diesem Frühsommer, unter dem Normbereich, wären
zudem wöchentliche Arztbesuche angezeigt (vgl. Beschwerdebeilagen).
Die von der Vorinstanz angesprochene, seinerzeitige Verschiebung eines
echokardiographischen Kontrolltermins auf unbestimmte Zeit erfolgte der-
weil aufgrund der damaligen Covid-19-Situation. In Anbetracht der obge-
nannten Ausführungen berechtigt die Sachlage nicht zur Annahme, beim
Beschwerdeführer handle es sich nicht mehr um eine vulnerable Person.
Da die italienischen Behörden nie zusicherten, dem Beschwerdeführer die
notwendige und nahtlose medizinische Versorgung zukommen zu lassen,
hätte die Vorinstanz von Italien demnach entsprechende individuelle Ga-
rantien einholen oder den vorliegenden Einzelfall in Bezug auf den medizi-
nischen Sachverhalt – ungeachtet der künftigen Umsetzung des Dekrets
Nr. 130/2020 – zumindest einer vertieften Prüfung unterziehen müssen. Bis
sich die Umsetzung besagter Gesetzesänderungen durch die italienischen
Behörden in der Praxis manifestiert, wendet das Bundesverwaltungsge-
richt ohnehin die im Urteil E-962/2019 entwickelte Rechtsprechung an (vgl.
etwa Urteile des BVGer F-3416/2021 vom 20. August 2021 E. 6.3, F-
3470/2021 vom 9. August 2021 E. 5.3 oder F-6225/2020 vom 21. Januar
2021 E. 4.4). Nähere Ausführungen dazu erübrigen sich, weil vorliegend
weitere Umstände vorliegen, die es zu berücksichtigen gilt.
F-3043/2021
Seite 12
6.3 Das Dublin-System basiert nicht nur auf der Idee, das sogenannte
"asylum shopping" (Einleitung paralleler oder einander nachfolgender Asyl-
verfahren in verschiedenen Staaten des Vertragsgebiets) zu verhindern,
sondern es soll der antragstellenden Person gleichzeitig innert vernünftiger
Frist einen effektiven Zugang zum Asylverfahren in einem dieser Staaten
gewährleisten (vgl. zum historischen Hintergrund des Dublin-Systems
BVGE 2010/27 E. 6.4.6.1 und 6.4.6.3). Dem Problem der langen Verfah-
rensdauer bei Wiederaufnahmeverfahren wurde in der Dublin-III-VO dahin-
gehend Rechnung getragen, dass von einer maximalen erstinstanzlichen
Verfahrensdauer von zweiundzwanzig Monaten ausgegangen wird (drei
Monate für den Wiederaufnahmeantrag [Art. 23 Dublin-III-VO]; ein Monat
für ein Wiederaufnahmegesuch [Art. 25 Dublin-III-VO]; maximale materi-
elle Frist von achtzehn Monaten für den Vollzug des Überstellungsent-
scheides [Art. 29 Dublin-III-VO]). Die Dauer des Verfahrens (beziehungs-
weise der Anwesenheit in der Schweiz) – soweit sie nicht von den betroffe-
nen Personen selbst verursacht oder verschuldet worden ist – ist einer der
Faktoren, die bei der Prüfung des humanitären Selbsteintritts in Betracht
zu ziehen sind (vgl. JEAN-PIERRE MONNET, La jurisprudence du Tribunal
administratif fédéral en matière de transferts Dublin, in: Breitenmo-
ser/Gless/Lagodny, [Hrsg.], Schengen und Dublin in der Praxis, Aktuelle
Fragen, 2015; S. 427 f.).
6.4 Das Verfahren zur Bestimmung des für das Asylgesuch des Beschwer-
deführers zuständigen Mitgliedstaats dauert inzwischen mehr als zwei
Jahre, ohne dass er dies zu verschulden hätte. Die Tatsache, dass er am
10. Juli 2019 in der Schweiz um Asyl nachgesucht hat und sich seither in
einem reinen Zuständigkeitsverfahren befindet, ohne dass er effektiven Zu-
gang zum materiellen Asylverfahren erhalten hätte, steht vorliegend dem
im Rahmen des Dublin-Systems gewichtigen Beschleunigungsgebot ent-
gegen. Diese lange Verfahrensdauer ist nicht dem Beschwerdeführer an-
zulasten. Die mehrmonatige Dauer des ersten Beschwerdeverfahrens war
hauptsächlich auf medizinische Indikationen (der Betroffene musste sich in
jener Phase einem operativen Eingriff an der Herzklappe unterziehen, un-
geklärte Fragen der Medikation, der notwendigen Nachbehandlungen und
Folgetherapien sowie der Verfügbarkeit einer nicht verzögerten adäquaten
medizinischen Behandlung in Italien) zurückzuführen. Dementsprechend
wurde die Sache vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil F-4096/2019
vom 5. Dezember 2019 zur rechtsgenüglichen Abklärung des Sachverhalts
an das SEM zurückgewiesen. Wohl fällte das Staatssekretariat am 14. April
2020 einen zweiten Nichteintretensentscheid, weil es sich darin aber nach
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Seite 13
wie vor nicht, gestützt auf aktuelle medizinische Berichte, erkennbar indivi-
duell mit den möglichen Konsequenzen eines allfällig verzögerten Zugangs
des Beschwerdeführers zu einer adäquaten medizinischen Versorgung in
Italien auseinandersetzte, fällte das Bundesverwaltungsgericht am 19. Mai
2020 erneut einen Rückweisungsentscheid. Bis zum dritten Nichteintre-
tensentscheid verstrich danach mehr als ein Jahr. Für die gesamte Zeit-
spanne sind keine ausserordentlichen oder sonst aufwändigen Abklärun-
gen aktenkundig, womit die Verfahrensdauer überwiegend die Vorinstanz
zu vertreten hat. Mit ins Gewicht fällt sodann die spezifische Verletzlichkeit
des Betroffenen (siehe E. 5.1 – 5.4 hiervor). Unter diesen konkreten be-
sonderen Umständen würde es dem Beschleunigungsgebot zuwiderlau-
fen, im jetzigen Zeitpunkt – bald 27 Monate nach der Asylgesuchstellung
in der Schweiz – eine Wiederanhebung des Asylverfahrens in einem Dritt-
staat zu veranlassen (vgl. ähnlich gelagerte Urteile des BVGer
F-2001/2021 vom 11. Mai 2021 E. 6.4 und 6.5, D-1851/2021 vom 5. Mai
2021, E. 7.4, F-5634/2018 vom 23. April 2021 E. 7.7 und 7.8, E-6654/2017
vom 23. März 2020 E. 6.1, D-3394/2017 vom 30. August 2019 E. 7.3 und
E-26/2016 vom 16. Januar 2019 E. 5.2.3).
6.5 Im Lichte der gesamten Umstände und unter Berücksichtigung von
Sinn und Zweck der Dublin-III-VO erscheint es im vorliegenden Einzelfall
angebracht, dass die Schweiz aus humanitären Gründen von ihrem Recht
auf Selbsteintritt Gebrauch macht und sich für die Behandlung des Asylge-
suches des Beschwerdeführers zuständig erklärt.
6.6 Vor diesem Hintergrund erübrigt es sich, auf die Anträge auf Parteibe-
fragung und Einholen eines medizinischen Gutachtens näher einzugehen.
7.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die Verfügung vom
15. Juni 2021 ist aufzuheben und die Sache an das SEM zurückzuweisen
mit der Anweisung, das nationale Asyl- und Wegweisungsverfahren durch-
zuführen und materiell über das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom
10. Juli 2019 zu befinden.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen
(vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Dem vertretenen Beschwerdeführer ist
angesichts seines Obsiegens gestützt auf Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m.
Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2)
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zu Lasten der Vorinstanz eine angemessene Parteientschädigung zuzu-
sprechen.
8.2 Das Gericht setzt die Entschädigung aufgrund der Kostennote fest
(Art. 14 Abs. 2 VGKE). Die Parteivertreterin stellte in ihrer Kostennote vom
30. Juni 2021 Aufwendungen von Fr. 2'568.10 (inkl. Auslagen und Mehr-
wertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Bst. c VGKE) in Rechnung. Das
Gericht erachtet den geltend gemachten zeitlichen Aufwand aufgrund der
Vorbefassung der Rechtsvertreterin in den beiden vorangehenden Be-
schwerdeverfahren als überhöht. Unter zusätzlicher Berücksichtigung der
massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) und der Entschä-
digungspraxis in vergleichbaren Fällen ist die Parteientschädigung auf
Fr. 2'100. – (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
8.3 Mit dieser Kostenregelung wird das vom Beschwerdeführer gestellte,
bislang nicht behandelte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege gegenstandslos (MARCEL MAILLARD, in: Praxiskommentar
VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 65 N. 46).
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