Decision ID: 5444f12b-7270-419e-b9ff-8852a7f246e6
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der im Jahre
1989 geborene
X._
meldete sich im Zusammenhang mit einer mittelschweren Bewegungsstörung erstmals am 1
4.
März 1995 bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von IV-
Leis
tungen für Minderjährige an (
Urk.
6/1). Diese gewährte in der Folge Kosten
gu
t
sprache für medizinische
Massnahmen (
Urk.
6/5), für Sonderschulmass
nah
men
(
Urk.
6/7,
Urk.
6/11,
Urk.
6/13,
Urk.
6/31,
Urk.
6/39) sowie für eine erst
malige berufliche Ausbildung (
Urk.
6/60).
1.2
Am
5.
Januar 2008 erfolgte die Anmeldung bei der IV-Stelle zum
Bezug von IV-Leistungen für Erw
achsene (
Urk.
6/69). Am 1
2.
August 2007 trat der Versicherte eine Ausbildung zum Büroassistent an (Ausbildung bis 1
1.
August
2009,
Urk.
6/66). In der Zeit vom
1.
b
is
5.
Oktober 2008 wurde ein erster stationärer Aufenthalt aufgrund psychischer Probleme erforderlich (per FFE,
Y._
;
Urk.
6/81). Der Abschluss der Ausbildung zum Büro
assistenten erfolgte aus gesundheitlichen Gründen ohne eidgenössisches Attest (
Urk.
6/96 f.). Im Zuge der weiteren
Anspruchsprüfung erfolgte eine
psychia
trische Begutachtung (
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Gutachten vom
6.
Januar 2009;
Urk.
6/108). Im Zusammen
hang mit einer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung sowie einer Abstinenz von Alkohol und Cannabis wurde der Versicherte am
9.
Februar 2010 auf die ihm obliegende Schadenminderungspflicht hingewiesen (
Urk.
6/109). Mit Vorbescheid vom 2
5.
November 2010 stellte die IV-Stelle mit Wirkung ab
1.
Mai 2010 die Ausrichtung einer
Dreiviertelsrente
in Aussicht (
Urk.
6/130) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügungen vom 1
0.
März
(
und
5.
April
)
2011 fest (
Urk.
6/138,
Urk.
6/140).
1.3
Im März 2012 wurde eine revisionsweise Überprüfung des Rentenanspruchs in die Wege geleitet, wobei der Versicherte am 2
6.
März 2012 angab, dass der Ge
sundheitszustand
gleich geblieben
sei (
Urk.
6/143). Mit Mitteilung vom 1
8.
Juli 2012 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für eine erstmalige berufliche Aus
bildung (kaufmännische Ausbildung vom
6.
August 2012 bis
5.
August 2015,
Urk.
6/156,
Urk.
6/162).
In der Zeit vom 1
5.
bis 2
7.
Mai 2013 war der Versicherte im
A._
hospitalisiert (
Urk.
6/262 S.
3).
Aufgrund gesundheitlicher
Probleme wurde die berufliche Massnahme mit Mitteilung vom 1
1.
Juni 2013 ab
ge
brochen (Urk. 6/177).
Die Wiederausrichtung der Rente nach Abbruch der be
ruflichen Massnahme erfolgte mit Verfügung vom 1
5.
August 2013 (
Urk.
6/185). In der Zeit vom
4.
September bis
4.
Dezember 2013 weilte der Versicherte erneut zur stationären Behandlung
in der
Y._
(
Urk.
6/199). Mit Mitteilung vom 1
2.
Dezember 2013 informierte die IV-Stelle dahingehend, dass aufgrund des Gesundheitszustandes des Versicherten zurzeit keine beruflichen Massnahmen möglich seien (
Urk.
6/198). Mit Mitteilung vom
7.
April 2014 wies die IV-Stelle den Versicherten auf die ihm im Zusammenhang mit einer Abstinenz von Canna
bis und Alkohol zur psychischen Stabilisierung obliegenden Schadenmin
de
rung
s
pflicht hin (
Urk.
6/207). Mit Mitte
i
lung vom 2
2.
April 2014 wurde der unverän
derte Rentenanspruch
bestätigt (
Urk.
6/210).
1.4
Am 2
7.
August 2015 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für eine Potential
abklärung (
Urk.
6/223); die entsprechende Zielvereinbarung wurde gleichentags unterzeichnet (
Urk.
6/224). Gestützt auf die Zielvereinbarung vom 2
9.
September 2015 (
Urk.
6/231) erfolgte mit Mitteilung vom 1
4.
Oktober 2015 die Kostengut
sprache für ein Aufbautraining (
Urk.
6/232); die Verlängerung der Massnahme erfolgte am
4.
April 2016 (
Urk.
6/238; Zielvereinbarung vom 2
4.
März
2016,
Urk.
6/239). Am 2
6.
Juli 2016 wurde eine Zielvereinbarung für eine externe Be
rufs
beratung unterzeichnet (
Urk.
6/251); der Abschluss der beruflichen Bera
tung und Begleitung erfolgte mit Mittei
lung vom
7.
Dezember 2016 (Urk.
6/254).
Seit dem
5.
Dezember 2016 geht der Versicherte in den
B._
in der
Packstati
on einer geschützten Tätigkeit i
m Umfang von 60
%
nach (
Urk.
6/273/1-2,
vgl. auch
Urk.
1 S. 4). Im Zuge der weiteren Abklärungen
holte die IV-Stelle bei den behandelnden Fachärzten einen ärztlichen Bericht ein (
Urk.
6/262) und legte das Dossier dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vor (
Urk.
6/264). Mit Vorbescheid vom 1
1.
April 2017 stellte sie die Einstellung der IV-Rente in Aus
sicht (
Urk.
6/265) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom
2
7.
Februar 2018 fest (
Urk.
6/278 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin des Versicherten am
5.
April 2018 Beschwerde und beantragte, es sei dem Beschwerdeführer weiterhin eine
Dreiviertelsrente
zuzu
sprechen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde
gegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
Mai 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was dem Beschwerdeführer mit Verfü
gung vom 1
6.
Mai 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung; IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbsein
kom
men zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus
(vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
ab
gesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
benem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des stritti
gen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizi
ni
schen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begrün
det sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
1.4
Gemäss
Art.
7
Abs.
1
IVG
muss die versicherte Person alles ihr Zumutbare unter
nehmen, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit (
Art.
6
ATSG
) zu verringern und den Eintritt einer Invalidität (
Art.
8 ATSG) zu verhin
dern.
Art.
21
Abs.
4 ATSG bestimmt, dass einer versicherten Person die Leistun
gen vorüber
gehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden können, wenn sie sich einer zumutba
ren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesent
liche Ver
besserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbs
möglichkeit ver
spricht, entzieht oder widersetzt oder nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumut
bare dazu beiträgt. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hinge
wiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit ein
zuräumen.
Behand
lungs
- oder Eingliederungsmassnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesund
heit darstellen, sind nicht zumutbar. Die Regelungen von
Art.
43
Abs.
3 ATSG (Nichteintreten oder Sachentscheid aufgrund der Akten) und
Art.
7b
Abs.
1 IVG (Kürzung oder Verweigerung der Leistung) sind grund
s
ätzlich nebeneinander an
wendbar
. Die Sanktion bei verletzter Schadenminderungs- oder Mitwirkungs
pflicht hat sich an d
as Verhältnismässigkeitsprinzip
zu halten und insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 9C_370
/2013 vom 22. November 2013 E. 3 mit Hinweisen
)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass der Beschwerdeführer der ihm obliegenden Mitwirkungspflicht gemäss Schreiben vom
7.
April 2014 nicht nachgekommen sei. Zudem sei von einer Verbesserung der gesundheitlichen Situation auszugehen, da ab September 2016 eine vollstän
dige Arbeitsfähigkeit bestehe.
Dies führe zu einem rentenausschliessenden Inva
liditätsgrad von 9
%
(
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin des Beschwerdeführers im Wesentlichen geltend, dass die abgebrochenen Eingliederungsmassnahmen und Ausbildungs
versuche (allesamt im geschützten Rahmen) vor allem mit der Persönlichkeits
struk
tur zusammenhangen würden, mit Problemen, sobald auch nur geringer Druck auf den Beschwerdeführer ausgeübt werde. Auch an der aktuellen 60%-Stelle im geschützten Bereich sei der Beschwerdeführer auf eine engmaschige Betreuung angewiesen; in der freien Wirtschaft sei nach wie vor nicht von einer verwertbaren Arbeitsfähigkeit auszugehen, schon gar nicht von einer höheren als 40
%
. Weiter habe es die Beschwerdegegnerin unterlassen zu den Wechsel
wir
kungen der beim Beschwerdeführer seit Geburt vorliegenden
cerebralen
Bewe
gungs
störung und den psychischen Störungen weitere Abklärungen zu veran
lassen (
Urk.
1 S. 5). Das Suchtgeschehen sei dabei als Folge und nicht Ursache der psychi
s
chen Störungen anzusehen, wobei auch eine zeitlich vollständige Abstinenz nicht zu einer beruflichen Integration in den ersten Arbeitsmarkt geführt habe. Umgekehrt könne der Beschwerdeführer trotz gelegentlichem Kon
sum von Cannabis am aktuellem Arbeitsplatz eine gute Leistung erbringen (S. 6 f.).
Auch die therapeutischen Bemühungen hätten nicht zu einer Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt geführt (S. 7). Insgesamt sei im Wesentlichen von einem unveränderten Gesundheitszustand auszugehen, sodass keine Grundlage für eine Rentenreduktion oder –
aufhebung
bestehe (S. 7 f.).
2.3
Vergleichsbasis im vorliegenden Revisionsverfahren bilde
t
die
Verfügung vom 1
0.
März 2011, welche sich in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das Gutachten von
Dr.
Z._
vom
6.
Januar 2009 stützt. Dieser diagnos
tizierte dannzumal eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel
gra
dige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11), eine akzentuierte Pe
rsönlichkeit nach ICD-10
Z73.1,
sowie fremdanamnestisch eine
tetraplegische
Cerebralparese
leichten bis mit
tleren Grades linksbetont (Urk.
6/108/22-23). In einer angepassten Tätigkeit sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 60
%
auszu
gehen (
Urk.
6/108
/26).
3.
3.1
Dr.
med.
C._
sowie Prof.
Dr.
med.
D._
von der
E._
diagnostizierten
in
ihrem Bericht zu
Handen
der IV-Stelle vom 1
5.
Februar 2017 eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4), eine narzisstische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8), ein schädlicher Ge
brauch von
Cannabinoiden
(ICD-10 F12.1)
sowie eine infantile
Cerebralpa
rese
.
Der Beschwerdeführer habe bei ihnen vom 2
9.
März 2016 bis 2
1.
September 2016 in ambulanter Behandlung gestanden; seither wünsche der Beschwerdeführer keine Behandlung mehr. Dieser habe eine beschützte Gärtnerlehre begonnen; in der Zeit der Behandlung sei in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit von einer Arbeits
unfähigkeit von 25
%
auszugehen, bei reduziertem Durchhaltevermögen sowie niedriger Frustrationstoleranz.
In einer behinderungsangepassten Tätigkeit sei ab 2
1.
September 2016 von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen, wobei auf längere Sicht hin eine Vollarbeitsfähigkeit möglich sei. Die medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung sei weiterzuführen, wobei bei langsamer Stei
ge
rung des Arbeitspensums eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten sei (
Urk.
6/262 S. 2-4).
3.2
Dr.
med.
F._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
, vom Regio
na
len Ä
rztlichen Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD),
äussert sich in ihrer Stellungnahme vom
6.
April 2017 dahingehend, dass der Beschwerdeführer die Schadenminderungspflicht nicht eingehalten habe. Er habe weiter Cannabis kon
sumiert, bis auf die Perioden, in denen er gut begleitet gewesen sei. Im Bericht
Beratung und Begleitung werde angegeben, dass der Beschwerdeführer in der rich
tigen Umgebung und mit Hilfe von therapeutischer Unterstützung im
1.
Arbeits
markt als arbeitsfähig angesehen werde. Gestützt auf den Bericht von
Dr.
C._
sei von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (
Urk.
6/264 S. 3).
3.3
Seit dem
5.
Dezember 201
6 ist der Beschwerdeführer bei den
B._
als Mitarbeiter im Fachbereich Packstation angestellt. Dabei handelt es sich um eine geschützte Arbeitsstelle. Der Beschwerdeführer sei immer wieder durch verschiedene Gründe belastet, was zu Motivationsverlust und Unsicherheit führe. In diesen Situationen sei ein hoher Bedarf an intensiver Betreuung nötig. In aku
ten Krisen führe das agogische Personal täglich Gespräche, normalerweise ein- bis zweimal pro Woche. Ihrer Einschätzung nach brauch
e
der Beschwerde
führer entsprechend seiner Biographie und seiner bisherigen persönlichen Entwicklung den geschützten Rahmen des zweiten Arbeitsmarktes, um Sicherheit, Leistung und Weiterentwicklung zu erbringen (
Urk.
6/273/1-2).
4.
4.1
Zu prüfen ist zunächst, ob der vorliegende Bericht von
Dr.
C._
vom 1
5.
Februar 2017 eine verlässliche Grun
dlage für die erfolgte Rentenauf
hebung darstellt. Dabei fällt zunächst auf, dass der Bericht davon ausgeht, dass der Beschwerde
führer eine beschützte Gärtnerlehre begonnen hat (
Urk.
6/262 S. 3 unten). Die im ge
nannten Bericht festgehaltene Behandlungsdauer vom 2
9.
März bis zum 2
1.
Septem
ber 2016 fällt dabei in eine Zeitperiode des Aufbautrainings durch die IV-Stelle. Dabei ist es zutreffend, dass eine geschützte Stelle im Gartenbau bereits im September 2016 zur Diskussion stand (
Urk.
6/255 S. 10). Der Beschwerde
führer war aber Anfang Oktober 2016 lediglich für zwei Tage im Betrieb und musste die Tätigkeit infolge Überlastung beenden (S. 12). Die Mutter des Be
schwerdeführers berichtete
betreffend die nachfolgenden Wochen, dass ihr Sohn fast nicht aus dem Bett gekommen sei, kaum etwas zu sich genommen und wieder suizidale Absichten geäussert habe (S. 13).
Vor diesem Hintergrund ist von einer ungenügenden Berücksichtigung der beruflichen Situation durch die behandeln
den Fachärzte auszugehen. We
iter erscheint es sehr fraglich, wie bei einer solchen Reaktion auf eine Schnupperanstellung in der massgebenden Periode auf eine 75%ige Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt geschlossen werden kann.
Aufgrund der Akten kann die Überforderungsreaktion auch nicht allein mit moti
vationalen Aspekten begründet werden; so kam es im Oktober 2008 und Februar 2013 bereits zu Suizidversuchen, welche eine stationäre Behandlung nach sich zogen (
Urk.
6/262).
Zu berücksichtigen ist weiter, dass die ambulante Behandlung nur bis zum 2
1.
September 2016 andauerte, die angefochtene Verfügung – welche die Grenze der Überprüfungsbefugnis darstellt – jedoch vom 2
7.
Februar 2018 datiert. So blieb die weitere berufliche Entwicklung im Rahmen des Berichts vom 1
5.
Februar 2017 unberücksichtigt; der genannte Bericht stellt auch in dieser Hinsicht keine verlässliche Grundlage für die Einschätzung des medizinischen Sachverhalts dar. Darüber hinaus steht im Rahmen einer revisionsweisen Überprüfung eines Ren
tenanspruchs die Prüfung einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszu
standes im Vordergrund. Der vorliegende Bericht äussert sich in dieser Hinsicht nicht, insbesondere nimmt er
keinen Bezug auf das dannzumal ergangene Gut
achten vom
6.
Januar 200
9.
Auch in dieser Hinsicht erweisen sich die medizi
nischen Abklärungen als ungenügend. Für eine verlässliche Beurteilung erscheint dabei zumindest eine psychiatrische Begutachtung angezeigt, wozu die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
4.2
Mit Schreiben vom
7.
April 2014 wurde der Beschwerdeführer auf die ihm oblie
gende Mitwirkungspflicht im Zusammenhang mit der Abstinenz von Cannabis und Alkohol zur psychischen Stabilisierung hingewiesen (
Urk.
6/207). Hinzu
wei
sen ist dabei, dass die Mitwirkungspflicht im Artikel zur «Abklärung» geregelt ist, wobei bei Nichtbefolgen der Auflagen aufgrund der Akten entschieden oder Nicht
eintreten beschlossen w
erden kann (
Art.
38
Abs.
3 ATSG).
Demgegenüber ging die Beschwerdegegnerin im Zuge der angefochtenen Verfügung in einer an
gepassten Tätigkeit von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit aus, was der prog
nos
tischen Einschätzung von
Dr.
C._
entspricht. Dieses Vorgehen ist
nur
gestützt auf
Art.
21
Abs.
4 ATSG zulässig, sodass vorliegend von einer Auflage im Rah
men der Schadenminderungspflicht auszugehen ist. Eine solche verlangt, dass die zumutbare Behandlung eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ver
spricht.
Davon geht jedoch auch die Beschwerdegegnerin nicht aus, führte sie doch aus, dass der Gesundheitszustand durch die entsprechende Abstinenz erhal
ten werden könne (
Urk.
6/207). Auch die medizinischen Akten legen eine Zu
stands
verbesserung allein aufgrund einer Abstinenz nicht nahe. So stellte schon
Dr.
Z._
in seinem Gutachten vom
6.
Januar 2009 die psycho
phar
ma
kologische und psychotherapeutische Behandlung ins Zentrum, insbesondere sollte die Such
t
problematik in diesem Rahmen verhaltenstherapeutisch ange
gangen werden (
Urk.
6/108/27). Auch die Fachärzte der
Y._
empfahlen eine Wei
terf
ührung der begonnenen Psychotherapie (
Urk.
6/199); diese Empfehlung ergibt
sich auch aus dem Bericht von
Dr.
C._
vom 1
5.
Februar 2017 (
Urk.
6/262 S. 4
). Vor diesem Hintergrund waren die Voraussetzungen für die Auflage einer Scha
denminderungspflicht, wie sie sich aus der Mittteilung vom
7.
April 2014 ergibt, zu keiner Zeit gegeben. Darüber hinaus wäre
zu prüfen, welche Massnahmen dem Beschwerdeführer zuzumuten sind und wie allfällige Therapieabbrüche – unter Berücksichtigung der umfangreichen Vorgeschichte – zu werten sind.
4.3
Zusammenfassend erscheint die psychiatrische Begutachtung des Beschwerde
führers unumgänglich, wobei die medizinischen und insbesondere auch die um
fangreichen beruflichen
Vorakten
angemessen zu würdigen sind; dazu ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Ob sich gar eine polydiszi
plinäre Abklärung aufdrängt, kann aus jetziger Sicht nicht abschliessend beurteilt werden. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen, was zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 2
7.
Februar 2018 führt.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Die Rückweisung einer Sache kommt einem Obsiegen des Beschwerdeführers gleich
. Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin demnach zu verpflichten,
dem Beschwerdeführer eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche
in Anwendung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berück
sich
tigung
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
2'000.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.