Decision ID: 28a98376-3f67-4bae-9c65-beb613564bd4
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 199
5
geborene
X._
wurde am 2
4.
März 2003
unter Hinweis auf ein
p
sychoorganisches Syndrom (POS)
zum
Leistungsbezug (medizinische Mass
nahmen) angemeldet
(Urk. 10/1).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte daraufhin medizinische Abklärungen und
leistete Kostengutsprachen für
medizinische Massnahmen betreffend
das Geburts
gebrechen (GG) Ziffer 404 gemäss Anhang der Verordnung über Geburts
gebrechen (
GgV
-Anhang;
Urk. 10/7, Urk. 10/12)
.
1.2
Am 16. Dezember 2008 wurde der Versicherte erneut zum Bezug von medizini
schen Massnahmen angemeldet (Urk. 10/17).
Die IV-Stelle leistete wiederum Kostengutsprachen
für
medizinische Massnahmen betreffend
das
Geburtsge
brechen
Ziffer 404
gemäss
GgV
-Anhan
g
(Urk.
10/21, Urk. 10/35, Urk. 10/36).
1.3
Am
4.
September 2015 (Urk. 10/41)
erfolgte
die
Meldung zur Früherfassung und a
m 29. Oktober 2015 meldete sich
der Versicherte
unter Hinweis auf
eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (
ADHS
)
zum Leistungsbezug an (Urk. 10/47
).
Die IV-Stelle
tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und
auferlegte sodann dem Versicherten mit Schreiben vom 18.
April 2016 (Urk. 10/60)
und 9.
Oktober 2018 (Urk. 10/104)
eine Mitwirkungs- und Schaden
minderungspflicht.
Am 1.
November 2018
stellte die IV-Stelle dem Versicherten in Aussicht, das Leistungsbegehren abzuweisen
(Urk. 10/106).
Nach einem
Einwand
des Versicherten
(Urk. 10/108)
sprach die IV-Stelle ihm
mit Verfü
gungen vom 27. Mai 2019 (Urk. 10/116) und 19. Juli 2019 (Urk. 10/124) ein kleines Taggeld zu.
Mit Schreiben vom 17.
Dezember 2019
und 29.
April 2020
auferlegte die IV-Stelle dem Versicherten eine Mitwirkungs- und Schaden
minderungspflicht (Urk. 10/125
, Urk. 10/136
).
Mit Verfügung vom 14.
Mai 2020 (Urk. 10/140) stellte di
e IV-Stelle das Taggeld per 13.
Mai 2020 ein.
Nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 10/139) hob die IV-Stelle
mit V
erfügung vom 23.
Juni 2020 (Urk. 10/142 = Urk. 2)
die
Kostengutsprache für berufliche Massnahmen
auf.
2.
Der Versicherte erhob am 10. August 2020 Beschwerde gegen die Verfügung vom 23. Juni 2020
(Urk.
2) und beantragte sinngemäss deren Aufhebung und die Fort
führung der beruflichen Massnahmen (Urk. 1).
Am 2
7.
August 2020 reichte der Versicherte, nunmehr vertreten, eine ergänzte Beschwerde ein und beantrag
t
e die Aufhebung der Verfügung vom 2
3.
Juni 2020 und das Absehen vom Abbruch der
beruflichen Massnahme und der Einstellung der Taggelder
. Die berufliche Mass
nahme sei weiterzuführen und ihm seien weiterhin Taggelder zur beruflichen Massnahme auszurichten
(
Urk. 6
S. 1).
In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung (S. 2). Am 17. September 2020 (Urk. 9
) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde
. Mit Replik vom 13. Januar 2021
(Urk. 19)
zog der Versicherte seinen Antrag um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsvertretung zurück und hielt im Übrigen an seinen Anträgen fest (S. 2).
Mit Schreiben vom 24. Februar 2021 (Urk. 23) verzichtete die Beschwerdegegnerin auf das Einreichen einer Duplik, was dem Beschwerdeführer am
2.
März 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 24).
Mit Verfügung vom
30. April
2021 (Urk.
25
)
wurde der Beschwerde
führer zu einer Stellungnahme au
fgefordert. Mit Eingabe vom 25.
Mai 2021 (Urk. 27) reichte der Beschwer
d
eführer eine Stellungnahme ein und stellte den ergänzenden Eventualantrag, es sei dem Beschwerdeführer unabhängig von der Weitergewährung von beruflichen Massnahmen in Form einer Übernahme inva
liditätsbedingter Mehrkosten weiterhin das grosse kleine Taggeld auszurichten (S. 3)
,
w
ovon
der Beschwerdegegnerin am 1. Juni 2021 Kenntnis ge
geben
wurde (Urk. 28).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung
ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.2
Kommt die Leistungen beanspruchende Person den Auskunfts- oder
Mitwir
kungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versiche
rungsträger auf Grund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (
Art.
43
Abs.
3 ATSG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene
Verfügung (Urk. 2) damit, d
ass der Beschwerdeführer am 17.
Dezember 2019 und am 2
0.
April 2020 schrift
lich und per Einschreiben zur Wahrnehmung seiner Mitwirkungspflicht aufge
fordert worden sei. Leider habe er die nötigen Auflagen nicht erfüllt. Deshalb w
ü
rden die beruflichen Massnahmen abgebrochen. Wenn er nachweislich 6 Monate in regelmässiger Behandlung gewesen sei und einen Lehrvertrag vorweisen könne, könne er schriftlich ein Zusatzgesuch stellen (S. 1).
Die Frage des Eintretens auf ein allfälliges neues Gesuch um Unterstützung sei nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens (Urk. 9 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte zusammenfassend geltend (Urk. 19),
ihm könne die angemahnte Verletzung der Schadenminderungspflicht schlecht vorgehalten werden (S. 7
Rz
2).
Die Beschwerdegegnerin habe ihm vorgehalten, er kümmere sich nicht genügend um eine neue Lehrstelle (S. 7
Rz
2). Er sei aber bei der Suche nach einem neuen Lehrbetrieb erfolgreich gewesen (S. 8 oben). Der invaliden
versicherungsrechtliche Abbruch der beruflichen Massnahme und die Einstellung der Taggelder sei nicht gerechtfertigt (S. 8 unten).
Aus näher genannten Gründen
(S. 9 f.
Rz
4)
müsse die ungehinderte Aufrechterhaltung der Psychotherapie
-
Auflage durch die Beschwerdegegnerin heute als unverhältnismässig betrachtet
werden.
Dies werde bestätigt durch den tatsächlichen Verlauf seiner beruflichen Eingliederung, sei es ihm doch gelungen, im freien Markt eine Lehrstelle zu finden und trotz massiver, äusserer, von ihm nicht verschuldeter Belastungen (sexuelle Übergriffe Lehrmeister, Erkrankung des Vaters) bis heute erfolgreich seine Ausbildung zu absolvieren. So habe er denn auch die Lehre nie abgebrochen, sondern sie auch nach Verlassen des Ausbildungsplatzes mit dem Berufsschul
besuch weitergeführt und noch vor Ablauf des ersten Lehrjahrs auch die berufs
praktische Ausbildung am neu gefundenen Ausbildungsplatz bei der
Y._
wiederaufnehmen können, so
dass er im Sommer 2020 erfolgreich ins zweite Lehrjahr habe einsteigen können (S. 10 f
.
Rz
5
.).
Unabhängig von der Weiter
ausrichtung von allfälligen beruflichen Massnahmen im Sinne einer Übernahme von Mehrkosten sei weiterhin das grosse kleine Taggeld auszurichten. Dieser Leistungsanspruch stehe auch im Vordergrund, nachdem ein weiteres Coaching nicht mehr erforderlich zu sein scheine (Urk. 27 S. 3).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen und dabei insbesondere die Frage, ob
der Abbruch der beruflichen Massnahmen
infolge einer Verletzung der Au
skunfts- und Mitwirkungspflicht
rechtens war.
3
.
3
.1
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin,
nannte
mit Bericht vom 1
1.
Januar 2016 (
Urk. 10/55/1-5
)
als Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
ein Geburtsgebrechen Ziffer 404 mit Abdriften im «Erwachsenen»-Alter in die Drogenszene (Ziff. 1.1).
Zur Anamnese führte er unter anderem aus,
mit dem 18.
Altersjahr habe
der Vater des Beschwerdeführers
ihm das Bankkonto «für die Ausbildung» mit
Fr.
8'000.-- aushändigen «müssen». Sechs
Monate später sei alles verprasst gewesen. Im 10.
Schuljahr sei es nur mit dem Goodwill der Lehrerschaft gegangen. Sein Vater
habe ihm eine Lehrstelle bei einem Bekannten gesucht. Dank Go
o
dwill von diesem habe
d
er
Beschwerdeführer
drei Monate dort arbeiten können, dann sei es wegen Unzuverlässigkeit nicht mehr gegangen. Seither sei er hauptsächlich mit «Kollegen» unterwegs. Zu Hause beim Vater sei er nicht mehr tragbar (Ziff. 1.4). Zur Behandlung wurde ausge
führt, der Beschwerdeführer lasse sich nicht beraten.
Das letzte Ritalin, das
der Beschwerdeführer
vor zwei Jahren von ihm erhalten habe, habe
d
i
e
se
r
auf der
Gasse verkauft.
Der Beschwerdeführer
habe in der letzten Konsultation (wegen diesem
IV-
Bericht habe
der Beschwerdeführer
zu ihm
,
Dr.
Z._
,
kommen müssen) angegeben, er nehme ausser THC keine Drogen mehr (Ziff. 1.5).
Methyl
phenidat
sei nicht zuverlässig eingenommen worden und eventuell anderweitig umgesetzt worden
(Ziff. 1.8). Er
,
Dr.
Z._
,
werde ihm kein
Methylphenidat
mehr verschreiben, da dieses auch zu anderen Zwecken verwendet werden könne (Ziff. 1.11)
. Es könne mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit im Umfang von 100 %
ab sofort
gerechnet werden, wenn es
dem
WG-Partner
des Beschwerdeführers
gelinge,
diesem
einen Rahmen zu
setzen
, der sozialverträglich sei. Der Beschwerdeführer habe bei seiner letzten Konsultation einen deutlich reiferen Eindruck gemacht. Er sei sehr gewillt
,
seinen Lebensstil zu ändern. Ob es ihm gelinge
,
werde die Zukunft zeigen
(Ziff. 1.9)
.
Er brauche Anerkennung und einen ganz klar strukturierten Tagesablauf und viel Gespräche. Bei erneutem Misslingen einer Lehre werde er wahrscheinlich nicht um einen geschlossenen Lehrbetrieb herumkommen. Eine letzte Chance sollte man ihm geben, da er zwischenzeitlich älter und damit etwas reifer geworden sei. Mit gewissen Rück
schlägen müsse leider gerechnet werden. Aus diesem Grunde brauche er eine Lehrstelle, die korrekt damit umgehen könne (S. 5).
3.2
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für
Allgemeine Innere Medizin
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), f
ührte mit Stellungnahme vom 15.
April 2016 (Urk. 10/144/2-3) aus,
aus Sicht des RAD liege mit dem Geburtsgebrechen Ziffer 404 ein Gesundheitsschaden vor, welcher die Leistungsfähigkeit auch im jungen Erwachsenenalter weiterhin massgeblich tangieren und einschränken könne. Es werde von einer Suchtanamnese respektive Abgleiten in die Drogenszene berichtet. Bei vorbestehendem Geburtsgebrechen müsse daher auch eine sekun
däre Suchtproblematik angenommen werden. Es sei auch als wahrscheinlich anzunehmen, dass eine Erstausbildung im Rahmen der Geburtsgebrechen-Ziffer 404
-
Grundproblematik bisher nicht möglich geworden sei. Es könnte empfohlen werden, dass zum Beispiel im Rahmen de
r
Interinstitutionelle
n
Zusammenarbeit (IIZ) eine Eingliederung versucht werde. Begleitend dazu müsse aber unabdingbar als medizinische Massnahme eine fachärztliche psychiatrische Behandlung - allenfalls in Zusammenarbeit mit einem Hausarzt - empfohlen werden. Dabei
wäre
auch eine dokumentierte Suchtmittelabstinenz anzustreben.
Auch wenn der Weg über d
ie
IIZ nicht gangbar sein würde, sei aus Sicht des RAD empfohlen
,
eine psychiatrische Behandlung/Standortbestimmung zu verlangen, auch mit dem Ziel
,
eine weitgehende Suchtfreiheit zu erreichen. Auch vor einer allfälligen psychiatrischen/neuropsychologischen Abklärung müsste ebenfalls eine fach
ärztliche Behandlung stattgefunden haben, denn bei der Begutachtung werde der
behandelte Zustand und die Arbeitsfähigkeit nach umgesetzter Behandlung beurteilt. Somit seien diese medizinischen Massnahmen im Rahmen der Mitwir
kungspflicht und Schadenminderungspflicht angezeigt. Aus Sicht des RAD bestehe beim 21-jährigen Kunden eine hohe Gefahr, dass er weiter abgleite. Er sei auf Unterstützung angewiesen, alleine werde er den Weg in einen normalen Arbeitsablauf und Tagesablauf und eine Integration in den regulären Arbeits
markt kaum schaffen (S. 2).
3.
3
Die Ärztinnen der
Klinik B._
AG,
in C._
, führten mit Bericht vom 9. Dezember 2016 (
Urk. 10/89/1-6
)
aus, sie behandelten den Beschwerdeführer seit Juni 2016
,
und nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (Ziff. 1.1):
-
POS (diagnostiziert seit dem
3.
Schul
jahr, behandelnder Hausarzt Dr.
Z._
in Rüti)
-
e
infache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
-
p
sychische und Verhaltensstörungen durch sekundäre
Cannabinoide
schädlicher Gebrauch ab 1
3.
Lebensjahr, aktuell abstinent (ICD-10 F12.1)
-
Adoleszentenkrise (ICD-10 Z60)
Der Beschwerdeführer sei seit Beginn der Behandlung im Juni 2016 grundsätzlich zu 100 % arbeitsfähig. Jedoch verfüge er aufgrund seiner Entwicklungsgeschichte und einem seit Kindheit bekannten ADHS über eine verminderte Aufmerksamkeit, ein vermindertes Arbeitstempo, einen verminderten Antrieb, eine verminderte Frustrationstoleranz und eine verminderte Impulskontrolle. Ebenfalls bestünden eine erhöhte Ermüdbarkeit und Konzentrationsprobleme. Um eine langfristige Arbeitsfähigkeit zu sichern
,
w
är
e daher eine geschützte Lehrstelle mit wohl
wollender Umgebung und individuellem Coaching sehr wichtig (S. 1).
Der Beschwerdeführer bemühe sich einerseits, die von ihm verlangten Auflagen zu erfüllen, andererseits verfüge er über Defizite im sozialen Umfang, welche die Zusammenarbeit mit ihm erschwerten. Er sei schnell reizbar,
dysphorisch
, miss
trauisch und leicht querulatorisch. Es bestehe keine Krankheitseinsicht bezüglich der in der neuropsychologischen Abklärung erhärteten Einschränkungen und der Beschwerdeführer scheine mit den Abläufen zwischen IV,
K._
und Sozialamt überfordert (Ziff. 1.4). In einer stützenden Umgebung mit fachlicher Unter
stützung respektive Ausbildung im geschützten Bereich bestehe eine gute Prog
nose, dass der Beschwerdeführer langfristig eine normale Arbeitsfähigkeit
erlangen könne (Ziff. 1.4).
Beim Beschwerdeführer bestehe die Gefahr, dass er bei leichter Frustration die ihm gestellten Aufgaben hinschmeisse und dass er sich gegenüber Autoritätspersonen nicht genügend anpassen könne. Dadurch bestehe ohne flankierende Massnahmen ein hohes Risiko, dass er eine begonnene Lehre wieder abbreche (Ziff. 1.7). Er benötige ein stützendes Coaching, um mit schwie
rigen Situationen, Stress und Frustration umzugehen und den an ihn gestellten Anforderungen Stand zu halten und nicht davon zu laufen. Unter einer solchen Begleitung betrage die Arbeitsfähigkeit 100 % (Ziff. 1.8).
Die Ärztinnen führten m
it Beiblatt
vom
9.
Dezember 201
6
(
Urk.
10/89/7-8
) aus, der Beschwerdeführer habe sich für regelmässige Therapietermine und für eine Suchtmittelabstinenz entschieden. Er habe selbständig die Massnahmen zur regelmässigen Urinkontrolle eingeleitet. Er besuche die
K._
Abklärungsstätte, habe eine stabile Wohnsituation und sei selbständig auf Lehrstellensuche (Ziff. 1).
3.4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, RAD, führte mit Stellungnahme vom 28. März 2017 (Urk. 10/144/4) aus, aufgrund der Akten
lage sei die
Schadenminderungspflicht erfüllt. Es empfehle sich, diese Mass
nahmen weiterzuführen.
3.
5
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie
, führte mit Schreiben vom 22.
November 2018 (Urk. 10/107)
aus, der Beschwer
deführer sei seit dem 2
8.
August 2018 bei ihr in therapeutischer Behandlung. Sofern es terminlich möglich sei, komme der Beschwerdeführer alle zwei Wochen in die Ärztepraxis. Bis jetzt hab
e
er erst einen Termin vergessen, ansonsten sei er tadellos erschienen.
3.6
Mit Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom
2.
März 2020 attestierte
Dr.
Z._
(vgl. vor
stehend E. 3.1) vom
2.
bis 4. März 2020 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 10/134).
3.7
Kurz n
ach Verfügungserlass ging folgender Bericht bei der Beschwerdegegnerin ein:
F._
,
G._
GmbH, führte mit
Abschlussbericht vom 2
5.
Juni 2020 (Urk. 10/145)
aus, die Zusammenarbeit zwischen
G._
und dem Beschwerde
führe
r
sei von Beginn an schwierig gewesen. Sobald er kritisch konfrontiert
worden sei
und auf seine Wünsche nicht
habe
eingegangen werden
können
, habe
er sich inadäquat verhalten. Nach Meinung von
G._
sei eine Begleitung in Form eines Job Coachings vordergründig nur von Bedeutung, da dieses an das Taggeld gekoppelt sei. Auch die zwei Mitwirkungspflichten hätten nicht den gewünschten Erfolg erzielt. Der Beschwerdeführer habe nur wenig vom Angebot von
G._
profitieren könne
n
. Im Gegenteil: Hilfeleistungen seien abgelehnt worden, Aufträge nicht erfüllt und eine konstruktive Zusammenarbeit sei nicht möglich gewesen. Aus dies
em Grund werde empfohlen, dass der
Beschwerde
führer in nächster Zukunft von keiner weiterführenden, beruflichen Massnahme profitieren könne. Für eine Wiederaufnahme eines Job Coachings müsse er erst seine Haltung überdenken und bereit sein, seinen Teil der Zielvereinbarung ein
zuhalten (S. 4).
3.8
Im Beschwerdeverfahren wurde folgender Bericht eingereicht:
Dr.
Z._
attes
tierte mit Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom
2
2.
Mai 2020 (Urk. 3/1) vom 20.
März bis 2
2.
Mai 2020 eine Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit.
Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berück
sichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beein
flussen (BGE 121 V 362 E. 1b; 99 V 98).
Diese Voraussetzungen sind hinsichtlich de
s
nach Verfügungserlass
eingereichten Berichte
s
erfüllt, weshalb diese
r
vorliegend berücksichtigt werden
kann
.
4.
4.1
Der Beschwerdeführer hat beschwerdeweise
die Weiterführung der beruflichen Massnahme beantragt
.
Als Massnahmen beruflicher Art sieht das IVG insbe
sondere vor: Berufsberatung (
Art.
15 IVG), erstmalige berufliche Ausbildung (
Art.
16 IVG), Umschulung (
Art.
17 IVG) und Arbeitsvermittlung (
Art.
18 IVG).
Vorliegend steht die erstmalige berufliche Ausbildung im Z
entrum. Die Beschwer
degegnerin sprach dem Beschwerdeführer im Zusammenhang mit seiner erstma
ligen beruflichen Ausbildung
ab 1
5.
Mai 2019
ein kleines Taggeld zu (
Urk.
10/115 f., Urk. 10/123)
.
Später
brach die Beschwerdegegnerin die beruflichen Mass
nahmen ab und stellte das Taggeld per 13.
Mai 2020 ein
(Urk. 10/140)
.
4.2
Nach Art. 16 Abs. 1 IVG haben Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten der versicherten Person entspricht.
4.3
Als invalid im Sinne von
Art.
16 IVG gilt, wer aus gesundheitlichen Gründen bei einer seinen Fähigkeiten entsprechenden Ausbildung erhebliche Mehrkosten auf sich nehmen muss. Bezüglich psychischer Beeinträchtigungen sind die von der Rechtsprechung zum invalidisierenden geistigen Gesundheitsschaden (
Art.
4
Abs.
1 IVG) entwickelten Grundsätze auch im Bereich des
Art.
16 IVG mass
geblich; dabei ist jedoch nicht die Erwerbstätigkeit, sondern der beabsichtigte Ausbildungsgang Bezugspunkt (BGE 114 V 30 E. 1b in
fine
mit Hinweisen). Sodann ist es unerheblich, ob die versicherte Person bei Erlass der Verwaltungs
verfügung an einem invalidisierenden Gesundheitsschaden leidet. Denn es kommt im Rahmen von
Art.
4
Abs.
1 IVG, von seinem ausdrücklichen Wortlaut wie von der Systematik der Invalidenversicherung als final konzipierte Erwerbsausfall
versicherung (AHI 1999 S. 79) her, nicht auf die Gleichzeitigkeit (
Kontempo
ralität
), sondern auf die Kausalität von Gesundheitsschaden und Erwerbsun
fähigkeit an (BGE 126 V 462 E. 2 in
fine
; AHI 2003 S. 158 E. 2).
4.4
Die erstmalige berufliche Ausbildung einer behinderten Person ist eine Sach
leistung in Form einer Kostenvergütung und besteht in der Erstattung der Mehr
kosten, die mit der Ausbildung des einen lang dauernden Gesundheitsschaden aufweisenden Versicherten einhergehen. Bei einem Leistungsgesuch nach
Art.
16 IVG hat die IV-Stelle deshalb zunächst abzuklären, ob der versicherten Person überhaupt im Vergleich zu seiner hypothetischen Situation als Gesunder invali
ditätsbedingte Mehrkosten entstehen (Meyer U./
Reichmuth
M., Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG,
3.
Auflage 2014,
Art.
16 N 1, N 37).
4.5
Zu einer invaliditätsbedingten Erwerbseinbusse führen kann insbesondere der invaliditätsbedingt verzögerte Antritt der Ausbildung (Rückstand bezüglich der Höhe des Ausbildungslohnes;
vgl.
Rz
1034
des Kreisschreibens über die Taggelder der Invalidenversicherung in der ab
1.
Januar 20
21
gültigen Fassung; KSTI
).
4.6
Der Beschwerdeführer leidet gemäss Aktenlage
an einem Geburtsgebrechen Ziff.
404 Anhang
GgV
(psychoorganisches Syndrom, POS)
.
Er
besuchte von 2009 bis 2013 die
Sekundarschule
(Urk. 10/94/10-25)
.
Daraufhin
absolvierte er ein 10.
Schuljahr
an der Berufswahl- und Weiterbildungsschule
H._
. Im August 2014 begann er
eine Ausbildung als Kunststofftechnologe, die jedoch nach wenigen Monaten im Dezember 2014
,
vorwiegend wegen unge
nügenden schulischen Leistungen
,
in gegenseitigem Einvernehmen beendet w
urde
(vgl. Urk.
10/40/5).
Von Februar
bis Juni 2015
besuchte
er ein Motivati
onssemester bei der
I._
in
J._
.
Ab Oktober 2016
arbeitete
er zirka ein halbes Jahr bei
K._ Abklärungsstätte
, offenbar im Bereich Zweirad
(Urk. 10/143/2, Urk. 10/94/2)
.
Gemäss dem Verlaufsprotokoll der Berufsberatung sei i
m Mai 2018 ein Auftrag an
L._
zur Lehrstellensuche
erteilt worden. Da der Beschwerdeführer jedoch nach den ersten Terminen nicht mehr erreichbar gewesen sei und auch seine
psychiatrische
Behandlung wieder aufgegeben habe, sei dies im Juni 2018 wieder abgebrochen worden.
Im Januar 2019 sei ein Arbeitsintegrationsprogramm geplant worden. Das Programm sei nicht gut gelaufen (Verhalten) und sei nach etwa einem Monat abgebrochen worden. Jedoch sei es dem Beschwerdeführer gelungen, einen Lehrvertrag Detailhandelsfachmann EFZ Consumer-Electronic/B
eratung im 1.
Arbeitsmarkt abzuschliessen, mit der Möglichkeit eines vorgängigen Praktikums
(Urk. 10/
1
43/
2-
3,
Urk.
10/112, Urk. 10/114/1).
Der Lehrvertrag wurde
(Urk.
10/137/1) nach Kündigung durch den Beschwerdeführer
am
4.
April 2020
(Urk. 10/137/3)
am
5.
April 2020
aufgelöst. Zudem
werde
dem Betrieb die Ausbildungslizenz ent
zogen (Urk. 10/143/25).
Nachdem der Beschwerdeführer die Sekundarschule 2013 beendet und
nach der
2014 nach wenigen Monaten abgebrochen
en
Lehre zum Kunststofftechnologen erst im Sommer 2019
wieder
eine Erstausbildung beg
onnen hatte
,
liegt
eine verzögerte Erstausbildung vor.
Nach Lage der Akten (vgl. auch
Urk.
10/143/3 und
Urk.
27)
liegt ein
invaliditätsbedingt
(Geburtsgebrechen Ziffer 404) verzögerter
Antritt der Ausbildung
vor
und
eine
invaliditätsbedingte
Erwerbseinbusse
ist
nach dem
Gesagten (E. 4.5) zu bejahen. Somit besteht grundsätzlich Anspruch auf
Kostenübernahme betreffend
eine
er
stmalige berufliche Ausbildung nach
Art.
16 IVG
.
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) damit, dass der Beschwerdeführer am 1
7.
Dezember 2019 und am 2
0.
April 2020 schrift
lich und per Einschreiben zur Wahrnehmung
seiner Mitwirkungspflicht aufge
fordert worden sei. Leider habe er die nötigen Auflagen nicht erfüllt. Deshalb würden die beruflichen Massnahmen abgebrochen (S. 1). Demnach begründete die Beschwerdegegnerin den Abbruch der beruflichen Massnahmen mit einer Verletzung der Mitwirkungspflicht.
5.2
Sowohl
das
Verwaltungsverfahren wie auch der erstinstanzliche Sozialversi
cherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (vgl.
Art.
43
Abs.
1 ATSG;
Art.
61 Bst. c ATSG;
Art.
12
des Bundesgesetzes über
das Verwal
tungsverfahren,
VwVG
). Danach hat die Verwaltung und im Beschwerde
verfahren das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklä
rung des erheblichen Sachverhalts zu sorgen (vgl. BGE 136 V 376 E. 4.1.1). Sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, gilt im Sozialversicherungsrecht der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 143 V 168 E. 2; 138 V 218 E. 6).
Der Untersuchungsgrundsatz gilt indessen nicht unbeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2).
Art.
28
Abs.
1 ATSG hält in einem allgemeinen Grundsatz fest, dass die Versicherten beim Vollzug der Sozialversicherungsgesetze unentgeltlich mitzuwirken haben. Wer Versicherungsleistungen beansprucht, muss nach
Art.
28
Abs.
2 ATSG unentgeltlich alle Auskünfte erteilen, die zur Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der Versicherungsleistungen erforderlich sind. Weiter hat sich die versicherte Person, soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beur
teilung notwendig und zumutbar sind, diesen zu unterziehen (
Art.
43
Abs.
2 ATSG).
5.3
Eine Leistungskürzung respektive -verweigerung im Sinne von
Art.
7b
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
43
Abs.
2 ATSG setzt insbesondere eine schuldhafte Verletzung der Mitwirkungspflicht voraus. Dies ist dann der Fall, wenn kein Rechtfertigungsgrund erkennbar ist oder sich das Verhalten der versicherten Person als völlig unverständlich erweist (Urteile des Bundesgerichts 8C_528/2009 vom
3.
November 2009 E. 7 und I 166/06 vom 3
0.
Januar 2007 E. 5.1; vgl.
Kieser
, ATSG-Kommentar,
4.
Auflage 2020,
Rn
103 zu
Art.
43). Anders verhält es sich, wenn die Verletzung der Mitwirkungspflicht auf entschuldbaren Gründen beruht,
etwa
weil sie der versicherten Person nicht zugerechnet werden kann, da sie krankheitshalber oder aus anderen Gründen nicht in der Lage war, ihren Pflichten nachzukommen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_994/2009 vom 2
2.
März 2010 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invaliden
versicherung,
3.
Auflage 2014,
Rn
35 zu
Art.
7-7b).
5.4
Der B
eschwerdeführer
hat im März 2019
einen Lehrvertrag
für eine berufliche Grundbildung zum
Detailhandelsfachmann E
FZ Consumer-Electronic/Beratung bei der Firma
M._
GmbH ab
1.
August 2019 abgeschlossen
(
Urk.
10/112
). Zudem
vereinbarte er mit der
M._
GmbH
ein vorgängiges P
raktikum
ab Mai 2019 (
Urk.
10/114/1).
Im April 2019 bot die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer ein Job Coaching für
die Ausbildungszeit
an (vgl. Urk. 10/143/12). Im Mai 2019 teilte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit,
F._
von
G._
werde das Job
c
oaching übernehmen und wies ihn auf verschiedene Bedingungen wie eine regelmässige Psychotherapie (alle 2 Wochen) hin (vgl. Urk. 10/143/13).
Danach unterzeichnete der Beschwerdeführer eine Zielvereinbarung (Urk. 10/117). Darin wurden folgende Verantwortlichkeiten festgehalten (S. 1 f.):
-
Weiterhin regelmässige Psychotherapie (alle zwei Wochen)
-
gewissenhafte Mitarbeit im Coaching (Termine wahrnehmen, Aufgaben erledigen, erreichbar sein, etc.)
-
Erteilen der Vollmacht zum Austausch zwischen
G._
und
M._
GmbH
-
Einhalten von Regeln und Abmachungen i
m
Betrieb (Pünktlichkeit, Präsenz, Personalreglement, etc.)
-
im Krankheitsfall rechtzeitiges Abmelden bei der zuständigen Person und ab dem
3.
Krankheitstag Vorlegen eines Arztzeugnisses
-
Taggelder: Der Beschwerdeführer informier
t
den Betrieb zum Formular, das jeweils Ende Monat von der Ausgleichskasse zugestellt w
i
rd. Es m
u
ss ausgefüllt und zurückgeschickt werden, sonnt können keine Taggelder ausbezahlt werden
In der Folge berichtete der Jugendcoach regelmässig über die teilweise schwierige Zusammenarbeit mit dem Beschwerdeführer (vgl. Urk. 10/143/16-18). Der Beschwerdeführer habe sich zur Weiterführung des Jobcoachings
wegen
der Tag
gelder bereit erklärt (Urk. 10/143/18).
Im Juli 2019 berichtete der Jugendcoach, es laufe
gut im Betrieb,
der Beschwerdeführer
sei m
otiviert, pünktlich und präsent
(Urk. 10/143/19).
Im September 2019 wurde berichtet, der Beschwerdeführer
ent
wickle sich gut.
D
ie
Leistungen im Betrieb
und auch in der Berufsschule
seien sehr gut
(Noten zwischen 5 und 6;
Urk. 10/143/20).
Im Oktober 2019 berichtete der Jugendcoach über ein Standortgespräch beim Arbeitgeber
des
Beschwerde
führer
s
und
hielt fest
, dass
d
er
Beschwerdeführer
im Betrieb gut gestartet sei und es auch in der Berufsschule gut laufe. Der Vater des Beschwerdeführers sei an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt, was
den Beschwerdeführer momentan
sehr belaste, aber bisher keine Auswirkungen auf seine Arbeits- und Leistungs
fähigkeit habe. Es bleibe abzuwarten,
wie sich dies verhalte,
wenn sich der gesundheitliche Zustand des Vaters verschlechtere
(Urk. 10/143/20-21).
Im Dezember 2019 informierte der Jugendcoach die Beschwerdegegnerin über einen markanten
Leistungs
- und Motivations
abfall (Urk. 10/143/22)
. Der Beschwerde
führer habe bei einem Klärungsgespräch Mitte Dezember 2019 ein Problem mit dem Chef erwähnt, welches er nicht näher habe erläutern wollen (Urk. 10/143/22).
Die
Beschwerdegegnerin
wies
den
Beschwerdeführe
r
mit Einschreiben vom
17.
Dezember 2019 (Urk. 10/125) auf seine Mitwi
rkungspflicht nach Art. 21 Abs.
4 ATSG
hin
, wonach Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden können, wenn sich die versicherte Person einer zumutbaren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbes
serung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, entzieht oder widersetzt, oder wenn sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare dazu beiträgt.
Sie
teilte ihm mit, dass er sich nicht an alle Punkte der Z
ielvereinbarung vom 20.
Mai 2019 halte, un
d
er
insbesondere die Regeln und Abmachungen im Betrieb einzuhalten und eine regelmässige Psychotherapie wahrzunehmen habe.
Im Januar 2020 berichtete der Jugendcoach der Beschwerdegegnerin, der Beschwerdeführer habe ihm mitgeteilt, er werde von seinem Chef sexuell belästigt. Zudem liege der Vater im Sterben, es gehe dem Beschwerdeführer nicht gut (Urk. 10/
143/
24).
Der Jugendcoach teilte am
5.
März 2020 mit, der Beschwerdeführer
habe sich auf
g
rund «Rückenbe
s
chwerden
»
krankschreiben lassen.
Der
Grund liege aber wo ander
s
. Die Übergriffe von Seiten des Chefs hörten nicht auf. Dem Betrieb werde die Ausbildungslizenz entzogen (Urk. 10/143/24).
Am 1
9.
März 2020 teilte der Jugendcoach mit, d
em Betrieb
werde
die Au
sbildungslizenz entzogen, da dies nicht das erste Mal gewesen sei (Urk. 10/143/25). Am
5.
April 2020 wurde der Lehrvertrag aufgelöst (Urk. 10/137/1). Am 2
0.
April 2020 berichtete der
Jobcoach
, er habe den Beschwerdeführer nicht mehr
erreichen können (Urk. 10/143/25).
Der Beschwerdeführer teilte gleichentags mit, er habe momentan ziemlich viel um die Ohren
(Urk. 10/143/25)
.
Mit Einschreiben vom 2
9. April 2020 (Urk. 10/136)
forderte
die Beschwerde
gegnerin den Beschwerdeführer
nochmals auf
, seinen Pflichten gemäss Zielver
einbarung ab sofort und bis Ende Ausbildung nachzukommen. Sollten die Rück
meldungen von
G._
bis am 13.
Mai 2020 und auf weiteres nicht deutlich zufriedenstellender ausfallen, sei
man
leider gezwungen, die Massnahme abzu
brechen und aufgrund der Akten zu entscheiden, was zur Abweisung des Gesuches führen wer
de
(S. 1 f.)
. Dabei wies
d
ie
Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer erneut
auf Art.
21
Abs.
4 ATSG hin.
Zudem teilte
s
ie d
i
e
se
m mit, es sei ihm zumutbar, gewissenhaft und rechtzeitig eine neue Lehrstelle zu suchen und seine Ausbildung fortzusetzen. Er lege seine Prioritäten anders und verweigere die Zusammenarbeit mit seinem Coach. Obwohl er gute Chancen auf eine neue Lehrstelle habe, riskiere er, im Sommer ohne Anschlusslehre dazustehen (S. 1).
Am 1
3.
Mai 2010 teilte der Jugendcoach mit, der Beschwerdeführer habe sich nach wie vor nicht mit ihm in Verbindung gesetzt. Aus seiner Sicht mache ein Jobcoaching keinen Sinn mehr (Urk. 10/143/26). In der Folge erliess die Beschwerdegegnerin
am 1
4.
Mai 2020
einen Vorbescheid (Urk. 10/139). Gleichentags entschuldigte sich der Beschwerdefüh
rer für seine Abwesenheit und
wies auf
familiäre Probleme und
die
Arbeitssituation
hin
. Er wolle seinen Vater glücklich machen
,
bevor
dies
er an Krebs sterbe. Die Arbeit bei seinem Chef bei der
M._
habe ihm
jegliche Motivation genommen. Zudem sei sein Laptop in der Reparatur. Er sei sehr aufgeschmissen ohne Laptop und bitte um Verständnis (Urk. 10/138). Am 2
8.
Mai 2020
bat der Beschwerdeführer
nochmals
um Verständnis für seine Situation (Urk. 10/143/26).
5.5
Vorliegend
ist nach Gesagtem
davon aus
zugehen
, dass
sich der Beschwerdeführer nicht an die Zielvereinbarung gehalten und seine M
itwirkungspflicht verletzt hat, indem er zuletzt nicht mehr mit dem Jugendcoach zusammengearbeitet hat
. Dies anerkennt auch der Beschwerdeführer (vgl. Urk. 1).
Jedoch
b
efand sich
der Beschwerdeführer
in
eine
r
ausserordentliche
n
private
n
Situation, indem sein Vater
im Herbst 2019
schwer erkrankte und im Frühling 2020 im Sterben
lag. Hinzu kam eine
sehr
belastende Situation am Arbeitsplatz, indem der Beschwer
deführer von seinem Chef sexuell belästigt wurde
, weshalb der
L
ehrvertrag im Frühling 2020 aufgelöst wurde
.
Vor diesem Hintergrund ist nicht nachvoll
ziehbar, dass die Beschwerdegegnerin zu diesem Zeitpunkt
die beruflichen
Massnahmen
abbrach
, zumal
für die Zeit vom 20. März bis 2
2.
Mai 2020
inzwischen
ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis
bei den Akten liegt (vorstehend E. 3.8
).
Hinzu kommt, dass
der Beschwerdeführer gewillt war, eine
neue
Lehrstelle zu suchen
,
und
am
6.
Juli 2020
selbständig einen neuen Lehrvertrag mit der
Y._ a
b
schloss
(Urk. 3/2).
5.6
Zusammenfassend
kann
somit
vorliegend nicht gesagt werden, dass ein Recht
fertigungsgrund nicht einmal ansatzweise erkennbar ist und sich das Verhalten des Beschwerdeführers als völlig unverständlich erweist (vgl. vorstehend E. 5.
3
;
Kieser
, ATSG-Kommentar,
4.
Auflage 2020,
Rn
103 zu
Art.
43).
Für die der Kürzung oder Verweigerung der Versicherungsleistungen unterlie
genden Tatsachen trägt die Versicherung die Beweislast (BGE 111 V 186 E. 3b und 197 E. 6b). Können die den Vorwurf rechtfertigenden Tatsachen, insbe
sondere auch die Kausalität des verpönten Verhaltens zum eingetretenen Erfolg, nicht mit mindestens überwiegender Wahrscheinlichkeit bewiesen werden, darf keine Leistungseinschränkung erfolgen (Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage 2014,
Rn
38 zu
Art.
7-7b). Vorliegend ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer seine Mitwirkungspflicht schuldhaft verletzte, weshalb
der Abbruch der beruflichen Massnahmen
durch die Beschwerdegegnerin zu Unrecht erfolgte.
5.7
Was die Kritik des Beschwerdeführers
an der Auflage der Beschwerdegegner
in
zum regelmässigen Besuch einer
Psychotherapie anbelangt, ist nicht ohne weiteres ersichtlich, bis wann und in welchem Umfang der Beschwerdeführer eine Psychotherapie wahrgenommen hat. Es fehlt denn auch an einem aktuellen Bericht der
Behandlerin
.
Sollte d
ie Beschwerdegegnerin
im Rahmen allfällig weitere
r
berufliche
r
Massnahmen erneut eine entsprechende Auflage formulieren, wäre sie
gehalten
,
diesbezüglich die medizinische Aktenlage zu vervollständigen und im Rahmen der weiteren Abklärungen, allenfalls unter
Beizug
ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes, zu überprüfen, ob sich die Weiterführung einer Psychotherapie weiterhin aufdrängt.
6.
6.1
Der Beschwerdeführer beantragt
e
weiter, unabhängig von der Weiterausrichtung von allfälligen beruflichen Massnahmen in Form einer Übernahme invaliditäts
bedingter Mehrkosten sei weiterhin das grosse kleine Taggeld auszurichten. Dieser Leistungsanspruch stehe auch im Vordergrund, nachdem ein weiteres Coaching nicht mehr erforderlich zu sein scheine (vorstehend E. 2.2).
6.2
Das Taggeld bildet eine akzessorische Leistung zu Eingliederungsmassnahmen (vgl.
Art.
22
Abs.
1 IVG). Das bedeutet, dass ein Taggeld grundsätzlich nur aus
gerichtet werden kann, wenn und solange Eingliederungsmassnahmen durch
geführt werden. Unter bestimmten Bedingungen werden sie aber auch bis zum Beginn einer Massnahme (Wartezeit) oder nach Abschluss (
Rekonvaleszenzzeit
und bei Wartezeit bei Arbeitsvermittlung nach
ebA
oder US) ausgerichtet. Der Eingliederung gleichgestellt sind Abklärungszeiten (siehe
Rz
1040 ff.) und Wartezeiten (siehe
Rz
1043 ff.;
vgl.
Rz
1001 KSTI).
6.3
Der Taggeldanspruch erlischt, wenn eine der Voraussetzungen dahinfällt, spätes
tens jedoch mit dem Abschluss der Eingliederung oder
dieser gleichgestellter Zeiten
. So entfällt beispielsweise das Taggeld, wenn die versicherte Person in erstmaliger beruflicher Ausbildung bzw. die versicherte Person vor dem vollen
deten 2
0.
Altersjahr, die noch nicht erwerbstätig war, keine invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse mehr erleidet (siehe
Rz
1032 ff.; vgl.
Rz
1016 KSTI).
Versicherte Personen in der erstmaligen beruflichen Ausbildung sowie Versi
cherte Personen in Eingliederung vor dem vollendeten 2
0.
Altersjahr, die noch nicht erwerbstätig gewesen sind, haben Anspruch auf das «kleine Taggeld», wenn sie eine invaliditätsbedingte Erwerbseibusse erleiden. Das gleiche gilt für die Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte im Sinne von Artikel 16 Absatz 2 Buchstabe a IVG (
Rz
1032 KSTI).
Für die Ermittlung der invaliditätsbedingten Erwerbseinbusse sind die Erwerbs
verhältnisse der versicherten Person mit jenen einer nichtbehinderten Person zu vergleichen, die das gleiche Berufsziel anstrebt. Die Erwerbseinbusse muss dabei voraussichtlich bleibend (d.h. während der gesamten erstmaligen beruflichen Ausbildung) oder zumindest während eines voraussichtlich länger dauernden Teils derselben aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigung entstehen (Urteil
des Bundesgerichts
I 659/06
vom 2
2.
Februar 2007
E. 4.2.;
Rz
1033 KSTI).
6.4
Mit dem Abbruch der beruflichen Massnahmen stellte die Beschwerdegegnerin vorliegend auch die Taggeldleistungen ein. Wie unter E. 4.6 dargelegt wurde,
hat der Beschwerdeführer
grundsätzlich
Anspruch auf
die Kostenübernahme betref
fend
eine erstmalige berufli
che Ausbildung nach
Art.
16 IVG
und der
Abbruch der beruflichen Massnahmen durch die Beschwerdegegnerin
erfolgte
zu Unrecht
(vgl. vorstehend E.
5.6). Folglich hat der Beschwerdeführer während der Dauer seiner Erstausbildung
grundsätzlich
weiterhin Anspruch auf Taggeldleistungen
.
7.
7
.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
7
.2
Nach dem Gesagten kann dem Beschwerdeführer keine Verletzung der Mitwir
kungspflicht vorgeworfen werden
und der Abbruch der beruflichen Massnahmen erfolgte zu Unrecht. Da der aktuelle Stand der Dinge unklar ist
,
ist
ein abschlies
sender materieller Entscheid indes nicht möglich.
Die
Beschwerdegegnerin
wird
zu prüfen
haben
, ob der Beschwerdeführer
derzeit
Unterstützung
benötigt und hernach über den Anspruch auf Taggeldleistungen
zu entscheiden
haben
.
8
.
Demnach hat die Beschwerdegegnerin das Leistungsbegehren zu Unrecht abge
wiesen. Die Verfügung vom
23. Juni 2020
ist daher aufzuheben und die Angele
genheit zu weiteren Abklärungen und hernach zu neuem Entscheid über das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen.
9
.
9.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
9
00.-- anzusetzen.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unen
tgeltliche Prozess
führung (Urk.
19 S. 2
) als gegenstandslos.
9.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Prozesses und des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
185
.-- zuzüglich Mehrwertsteuer ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, eine Parteientschädigung von Fr.
2’
4
00
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.