Decision ID: 34794804-198d-4ace-8185-1e41d8a55655
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1967, war als Unterhaltsreinigerin von 1996 (mit einem kurzen Unterbruch) bis zur Kündigung per 31. August 2017
teilzeitlich
bei der
Y._
(
vgl.
Urk.
12/
4
, Urk. 12/27 S. 5 oben
) beschäftigt, wobei der letzte Arbeitstag am 22. November 2016 war
. Über die
Y._
war sie bei der Helsana Zusatzversicherungen AG (nachfolgend Helsana) im Rahmen einer Kollektiv-Krankentaggeldversicherung zu 80 % des effektiven Lohnes bei einer Wartefrist von 30 Tagen und einer Leistungsdauer von 730 Tagen gegen Krank
heit versichert (Urk. 12
/2; vgl. beispielsweise auch Urk. 12/6
)
.
Am 7. Dezember 2016 meldete die Arbeitgeberin der Helsana eine Arbeitsun
fähig
keit der Versicherten von 100 % seit dem 23. November 2016 bei einem vertraglichen Beschäftigungsgrad von 46 % (Urk.
12/4
). Die Helsana erbrachte unter Berücksichtigung der vertraglichen Wartefrist vom 23. November 2016 bis zum 31. Dezember 2017 die vertraglich vereinbarten Taggelder (Urk.
12/
6,
Urk. 12/8-10, Urk. 12/12, Urk. 12/15-16, Urk. 12/18-19, Urk. 12/21, Urk. 12/23-24
, Urk. 12/26, Urk. 12/29
).
Nach Einholen eines psychiatrischen G
utachtens bei Dr. med.
Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, das am 2. Dezember 2017 erstattet wurde (Urk. 12/
27
)
,
teilte die Helsana der Versicherten mit Schreiben vom
7. Dezember 2017 (Urk. 12/
28
)
mit, es bestehe in der angestammten
Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit, weshalb die Taggelder per 31. Dezember 2017 eingestellt würden.
Die Versicherte ersuchte
die Helsana
am 6. Januar 2018
um eine erneute Beur
teilung unter Einreichung eines Arztberichtes (Urk. 12/
30
). Mit Schreiben vom
7. Februar 2018 hielt die Helsana an der Leistungseinstellung fest (Urk. 12/
35
).
2.
Am
18. Februar
beziehungsweise 14. März 2018
er
hob die Versicherte Klage und beantragte
sinngemäss die
Weiterausrichtung von Krankentaggeldern
vom
1. Januar 2018 bis zum Zeitpunkt der Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit oder bis zum Ablauf der vereinbarten Leistungsdauer von 730 Tagen
(Urk. 1, Urk. 6)
.
Mit Klageantwort vom 22. Mai 2018 beantragte die Helsana die Abweisung der Klage (Urk. 11)
. Diese wurde
der Klägerin am 29. Juni 2018 zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 13).
In der Folge wurde ein im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren
(IV.2018.00342) eingeholter Arztbericht (Arztbericht von Dr.
med.
A._
,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
stellvertretende Oberärztin,
B._
,
C._
, vom 23. Juli 2018) zu den Akten ge
nommen (Urk. 14).
Die Parteien verzichteten auf die Durchführung einer
mündlichen
Hauptverhandlung (vgl. Urk. 15-17).
3.
Im Verfahren
IV
.2018.00
342
hat die
Klägerin
am
13. April 2018 Beschwerde
gegen die Verfügung
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
vom 16. März 2018 (Urk. 2
im Verfahren IV.2018.00342
)
erhoben
und eine
Leis
tungszusprache
ab November 2016 mit einer Umschulung in eine geeignete Tätig
keit
beantragt
(Urk. 1 S. 2 Mitte
im Verfahren IV.2018.00342
).
Über diese
Be
schwerde
wurde in besagtem Verfahren mit Urteil gleichen Datums entschie
den.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitigkeiten aus einer Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung unterstehen gemäss
Art.
2
Abs.
2 Satz 2 des Bundesgesetzes vom 2
6.
September 2014 betreffend die Aufsicht über die soziale Krankenversicherung (Krankenver
sicherungsaufsichtsgesetz, KVAG) dem Bundesgesetz über den Versicherungsver
trag (Versicherungsvertragsgesetz, VVG
)
.
Sie
sind privatrechtlicher Natur (
BGE 138 III
2 E. 1.1).
Kollektive Kranken
taggeld
versicherungen werden vom Bundes
gericht wie alle weiteren
Taggeld
versicherungen in ständiger Praxis unter den Begriff der Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung subsumiert (
BGE 142 V 448
E. 4.1
).
1.2
Das Sozialversicherungsgericht ist als einzige kantonale Gerichtsinstanz für
Kla
gen über Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversi
che
rung nach dem KVG zuständig (Art. 7 der Schweizerischen Zivilprozess
ord
nung, ZPO, in Verbindung mit § 2 Abs. 2 lit. b des Gesetzes über das Sozialversi
che
rungsgericht;
GSVGer
; BGE 138 III 2
E. 1.2.2
), ohne dass vorgängig ein Schlich
tungsverfahren durchzuführen ist (BGE 138 III 558
E. 4
).
1.3
Nach
Art.
87 VVG steht
der Perso
n, zu de
r
en Gunsten eine kollektive Unfall- oder Krankenversicherung abgeschlossen worden ist, mit dem Eintritt des Unfalls oder der Krankheit ein selbständiges Forderungs
recht gegen den Versicherer zu (Urteil des
Bundesgerichts 4A_10/2016 vom 8. September 2016 - in BGE
142 III 671
nicht publizierte - E.
4.1
).
1.4
Gemäss
Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO
werden
Ansprüche aus einer Zusatzversiche
rung zur sozialen Krankenversicherung nach dem KVG ohne Rücksicht auf den Streitwert im vereinfachten Verfahren n
ach Art. 243 ff. ZPO beurteilt
. Gemäss Art. 247 Abs. 2 lit. a in Verbindung mit Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO stellt das Gericht im Verfahren betreffend Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Kran
kenversicherung nach dem KVG den Sachverhalt von Amtes wegen fest.
1.5
Gemäss Art. 8 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuch
s
(ZGB) hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Demgemäss hat die Partei, die einen Anspruch geltend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen, wäh
rend die Beweislast für die rechtsaufhebenden bzw. rechtsvernichtenden oder rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des Anspruchs behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit bestreitet. Diese Grund
regel kann durch abweichende gesetzliche Beweislastvorschriften verdrängt wer
den und ist im Einzelfall zu konkretisieren (BGE 128 III 271 E. 2a/aa). Sie gilt auch im Bereich des Versicherungsvertrags. Nach dieser Grundregel hat der An
spruchsberechtigte - in der Regel der Versicherungsnehmer, der versicherte Dritte oder der Begünstigte - die Tatsachen zur „Begründung des Versicherungsanspru
ches" (Marginalie zu Art. 39 VVG) zu beweisen, also namentlich das Bestehen eines Versicherungsvertrags, den Eintritt des Versicherungsfalls und den Umfang des Anspruchs. Den Versicherer trifft die Beweislast für Tatsachen, die ihn zu einer Kürzung oder Verweigerung der vertraglichen Leistung berechtigen (z.B. wegen schuldhafter Herbeiführung des befürchteten Ereignisses: Art. 14 VVG)
o
der die den Versicherungsvertrag gegenüber dem Anspruchsberechtigten unver
bindlich machen (z.B. wegen betrügerischer Begründung des Versicherungsan
spruches: Art. 40 VVG). Anspruchsberechtigter und Versicherer haben im Streit um vertragliche Leistungen je ihr eigenes Beweisthema und hierfür je den Haupt
beweis zu erbringen (BGE 130 III 321 E. 3.1).
1.6
Es obliegt der
versicherte
n
Person zu beweisen, dass sie (weiterhin) arbeitsunfähig ist und daher Anspruch auf
Taggeld
er hat
,
wenn die Versicherung zunächst
Tag
geld
er ausbezahlt hat
und sodann geltend
macht, die Umstände hätten sich ge
ändert oder die Leistungen seien von vornherein zu Unrecht erbracht worden und die versicherte Person sei (wieder) arbeitsfähig (BGE 141 III 241 E. 3.1). Den
Ver
sicherer trifft demgegenüber die Beweislast für Tatsachen, die ihn zu einer Kür
zung oder Verweigerung der vertraglich vorgesehenen Leistung berechtigen oder die den Versicherungsvertrag gegenüber dem Anspruchsberechtigten unver
bind
lich
machen (BGE 130 III 321 E. 3.1)
.
1.7
Da der Nachweis rechtsbegründender Tatsachen im Bereich des Versicherungs
vertrags regelmässig mit Schwierigkeiten verbunden ist, geniesst der beweis
pflichtige Anspruchsberechtigte insofern eine Beweiserleichterung, als er in der Regel nur eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für das Bestehen des geltend gemachten Versicherungsanspruchs darzutun hat. Allerdings kann der Versiche
rer im Rahmen des Gegenbeweises Indizien geltend machen, welche die Glaub
würdigkeit des Ansprechers erschüttern oder erhebliche Zweifel an seinen Schil
derungen erwecken. Gelingt der Gegenbeweis, dürfen die vom Anspruchsberech
tigten behaupteten Tatsachen nicht als überwiegend wahrscheinlich und damit nicht als bewiesen anerkannt werden. Der Hauptbeweis ist vielmehr gescheitert (BGE 130 III 32
1
E. 3.4).
1.8
Nach Art. 168 Abs. 1 ZPO sind als Beweismittel zulässig: Zeugnis (lit. a), Urkunde (lit. b), Augenschein (lit. c), Gutachten (lit. d), schriftliche Auskunft (lit. e) sowie Parteibefragung und Beweisaussage (lit. f). Diese Aufzählung ist abschliessend; im Zivilprozessrecht besteht insofern ein Numerus clausus der Beweismittel, vor
behalten bleiben nach Art. 168 Abs. 2 ZPO lediglich die Bestimmungen über Kin
derbelange in familienrechtlichen Angelegenheiten (BGE 141 III 433 E. 2.5.1). Art. 168 Abs. 1 lit. d ZPO lässt einzig vom Gericht eingeholte Gutachten als
Be
weismittel zu. Privatgutachten sind zwar zulässig, aber nicht als Beweismittel, sondern nur als Parteibehauptungen (BGE 141 III 433 E. 2.5.2).
1.
9
Ein Privatgutachten stellt im Zivilprozess kein Beweismittel dar, vielmehr hat es als Parteigutachten die Qualität einer blossen Parteibehauptung. Allerdings ist zu beachten, dass nur Tatsachenbehauptungen bewiesen werden müssen, die aus
drücklich bestritten sind. Bestreitungen sind so konkret zu halten, dass sich be
stimmen lässt, welche einzelnen Behauptungen des Klägers damit bestritten wer
den; die Bestreitung muss ihrem Zweck entsprechend so konkret sein, dass die Gegenpartei weiss, welche einzelne Tatsachenbehauptung sie beweisen muss. Der Grad der Substantiierung einer Behauptung beeinflusst insofern den erforderli
chen Grad an Substantiierung einer Bestreitung; je detaillierter einzelne Tatsa
chen eines gesamten Sachverhalts behauptet werden, desto konkreter muss die Gegenpartei erklären, welche dieser einzelnen Tatsachen sie bestreitet. Je detail
lierter mithin ein Parteivortrag ist, desto höher sind die Anforderungen an eine substantiierte
Bestreitung. Diese sind zwar tiefer als die Anforderungen an die Substantiierung einer Behauptung; pauschale Bestreitungen reichen indessen nicht aus. Erforderlich ist eine klare Äusserung, dass der Wahrheitsgehalt einer bestimmten und konkreten gegnerischen Behauptung infrage gestellt wird (BGE 141 III 433 E. 2.6).
1.1
0
Parteibehauptungen, denen ein Privatgutachten zugrunde liegt, werden indes meist besonders substantiiert sein. Entsprechend genügt eine pauschale Bestrei
tung nicht; die Gegenpartei ist vielmehr gehalten zu substantiieren, welche ein
zelnen Tatsachen sie konkret bestreitet. Wird jedoch eine Tatsachenbehauptung von der Gegenpartei substantiiert bestritten, so vermögen Parteigutachten als reine Parteibehauptungen diese allein nicht zu beweisen. Als Parteibehauptungen mögen sie allenfalls zusammen mit - durch Beweismittel nachgewiesenen - Indi
zien den Beweis zu erbringen. Werden sie aber nicht durch Indizien gestützt, so dürfen sie als bestrittene Behauptungen nicht als erwiesen erachtet werden (BGE 141 III 433 E. 2.6).
1.1
1
Das Arztzeugnis wird beweisrechtlich den Zeugnisurkunden, denen im Beweis
verfahren mit einer gewissen Zurückhaltung zu begegnen ist, zugeordnet und gilt im Bereich des Zivilprozessrechts gemäss der Rechtsprechung des Bun
desgerichts als Privatgutachten (BGE 140 III 24 E. 3.3.3; 140 III 16 E. 2.5). Nach der Lehre beweisen Arztzeugnisse grundsätzlich nur, dass die Erklärung von der ausstellen
den Person abgegeben wurde. Aufgrund des Fachwissens der ausstel
lenden Per
son sowie der strafrechtlichen Sanktion (Art. 318 StGB) kann zunächst von der Richtigkeit eines Arztzeugnisses ausgegangen werden. Der Beweiswert kann je
doch durch irgendwelche Beweismittel und Umstände erschüttert werden, wenn beispielsweise der Arzt den Patienten nicht untersucht und ausschliesslich auf dessen Aussagen abgestellt hat ober bei widersprüch
lichem Verhalten des Pati
enten während bescheinigter Arbeitsunfähigkeit.
Solchenfalls
hat der Beweis
-
füh
rer
bei unveränderter Beweislast den vollen Beweis für die mit dem Arzt
zeug
nis bescheinigten Tatsachen zu erbringen (Heinrich Andreas Müller, in:
Schwei
ze
ri
sche Zivilprozessordnung, ZPO, Kommentar, Brunner/Gasser/Schwan
der,
Hrsg.,
2. Auflage, Zürich 2016, Art. 177
Rz
9
;
Annette
Dolge
in:
Basler
Kommen
tar
zur Schweizerischen Zivilprozessordnung,
3
. Aufl., Basel 201
7
, Art. 177 Rz
13
).
1.1
2
Auch Berichte von Fachärzten, welche die Taggeldversicherer beraten, sind als blosse Parteibehauptungen zu qualifizieren (Urteil des Bundesgerichts 4A_571/2016 vom 23. März 2017, E. 3.2
am Ende
).
1.1
3
Die vorliegend anwendbaren Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) für die
Helsana Business Salary Kollektiv-
Taggeldversicherung nach VVG, Ausgabe 20
14
(Urk.
12/1
)
,
lauten unter anderem wie folgt:
3.1
Krankheit ist jede Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psy
chischen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalles ist und die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert oder eine Arbeits
unfähigkeit zur Folge hat
.
3.4
Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt.
9.3a
Der Versicherungsschutz erlischt für die einzelne versicherte Person mit ihrem Ausscheiden aus dem versicherten Personenkreis bzw. aus dem Dienst des Versicherungsnehmers.
9.4
Für versicherte Personen, die bei Ende der Versicherung arbeitsunfähig bzw. erwerbsunfähig sind, bleibt der Leistungsanspruch für den laufenden Fall im Rahmen der Vertragsbestimmungen gewahrt (Nachleistung; Satz 1).
2.
2.1
Die Klägerin
beantragte die Weiterausrichtung von Krankentaggeldern
vom
1. Januar 2018 bis zum Zeitpunkt der Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit oder bis zum Ablauf der vereinbarten Leistungsdauer von 730 Tagen. Sie
machte geltend,
sie leide an körperlichen und psychischen Beschwerden. Bei den körper
lichen Beschwerden handle es sich um Beschwerden in beiden Kniegelenken,
um starke Schmerzen in der
linken Hand
mit Kraftlosigkeit
und
u
m Rücken
schmer
zen
. Sie sei diesbezüglich in ambulanter Behandlung. In psychiatrischer Hinsicht leide sie an einer Depression mit Konzentrationsstörung
en und Angststörungen
, welche sich zwar seit November 2016 gebessert habe aber nicht zu 100 % wieder gut sei.
Aus objektiver und subjektiver Sicht könne sie keine 100%ige Tätigkeit im angestammten Beruf ausüben. Die Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin sei aufgrund der körperlichen Beschwerden nicht möglich (Urk. 1
, Urk. 6
).
2.2
Dagegen hielt die Beklagte fest
(Urk. 11)
,
gestützt auf das Gutachten von Dr.
Z._
sei die Klägerin im Dezember 2017 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu 100 % arbeitsfähig gewesen. Zudem sei erstmals am 18. Januar 2018 vom behandelnden Arzt
festgehalten worden, dass somatische Beschwerden vorlägen, welche die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigten.
Diesbezüglich bestehe im Januar 2018 kein Versicherungsschutz mehr, da die Klägerin Ende August 2017 aus dem Arbeitsverhältnis ausgetreten sei und somit die Versicherungsdeckung gemäss Ziff. 9.3 lit. a AVB ab diesem Datum erloschen sei. Im Rahmen der vertraglichen Nachleistungspflicht nach Ziff. 9.4. AVB seien nur Leistungen für den laufenden Schadenfall, mithin die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit aufgrund psychi
scher Beschwerden, bis zum Zeitpunkt der gutachterlichen Untersuchung Mitte November 2017 geschuldet gewesen
(S. 8 f.).
2.3
Es ist u
nbestritten
und ergibt sich aus den Akten,
dass die Beklagte
unter Be
rücksichtigung der vertraglichen Wartefrist vom 23. November 2016 bis zum
31. Dezember 2017 die vertraglich vereinbarten Taggelder erbrachte (Urk. 12/6,
Urk. 12/8-10, Urk. 12/12, Urk. 12/15-16, Urk. 12/18-19, Urk. 12/21, Urk. 12/23-24,
Urk. 12/26, Urk. 12/29).
Strittig und zu prüfen ist hingegen, ob nach der Einstellung der Krankentaggelder per 31. Dezember 2017 weiterhin ein Anspruch auf Krankentaggelder besteht.
3.
3.1
Dr. med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Nephrologie, nannte in seinem Erstbericht
vom
25. Februar 2017 (Urk.
12/11
) als Diagnosen
eine
Depression und
eine
Angststörung (Ziff.
5
) und attestier
te eine Arbeitsunfähigkeit von 10
0 % ab 23. November 2017 (Ziff. 8).
3.2
Dr. med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte in ihrem psychiatrischen Bericht vom 15. März 2017 (Urk.
12/13
) eine Anpassungs
störung mit längerer Angst und depressive
r
Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1) und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
% seit 3. März 2017 (Ziff. 11).
In ihrem Bericht vom 27. März 2017 an die
andere involvierte Kranken
tag
geld
versicherung, die
Mobiliar (Urk.
2/2
)
,
führte Dr.
E._
unter anderem aus, sie habe die Patientin bisher dreimal gesehen (Ziff. 13), und nannte eine ängstlich agi
tierte, gegenwärtig mittelschwer ausgeprägte Störung mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11) mit intermittierenden Phasen von schwer ausgeprägten Symp
to
men im Rahmen einer Persönlichkeitsakzentuierung mit misstrauischen und frag
lich
paranoiden Zügen (Z73.1) sowie eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) als Diagnosen (S. 3 Mitte).
Die Patientin klage zudem über Schmerzen, vor allem über Rückenschmerzen, aber auch über Schmerzen in den Beinen und Händen (S. 2 Mitte).
Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit (Ziff. 5).
In ihrem Zwischenbericht vom 8. April 2017 (Urk.
12/14
) nannte sie eine mittel
gradige depressive Episode (ICD-10 F32.11) und eine somatoforme Schmerz
stö
rung (ICD-10 F45.4) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff.
1) und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit 1. Februar 2017 (Ziff.
6
.1).
3.3
Dr. med.
F._
, Facharzt für Radiologie und Neuroradiologie, Oberarzt am
G._
, hielt in seinem Bericht vom 2. Juni 2017
(Urk.
12
/17)
betreffend die Magnetresonanztomographie (MRI) des rechten und des linken Knies vom gleichen Tage aufgrund von progredienten Knieschmerzen fest, es bestehe – hier gekürzt aufgeführt - eine horizontale, mediale Meniskusläsion des Hinterhorns
rechts und der Pars intermedia links und rechts mit Extrusion eines kleinen Fragments der Pars intermedia nach medial, eine mässige Retropatellar- und femorotibiale Gonarthrose rechts und links, eine
retropatelläre
Chondro
ma
lazie
Grad III links und rechts, eine medial betonte
femorotibiale
Chon
dromalazie
Grad III-IV
und
ein Knorpelschaden
rechts und links
.
3.4
Dr.
D._
(vorstehend E. 3.1) nannte in seinem am 21. Juni 2017 bei der
Invalidenversicherung
eingegangenen Bericht (Urk. 6/20/1-5
im Verfahren IV.2018.00342
) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
tiefe Depression (ICD-10 F32.11, F45.4, Z73.1)
-
fortgeschrittene Gonarthrose beidseits
-
chronisches lumbospondylogenes Syndrom
-
chronische Cephalgie
-
Obesitas
Wegen des psychischen Zustands sei die Klägerin nicht in der Lage zu arbeiten. Wegen der Kniebeschwerden könne sie nicht länger stehen und laufen, wegen der Rückenschmerzen könne sie nicht längere Zeit sitzen (Ziff. 1.7). Dr.
D._
attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit April 2016 (Ziff. 1.6).
3.5
Dr.
E._
(vorstehend E. 3.2) nannte in ihrem Bericht vom 21. Juli 2017 an die
IV-Stelle
(Urk. 6/29
im Verfahren IV.2018.00342
) die bereits erwähnten Diag
nosen (S. 1 unten) und führte aus, es fänden Konsultationen von 60 Minuten ein
mal bis zweimal pro Monat statt (Ziff. 1.5). Sie attestierte eine Arbeits
un
fähigkeit von 100 % bis auf weiteres (Ziff. 1.6).
In ihrem Bericht vom 19
.
August
2017 an die
Beklagte
nannte
Dr.
E._
(Urk.
12/20
)
eine mittelgradige
depressive Episode (F32.11) und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4)
als
Diagnosen
. Die Versicherte leide an mangelnder Lebensfreude, Antriebs- und Motivationsverlust, Durchschlaf
stö
rung
en, Albträumen, Suizidgedanken, an einer Schmerzsymptomatik, Schuldge
füh
len und dysphorischen Zuständen
(S. 1
Ziff. 1 und Ziff. 3
)
.
Die depressive Symptomatik habe sich leicht verbessert
(Ziff. 5)
.
D
ie
Versicherte
zeige eine schwere Trauerreaktion, nachdem ihr
e
Schwester im Juni 2017 verstorben
sei
(S.
2 oben
Ziff. 7
). Dr.
E._
attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
vom 23. März bis 31. August 2017
, der Zeitpunkt der Wiederaufnahme der Arbeit sei ungewiss
(
S. 2
Ziff. 1
1
)
. Eine IV-Anmeldung sei erfolgt, eine Massnahme durch die Invalidenversicherung wäre gut für die Patientin (S. 3 Ziff. 12)
.
3.
6
Dr. med.
H._
, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, Vertrau
ensarzt der Beklagten
,
nahm am 5. September 2017 eine Beurteilung vor und empfahl aufgrund von Unklarheiten betreffend die Arbeitsunfähigkeit und die prognostische Einschätzung die Einholung eine
r
fachärztlichen Zweitmeinung (Urk. 12/22).
3.7
Dr. med.
I._
, Facharzt für Neurologie, nannte in seinem Bericht vom
24. Oktober 2017 über die am 23. Oktober 2017 erfolgte Untersuchung (Urk.12/25
) als Diagnosen ein ausgeprägtes Karpaltunnelsyndrom (CTS) links und eine Epi
lepsie unklarer Zuordnung (S. 1 Mitte).
3.8
Dr.
Z._
erstattete am 2. Dezember 2017 ein Gutachten im Auftrag der
Beklag
ten
(Urk.
12/27
). Sie führte unter anderem aus, gemäss telefonischer Auskunft der behandelnden Psychiaterin seien zwischen Juni und September 2017 keine Kon
sultationen erfolgt (S. 7 lit. E).
Sie führte
weiter
aus, aktuell könne kein psychisches Leiden von Krankheitswert festgestellt werden und nannte dementsprechend keine Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 10 lit. H.a). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie einen Status nach depressivem Zustandsbild
(ICD-10 F43.20), Differentialdiagnose (DD) im Rahmen einer Anpassungsstörung, im Rahmen einer depressiven Episode (S. 10 lit. H.b).
Die diagnostische Einschätzung des aktuellen psychischen Gesundheitszustands der Versicherten sei eindeutig möglich, soweit dies für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit erforderlich sei. Diese gebe zwar auf Befragen diverse Beschwer
den an (Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Angst vor einem Unfall) und äussere in der Exploration, dass ihre Stimmung nicht gut sei und sie schlecht einschlafen könne, bleibe aber in ihren Angaben vage. Diejenigen Befunde, die auf objektiver Beurteilung (Items überwiegender oder ausschliesslicher Fremdein
schätzung nach AMDP) basierten (beispielsweise die Depressivität, die Gedächt
nis
leistung, die affektive Schwingungsfähigkeit), gäben keinen Hinweis auf ein psychiatrisches Leiden von Krankheitswert. Vielmehr wirke die Versicherte unzu
frieden mit der aktuellen Lebenssituation, die mit finanzieller Engnis und einem Ehemann, der einen Herzinfarkt durchgemacht habe und seit einem Jahr daheim sei, belastet sei (S. 10 unten).
Die Feststellung, dass der psychische Leidensdruck minimal sei, werde durch die Ergebnisse der Laboruntersuchung gestützt, die klar aufzeigten, dass die Versi
cherte keine Medikamente einnehme (S. 11 oben).
Gemäss der behandelnden Psychiaterin sei die Versicherte zu Beginn der Behand
lung bei ihr im Februar 2017 zunächst depressiv gewesen. Die Depressivität sei aber weitgehend aufgehellt im Laufe der Monate. Aufgrund der Vorgeschichte
und de
r
Angaben der behandelnden Psychiaterin sei es plausibel, dass es sich
beim
Zustand im Winter/Frühling 2017 um ein depressives Zustandsbild gehan
delt habe, welches rückwirkend ätiologisch nicht abschliessend einer Anpas
sungs
störung oder einer eigenständigen affektiven Erkrankung zugeordnet werden könne (S. 11 Mitte).
Differenzialdiagnostisch sei der Vollständigkeit halber eine anhaltende somato
forme Schmerzstörung zu erwägen; dies nachdem die Versicherte als Hauptbe
schwerden körperliche Schmerzen angebe. Angesichts der Tatsache, dass keine dauernden quälenden Schmerzen angegeben würden, die somatisch nicht erklärt werden könnten, sondern vage schmerzhafte Bereiche angegeben würden, sei das Kernkriterium für diese Diagnose nicht festzustellen, womit diese Diagnose
stel
lung entfalle (S. 11 unten).
In der angestammten Tätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit spätestens ab dem
14. November 2017 uneingeschränkt. Bei fehlendem psychischem Leiden von Krank
heitswert und damit fehlenden psychischen Funktionseinschränkungen sei die Arbeitsfähigkeit vollumfänglich gegeben. Der Umstand, dass die Versicherte ihre Medikamente nicht einnehme, stärke die Einschätzung, dass der Leidens
druck (psychisch und körperlich) bescheiden sei. Die inzwischen eingetretene Stellenlosigkeit, die familiäre Belastung und die finanziellen Probleme seien krankheitsfremde Faktoren, die nicht für das Attestieren einer Arbeitsunfähigkeit herangezogen werden könnten (S. 12 lit. I.a).
3.
9
Dr.
E._
(vgl. vorstehend E. 3.2)
attestierte mit Arbeitsunfähigkeitszeugnis
sen
vom 27. November beziehungsweise 22. Dezember 2017 eine
100%ige
Arbeitsun
fähigkeit vom 1. Dezember 2017 bis 31. Januar 2018 (Urk. 2/12-13).
I
n ihrem Bericht vom 26. Januar 2018 an die IV-Stelle
nannte Dr.
E._
(Urk. 6/43 im Verfahren IV.2018.00342) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine ängstlich agitierte depressive Störung mit somatischem Syn
drom (ICD-10 F32.11) sowie chronische Schmerzen (Ziff. 1.1). Sie führte aus, es erfolge eine Konsultation im Monat (Ziff. 1.5), dies letztmals am 17. Dezember 2017 (Ziff. 1.2), und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit als Reinigungsfrau von 50 % (Ziff. 1.6).
3.10
D
r. med. J._
, Praxis Dr.
D._
, nannte mit Bericht vom 1
9
. Januar 2018 (Urk.
12/31
) folgende
- verkürzt angeführten -
Diagnosen:
-
Depression mit
Konzentrationsstörungen und
Angststörung
en
-
Starke Schmerzen in der linken Hand mit extremer Kraftlosigkeit seit September 2017 bei einem
ausgeprägte
n
CTS links
-
Progrediente Schmerzen und Schwellungen in beiden Kniegelenken bei Gon
arthrose, Meniskusriss
,
Baker-Zyste
und Chondromalazie
-
Persistierende Rückenschmerzen, panvertebrale Schmerzen
Wegen der starken Schmerzen in beiden Knien und in der linken Hand sei die Versicherte nicht in der Lage, sich um den eigenen Haushalt zu kümmern. Sie sei zu 100 % arbeitsunfähig für längere Zeit wegen der körperlichen und psychischen Leiden.
3.1
1
Der Vertrauensarzt der Beklagten, Dr. med.
K._
, Facharzt für
Gynäkologie und Geburtshilfe, hielt in seiner Beurteilung vom 6. Februar 2018 (Urk. 12/3
4
) fest, in psychiatrischer Hinsicht ergäben sich aus dem Bericht von Dr.
J._
keine neuen Erkenntnisse. Die Schmerzen seien im Gutachten berück
sichtigt worden, es handle
sich um subjektive Beschwerden ohne Diagnose,
sie seien
nicht krankheitswertig.
3.12
Dr.
J._
(vgl. vorstehend E.
3.10)
attestierte mit ärztlichem Zeugnis vom
26. Januar 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 27. Januar bis
28. Februar 2018 (Urk. 2/11), mit ärztlichem Zeugnis vom 27. Februar 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 27. Februar bis 20. März 2018 (Urk. 7/2) und mit ärztlichem Zeugnis vom 15. März 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 15.
b
is 31. März 2018 (Urk. 7/1).
3.13
Dr. med.
L._
, Facharzt für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD)
der IV-Stelle
, nannte in seiner Beurteilung vom 1. Februar 2018 (Urk. 6/44 S.
5
im Verfahren IV.2018.00342
) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit eine Adipositas (+ 30 kg) und sowie folgende Diagnosen ohne dauer
hafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 5 oben):
-
ausgeprägtes Karpaltunnelsyndrom beidseits, links > rechts
-
ängstlich agitierte, gegenwärtig mittelschwer ausgeprägte affektive Stö
rung mit
-
somatischem Syndrom (F32.11)
-
intermittierenden Phasen von schwer ausgeprägten Symptomen im Rahmen einer Persönlichkeitsakzentuierung mit misstrauischen und fraglich paranoiden Zügen
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung
Er nannte folgende funktionellen Einschränkungen in Bezug auf die bisherige Tätigkeit als Putzfrau: Tätigkeiten mit häufigen Schlägen und Vibrationen auf die Schultern und Hände sowie Überkopfarbeiten und Arbeiten in ständiger Arm
vorhalte, insbesondere repetitive Tätigkeiten, seien der Versicherten nicht mehr zumutbar. Beim Heben, Tragen und Transportieren von Lasten sei ein Gewichts
limit von 5-8 kg (unter günstigen Hebeln) zu beachten (S. 5 Mitte).
Das Belastungsprofil umschrieb er wie folgt (S. 5): Leichte (angepasste) Tätig
keiten ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten > 5 kg, ohne (beid
seitiges) Arbeiten in Armvorhalte und Überkopfarbeiten seien zu 100 % medi
zinisch-theoretisch zumutbar.
3.1
4
Dr.
A._
erstattete - entsprechend dem Ersuchen des Gerichts im Verfahren IV.2018.00342 - am 23. Juli 2018 eine Stellungnahme (Urk. 14). Darin nannte sie folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 Ziff. 1):
-
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (F32.1)
-
Persönlichkeitsakzentuierung mit misstrauischen und fraglich paranoiden Zügen (Z73)
Sie führte unter anderem aus, die Beschwerdeführerin befinde sich seit März 2018 in ihrer ambulanten Behandlung (S.
1 Ziff.
2), dies mit Gesprächen in der Muttersprache im Abstand von zwei bis drei Wochen (S. 2 unten Ziff. 4).
Anamnestisch/aktenanamnestisch könne diagnostisch von einer zunehmenden psychischen Dekompensation im Sinne einer depressiven Entwicklung mit ängst
licher Komponente ausgegangen werden. Im Vordergrund der Behandlung im
B._
stehe die depressive Symptomatik mit gedrückter Stimmungslage, Antriebslosigkeit, Hemmung des Denkens, Schlafstörungen mit Morgentief und anhaltender Tagesmüdigkeit (S. 2 oben).
Aufgrund der bereits seit Jah
ren bestehenden Symptomatik sei
von einer länger
dauernden, chronischen Störung auszugeben. Eine Wiederherstellung der Arbeits
fähigkeit sei aktuell als prognostisch schlecht einzustufen. Es bestünden Ein
schrän
kungen in Form von reduzierter Belastbarkeit, ausgeprägtem Misstrauen im Umgang mit anderen Menschen, Konzentrations- und Auffassungsstörung (S.
2 Ziff. 3).
Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Reinigerin seit 1. März 2018 (S.
3 Ziff. 5). Es bestehe eine verminderte Ausdauer, verminderte Leistungsfähigkeit, Konzentrations- und Auffassungs
schwie
rigkeiten sowie geringe Frustrationstoleranz (S. 3 Ziff. 6). Eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt könne aktuell aufgrund der genannten Symptomatik ausgeschlossen werden (S. 3 Ziff. 7).
4
.
4.1
Die
Klägerin
machte geltend (Urk. 1
, Urk. 6
), sie leide an folgenden körperlichen und psychischen Beschwerden: Depression mit Konzentrationsstörungen und Angst
störungen, starke Schmerzen in der linken Hand mit extremer Kraftlosigkeit (
ausgeprägtes Karpaltunnelsyndrom links), Knieschmerzen (progrediente Schmer
zen
und Schwellungen in beiden Kniegelenken), p
ersistierende Rückenschmerzen
/ p
anvertebrale Schmerzen
(S. 1)
. Es sei ihr objektiv und subjektiv nicht möglich, eine Tätigkeit zu 100 % in ihrem Beruf auszuüben (S. 2 oben).
4.2
Die
Beklag
t
e
erachtete die
Klägerin in psychiatrischer Hinsicht gestützt auf das Gutachten von Dr.
Z._
im angestammten Beruf
als zu 100 % arbeitsfähig
(
Urk.
12/28, Urk.
12/35
).
In Bezug auf die geltend gemachten somatischen Be
schwerden hielt die Beklagte fest, eine Arbeitsunfähigkeit wegen körperlicher Beschwerden sei erstmals am und ab dem 18. Januar 2018 geltend gemacht worden. Zuvor sei die Arbeitsunfähigkeit mit psy
chischen Beschwerden begrün
det worden. Für die Arbeitsunfähigkeit aufgrund von körperlichen Beschwerden ab Januar 2018 bestehe kein Versicherungsschutz mehr, da das Arbeitsverhältnis Ende August 2017 endete und die Versicherungsdeckung gemäss Ziff. 9.3. lit. a AVB ab diesem Datum erloschen sei. Die vertragliche Nachleistungspflicht nach Ziff. 9.4. AVB betreffe nur Leistungen für den laufenden Schadenfall, das heisse die Arbeitsunfähigkeit aufgrund psychischer Beschwerden
bis zur Einstellung derselben
(Urk.
11 S. 8 unten f. Ziff. 6
).
4.3
Hinsichtlich der geltend gemachten psychischen Probleme liegen unterschied
liche Beurteilungen vor. Dr.
E._
als behandelnde Psychiaterin diagnostizierte im März 2017 eine Anpassungsstörung und im April 2017 eine mittelgradige depressive Episode und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit
1. Februar 2017 (vorstehend E. 3.2
. 3.5, 3.9
). Im Juli 2017 berichtete sie, es fänden ein- bis zweimal pro Monat Konsultationen statt (vorstehend
E. 3.5
). Zwischen Juni und September 2017 fanden keine Konsultationen statt (vgl. vorstehend E.
3.8
am Anfang). Im Januar 2018 berichtete Dr.
E._
über einmal monatliche Konsultationen (zuletzt am 17. Dezember 2017) und attestierte eine Arbeitsun
fähigkeit von 50 % in der angestammten Tätigkeit als Reinigungsfrau (vorstehend
E. 3.9
).
Die Gutachterin Dr.
Z._
vermochte im Dezember 2017 keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu stellen und nannte als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach depressivem Zustandsbild, dies unter Hinweis auf eine im Verlauf des Jahres erfolgte Aufhellung der im Februar 2017 festgestellten Depressivität und einen durch die Nichteinnahme von Medikamenten belegten fehlenden Leidensdruck (vorstehend E.
3.8).
Im Gegensatz dazu nannte die seit März 2018 behandelnde Dr.
A._
als Diag
nose wiederum eine mittelgradige depressive Episode, attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit Behandlungsbeginn und erklärte, eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt könne aktuell ausgeschlossen werden (vorstehend
E. 3.14
).
4.4
Wie bereits erwähnt, stellt e
in Privatgutachten im Zivilprozess kein Beweismittel dar, vielmehr hat es als Parteigutachten die Qualität einer blossen Parteibe
haup
tung
.
Parteibehauptungen, denen ein Privatgutachten zugrunde liegt, werden indes meist besonders substantiiert sein. Entsprechend genügt eine pauschale Bestrei
tung nicht;
die Gegenpartei ist vielmehr gehalten zu substantiieren, welche ein
zelnen Tatsachen sie konkret bestreitet
(vgl. vorstehend E.
1.9-10
)
.
Den Berichten der 2017 behandelnden Psychiaterin ist eine im Jahresverlauf stetig nachlassende Behandlungsfrequenz zu entnehmen, und damit korrespon
dierend eine Abnahme der von ihr attestierten Arbeitsunfähigkeit von 100 % auf 50 %
. Auch stellte sie im Verlauf die Diagnose einer Persönlichkeitsakzentuierung nicht mehr, sondern lediglich noch die Diagnosen einer depressiven Störung und chronischer Schmerzen
(vorstehend E.
3.2, 3.5, 3.9
)
.
Angesichts dieser von der behandelnden Ärztin geschilderten Verbesserung des Gesundheitszustandes
ver
mag das Privatgutachten von
Dr.
Z._
und mithin d
eren
Einschätzung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit zu überzeugen. Insbesondere
ist zu berücksichtigen, dass die Klägerin keine Medikamente einnahm (vgl. Urk. 12/27 S. 11 oben), womit zum Zeitpunkt der Begutachtung der Leidensdruck minimal war. Somit w
ar a
usserhalb des thera
peutischen Kontextes im Dezember 2017 keine die Arbeitsfähigkeit tangierende psychiatrische Diagnose (mehr) zu stellen.
Ausserdem wurden
die Einschätzungen von Dr.
Z._
nicht substantiiert bestritten, weshalb sie nicht geeignet sind, die Schlussfolgerungen im Privatgutachten von Dr.
Z._
in Frage zu stellen.
D
ass die ab März 2018 behandelnde Psychiaterin
Dr.
A._
wiederum eine - vollständige - Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit sowie für den ersten Arbeitsmarkt überhaupt attestierte, erscheint demgegenüber als nicht
über
wiegend wahrscheinlich
. Dies ergibt sich
einerseits daraus, dass die von der behan
delnden Ärztin Dr.
E._
vormals verworfene Diagnose einer Persönlich
keitsakzentuierung von Dr.
A._
ohne erkennbare Auseinandersetzung mit der Einschätzung von Dr.
E._
oder Dr.
Z._
genannt wurde. Zudem hielt Dr.
A._
fest, es könne diagnostisch von einer zunehmenden psychischen Dekom
pensation ausgegangen werden (Urk. 14 S. 2 oben). Diese Einschätzung wider
spricht
jedoch
derjenigen der ehemals behandelnden Dr.
E._
und der Privat
gutachterin Dr.
Z._
(vgl. vorstehend
E. 3.2, 3.5, 3.9
).
Gründe für diese abweichende Einschätzung wurden indessen nicht genannt, weshalb sie nicht geeignet ist, die nachvollziehbare Einschätzung von Dr.
Z._
substantiiert in Frage zu stellen. Andererseits
begründete Dr.
A._
die Arbeitsunfähigkeit
mit verminderter Ausdauer, verminderter Leistungsfähigkeit, Konzentrations- und Auffassungsschwierigkeiten sowie geringer Frustrationstoleranz, ohne dass näher dargelegt worden wäre, weshalb diese Beeinträchtigungen jegliche Erwerbsakti
vität verunmöglichen sollten.
Zusammengefasst ist in psychiatrischer Hinsicht
mangels substantiierter und überzeugender Bestreitungen gestützt
auf die schlüssige Beurteilung durch Dr.
Z._
in ihrem Privatgutachten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass
im vorliegend zu prüfenden Zeitraum
keine
psychiatrische
n
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
vorliegen.
Daran vermögen auch die eingereichten Arbeitsunfähigkeitszeugnisse nichts zu ändern (vgl. vor
stehend E. 1.11).
Bei diesem Resultat stellt sich
auch
die Frage nach der Durch
führung eines
strukturierte
n
Beweisverfahren
s
im Rahmen einer Streitigkeit be
treffend Krankentaggelder nach VVG nicht
.
4.5
In somatischer Hinsicht
findet sich in den Akten der Beklagten im Zeitraum bis zur Kündigung per 31. August 2017
(Urk. 12/27 S. 5 oben)
lediglich der MRI-Bericht vom 2. Ju
ni 2017 betreffend Knieschmerzen
(vgl. vorstehend E. 3.3).
Diesem ist keine Arbeitsunfähigkeit zu entnehmen.
Bei der von Dr.
E._
ab März 2017
unter anderem
diagnostizierten Schmerzstörung
(vgl. vorstehend E. 3.2, E.
3.5)
handelt es sich
ferner
um eine psychiatrische Diagnose, welche nicht ohne Weiteres auf relevante somatische Beschwerden schliessen lässt. Zudem ging der Bericht von Dr.
D._
vom 21. Juni 2017 (vgl. vorstehend E. 3.4) nicht an die Beklagte, sodass sie von allfälligen somatischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit keine Kenntnis haben konnte.
Vielmehr wurde der Beklagten erstmals im Januar 2018 eine Arbeitsunfähigkeit auch aufgrund somatischer Be
schwerden gemeldet (vorstehend E. 3.
10
).
Damit konnte die Beklagte – trotz
Hinweisen auf schon
vor
Ende August
2017 vorliegende somatische Beschwerden
jedoch ohne Angabe
und Geltendmachung
einer daraus resultierenden Arbeits
unfähigkeit
(vgl. vorstehend E. 3.3)
– nicht davon ausgehen, dass eine relevante somatische Erkrankung vorliegt, zumal auch die Anmeldung
wegen psychischer Beschwerden
erfolgte
(vgl.
Urk. 12/4 und Urk. 12/11
)
.
Gestützt auf Ziff. 9.3 lit. a AVB
, wonach der Versicherungsschutz für die einzelne versicherte Person mit ihrem Ausscheiden aus dem versicherten Personenkreis bzw. aus dem Dienst des Versicherungsnehmers erlischt vorbehältlich der Nachleistung für den laufenden Fall gemäss Ziff. 9.4 AV
B
(vgl. vorstehend E. 1.13)
,
bestand somit kein Versi
che
rungsschutz mehr für die neu nach der Kündigung geltend gemachten Ein
schrän
kungen aufgrund von somatischen Beschwerden.
Zu beachten ist
zudem
, dass der zuständige Arzt des RAD der IV-Stelle unter Berücksichtigung
der von der Klägerin geklagten somatischen Beschwerden ein
Belastungsprofil
beschrieb
, bei welchem eine 100%ige Arbeitsfähigkeit zumutbar sei
,
beziehungsweise
er
auch in der angestammten Tätigkeit nur noch funktionelle
Einschränkungen nannte
(vgl. vorstehend E. 3.13).
Diese Einschätzung im IV-Ver
fahren kann auch in vorliegendem Verfahren betreffend Krankentaggelder berücksichtigt werden, zumal keine davon abweichenden, substantiierten und nachvollziehbaren Einschätzungen betreffend eine Arbeits
un
fähigkeit in ange
passter Tätigkeit vorliegen.
Den ärztlich attestier
t
en und von der Klägerin angeführten körperlichen Beein
trächtigungen wurde somit durch eine entsprechende Ausgestaltung des Anfor
derungsprofils Rechnung getragen. Die volle Arbeitsfähigkeit bezieht sich nicht auf jede beliebige (und auch nicht notwendigerweise die angestammte) Tätigkeit, sondern ausdrücklich und ausschliesslich auf Tätigkeiten, die diesem Belastungs
profil entsprechen.
Daran vermögen auch die eingereichten Arbeitsunfähig
keits
zeugnisse nichts zu ändern (vgl. vorstehend E. 1.11).
Wie bereits erwähnt, erbrachte die Beklagte unter Berücksichtigung der vertrag
lichen Wartefrist vom 23. November 2016 bis zum 31. Dezember 2017 die ver
traglich vereinbarten Taggelder (vgl. vorstehend E. 2.3). Da diese in erster Linie aufgrund psychischer Beschwerden ausgerichtet wurden
,
hätte
die Beklagte
– auch wenn sie
Kenntnis von
eine
r
Arbeitsunfähigkeit aufgrund somatischer Be
schwerden vor August 2017
gehabt hätte -
eine Einstellung der Krankentaggelder per 31. Dezember 2017 ohne Gewährung einer zusätzlichen Übergangsfrist zur Aufnahme einer angepassten Tätigkeit
vornehmen
dürfen
(vgl.
Ziff. 3.4 und 13.8 AVB
)
, zumal gestützt auf die Einschätzung des RAD davon ausgegangen werden kann, dass die Aufnahme einer angepassten Tätigkeit aus somatischen Gründen schon vor Ablauf der erbrachten Taggelder möglich gewesen wäre.
4.6
Damit
ist die Klage abzuweisen.
5.
5.1
Gemäss
Art. 114 lit. e ZPO ist das Verfahren kostenlos.
5
.2
Die Beklagte wurde nicht durch einen externen Anwalt vertreten. Sie hat somit entgegen ihrem Antrag (Urk.
11
S. 2) praxisgemäss - mangels eines besonderen Aufwandes (vgl. BGE 110 V 72 E. 7) - keinen Anspruch auf eine Parteient
schädigung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_355/2013 vom 22. Oktober 2013 E. 4.2).