Decision ID: 3b83d912-4571-49cd-8af2-4a318a873990
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1956,
war
seit
Dezember 1999
Inhaber der
Y._
GmbH
sowie
als Chemisch-Reiniger in einem 100%-Pensum
angestellt und
da
durch bei der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG gegen die Fol
gen von Un
fäl
len ver
sichert
, als er sich
am
29. Oktober 2014 bei einem Ver
kehrs
unfall
ein
Supinationstrauma
zuzog (vgl. Unfall
meldung vom 7. November 2014,
Urk. 8/
8
)
.
Die Erstkonsultation im Stadtspital
Z._
erfolgte am
gleichen Tag
, wo
gestützt auf bildgebende Befunde (vgl. Bericht der Computertomographie
(CT) vom 29. Oktober 2014, Urk.
8/1) eine
Trimalleolarfraktur
sowie ein komplex
es Fusstrauma rechts
dia
gnos
tizierte
wurden, welche operativ in zwei
Sitzungen am 29. Oktober und 4.
No
vember 2014 ver
sorgt wurden (vgl. Operationsberichte vom 30. Oktober 2014 [Urk. 8/2], 6. No
vem
ber 2014 [Urk. 8/7]).
Die
Allianz Suisse
erbrachte in der Folge die gesetzlichen Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen (Urk.
8/
14
).
Gestützt auf
die Beurteilung des beratenden Arztes
und ausgehend davon, dass
zwei Jahre nach dem Unfallereignis ein Endzustand eingetreten sei und
der Ver
sicherte
unfallbedingt wieder teilweise arbeitsfähig sei,
stellte die
Allianz Suisse
mit Verfügung vom 18. Januar 2018
ihre Versicherungs
leistungen (Heilbehand
lung und Taggeldleistungen)
per
9
. März 2017
ein
, ver
neinte mangels eines aus
gewiesenen Invaliditätsgrades einen Renten
anspruch und sprach dem Versicherten eine Inte
gri
täts
ent
schädigung in der Höhe von Fr.
18’900
.-- bei einer Inte
gritätseinbusse von
15
% zu
(
Urk.
8/
91
).
D
agegen erhob
der Versicherte am
15.
Februar 2018
Einsprache (Urk.
8/
94
)
.
In der Folge veranlasste die Allianz Suisse eine
bidisziplinäre
(orthopädisch-neurologische) Begutachtung bei der Gut
achterstelle
A._
, über welche am 10. Ok
tober 2019 berichtet (Urk. 8/144) und
die
mit Stellungnahme vom 11. März 2020 (Urk. 8/150) ergänzt wurde. Gestützt darauf hiess sie die Einsprache mit
Einsprache
entscheid
vom
3. April 2020
im Sinne einer Erhöhung der Inte
gritätsent
schädigung von Fr. 18'900.-- auf Fr. 25'200.-- teilweise gut. Der Anspruch auf eine Invalidenrente wurde derweil ver
neint
(Urk.
8/153
= Urk. 2).
2.
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
ihrerseits sprach dem Versicherten mit Verfügung vom 27. Juli 2017 gestützt auf einen IV-Grad von 100 % ab 1. Februar 2017 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu (Urk. 8/110).
3.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 3. April 2020 (Urk. 2)
erhob der Versicherte mit Eingabe vom 6. Mai 2020 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die ange
foch
te
ne Verfügung vom 3. April 2020 sei aufzuheben und die Beschwerde
gegnerin sei zu verpflichten, ihm mit Wirkung ab 1. März 2017 eine angemessene Invali
den
rente auszurichten.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 3. Juni 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7, unter Be
ilage der Kassenakten [Urk. 8/1
156]), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 9. Juni 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
4
.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausge
brochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
29. Oktober 2014
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teil
weise arbeitsunfähig (Art. 6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
), so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid
(Art.
8
ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abge
schlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Tag
geldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
1.3
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Ein
gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.4
1.4.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.4.2
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu
nehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid vom 3. April 2020 (Urk. 2) ging die Beschwerde
gegnerin ge
stützt auf die medizinischen Abklärungen davon aus, dass
der Ver
siche
rungsfall per 1. März 2017 abzuschliessen sei. Mangels ausgewiesener Erwerbs
einbusse bestehe kein Anspruch auf eine Rente der obligatorischen Unfall
ver
sicherung und die Heilbe
hand
lungskosten seien einzustellen. Infolge der blei
ben
den Einschränkung der kör
perlichen Integrität sei jedoch ein Integritäts
scha
den von 20 % ausgewiesen, weshalb der Versicherte Anspruch auf eine Integri
täts
ent
schä
digung in der Höhe von Fr. 25'000.-- habe.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 6. Mai 2020 (Urk. 1) zusammengefasst geltend,
er habe sich nicht aus freien Stücken mit einem bescheidenen Einkommensniveau begnügt, sondern die Lohneinbusse sei unfreiwillig erfolgt und zudem nur vorübergehend ge
wesen. Deshalb sei für die Bemessung des Invaliditätsgrad
e
s das tatsächliche, vor dem Unfall erzielte Ein
kommen entsprechend aufzuwerten. Ferner betrage die Restarbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit gemäss Gutachten nicht 90 %, sondern ca. 76 %. Daraus resultiere ein Invaliditätsgrad von 29 %.
3.
3.1
Die beim
Verkehrsunfall am 29. Oktober 2014
zugezogene
Trimalleolarfraktur
und
das
kom
plex
e Fusstrauma rechts wurde
n
in zwei Sitzungen im Stadtspital
Z._
operativ versorgt (vgl. Operationsberichte vom 30. Oktober 2014 [Urk. 8/2] und 6. November 2014 [Urk. 8/7]), wobei sich der postoperative Verlauf - so die behandelnden Ärzte - komplikationslos gestaltet habe, sodass der Beschwerde
führer am 10. November 2014 in gutem Allgemeinzustand und mit
blanden
Wundverhältnissen nach Hause
habe
entlassen werden können (vgl.
Urk. 8/9).
Im Rahmen einer Verlaufskontrolle am 11. Mai 2015 hielt
Dr. med.
B._
, Facharzt Chirurgie
,
eine reizlose Narbe fest. Im Barfuss-Gang zeige sich ein Einknicken des medialen Fussgewölbes. Konventionell-radiologisch seien die Frakturen in guter Stellung verheilt. Er verordnete Schuheinlagen zur Ab
stüt
zung des medialen Fussgewölbes und
empfahl den schrittweisen Arbeits
auf
bau. Dr.
B._
attestierte
dem Beschwerdeführer
eine 30%i
ge Arbeits
fähigkeit ab dem 18.
Mai 2015, eine 50%ige ab dem 15. Juni 2015 und schliess
lich eine 75%ige Arbeits
fähigkeit ab dem 13. Juli 2015 (Urk. 8/39)
, wobei er dies rückwir
kend korrigierte und den Beschwerdeführer
bei persistierenden Belastungs
schmerzen
vom 15. Juni bis 4. Oktober 2015 als 50 % arbeitsfähig schrieb und ab
dem 5. Oktober 2015 einen vollzeit
lichen
Arbeitsversuch als mög
lich erachtete (Urk.
8/43).
Laut Dr. med.
C._
, Chirurgie und Traumatologie FMH sowie beurteilender Arzt der
D._
,
war
diese Einschätzung plausibel und berechtigt (vgl. medizinische Beurteilung vom 8. September 2015, Urk. 8/45).
3.2
Aufgrund neu auftretender Gelenkschmerzen wurde der Beschwerdeführer in der Klinik für Rheumatologie des Universitätsspitals
E._
vorstellig. Die unter
suchen
den Ärzte berichteten in ihrem Arztbericht vom 25. August 2015 (Urk. 8/47) von Polyarthralgien der Hände und Füsse sowie der Knie. Klinisch, laborchemisch und radiologisch würde
n sich keine Hinweise für eine r
heuma
toi
de Arthritis oder
Kristallarthropatie
zeigen. Labo
rchemisch hätten sich jedoch er
höhte humorale Entzündungswerte und eine
normozytäre
,
normo
chrome
Anämie gezeigt. Bei einer Gewichtsabnahme von einigen Kilogrammen und aufgrund feh
lender Hinweise für eine rheumatologische Grunderkrankung sei eine Tumor
suche mittels Gastroskopie und
Coloskopie
sowie Röntgen des Thorax zu emp
feh
le
n. Neben dem Status nach OSG
-Fraktur rechts im Oktober 2014 diagnostizierten die Ärzte Polyarthralgien unklarer Ätiologie, einen Entzündungszustand unklarer Ätiologie, eine
normozytäre
,
normochrome
Anämie unklarer Ätiologie, eine koronare Gefässerkrankung sowie eine
periphere arterielle Verschlusskrankheit
(PAVK). In der Verlaufskontrolle am 5. Oktober 2015 im Stadtspital
Z._
(Urk. 8/49) habe der Beschwerdeführer von einer Gefässoperation am rechten Bein sowie von einer geplanten Lungen
operation
zur Entfernung eines Tumors
berichtet.
Aufgrund dieser Situation - so
Dr.
B._
- seien am Fuss vorläufig keine weiteren Therapien indiziert. Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Beschwerden am rechten Fuss könne auch ein
Ischämieschmerz
sein. Dr.
B._
attestierte dem Beschwerdeführer bis Ende Februar
2016
eine 50%ige Ar
beits
un
fähigkeit, dann sei bezüglich Fuss eine volle Arbeitsfähigkeit erreicht (vgl. Arzt
beri
cht vom 28. Dezember 2015, Urk.
8/56).
3.3
Gegenüber der Beschwerdegegnerin äusserte Dr.
B._
in seiner Stellung
nahme vom 27. September 2016 (Urk. 8/69)
, die Behandlung sei abge
schlossen. Allenfalls könne eine Verbesserung der Symptome durch eine Materi
al
entfernung erreicht werden. Er
sei jedoch der Meinung, dass die
PAVK eine relative Kontra
indikation sei, weshalb er von einer Materialentfernung abraten würde, würden die Wundheilungsstörungen und Infektionen doch ein hohes Risiko darstellen. Zudem sei fraglich, ob dadurch eine Verbesserung der Be
schwer
den zustande gebracht werden könne. Aus seiner Sicht sei der Endzustand
am 28. Dezember 2015 (letztmalige Konsultation)
erreicht.
Die unfallbedingten Beschwerden wür
den bleibende Schädigungen, insbesondere durch Schmerzen bei längerem Stehen und Gehen, hervorrufen. Seiner Meinung nach handle es sich um eine 5
bis 10%ige Verletzung bezüglich Integritätsschaden. Dies sei je
doch eine Schät
zung. Medizinisch-theoretisch sei die unfallbedingte Behin
de
rung als maximal 20 bis 30 % einzuschätzen.
3.4
Im Auftrag der
Beschwerdegegnerin
wurde
der
Beschwerdeführer von Dr. med.
F._
, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
apparates
,
sowie
Dr. med.
G._
, Facharzt FMH für Neuro
logie,
am
19. Juni 2019 resp. am 2
6.
Juni 2019
bidisziplinär
(
orthopädisch
-neu
ro
logisch) begutachtet (
A._
-Gutachten vom 10. Oktober 2019,
Urk.
8/144
).
3.4.1
Die Gutachter hielten folgende Diagnosen fest
(
Urk. 8/144
S. 25)
:
-
Status nach
Trimalleolarfraktur
rechts sowie komplexem Fusstrauma rechts am 29. Oktober 2014
-
imprimierte
Calcaneusfraktur
-
Fraktur sämtlicher
Cuneiforme
-
plantare Abrissfraktur des Os
naviculare
-
Metatarsale
I Fraktur und proximaler
Phalanxfraktur
Dig
II sowie
Dig
III
-
Periphere arterielle Verschlusskrankheit
-
Status nach mehreren
revaskularisierenden
Eingriffen der Beine sowie
Thrombendarteriektomie
der
Carotisgabel
rechts
-
Koronare Herzerkrankung
-
Metastasierendes
Adenokarzinom
der Lunge, ausgehend vom Unter
lappensegment rechts
-
Status nach
Bilobektomie
sowie Chemotherapie
3.4.2
Die Gutachter
äusserte
n
,
im Rahmen der Exploration
habe der Be
schwer
de
führer
über
starke diffuse Schmerzen im Bereich des rechten Fusses und des Sprung
gelenks
, in erster Linie bei Belastung durch längeres Stehen und Gehen, vor allem auf unebenem Terrain, berichtet
.
Auch bestehe ein nächtlicher Ruheschmerz, der meist im Mittelfussbereich lokalisiert sei. Die Gehdistanz sei erheblich einge
schränkt und die
Gehdauer
auf aktuell ca. 5 Minuten limitiert.
Zusätzlich sei der Beschwerdeführer aufgrund verschiedener anderer Erkrankungen insgesamt geschwächt und in seiner körperlichen Aktivität eingeschränkt. Neuropathische Schmerzen seien nicht zu eruieren, auch keine ei
ndeutigen fokal-neurologischen A
usfälle. Eine
lumboradikuläre
Schmerzausstrahlung oder Symptome eines kom
plexen regionalen Schmerzsyndroms seien nicht festzustellen. Die klinische Untersuchung habe eine vermehrte
Valgisierung
der Rückfussachsen im Stehen sowie eine mässige Absenkung des Längsgewölbes ohne wesentliche Seiten
be
tonung ergeben. Zudem fänden sich ein diskreter Spreizfuss rechtsbetont sowie eine leichte Einschränkung der Beweglichkeit im Bereich des OSG - aktiv und
passiv. Die Bewegungsprüfungen im Sprunggelenk seien für den Beschwerde
führer sehr schmerzhaft und der Zehengang rechts könne aufgrund der Schmer
zen im Mittelfussbereich kaum ausgeführt werden. Zudem zeige sich eine diffuse
Druckdolenz
im Bereich des Mittelfusses und des oberen Sprunggelenkes. Zeichen eines komplexen regionalen Schmerzsyndroms oder einer relevanten Läsion peri
phe
rer Nervenstrukturen würden sich klinisch nicht ergeben. Auch der restliche Neurostatus sei, abgesehen von einer leichten diffusen Hypästhesie und
Hypal
ge
sie
des rechten Fusses ohne
nervale
oder
dermatomale
Zuordnung, unauffällig
(Urk. 8/144 S. 13
, S. 21
).
3.4.3
Dr.
F._
konstatierte,
aus orthopädischer Sicht wür
den klinisch
mässiggradige
Einschränkungen
im Prinzip aller Bewegungen
der Mittel- und Rückfuss
ge
len
ke inklusive OSG bestehen. Die vorgeführten Ein
schränkungen seien absolut nach
vollziehbar und unter Würdigung der Schwere der
Verletzung
nicht nur
ossär
, sondern auch der Weichteile als nachvollziehbar zu betrachten. Der Be
schwerde
führer sei eingeschränkt bei längerem Gehen auf unebenem Terrain. Ebenso sei die Geschicklichkeit beim Gehen auf unebenem Terrain oder aber auch beim Besteigen von Leitern eingeschränkt.
Sekundär komme es auch zu Ein
schränkun
gen beim Heben
von Lasten (mehr als 10 bis 15
kg
;
Urk. 8/144 S.
22
).
3.4.4
Aus neurologischer Sicht
bestehen
laut Dr.
G._
keine Hinweise für eine relevante persistierende Läsion zentraler o
der peripherer Nervenstrukturen
, wobei sich einerseits keine Nervenverletzung am rechten Fuss und andererseits kein wesent
liches
zerebelläres
Syndrom zeige. Der Heilverlauf in Bezug auf den traumatisier
ten rechten Fuss könne insgesamt
als
günstig betrachtet werden, wobei die in der Zwischenzeit festgestellten schweren internistischen Erkrankungen, unter ande
rem mit möglicherweise paraneoplastisch bedingten Polyarthralgien, metasta
sierendem
Adenokarzinom
der Lunge, welches operativ sowie mittels Chemo
therapie behandelt worden sei, und PAVK mit mehreren
revaskula
ri
sie
ren
den
Eingriffen, den Heilverlauf und den Allgemeinzustand des Beschwerdeführers erheb
lich beeinflusst hätten.
Eine optimale Rehabilitation in Bezug auf den rechten Fuss sei aufgrund der Reduktion des Allgemeinzustandes sowie der möglich
erweise tumorassoziierten Polyarthralgien, die auch den rechten Fuss betroffen hätten, wahrscheinlich leichtgradig eingeschränkt gewesen.
Eine ein
deutige Tren
nung der unfall- und krankheitsbedingten Einschränkungen sei nicht zuletzt auf
grund der zeitlichen Parallelität nicht vollständig möglich. Radio
logisch würden sich eine weitgehende Verheilung der
ossären
Läsionen im Be
reich des rechten Sprunggelenkes und eine mässige sekundäre
Calcaneo
cu
boidal
arthrose
mit leich
ter Stufenbildung zeigen. Das
Fussgelenk zeige eine normale
Osteodensität
ohne Hinweise für
Osteodystrophie
(
Urk. 8/144
S. 23)
.
3.4.5
Die Gutachter konstatierten zusammenfassend, d
ie Beschwerden im Bereich des rechten Fusses, insbesondere die belastungs
abhängigen Schmerzen, aber auch die zum Teil in Ruhe auftretenden Schmerzen
,
seien ursächlich auf das Unfallereignis vom 29. Oktober 2014 zurückzuführen. In Bezug auf die Beschwerden des rechten Fusses sei die natürliche Unfallkausalität mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gegeben. Eine namhafte Komponente der aktuellen Beschwerden durch die be
kannte periphere arterielle Verschluss
krank
heit erscheine eher unwahrschein
lich, da beide unteren Extremitäten durch
revaskularisierende
Interventionen be
han
delt worden seien und aktuell keine Be
schwer
de
symptomatik im Sinne einer
Claudicatio
intermittens bestehe
(
Urk. 8/144
S. 23)
.
Mit einer namhaften Ver
bes
se
rung des Gesundheitszustandes könne nicht mehr gerechnet werden. Bezogen auf die Unfallfolgen sei ca. zwei Jahre nach dem Unfallereignis ein Endzustand eingetreten. Regelmässige physiotherapeutische Massnahmen sowie die Verwen
dung von angepasstem Schuhwerk seien hingegen geeignet, eine Verschlech
te
rung des unfallbedingten Gesundheitszustandes
zu vermeiden. Von weiteren ope
ra
tiven Eingriffen, insbesondere einer
Osteosynthesematerial
ent
fernung
,
sei abzu
sehen (
Urk. 8/144
S. 29).
Bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
müsse be
rück
sichtigt wer
den, dass eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit einerseits durch unfall
be
dingte Einschränkungen andererseits aber auch durch (in über
wie
gen
dem Masse) krankheitsbedingte Einschränkungen bedingt sei. Eine voll
ständige Diffe
ren
zie
rung in unfallbedingte und krankheitsbedingte Faktoren sei erschwert. In der an
ge
stammten Tätigkeit als Inhaber und Geschäftsführer einer Textil
rei
ni
gung/Änderungsschneiderei
mit überwiegend stehenden Tätig
keiten und Heben mittel
schwerer Lasten von ca. 10 kg sei die Leistungsfähigkeit des Beschwer
de
führers eingeschränkt, nicht aber die
pensumsbezogene
Arbeits
fähigkeit.
Bezogen auf das Unfallereignis vom 29. Oktober 2014 attestierten die Gutachter dem Be
schwer
de
führer in der angestammten Tätigkeit eine Leistungs
fähigkeit
von 80
% bei einem Pensum von 100 %. Zusätzliche krankheitsbedingte Einschränkungen seien hier
bei nicht berücksichtigt. Bedingung für diese 80%ige Arbeitsfähigkeit sei das Tra
gen adaptierter Schuhe.
Auch in einer optimal angepassten Tätigkeit (über
wie
gend sitzende Arbeiten, Wechselbelastung, kein län
ge
res Stehen und Gehen, kein
Besteigen
von Leitern, keine Arbeiten auf unebenem Terrain, nur
Heben
leichter Lasten bis max. 5 kg, regelmässige Mög
lich
keit von Pausen) sei die Arbeits
fähigkeit unfallbedingt eingeschränkt, wobei die Leistungsfähigkeit in einer solch optimal angepassten Tätigkeit auf 90 %
bei
einem Pensum von 100
% festzu
setzen sei
.
Diese Einschätzung der Ar
beits
fähig
keit in einer angepassten Tätigkeit sei medizinisch-theoretischer Natur, wobei auch hier zusätzliche krank
heits
be
dingte Einschränkungen nicht berück
sichtigt seien
(Urk. 8/144 S. 23f.)
.
Die Gut
achter präzisierten in ihrer Stellung
nahme vom 11. März 2020 (Urk. 8/150), die Einschätzung der Pausen
bedürftigkeit könne naturgemäss nur arbiträr erfol
gen. Einerseits hänge dies von der jeweiligen aktuellen Schmerzsituation ab, anderer
seits sei
en
die rein unfallbedingte und die krankheitsbedingte Pausen
be
dürf
tig
keit kaum strikt voneinander zu trennen.
Um die rein unfallbedingte Leis
tungs
fähig
keit von 90 % in einer optimal angepassten Tätigkeit zu erreichen, müsse der Be
schwerdeführer alle 90 bis 120 Minuten eine Pause von 10 bis 15 Minuten ein
legen können. Schliesslich führten die Gutachter aus, a
ufgrund des Unfall
ereignisses vom 29. Oktober 2014 er
gebe sich eine per
si
stie
ren
de Ein
schränkung der körperlichen Gesundheit, auf
grund der
mässig
gradigen
OSG-Arthrose (10 %) sowie der
mässiggradigen
Fuss
wurzel
arthrose (10 %) von gesamthaft 20 %
(
Urk. 8/144
S.
24
)
.
4.
4.1
Dass die Beschwerdegegnerin ges
tützt auf das
bidisziplinäre
Gutachten der
A._
vom 10. Oktober 2019
die Heilbehandlung mit Schreiben vom
18. Januar
2018 (Urk.
8/91
)
per 9. März 2017
abschloss und die Rentenprüfung einleitete, wird nicht bestritten und ist aufgrund der medizinischen Aktenlage nicht zu bean
stan
den (vgl. E.
3.3, E. 3.4.5
hiervor).
4.2
Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Entscheid (Urk. 2)
auf die fachärztliche Beurteilung
von
Dres
.
F._
und
G._
vom
10. Oktober 2019 so
wie deren ergänzende Stellungnahme vom 11. März 2020 (vgl. E. 3.4 hiervor)
, welche den in der Rechtsprechung des Bundesgerichts entwickelten Anforderun
gen in allen Teilen genügen
und
als beweiskräftig anzusehen sind (vgl. E. 1.
4
) und in diagnostischer Hinsicht unangefochten ver
blieben. Umstritten ist dem
ge
gen
über die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers.
4.3
Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch
die Gutachter
ist anhand der
Vorakten
nachvollziehbar und das erstellte Zumutbarkeitsprofil nimmt auf die bestehenden Einschränkungen angemessen Rücksicht. Die Einschätzung
der Gutachter
stimmt insbesondere auch mit dem angegebenen Be
last
un
gsprofil von Dr.
B._
überein, wonach der Beschwerdeführer keine die Beine belastende Arbeiten aus
führen könne
resp. immer wieder die Möglich
keit von kleineren Pausen im Sinne von Sitzen und Hochlagern des Fusses be
nötige, wobei Treppensteigen oder das Besteigen von Leitern zu vermeiden sei
en
(vgl. Arztbericht vom 10 März 2017,
Urk.
8/88).
Schliessli
ch vermag der Be
schwer
deführer m
it seinem Vorbringen eines erhöhten Pausenbedarfs
(Urk. 1 S.
9
) nichts zu seinen Gunsten abzuleiten, wurde dies von
den Gutachtern
doch explizit berücksichtigt
und im Rahmen der verminderten Leistungsfähigkeit
(nämlich 90 %)
bei einem vollzeitigen Pensum beurteilt
(E.
3.4.
5
)
, wobei die zumutbare Präsenzzeit nicht auf acht Stunden am Tag beschränkt ist
.
Weitere die Leistungsfähigkeit bei einem 100
%-Pensum ein
schränkende Gründe -
ausgenommen der Möglichkeit von regelmässigen
Pau
sen
sind nicht ausgewiesen.
Mithin ist zusammen mit der Beschwerdegegnerin gestützt auf die
überzeugende Einschätzung
der
Gutachter
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer jedenfalls seit
März
2017 (Zeitpunkt Rentenprüfung) in einer – näher um
schrie
benen - leidensan
gepassten Verweistätigkeit zu
90
% arbeitsfähig ist. Bei diesem Ergebnis besteht kein weiterer Abklärungsbedarf (antizipierte Beweis
würdigung;
BGE 136 I 229 E. 5.3
).
5.
5.1
Im Weiteren ist zu prüfen, wie sich die eingeschränkte Leistungsfähigkeit des Be
schwerdeführers in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.
5.2
5.2.1
Der Beschwerdeführer monierte, das von der Beschwerdegegnerin hinzugezogene
Valideneinkommen
liege unter dem im Durchschnitt in dieser Tätigkeit erzielten Einkommen,
weshalb das
Valideneinkommen
entsprechend zu parallelisieren sei
. Zur Begründung fügte er an, im Rahmen von Umbauten zwischen 2008 und 2010 habe er hohe Investitionen (Anschaffung drei neuer Maschinen für die Textil
reinigung) tätigen müssen, wobei die Auslagen durch ein Privatdarlehen seiner
seits finanziert worden wären, welches dank der Reduktion seiner Lohn
kosten in den Jahren 2011 bis 2013 teilweise habe zurückbezahlt werden können (Urk. 1 S. 6f.).
5.2.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
ein
kommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lich
keit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommens
ent
wick
lung an
ge
passten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28
E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Das
Validen
einkommen
von
Selbständigerwerbenden
kann
grundsätzlich aufgrund der Ein
träge im individuellen Konto (IK) bestimmt werden (vgl. Urteile des Eidge
nös
si
schen Versicherungsgerichts U 32/04 vom 6. August 2004 E. 3, I 84/06 vom 10. Mai 2006 E. 4.1 und I 297/02 vom 28. April 2003 E. 3.2.4). Weist das bis Ein
tritt der Invalidität erzielte Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung getretene Schwankungen auf, ist dabei auf den während einer län
geren Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst abzustellen (vgl. Urteil des
Eidg
. Versicherungsgerichts I 316/04 vom 23. Dezember 2004 E. 5.1.1 mit Hin
weisen).
5.2.3
Bezog eine versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. geringe Schul
bildung, fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutschkenntnisse, beschränkte Anstellungsmöglichkeiten wegen
Saisonnierstatus
) ein deutlich unter
durchschnittliches Einkommen, ist diesem Umstand bei der Invaliditäts
be
messung nach Art. 16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern keine Anhaltspunkte da
für bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem bescheideneren Ein
kommensniveau begnügen wollte. Nur dadurch ist der Grundsatz gewahrt, dass die auf invaliditätsfremde Gesichtspunkte zurückzuführenden Lohneinbussen ent
weder überhaupt nicht oder aber bei beiden Vergleichseinkommen gleich
mässig zu berücksichtigen sind. Diese Parallelisierung der Einkommen kann pra
xis
gemäss entweder auf Seiten des
Valideneinkommens
durch eine entsprechende Heraufsetzung des effektiv erzielten Einkommens oder aber auf Seiten des In
va
li
deneinkommens durch eine entsprechende Herabsetzung des statistischen Wer
tes erfolgen (BGE 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen). Eine Paral
le
li
sierung ist indessen nur vorzunehmen, wenn die Differenz zum mass
gebenden Durchschnitt deutlich ist. Deutlich unterdurchschnittlich im Sinne von BGE 134 V 322 E. 4 ist der tatsächlich erzielte
Verdienst, wenn er mindestens 5
% vom branchenüblichen LSE-Tabellenlohn abweicht (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.1.2).
Grundsätzlich schliesst die bundesgerichtliche Rechtsprechung nicht aus, dass auch bei Erwerbstätigen unter Umständen nicht auf das zuletzt erzielte Einkom
men abgestellt wird. Das trifft namentlich bei selbstständig Erwerbenden dann zu, wenn aufgrund der Umstände mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzu
nehmen ist, dass der Versicherte im Gesundheitsfall seine nicht einträgliche selb
ständige Tätigkeit aufgegeben und eine besser
entlöhnte
andere Tätigkeit ange
nom
men hätte, oder dann, wenn die vor der Gesundheitsbeeinträchtigung ausge
übte selbstständige Tätigkeit wegen ihrer kurzen Dauer keine genügende Grund
lage für die Bestimmung des
Valideneinkommens
darstellt, zumal in den ersten Jahren nach Aufnahme der selbstständigen Erwerbstätigkeit üblicherweise
aus ver
schiedenen Gründen (hohe Abschreibungsquote auf Neuinvestitionen etc.) die Betriebsgewinne gering sind. Wenn sich hingegen der Versicherte, auch als seine Arbeitsfähigkeit noch nicht beeinträchtigt war, über mehrere Jahre hinweg mit einem bescheidenen Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit begnügt hat, ist dieses für die Festlegung des
Valideneinkommens
massgebend, selbst wenn besser
entlöhnte
Erwerbsmöglichkeiten be
standen hätten (BGE 135 V 58 E.
3.4.6).
Das Bundesgericht hat denn auch eine Parallelisierung der Einkommen bei selbständig Erwerbenden in der Regel abgelehnt (vgl. BGE 135 V 58 E. 3.4.7; Urteil des Bundesgerichts 8C_196/2013 vom 21. August 2013 E. 3.3 mit Hin
wie
sen).
5.2.4
Der Beschwerdeführer ist seit Dezember 1999 Gesellschafter und Geschäftsführer mit Einzel
zeichnungsberechtigung der
Y._
GmbH
(vgl. Internet-Auszug aus dem Handel
s
register des Kantons Zürich) und gleichzeitig Angestell
ter in seiner eigenen Firma. I
n
seiner
Eigenschaft als Gesell
schafter
kann er
als finan
ziell am Betrieb Beteiligte
r
und als Mitglied
des
obersten betrieb
li
chen Ent
schei
dungs
gremiums die Entscheidungen der Firma
bestimmen
und
mass
geb
lich be
ein
flussen, weshalb ihm eine
arbeitgeberähnliche Stellung
zukommt. Mithin
sind
analog der Bestimmungen zu den
Selbständigerwerbenden
die IK-Ein
träge zur Festsetzung des
Validen
einkom
men
s
hinzuzuziehen
(vgl. E. 5.2.2 hiervor).
Gestützt auf die IK-Auszüge
(Urk. 8/76)
ist erstellt, dass der Beschwerdeführer in den ersten Jahren
(2000 bis 2007)
seit Gründung der GmbH
durchschnittlich
jährlich
- das Einkommen von Fr. 4'800.-- im Jahr 2005 ausgenommen -
Fr.
6
3
’
139
.
ver
diente. Seit 2008 erzielte der Beschwerdeführer hin
gegen immer weniger Lohn, nämlich Fr. 51'881.-- (2008), Fr. 45'803.-- (2009), Fr. 42'035.-- (2010), Fr. 29'335
.--
(2011), Fr. 39'535.-- (2012) und schliesslich im Jahr 2013 Fr. 39'522.--.
Darauf stellte die Beschwerdegegnerin bei der Bemessung des
Vali
deneinkommens
ab
.
Der branchenübliche
(Branche 13-15: Herstellung von Texti
lien und Bekleidung)
Tabellenlohn gemäss der Schweize
risch
en Lohnstruk
tur
erhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik beläuft sich für Männer im Kompetenzniveau 2 auf Fr.
5'388.-- (vgl. LSE 2016, Tabelle TA1, Männer, Branche 13-15, Kompetenzniveau 2).
Hochgerechnet auf die im Jahre
2017
in dieser Bran
che betriebsübliche Arbeitszeit von
41,6 Stunden in der Woche (vgl.
die vom BFS herausgegebene Tabelle Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Woche,
R17
)
und unter Berücksichtigung der
Nominallohn
entwicklung bis ins Jahr 2017 (Bundesamt für Statistik, T
1.10 Nominallohn
index, Männer, 2011 – 2018, Ziff. 31-33
; Stand 2016:
105.7
, Stand 2017:
105.
9
) ergibt sich ein Jahreseinkommen von Fr.
67'369.45
bei einem 100%-Pensum
(Fr. 5'388.-- x 12 : 40 x 41,6 :
105.
7
x
105.
9
)
.
Angesichts dessen, dass
jedoch
weder eine
kurze Dauer
der selb
ständigen Erwerbs
tätig
keit
im Sinne der genann
ten Rechtsprechung
vorliegt, noch
Anzeichen oder Anhaltspunkte dafür
bestehen
, dass
der Beschwerdeführer
ohne die gesund
heit
liche Beeinträchtigung seine Selb
ständigkeit resp. arbeit
geber
ähnliche Stellung zugunsten einer besser
entlöhnten
Tätigkeit aufge
geben hätte, ist nicht zu be
an
standen, dass die Beschwerde
gegnerin
- trotz deutlich unter
durchschnittlich erzieltem Einkommen -
auf eine Parallelisierung der Ein
kommen verzichtet hat
, zumal
das Bundes
gericht eine
Parallelisierung
der Einkommen bei selbständig Erwerbenden in der Regel ablehnt (vgl. E. 5.2.3 in
fine
).
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin lässt sich das
hypothetische
Vali
den
einkommen
jedoch nicht zuverlässig anhand des letzten IK-Eintrags be
stim
men, handelt es sich beim
Valideneinkommen
doch
nicht
um
eine ver
gan
ge
ne, son
dern eine hypothetische Grösse
, die möglichst den über
wiegend wahr
schein
lichen Verlauf der Einkommensentwicklung ohne Gesund
heitsschaden ab
bildet (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_56
7/2013 vom 30.
De
zember 2013 E.
4.5 mit Hinweis). Mit Blick auf die
vom Beschwerdeführer einge
reichten Konto
angaben sowie Bilanz
en (Urk. 3/3-6)
zeigt sich
, dass
der Beschwer
deführer im Jahr 2010 Privat
ein
lagen im Umfang von Fr. 209'797.99 an die
Y._
GmbH
ge
leistet
hatt
e (Urk. 3/4), welches die Firma in den darauf
folgenden Jahren
ratenweise
zurück
bezahlt hat, sodass sie dem Be
schwerde
führer im Jahr 2013 noch Fr. 114'312.39 schuldig war (Urk. 3/6).
Es
ist
über
wiegend wahrscheinlich
da
von auszugehen, dass sich der Beschwerde
führer
im Gesundheitsfall
nach vollständiger Rück
zahlung seiner Privat
einlage wieder
einen Lohn von durch
schnittlich Fr. 6
3
'
139
.-
- ausbezahl
t
.
Darauf ist das
Validen
ein
kom
men
abzustellen.
5.3
5.3.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausge
gebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
5.3
.2
Die
Beschwerdegegnerin bemass das Inv
alideneinkommen ge
stützt auf das stan
dardisierte monatliche Ein
kommen von Fr. 5'340.-- für männliche Hilfskräfte gemäss LSE 2016 (TOTAL in der Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, Männer)
, was grundsätzlich nicht strittig ist. Ausgehend davon, dass der Beschwerdeführer auf
grund des erhöhten Pausen
bedarfs nur
90
% arbeitsfähig ist (vgl. E.
4.
3
hiervor), ist das
standar
di
sier
te mona
tliche Einkommen von Fr.
5'340.-- unter Berück
sichtigung der durchschnittlichen Arbeitszeit im Jahr 2017 von 41,7 Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirt
schafts
abteilungen, R 8) sowie der Nominallohnentwicklung
(Tabelle T
1.10, Total; Stand 2016 : 104.
4, Stand 2017 : 104.8
)
auf ein Jahresein
kommen von Fr.
60'3
53.40
hochzurechnen (Fr. 5'340.--
x 12
: 40 x 41,7 :
104
.
4
x
104
.
8
x 0.9
).
5.
3.3
Soweit die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer aufgrund dessen Auslän
der
status einen Abzug vom Tabellenlohn von 10 % gewährt (Urk. 2 S. 13), ist sie darauf hinzuweisen, dass Männer mit Niederlassungsbewilligung
(Kategorie C)
ohne Kader
funktion zwar weniger als Schweizer verdienen (LSE 2016 T
abelle T12_b,
Männer
, Median
), aber dennoch mehr als das für die Invaliditäts
be
messung herangezogene Durchschnittseinkommen (LSE 2016 Tabelle TA1, Kom
petenz
niveau 1, Männer, Total;
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_132/2020
vom 18.
Juni 2020 E. 5.2 mit Hinweisen).
Selbst wenn der Beschwerdeführer nur über die Aufenthaltsbewilligung B verfügt, ist nicht davon auszugehen, dass
er des
wegen – insbesondere bei einer Hilfstätigkeit im tiefsten Kompetenzniveau - in relevanter Weise weniger verdienen kann (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts I 210/05 vom 10. November 2005 E. 3.5)
.
Im Weiteren
rechtfertigt
der Umstand, dass die versicherte Person zwar ganztags arbeitsfähig, hierbei aber nur reduziert leistungsfähig ist, grundsätzlich
ebenfalls
keinen Abzug vom Tabel
len
lohn (Urteil des Bundesgerichts 9C_421/2017 vom 19. September 2017 E. 2.1.1 unter Hinweis auf Urteil 9C_581/2016 vom 24. Januar 2017 E. 3).
Die Frage, ob das Merkmal Alter mit Blick auf Art. 28 Abs. 4 UVV in der obligatorischen Unfallversicherung überhaupt zu berücksichtigen ist (vgl. dazu Urteil
e des Bundesgerichts
8C_399/2020 vom 28. September 2020 E. 6 mit Hinweis auf SVR 2018 UV Nr
. 15 S. 50, 8C_500/2020 vom 9. Dezember 2020 E. 3.3.2.3), kann offen bleiben,
da die Voraussetzungen für einen altersbedingten Abzug vom Tabellen
lohn ohnehin nicht erfüllt sind, weil Hilfsarbeiten auf dem massgebenden ausgeglichenen Stel
lenmarkt altersunabhängig nachgefragt werden (BGE 146 V 16 E. 7.2.1 mit Hin
weisen).
Ein
zusätzlicher Abzug vom Tabellenlohn
ist ent
sprechend nicht gerecht
fertigt.
5.
4
Wird das
Valideneinkommen
von Fr.
6
3
'
139
.--
dem Invalideneinkommen
von Fr.
60'
353.40
gegen
über
gestellt, resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr.
2'
785.60
oder ein Inva
li
di
täts
grad von gerundet
4
%.
6.
Nach dem Gesagten erweist sich der
Einspracheentscheid
vom 3. April 2020 als rechtens und die Beschwerde ist abzuweisen.