Decision ID: f71f1428-5a3c-4708-a77a-b18efd602c0d
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1957, war von 1980 bis 2007 als IT-Projektleiter bei der
Y._
AG tätig und machte sich daraufhin als
Barbe
treiber
selbständig
(
Urk.
7/6
S.
2 Ziff.
4
)
.
Unter Hinweis auf
psychische B
e
schwerden
sowie Schlaganfälle
meldete sich der
Versicherte
am
6.
Februar 2013 bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/8). Die
Sozialver
sicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisch
e und erwerb
liche Si
tuation ab, und verneinte nach
durchgeführtem
Vorbescheid
ver
fah
ren
(
Urk.
7/14-29)
mit Verfügung vom
2
1.
August 2013 einen Rentenan
spruch (
Urk.
7/30).
Die vom Versicherten am 2
3.
September 2013 (
Urk.
7/40/3-12) dagegen erho
bene
Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 2
2.
September 2013 (
Ver
fahrensnummer
IV.2013.00858) in dem Sinne gut, dass die angefochtene Ver
fügung aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle
zur erneuten Abklärung
zurück
gewiesen
wu
rde
(Urk. 7/43/1-4)
.
1.2
Die IV-Stelle klärte in der Folge die medizinische und erwerbliche Situation erneut
ab.
Im Rahmen des
Vorbescheid
verfahren
s
(
vgl.
Urk.
7/69;
Urk.
7/74,
Urk.
7/
82,
Urk.
7/8
7
) holte
die
IV-Stelle bei
Z._
ein
poly
disziplinäres
Gutachten ein, das am 1
6.
Juni 2015 erstattet wurde (
Urk.
7/123).
In der Folge verneinte sie
nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7/134-135)
mit Verfügung vom
9.
November 2015 (
Urk.
7/134) einen Renten
anspruch des
Versich
erten.
2.
Der Versicherte erhob am 1
0.
Dezember 2015
Beschwerde (
Urk.
1)
gegen die Verfügung vom
9.
November 2015
(
Urk.
2) und b
eantragte, diese sei aufzuhe
ben
und es sei
ihm ab
1.
August 2013 mindestens eine unbefristete
Viertelsrente
zuzusprechen (S. 2
Ziff.
1)
, eventuell sei
en ihm Eingliederungsmassnahmen zu gewähren
(S. 2
Ziff.
2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
9.
Januar 2016
(
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde.
Dies wurde dem Beschwerdeführer am
9.
Febru
ar 2016
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8
).
Gleichzeitig wurde antragsge
mäss (vgl.
Urk.
1 S.
2
Ziff.
3) sein Gesuch um
unentgeltliche Prozessführung
und
Rechts
vertretung
bewilligt.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person
bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu ver
werten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen
Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden
kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versicherten Per
son
sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.4
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne
oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die
Ar
beits
- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentli
chen nur Be
funde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre
hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidi
sierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner
– unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Fol
gen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken
(Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E.
3.2 mit Hinwei
sen).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist
, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in ihrer Verfügung vom 9. November 2015 (Urk. 2)
gestützt auf ihre Abklärungen davon aus,
dass aus psychiatrischer Sicht zwar
Ein
schränkungen bestünden, diese jedoch auf psychosoziale Faktoren zu
rück
zu
führen seien. Aus somatischer Sicht liege keine quantitative Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit vor. Der Beschwerdeführer sei lediglich in Tätigkeiten an ge
fährlichen Maschinen, auf Leitern und Gerüsten und in anderen Gefahren
berei
chen eingeschränkt. Seine bisherige Tätigkeit könne er jedoch weiterhin aus
üben (S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
dass er aus psychiatrischer Sicht
auch in der zwischenzeitlich ausgeübten Tätig
keit als Hauswart/Allrounder sowie in jeder anderen angepassten Tätigkeit zu 70
%
arbeitsunfähig sei. Die psychiatrischen Befunde, welche sich auf
Testre
sultate
stützen würden, hätten laut Beurteilung der Fachärzte Auswirkung auf seine Belastbarkeit
. Somit liege ein invalidisierender Gesundheitsschaden vor, welcher einen Anspruch auf Invalidenleistungen begründe (S. 9).
Es werde be
stritten, dass er über ausreichend R
essourcen verfüge. Im Gegenteil
seien
sämt
liche Arbeitsversuche gescheitert. Es mangle konkret aus gesundheitlichen Grün
den an der Eingliederungsfähigkeit (S. 9 unten). Die Aussage der
Be
schwerde
gegnerin
, wonach die Diagnosen überwindbar seien, da die Sympto
matik nicht in allen Lebensbereichen ausgeprägt sei, sei nicht nachvollziehbar
(S. 10)
.
Da es der Beschwerdegegnerin
nicht gelinge, begründete Zweifel gegen das MEDAS-Gutachten vom 1
6.
Juni 2015 zu erheben, sei aufgrund der fach
ärztlichen
Kons
iliarbeurteilung
eine 70%ige Erwerbsunfähigkeit aus psychiatri
scher Sicht aus
ge
wie
sen (S. 11).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
somit
die Arbeitsfähigkeit sowie ein allfälliger Anspruch
de
s Beschwerdeführers
auf
eine Rente.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, berich
tete am 2
7.
Februar 2013 (
Urk.
7/11/5-9) und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
Status nach Erschöpfungsdepression 2006 (ICD-10 F32.11)
erneute psychophysische Dekompensation 2010 unter anhaltender psy
chosozialer Belastung (aktuell ICD-10 F33.00)
chronische therapieresistente Schlafstörung (ICD-10 F51.0) bei
Restless
-
Legs
-Syndrom mit
Status nach chronischer
Dormicum
-Einnahme bis 2012, aktuell regel
mässige
Seresta
forte-Einnahme (ICD-10 F19.1)
posttraumatische Persönlichkeitsveränderung (ICD-10 F62.0)
unklare Verwirrtheits- und
Amnesiezustände
: Differentialdiagnose
(DD) medikamentös, dissoziativ, epileptisch, respektive Verdacht auf transito
rische ischämische Attacke im
vertebro-basilären
Stromgebiet, DD
Dor
micum
indiziert, epileptisch, weiterhin unklar
Sie führte aus,
dass
s
ie den Beschwerdeführer von Mai 2006 bis August 2010 behandelt habe und nun seit Februar 2012
wieder behandle (S.
1
Ziff.
1.2).
Der Beschwerdeführer liebe Herausforderungen, habe hierbei den Eindruck, sich erst dann zu entwickeln. Er sei jedoch deswegen seit langem überfordert in einer ausgesprochen schwierigen Belastungssituation. Er stehe enorm unter Druck, sei häufig unruhig und getrieben, gelegentlich eh
e
r zurückgezogen wirkend, resig
niert, müde und erschöpft.
Unter Verbesserung der finanziellen und sozialen Situation könne mittelfristig vermutlich eine Beruhigung eintreten. Eine Rück
kehr in den ursprünglichen Arbeitsbereich sei wiederholt versucht worden und sei leider nicht mehr möglich (S. 2
Ziff.
1.4).
Aktuell fänden entsprechend dem Befinden eine sozialpsychiatrische Begleitung und eine
supportive
Therapie statt. Das Setting sei lange wöchentlich gewesen, seit der Besserung nun in vierzehntäglichen bis einmonatigen Abständen (S.
3
Ziff.
1.5).
Im Jahre 2000, im Jahre 2006 bis Mai sowie von Januar 2012 bis August 2012 habe
für die an
gepasste
Tätigkeit als Projektleiter im IT-Bereich
eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit bestanden
(S.
3
Ziff.
1.6)
.
Es bestünden intermittierend unklare Bewusst
seinsveränderungen (motorisch, sprachlich, kognitiv auffällig), der Ellbogen sei wegen e
iner
chronischen Bursitis
beschränkt belastbar
, ausserdem bestehe eine reduzierte Belastbarkeit unter anhaltend grosser Belastung sowie eine Müdigkeit wegen der Schlaflosigkeit (S. 3
Ziff.
1.7).
Es könne mittelfristig mit der Wieder
aufnahme einer Tätigkeit zu 100
%
im angepassten Bereich gerechnet werden (S. 4
Ziff.
1.9).
3.2
Die Ärzte der
B._
berichteten am 2
2.
April 2014 über
die
Hospitalisation
des Beschwerdeführers vom 1
1.
September bis
4.
Oktober 2013
(
Urk.
7/62) und nannten folgende Diagnosen (S. 1):
psychophysische Erschöpfung
hyperkinetische Bewegungsstörung unklarer Genese
rezidivierende depressive Störung, aktuell
leichtgradig
(ICD-10 F33.0)
Status nach Erschöpfungsdepression 2006 und 2011
Status nach schwerer Traumatisierung in der Kindheit
Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung
chronische therapieresistente Schlafstörungen
Verdacht auf Status nach TIA im
vertebrobasilären
Stromgebiet am 1
1.
Mai 2012 unklarer Genese
chronische Bursitis
olecranie
2012
Status nach SAPHO-Syndrom 2000
Status nach Hypothyreose bei Status nach Adenom und
Radioiodthera
pie
2010
Sie führten aus, die Therapieziele
seien
die psychophysische
Rekonditionierung
mit Verbesserung des Schlafes, Verbesserung der Selbstsorge, Steigerung der Leis
tungsfähigkeit sowie das Erlernen und Anwenden von
Entspan
nungstech
niken
gewesen
(S.
2 oben). Beim Beschwerdeführer sei eine rezidivie
rende depressive Störung bekannt, bei schwerer Traumatisierung in der Kind
heit, mit Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung. Aktuell habe es nebst der Erschöpfung deutliche Hinweise für Kränkung, unterstützungsbedürf
tige
Selbst
sorge
und Abgrenzung gegeben. Der Beschwerdeführer sei während des Aufent
haltes stets äusserst motiviert gewesen, an den Faktoren etwas zu ändern, auch wenn weiterhin sicherlich Unterstützungsbedarf bestehe (S. 2 un
ten).
3.3
Die Ärzte der
Z._
erstatteten ihr polydisziplinäres Gutachten am 1
6.
Juni
2015 (
Urk.
7/123)
,
gestützt auf die Akten sowie die Untersuchungen des Beschwerdeführers.
Sie nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beits
fähigkeit (S.
6):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1)
dissoziative Amnesie (ICD-10 F44.0)
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, paranoiden und emotional instabilen Anteilen (ICD-10 F61)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (S. 6):
Schlafapnoe-Syndrom
c
hronische Insomnie unklarer Genese (ICD-10 F51.0): Differentialdiag
nose (DD): im Rahmen Depression, bei periodischen Beinbewegungen im Schlaf (PLMS)
Nikotinabusus
Adipositas
Verdacht auf dissoziative Anfälle / prolongierte Zustände (ICD-10 F44.5)
Hypothyreose
hyperkinetische Bewegungsstörung / Bewegungsunruhe unklarer Genese, seit der Kindheit bestehend, intermittierend akzentuiertes Auftreten
leichte neurokognitive Störung unklarer Ätiologie
Status nach chronischer
Benzodiazepineinnahme
bis 2013 (ICD-10 F13.2)
Sie führten aus,
dass sich aus somatischer Sicht in der nächtlichen
Pulsoxymet
rie
ein berechneter Apnoe-
Hypopnoe
-Index von 57/h gezeigt habe. Sollte dieses
Ergebnis in einer respiratorischen Polygraphie bestätigt werden, würde dies einem schweren Befund entsprechen und könne Auswirkungen auf die Leis
tungsfähigkeit haben.
Aus neurologischer Sicht sei zunächst festzuhalten, dass der Verdacht auf disso
ziative Anfälle / prolongierte Zustände per se keine neurologische Diagnose sei. Sie sei jedoch zu nennen, da diskutiert werden müsse, warum vorliegend keine Epilepsie im klassischen Sinne diagnostiziert werden könne und deshalb für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers das psychiatrische Teilgutachten massgebend sei
(S. 7 oben)
.
Der Zustand im Mai 2012 sei primär als transitorische ischämische Attacke
des
vertebrobasilären
Stromgebietes gewertet
worden. Nachweislich sei in der
da
mals durchgeführten
Bildgebeung
kein Hinweis für eine frische Ischämie ge
sehen worden. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer
lysiert
worden sei, sei kein Beweis für das Vorliegen einer
cerebralen
Ischämie. Bei Verdacht auf Hirnstammischämie sei die Bereitschaft meist hoch, auch ohne eindeutige Hin
w
ei
se für eine Ischämie und ohne ausführlichen Ausschluss anderer Differenzi
aldiagnosen
eine
Lys
e
(therapeutische Auflösung von Abflusshindernissen im Körper)
durchzuführen.
Dies nicht zuletzt aufgrund der Gefähr
lichkeit der Verdachtsdiagnose mit dem dazu relativ geringen Risiko einer fata
len Neben
wir
kung unter
Thrombolyse
. Auch wenn es sich um eine TIA
(transitorische ischä
mische Attacke)
gehan
delt hätte, habe der Zustand
da
nach ohne dadu
r
ch bedingte objektivierbare klinische Ausfälle
keinen Einfluss auf die generelle Arbeitsfähigkeit (S. 7 f.).
Am Vorliegen einer PMLS sowie einer rhythmischen Bewegungsstörung in der Nacht bestünden hingegen kaum Zweifel, zumal dies im Rahmen einer spezifi
schen Schlafdiagnostik verifiziert worden sei. Der Nachtschlaf des Beschwerde
führers sei dadurch bestimmt eingeschränkt. Eine signifikante Einschränkung bezüglich der Arbeitsfähigkeit ergebe sich daraus jedoch nicht
(S. 8 oben)
.
Die neuropsychologischen Befunde entsprächen einer leichten neurokognitiven Störung unklarer Ätiologie. Das Ausfallprofil mit Minderleistungen des verbal-episodischen Gedächtnisses, der Gnosis
und der Praxis sei hirntopographisch nicht eindeutig zuzuordnen
(S. 8 unten)
.
Aus psychiatrischer Sicht bestünden beim Beschwerdeführer seit langer Zeit Niedergeschlagenheit,
Anhedonie
und rasche Ermüdbarkeit sowie Antriebslosig
keit. Damit seien alle drei Hauptsymptome für eine depressive Episode nach ICD-10 erfüllt.
An Zusatzsymptomen bestünden Störungen der Konzentration, Insuffizienzgefühle und Todesgedanken. Das Zeitkriterium von mindestens zweiwöchigem Bestehen der Symptome sei erfüllt. Demnach liege eine mittel
gradige depressive Episode nach ICD-10 vor. Dies werde durch das Ergebnis des BDI
(Beck Depression
Inventory
)
gestützt.
Da der Beschwerdeführer in der Vergangenheit mehrere depressive Episoden gehabt habe, könne eine rezidi
vie
rende depressive Störung, gegen
wärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1)
,
diagnostiziert werden (S. 9 unten).
Gemäss
den
Foerster
-
Kriterien müsse ein Einfluss der dissoziativen Amnesie auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers angenommen werden, da mit der rezidi
vierenden depressiven Störung eine Komorbidität von erheblicher Schwere zu
grunde liege. Trotz jahrelanger konsequenter ambulanter psychiatrischer Be
handlung sei es zu keiner Besserung gekommen. Die bisherigen Behandlungs
versuche seien dementsprechend als
frustran
zu bewerten (S. 11 unten).
Aus gesamtmedizinischer Sicht würden die psychiatrischen Befunde überwiegen und hätten eine Auswirkung auf die Belastbarkeit
.
Die vom Beschwerdeführer geäusserten Symptome und die in Vorbeurteilungen erhobenen Befunde liessen sich schwer einem konkreten und genau definierbarem Profil zuordnen, was die neuropsychologische und psychiatrische Beurteilung facettenreich erscheinen lasse. Zu erwähnen sei, dass relevante anderweitig Einfluss nehmende Patholo
g
ien nicht objektivierbar seien (S. 12 oben).
Aus dem
internmedizinischen
und dem neurologischen Fachbereich lägen keine
Erkrankungen vor, die die Arbeitsfähigkeit wesentlich einschränken würden. Aus
pneumologischer
Sicht könne das Schlafapnoe-Syndrom die Leistungsfä
higkeit tagsüber beeinflussen. Dieses sei jedoch in den Rahmen der neuropsy
cholo
gi
schen und psychiatrischen Beurteilung einzuordnen, nehme hier eine unterge
ordnete Funktion ein und sei somit nicht relevant für eine Arbeitsunfä
higkeit.
Die rezidivierende depressive Störung bestehe seit mindestens 2006, ebenso wie die dissoziative Amnesie. Bei der kombinierten Persönlichkeitsstörung sei von einem Beginn in der Adoleszenz auszugehen. Vermutlich sei der Beschwerde
führer bei stabilen beruflichen und privaten Verhältnissen lange Zeit kompen
siert gewesen, und es sei im Rahmen des beruflichen und privaten Stresses ab 2006 zu einer Dekompensation gekommen (S. 12).
Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit durch die Symptome der de
pressiven Episode deutlich beeinträchtigt. Schlafstörungen, reduzierter Antrieb, erhöhte Ermüdbarkeit, Freud- und Interessenlosigkeit führten zu mittelgradig ver
minderter Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit und würden in Kombina
tion mit den Konzentrationsstörungen eine Arbeitsfähigkeit in praktisch allen Bereichen deutlich reduzieren. Die dissoziative Amnesie und die kombinierte
Per
sönlichkeitsstörung
würden durch verminderte Anpassungsfähigkeit und Be
lastbarkeit zu einer weiteren Reduktion der Arbeitsfähigkeit führen.
Die Leis
tungen der Exekutivfunktionen sowie der übrigen geprüften kognitiven
Funkti
onsbereiche
seien mehrheitlich als unauffällig zu werten und könnten bei der Arbeitstätigkeit nutzbringend verwertet werden. Aus psychiatrischer Sicht be
stehe als Ressource eine hohe Motivation, zu arbeiten
(S. 13)
.
Aus psychiatrischer Sicht bestehe für die angestammte Tätigkeit in der IT-Bran
che durch die rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig mittelgradiger depressiver Episode eine Arbeitsunfähigkeit von 55
%
, durch die
Zusatzdiag
nosen
ergebe sich eine gesamthafte Arbeitsunfähigkeit von 70
%
. Für die
Rest
arbeitsfähigkeit
sei ein Einsatz an fünf Wochentagen mit begrenzter Stunden
zahl in einem Betrieb mit klaren Strukturen ideal.
Der Beschwerdeführer sei auch in der zwischenzeitlich ausgeübten Tätigkeit als Hauswart / Allrounder so
wie in jeder anderen angepassten Tätigkeit / Verweistätigkeit zu 70
%
ar
beits
un
fähig
(S. 15)
.
Grundsätzlich sei die Prognose angesichts der nun schon lange bestehenden rezidivierenden depressiven Störung, mit zahlreichen Episoden in den letzten Jahren, und der begleitenden Persönlichkeitsstörung eher schlecht. Die
Persön
lichkeitsstörung
müsse als limitierender Faktor in der Behandlung der Depres
sion und somit Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit angesehen werden. Eine Neubeurteilung der Arbeitsfähigkeit in zwei Jahren sei sinnvoll (S. 16).
3.4
Dipl. med.
C._
, Facharzt für Neurologie, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, nahm am 2
5.
Juni 2015 Stellung (
Urk.
7/133/2-3) und führte aus, dass das Gut
achten der
Z._
die formalen Qualitätskriterien erfülle, nachvollziehbar und in seinen medizinischen Schlussfolgerungen plausibel sei.
Gemäss Gut
achten sei
ab Januar 2012 in der angestammten Tätigkeit von einer 70%igen Ar
beitsunfähigkeit auszugehen. In einer angepassten Tätigkeit gemäss
Belas
tungs
profil
bestehe eine 30%ige Restarbeitsfähigkeit seit Januar 2012, welche gege
benenfalls auf 50
%
gesteigert werden könne bei beruflicher Unterstützung und Besserung der Depression.
3.5
Dr.
A._
berichtete am 2
1.
November 2015 (
Urk.
3/5) und führte aus, dass
es
im Verlauf des Frühlings 2014 zunehmend zu einer Eskalation mit dem
Sozial
dienst
der damaligen Wohngemeinde gekommen sei. In der Zeit der Begut
ach
tung Ende 2014/Anfang 2015 habe sich der Gesundheitszustand des Be
schwer
deführers ein wenig stabilisiert. Trotzdem hätten die Gutachter dem Be
schwer
deführer eine mindestens 70%ige Arbeitsunfähigkeit im angestammten wie auch im adaptierten Bereich attestiert (S.
1). Erfreulicherweise sei die
psy
cho
pharmakologische
Medikation nach multiplen Versuchen nun anhaltend opti
miert. Grundsätzlich seien sich der psychiatrische Gutachter und sie diag
nos
tisch völlig einig, auch wenn codierungsmässig ein Unterschied bestehe.
Im an
gestammten und behinderungsangepassten Bereich bestehe aufgrund
d
es aus
gewiesenen psychiatrischen Beschwerdebildes bis auf weiteres nur eine stun
den
weise, maximal eine 30%ige Arbeitsfähigkeit.
Die Prognose sei insge
samt eher ungünstig. Die Behandelbarkeit der rezidivierenden depressiven Stö
rung
werde durch die multiplen Co-
Morbiditäten
trotz intensiver psychiatrisch-psy
ch
o
therapeutischen Bemühungen stark eingeschränkt (S. 2).
4.
4.1
Zu prüfen ist, ob ein eigenständiges, die Arbeitsfähigkeit einschränkendes psy
chisches Leiden vorliegt.
Die den Beschwerdeführer seit Mai 2006 behandelnde Psychiaterin
Dr.
A._
nannte in ihrem Bericht vom 2
7.
Februar 2013 (vgl. vorstehend E. 3.1)
als
psy
chia
t
rische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
einen Status nach Erschöpfungsdepression, eine erneute psychophysische Dekompensation 2010, eine chronische therapieresistente Schlafstörung, eine posttrauma
tische
Per
sönlichkeitsveränderung
sowie unklare Verwirrtheits- und
Amnesiezustände
.
Dr.
A._
ging aus psychiatrischer Sicht von einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit im IT-Bereich aus.
Die Gutachter der
Z._
nannten gestützt auf ihre Untersuchungen anläss
lich der Begutachtung im Juni 2015 (vgl. vorstehend E. 3.3)
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F33.1), eine disso
ziative Amnesie (ICD-10 F44.0) sowie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, paranoiden und emotional instabilen Anteilen (ICD-10 F61), und führten aus,
dass eine
psychisch eingeschränkte Belast
barkeit
bestehe
.
Sie nannte
n
eine Arbeits
un
fähigkeit
in
der
bis
herigen
Tätigkeit in der IT-Branche sowie für Verweistätigkeiten
von
7
0 %
.
In ihrer Stellungnahme von November 2015 (vgl. vorstehend E. 3.5) führte
Dr.
A._
aus, dass sie mit dem psychiatrischen Gutachter diagnostisch grund
sätzlich übereinstimme, auch wenn codierungs
mässig ein Unterschied be
stehe, und dass aufgrund des
ausgewiesenen psychiatrischen Beschwerdebildes
des Be
schwerdeführers
bis auf weiteres nur eine stundenweise, maximal eine 30%ige Arbeitsfähigkeit
bestehe
.
4.2
Gestützt auf die angeführten ärztlichen Stellungnahmen ist davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer
an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegen
wärtig mittelgradige Episode,
einer dissoziativen Amnesie sowie an einer kom
binierten Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, paranoiden und emotional instabilen Anteilen leidet.
Der codierungsmässige Unterschied betreffend die Diag
nosen ist am Ende nicht von Bedeutung, da sich
Dr.
A._
als behandelnde Psy
chiaterin und die Gutachter der
Z._
bezüglich der Einschätzung der Ar
beitsfähigkeit nicht widersprechen.
Im Gutachten der
Z._
wurden die
Vorakten
berücksichtigt und
– soweit möglich –
gewürdigt
(vgl.
Urk.
7/123 S. 37 f., S. 53, S. 68). Des Weiteren fanden die Angaben des Beschwerdeführers sowie sein Verhalten anlässlich der persön
lichen Untersuchungen Eingang in die gutachterlichen Beurteilungen.
Die im Gut
achten hinsichtlich Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit gezogenen Schlussfolgerungen leuchten in der Darlegung der medizinischen Zusammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Davon ging auch RAD-Arzt
dipl.
med.
C._
aus (vgl. vorstehend E. 3.4).
Die Beschwerdegegnerin zweifelte sodann den Beweiswert des eingeholten Gut
achtens nicht an.
Die im Gutachten aus psychiatrischer – und letztlich auch aus
inter
disziplinärer – Sicht für die angestammte wie
auch eine angepasste Tätigkeit attestierte 70%ige Arbeitsunfähigkeit bezeichnete sie in Anbetracht der diagnos
tizierten rezidivierenden Störung
, der dissoziativen Amnesie sowie
der
kombi
nier
ten
Persönlichkeitsstör
ung indes als invalidenversiche
r
u
ngsrechtlich
nicht rele
vant (vgl. vorstehend E. 2.1). Dabei stützte sie sich offensichtlich auf die im
Fest
stellungsblatt
vom
9.
November
2015
vermerkte
Konsistenz
prüfung (
Urk.
7/
133
S.
6
).
4.3
F
ür
die Annahme eines invalidisierenden Gesundheitsschadens
bedarf es grund
sätzlich
einer fachärztlichen Diagnose, die sich lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abstützt (BGE 130 V 396 E.
6, Urteil des Bundesgerichts 9C_510/2009 vom 3
0.
August 2010 E.
3.2.3). Im Rahmen der freien Beweiswürdigung (
Art.
61
lit
. c ATSG) darf sich dabei die Verwaltung
und im Streitfall das Gericht - weder über die den beweisrechtlichen Anfor
derungen (BGE 125 V 351 E.
3a) genügenden medizinischen
Tatsachen
fest
stellun
gen
hinwegsetzen noch sich die ärztlichen Einschätzungen und Schluss
folge
rungen zur (Rest-)Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer konkreten
sozialver
siche
rungsrechtlichen
Relevanz und Tragweite zu eigen machen. Die
rechtsan
wen
denden
Behörden haben mit besonderer Sorgfalt zu prüfen, ob die ärztliche Ein
schätzung der Arbeitsunfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichts
punkte (insbe
sondere psychosoziale und soziokulturelle
Belastungs
faktoren
) mit
be
rück
sic
h
tigt
, welche vom sozialversicherungsrechtlichen Stand
punkt aus unbe
acht
lich sind
(Urteil des Bundesgerichts 9C_176/2011 vom 29. Juni 2011 E.
4.2 mit Hin
wei
sen).
Ausserdem
kann nach der höchstrichterlichen Recht
sprechung auch eine diagnos
ti
zierte
mittelschwere depressive Episode eine IV
rechtlich relevante Be
ein
träch
ti
gung der
Leistungsfähigkeit und damit eine (Teil
)Invalidität bewir
ken (vgl. Ur
tei
l
des Bundesgerichts 9C_890/2010 vom 20. Juni 2011 E. 5.3, Urteil 9C_1041/2010
vom 30. März 2011 E. 5.2).
4.4
Die im interdisziplinären Gutachten der
Z._
attestierte Arbeitsun
fähig
keit von 70
%
für die angestammte sowie eine angepasste Tätigkeit
gemäss
be
schriebenem Profil wurde zur Hauptsache mit
den Symptomen der rezidivie
ren
den depressiven Störung sowie in Kombination mit der dissoziativen Amne
sie
und der kombinierten Persönlichkeitsstörung im Sinne verminderter An
passungs
fähigkeit und Belastbarkeit sowie Konzentrationsstörungen begründet.
Aufgrund
der Akten ist nicht ersichtlich, dass i
nvaliditätsfremde psychosoziale und moti
vationale Faktoren
bei der B
eurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die Gutachter Berücksichtigung gefunden hätten.
Im psychiatrischen Teilgutachten legte die Gutachterin in nachvollziehbar begründeter Weise dar, dass die ein
geschränkte Arbeitsfähigkeit auf die Schlafstörungen, den reduzierten Antrieb, die erhöhte
Ermüdbarkeit, Freud- und Interesselosigkeit sowie Konzentrations
störungen zurück
zuführen sei (vgl.
Urk.
7/123 S. 67 f.).
4.5
Vor dem Hintergrund dieser medizinischen Aktenlage hat das Vorliegen eines fachpsychiatrisch festgestellten, krankheitswertigen depressiven Leidens und einer Persönlichkeitsstörung als ausgewiesen zu gelten, und es besteht kein Anlass, von der gutachterlich attestierten, aus der Störung und Depressivität resul
tierenden Arbeitsunfähigkeit von 70
%
abzuweichen und deren invali
di
sierende Wirkung zu verneinen
.
Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit steht
ausserdem
mit der facettenreichen
R
echtsprechung
zur Auswirkung einer mittelgradigen Depr
ession auf die Arbeits
fähigkeit in Übereinstimmung
. So findet man etwa im Urteil des Bun
desge
richts 9C_980/2010 vom 20. Juni 2011 die Unterscheidung zwischen einer de
pressiven Episode und einer depressiven Störung (E.
5.3). Gemäss Urteil des Bundesge
richts 8C_953/2010 vom 29. April 2011 reicht sodann eine leichte de
pressive Episode zur Anerkennung eines dauerhaften invalidisierenden
Gesund
heits
schadens
nicht aus (E.
5.3), wobei im Urteil des Bundesgerichts 8C_808/2009 vom 4. Januar 2011 festgehalten wurde, dass
sogar
auch eine leichte depressive
Episode im Einzelfall die Arbeitsfähigkeit erheblich beeinträchtigen könne, wenn
sie zusammen mit anderen Befunden – wie etwa eine
r
ernsthafte
n
Persön
lich
keitsstörung
– auftrete (E. 4.3).
Gemäss Urteil des Bundesgerichts 9C_1041/2010 vom 30. März 2011 erscheint
es allerdings nicht bundesrechtswidrig, eine relevante Einschränkung der Arbeits
fähigkeit wegen einer leichten bis mittelgradigen depressiven Episode an
zu
neh
men (E. 5.2). Auch im Urteil 9C_210/2012 vom 9. Juli 2012 äusserte sich das Bundesgericht dahingehend, eine invalidisierende Wirkung einer mit
tel
schweren depressiven Störung sei, sofern sie nicht bloss eine Begleiterschei
nung einer Schmerzkrankheit darstelle, nicht von vornherein auszuschliessen (E. 4.2).
Nach dem Gesagten steht jedenfalls fest, dass die Rechtsprechung in Bezug auf die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Störung, wie sie beim Beschwer
deführer vorliegt, Raum lässt, um eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in relevantem Ausmass zu berücksichtigen.
Dies insbesondere, da sie vorliegend
zu
sammen mit einer kombinierten Persönlich
keitsstörung und dissoziativer A
mnes
i
e
besteht.
Auch vor diesem Hintergrund fehlt für das Abweichen der Beschwerdeführerin vom Gutachten der
Z._
ein plausibler Grund, weshalb ihre Begründung nicht zu überzeugen und
sie
das Gutachten nicht zu entkräften ver
mag.
4.6
Es bleibt
schliesslich
anzumerken, dass selbst w
enn
die psychosozialen
Belas
tungsfaktoren
– Verlust der Arbeitsstelle,
Ehescheidung, finanzielle Probleme
- bei der Genese und der Aufrechterhaltung des depressiven
Be
schwerdebildes
des Beschwerdeführers
mitverantwortlich sein mögen,
heute klar ein verselbstän
digter psychiatrischer Gesundheitsschaden vor
liegt
.
So
weit die
Beschwerdegeg
nerin
argumentiert, die psychischen Beeinträch
ti
gun
g
en de
s Beschwerdeführers
fänden in weiten Teilen ihre Erklärung in den psy
chosozialen
Belastungsfak
toren
, so kann ihr deshalb in Nachachtung der
bundes
gerichtlichen
Rechts
pre
chung (vgl. vorstehend E. 1.4
) nicht gefolgt werden.
4.7
Zusammenfassend ergibt sich somit, dass beim Beschwerdeführer ein
invaliden
versicherungsrechtlich relevanter psychischer
Ge
sund
heitsschaden
besteht
und
seine
Arbeitsfähigkeit für
die angestammte wie auch für eine angepasste
Erwerbs
tätig
keit um
insgesamt 7
0 % eingeschränkt ist.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt, wie sich die festgestellte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Erwerbsbereich auswirkt.
Gemäss
Art. 29 Abs. 1 IVG
entsteht
der
Rentenanspruch frü
hestens nach Ablauf von sechs Monaten nach
der
Geltendmachung des
Leis
tungsanspruchs
.
Vorlie
gend meldete sich der Beschwerdeführer am 6. Februar 2013 zum Bezug einer Rente an (vgl. Urk. 7/8), weshalb in
Anwendung von Art. 29 Abs. 1 IVG von einer Entstehung des Renten
anspruchs frühestens im August 2013 auszu
gehen ist.
F
ür
die
Invaliditäts
bemessung
und insbesondere den
Ein
kommens
vergleich
sind
die Verhältnisse im Jahre 2013 massgebend.
5.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensent
wicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung ent
spricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt wor
den
wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen).
5.3
Bei der Ermittlung des ohne Gesundheitsschaden erzielbaren Einkommens (
Vali
deneinkommen
) ist entscheidend, was die versicherte Person
im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns
aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und
per
sönlichen Umstände mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ohne den
Gesund
heitsschaden
, aber bei sonst unveränderten Verhältnissen verdienen würde
(RKUV
1993 Nr. U 168 S. 100 f. E
. 3b
).
Die Einkommensermittlung hat so konkret wie mög
lich zu erfolgen.
Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls
der Teuerung und der realen Ein
kommensentwicklung angepassten Verdienst ange
knüpft, da erfahrungs
ge
mäss
die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BG
E 135 V 59 E. 3.1).
5.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-er
werblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht
. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, na
mentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhe
bun
gen
(LSE) heran
gezogen werden (BGE 126 V 75 f. E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E.
4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standar
di
sierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen,
dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zu
grunde liegt, wes
halb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende
be
triebsübliche
Wo
chen
arbeitszeit
aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 f. E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
5.5
Der Beschwer
deführer war bis 2007 als IT-Projektleiter tätig und machte sich da
nach als Barbetreiber selbständig, wobei er diese Tätigkeit im November 20
11 aufgab (vgl.
Urk.
7/6 S. 2). Seit
Februar 2012
ist der Beschwerdeführer arbeitslos
und
wird
von der Sozialhilfe unterstützt
.
Somit ist zu berücksichtigen, dass ein stabiles Arbeitsverhältnis bereits mehrere Jahre zurückliegt, weshalb es sich unter diesen Umständen rechtfertigt,
sowohl für die Bemessung des Vali
den- als auch des Invalideneinkommens
auf die statistischen Werte der
LSE
abzustellen, wobei beide Vergleichseinkommen ausgehend vom selben
Tabel
lenlohn
(
LSE 20
10
, S. 26, Tabellengruppe TA1, Total, Männer,
Anforderungsni
veau
4)
zu er
mitteln sind. Somit kann
hier
von der ärztlich ge
schätzten
Ar
beits
(
un
)
fähigkeit
ohne Weiteres - unter Berücksichtigung eines allfälligen Ab
zugs vom
Tabel
len
lohn
- auf einen entsprechenden
Invaliditäts
grad
geschlossen und damit ein Prozentvergleich vorgenommen werden (BGE 134 V 322 E.
4.1; Urteile des Bun
desgerichts 9C_192/2014 vom 23. September
2014 E.
3.2 und 8C_450/2014 vom
24. Juli 2014 E. 7.3).
Aufgrund des
aus psychischer Sicht einschränkenden Belastungsprofils sowie der
Tatsache, dass der Beschwerdeführer nur noch teilzeitlich erwerbstätig sein kann
(vgl. BGE 126 V 75 E. 5, Urteil des Bundesgerichts 8C_20/2012 vom 4. April 2012 E. 3.2), erscheint vorliegend ein Abzug vom Tabellenlohn von 15 %
als angemessen.
Folglich
entspricht das mit der attestierten Arbeitsfähigkeit von 30 % erzielbare Invalideneinkommen 25.5 % des
Valideneinkommens
(30 % x 0.85), womit die Einkommenseinbusse und damit der
Invaliditätsgrad
7
4.5
%
und gerundet 75 % beträgt und
dem Beschwerdeführer ab dem 1.
August
20
13
eine
ganze
Inva
liden
rente zusteht (
vgl.
vorstehend E. 1.
2
).
Mit dieser Feststellung und in
Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung somit aufzuheben.
6.
6.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige
rung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert innerhalb des gesetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr.
8
00.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
6.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Vorliegend ist die Prozessentschädigung
nach Ein
sicht in die Honorarnote vom 4. März 2016 (Urk. 11/1-2) und
beim mass
geblichen Stundena
nsatz von Fr. 220.-- auf Fr.
1
‘
822
.
20
(inkl. Barauslagen
und Mehrwert
steuer) festzulegen und von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen.