Decision ID: 966e358b-3b66-40bc-93ea-ff77c7896722
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1975, war seit dem 1. September 2016 als Fach
angestellte Gesundheit (
F
a
G
e
) im
Y._
angestellt (Urk. 10/A1, Urk.
10/M2 S. 1
)
und dadurch bei der AXA Versicherungen AG obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Gemäss Schadenmeldung
vom 25. Januar 2018
erlitt die Versicherte
am 14. Januar 2018 eine
n Verkehrsunfall
.
Sie
sei
mit ihrem Auto auf eine Ampel zugefahren. Als das Signal auf
O
range gewechselt habe, habe sie normal abgebremst, bis ihr Auto zum Stillstand gekommen sei. Das Auto hinter
ihr
sei daraufhin in ihr Auto gefahren und habe es nach vorne geschoben.
Anlässlich der Auffahrkollision habe sie
sich eine Ver
letzung an der Halswirbelsäule zugezogen
(Urk. 10/A1).
Gleichentags
begab sich die Versicherte in
die Notfallaufnahme des
Z._
, wo ein
kraniozervikales
Beschleunigungstrauma festgestellt wurde
. Sie wurde gleichentags
unter Abgabe von Schmerzmitteln nach Hause entlassen
(Urk. 10/M2).
In der Folge
nahm sie weitere
ärztliche Behandlung
en in Anspruch
(Urk. 10/M1, Urk. 10/M3-M11).
A
b dem 12. Februar 2018
wurde ihr
eine
anhal
tende
Arbeitsunfähigkeit
in unterschiedlichem Ausmass
attestiert
, zuletzt 100 %
ab
dem 2. Juli 2018 bis auf Weiteres
(Urk. 10/M1 S. 2
, Urk. 10/M3, Urk. 10/M6
, Urk. 10/M13 S. 3
).
Am 9. August 2018 informierte die Invalidenversicherung über die Anmeldung der Versicherten zum Leistungsbezug (Urk. 10/A18).
Aufgrund persistierender Beschwerden veranlasste die AXA Versicherungen
AG
am 24. August 2018 (Urk. 10/A22) eine neurologische sowie rheumatologische kon
siliarische Untersuchung, welche am 12. respektive
18
. September 2018 durchge
führt wurde (
Gutachten
vom
18. und 24. September 2018, Urk. 10/M12-13).
Die AXA Versicherungen erbrachte vorerst
die gesetzlichen Leistungen
(Urk. 10/
A
16, Urk. 10/A34 S. 2). Mit Verfügung vom 15. März 2019 stellte sie diese gestützt auf die Stellungnahme ihres
beratenden Arztes
vom 13. März 2019
per 30. September 2018 ein (Urk. 10/A26
, Urk. 10/
M15
).
Dagegen erhob die Versicherte am 12. April 2019 Einsprache
(Urk. 10/A36)
, woraufhin die AXA Versicherungen
AG
ergän
zende medizinische Abklärungen tätigte (Urk. 10/M17) und nochmals zwei Stellungnahmen ihrer beratenden Ärzte vom 10. September und 9. Dezember 2019 einholte (Urk. 10/M16
, Urk. 10/M18). Gestützt darauf wies sie die Einspra
che der Versicherten am 18. Dezember 2019 ab (Urk. 10/A45 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 31. Januar 2020 Beschwerde und beantragte, es sei der
Einspracheentscheid
vom 18. Dezember 2019 aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr die gesetzlichen Leistungen auszurichten
(
Urk.
1 S. 2)
. Mit Beschwerdeantwort vom 5. Mai 2020 schloss die Beschwerde
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9). Dies wurde der Beschwerde
führerin mit Verfügung vom 8. Mai 2020 mitgeteilt (Urk. 11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss
des Bundesgesetzes
über die Unfallversicherung (UVG)
setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausal
zusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammen
hangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheit
licher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.
2
Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit,
Visusstörungen
, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung und so weiter vor, so ist der natürliche Kausal
zusammenhang
zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- be
ziehungsweise Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen. Es ist zu betonen, dass es gemäss obiger Begriffsumschreibung für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte gesund
heitliche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 359 E. 4b).
Als Grundlage für die Kausalitätsbeurteilung bei Schleudertrauma der Halswir
belsäule und vergleichbaren Verletzungen ist nebst einer genügenden Erstab
klärung zu verlangen, dass eine eingehende medizinische Abklärung (im Sinne eines polydisziplinären/interdisziplinären Gutachtens) bereits in einer ersten Phase nach dem Unfall vorgenommen wird, sofern und sobald Anhaltspunkte für ein längeres Andauern oder gar eine
Chronifizierung
der Beschwerden bestehen. Eine entsprechende Begutachtung ist zudem jedenfalls dann angezeigt, wenn die Beschwerden bereits längere Zeit angehalten haben und nicht von einer baldigen, wesentlichen Besserung ausgegangen werden kann (BGE 134 V 109 E. 9.4 f.)
.
1.
3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.4
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beein
trächtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurück
zuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Störungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausal
zusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher
Beeinträchtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere her
angezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bundes
gericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psychischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleuder
trauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten ver
zichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U
341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin, auf Anraten ihres berat
enden Arztes, Dr. med. A._
, Facharzt für Chirurgie
,
vom 10. September 2019, sei im Rahmen des
Einspracheverfahrens
eine Magnetre
sonanztomographie (MRI) der Halswirbelsäule (HWS)
veranlasst
worden. In seiner Beurteilung vom 9. Dezember 2019 sei
Dr.
A._
zum Schluss gelangt, dass der medizinische Sachverhalt genügend
abgeklärt sei. Er habe bestätigt, dass im MRI keine unfallbedingten Schädigungen ersichtlich seien, jedoch ein leichter Vorzu
stand im Sinne einer
zirkumferenten
Diskusprotrusion
C3/C4
bestehe
. Dieser sei sicherlich als degenerativ zu beurteilen. Aus unfallkausaler Sicht sei von weiteren Behandlungen keine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten.
Die
Chronifizierung
und Symptomausweitung sei
en
aus unfallkausaler Sicht nicht nachvollziehbar. Die Unfallfolgen seien sechs Monate nach dem Ereignis vom 14. Januar 2018 abgeheilt gewesen. Auch d
em Bericht von Dr. med. B._
, Facharzt für Anästhesiologie, der
C._
, lasse sich keine überzeugende Erklärung der Kausalität entnehmen (Urk. 2 S. 6).
Der Kausalzusammenhang zwischen den geltend gemachten Beschwerden und
dem Ereignis vom 14. Januar 2018 sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dahingefallen. Die Frage nach der natürlichen Kausalität könne allerdings ohne
hin offenbleiben (Urk. 2 S. 7).
Der Endzustand gelte zum Zeitpunkt des Status quo sine am 14. Juli 2018 respektive spätestens mit der unfallbedingten vollen Arbeitsfähigkeit im September 2018 als erreicht (Urk. 2 S. 7 f.).
Die Voraus
setzungen für den Fallabschluss seien daher erfüllt
gewesen
(Urk. 2 S. 8).
Das vorliegende Unfallereignis sei als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen einzustufen (Urk. 2 S. 8).
Da keines der relevanten Kriterien erfüllt sei,
müsse
der adäquate Kausalzusammenhang
verneint werden
, womit die Leistungs
einstellung zu bestätigen sei (Urk. 2 S. 9).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, der medizinische Sachverhalt sei
nur ungenügend abgeklärt worden
(Urk. 1 S. 5). Die Stellungnahmen der beiden beigezog
enen Gutachter, Dr. med. D._
, Facharzt für Neur
ologie, sowie Dr. med. E._
, Facharzt für Rheumato
logie und Innere Medizin,
würden
– aus näher dargelegten Gründen –
auch inhaltlich nicht überzeugen
(Urk. 1 S. 6 f.).
In Anbetracht der nach wie vor anwendbaren bundesgerichtlichen Rechtsprechung vermöge auch die Tatsache, dass im MRI vom 21. November 2019 keine
Traumafolgen
hätten nachgewiesen werden können, den Wegfall der Kausalität nicht zu begründen. Für die Leistungseinstellung per 30. September 2018 bestehe damit keine genügende Beweisgrundlage.
Das
mit der Diagnose eines Schleudertraumas der HWS einher
gehende «bunte Beschwerdebild» sei von den behandelnden Ärzten ausreichend dokumentiert worden. Damit sei der natürliche Kausal
zusammenhang erstellt (Urk. 1 S. 7). Daran würden auch die nachträglich eingeholten Stellungnahmen der versicherungsinternen Ärzte,
Dr.
med
.
F._
, Facharzt für Neurologie, vom 13. März 2019 und Dr. med.
A._
vom 9. Dezember
2019 – aus näher ausgeführten
Gründen
– nichts ändern (
Urk.
1 S.
8
f.). Die Argumentation der Beschwerdegegnerin in Bezug auf den adäquaten Kausalzusammenhang basiere auf der Annahme einer Beschwerdepersistenz von acht Monaten und damit auf einer unrichtigen Tatsache, welcher bei der Adäquanzprüfung massgebliches Gewicht zukomme (Urk. 1 S. 10).
Sodann sei sie seit dem Unfall trotz ausge
wiesener Anstrengungen erheblich in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, womit mindestens ein Kriterium in besonders ausgeprägter Form erfüllt sei.
Folglich sei die Adäquanz zu bejahen (Urk. 1 S. 10 f.). Auch die Kriterien der fortgesetzt
en
spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung und der erheblichen Beschwer
den könnten nicht ohne Weiteres verneint werden. Die persistierenden Beschwerden müssten sodann als erheblich betrachtet werden (Urk. 1 S. 11 f.). Zudem seien ein schwieriger Heil
ungs
verlauf und erhebliche Komplikationen ausgewiesen.
Die Leistungseinstellung per 30. September 2019 sei damit nicht rechtskonform (Urk. 1 S. 12).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort fügte die Beschwerdegegnerin an, der medizinische Endzustand sei spätestens per Ende September 2018 erreicht gewesen (Urk. 9 S. 1).
Das Adäquanzk
riterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausge
wiesener Anstrengungen sei nicht in besonders ausgeprägter Weise erfüllt. Die Frage, ob das Teilkriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit – und damit das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen – in einfacher Weise bejaht werden
müsse
, könne mit Blick auf das Nichtvorliegen der weiteren Kriterien
offen bleiben
.
Denn auch das Kriterium
der fortgesetzt
en
spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung sei nicht erfüllt (Urk. 9 S. 2). Das Kriterium der erheblichen Beschwerden
könne
jedenfalls nicht in besonders aus
geprägte
r Weise
bejaht werden
(Urk. 9 S. 2 f.). Von einem schwierigen Heilungs
verlauf respektive von erheblichen Komplikationen könne ebenfalls nicht gespro
chen werden. Von den sieben relevanten Adäquanzkriterien seien somit – wenn überhaupt – höchstens zwei, dasjenige der erheblichen Beschwerden sowie der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen, erfüllt, jedoch nicht in besonders ausgeprägtem Masse. Dies genüge indessen nicht zur Bejahung der Adäquanz allfälliger noch vorhandener unfallbedingter Beschwer
den bei einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten. Der adä
quate Kausalzusammenhang sei folglich zu verneinen (Urk. 9 S. 3).
2.4
Strittig und zu prüfen ist, ob
die Beschwerdegegnerin wegen der Folgen des Unfalles vom 14. Januar 2018 über den 30. September 2018 hinaus Leistungen der Unfallversicherung zu erbringen hat
,
beziehungsweise, ob die nach diesem Zeitpunkt
beklagten Beschwerden noch in einem Kausalzusammenhang
zum
Unfallereignis stehen.
3.
3.1
Dem Austrittsbericht des
Z._
, Institut für Notfallmedizin, vom 14. Januar 2018 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin sich dort
gleichentags
behandeln liess. Die Ärzte stellten die Diagnosen
des
kraniozervikalen
Beschleunigungs
traumas vom 14. Januar 2018 sowie de
s
Diabetes mellitus Typ II. Dazu ergänzten sie, di
e Beschwerdeführerin habe sich mit Schmerzen im Bereich des linken Nackens nach einem Auffahrunfall auf dem Notfall vorgestellt. Der Airbag habe nicht ausgelöst. Sie sei nicht bewusstlos gewesen und habe auch
nicht
den Kopf angeprallt
(Urk. 10/M2 S. 1).
Bei fehlender
Druckdolenz
über der HWS sei auf eine Röntgenuntersuchung verzichtet worden. Die Beschwerdeführerin sei mit Analgesie nach Hause entlassen worden (Urk. 10/M2 S. 2).
3.2
Die Hausärztin der Beschwerdeführerin, Dr. med.
G._
, Fachärztin für Innere Medizin, stellte am 6. März 2018 die Diagnose einer HWS-Distorsion und hielt einen unauffälligen neurologischen Status fest. Gemäss Röntgenbefund aus dem Spital seien Frakturen ausgeschlossen worden. Sie habe der Beschwerde
führerin
schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente
(
NSAR
)
sowie einen Halskragen und Physiotherapie verordnet (Urk. 10/M1 S. 1). Sie sei vom 12. Februar bis 5. März 2018 zu 100 % arbeitsunfähig. Eventuell könne sie ihre Tätigkeit ab dem 6. März 2018 wieder zu 50 % aufnehmen (Urk. 10/M1 S. 2).
3.3
Dr. med.
chiro
. H._
,
Chiropraktorin
SCG/ECU,
hielt
mit Bericht
vom 27. April 2018
fest, die Beschwerdeführerin befinde sich seit dem 12. März 2018 bei ihr in Behandlung. Sie gebe an, seit de
m
Auffahrunfall an Schmerzen im Bereich des Nackens sowie der Brustwirbelsäule zu leiden.
Hinzu
kämen Schwindel, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten. Die Beschwerde
führerin sei zum Zeitpunkt der Erstkonsultation
bei ihr
bereits seit l
ängerem zu 100 % arbeitsunfähig gewesen
. Es sei eine stetige, wenn auch langsame Besse
rung der Beschwerden zu verzeichnen, jedoch immer wieder mit belastungsab
hängigen Rückfällen. Die Beschwerdeführerin leide unter einer HWS-Distorsion. Betreffend die Arbeitsfähigkeit hielt Dr.
H._
fest, diese sei
je
nach Ver
lauf stetig zu steigern, wenn möglich jeweils um 20
%
,
bis die üblichen 80 % erreich
t
seien (Urk. 10/M3).
In der Folge hielt sie
mit spätere
r
, undatierte
r Notiz
fest, seit dem 27. April 2018 habe sich keine Veränderung ergeben, momentan sei kein Termin abgemacht, die Behandlung sei jedoch noch nicht abgeschlossen (Urk. 10/M4).
3.4
Dr.
B._
von der
C._
nannte mit Bericht vom 1
3.
Juni 2018 die Diagnose einer
therapierefraktären
Zervikobrachialgie
beidseits mit Aus
strahlungen in den Kopf und in beide Arme, rechtsdominant, bei klinischem Ver
dacht auf ein
zervikospondylog
e
nes
Schmerzsyndrom
und dem
Status nach
Whiplash-Injury
vom 14. Januar 2018 (Urk. 10/M5 S. 1). Dazu ergänzte er, auf
grund der Anamnese (Distorsionstrauma bei vorbestehenden idiopathischen Beschwerden) und der klinischen Untersuchung erachte er
ein
zerviko
spondylo
genes
Schmerzsyndrom beidseits als im Vordergrund stehend.
Ein chronischer Nackenschmerz, der durch konservative physikalische Massnahmen nicht bessere, sei mit einer Häufigkeit von 50-60 %
spondylogener
Natur.
Die
Bildgebung sowie physikalische Untersuchungen könnten die Diagnostik zwar unterstützen, seien jedoch nicht wegweisend, insbesondere auch nicht in der Festlegung des betroffe
nen Niveaus. Hierüber würden erst physiologische Tests Klarheit verschaffen (Urk. 10/M5 S. 2).
Vorerst würden diagnostische medial
branch
Blockaden der Segmente C4-C7 beidseits
vorgenommen, unterstützt mit schmerzdistanzierender Medikation (
Cymbalta
, Urk. 10/M5 S. 3).
3.5
Mit Bericht vom 16. Juni 2018
nannte
Dr.
H._
die Diagnose eines akuten
zervikookzipitalen
Schmerzsyndroms mit Muskelhartspann
suprascapulär
sowie paravertebral bis zur HWS beidseits mit Schwindel und Tinnitus nach dem Autounfall (Urk. 10/M6 S. 2). D
ie Beschwerdeführerin weise eine Streckhals
hal
tung sowie eine blockierte HWS-Motorik auf. Ansonsten verwies sie auf einen unauffälligen Befund (Urk. 10/M6 S. 1).
Dr.
H._
attestierte eine Arbeits
unfähigkeit für vier Tage und verordnete Analgesie sowie Physiotherapie (Urk. 10/M6 S. 2).
3.6
Den Interventionsberichten von Dr.
B._
vom
2.
und 26. Juli sowie 16. August und 17. September 2018 ist zu entnehmen, dass die Beschwerde
führerin sich
insgesamt viermal
einer BV-gesteuerten
diagnostischen
Blockade der medial
branches
(MBB) C4-C7 beidseits unterzog (Urk. 10/M7, Urk. 10/M9, Urk. 1
0/M10, Urk. 10/M11). B
ei de
n
Entlassung
en
am 2.
sowie 26. Juli 2018
habe bei partiell positiver diagnostischer medial
branch
Blockade
eine deutliche
Beschwerderegredienz
bestanden (Urk. 10/M7 S. 1, Urk. 10/M9 S. 1). Am 17. Sep
tember
2018 hielt Dr.
B._
sodann
an seine
r
bisher gestellten Diagnose der
therapierefraktären
Zervikobrachialg
i
e
beidseits mit Ausstrahlungen in den Kopf und in beide Arme, rechtsdominant, fest. Diese bestehe
mit/bei
einem
zerviko
spondylogene
n
Schmerzsyndrom
, dem
Status nach zweimaliger
positiver diagnostischer medial
branch
Blockade C4-C7 beidseits, de
m
Status nach thera
peutischer medial
branch
Blockade C4-C7 beidseits am 16. August 2018 sowie aktuelle
n
Rezidivbeschwerden
(Urk. 10/M11 S. 1).
3.7
Am 18. September 2018 erstattete Dr.
D._
sein neurologisches Konsilium zuhanden der Beschwerdegegnerin. Dabei nannte er die Diagnosen des Status nach PW-Auffahrunfall am 14. Januar 2018 mit seither persistierenden
,
linksbe
tonten Nacken- und Schulterschmerzen, teils ausstrahlend zum Kopf, spannungs
artigen Kopfschmerzen mit
Chronifizierungstendenz
, intermittierendem «
Trümmel
» sowie Rausch-Tinnitus beidseits und Schmerzen im Schulterbereich, teils ausstrahlend zu den Armen mit rezidivierender
,
vor allem nächtlicher Fühl
störung der Arme. Ferner hielt er den Verdacht auf eine depressive Verstimmung sowie eine Schlafstörung und eine
n
Diabetes mellitus Typ II, Erstdiagnose (ED) 2002, fest
.
Er führte aus, die klinisch-neurologischen Untersuchungsbefunde seien bis auf eine deutlich linksbetont schmerzhaft eingeschränkte Kopfrotation unauffällig, wobei die
zervikoradikulären
Provokationsmanöver negativ seien. Ferner finde sich eine normale sensomotorische
Medianus
- und
Ulnaris
-Neuro
graphie beidseits und auch neurographisch ergebe sich kein Hinweis auf eine diabetische
Polyneuropathie
. Er empfehle den probatorischen Einsatz eines Medikaments wie
Saroten
mit dem Ziel, die chronischen Nacken- und Kopf
schmerzen, die Ein- und Durch
schlafstörungen sowie die Stimmungslage zu ver
bessern
(Urk. 10/M12 S. 1).
3.8
In seinem rheumatologischen Konsilium vom 24. September 2018
zuhanden der Beschwerdegegnerin
stellte
Dr.
E._
die Diagnose eines chronischen
zervikover
tebralen
Syndroms bei/mit vorwiegend
myofaszialen
Schmerzen im Schulter-, Nacken- und
interscapularen
Bereich
beidseits mit leichter Ausbreitungstendenz,
eines
Status nach HWS-Distorsion nach Heckkollision als angegurtete PW
Fahrerin am 14. Januar 2018 (Delta-v zirka 11 km/h), der radiologischen Streck
haltung der HWS mit beginnender
Chondrose
C4/C5 ohne Hinweise auf posttrau
matische Läsionen (Röntgenbild der HWS vom 12. März 2018) sowie psychoso
zialen Belastungsfaktoren (verunfallter Bruder). Dazu führte er
aus,
trotz diverse
r
Behandlungen habe keine anhaltende Besserung der Beschwerden erzielt werden können. Seit
A
nfang Juli
2018
bestehe wieder eine 100
%
ige
Arbeitsunfähigkeit
. Aktuell gebe die Beschwerdeführerin vor allem Schmerzen
interscapular
und im Schulter-Nacken-Bereich beidseits an
,
mit Ausstrahlung in den Hinterkopf und in die Schultern beidseits, aber ohne
Schmerzausstrahlung in die Arme und
ohne Kraftminderung oder Gefühlsstörung in
den Extremitäten. Sie reihe die Schmerzen
auf der VAS von 0 bis 10 zwischen 5 und
9,5, aktuell bei 6,5 ein. Der Schmerz
werde
als brennend bis drückend beschrieben. Die HWS sei schmerzbe
dingt in der Beweglichkeit etwas
eingeschränkt
. Der ursprünglich bestandene Tinnitus trete nur noch in Funktion von starken Schmerzen auf und sei aktuell nicht vorhanden. Dasselbe
gelte
für das gelegentliche Schwarzwerden vor den Augen.
Die Beschwerdeführerin gebe
an, sie
sei
besorgt, dass noch keine Schmerzlinderung eingetreten sei. Sie habe sich stets als starke Frau empfunden und sei etwas ungläubig, dass die Beschwerden nicht durch eine S
truktur
alteration bedingt seien
.
In der klinischen Untersuchung
falle
eine altersentspre
chend
bewegliche HWS mit leichtem
Endphasenschmerz
für die Extension und für die Rotation
beidseits
in
Neutral- und vor allem in Exten
sionsstellung auf. Der KSA
betrage
2/16 cm mit
Druck
dolenzen
im M.
trapezius
pars
descendens
und
ascendens
beidseits
, i
m M.
sternocleidomastoideus
beidseits
sowie im M.
levator
scapulae
beidseits
und im M.
pectoralis
major
beidseits
. Der periphere Gelenkstatus
sei
altersent
sprechend beweglich, der Neurostatus
falle
kursorisch geprüft unauffällig aus. Zusammenfassend besteh
e
ein
zervikovertebrales
Syn
drom bei vorwiegend
myofaszialen
Schmerzen im Schulter-Nacken-Bereich
beid
seits
bei radiologisch beginnender
Chondrose
C4/C5 und Streckhaltung der HWS (R
öntgenbild
vom März 2018). Aufgrund der vorliegenden klinischen Befunde und der Anamnese müss
t
en die angegebenen Beschwerden als unfallfremd taxiert werden. Acht Monate nach
dem
Unfall
könne
davon ausgegangen werden, dass die ursprünglichen posttraumatischen Beschwerden abgeklungen
seien
, da keine posttraumatischen Läsionen
vorlägen
. Es
könne
von einem Status quo sine aus
gegangen werden.
Die vorliegenden Beschwerden
müss
t
en als krankheits
bedingt beurteilt werden
, dies
bei beginnender
C
hondrose
C4/5 und bei
myofaszialen
Schmerzen und ps
ychosozialen Belastungsfaktoren (Urk. 10/M13 S. 4).
E
ine MRI
Untersuchung der HWS sei wahrscheinlich sinnvoll, um das Aus
mass der Dege
neration und eine allfällige aktivierte Facettengelenksarthrose zu objekti
vieren. Aus unfallkausaler Sicht bestehe ab sofort eine 100%ige Arbeits
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Fachangestellte Gesundheit. Aus
intern
medizinischer
Sicht würde er – Dr.
E._
– die Arbeitsfähigkeit per sofort auf 50
%
erhöhen und diese schrittweise (alle zwei Wochen) um 20
%
auf 100
%
des 80
%
Pensums steigern. Therapeutisch sei eine Kraft-Ausdauer-Therapie zu empfehlen und falls kernspintomographisch eine aktivierte Facetten
gelenks
arthrose vorliege, sei diese BV-gesteuert zu infiltrieren
(Urk. 10/M13 S. 6)
.
3.9
Am 27. November 2018
präzisierte
Dr.
B._
von der
C._
seine mit Bericht
vom
17. September 2018 gestellten Diagnosen um den Status nach zweimaliger therapeutischer medial
branch
Blockade C4-C7 beidseits (16. August und 17. September 2018), ohne anhaltenden Effekt (Urk. 10/M14 S. 1). Dazu erklärte er,
d
ie diagnostischen medial
branch
Blockaden C4-C7
beid
seits vom 2. beziehungsweise
26.
Juli 2018
seien
positiv
gewesen,
das Symptom Schmerz
habe
sich vollständig blockieren
lassen
. Die Diagnose eines
zerviko
spondylogenen
Schmerzsyndroms
sei
somit gesichert, auch wenn
die
neurologi
sche
n
und bildmorphologische
n
Befunde unauffällig
ausgefallen seien
. Da die
Beschwerdeführerin
vor
dem Unfallereignis beschwerdefrei
gewesen sei
,
dürfe
gefolgert werden, dass die Symptomatik mit überwiegender Wahrschein
lichkeit Folge des Unfall
e
s
sei
.
Daher sei
keinerlei objektivierbare Annahme glaubhaft, dass
sie
ohne Unfallereignis symptomatisch geworden
wäre
, auch
acht
Monate später nicht. Aus diesem Grund
sei
die Aussage, dass die Beschwerden einem
S
tatus quo sine entsprechen sollten, nicht nachvollziehbar, geschweige denn objektivierbar (Urk. 10/M14 S. 2 f.). Der therapeutischen Empfehlung zur thermi
schen Radiofrequenzablation der positiv getesteten medial
branches
C4-C7
beid
seits
habe
die
Beschwerdeführerin
bislang nicht zustimmen
können
, da sie sich vor den Eingriffen fürchte. Sie bevorzug
e
aktuell die Fortsetzung konservativ physikalischer und psychotherapeutischer Massnahmen (Urk. 10/M14 S. 3).
3.10
Am 13. März 2019 erstattete der beratende Arzt der Beschwerdegegnerin, Dr.
F._
, seine Stellungnahme. In seiner Beurteilung kam er zum Schluss, d
ie A
r
gumentation von
Dr.
B._
, wonach vor dem Unfall keinerlei Beschwerden bestanden hätten
und daher
die jetzigen Beschwerden unfallkausal sein müssten, entspreche einer «
post
hoc, ergo
propter
hoc» Argumentation, die nicht statthaft sei. Es sei nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin Nackenschmerzen links
betont habe, diese seien jedoch nach dieser Zeitspanne nicht mehr als unfallkau
sal anzusehen. Es sei auf die Richtlinien der Deutschen Ge
sellschaft für Neurolo
gie zu verwei
sen, wonach bei einem HWS-Distorsionstrauma im vorliegenden Kraftgrad Quebec Task Force II eine vollständige Abheilung innert sechs Monaten gesehen werden könne. Allfällige über diese Frist hinausgehende
n
Beschwerden seien bis zum Beweis vom Gegenteil als unfallfremd zu erachten. Im vorliegenden Fall seien diese möglicherweise verstärkt durch eine kontraproduktive Schonung des Nackens bei langem Tragen der Halskrause. Mit überwiegender Wahrschein
lichkeit werde die Symptomatik durch die Sorge / Angst der Beschwerdeführerin verstärkt.
Ferner
führte er aus, durch den Unfall seien keine
strukturellen Schädigungen entstanden. Die geklagten Beschwerden (inklusive Schwindel und Tinnitus) stünden überwiegend wahrscheinlich nicht in natürlichem Kausalzu
sammenhang zum Unfallereignis. Es sei auf die Richtlinien der Deutschen Gesell
schaft für Neurologie zu verweisen. Es bestehe ein Vorzustand der HWS. Bereits vor dem Unfall seien degenerative Veränderungen im Segment C4/5 gegeben gewesen, allerdings seien diese damals nicht symptomatisch gewesen. Der Status quo sine sei am 14. Juli 2018 erreicht
worden
(Urk. 10/M15 S. 4).
3.11
Am 29. Mai
2019 berichteten Dr. phil.
I._
, Fachpsychologin für Psych
otherapie, sowie Dr. med.
J._
, Facharzt für delegierte Psychotherapie sowie
interventionelle
Schmerztherapie und Anästhesiologie, die Beschwerdeführerin befinde sich seit
dem 4. September 2018
in psychotherapeu
tischer Behandlung. Nach ferienbedingtem Unterbruch im Dezember 2018 fänden seit dem 21. Januar 2019 weiterhin Sitzungen in wöchentlichem Rhythmus statt. Der vorerst letzte Termin habe am 24. Mai 2019 stattgefunden. Zu Beginn der Psychotherapie habe eine depressive Episode mit ausgeprägter Burnout-Sympto
matik (ICD-10 F32.1) vorgelegen, die inzwischen weitgehend remittiert sei. Die Beschwerdeführerin habe am 1. Juni 2019 eine 50 %-Stelle angenommen. Aus Sicht der Psychotherapie bestünden
diesbezüglich
keine Bedenken. Die Psycho
therapie sowie das
myofasziale
Release würden weitergeführt. Zudem mache die Beschwerdeführerin eine intensive Physiotherapie, MTT mit Rumpfstabilisation und Sport. Die Kombination dieser Massnahmen hätte zu einer deutlichen Stabi
lisierung der Beschwerden geführt (Urk. 3/6).
3.12
Auf erfolgte Einsprache der Beschwerdeführerin hin (Urk. 10/A36), legte die Beschwerdegegnerin die Akten
ihrem
beratenden Arzt, Dr.
A._
, vor. In seiner Stellungnahme vom 10. September 2019 statuierte er,
die Beschwerdeführerin habe am 14.
Januar 2018
eine Heckauffahrkollision mit einem mittleren Delta-
v
von 10.9 km/h erlitten, also in einem Harmlosigkeitsbereich, bei dem strukturelle Schädigungen, ausser einer leichten muskulären Zerrung, nicht zu erwarten seien. Der Verlauf sei protrahiert.
Die Beschwerden
seien
ungenügend abgeklärt. Insbe
sondere
sei
trotz protrahiertem Verlauf zu keinem Zeitpunkt eine bildgebende Abklärung
erfolgt
.
U
nter Berücksichtigung des bisherigen Verlaufes,
sei
die Indi
kation für eine MRI-Untersuchung der HWS klar gegeben. Angesichts der mode
raten Krafteinwirkung bei einem Delta-
v
von 10-11 km/h
seien
zwar unfallkau
sale strukturelle Schädigungen nicht zu erwarten, hingegen
liessen
sich Vorzu
stände etablieren, die für den bisherigen verzögerten Verlauf mit- oder hauptver
antwortlich sein könnten.
Zur Frage, ob von einer weiteren Behandlung unfall
bedingt noch eine namhafte
Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten sei, antwortete er, e
s
sei
von einer
leichten HWS-Distorsion auszugeh
en. Die Prognose leichtgradiger HWS-Distorsionen
sei
charakteristischerweise günstig
,
mit allen
falls zunehmenden Nackenbeschwerden in den ersten Tagen nach dem Unfall und anschliessend rückläufiger Symptomatik
über
Wochen bis maximal sechs Monate
. In
diesem Zusammenhang
werde auch
von einem Decrescendo-Verlauf
gesprochen
. Somit
sei
überwiegend wahrscheinlich bereits von einem Status quo sine auszuge
h
en, ohne dass weiterhin unfallbedingte Behandlungen notwendig
seien (Urk. 10/M16 S. 1).
Der vermutete Vorzustand sei aufgrund der zur Verfü
gung stehenden Aktenlage ungenügend abgeklärt. Um die Kausalitätsfrage schlüssig zu beurteilen, sei eine MRI-Bildgebung notwendig. Die Stellungnahme von Dr.
D._
sei nachvollziehbar, enthalte aber keine Kausalitätsbeurteilung. Die Stellungnahme von Dr.
E._
sei sehr aussagekräftig und entspreche auch seinem – Dr.
A._
s – Dafürhalten, dass die zum Zeitpunkt der Untersuchung vom 12. September 2019 vorliegende Symptomatik acht Monate nach dem Unfallereignis als unfallfremd zu taxieren sei. Der gesamte Verlauf mit Anzeichen einer Symptomausweitung und
Chronifizierung
spreche eher gegen eine unfall
bedingte Ursache (Urk. 10/M16 S. 2).
3.1
3
Dem MRI-Bericht vom 21. November 2019 ist zu entnehmen, dass bei der Beschwerdeführerin eine Steilstellung der HWS festgestellt werden konnte. Ansonsten seien keine
radiologisch
sichtbaren
Traumafolgen
vorhanden. Zudem
bestünden
keine wesentliche
n
Segmentdegeneration
en
der HWS, sondern ledig
lich diskrete rechts
rezessal
betonte
breitbasige
Diskusprotrusionen
C3/C4 ohne raumfordernde Wirkung (Urk. 10/M17).
3.1
4
In seiner
abschliessende
n
Stellungnahme vom 9. Dezember 2019 erklärte Dr.
A._
, mit der MRI-Untersuchung vom 19. November 2019 seien die Beschwerden nun genügend abgeklärt. Ausser einer
zirkumferenziellen
leichten
Diskusprotrusion
C3/C4, die mit Sicherheit als degenerativ zu beurteilen
sei
,
liessen
sich keine weiteren Pathologien
im Bereich
der HWS nachweisen.
Es liessen sich keine strukturellen Veränderungen objektivieren, die in eine
m
natür
lichen Kausalzusammenhang mit dem Ereignis vom 14
. Januar 2018
stünden (Urk. 10/M18 S. 1)
.
Aus unfallkausaler Sicht
sei
von einer weiteren Behandlung keine namhafte Besserung zu erwarten. Die
Chronifizierung
und die Symptom
ausweitung
sei
en
–
bei vollständigem Fehlen diesbezüglich objektivier
barer Befunde
– aus unfallkausaler Sicht
nicht nachvollziehbar. In diesem Zusammen
hang sei darauf
hinzuweisen
, dass die Prävalenz von zervikalen Beschwerden innerhalb eines Jahres in einer randomisierten
selektierten Bevölkerung industri
ali
sierter Länder zwischen 30-
40
%
betrage
und dass bei über der Hälfte dieses Kollektivs die Problematik länger als
sechs
Monate
anhalte
ohne vor
gängige Traumatisierung und ohne nennenswerte degener
ative Befunde in der Bildgebung.
Die im vorliegenden Fall vorgefundene leichte Degeneration der Bandscheibe C3/C4
sei
als vernachlässigbar
zu erachten
und erklär
e
die anhal
tende Symptomatik nicht
.
Eine richtunggebende Verschlimmerung durch das
Unfallereignis
lieg
e
nicht vor. Ein Status quo sine
sei
spätestens
sechs
Monate nach dem Ereignis
eingetreten (Urk. 10/M18 S. 2).
4.
4.1
A
ufgrund der medizinischen Akten
ist
ausgewiesen, dass die geklagten Beschwer
den kein organisches Korrelat aufweisen. Denn von organisch objektiv ausge
wiesenen Unfallfolgen kann erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen
/
bildgebenden Abklärungen bestätigt wurden und die hierbei angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_216/2009 vom 28. Oktober 2009 E. 2 mit Hinweis).
Die
durch die Beschwerdegegnerin
veranlasste
computer
tomographische Unter
such
ung ergab
denn auch
keine radiologisch sichtbaren
Traumafolgen
(Urk. 10/M17)
.
Ferner
ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin beim Unfall ein Schleudertrauma der
Halswirbelsäule
erlitten hat.
Denn es
traten gleichentags und damit innert der massgeblichen Latenzzeit von 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Ereignis Nackenschmerzen auf
(Urteil des Bundesgerichts 8C_277/2010 vom 24. September 2010 E. 6.2
, Urk. 10/M2 S. 1
).
Später
kamen
sodann weitere, zum typischen Beschwerdebild
gehörende
Symptome
,
wie Schwindel, Kopf
schmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten und
ein
Tinnitus
hinzu
(vgl.
Urk. 10/
M3, Urk. 10/M5 S. 1, Urk. 10/M6 S. 1
)
.
Daher ist der Beschwerde
führerin dahingehend zuzustimmen (Urk. 1 S. 5), dass die Recht
sprechung in solchen Fällen
für die
Beurteilung des natürlichen Kausal
zusammenhangs
grundsätzlich ein
polydisziplinäre
s
Gutachten
fordert
, welches auf eingehenden U
nter
suchungen
beruht
(
BGE 134 V 109 E. 9.
4 f.
).
Al
lerdings ist nicht davon auszuge
hen, dass
im vorliegenden Fall zusätzlich
zum rheuma
tologisch-neurologischen Konsilium
die
von der Beschwerdeführerin geforderte orthopädische Untersu
chung
(Urk. 1 S. 5)
weitere Erkenntnisse gebracht hätte.
Denn anlässlich der rheumatologischen Untersuchung
schilderte sie
, dass aktuell ihre Schmerzen im Vordergrund stünden. Diese seien im Maximum
interscapul
a
r
gelegen mit Aus
strahlungen in die Schultern beziehungsweise in den
Hinterkopf. Schmerzver
stärkend seien die Belastung und das Heben von Gewichten, während kontrollierte Bewegungen eher schmerzlindern
d
seien (Urk. 10/M 13 S. 4). (Chro
nische) Schmerzen des Bewegungsapparates bilden Gegenstand sowohl der Rheumatologie als auch der Orthopädie. Somit ist nicht ersichtlich, inwiefern der rheumatologische Gutachter fachlich nicht qualifiziert
hätte sein sollen
, dem Leiden der Beschwerdeführerin in somatischer Hinsicht Rechnung zu tragen (Urteil des Bundesgerichts 8C_602/2017 vom 1. März 2018 E. 4.3).
Betreffend die psychiatrische Problematik ist darauf hinzuweisen, dass
Dr.
F._
zwar davon ausging, dass die Symptomatik der Beschwerdeführerin durch ihre Sorge und Angst verstärkt würde (Urk. 10/M 15 S. 4). Auch der neurologische Gutachter stellte die Verdachtsdiagnose
einer
depressive
n
Verstimmung (Urk. 10/M12 S. 1). Allerdings ist zu berücksichtigen, dass
sich die Beschwerde
führerin erst am 4. September 2018 und damit knapp acht Monate nach dem Unfallereignis in psychotherapeutische Behandlung begab (Urk. 3/6). Dieses lange Zuwarten spricht gegen einen entsprechenden psychischen Leidensdruck und gegen ein unfallbedingtes psychisches Leiden. Sodann gaben die Behandler
der
C._
selbst
an,
die depressive Episode habe nur
zu Beginn der Psychotherapie vorgelegen
,
und führte
n
diese offenbar auf eine ausgeprägte Burnout-Symptomatik zurück
, die inzwischen weitgehend remittiert sei
(Urk. 3/6).
Gegenüber
Dr.
E._
erwähnte die Beschwerdeführerin
ü
berdies ihre Sorge in Bezug auf den Tod der
Mutter
im Jahr zuvor
und ihren
Bruder
, der
ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten habe
und nun in der Reha-Klinik sei
(Urk. 10/M13 S.
4
).
Damit lässt sich aufgrund der Akten
nicht
mit dem Beweisgrad der über
wiegen
den Wahrscheinlichkeit auf eine durch den Unfall verursachte,
behandlungs
bedürftige
, verselbständigte psychische Gesundheitsbeeinträchti
gung schliessen. Unter diesen Umständen ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin keine
zusätzliche
psychiatrische
Begutachtung
veranlasste.
Unter Berücksichti
gung des Umstandes, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der rheumatologi
schen Untersuchung angab
,
der ursprünglich bestandene Tinnitus trete nur noch in Funktion von starken Schmerzen auf und sei aktuell nicht vorhanden (Urk. 10/M13 S. 5), durfte die Beschwerdegegnerin auch auf den
Beizug
eines Facharztes der Otorhinolaryngologie verzichten.
Insofern erweist sich die rheumatologisch-neurologische Abklärung, ergänzt durch die fach
ärztlich chirurgische Aktenbeurteilung
durch
Dr.
A._
, im vorliegenden Fall als ausrei
chend
und von ein
er polydisziplinären Begutachtung
wären keine weitergehen
den Erkenntnisse zu erwarten
gewesen
.
Dass
der Rheumatologe
in seiner
Beurtei
lung
von einer altersentsprechend beweglichen
Halswirbelsäule mit leichtem Endphasenschmerz sprach (Urk. 10/M13 S. 4), ist
entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
(Urk. 1 S. 7)
nicht als Widerspruch
zur neurologischen Beur
teilung
zu werten, wonach
eine
deutlich linksbetonte, schmerzhaft einge
schränkte Kopfrotation bestehe (Urk. 10/M12 S. 1). Denn schliesslich erkannten beide Gutachter, dass die Halswirbelsäule der Beschwerdeführerin offenbar nicht gänzlich frei beweglich war. Zusammenfassend ist damit keine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes auszumachen respektive hat die Beschwerdegegnerin den relevanten Sachverhalt rechtsgenüg
end
abgeklärt.
4.2
Die Beschwerdeführerin
macht sodann
auch
inhaltlich in verschiedener
Hinsicht geltend
, der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und ihren persistierenden Beschwerden sei entgegen de
r
Beurteilungen der Gutachter sowie der beratenden Ärzte
auch über den Zeitpunkt des Fallabschlusses per 30. Sep
tember 2018
erstellt (Urk. 1 S. 7 f.
und 12
).
Insbesondere würden sich Dr.
F._
sowie Dr.
A._
auf
eine
allgemeine Erfahrungsregel gemäss
der
Richtlinie der
D
eutschen Gesellschaft für Neurologie sowie auf allgemeine Studien zur Beschwerdeentwicklung stützen und nähmen dementsprechend keine Einzelfallbe
urteilung
en
vor (Urk. 1 S. 8).
Wie es sich damit
verhält, kann jedoch offenbleiben.
Ergibt sich
nämlich
, dass es an der Adäquanz fehlt, erübrigen sich auch Weite
rungen zur natürlichen Kausalität (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_70/2009 vom 31. Juli 2009 E. 3 mit Hinweisen).
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin beanstandete den Fallabschluss respektive die Adä
quanz
prüfung p
er 30. September 2018
als verfrüht (Urk. 1 S. 9)
.
Die Adäquanz
prüfung hat in dem Zeitpunkt zu erfolgen, in dem von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Ein
gliederungs
massnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl.
Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2
UVG,
Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil
des Bundesgerichts
8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3, Urteil
des Bundesgerichts
8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hin
weis auf
BGE
134 V 109 und Urteil
des Bundesgerichts
8C
_
454/2014 vom 2. Sep
tember 2014 E. 6.3).
«Namhaft»
bedeutet, dass die durch weitere zweckmässige
Heilbehandlung
erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss, was
prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen
zu beurteilen ist
(Urteil des Bun
desgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1 mit
Hinweisen).
Die Beschwer
degegnerin bringt diesbezüglich berechtigterweise vor
(Urk. 9 S. 1)
, dass der behandelnde Dr.
B._
bereits im Juni 2018 davon ausging, dass die Situation der Beschwerdeführerin therapierefraktär – also nicht ansprechend auf eine The
rapie – sei (Urk. 10/M5 S. 1).
Nachdem die Beschwerdeführerin offenbar zwei positive diagnostische medial
branch
Blockaden C4-C7 hatte durchführen lassen (Urk. 10/M7, Urk. 10/M9), verwies
er
bereits
am 17. September 2018 au
f
Rezidiv
beschwerden
(U
rk. 10/M11 S. 1) und erwähnte am
27. November 2018 den Status nach (nochmaliger) zweimaliger therapeutischer medial
branch
Blockade
ohne anhaltenden Effekt (Urk. 10/M14 S. 1).
Überdies befand sich die Beschwerde
führerin
zum Zeitpunkt des Fallabschlusses primär in konservativer
physikali
scher
Behandlung (Physiotherapie,
Rolfing
, Urk. 10/M13 S. 3).
Solche
manual
thera
peutische
n
Behandlungsmassnahmen
gelten
jedoch
nicht als kontinuierli
che, mit einer gewissen Planmässigkeit auf eine namhafte Verbesserung des Gesundheits
zustandes gerichtete ärztliche Behandlungen
im Sinne der Rechtspre
chung (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_306/2016 vom 22. September 2016 E. 5.3 mit Hinweis).
Regelmässige psychotherapeutische Massnahmen waren im Zeitpunkt der Leistungseinstellung nicht aktenkundig. Ausserdem
führten
Dr.
J._
sowie
Dr. phil.
I._
die psychischen Beschwerden
,
wie bereits erwähnt,
primär
auf
eine «Burnout-Symptomatik»
– und damit nicht
auf
eine unfallkausale Ur
s
ache – zurück (Urk. 3/6).
Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin gegenüber dem rheumatologischen Gutachter eigens erwähnte, der Verlauf sei eher wechselhaft und ohne anhaltende Besserung (Urk. 10/M13 S. 4).
Damit steht fest, dass von weiteren ärztlichen Behandlung
en
keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr hätte erwartet werden können. Unter diesen Umständen war die Beschwerdegegnerin auch nicht gehal
ten, den
Entscheid der Invalidenversicherung über Eingliederungs
massnahmen
abzuwarten
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_588/2013 vom 16. Januar 2014 E. 3.3)
.
Der
Zeitpunkt der Adäquanzbeurteilung
ist daher
nicht zu beanstanden.
5.2
Im Hinblick auf die Prüfun
g der Adäquanz ist zunächst der
Unfall
nach seiner Schwere zu qualifizieren, welche sich nach dem augenfälligen Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften bestimmt
(Urteil des Bundesgerichts 8C_53/2019 vom
9.
Mai 2019 E. 5.2 mit Hinweisen).
Die Beschwerdegegnerin qualifizierte die Auffahrkollision vom 14. Januar 2018 als mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen (Urk. 2 S. 8). Die Beschwerdeführerin merkte diesbezüglich – ohne nähere Substantiierung – an, diese Qualifikation sei fraglich (Urk. 1 S. 10).
E
infache Auffahrunfälle werden rechtsprechungsgemäss in der Regel als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifi
ziert. Dies gilt namentlich für
eine
Auffahrkollision auf ein (haltendes) Fahrzeug vor einem Lichtsignal
, wie sie sich auch vorliegend zugetragen hat
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_575/2011 vom 6. März 2012 E. 5.1 mit weiteren Hinwei
sen).
Mit Blick auf
die kollisionsbedingte Geschwindigkeits
änderung
(
Delta-
v
) von 8.9 bis 12.9 km/h (beziehungsweise
etwas tiefer, nämlich bis zu 2
km/h, Urk. 10/A8 S. 18) sowie die leichten Schäden am Heck des Opel
Agila
der Beschwerdeführerin (Urk. 10/A8 S. 1 und 6 ff.), ist diese Qualifikation nicht zu beanstanden.
Die adäquate Unfallkausalität des Gesundheitsschadens kann
daher
nur bejaht werden, wenn vier der sieben Adäquanzkriterien erfüllt sind oder eines
in
besonders ausgeprägt
er Weise
vo
rliegt (BGE 134 V 109 E. 10.3). Da der Zeit
punkt des Fallabschlusses per 30. September 2018 – wie bereits erwähnt –
rechtens war,
ist entgegen der vertretenen Auffassung der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 10) nicht zu beanstanden, dass
die Beschwerde
gegnerin fü
r die Beur
teilung der Adäquanzkriterien jeweils
die Dauer
vom Zeitpunkt des Unfalles (14. Januar 2018) bis zum Zeitpunkt des Fallabschlusses (30. September 2018)
berücksichtigte.
5.3
Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Ein
drücklichkeit des Unfalls ist objektiv zu beurteilen und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens beziehungsweise des Angstgefühls der versicherten Per
son. Zu beachten ist, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für die Bejahung
des Kriteri
ums ausreichen kann
(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_9/2010 vom 11. Jun
i 2010 E. 3.7.1 mit Hinweisen).
Der Unfall ereignete sich beim
Stillstand
vor einem Lichtsignal, es handelt sich demnach um ein
en Auffahrunfall ohne besondere
dramatische Begleitumstände. Eine besondere Eindrücklichkeit kann darin nicht gesehen werden.
Die Beschwerdeführerin zog sich auch keine schweren oder in ihrer Art besonde
ren Verletzungen zu.
So sind dem MRI-Bericht vom 21. November 2019 keine radiologisch sichtbaren
Traumafolgen
zu entnehmen (Urk. 10/M17).
Die Diagnose eines Schleudertraumas vermag die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung für sich allein nicht zu begründen. Es bedarf hierzu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können.
I
n erster Linie
geht es um
die erfahrungsgemässe Eignung, eine intensive, dem typischen Beschwer
debild nach Schleudertraumata entspre
chende Symptomatik zu bewirken.
Eine entsprechende
Qualifikation der erlitten
en Verletzung rechtfertigt sich
indessen nur bei Vorliegen einer erheblich vo
rgeschädigten Wirbelsäule (vgl.
Urteile des Bundesgeri
chts 8C_736/2009 vom 20. Januar
2010 E. 4.3
.2, 8C_226/2009 vom 6. November
2009 E. 5.3.2, 8C_75
9/2007 vom 14. August
2008 E. 5.3 und 8C_61/2008 vom 10. Juli
2008 E. 7.3.2).
Eine solche liegt hier jedoch nicht vor.
Insbesondere
geht aus
dem
genannten
MRI-Bericht
hervor
, dass lediglich diskrete rechts
rezessal
betonte
breitbasige
Diskusprotrusionen
auf der Höhe
C3/C4 ohne raumfordernde Wirkung
vorhanden
gewesen seien (Urk. 10/M17). Diese waren zum Zeitpunkt des Unfalles nicht symptomatisch und führten auch nicht zu einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit (vgl.
Urk. 10/M
14 S. 2). Dr.
A._
erach
tete diese leichte Degeneration der Wirbel
säule
denn auch
als vernachlässigbar (Urk. 10/M18 S. 2). Damit ist auch das Kriterium der Schwere und besonderen Art der Verletzung zu verneinen.
Entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 11 f.)
ist
sodann
das Kriterium der fortgesetzt
en
spezifischen und belastenden ärztlichen Behandlung
nicht
erfüllt
. Denn
e
inzig aufgrund des Umstandes, dass die Beschwerdeführerin ihre Beschwerden seit dem Unfall bei verschiedenen Fachpersonen zu lindern versuchte, resultiert noch keine erhebliche Belastung im Sinne der Rechtspre
chung, zumal eine Behandlungsbedürftigkeit (in Form medikamentöser Schmerz- und Physiotherapie)
rechtsprechungsgemäss
sogar noch während
zwei bis drei Jahren nach einem Schleudertrauma der HWS
als
durchaus üblich
anzusehen
wäre
(Urteil des Bundesgerichts 8C
_402/2007 vom 23. April 2008 E.
5.2.3).
D
ie
insgesamt viermal
durchgeführte
medial
branch
Blockade in der
C._
konnte
jeweils
ambulant vorgenommen werden und
beschränkte sich auf
eine Zeitspanne
von insgesamt
zweieinhalb Monaten, womit sie
sich im
zeitlichen
Rahmen
hielt
(Urk. 10/M7, Urk. 10/M9, Urk. 10/M10, Urk. 10/M14).
Die übrigen Behandlungen erschöpften sich vorwiegend in
manualtherapeutischen
Mass
nahmen wie
Physiotherapie
Chiropraktik
und
Rolfing
sowie
achtsamkeitsbasier
ten
Behandlungsmethoden
(MBSR, Urk. 3/6, Urk. 10/M13 S. 3)
, welche keine spezifischen und belastenden ärztlichen Behandlungen darstellen. I
nwiefern
sie
die Lebensqualität der Beschwerdeführerin nachweislich beeinträchtigt haben sollen,
ist
nicht ersichtlich
.
Ebenso
wenig liegt eine besondere Schwere der für das Schleudertrauma typi
schen Beschwerden vor; adäquanzrelevant können nur diejenigen Beschwerden sein, die in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallabschluss ohne wesentli
chen Unterbruch bestehen, wobei sich die Erheblichkeit nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung beurteilt, w
elche die verunfallte Per
son in
ihrem Lebensalltag erfährt
(Urteil des Bundesger
ichts 8C_768/2007 vom 4. August 2
008 E. 4.2).
Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht bemerkte (Urk. 9 S. 1 f.), ist dieses Kriterium jedenfalls nicht in besonders ausgeprägter Weise gegeben. Aktenkundig ist, dass die Beschwerdeführerin
jeweils über Schmerzen im Bereich des Nackens und der Schulterblätter mit Ausstrahlung in die Schultern respektive den Hinterkopf, nicht aber die Arme, sowie Kopfschmerzen
,
klagte
. Zudem habe sie intermittierend einen Tinnitus, der vor allem anfangs im Vorder
grund gestanden habe
,
und leide gelegentlich an Schwarzwerden vor den Augen
. Zum Zeitpunkt der rheumatologischen Begutachtung im September 2018 habe sie jedoch weder einen Tinnitus
gehabt
noch
sei es ihr
vor den Augen
schwarz geworden
(Urk. 10/A6, Urk. 10/M5 S. 2, Urk. 10/M13 S. 4, Urk. 10/M12 S. 2).
Di
e Beschwerdeführerin
war durch die beschriebenen Beschwerden
unbestrittener
massen
in ihrem Lebensalltag eingeschränkt
.
So konnte sie nicht mehr an ihren angestammten Arbeitsplatz zurückkehren und ein Arbeitsversuch scheiterte (Urk. 10/
A6).
Die
Beschwerden übersteigen das bei HWS-Distorsionen übliche Mass jedoch nicht derart, dass das Kriterium in besonders ausgeprägter Weise bejaht werden könnte
. Immerhin finden sich in den Akten keine Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführerin derart eingeschränkt wäre, dass sie ihren Lebens
alltag aufgrund der beschriebenen Schmerzen nicht mehr alleine meistern könnte
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_580/2010 vom 30. August 20
10 E. 5.3.2
).
Keine Hinweise ergeben sich sodann auf eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert
hätte. Dieses Kriterium ist ohne Weite
res zu verneinen. Betreffend das Kriterium des schwierigen
Heilungsverlauf
s
und
der
erhebliche
n
Komplikationen
ist festzuhalten, dass entgegen der
Auffassung
der Beschwerdeführerin nicht von einer Vielzahl von Beschwerden
(komplexe Schmerzproblematik, depressive Reaktion)
gesprochen werden kann, die sich teil
weise wechselseitig beeinflussen und aus diesem Grund einem therapeutischen Zugriff nur schwer zugänglich sind (Urk. 1 S. 12).
Wohl hat die
– nicht unfall
kausale
–
psychische Problematik
den Heilungsverlauf beziehungsweise die Symptomatik allenfalls verstärkt (Urk. 10/M15 S. 4). Allerdings
lässt sich dem Bericht von Dr.
J._
sowie Dr. phil
.
I._
auch
entnehmen, dass die Kombination aus Psychotherapie,
myofaszialem
Release, Physiotherapie, MTT mit Rumpfstabilisation und Sport zu einer deutlichen Stabilisierung, Kräftigung und Verbesserung der Beschwerden geführt
hat
(Urk. 3/6).
Überdies
nahm die Beschwerdeführerin erst am 4. September 2018 – und damit rund acht Monate nach dem Unfallereignis – eine psychotherapeutische
Behandlung in Angriff (Urk. 3/6), was gegen eine
massgebliche
Verzögerung des Heilungsverlaufes durch die psychische Problematik spricht.
Auch
sonst
sind keine besonderen Gründe ersichtlich, welche die Heilung beeinträchtigt haben. Dies führt
zur Ver
neinung
des genannten
Kriteriums.
Was schliesslich das Kriterium
der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausge
wiesener Anstrengungen
betrifft, so ist dieses zu bejahen, wenn der Wille der versicherten Person erkennbar ist, sich durch aktive Mitwirkung
rasch
möglichst
wieder optimal in den Arbeitsprozess einzugliedern. Solche Anstrengungen der versicherten Person können sich insbesondere in ernsthaften Arbeitsversuchen trotz allfälliger persönlicher Unannehmlichkeiten manife
stieren. Dabei ist auch der persönliche Einsatz im Rahmen von medizinischen Therapiemassnahmen zu berücksichtigen. Sodann können Bemühungen um alternative, der gesundheitli
chen Einschränkung besser Rechnung tragende Tätigkeiten ins Gewicht fallen (BGE 134 V 109 E. 10.2.7).
Mit der Beschwerdegegnerin ist einig zu gehen, dass in diesem Kontext lediglich die Arbeitsbemühungen bis zum Fallabschluss im September 2018 relevant sind (
BGE 134 V 109 E. 10.2.7). Daher ist lediglich der einwöchige Arbeitsversuch zu 50 % im Mai 2018 zu berücksichtigen.
Ein einma
liger Arbeitsversuch reicht jedoch rechtsprechungsgemäss für die Bejahung dieses Kriteriums nicht aus (Urteil des Bundesgerichts 8C_318/2013 vom 18. September 2013 E. 5.4).
Des Weiteren unterzog
sich
die Beschwerdeführerin zwar
diversen Therapiemassnahmen wie Physiotherapie,
Chiropraktik,
MBSR
und
Rolfing
.
Allerdings lehnte sie auch die therapeutische Empfehlung der
C._
zur thermischen Radiofrequenzablation der positiv getesteten medial
branches
C4-C7 ab, da sie sich vor dem Eingriff fürchte
te
(Urk. 10/M14 S. 3).
Insgesamt
ist ersichtlich, dass
sich die Beschwerdeführerin bemüht
hat
, sich wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern
. Es sind
jedoch keine Bemühungen zu erkennen, die eindeutig über das im Normalfall zu erwartende Ausmass hinaus
gehen würden (Urteil des Bundesgerichts 8C_987/2008 vom 31. März 2009 E. 6.7.2). Das
Kriterium der ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiese
ner Anstrengungen
ist vor diesem Hintergrund
in einfacher, nicht jedoch
in aus
geprägter Weise erfüllt.
6.
Zusammenfassend steht fest, dass von den praxisgemässen Kriterien nur
diejeni
gen
der
erheblichen Beschwerden sowie der
erheblichen Arbeitsunfähigkeit als erfüllt gelten
können.
Da somit lediglich
zwei massgebende
Kriteri
en
vorliegen
,
jedoch nicht in besonders ausgeprägter Wei
se,
ist der adäquate Kausalzusammen
hang zwischen den nach wie vor bestehenden Beeinträchtigungen der Beschwer
deführerin
und dem
Unfallereignis vom
14. Januar 2018
zu verneinen.
Damit ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen per
30. Sep
tember 2018
eingestellt hat.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom
18. Dezem
ber 2019
erweist sich als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.