Decision ID: d1e6ac2b-b59e-4d3a-ba67-cc9593b094b4
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Im Jahr 2020 legte die Beschwerdeführerin die höhere Fachprüfung für
Steuerexperten ab. Am 28. September 2020 teilte ihr die Trägerorganisa-
tion für die höhere Fachprüfung für Steuerexperten (nachfolgend:
Prüfungskommission) mit, sie habe die Prüfung nicht bestanden. Die
Prüfungsleistungen der Beschwerdeführerin wurden wie folgt bewertet:
Steuern schriftlich 3.5
BWL 3.5
Recht 3.0
Diplomarbeit mit Kolloquium 3.5
Steuern mündlich 5.5
Kurzreferat 4.0
Notendurchschnitt (gewichtet): 3.9
Notenpunkte (gewichtet) 39.0
Notenpunkte (gewichtet) unter 4.0 4.0
A.b Gegen den Entscheid der Prüfungskommission erhob die Beschwer-
deführerin am 30. Oktober 2020 Beschwerde beim Staatssekretariat für
Bildung, Forschung und Innovation SBFI (nachfolgend: Vorinstanz). Sie
beantragte, es sei die Verfügung vom 28. September 2020 aufzuheben
und es sei festzustellen, dass sie die höhere Fachprüfung als Steuerexper-
tin bestanden habe. Eventualiter verlangte sie, es sei die Verfügung vom
28. September 2020 teilweise aufzuheben und die Sache an die Prüfungs-
kommission zurückzuweisen, damit diese neu verfüge. Subeventualiter
wurde zudem beantragt, es sei ihr die Wiederholung der schriftlichen Prü-
fung in den Fächern Steuern und Recht sowie der Diplomarbeit zu gestat-
ten.
A.c Mit Vernehmlassung vom 21. Januar 2021 beantragte die Prüfungs-
kommission die Abweisung der Beschwerde. Dabei verwies sie auf die mit
der Vernehmlassung eingereichten Stellungnahmen der Prüfungsexper-
ten.
A.d Mit Replik vom 30. April 2021 hielt die Beschwerdeführerin an ihrer
Beschwerde fest. Sie beantragte, die Vorinstanz sei als befangen zu erklä-
ren und die Angelegenheit sei an eine neutrale, verwaltungsunabhängige
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Stelle zur Beurteilung zu übertragen. Zudem sei ein – zufolge Befangenheit
der Vorinstanz ebenfalls von einer neutralen, verwaltungsunabhängigen
Stelle zu führendes – aufsichtsrechtliches Verfahren gegen die Prüfungs-
kommission einzuleiten.
A.e Mit Entscheid vom 8. Februar 2022 vereinigte die Vorinstanz das Be-
schwerde- und das Aufsichtsbeschwerdeverfahren, trat auf die Aufsichts-
beschwerde nicht ein und wies die Beschwerde vollumfänglich ab.
B.
Gegen diesen Entscheid erhob die Beschwerdeführerin am 11. März 2022
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sinngemäss beantragt sie,
der Beschwerdeentscheid vom 8. Februar 2022 sei aufzuheben und es sei
festzustellen, dass sie die höhere Fachprüfung als Steuerexpertin bestan-
den habe, eventualiter sei die Sache zu neuer Verfügung an die Prüfungs-
kommission zurückzuweisen, subeventualiter sei die Prüfung in Anwen-
dung der Grenzfallregelung als bestanden zu beurteilen und subsubeven-
tualiter sei ihr die Wiederholung der schriftlichen Prüfung im Fach Steuern
und der Diplomarbeit zu gestatten, unter ordentlicher und ausserordentli-
cher Kostenfolge zu Lasten der Vorinstanz.
C.
Die Vorinstanz äussert sich mit Vernehmlassung vom 6. Mai 2022 und be-
antragt die Abweisung der Beschwerde.
Auch die Prüfungskommission nahm mit Vernehmlassung vom
24. Juni 2021 Stellung und beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen.
D.
Die Beschwerdeführerin reicht mit Eingabe vom 3. Oktober 2022 eine
Replik ein und hält an ihren Rechtsbegehren fest.
E.
Die Vorinstanz und die Prüfungskommission liessen sich innert der ange-
setzten Duplikfrist nicht vernehmen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Die Beschwerde richtet sich gegen den Beschwerdeentscheid der
Vorinstanz vom 8. Februar 2022. Gegenstand dieses Entscheides ist
sowohl die Abweisung der Beschwerde der Beschwerdeführerin gegen den
Entscheid der Prüfungskommission vom 28. September 2020 wie auch das
Nichteintreten auf die Aufsichtsbeschwerde der Beschwerdeführerin vom
30. April 2021.
Die Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung dieses Entscheides,
ohne zu differenzieren, ob sich ihre Beschwerde gegen den gesamten Be-
schwerdeentscheid oder lediglich gegen die Abweisung ihrer Beschwerde
gegen den Entscheid der Prüfungskommission vom 28. September 2020
richtet. In der Begründung wird die Vorinstanz auch in Bezug auf ihr Ver-
halten als Aufsichtsbehörde über die Prüfungskommission kritisiert. Ande-
rerseits wird in den Beschwerdebegehren nicht konkret verlangt, dass die
Vorinstanz anzuweisen sei, auf die Aufsichtsbeschwerde einzutreten oder
bestimmte Aufsichtsmassnahmen an die Hand zu nehmen. Vielmehr sind
alle Beschwerdebegehren Anträge, die im Kontext einer Beschwerde ge-
gen die Abweisung einer Beschwerde gegen einen Prüfungsentscheid ge-
stellt werden könnten. Da die Beschwerdeführerin anwaltlich vertreten ist,
ist massgeblich auf diese Beschwerdebegehren abzustellen.
Es ist daher davon auszugehen, dass der Streitgegenstand des vorliegen-
den Beschwerdeverfahrens lediglich einen Teil des Anfechtungsgegen-
stands umfasst, nämlich die Abweisung der Beschwerde der Beschwerde-
führerin gegen den Entscheid der Prüfungskommission vom 28. Septem-
ber 2020.
1.2 Soweit die Vorinstanz mit dem angefochtenen Beschwerdeentscheid
vom 8. Februar 2022 die Beschwerde der Beschwerdeführerin gegen den
Entscheid der Prüfungskommission vom 28. September 2020 abgewiesen
hat, handelt es sich bei diesem Beschwerdeentscheid um eine Verfügung
im Sinne von Art. 5 Abs. 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVG,
SR 172.021). Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beurteilung der da-
gegen erhobenen Beschwerde zuständig (Art. 61 Abs. 2 des Berufsbil-
dungsgesetzes [BBG, SR 412.10] i.V.m. Art. 31 f. sowie Art. 33 Bst. d des
Verwaltungsgerichtsgesetzes [VGG, SR 173.32]).
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1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin durch die angefochtene Ver-
fügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren
Aufhebung oder Änderung. Sie ist daher zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 Abs. 1 VwVG).
Sie hat die Beschwerde innerhalb der gesetzlichen Frist eingereicht
(Art. 50 Abs. 1 VwVG). Die Anforderungen an Form und Inhalt der Rechts-
schrift sind erfüllt, der Kostenvorschuss wurde rechtzeitig geleistet (Art. 52
Abs. 1 und Art. 63 Abs. 4 VwVG) und die übrigen Sachurteilsvoraussetzun-
gen (Art. 44 ff. VwVG) liegen ebenfalls vor.
1.4 Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2.
2.1 Das eidgenössische Diplom als Steuerexperte erhält, wer die höhere
Fachprüfung für Steuerexperten, das heisst die Diplomprüfung, mit Erfolg
bestanden hat (Art. 43 Abs. 1 zweiter Satz BBG i.V.m. Ziffer 6.43 zweiter
Satz der Prüfungsordnung für die höhere Fachprüfung für Steuerexpertin-
nen und Steuerexperten vom 25. November 2009, genehmigt und in Kraft
getreten am 20. Juni 2011 [nachfolgend: Prüfungsordnung]). Die Leistun-
gen werden nach Ziffer 6.3 der Prüfungsordnung in jedem Prüfungsfach
mit je einer Note von 1.0 bis 6.0 benotet, wobei die Note 6.0 für die höchst
mögliche und die Note 1.0 für die tiefst mögliche Bewertung stehen. Noten
von 4.0 und höher bezeichnen genügende Leistungen und Noten von we-
niger als 4.0 stehen für ungenügende Leistungen. Andere als halbe Zwi-
schennoten sind unzulässig (Ziffer 6.3 der Prüfungsordnung). Gemäss Zif-
fer 5.11 der Prüfungsordnung umfasst die Prüfung folgende modulüber-
greifende (gewichtete) Prüfungsteile:
Prüfungsteil Art der Prüfung Zeit Gewichtung
Note
Beschwerde-
führerin
Steuern schriftlich 5h dreifach 3.5
Betriebswirtschaft schriftlich 1.5h einfach 3.5
Recht schriftlich 1.5h einfach 3.0
Diplomarbeit
mit Kolloquium
Hausarbeit
mündlich
10 Tage
30 min zweifach 3.5
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Steuern mündlich 1h zweifach 5.5
Kurzreferat mündlich 15min einfach 4.0
2.2 Nach Ziffer 6.41 der Prüfungsordnung ist die höhere Fachprüfung für
Steuerexperten bestanden, wenn kumulativ die folgenden Voraussetzun-
gen gegeben sind: Die Gesamtnote muss mindestens 4.0 betragen (Bst. a)
und es dürfen insgesamt nicht mehr als zwei Notenpunkte unter 4.0 zur
Anrechnung kommen, wobei für die Ermittlung der Notenpunkte unter 4.0
die Prüfungsteile gemäss Ziffer 5.11 der Prüfungsordnung gewichtet wer-
den (Bst. b).
2.3 Die von der Beschwerdeführerin erzielte Gesamtnote beträgt gemäss
Prüfungsverfügung vom 28. September 2020 3.9, womit eine ungenü-
gende Gesamtnote gemäss Ziffer 6.41 Bst. a der Prüfungsordnung vor-
liegt. Zudem erzielte die Beschwerdeführerin in den Fächern "Steuern
schriftlich" (Note 3.5, dreifach gewichtet), "Betriebswirtschaft" (Note 3.5,
einfach gewichtet), "Recht schriftlich" (Note 3.0, einfach gewichtet) und der
Diplomarbeit (Note 3.5, doppelt gewichtet) ungenügende Noten und liegt
damit mit mehr als zwei Notenpunkten unter 4.0 (vgl. Ziff. 6.41 Bst. b der
Prüfungsordnung), weshalb die Prüfungskommission die höhere Fachprü-
fung für Steuerexperten als nicht bestanden qualifizierte.
3.
Mit der Verwaltungsbeschwerde können die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die un-
richtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
haltes sowie die Unangemessenheit der angefochtenen Verfügung gerügt
werden (Art. 49 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht
entscheidet insofern grundsätzlich mit voller Kognition. Gemäss ständiger
Rechtsprechung auferlegt es sich indessen bei der Bewertung von Prü-
fungsleistungen eine gewisse Zurückhaltung. Prüfungen haben oftmals
Spezialgebiete zum Gegenstand, in denen die Rechtsmittelbehörde über
keine genügenden eigenen Fachkenntnisse verfügt, die mit denjenigen der
Prüfungskommission vergleichbar wären. Zudem sind der Rechtsmittelbe-
hörde meistens nicht alle massgebenden Faktoren der Bewertung bekannt
und es ist ihr nicht immer möglich, sich ein zuverlässiges Bild über die Ge-
samtheit der Leistungen einer beschwerdeführenden Person sowie der
Leistungen der übrigen Kandidierenden zu machen. Eine freie und umfas-
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sende Überprüfung der Examensbewertung würde die Gefahr von Unge-
rechtigkeiten und Ungleichheiten gegenüber anderen Kandidaten in sich
bergen und es ist auch nicht Aufgabe der Beschwerdeinstanz, die Bewer-
tung der Prüfungsleistungen einer beschwerdeführenden Person gewis-
sermassen zu wiederholen. Gemäss ständiger Rechtsprechung auferlegt
sich das Bundesverwaltungsgericht daher bei der Bewertung von Prü-
fungsleistungen eine gewisse Zurückhaltung (BGE 131 I 467 E. 3.1
m.w.H.) und weicht nicht ohne Not von der Beurteilung durch die vor-
instanzlichen Organe und Experten ab, jedenfalls solange diese im Rah-
men der Vernehmlassung Stellung zu den Rügen des Beschwerdeführers
genommen haben und ihre Auffassung, insbesondere soweit sie von der-
jenigen des Beschwerdeführers abweicht, nachvollziehbar und einleuch-
tend ist (BVGE 2010/21 E. 5.1; 2010/11 E. 4.1; 2010/10 E. 4.1 und 2008/14
E. 3.1 und 3.3; Urteile des BVGer B-5003/2015 vom 11. Februar 2016 E. 2;
B-6727/2013 vom 8. Juli 2014 E. 4 und B-6776/2014 vom 24. Septem-
ber 2015 E. 3.1, je m.w.H.; kritisch dazu PATRICIA EGLI, Gerichtlicher
Rechtsschutz bei Prüfungsfällen: Aktuelle Entwicklungen, Schweizeri-
sches Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl] 112/2011, S. 555
ff.).
Sind dagegen die Auslegung oder Anwendung von Rechtsvorschriften
streitig oder werden Verfahrensmängel im Prüfungsablauf gerügt, hat das
Bundesverwaltungsgericht die erhobenen Einwendungen mit freier Kogni-
tion zu prüfen, andernfalls es eine formelle Rechtsverweigerung begehen
würde (BVGE 2010/11 E. 4.2; 2010/10 E. 4.1 und 2008/14 E. 3.3, je
m.w.H.).
4.
Die Beschwerdeführerin rügt vorab eine Verletzung ihres rechtlichen Ge-
hörs.
4.1 Sie macht geltend, der zuständige Experte der Prüfungskommission
habe nicht konkret zur Bewertung ihrer Diplomarbeit Stellung genommen.
Aus der Begründung sei in keiner Weise ersichtlich, welche Fragen korrekt
beantwortet und wo Mängel festgestellt worden seien und welche die rich-
tigen Antworten gewesen wären. Der Experte habe deshalb keine rechts-
genügliche Stellungnahme verfasst.
4.1.1 Die Begründungspflicht als Teilaspekt des Anspruchs auf rechtliches
Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV (konkretisiert in Art. 35 VwVG) soll die
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betroffene Person in die Lage versetzen, den Entscheid sachgerecht an-
zufechten. Die Behörde hat daher kurz die wesentlichen Überlegungen zu
nennen, von denen sie sich leiten liess und auf die sie ihren Entscheid
stützt (BGE 143 III 65 E. 5.2; 141 V 557 E. 3.2.1; 136 I 229 E. 5.2). In die-
sem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von
denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid
stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinan-
dersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesent-
lichen Punkte beschränken (vgl. BGE 141 III 28 E. 3.2.4, 138 I 232 E. 5.1,
136 I 229 E. 5.2.
Eine Verletzung des Gehörsanspruchs führt grundsätzlich zur Aufhebung
der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Vor-
instanz. Von einer Rückweisung zur Gewährung des rechtlichen Gehörs ist
im Sinne einer Heilung des Mangels selbst bei einer schwerwiegenden Ver-
letzung des Anspruchs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückwei-
sung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzöge-
rungen führen würde, die mit dem Grundsatz der Prozessökonomie und
damit dem Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beur-
teilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (vgl. BGE 142 II 218 E. 2.8.1,
137 I 195 E. 2.3.2, 136 V 117 E. 4.2.2.2). Im Falle der Verletzung der Be-
gründungspflicht kann der Mangel auf Rechtsmittelebene geheilt werden,
wenn die Vorinstanz die Entscheidgründe in einer den gesetzlichen Anfor-
derungen genügenden Weise darlegt und die Rechtsmittelinstanz der be-
troffenen Partei im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels die Möglich-
keit einräumt, sich dazu zu äussern (BGE 137 I 195 E. 2.3.2; KNEUBÜH-
LER/PEDRETTI, VwVG-Kommentar, 2. Aufl. 2019, N. 22 zu Art. 35 mit Hin-
weisen).
4.1.2 Gemäss ständiger Rechtsprechung kommt eine Prüfungskommis-
sion ihrer Begründungspflicht nach, wenn sie der Betroffenen kurz darlegt,
welche Lösungen beziehungsweise Problemanalysen von ihr erwartet wur-
den und inwiefern ihre Antworten den Anforderungen nicht zu genügen ver-
mochten. In zeitlicher Hinsicht darf sie sich dabei, ohne Verletzung ihrer
Begründungspflicht, vorerst darauf beschränken, die Noten der einzelnen
Prüfungsfächer bekannt zu geben. Erst im Rechtsmittelverfahren hat sie
dann die ausführlichere Begründung nachzuliefern und die Beschwerde-
führerin muss Gelegenheit erhalten, in einem zweiten Schriftenwechsel
dazu Stellung zu nehmen (Urteile des BGer 2D_65/2011 vom 2. April 2012
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E. 5.1, 2P.44/2006 vom 9. Juni 2006 E. 3.2 sowie 2P.23/2004 vom 13. Au-
gust 2004 E. 2.2; Urteil des BVGer B-33/2015 vom 4. August 2016 E. 4.3).
4.1.3 Die Frage einer Rückweisung an eine verfügende Erstinstanz wegen
einer Verletzung ihrer Begründungspflicht kann sich nur stellen, wenn die
im Zeitpunkt der erstinstanzlichen Verfügung erforderliche Begründung
nicht in genügendem Ausmass beigebracht wurde. Wird dagegen das Feh-
len von Begründungselementen, die zeitlich erst im Beschwerdeverfahren
beizubringen waren, gerügt, so kann dies lediglich Anlass zu einer erneu-
ten Aufforderung zur Vernehmlassung und einem weiteren Schriftenwech-
sel oder zu einer Berücksichtigung bei der Sachverhaltswürdigung geben,
aber nicht zu einer Rückweisung wegen Verletzung der Begründungs-
pflicht.
4.1.4 Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die Prüfungskommission
der Beschwerdeführerin mit dem Prüfungsentscheid die Noten der einzel-
nen Prüfungsfächer bekanntgegeben hat. Ob sie in ihren späteren Stel-
lungnahmen im vorinstanzlichen Beschwerdeverfahren sowie im vorliegen-
den Rechtsmittelverfahren ihre Bewertung genügend begründet hat, ist
eine materielle, keine formelle Frage.
4.2 Die Beschwerdeführerin rügt, auch die Vorinstanz habe ihr rechtliches
Gehör verletzt. Die vorgebrachten Rügen seien in höchst oberflächlicher
Art und Weise abgehandelt worden. Zudem sei die Vorinstanz in keiner
Weise auf ihr Vorbringen eingegangen, dass in der Aufgabe 2.1 der
Diplomarbeit zuerst ein falsches Datum angegeben worden sei, wodurch
sie zwei wichtige Tage verloren habe, da sie deswegen von einem falschen
Sachverhalt ausgegangen sei und Abklärungen zu diesem getätigt habe.
Durch das Nichtausschöpfen ihrer Kognition habe die Vorinstanz ihren An-
spruch auf rechtliches Gehör verletzt.
4.2.1 Für die Vorinstanz gilt wie für das Bundesverwaltungsgericht, dass
die Rechtsmittelinstanz grundsätzlich mit voller Kognition entscheidet
(Art. 49 VwVG). Wie bereits dargelegt, auferlegt sich die Rechtsmit-
telinstanz indessen bei der Überprüfung der Bewertung von Prüfungsleis-
tungen eine gewisse Zurückhaltung. Auf Rügen bezüglich der Bewertung
von Prüfungsleistungen hat die Rechtsmittelbehörde lediglich dann detail-
liert einzugehen, wenn die beschwerdeführende Person selbst substanti-
ierte und überzeugende Anhaltspunkte und die Beweismittel dafür liefert,
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dass das Ergebnis materiell nicht vertretbar ist, dass eindeutig zu hohe An-
forderungen gestellt oder die Prüfungsleistungen offensichtlich unterbe-
wertet wurden (vgl. E. 3 hievor und E. 5 hienach).
Soweit die Vorinstanz ihre Kognition in dieser Weise wahrgenommen hat,
ist das daher nicht zu beanstanden. Allerdings kann der Begründung des
angefochtenen Entscheids nicht mit hinreichender Klarheit entnommen
werden, dass die Vorinstanz über eine rein quantitative Prüfung hinaus, ob
die Experten der Prüfungskommission im Rahmen der Vernehmlassung
der Prüfungskommission Stellung zu den Rügen der Beschwerdeführerin
genommen haben, auch bezüglich aller umstrittenen und entscheidrele-
vanten Punkte eine qualitative Prüfung vorgenommen hat, ob die Auffas-
sung der Experten, soweit sie von derjenigen der Beschwerdeführerin ab-
wich, auch nachvollziehbar und einleuchtend sei.
Diese ungenügende Wahrnehmung ihrer Kognition stellt zwar eine formelle
Rechtsverweigerung dar, kann aber im Beschwerdeverfahren vor dem
Bundesverwaltungsgericht geheilt werden, da das Bundesverwaltungsge-
richt über die gleiche Kognition verfügt wie die Vorinstanz.
4.2.2 Wie dargelegt, kann sich eine Behörde in ihrer Begründung auf die
für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (vgl. E. 4.1.1 hievor).
Die Vorinstanz machte in der Begründung der angefochtenen Verfügung
vom 8. Februar 2022 keine Ausführungen zum Prüfungsteil "Diplomarbeit
mit Kolloquium", weil bei der Beschwerdeführerin bereits mit der Beurtei-
lung des Prüfungsteils "Steuern schriftlich" zusammen mit den nicht ange-
fochtenen Prüfungsteilen "Betriebswirtschaft" und "Recht" 2.5 Notenpunkte
unter 4.0 zur Anrechnung kämen und die Prüfung als nicht bestanden gelte.
Deshalb könne darauf verzichtet werden, auf die Rügen zu den Prüfungs-
teilen "Recht" und "Diplomarbeit mit Kolloquium" einzugehen.
Ob die Vorinstanz zu Recht davon ausging, die Note der Beschwerdefüh-
rerin im Prüfungsteil "Steuern schriftlich" sei nicht auf eine genügende Note
zu erhöhen, ist eine materielle Frage, auf die noch einzugehen sein wird.
Nicht zu beanstanden ist jedoch, dass die Vorinstanz davon ausging, bei
einer unverändert ungenügenden Note in diesem Prüfungsteil seien die
Noten der Prüfungsteile "Recht" und "Diplomarbeit mit Kolloquium" nicht
mehr entscheidrelevant, weshalb sie auf die diesbezüglichen Rügen nicht
mehr eingehen müsse, da die Beschwerdeführerin die ungenügenden No-
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ten in den beiden Prüfungsteilen "Recht" und "Betriebswirtschaft" nicht ge-
rügt hatte und eine der Bestehensregeln besagt, dass höchstens zwei No-
tenpunkte unter einer 4.0 liegen dürfen (vgl. Ziffer 6.41 Bst. b der Prüfungs-
ordnung).
Die Rüge, die Vorinstanz habe das rechtliche Gehör verletzt, weil sie auf
die Rügen bezüglich der Bewertung der Diplomarbeit nicht eingegangen
sei, erweist sich daher als unbegründet.
5.
Die Beschwerdeführerin rügt in materieller Hinsicht, dass die zuständige
Prüfungsexpertin für das Fach "Steuern schriftlich" Lösungen zu der von
ihr gestellten Prüfungsaufgabe im Rahmen eines Seminars präsentiert und
diese Unterlagen via Webplattform des Instituts für Schweizerisches und
Internationales Steuerrecht vertrieben habe. Offenbar hätten einige Prü-
fungskandidatinnen und –kandidaten dies bereits vor der Prüfung gewusst,
hätten sich die Lösungen erhältlich gemacht und diese im Rahmen der Prü-
fung verwendet. Diese Tatsache führe zur Verfälschung der Prüfungsresul-
tate, was zu einer Ungleichbehandlung der Kandidatinnen und Kandidaten
geführt habe. Diejenigen Kandidierenden, welche die Seminarunterlagen
gekauft oder das Seminar besucht hätten, hätten genau gewusst, wie bei
der Fragestellung vorzugehen gewesen sei, mit welchen Thematiken man
sich im konkreten Fall habe auseinandersetzen müssen und wie die beste
Herangehensweise gewesen sei. Die Möglichkeit, Lösungen für eine Prü-
fung bei einer Examinatorin käuflich erwerben zu können, führe zu einem
eindeutigen Verfahrensfehler und zur Verfälschung des Prüfungsresultats.
Dies sei selbst dann relevant, wenn sich die effektive Verwendung der käuf-
lich erworbenen Lösungen durch Kandidierende nicht nachweisen lasse,
wobei auch zu berücksichtigen sei, dass das Erbringen eines solchen Be-
weises für die Beschwerdeführerin faktisch unmöglich sei.
Die Vorinstanz und die Prüfungskommission bestreiten die Ausführungen
der Beschwerdeführerin dahingehend, als dass diese nicht substantiiert
aufgezeigt habe, inwiefern die angeblich rechtsungleiche Behandlung der
Mitkandidierenden sich für sie nachteilig ausgewirkt habe. Die Ausführun-
gen der Beschwerdeführerin zu den diesbezüglichen Beweisschwierigkei-
ten seien nicht nachvollziehbar. Zudem stelle die Käuflichkeit von Unter-
richts-, Publikations- und Seminarunterlagen eine gesellschaftliche Norma-
lität dar.
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5.1 Aus dem Gleichbehandlungsgebot (Art. 8 Abs. 1 BV) wird für das Prü-
fungsrecht der Grundsatz der Chancengleichheit abgeleitet. Für die Prü-
fungsgestaltung ist die Chancengleichheit insofern wegleitend, als für alle
Prüfungskandidierenden im Sinne formaler Gleichheit möglichst gleiche
Bedingungen hergestellt werden sollen. Dazu zählen bei einer schriftlichen
Prüfung neben einer materiell gleichwertigen Aufgabenstellung und einem
geordneten Verfahrensablauf auch die Gleichwertigkeit von zusätzlichen
Examenshilfen wie abgegebenes Material, spezielle Erläuterungen oder
Hinweise vor oder während der Prüfung. Gleiche Bedingungen ermögli-
chen allen Kandidatinnen und Kandidaten einen ihren tatsächlichen Fähig-
keiten entsprechenden Leistungsnachweis; ungleiche Bedingungen verlet-
zen dagegen grundsätzlich das Gleichbehandlungsgebot (Urteil des
BGer 2C_769/2019 vom 27. Juli 2020 E. 6.2 m.w.H.).
5.2 Verfahrensmängel im Prüfungsablauf stellen nur dann einen rechtser-
heblichen Verfahrensmangel dar bzw. rechtfertigen es nur dann, eine Be-
schwerde gutzuheissen, wenn sie in kausaler Weise das Prüfungsergebnis
eines Kandidaten entscheidend beeinflussen können oder beeinflusst ha-
ben (vgl. BGE 147 I 73 E. 6.7; Urteile des BGer 2D_6/2010 vom 24. Juni
2010 E. 5.2 und 1P.420/2000 vom 3. Oktober 2000 E. 4b).
5.3 Im Verwaltungsverfahren besteht zwar die Pflicht zur amtlichen Sach-
verhaltsfeststellung (Art. 12 VwVG). Dieser Untersuchungsgrundsatz än-
dert aber nichts an der materiellen Beweislast. Die Beweislast richtet sich
nach der Beweislastregel von Art. 8 ZGB, sofern das massgebliche Recht
keine spezifische Beweisregel enthält. Danach hat derjenige die Folgen
der Beweislosigkeit zu tragen, der aus einer unbewiesen gebliebenen Tat-
sache Rechte ableiten will (Urteile des BVGer B-4383/2016 vom 19. Sep-
tember 2018 E. 6.2, B-6405/2016 vom 5. Dezember 2017 E. 5.3,
B-5003/2015 vom 11. Februar 2016 E. 2, B-6776/2014 vom 24. September
2015 E. 3.1, B-6553/2013 vom 8. Juli 2014 E. 3.2 und B-6049/2012 vom
3. Oktober 2013 E. 4.5.2). Die Beweislast für allfällige Verfahrensfehler ob-
liegt dem Beschwerdeführer (vgl. Urteile des BVGer B-671/2020 vom
6. Oktober 2020 E. 2.5, B-832/2019 vom 20. Februar 2020 E. 2.5,
B-1364/2019 vom 29. Januar 2020 E. 2.5, B-5621/2018 vom 19. Juni 2019
E. 2.5 und B-5284/2018 vom 14. Januar 2019 E. 3.3). Nicht jede Unstim-
migkeit im Prüfungsverfahren kann freilich zum Anlass genommen werden,
das Prüfungsergebnis in Frage zu stellen: Mängel im Prüfungsverfahren
sind nur dann rechtserheblich, wenn sie das Prüfungsergebnis entschei-
dend beeinflussen können oder effektiv beeinflusst haben (vgl.
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Seite 13
BGE 147 I 73 E. 6.7; Urteile des BGer 2D_6/2010 vom 24. Juni 2010
E. 5.2 und 1P.420/2000 vom 3. Oktober 2000 E. 4b).
5.4 Im vorliegenden Fall ist es die Beschwerdeführerin, die einen Anspruch
auf eine höhere Bewertung beziehungsweise eventualiter auf eine Wieder-
holung der Prüfung geltend macht, weshalb sie auch die Beweislast für alle
Sachverhaltsumstände trägt, mit denen sie eine zu tiefe Bewertung oder
einen unkorrekten Verfahrensablauf begründen will.
5.5 Vorliegend ist unbestritten, dass im Prüfungsteil "Steuern schriftlich"
eine Prüfungsaufgabe gestellt wurde, welche in wesentlichen Punkten mit
einer Aufgabe identisch war, welche die zuständige Examinatorin in einem
Seminar im Jahr 2017 verwendet hatte und die seither, zusammen mit aus-
führlichen Lösungshinweisen, käuflich zu erwerben war.
Die Beschwerdeführerin hat indessen weder substantiiert noch nachgewie-
sen, dass andere Prüfungskandidaten vor der Prüfung wussten, bezie-
hungsweise von einem Mitglied der Prüfungskommission erfahren hatten,
dass diese Aufgabe gestellt werden würde oder auch nur, dass diese spe-
zifische Examinatorin eine Prüfungsaufgabe stellen würde. Selbst wenn
allgemein bekannt war, dass diese Examinatorin ein langjähriges Mitglied
der Klausurkommission war, so war die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine
Aufgabe stellen und dabei spezifisch eine Aufgabe aus einem drei Jahre
vorher durchgeführten Seminar verwenden würde, sehr klein. Die Be-
schwerdeführerin nennt denn auch keine konkreten anderen Prüfungskan-
didaten, welche effektiv jenes Seminar besucht hätten und bezüglich derer
die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Rahmen der Prüfungsvorbereitung ge-
zielt jene alte Aufgabe studieren könnten, etwas grösser war als bezüglich
aller anderer Kandidaten, welche diese Aufgabe im Kontext einer möglichst
guten Prüfungsvorbereitung käuflich erwarben.
Mit der Darlegung der rein hypothetischen Möglichkeit, dass andere Prü-
fungskandidaten diese Aufgabe im Rahmen der Prüfungsvorbereitung er-
worben und studiert haben könnten, hat die Beschwerdeführerin den ihr
obliegenden Nachweis nicht erbracht, dass sie rechtsungleich mit konkre-
ten andere Kandidaten behandelt worden ist.
Unter diesen Umständen kann offengelassen werden, ob eine relevante
Ungleichheit zu bejahen gewesen wäre, wenn sich unter den Prüfungskan-
didaten auch nachweislich Absolventen jenes Seminars befunden hätten.
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5.6 Die Rüge einer rechtsungleichen Behandlung durch die Verwendung
dieser Prüfungsaufgabe erweist sich daher als unbegründet.
6.
In materieller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin weiter eine Unterbe-
wertung ihrer Leistung im Prüfungsteil "Steuern schriftlich".
6.1 Sie beanstandet konkret die Bewertung der Teilaufgabe 4.1.1, für wel-
che ein Maximum von 18 Punkten vergeben worden sei. Der Fall sei iden-
tisch mit dem Fall 6 der von ihr eingereichten Seminarunterlagen. Aufgrund
der vorhandenen Musterlösung sei ersichtlich, dass zwei Themenbereiche,
namentlich die Vergleichbarkeit des Trustvermögens mit einem schweize-
rischen Vorsorgeplan und die steuerliche Behandlung des Vermögens des
Trusts und dessen Erträge hätten behandelt werden müssen. Aus den Lö-
sungshinweisen des Seminars leitet die Beschwerdeführerin sodann die
Zusammensetzung der Punkte ab und folgert daraus, dass ihre Antwort auf
eine Bewertung mit mindestens 8 Punkten hätte kommen sollen. So habe
sie die folgenden Punkte in ihrer Antwort genannt: Vergleichbarkeit mit
Schweizer Vorsorgeplan, bei Vergleichbarkeit keine Zurechnung zum Ver-
mögen, Kriterium der Gleichbehandlung/Anerkennung, dass es sich somit
um keinen Vorsorgeplan handle, ob das Vermögen zurechenbar sei, dass
die Prüfung gemäss KS 30 zum selben Ergebnis führe und dass eine Be-
steuerung erst bei Auszahlung erfolge, da Erträge nicht vorzeitig ausbe-
zahlt werden könnten.
Gemäss der Begründung der Expertin hinsichtlich der Teilaufgabe 4.1.1
hätte für das Erreichen der vollen Punktzahl erkannt werden müssen, ob
der ausländische Vorsorge-Trust mit einem Schweizer Vorsorgeplan ver-
gleichbar ist. Dazu hätte eine detaillierte Auseinandersetzung mit den von
der Schweizerischen Steuerkonferenz (SSK) ausgearbeiteten Vergleichs-
kriterien stattfinden und begründet werden müssen, weshalb ein Kriterium
erfüllt oder als nicht erfüllt betrachtet wird. Daraus hätte sich ergeben müs-
sen, dass keine Vergleichbarkeit vorliege und das Vermögen und die Er-
träge aus dem Trust steuerbar seien. Es sei zusätzlich darauf einzugehen
gewesen, weshalb das Trustvermögen und die Erträge daraus Frau A. zu-
zurechnen und von ihr zu versteuern seien. Ausserdem sei verlangt wor-
den, sich auch mit der Alternativbegründung der Trustbesteuerung ausei-
nanderzusetzen, welche zum selben Resultat geführt hätte. Die Beschwer-
deführerin habe – anstatt eine klare Antwort zu geben – eine "Auswahlsen-
dung" an Lösungsmöglichkeiten angeboten. Sie habe sich zunächst die
Frage gestellt, ob die Trustbesteuerung in Frage käme, gehe dann aber in
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Seite 15
ihrer Lösung lediglich allgemein auf die Grundsätze der Trustbesteuerung
ein. Diese Grundsätze wende sie dann aber nicht korrekt an, indem sie die
Besteuerung des Trustvermögens und der Trusterträge bei Frau A. ver-
neine. Es seien hierfür entsprechend keine Punkte vergeben worden. So-
dann habe sich die Beschwerdeführerin die Frage gestellt, ob die "Ein-
künfte" aus dem Trust "Einkünfte aus Vorsorge" darstellen könnten. Sie er-
kenne zwar korrekt, dass dafür ein Vergleich mit der Schweizer Vorsorge
notwendig sei, gehe dann aber lediglich auf ein einziges Vergleichbar-
keitskriterium (Kollektivität/Gleichbehandlung) ein. Die übrigen Vergleich-
barkeitskriterien habe sie nicht thematisiert, weshalb nicht mehr als zwei
Punkte hätten vergeben werden können. Die von der Beschwerdeführerin
zusätzlich aufgelisteten Möglichkeiten der Besteuerung (Säule 3a, Kapital-
abfindung) kämen nicht zur Anwendung, weshalb dafür keine Punkte ver-
geben worden seien. An der Bewertung der Antwort mit zwei Punkten sei
deshalb festzuhalten.
6.1.1 Auf die Rüge der Unangemessenheit der Bewertung von Prüfungs-
leistungen ist nur dann detailliert einzugehen, wenn die beschwerdefüh-
rende Partei selbst substantiierte Anhaltspunkte mit den entsprechenden
Beweismitteln dafür liefert, dass das Ergebnis materiell nicht vertretbar ist,
eindeutig zu hohe Anforderungen gestellt oder die Prüfungsleistungen of-
fensichtlich unterbewertet wurden (vgl. Urteil des BGer 2D_6/2013 vom
19. Juni 2013 E. 2.3; BVGE 2010/21 E. 5.1, 2010/11 E. 4.3 und 2010/10
E. 4.1).
6.1.2 Die Beschwerdeführerin setzt sich in keiner Art und Weise mit der
Begründung der Prüfungsexpertin auseinander, welche sich detailliert mit
der Antwort der Beschwerdeführerin befasst und darlegt, welche Lösungs-
schritte von ihr erwartet worden wären und inwiefern ihre Antwort die An-
forderungen nicht zu erfüllen vermag. Stattdessen stützt die Beschwerde-
führerin sich auf die von ihr eingereichten Unterlagen des erwähnten Se-
minars aus dem Jahr 2017, um aus den diesbezüglichen Lösungshinwei-
sen abzuleiten, für welche Aspekte Punkte hätten erzielt werden können.
In Bezug auf die relative Gewichtung der verschiedenen Aufgaben, der
Überlegungen oder Berechnungen, die zusammen die korrekte und voll-
ständige Antwort auf eine bestimmte Prüfungsfrage darstellen, kommt den
Experten ein erheblicher Beurteilungsspielraum zu. Dies gilt insbesondere
auch bei der Beurteilung der Frage, wie viele Punkte für eine konkrete ab-
weichende oder nur teilweise richtige Antwort erteilt werden. Das Ermes-
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sen der Experten ist lediglich dann eingeschränkt, wenn die Prüfungsor-
gane ein verbindliches Bewertungsraster vorgegeben haben, in dem die
genaue Punkteverteilung für einzelne Teilantworten klar definiert ist. In ei-
nem solchen Fall hat jeder einzelne Kandidat entsprechend dem Grund-
satz der Gleichbehandlung den Anspruch darauf, dass er diejenigen
Punkte erhält, die ihm gemäss Bewertungsraster für eine richtige Teilleis-
tung zustehen (vgl. statt vieler BVGE 2008/14 E. 4.3.2 m.H.).
Die Musterlösung jener Seminararbeit aus dem Jahr 2017 ist daher ohne
Relevanz für die Frage, wie viele Punkte für welche Teile der Aufgabe 4.1.1
im Prüfungsteil "Steuern schriftlich" der im vorliegenden Fall umstrittenen
Prüfung konkret erzielbar waren. Ohnehin enthält die Musterlösung gar
keine Punkteverteilung; die diesbezügliche Behauptung der Beschwerde-
führerin ist durch nichts belegt.
Die Beschwerdeführerin behauptet, sie habe folgende Punkte in ihrer Ant-
wort genannt: Vergleichbarkeit mit Schweizer Vorsorgeplan, bei Vergleich-
barkeit keine Zurechnung zum Vermögen, Kriterium der Gleichbehand-
lung/Anerkennung, dass es sich somit um keinen Vorsorgeplan handle, ob
das Vermögen zurechenbar sei, dass die Prüfung gemäss Kreisschrei-
ben 30 zum selben Ergebnis führe und dass eine Besteuerung erst bei
Auszahlung erfolge, da Erträge nicht vorzeitig ausbezahlt werden könnten.
Bei diesen Punkten handelt es sich um von der Beschwerdeführerin selbst
zusammengesuchte Stichworte aus der Musterlösung jener Seminararbeit,
nicht um die von der Examinatorin dargelegten Elemente der richtigen Lö-
sung, welche zu Punkten geführt hätten. Auch aus der Behauptung der Be-
schwerdeführerin ergibt sich indessen, dass sie gar nicht bestreitet, dass
sie lediglich auf ein einziges der sechs Vergleichbarkeitskriterien eingegan-
gen ist, welche alle geprüft werden mussten, um zu der korrekten Schluss-
folgerung zu gelangen. Was die zusätzliche Prüfung gemäss Kreisschrei-
ben 30 betrifft, so scheinen die Überlegungen in der Lösung der Beschwer-
deführerin wenig Gemeinsamkeiten mit den im Kreisschreiben 30 darge-
legten relevanten Kriterien zu haben und ihr Ergebnis ist, wie die Examina-
torin zutreffend festhält, ja auch falsch. Die Frage einer Besteuerung allfäl-
liger Auszahlungen war, wie die Examinatorin nachvollziehbar festhält, in
der Aufgabenstellung nicht thematisiert. Möglicherweise verwechselte die
Beschwerdeführerin diesbezüglich die in der Aufgabenstellung genannten,
auf dem Trustvermögen anfallenden Erträge mit Auszahlungen oder Aus-
schüttungen, was ihre ausführlichen Ausführungen erklären würde, aber
kein Anlass für mehr Punkte darstellt.
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Seite 17
6.1.3 Die Bewertung der Lösung der Teilaufgabe 4.1.1 ist daher nicht zu
beanstanden.
6.2 Die Beschwerdeführerin beanstandet zudem die Bewertung ihrer Lö-
sung der Teilaufgabe 4.2.1. Sie macht geltend, diese Aufgabe habe mit ma-
ximal 11 Punkten bewertet werden können. Diese Teilaufgabe sei stark ver-
gleichbar mit dem Fall 5 der erwähnten Seminarunterlagen der Prüfungs-
expertin. Sie habe in ihrer Antwort die folgenden Punkte genannt: Ver-
gleichbarkeit mit Schweizer Säule 3a, Steuerliche Privilegierung, Voraus-
setzung Erwerbstätigkeit, Begrenzung Beitrag, Einzahlung durch Arbeit-
nehmer, Vorliegen eines mit der Säule 3a vergleichbaren Plans, Besteue-
rung Kapitalleistung und Besteuerung der Rentenleistung. Deshalb müsse
ihre Antwort mit mindestens 8 Punkten bewertet werden.
Die Prüfungsexpertin führt in ihrer Begründung aus, dass für das Erreichen
der vollen Punktzahl hätte erkannt werden müssen, dass der Registered
Retirement Savings Plan (RRSP) mit einer schweizerischen Säule 3a ver-
gleichbar sei. Auch hier habe eine detaillierte Auseinandersetzung mit den
von der SSK ausgearbeiteten Vergleichskriterien stattfinden und begründet
werden müssen, weshalb ein Kriterium als erfüllt oder als nicht erfüllt be-
trachtet werde. Daraus hätte erkannt werden müssen, dass eine Vergleich-
barkeit bestehe. Aufgrund der jederzeitigen Bezugsmöglichkeit könne je-
doch der Vorsorgetarif nur bei einer Auszahlung nach 59/60 Jahren ange-
wandt werden, ansonsten die Auszahlung ordentlich besteuert würde. Die
Beschwerdeführerin habe die Aufgabe lediglich stichwortartig beantwortet
und sei auf die einzelnen Vergleichbarkeitskriterien – wenn überhaupt –
nur sehr pauschal eingegangen. Aus dem Sachverhalt gehe hervor, dass
ein Kapitalbezug erfolgt sei, dies habe sie nicht erkannt. Trotzdem habe sie
5 von 11 möglichen Punkten erzielt. Die Bewertung sei eher grosszügig
erfolgt, weshalb keine zusätzlichen Punkte vergeben werden könnten.
6.2.1 Auch bezüglich dieser Aufgabe handelt es sich bei den von der Be-
schwerdeführerin dargelegten Lösungsteilen um von ihr selbst zusammen-
gesuchte Stichworte aus der Musterlösung jener Seminararbeit, nicht um
die von der Examinatorin dargelegten Elemente der richtigen Lösung, wel-
che zu Punkten geführt hätten. Auch bei dieser Aufgabe hat die Beschwer-
deführerin unbestrittenermassen lediglich einen Teil der sieben Vergleich-
barkeitskriterien erwähnt, welche alle geprüft werden mussten, um zu der
korrekten Schlussfolgerung zu gelangen. Die Behauptung der Beschwer-
deführerin, welche Kriterien sie behandelt haben will, ist allerdings nur teil-
weise nachvollziehbar: Die Aussagen in ihrer Lösung, soweit sie überhaupt
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entzifferbar sind, unterscheiden sich teilweise wesentlich von jenen sieben
Vergleichbarkeitskriterien.
6.2.2 Entsprechend ist die Bewertung der Lösung der Beschwerdeführerin
der Teilaufgabe 4.2.1 nicht zu beanstanden.
6.3 Weitere Rügen bezüglich Unterbewertung des Prüfungsteils "Steuern
schriftlich" erfolgen im Rahmen der vorliegenden Beschwerde nicht.
6.4 Es bleibt somit bei der von der Prüfungskommission vorgenommenen
Punktevergabe und der entsprechenden Note 3.5 für den Prüfungsteil
"Steuern schriftlich". Da die Beschwerdeführerin auch in zwei weiteren Prü-
fungsteilen ("Betriebswirtschaft" Note 3.5 und "Recht" Note 3.0) ungenü-
gende Noten erzielt hat, welche vorliegend nicht beanstandet werden, er-
geben sich hieraus bereits drei (gewichtete) Notenpunkte unter 4.0, wobei
für das Bestehen der Prüfung gemäss Prüfungsordnung maximal zwei No-
tenpunkte unter 4.0 liegen dürfen (vgl. Ziff. 6.41 Bst. b der Prüfungsord-
nung). Entsprechend könnte auch eine Höherbewertung der Diplomarbeit
nicht mehr zum Bestehen der Prüfung führen. Auf die diesbezüglichen Rü-
gen der Beschwerdeführerin ist daher nicht einzugehen.
7.
Die Beschwerdeführerin rügt überdies, sie habe die Prüfung nur sehr
knapp nicht bestanden, weshalb eine Grenzfallregelung zur Anwendung
kommen müsse. Die Vorinstanz habe Auskunft über ihre Grenzfallregelung
zu erteilen und diese sei in Anwendung zu bringen.
Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung vom 8. Februar 2022
ausgeführt, die Beschwerde erweise sich auch unter Berücksichtigung der
Grenzfallregelung als unbegründet und sei abzuweisen, wobei ein Grenz-
fall vorliege, wenn in einem schriftlichen Prüfungsteil ein Punkt zum Beste-
hen der Prüfung fehle.
7.1 Grundsätzlich steht es im Ermessen der Prüfungskommission, was sie
als Grenzfall definiert und wie sie in derartigen Fällen vorgehen will. Ein
genereller Anspruch darauf, dass Punktzahlen knapp unter der für eine ge-
nügende Note erforderlichen Grenze aufgerundet werden, besteht nicht
(Urteil des BGer 2P.177/2002 vom 7. November 2002 E. 4; BVGE 2010/10
E. 6.2.4; Urteile des BVGer B-2880/2018 vom 19. März 2020 E. 8.9.1 und
B-2213/2006 vom 2. Juli 2007 E. 8). Falls eine Grenzfallregelung vorliegt,
muss diese sachlich vertretbar sein und rechtsgleich für alle Prüfungskan-
didatinnen und -kandidaten zur Anwendung kommen (Urteile des BVGer
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B-6676/2019 vom 20. Dezember 2021 E. 11.3, B-2613/2012 vom
15. März 2013 E. 1.2.3 und B-7428/2010 vom 31. Mai 2011 E. 5).
7.2 Vorliegend hat die Prüfungskommission eine Grenzfallregelung getrof-
fen. Diese besagt konkret, dass ein Punkt zusätzlich in einem der Prü-
fungsfächer (Steuern, BWL oder Recht) vergeben werden kann, wenn
diese Anpassung zum Bestehen der Prüfung führen würde. Inwiefern diese
Grenzfallregelung in ihrem Fall zum Bestehen der Prüfung führen könnte,
legt die Beschwerdeführerin nicht dar und ist auch nicht ersichtlich, da die
Anzahl Punkte, welche die Beschwerdeführerin erzielt hat, mindestens in
den Prüfungsfächern "Steuern" und "Recht" um mehr als einen Punkt unter
der für den nächsten Notenschritt erforderlichen Anzahl liegt.
7.3 Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die Prüfungskommission und
die Vorinstanz davon ausgingen, dass die Beschwerdeführerin auch bei
Erteilung des unter der Grenzfallregelung möglichen Punktes die Prüfung
nicht bestehen würde, weshalb sie die Voraussetzungen für eine Anwen-
dung dieser Regel nicht erfülle.
8.
Zusammenfassend erweist sich die vorliegende Beschwerde als unbe-
gründet und ist daher abzuweisen.
9.
Die Verfahrenskosten sind mit Blick auf den Verfahrensaufwand und die
Schwierigkeit der Streitsache auf Fr. 1'500.– festzusetzen (Art. 63 Abs. 4bis
VwVG, Art. 2 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Entsprechend dem Verfahrensausgang hat die Beschwer-
deführerin die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie
Art. 1 ff. VGKE).
10.
Ausgangsgemäss ist der Beschwerdeführerin keine Parteientschädigung
zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 und 3 VGKE).
11.
Nach Art. 83 Bst. t BGG ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange-
legenheiten an das Bundesgericht unzulässig gegen Entscheide über das
Ergebnis von Prüfungen und anderen Fähigkeitsbewertungen, namentlich
auf den Gebieten der Schule, der Weiterbildung und der Berufsausübung.
Unter diesen Ausschlussgrund fallen Prüfungsergebnisse im eigentlichen
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Sinn, aber auch alle anderen Entscheide, die sich auf eine Bewertung der
intellektuellen oder physischen Fähigkeiten oder die Eignung eines Kandi-
daten beziehen (vgl. BGE 147 I 73 E. 1.2.1 und 138 II 42 E. 1.1, je mit
weiteren Hinweisen). Wenn andere Entscheide im Zusammenhang mit ei-
ner Prüfung strittig sind, insbesondere solche organisatorischer oder ver-
fahrensrechtlicher Natur, bleibt das Rechtsmittel zulässig (vgl. BGE 147 I
73 E. 1.2.1; Urteil des BGer 2C_769/2019 vom 27. Juli 2020 E. 1.2.1, je mit
weiteren Hinweisen).
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