Decision ID: 87908762-b10a-53ad-8e9a-40d7e7951902
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- M. und V. sind die Eltern von A. und B., geb. 2007. Sie wohnen mit ihren Kindern in
X., wo diese seit August 2017 in die reguläre öffentliche Schule gehen.
B.- Am 4. September 2017 ging bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde
Werdenberg (nachfolgend: KESB Werdenberg) eine Gefährdungsmeldung der
Schulbehörde X. ein. Darin wurde ausgeführt, dass A. und B. nicht konstant die Schule
besuchen und die Eltern auf Fördermassnahmen für A. verzichten würden. Der
Gefährdungsmeldung ging ein längerer Konflikt zwischen den Eltern und den
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Schulbehörden voraus; insbesondere die Mutter habe durch ihr Verhalten bei der
Schulverwaltung und der Schulführung enormen Aufwand verursacht.
Am 6. September 2017 fand bei der KESB Werdenberg ein Gespräch mit den Eltern
statt. Diese erklärten, dass ihre Kinder durch die Konflikte in der Schule sowie auf der
Erwachsenenebene derart belastet würden, dass sie krankgeschrieben seien. Bereits
im August hätten sie deshalb einen Antrag gestellt, die Kinder in der Nachbargemeinde
beschulen zu lassen. Mit E-Mail vom 10. September 2017 hielt die Kindsmutter jedoch
fest, dass A. und B. nach ihrer Genesung weiterhin die öffentliche Schule in X.
besuchen würden. Am 30. Oktober 2017 wurden A. und B. von der KESB Werdenberg
angehört; sie hielten u.a. fest, dass sie gerne in die Schule gingen und weiterhin in X.
beschult werden möchten. Weitere Gespräche zwischen den Eltern bzw. der Mutter
und der KESB Werdenberg fanden am 14. November 2017 und am 19. Dezember 2017
statt. Dabei hielten die Eltern fest, die Kommunikation mit der Schulbehörde sei
weiterhin schwierig, die Kinder seien aus ihrer Sicht in der Schule nicht überfordert und
bedürften keiner zusätzlichen Unterstützung und eine Beistandschaft sei nicht
notwendig. Mit Schreiben vom 6. Februar 2018 informierte die KESB Werdenberg die
Eltern über den vorgesehenen Entscheid und gewährte ihnen im Rahmen des
rechtlichen Gehörs die Möglichkeit zur Stellungnahme. M. und V. bekräftigten ihre
bereits geäusserte Ansicht in ihrer Stellungnahme vom 23. Februar 2018: Als Eltern
seien sie selbst in der Lage, für eine Verbesserung der Situation der Kinder zu sorgen.
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 2. März 2018 ordnete das zuständige
Behördenmitglied der KESB Werdenberg eine ambulante psychiatrische Abklärung der
Mutter an; damit solle geklärt werden, ob die Mutter an einer psychischen Erkrankung
leide, die sich auf ihre Erziehungsfähigkeit auswirke. Mit Verfügung vom 14. März 2018
errichtete die KESB Werdenberg eine Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2
ZGB für A. und B. (Dispositivziffer 1), ernannte F. zur Beiständin (Dispositivziffer 2),
definierte ihren Auftrag (Dispositivziffer 3), wies die Anträge der Eltern mangels
Zuständigkeit ab (Dispositivziffer 4) und auferlegte ihnen eine Gebühr von Fr. 1'000.–
(Dispositivziffer 5).
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C.- Mit Beschwerde vom 14. März 2018 fochten die Eltern die verfahrensleitende
Verfügung betreffend die psychiatrische Begutachtung der Mutter beim Einzelrichter
der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (abgekürzt: VRK) an. Am
20. April 2018 erhoben sie zudem Beschwerde bei der VRK gegen die Verfügung der
KESB Werdenberg vom 14. März 2018 betreffend die Errichtung der Beistandschaft.
Darin beantragten sie, der Beschluss der KESB Werdenberg sei aufzuheben und auf
die Errichtung einer Beistandschaft für A. und B. sei zu verzichten; eventualiter sei die
Sache zu Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der KESB Werdenberg. In prozessualer Hinsicht stellten
sie den Antrag, dieses Beschwerdeverfahren zu sistieren, bis über die Beschwerde
gegen die verfahrensleitende Verfügung betreffend die psychiatrische Begutachtung
der Mutter entschieden sei.
Mit Schreiben vom 23. April 2018 erklärte der verfahrensleitende Abteilungspräsident
der VRK, dass das Verfahren ohne Gegenbericht der Parteien bis zum Entscheid über
die Verfügung betreffend die Begutachtung der Mutter formlos sistiert werde. Mit
Entscheid vom 3. Mai 2018 hiess er in einzelrichterlicher Zuständigkeit die Beschwerde
gegen die verfahrensleitende Verfügung der KESB Werdenberg vom 2. März 2018 gut,
soweit darauf einzutreten war, und hob die Verfügung der Vorinstanz ersatzlos auf
(Verfahren-Nr. V-2018/55 P). Am 23. Juli 2018 reichte die KESB Werdenberg eine
Vernehmlassung zur Beschwerde ein und beantragte, ihre Verfügung vom 14. März
2018 sei zu schützen. Die Beschwerdeführer reichten am 10. September 2018 innert
erstreckter Frist eine Replik ein und hielten an ihren Beschwerdeanträgen fest. Auf eine
weitere Stellungnahme verzichtete die KESB Werdenberg am 21. September 2018. Am
9. Oktober 2018 hörten der Abteilungspräsident und der Gerichtsschreiber A. und B. je
einzeln an. Mit Schreiben vom 8. Februar 2018 ersuchte der Abteilungspräsident die
Schule X. um eine aktuelle Stellungnahme, welche am 25. Februar 2019 beim Gericht
einging. Der Stellungnahme beigelegt war der Bericht des Schulpsychologischen
Dienstes des Kantons St. Gallen, Regionalstelle V., vom 14. Januar 2019 betreffend die
schulische Situation von A.. Mit Schreiben vom 4. März 2019 übermittelte die Schule X.
den Zirkulationsbeschluss der Pädagogischen Kommission des Schulrates X. vom 28.
Februar 2019 über die Zuweisung von A. in die Kleinklasse.
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Am 16. April 2019 fand die mündliche Hauptverhandlung vor der VRK statt, an der die
Eltern, M. und V., ihr Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Dr.iur. Werner Ritter, sowie E. als
Vertreterin der Vorinstanz teilnahmen (vgl. Verhandlungsprotokoll). Die
Verfahrensbeteiligten hielten an ihren Anträgen fest. Die Vertreterin der KESB reichte
zudem eine Aktennotiz über ein Gespräch mit dem Schulratspräsidenten der Schule X.,
Y., und dem Gemeindepräsidenten der Gemeinde X., Z., ein.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit notwendig, in
den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Die
Beschwerde vom 20. April 2018 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen von Art. 314 Abs. 1,
Art. 450 und Art. 450b des schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, abgekürzt:
ZGB), Art. 27 des Einführungsgesetzes zum Kindes- und Erwachsenenschutzrecht
(sGS 912.5, abgekürzt: EG-KES) sowie Art. 41 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.- Die angefochtene Verfügung und das vorinstanzliche Verfahren sind von Amtes
wegen auf ihre formelle Rechtmässigkeit hin zu überprüfen. Die Beschwerdeführer und
ihre Kinder hatten im Zeitpunkt der Verfügung der Vorinstanz ihren zivilrechtlichen
Wohnsitz in X.. Die KESB Werdenberg war folglich örtlich und sachlich zur Führung von
Kindesschutzmassnahmen zuständig (vgl. Art. 315 Abs. 1 und Art. 25 Abs. 1 ZGB). Die
Vorinstanz verfügte in der Besetzung von drei Behördenmitgliedern (Art. 16 EG-KES).
Das rechtliche Gehör wurde den Beschwerdeführern gewährt; die beiden Kinder
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wurden im Laufe des Verfahrens ebenfalls angehört. In formeller Hinsicht erweist sich
die angefochtene Verfügung als rechtmässig.
3.- Streitgegenstand ist die Errichtung der Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und
Abs. 2 ZGB (Dispositivziffer 1 der vorinstanzlichen Verfügung vom 14. März 2018).
Angefochten sind somit auch die Ernennung der Beiständin (Dispositivziffer 2), die
Regelung ihrer Kompetenzen (Dispositivziffer 3) sowie der Kostenentscheid
(Dispositivziffer 5). Formell von den Anträgen umfasst ist grundsätzlich auch
Dispositivziffer 4, in welcher auf die Anträge der Kindseltern (im Zusammenhang mit
den Handlungen der Schulbehörde) nicht eingetreten wurde. Diesbezüglich ist jedoch
nicht ersichtlich, weshalb die vorinstanzlichen Erwägungen zur fehlenden sachlichen
Zuständigkeit fehlerhaft sein sollen. Weder in der Beschwerdeschrift noch in der Replik
findet sich dazu eine Begründung. Der Schluss, dass für die Überprüfung der
Handlungen der Schulbehörde und ihrer Mitglieder nicht die Vorinstanz zuständig ist,
ist nicht zu beanstanden (vgl. Art. 125 ff. des Volksschulgesetzes, sGS 213.1). Die
Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen.
4.- Zu prüfen ist somit in erster Linie, ob die Errichtung der Beistandschaft für A. und B.
notwendig und angemessen ist.
a) Sofern es die Verhältnisse erfordern, ernennt die Kindesschutzbehörde dem Kind
einen Beistand, der die Eltern in ihrer Sorge um das Kind mit Rat und Tat unterstützt
(Art. 308 Abs. 1 ZGB). Sie kann dem Beistand besondere Befugnisse übertragen,
namentlich die Vertretung des Kindes bei der Feststellung der Vaterschaft, bei der
Wahrung seines Unterhaltsanspruchs und anderer Rechte und die Überwachung des
persönlichen Verkehrs (Art. 308 Abs. 2 ZGB). Die elterliche Sorge kann entsprechend
beschränkt werden (Art. 308 Abs. 3 ZGB). Errichtet die Kindesschutzbehörde eine
Beistandschaft, so hält sie im Entscheiddispositiv die Aufgaben des Beistandes und
allfällige Beschränkungen der elterlichen Sorge fest (Art. 314 Abs. 3 ZGB). Die
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Beistandschaft zielt – im Gegensatz etwa zur Erziehungsaufsicht – nicht auf blosse
Empfehlung und Begleitung, sondern auf aktives, autoritatives und kontinuierliches
Einwirken auf die Erziehungsarbeit der Eltern und das Gebaren des Kindes (BSK ZGB I-
Breitschmid, 6. Aufl. 2018, Art. 308 N 2).
Als Kindesschutzmassnahme ist die Errichtung einer Beistandschaft nur zulässig, wenn
eine Kindeswohlgefährdung vorliegt und dieser nicht anders – namentlich nicht durch
blosse Mahnung, Weisungen oder eine Erziehungsaufsicht (vgl. Art. 307 Abs. 3 ZGB) –
begegnet werden kann (Art. 307 Abs. 1 ZGB). Die Massnahme hat den Prinzipien der
Prävention, Subsidiarität, Komplementarität und Proportionalität zu genügen. Es gilt
der Vorrang privater Verantwortung und die Freiheit der Lebensgestaltung auch bei der
Erziehung der Eltern. Nur wo diese ausser Stande sind, selber die notwendigen
Vorkehrungen zu treffen, ist einzugreifen. Staatliche Massnahmen sollen dabei nicht an
die Stelle der elterlichen Bemühungen treten, sondern allfällige Defizite kompensieren.
Die sachlich angezeigte Anordnung ergibt sich stets unter Würdigung der im Einzelfall
bestimmenden sozialen, medizinischen und erziehungswissenschaftlichen
Gesichtspunkten (vgl. BSK ZGB I-Breitschmid, a.a.O., Art. 307 N 3 ff.).
b) Die Vorinstanz führte in der Begründung ihres Beschlusses aus, zwischen den Eltern
und den verschiedenen Fachpersonen sowie der Schule und Schulbehörde X.
beständen massive Kommunikationsprobleme. Die Eltern würden in Bezug auf die
geeigneten Unterstützungsmassnahmen andere Meinungen vertreten als die
Fachpersonen. Sie würden versuchen, in den Schulunterricht einzugreifen. Es sei
davon auszugehen, dass A. und B. die schwierige Beziehung ihrer Eltern zu den
Personen der Schule wahrnähmen und sich die Situation belastend auf sie auswirke.
Es sei zu befürchten, dass es ihnen erschwert werde, ein unbelastetes und positives
Bild der Schule zu erlangen, und sie in Bezug auf die schulischen Vorgaben und
Anforderungen in einen Loyalitätskonflikt gerieten. Es hätten bereits fünf Schulwechsel
stattgefunden und ein weiterer Schulwechsel sei möglich. Insgesamt sei die positive
Entwicklung der Kinder gefährdet, wenn die Konflikte auf der Erwachsenenebene nicht
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geklärt werden könnten. Es liege eine mittelbare Kindeswohlgefährdung insbesondere
im Bereich der sozialen, intellektuellen und geistigen Entwicklung vor. Es sei zentral,
dass sich die Eltern und die Schule über die Förderung der Kinder einigten. Dafür sei
die Errichtung einer Beistandschaft notwendig, sodass eine neutrale Person das
Augenmerk auf eine angemessene Förderung und Beschulung sowie stabile und
kontinuierliche Verhältnisse legen könne. Es gehe keinesfalls darum, das Verhalten der
Eltern zu pönalisieren. Anlässlich der Hauptverhandlung hielt die Vertreterin der
Vorinstanz an diesen Erwägungen fest. In der Vergangenheit habe sich die
Kommunikation der Eltern mit der Schule schwierig gestaltet und es sei zu
Verzögerungen gekommen. Die Situation habe sich zwar etwas beruhigt, es brodle
aber immer noch. Eine Beiständin könne beim formalistischen Umgang mit der Schule
Abhilfe schaffen, zwischendurch Stopp sagen und den Eltern Tipps geben. Es brauche
einen Reflexionsrahmen.
c) Die Beschwerdeführer halten dem entgegen, es gebe keinen Grund für die
Errichtung einer Beistandschaft. Sie seien als Eltern um ihre Kinder bemüht und in der
Lage, das Kindeswohl zu gewährleisten. Dies hätten auch verschiedene Fachpersonen
bestätigt. Es beständen keinerlei Hinweise für ein unangemessenes Verhalten. Sie
würden anerkennen, dass ihre Zwillinge besonders förderbedürftig seien. Bei Eintritt in
die Regelschule X. hätten die Kinder gewisse Schwächen gezeigt; mittels der
getroffenen Unterstützungsmassnahmen habe sich die Situation über die Zeit hinweg
für die Kinder in der Schule und deren Leistungen aber massiv verbessert. A. und B.
fühlten sich auch wohl in der Schule. Der eigentliche Kern des Problems hätten die
unterschiedlichen Vorstellungen von ihnen und der Schule X. über die optimale
Beschulung und bestmögliche Förderung der Kinder gebildet. Als Kindseltern hätten
sie sich wiederholt um Gespräche mit allen Beteiligten bemüht. Die Schulbehörde habe
sie aber als zu fordernd empfunden, sei mit der Situation überfordert gewesen, habe
ihnen gegenüber eine abwehrende Haltung gezeigt und Druck auf die Familie
ausgeübt; das gelte insbesondere für die damalige Schulratspräsidentin, die sehr
emotional reagiert habe und der Kindsmutter krankhafte Züge unterstellt habe, und den
Rechtsberater der Schule. Die Gefährdungsmeldung sei völlig unverständlich,
unverhältnismässig und unsensibel gewesen. Sie hätten stets versucht, die
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Angelegenheit zu bereinigen, seien immer höflich aufgetreten und um einen Neustart
bemüht gewesen. Seit das Schulpräsidium ihnen am 20. November 2017 Weisungen
erteilt habe, habe sich die Problematik massiv entspannt und insbesondere die
Kommunikation mit den Lehrpersonen erweise sich als konstruktiver. Der bestehende
Formalismus in der Kommunikation sei seitens der Schule eingeführt worden und habe
sich bewährt. Das Vertrauen in die Schulbehörden hätten sie zurückgewonnen. Die
Kinder befänden sich nicht in einem Loyalitätskonflikt und der Konflikt auf der
Erwachsenenebene belaste sie nicht. Die optimale Betreuung und Förderung sei
sichergestellt. Als Eltern verhielten sie sich gegenüber der Schule angemessen. Sie
seien mit den besprochenen schulischen Massnahmen und namentlich dem Wechsel
von A. in die Kleinklasse einverstanden. Sie engagierten sich weiterhin für ihre Kinder
und nähmen deren Bedürfnisse alters- und kindsgerecht wahr. Es gäbe keine
Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung.
d) Aus dem Bericht der Schule X. vom 25. Februar 2019 und den vorgängigen
Stellungnahmen der Lehrpersonen geht hervor, dass B. bezüglich Lernstand mässig
erfolgreich und sein Sozialverhalten leicht auffällig ist, die Schulbehörden aber keine
Veranlassung für eine Massnahme sehen. A. konnte demgegenüber nicht definitiv in
die vierte Klasse übertreten. An einem Standortgespräch vom 8. Januar 2019 der
involvierten Behörden, Fachpersonen und Eltern wurde die schulische, persönliche und
soziale Entwicklung von A. besprochen; dabei gelangte man zum Schluss, dass A. so
bald als möglich, spätestens jedoch auf Beginn des Schuljahres 2019/2020 in eine
Kleinklasse übertreten soll. Bis dahin verbleibt sie in ihrem bisherigen schulisch-
sozialen Umfeld und die Fördermassnahmen (Unterstützung durch die schulische
Heilpädagogin und eine Klassenassistentin) werden beibehalten; eine Repetition der
Klasse erfolgt nicht. Die Pädagogische Kommission des Schulrates X. bestätigte dies
mit Zirkulationsbeschluss vom 28. Februar 2019 formell. Dagegen opponierten die
Eltern nicht; bereits in ihrer Stellungnahme vom 14. Februar 2019 dazu hielten sie fest,
die Notwendigkeit des Wechsels von A. in die Kleinklasse einzusehen. Anlässlich der
Hauptverhandlung hielten die Eltern fest, A. könne auf das nächste Schuljahr in eine
Kleinklasse nach U. übertreten.
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e) Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die Kinder der Beschwerdeführer und
namentlich A. in schulischen Belangen einer überdurchschnittlichen Förderung
bedürfen. Zwischen den Eltern und der Schule X. bestand in der Vergangenheit indes
Uneinigkeit darüber, welche Massnahmen zum Schutz und zur Förderung der Kinder
notwendig sind. Die Vorinstanz leitete das Kindesschutzverfahren aufgrund einer
Gefährdungsmeldung der Schulbehörde X. ein. Zwischen den Eltern und der Schule
bestanden erhebliche Konflikte: Die Beschwerdeführer fühlten sich missverstanden und
in ihrer Rolle als Erziehungs- und Sorgeberechtigte nicht ernst genommen; die
Schulbehörden fühlten sich durch die Interventionen und ausführlichen Stellungnahmen
der Mutter belastet. Das Kooperationsverhältnis war erheblich gestört. Dass unter
diesen Umständen eine Kindeswohlgefährdung hinsichtlich der Ausbildung nicht
ausgeschlossen werden konnte, ist nachvollziehbar.
Umstritten ist, ob zur Gewährleistung des Kindeswohl die Errichtung einer
Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB notwendig und angemessen war
und noch ist. Eine solche Errichtung setzt voraus, dass die Eltern selbst nicht willens
oder fähig sind, für eine angemessene Ausbildung ihrer Kinder zu sorgen. Andere
mildere Massnahmen müssen gescheitert sein oder zum Vornherein als ungeeignet
erscheinen. Im vorliegenden Fall war zwar die Kommunikation und Kooperation
erheblich gestört und die Vertreter der Schule und Eltern blockierten sich bis zu einem
gewissen Grad gegenseitig. Nach anfänglichen Schwierigkeiten war eine – wenn auch
harzige – Kommunikation aber doch immer wieder möglich und die Eltern zeigten auch
eine gewisse Bereitschaft, sich auf Empfehlungen von Fachpersonen einzulassen und
Anordnungen der Schulbehörden zu akzeptieren. Es bestand zwar keine Einigkeit in
allen Angelegenheiten, aber die Förderung der Kinder gelang doch in einem
hinreichenden Masse.
Aktuell sind für B. keine besonderen Massnahmen vorgesehen; für A. wurde
demgegenüber ein baldiger Übertritt in die Kleinklasse verfügt, was die Eltern
akzeptierten. Auch durch die klaren Vorgaben des Schulrates in Bezug auf die
Kommunikation und den Kontakt mit den Lehrpersonen, an die sich die Eltern halten
können, konnte die Situation beruhigt werden. Gemäss den Ausführungen des neuen
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Schulpräsidenten besteht zum aktuellen Zeitpunkt kein eigentlicher Konflikt seitens der
Schule mit den Eltern mehr. Auch anlässlich der Hauptverhandlung bestätigten die
Eltern, die Situation habe sich zwischenzeitlich erheblich verbessert und sie hätten das
Vertrauen in die Schulbehörde zurückgewinnen können. Insgesamt erscheint damit das
schulische Wohlergehen und eine gute Ausbildung der beiden Kinder grundsätzlich
gewährleistet. A. und B. erklärten in der gerichtlichen Kindesanhörung zudem, dass sie
gerne in die Schule gingen und die Fördermassnahmen absolvieren wollten. Angesichts
der getroffenen und von den Eltern akzeptierten schulischen Massnahmen, der
Beruhigung der Situation sowie einer – wenn auch formalistischen, so doch –
funktionierenden Kommunikation ist festzustellen, dass ein modus vivendi gefunden
werden konnte, der das schulische Wohl von A. und B. zu gewährleisten vermag. Es
sind zudem keine konkreten Anhaltspunkte ersichtlich, dass sich die Situation
inskünftig wieder verschlechtern könnte. Damit aber fehlt es an der Notwendigkeit der
Errichtung einer Beistandschaft.
Dass die Schulbehörden den empfohlenen Fördermassnahmen und einen geordneten
Schulbesuch der beiden Kinder garantieren und auf die überdurchschnittlichen
elterlichen Interventionen reagieren wollen, ist verständlich. Ihnen stehen dazu (neben
persönlichen Appellen) die Mittel des Schulrechts zur Verfügung. Eine Intervention
durch die Kindesschutzbehörde ist dabei nur angezeigt, wenn das Verhältnis der Eltern
zur Schule derart belastet ist, dass eine Lösungsfindung trotz beidseitiger – womöglich
auch intensiver – Bemühungen nicht mehr möglich und dies dem Kindeswohl
abträglich ist. Kann das schulische Wohl der Kinder auch ohne autoritative Intervention
durch einen Beistand gewährleistet werden, erweist sich die Beistandschaft – wie im
vorliegenden Fall – als nicht zwingend notwendig und somit als unverhältnismässig.
f) Zusammenfassend war die Errichtung bzw. ist die Beibehaltung der Beistandschaft
nicht angezeigt. Die Beschwerde ist entsprechend gutzuheissen und der
vorinstanzliche Entscheid aufzuheben.
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5.- a) Nach Art. 11 lit. a EG-KES in Verbindung mit Art. 95 Abs. 1 VRP hat in
Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder
teilweise abgewiesen werden. Es gilt der Grundsatz der Kostentragung nach Massgabe
des Obsiegens und Unterliegens. Der Ausgang des Verfahrens kommt einem
vollständigen Obsiegen der Beschwerdeführer gleich. Dem Verfahrensausgang
entsprechend sind die amtlichen Kosten der Vorinstanz aufzuerlegen. Eine
Entscheidgebühr von insgesamt Fr. 1'200.– für das vorliegende Beschwerdeverfahren
erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 112 der Gerichtskostenverordnung [sGS 941.12]).
Auf die Erhebung der amtlichen Kosten bei der Vorinstanz wird in Anwendung von
Art. 95 Abs. 3 VRP verzichtet. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist den
Beschwerdeführern zurückzuerstatten.
b) Zufolge Obsiegens haben die Beschwerdeführer Anspruch auf volle Entschädigung
der ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP und Art. 98 VRP), soweit diese aufgrund
der Rechts- und Sachlage als notwendig und angemessen erscheinen (Art. 98 Abs. 2
VRP). Der Rechtsvertreter reichte eine Kostennote über Fr. 10'640.75 (inkl. Barauslagen
und Mehrwertsteuer) ein und verlangt ein Pauschalhonorar von Fr. 9'500.–. Im
Verfahren vor der VRK wird das Honorar als Pauschale ausgerichtet; der Rahmen liegt
zwischen Fr. 1'500.– und Fr. 15'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt: HonO). Innerhalb dieses
Rahmens wird das Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach
Art und Umfang der notwendigen Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und den
wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten bemessen (Art. 19 HonO). Umstritten war
im vorliegenden Fall die Errichtung einer Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2
ZGB für die beiden Kinder der Beschwerdeführer. Angesichts des eingeschränkten
Prozessthemas und der geringen rechtlichen Komplexität der Streitsache erscheint das
geltend gemachte Honorar als deutlich übersetzt. Mit Blick auf den gesetzlichen
Honorarrahmen, unter Berücksichtigung des durchschnittlichen Aktenumfangs sowie
im Vergleich zu ähnlich gelagerten Fällen erscheint ein Honorar von Fr. 4'750.– als
angemessen; das entspricht einem Aufwand von 19 Stunden à Fr. 250.– (vgl. Art. 24
Abs. 1 HonO). Von einem erfahrenen Anwalt ist zu erwarten, dass er die notwendigen
und angezeigten Vorkehrungen und Verfahrenshandlungen in dieser Zeit effizient und
bis ter
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zielgerichtet vornimmt. Zum Honorar hinzuzurechnen sind die Barauslagen von
Fr. 190.– (4% von 4'750.–; Art. 28 HonO) und die Mehrwertsteuer von Fr. 380.40
(7.7% von Fr. 4'940.–; Art. 29 HonO). Die ausseramtliche Entschädigung beträgt damit
insgesamt Fr. 5'320.40; entschädigungspflichtig ist die Vorinstanz (KESB Werdenberg).