Decision ID: 525bf996-21e8-4a8c-aed3-319a0d1e533e
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Am 23. April 2008 erstattete A. bei der Kantonspolizei Aargau Anzeige  B. wegen angeblicher Veruntreuung von Geld an ihrem Arbeitsplatz, dem Tennisclubrestaurant C. im Kanton Basel-Stadt. B. sei am 30. März 2008 in seine Wohnung in Z. (Kanton Basel-Landschaft) gekommen und habe ihn unter Schilderung ihrer angeblich begangenen Veruntreuung , ihr ein Darlehen in Höhe von Fr. 48'000.-- zur Vertuschung der Tat zu gewähren. Dies habe er dann auch getan.
B. Die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Aargau ersuchten die Behör-
den des Kantons Basel-Stadt erstmals am 2. Mai 2008 um Übernahme des Verfahrens gegen B. Mit Schreiben vom 23. Mai 2008 und vom 3. Juni 2008 verneinte die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt ihre Zuständigkeit.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau ordnete daraufhin weitere  zum Sachverhalt an. Bei einer erneuten Befragung von A.  dieser ein, dass er sich bezüglich des Arbeitsortes von B. geirrt habe. Beim geschädigten Tennisclub handle es sich um denjenigen der Firma D. im Kanton Basel-Stadt. Am 27. Januar 2009 liess die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt die erweiterten Untersuchungsakten zur Übernahme des Strafverfahrens zukommen. Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt lehnte mit Schreiben vom 9. März 2009 die Übernahme des Verfahrens abermals ab (vgl. zum Ganzen die  des Kantons Aargau, ST.2008.1644).
C. Mit Gesuch vom 11. September 2009 gelangte die Staatsanwaltschaft des
Kantons Aargau an die I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts und beantragte, es seien die Behörden des Kantons Basel-Stadt für berechtigt und verpflichtet zu erklären, die B. zur Last gelegte Straftat gesamthaft zu verfolgen und zu beurteilen (act. 1).
Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt beantragte in ihrer Gesuchsantwort vom 24. September 2009 die Abweisung des Gesuchs (act. 4).
Die Gesuchsantwort wurde der Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau am 25. September 2009 zur Kenntnis gebracht (act. 5).
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Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird,  erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug .

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Die Zuständigkeit der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum
Entscheid über Gerichtsstandsstreitigkeiten ergibt sich aus Art. 345 StGB i.V.m. Art. 279 Abs. 1 BStP, Art. 28 Abs. 1 lit. g SGG und Art. 9 Abs. 2 des Reglements vom 20. Juni 2006 für das Bundesstrafgericht (SR 173.710). Voraussetzung für die Anrufung der I. Beschwerdekammer ist, dass ein Streit über einen interkantonalen Gerichtsstand vorliegt und dass die  über diesen Streit einen Meinungsaustausch durchgeführt haben (SCHWERI/BÄNZIGER, Interkantonale Gerichtsstandsbestimmung in , 2. Aufl., Bern 2004, N. 599). Die Behörden, welche berechtigt sind, ihren Kanton im Meinungsaustausch und im Verfahren vor der I.  zu vertreten, bestimmen sich nach dem jeweiligen  Recht (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 564; GUIDON/BÄNZIGER, Die aktuelle Rechtsprechung des Bundesstrafgerichts zum interkantonalen  in Strafsachen, in: Jusletter 21. Mai 2007, [Rz 12] in fine).
1.2 Die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau ist berechtigt, den Gesuchstel-
ler bei interkantonalen Gerichtsstandskonflikten vor der I.  zu vertreten (§ 33 Abs. 2 des Gesetzes über die Strafrechtspflege des Kantons Aargau vom 11. November 1958 [Strafprozessordnung, StPO/AG; SAR 251.100]). Bezüglich des Gesuchsgegners steht diese  der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt zu (§ 2 Abs. 3 der  des Kantons Basel-Stadt vom 8. Januar 1997 [SG 257.100]). Der Gesuchsteller hat mit dem Gesuchsgegner vor Einreichung des Gesuchs auch einen Meinungsaustausch durchgeführt.
1.3 Eine Frist für die Anrufung der I. Beschwerdekammer besteht für die Kan-
tone grundsätzlich nicht (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 623). Doch aus Gründen der Verfahrensbeschleunigung und entsprechend dem Prinzip des Handelns nach Treu und Glauben darf mit der Einreichung eines  nicht beliebig lange zugewartet werden. Der gesuchstellende Kanton ist gehalten, die I. Beschwerdekammer anzurufen, sobald es ihm nach den konkreten Umständen zugemutet werden kann und eine Einigung zwischen den betroffenen Kantonen nicht mehr ernsthaft in Betracht fällt. Nach der
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Rechtsprechung der I. Beschwerdekammer verletzt das Einreichen des Gesuchs um Gerichtsstandsbestimmung sechs Monate nach Scheitern des Meinungsaustausches das Prinzip des Handelns nach Treu und Glauben noch nicht, bewegt sich jedoch an der Grenze eines solchen Verstosses (vgl. zum Ganzen GUIDON/BÄNZIGER, a.a.O., [Rz 15] m.w.H.; Entscheid des Bundesstrafgerichts BK_G 014/04 vom 6. Mai 2004, E. 2.2; zuletzt bestätigt in BG.2009.19 vom 21. September 2009, E. 1.2).
1.4 Im vorliegenden Fall lehnte der Gesuchsgegner zunächst am 23. Mai 2008
bzw. am 3. Juni 2008 seine Zuständigkeit mit der Begründung ab, dass gemäss Erkundigungen weder im Tennisclubrestaurant C. noch im  in der Nähe des Tennisclubs eine Person mit dem Namen B. arbeite. Der Gesuchsteller erachtete hierauf die bestehende Aktenlage als  und veranlasste eine erneute Befragung von A. Durch die weiteren Abklärungen zum Sachverhalt erhoffte sich der Gesuchsteller Klarheit  des Gerichtsstandes, weshalb eine Einigung zwischen den  zu diesem Zeitpunkt noch möglich erschien. Als aber die  Basel-Stadt am 9. März 2009 trotz erweiterter Aktenlage ihre  wiederum bestritt, wurden von den Behörden des Kantons  keine weiteren Abklärungen getroffen. Eine Einigung war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr ernsthaft zu erwarten. Der Gesuchsteller ersuchte  aber erst am 11. September 2009, also sechs Monate später, die I. Beschwerdekammer um Klärung des Gerichtsstandes. Die  bewegt sich nach dem oben Gesagten an der Grenze des  gegen das Prinzip des Handelns nach Treu und Glauben. Auf das Gesuch ist daher einzutreten.
2. 2.1 Für die Verfolgung und Beurteilung einer strafbaren Handlung sind die Be-
hörden des Ortes zuständig, wo die strafbare Handlung ausgeführt wurde (Art. 340 Abs. 1 Satz 1 StGB). Massgeblich ist dabei nicht, was der  tatsächlich begangen hat und ihm schliesslich nachgewiesen werden kann, sondern der Tatbestand, der ihm vorgeworfen wird und  der Akten in Frage kommt, ohne dass er von vornherein als haltlos oder sicher ausgeschlossen erscheint. Für die Beurteilung der Sachlage geht die I. Beschwerdekammer von der Aktenlage im Zeitpunkt ihres Urteils aus und stützt sich auf Fakten, nicht auf Hypothesen (vgl. zum Ganzen GUIDON/BÄNZIGER, a.a.O., [Rz 25] m.w.H.; Entscheide des  BG.2009.21 vom 7. September 2009, E. 3.2; BG.2009.14 vom 1.  2009, E. 2.2; BG.2009.8 vom 27. April 2009, E. 2.2 jeweils m.w.H.).
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2.2 Der Gesuchsgegner verweigerte zuletzt seine Zuständigkeit für die  des Strafverfahrens gegen B. mit der Begründung, dass gemäss  kurzen Internet-Recherche das von A. bei der letzten Befragung  Restaurant des Tennisclubs D. ein kleiner Betrieb sei. Es sei eher unwahrscheinlich, dass ein derartiges Clubrestaurant über ein Vermögen von Fr. 48'000.-- verfüge. Zudem sei bis zum heutigen Tag keine Anzeige durch die Verantwortlichen des Tennisclubs eingereicht worden. Es sei deshalb davon auszugehen, dass die Geschichte von B. lediglich dazu  habe, A. zur Herausgabe von Geld zu bewegen. Eine deliktische Handlung habe damit allenfalls zum Nachteil von A. stattgefunden durch Überreden zur Gewährung eines Darlehens. Dies müsse als Betrug  und untersucht werden. Da die angebliche deliktische Handlung in der Wohnung von A. in Z. im Kanton Basel-Landschaft stattgefunden habe, sei die Gerichtsstandsfrage an das Bezirksamt Arlesheim zu richten.
Die Aussage, das Tennisclubrestaurant der Firma D. könne nicht über ein Vermögen von Fr. 48'000.-- verfügen, beruht nicht auf Fakten, sondern stellt bloss eine Vermutung des Gesuchsgegners dar. Die zur Anzeige  Veruntreuung erscheint weder als haltlos noch als sicher . Gegenstand der Untersuchung bildet daher die Frage, ob im Kanton Basel-Stadt eine Veruntreuung begangen worden ist. Der  Gerichtsstand befindet sich somit im Kanton Basel-Stadt. Gründe für ein Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand sind nicht ersichtlich und wurden auch von keiner der Parteien geltend gemacht.
2.3 Aus den oben erwähnten Gründen ist das Gesuch gutzuheissen und es
sind die Strafverfolgungsbehörden des Gesuchsgegners für berechtigt und verpflichtet zu erklären, die B. zur Last gelegte Straftat zu verfolgen und zu beurteilen. Sollte sich der Verdacht nicht bestätigen, obliegt es dem  die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen.
3. Es werden keine Gerichtskosten erhoben (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m.
Art. 66 Abs. 4 BGG).
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