Decision ID: 2f08d698-e52d-45ba-b8f1-3ba7ec121e36
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1954, war
von 1972 bis zur Auflösung des Arbeitsver
hältnisses durch die Arbeitgeber
in
per 3
0.
April 2008 als Verdraht
er/Prüf
feld
la
bo
rant bei der
Y._
AG
angestellt
(
Urk.
9/9/1-5). Am
8.
Juli 2008 meldete der Sozialdienst für Erwachsene des Bezirks
Z._
den verbeiständeten Versicherten (
Urk.
9/10
, 9/12
) zum Leistungsbezug bei der Invalidenversiche
rung an (
Urk.
9/1).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV
Stelle)
,
klärte die beruflichen und medizinischen Verhältnisse ab (
Urk.
9/5-8
, 9/9, 9/13-16
) und holte unter anderem die Akten der
Schweizerischen
Unfall
versicherungsanstalt
(Suva
) zu zwei
Unfällen vom 2
5.
Februar 2008 und vom 2
4.
April 2007 (
Urk.
9/8, 9/19)
ein
.
Mit Schreiben vom 1
6.
April 2009 stellte sie die Ausrichtung einer ganzen Inva
lidenrente ab Februar 2009 in Aussicht und teilte
am
selben Tag
mit, dass aus ärzt
licher Sicht die Weiterführung ein
er kontinuierlichen fachpsychiatrischen Behandlung einschliesslich notwendiger Pharmakotherapie und notwendiger, für die versicherte Person nicht vorhersehbarer geeigneter Nachweismethoden der Einnahme indiziert sei
en
. Zusätzlich we
rde dem Versicherten eine Scha
den
m
inderungspflicht im Rahmen einer
konsequenten Alkoholabstinenz
und dem
strikte
n
Verzicht
auf Medikamente jeder Art, a
usgenommen ärztlich ver
ord
neter
,
auferlegt (
Urk.
9/23). Mit
Verfügung vom 2
8.
August 2009 sprach sie dem Versicherten
rückwirkend ab Februar 2009 eine ganze
Rente
bei einem Inva
li
ditätsgrad von 100
%
zu (
Urk.
9/28)
1.2
Im August 2010 leitete die IV-Stelle ein amtliches Revisionsverfahren ein (
Urk.
9/30) und
nahm
unter anderem einen Bericht des Hausarztes
Dr.
med.
A._
vom
2
4.
Januar 2011 (
Urk.
9/41) zu den Akten
.
Der Versicherte trat am
8.
November 2010
gestützt auf
eine
Zielvereinbarung
mit der IV-Stelle
v
om 2
8.
September 2010 (
Urk.
9/33) ein
Arbeitsvermittlungsprogramm bei der
B._
AG
an
,
brach
dasselbe aber
bereits am
7.
Januar 2011 wieder ab (
Urk.
9/33-40).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
9/48-9/50) teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 2
4.
September 2013 die wiedererwägungsweise Aufhebung der Rentenverfügung vom 2
8.
August 2009 und die Einstellung der Invalidenrente auf Ende des der Zustellung fol
genden Monats mit (
Urk.
2).
2.
Gegen diesen Entscheid liess
X._
am 2
3.
Oktober 2013 unter Beilage eines Berichts von
Dr.
A._
vom
9.
Oktober 2013 (
Urk.
3) Beschwerde erhe
ben und
beantragen, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Invali
denrente
sei
weiter auszurichten. Prozessual liess er um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung und Bestellung von Rechtsanwalt Peter Stadler zum unentgeltlichen Rechtsvertreter ersuchen (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin schloss in der Vernehmlassung vom
9.
Dezember 2013 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
1).
Mit Verfügung vom 1
7.
Januar 2014 wurde das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung bewilligt und Rechtsanwalt Peter Stadler zum unentgeltlichen Rechts
v
e
rtreter
bestellt (
Urk.
12).
Am 2
2.
Mai 2015 wurde die Pensionskasse der
Y._
AG zum Prozess beigeladen (
Urk.
15). Die Beigeladene verzichtete auf eine Stellungnahme (
Urk.
17).
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitig und zu prüfen ist
einzig
die am 2
4.
September 2013 verfügte
wiederer
wägungsweise
Rentenaufhebung.
1.2
Unabhängig von einem
materiellen
Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des S
ozialversicherungsrechts (ATSG)
kann der Versicherungsträger
auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn sich diese als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung
– wie im Falle von Invalidenrenten als periodische Leistungen (BGE 119 V 475 E. 1c) -
von erheblicher Bedeutung ist (
Art.
53
Abs.
2 ATSG; BGE
133 V 50 E. 4.1,
110 V
176 E. 2a
mit Hinweisen
)
.
1.3
Die verfügte Aufhebung einer Invalidenrente mit der Begründung der Wiedererwä
gung kann nur bei Unvertretbarkeit der ursprünglichen Rentenzu
sprache erfolgen. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss
–
der
jenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung
- möglich (BGE 125 V 383 E. 6a
;
Urteil des
Bundesgerichts 9C_700/2013 vom 2
6.
Dezember 2013 E.
4.1 mit diversen Hinweisen
).
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn die gesetzeswidrige Leistungszusprechung aufgrund falscher oder unzutreffender Rechtsregeln erlassen wurde oder wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder
unrichtig angewandt wurden (BGE 103 V 12
6 E. 2a S. 128;
Urteil des
Bundes
gerichts 9C_700/2013 vom 2
6.
Dezember 2013 E. 4.1 mit diversen Hinweisen
).
Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurteilung in Bezug auf gewisse Schritte und Elemente (z.B. Invaliditätsbemessung, Einschätzungen der Arbeits
unfähigkeit, Beweiswürdigungen, Zumutbarkeitsfragen) notwendigerweise Ermes
senszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung solcher Anspruchsvorausset
zungen (einschliesslich ihrer Teilaspekte wie etwa die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darbot, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (Urteil
e
des Bundesge
richts I 907/06 vom
7.
Mai 2007
E. 3.2.1 mit Hinweisen,
9C_215/2007 vom
2.
Juli 2007, E. 3.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die zweifellose Unrichtigkeit der ursprüng
lichen Rentenverfügung damit, dass die Rente
nzusprache im Jahr 2009 erfolgt sei
, ohne dass im Zusammenhang mit der diagnostizierten depressiven Episode
bei dominanten psychosozialen Faktoren
die
Fragen
nach der Überwindbarkeit der Störung und nach der Komorbidität gestellt worden seien
und dies
,
obwohl die einschlägige Rechtsprechung dannzumal bereits umzusetzen gewesen wäre
(
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer lässt dem
im Wesentlichen
entgegen halten
(
Urk.
1 S. 6 ff.)
, dass die ursprüngliche Rentenzusprache im Rahmen der damaligen Rechts
lage erfolgt sei. Ganz sicher handle es sich nicht um eine zweifellos unrichtige Rentenzusprache, sei sie doch gestützt auf die Beurteilung eine
r
psychiatrischen Fachklinik erfolgt, welche vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) als nach
vollziehbar beurteilt worden sei.
Der Rentenzusprache sei zudem nicht nur ein depressives Geschehen, sondern auch eine Persönlichkeitsstörung zugrunde
gelegen
, bei welcher die angerufene Rechtsprechung (BGE 130 V 352) nicht zum Tragen komme.
3.
3.1
Die
ursprüngliche Rentenzusprache mit
Verfügung vom 2
8.
August 2009 basierte in medizinischer Hins
icht im Wesentlichen auf
d
en
Beurteilungen des
Ambulatoriums
C._
, einer Einrichtung der
D._
AG
.
Wie den Anamnesen der
Berichte
vom 2
8.
August 2008 (
Urk.
9/13) und vom 1
7.
Dezember 2008 (
Urk.
9/19/65) zu entnehmen ist, kam
es beim Beschwerde
führer nach
der Scheidung
im Jahr 2004 zu einer depressiven Entwicklung und ab 2007 zu e
xzessivem Alkoholkonsum
. Im Jahr 2007 und 2008 sei er in der Klinik
E._
und
mehrfach in Ambulatorium
C._
psychiatrisch
behan
delt
worden
. Nach durchgeführtem Alkoholentzug hätten sich neben der depressiven Symptomatik auch Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen gezeigt. Bei anamnestischer Verwahrlosung sei eine Beistandschaft errichtet worden
(vgl.
Urk.
9/13/3
, 9/19/65)
.
Gemäss Bericht
des Ambulatoriums
C._
vom 2
3.
Januar 2009 stand der Beschwerdeführer
seit dem 2
2.
Oktober 2008 wieder in ambulanter B
ehandlung (2x monatlich). Er zeige
sich
aktuell abstinent bezüglich Alkohol. Im Vor
der
grund steh
e ausser der noch leicht bis mittelgradig ausgeprägten depressiven Symptomatik vor allem die Exazerbat
ion der Persönlichkeitsstörung
mit para
noiden und narz
isstischen Zügen. Aktuell imponierten
vor allem Konzentra
tionsdefizite, affektive Auffälligkeiten mit herabgesetzter Stimmungslage und reduzierter affektiver Stimmungsfäh
igkeit sowie paranoide Gedankenmuster
vor allem in Bezug auf Behörden un
d frühere Arbeitgeber
. Die Prognose sei auf
grund der auffälligen Persönlichkeitsstruktur trotz gegenwärtiger Alkoholabsti
nenz eher schlecht. Voraussetzung für eine Verbesserung sei die Weiterführung der regelmässigen ambulanten Therapie.
Die Diagnosen lauteten auf eine seit zwei Jahren bestehende rezidivierende depressive Störung, aktuell leichte bis mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), ein ebenfalls seit zwei Jahren bestehendes Alkoholabhängigkeitssyndrom, aktuell abstinent (ICD-10 F10.20)
,
und
auf
eine Persönlichkeit mit akzentuierten nar
zisstischen und paranoiden Persönlichkeitszügen (ICD-10 F60.1). Der Beschwer
deführer sei weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig, wobei aufgrund der depressiven Entwicklung die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit und infolge der auffäl
ligen Persönlichkeitsstruktur die Anpassungsfähigkeit eingeschränkt sei
en
(
Urk.
9/16/1-7)
.
Der zuständige RAD-Arzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Chirurgie, erach
tete diese Beurteilung am
6.
Februar 2009 aufgrund der Befund
e
als nachvoll
ziehbar. Gestützt auf seine Einschätzung erliess die Beschwerdegegnerin die Rentenverfügung unter
vorheriger
Konkretisierung der Schadenminderungs
pflicht entsprechend dem Vorschlag von
Dr.
F._
(
Urk.
9/22/4-5).
Keine wesentliche Bedeutung mass die Beschwerdegegnerin gemäss Fest
stel
lung
blatt vom 1
6.
April 2009 (
Urk.
9/22 mit zitierten Arztberichten) den Ver
let
zungs
folgen der Unfälle vom April 2007 mit Fraktur BWK 11 u
nd vom 1
8.
Februar 2008 mit
Kalottenfraktur occipital mit Kieferhöhlenfraktur links und ventraler Dislokation bei. Gemäss Beurteilung von
Dr.
A._
vom 2
2.
Dezember 2008
hatten sich bis dahin die somatischen Beschwerden
d
enn auch
weitgehend z
urückgebildet. Körperlich könnte
der Beschwerdeführer
seines Erachtens
praktisch di
e meisten Arbeiten durchführen
(
Urk.
9/14/6-7)
.
3.2
D
ie Rentenzusprache
erfolgte nach dem oben Dargelegten
massgeblich
gestützt auf die
fachpsychiatrische Beurteilung
des Ambulatoriums
C._
vom
2
3.
Januar 200
9.
Im Vordergrund standen demgemäss die Krankheitsbilder einer
r
ezidivierenden depressiven
Störung
, aktuell leichte bis mittelgradige Episode, und
die Exazerba
tion der Persönlichkeitsstörung
(
Urk.
9/16/3). Ein psychoso
matisches Leiden, welches mit Blick auf die Frage der Rechtmässigkeit der wie
dererwägungsweisen Rentenaufhebung im Lichte der
von der Beschwerdegeg
nerin angerufenen
, zwischenzeitlich mit zur Publikation bestimmtem Urteil 9C_492/2014 vom
3.
Juni 2015 geänderter
Rechtspraxis und der
Rec
htsgrund
sätze
gemäss BGE 130 V 352 zu beurteilen
gewesen
wäre,
wurde
zu
keinem Zeitpunkt thematisiert
.
Der
Argumentation der Beschwerdegegnerin
zur Frage der Überwindbarkeit
der psychischen Störung
und
derjenigen der
erheblichen Komorbidität (
Urk.
2)
kann daher
nicht gefolgt werden.
Zuzustimmen ist der Beschwerdegegnerin
dagegen
insoweit
, als leichte bis mit
tel
gradige depressive Episoden gemäss Rechtsprechung grundsätzlich als thera
peutisch angehbar betrachtet werden (Urteil des Bundesgerichts C_736/2011 v
om
7.
Februar 2012 E. 4.2.2.1). Jedoch ist
klarzustellen, dass die Behandelba
r
keit einer psychischen Störung für sich allein betrachtet
nichts über deren inva
lidisierenden Charakter aussagt
respektive diesen nicht ohne Weiteres aus
schliessen lässt
. Für die Entstehung des Anspruchs auf eine Invalidenrente im Besonderen ist immer und einzig vorausgesetzt, dass während eines Jahres (ohne wesentlichen Unterbruch) eine mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit nach
Art.
28
Abs.
1 lit. b des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
vorliegt
und
dass
eine anspruchsbegründende Erwerbs
unfähigkeit gemäss
Art.
7 ATSG respektive eine
Invalidität im Sinne von
Art.
8 ATSG in Verbin
dung mit
Art.
28
Abs.
1 lit. c IVG weiterhin besteht.
3.3
Dies bedeutet nicht, dass eine fachärztlich festgeste
llte psychische Krankheit ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität ist. Zur Annahme einer Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist - auch bei psychischen Erkran
kungen - in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärzt
licherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt.
Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild
nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturel
len Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unter
schei
den
de
Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstim
mungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizi
nischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo dagegen im Wesentlichen nur Befunde erheb
en werden
, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale
und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität füh
ren, indem sie einen ver
selbst
ändigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad sei
ner - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden - Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil
des Bundesgerichts
9C_
537/2011
vom
2
8.
Juni 20
12
E. 3.2
mit Hinwei
sen
).
3.4
In hier zu beurteilenden
Fall führten die
psychosozialen Faktoren (Scheidung
von der Ehefrau
2004) im Jahr 2007 offensichtlich
zu einer erhebli
chen
Krise, aufgrund welcher
d
er
Beschwerdeführer
gemäss Aktenlage
exzessiv Alkohol zu konsumieren begann,
nach fast vierzig Jahren bei derselben Arbeit
geberin
seine
Stelle verlor,
in finanzielle Schwierigkeiten geriet
und gar
verbei
ständet
wurde
. Diese zwar ursprünglich wohl nahezu ausschliesslich psychoso
zial verursachte Krise führte
gemäss medizinischer Aktenlage (vgl.
Urk.
9/6/8, 9/13/3)
aber
bereits früh
neben der Alkoholproblematik
zu einer zunehmend
depressiven Entwicklung
. Hinzu
gesellte sich gemäss Beurteilung des Ambula
toriums
C._
eine
im Jahr 2008 exazerbierte
Persönlichkeitsstörung des Beschwer
deführers
mit paranoiden und narzisstischen Zügen (vgl.
Urk.
9/16/2-3).
Damit lag
gemäss Aktenlage im Zeitpunkt der Rentenzusprache
ein
fachärztlich diagnostiziertes
gemischtes
psychisches
Beschwerdebild vor, welches sich
aufgrund seiner Komplexität,
der
Subjektivität
und
der stark persönlichkeits
bezo
ge
nen Einflüsse nur schwer erfassen l
iess
.
Sowohl
die Einschätzung des Schwe
re
grades eines solchen B
eschwerdebildes als auch die ärztliche
Einschät
zung
zur Arbeitsunfähigkeit sind
der Natur der Sache nach
stark ermessensge
prägt.
Zwar
war das Krankheits
bild offensichtlich mit psychosozialen Faktoren verge
sellschaftet, doch lassen die Akten
nicht den Schluss zu, dass die
fachärzt
lich
erhobenen Befunde in den psychosozialen Umständen
ganz offensichtlich ihre hinreichende Erklärung fa
nde
n, gleichsam
zweifellos
in ihnen aufgingen
(BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E.
2). Dass die sozialen Umstände die Krise ausgelöst und aufrecht erhal
ten haben, ist für die Prüfung der Invalidität ohne Belang,
fragt
doch
die Invali
de
nversi
cherung als
finale Versicherung nicht nach den Ursachen eines Gesund
heits
schadens
(
AHI 1999 S. 81 E
. 2a).
Angesichts
des
einer psychiatrischen Exploration bei der Einschätzung des Schweregrades einer psychischen Symptomatik inhärenten Beurteilungs- und Ermessensspielraum
s
(vg
l. BGE 130 V 352 E. 2.2.4
)
und d
es
Umstand
s
, dass
sich
zwar eine leichte
depressive Verstimmung
wie auch eine Dysthymie
, welche nicht zusammen mit anderen Befunden auftritt, regelmässig nicht invalidisie
rend
auswirken
, dass sich dieser Schluss aber gerade beim Aufeinandertreffen mit einer
ernsthaften
Persönlichkeitsstörung häufig nicht mehr rechtfertigt
(
vgl.
Urteil 8C_913/2010 vom 1
8.
April 2011 E. 3.2 mit Hinweisen
),
scheidet die Annahme einer zweifellosen Unrichtigkeit der
ursprüngliche
n
Rentenzus
prache
aus. Eine solche würde den bundesrechtlichen Begriff der zweifellosen Unrich
tigkeit nach
Art.
52
Abs.
2 ATSG
eindeutig
überspannen (vgl. Urteil des Bun
desgerichts 9C_994/2010 vom 1
2.
April 2010
).
Entsprechend hält die wiedererwägungsweise Rentenaufhebung der
gerichtli
chen
Übe
rprüfung nicht stand und die angefochtene Verfügung ist
in Gutheis
sung der Beschwerde
aufzuheben.
3.5
Lediglich anzumerken ist, dass es
Sache der Beschwerdegegnerin sein
wird
, d
as
Revisionsverfahren
neuerlich aufzunehmen
, die nicht abgeschlossenen medi
zinischen Abklärungen zu vervollständigen
und unter anderem zu prüfen
, ob der Beschwerdeführer seiner Schadenminderungspflicht (vgl.
Urk.
9/23)
in adäqua
ter Weise
nach
gekommen ist
respektive
nachkommen konnte
.
4.
4.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG in der seit dem 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Fassung) und ermessensweise auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4.2
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers weist in der einge
reich
ten Kosten
note vom
8.
Mai 2015
(
Urk.
14
) für das vorliegende Verfah
ren einen Zeitauf
wand von
13
Stunden und Barauslagen von Fr.
78.--
aus. Diese Aufwendungen erscheinen als gerechtfertigt. Beim gerichtsüblichen Stun
den
ansatz von Fr. 200.-- (bis Ende 2014) resultiert daraus
eine Entschädigung von Fr.
2‘892.25
inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer
.