Decision ID: eb584d45-cf84-57e1-bfb2-8904c0f332c1
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) stand in gekündigtem Arbeitsverhältnis mit der
B._ (nachfolgend: Arbeitgeberin) als Mitarbeiterin Hauswirtschaft mit 80%igem
Arbeitspensum, als sie sich am 12. April 2016 unter Hinweis auf ein seit Herbst 2015
bestehendes psychisches Leiden bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV)
zum Leistungsbezug anmeldete (IV-act. 1-6 f. sowie 6-9). Zu diesem Zeitpunkt stand
sie seit dem 8. März 2016 in Behandlung in der Tagesklinik des Psychiatrischen
Zentrums C._ (vgl. IV-act. 15-1 ff.), und war vorher vom 29. Oktober 2015 bis
4. Februar 2016 in der Psychiatrischen Klinik D._ stationär behandelt worden (vgl. IV-
act. 9-5 ff.).
A.a.
Ihr Hausarzt, Dr. med. E._, nannte in einem Bericht vom 25. April 2016 als
Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne
psychotische Symptome, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung sowie eine
arterielle Hypertonie (IV-act. 9-1). Am 24. Juni 2016 endete die Behandlung in der
Tagesklinik des Psychiatrischen Zentrums (IV-act. 15-1).
A.b.
Am 30. August 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass keine
beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 20).
A.c.
Mit Bericht vom 11. April 2017 erklärten med. pract. F._ und der zuständige
Oberarzt Dr. med. G._, Psychiatrie H._, Ambulatorium C._, die Versicherte stehe
seit 25. Juli 2016 bei ersterer in psychiatrischer Behandlung. Es zeige sich eine
hartnäckige chronifizierte schwergradige depressive Symptomatik, die sich seit
Oktober 2015 trotz verschiedener Behandlungsansätze nur geringgradig verbessert
habe (IV-act. 32).
A.d.
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Mit Mitteilung vom 3. Mai 2017 informierte die IV-Stelle die Versicherte erneut
darüber, dass kein Anspruch auf berufliche Massnahmen bestehe (IV-act. 37).
A.e.
Am 5. Juni 2017 füllte die Versicherte den Fragebogen zur Rentenabklärung
betreffend Erwerbstätigkeit / Haushalt aus. Darin erklärte sie, sie erhalte Hilfe im
Haushalt von ihrer Schwägerin und ihrem Bruder, mit welchen sie zusammenlebe (IV-
act. 39). Bei der Abklärung vor Ort vom 26. Juli 2017 gab sie an, dass sie im
Gesundheitsfall in einem 80 %-Pensum arbeiten würde (IV-act. 46).
A.f.
Im Januar 2018 wurde die Versicherte im Auftrag der IV (vgl. IV-act. 48 und 52)
von der PMEDA Polydisziplinäre Medizinische Abklärungen (nachfolgend: PMEDA)
internistisch, orthopädisch und psychiatrisch untersucht (IV-act. 55 i.V.m. 54-1). Das
entsprechende Gutachten datiert vom 22. März 2018 (IV-act. 56) und postuliert als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Pangonarthrose rechts mit
geringer klinischer Funktionsstörung und eine Funktionsstörung der linken Schulter bei
MR-tomographisch nachgewiesener bursaseitiger Partialruptur der
Supraspinatussehne. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien eine arterielle
Hypertonie, ein Verdacht auf Gastritis, eine Adipositas Grad I, eine mögliche depressive
Episode sowie ein Fehlgebrauch von Benzodiazepin-Analoga und Opioiden (IV-act.
56-44 f.). In Zusammenfassung aller Teilgutachten, der erhobenen Anamnesen und
Befunde sowie der Vorakten kamen die Gutachter gemeinsam zum Schluss, dass die
Arbeitsfähigkeit der Versicherten in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit oder auch einer
anderen, körperlich leichten Tätigkeit ohne häufige Zwangshaltungen der Wirbelsäule
und der Kniegelenke nicht limitiert sei (IV-act. 56-47). Aufgrund der langen Abwesenheit
vom Arbeitsmarkt und der angeregten Therapieumstellung wurde eine schrittweise
Eingewöhnung empfohlen (z.B. in vier monatlichen Arbeitsfähigkeitsschritten à 25 %;
IV-act. 56-48).
A.g.
Mit Vorbescheid vom 24. April 2018 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 61). Diese liess dagegen durch
ihren Rechtsvertreter lic. iur. Andreas Petrik, Rechtsanwalt, St. Gallen, am 2. Mai 2018
Einwand erheben und Arztberichte einreichen (IV-act. 67). Am 21. Juni 2018 ersuchte
die IV-Stelle die PMEDA unter Einreichung dieser Arztberichte um deren
Berücksichtigung und neuerliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 87; vgl.
A.h.
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B.
auch Schreiben vom 14. November 2018 in IV-act. 98, vom 1. April 2019 in IV-act. 112
sowie vom 14. Mai 2019 in IV-act. 115). Am 16. Mai 2019 erfolgte die gutachterliche
Stellungnahme der PMEDA (IV-act. 116). Am 27. Mai 2019 gewährte die IV-Stelle der
Versicherten wiederum das rechtliche Gehör (IV-act. 120). Rechtsanwalt Petrik machte
davon am 17. Juli 2019 Gebrauch (IV-act. 125). Zu dieser Eingabe äusserte sich die
PMEDA auf Ersuchen der IV-Stelle (IV-act. 127) am 18. September 2019 (IV-act. 128).
Am 16. Oktober 2019 beauftragte die IV-Stelle die PMEDA mit einer orthopädischen
Verlaufsbegutachtung (IV-act. 132). Daraufhin wurde die Versicherte am 11. November
2019 vom zuständigen orthopädischen Facharzt erneut untersucht (IV-act. 134). Das
entsprechende Verlaufsgutachten wurde nach zusätzlichen diagnostischen
Untersuchungen in Form von MRI vom 4. und 6. Dezember 2019 (IV-act. 135) am 31.
Januar 2020 erstattet (IV-act. 140). Dabei wurden die Diagnosen Gonarthrose rechts
mit geringer Funktionsstörung, Arthrose des Lisfranc'schen Gelenks,
Rotatorenmanschettenruptur und mässiggradige Gelenkarthrose links sowie Adipositas
Grad I erhoben (IV-act. 140-67). Der Gutachter kam zum Schluss, dass sich neben den
Arthrosen im Fusswurzelbereich aus orthopädischer Sicht keine ausweisbare
Veränderung des medizinischen Befunds im Vergleich zum Vorgutachten vom 22. März
2018 finde (IV-act. 140-68). In der angestammten Tätigkeit als Angestellte
Hauswirtschaft wäre die Versicherte zu 25 % arbeitsfähig, da überwiegend Arbeiten im
Stehen und Gehen abverlangt würden. Körperlich leichte, überwiegend im Sitzen zu
verrichtende Tätigkeiten seien optimal angepasst (IV-act. 140-71). In einer solchen
Tätigkeit sei die Versicherte zu 100 % arbeitsfähig (IV-act. 140-72).
Mit dem den Vorbescheid vom 24. April 2018 ersetzenden Vorbescheid vom 18.
Februar 2020 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie keinen Anspruch auf
Rentenleistungen habe (IV-act. 148). Dagegen erhob Rechtsanwalt Petrik am 20. April
2020 Einwand (IV-act. 152). Am 23. April 2020 verfügte die IV-Stelle, dass die
Versicherte keinen Anspruch auf eine Invalidenrente habe (IV-act. 154).
A.i.
Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt Petrik am 25. Mai 2020 Beschwerde
für die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) und beantragte unter Kosten-
und Entschädigungsfolge, die Verfügung sei aufzuheben und es sei eine ganze
B.a.
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Erwägungen
1.
Invalidenrente auszurichten. Zur Begründung brachte er insbesondere vor, dass es der
Beschwerdeführerin aufgrund der vielfach ausgewiesenen körperlichen und
psychischen Beeinträchtigungen nicht möglich sei, eine allfällig bestehende
medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit zu verwerten. Auch unter Berücksichtigung
der Tatsachen, dass sie für die Fortbewegung auf Unterarmgehstöcke angewiesen sei,
weiterhin kein stabiler Gesundheitszustand vorliege, bereits eine mehr als vier Jahre
dauernde Absenz vom Arbeitsmarkt vorliege und im massgeblichen Zeitpunkt bis zur
Pensionierung eine Aktivitätsdauer von nur noch zehn Monaten bestanden habe,
erweise sich die Verwertung als nicht zumutbar (act. G 1).
Mit Eingabe vom 25. August 2020 beantragte die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde (act. G 4).
B.b.
In der Replik vom 2. November 2020 liess die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen festhalten (act. G 8).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 17. November 2020 auf die Erstattung
einer Duplik (act. G 10).
B.d.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
1.1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
1.2.
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2.
Nicht mehr strittig ist der Umstand, dass der Beschwerdeführerin gemäss den
Gutachten der PMEDA vom 22. März 2018 und 31. Januar 2020 eine adaptierte
Tätigkeit (leichte, überwiegend im Sitzen auszuübende Tätigkeit) vollzeitlich zumutbar
ist und dass sie in ihrer angestammten Tätigkeit in der Hauswirtschaft höchstens zu 25
% arbeitsfähig ist (vgl. IV-act. 56-47, 140-71 f. und act. G 1). Diese Einschätzungen
lassen sich aufgrund der medizinischen Aktenlage ohne Weiteres nachvollziehen (vgl.
insbesondere IV-act. 56 und 140) und sind nicht zu beanstanden. Denn die PMEDA-
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Für die Bestimmung des
Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt
der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
1.4.
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Gutachten erfüllen die Anforderungen hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichtes
(vgl. E. 1.4 vorstehend), sodass sich diesbezügliche Weiterungen erübrigen. Streitig
und zu prüfen ist demgegenüber die Frage, ob diese Resterwerbsfähigkeit der
Beschwerdeführerin verwertbar ist.
Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbare
Einkommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) zu
ermitteln. Dieser ist gekennzeichnet durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen
Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften und weist einen Fächer verschiedener
Tätigkeiten auf (BGE 110 V 276 E. 4b). Dies gilt sowohl bezüglich der dafür verlangten
beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen
Einsatzes (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Juni 2018, 8C_133/2018, E. 2.2.1). An die
Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind keine
übermässigen Anforderungen zu stellen. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch
sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen
Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen
können (Urteil des Bundesgerichts vom 21. September 2010, 9C_124/2010, E. 2.2 mit
Hinweis). Von einer Arbeitsgelegenheit kann jedoch dann nicht mehr gesprochen
werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur noch in so eingeschränkter Form möglich
ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter
nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich
wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als
ausgeschlossen erscheint (BGE 138 V 460 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juli
2017, 9C_253/2017, E. 2.2.1).
2.1.
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in
der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren
persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer
versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird. Fehlt es an einer
wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige
Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet
(BGE 138 V 460 E. 3.1). Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das
verbliebene Leistungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten,
lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt von den
Umständen des Einzelfalls ab. Massgebend können die Art und Beschaffenheit des
Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und
Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur,
2.2.
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vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder
Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (BGE 138 V
460 E. 3.1 mit Hinweisen). Körperlich leichte Hilfstätigkeiten werden auf dem
massgebenden hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG)
grundsätzlich altersunabhängig nachgefragt (Urteil des Bundesgerichtes vom 29. Juni
2018, 9C_862/2017, E. 3.3.3 mit Hinweis). Die Rechtsprechung hat für die
Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit älterer Menschen relativ hohe Hürden
aufgestellt (Urteile des Bundesgerichtes vom 18. Dezember 2019, 9C_693/2019, E. 5
mit Hinweisen, und 31. August 2018, 8C_117/2018, E. 3.3.4; Hans-Jakob Mosimann,
Problemzonen Invalideneinkommen - Alter, Leidensabzug, Selbsteingliederung,
Parallelisierung, in: Sozialversicherungsrechtstagung 2018, Ueli Kieser [Hrsg.], 2019, S.
161 ff, S. 164 ff.).
Die Möglichkeit, die verbliebene Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt nicht zuletzt davon ab, welcher Zeitraum der
versicherten Person für eine berufliche Tätigkeit und vor allem auch für einen allfälligen
Berufswechsel noch zur Verfügung steht. Als massgebender Stichtag für die
Beantwortung dieser Frage ist der Zeitpunkt des Feststehens der medizinischen
Zumutbarkeit einer (Teil-) Erwerbstätigkeit ausschlaggebend. Dieser Zeitpunkt ist
gegeben, sobald die medizinischen Unterlagen diesbezüglich eine zuverlässige
Sachverhaltsdarstellung erlauben (BGE 138 V 462 E. 3.3). Die medizinische
Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit stand vorliegend - entgegen der Ansicht der
Parteien (act. G 1 Ziff. III/30 sowie act. G 8 Ziff. III/3.4) - nicht erst mit dem
orthopädischen Verlaufsgutachten der PMEDA vom 31. Januar 2020, sondern
grundsätzlich bereits mit dem polydisziplinären PMEDA-Gutachten vom 22. März 2018
fest. Darin kamen die Gutachter nach internistischer, psychiatrischer und
orthopädischer Exploration zum Schluss, dass die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit oder auch einer anderen,
körperlich leichten Tätigkeit ohne häufige Zwangshaltungen der Wirbelsäule und der
Kniegelenke nicht limitiert sei (IV-act. 56-40). Angesichts dieser unmissverständlichen
Ausführungen musste der Beschwerdeführerin bereits zu diesem Zeitpunkt klar sein,
dass die Beschwerdegegnerin von ihr die Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit
erwartet. Dass sich nach dieser ersten PMEDA-Begutachtung eine Fussarthrose
bemerkbar machte und sich damit eine gesundheitliche Verschlechterung einstellte,
durfte die Beschwerdeführerin nicht zur Annahme verleiten, nun überhaupt nicht mehr
arbeitstätig werden zu müssen. Sie hätte angesichts des ausführlichen PMEDA-
Gutachtens vom 22. März 2018 davon ausgehen müssen, dass ihr sitzende Tätigkeiten
auch mit den Fussbeschwerden nach wie vor zugemutet werden würden. Auf
2.3.
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entsprechende Nachfrage der zuständigen Krankentaggeldversicherung hin erklärte
auch der behandelnde Orthopäde Dr. med. I._, Orthopädie J._, am 13. November
2018, dass die Beschwerdeführerin sitzende Tätigkeiten ausüben könnte (Fremdakten,
act. 2-2), und die Krankentaggeldversicherung verwies sie am 22. November 2018
zusätzlich explizit an die Arbeitslosenversicherung (Fremdakten, act. 2-108). Am 22.
März 2018 war die am _ 19_ geborene Beschwerdeführerin _ Jahre und gut _
Monate alt gewesen, womit ihr noch eine Aktivitätsdauer von rund 2 Jahren und _
Monaten bis zur ordentlichen Pensionierung verblieben war.
In qualitativer und quantitativer Hinsicht sind der Beschwerdeführerin körperlich
leichte, überwiegend im Sitzen auszuübende Tätigkeiten vollzeitlich zumutbar (vgl. E.
2), wobei diese Tätigkeiten keine häufigen Zwangshaltungen und kein häufiges
Arbeiten über der Horizontalen beinhalten sollten (vgl. IV-act. 56-40). Angesichts dieses
Tätigkeitsprofils kommt der Frage, ob die Beschwerdeführerin auf die Benutzung von
Gehstöcken angewiesen ist (vgl. Vorbringen in der Beschwerde act. G 1 Ziff. III/25 bis
28 und in der Replik act. G 8 Ziff. III/1 bis 5) oder nicht (vgl. Vorbringen in der
Beschwerdeantwort act. G 5 Ziff. 2.3 bis 2.5), keine entscheidende Bedeutung zu. Ihr
steht mit leichten, vorwiegend im Sitzen auszuübenden Tätigkeiten ein genügend
weites Betätigungsfeld (z.B. leichte Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-, Prüf-
sowie Verpackungsarbeiten sowie leichtere Arbeiten bei der Lager- und
Ersatzteilbewirtschaftung) auf dem ausgeglichenen Hilfsarbeiterinnen-Arbeitsmarkt zur
Verfügung. Bezüglich der Erwerbsbiographie der Beschwerdeführerin ist den Akten zu
entnehmen, dass sie ihren Angaben zufolge in ihrem Heimatland K._ eine Lehre zur
Schneiderin absolviert und während knapp 20 Jahren als solche gearbeitet hat. Nach
ihrer Ankunft in der Schweiz Ende 20_ (IV-act. 1-2) war sie ab dem Jahr 20_ (vgl. IV-
act. 5-2) als Aushilfe im Service in einer Klinik und in Hotels tätig. Zuletzt hat sie im
Hauswirtschaftsbereich in einem Hotel gearbeitet (IV-act. 56-24). Nach Beendigung
dieser Tätigkeit für die Arbeitgeberin per 31. Mai 2016 (vgl. IV-act. 6-9) war sie nicht
mehr arbeitstätig. Nach dem Gesagten hat die Beschwerdeführerin keine in der
Schweiz anerkannte Berufsausbildung absolviert und ist auch unter Berücksichtigung
der von ihr seit ihrer Einreise in die Schweiz ausgeübten Tätigkeiten als Hilfsarbeiterin
zu qualifizieren. Ihre bisherigen Berufserfahrungen zeugen sodann von einer
vorhandenen Umstellungsfähigkeit im Erwerbsleben und der Fähigkeit, sich an neue
Aufgaben und Strukturen anpassen zu können. Zudem ziehen Hilfstätigkeiten
rechtsprechungsgemäss nur kurze Umstellungs- und Einarbeitungsaufwände nach sich
und setzen keine Ausbildung sowie Berufserfahrung voraus. Vor diesem Hintergrund
reicht auch die relativ kurze verbliebene Aktivitätsdauer aus, um eine neue einfache
Erwerbstätigkeit aufzunehmen, sich einzuarbeiten und die Arbeit auszuführen.
2.4.
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3.
Die Beschwerdeführerin hat auch vor Eintritt der gesundheitlichen Probleme keinen das
Die Beschwerdeführerin kann aus der von ihr in der Beschwerde zitierten
Rechtsprechung betreffend Unverwertbarkeit mangels vergleichbarer Sachverhalte
nichts zu ihren Gunsten ableiten. Insoweit sie sich in diesem Zusammenhang auf einen
labilen Gesundheitszustand beruft (act. G 4 Ziff. III/9), kann ihr nicht gefolgt werden.
Denn der orthopädische Facharzt der PMEDA kam zwar zum Schluss, dass eine
Gewichtsreduktion und das konsequente Tragen orthopädischer Schuheinlagen/
orthopädischer Schuhe zu empfehlen seien (IV-act. 140-69). Er hielt jedoch explizit fest,
dass nach seiner Einschätzung die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin durch
medizinische Massnahmen nicht relevant verbessert werden könne (IV-act. 140-72).
Hinsichtlich der vom behandelnden Orthopäden Dr. I._ aufgezeigten Option der
Arthodese von TMT II wünschte die Beschwerdeführerin dessen Bericht vom 29.
Oktober 2018 zufolge zuzuwarten (vgl. IV-act. 97-3). Anlässlich der Untersuchung vom
11. November 2019 war eine entsprechende Operation immer noch nicht geplant,
andernfalls die Beschwerdeführerin dem begutachtenden Orthopäden wohl davon
berichtet hätte (vgl. IV-act. 140-67 f.). Dieser sah sodann vorrangig die Notwendigkeit
der erwähnten Gewichtsreduktion und des Tragens der Schuheinlagen/Schuhe und
erachtete eine Operation erst nach dem Versagen dieser Therapiemassnahmen als
angezeigt (IV-act. 140-67). Vor diesem Hintergrund ist nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass diese Operation einer Arbeitstätigkeit der
Beschwerdeführerin bis zu ihrer ordentlichen Pensionierung im Wege gestanden hätte.
2.5.
Die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit aufgrund fortgeschrittenen Alters
unterliegt immer einer gerichtlichen Einzelfallprüfung (vgl. zum Ganzen Marco Weiss,
Verwertbarkeit aufgrund vorgerückten Alters - Rechtsprechungstendenzen, in SZS/
RSAS 62/2018 S. 630 ff. mit Hinweisen). Die Beschwerdeführerin vermag nicht
aufzuzeigen, weshalb ihre Restarbeitsfähigkeit nicht verwertbar sein soll. Wie erwähnt,
kann den geltend gemachten Einschränkungen nicht die Bedeutung einer
Unverwertbarkeit beigemessen werden. Ausgehend vom ausgeglichenen Arbeitsmarkt,
der auch Nischenarbeitsplätze umfasst, erscheint vorliegend das Finden einer
zumutbaren Stelle nicht zum Vornherein ausgeschlossen. Ebenfalls ist nicht auf die
Notwendigkeit eines überdurchschnittlichen Entgegenkommens eines potentiellen
Arbeitgebers zu schliessen. In Berücksichtigung des medizinischen
Zumutbarkeitsprofils und der strengen bundesgerichtlichen Rechtsprechung (siehe E.
2.2 vorstehend) ist die Beschwerdegegnerin zu Recht von der Verwertbarkeit der
Resterwerbsfähigkeit ausgegangen.
2.6.
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durchschnittliche Einkommen von Hilfsarbeiterinnen erreichenden, geschweige denn
übersteigenden Lohn erzielt (vgl. den Fragebogen für Arbeitgebende in IV-act. 6 sowie
den IK-Auszug in IV-act. 100). Bei einer Arbeitsfähigkeit von 100 % in adaptierten
Tätigkeiten bleibt der Invaliditätsgrad folglich ungeachtet dessen, ob sie als
vollschichtig oder nur zu 80 % erwerbstätig zu qualifizieren ist, unter der
rentenbegründenden Schwelle von 40 %. Weitere Ausführungen zur Statusfrage und
zu einem allfälligen Tabellenlohnabzug erübrigen sich vor diesem Hintergrund.
4.