Decision ID: 42ab10cd-5eab-472f-92a5-3fd11542ea16
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung (Abänderung vorsorgliche Massnahmen)
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichtes im ordentlichen  des Bezirksgerichtes Pfäffikon vom 7. Oktober 2019; Proz. FE170105
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VSM-Abänderungs-Anträge der Klägerin: (act. 105 S. 2 i.V.m. act. 142 S. 1)
1. Es sei die Tochter C._ für die Dauer des Scheidungsverfahrens unter die alleinige Obhut der Klägerin zu stellen.
2. Es sei von der in Dispositiv-Ziffer 1 Absatz 2 der Verfügung des  Pfäffikon vom 19. Juni 2018 vorgesehenen Ausweitung der Betreuung durch den Beklagten ab Mai 2019 für die weitere Dauer des Scheidungsverfahrens abzusehen.
3. In Abänderung von Dispositiv-Ziffer 1 der Verfügung des  Pfäffikon vom 19. Juni 2018 sei der Beklagte für berechtigt zu , die Tochter C._ für die weitere Dauer des  in den geraden Wochen am Sonntag und in den ungeraden Wochen am Mittwoch jeweils von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr auf eigene Kosten zu betreuen.
4. Es sei die Beistandschaft aufzuheben. 5. Die Rechtsbegehren und Anträge des Beklagten seien abzuweisen. 6. Es sei über die Frage der Erziehungsfähigkeit des Beklagten und über
die Frage der Betreuung von C._ ein Gutachten einzuholen. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. Mehrwertsteuerzusatz von 7.7%) zulasten des Beklagten. Eventualiter sind die Kosten den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen und die Parteientschädigung gegenseitig .
VSM-Abänderungs-Anträge des Beklagten: (act. 121 S. 2 i.V.m. Prot. S. 58)
1. Das Kind C._, geboren tt.mm 2015, sei in Abänderung der  Regelung für die Dauer des Scheidungsverfahrens unter die  Obhut des Beklagten zu stellen und der Wohnsitz des Kindes sei beim Beklagten festzusetzen.
2. Die Klägerin sei für berechtigt zu erklären, das Kind auf eigene Kosten wie folgt zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen:
a. Jedes zweite Wochenende von Freitag, 18.00 Uhr, bis Sonntag, 18.00 Uhr;
b. jeden Mittwoch, 18.00 Uhr, bis Donnerstag, 18.00 Uhr. 3. Evt. für den Fall der Abweisung der Zuteilung der alleinigen Obhut an
den Beklagten 3.1 sei dieser zusätzlich zur geltenden Betreuungsregelung für be-
rechtigt zu erklären, pro Jahr vier Wochen Ferien mit dem Kind zu verbringen;
3.2 sei dieser zu verpflichten, das Kind jeweils persönlich bei der  zur Ausübung seines Betreuungsanteils abzuholen und die
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Klägerin sei zu verpflichten, das Kind hernach persönlich beim Beklagten abzuholen;
3.3 sei dieser für berechtigt zu erklären, ausgefallene  jeweils nachzuholen;
3.4 sei dieser für berechtigt zu erklären, die seit 01.05.2019 bis 19.06.2019 ausgefallenen 23 Tage samt Übernachtungen und 3 zusätzlichen Nächten innert 12 Monaten seit Anhängigmachung dieses Gesuchs nachzuholen.
4. Die Verpflichtung des Beklagten zur Bezahlung von Unterhalt an die Klägerin für das Kind und sie persönlich sei aufzuheben.
5. Die Klägerin sei zu verpflichten, dem Beklagten für Pflege, Erziehung und Betreuung des Kindes C._, geboren tt.mm 2015, Fr. 335.–  allfällig vertraglicher oder gesetzlicher Kinder- oder  monatlich im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats zu bezahlen.
6. Das Gericht habe in Zusammenarbeit mit der Beiständin und der KESB allfällige andere oder weitere sofortige Massnahmen zum Schutz des Kindes zu prüfen und ohne vorgängige Anhörung der Klägerin .
7. Die Gerichtskosten seien der Klägerin aufzuerlegen, und diese sei zu verpflichten, dem Beklagten eine angemessene Entschädigung  7.7% MwSt. zu bezahlen.
Verfügung des Bezirksgerichtes:
1. In Abänderung von Dispositiv-Ziffer 2 des Urteils des Obergerichts des Kantons Zü-
rich vom 6. November 2017 wird die Obhut für die Tochter C._, geb. tt.mm
2015, einstweilen der Klägerin zugeteilt.
2. In Abänderung von Dispositiv-Ziffer 1 des VSM-Entscheids des hiesigen Bezirksge-
richts vom 19. Juni 2018 ist der Beklagte berechtigt und verpflichtet, die Tochter
C._, geb. tt.mm 2015, wie folgt auf eigene Kosten zu sich oder mit sich auf
Besuch zu nehmen:
a) ab sofort bis und mit April 2020 (Phase 1):
− jeden Mittwoch, jeweils von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr;
− jedes vierte Wochenende (beginnend ab 21./22. Dezember 2019), je-
weils von Samstagmorgen 8.00 Uhr bis Sonntagabend 18.00 Uhr;
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b) ab 1. Mai 2020 bis 16. August 2020 bzw. bis zum Eintritt in den Kindergarten
(Phase 2):
− jeden Mittwoch, jeweils von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr;
− jedes zweite Wochenende, jeweils von Samstagmorgen, 8.00 Uhr bis
Sonntagabend, 18.00 Uhr;
c) ab 17. August 2020 bzw. ab Eintritt in den Kindergarten (Phase 3):
− jeden Mittwoch, jeweils nach dem Kindergarten bis Donnerstagmorgen
zu Beginn des Kindergartens;
− jedes zweite Wochenende, jeweils von Freitag nach dem Kindergarten
bis Sonntagabend, 18.00 Uhr.
Sollte der Kindergarten ferienhalber oder aus anderen Gründen ausfallen, ist
der Beklagte zudem berechtigt und verpflichtet, C._ wie folgt auf eigene
Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen:
− jeden Mittwochmorgen, 8.00 Uhr bis Donnerstagmorgen, 8.00 Uhr;
− jedes zweite Wochenende, jeweils von Freitagabend, 18.00 Uhr bis
Sonntagabend, 18.00 Uhr.
3. Der Beklagte ist verpflichtet, die Tochter C._, geb. tt.mm 2015, jeweils an ei-
nem von beiden Parteien bestimmten Ort oder ab Eintritt in den Kindergarten direkt
vom Kindergarten abzuholen bzw. sie nach der Besuchszeit auch wieder an den
entsprechenden Ort zurückzubringen.
4. In Abänderung von Dispositiv-Ziffer 4 des VSM-Entscheids des hiesigen Bezirksge-
richts vom 19. Juni 2018 werden die Aufgaben im Rahmen der für die Tochter
C._, geb. tt.mm 2015, mit demselben Entscheid errichteten Beistandschaft im
Sinne von Art. 308 Abs. 2 ZGB erweitert. Der Beiständin/dem Beistand werden zu-
sätzlich folgende Aufgaben erteilt:
− die Organisation und Einsetzung einer sozialpädagogischen Familienbeglei-
tung (SPF) zur Unterstützung der Eltern bei der Schaffung einer kindeswohl-
förderlichen Übergabe und Betreuung;
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− die Organisation und Überwachung des elterlichen Besuchs des Kurses "El-
tern bleiben. Mein Kind im Zentrum" vom D._ zum nächstmöglichen
Termin;
− die Organisation und Überwachung des elterlichen Besuchs einer Mediation
und/oder einer Erziehungsberatung, die diese darin unterstützt, die Überga-
ben von C._ aus entwicklungspsychologischer Sicht gelungen und dem
Kindswohl entsprechend zu gestalten – solange und soweit angezeigt;
− die Organisation und Überwachung weiterer Elternbildungskurse für die El-
tern, die diese in der Bewältigung des Konflikts betreffend die Übergabe und
Betreuung von C._ unterstützen – sofern und soweit nötig.
Allfällige Kosten für diese Kindesschutzmassnahmen tragen die Eltern je zur Hälfte.
Der Beistand/die Beiständin wird jedoch beauftragt, eine allfällige Fremdfinanzie-
rung bei den entsprechenden Behörden bzw. bei den Gemeinden zu beantragen.
5. Im Übrigen bleibt es beim Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 6. No-
vember 2017 sowie beim VSM-Entscheid des hiesigen Bezirksgerichts vom
19. Juni 2018 und werden die Anträge der Parteien abgewiesen.
6. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen werden im Endentscheid geregelt.
7.-8. Schriftliche Mitteilung/Rechtsmittel
Berufungsanträge des Beklagten: (act. 2 S. 2 f.)
1. Dispositiv Ziffer 1. der Verfügung des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Pfäffikon vom 7. Oktober 2019 sei  und durch folgende Fassung zu ersetzen:
"In Abänderung von Dispositiv Ziffer 2 des Urteils des Obergerichts des Kantons Zürich vom 6. November 2017 wird die Obhut für die Tochter C._, geboren tt.mm 2015, einstweilen dem Beklagten zugeteilt und der Wohnsitz der Tochter bei ihm festgelegt."
Evt. für den Fall, dass dem Beklagten nicht die alleinige Obhut zugeteilt wird, sei Dispositiv Ziffer 1 der Verfügung des Einzelgerichts im  Verfahren am Bezirksgericht Pfäffikon vom 7. Oktober 2019  aufzuheben.
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2.1 Dispositiv Ziffer 2 der Verfügung des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Pfäffikon vom 7. Oktober 2019 sei  und durch folgende Fassung zu ersetzen:
"In Abänderung von Dispositiv Ziffer 1 des Massnahmeentscheides des Bezirksgerichts Pfäffikon vom 19. Juni 2018 ist die Klägerin berechtigt und verpflichtet, die Tochter C._ wie folgt auf eigene Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch bzw. in die Ferien zu nehmen:
a) Jedes zweite Wochenende von Freitag, 18.00 Uhr, bis Sonntag, 18.00 Uhr;
b) Jeden Mittwochabend, 18.00 Uhr, bis Donnerstagabend, 18.00 Uhr;
c) Vier Wochen pro Jahr mit einer Voranzeigefrist von zwei Monaten an den Beklagten."
2.2. Dispositiv Ziffer 2 der Verfügung des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Pfäffikon vom 7. Oktober 2019 sei wie folgt zu ergänzen:
"Der Beklagte ist berechtigt, pro Jahr vier Wochen Ferien mit dem Kind zu verbringen mit einer Voranzeigefrist von zwei Monaten an die ."
Evt. für den Fall der Beibehaltung der alternierenden Obhut bzw. der Zuweisung der alleinigen Obhut an die Klägerin sei Dispositiv Ziffer 2 der Verfügung des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am  Pfäffikon vom 7. Oktober 2019 wie folgt zu ergänzen:
"Der Klägerin werden folgende Weisungen gemäss Art. 307 Abs. 3 i.V.m. Art. 273 Abs. 2 ZGB erteilt:
a) Die Ausübung des Betreuungsanteils von C._ beim  nicht zu be- oder verhindern, insbesondere das Kind C._ seinem Vater jeweils regelmässig gemäss geltender Regelung des persönlichen Verkehrs zu übergeben;
b) Die Übergaben wenn immer möglich persönlich, insbesondere nicht im Beisein ihres Partners E._, vorzunehmen;
c) Die Nichteinhaltung dieser Weisungen wird mit einer  gemäss Art. 292 StGB verbunden. Art. 292 StGB betreffend Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen lautet wie folgt:
"Wer der von einer zuständigen Behörde oder einem zuständigen Beamten unter Hinweis auf die Strafdrohung dieses Artikels an ihn erlassenen Verfügung nicht Folge leistet, wird mit Busse ."
3. Dispositiv Ziffer 3 der des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Pfäffikon vom 7. Oktober 2019 sei wie folgt :
"Die Klägerin ist verpflichtet, die Tochter C._ jeweils dem  zu bringen und der Beklagte ist verpflichtet, das Kind zur Klägerin zu bringen."
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4. Evt. für den Fall, dass die Obhut nicht dem Beklagten zugeteilt wird, sei das Dispositiv der Verfügung des Einzelgerichts im summarischen  am Bezirksgericht Pfäffikon vom 7. Oktober 2019 wie folgt zu :
"Der Beklagte wird für berechtigt erklärt, insgesamt zwanzig  in Absprache und Organisation mit der Beistandsperson nachzuholen."
5. Die Verpflichtung des Beklagten zur Bezahlung von Unterhaltsbeiträgen an die Klägerin für das Kind und sie persönlich wird aufgehoben.
6. Die Klägerin ist verpflichtet, dem Beklagten für die Pflege und  des Kindes C._ einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 600.– zuzüglich allfälliger vertraglicher oder gesetzlicher Kinder-  Ausbildungszulagen zu bezahlen, zahlbar monatlich im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats.
7. Von der Verpflichtung des Beklagten zur Leistung eines  sei abzusehen.
8. Die Gerichtskosten seien der Klägerin aufzuerlegen und diese sei zu verpflichten, dem Beklagten eine angemessene Entschädigung  7.7 % MwSt. zu bezahlen.
Berufungsanträge der Klägerin: (act. 17 S. 2)
1. Sämtliche Anträge des Beklagten seien vollumfänglich abzuweisen. 2. Der Klägerin sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und es
sei ihr in der Person des Unterzeichneten ein unentgeltlicher  zu bestellen.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. Mehrwertsteuerzusatz von 7.7 %) zulasten des Beklagten.
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Erwägungen:
1.
1.1. Die Parteien sind die verheirateten Eltern von C._ (geb. tt.mm 2015).
Seit dem 8. Oktober 2015 leben die Parteien getrennt (vgl. act. 3 E. III.1.). Mit
Eheschutzentscheid des Bezirksgerichts Winterthur vom 11. April 2016 wurde die
Obhut für C._ für die Dauer des Eheschutzverfahrens allein der Klägerin zu-
geteilt. Der Beklagte wurde für berechtigt erklärt, seine Tochter jedes Wochenen-
de alternierend am Samstag oder Sonntag sowie zusätzlich an einem Tag unter
der Woche für sieben bzw. ab Mitte Mai 2016 für zehn Stunden auf Besuch zu
nehmen (vgl. act. 5/23/28). Gegen diesen Entscheid führte die Klägerin Berufung,
worauf das Besuchsrecht des Vaters mit Entscheid des Obergerichts vom
20. September 2016 auf den Tag am Wochenende begrenzt wurde (vgl.
act. 5/40/27).
1.2. Mit Eheschutzentscheid des Bezirksgerichts Winterthur vom 26. April 2017
wurde die Obhut für C._ an beide Parteien mit wechselnder Betreuung zuge-
teilt und dem Beklagten das Recht eingeräumt, die Tochter an jedem zweiten
Wochenende von Freitagmorgen bis Sonntagabend sowie an jedem Dienstag-
abend bis zum Mittwochabend zu betreuen (vgl. act. 5/23/77). Auch dagegen er-
hob die Klägerin Berufung. Mit Urteil vom 6. November 2017 bestätigte das Ober-
gericht im Wesentlichen den Entscheid des Bezirksgerichts Winterthur. Die alter-
nierende Obhut wurde jedoch stufenweise eingeführt: in einer ersten Phase bis
28. Februar 2018 wurde dem Beklagten das Recht eingeräumt, C._ an je-
dem zweiten Wochenende von Samstagmorgen bis Sonntagabend und jeden
Mittwoch für 10 Stunden zu betreuen. Für die zweite Phase ab 1. März 2018 wur-
de das Betreuungsrecht gemäss Entscheid des Bezirksgerichts Winterthur vom
26. April 2017 eingeräumt (vgl. act. 5/22/118).
1.3. Mit Eingabe vom 9. November 2017 stellte die Klägerin beim Bezirksge-
richt Pfäffikon (nachfolgend Vorinstanz) ein Scheidungsbegehren. Mit Entscheid
der Vorinstanz vom 19. Juni 2018 über vorsorgliche Massnahmen wurde die im
obergerichtlichen Eheschutzentscheid vorgesehene Anpassungsphase bis zum
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30. April 2019 verlängert und für die Tochter C._ eine Besuchsbeistandschaft
errichtet (vgl. act. 5/69). Im weiteren Verlauf des Verfahrens stellten die Parteien
die eingangs aufgeführten Abänderungsanträge; am 7. Oktober 2019 fällte die
Vorinstanz ihren Entscheid über die Anpassung der vorsorglichen Massnahmen.
Im Wesentlichen wurden die Obhut neu einstweilen der Klägerin zugeteilt, die
Aufgaben der Besuchsbeiständin erweitert und die Betreuung durch den Beklag-
ten angepasst: bis zum Eintritt C._ in den Kindergarten im August 2020 wur-
de dem Beklagten das Recht eingeräumt, C._ jeden Mittwoch für 10 Stunden
sowie jedes vierte bzw. ab Mai 2020 jedes zweite Wochenende von Samstag-
morgen bis Sonntagabend zu betreuen. Ab Kindergarteneintritt soll die Betreuung
im Wesentlichen der Betreuung entsprechen, wie sie bereits der obergerichtliche
Eheschutzentscheid sowie der vorinstanzliche Entscheid vom 19. Juni 2018 für
die zweite Phase vorsahen. Wegen des Kindergartenbesuchs verkürzte sich je-
doch die Betreuung am Tag unter der Woche und am Freitag (vgl. act. 3).
1.4. Gegen den vorinstanzlichen Entscheid erhob der Beklagte am 6. Dezem-
ber 2019 rechtzeitig Berufung beim Obergericht und stellte die eingangs aufge-
führten Anträge (vgl. act. 2 und 3). Insbesondere beantragte er die alleinige Obhut
für C._, eventualiter die alternierende Obhut, das Recht auf vier Wochen Fe-
rien mit C._ sowie eine massive Reduktion der Betreuung durch die Klägerin.
Am 11., 17. und 18. Dezember 2019 sowie am 7. Januar 2020 gingen beim Ober-
gericht weitere Eingaben des Beklagten samt Beilagen ein (vgl. act. 6, 7, 9, 10/1-
2, 11, 12 und 14). Diese Eingaben sind zu berücksichtigen, da im Anwendungsbe-
reich der Untersuchungsmaxime die Einschränkungen gemäss Art. 317 Abs. 1
ZPO nicht gelten (vgl. BGE 144 III 349). Innert der mit Verfügung vom 22. Januar
2020 angesetzten Frist beantwortete die Klägerin die Berufung; sie beantragte die
vollumfängliche Abweisung und stellte ein Gesuch um Bewilligung der unentgeltli-
chen Rechtspflege (vgl. act. 15 und 17). Der Beklagte verzichtete auf eine Stel-
lungnahme zur Antwort (vgl. act. 19 f.). Die vorinstanzlichen Akten wurden beige-
zogen (act. 5). Für die Beurteilung der aufgeworfenen Fragen erweist es sich
nicht als notwendig, die KESB-Akten beizuziehen oder einen aktuellen Bericht der
Beiständin einzuholen (vgl. act. 2 S. 4 und act. 14). Das Verfahren ist spruchreif.
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2.
2.1. Der Entscheid der Vorinstanz vom 19. Juni 2018 sah vor, dass der Beklag-
te C._ nach einer Anpassungsphase von knapp einem Jahr an einem gan-
zen Tag unter der Woche inkl. Übernachtung sowie an jedem zweiten Wochen-
ende von Freitagmorgen bis Sonntagabend betreut. Der angefochtene vorinstanz-
liche Entscheid sieht nun vor, dass der Beklagte C._ nach zwei Anpas-
sungsphasen ab dem Kindergarteneintritt im Sommer 2020 an einem Tag unter
der Woche nach dem Kindergarten inkl. Übernachtung sowie an jedem zweiten
Wochenende von Freitag nach dem Kindergarten bis Sonntagabend betreut. Es
wurden demnach die Anpassungsphase(n) geändert und die angestrebte Betreu-
ung den veränderten Verhältnissen nach dem Kindergarteneintritt angeglichen.
2.2. Zur Begründung der angepassten Betreuung führte die Vorinstanz aus, bei
C._ seien die bereits seit dem Eheschutzverfahren von der Klägerin behaup-
teten psychosomatischen Beschwerden, namentlich Schlafstörungen, offenbar
schlimmer geworden. Entsprechend habe sich die Klägerin aus ihrer Sicht ge-
zwungen gefühlt, die Betreuung C._ durch den Beklagten zu deren Wohl
einzuschränken (auf 10 Stunden pro Woche, vgl. act. 5/140 S. 2 und act. 5/142
S. 10). Die durch die eigenmächtige klägerische Betreuungsreduktion hervorgeru-
fene noch angespanntere Stimmung, insbesondere bei den Übergaben, mache
die Übergaben für C._ als derart kleines Kind mittlerweile beinahe unerträg-
lich, so dass sie die Betreuungswechsel möglichst zu meiden versuche. Dauere
diese Situation weiter an, erscheine eine künftige Entfremdung der Tochter vom
Vater zumindest nicht abwegig, zumal es C._ an einer männlichen Bezugs-
person durch die Lebensverhältnisse ihrer Mutter mit ihrem neuen Lebenspartner
nicht mangele. Die bisher offenbar tragfähige Beziehung C._ zu ihrem Vater
sei daher möglichst zu schützen. Schliesslich habe C._ einen Vater, dem es
möglich sei, mit ihr verhältnismässig viel Zeit zu verbringen, und der auch willens
sei, dies zu tun, was für die Entwicklung eines Kindes äusserst positiv und förder-
lich sei. Es sei angezeigt, das in den letzten Monaten sehr eingeschränkte Be-
treuungsrecht möglichst wieder auszudehnen und den Kontakt von C._ zum
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Beklagten langsam wieder aufzubauen, ohne C._ zu überfordern (vgl. act. 3
E. IV.10.).
Damit die angestrebte Betreuung und dem Kindeswohl entsprechende Übergaben
tatsächlich erreicht werden können, wurde die Besuchsbeiständin im angefochte-
nen Entscheid zusätzlich damit betraut, eine sozialpädagogische Familienbeglei-
tung, den Besuch von Elternbildungskursen sowie den Besuch einer Mediation
und/oder einer Erziehungsberatung zu organisieren. Zu dieser Erweiterung der
Kindesschutzmassnahmen erklärte die Vorinstanz, beiden Parteien sei vor Augen
zu führen, dass sie ihren jeweiligen Anteil an der aktuellen Situation massiv unter-
schätzten, indem sie einzig die jeweilige Gegenpartei für die aktuell sehr schlech-
te Stimmung unter ihnen und die Konflikte während der Übergaben verantwortlich
machten. Das Gericht sei gestützt auf die bereits in einer Vielzahl vorliegenden
Akten davon überzeugt, dass beide Parteien gleichermassen ihren Anteil an der
konfliktbehafteten Situation trügen und beide entsprechender Unterstützung im
Umgang mit ihrer Situation als getrennt lebende Eltern bedürfen:
Der Beklagte sei trotz seiner Vaterrolle für den Aufbau einer tragfähigen Bezie-
hung zu C._ auf gerichtliche Betreuungsregelungen und das Wohlwollen der
Klägerin angewiesen. Eine solche Situation sei selbstredend zermürbend und für
einen Vater verzweifelnd und könne leichthin zu Emotionsausbrüchen führen.
Demgegenüber lege die Klägerin gesundheitliche Probleme von C._ im Zu-
sammenhang mit der Betreuung dar, welche aus ihrer Sicht zu wenig berücksich-
tigt würden. Die Klägerin behaupte allerdings zu keiner Zeit, der Beklagte würde
C._ nicht gut betreuen bzw. der Beklagte sei an den von ihr behaupteten ge-
sundheitlichen Problemen von C._ Schuld. Vielmehr erachte sie die Häufig-
keit des Wechsels des Aufenthaltsortes an sich als Grund für die von C._
aus ihrer Sicht gezeigten Probleme. Das Vorgehen der Klägerin liege jedoch ob-
jektiv nicht im Wohle C._, da diese ein Recht auf Kontakt zu ihrem Vater ha-
be und nicht mit diesem ein Problem zu haben scheine, sondern einzig mit der
sehr angespannten Situation, in welche sie, insbesondere bei den Übergaben,
durch die Parteien gebracht werde. Das Wohl C._ sei durch den von beiden
Eltern verursachten Loyalitätskonflikt zurzeit massiv gefährdet, wobei die Eltern
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ausserstande schienen, selber die nötige und vor allem angemessene und kind-
gerechte Abhilfe zu schaffen. Schliesslich sei es keine Abhilfe für C._, den
Kontakt zum Beklagten möglichst gering zu halten, um allfällige schwierige Be-
gegnungen der Eltern zu vermeiden. Ebenso sei es für C._ aber auch keine
Hilfe, gegenüber der Klägerin und deren neuen Lebenspartner feindselig, fordernd
und aggressiv aufzutreten wie es der Beklagte aus seiner Hilflosigkeit heraus zu
tun scheine (vgl. act. 3 E. V.3).
2.3. Neben diesen Ausführungen hat die Vorinstanz entgegen der Ansicht des
Beklagten (vgl. act. 2 N 11) zudem explizit ausgeführt, warum sie seinen Antrag
auf massive Reduktion der Betreuung durch die Klägerin abwies: Eine solche Re-
duktion würde die Entwicklung von C._ massiv beeinträchtigen, da sie als
vierjähriges Kind doch noch sehr auf ihre Mutter als bisherige Hauptbetreuungs-
und Vertrauensperson bezogen sei, insbesondere da sie von ihrer Mutter offenbar
seit ihrer Geburt stets liebevoll und altersentsprechend betreut worden sei (vgl.
act. 2 E. IV.8.4.). Der Beklagte wirft der Vorinstanz in diesem Zusammenhang vor,
sie habe trotz seines Antrags den Bericht der Kinderpsychologin Dr. med.
F._ vom 14. Juni 2018 nicht herausverlangt (vgl. act. 2 N 11). Es ist jedoch
unklar, inwiefern dieser Arztbericht etwas an der zutreffenden Einschätzung der
Vorinstanz ändern könnte, der Wechsel der Hauptbetreuungs- und Vertrauens-
person würde zu einer massiven Beeinträchtigung des Wohls von C._ füh-
ren. Auch aus den weiteren beklagtischen Ausführungen zu Dr. med. F._
(vgl. act. 2 N 12) erhellt nicht, warum die Ausführungen der Vorinstanz falsch sein
sollen. Die Vorinstanz stützte ihre Begründung nicht auf Angaben von Dr. med.
F._ ab. Eine Verletzung der Untersuchungs- oder Offizialmaxime (vgl. act. 2
N 13) ist nicht ersichtlich. Schliesslich bringt der Beklagte diverse Vorwürfe an die
Mutter vor (vgl. act. 2 N 14); auch diese sind keine geeigneten Argumente gegen
die vorinstanzliche Begründung für die Abweisung des beklagtischen Antrags.
Darüber hinaus sprechen die soeben dargelegten Vorbringen des Beklagten auch
nicht gegen die überzeugend begründete vorinstanzliche Anpassung der Betreu-
ungsregelung: Der behutsame, stufenweise Ausbau der momentan faktisch sehr
eingeschränkten Betreuung durch den Vater entspricht dem Kindeswohl, weil da-
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durch die Vater-Tochter-Beziehung geschützt bzw. wiederaufgebaut, gleichzeitig
aber eine Überforderung von C._ verhindert werden kann.
2.4. Die Vorinstanz hielt fest, die bis und mit April 2019 geltende Betreuungsre-
gelung sei von den Parteien offenbar zumindest seit Mitte August 2018 im We-
sentlichen auch tatsächlich so gelebt worden (vgl. act. 3 E. IV.10.1). Der Beklagte
hält diese Feststellung für aktenwidrig (vgl. act. 2 N 25). Aus den weiteren vorin-
stanzlichen Erwägungen ergibt sich jedoch, dass diese Feststellung sich nur auf
die Zeit bis zur eigenmächtigen Betreuungsanpassung durch die Klägerin bezog.
Gemäss Beklagtem war die Abänderung zugunsten der Klägerin im Weiteren
schon deshalb ausgeschlossen, weil sie die Sachlage durch rechtsmissbräuchli-
ches Verhalten herbei geführt habe (vgl. act. 2 N 26). Wie schon die Vorinstanz
ausführte, versucht die Klägerin die Situation zu entschärfen, indem sie – ver-
meintlich C._ Wunsch entsprechend – die Betreuungswechsel möglichst auf
ein Minimum reduziert (vgl. E. IV.9.4.3). Bei dieser Sachlage geht der Vorwurf des
Rechtsmissbrauchs zu weit.
Der Beklagte verweist in seiner Berufung auf eine weitere schwierige Übergabe
am 4. Dezember 2019, welche offenbar beide Seiten dazu veranlasst hat, zur Po-
lizei zu gehen (vgl. act. 2 N 20 und act. 7). Ausserdem erwähnt er ein Schreiben
der Klägerin an die Beiständin, in welchem steht, der Vater verteufle sie und ihren
neuen Partner (vgl. act. 2 N 21). Auch diese Vorbringen erweisen sich jedoch
nicht als Grund für eine andere Anpassung der Betreuung als sie die Vorinstanz
mit überzeugender Begründung vorgenommen hat.
2.5. Der Beklagte wendet schliesslich ein, die Vorinstanz habe sich ohne Be-
gründung über die Empfehlung der Beiständin hinweggesetzt, seine Betreuung
solle nicht reduziert werden (vgl. act. 2 N 27). Die Beiständin schrieb in ihrem Be-
richt vom 5. August 2019, nur so werde es für C._ möglich, ihre beiden Zu-
hause als gleichwertig wahrzunehmen und eine tragfeste, enge Bindung und Be-
ziehung zu beiden Elternteilen zu leben (vgl. act. 5/140 S. 4). Auch diese Worte
der Beiständin ändern jedoch nichts daran, dass ein behutsamer Aufbau der Be-
treuung durch den Vater zwingend erscheint, um C._ nicht zu überfordern.
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2.6. Die Betreuungsanpassung, welche die Vorinstanz vorgenommen hat, ist
somit zu schützen und damit der Antrag des Beklagten auf massive Einschrän-
kung der Betreuung durch die Klägerin abzuweisen (Antrag 2.1.). Der Antrag des
Beklagten auf vier Wochen Ferien mit C._ ist hingegen gutzuheissen, soweit
er sich auf die Phase ab dem Kindergarteneintritt bezieht (Hauptantrag 2.2.): Es
spricht nichts dagegen, bereits jetzt für die Zeit nach Ablauf der Anpassungspha-
sen ein Ferienrecht des Beklagten bzw. von C._ mit dem Vater festzulegen
und damit auch zu verhindern, dass nach kurzer Zeit bereits erneut eine Anpas-
sung der vorsorglichen Massnahmen notwendig wird. Durch eine solche Rege-
lung wird auch der behutsame Aufbau der Betreuung nicht gestört. Die beantrag-
ten vier Wochen erscheinen dabei nicht übermässig. Abzuweisen ist hingegen der
Antrag des Beklagten, er sei für berechtigt zu erklären, zwanzig Betreuungstage
nachzuholen (Antrag 4.). Wie die Vorinstanz richtig ausführte, würde dies auf-
grund der Anzahl Tage dem behutsamen Ausbau der Betreuung zuwiderlaufen
(vgl. act. 3 E. IV.10.3.).
2.7. Gemäss Beklagtem sollen der Klägerin die Weisungen erteilt werden, die
Betreuung durch den Beklagten nicht zu be- oder verhindern, insbesondere
C._ gemäss geltender Regelung zu übergeben, und die Übergaben wenn
immer möglich persönlich vorzunehmen. Die Weisungen sollen mit einer Strafan-
drohung gemäss Art. 292 StGB verbunden werden (vgl. act. 2). Bevor jedoch wei-
tere Kindesschutzmassnahmen angeordnet werden, ist den erweiterten Kindes-
schutzmassnahmen der Vorinstanz in Form zusätzlicher Aufgaben der Beiständin
die Chance zu geben, ihre Wirkung zu entfalten. Der Antrag ist deshalb abzuwei-
sen (Eventualantrag 2.2.).
2.8. Gemäss eingereichter E-Mail der Klägerin an den Beklagten hat die Kläge-
rin im Dezember 2019 eigenmächtig die Betreuung am Mittwoch vorübergehend
ausgesetzt (vgl. act. 7). Gemäss Angaben der Klägerin fielen die Mittwoch-Besu-
che am 11. und 18. Dezember 2019 aus, da der Beklagte keine Drittperson habe
organisieren wollen, welche C._ bei Übergaben durch ihren neuen Partner
abhole. Seit dem 25. Dezember 2019 hätten die Mittwoch-Besuche hingegen im-
mer stattgefunden; bei Übergaben ihres Partners habe der Beklagte jeweils eine
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Drittperson organisiert (vgl. act. 18/1). Es ist hier mit aller Deutlichkeit festzuhal-
ten, dass es nicht an der Klägerin liegt, gerichtlich festgelegte Kontaktregelungen
nach eigenem Gutdünken anzupassen bzw. an weitere Bedingungen zu knüpfen.
Bei zukünftigen eigenmächtigen Anpassungen der Betreuungszeiten, die den
Aufbau einer gesunden Beziehung zwischen der Tochter und dem Vater verun-
möglichen, wird sich unweigerlich die Frage stellen, ob die Klägerin in ihrer Erzie-
hungsfähigkeit eingeschränkt ist und deshalb ihre Betreuungszeiten zu beschrän-
ken sind.
3.
3.1. Die Vorinstanz nahm einen Wechsel von der alternierenden Obhut zur al-
leinigen Obhut der Klägerin vor, was vom Beklagten beanstandet wird. Die Vorin-
stanz erwog, seit Erlass des Eheschutzentscheids habe sich die Feindseligkeit
der Parteien einander gegenüber und damit einhergehend die Spannungen und
Aggressionen bei den Übergaben von C._ entscheidend verändert, was sich
auf die Kommunikationsfähigkeit und -bereitschaft der Parteien niederschlage. Ei-
ne solche sei jedoch u.a. Grundlage für die Festsetzung der alternierenden Ob-
hut. Zurzeit schienen die Parteien nicht im Stande, miteinander konstruktiv und
respektvoll zu kommunizieren, sondern liessen eher ihren jeweiligen Emotionen
und Abneigungen freien Lauf. Auch seien die Parteien offenbar mittlerweile aus-
serstande, gemeinsam auch nur ansatzweise geeignete Massnahmen zur Behe-
bung von C._ Überforderungsreaktion zu treffen, obwohl beide Parteien
übereingekommen seien, dass C._ zurzeit unter ihrer Situation leide (vgl.
act. 3 E. IV.9.6.2).
3.2. Unter der Herrschaft des alten Rechts war das "Obhutsrecht" Bestandteil
des elterlichen Sorgerechts. "Obhut" im Rechtssinne bedeutete das Recht, den
Aufenthaltsort des Kindes und die Modalitäten seiner Betreuung zu bestimmen.
Seit Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen des Zivilgesetzbuches über die el-
terliche Sorge am 1. Juli 2014 umfasst die elterliche Sorge auch das "Recht, den
Aufenthaltsort des Kindes zu bestimmen" (vgl. Art. 301a Abs. 1 ZGB). Die Bedeu-
tung der "Obhut" reduziert sich demnach auf die "faktische Obhut", das heisst auf
die Befugnis zur täglichen Betreuung des Kindes und auf die Ausübung der Rech-
- 16 -
te und Pflichten im Zusammenhang mit seiner Pflege und laufenden Erziehung
(vgl. BGE 142 III 612 E. 4.1 und BGer 5A_418/2019 vom 29. August 2019
E. 3.5.2). Der Obhut kommt somit neben der elterlichen Sorge und der Betreuung
eigentlich keine selbständige Bedeutung mehr zu. Auch für die Bestimmung des
zivilrechtlichen Wohnsitzes des Kindes ist die Regelung der Obhut nicht nötig: Der
Wohnsitz richtet sich nach dem Ort, zu welchem das Kind die engsten Beziehun-
gen aufweist (vgl. FammKomm-Büchler/Clausen, 3. Aufl. 2017, Art. 298 N 12).
Bestehen Unklarheiten und können sich die betreuenden Eltern nicht einigen,
kann die zuständige Behörde den Wohnsitz des Kindes festlegen (vgl. BSK ZGB-
Schwenzer/Cottier, 6. Aufl. 2018, Art. 298 N 9).
Das Gesetz verwendet die Begriffe "Obhut" (Art. 25 Abs. 1, 133 Abs. 1 Ziff. 2, 134
Abs. 3 und 4, 273 Abs. 1, 275 Abs. 2 und 3, 289 Abs. 1, 298 Abs. 2 und 2bis, 298a
Abs. 2 Ziff. 2, 298b Abs. 3bis, 298d Abs. 2 und 301a Abs. 5 ZGB) und "alternieren-
de Obhut" (Art. 298 Abs. 2ter und 298b Abs. 3ter ZGB), ohne diese zu definieren.
Namentlich führt der Gesetzgeber nicht aus, bei welchen Betreuungsanteilen von
einer "alternierenden Obhut" auszugehen ist (vgl. BGer 5A_418/2019 vom
29. August 2019 E. 3.5.2.). Gemäss Gesetz muss neben der elterlichen Sorge
und der Betreuung weiterhin auch die Obhut durch die Parteien, das Scheidungs-
gericht oder die KESB geregelt werden (vgl. Art. 133 Abs. 1 Ziff. 2, Art. 298a
Abs. 2 Ziff. 2 und Art. 298b Abs. 3bis und 3ter ZGB). Damit verlangt der Gesetzge-
ber trotz mangelnder selbständigen Bedeutung weiterhin die Regelung der Obhut,
führt jedoch nicht aus, wann von "alternierender Obhut" und wann von "alleiniger
Obhut" auszugehen ist. Bei dieser Ausgangslage erscheint folgende Handhabung
sinnvoll: Beschränkt sich der persönliche Verkehr (also der Betreuungsanteil, vgl.
BGer 5A_418/2019 vom 29. August 2019 E. 3.5.2.) eines Elternteils auf ein übli-
ches Wochenendbesuchsrecht, ist von alleiniger Obhut des anderen Elternteils zu
sprechen. Betreuen beide Elternteile das Kind zeitlich in einem wesentlich grösse-
ren Ausmass als bei einem Wochenendbesuchsrecht, ist hingegen von alternie-
render Obhut zu sprechen (vgl. FammKomm-Büchler/Clausen, 3. Aufl. 2017,
Art. 298 N 6). Es ist auch dann von alternierender Obhut zu sprechen, wenn ein
Elternteil das Kind erst nach einer Anpassungsphase in einem wesentlich grösse-
ren Ausmass als bei einem üblichen Wochenendbesuchsrecht betreut.
- 17 -
3.3. Hier veränderte die Vorinstanz die nach einer Anpassungsphase geltende
Betreuung durch den Vater nicht wesentlich (vgl. E. 2.1.). Damit bestand nach
dem Gesagten aber auch keine Grundlage dafür, die Obhut anders festzulegen
bzw. anders zu bezeichnen. Soweit die Klägerin Argumente für den Wechsel auf
die alleinige Obhut vorbringt, sind diese nicht zu hören, da sie die Betreuungsre-
gelung der Vorinstanz akzeptiert hat (vgl. act. 17 N 16 f.). Im Ergebnis ist die An-
passung der Vorinstanz von der alternierenden zur alleinigen Obhut der Klägerin
rückgängig zu machen, indem Ziff. 1 des vorinstanzlichen Entscheids aufgehoben
wird; der entsprechende Antrag des Beklagten ist gutzuheissen (Eventualantrag
1.). Da die vorinstanzliche Anpassung der Betreuung mit Ausnahme der Ferienre-
gelung geschützt wird (vgl. E. 2), ist hingegen der Antrag des Beklagten auf Zutei-
lung der alleinigen Obhut an ihn abzuweisen (Hauptantrag 1.).
4.
4.1. Gemäss Ziff. 3 des angefochtenen Entscheids hinsichtlich der Übergabe ist
der Beklagte verpflichtet, die Tochter jeweils an einem von beiden Parteien be-
stimmten Ort oder ab Eintritt in den Kindergarten direkt vom Kindergarten abzuho-
len bzw. sie nach der Besuchszeit auch wieder an den entsprechenden Ort zu-
rückzubringen. Dies erscheine aufgrund der Arbeitszeiten der Klägerin weiterhin
angezeigt, zumal es dem Beklagten in der Vergangenheit im Gegensatz zur Klä-
gerin offenbar stets möglich gewesen sei, sich entsprechend zu organisieren, und
dies auch gerichtsüblich sei (vgl. act. 3 E. IV.10.3.). Der Beklagte beantragt nun
vor Obergericht, die Klägerin sei zu verpflichten, ihm die Tochter jeweils zu brin-
gen, und er sei zu verpflichten, das Kind zur Klägerin zu bringen. Dies begründet
er einerseits mit dem Wegzug der Klägerin, was eine abänderungsrelevante Ver-
änderung der Verhältnisse darstelle. Daneben führt er aus, für ein Kind sei es
wichtig, dass es von einem Elternteil zum anderen gebracht werde, weil es durch
eine derartige Überbringung entlastet werde und es so wahrnehmen könne, dass
der jeweilige Elternteil nicht nur verbal, sondern vielmehr tätig einverstanden sei
mit dem Gehen zum anderen Elternteil und seinem Sein beim anderen (vgl. act. 2
N 33).
- 18 -
4.2. Der Beklagte wohnt in G._. Die Klägerin zog per 15. Mai 2019 von
H._ nach I._ (vgl. act. 5/88 S. 20 und act. 5/107/8). Damit besteht eine
grössere Distanz zwischen den Wohnorten, die Weiterführung der bisherigen Re-
gel wird durch den Umzug jedoch grundsätzlich nicht verunmöglicht. Die vom Be-
klagten beantragte Übergabe ist dennoch der bisherigen Regelung vorzuziehen.
Wird C._ vom einen Elternteil zum anderen gebracht, signalisieren beide El-
tern, dass sie mit der getroffenen Regelung einverstanden sind und diese unter-
stützen (vgl. OGer ZH NQ120012 vom 25. April 2012 E. II.2. und II.3.). Es ist zu
erwarten, dass ein solches Übergabe-Regime neben den erweiterten Kindes-
schutzmassnahmen ebenfalls dazu beitragen wird, die konfliktbeladenen Überga-
ben zu entschärfen. Die Arbeitszeiten der Klägerin hindern die Anpassung nicht.
Ist es ihr wegen der Arbeit am Mittwoch nicht möglich, die Übergabe persönlich
vorzunehmen (vgl. Prot. Vi S. 28 und 37), hat sie die Übergabe durch eine Dritt-
person zu organisieren. Beginnt die Betreuung durch den Beklagten am Mittwoch
oder Freitag nach dem Kindergarten bzw. endet sie am Donnerstag vor Beginn
des Kindergartens, hat der Beklagte C._ hingegen entsprechend der vo-
rinstanzlichen Regelung vom Kindergarten abzuholen bzw. dorthin zurückzubrin-
gen. Im Ergebnis ist der entsprechende Antrag des Beklagten teilweise gutzu-
heissen (Antrag 3). Die beklagtischen Anträge zum Unterhalt sind verbunden mit
dem Antrag auf Reduktion der Betreuung durch die Klägerin; da dieser Antrag ab-
zuweisen ist, sind auch die Anträge zum Unterhalt abzuweisen (Anträge 5 und 6).
5.
5.1. Es rechtfertigt sich, über die Kosten- und Entschädigungsfolgen für das Be-
rufungsverfahren bereits im vorliegenden Entscheid zu befinden und nicht bis zum
Endentscheid zuzuwarten (vgl. Art. 104 Abs. 3 ZPO). Die Kosten werden in der
Regel nach Obsiegen und Unterliegen verteilt, hingegen kann davon in familien-
rechtlichen Verfahren abgewichen werden (vgl. Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO). Geht
es um Kinderbelange, werden die Kosten nach der Praxis der Kammer den Eltern
hälftig auferlegt. Die Prozesskosten sind den Parteien somit je zur Hälfte aufzuer-
legen. Parteientschädigungen sind aufgrund der hälftigen Teilung der Prozess-
kosten keine zuzusprechen. In Anwendung von § 12 Abs. 1 und 2 in Verbindung
- 19 -
mit § 5 Abs. 1, § 6 Abs. 1 und Abs. 2 lit. b sowie § 8 Abs. 1 GebV OG ist eine
zweitinstanzliche Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– festzusetzen.
5.2. Die Klägerin ersucht für das Berufungsverfahren um Bewilligung der unent-
geltlichen Rechtspflege und Bestellung ihres Rechtsvertreters als unentgeltlicher
Rechtsbeistand (vgl. act. 17 S. 2). Die Klägerin ist nicht in der Lage, mit ihrem
Einkommen Prozesskosten zu finanzieren. Auch die Vermögenssituation erlaubt
dies nicht (vgl. act. 3 E. VIII.3. und act. 18/2). Sie ist vor diesem Hintergrund der-
zeit mittellos im Sinne des Gesetzes (Art. 117 ZPO). Die Rechtsbegehren im Be-
rufungsverfahren waren im Übrigen nicht aussichtslos und der Beizug anwaltlicher
Vertretung für die Wahrung der Rechte mit Blick auf die anwaltliche Vertretung
der Gegenpartei angezeigt. Daher ist der Klägerin die unentgeltliche Rechtspflege
zu bewilligen und in der Person ihres Rechtsvertreters ein unentgeltlicher Rechts-
beistand zu bestellen. Die Klägerin ist darauf hinzuweisen, dass sie zur Nachzah-
lung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (vgl. Art. 123 ZPO). Die Ent-
schädigung des unentgeltlichen Rechtsvertreters ist in einem separaten Be-
schluss unter Berücksichtigung der Aufwandübersicht des Rechtsvertreters fest-
zusetzen (vgl. § 23 Abs. 2 AnwGebV).