Decision ID: 98c917c3-acb4-5df9-91c4-a6be4f5897fd
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der
1977
geborene
X._
war
seit 1
9.
Dezember 1994 als Küchenhilfe im Restaurant
A._
anges
tellt und im
Rahmen dieses Arbeitsverhältnis
ses bei der
SWICA Versicherungen AG
(nachfolgend:
SWICA)
gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit Schadenmeldung UVG vom
24. Mai 1995
liess er der
SWICA
mitteilen, dass er am
7.
Mai 1995 einen Ertrinkungsunfall mit neurologi
scher Restsymptomatik (Frontalhirnsyndrom) erlitten habe
(Urk.
8/1 und
Urk.
8/13
). Die
SWICA
erbrachte die gesetzlichen Leistungen
und
sprach dem Versicherten
mit Verfügung vom 1
5.
November 1996 ab
1.
November 1996
eine Invalidenrente auf der Basi
s einer Erwerbsunfähigkeit von 100
%
sowie eine In
tegritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von
80
%
zu (
Urk.
8/76
).
Mit Verfügung vom
1
0.
Dezember 1996
sprach sie ihm zudem
ab
1.
November 1996
eine
Entschädigung wegen schwerer Hilflosigkeit zu (Urk. 8/80
).
Im Rahmen eines von Amtes wegen eingeleiteten Revisionsverfahrens liess die SWICA die Hilflosigkeit
durch die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft Hilfsmit
telberatung für Behinderte und Betagte (SAHB)
erneut
abklären (Bericht vom
19. Mai 2016
;
Urk.
8/181/2-4
)
und
setzte
die
diesbezügliche
Entschädigung mit Verfügung vom
5.
Juli
2016 (
Urk.
8/18
6
)
per
1.
Juli 2016
auf eine solche für eine mittelschwere Hilflosigkeit
herab
.
Die vom Versicherten gegen diesen Ent
scheid erhobene Einsprache vom
6.
September 2016
(Urk.
8/189
) wies die
SWICA
am
2.
Mai 2017 ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
2.
Juni 2017
Beschwerde (
Urk.
1) und bean
tragte,
der
Einspracheentscheid
vom
2.
Mai 2017
sei aufzuheben und es sei
fest
zustellen, dass er auch ab
1.
Juli 2016 weiterhin Anspruch auf eine Entschädi
gung für eine schwere Hilflosigkeit habe. Eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen zwecks Vornahme ergänzender Abklärungen und neuem Entscheid.
Am
6.
Juli 2017
(Urk.
7
) beantragte die
SWICA
die
Abweisung der Beschwerde
. Mit Replik vom 2
7.
Juli 2017 (
Urk.
10) hielt der Beschwerdefüh
rer an seinen Anträgen fest. Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 1
1.
August 2017 auf das Einreichen einer Duplik (
Urk.
13)
, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
1
4.
August 2017
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
14
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgeset
zes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversi
cherung (UVV) in Kraft getre
ten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sach
verhalt ver
wirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Än
derung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufs
krankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der
vorli
egender Sache
zugrunde liegende
Unfall hat sich am
7.
Mai 1995
ereig
net, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vor
liegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
1.2.1
Gemäss
Art. 26 Abs. 1 UVG hat der Versicherte bei
Hilflos
igkeit Anspruch auf eine
Hilflos
enentschädigung
. Als
hilflos
gilt eine Person, die wegen der Beein
trächtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (Art. 9 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die
Hilflo
s
enentschädigung
bemisst sich nach dem Grad der
Hilflos
igkeit (Art. 27 UVG).
1.2.2
Nach
Art.
38 UVV
gilt die Hilflosigkeit als schwer, wenn der Versicherte vollstän
dig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn er in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der
persönlich
en Überwachung bedarf (
Abs.
2).
Gemäss
Abs.
3
gilt die Hilflosigkeit
als mittelschwer, wenn der Versicherte trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen
re
gelmässig
in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (
lit
. a) oder in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig
in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persön
lichen Überwachung bedarf (
lit
. b). Nach der Rechtsprechung setzt
Hilflos
igkeit
mittelschweren Grades im Sinne von Art. 38 Abs. 3
lit
. a UVV eine Hilfsbedürf
tigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebensverrichtungen voraus (BGE 121 V 90 E. 3b, 107 V 151 E. 2).
1.2.3
Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs all
täglichen Lebensverrichtungen massgebend (B
GE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E.
4a):
1.
Ankleiden, Auskleiden;
2.
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
3.
Essen;
4.
Körperpflege;
5.
Verrichtung der Notdurft;
6.
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
Bei Lebensverrichtungen, welche mehrere Teilfunktionen umfassen, ist nach der Rechtsprechung (BGE 121 V 91 E. 3c mit Hinweisen) nicht verlangt, dass der Versicherte bei der Mehrzahl dieser Teilfunktionen fremder Hilfe bedarf; vielmehr ist
bloss
erforderlich, dass er bei einer dieser Teilfunktionen
regelmässig
in er
heblicher Weise auf direkte oder indirekte Dritthilfe angewiesen ist.
1.3
Ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit
hat folgenden Anfor
derungen zu genügen:
-
Als Berichterstatterin wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der ört
lichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigung
en und
Hilfsbedürftigkeiten
hat;
-
b
ei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei di
vergierende Meinungen der Beteiligt
en im Bericht aufzuzeigen sind;
-
d
er Berichtstext muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der ein
zelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sein. Schliesslich hat er in Überein
stimmung mit den an Ort und Stel
le erhobenen Angaben zu stehen.
Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung täti
genden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsper
son näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige
Gericht
(Urteil des Bundesgerichts 9C_562/2016 vom 1
3.
Januar 2017 E. 4.1 mit Hinweisen).
1.4
Die Revision einer
Hilflosenentschädigung
richtet sich nach Art. 17 Abs. 2 ATSG; das gesamte Rentenrevisionsrecht ist sinngemäss anwendbar (
vgl.
BGE 137 V 424 E. 2.2 mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 9C_248/2017 vom 15. Februar 2018 E. 3.2 und 8C_30/2010 vom 8. April 2010 E. 2.2 mit Hinweis).
Nach Art. 17 Abs. 2 ATSG wird jede andere (als eine Invalidenrente) formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung von Amtes wegen oder auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde liegende Sachverhalt nachtr
äglich erheblich verändert hat.
Die Erhöhung, Herabsetzung oder Aufhebung einer
Hilflosenentschädigung
ge
stützt auf Art. 17 Abs. 2 ATSG setzt folglich einen Revisionsgrund voraus. Darunter ist jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, unter anderem Verbesserung oder Verschlechterung des Gesundheitszustandes oder Verwendung neuer Hilfsmittel, zu verstehen, die geeignet ist, den Grad der Hilflo
sigkeit und damit den Umfang des Anspruchs zu beeinflussen (BGE 137 V 424 E. 3.1 mit Hinweis; vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_248/2017 vom 15. Februar 2018 E. 3.2). Zeitlicher Referenzpunkt für die Prü
fung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte rechtskräftige Verfü
gung, welche auf einer materiellen Prüfung des Leistungsanspruchs mit rechts
konformer Sachverhaltsabklärung und Beweiswürdigung beruht (vgl. BGE 133 V 108; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_204/2014 vom 9. September 2014 E. 3.2 und E. 3.3).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Anspruch auf
Hilflosenent
schädigung
in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend („allseitig“) zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3 und E. 6.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_72/2017 vom 23. Mai 2017 E. 1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) damit, dass
dem Beschwerdeführer ab
1.
November 1996 aufgrund einer Hilflosigkeit schweren Grades eine Entschädigung ausgerichtet worden sei.
Da er
schwerst
ce
rebral
behindert sei, habe er in allen alltäglichen Lebensverrichtungen Hilfe be
nötigt.
Im Rahmen einer Fallprüfung
sei am
5.
Februar 2016 durch die
SAHB die Hilflosigkeit erneut abgeklärt worden
. Seit der ursprünglichen Verfügung habe
sich eine Verbesserung ergeben. So benötige er beim Essen und beim Verrichten der Notdurft keine Hilfe mehr, auch könne er die Körperpflege grösstenteils selb
ständig vornehmen. Wegen der eingeschränkten Kognition brauche er Unterstüt
zung in der Tagesstruktur, Orientierung beim Lösen von alltäglichen Problemen sowie Kontrolle nach dem Waschen und beim Anziehen.
Zudem habe er im Jahre 2000 geheiratet, wofür er habe urteilsfähig sein müssen.
Eine Neubeurteilung und Anpassung der
Hilflosenentschädigung
sei
somit
möglich. Es
bestehe nur
noch eine Hilflosigkeit mittelschweren Grades (S. 2-4).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
es sei unbestritten, dass er in den Lebensverrichtungen Ankleiden/Auskleiden, Schlafen gehen, Pflege und Fortbewegung ausser Haus auf regelmässige und we
sentliche Dritthilfe angewiesen sei und dass er tagsüber und nachts einer pe
rsön
lichen Überwachung bedürfe. Es liege ein stationärer Zustand nach schwerer Hirnverletzung vor, welcher ihn auf dem Stand eines siebenjährigen Kindes be
lasse. Schon von da her sei das Vorliegen von Revisionsgründen auszuschliessen (S. 4).
Die Kommunikation bei der Abklärung sei aufgrund von Sprachproblemen und
seiner
eingeschränkten
Kognitivität
sehr schwierig gewesen
. Auf die Abklä
rung könne bereits aus diesem Grund nicht abgestellt werden und sie sei even
tualiter mit Hilfe eines professionellen Übersetzers zu ergänzen
(S. 4 f.).
Bei den Lebensverrichtungen Essen und Verrichtung der Notdurft bedürfe er - aus näher dargelegten Gründen - nach wie vor der regelmässigen Überwachung und Hilfe
(S. 5 f.). Seine Heirat habe an der Hilflosigkeit nichts geändert, diese sei von seiner Grossfamilie
aus kulturell-religiösen Gründen
veranlasst worden
und
damit er versorgt sei
. Es bestehe weiterhin Anspruch auf eine Entschädigung für schwere Hilflosigkeit
(S. 6 f.).
3.
Vergleichszeitpunkt bildet die
Verfügung vom
1
0.
Dezember 1996, mit welche
r
die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine Entschädigung wegen schwerer Hilflosigkeit
zugesprochen hatte
(Urk. 8/80).
4
.
4
.1
Mit Bericht vom 1
3.
Februar 1996 (
Urk.
8/39) diagnostizierte
Dr.
B._
einen Status nach Ertrinkungsunfall vom
7.
Mai 1995 sowie eine schwere Hirn
schädigung mit Ausmass einer geistigen Behinderung. Der gegenwärtige Zustand subjektiv sei nicht
eruierbar
bei unmöglicher Dialogfähigkeit, objektiv handle es sich um einen geistig behinderten knapp 19
-
jährigen Mann. Es sei ein bleibender Nachteil zu erwarten in Form einer schweren geistigen Behinderung.
4.2
Der
Zusprache
der Entschädigung wegen schwerer Hilflosigkeit lag der Abklä
rungsbericht von
Dr.
B._
vom 1
8.
November 1996 zugrunde
(Urk. 8/78).
Dieser bejahte die Frage der Erforderlichkeit regelmässiger und wesentlicher Hilfe
bei
f
olgenden
Lebensverrichtungen:
1.
An- und Auskleiden
2.
Schlafen gehen
: Aufforderung erforderlich
3.
Essen: Hilfe beim Nahrungsmittel schneiden; Unterstützung beim Nah
rungsmittel in den Mund eingeben
4.
Körperpflege
5.
Verrichtung der Notdurft
6.
Fortbewegung ausser Haus
Der Beschwerdeführer benötige zudem eine ständige persönliche Überwachung. Er sei dauernd
cerebral
schwerst
behindert und absolut auf Hilfe angewiesen.
4
.
3
Dr.
B._
teilte der Beschwerdegegnerin am
8.
Dezember 2015 telefonisch mit (
Urk.
8/174), er habe den Beschwerdeführer seit längerer Zeit nicht mehr ge
sehen. Weitere medizinische Massnahmen seien auch nicht indiziert, da die Hirn
schädigung derart gross sei, dass keine Massnahmen zu einer Besserung führen würden. Der Zustand sei stationär
.
Er
sei kindlich zurückgeblieben und sein Stand sei allerhöchstens auf dem Niveau eines siebenjährigen Kindes. Ob er auf Hilfe Dritter angewiesen sei, könne er nicht mit Gewissheit sagen, er werde bezüglich dieser Frage aber noch mit dem Vater des Beschwerdeführers Kontakt aufnehme
n
und dies genauer abklären.
Mit undatiertem Bericht (Eingang bei der Beschwerdegegnerin am 1
7.
Dezember 2015;
Urk.
8/176) hielt
Dr.
B._
daraufhin
fest, der Gesundheitszustand sei physisch gut, auf dem Niveau eines Kindes. Der Beschwerdeführer sei global ein
geschränkt für alle kognitiven Leistungen. Der Zustand sei verglichen mit 1996 gleichbleibend,
er
sei nicht therapierbar und seit dem
Ertrinkunfall
voll hilfsbe
dürftig (S. 2).
4
.
4
Die vorliegend umstrittene Herabsetzung der Hilflosigkeitsentschädigung beruht auf dem
von Dipl. Pflegefachfrau FA IP
C._
von der SAHB
am 1
9.
Mai 2016 erstellten Fragebogen zur Festsetzung der Hilflosigkeit
(
Urk.
8/181/2-4)
. Diese bejahte die Frage der Erforderlichkeit regelmässiger und wesentlicher Hilfe
bei
f
olgenden
Lebensverrichtungen
(S. 1 f.)
:
1.
Ankleiden: der
Beschwerdeführer
vergesse die Knöpfe zu schliessen und
benötige Unterstützung bei der Auswahl der Kleidung, damit er sich
saisongerecht anziehe
2.
Schlafen gehen: Der
Beschwerdeführer
benötige Unterstützung bei der
Tagesstruktur, damit er den Tag-Nacht-Rhythmus nicht verliere
4.
Körperpflege: beim Duschen vergesse er das Duschmittel zu benutzen und es
erfordere eine Kontrolle, damit die Hygiene gewährleistet sei
6.
Fortbewegung
:
ausser Haus
sei er orientierungslos
,
sei
n
e
Familie seien die
Kontakte, die er pflege und diese lebe mit ihm zusammen, er habe keine
Kollegen
Hingegen verneinte sie
eine Hilflosigkeit
bei der Lebensverrichtung Essen mit der Bemerkung, es dauere lange, bis der
Beschwerdeführer
die Nahrungsmittel ver
schnitten habe, er könne dies aber selber. Ebenso verneinte sie
eine solche
bei der Lebensverrichtung Verrichtung der Notdurft mit der Anmerkung, wenn er Durch
fall habe, könne er das Gesäss selber putzen, hinterlasse aber das WC dreckig (S.
1).
Ergänzend hielt sie fest, d
er
Beschwerdeführer
benötige eine permanente persön
liche Überwachung, es müsse immer jemand in der Nähe sein, um Unfälle zu verhindern und um ihm eine Tagesstruktur zu bieten
(S. 2)
.
Beim Gespräch seien der
Beschwerdeführer
, seine Ehefrau, seine Eltern und seine Schwägerin anwesend gewesen. Die Schwägerin habe das Gespräch übersetzt, der Vater habe Auskunft gegeben. Gemäss dessen Angaben benötige der
Beschwer
deführer
überall Hilfe. Ob dies den Tatsachen entspreche, sei schwer zu beurteilen, da aufgrund von Sprachproblemen nicht direkt mit
ihm
habe gesprochen werden können. Die Abschätzung von Gefahren und Risiken sei wahrscheinlich nicht ge
währleistet, aber auch schwer beurteilbar
(S. 3)
.
In ihrem Begleitschreiben zu Händen der
Beschwerdegegnerin
hielt sie fest, der
Beschwerdeführer
könne viele Tätigkeiten des Alltags selber durchführen. Er be
nötige wegen der eingeschränkten
Kognitivität
Unterstützung in der Tagesstruk
tur, Orientierung im Lösen von alltäglichen Problemen, Kontrolle nach dem Wa
schen und beim Anziehen. E
r
sei vergleichbar mit einem Kind, das zwar vieles könne, aber die volle Tragweite seines Handels nicht abzuschätzen vermöge
(
Urk.
8/181/1)
.
5
.
5.1
Dr.
B._
berichtete 1996, dass der
Beschwerdeführer
in Folge seines Unfalls dauernd
cerebral
schwerst
behindert sein werde (E. 4.1 und E. 4.2
hievor
). Im Dezember 2015 bestätigte er, dass der Zustand stationär und die Hirnschädigung derart gross sei, dass keine Massnahmen zu einer Besserung führen würden
. Er
sprach von einer vollen Hilfsbedürftigkeit
(E. 4.3
hievor
).
Zwar hatte er zu diesem Zeitpunkt den
Beschwerdeführer
seit längerer Zeit nicht mehr gesehen
. Als Haus
arzt begleitete er
den
Beschwerdeführer
jedoch seit dem Unfall, weshalb davon auszugehen ist, dass er sich zur Möglichkeit einer Veränderung des Zustandes nach all den Jahren auch äussern konnte, ohne
ihn
zu untersuchen. An
halts
punkte, dass sich der
medizinische Sachverhalt
verändert
haben könnte, ergeben sich
damit keine.
Die
Beschwerdegegnerin
sieht im Abklärungsbericht der SAHB vom 1
9.
Mai 2016 (E. 4.4
hievor
) einen Revisions
tatbestan
d.
Ein
Revisionsgrund
ist auch dann ge
geben
, wenn der medizinische Sachverhalt an und für sich unverändert geblieben ist, indessen eine Anpassung und Angewöhnung der versicherten Person an ihr Leiden stattgefunden hat
. Für die
Beantwortung der
Frage, ob eine derartige tat
sächliche Änderung vorliegt, gilt der Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit, die blosse Möglichkeit einer Verbesserung tatsächlicher Art genügt nicht
(
vgl.
Urteil
e
des Bundesgerichts 9C_810/2016 vom 3
1.
Januar 2017
E. 3.3 und 8C_49/2011 vom 1
2.
April 2011 E. 4.2
).
Gemäss
Abklärungsbericht
de
r
S
A
H
B
bestehe in den Lebensverrichtungen Essen sowie Verrichtung der Notdurft keine Hilflosigkeit mehr (vgl. E. 4.4
hievor
).
Wes
halb die Abklärungsperson zu dieser Ansicht gelangte, ist aus dem lediglich ru
dimentär begründeten Bericht jedoch nicht ersichtlich. Insbesondere wird daraus nicht klar,
aufgrund welche
r
konkret
veränderten Gegebenheit
der
Beschwerde
führer
neu in der Lage sein soll, sein Essen selbst zu schneiden
beziehungsweise
bei der Eingabe der Nahrungsmittel in den Mund keine Unterstützung mehr braucht
,
wie dies zuvor der Fall war (vgl. E. 4.2
hievor
). Ebenso wenig
ist
aus dem Bericht nachvollziehbar, inwiefern sich der unveränderte medizinische Sachver
halt derart auswirken soll, dass der
Beschwerdeführer
heute
a
uch bei der Verrich
tung der No
tdurft keine Hilfe mehr benötigt
.
D
urch das Ankreuzen der Option
„nein“ im Fragebogen ist eine Änderung der tatsächlichen Verhältnisse nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
erstellt, die
jeweiligen
kurzen
Anmerkungen im Abklärungsbericht reichen zur Begrün
dung einer Änderung
– bloss auf einer anderen Wertung beruhende, revisions
rechtlich unerhebliche Differenzen müssen dabei von revisionsbegründenden tat
sächlichen Veränderungen abgegrenzt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_160/2017 vom 2
2.
Juni 2017 E. 2.2) -
ebenfalls
nicht aus
. Dies umso weniger, als
einerseits
die Abklärungsperson selbst angab, es sei für sie schwer zu beurtei
len, ob die Aussage des Vaters des
Beschwerdeführer
s, wonach der
Beschwerde
führer
überall Hilfe benötige, den Tatsachen entspreche (
Urk.
8/181/4)
,
und an
dererseits der
Beschwerdeführer
im Verfahren
ausführlich dar
legte
, weshalb er
auch in
den
Lebensverrichtungen
Essen sowie Verrichtung der Notdurft
weiterhin hilflos sei (
Urk.
1 S. 5 f. und Urk.
10 S. 3).
In Anbetracht dieser Umstände sind die
knappen Anmerkungen
der Abklärungsperson
lediglich als
eine revisions
rechtlich unbeachtliche abweichende Einschätzung eines im Wesentlichen gleich
gebliebenen Gesundheitszustandes anzusehen
.
5.
2
Gemäss
Beschwerdegegnerin
ergebe sich
zudem
aus
der Heirat und Familiengrün
dung des
Beschwerdeführer
s ein Revisionsgrund.
F
ür eine
Anpassung der
Hilflo
senentschädigung
genügt
aber
nicht bereits
„
irgendeine
“
Veränderung
des Sach
verhalts
.
Vielmehr muss die Änderung auch geeignet sein, den Grad der Hilflo
sigkeit und damit den
Umfang des Anspruchs zu beeinflussen
(E. 1.4
hievor
). Inwiefern die Heirat dazu geeignet sein soll, ist nicht ersichtlich, zumal d
er
Be
schwerdeführer
nachvollziehbar aus
führte
, dass
diese
von seiner Grossfamilie aus kulturell-religiösen Gründen veranlasst
worden sei
(E. 2.2
hievor
)
. Auch
Dr.
B._
bestätigte, dass die Familienstruktur sehr stark sei und man
den
Be
schwerdeführer
mit Sicherheit verheiratet habe, damit er
„versorgt“ sei
. Der „Clan“ kümmere sich um ihn, die Erziehung seiner Kinder werde wohl mehrheit
lich durch seine Eltern übernommen
(
Urk.
8/174). Ein Revisions
tatbestand
ist auch dadurch nicht
erstellt
.
5.
3
Da kein Revisionsgrund ausgewiesen ist, hat d
er
Beschwerdeführer
auch
nach dem
1.
Juli 2016 weiterhin
Anspruch auf eine
Entschädigung aufgrund einer Hilflosigkeit schweren Grades. Die Beschwerde ist
somit
gutzuheissen.
6
.
De
m
Beschwerdeführer steht
ausgangsgemäss
eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festge
setzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des
Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht,
GSVGer
). Entsprechend ist ih
m
eine
Prozessentschädigung von Fr. 2‘
4
00.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.