Decision ID: 755f047b-84f6-5a67-84b7-211aacdced04
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1960,
reiste im Februar 2005 aus Serbien in die Schweiz ein und
war von September 2014 bis Ende Dezember 2017
(letzter effektiver Ar
beitstag am
8.
April 2017)
als Unterhalts
reinigerin bei der
Z._
GmbH in ei
nem 50%-Pensum angestellt (Urk.
7/11).
Am
9.
Oktober 2017 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte bei der So
zial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis
auf
Schmerzen, Schwindel und halbseitiger Schwäche zum Bezug von Leistungen der Invaliden
versicherung an (Urk. 7/5). Die IV-Stelle nahm Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht vor, zog die Akten der Krankentag
geld
versicherung bei (Urk. 7/10,
Urk.
7/22), holte die Berichte der behandelnden Ärzte (Urk. 7/13, Urk. 7/14) sowie einen Auszug aus dem Individuellen Konto der Versicherten (IK-Auszug; Urk. 7/12) ein und ersuchte die Arbeitgeberin um Auskünfte (Arbeitge
berfrage
bogen vom 1
4.
November 2017; Urk. 7/11). Mit Mit
tei
lung vom 1
3.
März 2018 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass keine Eingliederungsmassnah
men angezeigt seien (Urk. 7/17).
In der Folge veranlasste d
ie IV-Stelle eine ak
tenbasierte Ein
schätzung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD). Dr
.
A._
, All
gemeine Innere Medizin FMH, nahm am
4. Mai 2018
Stellung (
vgl. Feststellungsblatt,
Urk.
7/24
).
Ausgehend
vom Fehlen einer
langandauern
den gesundheitlichen Einschränkung stellte die IV-Stelle mit Vor
bescheid vom
7.
Mai 2018 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/25). Da
gegen erhob die Versicherte am
4.
Juni 2018 (
Urk.
7/28) sowie ergänzend am 2
9.
Juni 2018 (
Urk.
7/35) Einwand und legte einen weiteren Arzt
bericht zu den Akten (
Urk.
7/34). Mit Verfügung vom
6.
September 2018 verneinte die IV-Stelle wie vorbeschieden einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
1.
Oktober 2018 Beschwerde und beantragte,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Be
schwer
de
gegnerin sei zu verpflichten, ihr eine Invalidenrente auszurichten. Ausserdem sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihrer Abklärungspflicht nachzu
kommen und ein unabhängiges multifaktorielles Gutachten in Auftrag zu geben (
Urk.
1).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
6.
November 2018 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom
8.
November 2018 wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zur Kenntnisnahme zuge
stellt (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingere
ichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281
E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend
objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arz
tes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi
cherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom
6.
September 2018 (
Urk.
2) hielt die Be
schwerdegegnerin fest, die medizinische Abklärung habe ergeben, dass die Be
schwerdeführerin in ihrer bisherigen Tätigkeit ohne Einschränkung arbeits
fähig sei. Es
hätten
keine langandauernden gesundhei
tlichen Einschränkungen bestan
den
.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 1. Ok
tober 2018 (
Urk.
1) zusammengefasst geltend, durch die Schwindelattacken und die daraus entstehenden Gleichgewichtsstörungen bestehe ein akutes Sturz
risiko mit Verletzungsgefahr. Das Münchhausen-Syndrom habe ausserdem zur Folge,
dass bei ihr plötzlich und unvorhersehbar alarmierende Symptome wie Seh
ver
lust, Bauchschmerzen und linksseitige Schwächen auftreten würden. Sie könne keiner beruflichen Erwerbstätigkeit nachgehen und sei vollkommen arbeits
unfä
hig.
Die Beschwerdegegnerin stütze sich einzig auf die Stellungnahme des RAD, welche jedoch lückenhaft
und damit ohne Beweiswert
sei.
Ferner sei keine Haus
haltsabklärung durchgeführt worden, obwohl die Beschwerdeführerin zu 50
%
im Haushalt tätig sei.
3.
3.1
Am 2
6.
Dezember 2016
stellte sich
die Beschwerdeführerin mit Oberbauch
schmerzen notfallmässig im Stadtspital
B._
vor
(vgl. Arztbericht vom 26. De
zem
ber 2016,
Urk.
7/14/9), wo gleichentags eine
laparoskopische
Cholezystektomie
durchgeführt wurde (vgl. Operationsbericht vom 2
7.
Dezember 2016,
Urk.
7/14/6)
.
Der postoperative Verlauf
habe sich problemlos gestaltet, wes
halb d
ie Beschwerdeführerin am 2
8.
Dezember 2016 in gebessertem Allg
e
mein
zustand nach Hause
habe
entlassen
werden können
(vgl. Austrittsbericht vom 2
8.
De
zember 2016, Urk. 7/14/10).
Aufgrund persistierender Schmerzen im Bereich der Inzision im linken Mittelbauch wurde die Beschwerdeführerin
im Februar 2017
erneut im Stadtspi
tal
B._
vorstellig. Der untersuchende Arzt erachtete die Schmerzen am ehesten durch ein
Serom
im Bereich der Operationsnarbe indiziert
. Die Beschwerden würden
in den kommenden Wochen voraussichtlich verschwinden
(vgl. Arztbericht
e
vom
2.
Februar 2017 [
Urk.
7/14/12] und vom 2
0.
Februar 2017 [
Urk.
7/10/31]).
3.2
Seit Dezember 2016 war die Beschwerdeführerin bei
Dr.
C._
, Facharzt
für
Inn
ere Medizin FMH, in Behandlung
(
Urk.
7/14)
.
Dr.
C._
überwies
die Beschwer
deführerin a
ufgrund einer zunehmenden Beinschwäche sowie beid
seitiger Bein
schmerzen, deutlich rechtsbetont, zur
angiologischen
Ab
klärung, insbesondere zum Ausschluss einer Thrombose, an
Dr.
D._
, inner
e Medizin FMH, spez.
Angiologie
.
Dr.
D._
hiel
t in seinem Arztbericht vom 20.
März 2017 (
Urk.
7/14/14f.) fest,
duplexsonographisch
würden keine An
halts
punkte für eine
tiefe Beinvenenthrombose (
TVT
)
oder Phlebitis als Ursache der deutlich rechtsbetonten Beinschmerzen bestehen. Differenzial
diagnos
tisch komme bei ausgeprägter
Druck
dolenz
am ehesten eine
muskulo
tendinöse
Ursache in Frage. Rechts bestehe eine
mässig
gradige
Nebenast
varikosis
bei ei
ner
Parva
in
suffizienz
Grad II, wobei diese
zurzeit nicht zwingend therapie
bedürftig
sei
. Er empfehle symptoma
tisch vorzugehen, allenfalls probato
risch mit Magnesium.
3.3
Im April 2017 begab sich die Beschwerdeführerin aufgrund
von
Sehstörungen verbunden mit Schwindel ins
Zentrum
E._
. D
ie beklagten Beschwerden - so d
er untersuchende Arzt
- seien durch Schwankungen in der
Okz
ipital
durch
blutung
zu erklären, möglicherweise durch Blutdruck- oder Kreislauf
schwankun
gen oder durch eine Störung im Bereich der Halswirbelsäule
(HWS)
ausgelöst.
Er empfahl weitere Abklärungen diesbezüglich (vgl. Arztbericht vom 2
5.
April 2017,
Urk.
7/14/16).
Radiologische Befunde
zeigten
keine frischen traumatischen
ossären
Läsionen der HWS (vgl.
B
ericht vom 27. April 2017, Urk.
7/14/17).
3.4
Bei Verdacht auf eine
lupoide
Hepatitis war die Beschwerdeführerin n
ach haus
ärztlicher Zuweisung v
om 2
6.
April
bis 7.
Mai 2017 im Universitätsspital
F._
hospitalisiert.
Mit
Ausnahme einer leichten Steatose
- so die Ärzte für Gastroenterologie und Hepatologie -
finde sich weder
sono
graphisch
noch in der
Elastographie
ein Nachweis einer relevanten Hepato
pathie (vgl. Arztbericht vom 2
7.
April 2017,
Urk.
7/10/22f.).
Aufgrund leicht
erhöhter CK- und
Myoglobin
werte
äusserten die Ärzte
des
F._
jedoch
den Verdacht auf eine Myositis und klärten die Beschwerdeführerin zusätzlich rheumatologisch und neurologisch ab
.
Laut untersuchenden Ärzten
der Rheumatologie
habe eine am
4.
Mai 2017 durch
geführte
Ganzkörper Magnetresonanztomographie [MRI]
(
Urk.
7/14/21)
eine ent
zündliche, systemische rheumatologische Grund
erkrank
ung und insbesondere eine Myositis ausschliessen können. Insgesamt finde sich während der
Hospitali
sation
für die von der Beschwerdeführerin ge
äusserten Beschwerden kein soma
tisches Korrelat.
Auch seien die klinischen Unter
suchungs
befunde bezüglich Kraft über die Zeit etwas fluktuierend und die generalisierte Kraft
minderung der linken Körperseite teilweise auch inkonsistent
gewesen (vgl. A
ustritts
bericht vom
9.
Mai 2017,
Urk.
7/14/23-25).
Die untersuchenden Ärzte der Neurologie
konstatierten
,
es finde sich keine die Beschwerden erklärende neurologische Ursache.
Hinweise auf ein
radikuläres
Ausfallsyndrom oder
auf eine
Läsion eines peripheren Nervs
gebe es keine
. Elektroneurographisch zeige sich als einziger auffälliger Befund eine leicht amplitudengeminderte motorische Reizantwort des
Nervus
tibialis
auf der linken Seite bei a
nsonsten normwertigen Befunden
(vgl. Arztbericht vom
4.
Mai 2017, Urk. 7/14/19f.).
Rein formal würden die
Fibromyalgiek
riterien
erfüllt werden. Differenzialdiagnostisch komme auch eine somatoforme Störung in Frag
e. Die Ärzte des
F._
empfahlen die Weiter
führung der ambulanten Physio
therapie inklusive aerober Belastung zur Schmerz
distanzierung
, allenfalls eine schmerzdistanzierende Medikation im Ver
lauf
. Ausserdem werde eine psychiatri
sche Begleitung empfohlen
(Urk.
7/14/24
f.
).
3.5
Bei fluktuierender
Hemisymptomatik
auf der linken Seite wurde die Beschwerde
führerin am 1
1.
Mai 2017 erneut durch den Hausarzt ans
F._
überwiesen. Die Beschwerdeführerin habe angegeben, bereits bei Austritt vor vier Tagen ein Un
sicherheitsgefühl im linken Bein verspürt zu haben. Die gesamte linke Seite fühle sich schwächer an. Grundsätzlich fühle sie sich seit der
Cholezystektomie
im De
zember 2016 sehr müde und geschwächt. Sie beklage vor allem linksseitige Schmerzen im Bereich der Muskulatur, welche insbesondere auch nachts bestehen würden. Am Morgen zeige sich jeweils ein allgemeines Steifigkeitsgefühl wäh
rend wenige
r
Minuten sowie eine linksbetonte
Cephalgie
.
Visusstörungen
hätte sie jedoch keine
(
Urk.
7/14/43)
.
Die Ärzte des
F._
gaben in ihrem A
ustritts
bericht vom 18. Mai 2017 (
Urk.
7/14/41) an, die Befunde seien in der neurologischen Untersuchung weiterhin inkonsistent gewesen. Spontan
be
wegun
gen seien an Extremitäten unbeobachtet oder auch in
Gestikulationen
sym
metrisch durchge
führt worden. Bei der spezifischen Krafttestung sei initial oft kurz eine normale Kraft vorhanden gewesen mit dann plötzlichem Nachlassen. Eine Differenz der Muskeleigenreflexe habe nicht festgestellt werden können und auch der
Babinski
sei beidseits negativ.
Ein am 1
1.
Mai 2017 durchgeführtes MRI des Schädels habe keine Hinweise auf eine Ischämie, intrazerebrale Hämorrhagien oder
demyelini
sierende
Läsionen ergeben (
Urk.
7/14/34f.).
Aufgrund der in der elektro
neurogra
phischen Unter
suchung vom
4.
Mai 2017 festgestellten leichten amplitudenge
minderten motorischen Antwort des
Nervus
tibialis
auf der linken Seite
(vgl.
E. 3.4 in
fine
,
Urk. 7/14/19f.)
sei ergänzend ein MRI der LWS durch
geführt worden, im Rahmen
dessen
keinerlei Neurokompressionen (insbesondere auch nicht in der Nervenwurzel S1)
oder sonstige Hinweise für Einengungen der
Foramina
inter
vertebralia
hätten festgestellt werden können
(
Urk.
7/14/29f.)
.
Zusammenfassend sei bei fehlendem somatischen Korrelat
von
eine
r
Somati
sie
rungs
störung (diffe
renzial
diagnostisch von einer Konversionsstörung) auszu
gehen.
Im Rahmen eines psychiatrischen Konsiliums
-
unter Beisein einer entfernten Verwandten
der Be
schwerdeführerin
-
sei eben
falls der Verdacht auf eine Somatisierungsstörung geäussert worden. Eine Depres
sion liege nicht vor. Die Ärzte des
F._
empfahlen der Beschwerdeführerin eine Psychotherapie. Aus somatischer Sicht bestehe kein Grund für eine Krank
schreibung.
Während der Dauer der medizinischen Abklä
rungen (2
6.
April bis 1
9.
Mai 2017) habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit be
standen, danach liege aus somatischer Sicht keine weitere Arbeitsunfähigkeit vor.
3.6
Zur weiteren neurologischen Abklärung überwies Hausarzt
Dr.
C._
die Be
schwerde
führerin an
Dr.
G._
, Facharzt FMH für Neurologie,
der in seinem Arztberich
t vom 1
4.
Juni 2017 (
Urk.
7/14/
45f.) konstatierte, die
senso
-motorische
Hemisymptomatik
auf der linken Seite lasse sich organ-neurologisch nicht ausreichend erklären. Man würde in erster Linie eine Asymmetrie der
Extremitätenreflexe
erwarten, was nicht der Fall sei. Auch die tiefen sensiblen Qualitäten seien intakt, so dass der Verdacht einer funkti
onellen Störung bestehe. Ob ein
Lupus
erythematodes
vorhanden sei, könne er jedoch nicht beurteilen. Hinweise für eine durch den Lupus bedingte ZNS-Mitbeteiligung gebe es jeden
falls keine. Zu erwarten wären epileptische Anfälle, eine Psychose oder auch
ce
rebro-vaskuläre
Störungen. Gegen Letzteres spreche der vollständig normale
neu
ro
angiologische
Befund.
3.7
Im November 2017 begab sich die Beschwerdeführerin in
die
ambulante Schmerz
sprechstunde im Stadtspital
H._
. Bei der Beschwerdeführerin bestehe - so die untersuchende Ärztin
in ihrem Arztbericht vom 1
4.
November 2017 (
Urk.
7/13/3f.)
- eine
chronifizierte
Schmerzerkrankung mit psychischen und so
matischen Faktoren. Im Vordergrund stehe eine Schmerzver
arbei
tungs
störung
mit Verdacht auf Somatisierungsstörung, wobei das eingeschränkte Sprach
ver
ständnis und der kulturelle Hintergrund (Krank
heits
konzept) zur
Chro
ni
fizierung
beitragen würden.
Weitere Abklärungen seien nicht zu empfehlen, auch um die Symptomfixierung zu durchbrechen.
Sie empfahl eine multimodal ausgerichtete Schmerzbehandlung mit intensiver Schmerz
edukation, Bewegungs
therapie und eine begleitende Psychotherapie
bei einer serbisch sprechenden Therapeutin
.
Laut untersuchender
Ärztin seien die bisher empfohlenen Therapien (Physio
therapie, schmerz
distan
zie
rende Medi
kamente, Schmerzmittel) nicht um
gesetzt bezie
hungsweise wegen Neben
wir
kungen abgesetzt worden.
Mittler
weile wolle die Be
schwerdeführerin die Unter
stützung jedoch annehmen.
3.8
Seit November 2017 war die Beschwerdeführerin bei
Dr.
I._
,
FMH
Psychiatrie und Psychotherapie,
in psychiatrischer Behandlung. Auf telefo
nische Anfrage hin
gab
die Psychiaterin
an
, die Beschwerdeführerin habe primär körperliche Beschwerden und Schwierigkeiten damit, von gewissen Ärzten als Simulantin abgestempelt zu werden. Psychisch seien keine Einschränkungen vor
handen
(vgl. Telefonnotiz vom 2
2.
März 2018,
Urk.
7/19)
.
3.9
Bei anamnestischer Episode einer
Amaurosis
fugax
auf dem linken Auge erfolgte
im Februar 2018
eine Abklärung durch die Augenklinik am
F._
. Die Ärzte des
F._
hielten fest, die linksseitige Schwäche betreffe den ganzen Körper. Die ab
genommenen Entzündungswerte sowie das Blutbild würden sich normwertig zei
gen. Zudem bestehe anamnestisch kein weiterer Hinweis auf eine
arteriitische
Genese. Sie diagnostizierten den Verdacht auf eine visuelle Aura im Rahmen einer
Migränensymptomatik
(vgl. Arztbericht vom
9.
April 2018,
Urk.
3/2).
3.10
Aufgrund eines rezidivierenden Schwindels wurde die Beschwerdeführerin im in
terdisziplinären Zentrum für Schwindel und neurologische Sehstörungen am
F._
untersucht. Die untersuchenden Ärzte führten aus, im Rahmen der Lager
ungspro
ben hätten sich keine Anhaltspunkte für das Vorliegen eines benignen paroxys
malen Lagerungs
schwindels (BPLS) ergeben. Hinweise für eine peripher-ves
tibuläre Unterfunktion gebe es ebenfalls keine. Gestützt auf die Anamnese mit diffusem
Schwankschwindel
, einer früheren Kopfschmerz-Episode und normaler vestibulärer Untersuchung bestehe im Sinne einer Arbeitshypothese am ehesten der Verdacht auf eine vestibuläre Migräne. Differenzialdiagnostisch sei aufgrund der diffusen Schwindelan
gaben in allen Manövern von einem somatoformen Schwindel auszu
gehen. Die Ärzte empfahlen der Beschwerde
führerin, auf einen regelmässigen Lebensrhythmus zu achten (was sie bereits tue), mit genügend Schlaf, genügend Flüssigkeitszufuhr und Verzicht auf Kaffee (vgl. Arztberichte vom 2
7.
März 2018 [
Urk.
3/1] und vom 2
5.
Mai 2018 [
Urk.
3/3]).
3.11
RAD-Arzt
Dr.
A._
nahm am
4.
Mai 2018 eine aktenbasierte Einschätzung vor (
Urk.
7/24/5) und hielt fest, organische Befunde, die eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu begründen vermögen, würden nicht vorliegen. Auch psy
chiatrisch gebe es keine Einschränkungen. Das Fibromyalgie-Syndrom
,
Differen
zial
diagnose somatoforme Schmerzstörung
,
sei IV-fremd und löse keine IV-relevante längerfristige Arbeitsunfähigkeit aus. Da kein invalidisierender Gesund
heitsschaden ausgewiesen sei, könne auf eine Haushaltsabklärung verzichtet wer
den.
3.1
2
Im Rahmen des
Einwandverfahrens
reichte die Beschwerdeführerin den Arzt
be
richt von
Dr.
C._
vom 2
3.
Juni 2018
(
Urk.
7/34)
zu den Akten. Dieser diagnostizierte ein
Münchhaus
en
-Syndrom
, ein
en
Autoimmun-Prozess unklarer Sig
ni
fikanz (erhöhte
antimitochondriale
Antikörper) sowie ein
en
Verdacht auf
Helicobacter
-positive Gastritis
.
Mit den
Auswirkungen der Münch
hausen-Symp
to
matik (beispielsweise durch den Schwindel verursachte Stürze mit Verletzungs
folgen, Schluckstörungen, Gelenkschmerzen, plötzliche Blindheit) sei keine lei
densangepasste Tätigkeit denkbar.
4.
4.1
Vorab ist festzuhalten (vgl. E. 3.1 und E. 3.2), dass eine
Einschränkung der Leis
tungsfähigkeit nur relevant sein
kann
, wenn sie Folge einer fachärztlich ein
wand
frei diagnostizierten Gesundheits
beeinträchtigung ist (vgl. BGE 130 V 396).
4.2
Die zahlreichen medizinischen Abklärungen zeigen, dass für die von der Be
schwerdeführerin geklagten unterschiedlichen körperlichen Symptome kein or
ga
nisches Korrelat gefunden wurde. Sämtliche Fachärzte können die Beschwer
den nicht ausreichend somatisch erklären. Die Ärzte des
F._
sowie des Stadtspi
tals
H._
führten
entsprechend eine Somatisierungsstörung (E. 3.5) respektive eine Schmerzver
ar
beitungsstörung
als zumindest Verdachtsdiagnose auf
(E. 3.7).
Der
behan
delnde Hausarzt diagnosti
zierte ein Münchhausen-Syndrom mit Aus
wirkung auf die Arbeits
fähigkeit (E. 3.12). Damit
ist
aus somatischer Sicht keine gesund
heitliche Einschränkung
ausgewiesen
. Die Ärzte des
F._
äusserten
auch
explizit, dass aus soma
tischer Sicht kein
e Arbeitsunfähigkeit
bestehe (E. 3.5 in
fine
).
In Bezug auf die Stellungnahmen der Ärzte der Augenklinik sowie des interdis
zi
pli
nären Zentrums für Schwindel und neurologische
Sehstörungen am
F._
(E.
3.9 und E. 3.10) und deren Einschätzung betreffend die anamnestisch fest
ge
haltene
Amaurosis
fugax
sowie Schwindel
symptomatik ist anzumerken, dass eine blosse
Verdachts
diagnose
oder gar Pro
gnosen nur eine mögliche Gesund
heits
stö
rung implizieren, aber versicherungs
medizinisch keine
rechts
genügliche
Grund
lage bilden, um mögliche Aus
wirkungen auf die Arbeits
fähigkeit zu beur
teilen.
4.3
Das
vom Hausarzt
festgehaltene Münchhausen-Syndrom
ist ei
ne fachfremd ge
stellte Diagnose
.
Im Übrigen wird d
as Münchhausen
-S
yndrom gemäss Inter
na
tionaler Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10, Kapitel V [F]) unter der Diagnose artifizielle Störung (absichtliches Erzeugen oder Vortäuschen von kör
perlichen oder psychischen Symptomen oder Be
hinderungen), F68.1, geführt (vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
Internationale
Klassifikation psychischer Stö
rungen, ICD-10, Kapitel V [F], 1
0.
überarbeitete Auflage, 2015, S. 305). Voraus
gesetzt wird demnach das Fehlen einer gesicherten körperlichen oder psychischen Störung, Krankheit oder Behinderung. Damit
scheint
diese Diagnose – sollte sie zutreffen – keine Grundlage eines die Arbeitsfähigkeit einschränken
den, invali
di
sieren
den Gesundheits
schadens
zu sein, was indes fachärztlich zu bescheinigen ist
.
4.4
4.4.
1
In Bezug auf die Telefon
notiz der Beschwerdegegnerin vom
2
2.
März
2018 (vor
stehend E.
3.8)
gilt es zu beachten, dass eine formlos eingeholte und in einer Aktennotiz festgehaltene mündliche oder telefonische Auskunft nach der Recht
sprechung nur insoweit ein zulässiges und taugliches Beweismittel darstellt, als damit blosse Nebenpunkte, namentlich Indizien oder Hilfstatsachen, festgestellt werden. Dagegen kommt grundsätzlich nur die Form einer schriftlichen Anfrage
und Auskunft in Betracht, wenn Auskünfte zu wesentlichen Punkten des rechts
erheblichen Sachverhaltes einzuholen sind (BGE 117 V 285 E. 4c mit Hinweis). Hält ein Mitarbeiter eines Versicherers den Inhalt eines Telefongesprächs schrift
lich fest und bestätigt die befragte Person mit ihrer Unterschrift ausdrücklich, dass die Wiedergabe des Gesprächs korrekt ist, ist diesem Schriftstück unter Um
ständen Beweiswert zuzuerkennen (Urteil des Bundesgerichts U 11/07 vom 2
7.
Februar 2008 mit Hinweis). Ein solcher ist auch mit Blick auf
Art.
43
Abs.
1 ATSG gegeben (Urteil des Bundesgerichts I 661/05 vom 2
3.
Juli 2007 E. 6.2.2).
4.4.
2
RAD-Arzt
Dr.
A._
stellte
in seiner Einschätzung vom
4.
Mai 2018 (vgl. Fest
stellungsblatt,
Urk.
7/24 S. 5; E. 3.11) massgeblich auf die
Telefonnotiz
vom 2
2.
März 2018 (E. 3.8 hiervor)
ab
. Die Beschwerdegegnerin wiederum stützte sich bei Erlass der angefochtenen Verfügung vom
6.
September 2018 (
Urk.
2)
vor
wie
gend
auf die Einschätzung des RAD. Da die Auskunft
zum psychischen Gesund
heitszustand der Beschwerdeführerin
von D
r.
I._
vom 22.
März 2018
wesentli
che Punkte des rechts
erheblichen Sachverhalts beschlägt, aber von diese
r
nicht unterschriftlich be
stätigt wurde, kann auf die Aktennotiz
vom 2
2.
März 2018
vorliegend nicht abgestellt werden.
Ein psychiatrischer Arztbericht fehlt in den Akten.
4.4.3
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisfüh
rungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügen
den Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Be
weismaterials besorgt zu sein (BGE 115 V 111 E. 3d/
bb
; Maurer, Sozialversiche
rungsrecht, Bd. I, 2. unveränderte Aufl., Bern 1983, S. 438
Ziff.
7a). Im Sozial
versicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 115 V 133 E. 8a). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrschein
lichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b).
4.4.4
Angesichts dessen, dass die untersuchenden Ärzte - zwar fachfremd - eine
Soma
-
tisierungsstörung
respektive eine Schmerzverarbeitungsstörung diagnosti
ziert haben, liegen Anhaltspunkte für eine psychische Einschränkung vor. So
lange weitere Sachverhaltsabklärungen möglich sind, darf im Rahmen des Unter
suchungsgrundsatzes (
Art.
61
lit
. c. ATSG) die Folge der Beweislosigkeit für einen invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden nicht greifen
(vgl. BGE 138 V 218 E. 6 S. 221; 117 V 261 E. 3b S. 264 mit Hinweis).
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung
an die Vorinstanz zurückweisen,
insbesondere
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache einge
treten oder der Sachverhalt ungenügen
d festgestellt wurde (§ 26 Abs.
1 des Ge
setzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Da die medizinische Akten
lage
in psychiatrischer Hinsicht
unvollständig und zur Klärung des allenfalls in
validisierenden Gesundheitsschadens weitere
(schriftliche)
medizinische Angaben notwendig sind, ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Ge
stützt auf diese Abklärun
gen wird sie in Berücksichtigung des gesundheitlichen Verlaufs erneut über
die Sache zu entscheiden haben
.
Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
5.
5.1
Das vorliegende Verfahren geht um die Bewill
igung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen, es ist daher kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind dabei
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Parteientschädigung hat.
Wird eine Entschädigung beansprucht, reicht di
e Partei dem Gericht vor dem En
dentscheid eine detaillierte Zusammenstellung über ihren Zeitaufwand und ihre Barauslagen ein. Im Unterlassungsfall setzt das Gericht die Entschädigung nach Ermessen fest (
§
8 in Verbindung mit
§
9 der Verordnung über die Gebüh
ren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialve
rsicherungsgericht;
GebV
SVGer
)
.
D
er
Rechtsvertreter hat keine Kosten
note ein
gereicht. Seine Ent
schädi
gung ist daher
nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 des Ge
setzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache sowie der Schwierig
keit des Pro
zesses von Amtes wegen auf Fr.
1'
5
00.--
(inkl. Barauslagen und Mehrwert
steuer) festzusetzen.