Decision ID: b7a99b1f-83a3-4360-96bf-20fe4ee47b9d
Year: 2004
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

I. A. H (geb. 1955), allein erziehende Mutter von I (geb. 1994), bezieht seit dem 1. Januar 1998 Sozialhilfeleistungen von der Gemeinde X. Da H aus ihrer damaligen selbständigen Beratungstätigkeit kein oder nur ein sehr geringes Einkommen erzielt hatte, forderte die Sozialkommission X sie erstmals mit Beschluss vom 14. Dezember 1998 auf, ihre Erwerbstätigkeit so auszuweiten, dass sie damit mindestens einen angemessenen Teil ihres Lebensunterhalts selber aufbringen könne. Zwischen Mai 1999 und Februar 2001 nahm H eine Teilzeitstelle (12 Stunden pro Woche) an. Das Einkommen wurde an die Sozialhilfeleistungen angerechnet. Die Aufgabe der Teilzeitarbeit begründete sie im Wesentlichen mit der Situation ihres Sohnes, der damals die erste Klasse der Primarschule besuchte: Krankheit und Probleme im schulischen Umfeld hätten eine intensive Betreuung notwendig gemacht. Sie wolle wieder selbständig erwerbstätig werden und ihre frühere Beratungstätigkeit aufnehmen. In der Folge erzielte sie aber daraus kein nennenswertes Einkommen. Vielmehr sah sie sich nach ihren Angaben gezwungen, sich noch intensiver um ihren Sohn zu kümmern, den neben schulischen Problemen auch eine Auseinandersetzung mit einer Nachbarin belaste. Eine ausserhäusliche Tätigkeit sei deshalb für sie nicht zumutbar.
B. Mit Beschluss vom 24. Februar 2003, der zur Hauptsache die weitere Gewährung der Sozialhilfeleistungen zum Inhalt hatte, machte die Sozialkommission der Gemeinde X Frau H ein weiteres Mal darauf aufmerksam, dass sie einer Erwerbstätigkeit im Umfang von ca. 50 % nachgehen müsse und ihre Bemühungen um eine Arbeitsstelle monatlich zu belegen habe. Ausserdem wurde ihr für den Fall, dass sie dieser Aufforderung nicht nachkommen sollte, eine Kürzung der Sozialhilfeleistungen in Aussicht gestellt.
C. Am 28. Juli 2003 beschloss die Sozialkommission X, monatliche Sozialhilfeleistungen von Fr. 2'822.- vorläufig weiter bis zum 31. Oktober 2003 zu gewähren. Der Betrag berücksichtigte die Streichung des Grundbedarfs II von Fr. 158.- pro Monat. Die Sozialkommission wiederholte ihre Aufforderung an H, sich weiter um eine Arbeitsstelle zu bemühen und dies der Behörde gegenüber zu belegen. Zudem wurde ihr für den Unterlassungsfall eine weitere Kürzung der Leistungen angedroht.
D. Mit Beschluss vom 20. Oktober 2003 gewährte die Sozialkommission H zwar weiterhin bis zum 31. Januar 2004 Sozialhilfeleistungen. Weil H dem Ersuchen der Behörde nicht nachgekommen war, kürzte sie den monatlichen Betrag wie bisher um den Grundbedarf II und zusätzlich um 10 % des Grundbedarfs I (Fr. 157.- pro Monat) auf Fr. 2'665.-, bekräftigte die Aufforderung zur Arbeitssuche und fügte eine erneute Kürzungsandrohung an.
II. Einen dagegen von H erhobenen Rekurs wies der Bezirksrat Y mit Beschluss vom 8. März 2004 ab, soweit er darauf eintrat.
III. Mit Eingabe vom 25. März 2004 erhob H Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie beantragte sinngemäss die Aufhebung des Beschlusses vom 8. März 2004. Der Bezirksrat Y verzichtete am 6. April 2004 auf eine Vernehmlassung, während die Sozialkommission X am 26. April 2004 beantragte, die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.

Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde gemäss § 19c Abs. 2 in Verbindung mit § 41 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) funktionell und sachlich zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
Im Streit liegt primär die von der Beschwerdegegnerin mit Beschluss vom 20. Oktober 2003 angeordnete Kürzung der Sozialhilfeleistungen von insgesamt Fr. 945.- (Grundbedarf II: Fr. 158.- pro Monat, 10 % des Grundbedarfs I: Fr. 157.- pro Monat; bezogen auf die vom Beschluss umfasste Zeitperiode vom 1. November 2003 bis 31. Januar 2004). Die mit angefochtene Aufforderung zur Arbeitssuche und Kürzungsandrohung weisen keinen ziffernmässig bestimmbaren Streitwert auf. Beide stehen in einem Abhängigkeitsverhältnis zur erfolgten Anordnung der Kürzung. Für die Bestimmung des Spruchköpers ist deshalb der in erster Linie angefochtene Kürzungsbetrag massgeblich, dessen Höhe die einzelrichterliche Beurteilung vorschreibt (§ 38 Abs. 1 und 2 VRG).
Im Streit liegt primär die von der Beschwerdegegnerin mit Beschluss vom 20. Oktober 2003 angeordnete Kürzung der Sozialhilfeleistungen von insgesamt Fr. 945.- (Grundbedarf II: Fr. 158.- pro Monat, 10 % des Grundbedarfs I: Fr. 157.- pro Monat; bezogen auf die vom Beschluss umfasste Zeitperiode vom 1. November 2003 bis 31. Januar 2004). Die mit angefochtene Aufforderung zur Arbeitssuche und Kürzungsandrohung weisen keinen ziffernmässig bestimmbaren Streitwert auf. Beide stehen in einem Abhängigkeitsverhältnis zur erfolgten Anordnung der Kürzung. Für die Bestimmung des Spruchköpers ist deshalb der in erster Linie angefochtene Kürzungsbetrag massgeblich, dessen Höhe die einzelrichterliche Beurteilung vorschreibt (§ 38 Abs. 1 und 2 VRG).
2. 2.1 Der Bezirksrat erachtete die von der Sozialbehörde X angeordnete Kürzung der Sozialhilfeleistungen von insgesamt Fr. 315.- pro Monat angesichts der unterbliebenen Bemühungen der Beschwerdeführerin, eine Arbeitsstelle zu suchen, als rechtmässig und verhältnismässig. Der Antrag der Beschwerdeführerin, die Leistungen um Fr. 500.- zu erhöhen, sei ungerechtfertigt (E. 2.2). Die im angefochtenen Beschluss statuierte Androhung einer weiteren Kürzung des Grundbedarfs I stelle eine verfahrensleitende Anordnung dar, die nicht selbständig mit Rekurs anfechtbar sei (E. 2.3).
2.2 Die Beschwerdeführerin verweist in der Beschwerdeschrift und in den beigelegten zahlreichen Beilagen auf ihre schwierige Lebenssituation. Namentlich der Umstand, dass sich der Kindsvater nicht um I kümmere, und schulische Probleme hätten ihre volle Präsenz erfordert. Ihr sei die elterliche Sorge zugeteilt worden, weshalb sie ihre Verantwortung als Mutter gegenüber ihrem Sohn wahrnehmen wolle. Die intensive Betreuung des Sohnes habe viel Gutes bewirkt. Das wolle sie nicht aufs Spiel setzen, zumal aus entwicklungspsychologischer Sicht Knaben ab zehn Jahren besondere Aufmerksamkeit bräuchten.
2.3 Die Beschwerdegegnerin führt aus, dass die Argumente der Beschwerdeführerin seit Jahren bekannt seien. Sie hält an ihrem Standpunkt fest, dass zum jetzigen Zeitpunkt eine teilzeitliche Erwerbstätigkeit für die Beschwerdeführerin zumutbar sei.
2.3 Die Beschwerdegegnerin führt aus, dass die Argumente der Beschwerdeführerin seit Jahren bekannt seien. Sie hält an ihrem Standpunkt fest, dass zum jetzigen Zeitpunkt eine teilzeitliche Erwerbstätigkeit für die Beschwerdeführerin zumutbar sei.
3. Wer für seinen Lebensunterhalt und den seiner Familienangehörigen nicht hinreichend oder nicht rechtzeitig aus eigenen Mitteln aufkommen kann, hat Anspruch auf wirtschaftliche Hilfe (§ 14 des Sozialhilfegesetzes vom 14. Juni 1981 [SHG]). Die wirtschaftliche Hilfe darf mit Auflagen und Weisungen verbunden werden, die geeignet sind, die Lage des Hilfeempfängers zu verbessern (§ 21 SHG). Wenn der Hilfesuchende Anordnungen der Behörde nicht befolgt, insbesondere Auflagen und Weisungen missachtet und er zudem auf die Möglichkeit einer Leistungskürzung schriftlich hingewiesen worden ist, können die Leistungen gekürzt werden (§ 24 Abs. 1 SHG). Ein solcher Hinweis kann mit der Anordnung der Behörde verbunden werden (Abs. 2). Für den Kanton Zürich sind im Weiteren grundsätzlich die Richtlinien für die Ausgestaltung und Bemessung der Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien, herausgegeben von der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe) verbindlich (§ 17 Satz 3 und 4 der Verordnung zum Sozialhilfegesetz vom 21. Oktober 1981 [SHV]). Danach ist unter Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismässigkeit unter anderem die Streichung des Grundbedarfs II für maximal zwölf Monate und beim Vorliegen qualifizierter Kürzungsgründe eine Reduktion des Grundbedarfs I um maximal 15 % für höchstens sechs Monate zulässig. Unter bestimmten Voraussetzungen können diese Massnahmen verlängert und/oder verschärft werden (SKOS-Richtlinien, Ziff. A.8.3).
4. Festzuhalten ist zunächst, dass die beanstandete Kürzung in verfahrensmässiger Hinsicht korrekt abgewickelt worden ist. Die Beschwerdegegnerin hat nämlich die Weisung an die Beschwerdeführerin, eine Erwerbstätigkeit zu suchen, in den zahlreichen anfechtbaren Beschlüssen, mit denen sie die Gewährung von Sozialhilfeleistungen verlängerte, jeweils im Dispositiv aufgeführt. Sie hat die Kürzungen vor dem Vollzug der Beschwerdeführerin ausdrücklich angedroht und dabei zusätzlich die Weisung zur Arbeitssuche wiederholt: Mit Beschluss vom 24. Februar 2003 erfolgte erstmals eine Kürzungsandrohung, welche die Beschwerdegegnerin mit Beschluss vom 7. Juli 2003 mit der Streichung des Grundbedarfs II in die Tat umsetzte. Eine weitere Kürzung drohte die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin mit Beschluss vom 28. Juli 2003 an, welche sie schliesslich mit dem dem Beschwerdeverfahren zugrunde liegenden Beschluss vom 20. Oktober 2003 mit der Kürzung des Grundbedarfs I um 10 % vollzog.
5. Die Beschwerdeführerin beanstandet die Rechtmässigkeit der Kürzung, weil sie die vorangegangene Weisung, sich um eine Arbeitsstelle zu kümmern, angesichts ihrer familiären Situation als unzulässig erachtet.