Decision ID: 99e20e2f-cf9b-48ed-ab67-19ad78b7433a
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache Veruntreuung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 18. Juli 2018 (DG180030)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 17. Januar
2018 (Urk. 001001008) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 126 S. 264 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Die Beschuldigte A._ ist schuldig
− der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB
(betreffend Anklageziffer B zum Nachteil des Privatklägers 2);
− der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1
Abs. 3 StGB (betreffend Anklageziffer B zum Nachteil des Privatklägers 1);
− der ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1
StGB (betreffend Anklageziffer C);
− der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB;
− der Unterlassung der Buchführung im Sinne von Art. 166 StGB;
− der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19
Abs. 1 lit. b und lit. d BetmG.
2. Der Beschuldigte B._ ist schuldig
− der mehrfachen Gehilfenschaft zur Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1
Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 25 StGB (betreffend Anklageziffern
B.2.1.2, B.2.1.3, B.2.1.5 und B.2.2.5);
− der mehrfachen Gehilfenschaft zur ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne
von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB in Verbindung mit Art. 25 StGB (betreffend
Anklageziffern B.2.1.2, B.2.1.3 und B.2.1.5);
− der mehrfachen Widerhandlung gegen das Revisionsaufsichtsgesetz im
Sinne von Art. 40 Abs. 1 lit. a RAG;
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− der Übertretung der Revisionsaufsichtsverordnung im Sinne von Art. 45
Abs. 1 lit. b RAV;
− der mehrfachen Falschbeurkundung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 2
StGB.
3. Der Beschuldigte B._ wird freigesprochen vom Vorwurf
− der Gehilfenschaft zur Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB
in Verbindung mit Art. 25 StGB (betreffend Anklageziffer B.2.2.7).
4. Die Beschuldigte A._ wird bestraft mit 3 Jahren und 8 Monaten Freiheitsstrafe,
wovon 237 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe von
120 Tagessätzen zu CHF 50. Es wird davon Vormerk genommen, dass sich die
Beschuldigte A._ seit dem 13. Juni 2017 im vorzeitigen Strafvollzug befindet.
5. Die Freiheitsstrafe der Beschuldigten A._ wird vollzogen. Der Vollzug der
Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
6. Der Beschuldigte B._ wird bestraft mit einer Geldstrafe von 360 Tagessätzen
zu CHF 100, wovon 161 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten, sowie mit einer
Busse von CHF 700.
7. Der Vollzug der Geldstrafe des Beschuldigten B._ wird aufgeschoben und die
Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
8. Bezahlt der Beschuldigte B._ die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stel-
le eine Ersatzfreiheitsstrafe von 7 Tagen.
9. Auf das Schadenersatzbegehren des Privatklägers 1 (C._) wird nicht eingetre-
ten.
10. Der Privatkläger 2 (D._) wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Weg
des Zivilprozesses verwiesen.
11. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 6. Dezember
2017 beschlagnahmten Betäubungsmittel, lagernd bei der Stadtpolizei Zürich,
KA-FA-PLE-BMA (Lagernummer S03363-2016), werden eingezogen und der
Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.
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12. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 19. April 2017
beschlagnahmten Bargelder in der Höhe von CHF 17'000, EUR 3'380 und Süd-
afrikanischen Rand 15'460 werden zur Deckung der dem Beschuldigten B._
auferlegten Verfahrenskosten herangezogen, betreffend die CHF 17'000 und
EUR 3'380 unter Herausgabe eines allfälligen Überschusses zuhanden des Betrei-
bungsamtes Wädenswil.
13. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 19. April 2017
beschlagnahmten Uhren (Maurice LaCroix, Flyback; A. Lange und Söhne, inkl. Zer-
tifikat; Hublot, rosé mit Diamantsplitter), lagernd bei der Kasse des Bezirksgerichts
Zürich, werden verwertet und der Erlös wird zur Deckung der dem Beschuldigten
B._ auferlegten Verfahrenskosten herangezogen, unter Herausgabe eines all-
fälligen Überschusses zuhanden des Betreibungsamtes Wädenswil.
14. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 6. Dezember
2017 beschlagnahmten Mobiltelefone (zwei Mobiltelefone von Nokia und ein Mobil-
telefon von Samsung) werden der Beschuldigten A._ nach Eintritt der Rechts-
kraft auf erstes Verlangen herausgegeben. Bei Nichtabholung innert drei Monaten
nach Eintritt der Rechtskraft werden die Mobiltelefone der Kasse des Bezirksge-
richts Zürich zur Vernichtung überlassen.
15. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 6. Dezember
2017 beschlagnahmte Laptop, lagernd bei der Stadtpolizei Zürich, Digitale Forensik
& Ermittlungen (Lagernummer 01-NB-Laptop), wird der Beschuldigten A._
nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen herausgegeben. Bei Nichtabho-
lung innert drei Monaten nach Eintritt der Rechtskraft wird der Laptop verwertet und
der Erlös wird zur Deckung der der Beschuldigten A._ auferlegten Verfahrens-
kosten herangezogen.
16. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 6. Dezember
2017 beschlagnahmte QNAP NAS, lagernd bei der Stadtpolizei Zürich, Digitale
Forensik & Ermittlungen (Lagernummer 03-QNAP), wird dem Beschuldigten
B._ nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen herausgegeben. Bei
Nichtabholung innert drei Monaten nach Eintritt der Rechtskraft wird das QNAP
NAS verwertet und der Erlös wird zur Deckung der dem Beschuldigten B._
auferlegten Verfahrenskosten herangezogen.
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17. Die übrigen mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom
6. Dezember 2017 als Beweismittel beschlagnahmten Gegenstände und Aufzeich-
nungen werden bei den Akten belassen.
18. Der andere Verfahrensbeteiligte E._ wird verpflichtet, dem Staat als Ersatz für
nicht mehr vorhandenen, widerrechtlich erlangten Vermögensvorteil CHF 150'000
zu bezahlen.
19. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 25'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
CHF 30'000.00 Gebühr Anklagebehörde (A._)
CHF 200.00 Gebühr Entsiegelungsverfahren G.Nr. GM160027-L
CHF 2'505.98 Auslagen Untersuchung (A._)
CHF 369.40 Auslagen Gutachten (A._)
CHF 190.00 Kosten Kantonspolizei (Gebühr Akteneinsicht, A._)
CHF 28'900.00 Akontozahlung amtliche Verteidigung (A._)
CHF 48'792.35 amtliche Verteidigung (A._)
CHF 30'000.00 Gebühr Anklagebehörde (B._)
CHF 2'438.07 Auslagen Untersuchung (B._)
CHF 140.00 Kosten Kantonspolizei (Gebühr Akteneinsicht, B._)
CHF 54'871.40 amtliche Verteidigung (B._)
CHF 17'800.00 Akontozahlung unentgeltlicher Rechtsbeistand Privatkläger 1
CHF 19'685.15 unentgeltlicher Rechtsbeistand Privatkläger 1
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
20. Die separat ausgewiesenen Kosten der Untersuchung werden den jeweiligen
Beschuldigten auferlegt.
21. Der Beschuldigten A._ werden die Gerichtskosten des Entsie-
gelungsverfahrens (Geschäfts-Nr. GM160027) auferlegt.
22. Die Kosten des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen der amtlichen
Verteidigungen, werden der Beschuldigten A._ zu 7/10 und dem Beschuldig-
ten B._ zu 3/10 auferlegt.
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23. Die Kosten der amtlichen Verteidigungen und der unentgeltlichen Rechtsver-
beiständung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine
Nachforderung für die Beschuldigten hinsichtlich der Kosten ihrer eigenen amt-
lichen Verteidigung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
24. Rechtsanwalt lic. iur. X1._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidi-
ger der Beschuldigten A._ mit CHF 77'692.35 (inkl. MwSt. und Akontozahlun-
gen von CHF 28'900) aus der Gerichtskasse entschädigt.
25. Rechtsanwalt lic. iur. X2._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidi-
ger des Beschuldigten B._ mit CHF 54'871.40 (inkl. MwSt.) aus der Gerichts-
kasse entschädigt.
26. Rechtsanwalt lic. iur. Y1._ wird für seine Aufwendungen als unentgeltlicher
Rechtsbeistand des Privatklägers 1 (C._) mit CHF 37'485.15 (inkl. MwSt. und
Akontozahlung von CHF 17'800) aus der Gerichtskasse entschädigt.
27. Die Beschuldigte A._ wird verpflichtet, dem Privatkläger 2 (D._) für das
gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von CHF 42'108.30 (inkl. MwSt.) zu
bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Begehren abgewiesen.
28. (Mitteilungen
29. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Des Verfahrensbeteiligten E._:
(Urk. 223 S. 2)
1. Ziffer 18 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, vom
18.07.2018 (DG180030) sei aufzuheben.
2. Es sei festzustellen, dass Herr E._ keine Ersatzforderung zu leisten hat.
3. Herr E._ sei für seine Aufwendungen im vorliegenden Verfahren ange-
messen zu entschädigen.
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4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, zzgl. MWST, zu Lasten der
Staatskasse.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 226 S. 1)
Dispositiv-Ziffer 18 sei aufzuheben und E._ sei zu verpflichten, dem
Staat CHF 193'794.25 als Ersatzforderung für den unrechtmässig erlangten
Vermögensvorteil zu bezahlen.

Erwägungen:
I. Vorgeschichte/Ausgangslage
Am 2. Februar 2016 erhob D._ bei der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
Strafanzeige gegen A._ (im Folgenden Mitbeschuldigte A._) wegen Be-
trugs, Urkundenfälschung und Nötigung. Er machte geltend, die Mitbeschuldigte
A._ hätte ihm im Frühjahr 2014 ein lukratives Geschäft vorgeschlagen. Es
sei um historische Wertpapiere (DDR-Mark) gegangen. Ihm sei empfohlen wor-
den, den Handel mit historischen Wertpapieren zu finanzieren, wofür er 3.2 Mio.
Euro bereit stellen solle, mit dem Versprechen auf eine lukrative Rendite. Als Si-
cherheit solle er, D._, 100 % der Aktien einer Firma "F._ AG" erhalten,
welche C._ gehören würden. D._ habe im Auftrag der Mitbeschuldigten
A._ 3.2 Mio. Euro auf ein Konto von G._ in FL einbezahlt. Er habe we-
der die vollständigen Aktien als Sicherheit, noch die versprochene Rendite, noch
seine 3.2 Mio. Euro zurückerhalten (Urk. 20101001). Am 21. Juli 2016 erweiterte
D._ die Strafanzeige und äussert den Verdacht zusätzlich auf Veruntreuung,
das Bestehen einer kriminellen Organisation und Geldwäscherei. Ebenfalls erwei-
terte er seine Strafanzeige gegen G._, C._ und B._
(Urk. 20101024).
C._ erhob am 24. Mai 2016 Strafanzeige gegen die Mitbeschuldigte A._
wegen Verdachts auf Betrug (Urk. 20201001). Am 27. Juli 2016 ergänzte er seine
Strafanzeige auf Verdacht der Veruntreuung, ungetreue Geschäftsbesorgung und
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Geldwäscherei und erweiterte sie auf G._ und allfällige weitere unbekannte
Täter (Urk. 20201016). Mit Schreiben vom 12. Dezember 2016 reichte die Eidge-
nössische Revisionsaufsicht RAB eine Strafanzeige gegen B._ (im Folgen-
den der Beschuldigte B._) wegen Verdachts auf Erbringen von Revisions-
dienstleistungen ohne Zulassung sowie wegen Urkundenfälschung ein (Urk.
20501008).
II. Verfahrensgang
1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zur Vermeidung von
Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid
verwiesen werden (Urk. 126 S. 10 - 30, Art. 82 Abs. 4 StPO).
Nach abgeschlossener Untersuchung erhob die Staatsanwaltschaft III des Kan-
tons Zürich am 17. Januar 2018 Anklage gegen die Mitbeschuldigte A._ we-
gen mehrfacher Veruntreuung, mehrfacher ungetreuen Geschäftsbesorgung, Ur-
kundenfälschung, Unterlassung der Buchführung und Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz. Gegen den Beschuldigten B._ erhob sie Anklage
wegen mehrfacher Gehilfenschaft zur Veruntreuung, mehrfacher Gehilfenschaft
zur ungetreuen Geschäftsbesorgung, mehrfacher Falschbeurkundung, mehrfa-
cher Widerhandlung gegen das Revisionsaufsichtsgesetz und Widerhandlung
gegen die Revisionsaufsichtsverordnung (Urk. 00101008 S. 48). Sie beantragte
für die Mitbeschuldigte A._ eine Bestrafung mit 3 Jahren und 9 Monaten
Freiheitsstrafe und für den Beschuldigten B._ eine Bestrafung von 18 Mona-
ten Freiheitsstrafe sowie einer Busse von Fr. 1'000.-- (Urk. 00101008 S. 54).
2. Mit Urteil vom 18. Juli 2018 sprach das Bezirksgericht Zürich, 9. Abteilung, die
Mitbeschuldigte A._ im Sinne der Anklage schuldig und bestrafte sie mit 3
Jahren und 8 Monaten Freiheitsstrafe, unter Anrechnung von 237 Tagen Haft.
Den Beschuldigten B._ sprach das Bezirksgericht Zürich, 9. Abteilung, eben-
falls grösstenteils im Sinne der Anklage schuldig. Ein Freispruch erfolgte be-
züglich der Gehilfenschaft zur Veruntreuung betreffend Anklageziffer B.2.2.7. Der
Beschuldigte B._ wurde mit einer Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu
Fr. 100.--, wovon 161 Tagessätze als durch Haft geleistet galten, sowie mit einer
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Busse von Fr. 700.-- bestraft. Der Vollzug der Geldstrafe wurde aufgeschoben,
unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren.
3. Gegen das schriftlich eröffnete Urteil (Prot. I. S. 14 ff.) meldeten die Mitbe-
schuldigte A._ mit Eingabe vom 18. Juli 2018 (Urk. 115), der Beschuldigte
B._ mit Eingabe vom 20. Juli 2018 (Urk. 119), der Drittbeteiligte E._ mit
Eingabe vom 20. Juli 2018 (Urk. 121) sowie der Privatkläger C._ mit Eingabe
vom 30. Juli 2018 je Berufung an.
Nach Zustellung des begründeten Entscheids am 20. August 2018 (Urk. 125/1-6)
erhoben die Mitbeschuldigte A._ am 3. September 2018 und der Beschuldig-
te B._ am 10. September 2019 rechtzeitig Berufung (Urk. 129 und 134). Bei-
de beantragten Freisprüche. Weiter meldete der Drittbeteiligte E._ mit Ein-
gabe vom 27. August 2018 (Urk. 127) hinsichtlich der Ersatzforderung bzw. seiner
Verpflichtung, dem Staat als Ersatz für den nicht mehr vorhandenen, widerrecht-
lich erlangten Vermögensvorteil Fr. 150'000.-- zu bezahlen (vgl. Ziff. 18 des vo-
rinstanzlichen Dispositivs), Berufung an (Urk. 127). Schliesslich erhob der Privat-
kläger C._ mit Eingabe vom 10. September 2018 fristgemäss Berufung. Er
beantragte unter anderem, die beiden Beschuldigten seien solidarisch zu ver-
pflichten, ihm EUR 1'800'00, zu bezahlen (Urk. 137). Mit Eingabe vom 25. Sep-
tember 2018 zog die Mitbeschuldigte A._ ihre Berufung wieder zurück (Urk.
141). Mit Präsidialverfügung vom 4. Oktober 2018 (Urk. 143) wurde den beiden
Beschuldigten, den Privatklägern, dem Drittbeteiligten und der Staatsanwaltschaft
Frist angesetzt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erklären oder begrün-
det ein Nichteintreten auf die Berufungen zu beantragen. Daraufhin erhob die Mit-
beschuldigte A._ mit Schreiben vom 19. Oktober 2018 bezüglich der Beru-
fung des Privatklägers C._ Anschlussberufung (Urk. 147). Mit Eingabe vom
23. Oktober 2018 beantragte der Beschuldigte B._, auf die Berufung des Pri-
vatklägers C._ sei nicht einzutreten (Urk. 149). Am 22. Oktober 2018 erhob
die Staatsanwaltschaft fristgerecht Anschlussberufung, wobei sie beantragte, der
Beschuldigte B._ sei auch hinsichtlich Anklageziffer B.2.2.7. schuldig zu
sprechen (Dispositivziffer 3). Weiter beantragte sie, der Beschuldigte B._ sei
mit einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten und einer Geldstrafe von 60 Tagessät-
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zen zu Fr. 100.-- und mit einer Busse von Fr. 700.-- zu bestrafen, unter Ansetzung
von je einer Probezeit von vier Jahren (Urk. 150). Ebenfalls sei Dispositivziffer 18
aufzuheben und der Drittbeteiligte E._ sei zu verpflichten, dem Staat Fr.
193'794.25 als Ersatzforderung für den unrechtmässig erlangten Vermögensvor-
teil zu bezahlen (Urk. 150). Mit Präsidialverfügung vom 28. November 2018 wur-
den Kopien der Anschlussberufungserklärungen zugestellt und Frist angesetzt,
zum Antrag des Beschuldigten B._ auf Nichteintreten auf die Berufung des
Privatklägers C._ Stellung zu nehmen (Urk. 152). Der Privatkläger C._
liess mit Eingabe vom 21. Dezember 2018 die Abweisung dieses Antrages bean-
tragen (Urk. 160). Die übrigen Parteien verzichteten auf Stellungnahme, sofern
sie sich vernehmen liessen (Urk. 156; Urk. 158). Nachdem mit Präsidialverfügung
vom 8. Januar 2019 dem Beschuldigten B._ Frist zur Vernehmlassung zu
Urk. 160 angesetzt worden war (Urk. 163), liess sich dieser am 28. Januar 2019
vernehmen (Urk. 165). Es folgte mit Präsidialverfügung vom 30. Januar 2019 eine
weitere Fristansetzung zur Stellungnahme zur Eingabe des Beschuldigten
B._ (Urk. 167). Innert erstreckter Frist (Urk. 173; Urk. 184) zog der Privatklä-
ger C._ seine Berufung mit Schreiben vom 27. März 2019 zurück (Urk. 189).
Damit fällt auch die diesbezügliche Anschlussberufung der Beschuldigten
A._ dahin (Art. 401 Abs. 3 StPO). Mit Präsidialverfügung vom 4. April 2019
wurde vom Rückzug der (Erst-)Berufung der Mitbeschuldigten A._ Vormerk
genommen. Vom Rückzug der (Zweit-) Berufung des Privatklägers C._ wur-
de ebenfalls Vormerk genommen (Urk. 194).
Mit Präsidialverfügung vom 21. März 2019 wurde die Mitbeschuldigte A._ per
30. März 2019 aus dem vorzeitigen Strafvollzug entlassen und auf freien Fuss
gesetzt (Urk. 186 und 188, vgl. auch Urk. 192).
4. Mit Beschluss vom 27. Juni 2019 wurde festgestellt, dass das Urteil der
9. Abteilung des Bezirksgerichts Zürich vom 18. Juli 2018 betreffend Dispositiv-
Ziffer 28 in Rechtskraft erwachsen ist, worin die Mitbeschuldigte A._ ver-
pflichtet wurde, dem Privatkläger 2 D._ für das gesamte Verfahren eine Pro-
zessentschädigung von CHF 42'108.30 (inkl. MwSt.) zu bezahlen (Urk. 206).
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Am 11. März 2020 wurde zur Berufungsverhandlung am 3. Juni 2020 vorgeladen
(Urk. 210). Am Tag vor der Berufungsverhandlung am 2. Juni 2020 zog der Be-
schuldigte B._ seine Berufung zurück (Urk. 220).
5. Der Verfahrensbeteiligte E._ beantragt mit seiner Berufung Verzicht auf
eine Ersatzforderung bzw. auf seine Verpflichtung, dem Staat als Ersatz für nicht
mehr vorhandenen, widerrechtlich erlangten Vermögensvorteil Fr. 150'000.-- zu
bezahlen (vgl. Ziff. 18 des vorinstanzlichen Dispositivs). Die Staatsanwaltschaft
hingegen beantragt mit ihrer Anschlussberufung, der Verfahrensbeteiligte
E._ sei zu verpflichten, dem Staat als Ersatzforderung Fr. 193'794.25 zu be-
zahlen.
Nachdem die Mitbeschuldigte A._ ihre Berufung am 25. September 2018,
der Privatkläger C._ seine Berufung am 27. März 2019 und der Beschuldigte
B._ seine Berufung am 2. Juni 2020 zurückgezogen hatten, weshalb auch
die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft dahin gefallen ist, ist festzuhalten,
dass sämtliche Dispositiv-Ziffern des vorinstanzlichen Urteils vom 18. Juli 2018
– mit Ausnahme von Dispositiv-Ziffer 18 – akzeptiert bzw. nicht angefochten wur-
den. Das erstinstanzliche Urteil ist somit in diesen Teilen in Rechtskraft erwach-
sen, was vorab mit Beschluss festzustellen ist. Zur Disposition steht einzig noch
Dispositiv-Ziffer 18 betreffend Ersatzforderung an den Staat.
III. Ersatzforderung gegenüber E._
1. Der Verfahrensbeteiligte E._, welcher zwischen Januar 2010 und August
2016 als Geschäftsführer der Gesellschaften A._s tätig war, wurde von der
Vorinstanz verpflichtet, dem Staat als Ersatz für nicht mehr vorhandenen, wider-
rechtlich erlangten Vermögensvorteil CHF 150‘000 zu bezahlen. Es handelt sich
dabei um den Lohn, den sich E._ für den Zeitraum vom 17. November 2014
bis zum 1. Juli 2015 in Höhe von insgesamt CHF 193‘794.25 auszahlte, abzüglich
die auf diesem Lohn bereits bezahlten (Einkommens-)Steuerbeträge. Der Verfah-
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rensbeteiligte E._ beantragt mit seiner Berufung, von einer Ersatzforderung
sei abzusehen (Urk. 127 S. 2). Die Staatsanwaltschaft ihrerseits beantragt mit
ihrer Anschlussberufung, E._ sei zu verpflichten, dem Staat als Ersatzforde-
rung CHF 193‘794.25 (ohne Abzug der geleisteten Steuern) zu bezahlen (Urk.
150).
2. Das Gericht verfügt die Einziehung von Vermögenswerten, die durch eine
Straftat erlangt worden sind oder dazu bestimmt waren, eine Straftat zu veran-
lassen oder zu belohnen, sofern sie nicht dem Verletzten zur Wiederherstellung
des rechtmässigen Zustandes ausgehändigt werden (Art. 70 Abs. 1 StGB). Die
Einziehung ist ausgeschlossen, wenn ein Dritter die Vermögenswerte in Unkennt-
nis der Einziehungsgründe erworben hat und soweit er für sie eine gleichwertige
Gegenleistung erbracht hat oder die Einziehung ihm gegenüber sonst eine unver-
hältnismässige Härte darstellen würde (Art. 70 Abs. 2 StGB). Eingezogen werden
können nach der Rechtsprechung neben den unmittelbar aus der Straftat stam-
menden Vermögenswerten auch die echten und unechten Surrogate, sofern die
von den Original- zu den Ersatzwerten führenden Transaktionen identifiziert und
dokumentiert werden können (BGE 126 I 97 ff., 106 f.). Es ist mithin anhand der
Papierspur nachzuweisen, dass die einzuziehenden Werte an Stelle der deliktisch
erlangten Originalwerte getreten sind. Ist die Papierspur nicht rekonstruierbar, so
ist auf eine Ersatzforderung in entsprechender Höhe zu erkennen (Urteile des
Bundesgerichts 6B_369/2007 vom 14. November 2007, E. 2.1; 6B_728/2010 vom
1. März 2011, E. 4.4). Sind die der Einziehung unterliegenden Vermögenswerte
mithin nicht mehr vorhanden, so erkennt das Gericht auf eine Ersatzforderung des
Staates in gleicher Höhe (Art. 71 Abs. 1 StGB). Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung beruht die Einziehung und auch die Ersatzforderung auf dem
grundlegenden sozialethischen Gedanken, dass sich strafbares Verhalten nicht
lohnen darf (BGE 137 IV 305 m.w.H.).
Die Einziehung bzw. die Ersatzforderung setzt voraus, dass der Dritte zumindest
eventualvorsätzlich handelt, d.h. wenn er weiss oder annehmen muss, dass der
Gegenstand bzw. der Geldwert aus strafbarer Handlung stammt. Es muss nach-
gewiesen werden, dass der Dritte keine Unkenntnis hatte.
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3. Die Vorinstanz folgte im Grundsatz der Auffassung der Staatsanwaltschaft,
welche wie folgt argumentiert: von den EUR 3.2 Mio., welche der Privatkläger
D._ für das Handelsgeschäft mit den DDR-Mark am 3. Juli 2014 auf das An-
dernkonto von G._ bei der H._ Bank AG in Liechtenstein überwies, flos-
sen zwischen 17. November 2014 und 1. Juli 2015 via das Konto der
I._ AG bei der J._ AG insgesamt 193'794.25 auf das Konto von E._
bei der Bank K._ AG (10 Monatslöhne). Bei diesen Überweisungen handle
es sich um eine treuwidrige Verwendung der Gelder von D._, welche von der
Mitbeschuldigten A._ in Auftrag gegeben wurden. E._ habe gewusst,
dass die Gelder am 7. November 2014 vom Konto von G._ kamen. E._
habe angenommen, dass es sich um eine Teilzahlung gemäss Aktienkaufvertrag
zwischen der L._ AG und C._ über 50% der Aktien der I._ AG ge-
handelt habe (Buchungstext: «Teilzahlung C._ gemäss Aktienvertrag»). Am
4. oder 5. November 2014 habe E._ den Aktienkaufvertrag für die Mitbe-
schuldigte A._ unterzeichnet. Am gleichen Tag habe er aber auch die Aufhe-
bungsvereinbarung, datiert auf den 31. Dezember 2014, unterschrieben. Er habe
demnach gewusst, dass dieser Vertrag nie eine Rechtswirkung entfaltete und die
Zahlung vom 7. November 2014 nicht mit diesem Kaufvertrag legitimiert werden
konnte. Mit der Falsch-Datierung der Aufhebungsvereinbarung sollte eine
Rechtswirkung vorgespiegelt werden, die es so nicht gegeben habe. Für diese
Zahlung, aus welcher E._ in der Folge seinen Lohn bezogen habe, habe es
schlicht keine legale Erklärung gegeben. E._ habe auch keine Antwort auf
die Frage geben können, gestützt auf welchen Rechtsgrund die Zahlung vom 7.
November 2014 erfolgt sei. Es habe ihm klar sein müssen, dass es sich bei sei-
nen Lohnzahlungen um solche aus deliktischen Geldern handeln musste. Auf-
grund des Aussageverhaltens von E._, der zunächst alles abgestritten habe,
lasse sich schliessen, dass dieser mehr gewusst habe als er zugegeben habe.
E._ habe gewusst, dass er an einem illegalen Geschäft mitwirkte. Die delikti-
sche Herkunft der für seinen Lohn verwendeten Gelder habe er also für möglich
gehalten.
Anlässlich der Berufungsverhandlung führte die Staatsanwaltschaft aus, dass
E._ zwar keine gesicherte Kenntnis, aber eine starke Ahnung über das Treu-
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everhältnis zwischen A._ und D._ hatte. An krimineller Energie habe er
es jedenfalls nicht vermissen lassen. Die Ersatzforderung sei ein Lehrbuchbei-
spiel für eine Ersatzforderung gegenüber einem Dritten (Urk. 226 S. 2, Prot. S.
19).
4. E._ seinerseits führt aus, er sei gutgläubig. Die Verträge habe er unter-
zeichnet. Der Aktienkaufsvertrag habe zwischen dem 7. November 2014 und dem
Datum der Aufhebung, dem 31. Dezember 2014, eine Wirkung entfalten können
und damit als Grundlage für die Überweisung von Andernkonto G._ gedient.
C._ habe die Verträge eigenhändig unterzeichnet, er sei mit der Mit-
beschuldigten A._ eng befreundet gewesen, und er – E._ – habe ohne
weiteres davon ausgehen durfte, dass die Zahlungen im Vollzug des Vertrages
erfolgten, zumal auch noch ein Aktionärsbindungsvertrag abgeschlossen worden
sei. Es habe keinen Anlass gegeben, ein illegales Geschäft zu vermuten. C._
habe A._ grenzenlos vertraut und dieser habe womöglich gedacht, dass das
Geld wieder zurückfliessen würde.
5. Aufgrund des sichergestellten E-Mail-Verkehrs von E._ an A._ vom 4.
und 5. November 2014 (Urk. 30504196-207 und 30504208-219) mit den einge-
scannten und verschickten Verträgen (Kaufvertrag zwischen C._ und der
L._ AG vom 1. November 2014 und der Aufhebungsvereinbarung vom 31.
Dezember 2014) ist erstellt, dass der Aufhebungsvertrag vordatiert worden ist.
Nach zögerlichem und unglaubwürdigem Aussageverhalten musste E._ in
der staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 1. Juni 2017, nachdem er auf die
Fragen wiederholt erklärte, sich nicht erinnern zu können oder es nicht mehr zu
wissen, letztlich einräumen, dass er das Datum wahrscheinlich übersehen habe
(Urk. 50501059 S. 30 f., Antworten 239 und 243). Es muss also als gesichert gel-
ten, dass die beiden Zahlungen vom 7. November 2014 in der Höhe von EUR
712‘000 bzw. 34‘200 vom Anderkonto G._ bei der H._ Bank AG in
Liechtenstein auf das Konto der I._ AG bei der J._ nicht mit dem Bu-
chungstext „Teilzahlung C._ gemäss Aktienkaufvertrag“ in Einklang gebracht
werden können. Der Aktienkaufvertrag und der Buchungstext dienten nur dazu,
die Verschiebung der von der Beschuldigten A._ veruntreuten D._-
- 16 -
Gelder von Bank zu Bank zu ermöglichen und dann für die Betriebskosten der
von E._ geführten Gesellschaften, unter anderem seinen Lohn, zu verwen-
den.
Die mittelbare Herkunft seiner Lohnzahlungen stammte mithin nicht aus einem
legalen Geschäft zwischen A._ und C._, sondern dieses angebliche
Geschäft diente der Verschleierung der Zahlungen. Mit der Staatsanwaltschaft ist
erstellt, dass E._ mit seinen Aktivitäten hierzu entscheidend beigetragen hat.
6. Entscheidend ist, ob der weitere Schluss, E._ habe also in Kauf genom-
men, dass die Gelder möglicherweise aus einem deliktischen Vorgang (Verun-
treuung der EUR 3.2 Mio. von D._ durch A._) stammten, zulässig
ist. Verkürzt wird E._ vorgehalten, wenn die Gelder nicht aufgrund eines le-
galen Geschäfts überwiesen wurden, dann können sie nur aus einem illegalen
Geschäft stammen, was er in Kauf genommen habe.
Mit der Staatsanwaltschaft liegt die Vermutung nahe, dass E._ mehr
wusste, als er zugab. So war er ab 1. Januar 2010 jahrelang als Geschäftsführer
für die Gesellschaften A._s tätig (bis Ende August 2016) und bezog ei-
nen Monatslohn von rund Fr. 20‘000 (vgl. etwa den Arbeitsvertrag zwischen
E._ und der I._ AG vom 30. September 2011, Urk. 92/1). Zudem war er
mit dem Beschuldigten B._, dem langjährigen Treuhänder A._s, gemäss
eigenen Angaben seit 30 Jahren befreundet (Einvernahme bei der Stadtpolizei
vom 8. Februar 2017, Urk. 505010001 S. 2, Antwort 8) und er wusste auch, dass
die Gesellschaften A._s keine operativen Einnahmen generierten. Ein kon-
kretes Wissen über das Handelsgeschäft mit D._ und die folgende Verun-
treuung dessen Gelder kann E._ aber nicht nachgewiesen werden. Gemäss
seinen eigenen Angaben habe er das Handelsgeschäft nur am Rande mitbe-
kommen (Einvernahme als Auskunftsperson bei der Stadtpolizei vom 8. Februar
2017, Urk. 50501001, S. 6 ff., Antworten 50 ff. und bei der Staatsanwaltschaft
vom 1. Juni 2017, Urk. 50501059, S. 11 ff., Antworten 82 ff.). Etwas anderes
ergibt sich weder aus schriftlichen Belegen oder Aussagen der übri-
gen Verfahrensbeteiligten. Insbesondere A._ und B._ belasten
E._ aus naheliegenden Gründen in keiner Weise.
- 17 -
Die Staatsanwaltschaft betonte anlässlich der Berufungsverhandlung nochmals,
dass E._ an diversen Treffen teilgenommen habe, an welchen das Treue-
verhältnis bzw. der Vertrag mit D._ ein Thema gewesen sei. Für eine Ankla-
ge in diesem Punkt (Gehilfenschaft zu Veruntreuung) habe es aber nicht gereicht.
Dass gegen E._ keine Anklage erhoben werden konnte, liegt auch daran,
dass die Staatsanwaltschaft keine weiteren Untersuchungshandlungen gegen-
über E._ eingeleitet hat und keine entsprechenden Beweise erhoben wurden
bzw. werden konnten. Die passive Teilnahme an Treffen mit D._, A._
und B._, wo unter anderem auch über das Handelsgeschäft gesprochen
worden sei, lässt den Schluss nicht dazu, dass E._ annehmen musste, dass
die später unter dem Deckmantel des Aktienkaufvertrages vorgenommene Über-
weisung auf einer unrechtmässigen Verwendung gerade der Gelder von D._
beruhen würde.
Der Standpunkt von E._, dass er geglaubt habe, A._ verfüge über be-
trächtliche private Gelder und auch Immobilienbesitz in Deutschland, um immer
wieder Gelder in die Gesellschaften einzuschiessen, was sie dann auch wieder-
holt tat, kann nicht widerlegt werden. Als über all die Jahre (hoch) bezahlter
„Sekretär„ hat er immer auf Anweisung A._s gehandelt und kann ihm eine
Beteiligung an deren und B._s deliktischen Tätigkeiten nicht nachgewiesen
oder ein aktives Mitwissen unterstellt werden. Eine entsprechende Strafuntersu-
chung in Bezug auf E._ ist denn auch unterblieben und die übrigen Lohnzah-
lungen sind auch nicht Gegenstand von irgendwelchen Untersuchungen gewor-
den. Die einzige wirklich erstellte fragwürdige Handlung E._s ist die Mithilfe
zur Verschleierung der ominösen Zahlungen vom 7. November 2014 mittels der
von ihm unterschriebenen, falsch datierten Scheinverträgen zwischen C._
und der L._ AG.
7. Dass E._ aber damit auch zumindest in Kauf genommen hat, dass seine
Lohnzahlungen in der strittigen Periode letztlich aus deliktischer Herkunft stamm-
ten, kann aufgrund der Aktenlage nicht rechtsgenügend erstellt werden. Die Vo-
raussetzungen für eine Ersatzforderung im Sinne von Art. 70 Abs. 1 und 2 in Ver-
bindung mit Art. 71 Abs. 1 StGB sind nicht gegeben.
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IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Rückzug der Berufung
der Mitbeschuldigten A._ erfolgte am 25. September 2018 (Urk. 141) und der
Rückzug der Berufung des Privatklägers C._ am 27. März 2019 (Urk. 189).
Mit Präsidialverfügung vom 4. April 2019 wurde von diesen beiden Rückzügen
Vormerk genommen und die Verfahren bis auf die Kostentragung der unentgeltli-
chen Rechtsverbeiständung des Privatklägers C._ erledigt (Urk. 194). Der
Beschuldigte B._ zog seine Berufung im allerletzten Moment zurück,
wodurch er mit seinen Berufungsanträgen vollständig unterliegt. Zudem ist zu be-
achten, dass er dem Gericht mit seinen Anträgen einen hohen Aufwand verur-
sachte. Die Staatsanwaltschaft unterliegt mit ihrer Anschlussberufung betreffend
die Ersatzforderung gegenüber dem Verfahrensbeteiligten E._.
Der Verfahrensbeteiligte E._ obsiegt mit seiner Berufung. Ausgangsgemäss
und in Gewichtung der Berufungsanträge rechtfertigt es sich deshalb vorliegend,
die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen
Verteidigung (B._) und der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers 1, zu
neun Zehnteln dem Beschuldigten aufzuerlegen und im verbleibenden Zehntel auf
die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung (B._)
sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Im Umfang der einstweilen auf
die Gerichtskasse genommenen Kosten bleibt die Rückzahlungspflicht des Be-
schuldigten vorbehalten (Art. 135 Abs. 4 StPO). Die Kosten der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung des Privatklägers 1 im Umfang von Fr. 1'812.60 (bereits
ausbezahlt) sind definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 10'000.– festzu-
setzen.
3.1. Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten B._ macht für das Beru-
fungsverfahren ein Honorar von insgesamt Fr. 34'328.– geltend (Urk. 218).
3.2. Die amtliche Verteidigung sowie der unentgeltliche Rechtsbeistand für die
Privatklägerschaft werden nach dem Anwaltstarif des Bundes oder desjenigen
- 19 -
Kantons entschädigt, in dem das Strafverfahren geführt wurde (Art. 135 Abs. 1
und Art. 138 Abs. 1 StPO). Gemäss § 23 AnwGebV richtet sich die Gebühr für die
amtliche Verteidigung und den unentgeltlichen Rechtsbeistand im Kanton Zürich
nach der AnwGebV. Grundlage für die Festsetzung der Gebühr bilden im Straf-
prozess gemäss § 2 Abs. 1 AnwGebV die Bedeutung des Falles (lit. b), die Ver-
antwortung der Anwältin oder des Anwalts (lit. c), der notwendige Zeitaufwand
(lit. d) und die Schwierigkeit des Falles (lit. e). Richtet sich die Gebühr nach dem
Zeitaufwand, beträgt sie für die unentgeltlichen und amtlichen Rechtsvertretungen
in der Regel CHF 220.– pro Stunde (§ 3 AnwGebV). Im Vorverfahren nach
Art. 299 ff. StPO bemisst sich die Gebühr gemäss § 16 Abs. 1 AnwGebV nach
dem notwendigen Zeitaufwand der Vertretung (vgl. Urteil 6B_1252/2016 vom
9. November 2017 E. 2.4 m.H., nicht publ. in: BGE 143 IV 453).
Entschädigungspflichtig sind all jene Aufwendungen, die in einem kausalen Zu-
sammenhang mit der Wahrung der Rechte im Strafverfahren stehen, notwendig
und verhältnismässig sind. Zum notwendigen Zeitaufwand gehören insbesondere
unter anderem: erforderliches Aktenstudium, erforderliche Eingaben, Vorbereitung
des erforderlichen Plädoyers. Nicht entschädigt werden grundsätzlich etwa
Rechtsstudium, trölerische Rechtsmittel und unverhältnismässige Aufwände einer
amtlichen Verteidigung (vgl. den Leitfaden für amtliche Mandate der Oberstaats-
anwaltschaft und Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich, S. 54 f.).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist es zulässig, für das Anwalts-
honorar Pauschalen vorzusehen. Bei einer Honorarbemessung nach Pauschal-
beträgen werden alle prozessualen Bemühungen zusammen als einheitliches
Ganzes aufgefasst und der effektive Zeitaufwand lediglich im Rahmen des Tarif-
ansatzes berücksichtigt. Ausgangspunkt ist eine Gesamtbetrachtung des Hono-
rars unter Berücksichtigung des konkreten Falles (BGE 143 IV 453 E. 2.5.1 m.H.).
Gemäss § 17 Abs. 1 lit. b AnwGebV beträgt die Grundgebühr für die Führung
eines Strafprozesses einschliesslich Vorbereitung des Parteivortrags und Teil-
nahme an der Hauptverhandlung vor den Bezirksgerichten in der Regel
CHF 1'000.– bis CHF 28'000.–. Gemäss § 18 Abs. 1 AnwGebV wird die Gebühr
- 20 -
im Berufungsverfahren grundsätzlich nach den für die Vorinstanz geltenden Re-
geln bemessen.
3.3. Aus der Leistungserfassung des Verteidigers gehen etliche Positionen her-
vor, die offensichtlich im angegebenen Umfang unnötig und nicht nachvollziehbar
sind oder welche nicht in dieses Verfahren gehören. So wurden für die Ausar-
beitung der Berufungserklärung rund fünf Stunden veranschlagt (vgl. Urk. 218),
welche sich mit Blick auf die Berufungserklärung vom 7. September 2018 nicht
rechtfertigen lassen: Diese wurde materiell auf anderthalb Seiten abgehandelt
(Urk. 134 S. 2 und S. 3 unten) und die formellen Ausführungen (auf insgesamt
einer Seite, vgl. Urk. 134 S. 3 und 4) tragen nichts zur Sache bei. Weiter ist nicht
ersichtlich, weshalb kurze Zeit nach dem erstinstanzlichen Urteil ein Aktenstudium
von insgesamt über 14 Stunden betrieben werden musste (vgl. Urk. 218), zumal
keine neuen Akten eingereicht worden waren. Dass für das Verfassen der Plädo-
yernotizen (38 Seiten, Urk. 221) rund 80 Stunden notiert wurden, erscheint über-
dies als unverhältnismässig, zumal in objektiver Hinsicht alles erstellt resp. einge-
standen war und es nur noch um den subjektiven Aspekt ging. Ferner finden sich
in der anwaltlichen Kostenaufstellung die Positionen "Rechtsabklärungen", welche
wie erwähnt nicht berücksichtigt werden. Nicht ersichtlich ist schliesslich, was die
Positionen betreffend den Vergleich mit Herrn C._ (vgl. Urk. 218) mit dem
vorliegenden Verfahren zu tun haben. Insgesamt ergibt sich, dass das von der
Verteidigung in Rechnung gestellte Honorar offensichtlich überrissen ist.
Vor diesem Hintergrund ist das geltend gemachte Honorar zu kürzen und eine
Pauschale vorzusehen. Ausgehend von der oben erwähnten Anwaltsgebühren-
verordnung und unter Berücksichtigung des doch grösseren Aktenumfangs recht-
fertigt sich die Festlegung einer Grundgebühr gerade noch im oberen Drittel des
vorgegebenen Rahmens. Eine pauschale Entschädigung (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) von Fr. 20'000.– erscheint vorliegend angemessen.
4. Aufgrund seines Obsiegens hat der Verfahrensbeteiligte E._ Anspruch auf
eine Prozessentschädigung. Der Vertreter des Verfahrensbeteiligten E._
reichte für das erst- und zweitinstanzliche Verfahren eine Honorarnote von insge-
samt Fr. 11'942.25 ins Recht (Urk. 224). Unter Berücksichtigung des Zeitauf-
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wands, welcher dem Vertreter durch die Anwesenheit an der Berufungs-
verhandlung zusätzlich entstand, ist dem Verfahrensbeteiligten E._ für das
gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 12'500.-- aus
der Gerichtskasse zuzusprechen.