Decision ID: 7d766fbb-bcbf-41c9-bba1-915598194c0b
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
strafbare Vorbereitungshandlungen zu Freiheitsberaubung und Entführung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 26. August 2015 (DG150089)
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Anklage (Urk. 14)
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 23. März
2015 ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 50 S. 82 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der strafbaren Vorbereitungshandlungen zu Freiheitsberaubung und Ent-
führung im Sinne von Art. 260bis Abs. 1 lit. e StGB,
− der mehrfachen Anstiftung zu Amtsgeheimnisverletzung im Sinne von
Art. 320 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 24 StGB,
− der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 105 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädi-
gung.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 21 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 82 Tage
durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Geldstrafe von 210 Tagessätzen zu
Fr. 30.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe und der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Pro-
bezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
4. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 5'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 7'000.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 43'234.40 Auslagen Untersuchung
Fr. 20'804.90 amtliche Verteidigung
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5. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich die-
jenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt, aber de-
finitiv abgeschrieben.
6. (Mitteilungen)
7. (Rechtsmittel)
8. (Rechtsmittel)"
Erste Berufungsanträge: (Prot. II S. 5 ff.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 85 S. 1, Urk. 52 S. 2 f.)
1. Ziff. 1-3
Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf der strafbaren Vorbereitungs-
handlungen (ND 2) und vom Vorwurf der Anstiftung zu einer Amtsgeheim-
nisverletzung (ND 3) freizusprechen;
bezüglich Vorwurf der Widerhandlung gegen das AVIG (ND 4) sei er im Sin-
ne der Vorinstanz mit einer bedingten Geldstrafe von max. 60 Tagessätzen
à Fr. 30.– zu bestrafen, wobei die erstandene Untersuchungshaft an die
Strafe anzurechnen sei.
2. Entschädigung
Es sei der Beschuldigte für die Ausübung seiner Verfahrensrechte an-
gemessen zu entschädigen, für die Verteidigungskosten bis 20.06.2012
– zusätzlich zur Entschädigung gemäss Einstellungsverfügung der Staats-
anwaltschaft vom 23. März 2015 – mindestens in der Höhe von Fr. 5'269.35
plus 5% Zins seit 1.03.2012 (mittlerer Verfall).
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3. Genugtuung
Es sei dem Beschuldigten eine angemessene Genugtuung zu bezahlen für
3.1 ...
3.2 ...
3.3 83 Tage widerrechtliche und/oder ungerechtfertigte Untersuchungshaft
vom 16. Juni 2011 bis 5. September 2011 mind. in der Höhe von
Fr. 16'600.– plus 5% Zins seit 27. Juli 2011 (mittlerer Verfall),
ev. abzüglich allfälliger einer Strafe anzurechnender Tage;
3.4. die widerrechtliche und/oder ungerechtfertigte Haft vom 21. Juni 2012
mind. in der Höhe von Fr. 400.– plus 5% Zins seit 21. Juni 2012;
3.5. ...
3.6. die Persönlichkeitsverletzungen durch die ungerechtfertigten Vor-
verurteilungen während der Untersuchung;
3.7. die widerrechtliche und/oder ungerechtfertigte Hausdurchsuchung und
Auswertung der EDV-Anlagen sowie der Daten des Mobiltelefons;
4. Ziff. 4 (Untersuchungskosten)
Es seien die Kosten der Untersuchung auf die Höhe der tatsächlich vom Be-
schuldigten verursachten Kosten zu reduzieren.
5. Ziff. 5 (Kosten)
Die Kosten inklusive des zweitinstanzlichen Verfahrens und diejenigen der
amtlichen Verteidigung seien auf die Staatskasse zu nehmen, bei (teil-
weiser) Kostenauflage seien sie in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
zufolge iSv Art. 425 StPO auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates.
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b) Der Staatsanwaltschaft
(Urk. 87 S. 1)
1. Dem Beschuldigten seien die (noch verbleibenden) Kosten der Untersu-
chung sowie des gerichtlichen Verfahrens aufzuerlegen, eventualiter jeden-
falls zur Hälfte aufzuerlegen, wobei die Kosten der amtlichen Verteidigung
auf die Staatskasse zu nehmen seien, unter Vorbehalt der Verpflichtung der
beschuldigten Person, dem Kanton diese Entschädigung zurückzubezahlen,
sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben;
2. im Übrigen sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 2. Abteilung, vom
26. August 2015 zu bestätigen.
Schlussanträge im Berufungsverfahren:
Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Prot. II S. 19)
1. Ziff. 1-3
Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf der strafbaren Vorbereitungshand-
lungen (ND 2) und vom Vorwurf der Anstiftung zu einer Amtsgeheimnis-
verletzung (ND 3) freizusprechen;
bezüglich Vorwurf der Widerhandlung gegen das AVIG (ND 4) sei er im Sin-
ne der Vorinstanz mit einer bedingten Geldstrafe von max. 60 Tagessätzen
à Fr. 30.– zu bestrafen, wobei die erstandene Untersuchungshaft an die
Strafe anzurechnen sei.
2. Entschädigung
Es sei der Beschuldigte für die Ausübung seiner Verfahrensrechte ange-
messen zu entschädigen, für die Verteidigungskosten bis 20.06.2012 – zu-
sätzlich zur Entschädigung gemäss Einstellungsverfügung der Staats-
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anwaltschaft vom 23. März 2015 – mindestens in der Höhe von Fr. 5'269.35
plus 5% Zins seit 1.03.2012 (mittlerer Verfall).
3. Genugtuung
Es sei dem Beschuldigten eine angemessene Genugtuung zu bezahlen für
3.1 ...
3.2 ...
3.3 83 Tage widerrechtliche und/oder ungerechtfertigte Untersuchungshaft
vom 16. Juni 2011 bis 5. September 2011 mind. in der Höhe von
Fr. 16'600.– plus 5% Zins seit 27. Juli 2011 (mittlerer Verfall),
ev. abzüglich allfälliger einer Strafe anzurechnender Tage;
3.4. die widerrechtliche und/oder ungerechtfertigte Haft vom 21. Juni 2012
mind. in der Höhe von Fr. 400.– plus 5% Zins seit 21. Juni 2012;
3.5. ...
3.6. die Persönlichkeitsverletzungen durch die ungerechtfertigten Vor-
verurteilungen während der Untersuchung;
3.7. die widerrechtliche und/oder ungerechtfertigte Hausdurchsuchung und
Auswertung der EDV-Anlagen sowie der Daten des Mobiltelefons;
4. Ziff. 4 (Untersuchungskosten)
Es seien die Kosten der Untersuchung auf die Höhe der tatsächlich vom Be-
schuldigten verursachten Kosten zu reduzieren.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates.
Der Staatsanwaltschaft:
(Prot. II S. 20)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
1. Verfahrensgang
1.1. Hinsichtlich des Verfahrensganges bis zum Abschluss des erstinstanz-
lichen Verfahrens kann vollumfänglich auf die Erwägungen im angefochtenen
Entscheid verwiesen werden (Urk. 50 S. 1 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
1.2. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 26. August 2015 wurde der
Beschuldigte der strafbaren Vorbereitungshandlungen zur Freiheitsberaubung
und Entführung im Sinne von Art. 260bis Abs. 1 lit. e StGB, der mehrfachen An-
stiftung zur Amtsgeheimnisverletzung im Sinne von Art. 320 Ziff. 1 StGB in Ver-
bindung mit Art. 24 StGB sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 105
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und
Insolvenzentschädigung (Arbeitslosenversicherungsgesetz, AVIG) schuldig ge-
sprochen. Dafür wurde er mit einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten (wovon 82 Ta-
ge durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Geldstrafe von 210 Tagessätzen zu
Fr. 30.– bestraft. Der Vollzug wurde aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, in-
klusive derjenigen der amtlichen Verteidigung, wurden dem Beschuldigten auf-
erlegt, jedoch definitiv abgeschrieben (Urk. 50 S. 44).
1.3. Gegen dieses Urteil meldete die Verteidigung des Beschuldigten mit Ein-
gabe vom 26. August 2015 fristgerecht Berufung an (Urk. 43). Die Berufungs-
erklärung ging am 7. Dezember 2015 ebenfalls fristgerecht ein (Urk. 52). Mit Ver-
fügung vom 7. Dezember 2015 wurde der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um
gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die Be-
rufung des Beschuldigten zu beantragen sowie zu den prozessualen Einwänden
in der Berufungserklärung Stellung zu nehmen (Urk. 54). Mit Eingabe vom
28. Dezember 2015 erklärte die Staatsanwaltschaft Anschlussberufung und gab
ihre Stellungnahme zu den prozessualen Einwänden ab (Urk. 59).
1.4. Auf das Stellen von Beweisanträgen wurde im Vorverfahren allseits ver-
zichtet.
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1.5. In der Folge wurde zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 67), wel-
che heute im Beisein des Beschuldigten, seiner amtlichen Verteidigung und des
zuständigen Staatsanwaltes stattfand (Prot. II. S. 5). Vorfragen waren anlässlich
der Berufungsverhandlung keine zu entscheiden, und – abgesehen von der Ein-
vernahme des Beschuldigten (Urk. 84) – mussten keine weiteren Beweise erho-
ben werden (Prot. II S. 14). Der vorliegende Entscheid erging im Anschluss an die
Berufungsverhandlung (Prot. II S. 20 ff.).
2. Umfang der Berufung und Anschlussberufung
2.1. Der Beschuldigte lässt das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich der Verurtei-
lungen wegen strafbarer Vorbereitungshandlungen zur Freiheitsberaubung und
Entführung sowie mehrfacher Anstiftung zur Amtsgeheimnisverletzung (Disposi-
tivziffer 1 alinea 1 und 2) anfechten. Als konnexer Teil zum Schuldpunkt ebenso
zu überprüfen ist die Sanktion (Dispositivziffer 3 und 4, Prot. II S. 11). Ferner ver-
langt er die Herabsetzung der Untersuchungskosten (Dispositivziffer 4) und be-
anstandete vorerst noch die vorinstanzliche Kostenauferlegung (Dispositivziffer 5;
Urk. 52 S. 2, Urk. 85 S. 1).
2.2. Nicht zum Berufungsgegenstand gemacht und demnach in Rechtskraft er-
wachsen ist hingegen der vorinstanzliche Schuldspruch wegen der mehrfachen
Widerhandlung gegen Art. 105 Abs. 1 AVIG (Dispositivziffer 1 alinea 3, Prot. II
S. 11). Ferner hat der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung seine
Berufung bezüglich der Kostenauferlegung (Dispositivziffer 5) zurückgezogen
(Prot. II S. 19). Damit fällt auch die auf die Kostenauferlegung beschränkte An-
schlussberufung der Staatsanwaltschaft (Urk. 87 S. 1) dahin (Prot. II S. 20).
2.3. Die Berufung betrifft mithin ausschliesslich Dispositivziffer 1 alinea 1 und 2
sowie die Dispositivziffern 3 und 4. Hingegen sind die nicht angefochtenen Punkte
(Dispositivziffer 1 alinea 3 sowie die Dispositivziffern 4 und 5) in Rechtskraft er-
wachsen (Art. 399 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 402 und Art. 437 StPO). Das ist
vorab vorzumerken.
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3. Formales
3.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne, dass dies jeweils explizit Er-
wähnung findet.
3.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-
des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (vgl. Entscheid des Bun-
desgerichts 6B_170/2011 vom 10. November 2011 E. 1.2.). Die Berufungs-
instanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte be-
schränken (BGE 139 IV 179 E. 2.2, BGE 138 IV 81 E. 2.2, je mit Hinweisen).
4. Anklageprinzip
4.1. Der Beschuldigte lässt – wie bereits vor Vorinstanz (Urk. 38 S. 5 ff.) – auch
im Berufungsverfahren mit Bezug auf den Vorwurf der strafbaren Vorbereitungs-
handlungen zur Freiheitsberaubung und Entführung (ND 2) die Verletzung des
Anklageprinzips rügen. Die Anklage sei unklar, widersprüchlich und es sei kein
Vorwurf einer bestimmten, tatsächlich erfolgten Vorbereitungshandlung erkenn-
bar. Vielmehr würden nur Vermutungen geäussert und fände der von der Vor-
instanz erstellte Sachverhalt keine Stütze in der Anklage. Der einzige konkrete
Vorwurf sei, dass er sich bei B._ nach dem Stand der Dinge erkundigt und
diese Informationen den "Russen" weitergeleitet habe und umgekehrt. Da in der
Anklage zudem festgehalten werde, dass der Mittäter die technischen Vorkehren
nicht umgesetzt habe, habe er dementsprechend auch nichts koordinieren kön-
nen (Urk. 52 S. 4). Letztlich werde dem Beschuldigten in der Anklage nicht mehr
als weitergeleitete Bluffs zum Vorwurf gemacht. Irrige Vorkehren, die gar nicht ge-
troffen worden seien, seien aber von vornherein ungeeignet, eine Tat vorzuberei-
ten (Urk. 85 S. 2).
4.2. Es trifft zu, dass die Anklage etwas verwirrlich und nicht auf Anhieb leicht
verständlich ist. Im Kern ist mit der Vorinstanz aber letztlich klar, was dem Be-
schuldigten zur Last gelegt wird (Urk. 50 S. 80). Ihm wird vorgeworfen, zusammen
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mit dem (Mit-)Beschuldigten B._ übereingekommen zu sein, im Hinblick auf
eine Entführung von C._ Vorkehrungen getroffen zu haben, wobei gewisse
dieser Vorkehrungen (Bereitstellen von jedenfalls zwei Fahrzeugen als Tatmittel,
Anwerben einer Mehrzahl von sog. "Schlägertypen", Verwendung von Sprach-
codes) auch getroffen worden seien. Dabei habe er als Drehscheibe bzw. Schnitt-
stelle zwischen "D._" und "E._" – angebliche Gläubiger von C._,
welche die Entführung hätten ausführen sollen – und B._ – der angeblich für
die konkrete Umsetzung der Tat hätte verantwortlich sein sollen – figuriert
(Urk. 14 S. 3 f.). Damit weiss der Beschuldigte, wogegen er sich verteidigen
muss, weshalb das Anklageprinzip knapp gewahrt ist.
4.3. Wenn der Beschuldigte weiter rügen lässt, er habe sich bei seinen Hand-
lungen im Irrtum befunden und diese seien als Vorbereitungshandlungen un-
tauglich gewesen, so sind dies allesamt Einwendungen, welche die Würdigung
betreffen und mit der Frage, ob dem Anklageprinzip genüge getan wird, nichts zu
tun haben. Auch die Frage, ob die umschriebenen Handlungen genügend konkret
im Sinne von Art. 260bis StGB sind, beschlägt die rechtliche Würdigung.
5. Zufallsfunde
5.1. Mit Bezug auf den Vorwurf der mehrfachen Anstiftung zur Amtsgeheimnis-
verletzung (ND 3) lässt der Beschuldigte bemängeln, dass die Aufzeichnungen
der Telefongespräche und die hierzu gemachten Aussagen (Folgebeweise) nicht
genehmigte Zufallsfunde seien. Da es sich vorliegend nicht um eine Katalogtat
handle, sei die Verwendung lediglich als Beweismittel für weitere Ermittlungen zu-
lässig. Falls bezüglich ND 2 (Vorwurf der strafbaren Vorbereitungshandlungen)
ein Freispruch ergehe, falle die letzte Katalogtat weg und da die Amtsgeheimnis-
verletzung keine solche sei, bestünde ein Verwertungsverbot. Da der Beschuldig-
te nicht geständig sei, lägen auch keine brauchbaren Folgebeweise vor (Urk. 38
S. 10, Urk. 52 S. 5 f., Urk. 85 S. 3).
5.2. Die seitens der Staatsanwaltschaft angeordnete Überwachungsmassnah-
me betreffend den Telefonanschluss des Beschuldigten erfolgte wegen Verdachts
auf eine qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz. Diese
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Massnahme wurde vom zuständigen Gericht erstmals mit Verfügung vom
25. März 2010 genehmigt und insgesamt viermal bis letztlich zum 4. April 2011
verlängert (Urk. 50 S. 9 mit Verweis auf HD Urk. 6/1/4, Urk. 6/1/8, Urk. 6/1/12,
Urk. 6/1/30, Urk. 6/1/37). Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass – hin-
sichtlich des Vorwurfes der Anstiftung zur Amtsgeheimnisverletzung – das BÜPF
und nicht die eidgenössische StPO anwendbar ist für die Frage, ob es sich um ei-
nen verwertbaren Zufallsfund handelt (Urk. 50 S. 10).
5.3. Massgebend ist somit Art. 9 BÜPF. Zufallsfunde stammen aus dem
rechtmässigen Einsatz strafprozessualer Zwangsmassnahmen; sie sind dadurch
charakterisiert, dass sie aus verdachtsgesteuerten (also verdachtsgestützten und
-orientierten) Untersuchungshandlungen stammen, aber mit diesem Verdacht
nichts zu tun haben (BGE 132 IV 70 E. 6.2.2). Es ist daher zu unterscheiden, un-
ter welchen Umständen die in einer rechtmässigen Überwachung erhobenen Be-
weise verwertet werden können (Th. Hansjakob, Kommentar BÜPF/VÜPF, 2. Auf-
lage 2006, Art. 9 Rz 3). Die Frage der Zulässigkeit der Verwertung knüpft dabei
an die Frage an, ob die ursprünglich vermutete Straftat (also eine Katalogtat) tat-
sächlich begangen wurde; dies steht allerdings erst bei rechtskräftigem Abschluss
des Verfahrens und nicht zum Zeitpunkt, wo über die Verwertung tatsächlich ent-
schieden werden muss, fest. Das führt dazu, dass die anordnende Behörde mit
einer Prognose über den Ausgang des Verfahrens arbeiten und daran Entscheide
über die Verwertbarkeit anknüpfen muss, die sich im Nachhinein auch als falsch
erweisen können (Hansjakob, a.a.O., Art. 9 Rz 5). Stellt sich eine solche Progno-
se nachträglich als falsch heraus, weil hinsichtlich des Hauptdelikts (der Katalog-
tat) eine Einstellung oder ein Freispruch erfolgt, stellt sich die Frage nach einem
Verwertungsverbot und – noch viel heikler – die Frage nach der Fernwirkung ei-
nes allfälligen Verbotes. Hansjakob (a.a.O., Rz 6) weist auf das Beispiel hin, wo
eine Überwachungsmassnahme wegen eines Tötungsdelikts angeordnet wurde,
im Rahmen eines überwachten Telefongesprächs der Beschuldigte über seinen
Diebstahl berichtet und sich das Tötungsdelikt schliesslich nicht nachweisen lässt.
Hansjakob hält dafür, dass das Gespräch über den Diebstahl nicht verwertbar sei.
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5.4. Es liegt hier ein Anwendungsfall von Art. 9 Abs. 1 BÜPF vor. Demgemäss
können Erkenntnisse, die durch die Überwachung einer anderen strafbaren Hand-
lung als die in der Überwachungsanordnung aufgeführten bekannt wurden, dann
gegen die verdächtige Person verwendet werden, wenn diese Straftat (a) zusätz-
lich zur vermuteten Straftat begangen wurde, oder (b) die Voraussetzungen für
die Überwachung nach dem BÜPF erfüllt sind.
Vorliegend wurde die Anstiftung zur Amtsgeheimnisverletzung im Rahmen der
BetmG-Überwachungsmassnahme entdeckt. Der Beschuldigte hat diese Anstif-
tung – sofern verübt – zusätzlich zum vermuteten (und überwachten) BetmG-
Delikt begangen. Mit der Vorinstanz findet daher Art. 9 Abs. 1 lit. a BÜPF An-
wendung (Urk. 50 S. 11). Diese Bestimmung erlaubt die Verwendung von Zufalls-
funden dann ohne weitere Einschränkung, wenn die betreffende Straftat zusätz-
lich zur vermuteten Straftat begangen wurde. Bei den neu entdeckten Straftaten
braucht es sich nicht um eine Katalogtat zu handeln, es liegt sogar in Bezug auf
Übertretungen kein Verwertungsverbot vor (Hansjakob, a.a.O., Art. 9 Rz 14).
Dass es sich bei der Anstiftung zur Amtsgeheimnisverletzung nicht um eine Kata-
logtat handelt, schliesst also die Verwertbarkeit der Zufallsfunde nicht aus. Diese
gesetzgeberische Lösung ist aber insofern heikel, als dass erst mit dem rechts-
kräftigen Urteil feststeht, ob die ursprünglich vermutete Straftat (welche zur Über-
wachung Anlass gab) wirklich auch begangen wurde. Die Ermittlungsbehörde
muss in solchen Fällen den Ausgang des Hauptpunktes (bezüglich der Katalogtat)
prognostizieren, bevor sie Zufallsfunde nach Art. 9 Abs. 1 lit. a BÜPF verwertet.
Wird das Verfahren bezüglich der Katalogtat eingestellt oder spricht der Richter
den diesbezüglich Beschuldigten frei, hat dies gemäss Hansjakob zur Konse-
quenz, dass die Ergebnisse der Überwachung in Bezug auf die anderen Delikte,
die nicht im Katalog enthalten sind, nicht verwertet werden dürfen. Und dann stellt
sich zwangsläufig die Frage nach der Fernwirkung dieses Verbotes gemäss Art. 9
Abs. 3 BÜPF (Hansjakob, a.a.O., Art. 9 Rz 16).
5.5. Zu vergegenwärtigen ist, dass die seitens der Staatsanwaltschaft angeord-
nete Überwachungsmassnahme nicht etwa wegen des Vorwurfes betreffend die
strafbaren Vorbereitungshandlungen zur Freiheitsberaubung und Entführung,
sondern wegen eines (nicht eingeklagten) Verdachts auf eine qualifizierte Wider-
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handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz angeordnet wurde (HD Urk. 6/1/46,
47). Erst im Laufe dieser Ermittlungen hat sich der dringende Tatverdacht hin-
sichtlich strafbarer Vorbereitungshandlungen zur Freiheitsberaubung und Ent-
führung ergeben, woraufhin diesbezüglich die Verwendung der im Rahmen der
Telefonüberwachung erstellten Gesprächsprotokolle (nachfolgend: TK-Protokolle)
mit Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des Obergerichts Zürich vom
17. Juni 2011 genehmigt wurde (HD Urk. 6/1/48). Im Zusammenhang mit dem
Vorwurf der strafbaren Vorbereitungshandlungen erweist sich damit die Ver-
wertung der belastenden Erkenntnisse aus der Überwachung des Telefon-
anschlusses des Beschuldigten als unproblematisch (HD Urk. 6/1/48). Anderes
gilt in Bezug auf die Verwertung im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Anstif-
tung zur Amtsgeheimnisverletzung. Vorweggenommen werden kann, dass die
strafbare Vorbereitungshandlungen zur Freiheitsberaubung und Entführung nicht
als Anknüpfungspunkt dienen kann, da diesbezüglich – wie nachfolgend aufzu-
zeigen sein wird – ein Freispruch zu ergehen hat (vgl. nachstehenden Erw. 6 und
7). Aber auch der Vorwurf der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz kann nicht als Katalogtat herangezogen werden. Zwar ist un-
klar, ob dieses Verfahren formell eingestellt wurde, was Gegenstand einer seitens
des Beschuldigten anhängig gemachten Rechtsverweigerungsbeschwerde bei
der III. Strafkammer ist (Urk. 74/1-3, Urk. HD 15/1 [Einstellungsverfügung der
Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 23. März 2015]). Fest steht aber,
dass sich der ursprüngliche Verdacht hinsichtlich einer qualifizierten Widerhand-
lung gegen das Betäubungsmittelgesetz nicht erhärtet hat bzw. der diesbezügli-
che Vorwurf nicht aufrechterhalten werden konnte, was seitens der Staatsanwalt-
schaft heute bestätigt wurde und auch aus ihrer Vernehmlassung im Zusammen-
hang mit dem vorerwähnten Beschwerdeverfahren hervorgeht (Prot. II S. 17,
Urk. 74/2 S. 2). Damit entfällt die Katalogtat, die zur Überwachungsmassnahme
Anlass gab, was gemäss Art. 9 Abs. 3 BÜPF ohne weiteres dazu führt, dass die
fraglichen Protokolle aus der Überwachungsmassnahme hinsichtlich der Anstif-
tung zur Amtsgeheimnisverletzung prozessual nicht verwertet werden dürfen. Für
eine Interessensabwägung – wie die Vorinstanz eine vorgenommen hat (Urk. 50
S. 11 f.) – bleibt an dieser Stelle kein Raum.
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5.6. Eine andere Frage – und erst hier spielt die Interessensabwägung eine
Rolle – ist, ob weitere Erkenntnisse aufgrund der mit der Überwachungsmass-
nahme gewonnenen Erkenntnisse (Problem der Fernwirkung) verwertet werden
können. Wird beispielsweise aufgrund von Erkenntnissen aus der Über-
wachungsmassnahme eine Hausdurchsuchung durchgeführt und fördert diese
Hausdurchsuchung illegale Betäubungsmittel zutage, dann dürfen die Erkenntnis-
se aus der Hausdurchsuchung nicht verwertet werden, wenn die Überwachungs-
massnahme nicht hätte angeordnet werden dürfen.
5.7. Zu prüfen ist also, ob aufgrund der Telefonüberwachung weitere Ermitt-
lungshandlungen vorgenommen wurden, die aufgrund der Fernwirkung des Ver-
wertungsverbotes der Telefonüberwachung selbst problematisch wären. Hier fal-
len die Befragungen des Beschuldigten (ND 3 Urk. 3/3/1) sowie die Befragungen
von F._ (ND 3 Urk. 3/3/2) in Betracht. Der Beschuldigte hat – selbst nach
Kenntnis der überwachten Telefongespräche – hinsichtlich des Vorwurfes be-
treffend die Anstiftung zur Amtsgeheimnisverletzung kein Geständnis abgelegt.
Und soweit sich in den Aussagen von F._ belastende Aussagen gegen den
Beschuldigten finden liessen, wären diese prozessual nicht verwertbar, weil
F._ nicht mit dem Beschuldigten konfrontiert wurde. Abgesehen von der –
bezogen auf den Vorwurf der Amtsgeheimnisverletzung – nicht verwertbaren Te-
lefonüberwachung – liegen demnach keine (weiteren) Beweise vor.
5.8. Der Anklagevorwurf im Sinne von ND 3 lässt sich somit beweismässig
nicht erstellen, weshalb der Beschuldigte vom Vorwurf der mehrfachen Anstiftung
zur Amtsgeheimnisverletzung freizusprechen ist.
6. Sachverhalt
6.1. Im Rahmen der – einzig noch strittigen – Thematik der strafbaren Vorberei-
tungshandlungen zur Freiheitsberaubung und Entführung wird dem Beschuldigten
– kurz zusammengefasst – vorgeworfen, zusammen mit weiteren Personen na-
mens "D._", "E._" und B._ die Entführung seines früheren Arbeit-
gebers C._ geplant zu haben, um von diesem eine Geldsumme von ca. 5.5
Mio. Euro (evtl. Fr.) erhältlich zu machen, welche dieser angeblich "D._" und
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"E._" geschuldet habe. Der Beschuldigte habe sich anerboten, die erforderli-
chen Vorkehrungen zu treffen bzw. für diese besorgt zu sein und diese mit eige-
nen Mitteln durchzuführen, zumal ihm C._ ebenfalls noch Geld geschuldet
habe. Hierzu sei er mit B._ übereingekommen, aufgrund gemeinsamer, je-
denfalls stillschweigend getroffener Planung und durch gleichmassgebliches, ar-
beitsteiliges Zusammenwirken Vorkehrungen zu treffen, wobei gewisse dieser
Vorkehrungen (Bereitstellen von jedenfalls zwei Fahrzeugen als Tatmittel, Anwer-
ben einer Mehrzahl von sog. "Schlägertypen", Verwendung von Sprachcodes)
auch getroffen worden seien. Gemäss der zwischen B._ und dem Beschul-
digten abgesprochenen Rollenverteilung sei ersterer für die konkrete Umsetzung
der geplanten Vorkehrungen verantwortlich gewesen, während letzterer für die
zeitliche Koordination sowie die Absprache bzw. die Kontakte und den Informati-
onsaustausch zwischen B._ einerseits und "D._" und "E._" ande-
rerseits zuständig gewesen sei. Nach dem jeweiligen Stand der Vorkehrungen er-
kundigt, habe B._ dem Beschuldigten jeweils wahrheitswidrig angegeben,
dass die entsprechenden Vorbereitungen bzw. deren konkrete Umsetzung ent-
sprechend vorangeschritten seien. In Tat und Wahrheit habe B._ indes keine
Vorkehrungen getroffen, sondern vielmehr die Absicht gehabt, die Polizei über die
geplante Tat zu informieren (Urk. 14 S. 2-4).
6.2. Der Beschuldigte bestreitet durchwegs, etwas mit der Planung einer Frei-
heitsberaubung und Entführung zu tun gehabt zu haben. Er habe in diesem Zu-
sammenhang weder koordinative Aufgaben übernommen, noch Vorkehrungen
geplant oder getroffen. Hierzu kann vorab auf die ausführliche Zusammenfassung
der Aussagen des Beschuldigten im vorinstanzlichen Entscheid verwiesen wer-
den (Urk. 50 S. 17 ff. mit Verweisen, insbesondere ND 2 Urk. 3/1/1 S. 11 ff.,
Urk. 3/1/5 S. 12 ff.). Im Rahmen des Untersuchungsverfahrens mutmasste er auf
Vorhalt der aufgezeichneten Telefongespräche, dass in diesen Gesprächen auch
viel geblufft worden sei. Er habe lediglich "D._" mit B._ zusammenge-
bracht und diesem Informationen von "D._" und "E._" weitergeleitet.
Leute habe er keine organisiert. Er wisse nicht, was B._ zusammen mit
"D._" und "E._" vorgehabt hätten (ND 2 Urk. 3/1/5 S. 14 f., 19;
Urk. 3/1/8 S. 8). Anlässlich der Hauptverhandlung stellte er wiederum in Abrede,
- 16 -
dass eine Entführung geplant gewesen sei. Darüber hinaus verweigerte er seine
Aussage in Bezug auf den vorliegend zu beurteilenden Sachverhalt, woran er im
Wesentlichen auch vor Berufungsgericht festhielt (Urk. 36 S. 5 ff., Urk. 84 S. 5 ff.).
6.3. Der Anklagesachverhalt stützt sich vornehmlich auf die aus der Überwa-
chung des Telefonanschlusses des Beschuldigten gewonnenen Erkenntnisse,
namentlich aus den Gesprächen zwischen dem Beschuldigten, B._, und
"D._" (HD Urk. 6/1/46, ND 2 Urk. 3/1/2, Urk. 3/1/6) sowie auf die Aussagen
des (Mit-)Beschuldigten B._ (ND 2 Urk. 3/2/1-5). Des Weiteren liegt eine si-
chergestellte Handnotiz des Beschuldigten unbekannten Datums mit dem Titel
"Meeting mit C._" in den Akten, welcher die Forderung einer Abfindung in der
Höhe von drei Jahreslöhnen zu entnehmen ist. Ferner wird im Schreiben eine
"Penalty" zulasten C._s in Aussicht gestellt (ND 2 Urk. 3/1/3, Urk. 50 S. 22).
6.4. Die Vorinstanz hat den Anklagesachverhalt nach eingehender Beweiswür-
digung als erstellt erachtet (Urk. 50 S. 53). Sie würdigte die Aussagen von
B._ insgesamt als plausibel, lebensnah und glaubhaft, auch wenn sie die
Rolle als Informant als zweifelhaft und sein gezeigtes Verhalten als zwiespältig
bezeichnete. Für die Glaubhaftigkeit der Aussagen spreche insbesondere, dass
sich diese mühelos mit den Erkenntnissen aus den aufgezeichneten Telefonge-
sprächen in Einklang bringen liessen (Urk. 50 S. 50). Insbesondere seien die Er-
klärungen B._s im Zusammenhang mit dem im Rahmen der Telefongesprä-
che verwendeten Sprachcodes plausibel. Nicht nur aus der beim Beschuldigten
sichergestellten Handnotiz, sondern auch aus den Aussagen des Beschuldigten
sowie von B._ gehe schliesslich hervor, dass für ersteren aufgrund der Kün-
digung durch C._ – nebst Rache – die Bezahlung einer Abfindung in Höhe
von Fr. 300'000.– Thema gewesen sei. Damit spreche auch die Motivlage für die
Täterschaft des Beschuldigten (Urk. 50 S. 52 f.).
6.5. Die Verteidigung stellt sich auch berufungsweise auf den Standpunkt, dass
dem Beschuldigten die Absicht einer Entführung nicht nachgewiesen werden
könne (Urk. 85 S. 5). Bei objektiver Interpretation des Gesprächsinhaltes falle ei-
ne Entführung ausser Betracht (Urk. 85 S. 12). Die Protokolle der Telefonüberwa-
chungen seien tendenziös und in unzulässiger Weise mit reinen Vermutungen der
- 17 -
Polizei ergänzt worden. Auf diese Weise seien die Beweise manipuliert und ein
Vorwurf konstruiert worden (Urk. 38 S. 6). Die Interpretation der Gesprächsinhalte
liessen vielmehr auf ein legales Vorhaben schliessen (Urk. 38 S. 10, Urk. 85 S. 8).
Ferner seien die angeblich im Rahmen der Telefongespräche verwendeten
"Sprachcodes", welche im Übrigen lediglich von B._, nicht aber vom Be-
schuldigten selbst verwendet worden seien, mangels Absprache über deren Be-
deutung gar keine solchen. Überdies machten sie keinen Sinn, was selbst
B._ eingeräumt habe (Urk. 38 S. 6, 8).
6.6. Vor dem Hintergrund, dass der (Mit-)Beschuldigte B._ sich selbst mit
einem Strafverfahren konfrontiert sah, liegt – mit der Vorinstanz (Urk. 50 S. 48) –
die Vermutung nahe, dass er mit der Berufung auf seine Stellung als Informant
versucht hatte, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Ob er auf ein doppeltes
Spiel abzielte und sich – wie gemäss Anklagesachverhalt unterstellt (Urk. 14 S. 4)
– aus dem Zusammenwirken mit dem Beschuldigten eine Belohnung erhoffte und
ob er tatsächlich vorgehabt hatte, Informationen an die Polizei weiterzugegeben,
muss – im vorliegenden Verfahren – offenbleiben. Fest steht, dass B._ die
Polizei nie informierte bzw. die entsprechenden Polizeifunktionäre nicht erreichte
(Urk. 3/2/1 S. 5, Urk. 3/2/2 S. 5, Urk. 3/2/3 S. 2, Urk. 3/2/4 S. 2, Urk. 3/2/5 S. 2, 7
f.). Wenn ein Informant vorgibt, während zwei Wochen versucht zu haben, der Po-
lizei Informationen über eine Straftat weiterzugeben, und dies nur deshalb ge-
scheitert sein soll, weil er diese nicht erreicht habe, erscheint dies konstruiert. Ei-
ne frühe Information der Polizei wäre lebensnaher, insbesondere auch vor dem
Hintergrund, dass eine Informationsbeschaffung im Alleingang im Zusammen-
hang mit potentiellen Straftätern, welche angeblich Beziehungen zur Mafia pfle-
gen (vgl. Urk. 14 S. 2), mit erheblichen Gefahren verbunden ist. Diese Ausgangs-
lage spricht eher gegen ein vorbehaltloses Abstellen auf die Aussagen von
B._. Gleichwohl wurde das gegen ihn separat geführte Strafverfahren
schliesslich mit der Begründung eingestellt, dass seine Aussagen nicht hätten wi-
derlegt werden können und insbesondere keine von ihm tatsächlich ausgeführten
Vorbereitungen für eine Entführung hätten ermittelt werden können (Verfügung
der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 14. März 2012 [Urk. 22/4 S. 2]).
- 18 -
6.7. Gemäss Anklagesachverhalt wäre – gemäss interner Rollenverteilung –
B._ zuständig gewesen, die dem Beschuldigten sowie dem
(Mit-)Beschuldigten im gemeinsamen Zusammenwirken vorgeworfenen Vorkeh-
rungen (Bereitstellen von jedenfalls zwei Fahrzeugen als Tatmittel sowie Anwer-
ben einer Mehrzahl von sog. "Schlägertypen", Urk. 14 S. 3) zu treffen. Wie gese-
hen wurden solche allerdings nie getroffen bzw. hatte B._ im Rahmen der
Telefongespräche mit dem Beschuldigten nur geblufft. So beteuerte B._ im-
mer wieder, bereits seit dem Jahr 1999 Informant der Polizei zu sein. Bei der –
angeblichen – Planung der Entführung habe er seine Mitwirkung lediglich vorge-
spielt, um die Informationen an die Polizei weiterleiten zu können. Das ganze sei
ein riesiger Bluff bzw. eine Lüge gewesen (ND 2 Urk. 3/2/1 S. 4 ff.; Urk. 3/2/3 S. 2,
Urk. 3/2/4 S. 2 ff., Urk. 3/2/5 S. 2, 4 ff.). Er habe nur so getan, als hätte er Leute
angerufen, Autos bestellt, etc., um nicht verdächtig zu wirken. Er habe den Be-
schuldigten immer wieder angelogen (Urk. 3/2/4 S. 4 f.). Diese Sachdarstellung
von B._ fand schliesslich Eingang in den Anklagesachverhalt, wonach von
der wahrheitswidrigen Angabe B._s betreffend die Vorbereitungen bzw. de-
ren konkrete Umsetzung ausgegangen wird (Urk. 14 S. 4).
6.8. Damit steht aber gleichzeitig fest, dass auch die Informationen, welche der
Beschuldigte gemäss Anklagesachverhalt bei B._ eingeholt und hernach
"D._" und "E._" weitergeleitet haben soll, auf einem Bluff basierten. In-
sofern kann aus den im Rahmen der Überwachungsmassnahmen erstellten Ge-
sprächsaufzeichnungen nicht auf tatsächlich Geschehenes geschlossen werden.
Hinzu kommt, dass B._ hinsichtlich der Verwendung von Sprachcodes aus-
geführt hat, dass zwar die Idee vom Beschuldigten gekommen sei, sie allerdings
– entgegen der vorinstanzlichen Wiedergabe (Urk. 50 S. 44) – nicht ab-
gesprochen hätten, welche Wörter sie verwenden würden (Urk. 3/2/4 S. 4). Mit
"Arbeiter" habe er Leute gemeint, die er organsiert habe und mit den "Ma-
schinen", dass er zwei Autos habe. Dann sei die ganze Sache komplett, was mit
Garage gemeint gewesen sei (Urk. 3/2/4 S. 4). Vor diesem Hintergrund kann dem
Beschuldigten die seitens B._ verwendeten Wörter nicht als "Vorkehrung"
angelastet werden.
- 19 -
6.9. Gerade weil die im Rahmen der Überwachungsmassnahmen aufgezeich-
neten Gesprächsinhalte stark interpretationsbedürftig sind, kann letztlich nicht mit
rechtsgenügender Sicherheit festgestellt werden, was der Gehalt dieser Abspra-
chen war. Wie die Verteidigung heute zu Recht vorbrachte (Urk. 85 S. 4-12), kön-
nen die Gesprächsinhalte zugunsten des Beschuldigten auch anders ausgelegt
werden, als von B._ nahegelegt.
6.10. Damit kann nicht mit letzter Sicherheit erstellt werden, dass der Beschul-
digte tatsächlich geplant hatte, seinen ehemaligen Arbeitgeber, C._, zu ent-
führen. Zwar ist mit der Vorinstanz nicht von der Hand zu weisen, dass gestützt
auf die sichergestellte Handnotiz des Beschuldigten (ND 2 Urk. 3/1/3) sowie den
damit in Einklang stehenden Aussagen B._s ein mögliches Motiv des Be-
schuldigten in der von ihm ursprünglich angestrebten Abfindungssumme in der
Höhe von drei Jahreslöhnen gesehen werden kann (Urk. 50 S. 52 f.). Dass eine
solche Abfindung Thema war, kann auch den TK-Protokollen entnommen werden
(Telefongespräche vom 5.05.2011 um 15:32 Uhr sowie vom 10.06.2011 um 14:27
Uhr). Allerdings führte der Beschuldigte anlässlich eines Telefonates mit B._
aus, dass er seinen Lohn erhalten habe und es in Ordnung sei (Telefongespräch
vom 10.06.2011 um 14:27 Uhr). Dass er sich damit abgefunden habe und
C._ ihm nichts mehr schulde, betonte er auch während des gesamten Ver-
fahrens (ND 2 Urk. 3/1/1 S. 7 f., Urk. 3/1/4 S. 2 f., Urk. 3/11/5 S. 8 f., Urk. 3/1/7
S. 7). Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte er auf entsprechende Frage,
von seinem ehemaligen Arbeitgeber zwar enttäuscht, nicht aber wütend zu sein
(Urk. 84 S. 7). Gegenteiliges kann dem Beschuldigten nicht nachgewiesen wer-
den, weshalb zu seinen Gunsten davon auszugehen ist, dass er im Zusammen-
hang mit der Auflösung seines Arbeitsverhältnisses mit C._ offenbar einen
Weg gefunden hatte, wie man sich einigen konnte.
6.11. Letztlich bestehen zu viele Unbekannte, als dass der Anklagesachverhalt –
allein gestützt auf die Aussagen von B._ sowie aufgrund der TK-Protokolle in
rechtsgenügender Weise erstellt werden könnte. Lässt sich der Sachverhalt nicht
mit der genügenden Sicherheit erstellen, verlieren die Aussagen des Beschuldig-
ten dazu an Relevanz bzw. vermöchten sie nur dann etwas an der Beweislage zu
- 20 -
ändern, wenn sich den Depositionen geradezu eine Selbstbelastung entnehmen
liesse. Das ist nicht der Fall, auch wenn die Interpretationen bzw. die Erklärungen
des Beschuldigten zum Inhalt der Telefongespräche teilweise unplausibel und wi-
dersprüchlich sind, wie dies die Vorinstanz richtig erkannt hat (Urk. 50 S. 38-41).
Doch selbst wenn man mit der Vorinstanz auf die Aussagen von B._ abstel-
len und die TK-Protokolle in diesem Sinne auslegen wollte, scheiterte eine Verur-
teilung des Beschuldigten an der Tatbestandsmässigkeit des ihm vorgeworfenen
Verhaltens (vgl. nachstehende Erw. 7).
7. Rechtliche Würdigung
7.1. Als Gefährdungstatbestand stellt der Tatbestand der strafbaren Vorberei-
tungshandlung ein Verhalten unter Strafe, welches tatsächlich keine Rechts-
gutverletzung beinhaltet. Es versteht sich daher von selbst, dass eine solche
Norm zu erheblichen Beweisschwierigkeiten führen kann. Viele Handlungen, die
objektiv unter den Tatbestand von Art. 260bis StGB fallen, sind bei fehlender De-
liktsabsicht völlig harmlos oder stellen gar alltägliche Verhaltensweisen dar. Trotz
oder gerade deswegen darf aus Gründen der Rechtsstaatlichkeit auch mit Bezug
auf Art. 260bis StGB von fundamentalen Strafprozessualen Grundsätzen nicht ab-
gewichen werden (BSK StGB II-Engler, 3. Auflage 2013, Art. 260bis N 20).
7.2. Nach Art. 260bis Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer planmässig konkrete
technische oder organisatorische Vorkehrungen trifft, deren Art und Umfang zei-
gen, dass er sich anschickt, eines der abschliessend aufgezählten Delikte, na-
mentlich auch eine Freiheitsberaubung und Entführung, auszuführen.
7.3. Unter technischen Vorkehrungen sind Handlungen zu verstehen, die kon-
struktiv der Beschaffung und Bereitstellung von Tatmitteln oder Informationen
dienen. Als Beispiele zu nennen sind das Herstellen von Brandsätzen, das Be-
schaffen von Fluchtfahrzeugen oder das systematische Beobachten des künftigen
Opfers bzw. das Auskundschaften des Tatortes. Organisatorische Vorkehrungen
sind Massnahmen, die ergriffen werden, um einen reibungslosen Ablauf des Tat-
planes sicherzustellen, wie z.B. die Absprache über die Zusammenarbeit mit an-
deren Tätern, die genaue Besprechung des Tatplanes oder die Formulierung der
- 21 -
zur Tatausführung vorgesehenen Sprachcodes (BSK StGB II-Engler, a.a.O.,
Art. 260bis N 9 f.).
7.4. In objektiver Hinsicht genügt dabei nicht jede entfernte und in ihrer Zielrich-
tung noch vage Tätigkeit zur Vorbereitung eines Delikts. Vielmehr müssen die
Vorkehrungen planmässig und konkret sein, mithin müssen mehrere überlegt
ausgeführte Handlungen vorliegen, denen im Rahmen eines deliktischen Vorha-
bens eine bestimmte Vorbereitungsfunktion zukommt. Zudem müssen sie nach
Art und Umfang so weit gediehen sein, dass vernünftigerweise angenommen
werden kann, der Täter werde seine damit manifestierte Deliktsabsicht ohne wei-
teres in Richtung auf eine Ausführung der Tat weiterverfolgen. Mit anderen Wor-
ten muss der Täter zumindest psychologisch an der Schwelle der Tatausführung
angelangt sein. Dies setzt aber noch nicht voraus, dass er auch materiell im Be-
griff ist, zur Ausführung der Tat anzusetzen. Ebenfalls verlangt diese Bestimmung
noch nicht, dass die Vorkehrungen auf ein nach Ort, Zeit und Begehungsweise
bereits hinreichend konkretisiertes Delikt Bezug haben (BGE 111 IV 155 E. 2b;
Bundesgerichtsentscheid 6P.173/2004 bzw. 6S.450/2004, vom 18. Februar 2005,
E. 4.1, je mit Hinweisen).
7.5. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich. Da die Tathandlung eine
Planmässigkeit voraussetzt, ist Eventualvorsatz im Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB
grundsätzlich ausgeschlossen, mit Ausnahme der in Aussicht genommenen Straf-
tat (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Kommentar StGB, Zürich 2013, N 11 zu
Art. 260bis StGB). Soweit dem Beschuldigten in der Anklage eventualvorsätzliches
Handeln vorgeworfen wird, ist er vom entsprechenden Vorwurf ohne weiteres frei-
zusprechen.
7.6. Aus der Planmässigkeit der Vorkehrungen lässt sich auf die verbrecheri-
sche Absicht schliessen. Das Erfordernis des planmässigen Handelns ist erfüllt,
wenn mehrere, unter sich zusammenhängende, systematisch über einen gewis-
sen Zeitraum hinweg fortgeführte Handlungen vorliegen, die in ihrer Gesamtheit
nicht mehr "harmlos" sind, sondern auf den Verbrechensplan verweisen (Bundes-
gerichtsentscheid 6P.173/2004 bzw. 6S.450/2004, vom 18. Februar 2005, E. 4.1,
mit Hinweisen). Blosses Gerede, Gedankenspielerei oder auch (allenfalls sogar)
- 22 -
konkrete Angeberei reichen für eine Strafbarkeit nach Art. 260bis StGB nicht aus
(BSK StGB II-Engler, a.a.O., Art. 260bis N 11).
7.7. Eine solche Planmässigkeit ergibt sich nicht aus dem Anklagesachverhalt.
An wirklich konkreten technischen Vorbereitungshandlungen werden in der An-
klage einzig das Beschaffen von zwei Fahrzeugen und das Aufbieten von mehre-
ren "Schlägertypen" genannt (Urk. 14 S. 3 f.). Wie gesehen wurden dahingehende
Vorkehrungen aber nie getroffen, da B._ diesbezüglich nur geblufft hatte
(vorstehende Erw. 6.6). In den ersten acht Abschnitten der Anklage wird einzig
umschrieben, wie sich der Beschuldigte mit B._ und den beiden unbekann-
ten "Russen" zusammengefunden habe und man darüber sinniert habe, wie man
das Geld von C._ wieder erhältlich machen könne. Nebst legalen Methoden
sei auch die Rede davon gewesen, dass man letzteren entführen könnte, falls
sich dieser weigere zu zahlen.
7.8. Wie gesehen konnte beweismässig nicht erstellt werden, dass der Be-
schuldigte tatsächlich eine Entführung geplant hatte (vgl. vorstehende Erw. 6.7-
6.11). Doch selbst wenn der Anklagesachverhalt als erstellt erachtet würde und
man den Beschuldigten als Koordinator und Bindeglied zwischen D._ und
B._ sehen wollte, so wären diese organisatorischen Vorkehrungen nicht kon-
kreter, sondern intellektueller Natur. Rein gedankliche Vorbereitung einer Tat ge-
nügt jedoch nicht und erfüllt den Tatbestand noch nicht (Trechsel/Vest, StGB Pra-
xiskommentar, 2. Auflage 2012, Art. 260bis N 4). Dasselbe gilt im Übrigen für das
Sachverhaltselement der angeblich verwendeten Codes. Die einzigen Hinweise
hierfür, wonach diesbezüglich etwas vereinbart worden sei, finden sich in den
Aussagen von B._, wonach der Beschuldigte gesagt habe, man solle in
"Codes" sprechen. Wie gesehen erklärte aber auch B._, dass man keine
konkreten Codewörter vereinbart habe (vgl. vorstehende Erw. 6.8). Somit ist auch
hierin kein Vorgehen zu erkennen, welches als konkrete organisatorische Vorkeh-
rung für eine strafbare Handlung geeignet wäre.
7.9. Soweit die Anklage dem Beschuldigten unterstellt, dass er davon aus-
gegangen sei, dass B._ konkrete technische Vorbereitungshandlungen aus-
geführt hatte, was gemäss Anklage indessen nicht der Fall war, heisst dies nichts
- 23 -
anderes, als dass sich der Beschuldigte bezüglich dieses Sachverhaltsteils in ei-
nem Irrtum befunden hat. Und zwar in einem Sachverhaltsirrtum zu seinen Un-
gunsten, was ein untauglicher Versuch darstellt (Trechsel/Geth, StGB Praxis-
kommentar, a.a.O., Art. 22 N 16). Die vorliegende Konstellation ist somit durchaus
vergleichbar mit dem klassischen Beispiel des untauglichen Versuchs, wo der
Räuber A irrtümlich annimmt, dass die vom Mittäter, dem Räuber B mitgeführte
Waffe geladen sei. Dies hat das Bundesgericht als untauglichen Versuch des
qualifizierten Raubes gewertet (BGE 124 IV 97).
7.10. Der blosse Versuch der strafbaren Vorbereitungshandlung im Sinne von
Art. 260bis StGB ist jedoch gar nicht denkbar (Trechsel/Vest, StGB Praxis-
kommentar, a.a.O., Art. 260bis N 7), bzw. nicht tatbestandsmässig. Und obwohl
Art. 260bis StGB als eigenständiger Tatbestand im besonderen Teil des Straf-
gesetzbuches geregelt ist, finden die allgemeinen Bestimmungen über den Ver-
such keine Anwendung. Denn der Versuch markiert im Handlungsablauf nach
traditionellem Verständnis die Eintrittsschwelle in die Strafbarkeitszone. Mit
Art. 260bis StGB hat der Gesetzgeber diesen Grundsatz bei elf schweren Delikten
durchbrochen und die Strafbarkeitsschwelle schon vor dem Versuchsstadium an-
gesetzt. Die Vorbereitungshandlungen befinden sich im Geschehensablauf zwi-
schen bislang strafloser Vorbereitung und strafbarem Versuch. Behält man so-
wohl diese Zwischenstellung als auch den Sinn und Zweck der Regelung im Au-
ge, so wird klar, dass es stricto sensu keinen Versuch zu einer strafbaren Vor-
bereitungshandlung geben kann (BSK StGB II-Engler, a.a.O., Art. 260bis N 17).
7.11. Damit erfüllt dieser Sachverhaltsteil den Tatbestand von Art. 260bis StGB
genau so wenig wie alle anderen, weshalb der Beschuldigte von diesem Vorwurf
freizusprechen ist.
8. Sanktion
8.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten – zusätzlich zur bedingt verhängten
Freiheitsstrafe wegen der strafbaren Vorbereitungshandlungen – wegen der An-
stiftung zur Amtsgeheimnisverletzung sowie wegen der Widerhandlung gegen das
- 24 -
AVIG in Anwendung des Asperationsprinzips zu einer bedingten Geldstrafe von
210 Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft (Urk. 50 S. 82 f.).
8.2. Da der Beschuldigte sowohl vom Vorwurf der strafbaren Vorbereitungs-
handlung zur Freiheitsberaubung und Entführung sowie auch vom Vorwurf der
Anstiftung zur Amtsgeheimnisverletzung freizusprechen ist, verbleibt lediglich der
nicht angefochtene und damit in Rechtskraft erwachsene Schuldspruch hinsicht-
lich der mehrfachen Wiederhandlung gegen Art. 105 Abs. 1 AVIG.
8.3. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann betreffend die Grund-
sätze der Strafzumessung auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 50 S. 69 ff.). Ebenfalls kann auf die jüngere Bundesgerichtspraxis zu diesem
Thema (BGE 136 IV 55 E. 5.4. ff.; BGE 135 IV 130 E. 5.3.1; BGE 132 IV 102
E. 8.1, je mit Hinweisen) verwiesen werden.
8.4. Die Vorinstanz hat zutreffend festgehalten, dass vorliegend keine Gründe
ersichtlich sind, welche ein Überschreiten des ordentlichen Rahmens nahelegen
würden (Urk. 50 S. 73). Widerhandlungen gegen Art. 105 AVIG werden, sofern
– wie vorliegend – nicht ein mit einer höheren Strafe bedrohtes Verbrechen oder
Vergehen des Strafgesetzbuches vorliegt, mit Gefängnis bis zu sechs Monaten
oder mit Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen bestraft. Die Deliktsmehrheit ist in-
nerhalb des ordentlichen Strafrahmens straferhöhend zu berücksichtigen.
8.5. Die Verteidigung beantragt die Verhängung einer bedingten Geldstrafe von
maximal 60 Tagessätzen zu Fr. 30.–, unter Anrechnung der erstandenen Unter-
suchungshaft (Prot. II S. 5 ff.). Anders als noch vor Vorinstanz macht die Ver-
teidigung den Strafbefreiungsgrund der Wiedergutmachung von Art. 53 StGB zu
Recht nicht mehr geltend (Urk. 50 S. 79). Die Staatsanwaltschaft hat die Sanktion
nicht angefochten. Da einzig der Beschuldigte Berufung erhoben hat und die (oh-
nehin auf die Kosten- und Entschädigungsfolgen beschränkte) Anschlussberufung
der Staatsanwaltschaft dahingefallen ist (vgl. vorstehende Erw. 2), ist grundsätz-
lich das strafprozessuale Verschlechterungsverbot nach Art. 391 Abs. 2 StPO zu
berücksichtigen, wonach das vorinstanzliche Urteil nicht zum Nachteil des Be-
schuldigten abgeändert werden darf. Damit fällt die Verhängung einer Freiheits-
- 25 -
strafe in Bezug auf die Widerhandlung gegen das AVIG ausser Betracht. Ebenso
nicht zur Diskussion stehen vor diesem Hintergrund der bedingt gewährte Vollzug
sowie die angesetzte Probezeit von zwei Jahren. Aufgrund der veränderten Aus-
gangslage neu festzusetzen ist hingegen die Anzahl Tagessätze Geldstrafe.
Ebenso in Betracht fällt eine allfällige Reduktion der Tagessatzhöhe.
8.6. Mit Bezug auf die objektive Tatschwere fällt der vergleichsweise hohe De-
liktsbetrag von Fr. 44'556.35 ins Gewicht. Ebenso zulasten des Beschuldigten zu
werten ist die mehrfache Tatbegehung bzw. der Deliktszeitraum von rund einein-
halb Jahren. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass diesen beiden Komponenten
etwas Zufälliges anhaftet, da der Beschuldigte mit seiner Delinquenz aufhörte,
weil er entdeckt wurde. Insgesamt ist das objektive Tatverschulden im mittleren
Bereich des zur Verfügung stehenden Strafrahmens anzusiedeln.
8.7. Zur subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass, wie oben erwähnt, seine
deliktische Tätigkeit nur deshalb ein Ende nahm, weil er entdeckt wurde und da-
von ausgegangen werden muss, dass er andernfalls auf unbestimmte Dauer wei-
ter delinquiert hätte. Zudem ging es ihm mit seiner Falschdeklaration darum, eine
finanzielle Zuwendung erhältlich zu machen, auf welche er bei wahrheits-
gemässen Angaben keinen oder nur in vermindertem Umfange Anspruch gehabt
hätte. Als eigentliches Motiv gibt er einen finanziellen Engpass an. Er sei über
längere Zeit unverschuldet in Untersuchungshaft gewesen und habe psychische
Probleme gehabt. Überdies habe seine Frau ein Kind bekommen (HD Urk. 3/1/11
S. 12). Im Ergebnis ändern die Vorbringen des Beschuldigten nichts daran, dass
das Delikt aus rein finanziellen Interessen verübt wurde. Es ist ja nicht so, dass er
in dieser Zeit kein anderes Einkommen gehabt hätte, sondern von der ... ein Er-
werbsersatzeinkommen bezogen hat, welches es ihm und seiner Familie erlaubt
hätte, ein ordentliches Leben zu führen. Dieses Ausnützen eines Systems, wel-
ches von der Allgemeinheit zur Abfederung von wirtschaftlichen Härten geschaf-
fen wurde, wirkt sich entsprechend zu seinen Ungunsten aus. Die subjektiven
Gesichtspunkte führen zu keiner Reduktion der objektiven Tatschwere.
8.8. In Bezug auf die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann auf die
Ausführungen im angefochtenen Urteil verwiesen werden (Urk. 50 S. 78). Ergän-
- 26 -
zend anzufügen ist, dass seine Frau mittlerweile ihr zweites Kind zur Welt ge-
bracht hat. In Bezug auf sein Nettoeinkommen gab er neu an, nunmehr etwas
weniger zu verdienen. Im Rahmen seiner selbständigen Tätigkeit als Chauffeur
erziele er ein monatliches Durchschnittseinkommen von ca. Fr. 4'500.– bis
Fr. 5'000.–. Nachdem er einen Teil seiner Schulden abbezahlt habe, beliefen sich
diese noch auf Fr. 51'000.–, wobei er monatliche Abzahlungsraten von insgesamt
rund Fr. 1'000.– leiste (Urk. 84 S. 1, 3 f.). Wie bereits die Vorinstanz richtig ausge-
führt hat, lässt sich aus seiner Biographie und seinen persönlichen Verhältnissen,
insbesondere seiner Vorstrafenlosigkeit, nichts ableiten, was Einfluss auf das
Strafmass hätte. Sein Geständnis wirkt sich aufgrund der erdrückenden Beweis-
lage lediglich leicht strafmindernd aus. Zwar entschuldigte sich der Beschuldigte
vor Vorinstanz für sein Vorgehen (Prot. I S. 10, Urk. 36 S. 8), allerdings ist in der
Haltung des Beschuldigten nur eine beschränkte Einsicht in das Unrecht seiner
Tat zu sehen. So stellte er sich vor Vorinstanz nach wie vor auf den Standpunkt,
nicht bewusst etwas Falsches angegeben zu haben und wies die Schuld zumin-
dest teilweise von sich, indem er zu Bedenken gab, dass ihn vor allem auch
äussere Umstände, namentlich das gegen ihn geführte Strafverfahren, zu dem
von ihm gewählten Vorgehen getrieben hätten (Urk. 36 S. 8). Insgesamt hat sich
das Nachtatverhalten leicht verschuldensmindernd auszuwirken. Im Übrigen er-
weist sich die Täterkomponente als strafzumessungsrechtlich neutral.
8.9. Aufgrund aller relevanten Strafzumessungsgründe erscheint eine Geldstra-
fe von 100 Tagessätzen angemessen. In Anbetracht seiner finanziellen Situation
ist der Tagessatz auf Fr. 10.– anzusetzen. Der Anrechnung von 82 Tagen erstan-
dener Untersuchungshaft steht nichts entgegen (Art. 51 StGB).
9. Genugtuung des Beschuldigten
9.1. Der Beschuldigte verlangt eine angemessene Genugtuung für die wider-
rechtliche und/oder ungerechtfertigte Untersuchungshaft vom 16. Juni 2011 bis
5. September 2011, mind. in der Höhe von Fr. 16'600 plus 5 % Zins seit
27. Juli 2011, sowie vom 21. Juni 2012, mindestens in der Höhe von Fr. 400.–
plus 5 % Zins seit 21. Juni 2012, abzüglich allfälliger eine Strafe anzurechnender
Tage (Prot. II S. 8).
- 27 -
Nachdem der Beschuldigte heute mit einer die Dauer der Haft übersteigenden
Geldstrafe zu sanktionieren und die Untersuchungshaft an diese anzurechnen ist,
besteht keine Grundlage für eine entsprechende Entschädigung (vgl. Art. 431
Abs. 2 StPO).
9.2. Weiter wird eine Genugtuung verlangt für die ungerechtfertigte Vorverurtei-
lung während der Untersuchung und die widerrechtliche und/oder ungerechtfertig-
te Hausdurchsuchung und Auswertung der EDV Anlagen sowie der Daten des
Mobiltelefons (Prot. II S. 6).
Wird die beschuldigte Person freigesprochen oder wird das Verfahren gegen sie
eingestellt, so hat sie unter anderem Anspruch auf Genugtuung für besonders
schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse, insbesondere bei Frei-
heitsentzug (Art. 429 Abs. 1 lit. c. StPO). Voraussetzung bildet dabei eine beson-
ders schwere Verletzung der persönlichen Verhältnisse i.S.v. Art. 28 Abs. 2 ZGB
oder Art. 49 OR. Mithin muss eine gewisse Intensität der Verletzung vorliegen. Als
Beispiele neben der ungerechtfertigten Untersuchungs- und Sicherheitshaft gelten
etwa eine publik gewordene Hausdurchsuchung, eine sehr lange Verfahrensdau-
er, eine breite Darlegung in den Medien, Probleme im Familien- und Beziehungs-
leben durch die Strafuntersuchung oder persönlichkeitsverletzende Äusserungen
von Strafbehörden (BSK StPO II-Wehrenberg/Frank, 2. Auflag 2014, Art. 429
N 27).
Der Beschuldigte liess eine Entschädigung geltend machen, da während der Un-
tersuchung mehrere "krasse" Persönlichkeitsverletzungen gemacht worden seien.
Davon ausgenommen seien einzelne Genugtuungsforderungen, die nicht unmit-
telbar mit den vorliegenden Vorwürfen zusammenhängen, sondern in einem Ein-
stellungsverfahren zu entschädigen wären. Der angemessene Betrag der Genug-
tuung für die diversen schweren Persönlichkeitsverletzungen seien – abgesehen
von der Haftentschädigung – vom Gericht festzusetzen (Urk. 52 S. 12 mit Verweis
auf Urk. 38 S. 16 f. und Urk. 39 S. 11). Dabei handelt es sich jedoch einzig um die
erhobenen Tatvorwürfe, welche schliesslich in einer Einstellung oder einem Frei-
spruch mündeten. Inwieweit dies eine genugtuungsbegründende Persönlichkeits-
verletzung darstellen soll, ist nicht erkennbar und stellt auf keinen Fall eine be-
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sonders schwere Verletzung der persönlichen Verhältnisse dar, sondern ist ein
übliches Element eines jeden Strafverfahrens. In Bezug auf die Genugtuungsfor-
derung im Zusammenhang mit der Hausdurchsuchung, welche nach Auffassung
der Verteidigung lediglich wegen der übersteigerten Fantasie der Polizei ange-
ordnet worden sei (Urk. 39 S. 12), ist anzumerken, dass solche unter gewissen
Umständen tatsächlich zu einem sehr hohen immateriellen Schaden führen kön-
nen, etwa wenn diese unter besonderem Getöse vor den Augen der versammel-
ten Nachbarschaft durchgeführt werden und der Beschuldigte in der Folge Sub-
jekt der Gerüchteküche wird. Der Beschuldigte lässt in dieser Hinsicht jedoch
nichts Konkretes geltend machen und es ergibt sich diesbezüglich auch nichts
aus den Akten, weshalb von vornherein kein Entschädigungsanspruch entsteht
und somit auch nicht weiter überprüft werden muss, ob die Hausdurchsuchung
gerechtfertigt war oder nicht. Dem Beschuldigten ist damit keine Genugtuung
auszurichten.
10. Kosten- und Entschädigungsfolgen
10.1. Wie gesehen hat der Beschuldigte seine Berufung bezüglich der Kosten-
auferlegung (Dispositivziffer 5 des vorinstanzlichen Urteils) vor Berufungsgericht
zurückgezogen, womit auch die auf die Kostenauferlegung beschränkte An-
schlussberufung der Staatsanwaltschaft (Urk. 87 S. 1) dahingefallen ist (Erw. 2.2).
Demzufolge ist die vorinstanzliche Kostenauferlegung in Rechtskraft erwachsen
und damit nicht mehr Gegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens (Erw.
2.3). Da gemäss dem in Rechtskraft erwachsenen Kostenentscheid der Vor-
instanz die Kosten der Untersuchung sowie des vorinstanzlichen Verfahrens, ein-
schliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung, definitiv abgeschrieben wor-
den sind, ist im vorliegenden Verfahren – mangels Rechtsschutzinteresses – auch
die Kostenfestsetzung einer Überprüfung entzogen und damit ebenfalls als
rechtskräftig vorzumerken (Prot. II S. 12 f.).
10.2. Soweit der Beschuldigte eine Entschädigung im Zusammenhang mit sei-
nen Aufwendungen betreffend die zeitweise erbetene Verteidigung geltend ma-
chen lässt (Prot. II S. 7, Urk. 85 S. 17, Urk. 52 S. 12 mit Verweis auf Urk. 38 S. 16
und Urk. 39 S. 5), ist dem die bundesgerichtliche Rechtsprechung entgegenzuhal-
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ten, wonach eine Kostenauflage nach Art. 426 Abs. 1 oder 2 StPO einen An-
spruch auf Entschädigung in der Regel ausschliesst. Die Entschädigungsfrage ist
nach der Kostenfrage zu beantworten. Insoweit präjudiziert der Kostenentscheid
die Entschädigungsfrage. Es gilt folglich der Grundsatz, dass bei Auferlegung der
Kosten keine Entschädigung auszurichten ist (BGE 137 IV 352, E. 2.4.2 mit Hin-
weisen). In Nachachtung dieses Grundsatzes ist dem Beschuldigten im vorlie-
genden Verfahren keine Entschädigung für seine zeitweise erbetene Verteidigung
zuzusprechen.
10.3. Im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens. Als unterliegend gilt auch diejenige Partei, auf
deren Rechtsmittel nicht eingetreten wird oder die das Rechtsmittel zurückzieht
(Art. 428 Abs. 1 StPO). Erwirkt eine Partei, die ein Rechtsmittel ergriffen hat, ei-
nen für sie günstigeren Entscheid, so können ihr die Verfahrenskosten auferlegt
werden, wenn der angefochtene Entscheid nur unwesentlich abgeändert wird
(Art. 428 Abs. 2 lit. b StPO). Haben sich private Parteien durch Anträge am
Rechtsmittelverfahren beteiligt, so haben sie die Verfahrenskosten ebenfalls an-
teilsmässig zu tragen (BSK STPO II-Domeisen, a.a.O., Art. 428 N 7). Diese
Grundsätze gelten auch für die Kostentragungspflicht der Anschlussberufung und
zwar auch dann, wenn sowohl der Berufungskläger als auch der Anschlussberu-
fungskläger unterliegt. Dass in einem solchen Fall der Anschlussberufungskläger
keine Verfahrenskosten tragen soll, weil er sich im Allgemeinen lediglich aufgrund
der Berufung entschlossen hat, selbst auch ein Rechtsmittel zu ergreifen, verträgt
sich mit dem bezweckten Obsiegens-/Unterliegensprinzip nicht (BSK StPO II-
Domeisen, a.a.O., Art. 428 N 12).
10.4. Hinsichtlich des Schuldpunktes obsiegt der Beschuldigte vollumfänglich.
Nicht entsprochen wurde hingegen dem Antrag, wonach der Beschuldigte wegen
der Widerhandlung gegen das AVIG mit maximal 60 Tagessätzen Geldstrafe zu
bestrafen sei. Die Senkung der Tagessatzhöhe wurde vom Beschuldigten nicht
beantragt, sondern erfolgte in Ausübung des richterlichen Ermessens, weshalb
dies nicht zu einer teilweisen Übernahme der Kosten durch die Staatskasse führt.
Ebenso nicht durchgedrungen ist der Beschuldigte mit seinem Antrag auf Genug-
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tuung. Hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen unterliegt sowohl der
Beschuldigte mit seinem Berufungsrückzug als auch die Staatsanwaltschaft mit
dem Dahinfallen ihrer Anschlussberufung.
10.5. In Gewichtung dieser Anträge erscheint es damit gerechtfertigt, die Kosten
des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung,
ausgangsgemäss zu einem Sechstel dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu fünf
Sechsteln auf die Gerichtskasse zu nehmen. Betreffend die Kosten der amtlichen
Verteidigung bleibt die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten im Umfang eines
Sechstels vorbehalten (Art. 426 Abs. 1 StPO, Art. 135 Abs. 4 StPO).
10.6. Die amtliche Verteidigung wird nach dem Anwaltstarif desjenigen Kantons
entschädigt, in dem das Strafverfahren geführt wurde (Art. 135 Abs. 1 StPO). Die
Entschädigung für die anwaltliche Verteidigung bestimmt sich somit – ebenso wie
die Entschädigung eines erbetenen Verteidigers – grundsätzlich nach der Verord-
nung über die Anwaltsgebühren vom 8. September 2010 (Anwaltsgebühren-
verordnung; LS 215.3; vgl. auch § 1 AnwGebV). Gemäss § 1 Abs. 2 AnwGebV
setzt sich die Entschädigung aus der Gebühr und den notwendigen Auslagen
zusammen. Die Gebühr für die Führung eines Strafprozesses (einschliesslich
Vorbereitung des Parteivortrages und Teilnahme an der Hauptverhandlung)
beträgt im Bereich der Zuständigkeit des Kollegialgerichts – auch im
Berufungsverfahren – in der Regel Fr. 1'000.– bis Fr. 28'000.–, wobei auch zu
berücksichtigen ist, ob das vorinstanzliche Urteil ganz oder nur teilweise
angefochten wurde (§ 18 Abs. 1 i.V.m. § 17 Abs. 1 lit. b AnwGebV). Innerhalb
dieses Rahmens wird die Grundgebühr nach den besonderen Umständen, na-
mentlich etwa nach Art und Umfang der Bemühungen und Schwierigkeiten des
Falles, bemessen. Zur Grundgebühr werden für weitere Verhandlungen bzw.
Verhandlungstage und weitere notwendige Rechtsschriften Zuschläge berechnet
(§ 17 Abs. 2 AnwGebV).
10.7. In Anbetracht des Umfangs, der Schwierigkeit sowie der Komplexität des
vorliegenden Falles bzw. des Berufungsverfahrens drängt es sich nicht auf, keine
Pauschalgebühr (mehr) zuzusprechen. Diese ist auf Fr. 8'000.– anzusetzen, zu-
mal das Berufungsverfahren auf denselben Grundlagen wie das erstinstanzliche
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Verfahren beruhte und der amtliche Verteidiger bereits vor Vorinstanz mit
Fr. 20'804.90 entschädigt wurde.