Decision ID: 26e0486d-8ab5-5581-937e-cca7ae0f2791
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) war als Chauffeur beim Lohnunternehmen B._
Milchtransporte angestellt und dadurch bei der Helsana Unfall AG (nachfolgend:
Helsana) gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 18. Mai 2016 durch die
Arbeitgeberin melden liess, er habe sich am 15. Mai 2016 das linke Knie verletzt, als er
beim Aussteigen aus der LKW-Kabine vom untersten Trittbrett auf den Boden getreten
sei und das Knie abgedreht habe (act. G 4.2/1). Der Versicherte hatte am 17. Mai 2016
Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH, konsultiert, welcher als Befunde eine leichte
Schwellung am Knie, eine Druckdolenz praepatellar, eine Dolenz im medialen
Gelenkspalt sowie einen positiven Lachmann erhoben und den Verdacht auf eine
Läsion des vordere Kreuzbandes (VKB) geäussert hatte (act. G 1.4, act. G 4.1/1, act. G
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4.2/10a). Neben weiteren Untersuchungen durch Dr. C._ folgten sodann am 18. Mai
2016 eine MRI-Untersuchung des linken Knies in der Radiologie D._,
Diagnosezentrum E._, durchgeführt durch Dr. med. F._, und am 14. Juli 2016 eine
Untersuchung durch Dr. med. G._, Arzt Orthopädie, Spital H._ (act. G 1.4, act. G
4.1/2, act. G 4.1/4).
A.b Nachdem der Versicherte am 7. August 2016 gegenüber der Helsana einen
Fragebogen betreffend Unfallhergang beantwortet (act. G 4.2/7) und der beratende
Arzt der Helsana, Prof. Dr. med. I._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, am 18. und 25. August 2018 einen
möglichen Kausalzusammenhang zwischen den erhobenen Diagnosen und dem
Ereignis vom 15. Mai 2016 nur als möglich beurteilt (act. G 4.1/5) bzw. das Vorliegen
einer unfallähnlichen Körperschädigung verneint hatte (act. G 4.1/6), lehnte die Helsana
mit Verfügung vom 31. August 2016 einen Anspruch des Versicherten auf
Versicherungsleistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung mit der
Begründung ab, es liege weder ein Unfall noch eine unfallähnliche Körperschädigung
vor (act. G 4.2/9).
B.
B.a Mit Eingabe vom 12. September 2016 widersprach Dr. C._ der verfügten
Leistungsablehnung (act. G 4.2/12). Auf Aufforderung der Helsana unterzeichnete der
Versicherte die Eingabe am 21. September 2016 als Einspracheberechtigter (act. G
4.2/13 f.).
B.b Am 29. September 2016 reichte Rechtsanwalt lic. rer. publ. HSG M. Graf, St.
Gallen, für den Versicherten eine erweiterte Einspracheschrift sowie ergänzende
Unterlagen ein (act. G 4.2/15). Am 21. Dezember 2016 folgte eine
Einspracheergänzung (act. G 4.2/18).
B.c Mit Einspracheentscheid vom 10. Januar 2017 wies die Helsana die Einsprache
gegen die Verfügung vom 31. August 2016 ab (act. G 4.2/19).
C.
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C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwalt Graf für den
Versicherten (nachfolgend: Beschwerdeführer) eingereichte Beschwerde vom 13.
Februar 2017 mit dem Antrag, der Einspracheentscheid der Helsana (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) vom 10. Januar 2017 und die diesem zu Grunde liegende
Verfügung vom 31. August 2016 seien aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu
verpflichten, dem Beschwerdeführer für das Ereignis vom 15. April 2016 die
gesetzlichen Leistungen zu erbringen, insbesondere Heilbehandlung, Kosten und
Taggeld, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 17. März 2017 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten
des Beschwerdeführers (act. G 4).
C.c Mit Schreiben vom 24. März 2017 verzichtete der Beschwerdeführer auf die
Einreichung einer Replik (act. G 6).

Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin in Bezug auf das Ereignis vom
15. Mai 2016 zu Recht ihre Leistungspflicht verneint hat.
2.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden
daher, nachdem ein Ereignis aus dem Jahr 2016 zur Debatte steht, die bis 31.
Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
3.
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3.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG werden Leistungen der Unfallversicherung bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt. Als Unfall gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht
beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen
Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Dabei bezieht sich das Begriffsmerkmal der
Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern auf den Faktor
selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere
Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog (BGE 112 V 202 f.
E. 1). Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen
Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich
im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (RKUV
2000 Nr. U 368 S. 99 E. 2b mit Hinweisen; BGE 122 V 233 E. 1, 121 V 38 E. 1a, je mit
Hinweisen). Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen
äusseren Faktors auch in einer unkoordinierten Bewegung (RKUV 1999 Nr. U 333 S.
199 E. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422 E. 2b; ALFRED MAURER, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 176 f.) oder in einer (im Hinblick auf die
Konstitution und berufliche oder ausserberufliche Gewöhnung der betreffenden
Person) ausserordentlichen Überanstrengung (vgl. BGE 116 V 139 E. 3b; RKUV 1994
Nr. U 180 S. 38 E. 2; SVR 1999 UV Nr. 9 S. 28 E. 3c/bb; ALEXANDRA RUMO-JUNGO/
ANDRÉ PIERRE HOLZER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 41) bestehen.
3.2 Der Bundesrat kann sodann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalls
ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (Art. 6 Abs. 2 UVG). In Art. 9 Abs. 2 lit. a -
h UVV hat er von dieser Kompetenz in einer abschliessenden Aufzählung (vgl. dazu
BGE 114 V 302 E. 3d; RKUV 1990 Nr. U 112 S. 374 E. 2b) Gebrauch gemacht. Als so
genannte unfallähnliche Körperschädigungen gelten Knochenbrüche, Verrenkungen
von Gelenken, Meniskusrisse, Muskelzerrungen, Sehnenrisse, Bandläsionen und
Trommelfellverletzungen.
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3.3 Im Unfallversicherungsrecht herrscht, wie allgemein im Sozialversicherungsrecht,
der Untersuchungsgrundsatz. Der Unfallversicherer und im Streitfall das Gericht haben
den Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln. Indessen ist die Person, die
Leistungen verlangt, gesetzlich verpflichtet, dabei mitzuwirken. Kommt sie dieser
Forderung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche
Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig
erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers (BGE 114 V
305 E. 5b). Wenn eine versicherte Person ihre Darstellung im Lauf der Zeit wechselt,
kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht hat, in der Regel grössere
Bedeutung zu als jenen nach Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des Versicherers
(MAURER, a.a.O., S. 263; RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 5; BGE 115 V 143 E. 8c
mit Hinweisen). Das Gericht stellt auf jene Sachverhaltsdarstellung ab, die es von allen
möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt. Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine Beweislast insofern, als im Fall
der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel kommt zur
Anwendung, wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes kein wahrscheinlicher
Sachverhalt ermittelt werden kann (THOMAS LOCHER/THOMAS GÄCHTER, Grundriss
des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, § 70 N. 56 f.; BGE 114 V 305 f. E.
5b).
4.
4.1 Im Folgenden ist zunächst zu prüfen, ob der Beschwerdeführer am 15. Mai 2016
einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG erlitten hat. Dazu ist insbesondere zu
untersuchen, ob ein ungewöhnlicher äusserer Faktor auf seinen Körper eingewirkt hat.
Das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors kann - wie gesagt (vgl. Erwägung
3.1 hiervor) - in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Der ungewöhnliche äussere
Faktor liegt in solchen Fällen darin, dass die natürliche körperliche Bewegung durch
einen in der Aussenwelt begründeten Umstand "programmwidrig" gestört wird. Bei
einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu
bejahen; denn der äussere Faktor - Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt - ist
wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE
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130 V 117 E. 2.1; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1.
Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 7. Oktober 2003,
U 32/02, E. 2.2; RKUV 1996 Nr. U 253 S. 204 E. 4c und 1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2 mit
Hinweisen). Von einer programmwidrigen Störung der körperlichen Bewegung ist
beispielsweise dann auszugehen, wenn die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder
sich an einem Gegenstand anstösst oder wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern,
eine reflexartige Abwehrbewegung ausführt oder auszuführen versucht. Beschränkt
sich die Schädigung auf das Körperinnere und kann sie erfahrungsgemäss auch als
alleinige Folge von Krankheiten, namentlich von degenerativen Veränderungen eines
Körperteils innerhalb eines durchaus normalen Geschehensablaufs auftreten, muss die
unkoordinierte Bewegung als unmittelbare Ursache der Schädigung unter besonders
sinnfälligen Umständen gesetzt worden sein (RKUV 1999 Nr. U 345 S. 422 E. 2b).
4.2 Unumstritten ist, dass der Beschwerdeführer am 15. Mai 2016 - wie in der
Schadenmeldung UVG von dessen Arbeitgeberin am 18. Mai 2016 gemeldet - die
Führerkabine seines LKWs - eines Milch-Lastwagens - verlassen hat und dabei vom
untersten Trittbrett auf den Boden abgestiegen ist. Nicht in Frage gestellt wird
ausserdem, dass dieser Vorgang generell, aber insbesondere im Rahmen der
beruflichen Tätigkeit des Beschwerdeführers als Chauffeur eines LKWs, einen
normalen, alltäglichen Bewegungsablauf darstellt, der mit dem Körper ohne Weiteres
ausgeübt werden kann. Dies belegt auch die Angabe im Bericht von Dr. C._ vom 6.
Juli 2016, wonach der Beschwerdeführer mehrmals pro Tag ein- und aussteigt (act. G
4.1/3). Der Umstand, dass der Beschwerdeführer laut Ausführungen in der Einsprache
vom 29. September 2016 (act. G 4.2/15) und der Beschwerde vom 13. Februar 2017
(act. G 1) im damaligen Zeitpunkt am Entladen war, der LKW deshalb vorne angehoben
war, damit die Milch besser nach hinten fliessen konnte, und dadurch die Entfernung
von der Führerkabine zum Boden vergrössert war, ändert nichts an dieser Beurteilung.
Zwar wird die Distanz zwischen Trittbrett und Boden in gehobenem Zustand
tatsächlich grösser (angeblich 55 cm) gewesen sein als die Stufenhöhe einer normalen
Treppe (19 cm). Das Aussteigen aus einer Führerkabine bei einem angehobenem LKW
muss jedoch auch eine Person mit einer Körpergrösse von 165 cm ohne Weiteres
bewältigen können. Dies belegt der Beschwerdeführer im Übrigen mit seinen Angaben
im Fragebogen vom 7. August 2016, dass das Ereignis bei einer für ihn gewohnten
Tätigkeit passiert und unter normalen äusseren Bedingungen verlaufen sei (act. G
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4.2/7). Ebenfalls kein ungewöhnlicher äusserer Faktor kann darin erblickt werden, dass
sich das Knie abgedreht hat. So ist es nicht ungewöhnlich, dass das Knie beim
Hinuntersteigen vom Trittbrett auf den Boden zusätzlich eine Drehung vollzieht. Eine
Drehbewegung mit dem Kniegelenk stellt ebenfalls eine normale Bewegung dar,
welche mit dem Körper ausgeführt werden kann (BGE 129 V 466 E. 4.1; vgl. aber
nachfolgende Erwägung 4.4.1). Von einem ungewöhnlichen äusseren Faktor und damit
von einem Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG kann nur dann ausgegangen werden, wenn
die obgenannten normalen Bewegungsabläufe durch ein besonderes Vorkommnis
respektive eine relevante Programmwidrigkeit gestört worden sind und dieser
hinzutretende ungewöhnliche Umstand eine schädigende Einwirkung auf den Körper
zur Folge hat. Nachfolgend ist zu prüfen, ob diese Voraussetzungen gegeben sind.
4.3
4.3.1 Laut Verlaufseintrag von Dr. C._ bezüglich dessen Erstbehandlung des
Beschwerdeführers am 17. Mai 2016 ist dieser beim "Aufsteigen auf den LKW" (richtig:
Aussteigen aus dem LKW) "ausgeglitten" und hat auf dem linken Knie eine
Drehbewegung gemacht (act. G 1.4). Denselben Sachverhalt bzw. dieselbe Anamnese
wiederholte Dr. C._ in seinen Berichten vom 6. Juli und 8. August 2016 (act. G 4.1/1,
act. G 4.1/3).
4.3.2 Am 28. Juli 2016 stellte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer
einen Fragebogen betreffend Unfallhergang zu (act. G 4.2/6 f.). Dieser dient der
Unfallversicherung zur detaillierten Erhebung der tatsächlichen Verhältnisse bei der
leistungsansprechenden Person. Im Vordergrund stehen entsprechend Fragen
betreffend die für die Leistungspflicht des Unfallversicherers massgebenden
Voraussetzungen des Unfallgeschehens. Sofern der Unfallversicherer die tatsächlichen
Verhältnisse mittels Frageblättern detailliert erhoben hat, ist er seiner Verpflichtung zur
richtigen und vollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
grundsätzlich nachgekommen (Untersuchungsgrundsatz; vgl. Erwägung 3.3) und es
überzeugt rechtsprechungsgemäss nicht, wenn die versicherte Person einen
bestimmten, bedeutsamen Sachverhalt bzw. Umstand als Schadensursache erst nach
der abschlägigen, einlässlich begründeten Verfügung vorbringt bzw. bis zum
Einspracheentscheid unerwähnt lässt. Der Unfallversicherer ist nicht gehalten, die
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versicherte Person im Nachgang zu umfassenden Erhebungen zur weiteren
Substantiierung des gemeldeten Geschehnisses aufzufordern (Urteil des EVG vom 26.
Februar 2004, U 64/2002, E. 2.2.3, und vom 27. Juni 2002, U 148/01, E. 2b). In dem am
7. August 2016 persönlich vom Beschwerdeführer ausgefüllten Fragebogen schrieb
dieser auf Anweisung, den Unfall ausführlich zu schildern, er habe beim Verlassen der
Fahrerkabine des LKWs einen "Fehltritt" gemacht, wodurch das Knie abgedreht
worden sei. Die Frage 3 des Fragebogens "Passierte etwas Besonderes,
Unvorhergesehenes (z.B. Ausrutschen, Sturz, Anstossen usw.)?" verneinte er und fügte
entsprechend keine konkrete Beschreibung an. Den "Fehltritt" wiederholte der
Beschwerdeführer sodann auch im Zusammenhang mit der Frage, wann sich welche
Beschwerden erstmals bemerkbar gemacht hätten. Die Beschwerden beschrieb er als
Schmerzen im Knie und eine Schwellung am Abend (act. G 4.2/7).
4.3.3 Der Begriff des Fehltritts kann nach dem allgemeinen Sprachgebrauch nicht
als Widerspruch zum Begriff des Ausgleitens verstanden werden. Insofern kann von
einem wiederholt übereinstimmend vorliegenden Sachverhaltselement gesprochen
werden. Dass ein Ausgleiten bzw. Fehltritt stattgefunden hat, erscheint glaubhaft.
Anders als die Sachverhaltsschilderung des Beschwerdeführers im Fragebogen wurde
der Verlaufseintrag vom 17. Mai 2016 von Dr. C._ abgefasst und formuliert. Die
Rubrik "Subjektiv", unter welcher ein Ausgleiten ("ausgeglitten") aufgeführt ist, lässt
jedoch davon ausgehen, dass der Eintrag auf einer Sachverhaltsschilderung des
Beschwerdeführers basiert. Anders hätte der Eintrag wohl nicht zustande kommen
können. Die unterschiedliche, jedenfalls aber übereinstimmende Wortwahl, kann den
verschiedenen Verfassern zugeschrieben werden. Die Echtzeitlichkeit des
Verlaufseintrags erhöht die Glaubwürdigkeit des entsprechenden Sachverhalts
zusätzlich. Die übereinstimmenden Sachverhaltsschilderungen im Verlaufseintrag und
im Fragebogen sind insbesondere auch deshalb nicht anzuzweifeln, weil eine
Beeinflussung der darin verwendeten Formulierungen durch nachträgliche
Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art ausgeschlossen werden kann.
Sie erfolgten nicht im Wissen um die leistungsablehnende Verfügung vom 31. August
2016 (act. G 4.2/9). Die Verneinung der Frage 3 des Fragebogens, welche
insbesondere ein Ausrutschen als mögliche Programmwidrigkeit im Bewegungsablauf
anführt, vermag den vom Beschwerdeführer im selben Dokument ausdrücklich und
wiederholt festgehaltenen Fehltritt nicht ungeschehen zu machen. Vielmehr muss
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angesichts der Tatsache, dass der Beschwerdeführer das konkrete
Sachverhaltselement "Fehltritt" erwähnt hat, davon ausgegangen werden, dass er den
Gehalt der Frage 3 nicht richtig verstanden hat oder aber zum Ausdruck bringen wollte,
dass er nach dem "Fehltritt" nicht auch noch gestürzt oder ausgerutscht oder sich
irgendwo angestossen habe. Wie bereits die Schadenmeldung UVG vom 18. Mai 2016
(act. G 4.2/1) enthalten sodann der Verlaufseintrag und der Fragebogen das
Sachverhaltselement einer durch das Ausgleiten bzw. den Fehltritt bewirkten
Drehbewegung des linken Knies. Auch bezüglich dieses Sachverhaltselements
bestehen keinerlei Hinweise, welche es als unglaubwürdig erscheinen liessen.
4.3.4 Angesichts der vorangehenden Darlegungen ist im Folgenden mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit von einem Sachverhalt
auszugehen, wonach der Beschwerdeführer am 15. Mai 2016 beim Verlassen der
Fahrerkabine des LKWs ausgeglitten ist bzw. einen Fehltritt gemacht hat, wodurch das
linke Knie abgedreht worden ist.
4.4
4.4.1 Für die Bejahung eines Unfallereignisses ist nicht vorausgesetzt, dass es
tatsächlich zu einem Sturz kommt. Entsprechend ist die Aufzählung der
Bewegungsabläufe in der Frage 3 des Fragebogens, aber vor allem auch in der
Rechtsprechung (SVR 1999 UV Nr. 9 S. 28 e. 3c/aa; RKUV 2000 Nr. U 368 S. 100 E.
2d, 1999 Nr. U 345 S. 422 E. 2b, 1996 Nr. U 253 S. 204 E. 4c) und Literatur (RUMO-
JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 40; MAURER, a.a.O., S. 176) nur beispielgebend ("z.B.",
"beispielsweise"; "wie"). Dennoch muss im Einzelfall ein programmwidriger
Bewegungsablauf vergleichbar mit einem Sturz passiert sein. Allgemein handelt es sich
- wie bereits erwähnt (vgl. Erwägung 4.2) - bei einer Drehbewegung, Rotation bzw. bei
einem Abdrehen des Knies um eine normale Bewegung, die mit dem Körper ausgeführt
werden kann (vgl. BGE 129 V 466 E. 4.1; vgl. dazu auch ALFRED M. DEBRUNNER,
Orthopädie, orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2002, S. 1025). Es ist eine
Erfahrungstatsache, dass im alltäglichen Bewegungsablauf Verdrehungen oder ein
gewisser Zug auf Sehnen, Muskeln, Bänder und Gelenke nichts Aussergewöhnliches
darstellen, sondern die genannten beweglichen Körperteile gerade ein normales und
verletzungsfreies Funktionieren im täglichen Leben bzw. verschiedenste Bewegungen
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und Drehungen und dergleichen mehr gewährleisten. Eine Drehbewegung des Knies im
Zusammenhang mit einem Ausgleiten bzw. Fehltritt, in dessen Gefolge typische
Beschwerden auftreten und kennzeichnende Befunde erhoben werden, kann jedoch
nicht mehr in diesem normalen Rahmen gesehen und als ungewöhnliche Einwirkung
auf das Kniegelenk und dessen Bänder aufgefasst werden. So vermag der zusätzliche
Faktor des Ausgleitens bzw. Fehltritts den Rahmen einer normalen Drehbewegung und
somit eines programmmässigen Aussteigens aus der LKW-Fahrerkabine zu sprengen
und das Ereignis zu einem unphysiologischen werden zu lassen. Demgemäss ist auch
im konkreten Fall von einem Überschreiten der physiologischen Bewegungsgrenze
auszugehen. Die Bejahung eines Unfalls im Sinn von Art. 4 ATSG darf allgemein nicht
von der Schwere der dabei erlittenen Verletzung abhängig gemacht werden. Wird der
natürliche Ablauf durch ein besonderes Vorkommnis, d.h. eine Programmwidrigkeit,
gestört, ist für die Annahme eines Unfalls im Sinn von Art. 4 ATSG lediglich gefordert,
dass das Vorkommnis schädigend auf den Körper der versicherten Person eingewirkt
und dadurch eine kausale Beeinträchtigung ihrer Gesundheit zur Folge gehabt hat.
Genauso wie es für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ohne Belang ist, dass der
äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich gezogen hat,
kann nicht entscheidend sein, dass die Folgen nur leicht ausgefallen sind.
4.4.2 Anlässlich der Erstbehandlung durch Dr. C._ vom 17. Mai 2016 beschrieb
der Beschwerdeführer das Auftreten sofortiger Schmerzen nach dem Ereignis vom 15.
Mai 2016. Dr. C._ zeigte sich eine leichte Schwellung des Knies sowie ein positiver
Lachmann. Er erhob den Verdacht auf eine Läsion des VKB und veranlasste eine MRI-
Untersuchung des linken Knies, welche am 18. Mai 2016 durch Dr. F._ durchgeführt
wurde (act. G 4.1/2). Die Beurteilung von Prof. I._ vom 18. August 2016 zum MRI-
Untersuchungsergebnis - der unterschiedlich beschriebene Unfallmechanismus habe
zu keinen wesentlichen strukturellen Läsionen am linken Kniegelenk geführt; die
zeitnahe MRI-Untersuchung habe eine wesentliche Gonarthrose aufgedeckt (act. G
4.1/5) - ist nicht nachvollziehbar. So liess sich laut Untersuchungsbericht von Dr. F._
bei der MRI-Untersuchung zwar keine VKB-Läsion nachweisen, hingegen eine
deutliche Zerrung des medialen Seitenbandes, ein mittelgradiger Kniegelenkserguss
sowie eine deutliche Zerrung der poplitealen Gelenkskapsel. Inwiefern die im Regelfall
traumatisch bedingte Zerrung des medialen Seitenbandes, welche laut medizinischer
Literatur im Zusammenhang mit einer Zerrung der Gelenkskapsel auftritt und zur
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Bildung von Gelenkflüssigkeit führen kann (vgl. dazu DEBRUNNER, a.a.O., S. 635,
1090, 1092 f., 1096 f.; PSCHYREMBEL. Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. Berlin/
Boston 2017, S. 420; vgl. auch Urteil des EVG vom 30. August 2001, U 277/1999), im
konkreten Fall keine solche sein soll, ist mit der Beurteilung von Prof. I._ nicht
geklärt. Dies zumal Prof. I._ entgegen den Ausführungen in Erwägung 4.3 von
unterschiedlich beschriebenen Unfallmechanismen spricht und sich diesbezüglich
überhaupt zu einer rechtlichen und nicht medizinischen Frage äussert. Die radiologisch
ebenfalls erhobene mediale Gonarthrose stellt zwar unbestrittenermassen eine
degenerative Gesundheitsschädigung dar (vgl. dazu DEBRUNNER, a.a.O., S. 1068 ff.;
PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 689; ROCHE LEXIKON, Medizin, 5. Aufl. München 2003, S.
134). Aufgrund der Tatsache, dass sie von Prof. I._ als wesentlich bzw.
fortgeschritten eingestuft wurde, obwohl im MRI-Untersuchungsbericht von einer
beginnenden Gonarthrose gesprochen wird, sind zusätzlich Zweifel angebracht. Die
unbestrittenermassen unfallfremde Gonarthrose bildet für ihn offensichtlich die zentrale
Begründung für die Verneinung traumatisch bedingter Verletzungsfolgen. Diese
Schlussfolgerung erscheint jedoch insofern zu begrenzt, als das Bestehen einer
Gonarthrose das Auftreten einer davon unabhängigen Verletzung im Kniegelenk
erfahrungsgemäss nicht ausschliesst. In Folge der MRI-Untersuchung notierte Dr.
C._ bezüglich einer Konsultation des Beschwerdeführers vom 23. Mai 2016
übereinstimmend mit dem radiologischen Untersuchungsergebnis eine
Seitenbanddistorsion medial und verordnete dem Beschwerdeführer als Therapie die in
der medizinischen Literatur bei Distorsionen beschriebene stabilisierende Bandage
bzw. Orthese (act. G 4.1/1, act. G 4.1/3, act. G 1.4; vgl. dazu PSCHYREMBEL, a.a.O.,
S. 420; DEBRUNNER, a.a.O., S. 1097, 1120). In den nachfolgenden Verlaufseinträgen
zu Konsultationen vom 1., 11. und 22. Juni 2016 bestätigte Dr. C._ seine Diagnose
(act. G 1.4).
4.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass unter Berücksichtigung der in den
Erwägungen 4.3 und 4.4 dargelegten Umstände mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass ein ungewöhnliches
äusseres Ereignis mit Beeinträchtigung der körperlichen Gesundheit des
Beschwerdeführers, d.h. ein Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG, vorliegt. Entsprechend ist
die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für die Folgen des Ereignisses vom 15.
Mai 2016 grundsätzlich gegeben. Eine Prüfung der Frage, ob es sich bei der Verletzung
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des Beschwerdeführers um eine unfallähnliche Körperschädigung im Sinn von Art. 9
Abs. 2 UVV handelt, kann bei diesem Ergebnis unterbleiben.
5.
Nachdem die Beschwerdegegnerin eine Leistungspflicht bezüglich des Ereignisses
vom 15. Mai 2016 mit der Begründung, es liege kein Unfallereignis vor, von Grund auf
abgelehnt hat, hat sie zum Vorliegen der kausalen Unfallfolgen (vgl. dazu BGE 129 V
181 E. 3.1 ff. mit Hinweisen), der im gegebenen Fall dadurch notwendig gewordenen
Heilbehandlungen und eingetretenen Arbeitsunfähigkeiten noch nicht verfügt. Dies wird
sie nun angesichts des Vorliegens eines Unfallereignisses nachzuholen haben.
6.
6.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vom 13. Februar 2017
unter Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 10. Januar 2017
gutzuheissen und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, für das Ereignis vom 15.
Juli 2016 die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Die Streitsache ist zur Prüfung des
Leistungsanspruchs des Beschwerdeführers und zum Erlass einer entsprechenden
anfechtbaren Verfügung an die Beschwerdegegnerin zu überweisen.
6.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
6.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Partei
hingegen Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Angesichts der Schwierigkeit des
Falles sowie der Art und des Umfangs der Bemühungen erscheint eine
Parteientschädigung, wie in vergleichbaren Fällen üblich (einfacher Schriftenwechsel,
keine umfangreichen Akten), von pauschal Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) angemessen.