Decision ID: c311b0e9-a7fe-47dd-9572-2ba8557856e2
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) erlitt am 6. Oktober 2014 einen bei der Generali
Allgemeine Versicherungen AG (nachfolgend: Generali) obligatorisch versicherten
Kletterunfall (UV-act. 1). Bei anhaltenden Beschwerden unterzog sich die Versicherte
diversen medizinischen Abklärungen (UV-act. 2 ff.; vgl. dazu ferner den Sachverhalt in
UV 2017/35), ehe die Generali am 10. Januar 2017 die Einstellung der Leistungen per
diesem Datum verfügte (UV-act. 93). Die dagegen erhobene Einsprache wies die
Generali mit Entscheid vom 19. April 2017 ab (UV-act. 104).
A.a.
Die gegen diesen Einspracheentscheid erhobene Beschwerde vom 19. Mai 2017
(UV-act. 113) wurde mit Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 5. März 2019 (UV 2017/35) dahingehend gutgeheissen, als er aufgehoben und die
Streitsache zu ergänzenden Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu neuer
Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wurde. Das Gericht war zum
Schluss gekommen, dass der Sachverhalt in mehrfacher Hinsicht nicht rechtsgenüglich
abgeklärt worden sei und es eines polydisziplinären Gesamtgutachtens (inkl.
psychiatrischer Exploration) bedürfe (UV-act. 125).
A.b.
In Absprache mit dem Rechtsvertreter der Versicherten, Rechtsanwalt Christian
Jaeggi, Zürich, veranlasste die Generali bei der asim Begutachtung (nachfolgend:
asim), Universität Basel, ein polydisziplinäres Gutachten. Der Versicherten wurde
Gelegenheit gegeben, Ergänzungsfragen einzureichen. Davon machte ihr
Rechtsvertreter Gebrauch (UV-act. 131 ff.). Die Begutachtungen in den Fachrichtungen
Innere Medizin, Neuropsychologie, Rheumatologie, Neurologie, Psychiatrie und
Otorhinolaryngologie wurden am 28. und 29. Januar, 11. Februar, 9. März und 6. Mai
2020 durchgeführt (UV-act. 145, 151.1); die Expertise selbst datiert vom 10. September
A.c.
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B.
Gegen die Verfügung vom 4. Februar 2021 erhob der Rechtsvertreter der Versicherten
am 3. März 2021 Einsprache. Es sei die Verfügung aufzuheben und es seien der
Einsprecherin die gesamten gesetzlich vorgesehenen Leistungen der
Unfallversicherung für das Ereignis vom 6. Oktober 2014 zu gewähren. Es seien ihr
insbesondere die Heilbehandlung und das Taggeld bis Fallabschluss zu gewähren.
Weiter seien ihr nach Fallabschluss eine im Umfang noch zu bestimmende
Invalidenrente der Unfallversicherung und eine Integritätsentschädigung zu gewähren.
Es seien weitere medizinische Abklärungen zur Festlegung der ereignisbedingten
Einschränkungen vorzunehmen (UV-act. 162). Mit Entscheid vom 31. März 2021 wies
die Generali die Einsprache ab. Es bestehe auch kein Anspruch auf eine Rente oder
Integritätsentschädigung (act. G 1.1).
C.
2020 (UV-act. 154). Zusammengefasst kamen die Gutachter in der Konsensbeurteilung
zum Schluss, dass die anhaltenden Beschwerden per Ende August 2017 nicht mehr
dem Unfall vom 6. Oktober 2014 anzulasten seien (UV-act. 154.1 S. 12 f.).
Am 29. Oktober 2020 nahm der Rechtsvertreter der Versicherten zum asim-
Gutachten Stellung (UV-act. 160). Am 4. Februar 2021 verfügte die Generali gestützt
auf das asim-Gutachten, dass die Leistungen aus der obligatorischen
Unfallversicherung per 31. August 2017 eingestellt würden (UV-act. 161).
A.d.
Gegen den Einspracheentscheid vom 31. März 2021 liess die Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin), weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt Jaeggi, am
29. April 2021 Beschwerde erheben und folgendes beantragen: Es sei der
Einspracheentscheid aufzuheben und es seien der Beschwerdeführerin die gesamten
gesetzlich vorgesehenen Leistungen der Unfallversicherung für das Ereignis vom 6.
Oktober 2014 zu gewähren. Es seien ihr insbesondere die Heilbehandlung und das
Taggeld bis Fallabschluss zu gewähren. Weiter seien ihr nach Fallabschluss eine im
Umfang noch zu bestimmende Invalidenrente der Unfallversicherung und eine
Integritätsentschädigung zu gewähren. Es seien weitere medizinische Abklärungen zur
Festlegung der ereignisbedingten Einschränkungen vorzunehmen. Unter Kosten- und
C.a.
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Erwägungen
1.
Umstritten und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin aufgrund des Ereignisses
vom 6. Oktober 2014 zu Recht die temporären Versicherungsleistungen
(Heilbehandlung- und Taggeldleistungen) auf den 31. August 2017 eingestellt und einen
Anspruch auf weitere Leistungen (Rente und Integritätsentschädigung) abgelehnt hat.
Entschädigungsfolgen zu Lasten von Generali (nachfolgend: Beschwerdegegnerin; act.
G 1).
In der Beschwerdeantwort vom 26. Mai 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin
die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdeführerin (act. G 3).
C.b.
Mit Replik vom 29. Juni 2021 (act. G 5) sowie Duplik vom 25. August 2021 (act. G
7) hielten die Parteien unverändert an ihren Anträgen und Begründungen dazu fest.
C.c.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
C.d.
Die Unfallkausalität bildet Anspruchsvoraussetzung für sämtliche
Versicherungsleistungen der Unfallversicherung (Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Eine Leistungspflicht des
Unfallversicherers besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und
adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen (André Nabold,
N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018
[nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 63 ff. zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-
Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler
Kommentar, 2019 [nachfolgend zitiert: BSK UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre
Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer
[Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl.
2012, S. 53 ff.). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf
Angaben medizinischer Sachverständiger angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten
1.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/11
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Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den
von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (KOSS UVG-Nabold, N 53
zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/ Holzer, a.a.O., S. 55, 58). Im
Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche
Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung
des Unfallversicherers praktisch keine Rolle (vgl. BGE 117 V 365 E. 5d/bb mit
Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung; BGE 118 V 291 f. E. 3a). Sind dagegen die
Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar, ist eine eigenständige
Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei welcher wie folgt zu differenzieren ist:
Zunächst ist festzustellen, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma,
eine äquivalente Verletzung der Halswirbelsäule oder ein Schädel-Hirntrauma erlitten
hat, dessen Folgen sich mit jenen eines Schleudertraumas vergleichen lassen, oder ob
es sich um einen Unfall mit anderen somatischen Verletzungen und gesundheitlichen
Folgen handelt. Im letzteren Fall erfolgt die Adäquanzbeurteilung psychischer
Unfallfolgen nach den in BGE 115 V 133 ff. entwickelten Kriterien (sogenannte Psycho-
Praxis). Bei Unfällen mit Schleudertrauma oder mit einer diesem gleichgestellten
Verletzung der Halswirbelsäule oder einem Schädel-Hirntrauma ist hingegen die
Adäquanz gemäss BGE 117 V 359 ff., präzisiert in BGE 134 V 126 ff. E. 10, zu
beurteilen (sogenannte Schleudertrauma-Praxis). Der Unterschied besteht darin, dass
bei Unfällen mit Schleudertrauma oder einer äquivalenten Verletzung der
Halswirbelsäule auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen
Unfallfolgen verzichtet wird, während bei den übrigen Unfällen für die Beurteilung der
Adäquanz psychischer Fehlentwicklungen lediglich das Unfallereignis als solches und
die dabei erlittenen körperlichen Gesundheitsschäden sowie deren objektive Folgen
massgebend sind (vgl. u.a. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG]
vom 7. November 2002, U 377/01, E. 4.3).
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen, so entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, sobald der
Unfall nicht mehr die natürliche (und adäquate) Ursache des Gesundheitsschadens
darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen
beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (allenfalls krankhafte)
Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo
ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf
eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte
(Status quo sine) erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche
Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im
1.2.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/fr/php/aza/http/index.php?lang=fr&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F115-V-133%3Afr&number_of_ranks=0#page133 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/fr/php/aza/http/index.php?lang=fr&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F117-V-359%3Afr&number_of_ranks=0#page359
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Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich
fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich dabei um
eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast –
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht beim Versicherten, sondern beim
Unfallversicherer (vgl. Rumo-Jungo/ Holzer, a.a.O., S. 54; vgl. ferner nebst vielen Urteil
des Bundesgerichts vom 4. November 2016, 8C_594/2016, E. 2.2).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Bezüglich Beweiswert eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E.
3a mit Hinweisen). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens formgerecht
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist
bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4).
Widersprechen Berichte behandelnder Ärzte dem von der Verwaltung bei externen
Spezialärzten eingeholten Gutachten, ist die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Ärzte einerseits und
Begutachtungsauftrag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits zu
beachten (Urteil des EVG 18. April 2006, I 783/05, E. 2.2). Es ist deshalb nicht zulässig,
ein medizinisches Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und
zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte später zu
anderslautenden Einschätzungen gelangen oder an vorgängig geäusserten
abweichenden Auffassungen festhalten. Vorbehalten bleiben aber Fälle, in denen sich
eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und
1.3.
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2.
Umstritten ist die Unfallkausalität der über den Leistungseinstellungszeitpunkt (31.
August 2017) hinaus bestehenden Beschwerdeproblematik. Die Beschwerdeführerin
beklagt weiterhin insbesondere Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen,
Nackenbeschwerden und Schwindel sowie eine schnellere Ermüdung und eine
verminderte Belastbarkeit (vgl. zur gesamten Beschwerdeproblematik im Zeitpunkt der
Begutachtung UV-act. 154.1 S. 8 f.). Nur wenn der (natürliche und adäquate)
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 6. Oktober 2014 und den geklagten
Beschwerden über den Leistungseinstellungszeitpunkt hinaus zu bejahen ist, stehen
weitere temporäre Leistungsansprüche und Dauerleistungen zur Diskussion.
nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die
im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des
Bundegerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2).
Die Beschwerdegegnerin veranlasste bei der asim unter anderem zur Prüfung der
natürlichen Kausalität der Beschwerdesymptomatik ein externes polydiszplinäres
Gutachten in den Fachrichtungen Innere Medizin, Neuropsychologie, Rheumatologie,
Neurologie, Psychiatrie und Otorhinolaryngologie. In der Konsensbeurteilung
diagnostizierten die Gutachter eine unfallkausale Contusio capitis rechts,
differentialdiagnostisch eine mögliche leichte traumatische Hirnverletzung, einen Status
nach psychiatrischen Symptomen als Nebenwirkung auf Pregabalin mit depressiven
Symptomen und Gewichtsverlust sowie einen Status nach leichter akuter
Belastungsreaktion. Als nicht unfallkausal qualifizierten sie unter anderem eine
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, einen
chronischen Spannungskopfschmerz, eine episodische Migräne ohne Aura
(differentialdiagnostisch eine vestibuläre Migräne bei Verdacht auf einen
persistierenden postural-perzeptiven Schwindel [PPPD]) sowie eine minimale
neuropsychologische Störung (UV-act. 154.1 S. 14). Beurteilend kamen die Experten
im interdisziplinären Konsens zum Schluss, dass die Versicherte beim Ereignis vom 6.
Oktober 2014 überwiegend wahrscheinlich eine Contusio capitis rechts erlitten habe.
Eine (leichte) traumatische Hirnverletzung sei höchstens möglich, aber nicht
überwiegend wahrscheinlich. Eine unfallkausale strukturelle Schädigung des
Zentralnervensystems und sonstige strukturelle Verletzungen am Bewegungsapparat
seien nicht dokumentiert. Nachvollziehbar sei bei vorübergehender Verschlimmerung
eines Vorzustands (Migräne) eine initiale Kopfschmerzsymptomatik im Sinne eines
posttraumatischen Kopfschmerzes. Man gehe vom Vorliegen einer chronischen
2.1.
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Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren aus. Diese sei höchstens
möglicherweise auf die Contusio capitis und die nachfolgenden (vorübergehenden)
posttraumatischen Kopfschmerzen zurückzuführen. Andere Ursachen (chronische
Spannungskopfschmerzen resp. die episodische Migräne ohne Aura) seien
überwiegend wahrscheinlich unfallfremd. Es scheine im Verlauf zu einer (iatrogen
unterstützten) Verfestigung eines organischen Krankheitskonzepts (fälschlicherweise
als organischer Unfallschaden interpretiert) gekommen zu sein. Eine relevante
psychische Störung liege weder vor noch nach dem Unfall und auch aktuell nicht vor,
allenfalls eine gewisse Beeindruckbarkeit gegenüber ärztlichen Stellungnahmen und
eine gewisse Überängstlichkeit. Die chronische Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren erreiche nicht das Ausmass einer relevanten Beeinträchtigung
der Leistungsfähigkeit. Die neuropsychologisch minimale Einschränkung erscheine
grundsätzlich mit einer vollen Leistungsfähigkeit vereinbar und sei primär im Rahmen
der Schmerzstörung zu interpretieren. Die subjektiv deutlich höhere Einschränkung (im
Vergleich zu den effektiv objektivierbaren Einschränkungen in der
neuropsychologischen Testung und gemäss klinischem Eindruck auch in
mehrstündigen Untersuchungen) sei ebenfalls im Rahmen dieser Schmerzstörung resp.
der überwertigen Interpretation von Symptomen im Rahmen des beschriebenen
Krankheitskonzepts einzuordnen. Aus Sicht des Bewegungsapparates würden sich
keine relevanten Funktionseinschränkungen begründen lassen. Die neurootologischen
Befunde seien am ehesten im Rahmen einer vestibulären Migräne einzuordnen, eine
Unfallkausalität und eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in den bisher
ausgeübten Tätigkeiten lasse sich damit aber auch nicht begründen. Es sei von einem
Status quo sine/ante per Ende August 2017 auszugehen (UV-act. 154.1 S. 12 f.).
Die Gutachter des asim stellten nach eigenen klinischen, bildgebenden und
apparativen Untersuchungen (vgl. dazu UV-act. 154.1 S. 6) sowie in Würdigung der
ergangenen medizinischen Aktenlage inklusive Bildgebung und zusätzlich eingeholter
Untersuchungsberichte (UV-act. 154.1 S. 25 ff.) nachvollziehbar fest, dass sich keine
organischen Unfallfolgen objektivieren liessen bzw. keine strukturellen Läsionen im
Gehirn, im Zentralnervensystem, am Bewegungsapparat oder im Bereich der Ohren
vorliegen würden, welche die Beschwerden erklären könnten. Im Weiteren führten sie
schlüssig aus, dass es mangels Vorliegens geltend gemachter und dokumentierter
Verletzungen am Schädel anlässlich des Kletterunfalls überwiegend wahrscheinlich
lediglich zu einer Schädelprellung (Contusio capitis) und nur möglicherweise zu einer
leichten traumatischen Hirnverletzung bzw. einem leichten Schädelhirntrauma
gekommen sei. Von einem erlittenen klassischen Schleudertrauma, einer äquivalenten
Verletzung der Halswirbelsäule oder einem relevanten Schädelhirntrauma ist damit
2.2.
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nicht auszugehen, womit sich die über den Leistungseinstellungszeitpunkt hinaus
bestehenden Beschwerden ohne objektivierbares Korrelat auch dadurch nicht erklären
lassen. Entsprechend leuchtet es vollumfänglich ein, dass die Gutachter die
Beschwerden der Beschwerdeführerin, welche über den
Leistungseinstellungszeitpunkt hinaus bestehen (vgl. dazu vorstehende E. 2), einer
anderen, nicht unfallkausalen, Genese, zuordnen und die von den behandelnden Ärzten
gestellten Diagnosen, welche auf eine anhaltend traumatische Genese hindeuten (vgl.
"noch deutlich aktives postcommotionelles Syndrom", "Verdacht auf posttraumatische
Migräne", "hirnorganisches Psychosyndrom", "Verdacht auf traumatisch bedingte
Contusio cerebri", "Verdacht auf traumatisch bedingte Felsenbeinfraktur"; UV-act.
154.1 S. 37 ff.), nach eingehender Auseinandersetzung und auch in Würdigung des
Vorzustands schlüssig in Abrede stellen bzw. zumindest als nicht überwiegend
wahrscheinlich qualifizieren. Die Berichte der behandelnden Ärzte, welche diesen
Diagnosen zugrunde liegen, sind jedenfalls nicht geeignet, Zweifel an der
Zuverlässigkeit der asim-Expertise zu schüren. Die in den jeweiligen Fachgebieten
schlüssig gestellten unfallfremden Diagnosen (chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren, chronischer Spannungskopfschmerz,
episodische Migräne ohne Aura [differentialdiagnostisch eine vestibuläre Migräne bei
Verdacht auf PPPD], minimale neuropsychologische Störung) vermögen jedenfalls die
anhaltende Symptomatik hinlänglich zu erklären. Die vom Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin gegen den Beweiswert des Gutachtens vorgetragenen Einwände
sind nicht stichhaltig. Die vorliegend relevante Frage des natürlichen
Kausalzusammenhangs wird schlüssig begründet beantwortet, auch wenn teils – wie
es der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin richtig ausführt (act. G 1 S. 5 Ziff. 11 f.)
– Formulierungen gewählt wurden, welche in Beachtung des juristischen Vokabulars
missverstanden werden könnten. Auch teilkausale Unfallfolgen werden ausdrücklich als
nicht überwiegend wahrscheinlich vorliegend erachtet (UV-act. 154.1 S. 15). Der
Einbezug der Vorzustände mit Kopfschmerz-/Migräneproblematik bereits vor dem
Ereignis vom 6. Oktober 2014 (UV-act. 154.1 S. 15) und der zurückliegenden Ereignisse
mit Kopfbeteiligung (1999: Sturz vom Pferd; 2012: Kopfanprall beim Kajakfahren; 2014:
Kopfanprall Schiffsluke; UV-act. 154.1 S. 10) erfolgte lege artis, wobei die Beurteilung
der Kausalität letztlich nicht entscheidend darauf gründete. Es kann damit gestützt auf
das Gesagte auf das asim-Gutachten abgestellt werden, womit erstellt ist, dass die
über den Leistungseinstellungszeitpunkt hinaus geklagte Symptomatik überwiegend
wahrscheinlich nicht mehr natürlich kausal, auch nicht teilkausal, auf das in Frage
stehende Ereignis zurückzuführen war und ist. Anders gesagt gelingt der
Beschwerdegegnerin mit dem Gutachten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit der
Beweis, dass jegliche Teilursache per Leistungseinstellungszeitpunkt weggefallen ist,
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3.
womit ab dem 1. September 2017 keine Leistungen der Unfallversicherung mehr
geschuldet sind.
Selbst in der Annahme, dass die vorliegende psychische bzw. somatisch nicht
objektivierbare Problematik über den Fallabschluss hinaus weiterhin als natürlich
(teil-)kausal zu qualifizieren wäre (ein Anhaltspunkt dafür kann in der gutachterlich
diagnostizierten chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren gesehen werden, welche gemäss ICD-10: F45.41 einen physiologischen
Prozess oder eine körperliche Störung als Ausgangspunkt voraussetzt), resultierte
mangels adäquaten Kausalzusammenhangs (vgl. nachfolgende Erwägungen) keine
Leistungspflicht mehr.
3.1.
Die Adäquanzbeurteilung hat nach der Psycho-Praxis zu erfolgen. Ein
Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung der Halswirbelsäule sind nicht
aktenkundig. Auch die erlittene Schädelprellung bzw. die möglicherweise erlittene
leichte traumatische Hirnverletzung führen rechtsprechungsgemäss nicht dazu, dass
die Schleudertrauma-Praxis zur Anwendung gelangt (vgl. Urteil des Bundesgerichts
vom 18. April 2016, 8C_75/2016, E. 4.2; vgl. ferner Urteil des EVG vom 13. Juni 2005,
U 276/04, E. 2.2.1 f.). Per Einstellungszeitpunkt bestand offenkundig kein namhaftes
Verbesserungspotenzial der auf die somatischen Unfallfolgen gerichteten ärztlichen
Behandlung mehr, weshalb die Adäquanzprüfung zu diesem Zeitpunkt erfolgen darf
(vgl. zum Zeitpunkt der Adäquanzbeurteilung bei Anwendung der Psycho-Praxis BGE
134 V 116 E. 6.1).
3.2.
Damit von einem adäquaten Kausalzusammenhang der psychischen bzw. nicht
hinlänglich objektivierbaren Problematik auszugehen ist, müssen vorliegend, nachdem
der Kletterunfall vom 6. Oktober 2014 höchstens als mittelschwerer Unfall im engeren
Sinn zu qualifizieren ist (vgl. dazu die Beispiele in Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 65 ff.),
mindestens drei Adäquanzkriterien (vgl. zu den Adäquanzkriterien BGE 115 V 138 ff. E.
6 f.) oder eines der Kriterien ausgeprägt erfüllt sein (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
29. Januar 2010, 8C_897/2009, E. 4.5). Bei der Prüfung der Adäquanzkriterien sind die
Folgen der organisch nicht ausgewiesenen Beschwerden nicht in die Beurteilung
miteinzubeziehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. April 2010, 8C_903/2009, E.
4.6; vgl. auch vorstehende E. 1.1).
3.3.
Die Kriterien "besonders dramatische Begleitumstände oder besondere
Eindrücklichkeit des Unfalls", "Schwere oder besondere Art der erlittenen
Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische
3.4.
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4.
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass die über den Leistungseinstellungszeitpunkt
hinaus geklagte Beschwerdeproblematik mangels Kausalzusammenhangs
überwiegend wahrscheinlich nicht mehr dem Ereignis vom 6. Oktober 2014 anzulasten
ist, weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht die temporären
Versicherungsleistungen per 31. August 2017 eingestellt und einen Anspruch auf eine
Rente und eine Integritätsentschädigung verneint hat. Damit ist der angefochtene
Einspracheentscheid vom 31. März 2021 nicht zu beanstanden und die dagegen
erhobene Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind mangels gesetzlicher
Grundlage im UVG keine zu erheben (vgl. dazu Art. 61 lit. f ATSG). Ausgangsgemäss
hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g
ATSG).