Decision ID: 811b5a14-e499-41c6-a83e-1fe9a54bc6a7
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1952, gelernter Autolackierer (vgl. Urk. 7/10),
arbeitete zuletzt seit November 2002 als Produktionsmitarbeiter bei der Y._ in Glattbrugg (Urk. 7/14). Am 19. April 2012 wurde der Versicherte von seiner Arbeitgeberin wegen einer Diskushernie mit Ausstrah
lung ins linke Bein bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zur Früherfassung gemeldet (Urk. 7/6). Die IV-Stelle zog die Akten der Unfallversicherung Suva (Urk. 7/9) bei und
stellte dem
Versicherten das For
mular zum Bezug von IV-Leistungen zu, das dieser am 26. April 2012 (Ein
gangsdatum) ausgefüllt retournierte (Urk. 7/10). Im Weiteren holte die IV-Stelle den Bericht der Notfallpraxis des Z._ vom 15. Mai 2012 (Urk. 7/13), den Arbeitgeberbericht der Y._ vom 19. Juni 2012 (Eingangsdatum; Urk. 7/14) und den Bericht von Dr. med. A._, FMH Allgemeine Medizin, vom 27. Juni 2012 (Urk. 7/16) ein. Am 20. Juli 2012 teilte sie dem Versicherten mit, dass der Arbeitsplatzerhalt erfolgreich abgeschlossen sei, da er in ange
passtem Rahmen wieder seiner früheren Tätigkeit bei seiner bisherigen Arbeit
geberin nachgehen könne (Urk. 7/21).
Am 28. Juli 2012 erlitt der Versicherte einen Herzinfarkt (vgl. Urk. 7/25).
Die IV-Stelle nahm den Bericht der
B._
vom 1. No
vember 2012 zu den
Akten (Urk. 7/29).
Am 30. Oktober 2012 kündigte die
Y._
das Arbeits
verhältnis mit dem Versicherten per 31. Januar 2013 (Urk. 7/31). Nach durch
ge
führtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 13. Dezember 2012, Urk. 7/37, und Einwand vom 29. Januar 2013, Urk. 7/45) verneinte die IV-Stelle mit Ver
fügung vom 22. August 2013 einen Rentenanspruch des Versicherten gestützt
auf einen Invaliditätsgrad von 38 %. Überdies erklärte sie, dass berufliche Ma
ss
nahmen nicht angezeigt seien (Urk. 7/59). Die dagegen vom Versicherten am 23. September 2013 erhobene Beschwerde (Urk. 7/63) hiess das Sozialver
siche
rungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil IV.2013.00856 vom 5. Mai 2015 (Urk. 7/66) teilweise gut, hob die angefochtene Verfügung auf und wies die Sache an die IV-Stelle zurück, damit diese ergänzende medizinische Abklä
rungen vornehme und danach über den Rentenanspruch neu verfüge.
1.2
In der Folge holte die IV-Stelle den Bericht der C._
vom 10. August 2014 (Urk. 7/76), den Bericht von Dr.
A._
vom 13. August 2015
(Urk. 7/79/1-4) und den Bericht der Abteilung für Schmerz- und Komple
mentärmedizin des
Z._
vom 24. August 2015 (Urk. 7/80) ein. Dar
auf
hin gab sie beim D._ ein polydis
zi
pli
näres Gutachten in Auftrag, das am 25. Februar 2016 erstattet wurde (Urk. 7/92).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 1. Juni 2016, Urk. 7/98, und Einwand vom 4. Juli 2016, Urk. 7/102) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 24. Februar 2017 (Urk. 2) bei einem ermit
tel
ten Invaliditätsgrad von 41 % ab November 2012 eine Viertelsrente zu.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 29. März 2017 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung vom 24. Februar 2017 sei dahingehend abzuän
dern, dass ihm ab 1. November 2012 eine ganze IV-Rente, eventualiter eine Dreiviertelsrente zuzusprechen sei (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 17. Mai 2017 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer am 18. Mai 2017 angezeigt wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Beschwerdeführer machte in der Beschwerde geltend, die angefochtene Verfügung verletze die Begründungspflicht und damit den Anspruch auf recht
liches Gehör, da sie sich mit den vorgetragenen Einwänden kaum ausein
ander
gesetzt habe (Urk. 1 S. 4 ff.). Dieser formelle Einwand gegen das vorinstanzliche Verfahren ist vorab zu prüfen.
1.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung soll die betroffene Person wissen, weshalb die Behörde ihr Gesuch abgelehnt hat. Sie muss sich über die Tragweite des Entscheides Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache weiterziehen können. Die sachgerechte Überprüfung eines Entscheides setzt vor
aus, dass sich auch die Rechtsmittelinstanz über die Begründetheit des Ent
scheides ein Bild machen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Verwaltung leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Dabei kann sich die Begründung einer Ver
fügung auf die wesentlichen Gesichtspunk
te beschränken (BGE 118 V 56 E.
5b
).
Nach Art. 49 Abs. 3 Satz 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) sind
Verfügungen der Versicherungsträger zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen. Im Rah
men des Vorbescheidverfahrens darf sich die IV-Stelle nicht darauf beschrän
ken, die Einwände des Versicherten bloss zur Kenntnis zu nehmen und zu prüfen, sondern sie hat in der ablehnenden Verfügung die Gründe anzugeben, weshalb sie diesen nicht folgt oder sie nicht berücksichtigen kann (vgl. Art. 74 Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV], BGE 124 V 180 E. 2b). Das rechtliche Gehör wird unheilbar verletzt, wenn trotz Einwänden des Versicherten die Verfügung den identischen Wortlaut aufweist wie der Vorbe
scheid (Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 658/04 vom 27. Januar 2006 E. 4; Meyer/Reichmuth, Rechtsprechung des Bundesge
richts zum IVG, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2014, N 7 zu Art. 57a).
1.3
Dies ist vorliegend nicht der Fall, zumal die Beschwerdegegnerin
in der ange
fochte
nen Verfügung nach Einwanderhebung des Beschwerdeführers zusätz
lich
e Argumente (Diskrepanz zwischen den präsentierten Schmerzen und den sen
so
mo
torischen Funktionseinbussen respektive den objektivierbaren Befunden; ausgeprägte maladaptierte Schmerzverarbeitung) anführte, weshalb an einer 75%igen
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit festzuhalten sei. Zudem erläuterte die Beschwerdegegnerin auch den im Vorbescheid vorgenommenen Einkommensvergleich und wies darauf hin, es sei auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen, dass die Stellensuche des Beschwerdeführers nicht erfolgreich gewesen sei (Urk. 2 S. 5). Eine Verletzung der Begründungspflicht ist unter diesen Umständen zu ver
neinen.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
träch
tigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander ge
gen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invalidi
täts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.4
Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbare Ei
n
kommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln, wo
bei an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten keine übermässigen Anforderungen zu stellen sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_734/2013 vom 1
3.
März 2014 E. 2.1 mit Hinweis auf SVR 2008 IV Nr. 62 S. 203, 9C_830/2007 E. 5.1).
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit wei
teren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgegli
che
nen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumutbar ist. Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das ver
bliebene Leistungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwer
ten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt ab von den Umständen, die mit Blick auf die Anforderungen der Verweisungs
tätig
keiten massgebend sind (Urteil
des Bundesgerichts 9C_954/2012 vom 10. Mai 2013 E. 2 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 107 V 17 E. 2c).
Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (Urteil des Bundesgerichts 9C_734/2013 vom 13. März 2014 E. 2.1 mit Hinweisen).
Die Möglichkeit, die verbliebene Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeits
markt zu verwerten, hängt nicht zuletzt auch davon ab, welcher Zeit
raum der versicherten Person für eine berufliche Tätigkeit und vor allem auch für einen allfälligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht. Die im gesamten Bereich des Sozialversicherungsrechts geltende Schadenminderungspflicht und die daraus abgeleitete Selbsteingliederungslast gebieten grundsätzlich, die Frage nach der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit möglichst früh zu beantwor
ten. Gemäss BGE 138 V 457 E. 3.4 steht die medizinische Zumutbarkeit einer (Teil-) Erwerbstätigkeit fest, sobald die medizinischen Unterlagen diesbezüglich eine zuverlässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (Urteil des Bundesgerichts 9C_734/2013 vom 13. März 2014 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).
3.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
dem Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit (als Produktionsmitarbeiter) nicht mehr zumutbar sei. In einer behinderungsangepassten Tätigkeit sei ge
mäss neurologischem Teil-Gutachten des D._ eine Einschränkung von 25 % ausgewiesen. Von einer psychiatrischen Arbeitsunfähigkeit sei nicht auszu
gehen. Der Beschwerdeführer sei aus psychiatrischer Sicht nicht austherapiert, habe einen Tagesablauf, und ein sozialer Rückzug sei nicht festzustellen. Die im D._-Gutachten vorgenommene Addition der Arbeitsunfähigkeiten (neurolo
gisch und psychiatrisch) sei daher nicht nachvollziehbar. Seit dem 7. November 2011 (Beginn der einjährigen Wartezeit) sei der Beschwerdeführer in seiner Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt. Ohne Behinderung könnte er im Jahr 2012 ein Einkommen von Fr. 90‘079.60 und mit Behinderung ein solches von Fr. 52‘851.60 erzielen. Es würden somit eine Erwerbseinbusse von Fr. 37‘228.-- und ein Invaliditätsgrad von 41 % resultieren. Ab November 2012 habe der Beschwerdeführer demnach Anspruch auf eine Viertelsrente (Urk. 2 S. 4 f.).
3
.2
Der Beschwerdeführer
machte demgegenüber geltend, dass gestützt auf das nachvollziehbare und schlüssige Gutachten des D._ von einer 40%igen Ein
schränkung in einer behinderungsangepassten Tätigkeit auszugehen sei. Im Wei
teren habe die Beschwerdegegnerin lediglich darauf hingewiesen, dass ihm angepasste Tätigkeiten respektive Hilfsarbeitertätigkeiten noch zumutbar seien. Sie habe jedoch nicht spezifiziert, welche konkreten Hilfsarbeitertätigkeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt dem Profil des Beschwerdeführers überhaupt noch entsprechen würden. Angesichts seines
fortgeschrittenen Alters und der
kör
per
lichen Einschränkungen (Halbseitensymptomatik, praktisch fehlende Geh
fähigkeit ohne Gehstütze) sowie der bereits altersbedingt anzunehmenden geringen Anpassungsfähigkeit, welche vom Psychiater des D._ mittels Test
reihen bestätigt worden sei, sei seine Restarbeitsfähigkeit
auf dem ausgegliche
nen Arbe
itsmarkt wirtschaftlich nicht mehr verwertbar. Ab dem 1. November 2012 habe er daher
Anspruch auf
eine ganze Invalidenrente (Urk. 1 S. 8 ff.
).
4.
4.1
Das Sozialversicherungsgericht erwog im Urteil IV.2013.00856 vom 5. Mai 2015, dass die Beurteilung von Dr. med. E._, Facharzt für Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 13. August 2013, wonach von einer durch
gehenden 100%igen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
in einer körperlich leichten Tätigkeit - unterbrochen nur kurzzeitig Ende August und im September 2012 durch den Myokardinfarkt - auszugehen sei, nicht zu überzeugen ver
möge. Es treffe
zwar zu, dass Dr. A._ im Bericht vom
27. Juni 2012 noch ange
geben habe, dass der Beschwerdeführer in einer wechselbelastenden Tätigkeit, im Rahmen derer er keine Gewichte von mehr als 10 kg heben oder tragen müsse, wieder voll arbeitsfähig sein könnte.
Dass nach der Berichter
stattung von Dr. A._ vom 27. Juni 2012 eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Verschlechterung des Gesundheitszustands eingetreten sein könnte, könne anhand der vorliegenden Akten allerdings nicht ausgeschlossen werden. Denn wie
sich dem an die Mobiliar gerichteten Schreiben von
Dr. A._ vom 21. Januar 2013 entnehmen lasse, seien beim Beschwerdeführer in der Folge offenbar unklare Sensibilitätsstörungen an den Beinen aufgetreten.
Dr. med.
F._
, FMH Rheumatologie
, dem der Beschwerdeführer von Dr. A._ daraufhin ein weiteres Mal zugewiesen worden sei, habe in seinem Schreiben vom 15. Februar 2013 zuhanden der Klinik für Neurologie des G._
von
invalidisierenden Schmerzen und subjektiven Lähmungs
erscheinungen im linken Fuss und Bein gesprochen und die Ärzte der Klinik für Neuro
logie des G._ um eine Stellungnahme zum Befund und zur Arbeits
fähigkeit des Beschwerde
führers gebeten. Weshalb RAD-Arzt Dr. E._ unter diesen Umständen im August 2013, als er seine Stellungnahme verfasst habe, nicht noch einen Bericht der Klinik für Neurologie des G._ zur möglicherweise erfolgten Untersuchung und gegebenenfalls deren Resultaten einholen liess, sei nicht nachvollziehbar. Im Weiteren wären je nachdem noch zusätzliche Abklä
rungen erforderlich gewesen (E. 3.3).
Es sei somit festzuhalten, dass eine zuverlässige Beurteilung des Gesundheits
zustands des Beschwerdeführers und dessen Auswirkungen auf die Arbeits
fähig
keit aufgrund der vorliegenden Akten nicht möglich sei und sich der medi
zi
nische Sachverhalt als ergänzend abklärungsbedürftig erweise (E. 4).
4.2
Die bis zum Urteil IV.2013.00856 vom 5. Mai 2015 (Urk. 7/66) aufliegenden Arzt
berichte wurden darin (E. 2.1-7) und die seither zu den Akten genommenen Arztberichte im Gutachten des D._ vom 25. Februar 2016 (Urk. 7/92/24-27) zusammengefasst, weshalb sie vorliegend nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nachfolgenden Erwägungen jedoch darauf Bezug genommen.
4.3
Die Ärzte des D._ stellten im polydisziplinären Gutachten vom 25. Februar 2016 folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/92/72):
(1)
ein chronifiziertes Schmerzsyndrom mit Lumboischialgie links und
Cervicobrachial
gie links bei
•
deg
enerativen Veränderungen der Lendenwirbelsäule (LWS), mit chronischen
Deckplatten
impressionen L2, 3 und 4, Discopathien L1/2 und L2/3 sowie
multiseg
menta
len Facettengelenksarthrosen
•
Unkarthrosen C3-C4
•
altersentsprechend unauffällige
n
Befu
nden in der MRT-Untersuchung der Hals-
wirbelsäule (
HWS
)
vom
27. September
2013
•
Status nach Verkehrsunfall vom 6. Juni
2006 mit mutmasslicher HWS-Distor
-
sion
•
Status nach
Arbeitsunfall mit Verhebetrauma
vom 7. November 201
1
•
funktioneller Ü
berlagerung bei maladaptiver Schmerzverarbeitung, mit diffus
ausgedehnter und ausgeprägter sen
somotorischer Funktionsstörung
- ohne
fassbares neurologisches Korrelat
(2)
ein a
lter Myokardinfarkt, länger zurückliegend (ICD-10 I25.22)
(3)
eine koronare 1-Gefässerkrankung (ICD-10 I
25.11)
(4)
ein
inferiores
Ventrikelaneurysma
(ICD-10 I
25.3).
(5)
eine d
issozi
ative Bewegungsstörung (ICD-10
F44.4)
(6)
eine d
issoziative Sensibilitäts-
und Empfindungsstörung (ICD-10
F44.6)
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Ärzte des D._ (Urk. 7/92/72-73):
(7)
a
namnestisch und klinisch ausgeprägte Zeichen einer Schmerzfehlverarbeitung
(mit variablen Bewegungsausmassen, pseudoneurologischen Paresen bei sym-
metrisch ausgebildeter Extremitätenmuskulatur, positiven Waddell-Zeichen und
sogenannter Hemifibromyalgie links), nicht einem rheumatologischen
Krankheitsbild entsprechend
(8)
ein l
eichter Knick-/Senkfuss links
Spreizfüsse
Die Ärzte des
D._
erklärten
, dass aus gesamtmedizinischer Sicht unter Be
rück
sichtigung des organischen Beschwerdekerns mit den beschriebenen Wirbel
säulenveränderungen Arbeiten mit körperlich schweren und häufig mittel
schwe
ren Hebe- und Tragebelastungen ungeeignet bzw. nicht zumutbar seien. Retrospektiv sei für solche Tätigkeiten arbiträr ab Unfallzeitpunkt am 7. Novem
ber 2011 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen. Für körper
lich leichte bis sporadisch mittelschwere adaptierte Tätigkeiten, im Wechsel von Stehen, Gehen und Sitzen bestehe eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 60 %. Es sei festzuhalten, dass die psychiatrischen und die neurologischen Einschränkungen teiladditiv zu sehen seien (in den entsprechenden Teilgut
achten des D._ wurde dem Beschwerdeführer aus rein neurologischer Sicht eine 25%ige Einschränkung in einer angepassten Tätigkeit und aus rein psy
chiatrischer Sicht eine 30%ige Einschränkung in sämtlichen Bereichen atte
stiert; Urk. 7/92/38 und Urk. 7/92/70). Adaptierte Tätigkeiten hätten die Ein
schränkungen aus kardiologischer Sicht zu berücksichtigen (Urk. 7/92/77-78).
4.4
RAD-Arzt Dr. E._ erklärte in der Stellungnahme vom 14. März 2016, dass das
umfangreiche Gutachten des
D._
unter vollständiger Würdigung der vor
han
denen medizinischen Akten,
nach ausführlicher Anamneseerhebung, genau
em Eingehen auf die geschilderten Beschwerden und umfassender Untersuchung erstellt
worden sei. Die Gutachter seien
nach ausführlicher fachspezifischer Dis
kussion in einer interdisziplinären Zusammenfassung zu plausiblen Diagnosen und nachvollziehbaren Schlussfolgerungen hinsichtlich der bestehenden Leis
tungs
fähigkeit des
Beschwerdeführers gekommen. Auf dieses Gutachten sei so
mit abzustellen (Urk. 7/96/5).
4.5
Die Beschwerdegegnerin hielt am 11. Mai 2016 fest, dass gemäss neurolo
gi
schem
Teil-Gutachten
des D._
eine Einschränkung von 25
%
in behinde
rungsangepassten Tätigkeiten
anzunehmen sei
. Eine Verdeutlichung
der Be
schwerden zeige sich in allen Teilgutachten. Auf den psychiatrischen Teil des D._-Gutachtens könne
nicht abgestellt werden. Er sei nicht
na
chvollziehbar (Inkonsistenzen). Der Beschwerdeführer sei
psychiatrischerseits nicht austhera
piert.
Er habe einen Tagesablauf und habe
sich sozial nicht zurückgezogen. Der
Beschwerdeführer gebe
folgende Probleme an: Lähmung (keine
Muskela
tro
phie), Herz (keine Arbeitsunfähigkeit
angepasst), Psyche (nicht nachvollzieh
bar), Schmerzen (Verdeutlichung, Inkonsistenzen, wenig somatisches Korrelat/
wenig objektivierbar).
Er habe
in verschiedenen Tätigkeiten gearbeitet und verschiedene Kenntnisse
und Fähigkeiten erlangt. Dieses Wissen könne er weiterhin einsetzen. Er müsse
sich nicht etwas
ganz Neues beibringen/aneignen (Urk. 7/96/8).
5.
5.1
Aktenmässig erstellt und unbestritten ist, dass dem Beschwerdeführer die seit November 2002 ausgeübte, teilweise körperlich schwere Tätigkeit als Produk
tionsmitarbeiter bei der Y._, einer Lack- und Farbenfabrik (vgl. dazu auch die Beschreibung der Tätigkeit im Arbeitgeberbericht der Y._ vom 19. Juni 2012; Urk. 7/14) seit dem Verhebetrauma vom 7. November 2011 aus somatischen Gründen nicht mehr zumutbar ist. Ebenfalls ausgewiesen und unbestritten ist, dass ihm seither lediglich noch körperlich leichte bis sporadisch mittelschwere adaptierte Tätigkeiten, im Wechsel von Stehen, Gehen und Sitzen in einem Teilzeitpensum zumutbar sind. Aus den nachvollziehbaren Darle
gungen im neurologischen und im kardiologischen Teilgutachten des D._ ergibt sich sodann, dass auch in derartigen Tätigkeiten in qualitativer Hinsicht noch gewisse zusätzliche Einschränkungen bestehen (keine Arbeiten mit mono
toner, vorwiegend einseitiger Körperhaltung, mit häufigem Bücken und Auf
rich
ten sowie mit repetitiver Überkopfstellung der Arme; Vermeidung von grosser Kälte und Hitze sowie starken Temperaturschwankungen, eines ge
störten Tag-/Nachtrhythmus, atmosphärischen Unter- oder Überdruckes sowie überdurchschnittlicher Verletzungsgefahr; Urk. 7/92/38 und Urk. 7/92/58; vgl. auch Urk. 7/92/77-78).
Wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen, kann die Streitfrage, ob dem Be
schwerdeführer solche behinderungsangepassten Tätigkeiten noch in einem 60%-
oder in einem 75%-Pensum möglich sind, offen bleiben.
5.2
Im Zeitpunkt, da die medizinischen Unterlagen eine zuverlässige Sachverhalts
feststellung erlaubten, das heisst am 4. März 2016, als das D._-Gutachten bei der Beschwerdegegnerin einging (Urk. 7/92), war der Beschwerdeführer bereits 63 Jahre und acht Monate alt. Bis zur Erreichung des ordentlichen AHV-Alters standen ihm damals für die Aufnahme einer behinderungsangepassten Teilzeit-Tätigkeit respektive einen Berufswechsel somit lediglich noch ein Jahr und knapp vier Monate zur Verfügung. Dabei ist zu beachten, dass der Be
schwerdeführer, der nach der obligatorischen Schulzeit zunächst keine Berufs
lehre absolvierte und später eine Lehre als Autolackierer nachholte, seit jeher vornehmlich handwerkliche bzw. körperliche Tätigkeiten ausübte, insbesondere als Autolackierer und in der Industrie im Bereich Farbtechnik (vgl. Lebenslauf, Urk. 7/56). Besondere Begabungen oder Fertigkeiten, welche ihm einen beruf
lichen Wiedereinstieg in eine noch zumutbare Teilzeit-Tätigkeit im kauf
männi
schen Bereich erleichtern könnten, sind nicht ersichtlich.
Hinzu kommt, dass sich die Struktur der Arbeitsplätze im kaufmännischen Bereich im Sinne einer zusehends qualifizierteren und anspruchsvolleren Tätigkeit erheblich verändert hat. Wenn es schon für Gesunde schwierig ist, eine sich auf e
infache Büroar
beiten beschränkende
Stelle zu finden, so muss bei einem bestimmten, im Einzelfall zu würdigenden Mass an gesundheitlich bedingten Einschränkungen bei der Ausübung einer ohnehin raren Tätigkeit davon ausgegangen werden, dass das Leistungsvermögen auch bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage nicht mehr Gegenstand von Angebot und Nachfrage bildet und die Restarbeits
fähig
keit im betroffenen Betätigungsfeld nicht länger wirtschaftlich verwertbar ist (vgl. Urteil des
damaligen Eidgenössischen
Versicherungsgerichts U 425/00 vom 29. Januar 2003 E.
4.4
).
Das
gesamte Spektrum kaufmännischer Arbeiten
fällt daher weg. Dasselbe gilt sodann auch für die noch verbleibenden Einsatz
möglichkeiten in
körperlich leichte
n bis sporadisch mittelschweren Hilfsarbei
ter
tätig
keiten. Denn hier wirkt sich
die Kombination der Einschränkungen hin
der
lich aus: Der Beschwerdeführer muss wechselnd sitzen, stehen und gehen können, so dass beispielsweise eine Fliessbandarbeit ausser Betracht fällt. Aus dem gleichen Grund
entfallen etwa
auch Überwachungsauf
gaben in der Indu
strie
. Schliesslich
sind weitere qualitative Einschränkungen aus neurologischer und kardiologischer Sicht zu berücksichtigen (E. 5.1) und hat
der Beschwerde
-
führer
bereits seit mehreren Jahren
keinerlei erwerbliche Tätigkei
t mehr ausgeübt (vgl. Urk. 7/14
).
Angesichts dieser Vorgaben ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
– auch wenn man mit der Beschwerdegegnerin lediglich eine Einschränkung in einer angepassten Tätigkeit von 25 % als gegeben erachtet (vgl. E. 3.1) -
auf dem massgeblichen ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit überwiegender Wahr
schein
lichkeit keinen Arbeitgeber mehr findet, der ih
n für eine geeignete Ver
weisungs
tätigkeit einstellt.
Namentlich der Umstand, dass er im massgebenden Zeitpunkt nur noch ein Jahr und knapp vier Monate vor seiner Pensionierung stand, würde einen durchschnittlichen Arbeitgeber davon abhalten,
die mit seiner Beschäftigung verbundenen Risiken wie krankheitsbedingte Ausfälle bei progredienter Krankheitsentwicklung, berufliche Unerfahrenheit sowie alters- und krankheitsbedingt geringe Anpassungsfähigkeit einzugehen, zumal behin
der
tengerechte Arbeitsplätze von Behinderten in jungem und mittlerem Alter
ebenfalls stark nachgefragt werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_954/2012 vom
10. Mai 2013
E. 3.2.2
).
5.3
Aus dem Gesagten folgt, dass die Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers wirtschaftlich nicht mehr verwertbar ist und damit eine vollständige Erwerbs
unfähigkeit vorliegt, die einen Anspruch
auf eine ganze Rente begründet.
6.
In Gutheissung der Beschwerde ist die Verfüg
ung der Beschwerdegegnerin vom 24. Februar 2017
(
Urk.
2) demnach aufzuheben und festzustell
en, dass der Be
schwerdeführer
mit
Wirkung ab dem 1. November 2012
Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwer
t festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Der vertretene Beschwerdeführer hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG in Ver
bindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialver
siche
rungs
ge
richt Anspruch auf eine angemessene Prozessentschädigung, die unter Berück
sichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des P
rozesses auf Fr. 2‘100
.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) festzusetzen ist.