Decision ID: d9f3e02c-f607-42ca-97ed-8afd75f77d32
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit Eingabe vom 1
7.
September 2021 (
Urk.
1) erhob
X._
, vertreten durch
Prof.
Dr.
Hardy
Landolt
,
Klage gegen die
Stiftung Auffang
einrichtung BVG
und beantragte:
«1.
Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger ab dem
1.
Mai 2016 eine Invalidenrente von Fr. 408.17 pro Monat zuzüglich Zins zu 5
%
für das jeweilige monatlich geschuldete Rentenguthaben ab dem
1.
des Folge
monat
s
bis zur Auszahlung, eventuell nach mittlerem Verfall, zu bezahlen.
2.
Alles unter
gesetzlicher
Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Beklagten.»
Die Beklagte beantragte mit Klageantwort vom
8.
November 2021
(
Urk.
7)
:
«1.
Es sei davon
Vormerk
zu nehmen, dass die Beklagte ihre Zuständigkeit anerkennt und nach Abschluss des vorliegenden Gerichtsverfahrens dem Kläger ab
1.
Mai 2016 eine ganze IV-Rente aus beruflicher Vorsorge aus
richten wird.
2.
Es sei davon
Vormerk
zu nehmen, dass die Höhe der anerkannten IV-Rente aus beruflicher Vorsorge gemäss provisorischer Berechnung der Beklagten jährlich Fr. 4'945.74 bzw. monatlich Fr. 412.15 (aufgerundet) beträgt; dies unter der Voraussetzung, dass der Kläger die ihm von der Beklagten mit Valuta vom 1
0.
Januar 2018 bereits ausbezahlte Freizügigkeitsleistung infolge Pensionierung in der Höhe von Fr. 42'882.30 vorgängig an die Beklagte zurückerstattet.
3.
Es sei davon
Vormerk
zu nehmen, da
s
s die Höhe der anerkannten IV-Rente aus beruflicher Vorsorge gemäss provisorischer Berechnung der Beklagten jährlich Fr. 2'031.37 bzw. monatlich Fr. 169.28 beträgt; die
s
unter der Voraussetzung, dass der Kläger die in
Ziff.
2 des Rechtsbegehrens erwähnte Freizügigkeitsleistung nicht mehr an die Beklagte zurückerstattet.
4.
Es sei davon
Vormerk
zu nehmen, dass die Beklagte sich allfällige gering
fügige Anpassungen betreffend die Rentenhöhe gemäss
Ziff.
2 und 3 des Rechtsbegehrens bei einer vorzunehmenden definitiven Berechnung ausdrücklich vorbehält (z.B. Rundungsdifferenzen).
5.
Es sei davon
Vormerk
zu nehmen, dass die Beklagte einen Verzugszins ab Klageeinreichung in der Höhe des BVG-Mindestzinssatzes anerkennt, hin
gegen sei die Klage im Umfang des höheren verlangen Zinssatzes (5
%
) abzuweisen.
6.
Unter reduzierter Parteientschädigung zulasten der
Beklagten.»
Mit Eingabe vom
1.
Dezember 2021 nahm der Kläger zur Klageantwort Stellung (
Urk.
11)
, wobei er erklärte, es sei ihm nicht möglich, die bezogene Freizügig
keits
leistung zurückzubezahlen
.
Mit Eingabe vom
7.
Dezember 2021 (
Urk.
12) reichte der Rechtsvertreter des Klägers eine Aufstellung betreffend seinen Auf
wand und seine Auslagen ein (
Urk.
13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Gemäss
Art. 73 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) bestimmt sich der Gerichtsstand nach dem schweizerischen Sitz oder Wohnsitz des Beklagten oder dem Ort des Betriebes, bei dem der Versicherte angestellt wurde, wobei die klagende Partei den Gerichtsstand wählen kann (BGE 133 V 488 E. 2.1 mit Hinweis). Da die Beklagte ihren Sitz im Kanton Zürich hat, ist das angerufene Gericht örtlich und gestützt auf § 2 Abs. 2
lit
. a des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) sachlich zuständig.
2.
Die Parteien gehen übereinstimmend davon aus, dass der Kläger mit Wirkung ab
1.
Mai
2016
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente der Beklagten hat
(
Urk.
1,
Urk.
7)
. Diese Einschätzung steht in Übereinstimmung
mit der
Akten- und der Rechtslage (vgl.
insbesondere
Urk.
2/119,
Urk.
2/12
0,
Urk.
2/122,
Urk.
2/123; Art.
23 BVG
,
Art.
26 BVG)
.
3.
3.1
Hinsichtlich der Höhe der von der Beklagten geschuldeten Leistungen ergibt sich aus
Art.
12 Vorsorgereglement,
Vorsorgeplan AN (Arbeitnehmer)
, dass si
c
h die Invalidenrente nach dem Guthaben
richtet
, welches sich aus
a)
dem Alterskontoguthaben,
das
die versicherte Person bis zum Beginn des Anspruches auf die Invalidenrente erworben hat, und
b)
der Summe der kün
ftigen Spargutschriften ohne Zi
n
s
en für die bis zum ordentlichen Pe
n
sionsalter fehlenden Jahre, berechnet aufgrund des für die versicherte Person zuletzt bei voller Erwerbstätigkeit geltenden versicherten Lohn
zusammen
s
e
tzt, und den für die versicherte Person im ordentlichen Pensionsalter gültigen Umwandlungssätzen
(
Urk.
8/1; vgl.
Urk.
2/119)
.
3.2
Der Kläger hat gemäss den unbestritten gebliebenen Angaben der Beklagten ein Altersguthaben
abzüglich der bereits bezogenen Freizügigkeitsleistung (
Urk.
8/6)
von
Fr.
7'496.82
erworben (
Urk.
8/
8
). Der koordinierte Lohn
betrug gemäss unbestritten gebliebenen Angaben
Fr. 59'670.
--
(
Urk.
8/
8
). Bei
einem Sparbeitrag von 18
%
(Vorsorgeplan AN
[Arbeitnehmer]
, Anhang,
Art.
2
; Urk. 8/1
) und einer ver
b
lieben
en
Zeit zwischen Beginn Rentenan
s
pruch BVG am
1.
Mai 2016 und
ordentlichem
Pensionierungsalter am
1.
Juni 2018 von 25 Monaten
, ergeben sich anzurechnende
Spargutschriften von Fr. 22'376.25 (Fr. 59'670.-- x 0,
18 :
12 x 25).
Die Summe des Altersguthabens und der anzurechnenden Sparbeiträge beträgt Fr.
29'873.07
(Fr.
7'496.82
+ Fr. 22'376.25), was bei
einem
U
mwandlungs
satz von 6,8
Anspruch auf eine jährliche
Invalidenrente
in Höhe
von Fr.
2
’
031.37
(
Fr.
29
'
873
.
07
x 0,
0
68)
erg
i
b
t
.
4.
4.1
Der Kläger fordert einen Verzu
gszins von 5
%
für das jeweilig monatlich
geschuldete Rentenguthaben ab dem
1.
d
es Folgemonat
s
bis zur Auszahlung, eventuell nach mittlerem Verfall (
Urk.
1 S. 2 oben).
4.2
Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen gesch
uldet, wobei grundsätzlich Art.
105
Abs.
1 des Obligationenrechts anwendbar ist (BGE 119 V 131 E. 4). Danach ist der Verzugszins vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an geschuldet. Der Zinssatz beträgt 5
%
, sofern das Reglement der Vorsorgeeinrichtung keine andere Regelung kennt (BGE 119 V 131 E. 4c).
Die Beklagte hat in
Art.
34 der Allgemeinen Bestimmungen des Vorsorge
reglements (
Urk.
8/2,
Urk.
8/9
) festgelegt, dass bei Verzug mit der Erbringung von Vorsorgeleistungen die Stiftung einen Verzugszins erbringt, der dem BVG-Zins entspricht. Dieser
beträgt
seit
dem
1.
Januar 2017 1
%
(
Art.
15
Abs.
2 BVG
in Verbindung mit
Art.
12 der Verordnung über
die berufliche Alters
, Hinter
lassenen- und Invalidenvorsorge [BVV 2] und Anhang 2).
In dieser Höhe werden von der Beklagten Verzugszinsen auch anerkannt (
Urk.
7 S. 4).
Dementsprechend ist ab 1
7.
September 2021, das heisst dem Zeitpunkt der Klageerhebung, Verzugs
zins in der Höhe von 1
%
für die
bis
dahin
fälligen Rentenleistungen und für die übrigen ab
dem
jeweilige
n
Fälligkeitsdatum geschuldet.
5.
Dem weitgehend obsiegenden Kläger
steht eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache und der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Baraus
lagen festgesetzt wird (
§
34
Abs.
1 und 3
GSVGer
).
Mit Leistungsjournal vom
7.
Dezember 2021 (
Urk.
13) machte der
Rechtsvertreter des Klägers
einen zeitlichen Aufwand von 9 Stunden und 10 Minuten sowie
Bara
uslagen von Fr. 30.55 geltend.
Dieser Aufwand erweist sich der Sache als angemessen. Bei einem gerichtsüblichen Stundenansatz von Fr. 220.-- hat der Kläger
daher
Anspruch auf eine von der Beklagten auszurichtenden Entschädigung in Höhe von
Fr.
2'
204.85 (inkl. Barauslagen und
MWSt
).