Decision ID: 62b828f0-8e7d-4a52-8d08-561cc003451a
Year: 2015
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Staatsanwaltschaft München I führt gegen C., D., E. und F. ein Straf-
verfahren wegen Betrug und ungetreue Geschäftsbesorgung (act. 1.3, 1.4).
B. In diesem Zusammenhang gelangten die deutschen Behörden mit einem
Rechtshilfeersuchen vom 18. Juli 2014 an die Schweiz. Darin ersuchten sie
um Sperrung aller Vermögenswerte der A. AG und der B. AG, insbesonde-
re betreffend vier genau bezeichnete Bankkonten. Sodann beantragten sie
die Hausdurchsuchung am Sitz der vorgenannten Gesellschaften sowie am
Wohnsitz von C. und die Einvernahme von G., je unter Teilnahme der un-
tersuchenden Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft München sowie der
beiden Kriminalhauptkommissare (act. 1.3, 1.4).
C. Mit Eintretens- und Zwischenverfügung vom 24. Juli 2014 trat die Staats-
anwaltschaft des Kantons Zug (nachfolgend "Staatsanwaltschaft") als aus-
führende Behörde in Disp. Ziff. 1 auf das Rechtshilfeersuchen ein und ord-
nete in Disp. Ziff. 2 ff. die beantragten Rechtshilfemassnahmen an (act. 1.2;
Verfahrensakten Staatsanwaltschaft, Urk. 10).
In Disp. Ziff. 2.1 beauftragte die Staatsanwaltschaft die Zuger Polizei unter
anderem mit der Durchführung der Hausdurchsuchungen bei C., der A. AG
und B. AG in Absprache mit den deutschen Behörden. Die Zulassung der
im Rechtshilfeersuchen genannten ausländischen Prozessbeteiligten an
den durchzuführenden Rechtshilfemassnahmen, namentlich an den Haus-
durchsuchungen, erteilte die Staatsanwaltschaft in Disp. Ziff. 8 mit der Auf-
lage, dass sich diese unterschriftlich dazu verpflichten, die bei den Rechts-
hilfehandlungen gewonnenen Erkenntnisse bis zum rechtskräftigen Ab-
schluss des Rechtshilfeverfahrens nicht zu verwenden.
In Disp. Ziff. 4 ordnete die Staatsanwaltschaft die Sperre aller Kontobezie-
hungen und Schliessfächer bei der Bank H. AG an, welche auf die A. AG
und die B. AG lauten oder an welchen diese wirtschaftlich berechtigt er-
scheinen, namentlich die im Rechtshilfeersuchen genannten Konten, bis zu
einer Höhe von EUR 35'584'000.-- (act. 1.2).
D. Mit Schreiben vom 14. August 2014 teilte die Bank H. AG mit, dass sie
nachfolgende, unter die Umschreibung der Verfügung fallende Kontobezie-
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hungen festgestellt und gesperrt habe (Verfahrensakten Staatsanwalt-
schaft, Urk. 42 und 43):
- Konto Nr. 1 (CHF) und 2 (EUR), je lautend auf die A. AG, Anlagevermö-
gen gesamthaft CHF 217'220.-- per 12. August 2014, und
- Konto Nr. 3 (CHF), 4 (EUR) und 5 (EUR), je lautend auf die B. AG, Anla-
gevermögen gesamthaft CHF 5'103.-- per 12. August 2014.
E. Mit Eingabe vom 22. August 2014 erheben die A. AG (Beschwerdeführerin
1) und die B. AG (Beschwerdeführerin 2) Beschwerde gegen die Eintre-
tens- und Zwischenverfügung vom 24. Juli 2014 (act. 1).
Sie beantragen in einem ersten Punkt, es sei Disp. Ziff. 8 der angefochte-
nen Verfügung aufzuheben und die ausländischen Prozessbeteiligten seien
unter Strafandrohung gemäss Art. 292 StGB zu verpflichten, die bei der
Hausdurchsuchung erlangten Erkenntnisse bis zum Abschluss des
Rechtshilfeverfahrens nicht zu verwenden oder an Dritte weiterzugeben.
In einem nächsten Punkt stellen sie den Antrag, Disp. Ziff. 4 der angefoch-
tenen Verfügung sei aufzuheben und die festgestellten Vermögenswerte
und Schliessfächer, die auf die A. AG und B. AG lauten, insbesondere die
vier aufgeführten Konten, seien freizugeben. Im Eventualstandpunkt bean-
tragen sie, Disp. Ziff. 4 sei teilweise aufzuheben und die betreffenden Ver-
mögenswerte seien im Umfang von CHF 2 Mio. freizugeben. Subeventuali-
ter beantragen sie, Disp. Ziff. 4 sei teilweise aufzuheben und die betreffen-
den Vermögenswerte seien in dem Umfang freizugeben, als dies für die
Bezahlung der betrieblichen Kosten der Beschwerdeführerinnen notwendig
sei. Dabei sei der zuständige Staatsanwalt anzuweisen, die jeweiligen
Rechnungen gegenüber der Bank zu autorisieren.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich MWST zu Lasten
der Beschwerdegegnerin.
Die Staatsanwaltschaft reichte mit Schreiben vom 16. September 2014 die
Akten ein und verzichtete im Übrigen auf das Erstatten einer Beschwerde-
antwort (act. 7). Mit Eingabe vom 17. September 2014 reichte das Bundes-
amt für Justiz (nachfolgend "BJ") seine Vernehmlassung ein mit dem An-
trag auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei (act. 6).
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Innert erstreckter Frist reichten die Beschwerdeführerinnen ihre Beschwer-
dereplik ein (act. 16). Mit Eingabe vom 24. Oktober 2014 teilte die Staats-
anwaltschaft mit, sie verzichte auf das Erstatten einer Beschwerdeduplik
(act. 18). Das BJ reichte mit Schreiben vom 27. Oktober 2014 seine Ver-
nehmlassung ein (act. 19). Beide Eingaben wurden mit Schreiben vom
28. Oktober 2014 allen Verfahrensbeteiligten zur Kenntnis gebracht
(act. 20).
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten
wird, soweit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen eingegangen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Für die Rechtshilfe zwischen Deutschland und der Schweiz sind in erster
Linie das Europäische Übereinkommen über die Rechtshilfe in Strafsachen
vom 20. April 1959 (EUeR; SR 0.351.1), dem beide Staaten beigetreten
sind, der zwischen ihnen abgeschlossene Zusatzvertrag vom 13. Novem-
ber 1969 (ZV-D/EUeR; SR 0.351.913.1), sowie die Bestimmungen der
Art. 48 ff. des Übereinkommens vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des
Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985 (Schengener Durch-
führungsübereinkommen, SDÜ; ABl. L 239 vom 22. September 2000,
S. 19 - 62) massgebend. Zusätzlich kann das von beiden Ländern ratifizier-
te Übereinkommen vom 8. November 1990 über Geldwäscherei sowie Er-
mittlung, Beschlagnahme und Einziehung von Erträgen aus Straftaten
(GwUe; SR 0.311.53) zur Anwendung gelangen.
1.2 Soweit das Staatsvertragsrecht bestimmte Fragen nicht abschliessend re-
gelt, gelangen das Bundesgesetz über internationale Rechtshilfe in Straf-
sachen vom 20. März 1981 (IRSG; SR 351.1) und die Verordnung über in-
ternationale Rechtshilfe in Strafsachen vom 24. Februar 1982 (IRSV;
SR 351.11) zur Anwendung (Art. 1 Abs. 1 IRSG; BGE 130 II 337 E. 1
S. 339; 128 II 355 E. 1 S. 357; 124 II 180 E. 1a S. 181). Das innerstaatliche
Recht gilt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann, wenn dieses geringere
Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (BGE 137 IV 33 E. 2.2.2; 136 IV 82
E. 3.1; 129 II 462 E. 1.1 S. 464, mit weiteren Hinweisen). Vorbehalten bleibt
die Wahrung der Menschenrechte (BGE 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595
E. 7c).
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2.
2.1 Die Verfügung der ausführenden kantonalen Behörde oder der ausführen-
den Bundesbehörde, mit der das Rechtshilfeverfahren abgeschlossen wird,
unterliegt zusammen mit den vorangehenden Zwischenverfügungen der