Decision ID: 0e89e5b6-f044-44f1-aff4-7077197fe4b0
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1953 geborene
X._
war ab Juni 2002 bei der
Y._
als Poly
graph angestellt und bei der BVG-Sammelstiftung Swiss Life im Rahmen der beruflichen Vorsorge versichert. Am 10. Januar 2005 wurde das Arbeitsverhält
nis von der
Y._
aufgelöst
. Daraufhin wurde
X._
von seinem da
maligen Hausarzt
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, für drei Wochen krank
geschrieben und
von der Arbeitgeberin
ab dem 4. Februar 2005 bis zum Ablauf der Kündigungsfrist Ende Februar 2005 freige
stellt
. Vom 1. März 2005 bis zum 31. Oktober 2006 bezog er Taggelder der Arbeitslosenver
sicherung (Urk. 2/5).
Am 27. Juni 2006 musste sich
X._
in die
A._
zur stationären Behandlung begeben (Urk. 2/19).
Im Juli 2007
meldete er sich zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an. Gestützt auf das psychiatrische Gutachten vom 30. März 2008 (Urk. 2/12), dessen Ergänzung vom 9. November 2008 (Urk. 2/14) und die Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 2. Oktober 2010 (Urk. 2/16) ver
fügte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons
B._
, IV-Stelle, am 9. Feb
ruar 2011 rückwirkend per 1. Juli 2006 die Zusprechung einer auf einem Invali
ditätsgrad von 79 % beruhenden ganzen Rente, einer Dreiviertelsrente ab 1. Ap
ril 2007 und einer erneuten nunmehr auf einem Invaliditätsgrad von 100 % be
ruhenden ganzen Rente ab 1. Oktober 2009 (Urk. 2/7).
Die Stiftung Auffangeinrichtung BVG
erklärte sich mit Schreiben vom 3. De
zember 2008 nicht für leistungspflichtig (Urk. 17/6), gestand
X._
dann aber
a
m 28. Juni 2013 aus der Risikoversicherung für Arbeitslose ab 1. Juli 2006 im Sinne von Vorleistungen eine jährliche Invalidenrente von Fr. 15'311.65 zuzüglich Kinderrenten von Fr. 3'062.33 zu, wobei diese Leistun
gen zufolge Überentschädigung gekürzt wurden (Urk. 17/4).
Die BVG-Sammelstiftung Swiss Life verweigerte mit Schreiben vom 31. August 2011 und 2. Februar 2012 die Ausrichtung von Invalidenleistungen mit der Be
gründung, eine ärztlich bescheinigte Arbeitsunfähigkeit bestehe erst seit dem 27. Juni 2006, als der Versicherte wegen seiner psychischen Probleme in die
A._
eingetreten sei (Urk. 2/8-9). Die Stiftung Auffangeinrichtung BVG nahm im Schreiben vom 1. November 2012 den Standpunkt ein, die zur Invalidität führende Arbeitsunfähigkeit sei bereits am 1. Februar 2005 eingetreten, als
X._
noch nicht bei ihr versichert ge
wesen sei (Urk. 2/10). Am 16. Januar 2013 verzichtete sie auf die Einrede der Verjährung, soweit diese nicht bereits eingetreten sei (Urk. 11/3).
2.
Am 14. März 2013 liess
X._
beim hiesigen Sozialversicherungsgericht gegen die BVG-Sammelstiftung Swiss Life und die Stiftung Auffangeinrichtung Swiss Life Klage mit folgendem Rechtsbegehren einreichen (Urk. 1 S. 2):
"Hauptantrag:
1.
Es sei die Beklagte 1 zu verpflichten, dem Kläger ab 1.2.2006 die ge
setzlichen und reglementarischen/versicherungsvertraglichen Versi
cherungsleistungen (Invalidenrenten und Invalidenkinderrenten) aus
zurichten, sowie
2.
dem Kläger auf den Invalidenleistungen einen Verzugszins von 5 % ab Einreichung dieser Klage zu bezahlen. Die nach Klageeinleitung fällig werdenden Renten seien von der Beklagten ab dem jeweiligen Fälligkeitsdatum der einzelnen Rentenbetreffnisse ebenfalls mit 5 % zu verzinsen.
Alternativantrag:
3.
Für den Fall, dass die Leistungspflicht der Beklagten 1 verneint wird, sei die Beklagte 2 zu verpflichten, dem Kläger die gesetzlichen Versi
cherungsleistungen (Invalidenrenten und Invalidenkinderrenten) aus
zurichten, sowie
4.
dem Kläger auf den Invalidendleitungen einen Verzugszins von 5 % ab Einreichung dieser Klage zu bezahlen. Die nach Klageeinleitung fällig werdenden Renten seien von der Beklagten 2 ab dem jeweili
gen Fälligkeitsdatum der einzelnen Rentenbetreffnisse ebenfalls mit 5 % zu verzinsen.
5.
Ausgangsgemäss sei die Beklagte 1 oder alternativ die Beklagte 2 zu verpflichten, dem Kläger eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen.
Die als Beklagte 2 ins Recht gefasste Stiftung Auffangeinrichtung BVG stellte mit Klageantwort vom 5. Juli 2013 den Antrag, die Klage sei abzuweisen, so
weit sie gegen sie gerichtet sei, und schloss sich dem Hauptantrag des Klägers an (Urk. 10 S. 2). Die Beklagte
1
, die BVG-Sammelstiftung Swiss Life, beantrag
te mit Klageantwort vom 8. Juli 2013 ebenfalls die Abweisung der Klage, soweit sie davon betroffen sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten de
s
Klägers (Urk. 12 S. 2). Dieser hielt in der Replik vom 26. August 2013 an seinem Rechtsbegehren fest (Urk. 16 S. 2). Duplicando äusserte sich nur die Beklagte 1 mit der Eingabe vom 2. Oktober 2013 (Urk. 20).
3.
Das Verfahren erweist sich als spruchreif. Auf die Parteivorbringen und die ein
gereichten Akten ist, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwä
gungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art. 23
Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Berufliche Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenvorsorge (BVG)
haben Personen
die
im Sinne der IV zu min
destens 40 %
invalid sind und bei Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit, de
ren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren
,
Anspruch auf Invali
denleistungen
.
1.2
Invalidenleistungen der obligatorischen beruflichen Vorsorge werden
demnach
von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, bei welcher die ansprechende Person bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versi
chert war
. Dieser Grundsatz findet auch in der weitergehenden Vorsor
ge Anwendung, wenn Reglement oder Statuten nichts anderes vorsehen
(
Urteil
des Bundesgerichts
9C_876/2011
vom 7.
Mai 2012
E. 4.2.2 mit Hinweis auf
BGE 136 V 65 E. 3.2 S. 69).
Art. 23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorgeein
richtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit be
reits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenversiche
rung zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach Art. 23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitneh
mer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukom
men hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270
E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invalidität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt Die Annahme eines en
gen zeitlichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krankheit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeits
fähigkeit eintreten. Demnach darf nicht bereits eine Unterbrechung des zeitli
chen Zusammenhangs angenommen
werden, wenn die Person bloss für kurze Zeit wieder an die Arbeit zurückgekehrt ist. Ebenso wenig darf die Frage des zeitlichen Zusammenhangs zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität in sche
matischer (analoger) Anwendung der Regeln von Art. 88a
Abs.
1 der Verord
nung über die Invalidenversicherung (IVV) beurteilt werden, wonach eine an
spruchsbeeinflussende Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in jedem Fall zu be
rücksichtigen ist, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedau
ert hat und voraussichtlich andauern wird. Zu berücksichtigen sind vielmehr die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles, namentlich die Art des Gesund
heitsschadens, dessen prognostische ärztliche Beurteilung und die Beweggründe, die die versicherte Person zur Wiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben (BGE 123 V 262 E. lc, 120 V
. E. 2c/aa und; bb mit Hinweisen).
2.
Zu Recht stellt d
ie Beklagte 1 das Bestehen einer invalidisierenden Krankheit als solche und deren rentenbegründendes Ausmass
ebenso wenig in Frage wie
den sachlichen Zusammenhang zwischen der nach der Kündigung von
Dr.
Z._
für die Zeit vom 10. bis 31. Januar 2005 bescheinigten Arbeitsunfähigkeit und der bei Eintritt in die
A._
zutage getretenen in
validisierenden psychischen Krankheit (
vgl.
Urk. 12 S.
2 ff.
). Diese wurde da
mals im Wesentlichen mit den Diagnosen Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten (ICD-10: F43.15), akzentuierten, narzisstischen Persönlichkeitszügen und anamnestisch schädlichem Gebrauch von Sedativa und Alkohol (ICD-10: F13 und F10.1) umschrieben (Urk. 2/12 S. 3).
Dr.
Z._
hatte denn auch bereits anlässlich des Attests vom 10. Januar
der Krankengeschichte vermerkt, der Kläger sei wegen Mobbing und falschen Anschuldigungen „am Anschlag“ beziehungsweise am „Durchdrehen“, könne nur mit Solatran schlafen, werde depressiv und seine Schlafqualität sei vermindert (Urk. 2/15 S. 7, Urk. 17/1). Diese Symptomatik subsumierte
Dr.
med.
C._
, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, in seinem Gutach
ten vom 30. März 2008
unter die Diagnosen
neurasthenisches Syndrom (ICD-10: F48.0), Alkoholabusus (ICD-10: F10.1), Status nach Abusus von Benzodia
zepinen (ICD-10: F13.1), Dysthymie (ICD-10: F34.1), narzisstische Persönlich
keitsstörung (ICD-10: F60.8) sowie spezifische Angststörungen (unter anderem Prüfungs
angst, hypochondrische Äng
ste; ICD-10: F40.2
; Urk. 2/12 S. 15). In et
was veränderter Ausprägung bewirkte die Symptomatik schliesslich - entspre
chend der von RAD-Arzt
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie,
a
m 2. Oktober 2010
konstatierten Entwicklung von
der anfänglich im Vordergrund
gestande
nen
Neuras
t
henie
zu einer
schwere
n
kombinierte
n
Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und paranoiden Anteilen (ICD
61.0
) - ab Juli 2009 eine an
haltende und vollständige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 2/16 S. 3).
3.
3.1
Bezüglich des zeitlichen Zusammenhangs zu der während der versicherten An
stellung eingetretenen Arbeitsfähigkeit beruft sich der Kläger im Wesentlichen auf
Dr.
C._
s rückwirkende Zumutbarkeitsbeurteilung,
wonach
ab dem 1. Feb
ruar bis mindestens Ende 2006 eine Arbeitsunfähigkeit von 70 % und danach eine solche von 50 % bestand; ferner auf die Beurteilung von RAD-Arzt
Dr.
D._
sowie auf das Gutachten von
Dr.
med.
E._
vom 29. April 2009 zur haftpflichtrechtlich relevanten Frage, ob Hausarzt
Dr.
Z._
, insbesondere mit der Verschreibung des Benzodiazepins Solatran, zu einem psychischen Gesund
heitsschaden führende Fehler unterlaufen seien (Urk. 1 S. 9 f
f
.
mit Hinweisen auf
Urk.
2/12 S. 17 f., Urk. 2/15, 2/16
).
Nach Auffassung der
Beklagte
n
1
f
ehlen
jedoch
echtzeitliche ärztliche Arbeits
un
fähigkeitsatteste
, die belegen würden, dass der Kläger zwischen der vom
10. bis 31. Januar 2005 von
Dr.
Z._
attestierten Arbeitsunfähigkeit und der von der
A._
mit Wirkung ab 27. Juni 2006 beschei
nigten Arbeitsunfähigkeit (Urk. 2/19) durchgehend arbeitsunfähig
war
. Der
Zeit
punkt
d
es Eintritts der
Arbeitsunfähigkeit sei für ihre Leistungspflicht
von gros
ser Tragweite
. Wenn einzig im von der IV-Stelle veranlassten Gutachten und vom RAD-Arzt rückwirkend
seit Februar 2005
eine Arbeitsunfähigkeit attestiert werde, so sei damit
dieser
Beginn nicht
hinlänglich ausgewiesen
beziehungs
weise nicht überwiegend wahrscheinlich
(Urk. 12
S.
5
ff.,
Urk. 20 S. 2
ff.
)
.
3.2
Die sich damit stellende Frage, ob der Zusammenhang zwischen der Krank
heit
von Januar 2005 und der im Juni 2006 bescheinigten Arbeitsunfähigkeit unter
brochen wurde, ist
frei zu prüfen. Denn die Parteien stimmen darin überein, dass
die
IV-Rentenverfügung
vom 9. Februar 2011
(Urk. 2/7) den
beklagten Vorsorgeeinrichtungen nicht eröffnet wurde und der darin auf Februar 2005 festgesetzte Beginn der Arbeitsunfähigkeit für diese
keine Bindungswirkung entfaltete
(Urk. 1 S. 7, Urk. 12 S. 5
; vgl. BGE
132 V 1
,
129 V 73,
126 V 308
).
3.3
Die Beklagte 1 macht nicht geltend und es bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, dass der Kläger vor dem Eintritt in die
A._
im Juni 2006
tatsächlich wieder gearbeitet hat. Allein der Umstand, dass Haus
arzt
Dr.
Z._
nach Ende Januar 2005 kein Arbeitsunfähigkeitsattest mehr ausstellte, der Kläger ab März 2005 Taggelder der Arbeitslosenversicherung be
zog und von dieser auch noch
Ende September 2007 als zu 100 % vermittlungs
fähig betrachtet wurde (Urk. 2/5), spricht jedenfalls nicht zwingend für eine Un
terbrechung des zeitlichen Zusammenhangs. Dies umso weniger, als die haft
pflichtrechtlich relevante Krankengeschichte, wie sie
Dr.
E._
in seinem Gut
achten aufgrund der beigezogenen Unterlagen von Hausarzt
Dr.
Z._
, der anamnestischen Angaben des Klägers sowie der
Rezepte und Bezugskopien der Apotheke rekonstruierte,
eindeutig belegt, dass die im Januar 2005 aufgetretene Symptomatik während der Freistellung im Februar 2005 und auch nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses weiter bestand und behandelt werden musste.
Laut Gutachter
Dr.
E._
hatte sich
Dr.
Z._
während der 900-tägigen Peri
ode zwischen August 2003 und Januar 2006 nämlich mindestens achtmal mit dem Kläger befasst und ihm insgesamt sieben auf Dauer angelegte oder mit dem Vermerk „Rep.“ [Repetition] versehene Rezepte ausgestellt, die zum Bezug von total 960 oder allenfalls 1020 Tabletten Solatran à 15 mg führten, mithin einer durchschnittlichen Dosis von knapp mehr als einer Tablette pro Tag. Dies
bezüg
liche Konsultationen wurden in der Krankengeschichte nicht nur am 10. Januar 2005, sondern auch am 18. Februar und 20. April 2005 ausdrücklich festgehal
ten (Urk. 2/15 S. 8, Urk. 17/1).
3.4
Die rückwirkende Bescheinigung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ab Februar 2005 durch
Dr.
C._
, der sich RAD-Arzt Dr.
D._
anschloss (Urk. 2/16 S. 2 f.), kann bei dieser Ausgangslage nicht
von vornherein
als bloss spekulative, rein
medizinisch-theoretische und insofern beweisuntaugliche Annahme abgetan werden (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts vom 11. September 2008, 9C_368/
2008, E. 2 mit Hinweisen). Dies umso weniger, als
Dr.
C._
als von der
IV-Stelle beauftragter Gutachter – anders als etwa ein mit der versicherten Person in einem Auftragsverhältnis stehende
r
behandelnde
r
Arzt (vgl. etwa
Urteil
des Bundesgerichts
8C_798/2012
vom 7. März 2013
mit Hinweisen auf
BGE 125 V 351
E. 3a/cc
; Urteil 9C_204/2009 vom 6. Juli 2009 E. 4.4.1, nicht publiziert in
BGE 135 V 254
, aber in SVR 2009 IV Nr. 53 S.
164
) -
einen objektiven Stand
punkt einzunehmen hatte und sich überdies der Problematik einer retrospekti
ven Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durchaus bewusst war. So räumte er ein,
das zeitliche und prozentuale Ausmass der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit könne retrospektiv nicht mehr genau angegeben werden. Da die Arbeitsunfähig
keit aus psychiatrischer Sicht äusserst schwierig einzuschätzen gewesen sei, hät
ten sich auch die behandelnden Ärzte nicht konklusiv dazu geäussert und in
ih
ren Berichten die entsprechende Frage offen gelassen (Urk. 2/12 S. 17 f.).
Wenn Gutachter
Dr.
C._
dem Kläger trotzdem rückwirkend ab Februar 2005 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % und ab Januar 2007 eine solche von 50 % zugestand, so geschah dies au
s d
er bei der Exploration gewonnenen Überzeu
gung
heraus
, dass die kognitiven Defizite, die paradoxen Reaktionen auf Psy
chopharmaka und Alkohol sowie der psychovegetative Stresszustand mit Ängs
ten und depressiver Symptomatik die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt hätten und insbesondere die Vermittelbarkeit aus psychopathologischen Gründen eine Zeit lang nicht mehr gegeben gewesen sei. Auch sei der Kläger ungefähr in den Jah
ren 2003 bis 2006 wegen der psychischen Störungen, insbesondere der Affek
t
inkontinenz, Aggressivität und den narzisstischen Störungen, seinem Arbeits
umfeld nicht mehr zumutbar gewesen (Urk. 2/12 S. 17 f.).
3.5
Soweit
Dr.
C._
den Beginn der vollständigen Arbeitsunfähigkeit auf Februar 2005 ansetzte und diese auf diesem Niveau bis Ende 2006 beliess, so ist dies an
hand seiner Ausführungen zur Krankheitsentwicklung ohne weiteres nachvoll
ziehbar: Der unter einer narzisstischen Selbstwertproblematik und Unsicherhei
ten in der sozialen Kompetenz leidende Kläger habe sich dank ständiger Weiter
bildung, Umschulungen und Stellenwechseln zu einer tüchtigen, leistungsfähi
gen, kompetenten Fachkraft entwickelt. Nach Antritt der Stelle bei der
Y._
Mitte 2002 habe sich jedoch ein permanenter psychischer Stresszustand mit Schlafstörungen, Muskelverspannungen und genereller Nervosität
eingestellt und der Kläger habe seinen Alkoholkonsum gesteigert. Das ihm von Hausarzt
Dr.
Z._
verschriebene Benzodiazepin Solatran habe dann in Kombination mit Alkohol eine paradoxe Reaktion entwickelt. Der Kläger sei in einen Zustand mit Affektinkontine
n
z, unkontrollierter Aggressivität, Muskelschwäche, ver
stärk
ter Depressivität und vor allem mit Konzentrationsstörungen geraten. Of
fenbar wegen Aggressivität und Fehler bei der Arbeit sei er schliesslich auf Ende Feb
ruar 2005 entlassen worden und danach arbeitslos gewesen, wobei ihn die psy
chischen Störungen auch bei den Stellenbewerbungen und in einem Be
schäfti
gungsprogramm des RAV behindert
hätten. Im Februar 2006 sei schliess
lich ein ambulanter Entzug von Benzodiazepin erfolgt. Möglicherweise habe sich dann aber auch unter der antidepressiven Therapie eine idiosynkratische Reaktion eingestellt, die sich bis Ende
einem Zustand mit schweren Schlafstörun
gen, Agitation, Desorientiertheit, Wahnideen, Halluzinationen und Illusionen
ge
äussert und einen Stresszustand mit Kopfschmerzen und persistie
renden Kon
zentrationsstörungen bewirkt
hab
e. Nachdem er eine 40%ige Stelle wegen Feh
lern bei der Arbeit nach kurzer Zeit wieder verloren habe, sei der Kläger im Juni 2006 wegen Verwirrung, Panik und Depression und im Septem
ber 2006 - wegen zusätzlicher Suizidalität - in die Psychiatrische Klinik einge
treten, wo
auch hy
pochondrische Ängste aufgefallen seien. Der psychische Zu
stand habe sich erst Ende 2006 während einer Reise nach
F._
gebessert, als der Kläger das Antidepressivum abgesetzt und mehr innere Ruhe gewonnen habe. Er sei seither durchgehend in psychiatrischer Behandlung, nehme aber keine Psychopharma
ka mehr. Trotzdem hätten Konzentrationsstörungen und Flüchtigkeitsfehler so
wie stressbedingte Beschwerden erneut zum vorzeitigen Abbruch eines im letzten halben Jahr aufgenommenen Beschäftigungspro
gramms geführt. Die im Oktober 2006 vorhanden gewesenen leichten kogniti
ven Defizite seien im Juli 2007 bei den testpsychologischen Untersuchungen immer noch feststellbar gewesen. Diese Störungen erklärten sich schwergewich
tig mit den Leistungsblockaden, zu denen der Versicherte sein Leben lang ge
neigt habe. Seine heutige soziale und gesundheitliche Situation habe Ängste und einen Leistungsdruck aktiviert, der sich bei mit Stress verbundenen Anfor
derungen hinderlich bemerkbar mache. Deshalb habe wohl ein gewisser psychovegetativer Stresszustand mit Kopf
schmerzen, Magenbeschwerden, Ge
hörstörungen, Tinnitus sowie stressbedingten optischen Illusionen, Konzentrati
ons- und Gedächtnisstörungen angehalten (Urk. 2/12 S. 15 ff.).
3.6
Dr.
C._
s zeitliche Angaben zur Arbeitsunfähigkeit decken sich im Übrigen auch mit den
Erkenntnissen, die
Dr.
E._
in seinem Gutachten zuhanden des Haftpflichtversicherers nicht nur
aufgrund
der
anamnestischen Angaben des Klägers, sondern auch
aufgrund
von
Dr.
Z._
s
Unterlagen gewonnen hatte
(vgl. Urk. 2/15 S. 3).
Dieser Gutachter unterschied zwischen einer vom Sommer 2003 bis Herbst 2004 dauernden ersten Phase des Wohlbefindens unter Solatran ohne subjektive Symptome und einer zweiten vom Herbst 2004, eventuell Januar 2005 bis Ja
nuar 2006 dauernden Phase, die von den Belastungen am Arbeitsplatz, Stel
len
verlust und Alkohol-Beikonsum gekennzeichnet gewesen sei mit den subjek
ti
ven Symptomen Konzentrationsstörungen, Schwindel, mangelnde Belastbar
keit und Gereiztheit und den vom Hausarzt festgehaltenen objektiven Befunden „Up’s and downs, Mobbing, Schlafstörungen, Depression“. Laut
Dr.
E._
wa
ren die psychosozialen Belastungen und damit zusammenhängend die dep
ressi
ven Symptome spätestens ab Januar 2005 (Verlust der Stelle, Arbeitslosig
keit, eheliche Spannungen) augenfällig; der Explorand habe damals vorüberge
hend au
ch ein Antidepressivum erhalten
. Als dritte und vierte Phase bezeichnete
Dr.
E._
diejenige des körperlichen und psychischen Entzuges von Januar/
Februar 2006 und vom Frühling 2006. Dieser folgten von Juni bis Oktober 2006 die Phase mit den zwei Hospitalisationen in
der A._
, die manische Phase im
Winter 2006/2007 und diejenige des sozialen Abstiegs (Urk. 2/15 S.
19 ff., S.
23 f.).
3.7
Zusammenfassend ergibt sich, dass
Dr.
C._
s retrospektive Zumutbarkeitsbeur
teilung in zeitlicher Hinsicht
nachvollziehbar,
überzeugend
und konsistent
ist. Sie kann daher keineswegs als eine bloss ungefähre Schätzung verstanden wer
den. Viel
mehr wurde namentlich der
Beginn der Arbeitsunfähigkeit aufgrund des Krankheitsgeschehens, der anamnestischen Angaben und der tatsächlichen Ereignisse genau ermittelt. Dass dabei die Auskünfte des Klägers zu seiner psy
chischen Befindlichkeit, zum Verlauf des Arbeitsverhältnisses bei der
Y._
sowie zu den Gründen für seine Entlassung und für den mangelnden Erfolg sei
ner
Stellenbewerbungen
oder des
Beschäftigungsprogramm
s des RAV eine zent
rale Rolle spielten, stellt den Beweiswert der retrospektiven Zumutbarkeitsbeur
teilung nicht ernsthaft in Frage. Denn es bestehen keinerlei Anhaltspunkte da
für, dass der Kläger sich bei seinen Angaben von Überlegungen versicherungs
rechtlicher Art leiten liess.
Die
vorhandenen Akten
belegen
im Gegenteil, dass die Leistungspflicht der Beklagten 1 am 25. März 2008, als der Kläger von
Dr.
C._
untersucht wurde, überhaupt noch nicht zur Diskussion stand. Denn ge
mäss deren Schreiben vom 31. August 2011 hatte sich der Kläger erst am 3. Mai 2011 an
sie
gewandt (Urk. 2/8), nachdem ihn die zunächst um Invali
denlei
stungen angegangene Beklagte 2 mit Schreiben vom 3. Dezember 2008 unter Hinweis auf den
massgebenden
zeitlichen Zusammenhang an die für die Anstel
lung bei der
Y._
zuständige Vorsorgeeinrichtung, mithin die Be
klagte 1, verwiesen hatte (Urk. 17/6).
4.
4.1
Aufgrund des somit gegebenen sachlichen und zeitlichen Zusammenhangs ist die Leistungspflicht der
Beklagten 1 somit ausgewiesen.
Das einjährige Wartejahr im Sinne von
Art. 29 Abs. 1 lit.
b
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung, auf den der für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen massgebende Art. 26 Abs. 1 BVG verweist,
war im Februar 2006 erfüllt. Ab diesem Zeitpunkt hat der Kläger daher Anspruch auf Invalidenleistungen der Beklagten 1, zumal diese sich nicht auf einen reglementarischen Aufschub des Leistungsbeginns gemäss Art. 26 Abs. 2 BVG beruft.
D
aher ist d
ie gegen
d
ie
Beklagte 1
gerichtete Klage gutzuheissen
und
die
Klage
gegen die Beklagte 2 abzuweisen. Dabei ist festzuhalten, dass die von der Be
klagten 1 zu erbringenden Invalidenleistungen nicht nur unter dem Vorbehalt
der Über
entschädigung
stehen, sondern
daran
auch die Vorleistungen der Be
klagten 2 anzurechnen sind
(vgl. Art. 34a BVG
, Art. 71 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG)
.
4.2
Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen
gemäss
Art. 105
Abs.
1 des Obliga
tionenrechts (OR) vom Tage der Anhebung der Betreibung oder der gerichtli
chen Klage an geschuldet
(
vgl.
BGE 119 V 131 ff.)
. Demnach hat der
Kläger
ab dem 14. März 2013, dem Datum der Klageeinleitung
(
Urk.
1
),
Anspruch auf
Ver
zugs
zinsen von 5
%
auf den
bis zu diesem Zeitpunkt fällig gewordenen Renten
be
treffnisse
n
und für die übrigen ab dem jeweiligen Fällig
keitsdatum
.
5.
5.1
Das Verfahren vor dem zürcherischen Sozialversicherungsgericht ist in der Re
gel kostenlos (Art. 73 Abs. 2 BVG, § 33 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht, GSVGer). Einer Partei, die sich mutwillig oder leichtsinnig verhält, können jedoch eine Spruchgebühr und die Verfahrenskosten auferlegt werden (§ 33 Abs. 2 GSVGer).
Die Voraussetzungen für eine Kostenauflage sind vorliegend bei keiner Partei erfüllt. Somit bleibt es bei der Kostenlosigkeit des Verfahrens.
5.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierig
keit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3 GSVGer).
Grundsätzlich darf
jedoch
obsiegenden Behörden oder mit öffentlich
-
rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen im Verfahren der Verwaltungs
gerichtsbe
schwerde in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen wer
den (BGE 112 V 356 E. 6 mit Hinweisen). Dies hat auch für die Trägerinnen oder Versi
cherer der beruflichen Vorsorge gemäss BVG zu gelten (BGE 128 V 124 E. 5b, 126 V 143 E. 4a, 118 V 158 E. 7, 117 V 349 E. 8 mit Hinweis).
Demnach steht nur dem durch einen Anwalt vertretenen obsiegenden Kläger, nicht aber der ebenfalls obsiegenden Beklagten 2 eine Prozessentschädigung zu. Die
Entschädigung
ist
unter Berücksichtigung der Ba
r
auslagen und der Mehr
wertsteuer (MWSt) auf
Fr.
3‘200.-- festzusetzen.