Decision ID: 4fa6475e-0ae8-4776-bb70-1f899bc6b545
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1961, war zuletzt seit dem 1. September 2008 als
ungelernter
L
agerist im Möbelmarkt Y._
in einem 100%-Pensum angestellt (Urk. 7/1
), als er ab 28. Januar 2013 phasenweise ganz und zwischendurch teilweise arbeitsunfähig geschrieben wurde (Urk. 7/10). Namentlich u
nter Hinweis auf eine psychomotorische Störung meldete
er sich
am
27. Mai 2013
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7
/1).
Am 30. August 2013 löste die Firma
Y._
das Arbeitsverhältnis mit ihm per Ende November 2013 auf (Urk. 5/25/4-5).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, traf erwerbliche und medizinische Abklärungen.
Sie besorgte einen IK-Auszug (Urk. 7/9),
führte ein Standortgespräch (Urk. 7/6) und Berufsberatungen (Urk. 7/31, Urk. 7/37, Urk. 7/43) durch,
liess einen Arbeitgeberfragebogen (Urk. 7/1
0
) ausfüllen,
holte diverse Arztberichte ein (Urk. 7/12, Urk. 7/13, Urk. 7/17, Urk. 7/20)
und
zog die Akten der Krankentaggeldversicherung
SWICA
bei (Urk. 7/5,
Urk. 7/20,
Urk.
7/23)
. Die SWICA hatte am 4. Februar 2014 eine psychiatrische Begutach
tung durch Dr. med. Z._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in Auftrag gegeben (Gutachten vom 4. März 2014 [Urk. 7/20/3-17]) und am 14. Mai 2014 von demselben eine psychiatrische Verlaufsbeurteilung verlangt (Gutachten vom 22. Mai 2014 [Urk. 7/23/3-14])
. Mit Mitteilung vom
30. Oktober 2014
(Urk. 7/29) gewährte die IV-Stelle dem Versicherten eine Kos
tengutsprache für ein Arbeitstraining
vom 3. November 2014 bis 3. Mai 2015 im Rehabilitationszentrum der Kliniken A._ im Kanton St. Gallen. Mit Mit
teilung vom 24. April 2015 (Urk. 7/35) verlängerte sie das Arbeitstraining vom 4. Mai bis 3. August 2015. Am 24. Juli 2015 erging der Abschlussbericht (Urk. 7/40/22-24
), in welchem
beruflich
eine Präsenzzeit von 6 Stunden (70 %)
bei einer
Leistungsfähigkeit von 50 %
festgehalten
wurde.
Am 12. Oktober 2015
errechnete die IV-Stelle ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % einen Invaliditätsgrad von 32 % (Urk. 7/42). Gleichentags schloss sie
die beruflichen Massnahmen
mit der Feststellung
ab
, der Versicherte sei rentenausschliessend eingegliedert
(Urk. 7/44).
Am 11. Februar 2016 liess
der Versicherte
, vertreten durch
Rechtsanwältin
Melina
Tzikas
, die Feststellung
der rentenausschliessen
den Eingliederung
in der Mitteilung der IV-Stelle vom 12. Oktober 2015
(Urk. 7/44
)
kritisieren (Urk. 7/58).
Daraufhin
liess die IV-Stelle einen Arztbericht einholen (Urk. 7/65) und den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) dazu Stellung nehmen (Urk. 7/72/2-3).
Gestützt auf ihre Abklärungen, insbesondere di
e Stellungnahme des RAD vom 18.
April 2016 (Urk. 7/72/2-3)
,
stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbe
scheid vom 4. Mai 2016 (Urk. 7/73) die Verneinung des Anspruchs auf eine Invalidenrente in Aussicht. Dagegen liess der Versicherte am 8. Juni 2016
Ein
wand erheben
(Urk. 7/80)
.
Zudem wurde ein weiterer Arztbericht eingeholt (Urk. 7/93).
Mit Verfügung vom
20. März
2017
(Urk. 2 = Urk. 7/96) verneinte die IV-Stelle den Anspruch auf eine Invalidenrente wie angekündigt.
2.
Hiergegen liess d
er
Versicherte am 3. Mai 2017 Beschwerde führen mit den Rechtsbegehren, die Verfügung der IV-Stelle vom
20. März
2017 sei aufzuheben und es seien die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine ganze Invalidenren
te, zuzusprechen. Ferner sei ihm die unentgeltliche Proze
ssführung und
Rechts
verbeiständ
ung
zu bewilligen. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der IV-Stelle (Urk. 1). Mit Vernehmlassung vom 6. Juni 2017 (Urk. 6) beantragte die IV-Stelle die teilweise Gutheissung der
Beschwerde im Sinne einer Rückweisung zur weiteren Abklärung
des medizinischen Sachverhaltes
.
Mit Replik vom 7. Juli 2017 (Urk. 10) liess der Versicherte vorbringen, der Antrag der IV-Stelle um teilweise Gutheissung im Sinne einer Rückweisung der Sache zu weiteren Abklärungen sei abzuweisen. Eventualiter sei ein gericht
liches Gutachten anzuordnen.
Subeventualiter
sei der Unterzeichnenden die Anzahl der im Jahr 2016 zurückgewiesenen Fälle, die Gesamtfallzahl im Jahr 2016 sowie die gerichtlich angeordneten Gutachten durch das angerufene Gericht bekannt zu geben (Urk. 10 S. 2). Am 21. Juli 2017 verzichtete die IV-Stelle auf eine Duplik (Urk. 13), was dem Versicherten unter gleichzeitiger Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung
von Rechtsan
wältin Melina
Tzikas
als unentgeltliche Rechtsvertreterin zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 14).
Auf die Vorbringen und die eingereichten Unterlagen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG
,
BGE 139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines
anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl.
BGE 143 V 409 E. 4.2.1 unter Hin
weis auf 127 V 294 E. 4b/cc und 139 V 547 E. 5.2).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsren
te
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheid
relevante
Sachverhalt ungenügend
abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt
ist sodann
möglich,
wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage
begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutacht
lichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte in der Verfügung vom 20. März 2017 einen Rentenanspruch, weil sie der Auffassung
ist
, dass mit der gesundheitlichen Beeinträchtigung eine Arbeitsfähigkeit in einem Pensum von 70 % zumutbar sei. Daraus resultiere ein rentenausschliesse
nder Invaliditätsgrad von 31 %
(Urk. 2).
Der Beschwerdeführer lässt in
seiner
Beschwerde
vom 3. Mai 2017
demgegen
über im Wesentlichen geltend machen, dass
er gestützt auf die Berichte des behandelnden Psychiaters Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Lagerist zu 100 % arbeitsunfähig sei. In einer leidensangepassten Tätigkeit (z.B. einfache Verkaufs
tätigkeiten, einfache Montagearbeiten) bestehe gestützt auf die Berichte seines Psychiaters für die Zeit ab dem 4. August 2015 eine Arbeitsfähigkeit von maximal 35 % (Urk. 1).
2.2
In der Beschwerdeantwort vom 6. Juni 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin die teilweise Gutheissung der Beschwerde im Sinne einer Rückweisung zur wei
teren Abklärung des medizinischen Sachverhalts. Zur Begründung führte sie an,
es könne weder auf die RAD-Stellungnahme vom 18. April 2014 noch auf die ärztlichen Berichte des behandelnden Psychiaters Dr. B._ abgestellt wer
den. Dasselbe gelte auch für das psychiatrische Gutachten von Dr. Z._, das die SWICA in Auftrag gegeben habe. Die erforderlichen Tatsachen seien nicht rechtsgenügend festgestellt worden (Urk. 6).
Mit Replik vom 7. Juli 2017 liess der Beschwerdeführer entgegnen, der Antrag auf teilweise Gutheissung im Sinne einer Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung sei abzuweisen, da die zumutbare Restarbeitsfähigkeit gestützt auf die Arztberichte des behandelnden Psychiaters hinreichend geklärt
sei. Sofern das Gericht wider Erwarten zum Schluss gelange, der medizinische Sachverhalt sei nicht hinreichend geklärt, sei ein Gerichtsgutachten anzuordnen. Ein Rück
weisung sei unstatthaft, weil Dr. B._ zur umstritten Frage der Arbeits
fähigkeit Stellung genommen habe und es sich damit nicht um eine vollständig ungeklärte Frage handle, bei der eine Rückweisung zulässig wäre. Falls das Gericht die Angelegenheit dennoch zurückweise, werde subeventuell die Bekanntgabe der Fälle verlangt, welche im Jahr 2016 zurückgewiesen worden seien und bei denen das Gericht ein Gerichtsgutachten angeordnet habe (Urk. 10).
3.
3.1
Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers stellt sich anhand der Akten zusammengefasst wie folgt dar:
Am 7. Juli 2013 berichtete der Hausarzt Dr. med. C._, Facharzt für Innere Medizin, von einer seit Januar 2013 bestehenden depressiven Störung (Urk. 7/12). Seit Beginn des Jahres 2013 sei der Beschwerdeführer wegen Eheproblemen am Boden zerstört. Sein Lebensplan gehe nicht auf. Aus diesem Grund habe er sich am 8. Februar 2013 erstmals beim
Psychiater Dr. B._ in psychiatrische Behandlung begeben (Urk. 7/12/1).
3.2
Im Arztbericht vom
26. Juli 2013
(Urk. 7/13) nannte der behandelnde Psychia
ter Dr. B._ als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), Zwangshandlungen (ICD-10 F.42.1) und eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.5).
Die Kriterien für eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung sind gemäss dem behandelnden Psychiater aus folgenden Gründen erfüllt: Bei der Arbeit sei der Beschwerdeführer sehr verbissen und übertrieben gewissenhaft. Wenn er Fehler mache, dann mache er sich Selbstvorwürfe und leide noch Tage danach daran. Er könne es nicht ertragen, wenn seine Kollegen nicht so arbeiten würden wie sie sollten. Er mache die Arbeit dann lieber selbst, bevor es andere tun würden. Er denke, dass er die Arbeiten selbst besser und genauer ausführen könne. Er benötige bei der Arbeit und auch daheim mehr Zeit als eigentlich notwendig, um seine Aufgaben zu erledigen, weil er extrem hohe Perfektionsansprüche habe. Er sei so lange mit den Aufgaben beschäftigt, bis er das Gefühl habe, es sei genau richtig. Er beschäftige sich übermässig viel mit Details und Ordnung. Daheim könne er seine Freizeit nicht geniessen, wenn er nicht zuvor alles in der Wohnung aufgeräumt habe. Er stehe unter ständiger innerer Anspannung, kön
ne sich nicht entspannen und setze sich selber sehr unter Druck. Diese zwang
hafte Art dränge sich ihm auf und sie unterliege nicht seiner Kontrolle. Es liege ein Leidensdruck vor (Urk. 7/13/7).
Im psychopathologischen Befund erwähnte Dr. B._ einen 51jährigen bewusstseinsklaren Mann, der im formalen Denken teilweise etwas umständlich und auf die Enttäuschung über die Ehefrau eingeengt sei. Er grüble oft und lei
de unter Kontrollzwängen. Eine zwanghafte Persönlichkeitsstruktur sei festzu
stellen gewesen. Der Beschwerdeführer habe im
Affekt gedrückt, ratlos, zeitwei
se dysphorisch und gereizt, innerlich unruhig und angespannt gewirkt. Sein Selbstwertgefühl sei vermindert. Der Antrieb sei gehemmt und es liege ein sozi
aler Rückzug vor. Bei hoher Anspannung komme es zu selbstverletzenden Handlungen. Zwischendurch leide er auch unter Durchschlafstörungen (Urk. 7/13/9).
Die Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Lagerist und in jeglicher beruflichen Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt bewegte sich vom 8. Februar 2013 bis Ende
Februar 2014
zwischen 50 und 100 % (Urk. 7/13/9).
3.3
Im Verlaufsbericht vom
8.
Oktober 2013 (Urk. 7/15) bestätigte Dr.
B._
die bisherigen Diagnosen einer mittelgradigen depressiven Störung (ICD-10 F32.1) und einer anankastischen (zwanghaften) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.5). Er listete hingegen die Diagnose von Zwangshandlungen (ICD-10 F42.1) nicht mehr auf (Urk. 7/15/6).
Er erklärte, die Ehefrau des Beschwerdeführers sei aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen und habe im August 2013 ein Schei
dungsbegehren eingereicht. Ferner habe der Beschwerdeführer auf Ende November 2013 die Kündigung erhalten. All dies habe seinen hohen intra
psychischen Druck etwas entlastet, was zu einem diskreten Rückgang der depressiven Symptome und einer minimen Auflockerung seiner stark zwanghaf
ten Persönlichkeitsstruktur geführt habe. Gleichwohl seien die im Bericht vom 26. Juli 2013 (vgl. Urk. 7/13) beschriebenen Symptome der zwanghaften Per
sönlichkeitsstörung weiterhin vorhanden. Im Rahmen der psychopathologischen Befunde ergänzte der psychiatrische Behandler, dass sich Kontrollhandlungen beim Herd, an der Wohnungstür, beim Fenster, beim Fernsehgerät, bei der Klei
dung, bei den Schuhen und beim Aussehen zeigen würden. Dadurch brauche der Beschwerdeführer im Tagesablauf unnötigerweise viel Zeit (Urk. 7/15/7).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Lagerist betrage
die Arbeitsunfähigkeit nun dauerhaft 100 %. Eine leidensangepasste Tätigkeit im Pensum von 50 %
sei jedoch seit dem 1. Januar 2014 zumutbar (Urk. 7/15/8). Zu einer vergleichbaren Beurteilung gelangte er im weiteren Bericht vom 31. Januar 2014 (Urk. 7/17/5-7) und im Zeugnis vom 14. Juni 2017 (Urk. 11/1).
3.4
Am 4. März 2014 erging ein psychiatrisches Gutachten von Dr. Z._, das von der SWICA Krankentaggeldversicherung AG in Auftrag gegeben worden war (Urk. 7/20/3-17). Der Gutachter
bestätigte die
Diagnose
einer mittelgradigen depressiven Störung, jedoch mit dem Zusatz mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11). Ausserdem erhob er ebenfalls die Diagnosen einer anankastischen (zwanghaften) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.5) und einer Zwangsstörung mit Zwangshandlungen (ICD-10 F42.1
, Urk. 7/20/12
).
Aufgrund der nach wie vor ausgeprägten Symptome von Seiten seiner
Depres
sion als auch seiner Zwangsstörung
sei der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit als Lagerist zu 100 % arbeitsunfähig. Nach weiterer Remission der Symptomatik sei voraussichtlich in ein bis zwei Monaten wieder eine 50%ige Arbeitsfähigkeit erreicht. Im Moment sei von einem eher langsamen Heilungs
prozess auszugehen, dies nicht zuletzt aufgrund der Persönlichkeitsstörung, die sich diesbezüglich negativ auswirke (Urk. 7/20/15-16). In einer leidensangepass
ten Tätigkeit sei die Einschränkung zurzeit noch 100 %, mittelfristig könne jedoch wieder von einer vollen Leistungsfähigkeit bei vollem Pensum ausge
gangen werden. Dies sei dem Beschwerdeführer trotz seiner Persönlichkeits
problematik auch früher schon möglich gewesen. Ihm seien alle Tätigkeiten zumutbar, die nicht zu hohe Anforderungen bezüglich Präzision stellen würden, da dies erhöhten Stress und Fehlerangst bedeute, was auf dem Hintergrund sei
ner zwanghaft perfektionistischen Persönlichkeitsstruktur kontraproduktiv sei (Urk. 7/20/16).
3.5
In der psychiatrischen Verlaufsbeurteilung vom 22. Mai 2014 (Urk. 7/23) bestä
tigte Dr. Z._ einerseits die Diagnosen, die er im Gutachten vom 4. März 2014 gestellt hatte (Urk. 7/23/8). Andererseits listete er neu eine rezidivierende depressive Störung seit der Adoleszenz (Erstdiagnose 1976) und deren Verschär
fung ab der Militärdienstzeit im Iran-Irakkrieg mit 21 Jahren auf (ICD-10 F33.-). Den mitgebrachten Medikamentenrezepten aus dem Iran aus den Jahren 1976 bis 1982 sei zu entnehmen, dass dem Beschwerdeführer schon im Alter von 15 Jahren aufgrund einer depressiven Stimmungslage Antidepressiva verschrie
ben worden seien (Amitriptylin und
Largactil
sowie Benzodiazepine). Nach einem Anfall mit Bewusstlosigkeit während des Militärdienstes im Iran-Irakkrieg habe er das Antiepileptikum
Lamictal
erhalten und er sei deswegen für dienstuntauglich erklärt und vom Militärdienst befreit worden. Daher sei beim Beschwerdeführer retrospektiv von einer rezidivierenden depressiven Störung im Sinne einer Major Depression auszugehen, die bis in die Adoleszenz zurück
reiche und auch schon in den Jugendjahren mit Antidepressiva und
Mood
Sta
bilizern
behandelt worden sei (Urk. 7/23/9).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter an, der Beschwerdeführer sei aufgrund der anhaltenden mittelschweren depressiven Symptomatik und der ausgeprägten Zwangsstörungen mit Zwangsgedanken und –
handlungen
auf dem ersten Arbeitsmarkt nach wie vor nicht leistungs- und somit zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 7/23/11). Mit den angestrebten Wiedereingliederungsmass
nahmen im Sinne eines Belastbarkeitstrainings könne jedoch ab Juli 2014 begonnen werden (Urk. 7/23/11-12). In einer angepassten Tätigkeit seien dem Beschwerdeführer einfache, nicht rückenbelastende manuelle Tätigkeiten zumut
bar, die eine geringe kognitive Leistungsfähigkeit voraussetzen würden. Die Leistungsfähigkeit sei insbesondere durch die affektiven
und kognitiven Defizite sowie die Zwangssymptomatik eingeschränkt (Urk. 7/23/13).
3.6
Am 26. Mai 2015 erklärten Fachkräfte des Rehabilitationszentrums der Kliniken A._, der Beschwerdeführer habe am 3. November 2014 bei ihnen ein Arbeits
training gestartet. Er habe hauptsächlich in den Bereichen Büro und Elektro gearbeitet. Bevorzugt habe er die Büroabteilung, für die er sich jedoch aufgrund der Zwangsstörung und des Verwechselns von Zahlen eher nicht eigne. Darun
ter habe sein Arbeitstempo gelitten (Urk. 7/39/1). Er habe seine Arbeitszeit von halbtags auf ganztags steigern können, habe dann aber rasch festgestellt, dass eine Präsenzzeit bis 15 Uhr optimal sei. Danach habe er sich durch Konzentra
tionsverlust und Müdigkeit nicht mehr in Tätigkeiten vertiefen können (Urk. 7/39/1). Mit dem Berufsberater der Beschwerdegegnerin sei besprochen worden, dass sich der Beschwerdeführer auf Teilzeitstellen zwischen 50 und 80 % bewerben werde (Urk. 7/39/2). Aktuell sei dem Beschwerdeführer eine halbtägige Präsenzzeit in der freien Wirtschaft zuzumuten, wobei die Leistung durch die kurzen Zwischenpausen und seine Art, sehr sauber, korrekt und sorg
fältig zu arbeiten, auf 70 % reduziert sei (Urk. 7/39/2).
3.7
Am 24. Juli 2015 äusserte sich die
O._
nach 7-monatigem Arbeitstraining hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit dahingehend, dass der Beschwerdeführer seine Präsenzzeit von 4 auf 6 Stunden (70 %) habe steigern können. Am Vormittag habe er sich gut auf die Arbeit konzentrieren können, doch im Verlauf des Tages habe die Konzentrationsfähigkeit abgenommen; er habe dann Zwischen
pausen benötigt und das Arbeitstempo sei langsamer geworden. Aus berufs
praktischer Sicht könne er mit einer Präsenzzeit von 6 Stunden (70 %) eine Leistung von 50 % erbringen. Die Gründe für die Verminderung in der Leistung
seien verlangsamtes Arbeitstempo, Zwänge, Ermüdung und Stimmungsschwan
kungen (Urk. 7/40/22-24).
3.8
Am 30. März 2016 bestätigte der behandelnde Psychiater Dr. B._ (Urk. 7/65) die bisherigen Diagnosen und fügte hinsichtlich der depressiven Stö
rung im Vergleich zu seinen früheren Berichten (vgl. Urk. 7/17) neu an, dass sie rezidivierend und gegenwärtig remittiert sei (ICD-10 F33.4, Urk. 7/65/6). Für die Zeit nach der Beendigung der beruflichen Massnahmen, das heisst ab dem 4. August 2015, bestehe in einer leidensangepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähig
keit von maximal 35 %. Die Arbeitsfähigkeit könne nicht mehr gesteigert wer
den (Urk. 7/65/11-12).
3.9
Die RAD-Ärztin Dr. med. D._, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
therapie, meinte in ihrer Stellungnahme vom 18. April 2016 (Urk. 7/72/2-3), es sei nicht nachvollziehbar, weshalb Dr. B._ von einer 35%igen Arbeits
fähigkeit ausgehe, da der Beschwerdeführer im Arbeitstraining eine Arbeits
fähigkeit von 70 % erreicht habe und der psychiatrische Behandler diese Arbeitsfähigkeit laut dem Berufsberater der Beschwerdegegnerin als realistisch eingeschätzt habe (vgl. Urk. 7/40/17). Es sei an einer Arbeitsfähigkeit von 70 % festzuhalten (Urk. 7/72/3).
3.10
Am 31. Januar 2017 berichtete Dr. B._ (Urk. 7/93/4-7) in Bestätigung der Diagnosen seines letzten Berichts (vgl. Urk. 7/65/6), es handle sich um eine chronische Erkrankung und es sei anzunehmen, dass die genannten gesundheit
lichen Einschränkungen (zwanghafte Persönlichkeitsstörung und die Zwangs
handlungen) – mit Ausnahme der depressiven Störung
kaum reversibel seien (Urk. 7/93/4, Urk. 7/93/7). Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit bestätigte er die Aussagen seines letzten Berichts (Urk. 7/93/6-7, vgl. Urk. 7/65/11-12).
4.
4.1
Strittig ist der Anspruch auf eine Invalidenrente. Zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin diesen zu Recht mit der Begründung verneint hat, dem Beschwerdeführer sei ein Arbeitspensum von 70 % in einer leidensangepassten Tätigkeit zumutbar. In diesem Zusammenhang stellt sich zunächst die Frage, ob die Beschwerdegegnerin sich auf einen hinreichend abgeklärten medizinischen Sachverhalt stützte.
4.2
Sowohl der psychiatrische Gutachter Dr. Z._ (Urk. 7/20/12, Urk. 7/23/8) als auch der behandelnde Psychiater (Urk. 7/65/6, Urk. 7/93/4) diagnostizieren eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.5) und eine Zwangsstörung mit Zwangshandlungen (ICD-10 F42.1). Das Vorliegen einer depressiven Störung verneinte die RAD-Ärztin (Urk. 7/72/2). Dies überzeugt nicht, weil Dr. Z._ in seiner psychiatrischen Verlaufsbeurteilung vom 22. Mai 2014 (Urk. 7/23) ein
leuchtend darlegte, dass gestützt auf die beigebrachten Unterlagen des Beschwerdeführers seit der Adoleszenz (Erstdiagnose 1976) eine depressive Stö
rung angenommen werden könne, welche sich ab der Militärdienstzeit im Iran-Irakkrieg mit 21 Jahren verschärft habe (vgl. Urk. 7/23/9). Insgesamt ist daher in Übereinstimmung mit dem behandelnden Psychiater (vgl. Urk. 7/65/6) von einer rezidivierenden Depression (ICD-10 F33.-) auszugehen (vgl. Urk. 7/23/8). Der psychische Gesundheitszustand erscheint mit einer gegenwärtig remittier
ten, rezidivierenden mittelgradigen depressiven Störung (ICD-10 F33.4), einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.5) und einer Zwangsstörung mit Zwangshandlungen (ICD-10 F42.1) grundsätzlich hinreichend abgeklärt.
4.3
Im Weiteren ist zu prüfen, ob sich den vorhandenen Berichten verlässliche Angaben zur Frage entnehmen lassen,
wie sich dieser psychische Gesundheits
zustand auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt (vgl. vorne E. 1.4-1.5):
Zunächst erhellt aus den psychiatrischen Gutachten von Dr. Z._ vom 4. März (Urk. 7/20/3-17) und 22. Mai 2014 (Urk. 7/23), dass der Fokus nicht auf der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit, sondern auf jener in der ange
stammten Tätigkeit lag (vgl. Urk. 7/29/16, Urk. 7/23/12-13). Weiter erweisen sich die Gutachten vor dem Hintergrund der darauffolgenden Geschehnisse (berufliche Massnahmen vom November 2014 bis August 2015, vgl. Urk. 7/29, Urk. 7/35) und dem psychischen Verlauf seit der gutachterlichen Beurteilung (z. B. Remission der Depression ab März 2016, vgl. Urk. 7/65/6) nicht mehr als aktuell. Letztlich fehlt es den Gutachten an Informationen hinsichtlich der rele
vanten Indikatoren, die nach der neusten Rechtsprechung zu psychischen Lei
den zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erforderlich sind. Das Bundesgericht hat festgehalten, dass grundsätzlich für sämtliche psychische Leiden, die wegen ihres Mangels an objektivierbarem Substrat dem direkten Beweis einer anspruchsbegründenden Arbeitsunfähigkeit nicht zugänglich sind, ein struktu
riertes Beweisverfahren durchzuführen ist (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). Insge
samt ist somit der Beschwerdegegnerin darin beizupflichten, dass die psychiat
rischen Gutachten vom 4. März (Urk. 7/20/3-17) und 22. Mai 2014 (Urk. 7/23) keine genügende Grundlage für die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit darstel
len (vgl. Urk. 6 S. 2), weshalb nicht auf sie abzustellen ist.
Was die Berichte des behandelnden Psychiaters Dr. B._ betrifft, gilt Fol
gendes: Vor dem Hintergrund des psychiatrischen Gutachtens vom 4. März 2014, in dem nachvollziehbar eine Remission der Symptomatik und eine Steige
rung der Arbeitsfähigkeit prognostiziert wurde (vgl. Urk. 7/20/15), überzeugt es nicht, wenn der behandelnde Psychiater trotz einer nunmehr eingetretenen Remission der
Depression (vgl. Urk. 7/65/6, Urk. 7/93/4) festhält, dass eine Rest
arbeitsfähigkeit von 35 % ohne Aussicht auf Steigerung vorliege (vgl. Urk. 7/65/11-12, Urk. 7/93/6-7). Widersprüchlich ist vor dem Hintergrund des psychiatrischen Gutachtens 4. März 2014 ausserdem, dass der behandelnde Psy
chiater die zwanghafte Persönlichkeitsstörung – und die Zwangsstörung – für therapieresistent und deshalb eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit für nicht möglich hält (vgl. Urk. 7/65/11, Urk. 7/93/7), obwohl der Gutachter dem Beschwerdeführer trotz der Persönlichkeitsproblematik mittelfristig eine volle Leistungsfähigkeit prognostiziert hatte, weil dieser auch schon früher mit der Persönlichkeitsproblematik voll arbeitsfähig gewesen war (vgl. Urk. 7/20/16). Hinzu kommt, dass der behandelnde Psychiater gemäss Berufsberatungsproto
koll der IV-Stelle Graubünden (Urk. 7/40) im Juni 2015 von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen ist (Urk. 7/40/16, vgl. Urk. 7/40/17) und sich der Beschwerdeführer auf Stellen mit einem Pensum zwischen 50 und 100 % beworben hatte (vgl. Urk. 7/43/2-3). Auch unter diesen Vorzeichen erscheint es nicht nachvollziehbar, weshalb unmittelbar nach Abschluss der beruflichen Massnahmen am 3. August 2015 ab dem 4. August 2015 auf Dauer lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 35 % bestanden haben soll (vgl. Urk. 7/65/11). Aus
serdem sind die Arztberichte des behandelnden Arztes hinsichtlich der Einschät
zung der Arbeitsfähigkeit mit Vorbehalten zu würdigen, weil behandelnde Ärzte erfahrungsgemäss mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc). Letztlich fehlt es auch den Berichten von Dr. B._ an schlüssigen Ausführungen zu den relevanten Standardindikatoren, die insbesondere zur Beurteilung der funktio
nellen Auswirkungen der Depression
und der zwanghaften Persönlichkeitsstö
rung auf
die Arbeitsfähigkeit notwendig sind (BGE 143 V 418 u.
141 V 281 E. 4.1.3).
Denn der behandelnde Psychiater äussert sich weder in älteren Berich
ten (Urk. 7/13, Urk. 7/17, Urk. 7/65) noch im aktuellsten Bericht (Urk. 7/93) dazu. Nach dem Gesagten kann bezüglich Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin (Urk. 6 S. 2) nicht auf die Berichte des behandelnden Psychiaters abgestellt werden.
Letztlich sind auch die Berichte der Kliniken A._ (Urk. 7/39, Urk. 7/40/22-24) zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht rechtsgenügend. Die Eingliederungs
massnahme hatte lediglich die Präsenzsteigerung zum Ziel und setzte den Beschwerdeführer dabei in Arbeitsbereichen ein, für die sie ihn selbst aufgrund der Zwangsstörung und des Verwechselns von Zahlen als eher ungeeignet erachtete (vgl. Urk. 7/39/1). Inwiefern der Beschwerdeführer in einer geeignete
ren Tätigkeit noch zumutbare Arbeit leisten kann, lässt sich daraus nicht erschliessen. Daher ist in Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin (Urk. 6 S. 1-2) festzuhalten, dass gestützt auf die Berichte der Kliniken A._ (Urk. 7/39, Urk. 7/40/22-24) nicht von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit ausge
gangen werden kann. Da sich die RAD-Stellungahme vom 18. April 2016 (Urk. 7/72/2-3) auf das zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht
rechtsgenüg
liche
Arbeitstraining bezieht, kann der 70%igen Arbeitsfähigkeitseinschätzung des RAD ebenfalls nicht gefolgt werden.
Nach dem Gesagten ist der Sachverhalt hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit nicht hinreichend abgeklärt worden. Die IV-Stelle ging in der angefochtenen Verfü
gung mithin zu Unrecht von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit aus.
4.
4
Da
schlüssige Ausführungen von medizinischen Sachverständigen zur Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit fehlen und der Beschwerdeführer
diesfalls
ein Gerichtsgutachten beantragen lässt (vgl. Urk. 10 S. 2),
stellt sich die Frage, ob zur
weiteren
Abklärung
des
Sachverhalts
eine Rückweisung an die Verwaltung oder die Einholung eines Gerichtsgutachtens angezeigt ist.
Nach dem oben Gesagten entsprechen die Arztberichte in Bezug auf die Arbeits
fähigkeit (vgl. Urk. 7/20/16, Urk. 7/23/11-13, Urk. 7/39/2, Urk. 7/40/22, Urk. 7/65, Urk. 7/93) weder den grundsätzlichen alten Anforderungen der Recht
sprechung (vgl. vorne E. 1.4-1.5), noch jenen, die bei Vorliegen von psy
chischen Leiden massgebend sind (vgl. BGE 143 V 409, 143 V 418, 141 V 281). Einerseits wurde die Arbeitsfähigkeit noch nie in schlüssiger Weise abgeklärt. Andererseits äusserte sich keiner der Ärzte zu den im Zusammenhang mit psy
chischen Leiden relevanten Indikatoren, die zur Beurteilung der funktionellen Auswirkungen des psychischen Gesundheitszustands auf die Arbeitsfähigkeit notwendig sind. Da die Arbeitsfähigkeit noch in keinem der Berichte unter Berücksichtigung der relevanten Indikatoren durch einen medizinischen Sach
verständigen schlüssig beurteilt wurde, handelt es sich bei der anstehenden Abklärung um eine bisher vollständig ungeklärte Frage (vgl. vorne E. 1.6),
bei welcher eine Rückweisung klarerweise gerechtfertigt ist (vgl. Urteil 8C_461/2017 vom 27. September 2017 E. 5.8 mit weiteren Hinweisen).
Auf den Antrag des Beschwerdeführers, es sei die Rückweisungsquote des Gerichts einerseits und die Anzahl der angeordneten Gutachten anderseits offenzulegen, ist nicht weiter einzugehen. Es ist nicht ersichtlich, welche Erkenntnisse sich daraus in Bezug auf die Entscheidung in diesem Prozess gewinnen lassen. Zur Feststellung allfälliger systematischer Rückweisungen (vgl. Urk. 10 S. 4
Rz
9 f.) taugt die Kenntnis der Anzahl erfolgter Rückweisun
gen allein im vornherein nicht.
5.
Zusammenfassend erweist sich der Sachverhalt – insbesondere bezüglich der zumutbaren Arbeitsfähigkeit und der Prüfung der Indikatoren, die zur Würdi
gung einer medizinisch attestierten Arbeitsfähigkeit notwendig sind
als nicht hinreichend abgeklärt.
Die Beschwerde ist
daher
in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 20. März 2017 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese im Sinne der Erwägungen weitere Abklärungen hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers
vornimmt. Nach der Vornahme der erforderlichen Abklärun
gen hat die Beschwerdegegnerin erneut über den Leistungsanspruch
des Beschwerdeführers
zu entscheiden.
6.
6.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversiche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festzulegen und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Ausgangs
gemäss sind die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2). Da die Sache zurückgewiesen wird, hat der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese wird vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barausla
gen festgesetzt
(Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§ 34 Abs. 1 u
nd
3
GSVGer
).
Rechtsanwältin Melina
Tzikas
machte mit Honorarnote vom 4. August 2012 (Urk. 16) einen Gesamtaufwand von 19 Stunden und 15 Minuten à Fr. 250.-- sowie Barauslagen von Fr. 144.35 (3 % des Gesamtaufwands) geltend. Die 3 Stunden für Aktenstudium und fürs Studium der Schreiben des Gerichts sind als angemessen zu erachten. Hingegen sind sowohl die 11 Stunden zur Verfas
sung der Beschwerdeschrift al
s auch die 5 Stunden zur Erstellung der Replik
überhöht: Der Umfang von
8 Seiten
und der Schwierigkeitsgrad der Sache rechtfertigen nicht 11 Stunden Aufwand für die Beschwerdeschrift. Insbesonde
re stellten sich keine komplexen juristischen Fragen und es war auch nicht in ausserordentlichem Ausmass eine Auseinandersetzung mit medizinischen Unterlagen erforderlich. Dasselbe gilt für die Replik. Angemessen erscheint daher ein Aufwand für Beschwerde und Replik von 8 Stunden.
Insgesamt rechtfertigt sich ein Aufwand von 11 Stunden, was unter Berücksich
tigung des gerichtsüblichen Ansatzes von Fr. 220.-- ein Honorar von Fr. 2'420.-- ergibt. Rechtsanwältin
Tzikas
ist folglich mit Fr. 2'692.-- (Fr. 2'420.—plus Bar
auslagen von 73.-- [3 % von Fr. 2'420.--], zuzüglich Mehr
wert
steuer von 8% auf Fr. 2'493.-- [Fr. 199.--]) durch die Beschwerdegegnerin zu entschädigen.