Decision ID: 173d29ca-5aaa-4cc4-869d-97e6570c303f
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 6. Oktober 2008 (Eingangsdatum) wegen eines
Rückenleidens bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab u.a. an, in B._ eine Schreinerlehre
absolviert zu haben und zuletzt für die C._ AG tätig gewesen zu sein.
A.b Die C._ AG berichtete am 21. November 2008 (IV-act. 18), dass sie den
Versicherten vom 1. Dezember 2001 bis 16. Februar 2007 zu 100 % als Mitarbeiter
Produktion/Fertigung-Sonderbau beschäftigt habe. Seit dem 18. Juni 2007 erledige er
noch leichtere Arbeiten. Der Versicherte verdiene seit 1. Februar 2008 Fr. 4'764.-- pro
Monat. Bei der bisherigen Tätigkeit habe es sich um eine vorwiegend stehende
Tätigkeit gehandelt, bei der der Versicherte selten leichte bis schwere Gewichte habe
tragen oder heben müssen. Gemäss dem IK-Auszug hatte der Versicherte im Jahr
2006 ein Einkommen von Fr. 67'903.-- erzielt (IV-act. 20-1).
A.c Am 30. November 2008 reichte Dr. med. D._, Facharzt FMH für
Allgemeinmedizin, das unterzeichnete und ergänzte Gesprächsprotokoll vom 27.
Oktober 2008 ein (IV-act. 19-1 f.). Der Hausarzt hatte damals gegenüber RAD-Ärztin Dr.
med. E._ angegeben, dass der Versicherte seit Februar 2007 an einem Status nach
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zwei Diskushernienoperationen leide. Zum Zeitpunkt des Gesprächs hatte der Hausarzt
die Arbeitsunfähigkeit wegen einer eingeschränkten Rückenbelastbarkeit auf 66 %
geschätzt; der Arbeitsplatz sei bereits adaptiert worden. Ab 1. Dezember 2008 sei der
Versicherte zwei Stunden pro Tag arbeitsfähig. Es sei eine weitere Rückenoperation
vorgesehen. Die Klinik für Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen
(KSSG) hatte in einem beigelegten Bericht vom 7. Oktober 2008 (IV-act. 19-3 ff.) die
folgenden Diagnosen angegeben: Persistierende Lumboischialgie links bei
Diskushernie L4/5 sowie Rezidivhernie L5/S1, fortgeschrittene Spondylarthrosen bei
Status nach mikrochirurgischer Nukleotomie L4/5, L5/S1 am 23. Januar 2008,
mikrochirurgische Nukleotomie L5/S1 links und Facettengelenksinfiltration L4/5 sowie
L5/S1 am 27. August 2008. Die Klinik hatte erklärt, dass die Infiltration keine
wesentliche Beschwerdebesserung gebracht habe. Der Versicherte sei durch die
ausstrahlenden Schmerzen in den linken Fuss sowie die Rückenschmerzen weiterhin
stark eingeschränkt. Inzwischen sei er zudem erheblich depressiv. In den MRI-
Aufnahmen zeige sich eine erneute Sequestierung L5/S1. Hier sei die Indikation für eine
Fusion des Segmentes gegeben, die eventuell auf das Bandscheibenfach L4/5
ausgedehnt werden müsse. Die Symptomatik von Seiten der Nervenwurzel L5 habe
sich deutlich verbessert. Der Versicherte habe sich noch nicht für einen operativen
Eingriff entscheiden können. Eine vollständige Erholung könne trotz Operation nicht
gewährleistet werden. Eine schwere körperliche Arbeit sei dem Versicherten auch nach
der Operation nicht mehr möglich. Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 15. Januar
2009 mit, dass aufgrund seines Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 23).
A.d Am 25. Februar 2009 fand ein Gespräch zwischen dem Arbeitgeber, der IV-Ein
gliederungsverantwortlichen, der Suva und dem Versicherten statt (IV-act. 25). Dem
Protokoll war zu entnehmen, dass es dem Versicherten beim Gespräch physisch und
psychisch sehr schlecht gegangen sei. Der Versicherte habe Angst vor einer weiteren
Operation. Es beschäftige ihn sehr, dass die beiden letzten Operationen keine
Verbesserung seines Gesundheitszustandes gebracht hätten. Den letzten
Arbeitsversuch (Zuschneiden von Glasstäben) habe er abbrechen müssen, obwohl es
sich um eine leichte Tätigkeit gehandelt habe.
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A.e Am 3. März 2009 wurde der Versicherte im Auftrag der Suva von Dr. med. F._,
leitender Oberarzt Wirbelsäulenchirurgie der Schulthess Klinik, untersucht (Bericht vom
4. März 2009, IV-act. 26). Er gab folgende Diagnosen an:
· Chronische Lumboischialgie links;
· Status nach zweimaliger Dekompressionsoperation:
- L5/S1 links am 21. Februar 2007;
- Status nach Re-Dekompression bei Rezidivdiskushernie L5/S1 sowie
Dekompression der Etage L4/5 am 23. Januar 2008;
· persistierende Fusssenker- und Fussheberparese;
· Osteochondrose L5/S1;
· Status nach Facettengelenksinfiltration L4/5 und L5/S1 am 27. August 2008.
Dr. F._ kam zum Schluss, dass die radiologischen Veränderungen eher diskret seien
und das Zustandsbild des Versicherten massiv invalidisiert sei. Der Versicherte habe
Symptome der Schmerzausweitung und ein stark depressives Zustandsbild gezeigt.
Vor einer weiteren Operation sollten eine Verbesserung der Standortbestimmung (inkl.
elektrophysiologischer Untersuchung) und eine psychosomatische Exploration
durchgeführt werden. Sollten die Befunde die Problematik in der Etage L5/S1
bestätigen, könne er gegebenenfalls die stabilisierende Operation L5/S1,
gegebenenfalls mit Verlängerung, empfehlen.
A.f Vom 15. April bis 14. Mai 2009 absolvierte der Versicherte einen durch die Suva
veranlassten stationären Aufenthalt in der Rehaklinik Bellikon (Austrittsbericht vom 9.
Juni 2009, act. G 5.2, Suva-Fremdakten, nicht akturiert). Die Klinik gab die folgenden
Diagnosen an:
· Unfall vom 15. Februar 2007: Verhebetrauma:
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- Akuter mediolateraler Bandscheibenvorfall L5/S1 links mit Wurzelkompression
der S1-Wurzel;
- chronische Lumboischialgie links bei Status nach zweimaliger
Dekompressionsoperation;
· mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11),
belastende psychosoziale Situation;
· arterielle Hypertonie (medikamentös behandelt) und Psoriasis.
In der zusammenfassenden Beurteilung gaben die Klinikärzte an, dass aktuell ein
Beschwerdebild mit chronischer Lumboischialgie links, persistierender Fusssenker-
und Fussheberschwäche links sowie deutlicher Bewegungseinschränkung der
Wirbelsäule mit Entlastungsschonhinken bestehe. Zudem liege eine deutliche
depressive Verstimmung vor. Die Psychiaterin des Hauses, Dr. med. G._, habe beim
Versicherten eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom
diagnostiziert. Zusätzlich habe sie eine belastende psychosoziale Situation festgestellt.
Aus psychiatrischer Sicht liege derzeit eine leichte bis mittelschwere
Leistungsminderung vor. Dem psychosomatischen Konsilium vom 29. Mai 2009 war
zudem zu entnehmen, dass sich die psychische Verfassung seit der zweiten Operation
im Januar 2008 zunehmend verschlechtert habe. Der Versicherte sei wegen der
bewegungs- und belastungsabhängigen Schmerzen, der Leistungsminderungen an
seinem Arbeitsplatz, der Einschränkung in der Mobilität und der leichten Inkontinenz in
einen depressiven Zustand geraten. Die Motivation und der Antrieb sowie die
Hoffnung, dass es ihm wieder besser gehen werde, seien geringer geworden. Er könne
sich nicht mehr freuen, sei stets traurig, weinerlich, deprimiert, hilflos, verzweifelt und
habe Zukunfts- und Existenzängste. In den letzten Monaten habe er 20 kg
zugenommen. Die Sehnsucht nach seinen Kindern, die er fast zwei Jahre nicht
gesehen habe, verschlechtere seine psychische Lage wesentlich. Er zeige einen
Rückzug von seinem sozialen Umfeld und regressive Tendenzen. Die Klinikärzte gaben
weiter an, dass der Versicherte von der Neurologin der Klinik, Dr. med. H._,
untersucht worden sei. Aufgrund elektromyographischer Zeichen einer geringgradig
ausgeprägten aktiven Denervierung im Myotom S1 links (ohne Reinnervation) und L5
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links (mit Reinnervation) werde von einer höchstens mehrere Wochen bis wenige
Monate alten axonalen Läsion S1 und einer älteren Läsion L5 links ausgegangen.
Aufgrund der psychischen Beeinträchtigung mit Somatisierung und der Einschätzung
von Dr. F._ vom 3. März 2009 habe man vorerst von einer chirurgischen Vorstellung
Abstand genommen. Mit Bezug auf die therapeutischen Massnahmen hielten die
Klinikärzte fest, dass der Versicherte nur wenig bereit gewesen sei, ein gewisses Mass
an Schmerzen zu tolerieren und sich bis an die beobachtbare funktionelle
Leistungsgrenze belasten zu lassen. Im Vordergrund habe immer wieder die
psychische Einschränkung mit deutlicher Selbstlimitierung gestanden. Als Nächstes
seien weitere medizinische Massnahmen in Form einer psychiatrischen
Weiterbehandlung ggf. mit einem Tagesklinik-Aufenthalt geplant. Die Tätigkeit als
Mitarbeiter in der Fensterproduktion sei dem Versicherten aktuell aufgrund des zu
hohen psycho-physischen Anforderungsprofils nicht mehr zumutbar. Die
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit könne erst nach der psychischen
Stabilisierung geschätzt werden. Der Versicherte sei daher auch im Anschluss an den
Klinikaufenthalt in jeglicher Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig.
A.g Vom 15. Juni bis 14. August 2009 wurde der Versicherte in der psychiatrischen
Tagesklinik Z._ behandelt (Austrittsbericht vom 14. August 2009, IV-act. 33-6 ff.). Die
Klinikärzte gaben als psychiatrische Diagnosen eine mittelgradige depressive Störung
(F32.1) und einen Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung (F45) an. Zu Beginn
sei der tagesklinische Alltag durch die Schmerzen stark eingeschränkt gewesen.
Zudem seien stark wechselnde Stimmungslagen aufgefallen. Der Versicherte habe sich
rasch eingelebt. Im Gruppenalltag sei aufgefallen, dass er sich sehr bemüht habe, die
anderen aufzuheitern. In diesen Bemühungen sei er manchmal distanzlos geworden,
was ihm trotz verschiedenster Rückmeldungen nicht verständlich geworden sei. Der
Versicherte sei bereit, alles zu versuchen, um seine Situation zu verbessern. Da der
Status quo ante nicht mehr zu erreichen sei, komme es zu fortwährenden
Enttäuschungen. So sei es während des Aufenthaltes nicht möglich gewesen, die
Schmerzmedikation oder das Zyprexa zu reduzieren, obwohl er sich häufig über die
vielen Tabletten, welche er einnehmen müsse, beschwert habe. Das Zustandsbild habe
sich während der teilstationären Hospitalisation stabilisiert, was insbesondere auf die
Tagesstruktur und den Kontakt zu Mitmenschen zurückzuführen sei. Das gezeigte
Beschwerdebild habe sich jedoch nicht wesentlich geändert. Da kein Korrelat mit den
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somatischen Befunden bestehe, müsse von einer Entwicklung in Richtung einer
anhaltenden somatoformen Störung ausgegangen werden. Der Versicherte sei zu 100
% arbeitsunfähig.
A.h Dr. med. I._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am
10. September 2009 (IV-act. 33-1 ff.), dass sich der Versicherte seit dem 20. Mai 2009
in ein- bis zweiwöchentlichem Abstand bei ihr in Behandlung befinde. Er leide an einer
zunehmenden depressiven Entwicklung, gegenwärtig mittelgradiger Ausprägung
(F38.8). Dr. I._ befand, dass der Versicherte deprimiert und labil sei. Es bestünden
eine Störung der Vitalgefühle, Insuffizienzgefühle, Schlafstörungen, ein Morgentief,
Frustessen, Einsamkeits- und Minderwertigkeitsgefühle. Der Versicherte sei in allen
Tätigkeiten seit dem 20. Januar 2009 und bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig.
A.i In einem Bericht vom 22. Oktober 2009 gab die Klinik für Urologie des KSSG an,
dass der Versicherte an einer obstruktiven Miktionssymptomatik leide. Am 1. März
2010 berichtete dieselbe Klinik, dass sich der Versicherte am 11. Februar 2010 einer
TUR-Blasenhalsinzision und einer Meatotomie nach Sachse unterzogen habe (act. G
5.2,
Suva-Fremdakten).
A.j Am 24. März 2010 wurde der Versicherte vom Kreisarzt der Suva St. Gallen,
Dr. med. J._, Facharzt FMH für Chirurgie, untersucht (Bericht vom 30. März 2010,
act. G 5.2, Suva-Fremdakten). Der Kreisarzt diagnostizierte eine persistierende
chronische Lumboischialgie links bei mittelgradig depressiver Episode mit
somatischem Syndrom. Die Compliance bei der Untersuchung sei wegen der
depressiven Stimmungslage und den subjektiven Beschwerden erheblich
eingeschränkt gewesen. Die Befunderhebung am Rücken sei kaum möglich gewesen.
Die Gehmöglichkeit im Untersuchungsraum habe nicht derjenigen nach Verlassen des
Suva-Gebäudes und beim Gang zum Röntgeninstitut entsprochen. Die
sensomotorischen Einschränkungen seien medizinisch erklärbar, das Ausmass sei
jedoch wegen der stark eingeschränkten Compliance und der somatoformen
Überlagerung schwierig zu korrelieren. Die aktuellen Röntgenaufnahmen zeigten im
Vergleich mit denjenigen aus den Jahren 2004 und 2008 keine Progredienz der leichten
degenerativen Veränderungen.
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A.k Die Arbeitgeberin teilte der IV-Stelle am 30. März 2010 mit, dass sie das
Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten wegen der Wirtschaftslage per 31. Mai 2010
aufgelöst habe (IV-act. 39).
A.l Vom 21. bis 23. März 2011 wurde der Versicherte im Auftrag der IV-Stelle von der
MEDAS Zentralschweiz polydisziplinär (rheumatologisch, neurologisch und
psychiatrisch) begutachtet (Gutachten vom 16. Juni 2011, IV-act. 50). Die
Sachverständigen gaben die folgenden Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit an:
· Chronifiziertes lumbospondylogenes Syndrom links mit möglicher radikulärer
Reiz- und sensibler Ausfallsymptomatik L 5 weniger S1 links;
· histrionische Persönlichkeitsstörung (F60.4) bei
- Status nach rezidivierenden depressiven Störungen, gegenwärtig remittiert;
- Verdacht auf zusätzliches komplexes Nebenwirkungssyndrom bei
Polypharmazie;
· Tramal- und Benzodiazepinabhängigkeit.
Die Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit lauteten:
Anhaltende Miktionsproblematik, arterielle Hypertonie, Adipositas, Verdacht auf ein
Schlafapnoesyndrom, massive Hyperlipidämie und anamnestisch Status nach
Zugtrauma am linken Arm im Jahr 2004 (fragliche muskulo-tendinöse Läsion, DD
organisiertes Hämatom bei Status nach Muskelfaserriss, Bursaschwellung). Dr. med.
K._, Facharzt FMH Rheumatologie, gab im rheumatologischen Teilgutachten (IV-act.
50-38 ff.) an, der Versicherte habe über ausgeprägte, in das linke Bein ausstrahlende
Rückenschmerzen in der Lendenwirbelsäule geklagt. Die Schmerzen seien Tag und
Nacht vorhanden und würden im Lendenwirbelsäulenbereich einen stechenden und
brennenden und hinten am linken Ober- und Unterschenkel einen elektrisierenden
Charakter aufweisen. Zudem habe der Versicherte kein Gefühl auf der Aussenseite des
linken Fusses und weniger Gefühl an der Aussenseite des linken Unterschenkels. Im
Verlauf der letzten zwei Jahre habe sich an seinen Beschwerden nichts geändert, er
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habe in dieser Zeit insgesamt 30 kg zugenommen. Der rheumatologische
Sachverständige hielt fest, dass die Untersuchung eine streng lokalisierte, extreme
Schmerzproblematik im Bereich der Lendenwirbelsäule L4/5 und L5/S1 mit reaktiv
paralumbalem Muskelhartspann und Zeichen einer möglichen radikulären Reiz- und
residuellen sensomotorischen Ausfallsymptomatik insbesondere S1, weniger L5 links
betreffend und mit Zeichen einer schonungsbedingten Atrophie des M. quadrizeps
links, gezeigt habe. Daneben sei ein extremes, nicht vollumfänglich nachvollziehbares
Schmerzverhalten mit Hyperventilation, Stöhnen, Grimassieren und ausgeprägtem
Abwehrverhalten aufgefallen. Eine eigentliche Schmerzausweitung könne weder
anamnestisch noch aufgrund der Befunde festgestellt werden. Hinsichtlich der
angegebenen Beschwerden im linken Arm mit Schwäche und objektivierbarer
prallelastischer Schwellung im Bereich der linken Ellenbeuge medial handle es sich
seines Erachtens nicht um eine rupturierte lange Bizepssehne, sondern
differentialdiagnostisch am ehesten um eine chronische Bursitis oder allenfalls ein
konsolidiertes, organisiertes Hämatom nach Muskelfaserriss bei anamnestisch Status
nach Armzerrung links im Jahr 2004. Aus rheumatologischer Sicht bestehe eine
erhebliche Minderbelastbarkeit des Achsenorgans auf erhöhte statische oder
dynamische Krafteinwirkungen insbesondere ausserhalb der Körperachse. Dem
Versicherten seien deshalb keine körperlich schweren und mittelschweren Arbeiten,
keine Arbeitshaltungen mit häufig vorgeneigtem oder abgedrehtem Oberkörper, keine
Arbeiten auf Dächern, auf Gerüsten oder mit vibrierenden Maschinen, keine Arbeiten
mit Witterungs- und Kälteexpositionen sowie keine Arbeitspositionen in einer sitzenden
oder stehenden Zwangshaltung mehr zumutbar. Da es sich bei seiner bisherigen
Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter in einer Fensterfabrik um eine körperliche
Schwerarbeit handle, sei er in dieser Tätigkeit seit dem 15. Februar 2007 bleibend zu
100 % arbeitsunfähig. Körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten seien dem
Versicherten maximal fünf Stunden pro Tag zumutbar; hinzu komme eine geschätzte
Leistungseinbusse von 20 % infolge eines schmerzbedingt vermehrten Bedarfs an
Pausen und einem langsameren Arbeitstempo. Der Versicherte sei somit in einer
optimal adaptierten Tätigkeit maximal noch zu 50 % arbeitsfähig. Der Beginn der
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit sei auf ca. Sommer 2008, d.h. ein halbes
Jahr nach der zweiten Operation, festzulegen. Mit Bezug auf die medizinischen
Massnahmen erklärte der rheumatologische Sachverständige, dass der Endzustand
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erreicht sei. Wirbelsäulenorthopädisch wäre an sich die Indikation für einen
stabilisierenden Eingriff gegeben, die Erfolgsaussichten seien aufgrund der
psychischen Situation jedoch zurückhaltend zu beurteilen. Die medikamentöse
Therapie halte er, da nebenwirkungsreich, für kontraproduktiv. Dr. med. L._,
Neurologie FMH, gab im neurologischen Teilgutachten (IV-act. 50 - 51 ff.) an, dass die
Untersuchung und die Beurteilung durch das ausgeprägte Schmerzverhalten
wesentlich erschwert gewesen seien. Es bestehe eine Gangstörung mit ausgeprägtem
Entlastungshinken links und fehlendem Abrollen, wobei sich das Gangbild nach dem
Verlassen der neurologischen Praxis wesentlich flüssiger mit sichtbarem Abrollen links
verbessert habe. Im Bereich des linken Armes habe sich eine diffuse, nicht näher
fassbare fragliche Kraftminderung bei nur inkonstantem Innervieren und Nachlassen
gezeigt. Es bestehe eine diffuse Kraftminderung des linken Beines bzw. eher eine
verminderte Innervation, so dass die Kraft letztendlich nicht habe beurteilt werden
können. Die Lasègue-Prüfung mit der Frage nach einer persistierenden
Reizsymptomatik habe nicht durchgeführt werden können. Neurologisch-klinisch
bestehe ein in etwa unveränderter Befund gegenüber demjenigen der Rehaklinik im Mai
2009. Soweit fassbar bestehe ein lumboradikuläres sensibles Ausfallsyndrom S1 und
leicht L5. Die ausstrahlenden Schmerzen ins linke Bein seien am ehesten im Sinne
eines residuellen Schmerzsyndroms zu interpretieren. Aufgrund der beschriebenen
Befunde mit einer deutlichen Überlagerung und einem ausgeprägten Schmerzverhalten
sei die Beurteilung aus neurologischer Sicht schwierig. Bei der langen
Medikamentenliste mit Analgetika, Antidepressiva, Antiepileptika sowie Neuroleptika
könne nicht mit Sicherheit beurteilt werden, ob allenfalls überlagernd noch eine
Nebenwirkung durch diese Polymedikation bestehe. Eine Abgrenzung der
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit aus neurologischer Sicht von jener aus
rheumatologischer Sicht sei nicht möglich. Deshalb sei die Arbeitsfähigkeit gemeinsam
beurteilt worden. Dr. med. M._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, erklärte im
psychiatrischen Teilgutachten vom 4. April 2011 (IV-act. 50 - 56 ff.), der Versicherte
habe angegeben, dass die Kinder seit der Scheidung im Juni 2007 keinen Kontakt mit
ihm haben wollten. Das Besuchsrecht sei eingeschränkt worden. Aus heutiger Sicht
betrachtet habe ihm die Scheidung nie Schmerzen bereitet und auch der
Kontaktabbruch zu den Kindern habe ihn nicht getroffen. Seine Verletzungen und nicht
die Scheidung hätten ihn geärgert. Er habe Wutgefühle auf seine erste Frau, da sie ihm
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durch die Übernahme des Hauses seine Existenzgrundlage entzogen habe. Durch eine
erneute Heirat habe er die Inanspruchnahme der Spitex umgehen können. Ohne
Ehefrau sei er völlig hilflos gewesen. Er könne sich nicht vorstellen, was für Motive
seine zweite Frau zur Heirat bewogen hätten. Sie arbeite zu 100 % und besorge den
Haushalt vollumfänglich. Sie müsse ihn im Alltag weitgehend unterstützen. Durch seine
Inkontinenz sei er in seinen gesellschaftlichen Aktivitäten eingeschränkt. Er könne sich
nicht vorstellen, mit den Schmerzen irgendeine Form von Lohnarbeit auszuüben. Er sei
durchaus in der Lage, Freude zu erleben, interessiere sich intensiv für das Malen von
Landschaftsbildern. Er schlafe sehr schlecht, sei oft müde und leide unter nächtlichem
Gedankenkreisen. Der psychiatrische Sachverständige hielt in seiner Beurteilung fest,
dass betreffend die Kindheit und Jugend wenig psychische Auffälligkeiten bekannt
seien. Die Mutter habe offenbar nach dem frühen Tod des Vaters eine gute Entwicklung
und Ausbildung sicherstellen können. Der Versicherte sei Schreiner und
Berufsfeuerwehrmann geworden und habe sich in beiden Bereichen ausserordentlich
gut bewährt. Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung müsse eigentlich eine
Fehlentwicklung vom adoleszenten Alter an durchgängig bis heute beinhalten. Da
relativ wenige zuverlässige Daten über diesen Zeitabschnitt vorhanden seien, sei die
Diagnostik mit einer gewissen Unsicherheit behaftet. Der heutige Zustand des
Versicherten könne allerdings durch keine andere Diagnose ähnlich gut veranschaulicht
werden, sodass trotzdem eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert worden sei. Für
diese Diagnose sprächen vor allem die Beziehungen des Versicherten zu den beiden
Ehefrauen, die er beide in einer sehr saloppen und abwertenden Art und Weise
dargestellt habe. Beide Beziehungen hätten nicht lebendig erschienen, von echten
Gefühlen sei bezüglich der ersten Frau nichts zu spüren gewesen. Im Zusammenhang
mit dem Hauskauf habe er den Eindruck gewonnen, dass irgendetwas nicht stimmen
könne und dass ihm der Versicherte im Rahmen einer Selbstinszenierung Daten
bewusst oder unbewusst vorenthalten habe. Die beruflichen Fähigkeiten des
Versicherten seien wohl immer überdurchschnittlich gewesen. Die im Gespräch
beobachtete theatralische Seite, das Wechseln zwischen der Weinerlichkeit und dem
grossen Interesse an den Fotographien im Besprechungszimmer passten sehr gut zur
Diagnose einer histrionischen Persönlichkeitsstörung, die wohl auch die
Integrationsfähigkeit im Alltag bestimme. Einzelne depressive Phasen könnten
durchaus aufgetreten sein, weshalb die in den Akten mehrfach erwähnten Diagnosen
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nicht als falsch, sondern als vorübergehend zu bewerten seien. Auch wenn in Berichten
erwähnt werde, dass es dem Versicherten psychisch nicht gut gehe, seien diese
Beobachtungen sowohl mit der Persönlichkeitsstörung als auch mit einzelnen
depressiven Episoden sehr gut vereinbar. Eine hochdosierte Psychopharmakotherapie,
wie sie verschrieben worden sei, sei durch die Diagnosen in keiner Weise
gerechtfertigt. Insbesondere die Kombination mehrerer Schmerzmittel mit mehreren
Psychopharmaka führe mutmasslich zu einer zusätzlichen Beeinträchtigung, zu einer
Reduktion des Aktivitätenniveaus und damit zu einer Verfälschung der psychiatrischen
Störung im engeren Sinne. Damit werde auch die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
erschwert. Eine Depression lasse sich im aktuellen Zeitpunkt nicht feststellen und
Psychopharmaka seien bei einer Persönlichkeitsstörung nur mit grösster Zurückhaltung
und in niedrigsten Dosen einzusetzen. Nach den gemessenen Serumspiegeln sei die
Compliance schon jetzt ungenügend, weshalb Symptome als Folge der Verabreichung
unwahrscheinlich seien. Persönlichkeitsstörungen vermöchten in der Regel keine
Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Aufgrund der Persönlichkeitsstörung reagiere der
Versicherte jedoch übermässig auf die körperlichen Befunde. Aus den Resultaten des
ICF-Ratings sei ersichtlich, dass durch die Kombination der körperlichen und der
psychischen Aspekte tatsächlich relevante Defizite entstünden, die einer
Arbeitsfähigkeit in vollem Umfang entgegenstünden. Umstellungen würden dem
Versicherten Mühe bereiten und er benötige längere Erholungsphasen. Er konzentriere
sich übermässig auf seine körperlichen Wahrnehmungen, werde dadurch von einer
möglichen Berufstätigkeit abgelenkt und es würden Energien absorbiert, die dann für
die Arbeit nicht mehr zur Verfügung stünden. Der psychiatrische Sachverständige
schätzte die Arbeitsfähigkeit aus psychischer Sicht im Sinne einer groben Näherung in
der angestammten wie auch in einer adaptierten Tätigkeit auf 50 %. Die
Arbeitsunfähigkeit habe sich wohl schleichend durch die Kombination der
Persönlichkeitsstörung und der Schmerzsymptomatik entwickelt. Aus
Zweckmässigkeitsgründen sei der Eintritt der Arbeitsunfähigkeit auf den letzten
Arbeitstag festzusetzen. Es liege eine Chronifizierung vor, die in der Regel nur schwer
angehbar sei. In polydisziplinärer Hinsicht schätzten die Sachverständigen die
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auf 50 %. Bei einer adaptierten Tätigkeit
handle es sich um eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit. Der Versicherte
bedürfe etwas vermehrter Pausen, er müsse zwischendurch aufstehen und etwas
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herumgehen können. Die Präsenzzeit dürfe deshalb mehr als 50 % betragen. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung gelte ab dem Datum der Schlussbesprechung, d.h. ab dem
13. Mai 2011. Bis zu diesem Zeitpunkt sei der Versicherte arbeitsunfähig geschrieben.
A.m In einer Stellungnahme vom 22. Juni 2011 erklärte RAD-Ärztin Dr. E._ (IV-
act. 52), dass aus dem MEDAS-Gutachten nicht hervorgehe, ob es durch medizinische
Massnahmen zu einer arbeitsfähigkeitsrelevanten Besserung des
Gesundheitszustandes kommen würde. Am 27. Juni 2011 (IV-act. 54) fragte die IV-
Stelle bei der MEDAS Zentralschweiz nach, ob durch eine Medikamentenreduktion mit
einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit, insbesondere auch in rheumatologischer
Hinsicht, gerechnet werden könne und falls ja, ob der Versicherte im Rahmen seiner
Schadenminderungs- und Mitwirkungsplicht zu einer Medikamentenreduktion
anzuhalten sei. Dr. med. N._ (Internist) und Dr. med. O._ (Rheumatologe) von der
MEDAS Zentralschweiz antworteten am 30. Juni 2011 (IV-act. 55), dass die derzeitige
Medikation in weiten Bereichen fehlindiziert und gefährlich sei. Würde eine gesunde
Person diese Medikamente einnehmen, wäre sie den ganzen Tag müde und durch das
Opioid Tramal wesensverändert. Eigentlich könne unter einer solchen Medikation eine
Persönlichkeitsstörung nicht herauskristallisiert werden. Im Vordergrund stehe nicht die
Arbeitsfähigkeit, sondern das Befreien des Versicherten von einer Medikation, welche
eine Persönlichkeitsstörung überdecken oder eine solche vorspielen könne, die
Arbeitsfähigkeit per se lähmen könne und mit einem enormen Nebenwirkungspotential
behaftet sei. Es sei möglich, dass die Arbeitsfähigkeit durch eine adäquate Medikation
mit ganz wenigen Pharmaka verbessert werden könne. Auf die Arbeitsfähigkeit aus
rheumatologischer Sicht hätte eine Medikamentenreduktion jedoch keinen Einfluss.
Würde der Versicherte die Medikation unverändert fortsetzen, müsste in absehbarer
Zukunft mit einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit gerechnet werden.
A.n Anlässlich eines Assessmentgesprächs am 15. November 2011 erklärte der Ver
sicherte, sich nicht arbeitsfähig zu fühlen (IV-act. 61). Mit Mitteilung vom 30. November
2011 wies die Beschwerdegegnerin das Gesuch um berufliche Massnahmen ab (IV-
act. 65).
A.o Mit Vorbescheid vom 12. Juli 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass
die Zusprache einer halben Rente ab 1. Februar 2008 vorgesehen sei (IV-act. 69). Zur
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Begründung brachte sie vor, die medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass er in
seiner bisherigen Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig sei. In einer leidensangepassten
Tätigkeit sei er jedoch zu 50 % arbeitsfähig. Für die Bemessung des
Valideneinkommens sei das Einkommen aus dem Jahr 2006 beigezogen und der
Nominallohnentwicklung bis 2011 angepasst worden. Das Valideneinkommen betrage
demzufolge Fr. 71'555.--. Das Invalideneinkommen entspreche 50 % des
durchschnittlichen Jahreseinkommens eines Hilfsarbeiters im Jahr 2011, d.h. Fr.
30'888.-- (Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik [LSE], Privater Sektor,
Niveau 4; siehe auch IV-act. 67). Der Invaliditätsgrad betrage somit 57 %.
A.p Dagegen liess der zwischenzeitlich rechtlich vertretene Versicherte am 13. Sep
tember 2012 einwenden (IV-act. 73), ihm sei eine ganze Rente zuzusprechen. Seine
Rechtsvertreterin beantragte zudem die unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das
Verwaltungsverfahren. In Ergänzung des Einwandes machte sie am 15. Oktober 2012
(IV-act. 75) zusammengefasst geltend, dass der Versicherte auch in einer adaptierten
Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig sei. In einem beigelegten Bericht vom 14. Oktober
2012 (IV-act. 75-11 f.) hatte Dr. D._ dem Versicherten eine 100 %ige
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Als Grund nannte er die körperliche Behinderung sowie
eine Depression mit wiederholten suizidalen Impulsen.
A.q Mit Verfügung vom 7. November 2012 sprach die IV-Stelle dem Versicherten ab
dem 1. Februar 2008 eine Dreiviertelsrente zu (IV-act. 76 und 78). Im Begründungsteil
erklärte sie, dass mangels Eingliederungsfähigkeit keine beruflichen Massnahmen
durchgeführt worden seien. Da die 50 %ige Arbeitsfähigkeit ganztags umgesetzt
werden könne, erübrige sich ein Teilzeitabzug. Hingegen sei ein Leidensabzug von 10
% angemessen. Der Invaliditätsgrad betrage somit 61 %. Die Verfügung war an den
Versicherten adressiert. Am 12. November 2012 informierte die Rechtsvertreterin die
IV-Stelle, dass die Verfügung unzulässigerweise direkt dem Versicherten eröffnet
worden sei. Sie forderte die IV-Stelle auf, die Verfügung noch einmal korrekt, d.h. ihr als
Rechtsvertreterin, zu eröffnen. Des Weiteren zog sie das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren zurück. Am 21. November 2012 wurde
der Rechtsvertreterin die Verfügung von der Ausgleichskasse zugestellt, wobei sie auf
den 16. November 2012 umdatiert worden war. Der Verfügung war zu entnehmen, dass
sie die Verfügung vom 7. November 2012 ersetze (act. G 1.1 Beilage 1).
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B.
B.a Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
7. Januar 2013 Beschwerde erheben. Seine Rechtsvertreterin beantragte sinngemäss
die Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer ganzen Rente; eventualiter sei
die Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zur Behandlung des
Nebenwirkungssyndroms bei Polypharmazie sowie allenfalls zur Prüfung beruflicher
Eingliederungsmassnahmen zurückzuweisen; subeventualiter sei eine erneute
psychiatrische Abklärung über einen längeren Zeitraum anzuordnen. In formeller
Hinsicht beantragte die Rechtsvertreterin die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren. Zur Begründung machte sie
geltend, dass sogar die Suva den Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit für
nicht mehr arbeitsfähig halte. Der Beschwerdeführer könne eine allfällige
Restarbeitsfähigkeit ohnehin nicht verwerten, da es in der freien Wirtschaft solche
Stellen nicht gebe. Die Beschwerdegegnerin habe denn auch nicht aufgezeigt, welche
konkreten Tätigkeiten dem Beschwerdeführer noch zumutbar seien. Sollte dennoch
von der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ausgegangen werden, müsste wegen
der zusätzlichen, nicht planbaren Pausen ein Teilzeitabzug von 17 % vorgenommen
werden. Da zusätzlich ein Leidensabzug angezeigt sei, erscheine ein Maximalabzug
von 25 % vom Tabellenlohn als realistisch. Weiter sei die Diagnose einer histrionischen
Persönlichkeitsstörung nicht nachvollziehbar, da eine solche der behandelnden
Psychiaterin wie auch während des Aufenthalts in der psychiatrischen Tagesklinik hätte
auffallen müssen. Der Beschwerdeführer leide unter immer wieder auftretenden
depressiven Schüben mit suizidalen Tendenzen. Und schliesslich habe die
Beschwerdegegnerin keinen Eingliederungsversuch vorgenommen, obwohl dies von
den MEDAS-Sachverständigen vorgeschlagen worden sei.
B.b Am 18. Februar 2013 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei (act. G 5). Zur Begründung brachte sie vor,
dass vorliegend einzig die Rentenhöhe Anfechtungsgegenstand sei; auf den Antrag, es
seien berufliche Massnahmen durchzuführen, sei deshalb nicht einzutreten. Die
Invalidenversicherung sei nicht an den von der Unfallversicherung festgestellten IV-
Grad gebunden. Zudem habe die Suva den IV-Grad noch gar nicht definitiv festgesetzt.
Der Beschwerdeführer sei von der MEDAS umfassend polydisziplinär untersucht
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worden. Die Sachverständigen hätten die Arbeitsfähigkeit trotz der Tramal- und
Benzodiazepinabhängigkeit bestimmen können. Weitere Abklärungen seien daher nicht
notwendig. Dem Beschwerdeführer stünden geeignete Arbeitsstellen auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt zur Verfügung, beispielsweise leichtere
Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie Verpackungsarbeiten und
leichtere Arbeiten bei der Lager- und Ersatzteilbewirtschaftung. Das Valideneinkommen
entspreche dem zuletzt erzielten Erwerbseinkommen im Jahr 2006, d.h. Fr. 67'903.--.
Eine Aufwertung könne unterbleiben, da davon auszugehen sei, dass sich das Validen-
und das Invalideneinkommen in etwa gleich entwickelt hätten. Basis des
Invalideneinkommens sei der durchschnittliche Lohn eines Hilfsarbeiters, welcher im
Jahr 2006 Fr. 59'197.-- betragen habe. Da der Beschwerdeführer nur noch leichte
Hilfsarbeitertätigkeiten ausüben könne, sei ein Leidensabzug von 10 % vorzunehmen.
Ein höherer Abzug sei nicht gerechtfertigt, da die Einschränkungen wegen des
Rückens bereits in die Arbeitsfähigkeitsschätzung einbezogen worden seien. Aufgrund
der tiefen Restarbeitsfähigkeit von 50 % sei auch ein Tabellenlohnabzug von 10 %
vorzunehmen. Das Invalideneinkommen betrage somit Fr. 23'679.--, woraus ein
Invaliditätsgrad von 65 % resultiere.
B.c Am 20. Februar 2013 bewilligte das Versicherungsgericht die unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung) für das vorliegende Beschwerdeverfahren (act. G 6).
B.d Mit ihrer Replik vom 22. April 2013 (act. G 11) hielt die Rechtsvertreterin an den
mit der Beschwerde gestellten Anträgen fest. Zur Begründung führte sie an, dass die
Diskrepanz zwischen der Beurteilung der Suva und der MEDAS nicht einfach ignoriert
werden dürfe. Das Invalideneinkommen könne zudem nicht einfach anhand des
durchschnittlichen Lohnes eines Hilfsarbeiters im privaten Sektor festgelegt werden, da
sich die Löhne je nach Tätigkeit und Region erheblich unterschieden. Die Annahme,
dass es im Produktions- und Dienstleistungssektor viele offene Stellen gebe, treffe
heute nicht mehr zu. Der Beschwerdeführer würde auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt keine Tätigkeit finden, die seinem Leiden angepasst wäre.
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 13).
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B.f Am 14. Januar 2015 informierte das Versicherungsgericht die Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers, dass der Entscheid des Versicherungsgerichts zu einer
reformatio in peius führen könnte, da die Beschwerdegegnerin zu Unrecht die
altrechtliche Regelung des Rentenbeginns angewendet habe. Gemäss der
neurechtlichen Regelung könnte ein allfälliger Rentenanspruch erst ab 1. April 2009
entstehen (act. G 14). Innert zweimal erstreckter Frist teilte die Rechtsvertreterin am 13.
April 2015 mit, dass der Beschwerdeführer an der Beschwerde festhalte. Er sehe sich
u.a. durch die Haltung der Suva bestärkt, die von einem Invaliditätsgrad von 70 %
ausgehen werde (act. G 20). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine
Stellungnahme hierzu (vgl. act. G 21).
B.g Am 19. Mai 2015 teilte das Gericht der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
mit, dass die Rechtzeitigkeit der Beschwerdeerhebung fraglich sei, da sie spätestens
am 12. November 2012 Kenntnis von der Verfügung vom 7. November 2012 gehabt
habe (act. G 22). Bei dieser Sachlage könnte die Auffassung vertreten werden, der
Zustellungsfehler sei spätestens am 12. November 2012 irrelevant geworden. Das
Gericht räumte ihr die Gelegenheit ein, zur Frage der Rechtzeitigkeit der Beschwerde
Stellung zu nehmen. Die Rechtsvertreterin antwortete am 8. Juni 2015, dass sie vom
Beschwerdeführer am 12. November 2012 telefonisch darüber orientiert worden sei,
dass er eine Verfügung erhalten habe (act. G 23). Daraufhin habe sie die
Beschwerdegegnerin schriftlich darum ersucht, die Verfügung erneut, und zwar ihr als
Rechtsvertreterin, zu eröffnen. Die Ausgleichskasse habe ihr in der Folge am 21.
November 2012 eine Verfügung eröffnet, welche vom 16. November 2012 datiere.
Diese Verfügung enthalte den Vermerk, dass sie die Verfügung vom 7. November 2012
ersetze. Es sei ihr somit in Korrektur eines Zustellungsfehlers nicht einfach eine Kopie
der Verfügung vom 7. November 2012 zugestellt worden, sondern diese sei durch eine
neue Verfügung ersetzt worden. Dies liege in der Kompetenz der verfügenden Stelle.
Ob die Verfügung vom 16. November 2012 inhaltlich mit der Verfügung vom 7.
November 2012 übereinstimme, entziehe sich ihrer Kenntnis. Das Schreiben der
Rechtsvertreterin vom 8. Juni 2015 wurde der Beschwerdegegnerin zur Kenntnisnahme
zugestellt (act. G 24).

Erwägungen:
1.
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1.1 Vorab ist zu klären, ob der Beschwerdeführer rechtzeitig Beschwerde erhoben hat
und somit auf die Beschwerde einzutreten ist. Die Rechtsvertreterin hat der
Beschwerdegegnerin das Vertretungsverhältnis am 19. Juli 2012 angezeigt (IV-act. 70).
Gemäss Art. 37 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) macht der Versicherungsträger seine
Mitteilungen an die Vertretung, solange die Partei die Vollmacht nicht widerruft. Aus
einer mangelhaften Eröffnung einer Verfügung darf der betroffenen Person kein
Nachteil erwachsen (Art. 49 Abs. 3 ATSG). Eine fehlerhaft eröffnete Verfügung ist somit
nicht schlechthin nichtig mit der Konsequenz, dass die Rechtsmittelfrist nicht zu laufen
beginnen könnte. Aus dem Grundsatz, dass den Parteien aus mangelhafter Eröffnung
keine Nachteile erwachsen dürfen, folgt vielmehr, dass dem beabsichtigten
Rechtsschutz schon dann Genüge getan wird, wenn eine objektiv mangelhafte
Eröffnung trotz ihres Mangels ihren Zweck erreicht. Das bedeutet nichts anderes, als
dass nach den konkreten Umständen des Einzelfalls zu prüfen ist, ob die betroffene
Partei durch den gerügten Eröffnungsmangel tatsächlich irregeführt worden ist.
Richtschnur für die Beurteilung dieser Frage ist der auch in diesem prozessualen
Bereich geltende Grundsatz von Treu und Glauben, an welchem die Berufung auf
Formmängel in jedem Fall ihre Grenze findet (Urteil des Bundesgerichts vom 21. März
2003, I 868/02 E. 2 mit Hinweisen).
1.2 Der Beschwerdeführer hat seine Rechtsvertreterin am 12. November 2012
telefonisch darüber informiert, dass er eine Verfügung erhalten habe. Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine betroffene Partei aufgrund der sie
treffenden zumutbaren Sorgfalt verpflichtet, sich spätestens am dreissigsten Tag der
erfolgten Zustellung bei ihrer Rechtsvertretung zu erkundigen, ob ein Entscheid auch
dieser oder nur ihr persönlich zugestellt worden ist, sodass gestützt auf Treu und
Glauben ab diesem Zeitpunkt eine 30-tägige Rechtsmittelfrist einzuräumen ist (ARV
2002 S. 66; Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2002, I 598/01 E. 2.2). Gestützt
auf diese Rechtsprechung könnte der Schluss gezogen werden, dass die
Rechtsmittelfrist im vorliegenden Fall am 13. November 2012 zu laufen begonnen
habe. Diesfalls wäre die Beschwerdefrist am 12. Dezember 2012 abgelaufen und die
Beschwerde vom 7. Januar 2013 somit verspätet erfolgt. Im Urteil I 868/02 (Erw. 3) hat
das Bundesgericht in einem gleichgelagerten Fall allerdings entschieden, dass die
Beschwerdefrist erst mit der Eröffnung der Verfügung gegenüber der Rechtsvertreterin
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zu laufen begonnen habe. Es hat erwogen, dass die Beschwerdeführerin und ihre
Rechtsvertreterin dadurch, dass sich die Beschwerdeführerin bereits am vierten Tag
nach der bei ihr mit normaler Briefpost erfolgten Eröffnung mit ihrer Rechtsvertreterin in
Verbindung gesetzt habe und sich letztere noch am gleichen Tag bei der
Beschwerdegegnerin und der zuständigen Ausgleichskasse um die nochmalige,
korrekte Zustellung der Verfügung bemüht habe, ihre Sorgfaltspflicht unzweifelhaft
erfüllt hätten und damit die vorgenannte Rechtsprechung (ARV 2002 S. 66) auf diesen
Sachverhalt nicht anwendbar sei. Im vorliegenden Fall ist die Verfügung vom 7.
November 2012 dem Beschwerdeführer frühestens am 8. November 2012 zugestellt
worden. Auch er hat sich somit innert vier Tagen, nämlich am 12. November 2012, mit
seiner Rechtsvertreterin telefonisch in Verbindung gesetzt. Diese hat die
Beschwerdegegnerin noch am selben Tag schriftlich aufgefordert, ihr die Verfügung
nochmals zu eröffnen (IV-act. 79-1). Der Beschwerdeführer und seine Rechtsvertreterin
haben damit ihre Sorgfaltspflicht erfüllt und die Beschwerdefrist hat erst am Folgetag
der Zustellung der Verfügung an die Rechtsvertreterin, d.h. am 22. November 2012, zu
laufen begonnen. Unter Berücksichtigung des Fristenstillstandes vom 18. Dezember
bis und mit 2. Januar ist der letzte Tag der Beschwerdefrist der 7. Januar 2013
gewesen. Die Beschwerde ist folglich am letzten Tag der Frist und somit rechtzeitig
erhoben worden. Unter diesen Umständen kann offen bleiben, ob die Verfügung vom
7. November 2012 durch die Verfügung vom 16. November 2012 ersetzt worden ist
und falls nicht, ob sich die Rechtsmittelfrist gestützt auf den Anspruch auf
Vertrauensschutz verlängert hätte, weil die Ausgleichskasse der Rechtsvertreterin die