Decision ID: 7f2b57a3-ada7-452d-8092-5ad6a1822332
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der
1962
geborene
X._
war zuletzt
vom
7.
Dezember
2004
bis
3
1.
März 2015
als
Chauffeur
bei der
Y._
ange
stellt
(
Urk.
9/1
2
und
Urk.
9/31/5
)
. Am
6.
November 2013
meldete er sich unter Hinweis auf
Herz
probleme
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
9/6
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tä
tigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und liess
den Versicherten ins
besondere
durch
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
psychiatrisch
begutachten (Expertise vom
26. Dezember 2015
;
Urk.
9/54/2-37
). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk.
9/60 und
Urk.
9/63
) wies sie das
Leistungsbegehren
mit Verfügung vom
3
0.
Mai
2016
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
1.
Juli
2016
Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, die Verfügung vom
3
0.
Mai 2016
sei aufzuheben und es sei
ihm eine IV-Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zur Ergänzung des Sachverhalts und neuerliche
n
Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das Verfah
ren sei zu sistieren. Die Vorinstanz sei anzuweisen, bei Herrn
Dr.
A._
von der
B._
auf eigene Kosten ein Obergutachten einzuholen.
Zudem sei ihm die unentgeltliche Prozessführung unter Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung zu bewilligen
. Am
1
3.
September 2016
(Urk.
8
) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Be
schwerde
.
Mit Verfügung vom 1
9.
Oktober 2016 (
Urk.
14) wies das hiesige Ge
richt das Sistierungsgesuch ab.
Am
6.
Januar 2017 hielt der Beschwerdeführer replicando an seinen Anträgen fest (
Urk.
16) und reichte mehrere Arztberichte ein (
Urk.
17/3-6). Mit Eingabe vom
6.
Februar 2017 verzichtete die Beschwerde
gegnerin auf das Einreichen einer Duplik (
Urk.
19),
was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
7.
Februar 2017
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
20
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
n
-
ander
gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene lei
stungsabweisende Verfü
gung vom 3
0.
Mai 2016
(Urk. 2) damit, dass
der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei. Es bestehe ein rentenausschliessen
der Invaliditätsgrad.
De
r
psychiatrischen Gutachter
in
seien
Berichte von
med.
pract
.
C._
,
FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie,
und
der Hausärztin
Dr.
med.
D._
bekannt gewesen. Die von diesen neu eingereichten Schrei
ben
würden
keine neuen Tatsachen
enthalten
, weshalb am Entscheid festgehal
ten
werde
(S. 2)
.
Ergänzend hielt sie fest (
Urk.
8), das Gutachten erfülle die Anforderungen an eine beweiskräftige Expertise
.
Es fänden sich kaum Gründe, die gegen die Wie
deraufnahme der angestammten Tätigkeit sprächen. Selbst wenn von einer Ar
beitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ausgegangen werde, sei
er
in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig und habe keinen Anspruch auf eine Rente (S. 1
f.
).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
das psychiatrische Gutachten
entspreche
- aus näher dargelegten Gründen -
kaum wissenschaftlich anerkannten Standards (S. 3 f.).
Er sei bei der
B._
in Behandlung und von dieser erneut zu begutachten (S. 4).
In seiner Replik
(
Urk.
16) begründete er erneut, weshalb Zweifel am Beweiswert des psychiatrischen Gutachtens beständen.
Das Einholen
eines Obergutachtens dränge sich
deshalb
auf (S. 3-5). Er leide zudem an somatischen Beschwerden, welche nicht ausreichend abgeklärt worden seien (S. 5
). Selbst bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
bestehe unter Berück
sichtigung eines Leidensabzugs von
mindestens
20
%
Ansp
ruch auf eine Vier
telsrente (S.
6).
3.
3.1
Die Hausärztin
Dr.
D._
führte in ihrem Bericht vom 1
4.
August 2014 (
Urk.
9/22/1-5) aus, der Beschwerdeführer habe Schmerzen im Brustkorb links
thorakal von abwechselnder Intensität, welche sich bei Bewegung verstärken
würden
und
von
Schweissausbrüchen und Angst begleitet seien. Es sei ihm des
halb nicht möglich, anstrengende Tätigkeiten durchzuführen beziehungsweise Tätigkeiten, welche subjektiv von ihm als Belastung empfunden würden. Es be
stehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Ein neuerlicher Versuch der Arbeits
aufnahme mit 20 bis maximal 50
%
sei anstrebenswert (S. 3 f.).
3.2
Mag.
rer
. nat.
E._
, Fachpsychologin für Psychotherapie,
Dr.
med. univ.
F._
, Ärztin Psychosomatik, und
Dr.
med.
G._
, FA für Psychiatrie und Psy
chotherapie, von der
H._
, in welcher sich der Beschwerdeführer vom 7. August bis
3.
September 2014 zur stationären psychosomatischen Rehabilita
tion aufgehalten hatte, hielten in ihrem Bericht vom 1
8.
September 2014 (
Urk.
9/56) folgende Diagnosen fest:
-
Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt
-
Verdacht auf anhaltende somatoforme Schmerzstörung
-
fremdanamnestisch PTBS (während des aktuellen Klinikaufenthaltes nicht symptomatisch)
-
Status nach
Myocardinfarkt
Mai 2013 bei
-
Koronarer Zweigefässerkrankung, (Status nach Akut-PCI des Marginalas
tes Mai 2013 und PCI des RIVA Juli 2013 mit gutem Langzeitergebnis)
-
nichtkardialen, rezidivierenden
thoracovertebralen
Schmerzen und persistie
renden Schmerzen im LWS-Bereich
-
Status nach
Helicobacter
pylori
Eradikation
April 2014
-
Hämorrhoidalleiden
Dazu führten sie aus, der Beschwerdeführer erkläre sich seinen Herzinfarkt durch ein Zusammenwirken von lang andauernden Stresssituationen im Stras
senverkehr als LKW-Fahrer und unter erhöhtem Arbeitsdruck sowie einer her
kunftsfamiliären Neigung zu Herzkrankheiten. So seien seine Eltern sowie müt
terlicherseits die Grossmutter, ein Onkel sowie eine Nichte an plötzlichem Herztod verstorben. Für den derzeitigen Zustand habe er ein rein somatisches Krankheitsmodell und es bestehe ein völliges Abblocken beim Versuch, ein
Psy
chogeneseverständnis
zu entwickeln (S. 5 f.). Gespräche mit dem Chefkardiolo
gen in seiner Landesprache hätten bei ihm zu einer Erleichterung geführt, er habe eine akzeptierende Haltung in Bezug auf die Schmerzsymptome annehmen können und habe das Gefühl gehabt, erstmalig seine komplexe Problematik verstanden zu haben (S. 2).
3.
3
M
ed.
pract
.
C._
stellte in ihrem Bericht vom
4.
Mai 2015 (
Urk.
9/35) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren seit ca. Sommer 2013
-
Status nach Myokardinfarkt Mai 2013 mit Status nach Reanimation
-
Status nach
posteriorem
STEMI mit out
of
Hospital
arrest
bei Kammerflim
mern mit PCI
-
Status nach mehrfachem
Stenting
2013
Dazu führte sie aus, der Beschwerdeführer sei seit dem
5.
November 2014 bei ihr in Behandlung, dies zunächst mit Gesprächen alle zwei bis drei Wochen, seit Februar 2015
mit
monatlicher Behandlung. Das Koronarleiden sei in
seiner
Fa
milie verbreitet
. Sein Herzinfarkt habe deshalb Todesängste in ihm ausgelöst. Er könne aber nun seit einiger Zeit wieder Vertrauen in sich fassen und fühle sich unter regelmässiger ärztlicher Überwachung sicherer. Körperliche Anstrengun
gen und Aufregung würden
Thoraxschmerzen
verursachen, die dann wieder Ängste in ihm auslösen würden. Bei angepasster Belastung gehe es ihm ziem
lich gut, auch psychisch.
Seine
schwerwiegende somatische Einschränkung sei nicht durch Willenskraft zu überwinden, auch bei stabilem psychischem Befin
den sei er deutlich psychisch verlangsamt. Eine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt erscheine aufgrund der psychomotorischen Verlangsamung und körperlichen Einschränkungen nicht mehr möglich, eine Tätigkeit als LKW-Fahrer sei ausgeschlossen. Allenfalls sei eine
Arbeit
an einem
g
eschützten Ar
beitsplatz zu 20
%
ohne körperliche Belastung möglich
(S.
1-3).
3.4
Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH für Kardiologie und Innere Medizin, hielt in sei
nem Bericht vom 13./2
0.
August 2015 (
Urk.
9/39) über die kardiologische Ver
laufskontrolle fest, von kardiologischer Seite her könne erneut entwarnt wer
den. Es bestehe kein kardialer linksseitiger
Thoraxschmerz
, die Beschwerden seien eindeutig
thorakovertebraler
Genese. Der Beschwerdeführer habe zurzeit keine koronaren Beschwerden. Von kardialer Seite her bestehe keinerlei Ein
schränkung zum Führen eines Privatfahrzeuges
,
zudem eigentlich keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 2 f.).
3.5
Dr.
Z._
stellte in ihrem Gutachten vom 2
6.
Dezember 2015 (
Urk.
9/54/2-37) folgende
Di
agnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 29):
-
Verdacht auf c
hronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
Dazu führte sie aus,
der Beschwerdeführer lebe mit seiner Frau und seine
r
Toch
ter
in einer Mietwohnung. Das Verhältnis zur Familie und zu den Verwandten
in Portugal
sei gut, es bestehe Kontakt. Er schlafe bis ca. 7 bis 9 Uhr mit vielen Unterbrüchen. Tagsüber sei er sehr müde. Am Morgen gebe es Kaffee und ein kleines Frühstück mit
Früchten
, dann nehme er seine Medikamente. Durch die Nebenwirkungen fühle er sich sehr schlapp. Anschliessend gehe er spazieren und kehre zum Mittagessen heim. Er bleibe nicht gern zu Hause, weil er dann zu viel nachdenke über seine Beschwerden. Meist habe er am Nachmittag The
rapie- und Arzttermine. Abends kämen die Tochter und Ehefrau zurück, sie äs
sen zusammen und würden TV schauen. Dann nehme er seine Medikamente und gehe schlafen. Er mache sich Sorgen um die Gesundheit, seine Zukunft und die der Familie. Er habe Angst, einen weiteren Herzinfarkt zu bekommen. Des
wegen gehe er, wenn er allein in der Wohnung sei, meist auf die Strasse, weil er in der Öffentlichkeit im Falle eines Infarktes schnell gefunden und reanimiert werden könnte. Die Tochter und Ehefrau würden sich telefonisch mehrmals täg
lich nach ihm erkundigen. Er habe zweimal die Woche Physiotherapie. Meist mache er medizinische Trainingstherapie, er habe auch schon Akupunktur ge
macht, gehe auch schwimmen und laufe viel. Wenn er könne, helfe er ein wenig im Haushalt. Weil er jetzt nicht mehr mit dem LKW unterwegs sei, habe er so
ziale Kontakte verloren. Er habe aber grundsätzlich das Bedürfnis nach Ge
meinsamkeit nicht verloren, sei gesellig. Zwei Papageien würden ihm zu Hause Gesellschaft leisten. Früher habe er Schlagzeug gespielt, aktuell versuche er et
was Gitarre zu spielen. Im September sei er
mit seiner Frau
drei Wochen in Portugal gewesen, wo er sich sehr wohl gefühlt habe. Für ihn bedeute die Arbeit Erfüllung und Geldverdienst, die Familie stehe aber im Mittelpunkt. Er sei seiner Heimat verbunden, habe sich in der Schweiz aber gut integriert, so dass er sich in beiden Ländern heimisch fühle. Am liebsten würde er immer zwischen der Schweiz und
Portugal
hin und her
wechseln, ein halbes Jahr hier, ein halbes Jahr dort. Er habe seine Arbeit immer mit Freude gemacht
und sei sehr traurig, dass er diese nicht mehr fortsetzen könne. Er hätte gern sein fröhliches Leben so weitergeführt (S. 15 f.
und S. 29
).
Der Beschwerdeführer äussere den Wunsch
,
PKW zu fahren
,
und habe hier offen
sichtlich keine Sicherheitsbedenk
en im Fall
e
eines Herzinfarktes (S. 20).
Seine
massiv erhöhten Blutfette
würden
darauf hin
weisen
, dass er selbst nicht auf Massnahmen achte, die der langfristigen Reduktion derselben dienen wür
den. Dies bedeute, dass er einen wichtigen Risikofaktor für einen Herzinfarkt nicht ausreichend kontrolliere und sich damit selbst gefährde. D
a
s stehe im Wi
derspruch zu seiner Ängstlichkeit vor einem neuen Infarkt. Seine Angaben, er richte sein Verhalten ganz darauf aus, gesund zu bleiben, Stress zu vermeiden und für den Notfall schnell reanimierbar zu sein, seien unglaub
haft
angesichts der Tatsache, dass er einen wichtigen Risikofaktor nicht reduziere. Zudem
wäre
zu erwarten, dass e
r sich eine Tagesstruktur suche
, bei der er unter Menschen wäre, um schnelle medizinische Hilfe im Notfall zu erhalten. Es sei unklar, wes
halb er nicht in einer Tagesklinik oder in einer ähnlichen Tagesstruktur inte
griert sei (S. 22).
Psychopathologisch würden sich keine relevanten Befunde, die eine Auswir
kung auf die Leistungsfähigkeit als Chauffeur hätten, ergeben. Konzentration, Aufmerksamkeit und Gedächtnis seien alters- und den Umständen entspre
chend. Die subjektiven Beschwerden würden sich mit den objektiv-klinischen Befunden nur zum Teil belegen lassen. Es gebe Diskrepanzen und Unklarheiten, so dass kein stimmiges Bild aus Krankheitsverlauf, Auswirkungen auf die Leis
tungsfähigkeit und Einschätzung der Ressourcen hinsichtlich der Wiedereinglie
derung entstehe (S. 22).
Der Beschwerdeführer könne beispielsweise Zukunfts
pläne machen, am liebsten würde er halbjährlich zwischen der Schweiz und
Portugal
wechseln. Dies widerspreche sei
n
en Angaben, dass er seinen baldigen Tod erwarte und sich deshalb nie allein in der Wohnung aufhalte, um reani
miert werden zu können. Die von ihm angegebenen Ängste vor einem Unfall beim Führen eines Fahrzeuges widersprächen seinem Wunsch, privat Auto zu fahren. Der subjektiv geschilderte Leidensdruck durch die Ängste scheine zudem bisher nicht zu einer Anpassung der antidepressiven Medikation und der Psy
chotherapiemethode geführt zu haben. Eine gezielte verhaltenstherapeutische Exposition beispielsweise im Fahrtraining sei bisher nicht durchgeführt worden, würde aber eine leitliniengerechte Methode bei Angst vor dem Fahren und in der allgem
ei
nen Angstbewältigung im Alltag sein. Bei einer Angststörung sei der Einsatz von Antidepressiva oder zumindest in Reserve von Benzodiazepinen zu erwarten, offenbar sei die Angst nicht so ausgeprägt, dass hier eine Opti
mierung de
r
Medikation notwendig erschienen wäre (S.
25).
Er habe zwei Arbeitsversuche unternommen, sich aber unsicher und unwohl gefühlt und das Autobahnfahren habe ihn sehr gestresst. Er habe aus eigenem Entschluss aufgehört, bevor er einen Unfall verursacht habe. Danach sei sein Führerschein eingezogen worden (S. 29).
Aufgrund der Diskrepanzen und Inkonsistenzen könne lediglich die Verdachts
-
di
agnose
einer Schmerzstörung gestellt werden.
Es sei nicht auszu
schliessen, dass eine solche vorliege. Das klinische Bild sei aber zu diffus, um die Diagnose anhand der Befunde aus den Akten im Längsschnitt oder der Be
funde der Begutachtung eindeutig zu bestätigen.
Weitere Diagnosen schloss
die Gutachterin
mit ausführlicher Begründung aus (S. 22-24
und S. 35
).
Während der Begutachtung habe er sich auf die Defizite konzentriert und seine Ressour
cen vernachlässigt, was aber im Rahmen einer Begutachtung normal sei und nicht Ausdruck von Krankheit sein müsse. Es handle sich um einen bewusst
seinsfernen Prozess (S. 30). Zurzeit bestehe vor allem aus Sicherheitsgründen seit Mai 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit wegen möglicher Selbst- und Fremdgefährdung im Strassenverkehr. Sofern er
sich selbst die Arbeit wieder zutraue, könne er jedoch aus versicherungspsychi
atrischer Sicht per sofort wieder mit der angestammten Tätigkeit beginnen. In einer angepassten Tätigkeit ohne das Führen von grossen Fahrzeugen, ohne lang dauernde
r
Stress durch hohen Leistungsdruck oder sch
wierige gefährliche Situationen und
in strukturierten Arbeiten mit wenig Kreativität und Anpas
sungsfähigkeit
und
einem hohen Routineanteil
sowie
regelmässigen Arbeitszei
ten ohne Nacht- und nur selten Pikettdienst bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(S. 34 f.).
4.
4.1
Das psychiatrische Gutachten
von
Dr.
Z._
vom 2
6.
Dezember 2015 (E. 3.5 hievor) beruht auf den erforderlichen Untersuchungen
, ist für die streitigen Be
lange umfassend
und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten Vorakten erstellt. Die Gutachter
in
legte die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar und setzte sich mit den geklagten Beschwer
den und dem Verhalten de
s
Beschwerdeführer
s
auseinander.
Sie
zeigte
ausführ
lich
auf
,
weshalb lediglich die Verdachtsdiagnose einer
chronische
n
Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktoren
gestellt werden k
ann
, nicht aber die Diagnosen einer Depression, einer Herzphobie, einer Anpassungsstö
rung oder einer posttraumatischen Belastungsstörung (S. 22-24).
Die Gutachter
in
wies auf psyc
hosoziale Belastungsfaktoren hin (
S. 23
)
, welche sie jedoch bei der Beurteilung der beruflichen Leistungsfähigkeit ausschloss. Ebenso wies sie auf erhebliche Diskrepanzen zwischen de
n
subjektiv geschil
derten
Ängsten vor einem Unfall beim Führen eines LKWs und
dem
Wunsch, privat Auto zu fahren, hin
(S. 25)
.
So auch
zwischen dem subjektiv geschilder
ten Leidensdruck durch die Ängste
und dem Nichtanpassen der antidepressiven Medikation
sowie
der Psychotherapiemethode
, welche
beide optimiert werden könnten
(S. 25)
.
Zudem auch zwischen der Angst vor einem erneuten Infarkt und der Selbstgefährdung durch die massiv erhöhten Blutfette, welche von ihm nicht ausreichend kontrolliert werden
(S. 22)
.
Weiter auch zwischen der geschil
derten Angst nach Überschreiten der körperlichen Belastungsgrenze und der 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der körperlich nicht anstrengenden Tätigkeit als Chauffeur (S.
19 f.).
Angesichts dieser Umstände
erscheint es für den
rechtsan
wendenden medizinischen Laien nachvollziehbar, dass die Gutachter
in
lediglich
die
Verdachtsdiagnose
einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
stellen konnte
.
Dr.
Z._
gelangte
sodann zum ausführlich begründeten
und für das Gericht
nachvollziehbaren
Schluss, dass
der Beschwerdeführer
in der zuletzt
ausgeübten
Tätigkeit
als Chauffeur zurzeit nicht, in einer angepassten Tätigkeit ohne das Führen von grossen Fahrzeugen, ohne lang dauernde
n
Stress durch hohen Leistungsdruck oder schwierige gefährliche Situationen, in strukturierten Ar
beiten mit wenig Kreativität und Anpassungsfähigkeit und einem hohen Routi
neanteil
sowie
regelmässigen Arbeitszeiten ohne Nacht- und nur selten
em
Pi
kettdienst hingegen zu 100
%
arbeitsfähig ist
(S. 34 f.)
. Das Gutachten
ent
spricht damit den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweis
kräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl. E. 1.4 hiervor).
4.2
4.2.1
Zum Einwand des Beschwerdeführers,
der im Gutachten erwähnte
Dr.
J._
kenne ihn nicht (
Urk.
1 S. 3), ist festzuhalten, dass dieser immerhin einen Be
richt zu Händen der Taggeldversicherung verfasst hat (
Urk.
9/49/28 f.)
;
von ei
ner diesbezüglich falschen Feststellung im Gutachten kann damit nicht gespro
chen werden. Die Gutachterin wies zudem darauf hin, dass die von ihr befragte Oberärztin in
der H._
den Fall nur sehr oberflächlich kenne (
Urk.
9/54
S. 17)
. D
er Beschwerdeführer sieht sich offenbar in Bezug auf Fahrten mit se
inem PKW als fahrtauglich (vgl.
S. 21 sowie
Urk.
9/57). Fahrten mit diesem, um seine Ängste
in einer
Tätigkeit als LKW-Chauffeur
zu konfrontieren
, sind damit nicht abwe
gig. Von einem LKW-Fahrtherapeuten
(
Urk.
1 S. 4)
war
– entgegen der Darstel
lung in der Beschwerde -
im Gutachten nicht die Rede (vgl.
Urk. 9/54
S. 25).
Dr.
Z._
empfiehlt
ihm
zudem nicht, Benzodiazepine zu nehmen, vielmehr schliesst sie aus der Tatsa
che, dass er keine solche
n
nimmt -
zu Recht
-
,
dass seine Ängste nicht so ausgeprägt sein dürften, wie von ihm geltend gemacht (vgl. S. 25).
Weiter
brachte
der Beschwerdeführer
vor
,
die Gutachterin habe ihrer Diagnose und Arbeitsfähigkeitsbeurteilung eine falsche Feststellung zu Grunde gelegt
, in
dem sie davon ausgegangen sei, dass er erst vor kurzem
ein Restaurant
gekauft habe (
Urk.
16 S. 4).
Fraglich ist, weshalb es - trotz Beizug einer Dolmetscherin (
Urk.
9/54 S. 2) - zu einem solchen Missverständnis gekommen sein soll. Dies kann jedoch offenbleiben, nachdem die Gutachterin ihre
Aussagen nicht alleine aufgrund des Restaurantkaufs
und -verkaufs
getätigt
hat
. So stützten sich ihre Ausführungen
in Bezug auf die
Leistungsfähigkeit
im Privatleben
auch darauf, dass
d
er
Beschwerdeführer
privat PKW fährt, aus Angst vor einem weiteren Herzinfarkt hingegen keinen LKW mehr fahren will.
Seine
Zukunftspläne äus
sern sich
zudem
auch in seiner Aussage, dass er diese gerne sowohl in der Schweiz als auch in Portugal verbringen
würde
, wenn er nicht mehr arbeiten
müsse (
Urk.
9/54 S.
29)
, ebenso in der Tatsache, dass er sich
auf mehrere Stellen beworben
hat
(S. 19
).
Seine
Aussagen sind diesbezüglich inkonsistent, wie dies die Gutachterin zu Recht festhält. Es ist deshalb nachvollziehbar, dass sie in Be
zug auf die psychischen Beschwerden lediglich eine Verdachtsdiagnose stellen konnte. Selbst wenn nicht nur eine Verdachts-
,
sondern die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren zu stellen wäre,
würde
der Beschwerdeführer durch die diesbezüglichen Beschwer
den
in einer angepassten Tätigkeit nicht ein
ge
schränk
t
sein
(vgl. E. 5
hienach
), weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist.
Dr.
Z._
wies zwar auf eine Verdeutlichungstendenz hin, führte dazu aber aus, dass es im Rahmen einer Begutachtung normal sei, dass sich
Exploranden
auf
ihre
Defizite konzentrier
t
e
n
und
ihre
Ressourcen vernachlässig
t
e
n
(S. 30). Von einer tendenziösen Haltung der Gutachterin kann nicht die Rede sein. Die Einwände des Beschwerdeführer
s
vermögen damit nichts daran zu ändern, dass das
Gutachten den
rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweis
kräftige medizinische Entscheidungsgrundlage
entspricht.
Von weiteren
diesbe
züglichen
Abklärung
en
- insbesondere vom beantragten Obergutachten -
sind keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung (
vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen)
verzichtet wird.
Auch vom Einholen eines Berichts bei der
B._
ist abzusehen, nachdem der Be
schwerdeführer dort erst seit dem 2
4.
Juni 2016 in Behandlung ist (
Urk.
3), mit dieser somit erst nach Erlass der angefochtenen Verfügung begonnen hat.
4.2.2
Den Berichten von
med.
pract
.
C._
vom 1
2.
Februar 2016 (
Urk.
9/61) und Dr.
D._
vom 2
2.
Februar 2016 (
Urk.
9/62) sind keine neuen Tatsachen zu entnehmen. Ob den behandelnden Ärztinnen das Gutachten von
Dr.
Z._
be
kannt war, ist zudem nicht ersichtlich,
jedenfalls setzten sie sich mit
diesem
und de
r
darin aufgeführten Diagnose
sowie
de
r
abweichenden Einschätzung in Be
zug auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht auseinander.
Die Be
richte vermögen
damit
keinen
Zweifel an der Beweiskraft des Gutachtens
zu be
gründen.
5.
5.1
Zur (Verdachts-)Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) ist festzuhalten, dass
bei dieser -
i
m Unterschied zu einer somatoformen Schmerzstörung (ICD-10
F45.40), bei welcher ein andauernder, schwerer und quälender Schmerz im Vordergrund steht
-
ein über sechs Monate bestehender Schmerz in mehreren anatomischen Regionen
beschrieben
wird
. Der Diagnose
(ICD-10 F45.41; zum Umstand, dass sie in der ICD-10 Klassifikation der WHO nicht vorkommt, vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C
_168/2015 vom 1
3.
April 2016 E.
3.2)
fehlt damit ein Bezug zum Schwere
grad (vgl. Peter Henningsen, Probleme und offene Fragen in der Beurteilung der Erwerbsfähigkeit bei Probanden mit funktionellen Körperbeschwerdesyndromen, SZS 2014 S. 535 Ziff. 4.3.1). Die
Diagnose macht damit - auch wenn
nachvoll
ziehbar dargelegt
-
die Notwendig
keit einer rechtlichen Überprüfung der psy
chiatrischen Einschränkungen be
ziehungsweise einer Plausibilitätsprüfung an
hand der rechtserheblichen Indi
katoren (E. 5.2.1 und 5.2.2 hernach) deutlich (vgl. dazu BGE 142 V 106 E. 4.2 und E. 4.4).
5
.2
5.2.1
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung
zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organi
sc
he Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 und an
schliessende Urteile) angepasst und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichti
gen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE 130 V 352 begründete Rechtsprechung die Sicherstellung eines ge
setzmässigen Versi
cherungsvollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung.
A
n dieser Rechtsprechung
hielt das Bundesgericht
nicht
mehr
fest. Das bisherige Regel/Ausnahme-Modell w
u
rd
e
durch ein strukturiertes Beweisverfahren ersetzt. An der Recht
sprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berücksichti
gung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung und objektivierte Zu
mutbar
keitsprüfung bei materieller Beweislast der rentenansprechenden Person (Art. 7
Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch nichts. An die Stelle des bisheri
gen Kri
terienkatalogs (bei anhaltender somatoformer Schmerzstörung und vergleich
baren psychosomatischen Leiden) treten im Regelfall beachtliche Stan
dardindikatoren. Diese lassen sich in die Kategorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präponderanz
der psychiatrischen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der Standardindik
a
toren wie auch bei
deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Einzelfall zusammen. Im Grunde
konkreti
sieren die in E. 4 und 5 formulierten Beweisthemen und Vor
gehens
weisen für die Invaliditätsbemessung bei psychoso
matischen Leiden die ge
setz
geberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die Anerkennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funk
tionellen Auswirkun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen An
spruchsgrundlage im Ein
zelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und
widerspruchsfrei mit (zu
mindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nach
gewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (E. 6).
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden somato
formen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosoma
ti
schen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bun
desgericht wie folgt systematisiert hat (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sour
cen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
ba
ren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leis
tungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundes
ge
richts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
5.2.2
Hervorzuheben ist dabei,
dass die juristische Anspruchsprüfung in jedem Fall Aufgabe des Rechtsanwenders und insoweit die medizinische Schätzung der Leistungsfähigkeit rechtlich nicht verbindlich ist (vgl. BGE 141 V 281
E. 5.2.2). Eine
Indikatorenprüfung
fällt somit auch dann nicht automatisch und
unbesehen der konkreten Umstände ausser Betracht, wenn nach ärztli
cher Beurteilung ein Leiden die Arbeitsfähigkeit nicht in relevanter Weise be
ein
trächtigt (so aus
drücklich Urteil des Bundesgerichts 9C_154/2016 vom 19. Okto
ber 2016 E.
4.1).
5.3
5.3.1
Was den K
omplex
„Gesundheitsschädigung" respektive den Indikator
der „Ausprä
gung der diagnoserelevanten Befunde“ angeht, ist festzuhalten, dass sich aus dem diagnostizierten Schmerzsyndrom dessen Schwere nicht plausi
bi
lisieren lässt (vgl. E. 5.1 hievor)
.
Bezüglich des Indikators
„Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resi
stenz
“ fehlt es sodann an einer adäquaten Ausschöpfung der Therapie
möglich
keiten
, ist der Beschwerdeführer doch seit Februar 2015 lediglich einmal pro Monat
und zuvor ab
5.
November 2014 alle zwei bis drei Wochen
in psychiat
rischer Behandlung
. Eine solche Behandlungskadenz
deutet auf einen zwar vor
handenen, aber nicht allzu
grossen
Leidensdruck hin.
Von einer konsequenten (vgl. dazu etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_814/2016 vom 3. April 2017
E. 5.3.2 mit Hinweisen), langjährigen
T
herapie, de
ren Scheitern das Leiden als re
sistent ausweisen würde, kann jedenfalls nicht gesprochen werden.
Die durch
geführte
supportive
Therapie hat
zudem
gemäss
Dr.
Z._
nicht die Heilung von den psychischen Problemen zum
Ziel, sondern nur die Stabilisi
er
u
ng und die Krisenprävention
.
Auch die
Medikation könnte optimiert werden
(
Urk.
9/54 S. 25 und S. 31
).
5.3.2
Als „Komorbiditäten“ sind lediglich krankheitswertige Störungen zu berück
sichti
gen, welchen eine eigenständige Bedeutung zukommt.
Solche sind keine vorhanden
, insbesondere leidet der
Beschwerdeführer
nicht
an koronaren Be
schwerden
(E. 3.4 hievor)
.
5.3.3
Beim Komplex „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ ergibt sich Folgendes:
Der
Beschwerdeführer ist verheiratet und
Vater von zwei erwachsenen Töchtern, wovon eine noch zu Hause wohnt. Er hat acht
Geschwister im
Herkunftsland, mit welchen er in Kontakt steht.
Er
steht
zwischen 7 und 9 Uhr auf, geht nach dem Frühstück spazieren und kehrt anschliessend für das Mittagessen nach Hause zurück. Am Nachmittag hat er Therapie- und Arzttermine. Er geht auch schwimmen, verlässt die Wohnung wann immer möglich, läuft viel und
spielt
Gitarre. Abends isst er mit seiner Ehefrau und Tochter und schaut
mit ihnen
TV. Diese erkundigen sich auch tagsüber telefonisch mehrmals täglich nach ihm.
Zwar hat er soziale Kontakte verloren, ist jedoch nach wie vor gesellig. Durch seine
Einbettung in die Familie
erhält er zudem
e
ine Tagesstruktur. Trotz eines gewissen sozialen Rückzugs enthält der
soziale Lebenskontext bestätigende, sich potenziell günstig auf die Ressourcen auswirkende Faktoren.
5.3.4
In der
Kategorie „Konsistenz“ (bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Be
zü
gen zu den Komplexen „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ einge
hend
Mi
chael E. Meier,
Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in:
Jusletter
vom 11. Juli 2016,
S. 28 ff.) zielt
der Indikator „
gleichmässige
Ein
schränkung des Aktivitätsni
veaus in allen vergleichbaren Lebensberei
chen“ auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Er
werb (bzw. bei Nichterwerbstäti
gen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitgestaltung) anderseits gleich aus
geprägt ist, wobei das Aktivitätsniveau der versicherten Person stets im Ver
hältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfä
higkeit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Der
Beschwerdeführer sieht sich nicht mehr in der Lage, einer Arbeit nach
zu
gehen.
Sein
Tagesaktivitätsniveau ist zwar in einem gewissen Umfang ein
ge
schränkt, jedoch (längst) nicht entsprechend de
r
von ih
m
geltend ge
mach
ten
100%igen Arbeitsunfähigkeit. Auch war
er
etwa in der Lage,
zwei Monate
vor der Begutachtung
für
drei Wochen
nach Portugal
zu fahren, was ebenfalls ge
gen eine ausgeprägte Einschränkung im Alltag spricht.
5.3.5
Im Rahmen des Indikators „behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausge
wiesener Leidensdruck“ (zur Abgrenzung vom Indikator „Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz“ vgl. Michael E. Meier, a.a.O., S. 25
Rz
60) weist d
ie
Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das
heisst
das
Ausmass
, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben ver
nach
lässigt werden (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Ein
gliede
rungs
erfolg oder -resistenz unter dem Komplex „Gesundheitsschädi
gung") auf
den tatsächli
chen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu be
rücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der be
ruflichen (Selbst-) Eingliederung. In
konsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Ein
schränkung sei anders begründet als durch eine ver
sicherte Gesundheitsbeein
trächtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2;
vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
Der
Beschwerdeführer
steht
wie dargelegt
seit Februar 2015 einmal pro Monat
und zuvor ab
5.
November 2014 alle zwei bis drei Wochen
in psychiatrischer Behandlung. Von einem ausgewiesenen Leidensdruck kann in Anbetracht der verhältnismässig geringen Behandlungsintensität nicht gesprochen werden.
Dr.
Z._
wies denn auch darauf hin, dass die
vom Beschwerdeführer
geschil
derte Angst offenbar nicht so ausgeprägt sei, dass eine Optimierung der Medi
kation notwendig erschienen wäre (
Urk.
9/54 S. 25). Auch kontrolliere er seine massiv erhöhten Blutfette nicht ausreichend, was im Widerspruch zur Angst vor
einem neuen Infarkt stehe (S. 22). Der Beschwerdeführer scheint zwei Arbeits
versuche gemacht zu haben (S. 29 und S. 32), doch sind diese nicht dokumen
tiert,
weshalb
aus deren Scheitern keine Schlüsse gezogen werden können.
5.3.6
Bei gesamthafter Betrachtung über die massgeblichen Indikatoren ist
eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
nicht mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
6.
Zu den vom Beschwerdeführer geltend gemachten somatischen Beschwerden ist festzuhalten, dass eine diesbezügliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in ei
ner angepassten Tätigkeit vor Abschluss des Verwaltungsverfahrens am 30. Mai 2016 (vgl. dazu BGE 132 V 215 E. 3.1.1) nicht ausgewiesen ist. Eine seit Verfü
gungserlass allfällig eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustandes ist praxisgemäss im Rahmen einer Neuanmeldung bei der Beschwerdegegnerin geltend zu machen.
7
.
7
.1
Der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Einkommensvergleich wird vom Beschwerdeführer lediglich dahingehend bestritten, als dass
diese
zu Un
recht keinen Leidensabzug berücksichtigt habe. Es sei ein
e Kürzung von
min
destens 20
%
vorzunehmen
.
7
.2
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ur
sprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der Vergleichsein
kommen mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen. Es ist nicht von dem von der IV-Stelle vorgenommenen Abzug auszugehen und dieser ange
messen zu erhöhen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E.
3
.
2 mit Hinweis auf
SVR 2011 IV Nr. 31 S. 90, 9C_728/2009 E. 4.1.2).
Die gesundheitlich bedingte Unmöglichkeit, weiterhin körperlich schwere Arbeit zu verrichten, führt nicht automatisch zu einer Verminderung des hypotheti
schen Invalidenlohnes, weil der Tabellenlohn im Anforderungsniveau
1
bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_455/2013 vom
4.
Oktober 2013 E. 4.4).
Mit Bezug auf den behinderungs- beziehungsweise leidensbedingten Abzug ist zu beachten, dass das medizinische Anforderungs- und Belastungsprofil eine zum zeitlich zumutbaren Arbeitspensum tretende qualitative oder quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit darstellt, wodurch in erster Linie das Spektrum der erwerblichen Tätigkeiten (weiter) eingegrenzt wird, welche unter Berücksichtigung der Fähigkeiten, Ausbildung und Berufserfahrung der versi
cherten Person
realistischerweise
noch in Frage kommen. Davon zu unterschei
den ist die Frage, ob mit Bezug auf eine konkret in Betracht fallende Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage verglichen mit einem gesunden Mitbewer
ber nur bei Inkaufnahme einer Lohneinbusse reale Chancen für eine Anstellung bestehen. Lediglich wenn - auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (zu diesem Begriff
BGE 110 V 273
E. 4b) - unter Berücksichtigung solcher Ein
schränkungen, die personen- oder arbeitsplatzbezogen sein können, kein genü
gend breites Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten mehr besteht, rechtfertigt sich allenfalls ein (zusätzlicher) Abzug vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E.
3.1.1
mit Hinweisen).
Das fortgeschrittene
Alter führt nicht automatisch zu einem Abzug, zumal sich dieses im Anforderungsniveau
1
sogar eher lohnerhöhend auswirkt. Es ist je
doch bezogen auf die durchschnittliche Lebensarbeitszeit als ein abzugsrele
vanter Aspekt immer unter Berücksichtigung aller konkreten Umstände des Ein
zelfalles zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 9C_455/2013 vom
4.
Oktober 2013 E. 4.2). Dass das Alter die Stellensuche faktisch negativ beeinflussen kann, muss als invaliditätsfremder Faktor unberücksichtigt bleiben (Urteil des Bundes
gerichts 8C_808/2013 vom 1
4.
Februar 2014 E. 7.3).
Die Bedeutung der Anzahl Dienstjahre nimmt im privaten Sektor ab, je niedri
ger das Anforderungsprofil ist (AHI 1999 177 E. 3b S. 181), weshalb mit Blick auf das Anforderungsniveau
1
die lange Betriebszugehörigkeit keinen Abzug zu rechtfertigen vermag (Urteil des Bundesgerichts 9C_455/2013 vom
4.
Oktober 2013 E. 4.1 mit Hinweisen).
Der Umstand, dass die versicherte Person gemäss den medizinischen Angaben auf eine Tätigkeit angewiesen ist, die im Sitzen verrichtet werden kann und die Möglichkeit zu gelegentlichen Positionswechseln bietet, ihre Einsatzmöglich
keiten daher begrenzt sind, ist im Hinblick auf den allein massgeblichen ausge
glichenen Arbeitsmarkt (
Art.
16 ATSG;
BGE 134 V 64
E. 4.2.1) nicht abzugsre
levant (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_176/2012 vom 3. September 2012 E. 8).
7
.3
Zum Vorbringen des Beschwerdeführers, der Totalwert aus TA1 im Kompetenzni
veau 1 der LSE 2012 könne lediglich von Männern im Bergbau, auf dem Bau, bei der Herstellung von Waren und im Transportwesen erreicht werden, ist festzuhalten, dass dies bei
-
wie de
r
Beschwerdeführer
-
über 50jährigen Männern nicht zutriff
t. Vielmehr kann diese
s Einkommen
auch von
Reinigungspersonal und Hilfskräften sowie
von einer
Hilfskraft in der Land-
und
Forstwirtschaft
sowie
Fischerei erzielt werden (vgl. Berufshauptgruppe 9 in der Tabelle 17 der LSE 2012
, vgl. dazu das entsprechende Vorbringen,
Urk.
16 S.
6
)
.
Dass
ihm
bis zum Verfügungserlass nur noch leichte körperliche Tätigkei
ten zugemutet werden könnten, ist nicht erstellt.
Zudem kann den Unterlagen nicht entnommen werden, dass
er in den letzten Jahren als LKW-Fahrer schwere körp
erliche Arbeit verrichtet hätte
.
Die von der Gutachterin geschil
derte Beschränkung möglicher Tätigkeiten aus psychischen Gründen dürfte zwar einen Leidensabzug rechtfertigen, jedoch
höchstens einen solchen von 10
%
.
Zusätzliche Gründe für einen leidensbedingten Abzug sind nicht ersicht
lich.
7
.4
Gestützt auf die nachvollziehbaren Ausführungen der Beschwerdegegnerin
(Urk.
2 S.
2
und
Urk.
9/
58
) ist damit
bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in ei
ner den Beschwerden angepassten Tätigkeit
von
einem Valideneinkommen von Fr. 89‘119.90
und einem Invalideneinkommen von
Fr.
66‘158.40
(
beziehungs
weise unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 10
%
von Fr. 59‘542.55
)
per 2014 auszugehen, was einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von
26
%
(
beziehungsweise 33
%
)
ergibt.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
8
.
8
.1
Die Kosten des Verfahrens (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) sind auf Fr.
1‘0
00.--
festzule
gen und ausgangsgemäss de
m
Beschwerdeführer aufzuerlegen.
8
.2
Der Beschwerdeführer ersuchte jedoch um unentgeltliche Rechtspflege.
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung erfüllt, wenn der Pro
zess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche Verbeistän
dung notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Bedürf
tig ist eine Per
son, wenn sie ohne Beeinträchtigung des für sie und ihre Fa
milie nötigen Lebensunterhaltes nicht in der Lage ist, die Prozesskosten zu bestreiten (BGE 128 I 225 E. 2.5.1). Massgebend sind die wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt, in dem das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (§ 28 lit. a
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
]
i.V.m
. Art. 119
der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO]
) eingereicht wird (BGE 120
Ia
179 E. 3a), oder – bei seither eingetretenen Veränderungen – auch in demjenigen der Entscheidfindung (BGE 108 V 265 E. 4). Bei der Beurteilung der Bedürftig
keit ist das Einkommen beider Ehegatten zu berücksichtigen (BGE 115
Ia
193
E. 3a, 108
Ia
9 E. 3).
8
.3
8
.3.1
Aus dem vom Beschwerdeführer am 2
8.
September 2016 unterzeichneten „Formu
lar zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit“ (Urk. 11) und den ein
ge
reichten Unterlagen (Urk. 12/1-19) ergibt sich folgendes Bild seiner wirt
schaftlichen Fähigkeit:
8
.3.2
Der Beschwerdeführer und seine Ehefrau verfügen über ein monatliches Einkom
men von durchschnittlich
Fr.
5‘
898
.-- (
Urk.
1
1 S. 3
).
8
.3.3
Die Auslagen belaufen sich auf
Fr.
1‘700.-- für den Grundbetrag
von Ehegatten
,
Fr.
1‘470.-- für die Miete
(
Urk.
12/3)
,
Fr.
296.-- für ungedeckte Gesundheits
kosten (
Urk.
12/18 und
Urk.
12/19)
und
Fr.
85.-- für die Steuern (
Urk.
12/9 und
Urk.
12/10)
. Ebenso zu berücksichtigen sind die
Krankenkassenprämien der ob
ligatorischen Grundpflegeversicherung
. Aus den eingereichten Unterlagen ist nicht ersichtlich, ob im geltend gemachten Betrag von
Fr.
835.--
(
Urk.
12/6 und
Urk.
12/7)
auch
(nicht zu berücksichtigende)
Beiträge an die
überobligatorische Krankenversicherung (VVG)
enthalten sind. Vorliegend wird jedoch aus pro
zessökonomischen Gründen
ausnahmsweise von weiteren diesbezüglichen Ab
klärungen abgesehen und
der gesamte Betrag angerechnet.
Anzurechnen sind zudem die Prämien der Hausrat- und Haftpflichtversicherung von
Fr.
25.-- (
Urk.
12/16).
Zu den Fahrkosten der Ehefrau ist festzuhalten, dass diese in der ZVV-Z
one 110 wohnt und
sich
der Sitz ihrer
Arbeitgeberin
ebenfalls in dieser Zone
befindet (
Urk.
12/2 und Urk.
12/3)
. Zu berücksichtigen sind deshalb ledig
lich die in der ZVV-Zone 110
anfallenden
Fahrkosten von
Fr.
65.-- pro Monat (
Abfrage SBB Ticketshop: Jahresstreckenabonnement für Erwachsene ZVV Zone 110 von
Fr.
782.--)
statt den geltend gemachten
Fr.
201.-- (
Urk.
12/8)
. Nicht
zu berücksichtigen sind die geltend gemachten
berufsbezogenen
Fahrkoste
n des Beschwerdeführers von Fr.
349.--
(Urk. 12/13)
, nachdem
dieser keiner Arbeit nachgeht; e
benso wenig der Einstellplatz von
Fr.
151.20
(
Urk.
12/4)
, nachdem dem Fahrzeug kein Kompetenzcharakter zukommt. Die Stromkosten von
Fr.
7
4.--
(
Urk.
12/5)
sowie Telefonkosten (
Urk.
12/14 und
Urk.
12/15)
sind im Grund
betrag enthalten und ebenfalls nicht
zusätzlich
zu berücksichtigen.
Mehrausla
gen bei der auswärtigen Verpflegung sind
nur zu berücksichtigen, wenn diese
nachgewiesen sind, was vorliegend nicht der Fall ist. Der geltend gemachte Be
trag von
Fr.
220.-- ist folglich nicht anzurechnen.
Daraus ergibt sich ein Exis
tenzminimum (inkl. Steuern) von
Fr.
4‘476.--
(vgl. zum Ganzen auch das K
reisschreiben der Verwaltungskommission des Obergerichts des Kantons Zü
rich an die Bezirksgerichte und die Betreibungsämter über Richtlinien für die Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums vom 16. September 2009
)
.
8
.3.4
Es stehen somit Einkünfte von
Fr.
5‘
898
.--
Ausgaben von
Fr.
4‘476.--
gegen
über. Wird davon
der gerichtsübliche
Freibetrag für Ehepaare von Fr. 600.--
a
b
gezogen, verbleibt weiterhin ein Einnahmenüberschuss von Fr.
822
.-- pro Mo
nat
beziehungsweise von
Fr.
9
‘
864
.-- pro Jahr
.
Dabei nicht eingerechnet ist die Kostenbeteiligung der zwei erwachsenen Töchter, sofern diese nach wie vor im gleichen Haushalt leben (vgl. hierzu
Urk.
9/54/16).
D
e
r
Beschwerdeführer
ist damit in der Lage
,
die anfallenden
Gerichts- und Anwaltskosten - allenfalls in
Ratenzahlungen - innert
eines Jahres
selbst zu begleichen. Die finanzielle Be
dürftigkeit ist folglich nicht ausgewiesen.
Es erübrigt sich
deshalb
, das Vorlie
gen der übrigen Voraussetzungen zur Gewährung der unentgeltlichen Rechts
pflege zu prüfen. Das Gesuch
um
unentgeltliche Prozessführung unter Bestel
lung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung ist
abzuweisen.