Decision ID: c17ba8ca-0a85-4156-a58e-62c464835ad8
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970,
leidet an
hemiplegischer
Migräne mit seit 1999 persistierender,
beinbetonteter
Hemiparese auf der linken Seite
und Cluster
kopfschmerzen
(vgl.
Urk.
6/5
,
Urk.
6/37
).
Am
1.
September 2008 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte
bei der So
zial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV Stelle,
unter Hinweis auf Clus
ter
k
opfschmerzen und chronische Migräne zum Bezug von Leistun
gen der In
va
li
den
versicherung an (
Urk.
6/14).
Die IV-Stelle veranlasste eine psychiatrisch-neuropsychologische Untersuchung
(
Urk.
6/37,
Urk.
6/49)
und
nahm eine Ab
klä
rung der beeinträchtig
ten Arbeitsfähigkeit
in Beruf und Haushalt
bei der Versi
ch
er
ten
zu H
ause vor
(vgl. Haushaltsabklärungsbericht vom 16.
De
zember 2010, Urk. 6/65). Gestützt darauf verneinte die IV-Stelle nach durch
geführtem
Ein
wand
verfahren
(Vorbescheid vom 1
3.
April 2011 [
Urk.
6/67], Einwa
nd vom 30.
Mai 2011 [
Urk.
6/77]) mit Ver
fügung vom 1
2.
April 2012 einen Renten
an
spruch (
Urk.
6/82). Die dagegen erho
be
ne Beschwerde vom 1
6.
Mai 2012 (Urk. 6/84/3-20) hiess das hiesige Gericht
mit Urteil vom 2
5.
März 2013
gut und wies die Sache an die IV-Stelle zur weiteren Abklärung zurück (Prozess
Nr. IV.2012.00548; vgl.
Urk.
6/90).
1.2
Am 2
7.
Februar 2014 (Eingangsdatum) reichte die Versicherte
bei der IV-Stelle
ein Gesuch um
Hilflosenentschädigung
ein (
Urk.
6/99).
Die IV-Stelle holte
die
Be
richte der behandelnden Ä
rzte ein (
Urk.
6/109,
Urk.
6/132
,
Urk.
6/203
) und
ordnete
(wiederholt)
eine polydisziplinäre medizinische Untersuchung an (
Urk.
6/139),
an der
die Versicherte gesundheitsbedingt nicht teilnehmen
konnte (vgl. Schreiben vom 2
9.
Juni 2018,
Urk.
6/204)
. In der Folge veranlasste die IV-Stelle am 2
2.
August 2018 eine medizinische Abklärung durch
Dr.
med. Y._
, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD), bei der Versicherten zu Hause
(vgl. Abklä
rungsbericht vom 23.
Au
gust 2018,
Urk.
6/21
8
). Gleichzeitig wurde eine Beurtei
lung der Hilf
lo
sig
keit durchgeführt (vgl. Abklä
rungsbericht für
Hilflosenent
schä
digung
für Er
wach
sene vom 23. August 2018,
Urk.
6/212). Gestützt darauf stellte die IV-Stelle mit Vor
bescheid vom 23. August 2018 die Abweisung des Begehrens um
Hilf
lo
sen
ent
schä
di
gung
in Aussicht (Urk. 6/213). Dagegen erhob die Versi
cherte mit Schrei
ben vom 2
4.
Sep
tember 2018
Einwand (Urk. 6/215). Mit Verfü
gung vom 1. No
vem
ber 2018 ver
neinte die IV-Stelle wie vorbeschieden ein
en
Anspruch auf
Hilf
losen
ent
schädi
gung
(Urk. 6/219 =
Urk.
2).
2.
Gestützt auf den Haushaltsabklärungsbericht vom 2
3.
August 2018 (
Urk.
6/21
8
) s
tellte
die IV-Stelle der Versicherten rückwirkend ab
1.
September 2007 eine ganze Rente der Invalidenversicherung
in Aussicht. (vgl. Vorbescheid vom
5.
No
vember 2018 [
Urk.
6/222] und
Urk.
6/227).
3
.
Mit Eingabe vom
3.
Dezember 2018 (
Urk.
1) und unter Beilage eines Schreibens ihres behan
delnden Arztes sowie ihrer Mutter (Urk. 3/3-4) erhob die Versicherte Be
schwer
de gegen die Verfügung vom
1.
November 2018
und beantragte, die an
ge
fochtene Verfügung sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu ver
pflichten, ihr ab
1.
Februar 2013 eine
Hilflosenentschädigung
mittleren Grades zu
zusprechen. Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zur ergän
zen
den Abklä
rung des Hilfsbedarfs zurückzuweisen.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
Januar 2019 (Urk. 5) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 1
4.
Januar 2019 wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zur Kenntnisnahme zuge
stellt (Urk. 7).
4
.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine
Hilflosenentschä
digung
. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die we
gen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der
Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV]
). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Le
bens
-
verrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
Ankleiden, Auskleiden;
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
Essen;
Körperpflege;
Verrichtung der Notdurft;
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.2
1.2.1
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
e.
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewie
sen ist.
1.2.2
Gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; oder
c.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades nach Art. 37 Abs. 2
lit
. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebens
verrichtungen voraus (BGE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E. 2).
1.
3
1.3
.1
Nach
Art.
38
Abs.
1 IVV liegt ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sinne von
Art.
42
Abs.
3 IVG vor, wenn eine volljährige versicherte Person aus
serhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit:
a.
ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen kann;
b.
für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung ei
ner Drittperson angewiesen ist; oder
c.
ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.
Zu berücksichtigen ist nur diejenige lebenspraktische Begleitung, die regelmässig und im Zusammenhang mit den in Absatz 1 erwähnten Situationen erforderlich ist
(
Art.
38
Abs.
3 IVV).
Als regelmässig im Sinne von
Art.
38
Abs.
3 Satz 1 IVV gilt die lebenspraktische Begleitung, wenn sie über eine Periode von drei Monaten gerechnet im Durch
schnitt mindestens 2 Stunden pro Woche benötigt wird (BGE 133 V 450 E. 6.2).
Die lebenspraktische Begleitung beinhaltet weder die (direkte oder indirekte) Dritthilfe bei den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen noch die Pflege noch die Überwachung. Sie stellt vielmehr ein zusätzliches und eigenständiges Institut der Hilfe dar (BGE 133 V 450 E. 9).
1.3
.2
Lebenspraktische Begleitung besteht nur dann, wenn eine Person unter Berück
sichtigung der Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht nicht fähig ist, ihre Grundversorgung sicherzustellen (
Nahrung, Körperpflege, angemessene Klei
dung, minimale Anforderungen an die Wohnungspflege usw.) und deshalb in ein Heim oder eine Klinik eingewiesen werden müsste (
Rz
.
8040
des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der IV, KSIH, gültig ab 1. Januar 2015
).
Die Not
wendigkeit der lebenspraktischen Begleitung liegt vor, wenn die betroffene Per
son auf Hilfe bei mindestens einer der folgenden Tätigkeiten angewiesen ist: Hilfe bei der Tagesstrukturierung, Unterstützung bei der Bewältigung von All
tags
situationen (z.B.
Fragen der Gesundheit, Ernährung, Hygiene, einfache admi
nis
trative Tätigkeiten, etc.), Haushaltsführung. Zum Haushalt gehören
Leistungen wie Wohnung putzen und aufräumen, Wäsche erledigen, Mahlzeiten vorbereiten, usw. Die erforderlichen Hilfeleistungen sind aber unter dem Gesichtspunkt einer Verwahrlosung zu evaluieren. Es muss also immer geprüft werden, ob die
ver
si
cherte Person ohne die ent
sprechende Hilfe in ein Heim eingewiesen werden müsste
(
Rz
. 8050 KSIH).
Dabei ist neben der indirekten auch eine direkte Dritthilfe zu berücksichtigen. Demnach kann die Begleitperson die notwendigerweise an
fallenden Tätigkeiten auch selber ausführen, wenn die versicherte Person dazu gesundheitsbedingt trotz Anleitung oder Über
wa
chung/Kontrolle nicht in der Lage ist (BGE 133 V
450
E. 10.2
;
Rz
. 8050.2 KSIH
).
Das Bundesgericht hielt dabei fest, massgeblich sei nicht die Art der Dritthilfe, sondern ausschliesslich die durch die Dritthilfe zu erreichende Selbständigkeit des Wohnens (BGE 133 V 450 E. 4.3).
Das Gesetz macht den Anspruch auf
Hilf
losenentschädigung
auch nicht davon abhängig, ob die lebenspraktische Be
gleitung kostenlos erfolgt oder nicht (BGE 133 V 472 E. 5.3.2).
1.
4
Gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines Leistungsan
spruchs unter anderem Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen
(vgl. auch
Rz
.
8131 ff. KSIH).
Nach der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit (Art. 9 ATSG) oder des Pflegebedarfs folgenden An
forderungen zu genügen: Als Berichterstatterin oder Berichterstatter wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und
Hilfsbedürftigkeiten
hat. Bei Unklarheiten über physi
sche oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie der tatbestandsmässigen Erfordernisse der dauernden Pflege und der persönlichen Überwachung und der lebenspraktischen Begleitung sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigen
den Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente
Abklärungsper
son näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (
BGE 133 V 450 E. 11.1.1, 130 V 61 E. 6.1 f.
). Diese Grundsätze gelten entsprechend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem Gesichtspunkt der lebenspraktischen Begleitung (BGE 133 V 450 E. 11.1.1; vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_464/2015 vom 14. September 2015 E. 4) sowie unter dem Aspekt des Intensivpflegezuschlags (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_573/2018 vom 8. Januar 2019 E. 3.2).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom
1.
November 2018 (
Urk.
2) hielt die Be
schwer
de
gegnerin fest, mit der lebenspraktischen Begleitung könne nur Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
leichten Grades geltend gemacht werden. Die Abklärung vor Ort habe ergeben, dass die Beschwerdeführerin lediglich im Be
reich der Fortbewegung auf regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen sei, wobei der anrechenbare Zeitaufwand unter den geforderten zwei Stunden pro Woche liege.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom
3.
De
zem
ber 2018 (
Urk.
1) zusammengefasst geltend,
der Abklärungsbericht vom 23.
Au
gust 2018 stelle eine unzulängliche
Entscheidgrundlage
für die Fest
stel
lung des Hilfsbedarfs aus lebenspraktischer Begleitung dar. Indem sie ohne die regelmässige erhebliche Unterstützung ihrer Mutter beziehungsweise der Putz
kraft leidensbedingt in ein Heim eingewiesen werden müsste, habe sie Anspruch auf eine lebenspraktische Begleitung
sowohl im Haushalt
als auch bei ausser
häuslichen Verrichtungen. Aufgrund des doppelten Hilfsbedarfs bestehe ein An
spruch in der Höhe einer
Hilflosenentschädigung
mittleren Grades.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Hilf
lo
senentschädigung
hat.
3.
3.1
Seit 2003 ist die Beschwerdeführer
in
bei
Dr.
med.
Z._
, FMH Neurologie und Chefarzt am
A._
, in Behandlung (vgl.
Urk.
6/109).
Aufgrund der schweren
Schmerzsymptomatik führe er auch Hausbe
suche durch (vgl. Untersuchungsbericht vom
1.
Oktober 2009,
Urk.
6/37 S. 3).
In seiner Stellung
nahme vom 2
8.
Juni 2018 (
Urk.
6/203/4f.) hielt
Dr.
Z._
fest, die Be
schwerdeführerin leide sowohl an einer
hemiplegischen
Migräne
als auch an
einem Clusterkopfschmerz. Die
hemiplegische
Migräne äussere sich in plötzlichen halbseitigen Verkrampfungen, so dass
die Beschwerdeführerin
sich nicht mehr bewegen könne. Die
hemiplegische
Migräne führe oft
zu tagelanger Bett
lägerig
keit, gefolgt von relativer Mobilität, wobei die Phasen unberechenbar sei
en. Die Clusterkopf
schmerzen würden sich während Minuten bis Stunden inva
li
disierend zeigen und zirka fünfmal pro Tag auftreten.
Erschwerend hinzu komme eine stark ausgeprägte Spitalphobie
, weshalb eine Begutachtung im stationären Rahmen nicht möglich sei. Am 2
6.
Juni 2018 begab sich die Beschwerdeführerin zur Not
fall
konsultation ins
B._
.
Med.
pract
.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
thera
pie, kon
statierte in seinem Bericht vom 2
8.
Juni 2018 (
Urk.
6/203/1-3), die im Rollstuhl sitzende Beschwerdeführerin wirke schwer krank und betreuungs
be
dürftig. Sie sei bewusstseinsklar und allseits orientiert, psychomotorisch leicht unruhig. Hin
weise auf Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen gebe es keine. Ebenso
gebe es
keine Anhaltspunkte für Zwänge. Es zeige sich jedoch eine schwere iso
lierte phobische Angst vor Spitälern. Weiter zeige sich eine affektiv mittelschwer deprimierte Stimmungslage, mittelschwere Hoffnungslosigkeit so
wie eine ausge
prägte innere Unruhe. Anamnestisch sei der Schlaf durch die Mi
grä
ne
anfälle schwer gestört.
Dr.
C._
diagnostizierte eine spezifische (isolier
te) Phobie, Spitalphobie (ICD-10: F40.2) sowie ein
en
Verdacht auf eine depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1).
3.
2
3.2.1
Im Rahmen der Abklärung für
Hilflosenents
chädigung
für Erwachsene am 22.
Au
gust 2018 (
Urk.
6/212) habe die Beschwerdeführerin berichtet, täglich vier bis fünf Clusteranfälle zu haben. Die
hemiplegischen
Migräneschübe seien in den letzten vier bis fünf Monaten häufiger gewesen, wobei diese häufig am Abend oder in der Nacht auftreten würden, jedoch auch tagsüber vorkommen könn
t
en. Ein Anfall dauere zirka vier Stunden und danach benötige sie nochmals zirka zwei Stunden, bis sie wieder eini
germ
assen bei Kräften sei. Normalerweise habe sie während
zirka
vier Wochen jeden Tag eine
hemiplegische
Migräne, danach habe sie durchschnittlich 10 bis 14 Tage keinen einzigen Anfall. In den letzten Monaten sei es jedoch zu kürzeren anfallsfreien Phasen gekommen, weshalb sie körperlich und psychisch noch mehr belastet sei als sonst. In einer anfallsfreien Phase der
hemiplegischen
Migräne könne
sie sehr gut schlafen, ansonsten bleibe sie wach und versuche
,
den Schlaf tagsüber nachzuholen, was ihr aber nicht wirklich gelinge. Sie mache täglich zweimal 20 Minuten Aikido, Dehnungs
übun
gen und Meditation. Psychisch
sei
es ihr in letzter Zeit schlecht gegangen. Sie habe aber keine psychologische Unterstützung durch einen Psychiater oder Psychologen. Im Winter leide sie unter Depression, insbesondere in den Phasen der
hemiplegischen
Migräne. Dann könne sie nachts nicht schlafen, hole dies tagsüber nach und sehe danach nur noch wenige Stunden das Tageslicht. Dies sei aber schon seit 20 Jahren so und man gewöhne sich daran. Sie nehme einen Tag nach dem anderen und versuche keine Suizidgedanken zuzulassen. Wenn sie sich jedoch überlege, wie es weitergehen soll, wenn ihre Mutter einmal nicht mehr sei, sehe sie leider nicht sehr viele Möglichkeiten.
3.2.2
Dem Abklärungsbericht ist zum Bereich «Ankleiden/Auskleiden» zu entnehmen, dass die Be
schwerdeführerin
mehrheitlich selbständig sei.
Ohne Anfall könne sie Verschlüsse selber schliessen, Schuhe und Socken an- und ausziehen. Mit Knöp
f
en habe sie teilweise Schwierigkeiten. I
n der
hemiplegischen
Migräne benötige sie
jedoch
Dritthilfe beim Anziehen, da sie dann linksseitig gelähmt sei und Atem
not habe. In solchen Phasen würde sie aber mehrheitlich im Bett liegen.
Die An
fälle würden vor allem am Abend und in der Nacht auftrete
n.
Zum
Bereich «Auf
stehen/Absitzen/Abliegen»
wurde festgehalten,
die Beschwerdeführerin
könne
Po
si
tions
änderungen selbständig wahrnehmen. Sie sei in der Wohnung am Stock gegangen, habe sich alleine auf die Terrasse begeben und sich auf einen tief lie
genden Liegestuhl gesetzt. Sie habe ausserdem angegeben, häufig Übungen zu machen, um beweg
lich zu bleiben. Beim «Essen (normal zubereitete
Mahlzeiten)»
sei die Beschwerde
führerin in der Lage, die Speisen zu zerkleinern und diese selb
ständig zum Mund zu führen. Sie trinke auch selbständig aus einem Glas oder einer Tasse. Aufgrund des rollstuhlgängigen Badezimmers sei die Beschwerde
führerin im Bereich «Kör
per
pflege» absolut selbständig. Im Bereich «Reinigung nach Verrichtung der Not
durft» sei
die Beschwerdeführerin auch ohne
Closomat
selbständig. Sie nehme den Transfer auf die Toilette vorwiegend alleine vor. Frü
her habe ihr die Mutter manchmal geholfen, wenn sie einen
hemiplegischen
Mig
räneanfall hatte, heute sei die Hilfe kaum mehr notwendig.
Zum Bereich «Fortbe
wegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte» wurde sodann festgehalten, dass es der Beschwerde
führerin aufgrund der Clusteranfälle und der
hemi
ple
gisch
en
Mig
räne oft nicht möglich sei, Termine einzuhalten. Sie könne keinen Tag planen, weil sie nie genau wisse, wie es ihr gehe. Hinzu komme, dass sie aufgrund des «Schlaganfalls» nicht mehr lange gehen könne,
auch am Stock nicht.
Sie habe es im letzten halben Jahr zweimal geschafft, eine Strecke von zirka 200 Meter zu gehen. Ansonsten sei
sie
auf den Rollstuhl ange
wiesen.
Wenn sie sich gut fühle, fahre sie teilweise noch selber mit dem Auto (normaler Automat und nicht umge
baut). Es könne aber vor
kommen, dass sie nach einem Cluster
anfall bis zu zwei Stunden im Auto sitzen bleiben müsse.
Dies sei ihr passiert, als sie einkaufen gegangen sei.
Das Einkaufen sei ihr viermal pro Jahr möglich, meistens komme es danach aber zu einem Clusteranfall. Sie besitze ausserdem ein
en
Elektromo
tor
roller (zwei
rädrig) und habe über zwei Jahre geübt, bis sie diesen habe fahren können. Im letzten Jahr sei sie vier- bis fünfmal mit dem Roller unterwegs ge
we
sen, sei aber auch zweimal gestürzt.
Öffentliche Verkehrsmittel könne sie alleine nicht benutzen, beziehungsweise sie habe Angst, im Falle eines Clusteranfa
lls könnten die Mitmenschen den
ken, dass sie betrunken sei.
Auch mit dem Hund sei dies sehr schwierig ge
wesen. In der Schweiz habe sie kaum soziale Kontakte, ausser zur
Hundesitterin
, welche nun auch mit dem Welpen in die Hundeschule gehe, weil sie dies nicht selber machen könne. In Kanada und
den USA
habe sie viele Freunde und stehe auch in regelmässigem Kontakt mit ihnen. Vieles laufe über das Internet oder E-Mail.
Obschon sie gerne nach Kanada reisen würde, sei es derzeit nicht möglich, i
n ein Flugzeug zu
steigen
.
Termine zu vereinbaren, sei ihr selbständig möglich.
Sie übernehme auch die Organi
sa
tion der Termine der Mutter.
Die
Termine einzuhalten sei jedoch schwierig. Sie habe beispielsweise ei
nen Zahnarzt
finden müssen
, der ihr den freien Freitagnachmittag widme und den sie anrufen könne, wenn es ihr gut gehe.
Seit Oktober
2017 habe sie dies aber nicht mehr geschafft.
Die Abklärungsperson hielt fest, die Einschränkungen seien aus körperlichen Gründen vorhanden und w
ü
rden in diesem Bereich angerechnet (S. 3-5).
3.2.3
Alsdann wurde im Bericht ausgeführt, dass die Beschwerde
führerin nicht auf eine lebenspraktische Begleitung angewiesen sei, da der anrechenbare Zeitaufwand unter zwei Stunden pro Woche liege.
Die Beschwer
deführerin habe angegeben, dass s
ie tagsüber, wenn immer möglich,
am Computer sitze und entweder mit den Freunden in Kanada oder
den USA
in Kontakt stehe oder sich um Geschäfte in der Vermögensverwaltung
kümmere
. Oft liege sie aber auch einfach nur im Bett, weil sie sich von einem
hemiplegischen
Migräneanfall oder von Cluster
schmerzen erholen müsse. In den anfallsfreien Phasen könne sie mehr machen, ansonsten würden die Anfälle sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, da auch eine Erholungs
phase von zirka zwei Stunden dazugehöre. Sie esse teilweise selber etwas oder koche zusammen mit der Mutter eine Mahlzeit. Durch die Einschrän
kungen der linken Hand sowie der
Standschwierigkeiten könne sie aber nicht lange in der Küche stehe
n
(zirka zehn Minuten; vgl.
Urk.
3/4)
beziehungsweise müsse sich für die Balance festhalten.
Einen Stuhl habe es in der Küche nicht, da dieser weg
rol
len würde.
Bezüglich «Hilfeleistungen, die das selbständige Wohnen er
mög
li
chen» gab die Beschwerde
führerin insbe
sondere an,
wenn es ihr gut gehe, könne sie
beispiels
weise
den Ge
schirr
spüler ein- und ausräumen. Ansonsten helfe sie im Haushalt nicht viel mit.
Die Be
schwer
deführerin sagte, sie sei ein Messie und würde es nicht auf die Reihe bringen, Dinge wegzugeben.
Für die Wohnungs
rei
nigung habe man
schon seit jeher
eine Putzhilfe angestellt, welche am Don
ners
tag und Freitag für jeweils vier Stunden pro Tag vorbei
komme.
Die Mutter der Beschwerdeführerin äusserte, dass sie das grosse Haus nie alleine gereinigt habe.
Für den Garten habe man einen Gärtner angestellt. Die Kleider wasche mehrheit
lich die Mutter. In guten Phasen sei es der Beschwerdeführerin jedoch möglich, die Wäsche zu besorgen. Das Zusammenlegen der Wäsche übernehme ebenfalls die Mutter, da es für die Be
schwerdeführerin mit der linken Hand schwierig sei. Das Bügeln übernehme die Putzhilfe. Den Haushalt zu organisieren und zu planen sowie eine Tagesstruktur festzulegen, sei für die Beschwerde
führerin jedoch mög
lich. Sie habe keine kogni
tiven Einschränkungen.
Die Abklärungsperson hielt fest, es sei der Beschwerde
führerin möglich, einfache Hausarbeiten an guten Tagen selbständig zu ver
richten, dennoch werde in diesem Bereich ein anrechenbarer Zeitaufwand von 30 Minuten pro Woche angerechnet.
Aufgrund der körperlichen Einschränkungen werde auch im Bereich der Kleiderpflege ein Zeitaufwand von 20 Minuten pro Woche angerechnet. Es sei jedoch zumutbar, dass man die Wä
sche dann erledige, wenn die Beschwer
de
führerin mithelfen könne. Dass sie nicht alle Tätigkeiten in diesem Bereich er
füllen k
önne
, werde mit dem Zeitaufwand berücksichtigt. In Bezug auf die Essens
zubereitung konstatierte die Abklärungs
person, es sei der Beschwerde
führerin möglich, einfache Mahlzeiten selbständig zuzu
bereiten. Ausserdem sei zumutbar, dass sie auf Hilfsmittel zurückgreife und sich die Mahl
zeiten dann zubereite, wenn es ihr bessergehe. Zudem wäre es auch zumutbar, auf Fertig
produkte zurückzugreifen.
Bei administrativen Arbeiten - so die Ab
klärungs
per
son - würden keine Einschränkungen vorliegen. Die Beschwer
de
führerin erle
di
ge alles selbständig und helfe sogar ihrer Mutter bei diversen An
gelegenheiten (S.
5-6).
3.2.4
Schliess
lich ist dem Abklärungsbericht zu entnehmen, dass
die funktionellen Ein
schrän
kungen (Schmerzen, Lähmungen) im Vordergrund stehen würden und
die Be
schwerde
führerin
deswegen teilweise die ausserhäuslichen Verrichtungen nicht
erfüllen könne. Wenn immer möglich versuche sie die Termine kurzfristig zu ver
einbaren
(z.B. Coiffeur)
, so dass sie diese dann selbständig wahrnehmen könne.
Betreffend den Hinweis auf die depressive Verstimmung, äusserte die Abklä
rungsperson, dass si
ch
die Beschwerdeführerin in keiner psychiatrischen Behand
lung befinde und keine Vorkehrungen deswegen treffe.
Sie lebe mit ihrer Mutter in einem Haus und habe regelmässig Kontakt mit der
Hundesitterin
. Eine regel
mässige Anwesenheit einer Drittperson zur Verhinde
rung einer dau
ern
den Isola
tion von der Aussenwelt sowie eine dauernde medi
zi
nisch-pfle
gerische Hilfe und persönliche Überwachung sei nicht not
wendig
(S. 6-7)
.
3.3
RAD-Arzt
Dr.
Y._
nahm im Rahmen der Abklärung vor Ort einen Augen
schein der gesundheitlichen Situation vor. In seiner Stellungnahme vom 3
0.
Ok
tober 2018 (
Urk.
6/218 S. 6) hielt er fest, die Beschwerdeführerin
gelte
als aus
therapiert. Die bisherigen Therapien seien adäquat ge
wesen. Sie sei von den Kopf
schmerzen sehr stark beeinträchtigt, so dass ihr eine Erwerbstätigkeit nicht zu
ge
mutet werden könne. Eine Depression im engeren Sinn sei jedoch nicht vor
lie
gend, da keine durchgängig depressive Stimmung vorhanden sei. In den kopf
schmerz
freien Phasen könne sie sich um die Erledigung der persönlichen Ange
legenheiten sowie der Kommunikation mit Kollegen, der eigenen künst
le
rischen Gestaltung oder dem Lesen von wissenschaftlichen Publikationen widmen und dabei auch Freude empfinden. Die funktionellen Leistungseinschränkungen seien somit dem Kopfschmerzleiden zuzuordnen. Dass es infolge der schweren Kopf
schmerz
erkrankung immer wieder auch zu depressiver Verstimmung kom
men könne, sei nachvollziehbar, jedoch erreiche sie nicht das Ausmass einer ei
gen
ständigen Erkrankung.
4.
4.1
Nach Lage der Akten kann ohne Weiteres verneint werden, dass die Be
schwer
de
führerin einer dauernden persönlichen Überwachung (
Art.
37
Abs.
3
lit
.
b IVV) oder einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege (
Art.
37
Abs.
3
lit
. c IVV) bedürfte oder wegen einer schweren Sinnes
schä
digung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen könn
te (
Art.
37
Abs.
3
lit
. d IVV; vgl.
Urk.
6/212).
Ferner ist die Beschwerdeführerin auch nicht in zwei der alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblich
er Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen (
Art.
37
Abs.
3
lit
. a IVV).
So besteht
k
ein Hilfs
bedarf beim An-
und Auskleiden, beim Aufstehen, Absitzen, Ab
liegen
,
beim Essen, bei der Körperpflege
sowie bei
der Reinigung nach der Ver
richtung der Notdurft. Das ist unbestritten.
Hilflosigkeit im Bereich
«
Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte
»
liegt vor, wenn sich die versicherte Person auch mit einem Hilfsmittel nicht mehr allein im oder ausser Haus fortbewegen oder wenn sie keine gesellschaftlic
hen Kontakte mehr pflegen kann, wobei u
nter gesell
schaft
lichen Kontakten die zwischen
mensch
lichen Beziehungen zu verstehen sind, wie sie der Alltag mit sich bringt (z.B. Lesen, Schreiben, Besuch von Konzer
ten, von politischen oder religiösen Anlässen;
Rz
. 8022
f. KSIH).
Die Hilfe ist regelmässig, wenn sie die versicherte Person täglich oder eventuell (nicht voraus
sehbar) täglich benötigt. Gelegentliche Zwischenfälle der Hilfsbedürftigkeit könn
en nicht zur Annahme einer Not
wen
digkeit regelmässiger Dritthilfe führen (Urteil des Bundesgerichts 9C_562/2016 vom 1
3.
Januar 2017 E. 5.3;
Rz
.
8025 KSIH). Die in einzelnen seltenen oder ge
le
gentlichen Bedarfsfällen angeforderte Hilfe stellt keine regel
mässige Hilfe dar (Urteil des Sozialversicherungsgerichts Zürich IV.
2010.00219 vom 1
8.
März 2011 E.
7.1.2).
Die Abklärungsperson anerkannte in diesem Zusammenhang eine Hilfs
bedürftigkeit in der alltäglichen Lebensverrichtung «Fortbewegung/Pflege gesell
schaftlicher Kontakte». Der vorstehend wiedergegebene Abklärungsbericht bestä
tigt eine entsprechende, deutlich eingeschränkte Geh- (200 m; E. 3.2.2) und Steh
fähigkeit (10 min, wobei sie sich auf de
n
Stock stützen muss;
E. 3.2.3). Der Be
schwerdeführerin ist es somit
mehrheitlich (bis auf zirka 8 Mal im Jahr mit dem Auto oder Roller)
nicht mehr möglich, sich ohne Hilfe von Drittpersonen fortzu
bewegen, wenn die Umgebung (drinnen oder draussen) nicht rollstuhlgängig ist
und/oder es sich um sehr unebenes Gelände oder weite Strecken handelt
. Eine Hilflosigkeit in diesem Bereich ist daher unstrittig
(vgl. dazu auch Urteil des Bun
desgerichts I 642/06 vom 2
2.
Au
gust 2007 E. 7.3)
.
Die Beschwerdeführerin
ist
jedoch
nicht in mindestens zwei alltäglichen Le
bens
verrich
tungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter ange
wiesen. Die Voraussetzungen für einen Anspruch auf
Hilflosen
entschädigung
nach Art.
37
Abs.
3
lit
. a IVV sind
daher
nicht erfüllt.
Ein Anspruch auf zumindest eine
Hilflosenentschädigung
bei einer Hilflosigkeit leichten Grades würde somit nur dann be
stehen, wenn die Beschwerdeführerin dauernd auf lebenspraktische Be
gleitung im Sinne von
Art.
38 IVV (
Urk.
37
Abs.
3
lit
. e IVV) angewiesen wäre (E.
1.2.1
vorstehend).
4.2
Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass diese Voraussetzung erfüllt sei.
So sei sie sowohl im Haushalt, als auch bei ausserhäuslichen Verrichtungen auf eine lebenspraktische Begleitung angewiesen.
Laut der Beschwerdeführerin könnte sie ohne die Mithilfe ihrer Mutter sowie der Putzhilfe nicht selbständig wohnen (Urk. 1 S.
4
Rz
. 10).
4.
3
Der Ab
klä
rungsbericht
vom 2
3.
August 2018, mit welchem die Notwendigkeit einer lebenspraktischen Begleitung verneint wurde (
Urk.
6/212),
wurde, soweit ersichtlich, von einer qualifizierten Fachperson er
stellt. Sie besuchte die Be
schwer
deführerin in ihrem Haus und erhielt damit Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhältnissen. Zudem waren ihr die gesundheitlichen Ein
schrän
kungen der Beschwerdeführerin bekannt. Hinweise für klare Fehleinschätzungen bestehen nicht. Der Bericht ist vollständig, nach
voll
ziehbar und plausibel und genügt den Anforderungen an einen Abklärungs
bericht (vgl. E.
1.4
vorstehend).
4.4
4.4.1
Dem Abklärungsbericht lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin bei der Tagesstrukturierung und der Bewältigung von Alltagssituationen selbständig und ohne regelmässige Hilfe von Dritten zurechtkommt. So ist sie in der Lage
,
sich um Geschäfte in der Vermögens
verwaltung zu kümmern, Termine (z.B. Zahnarzt) zu vereinbaren und auch die Organisation der Termine ihrer Mutter zu übernehmen (
vgl. vorstehend E. 3.2.
2
;
Urk.
6/212 S. 5).
4.
4.2
Bezüglich der Haushaltsführung kam die Abklärungsperson gestützt auf die Er
hebungen vor Ort zum Schluss, die Beschwerdeführerin sei weniger als zwei Stun
den pro Woche auf lebenspraktische Begleitung angewiesen (
Urk.
6/212 S.
5). Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, sie werde zweimal pro Woche
jeweils vier Stunden
von einer Putzhilfe unterstützt
(vgl. E. 3.2.3)
, was nicht
an
gerechnet werden dürfe (
Urk.
1 S. 8
Rz
. 20)
.
Ein Anspruch auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von
Art.
38 IVV hat nur, wer ohne Hilfe schwer verwahrlosen würde und/oder in ein Heim oder eine Klinik eingewiesen werden müsste. Zu berück
sichtigen sind demnach nicht die tatsächlich geleisteten Hilfeleistungen, sondern diejenigen, die notwendig erscheinen, um eine schwere Verwahrlosung und/oder eine Heimeinweisung zu verhindern
(vgl. E.
1.3
.2
vorstehend)
.
Da ledig
lich mini
male An
for
de
rungen an die Wohnungspflege gestellt werden, erscheint nicht nach
vollziehbar, inwiefern sich der Einsatz einer Putzhilfe im geltend gemachten Umfang von
acht
Stunden pro Woche
einzig in Bezug auf die von der Beschwer
deführerin bewohnten Räume
rechtfertigen
sollte.
Eine wö
chentliche Grundreini
gung
von acht Stunden
erscheint weder notwendig, um einer drohenden Ver
wahrlosung zu entgehen, noch um eine Heimeinweisung zu verhindern.
An
ge
sichts dessen, dass die
Beschwerdeführerin,
wenn immer möglich am Computer sitzt
(durchschnittlich eine Stunde pro Tag; vgl.
Urk.
6/218 S 5)
und mit Freunden aus
Kanada oder
den USA
in Kontakt steht oder sich um Geschäfte in der Ver
mögens
verwaltung kümmert
(E. 3.2.3)
, ist
ein Aktivitäts
niveau ausgewiesen und
es
ist
ihr zumutbar, diese Zeit
auch für kleiner
e
Aufgaben im Haushalt aufzu
wen
den.
Nicht zu berücksichtigten ist, dass die Beschwerde
führerin die Woh
nungs
reinigung langsam, nur mit Schwierigkeiten und nur in gewissen Mo
menten er
ledigen kann (vgl.
Rz
.
8040
KSIH).
Unerheblich ist weiter, dass die Beschwerdeführerin nicht mehrere Arbeiten am Stück erledigen könne, weil sie sich dann überanstrenge (
Urk.
1 S. 9
Rz
. 21).
Die Tatsache, dass gewisse Tätigkeiten langsamer oder nur mit Schwierigkeiten oder nur in gewissen Momenten erledigt werden, bedeutet nicht, dass die Person ohne die nötige Hilfe für diese Aufgaben in ein Heim eingewiesen werden muss
(
Rz
. 8040 KSIH).
Die Beschwerdeführerin ist nicht erwerbstätig und kann sich ihren Aufgabenbereich entsprechend frei einteilen und den Haushalt in Etappen
sowie mit Hilfsmitteln (z.B. Roboter-Staubsauger)
erledigen. Angesichts dessen, dass sie in einem Einfamilienhaus lebt, ist es ihr beispielsweise möglich
,
die Waschmaschine jederzeit zu benützen und entsprechend ihre Wäsche dann zu erledigen, wenn es ihr bessergeht. Im Abklärungsbericht wurde festgehalten, dass es der Beschwerde
führerin möglich sei, in guten Phasen die Wäsche zu besorgen (vgl. E. 3.2.3). Soweit sie in der Beschwerde ausführte, die Wäsche könne sie auf
grund der Einschränkungen in der linken Hand nur sehr primitiv zusammen
legen, ist dem entgegenzuhalten, dass weder das Zusammenlegen der Kleider noch das Bügeln der Kleider in Bezug auf die Sicherstellung der Grundversorgung zu be
rück
sichtigen
sind, droht der Beschwerdeführerin doch weder eine Verwahr
lo
sung noch eine Heimeinweisung, wenn die Kleider nicht zusammengelegt oder ge
bügelt werden (
Rz
.
8050
KSIH).
Ferner gab die Beschwerdeführerin an,
auf
grund der Standschwierigkeiten
sei
es
ihr möglich während rund 10 Minuten am Herd zu stehen
. Ein Stuhl gebe es nicht in der Küche
(
Urk.
1 S. 9
Rz
. 21
; Urk. 6/212 S. 5
)
. Im Rahmen der Schaden
min
de
rungs
pflicht
ist es der Beschwer
de
führerin zumutbar, die Erledigung der Haus
halts
arbeiten mit Hilfe geeigneter Hilfsmittel zu bewältigen (
Rz
. 8050.3 KSIH). Dazu gehört auch, dass sie sich aufgrund ihrer Standschwierigkeiten beim Kochen einen
sicheren
Stuhl hinzuholt.
Angesichts dessen, dass die Beschwerdeführerin in der Lage ist, das
zubereitete Essen zu zerkleinern (vgl. E. 3.2.2), ist es nicht nach
voll
ziehbar, dass sie nicht auch in der Lage sein soll, Tätigkeiten wie bei
spielsweise Rüsten und Schneiden auszuführen, zumal sie im Sitzen
die
linke
Hand
als Stützhand
zur Hilfe nehmen kann
,
um wenigstens die zu zerkleinernden Lebens
mittel festzuhalten
resp. zu fixieren
. Im Weiteren darf von der Beschwer
de
führerin durch
aus erwartet werden, dass sie schon zerkleinerte Lebensmittel (z.B. geschnittenes Brot
resp.
Kleinbrote
,
bereits zer
kleinerter Salat
, Geschnetz
el
tes, Tiefkühlgemüse etc.
) einkauft, welche sie ohne Zutun von Dritten zubereiten und essen kann.
Nach dem Gesagten,
ist der von der Abklärungsperson ermittelte zeitliche Auf
wand von 50 Minuten
(30 min für Hausarbeiten, 20 min für Kleiderpflege)
nicht zu beanstanden. Es ist die effektive minimale Grund
versorgung der Beschwerde
führerin unter Berücksichtigung ihrer Mitwirkungs
pflicht zu berechnen.
Dies ver
mag Abweichungen zum zeitlichen Aufwand der Putzhilfe sowie der Mutter im
gemeinsam genutzten
Haushalt zu erklären.
4.4.3
Die
Beschwerdeführerin
macht weiter geltend
, sie
sei
auf die Anwesen
heit ihrer Mutter als Drittperson angewiesen
, um eine Isolation zu verhindern und ausser
häusliche Verrichtungen zu erfüllen (
Urk.
1 S. 11
Rz
. 28f.)
Gemäss
Rz
. 8052 KSIH ist die lebenspraktische Begleitung notwendig, um der Gefahr vorzubeugen, dass sich die versicherte Person dauernd von sozialen Kon
takten isoliert (vgl.
Art.
38
Abs.
1
lit
. c IVV) und sich dadurch ihr Gesund
heits
zustand erheblich verschlechtert. Die rein hypothetische Gefahr einer Isola
tion von der Aussenwelt genügt nicht; vielmehr müssen sich die Isolation und die damit verbundene Verschlechterung des Gesundheitszustandes bei der ver
sicher
ten Person bereits manifestiert haben
(Urte
il des
BGer
9C_543/2007 vom 28.
April 2008
E. 3.2
).
Es liegen keine medizinischen Angaben vor, aus denen zu schliessen wäre, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihres Leidens eine lebens
praktische Begleitung benötige, um eine Isolation zu verhindern.
Dem Abklä
rungs
bericht ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin regelmässigen Kontakt mit der
Hun
desitterin
hat (E. 3.2.4).
Ferner ist angesichts ihrer Aktivitäten davon auszugehen, dass sie sich Hausbesuche organisieren kann.
Eine Isolation und die damit ver
bundene Verschlechterung des Gesundheits
zu
standes sind damit nicht aus
ge
wie
sen.
Dasselbe gilt auch bezüglich Begleitung bei ausserhäuslichen Verrichtungen.
Die lebenspraktische Begleitung ist dann notwendig, damit die versicherte Person
ohne solche nicht
in der Lage ist, das Haus für bestimmte notwendige Verrich
tungen und
Kontakte zu verlassen (Einkaufen, Freizeitaktivitäten, Kontakte mit Amtsstellen oder
Medizi
nal
personen
,
Coiffeurbesuch
etc.; Urteil des
BGer
9C_28/2008 vom 2
1.
Juli 2008;
Rz
. 8051 KSIH).
Die Beschwerdeführerin gab im Rahmen der Abklärung an, wenn immer möglich die Termine kurzfristig zu ver
einbaren
(z.B. Coiffeur
, Zahn
arzt
)
, so dass sie diese selbständig wahrnehmen könne (E. 3.2.4).
Die Lebensmittel bestelle die Beschwerdeführerin per
Internet (
Urk.
1 S. 9
Rz
. 23) und i
hr Hausarzt
führ
e
bei schweren Schmerzen auch Haus
besuche durch (E. 3.1). Die Abklärungs
person wies darauf hin, dass die Einschrän
kung der Beschwerdeführerin aufgrund der Funktionseinschränkungen in den linken Extremitäten sowie der Kopf
schmerzen bereits im Bereich der «Fortbewe
gung/Pflege gesellschaftlicher Kon
tak
te» bei den Lebensverrichtungen berück
sichtigt wurde (vgl. E. 4.1) und hier nicht anzurechnen sei
en
(
Urk.
6/212 S. 6
). Dies ist nicht zu beanstande
n
.
Die Be
schwerdeführerin ist nicht ausserstande, das Haus ohne Begleitung für Be
sorg
ungen (Einkäufe, Arzttermine, Coiffeur, etc.) und Kontakte zu verlassen.
Selbst wenn
die Beschwerdeführerin Animierung benötigt, da
mit sie aus dem Haus geht (Urk.
1 S. 11
Rz
. 28)
,
und dafür ein zeitlicher Auf
wand berücksichtigt werden würde, könnte für diese Art der Begleitung resp. Mo
tivierung kein Zeitaufwand angerechnet werden,
der
-
zusammen mit dem bereits ange
rech
net
en Zeitauf
wand in der Haushaltsführung
von
50 Mi
nuten
(vgl.
E. 4.4.2)
-
eine Regel
mässigkeit (mehr als zwei Stunden pro Woche) begründen würde
.
4.
4.4
Insgesamt betrachtet ist ein
Angewiesensein
auf eine lebenspraktische Begleitung im Sinne von
Art.
42
Abs.
3 IVG in Verbindung mit
Art.
38
Abs.
1 IVV nicht
aus
-
gewiesen
.
4.
5
Zusammenfassend ist die Beschwerdeführerin weder in mindestens zwei all
tägli
chen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf Hilfe Dritter an
gewiesen, noch bedarf sie einer lebenspraktischen Begleitung im Sinne der Inva
lidenversicherung. Die Beschwerdegegnerin hat mithin den Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
zu Recht verneint.
Damit erweist sich die an
ge
fochtene Verfügung vom
1.
November 2018 (
Urk.
2) als rechtens, was zur Ab
weisung der Beschwerde führt.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.