Decision ID: 15b26d6c-d161-45ba-bcca-4ddf23163277
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
hat sich ergeben:
I. A. B wird seit anfangs 2007 von der Gemeinde A wirtschaftlich unterstützt. Mit Schreiben vom 21. Januar 2014 teilte die Sozialbehörde der Gemeinde A B mit, er habe weiterhin Anspruch auf Sozialhilfe, da der Bezirksrat E die aufschiebende Wirkung des Rekurses gegen den Beschluss der Sozialbehörde A vom 14. November 2013, mit welchem die Sozialhilfe eingestellt worden war, aufgehoben habe. Da B weiterhin keiner Arbeit nachgehe und somit auch keine Tagesstruktur habe, werde ihm sein Bedarf (Fr. 986.- . /. Anzahl Tage des Monats) täglich ausbezahlt, wozu er jeweils um 8.30 Uhr beim Sozialsekretariat vorbeizukommen habe, ansonsten er die Auszahlung verwirke. Des Weiteren wurde B darauf hingewiesen, dass ihm der Mietzins von Fr. 1'100.- ausbezahlt werde, wobei er jeweils die Mietzinsquittung vorzuweisen habe; zudem würden Bahnbillete für Arztbesuche nur gegen Quittung ausbezahlt, und er habe jeden Dienstag drei Stellenbewerbungen einzureichen.
Die Sozialbehörde A vermerkte auf dem Schreiben vom 21. Januar 2014, dass es sich bei dieser Änderung um eine Verwaltungshandlung handle, gegen welche kein Rechtsmittel ergriffen werden könne, da B weiterhin die Sozialhilfe in vollem Umfang erhalte und ihm somit kein Nachteil entstehe.
B. B, nunmehr durch einen Vertreter der Fachstelle D vertreten, teilte der Sozialbehörde A mit Schreiben vom 4. Februar 2014 mit, sollte die Geldauszahlung nicht per sofort wieder auf sein Konto ausgezahlt werden, bitte er um Erlass einer rechtsmittelfähigen Verfügung.
Dieses Schreiben liess er auch in Kopie dem Bezirksrat E mit der Bemerkung zukommen, dass dieses als Aufsichtsbeschwerde gegen das Auszahlungsprozedere der Gemeinde A gelte.
C. Mit Beschluss vom 13. Februar 2014 trat die Sozialbehörde A auf das Schreiben von B vom 3. Februar 2014 (recte: 4. Februar 2014) im Sinn der Erwägungen nicht ein. Sie erwog, dass es sich beim Auszahlungsmodus um eine Verwaltungshandlung handle, welche nicht verfügt werden müsse bzw. nicht weitergezogen werden könne. Da sich am Betrag der Auszahlung nichts ändere, entstehe B kein Nachteil, der sich später voraussichtlich nicht mehr beheben lasse. Das Sozialamt dürfe, da B seit mehreren Jahren Sozialhilfe beziehe, im Sinn eines ersten Schritts in eine Tagesstruktur einen täglichen Gang auf die Gemeinde verlangen. Dies sei die einzige Möglichkeit, etwas in ihm zu aktivieren und die Ernsthaftigkeit seiner Integrationsbemühungen zu prüfen.
II.
Der Bezirksrat E nahm das als Aufsichtsbeschwerde bezeichnete Schreiben vom 4. Februar 2014 von B aufgrund des Verfügungscharakters der Verhaltensanweisung und der Subsidiarität der Aufsichtsbeschwerde als Rekurs entgegen. Mit Beschluss vom 10. September 2014 hob der Bezirksrat E in Gutheissung des Rekurses die mit Schreiben vom 21. Januar 2014 von der Sozialbehörde A erteilte bzw. mit Beschluss vom 13. Februar 2014 bestätigte Auflage auf, die Sozialhilfe täglich um 8.30 Uhr persönlich auf dem Sozialsekretariat entgegen zu nehmen.
III.
Gegen den Beschluss des Bezirksrats E vom 10. September 2014 reichte die Gemeinde A am 8. Oktober 2014 Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein und beantragte, der Entscheid des Bezirksrats sei aufzuheben.
Mit Eingabe vom 27. Oktober 2014 nahm der Bezirksrat E Stellung, verwies im Weiteren auf die Begründung des angefochtenen Entscheids und verzichtete im Übrigen auf Vernehmlassung. B reichte am 3. November 2014 eine Beschwerdeantwort ein und beantragte die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Des Weiteren stellte er ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung sowie gegebenenfalls um Parteientschädigung. Mit Präsidialverfügung vom 7. November 2014 wurde B die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt und ihm in der Person seines Vertreters der Fachstelle D ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt.

Die Kammer erwägt:
Die Kammer erwägt:
1. Das Verwaltungsgericht ist gemäss § 41 Abs. 1 in Verbindung mit § 19 Abs. 1 lit. a des Verwaltungsrechtspflegegesetzes des Kantons Zürich vom 24. Mai 1959 (VRG) für die Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1. Das Verwaltungsgericht ist gemäss § 41 Abs. 1 in Verbindung mit § 19 Abs. 1 lit. a des Verwaltungsrechtspflegegesetzes des Kantons Zürich vom 24. Mai 1959 (VRG) für die Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
2. 2.1 Zu prüfen ist zunächst die Beschwerdelegitimation der Beschwerdeführerin. Diese stellt eine Prozessvoraussetzung dar, die von Amtes wegen zu prüfen ist (vgl. Martin Bertschi, in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [Kommentar VRG], 3. A., Zürich etc. 2014, § 21 N. 7).
2.2 Nach § 49 in Verbindung mit § 21 Abs. 2 VRG sind Gemeinden zur Beschwerde legitimiert, wenn sie durch die Anordnung wie eine Privatperson berührt sind und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung haben (lit. a), die Verletzung von Garantien rügen, die ihnen die  Bundesverfassung gewährt (lit. b), oder bei der Erfüllung von gesetzlichen Aufgaben in ihren schutzwürdigen Interessen anderweitig verletzt sind, insbesondere bei einem wesentlichen Eingriff in ihr Finanz- oder Verwaltungsvermögen (lit. c).
2.3 Für die Legitimation des Gemeinwesens im kantonalen Verfahren ist zudem auch die Legitimation zur Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Bundesgerichtsgesetz vom 17. Juni 2005 (BGG) zu beachten (Martin Bertschi, Kommentar VRG, § 21 N. 3). Nach Art. 89 Abs. 1 BGG ist zur Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat (lit. a), durch den angefochtenen Entscheid oder Erlass besonders berührt ist (lit. b) und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung hat (lit. c). Eine Gemeinde kann sich zwar auf die in erster Linie auf Privatpersonen zugeschnittene allgemeine Legitimationsklausel gemäss Art. 89 Abs. 1 BGG berufen, doch dürfen gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung Gemeinwesen danach nur restriktiv zur Beschwerde zugelassen werden. Zur Begründung des allgemeinen Beschwerderechts genügt nicht jedes beliebige, mit der Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe direkt oder indirekt verbundene finanzielle Interesse des Gemeinwesens. Auch das bloss allgemeine Interesse an der richtigen Rechtsanwendung genügt nicht (BGE 138 II 506, E. 2.1.1, mit weiteren Hinweisen; BGE 136 II 274, E. 4.2).
Nach Art. 89 Abs. 2 lit. c BGG sind ferner Gemeinden und andere öffentlich-rechtliche Körperschaften zur Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht berechtigt, wenn sie die Verletzung von Garantien rügen, die ihnen die Kantons- oder Bundesverfassung gewährt.
Wer zur Beschwerde an das Bundesgericht berechtigt ist, muss sich am Verfahren vor allen kantonalen Vorinstanzen als Partei beteiligen können (Art. 111 Abs. 1 BGG).
2.4 Nach der neusten bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind die Gemeinden im Bereich der Sozialhilfe grundsätzlich in spezifischer Weise in der Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben betroffen und sollen sich daher gegen Entscheide, die ihr Verwaltungshandeln in diesem Bereich einschränken, zur Wehr setzen können. Auch wenn nicht alle massgebenden Kriterien, welche den Gemeinden nach der allgemeinen Legitimationsklausel den Zugang an das Bundesgericht ausnahmsweise ermöglichen, in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sein mögen, ergibt sich doch aus einer Gesamtbetrachtung, dass die Legitimation in der Regel gegeben sein soll. Dies will nicht heissen, dass die Beschwerdelegitimation ausnahmslos zu bejahen ist. Sie kann etwa verneint werden, wenn die präjudizielle Wirkung eines Entscheids weder geltend gemacht noch ersichtlich ist oder wenn ganz unerhebliche Rechtsfolgen zur Beurteilung anstehen (BGr, 25. Juni 2014, 8C_113/2014, E. 6.5–6).
2.5 Die Beschwerdeführerin legt ihre Beschwerdelegitimation nicht dar. Mangels eines Streitwerts (Aufhebung einer Verhaltensanweisung ohne direkte finanzielle Folgen) liegt kein wesentlicher Eingriff in ihr Finanz- oder Verwaltungsvermögen vor, zumal die von ihr auszuzahlende Leistung des Grundbetrags ungeachtet des Auszahlungsmodus gleich bleibt. Mit Erlass des Schreibens vom 21. Januar 2014 bzw. des Beschlusses vom 13. Februar 2014 handelte die Beschwerdeführerin zudem hoheitlich, weswegen sie durch den angefochtenen Entscheid nicht wie eine Privatperson im Sinn von § 21 Abs. 2 lit. a VRG berührt ist (vgl. auch BGr, 25. Juni 2014, 8C_113/2014, E. 6.3).
Die Begründung der Beschwerdeführerin in der Beschwerdeschrift befasst sich insbesondere mit dem Sachverhalt, der sich bisher ereignete und schlussendlich zur Anordnung des modifizierten Auszahlungsmodus des Bedarfsbetrags führte. Weiter legt die Beschwerdeführerin dar, weshalb sie die von ihr erlassene Verhaltensanweisung mangels gesetzlicher Bestimmungen betreffend ein Recht auf monatliche Auszahlung des Totalbetrags als rechts- und verhältnismässig erachtet. Diesen Ausführungen zufolge sah sich die Beschwerdeführerin als Sozialhilfebehörde in ihrer Entscheidungsfreiheit tangiert. Auch wenn sie dies nicht ausdrücklich rügt, ist sinngemäss davon auszugehen, dass sie sich damit auf eine Verletzung ihrer Gemeindeautonomie (Art. 50 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV]) berufen wollte und damit implizit die Verletzung von verfassungsmässigen Rechten geltend macht.
Ob die beanspruchte Autonomie tatsächlich besteht, ist nicht im Rahmen der Eintretensprüfung, sondern in der materiellen Beurteilung, zu klären. Dasselbe gilt für die Frage, ob die Autonomie im konkreten Fall tatsächlich verletzt worden ist (BGr, 22. November 2012, 8C_500/2012, E. 2.2.1; Martin Bertschi, Kommentar VRG, § 21 N. 118).
2.6 Den obigen Erwägungen bzw. der bundesgerichtlichen Rechtsprechung folgend ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nach Massgabe von Art. 89 Abs. 2 lit. c BGG und § 49 in Verbindung mit § 21 Abs. 2 lit. b VRG zur Beschwerde legitimiert ist.
2.6 Den obigen Erwägungen bzw. der bundesgerichtlichen Rechtsprechung folgend ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nach Massgabe von Art. 89 Abs. 2 lit. c BGG und § 49 in Verbindung mit § 21 Abs. 2 lit. b VRG zur Beschwerde legitimiert ist.
3. 3.1 Die Vorinstanz erwog, dass die angefochtene Weisung nicht geeignet sei, den Beschwerdegegner zu "aktivieren". Es sei nicht ersichtlich, inwiefern die täglichen Termine den Beschwerdegegner aus seiner "jahrelangen Lethargie" reissen sollten, und es werde ihm so auch keine Tagesstruktur verschafft. Es sei nicht erforderlich, dass der Beschwerdegegner täglich um 8.30 Uhr auf dem Sozialamt seine Bewerbungsunterlagen bespreche. Diese Anordnung stehe auch in keinem vernünftigen Verhältnis zum damit verbundenen Eingriff in die persönliche Freiheit des Beschwerdegegners.
3.2 Die Beschwerdeführerin führt nach Darlegung des bisherigen Verlaufs der Geschehnisse und der bisher jahrelangen erfolglosen Stellensuche des Beschwerdegegner aus, die tägliche Auszahlung sei mit dem Ziel angeordnet worden, dass der Beschwerdegegner auch während der laufenden Rekursverfahren eine minimale Tagesstruktur einhalte und sich mit der Thematik Arbeit auseinandersetze und nicht erneut ohne Meldung in die Ferien nach Afrika verreise. Erfreulicherweise habe der Beschwerdegegner den täglichen Gang auf die Gemeinde problemlos geschafft und sein Erscheinungsbild habe sich positiv verändert, indem er ausgeschlafener und gepflegter wirke. Er sei zudem pünktlich zum Job-Coaching erschienen, was früher gehapert habe, und habe die verlangten Bewerbungen erbracht. Demzufolge sei der Auszahlungsmodus mit Schreiben vom 18. Juli 2014 auf zweimal wöchentlich geändert worden, was auch der Vorinstanz brieflich mitgeteilt worden sei. Da diese im Entscheid weiterhin von einer täglichen Auszahlung ausgehe, verletze sie das rechtliche Gehör und sei vom falschen Sachverhalt ausgegangen.
3.3 Der Beschwerdegegner macht geltend, es sei keine missbräuchliche Verwendung der Sozialhilfe geltend gemacht worden, und eine solche liege überdies auch nicht vor. Für die berufliche Integration sei vielmehr eine monatliche Überweisung auf ein Konto anzustreben. Die Anordnung sei zudem nicht geeignet, ihm eine Tagesstruktur zu verschaffen. Eine wöchentliche Vorlage der Bewerbungsunterlagen reiche zudem aus, um ihn zu unterstützen und die Ernsthaftigkeit bezüglich seiner Integrationsbemühungen zu prüfen. Zuletzt sei es auch aus Sicht des Persönlichkeits- und Datenschutzes als problematisch zu werten, da die Auszahlung in Bargeld die wirtschaftliche Abhängigkeit nach aussen sichtbar mache. Die Weisung zur täglichen bzw. zweiwöchentlichen Entgegennahme des Geldes sei in Bezug auf den Eingriff in seine persönliche Freiheit nicht verhältnismässig.
3.3 Der Beschwerdegegner macht geltend, es sei keine missbräuchliche Verwendung der Sozialhilfe geltend gemacht worden, und eine solche liege überdies auch nicht vor. Für die berufliche Integration sei vielmehr eine monatliche Überweisung auf ein Konto anzustreben. Die Anordnung sei zudem nicht geeignet, ihm eine Tagesstruktur zu verschaffen. Eine wöchentliche Vorlage der Bewerbungsunterlagen reiche zudem aus, um ihn zu unterstützen und die Ernsthaftigkeit bezüglich seiner Integrationsbemühungen zu prüfen. Zuletzt sei es auch aus Sicht des Persönlichkeits- und Datenschutzes als problematisch zu werten, da die Auszahlung in Bargeld die wirtschaftliche Abhängigkeit nach aussen sichtbar mache. Die Weisung zur täglichen bzw. zweiwöchentlichen Entgegennahme des Geldes sei in Bezug auf den Eingriff in seine persönliche Freiheit nicht verhältnismässig.
4. 4.1 Da die Beschwerdeführerin eine Verletzung des rechtlichen Gehörs rügt, ist dies vorab zu prüfen.
4.2 Die Wahrung des Grundsatzes des rechtlichen Gehörs gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) verlangt, dass die Behörde die Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt (BGE 134 I 83, E. 4.1; VGr, 21. Mai 2014, VB.2014.00055, E. 2.; Alain Griffel, Kommentar VRG, § 8 N. 33).
4.3 Die Vorinstanz hat das ihr nach den Ausführungen der Beschwerdeführerin am 25. Juli 2014 zugestellte Schreiben vom 18. Juli 2014, mit welchem der Auszahlungsmodus von täglich auf zweimal pro Woche geändert wurde, im Entscheid nicht berücksichtigt. Die Vorinstanz führt dazu aus, dieses Schreiben nie erhalten zu haben. Aufgrund des Übermittlungsbriefs der Beschwerdeführerin ist davon auszugehen, dass das Schreiben nicht eingeschrieben verschickt wurde. Der Nachweis der Zustellung des Schreibens kann daher nicht erbracht werden. Da sich in den Akten der Vorinstanz kein solches Schreiben befindet, ist davon auszugehen, dass dieses auf dem Postweg untergegangen ist. Die Vorinstanz konnte somit dieses Schreiben nicht berücksichtigen, weshalb auch keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliegt.