Decision ID: 4461f75f-63bc-584d-b9fd-2a236af5117d
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1958,
war letztmals vom
August 2014 bis September 2016 (
Urk.
7/12/5) als Kellner (
Urk.
7/10
Ziff.
5.4)
erwerbs
tätig, als er sich am 2
0.
Dezem
ber 2019
unter Hinweis auf
einen Unfall, bei dem er sich eine Augen
verletzung durch einen Flaschenkorken zugezogen habe (
Urk.
7/10
Ziff.
6.2),
bei der Inva
lidenver
si
che
rung zum
Leistungsbezug anmeldete (
Urk.
7/10
). Mit Mit
teilung vom
7.
Juli 2020
(Urk.
7/27
)
verneinte
die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
einen Anspruch des Versicherten auf Eingliederungs
mass
nahmen, weil
die
Durchführung
solcher Massnahmen
gegenwärtig nicht
möglich sei. Nach durchge
führtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7/39,
Urk.
7/40 und
Urk.
7/51
)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
8.
Februar 2021 (
Urk.
7/70
=
Urk.
2) einen Anspruch des
Versicherten auf Versicherungs
leistungen.
2.
Gegen die Verfügung vom
1
8.
Februar 2021 (Urk. 2) erhob der
Versicherte am
2
2.
März 2021 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien weitere medizinische Abklärungen in die Wege zu leiten; eventuell sei ihm eine Schadenminderungspflicht aufzuerlegen. Gleichzeitig beantragte der Versi
cherte die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
7.
Mai 2021 (Urk. 6
) beantragte die IV-Stelle die Ab
weisung der Beschwerde, wovon dem Beschwerdeführer am
3.
Juni 2021
Kennt
nis gegeben wurde
(
Urk.
8)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver
lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sic
h im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlau
ben, das
tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbe
gründenden Inva
lidi
tätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.5
Die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 ist einerseits bei einer offensichtlich psychosozialen Genese der nicht überwiegend wahr
scheinlich verselbständigten psychischen Beschwerden entbehrlich (Urteile des Bundesgerichts 9C_171/2020 vom 12. Mai 2020 E. 5.2, 9C_32/2018 vom 26. März 2018 E. 2.3 und 9C_755/2018 vom 9. Mai 2019 E. 4.2.6). Andererseits ist von der Prüfung der Standardindikatoren rechtsprechungsgemäss dann abzu
sehen, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte eine Arbeits
un
fähigkeit in nachvollziehbarer Weise verneint wird, und allfällig gegenteiligen
Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 145 V 215 E. 7 und 143 V 409 E. 4.5.3). Sodann ist in aller Regel ein strukturiertes Beweisverfahren insbeson
dere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage von einer bloss leichtgradigen depressiven Störung auszugehen ist, die nicht schon als
chronifiziert
gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, nicht erforderlich (Urteile des Bundesgerichts 8C_62/2020 E. 4.3 und 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1; BGE 143 V 409 E. 4.5.3).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom
1
8.
Februar 2021
(Urk. 2) davon aus, dass
eine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit aus soma
tischen und psychischen Gründen nicht ausgewiesen sei, weshalb es sich bei den bestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen
nicht um einen für den An
spruch auf Versicherungsleistungen relevanten
Gesundheitsschaden handle (S. 2
).
2.2
Der
Beschwerdef
ührer
bringt
hiegegen
vor, dass
er weiterhin unter den Folgen des Unfalls aus dem Jahre 200
6
sowie unter einer rezidivierenden depressiven Stö
rung, gegenwärtig mittelgradige Episode, leide, und dass ihm die behandeln
den Ärzte deswegen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert hätten (
Urk.
1 S. 3).
Sollten
die
Beurteilungen durch die behandelnde
n Ärzte sich als nicht be
weiskräftig erweisen
, seien ergänzende medizinische Abklärungen durchzuführen (
Urk.
1 S. 8).
Sollte
die Durchführung einer regelmässigen psychiatrischen Be
hand
lung beziehungsweise eine
r
medikamentöse
n
Behandlung erforderlich
sein
,
müsste er vorgängig
zur Nachachtung einer entsprechenden Schadenminde
rungs
pflicht a
ngehalten werden
(
Urk.
1 S. 9)
.
3.
3.1
Im Folgenden gilt es vorerst die für den Leistungsanspruch de
s Beschwerdefüh
rers
massgeblichen medizinischen Akten zu prüfen.
3.2
Die Ärzte des
Spitals
Z._
, Augenklinik,
erwähnten in ihrem Bericht vom 1
2.
Oktober 2006 (
Urk.
7/28/97-98), dass das rechte Auge des Be
schwerdeführers am 1
5.
Juli 2006 von einem Champagnerkorken getroffen word
en sei, und dass gleichentags eine notfallmässige Behandlung stattgefunden habe. Sie stellten
die folgenden Diag
nosen (S. 1):
-
rechtes Auge (
oculus
dexter
, OD): Status nach schwerer
Contusio
bulbi
mit/bei:
-
traumatische
r
Mydriase
-
Netzhautnarbe
parafoveal
-
linkes Auge (
oculus
sinister
, OS): Verdacht auf
Amblyopie
ex
Aniso
me
tropie
/Astigmatismus
Die Ärzte erwähnten, dass sich die
schwere
Bulbuskontusion
im Verlauf
der Be
handlung
bis auf die traumatisc
he Mydriase wieder normalisiert habe
.
Der Be
schwerdeführer habe
insbesondere an einer im Vordergrund stehenden
Photo
phobie,
welche
auf die traumatische Mydriase zurück
zu
führen
sei, gelitten (S. 1).
3.3
P
rof.
Dr.
med.
A._
, Facharzt für
Ophthalmologie
,
diagnos
tizierte im Operationsbericht vom
6.
Oktober 2016 (
Urk.
7/28/109) eine
Cataracta
senilis
bei einer weiten trägen Pupille im Bereich des rechten Auges, und er
wähnte, dass im Bereich des rechten Auges des Beschwerdeführers gleichentags eine
Phakoemulsifikation
und Implantation einer
Hinterkammerlinse
sowie
eine
Pupilloplastik
durchgeführt worden seien.
3.4
M
it Operationsbericht vom
1.
Juni 2017 (
Urk.
7/28/77)
diagnostizierte
Dr.
med.
B._
, Facharzt für
Ophthalmologie
, eine
Cataracta
senilis
im Bereich des linken Auges
des Beschwerdeführers
und erwähnte, dass im Bereich des linken
Auges gleichentags eine
Phakoemulsifikation
und Implantation einer
Hinterkammerlinse
durchgeführt worden seien
.
3.5
Dr.
med.
C._
, Facharzt für
Ophthalmologie
, stellte in seinem Bericht vom
8.
Januar 2019 (
Urk.
7/28/34-35) die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
rechtes Auge:
Contusio
bulbi
im Jahre 20
0
6 durch Sektkorken, Pupillen
revision mit
Cataract
-
Operation und HKL-Implantation im Jahre 2016
-
linkes Auge:
Cataract
-
Operation mit HKL-Implantation
im Jahre 2017, beginnende Pterygium und Fundus
myopicus
-
rechtes und linkes Auge: Blepharitis und
Metamorphopsie
Der Arzt führte aus, dass
am 2
7.
November 2018 ein bestkorrigierter
Fernvisus
von 0.50 am rechten Auge und von 0.7 am linken Auge gemessen worden sei (S. 1). Es sei eine konsequente Lidrandmassage und
Sicca
Therapie angezeigt (S. 2)
.
3.6
Die Ärzte des
Spitals Z._
stellten in ihrem Bericht vom 1
5.
April 2019 (
Urk.
7/28/17-18) die folgenden ophthalmologischen Diagnosen (S. 1):
-
rechtes Auge (OD):
persistierende Photophobie bei posttraumatischer
Teilmydriase mit/bei:
-
Status nach stumpfem
Bulbustrauma
(Korken)
im Jahre 2006
-
Status nach Aderhautruptur
Pseudophakie
mit temporaler
Irisnaht
im Oktober 2016
-
linkes Auge (OS):
Amblyopie
Pseudophakie
-
beide Augen (
oculus
uterque
; OU):
Keratokonjunktivitis
sicca
Die Ärzte erwähnten, dass der Beschwerdeführer unter einer starken Photophobie (rechts deutlich mehr als links) leide. Die Beschwerden seien allerdings etwas überlagert von
Sicca
-Beschwerden. Die vorderen
Bulbusabschnitte
zeigten rechts eine persistierende Teilmydriase nach temporaler Irisraffung. Der nasale
Rhexis
rand
sei weiterhin exponiert, was die angegebenen Beschwerden mindestens teilweise erkläre. Ausserdem finde sich eine Aderhautruptur-Narbe temporal der
Fovea
. Der
Visus
sei beidseits reduziert auf 0.6, wobei links eine vorbestehende
Amblyopie
bestehe. Grundsätzlich bestehe die Möglichkeit einer zusätzlichen Irisraffung nasal (S. 1).
3.7
Mit Bericht vom 1
4.
Dezember 2019 (
Urk.
7/9/1-3
=
Urk.
7/28/63-65
) stellte med.
pract
.
D._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie
,
Medizinisches Zentrum
E._
, die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode
-
Status nach
Unfall
im Jahre
2005 (Champagnerkorken ins Auge re
chts) mit/bei:
-
Status nach Unfall t
raumatische Mydriasis bei
Status nach
Contusio
bulbi
2006
-
OD:
Pupillenrevision und
Cataract
-
Op
eration
und HKL
-
Implantation
im Jahre
2016
-
OD:
Pseudophakatie
mit temporaler
Irisnaht
im Oktober 2016
-
OS:
Cataracta
senilis
mit
Status nach
Caracract
-O
peration
mit HKL-Implantationen
im August 2017 mit/bei Verdacht auf
Amblyopie
Die Ärztin erwähnte, dass der Beschwerdeführer
unter Lichtempfindlichkeit,
Augenschmerzen, Kopfschmerzen, intermittierender Sehstörung, Schlafstörun
gen
, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Rückzug, Antriebslosigkeit, Motivationslosigkeit, Zukunftsängste
n
, Verlust von
Selbstvertrauen und
Gedan
ken
reisen
leide (S. 1).
Es
handle sich um eine d
eutlich
chronifizierte
Störung
und es bestehe eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit
,
a
uch für angepasste Tätigkeiten (S. 2).
3.8
Dr.
med.
F._
, Facharzt für
Ophthalmologie
, stellte mit Bericht vom 3
0.
Januar 2020 (
Urk.
7/28/19-20) die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
OD:
-
Myopie
-
Astigmatismus
-
Pseudophakie
-
Status nach
Bulbustrauma
-
Mydriase
-
Irisnaht
-
Netzhautnarbe
-
Konjunktivitis
sicca
-
OS:
-
Myopie
-
Astigmatismus
-
Pseudophakie
-
Amblyopie
Als Befund erhob
Dr.
F._
am rechten und linken Auge
eine Sehschärfe bei bestmöglicher Korrektur (
visus
cum
correctione
; cc) von je 0.6 (S. 1).
3.9
Med.
pract
.
D._
erwähnte
in ihrem Bericht vom 1
3.
März 2020 (Urk.
7/17
/8
9)
, dass der Beschwerdeführer unter
Lichtempfindlichkeit, Augenschmerzen, Kopf
schmerzen, intermittierende
r
Sehstörung, Schlafstörungen, Müdigkeit, Konzen
trations
störungen, Vergesslichkeit, Rückzug, Antriebslosigkeit, Motivationslosig
keit, Zukunftsängste, Verlust von Selbstvertrauen
und unter
Gedankenreisen
leide, weshalb sowohl in Bezug auf die bisherige Tätigkeit
als
Serviceangestellter als auch bezüglich einer
angepasste
n
Tätigkeit
eine vollständige Arbeitsun
fähig
keit bestehe (S. 1). Auf Grund einer
deutliche
n
Chronifizierung
und
progrediente
r
Schmerzen ohne Perspektive
sei eine schlechte Prognose zu stellen (S. 2).
3.10
Dr.
med.
G._
, Facharzt für
Ophthalmologie
, beratender Arzt der Zürich Versicherungs
-Gesellschaft (Unfallversicherer), führte in seinem Bericht betref
fend versicherungsmedizinische Beurteilung vom 2
2.
Mai 2020 (Urk. 7/28/8-9) aus, dass ein
Visus
von 0.6 beidseits erfahrungsgemäss problemlos die Ausübung einer Tätigkeit im Service beziehungsweise in der Gastronomie im Umfang einer
uneingeschränkte
n
Arbeitsfähigkeit
erlaube. Auch die erhöhte Blendungsemp
findlichkeit vermöge an dieser Einschätzung nichts zu ändern. In Bezug auf die Augenverletzung im Bereich des rechten Auges sei der Endzustand erreicht worden. Obwohl gemäss der Beurteilung durch die Ärzte des
Spitals Z._
vom April 2019 bezüglich der Photophobie rechts die therapeutische Möglichkeit einer Irisraffung bestehe, habe sich der Beschwerdeführer dagegen entschieden, weshalb der aktuelle Zustand als bleibend anzusehen sei (S. 2).
3.11
Die Ärzte des
Spitals Z._
erwähnten in ihrem Bericht vom 1
6.
Juli 2020 (
Urk.
7/30), dass eine Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nicht zu stellen sei und diagnostizierten als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Photophobie (S. 1). Die Ärzte führten aus, dass die
Arbeitsfähigkeit
aus ophthal
mologischer
Sicht
gru
ndsätzlich nicht beeinträchtigt
sei
, und dass
auch
die Fahr
eignung gegeben sei
.
Allenfalls
sei
bei Tätigkeiten, die eine
Steropsis
verlang
t
en
,
Vorsicht geboten, respektive eine Beurteilung der Arbeitsplatzsituation in Erwä
gung zu ziehen. Die
erhöhte
Blendung am rechten Auge
könne
sicherlich, je nach Tätigkeit, störend sein, sollte aber die Arbeitsfähigkeit nicht einschränken
. Zudem seien, f
alls die erhöhte Blendung störend sein sollte,
die Verwendung von
opti
sche
n
Hilfsmittel
n
, wie zum Beispiel eine Kantenfilterbrille,
in Betracht zu ziehen (S. 2)
.
3.12
Dr.
med.
H._
, Facharzt für
Ophthalmologie
, stellte in seinem Bericht vom 3
0.
Juli 2020 (
Urk.
7/32) die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.5):
-
beide Augen:
Pseudophakie
-
rechtes Auge: Konjunktivitis, Zustand nach
Contusio
bulbis
Der Arzt erwähnte, dass der Beschwerdeführer gegenwärtig im Bereich des rech
ten Auges unter einer Bindehautentzündung mit eitrigem Sekret mit/bei einer Lidrötung und einer Intraokularlinse (IOL;
Ziff.
2.4) leide, und dass er mit
Tobra
dex
(
Kortikosteroid
mit Antibiotikum
) behandelt werde (
Ziff.
2.3). Dem Beschwer
de
führer sei die Ausübung einer angepassten Tätigkeit in einem zeitlichen Um
fang von 8.5 Stunden am Tag zuzumuten (
Ziff.
4.2).
3.13
Med.
pract
.
D._
führte in ihrem Bericht vom
5.
Oktober 2020 (
Urk.
7/50) aus, dass der Beschwerdeführer
wegen
seinen
Kopfschmerzen
gereizt sei,
kaum mehr
den Computer oder das Mobiltelefon
bedienen
könne
, nicht mehr lesen
könne, seit dem Jahre 2016 nicht mehr mit dem Auto fahren könne, seine Wohnung nicht mehr reinigen und den Haushalt nicht mehr führen könne
. Er weise
auf Grund der Sehstörungen einen hohen
Leidensdruck
auf (S. 1). Aus diesem Grunde sei an eine Arbeitsfähigkeit nicht zu denken und es bestehe auch für angepasste Tätigkeiten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (S. 2).
3.14
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst der Beschwerdegegnerin
(RAD)
, führte in ihrer Stel
lungnahme vom
8.
Dezember 2020 (
Urk.
7/69/3-4) aus, dass der Beschwerde
füh
rer gemäss der medizinischen Aktenlage auf G
rund
einer
Augenproblematik
be
einträchtigt sei, dass er indes eine angepasste Tätigkeit,
ohne Notwen
d
igkeit des räumlichen Sehens und ohne Blendung der Augen
, in einem vollzeitlichen Um
fang ausüben könne (S. 1). Da dem Beschwerdeführer gemäss der psychiatrischen Beurteilung (durch med.
pract
.
D._
) vom März
2020 keine Antidepressiva verordnet
worden seien, und da eine psychiatrische Behandlung lediglich einmal im Monat
durchgeführt werde
,
sei
nicht von einem ausgeprägten Le
idensdruck aus
zugehen
. Es
sei jedoch
bei den behandelnden Ärzten
in Erfahrung zu bringen
, aus welchen Gründen
in Anbetracht
der festgestellten mittelgradigen Ausprägung der Depression
bisher
keine medikamentöse antidepr
essive Therapie und keine
höher
frequente
Therapie
stattgefunden habe (S. 2)
.
3.15
Med.
pract
.
D._
nahm in ihrem Bericht vom 1
5.
Januar 2021 (
Urk.
7/61/7-9) zu den Fragen von
Dr.
I._
Stellung und führte aus, dass der Beschwerde
führer
zwar
während einer gewissen Zeit mit den Medikamenten
Trittico
und
Stilnox
behandelt worden sei, dass
er
indes sowohl in Bezug auf eine medika
mentöse Therapie als
auch
in Bezug auf einer stationäre
Behandlung
Angst empfinde
.
Der Beschwerdeführer
ertrage
zudem
höchstens eine
Therapiefrequenz von
drei
Wochen
(S. 1).
3.16
In ihrer Stellungnahme vom 2
6.
Januar 2021 (
Urk.
7/69/5) führte
RAD-Ärztin
Dr.
I._
aus, dass dem Beschwerdeführer auf Grund der Augenproblematik die Ausübung einer angepassten Tätigkeit, ohne Notwendigkeit des räumlichen Sehens und ohne Blendung der Augen, in einem vollzeitlichen Umfang zuzu
muten sei. Insoweit dies
es Zumutbarkeitsprofil
auch auf den
bisherigen
Arbeits
platz
des Beschwerdeführers
als Kellner zutreffe,
sei ihm auch die Ausübung der bisherigen Tätigkeit in diesem Umfang zuzumuten
. Auf Grund der Ausführungen von med.
pract
.
D._
vom 1
5.
Januar 2021 sei sodann davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer unter
erhebliche
n
Ängste
n
bezüglich der Medikamenten
ein
nahme
leide, wobei diese Ängste durch
die Depression
verursacht sein
könnten.
Dennoch sollte eine
höherfrequente
psychotherapeutische Behandlung möglich sein. Bei einer mittelgradigen depressiven Episode
sei zudem davon auszugehen, dass
zumindest eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in einer den somatischen Be
schwerden an
gepassten Tätigkeit möglich sein sollte
. Da
med.
pract
.
D._
in ihren Beurteilungen
ausschliesslich a
uf die Aussagen des
Beschwerdeführers abgestellt habe,
seien deren
Beurteilungen
, wonach eine
Arbeitsunfähigkeit von
100
%
selbst
in einer angepassten Tätigkeit
bestünde,
nicht ausreichend
bezie
hungsweise hinreichend begründet
, weshalb darauf
nicht abgestellt werden
könne
.
Vielmehr sei davon auszugehen, dass eine länger andauernde oder
höhergradige
Arbeitsunfähigkeit
im ersten Arbeitsmarkt
nicht bestanden habe
.
4.
4.1
In somatischer Hinsicht ist d
en erwähnten medizinischen Akten zu entnehmen, dass
der Beschwerdeführer an beiden Augen unter einer
Pseudophakie
(vor
ste
hend E.
3.6, E. 3.8 und E. 3.12
), am rechten Auge zusätzlich unter einer Photo
phobie und am linken Auge zusätzlich unter einer
Amblyopie
(vorstehend E.
3.6 und E. 3.8
) litt. Sowohl die Ärzte des
Spitals Z._
(vorstehend E. 3.6)
als auch
Dr.
F._
(vorstehend E.
3.8)
stellten einen
beidseitigen
Visus
von 0.6 fest. Während
Dr.
G._
die Ansicht vertrat, dass dem Beschwerdeführer bei einem
Visus
von 0.6 beidseits die Ausübung der bisherigen Tätigkeit im Service ohne Ein
schränkungen zuzumuten sei (vorstehend E.
3.10
), gingen die Ärzte des
Spitals Z._
in ihrem Bericht vom 1
6.
Juli 2020 (vorstehend E.
3.11
) davon aus, dass die erhöhte Blendung am rechten Auge zwar
störend sein könne, dass sie die Arbeitsfähigkeit
indes
nicht einschränke,
und dass
von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Zudem könn
t
e der Beschwerdeführer bei einer störenden Blen
dung optische Hilfsmittel, wie zum Beispiel eine Kantenfilterbrille, verwenden. Demgegenüber äusserte sich
Dr.
H._
in seinem Bericht vom 3
0.
Juli 2020 (vorstehend E.
3.12
)
nicht zum Umfang einer Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit des Beschwerdeführers
.
Er
attestierte dem Beschwerdeführer
in Bezug auf eine angepasste Tätigkeit indes eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
, wo
von zu Recht auch RAD-Ärztin
Dr.
I._
ausging. Dies blieb überdies unbe
stritten.
4.2
In psychischer Hinsicht ging med.
pract
.
D._
davon aus, dass der Be
schwer
deführer unter einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgra
dige depressive Episode, leide (vorstehend E.
3.7
)
und
attestierte dem Beschwer
deführer sowohl in Bezug auf die bisherige Tätigkeit
als
Servicean
ge
stellter als auch hinsichtlich einer
angepasste
n
Tätigkeit
eine vollständige Arbeits
unfähig
keit (vorstehend E.
3.7 und E. 3.13
). Demgegenüber ging
Dr.
I._
in ihrer Stellungnahme
vom 2
6.
Januar 2021 (
vorstehend E.
3.16
)
einerseits
davon aus, dass
in Anbetracht der von med.
pract
.
D._
festgestellten
mittelgradigen de
pressiven Episode
davon auszugehen sei, dass dem Beschwerdeführer
zumindest
die Ausübung
einer den somatischen Beschwerden angepassten Tätigkeit
im Umfang
einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
möglich sein sollte
.
Andererseits vertrat
Dr.
I._
die Ansicht, dass
aus psychiatrischer Sicht
davon auszugehen sei,
dass eine
länger
dauernde oder
höhergradige
Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeits
markt
nicht bestanden habe
.
4.3
Den erwähnten Berichten von
med.
pract
.
D._
lassen sich
in psychischer
Hinsicht
keine nachvollzieh
baren Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit
des Be
schwe
r
deführers
in zumutbaren, angepassten Tätigkeiten entnehmen. Insbeson
dere vermag nicht zu überzeugen, dass
med.
pract
.
D._
ausschliesslich ge
stützt auf die Angaben des Beschwerdeführers diesem eine vollständige
Arbeits
unfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und in angepassten Tätigkeiten attestierte. Insoweit sie
dabei
davon ausging, dass der Beschwerdeführer
seit dem Jahre 2016
auf Grund seines Augenleidens
nicht
mehr mit dem Auto habe fahren können
(vorstehend E.
3.13
), gilt es zudem zu berücksichtigen, dass die
Ärzte des
Spitals Z._
dem Beschwerdeführer
in ihrem Bericht vom 1
6.
Juli 2020 (
vorstehend E
. 3.11
) ausdrücklich eine uneingeschränkte Fahreignung attestierten. Mangels einer nachvollziehbaren Begründung kann auf die Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen durch med.
pract
.
D._
vorliegend nicht abgestellt werden.
4.
4
4.4.1
D
i
e
Beurteilung durch
Dr.
I._
vom 2
6.
Januar 2021 (vorstehend
E.
3.16
)
vermag i
n inhaltlicher Hinsicht insoweit
nicht vollumfänglich zu überzeugen, als
sie
darin einerseits die von med.
pract
.
D._
gestellte Diagnose einer rezidi
vierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode, nicht in Zweifel zog, und
davon ausging
, dass
bei einer mittelgradigen depressiven Episode zumindest
eine
Arbeitsfähigkeit von 50
%
in einer den somatischen Be
schwerden angepassten Tätigkeit
zu erwarten sei, und dass sie andererseits
die Ansicht vertrat,
dass
aus psychiatrischer Sicht
eine längerdauernde oder
höher
gradige
Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt
nicht ausgewiesen sei. Mangels einer nachvollziehbaren Begründung
vermag
die Beurteilung durch
Dr.
I._
in
psychischer
Hinsicht vorliegend
somit
nicht vollumfänglich zu überzeugen.
4.4.2
In Bezug auf die Stellungnahme der
RAD-Ärztin
Dr.
I._
vom 2
6.
Januar 2021 (vorstehend E.
3.16
)
gilt es
zudem
zu beachten, dass der Beweis
wert von RAD-Berichten (Art. 49 Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenver
sicherung; IVV) gemäss der Rechtsprechung mit jenem exter
ner medizinischer Sach
ver
stän
digen
gutach
ten vergleichbar ist, sofern sie den praxis
gemässen Anforde
run
gen an ein ärztli
ches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arzt
person
über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.
1). Auf das Ergebnis versicherungsinterner ärzt
licher Abklärun
gen – zu denen die RAD-Berichte gehören – kann indes nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE 139 V 225 E. 5.2 und 135 V 465 E.
4.4 und E.
4.7; Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4). Der Stel
lung
nahme von
Dr.
I._
vom 2
6.
J
anu
a
r 2021
(vorstehend E. 3.16)
kommt daher lediglich ein eingeschränk
ter Be
weiswert als Administrativbericht zu, und es kann darauf nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an seiner Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit be
stehen.
Obwohl auf die Beurteilungen
durch med.
pract
.
D._
,
welche
dem Beschwerdeführer
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen attestierte
,
aus den erwähnten Gründen vorliegend nicht abgestellt werden kann (vorstehend E.
4.3
),
sind
sie
indes immerhin geeig
net, zumindest geringe Zweifel an der Zuver
lässigkeit der Beurteilung durch
die
RAD-Ärztin
Dr.
I._
her
vorzurufen, wes
halb auf deren
S
tellungnahme vom 2
6.
Januar 2021 (vorstehend E.
3.16
) vorliegend auch aus diesem Grunde nicht alleine abgestellt werde
n kann.
5.
5.1
Das Gericht holt gemäss Rechtsprechung (BGE 139 V 99 E. 1.1 und 137 V 210 E. 4.4.1.4) in der Regel ein Gerichtsgutachten ein, wenn es im Rahmen der Be
weiswürdigung zum Schluss kommt, ein bereits erhobener medizinischer Sach
verhalt müsse (insgesamt oder in wesentlichen Teilen) noch gutachtlich geklärt werden oder eine Administrativexpertise sei in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig. Eine Rückweisung an die IV-Stelle bleibt hingegen möglich, wenn es darum geht, zu einer bisher vollständig ungeklärten Frage ein Gutachten einzuholen. Ebenso steht es dem Versicherungsgericht frei, eine Sache zurückzu
weisen, wenn allein eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung der medizi
nischen Akten beziehungsweise von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4). Gemäss § 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialver
si
che
rungsgericht (
GSVGer
) kann das Gericht insbesondere dann die Angelegen
heit zu neuer Entscheidung an die Vo
r
in
stanz zurückweisen, wenn mit dem angefoch
tenen Entscheid nicht
auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wu
rde.
5.2
Des Weiteren gilt es zu berücksichtigen, dass gemäss der Rechtsprechung - wie bereits erwähnt (vor
ste
hend E.
1.4
) - grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden, namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurtei
lung der Arbeits
fähigkeit grundsätzlich einem strukturierten Beweisverfahren nach Mass
gabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (unter Vorbehalt der Fälle, in wel
chen davon aus Grün
den der Verhältnismässigkeit abgesehen werden kann; vgl. vorstehend E.
1.5
).
5.3
Nach Gesagtem erweist sich der medizinische Sachverhalt in Bezug a
uf die Rest
arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
in psychiatrischer Hinsicht als ungenü
gend abgeklärt, weshalb die vorhan
denen medizini
schen Akten zu ergänzen sind. Die Sache ist deshalb an die Beschwerdegegnerin zurückzu
wei
sen, damit sie
- nach Vervollständigung der Akten sowie Einholung allfälli
ger weiterer wesent
li
cher
Entscheidgrundlagen
- die Frage nach einem im invalidenver
sicherungs
rechtlichen Sinne erheblichen psychischen Gesundheitsschaden neu beurteile und anschlies
send über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers
neu verfüge. Da die behandelnden Ärzte, insbesondere
med.
pract
.
D._
, davon ausgehen, dass der Be
schwerdeführer
unter einem psychischen Leiden von Krankheitswert leide und deswegen in
seiner
Arb
eitsfähigkeit beein
trächtigt werde
, wird die Beschwer
degegnerin sinnvollerweise eine psy
chia
trische Begutachtung des Beschwerde
führers
veranlassen und dabei die begut
ach
tende Stelle mit der Bemessung des Leistungsvermögens in psychiatrischer Hinsicht anhand der einschlägigen Stand
ardindikatoren (vgl. vorstehend E.
1.4
) beauftragen.
Falls die durchgeführten Abklärungen ergeben sollten, dass der Beschwerdeführer
nic
ht lediglich unter einer leicht
gradigen ps
ychischen Störung ohne
Chronifi
zie
rung
und ohne Komorbiditäten leiden sollte (vgl. vorstehend E.
1.5
), wird sie
das
psychische Leiden des Beschwerdeführe
r
s einer
indikatorengeleiteten
Überprü
fung
unterziehen
(vorstehend E.
1.4
).
Falls die
ergänzen
den Sachverhaltsabkl
ärungen ergeben sollten,
dass
dem Be
schwerdeführer
in Nachachtung der ihm obliegenden Schadenminderungspflicht
für die Erhaltung oder Verbesserung
seines
Gesundheitszustandes beziehungs
weis
e
für die
Ausschöpfung der Restarbeitsfähigkeit
zuzumuten sein sollte, sich einer erforderlichen
medizinischen Behandlung
zu unterziehen
, wäre die Beschwer
degegnern
zudem
gehalten,
gemäss
Art.
21
Abs.
4 ATSG vorzugehen und ein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
durchzuführen.
Demzufolge ist die Beschwerde in genanntem Sinne gutzuheissen.
6.
6.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen
Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verwei
ge
rung
von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzli
chen Rahmens
(Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 700.-- festzusetzen und ausgangs
gemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Unter diesen Umständen erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche
Prozessführung
vom 2
2.
März 2021
(
Urk.
1) als gegenstandslos.