Decision ID: e27d99e7-2413-42ed-b330-e2e15dab5fcb
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit 19. Juni 2017 als Chauffeur bei der
B._ AG tätig und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(nachfolgend: Suva) gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 27. Juni 2017
nach dem Beladen eines LKWs in eine Lücke zwischen Ladefläche und Laderampe fiel,
weil ein Lagermitarbeiter das Rampenblech entfernt hatte. Laut Angaben in der
Schadenmeldung UVG vom 5. Juli 2017 zog sich der Versicherte dabei Prellungen am
linken Oberschenkel und Rücken zu (Suva-act. 2, 5, 70). Am 4. Juli 2017 war bei der
Suva ein Unfallschein UVG von Dr. med. C._, Allgemeinmedizin FMH, mit attestierter
100%iger Arbeitsunfähigkeit des Versicherten ab 28. Juni 2017 eingegangen (Suva-act.
2). Mit Schreiben vom gleichen Tag hatte die Suva dem Versicherten für die Folgen des
Berufsunfalls vom 27. Juni 2017 die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und
Taggeld) zugesprochen (Suva-act. 3). Im Arztzeugnis UVG vom 6. Juli 2017 bestätigte
Dr. C._ eine Erstbehandlung am 28. Juni 2017 und diagnostizierte eine Prellung linker
Oberschenkel und Nierenloge rechts sowie Blut im Urin (Suva-act. 8). Auf Zuweisung
von Dr. C._ hatte sich der Versicherte sodann vom 28. bis 30. Juni 2017 in der Klinik
für Urologie des Kantonsspitals St. Gallen (nachfolgend: KSSG) aufgehalten. Die
untersuchenden Ärzte hatten computertomographisch eine Nierenverletzung
ausgeschlossen, jedoch eine komplizierte Nierenzyste Bosniak II F rechts, eine
Nephrolithiasis rechts sowie einen Diabetes mellitus Typ II diagnostiziert und beim
A.a.
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Versicherten eine Zystoskopie, eine retrograde Abklärung beidseits, eine
Spülzytologieentnahme beidseits und eine Doppel-J-Kathetereinlage rechts
vorgenommen (Suva-act. 7, 12). Am 3. August 2017 folgte in der Klinik für Urologie des
KSSG eine Konkrementextraktion (Suva-act. 20).
Am 1. September 2017 legte die Suva den Schadenfall ihrer Kreisärztin med.
pract. D._, Fachärztin für Chirurgie, zur Beurteilung ihrer Leistungspflicht vor, die am
4. September 2017 erklärte, dass in Bezug auf die Flanken- und Oberschenkelprellung
drei bis vier Wochen nach dem Trauma der Status quo sine angenommen werden
könne (Suva-act. 22). Die Suva teilte darauf dem Versicherten mit Schreiben vom 13.
September 2017 die Einstellung der gesetzlichen Versicherungsleistungen per 30.
September 2017 mit (Suva-act. 28).
A.b.
Inzwischen war beim Versicherten am 7. September 2017 aufgrund von
Schulterbeschwerden links in der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin des KSSG
eine Röntgenuntersuchung (Suva-act. 46) durchgeführt worden. Am 25. September
2017 folgte eine MRI-Arthrographie (Suva-act. 47). Dr. med. E._, Oberarzt mbF, Klinik
für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG,
diagnostizierte darauf am 26. September 2017 eine posttraumatische Frozen shoulder
Schulter links (Suva-act. 38). Am 27. Oktober 2017 teilte der Versicherte der Suva mit,
dass die Schulterbeschwerden mit dem Unfall vom 27. Juni 2017 im Zusammenhang
stünden, wobei er diese wegen der starken Medikamente zuerst nicht bemerkt habe.
Die Schmerzen seien erst mit der Zeit gekommen (Suva-act. 43). Der neue Hausarzt
des Versicherten, Dr. med. F._, Innere Medizin FMH, Rorschacherberg, bescheinigte
dem Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 42, 48).
A.c.
Suva-Kreisärztin med. pract. D._ hielt in einer Beurteilung vom 17. November
2017 eine Unfallkausalität der linksseitigen Schulterbeschwerden für eher
unwahrscheinlich, weil die MRI-Arthrographie keine unfallbedingten strukturellen
Läsionen hervorgebracht habe und zeitnah zum Unfall keine Schulterbeschwerden und
auch keine Prellung oder ähnliches aktenkundig seien (Suva-act. 49). Am 6. Dezember
2017 führte Dr. med. G._, Leitender Arzt, Orthopädie H._, beim Versicherten eine
subacromiale Infiltration linke Schulter durch (Suva-act. 62). Am 14. Februar 2018
stellte Dr. F._ ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis mit einer 80%-igen Arbeitsunfähigkeit
A.d.
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ab 1. Februar 2018 bis auf weiteres aus (Suva-act. 68). Anlässlich einer Besprechung
vom 22. Februar 2018 teilte der Versicherte der Suva mit, dass die Beweglichkeit und
die Kraft der linken Schulter stark reduziert seien, der rechte Arm beschwerdefrei sei,
auch das linke Bein keine Probleme mehr bereite, die Nierenproblematik abgeheilt und
er infolge der verschiedenen Beschwerden und der stark angespannten finanziellen
Situation psychisch stark belastet und deswegen in Behandlung sei (Suva-act. 70). In
einer Beurteilung vom 28. Februar 2018 ging med. pract. D._ sodann bezüglich der
Schulterproblematik links von einer unfallbedingten, zeitlich limitierten
Verschlimmerung aus, wobei der Status quo sine vel ante noch nicht erreicht sei (Suva-
act. 71).
Nachdem die Infiltration vom 6. Dezember 2017 erfolglos geblieben war (Suva-
act. 62, 80), wurde am 27. April 2018 durch Dr. med. I._, Facharzt FMH für
medizinische Radiologie, ein Verlaufs-MRI durchgeführt (Suva-act. 99). Dr. G._ stellte
am 18. Mai 2018 fest, dass das MRI unspezifische Befunde zur Darstellung gebracht
habe und diagnostizierte eine posttraumatische Schultersteife links (Suva-act. 98).
A.e.
In einer weiteren Beurteilung vom 20. Juni 2018 bejahte med. pract. D._
weiterhin eine überwiegend wahrscheinliche Kausalität zwischen den
Schulterbeschwerden links und dem Unfall vom 27. Juni 2017. Im MRI hätten sich zwar
keine relevanten strukturellen Veränderungen gezeigt, doch gebe es nun einen Hinweis
auf eine Frozen shoulder. Die Kreisärztin empfahl einen stationären Aufenthalt des
Versicherten in der Rehaklinik Bellikon (Suva-act. 101). Der Versicherte verweilte dort
vom 13. August bis 18. September 2018, wo insbesondere auch ein
psychosomatisches Konsilium erfolgte (Suva-act. 124). Gestützt auf den
Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon vom 21. September 2018 (Suva-act. 122)
gelangte med. pract. D._ in einer Beurteilung vom 22. Oktober 2018 zum Schluss,
dass der Unfall vom 27. Juni 2017 zu einer vorübergehenden Verschlimmerung der mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit bereits vor dem Unfall beeinträchtigten Gesundheit
an der linken Schulter in Form einer klassischen Impingementsituation geführt habe. So
habe vorübergehend der Verdacht auf eine Frozen shoulder bestanden. Die
Unfallfolgen würden im Beschwerdebild mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ab
Zeitpunkt des Austritts aus der Rehaklinik Bellikon, spätestens per 22. Oktober 2018
keine Rolle mehr spielen. Sie empfehle den Fallabschluss. Die Schulterproblematik sei
A.f.
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B.
nicht mehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit unfallkausal bzw. mit grosser
Wahrscheinlichkeit nicht mehr somatisch erklärbar (Suva-act. 123).
Am 30. Oktober 2018 wurde dem Versicherten von Dr. F._ nach
unterschiedlichen Arbeitsunfähigkeiten (100%, 80% und 50%) ab 31. Oktober 2018
wieder eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (Suva-act. 129, vgl. auch Suva-act.
137). Am 30. November 2018 verfasste die Klinik J._, in welcher sich der Versicherte
in psychiatrischer Behandlung befand, einen Bericht mit der Diagnose einer
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F 43.21) und hielt fest,
dass die psychischen Beschwerden seit Anfang 2018 stark ausgeprägt seien (Suva-
act. 140). Gemäss einem ärztlichen Zwischenbericht von Dr. F._ vom 3. Dezember
2018 beklagte der Versicherte nach den initial nur linksseitigen Schulterschmerzen nun
auch solche auf der rechten Seite (Suva-act. 142). Am 9. November 2018 war in der
Radiologie K._, Diagnosezentrum L._, durch Dr. med. M._, Facharzt FMH für
medizinische Radiologie, eine MRI-Arthrographie der rechten Schulter durchgeführt
worden (Suva-act. 141). Nachdem die Suva dem Versicherten am 12. Dezember 2018
telefonisch die Terminierung des Schadenfalls betreffend die linke Schulter per 31.
Dezember 2018 in Aussicht gestellt und dieser sich damit nicht einverstanden erklärt
hatte (Suva-act. 146), erliess sie am 14. Dezember 2018 eine entsprechende Verfügung
(Suva-act. 151). Am 12. Dezember 2018 hatte Dr. G._ der Suva die
Krankengeschichteeinträge vom 15. Juni, 10. Oktober und 3. Dezember 2018
eingereicht. In Anbetracht der Gesamtsituation hatte er den Versicherten am 3.
Dezember 2018 zu 100% arbeitsunfähig erachtet (Suva-act. 165).
A.g.
Gegen die Verfügung vom 14. Dezember 2018 erhob die
Rechtsschutzversicherung des Versicherten am 1. Februar 2019 vorsorglich
Einsprache (Suva-act. 167). Am 2. Mai 2019 reichte sie zusammen mit einer
Stellungnahme von Dr. G._ vom 28. März 2019 (Suva-act. 179) und einem
Untersuchungsbericht von Dr. med. N._, Fachärztin für Neurochirurgie, SGSS
Schmerzspezialistin, die Einsprachebegründung ein (Suva-act. 178, 180).
B.a.
Dr. F._ attestierte dem Versicherten weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(Suva-act. 164, 169, 182 f.).
B.b.
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C.
Mit Einspracheentscheid vom 18. Juli 2019 wies die Suva die Einsprache des
Versicherten ab (Suva-act. 184).
B.c.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer), vertreten durch Fürsprecher, Fachanwalt SAV Haftpflicht- und
Versicherungsrecht, U. Kröpfli, Frauenfeld, mit Eingabe vom 29. August 2019
Beschwerde mit den Anträgen, der Einspracheentscheid der Suva (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) vom 18. Juli 2019 sei vollumfänglich aufzuheben, es seien
gegenüber dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen auszurichten und die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, den Beschwerdeführer angemessen zu
entschädigen (act. G 1).
C.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 11. November 2019 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des
angefochtenen Einspracheentscheids. Sie stützte sich dabei auf eine von Dr. med.
O._, Facharzt für Neurologie von der Abteilung Versicherungsmedizin der Suva, am
24. September 2019 erstellte neurologische Beurteilung (Suva-act. 193) und auf eine
von PD Dr. med. P._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH von der Abteilung
Versicherungsmedizin der Suva, am 28. Oktober 2019 verfasste orthopädisch-
chirurgische Beurteilung (Suva-act. 196).
C.b.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte hierauf am 29. November
2019 eine Replik ein (act. G 7). Am 18. Dezember 2019 folgte die Duplik der
Beschwerdegegnerin (act. G 9). Beide Verfahrensparteien hielten an ihren
Rechtsbegehren fest.
C.c.
Mit Schreiben vom 21. Januar 2020 reichte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers eine Honorarnote über insgesamt Fr. 3'513.60 ein (act. G 11 und G
11.1).
C.d.
Mit Schreiben vom 30. September 2020 reichte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers das von der IV-Stelle St. Gallen in Auftrag gegebene orthopädische
C.e.
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Erwägungen
1.
Teilgutachten von Dr. med. Q._, Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie,
Vertrauensarzt SGV, estimed AG, Medas Zug, ein (act. G 13 und 13.1).
Mit Eingabe vom 15. Oktober 2020 nahm die Beschwerdegegnerin zum neu
aufgelegten orthopädischen Teilgutachten von Dr. Q._ Stellung und reichte das
Polydisziplinäre Gutachten (Konsensbeurteilung) der estimed AG vom 7. Juli 2020,
welches neben dem Teilgutachten von Dr. Q._ Teilgutachten für Innere Medizin,
Neuropsychologie sowie Psychiatrie umfasst, ein (act. G 15.1). Mit Schreiben vom 20.
Oktober 2020 wurde dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers das Polydisziplinäre
Gutachten (Konsensbeurteilung) der estimed AG zur Kenntnis gebracht (act. G 16).
C.f.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die Ausführungen in
den medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
C.g.
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung
bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht besteht demnach nur für
Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat-kausal mit einem versicherten
Unfallereignis zusammenhängen (BGE 129 V 181 f. E. 3.1 f.; André Nabold, N 48 ff. zu
Art. 6, in Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung,
Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert:
KOSS UVG]; Irene hofer, N 63 ff. zu Art. 6, in: Ghislane Frésard-Fellay/Susanne
Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgestz, Basler Kommentar, 2019
[nachfolgend zitiert: BSK UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.],
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S.
53 ff.). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf
Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
1.1.
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nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (KOSS UVG-
Nabold, N 53 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S.
54 f.). Die Adäquanz spielt im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen
indessen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der
natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2).
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall
nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache der fortdauernd geklagten
Beschwerden darstellt, d.h., wenn die Beschwerden nur noch und ausschliesslich auf
unfallfremden Ursachen beruhen. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche
Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit gänzlich fehlender Auswirkungen des
Unfalls genügt für einen Leistungsanspruch nicht (Thomas Locher/Thomas Gächter,
Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70 N. 58 f.).
1.2.
Für das gesamte Verwaltungs-und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die beklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten oder der Expertin begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). Den
Berichten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kann rechtsprechungsgemäss
gleichfalls Beweiswert beigemessen werden, sofern sie schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien
gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 135 V 467 ff. E. und BGE 125 V 353 f. E. 3b/
ee, je mit Hinweisen). Art. 8 der Bundesverfassung (BV; SR 101) und Art. 6 Ziff. 1 der
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101)
geben keinen formellen Anspruch auf versicherungsexterne Begutachtung, wenn
1.3.
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Leistungsansprüche streitig sind. Erachtet das Sozialversicherungsgericht die
rechtserheblichen tatsächlichen Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer
Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den Prozess ohne Weiterungen - insbesondere
ohne Anordnung eines Gerichtsgutachtens - abschliessen. In solchen Fällen sind an die
Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 471 E. 4.6; bestätigt in Urteil des
Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_592/2012, E. 5.3; Urteil des
Bundesgerichts vom 3. Oktober 2008, 8C_510/2007, E. 7.5.4). Schliesslich ist darauf
hinzuweisen, dass auch Berichte aufgrund der Akten, wie sie vorliegend von med.
pract. D._, Dr. O._ und Dr. P._ erstellt wurden, beweiskräftig sein können, sofern
ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche
Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die
direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil
des Bundesgerichts vom 18. Juni 2014, 9C_196/2014, E. 5.1.1). Insbesondere die
ärztlichen Beurteilungen von Dr. O._ und Dr. P._ wurden in Kenntnis der Vorakten
("Vorgeschichte nach Aktenlage") abgegeben und enthalten eine ausführliche
Begründung der vorliegend strittigen Frage des Vorliegens einer unfallkausalen
Schulterproblematik links (Suva-act. 193, 196). Dass die Beschwerdegegnerin initiale
Kausalitätsbeurteilungen durch ihre Kreisärzte und Kreisärztinnen vornehmen lässt,
aber auch im Rahmen von Einsprache- und Beschwerdeverfahren ihre Ärzte und
Ärztinnen der Abteilung Versicherungsmedizin mit der Beantwortung konkreter
versicherungsmedizinischer Fragen beauftragt, entspricht der gängigen
Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin und ist nicht zu beanstanden. Gerade dafür
verfügt die Beschwerdegegnerin über ein Team, bestehend aus spezialisierten Ärzten
und Ärztinnen verschiedenster Fachrichtungen.
1.4.
Die Beschwerdegegnerin hat die neurologische Beurteilung von Dr. O._ vom
24. September 2019 (Suva-act. 193) und die orthopädisch-chirurgische Beurteilung
von Dr. P._ vom 28. Oktober 2019 (Suva-act. 196) erst nach Eingang der
Beschwerde vom 29. August 2019 (act. G 1) eingereicht. Damit ist formell-rechtlich
auch zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin mit der Einholung der vorgenannten
Beurteilungen den Grundsatz des Devolutiveffekts verletzt hat.
1.4.1.
Als ordentlichem Rechtsmittel kommt der Beschwerde nach Art. 56 ATSG
Devolutiveffekt zu. Der Devolutiveffekt besagt grundsätzlich, dass mit der Einreichung
1.4.2.
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der Beschwerde die Entscheidzuständigkeit von der Vorinstanz auf die
Beschwerdeinstanz übergeht (Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, N 1194). Eingeschränkt wird der Devolutiveffekt durch
Art. 53 Abs. 3 ATSG, welcher bestimmt, der Versicherungsträger könne eine Verfügung
oder einen Einspracheentscheid, gegen die bzw. gegen den Beschwerde erhoben
wurde, solange wiedererwägen, bis er gegenüber der Beschwerdebehörde Stellung
nimmt. Das Bundesgericht bejaht - mit Hinweis auf Art. 53 Abs. 3 ATSG - die Befugnis
des Versicherungsträgers, weitere Beurteilungen einzuholen, nachdem die Partei
zusammen mit ihrer Beschwerde neue Beweismittel eingereicht hatte (Urteil vom 14.
Juni 2017, 8C_67/2017, E. 5.6).
Die Rechtsschutzversicherung des Beschwerdeführers legte mit der
Einsprachebegründung vom 2. Mai 2019 (Suva-act. 178) eine Stellungnahme von Dr.
G._ vom 28. März 2019 (Suva-act. 179) sowie einen Untersuchungsbericht von Dr.
N._ vom 28. März 2019 (Suva-act. 180) vor. Dr. G._ stellte fest, dass die aktuellen
Schulterbeschwerden links sicher noch als Folge des erlittenen Unfallereignisses
gewertet werden müssten. Dr. N._ diagnostizierte ein bis dahin in den medizinischen
Akten nicht diagnostiziertes chronisches gemischt nozizeptiv-neuropathisches
Schmerzsyndrom mit einem Chronifizierungsgrad nach Gerbershagen III und empfahl
angesichts der beim Beschwerdeführer immer wieder auch auftretenden
neuropathischen Schmerzen in Form von blitzartig ausstrahlenden Schmerzen/
Zuckungen in den Armen eine neurologische Beurteilung und elektrophysiologische
Abklärung. Die Beschwerdegegnerin erliess zwar am 18. Juli 2019 ohne weitere
Abklärungen den angefochtenen Einspracheentscheid (Suva-act. 184) und holte erst
während des laufenden Beschwerdeverfahrens, d.h. pendente lite, die Beurteilungen
von Dr. O._ und Dr. P._ ein. Eine versicherungsinterne ärztliche Überprüfung durch
die Beschwerdegegnerin war jedoch angesichts des Inhalts der vorgenannten
Stellungnahme von Dr. G._ und des Untersuchungsberichts von Dr. N._ nach wie
vor sachgerecht. Die Beschwerdegegnerin hatte im Übrigen die Unfallkausalität der
Schulterbeschwerden links vor Erlass der Verfügung vom 14. Dezember 2018 (Suva-
act. 151) wiederholt durch ihre Kreisärztin med. pract. D._ abklären lassen (vgl. Suva-
act. 49, 81, 101, 123), wobei zum damaligen Zeitpunkt kein augenscheinlicher Grund
bestanden hatte, an deren Beurteilungen zu zweifeln. Der Beschwerdegegnerin kann
damit auch nicht vorgeworfen werden, sie habe die notwendigen
Abklärungsmassnahmen in ein späteres Verfahren verschoben. Die internen
versicherungsmedizinischen Aktenbeurteilungen durch Dr. O._ und Dr. P._ wurden
sodann ohne Mitwirkung des Beschwerdeführers erstellt und haben keine namhafte
zeitliche Verzögerung des Beschwerdeverfahrens verursacht (vgl. dazu Art. 61 lit. a
1.5.
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2.
ATSG; BGE 136 V 6 E. 2.7 mit Hinweis auf BGE 127 V 231 ff. E. 2b/aa und bb). Sie
wurden dem Beschwerdeführer bzw. dessen Rechtsvertreter zusammen mit der
Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerin zugestellt und er konnte sich im Rahmen
der Replik dazu äussern, weshalb auch nicht von einer Verletzung des rechtlichen
Gehörs ausgegangen werden kann. Aus all diesen Gründen ist von keiner Verletzung
des Devolutiveffekts auszugehen. Vielmehr rechtfertigt es sich, die Beurteilungen von
Dr. O._ und Dr. P._ aus verfahrensökonomischen Gründen im vorliegenden
Beschwerdeverfahren zu berücksichtigen.
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschänkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a mit Hinweisen;
vgl. BGE 130 I 183 E. 3.2). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im
Sinn der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess
tragen mithin die Parteien die Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit
der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Beim Nachweis des Dahinfallens jeder kausalen
Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens handelt es sich
um eine leistungsaufhebende Tatfrage. Die entsprechende Beweislast liegt hier -
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim
Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2 mit Hinweisen, 1994 Nr. U 206 S.
328 E. 3b mit Hinweisen; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 4, 79).
1.6.
Am 7. September 2017 unterzog sich der Beschwerdeführer in der Klinik für
Radiologie des KSSG einer Röntgenuntersuchung (Suva-act. 46) und am 25.
September 2017 einer MRI-Arthrographie (Suva-act. 47) der linken Schulter.
Gegenüber der Beschwerdegegnerin hatte der Beschwerdeführer erstmals am 11.
September 2017 Schulterbeschwerden links gemeldet (Suva-act. 25). Gestützt auf die
kreisärztlichen Beurteilungen von med. pract. D._ vom 17. November 2017 (Suva-
act. 49) und 28. Februar 2018 (Suva-act. 71) stellte die Beschwerdegegnerin zunächst
das Geschehen einer Schulterverletzung anlässlich des Unfalls vom 27. Juni 2017 nicht
in Frage und erbrachte dafür Heilkosten- und Taggeldleistungen (Suva-act. 150). Am
14. Dezember 2018 erliess die Beschwerdegegnerin in Bezug auf die Heilkosten- und
Taggeldleistungen eine Leistungseinstellungsverfügung per 31. Dezember 2018 mit der
2.1.
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Begründung, die aktuell noch geklagten Beschwerden seien organisch nicht
hinreichend nachweisbar und die Adäquanz zwischen den Beschwerden und dem
Unfallereignis vom 27. Juni 2017 sei mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu verneinen. Mangels Vorliegens adäquater Unfallfolgen bestehe
auch kein Anspruch auf weitere Geldleistungen in Form einer Invalidenrente und/oder
einer Integritätsentschädigung (Suva-act. 152). Mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid vom 18. Juli 2019 bestätigte die Beschwerdegegnerin die
vorgenannte Verfügung (Suva-act. 184). Erstmals in der Beschwerdeantwort vom 11.
November 2019 argumentierte sie gestützt auf die neurologische Beurteilung von Dr.
O._ vom 24. September 2019 (Suva-act. 193) und die orthopädisch-chirurgische
Beurteilung von PD Dr. P._ vom 28. Oktober 2019 (Suva-act. 196), sie habe für die
linke Schulter zu Unrecht Leistungen erbracht (act. G 5). Eine Rückforderung der
diesbezüglich bis 31. Dezember 2018 ausgerichteten Leistungen macht sie indessen
nicht geltend. Aktenkundig ist schliesslich, dass beim Beschwerdeführer über das
vorgenannte Datum hinaus ein anhaltendes Schmerzgeschehen im Bereich der linken
Schulter bestanden hat, Konsultationen bei Dr. F._ stattgefunden haben und dem
Beschwerdeführer von diesem eine weiterdauernde 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt worden ist (Suva-act. 164 f., 170, 183).
Die Argumentation der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort ändert an
der in Erwägung 1.6 dargestellten Beweislastverteilung nichts. Im vorliegenden Fall ist
die Frage der Rechtmässigkeit der Leistungseinstellung per 31. Dezember 2018 zu
prüfen, womit die Beschwerdegegnerin beweisbelastet ist (vgl. dazu SZS 2017, S. 658).
Gemäss BGE 130 V 380 hat der Unfallversicherer bei Leistungseinstellungen die
Möglichkeit, die durch Ausrichtung von Heilbehandlung und Taggeldern anerkannte
Leistungspflicht mit Wirkung ex nunc et pro futuro ohne Berufung auf den
Rückkommenstitel der prozessualen Revision (Art. 53 Abs. 1 ATSG) oder der
Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) einzustellen, da eine solche
Leistungseinstellung kein Zurückkommen auf die bisher gewährten
Versicherungsleistungen bedeutet. Die Beschwerdegegnerin kann also auf ihren
Entscheid der Anerkennung einer Unfallkausalität einer Schulterproblematik links ex
nunc et pro futuro ohne Berufung auf einen Rückkommenstitel zurückzukommen, dies
mit der Begründung, es habe in Bezug auf diese gar nie eine Unfallkausalität
vorgelegen. Nur im Rahmen einer allfälligen Leistungsrückerstattung sind die
Rückkommensvoraussetzungen zu beachten (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 6. Mai 2003, U 6/03, E. 4.2.1). Dies bedeutet, die
Beschwerdegegnerin ist frei, für die Zukunft eine nochmalige materiellrechtliche
Kausalitätsprüfung vorzunehmen und gestützt darauf zu einem anderen Schluss zu
2.2.
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3.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer am 27. Juni 2017 eine Verletzung
der linken Schulter erlitten hat. Nur wenn mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit eine solche nachgewiesen werden kann, steht eine Leistungspflicht
über den Einstellungszeitpunkt hinaus zur Diskussion.
4.
gelangen. Im vorliegenden Beschwerdeverfahren gilt es also die Frage zu prüfen, ob
die Beschwerdegegnerin über den 31. Dezember 2018 hinaus für die
Schulterbeschwerden links leistungspflichtig ist (vgl. dazu nachfolgende Erwägungen 3.
f.). Diese Frage gilt es angesichts der in der Beschwerdeantwort von der
Beschwerdegegnerin neu vorgebrachten rechtlich zulässigen Argumentation auch
unter zu Grundelegung des möglichen Sachverhalts einer von Anfang an fehlenden
Unfallkausalität der Schulterbeschwerden links zu prüfen. Die Beschwerdeinstanz hat
sich mit allen rechtlich zutreffenden Begründungen einer Leistungseinstellung
auseinanderzusetzen (vgl. Erwägung 1.6; BGE 116 V 26 f. E. 3c).
Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer beim Unfall vom 27. Juni 2017 eine
Prellung des linken Oberschenkels und des Rückens im Bereich der Nierenloge erlitten
hat. In der Folge wurde bei ihm ein Nierenleiden behandelt (Suva-act. 5, 7 f., 12 f., 20)
und die Beschwerdegegnerin hat dafür die Kosten der Heilbehandlung, insbesondere
auch diejenigen der diesbezüglichen Hospitalisationen und Operationen, übernommen
sowie Taggelder ausgerichtet (Suva-act. 3, 150). Nach der Hospitalisation des
Beschwerdeführers in der Klinik für Urologie des KSSG vom 1. bis 6. August 2017 sind
wegen des Nierenleidens keine Heilbehandlungen mehr aktenkundig. Zudem teilte der
Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin anlässlich der Besprechung vom 22.
Februar 2018 mit, dass das Nierenleiden abgeheilt sei und das linke Bein keine
Probleme mehr bereite (Suva-act. 70). In Bezug auf die Niere und das linke Bein ist der
Leistungseinstellungszeitpunkt damit unangefochten (vgl. dazu auch Suva-act. 22).
2.3.
Für die Annahme kausaler somatischer Unfallfolgen wird im Regelfall eine
strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares
Korrelat verlangt. Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann erst
gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit - wissenschaftlich anerkannten
(BGE 134 V 231) - apparativen/bildgebenden Abklärungen (Röntgen,
Computertomographie, MRI) bestätigt werden (Urteil des Bundesgerichts vom 28.
Oktober 2009, 8C_216/2009, E. 2).
4.1.
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Erleidet eine versicherte Person durch einen Unfall keine strukturelle Verletzung,
kommt eine unfallkausale Gesundheitsschädigung höchstens als vorübergehende oder
richtunggebende Verschlimmerung eines Vorzustandes in Betracht. Von einer
richtunggebenden Verschlimmerung spricht die Rechtsprechung nur dann, wenn
medizinischerseits feststeht, dass weder der (allenfalls krankhafte)
Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo
ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf
eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte
(Status quo sine) je wieder erreicht werden können (vgl. dazu RKUV 1994 Nr. U 206 S.
328 f. E. 3b, mit Hinweisen; KOSS UVG-Nabold, N 54 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 71
zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54). Von einer vorübergehenden
Verschlimmerung eines Vorzustandes wird dann gesprochen, wenn die Unfallfolgen
bzw. deren Anteil an einer Gesundheitsschädigung im Rahmen des posttraumatischen
Verlaufs nie konkret beschrieben bzw. radiologisch als strukturelle Verletzung der
Gelenke oder Knochen sichtbar gemacht werden können. In solchen Fällen wird bei
einem geeigneten bzw. adäquaten Ereignis in einer ersten Phase davon ausgegangen,
dass dieses eine schädigende Wirkung auf den Körper habe. Die aufgetretenen bzw.
ausgelösten Beeinträchtigungen werden, obwohl sie möglicherweise weiterbestehen,
nach einer gewissen Zeit gestützt auf medizinische Erfahrung aber nicht mehr dem
Unfall angelastet. Die Unfallversicherung übernimmt in diesen Fällen nur den durch das
Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, d.h. sie hat bis zum Erreichen des
Status quo sine oder Status quo ante Leistungen für das unmittelbar im
Zusammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erbringen. Als Beispiel
dafür gelten insbesondere Kontusions- und Distorsionsfolgen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 26. Februar 2013, 8C_423/2012, E. 5., 9. Januar 2012,
8C_601/2011, E. 3.2, und 24. Juni 2008, 8C_326/2008, E. 3.2 und 4; vgl. auch Rumo-
Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55 f.; vgl. dazu KOSS UVG-Nabold, N 57 zu Art. 6). Bei einer
Kontusion und Distorsion handelt es sich um Weichteilverletzungen, die insbesondere
klinisch objektivierbare Folgen zeitigen können (Hämatome, Schwellungen,
Druckdolenzen, Bewegungseinschränkungen, Muskelverhärtungen [vgl. dazu Alfred M.
Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, a.a.O., S. 412; Roche Lexikon,
Medizin, 5. Aufl. 2003, S. 357]).
4.2.
4.3.
Eine konkrete primäre strukturelle Unfallverletzung, wie eine
Rotatorenmanschettenruptur, eine Ruptur der Bizepssehne oder eine Schulterfraktur,
konnte in den radiologischen Untersuchungen vom 7. und 25. September 2017 (Suva-
4.3.1.
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act. 46 f.) nicht ausgemacht werden. In der MRI-Arthrographie vom 25. September
2017 kam lediglich eine geringe Insertionstendinose der Supraspinatussehne und
damit ein degenerativer Zustand zur Darstellung (Suva-act. 47). Auch die in der MRI-
Arthrographie vom 27. April 2018 erhobenen Gesundheitsschäden - die
Insertionstendinopathie der Supraspinatussehne mit Tendinose und Aufsplitterung/
Partialruptur in der ventralen bis knapp mittleren Portion, die Insertionstendinose und
Auffaserung/Partialruptur der kranialen Subscapularissehne, die kurzstreckige
Aufsplitterung und feine horizontale Rissbildung der Labrumbasis, die Partialläsion des
ursprungsnahen mittleren gleno-humeralen und des superioren gleno-humeralen
Ligamentes sowie die Tendinose der langen Bizepssehne intraartikulär im horizontalen
Abschnitt - werden in den medizinischen Akten in Übereinstimmung mit der
medizinischen Literatur (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 412, 627 f. 724 f., 728 ff.;
Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. 2017, S. 1576, 1646, 1782; Roche
Lexikon, a.a.O., S. 1681, 1808; https://schulterinfo.de/rotatorenmanschettenrisse.html.;
https: // www. universimed.com/ch/fachthemen/arthroskopisches-d-bridement-oder-
teilrepair-2101258, abgerufen am 19. Oktober 2020) nirgends als Unfallverletzungen
beurteilt oder diskutiert. Ein anderer Standpunkt wird auch vom Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers in seinen Eingaben nicht vertreten.
Anlässlich der Untersuchungen durch Dr. N._ im März 2019 beklagte der
Beschwerdeführer neuropathische Schmerzen. Die Neurochirurgin diagnostizierte in
ihrem Bericht vom 28. März 2019 chronische gemischt nozizeptiv neuropathische
Schmerzen und empfahl eine neurologische Beurteilung (Suva-act. 180). Eine solche
erfolgte am 24. September 2019 durch Dr. O._ (Suva-act. 193). Dieser begründet
schlüssig und überzeugend, weshalb die Diagnose von Dr. N._ nicht geteilt werden
könne, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine neuropathischen Schmerzen
vorliegen würden und kein objektivierbares, unfallkausales organisch-strukturelles
Substrat entsprechend einer Schädigung eines peripheren Nervs vorliegen würde.
Klinisch sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer chronischen
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41)
auszugehen. Hierbei hätten psychische Faktoren die führende Rolle in Schweregrad,
Aufrechterhaltung und Ausweitung der Schmerzen. Dr. O._ erklärt, was unter
nozizeptivem und neuropathischem Schmerz zu verstehen sei und weshalb im
konkreten Fall von keinem dieser Schmerzen auszugehen sei. Ein nozizeptiver Schmerz
werde von Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) vermittelt. Diese könnten durch
mechanische oder physische Schäden von Haut, Muskeln, Knochen oder Gelenken
ausgehen. So seien beispielsweise Schmerzen nach Verletzungen oder die von
4.3.2.
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degenerativen Schulterveränderungen ausgehenden Schmerzen primär nozizeptiver
Natur. Deutlich seltener sei der neuropathische Schmerz. Hierunter würden Schmerzen
verstanden, die durch eine Schädigung peripherer Nerven, seltener auch durch eine
Schädigung des Zentralnervensystems, entstünden. In Bezug auf den
Beschwerdeführer fänden sich jedoch keinerlei Hinweise, dass der Unfall vom 27. Juni
2017 zu einer Schädigung eines peripheren Nervs geführt haben könnte (Suva-act.
193). Der von Dr. Q._ am 13. März 2020 klinisch erhobene neurologische Status im
Bereich der oberen Extremitäten zeigte wie die Untersuchung durch Dr. O._
vollständig unauffällige neurologische Befunde (act. G 13.1-55). Weshalb im Falle des
Beschwerdeführers kein nozizeptiver Schmerz - wenn nicht wegen einer Verletzung,
dann wegen degenerativer Schulterveränderungen (vgl. Erwägung 4.3.1) - in Frage
kommt, erklärt zwar Dr. O._ nicht explizit. Jedenfalls ist jedoch aufgrund der
gesamten medizinischen Aktenlage die Schlussfolgerung von Dr. O._, dass im
konkreten Fall die Diagnose eines chronischen, gemischt nozizeptiv neuropatischen
Schmerzsyndroms in keiner Weise überzeuge und auch nicht die erhebliche
Symptomausweitung erkläre, schlüssig und nachvollziehbar. Der Neurologe begründet,
dass die vom Beschwerdeführer gegenüber Dr. N._ beschriebenen Schmerzen -
ausstrahlende Schmerzen im Oberarm und Unterarm beidseits mit Einschlafgefühl
beider Hände und intermittierendem Fallenlassen von Gegenständen, das Auftreten
von blitzartigen Zuckungen an den Armen - am ehesten durch die in der Rehaklinik
Bellikon festgestellten Symptomausweitungen erklärbar seien. Dementsprechend sei
das MRI der Halswirbelsäule vom 27. März 2019 (vgl. Suva-act. 180-3) als unauffällig
befundet worden. Die Schmerzerkrankung des Beschwerdeführers wäre unter
Berücksichtigung der in der Rehaklinik Bellikon erhobenen Befunde (Suva-act. 120-19
ff.) nach ICD-10 am besten als "chronische Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren" (F45.41) zu beschreiben. Im Vordergrund stünden dabei
Schmerzen, die ihren Ausgangspunkt in einer körperlichen Störung haben könnten.
Psychische Faktoren würden dabei aber in der Aufrechterhaltung eine zentrale Rolle
spielen und der häufig zu beobachtenden Ausweitung der Schmerzen beigemessen,
spielten jedoch nicht die ursächliche Rolle für deren Beginn. Im Fall des
Beschwerdeführers habe möglicherweise eine unfallbedingte Exazerbation von
Schulterschmerzen vorgelegen. Deren Aufrechterhaltung und Ausweitung sei jedoch
nicht unfallkausal, sondern stünde in Verbindung mit den emotionalen Konflikten und
psychosozialen Belastungsfaktoren, wie sie auch beim Beschwerdeführer ausführlich
beschrieben würden (Suva-act. 193). Die von Dr. O._ im Rahmen seiner Beurteilung
beim Beschwerdeführer ins Zentrum gestellte Symptomausweitung wurde auch von Dr.
N._ bestätigt und als massiv bezeichnet (Suva-act. 180-3). Aus den vorliegenden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/20
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5.
psychiatrischen Berichten ergibt sich sodann eindeutig, dass beim Beschwerdeführer -
wenn auch, wie von Dr. O._ ausgeführt, nicht in Form einer posttraumatischen
Belastungsstörung so doch - von stark ausgeprägten psychischen Beschwerden
auszugehen ist (vgl. dazu Psychosomatisches Konsilium der Rehaklinik Bellikon vom
21. September 2018 [Suva-act. 124]; Bericht der Klinik J._ vom 30. November 2018
[Suva-act. 140]). Dass die psychische Problematik des Beschwerdeführers keine Folge
des Unfalls vom 27. Juni 2017 ist, ist von Seiten des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers unbestritten (vgl. act. G 1).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit beim Unfall vom 27. Juni 2017
keine eigenständige strukturelle Verletzung der linken Schulter erlitten hat.
4.3.3.
Med. pract. D._ bejaht jedoch in ihren Beurteilungen vom 16. April, 20. Juni und
22. Oktober 2018 (Suva-act. 81, 101, 123) eine Unfallverletzung in Form einer
vorübergehenden Verschlimmerung einer vorbestehenden Schulterproblematik
(Erwägung 4.2), während Dr. P._ - wie bereits gesagt (Erwägung 2.1) - in seiner
Beurteilung vom 28. Oktober 2019 (Suva-act. 196) eine Schulterverletzung bzw. eine
Beteiligung der linken Schulter am Unfall vom 27. Juni 2017 ausschliesst. Der Unfall
habe weder einen eigenständigen Schaden verursacht noch einen Vorzustand -
vorübergehend oder richtunggebend - verschlimmert. Med. pract. D._ beschreibt als
unfallbedingte Kausalkette eine vorbestehende klassische Impingementkonstellation im
linken Schultergelenk, welche durch den Unfall vorübergehend verschlimmert worden
sei, worauf passager der Verdacht auf eine Frozen shoulder bestanden habe (Suva-act.
123). Dr. P._ betrachtet die im Verlauf diagnostizierte Frozen shoulder lediglich als
eine mögliche Folge des Ereignisses vom 27. Juni 2017 (Suva-act. 196).
5.1.
Die Beurteilung von Dr. P._ einer überhaupt nur möglichen Frozen shoulder
erscheint insofern schlüssig, als es sich bei der Frozen shoulder grundsätzlich um
einen organisch objektiv nachweisbaren Gesundheitsschaden handelt (vgl. Urteile des
Bundesgerichts vom 14. Februar 2007, U 245/06, E. 4.1, 17. November 2009,
8C_595/2009, E. 5.1.2, und 8. September 2010, 8C_372/2010, E. 6.2; vgl. auch Urteil
des Sozialversicherungsgerichts Zürich vom 12. Dezember 2010, UV.2015.00123, E.
4.1). Dr. P._ weist jedoch in Bezug auf den vorliegenden Fall darauf hin, dass die
Diagnose einer Frozen shoulder lediglich klinisch gestellt worden sei. Auch die von Dr.
Q._ diagnostizierte Frozen shoulder Schulter links basiert offensichtlich nur auf
klinisch erhobenen Untersuchungsergebnissen (vgl. act. G 13.1-58). Anzufügen ist,
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/20
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dass auch med. pract. D._ in ihrer Beurteilung vom 22. Oktober 2018 nur davon
spricht, es habe der "Verdacht" auf eine Frozen shoulder bestanden (Suva-act. 123).
Die Frage des Vorliegens einer Frozen shoulder kann letztlich jedoch offengelassen
werden. Selbst wenn im vorliegenden Fall von einer traumatisch bedingten sekundären
Frozen shoulder ausgegangen würde, wäre diese - wie von Dr. P._ festgestellt -
spätestens mit Abschluss der stationären Behandlung in der Rehaklinik Bellikon am 18.
September 2018 (Suva-act. 122) und damit im Leistungseinstellungszeitpunkt nicht
mehr festzustellen gewesen, womit die Beschwerdegegnerin in jedem Fall zu Recht
ihre Leistungen per 31. Dezember 2018 eingestellt hat. Hervorzuheben ist
diesbezüglich zunächst der von Dr. P._ genannte und den Ärzten der Rehaklinik
Bellikon nach einer klinischen Untersuchung beider Schultern und in Kenntnis der
radiologischen Untersuchungsergebnisse erhobene Befund einer seitengleichen, sehr
guten Beweglichkeit (Suva-act. 122-9), dementsprechend die Ärzte der Rehaklinik
Bellikon erklärten, dass die im Verlauf diagnostizierte Frozen shoulder nicht mehr
diagnostiziert werden könne, und zum Schluss kamen, dass sich das Ausmass der
physischen Einschränkungen mit den objektiven pathologischen Befunden der
klinischen Untersuchung und bildgebenden Abklärungen sowie den Diagnosen aus
somatischer Sicht nur ungenügend erklären lasse. Zudem hält auch med. pract. D._
in ihrer Beurteilung vom 22. Oktober 2018 fest, die Problematik der Frozen shoulder sei
behoben (Suva-act. 123-3). Im Übrigen weist die weitere und teilweise auch von Dr.
P._ angeführte Aktenlage insgesamt darauf hin, dass die vom Beschwerdeführer
beklagten Schulterbeschwerden links mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit spätestens im Leistungseinstellungszeitpunkt nicht mehr organisch
erklärbar waren, sondern beim Beschwerdeführer von der Entwicklung einer
psychischen Überlagerung ausgegangen werden muss. Dr. G._ diagnostizierte zwar
im Bericht vom 18. Mai 2018 über eine Konsultation vom 11. Mai 2018 noch eine
posttraumatische Schultersteife links, fügte allerdings bereits hinzu, dass der
Beschwerdeführer extrem auf seine Schulter und seine Schmerzen konzentriert zu sein
scheine. Der Untersuch habe sich schwierig gestaltet, da der Patient seinen linken Arm
nicht habe loslassen können. Der Beschwerdeführer sprach gegenüber Dr. G._ von
einer starken psychischen Belastung (Suva-98). Über eine Konsultation vom 15. Juni
2018 schrieb Dr. G._ in einem Bericht vom 12. Dezember 2018 (Suva-act. 165), dass
sich der Beschwerdeführer sehr kompliziert ausziehe. Beim Anziehen abgelenkt, sei der
Bewegungsablauf viel einfacher. Klinisch erschien Dr. G._ die linke Schulter bland.
Anlässlich einer Konsultation vom 10. Oktober 2018 stellte er fest, dass der
Beschwerdeführer gesund wirke und das Schultergürtelrelief kräftig sei. Bei der aktiven
Bewegung beider Arme und bei allen Bewegungen in der Endphase würden massive
5.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/20
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bzw. starke Schmerzen demonstriert. Anlässlich einer Konsultation vom 3. Dezember
2018 diagnostizierte Dr. G._ sodann keine Frozen shoulder mehr, sondern
posttraumatische Schulterschmerzen beidseits bei ausgeprägter posttraumatischer
Belastungsstörung. Weiter hielt er fest, dass man im Untersuch und im Gespräch mit
dem Beschwerdeführer stets hin und her gerissen sei. Einerseits seien die
geschilderten Beschwerden glaubwürdig, andererseits klinisch nur wenig
objektivierbar. Die posttraumatische Belastungsstörung sei offensichtlich. Somit handle
es sich um ein Schmerzgeschehen, das mit hoher Wahrscheinlichkeit als
posttraumatisches Geschehen interpretiert werden müsse. Inzwischen waren im
psychosomatischen Konsilium der Rehaklinik Bellikon vom 21. September 2018 die
Diagnosen einer eigenanamestisch rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1), und einer Panikstörung (ICD-10: F41.0) gestellt
worden (Suva-act. 124). Auch die Klinik J._ stellte in ihrem Bericht vom 30.
November 2018 eine psychiatrische Diagnose - eine Anpassungsstörung mit längerer
depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21). Bei bereits vorhandener Vorbelastung für die
Entwicklung der psychiatrischen Erkrankung aufgrund der sehr belastenden
Lebensgeschichte sei es beim Beschwerdeführer nach Verlust der Tagesstruktur sowie
bei anhaltenden Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Schulterbereich zum
Ausbruch der depressiven Symptomatik gekommen (Suva-act. 140). Ergänzt wird die
Schlussfolgerung einer psychischen Überlagerung ohne fortdauerndes somatisches
Schulterleiden durch das psychiatrische Teilgutachten von Dr. med. Dipl.-Psych. R._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, estimed AG, vom 23. Juni 2020. Die
Beschwerdegegnerin weist in ihrer Eingabe vom 15. Oktober 2020 (act. G 15)
zutreffend darauf hin, dass sich aus diesem ergibt, dass die gesundheitlichen Probleme
des Beschwerdeführers hauptsächlich im psychischen Bereich liegen. Der
Beschwerdeführer leidet unter einer rezidivieren depressiven Störung, zum
Untersuchungszeitpunkt mittelgradig ausgeprägt mit somatischem Syndrom (F 33.11
nach ICD-10) und einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren (F 45.41 nach ICD-10) (act. G 15.1-137).
In Bezug auf die von Dr. Q._ am 13. März 2020 gestellte Diagnose einer Frozen
shoulder links ist schliesslich zu sagen, dass gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung grundsätzlich derjenige Sachverhalt zu berücksichtigen ist, wie er sich
bis zum Erlass des Einspracheentscheids (im konkreten Fall bis am 18. Juli 2019)
ereignet hat (BGE 142 V 341 E. 3.2.2). Auf einen späteren Zeitpunkt datierte ärztliche
Berichte und Gutachten können unter Umständen Berücksichtigung finden, jedoch
selbstredend nur, soweit sie Rückschlüsse auf die Zeit vor Erlass des
Einspracheentscheids zulassen. Vorliegend ist dies nicht der Fall. Die Diagnose einer
5.4.
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6.
Aufgrund des in Erwägung 5 Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass in
Beachtung der vorliegenden medizinischen Akten mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass beim Beschwerdeführer im Zeitpunkt
der Einstellung der Versicherungsleistungen mangels Unfallbeteiligung der linken
Schulter keine im Unfallereignis vom 27. Juni 2017 begründeten Schulterbeschwerden
links bestanden. Selbst wenn im vorliegenden Fall von einer unfallbedingten Frozen
shoulder ausgegangen würde, wäre diese im Leistungseinstellungszeitpunkt als
abgeheilt zu betrachten gewesen. Eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für
Schulterbeschwerden links über den Leitungseinstellungszeitpunkt hinaus ist damit zu
verneinen.
7.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 18. Juli 2019 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss und auch mangels Verletzung des
Devolutiveffekts (vgl. Erwägung 1.5) hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf
eine Parteientschädigung.