Decision ID: b6d75cb9-71de-56c2-b6ed-7d7eb8fc0552
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der am (...) 1955 geborene, verheiratete, österreichische Staatsangehö-
rige X._ lebt in Österreich (IVSTA-act. 1). Er war von Juli 1988 bis
und mit August 1998 in der Schweiz als Elektrotechniker erwerbstätig und
leistete dabei Beiträge an die schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (IVSTA-act. 8 und 21). Am 23. August 2011 stellte
X._ bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirt-
schaft, Landesstelle Vorarlberg, einen Antrag auf Ausrichtung einer Inva-
lidenrente (IVSTA-act. 1), den diese an die IV-Stelle für Versicherte im
Ausland (nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz) weiterleitete (vgl. IVSTA-
act. 3).
B.
B.a Mit Vorbescheid vom 22. März 2012 (IVSTA-act. 31) stellte die IVSTA
X._ die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, da keine
Invalidität vorliege, die einen Leistungsanspruch zu begründen vermöge.
B.b Mit Schreiben vom 2. April 2012 (IVSTA-act. 34) erhob X._
Einwand gegen den Vorbescheid und reichte ein Gutachten von Prim.
Univ.-Prof. Dr. med. A._ vom 24. Oktober 2011 (IVSTA-act. 32
S. 3 ff.) sowie diverse Arbeitsunfähigkeitsatteste seines Hausarztes ein.
Er beantragte die nochmalige Überprüfung des Entscheids und führte zur
Begründung aus, aus den beigelegten Unterlagen gehe hervor, dass er
seit dem Hinterwandinfarkt am 16. März 2009 bis zum 22. Mai 2009 zu
100% arbeitsunfähig und vom 18. März 2010 bis zum 31. Juli 2011 noch
zu 50% arbeitsunfähig gewesen sei. Seit dem 1. August 2011 erhalte er
von der liechtensteinischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversi-
cherung eine Teilrente von 50%.
C.
Mit Verfügung vom 22. Juli 2012 (IVSTA-act. 40) wies die IVSTA das Leis-
tungsbegehren von X._ ab. Zur Begründung führte sie aus, es lie-
ge keine Invalidität vor, die einen Rentenanspruch zu begründen vermö-
ge.
Die IVSTA stellte zur Beurteilung des Gesuchs namentlich auf folgende
Unterlagen ab: das Gutachten von Prim. Univ.-Prof. Dr. med. A._,
Facharzt für Psychiatrie und Neurologie und Psychotherapeut, vom
24. Oktober 2011 (IVSTA-act. 32 S. 3 ff.), den Formularbericht E 213 von
C-4635/2012
Seite 3
Dr. med. B._ vom 14. Dezember 2011 (IVSTA-act. 15) sowie die
Stellungnahmen von Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeinmedizin
beim medizinischen Dienst der IVSTA, vom 9. Juni 2012 (IVSTA-act. 38)
und von Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie beim medizini-
schen Dienst der IVSTA, vom 14. Juli 2012 (IVSTA-act. 39).
Die Ärzte des medizinischen Dienstes stellten im Wesentlichen fest, dass
ihres Erachtens – im Gegensatz zu den Feststellungen von Prim. Univ.-
Prof. Dr. med. A._ – keine psychischen Einschränkungen bestün-
den, die eine Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen würden; die geschilderte ra-
sche Ermüdbarkeit, die reduzierte Gedächtnisleistung und die geringere
Stressresistenz seit dem Infarkt genügten ihrer Ansicht nach nicht, um ei-
ne solche zu begründen.
D.
Gegen die Verfügung vom 22. Juli 2012 erhob X._ (nachfolgend:
Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt Ernst Michael Lang,
mit Eingabe vom 5. September 2012 (BVGer-act. 1) Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte die Aufhebung der angefochte-
nen Verfügung und die Zusprache einer Invalidenrente mit Wirkung ab
26. August 2011, eventualiter die Zusprache einer Rente von mindestens
50% und subeventualiter die Rückweisung der Sache zur weiteren Abklä-
rung an die Vorinstanz. Zur Begründung führte er aus, die Vorinstanz ha-
be den Sachverhalt nicht korrekt festgestellt, da sie diejenigen Gutachten,
welche ihm eine Arbeitsunfähigkeit von 50% attestierten, ausser Acht ge-
lassen habe. Ferner rügte der Beschwerdeführer eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs, da sich die Vorinstanz in ihrem Entscheid nicht mit
den Feststellungen aus den eingereichten Arztberichten auseinanderge-
setzt habe und einige der ihm zugestellen ärztlichen Stellungnahmen auf
Französisch verfasst gewesen seien. Schliesslich wies der Beschwerde-
führer darauf hin, dass der Formularbericht E 213 von Dr. med.
B._ längst überholt sei und ihm die Sozialversicherungsanstalt der
gewerblichen Wirtschaft, Landesstelle Vorarlberg, mit Bescheid vom
10. August 2012 eine Erwerbsunfähigkeitspension zugesprochen habe.
E.
Mit Vernehmlassung vom 22. Januar 2013 (BVGer-act. 7) beantragte die
Vorinstanz unter Verweis auf die Stellungnahme von Dr. med. E._,
Facharzt für Allgemeinmedizin beim medizinischen Dienst der IVSTA,
vom 10. Dezember 2012 und den durchgeführten Einkommensvergleich
vom 21. Januar 2013 die Beschwerde insofern gutzuheissen, dass dem
C-4635/2012
Seite 4
Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Februar 2012 eine IV-Rente von
50% zuzusprechen sei.
F.
Mit Replik vom 12. April 2013 (BVGer-act. 11) beantragte der Beschwer-
deführer die Zusprache einer 50% IV-Rente mit Wirkung ab 18. März
2011. Zur Begründung führte er aus, er habe zwar den Rentenantrag bei
der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft, Landesstelle
Vorarlberg, am 23. August 2011 gestellt, aber die Anmeldung zur Früher-
fassung bei der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung in
Liechtenstein sei bereits am 26. April 2010 erfolgt, weshalb der Anspruch
nach Ablauf der Wartefrist bereits seit dem 18. März 2011 bestehe.
G.
Am 26. April 2013 (vgl. BVGer-act. 15) ist der mit Zwischenverfügung
vom 23. April 2013 (BVGer-act. 12) einverlangte Kostenvorschuss in der
Höhe von Fr. 400.- beim Bundesverwaltungsgericht eingegangen.
H.
Mit Duplik vom 13. Juni 2013 (BVGer-act. 17) hielt die IVSTA unter Ver-
weis auf die bei der liechtensteinischen Alters-, Hinterlassenen- und Inva-
lidenversicherung eingeholte Stellungnahme vom 4. Juni 2013 an ihrem
in der Vernehmlassung gestellten Antrag fest. Zur Begründung führte sie
aus, offensichtlich habe die liechtensteinische Versicherung aufgrund ih-
rer internen Praxis auf das Datum der Früherfassung abgestellt; dieses
sei jedoch für die IVSTA nicht massgebend, da gemäss schweizerischem
Recht die Meldung zur Früherfassung nicht als IV-Anmeldung gelte.
I.
Mit Triplik vom 8. Juli 2013 (BVGer-act. 19) hielt der Beschwerdeführer an
seinen Ausführungen in der Replik fest.
J.
Die Vorinstanz liess sich nicht mehr vernehmen.
K.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Be-
weismittel ist – soweit für die Entscheidfindung erforderlich – in den nach-
folgenden Erwägungen einzugehen.
C-4635/2012
Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwal-
tungsgericht vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) in Verbindung mit
Art. 33 lit. d VGG und Art. 69 Abs. 1 lit. b IVG beurteilt das Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerden von Personen im Ausland gegen Verfügungen
der IV-Stelle für Versicherte im Ausland. Eine Ausnahme im Sinne von
Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Aufgrund von Art. 3 lit. d bis
des Bundesgesetzes vom 20. Dezember
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) findet das
VwVG keine Anwendung in Sozialversicherungssachen, soweit das Bun-
desgesetz vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialver-
sicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) anwendbar ist. Gemäss Art. 1 Abs. 1
IVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die Invalidenversicherung
(Art. 1a bis 26 bis
IVG und 28 bis 70 IVG) anwendbar, soweit das IVG nicht
ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. Dabei finden nach
den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln in formellrechtlicher
Hinsicht mangels anderslautender Übergangsbestimmungen grund-
sätzlich diejenigen Rechtssätze Anwendung, welche im Zeitpunkt der Be-
schwerdebeurteilung Geltung haben (BGE 130 V 1 E. 3.2).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat durch die ange-
fochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an de-
ren Aufhebung oder Änderung, so dass er ist im Sinne von Art. 59 ATSG
beschwerdelegitimiert ist.
1.4 Da die Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 60 Abs. 1
ATSG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereicht und der Kostenvorschuss
fristgerecht geleistet wurde, ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
2.1 Der Beschwerdeführer ist österreichischer Staatsangehöriger, so dass
vorliegend das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweize-
rischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemein-
schaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA,
SR 0.142.112.681), insbesondere dessen Anhang II betreffend Koordinie-
rung der Systeme der sozialen Sicherheit, anzuwenden ist (Art. 80a IVG).
Nach Art. 3 Abs. 1 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom
C-4635/2012
Seite 6
14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf
Arbeitnehmer und Selbständige sowie deren Familienangehörige, die in-
nerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (Verordnung Nr. 1408/71,
SR 0.831.109.268.1) haben die in den persönlichen Anwendungsbereich
der Verordnung fallenden, in einem Mitgliedstaat wohnenden Personen
aufgrund der Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats grundsätzlich die
gleichen Rechte und Pflichten wie die Staatsangehörigen dieses Staates.
Ebenso zu beachten sind vorliegend die am 1. April 2012 für die Schweiz
anwendbar gewordenen neuen EU-Verordnungen (insb. Verordnung [EG]
Nr. 883/2004 und Verordnung [EG] Nr. 987/2009).
2.2 Soweit das FZA beziehungsweise die auf dieser Grundlage an-
wendbaren gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte keine abweichenden
Bestimmungen vorsehen, richtet sich die Ausgestaltung des Verfahrens –
unter Vorbehalt der beiden Grundsätze der Gleichwertigkeit sowie der Ef-
fektivität – sowie die Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen einer
schweizerischen Invalidenrente grundsätzlich nach der innerstaatlichen
Rechtsordnung (BGE 130 V 257 E. 2.4). Entsprechend bestimmt sich vor-
liegend der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Rente der Invali-
denversicherung ausschliesslich nach dem innerstaatlichen schweizeri-
schen Recht, insbesondere nach dem IVG, der Verordnung vom 17. Ja-
nuar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201), dem ATSG
sowie der Verordnung vom 11. September 2002 über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV, SR 830.11).
2.3 Nach der Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei
der Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt
des Erlasses der streitigen Verwaltungsverfügung (hier: 27. Juli 2012)
eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 129 V 1 E. 1.2 mit Hinweis).
In materiell-rechtlicher Hinsicht ist auf jene Bestimmungen des IVG, der
IVV, respektive des ATSG und der ATSV abzustellen, die für die Beurtei-
lung eines Rentenanspruchs jeweils relevant waren und in Kraft standen.
Da vorliegend der Rentenanspruch ab 1. Mai 2010 strittig ist, ist vorlie-
gend auf die Fassungen gemäss den am 1. Januar 2008 in Kraft getrete-
nen Änderungen (5. IV-Revision; AS 2007 5129 und AS 2007 5155) ab-
zustellen. Im Folgenden wird – ohne anderslautende Hinweise – jeweils
auf diese Fassungen Bezug genommen.
C-4635/2012
Seite 7
3.
Der Beschwerdeführer macht vorweg formelle Mängel im Verwaltungsver-
fahren geltend und beantragt deshalb die Aufhebung der Verfügung. Er
begründet dies mit der Verletzung seines Anspruchs auf das rechtliche
Gehör, welchen er darin sieht, dass die IVSTA ihm zwei auf Französisch
abgefasste Stellungnahmen des medizinischen Dienstes hat zukommen
lassen, welche er nicht verstanden habe.
3.1
3.1.1 Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom
18. April 1999 [BV, SR 101]) Das rechtliche Gehör dient einerseits der
Sachaufklärung, anderseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwir-
kungsrecht der Verfahrensbeteiligten beim Erlass von Verfügungen dar,
die ihre Rechtsstellung betreffen. Dazu gehört insbesondere das Recht
der Betroffenen, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifen-
den Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen,
Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört
zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzu-
wirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn die-
ses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 127 I 54 E. 2b,
127 III 576 E. 2c, 126 V 130 E. 2a; SVR 2008 UV Nr. 1 S. 2 E. 3.2 mit
Hinweis).
3.1.2 Die Verfügungen sind zu begründen, wenn sie den Begehren der
Parteien nicht voll entsprechen (Art. 49 Abs. 3 ATSG). Die Begründungs-
pflicht ist wesentlicher Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör
im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV. Sie soll verhindern, dass sich die Behörde
von unsachlichen Motiven leiten lässt, und den Betroffenen ermöglichen,
die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. Dies ist nur
möglich, wenn sowohl die betroffene Person als auch die Rechtsmittelins-
tanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In
diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt wer-
den, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf welche sich ih-
re Verfügung stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sie sich aus-
drücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen
Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den
Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 124 V 180
E. 1a; SVR 2009 UV Nr. 32 S. 112 E. 3.1 mit Hinweis, 1996 UV Nr. 62
E. 4; RKUV 1994 K 928 S. 12 E. 2b).
C-4635/2012
Seite 8
3.1.3 Der Anspruch auf Gewährung des rechtlichen Gehörs ist formeller
Natur. Die Verletzung dieses Rechts führt ungeachtet der Erfolgsaussich-
ten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochte-
nen Verfügung. Vorbehalten bleiben praxisgemäss Fälle, in denen die
Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht besonders schwer wiegt und da-
durch geheilt wird, dass die Partei, deren rechtliches Gehör verletzt wur-
de, sich vor einer Instanz äussern kann, welche sowohl Tat- als auch
Rechtsfragen uneingeschränkt überprüft (BGE 115 V 305 E. 2h, bestätigt
in BGE 127 V 437 E. 3d/aa, 126 V 132 E. 2b mit weiteren Hinweisen).
Der Mangel der ungenügenden Begründung eines Entscheides ist ferner
heilbar, wenn die beschwerdeführende Partei Gelegenheit erhält, zu den
in der Vernehmlassung der unteren Instanz enthaltenen Motiven in einer
Beschwerdeergänzung Stellung zu nehmen und ihr dadurch kein Nachteil
erwächst (BGE 107 Ia 1). Der Mangel kann aber dann nicht geheilt wer-
den, wenn die verfügende Behörde der Beschwerdeinstanz keine Be-
schwerdeantwort einreicht (BGE 116 V 28 E. 4). Die Heilung eines allfälli-
gen Mangels soll aber die Ausnahme bleiben (BGE 120 V 83 E. 2a,
118 V 315 E. 3c, 116 V 32 E. 3, je mit Hinweisen). Von einer Rückwei-
sung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Verwal-
tung ist im Sinne einer Heilung des Mangels selbst bei einer schwerwie-
genden Verletzung des rechtlichen Gehörs aber dann abzusehen, wenn
und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit
zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse der be-
troffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu
vereinbaren wäre (BGE 116 V 187 E. 3d; zum Ganzen ausführlich
BGE 132 V 387).
3.2 Im vorliegenden Fall hat die IVSTA die Verfügung – wenn auch
knapp – begründet, so dass die wesentlichen Entscheidgründe ersichtlich
waren und damit dem Erfordernis der Begründung grundsätzlich genü-
gend Rechnung getragen wurde. Zudem hat die IVSTA eine ausführliche
Vernehmlassung im Beschwerdeverfahren eingereicht, zu welcher sich
der Beschwerdeführer noch einmal hat vernehmen lassen können, wes-
halb vorliegend – selbst bei Bejahung einer allfälligen Verletzung – von
einer Heilung ausgegangen werden darf.
3.3 Zu prüfen bleibt, ob die IVSTA den Anspruch des Beschwerdeführers
auf rechtliches Gehör verletzt hat, indem sie ihm zwei Stellungnahmen
des medizinischen Dienstes ausschliesslich in französischer Sprache zu-
gestellt hat. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist es den Be-
hörden des Bundes, zu welchen auch die IVSTA gehört, erlaubt, in einer
C-4635/2012
Seite 9
der Amtssprachen zu kommunizieren respektive interne Mitteilungen in
einer dieser Sprachen zu verfassen, auch wenn es nicht die im Verkehr
mit dem betroffenen Bürger verwendete Amtssprache ist (vgl.
BGE 131 V 35 E. 4). Bei den Stellungnahmen des medizinischen Diens-
tes handelt es sich vorliegend um solche internen Dokumente, welche der
IV-Stelle als Grundlage für ihre Entscheide über den Rentenanspruch
dienen. Es ist somit nicht zu beanstanden, dass diese Dokumente dem
Beschwerdeführer nicht in seiner Sprache vorgelegt worden sind, zumal
sich die Vorinstanz in ihrer Verfügung zusätzlich – wenn auch sehr kurz –
zum Inhalt der betreffenden Stellungnahmen geäussert hat.
Zusammenfassend ist demzufolge festzuhalten, dass die IVSTA den An-
spruch des Beschwerdeführers auf Gewährung des rechtlichen Gehörs
nicht verletzt hat, weshalb die angefochtene Verfügung nicht bereits aus
diesem Grund aufzuheben ist.
4.
4.1 Anspruch auf eine ordentliche Rente haben gemäss Art. 36 Abs. 1
IVG die rentenberechtigten Versicherten, die bei Eintritt der Invalidität
während mindestens drei Jahren Beiträge geleistet haben.
4.2 Nach den Bestimmungen der 5. IV-Revision haben Anspruch auf eine
Rente Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungs-
massnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können, wäh-
rend eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min-
destens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (Art. 28
Abs. 1 lit. a bis c IVG).
4.3 Durch die frühzeitige Erfassung von arbeitsunfähigen (Art. 6 ATSG)
Versicherten soll bei diesen Personen der Eintritt einer Invalidität (Art. 8
ATSG) verhindert werden (Art. 3a Abs. 1 IVG). Bei Bedarf fordert die IV-
Stelle die versicherte Person zu einer Anmeldung bei der Invalidenversi-
cherung (Art. 29 ATSG) auf. Sie macht die versicherte Person darauf
aufmerksam, dass die Leistungen gekürzt oder verweigert werden kön-
nen, wenn die Anmeldung nicht unverzüglich erfolgt (Art. 3c Abs. 6 IVG).
Wer eine Versicherungsleistung beansprucht, hat sich beim zuständigen
Versicherungsträger in der für die jeweilige Sozialversicherung gültigen
Form anzumelden (Art. 29 Abs. 1 ATSG). Für die Anmeldung und zur Ab-
C-4635/2012
Seite 10
klärung des Anspruches auf Leistungen geben die Versicherungsträger
unentgeltlich Formulare ab, die vom Ansprecher oder seinem Arbeitgeber
und allenfalls vom behandelnden Arzt vollständig und wahrheitsgetreu
auszufüllen und dem zuständigen Versicherungsträger zuzustellen sind
(Art. 29 Abs. 2 ATSG). Wird eine Anmeldung nicht formgerecht oder bei
einer unzuständigen Stelle eingereicht, so ist für die Einhaltung der Fris-
ten und für die an die Anmeldung geknüpften Rechtswirkungen trotzdem
der Zeitpunkt massgebend, in dem sie der Post übergeben oder bei der
unzuständigen Stelle eingereicht wird (Art. 29 Abs. 3 ATSG).
Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten
nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1
ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Alters-
jahres folgt (Art. 29 Abs. 1 IVG; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
[BGer] 9C_562/2012 E. 3).
4.4 Gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG ist In-
validität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit als Folge von Geburtsgebrechen,
Krankheit oder Unfall. Erwerbsunfähigkeit ist gemäss Art. 7 ATSG der
durch Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit ver-
ursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei-
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Arbeitsunfähigkeit ist
die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi-
schen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisheri-
gen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer
Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder
Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
4.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
und gegebenenfalls andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe des Arztes im schweizerischen Invalidenverfahren ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in wel-
chem Umfang und gegebenenfalls bezüglich welcher Tätigkeiten der Ver-
sicherte arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind sodann eine
wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistun-
gen dem Versicherten konkret noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 256 E. 4, 115 V 134 E. 2; AHI-Praxis 2002, S. 62, E. 4b/cc).
C-4635/2012
Seite 11
4.6 Vor der Berechnung des Invaliditätsgrades muss jeweils beurteilt
werden, ob die versicherte Person als (teil-)erwerbstätig oder nichter-
werbstätig einzustufen ist, was entsprechenden Einfluss auf die anzu-
wendende Methode der Invaliditätsgradbemessung hat (allgemeine Me-
thode des Einkommensvergleichs, gemischte Methode, spezifische Me-
thode des Betätigungsvergleichs, vgl. Art. 16 ATSG in Verbindung mit
Art. 28a IVG).
Zu prüfen ist, was die versicherte Person bei im Übrigen unveränderten
Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde.
So sind insbesondere bei im Haushalt tätigen Versicherten die persönli-
chen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie all-
fällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Al-
ter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönli-
chen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Die Statusfrage
beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum
Erlass der angefochtenen Verfügung entwickelt haben, wobei für die
hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Er-
werbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausreicht (vgl. BGE 133 V 504 E. 3.3,
133 V 477 E. 6.3, 125 V 146 E. 2c, je mit Hinweisen).
4.7 Beim Einkommensvergleich wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in Beziehung ge-
setzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in-
valid geworden wäre (sogenanntes Valideneinkommen). Der Einkom-
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden
hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermit-
telt und einander gegenüber gestellt werden, worauf sich aus der Ein-
kommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Me-
thode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29
E. 1). Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt
des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei
Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erhe-
ben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen
bis zum Verfügungserlass respektive bis zum Einspracheentscheid zu be-
rücksichtigen sind (BGE 129 V 222 E. 4). Für die Ermittlung des Einkom-
mens, welches der Versicherte ohne Invalidität erzielen könnte (Valide-
C-4635/2012
Seite 12
neinkommen), ist entscheidend, was er im fraglichen Zeitpunkt nach dem
im Sozialversicherungsrecht allgemein gültigen Beweisgrad der überwie-
genden Wahrscheinlichkeit (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b, BGE 125 V 195
E. 2, je mit Hinweisen) als Gesunder tatsächlich verdient hätte. Dabei
wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der
realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da
es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne
Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen von diesem
Grundsatz müssen ebenfalls mit überwiegender Wahrscheinlichkeit er-
wiesen sein, damit sie berücksichtigt werden können. Für die Bestim-
mung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen
Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist
– wie hier – kein tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen nach Eintritt der
Invalidität mehr gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach
Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder zumindest keine zumutbare
Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so sind nach der Rechtsprechung die
gesamtschweizerischen Tabellenlöhne gemäss den vom BFS periodisch
herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) heranzuziehen (vgl.
BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Massgebend sind dabei die monatlichen Brutto-
löhne (Zentralwerte) im jeweiligen Wirtschaftssektor
4.8 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren
gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versiche-
rungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, das heisst
ohne förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu
würdigen.
Bezüglich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un-
tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurtei-
lung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der me-
dizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Ex-
perten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund-
sätzlich somit weder die Herkunft des Beweismittels noch die Bezeich-
nung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Be-
richt oder als Gutachten (vgl. dazu das Urteil des BGer I 268/2005 vom
26. Januar 2006 E. 1.2, mit Hinweis auf BGE 125 V 352 E. 3.a).
C-4635/2012
Seite 13
Gleichwohl erachtet es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar, Richtlinien für die Beweiswürdigung in
Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten auf-
zustellen (vgl. hierzu BGE 125 V 352 E. 3b; AHI 2001 S. 114 E. 3b; Urteil
des BGer I 128/98 vom 24. Januar 2000 E. 3b). So ist den im Rahmen
des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärzte,
welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen so-
wie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung
der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdi-
gung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353
E. 3b/bb, mit weiteren Hinweisen). Berichte der behandelnden Ärzte
schliesslich sind aufgrund deren auftragsrechtlicher Vertrauensstellung
zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Dies
gilt für den allgemein praktizierenden Hausarzt wie auch für den behan-
delnden Spezialarzt (Urteil des BGer I 655/05vom 20. März 2006 E. 5.4
mit Hinweisen; vgl. aber Urteil des BGer 9C_24/2008vom 27. Mai 2008
E. 2.3.2).
5.
Unter den Parteien ist vorliegend insbesondere das massgebende An-
meldedatum zum Leistungsbezug strittig. Aufgrund des im vorliegenden
Verfahren geltenden Untersuchungsgrundsatzes ist vorliegend umfas-
send zu prüfen, welche Ansprüche der Beschwerdeführer gegenüber der
Invalidenversicherung hat. Nachfolgend ist demnach zu prüfen, ob der
Beschwerdeführer grundsätzlich Anspruch auf eine Rente hat und, falls
ja, auf welche und ab wann.
5.1
5.1.1 Den beiden Berichten (Kliniken F._ vom 7. Mai 2009 [IVSTA-
act. 13] und Klinikum G._ vom 12. Mai 2009 [IVSTA-act. 12]), die
unmittelbar nach dem erlittenen Hinterwandinfarkt erstellt worden sind,
sind folgende Diagnosen und Befunde zu entnehmen: Zustand nach aku-
tem Hinterwandinfarkt am 16. März 2009 bei koronarer Zweigefässer-
krankung, Zustand nach RCA-PTCA mit BM-Stentimplantation, verblie-
bende langstreckige hochgradige LAD-Stenose an der äussersten Spitze
mit konservativer Therapie, gute linksventrikuläre Funktion und keine
Pumpfunktionsstörung. Als kardiovaskuläre Risikofaktoren nannten die
Ärzte arterielle Hypertonie, Hyperlipoproteinämie und familiäre Dispositi-
on; zur Arbeitsfähigkeit äusserten sich die Ärzte nicht.
C-4635/2012
Seite 14
5.1.2 Dem Gutachten von Prim. Univ.-Prof. Dr. med. A._, Facharzt
für Psychiatrie und Neurologie sowie Psychotherapeut, vom 24. Oktober
2011 (IVSTA-act. 32 S. 3 ff.) sind folgende Diagnosen zu entnehmen:
leichte hirnorganische Beeinträchtigung nach Myokardinfarkt (ICD-10
F09) und Anpassungsstörung an ein schweres körperliches Krankheitser-
eignis (ICD-10 F43.28). Er stellte fest, dass keine eigenständigen psychi-
schen Erkrankungen oder schwere komorbiden Störungen auszumachen
seien. Die Auswirkungen der festgestellten Beeinträchtigungen lägen ins-
besondere in einer eingeschränkten Belastbarkeit, vorzeitiger Ermüdbar-
keit, mangelnder Stressresistenz, fallweise auch Depressivität und
Schlafstörungen, erhöhter Fehlerzahl, allgemeiner Schwäche und Druck
auf der Brust. Die Arbeitsfähigkeit bezifferte er für jegliche Tätigkeiten auf
50%. Er ging davon aus, dass der Beschwerdeführer zwar wohl etwa
sechs Stunden pro Tag arbeiten könnte, dass aber in dieser Zeit aufgrund
der raschen Ermüdbarkeit und der übrigen beschriebenen Auswirkungen
die Leistungsfähigkeit eingeschränkt sei, weshalb insgesamt nur von ei-
ner Arbeitsfähigkeit von 50% auszugehen sei.
5.1.3 Dem Formularbericht E 213 von Dr. med. B._ vom
14. Dezember 2011 (IVSTA-act. 15) sind im Wesentlichen dieselben Di-
agnosen zu entnehmen wie den Berichten der erstbehandelnden Klini-
ken. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führte Dr. med. B._ aus, seit
September 2011 seien dem Beschwerdeführer geistige oder leichte bis
mittelschwere körperliche Tätigkeiten in wechselnder Körperhaltung oder
vorwiegend im Sitzen ganztägig zumutbar. Arbeiten mit vermehrtem Zeit-
druck seien nur fallweise zumutbar.
5.1.4 Dr. med. H._, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, attes-
tierte dem Beschwerdeführer in seinem Gutachten vom 26. April 2012
(IVSTA-act. 46) Folgendes: 1) anamnestisch Hinweise auf seltene, kurze
Migräne mit Aurasymptomatik (teilweise ausschliessliche Aurakomponen-
ten visuell), 2) dezente cerebrovaskuläre Insuffizienzsymptomatik (CVI)
mit wechselnd vorhandener passagerer kognitiver Beeinträchtigung
betreffend Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit, Auffassungstempo,
klinisch vor allem bei körperlicher Belastung, Stress, Wetterwechsel,
3) leichte Anpassungsstörung (mit vorwiegender Störung anderer Gefüh-
le, ICD-10 F43.23) im Zusammenhang mit dem Herzinfarkt 2009 und Se-
kundärproblematik, 4) Zustand nach Herzinfarkt 2009 mit PTCA und BMS
2009, 5) hochgradige periphere LAD Stenose, 6) RCA Stenose und
7) Vorliegen von Risikofaktoren für Hypertonie und Hypercholesterinämie.
Aufgrund der festgestellten gesundheitlichen Beeinträchtigungen ging der
C-4635/2012
Seite 15
Gutachter davon aus, dass dem Beschwerdeführer keine 100%-Tätigkeit
mehr, sondern lediglich eine 50%-Tätigkeit möglich sei. Dabei sei es fall-
weise auch möglich, ihm Arbeiten mit besonderem Zeitdruck zuzuteilen;
Tätigkeiten mit multiplen Aussenreizen (Kundenkontakt und gleichzeitig
Telefonate etc.) seien hingegen zu vermeiden.
5.1.5 Univ. med. Dr. I._, Facharzt für Innere Medizin/Kardiologie,
fasste in seinem Gesamtgutachten vom 16. Mai 2012 (IVSTA-act. 48) die
von ihm im Teilgutachten vom 9. Mai 2012 (IVSTA-act. 47) und von
Dr. med. H._ im Gutachten vom 26. April 2012 erhobenen Diag-
nosen wie folgt zusammen: 1) Koronare Herzerkrankung mit Zustand
nach Hinterwandinfarkt 2009, 2) arterielle Hypertonie, 3) Hyper-
cholesterinämie, 4) Carotissklerose, 5) anamnestisch Hinweise auf selte-
ne kurze Migräne mit Aura-Symptomatik, 6) dezente cerebrovaskuläre In-
suffizienzsymptomatik (CVI) mit wechselnd vorhandener passagerer kog-
nitiver Beeinträchtigung betreffend Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähig-
keit, Auffassungstempo, klinisch vor allem bei körperlicher Belastung,
Wetterwechsel, Stress, 7) leichte Anpassungsstörung mit vorwiegender
Störung anderer Gefühle (ICD-10 F43.23) in Zusammenhang mit dem
Herzinfarkt und der Sekundärproblematik. Die Gutachter attestierten dem
Beschwerdeführer seit dem 1. September 2011 eine Arbeitsfähigkeit für
ein 50%-Pensum, das fallweise auch zu einer sechsstündigen Tätigkeit
ausgeweitet werden könne. Dabei seien schwere, belastende körperliche
Tätigkeiten zu vermeiden und Arbeiten mit besonderem Zeitdruck seien
nur möglich, wenn der Arbeitstag nicht mehr als vier Stunden dauere.
5.1.6 Aufgrund der im Beschwerdeverfahren bei der IVSTA eingegange-
nen Gutachten von Dr. med. H._ und Univ. med. Dr. I._
konsultierte die Vorinstanz noch einmal ihren medizinischen Dienst, und
beantragte anschliessend gestützt auf die Stellungnahme
Dr. med. E._, Facharzt für Allgemeinmedizin beim medizinischen
Dienst, vom 10. Dezember 2012 die Zusprache einer halben Rente mit
Wirkung ab 1. Februar 2012.
Dr. med. E._ hielt in seiner Stellungnahme fest, dass unter Be-
rücksichtigung der Gesamtsituation des Beschwerdeführers davon aus-
zugehen sei, dass dieser von seiner koronaren Herzkrankheit nicht ge-
heilt, sondern als Risikopatient zu betrachten sei und somit aufgrund der
verengten Herzkranzarterie jederzeit ein Infarktrezidiv auftreten könne.
Insbesondere die Belastungs-Tests hätten gezeigt, dass der Beschwerde-
führer die Belastung aufgrund Brustdrucks und des ansteigenden Blut-
C-4635/2012
Seite 16
drucks jeweils habe abbrechen müssen, was ein Hinweis darauf sei, dass
er nicht mehr voll belastbar und arbeitsfähig sei; eine Einschränkung von
50% in seiner bisherigen Tätigkeit als Elektroplaner, wie sie die Gutachter
vorgeschlagen hätten, sei realistisch, und allenfalls sei in einer wirklich
ruhigen, nicht verantwortungsvollen, administrativen Tätigkeit sogar ein
Pensum von zwei mal vier Stunden möglich.
5.1.7 Zusammenfassend ist gestützt auf die medizinischen Unterlagen
festzustellen, dass sich die beurteilenden Ärzte grundsätzlich einig sind,
dass beim Beschwerdeführer im Wesentlichen gesundheitliche Ein-
schränkungen als Folge des erlittenen Hinterwandinfarkts bestehen, die
sich vor allem in eingeschränkter körperlicher und psychischer Belastbar-
keit bemerkbar machen und zu einer Arbeitsunfähigkeit von 50% in der
bisherigen Tätigkeit führen. Dr. med. E._ ist in seiner Stellung-
nahme davon ausgegangen, dass dem Beschwerdeführer in einer sehr
ruhigen, nicht verantwortungsvollen, administrativen Tätigkeit möglicher-
weise auch ein höheres Pensum zugemutet werden könne. Diesbezüg-
lich ist darauf hinzuweisen, dass Dr. med. E._ Facharzt für Allge-
meinmedizin ist und den Beschwerdeführer zudem nicht persönlich be-
gutachtet hat, sondern seine Einschätzung lediglich auf die vorhandenen
medizinischen Unterlagen stützte. Die Gutachter Prim. Univ.-Prof.
Dr. med. A._, Dr. med. H._ und Univ. med. Dr. I._
sind in den vorliegend relevanten Fachbereichen (namentlich: Psychiat-
rie, Kardiologie, Innere Medizin) spezialisiert und haben den Beschwerde-
führer persönlich begutachtet und gestützt darauf ihre Einschätzung ab-
gegeben. Es ist deshalb davon auszugehen, dass diese besser geeignet
sind, die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu beurteilen, weshalb
auf deren Einschätzung (50% Arbeitsfähigkeit in jeglichen Tätigkeiten)
abzustellen ist. Da der Beschwerdeführer in seiner früheren Tätigkeit
noch zu 50% arbeitsfähig ist und auch in anderen Tätigkeiten keine höhe-
re Arbeitsfähigkeit vorliegt, ist zur Bestimmung des Invaliditätsgrades kein
Einkommensvergleich im eigentlichen Sinne durchzuführen, sondern der
Invaliditätsgrad ist mittels Prozentvergleich zu bestimmen, weshalb sich
damit auch die Prüfung eines leidensbedingten Abzugs erübrigt und der
IV-Grad somit dem Grad der jeweiligen Arbeitsunfähigkeit entspricht Dem
Beschwerdeführer ist folglich gestützt auf einen Prozentvergleich an-
tragsgemäss eine halbe IV-Rente zuzusprechen.
5.2 Zu prüfen bleibt, ab wann dem Beschwerdeführer die 50%ige IV-
Rente zu gewähren ist. Aus den Akten ist ersichtlich, dass beim Be-
schwerdeführer seit dem Erleiden des Herzinfarkts im März 2009 die Ar-
C-4635/2012
Seite 17
beitsfähigkeit nur noch 50% betragen hat (vgl. IVSTA-act. 28 und 32
S. 31 ff.). Eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von 40% (vgl. Art. 28
Abs. 1 lit. b IVG) ist somit seit diesem Zeitpunkt gegeben. Strittig ist vor-
liegend noch, welches Datum als Anmeldedatum zu berücksichtigen ist.
Den Bestimmungen zur Früherfassung (Art. 3a bis 3c IVG) ist in ver-
schiedener Hinsicht zu entnehmen, dass es sich bei der Anmeldung zur
Früherfassung – entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – nicht um
eine Anmeldung zum Leistungsbezug handeln kann. Einerseits verfolgt
die Früherfassung andere Ziele (vgl. Art. 1 quinquies
Abs. 1 und 2 IVV) als die
Anmeldung zum Leistungsbezug und andererseits sind verschiedene
Personen zur entsprechenden Meldung berechtigt (vgl. Art. 3b Abs. 2
IVG), was beim Leistungsbezug ebenso wenig der Fall ist (vgl. Art. 29
Abs. 1 ATSG). Würde die Anmeldung zur Früherfassung bereits als An-
meldung zum Leistungsbezug gelten, würde die Fristansetzung nach
Art. 3c Abs. 6 IVG, gemäss welcher die IV-Stelle die versicherte Person
bei Bedarf zur Anmeldung zum Leistungsbezug auffordern kann (vgl.
auch Art. 1 quater
Abs. 2 und Art. 1 quinquies
Abs. 1 IVV), keinen Sinn machen.
Auch aus der Botschaft vom 22. Juni 2005 zur Änderung des Bundesge-
setzes über die Invalidenversicherung (5. Revision) geht hervor, dass ei-
ne Meldung zur Früherfassung keine offizielle Anmeldung bei der IV im
Sinne von Art. 29 ATSG darstellt (AS 2005 4459, hier: 4513 f.). Diese Ab-
sicht des Gesetzgebers wurde im Kreisschreiben des Bundesamtes für
Sozialversicherungen über die Früherfassung und die Frühintervention
(KSFEFI) festgehalten (vgl. KSFEFI Rz. 2003) und die Vorinstanz hat
dies im konkreten Fall entsprechend umgesetzt, was somit nicht zu bean-
standen ist.
Wie die IVSTA zu Recht festgehalten hat, bestätigte die Sozialversiche-
rungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft, Landesstelle Vorarlberg, in ih-
rem Formular E 204 (IVSTA-act. 1 S. 7, vgl. auch Beschwerdebeilage 17),
dass sich der Beschwerdeführer am 23. August 2011 zum Leistungsbe-
zug angemeldet habe. Gestützt auf die Nachfrage der IVSTA bei der
liechtensteinischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung
vom 24. Mai 2013 und deren Antwort vom 4. Juni 2013 (vgl. BVGer-
act. 17) ist festzustellen, dass Letztere explizit darauf hingewiesen hat,
dass sie lediglich zu Gunsten des Beschwerdeführers vom Datum der
Früherfassung ausgegangen sei. Zusammenfassend ist daher festzuhal-
ten, dass sich der Beschwerdeführer am 3. Mai 2010 zur Früherfassung,
aber erst am 23. August 2011 zum Leistungsbezug angemeldet hat. Ge-
stützt auf die schweizerische Rechtslage, die für den vorliegenden An-
C-4635/2012
Seite 18
spruch massgebend ist (vgl. E. 2.2 hiervor), ist somit davon auszugehen,
dass sich der Beschwerdeführer – wie auf dem Formular E 204 festgehal-
ten – erst am 23. August 2011 zum Rentenbezug angemeldet hat und
vorher auch kein entsprechender, geäusserter Anmeldewille vorhanden
war, sondern lediglich eine Anmeldung zur Früherfassung, welche aber –
wie vorstehend aufgezeigt – nicht als Anmeldung zum Rentenbezug zu
berücksichtigen ist. Eine Anmeldung beim unzuständigen Versicherungs-
träger, die gemäss Art. 29 Abs. 3 ATSG hätte weitergeleitet werden müs-
sen, liegt – entgegen der Annahme des Beschwerdeführers – mangels
Anmeldewille nicht vor.
Der frühestmögliche Rentenbeginn ist aufgrund der im August 2011 er-
folgten Anmeldung zum Leistungsbezug erst am 1. Februar 2012 (sechs
Monate nach der Anmeldung, vgl. E. 4.3 hiervor). Die einjährige Wartefrist
(vgl. E. 4.2 hiervor) war im Februar 2012 bereits abgelaufen, so dass der
Rentenanspruch per 1. Februar 2012 entstehen konnte.
5.3 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass dem Beschwerdefüh-
rer – wie von der IVSTA im Beschwerdeverfahren beantragt – mit Wirkung
ab 1. Februar 2012 eine Invalidenrente von 50% zuzusprechen ist. Die
Beschwerde ist in diesem Sinne teilweise gutzuheissen und die ange-
fochtene Verfügung vom 27. Juli 2012, mit welcher der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers verneint worden ist, ist aufzuheben.
6.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
6.1 Die Verfahrenskosten werden in der Regel der unterliegenden Partei
auferlegt (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Bei diesem Ausgang des Verfahrens
sind dem teilweise obsiegenden Beschwerdeführer nur anteilmässig Ge-
richtskosten aufzuerlegen. Diese werden vorliegend auf Fr. 200.- festge-
legt und dem geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 400.- ent-
nommen. Der Rest ist ihm nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden
Urteils auf ein von ihm bekannt zu gebendes Konto zurückzuerstatten.
Einer (teilweise) unterliegenden Vorinstanz sind gemäss Art. 63 Abs. 2
VwVG keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
6.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr
erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen
C-4635/2012
Seite 19
(Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Parteientschä-
digung umfasst die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere notwen-
dige Auslagen der Partei (Art. 8 VGKE). Der Beschwerdeführer ist im vor-
liegenden Verfahren anwaltlich vertreten. Ihm ist daher unter Berücksich-
tigung des Prozessausgangs zu Lasten der IVSTA eine Parteientschädi-
gung für die ihm entstandenen notwendigen Kosten zuzusprechen. Da
keine Kostennote eingereicht wurde, ist die Parteientschädigung aufgrund
der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Eine (reduzierte) Partei-
entschädigung in der Höhe von Fr. 1'250.- erscheint angemessen.
Der teilweise obsiegenden Vorinstanz ist als Bundesbehörde keine Par-
teientschädigung zuzusprechen.
C-4635/2012
Seite 20