Decision ID: 6704ff47-03e2-5ecb-a7ac-8e1d8425402c
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 16. Dezember 2002 erteilte der Gemeinderat I._ die Baubewil-
ligung für die Arealbebauung J._ auf dem damaligen Grundstück
Nr. (...) in der Gemeinde I._. Die Bewilligung sah im südlichen Teil
des Perimeters den Bau von zehn Mehrfamilienhäusern und im nördlichen
Abschnitt einen Gewerbebau vor. Die Bauarbeiten für die Mehrfamilienhäu-
ser wurden im Jahr 2007 abgeschlossen.
Die F._ AG und die G._ AG sind Miteigentümer des heuti-
gen Grundstücks (...) in der Gemeinde I._, auf welchem der Ge-
werbebau realisiert werden soll.
B.
Da sich das geplante Gewerbegebäude im Überführungsbereich einer
Hochspannungsleitung befindet und den vorgeschriebenen Mindestab-
stand gemäss der Verordnung über elektrische Leitungen vom
30. März 1994 (Leitungsverordnung, LeV, SR 734.31) unterschreitet, ge-
langte die F._ AG an die heutige H._ AG (damals noch
K._ AG) als Betriebsinhaberin der Leitung. In der Folge reichte die
H._ AG dem Eidgenössischen Starkstrominspektorat ESTI Ende
Dezember 2016 ein Gesuch um eine Ausnahmebewilligung nach Art. 38
Abs. 4 LeV ein.
C.
Mit Verfügung vom 2. Februar 2017 bewilligte das ESTI das Ausnahmege-
such der H._ AG unter verschiedenen Auflagen (nachfolgend: Aus-
nahmebewilligung). Die Verfügung wurde der H._ AG eröffnet, mit
dem Hinweis, dass dagegen Beschwerde innert 30 Tagen beim Bundes-
verwaltungsgericht erhoben werden könne.
D.
Am 27. September 2017 reichten die F._ AG und die G._ AG
ein Baugesuch für eine Änderung der bewilligten Arealbebauung
J._ und den Neubau eines Gewerbegebäudes auf dem Grundstück
Nr. 3057 ein. Während der öffentlichen Auflage erhoben die Stockwerkei-
gentümerschaft A._ (Grundstück Nr. [...]), B._ und
C._ (Grundstück [...]), D._ (Grundstück [...]) sowie
E._ (Grundstück [...]) Einsprache.
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Seite 4
E.
Mit Entscheiden vom 20. März 2018 erteilte der Gemeinderat I._
die Baubewilligung und wies die Einsprachen als unbegründet ab. In Ziff.
17e) der Baubewilligung wurde insbesondere festgehalten, dass die Verfü-
gung des ESTI vom 2. Februar 2017 einen integrierenden Bestandteil der
Bewilligung bildet.
F.
Gegen diese Baubewilligung und den Einspracheentscheid des Gemein-
derats I._ erhoben die obgenannten Einsprecher (nachfolgend: Be-
schwerdeführende) mit Eingabe vom 12. April 2018 Beschwerde beim Re-
gierungsrat des Kantons Zug mit dem Antrag, die Entscheide vom
20. März 2018 seien aufzuheben und die Baubewilligung zu verweigern.
Unter Ziff. 4 der Rechtsbegehren stellen die Beschwerdeführenden even-
tualiter den Antrag, die Verfügung des ESTI (nachfolgend: Vorinstanz) vom
2. Februar 2017 sei an das Bundesverwaltungsgericht zur Beschwerdebe-
urteilung mit den folgenden Anträgen zu überweisen:
a) dass die Verfügung vom 2. Februar 2017 der Vorinstanz aufzuheben und die
Ausnahmebewilligung nach Art. 38 LeV zu verweigern sei;
b) dass die Direktabstände aufgrund der Brandbelastung und der Brandrisiken
des Gebäudes neu festzusetzen seien;
c) dass die weiteren zu treffenden Schutzmassnahmen neu zu verfügen seien.
Ferner habe die H._ AG (nachfolgend: Beschwerdegegnerin 3)
zwecks Nachweises des Magnetfeldwertes sog. Isoliniendiagramme für
den maximal möglichen Betriebsstrom beizubringen (Ziff. 5 der Rechtsbe-
gehren). Sollten diese ergeben, dass die Grenzwerte im Nahbereich der
Hochspannungsleitung überschritten würden oder Massnahmen gestützt
auf das Vorsorgeprinzip verlangt werden könnten, so habe die Vorinstanz
zusätzliche Massnahmen zur Verringerung der Umweltbelastung zu ergrei-
fen (Ziff. 6 der Rechtsbegehren).
G.
Mit Schreiben vom 19. Juli 2018 überwies die Baudirektion des Kantons
Zug diese Beschwerde bezüglich der Ausnahmebewilligung der Vorinstanz
vom 2. Februar 2017 (Ziff. 4 der Rechtsbegehren) zuständigkeitshalber an
das Bundesverwaltungsgericht.
A-262/2020
Seite 5
H.
Nach erfolgtem Schriftenwechsel trat das Bundesverwaltungsgericht mit
Urteil A-4238/2018 vom 14. Januar 2019 mangels Beschwerdelegitimation
auf die Beschwerde vom 12. April 2018 der Beschwerdeführenden nicht
ein.
I.
Mit Entscheid vom 10. Dezember 2019 hiess der Regierungsrat des Kan-
tons Zug die Beschwerde betreffend die vom Gemeinderat I._ be-
willigte Änderung der Arealbebauung J._ und Neubau Gewerbege-
bäude gut und hob den Beschluss der Gemeinde vom 20. März 2018 auf.
Dieser Entscheid wurde von den Beschwerdegegnerinnen 1 und 2 an das
Verwaltungsgericht Zug weitergezogen.
J.
Das Bundesgericht hiess die gegen das Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts erhobene Beschwerde der Beschwerdeführenden mit Urteil
1C_115/2019 vom 11. Dezember 2019 gut. Es stellte fest, dass die Legiti-
mation der Beschwerdeführenden zur Beschwerdeerhebung gegeben sei,
hob das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts auf und wies die Sache zu
neuem Entscheid an das Bundesverwaltungsgericht zurück.
K.
Unter der Nummer A-262/2020 nimmt das Bundesverwaltungsgericht das
Verfahren wieder auf und gewährt den Beschwerdeparteien am 16. Ja-
nuar 2020 die Möglichkeit zur Stellungnahme.
K.a Die Baudirektion des Kantons Zug verzichtet am 17. Februar 2020 auf
die Einreichung einer Stellungnahme.
K.b Mit Beschwerdeantwort vom 17. Februar 2020 beantragen die Be-
schwerdegegnerinnen 1 und 2, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten,
eventualiter sei diese vollumfänglich abzuweisen.
Zur Begründung führen sie insbesondere aus, die Rechtsmitteleingabe sei
verspätet eingereicht worden. Ausserdem sei sie nicht hinreichend begrün-
det. Das Koordinationsprinzip finde im vorliegenden Verfahren keine An-
wendung, da Streitgegenstand lediglich die Rechtmässigkeit der angefoch-
tenen Ausnahmeregelung bilde. Inhaltlich sei die Ausnahmebewilligung im
Übrigen nicht zu beanstanden.
A-262/2020
Seite 6
K.c Die Vorinstanz macht in ihrer Vernehmlassung vom 17. März 2020 An-
merkungen zur Beschwerdelegitimation sowie der Koordinationspflicht und
verweist im Übrigen auf ihre früheren Stellungnahmen, an welchen sie voll-
umfänglich festhalte.
K.d Mit Beschwerdeantwort vom 18. März 2020 beantragt die Beschwer-
degegnerin 3 insbesondere, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten,
eventualiter sei diese vollumfänglich abzuweisen. Betreffend das Fehlen
der Eintretensvoraussetzungen führt sie aus, die Beschwerde sei weder
rechtzeitig bei der zuständigen Behörde eingereicht noch hinreichend be-
gründet worden. Auch sei die Beschwerde nicht gegen die richtigen Perso-
nen erhoben worden. Eine Verletzung der Koordinationspflicht liege
schliesslich nicht vor.
K.e Die Beschwerdeführenden wiederholen in ihrer Stellungnahme vom
26. Mai 2020 die in ihrer Rechtsmitteleingabe vom 12. April 2018 formu-
lierten Anträge (vgl. Bst. F).
Zur Begründung ihrer Begehren führen sie in Bezug auf die Rechtzeitigkeit
der Beschwerde insbesondere aus, dass die Ausnahmebewilligung nicht
Teil der öffentlichen Auflage des Baubewilligungsverfahrens gewesen sei
und sie erst bei Erlass der Baugenehmigung von dieser Kenntnis erhalten
hätten. Zugestellt worden sei ihnen die Verfügung der Vorinstanz sodann
erst auf Verlangen. Damit sei ihr rechtliches Gehör verletzt worden. Von
der Rechtzeitigkeit der Beschwerde sei unter diesen Umständen ohne Wei-
teres auszugehen. Die Verfügung der Vorinstanz sei zudem in Verletzung
der Koordinationspflicht ergangen. Die Ausnahmebewilligung verletze
schliesslich in materieller Hinsicht die Vorgaben der Leitungsverordnung.
L.
L.a Mit Eingabe vom 28. August 2020 beantragt die Beschwerdegegne-
rin 3 in formeller Hinsicht, das vorliegende Verfahren sei zu sistieren, bis
über das Baugesuch der Beschwerdegegnerinnen 1 und 2 vom 27. Sep-
tember 2017 rechtskräftig entschieden worden sei. Nach dem Entscheid
über das Baubewilligungsgesuch sei das Rechtsschutzinteresse der Be-
schwerdegegnerinnen 1 und 2 abzuklären.
L.b Mit Stellungnahme vom 31. August 2020 führen die Beschwerdefüh-
renden aus, weshalb die Argumente der Beschwerdegegnerinnen unzu-
treffend seien.
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Seite 7
M.
M.a Im Rahmen eines weiteren Schriftenwechsels weisen die Beschwer-
deführenden in der Stellungnahme vom 1. Oktober 2020 darauf hin, dass
auf eine Sistierung des vorliegenden Verfahrens zu verzichten sei.
M.b In der Eingabe vom 30. Oktober 2020 äussert sich die Beschwerde-
gegnerin 3 ein weiteres Mal zu den im vorliegenden Verfahren strittigen
Punkten.
N.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien wird, soweit für den Entscheid
erheblich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Mit Urteil 1C_115/2019 vom 11. Dezember 2019 hat das Bundesgericht
das Urteil A-4238/2018 des Bundesverwaltungsgerichts vom 14. Ja-
nuar 2019 aufgehoben und die Sache zur Neubeurteilung an das Bundes-
verwaltungsgericht zurückgewiesen. Die Beschwerde, welche die Be-
schwerdeführenden am 12. April 2018 gegen die Verfügung vom 2. Feb-
ruar 2017 erhoben haben, ist damit wieder beim Bundesverwaltungsge-
richt hängig.
Das Bundesgericht führte in seinem Urteil aus, dass den Beschwerdefüh-
renden ein aktuelles Rechtsschutzinteresse – auch angesichts der mittler-
weile geänderten Baupläne und des Gesuchs der Beschwerdegegnerin 3
an die Vorinstanz um eine neue Ausnahmebewilligung – nicht abgespro-
chen werden könne. Betreffend die Beschwerdelegitimation befand es so-
dann, dass die streitige Ausnahmebewilligung die Überbaubarkeit des Bau-
grundstücks faktisch erhöhe. Damit sei ein praktisches Interesse an der
Beschwerdeerhebung im Fall der Aufhebung der angefochtenen Verfügung
zu bejahen und die Beschwerdeführenden zur Beschwerdeerhebung legi-
timiert.
1.2 Im Falle eines Rückweisungsurteils ist das Bundesverwaltungsgericht
an die rechtlichen Erwägungen des Bundesgerichts und dessen Schluss-
A-262/2020
Seite 8
folgerung gebunden, vorliegend somit insbesondere daran, dass die Be-
schwerdeführenden in diesem Verfahren zur Beschwerdeerhebung legiti-
miert sind.
2.
2.1 Im Folgenden sind somit die weiteren Eintretensvoraussetzungen zu
prüfen. Streitig ist zunächst, ob die Beschwerde rechtzeitig eingereicht wor-
den ist.
2.1.1 Gemäss Art. 21 Abs. 2 VwVG gilt eine Frist grundsätzlich auch dann
als gewahrt, wenn eine Partei vor Ablauf der Frist rechtzeitig an eine unzu-
ständige Behörde gelangt. Die Regelung, wonach die sich als unzuständig
erachtende Behörde eine Sache ohne Verzug der zuständigen Behörde
weiterzuleiten hat, gilt nicht nur auf Bundesebene (vgl. Art. 8 VwVG), eine
Weiterleitungspflicht ist auch für die Behörden des Kantons Zug auf kanto-
naler Ebene gesetzlich festgeschrieben (vgl. § 7 Abs. 1 Gesetz des Kanton
Zug über den Rechtsschutz in Verwaltungssachen vom 1. April 1976, BGS
162.1). Als allgemeiner Rechtsgrundsatz genügt nach bundesgerichtlicher
Rechtsprechung zur Fristwahrung die Zustellung an jede Behörde von
Bund, Kanton oder Gemeinde, unabhängig davon, ob sie im Einzelfall in
einer Beziehung zum konkreten Streitfall steht. Vorbehalten bleiben insbe-
sondere rechtsmissbräuchliche Fehladressierungen (vgl. BGE 130 III 515
E. 4; 111 V 406 E. 2; 103 Ia 53 E.1; sodann Urteile des BGer 2C_372/2018
vom 25. Juli 2018 E. 4.1, 4A_476/2014 vom 9. Dezember 2014 E. 3.5,
2C_610/2010 vom 21. Januar 2011 E. 2.5).
Ein Rechtsmissbrauch liegt jedoch nicht in jedem Fall bereits deshalb vor,
weil die Einreichung einer Eingabe zur Fristwahrung bewusst einer unzu-
ständigen Behörde zur Weiterleitung übergeben wurde. Ein solches Vor-
gehen ist insbesondere dann nicht missbräuchlich, wenn die Eingabe die
Adresse der zuständigen Behörde enthält und von der angegangenen (un-
zuständigen) Stelle vorbehaltlos zur Weiterleitung entgegengenommen
wird (vgl. URS PETER CAVELTI in: Auer/Müller/Schindler (Hrsg.), VwVG -
Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2. Aufl.
2019, zu Art. 21 N 24 mit Hinweis auf das Urteil des Eidgenössischen Ver-
sicherungsgerichts [seit 1. Januar 2007: Bundesgericht, sozialrechtliche
Abteilung] U 179/01 vom 3. August 2001 E. 2).
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-III-515%3Ade&number_of_ranks=0#page515 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F111-V-406%3Ade&number_of_ranks=0#page406 https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=03.08.2001_U_179-01
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2.1.2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt zunächst fest, dass die Be-
schwerdeführenden erst spät von der Ausnahmebewilligung vom 2. Feb-
ruar 2017 Kenntnis erhielten. Die Vorinstanz eröffnete diese bei Erlass nur
der Beschwerdegegnerin 3 als Gesuchstellerin, mangels Teilnahme am
Verfahren nicht aber den Beschwerdeführenden. Ob die Verfügung Teil der
im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens durchgeführten öffentlichen
Auflage war, ist nicht erstellt (so auch Entscheid des Regierungsrats des
Kantons Zug vom 10. Dezember 2019 E. 3b). Die Beweislast sowohl der
Tatsache als auch des Zeitpunkts der Zustellung von Verfügungen obliegt
rechtsprechungsgemäss der die Zustellung veranlassenden Behörde, das
heisst der Vorinstanz (vgl. BGE 124 V 400 E. 2a, 103 V 63 E. 2a). Ein über
Behauptungen hinausgehender Nachweis, dass die Ausnahmebewilligung
im Rahmen des Baugesuchs öffentlich aufgelegt worden ist, wurde jedoch
bis heute weder von der Vorinstanz noch von den Beschwerdegegnerinnen
in hinreichender Weise erbracht. Zugunsten der Beschwerdeführenden
kann demnach nicht davon ausgegangen werden, dass sie bereits in jenem
Zeitpunkt Kenntnis von der Ausnahmebewilligung erhielten. Damit ist als
frühestmöglicher Zeitpunkt der Kenntnisnahme die Zustellung der Baube-
willigung vom 20. März 2018 anzusehen, in welcher die Ausnahmebewilli-
gung zum integrierenden Bestandteil erklärt wird. Die Verfügung selbst
wurde den Beschwerdeführenden jedoch erst auf deren Verlangen hin mit
Email vom 10. April 2018 durch die Gemeinde I._ zugestellt. Ob be-
treffend den Zeitpunkt auf die Kenntnisnahme durch die Eröffnung der Bau-
bewilligung oder die Zustellung der Ausnahmebewilligung per Email abge-
stellt werden kann, kann offenbleiben, da die Beschwerde in beiden Fällen
innerhalb der angesetzten Beschwerdefrist eingereicht worden wäre. Inso-
fern wurde die Beschwerde demnach rechtzeitig erhoben.
2.1.3 Die Anfechtung der vorinstanzlichen Verfügung erfolgte jedoch nicht
an das Bundesverwaltungsgericht, sondern wurde im Rahmen der Be-
schwerde gegen das Baubewilligungsgesuch an den Regierungsrat des
Kantons Zug mit dem Eventualantrag zur allfälligen Weiterleitung erhoben.
Die Weiterleitung an das zuständige Bundesverwaltungsgericht erfolgte
erst am 19. Juli 2018, weshalb sich die Frage stellt, ob der Eingabe an den
Zuger Regierungsrat fristwahrende Wirkung zukommt. Die Beschwerde-
gegnerinnen werfen den Beschwerdeführenden vor, rechtsmissbräuchlich
vorgegangen zu sein, da sie sich bewusst an die falsche Behörde gewandt
hätten.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-V-400%3Ade&number_of_ranks=0#page400
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Wie gerade dargelegt, wurde die Ausnahmebewilligung den Beschwerde-
führenden nicht zusammen mit der Baubewilligung respektive erst auf Ver-
langen hin zugestellt ohne diese formell zu eröffnen. Für die Beschwerde-
führenden war mangels Rechtsbelehrung sodann nicht ohne weiteres er-
kennbar, ob die Ausnahmebewilligung als integrierender Bestandteil der
Baubewilligung selbständig an das Bundesverwaltungsgericht oder im
Rahmen des kantonalen Beschwerdeverfahrens anzufechten war. Ausser-
dem ist der Beschwerdeeingabe die Adresse zur allfälligen Weiterleitung
an die zuständige Behörde zu entnehmen und die kantonale Behörde hat
sich den Beschwerdeführenden gegenüber nie dahingehend geäussert,
dass es sich zur Weiterleitung nicht verpflichtet halte. Ihnen unter diesen
Umständen Rechtsmissbrauch vorzuwerfen, würde dem Grundsatz nach
Treu und Glauben nicht gerecht, zumal den Parteien aus einer mangelhaf-
ten Eröffnung kein Nachteil erwachsen darf (Art. 38 VwVG). Entgegen der
Ansicht der Beschwerdegegnerinnen ist aufgrund der Akten auch nicht er-
sichtlich, dass die Beschwerdeführenden sich durch die Eingabe an die
kantonale Beschwerdeinstanz vorsätzlich einen unsachgemässen Vorteil
verschaffen wollten. Der Umstand, dass die Beschwerdeführenden sich an
das unzuständige Amt gewandt haben, darf folglich nicht zum Rechtsver-
lust führen. Entsprechend gilt die Einreichung der Beschwerde bei der un-
zuständigen Behörde als fristwahrend.
2.2 Der Einwand der Beschwerdegegnerinnen, wonach die in der Be-
schwerde formulierten Begehren nicht hinreichend begründet seien, ist un-
berechtigt. Spätestens mit den im vorliegenden sowie im Verfahren
A-4238/2018 eingereichten Stellungnahmen vom 8. November 2018,
26. Mai 2020, 31. August 2020 und 1. Oktober 2020, zu welchen die Vor-
instanz und die Beschwerdegegnerinnen jeweils die Möglichkeit hatten,
sich zu äussern, ist die Beschwerde als ausreichend begründet einzuschät-
zen.
2.3 Da auch die übrigen Anforderungen an die Form erfüllt sind (Art. 52
VwVG) und die Beschwerde, wie dargelegt, als rechtzeitig eingegangen zu
betrachten ist, ist auf diese einzutreten.
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin 3 beantragt in der Stellungnahme vom
28. August 2020, das vorliegende Verfahren sei zu sistieren, bis über den
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Seite 11
Gegenstand des im Kanton Zug hängigen Baugesuchs betreffend das Bau-
projekt der Beschwerdegegnerinnen 1 und 2 vom 27. September 2017
rechtskräftig entschieden worden sei.
Dies begründet sie zusammenfassend mit dem Hinweis, dass das Rechts-
schutzinteresse der Beschwerdegegnerinnen 1 und 2 je nach Ausgang des
kantonalen Verfahrens nicht mehr gegeben sei. Die Beschwerdeführenden
halten demgegenüber fest, dass eine Sistierung weder aus zeitlichen noch
aus sachlichen Gründen gerechtfertigt sei.
3.2 Das Bundesverwaltungsgericht kann auf Antrag oder von Amtes wegen
ein bei ihr hängiges Beschwerdeverfahren bei Vorliegen besonderer
Gründe bis auf weiteres beziehungsweise bis zu einem bestimmten Termin
oder Ereignis sistieren; dies namentlich dann, wenn sich unter den gege-
benen Umständen ein sofortiger Entscheid über die Beschwerde mit Blick
auf die Prozessökonomie nicht rechtfertigen würde. Andernfalls wäre von
einer mit dem Beschleunigungsgebot von Art. 29 Abs. 1 BV nicht zu ver-
einbarenden Rechtsverzögerung auszugehen (vgl. BGE 130 V 90 E. 5;
MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungs-
gericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 3.14).
3.3 Gemäss Rückweisungsentscheid des Bundesgerichts 1C_115/2019
(E. 1.2) ist es vorliegend Sache der zuständigen kantonalen Instanz, im
hängigen Rechtsmittelverfahren zu prüfen, ob die für die Baubewilligung
erforderliche Ausnahmebewilligung vorliegt. Die Ausnahmebewilligung
vom 2. Februar 2017 sei nicht befristet und nehme nicht auf ein spezifi-
sches Baugesuch Bezug. Die Beschwerdegegnerinnen 1 und 2 hätten
auch nicht explizit auf sie verzichtet. Insofern bestehe die Möglichkeit, dass
die Ausnahmebewilligung für die damals eingereichten Pläne ihre Gültig-
keit behalten und die Beschwerdegegnerinnen 1 und 2 allenfalls in einem
zukünftigen Baubewilligungsverfahren auf sie zurückgreifen könnten.
Schliesslich bestehe das Risiko, dass die Beschwerdeführenden aufgrund
des vorinstanzlichen Entscheids auch in das neu eingeleitete Verfahren der
Vorinstanz nicht einbezogen würden. Unter diesen Umständen könne den
Beschwerdeführenden ein aktuelles Rechtsschutzinteresse nicht abge-
sprochen werden.
An dieser Sachlage hat sich bis heute nichts verändert, zumal die Be-
schwerdegegnerinnen 1 und 2 auch im Rahmen des vorliegenden Verfah-
rens nicht auf die Ausnahmebewilligung verzichtet haben, sondern an die-
ser festhalten (vgl. Stellungnahme vom 17. Februar 2020 S. 3). Mit Blick
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auf das Beschleunigungsgebot ist es deshalb nicht angebracht, das Ver-
fahren zu sistieren, um den Ausgang des auf kantonaler Ebene hängigen
Verfahrens betreffend das Baugesuch vom 23. September 2017 abzuwar-
ten. Da keine stichhaltigen Gründe für eine Sistierung gegeben sind, ist der
entsprechende Antrag abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 1 LeV bezweckt die Leitungsverordnung die Vermeidung
von Gefahren, die von elektrischen Leitungen sowie von der Annäherung,
Parallelführung und Kreuzung elektrischer Leitungen unter sich mit ande-
ren Anlagen oder mit Bauten ausgehen. Dabei beziehen sich die Bestim-
mungen auf die Erstellung, den Betrieb und die Instandhaltung von elektri-
schen Leitungen (Art. 2 Abs. 1 LeV). Können einzelne Bestimmungen nur
unter ausserordentlichen Schwierigkeiten befolgt werden, so kann nament-
lich die zuständige Kontrollstelle Abweichungen bewilligen (Art. 2 Abs. 3
LeV). In diesem Sinne bestimmt Art. 38 Abs. 4 LeV bezüglich des horizon-
talen Abstandes zwischen Hochspannungsfreileitungen und Gebäuden,
dass die Kontrollstelle ausnahmsweise eine Unterschreitung des Horizon-
talabstandes (Art. 38 Abs. 1 LeV i.V.m. Anhang 8 LeV) nach einer Prüfung
der Unterschreitung aufgrund einer Beurteilung der Brandbelastung, der
Brandrisiken der Gebäude sowie der zu treffenden Schutzmassnahmen
zulassen kann.
4.2 Vorliegend hat die Vorinstanz eine solche Ausnahme für den Betrieb
der in Frage stehenden Leitung zur Erstellung des Neubaus Gewerbehalle
J._ in I._ unter Formulierung diverser Auflagen genehmigt.
Betreffend die Auflagen führt sie in der Vernehmlassung vom 3. Okto-
ber 2018 im Verfahren A-4238/2018 aus, wesentlicher Punkt dafür sei,
dass Schutzmassnahmen für den geplanten Neubau getroffen werden
müssten, die einen schnell anlaufenden Brand verhindern würden. Von Be-
deutung sei insbesondere, dass in der zu erstellenden Gewerbehalle eine
Sprinkleranlage installiert werden soll. Einen schnell anlaufenden Brand
könne ebenfalls verhindert werden, indem Baumaterialien der Baustoff-
Gruppe RF 1 und Dachfenster sowie Wandöffnungen im Leitungsbereich
mit einem Feuerwiderstand EI 30 verwendet würden. Abgesehen davon
dürften unter der Leitung keine brennbaren Materialien gelagert werden.
Diese sowie die anderen verfügten Auflagen dienten der in der LeV veran-
kerten Schutzziele – dem Schutz der Personen vor der Leitung, der Leitung
vor dem Gebäude sowie des Gebäudes vor der Leitung – und seien ver-
hältnismässig, weshalb die Leitungsannäherung bewilligt worden sei (ebd.
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Seite 13
S. 3). Auf weitere materielle Ausführungen im Rahmen des Beschwerde-
verfahrens verzichtete die Vorinstanz.
4.3 Die Beschwerdeführenden bringen diverse Einwände vor, weshalb sie
die Bewilligung der Unterschreitung der Mindestabstände nicht für gerecht-
fertigt halten. Unter anderem führen sie aus, die Vorinstanz habe die Aus-
nahme genehmigt, ohne die Gefahren der in der Gewerbehalle arbeiten-
den Personen zu berücksichtigen. Mit lediglich 30 cm seitlichem Abstand
sei die Sicherheit vor allfällig herabfallenden, stromführenden Seilen nicht
hinreichend gewährleistet. Die Gefahren würden insbesondere durch den
Umstand, dass nebst den Dachrinnen und dem Blitzableiter auch die Was-
serleitungen und sämtliche Metallteile im Gebäude miteinander elektrisch
verbunden werden müssten, begünstigt. Das Risiko eines explosionsarti-
gen Brandes sei vorliegend hoch und könne nur mit ausreichendem Ab-
stand verhindert werden. Dieser sei nicht gegeben, zumal die Ausnahme-
bewilligung die seitlichen Mindestabstände völlig ignoriere und sich aus-
schliesslich auf die Vertikalabstände stütze. Eine eingehende Prüfung der
Voraussetzungen für die Erteilung einer Ausnahmebewilligung habe vorlie-
gend nicht stattgefunden.
4.4 Gemäss den Beschwerdegegnerinnen ist die Ausnahmebewilligung in
materieller Hinsicht nicht zu beanstanden. Die Beschwerdegegnerinnen 1
und 2 betonen, dass die Vorinstanz die Voraussetzungen für deren Ertei-
lung eingehend geprüft und diese zu Recht als gegeben beurteilt habe.
Ebenfalls seien die Direktabstände zum nächstliegenden Leiter zutreffend
festlegt und entsprechende Schutzmassnahmen verfügt worden.
Die Beschwerdegegnerin 3 hält insbesondere fest, die Ausführungen der
Beschwerdeführenden seien entweder irrelevant, aktenwidrig oder falsch
und würden nicht begründen, weshalb und welche Bestimmungen des
Bundesrechts verletzt worden seien. Vielmehr entsprächen die Direktab-
stände und die angeordneten Schutzmassnahmen vollumfänglich den ge-
setzlichen Vorgaben. Dabei habe die Vorinstanz die Risiken pflichtgemäss
beurteilt und die zu deren Minimierung erforderlichen Auflagen verfügt.
Diese dienten auch dem Brandschutz, wobei der Schutz der in der Halle
arbeitenden Personen mitumfasst sei. Könne der geforderte Horizontalab-
stand nicht eingehalten werden, prüfe die Vorinstanz anhand der anderen
Faktoren (Vertikalabstand, Direktabstand, Bauart, Gebäudeart usw.), ob es
eine Ausnahmebewilligung erteilen könne. Damit diese im Fall des Unter-
schreitens des Horizontalabstands genehmigt werden könne, müsse zur
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Seite 14
Kompensation in der Regel der Direktabstand grösser sein. Der Vertikal-
abstand sei vorliegend irrelevant, da die Leitung das Gebäude nicht über-
spanne. Die Direktabstände würden ausserdem deutlich über dem kriti-
schen Wert von 10 m liegen. Die Ausnahmebewilligung sei daher zu Recht
erteilt worden.
5.
5.1 Schriftliche Verfügungen sind zu begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die
Pflicht zur Begründung von Verfügungen ist Bestandteil des Anspruchs auf
rechtliches Gehör i.S.v. Art. 29 Abs. 2 BV (statt vieler BGE 142 II 324
E. 3.6). Das betroffene Rechtssubjekt soll wissen, warum die Behörde ent-
gegen seinem Antrag entschieden hat (BGE 129 I 232 E. 3.2;
BVGE 2013/46 E. 6.2.5). Nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung muss die Begründung so abgefasst sein, dass die betroffene Partei
den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur mög-
lich ist, wenn sich sowohl die betroffene Partei als auch die Rechtsmitte-
linstanz über die Tragweite ein Bild machen können. Dabei kann sich die
Behörde in ihrer Argumentation zwar auf die für den Entscheid wesentli-
chen Gesichtspunkte beschränken; sie darf aber nur diejenigen Argumente
stillschweigend übergehen, die für den Entscheid erkennbarerweise un-
behelflich sind. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegun-
gen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf
die sich ihr Entscheid stützt. Erforderlich ist dabei stets eine Auseinander-
setzung mit dem konkret zu beurteilenden Sachverhalt. Der genaue Um-
fang der Begründungspflicht bestimmt sich am Einzelfall, wobei an die Be-
gründung umso strengere Anforderungen zu stellen sind, je unbestimmter
die Rechtsgrundlage ist und je grösser der der Behörde eingeräumte Spiel-
raum ist (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1, 136 I 229 E. 5.2, 112 Ia 107 E. 2b,
BVGE 2010/35 E. 4.1.2; vgl. auch HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, Rz. 1038; LORENZ KNEUBÜHLER, Die Be-
gründungspflicht, 1998, S. 22 ff.).
Der Gehörsanspruch ist nach feststehender Rechtsprechung formeller Na-
tur, mit der Folge, dass seine Verletzung ungeachtet der Erfolgsaussichten
der Beschwerde grundsätzlich zur Aufhebung des mit dem Verfahrensman-
gel behafteten Entscheids führt. Nach der Rechtsprechung kann eine Ver-
letzung des Gehörsanspruchs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die
unterbliebene Gewährung des rechtlichen Gehörs in einem Rechtsmittel-
verfahren nachgeholt wird, in dem die Beschwerdeinstanz mit der gleichen
Prüfungsbefugnis entscheidet wie die untere Instanz. Belässt das Gericht
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der Vorinstanz aufgrund von deren besonderer Fachkenntnisse einen er-
heblichen Beurteilungsspielraum, ist seine Kognition eingeschränkt und
eine Heilung ausgeschlossen (vgl. BGE 135 I 187 E. 2.2, 133 I 201 E. 2.2;
BVGE 2008/47 E. 3.3.4; Urteil des BVGer A-2925/2010 vom 25. Novem-
ber 2010 E. 1.2.2.3; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 1039, 1173 ff.,
MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.112).
5.2 Freileitungen müssen so weit von Gebäuden entfernt erstellt oder so
ausgeführt werden, dass sie weder Menschen oder Gebäude gefährden
noch bei einem Gebäudebrand Rettungs- und Löschmassnahmen behin-
dern (Art. 36 LeV). Die im Rahmen der Leitungsverordnung festgelegten
Mindestabstände bezwecken entsprechend den Schutz von Mensch und
Gebäude, wobei brand- und sicherheitstechnische Aspekte im Vordergrund
stehen. Von Annäherungen an beziehungsweise Überführungen von Ge-
bäuden wird dann gesprochen, wenn die minimalen Horizontalabstände
zwischen Gebäude und nächstliegendem Leiter nicht eingehalten werden
können. Solche Ausnahmefälle sollen gemäss Richtlinien des ESTI auf das
absolut Notwendige beschränkt werden (vgl. ESTI, Erläuterungen zur LeV,
STI Nr. 240.1199 d, 1. September 1999, S. 12). Wie bereits ausgeführt, hat
das ESTI bei der Prüfung einer Ausnahmebewilligung über die Zulässigkeit
der Unterschreitung, die Direktabstände aufgrund der Brandbelastung und
der Brandrisiken der Gebäude sowie die zu treffenden Schutzmassnahmen
zu entscheiden (Art. 38 Abs. 4 Bst. a-c LeV). Für den Betrieb der Leitungen
und die Sicherstellung der gesetzlichen Schutzziele sind die anerkannten
Regeln der Technik heranzuziehen (vgl. Art. 6 LeV).
Da der Mindestabstand nur im Ausnahmefall unterschritten werden darf
und die Prüfung der Zulässigkeit der Unterschreitung nicht nur massgebli-
ches technisches Fachwissen erfordert, sondern der Vorinstanz bei der Be-
urteilung auch ein erhebliches Ermessen zukommt, ist an die Begründung
einer Ausnahmebewilligung ein hoher Massstab zu setzen.
5.3 Vorliegend hat die Vorinstanz die Unterschreitung bewilligt, ohne kon-
kret darzulegen, welche Anforderungen sie der Prüfung der Zulässigkeit
zugrunde gelegt hat. Insbesondere ist den Erwägungen weder eine Beur-
teilung der Brandbelastung noch der Brandrisiken des Gebäudes zu ent-
nehmen, was gesetzlich für die Ermittlung der Direktabstände aber erfor-
derlich ist (Art. 38 Abs. 4 Bst. b LeV). Auch welche Regeln der Technik die
Vorinstanz für ihre Einschätzung herangezogen hat und inwiefern, die ein-
schlägigen Normen eingehalten wurden, ist ihren Ausführungen nicht zu
entnehmen.
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Vielmehr scheint die Bewilligung einzig durch die Auferlegung von Schutz-
massnahmen gerechtfertigt worden zu sein, jedoch ohne im Einzelnen hin-
reichend darzulegen, weshalb diese vorliegend notwendig und ausrei-
chend für die Sicherstellung der gesetzlichen Schutzziele sind. Zwar präzi-
siert die Vorinstanz in der Stellungnahme vom 3. Oktober 2018 gewisse
Umstände – etwa, dass für die Beurteilung von Bedeutung sei, dass in der
Gewerbeanlage eine Sprinkleranlage geplant sei –, ein vollständiges Bild
über die Zulässigkeit der Unterschreitung und eine damit einhergehende
umfassende Risikoeinschätzung lässt sich aufgrund der vorinstanzlichen
Erwägungen jedoch nicht machen. So fehlen etwa Angaben darüber, wie
sich das Verhältnis der Unterschreitung des Horizontalabstands zum Di-
rektabstand verhält respektive, ob vorliegend aufgrund des Unterschrei-
tens des Horizontalabstandes eine Kompensation über den Direktabstand
stattgefunden hat, was die Beschwerdegegnerin 3 in ihrer Stellungnahme
als Voraussetzung für die Erteilung einer Ausnahmebewilligung bezeichnet
(vgl. Stellungnahme vom 28. August 2020 S. 24). Nicht hinreichend nach-
vollziehbar ist sodann, wie der Vertikalabstand einzuschätzen ist, und wel-
cher kritische Mindestabstand angesichts der Nutzungsart des geplanten
Gebäudes gemäss Richtlinien des ESTI einzuhalten wäre (vgl. ESTI, Er-
läuterungen zur LeV, a.a.O., Beilage 1). Unklar bleibt auch, ob die Vo-
rinstanz dem Umstand, dass in der Gewerbehalle Holz sowie für die Holz-
verarbeitung benötigte Baustoff- und Dämmstoffe gelagert werden sollen –
was einen Gebäudebrand unter Umständen begünstigen könnte – Rech-
nung getragen hat. Damit erscheint etwa die Zweckmässigkeit der verfüg-
ten Auflage, wonach unter der Leitung keine brennbaren Materialien gela-
gert werden dürfen, fraglich.
Im Ergebnis ist der Verfügung nicht in ausreichender Weise zu entnehmen,
von welchen Überlegungen sich die Vorinstanz bei der Erteilung der Aus-
nahmebewilligung und der Anordnung der Schutzmassnahmen hat leiten
lassen. Entsprechend ist es dem Bundesverwaltungsgericht auf dieser
Grundlage nicht möglich, die Rechtmässigkeit der Verfügung zu beurteilen.
Gleichzeitig wurde den Beschwerdeführenden eine sachgerechte Anfech-
tung der Verfügung verunmöglicht.
5.4 Zusammenfassend vermag die Begründung der angefochtenen Verfü-
gung den Anforderungen von Art. 35 VwVG nicht zu genügen. Damit ist
das rechtliche Gehör der Beschwerdeführenden verletzt worden. Ein refor-
matorischer Entscheid kommt angesichts des erheblichen Ermessens-
spielraums und des Fachwissens der Vorinstanz nicht in Betracht, sondern
die Verfügung ist aufzuheben und zu neuem Entscheid an die Vorinstanz
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zurückzuweisen (Art. 61 Abs. 1 VwVG). Die Vorinstanz hat – gegebenen-
falls nach Vervollständigung des Sachverhalts etwa hinsichtlich der Brand-
belastung und des Brandrisikos – eine neue Verfügung zu erlassen mit ei-
ner Begründung, welche alle entscheidrelevanten Umstände berücksichtigt
und damit dem rechtlichen Gehör der Beschwerdeführenden genügt. Da-
bei sind die einschlägigen und aktuellen Bauunterlagen zu berücksichti-
gen, und die Ausnahmebewilligung ist soweit möglich mit dem Baugesuch
zu koordinieren. Auf eine Auseinandersetzung mit den weiteren Beschwer-
devorbringen kann bei diesem Verfahrensausgang im heutigen Zeitpunkt
verzichtet werden, zumal die Rechtsmitteleingabe sowie sämtliche im Rah-
men des Beschwerdeverfahrens eingegangenen weiteren Eingaben und
Beweismittel integralen Bestandteil des wiederaufzunehmenden vo-
rinstanzlichen Verfahrens darstellen.
Als Folge der vorstehenden Erwägungen ist die Angelegenheit somit in
Gutheissung der Beschwerde zum neuen Entscheid im Sinne der Erwä-
gungen an die Vorinstanz zurückzuweisen.
6.
6.1 Die Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz zu neuem Ent-
scheid (mit noch offenem Ausgang) gilt praxisgemäss als volles Obsiegen
der beschwerdeführenden Partei (vgl. BGE 137 V 57 E. 2, 132 V 215
E. 6.1; Urteil des BVGer A-199/2018 vom 18. April 2019 E. 6). Angesichts
des Ausgangs des vorliegenden Verfahrens gelten die Beschwerdegegne-
rinnen demnach als unterliegend, weshalb sie die Verfahrenskosten zu tra-
gen haben (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Keine Kosten zu tragen hat die Vo-
rinstanz (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
Die Kosten für das vorliegende Beschwerdeverfahren werden auf
Fr. 1‘600.- festgelegt und zur Hälfte den Beschwerdegegnerinnen 1 und 2
(Fr. 800.-) und zur Hälfte der Beschwerdegegnerin 3 (Fr. 800.-) zur Bezah-
lung und unter solidarischer Haftung auferlegt (Art. 1 ff. und Art. 6a des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der von den
obsiegenden Beschwerdeführenden im Verfahren A-4238/2018 in der
Höhe von Fr. 1‘000.- geleistete Kostenvorschuss ist ihnen nach Eintritt der
Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückzuerstatten.
6.2 Im Rahmen ihres Obsiegens haben die anwaltlich vertretenen Be-
schwerdeführenden gemäss Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG in Verbindung mit
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Art. 7 ff. VGKE Anspruch auf eine Parteientschädigung zulasten der Be-
schwerdegegnerinnen.
Die Parteientschädigung ist grundsätzlich aufgrund der eingereichten de-
taillierten Kostennote festzusetzen (Art. 14 VGKE). Bei Fehlen einer (de-
taillierten) Kostennote wird die Entschädigung aufgrund der Akten festge-
setzt (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Auf die Einholung einer Kostennote kann nach
der Rechtsprechung namentlich bei anwaltlicher Vertretung verzichtet wer-
den (vgl. zum Ganzen: Urteil des BGer 2C_422/2011 vom 9. Januar 2012
E. 2; Urteil des BVGer A-6253/2018 vom 10. Dezember 2019 E. 7.2). Die
anwaltlich vertretenen Beschwerdeführenden haben keine Kostennote ein-
gereicht. Unter Berücksichtigung aller Umstände ist die Parteientschädi-
gung für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht auf insgesamt
Fr. 4’000.- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9
Abs. 1 Bst. b und c VGKE) festzusetzen. Die Parteientschädigung ist unter
solidarischer Haftung zu je Fr. 1’000.- durch die Beschwerdegegnerinnen
1 und 2 und zu Fr. 2’000.- durch die Beschwerdegegnerin 3 zu tragen.
(Dispositiv nächste Seite)
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