Decision ID: 18775f2a-1d6c-5998-a61b-923cdab7fded
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
R._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Niedermann, Neugasse 55,
9000 St. Gallen,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Arbeitslosenentschädigung (Beitragszeitbefreiung)
Sachverhalt:
A.
A.a R._, geboren 1987, stellte Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab
13. Dezember 2006. Sie gab an, dass sie im September 2004 ihre Lehrausbildung als
Coiffeuse abgebrochen habe. Sie sei danach im Haushalt tätig gewesen, da ihre Mutter
krank gewesen sei (act. G 3.1/1). In den Schreiben vom 26. Februar und 28. März 2007
bestätigte Dr. med. A._, die Versicherte habe seit 2003 ihre chronisch erkrankte
Mutter zu Hause unterstützt (act. G 3.1/10). Sie habe sämtliche Haushaltsarbeiten
erledigt und der Mutter teilweise auch beim An- und Ausziehen geholfen (act.
G 3.1/16). Am 16. April 2007 machte die Versicherte als Befreiungsgrund für die
Beitragszeit die 100%ige Pflegebedürftigkeit ihrer Mutter geltend (act. G 3.1/19). Im
Schreiben vom 23. Mai 2007 bestätigte Dr. med. A._, dass die Versicherte
umfangreiche Hilfe gegenüber ihrer Mutter erbracht habe wie Hilfe beim Aufstehen und
Ankleiden, bei der Versorgung des Haushaltes und beim Einkaufen sowie bei der
Körperpflege (act. G 3.1/23).
A.b Mit Verfügung vom 11. Juni 2007 lehnte die Kantonale Arbeitslosenkasse einen
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 13. Dezember 2006 ab. Sie
begründete die Verfügung damit, dass eine vollumfängliche Pflege der Mutter und eine
dauernde Hilfeleistung nicht belegt seien. Es dürfe davon ausgegangen werden, dass
die Versicherte nebst den Unterstützungstätigkeiten auch einer Vollzeitbeschäftigung
oder mindestens einer 80%igen Teilzeitarbeit hätte nachgehen können. Die
Voraussetzungen für einen Taggeldbezug seien nicht erfüllt (act. G 3.1/24).
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess R._ am 26. Juni 2007 Einsprache erheben (act.
G 3.1/25). In der Einsprachebegründung vom 12. Juli 2007 beantragte sie sinngemäss
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Die Einsprecherin machte geltend, dass
ihrer Mutter rückwirkend per 5. März 2002 eine ganze Invalidenrente zugesprochen
worden sei. Die IV-Stelle habe bei der als Hausfrau tätigen Mutter einen Invaliditätsgrad
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von 83% ermittelt. Sie (die Einsprecherin) sei Tag für Tag 24 Stunden lang für ihre
Mutter dagewesen und habe ihre voll pflegebedürftige Mutter unterstützt. Seit
Dezember 2006 habe sich der Gesundheitszustand der Mutter erfreulicherweise wieder
derart gebessert, dass sie nicht mehr pflegebedürftig sei. In der Folge habe die
Einsprecherin einen Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 13. Dezember 2006
gestellt. Da sie mit der zu betreuenden Mutter im gleichen Haushalt gewohnt und die
Betreuung mehr als ein Jahr gedauert habe, bestehe ein Anspruch auf Eröffnung einer
Rahmenfrist bzw. auf Arbeitslosenentschädigung (act. G 3.1/30).
B.b Mit Verfügung vom 16. August 2007 hiess das Regionale
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Heerbrugg das Gesuch von Sabrina Rick um ein
Berufspraktikum gut (act. G 3.1/35).
B.c Die Einsprecherin reichte der Kantonalen Arbeitslosenkasse am 23. Oktober 2007
eine Kopie der Anmeldung und des Fragebogens für eine Hilflosenentschädigung der
Invalidenversicherung vom 2. Oktober 2007, den in diesem Zusammenhang von der
Invalidenversicherung eingeforderten Arztbericht vom 15. Oktober 2007 sowie die
Verfügung der Invalidenversicherung betreffend den Rentenanspruch der Mutter ein
(act. G 3.1/45). Sie machte geltend, die vollumfängliche Pflegebedürftigkeit ihrer Mutter
werde mit diesen Dokumenten bestätigt (act. G 3.1/44).
B.d Mit Einspracheentscheid vom 2. November 2007 wies die Kantonale
Arbeitslosenkasse die Einsprache ab. Sie führte darin aus, es sei nicht erwiesen, dass
es der Einsprecherin trotz der Pflege ihrer Mutter nicht möglich gewesen wäre, einer
Teilzeittätigkeit nachzugehen. Entscheidend für die Verneinung eines Anspruches auf
Arbeitslosenentschädigung sei aber ohnehin die fehlende finanzielle Kausalität
zwischen dem geltend gemachten Befreiungsgrund (Wegfall der Pflegebedürftigkeit der
Mutter) und der Notwendigkeit der Aufnahme einer unselbstständigen Erwerbstätigkeit.
Die Eltern hätten die Einsprecherin davon abgehalten, eine Ausbildung zu absolvieren.
Da es der Mutter der Einsprecherin jetzt besser gehe, sei letztere nun unbestritten in
der Lage, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen oder eine Erstausbildung in Angriff zu
nehmen. Mit der Verringerung der Pflegebedürftigkeit der Mutter lasse sich aber keine
ökonomische Notwendigkeit begründen, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Es sei
nicht ersichtlich, welche finanziellen Mittel der Einsprecherin durch die Reduzierung der
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Betreuungsleistungen weggefallen sein sollen. Auch könne von der Einsprecherin nicht
verlangt werden, ihren Unterhalt aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Im Gegenteil seien
nun die Eltern verpflichtet, ihr (der Einsprecherin) die ihr zustehende Erstausbildung zu
ermöglichen und die Tochter bis zum Abschluss finanziell zu unterstützen. Somit könne
die Einsprecherin nicht von der Erfüllung der Beitragszeit befreit werden (act. G 3.1/46).
B.e Am 20. November 2007 passte das RAV Heerbrugg die Verfügung betreffend
Berufspraktikum vom 16. August 2007 aufgrund des Praktikumsabbruchs im
gegenseitigen Einvernehmen wegen finanzieller Notlage (Anspruchsberechtigung von
der Kantonalen Arbeitslosenkasse abgelehnt) an (act. G 3.1/50).
C.
C.a Am 7. Dezember 2007 liess R._ gegen den Einspracheentscheid vom
2. November 2007 Beschwerde erheben. Sie beantragte unter Kosten- und
Entschädigungsfolge dessen Aufhebung sowie die Ausrichtung der gesetzlichen
Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung ab dem 13. Dezember 2006. Gegen die
Verfügung vom 20. November 2007 betreffend Berufspraktikum sei fristgerecht
Einsprache (act. G 1.7) erhoben worden. Erst nachträglich habe der Rechtsvertreter
diesbezüglich zur Kenntnis nehmen müssen, dass die zuständige Rechtsmittelinstanz
das Versicherungsgericht gewesen wäre. Es werde daher beantragt, die fristgerechte
Einsprache als Beschwerde entgegenzunehmen und aus prozessökonomischen
Gründen mit vorliegendem Verfahren zu vereinigen. Die Behauptung der
Beschwerdegegnerin, es sei nach wie vor nicht bewiesen, dass die
Beschwerdeführerin eine dauernde und umfassende Pflege erbracht habe, sei
unhaltbar. Die erforderliche finanzielle Kausalität zwischen dem Wegfall der Betreuung
der pflegebedürftigen Mutter und der Aufnahme einer unselbstständigen Tätigkeit
durch die Beschwerdeführerin sei gegeben. Im Dezember 2004 sei die Familie der
Beschwerdeführerin vor der Situation gestanden, jemanden für die umfassende Pflege
der Mutter anstellen zu müssen. Dafür sei jedoch nicht ausreichend Geld vorhanden
gewesen. Daher habe die Beschwerdeführerin – gezwungenermassen – die Pflege ihrer
Mutter übernommen. Der ab Dezember 2006 deutlich verbesserte Gesundheitszustand
der Mutter habe die Beschwerdeführerin veranlasst, wieder eine Erwerbstätigkeit
aufzunehmen bzw. sich bei der Arbeitslosenkasse anzumelden. Demnach sei auch die
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Anspruchsvoraussetzung der finanziellen Kausalität ohne weiteres gegeben. Die
Ablehnung einer Leistungspflicht durch die Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf die
elterliche Unterstützungspflicht sei unzutreffend. Schliesslich wäre von der
Beschwerdegegnerin zu prüfen gewesen, ob die Pflegetätigkeit der
Beschwerdeführerin nicht als eine Erwerbstätigkeit und somit als Beitragszeit zu
qualifizieren gewesen wäre, zumal bei Pflege von Angehörigen Anspruch auf AHV-
Gutschriften bestehe (act. G 1).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 14. Dezember 2007 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeabweisung. Die Begründung lautet im
Wesentlichen gleich wie diejenige des angefochtenen Einspracheentscheids (act. G 3).
C.c Replicando macht die Beschwerdeführerin am 2. April 2008 erneut geltend, sie
erfülle sämtliche Anspruchsvoraussetzungen auf Arbeitslosenentschädigung. Ferner
weist sie darauf hin, dass die IV-Stelle des Kantons St. Gallen eine seit Dezember 2004
bei ihrer Mutter bestehende erhebliche Hilflosigkeit und einen Anspruch auf
Hilflosenentschädigung anerkannt habe (act. G 9 und 9.1).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 11).
C.e Die Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts zog nach Abschluss des
Schriftenwechsels die RAV-Akten sowie die IV-Akten bei. Die Parteien haben auf eine
Einsichtnahme verzichtet.

Erwägungen:
1.
1.1 Die Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) sind ab dessen In-Kraft-Treten am
1. Januar 2003 auf die Arbeitslosenversicherung anwendbar, soweit das Bundesgesetz
über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung
(AVIG; SR 837.0) nicht ausdrücklich eine Abweichung vorsieht (Art. 1 Abs. 1 AVIG).
Über Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die
betroffene Person nicht einverstanden ist, hat der Versicherungsträger, allenfalls auf
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entsprechendes Begehren, schriftlich Verfügungen zu erlassen (Art. 49 Abs. 1 ATSG
sowie Art. 51 ATSG). Gegen Verfügungen kann innerhalb von 30 Tagen bei der
verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden; davon ausgenommen sind prozess-
und verfahrensleitende Verfügungen (Art. 52 Abs. 1 ATSG). Gegen
Einspracheentscheide oder Verfügungen, gegen welche eine Einsprache
ausgeschlossen ist, kann Beschwerde erhoben werden (Art. 56 Abs. 1 ATSG).
1.2 Das Einspracheverfahren ist zwingend. Davon kann lediglich in den vom Gesetz
selbst ausdrücklich normierten Fällen abgesehen werden. Der Einspracheentscheid,
nicht aber die Verfügung, bildet denn auch grundsätzlich den Anfechtungsgegenstand
des erstinstanzlichen Beschwerdeverfahrens (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 25. November 2004 i.S. M., H 53/04, E. 1.1.3 mit Hinweisen).
1.3 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin erhob am 3. Dezember 2007
Einsprache beim RAV Heerbrugg gegen die Verfügung vom 20. November 2007
betreffend den Abbruch des Berufspraktikums (act. G 1.7). In der Beschwerde vom
7. Dezember 2007 beantragte er beim Versicherungsgericht, die fristgerechte
Einsprache vom 3. Dezember 2007 sei als Beschwerde entgegenzunehmen und aus
prozessökonomischen Gründen mit vorliegendem Beschwerdeverfahren zu vereinigen
(act. G 1, S. 4). Das Versicherungsgericht forderte den Rechtsvertreter mit Schreiben
vom 19. Dezember 2007 auf, näher zu begründen, weshalb es nach seiner Auffassung
die zuständige Rechtsmittelinstanz gegen die Verfügungen des RAV Heerbrugg sein
soll (act. G 4). Dieser äusserte sich im weiteren Beschwerdeverfahren nicht zur
Zuständigkeitsfrage.
1.4 Das Einspracheverfahren hat, wie dargelegt, zwingend dem
versicherungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren voranzugehen. Vorliegend bestehen
keine Gründe, die eine Ausnahme von diesem Grundsatz gestatten. Mangels eines
Einspracheentscheides fehlt dem Versicherungsgericht die Sachurteilszuständigkeit.
Auf die Beschwerde gegen die Verfügung vom 20. November 2007 betreffend den
Abbruch des Berufspraktikums ist daher nicht einzutreten.
2.
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2.1 Streitig und zu beurteilen bleibt daher der Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Arbeitslosenentschädigung.
2.2 Nach Art. 13 Abs. 1 AVIG hat die Beitragszeit erfüllt, wer innerhalb der dafür
vorgesehenen Rahmenfrist (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Monaten
eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat. Von der Erfüllung der Beitragszeit
ist gemäss Art. 14 Abs. 1 AVIG u.a. befreit, wer innerhalb der Rahmenfrist während
insgesamt mehr als zwölf Monaten wegen Krankheit (lit. b) nicht in einem
Arbeitsverhältnis stand und deshalb die Beitragszeit nicht erfüllen konnte. Ebenfalls von
der Erfüllung der Beitragszeit sind Personen befreit, die u.a. wegen Invalidität oder Tod
des Ehegatten oder aus ähnlichen Gründen gezwungen sind, eine unselbstständige
Erwerbstätigkeit aufzunehmen oder zu erweitern, falls das betreffende Ereignis nicht
mehr als ein Jahr zurückliegt und die betroffene Person beim Eintritt dieses Ereignisses
ihren Wohnsitz in der Schweiz hatte (Art. 14 Abs. 2 AVIG). Mit dem Begriff der
"ähnlichen Gründe" beabsichtigte der Gesetzgeber namentlich denjenigen Fall zu
erfassen, wo eine ledige Tochter, die ihre betagten Eltern betreut hat, von diesen
unterhalten wurde und nach deren Ableben infolge ihrer wirtschaftlichen Lage zur
Aufnahme eines Verdienstes gezwungen ist (BBl 1980 III S. 565). Nach Art. 13
Abs. 1 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und
Insolvenzentschädigung (AVIV; SR 837.02) liegt ein ähnlicher Grund im Sinne von
Art. 14 Abs. 2 AVIG insbesondere vor, wenn Personen, die wegen Wegfalls der
Betreuung von Pflegebedürftigen gezwungen sind, eine unselbstständige
Erwerbstätigkeit aufzunehmen oder zu erweitern, falls: a) die pflegebedürftige Person
dauernd auf Hilfe angewiesen war, b) die betreuende und die pflegebedürftige Person
im gemeinsamen Haushalt gewohnt haben, und c) die Betreuung mehr als ein Jahr
gedauert hat.
2.3 Die Bestimmung von Art. 14 Abs. 2 AVIG ist in erster Linie für jene Fälle bestimmt,
in denen plötzlich die Person, welche die Ernährerfunktion in der Familie innehatte,
oder die Erwerbsquelle aus- oder weggefallen ist (Thomas Nussbaumer,
Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], 2007,
S. 2251 Rz 242). Es handelt sich bei dieser privilegierten Versichertengruppe um
Personen, die nicht eigentlich auf die Aufnahme, Wiederaufnahme oder Ausdehnung
der Erwerbstätigkeit vorbereitet sind und aus wirtschaftlicher Notwendigkeit in
bis
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verhältnismässig kurzer Zeit neu disponieren müssen (Nussbaumer, a.a.O., S. 2251
Rz 242). Ein Befreiungsgrund von der Erfüllung der Beitragszeit nach Art. 14 Abs. 2
AVIG ist gegeben, wenn ein Kausalzusammenhang zwischen dem geltend gemachten
Grund und der Notwendigkeit der Aufnahme oder Erweiterung einer unselbstständigen
Erwerbstätigkeit besteht. Dabei ist kein strikter Kausalitätsnachweis zu verlangen. Ein
solcher könnte kaum je erbracht werden, sind doch die in diesem Zusammenhang
bedeutsamen inneren Beweggründe einer Person für die Suche nach einer
Arbeitstätigkeit einer Beurteilung durch Drittpersonen weitgehend entzogen. Deshalb
ist der erforderliche Kausalzusammenhang nach der Rechtsprechung bereits zu
bejahen, wenn es glaubwürdig und nachvollziehbar erscheint, dass der Entschluss der
versicherten Person, eine unselbstständige Erwerbstätigkeit aufzunehmen, in dem als
Befreiungsgrund in Frage kommenden Ereignis mit begründet liegt (BGE 125 V 125
E. 2a; Urteil des EVG vom 29. August 2005 i.S. R., C 249/04, E. 1.2 mit Hinweisen).
Kein solcher Zusammenhang liegt vor, wenn die versicherte Person bereits vor Eintritt
des Grundes eine Erwerbstätigkeit aufnehmen wollte (BGE 125 V 125 E. 2a; BGE 121 V
344 E. 5c/cc; ARV 1987 Nr. 5 S. 70 E. 2d).
2.4 Vorliegend strittig ist die Frage, ob die Beschwerdeführerin die Voraussetzungen
des Befreiungsgrundes im Sinne von Art. 14 Abs. 2 AVIG i.V.m. Art. 13 Abs. 1 IVV
erfüllt. Unbestritten sind die Voraussetzungen von Art. 13 Abs. 1 lit. b und c IVV
gegeben. Aufgrund der beigezogenen IV-Akten kann ferner davon ausgegangen
werden, dass die Mutter der Beschwerdeführerin in der fraglichen Zeit bis Dezember
2006 im Sinne von Art. 13 Abs. 1 lit. a IVV auf Hilfe angewiesen war. So hat die IV-
Stelle des Kantons St. Gallen der Mutter der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
15. Januar 2008 in der Zeit vom 1. Juli 2006 (verspätete Anmeldung) bis 31. März 2007
eine Hilflosenentschädigung schweren Grades zugesprochen. Im IV-Verfahren
anerkannt ist auch, dass im Dezember 2006 sich der Gesundheitszustand der Mutter
der Beschwerdeführerin erheblich gebessert hat, so dass ab 1. April 2007 nur noch
eine Hilflosenentschädigung leichten Grades zugesprochen wurde. Fraglich ist
dagegen, ob ein Kausalzusammenhang zwischen dem Wegfall eines (erheblichen)
Pflegebedarfs bei der Mutter und der Notwendigkeit einer Erwerbsaufnahme bei der
Beschwerdeführerin zu bejahen ist.
bis
bis
bis
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2.5 Von den Parteien ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin über kein
nennenswertes Vermögen und Einkünfte verfügt. Aus den Akten ergibt sich auch nichts
Derartiges. Auch die übrige Familie befand sich offenbar in angespannten finanziellen
Verhältnissen. Die Beschwerdeführerin übernahm unbestrittenermassen gerade
deshalb die Pflege ihrer Mutter, weil für den Bezug von berufsmässig erbrachten
Pflegeleistungen kein Geld vorhanden war (act. G 1, S. 7). Hätte die
Beschwerdeführerin nicht die Pflege ihrer Mutter übernommen, wäre sie nach
Erreichen des Mündigkeitsalters im Jahr 2005 verpflichtet gewesen, das Zumutbare zu
ihrem eigenen Unterhalt beizutragen, selbst wenn eine Unterhaltspflicht der Eltern über
die Mündigkeit hinaus wegen fehlender Ausbildung zu bejahen gewesen wäre (vgl. Art.
277 Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB; SR 210]). Insbesondere hätte
sie sich ein allfälliges Einkommen aus einer Arbeitstätigkeit oder allfällige Leistungen
der Arbeitslosenversicherung – auf welche die Beschwerdeführerin aufgrund der
übernommenen Pflege ihrer Mutter verzichtete – bei der Bestimmung des Umfanges
der Unterhaltspflicht anrechnen lassen müssen (vgl. BSK ZGB I-Breitschmid, N 15 f. zu
Art. 277). Dies hätte mindestens zu einer Kürzung der Unterhaltsleistungen der Eltern
führen müssen. Da die Beschwerdeführerin jedoch Pflegeleistungen erbrachte, wurde
ihr Unterhalt trotz Erreichen des Mündigkeitsalters unverändert durch die Eltern
bestritten. Infolge der gesundheitlichen Verbesserung bei der Mutter und des damit
verbundenen Wegfalls der umfassenden Pflege durch die Beschwerdeführerin, sind die
Eltern nicht mehr verpflichtet, ihre Tochter im vollen Umfang zu unterhalten. Um die
dadurch entstehende finanzielle Lücke aufzufüllen, ist die Beschwerdeführerin kurz-
und mittelfristig auf eine entgeltliche Erwerbstätigkeit angewiesen. Vor diesem
Hintergrund erscheint es nachvollziehbar und glaubwürdig, dass der Entschluss der
Beschwerdeführerin, eine unselbstständige Erwerbstätigkeit aufzunehmen, im Wegfall
der umfassenden Pflegebedürftigkeit der Mutter zumindest mitbegründet liegt. Die
Kausalität zwischen Wegfalls der Betreuung der Mutter und der Notwendigkeit eine
Erwerbstätigkeit aufzunehmen, ist daher zu bejahen.
2.6 Aufgrund des Gesagten liegt ein Befreiungsgrund im Sinne von Art. 14 Abs. 2
AVIG vor. Deshalb hat die Beschwerdeführerin ab 13. Dezember 2006 Anspruch auf
Leistungen der Arbeitslosenversicherung, sofern auch die übrigen
Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind, was die Beschwerdegegnerin noch zu prüfen
haben wird. Dieses Ergebnis entspricht auch dem Sinn der Befreiungsgründe, der darin
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liegt, dass gewisse Personengruppen ohne vorgängige Beitragszeit gedeckt werden
sollen, wenn sie vor Eintritt der Arbeitslosigkeit an der Ausübung einer Arbeitstätigkeit
verhindert waren (BBl 1980 III 564). Im Übrigen würde sich bei Verneinung des
Kausalzusammenhanges die Frage stellen, ob die durch die Beschwerdeführerin
gegenüber ihrer Mutter erbrachte Pflege als unselbstständige Erwerbstätigkeit zu
qualifizieren gewesen wäre (vgl. zur Qualifikation einer über die
Verwandtenunterstützungspflicht hinausgehenden Pflege eines betagten Elternteils als
unselbstständige Erwerbstätigkeit AHI-Praxis 3/1998 S. 153 ff.).
3.
3.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist daher die Beschwerde, soweit auf sie
einzutreten ist, gutzuheissen, der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und
die Sache zur weiteren Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen und Festsetzung der
Arbeitslosenentschädigung ab Antragstellung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
3.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Hingegen hat die
Beschwerdeführerin bei diesem Ausgang des Verfahrens Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den
Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
macht in der Honorarnote vom 21. Mai 2008 einen Zeitaufwand von 20 Stunden bei
einem Stundensatz von Fr. 250.--, zuzüglich Barauslagen und Mehrwertsteuer, total
Fr. 5'595.20 geltend. Er begründet den "überdurchschnittlichen Zeitaufwand" damit,
dass die von der Arbeitslosenkasse bestrittene Pflegebedürftigkeit über den Umweg
eines vollständigen IV-Verfahrens zur Erlangung einer Hilflosenentschädigung für die
Mutter der Beschwerdeführerin habe nachgewiesen werden müssen (act. G 13). Bei
der Bemessung der vorliegend zu beurteilenden Parteientschädigung sind jedoch
lediglich Bemühungen im Zusammenhang mit diesem Verfahren zu entschädigen.
Aufwand im IV-Verfahren ist hier nicht zu berücksichtigen bzw. wäre im IV-Verfahren
geltend zu machen gewesen. Angesichts dessen, dass die eingereichte Honorarnote in
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einem erheblichen Umfang Aufwand betreffend das IV-Verfahren beinhaltet, erscheint
sie unangemessen. In Anbetracht des aufgrund der Akten abzuschätzenden
Aufwandes und in Relation zu den in vergleichbaren Fällen zugesprochenen
Entschädigungen ist ein Betrag von Fr. 3'000.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen zu bezeichnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht