Decision ID: 151ab260-4f3e-4343-9558-887ea8c47799
Year: 2005
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Schulgemeinde Mels lud im Rahmen des Bauvorhabens Sanierung Schulhaus
Dorf verschiedene Unternehmungen ein, für die äusseren und inneren Malerarbeiten bis
9. Mai 2005 ein Angebot einzureichen. Innert dieser Frist gingen drei Offerten mit
Angeboten von Fr. 146'866.40 (ARGE Schulhaus Dorf Mels), Fr. 150'358.85 (Toni
Rankwiler) und Fr. 183'765.30 (ARGE Brunner, Aggeler, Hilty und Bizozzero) ein. In der
Folge führte die mit der Submission beauftragte Architekturunternehmung Daniel
Ackermann AG eine Abgebotsrunde durch. Danach betrug das Angebot der ARGE
Brunner, Aggeler, Hilty, Bizozzero Fr. 142'802.40, jenes der ARGE Schulhaus Dorf Mels
Fr. 143'568.40 und jenes von Toni Rankwiler Fr. 154'840.60.
Am 14. September 2005 beschloss der Schulrat Mels, den Auftrag für die inneren und
äusseren Malerarbeiten zum Preis von Fr. 142'802.40 der ARGE Brunner, Aggeler,
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Hilty, Bizozzero zu vergeben. Mit Schreiben der Daniel Ackermann AG vom 26.
September 2005 wurden die Anbieter über die Arbeitsvergabe in Kenntnis gesetzt.
B./ Mit Schreiben vom 28. September 2005 wandte sich die ARGE Schulhaus Dorf
Mels an die Schulgemeinde Mels und erhob Einsprache gegen die Vergabe der
Malerarbeiten. Die Schulgemeinde Mels übermittelte die Einsprache umgehend dem
Verwaltungsgericht als zuständiger Beschwerdeinstanz. In der Folge beharrte die
ARGE Schulhaus Dorf Mels darauf, dass die an die Schulgemeinde gerichtete
Einsprache als Beschwerde zu behandeln sei.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 21. Oktober 2005 die
Abweisung der Beschwerde.
Die Beschwerdegegnerin nahm mit Eingabe vom 1. November 2005 zur Beschwerde
Stellung, ohne einen förmlichen Antrag zu stellen.
Auf die einzelnen von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird,

soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Am 9. November 2005 erteilte der Präsident des Verwaltungsgerichts der Beschwerde
von Amtes wegen die aufschiebende Wirkung.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 5 Abs. 2 des
Einführungsgesetzes zur Gesetzgebung über das öffentliche Beschaffungswesen, sGS
841.1, abgekürzt EGöB). Die Schulgemeinde Mels ist nach Art. 1 Abs. 2 lit. b des
Gemeindegesetzes (sGS 151.2) eine Gemeinde im Sinn von Art. 2 Abs. 1 lit. b EGöB.
Sie unterliegt damit den Vorschriften über das öffentliche Beschaffungswesen. Die
Beschwerdeführerin ist als nicht berücksichtigte Anbieterin zur Beschwerde legitimiert
(Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die Beschwerdeeingabe vom
29. September 2005 (Postaufgabe) wurde rechtzeitig innerhalb der gesetzlichen Frist
von zehn Tagen seit der Mitteilung über die Auftragsvergabe eingereicht (Art. 15 Abs. 3
der Interkantonalen Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen, sGS
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841.32, abgekürzt IVöB). Die Beschwerde muss einen Antrag, eine Darstellung des
Sachverhalts und eine Begründung enthalten (Art. 15 Abs. 3 IVöB; Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeführerin hat keinen förmlichen
Antrag gestellt, sondern sinngemäss die Aufteilung des Auftrages auf die
Verfahrensbeteiligten beantragt. Sie rügt das Angebot der Beschwerdegegnerin,
welche im Rahmen der Abgebotsrunde einen Rabatt von rund 30 Prozent bzw. rund Fr.
40'000.-- offerierte, und macht geltend, ohne Detailwissen der Abgebote der
Konkurrenzunternehmungen wäre eine derart präzise Unterbietung von lediglich 0,54
Prozent resp. rund Fr. 750.-- nicht möglich gewesen. Da die Mitteilung der
Architekturunternehmung über die Arbeitsvergabe keine auf die ausgeschriebenen
Zuschlagskriterien bezogene Begründung enthielt, kann die Beschwerde formal und
inhaltlich als den gesetzlichen Anforderungen genügend betrachtet werden. Auf die
Beschwerde ist daher einzutreten.
2./ a) Nach Art. 16 Abs. 1 IVöB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen,
einschliesslich Ueberschreitung oder Missbrauch des Ermessens, sowie unrichtige
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden.
Dagegen kann Unangemessenheit nicht gerügt werden (Art. 16 Abs. 2 IVöB). Diese
Vorschriften entsprechen den allgemeinen Grundsätzen des st. gallischen
Verfahrensrechts (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP). Im Beschwerdeverfahren gegen
Beschaffungsverfügungen kann somit nur geprüft werden, ob die Vorinstanz ihr
Ermessen überschritten oder missbraucht hat und damit rechtswidrig handelte (vgl.
statt vieler GVP 1999 Nr. 37 mit Hinweisen).
b) Art. 35 der Verordnung über das öffentliche Beschaffungswesen (sGS 841.11,
abgekürzt VöB) bestimmt, dass der Auftraggeber den Anbietern den Zuschlag durch
Verfügung zu eröffnen hat.
Das Verwaltungsgericht hat die Mitteilung einer Arbeitsvergabe durch die mit der
Offertprüfung beauftragte Unternehmung wiederholt als nichtig qualifiziert (vgl. GVP
2003 Nr. 38; VerwGE B 2004/181 vom 22. März 2005 i.S. Ortsgemeinde S.; publiziert
in: www.gerichte.sg.ch/Dienstlei- stungen/Rechtsprechung/Verwaltungsgericht). Es
erwog, nach Lehre und Rechtsprechung sei die Verfügung ein individueller, an den
Einzelnen gerichteter Hoheitsakt, durch den eine konkrete verwaltungsrechtliche
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Rechtsbeziehung rechtsgestaltend oder feststellend in verbindlicher und erzwingbarer
Weise geregelt werde (vgl. statt vieler Häfelin/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4.
Aufl., Zürich 2002, Rz. 854 mit Hinweisen).
Im vorliegenden Fall wurde die Arbeitsvergabe den Anbietern von der Daniel
Ackermann AG, der von der Vorinstanz beauftragten Unternehmung, mitgeteilt. Das
Schreiben ist auf deren Briefpapier verfasst und von den Organen der Schulgemeinde
nicht unterzeichnet. Darin wird ausgeführt, im Namen der Bauherrschaft werde
mitgeteilt, dass die streitigen Arbeiten der ARGE Brunner, Aggeler, Hilty, Bizozzero
vergeben worden seien. Der Preis des Angebots ist nicht vermerkt. Kennzeichnendes
Merkmal einer Verfügung ist aber, dass sie als behördlicher Akt klar erkennbar ist.
Sowohl eine öffentlich-rechtliche Körperschaft als auch ein Privater haben den
Zuschlag in Form einer Verfügung im Sinn von Art. 35 VöB zu eröffnen. Entscheidend
ist nicht, dass das zuständige Organ der Schulgemeinde Mels einen entsprechenden
Beschluss gefasst hat. Ein solcher Beschluss bleibt bis zur förmlichen Mitteilung an die
Betroffenen nicht wirksam. Erst mit der Mitteilung bzw. Eröffnung der Verfügung erhält
diese rechtliche Wirkung. Aufgrund der Praxis des Verwaltungsgerichts ist daher der
Zuschlag als nichtig zu qualifizieren.
c) In aller Regel lässt es das Gericht bei einer Feststellung der Nichtigkeit bewenden.
Im vorliegenden Fall sind aufgrund der zahlreichen Mängel des Verfahrens folgende
Ausführungen angezeigt:
Die Zuschlagsverfügung ist gemäss Art. 41 Abs. 1 VöB kurz zu begründen. Die
Begründung hat nach Art. 41 Abs. 3 VöB insbesondere den Preis des berücksichtigten
Angebots oder die tiefsten und höchsten Preise der in das Vergabeverfahren
einbezogenen Angebote zu enthalten. Das Verwaltungsgericht hat die Anforderungen
an die Begründung einer Zuschlagsverfügung wiederholt umschrieben und diese
Rechtsprechung veröffentlicht (GVP 2000 Nr. 24). Sodann ist eine Verfügung mit einer