Decision ID: dc106a48-1646-58fd-a45a-9de53e7268d6
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
ist
Gesellschafter und Geschäftsführer der
Y
._
GmbH,
welche die Durchführung von Messen, Events und anderen Veranstal
tungen sowie Dienstleistungen und Montagen für temporäre und feste Bauten bezweckt
(
Urk. 6/134/1,
vgl.
auch
www.zefix.ch)
. Am
8.
Juli 2020 (Eingangs
da
tum)
meldete sich der Versicherte
bei der
Sozialversiche
rungsanstalt des
Kan
tons Zürich, Ausgleichskasse, zum Bezug einer Erwerbsausfallentschädigung (Veran
staltungsbranche) gestützt auf die Verordnung über
Massnahmen
bei Erwerbs
ausfall im Zusammenhang mit dem
Coronavirus
(Covid-19-Verordnung Erwerbs
aus
fall) an (Urk. 6/133). Mit Verfügung vom
5.
August 2020 verneinte die Aus
gleichskasse einen Anspruch auf eine Corona-Erwerbsausfallentschädigung (
Urk.
6/136).
Die
dagegen vom Versicherten am 11.
September 2020 erhobene Einsprache (
Urk.
6/148) wies die Ausgleichskasse mit Entscheid vom 2
6.
Oktober 2020 (
Urk.
2) ab.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
2
4.
November
2020 Beschwerde
und be
an
tragte
sinngemäss
, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und ein An
spruch auf Corona-Erwerbsausfallentschädigung zu bejahen (
Urk.
1). Die Be
schwer
degegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 2
0.
Januar 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was dem Beschwerdeführer am 2
7.
Januar 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 185 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV) kann der Bundesrat Verord
nungen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar drohen
de
n schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusse
ren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen (und zwar auf maximal sechs Monate; vgl. Art. 7d Abs. 2
lit
. a des Regierungs- und Ver
wal
tungsorganisationsgesetzes, RVOG).
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat - nebst anderen Verordnungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, die sich teilweise auch auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (
Epidemiengesetz
,
EpG
) stützen - am 20. März 2020 die Covid-19-
Verordnung Erwerbsausfall. Die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall wurde rück
wirkend per 17. März 2020 in Kraft gesetzt und der Geltungszeitraum bis zum 16. September 2020 befristet (Art. 11 Abs. 2). Seit Inkrafttreten hat die Ver
ordnung mehrfach eine Änderung erfahren (namentlich am 23. April, 6. Juli, 17. Septem
ber, 8. Oktober und 4. November 2020) und gilt nunmehr bis zum 30. Juni 2021 (Art. 11 Abs. 5). Mit dem Covid-19-Gesetz vom 25. September 2020 wurde rückwirkend per 17. September 2020 eine gesetzliche Grundlage für die Covid-19-Verordnung geschaffen (Art. 15 in Verbindung mit Art. 21 Abs. 3 Covid-19-Gesetz).
1.2
1.2.1
Nach dem vom 1
7.
März
bis
zum
16. September 2020 gültig gewesenen Art. 2 Abs. 3
bis
der
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von Art. 12
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (
ATSG
)
anspruchsberechtigt, wenn sie aufgrund der
bundes
rätlichen
Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
, obwohl sie nicht zur Schliessung des Betriebs verpflichtet oder direkt vom Veranstaltungsverbot betroffen waren, einen Er
werbsausfall er
leiden und ihr für die Bemessung der Bei
träge der AHV mass
ge
bendes Ein
kommen für das Jahr 2019 zwischen Fr. 10‘
000.-- und Fr. 90‘000.-- liegt.
1.2
.2
Anspruchsberechtigt sind P
ersonen nach Artikel 31 Absatz 3 Buchstaben b und c
des
Arbeitslosenversicherungsgesetzes
(AVIG),
die im Veranstaltungsbereich tätig sind, sofern sie die Einkommensvoraussetzungen gemäss Absatz 3
bis
erfüllen und in der AH
V obligatorisch versichert sind (
Art.
2
Abs.
3
ter
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
; in der vom
6.
Juli bis zum 1
6.
September 2020 gültig gewesenen Fassung
).
1.2
.3
Gemäss Kreisschreiben über die Entschädigung bei Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
- Corona-Erwerbsersatz (KS CE
,
Stand:
3.
Juli 2020,
Rz
. 1011.1) haben Personen
in arbeitgeb
erähnlicher Stellung
der An
meldung zum Bezug von Corona-Erwerbsausfallentschädigung den
Lohnausweis
für das Jahr 2019 sowie ein
en
de
taillierten
Auszug aus
dem H
andelsregister beizulegen.
1.3
Nach dem
(rückwirkend)
seit dem 1
7.
September 2020 gültigen
Art.
2
Abs.
3
bis
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (eingefügt mit der Änderung vom 4. November 2020)
sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von Art. 12 ATSG
und
Personen nach Artikel 31 Absatz 3 Buchstaben b und c AVIG
,
die
nicht zur Schliessung des Betriebs verpflichtet oder direkt vom Veranstaltungsverbot betroffen waren
,
anspruchsberechtigt
wenn:
a.
ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie massgeblich eingeschränkt ist;
b.
sie einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden; und
c.
sie im Jahre 2019 für diese Tätigkeit ein AHV-pflichtiges Erwerbsein
kommen von mindestens
Fr.
10
'000.-- erzielt haben.
Nach Art. 2 Abs.
3
ter
Satz 1
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
(
in der vom
17.
September
bis 18. Dezember
2020
gültigen Fassung
)
gilt d
ie
Erwerbstätig
keit als massgeb
lich eingeschränkt, wenn pro Monat eine Umsatzeinbusse von min
des
tens 55 % im Vergleich zum durchschnittlichen monatlichen Umsatz der Jahre 2015-2019 vorliegt.
Mit der
Änderung der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
vom 18. Dezember 2020
wurde die erforderliche Mindestumsatzeinbusse von 55 % auf 40 % reduziert
(Art. 2 Abs.
3
ter
Satz 1 Covid-19-Verordnung Erwerbs
ausfall in der ab 19. Dezember 2020 gültigen Fassung)
.
1.4
D
as Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid damit, dass Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung, die in der Veranstaltungsbranche tätig seien, Anspruch auf Corona-Erwerbsausfallentschädigung hätten, wenn ihr Ein
kommen im Jahr 2019 zwischen
Fr.
10'000.-- und
Fr.
90'000.-- gelegen habe.
Gemäss
Lohnausweis habe der Beschwerdeführer
, der bei der
Y
._
GmbH eine arbeitgeberähnliche Stellung innehabe,
im Jahr 2019
jedoch
einen Lohn von mehr als
Fr.
90'000.-- erzielt (
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, dass die Beschwerde
geg
nerin im angefochtenen Entscheid
nicht
auf seine Einwände
bzw.
s
eine persön
liche Lage
eingegangen sei.
Zudem sei zu beachten, dass der
Bundesrat das Ein
kommenslimit von
Fr.
90'000.-- per Mitte September 2020
aufgehoben habe
(
Urk.
1).
3.
3.1
Dem
mit der Anmeldung zum Bezug einer Corona-Erwerbsausfallentschädigung eingereichten
Lohnausweis der
Y
._
Gm
bH vom 2
1.
Januar
2020 (Urk.
6/134/2
)
ist zu entnehmen, dass
der Beschwerdeführer
im Jahr 2019 einen Bruttolohn von
Fr.
131'238.--
erzielte. Hiervon waren
Fr.
29'359.-- Taggelder
.
Da dieses Einkommen über dem Grenzwert von Fr. 90'000.-- liegt, ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin einen Härtefall im Sinne von Art. 2
Abs.
3
bis
in Verbindung mit
Abs. 3
ter
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
(gültig vom
1
7.
März bis zum 1
6.
September 2020)
verneint
e.
Die
se
Härte
fall
r
egelung mit
einer
Einkommensobergrenze von
Fr. 90'000
.
--
war
dabei
ver
fassungskonform
(vgl.
dazu Urteil des Sozialversicherungsgerichts EE.2020.00046
vom 1
4.
Januar 2021 E. 3.3).
Die Begründung der Beschwerdegegnerin im a
ngefochtenen Entscheid ist sodann
zwar kurz ausgefallen. Die
wesentlichen
Überlegungen, auf welche sich der Ent
scheid stützt, h
at sie
indes genannt
(
vgl.
dazu
Kieser
, ATSG-Kommentar, 4
.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2020
,
N 64
zu
Art.
52
)
. Eine Verletzung des recht
lichen Gehörs des Beschwerdeführers ist daher zu verneinen.
3.2
Im Weiteren wies der Beschwerdeführer jedoch zu Recht darauf hin,
dass die Einkommens
ober
gr
enze von
Fr.
90'000.-- für den
Bezug einer
Corona-Erwerb
s
aus
fallentschädigung
(Härtefallregelung)
mit der Änderung der Covid-19-Ver
ordnung Erwerbsausfall vom
4.
November 2020, rückwirkend in Kraft seit dem 1
7.
September 2020, wegfiel. Im angefochtenen
Eins
pracheentscheid
vom 2
6.
Oktober 2020 (
Urk.
2)
konnte die Beschwerdegegnerin diese
Bestimmung naturg
emäss noch nicht berücksichtig
en bzw. den
Anspruch unter diesen (neuen) Voraussetzungen
prüfen
.
Ein Anspruch auf Erwerbsausfallentschädigung ge
stützt auf die rückwirkend per 17. September 2020 in Kraft gesetzte Härte
fall
regelung
, die auch
bei
im Veranstaltungsbereich tätige
n
Personen in arbeit
geber
ähnlicher Stellung
anwendbar ist,
kann vorliegend nicht ausgeschlossen werden.
Die
Anspruchsvoraussetzungen
sind
jedoch
nicht liquide.
4.
Der
angefochtene Entscheid ist demnach
insoweit aufzuheben, als damit ein
Anspruch auf eine
Erwerbsausfallent
schädi
gung ab dem 17. Septem
ber 2020 verneint wurde. Die
Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit
sie
das Leistun
gsgesuch im Sinne der E. 3.2 prüfe und über einen Anspruch auf
Erwerbs
aus
fallentschädigung ab
dem
17. September 2020 neu entscheide. Im Übrigen
ist die Be
schwerde abzuweisen.
In diesem Sinne ist
die Beschwerde teilweise gutzuheissen.