Decision ID: e6500b94-be48-5b7b-9187-9080f1f134c1
Year: 2016
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Schweizer Bürgerin A._ wurde am (...) 2007 in der Schweiz
geboren (Vorakten 2/1-2). Sie ist seit Geburt bei ihren Eltern in Deutschland
wohnhaft. Ihre Mutter B._, Schweizer Staatsangehörige, arbeitet
als Grenzgängerin bei der D._ in der Schweiz und entrichtet obliga-
torische Beiträge an die Schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Inva-
lidenversicherung (AHV; Vorakten 39). Ihr Vater C._ besitzt die
deutsche Staatsangehörigkeit (Vorakten 2/3). Mit Formular vom 28. März
2008 (Vorakten 1) reichten die Eltern von A._ bei der Invalidenver-
sicherungs-Stelle für Versicherte im Ausland (nachfolgend: IVSTA) eine
Anmeldung zum Bezug von Leistungen der schweizerischen Invalidenver-
sicherung (IV) für Versicherte vor dem 20. Altersjahr ein (Eingang: 3. April
2008). Als Behinderung gaben sie das Geburtsgebrechen Mosaik-Trisomie
9, Ziff. 395 an (Vorakten 1/3).
B.
Nach Durchführung der massgeblichen medizinischen Abklärungen in der
Augen- und Kinderklinik des Kantonsspitals Z._ (Vorakten 7 f.) und
gestützt auf die Stellungnahme des IV-Stellenarztes Dr. med. E._,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 17. Mai 2008 (Vorakten 12)
gewährte die IVSTA A._ mit Verfügung vom 20. Mai 2008 (Vorakten
14) für die Dauer vom 13. November 2007 bis längstens zum vollendeten
zweiten Altersjahr ([...] 2009) die notwendigen medizinischen Massnah-
men gemäss Art. 13 IVG (SR 831.20) zur Behandlung des Geburtsgebre-
chens Ziff. 395 inklusive der ärztlich verordneten Physiotherapie. Mit
Schreiben vom 25. August 2009 (Vorakten 20) erteilte die IVSTA ausser-
dem die Kostengutsprache für ein Kunststoffkorsett gemäss Kostenvoran-
schlag der Firma F._ AG vom 9. Juni 2009 im Betrag von
Fr. 3'234.45.
C.
C.a Mit Schreiben vom 26. Januar 2010 (Vorakten 21) gab die IVSTA den
Eltern von A._ unter Bezugnahme auf die Rechnung der Firma
F._ AG vom 6. Januar 2010 bekannt, im Rahmen der Prüfung des
Verlängerungsgesuchs hinsichtlich einer allfälligen Weitergewährung von
IV-Leistungen bzw. medizinischen Massnahmen nach dem (...) 2009 wür-
den weitere Abklärungen durchgeführt. In der Folge nahm die IVSTA ver-
schiedene Unterlagen zu den Akten (vgl. Vorakten 22-42).
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C.b Mit Vorbescheid vom 31. August 2010 (Vorakten 43) teilte die IVSTA
den Eltern von A._ mit, dass das Gesuch um Kostengutsprache für
medizinische Massnahmen zur Behandlung der Mosaik-Trisomie 9 abge-
lehnt werden müsse. Zur Begründung führte die IVSTA aus, für das Ge-
burtsgebrechen Ziff. 395 sei zufolge des Alters von A._ keine Kos-
tengutsprache möglich und die Voraussetzungen des Geburtsgebrechens
Ziff. 390 seien nicht erfüllt. Eine Kostenübernahme von medizinischen
Massnahmen gemäss Art. 12 IVG sei sodann nicht möglich, weil die versi-
cherungsmässigen Voraussetzungen nicht gegeben seien.
C.c Gegen diesen Vorbescheid erhob die Mutter von A._ mit
Schreiben vom 26. September 2010 (Vorakten 44) bei der IVSTA Ein-
wände. Sie machte insbesondere geltend, die Ungleichbehandlung eines
Schweizer Kindes einer Schweizerin, die als Grenzgängerin mit Wohnsitz
in Deutschland in der Schweiz arbeite und IV-Beiträge entrichte, stelle eine
Diskriminierung dar und verstosse gegen das Gleichbehandlungsgebot
des Freizügigkeitsabkommens. Art. 9 Abs. 2 IVG dürfe hier daher nicht an-
gewendet werden. Es sei folglich der Anspruch auf Kostenübernahme der
medizinischen Massnahmen gemäss Art. 12 IVG anzuerkennen.
C.d Mit Verfügung vom 2. November 2010 (Vorakten 47) wies die IVSTA
das Gesuch um Kostengutsprache für medizinische Massnahmen zur Be-
handlung der Mosaik-Trisomie 9 ab. Sie hielt an den im Vorbescheid ge-
machten Ausführungen fest, indem sie eine Kostengutsprache für das Ge-
burtsgebrechen Ziff. 395 (leichte cerebrale Bewegungsstörung) zufolge
Überschreitung des vollendeten zweiten Altersjahres verneinte und die von
Amtes geprüften Voraussetzungen des Geburtsgebrechens Ziff. 390 (an-
geborene cerebrale Bewegungsstörung mit spastischer, dyskinetischer o-
der ataktischer Lähmung) aufgrund der medizinischen Unterlagen als nicht
erfüllt betrachtete. Eine Kostenübernahme gemäss Art. 12 IVG lehnte die
IVSTA schliesslich mit der Begründung ab, die entsprechenden versiche-
rungsmässigen Voraussetzungen seien nicht gegeben, weil Minderjährige,
deren Eltern in der Schweiz als Grenzgänger tätig seien, nicht mehr versi-
chert im Sinne von Art. 9 Abs. 2 IVG, in Kraft seit dem 1. Januar 2008,
seien. Vorliegend sei die Diagnose der Mosaik-Trisomie 9 erst im Februar
2008 gestellt worden, weshalb der Anspruch nicht vorher habe entstehen
können.
C.e Am 23. November 2010 ging bei der IVSTA sodann der Kostenvoran-
schlag der Firma F._ AG für Spezial-Halbschuhe für Orthesen vom
27. Oktober 2010 im Betrag von Fr. 493.- ein (Vorakten 48).
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C.f Mit Vorbescheid vom 7. Dezember 2010 (Vorakten 50) teilte die IVSTA
der Mutter von A._ unter Hinweis auf Art. 9 Abs. 2 IVG mit, dass das
Leistungsgesuch um Kostengutsprache für Hilfsmittel (Spezial-Halbschuhe
für Orthesen) abgewiesen werden müsse.
D.
D.a Gegen die Verfügung der IVSTA vom 2. November 2010 erhoben die
Eltern von A._ als deren gesetzliche Vertreter mit Eingabe vom
14. Dezember 2010 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde (C-
8580/2010, BVGer-act. 1). Sie stellten den Antrag um Aufhebung der an-
gefochtenen Verfügung und – allenfalls nach weiteren Abklärungen – um
Gewährung der ihr gesetzlich zustehenden Leistungen, insbesondere um
Kostenübernahme für medizinische Massnahmen, Hilfsmittel und weitere
Leistungen. Zur Begründung wurden im Wesentlichen die im Verwaltungs-
verfahren vorgebrachten Argumente wiederholt. Ausserdem wurde in der
Beschwerde geltend gemacht, die Leistungsansprüche seien im Zeitpunkt
der Geburt entstanden, weshalb auf die damals gültige Gesetzeslage und
Rechtsprechung abzustellen sei, wonach Grenzgängerkinder versichert
seien.
D.b Die IVSTA beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 12. April 2011 die
Abweisung der Beschwerde und Bestätigung der angefochtenen Verfü-
gung (C-8580/2010, BVGer-act. 5). Sie erneuerte ihre im Vorverfahren ge-
machten Ausführungen und verwies dabei insbesondere auf das Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts C-5284/2008 vom 3. Dezember 2010, welches
an das Bundesgericht weitergezogen worden sei. Eventualiter stellte die
IVSTA einen Sistierungsantrag, dem sich die Eltern von A._ nicht
widersetzten (C-8580/2010, BVGer-act. 7).
D.c Mit Verfügung vom 8. Juni 2011 sistierte die Instruktionsrichterin das
Verfahren C-8580/2010. Nach Vorliegen des Urteils des Bundesgerichts
9C_1026/2010 vom 23. Dezember 2011 hob die Instruktionsrichterin mit
Verfügung vom 31. August 2012 die Sistierung wieder auf und schloss nach
Eingang der Stellungnahme seitens der Eltern von A._ den Schrif-
tenwechsel (C-8580/2010, BVGer-act. 8, 10, 12-13).
D.d Mit rechtskräftigem Urteil vom 15. November 2012 (C-8580/2010,
BVGer-act. 15) hiess das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde teil-
weise gut und hob die angefochtene Verfügung vom 2. November 2010 auf
(Ziff. 1 des Dispositivs). Es wies die Sache sodann zur weiteren Abklärung
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des Sachverhalts im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer neuen
Verfügung an die Vorinstanz zurück (Ziff. 2 des Dispositivs). In E. 7 seines
Urteils legte das Bundesverwaltungsgericht – unter Hinweis auf das er-
wähnte Urteil des Bundesgerichts 9C_1026/2010 – dar, welche ergänzen-
den Sachverhaltsabklärungen vorzunehmen sind in Bezug auf das ge-
sundheitliche Leiden, die medizinischen Behandlungen, den Versiche-
rungsstatus, die Erwerbstätigkeit des Vaters sowie allfällige Ansprüche
bzw. Leistungen in Deutschland, um beurteilen zu können, ob die Be-
schwerdeführerin direkt aufgrund der gerügten Verletzung des Diskriminie-
rungsverbots sowie anderer Koordinationsbestimmungen des Freizügig-
keitsabkommens bzw. seiner Ausführungsbestimmungen Ansprüche auf
Leistungen der schweizerischen IV geltend machen kann.
E.
E.a Unter Bezugnahme auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom
15. November 2012 ersuchte die IVSTA die Eltern von A._ mit
Schreiben vom 12. Februar 2013 (Vorakten 61) um Zustellung von Unter-
lagen bzw. Angaben hinsichtlich des Krankenversicherungsstatus von
A._ und ihrer Mutter ab dem Jahre 2007, der Erwerbstätigkeit von
C._ im Jahre 2007 sowie einer allfälligen Gesuchseinreichung bei
der deutschen IV. Ausserdem forderte die IVSTA bei der Deutschen Ren-
tenversicherung eine Bescheinigung des Versicherungsverlaufs von
C._ ein (Vorakten 65). In der Folge gingen bei der IVSTA die ange-
forderten Informationen bzw. Dokumente ein, welche zu den Akten genom-
men wurden (Vorakten 62-67).
E.b Mit Verfügung vom 26. September 2013 (Vorakten 70/6-9) teilte die
IVSTA der Mutter von A._ betreffend den Kostenvoranschlag der
Firma F._ AG vom 27. Oktober 2010 mit, dass für Hilfsmittel (Spe-
zial-Halbschuhe für Orthesen) keine Kostengutsprache erteilt werde, weil
die versicherungsmässigen Voraussetzungen im Sinne von Art. 9 Abs. 2
IVG nicht erfüllt seien. Die IVSTA wies in ihrer Verfügung auf eine allfällige
Übernahme der beantragten Leistung durch die schweizerische Kranken-
versicherung hin.
E.c Mit Vorbescheid vom 26. September 2013 (Vorakten 68) teilte die IV-
STA der Mutter von A._ mit, dass auch das Leistungsbegehren be-
treffend die Rechnung der Firma F._ AG vom 6. Januar 2010 abge-
wiesen werden müsse. Wie in der gleichentags erlassenen Verfügung (vgl.
Sachverhalt E.b) führte die IVSTA unter Hinweis auf Art. 9 Abs. 2 IVG aus,
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dass A._ als in Deutschland wohnhaftes Kind einer Grenzgängerin,
welche in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit ausübe, bei der schweizeri-
schen IV nicht versichert sei und daher die versicherungsmässigen Voraus-
setzungen nicht erfüllt seien. Hingegen sei A._ in der Schweiz kran-
kenversichert, weshalb gemäss den Koordinationsregeln des schweizeri-
schen Sozialversicherungsrechts die obligatorische Krankenpflegeversi-
cherung allenfalls die beantragten Leistungen übernehme.
E.d Die Eltern von A._ erhoben als gesetzliche Vertreter mit Schrei-
ben vom 6. November 2013 (Vorakten 73) bei der IVSTA Einwände gegen
den Vorbescheid vom 26. September 2013 und beantragten, es sei auf den
Erlass des vorgesehenen abweisenden Entscheides zu verzichten,
A._ seien die gesetzlich geschuldeten Leistungen zu gewähren,
insbesondere seien die Kosten für die medizinischen Massnahmen und
Hilfsmittel zu übernehmen, und es sei das Vorbescheidverfahren zu sistie-
ren, bis ein rechtskräftiger Entscheid bezüglich der Spezial-Halbschuhe für
Orthesen vorliege. Zur Begründung verwiesen sie auf ihre gegen die Ver-
fügung der IVSTA vom 26. September 2013 beim Bundesverwaltungsge-
richt eingereichte Beschwerdeschrift, in welcher aufgezeigt werde, dass
das Geburtsgebrechen nicht ausreichend abgeklärt worden sei und die
versicherungsmässigen Voraussetzungen sowohl nach der schweizeri-
schen Rechtsordnung als auch nach den koordinationsrechtlichen Bestim-
mungen für die Leistungspflicht der IV gegeben seien.
E.e In der von der IVSTA daraufhin eingeholten ärztlichen Stellungnahme
vom 31. Dezember 2013 (Vorakten 77) hielt der IV-Stellenarzt Dr. med.
G._, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH, hinsichtlich der Frage
des Geburtsgebrechens von A._ fest, dass kein Geburtsgebrechen
im Sinne der Verordnung über Geburtsgebrechen vom 9. Dezember 1985
(GgV, SR 831.232.21) vorliege, sondern ein angeborenes Leiden aus-
serhalb der GgV, welches er mit Ziff. 503 codieren würde.
E.f Mit Verfügung vom 12. Februar 2014 (Vorakten 80) lehnte die IVSTA
das Leistungsbegehren betreffend die Rechnung der Firma F._ AG
vom 6. Januar 2010 ab, weil die versicherungsmässigen Voraussetzungen
gemäss IVG nicht erfüllt seien. In der Begründung wiederholte die IVSTA
ihre im Vorbescheid vom 26. September 2013 gemachten Ausführungen.
Ausserdem wies sie auf die Stellungnahme ihres ärztlichen Dienstes hin,
wonach kein Geburtsgebrechen gemäss GgV vorliege. Weiter machte die
IVSTA geltend, der schweizerische Gesetzgeber habe in Art. 9 Abs. 2 IVG
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Kinder von Grenzgängern bewusst vom Anspruch auf Eingliederungs-
massnahmen der IV ausgeschlossen, weshalb für die IV-Stelle als rechts-
anwendende Behörde kein Gestaltungsspielraum bestehe. A._ sei
aber aufgrund der anwendbaren europäischen Koordinationsbestimmun-
gen in der Schweiz obligatorisch krankenversichert, weshalb sie sich an
ihre schweizerische Krankenversicherung wenden solle. Die Prüfung einer
allfälligen Schlechterstellung von A._ im Vergleich zu Kindern mit
Wohnsitz in der Schweiz falle nicht in die Kompetenz der IVSTA.
F.
F.a Mit Eingabe vom 12. März 2014 (BVGer-act. 1; schweizerischer Post-
stempel: 12. März 2014) erhoben die Eltern von A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) als deren gesetzliche Vertreter gegen die Verfügung
der IVSTA (nachfolgend: Vorinstanz) vom 12. Februar 2014 beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde (Eingang: 13. März 2014) und beantrag-
ten, 1. es sei die angefochtene Verfügung der Vorinstanz aufzuheben, 2. es
sei die Vorinstanz zu verpflichten, der Beschwerdeführerin – allenfalls nach
weiteren Abklärungen – die ihr gesetzlich zustehenden Leistungen zu ge-
währen, insbesondere seien die Kosten für die medizinischen Massnah-
men, Hilfsmittel und weitere Leistungen (und somit auch die Rechnung der
Firma F._ AG vom 6. Januar 2010) zu übernehmen, 3. die Vor-
instanz habe die Kosten des Verfahrens zu übernehmen.
Zur Begründung der Beschwerde wurde im Wesentlichen geltend gemacht,
dass keine Abklärungen bezüglich der Qualifizierung des Geburtsgebre-
chens vorgenommen worden seien, weshalb das besagte Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts vom 15. November 2012 zum Teil gar nicht umge-
setzt worden sei und deshalb die Angelegenheit an die Vorinstanz zurück-
zuweisen sei oder die entsprechenden Abklärungen durch das Gericht auf
Kosten der Vorinstanz vorgenommen werden sollten. Weiter wurde ausge-
führt, die vorinstanzliche Nichtanwendung von Art. 9 Abs. 2 IVG diskrimi-
niere Grenzgängerkinder. Mit der Beschwerde wurde sodann ein von PD
Dr. Silvia Bucher verfasster Artikel (BVGer-act. 1/2) eingereicht, aus wel-
chem zusammengefasst abgeleitet wurde, dass die Beschwerdeführerin
gestützt auf die Bestimmungen der europäischen Koordinationsverordnun-
gen bezüglich der hier interessierenden Sachleistungen bei Krankheit (me-
dizinische Massnahmen und Hilfsmittel) in der Schweiz versichert sei, wie
wenn sie ihren Wohnsitz in der Schweiz (und nicht in Deutschland) hätte.
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Aufgrund des massgeblichen Koordinationsrechts könne die Beschwerde-
führerin wählen, ob sie in Deutschland oder in der Schweiz die entspre-
chenden Sachleistungen beziehen wolle.
F.b Der mit Zwischenverfügung vom 25. März 2014 (BVGer-act. 2) erho-
bene Kostenvorschuss von Fr. 400.- wurde am 3. April 2014 geleistet
(BVGer-act. 3).
F.c In ihrer Vernehmlassung vom 26. Mai 2014 (BVGer-act. 6) beantragte
die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde im Wesentlichen mit der Be-
gründung, dass die im Anschluss an das Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts vom 15. November 2012 durchgeführten medizinischen Abklärungen
ergeben hätten, dass kein Geburtsgebrechen im Sinne der GgV vorliegen
würde, weshalb gemäss Art. 13 Abs. 2 IVG für die beantragten medizini-
schen Massnahmen kein Anspruch bestehe. Betreffend die Nichterfüllung
der versicherungsmässigen Anspruchsvoraussetzungen für Eingliede-
rungsmassnahmen der IV verwies die Vorinstanz auf die angefochtene
Verfügung. Schliesslich machte sie erneut geltend, dass die Beschwerde-
führerin und ihre Mutter in der Schweiz obligatorisch krankenversichert
seien, so dass die Beschwerdeführerin den entsprechenden Leistungsan-
spruch bei ihrer schweizerischen Krankenversicherung geltend machen
könne.
F.d Die Eltern der Beschwerdeführerin hielten in der Replik vom 2. Juli
2014 (BVGer-act. 8) sinngemäss an ihren in der Beschwerde gestellten
Anträgen fest. Sie bestritten die vorinstanzliche Ansicht, wonach kein Ge-
burtsgebrechen vorliegen soll, und machten geltend, die Beschwerdefüh-
rerin sei vielmehr seit Geburt mehrfach körperlich und geistig geschädigt,
weshalb sie auf diverse medizinische und sonstige Hilfsmittel angewiesen
sei. Weiter wurde in der Replik kritisiert, dass die IV-Stellenärzte, insbeson-
dere Dr. G._, die Beschwerdeführerin nie persönlich untersucht und
auch keine aktuellen Berichte bei den behandelnden Ärzten eingeholt hät-
ten. Entsprechende Berichte seien jedoch durch das Gericht oder die Vo-
rinstanz anzufordern, sofern ein Geburtsgebrechen weiterhin verneint wer-
den sollte. Abschliessend wurde festgehalten, dass nicht die Kranken-
kasse, sondern die IV für die medizinischen Massnahmen aufkommen
müsse.
F.e Mit Duplik vom 18. Juli 2014 (BVGer-act. 10) blieb die Vorinstanz bei
ihren in der Vernehmlassung getroffenen Feststellungen und dem darin ge-
stellten Antrag auf Beschwerdeabweisung.
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Seite 9
F.f Mit Zwischenverfügung vom 24. Juli 2014 (BVGer-act. 11) schloss die
Instruktionsrichterin den Schriftenwechsel, wobei weitere Instruktions-
massnahmen vorbehalten blieben.
G.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterla-
gen wird – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einge-
gangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Anfechtungsobjekt ist vorliegend die Verfügung der IVSTA vom 12. Februar
2014, mit welcher – in Bestätigung des Vorbescheides vom 26. September
2013 – das Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin betreffend die Rech-
nung der Firma F._ AG vom 6. Januar 2010 abgewiesen wurde.
Die von der IVSTA am 26. September 2013 und in Bestätigung des Vorbe-
scheides vom 7. Dezember 2010 erlassene Verfügung (vgl. Sachverhalt
C.f/E.b), welche das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin um Kos-
tengutsprache für Hilfsmittel (Spezial-Halbschuhe für Orthesen) gemäss
Kostenvoranschlag der Firma F._ AG vom 27. Oktober 2010 ab-
lehnte, wurde in der Folge ebenfalls beim Bundesverwaltungsgericht an-
gefochten. Die entsprechende Beschwerde wurde im konnexen Verfahren
C-6261/2013 (Urteil vom 22. März 2016) behandelt. Einer Vereinigung der
Verfahren bedurfte es nicht.
1.1 Gemäss Art. 31 in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69 Abs. 1
Bst. b IVG sowie Art. 5 VwVG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden von Personen im Ausland gegen Verfügungen der IVSTA.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). In-
dessen findet das VwVG aufgrund von Art. 3 Bst. dbis VwVG keine Anwen-
dung in Sozialversicherungssachen, soweit das ATSG (SR 830.1) anwend-
bar ist. Nach Art. 1 Abs. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die
Invalidenversicherung (Art. 1a-26bis und 28-70) anwendbar, soweit das vor-
liegende Gesetz nicht ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht.
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Seite 10
1.3 Die durch ihre Eltern (gesetzlich) vertretene Beschwerdeführerin ist
durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung oder Änderung (Art. 59 ATSG). Die Be-
schwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 60 Abs. 1 i.V.m.
Art. 38 Abs. 3 und 4 Bst. b ATSG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Kosten-
vorschuss wurde ebenfalls innert Frist geleistet (Art. 63 Abs. 4 VwVG). Da-
mit ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdeverfahrens
die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs oder
der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie Unangemessen-
heit des Entscheids rügen (Art. 49 VwVG).
3.
3.1 Die minderjährige Beschwerdeführerin ist Schweizer Staatsangehörige
und wohnt bei ihren Eltern in Deutschland, wobei ihre Schweizer Mutter als
Grenzgängerin in der Schweiz arbeitet. Unter diesen Umständen ist bei der
Beurteilung des Anspruchs der Beschwerdeführerin auf schweizerische IV-
Leistungen das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizeri-
schen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft
und ihren Mitgliedern andererseits über die Freizügigkeit (FZA,
SR 0.142.112.681) zu beachten (siehe auch Urteil des BGer
9C_1026/2010 E. 4). In zeitlicher Hinsicht ist das FZA anwendbar, weil hier
IV-Leistungen für die Zeit nach dessen Inkrafttreten am 1. Juni 2002 zur
Diskussion stehen und der angefochtene Einspracheentscheid nach die-
sem Datum ergangen ist (vgl. BGE 133 V 137 E. 5).
3.2 Nach Art. 1 Abs. 1 des auf der Grundlage des Art. 8 FZA ausgearbeite-
ten und Bestandteil des Abkommens bildenden (Art. 15 FZA) Anhangs II
("Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit") des FZA in Verbin-
dung mit Abschnitt A dieses Anhangs wenden die Vertragsparteien unter-
einander insbesondere die Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäi-
schen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der
Systeme der sozialen Sicherheit (SR 0.831.109.268.1; nachfolgend: VO
883/2004) und die Verordnung (EG) Nr. 987/2009 des Europäischen Par-
laments und des Rates vom 16. September 2009 zur Festlegung der Mo-
dalitäten für die Durchführung der VO 883/2004 (SR 0.831.109.268.11) o-
der gleichwertige Vorschriften an.
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Seite 11
3.3 Die beiden genannten gemeinschaftsrechtlichen Verordnungen sind für
die Schweiz durch den Beschluss Nr. 1/2012 des Gemischten Ausschus-
ses vom 31. März 2012 zur Ersetzung des Anhangs II des Abkommens
über die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit per 1. April
2012 in Kraft getreten (AS 2012 2345; vgl. auch Urteil des BGer
8C_455/2011 vom 4. Mai 2012 E. 2.1). Die VO 883/2004, welche die Ver-
ordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung
der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbstständige
sowie deren Familienangehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und
abwandern (SR 0.831.109.268.1; nachfolgend: VO 1408/71) ersetzt hat,
begründet gemäss ihren Übergangsbestimmungen jedoch keinen An-
spruch für den Zeitraum vor dem Beginn ihrer Anwendung (Art. 87 Abs. 1),
weshalb für Leistungsansprüche bis am 31. März 2012 die VO 1408/71 und
die Verordnung (EWG) Nr. 574/72 des Rates vom 21. März 1972 über die
Durchführung der VO 1408/71 (nachfolgend: VO 574/72,
SR 0.831.109.268.11) anwendbar bleiben (vgl. BGE 139 V 88 E. 4.2; 138
V 392 E. 4.1.3; Urteil des BGer 9C_651/2012 vom 15. Mai 2013 E. 5.1.2).
Der ebenfalls am 1. Juni 2002 in Kraft getretene Art. 80a IVG verweist in
Bst. a im Zusammenhang mit dem FZA auf diese beiden Koordinierungs-
verordnungen (AS 2002 688 und 700).
3.4 In sachlicher Hinsicht ist festzuhalten, dass medizinische Massnahmen
gemäss Art. 12 ff. IVG als Leistungen bei Krankheit im Sinne von Art. 4
Abs. 1 Bst. a der VO 1408/71 gelten (BGE 133 V 320 E. 5.6 mit weiteren
Hinweisen; Urteil des BGer I 601/06 vom 12. März 2008 E. 6.2.2). Das-
selbe gilt im Übrigen auch für Hilfsmittel (vgl. BGE 132 V 46 E. 3.2.3 mit
weiteren Hinweisen). In persönlicher Hinsicht fällt die Beschwerdeführerin
als Tochter einer in Deutschland wohnhaften und in der Schweiz als Arbeit-
nehmerin erwerbstätigten Schweizer Mutter unter den Anwendungsbereich
der VO 1408/71 (Art. 2 Abs. 1; BGE 133 V 320 E. 5.5; 133 V 624 E. 3.2
und 3.3; Urteil des BGer 9C_277/2007 vom 12. Februar 2008 E. 4.1; vgl.
auch SILVIA BUCHER, L'ALCP et les règlements de coordination de l'union
européenne: La question des mesures médicales de l'assurance-invalidité
pour les enfants de frontaliers, Cahiers genevois et romands de sécurité
sociale No 47-2011, S. 61 N. 6 f., S. 66 N. 28, nachfolgend: enfants de
frontaliers).
3.5 Gemäss Art. 13 Abs. 2 Bst. a der VO 1408/71 unterliegt eine Person,
die im Gebiet eines Mitgliedstaats abhängig beschäftigt ist, den Rechtsvor-
schriften dieses Staates, und zwar auch dann, wenn sie im Gebiet eines
anderen Mitgliedstaats wohnt. Familienangehörige sind demselben Recht
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Seite 12
unterstellt wie die Person, von denen sie abhängig sind (BUCHER, enfants
de frontaliers, a.a.O., S. 61 N. 10). Daraus folgt, dass auf den hier streitigen
Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin grundsätzlich schweizeri-
sches Recht anzuwenden ist (vgl. aber E. 7.3 und 7.4).
4.
4.1 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses des streitigen
Entscheides (hier: 12. Februar 2014) eingetretenen Sachverhalt ab (BGE
129 V 1 E. 1.2 mit Hinweisen). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither
verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwal-
tungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
4.2
4.2.1 Nach den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln finden in for-
mell-rechtlicher Hinsicht mangels anderslautender Übergangsbestimmun-
gen grundsätzlich diejenigen Rechtssätze Anwendung, welche im Zeit-
punkt der Beschwerdebeurteilung Geltung haben (BGE 130 V 1 E. 3.2).
4.2.2 In materiell-rechtlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen
Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen füh-
renden Sachverhalts Geltung hatten (BGE 132 V 215 E. 3.1.1; 130 V 329
E. 2.3). Massgebend ist somit der Eintritt des Versicherungsfalls. Die Inva-
lidität gilt als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs
auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht (Art. 4
Abs. 2 IVG). Daraus folgt, dass im Rahmen jeder gesetzlichen Leistungs-
norm der Invaliditätseintritt autonom bestimmt werden muss (ULRICH
MEYER/MARCO REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
IVG, 3. Aufl. 2014, Art. 4 N. 140). Bei den medizinischen Eingliederungs-
massnahmen gilt nach der Rechtsprechung die Invalidität in dem Zeitpunkt
als eingetreten, in dem das festgestellte Gebrechen eine medizinische Be-
handlung oder ständige Kontrolle objektiv erstmals notwendig macht, was
dann zutrifft, wenn die Behandlungs- oder Kontrollbedürftigkeit beginnt und
keine Gegenindikation besteht (BGE 111 V 110 E. 3d und 117 E. 1d; 105 V
58 E. 2a mit Hinweisen). Diese Grundsätze gelten auch zur Bestimmung
des Invaliditätseintritts bei minderjährigen Versicherten, die an einem Ge-
burtsgebrechen leiden (BGE 98 V 270 E. 2). Die Rechtsprechung stellt so-
mit den Invaliditätseintritt objektiv aufgrund des Gesundheitszustandes
fest, wobei zufällige externe Faktoren unerheblich sind (BGE 108 V 61
C-1277/2014
Seite 13
E. 2b mit Hinweis). Der Beginn des Anspruchs auf medizinische Massnah-
men fällt bei rechtzeitiger Anmeldung mit dem Beginn der objektiv notwen-
digen Behandlungs- oder Kontrollbedürftigkeit des festgestellten Geburts-
gebrechens zusammen (vgl. BGE 118 V 79 E. 3a). Die objektive Behand-
lungs- oder Kontrollbedürftigkeit ist rechtsprechungsgemäss erstmals dann
ausgewiesen, wenn Anzeichen des Beschwerdebildes vorhanden sind o-
der Standarduntersuchungen auf das Bestehen des Leidens hinweisen
(Urteil des BGer I 671/03 vom 1. Dezember 2004 E. 2.2 mit weiteren Hin-
weisen). Bei Hilfsmitteln gilt die Invalidität im Übrigen dann als eingetreten,
wenn der Gesundheitsschaden objektiv erstmals die Versorgung mit einem
solchen Gerät notwendig macht. Dieser Zeitpunkt braucht nicht mit jenem
der erstmaligen Behandlungsbedürftigkeit übereinzustimmen (BGE 108 V
61 E. 2b; 103 V 130; ZAK 1965 153).
4.2.3 Es ist unbestritten und erwiesen (Vorakten 7-9, 24, 30/6, 34/1), dass
die Beschwerdeführerin seit Geburt an einer Mosaik-Trisomie 9 leidet. Es
handelt sich hierbei um ein Geburtsgebrechen (Vorakten 9, 19, 30/6, 77/3).
Die Diagnose der als genetisch geltenden Krankheit wurde erstmals am
3. November 2007 gestellt (Vorakten 9/1). Dass die diagnostizierte Mosaik-
Trisomie 9 Untersuchungen und Behandlungen erfordert, ist ebenfalls un-
streitig und belegt (Vorakten 7-9, 24, 30, 34, 42).
4.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht stellte in E. 5.3.3 seines Urteils C-
8580/2010 fest, dass bei der Beschwerdeführerin die objektive Behand-
lungs- bzw. Kontrollbedürftigkeit und damit der Anspruch auf medizinische
Massnahmen bereits anfangs November 2007 entstanden sind, zumal dies
auch in der vorinstanzlichen Verfügung vom 20. Mai 2008 dokumentiert ist.
Soweit die Beschwerdeführerin medizinische Massnahmen beansprucht,
sind somit diejenigen Normen massgebend, welche bis am 31. Dezember
2007 in Kraft standen (siehe Urteil des BVGer C-8580/2010 E. 5.3.4).
4.2.5 Im vorliegenden Verfahren stehen – laut angefochtener Verfügung –
medizinische Massnahmen zur Diskussion. Folglich ist auf die Bestimmun-
gen des ATSG, der ATSV (SR 830.11), des IVG sowie der IVV (SR
831.201) abzustellen, welche bis am 31. Dezember 2007 in Kraft standen.
Hinsichtlich des vorliegend zu beurteilenden Leistungsanspruchs sind so-
mit jeweils die bis Ende 2007 gültig gewesenen Bestimmungen massge-
bend (4. IV-Revision, AS 2003 3837 ff.). In den folgenden Erwägungen wird
jeweils auf diese früheren Fassungen (nachfolgend: aArt., soweit sie geän-
dert wurden) Bezug genommen. Die Fassungen gemäss den am 1. Januar
2008 in Kraft getretenen Änderungen (5. IV-Revision, AS 2007 5129 und
C-1277/2014
Seite 14
AS 2007 5155) sind hier somit nicht anwendbar. Ebenfalls keine Anwen-
dung findet das am 1. Januar 2012 in Kraft getretene erste Massnahmen-
paket der 6. IV-Revision (IVG in der Fassung vom 18. März 2011 [AS 2011
5659]), da der hier streitige Leistungsanspruch vor dem 1. Januar 2012
entstanden ist.
5.
5.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Nicht er-
werbstätige Minderjährige gelten als invalid, wenn die Beeinträchtigung ih-
rer körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit voraussichtlich
eine ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit zur Folge haben wird (Art. 8
Abs. 2 ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit
oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Als Geburtsgebrechen gelten diejeni-
gen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt bestehen (Art. 3 Abs. 2 ATSG).
Dabei umfasst Art. 3 Abs. 2 ATSG sowohl die in der GgV eingeschlossenen
als auch die davon ausgenommenen Geburtsgebrechen (UELI KIESER,
ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 3 Rz. 53 mit weiteren Hinweisen).
5.2 Nach aArt. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8
ATSG) unmittelbar bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungs-
massnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfä-
higkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder
herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; der Anspruch auf Eingliede-
rungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbs-
tätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Dabei ist die gesamte noch zu erwar-
tende Arbeitsdauer zu berücksichtigen. Laut Abs. 2 besteht der Anspruch
auf Leistungen nach Massgabe der Art. 13, 19 und 21 unabhängig von der
Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbe-
reich. Nach Abs. 3 bestehen die Eingliederungsmassnahmen in: medizini-
schen Massnahmen (Bst. a); Massnahmen beruflicher Art (Bst. b); Mass-
nahmen für die besondere Schulung (Bst. c); der Abgabe von Hilfsmitteln
(Bst. d) sowie der Ausrichtung von Taggeldern (Bst. e).
5.3 Gemäss aArt. 12 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf medizini-
sche Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, son-
dern unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Auf-
gabenbereich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich
zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren. Laut
C-1277/2014
Seite 15
Abs. 2 ist der Bundesrat befugt, die Massnahmen gemäss Abs. 1 von je-
nen, die auf die Behandlung des Leidens an sich gerichtet sind, abzugren-
zen. Er kann zu diesem Zweck insbesondere die von der Versicherung zu
gewährenden Massnahmen nach Art und Umfang näher umschreiben und
Beginn und Dauer des Anspruchs regeln. Laut aArt. 2 Abs. 1 letzter Satz
IVV müssen die Massnahmen nach bewährter Erkenntnis der medizini-
schen Wissenschaft angezeigt sein und den Eingliederungserfolg in einfa-
cher und zweckmässiger Weise anstreben.
5.4 Nach Art. 13 Abs. 1 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Al-
tersjahr Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (Art. 3
Abs. 2 ATSG) notwendigen medizinischen Massnahmen. Der Bundesrat
bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Massnahmen gewährt wer-
den. Wenn das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist, kann die Leis-
tung ausgeschlossen werden (Abs. 2). Gegenstand des medizinischen Be-
handlungsanspruchs sind somit die Geburtsgebrechen, wie sie die einzel-
nen Ziffern des GgV-Anhangs umschreiben (MEYER/REICHMUTH, Recht-
sprechung, a.a.O., Art. 13 N. 20). Als medizinische Massnahmen, die für
die Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtli-
che Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissen-
schaft angezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und
zweckmässiger Weise anstreben (Art. 2 Abs. 3 GgV).
6.
6.1 Die IV-Stelle prüft die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen
von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein (Art. 43
Abs. 1 ATSG, Art. 57 Abs. 3 IVG, Art. 69 IVV). Zur Beurteilung der medizi-
nischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs stehen den IV-Stellen
seit der 4. IV-Revision regionale ärztliche Dienste (RAD) zur Verfügung
(Art. 59 Abs. 2bis Satz 1 IVG). Die RAD sind in ihrem medizinischen Sach-
entscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2bis Satz 3 IVG).
6.2 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren
gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versiche-
rungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen.
Dies bedeutet für das Gericht, dass es alle Beweismittel, unabhängig, von
wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen
C-1277/2014
Seite 16
Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander wider-
sprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne
das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa-
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt.
6.3 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter-
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-
gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der me-
dizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Exper-
tin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351
E. 3a). Auch auf Stellungnahmen eines RAD kann nur abgestellt werden,
sofern sie diesen beweisrechtlichen Anforderungen genügen. Allerdings
sind die Berichte versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen pra-
xisgemäss nur soweit zu berücksichtigen, als auch keine geringen Zweifel
an der Richtigkeit ihrer Schlussfolgerungen bestehen (BGE 135 V 465
E. 4.7). Zudem müssen die Ärztinnen und Ärzte des RAD über die im Ein-
zelfall erforderlichen persönlichen und fachlichen Qualifikationen verfügen
(Urteile des BGer 9C_736/2009 vom 26. Januar 2010 E. 2.1; 9C_323/2009
vom 14. Juli 2009 E. 4.3.1 mit weiteren Hinweisen). Nicht zwingend erfor-
derlich ist, dass die versicherte Person persönlich untersucht wird. Das
Fehlen eigener Untersuchungen vermag daher einen RAD-Bericht für sich
alleine nicht in Frage zu stellen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist
somit grundsätzlich weder die Herkunft des Beweismittels noch die Be-
zeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen medizinischen Be-
urteilung als Bericht, Gutachten oder Stellungnahme (vgl. zum Ganzen die
Urteile des BGer 9C_58/2011 vom 25. März 2011 E. 3.3; BGE 125 V 351
E. 3a und E. 3b/ee, je mit Hinweisen).
6.4 Im Sozialversicherungsrecht gilt grundsätzlich der Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Dieser Grad übersteigt einerseits die
Annahme einer blossen Möglichkeit bzw. einer Hypothese und liegt ande-
rerseits unter demjenigen der strikten Annahme der zu beweisenden Tat-
sache. Die Wahrscheinlichkeit ist insoweit überwiegend, als der begründe-
ten Überzeugung keine konkreten Einwände entgegenstehen (KIESER,
ATSG-Kommentar, a.a.O., Art. 43 Rz. 50; LOCHER/GÄCHTER, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70, Rz. 58 ff.).
C-1277/2014
Seite 17
7.
Es ist streitig und nachfolgend zu prüfen, ob die Beschwerdeführführerin
die versicherungsmässigen Voraussetzungen erfüllt, um bei der schweize-
rischen IV medizinische Massnahmen beanspruchen zu können.
7.1
7.1.1 Art. 9 IVG (in der seit 1. Januar 2008 gültigen Fassung) regelt die
versicherungsmässigen Voraussetzungen wie folgt: Die Eingliederungs-
massnahmen werden in der Schweiz, ausnahmsweise auch im Ausland,
gewährt (Abs. 1). Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen entsteht
frühestens mit der Unterstellung unter die obligatorische oder die freiwillige
Versicherung und endet spätestens mit dem Ende der Versicherung
(Abs. 1bis). Personen, die der Versicherung nicht oder nicht mehr unterstellt
sind, haben höchstens bis zum 20. Altersjahr Anspruch auf Eingliederungs-
massnahmen, sofern mindestens ein Elternteil: a. freiwillig versichert ist;
oder b. während einer Erwerbstätigkeit im Ausland obligatorisch versichert
ist: 1. nach Art. 1a Abs. 1 Bst. c AHVG, 2. nach Art. 1a Abs. 3 Bst. a AHVG,
oder 3. auf Grund einer zwischenstaatlichen Vereinbarung. Abs. 3 regelt
schliesslich die Rechtsstellung von ausländischen Staatsangehörigen mit
Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz.
Im Rahmen von Art. 9 Abs. 2 IVG wird somit vom Erfordernis der Versiche-
rungsunterstellung der betroffenen Person selbst abgesehen. Allerdings
nicht von dieser Ausnahmebestimmung erfasst werden im Ausland wohn-
hafte (und damit nicht schon nach Art. 1a Abs. 1 Bst. a AHVG i.V.m. Art. 1b
IVG versicherte) Kinder obligatorisch versicherter Eltern, insbesondere
Kinder in der Schweiz tätiger Grenzgänger. Diese Kinder können also nach
innerstaatlichem Recht – unter Vorbehalt abweichender staatsvertraglicher
Bestimmungen – mangels Befreiung vom Erfordernis der persönlichen Ver-
sicherungsunterstellung nicht in den Genuss von Eingliederungsmassnah-
men kommen (SILVIA BUCHER, Eingliederungsrecht der Invalidenversiche-
rung, 2011, S. 38 Rz. 66, nachfolgend: Eingliederungsrecht).
7.1.2 Bereits gemäss des bis 31. Dezember 2007 in Kraft gestandenen und
hier anwendbaren aArt. 22quater Abs. 2 IVV hatten Personen, die der obliga-
torischen oder freiwilligen Versicherung nicht oder nicht mehr unterstellt
waren, Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen höchstens bis zum
20. Altersjahr, sofern mindestens ein Elternteil freiwillig oder nach Art. 1a
Abs. 1 Bst. c oder Abs. 3 AHVG oder auf Grund einer zwischenstaatlichen
C-1277/2014
Seite 18
Vereinbarung während einer Erwerbstätigkeit im Ausland obligatorisch ver-
sichert war. Das Eidgenössische Versicherungsgericht (heute: BGer) ent-
schied im Urteil I 169/03 vom 12. Januar 2005 (publiziert in: SVR 2005 IV
Nr. 34 S. 125), dass die Nichtanwendung der Ausnahmebestimmung des
aArt. 22quater Abs. 2 IVV auf nicht der Versicherung unterstellte schweizeri-
sche Staatsangehörige, deren Vater oder Mutter als Grenzgänger in der
Schweiz erwerbstätig und somit obligatorisch versichert sind, mit dem An-
spruch auf rechtsgleiche Behandlung nicht vereinbar sei. Der Anwen-
dungsbereich des aArt. 22quater Abs. 2 IVV sei dahingehend auszudehnen,
als das Recht auf medizinische Massnahmen – soweit diese in der Schweiz
durchgeführt werden – auch diesen Personen zuzuerkennen sei. Als ent-
scheidend für den rechtsgleichen Anspruch auf Eingliederungsmassnah-
men erachtete das Gericht den Umstand, dass das Kind der freiwilligen
Versicherung nicht beitreten könne und die Eltern nicht die Möglichkeit hät-
ten zu wählen, ob sie bei der Versicherung im Wohnsitzstaat oder in der
Schweiz versichert sein wollen. Insofern bestehe exakt die gleiche Situa-
tion wie bei den in aArt. 22quater Abs. 2 IVV genannten obligatorisch Versi-
cherten.
7.1.3 Im Rahmen der 5. IV-Revision (in Kraft seit 1. Januar 2008) wurde
die Bestimmung des aArt. 22quater Abs. 2 IVV, obwohl im Urteil I 169/03 als
zu eng empfunden, praktisch unverändert in Art. 9 Abs. 2 IVG normiert.
Das Bundesgericht kam in BGE 137 V 167 (= Urteil 9C_1008/2010 vom
10. Mai 2011) zum Schluss, dass die bundesrechtskonforme Auslegung
von Art. 9 Abs. 2 IVG (ebenso wie von aArt. 22quater Abs. 2 IVV) eine Aus-
dehnung des Anwendungsbereichs auf Kinder von Grenzgängern nicht zu-
lässt. Laut diesem Urteil liegt auch kein Verstoss gegen Art. 23 des Über-
einkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK,
SR 0.107) vor (E. 4). Die grundsätzliche Vereinbarkeit von Art. 9 Abs. 2 IVG
mit dem in der Bundesverfassung verankerten Gleichheitsgrundsatz wurde
nicht geprüft, da Bundesgesetze für das Bundesgericht massgebend sind
(Art. 190 BV; vgl. aber MARC M. HÜRZELER, Bemerkungen zu BGE 137 V
167, in: ZBJV 148/2012 S. 627, wonach Art. 9 Abs. 2 IVG eine nicht zu
rechtfertigende Ungleichheit schafft, die Art. 8 BV nicht standhalten
könnte).
7.1.4 Im Urteil 9C_1026/2010 vom 23. Dezember 2011 äusserte sich das
Bundesgericht sodann zur Vereinbarkeit von Art. 9 Abs. 2 IVG mit dem eu-
ropäischen Koordinationsrecht. In Weiterentwicklung des Urteils I 169/03
vom 12. Januar 2005 hielt es fest, dass für die Frage, ob sich die Be-
schwerdeführerin (ein in Frankreich wohnhaftes Kind, das die Schweizer
C-1277/2014
Seite 19
Staatsangehörigkeit besitzt und dessen Eltern in der Schweiz als Grenz-
gänger arbeiten) auf die im FZA bzw. in der VO Nr. 1408/71 verankerten
Grundsätze wirksam berufen könne, sämtliche Tatsachen in Bezug auf den
grenzüberschreitenden Charakter der Streitsache bekannt sein müssten.
Das Bundesgericht führte aus, es sei abzuklären, ob die ärztlichen Behand-
lungen, für welche eine Rückerstattung verlangt werde, – in der Schweiz
oder Frankreich – bereits abgeschlossen seien oder noch weiter andauern
würden. Ebenfalls wichtig sei es, vollständige und präzise Angaben zum
Versicherungsstatus der Beschwerdeführerin und deren Eltern – sowohl in
der Schweiz wie auch in Frankreich – zu haben; insbesondere sei auch
wichtig zu wissen, ob sie von ihrem Wahlrecht, welches ihnen erlaube,
nicht der obligatorischen schweizerischen Krankenversicherung unterstellt
zu sein, Gebrauch gemacht hätten. Diese Informationen seien für den Ent-
scheid erforderlich, ob die beantragten Leistungen bewilligt werden könn-
ten; diese würden im Übrigen ohne Zweifel vom Krankheitsbegriff gemäss
der VO 1408/71 erfasst, was an der primären Leistungspflicht der IV für
das Geburtsgebrechen aber nichts ändere. Wenn sich bewahrheite, dass
die Beschwerdeführerin keinem nationalen Sozialversicherungssystem an-
gegliedert sei und folglich trotz Wohnsitz in Frankreich dort nicht versichert
sei, zeige sich die wesentliche Frage der Vereinbarkeit von Art. 9 Abs. 2
IVG mit dem europäischen Koordinationsrecht unter einem anderen Licht
(E. 4).
7.2
7.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht hielt im Urteil C-8580/2010 fest, dass
die vom Bundesgericht (im Urteil 9C_1026/2010) entwickelten Kriterien
grundsätzlich unabhängig davon zu berücksichtigen sind, ob die gerügte
Ungleichbehandlung in einer Verordnung (aArt. 22quater Abs. 2 IVV) oder in
einem Gesetz (Art. 9 Abs. 2 IVG) verankert ist (E. 6.4). In E. 7 prüfte es
sodann gestützt auf die genannten Kriterien, ob die Beschwerdeführerin
einen Anspruch auf Leistungen der schweizerischen IV unter Berufung auf
den Gleichheitsgrundsatz geltend machen kann, und kam zu folgendem
Schluss:
Laut E. 7.7.1 ist zu ermitteln, ob die Beschwerdeführerin unter den geltend
gemachten Geburtsgebrechen entsprechend den Definitionen des Schwei-
zer Rechts leidet und welche medizinischen Behandlungen der geltend ge-
machten Geburtsgebrechen an welchen Orten (in der Schweiz oder in
Deutschland) als Eingliederungsmassnahmen durchgeführt werden bzw.
wurden.
C-1277/2014
Seite 20
Gemäss E. 7.7.2 sind sodann ergänzende Abklärungen betreffend den ver-
sicherungsmässigen Status der Beschwerdeführerin und ihrer Eltern in der
Schweiz und in Deutschland für den zu beurteilenden Zeitraum vorzuneh-
men. Ferner ist abzuklären, ob der Vater der Beschwerdeführerin ebenfalls
erwerbstätig ist und falls ja, wo er einer Erwerbstätigkeit nachgeht. Gege-
benenfalls ist auch zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin infolgedessen in
Deutschland Anspruch auf die beantragten Sach- bzw. Geldleistungen hat
und ob diese tatsächlich gewährt werden.
In E. 7.8 hielt das Urteil schliesslich fest, dass keine Verletzung des Diskri-
minierungsverbots vorliegt, falls die Beschwerdeführerin in Deutschland
Anspruch auf die entsprechenden Leistungen in Deutschland hat. Andern-
falls ist laut Urteil eine Verletzung zu bejahen, sofern die Beschwerdefüh-
rerin bei Wohnsitz in der Schweiz Anspruch auf medizinische Massnahmen
nach den Vorschriften des IVG hätte.
7.2.2 Die Mutter der Beschwerdeführerin teilte der Vorinstanz auf deren Er-
suchen hin (Vorakten 61) mit E-Mail vom 11. April 2013 mit, dass ihr Ehe-
mann im Jahre 2007 nicht erwerbstätig gewesen sei und sie bei der deut-
schen Rentenversicherung kein Gesuch eingereicht hätten (Vorakten 62,
64). Gleichzeitig schickte sie der Vorinstanz Kopien der Versicherungspo-
licen zu, aus welchen hervorgeht, dass sie und die Beschwerdeführerin bei
der H._ AG in der Schweiz ab 1. Januar 2007 (Mutter) bzw. 1. No-
vember 2007 (Beschwerdeführerin) obligatorisch krankenversichert sind
(Vorakten 63). Die von der Vorinstanz ausserdem bei der Deutschen Ren-
tenversicherung eingeholte Bescheinigung des Versicherungsverlaufs
(Formular E 205 DE) belegt, dass der Vater der Beschwerdeführerin ab
dem Jahre 1995 keine Versicherungszeiten infolge einer Erwerbstätigkeit
zurückgelegt hat (Vorakten 66).
7.2.3 Schliesslich holte die Vorinstanz beim IV-Stellenarzt Dr. G._
eine Stellungnahme ein hinsichtlich der Frage, ob bei der Beschwerdefüh-
rerin ein Geburtsgebrechen gemäss der GgV vorliegt (Vorakten 76). In sei-
ner Antwort vom 31. Dezember 2013 (Vorakten 77) teilte der IV-Stellenarzt
mit, dass das Geburtsgebrechen Ziff. 395 aufgrund der abgelaufenen ma-
ximalen Gültigkeitsdauer nicht mehr in Frage komme, und das Geburtsge-
brechen Ziff. 390 ebenfalls ausgeschlossen sei, weil die entsprechenden
Bedingungen in keiner Weise erfüllt seien. Seiner Ansicht nach liegt kein
Geburtsgebrechen im Sinne der GgV vor, sondern ein angeborenes Leiden
ausserhalb der GgV, welches er mit Ziff. 503 codieren würde.
C-1277/2014
Seite 21
7.3
7.3.1 Gemäss der allgemeinen Regelung in Art. 19 Abs. 1 der VO
Nr. 1408/71 erhält ein Arbeitnehmer oder Selbstständiger, der im Gebiet
eines anderen Mitgliedstaats als des zuständigen Staates wohnt und die
nach den Rechtsvorschriften des zuständigen Staates für den Leistungs-
anspruch erforderlichen Voraussetzungen, gegebenenfalls unter Berück-
sichtigung des Art. 18, erfüllt, in dem Staat, in dem er wohnt, a) Sachleis-
tungen für Rechnung des zuständigen Trägers vom Träger des Wohnorts
nach den für diesen Träger geltenden Rechtsvorschriften, als ob er bei die-
sem versichert wäre; b) Geldleistungen vom zuständigen Träger nach den
für diesen Träger geltenden Rechtsvorschriften. Im Einvernehmen zwi-
schen dem zuständigen Träger und dem Träger des Wohnorts können die
Leistungen jedoch vom Träger des Wohnorts nach den Rechtsvorschriften
des zuständigen Staates für Rechnung des zuständigen Trägers gewährt
werden.
Art. 19 Abs. 1 der VO Nr. 1408/71 gilt entsprechend für Familienangehö-
rige, die im Gebiet eines anderen als des zuständigen Staates wohnen,
sofern sie nicht aufgrund der Rechtsvorschriften des Staates, in dessen
Gebiet sie wohnen, Anspruch auf diese Leistungen haben (Art. 19 Abs. 2
Satz 1 der VO Nr. 1408/71).
Wohnen die Familienangehörigen im Gebiet eines Mitgliedstaats, nach
dessen Rechtsvorschriften der Anspruch auf Sachleistungen nicht von Ver-
sicherungs- oder Beschäftigungsbedingungen abhängig ist, so gelten die
ihnen gewährten Sachleistungen als für Rechnung des Trägers gewährt,
bei dem der Arbeitnehmer oder Selbstständige versichert ist, es sei denn,
dass sein Ehegatte oder die Person, die für die Kinder sorgt, eine Berufs-
tätigkeit im Gebiet dieses Mitgliedstaats ausübt (Art. 19 Abs. 2 Satz 2 der
VO Nr. 1408/71).
7.3.2 Nach der Sonderregelung in Art. 20 der VO Nr. 1408/71 kann ein
Grenzgänger die Leistungen auch im Gebiet des zuständigen Staates er-
halten. Diese Leistungen werden vom zuständigen Träger nach den
Rechtsvorschriften dieses Staates erbracht, als ob der Grenzgänger dort
wohnte. Die Familienangehörigen eines Grenzgängers können unter den
gleichen Voraussetzungen Leistungen erhalten; die Gewährung dieser
Leistungen ist jedoch – ausser in dringlichen Fällen – davon abhängig,
dass zwischen den betreffenden Mitgliedstaaten oder zwischen den zu-
C-1277/2014
Seite 22
ständigen Behörden dieser Staaten eine entsprechende Vereinbarung ge-
troffen worden ist oder dass, in Ermangelung einer solchen Vereinbarung,
der zuständige Träger vorher seine Genehmigung hierzu erteilt hat.
Aufgrund von Art. 20 der VO Nr. 1408/71 können sich Grenzgänger somit
wahlweise im zuständigen Staat (also im Arbeitsland) oder im Wohnland
behandeln lassen (Botschaft zur Genehmigung der sektoriellen Abkom-
men zwischen der Schweiz und der EG vom 23. Juni 1999; BBl 1999 6323).
Demgegenüber können Familienangehörige – ausser bei Dringlichkeit o-
der vorgängiger Genehmigung durch den zuständigen Träger – gemäss
Art. 20 der VO Nr. 1408/71 im zuständigen Staat Leistungen nur beanspru-
chen, wenn mit dem Wohnsitzstaat eine entsprechende Vereinbarung ge-
troffen wurde. Aus dem Eintrag in Ziff. 4 des Anhangs VI (Schweiz) zur VO
1408/71 ergibt sich eine solche Abmachung der Schweiz (als Versiche-
rungsstaat) mit gewissen EU-Staaten (BUCHER, enfants de frontaliers,
a.a.O., S. 75 N. 53 mit Verweis auf: GEBHARD EUGSTER, Krankenversiche-
rung, in: Soziale Sicherheit, Ulrich Meyer [Hrsg.], 2. Aufl. 2007, S. 572 f.
N. 518 sowie EDGAR IMHOF, Ausländerrechtliche und sozialversicherungs-
rechtliche Grundlagen der Beschäftigung von EU/EFTA-Ausländerinnen
und EU/EFTA-Ausländern, in: Aktuelle Fragen des Sozialversicherungs-
und Migrationsrechts aus der Sicht der KMU, Paul Richli [Hrsg.], 2009,
S. 110).
Ziff. 4 des Anhangs VI (Schweiz) zur VO 1408/71 besagt, dass für die Per-
sonen, die in Deutschland, Ungarn, Österreich, Belgien, Frankreich sowie
den Niederlanden wohnen, jedoch in der Schweiz für Krankenpflege versi-
chert sind, bei einem Aufenthalt in der Schweiz Art. 20 erster und zweiter
Satz der VO 1408/71 sinngemäss gilt. Demnach haben die in den genann-
ten EU-Ländern wohnhaften, aber in der Schweiz versicherten Personen
das Recht, sich wahlweise in der Schweiz behandeln zu lassen (Botschaft,
a.a.O., BBl 1999 6334, 6337). Das gilt mithin auch für die dort wohnhaften
und in der Schweiz versicherten Familienangehörigen von Grenzgängern
(vgl. Informationsschreiben des BSV vom 14. November 2003 über die
Umsetzung des Freizügigkeitsabkommens im Bereich der Krankenversi-
cherung/Vereinbarung mit Frankreich, S. 2, ˂ http://www.bag.admin/the-
men/krankenversicherung ˃ Internationales/EU/EFTA ˃ Recht und Vollzug
˃ Informationsschreiben an Kantone und Versicherer: Internationales, ab-
gerufen am 10.3.2016; EUGSTER, a.a.O., S. 572 f. N. 518; IMHOF, a.a.O.,
S.110; BUCHER, enfants de frontaliers, a.a.O., S. 75 N. 53; MÉLANIE MA-
DER, Avis de droit sur l'allocation d'organes à des personnes non domi-
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Seite 23
ciliées en Suisse au regard de l'Accord sur la libre circulation des person-
nes, Université de Neuchâtel, Institut de droit de la santé, 2011, S. 37,
˂ http://www.bag.admin.ch/transplantation ˃ Rechtliche Grundlagen ˃ Ge-
setz ˃ Gutachten, abgerufen am 10.3.2016). Diese versicherten Personen
sind dann so zu behandeln, als wohnten sie in der Schweiz (Botschaft,
a.a.O., BBl 1999 6334). In diesem Fall übernimmt der schweizerische Ver-
sicherer den Gesamtbetrag der in Rechnung gestellten Kosten (Ziff. 4 zwei-
ter Satz des erwähnten Anhangs VI). Vom Behandlungswahlrecht erfasst
sind auch Leistungen nach Massgabe des IVG (BUCHER, enfants de fron-
taliers, a.a.O., S. 75 f. N. 54; vgl. auch E. 3.4). Der Begriff Aufenthalt ist als
vorübergehender Aufenthalt zu verstehen (Art. 1 Bst. i der VO 1408/71).
Die Beschwerdeführerin wohnt in Deutschland, ist in der Schweiz für Kran-
kenpflege versichert (Vorakten 63/1-6; vgl. auch E. 7.4) und hat sich
zwecks Inanspruchnahme von zur Diskussion stehenden Leistungen vo-
rübergehend in der Schweiz aufgehalten (Vorakten 45). Unter diesen Um-
ständen kann die Beschwerdeführerin aufgrund von Art. 20 erster und
zweiter Satz der VO 1408/71 in Verbindung mit Ziff. 4 des Anhangs VI
(Schweiz) zur VO 1408/71 in der Schweiz vom zuständigen Träger bzw.
der Vorinstanz entsprechende IV-Leistungen erhalten, zumal – wie in
E. 7.4 aufgezeigt wird – die versicherungsmässigen Voraussetzungen zu
bejahen sind (siehe auch Urteil des BVGer C-6261/2013 vom 22. März
2016 E. 7.4 [zur Publikation vorgesehen]).
7.3.3 Gemäss Art. 3 Abs. 1 der VO 1408/71 haben Personen, die im Gebiet
eines Mitgliedstaates wohnen und für die diese Verordnung gilt, die glei-
chen Rechte und Pflichten auf Grund der Rechtsvorschriften eines Mit-
gliedstaates wie die Staatsangehörigen dieses Staates, soweit besondere
Bestimmungen dieser Verordnung nichts anderes vorsehen. Diese Regel
verbietet nicht nur die auf die Staatsangehörigkeit gestützten offenkundi-
gen Diskriminierungen (direkte Diskriminierung), sondern auch alle ver-
deckten Formen der Diskriminierung, die durch die Anwendung anderer
Unterscheidungskriterien tatsächlich zum gleichen Ergebnis führen (indi-
rekte Diskriminierung). Ausser wenn sie objektiv gerechtfertigt und in Be-
zug auf das anvisierte Ziel verhältnismässig ist, ist eine Bestimmung des
Landesrechts als indirekt diskriminierend zu betrachten, wenn sie ihrer Na-
tur nach geeignet ist, die Staatsangehörigen anderer Mitgliedstaaten stär-
ker zu beeinträchtigen als die eigenen Bürger, und wenn folglich die Gefahr
besteht, dass insbesondere die Ersteren benachteiligt werden. Dies ist der
Fall bei einer Voraussetzung, die durch inländische Arbeitnehmer leichter
C-1277/2014
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erfüllt werden kann als durch Wanderarbeitnehmer. Derselbe Diskriminie-
rungsbegriff liegt auch Art. 2 FZA zugrunde (BGE 136 V 182 E. 7.1; BU-
CHER, enfants de frontaliers, a.a.O, S. 62 N. 11 ff.).
Das in Art. 3 Abs. 1 der VO 1408/71 staatsvertraglich verankerte Diskrimi-
nierungsverbot ist direkt anwendbar und hat gemäss Bundesgericht Vor-
rang vor der betroffenen innerstaatlichen Bestimmung (vgl. BGE 131 V 390
E. 5.2 mit Hinweisen; SILVIA BUCHER, Das FZA und Anhang K des EFTA-
Übereinkommens in der sozialrechtlichen Rechtsprechung des Bundesge-
richts [1. Teil], in: Epiney/Gammenthaler [Hrsg.], Schweizerisches Jahr-
buch für Europarecht 2008/2009, 2009, S. 390 mit weiteren Hinweisen,
nachfolgend: Rechtsprechung 1). Sieht das nationale Recht eine gemein-
schaftsrechtlich unzulässige diskriminierende Behandlung verschiedener
Personengruppen vor, haben die Angehörigen der benachteiligten Gruppe
Anspruch auf die gleiche Behandlung und auf die Anwendung der gleichen
Regelung wie die übrigen Betroffenen, wobei diese Regelung, solange das
nationale Recht nicht diskriminierungsfrei ausgestaltet ist, das einzig gül-
tige Bezugssystem bleibt (BGE 132 V 82 E. 5.5; 131 V 209 E. 7).
Die Beschwerdeführerin kann sich somit auf diese Bestimmung berufen,
zumal in den besonderen Bestimmungen der VO 1408/71 nichts anderes
vorgesehen ist (vgl. E. 7.3.2) und auch nicht erwerbstätigte Personen und
somit Kinder von Erwerbstätigen erfasst sind (BGE 133 V 320 E. 5.5; 133
V 624 E. 3.2 f.; BUCHER, enfants de frontaliers, a.a.O., S. 66 N. 28; vgl.
auch E. 3.4 vorne). Die Anwendung des schweizerischen Rechts darf vor-
liegend demnach nicht (direkt oder indirekt) diskriminierend sein.
7.4 Im vorliegenden Fall ist aktenmässig erstellt, dass die Mutter der Be-
schwerdeführerin seit deren Geburt als Grenzgängerin in der Schweiz bei
der schweizerischen AHV/IV obligatorisch versichert ist (Art. 1a Abs. 1
Bst. b AHVG, Vorakten 39, 52/4) und seither in der Schweiz auch (obliga-
torisch) krankenversichert ist (Vorakten 63/4-14). Von ihrem Wahlrecht, aus
der schweizerischen Krankenversicherung entlassen zu werden, hat sie
somit keinen Gebrauch gemacht (vgl. dazu Anhang VI Schweiz Ziff. 3
Bst. b der VO 1408/71). Auch die Beschwerdeführerin ist seit Geburt bzw.
1. November 2007 in der Schweiz (obligatorisch) krankenversichert (An-
hang VI Schweiz Ziff. 3 Bst. a/iv der VO 1408/71, Vorakten 63/1-6). Auf-
grund der Akten ist davon auszugehen, dass die in Deutschland bei ihren
Eltern wohnhafte Beschwerdeführerin in ihrem Wohnsitzstaat keiner Sozi-
alversicherung angehört, zumal für sie kein Gesuch um Befreiung von der
Krankenversicherungspflicht in der Schweiz gestellt wurde, ihr Vater in
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Deutschland nicht erwerbstätig ist (Vorakten 66), und dort auch keine ent-
sprechenden Leistungen beantragt oder zugesprochen wurden (Vorakten
64). Die vergangenen und laufenden Behandlungen und Massnahmen er-
folgten, soweit aus den Akten ersichtlich (vgl. Vorakten 7-8, 15-16, 24-25),
mehrheitlich in der Schweiz. Gleiches gilt für die hier streitige Leistung,
welche sich auf eine Rechnung der Schweizer Firma F._ AG be-
zieht.
Aus diesen Umständen folgt, dass die Beschwerdeführerin, falls ihr die be-
antragten (schweizerischen) IV-Leistungen mangels Versicherungsunter-
stellung nicht gewährt würden, an ihre schweizerische Krankenversiche-
rung gelangen (vgl. Art. 27 KVG, SR 832.10) und sich dann gegebenenfalls
an den entsprechenden Kosten finanziell beteiligen müsste (vgl. Art. 64
KVG). Darin läge aber eine unzulässige indirekte Diskriminierung im Sinne
von Art. 3 Abs. 1 der VO 1408/71, da im Vergleich zu anderen Personen
mit sonst identischen Voraussetzungen einzig der ausländische Wohnort
der Beschwerdeführerin bzw. der grenzüberschreitende Sachverhalt zur
Nichtanwendung des IVG führen würde (BUCHER, enfants de frontaliers,
a.a.O., S. 76 N. 57, vgl. auch S. 70 N. 37, 40 sowie dieselbe, Rechtspre-
chung 1, a.a.O., S. 416). Von dieser Ungleichbehandlung wären im Ergeb-
nis Staatsangehörige eines Mitgliedstaats der EU häufiger betroffen als
schweizerische Staatsangehörige, weil sie vermehrt als Grenzgänger in
der Schweiz tätig sind (BUCHER, enfants de frontaliers, a.a.O., S. 76 N. 57;
MADER, a.a.O., S. 49). Eine Ungleichbehandlung gestützt auf das Wohn-
sitzkriterium wäre zudem nicht vereinbar mit Art. 20 erster und zweiter Satz
der VO 1408/71 in Verbindung mit Ziff. 4 des Anhangs VI (Schweiz) zur VO
1408/71, wonach in Deutschland wohnhafte, aber in der Schweiz für Kran-
kenpflege versicherte Personen gleichzubehandeln sind wie Personen mit
Wohnsitz in der Schweiz (vgl. E. 7.3.2; MADER, a.a.O., S. 45). Schliesslich
ist zu berücksichtigen, dass im vorliegenden Fall – anders als in BGE 137
V 167, aber wie im Urteil I 169/03 – weder die Beschwerdeführerin noch
ihre Mutter die Möglichkeit hatten, der freiwilligen Versicherung beizutreten
und auf diesem Weg zu der beantragten IV-Leistung zu gelangen (vgl.
Art. 2 Abs. 1 AHVG i.V.m. Art. 9 Abs. 1bis und 2 IVG).
Aus dem Gesagten folgt, dass im vorliegenden Fall die Anwendung von
aArt. 22quater Abs. 2 IVV – gestützt auf die dargelegte bundesgerichtliche
Rechtsprechung und Lehre – mit Art. 3 Abs. 1 sowie Art. 20 erster und
zweiter Satz in Verbindung mit Ziff. 4 des Anhangs VI (Schweiz) der VO
1408/71 nicht vereinbar ist und zu einer unzulässigen Diskriminierung führt.
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Die Beschwerdeführerin ist deshalb als der schweizerischen AHV/IV unter-
stellt zu betrachten, wie wenn sie in der Schweiz Wohnsitz hätte (vgl.
Art. 1b IVG i.V.m Art. 1a Abs. 1 Bst. a AHVG; Urteil des BVGer C-
6261/2013 E. 7.4; BUCHER, enfants de frontaliers, a.a.O., S. 70 N. 40; vgl.
auch dieselbe, Das FZA und Anhang K des EFTA-Übereinkommens in der
sozialrechtlichen Rechtsprechung des Bundesgerichts [2. Teil], in: Epi-
ney/Gammenthaler [Hrsg.], Schweizerisches Jahrbuch für Europarecht
2009/2010, 2010, S. 455 mit Hinweis auf BGE 133 V 265 S. 5.2). Die ver-
sicherungsmässigen Voraussetzungen der Beschwerdeführerin zur Gel-
tendmachung von medizinischen Massnahmen sind somit als erfüllt zu be-
trachten.
7.5 Wie bereits erwähnt (E. 4.2.2), leidet die Beschwerdeführerin seit Ge-
burt an einer Mosaik-Trisomie 9. Dieses Geburtsgebrechen ist nicht im
GgV-Anhang aufgeführt. Ob die bei der Beschwerdeführerin vorhandenen
einzelnen Symptome oder Folgen der diagnostizierten komplexen Krank-
heit aber die Kriterien eines Geburtsgebrechen gemäss GgV-Anhang erfül-
len (vgl. Kreisschreiben über die medizinischen Eingliederungsmassnah-
men der Invalidenversicherung [KSME] Rz. 6), ist aufgrund der vorliegen-
den medizinischen Akten – entgegen der vorinstanzlichen Ansicht (Vorak-
ten 80/2) – nicht hinreichend klar: Während im Bericht der Neuropädiatrie
der Kinderklinik Z._ vom 11. Mai 2010 das Vorliegen des Geburts-
gebrechens Ziff. 390 des GgV-Anhangs (angeborene cerebrale Lähmun-
gen) nämlich bejaht wurde (Vorakten 30/6, Ziff. 1.3), wurde dies von den
IV-Stellenärzten verneint: von Dr. med. I._, Allgemeine Innere Me-
dizin FMH (http://www.doctorfmh.ch, abgerufen am 23.9.2015), am 5. Juli
2010 ohne Begründung (Vorakten 34/1) und vom Allgemeinmediziner
Dr. G._ (Vorakten 77/2 f.) am 31. Dezember 2013 lediglich mit ei-
nem Hinweis auf die entsprechenden Anforderungen. Diese Schlussfolge-
rung der IV-Stellenärzte ist nicht ohne weiteres nachvollziehbar und wird
zu Recht gerügt, da die beiden IV-Stellenärzte über keinen Facharzttitel in
Pädiatrie (mit Schwerpunkt Neuropädiatrie) verfügen und die Beschwerde-
führerin auch nicht persönlich untersucht hatten, was zwar nicht zwingend
erforderlich ist (vgl. E. 6.3). Insbesondere Dr. G._ hätte aber zumin-
dest aktuelle Berichte der behandelnden (Fach-)Ärzte anfordern (lassen)
müssen. Weiter kann gestützt auf die bei den Akten liegenden ärztlichen
Unterlagen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegan-
gen werden, dass medizinische Massnahmen gestützt auf Art. 12 IVG der
Beschwerdeführerin generell nicht gewährt werden können. Während der
IV-Stellenarzt Dr. I._ (Vorakten 34/1) einer Gewährung solcher
Massnahmen gemäss Art. 12 IVG nämlich grundsätzlich zustimmte, lehnte
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der IV-Stellenarzt Dr. G._ diese Eingliederungsmassnahmen ohne
konkrete Begründung kategorisch ab (Vorakten 77/3). Hinzu kommt, dass
sich vorliegend aus den Akten nicht mit hinreichender Klarheit ergibt, wel-
che Leistung bzw. Massnahme der streitigen Rechnung vom 6. Januar
2010 überhaupt zugrunde liegt. Bei dieser insgesamt unvollständigen und
nicht schlüssigen Aktenlage ist eine gerichtliche Prüfung und Beurteilung
der Anspruchsvoraussetzungen für medizinische Massnahmen nach
Art. 12 und 13 IVG nicht möglich. Einzig das Behandlungswahlrecht der
Beschwerdeführerin (E. 7.3.2) sowie das Vorliegen der versicherungsmäs-
sigen Voraussetzungen (E. 7.4) können vorliegend bejaht werden. Die üb-
rigen offenen Fragen hinsichtlich des Anspruchs auf medizinische Mass-
nahmen gemäss Art. 12 und 13 IVG im Allgemeinen und bezüglich des
konkreten Leistungsbegehrens im Besonderen sind daher von der Vo-
rinstanz eingehend zu klären. Sie hat ein Gutachten bei einer Facharztper-
son für Kindermedizin (mit Schwerpunkt Neuropädiatrie bzw. Neuroortho-
pädie) einzuholen, welches die für die Beurteilung erforderlichen medizini-
schen Angaben liefern soll, insbesondere betreffend Gesundheitszustand,
Gesundheitsschäden und deren Auswirkungen, Vorhandensein eines Ge-
burtsgebrechens gemäss GgV, Möglichkeit und Verhältnismässigkeit (Not-
wendigkeit, Geeignetheit, Wissenschaftlichkeit, Eingliederungswirksamkeit
[Art. 12 IVG] bzw. Angemessenheit [Art. 13 IVG], Einfachheit und Zweck-
mässigkeit) von medizinischen Massnahmen. Das Gutachten hat sich
gleichzeitig auch zu den ungeklärten Anspruchsvoraussetzungen für das
im konnexen Verfahren C-6261/2013 beantragte Hilfsmittel (Spezial-Halb-
schuhe für Orthesen) zu äussern (vgl. E. 7.5 des Urteils des BVGer C-
6261/2013).
Die angefochtene Verfügung beruht somit auf einem unvollständig ermit-
telten Sachverhalt (Art. 12 und Art. 49 Bst. b VwVG sowie Art. 43 ATSG),
weshalb über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin nicht ent-
schieden werden kann. Die Sache ist folglich gestützt auf Art. 61 Abs. 1
VwVG zur weiteren Abklärung bzw. Vervollständigung der Akten und Neu-
beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Rückweisung zur wei-
teren Abklärung ist hier ohne weiteres möglich, da relevante Fragen bisher
vollständig ungeklärt blieben (vgl. BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4).
8.
Die Beschwerde ist damit in dem Sinne gutzuheissen, als die angefochtene
Verfügung vom 12. Februar 2014 aufzuheben ist und die Akten an die Vo-
rinstanz zurückzuweisen sind, damit diese nach erfolgter Abklärung im
Sinne der Erwägungen über den Leistungsanspruch neu verfüge.
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Seite 28
9.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
9.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG
die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei. Da eine
Rückweisung praxisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führenden Par-
tei gilt (BGE 132 V 215 E. 6), sind im vorliegenden Fall der Beschwerde-
führerin keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Es ist ihr daher der geleis-
tete Verfahrenskostenvorschuss von Fr. 400.- nach Eintritt der Rechtskraft
des vorliegenden Urteils zurückzuerstatten. Der Vorinstanz werden eben-
falls keine Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
9.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr er-
wachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen (Art.
64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1, 2 und 4 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE], SR 173.320.2). Da die obsiegende Beschwerdeführerin
vorliegend nicht anwaltlich vertreten ist und ihr aufgrund der Aktenlage
auch keine notwendigen, verhältnismässig hohen Kosten entstanden sind,
wird ihr keine Parteientschädigung zugesprochen. Als Bundesbehörde hat
die unterliegende Vorinstanz keinen Anspruch auf Parteientschädigung
(Art. 7 Abs. 3 VGKE).