Decision ID: a8d2b058-cf6f-415e-9ed3-1f91a8db7ff9
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1994 geborene
X._
meldete
sich
am 2
0.
November 2018
unter Hinweis auf eine
Omarthrose
in der rechten Schulter bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/3).
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle
, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und verneinte nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/21) am 11. Juni 2019 einen
Leistungsanspruch des Versicherten
(Urk. 2)
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 10. Juli 2019 Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, es sei die Verfügung vom 11. Juni 2019 aufzuheben und es seien ihm Leistungen der Invalidenversicherung, insbesondere berufliche Massnahmen, zu
zusprechen (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 12. September 2019 (Urk. 6) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde
.
Am 7. Oktober 2019 erstattete der Beschwerdeführer Replik (Urk.
9
), wobei er seine A
nträge
dahingehend
präzisierte,
dass er die Anordnung berufliche
r
Massnahmen in Form von Berufsberatung und einer zweiten erstmaligen beruflichen Ausbildung bean
tragte. Mit Duplik vom 1. November 2019 (Urk. 11) beantragte die Beschwerde
gegnerin die teilweise Gutheissung der Beschwerde im Sinne einer Rückweisung zur Neubeurteilung des Anspruchs auf berufliche Massnahmen. Mit Verfügung vom 7. November 2019 (Urk. 12) wurde dem Beschwerdeführer Gelegenheit ein
geräumt, sich zu der von der Beschwerdegegnerin beantragten Rückweisung
zu äussern, worauf sich dieser am 19. November 2019 mit
dem Antrag der Beschwer
degegnerin
einverstanden erklärte (Urk. 14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Von der Rückweisung der Sache an den Versicherungsträger zur Gewährung des rechtlichen Gehörs ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzu
sehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst
beförderlichen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (vgl. zum Ganzen BGE 137 I 195 E. 2.3.2; BGE 136 V 117 E. 4.2.2.2; BGE 133 I 201 E. 2.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung
(Urk. 2)
damit, dass es dem Beschwerdeführer in den letzten sieben Jahren gesundheitsbedingt möglich gewesen wäre, eine angepasste erstmalige berufliche Ausbildung zu ab
solvieren. Im Weiteren bestehe aufgrund des geringen Verdienstes seit de
r
ge
sundheitlichen Einschränkung
kein Anspruch auf eine Umschulung (S. 1).
Mit Duplik (Urk. 11) beantragte die Beschwerdegegnerin demgegenüber die teil
weise Gutheissung der Beschwerde im Sinne einer Rückweisung zur Neubeurtei
lung des Anspruchs auf berufliche Massnahmen. Aufgrund der Aktenlage könne davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer seine erstmalige berufli
che Ausbildung als Automobilfachmann EFZ aus gesundheitlichen Gründen (Schulterproblematik) nicht habe beenden könne
n
.
D
ie Tatsache
allein
, dass sich der Beschwerdeführer nach Abbruch der erstmaligen beruflichen Ausbildung nicht selbständig um eine neue Lehrstelle bemüht habe oder zu jenem Zeitpunkt die Unterstützung der Invalidenversicherung
nicht
in Anspruch genommen habe, könne nicht als Begründung für
eine Beschwerdea
b
weisung dienen
(S.
2
)
.
2.2
D
er Beschwerdeführer
beantragte mit Beschwerde bzw. Replik (
Urk.
1,
Urk.
9) die
Zusprache
von Leistungen der Invalidenversicherung und insbesondere von be
ruflichen Massnahmen in Form von Berufsberatung und einer zweiten erstmali
gen beruflichen Ausbildung. Er
erklärte sich mit Eingabe vom 19. November 2019 (Urk. 14) mit der Rückweisung zur Neubeurteilung
des Anspruchs auf berufliche Massnahmen
einverstanden.
2.3
Nachdem in Bezug auf die Rückweisung zur Neubeurteilung übereinstimmende Anträge (Urk. 11, Urk. 14) vorliegen
und diese mit der Akten- und Rechtslage im Einklang stehen
, ist die Beschwerde in
dem Sinne gutzuheissen, dass die ange
fochtene Verfügung vom 11. Juni 2019 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
ist
, damit diese über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
3.
3.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 200.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
3.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat
,
die ohne Rücksicht auf den Streitwert, nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens (§ 34 Abs. 3
GSVGer
) zu bemessen und beim praxisgemässen Stun
denansatz von Fr. 185.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf Fr.
1’400
.-- (inklusive Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen ist.