Decision ID: 15a05e71-8472-460e-b0ad-21232d53ee4b
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, g
eboren 1986
, Mutter von zwei Kindern (geboren 2009 und 2012),
meldete sich am 2
6.
August 2013 unter Hinweis auf Rückenschmerzen
erstmals
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/4).
M
it Verfügung vom
3.
Dezember 2015
(vgl.
Urk.
7/68) sprach ihr die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
b
ei einem Invaliditätsgrad von 62
%
eine befristete Dreiviertelsrente von Januar 2014 bis April 2015 zu
, wobei sie die Versicherte als zu
55
%
im Erwerbsbereich und zu 45
%
im
Haushaltsbereich
tätig einstufte und die Einschränkung
auf 100
%
(Erwerbsbereich) beziehungsweise
15
%
(H
aus
haltsbereich
)
beziffer
te
(
Urk.
7/69).
Für die Zeit danach ging sie – bei unver
än
derter Qualifikation und weiterhin 15%iger Einschränkung im Haushalts
bereich – von einer Einschränkung im Erwerbsbereich von 9
%
aus, womit ein Gesamtin
validitätsgrad von 12
%
resultierte.
1.2
Am 2
5.
Oktober 2017
meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an
(
Urk.
7/76
).
Am
8.
November 2017 teilte sie der IV
-Stelle mit, dass sie per 14.
November 2017 eine Vollzeitstelle als Verkäuferin in der Molkereiabteilung der
Y._
an
treten werde (
Urk.
7/79). Mit
Verfü
gung vom 2
6.
Februar 2018 (Urk.
7/85)
trat die IV-Stelle
auf das
neue
L
eistungsbegehren nicht ein.
1.3
Am 3
0.
August 2018
reichte die Versicherte eine
weitere
Anmeldung ein
(Urk.
7/86), worauf die IV-Stelle sie aufforderte, eine wesentliche Veränderung in den tatsächlichen Verhältnissen mit Beweismitteln
glaubhaft zu machen
(
Urk.
7/90,
Urk.
7/92). Am 1
5.
Januar 2019 verfügte
die IV-Stelle
ein Nicht
ein
treten, nachdem keine Beweismittel eingegangen waren
(
Urk.
7/95)
.
1.4
Am
8.
Juli 2019 meldete sich die Versicherte u
nter Hinweis auf einen Band
schei
benvorfall sowie psychische B
eschwerden erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/104).
Die IV-Stelle
tätigte
medizinische
Abklärungen
und verneinte
-
nach durc
hgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
7/133,
Urk.
7/136) – mit Verfügung vom 1
1.
Januar 2021 einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (
Urk.
7/139 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte
erhob am
9.
Februar 2021
Beschwerde gegen die Verfügung vom
1
1.
Januar 2021 (
Urk.
2) und beantragte die erneute Prüfung ihres Anspruchs so
wie die Ausrichtung einer Invalidenrente (
Urk.
1).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
2.
April 2021 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Replik vom 1
9.
Mai 2021 (
Urk.
11) hielt die Beschwerdeführerin an ihren An
trägen gemäss Beschwerde fest. Die Beschw
erdegegnerin verzichtete am 21.
Juni 2021 auf das Einreichen einer Duplik (
Urk.
13), was der Beschwerde
führerin am 1
0.
August 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sach
verhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbs
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
raus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V
215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.5
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.6
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art.
17 Abs
.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zu
sprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesent
li
chen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabe
nbereich von Bedeutung (BGE 141
V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetisc
hen) Sachverhalts
bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b,
je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
li
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.
7
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung
ist von Amtes wegen zu prüfen
, ob seit der ersten Rentenverfügung zwischenzeitlich eine erneute materielle Prüfung des Rentenanspruchs stattgefunden hat. War dies nicht der Fall, so ist auf die Entwicklung der Verhältnisse seit der ersten Ablehnungsverfügung abzustellen; wie im Revisionsverfahren bleiben allfällige, vorangehende Nichteintretens
ver
fügungen aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summarischen Begrün
dungsaufwandes der Verwaltung unbeachtlich.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus,
dass
die Beschwerdeführerin zurzeit in erster Linie aufgrund einer depressi
ven Episode krankgeschri
eben sei (S. 1 unten). In der Vergangenheit habe sie depressive Episoden mit therapeutischer Hilfe jeweils überwinden können.
Auch neue Episoden seien therapierbar. Sie dauerten nicht anhaltend an
(S. 2 oben)
. Die physischen und psychischen gesundheitlichen Einschränkungen wür
den durch psychosoziale Belast
ungsfaktoren hervorgerufen beziehungsweise
ver
stärk
t. Die zu objektivierenden medizinischen
Befunde und Diagnosen reichten nicht aus, um von rentenrelevanten Einschränkungen ausgehen zu können. Die subjektiv erlebte Schwere der Einschränkungen decke sich nicht mit de
r medizi
nischen Beurteilung
(S. 2 unten)
.
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
6) führte die Beschwerdegegnerin ergänzend aus, i
m Vergleich zur letzten rentenabweisenden Verfügung vom
3.
Dezember 2015
sei
keine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen
eingetreten
.
Sämtliche gesundheitlichen Beeinträchtigungen
bestünden
entweder schon seit Jahren und
hätten auch
bereits zum Zeitpunkt der letztmaligen Rentenabweisung
vorgelegen
oder aber hätten keinen wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigk
eit in angepassten Tätigkeiten
.
2.2
Die Beschwerdeführerin hielt dem entgegen, z
wischen 2013 und 2018 habe sie mehrere Arbeitsversuche unternommen, die alle in einer Krankschreibung geen
det hätten aufgrund einer Erschöpfungssymptomatik und depressiver Episoden. Von Februar 2019 bis Juni 2020 sei sie stets zu 100
%
krank
geschrieben gewesen
und seither zu 80
%
. Trotz dauerhafter Behandlung sei keine Besserung eingetre
ten. Es bestehe eine lang andauernde gesundheitliche Beein
trächtigung der Arbeitsfähigkeit. D
ie Ursachen ihrer psychischen
Beschwerden könnten nicht alleine auf ihr soziales Umfeld zurückgeführt werden, da sich ihr gesundheitlicher Zustand trotz Entlastungen (Trennung/Eheschutz, verstärkte Unterstützung bei der Betreuung der kranken Tochter) nicht verbessert habe. Zu
dem seien ihre Rückenschmerzen nicht berücksichtigt worden und leide sie an wiederkehrenden Lähmungsgefühlen der Beine. 2019 sei zudem erstmals eine Zwangserkrankung diagnostiziert worden. Sie sei gerne für eine vertrauens
ärztliche Untersuchung bereit (
Urk.
1,
Urk.
11).
2.3
Strittig
und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführer
in und in diesem Zusammenhang (vorab) die Frage, ob sich seit der letztmaligen Renten
prüfung die tatsächlichen Verhältnisse in einer für den Rentenanspruch er
hebli
chen Weise geändert haben
(vgl. vorstehend E.
1.5-6
)
. Da die Beschwerde
gegnerin auf die Neuanmeldungen
der Beschwerdeführerin
in den Jahren 2017 und 2018 nicht eingetreten ist,
bilden
der Sachverhalt im Zeitpunkt der
Ver
fügung vom
3.
Dezember 2015 (
vgl.
Urk.
7/
68-69
)
und
der Sachverhalt im Zeit
punkt der
im vorliegenden Verfahren angefochtene
n
Verfügung
vom 1
1.
Janu
ar 2021 (
Urk.
2)
die massgebende
n
V
ergleichsgrundlage
n
für die Prüfung einer rechtserheblichen Tatsachenänderung
(vgl. vorstehend E. 1.7
)
.
3.
Der Verfügung vom
3.
Dezember 2015 (
vgl.
Urk.
7/
68-69
) lag unter anderem die Annahme zugrunde, dass die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden zu 55
%
im Erwerbsbereich und zu 45
%
im Haushaltsbereich tätig wäre, dies gestützt auf die am
8.
Oktober 201
4
durchgeführte H
aushaltabklärung
(
vgl. Ab
klärungsbericht vom 1
3.
Oktober 2014,
Urk.
7/58
Ziff.
2.6.1
).
Dementsprechend erfolgte die Invaliditätsbemessung nach der gemischten
Methode
gemäss
Art.
28a
Abs.
3 IVG
.
Aufgrund der Aktenlage bestehen
Hinweise darauf, dass
sich
seit der letztmaligen Rentenprüfung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypo
the
tischen) Sachverhalts eine wesentliche Änderung ergeben haben könnte. Dies ins
besondere aufgrund des Umstands, dass die Beschwerdeführerin eigenen An
ga
ben zufolge per 1
4.
November 2017 eine vollzeitliche Tätigkeit als Ver
käuferin in der Molkereiabteilung der
Y._
antrat (
Urk.
7/79), welche sie bis 3
0.
Juni 2019 inne hatte (
Urk.
7/104
Ziff.
5.4).
Ein allfällig veränderter Erwerbs
status wiederum könnte dazu führen, dass eine andere Invaliditätsbemessungs
methode anwendbar
und dadurch der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin
berührt wird.
Ob in diesem Sinne ein Revisionsgr
und (vgl. dazu vorstehend E. 1.6
) vor
liegt, lässt sich indes nicht abschliessend beurteilen, da die Beschwerde
gegnerin im
Rahmen des vorliegenden Neuanmeldungsverfahrens keine A
b
klärungen zum Status
tätigte. Aktenkundig ist immerhin eine Stellungnahme des
zuständige
n
Sachbearbeiter
s
im Feststel
lungsblatt vom
5.
November 2020, wo
nach
über
wiegend wahrschein
lich von einer Qualifikation als Vollerwerbstätige auszu
ge
hen sei (
Urk.
7/132 S. 4 Mitte). Ohne weitergehende Abklärungen, ins
besondere auch
z
um Umfang der
Betreuungsbedürftigkeit
des unfallgeschädigten jüngeren
Kindes, lässt sich dies aber so nicht bestätigen.
4.
4.1
Strittig und z
u prüfen ist, ob
eine revisionsrechtlich relevante Verschlechterung des
Gesundheitszustand
s
vorliegt.
I
m Zeitpunkt
d
er Verfügung vom
3.
Dezember 2015
präsentierte sich die medizi
nische Aktenlage
wie folgt
:
4.2
Im Bericht vom
8.
Februar
2010 (
Urk.
7/23/12-13) führten d
ie Ärzte des
Z._
,
Klinik für
Rheumatologie
, aus, die Beschwerdeführerin
habe anlässlich der ambulanten Konsultation vom
4.
Februar 2010
über
seit fünf Jahren bestehende
chronisch rezidivierende Rückenschmerzen mit einer akuten Exazerbation seit Anfang Januar 2010
berichtet
. Die Beschwerden seien am ehesten im Rahmen einer chronisch rezidivierenden
Lumbag
o bei muskulärer Dysbalance und
Haltungsinsuffizienz mit Becken
schiefstand
zu interpretieren.
4
.3
Im Bericht vom
5.
Oktober 2010 (
Urk.
7/23/9-10) über die am Vortag in der Klinik für Rheumatologie des
Z._
erfolgte ambulante Beratung
wurde
aus
geführt
, die
Magnetresonanztomographie (MRI)
der Wirbelsäule
vom 1
6.
September 2010 habe eine grosse mediane Diskushernie L4/5 ohne Kontakt zu den Nervenwurzeln
gezeigt. Der Befund passe zur Klinik mit rezidivierenden Blockaden in diesem Segment ohne Radikulopathie (S. 1 unten).
4
.4
Am 2
9.
Januar und 1
2.
Februar 2013 wurde die Beschwerdeführerin aufgrund lumbaler Rückenschmerzen erneut
im
Z._
, Klinik für Rheumatologie,
vorstellig. Im diesbezüglichen Bericht vom 1
5.
Februar 2013 (
Urk.
7/23/7-8)
wurde aus
ge
führt,
die
Beschwerdeführerin arbeite 16 Stunden bei
A._
in der Promotion für Zigaretten sowie ein- bis zweimal wöchentlich von 16.00 bis 23.00 U
hr in
einem Tankstellenshop. Seit
dem
2
7.
Dezember 2012 sei sie voll arbeits
unfähig
(S. 1 unten)
. Die
weiterführende MRI-Untersuchung
(vom
3
0.
J
anuar 2013,
vgl.
Urk.
7/11/10)
habe eine mediane Diskusprotrusion L4/5 ohne Wurzel
kompression gezeigt. Eine ISG-Arthritis habe ausgeschlossen werden können. Bei zusätzlichem Beckenschiefstand rechts sei
en
ein provisorischer Fussausgleich
und zudem
Physiotherapie zur Rumpfstabilisation
verordnet
sowie
eine volle Arbeits
unfähig
keit bis zum 3
1.
März 2013 attestiert worden (S. 2 oben).
4
.5
Im Bericht vom 1
6.
September 2013 über die am 2
2.
und 2
7.
August 2013 in der
B._
durchgeführten Abklärungs
untersuchungen (
Urk.
7/11/5-7)
nannte
Dr.
med.
C._
, Oberärztin,
als Diagnose eine
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (
ICD-10
F43.21) bei psychosozialer Belastung
durch
eine
schwerwiegende Krebs
erkr
ankung der Mutter (S. 1 Mitte).
4
.6
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, nannte in
seinem Bericht vom 2
0.
September
2013 (
Urk.
7/11/1-4) folgende
Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
Depression bei psychosozialer
Belastung durch jahrelanges Karzino
m der Mutter, heute verstorben
-
Unterdrückung
während
ganze
r
Jugend durch die männlichen Familien
angehörigen
(ethnisch begründet)
-
Diskopathie/Lumbago.
4
.7
Im Bericht vom 1
7.
Januar
2014 (
Urk.
7/23/5-6) nannten die Ärzte des
Z._
,
Klinik für
Rheumatologie, folgende
somatische
Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Ziff.
1.1):
-
chronisches
lumbospondylogenes und intermittierend lumboradikuläres Reizsyndrom L5 links bei
-
unisegmentaler Bandscheibendegeneration L4/5 mit Diskushernie und beginnender Spondylarthrose (
MRI
der Lendenwirbelsäule vom 1
8.
Dezember 2013;
vgl.
Urk.
7/23/14)
-
Status nach CT-
gesteuerte
r
Infiltration
Lendenwirbelkörper (LWK) 4/5 vom 1
8.
Dezember 2013
.
Zur Arbeitsfähigkeit führten
die Ärzte
im Nachtrag vom
7.
April
2014
(
Urk.
7/26)
aus, eine volle Arbeitsunfähigkeit sei ihrerseits seit dem 2
7.
Dezember 2012 attestiert worden, diese gelte bis zum 3
0.
April 2014 und allenfalls noch länger. Längerfristig erachteten sie das Erreichen einer 50
%
igen und nach weiteren drei Monaten 100%igen Arbeitsfähigkeit für
leichte, wechselbelastende Tätigkeiten
jedoch als möglich.
4
.8
Im Bericht vom 1
0.
November
2014 (
Urk.
7/34)
nannten die Ärzte des
Z._
, Klinik für R
heumatologie, als
somatische Diagnose
ein
chronisch
es
lumbospondylogenes und intermittierend lumboradikuläres Reizsyndrom L5 rechts
(richtig: links)
b
ei
gemäss MRI der LWS vom 2
5.
September 2014
mittel
schwerer O
steochondrose und
unisegmentaler Bandscheibendegeneration L4/5 mit konzentrischer Bandscheibenprotrusion mit minimaler rezessaler Einengung mit Kontakt zur L5-Wurzel links.
Sie führten aus, d
er Befund sei minimal progre
dient zur Voruntersuchung.
Eine
radikuläre Kompression
sei
aber nicht nachzu
weisen.
F
erner bestünden
eine
Sp
ondylarthrose und eine partielle Sakralisation LWK 5 mit aktiviertem N
e
arthros link
s. Eine ISG-Arthritis bestehe nicht. Die CT-gesteuerten Infiltrationen L4/5 am 1
8.
Dezember 2013 und am 2
4.
Februar 2014 hätten einen guten Effekt gezeigt, nicht hingegen die CT-gesteuerte epidurale Infiltration am
5.
August 2014 (
Ziff.
1.1).
Es bestehe eine Minderbelastbarkeit der Wirbelsäule (
Ziff.
1.7).
Aus rheumatologischer
Sicht
dürfte
mittelfristig
mit einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
für leichte wechsel
belastende Tätigkeiten
zu rechnen sein (
Ziff.
1.9)
.
4
.9
Am
5.
Mai
2015 (
Urk.
7/50/7-8) berichteten die Ärzte des
Z._
, Klinik für Rheumatologie
und muskuloskelettale Rehabilitation
,
bei
persistierenden lumba
len Schmerzen trotz
im Dezember 2014 aufgenommener
Physiotherapie sei am 2
3.
April 2015 eine CT-gesteuerte Infiltration der Facettengelenke L5/S1 so
wie L4/5 links mit je 40 mg Kenacort
erfolgt, was bis zur Verlaufskontrolle am
5.
Mai 2015 zu einem R
ückgang
der lumbalen Schmerzen um 50
%
geführt habe (S. 1 unten).
Aus rheumatologischer Sicht
sei die Beschwerdeführerin seit dem
1.
Dezember 2014 zu 50
%
arbeitsfähig für
leichte, wechselbelastende Tätig
keiten
, die
Gewicht
slimite liege bei fünf bis zehn Kilogramm. Dies e
ntspreche der Tätigkeit im Tankstellenshop.
Diese Arbeitsfähigkeit gelte bis am 3
0.
Juli
2015
(S. 2 unten).
Im Formularbericht vom
2.
Juni 2015 (
Urk.
7/50/1-6) attestierten die
gleichen
Ärzte des
Z._
der Beschwerdeführerin
eine volle Arbeitsunfähigkeit vom 2
7.
Februar (
richtig
wohl: Dezember
, vgl. vorstehend E.
4.4 und E. 4
.7
) 2012 bis 3
1.
N
ov
e
m
ber 2014 und
eine 50%ige A
rbeitsfähigkeit
(
erst
)
ab
1.
Februar 2015 (
Ziff.
1.6).
4
.10
Im Bericht vom 1
4.
September 2015 (
Urk.
7/56) führte
Oberärztin
Dr.
C._
,
B._
(vorstehend E. 4
.5
)
, aus, bei Behandlungsantritt in der
B._
am 2
2.
August 2013 sei als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
Anpassungsstörung mi
t längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) unter anderem
bei psycho
so
zialer Belastung durch
eine schwerwiegende Krebserk
rankung der Mutter
gestellt worden. Im Verlauf habe die Beschwerdeführerin eine mittelgradige depressive
Episode (
ICD-10
F32.1)
entwickelt, welche
inzwischen teilre
mittiert sei
(S. 1 unten
Ziff.
1.1).
Ferner bestehe ein r
ez
idivierendes lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit Verdacht auf eine
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (
ICD-10
F45.41).
Zur Anamnese führte
Dr.
C._
unter anderem aus, die Symptomatik mit zahlreichen Vergesslich
keiten im Alltag, grosser Erschöpfung und schwerer Einschlafstörung habe nach einem schweren Unfall
der
Tochter am 2
7.
September 2013 sowie dem kurz darauffolgenden Krebstod der Mutter zugenommen. Die im Unfallzeitpunkt ein
jährige Tochter habe eine Batterie verschluckt und eine Schädigung der Luft- und Speiseröhre erlitten, was einen mehrmonatigen Aufenthalt auf der Intensivstation zur Folge gehabt habe (S. 2
Ziff.
1.4).
B
ei
der letzten Kontrolle am 1
6.
Juli
2015
sei die Beschwerdeführerin
nach wie vor belastet und affektlabil
, bezüglich
des depressiven Syndroms aber stabiler
gewesen
, sodass ein Arbeitswiedereintritt konkret habe besprochen werden kön
nen
(S. 2 unten).
Die Eins
c
h
ätzung der Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsan
gepassten Tätigkeit sei aufgrund der seltenen Termine der Beschwerdeführerin –
bedingt durch
di
e
Erkrankung und Pflegebedürftigkeit der T
ochter (
vgl. S. 2
Ziff.
1.5
)
– schwierig.
Eine allmähli
c
h
e Wiedereinglie
de
rung mit
einem Pensum von
etwa zwei S
tunden und innert sechs bis acht Wochen auf vier Stu
nden steigerbaren Pensum
sollte umsetzbar sein (S. 3
Ziff.
1.7 am Ende).
Ab
1.
August 2015 könne mit e
iner Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit zu etwa 20 bis 30
%
ger
e
chnet werden (S. 3
Ziff.
1.9). Für die Tätigkeit als Tank
stellenver
käuferin sowie in der Promotion bei
A._
habe ab 2
2.
August 2013 eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden, dies bis zum 3
1.
Juli 201
5.
Danach habe sie die Beschwerdeführerin nicht mehr gesehen (S. 3
Ziff.
1.6).
4
.1
1
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, führte in ihrer Stellungnahme vom
8.
Oktober 2015 (
Urk.
7/70 S. 7 f.) aus, aus
Sicht des RAD sei von einer vollen Arbeitsunfähigkeit in bisheriger und angepasster Tätigkeit ab 2
7.
Dezember 2012 bis Februar 2015 auszugehen. Ab Februar 2015 sei von einer 50%igen Arbeits
fähigkeit in angepassten Tätigkeiten auszugehen. Diese Arbeits
fähigkeit sei steigerbar und spätestens ab der letzten psychiatrischen Konsultation
am 1
6.
Juli 2015 sei wieder von einer 50
-
bis 55%igen Arbeitsfähigkeit und sogar mehr bezogen
auf ein
Vollzeitpensum auszugehen. Ein psychisches Leiden, welches eine höhere als 50%ige Arbeitsunfähigkeit begründen könnte, sei nicht ersicht
lich. Aus somatischer Sicht sei mittelfristig eine volle Arbeitsfähigkeit für ange
passte Tätigke
i
ten zu erwarten. Aufgrund der psych
ischen Problematik sei nicht von einer weiter andauernden Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Eine Behandlung werde soweit erkennbar nicht mehr und sei auch vorher nur un
regelmässig in Anspruch genommen worden.
5
.
5
.1
Der Verfügung
vom 1
1.
Januar
2021
lagen
im Wesen
tlichen
folgende medizini
sche Berichte
zugrunde
:
5
.2
Am 1
5.
August 2019 (
Urk.
7/112)
nah
men
med. pract.
F._
, Oberarzt, und
MSc
G._
, Psycho
login,
B._
,
Stellung zur Frage eine
r
psychopathologischen Ver
schlechterung seit dem letzten Bericht vom 1
4.
September 2015
(vorstehend E. 4
.10)
.
Sie führten aus,
seit
Wiederaufnahme der
psychiatrisch-psychotherapeuti
schen Therapie ab
7.
Februar
2019
habe eine ausführliche
Psychodiagnostik
statt
gefunden
.
Es habe festgestellt werden können, dass d
ie Beschwerdeführerin an folgenden Erkrankungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
leide
(S. 1 Mitte):
-
rezidiv
ierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Epi
sode (
ICD-10 F33.1)
-
Zwangsgedanken und –handlungen, gemischt (
ICD-10
F42.
2), Erst
diagnose April 2019
-
Verdacht auf generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1), Erstdiagnose April 2019
-
a
ktenanamnestisch
bekanntes rezidivierendes lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit Verdacht auf chronische Schmerzstörung mit soma
tischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), Erstdiagnose Februar 2013.
Die behandelnden Fachpersonen führten aus,
aufgrund etlicher psychosozialer Belastungsfaktoren, einem tiefen Selbstwert und fehlender Selbtsfürsorge sei es der Beschwerdeführerin bislang nicht gelungen, sich auf eine regelmässige, ver
lässliche ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung einzulassen. B
ei hohem Pflichtbewusstsein und Mühe, Hilfe anzunehmen, habe
die Beschwer
deführerin zunächst
versucht, sich selbst zu stabilisieren und dabei
die
Priori
tät auf eine regelmässige Tätig
keit gesetzt,
um zumindest Schulden abzu
zahlen
. Bei Therapiebeginn
habe sie eine ausgeprägte depres
sive Symptomatik und körperli
che Erschöpfung
gezeigt
. Aufgrund einer länger bestehenden, über
aus herausfor
dernden und belastenden Arbeitssit
uation und einem Abort im Dezem
ber 2018 sei
sie
dekompensiert
, sodass sie nicht mehr
habe arbeiten können
(S. 1 unten)
.
Unter optimierter medikamentöser Behandlung habe sich die Depression rückläu
fig gezeigt. Aktuell werde davon ausgegangen, dass es der Beschwerdeführerin langfristig nicht mehr möglich sein werde, zu
100
%
zu arbeiten
.
Jedoch würden ein Aufbautraining und eine längerfristige nieder
prozentige Anstellung zur Ver
besserung des Selbstwertes und aufgrund einer gewissen Tagesstruktur zur Stabilisierung beitragen. Erst im Verlauf wäre es psychotherapeutisch möglich, die schon seit Jahren bestehende und deutlich ein
schränkende Zwangserkran
kung zu behandeln.
Darüber hinaus werde versucht, Ressourcen der Beschwerde
führerin zu reaktivieren und sie zu mehr Selbst
fürsorge anzuleit
en
(S. 2).
5
.3
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
berichtete am 1
6.
September 2019
(
Urk.
7/115/1-9)
, die Beschwerdeführerin stehe seit dem
6.
Januar 2017 in seiner Behandlung (
Ziff.
1.1). Sie leide seit Jahren unter einem rezidivierenden lumbovertebralen Schmerzsyndrom. Zudem habe sie eine depres
sive Störung entwickelt, nachdem ihre Tochter
2014 (
richtig:
2013
)
eine Knopf
batterie verschluckt und in der Folge eine Oesophagus-Verätzung mit Perforation bis in die Trachea erlitten habe und deswegen lange hospitalisiert gewesen sei sowie mehrfa
ch habe operiert werden müssen. Es laufe ein Gerichts
verfahren gegen das
Z._
(
Ziff.
2.1). Die Beschwerdeführerin sei i
m Moment arbeitsunfähig und auch arbeitslos
(
Ziff.
3.1). Es bestehe eine verminderte Belast
barkeit der Len
denwirbelsäule sowie eine verminderte psychische Belastbarkeit (
Ziff.
3.4)
In absehbarer Zeit
wäre
sicher
eine Erwerbstätigke
it von vier
Stunden
pro Tag mög
lich (
Ziff.
4.2)
. G
ünstig wäre
n
Wechselbelastung
en
mit Sitzen, Stehen und Gehen. D
ie Gewichts
limite
für das Heben und Tragen von Lasten liege bei
10 kg (
Ziff.
3.3).
5
.4
Im Bericht vom
6.
September 2019 (
Urk.
7/117/7-11) nannten
Oberarzt
F._
und die
Psychologin
G._
,
B._
,
die gleichen Diagnosen (
Ziff.
2.5) wie in ihrem letzten
Bericht
(vorstehend E. 5
.2
)
.
Sie
führten aus, e
s bestehe weiter eine deutlich reduzierte Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit. Die Beschwerde
führerin leide unter den kognitiven Beeinträchtigungen der D
epression und einer körperlichen Erschöpfungssymptomatik. Aufgrund der Z
wangsproble
m
atik könne sie kaum angen
ehmen Aktivitäten nachgehen. Sie sorge sich fürsorglich
um die Kinder, habe jedoch weiter Mü
he, für sich selbst einzustehen
, Hilfe anzu
nehmen und adäquate Prioritäten im A
lltag zu setz
en. Das familiäre Netz sei kaum stützend.
Durch
eine
beim Ehemann bestehende
psychiat
rische P
roble
m
a
tik sei sie zusätz
lich belastet, da jegliche V
erant
w
o
rtung des Alltags auf ihren Schultern liege (
Ziff.
2.2). Zum Befund
führten die Behandelnden unter anderem aus
, die Kon
zentration und Aufmerksamkeit insbesondere über die Dauer seien deutlich ein
geschränkt. Es bestehe insbesondere abends ein ausgeprägtes zwang
haft anmu
tendes Grübeln, dies auch tagsüber, wenn sich die Beschwerdeführerin nicht ab
lenke. Ferner
bestünden
ein
mittelgradig ausge
prägter Putz- und Ordnungszwang
sowie
di
ffuse Ängste beziehungsweise
Sorgen bezogen auf
das
Umfeld. Im Affekt
sei die Beschwerdeführerin
gedrü
ckt, teilweise hilflos wirkend, unsicher und
ängstlich.
Es bestünden ein deutlich erniedrigter Selbstwert, Insuffizienz- und
Schuldgefühle.
Ohne die Kinder wäre es der Beschwerdeführerin kaum möglich, einen Alltag aufrecht zu erhalten
(
Ziff.
2.4).
Ressourcen, die für eine Eingliede
rung hilfreich sein könnten, seien das
Pflichtbewusstsein,
die F
ür
sorglich
keit, O
rdentlich
keit und G
enau
igkeit der Beschwerdeführerin (
Ziff.
3.
5). Mit
der regel
mässigen
Unterstützung eines Care-Managers
wäre es der Beschwerdeführerin gegebenenfalls nächstens möglich, etwa zweimal zwei Stunden pro Tag
einer dem Leiden angepasste
n
Tätigkeit nachzugehen
(
Ziff.
4.2)
. Mittel- bis langfrist
ig sei die
Prognose ungünstig.
Es werde davon ausgegangen, dass es der Beschwerde
führerin l
ängerfristig nicht mehr möglich
sein werde, mehr als 50
%
im ersten Arbeitsmarkt
tätig zu sein (
Ziff.
4.3).
Die komplexe psychiatrische
Symptomatik mit erst seit kurzem festgestellter ausgeprägter Zwangsproblematik vor dem H
in
tergrund einer schweren
psychosozialen Belastungssituation stünden der Einglie
derung im Weg (
Ziff.
4.4).
Im Haushalt sei die Beschwerdeführerin a
ufgrund der Zwangserkrankung kaum eingeschränkt. Es gehe mehr darum, dass
sie sich auf
grund
dieser deutlich überfordere, sodass sie sich erschöpfe. Im Vordergrund stehe
die
Beeinträchtigung der Selbstfürsorge.
Sie vernachlässige ihre eigene Pflege, Ernährung und
gehe keinen
angenehme
n
Tätigkeiten
nach
(
Ziff.
4.5).
5
.5
Am 2
2.
Januar 2020 (
Urk.
7/121) berichtete
Dr.
H._
(vorstehend E.
5
.3
), der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin sei
stationär.
Die Diagnosen hätten sich nicht geändert
(
Ziff.
1.1-2)
. Die Beschwerdeführerin könnte vier Stunden täglich
an fünf Tagen pro Woche
in einer angepassten Tätigkeit
– unter Berück
sichtigung des bereits im Bericht vom
1
6.
September 2019
formulierten Belas
tungsprofils (vgl. vorstehend E.
5
.3
) - erwerbstätig sein
(
Ziff.
2.1)
. Die
Ver
minde
rung der L
eistungsfähi
g
k
e
i
t
bezifferte
Dr.
H._
auf 50
%
(
Ziff.
2.2)
.
5
.6
Am 2
1.
Mai
2020
(
Urk.
7/128/2-4)
erstatteten Oberarzt
F._
(vor
stehend E. 5
.2) und die (neu behandelnde, vgl.
Ziff.
3.1
)
MSc
I._
,
Psychologin,
B._
, einen Verlaufsbericht. Sie führten aus, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich verschlechtert
(
Ziff.
1.1)
.
A
ls
Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannten sie die bereits in den Vorbe
richten (vorstehend E. 5.2 und E. 5
.4) angeführten Diagnosen, wobei sie den Zeitpunkt der Erstdiagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittel
gradige Episode
(ICD-10 F33.1)
,
auf
Februar 2019
datierten
.
Sie führten aus, e
s sei sc
hwer vor
stellbar,
dass
die
Beschwerdeführerin die bisherige Tätigkeit
in niedrigem Pensum aus
führen könne
. Nach
einer
Potentialabklärung
und mit regelmässiger Unter
stüt
zung
eines
Care-Manager
s wäre es gegebenenfalls mög
lich, einen
Einstieg mit
einmal zwei Stunden pro Tag oder zweimal zwei Stunden
pro Tag zu versuchen (
Ziff.
2.1).
Es bestünden s
chwer belastende psychosoziale
Faktoren in der Familie mit unter anderem der Krankheit der Tochter sowie in d
er Partnerschaft, welche die komplexe psychiatrische Sympto
matik aufrecht erhiel
ten (
Ziff.
4.4).
5
.7
RAD-Ärztin
Dr.
med.
J._
,
Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
therapie, führte in ihrer Stellungnahme vom
2.
November
2020 (
Urk.
7/132/
S. 4-6
) im Wesentli
chen die in den Berichten der behandelnden Fachpersonen der
B._
genannten Diagnosen
auf. Unter dem Titel «Aktivitätsniveau» stellte sie fest, dass die Beschwerdeführerin den Haushalt und ihre beiden Kinder versorge, wobei die jüngere Tochter besonderer Hilfe bedürfe
(S. 4 unten)
. Sodann machte sie knappe Ausführungen zur Sozial- und Berufsanamnese sowie zu den medizinischen Mas
snahmen
(S. 5 oben)
. Unter dem Titel «weitere Hinweise (Konsis
tenz/Schweregrad)»
gelangte
sie zum Schluss, dass die
funktionellen Leistungs
einschränkungen nicht alle Lebensbereiche
gleichmässig beträfen. Be
züglich Um
gang mit und
Pflege der Kinder
sei die Beschwerdeführerin
sehr für
s
orglich und kompetent. In der Haushaltsf
ührung
sei sie
nicht eingeschränkt.
Es bestünden psychosoziale Belastungen durch die familiäre Situation mit schwer kranker Tochter mit –
Stand April 2019 - erneut geplanter Operation, psychisch erkrank
tem Ehemann, finanzieller Enge und S
chuld
en
,
einem Gerichtsverfahren gegen das
Z._
sowie fehlender Ausbildung. Das familiäre Netz sei kaum stützend, jeg
liche Verantwortung des Alltags liege auf ihren Schultern. Als Ressourcen sei die Beziehung zu ihren Kindern zu sehen (S. 5 unten). Der psychische Gesundheits
zustand sei für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
führend. Einer depressiven Episode fehle
der Charakter der Dauerhaftigkeit. Die depressive
Symptomatik sei bereits
im August
2019 rückläufig gewesen,
eine
Vollremission sei medizintheo
retisch zu erwarten.
Die
Zwangserkrankung
schrän
ke die
Beschwerdeführerin
kaum ein.
Schwere psychosoziale Belastungs
faktoren hielten die komplexe psy
chiatrische Symptomatik aufrecht beziehungs
weise stünden im Vordergrund. Ein dauerhafter Gesundheitsschaden sei nicht ausgewiesen (S. 6 oben).
6
.
6.1
Hinsichtlich des somatischen
Gesundheitszustand
s
geht aus den Akten hervor, dass die Beschwerdeführerin aufgrund eines Rückenleidens
ab Februar 2010 in der Klinik für Rheumatologie des
Z._
in Behandlung
war
, wo ein chronisches
lumbospondylogenes und intermittierend lumboradikuläres Reizsyndrom L5 links bei
bildgebend
objektivierten degenerativen Veränderungen
, darunter eine uni
segmentale Bandscheibendegeneration L4/5
mit konzentrischer Bandscheiben
protrusion (MRI vom 2
5.
September 2014)
, diagnostiziert und eine sich daraus ergebende Minderbelastbarkeit der Wirbelsäule festgestellt wurde.
Ab 2
7.
Dezem
ber 2012
attestierten die Ärzte des
Z._
der Beschwerdeführerin
eine volle Arbeitsunfähigkeit
(vgl. vorstehend E. 4.2-4, E. 4.7
-8
)
.
Es
erfolgten
mehrere
Infiltrationen im Lumbalbereich
, womit letztlich
ein Rückgang der Schmerzen
verzeichnet werden konnte. Ab
1.
Dezember 2014
beziehungsweise
1.
Februar 2015 attestierten die Ärzte des
Z._
wieder eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für leichte, wechselbelastende Tätigkeiten. Mittelfristig rechneten sie mit der Wieder
erlangung einer vollen Arbeitsfähigkeit für leichte wechselbelastende T
ätigkeiten (vgl. vorstehend E. 4
.8
-9
)
.
In ihrer Stellungnahme vom
8.
Oktober 2015 (vorstehend E. 4.11) übernahm RAD-Ärztin
Dr.
E._
die
seitens der
Rheumatologen des
Z._
attestierte Arbeitsunfähigkeit
in masslicher und zeitlicher Hinsicht
und
ging
ebenfalls davon aus, dass
mittelfristig
wieder eine
volle Arbeitsfähigkeit für angepasste T
ätig
kei
ten
besteht
.
Dass die Beschwerdeführerin im November 2017
eine Vollzeitstelle an
trat
(vgl.
Urk.
7/79),
legt den
Schluss nahe, dass sich die prognostizier
te Arbeitsfähigkeit einstellte.
Fachärztliche Berichte, welche dagegen sprechen wür
den, si
nd
nicht aktenkundig. Insbesondere reichte die Beschwerdeführerin auch a
nlässlich der kurz vor Arbeitsantritt erfolgten Neuanmeldung vom 2
5.
Oktober 2017
(
Urk.
7/76)
einzig ein
psychiatrischerseits ausgestelltes
Arbeits
unfähigkeits
zeugnis ein
(
Urk.
7/75).
6.2
In der erneuten Anmeldung zum Leistungsbezug vom Juli 2019 (
Urk.
7/104) nannte die Beschwerdeführerin als gesundheitliche Beeinträchtigung nebst psychischen Beschwerden
wiederum
ein Rückenleiden
mit
Bandscheibenvorfall (
Ziff.
6.1)
, dessentwegen sie bei
Dr.
H._
in Behandlung stehe (
Ziff.
6.3)
.
Aus den
Berichten
von
Dr.
H._
(vgl. vorstehend E.
5.3, E. 5.5
) ergeben sich indes keine Anhaltspunkte dafür, dass in Bezug auf das Rückenleiden eine Verschlechterung eingetreten ist.
Bei
bereits bekanntem
rezidivierendem lumbovertebralem
Schmerzsyndrom g
ing auch
Dr.
H._
von einer (weiterhin bestehenden) ver
min
derten Belastbarkeit der W
irbelsäule aus und erachtete eine wechsel
belastende Tätigkeit als angezeigt.
I
nsbesondere
ist
auch nicht ersichtlich, dass
Dr.
H._
die Beschwerdeführerin aufgrund einer Verschlechterung der Situation zu weiteren Abklärungen
oder Behandlungsmassnahmen
weiter
ver
wiesen hätte
. Die
von ihm eingereichten
B
erichte
(
Urk.
7/115/10-29), auf welche
er
bei der Frage nach den erhobenen Befunden (
vgl.
Urk.
7/115
/3 und
Urk.
7/115/7, jeweils
Ziff.
2.4) ver
wies, betreffen
allesamt
Abklärungen, welche
nicht
im Zusammen
hang mit dem
Rücken
leiden erfolgten
.
Soweit
Dr.
H._
zunächst eine
voll
ständige (vgl. vorste
hend E. 5.3) beziehungsweise im Januar 2020 eine
um 50
%
(vgl. vorstehend E. 5.5) eingeschränkte
Arbeitsfähigkeit attestierte, gilt es zu beachten, dass
Dr.
H._
damit
vornehmlich
der psychischen Problematik Rechnung zu tra
gen schien,
wel
che
gemäss dem von ihm
dokumentierten Behandlungs
verlauf
anlässlich der
im Jahr 2019
erfolgten Konsultationen im V
ordergrund
stand
(«Problem: depressive Störung»,
vgl.
Urk.
7/115/9).
Bei dieser Aktenlage ist in somatischer Hinsicht von einem unveränderten Gesundheitszustand auszugehen, welcher die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin zwar in qualitativer, nicht jedoch in quantitativer Hinsicht einschränkt.
7.
7.1
In Bezug auf den psychischen Gesundheitszustand ergibt sich aus den Akten, dass die Beschwerdeführerin im August 2013 erstmals in der
B._
ab
geklärt wurde.
Damals wurde eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) bei psychosozial
er Belastung durch eine schwerw
i
e
gende Krebs
erkran
kung der Mutter diagnostiziert (vgl. vorstehend E. 4.5)
.
I
m Zuge des Unfalls
der
Tochter im September 2013 und dem kurz darauffolgenden Tod der Mutter
der Beschwerdeführerin
war gemäss der behandelnden
Psychiaterin
Dr.
C._
eine Zunahme der Sympto
matik
zu verzeichnen
,
und
es wurde
eine depressive Episode (ICD-10 F 32.1)
diagnostiziert.
Anlässlich einer
(vorerst letzten)
Kontrolle im Juli 2015 zeigte sich die Beschwerdeführerin gemäss
Dr.
C._
zwar nach wie vor belastet, bezüglich des depressiven Syndroms aber stabiler
,
und es wurde ein schrittweiser Arbeitswie
dereintritt thematisiert
(vgl. vorstehend E. 4.10)
.
In ihrer Stellungnahme vom
8.
Oktober 2015 (vorstehend E. 4.11) ging die
RAD-Ärztin
Dr.
E._
h
insichtlich der psychi
schen
Problematik
(
sinngemäss
)
davon
aus, dass eine daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit nicht kumulativ zur soma
tisch bedingten Arbeitsunfähigkeit zu sehen sei
,
beziehungsweise dass diese gar nicht weiter andaure.
Vor dem Hintergrund dieser Stellungnahme kann fest
ge
halten werden, dass die
mit Verfügung vom
3.
Dezember 2015 zugesprochene befristete
Rente
aus somatischen Gründen erfolgte.
Davon ging auch der Sach
be
arbeiter der Beschwerdegegnerin aus (vgl.
Urk.
7/132 S. 4 oben).
7.2
Bis zum Bericht
von med. pract.
F._
und der Psychologin
G._
,
B._
,
vom 1
5.
August 2019
(vorstehend E. 5.2)
sind - abgesehen von einem nicht näher begründeten A
rbeitsunfähigkeitsz
eugnis der
B._
vom 1
5.
Mai 2017 (
Urk.
7/75) - keine Berichte zum psychischen
Gesundheitszustand
der
Beschwerdeführerin
mehr
aktenkundig.
Ge
mäss
den behandelnden
Fachpersonen der
B._
wurde eine psychiatrisch-psychotherapeutische
Therapie (erst) am
7.
F
ebruar 2019 wieder aufgenommen, dies nachdem die Beschwerdeführerin Ende 2018 im Zuge mehrerer aufgetretener
(neuer)
Belastungen dekompensiert war. Als Diagnose wurde
nunmehr
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel
gra
dige Episode (ICD-10 F
33.1
)
, genannt. Ferner Zwangsgedanken- und handlungen gemischt (ICD-10 F42.2), welche aber schon seit J
ahren bestünden.
A
uch wenn das zentrale Leiden damals wie heute in einer Problematik aus dem depressiven Formenkreis bestand beziehungsweise
besteht,
ist
im Falle der Beschwerdeführerin angesichts des Verlaufs, welcher
nicht zuletzt
eine Änderung der Diagnose zur Folge hatte,
eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands
durchaus erkennbar
.
V
or dem Hintergrund des Berichts der
B._
vom 1
5.
August 2019
(vorstehend E. 5.2)
sprach auch die RAD-Psychiaterin
Dr.
J._
von einer
erneuten Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands
(
Urk.
7/132 S. 5 Mitte).
Ob diese Veränderung als wesentlich zu bezeichnen ist, kann letztlich offen bleiben
, wie die folgenden Erwägungen zeigen:
7.3
Angesichts des (einzig, vgl. vorstehend E. 6.2) zur Diskussion stehenden psychi
schen Gesundheitsschadens ist
bei Bejahung eines Revisionsgrundes
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ein strukturiertes Beweisverfahren durchzu
füh
ren (vgl. vorstehend E. 1.5)
.
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psy
chischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt syste
matisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
7.4
Im Rahmen ihrer Stellungnahme
vom
2.
November 2020
(vorstehend E. 5.7)
machte die
RAD-Psychiaterin
Dr.
J._
Ausführungen unter dem Titel «Konsistenz
/Schweregrad
»
.
Bei näherer Betrachtung
zeigt sich, dass
Dr.
J._
sich
vornehmlich
auf Ausführungen zum sozialen Kontext sowie zur K
onsistenz beschränkt
e
. Zu den weiteren massgeblichen Kriterien kann je
doch anhand der Berichte der behandelnden Fachpersonen d
er
B._
Stellung genommen werden:
Was den
funktionellen Schweregrad anbelangt, gilt es
vorab zu bemerken, dass
rechtsprechungsgemäss
grundsätzlich nur eine schwere psychische Störung invalidisierend im Rechtssinn sein kann. Eine leicht- bis mittelgradige depressive Störung ohne nennenswerte Interferenzen durch psychiatrische Komorbiditäten lässt sich im Allgemeinen nicht als schwere psychische Krankheit definieren. Be
steht dazu noch ein bedeutendes therapeutisches Potential, so ist insbesondere auch die Dauerhaftigkeit des Gesundheitsschadens in Frage gestellt. Diesfalls müssen gewichtige Gründe vorliegen, damit dennoch auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden kann (zur Publikation vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_280/2021 vom 1
7.
Novem
ber 2021 E. 6.2.2 mit Hinweis).
Gemäss den behandelnden Fachpersonen der
B._
war bei der Beschwerdefüh
rerin im Frühjahr 2019 eine ausgeprägte depressive Symptomatik und körperliche Erschöpfung zu erheben. Es wurde eine mittelgradige depressive Episode im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung diagnostiziert
(vgl. vor
ste
hend E. 5.2)
.
Bereits dem
Bericht vom 1
5.
August 2019 (vorstehend E. 5.2) ist zu entnehmen, dass
sich
unter optimierter medikamentöser B
ehandlung die Depres
sion rückläufig zeigte
, worauf auch
Dr.
J._
hinwies (vgl. vor
stehend E.
5.7).
Im kurz darauf ergangenen Bericht vom
6.
September 2019 (vorstehend E. 5.4) wurde ausgeführt, die Beschwerdeführerin leide unter den
kognitiven Beeinträchtigun
gen der Depression. Während im genannten Bericht noch von einer über die Dauer deutlich eingeschränkten Konzentration und Auf
merksamkeit die Rede war, wurden im letzten Bericht vom 2
1.
Mai 2020
d
ie Konzentration und Auf
merksamkeit über die Dauer lediglich
noch
als leicht ein
geschränkt bezeichnet, ebenso d
ie Auffassung und Merkfähigkeit.
Auch der Appetit wurde (wieder) als normal bezeichnet (
Urk.
7/128 S. 2
Ziff.
1.3
).
Dies spricht
für eine weitere Besse
rung
und zeigt, dass die Störung der Beschwerde
führerin jedenfalls nicht als behandlungsresistent gewertet werden kann.
Die von den
behandelnden Fachper
sonen
postulierte
Verschlechterung
ist
unbegründet
.
Zwar wird
die Beschwerde
führerin
auch im Bericht vom 2
1.
Mai 2020 weiterhin
als im Affekt niederge
schlagen beschrieben und von ausgeprägten Einschlaf
störungen
, einem deutlich erniedrigten Selbstwert
sowie Schuld- und S
cham
gefühlen berichtet
,
g
leichzeitig aber auch davon, dass die Beschwerdeführerin einen Alltag aufrecht zu erhalten in der Lage ist, wenn auch
(
nur
)
für die Kinder
(
Urk.
7/128 S. 2
Ziff.
1.3
)
. Vor diesem Hintergrund kann die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde ins
gesamt nic
ht als schwer bezeichnet werden.
Hinsichtlich der als Komorbidität in Betracht fallenden Zwangsstörung
ist zu bemerken, dass eine Wech
s
e
lwirkung zwischen dieser Diagnose und der depres
siven Störung
in den
Ausführungen der behandelnden Fachpersonen der
B._
(vgl.
Urk.
7/128 S. 2
Ziff.
1.3
)
nur insofern erkennbar ist, als die Beschwerdefüh
rerin aufgrund des als zwanghaft anmutend beschriebenen Grübelns unter Ein
schlafstörungen l
eidet. Tagsüber kann sie sich dem Grübeln dagegen durch Ab
lenkung entziehen. Weder dieser Umstand noch der beschriebene mittelgradig ausgeprägte Putz- und Ordnungszwang können im Hinblick auf den beruflichen Funktionsbereich als massgebliche Komorbidität an
gesehen werden.
In Bezug auf die
Haushaltsführung wurde
eine relevante Ein
schränkung
gar explizit verneint (
vgl
.
vorstehend E. 5.
4
)
.
A
us den Berichten der behandelnden Fachpersonen
der
B._
ergeben sich sodann
auch
keine Hinweise für eine Interferenz des Rücken
leidens mit der depressiven Störung.
Gemäss den behandelnden Fachpersonen der
B._
verfügt die Beschwerdefüh
rerin
weiter
über persönliche Re
ssour
cen in
F
orm von Pflichtbewusstsein, Für
sorglich
keit, O
rdentlichk
eit und G
enauigk
e
i
t (
vgl
.
vorstehend E. 5.4).
Eine Reaktivierung der Ressourcen war denn auch eines der erklärten Therapieziele (vgl. vorstehend E. 5.2). Was den sozialen Kontext anbelangt, so ist das familiäre Netz der Beschwerdeführerin
zwar
kaum stützend und trägt die Beschwerdefüh
rerin
im Alltag
die
alleinige
Verantwortung (vgl. vorstehend E. 5.4). Andere
r
seits ist
sie
dank der Kinder
fähig,
den Alltag aufrecht zu erhalten
(
Urk.
7/128 S. 2
Ziff.
1.3
)
.
Ferner
gilt es zu berücksichtig
en, dass
das Beschwerdebild der Beschwerde
führerin nicht unerheblich durch psychosoziale Faktoren mitbestimmt wird. Ge
mäss
den behandelnden Fachpersonen der
B._
sei die Beschwerdefüh
rerin formalgedanklich teils eingeengt auf Sorgen um die psychosoziale Situation zu Hause, die Ehe sowie die Gesundheit der T
ochter. Ferner p
lagten sie finanzielle und Zukunftsängste
(
Urk.
7/128 S. 2
Ziff.
1.3
)
.
Die
negative
n
funktionelle
n
Fol
gen
dieser
Belastungen
ha
ben
bei
Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit
ausge
klam
mert zu
bleiben
(BGE 141 V 281 E. 4.3.3)
.
H
insichtlich
der
Konsistenz ist mit der RAD-Ärztin
Dr.
J._
(vorstehend E. 5.7)
festzuhalten, dass keine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen besteht. Haushalt und Wohnungspflege erfolgen gemäss den behandelnden Fachpersonen der
B._
– aufgrund der Zwangserkrankung – gar in einem Übermass (
Urk.
7/117
/7-11
S. 4
Ziff.
4.5) und
die Beschwerdeführerin sorgt sich auch fürsorglich um die Kinder (vgl. vor
ste
hend E. 5.4).
Dass sich die Beschwerdeführerin im Februar 2019 wieder in die
B._
in Behandlung
be
gab und diese seither
in ein- bis dreiwöchigem Rhythmus
(vgl.
Urk.
7/112 S. 2 Mitte,
Urk.
7/117
/7-11
Ziff.
1.2,
Urk.
7/128 S. 3
Ziff.
3.1)
erfolgt, lässt
a
ber
immerhin
auf das Vorhandensein eines Leidensdrucks schlies
sen.
7.5
Die
Würdigung der
dargelegten
m
assgeb
lichen Indikatoren ergibt
,
dass
es an einem stimmigen Gesamtbild für die Annahme einer rechtlich relevanten psychi
schen Funktionseinbusse fehlt.
Der Beweis einer rechtlich relevanten Arbeitsun
fähigkeit ist damit nicht erbracht.
Soweit die behandelnden Fach
personen der
B._
betreffend die bestehenden Funktionseinbussen auf die Ergebnisse des Mini-ICF-APP-Ratings verwiesen (
Urk.
7/117
/7-11
Ziff.
3.4)
,
bleibt zu bemerken, dass dies für eine hinreichende und nachvollziehbare Begründung der Arbeitsfä
higkeit nicht ausreicht (Urteil des Bundesgerichts 8C_280/2021 vom 1
7.
Novem
ber 2021 E. 6.3).
Damit erweist sich der angefochtene Entscheid als rechtens. Die dagegen er
ho
bene Beschwerde ist abzuweisen.
Bei diesem Ergebn
is
sind weitere
Abklärungen zum Status
(vgl. vorstehend E.
3
) entbehrlich.
8.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf
Fr.
500
.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.