Decision ID: edad0531-83cb-56f7-9402-dd4b46fa0e5a
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
St._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Paul Rechsteiner, Oberer Graben 44,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
Der 1957 geborene St._ meldete sich am 21. Oktober 2002 wegen seines
Rückenleidens zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an. Mit Verfügung
16. Oktober 2003 sprach die IV-Stelle St. Gallen dem Versicherten bei einem IV-Grad
von 63% ab 1. November 2003 eine halbe Rente zu (IV-act. 35). Aufgrund einer gegen
diese Verfügung erhobenen Einsprache widerrief die IV-Stelle diese Verfügung am
6. Januar 2004 (IV-act. 54). Nach Durchführung von medizinischen Abklärungen (IV-act.
60) gab die IV-Stelle dem Versicherten am 24. Juni 2004 verfügungsweise den
Anspruch auf eine Viertelsrente (IV-Grad von 45%) ab 1. August 2004 bekannt (IV-act.
75). Die hiegegen vom Rechtsvertreter des Versicherten erhobene Einsprache (IV-act.
79) führte zu einem erneuten Widerruf der Verfügung am 10. September 2004 (IV-act.
91) sowie zur Anordnung einer MEDAS-Begutachtung (IV-act. 126). Mit Verfügung vom
14. Juni 2006 sprach die IV-Stelle dem Versicherten bei einem IV-Grad von 45%
(Valideneinkommen von Fr. 71'940.-- und Invalideneinkommen von Fr. 39'746.--) mit
Wirkung ab 1. August 2004 eine Viertelsrente zu (IV-act. 144). Für den Zeitraum vom 1.
Mai 2003 bis 31. Juli 2004 hatte die IV-Stelle am 13. Juni 2006 bei einem IV-Grad von
63% eine halbe Rente zugesprochen. Die gegen die Verfügung vom 14. Juni 2006
erhobene Einsprache (IV-act. 146) wies die IV-Stelle mit Einspracheentscheid vom 26.
Januar 2007 ab.
B.
B.a Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt lic. iur. Paul Rechsteiner, St. Gallen,
am 27. Februar 2007 Beschwerde mit den Anträgen, der Entscheid sei aufzuheben und
dem Beschwerdeführer sei eine Dreiviertelsrente, eventuell eine halbe Rente der IV
zuzusprechen. Zur Begründung legte er unter anderem dar, wenn bei einer
sachgerechten Würdigung des medizinischen Befundes in orthopädischer Hinsicht
grundsätzlich von dem durch die MEDAS nicht dementierten Gutachten von Dr. med.
A._, Spezialarzt Orthopädische Chirurgie FMH, auszugehen sei, so würden die
zusätzlichen Diagnosen des MEDAS-Gutachtens (mit Einschränkung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit) eine stärkere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirken als von der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vorinstanz angenommen. Das allein mache es nötig, den medizinischen Befund noch
einmal integral beurteilen zu lassen. Das Valideneinkommen sei grundsätzlich
unbestritten. Dagegen sei es unhaltbar, beim Invalideneinkommen vom gleichen Lohn
wie beim Valideneinkommen auszugehen (Einspracheentscheid Ziffer 5). Sei somit für
die Beurteilung des Invalideneinkommens von Tabellenlöhnen auszugehen, so sei die
Beschwerde auch bei einem Grad der Arbeitsunfähigkeit von 35% ohne weiteres zu
schützen, zumal hier unbestritten sei, dass ein Leidensabzug von 15% einzusetzen sei.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 3. April 2007 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die Erwägungen im
Einspracheentscheid.

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig ist, welcher IV-Grad der ab 1. August 2004 laufenden Rente des
Beschwerdeführers zugrunde zu legen ist. Die Beschwerdegegnerin legte im
angefochtenen Entscheid (Erwägungen 1 und 4) die rechtlichen Grundlagen der
Rentenzusprechung zutreffend dar; darauf ist zu verweisen. - Im Austrittsbericht der
Klinik Valens vom 13. September 2002 wurde als Beurteilung festgehalten, dass - bei
Vorliegen einer lokalisierten Tendomyopathie links und eines lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms - durch das Programm eine Schmerzreduktion habe erzielt werden
können. Der Patient habe sich initial bei der aktiven Therapie als selbstlimitierend
erwiesen, habe sich aber im Verlauf des Trainings verbessert. Anhand der Basistests
für die körperliche Leistungsfähigkeit könne davon ausgegangen werden, dass er
100% arbeitsfähig sei für eine leichte bis mittelschwere Arbeit mit einer maximalen
Hebelast von 20 kg (IV-act. 9-8/22). Im Arztbericht vom 11. November 2002 stellte Dr.
med. B._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, Waldkirch, die Diagnosen eines
thorakalen Schmerzsyndroms mit rechtskonvexer BWS-Skoliose, einer teilweise
ausgeprägt überbrückenden Spondylophytenbildung Th 9-10, Th 10-11 und einer
Osteochondrose L4/5 mit leichter Spinalkanaleinengung. Eine belastende Tätigkeit (am
jetzigen Arbeitsort) sei nicht mehr zumutbar. Eine leichtere Tätigkeit, möglichst
wechselhaft, ohne grosse Belastungen, sei trotz Schmerz wohl zumutbar (IV-act.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
9-3/22). Von Seiten der C._ AG, bei welcher der Beschwerdeführer vom 1. Mai 2001
bis 31. März 2003 (IV-act. 18-3/5) als Spengler tätig war, wurde am 10. Februar 2003
dargelegt, der Beschwerdeführer habe eigentlich keine grösseren Lasten heben
müssen, weil technische Hilfsmittel vorhanden gewesen seien. Nach dem Aufenthalt in
der Klinik Valens habe man ihm eine Tätigkeit angeboten, bei der er maximal 2.5 kg
Gewichte habe heben müssen. Trotzdem habe er am ersten und zweiten Tag jeweils
den Arbeitsplatz nach einer Stunde verlassen mit dem Hinweis, dass er nicht in der
Lage sei zu arbeiten (IV-act. 11-1/11). In der Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen
Dienstes der IV (RAD) vom 24. März 2003 wurde eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (in
adaptierter Tätigkeit) bestätigt (IV-act. 14). Dr. med. A._ kam im Gutachten vom 5.
April 2004 zum Schluss, dass beim Beschwerdeführer unter anderem eine
Osteochondrose der Brustwirbelsäule mit Spondylose Th 9 bis 11, eine kleinvolumige
mediane Diskushernie L4/5, ein Verdacht auf Impingement der rechten Schulter bei
mässiger Acromioclaviculaarthrose, eine Präadipositas, eine kleinvolumige medio-links
laterale Diskushernie C 6/7 sowie eine initiale Coxarthrose bestünden. Dem
Beschwerdeführer seien körperlich leichte Tätigkeiten, die abwechslungsweise stehend
und sitzend durchgeführt werden könnten, ohne dass regelmässig gebeugte
Körperhaltungen eingenommen und Lasten über 5 kg gehoben oder getragen werde
müssten, bei voller Stundenpräsenz zu 65% zumutbar (IV-act. 60).
Eine MEDAS-Abklärung ergab gemäss Gutachten vom 11. Mai 2006 die Diagnosen mit
Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit eines Ganzkörper-Schmerzsyndroms
mit vielen vegetativen Begleitbeschwerden, einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung sowie eines maladaptiven Überzeugungs- und Bewältigungsmusters
im Zusammenhang mit den Schmerzen. Die von Dr. A._ diagnostizierte "initiale
Coxarthrose beidseits" könne so nicht festgestellt werden, sondern lediglich eine
"mangelnde Überdachung beider Femurköpfe" mit möglichem Risiko für eine vorzeitige
Arthrose. Für die ursprünglich ausgeübte Tätigkeit als Metallbauschlosser bestehe seit
Mai 2002 keine Arbeitsfähigkeit mehr; dies weniger wegen objektivierbaren
körperlichen Befunden, sondern vorwiegend wegen des chronischen
Schmerzsyndroms. Bei der aktuellen Begutachtung hätten (im Vergleich zum Bericht
der neurochirurgischen Ambulanz vom Juli 2002 und demjenigen der Klinik Valens vom
September 2002) keine neuen Befunde erhoben werden können. Die degenerativen
Veränderungen der unteren Hals- und Lendenwirbelsäule würden ein wesentliches
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Altersausmass kaum überschreiten. Die Befunde an der unteren Brustwirbelsäule
würden in Form einer hyperostotischen Spondylose (DISH) quasi einer Formvariante
entsprechen, welche keinen wesentlichen Krankheitswert habe. Die psychiatrische
Exploration verneine psychische Probleme im engeren Sinn, betone aber psychische
und soziale Faktoren, auch gewisse demonstrative Komponenten. Die Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit für körperlich eher leichtere, wechselbelastende Tätigkeiten werde
in Übereinstimmung mit dem orthopädischen Gutachten vom Mai 2004 unter
Beachtung der psychischen Faktoren weiterhin auf 35% geschätzt; dies seit Anfang
2002 (IV-act. 126). Mit Schreiben vom 14. August 2006 nahm Dr. B._ zum bisherigen
Krankheitsverlauf und zum MEDAS-Gutachten Stellung. Er führte unter anderem aus,
die rheumatologische Beurteilung der MEDAS habe ca. 1.5 Stunden und die
psychiatrische Beurteilung ca. 15 Minuten gedauert. Oberflächlich sei vom Psychiater
Dr. med. D._ eine Schmerzverarbeitungsstörung diagnostiziert worden, ohne dass er
sich die Mühe genommen hätte, Verlauf und Ursache herauszufiltern. Kurze
Abwicklungen von Gutachten (Dr. A._, Dr. D._) müssten als inadäquat und deshalb
als ungenügend qualifiziert werden. Dass beide Gutachter keinerlei Hinweise auf die
beim Patienten aufgetretene Symptomausweitung abgegeben hätten, sei mehr als nur
erstaunlich. Das MEDAS-Gutachten werde den Problemen des Patienten überhaupt
nicht gerecht. Der Beschwerdeführer könne aus krankheitsbedingten Gründen
(seelische Momente) nirgendwo irgendeiner regelmässigen Tätigkeit nachgehen. Er sei
deshalb entsprechend arbeitsunfähig, ganz speziell unter dem Blickwinkel des nun
mehrjährigen Verlaufs mit den unzähligen, erfolglosen Bemühungen zur Verbesserung
(IV-act. 148).
1.2 Grundlage der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens ist die
Arbeitsfähigkeitsschätzung. Es liegen sich widersprechende Einschätzungen vor.
Während der Hausarzt Dr. B._ - im Wesentlichen mit Hinweis auf psychische Gründe
- von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgeht (IV-act. 148), bestätigen die
MEDAS-Gutachter - wie der Orthopäde Dr. A._ (IV-act. 60) - bei unveränderten
medizinisch-somatischen Befunden seit 2002 eine um 35% eingeschränkte
Arbeitsfähigkeit für körperlich eher leichtere, wechselbelastende Tätigkeiten (IV-act.
126). Daraus kann nicht ohne weiteres auf die Notwendigkeit weiterer
Sachverhaltsabklärung geschlossen werden. Dies wäre nur dann der Fall, wenn keine
der Schätzungen zu überzeugen vermöchte. Dr. A._ schätzte die Arbeitsunfähigkeit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
mit Hinweis auf mehrere orthopädische Diagnosen auf 35%. Die MEDAS-Gutachter
stellten demgegenüber die von Dr. A._ gestellte Diagnose einer initialen Coxarthrose
beidseits in Frage und erachteten auch die weiteren orthopädischen Befunde nicht als
invalidisierend. Sie diagnostizierten jedoch mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
Ganzkörper-Schmerzsyndrom mit vielen vegetativen Begleitbeschwerden. Von Seiten
des psychiatrischen MEDAS-Konsiliararztes wurde sodann bei Vorliegen einer
somatoformen Schmerzstörung und eines maladaptiven Überzeugungs- und
Bewältigungsmusters eine 20%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestätigt.
Insgesamt bescheinigten die MEDAS-Gutachter ebenfalls eine 35%ige Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit. Dabei ist zu beachten, dass bei Zusammentreffen verschiedener
Gesundheitsbeeinträchtigungen sich deren erwerbliche Auswirkungen in der Regel
überschneiden, weshalb der Grad der Arbeitsunfähigkeit diesfalls aufgrund einer
sämtliche Behinderungen umfassenden ärztlichen Gesamtbeurteilung zu bestimmen
ist. Eine blosse Addition der mit Bezug auf einzelne Funktionsstörungen und
Beschwerdebilder geschätzten Arbeitsunfähigkeitsgrade ist nicht zulässig (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 3. März 2003 i/S E. [U 850/02] Erw. 6.4.1). Die
Frage, ob die 35%ige Arbeitsunfähigkeit mit eigentlichen orthopädischen Befunden (Dr.
A._) oder mit einem Ganzkörper-Schmerzsyndrom (MEDAS) zu begründen sei, kann
offenbleiben, nachdem sich die vorliegend von den MEDAS-Konsiliararzt aus
psychischen Gründen bescheinigte Arbeitsunfähigkeit von 20% in jedem Fall mit der
von Dr. A._ festgestellten somatisch bedingten Arbeitsunfähigkeit von 35% nicht
kumulieren liesse. Die MEDAS-Gutachter schätzten die Arbeitsfähigkeit ganzheitlich -
unter Einbezug der psychischen Gegebenheiten. Die Arbeitsfähigkeitsschätzungen von
Hausärzten dürfen nicht generell unter Verweis auf eine mögliche Befangenheit als
unbeachtlich beiseite geschoben werden. Für die Überzeugungskraft der
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der Hausärzte wird regelmässig vorgebracht, die
Hausärzte hätten sich lange und intensiv um die Gesundheitsbeeinträchtigungen ihrer
Patienten gekümmert und könnten diese deshalb besser beurteilen als jene Ärzte, die
sich nur ganz kurz gutachterlich mit den Patienten befasst hätten. Die lange
Beschäftigung mit den Gebrechen der Patienten kann aber genauso gut gegen die
Überzeugungskraft der Hausarztschätzungen ins Feld geführt werden. Die
(pessimistische) subjektive Einschätzung eines Patienten schlägt sich nämlich in der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arbeitswelt sofort nieder. Dies wiederum erweckt den Anschein, dass die
Selbsteinschätzung richtig sei, sie bestätigt sich sozusagen selbst. Bei den Hausärzten
muss deshalb damit gerechnet werden, dass sie sich durch die "Macht des
Faktischen" von der Einschätzung ihrer Patienten überzeugen lassen (vgl. Entscheid
des Versicherungsgerichts vom 27. März 2003 i/S M. [IV 2002/10]). Im vorliegenden Fall
kommt hinzu, dass Dr. B._ bei der Beurteilung der Auswirkungen der psychischen
Beeinträchtigung auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers die
arbeitsmedizinische Erfahrung des Psychiaters der MEDAS fehlte. Der behandelnden
Arzt hatte ausserdem keine Möglichkeit einer Auseinandersetzung mit den Spezialisten
verschiedener Fachrichtungen. Die psychiatrische Exploration kann von der Natur der
Sache her nicht ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater
praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene
medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind,
sofern der Experte lege artis vorgegangen ist. Daher und unter Beachtung der
Divergenz von medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag (BGE 124 I 175
Erw. 4; Urteil des EVG i/S P. vom 13. Juni 2001 [I 506/00]) kann es nicht angehen, eine
medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets dann in Frage zu stellen und
zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte nachher
zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an solchen vorgängig geäusserten
abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich hingegen, wenn der
behandelnde Arzt objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorbringt, welche im Rahmen
der psychiatrischen Begutachtung unerkannt geblieben und die geeignet sind, zu einer
abweichenden Beurteilung zu führen (Urteil des EVG vom 13. März 2006 i/S G. [I
676/05] Erw. 2.4). Die von Dr. B._ bemängelte zur kurze Abklärungsdauer anlässlich
der MEDAS-Begutachtung vermag das Begutachtungsergebnis für sich allein nicht in
Frage zu stellen. Weitere Gesichtspunkte, aufgrund welcher das Resultat der MEDAS-
Begutachtung anzuzweifeln wäre, werden weder geltend gemacht noch sind solche
aus den Akten ersichtlich.
1.3 Aus den dargelegten Gründen vermag die Arbeitsfähigkeitsschätzung der MEDAS
mehr zu überzeugen als diejenige des Hausarztes. Konkret sind die Verhältnisse bis
zum Erlass des angefochtenen Entscheids (26. Januar 2007) zu prüfen (BGE 121 V 362
Erw. 1b). Anhaltspunkte dafür, dass seit der MEDAS-Begutachtung bis zum Erlass des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
angefochtenen Entscheids eine gesundheitliche Veränderung ergeben hätte, sind den
Akten nicht zu entnehmen und werden auch nicht geltend gemacht.
2.
2.1 Das Valideneinkommen 2006 von Fr. 71'940.-- legte die Beschwerdegegnerin
gestützt auf das bei der C._ AG erzielte Einkommen 2001 (IV-act. 19, 128f) unter
Berücksichtigung der zwischenzeitlich eingetretenen Nominallohnerhöhungen fest. Von
diesem unbestritten gebliebenen Betrag ist nachstehend auszugehen. Bei der
Festlegung des zumutbaren Invalideneinkommens ging die Beschwerdegegnerin vom
gleichen Betrag aus wie das Valideneinkommen, so dass bei Berücksichtigung einer
65%igen Arbeitsfähigkeit und eines Leidensabzuges von 15% ein Invalideneinkommen
von Fr. 39'746.-- resultierte. Wenn sie dies mit dem Hinweis begründete, dass dem
Beschwerdeführer von der ehemaligen Arbeitgeberin die Möglichkeit der
Weiterbeschäftigung im Rahmen einer seinem Leiden adaptierten Stelle angeboten
worden sei und er dennoch den Arbeitsplatz verlassen habe (Einspracheentscheid S. 6;
IV-act. 11-1/11), so nahm sie offenbar ohne weitere Abklärungen an, dass der
Beschwerdeführer bei dieser Arbeit dauerhaft denselben Lohn wie bei der früher
ausgeübten Tätigkeit erzielt hätte. Ob dies tatsächlich der Fall gewesen wäre, erscheint
fraglich, lässt sich jedoch im heutigen Zeitpunkt mit Blick auf den Zeitablauf und die
tatsächlichen Umstände wohl nicht mehr zuverlässig abklären. Fest steht
demgegenüber, dass bereits im Bericht der Klinik Valens vom 13. September 2002
festgehalten worden war, dass der Beschwerdeführer keine schwereren Arbeiten -
wozu auch die Tätigkeit als Bauspengler gehörte - mehr verrichten könne (IV-act.
9-9/22). Dies wurde auch im Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 15. Januar
2003 bestätigt (IV-act. 13-7/11). Dr. A._ erachtete in der Tätigkeit als Montagearbeiter
eine lediglich 30%ige Arbeitsfähigkeit als gegeben (IV-act. 60). Die MEDAS-Gutachter
verneinten eine Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit gänzlich (IV-act. 126 S. 12).
Bei diesem Sachverhalt kann beim Invalideneinkommen nicht dieselbe betragliche
Grundlage wie beim Valideneinkommen verwendet werden. Anhand der
Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik, Tabelle 1 (Privater Sektor)
Niveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) ergibt sich bei Zugrundelegung der
gesamtschweizerischen Werte (vgl. SVR-UV 2007 Nr. 17, 56 Erw. 8.1-8.5) des Jahres
2006 bzw. derjenigen im Zeitpunkt des Prüfung des Rentenanspruchs (vgl. BGE 128 V
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
174) ein allgemeiner Durchschnittslohn aller Branchen von Fr. 56'784.-- (12 x Fr.
4'732.--). Unter Berücksichtigung einer wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden
und einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 65% resultiert ein Wert von Fr. 38'478.--. Es
erscheint sachgerecht, diesen Wert als Invalideneinkommensbasis zu nehmen.
2.2 Nach der Rechtsprechung ist ein Abzug vom Invalideneinkommen gerechtfertigt,
wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass eine versicherte Person, die
gesundheitsbedingt lediglich noch leichtere Hilfsarbeiten ausführen kann, ihre
Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem
erwerblichem Erfolg zu verwerten in der Lage ist. Zudem können weitere persönliche
und berufliche Merkmale (Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad) Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben. Hingegen ist zu beachten, dass nicht sämtliche Ausländer weniger Einkommen
als der Totalwert aller Schweizer und Ausländer erzielen; vielmehr können sich je nach
Aufenthaltskategorie und Anforderungsniveau weitgehende Unterschiede ergeben,
insbesondere bei Inhabern einer Niederlassungsbewilligung C, bei welchen der
Durchschnittslohn für einfache und repetitive Tätigkeiten darüber liegen kann (vgl. BGE
126 V 75 Erw. 5a mit Hinweisen). Bei der Überprüfung des Abzuges, der eine
Schätzung darstellt und von der Verwaltung kurz zu begründen ist, darf das
Sozialversicherungsgericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle
desjenigen der Verwaltung setzen (BGE 126 V 75 Erw. 6). Der Beschwerdeführer, der
1978 als Saisonnier in die Schweiz kam und 1986 einreiste, ist gelernter Bauspengler.
Er ist bei Tätigkeiten, welche das Tragen von Lasten beinhalten, eingeschränkt und
kann diesbezüglich nur noch leichtere Arbeiten ausführen. Diesem Umstand trägt ein
Abzug von 10% zureichend Rechnung. Bei Berücksichtigung der Limitierung auf ein
Teilzeitpensum von 65% (vgl. Urteile des EVG vom 18. Juli 2005 i/S A.P.-G. [I 104/05]
Erw. 3 mit Hinweisen, und vom 2. November 2007 i/S S.A. [I 69/07] Erw. 5.2) mit einem
weiteren Abzug von 5% resultiert der von der Beschwerdegegnerin angenommene
Gesamtabzug von 15%. Einem Valideneinkommen von Fr. 71'940.-- steht demgemäss
ein Invalideneinkommen von Fr. 32'706.-- gegenüber, woraus sich ein
Erwerbsunfähigkeitsgrad von 55% errechnet. Der Beschwerdeführer hat unter diesen
Umständen Anspruch auf eine halbe Rente.
3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 26. Januar 2007 gutzuheissen und dem Beschwerdeführer
mit Wirkung ab 1. August 2004 eine halbe Rente auf der Basis eines IV-Grades von
55% zuzusprechen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Bei
diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf
Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Es rechtfertigt sich, diese Entschädigung auf
pauschal Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG