Decision ID: 7f83b8bc-36e6-4951-9f63-d8a90d7c8cb6
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1980 geborene
X._
(ehemals
Y._
)
, welche in ihrem Heimatland keine Berufsausbildung
absolviert hatte
, reiste 2002 in die Schweiz ein
, wurde 2004 Mutter eines Sohnes
und war
von Juni 2008 bis Mai 2011 als Buffetmitarbeiterin bei der
Z._
(im Rahmen einer Arbeitsintegration
smassnahme
)
in einem Teilzeitpensum angestellt
. Am 26. September 2014 (Eingangsdatum) meldete sie sich unter Hinweis auf eine unklare komplexe Epilepsie
,
ein depressives Leiden sowie
körperliche
Beschwer
den (v.a. Rückenbeschwerden)
bei der Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der In
validenversicherung an (Urk. 8/5 und Urk. 8/14
).
Die IV-Stelle klärte die erwerblichen und
medizini
schen Verhältnisse ab und veranlasste am 3. März 2015 eine polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten (Urk. 8/26
, vgl. auch Urk. 8/32
). Das
Gutachten der
A._
wurde am
3. August 2015 erstattet (Urk. 8/37
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 12. August 2015 [Urk. 8/40]; Einwand vom 11. September 2015 [Urk. 8/47] bzw. 24. Oktober 2015 [Urk. 8/49; vgl. auch Urk. 8/50]) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom
9. November 2015 ab (
Urk.
2 [=
Urk. 8/52
]).
2.
Dagegen erhob
die
Versicherte mit Eingabe vom
9. Dezember 2015
Beschwerde und beantragte
,
die angefo
chtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr eine ganze Rente zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht beantragte die Beschwer
deführerin die unentgeltliche Rechtspflege sowie eventuell eine neue psychiat
rische und neurologische Begutachtung (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 22. Januar 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Mit Verfügung vom 29. Januar 2016 wurde der Beschwer
deführerin die unentgeltliche Rechtspflege gewährt. Ausserdem wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Urk. 9).
Mit Replik vom 4. März 2016 hielt die Beschwerdeführerin a
n ihren Anträgen fest (Urk. 12), was der
Beschwerde
gegnerin
am 9. März 2016 angezeigt wurde (Urk. 13).
Mit Eingaben vom 11. April 2016 (Urk. 14) und 17. November 2016 (Urk. 16) reichte die Beschwer
deführerin weitere medizinische Unterlagen zu den Akten (provisorischer
Aus
trittsbericht
des
B._
, Klinik für Neurologie, vom 6. April 2016 [Urk. 15/1]; ärztliches Zeugnis des
B._
vom 8. April 2016 [Urk. 15/2]; Bericht des
B._
, Klinik für Neurologie, vom 11. September 2016 [Urk. 17/1];
ambulante Verlaufsberichte der Klinik
C._
vom
12. Mai 2016 [Urk. 17/2] und
14. September 2016 [Urk. 17/3]).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit
Krank
heitswert
besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.2
1.2.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.2.2
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
benbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Nach der Gerichts- und Verwaltungspraxis wird zunächst der Anteil der Erwerbs
tätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (so unter anderem im Haushalt) ermittelt; die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, beurteilt sich mit Rücksicht auf die gesamten Umstände, so die persönlichen, familiären, sozi
alen und erwerblichen Verhältnisse. Im Rahmen der gemischten Methode bestimmt sich die Invalidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die Gesamtinvalidität aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittel
ten und gewichteten
Teilinvaliditäten
ergibt (BGE 130 V 393 E. 3.3 mit Hin
weisen; vgl. BGE 134 V 9).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Für die verlässliche Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.4). Wichtigste Grundlage gutachterlicher Schlussfolgerungen bildet – gegebenenfalls neben standardisierten Tests – die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung (Urteil des Bundesgerichts 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2 mit Hinweis). Bezüglich der Wahl der Untersuchungsmethoden kommt der Expertin oder dem Experten ein weiter Ermessensspielraum zu, und es ist nicht zwingend notwendig, dass
fremdanam
nestische
Angaben eingeholt oder Zusatzuntersuchungen angeordnet werden (Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai 2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 9C_275/2014 vom 21. August 2014 E. 3). Rechtsprechungsgemäss gibt es keine verbindliche Mindestdauer für eine psychiatrische Exploration, sondern es wird lediglich verlangt, dass die Exper
tise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist, wobei der für eine psy
chiatrische Untersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand der Fragestellung
und der zu beurteilenden Psychopathologie angemessen sein muss (Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai 2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversiche
rung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gut
achten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1
.6
Für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung oder des
Einspracheentscheides
ist für das Sozialversicherungsgericht in der Regel der Sachverhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwal
tungsaktes gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bilden (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). Sie können indessen, unter Wah
rung des rechtlichen Gehörs, berücksichtigt werden, wenn sie kurze Zeit nach dem Erlass des angefochtenen Entscheids eingetreten sind, sich ihre Beachtung aus prozessökonomischen Gründen unbedingt aufdrängt und sie hinreichend klar feststehen (BGE 105 V 156 E. 2d; ZAK 1984 S. 349 E. 1b). Dies ist der Fall, wenn sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflus
sen (BGE 99 V 98 E. 4 mit Hinweisen).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung er
wog die Beschwerdegegnerin,
seit November 2012
bestehe
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Serviceangestellte. Ein Rentenanspruch entstehe jedoch erst ab März 2015, da
sich die Beschwerdeführerin
am 26. September 2014 angemeldet habe. Seit Dezember 2014 sei es der Beschwerdeführerin
jedoch
zumutbar, in einer angepassten Tätigkeit vollzeitlich tätig zu sein mit einer 20%igen
Leis
tungseinbusse
. Beim Einkommensvergleich resultiere ein Invaliditätsgrad von 22 %, womit kein Rentenanspruch bestehe (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend,
sie sei derzeit nicht in der Lage zu arbeiten. Sie eile von einem Arzt-/Spitaltermin zum nächsten, nicht zuletzt zwecks Behandlung der Verle
tzungen, die sie sich bei Stürz
en aufgrund der mittlerweile immer häufiger auf
tretenden epileptischen Anfälle
zuziehe (Urk. 1 S. 4). Das polydisziplinäre Gutachten überzeuge nicht.
Der begutach
tende Psychiater
geh
e
fälschlicherweise davon
aus, dass die Psychotherapie beim Diplompsychologen
D._
zusätzlich
zur antiepileptis
chen Medikation erst nach dem 26. September 2013 (erster Anfall) eingesetzt habe. Tatsache sei
jedoch, dass
sich
die Beschwerdeführerin aufgrund
einer diagnostizierten depressiven
Störung Monate vor dem ersten epileptischen Anfall
in die p
sy
chotherap
eutische Behandlung begeben habe (Urk. 1 S. 5). Die Prognose der Epilepsie werde im Gutachten offen gelassen, während festgestellt werde, dass bei der Beschwerdeführerin die Anfallsfreiheit noch nicht habe erreicht werden können und auch zukünftig unsicher sei. Es bleibe ein Rätsel, wie trotz der noch immer nicht erreichten Anfallsfreiheit eine Epilepsie unklarer Ätiologie keine Relevanz für die Arbeitsfähigkeit aufweisen solle. In Bezug auf die andaue
rnden epileptischen Anfälle werde
im Gutach
ten differentialdiagnostisch eine
dissozi
ative Störung bzw. Konversionsstörung in den Raum gestellt, obgleich sich der begutachtende Psychiater in seinem Teilgutachten klar dagegen ausspreche. Nicht überzeugend sei sodann die Begr
ündung, weshalb die Diagnose einer
mittleren Depression seitens des
E._
nicht gelten solle, obwohl die Diagnose anlässlich einer 45-tägigen stationären psychiatrischen
Behandlung erfolgt sei
.
Es fehle eine
Auseinandersetzung mit den sich w
idersprechenden ärztlichen Fests
tellungen; insbesondere
fehle eine
sch
l
üssige
Erklärung
dafür, weshalb
die Einschätzun
gen
derart unterschiedlich ausgefallen seien
(Urk. 1 S. 5 f.)
.
Für die initiale Abklärungsphase der Epilepsie mit wieder
holten Anfällen und Verletzungen (September 2013 - ca. Mitte Dezember 2014) sei der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Mit
derselben Begründung müsste auch die derzeitige Arbeitsfähigkeit 0
% betragen, schliesslich habe die Beschwerdeführerin auch nach Dezember 2014 mehrere epileptische Anfälle mit erheblichen Verletzungen erlitten. Es stelle einen unlösbaren Widerspruch dar, wenn der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin insbesondere aufgrund der häufiger auftretenden epilepti
schen Anfälle nachweislich schlechter und schlechter werde, während die Arbeitsfähigkeit im Vergleich zur initialen Abklärungsphase der Epilepsie von 0
% bis auf 80
% steige (Urk. 1 S. 7 f.).
2.3
Die Beschwerdegegnerin führte in ihrer Beschwerdeantwort vom 22. Januar 2016 (Urk. 7) im Wesentlichen aus, das Gutachten diene als beweistaugliche Grundlage für die Beurteilung der Invalidität. Selbst eine leichte bis höchstens mittelschwere Störung aus dem depressiven Formenkreis begründe grundsätz
lich keine Invalidität. Die Gutachter hätten sodann die epileptische
Anfallser
krankung
bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit angemessen berücksichtigt. Im Weiteren böten die im Beschwerdeverfahren eingereichten neuen ärztlichen Berichte keinen Grund, an den gutachterlichen Feststellungen zu zweifeln.
2.4
In der Replik vom 4. März 2016 brachte die Beschwerdeführerin im Wesent
lichen vor, angesichts der Stürze und der Verletzungsgefahr, wenn nicht Lebensgefahr, müsse
von einer
vollständige
n
Arbeitsunfähigkeit
ausgegangen
werden (Urk. 12).
3.
Das von der Beschwerdegegnerin eingeholte polydisziplinäre Gutachten des
A._
vom
3. August 2015 beruht auf Untersuchungen in den Fachgebieten Innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie und Orthopädie/Traumatologie (Urk. 8/37/1).
In der interdisziplinären Zusammenfassung des Gutachtens wurde
n die fol
genden
Diagnose
n
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
aufgeführt (Urk. 8/37/13):
Lumbovertebrales
Schmerzsyndrom mit/bei
r
umpfmuskulärem Globaldefizit in der Folge einer
Langzeitdekondi
tionieru
ng
und fehl- und überbelastendem
Übergewicht (BMI 29.8 kg/m2)
MRI-gesicherten
Mehretagendiscopathien
einbezüglich
Diskushernien L4/5 und L5/S1
2006 radiologisch beschriebener lumbaler Scheuermann-Folgen
Als Diagnosen ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
wurden die folgenden genannt (Urk. 8/37/14):
Epilepsie unklarer Ätiologie
Angst und depressive Reaktion gemischt im Sinne einer
Anpassungs
störung
(ICD-10 F43.2)
Migräne ohne Aura
Pollenallergie
Allergische
Bronchusreizung
nicht auszuschliessen
Deutliches Übergewicht (BMI 29.8 kg/m2)
In der Synthese aus allen untersuchten Fachgebieten nach Konsens vom 27. Juli 2015 wurde festgehalten (Urk. 8/37/14 f.), bei der heute 35-jährigen Beschwer
deführerin habe sich im September 2013 erstmals eine Epilepsie manifestiert, deren Ätiologie bis heute unklar sei. Im Standard-EEG fänden sich keine
Nor
mabweichungen
, das MRI des Gehirns sei normal. Erst bei einem Langzeit-EEG über 90 Stunden hätten sekundenlang auftretende Spike-Wave-Komplexe als
epilespiespezifische
Potentiale registriert werden können. In den parallel laufen
den Videoaufnahmen seien an den Extremit
äten Myoklonien sichtbar geworden
. Daneben sei es aber auch zu klinischen Ausnahmesituationen ohne entspre
chendes Korrelat im laufenden EEG gekommen, so dass dissoziative Phänomene im Krankheitsgeschehen diskutiert worden seien. Der Psychiater habe allerdings im Rahmen der vorliegenden Untersuchung keine konkreten Anhaltspunkte für eine relevante dissoziative Erkrankung gefunden, er erkläre die nicht
epilepsie
bedingten
„Anfälle" als psychogen. Die antiepileptische Therapie mit
Levetira
cetam
und
Lamotrigin
sei aktuell offensichtlich ungenügend, da weiterhin Anfälle aufträten. Der Serumspiegel des
Lamicals
liege gemäss
Laborreferenz
werten
noch im Normbereich, sei aber gemäss heutigen Erfahrungen mit diesem Medikament eher zu tief. Eine quantitative Einsch
ränkung der Arbeitsfähigkeit sei
aufgru
nd der Epilepsie nicht gegeben
,
eine
qualitativ
e
hingegen schon. Wenn bei Anfallspatienten das B
elastungsprofil eingehalten werde, dann sei
die
Arbeitsfähigkeit nicht tangiert.
S
eit mindestens zehn
Jahren bestehe
ein chro
nisches
lumbovertebrales
Syndrom, welches bisher
erfolglos behandelt worden sei
, aber offenbar in letzter Zeit we
niger Beschwerden verursacht habe
.
Neuro
logische Ausfälle (
Radikulopa
thien
, spinale Symptome) hätten
in diesem Zusammenhang nie
festgestellt werden
können. Der Orthopäde stelle
hingegen fest, dass die
Beschwerdeführerin
nur für leichte,
rückenadaptierte Tätigkeiten geeignet sei. Die
komplexen Befunde im Bereich der LWS und des Rumpfes ver
hinder
te
n eine Arbeitsfähigkeit in einem
Gastronomie-Betrieb. Tätigkeiten, wel
che aber mit dem Belastungsprofil auf
orthopädischer Ebene
korrelier
ten, seien
auf einem 80%-Niveau zumutbar
(gemäss Orthopäde sind angepasste Tätigkei
ten bei einem vollen Pensum mit einer Minderung der Leistungsfähigkeit von 20 % zumutbar [Urk. 8/37/51])
.
Der Psychiater habe
keine Diagnose mit Rele
vanz für die Arbeitsfähigkeit stellen
können
. Ohne Relevanz
liege
eine Angst-
und depressive Reaktion gemischt vor (F43.2). Eine klare dissoziative Störung im
Sinne eines ungelösten, intrapsychischen Konfliktes
habe
nicht festgestellt werden
können
. Die Versicherte
zeig
e
in der Biographie keinerlei Zeichen einer multiplen bzw. konversionsgeprägten Persönlichkeit.
Aus psychiatrischer Sicht sei
die Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt.
Auch au
f der internistischen Ebene seien
keine Faktoren vorhanden, welche die Arbeitsfäh
igkeit
in der ange
stammten oder
einer Verweistätig
keit tangierten.
Das Belastungs-/Ressourcenprofil beschrieben die Gutachter wie folgt (Urk. 8/37/15): Zu meiden seien Arbeiten an gefährlichen Maschinen (betreffe auch die Küche), Besteigen von Leitern und Gerüsten, Autofahren und die Ein
teilung in eine Nachtschicht. Auch auf der orthopädischen Ebene sei das
Belas
tungsprofil
eingeschränkt. Es kämen nur leichte, rückenadaptierte Tätigkeiten in Frage. Das Heben, Tragen und Bewege
n von Lasten sei mit max. 10
kg limitiert. Somit müssten schwere und statisch belastende Arbeiten wie z.B. Arbeiten in Zwangshaltungen für die Wirbelsäule und für den Rumpf sowie vornüberge
beugt stehend, kniend, hockend, kauernd und einhergehend mit repetitiven Bewegungsanforderungen an die LWS aussen vor bleiben.
Die Gutachter hielten schliesslich fest, die Prognose der Epilepsie sei vorderhand offen. Es hänge davon ab, ob man die richtige medikamentöse Einstellung finde, welche wenn immer möglich zur Anfallsfreiheit führe. Was die
Rücken
beschwerden
betreffe, werde sich auch in Zukunft nichts ändern
(Urk. 8/37/16)
.
Im Haushaltsbereich sei die Beschwerdeführerin ebenfalls zu 80 % arbeitsfähig (Urk. 8/37/18).
4.
4.1
Das
polydisziplinäre Gutachten des
A._
vom
3. August 2015
(Urk.
8/37)
ver
mag die an eine beweiskräftige ärztliche Expertise gestellten Anforderungen vo
llumfänglich zu erfüllen (E. 1.5
). So tätigten die Gutachter s
orgfältige, umfassende Abklärun
gen, berücksichtigten die geklagten Besch
werden und begründeten ihre Ein
schätzung in nachvollziehbarer Weise sowie in Auseinan
dersetzung mit den vorgelegten
Vorakten
. Die Gutachter legten die medizini
schen Zusammenhänge und die medizinische Situation einleuchtend dar und begründeten ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar.
Dem Gutachten kommt somit
grundsätzlich
volle Beweiskraft zu.
4.2
4.2.1
Im Besonderen ist nicht ersichtlich, i
nwiefern der Umstand, dass der begutach
tende Psychiater in seinem Teilgutachten vom 23. Juni 2015 irrtümlicherweise
davon aus
gegangen ist
, die Beschwerdeführerin habe beim Diplompsychologen
D._
erst nach Auftreten des ersten epileptischen Anfalls (26. September 2013) eine Psychotherapie begonnen (vgl. Urk. 8/37/34 f.),
an der Verwertbarkeit des Gutachtens etwas ändern sollte
(vgl. Urk. 1 S. 5 und Urk. 12 S. 3 f.).
D
em Gutachter
war
durchaus bekannt, dass die Beschwerdeführerin bereits vor Auftreten des ersten epileptischen Anfalls beratende Gespräche bei einem
Dip
lompsycholog
en
geführt hatte (Urk. 8/37/34); ihm war lediglich d
ie Identität des betreffenden Diplompsychologen
nicht bekannt,
worauf es indessen nicht ankommen kann
.
Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle auf eine Widersprüchlichkeit in den Angaben von
lic
. phil.
D._
hinzuweisen. Im Bericht vom 8. September 2014 zuhanden der Sozialen Dienste der Stadt Zürich gab er (zusammen mit
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin) an, die Beschwerdeführerin
werde
seit dem 15. Januar 2014
behandelt
(Urk. 8/3/1). Im Bericht vom 2. November 2015, welcher von der Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren eingereicht wurde, gaben
lic
. phil.
D._
und Dr.
F._
hingegen
an, die Beschwerdeführerin befinde sich bereits seit dem 15. Januar 2013 in psychotherapeutischer Behandlung (Urk. 3/3).
4.2.2
Der begutachtende Psychiater setzte sich sodann mit den
Vorakten
bzw. den bereits gestellten D
iagnosen
eingehend
auseinander (vgl. Urk.
8/37/35).
Er begründete nachvollziehbar, weshalb er die Diagnose einer dissoziativen Stö
rung bzw. einer Konversionsstörung nicht stelle. Eine klare dissoziative Störung im Sinne eines ungelösten, intrapsychischen Konflikts sei hier nicht ersichtlich. Psychiatrisch handle es sich hier am ehesten um eine Reaktivierung von alten Verlustängsten unter der Diagnose Epilepsie im Sinne einer Anpassungsstörung mit ängstlichen und depressiven Zügen. Dissoziative Zustände würden weder fremdanamnestisch noch von der Beschwerdeführerin selbst beschrieben. Diese zeige ausserdem deutlich starke Persönlichkeitsmerkmale
, und
i
n der Biographie
bestünden
keinerlei Zeichen einer multiplen bzw.
konversionsgeprägten Persön
lichkeit.
Ferner sei d
ie
–
anlässlich der stationären psychiatrischen Behandlu
ng im
E._
vom
7. April bis 22. Mai 2015 gestellte
–
Diagnose einer mittelgradigen depressiven
Episode
in die Diagnose einer Anpassungsstörung (als Angst und Depression) zu integrieren. Die von der Beschwerdeführerin thematisierte Angst und ihre im Austrittsbericht beschriebene Unfähigkeit, mit der Situation umzugehen, fänden diagnostisch keinen Platz. Insofern sei die abweichende Diagnose Angst und Depression im Sinne einer
Anpassungsstö
rung
und nicht im Sinne einer selbständigen mittelschweren depressiven Epi
sode zu sehen.
Angesichts dieser
schlüssigen gutachterlichen Feststellungen erschliesst sich nicht, w
orauf die Beschwerdeführerin hinauswill, wenn sie vorbringt, in Bezug
auf die andauernden epileptischen Anfälle werde im Gutachten
differentialdiag
nostisch
die dissoziative Störung bzw. Konversionsstörung in den Raum gestellt, obgleich sich der begutachtende Psychiater in seinem Teilgutachten klar d
age
gen ausspreche (Urk. 1 S. 6)
.
Wie gesagt setzte sich der Gutachter lediglich mit den
Vorakten
auseinander
und führte aus, weshalb er die Diagnose einer
disso
ziative
n
Störung bzw. Konversionsstörung
eben gerade
nicht stelle
. Die Beschwerdeführerin widerspricht sich
sodann
in Anbetracht des
soeben
genannten Vorbringens
ausserdem
selbst, wenn sie
an anderer Stelle
gleichzei
tig
behauptet, die Gutachter hätten sich nicht mit den sich widersprechenden ärztlichen Feststel
lungen auseinandergesetzt (Urk. 1 S.
6).
4.2.3
Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausführte (vgl. die Beschwerdeantwort vom 22. Januar 201
6 [Urk. 7]), würde
auch die von den Ärzten
des
E._
oder von Dr.
F._
diagnostizierte
mittelgradige
depressive Episode
(vgl. Urk. 8/35/1
und Urk. 3/3
)
rechtsprechungsgemäss keine Invalidität
begründen. Es kann
daher
auf die Ausführungen
der Beschwerdegegnerin
verwiesen werden.
Zu ergänzen ist sodann, dass im Austrittsbericht des
E._
vom 20. Mai 2015 einige psychosoziale Faktoren aufgezählt wurden (Urk. 8/35/4 [Angst vor dem Alleinsein, mangelnde Integration im sozialen und beruflichen Leben in der Schweiz, unklare berufliche Perspektive]),
welche versicherungsrechtlich grundsätzlich
ebenfalls unbeachtlich wären
.
4.3
4.3.1
Das
pauschale
Argument
der Beschwerdeführerin, eine epileptische Erkrankung
mit möglichen Stürzen und Verletzungen
müsse ausgehend vom gesunden Menschenverstand zu einer Arbeitsunfähigkeit führen (Urk. 12 S. 3),
sticht
im Übrigen
nicht. Der begutachtende Neurologe
, welcher sowohl über das not
wendige Fachwissen
über Epilepsie
als auch über Erfahrung mit
Epilepsie
patienten
verfügt,
hielt in Übereinstimmung mit den
behandelnden
Epilepsie-
Fachärzten
(vgl. den Austrittsbericht
der Klinik
C._
vom 20. Januar 2015 [Urk. 8/23/11]
sowie den Bericht des
G._
vom 2. Februar 2015 [Urk. 8/234])
fest, es bestehe keine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigke
it, dafür aber eine qualitative:
z
u meiden seien Arbeiten an gefährlichen Maschinen (betreffe auch die Küche), Besteigen von Leitern und Gerüsten, Autofahren und die Einteilung in eine Nachtschicht
(Urk. 8/37/26)
.
Dies erscheint nachvollziehbar, da eine Verletzungsgefahr
grundsätzlich
überall (auch zu Hause) besteht, diese aber in Beachtung der
gebotenen
Vorsichtsmassnahmen bzw. mit der notwendigen Einrichtung
reduziert
werden kann.
Inwiefern von den Gutachtern eine ausführlichere Stellungnahme hätte erwartet werden müssen (Urk. 12 S. 3), lässt sich
somit
nicht nachvollziehen.
Dass die Gutachter
festhielten, die Prognose der Epilepsie sei vorderhand offen (E. 3), vermag die Beweiskraft des Gutachtens ebenfalls nicht zu schmälern (vgl. Urk. 1 S. 5 f.). Gerade die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin (noch) nicht anfallsfrei ist, veranlasste die Gutachter
dazu
, die Arbeitsfähigkeit dementsprechend
mit Einschränkungen in qualitativer Hinsicht
zu beurteilen. Bei Anfallsfreiheit wäre die Beurteilung anders ausgefallen (vgl. den Hinweis der Schweizerischen
Epilepsie-Liga auf der
Homepage [
http://www.epi.ch/page.php?pages_id=59&language=de
]
, welcher wie folgt lautet
:
„
G
rundsätzlich gibt es für die Berufswahl keine Einschränkung, wenn unter medikamentöser Behandlung zwei Jahre
Anfallsfreiheit besteht, wenn n
ach operativer Behandlung ein Jahr Anfallsfreiheit besteht, wenn seit mehr als drei Jahren Anfälle nur im Schlaf auftreten und wenn ausschliesslich Anfälle mit arbeitsmedizinisch nicht bedeutsamen Symptomen bestehen (kein Sturz, keine Bewusstseinsstörung, keine Störung der Körpermotorik
“
).
Als aufschluss
reich erweist sich
im Übrigen
d
er Hinweis des behandelnden Arztes am
G._
im Bericht vom 2. Februar 2015
, wonach b
islang unklar
sei
, ob die
Beschwerdeführerin
mit
Antiepileptika
anfallsfrei bezüglich epileptischer
Anfälle werden könne
.
Es bestehe
eine erhebliche
Adhärenzproblematik
bezüg
lich antiepileptischer Medikation, die eine Anfallsfreiheit
bezüglich epi
leptischer Anfälle verunmögliche
. Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse zur Epilepsie der
Beschwerdeführerin sei
es aber sehr wahrscheinlich, dass sie mit einem der heute
zur Ve
rfügung stehenden
Antiepileptikum
bei regelmässiger Einnahme anfallsfrei werden
k
ö
nn
e
–
dies ohne intolerable Nebenwirkungen. Die Wa
hr
scheinlichkeit hierfür betrage
70
%
.
4.
3.
2
Dass sich die Anfallsfrequenz
bis zum Verfügungserlass am 9. November 2015
erhöht hätte, lässt sich
den Akten nicht entnehmen.
Im Bericht des
G._
vom 27. Juni 2014 wurde festgehalten, gemäss Anfallskalender der Beschwerdeführerin hätten am 14. März
2014
,
am
11. und 17. April
2014
,
am
3., 2
5.
und 3
0.
Mai
2014
sowie am Vortag der Konsultation vom 19. Juni 2014 Anfälle stattgefunden (Urk. 8/3/11).
Im
Austrittsbericht
des
E._
vom
20.
Mai
2015
gab die Beschwerdeführerin zur Auskunft, sie leide ein- bis zweimal pro Monat unter Anfällen, wobei sowohl epileptisch als auch psychisch bedingte Anfälle aufträten (
Urk. 8/35/1).
Während des Aufenthaltes im
E._
vom 7. April bis 22. Mai 2015 kam es zu drei Anfällen mit Stu
rz und kurzer Bewusstlosigkeit
(Urk. 8/35/4). Auch gegenüber dem begutachtenden Neurologen berichtete die Beschwerdeführerin von etwa drei Anfällen pro Monat
(Urk. 8/37/22).
Lic
. phil.
D._
hielt im Bericht vom 2. November 2015 fest, die Epilepsieattacken würden sich alle zwe
i bis drei Wochen wiederholen
(Urk. 3/3).
Den übrigen, im Beschwerdeverfahren eingereichten Berichten
mit
Bezug zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin vor Erlass der angefochtenen Verfügung
lässt sich
sodann
ebenfalls nicht entnehmen, dass die
Anfallsfrequenz
gestiegen wäre (vgl.
Urk. 3/6 [Anfall am 7. Juni 2015]; Urk. 3/7 [Anfall am 26. Oktober 2015])
.
Die
nach dem 9. November 2015
(Verfügungserlass)
aufgetretenen Anfälle
(vgl. Urk. 3/4 [Anfall am 26. November 2015]; Urk.
15/1-2 [Anfall am 5. April 2016 mit Arbeitsunfähigkeit bis 10. April 2016]; Urk. 17/1 [Anfall am 11. September 2016 und anamnestisch 4 Tage davor]
)
und damit einhergehenden Verletzungen
sind vorliegend
nicht
von Relevanz
,
betreffen
sie doch
den – nicht
Anfech
tungsgegenstand
bildenden
(vgl. E. 1.6
) –
Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin nach Verfügungserlass
.
Sie belegen aber
ohnehin bloss
, dass die Beschwerdeführerin noch
immer
nicht anfallsfrei ist, was keine Veränderung darstellt.
Imme
r
hin scheint
sich die Anfallsfrequenz mittlerweile aber auf circa 1 Anfallsereignis pro Monat
reduziert zu haben
(vgl. Verlaufsberichte der Klinik
C._
vom 12. Mai 2016 [Urk. 17/2 S. 2] und vom 14. September 2016 [Urk. 17/3 S. 2]).
4.4
Nach dem Gesagten kommt dem
Gutachten des
A._
vom
3. August 2015
volle Beweiskraft zu, weshalb mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt ist, dass der Beschwerdeführerin bei Aufbietung allen guten Willens (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit
Hinweisen) angepasste Tätigkeiten (vgl. das Belastungsprofil in E. 3) bei einem vollen Pensum mit einer Minderung der Leistungsfähigkeit von 20 % zumutbar sind.
Eine neue Begutachtung der Beschwerdeführerin ist
daher
nicht zu veranlassen.
5.
5.1
V
or
Eintritt
des Gesundheitsschadens
, in den Jahren 2008 bis 2010/2011,
ging die Beschwerdeführerin
eigenen Angaben zufolge
einer Teilzeit
erwerbs
t
ätigkeit
als Buffetmitarbeiterin in
einem 80 %-Pensum nach
(
Urk. 8/5/4
und Urk. 1 S. 3).
Z
u ihren Gunsten
ist
dar
auf abzustellen
;
die Beschwerdegegnerin
hat
kei
nen Arbeitgeberfragebogen eingeholt und keine Ha
ushaltabklärung veranlasst
.
Die Beschwerdeführerin
ist
daher
als Teilzeiterwerbstätige mit einer Aufteilung im Erw
erbs- und Haushaltbereich von 80% bzw. 20% zu qualifizieren
.
Demge
mäss kommt zur Bemessung des Invaliditätsgrades die gemischte Methode (E.
1.2.2) zur Anwendung
.
Diese wurde
mit Urteil der zweiten Kammer des Europäischen Gerichtshofs f
ür Menschenrechte (EGMR) vom 2.
Februar 2016 (7186/09) nicht grundsätzlich in Frage gestellt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_28/2016 vom 2
5.
April 2016 E. 5.1 f.), sondern bloss im Zusammenhang mit
der Rentenaufhebung bei einer Versicherten, bei welcher davon ausgegangen wurde, sie würde ohne gesundheitliche Einschränkungen nach der Geburt ihrer Kinder nur noch teilzeitlich erwerbstätig sein.
5.2
5.2.1
Da die Beschwerdeführerin die
Tätigkeit
als Buffetmitarbeiterin
im Rahmen einer Arbeitsintegration durch die Sozialen Einrichtungen und Betriebe der
Z._
au
sgeübt hatte
, kann für die Ermittlung des
Valideneinkommens
nicht auf die
–
im
Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) vom 16. Oktober 2014 (Urk. 8/14)
ersichtlichen
–
unterdurchschnittlichen
Einkommen für die
fraglichen
Jahre
2008 bis 2011
abgestellt werden.
Es sind vielmehr
die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lo
hnstrukturerhebung (LSE) 2012 heran
zuziehen. Da die Beschwerdeführerin über keine abgeschlossene Berufsaus
bildung verfügt, ist auf d
en
standardisierten
Lohn der Tabelle
TA
1,
Kompetenz
niveau
1
, Total
Frauen
,
von monatlich Fr. 4‘112.-- abzustellen.
U
nter Berücksichtigung der durchschnittli
chen
betriebsüblichen
A
rbeitszeit im Jahr 2015 (frühester Rentenbeginn, vgl.
Art.
29
Abs.
1 und 3 IVG) von 4
1,7
Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitsze
it nach Wirtschaftsabteilungen [NOGA 2008]
, in S
tunden pro Woche, 2004-2015,
A-S Total
) sowie der
Nominallohn
entwicklung bis ins Jahr 2015
(Indexstand 26
30 [2012] auf 2686 [2015
],
vgl. Bundesamt für Statistik,
Arbeitsmarktindikatoren 2016
, T
35 Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 1976–2015,
Nominallöhne Frauen
) ergibt sich bei ei
nem
Arbeitspen
sum
von 80
% ein
V
alideneinkommen
von Fr.
42
‘
029.
--
(Fr.
4‘
112.-- : 40 x 41,7 x 12 x 0.8 : 2630 x 2686
).
5.2.2
Zur Bemessung des Invalideneinkommens ist auf dieselben Parameter abzustel
len, weshalb von einem Jahreseinkommen von Fr. 42‘029.--
bei 80%iger Erwerbstätigkeit
auszugehen ist.
Gemäss Einschätzung des begutachtenden Orthopäden sind angepasste Tätigkeiten bei einem vollen Pensum mit einer Minderung der Leistungsfä
higkeit von 20 % zumutbar (E. 3
). Die
Leistungsmin
derung
ist nicht gänzlich vermeidbaren Rückenbeschwerden geschuldet, welche das Arbeitstempo verlangsamen können
(Urk. 8/37/51), und
muss daher auch bei ein
em 80%igen Arbeitspensum
berücksichtigt werden
.
Das
Jahreseinkom
men
ist somit um 20 %
auf Fr. 33‘623.20 zu reduzieren (Fr. 42‘029.-- x 0.8).
Aufgrund des eingeschränkten Belastungsprofils rechtfertigt sich sodann
zusätzlich
ein leidensbedingter Abzug von maximal 20 %; die Beschwerdefüh
rerin ist schliesslich noch jung. Es resultiert somit ein Invalideneinkommen von Fr.
26
‘899
.
--
(Fr. 33‘623.20 x 0.8).
5.2.3
Wird das
Valideneinkommen
von Fr.
42
‘
029.
-- dem Invalideneinkommen von Fr.
26
‘899
.
--
gegenübergestellt, resultiert eine
Erwerbseinbusse von Fr.
15
‘
130
.
beziehungsweise von gerundet 36 %.
5.3
5.3.1
Bei einer Aufteilung der Tätigk
eiten Erwerb und Haushalt von 80% bzw. 20% und einer 3
6%igen Einschränkung im Tätigkeitsbereich Erwerb ergibt sich ein Teilinvaliditätsgrad
im Erwerbsbereich von
28.8
% (80
%
x 3
6
%
).
5.3.2
Gemäss gutachterlicher Einschätzung ist die Beschwerdeführerin auch im
Haus
haltsbereich
zu 80 % arbeitsfähig (Urk. 8/37/18).
Bei einer Aufteilung der Tätig
k
eiten Erwerb und Haushalt von 80% bzw. 20% und einer 20
%igen Ein
schränkung im Tätigkeitsbereich
Haushalt
ergibt sich ein Teilinvaliditätsgrad
im Haushaltbereich von 4 % (20 % x 20
%).
5.3.3
Die Summe der Teilinvaliditätsgrade im Tätigkeitsbereich Haushalt von 4 % und im Tätigkeitsbereich Erwerb von 28.8 % beträgt gerundet 33 %, was dem Gesamt-Invaliditätsgrad entspricht. Da dieser die massgebliche Schwelle von 40 % nicht erreicht, besteht kein Rentenanspruch.
5.3.4
Dasselbe gilt auch, wenn man mit der Beschwerdegegnerin von einer 100%igen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfalle ausginge. Bei einem direkten
Prozentver
gleich
würde ein Invaliditätsgrad von 36 % (100% - 64 %) resultieren (20%ige Einschränkung von 100 % ergibt 80 %; 20%iger Abzug von 80 % ergibt 64 %).
6.
Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
7.
7.1
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversiche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
legt.
Vorliegend erweist sic
h eine Kostenpauschale von Fr. 8
00.-- als angemessen.
Ausgangsgemäss
ist diese der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge der mit Verfügung vom 29. Januar 2016 bewilligten unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 9) jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7.
2
Rechtsanwalt Sert
machte mit seiner
Honorarnote vom
13. Dezember
2016 einen Aufwand von
20.48
Stunden
und Barauslagen von Fr.
55.--
exkl.
Mehr
wertsteuer geltend (Urk. 19
).
Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss § 8 in Verbindung mit § 7 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird – auch im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung – namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
Der von Rechtsanwalt Sert geltend gemachte Aufwand von 20.48 Stunden ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht ange
messen.
In Würdigung des Umstands, dass keine umfangrei
chen
Vorakten
vor
handen sind (52
Aktenstücke inkl. angefochtene Verfügung vom
9. November 2015 [Urk. 8/52
]) und die Beschwerdeschrift 7 Seiten umfasst (ohne Deckblatt, Anträge und Formelles), sind für das Akte
nstudium im Beschwerde
verfahren und für das Abf
assen der Beschwerdeschrift je
3
Stunden zu entschädigen (ins
gesamt
6
Stunden anstelle der geltend gemachten
14.
0
8
Stunden; vgl. Urk. 19
bzw. die
Positionen „
Aktenstudium“
2.67 h
vom 20. November 2015, „
Akten
studium
“
3.83 h
vom 24. November 2015, „Verfassen der Beschwerde“
3.83 h
vom 8. Dezember 2015 und „Finalisierung der Beschwerde“
3.75 h
vom 9. Dezember 2015)
.
Für die Replik vom 4. März 2016 (Urk. 12), welche lediglich 3 Seiten umfasste (ohne Deckblatt), sind sodann 1.5 Stunden zu entschädigen (anstelle der geltend gemachten
2.83
h [vgl. Urk. 19, Position „Verfassen der Stellungnahme
[Replik]
“ vom 4. März 2016]). Weiter
sind
für
die Positionen „Eingabe ans
Soz.Vers
. Ger. ZH mit neuem Spital- und Arztbericht“
0.83
h vom 11. April 2016 und „Schreiben ans Sozialversicherungsgericht mitsamt neuen Spitalberichten“
0.33
h vom 17. November 2016
keine Entschädigungen auszu
richten
, da diese Eingaben nicht notwendig waren, insbesondere da sie
Sach
verhalte betr
af
en, welche im Beschwerdeverfahren nicht mehr zu berücksichti
gen sind (vgl. E. 4.3.2). Zur Durchsicht des heute ergangenen Urteils ist jedoch eine Stunde aufzurechnen.
Insgesamt rechtfertigt sich somit ein Aufwand von
1
0
.91
Stunden
(20.48
h
8
.
0
8
h
1.33 h
1.
16
h
+ 1
h), was unter Berücksichti
gung des ge
richtsüblichen Ansatzes von Fr.
220.-- (ab dem
1.
J
anuar 2015) ein Honorar von Fr.
2
‘
400.2
0
ergibt.
Rechtsanwalt Suat Sert ist deshalb mit Fr.
2
‘
651.6
0
(=
Honorar von
Fr.
2
‘
400.2
0
plus Barauslagen von Fr.
55.--, zu
züg
lich Mehr
wertsteuer von 8
%
[Fr.
196.4
0
]) aus der Gerichtskasse zu entsch
ä
digen.
7.3
Die
Beschwerdeführer
in
ist auf § 16 Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach sie
zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Entschädigung an
den unentgeltli
chen
Rechts
ver
t
reter
verpflichtet ist, sobald sie
dazu in der Lage ist.