Decision ID: 88f7b908-b9fc-59a1-be38-9b3e9e96c3cf
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 8. Februar 2021 in der Schweiz um
Asyl. Ein Abgleich mit der Fingerabdruck-Datenbank "Eurodac" ergab,
dass er bereits am 30. Oktober 2020 in Bulgarien Asyl beantragt hatte.
Anlässlich der Befragung vom 16. Februar 2021 wurde dem Beschwerde-
führer das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid
und der Möglichkeit einer Überstellung nach Bulgarien gewährt, welches
gemäss Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren
zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem
Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten
Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-
VO), grundsätzlich für die Behandlung ihres Asylgesuchs zuständig sei.
Die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates wurde vom
Beschwerdeführer nicht bestritten. Jedoch machte er geltend, nicht nach
Bulgarien zurückkehren zu wollen, da er dort nicht gut behandelt worden
sei. Er sei inhaftiert, beleidigt und erniedrigt worden. Sein Ziel sei die
Schweiz gewesen. In Bulgarien sei er gezwungen worden, ein Asylgesuch
einzureichen. Nach einer kurzen Befragung, anlässlich welcher er nicht
über seine Asylgründe habe sprechen können, sei sein Asylgesuch abge-
lehnt worden. In seinem Heimatland habe er Probleme mit der der Regie-
rung und der PKK. In Bulgarien sei es einfach möglich, dass die PKK ihn
erwische und ihm etwas antun würde.
B.
Am 16. Februar 2021 ersuchte das SEM die bulgarischen Behörden um
Rückübernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b
Dublin-III-VO. Diesem Gesuch wurde am 22. Februar 2021 gestützt auf
Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO entsprochen.
C.
Mit Verfügung vom 23. Februar 2021 (eröffnet am 25. Februar 2021) trat
das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf
das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und verfügte die Über-
stellung nach Bulgarien, welches gemäss Dublin-III-VO für die Behandlung
seines Asylgesuchs zuständig sei. Gleichzeitig verfügte das SEM den Voll-
zug der Wegweisung nach Bulgarien und stellte fest, einer allfälligen Be-
schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu.
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D.
Mit Beschwerde vom 4. März 2021 an das Bundesverwaltungsgericht
beantragte der Beschwerdeführer, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzu-
heben und auf sein Asylgesuch sei einzutreten. Eventualiter sei die Sache
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei
die Vorinstanz anzuweisen, individuelle Zusicherungen bezüglich des Zu-
gangs zum Asylverfahren, adäquater medizinischer Versorgung sowie Un-
terbringung bei den bulgarischen Behörden einzuholen. In prozessualer
Hinsicht ersuchte er um Gewährung der aufschiebenden Wirkung. Die
Vorinstanz sei anzuweisen, bis zum Entscheid über den Suspensiveffekt
der Beschwerde von einer Überstellung nach Bulgarien abzusehen. Weiter
sei ihm die unentgeltliche Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses zu gewähren.
Mit der Beschwerde reichte er Fotos eines bulgarischen Asylentscheids
vom 18. November 2021 und eines Haftbefehls aus Dohuk vom 2. Februar
2020 (beide ohne Übersetzung) sowie eine medizinische Dokumentation
der Pflege des Bundesasylzentrums (BAZ) vom 4. März 2021, inkl. eines
ärztlichen Rezepts der "B._" vom 2. März 2021 zu den Akten.
E.
Mit superprovisorischer Massnahme vom 5. März 2021 setzte das Bundes-
verwaltungsgericht den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen
aus.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Be-
schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legiti-
miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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1.3 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, wes-
halb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a
Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die
Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.
2.
2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.
3.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
3.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet
grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt
(vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).
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Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän-
digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An-
nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An-
tragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen,
die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung
im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union
(2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist
zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zu-
ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zustän-
dig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat
zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
3.3. Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
einen Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen, dessen Antrag abgelehnt
wurde und der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat
oder der sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufent-
haltstitel aufhält, nach Massgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder auf-
zunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO).
Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen, einen
bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten An-
trag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser
Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht).
4.
4.1. Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Eu-
rodac"-Datenbank ergab, dass dieser am 30. Oktober 2020 in Bulgarien
ein Asylgesuch eingereicht hatte. Das SEM ersuchte deshalb die bulgari-
schen Behörden am 16. Februar 2021 um Wiederaufnahme des
Beschwerdeführers gestützt auf Art. 23 Dublin-III-VO. Die bulgarischen Be-
hörden stimmten dem Gesuch um Übernahme am 22. Februar 2021 zu.
Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, in Bulgarien ein Asylgesuch einge-
reicht zu haben. Die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Staates ist somit
gegeben.
4.2. Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentli-
che Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebe-
dingungen für Asylsuchende in Bulgarien würden systemische Schwach-
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stellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdi-
genden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit
sich bringen würden.
Bulgarien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-
kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben. Das Bundesverwaltungsgericht verneinte nach aus-
führlicher Lageanalyse das Vorliegen von systemischen Mängeln in Bulga-
rien (vgl. Referenzurteil F-7195/2018 vom 11. Februar 2020 E. 6 ff.), worauf
zu verweisen ist.
4.3. Der Beschwerdeführer macht geltend, sein Asylgesuch sei in Bulga-
rien abgelehnt worden, ohne dass er zu seinen Asylvorbringen befragt wor-
den sei. Zudem leide er an psychischen Problemen. Mit diesen Vorbringen
fordert er die Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-
III-VO, respektive der – das Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkreti-
sierenden – Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom
11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311), gemäss welcher das SEM das
Asylgesuch "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn
dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre.
4.3.1. Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko
dargetan, die bulgarischen Behörden würden sich weigern, ihn wieder auf-
zunehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung
der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch
keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Bulgarien werde in seinem
Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise
in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr
laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden.
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Ausserdem hat er nicht dargetan, die ihn bei einer Rückführung erwarten-
den Bedingungen in Bulgarien seien derart schlecht, dass sie zu einer Ver-
letzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK
führen könnten.
Es liegen keine Hinweise dafür vor, dass die Behandlung seines Asylge-
suchs mangelhaft gewesen sein könnte und seine Wegweisung in Verlet-
zung des Non-Refoulement-Prinzips verfügt worden wäre. Auf Beschwer-
deebene bringt er zwar vor, er sei nicht zu seinen Asylgründen angehört
worden. Hingegen macht er nicht geltend, er habe gegen diesen Entscheid
ein Rechtsmittel ergriffen. Das Asylverfahren in Bulgarien sieht einen ge-
richtlichen Instanzenzug vor (vgl. Referenzururteil F-7195/2018 a.a.O.
E. 6.6.1 S. 30 und E. 6.6.7 S. 38). Die angeblich mangelhafte Befragung
hätte er im Rahmen einer Beschwerde geltend machen müssen, und diese
Rüge kann damit nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sein. In
diesem Zusammenhang ist der Vollständigkeit halber festzuhalten, dass
ein definitiver Entscheid über ein Asylgesuch und die Wegweisung in das
Heimatland nicht per se eine Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips
darstellen. Das Prinzip der Überprüfung eines Asylgesuchs durch einen
einzigen Mitgliedstaat ("one chance only") dient im Gegenteil der Vermei-
dung von multiplen Asylgesuchen in verschiedenen Staaten (BVGE 2017
VI/5 E. 8.5.3.3). Vorliegend führt die Überstellung des Beschwerdeführers
nach Bulgarien gemäss Akten nicht zu einer Kettenabschiebung, welche
gegen das Non-Refoulement-Prinzip verstossen würde, wie es in Art. 33
FK verankert ist und sich ausserdem aus Art. 4 der EU-Grundrechtecharta,
Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK ableiten lässt.
Der Beschwerdeführer hat auch keine konkreten Hinweise für die An-
nahme dargetan, Bulgarien würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Aufnah-
merichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Bei
einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung könnte er sich im Übri-
gen nötigenfalls an die bulgarischen Behörden wenden und die ihm zu-
stehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl.
Art. 26 Aufnahmerichtlinie).
4.3.2. Der Beschwerdeführer meldete sich mehrmals bei der Pflege im BAZ
(vgl. act. 1 Beilage 6). Anfänglich beklagte er sich über Einschlafschwierig-
keiten und erhielt deshalb ein pflanzliches Mittel. Nach einer Arztvisite beim
B._, allgemeine innere Medizin FMH, vom 2. März 2021 wurde ihm
Remeron, ein Antidepressiva, verschrieben und er wurde an einen Psychi-
ater überwiesen, wobei ein ärztlicher Bericht sowie die Überweisung selbst
noch ausstehend sind. Seine gesundheitlichen Probleme sind damit jedoch
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nicht derart gravierend, als dass eine Überstellung nach Bulgarien eine tat-
sächliche Gefahr (real risk) einer Verletzung von Art. 3 EMRK mit sich brin-
gen würde (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung
des EGMR sowie Urteil des EGMR P. gegen Belgien vom 13. Dezember
2016 [Nr. 41738/10]). Damit handelt es sich beim Beschwerdeführer nicht
um eine besonders verletzliche Person und es sind keine individuellen Ga-
rantien bei den bulgarischen Behörden einzuholen. Die Reisefähigkeit des
Beschwerdeführers wird sodann zum Zeitpunkt der Überstellung zu prüfen
sein.
Im Übrigen verfügt Bulgarien über eine ausreichende medizinische Infra-
struktur. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellern die erfor-
derliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und
die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren
psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1
Aufnahmerichtlinie); Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist die er-
forderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls ei-
ner geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2
Aufnahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise vor, wonach Bulgarien dem
Beschwerdeführer eine adäquate medizinische Behandlung verweigern
würde.
4.4. Für einen Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV1 in
Verbindung mit Art. 17 Dublin-III-VO besteht demnach keine Veranlassung.
Eine Ermessensunterschreitung liegt nicht vor. Der Vollständigkeit halber
ist festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht
einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch
BVGE 2010/45 E. 8.3).
4.5. Allfällige Verzögerungen aufgrund der herrschenden Situation im Zu-
sammenhang mit der COVID-19-Pandemie stellen – gemäss aktuellem
Kenntnisstand – lediglich temporäre Vollzugshindernisse dar und vermö-
gen am Ausgang des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern (vgl. Urteil
des BVGer F-1829/2020 vom 9. April 2020 E. 5.2).
5.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da
der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Nie-
derlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Bulgarien in An-
wendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a
AsylV 1).
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6.
Das Fehlen von Überstellungshindernissen ist bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG, weshalb
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen sind (vgl. BVGE 2015/18
E. 5.2 m.w.H.).
7.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen.
8.
Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, wes-
halb sich die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung sowie
auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses als gegenstands-
los erweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung (vgl. Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist unbesehen seiner finanziellen Ver-
hältnisse abzuweisen, da die Beschwerde gemäss den vorstehenden Er-
wägungen als aussichtslos zu bezeichnen ist, und es daher an einer ge-
setzlichen Grundlage zu deren Gewährung fehlt.
10.
Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 5. März 2021 verfügte Vollzugs-
stopp dahin.
(Dispositiv nächste Seite)
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