Decision ID: e2b3fd0b-4b6c-4557-849e-9081fb9d417c
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1953, ist Heimbewohnerin und Bezügerin von
Ergänzungs
leistungen
.
Mit Verfügungen vom 3. Juni 2011 und 30. Oktober 2012 setzte
die Gemeinde
A._
, Durchführungsstelle für Zusatzleistungen zur AHV/IV (im Folgenden: Durchführungsstelle)
,
die monatlichen Ergänzungsleis
t
ungen der Versic
herten
ab 1. Januar 2011 auf
Fr.
4‘362.- und ab 1. Januar 2012 auf
Fr.
4‘951.- fest (
Urk.
6/7-8).
Dabei berücksichtigte sie als anerkannte Ausgabe eine tägliche
Heimtaxe
von
Fr.
212.-, statt – wie sich nachträglich herausstellte - korrekter
weise von bloss
Fr.
130
.-. Nachdem sie den Fehler im Februar 2013 bemerkt hatte
,
setzte sie die monatlichen
Ergänzungsleistungen
mit Verfügungen vom 26. Februar 2013 wiedererwägungsweise ab 1. Januar 2011 auf
Fr.
2‘048.- und ab 1. Januar 2012 auf
Fr.
2‘637.- fest (
Urk.
6/2-3)
;
gleichzeitig
forderte sie
von der Versicherten für die Zeit vom 1. Januar 2011 bis Ende Februar 2013
zuviel
bezogene Ergänzungsleistungen von
Fr.
60‘164.- zurück (
Urk.
6/
4
). In teilweiser Gutheissung der dagegen erhobenen Einsprache vom 26. März 2013 (
Urk.
7/5) reduzierte sie die Rückerstattungsfo
rderung – aufgrund einer erneuten
wieder
erwägungsweisen
Neufestsetzung der monatlichen Ergänzungsleistungen
(durch
Weglassen des Pensionskassenvermögens beim
Y._
-Fonds
)
ab 1. Januar 2011 auf
Fr.
2‘232.- und ab 1. Januar 2012 auf
Fr.
2‘742.- (Verfügungen
vom
19. März 2013,
Urk.
6/9-
11) -
auf
Fr.
56‘381.-
(Entscheid vom 3. April 2013;
Urk.
6/1);
gleichzeitig wies sie das von der Versicherten
in der Eins
prache geste
llte Erlassgesuch mangels
guten Glaubens ab
.
2.
Gegen den Entscheid vom 3. April 2013 liess die Versicherte am 13. April 2013 Beschwerde erheben, wobei sie ihr Erlassgesuch erneuerte (
Urk.
1). In der Beschwerdeantwort vom 24. Mai 2013 schloss die Durchführungsstelle auf Ab
weisung der Beschwerde, soweit auf diese einzutreten sei (
Urk.
5).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Nach Art. 25 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) sind unrechtmässig bezogene Leistungen zu
rückzuerstatten.
Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstat
ten, wenn eine grosse Härte vorliegt (Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG und Art. 4 Abs. 1 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
, ATSV).
Nach der Rechtsprechung entfällt der gute Glaube als Erlassvoraussetzung von vornherein, wenn der Rückerstattungstatbestand (Melde
oder
Auskunftspflicht
verletzung
) durch ein arglistiges oder grobfahrlässiges Verhalten herbeigeführt wurde. Anderseits kann sich die versicherte Person auf den guten Glauben be
rufen, wenn ihre fehlerhafte Handlung oder Unter
lassung nur eine leichte Ver
letzung der Melde
oder Auskunftspflicht darstellt (BGE 112 V 97 E. 2c mit Hinwei
sen).
Über den Erlass wird eine Verfügung erlassen (Art. 4 Abs. 5 ATSV).
2.
2.1
Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin
im angefochtenen Entscheid (
Urk.
6/1)
, die für die Zeit ab 1. Januar 2011
und 1. Januar 2012
ursprünglich festgesetz
ten Ergänzungsleistungen
(Verfügungen vom 3. Juni 2011 und 30. Oktober 2012,
Urk.
6/7-8)
infolge eines Berechnungsfehlers bezüglich der Höhe der Heimtaxen nachträglich wiedererwägungsweise herabzusetzen
(Verfügungen vom 26. Februar 2013,
Urk.
6/2-3)
und von der Versicherten die dadurch für
den Zeitraum vom 1. Januar 2011 bis Ende Februar 2013
zuviel
ausgerichteten Ergänzungsleistungen
auf zunächst
Fr.
60‘164.-
sowie
–
nach
Berücksichtigung einer weiteren
wiedererwägung
s
weisen Neufestsetzung der
Ergänzungsleistun
gen
für die Zeit ab 1. Januar 2011 und 1. Januar 2012
(
durch Ausklammerung des
Y._
-Fonds aus der Berechnung
;
Verfügungen vom 19. März 2013,
Urk.
6/9-11) und dem daraus resultierenden Minusbetrag von
Fr.
3‘783.- (vgl. zu dessen Berechnung
Urk.
6/9-10) – auf
letztlich
Fr.
56‘381.-
(
Fr.
60‘164 ./.
Fr.
3‘783.-)
festzusetzen
und diesen Betrag von der Versicherten zurückzufor
dern
, blieb unbestritten (
Urk.
1) und entspricht der Rechts- und Aktenlage. Ein
schränkend ist jedoch anzumerken, dass der im angefochtene
n
En
t
scheid (
Urk.
6/1)
gemachte
Vorbehalt betreffend die Anrechnung von Sozialversiche
rungsbeiträgen beim Rückerstattungsbetrag von
Fr.
56‘381.- gegebenenfalls noch zu Gunsten der Beschwerdeführerin zu berücksichtigen sein wird. Im
Weiteren ist zu verdeutlichen, dass die Rückerstattungsforderung sich unbe
strittenermassen gegen die Beschwerdeführerin persönlich und nicht gegen deren R
echtsvertreterin richtet (Urk. 5 S. 8
).
2.2
Gegenstand des angefochtenen Entscheides (
Urk.
6/1) ist auch die Erlassfrage. Im Wesentlichen wird darin das in der Einsprache geltend gemachte
Erlassge
such
(
Urk.
6/5) mit der Begründung abgewiesen, dass die Beschwerdeführerin oder ihre
Rechtsvert
r
eterin
bei Beachtung der ihnen zumutbaren Aufmerksam
keit ohne
Weiteres
den Berechnungsfehler hätten erkennen müssen.
Diesem Vorgehen kan
n indes so nicht gefolgt werden. Denn zum einen
war
Ge
genstand der angefochtenen Verfügung vom 26. Februar 2013 (
Urk.
6/4) einzig die Rückerstattungsforderung. Auch
über ein Erlassgesuch
ist jedoch
zuerst mit einer Verfügung zu entscheiden und erst im Bestreitungsfall ein
Einsprachever
f
ahren
durchzuführen
.
Zum anderen wird im angefochtenen Entscheid
das Vor
liegen eines guten Glaubens
praktisch bloss in einem einzigen Satz
ohne Bezugnahme auf die konkreten Umstände
und damit ohne nähere Begründung verneint.
Dies entspricht
in Übereinstimmung mit der Auffassung der Beschwerdeführerin (
Urk.
1) klar nicht einer
rechtsgenüglichen
Begründung (
Art.
52
Abs.
2 ATSG; BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
), umso weniger als die Beschwer
deführerin ihr Erlassgesuch (
Urk.
6/5) konkret begründet hat. Nach dem Gesagten ist der angefochtene Entscheid bezüglich der Erlassfrage
(Dispositiv Ziff
er
2)
aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese
unter Berücksichtigung der Vorbringen der Beschwerdeführerin
mit
einer
rechtsgenüglichen
Begründung
darüber verfüge
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.