Decision ID: eabff621-ebf2-5759-ba64-27d166350aab
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis der Kategorien B und BE sowie der Unterkategorien
A1, D1 und D1E am 23. Juni 1987. Am 10. Februar 2011 entzog ihm das
Strassenverkehrsamt des Kantons St. Gallen den Führerausweis für die Dauer von drei
Monaten, nachdem er am 23. Dezember 2010 ein Motorfahrzeug in angetrunkenem
Zustand (mit einer Blutalkoholkonzentration [BAK] von mindestens 1,46
Gewichtspromille) gelenkt hatte. Weil er am 3. Dezember 2011 wegen
Nichtbeherrschens des Fahrzeugs einen Verkehrsunfall verursacht und die Massnahme
zur Feststellung der Fahrunfähigkeit vereitelt hatte, entzog ihm das
Strassenverkehrsamt am 24. Mai 2012 den Führerausweis für zwölf Monate.
B.- Am 16. Mai 2020, 22.30 Uhr, verursachte X in A einen Selbstunfall. Die Polizisten
stellten bei ihm Alkoholmundgeruch fest. Die Atemlufttests ergaben eine
Atemalkoholkonzentration von 0,96 mg/l und 0,97 mg/l. Auf der Polizeistation B wurde
eine beweissichere Atemalkoholprobe durchgeführt, welche einen Wert von 1,03 mg/l
ergab, was einer BAK von 2,06 Gewichtspromille entspricht. Der Führerausweis wurde
X auf der Stelle abgenommen. Das Strassenverkehrsamt stellte ihm am 16. Juni 2020
eine verkehrsmedizinische Untersuchung in Aussicht und verbot ihm das Führen von
Motorfahrzeugen vorsorglich ab sofort. Mit Strafbefehl des Untersuchungsamts C vom
2. Juli 2020 wurde er des Fahrens in angetrunkenem Zustand (qualifizierte
Alkoholkonzentration) schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von 120
Tagessätzen zu je Fr. 70.– und einer Busse von Fr. 2'100.– verurteilt.
Mit Verfügung vom 9. Juli 2020 ordnete das Strassenverkehrsamt eine
verkehrsmedizinische Untersuchung an. Dieser unterzog sich X am 9. November 2020
im Fachzentrum Forensik Ostschweiz (Faforo) in Buchs. Im verkehrsmedizinischen
Gutachten vom 25. November 2020 wurden eine Alkoholabhängigkeit sowie ein
verkehrsrelevanter Alkoholmissbrauch verneint und die Fahreignung aus
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verkehrsmedizinischer Sicht unter Auflagen (kontrollierte Alkoholabstinenz und
Gesprächstherapie während mindestens zweier Jahre) bejaht.
Mit Verfügung vom 10. Dezember 2020 hob das Strassenverkehrsamt den
vorsorglichen Führerausweisentzug vom 16. Juni 2020 auf (Ziffer 1), ordnete einen
fünfmonatigen, im Verfügungszeitpunkt bereits vollständig vollstreckten
Warnungsentzug an (Ziff. 2) und verband den Führerausweis mit folgenden Auflagen
(Ziff. 3):
"a)
Sie haben unter fachlicher Betreuung (Suchtfachstelle) die vollständige, kontrollierte
Alkoholabstinenz gemäss Info-Blatt einzuhalten.
b)
Die Auflagenkontrolle inklusive Haaranalyse erfolgt alle 6 Monate. [...]
c)
Die Alkoholabstinenz beinhaltet selbstverständlich auch eine Alkohol-Fahrabstinenz,
welche mit Code 05.08 ebenfalls in Ihren Führerausweis eingetragen wird.
d)
Diese Auflagen haben auf unbestimmte Zeit Gültigkeit und werden mit Code 05.08 in
Ihren Führerausweis eingetragen. Eine Aufhebung der Abstinenzkontrolle kann
frühestens in 2 Jahren geprüft werden."
Einem allfälligen Rekurs entzog das Strassenverkehrsamt die aufschiebende Wirkung
(Ziff. 4), und die Verfahrenskosten von Fr. 480.– auferlegte es X (Ziff. 5).
C.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 10. Dezember 2020 liess X
am 6. Januar 2021 durch seinen Rechtsvertreter Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK) erheben mit dem Antrag,
Ziff. 3d der angefochtenen Verfügung sei in dem Sinne abzuändern, als eine Aufhebung
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der Abstinenzkontrolle mit fachlicher Betreuung (Suchtfachstelle) frühestens in einem
Jahr (gerechnet ab November 2020) geprüft werden könne, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Mit Vernehmlassung vom 1. Februar 2021 beantragte das
Strassenverkehrsamt die kostenfällige Abweisung des Rekurses. Am 3. Februar 2021
reichte der Rechtsvertreter seine Honorarnote ein.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung der Anträge wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 6. Januar 2021 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekursverfahren ist einzig die in Ziffer 3d der angefochtenen Verfügung
festgesetzte Frist für die Überprüfung der Aufhebung der Auflagen nach frühestens
zwei Jahren umstritten.
a) Die Vorinstanz stützte sich in der angefochtenen Verfügung auf das
verkehrsmedizinische Gutachten vom 25. November 2020 und führte unter Hinweis auf
das Urteil des Bundesgerichts (BGer) 6A.61/2005 vom 12. Januar 2006 E. 2.1 aus,
dass es nach der Wiedererteilung des Führerausweises zum Nachweis der
erfolgreichen Überwindung einer verkehrsrelevanten Alkoholgefährdung in der Regel
einer weiteren längerfristigen Kontrolle der Einhaltung einer vollständigen
Alkoholabstinenz und einer therapeutischen Begleitung in der Regel während
mindestens zweier Jahre bedürfe. Aufgrund der gesamten Vorgeschichte des
Rekurrenten sei die Prognose deutlich belastet, weshalb eine längerfristige
Alkoholabstinenz angemessen und verhältnismässig sei.
b) Der Rekurrent macht demgegenüber geltend, dass sich das von der Vorinstanz
zitierte Bundesgerichtsurteil auf einen Fall beziehe, in welchem die Auflage bei einer
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Wiedererteilung des Führerausweises nach einem Sicherungsentzug erfolgt sei und
somit eine Alkoholabhängigkeit oder ein verkehrsrelevanter Alkoholmissbrauch
vorgelegen habe. Beim Rekurrenten habe die verkehrsmedizinische Untersuchung aber
weder eine Alkoholabhängigkeit noch einen verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch,
sondern lediglich eine verkehrsrelevante Alkoholgefährdung ergeben. Dies sei qualitativ
wesentlich weniger gravierend. Diesem Unterschied habe die Vorinstanz keine
Rechnung getragen. Er werde gleich behandelt, wie wenn der Wiedererteilung ein
Sicherungsentzug vorausgegangen wäre. Der letzte einschlägige Vorfall liege bereits
neun Jahre zurück, was die Schlussfolgerung des Gutachters, es liege eine
verkehrsrelevante Alkoholgefährdung vor, relativiere. Das mutmassliche Problem sei
primär, dass er Strategien entwickeln müsse, um bei bestimmten Anlässen wenig oder
keinen Alkohol zu trinken oder bei übermässigem Alkoholkonsum nicht ins Fahrzeug zu
steigen. Das hierzu adäquate und verhältnismässige Mittel sei primär die fachliche
Suchtberatung. Bei einer verkehrsrelevanten Alkoholgefährdung sei eine kontrollierte
Alkoholabstinenz vor allem noch als Abschreckung zu legitimieren. Zur
Abschreckungswirkung sei eine kontrollierte Alkoholabstinenz mit einer Mindestdauer
von einem Jahr aber verhältnismässig. Im Zeitpunkt der Begutachtung habe er sich
bereits einer freiwilligen sechsmonatigen Alkoholabstinenz unterzogen gehabt. Er habe
den Alkoholkonsum durch eigenen Willen kontrollieren können. Dies lasse die
beantragte Mindestdauer von einem Jahr umso mehr als verhältnismässig erscheinen.
Ende November 2021 liege dann eine kontrollierte Alkoholabstinenz von bereits
eineinhalb Jahren vor. Auf diesen Umstand sei der Gutachter bei der empfohlenen
Mindestdauer nicht eingegangen, so dass aus der Empfehlung des Gutachters faktisch
eine zweieinhalbjährige Mindestdauer resultiere. Er habe mit der Suchtberatung bereits
begonnen, so dass bis im Dezember 2021 auch für die Suchtberatung eine
zwölfmonatige Mindestdauer erfüllt sei.
3.- a) Motorfahrzeugführer müssen über Fahreignung und Fahrkompetenz verfügen
(Art. 14 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes [SR 741.01, abgekürzt: SVG]). Über
Fahreignung verfügt unter anderem, wer frei von einer Sucht ist, die das sichere Führen
von Motorfahrzeugen beeinträchtigt (Art. 14 Abs. 2 lit. c). Aus besonderen Gründen
können Führerausweise befristet, beschränkt oder mit Auflagen verbunden werden.
Dies ist nicht nur bei der Ausweiserteilung, sondern auch in einem späteren Zeitpunkt
möglich, um Schwächen hinsichtlich der Fahrtauglichkeit zu kompensieren. Solche
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Auflagen zur Fahrberechtigung sind im Rahmen der Verhältnismässigkeit stets zulässig,
wenn sie der Verkehrssicherheit dienen und mit dem Wesen der Fahrerlaubnis im
Einklang stehen. Erforderlich ist, dass sich die Fahreignung nur mit dieser Massnahme
aufrechterhalten lässt (BGE 131 II 248 E. 6.2 mit Hinweisen; Entscheid des
Verwaltungsgerichts [VerwGE] B 2014/237 vom 28. Mai 2015 E. 3.1, im Internet
abrufbar unter: www.sg.ch/recht/gerichte und dort unter Rechtsprechung). Die an die
Wiedererteilung des Führerausweises regelmässig geknüpften Auflagen sind
Nebenbestimmungen, die dazu dienen, Unsicherheiten beim Nachweis Rechnung zu
tragen, ob die Fahrfähigkeit der betroffenen Person stabil ist. Die Auflagen müssen den
konkreten Umständen angepasst und verhältnismässig sein. Das Gebot der
Verhältnismässigkeit verlangt, dass eine behördliche Massnahme für das Erreichen des
im öffentlichen Interesse liegenden Ziels geeignet und erforderlich ist und sich für den
Betroffenen in Anbetracht der Schwere der Grundrechtseinschränkung als zumutbar
erweist (BGer 1C_164/2020 vom 20. August 2020 E. 4.2 mit Hinweisen). Bei
Fahrzeuglenkern, die zum Alkoholmissbrauch neigen, kann die Wiedererteilung des
Führerausweises je nach den konkreten Umständen für mehrere Jahre an eine
Abstinenzauflage geknüpft werden (BGer 1C_342/2009 vom 23. März 2010 E. 2.4).
Denn die Fahreignung solcher Lenker bedarf der besonderen Kontrolle, selbst wenn
grundsätzlich keine Alkoholsucht im medizinischen Sinn besteht (BGE 131 II 248 E. 6.3;
Ph. Weissenberger, Administrativrechtliche Massnahmen bei Alkohol- und
Drogengefährdung, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2004, St. Gallen 2004, S.
134 f.).
b) Das verkehrsmedizinische Gutachten unterliegt der freien richterlichen
Beweiswürdigung (Art. 21 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 58 Abs. 1 VRP). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung kommt ärztlichen Gutachten Beweiswert zu,
sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 123
V 331 E. 1c). In Sachfragen weicht der Richter nur aus triftigen Gründen von einer
gerichtlichen Expertise ab. Er prüft, ob sich aufgrund der übrigen Beweismittel und der
Vorbringen der Parteien ernsthafte Einwände gegen die Schlüssigkeit der
gutachterlichen Darlegungen aufdrängen. Erscheint ihm die Schlüssigkeit eines
Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft, hat er nötigenfalls ergänzende
Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu erheben (vgl. BGE 133 III 385 mit weiteren
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Hinweisen). Hinsichtlich des Beweiswertes eines verkehrsmedizinischen Gutachtens ist
entscheidend, ob es auf umfassenden verkehrsmedizinischen Abklärungen beruht, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben wurde, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen des Experten auf einer schlüssigen, nachvollziehbaren und in
sich geschlossenen Begründung beruhen (vgl. BGer 1C_7/2017 vom 10. Mai 2017
E. 3.5 mit Verweis auf BGE 125 V 351 E. 3a). Ob ein Gericht die in einem Gutachten
enthaltenen Erörterungen für überzeugend hält, ist eine Frage der Beweiswürdigung
(BGer 1C_320/2017 vom 9. Januar 2018 E. 2.3).
4.- a) In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten, dass der Rekurrent am 16. Mai 2020 ein
Motorfahrzeug mit einer Atemalkoholkonzentration von 1,03 mg/l (was einer BAK von
2,06 Gewichtspromille entspricht) lenkte; deswegen hatte er sich einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung zu unterziehen. Das verkehrsmedizinische
Gutachten des Faforo vom 25. November 2020 stützt sich auf die Akten, die
verkehrsmedizinische Untersuchung, die Laborwerte des Hausarztes, die Resultate der
Laboruntersuchungen und die psychiatrische Exploration (act. 11/46 ff.).
Der Rekurrent gab in der Befragung durch den Verkehrsmediziner an, seit dem Ereignis
vom 16. Mai 2020 noch einmal ein Bier und Mitte Juni 2020 ein Spezli getrunken zu
haben. Ansonsten habe er keinen Alkohol mehr konsumiert. Am 16. Mai 2020 habe er
auswärts zu Mittag gegessen. Das Ganze habe sich dann über den Tag hingezogen. Er
sei noch in zwei Restaurants gewesen, habe Bier und Schnaps getrunken. Am Ende sei
er ins Auto gestiegen und habe nach Hause fahren wollen. Ob er überlegt habe, ob er
fahren dürfe, könne er nicht sagen. Als er am Mittag losgefahren sei, habe er nicht
gedacht, dass er an diesem Tag so viel trinken würde. Das habe sich dann erst
ergeben. Einen so hohen BAK-Wert habe er nicht erwartet. Zu den früheren Verfahren
führte der Rekurrent aus, dass er nach dem Vorfall im Jahr 2010 (Fahren in
angetrunkenem Zustand mit einer BAK von mindestens 1,46 Gewichtspromille) den
Kurs "Alkohol und Verkehr" bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) absolviert
habe. Beim Vorfall im Jahr 2011 sei er im Affekt von der Unfallstelle weggelaufen und
habe sich erst am nächsten Tag gemeldet. Er habe im Vorfeld aber keinen Alkohol
konsumiert. Weiter führte der Rekurrent zu seiner Einstellung aus, unter Alkoholeinfluss
nicht mehr zu fahren. Die Folge könnte eine Freiheitsstrafe sein, was er sich nicht
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leisten könne. Er habe sich grundsätzlich daran gehalten, Trinken und Fahren zu
trennen, indem er nun jeweils mit Kollegen eine Fahrgemeinschaft bilde oder mit dem
Zug fahre. Dass er unter Alkoholeinfluss im Strassenverkehr eine Gefahr für andere
darstelle, sei ihm bewusst. Mit der Beendigung des Alkoholkonsums habe er keine
Probleme gehabt. Er habe keine fachtherapeutischen Gespräche benötigt und erachte
sich nicht als süchtig.
Die körperliche Untersuchung ergab keine Hinweise auf einen übermässigen
Alkoholkonsum. Auch der psychische Befund war unauffällig. Dem Rekurrenten wurden
Kopfhaare in einer Länge von 5 cm entnommen und in zwei Segmente (3 cm
kopfhautnah, 2 cm Rest) aufgeteilt. Dadurch wurde ein Zeitraum von Ende Juli bis Ende
Oktober 2020 (Segment 1) und von Ende Mai bis Ende Juli 2020 (Segment 2)
untersucht. In beiden Haarproben konnte kein Ethylglucuronid (EtG) nachgewiesen
werden. Die forensisch-toxikologische Haaranalyse auf EtG ist eine in der
verkehrsmedizinischen Begutachtung eingesetzte, beweiskräftige Analysemethode, die
vom Bundesgericht anerkannt wird und direkten Aufschluss über den Alkoholkonsum
während eines bestimmten, von der überprüften Haarlänge abhängigen Zeitraums gibt
(vgl. BGE 140 II 334 E. 3). Werte von unter 7 pg/mg liefern keinen Hinweis für einen
regelmässigen relevanten Alkoholkonsum (vgl. Schweizerische Gesellschaft für
Rechtsmedizin, Arbeitsgruppe Haaranalytik, Bestimmung von Ethylglucuronid [EtG] in
Haarproben, Version 2017, Ziff. 6.2; BGE 140 II 334 E. 7).
b) In der Beurteilung fasste der Gutachter die erhobenen Befunde zusammen und hielt
fest, der Rekurrent sei zum zweiten Mal unter deutlichem Alkoholeinfluss im
Strassenverkehr auffällig geworden. Beim Vorfall im Jahr 2011 habe er sich von der
Unfallstelle entfernt, weshalb nicht habe überprüft werden können, ob er auch zum
damaligen Zeitpunkt unter Alkoholeinfluss gefahren sei, was der Rekurrent verneine.
Eine Abhängigkeitsdiagnose gemäss ICD-10 könne nicht gestellt werden. Er habe die
Neigung zum Alkoholkonsum durch den eigenen Willen überwinden können.
Mittlerweile zeige sich eine sechsmonatige kontrollierte Alkoholabstinenz. Es liege auch
kein verkehrsrelevanter Alkoholmissbrauch vor, und die Fahreignung sei aus
verkehrsmedizinischer Sicht zu befürworten. Die Prognose sei allerdings aufgrund der
Vorgeschichte aus gutachterlicher Sicht im Sinne einer verkehrsrelevanten
Alkoholgefährdung deutlich belastet. Aufgrund von Kontrollverlusten trinke der
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Rekurrent zu bestimmten Anlässen mehr, als er sich eventuell vorgenommen habe.
Wegen der ausgeprägten Toleranzentwicklung verspüre er den konsumierten Alkohol
weniger als eine nicht trinkgewohnte Person. Mit dieser Konstellation steige die Gefahr
für neuerliche Trunkenheitsfahrten. Der Rekurrent habe sich zwar mit dem Thema
Alkohol und Strassenverkehr früher im Rahmen eines Kurses auseinandergesetzt. Dies
habe aber nicht dazu geführt, dass er verlässlich Alkohol und Strassenverkehr habe
trennen können. Deshalb seien die Einhaltung einer kontrollierten Alkoholabstinenz (vier
Kontrollzyklen in halbjährlichem Abstand) und eine Gesprächstherapie zu empfehlen.
5.- a) Wer einen Lernfahr-, Führerausweis oder eine Bewilligung zum berufsmässigen
Personentransport erwerben will, muss die medizinischen Mindestanforderungen nach
Anhang 1 der Verkehrszulassungsverordnung (SR 741.51, abgekürzt: VZV) erfüllen (Art.
7 Abs. 1 VZV). Gemäss Ziffer 3 dieses Anhangs darf keine Abhängigkeit von Alkohol,
Betäubungsmitteln oder psychotrop wirksamen Medikamenten vorliegen; ebenso kein
verkehrsrelevanter Missbrauch dieser Substanzen. Mit der Einführung des Begriffs des
verkehrsrelevanten Missbrauchs bei den medizinischen Mindestanforderungen in der
VZV einigten sich die Mitglieder der Sektion Verkehrsmedizin der SGRM im Jahr 2018
auf eine alle Substanzen umfassende Definition des verkehrsrelevanten Missbrauchs.
Danach handelt es sich um ein Substanzkonsumverhalten, aus dem sich ein erhöhtes
Risiko für ein Fahren in nicht fahrfähigem Zustand herleiten lässt (vgl. Wick/Keller,
Alkohol im Strassenverkehr – Anordnung einer Fahreignungsuntersuchung, in:
Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2019, S. 238; SGRM, Sektion Verkehrsmedizin,
Fahreignung und Alkohol, Betäubungsmittel und psychotrop wirksame Medikamente,
verkehrsmedizinische Untersuchung und Beurteilung [nachfolgend: Fahreignung], April
2018, Ziff. 2.6.4.1, im Internet abrufbar unter: www.sgrm.ch/inhalte/Verkehrsmedizin;
siehe auch Leitfaden Fahreignung der Vereinigung der Strassenverkehrsämter [asa],
27. November 2020, S. 9, im Internet abrufbar unter: www.astra2.admin.ch/media). Für
die Beantwortung der Frage, ob für einen bestimmten Fahrzeuglenker ein erhöhtes
Risiko besteht, sich in einem fahrunfähigen Zustand hinter das Steuer eines
Motorfahrzeugs zu setzen, sind die konkreten Umstände des Einzelfalls massgebend.
Ein Risiko ist dann erhöht, wenn es überdurchschnittlich ist, das heisst, die
Wahrscheinlichkeit einer Fahrt in einem nicht fahrfähigen Zustand mehr als 50 Prozent
beträgt (Entscheid der VRK IV-2020/97 vom 25. Februar 2021 E. 3e/dd, im Internet
abrufbar unter: www.sg.ch/recht/gerichte und dort unter Rechtsprechung).
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b) Von einem erhöhten Risiko, in fahrunfähigem Zustand ein Motorfahrzeug zu lenken,
ging der verkehrsmedizinische Gutachter beim Rekurrenten offensichtlich nicht aus. Er
hielt im Gutachten fest, dass wegen der sechsmonatigen kontrollierten
Alkoholabstinenz ein verkehrsrelevanter Alkoholmissbrauch aus gutachterlicher Sicht
nicht festgestellt werden könne. Nach der Trunkenheitsfahrt vom 16. Mai 2020 stellte
der Rekurrent den Alkohol aus eigenem Antrieb ein und konnte gemäss eigenen
Angaben problemlos auf Alkohol verzichten. Dies ist während rund sechs Monaten
durch die anlässlich der Begutachtung untersuchte Haarprobe, in der kein EtG
nachgewiesen wurde, belegt. Der Gutachter schloss jedoch aufgrund eines
Kontrollverlustes an bestimmten Anlässen und einer ausgeprägten Toleranzentwicklung
auf die Gefahr neuerlicher Trunkenheitsfahrten und damit auf eine "verkehrsrelevante
Alkoholgefährdung". Den Begriff der verkehrsrelevanten Alkoholgefährdung verwendet
das Bundesgericht – soweit ersichtlich – nicht. In einem neueren Urteil hat es zwischen
Trunksucht (was einer Alkoholabhängigkeit entsprechen dürfte), verkehrsrelevantem
Alkoholüberkonsum (was einem verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch entsprechen
dürfte) und einer naheliegenden Gefahr, dass die betroffene Person sich erneut im
akuten Rauschzustand ans Steuer setzen wird, unterschieden (BGer 1C_320/2017 vom
9. Januar 2018 E. 2.5 am Ende). In der verkehrsmedizinischen Literatur wurde die
verkehrsrelevante Alkoholgefährdung als Problematik umschrieben, welche
diagnostisch klar von einer Alkoholabhängigkeit abgegrenzt werden könne. Und auch
zwischen dem verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch und der verkehrsrelevanten
Alkoholgefährdung ergebe sich ein diagnostischer Unterschied. Aufgrund der beim
verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch bestehenden Unfähigkeit, den
Alkoholmissbrauch vom Fahren genügend trennen zu können, könne die Fahreignung –
gleich wie bei einer Alkoholabhängigkeit – nicht befürwortet werden. Bei der
verkehrsrelevanten Alkoholgefährdung lasse sich eine erneute Trunkenheitsfahrt nicht
sicher hinreichend ausschliessen, was einen Fahreignungsmangel darstelle. Dennoch
könne die Fahreignung nicht grundsätzlich abgesprochen werden. Es ergebe sich eine
bedingte bzw. mit Auflagen zu befürwortende Fahreignung (B. Liniger,
Verkehrsmedizin: Fahreignungsbegutachtung und Auflagen, in: R. Schaffhauser [Hrsg.],
Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2004, St. Gallen 2004, S. 99 f.). Mit anderen
Worten besteht in diesen Fällen zwar das Risiko, in fahrunfähigem Zustand ein
Motorfahrzeug zu lenken. Das Risiko ist aber nicht erhöht und damit nicht
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überdurchschnittlich wie beim verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch, sondern liegt
unter 50 Prozent.
c) Die Schlussfolgerung im Gutachten auf eine Toleranzentwicklung erscheint
nachvollziehbar. Praxisgemäss ist bei Personen, die im Strassenverkehr mit einer BAK
von 1,6 Gewichtspromille und mehr auffällig werden, eine regelmässige, häufig
schwere gesundheitliche Belastungen nach sich ziehende Alkoholaufnahme von
wesentlich mehr als 80 g Alkohol täglich über längere Zeiträume anzunehmen (BGE
129 II 82 E. 5 mit Verweis auf E. Stephan, Trunkenheitsdelikte im Verkehr: Welche
Massnahmen sind erforderlich?, in: AJP 1994, S. 445 ff und S. 453, BGE 126 II 361 E.
3b; B. Liniger, a.a.O., S. 92 ff.). Zum Erreichen einer derart hohen BAK muss ein
durchschnittlicher Mann in zwei Stunden rund 2,5 l Bier oder 1,0 l Wein konsumieren,
wobei eine Missbrauchsproblematik oder gar eine Suchterkrankung – selbst bei
Alkoholersttätern – naheliegt (vgl. Botschaft zu Via sicura, Handlungsprogramm des
Bundes für mehr Sicherheit im Strassenverkehr vom 20. Oktober 2010, BBl 2010 8447,
S. 8500; R. Schaffhauser, Zur Entwicklung von Recht und Praxis des
Sicherungsentzugs von Führerausweisen, AJP 1992, S. 17 ff., S. 34 f.). Trotz der hohen
Atemalkoholkonzentration von 1,03 mg/l zeigte der Rekurrent während des Gesprächs
mit den Polizisten keine Ausfallerscheinungen (wie zum Beispiel Übelkeit,
Bewusstseinstrübung oder Erbrechen). Insofern erscheint es nachvollziehbar, wenn der
Gutachter beim Rekurrenten von einer Toleranzentwicklung ausging, aufgrund derer er
den konsumierten Alkohol weniger als eine nicht trinkgewohnte Person verspüre.
Zusammen mit dem Umstand, dass er aufgrund eines Kontrollverlusts dazu neigt, an
bestimmten Anlässen mehr zu trinken, als er sich allenfalls vorgenommen hat, ist die
gutachterliche Schlussfolgerung, dass in dieser Konstellation die Gefahr für neuerliche
Trunkenheitsfahrten steigt, und deshalb die Fahreignung nur unter Auflagen
befürwortet werden kann, schlüssig.
d) Der Gutachter empfahl eine zweijährige kontrollierte Alkoholabstinenz und eine
Gesprächstherapie.
Zugunsten des Rekurrenten ist zu berücksichtigen, dass er am 6. Januar 2021 die
Gesprächstherapie bei der Suchtberatung begonnen und den Alkoholkonsum nach der
Trunkenheitsfahrt vom 16. Mai 2020 eingestellt hat. Gemäss eigenen Angaben habe er
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problemlos auf Alkohol verzichten können. Auch wenn ein gewisser Verfahrensdruck
die Verhaltensänderung positiv beeinflusst haben mag, zeigt er mit der Abstinenz, dass
er den Alkoholkonsum kontrollieren kann. Dies kann als Zeichen der Läuterung
verstanden werden. Jedenfalls bringt der Rekurrent auf diese Weise eine gewisse Reue
und Einsicht zum Ausdruck. Er bagatellisierte sein Fehlverhalten nicht und zog daraus
die richtigen Schlüsse. Dennoch muss der Rekurrent noch den Beweis erbringen, dass
er den Alkoholkonsum nicht nur unter dem Druck des hängigen Verfahrens und unter
der Motivation, den Führerausweis wiederzuerlangen, kontrollieren kann. Ungünstig zu
werten ist der getrübte automobilistische Leumund. Der Rekurrent hatte bereits am
23. Dezember 2010 ein Motorfahrzeug mit einer BAK von mindestens
1,46 Gewichtspromille gelenkt, weshalb ihm der Führerausweis für die Dauer von drei
Monaten entzogen worden war. Zudem hatte er nach diesem Vorfall einen Kurs zum
Thema "Alkohol und Verkehr" besucht. Weder der Warnungsentzug noch der
Kursbesuch vermochten ihn jedoch von einer weiteren Trunkenheitsfahrt abzuhalten.
Zusammen mit dem Kontrollverlust, aufgrund dessen der Rekurrent dazu neigt, an
bestimmten Anlässen allenfalls mehr zu trinken als er sich vorgenommen hat, und der
ausgeprägten Toleranzentwicklung, aufgrund derer er den Konsum von Alkohol
weniger als eine nicht trinkgewohnte Person spürt, erscheint die Auflage einer
mindestens zweijährigen kontrollierten Alkoholabstinenz als verhältnismässig. Bei einer
"verkehrsrelevanten Alkoholgefährdung" wird in der Regel das Einhalten einer
Alkoholabstinenz gefordert. Üblicherweise und um einen Rückfall zu verhindern,
werden bei einem günstigen Verlauf Auflagen mit einer Dauer von bis zu zweieinhalb
Jahren auferlegt, bevor die Auflagen aufgehoben werden können. Dies gilt
insbesondere, wenn die betroffene Person bereits nach dem Konsum von zwei bis drei
Stangen Bier die Kontrolle über den Alkoholkonsum verliert und deswegen –
ungeachtet der zuvor gefassten guten Vorsätze – einfach weitertrinkt und mit einem
solchen Trinkmuster die Gefahr einer weiteren Trunkenheitsfahrt steigt (Liniger, a.a.O.,
S. 101 f.). Entgegen der Ansicht des Rekurrenten kann somit eine längerdauernde
kontrollierte Alkoholabstinenz nicht nur bei einer vorangegangenen
Alkoholabhängigkeit angeordnet werden. Es trifft zwar zu, dass hier nicht die
Problematik der Überwindung einer Suchtproblematik wie im von der Vorinstanz
zitierten Entscheid des Bundesgerichts (BGer 1C_164/2020 vom 20. August 2020)
Prozessthema ist, da keine Alkoholabhängigkeit diagnostiziert wurde. Allerdings steigt
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aufgrund des Kontrollverlusts und der Toleranzentwicklung die Gefahr für neuerliche
Trunkenheitsfahrten. Das Risiko, dass der Rekurrent erneut in fahrunfähigem Zustand
ein Motorfahrzeug lenkt, ist aufgrund dieser erschwerenden Umstände eher gegen 50
Prozent als gegen 0 Prozent anzusiedeln. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass der
Gutachter davon ausging, dass sich die Fahreignung des Rekurrenten nur mittels einer
mindestens zweijährigen kontrollierten Alkoholabstinenzauflage aufrechterhalten lässt.
Für die Vorinstanz bestand somit kein Grund, von den aus den gutachterlichen
Abklärungen ergebenden Schlussfolgerungen abzuweichen.
6.- Zusammenfassend erweist sich die von der Vorinstanz verfügte Auflage einer
vollständigen, kontrollierten Alkoholabstinenz für mindestens zwei Jahre als
verhältnismässig. Namentlich bedarf die Fahreignung des Rekurrenten zur
Gewährleistung der Verkehrssicherheit besonderer Kontrolle. Der Rekurs ist
abzuweisen. In den übrigen Punkten wurde die Verfügung vom 10. Dezember 2020 zu
Recht nicht angefochten, weshalb es dabei sein Bewenden hat.
7.- Die Verbindung des Führerausweises mit der Auflage einer mindestens zweijährigen
kontrollierten Alkoholabstinenz erfolgt zum Schutz der Sicherheit der übrigen
Verkehrsteilnehmer. Dieser Zweck wäre gefährdet, müsste der Rekurrent diese Auflage
während eines Beschwerdeverfahrens nicht einhalten. Einer allfälligen Beschwerde ist
deshalb die vom Gesetz vorgesehene aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 51 VRP).
8.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 800.– erscheint
angemessen (Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 800.– ist damit zu verrechnen.
Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP).