Decision ID: bf3c409c-c53f-477f-bd1d-1fb8625cb7cb
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X (geb. 9. April 1989) bewohnt seit Juli 2014 mit Y eine 3.5-Zimmerwohnung an der
Z-strasse in St. Gallen. Er ist als Informatiker mit einem Pensum von 80 Prozent bei der
R-Bank unselbständig erwerbstätig.
B.- In der Steuererklärung für das Jahr 2014 deklarierte X ein steuerbares Einkommen
von Fr. 49‘700.– und ein steuerbares Vermögen von Fr. 67‘000.–. Die
Veranlagungsbehörde nahm bei der Einkommensberechnung verschiedene
Korrekturen vor und liess insbesondere den Abzug von Fr. 2‘940.– für die Nutzung
eines Studierzimmers in der Privatwohnung im Rahmen der beruflichen Weiterbildung
nicht zu. Für die Kantons- und Gemeindesteuern 2014 veranlagte sie X mit einem
steuerbaren Einkommen von Fr. 53‘800.– und einem steuerbaren Vermögen von
Fr. 67‘000.– sowie für die direkte Bundessteuer 2014 mit einem steuerbaren
Einkommen von Fr. 54‘900.–. Die dagegen am 15. Dezember 2015 erhobene
Einsprache hiess das kantonale Steueramt mit Entscheid vom 1. April 2016 bezüglich
der übrigen Weiterbildungskosten teilweise gut. Hinsichtlich des Abzugs für das
Studierzimmer hielt es fest, dass die Voraussetzungen für dessen Gewährung nicht
erfüllt seien. Vielmehr sei der Kostenanteil für das Arbeitszimmer bereits im
Pauschalabzug für übrige Berufskosten enthalten. Es veranlagte X neu für die Kantons-
und Gemeindesteuer 2014 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 53‘200.– und
einem steuerbaren Vermögen von Fr. 67‘000.– und für die direkte Bundessteuer 2014
mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 54‘300.–.
C.- Gegen die Einspracheentscheide erhob X mit Eingabe vom 23. April 2016 Rekurs
und Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, den für das
Studierzimmer in der Privatwohnung deklarierten Abzug von Fr. 2‘940.– gesamthaft
zum Abzug zuzulassen. Am 4. Mai 2016 zog der Steuerpflichtige die Beschwerde
zurück. Die Vorinstanz beantragte in Ihrer Vernehmlassung vom 9. Juni 2016 die
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Abweisung des Rekurses. Der Rekurrent nahm am 30. Juni 2016 Einsicht in die Akten.
Eine Stellungnahme zur Vernehmlassung reichte er nicht ein.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung der Anträge wird,

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 23. April 2016 wurde rechtzeitig
eingereicht. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG;
Art. 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 182 Abs. 1 StG entscheidet die Veranlagungsbehörde gestützt auf die
Untersuchung über die Einsprache. Sie kann alle Steuerfaktoren oder das
Steuersubstrat neu festsetzen und die Veranlagung nach Anhören des
Steuerpflichtigen auch zu dessen Nachteil ändern. Der ganze Fall wird nochmals
aufgerollt, der Tatbestand festgestellt und die Rechtslage abgeklärt. Die
Einsprachebehörde entscheidet neu, unabhängig vom Inhalt der ersten Verfügung und
von den Anträgen des Einsprechers (Zigerlig/Oertli/Hofmann, Das st. gallische
Steuerrecht, 7. Aufl. 2014, S. 404). Soweit der Rekurrent beanstandet, der
Steuerkommissär habe im Einspracheverfahren nicht mit ihm Kontakt aufgenommen,
um die speziellen Umstände zu klären, sondern unzutreffende Annahmen getroffen, ist
sein Einwand unbegründet. Im Steuerrecht gilt der Grundsatz gilt, dass die
Steuerbehörde die Beweislast für steuerbegründende Tatsachen trägt, während den
Steuerpflichtigen die Beweislast für Tatsachen trifft, die die Steuerschuld aufheben
oder mindern (Zigerlig/Oertli/Hofmann, a.a.O., S. 390). Dementsprechend liegt die
Beweislast für die Berufsnotwendigkeit des Studierzimmers beim Rekurrenten. Dieser
hätte die relevanten Tatsachen darlegen müssen. Da die Wohnung von zwei Personen
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gemietet ist, durfte der Steuerkommissär ohne weiteres davon ausgehen, dass sie
auch von beiden Personen benutzt wird. Ebenso wäre es angesichts seines
Beschäftigungsgrades von 80 % am Rekurrenten gelegen, die zeitliche Belastung des
berufsbegleitenden Studiums konkret auszuführen. Der Steuerkommissär war
jedenfalls nicht verpflichtet, weitere Beweismittel zu erheben oder dem Einsprecher
Gelegenheit zu bieten, diese nachträglich vorzubringen oder seine Behauptungen zu
substantiieren.
3.- Umstritten ist vorliegend, ob die Kosten des Studierzimmers in der Privatwohnung
des Rekurrenten von Fr. 2‘940.– in Abzug gebracht werden können.
a) Nach Art. 39 Abs. 1 StG werden als Berufskosten die notwendigen Kosten für
Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte (lit. a), die notwendigen Mehrkosten für
Verpflegung ausserhalb der Wohnstätte und bei Schichtarbeit (lit. b), die übrigen für die
Ausübung des Berufs erforderlichen Kosten (lit. c) sowie die mit dem Beruf
zusammenhängenden Weiterbildungs- und Umschulungskosten (lit. d) abgezogen. Für
die Berufskosten nach Art. 39 Abs. 1 lit. a – c StG werden Pauschalansätze festgelegt;
dem Steuerpflichtigen steht im Falle von Abs. 1 lit. a und c der Nachweis höherer
Kosten offen (Art. 39 Abs. 2 StG).
Zu den übrigen Berufsauslagen gemäss Art. 39 Abs. 1 lit. c StG gehören auch die
Kosten für ein beruflich bedingtes Arbeitszimmer in der Privatwohnung oder im
Eigenheim des Steuerpflichtigen. Sie gelten grundsätzlich mit der Pauschale von
Fr. 700.– zuzüglich 10 Prozent der Nettoeinkünfte, höchstens aber Fr. 2‘400.– als
abgegolten (Art. 21 Abs. 1 der Steuerverordnung, sGS 811.11, abgekürzt: StV). Die
Abzugsfähigkeit der effektiven Kosten anstelle des Pauschalabzugs beurteilt sich nach
dem Kriterium der beruflichen Notwendigkeit, wobei der Steuerpflichtige diesen
Nachweis zu erbringen hat (Art. 21 Abs. 3 StV). Bei der Beurteilung der beruflichen
Notwendigkeit ist darauf abzustellen, ob der Steuerpflichtige einen wesentlichen Teil
der Berufsarbeiten zu Hause erledigen muss und dafür vom Arbeitgeber kein
geeignetes Arbeitszimmer zur Verfügung gestellt wird. Nach geltender Praxis gilt die im
Arbeitszimmer zu verrichtende Arbeit als wesentlich, wenn sie ca. 40 Prozent der
gesamten Arbeitszeit ausmacht (SGE 2007 Nr. 14). Der Steuerpflichtige muss im
Weiteren auf einen ruhigen, abgeschirmten, spezifisch eingerichteten Arbeitsplatz
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(übliche Arbeitszimmerausstattung) angewiesen sein, welcher in dieser Form auch
tatsächlich ausgeschieden worden ist und ausschliesslich oder zumindest vorwiegend
diesem Zweck dient. Das Ausscheiden allein sowie die ausschliessliche Benützung für
die Berufstätigkeit vermögen den Nachweis der beruflichen Notwendigkeit allerdings
für sich allein noch nicht zu erbringen. Wenn der Pflichtige nämlich entsprechende
Büroräumlichkeiten am Arbeitsort benützen kann bzw. deren Benützung nicht
unmöglich oder unzumutbar ist, ist die Berufsnotwendigkeit eines privaten
Arbeitszimmers nicht dargetan (zum Ganzen StB 39 Nr. 1). Diese Weisungen für die
Veranlagungspraxis stehen im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen (vgl. auch
Urteil des Verwaltungsgerichts B 2012/160 vom 27. August 2013, in:
www.gerichte.sg.ch).
Ein Abzug für die Benützung eines Studierzimmers in der eigenen Wohnung oder in der
Wohnung der Eltern zum Zweck der Weiterbildung ist nur bei einer ausserordentlich
arbeitsintensiven Weiterbildung überhaupt möglich. In Ausnahmefällen sind die
Voraussetz-ungen für einen Arbeitszimmerabzug sachgemäss anwendbar (StB 39 Nr.
6).
b) Der Rekurrent begründet seinen Antrag damit, dass seine Mitbewohnerin während
ihres Studiums Teilzeit an der Universität Bern als Hilfsassistentin gearbeitet und das
Arbeitszimmer unter der Woche nicht genutzt habe. Ferner sei sie am Wochenende
meistens bei ihrer Familie in A im Kanton Solothurn gewesen, weshalb er das Zimmer
alleine genutzt habe. Dies zeige sich unter anderem daran, dass die Mitbewohnerin
keinen Abzug für die Kosten des Arbeitszimmers in der Privatwohnung zum Abzug
gebracht habe. Das berufsbegleitende Studium „B“ könne er nur aufgrund der
Flexibilität seines Arbeitgebers in der Arbeitszeitgestaltung mit einem Arbeitspensum
von 80 Prozent meistern. Im Sommer 2014 habe er im Rahmen seines Studiums ein
berufsbegleitendes Praxisprojekt durchführen müssen. Diese Studienleistung sei mit elf
Kreditpunkten (European Credit Transfer and Accumulation System, abgekürzt: ETCS)
versehen gewesen. Ein ETCS-Punkt entspreche einem durchschnittlichen
studentischen Arbeitspensum von 25 Stunden, weshalb schon aus dem Praxisprojekt
eine Arbeitsbelastung von 275 Stunden resultiert sei. Pro Semester habe er an der
Hochschule für Angewandte Wissenschaften (abgekürzt: FHS) St. Gallen Module im
Umfang von 25 ETCS-Punkten belegt, was einer durchschnittlichen jährlichen
http://www.gerichte.sg.ch
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Studienleistung von 1‘250 Stunden entspreche. Gemäss Studienplan würden der
Kontaktunterricht und das angeleitete Selbststudium maximal die Hälfte der Zeit
umfassen. Die andere Hälfte, das heisst rund 600 Stunden pro Jahr, erbringe er im
Rahmen des privaten Selbststudiums zu Hause. Das belege er mit einem Schreiben
des Studiengangleiters Wirtschaftsinformatik an der FHS. Schliesslich habe ein
Mitstudent, der ebenfalls einer Beschäftigung von 80 Prozent nachgehe und in St.
Gallen wohne, den Abzug des Studierzimmers geltend machen können.
c) Hinsichtlich der Nutzung des Arbeitszimmers durch die Mitbewohnerin des
Rekurrenten wirft die Vorinstanz die Frage auf, weshalb diese den Mietvertrag
unterschrieben habe, wenn sie die Wohnung kaum nutzen würde. Dass sie das
entsprechende Zimmer steuerlich nicht in Abzug gebracht habe, sei nicht von
Bedeutung. Ferner stellt die Vorinstanz nicht in Abrede, dass dem Rekurrenten nebst
seiner Berufsausübung und der Weiterbildung kaum Freizeit verbleibe. Aus
steuerrechtlicher Sicht sei indes nicht von einer ausserordentlich arbeitsintensiven
Fortbildung auszugehen, welche einen Abzug für ein Studienzimmer rechtfertige.
Schliesslich sei es richtig, dass ein Mitstudent in seiner Steuererklärung 2015 unter der
Position Weiterbildungs- und Umschulungskosten Aufwendungen für ein
Studierzimmer geltend gemacht habe. Jedoch sei diese Veranlagung provisorisch. Die
Steuererklärung sei von der Steuerbehörde noch nicht geprüft worden. Somit stösst
der Einwand der rechtsungleichen Behandlung ins Leere.
d) Der Rekurrent ist zu 80 Prozent unselbständig erwerbstätig. Daneben absolviert er
eine Weiterbildung. Diese nimmt gemäss Bestätigungsschreiben des
Studienrichtungsleiters Wirtschaftsinformatik der FHS St. Gallen 1‘250 Stunden pro
Jahr in Anspruch. Davon sind 600 Stunden Studienleistungen durch die Studierenden
privat im Selbststudium zu erbringen. Ungeachtet der Zeiten, während denen er an der
FHS anwesend sein muss, ist somit von einem Selbststudium von rund 13 Stunden
wöchentlich auszugehen. Nachdem er keine genaueren Angaben zu seinen
Arbeitszeiten, der Flexibilität der Arbeitszeitgestaltung und seinem Stundenplan an der
FHS macht, kann angenommen werden, dass es für den Rekurrenten möglich ist, einen
Grossteil seines Selbststudiums in der Hochschulbibliothek zu verrichten. Diese steht
ihm inklusive einschlägiger Literatur werktags von 08.00 bis 20.00 Uhr und samstags
von 08.00 bis 16.00 Uhr zur Verfügung (vgl. dazu Öffnungszeiten der FHS St. Gallen, in:
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www.fhsg.ch). Sie ist von seiner Wohnung in zehn bis fünfzehn Minuten erreichbar,
ebenso von seinem Arbeitsort aus (vgl. Routenplaner Google Maps, in:
www.google.ch/maps). Überdies hält er sich aufgrund des Kontaktunterrichts und des
angeleiteten Selbststudiums während einer gewissen Zeit ohnehin im selben Gebäude
auf, weshalb ihm an diesen Tagen keine zeitliche Einbusse zur Erreichung der
Bibliothek entsteht. Unter diesen Umständen macht die notwendigerweise noch im
Studierzimmer zu verrichtende Arbeit deutlich weniger 40 Prozent der gesamten
Arbeitszeit des Rekurrenten aus. Schliesslich ist die Annahme, dass in einer von zwei
Personen genutzten 3.5-Zimmerwohnung ein Zimmer ausschliesslich von der einen
Person zu Studierzwecken genutzt werde, realitätsfremd. Der Rekurrent macht ohnehin
keine Angaben, ob seine Wohnpartnerin auch seine Lebenspartnerin ist. Wäre sie dies
nicht, müsste sie während ihrer Aufenthalte in St. Gallen im Wohnzimmer übernachten.
Dass sie Teilzeit an der Universität in Bern arbeitet und sich am Wochenende bei ihren
Eltern in A, Kanton Solothurn, aufhält, vermag daran nichts zu ändern. Der Rekurrent
legt auch nicht dar, wo seine Mitbewohnerin während der Woche wohnt und wie hoch
ihr Arbeitspensum an der Universität ist. Da sie den Mietvertrag mitunterzeichnet hat,
ist davon auszugehen, dass sie sich zumindest während der Woche überwiegend in
der gemeinsamen Wohnung aufhält und dafür ein eigenes Zimmer beansprucht. Selbst
wenn die Mitbewohnerin die Lebenspartnerin des Rekurrenten wäre, schiene die
ausschliessliche Nutzung durch den Rekurrenten wie erwähnt realitätsfremd. Somit
bleibt die tatsächliche Ausscheidung eines besonderen Arbeitsplatzes, der vorwiegend
den Charakter eines Studierzimmers hat (StB 39 Nr. 1), überaus fraglich. Die
Berufsnotwendigkeit des Studierzimmers ist bei dieser Sachlage nicht dargetan,
weshalb die Vorinstanz den Abzug von Fr. 2‘940.– zu Recht nicht zugelassen hat. Der
Rekurs ist daher abzuweisen.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 500.– ist angemessen
(vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss
in gleicher Höhe ist zu verrechnen.
5.- Die Beschwerde gegen den Einspracheentscheid betreffend direkte Bundessteuer
2014 ist wegen Rückzugs als erledigt abzuschreiben (Art. 57 VRP). Kosten sind keine
zu erheben (Art. 97 VRP).
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