Decision ID: 910c39cf-a8f5-5526-8683-ab0381944469
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 3. November 2011 erstmals zum Bezug von Leistungen bei
der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 3). Sie litt an einer entzündlichen
Erkrankung des zentralen Nervensystems mit Verdacht auf Multiple Sklerose (MS).
Dieser Verdacht bestätigte sich im Verlauf (vgl. IV-act. 18, 28, 63, 73, 82, 97, 121, 162).
Mit Verfügung vom 7. November 2012 sprach die IV-Stelle der Versicherte mit Wirkung
per 1. Mai 2012 eine halbe Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 54% zu (IV-
act. 40 ff.).
A.a.
In der Folge erteilte die IV-Stelle der Versicherten Kostengutsprachen für diverse
Hilfsmittel. Sie übernahm u.a. die Kosten für einen Rollstuhl (leihweise Abgabe) im
Betrag von Fr. 5'777.90 (IV-act. 67). Im März 2016 ersuchte die Versicherte die IV-Stelle
um Erhöhung ihrer Rentenleistungen mit der Begründung, dass sich ihr
Gesundheitszustand verschlechtert habe (IV-act. 68). Am 26. Oktober 2016 erhöhte die
IV-Stelle die Invalidenrente per 1. März 2016 auf eine ganze Invalidenrente mit der
Begründung, dass die Versicherte seit Dezember 2015 in sämtlichen Tätigkeiten zu
100% eingeschränkt sei (Invaliditätsgrad von 100%; IV-act. 102 f., 106).
A.b.
Am 5. September 2017 erteilte die IV-Stelle eine weitere Kostengutsprache von Fr.
25'050.60 für invaliditätsbedingte Änderungen am Motorfahrzeug der Versicherten (IV-
act. 129). Am 28. November 2017 sprach die IV-Stelle der Versicherten eine
Hilflosenentschädigung wegen einer Hilflosigkeit mittleren Grades zu. Sie begründete
dies damit, dass die Versicherte in den alltäglichen Lebensverrichtungen An-/
Auskleiden und Essen und auch im Rahmen der lebenspraktischen Begleitung inkl.
Fortbewegung hilflos sei (IV-act. 138 f.). Am 12. April 2018 erteilte die IV-Stelle eine
weitere Kostengutsprache für einen elektrischen Hilfsantrieb am bestehenden Rollstuhl
(leihweise Abgabe; IV-act. 159).
A.c.
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B.
Im April 2018 beantragte die Versicherte die Abgabe eines Treppenliftes zur
Überwindung der Treppe vom Unter- ins Erdgeschoss (Sitzlift Mono-Air; IV-act. 160 f.).
Im Juli 2018 fand eine fachtechnische Abklärung durch das SHAB Hilfsmittelzentrum
statt. Die zuständige Abklärungsperson berichtete am 6. Juli 2018 sinngemäss, dass
die Abgabevoraussetzungen für die Beschaffung eines Treppenliftes gemäss Ziff.
13.05* der Verordnung des EDI über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die
Invalidenversicherung (HVI) nicht erfüllt seien, da die Versicherte nicht erwerbstätig sei.
Auch könne aufgrund der körperlichen Beeinträchtigungen der Versicherten nicht
davon ausgegangen werden, dass durch die Anschaffung eines Treppenliftes eine
Leistungssteigerung im Aufgabenbereich um mindestens 10% (Rz. 21.49* HVI)
ermöglicht würde. Der Versicherten könne aber im Rahmen der Austauschbefugnis ein
Kostenbeitrag für die Anschaffung eines Treppensitzlifts in der Höhe von Fr. 8'000.--
ausgerichtet werden, denn die Versicherte könnte die Treppen mit einem
Treppensteiggerät überwinden, wenn eine Hilfsperson anwesend wäre (IV-act. 169).
B.a.
Am 10. August 2018 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie sich mit
einem Kostenbeitrag von Fr. 8'000.-- an der Anschaffung eines Treppenlifts beteiligen
werde. Dieser Betrag entspreche der Kostenlimite für eine Treppensteighilfe (IV-act.
178). Am 13. September 2018 ersuchte die Versicherte die IV-Stelle, die gesamten
Kosten des Treppenliftes zu übernehmen. Sie machte geltend, dass bis zum Wohn-/
Lebensbereich zwei Treppenabsätze zu bewältigen seien. Bis zum Einbau des
Treppenlifts sei es ihr nicht mehr möglich gewesen, ohne fremde Hilfe das Haus zu
verlassen. Bisher seien keine konkreten Abklärungen getätigt worden, um
herauszufinden, welche Aufgaben sie Dank des Treppenlifts wieder selber machen
könne wie etwa die gesamte Wäsche selber waschen, Einkäufe erledigen etc. (IV-act.
181).
B.b.
Mit Verfügung vom 3. Oktober 2018 übernahm die IV-Stelle einen Kostenbeitrag
von Fr. 8'000.-- an die Anschaffung eines Treppenlifts. Zur Begründung hielt sie fest,
dass die Voraussetzungen für eine vollständige Kostenübernahme nicht erfüllt seien.
Die gesamten Kosten für einen Treppenlift könnten übernommen werden, wenn dieser
dazu diene, den Weg zur Arbeits-, Ausbildungs- oder Schulungsstätte zurückzulegen
B.c.
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C.
oder die Tätigkeit im Aufgabenbereich ermögliche. Zum Schreiben der Versicherten
nahm sie dahingehend Stellung, dass zwar tatsächlich nicht erwähnt worden sei, dass
es sich um zwei Treppen mit einem Zwischenpodest und nicht um eine
zusammenhängende Treppe handle. Dies ändere aber nichts daran, dass sich die
Küche, das Wohnzimmer, das Schlafzimmer, das Büro, die Nasszelle und der
Terrassenzugang auf einer Ebene befänden. Weder hinsichtlich des Wäschewaschens
noch bezüglich des Einkaufens könne von einer massgebenden Leistungssteigerung im
Haushalt ausgegangen werden. Zudem könne im Rahmen der Mitwirkungs- und
Schadenminderungspflicht eine gewisse Mithilfe vom Partner der Versicherten erwartet
werden. Auch die Arzt- und Therapiebesuche etc. sowie das Verlassen der Wohnstätte
würden keine Leistungssteigerung im Haushalt bewirken. Unter Berücksichtigung aller
Fakten liege keine 10%ige Leistungssteigerung im Haushalt vor (IV-act. 184).
Am 7. November 2018 erhob die Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung
vom 3. November 2018. Sie beantragte die Aufhebung der Verfügung und die
Zusprache der Kosten für den Treppenlift, eventualiter sei die Angelegenheit zur
weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur Begründung
führte sie an, dass sie zusammen mit ihrem Lebenspartner in einem Einfamilienhaus
lebe; die Wohnräume befänden sich im oberen Stock, die Waschküche, die Heizung
und die Garage im Untergeschoss. Wenn sie das Haus verlassen wolle, könne sie das
nur über die Garage tun. Dank dem Treppenlift sei sie in der Lage, die Wäsche und die
alltäglichen Einkäufe wieder selbst zu erledigen. Auch die weiteren Aufgaben ausser
Haus wie Termine bei Ämtern, Versicherungen, Ärzten, Therapeuten etc. seien lediglich
dank des Treppenliftes wieder möglich. Insgesamt sei durchaus von einer
Leistungssteigerung von 10% auszugehen. Ihr Partner sei zu 100% erwerbstätig und
habe einen einstündigen Arbeitsweg. Er könne somit nicht einfach kurz von der Arbeit
weg, wenn er ihr helfen müsse. Zudem übernehme er im Alltag bereits sehr viele
Unterstützungsmassnahmen und die meisten Aufgaben im Haushalt (act. G 1).
C.a.
Die zuständige Sachbearbeiterin des entsprechenden Fachbereichs der
Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Stellungnahme vom 3. Januar 2019 fest, dass die
Haushaltstätigkeit gemäss Rz. 3087 KSIH in die Bereiche Ernährung (50%), Wohnungs-
C.b.
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und Hauspflege (40%), Einkauf und weitere Besorgungen (10%), Wäsche- und
Kleiderpflege (20%) und Pflege und Betreuung von Kindern und/oder Angehörigen
(50%) aufzuteilen sei. Der Treppenlift habe keinen Einfluss darauf, ob und wie der
Bereich Ernährung erledigt werde, da der Lift für die Strecke vom Wohnbereich in die
Garage bzw. den Keller verwendet werde. Beim Einkaufen ergebe sich eine
Leistungssteigerung von höchstens ca. 2.5%, da Grosseinkäufe ohnehin nicht ohne
Begleitung bewältigt werden könnten und vom Partner der Versicherten unabhängig
von seinem Arbeitspensum eine gewisse Mitwirkung erwartet werden könne. Auch sei
davon auszugehen, dass Einkäufe online getätigt werden könnten und dass auch die
Korrespondenz mit Ämtern und Versicherungen per Mail erfolgen könne. Termine bei
Ärzten und Therapien seien als nicht aufwendig zu beurteilen. Bei der Wäsche- und
Kleiderpflege erfolge eine Leistungssteigerung von höchstens sechs Teilverrichtungen
im Umfang von 3.3%, da nur der Transport, das Befüllen und Entleeren und das
Bedienen der Maschine ohne Treppenlift nicht möglich sei. Auch hier sei eine
Mitwirkung des Partners zumutbar. Die Versicherte habe keine Betreuungspflichten.
Insgesamt könne von einer maximal 6%igen Leistungssteigerung ausgegangen werden
(IV-act. 191). Am 23. Januar 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung
der Beschwerde unter Verweis auf diese Stellungnahme des Fachbereichs (act. G 4).
Am 27. Februar 2019 machte die Beschwerdeführerin ergänzend geltend, dass sie
ohne den Treppenlift im Bereich des Einkaufs zu 100% eingeschränkt sei. Sie müsse
auch Online-Einkäufe an der Türe entgegennehmen, welche für sie aber ohne
Treppenlift nicht erreichbar wäre. Zudem liessen sich längst nicht alle Besorgungen per
E-Mail erledigen. Mit dem Treppenlift könne sie das Haus alleine verlassen und die
meisten Einkäufe alleine erledigen. Bereits beim Einkauf ergebe sich somit eine
annähernd 10%ige Leistungssteigerung. Im Bereich der Wäsche müsse ebenfalls von
einer 10%igen Steigerung ausgegangen werden, da die gewaschene Wäsche auch
herausgenommen und in den Tumbler umgefüllt oder aufgehängt werden müsse. Die
Vorrichtung zum Aufhängen befinde sich ebenfalls im Keller. Hinsichtlich der
Schadenminderungspflicht gehe die Beschwerdegegnerin von überspannten
Anforderungen aus und sie lasse die konkreten Verhältnisse ausser Acht (act. G 6).
C.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (vgl. act. G
8).
C.d.
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Erwägungen
1.
Zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf ein Hilfsmittel. Gemäss Art.
21 Abs. 1 Satz 1 IVG hat eine versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat
aufzustellenden Liste einen Anspruch auf jene Hilfsmittel, die sie für die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit oder einer Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, für die Schulung, für die Aus- und Weiterbildung
oder zum Zweck der funktionellen Angewöhnung bedarf. Nach Abs. 2 der genannten
Bestimmung hat eine versicherte Person, die infolge ihrer Invalidität für die
Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die
Selbstsorge kostspieliger Geräte bedarf, ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit
Anspruch auf solche Hilfsmittel. Die Invalidenversicherung kennt folglich zwei Arten von
Hilfsmitteln: Einerseits diejenigen Hilfsmittel, die ohne Rücksicht auf die
Erwerbsfähigkeit der versicherten Person von der IV-Stelle übernommen werden (vgl.
Art. 2 Abs. 1 HVI), und andererseits jene Hilfsmittel, die eine erwerbliche
Eingliederungswirksamkeit voraussetzen. Letztere sind in der Verordnung des
Eidgenössischen Departements des Innern über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die
Invalidenversicherung mit einem (*) gekennzeichnet (vgl. Art. 2 Abs. 2 HVI).
1.1.
Die Beschwerdeführerin hat die Abgabe eines Treppenliftes beantragt. Gemäss
Ziff. 13.05* HVI übernimmt die IV-Stelle die Kosten der leihweisen Abgabe von
Treppenliften und Hebebühnen sowie die Kosten der Beseitigung oder Änderung von
baulichen Hindernissen im und um den Wohn- Arbeits-, Ausbildung- und
Schulungsbereich, sofern damit die Überwindung des Weges zur Arbeits-,
Ausbildungs- oder Schulungsstätte oder die Tätigkeit im Aufgabenbereich ermöglicht
wird. Im Rahmen von Ziff. 14.05 HVI übernimmt die IV-Stelle die Kosten von
Treppensteighilfen und Rampen, wenn die versicherte Person ohne einen solchen
Behelf ihre Wohnstätte nicht verlassen kann. Wird anstelle einer Treppensteighilfe – im
Rahmen der Austauschbefugnis (vgl. Art. 14 IVG) – ein Treppenlift anstelle einer
Treppensteighilfe eingebaut, beträgt der Höchstbeitrag der Invalidenversicherung Fr.
8'000.--. Ein Anspruch auf die vollständige Übernahme der Kosten eines Treppenliftes
besteht also nur, wenn dadurch ein wesentlicher erwerblicher Eingliederungserfolg
erzielt werden kann. Ist dies nicht der Fall, hat die versicherte Person lediglich im
Rahmen der Austauschbefugnis einen Anspruch auf einen Kostenbeitrag an einen
Treppenlift in der Höhe von maximal Fr. 8'000.--.
1.2.
ter
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1.3.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 3. Oktober 2018 hat die
Beschwerdegegnerin im Rahmen der Austauschbefugnis den maximalen Kostenbeitrag
von Fr. 8'000.-- an die Anschaffung eines Treppenliftes geleistet. Konkret lautet das
Dispositiv der Verfügung: "Wir übernehmen einen Kostenbeitrag von Fr. 8'000.-- an die
Anschaffung eines Treppenlifts. Dieser Betrag entspricht der Kostenlimite für eine
Treppensteighilfe" (IV-act. 184). In der Begründung ist als Rechtsgrundlage lediglich
Ziff. 14.05 HVI angeführt worden. Die Beschwerdegegnerin hat im Rahmen der
Verfügungsbegründung aber auch darauf hingewiesen, dass die Voraussetzungen einer
vollständigen Kostenübernahme nicht erfüllt seien, da die gesamten Kosten eines
Treppenlifts nur übernommen werden könnten, wenn dieser die Tätigkeit im
Aufgabenbereich ermöglichen würde (vgl. IV-act. 184). Die Beschwerdegegnerin ist
also offenbar der Auffassung gewesen, dass der Beschwerdeführerin nicht die
gesamten, sondern nur ein Teil der Kosten des (bereits eingebauten) Treppenlifts
zuzusprechen seien.
1.3.1.
Trotz des in der Verfügungsbegründung enthaltenen Hinweises auf Ziff. 14.05
HVI wäre also lediglich über einen Anspruch auf einen Treppenlift gemäss der Ziffer
13.05* HVI entschieden worden. Massgebend bei der Interpretation einer Verfügung ist
allerdings nicht deren Wortlaut, sondern deren objektiver Entscheidinhalt. Dieser
besteht bei der vorliegend angefochtenen Verfügung in einer Leistungszusprache
gestützt auf Art. 21 IVG. Danach kann eine versicherte Person, die Anspruch auf ein
Hilfsmittel hat, das auf der Liste des Bundesrates steht, ein anderes Mittel wählen, das
dieselben Funktionen erfüllt (sogenannte Austauschbefugnis). Die Beschwerdegegnerin
muss mit Blick auf die Verfügungsbegründung davon ausgegangen sein, dass die
Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf einen Treppenlift, wohl aber einen Anspruch
auf eine Treppensteighilfe habe. Da die Beschwerdeführerin aber ein Begehren um die
Abgabe eines Treppenlifts gestellt hatte, muss die gestützt auf Art. 21 IVG verfügte
Kostenbeteiligung im Betrag von Fr. 8'000.-- notwendigerweise die vorgängige
Abweisung des Begehrens um die Abgabe eines Treppenlifts enthalten haben. Mit der
angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin das Begehren um die Abgabe
eines Treppenlifts also nicht teilweise (in dem den Betrag von Fr. 8'000.--
überschreitenden Teil), sondern vollumfänglich abgewiesen. Gleichzeitig hat sie – ohne
ein entsprechendes Begehren der Beschwerdeführerin – ein anderes Hilfsmittel,
nämlich einen Beitrag an die Kosten einer Treppensteighilfe, geprüft und grundsätzlich
bejaht. Dann hat sie gestützt auf Art. 21 IVG die Auszahlung des Betrages von Fr.
8'000.-- verfügt. Die angefochtene Verfügung enthält also zwei Entscheide, die je für
1.3.2.
bis
bis
bis
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2.
sich rechtskraftfähig sind: Einerseits die Abweisung des Begehrens um die Abgabe
eines Treppenlifts und andererseits die Zusprache einer Kostenbeteiligung gestützt auf
Art. 21 IVG. Die Beschwerdeführerin hat dem Gericht zwar die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung beantragt, aber sie hat gleichzeitig auch den Antrag gestellt,
es seien ihr die Kosten des Treppenlifts zuzusprechen. Das kann nur so interpretiert
werden, dass die Beschwerdeführerin zwar die Verweigerung der Abgabe des
Treppenlifts, nicht aber die Zusprache eines Kostenbeitrags von Fr. 8'000.-- im
Rahmen der Austauschbefugnis angefochten hat. Zu beurteilen ist deshalb nur die
Abweisung des im Verwaltungsverfahrens gestellten Begehrens um die Abgabe des
Treppenlifts. Die Zusprache einer Kostenbeteiligung im Umfang von Fr. 8'000.-- ist
unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsen.
bis
Im Rahmen der Prüfung des Hilfsmittelanspruchs ist vorab die Frage zu klären, ob
die Beschwerdeführerin als vollerwerbstätige, teilerwerbstätige oder als im
Aufgabenbereich tätige Person zu qualifizieren ist. Der Beschwerdeführerin war vor der
MS-Erkrankung mehrere Jahre als Kantinenleiterin mit einem 100%-Pensum tätig (vgl.
IV-act. 1). Ab August 2010 ist sie aufgrund der fortschreitenden MS-Erkrankung zu
50% arbeitsunfähig gewesen (IV-act. 23, 30, 40). Seit Dezember 2015 ist sie in
sämtlichen Tätigkeiten zu 100% arbeitsunfähig. Seit dem 1. März 2016 bezieht sie eine
ganze Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 100% (IV-act. 102 f., 106). Die
Beschwerdeführerin ist bei der Rentenbemessung gemäss Art. 28a IVG (zu Recht) als
Vollerwerbstätige qualifiziert worden. Nun ist die Beschwerdeführerin als Folge ihrer
100%igen Invalidität jedoch "gezwungenermassen" nur noch im Haushalt tätig; sie ist
also behinderungsbedingt nicht mehr erwerbstätig. Übernähme man die Qualifikation
aus dem Rentenbereich (Vollerwerbstätige) auch für den Bereich der Hilfsmittel, hätte
dies für die Beschwerdeführerin anspruchserhebliche Konsequenzen. Aufgrund ihrer
Invalidität würde es ihr nicht nur an einer Erwerbsfähigkeit fehlen, sondern sie würde
auch nicht über ein erwerbliches Wiedereingliederungspotential verfügen. Einen
Aufgabenbereich, in den sie sich wiedereingliedern könnte, besässe sie als
Vollerwerbstätige also nicht. Damit hätte die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf
ein (der Eingliederung dienendes) *-Hilfsmittel. Sie wäre somit vom Bezug eines
solchen Hilfsmittels von vorherein ausgeschlossen. Dies widerspräche dem Sinn und
Zweck der Invalidenversicherung, die zum Ziel hat, invaliden Versicherten mit
verschiedenen Eingliederungsmassnahmen und/oder mit den entsprechenden
Hilfsmitteln die (Wieder-)Eingliederung in ihre Erwerbstätigkeit oder ihren
Aufgabenbereich zu ermöglichen. Um den Eingliederungszweck zu erfüllen, bedarf es
2.1.
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also in einem ersten Schritt einer von der Rentenbemessung losgelösten,
hilfsmittelspezifischen Qualifikation einer versicherten Person. In einem zweiten Schritt
ist zu prüfen, ob die versicherte Person mit dem beantragten Hilfsmittel entsprechend
ihrer Qualifikation eingegliedert werden kann, d.h. ob das Hilfsmittel den
Eingliederungszweck erfüllt. Bei im Aufgabenbereich (Haushalt) tätigen Versicherten ist
das gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung dann der Fall, wenn mit dem
Hilfsmittel eine mindestens 10%ige Leistungssteigerung erreicht werden kann (vgl. Rz
1021 des Kreisschreibens über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die
Invalidenversicherung, KHMI).
Da die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Gesundheitsbeeinträchtigungen nicht
mehr erwerbstätig sein kann, ist sie für die Frage des Hilfsmittelanspruchs als zu 100%
im Haushalt tätige Person einzustufen. Zu prüfen ist, ob sie mit dem beantragten
Treppenlift im Haushalt 10% mehr leisten kann als ohne den Treppenlift. Das
Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung (KSIH) teilt
die Tätigkeiten im Haushalt in die fünf Bereiche Ernährung (50%), Wohnungs- und
Hauspflege (40%), Einkauf und weitere Besorgungen (10%), Wäsche- und
Kleiderpflege (20%) sowie Pflege und Betreuung von Kindern und/oder Angehörigen
(50%) ein (vgl. Rz. 3087 KSIH). Diese Aufteilung vermag zwar einen Überblick über die
üblichen Haushaltaufgaben zu verschaffen. Die Frage, ob durch ein Hilfsmittel eine
mindestens 10%ige Leistungssteigerung erreicht wird, kann jedoch nicht unabhängig
von den Verhältnissen und Anforderungen des konkreten Haushalts der versicherten
Person beantwortet werden. Entsprechend erklärt auch das Kreisschreiben die
Aufgabenaufteilung lediglich als grundsätzlich anwendbar (vgl. Rz 3088 KSIH).
2.2.
Die Beschwerdegegnerin hat eine maximal 6%igen Leistungssteigerung im
Haushalt angenommen (2.5% im Bereich Einkaufen und Besorgungen und 3.3% im
Bereich Wäsche- und Kleiderpflege) und dabei in den unterschiedlichsten Bereichen
des Haushaltes auf die Schadenminderungspflicht des Lebenspartners verwiesen. Sie
hat insbesondere festgehalten, dass es keine Rolle spiele, ob der Lebenspartner der
Beschwerdeführerin nebenbei zu 100% arbeite, ob er einen einstündigen Arbeitsweg
habe oder ob er die 100% invalide Beschwerdeführerin – neben der Mithilfe im
Haushalt – bereits in allen Belangen unterstütze. Diese Begründung vermag nicht zu
überzeugen. Wenn die Beschwerdegegnerin verlangen würde, dass der Lebenspartner
neben seiner Unterstützung im Alltag auch noch diejenigen Aufgaben erledige, die die
Beschwerdeführerin noch machen könnte, wenn sie einen Treppenlift hätte, verlangt
die Beschwerdegegnerin nichts anderes, als dass der Lebenspartners im Haushalt alles
mache. Damit hat sie die Schadenminderungspflicht des Lebenspartners in einer
2.3.
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unzumutbaren Weise überdehnt. Davon abgesehen ist eine Schadenminderungspflicht
von Angehörigen ohnehin äusserst fragwürdig. Die Einschränkung im Haushalt und
eine mögliche Leistungssteigerung durch ein Hilfsmittel muss unabhängig von der
Verfügbarkeit bzw. von der blossen Existenz von mithelfenden Familienangehörigen
geprüft werden. Andernfalls wäre ein Hilfsmittelanspruch von Personen, die im gleichen
Haushalt mit Familienangehörigen leben, zum Vornherein ausgeschlossen, da ja die
Angehörigen für sie den (ganzen) Haushalt besorgen könnten, die versicherte Person
also nie ihre Leistung steigern könne. Im Gegensatz dazu käme bei einer
alleinstehenden Person die Anrechnung einer Schadenminderungspflicht mangels
Familienangehörigen zum Vornherein nicht in Frage, was zu einer offensichtlich
stossenden Ungleichbehandlung der versicherten Personen führen würde. Darüber
hinaus erscheint es mehr als fraglich, ob einer versicherten Person gestützt auf das
vorausgesetzte Verhalten ihrer Familienangehörigen – und insb. auf den Willen eines
Angehörigen, sich im Haushalt zu beteiligen – und damit eines nicht im Einflussbereich
der versicherten Person liegenden Umstandes ein Hilfsmittel verweigert werden kann
(vgl. BGE 142 V 442 E. 6.2 und Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 2. Dezember 2016, IV 2014/350 E. 2.2.1).
Zusammenfassend darf der Beschwerdeführerin der Treppenlift als
leistungssteigerndes Hilfsmittel nicht verwehrt werden, nur weil ihr Lebenspartner
faktisch gezwungen wäre, die Haushalttätigkeit praktisch vollständig zu übernehmen.
Vielmehr geht es darum, zu prüfen, in welchem Masse die Beschwerdeführerin ihre
persönliche Leistung in ihrem Haushalt durch das entsprechende Hilfsmittel steigern
kann. Vergleichsbasis bildet dabei nicht die gesamte Haushaltbesorgung, sondern nur
diejenigen Tätigkeiten, die die Beschwerdeführerin im konkreten Haushalt als Gesunde
ausführen würde. In diesem Sinne weist auch Rz. 3089 KSIH darauf hin, dass
Haushaltsarbeiten von Drittpersonen, die von der versicherten Person schon vor Eintritt
des Gesundheitsschadens in Anspruch genommen worden seien, bei den
Einschränkungen nicht berücksichtigt werden dürften. Dies hat auch umgekehrt zu
gelten: Haushaltsarbeiten, die auch dann von den Angehörigen übernommen würden,
wenn die Beschwerdeführerin gesund wäre, gehören nicht zum "persönlichen"
Haushalt der Beschwerdeführerin und können nicht ("schadenmindernd")
herangezogen werden.
2.4.
Die Beschwerdeführerin lebt mit ihrem Lebenspartner in einem
Zweipersonenhaushalt auf zwei Geschossen. Der Zugang zur Haustüre führt über eine
gerade Aussentreppe ins Hochparterre (vgl. den Abklärungsbericht des SAHB vom 6.
Juli 2018, IV-act. 169-2 ff., sowie die Grundrisspläne, IV-act. 181-3 f.). Damit ist es der
2.5.
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Beschwerdeführerin objektiv unmöglich, ohne einen Treppenlift das Haus zu verlassen.
Dies bedeutet nicht weniger, als dass sie ohne den Treppenlift weder einkaufen noch
Besorgungen machen kann. Sie ist folglich in diesem Bereich ohne einen Treppenlift zu
100% eingeschränkt. Mit dem Treppenlift kann sie diesen Teil des Haushaltes wieder
eigenständig besorgen, was eine 100%igen Leistungssteigerung in diesem Bereich
bedeutet. Die Argumentation der Beschwerdegegnerin, dass die Einkäufe prozentual in
Gross- und Kleineinkäufe (je 5%) einzuteilen seien und die Beschwerdeführerin dank
der Hilfe des Lebenspartners nur im Bereich der "Kleineinkäufe" eingeschränkt sei,
geht fehl. Die Grosseinkäufe wurden bereits vor dem Eintritt des Gesundheitsschadens
der Beschwerdeführerin gemeinsam mit dem Lebenspartner erledigt und gehört damit
nicht zum persönlichen Haushalt der Beschwerdeführerin. Auch das Vorbringen der
Beschwerdegegnerin, dass die Beschwerdeführerin per E-Mail mit den Behörden
kommunizieren und Online-Shopping betreiben könne, vermag nicht zu überzeugen, da
die Beschwerdeführerin zu Recht vorgebracht hat, dass sie die gelieferten Einkäufe an
der für sie ohne Treppenlift unerreichbaren Türe holen müsste. Damit hat sie durch den
Treppenlift bereits eine Leistungssteigerung von 10% (100% von 10% im Bereich
Einkaufen und Besorgungen, vgl. vorstehende Erwägung 3.2) erreicht. Der
Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass auch in der Wäschepflege eine
Leistungssteigerung anzunehmen ist. Die Waschmaschine und der Wäschetrockner
stehen im Keller und es ist mit Blick auf den Abklärungsbericht des SAHB und die
Stellungnahme des Fachbereichs (IV-act. 191) davon auszugehen, dass diese nicht
(schadenmindernd) ins Obergeschoss verschoben werden können. Die
Beschwerdeführerin muss sich also zum Wäsche Waschen und Trocknen ins
Kellergeschoss begeben, was ihr mit dem Treppenlift wieder möglich ist. Soweit die
Beschwerdegegnerin argumentiert, dass es sich beim Transport der Wäsche,
Maschine Befüllen und Wäsche Trocknen/ Tumblern nur um einen kleinen Teil des
Wäschevorgangs handle, kann ihr nicht gefolgt werden. Vielmehr ist es der
Beschwerdeführerin durch den Treppenlift möglich, den Hauptteil der Wäschepflege
wieder eigenständig zu erledigen. Damit wird auch in diesem Bereich eine wesentliche
Leistungssteigerung erreicht. Da der Beschwerdeführerin durch den Treppenlift auch
die Abfallentsorgung wieder möglich ist, erfährt ihre Leistung im Haushalt schliesslich
auch im Bereich der Wohnung- und Hauspflege eine Steigerung. Nach dem Gesagten
ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin durch den Treppenlift ihre
Leistung im Haushalt um deutlich mehr als 10% steigern kann.
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