Decision ID: 03cfa3b0-d0c9-4449-abdd-92d43401a9dc
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im März 2001 zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe keine berufliche Ausbildung,
sondern nur die Grundschule in ihrem Herkunftsland absolviert. Seit knapp 15 Jahren
arbeite sie als Spitalangestellte. Ihre Arbeitgeberin berichtete im April 2001 (IV-act. 3),
die Versicherte sei in einem Pensum von 80 Prozent als Mitarbeiterin im Bereich
Hauswirtschaft angestellt gewesen. Ab Januar 2001 habe der Monatslohn 3’170.15
Franken betragen. Der Hausarzt Dr. med. B._ berichtete im Mai 2001 (IV-act. 4), die
Versicherte leide an einer Discushernie L4/5, die im August 2000 operativ behandelt
worden sei, an einer depressiven Stimmungslage sowie an einer chronischen
Obstipation. Seit dem 19. Juni 2000 sei sie in ihrer angestammten Tätigkeit als
Reinigungsmitarbeiterin vollständig arbeitsunfähig. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete
das Medizinische Zentrum Römerhof (MZR) am 25. Juni 2002 ein polydisziplinäres
Gutachten (IV-act. 13). Die Sachverständigen führten aus, die Versicherte leide an
einem chronifizierten lumbovertebralen bis lumbospondylogenen Schmerzsyndrom, an
einer Chondrose L4/5 mit einer korrespondierenden, beginnenden Spondylarthrose, an
einer sekundären Generalisierung in die Weichteile sowie an einer chronifizierten
Konversionssymptomatik. Aus rheumatologischer Sicht seien ihr nur noch
leidensadaptierte Tätigkeiten zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht sei aufgrund der
bewusstseinsfernen Anteile der Konversionssymptomatik eine Arbeitsunfähigkeit von
40 Prozent für sämtliche Tätigkeiten zu attestieren. Gesamthaft sei die
Restarbeitsfähigkeit auf 50 Prozent zu schätzen. Ein Berufsberater der IV-Stelle notierte
am 5. August 2002 (IV-act. 16), ausgehend vom Lohnausweis für das Jahr 2001 sei von
einem Valideneinkommen von 41’210 Franken auszugehen. Für die Ermittlung des
zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens sei auf den Zentralwert gemäss den
Ergebnissen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung für das Jahr 2001 abzustellen.
Von diesem Wert sei ein Anteil von zehn Prozent als „Teilzeitabzug“ abzuziehen. Bei
einer Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent resultiere so ein Invalideneinkommen von 18’500
Franken. Mit einer Verfügung vom 5. Dezember 2002 sprach die IV-Stelle der
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Versicherten mit Wirkung ab dem 1. Juni 2001 eine halbe Rente der
Invalidenversicherung zu (IV-act. 29).
A.b Am 5. Dezember 2003 teilte die Versicherte unter Hinweis auf diverse medizinische
Berichte mit, ihr Gesundheitszustand habe sich seit der Rentenzusprache wesentlich
verschlechtert (IV-act. 37 ff.). Am 11. März 2004 beauftragte die IV-Stelle das MZR mit
einer Verlaufsbegutachtung (IV-act. 44). Das in Auftrag gegebene Gutachten wurde am
14. Januar 2005 erstattet (IV-act. 47). Die Sachverständigen führten aus, der Zustand
der Versicherten habe sich in rheumatologischer Hinsicht verschlechtert. Das lumbo-
radiculäre sensomotorische Ausfallsyndrom L5 rechts sei deutlich progredient; auf der
Etage L4/5 habe sich eine grössere Rezidiv-Discushernie gebildet. Vorläufig sei die
Versicherte für jegliche ausserhäusliche körperliche Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig.
Aus psychiatrischer Sicht sei von einem im Wesentlichen unverändert gebliebenen
Zustand auszugehen, doch erscheine die Diagnose einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung als zutreffender als die zuvor gestellte Diagnose einer
Konversionsstörung. Aus psychiatrischer Sicht „bleibe“ die Versicherte vollständig
arbeitsunfähig, bis bei der dringend empfohlenen psychotherapeutischen Behandlung
adäquate Bewältigungsstrategien entwickelt worden seien. Am 21. Januar 2005
notierte Dr. med. C._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), das
Gutachten des MZR sei überzeugend (IV-act. 49). Der Versicherten sei eine
Psychotherapie zu empfehlen, doch bestehe diesbezüglich keine
Schadenminderungspflicht der Versicherten. Mit einer Verfügung vom 17. März 2005
erhöhte die IV-Stelle die bisherige halbe Rente mit Wirkung ab dem Monat, in dem das
Erhöhungsgesuch eingereicht worden war (Dezember 2003), auf eine ganze Rente (IV-
act. 56).
A.c Im Rahmen einer Überprüfung des Rentenanspruchs im Februar 2006 gab die
Versicherte an, ihr Gesundheitszustand habe sich zwischenzeitlich verschlechtert (IV-
act. 58). Der Hausarzt Dr. B._ gab allerdings im Mai 2006 an, der Zustand sei
stationär geblieben (IV-act. 63). Auch der Psychiater Dr. med. D._ berichtete im Juni
2006 über einen stationären Zustand (IV-act. 64). Am 31. August 2006 teilte die IV-
Stelle der Versicherten deshalb mit, dass sie nach wie vor einen unveränderten
Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung habe (IV-act. 67). Bei einer
weiteren Überprüfung des Rentenanspruchs im August 2011 gab die Versicherten
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wiederum an, ihr Gesundheitszustand habe sich verschlechtert (IV-act. 68). Im Oktober
2011 teilte Dr. B._ mit, der Gesundheitszustand der Versicherten sei nach wie vor
stationär (IV-act. 72).
A.d Im Oktober 2012 notierte der RAD-Arzt Dr. med. E._ (IV-act. 76), das MZR habe
im Verlaufsgutachten vom 14. Januar 2005 darauf hingewiesen, dass die Versicherte
nur vorübergehend vollständig arbeitsunfähig gewesen sei. Dem Bericht von Dr. B._
liessen sich Hinweise auf eine Verbesserung des Gesundheitszustandes der
Versicherten entnehmen, sodass eventuell als (Rest-) Problematik nur noch ein so
genanntes pathogenetisch-ätiologisch unklares syndromales Beschwerdebild ohne
nachweisbare organische Genese verbleibe. Unter diesem Aspekt sei eine
Standortbestimmung vorzunehmen beziehungsweise ein weiteres Verlaufsgutachten
einzuholen. Am 8. November 2012 erteilte die IV-Stelle dem MZR einen
entsprechenden Auftrag (IV-act. 77). Das Gutachten wurde am 3. Juni 2013 erstattet
(IV-act. 80). Die Sachverständigen führten aus, aus rheumatologischer Sicht habe sich
der Gesundheitszustand der Versicherten seit der letzten Begutachtung wesentlich
verbessert. Ein aktuelles MRI zeige keine Rezidiv-Discushernie mehr. Zudem fehlten
nun Hinweise für eine discogene Radiculopathie. Leidensadaptierte Tätigkeiten seien
der Versicherten uneingeschränkt zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht könne keine die
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende Diagnose gestellt werden. Die Versicherte leide nicht
an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, sondern vielmehr an einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren bei einem
Status nach einer Bandscheibenoperation im Jahr 2000. Klinisch seien keine
Beeinträchtigungen feststellbar gewesen, aufgrund derer von einer Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit hätte ausgegangen werden müssen. Retrospektiv sei fraglich, ob die
Versicherte je an einer relevanten depressiven Störung gelitten habe. Jedenfalls könne
aus rein versicherungsmedizinischer Sicht zumindest ab dem Zeitpunkt der aktuellen
Untersuchung keine Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. Diese Einschätzung impliziere
keinesfalls rechtliche Aspekte. Der RAD-Arzt Dr. E._ erachtete das Gutachten als
überzeugend und führte aus (IV-act. 81), in rheumatologischer Hinsicht habe sich der
Gesundheitszustand der Versicherten erheblich verbessert. In psychiatrischer Hinsicht
leide sie an einem syndromalen Leiden im Sinne der Schlussbestimmungen zum ersten
Massnahmenpaket der 6. IVG-Revision („IVG-Revision 6a“).
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A.e Mit einem Vorbescheid vom 30. Juli 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit
(IV-act. 85), dass sie die Aufhebung der Rente auf das Ende des der Zustellung der
Verfügung folgenden Monats vorsehe. Diese Rentenaufhebung stütze sich auf die
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a, denn die Rentenzusprache sei
ursprünglich aufgrund eines pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen
Beschwerdebildes ohne nachweisbare organische Grundlage erfolgt. Die aktuelle
Abklärung habe ergeben, dass keine Gesundheitsbeeinträchtigung vorliege, die die
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen würde. Bereits am 29. Juli 2013 hatte die IV-Stelle der
Versicherten angeboten, sie bei der Wiedereingliederung zu unterstützen (IV-act. 86).
Am 13. September 2013 liess die Versicherte gegen den Vorbescheid vom 30. Juli
2013 einwenden (IV-act. 95), ihr Gesundheitszustand habe sich seit der letzten
Überprüfung in physischer und psychischer Hinsicht verschlechtert. Die
Untersuchungen durch das MZR hätten nur sehr kurz gedauert und seien nur von zwei
Sachverständigen durchgeführt worden. Die Versicherte hätte stationär interdisziplinär
begutachtet und dabei von einem Neuropsychiater untersucht werden müssen. Die
früheren Akten belegten, dass sich die Versicherte nicht selbst limitiere. Ende Oktober
2013 vereinbarten eine Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle und die Versicherte,
dass die IV-Stelle eine Arbeitsvermittlung gewähre und dass die Versicherte an einem
Einsatzprogramm zur Wiedereingliederung teilnehme (IV-act. 98). Das
Einsatzprogramm begann am 5. November 2013 (IV-act. 99). Anlässlich eines
Standortgesprächs am 3. De-zember 2013 berichtete der zuständige Vorgesetzte des
Einsatzprogramms (IV-act. 103), die Versicherte sei während der vergangenen vier
Wochen zwei Wochen krankgeschrieben gewesen. In den beiden andern Wochen sei
sie jeweils ein bis zwei Stunden pro Tag anwesend gewesen, habe in einem ruhigen
Raum gezeichnet und gemalt und sei dann jeweils wieder nach Hause gegangen. Die
Versicherte gab an, sie müsse schon auf der Fahrt zum Einsatzprogramm Pausen
einlegen. Sie sei überfordert und sehe sich ausserstande, das Pensum gar noch zu
erhöhen. Die Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle beschloss daher, das
Einsatzprogramm per sofort abzubrechen. Mit einer Verfügung vom 11. Dezember
2013 hob die IV-Stelle die Rente auf (IV-act. 104). Bezugnehmend auf die Einwände der
Versicherten vom 13. September 2013 führte sie aus, das Gutachten des MZR belege
überzeugend eine Verbesserung des Gesundheitszustandes der Versicherten.
B.
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B.a Am 14. Januar 2014 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 11. Dezember 2013 erheben (act. G 1). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Weiterausrichtung der ganzen Rente oder die erneute
Abklärung der Sache. Zur Begründung führte er aus, er habe bereits in seiner Eingabe
vom 13. September 2014 dargelegt, weshalb die Rentenaufhebung rechtswidrig sei.
Einem Artikel des Tages Anzeigers vom 4. Januar 2014 (act. G 1.4) lasse sich
entnehmen, dass Untersuchungen wie jene, die vorliegend vom MZR vorgenommen
worden sei, regelmässig Mängel aufwiesen. Ohne eine stationäre Untersuchung könne
der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nicht zuverlässig ermittelt werden.
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 24. März 2014
die Abweisung der Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie aus, die
angefochtene Verfügung sei insofern rechtswidrig, als vorliegend kein Anwendungsfall
der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a vorliege. Allerdings seien die
Voraussetzungen für eine Revision im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG erfüllt, denn die
Sachverständigen des MZR hätten überzeugend dargelegt, dass sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin wesentlich verbessert habe. Bei einer
Arbeitsfähigkeit von 100 Prozent für leidensadaptierte Tätigkeiten resultiere kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad, weshalb die Rente zu Recht aufgehoben worden
sei.
B.c Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (vgl. act. G 8).

Erwägungen
1.
Bei der angefochtenen Verfügung scheint es sich auf den ersten Blick um eine
Rentenaufhebung gestützt auf den Abs. 1 der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision
6a zu handeln. Eine sorgfältige und umfassende Interpretation der Verfügung führt aber
zu einem anderen Ergebnis: Die Beschwerdegegnerin hat im August 2011 ein Verfahren
zur Überprüfung des Rentenanspruchs eröffnet. In diesem Verfahren haben zunächst
die Beschwerdeführerin und anschliessend, im Oktober 2011, ihr Hausarzt Stellung
genommen. Anders als bei der Überprüfung im Jahr 2006 hat die Beschwerdegegnerin
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dieses Verfahren aber nicht abgeschlossen. Sie hat nämlich weder eine Mitteilung
erlassen, dass weiterhin ein unveränderter Rentenanspruch bestehe, noch hat sie ein
„richtiges“ Revisionsverfahren mit einer umfassenden Sachverhaltsermittlung eröffnet.
Wahrscheinlich hat sie mit Blick auf die sich damals abzeichnende Möglichkeit,
gestützt auf eine Schlussbestimmung zur IVG-Revision 6a (die kurze Zeit später, am 1.
Januar 2012, in Kraft getreten ist) die Rente allenfalls herabsetzen oder aufheben zu
können, mit dem Abschluss des Verfahrens zur Überprüfung des Rentenanspruchs
noch zuwarten und den Rentenanspruch später mit Blick auf die
Schlussbestimmungen überprüfen wollen. Erst rund ein Jahr später ist das Verfahren
fortgesetzt worden. Der RAD-Arzt Dr. E._ hat festgehalten, dass sowohl die
Voraussetzungen für eine Rentenrevision (Art. 17 Abs. 1 ATSG) als auch jene für eine
Rentenherabsetzung oder Rentenaufhebung (Abs. 1 der Schlussbestimmungen zur
IVG-Revision 6a) erfüllt sein könnten und dass eine Begutachtung mit dem Ziel
durchzuführen sei, die Frage zu beantworten, ob die Voraussetzungen für eines der
beiden Korrekturinstrumente erfüllt seien. Die Sachverständigen des MZR haben sich in
der Folge auftragsgemäss nicht nur zum aktuellen Gesundheitszustand, sondern auch
zur Frage einer allfälligen Veränderung des Gesundheitszustandes der
Beschwerdeführerin seit der Rentenzusprache respektive seit der Rentenerhöhung im
März 2005 geäussert. Der RAD-Arzt Dr. E._ hat in seiner Stellungnahme zum
Gutachten ausgeführt, sowohl die Voraussetzungen einer Rentenrevision als auch
diejenigen einer Rentenherabsetzung oder Rentenaufhebung gestützt auf den Abs. 1
der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a seien in medizinischer Hinsicht erfüllt.
Zusammenfassend hat es sich beim Verfahren, das mit der angefochtenen Verfügung
abgeschlossen worden ist, also um ein kombiniertes Revisions-/IVG-Revision 6a-
Verfahren mit einer je vollständigen Sachverhaltsabklärung gehandelt. Natürlich muss
der Beschwerdegegnerin bewusst gewesen sein, dass sie verpflichtet gewesen ist,
beide „Teil“-Verfahren mit einer Verfügung abzuschliessen. Dies hat sie denn auch
getan, wobei sie allerdings die beiden „Teil“-Verfügungen gewichtet hat. Sie hat in der
Verfügung vom 11. Dezember 2013 im Sinne einer „Hauptbegründung“ ausgeführt,
dass die Anwendung des Abs. 1 der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a zu
einer Rentenaufhebung für die Zukunft führe. Im Sinne einer „Eventualbegründung“ hat
sie angeführt, dass auch die Anwendung des Art. 17 Abs. 1 ATSG zu einer
Rentenaufhebung für die Zukunft und damit zum selben Ergebnis führen würde, weil
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sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin erheblich verbessert habe. Ob
diese Gewichtung der beiden „Teil“-Entscheide zulässig gewesen ist, ist irrelevant,
denn entscheidend ist nur, dass beide Verfahren mit der angefochtenen Verfügung
abgeschlossen worden sind und dass es sich deshalb bei der angefochtenen
Verfügung um eine kombinierte Verfügung handelt. Der Gegenstand dieses
Beschwerdeverfahrens umfasst deshalb sowohl die Rentenaufhebung gestützt auf den
Abs. 1 der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a als auch die Rentenaufhebung
gestützt auf den Art. 17 Abs. 1 ATSG.
2.
Laut dem Abs. 1 der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a wird eine Rente, die
bei einem pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebild ohne eine
nachweisbare organische Grundlage zugesprochen worden ist, herabgesetzt oder
aufgehoben, wenn die Voraussetzungen des Art. 7 ATSG nicht erfüllt sind. Diese
Bestimmung findet allerdings keine Anwendung auf Personen, die am 1. Januar 2012
(im Zeitpunkt des Inkrafttretens der IVG-Revision 6a) das 55. Altersjahr zurückgelegt
haben oder im Zeitpunkt, in dem die Überprüfung eingeleitet wird, die Rente seit mehr
als 15 Jahren bezogen haben (Abs. 4 der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a).
Die im Jahr 1956 geborene Beschwerdegegnerin hat ihr 55. Altersjahr im Jahr 2011
vollendet. Gemäss dem Abs. 4 der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a hat ihre
Rente folglich nicht mehr gestützt auf den Abs. 1 der Schlussbestimmungen zur IVG-
Revision 6a aufgehoben werden dürfen. Zudem ist fraglich, ob das Leiden, das
ursprünglich zur Rentenzusprache geführt hat, als ein pathogenetisch-ätiologisch
unklares syndromales Beschwerdebild ohne eine nachweisbare organische Grundlage
qualifiziert werden kann, wie die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort
selbst eingeräumt hat. Soweit die angefochtene Verfügung in ihrer „Hauptbegründung“
die Rente gestützt auf den Abs. 1 der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a
aufhebt, erweist sie sich als rechtswidrig.
3.
Zu prüfen bleibt, ob die angefochtene Verfügung als Revisionsverfügung rechtmässig
ist.
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3.1 Im Juni 2002 hatte ein rheumatologischer Sachverständiger des MZR lediglich eine
Chondrose L4/5 mit einer korrespondierenden, beginnenden Spondylarthrose
festgestellt. Gemäss dem Gutachten des MZR vom 14. Januar 2005 hatte sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nach der Rentenzusprache im Dezember
2002 erheblich verschlechtert: Der rheumatologische Sachverständige hatte berichtet,
das lumbo-radiculäre sensomotorische Ausfallsyndrom L5 rechts habe zugenommen
und auf der Etage L4/5 habe sich eine grössere Rezidiv-Discushernie gebildet. Er war
deshalb davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführerin aktuell keine
ausserhäusliche Tätigkeit zugemutet werden könne. In psychiatrischer Hinsicht war
dagegen keine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes im Vergleich zu
jenem im Jahr 2002 festgestellt worden. Die psychiatrische Sachverständige des MZR
hatte im Gutachten vom 14. Januar 2005 angegeben, die Beschwerdeführerin sei
deshalb nach wie vor vollständig arbeitsunfähig. Offensichtlich hatte sie aber
übersehen, dass im Gutachten des MZR vom Dezember 2002 aus psychiatrischer
Sicht nur eine relevante Arbeitsunfähigkeit von 40 Prozent attestiert worden war. Das
psychiatrische Teilgutachten des MZR vom 14. Januar 2005 war also widersprüchlich,
was aber insofern nicht von Bedeutung war, als damals aus rheumatologischer Sicht
ohnehin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen hatte. Die revisionsweise
Zusprache einer ganzen Rente auf der Grundlage eines Invaliditätsgrades von 100
Prozent im Jahr 2005 hatte ihren wahren Grund also in einer erheblichen
Verschlechterung des somatischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin.
3.2 Im Juni 2013 haben die Sachverständigen des MZR berichtet, der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführerin habe sich im Vergleich zu jenem im
Januar 2005 wesentlich verbessert. Ein MRI habe keine Rezidiv-Discushernie mehr
gezeigt. Auch fehlten nun Hinweise für eine discogene Radiculopathie. Aus
rheumatologischer Sicht seien der Beschwerdeführerin daher leidensadaptierte
Tätigkeiten wieder uneingeschränkt zumutbar. Diese Aussage hat auf den Ergebnissen
einer persönlichen Untersuchung durch einen rheumatologischen Sachverständigen
und auf einer Würdigung der früheren Akten beruht. Der rheumatologische
Sachverständige hat seine Diagnosen und seine Arbeitsfähigkeitsschätzung
nachvollziehbar und überzeugend begründet. Der RAD-Arzt Dr. E._ hat ergänzend
darauf hingewiesen, dass die Sachverständigen des MZR im Januar 2005 nur von einer
vorübergehenden vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen seien. Die von den
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Sachverständigen im Januar 2005 erwartete Verbesserung des Gesundheitszustandes
der Beschwerdeführerin aus rheumatologischer Sicht sei also in der Folge tatsächlich
eingetreten.
3.3 In psychiatrischer Hinsicht hat sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin in den Jahren 2002–2013 dagegen gemäss den beiden Gutachten
des MZR vom 14. Januar 2005 und vom 3. Juni 2013 nicht wesentlich verändert. Die
drei psychiatrischen Sachverständigen haben diesen unverändert gebliebenen Zustand
aber unterschiedlich beurteilt. Im ersten Gutachten war eine Konversionsstörung
diagnostiziert und eine versicherungsmedizinisch relevante Arbeitsunfähigkeit von 40
Prozent attestiert worden. Im zweiten Gutachten vom 14. Januar 2005 hatte sich die
psychiatrische Sachverständige dem Vorgutachter angeschlossen, sich aber auf den
Standpunkt gestellt, dass eher eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und
folglich keine Konversionsstörung vorliege. Die psychiatrische Sachverständige hatte
aber wohl das Attest einer Arbeitsunfähigkeit von 40 Prozent im Vorgutachten
überlesen, denn sie hatte angegeben, es liege weiterhin eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit vor. Im dritten Gutachten ist die Störung dann als chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren bezeichnet worden. Das
Vorliegen einer relevanten depressiven Störung ist vom psychiatrischen
Sachverständigen retrospektiv für den gesamten Zeitraum in den Jahren 2002–2013
bezweifelt worden. Aus rein psychiatrischer Sicht hat er deshalb – mit Sicherheit ab
dem Datum der Untersuchung durch ihn – keine Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert.
Diese Schlussfolgerungen hat der psychiatrische Sachverständige überzeugend
begründet. Im Vergleich zu den beiden früheren psychiatrischen Teilgutachten weist
dieses dritte psychiatrische Teilgutachten eine höhere Überzeugungskraft auf, da die
Auseinandersetzung mit den geklagten Beschwerden, den objektiv erhobenen
Befunden und den Vorakten als sorgfältiger und die Begründung der
Schlussfolgerungen als einleuchtender erscheinen. Insbesondere überzeugen die vom
Sachverständigen angegebenen Gründe, weshalb er sich den beiden Vorgutachten
nicht angeschlossen hat. Zusammenfassend besteht kein Anlass, den Beweiswert
seiner Angaben anzuzweifeln. Damit ist belegt, dass der psychische
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in den Jahren 2002–2013 keine
wesentlichen Veränderungen erfahren hat. Die unterschiedlichen
Arbeitsfähigkeitsschätzungen aus psychiatrischer Sicht in den drei Gutachten des MZR
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sind also nicht auf Sachverhaltsveränderungen zurückzuführen, sondern vielmehr das
Resultat von unterschiedlichen Beurteilungen eines im Wesentlichen unverändert
gebliebenen Sachverhaltes. Da eine bloss anderslautende Beurteilung keine Revision
im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG erlaubt, weil jene eine relevante
Sachverhaltsveränderung voraussetzt (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl.
2015, Art. 17 N 26, mit Hinweisen, und RALPH JÖHL, Die Revision nach Art. 17 ATSG,
in: JaSo 2012, S. 153 ff.), darf die der ursprünglichen Rentenzusprache zugrunde
liegende nicht durch die neue Arbeitsfähigkeitsschätzung aus psychiatrischer Sicht
ersetzt werden. Revisionsrechtlich muss deshalb weiterhin von der im ersten
Gutachten aus dem Jahr 2002 attestierten Arbeitsunfähigkeit von 40 Prozent
ausgegangen werden.
3.4 Die Sachverständigen des MZR hatten in ihrem ersten Gutachten aus dem Jahr
2002 gesamthaft eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent attestiert. Diese hatten sie
damit erklärt, dass sich die vom rheumatologischen Sachverständigen beschriebenen
Rückenbeschwerden teilweise zusätzlich zur vom psychiatrischen Sachverständigen
beschriebenen Einschränkung auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
auswirkten. Die Gesamtarbeitsunfähigkeit hatte sich also aus einer Einschränkung von
40 Prozent aus psychischen Gründen und aus einer zusätzlichen Einschränkung von
zehn Prozent aus rheumatologischen Gründen zusammengesetzt. Da der
rheumatologische Sachverständige im dritten Gutachten aus dem Jahr 2013 mit einer
überzeugenden Begründung eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit für
leidensadaptierte Tätigkeiten attestiert hat, hat sich der rheumatologische
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nicht nur gegenüber jenem im Jahr 2005,
sondern auch gegenüber jenem im Jahr 2002 verbessert, weshalb nun aus
rheumatologischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit mehr berücksichtigt werden kann.
Revisionsrechtlich ist deshalb von einer Arbeitsunfähigkeit von 40 Prozent aus rein
psychischen Gründen auszugehen.
3.5 Da die Beschwerdeführerin vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung als
Hilfsarbeiterin erwerbstätig gewesen ist und nicht überdurchschnittlich verdient hat und
da sie nun (wieder) in der Lage ist, einer leidensadaptierten Hilfsarbeit nachzugehen,
entspricht der Ausgangswert zur Ermittlung des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens dem Valideneinkommen. Der Betrag dieser beiden
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Vergleichsgrössen kann folglich bei der Berechnung des Invaliditätsgrades
mathematisch keine Rolle spielen, weshalb diese mittels des so genannten
Prozentvergleichs erfolgen kann. Der Invaliditätsgrad entspricht also dem
Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls korrigiert um einen Abzug vom Tabellenlohn (vgl.
BGE 126 V 75). Bei einer unverändert gebliebenen Arbeitsunfähigkeit von 40 Prozent
für leidensadaptierte Tätigkeiten muss auch der Tabellenlohn unverändert geblieben
sein, da sich der relevante Sachverhalt diesbezüglich nicht verändert hat. Die
Beschwerdegegnerin hat bei der ursprünglichen Rentenzusprache einen Abzug von
zehn Prozent berücksichtigt (vgl. IV-act. 16). Für die Berechnung des Invaliditätsgrades
ist folglich von einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 40 Prozent und von einem
Tabellenlohnabzug von zehn Prozent auszugehen, womit sich anhand des
Prozentvergleichs ein Invaliditätsgrad von 46 Prozent ergibt (= 1 – 0,9 × 0,6). Folglich
hat die Beschwerdeführerin gemäss dem Art. 28 Abs. 2 IVG nur noch einen Anspruch
auf eine Viertelsrente, weshalb die laufende Rente entsprechend herabzusetzen ist. Die
angefochtene Verfügung, mit der die Rente nicht herabgesetzt, sondern aufgehoben
worden ist, erweist sich bei diesem Ergebnis als rechtswidrig, weshalb sie in teilweiser
Gutheissung der Beschwerde aufzuheben ist. Gemäss dem Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV
darf die Herabsetzung erst auf das Ende des der Zustellung der
Rentenaufhebungsverfügung folgenden Monats erfolgen. Da die angefochtene
Verfügung im Dezember 2013 zugestellt worden ist, ist die ganze Rente per 31. Januar
2014 auf eine Viertelsrente herabzusetzen.
4.
Die Beschwerdeführerin ist mit ihrem eigentlichen Anliegen, nämlich der Korrektur der
von ihr als rechtswidrig erachteten Verfügung, vollumfänglich durchgedrungen. Folglich
hat die unterliegende Beschwerdegegnerin die gesamten Gerichtskosten zu bezahlen,
die angesichts des durchschnittlichen Aufwandes auf 600 Franken festzusetzen sind.
Der Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken
zurückerstattet. Die nicht anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung.