Decision ID: d6149e92-43a7-4495-9e20-1694dee823b0
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juli 2014 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, dass er keine berufliche Ausbildung
absolviert habe. Die im Anmeldeformular enthaltenen Fragen zu allfälligen früheren
oder aktuellen beruflichen Tätigkeiten beantwortete er nicht. In einem Begleitschreiben
hielt er allerdings fest (IV-act. 2), dass er zuletzt von einem Vermittlungsbüro für
Temporärstellen für eine Tätigkeit in einer Postfiliale vermittelt worden sei. Davor habe
er versucht, einer selbständigen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Dadurch sei er aber in
Schulden geraten. Einem Lebenslauf liess sich entnehmen (IV-act. 15–10 f.), dass der
Versicherte eine eineinhalb Jahre dauernde Ausbildung zum Verkäufer und rund zehn
Jahre später einen Staplerkurs absolviert hatte. In den Jahren 1991–2010 hatte er
verschiedene Hilfsarbeitertätigkeiten ausgeübt; die Arbeitsverhältnisse hatten oft nur
kurz gedauert. Da die IV-Stelle den Versicherten weder telefonisch noch schriftlich
erreichen konnte und da die vom Versicherten eingereichten (älteren) medizinischen
Berichte den Eindruck erweckten, dieser habe sich bereits seit Jahren nicht mehr in
ärztlicher Behandlung befunden, teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit einem
Vorbescheid vom 6. November 2014 mit, dass sie mangels einer relevanten
Gesundheitsbeeinträchtigung die Abweisung seines Rentenbegehrens und seines
Begehrens um berufliche Massnahmen vorsehe (IV-act. 31). Dagegen wandte der
Versicherte am 5. Dezember 2014 ein (IV-act. 37), er befinde sich nun wieder in
ärztlicher Behandlung. Allerdings benötige er noch etwas Zeit, um entsprechende
Unterlagen einzureichen. Er beantrage eine polydisziplinäre Begutachtung. Die IV-Stelle
gewährte dem Versicherten eine Frist zur Einreichung weiterer Akten bis zum 20.
Januar 2015 (IV-act. 38). Da der Versicherte auf dieses Schreiben nicht reagierte, wies
die IV-Stelle das Rentenbegehren und das Begehren um berufliche Massnahmen mit
einer Verfügung vom 28. Januar 2015 ab (IV-act. 39). Diese Verfügung konnte – wie
bereits mehrere Schreiben davor – nicht zugestellt werden (IV-act. 41). Am 4. Februar
2015 sandte die IV-Stelle dem Versicherten die Verfügung erneut zu (IV-act. 43). Am
10. Februar 2015 teilte der Versicherte mit (IV-act. 44), dass er die in Aussicht
A.a.
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gestellten medizinischen Unterlagen leider nicht innert Frist zusenden könne. Die im
Briefkopf erwähnte Absender-Adresse entsprach keiner der in den früheren Eingaben
des Versicherten erwähnten – von Eingabe zu Eingabe divergierenden – Adressen. Die
IV-Stelle reagierte nicht auf diese Eingabe.
Am 7. September 2015 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug
an (IV-act. 45). Die IV-Stelle forderte ihn am 17. September 2015 auf (IV-act. 57), bis
spätestens am 2. Oktober 2015 eine relevante Sachverhaltsveränderung seit dem 28.
Januar 2015 glaubhaft zu machen. Sie drohte dem Versicherten an, dass sie
andernfalls nicht auf seine Neuanmeldung eintreten werde. Wohl auf eine telefonische
Anfrage hin gewährte sie dem Versicherten später eine Fristerstreckung bis zum 15.
Oktober 2015 (elektronische Notiz zu IV-act. 57). Der Versicherte reichte in der Folge
allerdings keine weiteren Unterlagen ein, weshalb die IV-Stelle am 23. Oktober 2015
eine Verfügung erliess, mit der sie nicht auf seine Neuanmeldung eintrat (IV-act. 62).
A.b.
Am 11. April 2017 meldete sich der Versicherte zum dritten Mal zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 65). Die IV-Stelle ging wohl davon aus,
dass mit den der Anmeldung beigelegten medizinischen Berichten (vgl. IV-act. 69 ff.)
eine relevante Veränderung des massgebenden Sachverhaltes glaubhaft gemacht sei,
denn sie trat ohne Weiteres auf diese Neuanmeldung ein (vgl. IV-act. 73). Der Internist
Dr. med. B._ berichtete am 23. Mai 2017 (IV-act. 83–1 ff.), der Versicherte leide seit
August 2003 an einer Migräne; im April 2008 sei die Diagnose eines Cluster-
Kopfschmerzes rechts gestellt worden. Seit Juli 2015 leide der Versicherte zudem an
einer Angina pectoris. Seit November 1998 sei eine chronische Bronchitis bekannt. Seit
März 2017 leide der Versicherte unter einer depressiven Episode. Ihm seien nur
einfache, repetitive Arbeiten unter Anleitung während zwei bis drei Stunden pro Tag
zumutbar. Die IV-Stelle beauftragte am 22. August 2017 die BEGAZ GmbH mit der
Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens (IV-act. 92). Dieses Gutachten wurde am
13. Dezember 2017 erstellt (IV-act. 103). Die Sachverständigen führten aus, der
Versicherte leide an einem chronischen Cluster-Kopfschmerz und an einer
leichtgradigen depressiven Episode sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit –
an einer Nikotinabhängigkeit (40 package years; Motivationsstadium: contemplation),
an einer nicht stenosierenden Coronar-Atheromatose, an einem Aneurysma des Sinus
valsalva und an einem neu aufgetretenen Schulterschmerz links sowie an Parästhesien
A.c.
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der linken Hand ohne den Nachweis einer neurogenen Läsion. Aus pneumologischer
und kardiologischer Sicht bestehe eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Aus
neurologischer Sicht sei dem Versicherten ein Vollpensum zumutbar, aufgrund der
regelmässig – im Winterhalbjahr häufiger als im Sommerhalbjahr – auftretenden
Kopfschmerzattacken sei gesamthaft eine Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent zu
attestieren. Diese setze sich aus einer Einschränkung von zehn Prozent im
Sommerhalbjahr bei durchschnittlich einer kurzdauernden Attacke alle zwei Wochen
(inkl. Erholungszeit nach der Attacke) und einer Einschränkung von 30 Prozent im
Winterhalbjahr bei durchschnittlich zwei bis drei kurzdauernden Attacken pro Woche
und einer länger dauernden Attacke pro Monat (inkl. Erholungszeit nach der Attacke)
zusammen. Beim Cluster-Kopfschmerz handle es sich „um einen massiven
Kopfschmerz von vernichtender, vorübergehend invalidisierender Intensität“. Die bisher
durchgeführten Behandlungsversuche seien grundsätzlich adäquat, aber damit seien
die verfügbaren Behandlungsoptionen noch nicht ausgeschöpft worden. Nach
Rücksprache mit dem behandelnden Kardiologen könne die Dosis des Wirkstoffs
Verapamil schrittweise auf bis maximal 960mg pro Tag gesteigert werden. Als weitere
Option für die Intervallbehandlung biete sich der Einsatz von Topiramat in einer Dosis
von 100–200mg pro Tag an. Für die Akutbehandlung könne der Einsatz eines
Zolmitriptan-Nasensprays empfohlen werden. Als Alternative kämen Sumatriptan
subcutan oder Lidocain intranasal in Frage. Mit diesen medizinischen Massnahmen
bestehe eine realistische Aussicht auf eine Verbesserung des Gesundheitszustandes
und damit der Arbeitsfähigkeit. Der Beginn der Arbeitsunfähigkeit sei retrospektiv
schwierig festzulegen, aber es sei anzunehmen, dass diese Arbeitsunfähigkeit seit der
ersten Diagnosestellung im Jahr 2008 bestehe. Aus psychiatrischer Sicht sei eine
Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent zu attestieren. Diese sei auf eine erhöhte
Ermüdbarkeit und auf eine leichte Beeinträchtigung der Durchhaltefähigkeit
zurückzuführen. Zusammenfassend betrage der Arbeitsunfähigkeitsgrad unter
Berücksichtigung aller Disziplinen 30 Prozent. Im Dezember 2017 notierte Dr. med.
C._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), dass aus
versicherungsmedizinischer Sicht auf das überzeugende Gutachten der BEGAZ GmbH
abzustellen sei (IV-act. 105).
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B.
Ein Eingliederungsberater der IV-Stelle hielt am Dezember 2017 fest (IV-act. 106),
der Versicherte wünsche keine Unterstützung mittels beruflicher Massnahmen. Er halte
sich für weitaus mehr eingeschränkt, als es im Gutachten dargestellt werde. Er
wünsche eine Berentung. Mit einer Mitteilung vom 3. Januar 2018 wies die IV-Stelle
das Begehren um berufliche Massnahmen ab (IV-act. 109). Mit einem Vorbescheid vom
17. Januar 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act. 113), dass sie die
Abweisung des Rentenbegehrens mangels eines rentenbegründenden
Invaliditätsgrades vorsehe. Der Invaliditätsgrad betrage 30 Prozent, aber für einen
Rentenanspruch sei ein Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent erforderlich. Am
22. Februar 2018 liess der nun anwaltlich vertretene Versicherte einwenden (IV-act.
118), die Rentenprüfung sei verfrüht erfolgt. Zuerst müssten berufliche Massnahmen
durchgeführt werden. Der Umstand, dass der Versicherte sich selbst als weitgehend
arbeitsunfähig erachte, erlaube es der IV-Stelle nicht, die Pflicht zur Durchführung von
beruflichen Massnahmen zu ignorieren. Am 26. Februar 2018 widerrief die IV-Stelle ihre
Mitteilung vom 3. Januar 2018 und sie kündigte an, dass sie berufliche Massnahmen in
die Wege leiten werde (IV-act. 120). Am 2. März 2018 notierte ein
Eingliederungsverantwortlicher der IV-Stelle (IV-act. 123), der Versicherte habe am
Schalter und in einem Telefongespräch (nochmals) mitgeteilt, dass er keine
Unterstützung durch berufliche Massnahmen wünsche. Ihm sei nicht bekannt
gewesen, was sein Anwalt geschrieben habe. Er werde das Mandat gleich auflösen. Er
sei nicht arbeitsfähig und er wünsche eine Rente. Mit einer Mitteilung vom 19. März
2018 wies die IV-Stelle das Begehren des Versicherten um berufliche Massnahmen ab
(IV-act. 127). Mit einer Verfügung vom 23. März 2018 wies sie auch das
Rentenbegehren des Versicherten ab (IV-act. 130).
A.d.
Am 3. Mai 2018 erhob der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 23. März 2018 (act. G 1). Er erklärte sein
Nichteinverständnis mit der angefochtenen Verfügung und er wies auf „viele
Unstimmigkeiten“ in der Verfügung hin. Er ersuchte mit der Begründung um eine
Nachfrist, er habe die Pro Infirmis bezüglich einer Vertretung angefragt, aber diese
benötige noch Zeit für die Prüfung.
B.a.
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Mit einem verfahrensleitenden Entscheid vom 26. Juni 2018 trat das
Versicherungsgericht auf die Beschwerde vom 3. Mai 2018 gegen die Verfügung vom
23. März 2018 ein (act. G 10). Zur Begründung führte es aus, bei der Anwendung des
Art. 48 Abs. 1 VRP (bzw. des Art. 61 lit. b ATSG) dürfe rechtsprechungsgemäss bei der
Prüfung der Formerfordernisse kein strenger Massstab angewendet werden. Die
Eingabe vom 3. Mai 2018 enthalte eine Nichteinverständniserklärung, einen Antrag auf
Korrektur der nach der Ansicht des Beschwerdeführers an „vielen Unstimmigkeiten“
leidenden Verfügung sowie eine kurze Begründung, nämlich einen konkreten Hinweis
auf falsche Informationen betreffend die Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführers, auf
die die Beschwerdegegnerin abgestellt habe. Die Sachverhaltsdarstellung beziehe sich
zwar eher auf die (grundsätzlich irrelevante) Zeit nach der Eröffnung der Verfügung,
enthalte aber genügend Hinweise auf das mit der Verfügung vom 23. März 2018
abgeschlossene Verwaltungsverfahren, um dem Versicherungsgericht eine erste
Vorstellung davon zu verschaffen, worum es in jenem Verwaltungsverfahren gegangen
sei. Da die Beschwerde fristgerecht erhoben worden sei und da das
Versicherungsgericht zur Behandlung der Beschwerde zuständig sei, müsse darauf
eingetreten werden.
B.b.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 15. November 2018 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 15). Zur Begründung führte sie an, aus den Akten gehe hervor,
dass der Beschwerdeführer eine Ausbildung zum Verkäufer begonnen, aber nicht
abgeschlossen habe und dass er anschliessend verschiedene Hilfsarbeiten ausgeführt
habe. Da er seit längerer Zeit nicht mehr erwerbstätig gewesen sei, sei das
Valideneinkommen anhand der Ergebnisse der schweizerischen Lohnstrukturerhebung
zu ermitteln. Das polydisziplinäre Gutachten der BEGAZ GmbH belege überzeugend,
dass dem Beschwerdeführer leidensadaptierte Hilfsarbeiten zu 70 Prozent zumutbar
seien. Das Invalideneinkommen entspreche folglich 70 Prozent des statistischen
Zentralwertes der Hilfsarbeiterlöhne, was einen nicht rentenbegründenden
Invaliditätsgrad von 30 Prozent ergebe. Der Beschwerdeführer habe in seiner
Beschwerde nichts geltend gemacht, das diese Schlussfolgerung als falsch erscheinen
liesse.
B.c.
Am 27. November 2018 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt (act. G 16).
B.d.
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Erwägungen
1.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 23. März 2018 hat die Beschwerdegegnerin ein
Rentenbegehren des Beschwerdeführers abgewiesen. Da dieses Beschwerdeverfahren
die Überprüfung der angefochtenen Verfügung auf deren Rechtmässigkeit bezweckt,
muss sein Gegenstand jenem des mit der Verfügung vom 23. März 2018
abgeschlossenen Verwaltungsverfahrens entsprechen. Folglich ist zu prüfen, ob der
Beschwerdeführer im hier massgebenden Zeitraum einen Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung gehabt hat.
2.
Der Beschwerdeführer liess die ihm eingeräumte Frist zur Einreichung einer Replik
ungenutzt verstreichen (vgl. act. G 17 f.).
B.e.
Laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit
nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder
verbessern kann, die während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität wird gemäss dem
Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das
die versicherte Person nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach
der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei einer
ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu jenem
Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben wäre.
2.1.
Der Beschwerdeführer hat eine Ausbildung zum Verkäufer begonnen, aber er hat
diese nicht abgeschlossen, sondern vorzeitig abgebrochen. Anschliessend hat er
verschiedene Hilfsarbeiten verrichtet. Seine Validenkarriere ist also eine typische
Hilfsarbeiterkarriere. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer einen Staplerkurs
absolviert hat, beeinflusst die Validenkarriere nicht, weil dieser Kursabschluss den
Beschwerdeführer auf dem massgebenden allgemeinen und ausgeglichenen
Arbeitsmarkt nicht in die Lage versetzt hat, ein über dem Zentralwert der
Hilfsarbeiterlöhne liegendes Erwerbseinkommen zu erzielen. Das Valideneinkommen
2.2.
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entspricht folglich dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne in der Schweiz.
Wie die folgenden Erwägungen zeigen werden, spielt der genaue Betrag keine Rolle.
Für die Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens
kommt den medizinischen Angaben zur Arbeitsfähigkeit eine massgebende Bedeutung
zu. Die Berichte der behandelnden Ärzte enthalten keine beweiskräftigen Angaben zur
Arbeitsfähigkeit, weil sie sich grösstenteils gar nicht zu dieser Frage äussern, weil die
wenigen Angaben zur Arbeitsfähigkeit nicht hinreichend mit objektiven klinischen
Befunden begründet worden sind und weil in Bezug auf die behandelnden Ärzte
aufgrund des Behandlungsauftrages nach der bundesgerichtlichen Auffassung der
objektive Anschein einer Befangenheit besteht (vgl. etwa BGE 125 V 353). Die
Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer deshalb zu Recht durch eine
medizinische Abklärungsstelle begutachten lassen. Die Sachverständigen der BEGAZ
GmbH haben den Beschwerdeführer umfassend persönlich untersucht; ihre
Abklärungen haben alle in Frage kommenden gesundheitlichen Probleme
berücksichtigt. Sie haben die subjektiven Klagen des Beschwerdeführers und die
Angaben der behandelnden Ärzte in den Vorakten ausführlich wiedergegeben, sodass
kein Grund zur Annahme besteht, die Sachverständigen hätten eine relevante Tatsache
übersehen. In ihren Teilgutachten haben die Sachverständigen eingehend die
objektiven klinischen Befunde dargestellt, die mehrheitlich unauffällig ausgefallen sind.
Die Sachverständigen haben auch die relevanten Angaben in den Vorakten sorgfältig
gewürdigt. Sie haben aus den Ergebnissen der klinischen Untersuchungen und der
Aktenwürdigung unter Berücksichtigung des nach der bundesgerichtlichen Auffassung
unabdingbaren „Standardindikatoren-Kataloges“ überzeugend begründete
Schlussfolgerungen hinsichtlich der Diagnosen und der Arbeitsfähigkeitsschätzung
gezogen. Die neurologische Arbeitsfähigkeitsschätzung ist zwar – der Art der
Gesundheitsbeeinträchtigung (Cluster-Kopfschmerzen) entsprechend – aus der Sicht
eines medizinischen Laien nicht „handfest“ mit klinischen oder bildgebenden Befunden
begründet worden, aber der neurologische Sachverständige hat überzeugend
dargelegt, dass die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers aus fachärztlicher
Sicht (hier ausnahmsweise) eine zuverlässige Beurteilung der durchschnittlichen
Arbeitsfähigkeit erlaubten, weil diese Angaben vollständig dem typischen Bild von
Cluster-Kopfschmerzen entsprächen. Zu bemängeln ist einzig, dass die
Sachverständigen die teiladditive Berücksichtigung der Arbeitsunfähigkeit aus
neurologischer Sicht und jener aus psychiatrischer Sicht nicht explizit begründet
haben. Auf den ersten Blick legen die Ausführungen des neurologischen und des
psychiatrischen Sachverständigen den Schluss nahe, dass die von ihnen attestierten
Einschränkungen „volladditiv“ berücksichtigt werden müssten, weil sich der
2.3.
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neurologische Sachverständige nur mit den Arbeitsausfällen während und unmittelbar
nach einer Kopfschmerzattacke beschäftigt hat, während der psychiatrische
Sachverständige ausschliesslich der allgemeinen Leistungsminderung infolge einer
erhöhten Ermüdbarkeit und einer beeinträchtigten Durchhaltefähigkeit in jenen Phasen
Rechnung getragen zu haben scheint, in denen der Beschwerdeführer nicht durch
Kopfschmerzen (neurologisch) in seiner Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt ist. Bei näherer
Betrachtung treten aber wohl regelmässig „Überschneidungen“ auf, weil der
Beschwerdeführer neurologisch betrachtet nicht nur während einer der regelmässig
auftretenden Kopfschmerzattacke arbeitsunfähig ist, sondern nach einer solchen
Kopfschmerzattacke noch eine gewisse Erholungszeit benötigt. Die Einschränkungen
während diesen Erholungsphasen dürften sich weitgehend mit den durch die
depressive Störung bewirkten Einschränkungen decken. Weil also der
Beschwerdeführer aus neurologischer Sicht wegen der Kopfschmerzattacken während
eines Fünftels der gesamten Arbeitszeit ausfällt, kann ihm aus psychiatrischer Sicht
nicht ohne eine überzeugende Begründung nochmals ein Arbeitsunfähigkeitsgrad von
20 Prozent für die verbliebene Arbeitsfähigkeit attestiert werden, weil das einem
deutlich höheren Arbeitsunfähigkeitsgrad für ein Vollpensum entsprechen würde. Aus
der Sicht eines medizinischen Laien ist deshalb die teiladditive Berücksichtigung der
Arbeitsunfähigkeit aus neurologischer und aus psychiatrischer Sicht nachvollziehbar.
Auch der RAD-Arzt Dr. C._ hat das im Gesamtkontext ermittelte Attest einer
Arbeitsunfähigkeit von 30 Prozent als überzeugend qualifiziert, weshalb darauf
abzustellen ist. Die vom neurologischen Sachverständigen empfohlenen Massnahmen
zur (weiteren) medizinischen Eingliederung haben im besten Fall eine Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit und im schlechtesten Fall keine Beeinflussung der Arbeitsfähigkeit zur
Folge. Da – wie den nachfolgenden Ausführungen zu entnehmen ist – bei einem
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 30 Prozent kein rentenbegründender Invaliditätsgrad
resultiert, besteht kein Anlass, die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, den
Beschwerdeführer (gestützt auf den Art. 21 Abs. 4 ATSG) zur Intensivierung der
medizinischen Behandlung im Sinne einer medizinischen Eingliederungsmassnahme
anzuhalten. Folglich steht gestützt auf das Gutachten der BEGAZ GmbH mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der
Beschwerdeführer im hier massgebenden Zeitraum in der Lage gewesen ist, eine
leidensadaptierte Hilfsarbeit in einem Pensum von mindestens 70 Prozent auszuüben.
Da dem Beschwerdeführer leidensadaptierte Hilfsarbeiten zumutbar sind,
entspricht der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens
dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne und damit auch dem
Valideneinkommen. Bei der Berechnung des Invaliditätsgrades kann der Betrag der
2.4.
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Vergleichseinkommen deshalb mathematisch gar keine Rolle spielen, was bedeutet,
dass der Invaliditätsgrad anhand eines sogenannten Prozentvergleichs zu berechnen
ist. Er entspricht also dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls korrigiert um einen
zusätzlichen Abzug. Ein solcher ist zu berücksichtigen, wenn aufgrund der gesamten
Umstände davon ausgegangen werden muss, dass die versicherte Person ihre
Restarbeitsfähigkeit nur noch mit einem unterdurchschnittlichen wirtschaftlichen Erfolg
wird verwerten können. Dieser Abzug trägt damit dem folgenden Gedanken Rechnung:
Ein strikt betriebswirtschaftlich-ökonomisch denkender Arbeitgeber will aus der
Anstellung eines Arbeitnehmers einen „Gewinn“ erzielen. Dieser „Gewinn“ besteht
darin, dass ein Arbeitnehmer mit seiner Arbeitsleistung einen ökonomischen Mehrwert
generiert, der höher als der betriebswirtschaftliche Aufwand ist, der aus der Anstellung
des Arbeitnehmers resultiert. Vereinfacht gesagt entspricht der „Gewinn“ des
Arbeitgebers also der Differenz zwischen dem vom Arbeitnehmer generierten
ökonomischen Mehrwert und dem Nettolohn, den Arbeitgeberbeiträgen an die
Sozialversicherungen und den indirekten Lohnnebenkosten. Fallen die indirekten
Lohnnebenkosten in einem bestimmten Arbeitsverhältnis höher aus, vermindert sich
der aus diesem Arbeitsverhältnis erzielte „Gewinn“ des Arbeitgebers. Im Extremfall
kann der Arbeitgeber aus diesem Arbeitsverhältnis gar keinen „Gewinn“ mehr erzielen
oder er sieht sich sogar mit Ausgaben konfrontiert, die den ökonomischen Mehrwert
der Arbeitsleistung übersteigen, was bedeutet, dass sich diese Anstellung für den
Arbeitgeber nicht rechnet. Ein strikt betriebswirtschaftlich-ökonomisch denkender
Arbeitgeber wird kein Anstellungsverhältnis eingehen, aus dem er nicht einen
durchschnittlichen „Gewinn“ erzielen kann. Er wird deshalb entweder einen
Arbeitnehmer, dessen Lohnnebenkosten überdurchschnittlich hoch sind, gar nicht erst
anstellen oder aber er wird einen solchen Arbeitnehmer zwar anstellen, aber er wird die
erhöhten Lohnnebenkosten durch einen entsprechend tieferen Lohnansatz
kompensieren, sodass er trotz der erhöhten Lohnnebenkosten einen durchschnittlichen
betriebswirtschaftlichen „Gewinn“ aus dem Arbeitsverhältnis erzielen kann. Mit Blick
auf den Beschwerdeführer muss ein potentieller Arbeitgeber mit erhöhten
Lohnnebenkosten rechnen, denn der Beschwerdeführer wird aufgrund seiner
Kopfschmerzattacken immer wieder kurzfristig ausfallen. Seine Arbeitsleistung wird -
auch depressionsbedingt - erheblichen Schwankungen unterliegen, die der potentielle
Arbeitgeber auch durch eine geschickte Betriebsorganisation nicht wird auffangen
können, weil die Kopfschmerzattacken ohne Vorwarnung und nicht planbar auftreten.
Die damit verbundenen Störungen der Betriebsabläufe müssen von einem
betriebswirtschaftlich-ökonomisch denkenden Arbeitgeber als erhöhte
Lohnnebenkosten der Anstellung des Beschwerdeführers einkalkuliert werden, weshalb
ein strikt betriebswirtschaftlich-ökonomisch denkender Arbeitgeber dem
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3.
Da erst ab einem Invaliditätsgrad von 40 Prozent ein Anspruch auf eine Rente besteht,
erweist sich die angefochtene Verfügung, mit der die Beschwerdegegnerin das
Rentenbegehren des Beschwerdeführers abgewiesen hat, im Ergebnis als rechtmässig,
weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. Die angesichts des durchschnittlichen
Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten wären an sich
dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge der Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege ist dieser aber von der Pflicht zur Bezahlung der
Gerichtskosten befreit. Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten,
wird der Beschwerdeführer zur Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet werden
können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).