Decision ID: 08ed5db8-b6e7-4026-a017-46d381097f1b
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die A._ SA mit Sitz in Q._ ist seit 2002 im Handelsregister des Kantons Q._
eingetragen. Ihr Hauptzweck ist der Handel mit Uhren, Schmuck und anderen
Luxusgütern. B._ ist Direktor, C._ Mitglied des Verwaltungsrats, beide jeweils mit
Einzelunterschrift. Mit Einspracheentscheid vom 3. Mai 2018 hiess das kantonale
Steueramt die Einsprachen der A._ SA gegen die Steuerveranlagungen 2013 teilweise
gut und setzte sowohl bei den Kantonssteuern als auch bei der direkten Bundessteuer
den steuerbaren Reingewinn neu auf CHF 111'129 fest; das steuerbare Eigenkapital
belief sich neu auf CHF 143'628.
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B. Gegen den am 4. Mai 2018 im Postfach zugestellten Entscheid erhob die A._ SA
mit Eingabe vom 12. Juni 2018 (Datum der Postaufgabe: 13. Juni 2018) Rekurs und
Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission. Mit Schreiben vom 15. Juni 2018
setzte der Präsident der Verwaltungsrekurskommission der A._ SA eine Frist bis 5. Juli
2018 zur Leistung eines Kostenvorschusses von je CHF 600 (total CHF 1'200) an, unter
Androhung der Abschreibung der Verfahren im Säumnisfall. Gleichzeitig wies er darauf
hin, dass die Rechtsmittelfrist am 5. Mai 2018 zu laufen begonnen und
dementsprechend am 4. Juni 2018 geendet habe, weshalb Rekurs und Beschwerde
wohl verspätet seien. Er räumte der A._ SA Gelegenheit ein, bis 5. Juli 2018 auch
noch hierzu Stellung zu nehmen, verbunden mit dem Hinweis auf den Rechtsbehelf der
Wiederherstellung einer versäumten Frist. Am 26. Juni 2018 reichte die A._ SA ein
entsprechendes Wiederherstellungsgesuch ein, ohne indes irgendwelche Beweismittel
beizulegen oder zu bezeichnen. Mit Verfügung vom 12. Juli 2018 schrieb der Präsident
der Verwaltungsrekurskommission das Wiederherstellungsgesuch zufolge fehlender
Substantiierung und den Rekurs betreffend die Kantonssteuern sowie die Beschwerde
betreffend die direkte Bundesteuer zufolge Nichtleistens der unter Androhung der
Säumnisfolgen einverlangten Kostenvorschüsse als erledigt ab. Ein im Nachgang
gegen die Abschreibung der Verfahren zufolge Nichtleistens der Kostenvorschüsse
eingereichtes Fristwiederherstellungsgesuch wies der Präsident der
Verwaltungsrekurskommission mit Verfügung vom 23. Juli 2018 ab.
C. Die A._ SA (Beschwerdeführerin) erhob gegen die Abschreibungsverfügung der
Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) vom 12. Juli 2018 mit Eingabe vom 20. Juli
2018 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem sinngemässen Begehren um
Fristwiederherstellung zur Leistung eines Kostenvorschusses. Mit Vernehmlassung

vom 17. August 2018 verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen in der angefochtenen
Verfügung. Das kantonale Steueramt (Beschwerdegegner) verzichtete am 24. August
2018 ausdrücklich und die Eidgenössische Steuerverwaltung (Beschwerdebeteiligte)
stillschweigend auf eine Vernehmlassung. Mit Eingabe vom 3. Oktober 2018 nahm die
Beschwerdeführerin nach Einsicht in die Akten erneut Stellung.
Auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung und die Ausführungen der
Beschwerdeführerin zur Begründung ihres Begehrens sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Da sich die Berechtigung zur Erhebung von Kostenvorschüssen unter Androhungen
der Säumnisfolgen im Unterlassungsfall sowohl im Rekursverfahren betreffend die
Kantonssteuer als auch im Beschwerdeverfahren zur direkten Bundessteuer nach
kantonalem Recht richtet (vgl. Hunziker/Mayer-Knobel, in: Zweifel/Beusch [Hrsg.],
Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, 3. Aufl. 2017, N 16 zu Art. 144 DBG),
erledigte die Vorinstanz den Rekurs betreffend die Kantonssteuer einerseits und die
Beschwerde betreffend die direkte Bundessteuer anderseits zu Recht im gleichen
Entscheid, aber mit getrennten Dispositivziffern. Unter diesen Umständen durfte auch
die Beschwerdeführerin die Beschwerden in einer gemeinsamen Rechtsschrift erheben
(BGE 135 II 260 E. 1.3). Ebenso ist es zulässig, dass das Verwaltungsgericht über die
Beschwerden im gleichen Akt und mit getrennten Dispositivziffern entscheidet (vgl.
BGer 2C_440 und 441/2014 vom 10. Oktober 2014 E. 1.2).
2. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 196 Abs. 1
des Steuergesetzes, sGS 811.1, StG; Art. 145 des Gesetzes über die direkte
Bundessteuer, SR 642.11, DBG, in Verbindung mit Art. 1 Abs. 3 und Art. 7 Abs. 2 der
Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1). Die
Beschwerdeführerin ist als Steuerpflichtige und am vorinstanzlichen Verfahren
Beteiligte zur Erhebung der Beschwerde befugt. Die Beschwerde gegen die am 12. Juli
2018 versandte vorinstanzliche Verfügung wurde mit Eingabe vom 20. Juli 2018
rechtzeitig erhoben (Art. 196 Abs. 1 StG; Art. 145 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 140
Abs. 1 DBG) und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 161 StG in Verbindung mit Art. 64 und Art. 48 Abs. 1 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP; Art. 142 DBG in Verbindung mit
den genannten Bestimmungen; vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar
zum DBG, 3. Aufl. 2016, N 1 zu Art. 142 DBG). Auf die Beschwerden ist – nachdem das
von der Beschwerdeführerin bei der Vorinstanz eingereichte
Fristwiederherstellungsgesuch mit Verfügung vom 23. Juli 2018 abgewiesen worden ist
– deshalb einzutreten.
3. Die Beschwerdeführerin rügt sinngemäss, die von der Vorinstanz angesetzte Frist zur
Leistung eines Kostenvorschusses sei gesetzeswidrig.
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3.1. Gemäss Art. 96 Abs. 1 VRP kann die Behörde einen Kostenvorschuss verlangen.
Entspricht der Betroffene trotz Hinweis auf die Säumnisfolgen der Aufforderung nicht,
so kann das Verfahren abgeschrieben werden (Art. 96 Abs. 2 erster Halbsatz VRP). Die
Verpflichtung zur Leistung eines Kostenvorschusses ist in das pflichtgemässe
Ermessen der Behörde gestellt. Die Erhebung eines Vorschusses ist namentlich dort
angezeigt, wo die Bezahlung der Gebühr aufgrund der konkreten Umstände unsicher
erscheint. Auch die Höhe des Vorschusses ist nach pflichtgemässem Ermessen
festzusetzen. Für die Leistung des Kostenvorschusses wird eine angemessene Frist
angesetzt und gleichzeitig auf die Säumnisfolgen hingewiesen (Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen – dargestellt an den Verfahren vor
dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2003, Rzn. 808 ff.).
3.2. Mit Schreiben vom 15. Juni 2018 setzte der Abteilungspräsident der Vorinstanz der
Beschwerdeführerin Frist bis 5. Juli 2018, um einen Kostenvorschuss von je CHF 600
(total CHF 1'200) zu leisten, mit dem Hinweis, dass bei nicht fristgerechter Bezahlung
die Verfahren gemäss Art. 96 Abs. 2 VRP kostenpflichtig abgeschrieben würden.
Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die Rechtsmittel gemäss Sendungsverfolgung
verspätet seien, die Beschwerdeführerin jedoch Gelegenheit habe, dazu Stellung zu
nehmen (act. 10/4). Am 26. Juni 2018 erkundigte sich die Beschwerdeführerin bei der
Vorinstanz telefonisch über ihre Möglichkeiten (act. 10/5); am 27. Juni 2018 ging zudem
ein Schreiben der Beschwerdeführerin ein, in welchem sie sich zur Rechtzeitigkeit der
erhobenen Rechtsmittel äusserte (act. 10/7), ohne indes selbst Beweismittel beizulegen
oder zu bezeichnen, aufgrund derer die Unrichtigkeit der Sendungsverfolgung der Post
(Zustellung ins Postfach der Beschwerdeführerin am 4. Mai 2018) hätte möglich sein
können. Auch die unter ausdrücklicher Androhung der Säumnisfolgen einverlangten
Kostenvorschüsse wurden innert Frist nicht geleistet.
Soweit die Beschwerdeführerin nun vorbringt, sie sei bereit, die verlangten
Kostenvorschüsse zu leisten, sofern die Vorinstanz sich der Sache annehme, verkennt
sie Sinn und Zweck der Voraberhebung eines Kostenvorschusses. Mit der Erhebung
von Kostenvorschüssen in Justizverfahren soll vorab der Kostenanspruch des
Gemeinwesens gesichert werden. Ausserdem erleichtert die Vorschusspflicht, sofern
die pflichtige Partei unterliegt, auch das Inkasso. Schliesslich sollen mit der Erhebung
von Kostenvorschüssen die Beteiligten auch auf das oft unterschätzte Kostenrisiko
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aufmerksam gemacht werden, welches mit der Verfahrensführung verbunden sein kann
(R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz,
Lachen/St. Gallen 2004, S. 126). Nicht anders ist der Hinweis der Vorinstanz im
Schreiben vom 15. Juni 2018 zu verstehen, mit welchem die Beschwerdeführerin
ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass die Eingabe vom 13. Juni 2018
angesichts der sich aus der Sendungsverfolgung der Post ergebenden Zustellung vom
4. Mai 2018 ins Postfach der Beschwerdeführerin als verspätet erscheine. Es wäre nun
an der Beschwerdeführerin gelegen, Beweismittel beizubringen oder zu bezeichnen,
wovon sie indes – trotz entsprechender Aufforderung – abgesehen hat. Nachdem die
Beschwerdeführerin innert der ihr am 15. Juni 2018 angesetzten, bis 5. Juli 2018
laufenden Frist, aber auch später, die Kostenvorschüsse nicht geleistet hatte, schrieb
die Vorinstanz den Rekurs und die Beschwerde sowie das (sinngemäss mitgestellte)
Fristwiederherstellungsgesuch androhungsgemäss mit Verfügung vom 12. Juli 2018 als
erledigt ab. Bei der angesetzten Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses handelt es
sich im Übrigen nicht um eine gesetzliche, sondern um eine richterliche Frist, welche
nach pflichtgemässen Ermessen bemessen wird. Bei einer Fristansetzung von zwanzig
Tagen kann keine Rede von einer unangemessenen Frist sein, zumal die ordentlichen
Rechtsmittelfristen im Verwaltungsjustizverfahren, welche bei Nichteinhaltung
Verwirkung zur Folge haben (vgl. Art. 30 VRP) und im Gegensatz zu richterlichen
Fristen (bei Rechtzeitigkeit des Gesuchs) nicht erstreckt werden können, grundsätzlich
lediglich 14 Tage betragen (vgl. Art. 47 Abs. 1, Art. 64 VRP).
Das von der Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdeeingabe ans Verwaltungsgericht
gestellte Gesuch um Fristwiederherstellung sowohl der verpassten Rechtsmittelfrist als
auch zur Leistung der Kostenvorschüsse wurde vom hierzu zuständigen
Abteilungspräsidenten der Vorinstanz mit Verfügung vom 23. Juli 2018 abgewiesen.
Die nun dagegen erhobenen Beschwerden erweisen sich aus den dargelegten
Überlegungen als unbegründet und sind daher sowohl betreffend die Kantonssteuer als
auch betreffend die direkte Bundessteuer abzuweisen.
3.3. Im Übrigen wäre das vorinstanzliche Verfahren, selbst wenn die heutige
Beschwerdeführerin die Kostenvorschüsse fristgereicht geleistet hätte, wohl mit je
einem Nichteintretensentscheid erledigt worden. Gemäss Sendungsverfolgung der
Post wurden die vom Beschwerdegegner mit A-Post Plus versandten
bis
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Einspracheentscheide am 4. Mai 2018 um 6.59 Uhr via Postfach in Q._ 0_ X._
zugestellt (act. 10/3). Die 30-tägige Rechtsmittelfrist begann mithin am 5. Mai 2018 zu
laufen und endete am 4. Juni 2018. Die Beschwerdeführerin gab den Rekurs bzw. die
Beschwerde zuhanden der Vorinstanz jedoch erst am 13. Juni 2018, mithin 9 Tage zu
spät, der Post auf. Auf diesen Umstand wies die Vorinstanz die Beschwerdeführerin im
Schreiben vom 15. Juni 2018 ausdrücklich hin. Weiter wies sie bereits mit jenem
Schreiben zu Recht darauf hin, dass bei der Zustellung per A-Post Plus der Eingang
der Sendung im Briefkasten oder im Postfach massgebend sei, nicht die Behändigung
der Sendung durch den Empfänger. Auch wenn die Veranlagungsbehörde für die
ordnungsgemässe Zustellung beweisbelastet ist, so besteht rechtsprechungsgemäss
aber eine natürliche Vermutung für die ordnungsgemässe Zustellung der
Abholungseinladung (im Briefkasten, im Postfach). Dies gilt nicht nur für
eingeschriebene Sendungen, sondern – zumindest im Steuer- und
Sozialversicherungssachen – auch für das Verfahren "A-Post Plus", bei welchem der
Briefträger den Brief nicht nur in den Briefkasten legt, sondern zugleich den
Zustellzeitpunkt festhält. Entsprechend ist auch nicht zu beanstanden, dass der
Beschwerdegegner die Einspracheentscheide nicht mit eingeschriebener Briefpost,
sondern mit A-Post Plus versendet hat (vgl. BGer 2C_694/2018 vom 27. August 2018
E. 2.5; BGer 2C_195/2018 vom 2. März 2018 E. 2.2). Die von der Beschwerdeführerin
vorgebrachte Kritik ist im Übrigen ausschliesslich appellatorischer Natur, indem sie in
allgemeiner Weise vorbringt, es sei durchaus möglich, dass die Sendung zwar an die
richtige Poststelle zugestellt, aber ins falsche Postfach abgelegt worden sei.
3.4. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Schluss der Vorinstanz, das
Wiederherstellungsgesuch sowie der Rekurs und die Beschwerde seien wegen
Nichtleistens des Kostenvorschusses als erledigt abzuschreiben, nicht zu beanstanden
ist. Im Übrigen lagen auch keine Gründe für eine Wiederherstellung der Frist im Sinn
von Art. 30 Abs. 1 VRP und Art. 148 Abs. 1 der Schweizerischen Zivilprozessordnung
(SR 272, ZPO) vor, wie die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zutreffend
ausführte. Solche wurden auch im Beschwerdeverfahren keine genannt. Die
Beschwerden sind dementsprechend sowohl hinsichtlich der Kantonssteuern als auch
der direkten Bundessteuer aufgrund der Rechnungsabschlüsse per 31. Dezember 2013
und per 31. Dezember 2014 abzuweisen.
4. (...).
ter
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