Decision ID: da3b04d5-815f-4405-9d72-6d126fe7f20b
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Mai 2018 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 11). Sie gab an, sie habe eine kaufmännische
Ausbildung absolviert und sie arbeite aktuell in einem Vollpensum als angestellte
Geschäftsführerin. Der Allgemeinmediziner Dr. med. B._ berichtete im Juni 2018 (IV-
act. 24), die Versicherte leide an einer arteriellen Hypertonie, an Gonarthrosen
beidseits, an einer Adipositas sowie an Gefühlsstörungen an den Händen und Füssen.
Eine neurologische Abklärung sei im Gange. Eine Arbeitsunfähigkeit sei bislang nicht
attestiert worden. Die Neurologin Dr. med. C._ hatte am 1. Juni 2018 festgehalten
(IV-act. 28), die Versicherte leide an Schmerzen und Sensibilitätsstörungen im Bereich
der Hände und Füsse bei einer möglichen small fibre-Neuropathie, die im
Zusammenhang mit einer seit längerem bekannten diabetischen Stoffwechsellage
stehen könnte, und einem engen Spinalkanal cervical, der allerdings klinisch
asymptomatisch sei. Mit einer Mitteilung vom 12. Juli 2018 wies die IV-Stelle das
Begehren um berufliche Massnahmen mit der Begründung ab, berufliche Massnahmen
seien nicht notwendig, denn der Arbeitsplatz sei bereits an die
Gesundheitsbeeinträchtigung angepasst worden, weshalb bislang keine
Arbeitsunfähigkeit am Arbeitsplatz eingetreten sei (IV-act. 45).
A.a.
Am 3. August 2018 berichtete der Neurochirurg PD Dr. med. D._ (IV-act. 48), ein
im April 2018 erstelltes MRT der Halswirbelsäule habe eine höhergradige Spinal
kanalstenose C4/5 und C5/6 gezeigt. Aufgrund der klinisch-radiologischen
Befundkonstellation bestehe die Indikation für eine weiterführende diagnostische
Abklärung mittels evozierter motorischer Potentiale, denn die Symptome würden wohl
von der cervicalen Myelopathie verursacht. Möglicherweise werde die Versicherte von
einer operativen Dekompression der Spinalkanalstenose profitieren. Der Neurologe Dr.
med. E._ teilte am 24. September 2018 mit (IV-act. 52), die evozierten Potentiale
A.b.
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hätten die radiologisch bekannte cervicale Myelopathie funktionell bestätigt. Damit sei
eine operative Dekompression indiziert. Allerdings sei nicht ganz klar, inwieweit die
akralen Parästhesien tatsächlich dadurch erklärbar seien. Diesbezüglich empfehle sich
eine ergänzende Abklärung im Rahmen der anstehenden Hospitalisation. Das
Hauptproblem der Fussschmerzen dürfte nicht neurogenen Ursprungs, sondern
arthrotischer Genese und durch das erhebliche Übergewicht begünstigt sein. Am 30.
November 2018 wurde eine operative anteriore cervicale Discektomie C4/5 und C5/6
mit der Implantation eines Cage durchgeführt (IV-act. 58–10 f.). Am 16. Januar 2019
berichtete PD Dr. D._ über einen erfreulichen postoperativen Verlauf und über den
Abschluss der neurochirurgischen Behandlung (IV-act. 63).
Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 29. Mai 2019 mit, dass sie eine
polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag geben werde (IV-act. 68). Die Versicherte wies
am 1. Juni 2019 darauf hin, dass sie am 29. November 2019 erneut an der
Halswirbelsäule operiert werde, da sich ihre Beschwerden nicht gebessert hätten (IV-
act. 70). Am 4. Dezember 2018 hatte PD Dr. D._ berichtet (IV-act. 80), nach dem
Ausschöpfen der konservativen Therapie sei am 30. November 2018 eine erneute
Operation an der Halswirbelsäule durchgeführt worden. Diese sei erfolgreich verlaufen.
Am 10. Januar 2020 teilte PD Dr. D._ mit (IV-act. 88), die Versicherte habe in der
ersten postoperativen Verlaufskontrolle nach der Operation vom 29. November 2019
angegeben, dass es ihr von den Schmerzen her deutlich besser als vor der Operation
gehe. Die Gefühlsstörungen seien allerdings immer noch vorhanden. Die
Nervenschmerzen in den Füssen seien nach der Operation kurzzeitig besser gewesen,
aber jetzt sei es wieder fast so wie vor der Operation. Der Allgemeinmediziner med.
pract. F._ berichtete am 24. März 2020 (IV-act. 95), die Beweglichkeit der
Versicherten sei schmerzhaft eingeschränkt. Körperlich schwerere Tätigkeiten seien ihr
nicht zumutbar. Die Versicherte arbeite trotz Schmerzen und Sensibilitätsstörungen
wieder zu 50 Prozent in der angestammten Tätigkeit. Ein höheres Pensum sei ihr nicht
zumutbar. Der Neurologe PD Dr. med. G._ hielt am 15. April 2020 fest (IV-act. 102),
die Versicherte leide an einer distal symmetrischen, axonal betonten Polyneuropathie.
Der elektrophysiologische Befund decke sich mit jenem einer im Jahr 2016
durchgeführten Untersuchung. Das HbA1c sei leicht erhöht gewesen, weshalb ein
A.c.
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gestörter Glucosestoffwechsel als Ursache der Polyneuropathie weiterhin möglich
bleibe.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die PMEDA AG am 17. November 2020 ein
polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 119). Der internistische Sachverständige Dr. med.
H._ führte aus, die Versicherte leide an einer Adipositas. Ihr sei eine
Gewichtsreduktion zu empfehlen. Die Adipositas schränke die Arbeitsfähigkeit
allerdings nicht ein. Laborchemisch auffällig seien leicht erhöhte CRP- und BSR-Werte
gewesen, die allerdings nach Angabe der Versicherten schon länger erhöht seien.
Klinische Zeichen für einen Infekt hätten nicht bestanden. Gelenksveränderungen
hätten im klinischen Befund nicht festgestellt werden können. Für eine rheumatische
Erkrankung fehle jeder Anhalt. Der neurologische Sachverständige Prof. Dr. med. I._
hielt fest, der objektive klinische Befund, die Laborergebnisse und ein MRI des Gehirns
seien weitestgehend unauffällig gewesen. Die sensiblen klinischen Befunde seien mit
einer leichten sensiblen Polyneuropathie vereinbar, die erhaltenen Dehnungsreflexe
liessen jedoch keine definitive topische (distal peripher-nervale) Zuordnung zu einer
Polyneuropathie zu. Fehlende Paresen und fehlende Pyramidenbahnzeichen sprächen
klinisch gegen einen motorischen Störungsanteil. Hinweise für eine ataktische Störung
fehlten ebenfalls. Ungeachtet der offenen topischen Zuordnung sei das sensible
Störungsbild gering ausgeprägt. Es könne die Arbeitsfähigkeit nicht namhaft mindern.
Im klinischen Untersuchungsbefund hätten auch Hinweise auf eine cervicale
Myelopathie gefehlt. Die hierzu geforderte Trias liege nicht vor und sei auch in den
Akten nicht beschrieben. Eine encephale Erklärung scheide topisch und
bildmorphologisch aus. Die Versicherte habe während der gesamten neurologischen
Untersuchung nicht namhaft schmerzgeplagt gewirkt. Auch habe kein wirksamer
Analgetikaspiegel festgestellt werden können. Der Blutzucker- und der HbA1c-Wert
seien leicht erhöht gewesen, weshalb eine diabetische Polyneuropathie im
Anfangsstadium vorliegen könnte. Angesichts der Adipositas seien diätische
Massnahmen zu empfehlen. Andere metabolische Ursachen für eine Polyneuropathie
seien nicht zu erkennen. Gegen ein primäres restless legs-Syndrom spreche die
Angabe der Versicherten, dass eine Behandlung mit dopaminergen Substanzen keine
Verbesserung der Beschwerden bewirkt habe. Bereits in den ersten Berichten aus dem
Jahr 2012 sei auf eine deutliche Differenz zwischen den elektrophysiologischen
A.d.
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Befunden und der im Vergleich dazu geringen klinischen Ausprägung der
polyneuropathischen Befunde hingewiesen worden. Eine derartige Konstellation sei für
hereditäre Polyneuropathien recht typisch, sodass diese Diagnose vorrangig zu
erwägen sei. Vorrangig zur Diskussion stehe der Subtypus CMT HSN1. In Absprache
mit der Versicherten und nach einer detaillierten Familienuntersuchung könne eine
humangenetische Untersuchung erwogen werden. Genetisch determinierte
Polyneuropathien seien derzeit allerdings weitgehend nicht therapierbar, weshalb eine
solche Untersuchung lediglich einer diagnostischen Klärung dienen könnte.
Zusammenfassend sei aus neurologischer Sicht unter Berücksichtigung der Anamnese,
der Aktendaten, des klinischen Untersuchungsbefundes und der Zusatzdiagnostik kein
ausreichender Anhalt für eine nervale Läsion mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu
attestieren. In der neurologischen Untersuchung habe sich kein objektivierbarer Befund
ergeben, der eine reduzierte Leistungsfähigkeit begründen könnte. Der psychiatrische
Sachverständige Dr. med. J._ führte aus, die Versicherte habe mit einer
ausreichenden Sprachproduktion ohne Antwortlatenzen berichtet. Die Sprachmelodie
sei intakt gewesen. Der Rapport sei geordnet gewesen und habe nicht strukturiert
werden müssen. Die Versicherte habe während des Explorationsgesprächs den
Blickkontakt gehalten. Die Mimik und die Gestik seien lebhaft gewesen. Insgesamt
habe die Versicherte keinen erheblich psychisch beeinträchtigten Eindruck
hinterlassen. Ein Anhalt für qualitative oder quantitative Bewusstseinsstörungen habe
nicht festgestellt werden können. Die Versicherte sei zu allen Qualitäten voll orientiert
gewesen. Sie habe die Lebensdaten sicher rekonstruiert. Eine Zeitgitterstörung habe
nicht vorgelegen. Das Langzeit- und das Kurzzeitgedächtnis seien intakt gewesen. Die
Konzentration und die Aufmerksamkeit seien unauffällig gewesen. Das formale Denken
sei geordnet, auf das Wesentliche beschränkt und angemessen schnell gewesen. Die
Versicherte habe das Auftreten von paroxysmalen Panikattacken ohne einen
zuzuordnenden Auslöser und ohne ein entsprechendes Vermeidungsverhalten
berichtet. Hinweise für Zwangsgedanken, Zwangsimpulse oder Zwangshandlungen
hätten nicht vorgelegen. Inhaltliche Denkstörungen hätten nicht vorgelegen. Hinweise
auf akustische, optische, gustatorische, olfaktorische, taktile oder zoenästhetische
Halluzinationen hätten nicht bestanden. Ich-Störungen hätten nicht eruiert werden
können. Die Stimmung habe leicht belastet, aber nicht im eigentlichen Sinne depressiv
gewirkt. Die Schwingungs- und die Modulationsfähigkeit seien intakt gewesen. Die
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Auslenkung zum positiven Pol sei gelungen. Der Antrieb habe nicht höhergradig
beeinträchtigt gewirkt. Die Psychomotorik sei unauffällig gewesen. Die
testpsychologischen Zusatzuntersuchungen gemäss den Qualitätsleitlinien für
versicherungspsychiatrische Gutachten hätten unauffällige Ergebnisse geliefert.
Diagnostisch seien die geschilderte subsyndromale depressive Verstimmung und das
Auftreten von Ängsten am ehesten als Angst und Depression gemischt zu qualifizieren,
da keine der beiden Störungen eindeutig vorherrsche und da keine für sich allein
genommen eine eigenständige Diagnose rechtfertige. Eine andere psychiatrische
Erkrankung liege nicht vor. Aus psychiatrischer Sicht sei die Versicherte
uneingeschränkt arbeitsfähig. In ihrer Konsensbeurteilung hielten die Sachverständigen
fest, weder aktuell noch für die Vergangenheit könne eine relevante Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Am 14. Dezember 2020 notierte Dr. med. K._ vom
IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), das Gutachten überzeuge (IV-act. 121).
Mit einem Vorbescheid vom 6. Januar 2021 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit, dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens mangels Invalidität (Invaliditätsgrad
von null Prozent) vorsehe (IV-act. 124). Dagegen wandte die Versicherte am 11. Januar
2021 ein (IV-act. 126), die Sachverständigen der PMEDA AG erfüllten gemäss dem
Entscheid IV 2018/351 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 5. September 2019
die fachlichen Voraussetzungen für die Erstellung von Administrativgutachten nicht.
Zudem seien deren Befunde widersprüchlich und in sich nicht schlüssig. Sie verlange
eine erneute Begutachtung durch andere Sachverständige. Am 25. Februar 2021 liess
die nun anwaltlich vertretene Versicherte ergänzend geltend machen (IV-act. 132), der
psychiatrische Sachverständige Dr. J._ verfüge nicht über die Qualifikation zur
Erstellung eines neuropsychologischen Gutachtens. Sein Teilgutachten sei aber primär
ein neuropsychologisches Gutachten. Folglich sei es nicht verwertbar. Gestützt auf die
zahlreichen fachärztlichen Vorberichte sei eine halbe Rente zuzusprechen. Die
Sachverständigen der PMEDA AG hätten sich nicht mit den vorrangig problematischen,
ausgedehnten, intensiven Missempfindungen der Extremitäten befasst. Die
neurologische Beurteilung widerspreche jener der behandelnden Neurologen. Sie
decke sich nur mit den Ausführungen von Dr. C._, der jedoch weder Vorakten noch
bildgebende Befunde vorgelegen hätten, die also gar nicht im Bilde gewesen sei. Der in
einem Bericht aus dem Jahr 2012 erwähnten grenzwertigen Dyslipidämie sei aus nicht
A.e.
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B.
nachvollziehbaren Gründen nicht nachgegangen worden. Die psychische Störung sei
nur unzureichend abgeklärt worden. Dem Umstand, dass sich die Versicherte bei der
Psychotherapeutin lic. phil. L._ in Behandlung befinde, sei keine Rechnung getragen
worden. Am 3. Februar 2021 hatte die Psychotherapeutin L._ berichtet (IV-act. 133),
die Versicherte leide an einer Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Anteilen, an einer Panikstörung sowie an einer generalisierten Angststörung. Zu
empfehlen seien eine Stressreduktion, die Angstbewältigung und eine Optimierung des
Schlafrhythmus. Die PMEDA AG nahm am 26. Juli 2021 Stellung zu den Einwänden der
Versicherten und dem Bericht der Psychotherapeutin L._ (IV-act. 138). Sie hielt fest,
die Psychotherapeutin L._ habe keine Stellung zur Arbeitsfähigkeit genommen. Die
von ihr genannten Diagnosen seien versicherungsmedizinisch als nicht invalidisierend
zu qualifizieren. Der Bericht enthalte weder eine ausführliche Anamnese noch eine
Bearbeitung der diagnostischen Kriterien einer Panikstörung. Auch fehle eine
differenzierte Analyse der angegebenen Schmerzen. Die Diagnosen erschienen damit
insgesamt als nicht ausreichend geprüft und untermauert. Der psychiatrische
Sachverständige Dr. J._ habe keine neuropsychologische, sondern eine
psychiatrische Begutachtung durchgeführt, für die er qualifiziert gewesen sei. In
diesem Rahmen seien testpsychologische Zusatzuntersuchungen gemäss den
Qualitätsrichtlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten durchgeführt worden.
Am 16. November 2021 gewährte die IV-Stelle der Versicherten die Gelegenheit zur
Stellungnahme zu diesen Ausführungen (IV-act. 140). Die Versicherte liess am 25.
Februar 2021 (recte wohl: 2. Dezember 2021) geltend machen (IV-act. 141), die PMEDA
AG habe sich mit den medizinischen Ausführungen ihres Rechtsvertreters gar nicht
befasst. Die Behauptung, Dr. J._ sei qualifiziert, sei durch nichts bewiesen. Die IV-
Stelle werde nicht umhin kommen, eine weitere Begutachtung in Auftrag zu geben. Mit
einer Verfügung vom 7. Dezember 2021 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der
Versicherten ab (IV-act. 142).
Am 19. Januar 2022 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 7. Dezember 2021 erheben (act. G 1). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die
Zusprache mindestens einer halben Rente und eventualiter die Anordnung einer
B.a.
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Erwägungen
1.
Der Zweck dieses Beschwerdeverfahrens erschöpft sich in der Überprüfung der
angefochtenen Verfügung vom 7. Dezember 2021 auf deren Rechtmässigkeit, weshalb
sein Gegenstand jenem des vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen
muss. Dieses hat sich nach der verbindlichen Abweisung des Begehrens um berufliche
Massnahmen am 12. Juli 2018 auf die Prüfung des Rentenbegehrens der
Beschwerdeführerin beschränkt. Folglich ist auch in diesem Beschwerdeverfahren
ausschliesslich zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin im hier massgebenden Zeitraum
nach der Anmeldung zum Leistungsbezug im Mai 2018 respektive ab dem 1.
November 2018 (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) einen Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung gehabt hat.
polydisziplinären Begutachtung. Zur Begründung führte er aus, der psychiatrische
Sachverständige Dr. J._ habe primär eine neuropsychologische Testung
durchgeführt, für die er fachlich nicht qualifiziert gewesen sei, weshalb das Gutachten
der PMEDA AG nicht verwertet werden dürfe. Der neurologische Sachverständige habe
die ihm gestellte Frage nach der genauen Diagnose nicht beantwortet, aber trotzdem
behauptet, die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei nicht beeinträchtigt. Das
überzeuge nicht. Mit den neurologischen Vorakten habe er sich nicht eingehend
befasst.
Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 7. April 2022
die Abweisung der Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie an, entgegen der
Behauptung des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin habe Dr. J._ keine
neuropsychologische Testung durchgeführt. Das gehe aus dem Gutachten selbst
bereits hervor. In formaler Hinsicht bestehe kein Grund, der gegen die Verwertung des
Gutachtens spreche. Inhaltlich sei das Gutachten überzeugend. Die
Beschwerdeführerin sei folglich uneingeschränkt arbeitsfähig und damit nicht invalid.
B.b.
Die Beschwerdeführerin liess am 24. Mai 2022 an ihren Anträgen festhalten (act. G
8). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).
B.c.
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2.
Gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person einen Anspruch auf
eine Rente der Invalidenversicherung, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
kann, wenn sie während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und wenn sie nach
dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist. Für die Bemessung der
Invalidität wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).
2.1.
Die Beschwerdeführerin hat eine kaufmännische Ausbildung absolviert und
anschliessend im erlernten Beruf gearbeitet. In den Jahren vor der Anmeldung zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung ist sie als Geschäftsführerin in einem
Dienstleistungsbetrieb tätig gewesen, wobei sie verschiedene anspruchsvolle Aufgaben
ausgeführt hat. Das von der Beschwerdegegnerin berücksichtigte Valideneinkommen
von 65’000 Franken erweist sich vor diesem Hintergrund ohne weiteres als deutlich zu
tief, zumal der effektive Lohn 13 × 7’000 = 91’000 Franken betragen hatte. Die
Beschwerdeführerin hat im Zuge der zur Diskussion stehenden
Gesundheitsbeeinträchtigung das Pensum reduziert, aber die angestammte Tätigkeit
weitergeführt. Nichts deutet darauf hin, dass sie ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung
einen Karrierewechsel eingeschlagen hätte, weshalb die Validenkarriere der
Weiterführung der angestammten Tätigkeit entspricht. Das Valideneinkommen
entspricht dem statistischen Zentralwert der Löhne, die Geschäftsführerinnen erhalten,
die über dieselbe Aus- und Weiterbildung sowie Erfahrung verfügen und jene Arbeiten
ausführen, die die Beschwerdeführerin als Geschäftsführerin ausgeführt hat. Die Frage
nach dem genauen Betrag des Valideneinkommens kann unbeantwortet bleiben, wie
sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergeben wird.
2.2.
Für die Bestimmung der Invalidenkarriere und des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens ist massgebend, welche Tätigkeiten der Beschwerdeführerin aus
medizinischer Sicht in welchem Umfang noch zugemutet werden können. Zur
Beantwortung dieser Frage hat die Beschwerdegegnerin die PMEDA AG mit der
Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens beauftragt. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, das Gutachten der PMEDA AG sei schon
2.3.
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deshalb nicht verwertbar, weil der psychiatrische Sachverständige Dr. J._ statt einer
psychiatrischen Begutachtung eine neuropsychologische Testung durchgeführt habe,
für die er fachlich nicht qualifiziert gewesen sei. Dieser Vorwurf ist unbegründet, denn
Dr. J._ hat keine neuropsychologische Testung, sondern vielmehr
„testpsychologische Zusatzuntersuchungen gemäss den Qualitätsleitlinien für
versicherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen Gesellschaft für
Psychiatrie und Psychotherapie“ durchgeführt, wie sich seinem Teilgutachten ohne
Weiteres entnehmen lässt (IV-act. 119–106). Die Wiedergabe der testpsychologischen
Resultate hat sich zwar im Gutachten mit mehr Seiten als beispielsweise die
Beschreibung des objektiven klinischen Befundes nach AMDP niedergeschlagen, aber
daraus kann entgegen der Ansicht des Rechtsvertreters nicht abgeleitet werden, die
testpsychologischen Untersuchungen hätten das Kernstück der Begutachtung
gebildet. Aus dem psychiatrischen Teilgutachten geht eindeutig hervor, dass Dr. J._
seine Schlussfolgerungen hinsichtlich der Diagnosestellung und der
Arbeitsfähigkeitsschätzung massgeblich mit den von ihm erhobenen objektiven
klinischen Befunden begründet und die Resultate der testpsychologischen
Zusatzuntersuchungen lediglich als zusätzliche Begründungselemente herangezogen
hat. Diesbezüglich liegt also entgegen der Ansicht des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin kein formaler Grund vor, der gegen die Verwertung des
Gutachtens der PMEDA AG sprechen würde. Weitere formale Gründe, die gegen die
Verwertung des Gutachtens sprechen würden, sind nicht ersichtlich. Inhaltlich erweist
sich die psychiatrische Beurteilung durch Dr. J._ als überzeugend. Die Ausführungen
der behandelnden Psychotherapeutin L._ sind nicht geeignet, Zweifel an der
Überzeugungskraft des psychiatrischen Teilgutachtens zu wecken, denn wie Dr. J._
in seiner nachträglichen Stellungnahme zu jenen Ausführungen festgehalten hat, hat
der Bericht der Psychotherapeutin L._ weder eine ausführliche Anamnese noch eine
Auseinandersetzung mit den Kriterien für die von ihr gestellten Diagnosen einer
Panikstörung und einer Schmerzstörung enthalten. Zudem hat die Psychotherapeutin
L._ keine Stellung zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin genommen.
Schliesslich ist nach der bundesgerichtlichen Auffassung dem Umstand Rechnung zu
tragen, dass in Bezug auf die Psychotherapeutin L._ aufgrund ihres
Behandlungsauftrages ein objektiver Anschein der Befangenheit besteht. Der
Beweiswert des internistischen Teilgutachtens ist von der Beschwerdeführerin zu
Recht nicht in Frage gestellt worden. Das internistische Teilgutachten erweist sich als
sorgfältig erarbeitet und überzeugend begründet. In Bezug auf das neurologische
Teilgutachten hat der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zahlreiche Einwände
vorgebracht, die aus neurologisch-fachärztlicher Sicht so weit am Thema vorbei
gegangen sind, dass der neurologische Sachverständige Prof. Dr. I._ keine
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Veranlassung gehabt hat, sich damit auseinander zu setzen. Dazu ist er (aus der Sicht
eines medizinischen Laien) durchaus berechtigt gewesen, denn sein Teilgutachten
überzeugt durch eine Ausführlichkeit und Sorgfältigkeit nicht nur hinsichtlich der
Anamnese- und Befunderhebung, sondern auch hinsichtlich der Herleitung der
Diagnosen und der Begründung der Arbeitsfähigkeitsschätzung, wie sie in einem
MEDAS-Administrativgutachten selten anzutreffen sind. Dem Sachverständigen Prof.
Dr. I._ ist es gelungen, anhand der zahlreichen, inhaltlich teilweise divergierenden
fachärztlichen Berichte und der im Rahmen der Begutachtung umfassend erhobenen
objektiven klinischen und bildgebenden Befunde ein stimmiges Gesamtbild zu
erstellen. Seine diagnostischen Erwägungen sind nicht nur ausführlich, sondern auch
verständlich und überzeugend begründet. Der Umstand, dass er offen eingeräumt hat,
letztlich verblieben noch gewisse diagnostische Unsicherheiten, die wohl nur mit sehr
aufwendigen Zusatzuntersuchungen beseitigt werden könnten, was aber weder in
versicherungsmedizinischer noch in therapeutischer Hinsicht von Nutzen wäre, spricht
nicht gegen, sondern vielmehr für die hohe Qualität seiner Beurteilung. Dem
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ist schliesslich entgegen zu halten, dass sich
die Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht aus der (genauen) Diagnose, sondern aus dem
objektiven klinischen Befund ergibt, der gemäss den detaillierten und überzeugenden
Ausführungen des Sachverständigen Prof. Dr. I._ weitestgehend unauffällig gewesen
ist und das Attest einer Arbeitsunfähigkeit für die angestammte oder eine andere
körperlich eher leichte Tätigkeit nicht hat rechtfertigen können. Widersprüche innerhalb
des neurologischen Teilgutachtens oder (nicht erklärte) Widersprüche zu den Berichten
der behandelnden Ärzte sind nicht auszumachen. Zusammenfassend besteht kein
Grund zu einem Zweifel an der Überzeugungskraft des neurologischen Teilgutachtens.
Obwohl die drei Sachverständigen der PMEDA AG allesamt keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit hatten attestieren können, was theoretisch dazu hätte verleiten
können, keine eigentliche Konsensbesprechung durchzuführen, haben sie gestützt auf
die von ihnen gewonnenen Ergebnisse in den einzelnen Fachdisziplinen eine sorgfältig
begründete Konsensbeurteilung abgegeben, die vollumfänglich überzeugt. Gestützt auf
das Gutachten der PMEDA AG steht folglich mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin im hier
massgebenden Zeitraum ab dem 1. November 2018 in ihrer angestammten Tätigkeit
nie länger dauernd arbeitsunfähig gewesen ist. Sie ist folglich objektiv in der Lage
gewesen, ihre angestammte Tätigkeit ohne Einschränkungen weiter zu führen und
damit ein dem Valideneinkommen entsprechendes Invalideneinkommen zu erzielen,
weshalb unabhängig vom genauen Betrag der Vergleichseinkommen ein
Invaliditätsgrad von null Prozent resultiert. Die Beschwerdeführerin ist also nicht invalid
gewesen.
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3.
Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als rechtmässig. Die Beschwerde ist
folglich abzuweisen. Die Gerichtskosten sind angesichts des durchschnittlichen
Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzen. Sie sind durch den von der
Beschwerdeführerin geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt. Die
unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.