Decision ID: 4524806b-fec9-46ae-99ca-a5987dae7d22
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1975, verfügt über einen Master
of
Arts in
Film und war
als
(
Chef
-
)
Kameramann für verschiedene Arbeitgeber
sowie auch selb
ständig erwerbstätig
.
Ab Dezember 2015 war er arbeitslos gemeldet
und bezog Taggelder der Arbeitslosenversicherung
(vgl.
Urk.
12/2
S. 4 ff.
,
Urk.
12/8 S. 1 unten,
Urk.
12/1
2 S. 3,
Urk.
12/22
).
U
nter Hinweis auf eine bipola
re Störung
meldete sich der Versichert a
m
7.
Februar 2017
bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
12/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
führte ein Standortgespräch durch (
Urk.
12/8) und tätigte medizinische Abklärungen.
Nachdem der Versicherte im Rahmen der Eingliederungsberatung erklärt hatte, vorläufig keine beruflichen Massnahmen zu wünschen
, wurde
n solche sowie Integrationsmassnahmen in gegenseitigem Einvernehmen abgeschlossen (vgl.
Urk.
12/12 S. 1 unten). Betreffend Arbeitsvermittlung erging am
2
2.
Mai 2017
eine entsprechende Mitteilung, mit dem Hinweis, dass betreffend
Rente eine separate Verfügung
ergehen werde
(
Urk.
12/11).
In der Folge holte die IV-Stelle beim Begutachtungsinstitut
Y._
ein
bidisziplinäres
Gutachten ein, das am 2
0.
Mai 2019 erstattet wurde (
Urk.
12/42
/1-35).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
12/48,
Urk.
12/51)
erliess
die IV-Stelle
am
6.
Dezem
ber 2019
eine Verfügung mit dem Titel «Kein Anspruch auf eine Invalidenrente» und verfügte: «
D
as Leistungsbegehren wird abgewiesen»
(
Urk.
12/55 =
Urk.
2)
.
2.
Der Versicherte erhob am 2
2.
Januar 2020 Beschwerde gegen die Verfügung vom
6.
Dezember 2019 (
Urk.
2) und beantragte,
diese sei aufzuheben, und ihm seien die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine Umschulung, zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung und Rechtsvertretung sowie um Durchführung eines zweiten Schriften
wechsels (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
I-II).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
4.
Mai 2020 (
Urk.
11) die Abweisung der Beschwerde. Am 2
2.
Juni 2020 (
Urk.
13) reichte der Beschwerde
führer einen aktuellen Arztbericht (
Urk.
14) ein. Mit Gerichtsverfügung vom 1
4.
Juli 2020 (
Urk.
15) wurde dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort und der Beschwerdegegnerin die Eingabe des Beschwerdeführers vom 2
2.
Juni 2020 samt Beilage zur Kenntn
is gebracht
,
mit dem Hinweis, dass
die Anordnung eines zweiten
Schriftenwechsel
s
nicht als erforderlich erachtet werde, es den Parteien jedoch unbenommen bleibe, sich nochmals zur Sache zu äussern
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1
.
1.
1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8
Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (lit. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (lit.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe; lit. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (lit. d).
1.2
Gemäss
Art.
17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (
Abs.
1). Als Umschulung gelten gemäss
Art.
6
Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversicherung
(
IVV
)
Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
1.3
Nach der Rechtsprechung ist unter Umschulung grundsätzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und geeignet sind, der vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen ver
sicherten Person eine
ihrer früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmöglichkeit
zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der «annähernden Gleichwertigkeit» nicht in erster Linie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter Eingliederung zu erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist
(BGE
130 V 488 E. 4.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_163/2008 vom 8. August 2008 E. 2.2). Schliesslich setzt der Anspruch auf Umschulung voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesund
heitsschadens im bisher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20
%
erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE
130 V 488 E. 4.2, 124 V 108 E. 2a und b mit Hinweisen auf u.a. AHI 1997 S. 80 E. 1b; ZAK 1984
S. 91 oben, 1966 S. 439 E. 3).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderer
seits
–
er
lauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1).
1.6
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.7
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswür
digung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen
(BGE 144 V 50 E. 4.3
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2)
davon aus, dem Beschwerdeführer sei die bisherige Tätigkeit als Kameramann in einem Pensum von mindestens 80
%
zumutbar, unter der Voraussetzung, dass er keine Auslandeinsätze und Einsätze an exotischen Orten leisten müsse, flexible Arbeits
zeiten sowie ein weniger forderndes und ein soziales Arbeitsumfeld bestünden (S.
2 oben, S. 2 Mitte). Der Einwand des Beschwerdeführers (vgl.
Urk.
12/51
) sei geprüft worden. Es seien keine neuen medizinischen Unterlagen oder Arztberichte eingereicht und damit kein anderer medizinischer Sachverhalt dargestellt worden. Im Rahmen der beruflichen Eingliederung sei dem Beschwerdeführer Unter
stützung bei der Arbeitsvermittlung angeboten worden. Darauf habe sich der Beschwerdeführer nicht einlassen können und er sei mit dem Abschluss der beruflichen Massnahmen einverstanden gewesen. Andere Tatsachen für erneute berufliche Massnahmen lägen nicht vor. Weiter bestehe keine wesentliche gesundheitliche Einschränkung in der Arbeitsvermittlung. Am Ergebnis gemäss Vorbescheid werde festgehalten (S. 2 unten).
2
.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber
in seiner Beschwerde
geltend (
Urk.
1), u
nter einer bipolaren affe
k
t
iven Störung, rezidivierenden depressiven Episoden und neu – seit 2015 – einer Colitis
ulcerosa
zu leiden (S. 3
Ziff.
9). Letztere sei es, die – aus näher dargelegten Gründen – eine Verdiensteinbusse als Kameramann verursache (S. 5
Ziff.
18-19), welche in jedem Fall grösser als 20
%
sei, weshalb ein Anspruch auf Umschulung/Weiterqualifikation bestehe (S. 7
Ziff.
29). IV-Rentner sein wolle er nicht (S. 7
Ziff.
31), der Vollständigkeit halber beantrage er dennoch, ihm eine Rente mindestens bis zur Umschulung zuzu
sprechen (S. 8
Ziff.
38).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf gesetzliche Leistungen der Invalidenversicherung, insbesondere berufliche Massnahmen in Form einer Umschulung.
Der Titel der vorliegend angefochtenen Verfügung lautet «Kein Anspruch auf eine Invalidenrente»
, verfügt wurde wie folgt: «Das Leistungsbegehren wird abge
wiesen». Aus den Erwägungen der Verfügungen geht hervor, dass die Beschwer
degegnerin aufgrund des Einwands des Beschwerdeführers vom
1
8.
November 2019
, in welchem dieser explizit um Durchführung beruflicher Massnahmen
vor der Rentenprüfung
ersucht hatte
(
Urk.
12/51
)
,
auch über den Anspruch
auf
berufliche Massnahmen entschieden
beziehu
ngsweise einen solchen verneint hat (vgl. vorstehend E. 2.1)
. Insofern ist der Titel der Verfügung unzutreffend, was
jedoch der Annahme, dass Anfechtungsgegenstand (auch) berufliche Mass
nahmen sind, nicht entgegensteht.
Auf die Beschwerde ist daher
insbesondere
hinsichtlich beruflicher Massnahmen
einzutreten.
3
.
3
.1
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Psychiatrie, berichtete am 1
7.
März 201
7 (
Urk.
12/7), der Beschwerdeführer stehe seit
5.
Dezember 2016 in ihrer Behandlung (
Ziff.
1.2). Sie nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
bipolare affektive Störun
g (ICD-10 F31.0), bestehend seit April 1993 (USA)
-
rez
idivierende depressive Episoden seit der Jugend bis 1993
Die seit März 2015 bestehende
C
olitis
ulcerosa
habe
zur Zeit
keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, könne jedoch zur Arbeitsunfähigkeit führen.
Dr.
Z._
führte aus, der Beschwerdeführer leide unter Antriebs- und Konzentra
tionsmangel sowie depressiven Symptomen
und
sei ablenkbar und müde. Die
Arbeit als Kameramann sei
zur Zeit
nicht mög
l
ich.
Es bestehe eine volle Arbeits
unfähigkeit seit
1.
November 2016 bis auf Weiteres
. Allenfalls möglich seien zwei Stunden
behinderungsangepasste
«Arbeit»
in einem kleinen, geordneten und regelmässigen Rahmen (
Ziff.
1.6-7).
3
.2
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am
9.
April 2017 (
Urk.
12/9), der Beschwerdeführer habe vom 2
7.
November 2015 bis 1
8.
Januar 2016 in ihrer Behandlung gestanden (
Ziff.
1.2). Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie die von
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.1) genannten Diagnosen sowie eine
Colitis
ulc
erosa
, Erstdiagnose im Oktober 2015 (
Ziff.
1.1).
Sie führte aus,
eine
Arbeits
unfähigkeit sei d
urch sie
nicht attestiert worden (
Ziff.
1.6).
3
.
3
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Gastroenterologie
und für Allgemeine Innere Medizin
, berichtete am
6.
Juni 2017 (
Urk.
12/15
/6
), der Beschwerdeführer stehe seit
8.
Oktober 2015 in seiner Behandlung (
Ziff.
1.2). Er
führte aus, im Oktober 2015 se
i
b
eim Beschwerdeführer eine
Pancolitis
vom Typ Colitis
ulc
erosa
mit
schwerer Entzündungsaktivität d
i
agnostiziert worden. Die
C
olitisbe
schwerden
bestünden seit Frühjahr 2015 und manifestierten sich in rezidivieren
den Phasen mit blutiger Diarrhö (bis 10 Mal pro Tag), starken
Tenesmen
und Schmerzen an den Fingergrundgelenken (IBD-assoziierte Arthritis). Aufgrund eines
steroidrefrakträ
ren
Verlaufs und der C
olitis sei eine Biological-Therapie mit
Remicade
-Infusionen eingeleitet worden.
Die Colitis
ulc
erosa
sei unter der
Remicade
-Therapie klinisch praktisch remittier
t
(
Ziff.
1.4, vgl. auch
Ziff.
1.1).
3
.4
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.1) nannte in ihrem Bericht vom 1
0.
November 2017 (
Urk.
12/23) die bekannten psychiatrischen Diagnosen u
nd berichtete von einem akuten Colitis
ulcerosa
-
Schub von Juni bis Oktober 2017 (
Ziff.
1.2-3).
Sie attestierte dem Beschwerdeführer eine Arbe
its
fähigkeit von zwei Stunden pro Tag in einer angepassten Tätigkeit
, nicht jedoch als Kameramann,
beziehungsweise eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit (vgl.
Ziff.
2.1-2,
Ziff.
3.3,
Ziff.
4.2).
3
.5
Am
5.
März 2018 (
Urk.
12/25) berichtete
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.1), seit November 2017 habe sich die persönliche Situation des Beschwerdeführers verschlechtert (
Ziff.
3.3). Es bestehe ein schwieriges soziales Umfeld und der Beschwerdeführer habe eine schwierige Kindheit und Jugend verbracht (
Ziff.
1.2). Der Beschwerdeführer könnte theoretisch zwei Stunden pro Tag arbeiten, was aber
praktisch
als Kameramann nicht umsetzbar
sei
.
Es gebe keine angepasste Tätigkeit (
Ziff.
2.1
).
3
.6
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.3) berichtete am
2.
Juli 2018 (
Urk.
12/29
/4-5
), im ver
gangenen Jahr (2017) habe sich ein un
ruhiger Verlauf von Seiten der C
olitis
ulc
erosa
gezeigt.
Es sei zu einem prolongierten
Colitiss
chub
gekommen, welcher sich über mehrere Monate erstreckt habe. Unter einer mehrwöchigen
Kortison
therapie
im F
rühjahr dieses Jahres habe der
C
olitisschub
kupiert werden können (
Ziff.
1.1). Durch die Infusionstherapie mit
Remicade
400g, welche alle sechs bis acht Wochen durchgeführt werde und die Basistherapie darstelle, werde versucht, die Schubhäufigkeit zu minimier
en (
Ziff.
3.2,
Ziff.
4.1). Die Colitis
ulc
erosa
sei eine chronisch rezidivierende Erkrankung, welche mit Phasen von absoluter Beschwerdefreiheit im Wechsel mit sehr schweren Krankheitsschüben einherge
hen könne. Dieser Umstand mache Aussagen zur Arbeitsfähigkeit schwierig.
Man wisse, dass es bestimmte Trigger für eine Schubauslösung gebe. Beim Beschwer
deführer seien sicherlich berufliche Stressfaktoren als Kameramann zu erwähnen (S. 2 Mitte). Als Kameramann arbeite der Beschwerdef
ührer häufig draussen, was bei
C
olitisbeschwerden
(Bauchkrämpfe, hochfrequente Diarrhö) sehr erschwerte Bedingungen darstelle, da es häufig keine Möglichkeit gebe, eine Toilette aufzu
suchen oder sich hinzulegen. Weiter arbeite er auch in Ländern, wo eine Gelb
fieberimpfung notwendig sei. Eine solche könne angesichts der immunsuppressi
ven Therapie aktuell nicht durchgeführt werden. Daher könne er gewisse Aufträge nicht annehmen. Sodann komme auch der psychischen Belastung/Stres
s
situation als Kameramann eine wichtige Bedeutung zu. Als solcher habe der Beschwerde
führer eine sehr grosse Verantwortung, indem er in Drehphasen der Hauptakteur sei. Während der Drehphasen seien die
Arbeitstage teilweise sehr lang
und inten
siv und es fehlten Regenerationszeiten und Erholung. Insgesamt könne gesagt werden, dass der Bes
chwerdeführer
während eines
aktiven
C
olitisschub
es
prak
tisch nicht arbeitsfähig sei (S. 2 unten).
3
.7
Am
2
0.
Mai 2019 erstatteten
Dr.
med.
C._
, Fachärztin
für Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med. D._
, Facharzt für Gastroenterologie,
Y._
, ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
12/
42/
1-35)
.
Sie stützten sich auf di
e ihnen überlassenen Akten (S. 11
ff.), die Angaben des Beschwerde
führers (S. 15 ff., S. 28 f.)
und
ihre
am
2
6.
Februar 2019 erhobenen psychiatri
schen
(
S. 21 f.
)
sowie
am
6.
März 2019
erhobenen
gastroenterologischen
(S. 29 f.)
Befunde
.
Die Gutachter nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
6
Ziff.
4.2 lit. a):
-
bipolare affektive Störung, gegenwärtig gemischte Episode (ICD-10 F31.6)
-
Colitis
ulcerosa
, Erstdiagnose Oktober 2015
-
Behandlung mit
Remicade
seit Oktober 2015
-
begleitende
Arthropathie
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 6
Ziff.
4.2 lit. b) nannten die Gutachter
psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängigkeits
syndrom, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F17.24), einen Verdacht auf psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, schädlicher Gebrauch (ICD
10 F10-1), sowie psychische und Verhaltensstörungen durch
Cannabinoide
, Abhängigkeitssyndrom, eigenanamnestisch gegenwärtig abstinent (ICD-10 F12.20)
.
Die Gutachter führten aus, aus psychiatrischer Sicht schränke die bipolare affek
tive Störung, gegenwärtig gemischte Episode, die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers ein. In der angestammten Tätigkeit als Kameramann könne aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
festgestellt werden. In einer angepassten Tätigkeit, an einem ruhigen Arbeitsplatz mit flexiblem Zeit
management und sozialkompetenten Vorgesetzten
,
bestehe aus psychiatrischer Sicht eine Arbeits- respektive Leistungsfähigkeit von 50
%
. Aus
gastroenterolo
gischer
Sicht
bestehe aufgrund der Colitis
ulcerosa
eine um 10
%
verminderte Arbeitsfähigkeit aufgrund vermehrter Pausen in jeder Erwerbstätigkeit. Der Beschwerdeführer müsse seine Arbeit jederzeit unterbrechen können
, um eine Toilette aufzusuchen.
Insgesamt könne somit aus
bidisziplinärer
Sicht eine Arbeits- respektive Leistungsfähigkeit von 50
%
in adaptierten Tätigkeiten fest
gestellt werden. In der angestammten Tätigkeit als Kameramann bestehe e
ine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
(S. 6 f.
Ziff.
4.3), dies seit November 2016 (S. 7
Ziff.
4.6.4). Die Gesamtarbeitsunfähigkeit sei in erster Linie durch die psychiatri
sche Diagnose begründet. Die 10%ige gastroenterologische Einschränkung habe keinen zusätzlichen additiven Effekt auf die Arbeitsunfähigkeit (S. 8
Ziff.
4.8).
In Bezug auf die unbehandelte bipolare affektive Störung sei eine leitlinien
orientierte
stimmungsstabilisierende Behand
lung
indiziert (S. 8
Ziff.
4.9).
3
.8
In ihrer Stellungnahme vom
4.
Juni 20
19 (
Urk.
12/45
S. 7 ff.
)
führte
Dr.
med.
E._
,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
der Beschwerdegegnerin
aus,
es liege
ein Gesundheitsschaden vor, der aus psychiatrischer Sicht seit Ende 2016 zu einer 80%ige
n
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit führe
. Seit Februar 2019 könne eine angepasste Tätigkeit im Umfang von 50
%
ausgeübt werden. Aus rein
gastroenterologischer
Sicht bestehe für eine Tätigkeit im ersten Arbeits
markt lediglich eine Einbusse von 10
%
, bedingt durch häufigere Pausenzeiten für Toilettengänge (S. 8 unten, S. 9 oben). Durch eine Fortführung der integra
tiven psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung könne der Gesundheits
zustand weiter stabilisiert werden, sodass innerhalb von ein bis zwei Jahren eine 60 bis 80%ige
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit erreicht werden könne (S. 8 unten).
3
.9
In der
«Ressourcenprüfung»
durch die Beschwerdegegnerin
vom
4.
Oktober 2019
(
Urk.
12/47)
wurde
unter anderem ausgeführt, t
rotz des psychischen Leidens sei es
dem Beschwerdeführer
möglich gewesen, die angestammte Tätigkeit
als Kamera
mann
während mehrerer Jahre auszuüben. Eine wesentliche Verschlech
terung des psychischen Gesundheitszustands sei nicht ausgewiesen und eine Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit damit nicht nachvollziehbar. Weiter bestehe eine Inkonsistenz, indem der Beschwerdeführer eine psycho
pharmakologische Behandlung ablehne. Gemäss R
AD könne mit einer Fort
führung der psychiatrischen Behandlung innerhalb von
zwei
Jahren eine Steige
rung der
Arbeitsfähigkeit
auf 80
%
in angepasster Tätigkeit erreicht werden.
Dem Beschwerdeführer sei es damit zumutbar, die bisherige Tätigkeit als Kameramann an nicht exotischen Einsatzorten in einem weniger fordernden sozialen Arbeits
umfeld in einem Pensum von
mindestens 80
%
auszuüben (S. 3).
3
.10
Im Verlaufsbericht vom 1
5.
Juni 2020 (
Urk.
14) führte
Dr.
B._
(vorstehend E.
3
.3) aus, seit einem Jahr bestehe ein sehr unruhiger Verlauf von Seiten der Colitis
ulcerosa
mit prolongiertem
Colitisschub
. In dieser Zeit sei es praktisch zu keiner Remission (Beschwerdefreiheit) mehr gekommen. Aufgrund eines Wirkungsver
lustes von
Remicade
sei per April 2020 auf
Entyvio
-Infusionen umgestellt wor
den. Die Response auf den Therapiewechsel bleibe abzuwarten (S.
1 Mitte). Aus seiner Sicht bestehe eine höherprozentige Arbeitsunfähigkeit (S.
2 oben).
4
.
4
.1
Ge
mäss den behandelnden Ärzten leidet der Beschwerdeführer
seit seiner Jugend
an einer bipolaren
affektiven
Störung sowie an einer im Oktober 2015 diagno
stizierten Colitis
ulcerosa
(vgl. vorstehend E. 3.1-6, E. 3
.10)
.
Im
Y._
Gutachten
vom Mai 2019 (vorstehend E.
3
.7)
wu
rden diese Diagnosen bestätigt
und dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
in der angestammten Tätig
keit als Kameramann sowie
eine Arbeitsunfähigkeit von 50
% in einer leidensan
gepassten Tätigkeit attestiert.
Die Arbeitsunfähigkeit wurde dabei in erster Linie mit der psychiatrischen Diagnose begründet
. Der im
gastroenterologischen
Teil
gutachten attestierten Arbeitsunfähigkeit von 10
%
für die angestammte sowie
eine
leidensangepasste Tätigkeit
infolge
der
Notwendigkeit von Pausen (vgl.
Urk.
12/42 S. 31
Ziff.
8.1, S. 32
Ziff.
8.2
) wurde kein zusätzlicher additiver Effekt zugeschrieben.
4
.2
Da
die im
Y._
-Gutachten attestierte Arbeitsunfähigkeit im Wesentlichen mit einem psychischen Leiden begründet wurde, ist rechtsprechungsgemäss zu p
rüfen, ob sich die Gutachter bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit an die nor
mativen Rahmenbedingungen gehalten haben, mithin anhand der rechtserhebli
chen Indikatoren die funktionellen Auswirkungen des Leidens nachvollziehbar begründeten (vgl. vorstehend E. 1.5-7).
D
as von
Dr.
C._
erstattete psychiatrische Teilgutachten enthält
keine
oder
nur sehr dürftige Angaben
zu den relev
anten Standardindikatoren.
So
fehlt es etwa an
(
hinreichenden
) Angaben zum funktionellen Schweregrad des Leidens. Die Diagnosen werden zwar wohl hergeleitet (
Urk.
12/42 S. 22 f.
Ziff.
6.3), Aus
sagen zur Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
und damit zur Schwere des Krankheitsgeschehens
werden jedoch keine gemacht.
Unter dem Titel «Wür
digung von Fähi
g
k
e
i
ten, Ressourcen und Belastungen
»
wurde
zwar
ausgeführt, dass es dem Beschwerdeführer trotz einer schweren psychiatrischen Erkrankung
möglich gewesen
sei
, über viele Jahre zu arbeiten, wobei die Arbeit hohe Anfor
derungen an die Flexibilität, die Belastbarkeit, das Durchhaltevermögen un
d die Kreativität gestellt habe (
Urk.
12/42 S. 25
Ziff.
7.4).
E
ine Würdigung dieses Umstands im Hinblick auf allfällige (mobilisierbare) Ressourcen
wurde jedoch nicht vorgenommen
.
In diesem Zusammenhang lässt das Gutachten auch
Aussa
gen zur Persönlichkeitsentwicklung und –
struktur
sowie den grundl
egenden psychischen Funktion
en
vermissen.
Unklar bleibt auch, ob die – bereits von
Dr.
Z._
im Bericht vom
5.
März 2018 (vorstehend E. 3.5) beschr
i
e
benen
und auch im Gutachten von
Dr.
C._
erwähnte
n
(
Urk.
12/42 S. 17 oben, S. 20 Mitte, S. 23 oben)
– psychosozialen Belastungen
bei der Beurteilung der Arbeits
fähigkeit ausgeklammert bl
ieben, was
bei der Beurteilung des
sozialen Kontextes zu berücksichtigen
wäre
.
Unter dem
Titel «Psychiatrische Beurteilung von Konsistenz und Plausibilität» führte
Dr.
C._
sodann lediglich aus, als I
nkonsistenz sei der erhebliche und nachvollziehbare Leidensdruck des Beschwerdeführers bei gleichzeitiger Ablehnung einer psychopharmakologischen Behandlung zu werten. Hinweise auf Inkonsistenzen ergäben sich keine. Der Beschwerdeführer sei nicht nur in seiner Arbeitstätigkeit, sondern auch im Alltagsbereich, in sozialen Kontakten und beim Ausüben von Freizeitbeschäftigungen erheblich beeinträchtigt (
Urk.
12/42
S. 25
Ziff.
7.3).
Letzteres
vermag mit Blick auf die Angaben des Beschwerdeführers
anlässlich der Begutacht
ung
nicht
ohne weiteres
zu überzeugen beziehungsweise hätte zumindest näherer Erläuterung bedurft. Denn anlässlich der Befragung hatte der Beschwerdeführer
etwa angege
ben,
bis zu einem Sturzereignis im Januar 2019, bei dem er sich unter anderem eine Beckenverletzung und eine
Bänderzerrung zugezogen habe (
Urk.
12/42 S. 16 Mitte), viermal pro Woche Krafttraining betrieben zu haben
(
Urk.
12/42 S. 17 Mit
te). Auch seine Schilde
rungen
zum Tagesablauf an einem «guten» Tag
(
Urk.
12/42 S. 21
oben
) lassen nicht auf eine erhebliche E
inschränkung des Aktivitätenn
iveaus schliessen. Wie es sich mit
dem Aktivitätenniveau des Beschwerdeführers
an einem «schlechten» Tag verhält, geht aus dem Gutachten nicht hervor.
Eine schlüssige Konsistenz
prüfung ist vor diesem Hintergrund nicht möglich.
4.3
Damit
ergibt sich, dass das psychiatrische Teilgutachten des
Y._
eine
schlüssige
Prüfung der
massgeblichen
Standardindikatoren
nicht zulässt.
Die gutachterlich attestierte Arbeitsunfähigkeit von 80
%
für die angestammte Tätigkeit als Kamera
mann und von 50
%
für eine leidensangepasste Tätigkeit erweist sich daher als nicht nachvollziehbar begründet
und das
Y._
-Gutachten für eine abs
c
hliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
demnach als unzulänglich.
Auch die von der Beschwerdegegnerin getätigte
«
Ressourcenprüfung
»
durch einen
-
soweit ersichtlich
-
nicht über einen
(Fach-)
Arzttitel verfügenden Mitarbeiter
(vorstehend E. 3.9
)
hält
nicht nur
den Anforderungen an das rechtsprechungsge
mäss geforderte strukturierte Beweisverfahren nicht stand
, zumal keine medizi
nisch begründete umfassende
,
eingehend
e
und nachvollziehbare
Auseinander
setzung
mit den massgeblich
en Indikatoren
erfolgte
,
sondern
muss
insgesamt gar als spekulativ bezeichnet werden
.
Die
Berichte der behandelnden Ärzte (vorstehend E.
3.1-6, E. 3.10)
schliesslich
stellen ebenfalls keine taugliche
Entscheidgrundlage
dar, da sie
nicht zuletzt
den allgemeinen Anforderungen an den
Beweiswert eines Ar
z
t
berichts (vgl. vorste
hend
E.
1.4) nicht zu genügen vermögen.
4.4
Auch
wenn die medizinische
Aktenlage
nach dem Gesagten keine
abschliessende
Beurteilung der Frage zulässt, wie sich die Leiden des Beschwerdeführers auf sein
e Arbeits
fähigkeit auswirken,
bestehen gewichtige Hinweis
e dafür
, dass
er
in seiner angestammten Tätigkeit
als Kameramann wesentlich und gegebenenfalls
in einem einen Anspruch auf Umschulung relevanten
Ausmass (vgl. vorstehend E.
1
.3) eingeschränkt ist.
So ging s
ogar
die RAD-Psychiaterin
von
einer
lediglich
20%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und
nach Durchführung einer integrativen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung von einer (nur) 60 bis 80%igen Arbeitsfähigkeit selbst in einer angepassten Tätigkeit
aus (vgl. vorstehend E. 3.8).
Hinsichtlich des
gastroenterologischen
Leidens des Beschwerdeführers ist sodann anzumerken, dass
Dr.
B._
in seinem Bericht vom 1
5.
Juni 2020 (vorstehend
E.
3.10), welcher zwar nach Erlass der die zeitliche Grenze der richterlichen Über
prüfung
sbefugnis
bildenden Verfügung
vom
6.
Dezember 2019 (
Urk.
2)
erging, jedoch auch Bezug nimmt auf einen Zeitraum vor Verfügungserlass
, von einem sehr unruhigen Verlauf der Colitis
ulcerosa
im Verlauf des letzten Jahres, mith
in seit Sommer 2019, berichtete. Im
Zeitpunkt der
gastroenterologische
n
Untersu
chung im
Y._
am
6.
März 2019 war dagegen eine nur geringe Symptomatik vor
handen. Gleichzeitig hielt der Gutachter
aber
fest, dass der Beschwerdeführer während des letzten
Colitisschubes
mit Beginn in der ersten Hälfte des Jahre 2017 bis zirka Oktober 2017 zu mindestens 50
%
arbeitsunfähig gewesen sei
und sich die aktuelle Situation jederzeit ändern könne
(vgl.
Urk.
12/42 S. 3
0
Ziff.
7.1-2, S.
32
Ziff.
8.1.4).
Vor dem Hintergrund der von
Dr.
B._
im Bericht vom 1
5.
Juni 2020 (vorstehend E. 3.10)
für die Zeit nach Erstattung des
Y._
Gut
achtens
beschriebene Verschlechterung
ist nicht auszuschliessen
, dass sich
das gastro
enterologische Leiden des Beschwerdeführers
nunmehr
stärker auf seine Arbeits
fähigkeit als Kameramann auswirkt
,
als im
Y._
Gutachten
noch
angenommen.
4.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
4.6
Nach dem Gesagten (vorstehend E. 4.4) ergibt sich, dass die beim Beschwerde
führer gestellten Diagnosen
gestützt auf die Einschätzung der
Y._
-Gutachter und der RAD-Ärztin
Dr.
E._
geeignet
sind
, seine Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit als Kameramann wesentlich zu beeinträchtigen, womit ein Anspruch auf berufliche Massnahmen, insbesondere eine Umschulung, in Betracht fällt. Nachdem bislang keine materielle Prüfung
der Frage nach berufli
chen Massnahmen
erfolgt ist, ist die
Sache an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen, damit diese den Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen, insbesondere eine Umschulung, prüfe und darüber entscheide.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
Erst nach einem allfälligen Scheitern beruflicher Massnahmen ist
über die
Frage nach einer Rente erneut zu
befinden
.
4.7
Anzumerken bleibt, dass
vorliegend nicht zuletzt
eine schwere Gehörsverletzung im Raum steht, die eine Aufhebung des angefochtenen Entscheids auch aus for
mellen Gründen zur Folge hätte. Denn der Vorbescheid vom
4.
Oktober
2019 (
Urk.
12/48
) umfasste lediglich den Rentenanspruch, was angesichts der Aus
führungen des Beschwerdeführers in seinem Schreiben vom
6.
November 2018 (
Urk.
12/31)
seine Berechtigung hatte. Nachdem der Beschwerdeführer im Ein
wand vom 1
8.
November 2019 (
Urk.
12/51
) jedoch (neu) signalisiert hatte, beruf
liche Massnahmen im Sinne einer «Umstellung des Tätigkeitsfeldes» zu wünschen, wäre die Beschwerdegegnerin gehalten gewesen, darüber im Rahmen
eines Vor
bescheids zu befinden, bevor sie verfügungsweise darüber entscheidet.
5
.
5
.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
I
VG sind ermessensweise auf Fr. 8
00.
--
anzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3 GSVGer).
5
.3
Nachdem
der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Sebastian Lorentz, bis dato keine Honorarnote ein
ge
reicht
hat
, ist die Entschädigung wie für den Unterlassungsfall angekündigt (vgl.
Urk.
15
Ziff.
3) von Amtes wegen festzusetzen. In Anwendung der Kriterien gemäss
§
34
Abs.
3 GSVGer und bei einem praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist die
von der Beschwerdegegnerin zu bezahlende
Prozessentschädigung
auf Fr.
2'200.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festzusetzen.
5
.4
Der Antrag des Beschwerdeführers auf unentgeltliche
Prozessführung und Rechtsvertretung erweist sich als gegenstandslos.