Decision ID: 59265997-d2ef-525e-9171-a6cfef189638
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X ist Eigentümer des Grundstücks Nr. 1 an der S-Strasse 2, St. Gallen, welches im
Perimeter "Verlängerung S-Strasse" mit 8% an den Kosten erfasst ist. Projekt und
Beitragsplan sind rechtskräftig. Am 24. April/6. August 2003 trafen X und die Y AG, die
ebenfalls Eigentümerin eines Grundstücks im Perimetergebiet ist, im Zusammenhang
mit der neuen Erschliessung eine Vereinbarung über eine Landabtretung und den
Beitrag der Y AG an die auf das Grundstück von X entfallenden Perimeterkosten.
B.- Mit Verfügung vom 13. April 2010 veranlagte die Direktion Bau und Planung der
Stadt St. Gallen X als Eigentümer des Grundstücks Nr. 1 unter Berücksichtigung der
Abgeltung des für die Erstellung der Strasse erforderlichen Landerwerbs mit einem
Perimeterbeitrag von Fr. 19'936.--. Der Beitrag setzte sich zusammen aus dem Anteil
von 8% der Kosten für Bau und Landerwerb von Fr. 878'823.90 gemäss
Schlussabrechnung per 3. Dezember 2009, entsprechend Fr. 70'336.--, abzüglich Preis
für den Erwerb von 201,6 m Boden zu Fr. 250.--, entsprechend Fr. 50'400.--). Der
Betrag wurde entsprechend der Vereinbarung zwischen X und der Y AG vom 24. April/
6. August 2003 bei der Rechnungstellung zulasten der Y AG berücksichtigt.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe vom 27. April 2010 und Klarstellung
vom 27. August 2010 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Begehren,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei bei der Verteilung der Perimeterkosten sein
Guthaben – unter Verrechnung seines Perimeteranteils von Fr. 19'936.-- mit seiner
Forderung von Fr. 35'950.-- gegenüber der Y AG gemäss der Vereinbarung vom
6. August 2003 – auf Fr. 16'014.-- (statt Fr. 0.--) und jenes der Y AG auf Fr. 41'397.--
(statt Fr. 57'411.--) festzusetzen.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 13. August 2010, der Rekurs sei
abzuweisen. Der Rekurrent nahm am 27. August 2010 Stellung dazu.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Bei der
angefochtenen Veranlagung vom 13. April 2010 handelt es sich um eine selbständige
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Verfügung über einen Beitrag, die allerdings nicht von der obersten
Verwaltungsbehörde im Sinn von Art. 41 lit. h Ziff. 5 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, abgekürzt: VRP), d.h. vom Stadtrat der Stadt St.
Gallen, sondern von der Direktion Bau und Planung ergangen ist. Indessen macht das
städtische Recht von der in Art. 40 Abs. 2 VRP vorgesehenen Möglichkeit Gebrauch
und sieht vor, dass Verfügungen und Entscheide unterer städtischer Instanzen
unmittelbar an die kantonale Rekursinstanz weitergezogen werden (Art. 1 Abs. 1 des
Reglements über den Weiterzug von Verfügungen und Entscheiden unterer Instanzen,
sRS 93.2, in Verbindung mit Art. 26 des Geschäftsreglements des Stadtrats, sRS
173.1). Die Verwaltungsrekurskommission ist deshalb zum Sachentscheid zuständig.
Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 27. April 2010 ist
rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 82 Abs. 3 des Strassengesetzes, sGS 732.1,
abgekürzt: StrG; Art. 45, 47 und 48 VRP).
a) Streitig ist der Perimeterbeitrag des Rekurrenten für die Verlängerung der S-Strasse.
Für die Realisation des Projektes musste der Rekurrent eine Fläche von 201,6 m
seines Grundstückes abtreten. Der Rekurrent beanstandet den in der
Schlussabrechnung für den Landerwerb eingesetzten Preis von Fr. 250.-- pro m .
Dieser Preis sei auch beim Erwerb von Wiesland von anderen Grundstücken zur
Verrechnung gekommen und berücksichtige nicht, dass von seinem Grundstück eine
Strassenfläche abgetreten wurde. Die Vorinstanz nimmt zu diesem Vorbringen keine
Stellung.
Gemäss Art. 40 StrG enthält das Strassenbauprojekt unter anderem einen
Situationsplan (lit. a) mit Landbedarfslinien über dauernde und vorübergehende
Beanspruchung des Bodens (lit. b), welche die für den Bau der Strasse notwendigen
Flächen bezeichnen. Der Grundeigentümer muss aus dem Projekt ersehen können,
welche privaten Rechte er abzutreten hat (vgl. P. Schönenberger, in: Kurzkommentar
zum st. gallischen Strassengesetz vom 12. Juni 1988, St. Gallen 1989, N 1 zu Art. 40
StrG). Dementsprechend wird nach Art. 42 Abs. 1 StrG im Anzeigeverfahren mit
persönlicher Anzeige von der öffentlichen Auflage und vom Enteignungsbegehren in
Kenntnis gesetzt, wer private Rechte abtreten muss, wobei die persönliche Anzeige als
Einleitung des Enteignungsverfahrens gilt. Ab diesem Zeitpunkt ist der Abschluss von
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Vereinbarungen über die ausseramtliche Einigung nach Art. 31 des
Enteignungsgesetzes (sGS 735.1, abgekürzt: EntG) zulässig (vgl. Schönenberger,
a.a.O., N 1 zu Art. 42 StrG). Gegen die Zulässigkeit der Enteignung kann gemäss
Art. 45 Abs. 1 lit. b StrG Einsprache erhoben werden. Im Planverfahren ist demnach
über die Pflicht zur Abtretung privater Rechte zu entscheiden, sofern die Abtretung
bestritten ist. Demgegenüber ist die Entschädigungsfrage im Enteignungs- bzw.
Schätzungsverfahren zu beurteilen (vgl. Schönenberger, a.a.O., N 3 zu Art. 45 StrG).
Nach Art. 48 StrG werden private Rechte enteignet, wenn diese sonst nicht erworben
werden können. Können sich die Beteiligten über die Entschädigung nicht einigen, so
kann gemäss Art. 49 Abs. 1 StrG beim Präsidenten der Schätzungskommission für
Enteignungen die Durchführung des Schätzungsverfahrens verlangt werden.
Bei der Berechnung des Beitrages an die Projektkosten sind die zu verrechnenden
Kosten des Landerwerbs zwar zu berücksichtigen. Aus der Struktur des Verfahrens
beim Strassenbau und der Einbettung des Verfahrens zum Landerwerb im
Projektverfahren ergibt sich jedoch, dass der Preis für das Land, welches für die
Realisation eines Strassenbauprojektes bei Uneinigkeit im Schätzungsverfahren nach
den Regeln des Enteignungsgesetzes festzusetzen ist. Dementsprechend kann im
Verfahren der Veranlagung der Perimeterbeiträge auf den vereinbarten Landpreis nicht
zurückgekommen werden. Bei der Überprüfung der auf den einzelnen
Beitragspflichtigen entfallenden Perimeterkosten kann lediglich überprüft werden, ob
der angewendete Preis der im Projekt- und Enteignungsverfahren getroffenen
Vereinbarung entspricht. Die Verwaltungsrekurskommission ist im Übrigen sowohl im
Projekt- als auch im Enteignungsverfahren nicht zuständige Rechtsmittelinstanz. Die
Höhe der Entschädigung für das abgetretene Land ist Gegenstand des
Projektverfahrens und nicht des Verfahrens zur Festlegung des Perimeterbeitrags an
die Kosten der Projektrealisation. Insoweit als der Rekurrent die Höhe der
Entschädigung für den Landerwerb beanstandet, kann auf den Rekurs deshalb nicht
eingetreten werden.
b) Der Rekurrent bringt zur Hauptsache vor, bei der Ermittlung seines Kostenanteils sei
neben dem rechtskräftigen Beitragsplan zu berücksichtigen, dass sich die Y AG, die
ebenfalls als Grundeigentümerin im Beitragsplan erfasst ist, mit Vereinbarung vom
24. April/6. August 2003 im Gegenzug zu seinem Verzicht auf eine Einsprache gegen
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das Projekt und den Beitragsplan verpflichtet habe, ihm einen Betrag von Fr. 35'950.--
zu bezahlen. Bei der Rechnungstellung sei beim Schlussbetrag für sein Grundstück
Nr. 1 von Fr. 19'936.-- dieser Betrag zulasten der Y AG zu berücksichtigen, so dass
sein Guthaben Fr. 16'014.-- betrage. Entsprechend müsse der Y AG bei deren
Guthaben aus der Schlussabrechnung die Übernahme von Fr. 35'950.--, statt
Fr. 19'936.--, belastet werden.
Die Perimeterbeiträge werden nach Massgabe der entstandenen Kosten in Raten oder
nach Ausführung der Strasse gesamthaft erhoben. Die zuständige Gemeindebehörde
verfügt die Beiträge und die Zahlungsfrist mit persönlicher Anzeige (Art. 82 Abs. 1 und
2 StrG). Die Zahlungspflicht ist eine persönliche Pflicht desjenigen, der zur Zeit der
Entstehung des Abgabeanspruchs Eigentümer des Grundstücks, welchem der
Sondervorteil erwächst, war. Die Höhe des Beitrags wird aufgrund der Anteile, die mit
dem rechtskräftigen Beitragsplan festgelegt sind, und der tatsächlich entstandenen
Kosten errechnet (A. Weder, in: Kurzkommentar zum st. gallischen Strassengesetz vom
12. Juni 1988, St. Gallen 1989, N 1 ff. zu Art. 82 StrG).
Das Begehren des Rekurrenten bezieht sich nicht auf die Festsetzung seines Beitrags
entsprechend der Schlussabrechnung über das Projekt "Verlängerung S-Strasse" und
dem Beitragsplan, sondern allein auf die Rechnungstellung. Der Beitragsplan, in
welchem der Perimeteranteil des Grundstücks Nr. 1 auf 8% festgelegt wurde, ist
rechtskräftig. Die Strassenbaukosten von Fr. 437'423.90 nach Abzug des im
Beitragsplan vorgesehenen Anteils der Stadt von 10%, ist unbestritten. Darin aber
erschöpfen sich die im Rahmen der Schlussabrechnung überprüfbaren Elemente. Auf
die Entschädigung für die Abtretung einer Fläche von 201.6 m durch den Rekurrenten
an das Projekt zum Preis von Fr. 250.--/m kann in der Schlussabrechnung nicht mehr
zurückgekommen werden (vgl. oben E. 2).
Bei der Vereinbarung vom 24. April/6. August 2003 zwischen dem Rekurrenten und der
Y AG handelt es sich um eine privatrechtliche Abmachung zwischen den beiden
Grundeigentümern über die Tragung der Kosten des Strassenbaus. Sie führte
insbesondere nicht zur Feststellung, der mit der Verlängerung der Strasse verbundene
Sondervorteil des Grundstücks Nr. F 4890 des Rekurrenten falle beim Grundstück der
Y AG an. Die Auffassung, die Sondervorteile der beiden Grundstücke seien nicht richtig
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erfasst worden, hätte vielmehr in einem Rechtsmittelverfahren gegen den Beitragsplan
geltend gemacht werden müssen. Soweit die Vorinstanz – nach der Ermittlung der auf
den Grundstücken aufgrund der Schlussabrechnung per 3. Dezember 2009
anfallenden Perimeterkosten – bei der Rechnungstellung die privatrechtliche
Vereinbarung zwischen den beiden Grundeigentümern berücksichtigt hat, hat sie
deshalb nicht den Beitragsplan umgesetzt, sondern eine freiwillige Dienstleistung
erbracht. Ist der Rekurrent der Auffassung, die Vereinbarung vom 24. April/6. August
2003 sei mit dieser Rechnungstellung nicht richtig umgesetzt worden, hat er deshalb
seine Ansprüche auf dem Zivilweg zu verfolgen.
Da die Beanstandung der Umsetzung der Vereinbarung zwischen dem Rekurrenten
und der Y AG vom 24. April/6. August 2003 nicht die Ermittlung der auf das
Grundstück Nr. 1 des Rekurrenten entfallenden Perimeterkosten gestützt auf den
rechtskräftigen Beitragsplan und die Schlussabrechnung der Projektkosten per
3. Dezember 2009 betrifft, kann auf den Rekurs mangels Zuständigkeit der
Verwaltungsrekurskommission nicht eingetreten werden.
2.- Dem Verfahrensausgang entsprechend – das Nichteintreten auf das Rechtsmittel
hat der Rekurrent zu vertreten – sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- ist
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen. Abgesehen davon, dass
der Rekurrent sich im Rekursverfahren nicht vertreten liess und auch keine erheblichen
Kosten nachgewiesen sind, welche eine Umtriebsentschädigung rechtfertigen würden,
besteht bei diesem Ausgang des Verfahrens kein Anspruch auf die Entschädigung
ausseramtlicher Kosten (vgl. Art. 98 und 98 VRP; R. Hirt, Die Regelung der Kosten
nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 182 ff.).