Decision ID: d1ec6758-1844-4619-88db-2740952e7840
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
a) Die G._AG ist Eigentümerin von Grundstück Nr. 001, Grund-
buch Z., an der I._strasse (Kantonsstrasse) in Z. Das Grundstück
liegt gemäss geltendem Zonenplan der Politischen Gemeinde Z._
in der Gewerbe-Industriezone (GI C). Es ist mit einer Gewerbebaute
(Vers.-Nr. 010) sowie mit einem Holzschopf (Vers.-Nr. 011) überbaut.
Nordwestlich angrenzend befindet sich das mit einem Mehrfamilien-
haus überbaute Grundstück Nr. 002 der Stockwerkeigentümerge-
meinschaft A._ (bestehend aus B._, C._ und D._, im Folgen-
den STWEG A._). Westlich angrenzend befindet sich das Grund-
stück Nr. 003 von F._, das mit einem Wohnhaus mit angebauter Ga-
rage und Nebenbaute überbaut ist. Westlich daran angrenzend liegt
Grundstück Nr. 004 von B._, das mit einem Dreifamilienhaus über-
baut ist. Diese drei Grundstücke liegen in der Wohn-Gewerbezone
WG2. Südlich an das Baugrundstück angrenzend befindet sich das
Werkareal der H._AG in der Gewerbe-Industriezone (GI B).
b) Zulasten von Grundstück Nr. 001 und zugunsten der südlich an-
grenzenden Grundstücke Nrn. 005 und 006 besteht ein Fuss- und
Fahrwegrecht. Dieses besteht auf einer Breite von 4,5 m und führt ent-
lang der nordwestlichen Grenze des Grundstücks Nr. 001 in beide
Richtungen.
B.
a) Mit Baugesuch vom 4. Dezember 2017 beantragte die G._AG
beim Gemeinderat Z._ die Baubewilligung für die Erstellung eines
Gewerbeneubaus mit Tiefgarage auf Grundstück Nr. 001. Das Bauge-
such sah den Weiterbestand der bestehenden Gewerbebaute sowie
den Anbau einer neuen Gewerbebaute vor. Im vierstöckigen Anbau
war im Untergeschoss eine Tiefgarage mit elf Abstellplätzen und ei-
nem Abstellraum vorgesehen. Die Ausfahrt aus der Tiefgarage war
gegen Süden gerichtet. Im Erdgeschoss war nebst grossflächigem La-
gerraum ein Ausstellungsraum sowie eine Nasszelle und ein Technik-
raum vorgesehen. Das Obergeschoss wies eine Gewerbenutzung auf.
Das Dachgeschoss war mit Büroräumlichkeiten belegt, die als Archi-
tekturbüro genutzt werden sollten. Im Weiteren sah das Projekt für den
grundstücksinternen Verkehr nach der Ausfahrt aus der Tiefgarage ein
Einbahnregime, mit Einfahrt bei der heute bestehenden, an der nord-
westlichen Grundstücksgrenze befindlichen Stelle, vor. Die neue Aus-
fahrt in die Kantonsstrasse war an der nordöstlichen Grundstücks-
grenze vorgesehen. Zusätzlich war neben der Erstellung zweier zu-
sätzlicher oberirdischer Besucherparkplätze im westlichen Bereich
des Neubaus die Umgestaltung der vorhandenen Parkplätze entlang
des bestehenden Gewerbegebäudes in Schrägparkplätze projektiert.
b) Innert der Auflagefrist vom 9. bis 22. Dezember 2017 erhoben
die STWEG A._, als solche sowie die jeweiligen Stockwerkeigentü-
mer einzeln für sich selbst und F._, alle vertreten durch lic.iur. Benno
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 4/2020), Seite 3/17
Lindegger, Rechtsanwalt, St.Gallen, Einsprache gegen das Bauvorha-
ben. Sie rügten, dass die Erschliessung des Baugrundstücks aufgrund
der nicht normgerechten Parkplatzsituation und der mangelnden Ver-
kehrssicherheit nicht hinreichend sei.
c) Am 27. März 2018 reichte die Bauherrschaft einen Korrektur-
plan für die Erschliessung des Baugrundstücks ein. Gegenüber dem
ursprünglichen Plan wurde die Zu- und Ausfahrt auf der nordwestli-
chen Seite des Grundstücks zusammengefasst. Die ursprünglich pro-
jektierten sechs Schrägparkfelder sowie das Einbahnregime zur Ab-
wicklung des grundstücksinternen Verkehrs blieben – wie im Bauge-
such vom 4. Dezember 2017 vorgesehen – bestehen. Mit Schreiben
vom 24. Mai 2018 wurden sowohl der Korrekturplan als auch das da-
mit zusammenhängende Gesuch um Erlass von Sichtzonen auf den
Grundstücken Nrn. 001 und 002 zurückgezogen, nachdem das kanto-
nale Strasseninspektorat einer separaten Ausfahrt zugestimmt hatte.
d) Mit Beschluss vom 22. Juni 2018 erteilte der Gemeinderat Z._
die Baubewilligung unter Bedingungen und Auflagen und wies die Ein-
sprache der STWEG A._ sowie von F._, B._, C._ und D._

ab, soweit er darauf eintrat. In den Erwägungen wurde namentlich aus-
geführt, dass der Parkplatznachweis erbracht sei und die Parkplätze
den geltenden Normen des Schweizerischen Verbandes der Strassen-
und Verkehrsfachleute (VSS) entsprächen. Die bestehende Grund-
stückszufahrt an der nordwestlichen Grundstücksgrenze sowie die
neu zu erstellende Grundstücksausfahrt an der nordöstlichen Grund-
stücksgrenze in die I._strasse sei vom kantonalen Tiefbauamt mit
Verfügung vom 24. Mai 2018 bewilligt worden. Aufgrund der Zustän-
digkeit beim kantonalen Tiefbauamt und dessen Bewilligung erübrige
sich eine weitergehende Prüfung durch den Gemeinderat.
C.
Gegen diesen Beschluss erhoben die STWEG A._ sowie deren
Stockwerkeigentümer einzeln für sich selbst und F._, durch ihren
Rechtsvertreter, mit Schreiben vom 9. Juli 2018 Rekurs beim Baude-
partement. Mit Rekursergänzung vom 14. August 2018 wird beantragt,
der Einspracheentscheid und die Baubewilligung (Abschnitt III "Ent-
scheid") sowie sämtliche weiteren koordinierten Verfügungen aus dem
Einspracheentscheid seien vollumfänglich aufzuheben und die Baube-
willigung für das Baugesuch sei unter Gutheissung der Einsprache un-
ter Kostenfolge zulasten der Rekursgegnerin zu verweigern. Zur Be-
gründung wird geltend gemacht, dass das Bauvorhaben in seiner in-
ternen und externen Erschliessung nicht über die erforderliche Bau-
reife verfüge. Ferner seien die Parkplätze in ihrer Anzahl sowie baulich
nicht normgemäss. Das Bauvorhaben sei in der jetzigen Ausgestal-
tung nicht bewilligungsfähig.
D.
a) Mit Vernehmlassung vom 24. September 2018 beantragt die
Rekursgegnerin, vertreten durch Dr.iur. Bettina Deillon, Rechtsanwäl-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 4/2020), Seite 4/17
tin, St.Gallen, den Rekurs unter Kostenfolge abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten sei. Zur Begründung wird geltend gemacht, dass sich
die Rekurrenten nicht mit dem angefochtenen Entscheid auseinander-
gesetzt hätten, weshalb auf den Rekurs nicht einzutreten sei. Sollte
dennoch darauf eingetreten werden, geniesse die Zufahrt der beiden
Grundstücke Nrn. 005 und 006 in die I._strasse Bestandesgarantie
und werde durch das vorliegende Baugesuch weder quantitativ noch
qualitativ verändert. Die Neuanordnung der bereits bestehenden
(Senkrecht-)Parkplätze führe zu einer weiteren Reduktion des Gegen-
verkehrs. Für aus den Grundstücken Nrn. 005 und 006 ausfahrende
Lastwagen in Richtung I._strasse werde es bei wegfahrenden Per-
sonenwagen zu keinen aufwändigen Manövrierbewegungen kommen,
weil die Strasse auf der gesamten Länge gerade und übersichtlich sei.
Die strassenmässige Erschliessung könne mit dem gewählten Ver-
kehrsregime, das für den allein aus dem Bauvorhaben (westlich ange-
ordnete Besucherparkplätze sowie Parkplätze in der Tiefgarage) sich
ergebenden zusätzlichen Verkehr ein Einbahnregime vorsehe und
demnach – soweit beeinflussbar – Gegenverkehr vermeide, optimal
sichergestellt werden. Die erforderliche Anzahl Parkplätze werde mit
den geplanten 13 Abstellflächen mehr als erfüllt. Baulich entsprächen
diese der massgebenden VSS-Norm.
b) Mit Vernehmlassung vom 26. September 2018 beantragt die
Vorinstanz den Rekurs unter Kostenfolge abzuweisen. Zur Begrün-
dung wird geltend gemacht, dass das projektierte Bauvorhaben nicht
zu zusätzlichen Manövern durch grosse und schwere Fahrzeuge
führe. Die Platzverhältnisse im Bereich des Fuss- und Fahrwegrechts
würden durch das Bauvorhaben nicht beeinträchtigt. Es würden
dadurch auch keine erhöhten Lärm- und Luftimmissionen verursacht.
Mit der Schaffung einer separaten Ausfahrt im Osten des Baugrund-
stücks werde eine sichere Zu- und Ausfahrt in die I._strasse ge-
schaffen.
c) Mit Amtsbericht vom 14. November 2018 führt das kantonale
Tiefbauamt (TBA) aus, dass die Grundstücke Nrn. 005 und 006 in das
Einbahnregime auf Grundstück Nr. 001 einzubinden seien, wozu eine
Anpassung der entsprechenden Dienstbarkeit notwendig sei. Weiter
sei die Ausfahrt in die I._strasse in der nordwestlichen Ecke von
Grundstück Nr. 001 baulich und/oder mit geeigneter Signalisation zu
verhindern. Zur Wahrung der strassenhierarchischen Erschliessung
und zur Verhinderung von zusätzlichen Fahrten der rückwärtigen
Grundstücke (u.a. Nrn. 007, 008, 009) über die Ein- und Ausfahrten
des Grundstücks Nr. 001 auf die I._strasse sei die Durchfahrt zwi-
schen den Grundstücken Nrn. 005/006 und 007 baulich zu trennen.
Für die Fahrzeugvermietung sei ein angemessener Anteil an Parkplät-
zen der Komfortstufe C zur Verfügung zu stellen. Es werde empfohlen,
bei Parkplätzen gegenüber seitlichen Wänden und Stützen einen zu-
sätzlichen Abstand von 0,3 m zu berücksichtigen. Alle Sichtzonen
seien grundsätzlich ab einer Höhe von 0,6 m sicherzustellen und auch
auf den Nachbargrundstücken rechtlich zu sichern.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 4/2020), Seite 5/17
d) Mit Schreiben vom 4. Dezember 2018 nimmt die
Rekursgegnerin zum Amtsbericht des TBA Stellung. Der Amtsbericht
sei bezüglich Fahrzeugvermietung unzutreffend. Es sei keine breite
Fahrzeugpalette vorhanden und pro Woche würden lediglich zwei
Vermietungen von kleineren Fahrzeugen abgewickelt. Im Übrigen
gälte auch bei einer allfällig nicht genügenden Komfortstufe für die
bestehende Nutzung die Bestandesgarantie. Im Weiteren sei die
Feststellung unzutreffend, dass auf Grundstück Nr. 001 insgesamt
19 Parkplätze realisiert würden. Im Rahmen des Bauvorhabens
würden neu 13 Parkplätze erstellt; die übrigen sechs Parkplätze seien
vorbestehend und würden lediglich neu angeordnet. Schliesslich
bestehe für die Forderung, der bestehende Dienstbarkeitsvertrag sei
dahingehend anzupassen, dass die begünstigten Grundstücke
Nrn. 005 und 006 ebenfalls in das Einbahnregime einzubinden seien,
keine gesetzliche Grundlage.
e) Mit Stellungnahme zum Amtsbericht vom 10. Dezember 2018
führt die Vorinstanz aus, dass die Dienstbarkeit seit November 2006
bestehe. Sie sei während der Einspracheverhandlung mit Teilnahme
des kantonalen Strassenkreisinspektorats Gegenstand der Diskussion
gewesen, welche zum vorliegenden Baugesuch, inkl. Fortbestand der
heutigen Dienstbarkeit, geführt habe.
f) Mit Stellungnahme zum Amtsbericht vom 15. Januar 2019
führen die Rekurrenten aus, dass sich darin ihre Vorbehalte
bestätigten, insbesondere verlange die Realisation des Bauvorhabens
Eingriffe in die Rechte der Eigentümer der Nachbargrundstücke.
g) Mit Schreiben vom 18. Januar 2019 macht die Rekursgegnerin
geltend, dass die Stellungnahme der Rekurrenten verspätet und daher
aus dem Recht zu weisen sei.
E.
a) Das Baudepartement führte am 3. April 2019 in Anwesenheit der
Verfahrensbeteiligten sowie drei Vertretern des TBA einen Augen-
schein durch. Dabei wurde u.a. festgestellt, dass vom Grundstück
Nr. 001 eine rund 15 m lange "Rampe" mit einem Gefälle von 10 Pro-
zent zum Grundstück Nr. 005 führt, die zwischen der Grenze zu
Grundstück Nr. 003 und einer Stützmauer verläuft. Diese "Verbin-
dungsstrasse" führt durchgängig weiter über das Werkareal der
H._AG zu den Grundstücken Nrn. 007 und 008. Die durch Dienst-
barkeitsvertrag begünstigten Grundstücke Nrn. 005 und 006 sind vom
übrigen Betriebsgelände nicht abgetrennt.
b) Mit Eingabe vom 14. Mai 2019 lässt sich die Rekursgegnerin
zum Augenscheinprotokoll vernehmen. Im Wesentlichen wird geltend
gemacht, dass es sich bei der aktuellen Nutzung durch eine Carrosse-
riespenglerei um eine Momentaufnahme handle; die Nutzung des be-
stehenden Gewerbegebäudes könne daher auch kurzfristig ändern.
Für die Beurteilung der Schrägparkplätze seien einzig die eingereich-
ten Baugesuchspläne massgebend und nicht die am Augenschein vor
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 4/2020), Seite 6/17
Ort zu den nicht markierten Schrägparkplätzen gemachten Feststel-
lungen. Die vorgesehenen 13 Parkplätze reichten auch bei einer voll-
flächigen gewerblichen Nutzung im Obergeschoss des Neubauvorha-
bens aus. Zur Sicherstellung der Benützbarkeit des näher gelegenen
Senkrechtparkfelds für Besucher erklärt sich die Rekursgegnerin be-
reit, auf die Anordnung des südlich des westlichen Gewerbeeingangs
vorgesehenen Schrägparkplatzes zu verzichten und eine entspre-
chende Auflage in der Baubewilligung zu akzeptieren.
c) Mit Stellungnahme zum Augenscheinprotokoll vom 22. Mai
2019 führen die Rekurrenten ergänzend aus, dass die Versetzung des
Verteilerkastens Sache der Gemeinde sei.
d) Die Vorinstanz gibt am 27. Mai 2019 telefonisch zu Protokoll,
dass es sich bei der bestehenden Gewerbebaute an der I._strasse
um eine eingeschossige Baute handle.
e) Mit Eingabe vom 27. Mai 2019 lässt sich das TBA zum
Augenscheinprotokoll vernehmen. Darin wird ausgeführt, dass sich die
im Amtsbericht getätigten Aussagen bezüglich Befahrbarkeit und
Schleppkurven ausschliesslich auf Personenwagen bezögen.
Lieferwagen seien nicht berücksichtigt worden und müssten nochmals
überprüft werden. Eine erste Vermessung vor Ort zeige, dass die
gemäss Dienstbarkeit zugunsten der Grundstücke Nrn. 005 und 006
geforderten Durchfahrtsbreiten mit schräg parkierenden Autos bei der
angedachten Anzahl an Parkfeldern nicht möglich seien. Ausserdem
sei der nördlichste Abstellplatz bezüglich der Geometrie nicht
normenkonform und könne daher als Parkplatz nicht berücksichtigt
werden. Der Senkrechtparkplatz im Süden, welcher direkt neben dem
Gebäude liege, könne nicht befahren werden, wenn auf dem
südlichsten Schrägparkplatz ein Fahrzeug stehe, da ausschliesslich
rückwärts herausgefahren werden könne. Im Weiteren liege ein
Schrägparkplatz direkt vor der neu westlich angeordneten Einfahrt der
Carrosseriespenglerei, womit entweder der Parkplatz oder die Einfahrt
nicht benutzbar wäre. Davon abgesehen sei die Befahrbarkeit in das
Gebäude aufgrund der nahe gelegenen Schrägparkplätze und
aufgrund des Winkels nachzuweisen. Schliesslich stehe die
bestehende Dienstbarkeit dem geplanten Einbahnregime entgegen,
da die Fahrten gemäss Dienstbarkeit lediglich auf dem heute
vorhandenen Korridor und damit der aktuell gültigen Bewilligung
erfolgen könne. Eine Änderung des Verkehrsregimes bedinge auch
eine Anpassung der Dienstbarkeit und der bewilligten Zu- und
Wegfahrt. Die bestehende strassenpolizeiliche Bewilligung vom
24. Mai 2018 wäre mit der neuen Situation ebenfalls aufgehoben.
Gegebenenfalls wäre es zielführender, die Dienstbarkeit aufzuheben,
da die Erschliessung der Grundstücke Nrn. 005 und 006 deutlich
besser über die rückwärtige Erschliessung des Grundstücks Nr. 008
über die Werkstrasse funktionieren würde. Das Beibehalten des
heutigen Verkehrsregimes sei mit den neuen Parkfeldern und mit der
neuen Überbauung nicht möglich. Das Einbahnregime sei auch
markierungs- und signalisationstechnisch bei allen
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 4/2020), Seite 7/17
Zufahrtsmöglichkeiten zu sichern. Hierbei gelte es jedoch zu
bedenken, dass die Befahrbarkeit mit einem LKW aufgrund der
Schleppkurven nicht möglich sei. Als Anhang zur Stellungnahme zum
Augenscheinprotokoll reichte das TBA eine Ergänzung zum
Amtsbericht ein.
f) Mit Schreiben vom 17. Juni 2019 verzichtet die Vorinstanz auf
eine Stellungnahme zu den Ergänzungen zum Amtsbericht des TBA
vom 23. Mai 2019.
g) Mit Eingabe vom 18. Juni 2019 reicht die Rekursgegnerin eine
Vernehmlassung zur Stellungnahme des TBA wie auch zur Ergänzung
zum Amtsbericht ein. Darin wird im Wesentlichen geltend gemacht,
dass für das Neubauvorhaben gemäss Nutzungskonzept keine Zu-
fahrten mit Lieferwagen vorgesehen seien. So sei auch die Tiefgarage
nur auf die Dimensionen von Personenwagen konzipiert. Es stehe im
Belieben des Bauherrn, in Kauf zu nehmen, dass rein grundstücksin-
ternes Manövrieren mit grösseren als gemäss Nutzungskonzept vor-
gesehenen Fahrzeugen nicht ohne Korrekturmanöver möglich sei. Ab-
gesehen davon gehe auch das TBA davon aus, dass eine Durchfahrt
selbst mit Lieferwagen grundsätzlich möglich sei.
h) Mit Eingabe vom 2. Juli 2019 machen die Rekurrenten geltend,
dass die Erschliessungs- und Parkierungssituation des
Baugrundstücks ungenügend und die Baubewilligung zu verweigern
sei. Lösungen verlangten insbesondere den Einbezug der
Grundstücke Nrn. 005 und 006; sei es für die Realisierung des
geplanten Einbahnverkehrs oder sei es für die baulichen
Anpassungen zur unzureichenden Rampenneigung von aktuell rund
14 Prozent.
F.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-
genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP).
Auf den Rekurs ist einzutreten.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 4/2020), Seite 8/17
2.
Am 1. Oktober 2017 ist das Planungs- und Baugesetz (sGS 731.1; ab-
gekürzt PBG) in Kraft getreten und das Baugesetz vom 6. Juni 1972
(nGS 8, 134; abgekürzt BauG) aufgehoben worden (Art. 172 Bst. a
PBG). Gemäss Art. 173 PBG werden indessen die bei Vollzugsbeginn
dieses Erlasses hängigen Baubewilligungsverfahren grundsätzlich
nach jenem Recht beurteilt, das im Zeitpunkt des erstinstanzlichen
Entscheids der Baubewilligungsbehörde Gültigkeit hat (Art. 173 PBG).
Der erstinstanzliche Einsprache- und Baubewilligungsentscheid
erging am 22. Juni 2018 und damit nach dem Inkrafttreten des PBG.
Auf das vorliegende Verfahren gelangt deshalb grundsätzlich das PBG
zur Anwendung, soweit dessen Bestimmungen nicht erst im kommu-
nalen Zonenplan und Baureglement umgesetzt werden müssen und
das bis 30. September 2017 gültige BauG vorerst anwendbar bleibt
(vgl. hierzu das Kreisschreiben "Übergangsrechtliche Bestimmungen
im Planungs- und Baugesetz" vom 8. März 2017 [nachfolgend Kreis-
schreiben Übergangsrecht], in: Baudepartement SG, Juristische Mit-
teilungen 2017/I/1).
3.
In formeller Hinsicht rügt die Rekursgegnerin mit Schreiben vom
18. Januar 2019, dass die Stellungnahme der Rekurrenten zum Amts-
bericht verspätet und daher aus dem Recht zu weisen sei.
Mit Schreiben vom 19. Dezember 2018 wurde den Rekurrenten die
Frist für die Einreichung einer Stellungnahme bis 7. Januar 2019 er-
streckt. Ihre Stellungnahme vom 15. Januar 2019 wurde zweifelsfrei
verspätet eingereicht. Die Rekursgegnerin geht davon aus, dass es
sich bei einer Vernehmlassungsfrist um eine Verwirkungsfrist handelt.
Bei der Verwirkung geht ein Recht unter, wenn der Berechtigte eine
Handlung, die er nach Gesetz binnen einer bestimmten Frist zu voll-
ziehen hat, unterlässt (IMBODEN/RHINOW, Schweizerische Verwal-
tungsrechtsprechung, Bd. I, Basel und Stuttgart 1976, Nr. 34 B VII,
S. 205). Bei einer Vernehmlassungsfrist handelt es sich aber nicht um
eine gesetzliche Verwirkungsfrist, sondern um eine Ordnungsfrist, de-
ren Nichteinhaltung praxisgemäss keine unmittelbare Folgen zeitigt
(anderer Meinung: T. ZUBER-HAGEN, in: Rivzi/Schindler/Cavelti
[Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Zürich/St.Gallen
2020, Art. 53 N 37). Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte
hält in seinem Urteil vom 28. Juni 2001 (publiziert in: VPB 65, Nr. 129
sowie ZBl 102/2001 S. 662 ff.) fest, dass die Garantie eines fairen Ver-
fahrens, wie sie in Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskon-
vention (SR 0.101; abgekürzt EMRK) statuiert wird, das Recht aller
Parteien beinhaltet, von allen eingereichten Stellungnahmen und Be-
weismitteln Kenntnis zu nehmen und sich dazu zu äussern. Dies gilt
unabhängig davon, ob die von der Gegenpartei oder der Vorinstanz
eingereichten Stellungnahmen nach weiteren Bemerkungen rufen
oder nicht. Wird diese Möglichkeit nicht gewährt, steht das Vertrauen
der Beteiligten in das Funktionieren der Justiz auf dem Spiel, welches
unter anderem auf der Gewissheit der Beteiligten beruht, sich zu sämt-
lichen Aktenstücken äussern zu können. Die Praxis des Gerichtshofes
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 4/2020), Seite 9/17
ist auch für das Verwaltungsverfahren von grosser Tragweite, so kann
eine weitere Stellungnahme oder Eingabe eines Beteiligten nicht mehr
aus dem Recht gewiesen werden (Baudepartement SG, Juristische
Mitteilungen 2002/II/17). Diese Auffassung stützt auch das Verwal-
tungsgericht, indem es ausführt, dass sich die Verpflichtung zur Be-
rücksichtigung von (echten oder unechten) Noven im verwaltungsge-
richtlichen Verfahren aus Art. 6 Ziff. 1 EMRK ergibt (VerwGE
B 2018/235 vom 21. November 2019 Erw. 1). Zudem hätte eine
Säumnisfolge nach Art. 17 Abs. 2 VRP zumindest angedroht werden
müssen, wenn eine verspätete Eingabe nicht hätte berücksichtigt wer-
den können (vgl. ZUBER-HAGEN, a.a.O., Art. 53 N 37), was vorliegend
nicht geschehen ist. Die verspätete Stellungnahme der Rekurrenten
war daher entgegenzunehmen.
4.
Die Rekurrenten machen eine Verletzung des Anspruchs auf rechtli-
ches Gehör geltend, weil das ursprüngliche Brandschutzkonzept aus
den Akten entfernt worden sei.
4.1 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs dient einerseits der
Sachaufklärung und stellt andererseits ein persönlichkeitsbezogenes
Mitwirkungsrecht der Verfahrensbeteiligten dar. Sein Umfang richtet
sich in erster Linie nach den kantonalen Verfahrensvorschriften und
subsidiär nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101; abge-
kürzt BV). Zu den wesentlichen Inhalten gehören der Anspruch auf
vorgängige Anhörung, die Mitwirkungsrechte bei der Beweiserhebung,
das Recht auf Akteneinsicht sowie auf eine Begründung
(HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl.,
Zürich 2016, Rz. 1001 ff.) Nach Art. 15 Abs. 2 VRP sind erheblich be-
lastende Verfügungen nur zulässig, wenn die Betroffenen den wesent-
lichen Sachverhalt kennen und Gelegenheit zur Stellungnahme hat-
ten. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur, seine Ver-
letzung führt in der Regel zu einer Aufhebung des angefochtenen Ent-
scheids. Eine Heilung des Mangels im Rechtsmittelverfahren ist aus-
nahmsweise möglich, wenn die Rechtsmittelinstanz über die gleiche
Kognition wie die Vorinstanz verfügt, sie diese auch tatsächlich ausübt
und damit dem Betroffenen die Möglichkeit geboten wird, das Ver-
säumte nachzuholen; sie soll jedoch die Ausnahme bleiben
(CAVELTI/VÖGELI, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.Gallen,
St.Gallen 2003, N 990).
4.2 Nach Art. 21 Abs. 3 der Verordnung zum Planungs- und Bauge-
setz (sGS 731.11) werden unvollständige Gesuche zur Ergänzung
oder Verbesserung zurückgewiesen. Es entspricht aber auch gängiger
Praxis, dass die Bauherrschaft selbst mangelhafte oder fehlende Un-
terlagen durch korrigierte Unterlagen ersetzt bzw. ergänzt. Das Kor-
rekturbaugesuch ersetzt bzw. ergänzt das ursprüngliche Baugesuch
in den geänderten Punkten (vgl. Baudepartement SG, Juristische Mit-
teilungen 2016/I/6).
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 4/2020), Seite 10/17
4.3 Das ursprüngliche Brandschutzkonzept vom 4. Dezember 2017
war offenbar wegen (redaktionellen) Ungenauigkeiten mit demjenigen
vom 10. Januar 2018 ersetzt worden. Grundlage für die Beurteilung
des Baugesuchs bildete fortan das korrigierte Brandschutzkonzept.
Dieses korrigierte Brandschutzkonzept wurde den Rekurrenten unbe-
strittenermassen zur Kenntnis gebracht. Eine Verletzung des rechtli-
chen Gehörs liegt demnach nicht vor.
4.4 Ebenfalls liegt keine Verletzung des rechtlichen Gehörs betref-
fend Korrekturgesuch vom 27. März 2018 vor. Dieses Korrekturge-
such wurde zurückgezogen und bildet daher nicht Bestandteil dieses
streitigen Bauvorhabens.
5.
Die Rekurrenten rügen eine mangelnde Baureife und machen insbe-
sondere geltend, dass das vorhandene Gegenverkehrsregime zu
Rückstaus auf die viel befahrene I._strasse führe und auf dem Bau-
grundstück selber aufwändige Fahrmanöver mit nachhaltigen Lärm-
und Luftimmissionen für die Rekurrenten verursache.
5.1 Nach Art. 22 Abs. 2 Bst. b des Bundesgesetzes über die Raum-
planung (SR 700; abgekürzt RPG) dürfen Baubewilligungen nur erteilt
werden, wenn das Land im Sinn von Art. 19 Abs. 1 RPG erschlossen
ist. Der Begriff der hinreichenden Erschliessung ist insoweit ein bun-
desrechtlicher. Indessen enthält das Bundesrecht nur allgemeine
Grundsätze, während sich die Anforderungen an die Erschliessung im
Detail aus dem kantonalen Recht ergeben (B. HEER, St.Gallisches
Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 508). Die Festlegung des
Ausmasses der Erschliessungsanlagen und die Umschreibung der ge-
nügenden Zugänglichkeit ist Sache des kantonalen Rechts. Den kan-
tonalen und kommunalen Behörden steht dabei ein erhebliches Er-
messen zu.
5.2 Land ist baureif, wenn eine hinreichende Erschliessung besteht
(Art. 66 Bst. a PBG), und strassenmässig erschlossen, wenn eine hin-
reichende Zu- und Wegfahrt besteht (Art. 67 Bst. a PBG). Diese Best-
immungen des PBG sind unmittelbar anwendbar und bedürfen keiner
Umsetzung im kommunalen Recht (vgl. Anhang zum Kreisschreiben
Übergangsrecht Bst. B.I). Art. 67 Bst. a PBG entspricht jedoch inhalt-
lich Art. 49 Abs. 2 Bst. a BauG. Damit kann für die Frage der hinrei-
chenden strassenmässigen Erschliessung auf die Rechtsprechung
zum BauG abgestellt werden.
5.3 Im Hinblick auf den planerischen Zweck ist eine Zufahrt nur dann
als genügend zu betrachten, wenn sie auf die Baumöglichkeiten der
geltenden Zonenordnung abgestimmt ist. In Betracht zu ziehen sind
die örtlichen Gegebenheiten sowie die Anlage und Zweckbestimmung
der Gebäude, denen die Zufahrt zu dienen hat. Zur hinreichenden Zu-
fahrt nach Art. 19 RPG gehört auch das Verbindungsstück von der öf-
fentlich zugänglichen Strasse zum Baugrundstück (vgl. HEER, a.a.O.,
Rz. 513 f. mit Hinweisen; BGE 121 I 65 Erw. 3a). Weiter dürfen der
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 4/2020), Seite 11/17
Bestand der Strassen und die Sicherheit ihrer Benützer nicht beein-
trächtigt werden (Art. 100 Abs. 1 des Strassengesetzes, sGS 732.1;
abgekürzt StrG). Das Erfordernis der ausreichenden Erschliessung
soll vor allem polizeiwidrige Zustände verhindern und sicherstellen,
dass keine Bauten entstehen, die wegen fehlender Zufahrten sowie
Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen feuer- und gesundheits-
polizeiliche Gefahren bieten oder sonstige öffentliche Interessen ge-
fährden (WALDMANN/HÄNNI, Kommentar zum Raumplanungsgesetz,
Bern 2006, N 12 zu Art. 19; HEER, a.a.O., Rz. 513; VerwGE
B 2012/216 vom 22. Mai 2013 Erw. 3.1). Stets ist das gesamte Gebiet,
welches von einer Strasse erschlossen wird, zu berücksichtigen. Es ist
nicht zulässig, diejenigen Bauherren, welche in einem Baugebiet zu-
erst bauen und für ihr Bauvorhaben als solches über eine hinreichende
Zu- und Wegfahrt zu ihrem Grundstück verfügen, zum Bau zuzulas-
sen, während von einem gewissen Verkehrsaufkommen an die Zu-
und Wegfahrt als ungenügend qualifiziert wird (VerwGE B 2014/18
vom 24. März 2015 Erw. 3.1 mit Hinweisen).
5.4 Die Grundlage zur technischen Beurteilung der geplanten Er-
schliessung des Grundstücks Nr. 001 bilden die VSS-Normen. Es han-
delt sich dabei nicht um Rechtssätze, sondern um Verwaltungsanwei-
sungen, die ein anerkanntes Hilfsmittel bei der Frage bilden, ob eine
Anlage den Anforderungen der Verkehrssicherheit genügt. Gemäss
der VSS-Norm SN 40 050 "Grundstückszufahrten" wird als Grund-
stückszufahrt eine für die Benützung mit Strassenfahrzeugen be-
stimmte Verbindung (private Ein- und Ausfahrt) zwischen einer öffent-
lichen, vortrittsberechtigten Strasse und einem anliegenden Grund-
stück mit kleinem Verkehrsaufkommen verstanden. Für die Zulässig-
keit der Anordnung von Grundstückszufahrten gilt die Normgruppe
"Strassentypen".
5.5 Die I._strasse ist eine Kantonsstrasse, liegt innerhalb des
Siedlungsgebiets und ist mit Generell-50 km/h signalisiert. Sie verbin-
det X._ mit Y._ und dient unter anderem als Verbindung zwischen
den Autobahnen A 012 und A 013. Sie hat die Bedeutung einer Haupt-
verkehrsstrasse. Die Grundstückszufahrt ist nur über den Anschluss
an die I._strasse möglich. Das entsprechende Gesuch um Erstel-
lung einer zweiten Ausfahrt zugunsten des Grundstücks Nr. 001 im
Osten des Gebäudes wurde strassenpolizeilich bewilligt (vgl. Amtsbe-
richt TBA, S. 2). Das Baugesuch sieht neu 11 Parkplätze für Beschäf-
tigte in der Tiefgarage und zwei Aussenparkplätze für Besucher sowie
eine Neuanordnung der bestehenden sechs Parkfelder für die beste-
hende Gewerbebaute vor. Für das Grundstück sind daher – unter Ab-
zug der beiden nicht anrechenbaren Parkplätze – 17 Parkfelder vor-
gesehen. Ab einer Anzahl von etwa drei bis 40 Parkfeldern auf einem
Grundstück mit Verbindung zur Hauptverkehrsstrasse wird Typ C an-
gewendet (VSS-Norm 40 050, S. 5).
Die Anforderungen der Norm bezüglich Aus- und Einfahren (nur vor-
wärts) sowie Breite und Einlenkerradius für den Typ C würden im Fall
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 4/2020), Seite 12/17
eines Einbahnregimes eingehalten. Durch die bestehende Dienstbar-
keit, welche das uneingeschränkte Betreten und Befahren eines 4,5 m
breiten Streifens entlang der Westgrenze zugunsten der Grundstücke
Nrn. 005 und 006 vorsieht, ergibt sich jedoch nach wie vor eine Ge-
genverkehrssituation, die gemäss VSS-Norm 40 050 eine Breite der
Grundstückszufahrt beim Befahren von 5,5 m vorsieht. Die Breite der
bestehenden Aus- und Einfahrt ist mit 3,5 m für ein Einbahnregime
konzipiert. Das Erschliessungskonzept vom 1. Mai 2018 bezeichnete
diese Einmündung lediglich als Zufahrt, was in Anbetracht der Dienst-
barkeit irreführend ist. Diesfalls hätte die Breite genügt, jedoch nicht
für ein Gegenverkehrsregime. Die Breite der bestehenden Ein- und
Ausfahrt von 3,5 m ist daher nicht hinreichend. Wie das TBA in seinem
Amtsbericht vom 14. November 2018 deshalb zu Recht festhält, wären
die Grundstücke Nrn. 005 und 006 somit in das Einbahnregime auf
Grundstück Nr. 001 einzubinden, damit die Masse für ein Einbahnre-
gime und nicht für eine Gegenverkehrssituation der technischen Beur-
teilung zugrunde gelegt werden könnten. Ob ein Fahrer für Fahrmanö-
ver auf privatem Grund mehrmals ansetzen muss, ist ohne Belang. Es
muss aber sichergestellt sein, dass ein Personenwagen und ein LKW
an der Mündung kreuzen können, damit keine wartenden Fahrzeuge
oder ausschwenkenden Hecks von Lastwagen den Verkehr auf der
Kantonsstrasse behindern oder sogar gefährden. Für ein ungehinder-
tes Kreuzen im Bereich des Einlenkers in die Kantonsstrasse ist zu-
sätzlich ein Radius von mindestens 6 m notwendig. Ein entsprechen-
der Schleppkurvennachweis fehlt. Beide Voraussetzungen – Breite
und Einlenkerradius – sind vorliegend somit nicht gegeben.
5.6 Die Zufahrt zum Baugrundstück und weiter zu den geplanten
Besucherparkplätzen sowie zur geplanten Tiefgarage erfolgt von der
I._strasse der westlichen Grundstücksgrenze entlang, bevor die in-
terne Erschliessungsstrasse nach Osten um die geplante Erweite-
rungsbaute abbiegt und entlang der östlichen Grundstücksgrenze über
eine neue Ausfahrt wieder in die I._strasse zurückführt. Auf dem
Teilstück entlang der westlichen Grundstücksgrenze auf einer Breite
von 4,5 m wurde am 6. November 2006 zugunsten der jeweiligen Ei-
gentümern der Grundstücke Nrn. 005 und 006 ein Fuss- und Fahrweg-
recht begründet. Wie der Augenschein gezeigt hat, führt diese interne
Verkehrserschliessung durchgängig weiter über das Werkareal der
H._AG zu den Grundstücken Nrn. 007 und 008. Die von der Dienst-
barkeit begünstigten Grundstücke Nrn. 005 und 006 sind baulich vom
übrigen Betriebsgelände nicht abgetrennt.
5.7 Rechtlich dient die bestehende private Zufahrtsstrasse zum
Baugrundstück der Erschliessung desselben sowie der dienstbarkeits-
berechtigten Grundstücke Nrn. 005 und 006. Faktisch kann die Zu-
fahrtsstrasse aber auch für die südlich angrenzenden Grundstücke
Nrn. 007 und 008 mit einem Industriebetrieb genutzt werden, welcher
M._elemente herstellt und diese auf dem Grundstück für den Ab-
transport lagert. Dass für deren Transport Lastwagen benutzt werden
müssen, ist offensichtlich. Wie Google Street View zeigt, stehen er-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 4/2020), Seite 13/17
wartungsgemäss auf dem Werkgelände der H._AG mehrere grös-
sere Lastwagen, und es ist nicht auszuschliessen, dass diese statt
über die Werkstrasse über das dienstbarkeitsberechtigte Grundstück
Nr. 005 sowie über das dienstbarkeitsbelastete Grundstück Nr. 001
fahren, wie dies auch die Rekurrenten – allerdings bestritten durch die
Rekursgegnerin – geltend machen. Es ist daher angemessen, in einer
Gewerbe-Industriezone wegen der Durchgängigkeit zu einer Bau-
firma, die Lastwagenverkehr generiert, von einem Begegnungsfall von
PW/LKW auszugehen.
Gemäss VSS-Norm 40 201 (Ausgabe 2019-3) ist bei stark reduzierter
Geschwindigkeit (20 km/h) beim Grundbegegnungsfall PW/LKW eine
Strassenbreite von mindestens 5,30 m (ohne Bewegungsspielraum
und Gegenverkehrszuschlag) erforderlich. Die westseitig der Gewer-
bebaute angeordneten projektierten Schrägparkplätze des Typs A las-
sen hingegen nur gerade eine Fahrbahnbreite von knapp 4,80 m – ge-
mäss Baugesuchsplänen bestenfalls eine Breite von 4,85 m – zu und
verunmöglichen damit ein Kreuzen von Personenwagen mit Lastwa-
gen auf der gesamten Länge des Baugrundstücks.
5.8 Als Zwischenfazit ergibt sich, dass sowohl die bestehende Ein-
fahrt in die Kantonsstrasse als auch die Breite der grundstücksinternen
Fahrbahn entlang der westlichen Grundstücksgrenze nicht den VSS-
Normen entsprechen.
6.
Aus Gründen der Verkehrssicherheit müssen ebenfalls die Sichtzonen
eingehalten werden, welche die notwendige freie Sicht gewährleisten,
die für eine möglichst gefahrlose Abwicklung des Strassenverkehrs er-
forderlich ist. Im Bereich von Einmündungen in Strassen soll so dafür
gesorgt werden, dass die Verkehrsteilnehmer herannahende Fahr-
zeuge rechtzeitig wahrnehmen können (Baudepartement SG, Juristi-
sche Mitteilungen 2017/IV/4). Die Sichtzone auf der I._strasse ist
auf dem östlich angrenzenden Grundstück Nr. 007 mit dem vorliegen-
den Erschliessungskonzept vom 1. Mai 2018 rechtlich gesichert. Eine
rechtliche Sicherstellung der Sichtzone über das (rekurrentische)
Grundstück Nr. 002 ist hingegen nicht gegeben. Fehlt es an einer
rechtlichen Sicherstellung der Sichtzonen, ist das Grundstück nicht
hinreichend erschlossen.
7.
Die Rekursgegnerin wirft dem Tiefbauamt mit Schreiben vom 18. Juni
2019 widersprüchliches Verhalten vor, wenn das Strasseninspektorat
im Rahmen des Rekursverfahrens die erteilte strassenpolizeiliche
Bewilligung vom 24. Mai 2018 nicht mehr gelten lassen wolle.
7.1 An der Einspracheverhandlung vom 22. Februar 2018 hielt das
Strassenkreisinspektorat St.Gallen fest, dass eine Verlegung der Ein-
und Ausfahrt auf jeden Fall eine Verbesserung sei; die Situation könne
aber nicht abschliessend beurteilt werden. Dabei ging es um den
Vorschlag, dass auf die geplante östliche Ausfahrt in die
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Kantonsstrasse verzichtet und stattdessen die bereits heute
bestehende westliche Ein- und Ausfahrt für die Erschliessung
verwendet wird. Dies wird denn auch im Schreiben der
Rechtsvertreterin der Rekursgegnerin vom 27. März 2018
entsprechend festgehalten. Gegenüber dem ursprünglichen (und
nunmehr wieder aktuellen) Plan werde die Zu- und Ausfahrt von der
bzw. auf die I._strasse an der nordwestlichen Ecke des
Baugrundstücks Nr. 001 zusammengefasst und auf die in der
nordöstlichen Ecke von Grundstück Nr. 001 vorgesehene Ausfahrt auf
die I._strasse verzichtet. Damit werde den im Rahmen der
Einspracheverhandlung vom Vertreter des kantonalen Tiefbauamts
formulierten Anforderungen Genüge getan. Daraus wird ersichtlich,
dass das Tiefbauamt bereits zu jenem Zeitpunkt ein Verkehrsregime
mit zwei Ausfahrten von Grundstück Nr. 001 in die Kantonsstrasse
nicht guthiess. Ebenfalls zeigt der der strassenpolizeilichen
Bewilligung des Strasseninspektorats für die Ein- und Ausfahrt vom
24. Mai 2018 zugrunde liegende Erschliessungsplan vom 1. Mai 2018,
dass nur die östliche Ausfahrt als solche bezeichnet wurde und
entsprechend nur dort die im Plan schraffierten Flächen auf den
Grundstücken Nrn. 001 und 007 als Sichtzone eingetragen wurden.
Die westliche Einmündung in die Kantonsstrasse wird auf dem Plan
nur als Zufahrt bezeichnet. Dem Tiefbauamt kann daher kein
widersprüchliches Verhalten zur Last gelegt werden.
7.2 Die Änderung und der Bau von Zufahrten dürfen weder die
Strasse beeinträchtigen noch den Verkehr gefährden (Art. 63 Abs. 2
StrG). Nach ständiger Praxis müssen Ausfahrten von
Privatgrundstücken in die Kantonsstrasse zusammengefasst werden.
Durch das Bauvorhaben wird eine Situation geschaffen, in welcher in
kürzester Entfernung drei Ausfahrten in die Kantonsstrasse
einmünden (Ein-/Ausfahrt im Nordwesten, Ausfahrt im Nordosten
sowie Ausfahrt auf Grundstück Nr. 007). Auf einer so stark
frequentierten Strasse wie die I._strasse ist diese dichte Anordnung
von Ausfahrten verkehrsgefährdend, wobei die Aufhebung der Maut-
Pflicht für den Autobahnabschnitt auf der A 013 zwischen Y._ und
W._ das Verkehrsaufkommen auf der I._strasse und den
Abfahrtsknoten Y._-Z._ erwartungsgemäss noch erhöhen wird.
8.
Die Rekursgegnerin beruft sich auf die Bestandesgarantie, weil die
bestehende Zu- und Wegfahrt in der nordwestlichen Ecke von
Grundstück Nr. 001 in die Kantonsstrasse für die Erschliessung der
beiden dienstbarkeitsberechtigten Grundstücke Nrn. 005 und 006
durch das Baugesuch weder qualitativ noch quantitativ verändert
werde.
Wie bereits unter Erw. 5.1 ausgeführt, ist der Begriff der hinreichenden
Erschliessung grundsätzlich ein Begriff des Bundesrechts (Art. 19
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 2 Bst. b RPG), auch wenn sich
die rechtlichen Anforderungen an die Erschliessung oft erst aus dem
kantonalen Recht ergeben (Urteil des Bundesgerichtes 1C_237/2007
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 4/2020), Seite 15/17
vom 13. Februar 2008 Erw. 1.5 mit Hinweisen). Vom Erfordernis der
hinreichenden Erschliessung, das für die Errichtung und die Änderung
von Bauten und Anlagen gilt, kann daher nicht unter Berufung auf die
kantonalrechtliche Bestandesgarantie nach Art. 109 PBG abgewichen
werden. Anderseits gewährleistet die Bestandesgarantie in ihrer
allgemeinen, unmittelbar aus der verfassungsmässigen
Eigentumsgarantie (Art. 26 BV) abgeleiteten Form nur, dass
baurechtswidrige Bauten und Anlagen beibehalten und weiterhin
genutzt sowie unterhalten und zeitgemäss erneuert werden dürfen.
Dagegen sind Eingriffe in die Substanz, so insbesondere Umbauten,
Erweiterungen und Zweckänderungen, durch die verfassungsmässige
Bestandesgarantie nicht gedeckt (GVP 1990 Nr. 93 Erw. 3a mit
Hinweisen). Die Berufung auf die Bestandesgarantie greift damit ins
Leere.
9.
Aufgrund dieser Sachlage kann offenbleiben, ob die Vorinstanz von
einem falschen Parkplatzbedarf ausgegangen ist.
10.
Zusammenfassend ergibt sich, dass das Baugrundstück nicht hinrei-
chend erschlossen ist. Die angefochtene Baubewilligung und der Ein-
spracheentscheid der Vorinstanz vom 22. Juni 2018 sind deshalb auf-
zuheben. Der Rekurs erweist sich als begründet und ist im Sinn der
Erwägungen gutzuheissen.
11.
11.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'500.– (Nr. 10.01 des Ge-
bührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung, sGS 821.5).
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die amtlichen Kos-
ten der Rekursgegnerin zu überbinden.
11.2 Der vom Rechtsvertreter der Rekurrenten am 24. Juli 2018 ge-
leistete Kostenvorschuss von Fr. 1'000.– wird zurückerstattet.
12.
Rekurrenten, Rekursgegnerin und Vorinstanz stellen ein Begehren um
Ersatz der ausseramtlichen Kosten.
12.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Ent-
schädigung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Un-
terliegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizeri-
schen Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
12.2 Die Rekurrenten obsiegen mit ihren Anträgen. Da das Verfahren
zudem in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten bot,
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 4/2020), Seite 16/17
die den Beizug eines Rechtsvertreters rechtfertigen, besteht grund-
sätzlich Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art. 98bis
VRP). Weil keine Kostennote vorliegt, ist die ausseramtliche Entschä-
digung in Anwendung von Art. 6 in Verbindung mit Art. 22 der Hono-
rarordnung (sGS 963.75; abgekürzt HonO) ermessensweise auf
Fr. 3'250.– (zuzüglich Mehrwertsteuer, weil der Rekurs noch vor der
Änderung von Art. 29 HonO eingereicht wurde) festzulegen; sie ist von
der Rekursgegnerin zu bezahlen.
12.3 Da die Rekursgegnerin mit ihren Anträgen unterliegt, hat sie von
vornherein keinen Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung.
Ihr Begehren ist deshalb abzuweisen.
12.4 Die Vorinstanz hat grundsätzlich keinen Anspruch auf Ersatz der
ausseramtlichen Kosten (R. HIRT, Die Regelung der Kosten nach
st.gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St.Gallen 2004,
S. 176). Sie bringt keine Gründe vor, die ein Abweichen von dieser
Regel rechtfertigen. Ihr Begehren ist daher abzuweisen.