Decision ID: c39a12f9-0740-52ce-9cd1-18f80a8a3c0d
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 2. Dezember 2020 zusammen mit
ihrer Tochter (N [...]) in der Schweiz um Asyl nach.
A.b Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentral-
einheit Eurodac) vom 7. Dezember 2020 ergab, dass die Beschwerdefüh-
rerin am 22. Juni 2016 in Deutschland um Asyl ersucht hatte, dies nachdem
sie mit einem Visum, ausgestellt durch die französische Botschaft in Co-
lombo, gemeinsam mit ihrer Tochter nach Europa gekommen war.
A.c Am 8. Dezember 2020 fand die Personalienaufnahme statt.
A.d Am 18. Dezember 2020 gewährte das SEM der Beschwerdeführerin
beziehungsweise der ihr zugewiesenen Rechtsvertretung das rechtliche
Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Deutschlands für die Durchfüh-
rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zum Nichteintretensent-
scheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) sowie zur Weg-
weisung nach Deutschland. In der Stellungnahme zum rechtlichen Gehör
vom 23. Dezember 2020 wies die Rechtsvertretung darauf hin, die Be-
schwerdeführerin leide an (...) und sei auf die Pflege ihrer Tochter ange-
wiesen. Da sie geistig nicht in der Lage sei, die ihr gestellten Fragen zu
beantworten, würde sich die Stellungnahme auf die Aussagen ihrer Tochter
stützen. Die Beschwerdeführerin habe in Deutschland zusehen müssen,
wie diese durch ihren Ex-Verlobten misshandelt worden sei, was ihren psy-
chischen Zustand verschlimmert habe. Es sei bei ihr bereits in Deutschland
eine (...) diagnostiziert worden. Diesbezüglich wurde ein ärztlicher Bericht
des Ambulanten Zentrums des (...) Krankenhaus (Deutschland) vom
17. Juni 2020 zu den Akten gereicht.
A.e Am 29. Dezember 2020 ersuchte das SEM die deutschen Behörden
um Übernahme der Beschwerdeführerin gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. d der
Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-
stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).
Die deutschen Behörden stimmten dem Übernahmeersuchen am 7. Ja-
nuar 2021 zu.
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A.f Die Tochter übernahm während des gesamten Dublin-Verfahrens die
gesetzliche Vertretung der an (...) erkrankten Beschwerdeführerin.
B.
Mit Verfügung vom 22. April 2021 – eröffnet am 23. April 2021 – trat die
Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylge-
such der Beschwerdeführerin nicht ein, verfügte ihre Überstellung nach
Deutschland, forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Be-
schwerdefrist zu verlassen und beauftragte den zuständigen Kanton mit
dem Vollzug der Wegweisung. Gleichzeitig wurden ihr die editionspflichti-
gen Akten gemäss Aktenverzeichnis ausgehändigt und festgestellt, dass
einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid keine aufschiebende
Wirkung zukomme.
C.
Die Rechtsvertreterin teilte dem SEM mit Schreiben vom 23. April 2021 die
Beendigung des Mandatsverhältnisses mit.
D.
Mit gemeinsam mit ihrer Tochter (E-2047/2021) eingereichtem Rechtsmit-
tel vom 30. April 2021 erhob die Beschwerdeführerin – gesetzlich durch
ihre Tochter vertreten – beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und
beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und auf ihr Asyl-
gesuch sei einzutreten; eventualiter sei die Sache zur vollständigen Fest-
stellung des Sachverhalts und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Erteilung der aufschiebenden
Wirkung der Beschwerde. Die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, von
einer Überstellung nach Deutschland abzusehen, bis das Bundesverwal-
tungsgericht über den Suspensiveffekt der eingereichten Beschwerde ent-
schieden habe. Zudem beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses.
Der Beschwerde lagen persönliche Erläuterungen der Tochter der Be-
schwerdeführerin, ein (...)-Ausweis und ein Brief an das Amt für (...) vom
29. April 2021 zwecks Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit bei.
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Seite 4
E.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
3. Mai 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die of-
fensichtlich urteilsunfähige (vgl. fachärztliche Bescheinigung vom 17. Juni
2020; Akte A32), durch ihre Tochter gesetzlich vertretene Beschwerdefüh-
rerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die an-
gefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Inte-
resse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachfolgend
aufgezeigt wird, handelt es sich vorliegend um eine offensichtlich unbe-
gründete Beschwerde, weshalb auf einen Schriftenwechsel zu verzichten
und der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a
Abs. 1 und 2 AsylG).
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Seite 5
3.
3.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG).
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
4.3 Im Falle eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge)
sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der
dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskri-
terien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Si-
tuation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in ei-
nem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im
Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) – wie das
vorliegende – findet demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zustän-
digkeitsprüfung nach Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5
E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).
4.4 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-
ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die
Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-
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sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-
lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen
Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin-
gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat
als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als
zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-
staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
4.5 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
einen Drittstaatsangehörigen oder einen Staatenlosen, dessen Antrag ab-
gelehnt wurde und der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt
hat oder der sich ohne Aufenthaltstitel im Hoheitsgebiet eines anderen Mit-
gliedstaats aufhält, nach Massgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder-
aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO).
4.6 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte
Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylver-
ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert und
das SEM kann das Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung "aus humani-
tären Gründen" auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO
ein anderer Staat zuständig wäre.
5.
Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden grundsätzlich kein Recht
ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch
BVGE 2010/45 E. 8.3). Den vorliegenden Akten ist zu entnehmen, dass die
Beschwerdeführerin am 22. Juni 2016 in Deutschland ein Asylgesuch ein-
gereicht hatte. Am 29. Dezember 2020 ersuchte die Vorinstanz die deut-
schen Behörden um Übernahme der Beschwerdeführerin. Dieses Rück-
übernahmeersuchen hiessen die deutschen Behörden am 7. Januar 2021
gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO gut. Die grundsätzliche Zu-
ständigkeit Deutschlands ist somit gegeben.
6.
6.1 Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung damit, Deutschland bleibe
gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO für das Asylverfahren der Be-
schwerdeführerin bis zu einem allfälIigen Wegweisungsvollzug oder einer
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allfälligen Regelung des Aufenthaltsstatus weiterhin zuständig. Es würden
keine Hinweise vorliegen, dass Deutschland seinen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nicht nachgekommen wäre und das Asyl- und Wegweisungs-
verfahren nicht korrekt durchgeführt hätte. Sollte die Beschwerdeführerin
mit einem allfällig erneuten Entscheid der deutschen Behörden nicht ein-
verstanden sein, könne sie den Beschwerdeweg beschreiten. Es gebe
keine Gründe für die Annahme, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-
bedingungen für Asylsuchende in Deutschland Schwachstellen aufweisen
würden, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Be-
handlung im Sinne von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta und Art. 3 der Eu-
ropäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) mit sich bringen würden.
Deutschland sei sowohl Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 1951
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention, FK,
SR 0.142.30) als auch der EMRK. Es lägen keine konkreten Anhaltspunkte
dafür vor, dass sich Deutschland nicht an seine völkerrechtlichen Verpflich-
tungen halten und die Asyl- und Wegweisungsverfahren nicht korrekt
durchführen würde. Es sei nicht davon auszugehen, dass die Beschwer-
deführerin bei einer Überstellung nach Deutschland gravierenden Men-
schenrechtsverletzungen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO und Art.
3 EMRK ausgesetzt, in eine existenzielle Notlage geraten oder ohne Prü-
fung ihres Asylgesuchs und unter Verletzung des Non-Refoulement-Ge-
bots in ihren Heimat- oder Herkunftsstaat überstellt würde. Zudem lägen
keine systemischen Mängel in Deutschlands Asyl- und Aufnahmesystem
vor. Ferner bestünden weder Gründe, das Asylgesuch der Beschwerdefüh-
rerin gemäss Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO zu prüfen, noch die Souveräni-
tätsklausel anzuwenden.
Betreffend die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführe-
rin sei festzuhalten, dass Deutschland über eine ausreichende medizini-
sche Infrastruktur verfüge und verpflichtet sei, ihr die erforderliche medizi-
nische Versorgung zu gewähren. Dazu würden auch die von ihr geltend
gemachten Beeinträchtigungen, einschliesslich der schweren (...) Erkran-
kung gehören. Es lägen keine Hinweise vor, wonach ihr Deutschland eine
medizinische Behandlung verweigert hätte oder zukünftig verweigern
würde. Ihr Asylgesuch sei zwar bereits rechtskräftig abgeschlossen, und
selbst wenn sie deswegen keinen Anspruch mehr auf eine Unterbringung
oder eine weitergehende staatliche oder nichtstaatliche Unterstützung
hätte, sei Deutschland weiterhin für ihr Verfahren bis zu einem allfälligen
Wegweisungsvollzug nach Sri Lanka zuständig. Für das weitere Dublin-
Verfahren sei einzig die Reisefähigkeit ausschlaggebend. Diese werde erst
kurz vor der Überstellung definitiv beurteilt. Das SEM trage dem aktuellen
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Gesundheitszustand bei der Organisation der Überstellung nach Deutsch-
land Rechnung, indem es die deutschen Behörden im Sinne von Art. 31
und Art. 32 VO Dublin vor der Überstellung über den Gesundheitszustand
und die notwendige medizinische Behandlung informiere. Zudem werde
das SEM der Tochter der Beschwerdeführerin anlässlich der Überstellung
nach Deutschland die medizinischen Unterlagen aus der Schweiz und in
angemessener Menge die ärztlich verschriebenen Medikamente mitgeben.
Die Überstellung nach Deutschland begründe keinen Verstoss gegen Art.
3 EMRK. Deutschland sei für das weitere Verfahren zuständig, weshalb auf
das Asylgesuch nicht eingetreten werde.
6.2 Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, sie leide an ei-
ner schweren (...) Erkrankung und sei rund um die Uhr auf Pflege ange-
wiesen. Sie und ihre Tochter seien vulnerable Personen, weshalb die Sou-
veränitätsklausel anzuwenden sei. Es sei aus humanitären Gründen auf
eine Wegweisung nach Deutschland zu verzichten.
7.
7.1 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass die im erstinstanzlichen Verfahren
und auf Beschwerdeebene vorgebrachten Gründe an der staatsvertragli-
chen Zuständigkeit Deutschlands für die Durchführung des Asyl- und Weg-
weisungsverfahrens nichts zu ändern vermögen. Deutschland hat denn
auch der Wiederaufnahme zugestimmt. Die Zuständigkeit Deutschlands
wird von der Beschwerdeführerin nicht bestritten.
7.2 Deutschland ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105), der FK sowie
deren Zusatzprotokoll vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt
seinen entsprechenden völkerrechtlichen Verpflichtungen nach. Ferner
gelten in Deutschland die Richtlinien 2013/32/EU (Verfahrensrichtlinie),
2011/95/EU (Qualifikationsrichtlinie) und 2013/33/EU (Aufnahmerichtlinie)
des Europäischen Parlaments und des Rates. Es darf davon ausgegangen
werden, Deutschland anerkenne und schütze die Rechte, die sich für
Schutzsuchende aus den genannten Richtlinien ergeben.
In Übereinstimmung mit der Vorinstanz und ständiger Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts weist das Asylverfahren in Deutschland keine
systemischen Schwachstellen im Sinn von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO auf
(vgl. anstelle vieler Urteil des BVGer F-464/2021 vom 8. Februar 2021
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E. 5.1 m.H.). Der Vollständigkeit halber ist in diesem Zusammenhang fest-
zustellen, dass ein definitiver Entscheid über ein Asylgesuch und die Weg-
weisung in das Heimatland nicht per se eine Verletzung des Non-Refoule-
ment-Prinzips darstellt.
Es ist zudem davon auszugehen, Deutschland verhalte sich auch bei einer
allfälligen Abschiebung von Antragstellern mit rechtskräftig abgewiesenen
Gesuchen in den Herkunfts- oder einen Drittstaat ausserhalb des Asylver-
fahrens unions- oder völkerrechtskonform. Diesbezüglich gelangt die
Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2008/115/EG vom
16. Dezember 2008 über die gemeinsamen Normen und Verfahren in den
Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger
zur Anwendung.
Die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO fällt demnach nicht in Be-
tracht.
7.3 Die Vorinstanz hat sodann die Anwendung des Selbsteintrittsrechts im
Sinne von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu
Recht verneint.
7.3.1 Die Beschwerdeführerin hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko
dargetan, wonach die deutschen Behörden sich weigern würden, sie wie-
deraufzunehmen und einen allfälligen neuen Antrag auf internationalen
Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den
Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen,
Deutschland werde in ihrem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement
missachten und sie zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr
Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefähr-
det ist oder in dem sie Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches
Land gezwungen zu werden. Ausserdem hat die Beschwerdeführerin nicht
dargetan, die ihr bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in
Deutschland seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4
der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten.
7.3.2 Hinsichtlich der gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin,
welche gemäss den medizinischen Abklärungen an einer schweren (...)
leidet, ist festzuhalten, dass es sich dabei nicht um Erkrankung handelt, die
unter die vom EGMR in seinem Urteil vom 13. Dezember 2016
(Nr. 41738/10 Paposhvili gg. Belgien), §183, genannten "other very excep-
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tional cases" subsumiert wird. Jedenfalls stellen sich diese nicht derart gra-
vierend dar, als dass eine Überstellung nach Deutschland eine tatsächliche
Gefahr (real risk) einer Verletzung von Art. 3 EMRK mit sich bringen würde
(vgl. BVGE 2011/9 E. 7 m.w.H.). Die mit dem Vollzug der angefochtenen
Verfügung beauftragten Behörden werden den medizinischen Umständen
bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung der Be-
schwerdeführerin, welche zusammen mit ihrer Tochter zu erfolgen hat,
Rechnung tragen und die deutschen Behörden vorgängig in geeigneter
Weise über die spezifischen medizinischen Umstände informieren (vgl. Art.
31 f. Dublin-III-VO).
7.3.3 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei
der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspiel-
raum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 und 8). Die angefochtene Verfügung ist unter
diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten
keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive
Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich
deshalb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen.
Vorliegend besteht kein Grund für eine Anwendung der Ermessensklauseln
von Art. 17 Dublin-III-VO sowie von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1.
7.4 Zusammenfassend ist Deutschland der für die Behandlung des Asyl-
gesuchs der Beschwerdeführerin zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-
III-VO. Deutschland ist verpflichtet, die Beschwerdeführerin wiederaufzu-
nehmen.
8.
Das SEM hat demnach den rechtserheblichen Sachverhalt vollständig und
korrekt erhoben und ist zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten. Weil
die Beschwerdeführerin nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder
Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Deutschland
in Anwendung von Art. 44 AsylG zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a
AsylV 1).
9.
Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
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unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2
m.w.H.).
10.
Aus den Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung kein
Bundesrecht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106
AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
11.
Da das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist,
werden die Anträge um Erteilung der aufschiebenden Wirkung und um Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos.
12.
12.1 Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege (im Sinne der unentgeltlichen Prozessführung
nach Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist abzuweisen, da dieses Begehren – wie sich
aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeich-
nen war.
12.2 Die Verfahrenskosten sind somit gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen und auf insgesamt Fr. 750.– festzuset-
zen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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