Decision ID: 0944bef6-cc6c-4427-baf7-c126c9bacf3e
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1972,
ist gelernte Blumenverkäuferin und war seit dem 1. Juli
2008
in einem 100
%-Pensum
als Logistikassistentin
angestellt.
A
m 25. August 2017
meldete sie sich
unter Hinweis auf
einen Bandscheibenvorfall
bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistung
s
bezug an (Urk. 6/6
).
Zur Abklärung der medizinischen und erwerblichen Verhält
nisse zog die IV-Stelle unter anderem die Akten des Krankentagge
ldversicherers bei (Urk. 6/17, 6
/20, 6/23, 6/25).
Das Arbeitsverhältnis wurde von Seiten des Arbeitgebers
per
Ende Januar 2018 gekündigt (Urk. 6/27/4).
Nach einem glei
chentags geführten Telefongespräch mit der Eingliederungsberaterin teilte die IV-Stelle der Versicherten mit Schreiben vom 6. März 2018 mit, dass ihr Dossier in der Eingliederungsberatung abgeschlossen werde
(Urk. 6/26).
Am 9. Mai 2018 wurde der Versicherten
ein provisorisches
und
am 22. Mai 2018 ein definitives
Neurostimulat
ionssystem
implantiert (Urk. 6/36, Urk. 6/39/4)
.
Mit Vorbescheid vom 4. Dezember 2018 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 6/50). Nachdem die Versicherte am 13. Dezember 2018
per E-Mail
dagegen Einwand erhoben (Urk. 6/53) und diesen mit Eingabe vom 11. Januar 2019 begründet hatte (Urk. 6/55),
verneinte
die IV-Stelle
einen Anspruch auf eine Invalidenrente
mit Verfügung vom 11. März 2019
(
Urk. 2 =
Urk. 6/61).
2.
Dagegen erhob die
Versicherte
am 8. April 2019 Beschwerde und beantragte, der Entscheid der IV-Stelle vom 11. März 2019 sei aufzuheben und es sei ihr ab dem 1. März 2018 eine
Dreiviertelsrente
zuzusprechen.
Eventualiter beantragte sie die Rückweisung der Sache zu ergänzenden medizinischen Abklärungen (Einholung eines polydisziplinären Gutachtens) an die
IV-Stelle
(Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwer
deantwort vom 21. Mai 2019 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was der
Beschwerdeführerin
am 23. Mai 2019 angezeigt wurde (Urk. 7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
vertritt in ihrem Entscheid den Standpunkt, gestützt auf die medizinischen Unterlagen sei
der
Beschwerdeführerin
eine
angepasste
leichte Tätigkeit in Wechselbelastung, ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten über 5 kg, ohne Verharren in Zwangshaltungen, ohne Armvorhalte und Überkopfarbeiten
seit Mai 2018 wieder vollumfänglich zumutbar.
Bei einem IV-Grad von 7 % bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente (Urk. 2).
2.2
Dagegen bringt die
Beschwerdeführerin
vor, aufgrund der chronischen Schmerz
symptomatik sei sie auch in einer leidensangepassten, leichten Tätigkeit – wenn überhaupt – nur noch in einem ganz bescheidenen Umfang arbeitsfähig.
Gestützt auf die übereinstimmenden
B
erichte der behandelnden Ärzte bestehe aufgrund
von
körperlichen Beschwerden eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50 %. Da
neben würden auch den psychiatrischen Diagnosen zusammen mit den Schmer
zen negative Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zukommen und es würden auch Wechselwirkungen zwischen den psychischen und den physischen Be
schwerden bestehen. Hinzu komme, dass ihre Aufnahme- und Merkfähigkeit ein
geschränkt sei, wozu keine entsprechenden Abklärungen vorgenommen worden seien
.
Bei einem
Invaliditätsgrad von 61 %
habe sie Anspruch auf eine
Drei
vier
telsrente
. Sollte das Gericht einen klaren Fall verneinen, sei die Einholung eines polydisziplinären Gutachtens unabdingbar
(Urk. 1 S. 3
ff
).
3.
3.1
Im
vom Krankentaggeldversicherer veranlassten
Bericht
über
die
funktionsor
i
e
n
tierte medizinische Abklärung
vom 22. Dezember 2017
stellten die Ärzte des
Zentrums
Y._
folgende Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 6/20/2
):
-
Chronisches
lumbovertebrales
Syndrom
-
Status nach dynamischer
Spondylodese
L5/S1
März 2017
bei
-
Diskopathie
L5/S1 und Rückenschmerzen ohne Ausstrahlung
-
Rezidivierendes
myofasz
ial
betontes
cervico
-
thoracovert
ebrales
Syndrom
-
Wahrscheinlich bei Fehlbelastung und muskulärer Insuffizienz
-
Vorderer Knieschmerz links bei
Femoropatellararthrose
und muskulärer Insuffizienz
Zusammengefasst würden noch erhebliche Funktionsbeeinträchtigung
en
nach dynamischer
Spondylodese
L5/S1 im März 2017 bei begin
nender
Diskopathie
L5/S1 und fehlender
Schmerzausstrahlung
bestehen.
Die Knieschmerzen lin
ks
würden eine unabhängige Pathologie darstellen und zeigten das typische klinisch
e
und radiologische Bild einer
Femoropatellararthrose
mit auch
sehr typischem Beschwerdebild
(Urk. 6/20/3-4).
Die angestammte Tätigkeit als
Logistikerin
sei aktuell halbtags mit 1 Stunde zusätzlichen Pausen sowie weiterer Leistungsminderung aufgrund der deutlich zu reduzierenden Gewichtsbelastungen ausführbar. Dies entspreche einer medizi
nisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit von 30 %
. Unter
Durchführung einer Phy
siotherapie mit medizinischer Trainingstherapie für 3 Monate zweimal wöchent
lich sowie
Begleitmassnahmen im Sinne eines Ergonomie Coaching sei davon auszugehen, dass die Belastbarkeit wie auch die Arbeitsfähigkeit graduell
stei
gerbar
sei. Allerdings sei bis zum Wiedererlangen einer vollen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit, unter Umständen mit noch weiterbestehenden leich
ten Anpassungen, mit 6 Monaten zu rechnen. Die aktuelle Belastbarkeit ent
spreche einer sehr leichten bis leichten Tätigkeit, welche wechselpositioniert im Sinne des Wechselns zwischen Gehen und Stehen sowie Sitzen ausgeübt werden könne. Eine solche Tätigkeit sei aktuell ebenfalls lediglich halbtags
ausübbar
. Bis zum Wiedererreichen einer ganztägigen Arbeitstätigkeit sei mit 6 Monaten zu rechnen bei Durchführung einer entsprechenden medizinischen Trainingstherapie (Urk. 6/20/5).
3.2
Dr. med.
Z._
, Facharzt FMH für Neurochirurgie,
führte in seinem Bericht
vom 6
. April 2018 aus, klinisch handle es sich um ein
Failed
-Back-
Surgery
-Syndrom bei noch deutlichen Restbeschwerden im Rahmen einer
Spon
dylodese
. Es würden weiterhin starke
lumbospondylogene
Schmerzen persistie
ren, insbesondere
epifusionell
als auch im operierten Gebiet sowie zusätzlich auch intermittierende Kniegelenksbeschwerden links. Als objektive Befunde wurde ein deutliches Lokalsyndrom mit einem Fingerbodenabstand
über
einem Meter
fest
gehalten. Motorische oder sensible Defizite würden sich nicht objektivieren lassen. Es bestehe ein Druckschmerz im Bereich der Gelenkfacetten der unteren LWS rechtsbetont sowie auch thorakal zwischen den Schulterblättern circa Th4-
6.
Das
ISG sei ebenfalls beidseitig schmerzhaft auf Druck. Es bestünden deutliche
Myogelosen
der
paravertrebralen
Muskulatur beidseitig und reizlose Narben
ver
hältnisse. Die
Beschwerdeführerin
sei weiterhin aufgrund ihrer
lumbospondy
logenen
Schmerzen und unter Berücksichtigung ihrer psychischen Situation zu 100
% arbeitsunfähig. Die Arbeitsunfähigkeit sei bezüglich ihrer Arbeit als Lager
istin attestiert worden, bei der es darum gehe, schwere Lasten zu heben. In wel
chem Umfang eine dem Leiden angepass
te Tätigkeit zumutbar sei, müss
e anhand einer
arbeitsmedizinischen Abklärung
eruiert werden, wobei solche Abklärungen Momentaufnahmen darstellen und die Gesamtsituation der
Beschwerdeführerin
nicht wi
derspiegeln würden. Zunächst müsse abgewartet werden, ob die
Be
schwerdeführerin
durch die Neurostimulation profitiere und eine Schmerzbe
sse
rung zu erreichen sei (Urk. 6/32/7-9).
3.
3
M
ed.
pract
.
A._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin,
hielt in seinem Bericht
vom 9. April 2018
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (Urk. 6/29/7):
-
Persistierendes
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom nach dynamischer
Spondylodese
am 27. März 2017
-
Chondropathia
patellae
sowie Baker Zyste im Bereich des linken Knie
gelenks
-
Ätiologisch unklares Metallartefakt im Bereich der inferioren Patella
-
Patella
femoralis
Schmerzsyndrom links mehr als rechts mit Knack
-
und Reibgeräuschen
Nach Angaben der
Beschwerdeführerin
sei im Anschluss an die Operation im März 2017 keine deutliche Besserung eingetreten. Durch anhaltende Rücken
be
schwerden tieflumbal, mit Narbenreaktionen sowie neu Kniebeschwerden beid
seits habe die
Beschwerdeführerin
die Kündigung erhalten. Danach sei eine schwere depressive Stimmungsschwankung
eingetreten
, sie sei mit der ganzen Lebenssituation überbelastet. Von somatischer sowie psychischer Seite her
sei
die
Beschwerdeführerin
zu 100
% arbeitsunfähig auch für leicht
e
angepasste Tätig
keiten
(Urk. 6/29/7-8).
3.4
Aus dem
Bericht
der
Psychologin
lic
. phil.
B._
und med.
pract
.
A._
vom 5. September 2018
geht hervor, dass
der
Beschwerdeführerin
a
m 9. Mai 2018
ein provisorischer und
am 22. Mai 2018 ein definitiver Neurostimulator einge
setzt worden
war
. Insgesamt habe die
Beschwerdeführerin
durch die Implantation des Stimulationssystems deutlich profitiert bei noch bestehenden Restbeschwer
den. Trotzdem empfinde
sie
das Ergebnis derzeit als enttäuschend, fühle sich immer noch stark behindert durch die Schmerzen. Nur
schon, wenn sie zuhause leichter
e Hausarbeiten mache
,
bekomme sie so starke Schmerzen, dass sie abliegen müsse. Inzwischen leide
sie auch unter Versagensangst: Sie fühle sich ausserstand
e
, irgendwo unbefangen mit einer Arbeit anzufangen, wenn der Druck zu gross würde und ihr die Schmerzen wieder einen Strich durch die Rechnung machen würden.
Zurzeit
müsse an den folgenden bisherigen medizinischen und psychologischen Diagnosen festgehalten werden (Urk. 6/36):
Wichtigste medizinische Diagnosen:
-
Chronisches
lumbovertebrales
Syndrom
-
Rezidivierendes
cervicothoracovertebrales
Syndrom
-
Femoropatellararthrose
links
Diagnosen nach ICD-10:
-
Angst und reaktive Depression gemischt (ICD-10 F41.2)
-
Somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
Bis auf Weiteres bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Falls es zu einer deutlichen Verbesserung der Schmerzproblematik kommen sollte, könne in der Zukunft wieder eine Arbeitsfähigkeit erlangt werden.
Gegenwärtig sei unklar, welche Massnahmen dafür erforderlich seien. Auch im Fall, dass eine Arbeits
fähigkeit wiedererlangt werden könne, würden nur leichtere, körperlich nicht anstrengende Tätigkeiten mit sanftem Einstieg in Frage kommen (circa 20-30 %; Urk. 6/36).
3.5
In seinem
Verlaufsbericht
vom 26. September
2018 stellte
Dr.
Z._
folgende Diagnosen
(Urk. 6/39/4)
:
-
Failed
Back
Surgery
Syndrom bei Status nach dynamischer
Spondylodese
am 27. März 2017
-
Status nach Implantation zweier
epiduraler
Elektroden zur Austestung einer Neurostimulation bei therapieresistenten
lumbospondylogenen
Schmerzen am 9. Mai 2018
-
Implantation eines Neurostimulationssystems
gluteal
links am 22. Mai 2018 bei 50%iger Schmer
z
reduktion in der Testphase
Es sei eine Schmerzreduktion um 50 % eingetreten. L
anges Gehen und Tätigkeiten im Haushalt würden
der
Beschwerdeführerin
weiterhin Probleme bereiten. Da
rüber hinaus habe sich
ihre
psychische Situation verschlechtert, da ihr gekündigt worden sei
und sie die dadurch angespannte finanzielle Lage zusätzlich belaste mit Zukunfts
-
und Existenzängsten. Dies wirke sich natürlich auch negativ auf die Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung aus. Bei der Beurteilung der Schmerzsituation als auch der psychischen Komponente sei die
Beschwerde
füh
rerin
weiterhin zu 50 % arbeits
unfähig
(Urk. 6/39/4-5).
3.6
Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Chirurgie, schloss in seiner
RAD-Stellungnahme
vom 2. November 2018
auf eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit seit dem 27. März 2017 bis auf Weiteres. Für eine an
gepasste
leichte Tätigkeit in Wechselbelastung ohne Heben, Tragen
und Trans
portieren von Lasten über
5 kg, ohne Verharren in Zwangshaltungen, ohne Arm
vorhalte und Überkopfarbeiten
habe
vom 27. März 2017 bis am 22. Mai 2018 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
best
anden
. Seit dem 23. Mai 2018 bestehe in
einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
.
Die vorliegenden Arzt
berichte seien schlüssig, die angeführten medizinischen Fakten nachvollziehbar und es kön
ne auf diese abgestellt werden
(Urk. 6/49/9-10).
3.7
Mit ihrer Beschwerde reichte die
Beschwerdeführerin
einen undatierten Bericht von
lic
. phil.
B._
und med.
pract
.
A._
ein (Urk. 3).
Darin
wurden
die psy
chiatrischen Diagnosen aus
dem
Vorbericht
wiederholt
und ergänzend aus
ge
führt
, die persistierende Schmerzproblematik bilde die Hauptursache für die psychischen Probleme und die daraus folgenden Diagnosen. Trotz Operationen, Schmerzmedikame
nten, Physiotherapie und anderen
Heilbehandlungen sei die
Beschwerdeführerin
nach wie vor durch ihre Schmerzen stark behindert. Zudem beklage sie Gedächtnisschwächen. Unter idealen Bedingungen betrage die Arbeitsunfähigkeit 80 %. Voraussetzung für eine Arbeitsfähigkeit von 20 % sei, dass die
Beschwerdeführerin
nur sehr leichte, körperlich nicht anstrengende Tätigkeiten ausüben könne, die eher geistiger Natur sein sollten.
Psychosoziale Faktoren und Zukunftssorgen würden sicher hinzukommen, es bestehe aber keine
(gemeint wohl: eine)
verselbständigte psychische Störung. Die Zukunftssorgen würden in erster Linie mit der Schmerzproblematik und der darauf basierenden stark eingeschränkten Arbeitsfäh
igkeit zusammenhängen (Urk. 3).
4.
4.1
Die
Beschwerdegegnerin
stützte sich bei ihrer
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
auf die
RAD-
Stellungnahme von Dr.
C._
vom 2. November 201
8.
Dr.
C._
erachtete die
Beschwerdeführerin
als
in einer leidensangepassten Tätigkeit
zu 100 % arbeitsfähig
ab dem 23. Mai 2018
(
E. 3.6
).
Demgegenüber
wurden i
m Be
richt von
lic
. phil.
B._
und med.
pract
.
A._
vom 5
. September 2018 Rest
be
schwerden nach Implantation des Neurostimulat
ionssystems
mit einer
Arbeits
un
fähigkeit von 100 % festgehalten (E. 3.4).
In dem beschwerdeweise eingereich
ten Bericht
schätzten sie die Arbeitsunfähigkeit auf
80 % (Urk. 3).
Dr.
Z._
berichtete
am 26. September 2018
von einer erfolgreichen Neurostimulation und einer damit zusammenhän
genden Schmerzreduktion um 50 %. Er
stufte die
Beschwerdeführerin
als
zu 50 % arbeitsfähig
ein
(E. 3.5
, vgl. auch Urk. 6/33-34)
.
Soweit Dr.
C._
in Abweichung zu den behandelnden Ärzten
eine vollum
fängliche Arbeitsfähigkeit ab dem 23. Mai 2018 attestierte, stützte er sich dabei massgeblich auf seine allgemeine medizinische Erfahrung nach einer erfolgrei
chen Implantation eines Neurostimulators. Eine eigene Untersuchung der
Be
schwerdeführerin
fand nicht statt. Mit den sich aus
den Berichten der behan
delnden Ärzte ergebenden Hinweisen
auf nach wie vor bestehende funktionelle Einschränkungen
infolge von Restbeschwerden
hat sich Dr.
C._
nicht auseinandergesetzt.
Als nicht ohne Weiteres nachvollziehbar erweist sich auch
seine
Einschätzung zum Verlauf der
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
. So terminierte er die Wiedererlangung der vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit auf den 23. Mai 2018,
obwohl am Vortag
noch
eine Implantation des definitiven Neurostimu
lat
ions
sy
stems
stattgefunden hatte.
Damit liegen einander widersprechend
e
Einschät
zungen der Arbeitsfähigkeit vor, wobei
keine derselben
so schlüssig und über
zeugend begründet ist, dass darauf abgestellt werden kann.
Insgesamt kann aber
aufgrund der Schilderungen
der behandelnden Ärzte
nicht ausgeschlossen werden, dass die Schmerzen aufgrund körperlicher Betätigungen derart zuneh
men, dass dadurch die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigt würde
.
Auch
auf den
Bericht über die funktionsorientierte medizinische Abklärung vom 22. Dezember 2017 des
Y._
kann
vorliegend
nicht abgestellt werden
, zumal sich
die darin prognostizierte Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit innerhalb von 6 Monaten offensichtlich nicht bewahrheitete und die
– im Untersuchungs
zeit
punkt noch nicht in Betracht gezogene
–
Neurostimulation
bzw. deren Auswir
kungen auf die funktionelle Leistungsfähigkeit
noch nicht berücksichtigt werden konnten.
Die hier strittigen Auswirkungen der Symptomatik auf die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
sind demnach
nicht abschliessend geklärt, weshalb in ortho
pädischer Hinsicht ergänzende Abklärungen
notwendig
sind.
4.2
Angesichts
der aufgelegten Berichte
(E. 3.3-
3.5, E. 3.7
)
ergeben sich
Hinweise auf
das Vorliegen
ein
e
r
psychische
n
Symptomatik
.
In Bezug auf die diagnostizierte
Angst und reaktive Depression gemischt (ICD-10 F41.2)
ist
aber
anzumerken, dass diese
Diagnose
eine
r
Kombination verhältnismässig milder Symptome
entspricht
,
wobei weder die Angst noch die Depression ein
Ausmass erreichen,
welches
eine einzelne Diagnose rechtfertigen würde (
Dilling
/
Mombour
/Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V
[
F
]
, Klinisch-diagnos
ti
sche Leitlinien, 10., überarbeitete Auflage, Bern 2015, S.
199)
.
Für eine
gering
gradige
Ausprägung des psychischen Leidens
sprechen
auch die geringe Dosie
rung des Antidepressivums
Venlafaxin-Mepha
37.5 mg (Urk. 6/39/5; vgl. dazu
www.compendium.ch
,
Venlafaxin-Mepha
Tabletten/ - ER
Depocaps
,
Fachinfo
«Dosierung/Anwendung»)
und die Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin
zwar bei der Psychologin
B._
behandelt wurde, sich aber – soweit ersichtlich – bislang nicht in fachpsychiatrische Behandlung begeben hat.
Ferner
gehen med.
pract
.
A._
und Dr.
Z._
übereinstimmend davon aus, dass
sich die
psychi
sche Symptomatik
erst
ab der
Kündigung
entwickelt hat
(E. 3.3, E. 3.5
)
.
Passend dazu wurde
im Bericht der funktionsorientierten medizinischen Abklärung vom 22. Dezember 2017
, gestützt auf
die
vor der Kündigung des Arbeitsverhältnisses
durchgeführten
Untersuchung
en
vom
2.
und 3. Oktober 2017
,
noch ausdrücklich festgehalten, es hätten sich keine Hinweise auf eine Angststörung oder Depression
finden lassen
(Urk. 6/20/9).
A
uch
im beschwerdeweise eingereichten Bericht von
lic
. phil.
B._
und med.
pract
.
A._
wurde
auf
psychosoziale
Faktoren
hinge
wiesen (E. 3.7
)
.
Solche sozialen Belastungen mit direkten nega
tiven funktionellen Folgen sind
rechtsprechungsgemäss auszuklammern (BGE 143 V 409 E. 4.5.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_436/2019 vom 25. September 2019 E. 4.2.4)
.
V
or diesem Hintergrund
und
auch
unter Berücksichtigung einer allfälligen nach Verfügungserlass
stattgehabten Entwicklung der psychischen Symptomatik
wird die
Beschwerdegegnerin
zu prüfen haben, ob im Rahmen der Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG)
zusätzlich
fachpsy
chiatris
che Abklärungen angezeigt sind.
5.
Da sich
der medizinische Sachverhalt
somit
zumindest in somatischer Hinsicht als ergänzungsbedürftig
erweist, ist die angefochtene Verfügung vom 11. März 2019 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache zu ergänzenden Abklärungen
an die
Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
In diesem
Sinne
ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
6.
6.1
Da es
im
v
orliegenden
Verfahren um die Bewilligung oder
V
erweigerung
v
on
Versic
herungsleistungen geht, ist das
Verfahren kostenpflichtig. D
ie Gerichts
kosten sind nach dem
V
erfahrensaufwand und unabhängig
vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und au
f Fr. 7
00.-- anzusetze
n. Entsprechend dem Ausgang des
Verfahrens
sind sie der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
6.2
Nach
§
34
Abs.
1
des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
-
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
In Anwendung obiger Kriter
ien ist die Parteientschädigung
v
orliegend auf Fr. 1'7
00.--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) fest
zusetzen und ausgangs
gemäss der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.