Decision ID: f545bb6e-bdc5-53c3-a5bc-17e71f05b96c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführenden und ihre Kinder reisten am 24. November
2015 in die Schweiz ein und suchten am folgenden Tag um Asyl nach. Am
7. Dezember 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) und am 19. Januar
2018 die vertiefte Anhörung zu den Asylgründen der Beschwerdeführen-
den statt.
A.b Der Beschwerdeführer machte geltend, er sei syrischer Staatsangehö-
riger, kurdischer Ethnie und stamme aus F._, Provinz Hasaka. Dort
habe er bis zur Ausreise mit seiner Ehefrau und den drei Kindern gelebt.
Seine Eltern seien verstorben. Seine Schwester halte sich in G._
auf. Vier seiner Brüder lebten noch in Syrien. Ein weiterer Bruder sowie ein
Onkel seien in der Schweiz. Er habe die siebte Klasse abgeschlossen. Den
Lebensunterhalt habe er mit dem eigenen (...) in H._, welches er
vom verstorbenen Vater übernommen habe, sowie gelegentlichen (...) be-
stritten. Einer seiner Brüder führe jetzt das (...).
Zu den Asylgründen machte er geltend, er habe vom (...) 2001 bis (...)
2004 im Rang eines (...) Militärdienst geleistet und sei im (...) 2015 von
den syrischen Behörden zum Reservedienst aufgeboten worden. Am (...)
2015 habe der Dorfvorsteher ein entsprechendes Dokument erhalten,
seine Frau kontaktiert und ihr gesagt, er solle sich bei ihm melden. Dieser
Aufforderung sei er nachgekommen. Der Dorfvorsteher habe ihm das Auf-
gebot für den Reservedienst ausgehändigt. Dem Aufgebot habe er keine
Folge geleistet. Am (...) 2015 sei einem seiner Brüder an einem (...) in
I._ ein gegen ihn ausgestellter Haftbefehl mitgegeben worden. Von
da an habe er in ständiger Angst gelebt. Am (...) 2015 habe er einen Bruder
und dessen Tochter mit dem Auto zum (...) fahren wollen. Auf dem Weg
seien sie an einem (...) von zwei Polizisten kontrolliert worden. Als er die-
sen seine Identitätskarte (ID) gezeigt habe, hätten sie ihn aufgefordert, we-
gen des Einrückens in den Reservedienst mit ihnen zu kommen. Sie hätten
ihn zum Polizeiposten gebracht und dort festgehalten. Nach (...) Tagen sei
er in einem Auto weggebracht worden. Die zwei Begleitpersonen hätten
ihm gesagt, er werde zu seinem Onkel J._ in Sicherheit gebracht.
Zudem sei er Mitglied der Demokratischen Partei Kurdistan-Syrien (PDK-
S). Er habe jeweils an den monatlichen Parteisitzungen teilgenommen.
Manchmal habe er die Parteizeitschrift bei sich im Geschäft oder zu Hause
gehabt, um diese zu verteilen. Angehörige der Volksverteidigungseinheiten
(«Apocis»; YPG) hätten deshalb (...) 2014 angefangen, Druck auf ihn
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auszuüben, damit er sich ihnen anschliesse. Auch hätten sie von ihm ver-
langt, den Aufenthaltsort seines sich auf der Flucht befindenden Onkels
K._, welcher Mitglied des (...) gewesen sei (N [...]), bekannt zu ge-
ben. (...) 2015 habe er mit seiner Familie Syrien illegal verlassen. In der
Schweiz nehme er an Demonstrationen teil.
A.c Die Beschwerdeführerin gab an, sie sei syrische Staatsangehörige,
kurdischer Ethnie und in L._ geboren. Sie habe mit ihrem Ehemann
und den gemeinsamen Kindern in F._, Provinz Hasaka, gelebt. Ihre
Mutter sei verstorben. Eine Schwester lebe noch in Syrien. Ein Bruder sei
seit Langem verschollen. Ihr Vater, ein Bruder und eine Schwester würden
sich im Nordirak aufhalten. Ein Bruder und ein Neffe befänden sich in der
Schweiz. Sie habe die sechste Klasse abgeschlossen und sei Hausfrau
gewesen. Im Jahr 2010 habe sie (...) absolviert und angefangen, als (...)
für einen (...) zu arbeiten. Ihr Sohn habe Schwierigkeiten in der Schule
bekommen, da der Unterrichtsstoff geändert worden sei.
Zu den Asylgründen führte sie aus, sie sei Mitglied der PDK-S und habe an
den monatlichen Parteisitzungen teilgenommen. Angehörige der YPG hät-
ten Mitglieder der PDK-S belästigt. Sie und ihre Familie seien mehrmals
gefragt worden, weshalb sie nicht der YPG beitreten wollten. Zudem hätten
sie ihren Ehemann dazu bewegen wollen, sich ihnen für den bewaffneten
Kampf anzuschliessen. Die syrischen Behörden hätten ihren Ehemann
zwecks Einzug in den Reservedienst gesucht. Der Dorfvorsteher habe sie
am (...) 2015 angerufen und darum gebeten, ihren Ehemann zu ihm zu
schicken. Als ihr Ehemann gleichentags zum Dorfvorsteher gegangen sei,
habe dieser ihm das Aufgebot für den Reservedienst überreicht. Dem Auf-
gebot habe ihr Mann keine Folge geleistet. Am (...) 2015 habe ein Schwa-
ger von ihr ein Dokument erhalten, wonach ihr Ehemann in den Reserve-
dienst einrücken müsse. Am (...) 2015 habe ihr Ehemann seinen Bruder
und seine Nichte zum (...) fahren wollen. An einem (...) hätten Angehörige
der Militärpolizei ihren Ehemann mitgenommen. Ihr Schwager habe mit
Hilfe seines Vorgesetzten und gegen die Bezahlung von (...) Syrischen Lira
die Freilassung des Ehemannes am (...) 2015 erwirken können. Aufgrund
der Festnahme ihres Ehemannes hätten sie sich dazu entschieden, Syrien
zu verlassen. (...) 2015 seien sie ausgereist. Sie persönlich habe keine
Probleme gehabt.
A.a Die Beschwerdeführenden reichten im Rahmen des vorinstanzlichen
Verfahrens folgende Beweismittel ein: einen syrischen Wählerausweis, ein
Dienstbüchlein, das Aufgebot für den Reservedienst, einen Haftbefehl, ein
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Zertifikat betreffend den (...), eine Parteibestätigung der PDK-S sowie ver-
schiedene Fotos.
B.
Am 19. April 2018 ersuchten die Beschwerdeführenden um Anpassung der
Geburtsdaten der Kinder D._ und E._.
C.
Mit Schreiben vom 12. Juli 2018 gab die Vorinstanz dem Beschwerdeführer
Gelegenheit, zu Fragen betreffend seine exilpolitischen Aktivitäten in der
Schweiz Stellung zu nehmen.
D.
Am 23. Juli 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme ein.
E.
Mit Verfügung vom 22. August 2018 hielt die Vorinstanz fest, die Geburts-
daten von D._ und E._ würden auf dem (...) respektive auf
dem (...) belassen, verneinte das Vorliegen der Flüchtlingseigenschaft,
lehnte die Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und
schob den Vollzug wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen
Aufnahme auf.
F.
Mit Eingabe vom 24. September 2018 reichten die Beschwerdeführenden
gegen diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein.
Sie beantragen, der ablehnende Asylentscheid der Vorinstanz sei aufzuhe-
ben, sie seien als Flüchtlinge anzuerkennen und ihnen sei in der Schweiz
Asyl zu gewähren. Ihnen sei die unentgeltliche Rechtspflege mit unentgelt-
licher Verbeiständung durch den Unterzeichnenden zu gewähren.
Schliesslich sei Vormerkung davon zu nehmen, dass sie einstweilen darauf
verzichteten, die Geburtsdaten der Kinder D._ und E._ zu
berichtigen.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 9. Oktober 2018 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, ver-
zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, hiess das Gesuch um
amtliche Rechtsverbeiständung gut, setzte den rubrizierten Rechtsvertre-
ter als amtlichen Rechtsbeistand ein und lud die Vorinstanz zur Einreichung
einer Vernehmlassung ein.
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H.
Mit Vernehmlassung vom 17. Oktober 2018 schloss die Vorinstanz auf Ab-
weisung der Beschwerde.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 22. Oktober 2018 erhielten die Beschwerde-
führenden Gelegenheit zur Einreichung einer Replik.
J.
Am 2. November 2018 reichten die Beschwerdeführenden eine Replik ein.
K.
Mit Zwischenverfügung vom 15. April 2020 ersuchte die Instruktionsrichte-
rin die Beschwerdeführenden, ihre allenfalls weiterhin bestehende Bedürf-
tigkeit zu belegen.
L.
Mit Eingabe vom 21. April 2020 liessen die Beschwerdeführenden dem Ge-
richt eine Fürsorgebestätigung vom 20. April 2020 zukommen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 2016
3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das
bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015).
2.
2.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
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2.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
3.
3.1 Vorab ist festzustellen, dass die Beschwerdeführenden die Dispositiv-
ziffer 1 der angefochtenen Verfügung anerkennen und diese damit unan-
gefochten in Rechtskraft erwachsen ist.
3.2 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Flüchtlingseigen-
schaft, der Asylpunkt sowie die verfügte Wegweisung. Der Wegweisungs-
vollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz die Beschwerde-
führenden und ihre Kinder in der Schweiz vorläufig aufgenommen hat.
3.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Gemäss Art. 54 AsylG wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt, wenn sie erst
durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ih-
res Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG
wurden (subjektive Nachfluchtgründe).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
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Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung hinsichtlich der
Einberufung des Beschwerdeführers in den Reservedienst zum Schluss,
die Vorbringen würden den Anforderungen an das Glaubhaftmachen ge-
mäss Art. 7 AsylG nicht genügen. Die Aussagen des Beschwerdeführers
seien teilweise widersprüchlich, zuweilen ausweichend sowie wenig plau-
sibel ausgefallen. Er habe die Umstände des Aufgebotes unterschiedlich
dargestellt sowie diesbezüglich unvereinbare Zeitangaben gemacht. Er-
staunlich sei in diesem Zusammenhang auch, dass er an der Anhörung
das Aufgebot und den Haftbefehl habe einreichen können, davon an der
BzP aber nichts erwähnt, sondern angegeben habe, ein Onkel habe das
Aufgebot bei den Behörden gesehen. Anlässlich der BzP habe er die In-
haftierung nicht erwähnt, obwohl er explizit nach Behördenkontakt gefragt
worden sei. Die Schilderungen der Beschwerdeführerin wiesen dasselbe
Antwortmuster auf. Sie habe anlässlich der Befragungen die gleichen Sa-
chen unerwähnt gelassen. Es sei unwahrscheinlich, dass beide anlässlich
der BzP die Vorladung und den Haftbefehl vergessen hätten zu erwähnen,
obwohl diese eine zentrale Stellung im Zusammenhang mit der Suche der
syrischen Behörden nach dem Beschwerdeführer einnehmen würden. Die
Umstände, wie der Haftbefehl zum Beschwerdeführer gelangt sei, würden
die Glaubhaftigkeit der Vorbringen weiter in Frage stellen. Seine Ausfüh-
rungen dazu seien nicht plausibel und die Antworten ausweichend gewe-
sen. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb der Haftbefehl seinem Bruder
ausgehändigt worden sein soll. Es handle sich um ein behördeninternes
Dokument. Zudem sei unwahrscheinlich, dass an der (...), an welcher der
Bruder vorbeigekommen sei, zufälligerweise das Original des Haftbefehls
vorgelegen habe. Die diesbezüglichen Aussagen seien mangels Stringenz
als unglaubhaft zu bewerten. Dem Aufgebot und dem Haftbefehl würde es
an Sicherheitsmerkmalen fehlen. Die Dokumente seien leicht fälschbar so-
wie käuflich erwerbbar und somit nicht geeignet, die Vorbringen zu bele-
gen.
5.2 Weiter stellt die Vorinstanz fest, gemäss Rechtsprechung des Bundes-
verwaltungsgerichts mangle es den Rekrutierungsbemühungen durch die
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Angehörigen der YPG an der hinreichenden Intensität sowie einem asyl-
rechtlich relevanten Verfolgungsmotiv. Die Behelligungen und Besuche der
YPG im Zusammenhang mit der Parteimitgliedschaft bei der PDK-S seien
sodann zu wenig intensiv, als dass sie Asylrelevanz entfalten könnten. Die
Beschwerdeführenden hätten angegeben, normale Parteimitglieder gewe-
sen zu sein. Es bestünden keine Hinweise, wonach die Besuche und For-
derungen der YPG, namentlich auch die Bekanntgabe des Aufenthaltsor-
tes des Onkels, eine asylrelevante Intensität angenommen hätten. Die Vor-
bringen seien folglich nicht asylrelevant.
5.3 Zu den exilpolitischen Aktivitäten hält die Vorinstanz fest, die fünf bis
sechs Demonstrationsteilnahmen des Beschwerdeführers seien nicht ge-
eignet, begründete Furcht vor flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung zu
begründen. Er weise kein exponiertes Profil auf. Eine Mitwirkung an der
Organisation von solchen Anlässen reiche nicht aus, um ein solches Profil
zu begründen. Die eingereichten Fotos würden diese Einschätzung unter-
stützen.
5.4 Schliesslich handle es sich bei der Kriegslage in Syrien sowie den ver-
änderten Rahmenbedingungen in der Schule des Sohnes nicht um gezielte
Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG, mithin sei die Asylrelevanz zu ver-
neinen.
6.
6.1 Die Beschwerdeführenden rügen in der Rechtsmitteleingabe zunächst,
die Vorinstanz habe die Vorbringen hinsichtlich des Reservedienstes zu
Unrecht als unglaubhaft beurteilt, mithin Art. 7 AsylG verletzt. Der Beweis-
wert des Protokolls der BzP sei geringer als jenes der Anhörung. Das Pro-
tokoll der BzP dürfe nicht zur Konstruktion von Widersprüchen verwendet
werden, ausser bei diametralen Abweichungen. Der Umstand, dass der
Beschwerdeführer Mühe mit Zahlen habe, müsse berücksichtigt werden.
Aus dieser Einschränkung dürfe nicht geschlossen werden, der Beschwer-
deführer habe ausweichend geantwortet. Anlässlich der BzP seien sie auf-
gefordert worden, sich kurz zu fassen. Insofern dürfe ihnen nicht vorgehal-
ten werden, sie hätten im Rahmen der BzP nicht alle relevanten Punkte
erwähnt. Vor diesem Hintergrund liessen sich die Widersprüche entkräften.
Die Angabe des Beschwerdeführers, er habe das Aufgebot zum Reserve-
dienst drei Monate vor der Ausreise erhalten, dürfe nicht zu eng angesehen
werden. Seine Ausführungen betreffend den Reservedienst seien in sich
schlüssig, falsch sei lediglich die Datierung der einzelnen Vorkommnisse.
Das Aufgebot und den Haftbefehl habe er bei der BzP nicht erwähnt, weil
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er damals die entsprechenden Dokumente noch nicht besessen habe.
Diese seien ihm erst nachfolgend zugeschickt worden. Mit diesen beiden
Dokumenten könne er die Asylgründe belegen. Die Vorinstanz bezweifle
sodann, dass dem Bruder des Beschwerdeführers das Original des Haft-
befehls übergeben worden sei. Gleichzeitig kritisiere sie in anderen Verfah-
ren, dass der Haftbefehl lediglich in Kopie eingereicht worden sei. Es sei
davon auszugehen, dass jeweils mehrere Ausfertigungen eines Haftbe-
fehls existieren würden. Die Personen (...) hätten den Haftbefehl an den
Bruder ausgehändigt, da sie nicht ins Dorf des Beschwerdeführers hätten
gehen können, da dieses unter der Herrschaft der YPG gestanden habe.
Das Argument der Vorinstanz, die Dokumente seien käuflich erwerbbar
und leicht fälschbar, genüge nicht zur Begründung der Unglaubhaftigkeit.
Die Beweismittel müssten auf ihre Echtheit überprüft werden.
6.2 Weiter machen die Beschwerdeführenden geltend, betreffend die Rek-
rutierung sowie die Behelligungen durch die YPG habe die Vorinstanz die
Asylrelevanz verkannt und dadurch Art. 3 AsylG verletzt. Die Partei verfüge
über quasistaatliche Macht, weshalb die Behelligungen wegen der Aktivi-
täten für die PDK-S einer staatlichen Verfolgung gleichzusetzen seien.
Auch wenn sie keine wichtigen Parteimitglieder gewesen seien, ändere
dies nichts daran, dass die Verfolgung durch die YPG ein asylrelevantes
Ausmass angenommen habe. Die Vorinstanz habe übersehen, dass es
sich beim Onkel K._ des Beschwerdeführers, der zwischenzeitlich
Asyl in der Schweiz erhalten habe, um eine (...) gehandelt habe. Die YPG
sei nicht nur wegen ihrer eigenen Tätigkeiten für die PDK-S auf die Familie
aufmerksam geworden, sondern insbesondere auch wegen des politischen
Engagements des Onkels. Es liege demnach eine Reflexverfolgung vor.
Zudem hätte der Beschwerdeführer aufgrund eines Verfolgungsmotivs
nach Art. 3 AsylG in den Dienst für die YPG eingezogen werden sollen,
namentlich gehe es um die Rivalität zur PDK-S und damit auch um die
Reflexverfolgung wegen des Onkels. Dies ergebe sich auch daraus, dass
er im Jahr 2015, als die Rekrutierungsversuche erfolgt sein müssten, (...)
Jahre alt gewesen sei, mithin habe er das von der Vorinstanz erwähnte
Rekrutierungsalter von 18 bis 30 Jahren überschritten.
6.3 Schliesslich bringen die Beschwerdeführenden vor, aufgrund der exil-
politischen Aktivitäten würden subjektive Nachfluchtgründe vorliegen. Die
Vorinstanz habe diese zu Unrecht verneint, mithin Art. 3 AsylG verletzt. Es
treffe zwar zu, dass sie keine Demonstrationen organisiert oder geleitet
hätten. Sie seien aber in Erscheinung getreten und hätten erkannt werden
können. Teilweise seien Bilder im Internet publiziert worden. Auch besagter
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Onkel sei bei diesen Demonstrationen jeweils dabei gewesen, womit das
Risiko einer Reflexverfolgung bestehe.
7.
In der Vernehmlassung hält die Vorinstanz betreffend die Reflexverfolgung
wegen des Onkels des Beschwerdeführers fest, den Akten seien keine Hin-
weise zu entnehmen, dass sich diese bei einer Rückkehr nach Syrien mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit verwirklichen würde. Die Rekrutie-
rungsversuche durch die YPG sowie die übrigen Kontakte seien zu wenig
intensiv. Zudem wiesen die Beschwerdeführenden ein schwaches politi-
sches Profil auf. Der Beschwerdeführer sei zwar nach dem Aufenthaltsort
des Onkels gefragt worden, es bestünden aber keine Anzeichen, dass er
deswegen mit weitergehenden Problemen konfrontiert gewesen sei. Der
Umstand, dass noch Brüder des Beschwerdeführers in Syrien seien, spre-
che gegen dessen Reflexverfolgung. Aus den Akten würden sich keine Hin-
weise ergeben, dass diese wegen des Onkels asylbeachtliche Nachteile
erlitten hätten. Zudem handle es sich beim Onkel nicht um ein Mitglied der
Kernfamilie.
8.
In der Replik vom 2. November 2018 entgegnen die Beschwerdeführenden
der Vernehmlassung, die Vorinstanz verkenne die Hintergründe der Re-
flexverfolgung. Es sei nicht relevant, was sie und der Onkel über die Ereig-
nisse in Syrien gesagt hätten, sondern dass der Onkel in der Schweiz Asyl
erhalten habe und sie in regelmässigen Kontakt mit ihm und dessen Fami-
lie stünden. Der Onkel sei (...) gewesen. Angehörige von verfolgten Perso-
nen würden in Syrien oft Opfer von Reflexverfolgung. Falls der Onkel vom
syrischen Geheimdienst in der Schweiz überwacht werde, dürfte bekannt
sein, dass sie regen Kontakt zu ihm pflegten. Der Onkel sei eine Art Er-
satzvater für den Beschwerdeführer gewesen. Die Vorinstanz habe ver-
kannt, dass sie wegen der engen Beziehung zu diesem Onkel ins Visier
des syrischen Staates und der PYD geraten seien. Der Hintergrund dürften
die politischen Aktivitäten des Onkels gewesen sein. Da sie diesen Zusam-
menhang nicht erkannt hätten, hätten sie nicht auf die Reflexverfolgung
wegen des Onkels hinweisen können. Die Gefahr der Reflexverfolgung sei
erst durch das Zusammentreffen mit dem Onkel in der Schweiz entstan-
den.
Der Bruder, der das Aufgebot und den Haftbefehl des Beschwerdeführers
(recte: nur Aufgebot) entgegengenommen habe, sei mittlerweile aus Syrien
geflohen. Dieser scheine verpflichtet gewesen zu sein, für die Einrückung
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des Beschwerdeführers in den Reservedienst zu sorgen. Die anderen bei-
den Brüder hätten in Syrien bleiben können, da sie keine enge Verbindung
zum Onkel gehabt hätten. Betreffend die von der Vorinstanz erwähnte Fäl-
schungswahrscheinlichkeit der eingereichten Dokumente sei darauf hinzu-
weisen, dass die Echtheitsprüfung nicht immer einfach sei. Der syrische
Führerausweises sei zunächst von der Polizei als gefälscht angesehen,
danach aber als echt anerkannt worden.
9.
9.1 Zunächst ist festzustellen, dass die Beschwerdeführenden in der
Rechtsmitteleingabe die Schlussfolgerung der Vorinstanz anerkennen,
dass der Bürgerkrieg in Syrien sowie die schulischen Probleme keine Asyl-
gründe darstellen. Ein näheres Eingehen darauf erübrigt sich deshalb.
9.2 Hinsichtlich der Behelligungen durch die Angehörigen der YPG ist fest-
zuhalten, dass aus den Schilderungen der Beschwerdeführenden nicht
hervorgeht, weshalb das Erkundigen nach dem Aufenthaltsort des Onkels
K._ eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsmassnahme dar-
stellt. Selbst wenn der Onkel des Beschwerdeführers (K._) (...) ge-
wesen sein soll, ändert dies entgegen den Ausführungen in der Be-
schwerde nichts daran, dass die Behelligungen von geringem Ausmass
waren. Insbesondere drohten die Angehörigen der YPG den Beschwerde-
führenden und ihren Kindern keine konkreten Nachteile an respektive er-
griffen sie keine Massnahmen. Die Beschwerdeführenden wurden lediglich
mehrmals aufgefordert, sich ihnen anzuschliessen (vgl. SEM-Akte A14/18
F92 f. und A13/22 F51). Den Aussagen der Beschwerdeführerin lässt sich
überdies entnehmen, dass die Festnahme des Ehemannes dazu geführt
hat, dass die Familie Syrien verlassen hat (vgl. u.a. SEM-Akte A14/18 F69
ff. und F135), mithin die Behelligungen offensichtlich nicht ein Ausmass an-
genommen haben, welches die Familie zur Ausreise bewogen hat. Die Be-
helligungen durch die Angehörigen der YPG wegen der Parteimitglied-
schaft bei der PDK-S erreichen demnach – wie von der Vorinstanz zutref-
fend festgestellt – die Intensität ernsthafter Nachteile nicht. Im Übrigen
kann auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung
verwiesen werden.
9.3 Im Weiteren ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzustellen,
dass eine allfällige Einberufung durch die YPG zum obligatorischen Dienst,
welcher seit Juli 2014 besteht, gemäss konstanter Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts grundsätzlich asylrechtlich nicht relevant ist
(vgl. Referenzurteil BVGer D-5329/2014 vom 23. Juni 2015 E. 5.3 sowie
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dazu auch Urteile BVGer E-6558/2019 vom 9. Januar 2020 E. 7.2,
D-4838/2019 vom 30. Dezember 2019 E. 7.4.2 und D-7460/2016 vom
12. Dezember 2019 E. 5.2). Entgegen der Darlegungen in der Beschwerde
lassen sich den Schilderungen der Beschwerdeführenden keine Anhalts-
punkte dafür entnehmen, dass der Einberufung des Beschwerdeführers
durch die YPG ein Verfolgungsmotiv nach Art. 3 AsylG zugrunde gelegen
hätte. Insbesondere bestehen keine Hinweise, dass der Einzug an die po-
litischen Aktivitäten der Beschwerdeführenden und des Onkels geknüpft
war, auch wenn sie vorbringen, der Beschwerdeführer habe zum damali-
gen Zeitpunkt die Altersgrenze von 30 Jahren bereits überschritten gehabt.
9.4 In Bezug auf die geltend gemachte Reflexverfolgung aufgrund des On-
kels K._ ist festzuhalten, dass dieser und seine Familie am (...) in
der Schweiz Asyl erhalten haben. Der Beschwerdeführer hat anlässlich der
Anhörung keine konkreten Probleme respektive erlittene oder befürchtete
Nachteile im Zusammenhang mit seinem Onkel erwähnt. Angehörige der
YPG erkundigten sich lediglich nach dessen Aufenthaltsort (vgl. SEM-Akte
A13/22 F72, F91). Die Beschwerdeführenden haben demnach nicht gel-
tend gemacht, wegen einer allfällig drohenden Reflexverfolgung ausgereist
zu sein. Auch wenn sie sich anlässlich der Befragungen durch die Vor-
instanz über das Vorliegen einer möglichen Reflexverfolgung nicht im Kla-
ren gewesen sind, wird in der Beschwerdeschrift und der Replik nicht sub-
stantiiert dargelegt, aus welchen konkreten Gründen eine entsprechende
Gefährdung aufgrund des genannten Onkels bestehen soll. Die beiden
Eingaben beschränken sich lediglich darauf, auf die enge Beziehung des
Beschwerdeführers zum politisch aktiven Onkel und die Kontaktpflege in
der Schweiz zu verweisen. Es wird nicht ausgeführt, wie sich der regelmäs-
sige Kontakt zum Onkel und dessen Familie gestaltet und inwiefern die
blosse Kontaktpflege flüchtlingsrechtlich relevante Auswirkungen haben
soll. Aus den Befragungsprotokollen geht vor allem auch nicht hervor, dass
dieser Onkel lediglich zum Beschwerdeführer und nicht zu seinen weiteren
Brüdern eine nahe Beziehung hatte. Vielmehr gab der Beschwerdeführer
anlässlich der Anhörung an, dieser Onkel sei «für uns wie unser Vater ge-
wesen» und habe sie «wie seine Kinder angesehen» (vgl. a.a.O. F50). Die
Beschwerdeführenden machen denn auch nicht geltend, die im Heimat-
land verbliebenen Brüder des Beschwerdeführers würden wegen des On-
kels reflexverfolgt. Es liegen keine Gründe vor, weshalb die Beschwerde-
führenden und ihre Kinder einer künftigen Reflexverfolgung ausgesetzt
sein sollen. Auch aus den Akten des Onkels gehen keine entsprechenden
Anhaltspunkte hervor.
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Seite 13
9.5
9.5.1 Die Vorinstanz erachtet die Einberufung des Beschwerdeführers in
den Reservedienst und insoweit dessen Refraktion als nicht glaubhaft. Ob
dieser Schluss zutrifft, kann vorliegend offen bleiben. Das Bundesverwal-
tungsgericht ist nicht an die Begründung der Vorinstanz gebunden (Art. 62
Abs. 4 VwVG); es kann die Beschwerde auch aus anderen Überlegungen
als jenen der Vorinstanz abweisen (sog. Motivsubstitution; vgl. MADELEINE
CAMPRUBI in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesge-
setz über das Verwaltungsverfahren, 2. Aufl. 2019, N. 16 zu Art. 62 VwVG;
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, S. 398, Rz. 1136).
9.5.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Grundsatzurteil BVGE 2015/3
(siehe E. 5) festgestellt, dass auch nach der Einführung von Art. 3 Abs. 3
AsylG die bisherige Rechtspraxis in Bezug auf Personen, die ihr Asylge-
such mit einer Wehrdienstverweigerung oder Desertion im Heimatstaat be-
gründen, weiterhin gültig bleibt. Entsprechend vermag eine Refraktion oder
Desertion nicht allein, sondern nur verbunden mit einer Verfolgung im
Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen.
Mit anderen Worten muss die betroffene Person aus den in dieser Norm
genannten Gründen (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer
bestimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) wegen ihrer
Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen
haben, die ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleich-
kommt. In Bezug auf die spezifische Situation in Syrien erwog das Gericht,
die staatlichen syrischen Sicherheitskräfte würden seit dem Ausbruch des
Konflikts im März 2011 gegen tatsächliche oder vermeintliche Regimegeg-
ner mit grösster Brutalität und Rücksichtslosigkeit vorgehen. Personen, die
sich dem Dienst in der staatlichen syrischen Armee entzogen haben –
etwa, weil sie sich den Aufständischen anschliessen wollten oder in der
gegebenen Bürgerkriegssituation als Staatsfeinde und als potentielle geg-
nerische Kombattanten aufgefasst werden –, seien seit dem Jahr 2011 in
grosser Zahl nicht nur von Inhaftierung, sondern auch von Folter und aus-
sergerichtlicher Hinrichtung betroffen (BVGE 2015/3, E. 6.7.2 m.w.H.). In
BVGE 2015/3 ging das Gericht davon aus, die genannten Voraussetzun-
gen seien im Falle eines syrischen Refraktärs erfüllt, welcher der kurdi-
schen Ethnie angehöre, einer oppositionell aktiven Familie entstamme und
bereits in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit der staatlichen syrischen
Sicherheitskräfte auf sich gezogen habe (a.a.O. E. 6.7.3).
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Aus den in der Folge ergangenen nicht publizierten Urteilen des Bundes-
verwaltungsgerichts geht hervor, dass bei Wehrdienstverweigerung im sy-
rischen Kontext nur dann eine asylrelevante Strafe zu befürchten ist, wenn
zusätzliche exponierende Faktoren gegeben sind. Hingegen ist nicht da-
von auszugehen, dass herkömmlichen Dienstverweigerern, das heisst sol-
chen, die nicht zusätzlich politisch exponiert sind, mit genügender Wahr-
scheinlichkeit eine die Schwelle der Asylrelevanz erreichende Strafe droht
(vgl. u.a. Urteil BVGer E-5262/2018 vom 19. Dezember 2018, E. 6.1).
9.6 Den Akten lassen sich keine Anhaltspunkte für gezielte Verfolgungs-
massnahmen der syrischen Behörden im Sinne von Art. 3 AsylG gegen den
Beschwerdeführer entnehmen. Selbst wenn von der Glaubhaftigkeit der
Einberufung in den Reservedienst ausgegangen würde, kann aus diesem
Umstand allein nicht auf eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung ge-
schlossen werden. Der Beschwerdeführer hat keine Gründe vorgebracht,
welche auf ein zusätzlich vorliegendes asylrelevantes Motiv im Sinne von
Art. 3 AsylG schliessen lassen. Das politische Profil des Beschwerdefüh-
rers ist als gering einzustufen. Er ist ein einfaches Mitglied der PDK-S, wel-
ches an Parteisitzungen teilgenommen hat (vgl. SEM-Akte A13/22 F99).
Wie sich den Ausführungen des Beschwerdeführers anlässlich der Anhö-
rung entnehmen lässt, erfolgte das Festhalten auf dem Polizeiposten le-
diglich zwecks Sicherung des Einzugs in den Reservedienst (vgl. SEM-
Akte A13/22 F54, F56). Auch am (...) haben die Polizisten einzig den Mili-
tärdienst als Begründung für die Mitnahme angegeben (vgl. a.a.O. F61).
Es ist insbesondere nicht ersichtlich, dass diese Vorkommnisse einen Zu-
sammenhang zum Onkel K._ gehabt hätten. Zudem gab der Be-
schwerdeführer an, während der Inhaftierung sei nichts vorgefallen (vgl.
a.a.O. F54, F58). Aufgrund der fehlenden Asylrelevanz kann die Frage
nach der Glaubhaftigkeit der diesbezüglichen Vorbringen sowie nach der
Echtheit des Aufgebotes und des Haftbefehls offenbleiben.
9.7 Zum exilpolitischen Engagement des Beschwerdeführers in der
Schweiz ist festzuhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht in seiner
Praxis davon ausgeht, dass der Schwerpunkt der Aktivitäten der syrischen
Geheimdienste im Ausland nicht bei einer grossflächigen, sondern bei ei-
ner selektiven und gezielten Überwachung der im Ausland lebenden Op-
position liegt (vgl. Referenzurteil des BVGer D-3839/2013 vom 27. Oktober
2015 E. 6.3). Die Annahme, die betroffene Person habe die Aufmerksam-
keit der syrischen Geheimdienste in einer Weise auf sich gezogen, welche
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auf eine begründete Furcht vor Verfolgung wegen exilpolitischer Tätigkei-
ten schliessen lässt, rechtfertigt sich deshalb nur, wenn diese sich in be-
sonderem Mass exponiert (vgl. a.a.O. E. 6.3.6).
Der Beschwerdeführer war gemäss seinen eigenen Angaben seit seiner
Anwesenheit in der Schweiz Ende 2015 lediglich an wenigen Kundgebun-
gen dabei. Aus den Akten geht nicht hervor, dass er sich im Vergleich zu
den anderen Teilnehmern in besonderem Masse exponiert hätte. Er führte
zwar anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs zu den exilpoliti-
schen Tätigkeiten durch die Vorinstanz aus, er habe bei der Organisation
der Veranstaltungen tatkräftig mitgewirkt, substantiierte dieses Vorbringen
aber nicht ansatzweise (vgl. SEM-Akte A19/4). Er legte weder dar, welche
Bilder im Internet publiziert worden sein sollen noch gab er entsprechende
Referenzstellen an. Sodann hat er im Rahmen des Beschwerdeverfahrens
auch keine weiteren Belege für sein exilpolitisches Engagement einge-
reicht. Es ist demnach von einem niederschwelligen politischen Profil des
Beschwerdeführers auszugehen. Eine Exponierung im Sinne des vorste-
hend aufgeführten Referenzurteils liegt nicht vor. Daran ändert das pau-
schale Vorbringen, er habe anlässlich der Kundgebungen seinen Onkel
K._ getroffen, nichts. Soweit die Beschwerdeführenden in der Be-
schwerde vorbringen, beide seien exilpolitisch aktiv, konkretisieren sie die
Aktivitäten der Beschwerdeführerin nicht weiter. Den Akten lässt sich nicht
entnehmen, dass sie sich in der Schweiz exilpolitisch betätigt.
10.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden keine
Fluchtgründe oder subjektiven Nachfluchtgründe haben nachweisen oder
glaubhaft machen können. Die Vorinstanz hat demnach die Flüchtlingsei-
genschaft zu Recht verneint und ihre Asylgesuche abgelehnt.
11.
11.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
11.2 Die Beschwerdeführenden und ihre Kinder verfügen weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
13.
13.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich
den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihnen
indes mit Zwischenverfügung vom 9. Oktober 2018 die unentgeltliche Pro-
zessführung gewährt wurde und sie nach wie vor bedürftig sind (vgl. Für-
sorgebestätigung vom 20. April 2020), sind keine Verfahrenskosten zu er-
heben (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
13.2 Mit derselben Zwischenverfügung hat die Instruktionsrichterin Für-
sprech Jürg Walker als amtlichen Rechtsbeistand eingesetzt. Der amtliche
Rechtsvertreter hat am 2. November 2018 eine Kostennote eingereicht.
Darin weist er basierend auf einem Stundenansatz von Fr. 230.–, einem
zeitlichen Aufwand von 8.833 Stunden sowie Auslagen im Betrag von
Fr. 47.90 ein Honorar von insgesamt Fr. 2'239.61 (inkl. MwSt.) aus. Der
geltend gemachte zeitliche Aufwand erscheint angemessen. Indes ist von
einem Stundenansatz von Fr. 220.– auszugehen (vgl. Zwischenverfügung
vom 9. Oktober 2018). Dem amtlich eingesetzten Rechtsvertreter ist dem-
nach vom Bundesverwaltungsgericht eine Entschädigung von Fr. 1'954.20
auszurichten (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag).
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