Decision ID: 9fdabb09-86d0-4eda-a295-e69f06a35ce9
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ ist seit dem 1. November 2015 bei der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse, als Selbstständigerwerbender angeschlossen. Er
meldete sich am 26. März 2020 zum Bezug von Corona-Erwerbsersatzentschädigung
für den Zeitraum vom 17. März 2020 bis zum (damaligen) Ende der ausserordentlichen
Lage am 19. April 2020 an. Er gab an, er sei im Bereich Barbetrieb und
Veranstaltungsorganisation tätig (act. G 3.1/2). In der Folge richtete ihm die
Ausgleichskasse St. Gallen vom 17. März 2020 (zunächst) bis 16. September 2020
basierend auf den Akontobeiträgen des Jahres 2019 (beitragspflichtiges Einkommen:
Fr. 6'800.--) eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung mit einem Taggeldansatz von
Fr. 15.20 aus (act. G 3.1/1.1, 3 - 12).
A.a.
Mit E-Mail vom 19. November 2020 erkundigte sich die Treuhänderin des
Versicherten nach einer Anpassung des Taggeldansatzes. Im Geschäftsjahr 2018 habe
er nur einen Jahresgewinn von Fr. 21'512.29 erzielt. Die Akontorechnungen 2019 seien
"entsprechend" tief gewesen. Das Geschäftsjahr 2019 sei jedoch wesentlich besser
A.b.
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verlaufen und der Jahresgewinn habe Fr. 111'630.32 betragen. Die Steuern 2019 seien
am 22. September 2020 mit einem Jahresgewinn von Fr. 114'617.-- veranlagt worden
(act. G 3.1/15). In ihrer Antwort vom 20. November 2020 teilte die SVA St. Gallen der
Treuhänderin mit, dass die Tagessätze nur bis zum 16. September 2020 hätten
angepasst werden können. Später eingereichte Anträge könnten nicht mehr
berücksichtigt werden. Aus diesem Grund sei auch bei einer Weiterführung der
Corona-Erwerbsersatzentschädigung wieder vom selben Tagessatz auszugehen (act.
G 3.1/16).
Nach Erhalt der definitiven Beitragsverfügung vom 23. November 2020, mit
welcher die Ausgleichskasse die Beiträge 2019 gestützt auf die Steuermeldung vom
22. September 2020 mit einem beitragspflichtigen Einkommen von 126'800.-- verfügt
hatte, erkundigte sich die Treuhänderin des Versicherten mit E-Mail vom 24. November
2020 erneut nach einer Anpassungsmöglichkeit des EO-Taggeldes wenigstens für die
Zukunft, da jenen kein Verschulden daran treffe, dass die Steuerveranlagung erst am
22. September 2020 erstellt worden sei (act. G 3.1/20 und 22). In ihrer Antwort selbigen
Datums wies die Ausgleichskasse lediglich darauf hin, dass für Anspruchsberechtigte,
die bereits eine Entschädigung gemäss der bis zum 16. September 2020 geltenden
Version der COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall bezogen hätten, die
Berechnungsgrundlage (auch danach) unverändert bleibe (act. G 3.1/21).
A.c.
Mit einer weiteren Eingabe vom 26. Januar 2021 an den Leiter der
Ausgleichskasse St. Gallen liess der Versicherte durch seine Treuhänderin anfragen, ob
eine Anpassung des Tagessatzes für die Erwerbsersatzentschädigung (zumindest) für
die erneute Betriebsschliessung ab 22. Dezember 2020 an das effektive - und für die
definitiven Beiträge 2019 massgebende - Einkommen möglich sei. Sollte keine
Möglichkeit bestehen, sei er nicht in der Lage, die Nachzahlung von Fr. 13'687.95 für
die definitiven Beiträge 2019 zu bezahlen. Der Fehlbetrag zwischen dem durch die
angeordnete Schliessung weggefallenen Einkommen und dem mit der EO-
Entschädigung gewährten Ersatzeinkommen sei einfach zu gross (act. G 3.1/24). Die
Ausgleichskasse nahm dieses Schreiben als Gesuch um Erlass einer einsprachefähigen
Verfügung entgegen.
A.d.
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Mit Verfügung vom 28. Januar 2021 hielt die Ausgleichskasse an ihrer Auffassung
fest, wonach die Corona-Erwerbsersatzentschädigung für den Zeitraum vom 17. März
2020 bis zum 16. September 2020 auf Grund des beitragspflichtigen Einkommens
2019 von Fr. 6'800.-- gemäss Mitteilung vom 28. Januar 2019 festzulegen sei. Der
verfügte Tagessatz von Fr. 15.20 gelte für alle Bezugsperioden (act. G 3.1/25).
Anlässlich eines Telefongesprächs vom selben Tag teilte die SVA der Treuhänderin mit,
sie habe das Erlassgesuch an die zuständige Stelle weitergeleitet (act. G 3.1/26).
A.e.
Mit Einsprache vom 5. Februar 2021 beantragte der Versicherte, den Ansatz für
den Corona-Erwerbsersatz auf Grund des tatsächlichen und den definitiven Beiträgen
2019 zu Grunde gelegten Einkommens von Fr. 126'800.-- zu berechnen und den
Tagessatz auf Fr. 196.-- festzusetzen. Für die Bemessung des Taggeldes sei das
Erwerbseinkommen 2019 massgebend. Es sei widersprüchlich, wenn die Höhe der
Entschädigung nicht neu festgelegt werden könne. Unter Hinweis auf ein vor
Bundesgericht hängiges Verfahren zu dieser Thematik sei dessen Entscheid
abzuwarten (act. G 3.1/30).
A.f.
Mit Entscheid vom 15. April 2021 wies die SVA St. Gallen die Einsprache ab. Die
Corona-Erwerbsausfallentschädigung sei als Nothilfe konzipiert, weshalb sich in
vernünftiger Weise rechtfertigen lasse, dass für die Einreichung eines Antrags auf
Neuberechnung resp. auf Revision eines bereits getroffenen Entscheids eine Frist bis
16. September 2020 festgelegt worden sei. Diese Frist decke sich denn auch mit der
Gültigkeitsdauer der Verordnung für indirekt betroffene Selbstständigerwerbende.
Mithin verletze Art. 5 Abs. 2 Satz 2 COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall - entgegen
der Auffassung des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich in dessen
Entscheid vom 29. Oktober 2020 (EE.2020.00006) - nicht das Rechtsgleichheitsgebot.
Die Frist des 16. September 2020 sei damit als verfassungskonform anzusehen. Da die
Frage vom Bundesgericht nicht materiell geprüft worden sei, entfalle auch der
Sistierungsgrund. Nachdem vorliegend die Steuerveranlagung 2019 am 22. September
2020 ausgefertigt und der erste Antrag auf Neuberechnung am 19. November 2020
eingereicht worden sei, sei der Anspruch auf Neuberechnung zu Recht abgewiesen
worden (act. G 3.1/41).
A.g.
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B.
Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 11. Mai
2021 mit dem sinngemässen Antrag auf dessen Aufhebung. Die Beschwerdegegnerin
sei alsdann anzuweisen, die Corona-Erwerbsersatzentschädigung auf Basis der
Steuerveranlagung 2019 neu zu berechnen. Eventualiter sei die Sistierung aufrecht zu
erhalten. Zur Begründung wird vorgebracht, die COVID-19-Verordnung Erwerbsersatz
sehe im Grundsatz vor, dass Selbstständigerwerbende auf Basis ihres Einkommens
2019 entschädigt würden, wenn sie auf Grund der behördlichen Massnahmen von
einer Betriebsschliessung betroffen seien. Gleichzeitig sehe die Verordnung vor, dass
ein Antrag auf Neuberechnung auf Basis der definitiven Steuerveranlagung 2019 bis
zum 16. September 2020 gestellt werden müsse. Gerade bei
Selbstständigerwerbenden liege die definitive Steuerveranlagung im September
oftmals noch gar nicht vor. Die Steuerpflichtigen hätten nur beschränkt Einfluss darauf,
wann die Steuerbehörden die Veranlagung vornähmen. Das Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich habe in seinem Urteil vom 29. Oktober 2020 (EE.2020.00006)
bestätigt, dass die Verordnung mit dem fixen Datum (des 16. September 2020) das
Rechtsgleichheitsgebot nach Art. 8 Abs. 1 der Bundesverfassung verletze, weil damit
ungleiche Voraussetzungen geschaffen würden, abhängig davon, ob die
Steuerveranlagung durch die Steuerbehörden vor oder nach dem 16. September 2020
erfolge und zugestellt werde. Das Bundesgericht habe die vom Bundesamt für
Sozialversicherungen dagegen erhobene Beschwerde mit Entscheid vom 9. März 2021
(Urteil 9C_752/2020) abgewiesen. Da das Bundesgericht bislang noch nicht
letztinstanzlich darüber entschieden habe, ob das feste Datum rechtens sei oder ob
eine nach dem 16. September 2020 ausgestellte Steuerveranlagung 2019 zu
berücksichtigen sei, bestehe der Sistierungsgrund weiter (act. G 1).
B.a.
Mit Eingabe vom 7. Juni 2021 beantragt die Beschwerdegegnerin die Abweisung
der Beschwerde und verweist zur Begründung auf den angefochtenen
Einspracheentscheid (act. G 3).
B.b.
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 14. Juli 2021 wurde dem
Beschwerdeführer mitgeteilt, eine Sistierung sei nicht angezeigt (act. G 5). Der
Schriftenwechsel wurde ohne Gegenbericht abgeschlossen.
B.c.
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Erwägungen
1.
2.
Anspruchsberechtigt für eine Corona-Erwerbsausfallentschädigung sind unter
anderem Selbstständigerwerbende im Sinne von Art. 12 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (SR 830.1; abgekürzt: ATSG), die auf
Grund einer Massnahme nach Art. 6 Abs. 1 und 2 der COVID-19-Verordnung 2 einen
Erwerbsausfall erleiden und im Sinn des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (SR 831.10; abgekürzt: AHVG) obligatorisch versichert sind
(Art. 2 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 2 Abs. 1 lit. c der Verordnung über Massnahmen
bei Erwerbsausfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus [COVID-19 [SR 830.31;
abgekürzt: COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall]] in der bis 16. September 2020 gültig
gewesenen, vorliegend anwendbaren Fassung).
1.1.
bis
Für die Bemessung der Höhe der Entschädigung ist auf Art. 5 der COVID-19-
Verordnung Erwerbsausfall abzustellen. Demnach beträgt das Taggeld 80 % des
durchschnittlichen Erwerbseinkommens, das vor Beginn des Anspruchs auf die
Entschädigung erzielt worden war (Abs. 1), wobei zur Ermittlung des Einkommens Art.
11 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende, bei
Mutterschaft und bei Vaterschaft (SR 834.1; abgekürzt: EOG) sinngemäss anwendbar
ist (Abs. 2 Satz 1). Nach der Festlegung der Entschädigung kann eine Neuberechnung
der Entschädigung nur vorgenommen werden, wenn eine aktuellere Steuerveranlagung
bis zum 16. September 2020 der anspruchsberechtigten Person zugestellt wird und
diese den Antrag zur Neuberechnung bis zu diesem Datum einreicht (Abs. 2 Satz 2).
Grundlage für die Bemessung der Entschädigung für selbstständig Erwerbende bildet
somit grundsätzlich das Erwerbseinkommen, welches im Jahr 2019 erzielt wurde. Als
Basis ist das Einkommen zu verwenden, welches für die Festsetzung der
Beitragsrechnungen für das Jahr 2019 (Akontorechnungen) herangezogen wurde. Liegt
im Zeitpunkt der Festsetzung der Entschädigung die definitive Steuerveranlagung für
das Jahr 2019 bereits vor, ist auf diese abzustellen (Kreisschreiben des Bundesamtes
für Sozialversicherungen [BSV] über die Entschädigung bei Massnahmen zur
Bekämpfung des Coronavirus - Corona-Erwerbsersatz [abgekürzt: KS CE] Randziffer
[Rz] 1065 ab der dritten Fassung, gültig ab 13. Mai 2020).
1.2.
Vorliegend hatte der Beschwerdeführer unbestrittenermassen für die Periode vom
17. März 2020 bis zum 16. September 2020 auf Grund von Betriebsschliessungen
2.1.
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3.
sowie vom 1. Januar 2021 bis (mindestens) 31. März 2021 Anspruch auf eine Corona-
Erwerbsausfallentschädigung (act. G 3.1/3 - 12, 33, 36 und 39). Weiter ist unbestritten,
dass ihm am 22. September 2020 die definitive Steuerveranlagung 2019 zugestellt
wurde und er dies erstmals am 19. November 2020 durch die Rhenum Treuhand AG
bei der Beschwerdegegnerin melden liess. Die Treuhänderin erkundigte sich
gleichzeitig nach der Möglichkeit, die Taggelder neu zu berechnen (act. G 1.2 und
G 3.1/15). Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der Folge auf den Standpunkt, es
bestehe keine Revisionsmöglichkeit, da die gemäss Art. 5 Abs. 2 Satz 2 COVID-19-
Verordnung Erwerbsausfall bestehende Frist bis 16. September 2020 nicht eingehalten
worden sei (act. G 3.1/16). Auch eine weitere Anfrage der Treuhänderin vom
24. November 2020, worin sich diese abermals nach einer Anpassungsmöglichkeit
erkundigte, da den Beschwerdeführer ja kein Verschulden daran treffe, dass die
Steuerveranlagungsverfügung erst nach dem 16. September 2020 erfolgt sei,
beantwortete die Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf Rz 1065 KS CE (Version 9/20)
und die Befristung per 16. September 2020 wiederum abschlägig (act. G 3.1/21 f.).
Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 15. April 2021 bejahte die
Beschwerdegegnerin zudem die vom Beschwerdeführer ebenfalls aufgeworfene Frage
der Verfassungsmässigkeit der fraglichen Befristung der Revisionsmöglichkeit per
16. September 2020. So sei die Corona-Erwerbsausfallentschädigung als Nothilfe
konzipiert, weshalb sich eine Befristung der Revisionsmöglichkeit bis 16. September
2020 rechtfertigen lasse. Diese Frist decke sich sodann mit der Gültigkeitsdauer der
Verordnung für indirekt betroffene Selbstständigerwerbende. Mithin verletze Art. 5 Abs.
2 Satz 2 COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall nicht das Rechtsgleichheitsgebot
gemäss Art. 8 Abs. 1 BV. Die fragliche Befristung sei deshalb als verfassungskonform
anzusehen (act. G 3.1/41 Ziff. II.4).
2.2.
Wie die Beschwerdegegnerin hat sich das streitbefasste Gericht zunächst mit der
Frage der Verfassungsmässigkeit der fraglichen Regelung zu befassen (vgl. 35 Abs. 2
der Bundesverfassung [SR 101; abgekürzt: BV], wonach an die Grundrechte gebunden
und verpflichtet ist, zu ihrer Verwirklichung beizutragen, wer staatliche Aufgaben
wahrnimmt). Nach Art. 8 Abs. 1 BV verstösst ein Erlass gegen das Gebot der
Rechtsgleichheit in der Rechtsetzung, wenn er rechtliche Unterscheidungen trifft, für
die kein vernünftiger Grund in den zu regelnden Verhältnissen ersichtlich ist, oder wenn
er Unterscheidungen unterlässt, die sich auf Grund der Verhältnisse aufdrängen, wenn
also Gleiches nicht nach Massgabe seiner Gleichheit gleich und Ungleiches nicht nach
Massgabe seiner Ungleichheit ungleich behandelt wird. Die ungerechtfertigte Gleich-
3.1.
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bzw. Ungleichbehandlung muss sich auf eine wesentliche Tatsache beziehen. Die
Frage, ob für eine rechtliche Unterscheidung ein vernünftiger Grund in den zu
regelnden Verhältnissen besteht, kann zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich
beantwortet werden. Dem Gesetzgeber bleibt im Rahmen dieser Grundsätze und des
Willkürverbots ein weiter Gestaltungsspielraum (BGE 145 II 211 E. 2.4.1, mit Hinweis
auf BGE 143 V 139 E. 6.2.3 S. 145 f.).
In den ursprünglichen Fassungen von Art. 5 COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall
(gültig gewesen bis 18. Juni 2020) gab es die fragliche Befristung noch nicht. Vielmehr
wurde dort für die Bemessung der Entschädigung einzig auf Art. 11 Abs. 1 EOG
verwiesen, welche Bestimmung ihrerseits wiederum den Bundesrat ermächtigt,
Vorschriften zur Bemessung der Entschädigung zu erlassen. Dies hat der Bundesrat
getan, indem er unter anderem bestimmt hat, dass eine Neuberechnung der
Entschädigung verlangt werden könne, wenn für das Jahr der Dienstleistung später ein
anderer AHV-Beitrag verfügt werde (Art. 7 Abs. 1 Satz 2 der Verordnung zum
Erwerbsersatzgesetz (SR 834.11; abgekürzt: EOV [in der bis 30. Juni 2021 gültig
gewesenen Fassung; seit 1. Juli 2021 inhaltlich unverändert in Art. 7 Abs. 1 EOV]).
Auf Grund dieser Regelung ist davon auszugehen, dass grundsätzlich jederzeit eine
Anpassung der Erwerbsersatzentschädigung (für Dienstleistende oder bei Mutter- und
Vaterschaft) verlangt werden kann. Mithin besteht diesbezüglich soweit ersichtlich eine
gegenüber der allgemeinen Revisionsregelung (Art. 53 Abs. 1 ATSG) grosszügigere
Regelung, indem weder eine 90-tägige Revisionsfrist (vgl. Art. 55 Abs. 1 ATSG in
Verbindung mit Art. 67 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren
[SR 172.021; abgekürzt: VwVG]; vgl. auch Ueli Kieser, Kommentar zum Bundesgesetz
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl., Schulthess 2020,
Art. 53 N 39) einzuhalten ist noch eine "neue Tatsache" vorliegen muss (was etwa dann
nicht der Fall wäre, wenn die versicherte [selbstständigerwerbende] Person ihrer
Meldepflicht gemäss Art. 24 Abs. 4 der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (SR 831.101; abgekürzt: AHVV [wesentliche Abweichung
vom voraussichtlichen Einkommen] nicht nachkommt und damit eine zu tiefe
Festsetzung der Beiträge selbst zu verantworten hat). Auch gemäss der Regelung des
BSV in Rz 1065.1 KS CE (in den Versionen bis 5/20 bzw. bis Stand 20. Mai 2020)
konnte mit dem Revisionsantrag bis zum Vorliegen der definitiven Steuerveranlagung
zugewartet werden.
3.2.
bis
Ab der Fassung vom 19. Juni 2020 (rückwirkend in Kraft seit 17. März 2020 [AS
2020 2223] bzw. Stand 6. Juli 2020) beschränkte der Bundesrat die
Anpassungsmöglichkeit an eine aktuellere Steuerveranlagung auf den Zeitpunkt des
3.3.
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16. September 2020 (Art. 5 Abs. 2 Satz 2 COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall in der
genannten Fassung). Das BSV folgte dieser Änderung mit einer entsprechenden
Anpassung von Rz 1065.1 KS CE. Diese Verordnungsnovelle schuf nun aber eine
Unterscheidung in Anspruchsberechtigte, die ihre Steuerveranlagung vor dem
nämlichen Datum erhielten (und einreichten) und solche, bei denen dies nicht der Fall
war. Das Rechtsgleichheitsgebot erlaubt Ungleichbehandlungen, sofern diese mit
ernsthaften sachlichen Gründen gerechtfertigt werden können, d.h. wenn die
Situationen, in denen sich zwei oder mehrere Personen oder Gruppen befinden, in
wichtigen Aspekten derart verschieden sind, dass sich im Hinblick auf den
Regelungszweck eine unterschiedliche Behandlung geradezu aufdrängt. Das
Bundesgericht untersucht regelmässig, ob eine gesetzliche Regelung rechtliche
Unterscheidungen trifft, für die ein vernünftiger Grund in den zu regelnden
Verhältnissen nicht ersichtlich ist bzw. ob sie Unterscheidungen unterlässt, obwohl sie
sich sachlich aufdrängen (Rainer J. Schweizer, in: Die schweizerische
Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl., Dike/Schulthess 2014, Art. 8 Rz 21).
Bei einer rechtlichen Ungleichbehandlung, wo über den Bezug von staatlichen
Leistungen in existenziellen Lebensbereichen entschieden wird, besteht sodann eine
erhöhte Pflicht zur Begründung von Differenzierungen, also des Ein- oder Ausschlusses
bestimmter Personen von entsprechenden Leistungen (Jörg Paul Müller/Markus
Schefer, Grundrechte der Schweiz, 4. Aufl., Stämpfli 2008, S. 666).
Erlässt der Verordnungsgeber Regelungen, sind die in vorstehender Erwägung
genannten Anforderungen zu erfüllen. In Bezug auf die konkret getroffene Regelung
leuchtet nicht ohne Weiteres ein, weshalb die nachträgliche Abänderung einer bereits
festgesetzten bzw. anfänglich verweigerten Entschädigung nur bis zu einem
bestimmten Datum möglich sein soll. Mit der gebotenen Eile, mit welcher man noch bei
der erstmaligen Festsetzung der Entschädigung argumentieren kann, lässt sich eine
solche Einschränkung nicht rechtfertigen. Sie lässt sich auch nicht mit der
Gültigkeitsdauer der Notverordnung rechtfertigen, wurde diese doch mehrfach
verlängert (zunächst bis 31. Dezember 2020, dann bis 30. Juni 2021, 31. Dezember
2021 und schliesslich bis 31. Dezember 2022 [Art. 11 Abs. 4 COVID-19-Verordnung
Erwerbsausfall in der Fassung vom 17. September 2020 [Verordnung vom
11. September 2020, in Kraft seit 17. September 2020; AS 2020 3705], Abs. 5 in der
Fassung vom 8. Oktober 2020 [Verordnung vom 4. November 2020, in Kraft seit
17. September 2020; AS 2020 4571], Abs. 6 in der Fassung vom 1. Juli 2021
[Verordnung vom 18. Juni 2021, in Kraft seit 1. Juli 2021; AS 2021 390] und Abs. 7 in
der Fassung vom 1. Januar 2022 [Verordnung vom 17. Dezember 2021, in Kraft seit
1. Januar 2022; AS 2021 906]]) und kann der Anspruch jedenfalls über den
3.4.
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16. September 2020 hinaus während der genannten Gültigkeitsdauer geltend gemacht
werden (ab der Fassung vom 1. April 2021 [Verordnung vom 31. März 2021, in Kraft
seit 1. April 2021; AS 2021 183] sogar länger [Art. 6 COVID-19-Verordnung
Erwerbsausfall in den genannten Fassungen]). Weshalb die von der
Beschwerdegegnerin ins Feld geführte Übereinstimmung mit der Gültigkeitsdauer für
indirekt betroffene Selbstständigerwerbende (Härtefallregelung) hier massgebend sein
soll (vgl. Einspracheentscheid, Ziff. II.4 am Schluss), ist ebenfalls nicht ersichtlich, da
auch bei indirekt betroffenen Selbstständigerwerbenden zwischen der Anspruchsdauer
(Art. 3 Abs. 4 COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall in der Fassung vom 6. Juli 2020
[Verordnung vom 1. Juli 2020, in Kraft seit 17. März 2020; AS 2020 2729]) und der
Anspruchshöhe sowie der nachträglichen Abänderung einer bereits festgesetzten oder
Zusprache einer bisher verweigerten Entschädigung zu unterscheiden ist (Art. 5 Abs. 2
in der genannten Fassung). Nach dem Gesagten stellt die einheitliche Befristung der
Revisionsmöglichkeit eine nicht sachgerechte Regelung dar, indem Ungleiches - die
Steuerpflichtigen erhalten die definitive Veranlagung aus Gründen, die sie zumindest
nicht alleine zu vertreten haben, nicht gleichzeitig - nicht nach Massgabe der
Ungleichheit, sondern ohne zureichende Begründung gleich behandelt wird, also eine
gebotene Differenzierung unterbleibt. Nachdem es sich grundsätzlich um eine für die
Betroffenen existenzielle Regelung handelt, vermag der alleinige Hinweis der
Beschwerdegegnerin auf die Konzeption des Corona-Erwerbsersatzes als Nothilfe den
erhöhten Anforderungen an die Begründungspflicht einer potentiell diskriminierenden
Regelung nicht zu genügen. Die fragliche Regelung erweist sich damit als
verfassungswidrig (vgl. auch Entscheid des Versicherungsgerichts vom 17. Mai 2022
[EO 2021/8], E. 2.4; zum gleichen Schluss gelangte auch das
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich in seinem Urteil vom 29. Oktober 2020
[EE.2020.00006] E. 3).
Bei diesem Ergebnis durfte der Beschwerdeführer die definitive Steuerveranlagung
auch nach dem 16. September 2020 noch einreichen. Da Art. 7 Abs. 1 Satz 2 EOV (ab
1. Juli 2021: Art. 7 Abs. 1 EOV) keine konkrete Frist für den Antrag auf
Neuberechnung vorsieht, kann ein entsprechender Antrag - selbst unter der Annahme,
dass die Corona-Erwerbsersatzentschädigung, anders als die
Erwerbsersatzentschädigung bei Dienstleistung, Mutter- oder Vaterschaft, auf Grund
ihres speziellen Zwecks zeitlich nicht unbegrenzt abgeändert werden kann - zumindest
in der 90-tägigen Revisionsfrist gemäss Art. 67 Abs. 1 VwVG gestellt werden. Nachdem
die Steuerveranlagung vom 22. September 2020 (act. G 1.2) datiert und der
Beschwerdeführer somit nicht vor diesem Datum vom Revisionsgrund des neuen
Beweismittels Kenntnis erhalten hat, ist die Frist jedenfalls nicht vor dem 21. Dezember
3.5.
bis
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4.
Zu prüfen bleibt noch, ob die nachträgliche Anpassung (Revision) ausgeschlossen sein
soll, wenn das tatsächliche Einkommen 2019 um mehr als 25 % vom
voraussichtlichen, den Akontorechnungen zu Grunde liegenden Einkommen abweicht
und es die versicherte Person versäumt hat, rechtzeitig vor Inkrafttreten der COVID-19-
Verordnung Erwerbsausfall am 17. März 2020 eine entsprechende Meldung zu
erstatten bzw. eine Anpassung des Akontobeitrags zu verlangen (vgl. Art. 24 Abs. 4
AHVV, wonach "wesentliche" Abweichungen vom voraussichtlichen Einkommen zu
melden sind). So geht etwa das Sozialversicherungsgericht Zürich - zumindest in
Bezug auf die Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen der Härtefallregelung (Art. 2
Abs. 3 COVID-19-Verordnung) - davon aus, dass es die versicherte Person infolge
einer Meldepflichtverletzung selber zu verantworten habe, wenn die Akontorechnungen
nicht an die tatsächlichen Verhältnisse angepasst worden seien. Für die nachträgliche
2020 abgelaufen. Indem der Beschwerdeführer unbestrittenermassen mit E-Mail seiner
Treuhänderin vom 19. November 2020 unter Nennung des auch in der Steuermeldung
vom 22. September 2020 vermerkten Einkommens aus selbstständiger
Erwerbstätigkeit von Fr. 114'617.-- die Neuberechnung der Corona-
Erwerbsersatzentschädigung für den bisherigen als auch für einen künftigen Anspruch
verlangt hat (act. G 3.1/15 und 19), ist von einer rechtzeitigen Geltendmachung
auszugehen. Bei der auf diese Nachfrage von der Beschwerdegegnerin erhaltenen
Auskunft, nach dem 16. September 2020 sei eine Anpassung der Entschädigung nicht
mehr möglich, schadet es dem Beschwerdeführer nicht, dass er die fragliche
Steuerveranlagung 2019 selber erst im vorliegenden Beschwerdeverfahren am 11. Mai
2021 eingereicht hat. Die Beschwerdegegnerin hat denn auch die definitiven AHV/IV/
EO-Beiträge 2019 bereits mit Verfügung vom 23. November 2020, mithin ebenfalls
noch vor dem 21. Dezember 2020, auf einem beitragspflichtigen Einkommen von
Fr. 126'800.-- festgesetzt (inkl. aufzurechnende persönliche Beiträge von Fr. 12'241.90
[act. G 3.1/20]). Aus der genannten Steuermeldung geht nunmehr ein Einkommen des
Beschwerdeführers aus selbstständiger Erwerbstätigkeit im Jahr 2019 von
Fr. 114'617.-- hervor, das die Beschwerdeführerin wie gesagt auch ihrer definitiven
Beitragsverfügung 2019 zu Grunde gelegt hat. Der Beschwerdeführer hat somit für den
Zeitraum vom 17. März 2020 bis zum 16. September 2020 sowie in den
anspruchsberechtigten Perioden ab dem 1. Januar 2021 grundsätzlich Anspruch auf
das maximale Taggeld von Fr. 196.--, nachdem die ordentliche Berechnung einen Wert
von Fr. 254.70 ergibt (Fr. 114'617.-- : 360 x 80 % [Art. 5 Abs. 1 COVID-19-Verordnung
Erwerbsausfall, Rz 1066 KS CE]; vgl. auch Tabellen des Bundesamtes für
Sozialversicherungen BSV zur Ermittlung der EO-Tagesentschädigungen).
bis
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Korrektur bzw. erneute Prüfung (der Anspruchsvoraussetzungen der Härtefallregelung)
nach definitiver Steuerveranlagung bestehe somit "kein Raum" (z.B. Urteil vom 22. Juni
2021 [EE.2020.00056] E. 3.5 oder Urteil vom 30. Juni 2021 [EE.2021.00014] E. 3.2.3).
Das Sozialversicherungsgericht Zürich scheint bei dieser Rechtsprechung implizit
davon auszugehen, dass eine Revision grundsätzlich nicht möglich ist, wenn die
entsprechende Tatsache (höheres tatsächliches Einkommen) der versicherten Person
schon vorher bekannt war und hätte gemeldet werden können (fehlende "neue
Tatsache"). Dies vermag jedoch in zweifacher Hinsicht nicht zu überzeugen. Zum einen
scheint Art. 7 Abs. 1 Satz 2 bzw. Abs. 1 EOV die nachträgliche Anpassung an eine
neue Beitragsverfügung voraussetzungslos zuzulassen bzw. ist einzig vorausgesetzt,
dass später für das Jahr der Dienstleistung - etwa auf Grund einer mittlerweile
vorliegenden Steuermeldung - ein anderer AHV-Beitrag verfügt wird (vgl. vorstehende
Erwägung 2.2), sodass schon deshalb keine "neue Tatsache" erforderlich ist. Zum
zweiten ist die Regelung des Art. 24 Abs. 4 AHVV ohnehin auf die provisorische
Verabgabung der AHV-Beiträge ausgerichtet und dient im Wesentlichen einem
reibungslosen Beitragsbezug. Anders als bei einer "richtigen" Meldepflichtverletzung
nach Art. 31 Abs. 1 ATSG, bei welcher der Versicherungsträger definitiv über den
wahren Sachverhalt im Unklaren bleibt und damit eine falsche Leistungsausrichtung
erfolgt, ist hier von Vornherein klar, dass die definitiv zu entrichtenden AHV-Beiträge
noch genau bestimmt und erhoben werden, sobald die Steuermeldung vorliegt. Zudem
werden die endgültig zu zahlenden Beiträge auch dann den tatsächlichen Verhältnissen
angepasst, wenn die Abweichung des tatsächlichen vom voraussichtlichen Einkommen
weniger als 25 % (welcher Wert sich im Übrigen nicht aus Art. 24 Abs. 4 AHVV ergibt)
beträgt und damit selbst nach Ansicht von Rz 1154 f. WSN keine
Meldepflichtverletzung vorliegt. Einzige Folge einer "Meldepflichtverletzung" nach Art.
24 Abs. 4 AHVV ist die Verzugszinspflicht nach Art. 41 Abs. 1 lit. f AHVV [nur
nebenbei sei erwähnt, dass sich die Abweichung von 25 % gemäss der genannten
Zinsbestimmung in der AHVV und in Rz 1155 WSN nicht auf dieselbe Basis beziehen.
In der Verordnungsbestimmung ist das tatsächliche Einkommen bzw. die tatsächlich
geschuldeten Beiträge 100 %, in der WSN ist es das "voraussichtliche" Einkommen,
also die provisorische Basis, mit der Folge, dass eine nach Rz 1154 f. WSN
festgestellte "Meldepflichtverletzung" nicht automatisch zu einer Verzugszinspflicht
nach Art. 41 Abs. 1 lit. f AHVV führt]). Eine unterlassene Meldung einer wesentlichen
Änderung, die - solange noch keine definitive Steuerveranlagung vorliegt - im Grunde
ohnehin nur eine erneuerte Annahme des voraussichtlichen Einkommens darstellt, führt
deshalb nicht zu einer Verwirkung der nach Vorliegen der Steuerveranlagung
gegebenen Revisionsmöglichkeit. In seinem Entscheid vom 17. März 2022
(9C_442/2021) hat denn auch das Bundesgericht festgestellt, dass eine erst nach dem
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17. März 2020, aber noch vor Verfügungs- bzw. Erlass des Einspracheentscheids,
erfolgte Anpassung der Akontobeiträge 2019 - implizit unabhängig davon, ob die
Abweichung mehr als 25 % von den ursprünglich festgesetzten Akontobeiträgen
beträgt - sowohl bei der Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen des Art. 2 Abs. 3
COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall als auch bei der Bemessung der Entschädigung
gemäss Art. 5 COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall zu berücksichtigen ist (E. 6.2 -
6.4, insbesondere E. 6.2.3).
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