Decision ID: 1aa084f2-a823-54d0-aca3-d9f2a737c808
Year: 2006
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ U.O., geboren 1971, ist nigerianischer Staatsangehöriger. Er heiratete am 3. März
2001 in Nigeria die in St. Gallen wohnhafte Schweizerin S., geboren 1964. Am 30. Juni
2001 reiste er zu seiner Ehefrau in die Schweiz ein und erhielt in der Folge eine
Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs. Am 2. Juni 2002 wurde der
Sohn J. geboren. Am 10. Februar 2003 trennten sich die Eheleute.
Am 11. Februar 2003 genehmigte das Kreisgericht St. Gallen eine
Trennungsvereinbarung. Danach wurde J. unter die Obhut der Mutter gestellt, und der
Vater wurde verpflichtet, an seinen Unterhalt monatlich Fr. 500.-- zuzüglich
Kinderzulagen zu bezahlen. Auf die Regelung eines Besuchsrechts wurde verzichtet.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Am 3. November 2003 sprach das Kreisgericht St. Gallen U.O. des Vergehens und der
Uebertretung des Betäubungsmittelgesetzes sowie der groben Verkehrsregelverletzung
schuldig und verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten und Fr. 300.--
Busse.
Mit Verfügung vom 22. November 2005 wies das Ausländeramt das Gesuch von U.O.
um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ab mit der Begründung, der Gesuchsteller
halte in rechtsmissbräuchlicher Weise an seiner Ehe mit einer Schweizerin fest. Die
Beziehung zum Kind könne telefonisch und im Rahmen von Besuchen gepflegt
werden. Zudem sei die Rückkehr nach Nigeria verhältnismässig.
B./ Mit Urteil des Kreisgerichts St. Gallen vom 4. April 2006 wurde die Ehe geschieden.
C./ Das Justiz- und Polizeidepartement wies den Rekurs von U.O. gegen die
Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung mit Entscheid vom 22.
August 2006 ab.
D./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 5. September 2006 erhob U.O.
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid vom 22.
August 2006 sei aufzuheben, die Jahresaufenthaltsbewilligung sei zu verlängern und es
sei die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu gewähren, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge.
Mit Verfügung vom 26. September 2006 gewährte der Präsident des
Verwaltungsgerichts die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung und
bestimmte Rechtsanwalt H. als unentgeltlichen Rechtsbeistand.
In der Beschwerdeergänzung vom 13. Oktober 2006 hielt der Beschwerdeführer an
seinem Antrag auf Aufhebung des Rekursentscheids und Verlängerung der
Jahresaufenthaltsbewilligung fest. Zur Begründung machte er im wesentlichen geltend,
die Vorinstanz sei zu Unrecht davon ausgegangen, er pflege keine besonders enge
affektive Beziehung zu seinem Sohn. Auch eine enge wirtschaftliche Beziehung sei zu
bejahen. Bei einer Rückkehr nach Nigeria würde ihm der Kontakt mit seinem Sohn
praktisch verunmöglicht. Auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerde wird,
soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 27. Oktober 2006 auf Abweisung
der Beschwerde.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeerklärung vom 5. September 2006
und deren Ergänzung vom 13. Oktober 2006 erfüllen zeitlich, formal und inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2./ Gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der
Ausländer (SR 142.20, abgekürzt ANAG) entscheidet die Behörde im Rahmen der
gesetzlichen Vorschriften und der Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen
über die Bewilligung von Aufenthalt oder Niederlassung.
a) Ein Ausländer hat nach Art. 4 ANAG grundsätzlich keinen Rechtsanspruch auf
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Eine Ausnahme besteht unter anderem dann,
wenn er mit einer Schweizerin verheiratet ist. Der Ehegatte einer Schweizerin hat nach
Art. 7 Abs. 1 ANAG Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung. Einen solchen Anspruch hat der Beschwerdeführer nicht mehr,
da die Ehe am 4. April 2006 geschieden wurde. Daher ist, wie in der Beschwerde
zutreffend ausgeführt wird, nicht mehr zu prüfen, inwiefern der Beschwerdeführer
rechtsmissbräuchlich an der Ehe festhielt. Massgebend ist der Sachverhalt im
Zeitpunkt des Beschwerdeentscheids (BGE 128 II 149).
b) Der Beschwerdeführer macht geltend, der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung
verletze Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt
EMRK).
Art. 8 Ziff. 1 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 der Schweizerischen Bundesverfassung (SR
101) gewährleisten das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens. Darauf kann
sich im Rahmen eines ausländerrechtlichen Bewilligungsverfahrens berufen, wer nahe
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verwandte mit einem gefestigten Anwesenheitsrecht in der Schweiz hat. Dies trifft zu,
wenn die verwandte Person das Schweizer Bürgerrecht oder eine
Niederlassungsbewilligung besitzt (vgl. statt vieler BGE 130 II 285). Soweit eine
familiäre Beziehung tatsächlich gelebt wird und intakt ist, wird das der zuständigen
Behörde grundsätzlich eingeräumte freie Ermessen beschränkt (vgl. BGE 129 II 218 f.).
Der Anspruch auf Achtung des Familienlebens nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK ist nicht
absolut. Er verpflichtet die Behörden nicht in jedem Fall, eine Aufenthaltsbewilligung zu
erteilen (BGE 126 II 342). Nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK ist ein Eingriff in das in Ziff. 1
geschützte Rechtsgut dann zulässig, wenn er gesetzlich vorgesehen und in einer
demokratischen Gesellschaft notwendig ist für die nationale oder öffentliche Sicherheit,
für das wirtschaftliche Wohl des Landes, zur Aufrechterhaltung der Ordnung, zur
Verhütung von Straftaten, zum Schutz der Gesundheit oder der Moral oder zum Schutz
der Rechte und Freiheiten anderer. Die EMRK verlangt somit ein Abwägen der sich
gegenüberstehenden privaten Interessen an der Erteilung der Bewilligung und dem
öffentlichen Interesse an deren Verweigerung, wobei die öffentlichen Interessen an der
Verweigerung in dem Sinn überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig
erweist (BGE 122 II 6 mit Hinweis). Bei der Interessenabwägung sind die gesamten
persönlichen Verhältnisse des Ausländers zu würdigen, namentlich die Dauer des
Aufenthalts, die Integration in der Schweiz, die verbleibende Beziehung zum
Heimatstaat und straf- oder fremdenpolizeilich verpöntes Verhalten (vgl. Haefliger/
Schürmann, Die Europäische Menschenrechtskonvention und die Schweiz, 2. Aufl.,
Bern 1999, S. 263; VerwGE vom 16. März 2004 i.S. A.L. und vom 23. Januar 2004 i.S.
A.G. mit Hinweis auf VerwGE vom 22. Januar 2002 i.S. N.O.).
Abzuwägen ist auch das öffentliche Interesse, dass Ausländer, bei denen nach kurzem
Aufenthalt in der Schweiz die ursprünglichen familiären Voraussetzungen für die
Erteilung der Aufenthaltsbewilligung wegfallen, die Schweiz wieder verlassen (VerwGE
B 2004/163 vom 25. Januar 2005 i.S. D.H. und B 2003/154 vom 16. März 2004 i.S.
H.J., in: www.gerichte.sg.ch). Die Verordnung des Bundesrates über die Begrenzung
der Zahl der Ausländer (SR 823.21, abgekürzt BVO) bezweckt nach Art. 1 lit. a ein
ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Bestand der schweizerischen und der
ausländischen Wohnbevölkerung. Wie der Name der Verordnung zum Ausdruck bringt,
verlangt dies angesichts des ständigen Ansteigens des Anteils der ausländischen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Wohnbevölkerung eine restriktive Praxis bei der Erteilung von
Aufenthaltsbewilligungen. Die Schweiz verfolgt in Bezug auf Niederlassung und
Aufenthalt von Ausländern eine restriktive Politik, dies namentlich für die Schaffung
günstiger Rahmenbedingungen für die Eingliederung der in der Schweiz ansässigen
Ausländer und der Verbesserung der Arbeitsmarktstruktur sowie einer möglichst
ausgeglichenen Beschäftigung (vgl. Art. 16 ANAG sowie Art. 1 BVO). Diese
gesetzgeberischen Ziele sind im Lichte von Art. 8 Ziff. 2 EMRK legitim (vgl. BGE 120 Ib
24 f.).
Im Verhältnis zwischen Eltern und leiblichen Kindern ist ein eigentliches
Zusammenleben nicht ohne weiteres unentbehrlich für das Bestehen eines
Familienlebens im Sinn von Art. 8 EMRK. Eine intakte und gelebte familiäre Beziehung
wird schon dann angenommen, wenn ein regelmässiger Kontakt besteht (BGE 120 Ib
3, 119 Ib 84). Der nicht sorgeberechtigte Ausländer kann die familiäre Beziehung zu
seinem Kind nur in einem beschränkten Rahmen leben, nämlich durch Ausübung des
ihm eingeräumten Besuchsrechts. Dies begründet keine Notwendigkeit, dass er
dauernd im gleichen Land wie das Kind lebt und dort über eine
Anwesenheitsberechtigung verfügt. Ein Besuchsrecht gegenüber einem Kind mit
Schweizer Bürgerrecht verschafft daher dem ausländischen Elternteil im allgemeinen
noch keinen Anspruch auf dauernde Anwesenheit; den Anforderungen von Art. 8 EMRK
ist Genüge getan, wenn das Besuchsrecht im Rahmen von Kurzaufenthalten vom
Ausland her ausgeübt werden kann, wobei allerdings dessen Modalitäten
entsprechend aus- bzw. umzuge-stalten sind. In ausländerrechtlicher Hinsicht hat das
Bundesgericht daraus die Konsequenz gezogen, dass die Aufenthaltsbewilligung nur
dann erteilt oder erneuert werden muss, wenn einerseits zwischen dem Ausländer und
dessen in der Schweiz ansässigen Kind in wirtschaftlicher und affektiver Hinsicht eine
besonders enge Beziehung besteht, die sich wegen der Distanz zwischen der Schweiz
und dem Land, in das der Ausländer bei Verweigerung der Bewilligung auszureisen
hätte, praktisch nicht aufrechterhalten liesse, und wenn anderseits das Verhalten des
Ausländers weitgehend tadellos ist (Urteil 2A.119/2004 vom 5. März 2004, Urteil 2A.
563/2002 vom 23. Mai 2003, BGE 120 Ib 4 ff. und 24 ff.).
c) Fest steht, dass der Sohn des Beschwerdeführers über das Schweizer Bürgerrecht
verfügt und unter der elterlichen Obhut der Mutter steht. Dem Beschwerdeführer wurde
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
im Rahmen der Ehescheidung ein Besuchs- und Ferienrecht eingeräumt. Er ist
berechtigt, vorläufig seinen Sohn einen halben Tag pro Woche zu besuchen, ab dem
zweiten Kindergartenjahr ein Wochenende pro Monat, und ab Schuleintritt hat er
zusätzlich einen Anspruch auf eine Woche Ferien pro Jahr mit dem Sohn. Ueber ein
weitergehendes Besuchsrecht vereinbarten die Eltern eine Einigung unter
Berücksichtigung der Bedürfnisse des Kindes von Fall zu Fall. Der Beschwerdeführer
verpflichtete sich, an den Unterhalt von J. monatlich Fr. 500.--, vom 6. bis 12. Altersjahr
Fr. 550.-- und anschliessend Fr. 600.-- zuzüglich Kinderzulagen zu bezahlen.
Die Vorinstanz ging aufgrund des Sozialberichts der Vormundschaftsbehörde St.
Gallen vom 17. Oktober 2005 davon aus, dass nicht von einer besonders engen
affektiven Beziehung im Sinn von Art. 8 EMRK zwischen dem Beschwerdeführer und
seinem Sohn ausgegangen werden könne. Das Verwaltungsgericht kann sich dieser
Beurteilung nicht anschliessen. Die Untersuchungshaft anfang 2003 von rund
dreieinhalb Wochen hatte auf die Intensität der Beziehung zum Kind keinen
massgebenden Einfluss. Der Beschwerdeführer pflegte nach der Trennung im Februar
2003 regelmässigen Kontakt mit dem Sohn. Er ist aufgrund des Sozialberichtes
zweifellos bestrebt, im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten einen intensiven
Kontakt zu seinem Sohn aufzubauen bzw. aufrechtzuerhalten. Dass die Eltern
unterschiedliche Vorstellungen über die Erziehung des Kindes haben und die
Beziehung des Beschwerdeführers zum Kind insbesondere auch von seinem ethnisch-
kulturellen Hintergrund geprägt ist, vermag an der Intensität der Beziehung nichts
Wesentliches zu ändern. Entscheidend ist nicht in erster Linie, inwiefern die Ansichten
und Wertvorstellungen des Vaters mit jenen der Mutter übereinstimmen. Aufgrund des
Sozialberichts kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass ein enger Kontakt
des Beschwerdeführers den Interessen des Sohnes abträglich ist. Insoweit lässt sich
eine enge Beziehung des Beschwerdeführers zu seinem Sohn bejahen. Zudem stellte
die Vorinstanz unbestrittenermassen fest, dass der Beschwerdeführer die gerichtlich
festgelegten Unterhaltsbeiträge für seinen Sohn bezahlt.
Fest steht weiter, dass der Beschwerdeführer wegen Verstosses gegen das
Betäubungsmittelgesetz und grober Verletzung von Verkehrsregeln mit sechs Monaten
Gefängnis bestraft wurde. Der Beschwerdeführer wurde am 11. Januar 2003 von der
Polizei im Bereich der Grossackerstrasse kontrolliert. Dabei wurden bei ihm 50 Gramm
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kokaingemisch sowie ein Geldbetrag von insgesamt Fr. 2'240.-- sichergestellt, wovon
er einen Teil von Fr. 1'970.-- in derselben Tasche trug wie die Drogen. Der
Beschwerdeführer bestritt zwar gegenüber der Polizei, dass er das Kokain zum Verkauf
mitführte, und behauptete, er habe es zur Aufbewahrung erhalten. Ausserdem gab er
zu, regelmässig seit rund einem Jahr Kokain und seit rund fünf Jahren Marihuana zu
konsumieren. Das Kreisgericht St. Gallen verurteilte den Beschwerdeführer wegen
Vergehens und Uebertretung des Betäubungsmittelgesetzes und grober Verletzung
von Verkehrsregeln - auf welchen Sachverhalt sich diese Verurteilung stützt, geht aus
dem Urteil zwar nicht hervor; nach Darstellung im Rekurs handelte es sich um eine
stark übersetzte Geschwindigkeit - zu sechs Monaten Gefängnis und Fr. 300.-- Busse.
Obwohl der Beschwerdeführer rund 50 Gramm Kokaingemisch in Kugeln von 5 und 10
Gramm mit sich führte und in derselben Jackentasche, in der er das Kokain
aufbewahrte, einen Geldbetrag von Fr. 1'970.-- in kleiner Stückelung auf sich trug,
bestritt er, das Kokain zum Verkauf besessen zu haben. Jedenfalls wurde der
Beschwerdeführer wegen Betäubungsmitteldelikten mit einer mehrmonatigen
Freiheitsstrafe belegt, weshalb nicht von einem tadellosen Verhalten gesprochen
werden kann, zumal nach der Praxis des Bundesgerichts namentlich bei
Drogendelikten ein strenger Massstab anzusetzen ist (BGE 125 II 526 f.). Somit kann
sich der Beschwerdeführer nicht auf die bundesgerichtliche Praxis berufen, wonach bei
einer besonders engen affektiven Beziehung zum Kind und einem tadellosen Verhalten
auch nach der Scheidung der Ehe ein Anspruch auf Erteilung oder Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung zur Wahrung des Rechts auf Privat- und Familienleben besteht.
d) Die Vorinstanz erwog unter Hinweis auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts vom 18.
Mai 2004 (VerwGE B 2004/42 i.S. A. A.), die Distanz zwischen Nigeria und der Schweiz
sei auf dem Luftweg relativ einfach zu überwinden. Der Beschwerdeführer stellt dies
grundsätzlich nicht in Abrede, macht aber geltend, es sei ihm aus finanziellen Gründen
faktisch unmöglich, sein Besuchsrecht in der Schweiz auszuüben, auch wenn ein
wohlhabenderer Landsmann dazu ohne weiteres in der Lage wäre.
Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts müssen sich ausländische
Staatsangehörige unter gewissen Umständen damit abfinden, dass sie das Recht zum
Besuch ihrer Kinder aus einer Ehe mit einer in der Schweiz anwesenheitsberechtigten
Person nur unter erheblichen Einschränkungen ausüben können. Das
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verwaltungsgericht hat es als zulässig qualifiziert, dass ein Vater aus Nigeria bzw.
Mütter aus Brasilien den Kontakt mit ihren in der Schweiz lebenden Kindern mittels
Besuchen, brieflicher und telefonischer Kontakte oder anlässlich von
Ferienaufenthalten des andern Elternteils ausüben (vgl. VerwGE B 2003/221 vom 16.
März 2004 i.S. R.M.S., VerwGE B 2004/42 vom 18. Mai 2004 i.S. A.D. und VerwGE B
2005/85 vom 13. September 2005 i.S. L.O., in: www.gerichte.sg.ch, alle bestätigt vom
Bundesgericht mit Urteilen 2A.231/2004, 2A.371/2004 und 2A.626/2005). Im weiteren
bedeutet die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung
nicht, dass der Beschwerdeführer nachweislich keine finanziellen Mittel hat, um seinen
Kontakt zum Sohn besuchsweise auszuüben. Jedenfalls steht fest, dass der
Beschwerdeführer im August 2004 per Flug in die USA reiste. Im September 2005
reiste er für ein Wochenende nach Deutschland, und nach den Angaben im Rekurs hielt
er sich im Jahr 2005 in seinem Heimatstaat auf. Es wurden ihm Visa für eine Rückkehr
nach Nigeria im Zeitraum von November 2005 bis Januar 2006 und von April bis Mai
2006 ausgestellt. Am 27. November 2006 beantragte der Beschwerdeführer beim
Ausländeramt erneut ein Rückreisevisum. Er gab an, er wolle vom 29. November 2006
bis 8. Januar 2007 nach Nigeria reisen, dort seinen Vater und seine fünf Geschwister
besuchen und an einer Erbteilung mitwirken. Somit muss er über genügende Mittel für
solche Reisen verfügen. Aus den von der Ex-Ehefrau gegen ihn gerichteten
Forderungen betr. Verhalten im Falle der Wiederaufnahme der ehelichen Gemeinschaft
ergibt sich zudem, dass der Beschwerdeführer in seinem Heimatstaat Land besitzt.
Unter diesen Umständen ist es jedenfalls nicht erwiesen, dass die Ausübung des
Besuchsrechts in der Schweiz aus finanziellen Gründen geradezu ausgeschlossen ist.
Im übrigen besteht auch die Möglichkeit, dass die Mitter mit dem Sohn einen
Ferienaufenthalt in Nigeria verbringen kann und dass der Beschwerdeführer den
Kontakt mit seinem Sohn brieflich oder telefonisch aufrechterhält.
e) Aufgrund der Verurteilung wegen Betäubungsmitteldelikten sowie schwerer
Verkehrsregelverletzung zu sechs Monaten Gefängnis kann der Vorinstanz trotz der
engen Beziehung zum Sohn im Ergebnis keine Rechtsverletzung vorgeworfen werden,
wenn sie einen Rechtsanspruch des Beschwerdeführers auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung verneint hat, zumal der Beschwerdeführer wie erwähnt seinen
Anspruch auf Kontakt mit seinem Sohn auch von Nigeria aus wahrnehmen kann. Der
Entscheid über die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung stand somit im Ermessen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Vorinstanz. Deren Ermessensbetätigung ist nicht zu beanstanden. Das
Verwaltungsgericht übt in diesem Bereich lediglich eine Rechtskontrolle aus (vgl. statt
vieler GVP 1998 Nr. 22). Da der Beschwerdeführer vor der Einreise in die Schweiz rund
dreissig Jahre in Nigeria lebte und der Aufenthalt in der Schweiz erst knapp fünfeinhalb
Jahre dauert, eine Rückkehr nach Nigeria zumutbar ist und der Beschwerdeführer
derzeit - wenn überhaupt - lediglich im Rahmen von temporären Arbeitsverhältnissen
erwerbstätig ist, kann die Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
nicht als Missbrauch des Ermessens qualifiziert werden. Soweit sich der
Beschwerdeführer auf Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
beruft, vermögen diese eine andere Beurteilung nicht zu rechtfertigen. Dies hat die
Vorinstanz bezüglich des Urteils i.S. Boultif zutreffend ausgeführt. Auch die Berufung
auf das Urteil des EGMR i.S. Berrehab ist unbegründet, da jener Ausländer
strafrechtlich unbescholten war (vgl. Frowein/Peukert, EMRK-Kommentar, 2. Aufl.,
Kehl/ Strassburg/Arlington 1996, N 24 zu Art. 8). Nicht weiter einzugehen ist auf die
Ausführungen in der Beschwerde, soweit gestützt auf die Weisungen des Bundesamts
für Migration eine Ermessensausübung "zulasten des Beschwerdeführers" gerügt wird.
Wie erwähnt, findet im Rahmen des Beschwerdeverfahrens nur eine Rechtskontrolle
statt.
f) Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass die
Beschwerde als unbegründet abzuweisen ist.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens grundsätzlich zulasten des Beschwerdeführers (Art. 95 Abs. 1
VRP). Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss ver-
fahrensleitender Verfügung vom 26. September 2006 trägt indessen der Staat die
amtlichen Kosten. Eine Entscheidgebühr von Fr. 2'500.-- ist angemessen (Ziff. 382 des
Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Auf die Erhebung ist vorläufig zu verzichten (Art. 99
Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 288 des Zivilprozessgesetzes, sGS 961.2).
Im weiteren wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
gewährt. Sein Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. Die Entschädigung ist
daher nach Ermessen festzusetzen (Art. 6 der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt HonO). Ein Betrag von Fr. 2'000.-- (zuzüglich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
MWSt) ist angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. c in Verbindung mit Art. 19 HonO und Art. 31
Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70).