Decision ID: be0c7699-01a7-578b-b66f-e23016f47e56
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KG
Chamber: SG_KG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: penal_law

Zum Sachverhalt:
X. (Beschuldigter) wird zur Last gelegt, am (...), um ca. (...) Uhr, Y. (Privatkläger) mittels
Körpergewalt ("Schwitzkasten") während einer Veranstaltung aus dem Clublokal der A.
(Motorradgruppe) in B. befördert zu haben. Kurze Zeit später sei der Privatkläger vor
dem Lokal auf den Beschuldigten zugegangen, um ihn zu schlagen und zu stossen.
Der Beschuldigte habe dies mit einem Faustschlag auf die linke Gesichtshälfte des
Privatklägers abgewehrt, worauf der Privatkläger unter anderem mit seiner rechten
Gesichtshälfte auf die asphaltierte Strasse geprallt sei. Nachdem ihm zwei Frauen
aufgeholfen hätten, sei er ohne Fremdeinwirkung erneut rechtsseitig auf seinen
Hinterkopf zu Boden gefallen. Der Privatkläger hat sich gemäss der einen Tag später
erfolgten klinischen Untersuchung sowie weiteren Abklärungen zufolge verschiedene,
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nicht lebensgefährliche Verletzungen zugezogen, welche eine mehrwöchige
Arbeitsunfähigkeit zur Folge hatten.

Aus den Erwägungen:
III.
[...]
5. a/aa)
[...]
hh) Zusammenfassend ist aufgrund des Dargelegten und u.a. auch gestützt auf die
Darstellung des Beschuldigten, von der wie erwähnt im Zweifel auszugehen ist, von
folgendem Sachverhalt auszugehen: Kurz nach dem Rauswurf ging der Privatkläger in
bedrohlicher Weise auf den Beschuldigten los. Dies wehrte Letzterer ab, indem er den
Privatkläger mit seiner rechten Faust auf den linken Kiefer traf. Dabei holte er nicht mit
der Faust aus. Der Schlag wurde mittelhart ausgeführt. Nach dem Schlag ist der
Privatkläger u.a. mit seiner rechten Gesichtshälfte auf die asphaltierte Strasse geprallt.
Nachdem zwei Frauen versuchten, ihm aufzuhelfen, ihn jedoch nicht richtig halten
konnten, erfolgte ein erneuter Sturz, wobei er ohne Fremdeinwirkung rechtsseitig auf
seinen Hinterkopf zu Boden fiel. Insgesamt kam es nach dem ersten Sturz zu weiteren
Stürzen, da neben den involvierten Frauen auch C. versuchte, dem Privatkläger
aufzuhelfen.
b/aa) Gemäss Art. 122 StGB macht sich der schweren Körperverletzung schuldig, wer
einen Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1), wer den Körper, ein wichtiges Organ
oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein wichtiges Organ oder Glied
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unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder
geisteskrank macht, das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt (Abs. 2),
oder wer eine andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder
geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht (Abs. 3). Nach Art. 123 Ziff. 1 StGB
wird wegen einfacher Körperverletzung bestraft, wer einen Menschen in anderer Weise
an Körper oder Gesundheit schädigt.
Art. 123 Ziff. 1 StGB erfasst alle Körperverletzungen, welche nicht als schwer im Sinne
von Art. 122 StGB, aber auch nicht mehr als blosse Tätlichkeiten im Sinne von
Art. 126 StGB zu werten sind (Trechsel/Fingerhuth, in Trechsel/Pieth [Hrsg.], StGB PK,
2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, Art. 123 N 2; BSK StGB-Roth/Berkemeier, Art. 123 N 3
mit Hinweisen). Die körperliche Integrität ist dann im Sinne einer (einfachen)
Körperverletzung beeinträchtigt, wenn innere oder äussere Verletzungen oder
Schädigungen zugefügt werden, die mindestens eine gewisse Behandlung und
Heilungszeit erfordern, also etwa Knochenbrüche, auch wenn sie unkompliziert sind
und verhältnismässig rasch und problemlos ausheilen, aber auch bereits
Hirnerschütterungen, Quetschungen mit Blutergüssen und Schürfungen, sofern sie um
einiges über blosse Kratzer hinausgehen (BSK StGB-Roth/Berkemeier, Art. 123 N 4).
bb) Der Privatkläger erlitt gemäss Bericht der einen Tag später erfolgten klinischen
Untersuchung die in der Anklageschrift angeführten und eingangs wiedergegebenen
Verletzungen, welche unbestritten sind. Die von ihm erlittenen, nicht lebensgefährlichen
Verletzungen mit den dadurch verbundenen Schmerzen und der einhergehenden
Arbeitsunfähigkeit, weisen nicht den Grad einer schweren Körperverletzung (Art. 122
StGB) auf, sondern stellen nach dem soeben Dargelegten Beeinträchtigungen der
körperlichen Integrität im Sinne einer einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff.
1 Abs. 1 StGB dar.
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cc) Die vom Privatkläger erlittenen Verletzungen können dem Beschuldigten aus
verschiedenen Gründen nicht angelastet werden. Zunächst ist festzuhalten, dass der
Beschuldigte den Privatkläger am linken Kiefer traf. Dort sind weder nach den
eingereichten Bildern noch gemäss ärztlichem Zeugnis Verletzungen dokumentiert. Der
behandelnde Arzt geht davon aus, dass die Verletzungen vielmehr aus mehreren
Stürzen resultieren könnten. Die Aussagen von D. und C., wonach der Privatkläger
mehrmals versucht habe, aufzustehen, jedoch wieder umgefallen sei bzw. sie versucht
hätten, dem Privatkläger aufzuhelfen, dieser jedoch mehrmals wieder hinfiel, stimmen
daher mit den medizinischen Erkenntnissen überein. Festzuhalten bleibt, dass der
Privatkläger nach dem Faustschlag und dem ersten Sturz, jedenfalls mindestens noch
einmal auf seinen Kopf stürzte. Wie die Vorinstanz zutreffend darlegte, ist es zwar
durchaus denkbar, dass gewisse Verletzungen des Privatklägers durch den Schlag und
den darauffolgenden ersten Sturz bewirkt worden sind, doch kann dies nicht mit der
notwendigen Sicherheit erstellt werden. Sodann sagte E. aus, dass er nach dem
Schlag vom Beschuldigten keine sichtbaren Verletzungen beim Privatkläger festgestellt
habe, als er diesen am Boden betreut habe. Diese Aussage steht zwar bspw. jener von
F. gegenüber, die den Beschuldigten erst nach dem Vorfall draussen mit den gemäss
act. S/22 abgebildeten Verletzungen stehend vorgefunden haben will.
Ausschlaggebend ist indessen, dass den ärztlichen Abklärungen zufolge die
Verletzungen weder konkret dem Faustschlag noch dem ersten Sturz zugeordnet
werden können. Im Übrigen soll der Privatkläger gemäss eingereichtem ärztlichen
Zeugnis angeblich von drei Unbekannten geschlagen worden sein. Das stützt die
Darstellung des Beschuldigten insofern, als er sich die Verletzungen, insbesondere auf
der rechten Gesichtshälfte, die er nicht getroffen habe, dabei z.B. die Augenverletzung,
nicht erklären kann.
Der Privatkläger lässt vorbringen, dass der Schlag des Beschuldigten kausal für die
weiteren Stürze gewesen sei, weshalb die festgestellten Verletzungen dem
Beschuldigten anzulasten seien. Diesbezüglich gilt es festzuhalten, dass es
insbesondere die uferlose Weite der Äquivalenztheorie ist, die eine Ergänzung des
Kausalurteils im Sinne einer zusätzlichen Einschränkung durch ein normatives,
wertendes Korrektiv erfordert (Donatsch/Tag, Strafrecht I, Verbrechenslehre, 8. Aufl.,
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Zürich 2006, S. 101). Das Bundesgericht hat dazu folgende Formel aufgestellt:
Rechtserheblich ist eine natürliche Ursache nur dann, "wenn sie nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet war,
einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen oder mindestens zu
begünstigen." Diese Formel verwendet das Bundesgericht allerdings nur bei
Fahrlässigkeitsdelikten. Ein Teil der Lehre (z.B. Stratenwerth) wendet sie dennoch auch
bei Vorsatzdelikten an, während ein anderer Teil der Lehre (etwa Donatsch/Tag) wie
das Bundesgericht bei Vorsatzdelikten in solchen Fällen eine Einschränkung der
Zurechnung auf der subjektiven Tatbestandsseite (kein Vorsatz) vornimmt (vgl. zum
Ganzen: Seelmann, Strafrecht Allgemeiner Teil, 5. Aufl., Basel 2012, S. 44 f. m.w.H.).
Gemäss Donatsch/Tag stellt sich in seltenen Fallkonstellationen beim Vorsatzdelikt die
Frage, ob dem Beschuldigten der erfolgsverursachende Kausalverlauf tatsächlich
zugerechnet werden kann. Ist dies zweifelhaft, muss die allenfalls notwendige Korrektur
anhand objektiver Wertungen vorgenommen werden (Donatsch/Tag, a.a.O. S. 105).
Dabei handelt es sich um die Frage der objektiven Zurechnung (Donatsch/Tag, a.a.O.,
S. 84 ff.). Bei eigenverantwortlichem Eingreifen Dritter in den Geschehensablauf gibt es
Fälle, in denen die bisherige Ursachenkette zwar nicht unterbrochen wird, dennoch
aber die objektive Zurechnung des Ersthandelnden entfällt (Donatsch/Tag, a.a.O.,
S. 86). Das Bundesgericht verneint eine Adäquanz nur, wenn ganz aussergewöhnliche
Umstände, wie das Mitverschulden des Opfers beziehungsweise eines Dritten oder
Material- oder Konstruktionsfehler, als Mitursache hinzutreten, mit denen schlechthin
nicht gerechnet werden musste und die derart schwer wiegen, dass sie als
wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheinen und so alle
anderen mitverursachenden Faktoren – namentlich das Verhalten des Beschuldigten –
in den Hintergrund drängen (vgl. BGE 135 IV 56 E. 2.1, 131 IV 145 E. 5.1 und E. 5.2;
130 IV 7 E. 3.2; 127 IV 62 E. 2d; je mit Hinweisen).
In Bezug auf die Abhandlung der Kausalität bzw. Adäquanz kann auf die zutreffenden
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden, die sich der Lehrmeinung von
Donatsch/Tag anschliesst (vgl. vi Entscheid, S. 22 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Kein
anderer Schluss ergibt sich durch die Heranziehung der massgebenden, obgenannten
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur Kausalität bzw. Adäquanz. Vorliegend haben
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die beiden Frauen eigenverantwortlich in den Geschehensablauf eingegriffen, indem sie
den bereits am Boden gelegenen Privatkläger aufhoben, ihn jedoch wieder auf den
Kopf fallenliessen. Sodann versuchten auch die Kollegen des Privatklägers ihm
aufzuhelfen, wobei er jedoch mehrmals wieder hinfiel. Die Ursachenkette besteht aus
dem Faustschlag, dem ersten Sturz, dem Aufhelfen sowie den folgenden Stürzen und
den schliesslich diagnostizierten Verletzungen (sofern diese überhaupt diesem Vorfall
zuzuschreiben sind). Das eigenverantwortliche Eingreifen besteht im Aufhelfen und
dem anschliessenden Fallenlassen. Wie die Vorinstanz zutreffend darlegte, muss damit
nach der allgemeinen Lebenserfahrung vernünftigerweise nicht gerechnet werden. Es
ist aussergewöhnlich, dass Personen jemanden beim Helfen nach einem Sturz
hochheben und dann loslassen, so dass dieser erneut stürzt. Der Beschuldigte hatte
darauf keinen Einfluss mehr und musste damit schlechthin nicht rechnen. Ihm können
deshalb objektiv nur die Verletzungen zugerechnet werden, welche durch den
Faustschlag und den ersten Sturz verursacht worden sind. Für den nach dem ersten
Sturz erfolgten weiteren Sturz auf den Kopf kann der Beschuldigte nicht mehr
verantwortlich gemacht werden, zumal dort andere Personen involviert waren, ohne die
es nicht zum genannten Sturz gekommen wäre. Gleiches gilt für die gemäss D. und C.
beschriebenen mehrfachen Stürze, zumal auch dort dem Privatkläger aufgeholfen
wurde, er jedoch wieder hinfiel. Damit sind durch das Mitverschulden Dritter die vom
Bundesgericht geforderten aussergewöhnlichen Umstände gegeben, mit denen nicht
gerechnet werden musste. So waren es gemäss medizinischen Abklärungen zufolge
denn auch mehrere Stürze, welche zu den Verletzungen führten. Dabei ist nicht erstellt,
welche konkrete Handlung (Faustschlag, Aufhelfen von Drittpersonen) zu welchen
Verletzungen geführt hat. Aufgrund der vorliegenden unklaren Sachlage kann jedenfalls
keine Verurteilung erfolgen. In Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo ist davon
auszugehen, dass die Verletzungen nicht durch den Faustschlag und den ersten Sturz,
sondern durch die weiteren Stürze entstanden sind. Damit können die Verletzungen
nicht dem Handeln des Beschuldigten zugerechnet werden, womit der objektive
Tatbestand der einfachen Körperverletzung nicht erfüllt ist.
c) Der vom Privatkläger gestellte Beweisantrag in Bezug auf die Einvernahme von F.
(Freundin von C.) wurde stattgegeben. Sie wurde anlässlich der Berufungsverhandlung
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vom 27. Juni 2019 als Zeugin befragt. Die weiteren vom Privatkläger gestellten
Beweisanträge betreffend erneute Einvernahmen von C., D., G. bezüglich angeblich
festgestellter Verletzungen erübrigen sich hingegen. Neue Erkenntnisse waren bzw.
sind insbesondere angesichts der erwähnten medizinischen Befunden nicht zu
erwarten. Aufgrund des Dargelegten und mangels Relevanz sind sie abzuweisen.
d/aa) Ein Versuch liegt vor, wenn der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines
Verbrechens oder Vergehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt
oder der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder nicht eintreten
kann (Art. 22 Abs. 1 StGB). Beim Versuch erfüllt der Täter sämtliche subjektiven
Tatbestandsmerkmale und manifestiert seine Tatentschlossenheit, ohne dass alle
objektiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht sind (BGE 137 IV 113 E. 1.4.2 mit
Hinweisen).
Zum Tatentschluss, dem auf die Begehung des Delikts gerichteten Willen, gehört stets
der Vorsatz (BSK StGB-Niggli/Maeder, Art. 22 N 2 ff.; vgl. auch BGE 120 IV 199 E. 3e).
Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Willen
ausführt oder wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12
Abs. 2 StGB). Eventualvorsatz, welcher zur Erfüllung des subjektiven Tatbestandes des
Art. 123 StGB wie erwähnt genügt, ist nach ständiger Rechtsprechung gegeben, wenn
der Täter die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er
den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm
auch unerwünscht sein. Für den Nachweis des Vorsatzes kann sich das Gericht –
soweit der Täter nicht geständig ist – regelmässig nur auf äusserlich feststellbare
Indizien und auf Erfahrungsregeln stützen, die ihm Rückschlüsse von den äusseren
Umständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben. Zu den äusseren
Umständen, aus denen der Schluss gezogen werden kann, der Täter habe die
Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen, zählt auch die Grösse des dem Täter
bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung und die Schwere der
Sorgfaltspflichtverletzung. Je grösser dieses Risiko ist und je schwerer die
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Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto eher darf gefolgert werden, der Täter habe die
Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen (BGE 134 IV 26 E. 3.2.2 mit Hinweisen).
Je nach den Umständen ist nicht ausgeschlossen, dass ein Schlag gegen den Kopf
eines anderen Menschen und insbesondere ein harter, heftiger Faustschlag mitten ins
Gesicht beim Opfer zu einer schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1
bis 3 StGB führen kann (vgl. dazu etwa die Beispiele in BGer 6B_388/2012
Sachverhalt/A., 6B_802/2013 Sachverhalt/A.; 6B_758/2010 E. 1 und 4.2). Ein
vollendeter Versuch der schweren Körperverletzung ist jedoch nur gegeben, wenn und
soweit in subjektiver Hinsicht von mindestens der Inkaufnahme einer schweren
Körperverletzung seitens des Beschuldigten auszugehen ist. Die bundesgerichtliche
Rechtsprechung zeigt, dass die rechtliche Qualifikation von Körperverletzungen als
Folge von Faustschlägen von den konkreten Tatumständen abhängt. Massgeblich sind
insbesondere die Heftigkeit des Faustschlags und die Verfassung des Opfers (BGer
6B_388/2012 E. 2.4.2). So bestätigte das Bundesgericht den Schuldspruch wegen
eventualvorsätzlicher schwerer Körperverletzung, weil bei dem von der Vorinstanz
festgestellten „ausserordentlich wuchtigen Faustschlag“ und dem „reduzierten
Zustand“ des Opfers ein unkontrollierter Sturz desselben und ein Aufschlagen des
Kopfs auf dem Asphalt keineswegs aussergewöhnlich waren (BGer 6B_388/2012 E.
2.1.1 und 2.4.2; vgl. auch 6B_802/2013 E. 2.3.3 und 2.3.4 bezüglich Schlag eines
Täters mit überdurchschnittlicher Konstitution mit dem Ellbogen/Arm gegen das
Gesicht des Opfers, welches dadurch rücklings auf den Hinterkopf zu Boden stürzte).
Nur als Tätlichkeit qualifizierte das Bundesgericht demgegenüber einen Schlag ins
Gesicht, welcher eine Schramme und Prellungen an der Nase bewirkte. Ein „mit
brutaler Gewalt ins Gesicht geführter Faustschlag (...), der geeignet war, schwere
Quetschungen, gar einen Kiefer- oder Nasenbeinbruch oder das Abbrechen eines
Zahnes zu bewirken“, wurde lediglich als einfache Körperverletzung gewertet. Gleiches
gilt für „Verletzungen infolge mehrerer Faustschläge und Fusstritte, die bei einem der
Opfer Spuren in der Augengegend und eine Quetschung der Unterlippe, beim andern
Quetschungen des Unterkiefers, eine Rippenquetschung und Schrammen an Unterarm
und Hand hinterliessen“ (vgl. zum Ganzen BGE 119 IV 25 E. 2 = Pra 83 [1994] Nr. 17 E.
2 mit zahlreichen weiteren Hinweisen). Auch in jüngerer Rechtsprechung erkannte das
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Bundesgericht selbst „bei einem harten Faustschlag ins Gesicht, der Schmerzen
unterhalb des Auges (...) und ein Schwindelgefühl zur Folge hatte“, nur auf einen
leichten Fall der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB
(BGer 6S.386/2003 E. 3). Ebenso wurde „bei einem Faustschlag ins Gesicht, welcher
eine starke Prellung und ausgeprägte Schwellung der Nase sowie eine
Rissquetschwunde an der Unterlippe mit Druckdolenz des linken Mundwinkels
verursachte“, lediglich eine einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1
StGB angenommen (BGer 6B_151/2011 E. 3.4).
bb) Zunächst ist daran zu erinnern, dass nicht etwa ein "harter, heftiger" oder „mit
brutaler Gewalt ins Gesicht geführter Faustschlag" vorliegt. Vielmehr wurde der Schlag
nicht heftig oder wuchtig ausgeführt. Der Beschuldigte teilte einen einzelnen
Faustschlag im Rahmen seiner Abwehr aus. Dies geschah nicht aus dem Hinterhalt,
zumal der Privatkläger auf den Beschuldigten losging. Laut Aussagen der
Auskunftsperson H. holte der Beschuldigte beim Schlag nicht mit der Faust aus, was
sich mit den Angaben des Beschuldigten, wonach er lediglich in einer
Abwehrbewegung gegen den Privatkläger geschlagen habe, deckt. Eine durch
Ausholen herbeigeführte Intensivierung des Schlags konnte bereits aus rein
physikalischen Gründen nicht erfolgen (vgl. zum Ganzen E. III.5.a/ee). Den Akten
können sodann keinerlei Anhaltspunkte dafür entnommen werden, dass der
Beschuldigte derart hart zugeschlagen hätte, dass dies mindestens als Inkaufnahme
einer schweren Körperverletzung zu werten wäre. In Bezug auf die Verfassung des
Privatklägers liegen keine Hinweise dafür vor, dass der Beschuldigte im Vergleich zum
Privatkläger eine überdurchschnittliche Konstitution aufwies oder zwischen den beiden
ein grosser Alters- oder Kräfteunterschied bestand. Zwar bleibt festzuhalten, dass
gemäss verschiedenen Aussagen der Privatkläger mutmasslich alkoholisiert war. Der
Privatkläger führte diesbezüglich jedoch aus, er sei nur "angeheitert" gewesen. Eine
Messung der Alkoholisierung wurde nicht durchgeführt. Eine massgebliche
Reduzierung seiner Verfassung kann demzufolge nicht angenommen werden. Ohnehin
musste der Beschuldigte davon auch nicht davon ausgehen, war der Privatkläger
einerseits doch imstande, sich tobend und um sich schlagend aus dem Griff im Lokal
zu lösen und fühlte sich der Beschuldigte andererseits gar körperlich von ihm bedroht.
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Dass sein (Eventual-)Vorsatz eine schwere Körperverletzung mitumfasste, kann ihm in
vorliegender Situation nicht unterstellt werden, zumal auch sein Verhalten weder
aggressiv und schon gar nicht in vernichtender Art und Weise erscheint. Von einer
Inkaufnahme einer schweren Körperverletzung ist nach dem Dargelegten nicht
auszugehen.
Indessen muss angesichts des Verhaltens und Vorgehens des Beschuldigten
angenommen werden, dass er eine Beeinträchtigung der körperlichen Integrität im
Sinne einer einfachen Körperverletzung beim Privatkläger in Kauf genommen hat. Es
entspricht der allgemeinen Lebenserfahrung, dass ein Faustschlag ins Gesicht zu
Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität führen kann. Dies musste auch dem
Beschuldigten bewusst gewesen sein, auch wenn er innert Bruchteilen von Sekunden
entscheiden musste, wie er den Angriff des Privatklägers abwehren soll. Wie die
Vorinstanz zutreffend ausführte, musste dem Beschuldigten die Tatsache, dass er mit
seiner Handlung sein Opfer verletzen kann, als so wahrscheinlich aufdrängt haben,
dass sein Verhalten vernünftigerweise nur als Inkaufnahme dieses Erfolgs im Sinne des
Eventualvorsatzes gewertet werden kann. Es steht somit ausser Frage, dass er im
Wissen um die reale Möglichkeit der Tatbestandverwirklichung der einfachen
Körperverletzung auf den Privatkläger einwirkte und eine Schädigung an Körper oder
Gesundheit i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zumindest in Kauf nahm. Damit sind auch
der Tatentschluss und der subjektive Tatbestand gegeben.
e) Zusammengefasst hat der Beschuldigte den Tatbestand der versuchten einfachen
Körperverletzung erfüllt.
6. a) Der Verteidiger des Beschuldigten beruft sich auf den Rechtfertigungs- bzw.
Schuldausschliessungsgrund der rechtfertigenden Notwehr. Der Beschuldigte sei in
einer Notwehrsituation gewesen und freizusprechen.
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b/aa) Tatbestandsmässiges Handeln ist nur strafbar, wenn nicht Rechtfertigungsgründe
ein rechtswidriges Handeln oder Schuldausschliessungsgründe ein schuldhaftes
Handeln ausschliessen (vgl. Art. 14 ff. StGB; Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht,
Allgemeiner Teil I: Die Straftat, 4. Aufl., Bern 2011, § 8 Rz. 2 ff.). Wird jemand ohne
Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff bedroht, so ist der Angegriffene
und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer den Umständen angemessenen Weise
abzuwehren (Art. 15 StGB). Notwehr setzt somit eine Notwehrlage (unmittelbarer
Angriff ohne Recht) und eine Notwehrhandlung (angemessene Verteidigung) voraus
(BSK StGB-Seelmann, Art. 15 N 3). Der Rechtfertigungsgrund der Notwehr verlangt
vom Angegriffenen nicht, dass er mit einer Reaktion zuwartet, bis es für eine Abwehr zu
spät ist. Doch setzt die Unmittelbarkeit der Bedrohung voraus, dass jedenfalls
Anzeichen einer Gefahr vorhanden sind, die eine Verteidigung nahelegen. Solche
Anzeichen liegen namentlich vor, wenn der Angreifer eine drohende Haltung einnimmt,
sich zum Kampfe vorbereitet oder Bewegungen macht, die in diesem Sinne gedeutet
werden können. Abwehr ist zulässig, sobald mit einem Angriff ernstlich zu rechnen ist
und jedes weitere Zuwarten die Verteidigungschancen gefährdet. Der Angriff droht mit
anderen Worten nicht erst unmittelbar, wenn es für den Angreifer kein Zurück mehr
gibt, sondern bereits, wenn der Bedrohte nach den gesamten Umständen mit dem
sofortigen Angriff rechnen muss. Handlungen, die lediglich darauf gerichtet sind, einem
zwar möglichen, aber noch unsicheren Angriff vorzubeugen, einem Gegner also nach
dem Grundsatz, dass der Angriff die beste Verteidigung ist, zuvorzukommen und ihn
vorsorglich kampfunfähig zu machen, fallen nicht unter den Begriff der Notwehr (vgl.
zum Ganzen BGer 6B_780/2009 E. 2.3 und 6B_289/2008 E. 7.3 mit Hinweis).
bb) Die Abwehr in einer Notwehrsituation muss nach der Gesamtheit der Umstände als
verhältnismässig erscheinen. Eine Rolle spielen vor allem die Schwere des Angriffs, die
durch den Angriff und die Abwehr bedrohten Rechtsgüter, die Art des Abwehrmittels
und dessen tatsächliche Verwendung. Die Angemessenheit der Abwehr ist aufgrund
jener Situation zu beurteilen, in der sich der rechtswidrig Angegriffene im Zeitpunkt
seiner Tat befand. Es dürfen nicht nachträglich allzu subtile Überlegungen darüber
angestellt werden, ob der Angegriffene sich nicht allenfalls auch mit anderen, weniger
einschneidenden Massnahmen hätte begnügen können und sollen (BGE 136 IV 49 E.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
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3.2 mit Hinweisen; BSK StGB-Seelmann, Art. 15 N 11 ff.; Stratenwerth,
Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil I: Die Straftat, 4. Aufl., Bern 2011, § 10 Rz.
76, wonach der Angegriffene das leichteste der ihm – nach Art und Stärke des Angriffs
– zur Verfügung stehenden Verteidigungsmittel wählen muss, dasjenige also, das den
Angreifer am wenigsten verletzt oder gefährdet.). Dabei verlangt das Gesetz lediglich
die Angemessenheit der Abwehrmittel, nicht der Abwehr als solcher, mit der
praktischen Konsequenz, dass der Angegriffene dem Angriff nicht ausweichen, flüchten
oder polizeiliche Hilfe herbeiholen muss (Stratenwerth, a.a.O., § 10 Rz. 76; BGE 101 IV
119; 79 IV 148 E. 2).
cc) Ein Notwehrexzess nach Art. 16 StGB liegt vor, wenn die Abwehr des
Angegriffenen unangemessen ist. Art. 16 Abs. 2 StGB kommt zur Anwendung, wenn
der Abwehrende die Grenzen der Notwehr im sogenannten asthenischen Affekt, d.h. in
entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung über den Angriff bzw. in einer
entschuldbaren heftigen Gemütsbewegung, überschreitet (BSK StGB-Seelmann, Art.
16 N 3 mit Hinweis auf Art. 113 StGB und BGE 118 IV 233; vgl. auch BGer
6B_148/2013 E. 3). Diesfalls handelt der Abwehrende nicht schuldhaft. Erfasst werden
dabei alle Emotionszustände, wie z.B. die Furcht oder Wut (BSK StGB-
Schwarzenegger, Art. 113 N 3 ff., 6).
c/aa) Wie bereits festgestellt wurde, war die Handlung des Beschuldigten betreffend
Herausführens des Privatklägers aus dem Clubhaus rechtmässig und überdies
abgeschlossen. Ein rechtswidriger Angriff seitens des Beschuldigten liegt deshalb nicht
vor, weshalb der Privatkläger nicht dazu berechtigt war, auf den Beschuldigten
loszugehen. Dem Beschuldigten kann keine Absichtsprovokation unterstellt werden,
zumal er den Angriff des Privatklägers auch nicht provozierte, um ihm mit der Faust ins
Gesicht zu schlagen.
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Der Beschuldigte schilderte im Kern nachvollziehbar, glaubhaft und konstant, dass der
Privatkläger in bedrohlicher Weise (erhobene Hände bzw. Fäuste) auf ihn zugekommen
sei. Dies wurde von verschiedenen Auskunftspersonen ebenfalls entsprechend
wahrgenommen (vgl. dazu E. III. 5 a/cc). Der vom Privatkläger ausgehende Angriff
stand demzufolge unmittelbar bevor. Aufgrund der vorliegenden Situation und den
Aussagen des Beschuldigten ist davon auszugehen, dass er mit einem tätlichen Angriff
des Privatklägers rechnete. Mit dem Verhalten des Privatklägers waren denn auch
entsprechende Anzeichen einer drohenden Gefahr vorhanden. Damit war der
Beschuldigte grundsätzlich berechtigt, sich in einer angemessenen Weise zu wehren
(Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 15 StGB; Trechsel/Jean-Richard und Trechsel/Geth, in
Trechsel/Pieth (Hrsg.), StGB PK, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, Art. 13 N 6 und Art. 15
N 14, jeweils mit Hinweisen).
bb) Bei der Frage der Angemessenheit der Abwehr sind die gesamten Tatumstände zu
berücksichtigen. Zunächst kann zwar vorliegend – wie bereits ausgeführt – nicht von
einer wesentlichen bzw. übermässigen körperlichen Überlegenheit seitens des
Beschuldigten ausgegangen werden, zumal weder ein grosses Gefälle im Alter noch in
der sonstigen körperlichen Postur auszumachen ist. Dennoch ist zu berücksichtigen –
und musste auch dem Beschuldigten bewusst gewesen sein – dass der Privatkläger
angetrunken war und er ihm gegenüber insofern leicht im Vorteil war, als es ihm
schliesslich doch gelang, jenen aus dem Club hinauszustellen. Nachdem der
Privatkläger in bedrohlicher Art und Weise auf den Beschuldigten losging, schlug der
Beschuldigte ihm mit der Faust direkt ins Gesicht und setzte ihn so dem Risiko einer
Körperverletzung aus. Auch wenn im Nachhinein nicht allzu subtile Überlegungen
angestellt werden dürfen, ob der Angegriffene sich nicht allenfalls auch mit anderen,
weniger einschneidenden Massnahmen hätte begnügen können und sollen, erscheint
vorliegend in einer solchen Situation der erfolgte Faustschlag direkt ins Gesicht des
angetrunkenen Privatklägers als erste Reaktion des Beschuldigten, nicht mehr
angemessen. Nachdem es sich beim Gesicht nicht nur um eine besonders
empfindliche Körperregion handelt, beeinträchtigt ein Schlag dorthin auch die Würde
des Geschlagenen in besonderer Weise. Es kann nicht angehen, dass jeder tätliche
Angriff sogleich mit einem Faustschlag ins Gesicht beantwortet wird. Der Beschuldigte
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hätte bspw. versuchen können, den Privatkläger an einer anderen Körperstelle zu
schlagen, wegzustossen oder festzuhalten. Der Faustschlag ins Gesicht unter
genannten Umständen stellt für die erkennende Kammer keine angemessene Abwehr
mehr dar. Damit hat der Beschuldigte die Grenzen der Notwehr nach Art. 15 StGB
überschritten, zumal in der vorliegenden Situation – wie erwähnt – mildere Mittel zur
Verfügung gestanden hätten. Entsprechend bleibt die Handlung des Beschuldigten
rechtswidrig (Stratenwerth, a.a.O., § 10 Rz. 88). Nicht geprüft braucht bei diesem
Ergebnis, ob der Beschuldigte durch sein Verhalten (Rausstellen aus dem Lokal mittels
Körpergewalt) und mit Blick auf die absehbare Reaktion des Privatklägers (vgl. hierzu
die nachstehenden Ausführungen) die Notwehrlage zwar nicht provoziert, jedoch
zumindest mitverschuldet bzw. -verursacht hat und sein Notwehrrecht deswegen
bereits an und für sich eingeschränkt war (siehe hierzu BGer 6B_810/2011 und
6B_811/2011 E. 5.3).
cc) Auf eine entschuldbare Aufregung oder Bestürzung über den Angriff im Sinne von
Art. 16 Abs. 2 StGB kann sich der Beschuldigte nicht berufen. Denn angesichts der
vorausgegangen Situation konnte ihn eine derartige Reaktion des Privatklägers nicht
überraschen. Dem Angriff ging der Rauswurf bzw. der angewandte "Schwitzkasten"
voraus. Auf die Frage, weshalb der Privatkläger auf ihn losgegangen sei, sagte der
Beschuldigte selbst aus (act. S/13 Frage 6): „Weil wir ihn grob angefasst haben und er
dachte vermutlich, dass er sich dies nicht gefallen lassen will." Ausserdem musste er
bereits aufgrund des Verhaltens der Gruppe wie auch des Privatklägers während des
Rauswurfs ([...]"ich hatte ihn im Schwitzkasten und er hat wie wild um sich geschlagen
und getobt.") mit einer entsprechenden Reaktion rechnen bzw. damit, dass der
Privatkläger in der Folge die Konfrontation mit allenfalls einhergehenden
Handgreiflichkeiten suchte. Dessen Angriff kann ihn demzufolge nicht sonderlich
überrascht haben. Ein überraschender Angriff, welcher den Beschuldigten in
entschuldbarer und die Straflosigkeit der Notwehrüberschreitung rechtfertigende
Aufregung oder Bestürzung handeln liess, liegt demzufolge nicht vor. Damit kann der
vorliegend begangene Notwehrexzess nicht als entschuldbar qualifiziert werden.
Vielmehr ist den vorliegenden Umständen im Rahmen der Strafzumessung gestützt auf
Art. 16 Abs. 1 StGB strafmildernd Rechnung zu tragen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
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d) Zusammengefasst hat der Beschuldigte mangels Rechtfertigung den Tatbestand der
versuchten einfachen Körperverletzung erfüllt. Die vorinstanzliche Verurteilung wegen
des Tatbestandes der versuchten einfachen Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB
i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) ist zu bestätigen. Die dagegen erhobenen Berufungen des
Beschuldigten wie auch des Privatklägers sind demgemäss abzuweisen.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Kantonsgericht, 27.06.2019 Art. 123 Ziff. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB (SR 311.0). Versuchte einfache Körperverletzung. Angemessenheit der Abwehr. Unterbrechung Kausalität. Ein Faustschlag direkt ins Gesicht des angetrunkenen Opfers, das bedrohlich auf den Täter zugeht, ist als erste Abwehrreaktion nicht angemessen (E.6.c/bb). Dem Beschuldigten können objektiv nur diejenigen Verletzungen zugerechnet werden, welche durch seinen Faustschlag und den dadurch erfolgten (ersten) Sturz verursacht wurden. Für die weiteren Stürze bzw. die dadurch verursachten Verletzungen durch Personen, die dem Opfer helfen wollten und es fallen liessen, kann er nicht mehr verantwortlich gemacht werden. Darin liegen aussergewöhnliche Umstände, mit denen nicht gerechnet werden muss und die zur Unterbrechung der Kausalität führen (E.5.b/cc) (Kantonsgericht, Strafkammer, 27. Juni 2019, ST.2018.87 und ST.2018.91).
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