Decision ID: 9f4a3969-9e8e-4b4f-acac-daa336231d40
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1
.
1.1
Der 1988 geborene
X._
, kaufmännischer Angestellter, arbeitete vom 17. Juni 2013 bis 30. April 2014 (
Urk.
7/39/1) als Administrator der
Y._
AG. Aufgrund einer ungenügenden Arbeitsleistung kün
digte ihm die Arbeitgeberin am 31. Januar per 30. April 2014 (
Urk.
7/39/1). Per 1. Mai 2014 (
Urk.
7/37/1,
Urk.
7/38) meldete sich der Versicherte bei der Arbeitslosenversicherung zum Leistungsbezug an, woraufhin vom 1. Mai 2014 bis 30. April 2016 (
Urk.
7/27) eine Rahmenfrist eröffnet wurde.
1.2
Aufgrund einer Meldung des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums
Z._
(RAV) vom 19. Dezember 2014 (
Urk.
7/3/2) stellte das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) den Versicherten mit Verfügung vom 9. Januar 2015 (
Urk.
7/3) wegen ungenügender persönlicher Arbeitsbemühungen für die Kontrollperiode November 2014 für zwei Tage ab 1. Dezember 2014 in der
Anspruchsberech
tigung
ein. Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 18. Januar 2015 (
Urk.
7/4) Einsprache, welche das AWA mit Einspracheentscheid vom 27. Januar 2015 (
Urk.
2) abwies.
2.
Gegen den Einspracheentscheid erhob der Versicherte mit Eingabe ans AWA vom 19. Februar 2015 (
Urk.
1) Beschwerde, welche das AWA mit Schreiben vom 20. März 2015 (
Urk.
4) ans hiesige Gericht überwies. In seiner Beschwerde beantragte der Versicherte sinngemäss, die Einstellung in der
Anspruchsberech
tigung
von zwei Tagen sei aufzuheben. In der Beschwerdeantwort vom 28. April 2015 (
Urk.
6) schloss das AWA auf Abweisung der Beschwerde.
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in
die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Nach
Art.
17
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenver
sicherung und Insolvenzentschädigung (AVIG) muss die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unterstützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Insbesondere ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigen
falls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Sie muss ihre Bemühungen nachweisen
können. Gemäss
Art.
30
Abs.
1 lit.
c AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie sich persönlich nicht genügend um zumutbare Arbeit bemüht.
Gemäss
Art.
26
Abs.
2 Satz 1 der Verordnung über die obligatorische Arbeits
losenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) muss die versicherte Person den Nachweis der Arbeitsbemühungen für jede Kontrollperiode spätes
tens am fünften Tag des folgenden Monats oder am ersten auf diesen Tag fol
genden Werktag einreichen. Als Kontrollperiode gilt jeder Kalendermonat (
Art.
27a AVIV). Die Arbeitsbemühungen werden nach
Art.
26
Abs.
2 Satz 2 AVIV nicht mehr berücksichtigt, wenn die versicherte Person die Frist verstrei
chen lässt und keinen entschuldbaren Grund geltend macht. Die Einstellung erfolgt, ohne dass eine zusätzliche Frist gewährt werden müsste. Unerheblich ist, dass die Nachweise später erbracht werden, zum Beispiel in einem Einsprache
verfahren (vgl. BGE 139 V 164 E. 3.2).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist die Rechtmässigkeit der Einstellung in der
Anspruchs
berechtigung
für zwei Tage ab 1. Dezember 2014.
2.2
Der Beschwerdegegner begründete den angefochtenen Einspracheentscheid damit, um berücksichtigt zu werden, müsse der Nachweis der
Arbeitsbemü
hungen
einer Kontrollperiode gemäss
Art.
26
Abs.
2 AVIV jeweils am 5. des Folgemonats oder am ersten auf diesen folgenden Werktag eingereicht werden. Es sei Sache des Versicherten sicherzustellen, dass per E-Mail übermittelte Arbeitsbemühungen den RAV-Berater auch erreichten. Indem der Versicherte die E-Mail-Adresse nicht korrekt eingegeben bzw. nicht nochmals überprüft habe, habe er das Nichtankommen zu verantworten (
Urk.
2 S. 2).
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor, er sei mit der Begründung nicht einverstanden. Durch diese Entscheidung bekomme er ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten. Zwar sei er dafür verantwortlich, dass seine Mails den Adres
saten erreichen würden, aber er könne nicht die ganze Zeit vor dem PC sitzen, um zu überprüfen, ob eine Mail nicht zustellbar sei. Das Formular
für den November
sei auf den 4. Dezember 2014 datiert, was Beweis genug sein sollte (
Urk.
1).
3.
3.1
Es ist aktenmässig belegt und insoweit unbestritten, dass der Beschwerdeführer den Nachweis für seine Arbeitsbemühungen für die Kontrollperiode November 2014
seinem RAV-Berater nicht rechtzeitig zugestellt hat. D
ies
er hätte
die Nachweise
bis am
Freitag, dem
5. Dezember 2014 bekommen müssen, hat sie tatsächlich aber erst am 5. Januar 2015 erhalten (
Urk.
2 S. 2). Wie der Beschwerdeführer selber ausführt, habe er am 4. Dezember 2014 den Nachweis für die Arbeitsbemühungen per E-Mail schicken wollen,
hiebei
jedoch die Empfängeradresse unkorrekt eingegeben, sodass die E-Mail unzustellbar gewe
sen sei. Die entsprechende Meldung sei in seinem Spam-Ordner gelandet, da er diesen jedoch nur in unregelmässigen Zeitabständen überprüfe, habe er es erst viel später bemerkt (
Urk.
7/4/1-2).
3.2
Gemäss
Art.
26
Abs.
2 AVIV hat die versicherte Person den Nachweis im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 Satz 3 AVIG für jede Kontrollperiode spätestens am fünften Tag des folgenden Monats oder am ersten auf diesen Tag folgenden Werktag zu erbringen. Die Arbeitsbemühungen werden nicht mehr berücksichtigt, wenn sie die Frist verstreichen lässt und keinen entschuldbaren Grund geltend macht.
Das Bundesgericht führt dazu in BGE 139 V 164 aus, die Einstellung in der Anspruchsberechtigung unterliege ausschliesslich den spezifischen Bestim
mungen der Arbeitslosenversicherung (nicht
Art.
43
Abs.
3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Daraus folge, dass vorbehältlich eines entschuldbaren Grundes
,
eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung ausgesprochen werden könne, wenn die Nachweise der Arbeitsbemühungen nicht innert der Frist des
Art.
26
Abs.
2 AVIV eingereicht würden, ohne dass eine zusätzliche Frist gewährt werden müsse. Unerheblich
sei
, dass die Nachweise später erbracht würden, zum Beispiel in einem Ein
spracheverfahren (E. 3.2 und 3.3; vgl. auch Regeste).
3.3
Da der Sachverhalt bezüglich der verspäteten Zustellung der
Arbeitsbemü
hungen
für die Kontrollperiode November 2014 erstellt ist (vgl. E. 3.1), bleibt lediglich zu prüfen, ob
hiefür
ein entschuldbarer Grund gegeben ist. Der Beschwerdeführer macht geltend, ihm sei bei der Empfängeradresse ein Fehler unterlaufen (
Urk.
7/4/1). Zwar sei er dafür verantwortlich, dass seine Mails den Adressaten erreichen würden, aber er könne nicht die ganze Zeit vor dem PC sitzen und überprüfen, ob eine Meldung reinkomme, dass die E-Mail unzustell
bar sei (
Urk.
1). Bei der Eingabe einer falschen Empfängeradresse handelt es sich nicht um einen technischen sondern um einen Anwendungsfehler. Jedem E-Mail-Benutzer muss bewusst sein, wie einem Telefonbenutzer, der eine falsche Nummer wählt oder einem Briefbenutzer, der eine falsche Empfängeradresse notiert, dass seine E-Mail den Adressaten nicht erreichen kann, wenn sie unkorrekt ist. Daher hat man bei der Adresseingabe besonders aufmerksam zu sein und sie allenfalls auf ihre Korrektheit zu überprüfen. Indem der Beschwer
deführer dies offensichtlich unterlassen hat, hat er die ihm obliegende Sorg
faltspflicht verletzt. Auch sein Argument, dass er nicht die ganze
Zeit vor dem PC sitzen könne, um allfällige Fehlermeldungen entgegenzunehmen, greift nicht, denn dies wäre gar nicht erforderlich gewesen, er hätte einfach nach einer Weile die entsprechende Kontrolle vornehmen können. Schliesslich hätte ihm auch die Möglichkeit
offengestanden
, sich den Empfang durch seinen RAV-Berater per E-Mail oder telefonisch bestätigen zu lassen. Auch sein Argument, dass das Formular auf den 4. Dezember 2014 datiert sei, ändert am Umstand nichts, dass er es zu spät eingereicht hat.
Ein entschuldbares Verhalten ist also nicht gegeben
.
4.
4.1
Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung dauert gemäss Art. 45
Abs.
3 AVIV 1–15 Tage bei leichtem Verschulden (lit. a), 16–30 Tage bei mittelschwe
rem Verschulden (lit. b) und 31–60 Tage bei schwerem Verschulden (lit. c).
4.2
Der Beschwerdeführer wurde für zwei Tage eingestellt, was einem leichten Ver
schulden im unteren Bereich entspricht. Da die Arbeitsbemühungen für die Kontrollperiode November 2014 qualitativ und quantitativ nicht zu beanstan
den sind (
Urk.
7/3/3) sowie aus dem prozessorientierten Beratungsprotokoll (
Urk.
7/18) hervorgeht, dass die Arbeitsbemühungen stets in Ordnung waren und rechtzeitig abgeliefert wurden, hält die bundesgerichtliche Rechtsprechung dazu fest, dass wenn der Versicherte
den N
achweis seiner Arbeitsbemühungen auf elektronischem Weg per E-Mail versandt habe, deren rechtzeitige Übermitt
lung an die Verwaltung aber nicht geklappt habe,
sich
sein Verschulden an der Verwirklichung des Einstelltatbestandes als minim erscheinen
lasse
, zumal er nicht absichtlich gehandelt habe (Urteil 8C_257/2014 vom 1
0.
Juni 2014 E. 3.3). Somit liegt die vorübergehende Einstellung von zwei Tagen in der
A
nspruchs
berechtigung
im nachvollziehbaren Ermessen der Verwaltung - welche das geringe Verschulden sowie das bisherige korrekte Verhalten angemessen berücksichtigt hat - und ist nicht zu beanstanden. Folglich ist die Beschwerde abzuweisen.