Decision ID: aa70fae2-6728-585b-a8f8-0bd2db60feff
Year: 2018
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_002
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A. A1_ und A2_ (nachfolgend auch: Beschwerdeführer) wurden von der kantonalen
Steuerverwaltung Appenzell Ausserrhoden (nachfolgend auch: Vorinstanz) am 8. Januar
2014 für die Staats- und Gemeindesteuern sowie die direkte Bundessteuer 2011 und 2012
veranlagt.
A1_ führt zusammen mit seinem Sohn, B_, einen Landwirtschaftsbetrieb in C_. In
den Steuererklärungen 2011 und 2012 hatten die Beschwerdeführer unter dem Titel
„Betriebskosten, Aufwendungen, Erhalt. Ko“ einen Verlust aus der landwirtschaftlichen
Tätigkeit in der Höhe von Fr. 52‘874.-- für das Jahr 2011 und Fr. 53‘400.-- für das Jahr
2012 deklariert und vom steuerbaren Einkommen abgezogen. Der zuständige
Steuerkommissär gewährte diese von den Beschwerdeführern deklarierten Abzüge in den
Steuerveranlagungen 2011 und 2012 nicht mit der Hauptbegründung, es liege bei einem
Verlustausweis seit mehreren Jahren keine auf Erwerbseinkommen ausgerichtete Tätigkeit
vor, weshalb Verluste nicht mit dem übrigen Einkommen verrechenbar seien.
B. Am 13. Februar 2013 erhoben die Beschwerdeführer bei der Vorinstanz Einsprache gegen
die Steuerveranlagungen 2011 und 2012, sowohl die Staats- und Gemeindesteuern als
auch die direkte Bundessteuer betreffend. Mit Einspracheentscheid vom 25. März 2018
wies die Vorinstanz die Einsprachen ab. Wer die Landwirtschaft bloss hobbymässig
betreibe, könne die damit verbundenen Verluste nicht abziehen. Ausserdem hätten sich bei
der Prüfung der Buchhaltung des Landwirtschaftsbetriebs diverse formelle und materielle
Mängel gezeigt, so dass der von den Beschwerdeführern deklarierte Verlust auch aus
diesem Grund auf Fr. 0.-- zu korrigieren sei.
C. Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von den Beschwerdeführern am
26. April 2018 (Postaufgabe) beim Obergericht eingereichte Beschwerde. Weil die
Beschwerde die Veranlagung sowohl der Staats- und Gemeindesteuern als auch der
direkten Bundessteuer betrifft, wurde sie mit Blick auf die unterschiedlichen
Rechtsgrundlagen in zwei formell getrennte, aber gleichzeitig behandelte Verfahren
aufgeteilt (O2V 18 12 und O2V 18 14).
Das vorliegende Verfahren O2V 18 14 betrifft die Veranlagung der direkten Bundessteuern
2011 und 2012.
Seite 4
D. Nachdem die Beschwerdeführer die bei ihnen angeforderten Kostenvorschüsse von je Fr.
800.-- für die Verfahren O2V 18 12 und O2V 18 14 rechtzeitig an die Gerichtskasse
geleistet hatten, wurde die Vorinstanz mit Verfügung vom 23. Mai 2018 zur
Vernehmlassung eingeladen. Mit Eingabe vom 27. Juni 2018 beantragte sie Abweisung der
Beschwerde unter Kostenfolge zulasten der Beschwerdeführer.
E. Am 13. November 2018 führte die zweite Abteilung des Obergerichts, dem Antrag der
Beschwerdeführer entsprechend, in Trogen eine mündliche Verhandlung durch. An dieser
Verhandlung nahmen A1_ sowie die kantonale Steuerverwaltung, vertreten durch D_,
teil. Das Protokoll der Verhandlung wurde den Parteien mit Verfügung vom 20. November
2018 zugestellt.
Die Streitsache wurde direkt im Anschluss an die mündliche Verhandlung in Abwesenheit
der Parteien beraten und darüber entschieden. Die Beschwerden in den Verfahren O2V 18
12 und O2V 18 14 wurden abgewiesen und den Beschwerdeführern die Verfahrenskosten
im Betrag von je Fr. 1‘000.--, unter teilweiser Verrechnung mit den bereits geleisteten
Kostenvorschüssen, auferlegt.
Mit Schreiben vom 14. Dezember 2018 verlangte A1_ eine Begründung der Urteile.
Diesem Begehren entsprechend wird hiermit das begründete Urteil im Verfahren O2V 18
14 betreffend direkte Bundessteuern 2011 und 2012 schriftlich eröffnet.
Seite 5

Erwägungen
1. Formelles
1.1
Die vorliegend zu beurteilende Beschwerde wurde im Namen der „E_“ eingereicht.
Angefochten wurden mit der von A1_ (für „Fam. A1_“) und B_ unterzeichneten und
beim Obergericht eingereichten Beschwerdeschrift allerdings zwei Entscheide der
kantonalen Steuerverwaltung, die sich einerseits an A1_ und A2_ persönlich
(Einspracheentscheid betreffend A1_ und A2_ in Sachen Steuerveranlagung 2011
und 2012) und andererseits an B_ persönlich (Einspracheentscheid betreffend B_ in
Sachen Steuerveranlagung 2011 und 2012) richten. Es kann an dieser Stelle offengelassen
werden, ob der „E_“ überhaupt eine Rechtspersönlichkeit zukommt. Die
Einspracheentscheide der Steuerverwaltung, auf welche sich die Beschwerdeschrift
inhaltlich bezieht, können offensichtlich nur von A1_ und A2_ einerseits bzw. B_
andererseits angefochten werden. Das vorliegende Verfahren betrifft den an A1_ und
A2_ gerichteten Einspracheentscheid der Vorinstanz. Die Beschwerdeschrift wurde von
A1_ unterzeichnet. Rechtsmittel gelten als rechtzeitig eingereicht, wenn ein Ehegatte
innert Frist handelt (Art. 113 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer
[DBG, SR 642.11]). Somit genügt die Unterschrift von A1_ auf der Beschwerdeschrift,
insoweit damit der Einspracheentscheid der kantonalen Steuerverwaltung betreffend A1_
und A2_ angefochten werden soll.
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung von A1_ und A2_
als auch hinsichtlich der übrigen Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind. Auf die
Beschwerde ist deshalb grundsätzlich einzutreten.
1.2
B_ hat gleichzeitig wie die Beschwerdeführer eine Beschwerde gegen den ihn
betreffenden Einspracheentscheid der Steuerverwaltung in Sachen Staats- und
Gemeindesteuern bzw. direkte Bundessteuer 2011 und 2012 eingereicht. Der
diesbezüglich in verfahrensrechtlicher Hinsicht gestellte Antrag auf Verfahrensvereinigung
(Ziff. 1 der Rechtsbegehren) wird abgewiesen. Im Zusammenhang mit der Beschwerde von
B_ wurden die separaten Verfahren O2V 18 16 und O2V 18 18 eröffnet. Da
Anfechtungsobjekt und Beschwerdeführer der Verfahren O2V 18 16 und 18 einerseits bzw.
O2V 18 12 und 14 andererseits somit gar nicht übereinstimmen, besteht weder ein Anlass
Seite 6
noch eine Möglichkeit, die beantragte Verfahrensvereinigung vorzunehmen. Die vier
Verfahren wurden aber aufgrund des engen Sachzusammenhangs gemeinsam behandelt
und entschieden, womit im Resultat das Anliegen der Beschwerdeführer, möglichst effizient
und sachgerecht vorzugehen, durchwegs berücksichtigt wurde.
1.3
a. Das von den Beschwerdeführern beantragte mündliche Anhörungsrecht wurde ihnen im
Rahmen der mündlichen Verhandlung gewährt (vgl. Ziff. 4 der Rechtsbegehren). Sie hatten
anlässlich dieser mündlichen Verhandlung auch Gelegenheit, während ihrer Parteivorträge
Ergänzungen zur schriftlich eingereichten Beschwerdeschrift anzubringen (vgl. Ziff. 7 der
Rechtsbegehren). Den Beschwerdeführern wurde somit im vorliegenden Verfahren das
rechtliche Gehör korrekt eingeräumt.
b. Die Beschwerdeführer stellten sich im Rahmen der Beschwerdeschrift und dem
Plädoyer anlässlich der mündlichen Verhandlung vom 13. November 2018 wiederholt auf
den Standpunkt, die Vorinstanz habe jedoch im Rahmen der Steuerveranlagungen 2011
und 2012 ihr rechtliches Gehör verletzt. Dieser Vorwurf erweist sich bei einer Würdigung
der vorinstanzlichen Akten klar als haltlos: Die Beschwerdeführer bzw. A1_ als deren
Vertreter erhielten am 13. August 2013 die Gelegenheit einer persönlichen Besprechung
der Angelegenheit bei der Vorinstanz (VI-act. 31). Mit Schreiben vom 10. September 2015
an die Vorinstanz (VI-act. 32) teilten die Beschwerdeführer schliesslich mit, es seien noch
verschiedene Fragen offen und es werde um Geduld gebeten; sobald man bereit sei, würde
man sich melden, wobei unter Umständen eine nochmalige Besprechung nötig sein werde.
Daraufhin gewährte die Vorinstanz den Beschwerdeführern erneut eine Frist bis Ende
Oktober 2015 zur Einreichung eines allfälligen Einspracherückzugs (VI-act. 33). Diese Frist
verstrich unbenutzt, die Beschwerdeführer reichten weder einen Einspracherückzug noch
sonstige Unterlagen ein. Bis zum Erlass des im vorliegenden Verfahren angefochtenen
Einspracheentscheids vom 25. März 2018 vergingen dann nochmals fast 21⁄2 Jahre, innert
derer die Beschwerdeführer sich nicht weiter vernehmen liessen. Unter diesen Umständen
musste die Vorinstanz entgegen der Ansicht der Beschwerdeführer keinen weiteren
Besprechungstermin vereinbaren. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die
Vorinstanz ist nicht ersichtlich.
Seite 7
1.4
Insoweit überhaupt auf die zahlreichen weiteren formellen Anträge im vorliegenden
Beschwerdeverfahren (insbesondere Ziff. 3, 5 und 8 der Rechtsbegehren sowie diverse
Vorbringen im Rahmen des Plädoyers anlässlich der mündlichen Verhandlung vom 13.
November 2018) einzutreten ist, sind diese abzuweisen:
a. Es besteht kein Rechtsanspruch auf Durchführung einer Mediation. Sollten sich
Prozessparteien in gegenseitigem Einverständnis über eine Streitsache einigen, bevor das
Gericht darüber entschieden hat, wäre dies dem Gericht mitzuteilen, welches hierauf das
Verfahren abschreiben könnte. Im vorliegenden Fall ist es aber nicht zu einer solchen
Einigung zwischen der Steuerverwaltung und den Beschwerdeführern gekommen, weshalb
weder ein Beschwerderückzug erklärt wurde noch die Vorinstanz eine Wiedererwägung
pendente lite angekündigt hatte. Entsprechend war vom Obergericht im vorliegenden Fall
über die Streitsache zu entscheiden, was es im Anschluss an die mündliche Verhandlung
vom 13. November 2018 gestützt auf eine eingehende Beratung tat.
b. Den Beschwerdeführern wurde im Verlauf des Schriftenwechsels Akteneinsicht in
sämtliche Verfahrensakten angeboten. Sollten dafür von der Verfahrensleitung angesetzte
Fristen aus Sicht der Beschwerdeführer zu knapp bemessen gewesen sein, stand es ihnen
jeweils frei, rechtzeitig eine Verlängerung der ihnen konkret angesetzten Frist zu verlangen
(vgl. Art. 6 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG, bGS 143.1]).
c. Gemäss Art. 13 Abs. 2 VRPG sind schriftliche Stellungnahmen einer Partei der
Gegenpartei in einem Verfahren zur Einsichtnahme aufzulegen oder in Kopie zuzustellen,
wobei das Obergericht praxisgemäss - und damit im Ergebnis dem Anliegen der
Beschwerdeführer in Ziff. 08 der Rechtsbegehren entsprechend - letzteres macht, so auch
im vorliegenden Fall (vgl. act. 8).
d. Ausserdem erhielten die Beschwerdeführer mit Verfügung vom 27. August 2018 gestützt
auf Art. 13 Abs. 2 VRPG Gelegenheit, die Akten auf der Kanzlei des Obergerichts
einzusehen (act. 8, act. 11). Sofern Kopien von den Akten erstellt werden sollen, regelt die
Kanzleigebührenverordnung (KGV, bGS 233.21) die dafür zu erhebenden Kosten (Art. 2
Abs. 7 KGV). Es besteht keine Ausnahmevorschrift, welche im Fall der Beschwerdeführer
eine kostenfreie Zustellung von Aktenkopien vorsehen würde.
Seite 8
1.5
a. Im angefochtenen Einspracheentscheid der Vorinstanz findet sich, bestätigt durch die
Unterlagen in den vorinstanzlichen Akten, eine Zusammenstellung der Ergebnisse, die die
Beschwerdeführer in den vergangenen Jahren aus der landwirtschaftlichen Tätigkeit
deklarierten. Aus der ununterbrochenen, bereits seit Jahrzehnten andauernden
Verlustgenerierung hat die Vorinstanz auf eine fehlende Gewinnerzielungsabsicht
geschlossen und die für die Steuerperioden 2011 und 2012 deklarierten Verluste - anders
als in den Vorjahren - nicht zum Abzug zugelassen.
b. Entgegen der anlässlich der mündlichen Verhandlung von den Beschwerdeführern
vertretenen Ansicht spielen die vorinstanzlichen Unterlagen, die sich auf vergangene Jahre
beziehen, sehr wohl eine Rolle im Zusammenhang mit der Beurteilung der für eine
selbständige Erwerbstätigkeit erforderlichen Gewinnerzielungsabsicht. Eine verlässliche
Beurteilung kann erst dann abschliessend vorgenommen werden, wenn Unterlagen
vorliegen, die einen längeren Zeitraum betreffen. Dem Antrag, alle (früheren) Akten, die
nicht die Jahre 2011 und 2012 betreffen, aus den Akten zu entfernen, kann daher zum
Vornherein nicht entsprochen werden: Es ist nämlich durchaus von Interesse, ob die
Beschwerdeführer auch bereits in den früheren Jahren jeweils einen Verlust aus der
landwirtschaftlichen Tätigkeit deklarierten oder nicht.
c. Wie allerdings die kantonale Steuerverwaltung die Sachlage in den bereits rechtskräftig
veranlagten, früheren Veranlagungsperioden beurteilt hat, spielt dabei, wiederum anders
als die Beschwerdeführer meinen, im vorliegenden Beschwerdeverfahren keine
entscheidende Rolle: Die Steuerverwaltung beurteilt in jedem Veranlagungsverfahren die
jeweils in Frage stehenden Steuerfaktoren neu und ist nicht verpflichtet, Einschätzungen
und Vorgehensweisen aus früheren Veranlagungen unbedacht zu übernehmen. Die in
einer früheren Steuerperiode getroffene Veranlagung (hier namentlich: die Veranlagungen
1993 bis und mit 2010) entfaltet daher zum vornherein keine Rechtskraft für spätere
Veranlagungen. Vielmehr kann und muss die Steuerbehörde im Rahmen jeder
Neuveranlagung des Steuerpflichtigen sowohl die tatsächliche als auch die rechtliche
Ausgangslage vollumfänglich überprüfen und, soweit erforderlich, abweichend würdigen. In
Rechtskraft erwächst jeweils nur die einzelne Veranlagung, die als befristeter
Verwaltungsakt ausschliesslich für die betreffende Steuerperiode Rechtswirkungen entfaltet
(anstelle vieler: Urteile des Bundesgerichts 2C_41/2016 und 2C_42/2016 vom 25. April
2017, E. 4.2, m.w.H.). Es stellt daher entgegen der von den Beschwerdeführern vertretenen
Ansicht keine Verletzung von Treu und Glauben dar, wenn früher grundsätzlich
zugelassene Abzüge bei einer neuen Beurteilung in der aktuell zu veranlagenden
Seite 9
Steuerperiode mit klarer Begründung nicht mehr zugelassen werden (vgl. dazu auch Urteil
des Bundesgerichts 2A.126/2007 vom 19. September 2007, E. 4).
d. Nachdem auch im Übrigen keine Verletzung von grundlegenden Verfahrensrechten der
Beschwerdeführer vorliegt (vgl. dazu E. 1.3 f. vorstehend), ist weder ersichtlich, dass das
Vorgehen der Vorinstanz bei der Steuerveranlagung 2011 und 2012 willkürlich noch aus
anderen Gründen in formeller Hinsicht unzulässig sein soll, wie die Beschwerdeführer
vorbringen. Ob die Steuerveranlagungen 2011 und 2012 im Ergebnis materiell zu
bestätigen sind oder nicht, ist im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens vertieft
zu prüfen.
2. Materielles
2.1
Steuerbar sind alle Einkünfte aus einem Handels-, Industrie-, Gewerbe-, Land- und
Forstwirtschaftsbetrieb, aus einem freien Beruf sowie aus jeder anderen selbständigen
Erwerbstätigkeit (Art. 18 Abs. 1 DBG). Eine konkrete gesetzliche Definition, was genau
unter selbständiger Erwerbstätigkeit zu verstehen ist, enthält das Bundessteuerrecht nicht.
Gemäss ständiger Rechtsprechung und Lehre fällt unter den Begriff der selbständigen
Erwerbstätigkeit allgemein jede Tätigkeit, bei der ein Unternehmer auf eigenes Risiko, unter
Einsatz von Arbeit und Kapital, in einer frei gewählten Organisation und mit der Absicht der
Gewinnerzielung am Wirtschaftsverkehr teilnimmt (anstelle vieler: Urteile des
Bundesgerichts 2A.68/2004 vom 4. Juni 2004, E. 1.2; 2A.46/2005 vom 31. August 2005, E.
2.2.1; 2A.126/2007 vom 19. September 2007, E. 2.2; je m.w.H.).
2.2
Zur Frage, wann im Einzelfall eine selbständige Erwerbstätigkeit vorliegt und deren
Abgrenzung zur sog. Liebhaberei besteht eine reichhaltige Rechtsprechung.
a. Von einem blossen Hobby grenzt sich die selbständige Erwerbstätigkeit namentlich
dadurch ab, dass sie immer auf Erzielung eines Einkommens ausgerichtet ist (Urteile des
Bundesgerichts 2C_186/2014 und 2C_187/2014 vom 4. September 2014, E. 2, m.w.H.).
Wer die Landwirtschaft ohne Gewinnerzielungsabsicht hobbymässig betreibt, übt
steuerrechtlich gesehen keine selbständige Erwerbstätigkeit aus und kann deshalb die
damit verbundenen Verluste nicht abziehen. An einer Gewinnerzielungsabsicht fehlt es
Seite 10
namentlich dann, wenn eine Tätigkeit ungeachtet von Verlusten, die daraus resultieren, aus
blosser Liebhaberei weiter betrieben wird, was gerade im Bereich der Tierhaltung nicht
selten vorkommt (Urteile des Bundesgerichts 2A.68/2004 vom 4. Juni 2004, E. 1.3;
2C_687/2007 vom 8. April 2008, E. 2.1).
b. Bringt eine Tätigkeit auf Dauer nichts ein, stellt dies ein deutliches Indiz dafür dar, dass
es an der Gewinnerzielungsabsicht fehlt: Wird eine üblicherweise erwerbliche Tätigkeit auf
lange Sicht ohne Erzielung eines Gewinns ausgeübt, so lässt das Ausbleiben des
finanziellen Erfolgs nämlich regelmässig auf das Fehlen erwerblicher Zielsetzung
schliessen, denn wer wirklich eine Erwerbstätigkeit ausübt, wird sich in der Regel nach
längeren beruflichen Misserfolgen von der Zwecklosigkeit seines Unterfangens überzeugen
lassen und die betreffende Tätigkeit aufgeben. Führt er diese dennoch weiter, muss
angenommen werden, es seien dafür andere Motive als der Erwerbszweck massgebend
(Urteil des Bundesgerichts 2A.68/2004 vom 4. Juni 2004, E. 1.3, m.w.H.). Zwar muss selbst
eine mehrjährige Verlusterzielung für sich allein noch nicht zwingend auf eine Liebhaberei
schliessen lassen; eine solche ist aber anzunehmen, wenn sie eine steuerpflichtige Person,
der es um die Erzielung eines Erwerbseinkommens gegangen wäre, wegen des
finanziellen Misserfolgs von der Weiterführung des Betriebs hätte abbringen lassen. Dabei
liefern auch die Verhältnisse in den Vorjahren wichtige Anhaltspunkte. Nicht allein
entscheidend ist dabei, ob der Steuerpflichtige subjektiv eine Erwerbsabsicht für sich in
Anspruch nimmt. Die behauptete persönliche Absicht muss zusätzlich aufgrund konkreter
wirtschaftlicher Tatsachen, wie sie für die selbständige Erwerbstätigkeit kennzeichnend
sind, auch nachgewiesen sein (Urteil des Bundesgerichts 2A.126/2007 vom 19. September
2007, E. 2.3, m.w.H.). Dauert eine defizitäre Situation an und wird sich auch in absehbarer
Zeit kein Gewinn einstellen, ist aus diesem Grund Liebhaberei anzunehmen (Urteil des
Bundesgerichts 2A.46/2005 vom 31. August 2005, E. 3.2.3, m.w.H.).
2.3
Aus den in den vorinstanzlichen Unterlagen vorhandenen, mit der Steuererklärung jeweils
eingereichten Buchhaltungsunterlagen ergibt sich, dass der landwirtschaftliche Betrieb, den
A1_ heute gemeinsam mit seinem Sohn betreibt, seit nunmehr mindestens 20 Jahren
(1993 bis 2012) ausnahmslos einen nicht unbedeutenden Verlust von durchschnittlich rund
Fr. 60‘000.-- pro Steuerperiode auswies. Wie sich auch aus den Akten in den parallelen
Verfahren O2V 18 16 und O2V 18 18 betreffend B_ ergibt, wurde seit dem Jahr 2005 der
Gesamtverlust je mit einem Anteil A1_ einerseits und B_ andererseits zugerechnet,
wobei der weitaus grössere Verlustanteil A1_ zugeschlagen wurde. Diese Verlustanteile
Seite 11
wurden von den Beschwerdeführern jeweils als Abzug vom steuerbaren Einkommen
geltend gemacht:
Steuerperiode 1993 Verlustanteil A1_ Fr. 50‘865.--
Steuerperiode 1994 Verlustanteil A1_ Fr. 29‘727.--
Steuerperiode 1995 Verlustanteil A1_ Fr. 76‘707.--
Steuerperiode 1996 Verlustanteil A1_ Fr. 47‘376.--
Steuerperiode 1997 Verlustanteil A1_ Fr. 59‘154.--
Steuerperiode 1998 Verlustanteil A1_ Fr. 65‘521.--
Steuerperiode 1999 Verlustanteil A1_ Fr. 59‘574.--
Steuerperiode 2000 Verlustanteil A1_ Fr. 91‘116.--
Steuerperiode 2001 Verlustanteil A1_ Fr. 66‘797.--
Steuerperiode 2002 Verlustanteil A1_ Fr. 58‘619.--
Steuerperiode 2003 Verlustanteil A1_ Fr. 61‘081.--
Steuerperiode 2004 Verlustanteil A1_ Fr. 55‘556.--
Steuerperiode 2005 Verlustanteil A1_ Fr. 70‘000.--
Steuerperiode 2006 Verlustanteil A1_ Fr. 47‘702.--
Steuerperiode 2007 Verlustanteil A1_ Fr. 54‘107.--
Steuerperiode 2008 Verlustanteil A1_ Fr. 46‘147.--
Steuerperiode 2009 Verlustanteil A1_ Fr. 54‘441.--
Steuerperiode 2010 Verlustanteil A1_ Fr. 41‘388.--
Steuerperiode 2011 Verlustanteil A1_ Fr. 52‘874.--
Steuerperiode 2012 Verlustanteil A1_ Fr. 53‘400.--
Der Landwirtschaftsbetrieb stellt damit eine dauernde Verlustquelle dar; wird er dennoch
weitergeführt, kann dafür nicht die Absicht der Gewinnerzielung massgebend sein. Fehlt es
aber somit offensichtlich am Erfordernis der Gewinnstrebigkeit, können die Verluste aus
dem Landwirtschaftsbetrieb steuerlich nicht abgezogen werden (vgl. dazu die zahlreiche
unter E. 2.2 vorstehend angeführte Rechtsprechung des Bundesgerichts; ebenso kann in
diesem Zusammenhang auf die von der Vorinstanz im Rahmen der Vernehmlassung
zitierte Rechtsprechung verwiesen werden). Unter den gegebenen Umständen ist mit der
Vorinstanz darauf zu schliessen, dass im konkreten Fall andere Motive als ein
Erwerbszweck vorliegen. Die Beschwerdeführer haben ihren Lebensunterhalt aufgrund der
ausnahmslos hohen Verlustsituation während der letzten 20 Jahre offensichtlich gar nie -
auch nicht nur annähernd - aus dem landwirtschaftlichen Betrieb bestreiten können.
Welche Beweggründe schliesslich dazu geführt haben, dass der Betrieb trotzdem nicht
aufgegeben oder allenfalls mit dem Ziel, eine rentable Neuorganisation zu ermöglichen, an
die nachfolgende Generation übergeben wurde, spielt im Zusammenhang mit dem
Seite 12
aufgrund der gesamten Umstände zu ziehenden Schluss, dass eine
Gewinnerzielungsabsicht nicht nachgewiesen ist, letztlich keine Rolle. Mangels
anzunehmender Gewinnerzielungsabsicht kann ein Verlustabzug bei den
Einkommenssteuern unter den gegebenen Umständen nicht zugelassen werden, da
jedenfalls nicht von einer selbständigen Erwerbstätigkeit auszugehen ist. Der angefochtene
Einspracheentscheid der Vorinstanz ist entsprechend zu bestätigen.
2.4
Es steht nichts entgegen, in kommenden Jahren wiederum eine Neubeurteilung zugunsten
einer selbständigen Erwerbstätigkeit vorzunehmen, sollte sich in der Zukunft eine
nachweislich renditeorientierte Bewirtschaftung einstellen und - was namentlich bei einer
Unterbrechung der andauernden Verlustsituation der Fall wäre - anhand konkreter
Umstände auf eine klare Gewinnerzielungsabsicht der Beschwerdeführer geschlossen
werden können. In einem solchen Fall wäre für die betroffenen künftigen Steuerperioden
selbstverständlich wiederum eine neue Beurteilung angezeigt (vgl. dazu Urteile des
Bundesgerichts 2C_186/2014 und 2C_187/2014 vom 4. September 2014, E. 3.6.3). An der
Beurteilung der Situation für die Steuerperioden 2011 und 2012 im Rahmen des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens ändert dies jedoch nichts, zumal derzeit nicht im
Geringsten absehbar ist, dass künftig mit Bezug auf die anhaltende Verlustsituation eine
Wende eintreten soll.
2.5
Zusammengefasst ist der vorinstanzliche Einspracheentscheid zu bestätigen. Die
Beschwerdeführer wurden von der Vorinstanz für die direkten Bundessteuern 2011 und
2012 korrekt veranlagt. Ihre Beschwerde ist abzuweisen.
Seite 13
3. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Beim vorliegenden Verfahrensausgang sind die Gerichtskosten den Beschwerdeführern
aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG). Die Höhe der Verfahrenskosten wird durch das
kantonale Recht bestimmt (Art. 144 Abs. 5 DBG). Die 2. Abteilung des Obergerichts hat in
der vorliegenden Sache in der Funktion als Verwaltungsgericht entschieden. Vor
Verwaltungsgericht betragen die Verfahrenskosten gemäss Art. 4a des Gesetzes über die
Gebühren in Verwaltungssachen (bGS 233.2) grundsätzlich bis zu Fr. 5‘000.--. Innerhalb
dieses Gebührenrahmens sind die Gebühren nach dem Zeit- und Arbeitsaufwand, der
Bedeutung des Geschäfts sowie nach dem Interesse und der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit der Gebührenpflichtigen zu bemessen (Art. 20 VRPG). Bei der
Bemessung ist ausserdem ebenfalls zu berücksichtigen, dass sich im parallelen Verfahren
betreffend Staats- und Gemeindesteuern (O2V 18 12) weitgehend die gleichen Sach- und
Rechtsfragen stellten. Unter Berücksichtigung der Praxis der 2. Abteilung des Obergerichts
in vergleichbaren Fällen wird die Gerichtsgebühr im vorliegenden Fall auf Fr. 1‘000.--
festgesetzt. Der von den Beschwerdeführern bereits geleistete Kostenvorschuss ist daran
anzurechnen.
Eine Entschädigung ist den Beschwerdeführern beim vorliegenden Verfahrensausgang
nicht zuzusprechen (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021] e contrario).
Der Vorinstanz bzw. der Eidgenössischen Steuerverwaltung werden unabhängig vom
Verfahrensausgang keine Kosten auferlegt (Art. 144 Abs. 3 und 5 DBG i.V.m. Art. 53 Abs. 1
und Art. 22 Abs. 1 VRPG) und keine Entschädigungen zugesprochen (Art. 144 Abs. 4 und
5 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 bis 3 VwVG i.V.m. Art. 59, Art. 53 Abs. 3 und Art. 24 Abs. 3 lit.
a VRPG).
Seite 14