Decision ID: 7eac33e1-7afa-4b62-9a54-1d3af372abd6
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_HG
Chamber: ZH_HG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
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Korrigiertes Rechtsbegehren: (act. 22 S. 2)
"1. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin CHF 150'000.00 zuzüglich Zins zu 5% seit 12.12.2012, CHF 5'000.00 zuzüglich Zins zu 5% seit 03.04.2013, CHF 5'000.00 zuzüglich Zins zu 5% seit 29.04.2013, CHF 5'000.00 zuzüglich Zins zu 5% seit 06.06.2013, CHF 5'000.00 zuzüglich Zins zu 5% seit 15.07.2013, CHF 5'000.00 zuzüglich Zins zu 5% seit 07.08.2013, CHF 5'000.00 zuzüglich Zins zu 5% seit 02.09.2013 und CHF 92'356.15 zuzüglich Zins zu 5% seit 06.09.2013 zu bezahlen.
2. Eventualiter sei der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin den Minderwert der Vertragsgegenstände zu ersetzen.
3. In der Betreibung Nr. ... des Betreibungsamtes F._ ( vom 10.12.2013) sei für den eingeklagten Betrag  Zinsen und Kosten Rechtsöffnung zu erteilen.
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen inklusive MwSt zu Lasten des Beklagten."
Anträge des Beklagten: (act. 26 S. 2)
"1. Die Rechtsbegehren der Klägerin gemäss Klage vom 3. Februar 2014 sowie Replik vom 24. November 2014 seien vollumfänglich abzuweisen.
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 8% MwSt. zu Lasten der Klägerin."
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Inhaltsverzeichnis
Sachverhalt und Verfahren ........................................................................................... 5
A. Sachverhaltsübersicht ........................................................................................... 5 a. Parteien und ihre Stellung .................................................................................... 5 b. Prozessgegenstand ............................................................................................... 5
B. Prozessuales ............................................................................................................. 5
Erwägungen ...................................................................................................................... 7 1. Formelles ............................................................................................................... 7 1.1. Zuständigkeit....................................................................................................... 7 1.2. Streitverkündung ................................................................................................ 7 2. Sachverhalt............................................................................................................ 8 2.1. Unbestrittener Sachverhalt ............................................................................... 8 2.2. Wesentliche Parteivorbringen .......................................................................... 8 2.2.1. Klägerin................................................................................................................. 8 2.2.2. Beklagter .............................................................................................................. 9 3. Vertragsverhältnis .............................................................................................10 3.1. Der Vertrag vom 7. Dezember 2012 .............................................................10 3.2. Rechtliche Qualifikation des Vertrag vom 7. Dezember 2012 ..................13 3.3. Gespräche und Verhandlungen nach Abschluss der Vereinbarung........13 3.4. Zusatzvereinbarung vom 8. Februar 2013...................................................16 3.4.1. Inhalt der Zusatzvereinbarung ........................................................................16 3.4.2. Gründe für den Abschluss der Zusatzvereinbarung....................................17 3.4.3. Rechtliche Quali fikation der Zusatzvereinbarung ........................................17 4. Anfechtung wegen Willensmängeln .............................................................18 4.1. Willensmängel beim Abschluss des Kaufvertrages....................................18 4.1.1. Parteistandpunkte .............................................................................................18 4.1.1.1. Klägerin ...........................................................................................................18 4.1.1.2. Beklagter .........................................................................................................19 4.1.2. Rechtliches.........................................................................................................22 4.1.2.1. Irrtum ...............................................................................................................22 4.1.2.2. Täuschung ......................................................................................................24 4.1.3. Würdigung ..........................................................................................................25 4.1.3.1. Irrtum über den Wert der Garage................................................................25 4.1.3.2. Irrtum über die Wirtschaftlichkeit der Garage ...........................................27 4.1.3.3. Irrtum über die Übertragbarkeit der Verträge ............................................28 4.1.3.4. Irrtum über das Vorliegen eines Gestaltungsplanes ................................40 4.1.3.5. Absichtliche Täuschung................................................................................42 4.1.3.6. Zusammenfassung ........................................................................................44
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4.2. Willensmängel beim Abschluss der Zusatzvereinbarung ..........................44 4.3. Zusammenfassung ..........................................................................................45 5. Minderheitsmeinung .........................................................................................46 6. Rückzahlung des Darlehens ...........................................................................46 6.1. Qualifikation der Zahlung ................................................................................46 6.1.1. Parteistandpunkte .............................................................................................46 6.1.1.1. Klägerin ...........................................................................................................46 6.1.1.2. Beklagter .........................................................................................................46 6.1.2. Rechtliches.........................................................................................................47 6.1.3. Würdigung ..........................................................................................................48 6.2. Höhe der Darlehensschuld .............................................................................53 6.2.1. Grundlegender Sachverhalt ............................................................................53 6.2.2. Parteistandpunkte .............................................................................................53 6.2.2.1. Klägerin ...........................................................................................................53 6.2.2.2. Beklagter .........................................................................................................54 6.2.3. Rechtliches.........................................................................................................54 6.2.4. Würdigung ..........................................................................................................54 6.3. Fazit....................................................................................................................58 7. Eventualbegehren: Minderung des Kaufpreises .......................................59 7.1. Parteistandpunkte ............................................................................................59 7.2. Rechtliches........................................................................................................59 7.3. Würdigung .........................................................................................................59 8. Beseitigung Rechtsvorschlag ........................................................................60 8.1. Antrag.................................................................................................................60 8.2. Rechtliches........................................................................................................60 8.3. Würdigung .........................................................................................................61 9. Zusammenfassung der Tat- und Rechtsfragen .........................................61 10. Kosten- und Entschädigungsfolgen .........................................................62
Urteil und Beschluss: ...................................................................................................62
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Sachverhalt und Verfahren
A. Sachverhaltsübersicht
a. Parteien und ihre Stellung
Bei der Klägerin handelt es sich um eine Aktiengesellschaft mit Sitz in
C._, deren Zweck gemäss Handelsregisterauszug den Betrieb von Garagen
sowie den Handel mit Automobilen umfasst (act. 3/1). Inhaber und Geschäftsfüh-
rer der Klägerin sind die Gebrüder D._ und E._ (act. 3/1 S. 2; act. 1
Ziff. II.1 S. 4). Der Beklagte betreibt als Inhaber einer im Handelsregister einge-
tragenen Einzelunternehmung die Garage B._ in F._ (act. 3/2).
b. Prozessgegenstand
Im Jahr 2012 beabsichtigte der Beklagte, seinen Garagenbetrieb zu verkau-
fen. Gleichzeitig war die Klägerin an der Übernahme eines bestehenden Betriebs
interessiert (act. 1 Ziff. 1.1.; act. 10 Ziff. 10). Die Parteien schlossen daher am
7. Dezember 2012 einen Kaufvertrag über den beklagtischen Betrieb ab. Nach-
dem es bei der Abwicklung des Kaufvertrages zu Problemen gekommen war,
wurde sodann am 8. Februar 2013 eine Zusatzvereinbarung abgeschlossen. Die
Klägerin macht nun geltend, beim Abschluss der beiden Verträge einem Willens-
mangel unterlegen zu sein und ficht die Verträge an.
B. Prozessuales
Mit Eingabe vom 3. Februar 2014 liess die Klägerin die vorliegende Klage
beim hiesigen Handelsgericht anhängig machen (act. 1). Mit Verfügung vom
5. Februar 2014 wurde den Streitberufenen G._ und Dr. H._ die Streit-
verkündung angezeigt. Gleichzeitig wurde der Klägerin Frist zur Bezahlung eines
Kostenvorschusses von CHF 16'000.– angesetzt (act. 5). Nachdem die Klägerin
den Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet hatte (act. 7), wurde dem Beklagten mit
Verfügung vom 20. Februar 2014 Frist zur Erstattung der Klageantwort angesetzt
(act. 8). Die Klageantwort ist fristgerecht beim hiesigen Gericht eingegangen
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(act. 10), worauf der I._ AG die Streitverkündung durch den Beklagten ange-
zeigt worden ist (act. 15). In der Folge wurden die Parteien auf den
16. September 2014 zu einer Vergleichsverhandlung vorgeladen, zu welcher
Rechtsanwalt lic. iur. X._ namens und mit Vollmacht der Klägerin sowie in
Begleitung von D._ und E._ (jeweils Verwaltungsräte mit Kollektivunter-
schrift), sowie Rechtsanwalt lic. iur. Y._ namens, mit Vollmacht und in Beglei-
tung des Beklagten erschienen sind (Prot. S. 8). Anlässlich dieser Verhandlung
schlossen die Parteien einen Vergleich, wobei ein Widerrufsvorbehalt vereinbart
worden ist (Prot. S. 8 f.; act. 18). Mit Eingabe vom 19. September 2014 erklärte
die Klägerin den Widerruf des Vergleichs (act. 19), worauf ihr mit Verfügung vom
22. September 2014 Frist zur Erstattung der Replik angesetzt wurde (act. 20).
Nach Eingang der Replik (act. 22), erstattete die Beklagte innert angesetzter Frist
(act. 24) die Duplik (act. 26), welche der Klägerin zugestellt worden ist (act. 28).
Mit Verfügung vom 13. Oktober 2015 wurde den Parteien Frist angesetzt,
um zu erklären, ob sie - unter Vorbehalt der Durchführung eines Beweisverfah-
rens - auf die Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung verzichten
(act. 31). Mit Eingaben vom 22. Oktober 2015 (act. 33) bzw. vom 26. Oktober
2015 (act. 34) verzichteten sowohl die Klägerin als auch der Beklagte auf die
Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung.
Der Prozess erweist sich als spruchreif, weshalb ein Urteil zu fällen ist
(Art. 236 Abs. 1 ZPO). Auf die einzelnen Parteivorbringen sowie auf die Akten ist
in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen, soweit sich dies zur Entscheid-
findung als notwendig erweist.
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Erwägungen
1. Formelles
1.1. Zuständigkeit
Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des Handelsgerichts des Kantons
Zürich wurde ausdrücklich anerkannt (act. 10 Ziff. 2) und ist gegeben (Art. 10
Abs. 1 lit. a ZPO; Art. 6 Abs. 1 und 2 ZPO i.V.m. § 44 lit. b GOG).
1.2. Streitverkündung
Gestützt auf Art. 78 Abs. 1 ZPO kann eine Partei, die für den Fall ihres Un-
terliegens eine Dritte Person belangen will, dieser den Streit verkünden. Die
streitberufene Partei kann sodann ohne weitere Voraussetzungen intervenieren
oder anstelle der streitverkündenden Partei den Prozess führen (Art. 79 Abs. 1
ZPO). Lehnt sie den Prozesseintritt ab oder äussert sie sich nicht dazu, ist das
Verfahren ohne Rücksicht fortzusetzen (Art. 79 Abs. 2 ZPO).
In ihrer Klageschrift vom 3. Februar 2014 hat die Klägerin G._ und
Dr. H._ den Streit verkündet (act. 1 S. 2). Dies wurde den Streitberufenen mit
Verfügung vom 5. Februar 2014 angezeigt, mit der Androhung, dass bei Still-
schweigen der Prozess ohne Rücksicht auf sie fortgeführt werde (act. 5). Die
Streitberufenen haben sich bisher nicht verlauten lassen.
In der Klageantwort vom 9. Mai 2014 hat der Beklagte der I._ AG den
Streit verkündet (act. 10 S. 2). Nachdem ihr die Streitverkündung mit Verfügung
vom 20. Mai 2014 angezeigt worden ist (act. 15), verzichtete die I._ AG mit
Schreiben vom 16. Juni 2014 auf einen Prozesseintritt (act. 17).
Somit ist der Prozess ohne Rücksicht auf die Streitberufenen fortzuführen.
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2. Sachverhalt
2.1. Unbestrittener Sachverhalt
Unbestritten ist, dass die Parteien, nach durchgeführten Vertragsverhand-
lungen, am 7. Dezember 2012 einen Kaufvertrag, über einen Teil der Aktiven des
Geschäftsbetriebs des Beklagten, abgeschlossen haben. Dafür wurde ein Kauf-
preis von CHF 280'000.– vereinbart (act. 1 Ziff. II.1.2; act. 10 Ziff. 11).
Am 8. Februar 2013 schlossen die Parteien eine Zusatzvereinbarung ab,
welche die "erfolgreiche Übernahme des Geschäftsbetriebes der J._
B._ Garage" sicherstellen sollte (act. 3/7 Präambel). Darin wurde im Wesent-
lichen eine Ratenzahlung des restlichen Kaufpreises, der Betriebsübergang am
1. März 2015, rückwirkend per 1. März 2013 sowie die Mitarbeit der Inhaber der
Klägerin im Betrieb des Beklagten ab dem 1. März 2013 vereinbart (act. 1
Ziff. II.1.4; act. 10 Ziff. 13).
2.2. Wesentliche Parteivorbringen
2.2.1. Klägerin
In der Klageschrift macht die Klägerin in erster Linie geltend, sie sei beim
Abschluss des Kaufvertrages getäuscht worden. Dies sei dadurch geschehen,
dass ein Verkaufspreis in der Höhe des sechs- bis zehnfachen Werts der Garage
genannt worden sei. Insbesondere sei von einer Täuschung auszugehen, weil der
Beklagte den Preis damit gerechtfertigt habe, dass der J._-Servicevertrag,
der Mietvertrag, die Kunden, der Name, die Website etc. mit übertragen würden.
Die Übertragung der Verträge sei jedoch nicht möglich gewesen, was der Beklag-
te bereits bei Vertragsschluss gewusst habe. Auch habe er gewusst, dass die
Kunden nicht übertragen werden könnten und beim Wegfall des J._-
Vertrages die Weiterführung des Namens und der Website ebenfalls nicht möglich
sei. Eventualiter liege im tieferen Wert, aufgrund der Unmöglichkeit der Übertra-
gung der genannten Aktiven und Rechtsverhältnisse, ein wesentlicher Irrtum
(act. 1 Ziff. II.2.1).
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Denselben Willensmängeln sei die Klägerin auch beim Abschluss der Zu-
satzvereinbarung unterlegen. Sie hätte ausserdem ganz grundsätzlich nicht ver-
standen, was es bedeute, dass Nutzen und Gefahr per 1. März 2013 auf die Klä-
gerin übergehen sollen, während das Eigentum spätestens am 1. März 2015,
rückwirkend auf den 1. März 2013, übergehen solle (act. 1 Ziff. II.3.2).
Im Rahmen der Replik stellt sich die Klägerin auf den Standpunkt, die Täu-
schung bzw. der Irrtum würde in erster Linie darin liegen, dass es sich bei der Ga-
rage um einen zu liquidierenden Betrieb handle. Ihre Annahme, dass der Unter-
nehmenswert im Bereich des Kaufpreises liege, sei auf methodische Fehler in der
von G._ vorgenommenen Unternehmensbewertung zurückzuführen (act. 22
Ziff. II.1 und 2). Die in der Klageschrift geltend gemachten Irrtümer bringt die Klä-
gerin weiterhin als Eventualbegründung vor (act. 22 Ziff. II.6.1).
Aufgrund der Anfechtung wegen Irrtums würden die abgeschlossenen Ver-
träge dahinfallen. Entsprechend seien die bereits erfolgten Leistungen zurück zu
erstatten. Daraus ergebe sich ein Rückforderungsanspruch der Klägerin von
CHF 180'000.– nebst Zinsen, was dem Betrag entspreche, welche sie dem Be-
klagten bisher als Kaufpreiszahlung überwiesen habe (act. 1 Ziff. II.4; act. 22
Ziff. II.10).
Weiter macht die Klägerin geltend, sie habe dem Beklagten zur Aufrechter-
haltung des Betriebs ein Darlehen im Umfang von CHF 120'000.– gewährt. Nach-
dem verschiedene Rückzahlungen und weitere Darlehenszahlungen erfolgt seien,
betrage der Saldo heute CHF 92'356.15, wobei dieser Betrag zu verzinsen sei
(act. 1 Ziff. II.5 und act. 22 Ziff. II.11).
2.2.2. Beklagter
Der Beklagte stellt sich in der Klageantwort im Wesentlichen auf den Stand-
punkt, dass keine Täuschung vorgelegen habe. Dass der Wert des Betriebs ledig-
lich zwischen CHF 50'000.– und CHF 90'000.– liege, sei falsch. Die Klägerin habe
bereits im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses um die Schwierigkeiten mit der
Übertragung der Verträge gewusst. Sie habe sich entsprechend in diesem Punkt
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auch nicht irren können. Des Weiteren treffe es auch nicht zu, dass der Abschluss
von Mietvertrag und Servicepartnervertrag nicht mehr möglich sei (act. 10
Ziff. 14 ff.).
In der Duplik hält der Beklagte fest, dass die neu vorgenommene Bewertung
der Klägerin nicht zutreffe. Die Berechnung des Unternehmenswerts durch die
I._ AG sei methodisch korrekt vorgenommen worden (act. 26 Ziff. 4.2). Aus-
serdem handle es sich weiterhin um einen laufenden Betrieb, welcher nicht liqui-
diert werden müsse. Sein Unternehmen habe von 2006 bis 2011 einen jährlichen
Gewinn von CHF 97'568.– abgeworfen, was sich auch aus der Entwicklung des
Eigenkapitals ergebe (act. 26 Ziff. 4.4 ff.).
Der Beklagte bestreitet weiter das Bestehen eines Darlehens. Der von der
Klägerin überwiesene Betrag sei ein Betriebsbeitrag gewesen, wobei keine Rück-
zahlung geschuldet sei (act. 10 Ziff. 43 und act. 26 Ziff. 4.54).
Entsprechend beantragt der Beklagte die vollumfängliche Abweisung der
vorliegenden Klage (act. 10 S. 2).
3. Vertragsverhältnis
3.1. Der Vertrag vom 7. Dezember 2012
Gestützt auf das durch die I._ AG erstellte Firmenprofil des Garagenbe-
triebs des Beklagten (act. 3/3) reichte die Klägerin, vertreten durch G._, am
26. Oktober 2012 ein verbindliches Kaufangebot für den Betrieb ein (act. 3/4).
Nach der Durchführung von Verkaufsgesprächen, schlossen die Parteien am
7. Dezember 2012 einen als "Kaufvertrag" bezeichneten Vertrag ab (act. 3/5). Der
Vertrag regelt die Übernahme von ausgewählten Aktiven des Garagenbetriebs
des Beklagten durch die Klägerin (act. 3/5 S. 3).
"II. Vertragsgegenstand
1. Der Käufer verpflichtet sich, vom Verkäufer folgende Aktiven der Garage B._ käuflich zu erwerben bzw. folgende  zu übernehmen: a) das gesamte Waren- und Ersatzteillager;
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b) sämtliche mobile Sachanlagen des Geschäftsvermögens;
c) sämtliche Kundenbeziehungen und Kundendaten; d) sämtliche Lieferantenbeziehungen und Lieferantendaten;
e) die bestehenden Mietverträge gemäss Anhang 2; f) die bestehenden Arbeitsverträge gemäss Anhang 3 entspre-
chend Art. 333 OR;
g) den bestehenden Zusammenarbeitsvertrag gemäss  4;
h) den gesamten Bestand an Leasingverträgen per ;
i) die Internetseite sowie die Domain www.J.._.ch;
j) das Recht, den Namen "J._-B._" weiterhin zu ;
k) Goodwill.
Nicht zum Vertragsgegenstand gehören insbesondere:
I) sämtliche weitere Vermögensgegenstände der Garage B._ (liquide Mittel, Forderungen, Occasionsfahrzeuge );
m) sämtliche Passiven der Garage B._ (inklusive  mit Leistungsbezug vor Vollzugsdatum)
n) die nicht zu übernehmenden Aktiven (Schweinwerfer, , Flachbildschirm Showroom) gemäss Anhang 5.
2. Der Verkäufer verpflichtet sich im Gegenzug, dem Käufer das  an den in Ziffer 1 erwähnten Aktiven zu verschaffen bzw. die in Ziffer 1 erwähnten Rechtsverhältnisse auf den Käufer zu übertragen.
III. Zeitlicher Ablauf 3. Die Parteien einigen sich auf folgende Daten:
a) Unterzeichnung dieses Kaufvertrages am 7. Dezember 2012;
b) Übertragung des Eigentums am Vertragsgegenstand bzw. Abtretung der im Vertragsgegenstanderwähnten  nach vollständiger Bezahlung am 1. März 2013 (nachfolgend als "Vollzugsdatum" bezeichnet);
c) Übergang von Nutzen und Gefahr am Vertragsgegenstand per Vollzugsdatum. [...]
IV. Kaufpreis
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4. Der Kaufpreis für den oben definierten Vertragsgegenstand  inklusiv Goodwill CHF 280'000.
V. Kaufpreiszahlung
5. (...)
VI. Vollzug Am Vollzugsdatum nehmen die Parteien nachfolgend aufgeführte Handlungen Zug um Zug vor: 6. Der Verkäufer überträgt dem Käufer den Besitz an den in Ziffer 1
erwähnten Aktiven bzw. tritt die in Ziffer 1 erwähnten rechtlichen Verhältnisse an den Käufer ab.
7. Der Käufer leistet die Zahlung gemäss Ziffer 5b dieses .
VII. Gewährleistungen und Zusicherungen des Verkäufers
8. Der Verkäufer sichert für den Zeitraum zwischen Unterzeichnung und Vollzug dieses Vertrages zu, dass [...]
c) die Übernahme der Aktiven und Rechtsverhältnisse gemäss Ziffer 1 dieses Vertrages keiner Bewilligung durch Behörden oder andere Dritte bedarf;
[...]
XII. Schlussbestimmungen
20. Die Parteien verpflichten sich, den Inhalt dieses Vertrages geheim zu halten. Davon ausgenommen sind rechtlich vorgeschriebene Offenlegungen.
21. D._ und E._ haften privat, solidarisch und unbegrenzt mit dem Käufer für die in Ziffer 5a, 5b und 5c eingegangene .
22. Der vorliegende Vertrag gibt die gesamte Vereinbarung der  in Bezug auf den Gegenstand dieses Vertrages wieder und ersetzt alle diesbezüglichen früheren schriftlichen oder  Abreden. Der vorliegende Vertrag einschliesslich dieser  kann nur durch schriftliche Vereinbarung abgeändert werden.
23. Die Ungültigkeit oder Undurchsetzbarkeit einer oder mehrerer Bestimmungen dieses Vertrages berührt die Gültigkeit der  Bestimmungen des Vertrages nicht. Ungültige oder  Bestimmungen werden durch eine Neuregelung ersetzt, die wirtschaftlich und rechtlich der ungültigen oder undurchsetz-
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baren Bestimmung so nahe als möglich kommt. Im Fall einer  gilt Entsprechendes."
Ausserdem haben die Parteien unter Ziff. XIII. 28. ein Rücktrittsrecht zu Guns-
ten der Klägerin vereinbart:
"28. Dem Käufer wird ein befristetes Rücktrittsrecht ab  dieses Vertrages zugestanden. Dieses kann nur unter der Bedingung ausgeübt werden, dass kein Mietvertrag zu im  gleichen Bedingungen wie bisher zwischen dem  und dem jetzigen Vermieter (vgl. Anhang 2) dieses  abgeschlossen werden kann und/oder kein  zu im Wesentlichen gleichen Bedingungen wie bisher zwischen dem Käufer und der K._ J._ Zürich (vgl.  3) abgeschlossen werden kann. Sollte der Käufer von  Rücktrittsrecht Gebrauch machen, fällt dieser Kaufvertrag rückwirkend dahin und die Zahlung gemäss Ziffer 5a wird  an den Käufer zurückerstattet. Dieses Rücktrittsrecht  mit Abschluss eines rechtsgültigen Mietvertrages mit dem jetzigen Vermieter und dem Abschluss eines rechtsgültigen  mit der K._ J._ Zürich,  aber am 20. Dezember 2012 um 12h00."
3.2. Rechtliche Qualifikation des Vertrag vom 7. Dezember 2012
Mit dem Vertrag vom 7. Dezember 2012 sollten ausgewählte Aktiven des
Garagenbetriebs des Beklagten auf die Klägerin übertragen werden (act. 3/5
S. 3). Nachdem nur Teile seines Geschäftsbetriebs und insbesondere keine Pas-
siven übernommen wurden, liegt keine Vermögensübertragung im Sinne des Fu-
sionsgesetzes (FusG) vor, was die Parteien auch ausdrücklich in ihrem Vertrag
festhielten (act. 3/5 Ziff. XII.25). Bei diesem Vertrag handelt es sich deshalb um
einen Kaufvertrag im Sinne von Art. 184 ff. OR. Der Beklagte verpflichtete sich,
Teile seines Geschäftsbetriebs gegen die Bezahlung eines Kaufpreises an die
Klägerin zu übertragen. Diese Art der Übertragung von Aktiven ist auch nach dem
Inkrafttreten des FusG weiterhin zulässig (RALPH MALACRIDA in: WAT-
TER/VOGT/TSCHÄNI/DAENIKER, Basler Kommentar, Fusionsgesetz, 2. Aufl., Basel
2015, N 13 zu Art. 69 FusG; RUDOLF TSCHÄNI in HONSELL/VOGT/WIEGAND, Basler
Kommentar, Obligationenrecht I, 5. Aufl. Basel 2011, N 6 zu Art. 181 OR).
3.3. Gespräche und Verhandlungen nach Abschluss der Vereinbarung
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Wie vertraglich vereinbart leistete die Klägerin bereits per 12. Dezember
2012 eine Anzahlung an den Kaufpreis von CHF 150'000.–. Obwohl die Parteien
in ihrem Vertrag vom 7. Dezember 2012 den Vollzug des Vertrages per 1. März
2013 vereinbart haben, unterliessen es die Parteien in der Folge, den Vertrag zu
vollziehen, obwohl die Klägerin das in Ziff. XIII.28. erwähnte Rücktrittsrecht nicht
ausgeübt hatte. Kurz nach der am 20. Dezember 2013 abgelaufenen Rücktritts-
frist wandte sich der Beklagte mit folgender Email vom 22. Dezember 13:31 Uhr
an die Inhaber der Klägerin (act. 12/6):
"Hallo Herr D._,
Wie mir gestern Abend Herr L._ Import J._ telefonisch mitgeteilt hat, ist die Direktion J._ (Herr M._) noch am Abklären, in welcher Form ein Vertriebspartner-Vertrag mit Ihnen möglich ist. Einen J.-Partnervertrag muss der J._-Importeur mit Ihnen genehmigen, wenn Sie die nötigen Voraussetzung, die im Vertrag verlangt werden,  !
Ich denke nicht, dass wir dieses Jahr von der J._-Direktion noch eine konkrete Stellungnahme erwarten können. Ich schlage Ihnen deshalb vor, dass wir uns (E._ und D._ und B._) am 27.oder 28.12.12 nochmals in der Garage B._ treffen, um die Sachlage zu besprechen.
Bitte geben Sie mir baldmöglichst ein Feedback, ob für das auch O.K. wäre !
Kontakt auch möglich über B._..@bluewin.ch oder 079 .... Vielen Dank und bis bald !
Herzliche Grüsse
B._
J._-B._"
Nachdem der Beklagte unmittelbar nach Ablauf der Rücktrittsfrist mit
J._/K._ Kontakt aufgenommen hatte, zeichnete sich somit ab, dass es
bei der Übertragung der Verträge Probleme geben könnte, weshalb der Beklagte
um ein Treffen mit den Inhabern der Klägerin ersuchte.
Dieses Treffen fand schliesslich am 27. Dezember 2012 statt. Hauptthema
waren die Verträge mit J._. Im Gesprächsprotokoll wurde Folgendes festge-
halten (act. 12/7 S. 2 f.):
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"Gesprächsprotokoll: Begrüssung Herr G._ begrüsst die Anwesenden und bespricht die Traktanden. Verträge J._ J._ Verträge: es gibt verschiedene Möglichkeiten. Herr B._ hatte Telefon mit K._. Sie wussten, dass Herr B._ sich  lassen möchte. Fazit, im Moment wo Herr B._ die Firma verkauft könnte es sein, dass umgehend die Verträge gekündet werden könnten. Es gibt drei Varianten von Verträgen: - Händlervertrag
- Vertriebspartnervertrag (heute vorhanden, neu nicht mehr , also versuchen weiterzuführen für 2 bis 3 Jahre)
- Service Partner (offizieller J._ Partner, keine offizielle )
Service Partner kann alle Arbeiten und Garantiearbeiten ausführen. Fahrzeuge in Konsignation sollte trotzdem möglich sein. Besprochen wurde mit dem Händler und Herr B._, dass die bestehenden  noch für 2 - 3 Jahre so wie bis anhin übernommen werden . J._ muss uns gemäss WEKO ein Lizenz als Service Partner , sobald die erforderlichen Vorgaben von Seiten A._ ·werden können: - Werkstatt muss den Normen entsprechen
- Ausbildungsstandard Abklärung ob ggf. noch Kurse (TB) besucht werden müssen bis mitte Januar 2013. Frage: möchte man alles fiktiv alles so weiterlaufen lassen falls die  die Verträge künden würden. Nach Aussen würden wir sagen: Herr B._ ist offiziell noch im Geschäft für 2 bis 3 Jahre. Info an die Partner: Geregelte Nachfolgeregelung mit Begleitung durch Herr B._ und Herr G._ Termin: Besprechung mit K._ in Schinznach im Januar 2013."
Es wurde also festgehalten, dass die J._-Verträge in dem Moment von
der K._ gekündigt werden könnten, in dem der Beklagte die Firma verkauft.
Sodann wurde die Frage gestellt, ob man alles fiktiv so weiterlaufen lassen wolle,
falls die Verträge gekündigt würden. Am 25. Januar 2013 sollte eine weitere Be-
sprechung stattfinden. Schliesslich wurde von den Beteiligten am 8. Februar 2013
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eine Zusatzvereinbarung unterzeichnet, wobei die Klägerin weiterhin durch
G._ beraten wurde (act. 3/7 Ziff. 3; act. 1 Ziff. II.1.4 S. 8).
3.4. Zusatzvereinbarung vom 8. Februar 2013
Nach der Darstellung der Klägerin waren die Probleme bei der Übertragung
der Verträge der Grund für den Abschluss einer Zusatzvereinbarung. Man sei da-
von ausgegangen, den Verkauf des Betriebes so gegenüber der K._ verber-
gen zu können (act. 1 Ziff. II.1.4). Demgegenüber bringt der Beklagte finanzielle
Probleme seitens der Klägerin vor (act. 10 Ziff. 2.13 S. 12). Allerdings anerkennt
er auch, dass Probleme betreffend Übernahme der Markenvertretung mitunter ein
Anlass dafür gewesen sei, eine Zusatzvereinbarung abzuschliessen (act. 10
Ziff. 2.13 S. 12).
3.4.1. Inhalt der Zusatzvereinbarung
Der wesentliche Inhalt der Vereinbarung war, dass der Betrieb für eine ge-
wisse Zeit als Einzelunternehmung des Beklagten weitergeführt wird (act. 3/7
Ziff. 3), der restliche Kaufpreis von CHF 130'000.– in Raten à CHF 5'000.– be-
zahlt werden sollte (act. 3/7 Ziff. 2) und die Inhaber der Kläger bereits im Betrieb
mitarbeiten und mitentscheiden konnten (act. 3/7 Ziff. 3). Ferner finden sich darin
Bestimmungen über den Weiterbetrieb der Garage und den Zeitpunkt des Eigen-
tumsübergangs.
In der Präambel des Vertrages wird Folgendes festgehalten (act. 3/7 S. 1):
"Präambel
Diese Vereinbarung regelt ergänzend einzelne Punkte/ Elemente des oben genannten Kaufvertrages vom 7. Dezember 2012 mit dem Ziel, die erfolgreiche Übernahme des Geschäftsbetriebes der J._ B._ Garage gemäss den im Kaufvertrag definierten  sicherzustellen, und/oder aber eine neue oder  Form der bestehenden J._ B._ Garage auszuarbeiten bzw. umzusetzen. Es wird von beiden Parteien angestrebt, dass B._ noch mindestens für einen Zeitraum von zwei Jahren ab  der Firma als Mitarbeiter bestehen bleibt."
In Ziffer 2.b) der Vereinbarung wird sodann festgehalten (act. 3/7 Ziff. 2.b):
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"b) Gemäss Präambel möchten beide Parteien, dass B._ für  einen Zeitraum von 2 Jahren, zu einem Arbeitspensum von 100%, ab Vollzugsdatum, der Firma, für den Know-How Transfer und zur Sicherung des J._ Vertriebspartnervertrages bestehen bleibt."
3.4.2. Gründe für den Abschluss der Zusatzvereinbarung
Aufgrund der Vorgeschichte (Emailverkehr vom 22. Dezember 2012 und Sit-
zung vom 27. Dezember 2012) ergibt sich, dass sicherlich auch die Probleme bei
der Übertragung der Verträge, insbesondere die in Ziffer 2b) ausdrücklich ge-
nannte Sicherung des J._ Vertriebspartnervertrages Grund für den Ab-
schluss der Zusatzvereinbarung bildeten. Die Idee, dass "man alles fiktiv alles so
weiterlaufen lassen" möchte, war jedenfalls bereits am Treffen vom 27. Dezember
2012 geäussert und im Protokoll festgehalten worden. Finanzielle Probleme sei-
tens der Klägerin wurden hingegen jedenfalls an dieser Besprechung nicht thema-
tisiert. Auch der Beklagte konkretisiert in keiner Weise, inwiefern finanzielle Prob-
leme der Klägerin bestanden haben sollen und wann und auf welche Weise diese
besprochen wurden. Er beruft sich auf seine eigene Parteibefragung als Beweis-
mittel (act. 10 Ziff. 2.13 S. 12). Über nicht substantiierte Behauptungen können
jedoch keine Beweismittel abgenommen werden.
Es ist somit davon auszugehen, dass primär Probleme bei der Übertragung
der Verträge mit der J._/K._ zum Abschluss der Zusatzvereinbarung
führten.
3.4.3. Rechtliche Qualifikation der Zusatzvereinbarung
Die Bestimmungen über den Weiterbetrieb der Garage weisen Elemente der
einfachen Gesellschaft auf (act. 3/7 Ziff. 3). Andererseits enthält die Zusatzver-
einbarung auch Elemente, welche die Abwicklung des Kaufvertrages regeln (Zah-
lungsfristen, Zeitpunkt des Eigentumsübergangs; act. 3/7 Ziff. 1 und 2).
Auf die einzelnen Vereinbarungen ist - soweit erforderlich - in den folgenden
Erwägungen einzugehen.
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4. Anfechtung wegen Willensmängeln
4.1. Willensmängel beim Abschluss des Kaufvertrages
4.1.1. Parteistandpunkte
4.1.1.1. Klägerin
Die Klägerin macht in der Replik in erster Linie geltend, sie habe sich beim
Abschluss des Kaufvertrages in einem Irrtum befunden, weil das hoch defizitäre
Einzelunternehmen zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses bei einer korrekten
wirtschaftlichen Betrachtungsweise bereits seit vielen Jahren zu liquidieren gewe-
sen wäre. Der Beklagte habe in den Vorjahren, mit einer Ausnahme, stark negativ
abgeschlossen und hätte als Arbeitnehmer weit mehr verdienen können. Dies er-
gebe sich aus den durch den Beklagten erstellten Erfolgsrechnungen. Vom darin
verzeichneten Gewinn sei der Marktlohn des Beklagten in Abzug zu bringen, wo-
bei dieser rund CHF 90'000.– pro Jahr betrage. Daraus würden sich jährliche ho-
he Verluste ergeben. Entsprechend läge der Unternehmenswert beim Liquidati-
onswert. Der Berater der Klägerin, G._, sei bei der Unternehmensbewertung
vom nicht bereinigten Ertragswert ausgegangen. Die komplexen Berechnungen,
welche die Inhaber der Klägerin nie verstanden hätten, würden auf einem metho-
dischen Denkfehler beruhen, da es gerade keinen positiven EBIT gegeben habe
(act. 22 Ziff. II.1.1). Einen zweiten methodischen Fehler habe G._ begangen,
indem er den berechneten Substanz- und Ertragswert addiert, die Summe aber
nicht gemäss der Praktikermethode halbiert habe (act. 22 Ziff. II.1.2).
Die Klägerin habe sich aufgrund der Bewertung durch G._ ein Bild über
das Unternehmen gemacht, welches dem eigentlichen Wert nicht entsprochen
habe. Sie sei davon ausgegangen, dass der Unternehmenswert in der Grössen-
ordnung des Kaufpreises gelegen habe. Dabei handle es sich um ein wesentli-
ches Sachverhaltselement. Der Irrtum sei sowohl in subjektiver wie auch in objek-
tiver Hinsicht als wesentlich zu betrachten. Die Klägerin wäre nicht bereit gewe-
sen, einen zu liquidierenden Betrieb für einen Betrag von CHF 280'000.– zu über-
nehmen. Ausserdem sei der Unternehmenswert bei einem Unternehmenskauf ei-
ne wichtige Grundlage zur Ermittlung des Kaufpreises, wobei bereits die Differenz
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zwischen dem vereinbarten Preis und der Berechnung von G._, der einen
Wert von CHF 224'225.– errechnet habe, als bedeutsam anzusehen sei. Der Irr-
tum beziehe sich aber grundsätzlicher auf den wirtschaftlichen Zustand des Un-
ternehmens. Die Klägerin habe einen laufenden Garagenbetrieb erwerben wollen
und keinen Liquidationsfall. Eine Haftung wegen fahrlässigen Irrtums komme so-
dann nicht in Frage, zumal sich der Beklagte im selben Irrtum über den Wert sei-
ner Unternehmung befunden habe (act. 22 Ziff. II.3).
Die Klägerin macht sodann geltend, dass sie beim Abschluss des Kaufver-
trages einem weiteren Willensmangel unterlegen sei. Der Wert der Unternehmung
bzw. die Möglichkeit der Weiterführung sei zu einem wesentlichen Grad von der
Weiterführung des Mietvertrages über die Räumlichkeiten des Garagenbetriebs
und des Servicepartner- und Vertriebsvertrages mit der J._/K._ abhän-
gig gewesen. Entsprechend habe sie sich vom Beklagten die Übertragung dieser
Verträge im Kaufvertrag zusichern lassen. Erst nach Vertragsschluss habe sie
bemerkt, dass eine Übertragung gar nicht möglich sei. Zuvor habe sie auf
G._ und die Zusicherung des Beklagten vertraut (act. 22 Ziff. II.6).
Schliesslich bringt die Klägerin vor, der Beklagte habe sie getäuscht, indem
er einen absurd hohen Preis genannt und so die Willensbildung der Klägerin be-
einträchtigt habe. Es sei spätestens dann zu einer Täuschung gekommen, als der
Beklagte den Preis damit gerechtfertigt habe, dass die Verträge etc. übertragen
würden, zumal der Beklagte gewusst habe, dass er den Servicepartnervertrag
nicht übertragen könne und es sich nicht um seine Kunden sondern primär um
Kunden der K._ handle. Dabei habe der Beklagte die geschäftliche Unerfah-
renheit der Inhaber der Klägerin aktiv ausgenutzt (act. 1 Ziff. II.2.1).
4.1.1.2. Beklagter
Der Beklagte bestreitet die Darstellung der Klägerin. Bei der Unternehmens-
bewertung gebe es eine Vielfalt von Methoden und es sei nicht zutreffend, dass
der zukünftige Gewinn des Unternehmens im Vordergrund stehe. Werde dieser
ins Zentrum gestellt, so müssten diejenigen Leistungen berücksichtigt werden, die
das Unternehmen für den Eigentümer erbringe, was die klägerische Seite unter-
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lasse. Der Gewinn entspreche dem EBITDA, wie er von der I._ AG ermittelt
worden sei. Ein Abzug für den nicht bezogenen Lohn sei nicht erforderlich, zumal
es im Ermessen des Inhabers stehe, in welchem Umfang und zu welchen Kondi-
tionen er in seinem Betrieb mitarbeite (act. 26 Ziff. 4.3 ff.). Aus den bereinigten Er-
trägen ergebe sich, dass in den Jahren 2006 bis 2011 ein jährlicher Gewinn von
CHF 97'568.– erzielt worden sei, was auch anhand der Entwicklung des Eigenka-
pitals nachvollzogen werden könne. Dass der Beklagte nicht in der Lage gewesen
sein soll, einen Marktlohn zu erwirtschaften, sei ebenso falsch wie die Behaup-
tung, dass die Unternehmung schon seit vielen Jahren hätte liquidiert werden
müssen. Im Firmenprofil seien ausserdem Chancen und Möglichkeiten explizit
erwähnt worden. Der Unternehmenswert habe bei Vertragsabschluss zwischen
CHF 321'223.– und CHF 571'581.– gelegen, womit der Kaufpreis von
CHF 280'000.– ausgesprochen klägerfreundlich gewesen sei (act. 26 Ziff. 4.6).
Dem Berater G._ und der Klägerin hätten sämtliche Unterlagen zur Verfü-
gung gestanden und die Inhaber der Klägerin seien persönlich über sämtliche
Vertragsverhältnisse vollumfänglich informiert gewesen, hätten alle Auskünfte er-
halten und das Vertragsobjekt eingehend prüfen können. Das dessen Wert dem
Liquidationswert entspreche, werde bestritten (act. 26 Ziff. 4.7).
Sodann hält der Beklagte fest, dass sich die Klägerin lediglich auf die Be-
rechnung ihres Beraters beziehe, während diejenige der I._ AG nicht be-
mängelt werde. Es gehe bei der Unternehmensbewertung nicht darum, einen
exakten Wert zu bestimmen, dies sei gar nicht möglich. Die Klägerin und deren
Inhaber hätten genau gewusst, worauf sie sich einlassen würden. Eine metho-
disch zwingend notwendige Division, gebe es nicht und es sei auch nicht zutref-
fend, dass G._ das Doppelte des Unternehmenswerts berechnet habe
(act. 26 Ziff. 4.9 f.). Der Unternehmenswert habe bei Vertragsabschluss nicht dem
Liquidationswert entsprochen. Die Berechnung des Beraters der Klägerin sei
mehr als abwegig. Dieser habe das Inventar zu Liquidationspreisen anstatt zu
Fortführungspreisen bewertet, was im Rahmen einer Übernahme nicht zulässig
sei. Trotzdem habe er einen Unternehmenswert von CHF 321'223.– errechnet.
Dies übersteige den letztlich vereinbarten Kaufpreis deutlich. Eine weitere Unter-
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nehmensbewertung sei obsolet, zumal sich die Parteien auf einen Kaufpreis geei-
nigt hätten, der nicht unvernünftig erscheine (act. 26 Ziff. 4.11 S. 15).
Der Beklagte hält weiter fest, dass die Klägerin bei Vertragsschluss keinem
Irrtum unterlegen sei. Es treffe nicht zu, dass sich die Klägerin bei der Vorstellung
über den Unternehmenswert lediglich auf die Bewertung ihres Beraters gestützt
habe. Vielmehr hätten die Inhaber die Unternehmung genauestens geprüft und
Fragen beantwortet erhalten. Sie hätten den Kaufvertrag erst nach dieser Prüfung
unterzeichnet und sämtliche Beteiligten hätten keine Zweifel daran gehabt, dass
der Unternehmenswert in etwa dem Kaufpreis entspreche (act. 26 Ziff. 4.13). Es
sei unbestritten, dass die Bewertung des Unternehmens die Basis für die Be-
stimmung des Kaufpreises darstelle. Sie sei jedoch nicht das entscheidende und
einzige Element. Ein Irrtum über den Unternehmenswert sei entsprechend nicht
vergleichbar mit dem Irrtum über den Kaufpreis. Ersterer sei denn auch nicht not-
wendiger Inhalt des Kaufvertrages (act. 26 Ziff. 4.15). Die Klägerin versuche den
Kaufpreis zu drücken, was offensichtlich rechtsmissbräuchlich sei (act. 26
Ziff. 4.16 ff.). Entgegen der klägerischen Behauptung habe kein Irrtum vorgele-
gen. Der Unternehmenswert sei auch nicht so tief, wie von der Klägerin darge-
stellt (act. 26 Ziff. 4.19).
Der Beklagte bestreitet sodann, dass er die Klägerin beim Vertragsab-
schluss getäuscht habe. Er habe der Klägerin ein funktionierendes und rentables
Unternehmen zum Kauf angeboten. Der Beklagte habe den von seiner Beraterin
berechneten Unternehmenswert übernommen. Er habe das Firmenprofil von der
I._ AG erhalten, worin die Berechnung des Werts und des Kaufpreises nach-
vollziehbar aufgezeichnet sei. Wenn der Kaufpreis von CHF 500'000.– "derart
jenseits" gewesen wäre, so hätte ihn die als seriös bekannte I._ AG gar nicht
erst genannt und die beratene Klägerin hätte ihre Finger von diesem Angebot ge-
lassen (act. 26 Ziff. 4.25 f.).
Der Beklagte hält fest, dass es sich beim massgebenden Vertrag um den
Servicepartnervertrag mit der K._ Schinznach-Bad handle. Dieser könne
nicht vom Beklagten allein "übertragen" werden, was die Klägerin, deren Inhaber
und deren Berater auch gewusst hätten. Die Klägerin habe sich aber in keiner
- 22 -
Weise an einer möglichen Anschlusslösung mit K._ und J._ beteiligt.
Soweit im Vertrag die Übertragung der Verträge erwähnt sei, schade dies der Gül-
tigkeit jedoch nicht, zumal eine salvatorische Klausel im Kaufvertrag enthalten sei.
Die Klägerin würde anerkennen, dass sie bereits vor dem Vertragsabschluss von
möglichen Schwierigkeiten bei der Übertragung Kenntnis gehabt habe. Sie habe
deswegen auch Gespräche mit weiteren Markenvertretern geführt. Der Abschluss
eines Servicepartnervertrages sei jedoch jederzeit möglich, sobald die erforderli-
chen Qualitätsmerkmale erfüllt seien. Dies sei an der fehlenden fachlichen Kom-
petenz der Klägerin gescheitert (act. 26 Ziff. 4.30 ff.). Zudem sei eine Rücktritts-
klausel vereinbart worden, für den Fall, dass keine Verträge zu wesentliche glei-
chen Bedingungen abgeschlossen werden könnten. Die Klägerin habe dieses
Rücktrittsrecht nicht genutzt. Falsch sei auch, dass der Beklagte die Klägerin an
der Kontaktaufnahme mit der K._ gehindert haben soll, solche Gespräche
hätten stattgefunden. Ebenso wenig habe er der Klägerin in Aussicht gestellt,
dass sie Anspruch auf den Abschluss eines Vertriebspartnervertrages hätte. Ei-
nen Mietvertrag hätte die Klägerin abschliessen können, was die Vermieterin be-
stätige (act. 26 Ziff. 4.33 ff.).
4.1.2. Rechtliches
Die Klägerin stützt ihre Ansprüche auf das Vorliegen von Willensmängeln.
Willensmängel umfassen Situationen, in denen der Wille einer Vertragspartei feh-
lerhaft gebildet oder geäussert wurde, sodass dem Erklärenden die Möglichkeit zu
geben ist, sich von seiner Erklärung zu lösen (INGEBORG SCHWENZER, Schweizeri-
sches Obligationenrecht Allgemeiner Teil, 6. Aufl., Bern 2012, N 36.01). Zu unter-
scheiden ist dabei zwischen den verschiedenen Arten des Irrtums und der Täu-
schung, wobei die Klägerin beide Sachverhalte geltend macht.
4.1.2.1. Irrtum
Ein Irrtum ist die Abweichung der eigenen Sachverhaltsvorstellung vom
normativ wirksamen Konsens (BRUNO SCHMIDLIN, Berner Kommentar, Obligatio-
nenrecht, Mängel des Vertragsabschlusses, Art. 23-31 OR, Bern 2013, N 7 zu
Art. 23/24 OR). Dabei muss der Irrende von der Richtigkeit seiner Vorstellung
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überzeugt sein. Sobald er an deren Richtigkeit zweifelt, irrt er sich nicht (SCHMID-
LIN, a.a.O., N 15 zu Art. 23/24 OR). Auch über eine ungewisse Tatsache bzw. ein
ungewisses Rechtsverhältnis kann man sich nicht irren (SCHMIDLIN, a.a.O., N 16
zu Art. 23/24 OR). Zu unterscheiden ist zwischen den Erklärungsirrtümern und
dem Grundlagenirrtum. Während bei ersteren der innere Wille nicht mit dem Er-
klärten übereinstimmt, betrifft letzterer das, was der Irrende als Grundlage des
Vertrages betrachtet (SCHMIDLIN, a.a.O., N 92 zu Art. 23/24 OR). Dabei handelt es
sich um einen Motivirrtum, der nach Art. 24 Abs. 1 Ziff. 4 OR qualifiziert ist
(SCHMIDLIN, a.a.O., N 94 zu Art. 23/24 OR; SCHWENZER, a.a.O., N 37.26).
Gegenstand eines Grundlagenirrtums kann nur ein bestimmter Sachverhalt
sein, das heisst der Sachverhalt muss objektiv klar umgrenzt sein. Hingegen sind
ihrer Natur nach unbestimmte Sachverhalte ausgeschlossen. Mit umfasst sind al-
lerdings - über den eigentlichen Willen hinaus - die Umstände des Vertragsab-
schlusses (SCHMIDLIN, a.a.O., N 96 ff. zu Art. 23/24 OR). Die objektive Wesent-
lichkeit eines solchen Irrtums ist dann gegeben, wenn der Irrtum die im allgemei-
nen Geschäftsverkehr geltende Grundlage aufhebt und ihm die Einhaltung des
Vertrages nach Treu und Glauben nicht zumutbar ist. Dies ist wiederum dann der
Fall, wenn jeder vernünftige Verkehrsteilnehmer in der Lage des Irrenden, das
Geschäft nicht eingegangen wäre (SCHMIDLIN, a.a.O., N 105 f. zu Art. 23/24 OR;
SCHWENZER, a.a.O., N 37.26). In subjektiver Sicht ist erforderlich, dass der mass-
gebende Sachverhalt notwendige Grundlage des Vertragsschlusses war. Dabei
wird vorausgesetzt, dass bei Nichtvorhandensein des irrigen Sachverhaltes der
Vertrag nicht abgeschlossen worden wäre (SCHMIDLIN, a.a.O., N 162 ff. zu
Art. 23/24 OR; SCHWENZER, a.a.O., N 37.25). Aus dem Grundsatz von Treu und
Glauben ergibt sich sodann, dass ein Grundlagenirrtum nur geltend gemacht wer-
den kann, wenn der Vertragsgegner die Bedeutung des angenommenen Umstan-
des für den Irrenden erkennen konnte (SCHMIDLIN, a.a.O., N 180 ff. zu Art. 23/24
OR; SCHWENZER, a.a.O, N 37.27).
Ein Grundlagenirrtum kann auch bezüglich eines zukünftigen Sachverhaltes
bestehen. Vorausgesetzt wird, dass es sich um einen bestimmten Sachverhalt
handelt, und zwar in dem Sinne, dass nicht nur der Sachverhalt an sich, sondern
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auch dessen Eintreten bestimmt sein muss. Die Parteien müssen sich diesbezüg-
lich konkrete Vorstellungen gemacht haben, und davon ausgegangen sein, dass
diese eintreten werden (SCHMIDLIN, a.a.O., N 244 ff. zu Art. 23/24 OR). Der Eintritt
des künftigen Sachverhaltes muss sodann gewiss sein; blosse Hoffnungen, über-
triebene Erwartungen oder Spekulationen reichen hingegen nicht aus (BGE 118 II
300). Nach Treu und Glauben im Geschäftsverkehr bedeutet, dass der Eintritt nur
noch eine Frage des Abwartens ist (SCHMIDLIN, a.a.O., N 248 zu Art. 23/24 OR).
Der Beweis des Irrtums obliegt dem Irrenden. Dieser hat nachzuweisen,
dass "seine irrige Vorstellung für den Vertragsabschluss subjektiv notwendig, ob-
jektiv erheblich und hinsichtlich der Bedeutung dem Partner erkennbar war"
(SCHMIDLIN, a.a.O., N 211 zu Art. 23/24 OR). Dazu gehören sowohl die Darlegung
des Sachverhalts, wie auch diejenige des angenommenen abweichenden Sach-
verhalts.
4.1.2.2. Täuschung
Demgegenüber wird bei einem Irrtum, der durch eine absichtlich Täuschung
hervorgerufen worden ist, keine Wesentlichkeit verlangt, es genügt die kausale
Wirkung auf den Willen zum Vertragsabschluss (SCHMIDLIN, a.a.O., N 9 zu Art. 28
OR; SCHWENZER, a.a.O., N 38.01). Die Täuschung muss eine irrige Vorstellung
über einen Sachverhalt hervorrufen und kann aus der Vorspiegelung falscher Tat-
sachen oder der Unterdrückung wahrer Tatsachen bestehen, wobei ein konklu-
dentes Verhalten genügt. Das Verschweigen einer Tatsache kann dabei nur dann
als Täuschung im Rechtssinne gelten, wenn seitens des Täuschenden eine Auf-
klärungspflicht bestehen würde (SCHMIDLIN, a.a.O., N 12 ff. zu Art. 28 OR;
SCHWENZER, a.a.O., N 38.03 ff.). Die Täuschung muss eine bestehende oder in
Aussicht gestellte Tatsache betreffen. Darunter sind auch zukünftige Sachverhalte
zu subsummieren, soweit sie als vorweggenommenes Faktum dargestellt werden.
Jedoch kann grundsätzlich nicht über von Natur aus ungewisse Tatsachen ge-
täuscht werden (SCHMIDLIN, a.a.O., N 58 ff. zu Art. 28 OR). Die Täuschung muss
absichtlich erfolgen. Dies ist gegeben, wenn der Täuschende die Unrichtigkeit der
vorgegebenen Tatsachen kannte und den Willen hatte, beim Vertragspartner ei-
nen Irrtum hervorzurufen und ihn so zum Vertragsschluss zu bewegen. Ein Even-
- 25 -
tualvorsatz genügt (SCHMIDLIN, a.a.O., N 69 ff. zu Art. 28 OR; SCHWENZER, a.a.O.,
N 38.07 f.). Schliesslich wird verlangt, dass die Täuschung erfolgreich ist, also
dass sie kausal ist für den Vertragsabschluss (SCHMIDLIN, a.a.O., N 74 zu Art. 28
OR; SCHWENZER, a.a.O., N 38.10). Abzugrenzen ist die Täuschung von der An-
preisung. Die Anpreisung will den Vertragsgegenstand in ein günstiges Licht rü-
cken, aber nicht notwendigerweise einen Irrtum erregen. Dem Angesprochenen
bleibt der Vertragsabschluss frei und er kann Vor- und Nachteile selbst überprü-
fen. Insbesondere sind Übertreibungen als Anpreisungen anzusehen, wobei die
Überprüfung dem Vertragspartner obliegt (SCHMIDLIN, a.a.O., N 81 ff. zu Art. 28
OR).
Die Beweislast trägt die getäuschte Partei. Sie hat zu beweisen, dass sie
von der Gegenseite absichtlich getäuscht worden ist und insbesondere, dass zwi-
schen Täuschung und Vertragsabschluss ein Kausalzusammenhang besteht.
Auch hat sie darzulegen, dass überhaupt ein anderer Sachverhalt, als der beim
Vertragsabschluss angenommene, vorliegt (SCHMIDLIN, a.a.O., N 162 zu Art. 28
OR).
4.1.3. Würdigung
4.1.3.1. Irrtum über den Wert der Garage
Die Klägerin stellt sich auf den Standpunkt, der Wert der Garage sei tatsäch-
lich tiefer gewesen, als sie bei Vertragsschluss angenommen habe. Der Beklagte
habe einen höheren Wert suggeriert, weshalb eine Täuschung vorliege. Falls ihm
diese nicht vorgeworfen werden könne, so sei zumindest von einem Irrtum der
Klägerin auszugehen, welcher ebenfalls die Anfechtbarkeit des Vertrages bewirke
(act. 1 Ziff. II.2.1 ff.). Der Beklagte bestreitet das Vorliegen eines Willensmangels
(act. 10 Ziff. 25).
Aus den Akten ergibt sich, dass verschiedene Berechnungen des Unter-
nehmenswerts erfolgt sind. Die I._ AG, als Beraterin des Beklagten, errech-
nete einen Wert von CHF 571'851.– (act. 3/3 S. 21 ff.; act. 10 Ziff. 15). Der Bera-
ter der Klägerin führte in seiner Offerte zwei Berechnungen auf, wobei er bei einer
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Annahmen zu Gunsten der Klägerin traf und einen Wert von CHF 103'794.– er-
rechnete. In der Variante stellte er Annahmen zu Gunsten des Beklagten auf und
erhielt einen Wert von CHF 344'656.– (act. 3/4 Ziff. 4.3 f.). Auf dieser Grundlage
wurde ein Kaufpreis von CHF 280'000.– vereinbart (act. 3/5 Ziff. IV.4.).
Der Wert der Kaufsache kann in aller Regel nicht Gegenstand eines Irrtums
sein. Es ist regelmässig Sache des Käufers, abzuklären, ob der Kaufpreis ange-
messen ist und dem Wert des Kaufgegenstands entspricht (SCHWENZER, a.a.O.,
N 37.37). Für die Berechnung des Unternehmenswerts bestehen verschiedene
Methoden, wobei in der Regel von dessen Fortführung ausgegangen wird (RU-
DOLF TSCHÄNI/HANS-JAKOB DIEM/MATTHIAS WOLF, M&A-Transaktionen nach
Schweizer Recht, 2. Aufl., Zürich 2013, 1. Kap. N 23 ff.). Die Klägerin war bei den
Vertragsverhandlungen sachkundig beraten, einerseits durch den Übernahme-
spezialisten G._, andererseits durch den Rechtsberater Dr. H._. Das
Wissen ihrer Berater hat sich die Klägerin anzurechnen, weshalb nicht relevant
sein kann, ob die Inhaber der Klägerin die Berechnungen verstanden haben. Al-
leine aufgrund der Berechnungen des eigenen Beraters, mit verschiedenen An-
nahmen, musste der Klägerin aber bewusst sein, dass es sich beim Unterneh-
menswert nicht um einen absoluten Fixbetrag handelt.
Ein Irrtum über den Wert kann lediglich dann wesentlich im Sinne des Ge-
setzes sein, wenn sich dieser aus einem Irrtum über eine andere Eigenschaft her-
leitet (SCHWENZER, a.a.O., N 37.37; SCHMIDLIN, a.a.O., N 115 ff. zu Art. 23/24 OR).
Die Klägerin bringt denn auch vor, der Irrtum bestehe darin, dass es sich bei der
Garage um ein zu liquidierendes Geschäft handle (sogleich E. 4.1.3.2.), eventuali-
ter habe der Willensmangel in der fehlenden Übertragbarkeit von Verträgen und
Kunden bestanden (hinten E. 4.1.3.3.). Ein Willensmangel bezüglich des Werts
der Garage ist nur denkbar, wenn die Klägerin durch den Verkäufer über eine we-
sentliche, bewertungsrelevante Tatsache getäuscht worden bzw. darüber einem
Irrtum unterlegen wäre. Ist der Klägerin in einem dieser Punkte Recht zu geben,
ist darin der Willensmangel zu sehen, sodass ebenfalls keine erneute Bewertung
erforderlich ist.
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Unter diesen Umständen erübrigt es sich, entsprechend dem Antrag der
Klägerin (act. 1 Ziff. II.2.1.8), ein Gutachten über den Wert der Garage erstellen
zu lassen. Ein solches könnte einzig eine Aussage über den Unternehmenswert
an sich machen, welcher vorliegend, wie dargelegt, gerade nicht Gegenstand ei-
nes Willensmangels sein kann.
4.1.3.2. Irrtum über die Wirtschaftlichkeit der Garage
In ihrem Hauptstandpunkt macht die Klägerin geltend, bei der von ihr erwor-
benen Garage handle es sich um eine zu liquidierende Unternehmung, während
sie bei Vertragsschluss davon ausgegangen sei, dass die Garage laufe und ren-
tiere (act. 22 Ziff. II.3.2.4). Über diesen Punkt, der als wesentliche Grundlage des
Vertrages anzusehen sei, sei sie getäuscht worden bzw. habe sie sich in einem
Irrtum befunden. Wie ausgeführt (vorne E. 4.1.2.1.), hat die Klägerin zu beweisen,
dass sie einer irrigen Vorstellung über den Sachverhalt unterlegen ist. Dazu ge-
hört konkret auch der Beweis, dass es sich bei der Garage um eine marode Un-
ternehmung handeln soll.
Die Klägerin begründet ihre Sachdarstellung mit einer Berechnung der be-
reinigten Erträge der Unternehmung. Dazu zieht sie von den Erträgen gemäss
den Erfolgsrechnungen für die Jahre 2006 bis 2011 jeweils CHF 90'000.– als
marktüblichen Lohn für den Beklagten ab. Daraus ergebe sich für den genannten
Zeitraum ein Verlust von CHF 431'876.17 (act. 22 Ziff. II.1.1). Der Beklagte be-
streitet, dass eine Liquidation der Garage zwingend sei (act. 26 Ziff. 4.6).
Die Klägerin geht bei ihrer Behauptung einzig von den in den Erfolgsrech-
nungen aufgeführten Zahlen aus. Die Wirtschaftlichkeit einer Einzelunternehmung
kann jedoch nicht alleine gestützt auf den darin aufgeführten Jahresgewinn ermit-
telt werden. So ist dem Beklagten beizustimmen, dass es Sache des Inhabers ist,
zu bestimmen, in welchem Umfang und zu welchem Gehalt er im Betrieb mitar-
beitet (act. 26 Ziff. 4.4 S. 9). Letztlich entspricht sein Einkommen dem Gewinn des
Betriebs zuzüglich sämtlicher durch den Betrieb zu seinen Gunsten erbrachten
Leistungen. Dieser Wert weicht regelmässig vom Gewinn gemäss Erfolgsrech-
nung ab. So wurde vorliegend beispielsweise ausgewiesen, dass die Prämien für
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die Krankenversicherung des Beklagten über die Unternehmung bezahlt wurden
(act. 3/3 S. 21). Hinzu kommt, dass alleine, weil ein Inhaber mit seinem Betrieb
keinen Marktlohn erzielen kann (wobei offen gelassen werden kann, ob dies tat-
sächlich nicht der Fall ist), ein Unternehmen nicht als unwirtschaftlich anzusehen
ist. Wie der Inhaber seine Geschäfte führt und welchen Gewinn er damit erzielen
möchte, ist ihm überlassen. Insbesondere wird eine Aktiengesellschaft einen Be-
trieb nicht gleich bewirtschaften können wie ein Einzelunternehmer. So kann denn
auch der zuvor bezogene Betrag einem neuen Eigentümer nicht garantiert wer-
den. Andererseits gibt es - wie die I._ AG auch vorliegend aufgezeigt hat
(act. 3/3 S. 14) - regelmässig Möglichkeiten, um die Wirtschaftlichkeit zu optimie-
ren. Zu diesen Optimierungsmöglichkeiten äussert sich die Klägerin nicht. Ebenso
wenig befasst sie sich mit den Bezügen des Beklagten.
Einzig gestützt auf die Erfolgsrechnung kann damit nicht davon ausgegan-
gen werden, dass es sich um einen zu liquidierenden Betrieb handeln soll. Weite-
re Beweise oder nur schon Indizien nennt die Klägerin hingegen nicht. Insgesamt
kann die Klägerin damit nicht beweisen, dass es sich beim Garagenbetrieb um ei-
ne Unternehmung handeln soll, die im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses hätte
liquidiert werden müssen. Entsprechend liegt auch kein Sachverhalt vor, welcher
vom angenommenen Sachverhalt bei Vertragsschluss, der Übernahme einer lau-
fenden Garage, abweichen würde. Demnach kann die Klägerin über diesen Punkt
aber auch keinem Irrtum unterlegen sein.
4.1.3.3. Irrtum über die Übertragbarkeit der Verträge
Die Klägerin macht weiter geltend, sie hätte sich auch dahingehend geirrt,
dass die Übertragung von Miet- und Servicepartnervertrag gar nicht möglich ge-
wesen wäre (act. 1 Ziff. II.1.3; act. 22 Ziff. II.6.2 und 6.3). Der Beklagte bestreitet
nicht, dass die Verträge mit der J._/K._ nicht übertragen werden kön-
nen. Er geht vielmehr selber davon aus, dass eine Übertragung bei solchen Ver-
trägen gar nicht möglich sei (act. 26 S. 28). Dies sei jedoch vorliegend nicht rele-
vant. Die Klägerin halte in ihrer Replik selber fest, der Fortbestand der Verträge
sei für den Unternehmenswert nicht relevant (act. 26 Ziff. 4.43), worauf sie zu be-
haften sei. Dieser Einwand ist nicht zu hören. Die Klägerin führt lediglich aus,
- 29 -
dass ihrer Meinung nach der Wert der Garage ohnehin dem Liquidationswert ent-
spreche, welcher durch die Verträge nicht weiter beeinflusst werde. Hingegen
macht sie im Eventualstandpunkt weiterhin geltend, die Verträge seien eine we-
sentliche Vertragsgrundlage, über deren Weitergeltung sie getäuscht worden sei
bzw. sich geirrt habe (act. 22 Ziff. II.6.1).
Der Klägerin ist darin beizustimmen, dass die Weiterführung des Mietvertra-
ges und einer Partnerschaft mit einer Automarke wesentlich für den Wert einer
Autogarage sein kann. Der Beklagte bestreitet allerdings, dass die Übertragung
der Verträge geschuldet ist.
Im vorliegenden Fall ist daher zunächst zu prüfen, was sich die Klägerin in
Bezug auf die Verträge überhaupt hat versprechen lassen.
a. Pflicht zur Übertragung von Verträgen
Nach dem Dafürhalten der Klägerin, wurde ihr die Übertragung der in Frage
stehenden Verträge versprochen (act. 22 Ziff. II.6.2.6). Sie stützt sich dabei auf
den Wortlaut des Kaufvertrages. Demgegenüber macht der Beklagte geltend, ei-
ne Übertragung sei nicht geschuldet, da eine solche gar nicht möglich sei (act. 26
Ziff. 4.31 S. 25 und Ziff. 4.34 S. 28).
Gemäss dem an sich klaren und vorne abgedruckten Wortlaut der Ziffern 2
und 8c) des Kaufvertrages (act. 3/5) verpflichtete sich der Beklagte, der Klägerin
die in Frage stehenden Verträge zu übertragen. Der Beklagte macht allerdings
geltend, die Inhaber der Klägerin hätten bereits vor Unterzeichnung des Kaufver-
trages Kenntnis davon gehabt, dass es mit der Übertragbarkeit der Verträge mit
der J._/K._ Probleme geben könne (act. 26 Ziff. 4.31 S. 24). Er bestrei-
tet auch, dass eine Übertragung der Verträge zugesichert worden sei (act. 26
Ziff. 4.31 S. 25). Er verweist vor allem auf den Wortlaut der Rücktrittsklausel, in
welcher nirgends von einer Übertragung der Verträge die Rede sei, da solche
Verträge gar nicht übertragen werden könnten (act. 26 Ziff. 4.34 S. 28).
- 30 -
Die Parteien sind sich somit nicht einig über die Bedeutung und Tragweite
der Ziffern 2, 8c) und 28 des Vertrages, weshalb diese Bestimmungen auszule-
gen sind.
aa. Grundsätze der Vertragsauslegung
Besteht Uneinigkeit über den Inhalt eines Vertrages, so ist dieser auszule-
gen. Das Ziel der gerichtlichen Vertragsauslegung besteht in der Feststellung des
übereinstimmenden wirklichen Willens, den die Parteien ausdrücklich oder still-
schweigend erklärt haben (subjektive Auslegung). Lässt sich der übereinstim-
mende wirkliche Wille feststellen, so bestimmt sich der Vertragsinhalt nach die-
sem. Wenn sich der übereinstimmende wirkliche Wille nicht mehr feststellen lässt,
so ist durch objektivierte (normative) Auslegung der Vertragswille zu ermitteln,
den die Parteien mutmasslich gehabt haben. Hierbei hat das Gericht das als Ver-
tragswille anzusehen, was vernünftig und redlich (korrekt) handelnde Parteien un-
ter den gegebenen (auch persönlichen) Umständen durch die Verwendung der
auszulegenden Worte und ihr sonstiges Verhalten ausgedrückt und folglich ge-
wollt haben würden. In diesem Sinn ist jede einzelne Willenserklärung nach dem
Vertrauensprinzip auszulegen (statt vieler PETER GAUCH/WALTER R. SCHLUEP/
JÖRG SCHMID, Obligationenrecht, Allgemeiner Teil, Band I, 10. Aufl., Zürich 2014,
N 207, N 1200 f. und N 1226; BGE 125 III 305 E. 5; BGE 129 III 118 E. 2.5).
Demnach sind Willenserklärungen so auszulegen, wie sie vom Empfänger in gu-
ten Treuen verstanden werden durften und mussten (GAUCH/SCHLUEP/SCHMID,
a.a.O. , N 207). Dabei hat der klare Wortlaut Vorrang vor weiteren Auslegungsmit-
teln, es sei denn, er erweise sich auf Grund anderer Vertragsbedingungen, des
von den Parteien verfolgten Zweckes oder weiterer Umstände als nur scheinbar
klar (BGE 128 III 265 E. 3a; BGE 129 III 118 E. 2.5; GAUCH/SCHLUEP/SCHMID,
a.a.O., Nr. 1220).
bb. Wortlaut der relevanten vertraglichen Bestimmungen
Bei der Auslegung ist der Wortlaut primäres Auslegungsmittel. Seit Aufgabe
der Eindeutigkeitsregel (Urteil des Bundesgerichts vom 2. März 1998 4C.24/1997
E. 1c; zur alten Praxis: BGE 111 II 284 E. 2 S. 287) kann indes nicht mehr aus-
- 31 -
schliesslich auf den klaren Wortlaut abgestellt werden. Aus Art. 18 OR folgt, dass
ein klarer Wortlaut für die Auslegung nicht unbedingt entscheidend und eine reine
Wortauslegung verboten ist. Selbst wenn eine Vertragsbestimmung auf den ers-
ten Blick klar erscheint, kann sich aus den anderen Vertragsbestimmungen, aus
dem von den Parteien verfolgten Zweck und aus weiteren Umständen ergeben,
dass der Wortlaut der strittigen Bestimmung nicht genau den Sinn der Vereinba-
rung unter den Parteien wiedergibt (BGE 127 III 444 E. 1b).
Vorliegend deutet der Wortlaut der Vereinbarung klar daraufhin, dass die
Übertragung der erwähnten Verträge vom Beklagten geschuldet ist. Sowohl Sinn-
gehalt als auch allgemeinen Sprachgebrauch der zitierten Vertragsbestimmungen
(act. 3/5 Ziff. 2 und 8c) bedeuten, dass der Beklagte verpflichtet war, die Verträge
auf die Klägerin zu übertragen.
Auch wenn der Wortlaut für sich allein nicht als entscheidend anzusehen ist
(BGE 127 III 444 E. 1b), kommt ihm doch im Verhältnis zu den ergänzenden Mit-
teln der Vorrang zu: Immer dann, wenn die übrigen Auslegungsmittel, insbeson-
dere der Vertragszweck, nicht sicher einen anderen Schluss erlauben, hat es
beim Wortlaut sein Bewenden (vgl. BGE 82 II 378 E. 3 und 4 S. 385 f; PETER
JÄGGI/PETER GAUCH/STEPHAN HARTMANN, Zürcher Kommentar, Auslegung Ergän-
zung und Anpassung der Verträge; Simulation, Art. 18 OR, 4. Auf., Zürich 2014,
N 369 zu Art. 18 OR).
Es ist somit zu prüfen, ob die Auslegung nach dem Wortsinn durch andere
Auslegungsmittel in Frage gestellt wird:
cc. Vertragszweck
Durch den Abschluss des Kaufvertrages ging es der Klägerin darum, am
bisherigen Standort der Garage des Beklagten den laufenden Garagenbetriebes
J._ B._ weiterzuführen. Wäre es der Klägerin nur um die Übernahme
von Inventar und Werkzeug gegangen, hätte es sich erübrigt, mit dem Kaufvertrag
auch die bestehenden Verträge und Rechtsverhältnisse sowie den Goodwill auf
die Klägerin zu übertragen. Die Parteien haben in ihren Verträgen auch mehrfach
- 32 -
zum Ausdruck gebracht, dass für die Klägerin die Weiterführung des laufenden
Garagenbetriebs von zentraler Bedeutung ist, insbesondere durch die ausdrückli-
che Zusicherung gemäss Ziffer 8c und das vereinbarte Rücktrittsrecht gemäss Zif-
fer 28, wenn die Weiterführung der Verträge zu den gleichen Konditionen nicht
möglich ist (act. 3/5).
Bereits in der von G._ erstellten Offerte vom 26. Oktober 2012 wurde
festgehalten, dass diese Offerte voraussetze, "dass die gültigen Verträge und Ar-
beitsleistungen vollumfänglich, im gleichen Umfang, gleichen Konditionen und
durch eine einfache (Ablauf) Übernahme übernommen werden können" (act. 3/4
Ziff. 2.1.4.). Zwar wird ein Eintritt der Klägerin in die laufenden Verträge darin
nicht verlangt, doch zeigt die Offerte zumindest, dass die Weiterführung der Ga-
rage unter denselben Rahmenbedingungen angestrebt war.
Der Beklagte behauptet, dass es der Klägerin schon vor Vertragsschluss
bekannt gewesen sei, dass es mit der J._/K._ Probleme geben könnte
(act. 26 Ziff. 4.35). Die Klägerin bestätigt das Bestehen von Unsicherheiten, hält
aber fest, dass diese Zweifel durch den Wortlaut des Vertrages, insbesondere die
Zusicherung, dass die Verträge bzw. Rechtsverhältnisse übertragen werden kön-
nen, beseitigt worden seien (act. 22 Ziff. II.6.2.1 und 6.3.1). Obwohl also im Laufe
der Vertragsverhandlungen Unsicherheiten in Bezug auf die Übertragbarkeit auf-
getaucht sind, bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die Klägerin ihre Mei-
nung in Bezug auf die Weiterführung der Garage geändert hat.
dd. Systematik
Es muss immer die Gesamtheit der vertraglichen Regelungen berücksichtigt
werden, wobei der Gesamtzusammenhang im Auge zu behalten ist.
Der klare Wortlaut von Ziffer 8c) des Vertrages wird nämlich durch die ver-
einbarte Rücktrittsklausel deutlich relativiert (act. 3/5 Ziff. XIII.28). In dieser Be-
stimmung haben die Parteien einen anderen Wortlaut gewählt. So war der Rück-
tritt der Klägerin zulässig, wenn es ihr nicht gelingen sollte, neue Verträge zu ver-
gleichbaren Konditionen abzuschliessen. Dies ist insbesondere beim Servicepart-
- 33 -
nervertrag J._/K._ nachvollziehbar, der nach den Usanzen der Autoin-
dustrie aufgebaut ist.
Zur Einhaltung der Qualitätsanforderungen ist ein Servicevertrag in der Au-
toindustrie usanzgemäss von der Erfüllung gewisser Mindestkriterien des jeweili-
gen Betriebs abhängig. Diese hat der jeweilige Vertragspartner einzuhalten, an-
sonsten ihm der Servicevertrag aufgekündigt werden kann. Auch der Beklagte
hatte einen entsprechenden Vertrag mit J._/K._, wie die Präambel im
Bezug auf die Kriterienerfüllung und die kurze Kündigungsfrist von drei Monaten
in Ziffer 6 aufzeigen (act. 12/5).
Die Klägerin konnte somit den bestehenden Servicevertrag nicht telquel
übernehmen. Dies wusste sie bzw. musste es wissen. Vielmehr war sie davon
abhängig, dass J._/K._ sie als qualifiziert genug einstufte, um mit ihr ei-
nen Servicevertrag abzuschliessen und aufrecht zu erhalten. Der Beklagte hat
sich zwar gemäss Ziffer 2 des Kaufvertrages verpflichtet, die Verträge auf die
Käuferin übertragen zu lassen. Ohne Zutun der Klägerin war das jedoch im Fall
des Servicevertrages gar nicht möglich.
Diese Umstände sind der branchenerfahrenen und anwaltlich beratenen
Klägerin entgegenzuhalten. Ihr muss bei Vertragsabschluss bewusst gewesen
sein, dass sowohl Ziffer 2 als auch Ziffer 8c) - die Übertragung der Verträge -
nicht ohne ihr Mitwirken umgesetzt werden können, was den Servicevertrag
J._/K._ angeht. Die Klägerin bestätigt denn auch, dass bei Vertragsab-
schluss eine Unsicherheit betreffend der Übertragung der Verträge bestand
(act. 22 Ziff. 6.2.1). Sie kann sich im Nachhinein nicht darauf berufen, sich passiv
auf die Übertragung der Verträge durch den Beklagten verlassen zu haben.
Das Risiko der Nichtübertragung wurde folgerichtig in Ziffer 28 des von der
Klägerin ausgearbeiteten Kaufvertrages abgebildet, indem der Klägerin ein befris-
tetes Rücktrittsrecht bis zum 20. Dezember 2012 zugestanden wurde, sollten die
aus Sicht der Klägerin wesentlichen Verträge nicht übertragen werden können.
Damit war sich die Klägerin auch des Risikos der Nichtübertragung der von ihr als
wesentlich eingestuften Verträge explizit bewusst, wurde dies doch offen gelegt.
- 34 -
Die Klägerin hat schliesslich ohne Not die Frist zum Rücktritt verstreichen
lassen, obschon ihr bewusst war, dass weder der Mietvertrag noch die Verträge
mit J._/K._ übertragen wurden. Sie hat auch nicht behauptet, eine Ver-
längerung dieser Frist angestrebt zu haben. Stattdessen hat sie in der Folge eine
Zusatzvereinbarung ohne Rücktrittsrecht abgeschlossen. Es ist daher davon aus-
zugehen, dass die Klägerin zum Zeitpunkt des Fristenablaufs die Übertragung der
Verträge durch den Beklagten nicht mehr als wesentlich angesehen hat, oder da-
von ausging, dass sie selber die Übertragung erreichen könne. Unter diesen Um-
ständen, kann sie sich in Bezug auf den Servicepartnervertrag nicht mehr auf ei-
nen Irrtum berufen.
Dasselbe gilt für den Mietvertrag. Es ist als allgemein bekannt vorauszuset-
zen, dass ein Mietvertrag nicht ohne Mitwirkung des Vermieters übertragen kann.
Ebenso ist klar, dass dieser einem neuen Mieter nur zustimmen wird, wenn dieser
die finanziellen Voraussetzungen erfüllt. Entsprechend konnte von der Klägerin
eine gewisse Mitwirkung verlangt werden. Nachdem die Klägerin die Rücktrittsfrist
verstreichen lassen hat, ohne tätig zu werden, durfte der Beklagte davon ausge-
hen, dass das Vorliegen des Mietvertrages für sie nicht wesentlich ist. Im Nach-
hinein kann sie sich nicht mehr auf einen Irrtum berufen.
ee. Gesetzeskonforme Auslegung
Bestimmungen, die vom dispositiven Recht abweichen, sind restriktiv auszu-
legen. Eine vom dispositiven Recht abweichende Regelung muss deshalb im Ver-
trag deutlich zum Ausdruck gebracht werden.
Der Beklagte beruft sich darauf, dass die Übertragung der Verträge ohne
Mitwirkung der am Vertrag beteiligten Dritten (J._/K._ bzw. Vermieter)
nicht möglich sei. In der Tat muss eine Vertragspartei die Übertragung eines Ver-
trages durch den Vertragspartner auf einen Dritten in der Regel nicht akzeptieren.
Es ist aber auch möglich, dass die Übertragung vom Dritten akzeptiert wird. Inso-
weit ist die vertragliche Regelung der Parteien auch nicht als zum vornherein ob-
jektiv unmöglich zu betrachten. Von Unmöglichkeit kann erst dann gesprochen
- 35 -
werden, als feststand, dass die K._ nicht bereit war, eine Übertragung zu ak-
zeptieren.
Im Vertrag wurde hervorgehoben, dass es Pflicht des Beklagten war, für die
Vertragsübertragung zu sorgen. Gemäss Ziffer 8.c sicherte der Beklagte der Klä-
gerin zu, dass die Übertragung keiner Zustimmung Behörden oder Dritter benöti-
ge (act. 3/5 Ziff. VII. 8.c). Aus juristischer Sicht trifft dies nicht zu. Aus dem Prinzip
der Vertragsfreiheit ergibt sich, dass Private das Recht haben, ihre Vertrags-
partner frei zu wählen (SCHWENZER, a.a.O., N 26.16). Dies beinhaltet aber auch,
dass sie die Übertragung eines Vertrages durch den Vertragspartner auf einen
Dritten nicht zu akzeptieren brauchen. Dies ist als allgemein bekannt vorauszu-
setzen, sodass sich die zudem fachkundig und anwaltlich vertretene Klägerin
nicht allein auf den Wortlaut der Zusicherungsklausel verlassen durfte. Gestützt
auf eine gesetzeskonforme Auslegung ist die Übertragung der Verträge jedoch
nicht geschuldet.
ff. Salvatorische Klausel
In Ziffer 23 haben die Parteien stipuliert, dass die Ungültigkeit oder Un-
durchsetzbarkeit einer oder mehrerer Bestimmungen des Vertrages die Gültigkeit
der übrigen Bestimmungen des Vertrages nicht berühre (act. 3/5 Ziff. 23). Ungül-
tige oder undurchsetzbare Bestimmungen seien durch eine Neuregelung zu er-
setzen, die wirtschaftlich und rechtlich der ungültigen oder undurchsetzbaren Be-
stimmung so nahe als möglich komme. Eine solche salvatorische Klausel ist in
der Schweiz grundsätzlich überflüssig, weil ihr Regelungsziel bereits in Art. 20
Abs. 2 OR gesetzlich geregelt ist. Diese Regel kann sodann nur dann greifen,
wenn angenommen werden muss, die Parteien hätten die allenfalls ergänzten
mängelfreien Teile des Vertrages auch dann vereinbart, wenn ihnen der Mangel
schon beim Vertragsschluss bekannt gewesen wäre (BGE 124 III 60, BGE 120 II
41 = Praxis 1995, 476). Entscheidend ist somit der mutmasslich Parteiwille.
Im Übrigen handelt es sich hierbei nicht um eine Auslegungsregel, sondern
um eine Regelung der Folgen der Teilnichtigkeit
- 36 -
gg. Unklarheitsregel
Nach der Unklarheitsregel können mehrdeutige Klauseln in Verträgen gegen
den Verfasser ausgelegt (BGE 122 III 118 E. 2a; BGE 126 III 388 E. 9d S. 391).
Diese Regel ist indessen erst dann anzuwenden, wenn die übrigen Auslegungs-
mittel zu keinem Resultat führen und der bestehende Zweifel nicht anders besei-
tigt werden kann (BGE 99 II 290 E. 5 S. 292; BGE 122 III 118 E. 2d S. 124; BGE
123 III 35 E. 2c). Vorliegend konnte, wie bereits ausgeführt, die Bedeutung der
vertraglichen Bestimmungen auf dem Interpretationsweg klargestellt werden, wo-
mit es der Auslegung nach der Unklarheitsregel nicht bedarf. Da der Vertrag un-
bestrittenermassen durch den Berater der Klägerin, G._, aufgesetzt worden
ist (act. 10 Ziff. 1 S. 7), würde auch die Anwendung der Unklarheitsregel für die
ausgeführte Auslegung sprechen.
hh. Fazit
Die Klägerin wurde im Übernahmeprozess sowohl von einem Transaktions-
berater als auch einem Rechtsanwalt beraten. Deren Wissen ist ihr anzurechnen.
Der Klägerin war ganz offensichtlich die Wesentlichkeit der zu übernehmenden
Verträge bewusst, was G._ bereits in der Offerte vom 26. Oktober 2012 fest-
gehalten hat. Zudem bestätigt die Klägerin, dass bei Vertragsabschluss eine Un-
sicherheit betreffend der Übertragung der Verträge bestanden hat (act. 22
Ziff. 6.2.1). Das Risiko der Nichtübertragung wurde in Ziffer 28 des von der Kläge-
rin ausgearbeiteten Vertrages abgebildet, indem der Käuferin ein bedingtes Rück-
trittsrecht bis zum 20. Dezember 2012 zugestanden wurde, sollten die aus Sicht
der Käuferin wesentlichen Verträge nicht übertragen werden können. Damit war
sich die Käuferin auch des Risikos der Nichtübertragung der von ihr als wesent-
lich eingestuften Verträge explizit bewusst.
Die Käuferin hat schliesslich ohne Not die Frist zum Rücktritt verstreichen
lassen, obschon ihr bewusst war, dass die Verträge nicht übertragen wurden. Sie
hat auch nicht behauptet, eine Verlängerung dieser Frist angestrebt zu haben.
Stattdessen hat sie in der Folge eine Zusatzvereinbarung ohne Rücktrittsrecht
abgeschlossen. Es ist daher davon auszugehen, dass die Klägerin zum Zeitpunkt
- 37 -
des Fristenablaufs die Übertragung der Verträge nicht mehr als wesentlich ange-
sehen hat, oder davon ausging, dass sie selber die Übertragung erreichen könne.
Aufgrund des Vertrauensprinzips sind die vertraglichen Bestimmungen be-
züglich der Übertragung so auszulegen, dass es Sache der Klägerin war, die Un-
sicherheiten in Bezug auf die Übertragung der Verträge bis am 20. Dezember
2012 zu beseitigen. Indem die Klägerin den Vertrag unbestrittenermassen nicht
gekündigt hat, hat sie auf diese Absicherungsmöglichkeit verzichtet. Dies hat sie
sich nun entgegen zu halten und sie kann sich nicht nachträglich auf einen Irrtum
berufen.
b. Welche Verträge mussten übertragen werden?
Die Parteien vereinbarten die "Übertragung" des Zusammenarbeitsvertra-
ges, wobei auf einen Vertrag im Anhang des Kaufvertrages verwiesen wird
(act. 3/5 Ziff. II.1.g). Aus den Akten und der Darstellung der Parteien ergibt sich,
dass der Beklagte am 15. November / 21. Dezember 2004 einen Servicepartner-
vertrag mit der K._ AG, Bereich Import, Schinznach-Bad abgeschlossen hat
(act. 12/5). Dazu kam am 3. Januar 2005 ein "Zusammenarbeitsvertrag betreffend
Ankauf bzw. Vermittlung von Fahrzeugen der Marke J._" mit der K._
J._ Zürich (act. 12/3). Schliesslich schloss der Beklagte mit der K._ ...,
Zürich am 15. Oktober 2009 einen Vertriebspartner-Vertrag (act. 12/4). Im Kauf-
vertrag vom 7. Dezember 2012 sprechen die Parteien von einem Zusammenar-
beitsvertrag und verweisen dazu auf den Anhang Nr. 4 (act. 3/5 Ziff. II.1.g). Die
Klägerin geht davon aus, dass mit dem Kaufvertrag die Übertragung sämtlicher
Verträge mit der K._/J._ gemeint seien (act. 22 Ziff. II.6.2.1). Demge-
genüber hält der Beklagte fest, die Zusicherung hätte sich lediglich über den Ser-
vicepartnervertrag erstreckt (act. 26 Ziff. 4.31).
Im zum Kaufvertrag gehörigen Anhang findet sich - ohne Nummerierung -
nach dem Deckblatt des Zusammenarbeitsvertrages vom 3. Januar 2005 ein Teil
des Servicepartnervertrags vom 15. November / 21. Dezember 2004 und der Zu-
sammenarbeitsvertrag vom 3. Januar 2005 (act. 3/6 S. 24 ff.). Der Wortlaut in
Verbindung mit dem Anhang deutet somit darauf hin, dass der Servicepartnerver-
- 38 -
trag und der dazugehörige "Zusammenarbeitsvertrag betreffend Ankauf bzw.
Vermittlung von Fahrzeugen der Marke J._" vom 3. Januar 2005 Vertragsbe-
standteil geworden ist.
Die Klägerin verweist darauf, dass sich aus der Zusatzvereinbarung und
dem Protokoll vom 27. Dezember 2012 (act. 3/7) ergebe, dass auch der Ver-
triebspartnervertrag übertragen werden sollte (act. 22 Ziff. II.6.2.2.). So werde in
der am 8. Februar 2013 abgeschlossenen Zusatzvereinbarung die Sicherung des
Vertriebspartnervertrages als Grund für die zweijährige Zusammenarbeit genannt
(act. 3/7 Ziff. 2.b). Das Protokoll sowie die Zusatzvereinbarung wurden erst nach
dem Abschluss des Kaufvertrages erstellt und können deshalb über den Inhalt
des Vertrages keine Aussage machen. Diese können jedoch durchaus ein Indiz
dafür sein, wie die Parteien den Vertrag vom 7. Dezember 2012 verstanden ha-
ben. Wäre bereits bei Abschluss des Kaufvertrages klar gewesen, dass der Ver-
triebspartnervertrag nicht übertragen werden kann, so hätte kaum ein Grund dafür
bestanden, dass der Beklagte die Inhaber der Klägerin unmittelbar nach Ablauf
der Rücktrittsfrist darüber informierte, dass der Vertriebspartnervertrag bei einem
Verkauf der Garage von der K._ umgehend gekündigt und neu nicht mehr
möglich sei (act. 5/7 S. 2). Für einen Gesinnungswandel der Parteien bestehen
keine Anhaltspunkte. Hätte die Klägerin die Weiterführung des Vertriebspartner-
vertrages erst nachträglich gewünscht und bei Abschluss des Kaufvertrages be-
wusst auf die Übertragung des Vertriebspartnervertrages verzichtet, so wäre dies
sicherlich im Gesprächsprotokoll vom 27. Dezember 2012 zum Ausdruck ge-
bracht worden. Aufgrund des Protokolls entsteht der Eindruck, dass die Tatsache,
dass die K._ den Servicepartnervertrag nicht weiterführen will, eine neue In-
formation ist.
Der Beklagte behauptet zwar, dass G._ beim Abschluss des Kaufver-
trages sämtliche Verträge vorgelegen seien (act. 10 Ziff. 10 S. 5 f.). Dies wird je-
doch von der Klägerin mit Nichtwissen bestritten (act. 22 Ziff. II.1.1.5). Selbst
wenn die bestehenden Verträge der Klägerin vor Vertragsschluss vollumfänglich
bekannt gewesen waren, bedeutet der Umstand, dass der Vertriebspartnervertrag
- 39 -
im Kaufvertrag nicht ausdrücklich erwähnt wird, nicht ohne Weiteres, dass be-
wusst nicht sämtliche Verträge in die Vereinbarung mit einbezogen worden sind.
Letztlich kann jedoch offen gelassen werden, ob es dem übereinstimmenden
Willen der Parteien entsprach, dass auch der Vertriebspartnervertrag von Klägerin
weitergeführt werden sollte. Jedenfalls entsprach es dem Willen der Parteien,
dass weiterhin eine J._-Markenvertretung besteht und die Klägerin auch
Neufahrzeuge verkaufen konnte. Im Kaufvertrag wurde statuiert, dass der Kläge-
rin das Recht übertragen wurde, als J._ Garage aufzutreten. Für den Weiter-
betrieb und den Wert der Garage erscheint relevant, dass die Klägerin nicht nur
den Service für J._-Fahrzeuge durchführen, sondern auch J._-
Neuwagen verkaufen kann. Dies wurde auch im "Zusammenarbeitsvertrag betref-
fend Ankauf bzw. Vermittlung von Fahrzeugen der Marke J._" vom 3. Januar
2005 vorgesehen (act. 12/3), welcher gemäss Kaufvertrag ausdrücklich zu über-
tragen war.
Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass sich der Beklagte im Rah-
men des Kaufvertrages verpflichtete, den Servicepartnervertrages sowie einen
"Zusammenarbeitsvertrag betreffend Ankauf bzw. Vermittlung von Fahrzeugen
der Marke J._" 3. Januar 2005 auf die Klägerin zu übertragen. Ob auch die
"Übertragung" des Vertriebspartnervertrages geschuldet war, kann dahin gestellt
bleiben.
c. Irrtum über Übertragbarkeit
Die Klägerin macht geltend, dass der Abschluss der zu übernehmenden
Verträge von vornherein nicht möglich gewesen sei (act. 22 Ziff. II.6.2 und II.6.3).
Insoweit habe ein Irrtum betreffend Übertragbarkeit der Verträge bestanden. Auch
der Beklagte geht in seiner Duplik davon aus, dass "solche Verträge nicht über-
tragen werden können" (act. 26 S. 28). Er sieht die Gründe für den fehlenden Ver-
tragsschluss bei der Klägerin (act. 26 S. 31 ff.). Diese habe sich nicht genügend
um einen Vertragsschluss bemüht. Auch aufgrund der fehlenden fachlichen Kom-
petenz sei die Klägerin nicht in der Lage gewesen, einen Servicepartnervertrag
abzuschliessen.
- 40 -
Soweit sich die Klägerin dabei auf die rechtlichen Möglichkeiten der Über-
tragung bezieht, handelt es sich um einen Rechtsirrtum, der kein wesentlicher
sein kann (SCHMIDLIN, a.a.O., N 126 ff. zu Art. 23/24 OR). Bezüglich der Über-
tragbarkeit der konkreten Verträge durch den Beklagten ist auf die vorhergehen-
den Ausführungen zur Vertragsauslegung zu verweisen. Die Klägerin wusste um
den fehlenden Abschluss der Verträge, trotzdem hat sie auch die Aufhebung des
Kaufvertrages verzichtet. Damit ist auch eine Berufung auf einen Irrtum ausge-
schlossen.
4.1.3.4. Irrtum über das Vorliegen eines Gestaltungsplanes
Die Klägerin führt aus, sie habe im Januar 2013 feststellen müssen, dass
der Vermieter mit ihr keinen unbefristeten Mietvertrag abschliessen wolle. Sinn-
gemäss macht sie geltend, sie habe nicht gewusst, dass das Gelände, auf wel-
chem der Garagenbetrieb stehe, in den nächsten Jahren komplett neu überbaut
und das Gebäude, in welchem der Garagenbetrieb untergebracht sei, gemäss
Planung des Vermieters vollständig umgestaltet werden soll (act. 1 Ziff. II.1.3).
Letztlich kann offen gelassen werden, ob die Vermieterin bereit gewesen
wäre, mit der Klägerin einen befristeten Mietvertrag abzuschliessen. Der fehlende
Vertragsabschluss kann ohnehin nicht als Irrtum vorgebracht werden (vgl. vorne
E. 4.1.3.3).
Im Anhang des Kaufvertrages vom 7. Dezember 2015 ist der Mietvertrag
zwischen der N._ Immobilien AG und der J._ Garage vom 8. Juli 2008
enthalten. Damit ist davon auszugehen, dass dieser Mietvertrag der Klägerin bei
Vertragsabschluss bekannt war.
Der Verkäufer hat sich gemäss Ziff. 2 des Kaufvertrages verpflichtet, die
Verträge auf die Käuferin übertragen zu lassen. Die Übertragung eines bestehen-
den Vertrages zwischen zwei Parteien auf eine Drittpartei, in diesem Fall die Käu-
ferin, ist selbstredend ohne Einwilligung aller drei Parteien nicht möglich. Die juris-
tisch beratene Klägern konnte sich daher nicht einfach darauf verlassen, dass die
Verträge ohne ihr Zutun übertragen werden konnten. Es wäre zudem ein Einfa-
- 41 -
ches gewesen, und durchaus üblich in Übernahmeverhandlungen, dass die Klä-
gerin sich bis zum Ablauf des Rücktrittsrechts direkt bei der Vermieterin betref-
fend Übertragung rückversichert.
Selbst wenn sich die Klägerin nach Ablauf des Rücktrittsrecht auf die Ver-
pflichtung gemäss Ziffer 2 verlassen wollte, musste die Klägerin davon ausgehen,
dass bei Nichterfüllung dieser Verpflichtung eine Wandelung des Kaufvertrages
gemäss Ziffer 12 des Kaufvertrages ausgeschlossen ist. Zudem wurde in Ziffer 23
des Kaufvertrages vereinbart, dass die Unmöglichkeit oder Undurchsetzbarkeit
einer Bestimmung die Gültigkeit der übrigen Bestimmungen nicht berührt.
Der Mietvertrag enthält eine feste und unkündbare Mietzeit bis zum
30. September 2014 sowie ein Optionsrecht zugunsten der Mieterin, den Vertrag
um weitere fünf Jahre zu verlängern. Gemäss Mietvertrag hat es die Mieterin so-
mit in der Hand, die Mietdauer bis mindestens zum 30. September 2019 zu ver-
längern. Die allgemeinen Bedingungen zum Mietvertrag sehen in Ziffer 13 die Ab-
tretung des Mietvertrags unter Zustimmung des Vermieters vor. Die Klägerin
konnte somit bei Vertragsabschluss davon ausgehen, dass sie noch mindestens
knapp sieben Jahre in der Liegenschaft verbleiben konnte.
Die Klägerin hat unbestrittenermassen erst im Januar 2013, also nach Ab-
schluss des Kaufvertrages erfahren, dass die Vermieterin das Areal gemäss ei-
nem Gestaltungsplan neu nutzen wollte. Es stellt sich damit die Frage, ob die
Klägerin im Wissen der Pläne der Vermieterin den Kaufvertrag abgeschlossen
hätte.
Ein Mieter hat in der Regel keine Gewähr dafür, dass er ein Gebäude lang-
fristig nutzen kann. Auch der Beklagte hatte einen befristeten Mietvertrag, was der
Klägerin bekannt war. Mit der Übertragung des Mietvertrages hätte der Mietver-
trag nach Ausübung der Option frühestens am 30. September 2019 geendet.
Es ist nach der allgemeinen Lebenserfahrung und nach Treu und Glauben
im Geschäftsverkehr anzunehmen, dass ein Käufer eines laufenden Garagenbe-
triebes nur dann an einer Übernahme interessiert ist, wenn er davon ausgehen
- 42 -
kann, einen Grossteil des Kundenstammes und damit die Einnahmequelle halten
zu können. Dabei spielt der Standort der Garage eine wichtige Rolle. Entschei-
dend ist dabei jedoch nicht der exakt gleiche Standort, sondern dass die Kunden
ohne grossen Mehraufwand einen allfällig neuen Standort erreichen. Der Klägerin
blieb nach Kenntnisnahme der Gestaltungspläne der Vermieterin über sechs Jah-
re Zeit, um einen alternativen Standort in der Nähe des bisherigen Standorts zu
suchen, was durchaus realistisch und verhältnismässig erscheint. Ein diesbezüg-
licher Irrtum ist daher als nicht wesentlich für die Willensbildung der Klägerin ein-
zustufen. Selbst wenn ein Standortwechsel Kosten und Umtriebe verursacht,
kann dies alleine keinen Grundlagenirrtum begründen.
4.1.3.5. Absichtliche Täuschung
Neben dem Irrtum macht die Klägerin auch geltend, durch den Beklagten
über die Wirtschaftlichkeit und den Wert der Garage sowie die Weiterführung der
Verträge getäuscht worden (act. 1 Ziff. II.2.1; act. 22 Ziff. II.4). Der Beklagte be-
streitet, dass er die Klägerin beim Verkauf der Garage getäuscht haben soll
(act. 26 Ziff. 4.24 ff.).
Da die Wesentlichkeit des geltend gemachten Irrtums bei einer absichtlichen
Täuschung nicht vorausgesetzt wird, ist eine solche auch dann möglich, wenn
kein Irrtum besteht, welcher die Anfechtung des Vertrages erlauben würde. Das
Vorliegen der Täuschung ist dabei durch die Klägerin zu beweisen (vgl. vorne
E. 4.1.2.2).
a. In Bezug auf den Wert der Garage gilt auch bei der Täuschung, dass es
grundsätzlich der Käuferin obliegt, den Preis zu prüfen. Insbesondere ist darauf
hinzuweisen, dass es sich bei der Nennung des Unternehmenswerts um eine An-
preisung handeln kann. Die Klägerin wirft dem Beklagten vor, er hätte mit dem
Wert von CHF 571'300.–, der im Angebot der I._ AG gestanden habe, eine
weit über dem tatsächlichen Wert liegende Angabe gemacht, welche in die Beur-
teilung durch die Klägerin eingeflossen sei (act. 1 Ziff. II.2.1).
- 43 -
Entscheidend ist vorliegend, dass der Beklagte nicht nur den Wert der Un-
ternehmung sondern auch die Berechnungsgrundlagen genannt hat (act. 3/3
S. 16 ff.). Es war der Klägerin bzw. ihrem Berater gestützt darauf möglich, sich ein
eigenes Bild des Unternehmenswerts zu machen. Eine solche Berechnung hat
G._ denn auch erstellt (act. 3/4 Ziff. 4). Die Täuschungsabsicht des Beklag-
ten leitet die Klägerin daraus ab, dass der Beklagten nach ihrem Dafürhalten hätte
erkennen müssen, dass der berechnete Unternehmenswert weit über dem tat-
sächlichen Wert liege (act. 22 Ziff. II.4.2) und dass ihm eine realistischere interne
Schätzung vorgelegen haben soll (act. 1 Ziff. II.2.1.2). Darin ist jedoch kein sub-
stantiierter Beweis zu sehen. Vielmehr ist hier davon auszugehen, dass der Klä-
gerin aufgrund der Offerte von G._ und den darin enthaltenen unterschiedli-
chen Bewertungen, bewusst sein musste, dass es sich beim Unternehmenswert
nicht um einen absolut richtigen Wert handeln kann. Entsprechend konnte sie
darüber nicht getäuscht werden. Auch konnte die Preisvorstellung durch die Of-
fenlegung der Berechnungsgrundlage überprüft werden, sodass selbst eine inter-
ne Berechnung nichts an der fehlenden Täuschungsabsicht ändern könnte. Die
beantragte Edition ist folglich nicht erforderlich.
Insgesamt ist aufgrund der verschiedenen Wertberechnungen und der Of-
fenlegung der Grundlagen durch den Beklagten die absichtliche Täuschung zu
verneinen.
b. Auch über die weiterzuführenden Verträge mit der Vermieterin und der
K._/J._ wurde die Klägerin im vorliegenden Fall nicht getäuscht. Wie
ausgeführt, war es der Klägerin bewusst, dass Unsicherheiten in Bezug auf die
Übertragung der Verträge bestehen. Entsprechend hat sie sich durch die Rück-
trittsklausel abgesichert (vgl. vorne E. 4.1.3.3.a.dd). Inwiefern der Beklagte die
Klägerin mit der Aussage eine Fortführung der Verträge sei möglich, getäuscht
haben soll, ist daher nicht ersichtlich.
c. Schliesslich bringt die Klägerin vor, getäuscht worden zu sein, indem der
Beklagte die Übertragung von Kunden versprochen habe, welche jedoch Kunden
der K._ seien (act. 1 Ziff. II.2.1.4). Hierzu gilt zu sagen, dass Kunden nicht
gezwungen werden können, eine bestimmte Garage aufzusuchen, was als allge-
- 44 -
mein bekannt anzusehen ist. Die Übertragung von Kunden kann daher einzig die
Bekanntgabe von Kundendaten beinhalten, wie dies im Firmenprofil ausdrücklich
ausgeführt wird (act. 3/3 S. 7). Eine Täuschung über diesen Punkt ist daher nicht
möglich.
e. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Klägerin bei Vertragsschluss
durch den Beklagten nicht getäuscht worden ist. Auch dies stellt damit keinen
Grund dar, welcher der Klägerin die Anfechtung des Kaufvertrages erlauben wür-
de.
4.1.3.6. Zusammenfassung
Aus dem Gesagten erhellt sich, dass die Klägerin sich bezüglich des Kauf-
vertrages vom 7. Dezember 2012 nicht auf einen Irrtum berufen kann. Der Wert
der Garage stellt eine Tatsache dar, über die verhandelt wird, weshalb darin kein
Irrtum bestehen kann.
Weiter ist aufgrund der vertraglichen Regelung davon auszugehen, dass
sich beide Parteien über die Unsicherheiten bezüglich der Übertragung der Ver-
träge bewusst waren. Die Klägerin hat sich dabei mit einer Rücktrittsklausel abge-
sichert. Nachdem sie von ihrem Recht keinen Gebrauch gemacht hat, kann sie
sich nicht nachträglich auf einen Irrtum berufen.
Schliesslich ist das Vorliegen eines Gestaltungsplanes und der damit ver-
bundene allfällige Umzug einige Jahre später nicht als wesentliche Grundlage des
Vertrages anzusehen. Die Klägerin kann sich daher auch nicht darauf berufen.
Eine Täuschung durch den Beklagten kann die Klägerin ebenso nicht be-
weisen.
4.2. Willensmängel beim Abschluss der Zusatzvereinbarung
Die Klägerin macht auch im Zusammenhang mit dem Abschluss der Zusatz-
vereinbarung vom 8. Februar 2013 das Vorliegen von Willensmängeln geltend.
- 45 -
Dabei gehen beide Parteien davon aus, dass der Zusatzvereinbarung neben
dem Kaufvertrag keine selbständige Bedeutung zukommt. Diese regelt einzig die
Modalitäten der Abwicklung des Kaufvertrages. Und die Übergangsphase bis zur
Übertragung des Eigentums. Selbst wenn von einem Irrtum der Klägerin auszu-
gehen wäre, würde dies aber nichts an der Gültigkeit des Kaufvertrages ändern.
Soweit dieser Vertrag gültig ist, kann die von der Klägerin angestrebte Rückab-
wicklung nicht erfolgen. Entsprechend ist die Klage ohnehin abzuweisen, so dass
offen gelassen werden kann, ob die Klägerin beim Abschluss der Zusatzvereinba-
rung einem Irrtum erlegen ist.
Immerhin ist zu bemerken, dass der Klägerin die Unsicherheiten bei der
Übertragung im Zeitpunkt des Vertragsschlusses bekannt waren, zumal dies ge-
rade der Grund für den Abschluss der Zusatzvereinbarung war (vorne E. 3.4.2).
Ausserdem kannte sie nach eigenen Angaben den Gestaltungsplan bereits seit
Januar 2013 und damit ebenfalls vor dem Abschluss der Zusatzvereinbarung
(vorne E. 4.1.3.4).
4.3. Zusammenfassung
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Klägerin beim Abschluss des
ursprünglichen Kaufvertrages und damit auch beim Abschluss der davon abhän-
gigen der Zusatzvereinbarung nicht in einem Grundlagenirrtum im Sinne von
Art. 24 Ziff. 4 OR befunden hat. Da der Kaufvertrag weiterhin gültig ist, ist die von
der Klägerin geleistete Zahlung auch nicht zurück zu erstatten. Entsprechend ist
der Antrag der Klägerin in diesem Umfang abzuweisen.
Die Klägerin hat dem Beklagten innert Jahresfrist mehrmals mitgeteilt, dass
sie die beiden Verträge zufolge Willensmangel nicht einhalten will: z. B. mit den
Schreiben vom 7. Oktober 2013 (act. 3/16), vom 1. November 2013 (act. 3/18),
vom 19. November 2013 (act. 3/20). Die Irrtumsanfechtung ist somit rechtzeitig
innert der Frist von Art. 31 OR erfolgt.
- 46 -
5. Minderheitsmeinung
Eine Minderheit des Gerichts gab einen abweichenden Antrag zu Protokoll
(act. 35).
6. Rückzahlung des Darlehens
Die Klägerin fordert sodann einen Betrag von CHF 92'356.15 zuzüglich Zins
zu 5% seit 6. September 2013 zurück, den sie als Darlehen auf das auf den Be-
klagten lautende Firmenkonto Nr. ... bei der Zürcher Kantonalbank überwiesen
habe. (act. 22 Ziff. II.11.1; act. 26 Ziff. 4.54 S. 46). Der Beklagte bestreitet nicht,
dass die Klägerin Geldbeträge auf dieses Firmenkonto überwiesen habe. Es habe
sich dabei jedoch nicht um ein Darlehen gehandelt.
6.1. Qualifikation der Zahlung
6.1.1. Parteistandpunkte
6.1.1.1. Klägerin
Die Klägerin stellt sich auf den Standpunkt, dass es sich bei der Zahlung um
ein Darlehen an den Beklagten gehandelt habe. Das Firmenkonto laute auf den
Namen des Beklagten. Mit dem Darlehen hätte die für den Geschäftsbetrieb not-
wendige Liquidität geschaffen werden sollen. Ein schriftlicher Vertrag habe nicht
bestanden, dies sei aber auch nicht nötig. Aus Sicht der Klägerin sei klar gewe-
sen, dass es sich um ein Darlehen handle. Sie habe die Zahlung auf dem Kun-
denbeleg so bezeichnet und sie sei auch in der Buchhaltung des Beklagten so ge-
führt worden. Für ein Darlehen spreche sodann die Tatsache, dass je nach finan-
zieller Lage Rückzahlungen stattgefunden hätten (act. 1 Ziff. II.5; act. 22
Ziff. II.11.1).
6.1.1.2. Beklagter
Der Beklagte bestreitet das Vorliegen eines Darlehens. Die Überweisung
des Geldbetrages erfülle die Voraussetzungen eines Darlehens nicht, man hätte
sich nie über die wesentlichen Punkte eines Darlehensvertrages geeinigt. Der Be-
- 47 -
klagte habe nie Alleineigentum am Geld erlangt, zumal die Inhaber der Klägerin
Zugriff auf das besagte Firmenkonto gehabt hätten. Mit der Überweisung sei Kapi-
tal bereitgestellt worden, um damit arbeiten zu können. Die Inhaber der Klägerin
hätten das Geld auch dafür benutzt, insbesondere hätten sie die Zahlungen an
die Klägerin, gemeinsam mit den Sekretärinnen, ausgelöst. Die eingereichten Un-
terlagen würden dies auch nicht zu beweisen vermögen. So könne der Zahlungs-
beleg einzig die Einzahlung des Betrages nachweisen. Ausserdem sei, wie Frau
O._ bestätige, das Kontoblatt im Auftrag von E._ eröffnet worden, dies
deute ebenfalls nicht auf eine Vereinbarung hin (act. 26 Ziff. 4.54 ff.).
6.1.2. Rechtliches
Ein Darlehensvertrag beinhaltet, dass der Darlehensgeber dem Darlehens-
nehmer das Eigentum an Geld (oder einer anderen vertretbaren Sache) überträgt
und letzterer sich zur Rückerstattung des Betrages verpflichtet (Art. 312 OR). Ein
Darlehensvertrag kommt zustande, wenn sich die Parteien über die wesentlichen
Punkte einig sind, die Übergabe des Darlehensbetrages ist hingegen keine Vo-
raussetzung (ROLF H. WEBER, Berner Kommentar, Das Darlehen, Art. 312-318
OR, Bern 2013, N 19 ff. zu Art. 312 OR). Wesentliche Pflicht des Darleihers ist die
Eigentumsverschaffung an der Darlehenssumme und die Verpflichtung, dem Ent-
leiher das Eigentum während der Darlehensdauer zu erhalten (SCHÄRER/MAUREN-
BRECHER, in: HONSELL/VOGT/WIEGAND, BSK OR I, a.a.O., N 6 zu Art. 312 OR).
Demgegenüber trifft den Borger die Rückerstattungspflicht, sowie die Zinspflicht,
wenn dies verabredet oder üblich ist (Art. 313 OR; WEBER, a.a.O., N 62 zu
Art. 312 OR; SCHÄRER/MAURENBRECHER, a.a.O., N 11 zu Art. 312 OR und N 1 ff.
zu Art. 313 OR). Eine Formvorschrift für den Abschluss eines Darlehens sieht das
Gesetz nicht vor. Demzufolge kommt ein Vertrag gestützt auf Art. 16 OR formfrei
zustande, insbesondere ist ein mündlicher oder konkludenter Vertragsschluss
möglich (INGEBORG SCHWENZER, in: HONSELL/VOGT/WIEGAND, BSK OR I, a.a.O.,
N 5 zu Art. 16 OR; WEBER, a.a.O., N 22 zu Art. 312 OR).
Den Beweis für das Vorliegen eines Darlehens hat der Darlehensgeber zu
erbringen. Er hat sowohl die Auszahlung der Darlehensvaluta als auch das Be-
stehen einer Rückzahlungsverpflichtung zu beweisen. Alleine der Beweis der
- 48 -
Auszahlung genügt hingegen nicht. Unter Umständen kann aber auch dies bereits
ein genügendes Indiz für den Abschluss eines Darlehensvertrages darstellen
(WEBER, a.a.O., N 90 zu Art. 312 OR). Dies insbesondere dann, wenn es sich um
die einzige vernünftige Erklärung für die Auszahlung des Geldes handelt (BGE 83
II 209 = Pra. 47 (1958) Nr. 81, E. 2).
6.1.3. Würdigung
Klar ist vorliegend einzig, dass die Klägerin am 8. März 2013 den Betrag von
CHF 120'000.– auf das Geschäftskonto bezahlt hat, welches auf den Beklagten
lautet (act. 23/11). Über dieses Konto ist sodann der Geschäftsbetrieb ab dem
1. März 2013 abgewickelt worden (act. 22 Ziff. II.11.3; act. 26 Ziff. 4.61).
Hingegen ist zu klären, ob sich die Parteien in irgendeiner Form über den
Rechtsgrund der Zahlung und eine allfällige Rückzahlung geeinigt haben. Eine
schriftliche Vereinbarung wird nicht behauptet und ist aus den Akten auch nicht
ersichtlich. Insbesondere ist in der am 8. Februar 2013 - also einen Monat vor der
Zahlung - abgeschlossenen Zusatzvereinbarung keine entsprechende Vereinba-
rung enthalten. Darin ist aber auch kein anderer Zahlungsgrund enthalten, zumal
sich die Parteien einig sind, dass es sich nicht um eine Kaufpreiszahlung gehan-
delt hat (act. 3/7). Diese sind jeweils auf ein anderes Konto des Beklagten geflos-
sen (act. 27/65). Eine mündliche Vereinbarung über die Gewährung eines Darle-
hens wird von der Klägerin zwar geltend gemacht, aber nicht weiter begründet
(act. 22 Ziff. II.11.1 S. 23).
Entsprechend stellt sich einzig die Frage, ob ein Darlehensvertrag durch
konkludentes Verhalten zu Stande gekommen ist, oder ob allenfalls ein anderer
Rechtsgrund für die Zahlung bestand. Von einer grundlosen Zahlung kann auf-
grund des Betrages nicht ausgegangen werden. In der Klagebegründung führt die
Klägerin einzig aus, dass sie das Darlehen gewährt habe (act. 1 Ziff. II.5). Auch in
der Replik nennt sie zum Beweis lediglich die Dokumente, welche den Geldfluss
belegen sollen (act. 22 Ziff. II.11.1). Für die Darstellung der Klägerin spricht der
Kundenbeleg der ZKB vom 8. März 2013 (act. 23/11 untere Hälfte). Darin wird die
Zahlung ausdrücklich als "kurzfristiges Darlehen" bezeichnet. Bei der Bezeich-
- 49 -
nung auf der Quittung handelt es sich allerdings um den, von der Klägerin ge-
wählten, Zahlungsgrund. Dieser stellt einzig eine interne Bezeichnung für den
Kontoinhaber dar. Wie auf dem Auszug betreffend der Einzahlung auf das Konto
des Beklagten bzw. der Garage ersichtlich ist, erscheint diese Bezeichnung dort
nicht (act. 23/11 obere Hälfte). Alleine die klägerische Bezeichnung führt folglich
nicht zu einer rechtsverbindlichen Vereinbarung. Immerhin zeigt sie, dass die Klä-
gerin bereits bei der Zahlung der CHF 120'000.– von einem Darlehen ausgegan-
gen ist.
Daneben stützt sich die Klägerin auf ein Kontoblatt aus der Buchhaltung des
Beklagten, welches als Konto Nr. 2512, "Darlehen A._", bezeichnet ist
(act. 3/14). Der Kläger bestreitet die Echtheit dieses Kontoblattes. Dieses habe
E._ durch die Sekretärin, O._, erstellen lassen. Ihm sei es nicht bekannt
gewesen und er habe es abändern lassen, nachdem er am 6. Januar 2014 davon
Kenntnis erlangt habe (act. 10 Ziff. 13 S. 15). Das Kontoblatt ist ebenfalls ein In-
diz, das für die Darstellung der Klägerin spricht. Dies vor allem, da es zur Buch-
haltung des Beklagten zählt, welche durch den Inhaber der Einzelunternehmung
zu führen ist (Art. 957 Abs. 1 Ziff. 1 OR). Vorliegend erscheint zumindest erstaun-
lich, dass der Beklagte erst im Januar 2014, also rund zehn Monate nach Eingang
der Zahlung, vom Kontoblatt erfahren haben will. Immerhin ist davon auszugehen,
dass die Buchhaltung mehr oder weniger aktuell gehalten wird, da ansonsten be-
reits das Tagesgeschäft massiv erschwert wird. Hinzu kommt, dass der Beklagte -
obwohl dies von der Klägerin bemängelt wurde (act. 22 Ziff. II.11.1 S. 24) - keine
Erklärung vorbringt, unter welchem Titel der Betrag seines Erachtens zu verbu-
chen gewesen wäre. Der Beklagte führt zur korrekten Verbuchung einzig aus,
diese ergebe sich aus dem Jahresabschluss (act. 26 Ziff. 4.56 S. 50). Aus der Bi-
lanz für das Jahr 2013 ist aber nicht ersichtlich, worunter die Zahlungen verbucht
worden sind (act. 27/53 S. 7). Auch äussert er sich nicht dazu, worunter die Bu-
chung vor der Erstellung des Kontoblattes "Darlehen A._" aufgeführt war,
zumal die Zahlung der Klägerin Mitte März 2013 erfasst werden musste. Die Sek-
retärin O._, die das Kontoblatt angeblich erstellt haben soll, arbeitete jedoch
erst ab Mitte April 2013 für den Garagenbetrieb des Beklagten (act. 27/68).
- 50 -
Wie die Bezeichnung auf dem Zahlungsbeleg der Klägerin, kann aber auch
die interne Bezeichnung durch den Beklagten kein Beweis für die Rechtsnatur der
Zahlung darstellen. Entsprechend erscheint auch nicht relevant, wer ein allfälliges
Konto "Darlehen A._" eröffnet bzw. den Auftrag dazu erteilt hat und welcher
Beweiswert der Bestätigung der Sekretärin O._ zukommt. Folglich kann auf
die angebotene Befragung der beiden Sekretärinnen, O._ und P._, ver-
zichtet werden, zumal diese einzig als Zeugen für diese Frage angeboten wurden
(act. 26 Ziff. 4.58) und keine Aussage zu einer allfälligen Einigung zwischen den
Parteien machen könnten.
Weiter spricht für die klägerische Darstellung, dass ein solcher Betrag nicht
ohne Weiteres an einen Dritten bezahlt wird. Vielmehr wird im Geschäftsverkehr
in aller Regel von einer Rückzahlung ausgegangen, solange der Beitrag nicht
ausdrücklich ohne diese Erwartung überwiesen wird. Das musste auch dem Be-
klagten bewusst sein, sodass dieser die Zahlung zumindest nicht als Schenkung
ansehen durfte. Sodann musste ihm der Eingang auf dem Firmenkonto aufgefal-
len sein, immerhin wies das Konto am 15. März 2013 einen Saldo von
CHF 36'130.65 auf (act. 27/67 S. 1), womit ohne die Einzahlung der Klägerin ein
negativer Saldo bestanden hätte. Auch ist auf die späteren Rückzahlungen zu
verweisen, welche nach dem Dafürhalten der Klägerin ebenfalls für das Vorliegen
eines Darlehens sprechen (act. 22 Ziff. II.11.1 S. 24). Selbst wenn diese Zahlun-
gen durch die Inhaber der Klägerin ausgelöst wurden (so der Beklagte, act. 26
Ziff. 4.55 S. 48), so hat der Beklagte sich diese anzurechnen. Die Inhaber der
Klägerin haben den Zugriff auf das entsprechende Konto als Mitarbeiter des Be-
klagten erhalten, nicht als Inhaber der Klägerin. Entsprechend hat sich der Be-
klagte ausgeführte Zahlungen entgegen zu halten. Ohnehin musste dem Beklag-
ten bekannt sein, dass zwischen seinem Geschäftskonto und dem Konto der Klä-
gerin verschiedene Geldbeträge hin- und hergeschoben worden sind. Selbst
wenn er die ursprüngliche Zahlung als Betriebsbeitrag angesehen haben will, so
hätte er spätestens nach der ersten Rückzahlung vom 19. März 2013
(CHF 50'000.–, act. 27/67 S. 1) die Sachlage klären müssen, zumal die Klägerin
nach seinem Dafürhalten keinen Rückzahlungsanspruch gehabt hätte. Seine Un-
tätigkeit kann daher als Einverständnis gedeutet werden.
- 51 -
Der Beklagte bringt vor, dass ein Darlehen von vornherein wegfalle, da die-
ses die Eigentumsverschaffung am geliehenen Betrag beinhalte. Im vorliegenden
Fall hätten die Inhaber der Klägerin ebenfalls Zugriff auf das Konto gehabt, wes-
halb er nie Alleineigentümer des Geldes geworden sei (act. 26 Ziff. 4.54). Zutref-
fend ist, dass die Eigentumsverschaffung als wesentlicher Punkt eines Darlehens
anzusehen ist (WEBER, a.a.O., N 26 zu Art. 312 OR). Entgegen der Meinung des
Beklagten, hat er aber das Alleineigentum an den überwiesenen Beträgen erlangt.
Das in Frage stehende Konto lautete alleine auf den Beklagten. Zwar ist aus der
Unterschriftenregelung ersichtlich, dass auch E._ und D._ mit Kollek-
tivunterschrift über das Konto verfügen konnten (act. 27/76.1). Dieser mögliche
Zugriff ändert jedoch nichts an den Eigentumsverhältnissen. Die Parteien haben
vereinbart, dass der Beklagte die Garage weiterhin als Einzelunternehmung be-
treibt, und das Eigentum erst am 1. März 2015 übergeht (vgl. vorne E. 3.3.3.2.).
Bis zu diesem Zeitpunkt ist der Beklagte als Eigentümer der Gelder auf dem Ge-
schäftskonto anzusehen (dazu auch MEIER-HAYOZ/FORSTMOSER, a.a.O., § 15
N 48). Die Inhaber der Klägerin wurden durch den Beklagten angestellt. In dieser
Rolle wurde ihnen der Zugriff auf das Konto gewährt. Eine solche Vollmacht ist
auch bei einer Einzelunternehmung ohne weiteres möglich (MEIER-
HAYOZ/FORSTMOSER, a.a.O., § 26 N 15) und vermag an den Eigentumsverhältnis-
sen nichts zu verändern. Dasselbe gilt auch für eine Zweckbindung des Darle-
hens (act. 26 Ziff. 4.56 S. 49), welche ebenso zulässig ist.
Auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht kann von einem Darlehen ausge-
gangen werden. Die Einzahlung von CHF 120'000.– wird auf der Aktivseite der Bi-
lanz der Einzelfirma als Liquidität verbucht worden sein. Auf der Passivseite der
Bilanz muss zwingend eine Gegenbuchung stattgefunden haben. Es wurde von
keiner Partei behauptet, dass das Eigenkapital durch diese Zahlung erhöht wor-
den sei. Dies ist aus den eingereichten Unterlagen auch nicht ersichtlich. Von da-
her muss auf der Passivseite der Bilanz von einer Erhöhung des Fremdkapitals
ausgegangen werden, was klar für die Gewährung eines Darlehens spricht, un-
abhängig davon, für welche Zwecke der Einschuss von liquiden Mitteln erfolgt ist.
- 52 -
Bei der Beurteilung der Zahlung der Klägerin ist schliesslich die Zusatzver-
einbarung vom 8. Februar 2013 und die darin vereinbarte stille Gesellschaft mit
einzubeziehen (vgl. vorne E. 3.3.3.2.). Die Zahlung könnte gestützt auf das Ge-
sellschaftsrecht als Beitrag der Klägerin zum gemeinsamen Betrieb des Gewer-
bes angesehen werden. Dabei ist massgebend, wer während der Geltungsdauer
der Zusatzvereinbarung als Betreiber der Garage gilt und entsprechend die Kos-
ten zu tragen hat. Die Entscheidungsbefugnis wurde durch die Vereinbarung
praktisch auf die Klägerin übertragen, indem den beiden Inhabern sowie dem Be-
klagten je eine Stimme zukommen soll. Allerdings entspricht die Organisation wei-
terhin einer Einzelunternehmung. Insbesondere arbeiteten die Inhaber der Kläge-
rin als Angestellte für den Beklagten, wobei der Beklagte betont, dass dies keine
pro forma-Anstellungen waren (act. 10 Ziff. 13 S. 13). Auch sind sämtliche Verträ-
ge, Konten etc. weiterhin auf seinen Namen gelaufen. Schliesslich kommt hinzu,
dass vereinbart worden ist, dass die Klägerin Nutzen und Gefahr der Garage zu
tragen hat. Allerdings sollten diese ausdrücklich erst nach der Bezahlung des vol-
len Kaufpreises rückwirkend übergehen (act. 3/7 Ziff. 1 c). Dies bedeutet aber
auch, dass der Beklagte bis zu diesem Zeitpunkt die Kosten der Garage selber zu
tragen hat, was er auch bestätigt (act. 10 Ziff. 13 S. 14). Entsprechend hat die
Klägerin zuvor keine Pflicht, Gelder in die Garage einzuschiessen, weshalb dies
nicht der Grund für die Zahlung sein kann.
Die bezüglich des Vorliegens eines Darlehens offerierte Befragung des Be-
klagten (act. 26 Ziff. 4.56), erscheint nicht zielführend. Die Parteibefragung richtet
sich nach Art. 191 ff. ZPO. Dabei unterliegen die Aussagen der freien Beweiswür-
digung durch das Gericht (vgl. HEINRICH ANDREAS MÜLLER in: BRUN-
NER/GASSER/SCHWANDER, Schweizerische Zivilprozessordnung, Kommentar, Zü-
rich 2011, N 31 zu Art. 191 ZPO). Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei einer
Parteiaussage der Beweiswert meist gering ist und mit weiteren Beweismitteln zu
unterlegen wäre (MÜLLER, a.a.O., N 33 zu Art. 191 ZPO). Da nicht davon ausge-
gangen werden kann, dass der Beklagte im Rahmen der Parteieinvernahme von
seiner Darstellung in der Rechtsschriften abweichen wird, er aber auch keine wei-
teren Beweismittel nennt, kann in antizipierter Vorwegnahme des Beweisresultats
davon ausgegangen werden, dass dem Beklagten der Beweis eines anderen
- 53 -
Zahlungszwecks nicht gelingen kann. Entsprechend ist auf die Einvernahme zu
verzichten.
Aus dem Gesagten erhellt, dass für die Zahlung der Klägerin kein anderer
Rechtsgrund als ein Darlehensverhältnis in Frage kommt, zumal aufgrund der rein
geschäftlichen Beziehung nicht von einer Schenkung ausgegangen werden darf.
Da die Klägerin die Bezahlung des Darlehensbetrages sowie einzelne Rückzah-
lungen bewiesen hat, ist gestützt auf die gesamten Umstände von einem Darle-
hen der Klägerin an den Beklagten auszugehen. Entsprechend trifft den Beklag-
ten im Sinne von Art. 312 OR die Pflicht, den erhaltenen Betrag zurück zu erstat-
ten.
6.2. Höhe der Darlehensschuld
6.2.1. Grundlegender Sachverhalt
Unbestritten ist, dass die Klägerin am 8. März 2013 CHF 120'000.– auf das
Konto des Beklagten einbezahlt hat. Über die weitere Entwicklung der Darlehens-
summe, sowie den gegenwärtig geschuldeten Betrag, sind sich die Parteien dem-
gegenüber nicht einig.
6.2.2. Parteistandpunkte
6.2.2.1. Klägerin
Die Klägerin führt aus, dass sich die Höhe der offenen Darlehensschuld auf
CHF 90'000.– sowie CHF 2'356.15 aufgelaufenen Zins bis 6. September 2013 zu-
züglich Zins zu 5% seit 6. September 2013 beläuft. Nach der ursprünglichen Dar-
lehenszahlung seien weitere Zahlungen im Umfang von CHF 61'500.– und Rück-
zahlungen im Umfang von CHF 91'500.– erfolgt. Dies ergebe einen Restbetrag
von CHF 90'000.–. Sie verweist dazu auf das Kontoblatt aus der Buchhaltung der
Beklagten (act. 3/14) und den Kontoauszug ihres Firmenkontos (act. 3/26; act. 1
Ziff. II.5, act. 22 Ziff. II.11.4). Weiter bringt sie vor, dass es sich bei verschiedenen
Zahlungen vom beklagtischen auf das klägerische Konto nicht um Darlehensrück-
- 54 -
zahlungen, sondern um Kaufpreiszahlungen für verschiedene Occasionsfahrzeu-
ge gehandelt habe (act. 22 Ziff. II.11.4).
6.2.2.2. Beklagter
Der Beklagte hält in der Klageantwort einzig fest, dass er von allfällig einge-
schossenem Geld nicht bereichert sei. Dieses sei für den Geschäftsbetrieb ver-
wendet worden, und die Inhaber der Klägerin hätten sich daran gütlich getan
(act. 10 Ziff. 43). Replikando bestreitet er die weiteren Zahlungen (act. 26
Ziff. 4.55 S. 48). Die Klägerin würde sich in ihrer Argumentation widersprechen,
zumal sie ursprünglich von einem Darlehen von CHF 120'000.– ausgehe, letztlich
aber einen Betrag von CHF 90'000.– nenne. Ausserdem hätten die Inhaber der
Klägerin verschiedene private Bezüge getätigt (act. 26 Ziff. 4.61 S. 54 f.). Der
Restbetrag auf dem Konto, der aus der gemeinsamen Tätigkeit stammt, belaufe
sich auf CHF 113.38, woraus sich ergebe, dass der Beklagte heute nicht berei-
chert sei (act. 26 Ziff. 4.62). Schliesslich bestreitet der Beklagte die von der Kläge-
rin vorgebrachten Kaufpreiszahlungen für Fahrzeuge. Er habe diese Fahrzeuge
nie gekauft (act. 26 Ziff. 4.62.1 ff.).
6.2.3. Rechtliches
Die Hauptpflicht des Borgers besteht in der Rückerstattung der Darlehens-
valuta (WEBER, a.a.O., N 62 zu Art. 312 OR). Der rückzahlungspflichtige Betrag
bei einem Darlehen ergibt sich aus dem Saldo der gewährten Darlehensbeträge
und den getätigten Rückzahlungen. Die Beweislast für die Höhe der Rückzah-
lungsverpflichtung obliegt dem Darleiher (SCHÄRER/MAURENBRECHER, a.a.O., N 34
zu Art. 318 OR). Demgegenüber sind die erfolgten Rückzahlungen gestützt auf
Art. 8 ZGB durch den Darlehensnehmer zu beweisen.
6.2.4. Würdigung
a. Wie zuvor ausgeführt (vorne E. 4.2.3.), ist die Zahlung der Klägerin vom
8. März 2013 als Darlehen anzusehen. Entsprechend schuldet der Beklagte die
Rückzahlung des Restbetrages. Das Vorbringen des Beklagten, er sei von dieser
Zahlung nicht mehr bereichert, ist nicht zu hören. Dies ist bei der Gewährung ei-
- 55 -
nes Darlehens irrelevant, da die Rückerstattungspflicht unabhängig von einer Be-
reicherung besteht. Auch ist entgegen den Ausführungen des Beklagten in der
klägerischen Darstellung kein Widerspruch zu sehen, zumal sie ein ursprüngli-
ches Darlehen von CHF 120'000.– und einen zur Rückzahlung offenen Restbe-
trag von CHF 90'000.– geltend macht. Dass diese Beträge nicht übereinstimmen
müssen, ist aufgrund der Möglichkeit von Teilzahlungen evident.
b. Die von der Klägerin vorgebrachten Zahlungen ergeben sich sowohl aus
dem Kontoblatt aus der Buchhaltung des Beklagten (act. 3/14), als auch aus dem
Kontoauszug des Firmenkontos der Klägerin (act. 3/26), wobei bezüglich der Dar-
lehenseigenschaft von weiteren Zahlungen an den Beklagten, auf das zuvor Ge-
sagte verwiesen werden kann (vorne E. 4.2.3.). Diese Zahlungen werden vom
Beklagten nicht substantiiert bestritten (act. 26 Ziff. 5 S. 59). Er beschränkt sich
darauf, zu wiederholen, dass das Kontoblatt nicht massgebend sei (act. 26
Ziff. 4.62 S. 55). Nachdem es sich um ein Darlehen handelt, erscheint das Kon-
toblatt ohne Weiteres als mögliches Beweismittel um die Höhe der Forderung zu
belegen. Immerhin bringt der Beklagte auch bezüglich der weiteren Einzahlungen
nicht vor, worunter diese "richtigerweise" zu verbuchen gewesen wären. Aus dem
Kontoblatt (act. 3/14) ergeben sich folgende Zahlungen der Klägerin, wobei aus
dem Kontoauszug der Klägerin (act. 3/26) und teilweise aus demjenigen des Be-
klagten (act. 27/67) ersichtlich ist, dass diese Zahlungen tatsächlich geflossen
sind:
8. März 2013 CHF 120'000.– (act. 3/26 S. 3; act. 3/27; act. 3/14) 29. April 2013 CHF 30'000.– (act. 3/26 S. 2; act. 3/14) 3. Mai 2013 CHF 11'500.– (act. 3/26 S. 2; act. 3/14) 6. September 2013 CHF 20'000.– (act. 3/26 S. 1; act. 3/14) Total: CHF 181'500.– (act. 3/14)
c. Die Klägerin anerkennt, dass der Beklagte teilweise Rückzahlungen geleis-
tet hat. Diese ergeben sich ebenfalls aus den vorgenannten Dokumenten:
19. März 2013 CHF 50'000.– (act. 3/26 S. 2; act. 3/14; act. 27/67 S. 1) 4. Juni 2013 CHF 5'000.– (act. 3/26 S. 2; act. 3/14; act. 27/67 S. 3) 26. August 2013 CHF 26'500.– (act. 3/26 S. 1; act. 3/14; act. 27/67 S. 6) 27. August 2013 CHF 10'000.– (act. 3/26 S. 1; act. 3/14; act. 27/67 S. 6)
Total: CHF 91'500.– (act. 3/14)
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Daraus, dass nicht alle Transaktionen - insbesondere fehlen die Zahlungen der
Klägerin - auf dem Kontoauszug des Beklagten verzeichnet sind, lässt sich nichts
herleiten. Es ist offensichtlich, dass dieser den Kontoauszug nur auszugsweise
eingereicht hat. So sind darin zum Beispiel zwischen dem 25. März 2013 und dem
24. Mai 2013 keinerlei Zahlungen enthalten, wobei der Saldo sich verändert hat.
Daraus wird ersichtlich, dass verschiedene Seiten fehlen und der Beklagte nur ei-
nen Teil eingereicht hat (act. 27/67 S. 1 f.).
Soweit der Beklagte mit seinen Ausführungen geltend machen will, die priva-
ten Bezüge der Inhaber der Klägerin seien auf die Darlehensvaluta anzurechnen
(act. 26 Ziff. 4.61), so ist er damit nicht zu hören. Allfällige private Bezüge betref-
fen das Verhältnis zwischen dem Beklagten und den Gebrüdern DE._. Ge-
genüber der Klägerin kann er diese Beträge nicht anrechnen lassen, da es an der
Identität der Parteien fehlt.
Darüber hinaus macht der Beklagte Rückzahlungen im Umfang von
CHF 34'900.– geltend (act. 26 Ziff. 4.55 S. 48 und 4.62 ff.). Dabei handelt es sich
um drei Zahlungen, die nachgewiesenermassen vom Beklagten an die Klägerin
bezahlt worden sind (act. 3/26 S. 2). Am 27. Mai 2013 erfolgte eine Zahlung von
CHF 2'800.–, am 1. Juli 2013 eine solche von CHF 24'100.– und am 13. August
2013 wurden CHF 8'000.– vom Konto des Beklagten auf dasjenige der Klägerin
überwiesen. Dies ergibt sich aus dem Kontoauszug der Klägerin, sowie aus dem-
jenigen des Beklagten (act. 3/26 S. 2; act. 27/67 S. 2, 4 und 5). Nach dem Dafür-
halten der Klägerin handelt es sich dabei um Zahlungen für verschiedene Occasi-
onsfahrzeuge. Als Beweismittel nennt die Klägerin eine Occasionswagenliste so-
wie verschiedene Kaufverträge. Die Occasionswagenliste ist undatiert und enthält
sämtliche in Frage stehenden Fahrzeuge mit den entsprechenden Einkaufsprei-
sen (act. 23/13). Ausserdem geht daraus hervor, dass der Fiat Punto 1.2 schwarz
zum Preis von CHF 4'500.- verkauft worden ist, allerdings weder an wen noch
durch wen. Daraus lässt sich jedoch nichts für das Verhältnis zwischen den Par-
teien herleiten. Insbesondere ergibt sich daraus nicht, dass das Fahrzeug zum
Einkaufspreis an den Beklagten verkauft worden sein soll. Aus dem Kaufvertrag
vom 18. Februar 2013 ergibt sich, dass G._ einen BMW 330i für
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CHF 10'600.– im Namen der Klägerin gekauft hat (act. 23/14). Auch für dieses
Fahrzeug lässt sich daraus jedoch keinen Weiterverkauf an den Beklagten herlei-
ten. Dasselbe gilt für die Rechnung der Q._ Automobile GmbH (act. 23/15)
und die Quittung von R._ Automobile (act. 23/16). Beide Dokumente sind für
die Klägerin ausgestellt worden. Zwar stimmen auch hier die Kaufpreise mit den
von Seiten des Beklagten überwiesenen Geldbeträgen überein, allerdings ergibt
sich aus den Dokumenten kein Zusammenhang zwischen dem Occasionskauf
und dem Beklagten. Insbesondere ist darauf hinzuweisen, dass die jeweiligen
Käufe vor dem Abschluss der Zusatzvereinbarung datieren. Darin wird jedoch
nichts über eine Übernahme von Occasionsfahrzeugen durch den Beklagten vor-
gesehen (act. 3/7). Die Zahlungen des Beklagten wurden hingegen später getä-
tigt. Entsprechend gelingt es der Klägerin nicht, darzulegen, dass diese Zahlun-
gen einen anderen Zweck als die Rückzahlung des Darlehens hatten. Da sie un-
bestrittenermassen erfolgt sind, sind sie auf den Restbetrag anzurechnen. Dem-
zufolge sind derzeit CHF 55'100.– vom ursprünglichen Darlehensbetrag offen.
d. Dass auf ein allfälliges Darlehen Zins geschuldet ist, wird vom Beklagten
nicht bestritten. Ohnehin ist gestützt auf Art. 313 Abs. 2 OR im kaufmännischen
Verkehr auch ohne eine entsprechende Vereinbarung Zins geschuldet. Das Ver-
hältnis fällt bereits dann unter den kaufmännischen Verkehr, wenn der Borger das
Darlehen für sein Geschäft verwendet (WEBER, a.a.O., N 45 zu Art. 313 OR;
SCHÄRER/MAURENBRECHER, a.a.O., N 3 zu Art. 313 OR), was vorliegend der Fall
ist. Fehlt es an einer Vereinbarung über die Höhe des Zinses, so gilt der übliche
Zinssatz am Ort des Darlehensempfangs. Fehlt es an der Üblichkeit kommt sub-
sidiär Art. 73 Abs. 1 OR zur Anwendung, wonach der Zins 5% beträgt (SCHÄ-
RER/MAURENBRECHER, a.a.O., N 3 zu Art. 314 OR; WEBER, a.a.O., N 48 f. zu
Art. 313 OR). Ein üblicher Zinssatz wird von den Parteien weder behauptet noch
belegt, sodass ohne Weiteres vom von klägerischer Seite angewendeten Zinssatz
von 5% auszugehen ist, zumal der Beklagte diesen nicht bemängelt.
Entsprechend ergibt sich bis zum 6. September 2013, dem Datum der letz-
ten Transaktion, folgender Zins:
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Zeitraum Betrag Dauer Zins 08.03.2013-18.03.2013 CHF 120'000.– 10 Tage CHF 164.40 19.03.2013-28.04.2013 CHF 70'000.– 40 Tage CHF 383.55 29.04.2013-02.05.2013 CHF 100'000.– 3 Tage CHF 41.10 03.05.2013-26.05.2013 CHF 111'500.– 23 Tage CHF 351.30 27.05.2013-03.06.2013 CHF 108'700.– 7 Tage CHF 104.25 04.06.2013-30.06.2013 CHF 103'700.– 26 Tage CHF 369.35 01.07.2013-12.08.2013 CHF 79'600.– 42 Tage CHF 457.95 13.08.2013-25.08.2013 CHF 71'600.– 12 Tage CHF 117.70 26.08.2013 CHF 45'100.– 1 Tag CHF 6.20 27.08.2013-05.09.2013 CHF 25'100.– 9 Tage CHF 30.95 Kumulierter Zins bis 05.09.2013 CHF 2'026.75 seit 06.09.2013 CHF 55'100.–
Insgesamt schuldet der Beklagte der Klägerin für den Zeitraum bis am
6. September 2013 CHF 2'026.75 Zins. Auf den Darlehenssaldo von
CHF 55'100.– schuldet er ausserdem ab diesem Zeitpunkt einen Zins von 5%.
Entgegen dem Antrag der Klägerin ist ihr auf den aufgelaufenen Zins kein Zins
zuzusprechen. Art. 314 Abs. 3 OR statuiert ein Zinseszinsverbot, wobei vorlie-
gend nicht von einer entgegenstehenden Vereinbarung ausgegangen werden
kann (dazu WEBER, a.a.O., N 30 ff. zu Art. 314 OR).
6.3. Fazit
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Klägerin dem Beklagten am
8. März 2013 ein Darlehen gewährt hat, wobei sie in der Folge weitere Darle-
hensbeträge überwiesen hat und der Beklagte verschiedene Rückzahlungen ge-
tätigt hat. Gestützt auf den Darlehensvertrag schuldet der Beklagte der Klägerin
die Rückzahlung der offenen Darlehensvaluta. Aktuell beträgt der geschuldete
Betrag CHF 55'100.– wobei dieser Betrag ab 6. September 2013 zu 5% zu ver-
zinsen ist. Ausserdem sind bis zum 6. September 2013 CHF 2'026.75 Zins aufge-
laufen. In diesem Umfang ist das von der Klägerin auf das Firmenkonto einbe-
zahlte Darlehen zurückzuerstatten.
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7. Eventualbegehren: Minderung des Kaufpreises
7.1. Parteistandpunkte
Die Klägerin beantragt in einem Eventualbegehren, dass ihr der Beklagte
den Minderwert der Vertragsgegenstände zu ersetzen habe. Ihren Antrag be-
gründet die Klägerin pauschal damit, dass als Vertragsgegenstand eine gut lau-
fende Garage anzusehen sei. Eigentlich sei aber ein Sanierungsfall verkauft wor-
den, zumal der Miet- und der Servicepartnervertrag nicht übernommen werden
könnten (act. 22 Ziff. II.12).
Der Beklagte bestreitet die Ausführungen und hält fest, dass es keinen Min-
derwert gebe. Das Begehren sei deshalb abzuweisen (act. 26 Ziff. 4.63).
7.2. Rechtliches
Eine gerichtliche Klage muss gemäss Art. 221 Abs. 1 lit. b ZPO mit einem
Rechtsbegehren versehen sein. In diesem hat die klagende Partei den Anspruch
zu bezeichnen, den sie geltend macht. Es muss dabei so bestimmt formuliert
werden, dass das Gericht das Begehren bei Gutheissung zum Urteil erheben
kann (LAURENT KILLIAS, in: HAUSHEER/WALTER, Berner Kommentar zur Schweizeri-
schen Zivilprozessordnung, Band II, Bern 2012, N 8 zu Art. 221 ZPO). Insbeson-
dere muss ein Rechtsbegehren auf Leistung eines Geldbetrages beziffert sein.
Eine Ausnahme besteht lediglich dann, wenn eine Bezifferung zu Beginn des
Prozesses unmöglich oder unzumutbar ist (KILLIAS, a.a.O., N 9 f. zu Art. 221
ZPO). Bei Unklarheiten im Rechtsbegehren, ist dieses nach dem objektiven Sinn-
gehalt auszulegen, wobei auf die Klagebegründung abgestellt werden kann. Bleibt
das Rechtsbegehren unklar oder ist es unbestimmt, so ist auf die Klage nicht ein-
zutreten (KILLIAS, a.a.O., N 15 zu Art. 221 ZPO).
7.3. Würdigung
Die Klägerin beschränkt sich darauf, den Ersatz des Minderwerts zu bean-
tragen. In welcher Höhe ein Minderwert bestehen soll, führt sie weder im Rechts-
begehren noch im dazugehörigen Teil der Begründung aus (act. 22 Ziff. II.12),
wobei die Klageschrift keine Begründung des Eventualantrags enthält. Auch aus
- 60 -
dem Rest der Rechtsschriften lässt sich keine Präzisierung herleiten. Insbesonde-
re nennt die Klägerin an verschiedenen Stellen unterschiedliche Werte der Gara-
ge, ohne diese näher zu begründen (z.B. act. 1 Ziff. II.1.6: zum drei- bis fünf-
fachen Wert verkauft; act. 22 Ziff. II.1.1.4 S. 6: Liquidationswert; act. 22 Ziff. II.4.1
CHF 50'000.– bis CHF 70'000.–). Ausserdem wäre zu berücksichtigen, dass ge-
rade nicht die Garage sondern einzelne Aktiven Gegenstand des Kaufvertrages
waren (act. 3/5 Ziff. II.1.).
Insgesamt erweist sich das Rechtsbegehren Ziffer 2 als zu wenig präzise um
den Gegenstand eines Prozesses zu umschreiben. Da es nicht beziffert ist, und
sich auch aus der Begründung keine Präzisierung ergibt, ist auf das Begehren
nicht einzutreten.
8. Beseitigung Rechtsvorschlag
8.1. Antrag
Die Klägerin beantragt, ohne weitere Begründung, die Beseitigung des
Rechtsvorschlags in der Betreibung Nr. ... des Betreibungsamtes F._ vom
11. Dezember 2013 (act. 1 S. 2; act. 3/25).
8.2. Rechtliches
Die Beseitigung des Rechtsvorschlags in einer laufenden Betreibung kann
nach Art. 79 ff. SchKG entweder im Rahmen eines (definitiven oder provisori-
schen Rechtsöffnungsverfahrens (Art. 80 und 82 SchKG) oder im Zivilprozess
(Art. 79 SchKG) erfolgen. Soll der Rechtsvorschlag auf dem Weg des Zivilprozes-
ses beseitigt werden, so hat dies im Entscheid ausdrücklich zu erfolgen (DANIEL
STAEHELIN in: STAEHELIN/BAUER/STAEHELIN, Basler Kommentar zum SchKG,
2. Aufl., Basel 2010, N 28 zu Art. 79 SchKG).
In materieller Hinsicht ist zu verlangen dass die in Betreibung gesetzte For-
derung besteht und im Zeitpunkt der Betreibung bereits fällig war (STAEHELIN,
a.a.O., N 10 zu Art. 79 SchKG). Ausserdem muss die eingeklagte Forderung mit
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derjenigen die in Betreibung gesetzt worden ist identisch sein (STAEHELIN, a.a.O.
N 10a zu Art. 79 SchKG).
8.3. Würdigung
Die Klägerin obsiegt vorliegend mit ihrem Anspruch auf Rückzahlung des
Kaufpreises sowie (teilweise) auf Rückzahlung des Darlehens. Im Zahlungsbefehl
vom 11. Dezember 2013 findet sich als Forderungsgrund die Angabe "Forderung
aus Rückabwicklung Unternehmenskauf", wobei sich der Forderungsbetrag auf
CHF 480'000.– beläuft (act. 3/25). Auch die Rückforderung des Darlehens hängt
mit dem Dahinfallen der Verträge der Parteien und der Rückabwicklung des Un-
ternehmenskaufs zusammen. Entsprechend ist die Identität der Forderung gege-
ben und dem Begehren auf Beseitigung des Rechtsvorschlages im Umfang der
Gutheissung Klage stattzugeben.
9. Zusammenfassung der Tat- und Rechtsfragen
Die Parteien haben am 7. Dezember 2012 einen Kaufvertrag über gewisse
Aktiven des Garagenbetriebs des Beklagten abgeschlossen. Gestützt auf den
Vertrag, hat die Klägerin bereits einen Teil des Kaufpreises von CHF 280'000.–
geleistet. Die Klägerin macht geltend, den Vertrag wegen Willensmängeln anzu-
fechten. Allerdings gelingt es ihr nicht, zu beweisen, dass sie beim Abschluss des
Kaufvertrages einem Irrtum unterlegen oder durch den Beklagten getäuscht wor-
den wäre. Da der Kaufvertrag gültig abgeschlossen worden ist, kann die Klägerin
den bezahlten Anteil am Kaufpreis von CHF 180'000.– nicht zurückfordern, wes-
halb ihr Begehren in diesem Umfang abzuweisen ist.
Nach Abschluss der Zusatzvereinbarung hat die Klägerin dem Beklagten ein
Darlehen gewährt, welches dieser erst teilweise zurückerstattet hat. Nach ver-
schiedenen Zahlungen beider Seiten, beträgt die Darlehensvaluta derzeit
CHF 55'100.–, nebst aufgelaufenem Zins bis 6. September 2013 von
CHF 2'026.75, welchen Betrag der Beklagte zurückzuerstatten hat. In diesem
Umfang ist das klägerische Begehren gutzuheissen, wobei der laufende Zins ab
6. September 2013 lediglich auf dem Darlehensbetrag geschuldet ist.
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Weiter ist auf das Eventualbegehren der Klägerin aufgrund des unbezifferten
Rechtsbegehrens nicht einzutreten. Ausserdem ist das Begehren um Beseitigung
des Rechtsvorschlags mangels Identität der Forderung abzuweisen.
10. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Die Höhe der Gerichtskosten bestimmt sich nach der Gerichtsgebührenver-
ordnung des Obergerichts vom 8. September 2010 (GebV OG; Art. 96 ZPO i.V.m.
§ 199 Abs. 1 GOG) und richtet sich in erster Linie nach dem Streitwert bzw. nach
dem tatsächlichen Streitinteresse (§ 2 Abs. 1 lit. a GebV OG). Vorliegend beträgt
der Streitwert CHF 242'356.15 (act. 1 S. 2). Unter Berücksichtigung von § 4
Abs. 1 und 2 GebV OG und der Schwierigkeit des Falles, ist die Gerichtsgebühr
auf rund vier Drittel der Grundgebühr festzusetzen und beträgt gerundet
CHF 20'000.–.
Gestützt auf Art. 106 Abs. 1 und 2 ZPO ist die Gerichtsgebühr den Parteien
nach Obsiegen und Unterliegen aufzuerlegen. Die Klägerin obsiegt zu rund einem
Viertel. Entsprechend sind die Gerichtskosten zu 3/4 der Klägerin und zu 1/4 dem
Beklagten aufzuerlegen.
Ausserdem ist dem Beklagten entsprechend Obsiegen und Unterliegen im
vorliegenden Verfahren in Anwendung von § 4 Abs. 1 und 2 sowie von § 11 der
Anwaltsgebührenverordnung des Obergerichts vom 8. September 2010 eine re-
duzierte Parteientschädigung von CHF 13'000.– zuzüglich 8% MwSt. zuzuspre-
chen.
Das Handelsgericht beschliesst:
1. Auf das klägerische Rechtsbegehren Ziffer 2 wird nicht eingetreten.
2. Schriftliche Mitteilung an die Parteien mit nachfolgendem Erkenntnis.
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Das Handelsgericht erkennt:
1. Der Beklagte wird verpflichtet der Klägerin CHF 57'126.75 zuzüglich Zins zu
5% auf CHF 55'100.– seit 6.09.2013 zu bezahlen.
Im Mehrbetrag wird die Klage abgewiesen.
2. In diesem Umfang wird in der Betreibung Nr. ... des Betreibungsamtes
F._ (Zahlungsbefehl vom 10. Dezember 2013) definitive Rechtsöffnung
erteilt.
3. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 20'000.–.
4. Die Gerichtskosten werden zu 3/4 der Klägerin und zu 1/4 dem Beklagten
auferlegt und aus dem von der Klägerin geleisteten Kostenvorschuss ge-
deckt. Für die dem Beklagten auferlegten Kosten wird der Klägerin das
Rückgriffsrecht auf den Beklagten eingeräumt.
5. Die Klägerin wird verpflichtet, dem Beklagten eine Parteientschädigung von
CHF 13'000.– zuzüglich 8% MwSt zu bezahlen.
6. Schriftliche Mitteilung an die Parteien unter Beilage der Minderheitsmeinung.
7. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb
von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht,
1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-
schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder
Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42
und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streit-
wert beträgt CHF 242'356.15.
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