Decision ID: 492be08b-a03d-5ee4-891b-d63a8ab1ff03
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Der aus dem Kosovo stammende Q._, geboren 1990 (im : Gesuchsteller), beantragte am 2. Juli 2008 bei der  Vertretung in Pristina ein Visum für einen einmonatigen  bei seinem Cousin (recte: Onkel) A._ (im : Gastgeber bzw. Beschwerdeführer) in W._ (AG). Die Schweizer Vertretung weigerte sich, ein Visum in eigener Kompetenz zu erteilen, und leitete das Gesuch zur Prüfung und zum Entscheid an die Vorinstanz weiter.
B. Zum Antrag begrüsst, holte das Migrationsamt des Kantons Aargau beim Gastgeber ergänzende Auskünfte ein und leitete sie an die  weiter. Letztere lehnte es in einer Verfügung vom 12. August 2008 ab, das beantragte Besuchsvisum zu erteilen. Dies im  mit der Begründung, die anstandslose und fristgerechte  nach einem Besuchsaufenthalt könne nicht als gesichert  werden. Der Gesuchsteller lebe in einer Region, aus der als Folge der dort herrschenden wirtschaftlichen und soziokulturellen  ein anhaltend starker Zuwanderungsdruck festzustellen sei. Bei ihm selbst seien weder berufliche noch gesellschaftliche , aber auch keine familiären Verantwortlichkeiten erkennbar, die trotz dieser Verhältnisse besondere Gewähr für eine Wiederausreise bieten könnten.
C. Mit Beschwerde vom 28. August 2008 beantragt der Gastgeber die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Erteilung des . Zur Begründung bringt er sinngemäss vor, die Vorinstanz gehe zu Unrecht davon aus, dass die Wiederausreise des  nach einem Besuchsaufenthalt nicht gesichert wäre. Dieser gehe zur Schule und sei stark mit seinem Heimatland verbunden, sodass er keinerlei Interesse habe, in ein anderes Land zu emigrieren. Er (der Beschwerdeführer) habe seinen Neffen vor allem deshalb eingeladen, weil dessen Vater (sein Bruder) gestorben sei. Er übernehme die volle Verantwortung für den Besuch und garantiere für eine fristgerechte Wiederausreise des Gesuchstellers. In formeller Hinsicht rügt der , die angefochtene Verfügung genüge den  an eine Begründung nicht.
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D. Die Vorinstanz hält in ihrer Vernehmlassung vom 18. November 2008 an der angefochtenen Verfügung fest und schliesst auf Abweisung der Beschwerde.
E. Der Beschwerdeführer machte von dem ihm eingeräumten Recht auf Replik keinen Gebrauch.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden  Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügungen des BFM, mit denen die Erteilung eines  zu Besuchszwecken verweigert wird. In dieser Materie urteilt das Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des  vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur  berechtigt. Auf die frist- und formgerechte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50–52 VwVG).
2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des  Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist  Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht  und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend
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gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Rechts- und Sachlage zum Zeitpunkt seines  (vgl. E. 1.2 des in BGE 129 II 215 teilweise publizierten  2A.451/2002 vom 28. März 2003).
3. 3.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht eine Verletzung der Begründungspflicht. Die Vorinstanz habe ihren Entscheid  bzw. zu wenig "handfest" begründet.
3.2 Gemäss Art. 35 Abs. 1 VwVG sind schriftliche Verfügungen zu . Die Begründungspflicht soll unter anderem sicherstellen, dass der Entscheid von der betroffenen Partei sachgerecht  und von der Rechtsmittelinstanz umfassend beurteilt werden kann. Die verfügende Behörde muss daher kurz die Überlegungen nennen, von denen sie sich leiten liess und auf die sich der Entscheid stützt (vgl. PIERRE TSCHANNEN / ULRICH ZIMMERLI / MARKUS MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 3. Aufl., Bern 2009, § 29 Rz. 13; ALFRED KÖLZ / ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 128).
3.3 Entgegen der Meinung des Beschwerdeführers hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung die Gründe für einen ablehnenden Entscheid in rechtsgenüglicher Weise angeführt. So hat sie einerseits auf die im Kosovo herrschenden prekären ökonomischen Verhältnisse und den dadurch bewirkten Migrationsdruck hingewiesen, andererseits aber auch die individuellen Verhältnisse des Gesuchstellers als Grund für eine Visumsverweigerung angeführt. Die betreffenden Erwägungen lassen erkennen, welche Massstäbe die Vorinstanz im Zusammenhang mit der Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise setzt und  dem Beschwerdeführer, sachgerecht Einwände zu erheben. Die Rüge, die Vorinstanz habe die Begründungspflicht verletzt, erweist sich somit als haltlos.
4. Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher  handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Bot-
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schaft zum Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 133 I 185 E. 2.3 S. 189).
5. 5.1 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schweiz bzw. den Schengenraum für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten gültige Reisedokumente, die zum Grenzübertritt , und ein Visum, sofern dieses erforderlich ist (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die  und Ausländer [AuG, SR 142.20], Art. 2 Abs. 1 der  vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32]).
5.2 Im Weiteren müssen sie den Zweck und die Umstände ihres  Aufenthalts belegen und hierfür über ausreichende  Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK, Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG); sie dürfen zudem nicht im Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK, Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG). Namentlich müssen Ausländerinnen und Ausländer für die gesicherte  Gewähr bieten, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt  ist (Art. 5 Abs. 2 AuG, vgl. dazu anstelle vieler Urteile des  C-1509/2008 vom 13. Februar 2009 E. 5.2 und E. 5.3 sowie C-3013/2008 vom 14. Februar 2009 E. 5.2 und E. 5.3). Hinsichtlich der in Frage kommenden Belege zur Glaubhaftmachung des Aufenthaltszwecks verweist Art. 5 Abs. 2 SGK auf den Anhang I. Art. 5 Abs. 3 SGK sowie Art. 2 Abs. 2 und Art. 7–11 VEV regeln  das Einreiseerfordernis der ausreichenden finanziellen Mittel.
6. Gemäss Anhang I zur Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 (ABl. L 81 vom 21.03.2001, S. 1–7) unterliegt der  der Visumspflicht.
7. Verfahren, die am 12. Dezember 2008 (Datum der Inkraftsetzung des
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Abkommens vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Europäischen Union und der Europäischen Gemeinschaft über die Assoziierung dieses Staates bei der , Anwendung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands [SAA, SR 0.360.268.1]) hängig sind, werden nach neuem Recht fortgeführt (Art. 57 VEV).
8. 8.1 Wenn es zu beurteilen gilt, ob das Kriterium der gesicherten  erfüllt ist, muss ein zukünftiges Verhalten beurteilt werden. Dazu lassen sich in der Regel keine gesicherten Feststellungen,  lediglich Prognosen treffen. Dabei rechtfertigt es sich durchaus, Einreisegesuchen von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw.  mit politisch oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen zum vornherein mit Zurückhaltung zu begegnen, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht mit dem Ziel und Zweck einer befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht.
8.2 Der Gesuchsteller lebt im inzwischen unabhängigen und von der Schweiz als Staat anerkannten Kosovo. Die Sicherheitslage in dieser Region konnte zwar im Verlaufe der letzten Jahre weitgehend  werden und der Wiederaufbau von Administration und  ist unter Beteiligung internationaler Organisationen und  in Gang gekommen. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es aber trotz grosser internationaler Unterstützung bisher nicht gelungen, eine Wachstumsdynamik im Kosovo einzuleiten; es herrscht  Stagnation und die Arbeitslosigkeit bleibt hartnäckig hoch. So sind mehr als die Hälfte der Erwerbsfähigen ohne oder zumindest ohne regelmässiges Einkommen. Der Armutsanteil der Bevölkerung im Kosovo lag im Jahr 2008 bei 45%; 15% der Staatsbürger leben sogar in extremer Armut (vgl. <http:// www.worldbank.org >, Countries >  and Central Asia > Kosovo > Overview > Country Brief 2009 [ April 2009], besucht im September 2009). Der Zuwanderungsdruck aus dieser Region ist dementsprechend hoch, was sich auch in der schweizerischen Asylstatistik widerspiegelt. So stammten im Jahr 2008 7.8% der Asylsuchenden aus dem Gebiet von Serbien und . Diese Region stand damit in der Statistik der Asylgesuche nach Nationen an vierter Stelle (vgl. kommentierte BFM-Asylstatistik 2008, S. 9). Seit dem 1. April 2009 gelten Serbien und Kosovo zwar als  Staaten (so genannte Safe Countries), dies gestützt auf einen Beschluss des Bundesrats vom 6. März 2009. Es wird sich
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http://www.worldbank.org/ http://www.worldbank.org/
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aber zeigen müssen, ob und falls ja welchen Einfluss dies auf künftige Asylbewerberzahlen haben wird. Immerhin stellten im 2. Quartal 2009 noch 142 Personen aus dem Kosovo hier ein Asylgesuch. Kosovo liegt damit in der Quartalsstatistik der Asylgesuche nach Nationen an sechster Stelle (vgl. kommentierte Asylstatistik des BFM 2. Quartal 2009, S. 2).
8.3 Bei der Risikoanalyse sind aber nicht nur solch allgemeine  und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einem Gesuchsteller oder einer Gesuchstellerin im Heimatland beispielsweise eine  berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verantwortung, kann dieser Umstand durchaus die Prognose für eine anstandslose  begünstigen. Umgekehrt muss bei Gesuchstellern, die in  Heimat keine besonderen Verpflichtungen haben, das Risiko für ein fremdenpolizeilich nicht vorschriftsgemässes Verhalten (nach  Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt werden.
9. 9.1 Beim Gesuchsteller handelt es sich um einen bald 19-jährigen,  und kinderlosen Mann. Gemäss einer im  eingereichten UNMIK-Bestätigung lebt er zusammen mit seiner Mutter und seinem Grossvater in häuslicher Gemeinschaft. Sein Vater ist gemäss den Angaben des Beschwerdeführers bereits verstorben. Damit hat der Gesuchsteller zwar familiäre Bindungen vor Ort.  familiäre oder persönliche Verpflichtungen, welche die Prognose einer fristgerechten Wiederausreise nach einem Besuchsaufenthalt begünstigen könnten, sind daraus aber nicht abzuleiten und ergeben sich auch sonst nicht aus den Akten.
9.2 Der Gesuchsteller geht noch keiner Erwerbstätigkeit nach. Im  des Visumsantrags besuchte er eine technische Mittelschule in Prizren (dies gemäss einer im Gesuchsverfahren edierten , datiert vom 2. Juni 2008). Die betreffende Schule attestierte  lediglich eine Immatrikulation des Gesuchstellers für das Schuljahr 2007/2008. Wie es sich seither verhält, hat der  trotz eines entsprechenden Hinweises der Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung nicht offengelegt. Darüber hinaus ist auch nicht , in welchen wirtschaftlichen Verhältnissen der Gesuchsteller und seine nächsten Angehörigen leben. Demnach sind bei ihm in berufli-
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cher bzw. wirtschaftlicher Hinsicht ebenfalls keine Umstände , die von einer Emigration abhalten könnten.
9.3 Vor diesem Hintergrund durfte die Vorinstanz daher davon , dass keine hinreichende Gewähr für eine fristgerechte und  Wiederausreise des Gesuchstellers nach einem  besteht. An dieser Beurteilung vermögen die vom  im Rechtsmittelverfahren erneuerten persönlichen  nichts zu ändern. Diese sind rechtlich nicht verbindlich und wären faktisch auch nicht durchsetzbar. Als Gastgeber kann der Beschwerdeführer zwar für gewisse finanzielle Risiken im  mit dem Besuchsaufenthalt, aus nahe liegenden Gründen aber nicht für ein bestimmtes Verhalten seines Gastes garantieren (anstelle vieler vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-204/2008 vom 5. März 2009 E. 8.4). Ebenfalls nichts zu ändern an der  vermag die Bereitschaft des Beschwerdeführers, eine  zu hinterlegen. Eine solche Sicherheitsleistung (über die Garantie für ungedeckte Kosten hinaus) war im erstinstanzlichen Verfahren kein Thema. Kommt hinzu, dass auch diese Sicherheit einseitig den  verpflichten würde und sie sich nach dem bereits Gesagten kaum als taugliches Mittel erweisen könnte, wenn es darum geht, das Verhalten des Gastes selbst zu beeinflussen.
10. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
11. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens wird der unterliegende Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1, 2 und 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und  vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]).
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