Decision ID: 493ac9f9-a3e6-4cda-90a7-88254cbcce3f
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Oktober 2005 unter Hinweis auf eine schwere depressive
Episode zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des
Kantons St. Gallen an. Er gab an, dass er keinen Beruf erlernt habe und von September
2002 bis September 2004 als Sticker tätig gewesen sei (IV-act. 1). Die Ärzte der Klinik
B._ hatten am 11. April 2005 berichtet, dass der Versicherte an einer schweren
depressiven Episode (ICD-10 F32.2) mit schwierigen psychosozialen Umständen und
ängstlich vermeidenden Persönlichkeitszügen leide. Vom 24. bis 29. März 2005 war er
wegen zunehmender Suizidalität und ausgeprägten Schlafstörungen stationär
behandelt worden (IV-act. 10-6 ff.). Die Fachstelle für Sozialpsychiatrie und
Psychotherapie C._ berichtete am 27. Oktober 2005, dass der Versicherte seit dem
Sommer 2004 an einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome
(ICD-10 F32.2) leide. Seit dem 30. September 2004 bis anhaltend sei er in
psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung. Er sei bis auf Weiteres zu 100%
arbeitsunfähig. Die Grundstimmung sei gedrückt und von Schuld- und Schamgefühlen
geprägt. Sie schwanke zwischen Verzweiflung und Gereiztheit. Positive Gefühle zu
empfinden sei nicht mehr möglich. Der Versicherte sei antriebsgehemmt,
psychomotorisch unruhig und nervös. Er habe schwere Ein- und Durchschlafstörungen
und sei tagsüber müde. Eine latente Suizidalität sei vorhanden (IV-act. 9). Der Hausarzt
berichtete am 14. November 2005, dass der Versicherte aufgrund eines deutlich
depressiven Zustandsbilds zu 100% arbeitsunfähig sei. Intermittierend komme es
immer wieder zu schweren depressiven Episoden (IV-act. 10-1 ff.). Am 30. Januar 2006
hielt der IV-interne Regionale Ärztliche Dienst (RAD) fest, dass aufgrund der ärztlichen
Angaben des Hausarztes, der Klinik B._ sowie der Fachstelle C._ eine volle
Arbeitsunfähigkeit zweifelsfrei ausgewiesen sei (IV-act. 15). Mit einer Verfügung vom
16. März 2006 sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung ab dem 1.
A.a.
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B.
September 2005 eine ganze Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 100% zu (IV-
act. 18, 22).
Im Januar 2008 leitete die IV-Stelle ein amtliches Rentenrevisionsverfahren ein. Im
entsprechenden Fragebogen gab der Versicherte an, dass sich sein
Gesundheitszustand verschlechtert habe. Er leide neu zusätzlich an einem Diabetes
mellitus II und an einer Hypercholesterinämie (IV-act. 25). Die Ärzte des Psychiatrie-
Zentrums C._ bezeichneten den Gesundheitszustand am 21. Januar 2008 als
stationär. Die Diagnose habe sich nicht geändert. Der Versicherte zeige anhaltend ein
schwer depressives Zustandsbild mit stark gedrückter Stimmung, stark vermindertem
Antrieb, Freudlosigkeit, Interesselosigkeit, vollständigem sozialen Rückzug und
zeitweise Suizidgedanken. Die Prognose sei ungünstig (IV-act. 28-4 f.). Der aktuelle
Hausarzt bezeichnete den Zustand des Versicherten am 11. Februar 2008 ebenfalls als
stationär (IV-act. 29). Am 18. Februar 2008 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass weiterhin Anspruch auf die bisherige Invalidenrente (Invaliditätsgrad 100%)
bestehe (IV-act. 32).
A.b.
Im Dezember 2010 wurde ein weiteres Rentenrevisionsverfahren eingeleitet. Der
Versicherte gab im Revisionsfragebogen an, dass sich sein psychischer
Gesundheitszustand verschlechtert habe. Zudem leide er an Schmerzen im Rücken, an
den Schultern und den Hüften. Er sei mehrmals an der Hüfte operiert worden und habe
jetzt Hüftprothesen. Wegen der Schmerzen könne er nur wenige Minuten laufen (IV-act.
37).
B.a.
Die Ärzte des Psychiatrie-Zentrums C._ bezeichneten den Gesundheitszustand
des Versicherten am 14. Januar 2011 als stationär. Er sei anhaltend stark depressiv.
Die depressive Symptomatik sei so schwer, dass es dem Versicherten nur mit grösster
Mühe möglich sei, seinen Alltag zu bewältigen. Jegliche berufliche Tätigkeit könne er
aus diesem Grund nicht bewältigen. Wahrscheinlich sei von einer Chronifizierung
auszugehen (IV-act. 41).
B.b.
Am 17. März 2011 stellte die IV-Stelle fest, dass der Fall des Versicherten
auffällige Parallelitäten zum Versicherungsfall seiner ebenfalls IV-berenteten Ehefrau
B.c.
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aufweise. Beide hätten sich am 5. Oktober 2005 bei der IV-Stelle angemeldet und
beide seien bei den gleichen Ärzten in Behandlung und seit dem 27. September 2004
arbeitsunfähig geschrieben (IV-act. 43).
Am 9. Juni 2011 notierte der RAD, dass es schwer vorstellbar sei, dass beim
Versicherten seit nunmehr sieben Jahren ein gleichbleibender Gesundheitszustand
ohne jegliche Änderung der Diagnose einer depressiven (an sich temporären) Episode
vorliegen solle, ohne dass Zweifel an dem vom behandelnden Psychiater seit über
sieben Jahren attestierten stationären Gesundheitszustand bestünden. Dass bei einer
an sich gut behandelbaren psychischen Störung wie einer depressiven Episode keine
Veränderungen stattgefunden hätten, sei nicht ganz plausibel nachvollziehbar. Aus
psychiatrischer Sicht stelle sich die Frage, ob die diagnostische Einschätzung noch
zutreffend sei (IV-act. 44). Der RAD erachtete eine polydisziplinäre Begutachtung als
angezeigt (IV-act. 50).
B.d.
Im März 2012 wurde der Versicherte durch die Medizinische Abklärungsstelle
(MEDAS) Ostschweiz polydisziplinär begutachtet. Im Gutachten vom 18. Juli 2012
hielten die Sachverständigen fest, beim Versicherten bestehe mit Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, derzeit mittelgradig, beginnend
chronifiziert (ICD-10 F33.8), ein Status nach Hüfttotalprothese links 08/08 wegen einer
Femurkopfnekrose sowie eine Femurkopfnekrose rechts (ICD-10 M16.1). Ohne
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestünden beim Versicherten akzentuierte
Persönlichkeitszüge mit histrionischen und selbstunsicher-vermeidenden Anteilen, ein
leichter Diabetes mellitus Typ 2, eine Adipositas, eine Periathropathia
humeroscapularis sowie ein Nikotinabusus. Der psychiatrische Gutachter hielt fest, bei
der Untersuchung habe eine mittelgradige depressive Symptomatik mit
Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Antriebsminderung,
Konzentrationsstörungen und Mutlosigkeit festgestellt werden können. Zudem seien
lokal begrenzte Schmerzen geschildert worden. Diese Schmerzen liessen sich nach
Angaben des somatischen Gutachters im Wesentlichen nachvollziehbar
physiologischen Prozessen zuordnen. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
könne bei den im Wesentlichen erklärbaren Schmerzen ausgeschlossen werden. Im
Vordergrund der Beschwerdeschilderung des Versicherten habe die Sorge wegen der
Gerichtsverhandlung des Sohnes gestanden. Diagnostisch sei anhand der aktuellen
B.e.
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Untersuchungsbefunde und anhand der anamnestischen Auskünfte von einer
rezidivierenden depressiven Störung mit gegenwärtig mittelgradiger depressiver
Symptomatik auszugehen. Eine schwere depressive Episode habe sicher nicht
vorgelegen. Neben der psychischen Problematik sei eine ganze Reihe psychosozialer
Belastungsfaktoren eruierbar gewesen. Eine psychiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung finde gemäss den Angaben des Versicherten seit 2004 statt. Allerdings sei
derzeit eine niedrige Frequenz von einem Gespräch pro Monat angesetzt. Zudem sei
vor einigen Monaten das Antidepressivum abgesetzt worden. Damit müsse konstatiert
werden, dass die Psychopharmakotherapie derzeit nicht optimal eingestellt und nicht
alle Behandlungsoptionen ausgeschöpft seien. Somatischerseits habe sich im
Röntgenbild die Hüfttotalprothese links normal ohne Lockerungszeichen bei leichten
periartikulären Verkalkungen lateral dargestellt. Rechtsseitig hätten sich eine
Inhomogenität des Femurkopfes mit einer bis zu zwei Zentimeter grossen zystoiden
Strukturalteration zentral im Femurkopf sowie leichte Konturalterationen im medialen
Anteil des Femurkopfes gezeigt. Bekannt sei ein leichter Diabetes mellitus Typ 2 bei
einer erheblichen Adipositas, der bis jetzt keine medikamentöse Behandlung erfordert
habe. Die Sachverständigen hielten zusammenfassend fest, dass für die
Rentenzusprache ab September 2005 stets die psychischen Faktoren von
entscheidender Bedeutung gewesen seien. Psychiatrischerseits werde die
Arbeitsfähigkeit wegen der mittelgradigen depressiven Symptomatik, beginnend
chronifiziert, spätestens ab dem Gutachtenzeitpunkt auf 50% geschätzt.
Somatischerseits bestünden qualitative Einschränkungen nach dem
komplikationsreichen Hüftersatz links 08/08 wegen einer Hüftkopfnekrose unklarer
Ätiologie. Rechtsseitig sei mittelfristig ein Hüftersatz nötig. Der Versicherte sei durch
diese Schädigungen zu dauerndem Gehen und Stehen, wie es wahrscheinlich in der
ursprünglichen Tätigkeit der Fall gewesen sei (eine Arbeitsplatzbeschreibung mit
Darstellung des Leistungsprofils liege nicht vor), nicht mehr in der Lage. Dies führe zu
einer 100%igen mittel- und langfristigen Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit. Für Tätigkeiten, die auch regelmässiges Absitzen zuliessen, bestünden
somatischerseits keine Einschränkungen. Polydisziplinär sei in der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit als Hilfsarbeiter einer Textilfabrik von einer Arbeitsunfähigkeit von 100%
auszugehen. Für adaptierte Tätigkeit bestehe spätestens ab dem Gutachtenszeitpunkt
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für abwechselnd sitzende und stehende, einfache und
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angelernte Tätigkeiten ohne spezielle Anforderungen an die Stress- und
Frustrationstoleranz, die emotionale Belastbarkeit, die Konzentrationsfähigkeit und die
Ausdauer. Eine zum aktuellen psychiatrischen Gutachten differierende Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit sei wahrscheinlich erklärbar durch die andere Betrachtungsweise eines
behandelnden Therapeuten, der zugunsten seiner Patienten auf die subjektiven
Angaben abstelle und in der Regel auch von einem biopsychosozialen
Krankheitsmodell unter Einbezug psychosozialer Belastungsfaktoren ausgehe.
Psychiatrischerseits werde die aktuelle Behandlung als nicht optimiert angesehen mit
einer möglichen Verbesserung des psychischen Zustandes, sodass in etwa einem Jahr
nach einer optimierten Behandlung eine Nachbegutachtung als sinnvoll erachtet werde.
Somatischerseits seien eine Gewichtsreduktion und ein Rauchstopp zu empfehlen.
Mittelfristig werde wahrscheinlich auch ein Hüftgelenksersatz rechts notwendig
werden. Die Arbeitsprognose dürfte eher düster sein. Eine Rolle spielten dabei viele
soziale, IV-fremde Faktoren wie bescheidene Deutsch- und fehlende Berufskenntnisse,
wirtschaftliche und familiäre Belastungsfaktoren, eine langjährige Erwerbsabstinenz
sowie subjektive Krankheitsüberzeugungen (IV-act. 55).
Am 13. September 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass der
Anspruch auf die bisherige Invalidenrente nicht mehr gegeben sei. Bevor die Rente
herabgesetzt werde, seien berufliche Eingliederungsmassnahmen durchzuführen (IV-
act. 57). Ab November 2012 fanden Eingliederungsbemühungen statt. Ein von der
Eingliederungsberatung erstmals im Januar 2013 vorgesehenes Arbeitstraining in
einem geschützten Rahmen sowie ein Schnupperhalbtag im Recycling-Bereich im April
2013 konnten aus gesundheitlichen Gründen und einer subjektiv 100%igen
Arbeitsunfähigkeit des Versicherten nicht durchgeführt werden. Nachdem sich der
Versicherte bis Ende Juni 2013 nicht in der Lage fühlte, an Eingliederungsmassnahmen
teilzunehmen, schloss die Eingliederungsberatung den Fall im Juni 2015 ab (vgl. das
Verlaufsprotokoll vom 29. Juni 2015, IV-act. 66).
B.f.
Zwischenzeitlich war der Versicherte im Januar 2014 im Schmerzzentrum des
Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) untersucht worden. Die behandelnden Ärzte hatten
ein chronifiziertes Schmerzsyndrom nach Gerbershagen II diagnostiziert. Dieses sei in
erster Linie auf die bekannte Hüftpathologie links zurückzuführen und werde durch die
Depression verstärkt (IV-act. 75-11).
B.g.
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Im September 2015 wurde dem Versicherten in der Orthopädie D._ aufgrund
von Hüftschmerzen eine Hüfttotalprothese rechts eingesetzt. Der behandelnde Arzt
hielt fest, dass der Versicherte zwar subjektiv über dies und das klage, aber insgesamt
doch sehr zufrieden sei. Er sei im Heimatland E._ bei seinem Vater gewesen.
Zwischenzeitlich sei die Wunde verheilt. Der Arzt ging von einer guten Prognose aus
(IV-act. 76). Im November 2015 berichtete der Hausarzt, dass der Gesundheitszustand
des Versicherten bei mittelgradig bis starken Depressionen mit starken
Schafstörungen, gedrückter Stimmung, Nervosität, Gereiztheit, Gefühl der
Gefühllosigkeit und Grübeleien, bei einem chronifizierten Schmerzsyndrom nach
Gerbershagen II sowie bei einem Status nach Hüfttotalprothesen 2008 und 2015 und
pseudoradikulären Hypästhesien der linken unteren Extremität weiterhin stationär sei.
Der Versicherte sei auf dem aktuellen Arbeitsmarkt nicht einsetzbar (IV-act. 75-1 ff.).
Das Psychiatrie-Zentrum C._ ging im Verlaufsbericht vom 22. Februar 2016 ebenfalls
von einem stationären Gesundheitszustand des Versicherten bei der Diagnose einer
schweren depressiven Episode ohne psychotische Syndrome aus. Der psychische
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich seit 2012 nicht grundlegend geändert.
Der Versicherte sei nach wie vor schwer depressiv (IV-act. 80). Am 12. April 2016
notierte der RAD, dass insbesondere auf psychiatrischer Ebene von einem
vergleichbaren Gesundheitszustand wie zum Gutachtenszeitpunkt auszugehen sei (IV-
act. 81).
B.h.
Am 3. Mai 2016 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten eine Herabsetzung der
bisherigen ganzen Invalidenrente auf eine Viertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von
48% an. Sie hielt fest, dass sich der Gesundheitszustand gemäss der gutachterlichen
Abklärung und der aktualisierten versicherungsmedizinischen Einschätzung insoweit
verbessert habe, dass der Versicherte in einer adaptierten Tätigkeit zu 50%
arbeitsfähig sei (IV-act. 85). Dagegen wandte der Versicherte am 8. Juli 2016 ein, das
MEDAS-Gutachten vom Juli 2012 sei unterdessen überholt, sodass darauf nicht
abgestellt werden könne (IV-act. 92).
B.i.
Am 22. Juli 2016 hielten die Ärzte der Klinik B._ fest, die gesundheitliche
Situation des Versicherten scheine sich in den letzten Jahren insgesamt eher
verschlechtert zu haben. Wegen der schweren Depression seien die Konzentrations-,
die Auffassungs- und die Umstellungsfähigkeit stark beeinträchtigt. Aufgrund des
B.j.
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Hüftleidens sei auch die körperliche Belastbarkeit stark herabgesetzt. Im Klinikalltag sei
dem Versicherten bereits die Teilnahme an aktiven Therapien nur sehr begrenzt
möglich. Dies liege zum Teil daran, dass der Versicherte nicht in der Lage sei, weiter
entfernte Örtlichkeiten zu erreichen oder an Therapien, die mit leichten Anforderungen
an den Bewegungsapparat verbunden seien, teilzunehmen. Der Versicherte werde in
absehbarer Zeit keine Leistungsfähigkeit erreichen, die eine berufliche Tätigkeit auf
dem ersten Arbeitsmarkt erlauben werde (IV-act. 94).
Im März 2017 wurde der Versicherte erneut polydisziplinär (internistisch,
orthopädisch, neurologisch und psychiatrisch) abgeklärt. Die Gutachter des
Abklärungsinstituts (ABI) Basel hielten am 2. Mai 2017 fest, beim Versicherten
bestünden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), eine chronische Schmerzstörung
mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), ein chronisches
lumbovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5) sowie ein Diabetes mellitus Typ II
(ICD-10 E11). Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit lägen zudem chronische
Becken-Beinschmerzen links bei einem Status nach einer Implantation einer
Hüfttotalprothese links, ein Status nach einer Implantation einer Hüfttotalprothese
rechts, chronische Schulterbeschwerden der adominanten linken Seite, eine Adipositas
sowie ein fortgesetzter Nikotinkonsum, schädlicher Gebrauch, vor (IV-act. 107- 28 ff.).
Der internistische Gutachter hielt fest, dass aus rein allgemeininternistischer Sicht keine
Diagnosen mit einem quantitativen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden
könnten. Aufgrund des Diabetes mellitus Typ II mit potentieller Hypoglykämie-Gefahr
seien Tätigkeiten an gefährlichen Maschinen oder in sturzgefährdender Höhe
ungeeignet (IV-act. 107-11). Der psychiatrische Sachverständige berichtete, dass die
Stimmung des Versicherten bei der Untersuchung herabgesetzt und depressiv
gewesen sei. Er habe vor allem über die Krankheit seines Sohnes geklagt und die
körperlichen Beschwerden nur am Rande erwähnt. Als er darüber berichtet habe, wie
er von seinem Cousin betrogen worden sei, habe er sich sehr aufgeregt. Die
Psychomotorik sei lebhaft gewesen. Er habe von einem Lebensverleider und
gelegentlichen Suizidgedanken berichtet. Der Antrieb sei nicht vermindert gewesen.
Das Denken sei von depressiven Inhalten geprägt gewesen. Der Versicherte sei
bewusstseinsklar, zeitlich, örtlich und situativ gut orientiert gewesen. Er habe während
B.k.
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der ganzen Untersuchung nie Zeichen von Konzentrationsschwäche gezeigt und die
Merkfähigkeit und die Gedächtnisleistungen seien intakt gewesen. Es habe keine
Anhaltspunkte für illusionäre Verkennungen oder Halluzinationen gegeben. Er habe
nicht über Ängste berichtet und keine Phobien erwähnt. Aus seinen Schilderungen
hätten sich keine Hinweise auf Veränderungen der Stimmung und des Antriebes im
Laufe des Tages ergeben. Der Versicherte leide am meisten darunter, dass sein Sohn
seit sechs Jahren unter einer Schizophrenie leide. Er habe grosse Mühe im Umgang
mit der Krankheit seines Sohnes. Dazu kämen immer wieder Vorwürfe seitens der
Verwandten aufgrund des verlorenen Geldes. All dies belaste ihn. Dies sei auch der
Grund gewesen, dass er depressiv geworden sei. Beim Versicherte könne eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, diagnostiziert
werden. Er leide unter Ein- und Durchschlafstörungen und verbringe den Alltag eher
passiv. Er sehe aber regelmässig TV, sei in der Lage, Auto zu fahren, mache kleinere
Ausflüge und reise mehr oder weniger regelmässig in seine Heimat. Der Versicherte sei
im Alltag durch die depressiven Verstimmungen, die Perspektivlosigkeit, die
verminderte psychische Belastbarkeit, das Gedankenkreisen und den Lebensverleider
beeinträchtigt. Weiter sei er vermindert fähig, mit seinen somatischen Beschwerden
umzugehen. Bei der Untersuchung habe ein mittelgradiges depressives Zustandsbild
vorgelegen. Hinweise für eine lang andauernde, schwere depressive Episode hätten
sich keine gefunden. Daneben könne eine chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren diagnostiziert werden. Das Ausmass der
körperlichen Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeugung, nicht mehr
arbeiten zu können, könnten durch die somatischen Befunde nicht hinreichend
objektiviert werden, sodass eine psychische Überlagerung angenommen werden
müsse. Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in allen
Tätigkeiten. Diese habe sich seit der Begutachtung im Jahr 2012 nicht verändert (IV-
act. 107-14 ff.). Der orthopädische Gutachter führte aus, dass die gesamte
Untersuchung im Stehen, Gehen, Sitzen und Liegen problemlos habe durchgeführt
werden können. Auf radiologischer Ebene hätten sich eine deutliche spinale und
bilaterale foraminale Verengung LWK4/5 sowie erhebliche tieflumbale
Spondylarthrosen gezeigt. Der Befund an der Schulter und am Knie der linken Seite
sowie an den Hüft- und Iliosakralgelenken sei regelrecht. Zusammenfassend liessen
sich die recht diffus zwischen der lumbalen Wirbelsäule und dem linken Vorfuss
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beklagten Beschwerden durch die Befunde nicht vollumfänglich begründen. Durchaus
nachvollziehbar sei der Leidensdruck bei der tieflumbalen Degeneration, kaum aber die
übrige Symptomatik, sodass von einer gewissen nicht-organischen
Beschwerdekomponente ausgegangen werden könne. Aus rein orthopädischer Sicht
sei der Versicherte für die frühere Tätigkeit in der Textilindustrie sowie für andere
überwiegend stehende und gehende, körperlich mittelschwere bis schwere
Verrichtungen mit wiederholtem Heben und Tragen von Lasten über 10kg, mit
wiederholtem Bücken und dem häufigen Überwinden von Treppen bleibend und
vollständig arbeitsunfähig. Für körperlich leichte Tätigkeiten unter Wechselbelastung
mit immer wieder sitzenden Anteilen liege eine zeitlich und leistungsmässig
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit vor (IV-act. 107-22 f.). Der neurologische Gutachter
berichtete, dass bei der aktuellen Untersuchung eine Minderung des PSR links
aufgefallen sei, was als residuelles radikuläres Syndrom L4 gewertet werden könne.
Dies würde dem früheren MRI-Befund mit möglicher Irritation L4 entsprechen, aber
weitere Ausfälle könnten hierauf nicht bezogen werden. Die angegebene Hypästhesie
sei keinesfalls auf eine Irritation der Wurzel L4 zurückzuführen und auch motorisch
fänden sich keine Hinweise für eine Schwäche der L4-versorgten Muskulatur. Die
sensible Halbseitenstörung sei als funktionell im Rahmen einer somatoformen
Schmerzstörung anzusehen, wobei die Linksbetonung durch zusätzliche organische
Elemente erklärbar sei. Neurologisch ergäben sich Zeichen einer Polyneuropathie, die
aber keine weiteren funktionellen Auswirkungen habe. Neurologischerseits bestehe
eine Arbeitsfähigkeit von 90% (IV-act. 107-26). Die Sachverständigen hielten
zusammenfassend fest, auch wenn eine Diskrepanz zwischen den subjektiv geklagten
Beschwerden und den objektivierbaren Befunden bestehe, zeigten sich radiologisch
eine deutliche spinale und beidseitig foraminale Enge LWK4/5 sowie erhebliche
tieflumbale Spondylarthrosen. Damit bestehe eine objektivierbare verminderte
Belastbarkeit des unteren Achsenskelettes. Aus neurologischer Sicht könne zudem ein
residuelles radikuläres Syndrom L4 links nachgewiesen werden. Zusätzlich bestehe bei
einem Diabetes mellitus Typ II eine diabetische Neuropathie. Aus somatischer Sicht
bestehe für die angestammte Tätigkeit sowie für andere, überwiegend stehende und
gehende Tätigkeiten mit der Notwendigkeit des wiederholten Sich-Bücken-Müssens
sowie für sämtliche körperlich mittelschweren und schweren Tätigkeiten eine bleibende
und vollständige Arbeitsunfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht seien die Diagnosen
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einer aktuell mittelgradig ausgeprägten Episode einer rezidivierenden depressiven
Störung sowie einer chronischen Schmerzstörung zu stellen. Letztere dürfte für die
Diskrepanz zwischen dem Ausmass der subjektiv geklagten Beschwerden und den
objektivierbaren Befunden verantwortlich sein. Aus psychiatrischer Sicht bestehe für
sämtliche Tätigkeiten eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Aus interdisziplinärer Sicht
bestehe in einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit mit der Möglichkeit,
immer wieder zu sitzen, ohne höhere Anforderungen an das Gleichgewicht, ohne
Tätigkeiten in sturzgefährdender Höhe, ohne Notwendigkeit des Gehens auf unebenem
Terrain, ohne wiederholtes Heben und Tragen von Lasten über 10kg und ohne häufiges
Überwinden von Treppen eine 50%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Das Pensum
könne über vier bis sechs Stunden am Tag umgesetzt werden, je nach Möglichkeit,
Pausen einzulegen oder stundenweise zu arbeiten. Die leichte Leistungseinschränkung
aus somatischer Sicht wirke sich beim vorgegebenen Pausenbedarf aus
psychiatrischer Sicht nicht zusätzlich aus. Berufliche Massnahmen seien angesichts
der fixierten Krankheits- und Behinderungsüberzeugung des Versicherten nicht sinnvoll
durchzuführen. Auch könnten keine medizinischen Massnahmen vorgeschlagen
werden, die zu einer Steigerung des zumutbaren Tätigkeitprofils oder zu einer
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit führen würden.
Aufgrund der anamnestischen Angaben, der Untersuchungsbefunde, der vorliegenden
Dokumente sowie der früher attestierten Arbeitsunfähigkeiten sei davon auszugehen,
dass sich die Arbeitsfähigkeit des Versicherte aus gesamtmedizinischer Sicht seit der
Begutachtung durch die MEDAS im Jahr 2012 über die Zeit gemittelt unverändert
geblieben sei (IV-act. 107-29 ff.).
Am 1. Juni 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Herabsetzung der
bisherigen ganzen auf eine halbe Invalidenrente in Aussicht. Bei einer
Arbeitsunfähigkeit von 50% und einem Teilzeitabzug von 10% ergebe sich ein
Invaliditätsgrad von 53% (IV-act. 111). Dagegen erhob der Versicherte am 6. bzw. 24.
Juli 2017 Einwand. Er beantragte die Zusprache einer Dreiviertelsrente mit der
Begründung, dass neben dem Teilzeitabzug von 10% ein weiterer Abzug vom
Tabellenlohn in der Höhe von 15% angebracht sei (IV-act. 112, 114).
B.l.
Am 7. August 2017 verfügte die IV-Stelle die Herabsetzung auf eine halbe
Invalidenrente per 1. Oktober 2017 gemäss ihrem Vorbescheid. Zu den Einwänden hielt
B.m.
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C.
sie fest, dass die medizinischen Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt
worden seien. Mit der neurologischen Einschränkung von 10% bestehe in einer
körperlich leichten Tätigkeit auch keine erhebliche zusätzliche Einschränkung der
Restarbeitsfähigkeit von 50%, die das Betätigungsfeld relevant einschränken könnte.
Ein Pensum von 50% im Rahmen von vier bis sechs Stunden pro Tag sei auch bei
wenig Entgegenkommen des Arbeitgebers bezüglich Pausen realisierbar. Auch die
Adaptionskriterien seien nicht so eng gefasst, dass ein weiterer Abzug gerechtfertigt
wäre. Faktoren wie die Schulbildung oder die Arbeitserfahrung seien beim Abzug nicht
zu berücksichtigen (IV-act. 115, 118 f.).
Gegen die Herabsetzungsverfügung vom 7. August 2017 erhob der Versicherte
am 14. September 2017 Beschwerde. Er beantragte deren Aufhebung und die
Zusprache einer ganzen Invalidenrente, eventualiter sei die Sache zu neuer
Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen; subeventualiter sei ihm eine
Dreiviertelsrente zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte der
Beschwerdeführer um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Er machte im
Wesentlichen geltend, dass die Entwicklung des Gesundheitszustandes seit der letzten
rechtskräftigen Verfügung im Jahr 2006 betrachtet werden müsse. Das ABI-Gutachten
äussere sich nur über die gesundheitlichen Veränderungen seit der MEDAS-
Begutachtung im Jahr 2012. Dabei werde bezüglich der Beurteilung der Behandler
lediglich vorgebracht, dass sich keine Hinweise für eine schwere depressive Störung
fänden. Fraglich sei, ob die Einschätzung des ABI nicht bloss eine andere Wertung
darstelle, was eine Revision ausschliessen würde. Deshalb sei die Verfügung
aufzuheben und eine ganze Rente zuzusprechen. Im Weiteren hätten die aus
neurologischer Sicht vom ABI attestierte 10%ige Arbeitsunfähigkeit und die
psychiatrisch attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50% kumuliert werden müssen, womit
sich ein Invaliditätsgrad von 66% ergebe. Selbst wenn die Kumulation nicht
vorgenommen werde, müsste in Anbetracht des umfangreichen Katalogs an
Adaptionskriterien sowie des erhöhten Pausenbedarfs ein zusätzlicher Abzug von 15%
vorgenommen werden. Dies hätte einen Invaliditätsgrad von 60.62% und damit
ebenfalls eine Dreiviertelsrente zur Folge (act. G 1).
C.a.
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Erwägungen
1.
Am 16. November 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung führte sie aus, dass die ursprüngliche Verfügung vom
16. März 2006 die zeitliche Vergleichsbasis sei. Entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers sei ein medizinischer Revisionsgrund zu bejahen. Das MEDAS-
Gutachten habe sich einlässlich zur Veränderung des psychischen Zustandsbildes im
Vergleich zu den im Zeitpunkt der Rentenzusprache vorliegenden fachärztlichen
Berichten geäussert. Bezüglich der Kumulation der Arbeitsunfähigkeiten hätten die
ABI-Gutachter festgehalten, dass sich die leichte Leistungseinschränkung von 10%
wegen eines erhöhten Pausenbedarfs nach ihrer konsensualen Einschätzung nicht
zusätzlich bzw. kumulativ zur psychiatrisch bedingten 50%igen Einschränkung
auswirke. Bezüglich des Tabellenlohnabzuges sei anzumerken, dass dem
Beschwerdeführer entgegen den Ausführungen in der Verfügung kein Teilzeitabzug von
10% zugestanden werde. Der Beschwerdeführer sei nicht auf Teilzeitarbeit, sondern
auf Arbeitsunterbrüche angewiesen. Dem Beschwerdeführer sei allerdings ein
Tabellenlohnabzug von 10% zu gewähren, da er sich wohl mit einem geringeren Lohn
zu begnügen habe als vollleistungsfähige Arbeitnehmer (act. G 3).
C.b.
Am 20. November 2017 bewilligte das Versicherungsgericht das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltliche Rechtsverbeiständung; act. G 4).
C.c.
Am 5. Januar 2018 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest und
bestätigte im Wesentlichen seine Standpunkte bezüglich der Kumulation der
Arbeitsunfähigkeiten sowie des Tabellenlohnabzuges (act. G 6).
C.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (vgl. act. G
9).
C.e.
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente
gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben. Die Beantwortung der Frage, ob sich der massgebende Sachverhalt seit
der ursprünglichen Rentenzusprache erheblich verändert hat, erfordert einen Vergleich
1.1.
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zwischen dem Sachverhalt im Zeitpunkt der Rentenzusprache und jenem im Zeitpunkt
des Abschlusses des Rentenrevisionsverfahrens.
Zeitliche Vergleichsbasis bildet die rentenzusprechende Verfügung vom 16. März
2006, was zu Recht unbestritten geblieben ist. Der ursprünglichen Verfügung haben in
medizinischer Hinsicht diverse Berichte des Hausarztes, der behandelnden Ärzte der
Klinik B._ und der Fachstelle für Sozialpsychiatrie und Psychotherapie zugrunde
gelegen. Die behandelnden Ärzte haben dem Beschwerdeführer übereinstimmend eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer schweren depressiven Episode attestiert
(vgl. IV-act. 9 f.). Der RAD hat die vollständige Arbeitsunfähigkeit aufgrund der
ärztlichen Angaben als zweifelsfrei erstellt erachtet (IV-act. 15). Ob der im Zeitpunkt der
ursprünglichen Rentenzusprache massgebende Sachverhalt damals hinreichend
abgeklärt worden ist, ist mit Blick auf die eher dürftige Aktenlage fraglich. Bei der
damaligen Sachlage hätte sich zumindest eine RAD-ärztliche Untersuchung
aufgedrängt, da nicht auszuschliessen war, dass die behandelnden Ärzte aufgrund
ihres ärztlichen Behandlungsauftrags die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers
in ihre Beurteilung hatten einfliessen lassen und deshalb nicht auf den objektiv-
klinischen Befund abgestellt hatten. Nach dem Sinn und Zweck des Art. 17 Abs. 1
ATSG muss die Revision einer Rente aber auch dann zulässig sein, wenn der
Sachverhalt zum Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit festgestanden hat. In
einem solchen Fall muss der überwiegend wahrscheinliche Sachverhalt im Zeitpunkt
des Abschlusses des Rentenrevisionsverfahrens mit jener Sachverhaltsannahme
verglichen werden, die bei der ursprünglichen Rentenzusprache unter den gesetzlichen
Tatbestand subsumiert und damit der rentenzusprechenden Verfügung zugrunde
gelegt worden ist. Ein Revisionsgrund liegt in einem solchen Fall also dann vor, wenn
der aktuelle Sachverhalt nicht mehr jener Sachverhaltsannahme entspricht, auf die die
IV-Stelle bei der ursprünglichen Rentenzusprache abgestellt hatte (vgl. zum Ganzen
ausführlich den Entscheid des Versicherungsgerichtes vom 25. Juni 2019, IV 2016/364
E. 1.1). Folglich muss hier davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer
damals aufgrund einer schweren depressiven Episode für alle Tätigkeiten zu 100%
arbeitsunfähig gewesen ist.
1.2.
Mit Blick auf den revisionsrechtlich erforderlichen Sachverhaltsvergleich ist zu
prüfen, ob der bei der Eröffnung der angefochtenen Verfügung vom 7. August 2017
vorliegende Sachverhalt mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit festgestanden hat. In medizinischer Hinsicht steht dabei das
aktuellste polydisziplinäre Gutachten des ABI vom 2. Mai 2017 (IV-act. 107) im
1.3.
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Vordergrund. Die Sachverständigen haben in diesem Gutachten ausgeführt, dass aus
orthopädischer Sicht aufgrund der Diagnose eines chronischen lumbovertebralen
Schmerzsyndroms die angestammte Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei, während in
einer entsprechend adaptierten Tätigkeit von einer zeitlich und leistungsmässig
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Sie haben weiter festgehalten,
dass im Zeitpunkt der Begutachtung aus psychiatrischer Sicht die Diagnosen einer
aktuell mittelgradig ausgeprägten Episode einer rezidivierenden depressiven Störung
sowie einer somatoformen Schmerzstörung vorgelegen hätten. Aus psychiatrischer
Sicht bestehe in sämtlichen Tätigkeiten eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Hinweise für eine
andauernde schwere depressive Störung haben die Gutachter mehrmals verneint.
Diese Schlussfolgerungen beruhen auf umfassenden persönlichen Untersuchungen
des Beschwerdeführers und auf einer vertieften Auseinandersetzung mit sämtlichen
medizinischen Vorakten. Die Gutachter haben sich mit den vom Beschwerdeführer
geklagten Beschwerden auseinandergesetzt und detaillierte objektive Befunde
erhoben. Sie haben den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers umfassend
erhoben und gewürdigt. Ihre Schlussfolgerungen hinsichtlich der Diagnosen und der
Arbeitsfähigkeitsschätzungen sind anhand der objektiv-klinischen Befunde
nachvollziehbar und überzeugend hergeleitet worden. Insbesondere besteht eine
weitgehende Übereinstimmung zum Gutachten der MEDAS aus dem Jahr 2012, das
sich ebenfalls als nachvollziehbar und überzeugend erweist. Soweit der
Beschwerdeführer vorbringt, dass die neurologisch attestierte Arbeitsunfähigkeit von
10% mit der psychiatrisch attestierten Arbeitsunfähigkeit von 50% zu kumulieren sei
(act. G 1 S. 6, act. G 6), kann ihm nicht gefolgt werden. Die Gutachter sind in ihrer
Gesamtbeurteilung nämlich zum eindeutigen Schluss gekommen, dass insgesamt eine
50%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit vorliege, und dass sich die leichte
Leistungseinschränkung aus somatischer (neurologischer) Sicht nicht zusätzlich auf
den psychiatrischerseits festgelegten Pausenbedarf auswirke (IV-act. 107-29). Diese
gutachterliche Schlussfolgerung überzeugt, da sich der Beschwerdeführer in der
gleichen (Pausen-)Zeit ja sowohl körperlich als auch psychisch schonen bzw. ausruhen
kann.
Gesamthaft steht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass der
Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Begutachtung durch das ABI nur noch mittelgradig
depressiv gewesen ist. Damit hat im Vergleich zur ursprünglichen Rentenzusprache
neu nur noch eine Arbeitsunfähigkeit von 50% in einer entsprechend
leidensadaptierten Tätigkeit vorgelegen.
1.4.
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2.
Ausgehend von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierten Tätigkeiten
bleiben die erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfähigkeit zu prüfen.
Der Beschwerdeführer hat keinen Beruf erlernt. Er ist bis zum Eintritt seiner
Gesundheitsbeeinträchtigung als Hilfsarbeiter (Aufspanner in einer Textilfabrik) tätig
gewesen; dabei hat er ein unterdurchschnittliches Einkommen erzielt (vgl. IV-act. 12). In
den Akten fehlen Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung unterdurchschnittlich leistungsfähig gewesen wäre. Nur
die Situation auf dem – invalidenversicherungsrechtlich irrelevanten – tatsächlichen
Arbeitsmarkt können ihn folglich gezwungen haben, sich mit einem
unterdurchschnittlichen Einkommen zu begnügen. Damit ist davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer zwischenzeitlich in eine mindestens durchschnittlich entlöhnte
Hilfsarbeitertätigkeit einer anderen Branche gewechselt hätte. Das Valideneinkommen
entspricht folglich dem Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne.
2.1.
Da dem Beschwerdeführer trotz seiner Gesundheitsbeeinträchtigungen
leidensadaptierte Hilfsarbeiten zugemutet werden können, entspricht der
Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens betraglich dem
Valideneinkommen. Deshalb kann der Invaliditätsgrad anhand eines sogenannten
Prozentvergleichs berechnet werden. Bei einem Prozentvergleich entspricht der
Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter Berücksichtigung
eines zusätzlichen Abzuges (vgl. BGE 126 V 75). Mit diesem Abzug soll dem Umstand
Rechnung getragen werden, dass es einer an einer Gesundheitsbeeinträchtigung
leidenden versicherten Person aus betriebswirtschaftlich-ökonomischer Sicht unter
Umständen nicht möglich sein wird, mit ihrer Arbeitsleistung denselben ökonomischen
Mehrwert wie eine gesunde, im selben Pensum tätige Person zu generieren.
Entsprechende Umstände liegen hier u.a. vor, weil die Arbeitsleistung des
Beschwerdeführers Schwankungen unterliegen wird; der Beschwerdeführer wird seine
Arbeitsleistung also nicht konstant zuverlässig erbringen können. Zudem muss ein
potentieller Arbeitgeber das Risiko von vermehrten krankheitsbedingten Ausfällen
einkalkulieren. Auch muss ein strikt betriebswirtschaftlich-ökonomisch denkender
Arbeitgeber dem Umstand Rechnung tragen, dass der Beschwerdeführer keine
Überstunden leisten kann. Damit wird der ökonomische Mehrwert der Arbeitsleistung
des Beschwerdeführers unter dem statistischen Zentralwert liegen, weshalb ein
zusätzlicher Lohnabzug zu erfolgen hat. Dieser Abzug ist angesichts der gesamten
Umstände und entsprechend der aktuellen Praxis vorliegend auf 15% festzusetzen
(vgl. statt vieler den Entscheid des Versicherungsgerichtes vom 29. März 2016, IV
2.2.
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3.