Decision ID: 0e62eee2-cb2c-5d45-8343-df8434352d2b
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am (...). Oktober 2018 in der Schweiz um
Asyl und wurde per Zufallsprinzip dem Testbetrieb in Zürich zugewiesen.
Aufgrund seines Gesundheitszustands wies ihn die Vorinstanz am 22. Feb-
ruar 2019 dem erweiterten Verfahren zu. Anlässlich der Personalienauf-
nahme vom 1. November 2018 und der Anhörung, die aus gesundheitli-
chen Gründen erst am 4. September 2020 stattfand, schilderte er seine
Asylgründe im Wesentlichen folgendermassen:
Er sei algerischer Staatsangehöriger, arabischer Ethnie und in B._
geboren. Als Kind habe er aber bereits einmal zwei bis drei Jahre in
C._ gelebt und sei dann wieder zurück nach B._. 2010 sei
er wieder nach Europa gereist, da seine Mutter mittlerweile mit seiner
Schwester in C._ gelebt habe. Dort habe er fast acht Jahre ver-
bracht, bevor er wieder nach Algerien ausgeschafft worden sei. Nach sechs
Monaten sei er wieder ausgereist und habe versucht, nach C._ zu
gelangen. Dies sei ihm nicht gelungen, und auch in anderen Staaten sei er
nicht aufgenommen worden, weshalb er in die Schweiz gereist sei.
Er selbst habe nie Probleme mit den algerischen Behörden gehabt, nur
sein Vater. Als Kind sei er mehrmals vergewaltigt worden. Aufgrund dieser
Vorfälle sei er immer wieder belästigt worden und es habe weitere Verge-
waltigungsversuche gegeben. Die Polizei habe ihm nicht helfen wollen.
Aufgrund dieser Vorfälle habe er auch seine Arbeit aufgeben müssen be-
ziehungsweise keine Arbeit finden können, weshalb er in grosse finanzielle
Schwierigkeiten geraten sei. Sein psychisches Leiden sei auf diese Verge-
waltigungen sowie auf die schwierige Situation in Algerien nach seiner
Rückkehr aus C._ zurückzuführen. Er habe nicht an einen anderen
Ort in Algerien ziehen können, da die Leute auch dort von seinem Schicksal
gehört hätten. Ausserdem habe er die Medikamente und Behandlung nicht
erhalten, auf die er aufgrund seiner psychischen Erkrankung angewiesen
sei. Zudem habe er in Algerien niemanden gehabt, der ihn hätte unterstüt-
zen können, sein Vater habe sich nur noch um seine neue Familie geküm-
mert. Aufgrund der Scheidung seiner Eltern und des Bruchs mit seinem
Vater habe er auch zu seinen Verwandten in Algerien keinen Kontakt mehr.
Den Nachweis seiner Identität konnte er nicht beibringen. Als Beweismittel
reichte er psychiatrische Konsultationsberichte der (...) vom 10. Oktober
2018, 8. und 22. November 2018, 29. November 2018, 6. Dezember 2018,
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3. Januar 2019, 14. Februar 2019 und 21. Februar 2019, einen Kurzaus-
trittsbericht der (...) vom 17. Dezember 2018, einen Austrittsbericht der (...)
vom 15. Januar 2019, ein Bestätigungsschreiben der (...) vom 8. Februar
2019 betreffend (...) sowie ein Schreiben des (...) vom 6. Juni 2019 zu den
Akten.
B.
Der Beschwerdeführer wurde in der Schweiz wiederholt straffällig ([...]) und
befindet sich seit dem 17. Juni 2020 im vorzeitigen stationären Massnah-
menvollzug.
C.
Mit Verfügung vom 30. Oktober 2020 – eröffnet am 2. November 2020 –
verneinte die Vorinstanz das Vorliegen der Flüchtlingseigenschaft beim Be-
schwerdeführer, wies sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung
aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug.
D.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
26. November 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Nach
Bestätigung des Eingangs der Beschwerde am 1. Dezember 2020 durch
das Bundesverwaltungsgericht liess dieser – nun vertreten durch die rubri-
zierte Rechtsvertreterin – am 2. Dezember 2020 erneut eine Beschwerde
einreichen.
Der Beschwerde vom 26. November 2020 legte der Beschwerdeführer ne-
ben bereits beigebrachten Dokumenten ein an das SEM gerichtetes Akten-
einsichtsgesuch vom 19. November 2020, Ergänzungen der Austrittsbe-
richte der (...) vom 17. Dezember 2018 (Rezept) und 15. Januar 2019, ei-
nen Kurzbericht des (...) vom 28. Oktober 2018, einen weiteren psychiatri-
schen Konsultationsbericht der (...) vom 10. Januar 2019, zwei Schnell-
recherchen der Schweizerischen Flüchtlingsorganisation (SFH), Algerien:
Gesundheitssystem vom 3. März 2019 beziehungsweise Algérie: accés à
des soins psychiatriques vom 1. September 2020, eine Fürsorgebestäti-
gung vom 19. November 2020 sowie einen Kurzbericht des Hilfswerks der
Evangelischen Kirchen der Schweiz (HEKS) vom 16. September 2020 zu
den Akten.
E.
Da sich die Anträge und Begründungen beider Beschwerden widerspra-
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chen, forderte die Instruktionsrichterin den Beschwerdeführer mit Zwi-
schenverfügung vom 14. Januar 2021 zur Verbesserung der Beschwerde
auf.
F.
Am selben Tag wurde den elektronischen Akten des SEM die Verfügung
des (...) vom 4. Januar 2021 mit der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft
D._ vom 5. Juni 2020 hinzugefügt.
G.
Mit Schreiben vom 22. Januar 2021 präzisierte der Beschwerdeführer
seine Rechtsbegehren dahingehend, dass er die Aufhebung der vor-
instanzlichen Verfügung, die Anerkennung seiner Flüchtlingseigenschaft
sowie die Gewährung von Asyl beantragte. Eventualiter sei er aufgrund der
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufzu-
nehmen. Subeventualiter sei die Verfügung aufzuheben und zwecks Neu-
beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses.
H.
Gleichentags reichte der Beschwerdeführer einen Arztbericht der (...) vom
6. Januar 2021 zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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Seite 5
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). Hinsicht-
lich des AsylG kommt das alte Recht zur Anwendung (Abs. 1 der Über-
gangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.3 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins
AIG übernommen worden.
1.4 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde berechtigt (Art. 48
Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht (Art. 108 Abs. 1 AsylG [in der
Fassung vom 1. Oktober 2016] und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
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Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM begründete die Abweisung des Asylgesuchs mit der fehlen-
den Asylrelevanz der gesuchstellerischen Vorbringen. Es sei nicht ersicht-
lich, dass die gegenüber dem Beschwerdeführer verübten Straftaten auf
einem asylrelevanten Motiv beruhten. Er habe selbst angegeben, keine
Probleme mit den algerischen Behörden gehabt zu haben. Auch das an-
geblich passive Verhalten der Polizei könne nicht auf ein solches zurück-
geführt werden. Ausserdem könne seinen Angaben nicht entnommen wer-
den, dass er sich vor seiner letzten Ausreise nochmals an die heimatlichen
Behörden gewandt hätte, obwohl der algerische Staat grundsätzlich
schutzfähig sei. Aus den Aussagen gehe auch nicht hervor, ob dem Be-
schwerdeführer beim letzten Aufenthalt in Algerien etwas Konkretes wider-
fahren sei. Es könne folglich nicht davon ausgegangen werden, dass die
geschilderten Vorfälle unmittelbar ursächlich für die Ausreise gewesen
seien. Daran vermöge auch die Tatsache nichts zu ändern, dass er sich
dort unwohl gefühlt habe. Er habe selbst angegeben, insbesondere ausge-
reist zu sein, da er in Algerien keine Familie, keine Arbeit und keine medi-
zinische Versorgung gehabt habe. Dies seien keine asylrelevanten Ausrei-
segründe. Auch die Probleme des Vaters hätten nichts mit ihm zu tun ge-
habt. Dass ein Wohnortswechsel nicht möglich gewesen sein solle, habe
er nicht objektiv zu begründen vermocht, sondern er sei lediglich spekulativ
davon ausgegangen, dass sich seine Probleme herumgesprochen hätten.
Die Vorbringen gründeten folglich weder auf einer asylbeachtlichen Verfol-
gungssituation, noch sei davon auszugehen, dass die geschilderten Um-
stände kausal für die Ausreise gewesen seien. Es sei daher auch nicht von
einer künftigen asylbeachtlichen Verfolgung auszugehen.
5.2 Der Beschwerdeführer hielt diesen Argumenten auf Beschwerdeebene
entgegen, sein Heimatstaat sei nicht willens gewesen, ihn vor weiteren Ver-
gewaltigungen zu schützen. Die Vorinstanz verkenne ausserdem, dass die
Stigmatisierung und Schutzlosigkeit, welche er erfahren habe, anhaltend
gewesen seien. Ein Wohnortswechsel sei nicht zielführend gewesen, da er
sich früher oder später auch an einem anderen Wohnort insbesondere mit
der Stigmatisierung konfrontiert gesehen hätte.
E-5977/2020
Seite 7
6.
6.1 Zunächst ist festzuhalten, dass eine Verfolgung durch Dritte nach der
massgebenden Schutztheorie dann flüchtlingsrechtlich relevant ist, wenn
der um Asyl nachsuchenden Person im Heimatland kein adäquater Schutz
zur Verfügung steht. Schutz vor nicht-staatlicher Verfolgung im Heimatstaat
ist als ausreichend zu qualifizieren, wenn die betroffene Person effektiv Zu-
gang zu einer funktionierenden und effizienten Schutzinfrastruktur hat und
ihr die Inanspruchnahme eines solchen innerstaatlichen Schutzsystems in-
dividuell zumutbar ist (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/51 E. 7 m.w.H.).
6.2 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass die Ausführungen in den Beschwerdeschriften nicht geeig-
net sind, die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu entkräften. So
liegt den vom Beschwerdeführer geschilderten Behelligungen durch Per-
sonen in seinem Umfeld keines der in Art. 3 AsylG abschliessend genann-
ten Verfolgungsmotive zugrunde (vgl. auch Einschätzung des HEKS im
Kurzbericht S. 5). Zudem kann nach den Erkenntnissen des Gerichts mit
dem SEM davon ausgegangen werden, dass die algerischen Sicherheits-
behörden in der Lage sind, hinreichenden Schutz vor nicht-staatlicher Ver-
folgung zu gewährleisten und sie grundsätzlich als schutzfähig und -willig
bezeichnet werden können (vgl. UK Home Office, Country Policy and In-
formation Note, Algeria: Background information, including actors of pro-
tection and internal relocation August 2017 S. 5 f. und S. 19 f., https://
www.refworld.org/docid/59ae95be4.html, abgerufen am 27. Januar 2021,
sowie Urteil BVGer D-1785/2020 vom 25. Mai 2020 E. 9.1.6, mit weiteren
Hinweisen). Dafür spricht auch die Aussage des Beschwerdeführers, wo-
nach die Polizei ihm geraten habe, sich eine Anzeige ganz genau zu über-
legen (vgl. A54 F86), was deren grundsätzliche Bereitschaft zur Entgegen-
nahme der Anzeige bestätigt. Überdies scheint er im Alter von 12 oder 13
Jahren bei der Polizei um Hilfe gebeten zu haben, nicht aber während sei-
nes letzten Aufenthalts in Algerien (vgl. A54 F87). Der Vorinstanz ist auch
hinsichtlich der Kausalität der geltend gemachten Verfolgung und der Aus-
reise sowie der Asylrelevanz der weiteren Vorbringen beizupflichten. Zur
Vermeidung von Wiederholungen kann im Übrigen auf die zutreffenden
Ausführungen in der angefochtenen Verfügung (Ziff. II) sowie auf die Dar-
stellung unter E. 5.1 vorstehend verwiesen werden.
6.3 Nach dem Gesagten hat das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft
des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
https://www.refworld.org/docid/59ae95be4.html https://www.refworld.org/docid/59ae95be4.html
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7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz-
lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83
Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.
9.1 Die Vorinstanz hält bezüglich des Wegweisungsvollzugs fest, dass die
durch den Beschwerdeführer geltend gemachten Beschwerden nicht ge-
gen die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 3 EMRK
sprechen würden. Sie habe ein medizinisches Consulting eingeholt, aus
dem hervorgehe, dass das vorliegende Krankheitsbild in Algerien behan-
delt werden könne und die vom Beschwerdeführer eingenommenen Medi-
kamente grösstenteils erhältlich seien. Ausserdem gehe sie davon aus,
dass auch Zugang zur medizinischen Behandlung möglich sei, wobei seine
Familienmitglieder ihn bei der Finanzierung allfällig selbst zu tragender Be-
handlungskosten unterstützen könnten. Seine Mutter lebe in C._
und habe ihm bereits die letzte Ausreise bezahlt. Der angebliche Kontakt-
abbruch zu seinem Vater, der mutmasslich noch immer in Algerien lebe, sei
nicht stichhaltig. Es sei ihm zuzumuten, diesen Kontakt wiederherzustellen.
Ausserdem habe er bei seinem letzten Aufenthalt in Algerien bei einem
Freund wohnen können und pflege noch immer Kontakt zu seinen Freun-
den in seinem Heimatstaat. Er sei ein junger, erwachsener und gebildeter
Mann, der insbesondere in C._ Arbeitserfahrung habe gewinnen
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Seite 9
können, was er sich auch in der Heimat zu Nutzen machen könne. Sollte
sein Gesundheitszustand ihn zeitweise daran hindern, werde wiederum auf
sein durchaus vorhandenes Beziehungsnetz verwiesen. Bei Bedarf werde
das SEM bei der Überführung die entsprechenden Massnahmen ergreifen,
um einen Unterbruch der notwendigen Therapie zu vermeiden.
9.2 Der Beschwerdeführer entgegnet, er habe seit Jahren schwerwie-
gende psychische Probleme, da er als Kind sexuell missbraucht worden
sei. Seine Krankheit könne in Algerien nicht adäquat behandelt werden, da
es im öffentlichen Gesundheitssektor zahlreiche Probleme gebe, von de-
nen er als einkommensschwacher Patient ohne Unterstützung seiner An-
gehörigen besonders betroffen wäre. Die theoretische Verfügbarkeit von
psychiatrischen und medizinischen Institutionen in Algerien werde nicht in
Frage gestellt, aber es stelle sich die Frage, ob diese ihm auch zugänglich
seien. Der Zugang zu Spezialisten, Behandlungen und Medikamenten
werde häufig durch Bestechungen oder Netzwerke und persönliche Bezie-
hungen erleichtert oder sogar erst ermöglicht. Hinzu komme, dass die be-
nötigten Medikamente in Algerien nicht erhältlich seien. Da er in Algerien
nie versicherungspflichtig angestellt gewesen sei, stehe ihm auch keine
Unterstützung durch die Krankenversicherung zu. Er selbst habe in Alge-
rien aufgrund von Konflikten innerhalb der Familie und längerer Landesab-
wesenheit kein tragfähiges soziales Netzwerk und wäre auf sich allein ge-
stellt. Es sei nicht ersichtlich, weshalb die Vorinstanz zu dem Schluss
komme, er könne sich an seinen Vater wenden. Zudem würde seine psy-
chische Erkrankung den Aufbau eines tragfähigen Netzes auch zukünftig
klar erschweren oder verunmöglichen. Ausserdem verfüge er über keine
belegte Berufsbildung und keine Berufserfahrung in der Heimat. Eine Ein-
gliederung in die Arbeitswelt sei deswegen und aufgrund seines Gesund-
heitszustands höchst unwahrscheinlich, weshalb er nicht für seinen Le-
bensunterhalt aufkommen könne und ihm die für seine psychische Ge-
sundheit notwendige Stabilität fehle. Ihm drohe die Obdachlosigkeit, zumal
auch nicht davon ausgegangen werden könne, dass er wieder bei seinem
Freund wohnen könne.
10.
10.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
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Seite 10
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
10.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
10.2.1 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen.
10.2.2 Gesundheitliche Probleme stellen unter dem Blickwinkel von Art. 3
EMRK im Übrigen nur unter ganz aussergewöhnlichen Umständen ein völ-
kerrechtliches Wegweisungsvollzugshindernis dar (vgl. Urteil des EGMR
Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer,
41738/10, § 183). Solche Umstände liegen nicht nur in Fällen vor, in denen
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Seite 11
sich die von einer Ausschaffung betroffene Person in unmittelbarer Gefahr
befindet zu sterben, sondern auch dann, wenn Personen darunter fallen,
die angesichts fehlender Behandlungsmöglichkeiten im Zielstaat der Aus-
schaffung einem realen Risiko einer schwerwiegenden, raschen und irre-
versiblen Verschlechterung des Gesundheitszustands ausgesetzt werden,
die zu heftigen Leiden oder einer erheblichen Reduktion der Lebenserwar-
tung führen (vgl. BVGE 2011/9 E. 7.1 S. 117 f., BVGE 2009/2 E. 9.1.3).
Solche aussergewöhnlichen Umstände können aber hier hinlänglich aus-
geschlossen werden. Von einer Suizidalität hat sich der Beschwerdeführer
zwar nachdrücklich distanziert (vgl. Austrittsbericht der (...) vom 15. Januar
2019). Dennoch ist darauf hinzuweisen, dass es bei einer allfälligen Suizi-
dabsicht des Beschwerdeführers dem SEM im Rahmen des Vollzugs ob-
liegt, Massnahmen zu ergreifen, um die Umsetzung entsprechender Ab-
sichten zu verhindern (vgl. Unzulässigkeitsentscheid des EGMR Dragan
und andere gegen Deutschland vom 7. Oktober 2004, 33743/03, angeführt
in Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizerischen
Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 23 E. 5.1).
10.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
10.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.3.1 Die allgemeine Lage in Algerien ist weder von Bürgerkrieg noch von
allgemeiner Gewalt gekennzeichnet, so dass der Vollzug der Wegweisung
dorthin grundsätzlich zumutbar ist.
10.3.2 In Bezug auf die geltend gemachten medizinischen Probleme des
Beschwerdeführers ist zunächst festzuhalten, dass nur dann auf Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden kann, wenn eine
notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung
steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beein-
trächtigung des Gesundheitszustandes führen würde. Dabei wird als we-
sentlich die allgemeine und dringende medizinische Behandlung erachtet,
welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz notwendig
E-5977/2020
Seite 12
ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls nicht vor, wenn im Heimat- oder Her-
kunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard entsprechende me-
dizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2, m.w.H.).
Den beigebrachten ärztlichen Berichten kann entnommen werden, dass
der Beschwerdeführer an einer (...) leidet und ein selbstschädigendes Ver-
halten zeigt. Wie dargelegt, hat er sich von Sui-zidabsichten distanziert.
Aus dem neusten Arztbericht der (...) vom 6. Januar 2021 geht hervor,
dass beim Beschwerdeführer überdies eine (...) diagnostiziert wurde. Ab-
schliessend hält der Bericht fest, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit be-
stehe, dass dem Beschwerdeführer im Heimatland die dringend notwen-
dige Behandlung inklusive Medikamente nicht gewährleistet und eine ge-
regelte, tragfähige Nachversorgung nicht zu etablieren wäre. Entspre-
chend werde der künftige Krankheitsverlauf im Falle einer Wegweisung
nach Algerien als sehr ungünstig erachtet.
Entgegen den Beschwerdevorbringen lassen sich aus diesen Berichten
keine Vollzugshindernisse ableiten, zumal die im ärztlichen Bericht emp-
fohlene integrierte psychiatrische Behandlung im ambulanten psychiatri-
schen Bereich auch in Algerien möglich ist. Die Krankenhäuser in Algerien
verfügen über psychiatrische Abteilungen. Zudem sind Medikamente er-
hältlich und ambulante Behandlungen kostenlos (vgl. zum Ganzen:
UK Home Office: „Country Policy and Information Note Algeria: Internal re-
location and background information‟, September 2020, S. 24-26, as-
sets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/atta-
chment_data/file/924924/Algeria_Background_Note_v1.0_September_20
20.pdf, abgerufen am 1. Februar 2021; Urteile des E-5209/2020
vom 14. Dezember 2020 E. 7.3.4; D-5045/2020 vom 23. Oktober 2020
E. 8.3.3; D-3516/2019 Urteil vom 25. Juli 2019 E.8.3.2; D-1763/2019 vom
29. April 2019 E. 7.5; E-6848/2018 vom 18. Dezember 2018 E. 7.4.4 f.
m.w.H.).
Auch aus dem spezifischen medizinischen Consulting des SEM geht her-
vor, dass es in B._ eine Tagesklinik, eine geschlossene Abteilung
sowie die Möglichkeit zur Langzeitbehandlung von chronisch psychoti-
schen Patientinnen und Patienten gibt und die benötigten Medikamente
beziehungsweise mögliche Alternativen erhältlich sind (vgl. A52). Die bei-
den eingereichten Berichte der SFH stellen dies nicht in Frage, zumal sie
bestätigen, dass an der Küste und in grösseren Städten im Norden Algeri-
ens (Herkunftsort des Beschwerdeführers) medizinische Infrastrukturen
vorhanden sind (vgl. SFH Schnellrecherche vom 3. März 2020 S. 3 und 6
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Seite 13
und vom 1. September 2020 S. 4). Dies wird vom Beschwerdeführer in sei-
ner Beschwerdeschrift vom 2. Dezember 2020 letztlich auch nicht bestrit-
ten, sondern er behauptet lediglich, dass er keinen Zugang zur medizini-
schen Versorgung habe.
Die im Arztbericht der (...) vom 6. Januar 2021 geäusserte Annahme, dass
die notwendige Behandlung in Algerien nicht gewährleistet sei, ist mit Zu-
rückhaltung zu würdigen, geht doch aus dem Bericht nicht ansatzweise
hervor, auf welche Informationen sich diese Behauptung stützt.
Zur Überbrückung möglicher finanzieller Schwierigkeiten in Zusammen-
hang mit einer notwendigen Behandlung ist auf die Möglichkeit der medizi-
nischen Rückkehrhilfe zu verweisen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG). Zwar ist
eine auf Dauer ausgerichtete Hilfe ausgeschlossen (Art. 75 Abs. 1 Asylver-
ordnung 2 vom 11. August 1999 [SR 142.312]). Eine zeitlich limitierte Un-
terstützung dürfte dem Beschwerdeführer aber in hinreichendem Masse
ermöglichen, eine allenfalls benötigte medizinische Betreuung solange er-
hältlich zu machen, bis er in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht wieder
Fuss gefasst und eine Krankenversicherung sowie die nötige Stabilität er-
langt hat.
Es ist überdies nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in
Algerien in wirtschaftlicher Hinsicht in eine existenzbedrohende Situation
gelangen wird. Eigenen Angaben zufolge hat er sowohl in Algerien als auch
in C._ die Schule besucht, (...) gelernt und über längere Zeit in di-
versen (...) gearbeitet (vgl. A54 F73, F75 und F77 sowie Kurzbericht des
HEKS S. 1). Zudem beherrscht er die englische Sprache fliessend. Offen-
bar ist es ihm auch in E._ gelungen, eine Arbeit zu finden und so
seinen Erfahrungsschatz auszuweiten (vgl. A14 Seite 1). Er verfügt somit
grundsätzlich über die Voraussetzungen, um auch künftig ein Einkommen
erwirtschaften zu können. Ausserdem kann er sich auf die finanzielle Un-
terstützung durch seine in C._ wohnhafte Mutter verlassen, zumal
sie auch die Reise nach Europa finanziert hat (vgl. A54 F53). Zudem hat er
einen Cousin in Frankreich und je einen Onkel in Deutschland (vgl. A12
Ziff. 3.03) und Kanada (vgl. A54 F7), die ihn allenfalls auch unterstützen
könnten. Auch liegen entgegen der Beschwerde keine Anhaltspunkte dafür
vor, dass er nicht mehr zu seinem Freund, der ihn bereits vor seiner Aus-
reise beherbergt hatte, zurückkehren könnte (vgl. A54 F49). Mit seinen
Freunden steht er noch immer in Kontakt (vgl. A54 F15 f.). Der Kontakt zu
seinem Vater scheint zwar nicht sehr ausgeprägt, aber auch nicht gänzlich
abgebrochen (vgl. A54 F16; in A54 F44 scheint er eher auszuweichen).
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Eine gewisse Unterstützungswilligkeit des Vaters ist somit nicht auszu-
schliessen. Selbst wenn er viele Jahre landesabwesend war, kann davon
ausgegangen werden, dass er als alleinstehender Mann die Möglichkeit
hat, sich eine Existenzgrundlage in seinem Heimatstaat zu schaffen. An-
fängliche wirtschaftliche Reintegrationsschwierigkeiten stehen dem Voll-
zug nicht entgegen, da blosse soziale oder wirtschaftliche Schwierigkeiten,
von denen die ansässige Bevölkerung betroffen ist (beispielsweise Mangel
an Arbeitsplätzen), keine existenzbedrohende Situation zu begründen ver-
mögen (vgl. BVGE 2010/41 E. 8.3.6). Im Unterschied zum Sachverhalt des
in der Beschwerdeschrift zitierten Urteils D-3969/2018 vom 26. August
2019 ist vorliegend nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
obdachlos wäre und nicht auf die Unterstützung Angehöriger und Freunde
zählen könnte.
Weder aus den beigebrachten Arztberichten noch sonst aus den Akten
ergibt sich mithin eine schwerwiegende Erkrankung des Beschwerdefüh-
rers, die zur Annahme führen würde, bei einer Rückkehr in sein Heimatland
käme es zu einer raschen und lebensgefährdenden Bedrohung seiner Ge-
sundheit. Ebenso wenig lässt die psychische Erkrankung des Beschwer-
deführers auf eine medizinische Notlage schliessen, die in seinem Heimat-
land nicht behandelbar wäre. Einer akuten Krise ist sodann praxisgemäss
mit einer sorgfältigen ärztlichen Betreuung und Vorbereitung der Ausreise
zu begegnen.
10.3.3 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit als zumutbar.
10.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
11.
Hinweise darauf, dass die Vorinstanz den medizinischen Sachverhalt nicht
genügend abgeklärt oder formelles Recht verletzt hätte, liegen nicht vor.
Vielmehr geht aus der angefochtenen Verfügung hervor, dass sie alle ent-
scheidrelevanten Elemente der Sachdarstellung des Beschwerdeführers
erkannt und ihrer Würdigung zu Grunde gelegt hat. Zudem hat sie ein spe-
zifisches medizinisches Consulting vorgenommen. Zwar wurde das Resul-
tat dieser Abklärung in der Begründung hinsichtlich des Wegweisungsvoll-
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zugs eher kurz widergegeben, diese ist aber dennoch genügend ausgefal-
len. Bezeichnenderweise war der Beschwerdeführer auch in der Lage, sie
sachgerecht anzufechten. Der Rückweisungsantrag ist daher abzuweisen.
12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
13.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da die Beschwerde jedoch im
Zeitpunkt ihrer Einreichung nicht als aussichtslos betrachtet werden konnte
und aufgrund der beigebrachten Fürsorgebestätigung vom 19. November
2020 von der Mittellosigkeit des Beschwerdeführers in der Schweiz ausge-
gangen werden kann, sind in Gutheissung des Gesuchs um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG keine
Kosten zu erheben.
Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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