Decision ID: c081a58a-dc78-56d6-906c-b4869be14e44
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 6. Oktober 2006 bei der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an. Sie
gab an, seit zwei Jahren unter Allergien, Asthma, Atemnot, zu wenig Eisen im Blut und
Müdigkeit zu leiden. Bis zum 31. August 2006 sei sie als Verkäuferin tätig gewesen,
zurzeit sei sie arbeitslos (IV-act. 1, vgl. auch den Fragebogen für Arbeitgeber vom 23.
Januar 2007, IV-act. 21). Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin,
diagnostizierte im Bericht vom 23. Oktober 2006 mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine Stauballergie sowie rezidivierendes bronchiales Asthma. In einer
leichten Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit, jedoch dürfe die Versicherte
nicht mit Staub in Kontakt kommen (IV-act. 11). Dr. med. C._, Fachärztin FMH für
Pneumologie sowie Allgemeine Innere Medizin, stellte im Bericht vom 5. Juni 2007 die
Diagnosen hypersensibler Bronchialbaum, rezidivierende Hyperventilationsepisoden
sowie Dermatographismus. Sie führte aus, die IgE-Restwerte auf Hausstaubmilbe
sowie die Screeningwerte auf häusliche Allergene und Pollen seien alle negativ, so
dass eine relevante Atopie praktisch ausgeschlossen werden könne (IV-act. 33-3 f.).
A.b Anlässlich der Haushaltsabklärung vom 12. Juni 2007 wurde die Versicherte als zu
50% im Erwerb und zu 50% im Haushalt tätig qualifiziert und eine Einschränkung in der
Haushalttätigkeit von rund 65% erhoben. Im entsprechenden Bericht hielt die
zuständige Abklärungsperson fest, die geltend gemachte Einschränkung sei
medizinisch nicht ausgewiesen. Die Versicherte nehme im Haushalt praktisch keine
Aufgaben mehr wahr (IV-act. 34).
A.c Am 8. Juli 2007 erlitt die Versicherte im Ausland als Beifahrerin einen Auffahrunfall.
Dabei schlug sie gemäss eigenen Angaben den Kopf an der Frontscheibe an (vgl. die
Unfallmeldung vom 15. August 2007, Suva-act. 1). Die Erstbehandlung ergab einen
Status post Contusio capitis et Cephalea posttraumatica (bei Suva-act. 12). Am 12.
August 2007 kehrte die Versicherte in die Schweiz zurück, wo sie von Dr. B._
weiterbehandelt wurde (Suva-act. 11, vgl. auch Suva-act. 2, 7). Die Schweizerische
Unfallversicherungsanstalt (Suva), bei welcher die Versicherte als Bezügerin von
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Taggeldern der Arbeitslosenversicherung unfallversichert war, erbrachte für das
Unfallereignis die gesetzlichen Leistungen.
A.d Dr. C._ gab im Arztbericht vom 28. August 2007 an, die Versicherte sei aus
pneumologischer Sicht zu 100% arbeitsfähig (IV-act. 35). Im Rahmen von Abklärungen
der Suva gab Dr. med. D._, Facharzt FMH für Neurologie, am 11. Februar 2008 an,
bei der Versicherten bestünden Sensibilitätsstörungen im linken Mandibularast und
Gesichtsfeld, eine starke Schulter-Nackenverspannung sowie ein Druckschmerz über
der HWS C0 links paravertebral C4-C6 mit Ausstrahlung. Ausser einer leichten
Bradydiadochokinese rechts mehr als links bei Rechtshändigkeit bestehe kein
pathologischer Neurostatus. Es sei von einer 60%igen Einschränkung auszugehen,
Tendenz im nächsten Vierteljahr wahrscheinlich rückläufig (Suva-act. 31). Die am
7. April 2008 durchgeführte craniocerebrale Kernspintomographie ergab keinen
Nachweis postkontusioneller oder anderweitiger Hirnparenchymläsionen bzw.
nachweisbarer Hämosiderinablagerungen (Suva-act. 36).
A.e Am 21. April 2008 erfolgte eine internistische RAD-Untersuchung bei Dr. med.
E._, Facharzt FMH für Arbeitsmedizin, Pneumologie sowie Allgemeine Innere
Medizin. Dr. E._ nannte im ärztlichen Bericht vom 23. Juli 2008 keine Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
bestünden bei der Versicherten eine beginnende Eisenmangelanämie sowie eine
Hyperventilationsneigung. Sowohl in den bisher ausgeübten Tätigkeit als auch in allen
übrigen Tätigkeiten mit leichter bis mittelschwerer körperlicher Arbeit bestehe eine
100%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 45).
A.f Am 22. April 2008 wurde die Versicherte von Suva-Ärztin Dr. med. F._, Fachärztin
FMH für Neurologie, neurologisch untersucht. Die Ärztin diagnostizierte nicht
spezifizierte rechtsseitige Kopf- und Nackenschmerzen ohne objektivierbaren Befund
sowie chronische LWS-Schmerzen mit sensibler Wurzelreizsymptomatik S1 rechts und
erachtete die Versicherte für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ohne
Arbeiten in ungünstiger Körperhaltung ganztags arbeitsfähig (Suva-act. 43). Dr. D._
gab im Fragebogen vom 28. April 2008 an, bei der Versicherten liege keine psychische
Störung von erheblicher Schwere vor und nach Stabilisierung des
Gesundheitszustandes sei eine angepasste leichte Tätigkeit von 30-40%
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möglicherweise realistisch (Suva-act. 42). Mit Verfügung vom 10. Juli 2008 stellte die
Suva die Taggeldleistungen per 31. Juli 2008 ein (Suva-act. 53). Die dagegen erhobene
Einsprache wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 8. Juli 2009 ab (Suva-act. 57,
78). In der Folge gelangte die Versicherte an das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen, welches die Beschwerde mit Entscheid vom 24. September 2010 (UV 2009/89)
abwies.
B.
B.a Bereits davor hatte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 2. Oktober
2009 die Ablehnung des Rentenbegehrens in Aussicht gestellt (IV-act. 57). Der
Rechtsvertreter der Versicherten, Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodemann, St. Gallen,
hatte dagegen am 2. November 2009 Einwand erhoben und die Zusprache einer
mindestens halben Invalidenrente sowie die Vornahme weiterer medizinischer
Abklärungen beantragt. Dies wurde wie folgte begründet: Infolge des im Juli 2007
erlittenen Unfalls leide die Versicherte anhaltend an ständigen Kopf-, Nacken- und
Rückenschmerzen sowie schmerzbedingten Einschlaf- und Durchschlafstörungen (IV-
act. 58). Der Rechtsvertreter hatte zudem einen Bericht von Dr. D._ vom 10. August
2009 eingereicht, worin Folgendes ausgeführt wurde: Im Unterschied zu den von der
Suva erhobenen neurologischen Befunden habe er keine wesentlichen Verbesserungen
feststellen können. Bei der Versicherten lägen durchaus Hinweise auf mediotemporale
Hirnschädigungen beidseits sowie Frontalhirnschädigungen besonders links vor (IV-
act. 59).
B.b Dr. med. G._, Fachärztin FMH für Neurologie, hatte im Bericht vom 11. Februar
2010 die Diagnose Status nach Autounfall 2001 mit HWS-Akzelerations-/
Dezelerationstrauma, posttraumatischem Cervicalsyndrom, Mischkopfschmerzen vom
Spannungstyp und migräniform und neurokognitiven Defiziten gestellt (IV-act. 75).
B.c Am 22. und 24. November 2010 wurde die Versicherte von der Medizinischen
Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz polydisziplinär begutachtet. Im entsprechenden
Gutachten vom 7. März 2011 stellten die Gutachter folgende Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Leichte Ansatztendinopathie okzipital,
vordiagnostizierte Mischkopfschmerzen vom Spannungstyp und migräniform sowie
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Osteochondrose L5/S1. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden im
Wesentlichen eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, akzentuierte
histrionische Persönlichkeitszüge sowie ein vordiagnostizierter Verdacht auf leichtes
Asthma bronchiale diagnostiziert. Polydisziplinär sei von einer maximal 20%igen
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der qualitativen
Einschränkungen (Lastenheben bis 10kg, keine Zwangshaltung in Inklination über eine
Stunde) auszugehen. In der Haushalttätigkeit seien nur körperlich schwere Arbeiten
unzumutbar; die in der Haushaltabklärung im Juli 2007 erhobene 65%ige
Einschränkung sei nicht nachvollziehbar (IV-act. 78-25 ff.).
B.d In einer internen Stellungnahme vom 16. Juni 2011 hielt der RAD fest, es könne
auf das MEDAS-Gutachten abgestellt werden. Die Arbeitsfähigkeit angestammt
betrage aus polydisziplinärer Sicht mindestens 80% und in einer adaptierten Tätigkeit
(leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne jegliches Vorkommen von
Zwangshaltungen) sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer Arbeitsfähigkeit
von 90% auszugehen (IV-act. 79). Gestützt darauf stellte die IV-Stelle der Versicherten
mit Vorbescheid vom 6. Juli 2011 die Ablehnung des Leistungsbegehrens bei einem IV-
Grad von 0% in Aussicht (IV-act. 86).
B.e Dagegen erhob der Rechtsvertreter der Versicherten am 12. September 2011
Einwand und beantragte eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50% sowie die Durchführung einer neuropsychologischen Abklärung. Er
machte insbesondere geltend, die Einschränkung von 65% im Haushalt beruhe auf der
Einschätzung einer speziell dafür ausgebildeten Person und könne nach wie vor so
übernommen werden (IV-act. 87).
B.f In einer internen Stellungnahme vom 5. Dezember 2011 hielt der RAD an seiner
Stellungnahme vom 16. Juni 2011 fest (IV-act. 88). Mit Verfügung gleichen Datums
lehnte die IV-Stelle das Rentenbegehren gemäss Vorbescheid ab. Zum Einwand des
Rechtsvertreters führte sie im Wesentlichen aus, es würden keine neuen medizinischen
Befunde mitgeteilt, welche eine nochmalige Auseinandersetzung auf medizinischer
Fachebene erfordern würden (IV-act. 89).
C.
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C.a Dagegen erhob der Rechtsvertreter am 23. Januar 2012 Beschwerde mit den
Anträgen, die Verfügung vom 5. Dezember 2011 sei aufzuheben und es sei der
Beschwerdeführerin eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50% zuzusprechen. Eventualiter sei eine neuropsychologische
Begutachtung durchzuführen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung brachte er im Wesentlichen vor, es könne nicht auf die Haushaltabklärung
vom 12. Juni 2007 abgestellt werden, da diese vor dem Unfall im Juli 2007
stattgefunden habe und sich die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin
aufgrund des Unfallereignisses weiter verschlechtert habe. Dem MEDAS-Gutachten
könne nicht gefolgt werden, da die Argumentation, die akzentuierten histrionischen
Persönlichkeitszüge hätten keinen wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, nicht
nachvollziehbar sei (act. G 1). Zudem reichte der Rechtsvertreter einen Arztbericht von
Dr. med. H._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 10.
Dezember 2011 ein. Darin diagnostizierte diese eine mittelgradige depressive Episode
mit somatischem Syndrom, eine generalisierte Angststörung sowie einen Status nach
Autounfall 2007 (act. G 1.2).
C.b Am 20. Februar 2012 reichte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin einen
weiteren Bericht von Dr. H._ vom 25. Januar 2012 ein, worin diese angab, die
Beschwerdeführerin sei zurzeit 100% arbeitsunfähig und aufgrund ihrer Ängste aktuell
nicht in der Lage, ihre Wohnung alleine zu verlassen (act. G 4).
C.c Mit Beschwerdeantwort vom 23. März 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde mit der Begründung, es seien keine Gründe ersichtlich,
weshalb Dr. H._ die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im vorliegenden Fall
zuverlässiger einschätzen könnte als die spezialisierten MEDAS-Gutachter. Es sei auf
das Gutachten abzustellen; weitere Abklärungen seien nicht angezeigt (act. G 6).
C.d Mit Replik vom 14. Mai 2012 bestätigte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin seinen Standpunkt (act. G 8).
C.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (vgl. act. G
10).

Erwägungen:
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1.
Am 1. Januar 2008 traten die im Zuge der 5. IV-Revision und am 1. Januar 2012 die mit
der IV-Revision 6a revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über die Invalidenversicherung
(IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft. In materiell-rechtlicher Hinsicht
gilt der übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu
Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids bzw. im Zeitpunkt
gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt
verwirklichte (vgl. BGE 127 V 467 Erw. 1, 126 V 136 Erw. 4b, je mit Hinweisen). Die
angefochtene Verfügung ist am 5. Dezember 2011 ergangen, wobei ein Sachverhalt zu
beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-
Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der
Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde,
ist für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab
diesem Zeitpunkt auf die Normen der 5. IV-Revision (bzw. der Revision 6a) abzustellen.
Diese übergangsrechtliche Lage zeitigt insoweit keine materiell-rechtlichen Folgen, als
die beiden IV-Revisionen hinsichtlich des Begriffs und der Bemessung der Invalidität
keine substantiellen Änderungen gegenüber der bis Ende 2007 gültig gewesenen
Rechtslage gebracht haben. Nachfolgend werden die aktuell gültigen Bestimmungen
wiedergegeben.
2.
2.1 Streitig und im vorliegenden Fall zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das
Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin zu Recht abgelehnt hat.
2.2 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit, es sei denn, eine versicherte Person sei vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen und es habe ihr auch nicht
zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen; in diesem Fall gilt
gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
als Invalidität. Die Invalidität im Sinne von Art. 8 Abs. 1 ATSG wird durch einen
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Einkommensvergleich ermittelt (Art. 16 ATSG). Die Methode zur Bemessung der
konkreten Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wird vom ATSG nicht
geregelt. Diese Lücke füllt Art. 28a Abs. 2 IVG. Es ist darauf abzustellen, in welchem
Mass die betreffende Person behindert ist, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. Als
Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Person gelten insbesondere die übliche
Tätigkeit im Haushalt, die Erziehung der Kinder sowie gemeinnützige und künstlerische
Tätigkeiten (Art. 27 IVV). Die Bestimmung von Art. 28a Abs. 3 IVG regelt die so
genannte gemischte Methode der Invaliditätsbemessung bei Personen, die zum Teil
erwerbstätig und zum Teil im Aufgabenbereich tätig sind. In diesem Fall sind der Anteil
der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und
der Invaliditätsgrad ist entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu
bemessen.
2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
3.
3.1 Vorab ist zu klären, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
3.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes respektive der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten.
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3.3 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung auf das
polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 7. März 2011 (IV-act. 78). Darin
diagnostizierten die Gutachter mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte
Ansatztendinopathie okzipital, Mischkopfschmerzen vom Spannungstyp und
migräniform (vordiagnostiziert) sowie Osteochondrose L5/S1. Die diagnostizierte
anhaltende somatoforme Schmerzstörung und die akzentuierten histrionischen
Persönlichkeitszüge sowie der vordiagnostizierte Verdacht auf leichtes Asthma
bronchiale seien ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. In der angestammten
Tätigkeit als Verkäuferin sowie in der Haushalttätigkeit bestünden aus orthopädischer
Sicht qualitative Einschränkungen in dem Sinne, als das Lastenheben wegen der
lumbalen Osteochondrose auf 10kg beschränkt sei und Zwangshaltungen in Inklination
über eine Stunde gemieden werden müssten (vgl. das orthopädische
Konsiliargutachten, IV-act. 78-34 ff.). Aus internistischer Sicht müsse aufgrund der
Kopfschmerzproblematik (nicht voraussehbare Schmerzexazerbationen) eine
Einschränkung der Leistungsfähigkeit von ca. 10% berücksichtigt werden. Aus
pulmonaler Sicht sei trotz fehlender "hard facts" für ein Vorliegen einer relevanten
spezifischen bronchialen Hyperreagibilität davon auszugehen, dass eine Staubexposi
tion gemieden und lufthygienisch akzeptable Bedingungen an den Arbeitsplatz gestellt
werden sollten. Hinsichtlich der diagnostizierten anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung führte der psychiatrische Gutachter in seinem Konsiliargutachten (IV-
act. 78-38 ff.) aus, eine mitwirkende psychische Komorbidität von erheblicher Schwere,
Intensität, Ausprägung und Dauer sei nicht ausgewiesen. Die akzentuierten
histrionischen Persönlichkeitszüge, welche zu zeitweiser Dramatisierung der
Beschwerden bei Zuständen von Atemnot führen könnten, hätten keinen wesentlichen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Im Weiteren bestünden keine
Anhaltspunkte für eine posttraumatische Belastungsstörung, es lägen keine
neuropsychologischen Ausfälle vor und es bestehe laut dem klinischen psychiatrischen
Befund keine Indikation für eine neuropsychologische Abklärung. Insgesamt hielten die
MEDAS-Gutachter fest, polydisziplinär sei von einer maximal 20%igen Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der qualitativen Einschränkungen
spätestens ab Untersuchungszeitpunkt, wahrscheinlich bereits ab Einstellung der
Suva-Taggelder, auszugehen. In der Haushalttätigkeit bestehe keine Einschränkung
aufgrund der psychischen Befindlichkeit, und der Versicherten seien lediglich
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körperlich schwere Haushalttätigkeiten unzumutbar. Eine 65%ige Einschränkung, wie
sie in der Haushaltabklärung im Juni 2007 erhoben worden sei, sei gutachterlich nicht
nachvollziehbar.
3.4 Das MEDAS-Gutachten beruht auf eigenständigen interdisziplinären Abklärungen
und es wurde eine detaillierte Anamnese erhoben. Die medizinischen Vorakten wurden
gesichtet und die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden berücksichtigt
und gewürdigt. Die gutachterlichen Ausführungen erscheinen medizinisch fundiert,
umfassend und die diesbezüglichen Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar. Auch
weist das Gutachten keine formellen Mängel auf, die erhebliche Zweifel an seinem
Beweiswert zu begründen vermöchten, und es bestehen keine Anhaltspunkte, dass
objektiv wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden wären. Insgesamt leuchtet
die Bescheinigung einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Verkäuferin sowie in der Haushalttätigkeit in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Von daher
besteht keine Veranlassung, von der gutachterlich bescheinigten Arbeitsunfähigkeit
abzuweichen.
3.5 Soweit der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin geltend macht, auf das
psychiatrische Gutachten könne nicht abgestellt werden, weil einerseits nicht
nachvollziehbar sei, dass die diagnostizierten akzentuierten histrionischen
Persönlichkeitszüge keinen wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin hätten (act. G 1, S. 7), und andererseits aus dem Bericht der
behandelnden Psychiaterin Dr. H._ vom 10. Dezember 2011 (act. G 1.2) klar
hervorgehe, dass eine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere vorliege, ist
darauf hinzuweisen, dass eine psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her
nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater
praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene
medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind,
sofern der Experte lege artis vorgegangen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 5. März
2009, 8C_694/2008, E. 5.1.1). Daher und unter Beachtung der Divergenz von
medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag kann es nicht angehen, eine
medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets dann in Frage zu stellen und
zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden medizinischen
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Fachpersonen nachher zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen (BGE 124 I 175
E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00; vgl. auch BGE 125 V 353 E. 3b/cc).
Im vorliegenden Fall bringt Dr. H._ in ihren Berichten vom 10. Dezember 2011 und
25. Januar 2012 (act. G 1.2, act. G 4.1) keine objektiv feststellbaren Gesichtspunkte
vor, welche im Rahmen der MEDAS-Begutachtung unerkannt geblieben und die
geeignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen. Dr. H._ nennt keine
medizinischen Befunde, welche die von ihr bescheinigte 100%ige Arbeitsunfähigkeit
rechtfertigen könnten, sondern scheint ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung im Wesent
lichen auf die Leidensschilderung der Beschwerdeführerin und insbesondere auf deren
Angabe, nicht alleine die Wohnung verlassen zu können, zu stützen. Aus den Berichten
ergibt sich nicht, dass Dr. H._ selbst eine Zumutbarkeitsbeurteilung vorgenommen
hat. Zudem hatte die Beschwerdeführerin gegenüber dem psychiatrischen
Konsiliargutachter der MEDAS noch angegeben, sie habe keine Angst, auf die Strasse
zu gehen (vgl. IV-act. 78-39 letzter Absatz). Insgesamt vermögen die Berichte der
behandelnden Psychiaterin an der nachvollziehbaren und lege artis vorgenommenen
gutachterlichen Einschätzung des MEDAS-Konsiliararztes keine Zweifel zu begründen.
3.6 Zusammenfassend ist auf das interdisziplinäre Gutachten vom 7. März 2011 (IV-
act. 78) abzustellen und davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin über eine
80%ige Restarbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin sowie in
Haushalttätigkeiten verfügt. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten
haben die Gutachter keine explizite Einschätzung abgegeben. Unabhängig davon ist
allerdings festzuhalten, dass sich adaptierte Tätigkeiten gerade dadurch auszeichnen,
dass sie den Leiden der versicherten Person optimal angepasst sind, und die
Beschwerdeführerin somit in solchen leidensangepassten Tätigkeiten nicht über eine
geringere Arbeitsfähigkeit verfügen kann, als sie in der angestammten Tätigkeit
ausgewiesen ist. Es ist entsprechend mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in adaptierten Tätigkeiten zu mindestens
80% arbeitsfähig ist (vgl. hierzu auch die Stellungnahme des RAD vom 16. Juni 2011,
in welcher von einer 90%igen Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierten Tätigkeiten
ausgegangen wird, IV-act. 79).
3.7 Aufgrund der umfangreichen Abklärungen sowie angesichts der Tatsache, dass die
Notwendigkeit einer neuropsychologischen Abklärung im Gutachten explizit verneint
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wurde (vgl. IV-act. 78-43), ist dem Eventualantrag, die Angelegenheit sei zur
Durchführung einer solchen Begutachtung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, nicht stattzugeben. Bei der vorliegenden Ausgangslage sind von
weiteren medizinischen Abklärungen keine entscheidrelevanten neuen Erkenntnisse zu
erwarten, weshalb auf solche verzichtet werden kann (antizipierte Beweiswürdigung;
BGE 136 I 236 E. 5.3; BGE 134 I 148 E. 5.3 und BGE 124 V 94 E. 4b).
4.
4.1 Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der von den MEDAS-Gutachtern
bescheinigten 80%igen Restarbeitsfähigkeit.
4.2 Für die Bemessung des Invaliditätsgrades ist massgebend, ob und in welchem
Umfang die Beschwerdeführerin einer Erwerbstätigkeit nachginge, wenn sie gesund
wäre. Vorliegend gehen die Parteien übereinstimmend von je hälftigen Anteilen
Erwerbs- und Haushalttätigkeit aus (IV-act. 89, act. G 1, S.4). Die Qualifikation der
Beschwerdeführerin als zu 50% erwerbstätig und zu 50% im Haushalt tätig – und
damit die Anwendung der gemischten Methode (vgl. Erwägung 1.1) – erscheint
aufgrund der vorliegenden Aktenlage nachvollziehbar.
4.3 Gemäss konstanter höchstrichterlicher Rechtsprechung (vgl. BGE 125 V 146 und
BGE 133 V 504) ist bei Anwendung der gemischten Methode für die Festlegung des
anteiligen Invaliditätsgrades betreffend Erwerbstätigkeit das zumutbare
Invalideneinkommen nicht mit einem Valideneinkommen entsprechend einer
vollzeitlichen Erwerbstätigkeit zu vergleichen, sondern mit einem solchen entsprechend
dem hypothetisch ausgeübten Pensum. Im vorliegenden Fall ist die
Beschwerdeführerin gemäss gutachterlichen Ausführungen zu 80% arbeitsfähig und
damit rechtsprechungsgemäss im Umfang ihres 50%-Pensums nicht eingeschränkt.
Entsprechend resultiert im Erwerbsbereich ein Teilinvaliditätsgrad von 0%.
4.4 Hinsichtlich der Invalidität im Aufgabenbereich wurde anlässlich der
Haushaltabklärung vom 12. Juni 2007 eine Einschränkung von rund 65% erhoben.
Bereits im entsprechenden Abklärungsbericht hielt die zuständige Abklärungsperson
fest, dass die geltend gemachten Einschränkungen medizinisch nicht ausgewiesen
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seien (IV-act. 34-13). Übereinstimmend wurde von den MEDAS-Gutachtern eine
65%ige Einschränkung als nicht nachvollziehbar erachtet (IV-act. 78-29). Eine derart
hohe Einschränkung im Haushalt ist vor dem Hintergrund der vorliegenden
medizinischen Aktenlage denn auch nicht plausibel; nachvollziehbarer erscheint die im
Gutachten attestierte 20%ige Einschränkung aufgrund der Unzumutbarkeit körperlich
schwerer Hausarbeiten. Letztlich kann die genaue Ermittlung der Einschränkung der
Beschwerdeführerin im Aufgabenbereich jedoch offen bleiben, da mit Blick auf die
vorliegenden medizinischen Akten selbst bei einer vom Rechtsvertreter geltend
gemachten Verschlechterung des Gesundheitszustandes infolge des Unfalls im Juli
2007 keine derart hohe Einschränkung anzunehmen wäre, dass ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad resultierte. Von einer Wiederholung der
Haushaltabklärung, wie sie vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragt
wird (act. G 1, S. 4), sind vorliegend insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass
bereits bei der ersten Abklärung aufgrund des Fixierens der Beschwerdeführerin auf
das Kranksein keine medizinisch nachvollziehbaren Einschränkungen erhoben werden
konnten, keine neuen Aufschlüsse zu erwarten, weshalb im Sinne der antizipierten
Beweiswürdigung (vgl. diesbezüglich Erwägung 2.8) davon abgesehen werden kann.
5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Ange
legenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie
vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der von ihr geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist daran anzurechnen. Ausgangsgemäss hat die
Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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2. Die Beschwerdeführerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der
von ihr geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird angerechnet.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 11.12.2013 Art. 28 IVG, Art. 28a Abs. 3 IVG. Würdigung eines polydisziplinären Gutachtens. Gemischte Methode (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. Dezember 2013, IV 2012/30).
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2021-09-19T11:54:42+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen