Decision ID: ce130e19-0181-54cd-901f-fe2c6fad10c1
Year: 2018
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Mit Schreiben vom 4. Januar 2018, welches die Überschrift "E._,
C._, Wohn- und Ökonomiegebäude, B._strasse 19c" trägt, teilte das AGG
dem Beschwerdeführer mit, dass der Pachtvertrag für die C._ per 31. Dezember
2017 und somit auch der Untermietvertrag für das Gebäude an der B._strasse 19c
abgelaufen seien. Folglich sei der Beschwerdeführer nicht mehr berechtigt, das genannte
Gebäude weiter zu nutzen, weshalb er ultimativ aufgefordert werde, den Wohnteil und Stall
bis spätestens am 20. Januar 2018 zu räumen und zu reinigen. Sollte der
Beschwerdeführer dieser Aufforderung nicht nachkommen, werde das AGG die erwähnten
Räume auf seine Kosten räumen und reinigen lassen. Gleichzeitig gab das AGG dem
Beschwerdeführer jedoch die Möglichkeit, seine persönlichen Gegenstände ordentlich
verpackt und geordnet im hintersten Gebäudeteil (Tenne/Einstellraum) der Liegenschaft an
der B._strasse 19c einzulagern, bis von den äusseren Bedingungen her ein
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Abtransport möglich sei; längstens jedoch bis zum 15. April 2018. Sollten allfällig durch den
Beschwerdeführer im genannten Raum eingestellte Gegenstände innerhalb der
angesetzten Frist nicht beseitigten werden, werde das AGG aber auch diesbezüglich
gezwungen sein, die Gegenstände auf seine Kosten entsorgen zu lassen.
2. Am 1. Februar 2018 reichte der Beschwerdeführer bei der Justiz-, Gemeinde- und
Kirchendirektion des Kantons Bern (JGK) ein mit "Beschwerde gegen die AGG-Verfügung
vom 4. Januar 2018 betreffend des ultimativen Räumungsbefehls für den Wohnteil der
D._-Alphütte per 20. Januar 2018" betiteltes Schreiben ein. Darin stellt er
folgenden Antrag:
"Die AGG-Verfügung vom 4. Januar 2018 sei aufzuheben, da sie gegen den Grundsatz von Treu und Glauben
im Mietrecht verstösst: Als Mieter mache ich den Anspruch auf ordentliche Kündigung des seit 1988 mit dem
Kanton bestehenden Mietverhältnisses geltend (s. Art. 266l und Art. 266o OR)."
3. Die JGK leitete die Beschwerde an die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des
Kantons Bern (BVE) weiter. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die
BVE leitet1, verzichtete auf die Einholung von Vorakten sowie die Durchführung eines
Schriftenwechsels. Es stellte die Beschwerde jedoch dem AGG zur Kenntnis zu.
4. Auf die Beschwerde und die vom Beschwerdeführer eingereichten Unterlagen wird,
soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Die Direktionen beurteilen Beschwerden gegen Verfügungen der ihnen
untergeordneten Verwaltungseinheiten, sofern nicht die Gesetzgebung ein Rechtsmittel
unmittelbar an eine andere Rechtsmittelinstanz vorsieht (Art. 62 Abs. 1 Bst. a VRPG2).
Dies gilt auch dann, wenn im konkreten Fall unklar ist, ob überhaupt eine Verfügung
vorliegt. Das AGG ist eine der BVE untergeordnete Verwaltungseinheit (Art. 2 Abs. 1 Bst. h
OrV BVE). Die BVE ist somit für die Beurteilung der Beschwerde zuständig. Dies reicht
jedoch für das Eintreten auf die Beschwerde noch nicht aus. Vielmehr müssen auch die
übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sein.
b) Nach Art. 60 VRPG können in verwaltungsinternen Beschwerdeverfahren
grundsätzlich nur Verfügungen (Abs. 1 Bst. a) und unter bestimmten Voraussetzungen
gewisse Akte von Organen der Gemeinden, ihrer Anstalten und von Körperschaften, soweit
diese dem Gemeindegesetz unterstellt sind (Abs. 1 Bst. b und Abs. 2 in Verbindung mit
Art. 2 Abs. 1 Bst. b VRPG), Gegenstand einer Beschwerde sein. Erfüllt eine behördliche
Handlung die Merkmale der Verfügung nicht, führt dies grundsätzlich zu einem
Nichteintretensentscheid aufgrund eines fehlenden Anfechtungsobjekts.3 Das VRPG selbst
kennt zwar keine Legaldefinition der Verfügung. Die Rechtsprechung lehnt sich aber an
den Verfügungsbegriff nach Art. 5 VwVG4. Danach gilt als Verfügung die einseitige und
verbindliche Anordnung einer Behörde, mit der ein Rechtsverhältnis gestützt auf
öffentliches Recht geregelt wird.5
c) Vorliegend geht es offenkundig um eine Streitigkeit zwischen dem AGG und dem
Beschwerdeführer betreffend die Auflösung eines Miet- bzw. Untermietvertrages. Solche
Streitigkeiten sind nicht dem öffentlichen, sondern dem privaten Recht zuzuordnen. Denn
der Kanton tritt dabei als Träger privater Rechte auf.6 Da es vorliegend demnach nicht um
2 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 3 Markus Müller, Bernische Verwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 2011, S. 136; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 49 N. 2 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung. 4 Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021). 5 Markus Müller, a.a.O., S. 109 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung. 6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 8 N. 12; vgl. auch Art. 14 Abs. 1 Bst. b OrV BVE.
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die Regelung eines Rechtsverhältnisses gestützt auf öffentliches Recht geht, kommt dem
Schreiben des AGG vom 4. Januar 2018 kein Verfügungscharakter zu. Auf die
Beschwerde kann daher mangels Anfechtungsobjekt nicht eingetreten werden. Sowohl
dem Beschwerdeführer wie auch dem AGG steht jedoch der zivilrechtliche Weg offen. Eine
Weiterleitungspflicht für die BVE besteht aber nicht. Zwar sieht Art. 8 Abs. 2 VRPG vor,
dass wenn eine untere Verwaltungsjustizbehörde der Meinung ist, die bernischen Zivil-
oder Strafgerichte seien zuständig, sie die Akten zum Entscheid über die Zuständigkeit an
die Rechtsmittelbehörde weiterleitet. Vorliegend ist die Eingabe des Beschwerdeführers
jedoch eindeutig als Beschwerde gemäss Art. 60 ff. VRPG bezeichnet. Zudem ist zum
jetzigen Zeitpunkt unklar, ob die Parteien überhaupt einen Zivilprozess anstreben möchten
oder nicht. Unter diesen Umständen fällt eine Weiterleitung gemäss Art. 8 Abs. 2 VRPG
ausser Betracht.
2. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Die Verfahrens- und
Parteikosten werden grundsätzlich der unterliegenden Partei auferlegt (Art. 108 Abs. 1
und 3 VRPG). Wegen des geringen Aufwandes wird vorliegend jedoch darauf verzichtet,
Verfahrenskosten zu erheben. Parteikosten sind keine zu sprechen (Art. 104 Abs. 1 und 3
VRPG).