Decision ID: 8999c1fb-add7-44bf-a547-8fc09a87615a
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die im Jahre 1989 geborene
X._
leidet seit d
em frühen Kindes
alter an einer Innenohrschwerhörigkeit (
Urk.
12/46
). In diesem Zusammenhang
wurde sie von der Invalidenversicherung im Bereich Hilfsmittel sowie durch schu
li
sche und berufliche Massnahmen unterstützt (Sonderschulmassnahmen,
Urk.
12/1,
Urk.
12/23; Berufsberatung,
Urk.
12/15; erstmalige berufliche
Ausbil
dung zur Bauzeichnerin
,
Urk.
12/28,
Urk.
12/58; Hörgerät,
Urk.
12/48). Am 3
1.
Juli 2011 schloss die Versicherte ihre Lehre ab (
Urk.
12/86) und konnte per
1.
September 2011 eine Vollzeitstelle als Bauzeichnerin antreten (
Urk.
12/76).
Seit dem 1
5.
März 2013 stand die Versicherte bei der
Y._
, Ambulatorium
Z._
, in ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Be
handlung, wobei ab dem 1
0.
Juli 2013 ein stationärer Aufenthalt nötig wurde (
Psychiatriezentrum
Z._
,
Urk.
12/90 S. 7 ff.). In diesem Zusammenhang
meldete sich die Versicherte am
5.
September 2013 bei der Sozialversicherungs
-
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
12/87).
Nach
kurzem teilstationärem
Setting wurde in der Zeit vom 1
4.
b
is
2
1.
Oktober 2013
eine zweite
Hospitalisation
nötig, wiederum gefolgt von ei
nem vierwöchigem
teil
stationären
Setting (
Urk.
12/120 S.
5
ff.). In der Zeit vom
5.
März bis 3
0.
April 2014 weilte die Versicherte zur stationären Behandlung in
A._
(
Urk.
12/125), ebenso in der Zeit vom 1
2.
September bis 1
1.
November 2014 (
Urk.
3/5).
Nach erfolgten Abklärungen stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 2
7.
August 2014 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
12/128) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom
4.
November 2014 fest (
Urk.
12/134 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter der Versicherten am
8.
Dezember 2014 Beschwerde und beantragte, es seien der Beschwerdeführerin berufliche Eingliederungsmass
-
nahmen sowie mit Wirkung ab
1.
April 2014 eine Rente zuzusprechen; eventu
a
liter sei die Sache zu weiteren medizinischen Abklärungen an die
Beschwerde
gegnerin
zurückzuweisen.
Weiter sei der unterzeichnende Rechtsanwalt für das vorliegende Verfahren als unentgeltlicher Rechtsbeistand einzusetzen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
0.
Januar 2015 beantragte die
Beschwerdegegne
rin
die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11), was der Beschwerdeführerin am 2
6.
Januar 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
13). Mit Schreiben vom
2
4.
Juli 2014
(richtig 2015)
präzisierte der Vertreter der Beschwerdeführerin sei
nen
Antrag auf unentgeltliche Rechtsvertretung dahingehend, dass seiner Man
dantin auch die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen sei (
Urk.
14). Mit Schreiben vom 3
0.
September 2015 reichte er die Honorarnote ein (
Urk.
15 f.).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG). Sie kann Folge von
Ge
burts
gebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes übe
r die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
träch
ti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil
weise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den aus
geg
lichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlie
gens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem
nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht
als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
so
n bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu ver
werten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur
so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden
kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Per
son sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinwei
sen).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
)
, in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegen
ü
bergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE
130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des
strittigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arz
t
berichtes
ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den
berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Ex
per
ten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160
E. 1c, je mit Hinwei
sen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass die
posttraumatische Belastungsstörung aufgrund der vorliegenden medizini
schen Ak
ten nicht belegt sei,
zudem
habe die ebenfalls diagnostizierte dissozia
tive Be
wegungsstörung erfolgreich therapiert werden können. Eine mittelgradig depres
si
ve Episode sei
aus rechtlicher Sicht keine Diagnose, welche eine länger
fristige/dauerhafte Einschränkung auf die Arbeitsfähigkeit ausübe, so dass zu
sam
men
fassend keine invalidisierende Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen sei (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass seine Mandantin seit dem 2
9.
April 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Die posttraumatische Belastungsstörung werde in verschiedenen
Arztbe
rich
ten
diagnostiziert unter Beschreibung der dafür massgebenden
Gewalter
fa
h
rung
en
in der Kindheit; in diesem Zusammenhang seien auch die stationären
Trau
ma
therapien
in der Klinik
A._
zu sehen.
Weiter könne den medizini
schen Akten nicht entnommen werden, dass die dissoziative Bewegungsstörung thera
piert sei, die entsprechende Therapie sei nicht abgeschlossen. Im Zusam
men
hang
mit den anderen Diagnosen führe die Depression der Beschwerdefüh
rerin seit Mai 2013 zu einer Arbeitsunfähigkeit. Allenfalls sei bei
Dr.
med.
B._
ein aktu
eller Bericht einzuholen und hinsichtlich der zumutbaren Er
werbsfähigkeit ein psychiatrisches Gutachten zu erstellen (
Urk.
1 S. 4 ff.).
3.
3.1
Dr.
med.
B._
, Oberärztin am Ambulatorium
Z._
der
Y._
, diagnostizierte in ihrem Bericht vom 1
0.
Juli 2013 eine mittelgradig
e
bis schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2) sowie Probleme mit Bezug auf ne
ga
tive Erlebnisse in der Kindheit (ICD
-10
Z61; DD:
Traumafolgestörung
).
Es bestehe
eine belastende familiäre Vorgeschichte mit diversen traumatischen Erlebnissen, auf welche die Beschwerdeführerin bisher nicht näher habe eingehen kön
nen/
wollen. Sie
sei derzeit stationär hospitalisiert und es bestehe im Moment sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit. Prinzipiell würden sie davon ausgehen, dass bezüglich der depressi
ven Symptomatik eine Remission erreicht werden könne und eine Rück
kehr in
die Erwerbstätigkeit möglich sei, es gelte jedoch zunächst den Verlauf abzu
warten (
Urk.
12/90 S. 11 f.).
3.2
Die für den Bericht des Psychiatriezentrums
Z._
vom 2
8.
August 2013 ver
antwortlichen Fachpersonen diagnostizierten
eine mittelgradige depressive Epi
sode
(ICD-10 F32.1), eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1),
eine
Dysthymia
(ICD-10 F34.1) sowie eine Akzentuierung von
Persönlich
keits
zügen
, vorrangig emotional-instabile Züge (ICD-10 Z73.1). Die Beschwer
defüh
rerin beschreibe eine
dysthyme
Entwicklung seit ihrem frühen Jugendalter vor dem Hintergrund massiver physischer und psychischer Gewalt durch die Mutter.
Bei Eintritt zeige sich ein mittelgradig depressives Zustandsbild mit stark ge
drückter Stimmung, Freud- und Lustlosigkeit, Ein- und Durchschlaf
störungen,
grübelnden Ge
danken, Konzentrationsstörungen,
Leeregefühl als auch
Überflu
tungs
erleben
von belastenden Erinnerungen, Gefühle von blockiert sein und plötzliches Weinen. Weiter berichte die Beschwerdeführerin über
Sui
zidge
danken
in der Vergangenheit, könne sich aktuell aber klar davon distan
zieren.
Sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit sei ak
tuell von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Ein Wechsel in ihr
teilsta
tionäres
Setting sei für ca. Anfang Oktober 2013 geplant, wobei eine ge
naue
Zeitangabe nicht möglich sei, da sich die Beschwerdeführerin immer wie
der stark
emotional instabil zeige.
Es sei
nicht von einer Invalidisierung aus
zu
gehen, sondern von einer baldigen Erreichung einer zumindest teilweisen Arbeit
s
fähig
keit (
Urk.
12/90 S. 7 ff.).
3.3
Die für den Austrittsbericht des Psychiatriezentrum
s
Z._
vom 2
2.
Oktober 2013 verantwortlichen Fachärzte gingen im Wesentlichen von den gleichen psychiatrischen Diagnosen aus
,
wie sie dem Bericht vom 2
8.
August 2013 zu entnehmen sind. Die Beschwerdeführerin sei am 1
4.
Oktober 2013 Zeug
in
eines schweren Verkehrsunfalls geworden
, bei welchem
sie erste Hilfe geleistet habe. In diesem Zusammenhang sei es zu einer akuten Belastungssituation gekommen (ICD-10 F43.0), welche erneut zu einer stationären Unterbringung geführt habe (bis 2
1.
Oktober 2013). Ab dem 2
3.
Oktober 2013 werde die Beschwerdeführerin die Behandlung im teilstationären Setting für vier Wochen fortführen, danach im ambulanten Setting. In der angestammten Tätigkeit sei vom 1
0.
Juli bis
3
1.
Oktober 2013 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, es wür
de
n kognitive Einschränkungen sowie eine reduzierte Belastbarkeit und Aus
dauer
im Rahmen der Grunderkrankung bestehen. Die bisherige Tätigkeit sei aus medi
zinischer Sicht noch zuzumuten, sofern die depressive Symptomatik sowie die
Traumafolgesymptomatik
ausreichend remittiert sei
en
. Wann damit zu rechnen sei, könne d
erzeit nicht abgeschätzt werden (
Urk.
12/120 S. 5 ff.).
3.4
Die für den Austrittsbericht der Privatklinik
A._
verantwortlichen
Fach
per
sonen
diagnostizierten
nach dem Klinikaustritt am 30. April 2014
eine kom
plexe posttraumatische
Belastungsstö
rung
(ICD-10 F43.1), eine dissoziative Bewe
gungsstörung (ICD-10 F44.4), Feindseligkeit gegenüber dem Kind und ständige Schuldzuweisungen an das Kind (ICD-10 Z62.3), Probleme bei körperlicher Misshandlung eines Kindes (ICD-10 Z61.6), anamnestisch eine
Dysthymie
(ICD-10 F34.1) sowie eine mittel
gradige depressive Episode, aktuell teilremittiert (ICD-10 F32.1). Bei der Be
schwerdeführerin liege eine komplexe
Traumafolge
störung
mit dissoziativen Bewegungsstörungen sowie eine
traumabedingte
Per
sönlichkeitsakzentuierung
mit emotional-instabilen Anteilen vor. Zum Zeit
punkt
des Austritts sei aus me
dizinisch-therapeutischer Sicht von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszu
gehen.
Zur weiteren
Traumabearbeitung
und Stabilisie
rung würden sie die Weiterführung der
Traumatherapie
sowie eine feste Tages
struktur empfehlen. Die Beschwerdeführer
in
trete in die angestammten häus
li
chen Verhältnisse aus, bei ambulanter Behandlung bei
Dr.
B._
. Ein zweites
Intervall der stationä
ren
Traumatherapie
sei in vier Monaten geplant (
Urk.
12/125)
.
3.5
Gemäss Austrittsmeldung vom 1
1.
November 2014 fand die zweite
Hospitalisa
tion
in der Klinik
A._
vom 1
2.
September bis 1
1.
November 2014 statt.
In diagnostischer Hinsicht gingen die Fachärzte neu von einer rezidivierenden de
pressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1) aus, bei ansonsten unveränderter Diagnosestellung. Ein drittes Intervall der stationären
Traumatherapie
würden sie unter der Bedingung einer tragfähigen Einbindung in ein ambulantes psychotherapeutisches Setting un
d
der Indikationsstellung in Absprache mit der ambulanten
Behandlerin
als indiziert erachten. Unter diesen Bedingungen wäre ein Wiedereintritt in neun bis zwölf Monaten anzudenken (
Urk.
3/5).
4.
4.1
Aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten ist davon auszugehen, dass die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in erster Linie durch die depressive Stö
rung eingeschränkt ist. Dabei bleibt zunächst zu prüfen, ob - entsprechend
der
Darstellung
der Beschwerdegegnerin – allein aufgrund der diagnostizierten mittel
gradigen Schwere der Störung ein IV-relevanter Gesundheitsschaden ver
neint werden kann.
Gestützt auf die ständige Rechtsprechung des Bundesgerichts ist davon auszu
gehen, dass die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode grundsätz
lich
als therapeutisch
angehbar
gilt. In diesem Zusammenhang hielt das Bun
desge
richt fest, dass
im Gebiet der Invalidenversicherung ganz allgemein der Grund
satz
gelte
, dass die invalide Perso
n, bevor sie Leistungen verlange
, alles ihr
Zu
mutbare selber vorzukehren habe
, um die Folgen ihrer Invalidität best
möglich zu mildern (BGE 113 V 28 E. 4a mit Hinweisen). Dieses Gebot der
Selbstein
glie
derung
sei
Ausdruck des in der ganzen Sozialversicherung gelten
den Grund
sat
zes der Schadenminderungspflicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_506/2014 vom 10. November 2014 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). Daneben wies das Bun
des
ge
richt darauf hin, dass erst ein Scheitern einer konsequent durchgeführten
Depressionstherapie ein Leiden als resistent ausweise
(Urteil des Bundes
ge
richts 9C_667/2013 vom 29. April
2014 E.
4.3.2). Dabei seien die
Behand
lungs
mög
lich
keiten
optimal und nachhaltig auszuschöpfen (BGE 140 V 193
E. 3.3
).
Bei der Beschwerdeführerin führten die psychischen Beschwerden ab dem 2
9.
April
2013 zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(vgl. Urk. 12/90/3-6)
.
Nachdem die am
bulante psychiatrische Behandlung nicht ausreichend Wirkung
ge
zeigt
hatte
, trat die Beschwerdeführerin am 1
0.
Juli 201
3 eine stationäre Be
handlung an, wel
che bis zum
9
.
Oktober 2013 andauerte (
Urk.
12/120 S.
10
).
Nach
kurzem
teil
stationärem
Setting wurde in der Zeit vom 1
4.
bis 2
1.
Oktober 2013 eine zweite
Hospitalisation
nötig, wiederum gefolgt von ei
nem vier
wöchi
gen
teilsta
tionären
Setting (
Urk.
12/120 S. 5 ff.). In der Zeit vom
5.
März bis 3
0.
April 2014 weilte die Versicherte zur stationären Behandlung in
A._
(
Urk.
12/125), ebenso in der Zeit vom 1
2.
September bis 1
1.
November 2014 (
Urk.
3/5).
Nebst den stationären Behandlungen stand die Beschwerdeführerin in der Zeit ab 1
5.
März 2013
stets ergänzend
in ambulanter
psychiatrischer
Behandlung (
Urk.
12/90 S. 11,
Urk.
12/114 S.
3
,
Urk.
12/120 S. 7
und S. 9, Urk. 1 S. 8
) und es fand eine psychopharmakologische Behandlung statt (
Urk.
12/120 S. 7,
Urk.
12/125 S. 5,
Urk.
3/5). Vor diesem Hintergrund
ist aufgrund
der Dauer der psychischen Erkrankung sowie den erfolgten therapeu
ti
schen Bemühungen von einem resistenten Leiden auszugehen, welches durch di
e Invalidenversi
cherung zu berücksichtigen ist.
Anzumerken ist dabei auch, dass im neusten Bericht der Klinik
A._
von einer rezi
divierenden depressiven Störung und dami
t von einem länger andauernden Krankheitsg
eschehen
aus
gegangen wird (
Urk.
3/5).
Aufgrund der nachfolgenden Ausführungen kann da
bei
offen blei
ben, inwieweit die Arbeitsfähigkeit allenfalls auch durch die ande
ren Diagnosen
beeinträchtigt
ist.
4.2
Aufgrund der ab dem 2
9.
April 2013 bestehenden Arbeitsunfähigkeit ist unter
Berücksichtigung des Wartejahres von einem früh
e
stmöglichen Rentenbeginn per
1.
April 2014 auszugehen. Aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht ist dem
nach
die ab April 2014 gegebene Arbeitsfähigkeit in der bisheri
gen oder einer angepassten Tätigkeit von Interesse.
Aufgrund der medizinischen Akten ist unbestritten, dass für die Zeit bis Ende Oktober 2013 sowohl in der angestammten als auch
in
einer angepassten Tätig
keit von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist. Für die
entscheid
re
levante
Zeit ab April 2014 verhält sich die Sache hingegen nicht derart klar.
Die von der Beschwerdeführerin im Jahr 2014 absolvierten stationären Aufent
halte dienten der
Traumatherapie
. Dass dabei Fragen nach der medizinisch-theo
reti
schen Arbeitsfähigkeit und dem Wiedereintritt in das Erwerbsleben nicht im
Vordergrund stehen, liegt auf der Hand. So äussert sich der Austrittsbericht nach
der
ersten
Hospitalisation
in der Privatklinik
A._
auch nur zur medizi
nisch-therapeutischen Arbeits
fähigkeit
(Urk. 12/125/5)
, während die
Austritts
mel
dung
vom 1
1.
November 2014 bezüglich der Arbeitsfähigkeit keine Angaben enthält
(Urk. 3/5)
.
Bezüglich der depressiven Erkrankung darf per April 2014 wohl von einer leichten Verbesserung ausgegangen werden (aktuell
teilremit
tiert
), wofür auch die T
atsache
spricht
, dass die Beschwerde
führerin
überhaupt
eine
Traumatherapie
durchführen kann
.
Auch wenn die Be
richte der Klinik
A._
den medizinischen Sachverhalt grundsätzlich in ei
ner schlüssigen und
nachvollziehbaren Weise wiedergeben, ist im Rahmen der
Rentenbe
mes
sung
die
aktuelle
Einschätzung der medizinischen-theoretischen Arbeitsfähigkeit uner
lässlich.
Dabei ist weiter auf die Erfahrungstatsache hin
zuweisen, dass behan
deln
de Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräfte mit
unter im Hinblick auf
ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfäl
len eher zu Gunsten ihre
r
Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc
).
Vor diesem Hintergrund erscheint eine psychiatri
sche Begutachtung der Be
schwer
de
führerin angezeigt, insbesondere im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit
in der bisherigen sowie einer angepassten Tätigkeit ab
1.
April 201
4.
Dazu ist di
e Sache an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen; in diesem Sinn ist die Be
schwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Die Rückweisung
d
er Sache
zur weiteren Abklärung
kommt einem Obsiegen der
Beschwerdeführerin gleich. Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin dem
nach
zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine angemessene
Prozessent
schä
digung
zu bezahlen
.
Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das
Sozialver
siche
rungsgericht
(
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Pro
zesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss § 8 in Verbindung mit § 7 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
Der von Rechtsanwalt Ralph
Straessle
mit Eingaben vom 30. September und 11. Dezember 2015 (Urk. 16 und Urk. 18) geltend gemachte Aufwand von ins
gesamt 18.2 Stunden (922 + 168 = 1090 Minuten) Stunden und Fr. 181.
--
Bar
aus
lagen
, davon Fr. 162.-- für Kopien, ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen.
Der Kontakt mit der Kundin hat sich auf das Notwendige zu beschränken und der Verkehr mit (behandelnden) Ärzten ist nicht von der im vorliegenden Ver
fahren unterliegenden Partei zu tragen, zumal nach dem in diesem Verfahren
herrschenden Untersuchungsgrundsatz das Gericht für die notwendigen
Sach
ver
haltsabklärungen
zu sorgen hat. Ebenso wenig hat die Beschwerdegegnerin für grundsätzliche Abklärungen des Rechtsvertreters in rechtlichen Belangen und für Bemühungen, die nicht im Zusammenhang mit dem vorliegenden Verfahren stehen (vgl. Urk. 18 Einträge „10.12.2015“/„19.10.2015“) einzustehen. Die Akten der Vorinstanz sind zwar relativ umfangreich, doch sind für die hier strittige
Rentenfrage die vor der entsprechenden Anmeldung (Urk. 8/87) aufgelegten Akten
praktisch ohne Belang und daher kaum näher zu prüfen. Auch der für
das Verfassen der Beschwerdeschrift geltend gemachte Aufwand von 8.4 Stun
den
(505 Minuten) ist überhöht. Weiter verrechnete der Rechtsvertreter Fr. 162.-- für 324 Kopien, was nicht nachvollziehbar und nicht zu berücksichtigen ist, da die Beschwerdegegnerin auf Gesuch ihre Akten üblicherweise in Kopie zur Einsicht überlässt - wovon auch hier auszugehen ist -, so dass sich das Erstellen von Kopien erübrigt. Das Gericht zieht sodann von Amtes wegen die
Vorakten
bei (§ 21 Abs. 1
GSVGer
), weshalb das Einreichen von entsprechenden Unterlagen unterbleiben kann und die Entschädigung für Kopien und andere Barauslagen
ermessensweise auf insgesamt Fr. 20.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Zu berücksichtigen und zu vergüten sind somit die zu studierenden knapp fünf
zig Aktenstücke und die Durchsicht der übrigen
Vorakten
der
Beschwerde
geg
nerin
, die etwa 10-seitige Beschwerdeschrift, die Aufwendungen im Zusammen
hang mit den Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege (10.8 Stunden) und die nach Zustellung der Beschwerdeantwort angefallenen Bemühungen, inklusiv Stu
dium des Urteils (1.5 Stunden), wobei für letztere der seit 1. Januar 2015
geltende Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) gilt (vgl. dazu
auch Urk. 17). Unter der weiteren Berücksichtigung von in ähnlichen Fällen zu
ge
sprochenen Beträgen ist die Prozessentschädigung auf Fr. 2‘700.-- (inklu
sive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege wird bei diesem Ausgang des Verfahrens gegenstandslos.