Decision ID: 8140847a-e18a-4fdc-a226-98f8d568b638
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1963, bezieht seit
1. Februar 1999 bei einem Invaliditätsgrad von 60 % eine halbe beziehungsweise eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung (Urk. 6/28/1; Urk. 6/131/1; Urk. 6/138).
Im Rahmen einer revisionsweisen Überprüfung seines Rentenanspruchs teilte die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, dem Versicherten am 27. Februar 2013 (Urk. 6/144) mit, dass sie eine polydisziplinäre Begutachtung (Allge
meine/Innere Medizin, Psychiatrie, Rheumatologie) als notwendig erachte, und legte ihren Fragenkatalog bei. Gleichzeitig wies sie den Versicherten darauf hin, dass er innert 10 Tagen einen Gegenbericht sowie Zusatzfragen einreichen könne.
Am 13. März 2013 versandte die IV-Stelle die den Versicherten betreffenden Unterlagen an die per Zufallsprinzip (
SuisseMED@P
) ausgewählte Medizinische Abklärungsstelle (MEDAS)
Y._
(Urk. 6/145-146). Am 18. März 2013 ersuchte der Versicherte um Zustellung der Akten (Urk. 6/147). Am 20. März 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass die Begutachtung am
Y._
stattfinden werde und von Dr. med.
Z._
(Allgemeine/Innere Medizin), Dr. med.
A._
(Psychiatrie) und Dr. med.
B._
(Rheumatologie) durchgeführt werde
. Zudem erging der Hinweis, dass triftige Einwendungen gegen eine oder mehrere der Gutachter innert 10 Tagen schriftlich einzureichen seien
(Urk. 6/150).
1.2
Mit Schreiben vom 30. April 2013 (Urk. 6/155) teilte der Versicherte der IV-Stelle mit, dass er Einwand gegen die Begutachtung am
Y._
erhebe
und ins
besondere Dr.
Z._
als befangen ab
lehne
. Daraufhin erliess die IV-Stelle am 29. Juli 2013 eine Zwischenverfügung, mit welcher sie an der Begutachtung durch die MEDAS
Y._
festhielt (Urk. 6/157 = Urk. 2).
2.
Gegen die Zwischenverfügung vom 29. Juli 2013 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 11. September 2013 Beschwerde mit dem Antrag auf
Aufhebung des ange
fochtenen Entscheides, Ablehnung der genannten Gutachter und Rückweisung der Sache zur Neubestimmung einer Gutachtensstelle gemäss den
bundesge
richtlichen
Vorgaben (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 3. Oktober 2013 (Urk. 5) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 8. Oktober 2013 mitgeteilt wurde (Urk. 7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihr Festhalten an der Begutachtung durch das
Y._
damit,
dass kein schützenswerter Ausstands- oder Ablehnungsgrund gegen die begutachtenden Personen vorliege, welcher den Anschein der Befan
genheit oder der Voreingenommenheit zu begründen vermöge. Das Bundesge
richt habe mit Urteil vom 23. April 2013 entschieden, dass das
hängige
Straf
verfahren gegen Dr.
Z._
nicht als
Ausstandsgrund
ausreiche (Urk. 2 S. 2).
Dr.
Z._
erfülle die Voraussetzungen für eine Gutachtertätigkeit. Die beiden an
deren Gutachter seien ebenfalls nicht befangen. Inwieweit das Vorgehen bei der Einholung des Gutachtens nicht den bundesgerichtlichen Vorgaben entspreche, sei nicht ersichtlich (Urk. 5 S. 2).
1.2
Dem hielt der Beschwerdeführer entgegen, Dr.
Z._
sei die Praxisbewilligung im Kanton Zürich entzogen worden und er erfülle die persönlichen und berufli
chen Anforderungen für eine Gutachtertätigkeit nicht mehr. Zudem sei er nicht finanziell unabhängig, und auch das weiterhin gegen ihn
hängige
Strafverfah
ren wirke sich auf seine Eignung aus. Er sei somit befangen. Aufgrund ihrer Stellung gelte dies auch für
D
r.
A._
und Dr.
B._
.
Zudem seien bei der Gutachtensvergabe die bundesgerichtlichen Anforderung nicht beachtet und seine Mitwirkungsrechte nicht eingehalten worden (Urk. 1 S. 5 ff.).
2.
2.1
Was die vom Be
schwerdeführer gerügten
,
angeblich nicht eingehaltenen Vorga
ben bei der Gutachtensvergabe angeht, so ist
aus den Akten
nicht ersichtlich, inwiefern die Beschwerdegegnerin
sich fehlerhaft verhalten haben soll
(vgl. Urk. 6/144 ff.). Nachdem der Beschwerdeführer diesbezüglich keine substantiierten Rügen vorbringt, ist darauf nicht weiter einzugehen.
2.2
Gemäss Art. 44
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
-
versiche
rungsrechts
(ATSG)
kann die versicherte Person einen Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen und Gegenvorschläge machen.
2.3
Das Bundesgericht hatte sich bereits mit der Frage
einer
Befangenheit von Dr.
Z._
zu befassen und äusserte sich im Entscheid 9C_970/2012 vom 23. April 2013 wie folgt (E. 4.3.2):
„Vorweg kann es nicht auf das subjektive Empfinden der Person ankommen, die Befangenheit des oder der Sach
verständigen behauptet (BGE 132 V 93 E. 7.1
S. 109 f.; Urteil 8C_781/2010 vom 15. März 2011 E. 3; vgl. auch BGE 137 II 431 E. 5.2 S. 453). Ebenso wenig kann der Aus
gang des Strafverfahrens für die Frage der Voreingenommenheit von Bedeutung sein.
Ausstandsrechtlich
für die Beurteilung der Sache entscheidend ist hinge
gen das Folgende: Das Dr. med.
Z._
strafrechtlich zur Last gelegte Verhalten betrifft eine Begutachtung, die 2007 stattgefunden hatte, somit fast fünf Jahre zurückliegt und überdies eine andere versicherte Person betraf. Vorliegend ist der Beschwerdegegnerin die Notwendigkeit einer Begutachtung mit Schreiben vom 5. April 2012 mitgeteilt worden. Selbst wenn Dr. med
.
Z._
einmal Jahre zuvor, entgegen seinen An
gaben im Hauptgutachten, seine Gesamtbeurteilung ohne vorherige Rückspra
che und ausdrückliches Einverständnis mit einem
Teil
gutachter
, der keine pa
thologischen Befunde erhoben hatte, vorgenommen haben sollte, vermöchte dies nicht rund fünf Jahre später noch objektiv den Anschein von Befangenheit - im Falle der Beschwerdegegnerin als Experte zu amten - zu wecken.“
Vor diesem Hintergrund stellt das beschwerdeweise ins Feld geführte bekannte Strafver
fahren gegen Dr.
Z._
auch im vorliegenden Fall keinen
Ausstands
grund
dar.
Des Weiteren ist festzuhalten, dass
die seitens des Beschwerdeführers
behaupte
ten psychischen und finanziellen Probleme von Dr.
Z._
keine Befangenheit zu begründen vermögen (vgl. auch hierzu das Urteil des Bundesgerichts 9C_970/2012 vom 23. April 2013).
Soweit der Beschwerdeführer
auf eine Be
fangenheit infolge wirtschaftlicher Abhängigkeit des
Y._
oder von
Dr.
Z._
von der
Beschwerdegeg
nerin
schliessen will
, ist auf die aktuelle Rechtsprechung zu ver
weisen, wonach die Vergütungsmodalitäten alleine zu keiner Befangen
heit führen (
BGE
137 V 210 E. 3.4.2.7).
Hinreichend fassbare weitere, die kon
krete Begutachtung betreffende Umstände, welche objektiv den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit begründen würden, wurden damit nicht angeführt.
Dies gilt auch für die Frage
einer
Befangenheit von Dr
.
A._
und Dr.
B._
.
2
.4
Zusammenfassend steht fest, dass weder das
Y._
als Gutachtenstelle noch Dr.
Z._
,
Dr.
A._
und Dr
.
B._
als befangen gelten
noch
der Anschein der Befangenheit besteht.
Der Beschwerdeführer
hat sich der Begutachtung am
Y._
zu unterziehen und
wird hiermit nochmals ausdrücklich auf seine
Mitwir
kungspflicht
hingewiesen.
Aufgrund des Gesagten
erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
3.
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung geht, ist das Beschwerdeverfahren - in Abweichung von Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) - gemäss Art. 61
lit
. a ATSG kostenlos.
Die Beschwerdeerhebung
ist
angesichts der eindeutigen bundes- wie auch kantonalgerichtlichen Rechtsprechung zur Frage der Befangenheit von Dr
.
Z._
allerdings
als
an der Grenze zur Mutwil
ligkeit
zu werten
, weshalb eine Kostenauflage an die Anwältin des Beschwer
deführers bei weiteren
gleichgearteten
Eingaben vorbehalten wird
(§ 33 Abs. 2
GSVGer
in Verbindung mit
§ 28
GSVGer
sowie
Art. 128 Abs. 3 ZPO)
.