Decision ID: a709ff80-4702-5f01-8ba9-6108688ed4c7
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 19. Mai 2016 in der Schweiz um Asyl
und machte anlässlich der Befragung zur Person vom 27. Mai 2016 und
der Anhörung vom 11. Juli 2018 im Wesentlichen geltend, sri-lankischer
Staatsangehöriger tamilischer Ethnie zu sein und bis 1998 in Jaffna gelebt
zu haben. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1990 und der Wiederver-
heiratung seiner Mutter sei er bis 1994 bei seiner Grossmutter aufgewach-
sen. Von (...) bis (...) sei er von den Liberation Tigers of Tamil Eelam
(LTTE) rekrutiert worden und habe gleichzeitig die Schule besuchen kön-
nen. Bei den LTTE sei er als Buchhalter tätig gewesen und habe vor allem
Warenverkehr erfassen müssen. Aufgrund der Krankheit seiner Grossmut-
ter habe er die LTTE im Jahr (...) verlassen können und habe danach kei-
nen Kontakt zur Bewegung mehr gehabt. Danach sei er nach B._,
Distrikt Mullaitivu (Nordprovinz) umgezogen und habe dort geheiratet.
Nach Ende des Bürgerkrieges sei er im Mai 2009 mit seiner Familie ins
Flüchtlingscamp C._ gebracht worden. Dort sei er zu seinen LTTE-
Verbindungen befragt worden, er habe jedoch angegeben, nichts mit den
LTTE zu tun gehabt zu haben. Im Jahr 2010 hätten sie ins Heimatdorf zu-
rückkehren können und er habe beim Wiederaufbau geholfen. Von 2011
bis zu seiner Ausreise sei er als Tuk-Tuk-Fahrer tätig gewesen. Nebenbei
habe er auf einer Palmöl-Plantage gearbeitet. Am (...) 2015 hätten sich
Mitglieder des Criminal Investigation Department (CID) bei ihm zu Hause
gemeldet und ihn über allfällige Geldflüsse innerhalb der LTTE befragt. Er
habe bestritten, je damit zu tun gehabt zu haben. Zugleich sei ihm vorge-
worfen worden, Mitglied der LTTE gewesen zu sein. Am (...) 2015 habe er
diesen Vorfall einer Menschenrechtsorganisation in D._ gemeldet,
diese habe jedoch nichts unternommen. Im weiteren Verlauf des Monats
(...) habe er bemerkt, dass er von Mitgliedern des CID überwacht werde.
Im (...) hätten sich diese beim Dorfvorsteher über ihn erkundigt. Ein dort
tätiges rehabilitiertes LTTE-Mitglied habe ihn über die Erkundigungen des
CID unterrichtet. Aus Angst vor weiteren Nachstellungen durch das CID,
habe er sich zur Ausreise entschlossen. Auf dem Landweg sei er nach Co-
lombo gereist und am (...) 2016 mit seinem eigenen Reisepass nach Dubai
geflogen. Via Iran, Türkei und Griechenland sei er über die Balkanroute in
die Schweiz gereist. Nach seiner Ausreise hätten sich die Mitglieder des
CID bei seinen Angehörigen wiederholt nach ihm erkundigt.
Als Beweismittel reichte er folgende Dokumente ein: seine sri-lankische
Identitätskarte, seine Geburtsurkunde, Kopien der Geburtsurkunden seiner
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Ehefrau und drei Kinder, einen Auszug aus dem Heiratsregister, ein Bestä-
tigungsschreiben der E._ (Distrikt Mullaitivu) vom 8. August 2016
sowie ein Schreiben des Dorfvorstehers von B._ vom 11. Februar
2016.
B.
Mit Verfügung vom 6. September 2019 (eröffnet am 9. September 2019)
verneinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh-
rers, lehnte sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug.
C.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
9. Oktober 2019 Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht. Darin be-
antragt er, das Gericht habe unverzüglich darzulegen, welche Gerichtsper-
sonen mit der Behandlung der vorliegenden Sache betraut und ob diese
Gerichtspersonen zufällig ausgewählt worden seien, andernfalls die kon-
kreten objektiven Auswahlkriterien bekannt zu geben seien. Ferner sei die
angefochtene Verfügung wegen Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör, eventualiter wegen Verletzung der Begründungspflicht aufzuheben
und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die an-
gefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Feststellung des voll-
ständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhaltes und zur Neube-
urteilung an das SEM zurückzuweisen. In weiteren Eventualbegehren be-
antragt er die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewäh-
rung von Asyl unter Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie die Fest-
stellung der Unzulässigkeit oder zumindest der Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzuges.
Als Beweismittel legte er folgende Unterlagen ins Recht: ein Foto von sich
in Uniform, vier Fotos seiner Narben, zwei Fotos von sich an Demonstrati-
onen, vier LTTE-Heldenanzeigen und ein LTTE-Heldenfoto seiner Cousine,
seines Cousins sowie des Bruders und eines Cousins der Ehefrau, einen
Wikipedia-Eintrag und ein Foto eines Kommandanten der (...)-Einheit der
LTTE namens "F._", verschiedene Zeitungsartikel, Berichte und Ur-
teile zur allgemeinen Lage in Sri Lanka (teilweise ausgedruckt, teilweise
auf CD-ROM).
D.
Mit Zwischenverfügung vom 21. Oktober 2019 forderte das Bundesverwal-
tungsgericht den Beschwerdeführer auf, einen Kostenvorschuss zu leisten
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und gab ihm die bereits eingesetzten Mitglieder des Spruchkörpers be-
kannt. Der Kostenvorschuss ging fristgerecht am 5. November 2019 ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft getre-
ten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
2.
2.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Be-
schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legiti-
miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist, vorbehält-
lich nachfolgender Einschränkung, einzutreten.
2.2 Auf den Antrag auf Mitteilung betreffend die Bildung des Spruchkörpers
ist nicht einzutreten (vgl. Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai
2018 E. 4.3).
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
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5.
5.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen (Verletzung
des Anspruchs auf rechtliches Gehör inklusive Verletzung der Begrün-
dungspflicht, unvollständige und unrichtige Abklärung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts) erhoben. Diese sind vorab zu beurteilen, da sie allen-
falls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu be-
wirken.
5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss
so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht.
Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un-
richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
5.3 Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe seinen Anspruch auf
rechtliches Gehör verletzt, weil sie ihm an der Anhörung keine Fragen zu
allfälligen exilpolitischen Tätigkeiten in der Schweiz und zu seinen Narben
gestellt habe. Dadurch habe sie nicht abgeklärt, ob Risikofaktoren vorlie-
gen würden. In der Verfügung habe sie diese Punkte ebenfalls nicht er-
wähnt und damit ihre Begründungspflicht verletzt. Weiter sei nur eine ver-
kürzte Anhörung durchgeführt worden (Dauer 2 Stunden und 40 Minuten)
und die Sprache in der Verfügung würde gegen die internen Richtlinien der
Vorinstanz sowie gegen die Neutralität und Sachlichkeit verstossen. Die
Vorinstanz habe sodann nicht die aktuellen menschenrechtlichen und poli-
tischen Entwicklungen in Sri Lanka berücksichtigt, sondern sich auf das
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Lagebild vom 16. August 2016, und damit auf eine veraltete und ausser-
dem fehlerhafte Lageeinschätzung, gestützt.
Die Vorinstanz machte den Beschwerdeführer zu Beginn der BzP und der
Anhörung ausdrücklich auf seine Mitwirkungspflicht, insbesondere auch im
Zusammenhang mit Tätigkeiten für die LTTE und politischen Tätigkeiten in
der Schweiz, aufmerksam (vgl. act. A6 S. 2 und act. A15 S. 2). Gemäss
Art. 8 AsylG obliegt es den Asylsuchenden, alle ihre Asylgründe darzule-
gen. Der Beschwerdeführer erwähnte zwar seine Tätigkeiten für die LTTE,
nicht jedoch exilpolitische Tätigkeiten in der Schweiz. Die Vorinstanz muss
in der Verfügung keine Vorbringen begründen, welche der Beschwerdefüh-
rer gar nicht geltend gemacht hatte. Anlässlich der Anhörung hatte er ge-
nügend Zeit, seine Asylgründe zu nennen. Der Verfügung sind weiter keine
sprachlichen Verfehlungen zu entnehmen; dass die Vorinstanz ein Vorbrin-
gen als "wirklichkeitsfremd" beziehungsweise "realitätsfremd" gewürdigt
hat (vgl. Beschwerde S. 14 f.), lässt nicht auf Voreingenommenheit schlies-
sen und ist nicht zu beanstanden. Die Vorinstanz hat genügend begründet,
weshalb sie die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint,
eine Rückkehr des Beschwerdeführers für zumutbar erachtet und auch die
Quellen für ihre Lagebeurteilung angegeben. Ihm war es damit möglich,
die Verfügung sachgerecht anzufechten. Eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs des Beschwerdeführers, inklusive Begründungpflicht, liegt nicht
vor.
5.4 Weiter moniert der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit individu-
ellen Asylgründen (LTTE-Verbindungen des Beschwerdeführers selbst und
innerhalb der Familie, exilpolitisches Engagement, Kriegs- und Folternar-
ben, Gesundheitszustand des Beschwerdeführers, Herkunft aus dem
Vanni-Gebiet) sowie im Zusammenhang mit der Einschätzung der länder-
spezifischen Lage in Sri Lanka (aktuelle Lage unter Berücksichtigung der
Ernennung eines neuen Armeekommandanten; Papierbeschaffung auf sri-
lankischem Generalkonsulat und Background-Check) und der Quellenver-
wendung durch die Vorinstanz eine unvollständige und unrichtige Feststel-
lung des Sachverhalts.
Die Vorinstanz hat die individuellen Asylgründe genügend abgeklärt. Aus
der Verfügung geht hervor, dass der Beschwerdeführer im Vanni-Gebiet
gelebt hat und für die LTTE tätig gewesen ist. Auf Beschwerdeebene macht
der Beschwerdeführer erstmals geltend, er sei LTTE-Mitglied und nicht
bloss Sympathisant gewesen, gewisse Familienmitglieder seien als Märty-
rer gestorben, er weise Kriegs- und Folternarben auf und engagiere sich
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exilpolitisch. Diese Vorbringen stellen nachgeschobene Sachverhaltsele-
mente dar, weshalb die Vorinstanz nicht gehalten war, diese von sich aus
abzuklären.
Die Vorinstanz setzte sich mit der aktuellen Lage in Sri Lanka auseinander
und berücksichtigte die Osteranschläge vom 21. April 2019 mit deren Fol-
gewirkungen. Allein der Umstand, dass die Vorinstanz in ihrer Länderpraxis
zu Sri Lanka einer anderen Linie folgt als vom Beschwerdeführer vertreten,
und sie aus sachlichen Gründen zu einer anderen Würdigung der Vorbrin-
gen (inklusive Risikoanalyse) gelangt als vom Beschwerdeführer verlangt,
spricht nicht für eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung.
5.5 Die formellen Rügen erweisen sich insgesamt als offensichtlich unbe-
gründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Verfügung aus formellen
Gründen aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Das entsprechende Rechtsbegehren ist abzuweisen.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer stellt für den Fall einer materiellen Beurteilung
seiner Beschwerde durch das Bundesverwaltungsgericht folgende Beweis-
anträge: Ihm sei eine Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung
sowie zur Einreichung einer Kostennote betreffend den Zusatzaufwand an-
zusetzen. Sein Gesundheitszustand – er leide unter Migräneanfällen und
Gedächtnisstörungen – sei von Amtes wegen abzuklären, allenfalls sei ihm
eine angemessene Frist zur Einreichung eines fachärztlichen Gutachtens
anzusetzen. Er sei durch das Bundesverwaltungsgericht unter Beiziehung
eines qualifizierten Übersetzers erneut anzuhören.
6.2 Angesichts der vorliegenden Akten und Umstände sieht sich das Bun-
desverwaltungsgericht nicht veranlasst, einen ausführlichen Bericht zum
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers einzuholen oder ihn erneut
anzuhören. Anlässlich der BzP und der Anhörung erklärte er auf Nachfrage,
es gehe ihm gesundheitlich gut (vgl. act. A6 F8.02 und act. A15 F81); im
Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens sind nie gesundheitliche Prob-
leme geltend gemacht oder Arztberichte eingereicht worden. Es hätte ihm
sodann zumindest seit Beschwerdeerhebung freigestanden und es wäre
seine Mitwirkungspflicht gewesen, einen Arztbericht beizubringen. Weiter
begründet er auch nicht, weshalb er erneut anzuhören sei. Er rügte die
angefochtene Verfügung ausführlich und umfassend. Auf die Ansetzung ei-
ner Frist zur Beschwerdeergänzung kann deshalb verzichtet werden. Dem
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Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wäre es zudem freigestanden,
eine Kostennote einzureichen. Die Beweisanträge sind abzuweisen.
7.
7.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
7.2 Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewährt, wenn sie erst
durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ih-
res Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG
wurden (subjektive Nachfluchtgründe). Stattdessen werden Personen, wel-
che subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen kön-
nen, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
Ist die Gefährdung demgegenüber aufgrund von äusseren, nach der Aus-
reise eingetretenen Umständen, auf die der Betreffende keinen Einfluss
nehmen konnte, entstanden, liegen objektive Nachfluchtgründe vor; dies-
bezüglich wird kein Asylausschluss begründet (vgl. BVGE 2010/44 E. 3.5
m.w.H.).
7.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
8.
8.1 Zur Begründung ihres ablehnenden Asylentscheids führte die Vor-
instanz aus, die Asylvorbringen des Beschwerdeführers seien weder
glaubhaft noch asylrelevant, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft nicht
erfülle. Seine Ausführungen zu den angeblichen Nachstellungen durch das
CID seit (...) 2015 seien wenig detailliert und wenig überzeugend ausge-
fallen. Im Flüchtlingscamp C._ seien ihm im Mai 2009 Fragen zu
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einer allfälligen Mitgliedschaft oder Unterstützung der LTTE gestellt wor-
den. In der Folge sei er jedoch in sein Heimatdorf zurückgeschickt worden
und habe keine Probleme mit den sri-lankischen Behörden mehr gehabt.
Im Jahr 2010 habe er in Colombo einen Reisepass beantragt und erhalten.
Diesen habe er im Januar 2016 sodann für die Ausreise aus Sri Lanka be-
nutzt. Eine Verfolgung seitens des CID erscheine vor diesem Hintergrund
sehr unwahrscheinlich. Nicht überzeugend sei seine Behauptung, das CID
habe sich im (...) 2015 wegen seiner Tätigkeit als "Buchhalter" für die LTTE
in den Jahren (...) bis (...) für ihn interessiert. Er sei zu jenem Zeitpunkt
zwischen (...) und (...) Jahre alt gewesen. Aufgrund seines jugendlichen
Alters und seiner Funktion sei nicht davon auszugehen, er habe Kenntnis
von sicherheitsrelevanten Informationen über wichtige Geldflüsse inner-
halb der LTTE gehabt. Seine Aufgabe als "Buchhalter" habe darin bestan-
den, ein- und ausgehende Waren der LTTE zu erfassen und Quittungen
auszustellen. Er sei damals weder Mitglied der LTTE gewesen noch habe
er eine militärische Ausbildung erhalten. Nicht glaubhaft sei auch die an-
gebliche Beschattung durch das CID im (...) 2015. Diesem sei der Wohnort
des Beschwerdeführers bekannt gewesen und es wäre dem CID jederzeit
möglich gewesen, ihn dort aufzuspüren und festzunehmen. In den Schrei-
ben der E._ und des Dorfvorstehers werde nur allgemein auf seine
angeblichen Probleme in Sri Lanka verwiesen, ohne diese genauer zu prä-
zisieren. Die Bestätigungsschreiben würden deshalb reine Gefälligkeits-
schreiben ohne Beweiswert darstellen. Zufolge der Aktenlage sei nicht er-
sichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in den Fokus der
Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte. Die
Kontrollmassnahmen bei der Einreise nach Sri Lanka würden grundsätz-
lich kein asylrelevantes Ausmass annehmen.
8.2 Auf Beschwerdeebene macht der Beschwerdeführer erstmals geltend,
offizielles Mitglied einer Elite-Einheit der LTTE gewesen und für die (...)-
Truppe als Buchhalter tätig gewesen zu sein; er habe regelmässige Kon-
takte zu hochrangigen LTTE-Kadermitgliedern gehabt. Weiter verfüge er
über eine Vielzahl von Verwandten und nahen Angehörigen, welche die
LTTE unterstützt und ihre Leben für den tamilischen Separatismus geopfert
hätten (ein Cousin und eine Cousine mütterlicherseits sowie ein Bruder und
ein Cousin der Ehefrau des Beschwerdeführers). In der Schweiz nehme er
regelmässig an Demonstrationen für den tamilischen Separatismus teil.
Bereits eine einfache Teilnahme an einer Demonstration reiche in Kombi-
nation mit seinem Profil aus, um von den sri-lankischen Sicherheitsbehör-
den als Gefahr für den sri-lankischen Einheitsstaat angesehen zu werden.
Seine Unterstützungsleistungen für die LTTE seien spätestens nach seiner
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Flucht registriert worden. Weiter weise er Kriegsnarben auf; an seiner lin-
ken Schulter habe er eine Narbe von einer Granatsplitterverletzung und auf
der rechten Seite seines Kopfes eine Narbe, weil er am (...) angeschossen
worden sei. Deswegen sei er für drei Monate stationär in einem Lazarett
der LTTE gewesen. Er habe keine gültigen Einreisepapiere und halte sich
nun schon fast drei Jahre in der Schweiz – einem Hort des tamilischen
Separatismus – auf. Damit erfülle er verschiedene Risikofaktoren gemäss
der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts. Die Begründung der
Vorinstanz in Bezug auf die Unglaubhaftigkeit verschiedener Sachverhalt-
selemente sei nicht nachvollziehbar und teilweise schlicht falsch. Die Vor-
instanz habe sein Risikoprofil nur ungenügend erfasst. Weiter erfülle er die
Flüchtlingseigenschaft bereits zufolge seiner Zugehörigkeit zur bestimmten
sozialen Gruppe der abgewiesenen tamilischen Asylsuchenden sowie zur
Gruppe der vermeintlichen oder tatsächlichen LTTE-Unterstützer.
9.
9.1 Die Vorinstanz ist in ihren Erwägungen zur zutreffenden Erkenntnis ge-
langt, die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Verfolgungsvorbrin-
gen würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit und Asylrelevanz
nicht genügen, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Auf die
betreffenden Erwägungen der Vorinstanz gemäss angefochtener Verfü-
gung und Zusammenfassung in E. 8.1 kann zur Vermeidung von Wieder-
holungen verwiesen werden; sie sind nicht zu beanstanden. Der Be-
schwerdeführer führte anlässlich der Anhörung aus, die LTTE habe damals
diverse Geschäfte geführt. Seine Tätigkeit habe neben dem Schulbesuch
darin bestanden, Quittungen zu kontrollieren und den Warenverkehr zu-
sammenzufassen, damit die LTTE einen Überblick gehabt habe, wie viel
rein- und rausgegangen sei (vgl. act. A15 F47 und F51). Er sei von der
Bewegung nicht militärisch ausgebildet worden und auch kein Mitglied ge-
wesen. Die Schule sei für Waisenkinder gewesen und erst bei Erreichen
der Volljährigkeit seien sie Mitglieder geworden. Da er noch nicht volljährig
gewesen sei, habe er ohne Probleme austreten können (vgl. act. A15 F48
und F50). In der Beschwerdeschrift wird die Tätigkeit des Beschwerdefüh-
rers zu derjenigen eines wichtigen Mitarbeiters mit regelmässigen Kontak-
ten zu hochrangigen LTTE-Kadermitgliedern aufgebauscht und er soll nun
mehrjähriges Mitglied der (...)-Elite-Einheit der LTTE gewesen sein. Bei
seiner Arbeit soll er zudem in Kontakt zum Kommandanten der (...)-Einheit
namens "F._" gestanden sein. Die diesbezüglichen Beweismittel
(Beilagen 2–6) vermögen diese Behauptung jedoch nicht zu belegen. Es
handelt sich um allgemeine Ausführungen zur (...)-Einheit und zu deren
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Kommandanten "F._". Ein Bezug zum Beschwerdeführer persön-
lich ist nicht ersichtlich, zumal dieser selbst ausführte, keine militärische
Ausbildung erhalten und die LTTE noch vor Erreichen der Volljährigkeit ver-
lassen zu haben. Beilage 6 zeigt ein Foto einer Gruppe uniformierter Män-
ner. Der Beschwerdeführer ist darauf nicht erkennbar. Die Vorbringen des
Beschwerdeführers zu den angeblichen Nachstellungen durch das CID im
(...) 2015 fielen vage und oberflächlich aus und es ist aufgrund des Gesag-
ten nicht davon auszugehen, dass er ins Visier des CID geraten ist. Die
Bestätigungsschreiben der E._ und des Dorfvorstehers hat die Vo-
rinstanz zufolge des nur pauschalen Verweises auf Probleme in Sri Lanka
zutreffend als Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiswert eingestuft. Die wei-
teren im Beschwerdeverfahren eingereichten Beweismittel, sofern sie
überhaupt rechtserheblich sind, vermögen an der fehlenden Glaubhaf-
tigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers ebenfalls nichts zu ändern.
Dabei handelt es sich grossmehrheitlich um Dokumente, welche die allge-
meine Lage und die politische Situation in Sri Lanka beschreiben. Der Be-
schwerdeführer kann daraus keine individuelle Verfolgung ableiten.
Hinsichtlich der Vorsprache auf dem sri-lankischen Generalkonsulat ist auf
das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts BVGE 2017 VI/6 E. 4.3.3 zu ver-
weisen, wonach es sich bei der Ersatzreisepapierbeschaffung um ein stan-
dardisiertes, lang erprobtes und gesetzlich geregeltes Verfahren handelt.
Nur aufgrund der Datenübermittlung der schweizerischen Behörden an die
sri-lankischen Behörden und der Nennung des (unglaubhaften) Ausreise-
grundes anlässlich einer Vorsprache auf dem sri-lankischen Generalkon-
sulat ist bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht mit einer asylrelevanten
Verfolgung zu rechnen.
9.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr
von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Die Ausfüh-
rungen, dass alle abgewiesenen tamilischen Asylsuchenden als Mitglieder
einer bestimmten sozialen Gruppe verfolgt würden, gehen daher fehl. Der
Ausgang der Kommunalwahlen vom 10. Februar 2018 ändert an dieser
Einschätzung nichts. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der aktuellen
politischen Lage in Sri Lanka. Die aktuelle Lage in Sri Lanka war nach den
Terroranschlägen im April 2019 zwar als volatil zu beurteilen, jedoch ist
aufgrund dessen nicht auf eine generell erhöhte Gefährdung von zurück-
kehrenden tamilischen Staatsangehörigen zu schliessen. Der am 26. Ok-
tober 2018 begonnene Machtkampf zwischen Sirisena, Rajapaksa und
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Seite 12
Wickremesinghe sowie die Präsidentschaftswahlen von November 2019
vermögen diese Einschätzung nicht in Frage zu stellen.
Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsiden-
ten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt
der Rajapaksa-Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; https://www.the-
guardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate-rajapa-
ksa-premadas-count-continues, abgerufen am 05.03.2020). Gotabaya
Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehemaligen Präsidenten
Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht war, Verteidi-
gungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Journa-
listinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zudem
wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsver-
brechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigungen (vgl.
Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.01.2020). Kurz
nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda zum
Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in
die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Raja-
paksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche
Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. https://www.ani-
news.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-cha-
mal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state20191127174753/, abgerufen
am 04.03.2020). Beobachter und ethnische / religiöse Minderheiten be-
fürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Überwachung
von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und
Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl.
Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste
bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapa-
ksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri
Lankas Präsident löst das Parlament auf, 03.03.2020).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-
gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind
beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des
Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri
Lanka: Families of "Disappeard" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt
es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
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Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein-
zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen
zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Fol-
gen besteht.
An der Lageeinschätzung des Referenzurteils E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 ist weiterhin festzuhalten. Durch seine Ausführungen zur allgemeinen
Situation in Sri Lanka vermag der Beschwerdeführer keine auf seine Per-
son bezogene konkrete Gefährdung darzulegen. Das Vorliegen von objek-
tiven Nachfluchtgründen ist ebenfalls zu verneinen.
9.3 Die auf Beschwerdeebene erstmals geltend gemachten exilpolitischen
Tätigkeiten erstrecken sich auf die angebliche zweimalige Teilnahme an
einer Demonstration. Die Fotos zeigen den Beschwerdeführer mit einer
Fahne der LTTE vor dem Bundeshaus (Beilage 12) und zusammen mit
zwei weiteren Männern in Genf (Beilage 13). Nicht überzeugend ist jedoch,
dass diese Fotos anlässlich von Demonstrationen entstanden sein sollen,
denn eine Menschenansammlung ist nicht ersichtlich. Jedenfalls lässt sich
daraus nicht auf eine besondere Exponiertheit des Beschwerdeführers
schliessen. Es ist deshalb nicht von einer relevanten exilpolitischen Tätig-
keit des Beschwerdeführers auszugehen.
9.4 Zu prüfen bleibt, ob die im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 (vgl. a.a.O. E. 8.5) aufgeführten Risikofaktoren erfüllt sind, deren Vor-
liegen zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft führen können. Die Asyl-
vorbringen des Beschwerdeführers sind unglaubhaft ausgefallen und er
selbst war nie Mitglied der LTTE. Seine Familie in Sri Lanka weist aktuell
keine Verbindungen zu den LTTE auf. Auf Beschwerdeebene bringt er neu
vor, sein Cousin und seine Cousine sowie ein Bruder und ein Cousin seiner
Ehefrau seien LTTE-Märtyrer. Aus den LTTE-Heldenfotos (Beilagen 7–11)
geht jedoch nicht hervor, dass es sich dabei um Familienangehörige des
Beschwerdeführers und seiner Ehefrau handelt. Die Personen auf den Fo-
tos verstarben zudem bereits in den Jahren 1998, 1999 und 2008 und der
Beschwerdeführer hatte wegen angeblichen Verwandten bei den LTTE nie
Schwierigkeiten. Nach 2009 hatte er seinen Angaben gemäss keine Prob-
leme mehr mit den sri-lankischen Behörden; die angeblichen Behelligun-
gen durch das CID im Jahr 2015 sind nach dem oben Gesagten nicht
glaubhaft geworden. Seine angebliche exilpolitische Tätigkeit in der
Schweiz wäre als äusserst niederschwellig einzustufen. Weiter wurde er
keiner Straftat angeklagt oder verurteilt und verfügt somit auch nicht über
einen Strafregistereintrag. Dass er in einer „Stop List“ aufgeführt sein soll,
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erscheint aufgrund des Gesagten und insbesondere aufgrund seiner Aus-
reise mit seinem eigenen Reisepass über den Flughafen Colombo als un-
wahrscheinlich. Allein aus der tamilischen Ethnie, den Körpernarben und
der mittlerweile dreijährigen Landesabwesenheit kann keine Gefährdung
abgeleitet werden. Die Narbe am Kopf wird von der Kopfbehaarung ver-
deckt und diejenige auf dem linken Schulterblatt lässt nicht direkt auf Drit-
teinwirkung schliessen (vgl. Beilagen 15–18). Unter Würdigung aller Um-
stände ist somit anzunehmen, dass der Beschwerdeführer von der sri-lan-
kischen Regierung nicht zu jener kleinen Gruppe gezählt wird, die bestrebt
ist, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen und so eine
Gefahr für den sri-lankischen Einheitsstaat darstellt. Es ist nicht davon aus-
zugehen, dass ihm persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka
ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. Dies ergibt
sich auch nicht aus den auf Beschwerdeebene eingereichten Dokumenten,
Berichten und Länderinformationen.
9.5 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abge-
lehnt.
10.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
11.
11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25 Abs. 3
BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und
andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
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Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AlG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AlG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AlG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AlG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
11.2 Die Vorinstanz führte aus, zufolge der Nichterfüllung der Flüchtlings-
eigenschaft des Beschwerdeführers könne auch der Grundsatz der Nicht-
rückschiebung nicht angewandt werden und die allgemeine Menschen-
rechtssituation in Sri Lanka lasse den Wegweisungsvollzug nicht generell
als unzulässig erscheinen. Zurückkehrenden Tamilinnen und Tamilen in Sri
Lanka drohe nicht generell eine unmenschliche Behandlung, sondern im
Einzelfall müsse eine Risikoeinschätzung vorgenommen werden. Weder
den Aussagen des Beschwerdeführers noch den Akten würden sich An-
haltspunkte dafür ergeben, dass ihm im Falle einer Rückkehr mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Be-
handlung drohe. Weiter würden weder allgemeine noch individuelle Hin-
dernisse vorliegen, weshalb sich der Wegweisungsvollzug auch als zumut-
bar erweise. Der Vollzug der Wegweisung sei sodann technisch möglich
und praktisch durchführbar.
11.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, für ihn als zurückgeschafften
tamilischen Asylbewerber sowie zufolge des Kompetenzzuwachses der Ar-
mee und damit des neuen Armeechefs Shavendra Silva sei der Wegwei-
sungsvollzug unzulässig und generell unzumutbar. Er habe die Schule
nicht abgeschlossen, sich lange Zeit im Ausland aufgehalten und leide an
Migräneanfällen und Gedächtnisstörungen, weshalb er keinen Beruf ausü-
ben könne. Weiter verfüge er über kein sozial tragfähiges Netz und würde
bei einer allfälligen Rückkehr in eine existentielle Notlage geraten. Der
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Wegweisungsvollzug sei deshalb auch in individueller Hinsicht unzumut-
bar.
11.4 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender
Begründung erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin-
dernisse erkennbar sind. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch
die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungs-
vollzug als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil E-1866/2015 E. 12.2
f.). An dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichtigung der jüngsten
politischen Entwicklungen in Sri Lanka (vgl. oben E. 9.2) festzuhalten. Auch
im Hinblick auf die diplomatischen Unstimmigkeiten zwischen der sri-lanki-
schen und der schweizerischen Regierung (nach der Entführung einer An-
gestellten der schweizerischen Botschaft in Sri Lanka am 25. November
2019) besteht kein konkreter Grund zur Annahme, die allgemeinen politi-
schen Entwicklungen in Sri Lanka könnten sich zum heutigen Zeitpunkt auf
den Beschwerdeführer auswirken (vgl. Entscheid D-1466/2020 vom
23. März 2020 E. 7.2.2). Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte
(EGMR) hat zudem wiederholt festgestellt, dass nicht generell davon aus-
zugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka eine unmensch-
liche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall vorgenom-
men werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. Sep-
tember 2013, Nr. 10466/11; Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen
Polen vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14). Aus den Akten ergeben sich keine
konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer Rück-
kehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu
befürchten hätte, die über einen so genannten „Background Check“ (Be-
fragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen
würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre. Der Vollzug er Wegwei-
sung ist zulässig.
11.5 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Nach einer eingehen-
den Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundes-
verwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvoll-
zug in die Nordprovinz zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen
Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiä-
ren oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte
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Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil
E-1866/2015 E. 13.2). In einem weiteren als Referenzurteil publizierten
Entscheid erachtet das Bundesverwaltungsgericht auch den Wegwei-
sungsvollzug ins „Vanni-Gebiet“ als zumutbar (vgl. Urteil D-3619/2016 vom
16. Oktober 2017 E. 9.5). An dieser Einschätzung vermögen auch die ak-
tuellen Ereignisse in Sri Lanka nichts zu ändern.
Der Beschwerdeführer lebte bis vor seiner Ausreise mit seiner Ehefrau und
drei Kindern in B._, Distrikt Mullaitivu, Vanni-Gebiet, in einem eige-
nen Haus. Die Schule besuchte er mehrere Jahre und verdiente seinen
Lebensunterhalt als Tuk-Tuk-Fahrer. Nebenbei war er in der Palmölverar-
beitung tätig. Während seiner Abwesenheit werden seine Ehefrau und Kin-
der von den Eltern, Schwiegereltern und Geschwistern des Beschwerde-
führers unterstützt (vgl. act. A15 F18). Sein Schwiegervater besitzt einen
Veloladen und dem Beschwerdeführer gehört eine Palmenplantage (vgl.
act. A15 F18 und F21). Vier Geschwister seiner Ehefrau leben ebenfalls im
Mullaitivu-Bezirk. Die kostspielige Reise von Sri Lanka nach Europa konnte
er selbst finanzieren. Es ist davon auszugehen, dass die Familie ihn bei
der Wiedereingliederung unterstützen kann und er eine neue Existenz wird
aufbauen können. Die auf Beschwerdeebene geltend gemachten Gedächt-
nisstörungen haben den Beschwerdeführer bereits vor der Ausreise aus
Sri Lanka nicht an seiner Arbeitstätigkeit gehindert. Es liegen auch in indi-
vidueller Hinsicht keine Wegweisungsvollzugshindernisse vor.
11.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
11.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Es erübrigt sich, auf den weiteren Inhalt der
Beschwerde und die eingereichten Beweismittel – die sich allesamt auf die
generelle Situation in Sri Lanka beziehen, ohne einen individuellen Bezug
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zum Beschwerdeführer zu haben – noch näher einzugehen. Die Be-
schwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
13.
13.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten zufolge der sehr
umfangreichen Beschwerde mit zahlreichen Beilagen ohne individuellen
Bezug zum Beschwerdeführer praxisgemäss auf insgesamt Fr. 1'500.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
13.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers stellte im vorliegenden
Fall zum wiederholten Mal ein Rechtsbegehren, über das bereits in ande-
ren Verfahren mehrfach befunden worden ist (Bestätigung der Zufälligkeit
beziehungsweise Offenlegung der objektiven Kriterien der Zusammenset-
zung des Spruchkörpers). Diese unnötig verursachten Kosten sind deshalb
dem Rechtsvertreter persönlich aufzuerlegen und auf Fr. 100.– festzuset-
zen (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 66 Abs. 3 BGG; vgl. auch Urteil des Bundes-
gerichts 5D_56/2018 vom 18. Juli 2018 E. 6).
13.3 Im restlichen Umfang von Fr. 1'400.– sind die Verfahrenskosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen. Dieser Betrag ist dem geleisteten Kosten-
vorschuss von Fr. 1'500.– zu entnehmen. Der Restbetrag von Fr. 100.– ist
dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
(Dispositiv nächste Seite)
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