Decision ID: c4a2bda1-73a6-4fab-9de4-ddfd516d1d4f
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Feststellung Personenstand
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Dietikon vom 19. Juli 2018 (EP180004-M)
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Rechtsbegehren: (act. 1 S. 1)
"1. Das amtliche Geschlecht sei von "weiblich" auf "männlich" zu .
2. Der amtliche Vorname sei in der Folge von A._ auf C._ zu ändern.
3. Die zuständigen Zivilstandsbehörden seien anzuweisen, in der Folge in den Registern den Geschlechtseintrag des  von "weiblich" auf "männlich" sowie den Vornamen von A._ auf C._ zu ändern."
Verfügung des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Dietikon vom 19. Juli 2018:
(Urk. 6 S. 2 = Urk. 8 S. 21 = Urk. 12 S. 21)
1. Auf das Gesuch um Änderung des amtlichen Vornamens wird nicht eingetre-
ten.
2. [Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung]
3. [Rechtmittelbelehrung: Berufung, Frist 10 Tage, ohne Stillstand]
Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Dietikon vom 19. Juli 2018:
(Urk. 6 S. 3 = Urk. 8 S. 22 = Urk. 12 S. 22)
1. Das Gesuch auf Änderung des amtlichen Geschlechts wird abgewiesen.
2. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 600.–.
3. Die Kosten werden der gesuchstellenden Partei auferlegt.
4. [Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung]
5. [Rechtmittelbelehrung: Berufung, Frist 10 Tage, ohne Stillstand]
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Berufungsanträge: (Urk. 10 S. 2)
"1. Es sei gerichtlich festzustellen, dass der Berufungskläger  männlichen Geschlechts ist.
2. Das zuständige Zivilstandsamt sei gerichtlich anzuweisen, die Geschlechtsänderung gemäss Art. 7 Abs. 2 lit. o ZStV .
3. Dem Berufungskläger sei die Vornamensänderung von A._ zu C._ zu bewilligen und das zuständige Zivilstandsamt sei ebenso anzuweisen, den geänderten Vornamen einzutragen.
4. Eventualiter: Das Urteil vom 19.07.2018 des Bezirksgerichts Dietikon (Geschäfts-Nr.: EP180004-M/U) sei aufzuheben und an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen.
- unter Kosten- und Entschädigungsfolgen -"

Erwägungen:
I. Ausgangslage und Prozessverlauf
1. Die gesuchstellende Person wurde am tt. Oktober 1997 in Zürich gebo-
ren und dem weiblichen Geschlecht zugeordnet. Entsprechend wurde sie in den
Registern als A._ B._, weiblichen Geschlechts, eingetragen.
2. Mit Eingabe vom 31. Mai 2018 (Datum des Poststempels) machte die
gesuchstellende Person bei der Vorinstanz ein Verfahren betreffend Feststellung
des Personenstandes anhängig, in welchem sie die obgenannten Anträge stellte
(Urk. 1). Daraufhin wurde sie zur Anhörung auf den 19. Juli 2018 vorgeladen
(Urk. 4). An dieser Verhandlung wurde sie persönlich befragt (Prot. I S. 3-17). In
der Folge fällte die Vorinstanz die eingangs wiedergegebenen Entscheide (Prot. I
S. 17-19; Urk. 6). Diese wurden der gesuchstellenden Person an der Verhandlung
mündlich eröffnet sowie schriftlich im Dispositiv übergeben (Prot. I S. 19). Mit Ein-
gabe vom 25. Juli 2018 verlangte die gesuchstellende Person fristgemäss eine
schriftliche Begründung der Entscheide (Urk. 7). Die begründete Fassung der
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Verfügung und des Urteils vom 19. Juli 2018 wurde der gesuchstellenden Person
am 10. September 2018 zugestellt (Urk. 8; Urk. 9).
3. Mit Eingabe vom 20. September 2018 erhob die gesuchstellende Per-
son – nunmehr vertreten durch Rechtsanwältin X._ (vgl. Urk. 11) – rechtzei-
tig Berufung mit den obgenannten Anträgen (Urk. 10 S. 2). Der mit Verfügung
vom 12. Oktober 2018 einverlangte Kostenvorschuss von Fr. 800.– wurde fristge-
recht geleistet (Urk. 13; Urk. 14). Am 27. März 2019 beschloss die Kammer, bei
der Gutachtensstelle der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich ein fachärztli-
ches Gutachten zu verschiedenen Fragen im Zusammenhang mit der Diagnose
der Genderdysphorie nach DSM-5 302.85 einzuholen, und gab der gesuchstel-
lenden Person Gelegenheit, Einwendungen gegen die vorgeschlagene Gutachte-
rin zu erheben, sich zum Entwurf des Fragenkatalogs zu äussern sowie Ände-
rungs-/Ergänzungsfragen dazu zu stellen (Urk. 15). Die Stellungnahme der ge-
suchstellenden Person datiert vom 12. April 2019 (Urk. 16). Mit Beschluss vom
10. Mai 2019 wurde pract. med. D._, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho-
therapie (FMH) mit Schwerpunkt Forensische Psychiatrie und Sexualmedizin, als
Gutachterin bestellt (Urk. 17). Der Gutachtensauftrag wurde mit Schreiben vom
13. Mai 2019 erteilt (Urk. 18). Nachdem das Gutachten vom 11. Juli 2019 hierorts
eingegangen war (Urk. 21; Urk. 22), wurde der gesuchstellenden Person Frist zur
Stellungnahme angesetzt (Urk. 23). Mit Verfügung vom 8. August 2019 wurde ihr
sodann eine Kopie der zwischenzeitlich eingegangenen Rechnung der Psychiatri-
schen Universitätsklinik zur freigestellten Stellungnahme zugestellt (Urk. 26;
Urk. 27). Die gesuchstellende Person nahm mit Eingabe vom 12. August 2019
sowohl zum Gutachten wie auch zur Rechnung Stellung (Urk. 28).
4. Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen (Urk. 1-9). Das Verfah-
ren erweist sich als spruchreif.
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II. Materielles
1. Problemstellung
1.1 Die Vorinstanz legte ihrem Entscheid die Auffassung zugrunde, wo-
nach eine rechtliche Anerkennung des Geschlechtswechsels voraussetze, dass
der Antragsteller in seinem Wunschgeschlecht "angekommen" sei, d.h. die kon-
stante Erfahrung mache, dem Wunschgeschlecht anzugehören und in diesem
anerkannt zu werden (Urk. 12 E. III/4.1, S. 12 f.). Im Einzelnen seien dabei jeweils
drei Komponenten zu prüfen, nämlich eine soziale, eine psychologische und eine
objektive Komponente (Urk. 12 E. III/4.2, S. 13). Anhand dieser Kriterien prüfte
die Vorinstanz, ob dem Gesuch um Änderung des amtlichen Geschlechts stattge-
geben werden könne. Dabei kam sie zum Schluss, dass bei der gesuchstellenden
Person aktuell lediglich die soziale Komponente erfüllt sei. Hinsichtlich der psy-
chologischen Komponente erachtete sie es demgegenüber als zweifelhaft, ob bei
der gesuchstellenden Person bereits eine Verfestigung des Zugehörigkeitsemp-
findens zum Wunschgeschlecht vorliege bzw. ob davon ausgegangen werden
könne, dass die Phase der Geschlechtsidentitätsfindung bereits abgeschlossen
sei. Unter Hinweis auf das äussere Erscheinungsbild, an welchem nach wie vor
klar erkennbar sei, dass das biologische Geschlecht weiblich sei, verneinte die
Vorinstanz zudem auch die Erfüllung der objektiven Komponente. Im Ergebnis
wies sie das Gesuch um Änderung des amtlichen Geschlechts mit der Begrün-
dung ab, dass es in einer Gesamtschau (noch) an der Erfüllung der dargelegten
Voraussetzungen fehle (Urk. 12 E. IV/1-5, S. 15 ff.).
1.2 Die gesuchstellende Person ist der Ansicht, der vorinstanzliche Ent-
scheid beruhe auf einer falschen Konzeption von Geschlechtsidentität und Trans-
identität. Sie plädiert für den Wegfall sämtlicher Voraussetzungen zur Änderung
des amtlichen Geschlechts und für ein Verfahren basierend auf Selbstbestim-
mung. Entsprechend beanstandet sie – insbesondere unter Hinweis auf eine
Grundrechtsproblematik – die herangezogenen Kriterien in allgemeiner Weise. Im
Weiteren bemängelt sie die konkrete Anwendung der Kriterien in verschiedener
Hinsicht, indem sie insbesondere eine Verletzung des rechtlichen Gehörs und des
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Rechts auf ein faires Verfahren, eine willkürliche Anwendung des objektiven Krite-
riums sowie eine fehlerhafte Beweisführung geltend macht (vgl. Urk. 10 Rz 3 ff.).
1.3 Zu klären ist somit vorab, ob die registerrechtliche Änderung des Ge-
schlechts vom Erfüllen gewisser Voraussetzungen abhängig gemacht werden
darf. Des Weiteren wird zu prüfen und zu entscheiden sein, ob die Vorinstanz die
geforderten Kriterien willkürlich bzw. rechtsverletzend angewandt hat und ob das
Gesuch aufgrund der aktuellen Aktenlage – nach Einholung des Gutachtens –
gutgeheissen werden kann.
2. Voraussetzungen für die registerrechtliche Änderung des Geschlechts
2.1 Vorbemerkungen zu den rechtlichen Grundlagen
Wie bereits die Vorinstanz festhielt (vgl. Urk. 12 E. III/1, S. 5), kennt das
schweizerische Recht gegenwärtig – abgesehen von Art. 7 Abs. 2 lit. o ZStV, wel-
cher die Geschlechtsänderung als Gegenstand der Beurkundung des Personen-
standes erfasst – keine gesetzlichen Bestimmungen zur Geschlechtsänderung
und mithin auch keine gesetzliche Regelung, wann und unter welchen Umständen
eine Person das ihr zugewiesene Geschlecht amtlich ändern kann. Aus diesem
Umstand kann allerdings – entgegen der Forderung der gesuchstellenden Person
(vgl. insb. Urk. 10 Rz 9) – nicht abgeleitet werden, dass die Änderung des amtli-
chen Geschlechts und des Vornamens bei Transmenschen bereits heute voraus-
setzungslos zuzulassen ist. Zwar sind aktuell Bestrebungen zur Revision des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches im Gange, welche darauf abzielen, die Situa-
tion von Transmenschen und Menschen mit einer Geschlechtsvariante zu verbes-
sern. Konkret sollen künftig Personen, welche innerlich fest davon überzeugt sind,
nicht dem im Personenstandsregister eingetragenen Geschlecht zuzugehören,
diesen Eintrag mit einer blossen Erklärung gegenüber dem Zivilstandsamt unbü-
rokratisch ändern lassen können. Im Vorentwurf über die Änderung des Schwei-
zerischen Zivilgesetzbuches ist daher vorgesehen, dass die Entgegennahme ei-
ner solchen Erklärung keinerlei Voraussetzungen bedürfe. Untersagt seien na-
mentlich Vorbedingungen bezüglich Alter oder Gesundheit sowie Voraussetzun-
gen wie chirurgische Eingriffe, insbesondere die Sterilisation und andere medizi-
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nische Behandlungen, die Diagnose einer psychiatrischen Erkrankung oder die
Scheidung (vgl. Erläuternder Bericht zum Vorentwurf über die Änderung des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Änderung des Geschlechts im Personen-
standsregister] vom 23. Mai 2018, S. 30 f.). Wie aber die Vorinstanz zutreffend
ausgeführt hat (Urk. 12 E. III/1, S. 5 f.), ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar, ob,
wann und in welcher Form diese Revisionsbestrebungen umgesetzt werden. Der
geplanten Revision kommt daher nur beschränkt Vorwirkung zu, indem sie als In-
diz für die gesellschaftliche und politische Wertevorstellung zu berücksichtigen ist.
Ferner ist darauf hinzuweisen, dass ein gerichtlicher Entscheid – entgegen der of-
fenbar von der gesuchstellenden Person vertretenen Ansicht (vgl. dazu im Einzel-
nen Urk. 10 Rz 3-9 sowie unten Ziff. 2.4) – auch nicht einzig auf neue wissen-
schaftlichen Erkenntnisse abgestützt werden kann. Vielmehr ist es in erster Linie
Aufgabe des Gesetzgebers, solche Erkenntnisse formell-gesetzlich zu verankern.
Dass die Vorinstanz die Gerichtspraxis für die Entscheidfindung herangezogen
hat, ist daher richtig und – entgegen den Vorbringen der gesuchstellenden Person
(vgl. Urk. 10 Rz 11 f.) – nicht zu beanstanden. Wie die nachstehenden Ausfüh-
rungen zeigen werden, geht auch die Kritik der gesuchstellenden Person fehl,
wonach BGE 119 II 264 – der jüngste (aus dem Jahre 1993 stammende) Bun-
desgerichtsentscheid zu dieser Thematik – "unhinterfragt zur aktuellen Gerichts-
praxis" gezählt worden sei (vgl. Urk. 10 Rz 12).
2.2 Von der Rechtsprechung entwickelte Kriterien
Im Entscheid BGE 119 II 264 führte das Bundesgericht aus, die Änderung
des Personenstandes infolge Geschlechtsumwandlung könne nicht dem persönli-
chen Empfinden des betroffenen Transsexuellen überlassen werden. Die Rechts-
sicherheit gebiete klare, eindeutige Verhältnisse, was nur bei einem irreversiblen
Geschlechtswechsel gewährleistet sei (BGE 119 II 264 E. 6c). Gestützt darauf
wurden in der Zürcher Rechtsprechung zwei Kriterien für den rechtlichen Nach-
vollzug des Geschlechtswechsels herausgebildet: Zum Einen wurde verlangt,
dass die betroffene Person eine dem Wunschgeschlecht entsprechende äussere,
d.h. wahrnehmbare, Erscheinungsweise aufweist und die konstante Erfahrung
macht, im Wunschgeschlecht angekommen zu sein sowie in diesem anerkannt zu
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werden. Zum Anderen wurde die Fortpflanzungsunfähigkeit im ursprünglichen
Geschlecht als Voraussetzung der rechtlichen Anerkennung eines Geschlechts-
wechsels statuiert (OGer ZH NC090012 vom 1. Februar 2011, E. IV/2.5 und
E. IV/4.2-4.3; siehe auch OGer ZH NC130001 vom 17. Mai 2013, E. 4d).
2.3 Verwerfen des Kriteriums der Fortpflanzungsunfähigkeit
Dass die rechtliche Anerkennung des Geschlechtswechsels von einem kör-
perlichen Eingriff wie der Herbeiführung der Fortpflanzungsunfähigkeit durch ei-
nen chirurgischen Eingriff oder eine Hormontherapie abhängig gemacht wurde,
stiess nicht nur in der Lehre auf Kritik (vgl. dazu insbesondere Büchler/Cottier,
Anmerkungen zum Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 1. Februar
2011, in: FamPra.ch 2011, S. 932; Recher, Änderung von Name und amtlichem
Geschlecht: einfach zum rechtskonformen Entscheid, in: FamPra.ch 2015,
S. 633 ff. [fortan Recher, FamPra.ch 2015]), sondern wurde auch in der Recht-
sprechung anderer Kantone verworfen (vgl. Entscheid des Regionalgerichts Bern-
Mittelland vom 12. September 2012 – CIV 12 1217, in: FamPra.ch 2015, S. 196-
201; Entscheid des Zivilgerichts des Kantons Basel vom 16. Februar 2015, in:
FamPra.ch 2015, S. 671-679; Entscheid des Regionalgerichts Bern-Oberland
vom 22. August 2016 - CIV 16 1920, in: FamPra.ch 2017, S. 286-289; Entscheid
des Regionalgerichts Bern-Oberland vom 23. August 2017 - CIV 17 2249, in:
FamPra.ch 2018, 204-212).
In einem Entscheid vom 9. Juni 2016 setzte sich auch das Bezirksgericht
Zürich (fortan BGZ) kritisch mit dem Erfordernis der Fortpflanzungsunfähigkeit
auseinander. Dabei wurde darauf hingewiesen, dass für den Ausschluss der Fort-
pflanzung eine gesetzliche Grundlage und ein überwiegendes öffentliches Inte-
resse erforderlich wären, zumal es sich dabei um einen schwerwiegenden Grund-
rechtseingriff handelt, der den Kernbereich der menschlichen Persönlichkeit be-
trifft. Unter Würdigung verschiedener Lehrmeinungen sowie mit dem Hinweis auf
die Entwicklung der Rechtsprechung und die Resolution 2048 [2015] des Europa-
rats vom 22. April 2015 (worin die Mitgliedstaaten u.a. dazu aufgefordert werden,
für die Anerkennung des Geschlechtswechsels auf eine gesetzliche Verpflichtung
zur Sterilisation und Vornahme anderer medizinischer Eingriffe zu verzichten)
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kam das BGZ alsdann zum Schluss, dass sich die Fortpflanzungsunfähigkeit nach
heutigen Anschauungen weder mit der Aufrechterhaltung des ordre public, d.h.
der Verwirklichung der grundlegenden Rechtsanschauungen, rechtfertigen lasse,
noch mit dem Interesse an Rechtssicherheit. Letzteres sei dem Recht auf körper-
liche Selbstbestimmung klar unterzuordnen, zumal die Belange der Rechtssicher-
heit im Zusammenhang mit der rechtlichen Erfassung gleichgeschlechtlicher El-
ternschaft in absehbarer Zukunft mit der geplanten Einführung der Stiefkindadop-
tion durch homosexuelle Paare an Bedeutung verlieren dürften. Entscheidend sei
ferner, dass es in der geltenden Rechtsordnung an einer hinreichenden gesetzli-
chen Grundlage für einen derart weitgehenden Grundrechtseingriff fehle. Alles in
allem dürfe das Vorhandensein von Zeugungs- resp. Fortpflanzungsunfähigkeit
für einen Geschlechtswechsel somit nicht vorausgesetzt werden (vgl. zum Gan-
zen Urteil des BGZ vom 9. Juni 2016, EP160019, E. III/5 mit weiteren Hinweisen
und Verweisen, in: ZR 115 [2016], Nr. 48). Mit derselben Begründung verwarf
auch die Vorinstanz das Kriterium der durch chirurgische oder hormonelle Mass-
nahmen herbeigeführten Fortpflanzungsunfähigkeit (vgl. Urk. 12 E. III/3.1-3.8,
S. 7-12).
Diese Argumentation vermag zu überzeugen. Vorbedingungen wie die chi-
rurgische Angleichung der Genitalien oder die – chirurgische oder hormonelle –
Herbeiführung reversibler oder irreversibler Zeugungsunfähigkeit sind nicht mit
der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (fortan
EGMR) vereinbar. So stellte der EGMR im Urteil A.P., Garçon und Nicot gegen
Frankreich vom 6. April 2017, klar, dass für eine Änderung des amtlichen Ge-
schlechts keine Eingriffe vorausgesetzt werden dürfen, welche die äussere Er-
scheinung dauerhaft verändern (EGMR-Urteil A.P., Garçon und Nicot gegen
Frankreich vom 6. April 2017, Nr. 79885/12, 52471/13 und 52596/13). Demge-
mäss sind medizinische Behandlungen – d.h. operative Eingriffe und auch Hor-
monbehandlungen – keine zulässigen Voraussetzungen für die Anerkennung der
Geschlechtsidentität einer Transgenderperson.
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2.4 Kriterium des "Angekommen-Seins im Wunschgeschlecht" –
psychologische und soziale Komponenten der Geschlechtsidentität
Wie bereits erwähnt, hält die Vorinstanz demgegenüber dafür, dass die
rechtliche Anerkennung des Geschlechtswechsels auf jeden Fall voraussetze,
dass die antragstellende Person in ihrem Wunschgeschlecht "angekommen" sei,
d.h. die konstante Erfahrung mache, dem Wunschgeschlecht anzugehören und in
diesem anerkannt zu werden (Urk. 12 E. III/4.1, S. 12 f.). Dabei stützt sich die Vo-
rinstanz auf den obgenannten Entscheid des Obergerichts Zürich (OGer ZH
NC090012 vom 1. Februar 2011, E. IV/4.2.2) wie auch auf die Rechtsprechung in
anderen Kantonen (Entscheid des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom
12. September 2012 – CIV 12 1217, in: FamPra.ch 2015, S. 196-201; Entscheid
des Zivilgerichts des Kantons Basel vom 16. Februar 2015, in: FamPra.ch 2015,
S. 671-679). Unter Berufung auf den in der ZR 115 [2016], Nr. 48 publizierten
Entscheid des BGZ vom 9. Juni 2016 leitet die Vorinstanz alsdann ab, dass mit
dieser Formulierung auf das soziale und psychologische Geschlecht Bezug ge-
nommen werde. Die soziale Komponente betreffe das direkte persönliche, familiä-
re und berufliche Umfeld, in welches das innere Zugehörigkeitsempfinden über-
zeugend hinausgetragen werden müsse. Dabei spiele auch die Akzeptanz durch
das nähere Umfeld eine Rolle. Auf der psychologischen Seite müsse sich das Zu-
gehörigkeitsempfinden zum Wunschgeschlecht bei der betreffenden Person ver-
festigt haben, d.h. die Phase der Geschlechtsidentitätsfindung müsse abge-
schlossen sein, sodass es generell als eher unwahrscheinlich einzustufen sei,
dass später eine erneute Rückänderung beantragt werde. Dazu gehöre auch die
reifliche Auseinandersetzung mit dem möglichen Auseinanderklaffen der bei der
betroffenen Person tatsächlich vorhandenen und wahrnehmbaren körperlichen
Geschlechtsmerkmale und der in der Natur und/oder der gesellschaftlichen Auf-
fassung dem Wunschgeschlecht entsprechenden körperlichen Geschlechts-
merkmale (Urk. 12 E. III/4.1-4.2, S. 12 f.).
Die gesuchstellende Person erachtet sowohl die psychologische wie auch
die soziale Komponente als untaugliche Kriterien. Mit Bezug auf Erstere macht sie
im Wesentlichen geltend, eine Verfestigung des Zugehörigkeitsempfindens zum
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Wunschgeschlecht könne nicht verlangt werden. Geschlechtsidentität sei eine
stabile und nicht beeinflussbare Komponente des menschlichen Geschlechts,
welche von den weiteren – veränderbaren – Aspekten von Geschlecht, wie dem
Geschlechtsausdruck, den körperlichen Geschlechtsmerkmalen und dem im Per-
sonenregister eingetragenen, amtlichen Geschlecht, zu unterscheiden sei. Durch
Änderungen der äusseren Erscheinung und durch medizinische Veränderungen
der körperlichen Geschlechtsmerkmale könne also Kongruenz zwischen den ver-
schiedenen Komponenten von Geschlecht hergestellt werden, die Geschlechtsi-
dentität ändere sich dadurch jedoch nicht. Transmenschen würden den Weg ei-
nes sog. inneren Coming-outs (= sich selbst Eingestehen der eigenen Ge-
schlechtsidentität) und später eines sog. Coming-outs (= Kommunikation der ei-
genen Geschlechtsidentität an die Umwelt) gehen. Die möglichen Schwierigkei-
ten, entsprechend der eigenen Geschlechtsidentität zu leben, ergäben sich daher
nicht aus einer Unsicherheit über die eigene Geschlechtsidentität, sondern primär
aus der Angst vor oder tatsächlich erlebter Ablehnung durch andere. Ziel der be-
antragten Änderungen sei somit, die Geschlechtsidentität der gesuchstellenden
Person anzuerkennen – nicht einen bestimmten Umgang der Person und ihres
Umfeldes damit. Es gehe darum, ihr Recht auf Achtung des Privatlebens zu wah-
ren (Urk. 10 Rz 3 ff. und Rz 15 ff.). Gegen die soziale Komponente wendet die
gesuchstellende Person ein, dass oft erst die Änderung des amtlichen Ge-
schlechts und Vornamens die Akzeptanz durch das Umfeld ermögliche. Zudem
liege die Akzeptanz durch das Umfeld nicht allein im Einflussbereich des Gesuch-
stellenden. Dadurch mache die Vorinstanz als staatliches Organ den Schutz des
Privatlebens – als staatliche Aufgabe – vom Verhalten Privater abhängig. Ferner
bevorzuge dieses Kriterium diejenigen Transmenschen, welche Akzeptanz ihrer
Geschlechtsidentität einfordern oder sich von einem feindlichen Umfeld lösen
könnten, womit der Schutz des Privatlebens von der Stärke des individuellen
Grundrechtsträgers abhängig gemacht werde (Urk. 10 Rz 22).
Im Zusammenhang mit diesen Vorbringen der gesuchstellenden Person ist
festzuhalten, dass im Bereich der Diagnostik und Behandlung von Transmen-
schen zweifellos ein grundlegender Wandel stattgefunden hat bzw. nach wie vor
stattfindet. Im traditionell medizinischen Kontext wurden Menschen, die ihr Ge-
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schlecht nicht (oder nicht vollständig) in Übereinstimmung mit dem ihnen bei der
Geburt zugewiesenen Geschlecht erleben, unter dem Begriff "transsexuell" zu-
sammengefasst. Es wurde angenommen, dass solche Menschen sich "im fal-
schen Körper" fühlen würden, was einer "Störung der Geschlechtsidentität"
gleichkäme, welche sich "nur" durch somatomedizinische Massnahmen (insbe-
sondere Hormontherapie sowie chirurgische Eingriffe) "heilen" liesse. Dieser kli-
nisch pathologisierende Blick auf Transmenschen bzw. die medizinische Konzep-
tualisierung der Transsexualismus-Diagnose geriet in den vergangenen Jahren
zunehmend unter Druck (Garcia Nuñez/Gross, Die stille Revolution: eine Über-
sicht zum aktuellen Stand der Diagnostik und Behandlung von trans*Personen, in:
Leading Opinions, Neurologie & Psychiatrie 3/2018). Im Zuge dieses Wandels
wurde der Begriff "Transsexualismus" bzw. die im Klassifizierungssystem ICD-10
als "Geschlechtsidentitätsstörung" erfasste Diagnose "Transsexualismus" durch
Einführung der Diagnose "Genderdysphorie" und Begriffe wie "Gendervarianz"
weitgehend abgelöst. Als gendervariant werden Menschen bezeichnet, die ihre
Geschlechtsidentität anders erleben, als sie von der Aussenwelt festgelegt wird.
Erfasst werden damit sowohl Personen mit intersexuellen Geschlechtsmerkmalen
wie auch Transmenschen. Gemäss DSM-5 – dem amerikanischen Klassifizie-
rungssystem psychischer Störungen – wird mit "Genderdysphorie" ein Zustand
bezeichnet, bei welchem gendervariante Menschen unter einen grossen bio-
psycho-sozialen Druck geraten, sodass sie sich geschlechtsangleichende Schritte
überlegen, wodurch ein Leiden entsteht, das Krankheitswert erhält. In den Bera-
tungs- und Behandlungsempfehlungen von Garcia et al. wird in diesem Zusam-
menhang festgehalten, dass mit der Einführung der Diagnose "Genderdysphorie"
das Erleben der Transpersonen und die Gründe für die Notwendigkeit der indivi-
duell zu gestaltenden Transition in den Vordergrund gerückt und pathologisieren-
de Geschlechtsidentitätskonzepte sowie fixe Behandlungsrichtlinien (z.B. frühere
Konzepte/Fristen wie einjähriger Alltagstest oder 2-Jahres-Frist vor Operationen
etc.) verlassen würden. Erfahrungsgemäss führe eine adäquate (geschlechtsan-
gleichende) Behandlung zu einer deutlichen Reduktion der genderdysphorischen
Problematik, zur Verbesserung allfälliger psychiatrischer und somatischer Sekun-
därpathologien und zur Steigerung der Lebensqualität. Die Diagnose einer Gen-
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derdysphorie gelte als hinreichend gesichert, wenn die untersuchende Fachper-
son zu der begründeten Auffassung gelange, dass die DSM-5-Kriterien1 erreicht
seien (Garcia et al., Von der Transsexualität zur Gender-Dysphorie, Beratungs-
und Behandlungsempfehlungen bei TransPersonen, in: Schweiz Med Forum
2014, S. 382 ff.).
Recher weist in seinem bereits zitierten Aufsatz "Änderung von Name und
amtlichem Geschlecht: einfach zum rechtskonformen Entscheid" darauf hin, dass
nach heutigem Forschungsstand (eher) davon auszugehen sei, dass die Ge-
schlechtsidentität einem Menschen von Anfang an inhärent sei und dass Trans-
menschen folglich nicht erst im Verlauf ihres Lebens Frau oder Mann werden
würden. Auch er – der mithin die wissenschaftlichen Fortschritte berücksichtigt –
hält aber dafür, dass diese ursprüngliche Prägung, um gelebt werden zu können,
der Kommunikation an die Umwelt bedürfe. Dabei sei es stark von der Einstellung
der Umgebung bestimmt, ob und wann Transmenschen ihre vom zugeschriebe-
nen Geschlecht abweichende wahre Geschlechtsidentität kommunizieren würden.
Die Möglichkeiten, entsprechend der eigenen Geschlechtsidentität zu leben, wür-
den also namentlich von der Entwicklung des Dialogs zwischen Transperson und
Umwelt und damit von der Akzeptanz anderer abhängen. Bevor es zu diesem
Dialog kommen könne, müsse sich die Person selbst ihrer eigenen Geschlechtsi-
dentität bewusst sein (sog. inneres Coming-out) und ihr Trans-Sein ausdrücken
können (sog. äusseres Coming-out). Weder das innere noch das äussere Co-
ming-out seien an ein bestimmtes Lebensalter gebunden, insbesondere stehe ein
früheres Coming-out in keinem Bezug zur "Echtheit" des Mann- resp. Frau-Seins.
1Kriterium A: Eine ausgeprägte Inkongruenz zwischen erlebter/erfahrener und (bei Geburt) zugeschriebener , die mindestens 6 Monate dauert und sich durch zwei oder mehr der folgenden Merkmale manifestiert: - Ausgeprägte Inkongruenz zwischen erlebter/erfahrener Geschlechtsidentität und den primären und/oder sekundären
Geschlechtsmerkmalen - Starker Wunsch, aufgrund der erlebten/erfahrenen Geschlechtsidentität sich der primären und/oder sekundären Ge-
schlechtsmerkmale zu entledigen - Starker Wunsch, die primären und/oder sekundären Geschlechtsmerkmale des anderen Geschlechts zu besitzen - Starker Wunsch, dem anderen (oder einem zum zugewiesenen alternativen) Geschlecht anzugehören - Starker Wunsch, als Angehöriger des anderen (oder eines zum zugewiesenen alternativen) Geschlechts behandelt
zu werden - Starke und feste Überzeugung, dass man die typischen Gefühle und Reaktionen des anderen (oder eines zum zu-
gewiesenen alternativen) Geschlechts zeige Kriterium B: Der Zustand ist verknüpft mit klinisch relevantem Leiden oder Beeinträchtigung im sozialen, in beruflichen oder in anderen wichtigen Funktionsbereichen. Oder der Zustand ist mit einer deutlich erhöhten Wahrscheinlichkeit , ein solches Leiden bzw. eine solche Beeinträchtigung hervorzurufen.
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Eine rechtliche Änderung von Name und amtlichem Geschlecht setze zwangsläu-
fig ein inneres Coming-out voraus (Recher, FamPra.ch 2015, S. 624 f.).
Entgegen der Ansicht der gesuchstellenden Person erscheinen die von der
Vorinstanz herangezogenen Kriterien – psychologische und soziale Komponente
– auch unter Berücksichtigung dieser neueren wissenschaftlichen Erkenntnisse
als taugliche und zulässige Prüfungsvoraussetzungen. Denn mit diesen Kriterien
wird nichts anderes zum Ausdruck gebracht, als dass eine rechtliche Änderung
des Personenstands erst dann in Frage kommt, wenn erstens ein Bewusstsein
über die eigene Geschlechtsidentität resp. ein Eingeständnis derselben besteht,
d.h. die Phase des inneren Coming-outs abgeschlossen ist (psychologische
Komponente), und zweitens das eigene Trans-Sein überzeugend in das persönli-
che, familiäre und berufliche Umfeld hinausgetragen wird (äusseres Coming-out
resp. soziale Komponente). In der Lehre wird zwar die Auffassung vertreten, dass
eine Änderung des amtlichen Geschlechts grundsätzlich erst beantragt werde,
wenn die Person in der Phase des nach aussen kommunizierten Coming-outs
angelangt resp. meist erst wenn sie darin bereits weit fortgeschritten sei (vgl. Re-
cher, FamPra.ch 2015, S. 624 f.). Dennoch erscheint es gerechtfertigt, dass das
Gericht im Rahmen der Entscheidfindung prüft, ob die Phase des Coming-outs
bereits so weit fortgeschritten ist, dass ein späterer Antrag auf (Rück-)Änderung
als unwahrscheinlich einzustufen ist. Inwiefern das psychologische Kriterium nicht
mit dem Recht auf Achtung des Privatlebens resp. der Rechtsprechung des
EGMR (insb. im Entscheid A.P., Garçon und Nicot gegen Frankreich vom 6. April
2017) vereinbar sein soll – wie es die gesuchstellende Person ohne nähere Be-
gründung vorbringt (vgl. Urk. 10 Rz 17) –, ist zudem nicht ersichtlich. Zuzustim-
men ist der gesuchstellenden Person demgegenüber darin, dass die Akzeptanz
der Geschlechtsidentität im Umfeld nicht allein im Einflussbereich des Betroffenen
liegt. Entsprechend ist hinsichtlich der sozialen Komponente nicht die Akzeptanz
im Umfeld entscheidend, sondern vielmehr, dass die gesuchstellende Person die
eigene Geschlechtsidentität überzeugend zum Ausdruck bringt und Akzeptanz
von der Umwelt einfordert. Alles in allem ist somit – unter Berücksichtigung letzt-
genannter Präzisierung – am Erfordernis der Erfüllung der psychologischen und
sozialen Komponente für die Änderung des amtlichen Geschlechts festzuhalten.
- 15 -
2.5 Kriterium der äusseren Erscheinungsweise – objektive Komponente
Die Vorinstanz erwog, dass neben dem Erfüllen der vorgenannten zwei
Komponenten auch erforderlich sei, dass die gesuchstellende Person von einem
unbeteiligten Dritten als Angehörige des Wunschgeschlechts wahrgenommen
werde. Dieses objektive Kriterium sei deshalb zu fordern, da die Rechtsprechung
bisweilen nie einen Zweifel daran habe aufkommen lassen, dass das amtliche
Geschlecht auf einer amtlichen Feststellung beruhe und nicht ins Belieben der be-
troffenen Person gestellt sei. Auch sei zu berücksichtigen, dass das Registerge-
schlecht eine gewisse Publizitätsfunktion habe (z.B. bei Passkontrollen) und mit-
hin die wahrnehmbare Realität abbilden soll. Konkret setze die objektive Kompo-
nente voraus, dass die gesuchstellende Person sich im Alltag entsprechend den
Geschlechterrollenerwartungen der Gesellschaft kleide, benehme und sich der
äusseren Erscheinung nach dem Wunschgeschlecht annähere. Gemeint sei aber
nicht, dass aufgezwungenen Geschlechter-Stereotypen nachgelebt werden müs-
se. Zudem könne nicht gefordert werden, dass auch bei näherem Hinsehen keine
Zeichen der ursprünglichen Geschlechtszugehörigkeit mehr erkennbar seien.
Vielmehr werde in der Regel genügen, wenn die gesuchstellende Person auf-
grund ihres Gesamterscheinungsbildes prima facie dem einzutragenden Ge-
schlecht zugeordnet werden könne. Welche Angleichungsmassnahmen hierzu er-
forderlich seien, lasse sich nicht abstrakt umschreiben, sondern sei in Würdigung
der Umstände des Einzelfalles festzulegen. Eine Hormontherapie, die insbeson-
dere zur Anpassung von Stimme und Haarwuchs – nicht aber zwingend zur Zeu-
gungsunfähigkeit – führe, trage in der Regel entscheidend zur objektiven Wahr-
nehmung durch Dritte als dem Wunschgeschlecht angehörig bei. Dies sei aber
nicht die einzige mögliche Massnahme und nicht in jedem Fall erforderlich, so
könnten etwa logopädisches Sprachtraining, Krafttraining, Kurz- resp. Lang-
haarfrisur, sowie die Geschlechtsmerkmale kaschierende und/oder dem ge-
schlechtstypischen Stil entsprechende Kleidung ausreichend sein (Urk. 12
E. III/4.3, S. 13 ff.).
Hierzu macht die gesuchstellende Person zusammengefasst geltend, die
Anpassung der äusseren Erscheinung an die Geschlechtsidentität dürfe nicht als
- 16 -
Vorbedingung vorausgesetzt werden, zumal der EGMR die Zulässigkeit dieses
Kriteriums im Entscheid A.P., Garçon und Nicot gegen Frankreich unmissver-
ständlich verneint habe. Ferner sei zu berücksichtigen, dass sämtliche von der
Vorinstanz exemplarisch genannten möglichen Massnahmen (Wahl der Kleider
und Frisur, Entscheid für oder gegen Krafttraining) in die selbstbestimmte Le-
bensgestaltung von Transpersonen eingreifen würden und mangels gesetzlicher
Grundlage nicht gerechtfertigt werden könnten. Ausserdem sei es diskriminierend
und unverhältnismässig, von Transpersonen solche Massnahmen zu verlangen,
während Gleiches von Menschen, die nicht trans seien, nicht verlangt werde. Al-
les in allem stehe es Schweizer Gerichten nicht zu, irgendeine Form der körperli-
chen Geschlechtsangleichung zur Voraussetzung der zivilrechtlichen Änderungen
zu erheben (Urk. 10 Rz 23 ff.).
Die Einwände der gesuchstellenden Person sind unbegründet. Gemäss
Rechtsprechung des EGMR im Fall A.P., Garçon und Nicot gegen Frankreich wird
das Recht auf Privatleben (Art. 8 EMRK) – wie bereits erwähnt – dann verletzt,
wenn für die Änderung des amtlichen Geschlechts Eingriffe gefordert werden,
welche die äussere Erscheinung dauerhaft verändern. Darunter fallen insbeson-
dere Eingriffe operativer oder medikamentöser (hormoneller) Art. Solches fordert
die Vorinstanz nicht. Genauso wenig schreibt sie der gesuchstellenden Person
vor, welche konkreten Angleichungsmassnahmen in Bezug auf die äussere Er-
scheinung erforderlich sein sollen. Vielmehr führt sie beispielhaft verschiedene
Anpassungsmöglichkeiten an, welche allesamt keine die äussere Erscheinung
dauerhaft verändernde Eingriffe darstellen. Damit wird dem Umstand, dass die Art
und Weise des "gegen-aussen-Kommunizierens" der eigenen Geschlechtsidenti-
tät individuell ist, Rechnung getragen. Entsprechend wird mit dem objektiven Kri-
terium auch keine bestimmte Lebensgestaltung vorgeschrieben, welche mit dem
Recht auf Achtung des Privatlebens unvereinbar wäre. Ferner weist die Vorin-
stanz zu Recht darauf hin, dass das Registergeschlecht eine gewisse Publizitäts-
funktion hat und – zum Schutz der betroffenen Person – die wahrnehmbare Reali-
tät abbilden soll. Denn würde das amtliche Geschlecht geändert, ohne dass die
betroffene Person in ihrem Gesamterscheinungsbild von einem unbeteiligten Drit-
ten als dem einzutragenden (Wunsch-)Geschlecht zugeordnet werden könnte,
- 17 -
wäre sie auch nach der entsprechenden Registeränderung den gleichen unange-
nehmen Alltagssituationen ausgesetzt wie vorher. So wäre sie nach wie vor mit
einem erzwungenem "Outing" als Transmensch belastet, sei es bei der Billet-
Kontrolle in den öffentlichen Verkehrsmitteln, beim Abholen eines eingeschriebe-
nen Briefes, bei Reisen ins Ausland, beim Bewerben auf eine Arbeitsstelle, beim
Verfügen über das eigene Konto oder beim Lösen eines Fitnessabonnements etc.
Um solches zu verhindern, erscheint es notwendig, für die Änderung des amtli-
chen Geschlechts im Sinne einer dritten – objektiven – Komponente zu fordern,
dass die gesuchstellende Person von einem unbeteiligten Dritten als Angehörige
des einzutragenden Geschlechts wahrgenommen wird.
2.6 Zwischenfazit
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die drei von der Vorinstanz heran-
gezogenen Kriterien – die psychologische, soziale und objektive Komponente der
Geschlechtsidentität – für die Prüfung eines Gesuchs um Anpassung des register-
rechtlichen Geschlechts allesamt tauglich und zulässig sind.
3. Anwendung der Kriterien im vorliegenden Fall
3.1 In ihrem Gesuch um Änderung des amtlichen Geschlechts und des
Vornamens gab die gesuchstellende Person im Wesentlichen an, sie habe sich
bereits als keines Kind bei den Jungs wohler gefühlt als bei den Mädchen; sie ha-
be sich mit Ersteren identifiziert und so sein wollen wie diese. In der Pubertät ha-
be sie gemerkt, dass sie anders sei als die Jungs, aber auch nicht wirklich zu den
Mädchen passe. Daraufhin habe sie versucht, als Person weiblichen Geschlechts
zu leben. Etwa zum Zeitpunkt des 18. Geburtstags habe sie realisiert, dass sie
trans sei. Nach diesem inneren Coming-out habe sie sich im März 2016 in psy-
chiatrische Behandlung bei Dr. med. E._ begeben. Mit der Hilfe der beglei-
tenden Psychiaterin habe sie sich in der Familie, der Schule, am Arbeitsplatz und
im Freundeskreis outen können. Seither lebe sie in der männlichen Rolle unter
dem Vornamen C._ und trage männliche Kleidung. Mit dem männlichen
Äusseren fühle sie sich sehr wohl. Auch wenn andere sie C._ nennen und
mit dem männlichen Pronomen ansprechen würden, stimme dies für sie. Sie sei
- 18 -
heute ganz in der männlichen Rolle angekommen und werde auch von anderen
als Mann gesehen, wodurch sie sich endlich glücklich und wohl fühle (Urk. 1 S. 2
f.).
Zur Untermauerung ihrer Behauptungen reichte die gesuchstellende Person
vor Vorinstanz ein Schreiben der begleitenden Psychiaterin Dr. med. E._,
Kinder- und Jugendpsychiaterin FMH, vom 11. April 2018 ins Recht, worin Letzte-
re bestätigt, dass bei der gesuchstellenden Person eine Transidentität vorliege
und die Diagnose Genderdysphorie nach DSM-5 302.85 gesichert sei. Dr. med.
E._ hält zudem fest, dass es für die gesuchstellende Person sehr wichtig sei,
Namen und Geschlechtseintrag offiziell ändern zu können, um nicht immer wieder
unfreiwillig als transidente Person geoutet zu werden. Hinweise dafür, dass dieser
Entscheid bereut werden könnte, gebe es keine (Urk. 3).
3.2 Die Vorinstanz erwog, dass aufgrund der glaubhaften Angaben der ge-
suchstellenden Person anlässlich der Verhandlung erstellt sei, dass sie in ihrem
selbst gewählten sozialen und geschäftlichen Umfeld als Mann auftrete und als
solcher akzeptiert werde. Die Tatsache, dass ihre Eltern und gewisse Verwandte
sie nicht als Mann akzeptieren würden, könne ihr nicht zum Nachteil gereichen.
Indem sie von zu Hause ausgezogen sei, habe sie die Konsequenzen aus der
Nichtakzeptanz gezogen. Alles in allem könne die gesuchstellende Person damit
in sozialer Hinsicht durchaus dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden,
womit die soziale Komponente erfüllt sei (Urk. 12 E. IV/2, S. 15 f.).
Demgegenüber erachtete es die Vorinstanz hinsichtlich der psychologischen
Komponente als zweifelhaft, ob bei der gesuchstellenden Person bereits ein ge-
festigter Entschluss vorliege bzw. ob davon ausgegangen werden könne, dass die
Phase der Geschlechtsidentitätsfindung bereits abgeschlossen sei. So könne die
gesuchstellende Person zwar viele kürzlich eingeleitete Schritte im Prozess der
Geschlechtsidentitätsfindung vorweisen. Allerdings sei insbesondere zu berück-
sichtigen, dass die gesuchstellende Person gemäss ihren Angaben anlässlich der
Verhandlung wohl erst vor rund drei Wochen – und mithin erst nach Einreichung
ihres Gesuchs beim Gericht – den Entschluss gefällt habe, risikominimierende
Massnahmen im Hinblick auf eine allfällige Hormontherapie in Angriff zu nehmen.
- 19 -
Damit sei noch ungewiss, ob sie eine Hormontherapie auch durchführen werde,
falls die angestrebte Risikominimierung nicht gelingen sollte. Zwar sei eine Hor-
montherapie nicht zwingende Voraussetzung, doch verlange eine Verfestigung
des Zugehörigkeitsempfindens zum Wunschgeschlecht einen bewussten Ent-
scheid für oder gegen die Inanspruchnahme einer Hormontherapie. Von einer
Verfestigung der Situation könne erst gesprochen werden, wenn eine Weile in
und mit der Situation gelebt worden sei. Dies sei erst der Fall, wenn der Ent-
scheid, bestimmte Annäherungsmassnahmen zu machen oder zu unterlassen,
gereift und definitiv gefällt sei. Auch bei einem allfälligen definitiven Entschluss,
wegen zu hoher Risiken keine Hormontherapie durchzuführen, müsste erst eine
gewisse Zeit verstreichen, damit der Entschluss bzw. das Festhalten am Wunsch
der Änderung des amtlichen Geschlechts als endgültig und unzweifelhaft erschei-
nen könne. An einer solchen Verfestigung fehle es vorliegend, zumal die gesuch-
stellende Person gemäss eigenen Angaben noch auf eine Verbesserung ihrer Si-
tuation durch eine Hormontherapie hoffe (mit Verweis auf Prot. I S. 10). Aus heu-
tiger Sicht könne nicht ohne Zweifel gesagt werden, ob die gesuchstellende Per-
son im Falle eines Scheiterns einer Hormontherapie dennoch als Mann würde le-
ben wollen. Auch die an der Verhandlung gemachte Aussage der gesuchstellen-
den Person, wonach die Änderung des Geschlechts für sie ein weiterer Schritt
sei, um ein Mann zu werden, spreche gegen die Annahme eines abgeschlosse-
nen Geschlechtsfindungsprozesses. Insgesamt gelinge es der gesuchstellenden
Person damit nicht, jegliche Zweifel betreffend ihr endgültiges Angekommensein
im Wunschgeschlecht überzeugend zu beseitigen. An diesem Eindruck vermöge
auch die psychiatrische Stellungnahme von Dr. med. E._ nichts zu ändern.
Alles in allem sei die psychologische Komponente der definitiven "Ankunft im
männlichen Geschlecht" somit als (noch) nicht erfüllt zu beurteilen (Urk. 12
E. IV/3, S. 16 ff.).
Im Zusammenhang mit der objektiven Komponente berücksichtigte die Vor-
instanz das Erscheinungsbild der gesuchstellenden Person an der Verhandlung
vom 19. Juli 2018 und schlussfolgerte daraus, dass die gesuchstellende Person
von einem unbeteiligten Dritten nicht als typische Frau, jedoch auch nicht als An-
gehöriger des männlichen Geschlechts wahrgenommen werde. So kleide sich die
- 20 -
gesuchstellende Person zwar entsprechend den Geschlechterrollenerwartungen
der Gesellschaft und nähere sich damit der gewillkürten äusseren Erscheinung
nach dem Wunschgeschlecht an. Allerdings sei nach wie vor klar erkennbar, dass
das biologische Geschlecht weiblich sei. So würden insbesondere der Bartwuchs
wie auch andere typisch männliche Merkmale, wie eine tiefe Stimme, fehlen.
Dass die gesuchstellende Person sekundäre weibliche Geschlechtsmerkmale
aufweise, sei darauf zurückzuführen, dass sie noch keine Hormontherapie be-
gonnen und auf chirurgische Eingriffe verzichtet habe. Da kein Zwang zu solchen
Massnahmen bestehen dürfe, dürften diese Umstände nicht als absolute Verwei-
gerungsgründe herangezogen werden. Hingegen dürfe das Total der äusseren
Erscheinungsmerkmale als Teil des Gesamtbildes aus psychologischem, sozia-
lem und von neutralen Dritten wahrgenommenem Geschlecht berücksichtigt wer-
den. So könne die objektive Komponente durch eine Hormontherapie wohl eher
erfüllt werden, es sei aber auch denkbar, dass durch andere Massnahmen die ob-
jektive Komponente zumindest soweit erfüllt werden könnte, dass bei (zukünftig)
vollständig gegebener psychologischer Komponente über eine nur teilweise Erfül-
lung der objektiven Komponente hinweggesehen werden könnte (Urk. 12 E. IV/4,
S. 19).
3.3 Sowohl im Zusammenhang mit der psychologischen wie auch mit der
objektiven Komponente beanstandet die gesuchstellende Person in verschiede-
ner Hinsicht die Sachverhaltsermittlung und -feststellung durch die Vorinstanz.
Hinsichtlich der psychologischen Komponente bringt sie im Einzelnen vor,
die Vorinstanz habe in Verletzung des rechtlichen Gehörs übergangen, dass die
gesuchstellende Person einen Wechsel der sozialen Geschlechterrolle bereits vor
Jahren vollzogen und sich seit der Kindheit andauernd mit ihrer männlichen Ge-
schlechtsidentität auseinandergesetzt habe (Urk. 10 Rz 16 und Rz 21). Zudem
habe die Vorinstanz die klare Diagnose und Bestätigung einer medizinisch-
psychiatrischen Fachperson durch die eigene Auffassung ersetzt. Die Beurteilung
und Würdigung eines psychiatrischen Gutachtens und insbesondere eine Abwei-
chung davon setze Fachwissen und Sachkenntnis im Bereich Transidentität vor-
aus, über welche die Vorinstanz offensichtlich nicht verfüge. Nichtdestotrotz habe
- 21 -
die Vorinstanz weder Dr. med. E._ noch eine andere Fachperson um eine
weitere Klärung gebeten. Mit diesem Vorgehen habe die Vorinstanz das Recht
auf ein faires Verfahren verletzt (Urk. 10 Rz 20). Auch habe die Vorinstanz den
Sachverhalt betreffend Hormonbehandlung unpräzise dargestellt und daraus fal-
sche Schlüsse gezogen. Die gesuchstellende Person sei sich nämlich seit mehr
als zwei Jahren sicher, dass sie eine Hormonbehandlung mit Testosteron wolle.
Entgegen der Schlussfolgerung der Vorinstanz sei der Entschluss dazu somit
nicht erst rund drei Wochen vor der Verhandlung vom 19. Juli 2018 gefallen. Ge-
nauso wenig bestehe die von der Vorinstanz angenommene Unsicherheit im Falle
eines Scheiterns der gewünschten Hormonbehandlung. Denn die gesuchstellen-
de Person lebe bereits seit mehreren Jahren ohne Zweifel an ihrer männlichen
Geschlechtsidentität in der männlichen Rolle und wolle weiterhin entsprechend
dieser leben (Urk. 10 Rz 35). Ungenügend und unzutreffend gewürdigt worden
seien ferner die Gründe, aufgrund welcher sich die gesuchstellende Person bisher
noch keiner Hormonbehandlung unterzogen habe. Wie die gesuchstellende Per-
son nachvollziehbar dargelegt habe, leide sie an einer äussert seltenen Stoff-
wechselkrankheit (Sitosterolämie). Sie sei wohl weltweit die einzige Transperson,
welche von dieser Krankheit betroffen sei, womit es an entsprechenden Erfah-
rungswerten mit Testosteronbehandlungen fehle. Es bestehe ein Herzinfarktrisiko
und allenfalls müsse eine Hormonbehandlung aus medizinischen Gründen wieder
abgebrochen werden. Dass sich die gesuchstellende Person trotz diesem beson-
ders schweren Gesundheitsrisiko mit einer Hormonbehandlung vertieft beschäftigt
habe, sei ein klarer Indikator für diesen Wunsch (Urk. 10 Rz 36).
In Bezug auf die objektive Komponente macht die gesuchstellende Person
ferner geltend, dass die Vorinstanz in diesem Zusammenhang lediglich ihre eige-
ne subjektive Wahrnehmung berücksichtigt und mithin ihr eigenes Kriterium will-
kürlich angewandt habe. Sie habe es unterlassen, die gesuchstellende Person
danach zu fragen, wie sie von unbeteiligten Dritten "gelesen" werde. Die subjekti-
ve Wahrnehmung der Vorinstanz und die daraus abgeleitete Verallgemeinerung
stimme nämlich nicht mit derjenigen einer grösseren Menschenmenge überein.
So werde die gesuchstellende Person von Fremden immer wieder als Mann an-
gesprochen, was sie auf entsprechende Frage des Gerichts hätte bestätigen kön-
- 22 -
nen. Diese wiederholte Erfahrung der gesuchstellenden Person sei eine rechtser-
hebliche Tatsache, über welche gemäss Art. 150 Abs. 1 ZPO hätte Beweis erho-
ben werden müssen und welche schliesslich in den Entscheid hätte einfliessen
müssen (Urk. 10 Rz 26).
3.4 Das vorliegende Verfahren betreffend Änderung des Personenstandes
ist als Angelegenheit der freiwilligen Gerichtsbarkeit im summarischen Verfahren
zu beurteilen (Art. 248 lit. e ZPO). Es handelt sich um ein "atypisches Summarver-
fahren", bei dem sich der summarische Charakter in der Verfahrensbeschleuni-
gung erschöpft (BSK ZPO-Mazan, Vor Art. 248-256 N 7). Denn einerseits hat das
Gericht den Sachverhalt im Sinne des Untersuchungsgrundsatzes von Amtes we-
gen festzustellen (Art. 55 Abs. 2 i.V.m. Art. 255 lit. b ZPO) und andererseits gelten
keine Beweisbeschränkungen. Zulässig sind demnach sämtliche Beweismittel
(Art. 254 Abs. 2 lit. c ZPO) und es gilt keine Beschränkung des Beweismasses.
Entsprechend reicht es nicht, dass eine Tatsache einzig glaubhaft gemacht wird;
vielmehr muss der strikte Beweis geführt werden. Der strikte Beweis liegt vor bei
voller Überzeugung des Gerichts bzw. wenn eine an Sicherheit grenzende Wahr-
scheinlichkeit dargetan ist (BSK ZPO-Mazan, Vor Art. 248-256 N 7; Art. 254
N 9 f.; Art. 255 N 8; ZK ZPO-Pesenti, Art. 248 N 24; ZK ZPO-Klingler, Art. 254
N 9).
Gemäss Art. 183 Abs. 1 ZPO kann das Gericht auf Antrag einer Partei oder
von Amtes wegen bei einer sachverständigen Person ein Gutachten einholen. Der
Gutachtensbeweis kommt dann zum Zuge, wenn es zur Beweiserhebung beson-
derer Fachkenntnisse bedarf, die dem Gericht bzw. seinen Mitgliedern abgehen,
die das Gericht aber benötigt, um bestimmte rechtserhebliche Tatsachen wahrzu-
nehmen und/oder zu beurteilen (Müller, DIKE-Komm-ZPO, Art. 183 N 7). Ferner
kann ein Gutachten auch der Klärung des Sachverhalts dienen (Botschaft ZPO,
BBl 2006 7324; Müller, DIKE-Komm-ZPO, Art. 183 N 3).
3.5 Die Kritik an der vorinstanzlichen Sachverhaltsermittlung und
-feststellung ist teilweise begründet. Problematisch erscheint insbesondere, dass
die Vorinstanz die psychologische Komponente der Geschlechtsidentität gestützt
auf eine eigene Würdigung der Äusserungen der gesuchstellenden Person an-
- 23 -
lässlich der Verhandlung beurteilt und sich dabei sowohl über die persönliche
Einschätzung der gesuchstellenden Person wie auch über die Diagnose und Be-
stätigung der behandelnden Ärztin hinweggesetzt hat.
Mit Bezug auf die Angaben und Aussagen der gesuchstellenden Person ist
aber festzuhalten, dass sich daraus durchaus gewisse Unklarheiten und
Widersprüche ergaben. So führte die gesuchstellende Person in ihrem Gesuch
aus, sie sei in der männlichen Rolle angekommen (Urk. 1 S. 3). Auch anlässlich
der Verhandlung legte sie dar, dass sie sich sicher sei, ein Mann zu sein (Prot. I
S. 17). Weiter gab sie an, dass eine Hormonbehandlung grundsätzlich nichts
damit zu tun habe, wie sie sich sehe und fühle. Aus ihrer Sicht sei sie ein Mann,
ob mit oder ohne Hormone. Das werde sich auch nie ändern (Prot. I S. 8).
Gleichzeitig führte sie aber auch aus, dass sie sich eine Hormontherapie wünsche
und davon überzeugt sei, dass sie sich wohler fühlen würde, wenn sie eine
Hormontherapie machen würde und dadurch typisch männliche Merkmale
entstünden (Prot. I S. 8 und S. 10). Ausserdem bejahte sie im Widerspruch zu
ihren vorherigen Aussagen die Frage, ob die Änderung des amtlichen
Geschlechts für sie ein weiterer Schritt sei, um ein Mann zu werden (Prot. I S. 16).
Nachvollziehbar ist zudem die vorinstanzliche Erwägung, wonach vorliegend
aufgrund der zeitlichen Aspekte gewisse Zweifel am Angekommensein in der
männlichen Rolle aufkommen würden. Diesbezüglich hat die Vorinstanz –
entgegen der Ansicht der gesuchstellenden Person – nicht ausser Acht gelassen,
dass sich Letztere bereits als Kind mit den Jungs identifizierte (vgl. Urk. 12
E. IV/3.4, S. 18). Die gesuchstellende Person gab aber selbst an, sie habe erst
vor rund drei Jahren aufgrund eines Youtube-Videos über einen Transmann
entdeckt, dass bei ihr in Bezug auf das Geschlecht etwas nicht stimme (Prot. I
S. 4). Zudem führte sie aus, dass die ganze Situation für ihre Eltern noch neu sei
(Prot. I S. 6), und dass sie erst vor drei Wochen mit den risikominimierenden
Massnahmen im Hinblick auf eine allfällige Hormontherapie angefangen habe
(Prot. I S. 15). Insofern liegt das gegen aussen kommunizierte Coming-out noch
nicht weit zurück, was durchaus die Frage aufkommen lässt, ob die Phase des
Coming-outs bereits so weit fortgeschritten ist, dass ein späterer Antrag auf
(Rück-)Änderung als unwahrscheinlich einzustufen ist. Allerdings ist mit der
- 24 -
gesuchstellenden Person davon auszugehen, dass dem Gericht für die
Beurteilung dieser Frage resp. allgemein betreffend die verschiedenen Aspekte
der psychologischen Komponente die notwendigen Fachkenntnisse abgehen.
Entgegen der Ansicht der gesuchstellenden Person kann diesbezüglich aber auch
nicht alleine auf die im Recht liegende Bestätigung der begleitenden Psychiaterin
Dr. med. E._ vom 11. April 2018 (Urk. 3) abgestellt werden. Denn mangels
einer Begründung sind die darin festgehaltenen Schlüsse für das Gericht
einerseits nicht nachvollziehbar. Andererseits ist zu berücksichtigen, dass
Dr. med. E._ die Bestätigung im Auftrag der gesuchstellenden Person
verfasst hat und somit nicht als unabhängig erscheint. Der Erfahrungstatsache,
dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, ist
nach der gefestigten Rechtsprechung Rechnung zu tragen (statt vieler BGE 125 V
351 E. 3a/cc S. 353 mit weiteren Hinweisen; so auch Entscheid des Zivilgerichts
des Kantons Basel vom 16. Februar 2015, in: FamPra.ch 2015, S. 671-679,
E. 2.6-2.7). Insofern kann das Schreiben der behandelnden Ärztin bzw. deren
Diagnosestellung – entgegen der Ansicht der gesuchstellenden Person (vgl. insb.
Urk. 28 S. 2) – nicht als genügendes Beweismittel qualifiziert werden.
Soweit die gesuchstellende Person die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststel-
lung in Bezug auf die geplante Hormontherapie beanstandet, ist darauf hinzuwei-
sen, dass sich aus den Aussagen der gesuchstellenden Person anlässlich der
Verhandlung nicht ableiten lässt, dass sie sich seit mehr als zwei Jahren sicher
sei, eine Hormonbehandlung mit Testosteron machen zu wollen, wie sie es im Be-
rufungsverfahren erstmals geltend macht (vgl. Prot. I S. 8 ff. und S. 13 ff.; Urk. 10
Rz 35). Zudem hat die Vorinstanz die besonderen Umstände in Bezug auf die sel-
tene Stoffwechselkrankheit, an welcher die gesuchstellende Person leidet, durch-
aus berücksichtigt (vgl. Urk. 12 E. IV/3.2, S. 16 f.). Problematisch erscheinen
demgegenüber die vorinstanzlichen Erwägungen zur Stabilität des Zugehörig-
keitsempfindens zum einzutragenden Geschlecht bzw. deren Abhängigkeit vom
Entschluss zu einer Hormontherapie und vom Erfolg einer solchen. Auch die Be-
urteilung dieser Aspekte der psychologischen Komponente erfordert besonderes
Fachwissen und Sachkenntnis, über die das Gericht nicht verfügt.
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Alles in allem wäre der Sachverhalt damit in Bezug auf das Erfüllen der psy-
chologischen Komponente unter Beizug einer sachverständigen Person genauer
abzuklären gewesen.
Berechtigt ist ferner der Einwand der willkürlichen Anwendung der objektiven
Komponente. Es kann nicht angehen, dass das Gericht hinsichtlich dieses Kriteri-
ums einzig auf die eigene Wahrnehmung der äusseren Erscheinung des Betroffe-
nen abstellt, wie es die Vorinstanz vorliegend getan hat. Die Angaben der ge-
suchstellenden Person in ihrem Gesuch sind jedoch auch in diesem Punkt wider-
sprüchlich. So führte sie einerseits aus, sie werde von anderen als Mann gese-
hen. Andererseits machte sie geltend, sie werde aktuell konstant mit dem fal-
schen Pronomen angesprochen (Urk. 1 S. 3). Unter diesen Umständen hätte es
sich umso mehr aufgedrängt, die gesuchstellende Person dazu zu befragen, ob
sie in Alltagssituationen von Fremden eher als Mann oder als Frau angesprochen
werde. Die vorinstanzliche Sachverhaltsabklärung erweist sich somit auch in die-
sem Punkt als unvollständig.
Nach dem Gesagten bestanden anhand der vorinstanzlichen Akten – entge-
gen der Ansicht der gesuchstellenden Person (vgl. Urk. 28) – keine ausreichen-
den Anhaltspunkte zur Annahme des behaupteten Sachverhalts. Vielmehr waren
aufgrund der fehlenden Fachkenntnisse des Gerichts sowohl zur Klärung des
Sachverhalts wie auch zur Beweiserhebung Abklärungen durch eine sachver-
ständige Person notwendig. Die Anordnung einer Begutachtung erwies sich daher
als unumgänglich für den Entscheid über das Gesuch bzw. die Berufung. Im Gel-
tungsbereich der Untersuchungsmaxime kann eine solche Beweisabnahme ohne
Weiteres von Amtes wegen erfolgen (Art. 255 lit. b i.V.m. Art. 254 Abs. 2 lit. c
ZPO). Da sich vorliegend aus prozessökonomischen Gründen eine Beweisab-
nahme durch die Berufungsinstanz rechtfertigte (Art. 316 Abs. 3 ZPO), hat die
Kammer bei der Gutachtensstelle der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich ein
fachärztliches Gutachten zu verschiedenen Fragen im Zusammenhang mit der
Diagnose der Genderdysphorie nach DSM-5 302.85 eingeholt (vgl. Urk. 15;
Urk. 17; Urk. 18). Im Folgenden ist entsprechend zu prüfen, ob das Gesuch um
- 26 -
Änderung des amtlichen Geschlechts und Vornamens unter Berücksichtigung der
neuen Erkenntnisse aus dem Gutachten gutgeheissen werden kann.
3.6 Die Gutachterin, pract. med. D._, hält in ihrem Gutachten vom
11. Juli 2019 fest, beim 21-jährigen Exploranden (der gesuchstellenden Person)
handle es sich um einen intelligenten, kritisch-selbstreflektierenden jungen Mann,
der sich über seinen Zustand selbständig und umfassend informiert habe und sich
hierüber in intensivem Austausch mit seiner Familie, seinen Freunden sowie sei-
ner Therapeutin befinde. Anamnestisch liessen sich Anfänge einer Genderdys-
phorie bereits in der Kindheit erkennen. Schon früh habe der Explorand sich an-
ders erlebt, den Jungs zugehörig sein und wie ein Junge behandelt werden wol-
len. Mit Einsetzen der Pubertät habe er versucht, die ihm zugewiesene weibliche
Rolle anzunehmen, dies habe sich jedoch falsch angefühlt und nicht funktioniert.
Der Explorand ziehe seit jeher lieber männliche Kleidung an, bevorzuge Kontakt-
sportarten (Karate) und klassische Jungenspiele (Computerspiele). Beruflich sei
er, der im Mathematischen sehr bewandert sei, Programmierer geworden (ein
bisher eher männlicher Beruf). Im Verlauf habe sich eine ausgeprägte Inkongru-
enz zwischen dem erlebten und zugeschriebenen Geschlecht und damit zusam-
menhängend ein relevantes Leiden gezeigt, verbunden mit dem Wunsch, einen
männlichen Namen und Haarschnitt zu tragen, die sekundären Geschlechts-
merkmale zu verdecken (Abbinden der Brust) und dem männlichen Geschlecht
zuzugehören. Im Alter von 18 Jahren sei es zum Outing bezüglich der männlichen
Geschlechtsidentität gekommen, welche seitdem konstant sei. Der Wunsch, sich
der zur Geschlechtsidentität nicht passenden Brüste zu entledigen, habe im De-
zember 2018 zur Durchführung einer Mastektomie geführt. Mit dieser sei der Ex-
plorand zufrieden. Er habe auch vom Umfeld das Feedback bekommen, man se-
he es ihm an, dass er sich damit wohler fühle. Auch werde er dadurch durch Dritte
leichter als Mann anerkannt. Insgesamt hätten die bereits vollzogenen Anpassun-
gen (Verwendung des männlichen Vornamens und Pronomens im beruflichen,
familiären und privaten Kreis sowie die Mastektomie) zu einer verbesserten Le-
bensqualität geführt. Der Explorand wolle prinzipiell eine hormonelle Therapie, da
deren Wirkungen zu seiner Geschlechtsidentität passen würden und gewünscht
seien. Aktuell sei er bezüglich seiner Fettstoffwechselerkrankung (mit erhöhtem
- 27 -
kardiovaskulärem Risiko) noch in der Risikoabwägung. Die männliche Identität
stehe für ihn aber fest und sei nicht von der Entscheidung bezüglich der Hormon-
therapie abhängig. Weitere chirurgische Anpassungen wünsche er aktuell nicht,
er schliesse sie für die Zukunft jedoch auch nicht aus. Der aktuelle Körper sei für
ihn nicht hinderlich, sondern passend. Mittlerweile akzeptiere auch seine Familie
den männlichen Vornamen. Im Freundeskreis und Arbeitsumfeld sei seine Transi-
tion und männliche Geschlechtsidentität ohne Weiteres und bereits seit mehreren
Jahren akzeptiert worden (Urk. 22 S. 7 f.).
Gestützt auf diese Feststellungen schlussfolgert die Gutachterin, die Diag-
nose der Genderdysphorie nach DSM-5 könne klar bestätigt werden. Sowohl das
Kriterium A – mit ausgeprägter Inkongruenz zwischen erlebter und zugeschriebe-
ner Geschlechtsidentität und mit dem starken Wunsch, dem erlebten Geschlecht
anzugehören und später auch sekundäre Geschlechtsmerkmale anzupassen –
wie auch das Kriterium B – relevantes Leiden mit Beeinträchtigung im sozialen
Bereich – seien als erfüllt anzusehen. Das Leben der männlichen Geschlechtsrol-
le habe beim Exploranden einen sichtbaren Einfluss auf die Lebenszufriedenheit
und -qualität. Die Konstanz der männlichen Geschlechtsidentität zeige sich insbe-
sondere darin, dass er auch in schwierigen Situationen (wie der anfänglichen
Nichtakzeptanz im familiären Umfeld) zu seiner männlichen Geschlechtsidentität
gestanden sei. Es bestehe ein klarer Wunsch zu einer Hormontherapie. Der Ex-
plorand habe sehr reflektiert das gesteigerte Risiko durch eine Hormontherapie
beschreiben und seine aktuell abwartende Haltung nachvollziehbar machen kön-
nen. Die Stabilität des Zugehörigkeitsempfindens zum männlichen Geschlecht sei
umfänglich konstant. Der Explorand zeige sich reflektiert bezüglich unterschiedli-
cher Optionen von körperlichen Anpassungsmöglichkeiten. Auch lege er über-
zeugend dar, dass die konstante männliche Geschlechtsidentität und Zuordnung
zur männlichen Geschlechtsrolle nicht von allfälligen geschlechtsangleichenden
Massnahmen (insbesondere einer Hormontherapie) abhängig sei. Ferner trete der
Explorand unverkennbar und überzeugend als junger Mann auf und werde daher
auch in Alltagssituationen von unbeteiligten Dritten eher als Angehöriger des
männlichen Geschlechts wahrgenommen. Auch die soziale Integration als Mann
im persönlichen, familiären und beruflichen Umfeld sei abschliessend erfolgt. Ins-
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besondere habe – nach anfänglichen Schwierigkeiten – nunmehr auch seine Fa-
milie die männliche Geschlechtsidentität supportiv angenommen. Alles in allem
sei somit davon auszugehen, dass sich das Zugehörigkeitsgefühl des Exploran-
den zum männlichen Geschlecht mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr ändern
werde. Mithin könne von einer dauerhaften Anpassung ausgegangen werden
(Urk. 22 S. 9).
3.7 Die Beurteilung und Schlussfolgerungen im Gutachten vom 11. Juli
2019 werden von der gesuchstellenden Person in materieller Hinsicht nicht kom-
mentiert und demgemäss auch nicht beanstandet (vgl. Urk. 28). Da die darin ge-
zogenen Schlüsse nachvollziehbar und schlüssig sind, kann ohne Weiteres da-
rauf abgestellt werden.
Mit dem Gutachten wurden sämtliche von der Vorinstanz geäusserten Zwei-
fel in Bezug auf das Erfüllen der psychologischen Komponente überzeugend be-
seitigt. Aufgrund der Einschätzung der Gutachterin ist nämlich rechtsgenügend
erstellt, dass die gesuchstellende Person unabhängig vom Erfolg allfälliger weite-
rer geschlechtsangleichender Massnahmen über ein konstantes und stabiles Zu-
gehörigkeitsempfinden zum männlichen Geschlecht verfügt, das sich mit hoher
Wahrscheinlichkeit nicht mehr ändern wird. In dem Sinne ist die psychologische
Komponente der Geschlechtsidentität (Angekommensein im einzutragenden Ge-
schlecht) als erfüllt zu bezeichnen.
Ferner ist entsprechend den schlüssigen Feststellungen der Gutachterin da-
von auszugehen, dass die gesuchstellende Person unverkennbar und überzeu-
gend als junger Mann auftritt und auch von unbeteiligten Dritten eher als Angehö-
rige des männlichen Geschlechts wahrgenommen wird. Entsprechend ist – ent-
gegen der vorinstanzlichen Annahme – auch das objektive Kriterium hinreichend
erfüllt.
Dass die gesuchstellende Person die soziale Komponente der Geschlechts-
identität erfüllt, wurde bereits von der Vorinstanz festgestellt. Auch das Gutachten
zeigt auf, dass die soziale Integration als Mann im persönlichen, beruflichen sowie
mittlerweile sogar auch weitgehend im familiären Umfeld abschliessend erfolgt ist.
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3.8 Da die gesuchstellende Person die rechtlichen Voraussetzungen für
die registerrechtliche Änderung des Geschlechts erfüllt, ist die Dispositiv-Ziffer 1
des vorinstanzlichen Urteils aufzuheben. Dem Gesuch um Feststellung des Per-
sonenstandes ist somit stattzugeben, indem festzustellen ist, dass die gesuchstel-
lende Person nunmehr männlichen Geschlechts ist.
4. Änderung des Vornamens
Die gesuchstellende Person beantragt neben der Feststellung des Perso-
nenstandes auch die Änderung des amtlichen Vornamens von A._ zu
C._ (Urk. 1 S. 1; Urk. 10 S. 2).
Gemäss Art. 30 Abs. 1 ZGB kann die Regierung des Wohnsitzkantons einer
Person die Änderung des Namens bewilligen, wenn achtenswerte Gründe vorlie-
gen. Im Falle einer gerichtlichen Feststellung des Personenstandes kann eine be-
antragte Namensänderung im gleichen gerichtlichen Verfahren behandelt werden
(OGer ZH NC090012 vom 1. Februar 2011, E. IV/5.1). Infolge der Gutheissung
des Begehrens betreffend Feststellung des männlichen Geschlechts ist die Zu-
ständigkeit des Gerichts zur Änderung des Vornamens zu bejahen, womit auch
Dispositiv-Ziffer 1 der vorinstanzlichen Verfügung aufzuheben ist.
Die registerrechtliche Änderung des Geschlechts stellt zweifelsfrei einen
achtenswerten Grund im Sinne des Gesetzes dar, um den bisherigen Vornamen
A._ dem männlichen Geschlecht entsprechend anzupassen. Entsprechend
ist der gesuchstellenden Person zu bewilligen, fortan den Vornamen C._ zu
führen.
5. Vollzug der Änderungen
Die gesuchstellende Person fordert eine Anweisung an die Zivilstandsbe-
hörden betreffend Änderung des eingetragenen Geschlechts und Vornamens.
Das Gesetz sieht indes bloss eine Mitteilung vor, was zur Vollziehung der Ände-
rungen auch genügt. Die Geschlechts- und Namensänderung ist nach Eintritt der
Rechtskraft der Aufsichtsbehörde in Zivilstandssachen mitzuteilen (Art. 40 Abs. 1
lit. e und j i.V.m. Art. 43 ZStV).
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III. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Grundsätze von Art. 106 ZPO finden keine Anwendung auf das
Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit, da dieses kein strittiges
Zweiparteienverfahren ist (ZK ZPO-Jenny, Art. 106 N 3 mit Verweis auf BGer
5P.212/2005 vom 22. August 2005, E. 2.2). Das Fehlen einer Gegenpartei als
Wesensmerkmal der freiwilligen Gerichtsbarkeit hat zur Folge, dass es
unabhängig vom Verfahrensausgang keine obsiegende, aber auch keine
unterliegende Partei gibt, der die Kosten nach Art. 106 ZPO auferlegt werden
könnten, zumal das Gericht, das um Rechtsschutz ersucht wird, nicht Partei,
sondern urteilende Instanz ist. Dies bedeutet, dass die Gerichtskosten derjenigen
Partei verbleiben, die sie vorschussweise zu leisten hatte, und dass diese auch
ihre Parteikosten selbst tragen muss (sog. Verursacherprinzip, vgl. Urwyler/
Grütter, DIKE-Komm-ZPO, Art. 106 N 1 Fn 2; vgl. auch BGer 5P.212/2005 vom
22. August 2005, E. 2.2).
2. Demgemäss ändert die Gutheissung des Gesuchs bzw. der Berufung
nichts am vorinstanzlichen Kostenentscheid. Das vorinstanzliche Kostendispositiv
(Dispositiv-Ziffer 2 und 3 des Urteils) ist damit zu bestätigen.
3. Die gesuchstellende Person ist der Ansicht, die Einholung des Gutach-
tens der Psychiatrischen Universitätsklinik als Beweismassnahme sei vorliegend
nicht notwendig gewesen. Damit seien Kosten generiert worden, welche sie – die
in recht bescheidenen Verhältnissen lebe – kaum in der Lage wäre zu bezahlen.
Die obergerichtlichen Kosten seien ganz dem Staat aufzuerlegen (Urk. 28 S. 2).
Wie bereits aufgeführt (vgl. oben E. II/3.5), war die Anordnung einer Begut-
achtung im vorliegenden Verfahren aufgrund des ungeklärten Sachverhalts bzw.
der unvollständigen Aktenlage unumgänglich. Die damit verbundenen Auslagen
(vgl. Urk. 26) sind entsprechend dem Verursacherprinzip der gesuchstellenden
Person aufzuerlegen. Ihre sinngemässe Berufung auf die Mittellosigkeit ist un-
behelflich, zumal die anwaltlich vertretene gesuchstellende Person kein Gesuch
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um unentgeltliche Rechtspflege gestellt hat. Demgegenüber fällt die zweitinstanz-
liche Gerichtsgebühr ausser Ansatz.