Decision ID: 45619d1d-b042-49f7-bd15-3c54c4da3b56
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
I.
Mit Beschluss vom 20. November 2018 erteilte die Bausektion der Stadt Zürich C und D die baurechtliche Bewilligung für den Ausbau des Dachgeschosses mit zwei Dachlukarnen auf dem Grundstück Kat.-Nr. 01 an der F-Strasse 02 in Zürich.
II.
Hiergegen gelangte Amit Rekurs vom 30. Dezember 2018 an das Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantragte die Aufhebung der Baubewilligung vom 20. November 2018.
Mit Entscheid vom 4. Oktober 2019 wies das Baurekursgericht den Rekurs ab, soweit es darauf eintrat.
III.
Mit Eingabe vom 13. November 2019 erhob A Beschwerde ans Verwaltungsgericht und forderte – unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerschaft bzw. der Staatskasse –, der Entscheid des Baurekursgerichts sei vollumfänglich aufzuheben und an die Vorinstanzen zurückzuweisen. Die Stadt Zürich sei anzuweisen, geeignete Schutzmassnahmen für den inneren Bereich der Siedlung F-Strassen zu treffen. Eventualiter sei der Entscheid des Baurekursgerichts aufzuheben, unter Anweisung, dass die über den bisherigen Sparren liegende energetische Dachisolierung auf eine Bauhöhe von maximal 5 cm zu beschränken sei.
Mit Eingabe vom 22. November 2019 beantragte das Baurekursgericht ohne weitere Bemerkungen die Abweisung der Beschwerde. Mit Beschwerdeantwort vom 23. Dezember 2019 forderte die Bausektion der Stadt Zürich die Abweisung der Beschwerde. Am 27. Dezember 2019 reichten C und D ihre Beschwerdeantwort ein und verlangten – unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdeführerin – die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Am 16. Januar 2020 replizierte A, wobei sie an ihren Anträgen festhielt. Mit E-Mail vom 21. Januar 2020 teilte die Bausektion der Stadt Zürich mit, auf eine Duplik zu verzichten. Auch C und D liessen sich in der Folge nicht mehr vernehmen. Hingegen reichte A mit Eingaben vom 30. Januar 2020 und 13. März 2020 weitere Vernehmlassungen ein.
Die Kammer

erwägt:
1.
Das Verwaltungsgericht ist für die Behandlung der vorliegenden Beschwerde nach § 41 Abs. 1 in Verbindung mit § 19 Abs. 1 lit. a des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) zuständig. Die übrigen Prozessvoraussetzungen sind erfüllt.
2.
Streitbetroffen sind bauliche Änderungen an einer bestehenden Doppelhaushälfte auf dem Grundstück Kat.-Nr. 01 an der F-Strasse 02 in Zürich. Geplant ist der Ausbau des Dachgeschosses mit zwei Dachlukarnen und einem giebelseitigen Fenster, die Dachanhebung um 35 cm zwecks Wärmedämmung sowie der Neubau einer Treppe im Innern. Das Grundstück befindet sich in der Zone W3; zu Beginn der Ausschreibung war es noch der Zone W2 zugewiesen. Das Grundstück ist weder inventarisiert noch unter Schutz gestellt.
3.
3.1
Die Ausführungen der Beschwerdeführerin zu ihrem Wiedererwägungsgesuch betreffen nicht den Streitgegenstand, der sich aus der angefochtenen Anordnung (dem Bauentscheid vom 20. November 2018) und den diesbezüglichen Parteibegehren (der Bauentscheid sei aufzuheben) zusammensetzt (Martin Bertschi in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. A., Zürich etc. 2014 [Kommentar VRG], Vorbemerkungen zu §§ 19–28a N. 44).
Neue Sachbegehren sind im Beschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht nach § 52 Abs. 1 i.
V.
m. § 20a Abs. 1 VRG grundsätzlich unzulässig (Marco Donatsch, Kommentar VRG, §
52 N. 11). Der Streitgegenstand kann sich im Lauf des Rechtsmittelverfahrens verengen, aber grundsätzlich nicht erweitern oder inhaltlich verändern (BGE 136 II 457 E. 4.2).
Folglich ist darauf nicht weiter einzugehen.
3.2
Entsprechendes gilt für den Beschwerdeantrag 2, wonach die Stadt Zürich anzuweisen sei, Schutzmassnahmen für den inneren Bereich der Siedlung F-Strasse zu treffen. Es handelt sich um ein neues Sachbegehren, das weit über den Streitgegenstand (vgl. E. 3.1) hinausgeht. Streitbetroffen ist allein die bezüglich des Grundstücks Kat.‐Nr. 01 an der F-Strasse 02 in Zürich erteilte Baubewilligung.
4.
Die private Beschwerdegegnerschaft hält dafür, dass auf die Beschwerde nicht einzutreten sei, soweit sich diese gegen die Anhebung des Dachs um 35 cm richte. Sie verweist auf § 253a des Planungs- und Baugesetzes vom 7. September 1975 (PBG). Danach dürfen an bestehenden Gebäuden Aussenwärmedämmungen bis zu 35 cm Dicke unbesehen rechtlicher Abstandsvorschriften, Längenmasse und Höhenmasse angebracht werden, wobei entgegenstehende überwiegende öffentliche Interessen vorbehalten bleiben. Da nach § 325a PBG energetische Sanierungen der Gebäudehülle im Anzeigeverfahren beurteilt würden, handle es sich um ein vereinfachtes und beschleunigtes Baubewilligungsverfahren ohne Publikation und Aussteckung des Bauvorhabens und folglich auch ohne Rekursmöglichkeit. Dass beim streitbetroffenen Gebäude wegen weiterer baulicher Massnahmen ein ordentliches Baubewilligungsverfahren durchgeführt werden musste, dürfe nicht dazu führen, dass trotzdem ein Rechtsmittel gegen die Dachanhebung möglich sei.
Der privaten Beschwerdegegnerschaft kann nicht gefolgt werden. Die Baubehörde hat gemäss den Gesetzgebungsmaterialien trotz § 325a PBG das ordentliche Baubewilligungsverfahren mit Publikation durchzuführen, wenn zum Rekurs berechtigende Drittinteressen berührt sind (Weisung des Regierungsrates vom 24. August 2011, ABl 2011, S. 2'244). Insbesondere, wenn Interessen des Natur- und Heimatschutzes betroffen sein können, ist eine Publikation des Vorhabens aufgrund des Verbandsbeschwerderechts erforderlich und daher eine Bewilligung im Anzeigeverfahren ausgeschlossen (ABl 2011, S. 2'246 f.). Bei energetischen Sanierungen der Gebäudehülle, welche im Zusammenhang mit anderen bewilligungspflichtigen Umbauten oder Nutzungsänderungen vorgenommen werden, kommt sodann stets das ordentliche Verfahren zur Anwendung (Carmen Walker-Späh, PBG-Revision: Abbau von Hürden bei energetischen Gebäudesanierungen, PBG aktuell 2012/2, S. 5 ff., 5). Dementsprechend wurde die Wärmedämmung vorliegend auch im ordentlichen Verfahren beurteilt.
Anzufügen bleibt schliesslich, dass die Einhaltung von Abstandsvorschriften, Längenmassen und Höhenmassen im vorliegenden Verfahren nicht strittig ist, weswegen § 253a PBG ohnehin nicht relevant ist.
5.
5.1
5.1.1
Zunächst rügt die Beschwerdeführerin die mangelhafte Ausschreibung des strittigen Bauvorhabens. Von einer Dachanhebung und einer neuen Treppe sei im Ausschreibungstext nirgends die Rede gewesen. Unzulässig sei auch, dass die kommende Änderung der Zonenzugehörigkeit nicht erwähnt worden sei.
5.1.2
Fehler des Baubewilligungsverfahrens können von Nachbarn dann gerügt werden, wenn sie sich auf dessen Rechts- bzw. Interessenwahrung nachteilig auswirken (
VGr, 29. März 2017, VB.2016.00562, E. 2.3; 29. August 2007, VB.2007.00092, E. 1.5;
10. Mai 2000, VB.2000.00086, E. 2c/aa = BEZ 2000 Nr. 39). Der Beschwerdeführerin war es möglich, die Baubewilligung anzufechten. Insofern sind die Rügen der Beschwerdeführerin – wie bereits die Vorinstanz im Rahmen ihrer Eventualbegründung zutreffend erwog – unbehelflich.
5.1.3
Die Beschwerdeführerin wäre mit diesen Rügen ohnehin nicht durchgedrungen.
Die amtliche Ausschreibung enthielt unter Hinweis auf die Zonenzugehörigkeit W2 folgenden Kurzbeschrieb des Projekts: "Ausbau des Dachgeschosses und 2 Dachlukarnen bei Wohnhaus".
Die Anforderungen an die Publikation sind in § 314 Abs. 3 PBG festgehalten, wonach die Bekanntmachung die nötigen Angaben über Ort und Art des Vorhabens sowie über den Gesuchsteller zu enthalten hat. Um ihrem Zweck zu genügen, hat die Ausschreibung demnach Angaben zu enthalten über die Gesuchstellenden, einen Kurzbeschrieb des Projekts, Kataster-Nummer und Zonenzugehörigkeit des Baugrundstücks, Versicherungsnummer eines bestehenden Gebäudes, genaue Lokalisierung des Bauvorhabens (Adresse) sowie Ort, Dauer und Zeiten der öffentlichen Auflage (Christian Mäder, Das Baubewilligungsverfahren, 1991, S. 133 Rz. 290; vgl. VGr, 21. März 2012, VB.2011.00652, E. 3.2). Der Ausschreibungstext braucht aber keine Details des Baugesuchs zu enthalten. Er muss jedoch – zusammen mit der Aussteckung – in der Weise aussagekräftig sein, dass sich der betroffene Dritte ein grundsätzliches Bild über mögliche Auswirkungen machen kann (Christoph Fritzsche et al., Zürcher Planungs- und Baurecht, 6. A., Wädenswil 2019, S. 397).
Da sich die Dachanhebung eindeutig aus dem Dachgespann ergab, ist es – wie die Vorinstanz korrekt feststellte – nicht zu beanstanden, dass im Kurzbeschrieb des Projekts nicht ausdrücklich darauf hingewiesen wurde. Im Zusammenspiel mit der Aussteckung genügte die Ausschreibung diesbezüglich. Ebenfalls erscheint es als ausreichend, dass vom Ausbau des Dachgeschosses die Rede ist, zumal die neue Treppe ein Detail darstellt, das in einem engen funktionellen Zusammenhang mit dem genannten Bauvorhaben steht und nach aussen nicht in Erscheinung tritt.
Der Hinweis auf die Zonenzugehörigkeit W2 war zum Zeitpunkt der Publikation der amtlichen Ausschreibung korrekt. Da die während der Auflagefrist eingetretene Änderung der Zonenzugehörigkeit für das streitbetroffene Projekt folgenlos blieb, durfte ein Hinweis darauf unterbleiben.
5.2
Dass bzw. inwiefern das Ausschreibungsverfahren in rechtswidriger Weise gesplittet worden sein soll, wie die Beschwerdeführerin rügt, ist sodann nicht zu erkennen. Zumal das gesamte strittige Bauprojekt in demselben ordentlichen Verfahren beurteilt wurde, zielen die Ausführungen der Beschwerdeführerin zum Anzeigeverfahren ins Leere.
6.
6.1
Sodann macht die Beschwerdeführerin geltend, entgegen der vorinstanzlichen Feststellung bestehe sehr wohl eine gemeindeinterne Pflicht zur Koordination.
6.2
Gemäss Art. 25a Abs. 1 Bundesgesetz über die Raumplanung vom 22. Juni 1979 (RPG) ist – im Sinn einer bundesrechtlichen Minimalanforderung (BGr, 25. Mai 2018, 1C_617/2017, E. 2.2 mit Hinweisen) – eine Behörde zu bezeichnen, die für eine ausreichende Koordination sorgt, wenn die Errichtung oder Änderung einer Baute oder Anlage Verfügungen mehrerer Behörden erfordert.