Decision ID: d5bd98d5-0dd7-473e-9328-6cc10013112d
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_SRK
Chamber: ZH_SRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. A (nachfolgend der Pflichtige) machte in seiner Steuererklärung 2010 bei
den Berufsauslagen unter anderem Autofahrkosten von insgesamt Fr. 20'933.- geltend.
Davon beliefen sich Fr. 10'437.- auf die Periode vom 1. Januar bis 31. Mai 2010 mit
Arbeitsplatz in B (105 Tage x 71 km x 2 x Fr. -.70) und die übrigen Fr. 10'496.- auf die
Periode vom 1. Juni bis 31. Dezember 2010 mit Arbeitsplatz in C (147 Tage x 51 km x
2 x Fr. -.70). Mit Einschätzungsentscheid bzw. Veranlagungsverfügung vom 3. Juni
2011 schätzte das Steueramt der Gemeinde D den Pflichtigen für die Staats- und Ge-
meindesteuern 2010 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 55'200.- und einem
steuerbaren Vermögen von Fr. 28'000.- ein und veranlagte ihn für die direkte Bundes-
steuer 2010 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 55'900.-. Dabei hatte es die
abzugsfähigen Autofahrkosten auf Fr. 15'820.- reduziert, indem es einerseits lediglich
Fahrten an 240 Arbeitstagen (an 100 Tagen nach B und an 140 Tagen nach C) akzep-
tierte und andererseits für die Fahrten nach C nur die kürzere Fahrstrecke gemäss
TwixRoute von 30 km berücksichtigte.
B. Hiergegen erhob der Pflichtige am 14. Juni 2011 Einsprache und beantrag-
te neben anderen, vorliegend nicht mehr streitigen Punkten, die abzugsfähigen Fahr-
kosten entsprechend der eingereichten Steuererklärung auf Fr. 20'933.- zu korrigieren.
Mit Einschätzungs- bzw. Veranlagungsvorschlag im Einspracheverfahren vom 28. Juni
2011 zeigte das kantonale Steueramt dem Pflichtigen eine Erhöhung des steuerbaren
Einkommens für die Steuerperiode 2010 auf Fr. 57'700.- (Staats- und Gemeindesteu-
ern) bzw. Fr. 58'400.- (direkte Bundessteuer) an. Grund für die Höhertaxation war die
Ansicht des kantonalen Steueramts, für den Arbeitsweg nach C betrage die Zeiter-
sparnis mit dem Privatfahrzeug gegenüber dem öffentlichen Verkehr weniger als eine
Stunde, weshalb diesbezüglich lediglich die Abonnementskosten des öffentlichen Ver-
kehrs zum Abzug gebracht werden können. Dagegen gewährte das kantonale Steuer-
amt dem Pflichtigen mit Bezug auf die Arbeitsstelle in B den Abzug der Autofahrkosten
für 105 Arbeitstage, entsprechend der Selbstdeklaration. Nachdem der Pflichtige diese
Vorschläge am 2. Juli 2011 sinngemäss abgelehnt hatte, setzte das kantonale Steuer-
amt mit Einspracheentscheiden vom 4. August 2011 die Steuerfaktoren gemäss Ein-
schätzungs- und Veranlagungsvorschlag fest.
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C. Mit Beschwerde und Rekurs vom 2. September 2011 beantragte der Pflich-
tige, die Einspracheentscheide vom 4. August 2011 aufzuheben und die abzugsfähigen
Fahrkosten für die Steuerperiode 2010 auf Fr. 20'933.- festzusetzen. Entsprechend sei
das steuerbare Einkommen für die direkte Bundessteuer 2010 auf Fr. 50'676.- und für
die Staats- und Gemeindesteuern 2010 auf Fr. 49'976.- zu korrigieren. Zudem verlang-
te der Pflichtige eine Parteientschädigung.
Das kantonale Steueramt schloss am 13. September 2011 auf kostenfällige
Abweisung der Rechtsmittel. Die Eidgenössische Steuerverwaltung verzichtete still-
schweigend auf Vernehmlassung. Der Pflichtige replizierte unaufgefordert mit Eingabe
vom 3./4. November 2011.
Auf die Parteivorbringen wird – soweit rechtserheblich – in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1. a) Gemäss Art. 26 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundes-
steuer vom 14. Dezember 1990 (DBG) bzw. § 26 Abs. 1 lit. a des Steuergesetzes vom
8. Juni 1997 (StG) können unselbstständig Erwerbstätige u.a. die notwendigen Kosten
für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte von den steuerbaren Einkünften abzie-
hen. Laut Art. 26 Abs. 2 DBG werden für die Berufskosten gemäss Art. 26 Abs. 1 lit. a -
c DBG Pauschalansätze festgelegt; im Fall von lit. a und c steht dem Steuerpflichtigen
der Nachweis höherer Kosten offen. Eine analoge Regelung sieht § 26 Abs. 2 StG vor.
b) In Bezug auf die Staats- und Gemeindesteuern enthält die Verfügung der
Finanzdirektion über die Pauschalierung von Berufsauslagen Unselbstständigerwer-
bender bei der Steuereinschätzung in der für die Steuerperiode 2010 geltenden Fas-
sung vom 27. Oktober 2008 (ZStB I Nr. 17/203) folgende Regelung:
I. Unselbstständigerwerbende können als notwendige Berufsauslagen im Sinn von § 26 StG ohne besondere Nachweise geltend machen:
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1. Für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte:
a) bei ständiger Benützung öffentlicher Verkehrsmittel (Bahn, Schiff, , Autobus) die notwendigen Abonnementskosten
b) (...)
c) bei ständiger Benützung eines Motorrades oder Autos die  des öffentlichen Verkehrsmittels
Die Kosten für das private Motorfahrzeug können nur ausnahmsweise geltend gemacht werden:
 wenn ein öffentliches Verkehrsmittel fehlt, d.h. wenn die Wohn- oder  von der nächsten Haltestelle mindestens 1 km entfernt ist oder bei Arbeitsbeginn oder -ende kein öffentliches Verkehrsmittel fährt;
 wenn sich mit dem privaten Motorfahrzeug eine Zeitersparnis von über einer Stunde (gemessen von der Haustüre zum Arbeitsplatz und zurück) ergibt;
 soweit der Steuerpflichtige auf Verlangen und gegen Entschädigung des Arbeitgebers das private Motorfahrzeug ständig während der Arbeitszeit benützt und für die Fahrten zwischen der Wohn- und Arbeitsstätte keine Entschädigung erhält;
 (...)
In diesen Fällen können zum Abzug geltend gemacht werden: (...) für Auto 70 Rp. pro Fahrkilometer.
c) Betreffend die direkte Bundessteuer hat das Eidgenössische Finanzdepar-
tement gestützt auf Art. 26 Abs. 2 DBG die Verordnung über den Abzug von Berufs-
kosten der unselbstständigen Erwerbstätigkeit bei der direkten Bundessteuer vom
10. Februar 1993 (in der für die Steuerperiode 2010 geltenden Fassung vom 1. Januar
2009, nachfolgend Berufskostenverordnung) erlassen. Gemäss Art. 5 Abs. 2 Berufs-
kostenverordnung sind bei Benützung privater Fahrzeuge als notwendige Kosten die
Auslagen abziehbar, die bei Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel anfallen wür-
den. Steht kein öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung oder ist dessen Benützung
objektiv nicht zumutbar, so können die Kosten des privaten Fahrzeugs gemäss den
Pauschalen nach Art. 3 bzw. gemäss Anhang abgezogen werden (Abs. 3). Objektive
Unzumutbarkeit im Sinn dieser Bestimmung wird namentlich angenommen bei einer
markanten Zeitersparnis durch Benutzung des Privatfahrzeugs, wobei eine solche in
der Regel mindestens eine Stunde im Tag beträgt (Richner/Frei/Kauf-mann/Meuter,
Handkommentar zum DBG, 2. A., 2009, Art. 26 N 123 DBG mit Hinweisen). Im Anhang
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der Berufskostenverordnung sind die pauschalierten Kosten bei Benützung privater
Fahrzeuge auf Fr. -.70 pro Fahrkilometer festgesetzt worden. Damit entspricht die Re-
gelung bei der direkten Bundessteuer im Wesentlichen derjenigen gemäss Verfügung
der Finanzdirektion bei den Staats- und Gemeindesteuern.
d) Um den Abzug der privaten Fahrkosten wegen markanter Zeitersparnis bei
Benützung des Privatfahrzeugs zu rechtfertigen, genügt es nicht, wenn zu bestimmten
Saison- oder Tageszeiten, d.h. bei besonders günstigen Fahrbedingungen auf den
Strassen, rund eine Stunde eingespart werden kann. Notwendig ist vielmehr, dass der
Steuerpflichtige mit dem Privatfahrzeug regelmässig über eine Stunde Fahrzeit
einspart (StRK II, 27. Januar 2000, ST.1999.424).
e) Bei der Berufskostenverordnung und der Verfügung der Finanzdirektion han-
delt es sich um Verwaltungsverordnungen. Als solche stellen sie für die Steuerjustiz-
behörden eine nicht verbindliche Anweisung zur Auslegung des Steuergesetzes dar.
Sie werden vom Richter jedoch berücksichtigt, wenn sie im konkreten Einzelfall eine
sachgerechte Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmung erlauben (StRK
II, 26. September 2000, ST.2000.209 mit Hinweis auf BGE 121 II 473 = ASA 65, 477 =
StR 51, 542 = StE 1996 B93.1 Nr. 2).
f) Die Abzugsfähigkeit der Fahrkosten stellt eine steuermindernde Tatsache dar
für welche gemäss der im Steuerrecht allgemein geltenden Beweislastregel der Steu-
erpflichtige beweispflichtig ist (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 123 N 77 DBG und
Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz, 2. A., 2006, § 132 N 90 StG, je
mit Hinweisen).
2. Der Pflichtige wohnt an der ...strasse in D und arbeitet an der ...strasse in
C. Die Fahrt mit dem Auto vom Wohnort an den Arbeitsort und umgekehrt führt entwe-
der durch die Stadt Zürich oder über die Westumfahrung, wobei der Pflichtige jeweils
den zwar längeren, aber nach eigenen Angaben schnelleren Weg über die Westumfah-
rung nimmt.
a) Nach Ansicht des kantonalen Steueramts erzielt der Pflichtige auf diesem
Arbeitsweg mit dem Privatfahrzeug keine Zeitersparnis von mindestens einer Stunde
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gegenüber dem öffentlichen Verkehr. Mit Letzterem benötige der Pflichtige für die Stre-
cke rund 145 Minuten pro Tag, sodass für eine Zeitersparnis von mindestens einer
Stunde die Fahrzeit mit dem Auto maximal 85 Minuten pro Tag, mithin rund 43 Minuten
pro Weg betragen dürfte. Dies sei aber nicht realistisch, da zwar die Fahrt gemäss
Routenplaner bei optimalsten Verhältnissen nur 34 Minuten daure, aufgrund erfah-
rungsgemäss grossen Verkehrsaufkommens auf der fraglichen Strecke jedoch in der
Regel von einer längeren Fahrzeit auszugehen sei. Das kantonale Steueramt geht da-
her von einer durchschnittlichen Fahrzeit mit dem Privatfahrzeug von mindestens 44
Minuten aus, womit eine regelmässige Zeitersparnis von mehr als einer Stunde nicht
gegeben sei.
Hiergegen bringt der Pflichtige im Wesentlichen vor, da er nie zu den Ver-
kehrsstosszeiten unterwegs sei, sei die von verschiedenen Routenplanern berechnete
Fahrzeit von 34 Minuten in seinem Fall durchaus realistisch. Unter Berücksichtigung
eines Zuschlags von drei Minuten für den Weg von der Haustüre zum Auto sowie vom
Parkplatz an der Arbeitsstelle zu dieser betrage die Reisezeit mit dem Privatfahrzeug
somit 37 Minuten pro Weg bzw. 74 Minuten pro Tag, gegenüber einer solchen von 80
Minuten pro Weg bzw. 160 Minuten pro Tag mit dem öffentlichen Verkehr. In der Replik
vom 3./4. November 2011 korrigierte der Pflichtige die Reisedauer mit dem öffentlichen
Verkehr – entsprechend den Erwägungen des kantonalen Steueramts in der Be-
schwerde-/Rekursantwort – auf 145 Minuten pro Tag, womit er im Ergebnis eine tägli-
che Zeitersparnis von 71 Minuten geltend macht.
b) Nachdem der Pflichtige selbst vorbringt, der Weg von D nach C durch die
Stadt Zürich nehme aufgrund der vielen Verkehrsampeln wesentlich mehr Zeit in An-
spruch als derjenige über die Westumfahrung, bleibt vorliegend lediglich zu prüfen, ob
mit Bezug auf letztere Strecke eine regelmässige Zeitersparnis von mindestens einer
Stunde gegenüber dem öffentlichen Verkehr nachgewiesen wurde.
aa) aaa) Die vom Pflichtigen verwendeten Routenplaner (Google Maps, Via-
Michelin, map24) berechnen für die fragliche Strecke allesamt eine Fahrzeit von 34
Minuten. Hierbei handelt es sich jedoch um einen bei normalen Verhältnissen gelten-
den Durchschnittswert, der insbesondere die Staus aufgrund von Verkehrsüberlastun-
gen zu bestimmten Tageszeiten nicht mitberücksichtigt. Dies ist vorliegend umso ent-
scheidender, als sich auf der vom Pflichtigen gefahrenen Strecke über die
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Westumfahrung zu Stosszeiten bekanntermassen regelmässig Staus bilden. Diesbe-
züglich macht der Pflichtige geltend, er sei nie zu Stosszeiten unterwegs, da er in der
Regel nicht vor 09.30 Uhr bei der Arbeit sei und abends entsprechend länger bleibe.
Zum Beweis dafür reichte er 2 CDs mit Videoaufnahmen morgendlicher Fahrten auf
dem Streckenabschnitt Limmattalerkreuz/Gubristtunnel in der Zeit vom 3. Juni bis
7. Oktober 2011 ein, aus denen ersichtlich sein soll, dass er auf diesem Streckenab-
schnitt in der Regel freie Fahrt hatte. Ausserdem war der Replik vom 3./4. November
2011 eine Bestätigung des Arbeitgebers beigelegt, aus welcher hervorgeht, dass der
Pflichtige seit dem 1. Juni 2010 regelmässig um ca. 09.45 Uhr bei der Arbeit sei. Da
vorliegend kein Grund zur Annahme besteht, die Angaben des Arbeitgebers in dieser
Bestätigung würden nicht der Wahrheit entsprechen, kann schon gestützt darauf davon
ausgegangen werden, dass der Pflichtige tatsächlich regelmässig erst spät und damit
ausserhalb der morgendlichen Verkehrsstosszeiten zur Arbeit fährt. Dementsprechend
ist auf die eingereichten Videoaufnahmen an dieser Stelle nicht näher einzugehen,
wenngleich der Hinweis erlaubt sei, dass in keinster Weise dargetan wurde, dass diese
Aufnahmen tatsächlich auf Fahrten des Pflichtigen entstanden sind. Nachdem somit
der Pflichtige von den notorischen Staus zu den morgendlichen Verkehrsstosszeiten in
der Regel nicht betroffen ist, rechtfertigt sich die Annahme, dass er die fragliche Stre-
cke regelmässig in der von den Routenplanern angegebenen Zeit von durchschnittlich
34 Minuten zurücklegt. Da der Pflichtige selbst diese Fahrzeit letztlich als zutreffend
erachtet, erübrigen sich Ausführungen zu der von ihm thematisierten Frage, ob die
Routenplaner tatsächlich mit optimalsten Verhältnissen rechnen oder nicht.
bbb) Das eben Gesagte gilt jedoch nur für die Hinfahrt von D nach C. Was die
Rückfahrt des Pflichtigen am Abend betrifft, fehlt jeglicher Nachweis für die Behaup-
tung, dass diese regelmässig erst spät und damit ebenfalls ausserhalb der Verkehrs-
stosszeiten erfolge. Der Pflichtige macht zwar geltend, er arbeite durchschnittlich
8.5 Stunden pro Tag und mache eine Stunde Mittagspause, sodass sich bei einem
Arbeitsbeginn um 09.45 Uhr ein Verlassen der Arbeit um 19.15 Uhr rechtfertige; belegt
wird diese Aussage indes in keinster Weise. Besonders auffallend ist in diesem Zu-
sammenhang auch die Tatsache, dass sich der Pflichtige angeblich die Mühe machte,
die Hinfahrten über mehrere Monate hinweg minutiös mit täglichen Videoaufnahmen
auf dem Streckenabschnitt Limmattalerkreuz/Gubristtunnel zu dokumentieren, während
er die Rückfahrt (gesamte Strecke) nur an einem einzigen Tag aufzeichnete, an dem er
die Arbeit erst nach 21:30 Uhr verliess (Abfahrt um 21:44 Uhr). Dies legt die Vermu-
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tung nahe, dass der Pflichtige entgegen seiner Behauptung nicht regelmässig sondern
nur ausnahmsweise ausserhalb der abendlichen Verkehrsstosszeiten von der Arbeit
nach Hause fährt und deshalb für die Rückfahrt in aller Regel mehr als 34 Minuten be-
nötigt. Im Übrigen sei aber angemerkt, dass auch bei Vorliegen von entsprechenden
(und nachweislich vom Pflichtigen selbst aufgenommenen) Videos der Rückfahrten
diese wohl kaum einen ausreichenden Beweis darstellen würden, da Aufnahmen aus
dem Jahr 2011 mit Bezug auf das Jahr 2010 letztlich nur beschränkt aussagekräftig
sind.
ccc) Im Ergebnis benötigt der Pflichtige mit dem Privatfahrzeug für die Hinfahrt
von der ...strasse in D an die ...strasse in C, welche erwiesenermassen regelmässig
ausserhalb der Verkehrsstosszeiten erfolgt, durchschnittlich 34 Minuten. Demgegen-
über ist bei den Rückfahrten von erheblich längeren Fahrzeiten auszugehen, da sie,
wie gesehen, aller Wahrscheinlichkeit nach regelmässig während der Verkehrsstoss-
zeiten erfolgen. Ein Zuschlag von mindestens fünf Minuten gegenüber der normalen
Fahrzeit scheint hier ohne Weiteres gerechtfertigt, sodass für die Rückfahrt eine durch-
schnittliche Fahrzeit von mindestens 39 Minuten resultiert. Zu berücksichtigen ist zu-
dem die Zeit von der Haustüre bis zum Auto und vom Parkplatz an der Arbeitsstelle bis
zu dieser (respektive umgekehrt auf dem Rückweg), wofür sich – auch nach eigener
Ansicht des Pflichtigen) – ein Zuschlag von mindestens 3 Minuten rechtfertigt. Hierzu
ist allerdings zu präzisieren, dass mit diesem Zuschlag im Sinn des vom Pflichtigen
zitierten Entscheids der Steuerrekurskommission III vom 29. Juli 2010 (3 ST.2010.181)
lediglich der Weg bis zum Eingang des Gebäudes berücksichtig werden soll, in dem
sich der Arbeitsplatz befindet, und nicht, wie der Pflichtige dafürhält, der Weg bis zum
eigentlichen Arbeitsplatz im Büro. Im Ergebnis beläuft sich damit die gesamte Reisezeit
mit dem Privatfahrzeug auf 37 Minuten für den Hinweg und 42 Minuten für den Rück-
weg, bzw. auf 79 Minuten pro Tag.
bb) aaa) Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bietet es sich für den Pflichtigen
an, nach "E" zu fahren, da diese Haltestelle lediglich 92 m von seiner Arbeitsstelle ent-
fernt liegt. Laut SBB Fahrplan (www.sbb.ch) steht dem Pflichtigen hierfür morgens ab
der Haltestelle "F" in D jede halbe Stunde eine Verbindung von 61 Minuten Dauer zur
Verfügung, wobei er jeweils drei Mal umsteigen muss. Die Distanz von der ...strasse
zur Bushaltestelle F (stadteinwärts) beträgt 350 m und ist zu Fuss bei einem (gemütli-
chen) Tempo von 5 km/h in ca. vier Minuten zurückzulegen, was auch den Angaben
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des Pflichtigen entspricht. Unter Berücksichtigung des vom Pflichtigen geforderten Si-
cherheitszuschlags von einer Minute, um auf jeden Fall rechtzeitig an der Haltestelle
bereit zu stehen, ergibt dies einen Fussweg von insgesamt fünf Minuten von der Haus-
türe zur Haltestelle. Die 92 m von der Haltestelle "E" zur Arbeitsstelle sind bei einem
Tempo von 5 km/h in ca. einer Minute zurückzulegen. Der vom Pflichtigen geforderte
Zuschlag von 2 Minuten für den Weg bis zum tatsächlichen Arbeitsplatz im Büro ist im
Übrigen nicht gerechtfertigt, da wie oben gesehen lediglich der Weg bis zum Eingang
des Gebäudes gemessen wird. Somit beläuft sich die gesamte Reisezeit bei dieser
Verbindung auf 67 Minuten (5 + 61 + 1). Der Pflichtige hat nun aber auch die Möglich-
keit, statt nach "E" nach "G" zu fahren und von dort zu Fuss 500 m bzw. ca. 6 Minuten
bis zur Arbeitsstelle zu gehen. Von "F" nach "G" besteht gemäss SBB Fahrplan
(www.sbb.ch) morgens ebenfalls jede halbe Stunde eine Verbindung, wobei diese le-
diglich 53 Minuten dauert und jeweils zwei oder drei Umsteigevorgänge beinhaltet.
Damit lässt sich der gesamte Arbeitsweg mit dieser Variante in lediglich 64 Minuten
zurücklegen (5 + 53 + 6), ohne dass – abgesehen vom etwas längeren, aber durchaus
zumutbaren Fussmarsch von 500 m bis zum Arbeitsplatz – gegenüber der Verbindung
via "E" irgendwelche Nachteile in Kauf genommen werden müssten. Mithin kann für
den Hinweg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ohne Weiteres auf die Verbindung via
"G" mit einer regelmässigen Reisezeit von 64 Minuten abgestellt werden.
bbb) Was die Rückfahrt am Abend angeht, so ist nach den obigen Ausführun-
gen davon auszugehen, dass sie in aller Regel früher erfolgt als der Pflichtige behaup-
tet, mithin also noch vor 19.00 Uhr. Dafür stehen ihm gemäss SBB Fahrplan
(www.sbb.ch) ab der Haltestelle "E" bis und mit 18.42 Uhr regelmässig Verbindungen
von 53 bzw. 55 Minuten Dauer zur Verfügung, bei denen er jeweils zwei oder drei Mal
umsteigen muss. Sollte der Pflichtige das Büro tatsächlich erst nach 19.00 Uhr verlas-
sen, so kann er entweder um 19.11 Uhr in 56 Minuten ab "E" oder aber um 19.14 und
19.44 Uhr in 53 Minuten ab "G" nach "F" fahren. Hinzu kommen wiederum die Fuss-
wege zur Haltestelle "E" von einer Minute bzw. zur Haltestelle "G" von 6 Minuten, wo-
bei unter Berücksichtigung des Sicherheitszuschlags von 2 bzw. 7 Minuten Fussweg
auszugehen ist. Der Rückweg von der Haltestelle "F" (stadtauswärts) an die ...strasse
ist zwar lediglich 240 m lang, nimmt jedoch gemäss Google Maps
(www.maps.google.ch) dennoch 4 Minuten in Anspruch. Dies entspricht der Aussage
des Pflichtigen, wonach er für die Strecke aufgrund der fast zehnprozentigen Steigung
4 Minuten benötige. Im Ergebnis resultiert damit für den Rückweg eine gesamte Reise-
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zeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vor 19.00 Uhr von 59 - 61 Minuten (2 + 53/55
+ 4) bzw. nach 19.00 Uhr von 62 - 64 Minuten (2 + 56 + 4 oder 7 + 53 + 4).
cc) Aus dem Gesagten ergibt sich für den Pflichtigen eine Reisezeit von
79 Minuten pro Tag mit dem Privatfahrzeug gegenüber einer solchen von wenigstens
123 (64 + 59) und höchstens 128 (64 + 64) Minuten mit dem öffentlichen Verkehr, mit-
hin eine Zeitersparnis von wenigstens 44 und höchstens 49 Minuten. Damit fehlt es
offenkundig an einer markanten, regelmässig zu erzielenden Zeitersparnis von mindes-
tens einer Stunde. Daran würde sich nicht einmal etwas ändern, wenn man zu Gunsten
des Pflichtigen davon ausginge, dass auch die Rückfahrt jeweils ausserhalb der Ver-
kehrsstosszeiten erfolgt und somit die tägliche Fahrzeit mit dem Privatfahrzeug nur
74 Minuten (2 x 37) beträgt. Auch dann ergäbe sich gegenüber den öffentlichen Ver-
kehrsmitteln (Rückfahrt nach 19.00 Uhr, tägliche Reisedauer 126 -128 Minuten) immer
noch nur eine tägliche Zeitersparnis von wenigstens 52 und höchstens 54 Minuten.
Was die Vorbringen des Pflichtigen hinsichtlich der Verspätungen im öffentli-
chen Verkehr betrifft, sei angemerkt, dass diese nicht die Regel, sondern die Ausnah-
me darstellen und daher für die Ermittlung der regelmässig zu erzielenden Zeiterspar-
nis ebenso unbeachtlich sind wie die ausserordentlichen (aber durchaus nicht
seltenen) Verzögerungen im Strassenverkehr aufgrund von Unfällen, schlechten Stras-
senverhältnissen oder ähnlichen unvorhersehbaren Ereignissen. Im Übrigen sei der
Hinweis erlaubt, dass die Zeitersparnis von einer Stunde pro Tag nicht einmal dann
erreicht wäre, wenn bei den öffentlichen Verkehrsmitteln eine tägliche Verlängerung
der Fahrzeit von 5 Minuten aufgrund von Verspätungen berücksichtigt würde.
Im Ergebnis ist es dem Pflichtigen nicht gelungen, den Beweis einer regel-
mässigen Zeitersparnis von mindestens einer Stunde mit dem Privatfahrzeug gegen-
über dem öffentlichen Verkehr zu erbringen, womit die Voraussetzungen für den Abzug
der privaten Fahrkosten nicht erfüllt sind. Der Pflichtige hat sich demnach mit dem Ab-
zug der Abonnementskosten des öffentlichen Verkehrs zu begnügen.
c) Unter diesen Umständen erübrigt sich vorliegend die Frage, ob die Kosten
der (tatsächlich gefahrenen) längeren oder nur diejenigen der kürzeren Strecke ab-
zugsfähig sind.
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3. Der Pflichtige sieht einen Verstoss gegen den Grundsatz von Treu und
Glauben im Verhalten der für ihn zuständigen Mitarbeiterin des Steueramts D im Ein-
schätzungsverfahren. Diese habe ihm nach zwei längeren Telefongesprächen, in de-
nen die Abzugsfähigkeit der Fahrkosten ausführlich besprochen wurde, zunächst ver-
sichert die von ihm deklarierten Fahrkosten würden alle im Toleranzbereich liegen.
Kurz darauf habe sie ihn erneut angerufen, um ihm mitzuteilen, es würden doch nur die
Kosten für die kürzere Strecke von D nach C gewährt, was sie sodann auch im Ein-
schätzungs- bzw. Veranlagungsentscheid festgehalten habe. Inwiefern dieses Verhal-
ten treuwidrig sein soll, ist nicht nachvollziehbar, sind doch die Mitarbeiter der Steuer-
behörde im Einschätzungs- bzw. Veranlagungsverfahren verpflichtet, unklare
Sachverhalte dahingehend zu untersuchen, dass sie die Steuerfaktoren gestützt darauf
korrekt festsetzen können. Unter diesem Blickwinkel scheint weder problematisch,
dass die Mitarbeiterin des Steueramts D den Pflichtigen wegen der Frage der Abzugs-
fähigkeit der Fahrkosten mehrmals angerufen, noch, dass sie ihre diesbezüglich zu-
nächst kundgetane Meinung nach weiteren Abklärungen noch einmal geändert hat.
Entscheidend ist aber vorliegend vor allem, dass der Pflichtige aus dem Verhalten der
Mitarbeiterin des Steueramts – ob nun treuwidrig oder nicht – ohnehin nichts zu seinen
Gunsten ableiten kann. Denn der von ihm angerufene Vertrauensschutz, der im
Grundsatz von Treu und Glauben begründet ist und bisweilen bei Zusicherungen einer
Behörde zum Tragen kommt, greift vorliegend schon allein deshalb nicht, weil der
Pflichtige aufgrund der Zusicherung (falls man denn überhaupt von einer solchen spre-
chen kann) der Mitarbeiterin des Steueramts keine ihm nachteilige Disposition getrof-
fen hat. Dies war ihm denn auch gar nicht möglich, da die besagte Mitarbeiterin ihre
Aussage ja nach eigenen Angaben des Pflichtigen schon wenige Stunden später revi-
dierte und ihm ihre definitive Beurteilung des Sachverhalts mitteilte. Mithin entbehren
die diesbezüglichen Vorbringen des Pflichtigen jeglicher Grundlage und fehlt es von
Vornherein an einer grundlegenden Voraussetzung für die Berufung auf den Vertrau-
ensschutz.
4.a) Nach alldem bleibt es dabei, dass der Pflichtige für die Zeit seiner Be-
schäftigung in F als Fahrkosten lediglich die Abonnementskosten der 2. Klasse des
öffentlichen Verkehrs in der Höhe von Fr. 2'676.- zum Abzug bringen kann und sind die
Einspracheentscheide des kantonalen Steueramts vom 4. August 2011 zu bestätigen.
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2 DB.2011.180 2 ST.2011.254
b) Diese Erwägungen führen zur Abweisung von Beschwerde und Rekurs.
Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten dem Pflichtigen aufzuerlegen (Art. 144
Abs. 1 DBG und § 151 Abs. 1 StG) und steht diesem keine Parteientschädigung zu
(Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungs-
verfahren vom 20. Dezember 1968; § 152 StG i. V. m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungs-
rechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997).