Decision ID: 38c56beb-697f-4445-a17a-2c15c0f6533c
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1968,
war bis am 3
1.
September 2008 als
Maschinen
führer
in einer Buchbinderei tätig. Am 1
1.
November 2008 meldete er sich bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung
wegen Krankheit
zum
Leistungs
bezug
an
(
Urk.
10/9). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor (
Urk.
10/14,
Urk.
10/16,
Urk.
10/17,
Urk.
10/19,
Urk.
10/20,
Urk.
10/28,
Urk.
10/31). Am 1
7.
April 2009 teilte die IV-Stelle mit, dass
zur Zeit
keine beruflichen Einglie
derungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
10/26). Die IV-Stelle zog die Akten der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt bei (
Urk.
10/32) und gab beim
Gutachtenszentrum Y._
ein orthopädisch-psychiatrisches Gutachten in Auftrag, welches am 1
5.
Juni 2010 erstattet wurde (
Urk.
10/39). Mit Vorbescheid vom 1
1.
Februar 2011 stellte die IV-Stelle die Zusprechung einer
Dreiviertelsrente
in Aussicht (
Urk.
10/48).
Die IV-Stelle zog die Akten der Krankentaggeldversicherung
Swica
bei, welche insbesondere einen Observationsbericht mit DVDs der
Weica
AG enthielt
en
(
Urk.
10/55).
An
schliessend
holte die IV-Stelle Stellungnahmen der
Y._
-Gutachter zur Obser
vation ein (
Urk.
10/59,
Urk.
10/60,
Urk.
10/63). Mit neuem Vorbescheid vom 1
7.
Februar 2012 stellte die IV-Stelle lediglich
noch
die Zusprechung einer vom
1.
März bis 3
0.
April 2008 befristete
n
halbe
n
Invalidenrente in Aussicht (
Urk.
10/78). Hiergegen liess der Versicherte Einwand erheben (
Urk.
10/82). Daraufhin gab die IV-Stelle ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag, welches am 3
1.
Oktober 2013 erst
attet wurde (
Urk.
24). Mit neuem
Vorbescheid vom 1
9.
Dezember 2013 wurde
die Verneinung des Rentenanspruchs in Aussicht gestellt (
Urk.
10/107), wogegen der Versicherte am 2
8.
Januar 2014 Einwand erhob (
Urk.
10/109). Am 1
7.
Februar 2014 verfügte die IV-Stelle im Sinne ihres Vorbescheids
vom 1
9.
Dezember 2013
(
Urk.
2).
2.
Hiergegen liess der Versicherte
,
vertreten
durch Rechtsanwalt
Dr.
iur
. Stefan
Werlen
,
am 1
4.
März 2014 Beschwerde erheben. Er beantragte, es sei ihm eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zur
Neubeurtei
lung
zurückzuweisen (
Urk.
1). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom
4.
Juni 2014 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9). Mit Verfügung vom 3
0.
Juni 2014 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
11). Am 2
9.
Juli 2014 liess der Versicherte die Replik erstatten (
Urk.
13) und am 1
8.
August 2014 einen ärztlichen Bericht des behandelnden Psychiaters
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
6.
August 2014 einreichen (
Urk.
15,
Urk.
16).
Am 2
9.
August 2014 erstattete die IV-Stelle
die Duplik (
Urk.
18).
Mit Verfügung vom 1
1.
Mai 2015 wurde die
Swisscanto
Sammelstiftung der Kantonalbanken zum Prozess beigeladen (
Urk.
25), welche am 2
7.
Mai 2015 auf eine Stellungnahme verzichtete (
Urk.
26).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über das Allgemeine Sozialversicherungsrecht ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit ver
ursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit kön
nen in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Ein
-
schränkungen
der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leis
tungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeits
markt mit der psychischen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheits
-
schaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG
)
.
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.
4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen fest
-
zustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
-
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was
vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Die IV-Stelle führte in ihrer Verfügung vom 1
7.
Februar 2014 vor allem aus, die Unüberwindbarkeit der psychischen Beschwerden sei nach den sogenannten Foerster-Kriterien geprüft worden, welche nicht in ausreichendem Masse vorlä
gen
,
um einen versicherungsrechtlich relevanten invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden anzunehmen. Der Versicherte habe aus somatischer Sicht jederzeit in vollem Umfang einer angepassten Tätigkeit nachgehen können. Es resultiere im Einkommensvergleich ein Invaliditätsgrad von 18
%
, was zu einer Verneinung des Rentenanspruchs führe (
Urk.
1).
Mit Beschwerdeantwort vom
4.
Juni 2014 ergänzte die IV-Stelle, dass die Beurteilung von
Dr.
B._
ange
sichts des gezeigten Aktivitätsniveaus in unbeobachtet geglaubten Momenten nicht zu überzeugen vermöge. Zudem seien psychosoziale Belastungsfaktoren
invalidenversicherungsrechtlich
nicht zu berücksichtigen (
Urk.
9).
2.2
Der Versicherte liess in der Beschwerde vom 1
4.
März 2014
vor allem vorbrin
gen, bei ihm
sei
gemäss
dem von der IV-Stelle bei
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
in Auftrag gegebenen
psychiatrischen Gutach
ten vom 3
1.
Oktober 2013 keine verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr vorhanden. Entsprechend sei ihm eine ganze Rente zuzusprechen (
Urk.
1).
Mit Replik vom 2
9.
Juli 2014 hielt der Versicherte fest, die Überwachung der
Weico
AG un
d die Schlussfolgerungen daraus
seien lediglich als Parteibehauptungen zu qualifi
zieren. Zudem bekräftigte er, dass auf das Gutachten von
Dr.
B._
abzustellen sei, da dieses die aktuellste
ärztliche
Beurteilung sei (
Urk.
13).
2.3
Zu prüfen sind somit die gesundheitlichen Beschwerden
und
deren Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit. Es ist dabei vorab auf die beiden Gutachten
einzugehen.
Anschliessend ist der Invaliditätsgrad mittels Einkommensvergleichs festzule
gen.
3.
3.1
3.1.1
Das
Gutachtenszentrum Y._
erstattete im Auftrag der IV-Stelle am
1
5.
Juni
2010 ein
bidisziplinä
res
orthopädisch-psychiatrisches Gutachten
(
Urk.
10/39)
.
Der Versi
cherte
erzählte
dem psychiatrischen Gutachter
, sein Vater sei 1973 in Montenegro umgebracht worden und seine Kindheit sei nach dessen Tod schwierig gewesen. Am 2
8.
März 2007 habe er e
inen Verkehrsunfall erlitten, bei
dem er als Fahrer seitlich angefahren worden sei. Seither habe er
Nacken
schmerzen
, ausstrahlend in den Nackenbereich und den linken Schulterbereich.
Er leide unter starken Schlafstörungen und schlafe nur zwei bis drei Stunden. Seit 2006 leide er unter vermehrten Unruhezuständen, Grübeln und negativen Gedanken. Er habe seit dem Unfall Angst
vor allen Dingen
und
er
fühle sich lustlos,
freudlos und
antriebslos,
er
habe kein Interesse
und
keine Motivation
,
er
sei im Denken
negativistisch
eingeengt und
er
müsse immer wieder an den Mord an seinem Vater denken, den er
als Kind
miterlebt
habe. Ihn störe jeder Lärm und jede Bewegung
. Er
könne keinen Kontakt
zu
Leuten haben, da er sich fürchte und sich beobachtet fühle
. Ungefähr um zwei Uhr in der Nacht stehe er auf und liege dann im Wohnzimmer, wobei er fernsehe. Morgens schlafe er meist und stehe gegen 9 Uhr auf. Er sitze herum, gehe etwas ausser Haus und sitze
dann
wieder zu Hause.
Vermehrt sei er
müde und liege, im Haushalt tue er nichts. Abends sitze er und sehe fern, wobei er zwischen 23.30 Uhr und 24 Uhr ins Bett gehe (
Urk.
10/39/12-16)
.
3.1.2
Der psychiatrische
Y._
-
Gutachter hielt fest, der Versicherte erwecke einen depressiven Gesamteindruck. Er wirke in der Stimmungslage deutlich niederge
schlagen, affektiv überwiegend vermindert mitschwingend, daneben leicht affektlabil und weinerlich. Er spreche mit monotoner leiser Stimme und erscheine psychomotorisch im Antrieb deutlich vermindert. Im Denken wirke er
negativistisch
eingeengt. Daneben fänden sich Hinweise für Gedächtnisstörun
gen mit Tendenzen zur paranoiden Erlebnisverarbeitung mit Beobachtungs
-
gefühlen. Er wirke während der Untersuchung deutlich kontaktgestört und miss
trauisch, sei daneben jedoch kooperativ
(
Urk.
10/39/16)
.
3.1.3
In der interdisziplinären Zusammenfassung des Gutachtens wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgehalten
(
Urk.
10/39/23)
:
Deutliche
Osteochondrose
und mediale Diskushernie L5/S1 ohne neurale Kompression
Adipositas
Subakromiales
Impingement
bei hakenförmigem
Akromion
und leichter
Akromioklavikulargelenksarthrose
links
Mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom, bestehend seit etwa März 2007 (ICD-10 F33.11)
Generalisierte Angststörung mit wahnhafter Erlebnisverarbeitung, beste
hend seit etwa März 2007 (ICD-10 F41.1, F22.0)
Als Diagnose
n
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter eine
Myogelose
des
Muskulus
trapezius
beidseits und
eine
geringe
Osteochond
rose
C6/7 bei konstitutionell engem Spinalkanal C3 bis 6 (
Urk.
10/39/23).
3.1.4
Der psychiatrische
Y._
-
Gutachter
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte aus, im Rahmen der mittelgradigen depressiven Störung könne eine psychogene Überlagerung der Schmerzsymptomatik ange
nommen werden (
Urk.
10/39/17). Aus psychiatrischer Sicht sei aufgrund der mittelgradig depressiven Episode mit somatischem Syndrom und der generali
sierten Angststörung mit paranoider Erlebnisverarbeitung eine Beeinträchtigung der Schmerzverarbeitung und Schmerzbewältigung anzunehmen. Der Versi
cherte verfüge nicht über die notwendigen Ressourcen für den Umgang mit den Schmerzen und es seien diese mit einer zumutbaren Willensanstrengung nicht ausreichend überwindbar (
Urk.
10/39/18).
Die Arbeitsfähigkeit sei primär durch ein psychisches Leiden mit Krankheitswert eingeschränkt. Ein Überwiegen psychosozialer Faktoren sei nicht anzunehmen (
Urk.
10/39/25).
3.1.5
In der interdisziplinären Zusammenfassung hielten die Gutachter fest, die
Arbeits
fähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Hilfsarbeiter und
Maschinen
führer
in einer Druckerei betrage
bei voller Stundenpräsenz
4
0
%
. Für eine an
gepasste körperlich leichte Tätigkeit in temperierten Räumen, die
abwechs
lungsweise
sitzend un
d stehend ausgeübt werden könne
, ohne dass dabei häufig inklinierte und
reklinierte
sowie rotierte Körperhaltungen eingenommen und Gegenstände über fünf Kilogramm gehoben
oder getragen werden müssten und die nicht mit häufigen Arbeiten über
die
Horizontale
hinaus
verbunden sei sowie Arbeiten ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne Stressbelastung, ohne erforderliche geistige Flexibilität, ohne erforderliche überdurchschnittliche Kon
zentrationsfähigkeit, ohne erhöhte Verantwortung, ohne vermehrte
Kunden
kontakte
in kleinen Teams und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung
beinhalte
,
betrage die Arbeitsfähigkeit bei voller Stundenpräsenz 60
%
(
Urk.
10/39/18-19)
.
Der orthopädische
Y._
-
Gutachter
Dr.
med.
A._
, Spezialarzt für orthopädische Chirurgie,
legte aus rein orthopädischer Sicht eine 60%ige Arbeitsfähigkeit für die bisherige Tätigkeit und
eine
100%ige Arbeitsfä
higkeit für eine angepasste Tätigkeit fest
(
Urk.
10/39/7-8)
.
3.2
Daraufhin
ersuchte die
IV-Stelle
die
Y._
-Gutachter um Stellungnahmen zu den im Observationsbericht vom
6.
Oktober 2010 dokumentierten Feststellungen
(
Urk.
10/59)
. Der orthopädische
Y._
-
Gutachter
Dr.
A._
hielt am
1.
Juni 2011 fest, gewisse Ungereimtheiten von Beschwerden und Befunden seien im
bidisziplinären
Y._
-
Gutachten bei der Festlegung
der Arbeitsfähigkeit
bereits berücksichtigt worden und aus somatischer Sicht resultiere
aus dem
Observati
onsbericht
keine Änderung der Einschätzung
(
Urk.
10/60)
.
Der psychiatrische
Y._
-G
utachter
Dr.
Z._
hielt in Ergänzung des psychiatrischen
Teilgut
achtens
vom 1
6.
Juni 2010
am
8.
Juni 2011
fest, es sei nach der Begutachtung eine rasche und
ausgeprägtere
Besserung des psychischen Zustands erfolgt, als erwartet.
Der Observationsbericht zeige, dass der Versicherte ab Ende 2010 einer Arbeitstätigkeit nachgegangen sei, offenbar mit Occasionsfahrzeugen gehandelt habe und sich engagiert, gesprächig sowie kommunikativ und kontaktfreudig gezeigt habe.
Aufgrund des Observationsberichts könne eine Besserung der mittelgradig depressiven Episode mit somatischem Syndrom angenommen wer
den, während eine Angststörung mit wahnhafter Erlebnisverarbeitung weiterhin vorgelegen haben könne. In der zuletzt ausgeübten Arbeitstätigkeit könne seit August 2010 von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit bei vollem Stundenpensum und in einer angepassten Tätigkeit von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit bei vol
lem Stundenpensum ausgegangen werden. Es sei derzeit keine neue psychiatri
sche Beurteilung nötig, da sich die Besserung
des psychischen Zustandsbilds eindeutig
aus dem Observationsbericht ergebe. Allerdings könne in Zukunft eine
neuerliche Verschlechterung
des psychischen Zustandsbilds
eintreten
(
Urk.
10/62,
Urk.
10/63)
.
3.3
3.3.1
Dr.
B._
führte im
psychiatrischen
Gutachten vom 3
1.
Oktober 2013
aus, beim Versicherten beständen zahlreiche unangemessene Ängste in
Alltagssitua
tionen
, die mit vegetativer Reaktion (Schwitzen, äussere Unruhe)
einhergingen (
Urk.
24 S. 22
). Organisch beständen im Nacken, in der Schulter wie auch im Bereich der Lendenwirbelsäule Pathologien, die einen Teil der Schmerzen erklären könnten. Das heutige Ausmass der Schmerzen sei aber nur durch
zusätzliche psychische Faktoren nachvollziehbar (
Urk.
24 S. 25). Weiter leide der Versicherte unter
einer gedrückten Stimmung, einem Interessens- oder Freudeverlust sowie einem verminderten Antrieb oder gesteigerter Ermüdbarkeit (
Urk.
24 S. 27). Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielt er eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1) und eine depressive Störung, gegenwärtig mittelschwer (ICD-10 F32.1)
,
fest
. Diese Stö
rungen beständen seit März 2007
(
Urk.
24 S. 28)
.
3.3.2
Der Versicherte führte gegenüber dem Gutachter zu seiner Tagesgestaltung aus, er wecke seine jüngste Tochter um 7.15 Uhr und bringe sie um 7.50 Uhr in den Kindergarten oder sie gehe mit einem Nachbarkind und er schaue ihr vom Fenster aus nach. Vormittags gehe er manchmal zur Tankstelle und kaufe dort
Gipfeli
oder er gehe in ein Restaurant, in welchem um diese Zeit kaum Leute seien. Manchmal setze er sich in der Garage ins Auto oder fahre zehn Minuten in Schlieren herum. Bei schönem Wetter, wenn es ihm etwas besser gehe, besuche er seinen Bruder. Dort sitze er bei diesem im Büro oder in einem seiner Autos, und probiere dieses Auto aus. Manchmal gehe sein Bruder kurz weg und dann hüte er das Geschäft in seiner Abwesenheit. Das sei ungefähr einmal im Monat der Fall. Zu Hause sei er nervös. Manchmal sitze er stunden
lang im Sessel und
denke darüber nach
, was in seinem L
eb
en passiert sei oder was er falsch gemacht habe. Entweder hole er die
jüngste
Tochter mittags ab oder sie werde von der Nachbarin
nach Hause
gebracht. Manchmal fahre er
zu
einer Fast-Food-Kette
und nehme
dort
Essen für sich und seine kleine Tochter mit. Nach dem Mittagessen liege er auf dem Sofa.
Schlimm sei es für ihn, wenn seine Frau nach Hause komme und ihn kritisiere, weil er im Haushalt nichts erledigt habe
(
Urk.
24 S. 10)
.
3.3.3
Der Versicherte führte aus, es sei alles schwierig. Er sei krank, nervös und habe das Gefühl, es werde immer schlimmer mit ihm.
Er müsse immer wieder daran denken, wie sein Vater ermordet worden sei
,
als er sechs Jahre alt g
ewesen sei. Auch der Unfall, de
n er im Jahr 2007 erlebt habe, komme ihm immer wieder in den Sinn. Wenn das Wetter kalt und regnerisch sei, habe er stärkere Kopf
schmerzen,
linksseitige
Schulterschmerzen und Schmerzen im unteren Rücken mit Ausstrahlung in die Beine (
Urk.
24 S. 11).
3.3.4
Der Gutachter holte
zudem
Informationen beim Sohn des Versicherten ein.
Dieser berichtete, dass der Versicherte sehr nervös sei und nicht still an einem Ort sitzen könne.
Er gehe nur selten Verwandte besuchen und lade diese nicht
zu sich
ein. Mit seinen Geschwistern fange
der Versicherte
wegen Kleinigkeiten Streit an. Mit seiner einzigen Schwester habe er den Kontakt abgebrochen und behaupte, dass er nur einen Bruder habe. Als er
selbst (der Sohn)
wegen grober
qualifizierter Verkehrsverletzung in Haft gewesen sei, habe der Versicherte die ganzen zwei Tage lang halbstündlich bei der Polizei
und dem Anwalt
angeru
fen
,
um zu
erfahren
, was los sei und wo
s
ich sein
Sohn
befinde
. Meist fordere der Versicherte ihn
(den Sohn)
am Morgen
auf,
seine
kleine Schwester zum Kindergarten zu begleiten, da
er
Schmerzen habe und das nicht erledigen könne. Dann bleibe
der Versicherte
meistens den ganzen Tag zu Hause und schaue fern oder er fahre mit dem Wagen durch die Gegend. Im Haushalt helfe er eigentlich nichts und
erledige auch seine eigenen An
gelegenheiten
nicht selbst. Der Versicherte unternehme nur selten etwas mit der Familie und komme nie mit, wenn sie etwas unternehmen wollten.
Er
tausche seinen Wagen sehr oft ein, wenn er einen finde, der ihm besser gefalle oder wenn ihm der alte schon langweilig geworden sei. Dass der Versicherte bei seinem Bruder in der Garage mitgeholfen habe,
sei bereits
seit
längere
r
Zeit nicht mehr
vorgekommen
. Sie würden jedes Jahr in die Heimat ans Meer in die Ferien fahren. Dort sei der Versicherte jeweils in den ersten Tagen trotz Schmerzen relativ offen und nor
mal, doch sobald er nach zwei Tagen merke, dass es viele Urlauber habe, gehe es ihm psychisch wieder sehr schlecht. Er bestehe dann darauf,
die Familie
am Meer zu lassen und für etwa eine Woche alleine aufs Land
zum Haus seiner Mutter zu fahren
(
Urk.
24 S. 21).
3.3.5
Zur Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit führte
der
psychiatrische
Gutachter
aus, diese sei dem Versicherten seit 2008 nicht mehr zumutbar. Die Arbeitsunfähigkeit begründe sich mit den chronischen Schmerzen, deren wil
lentliche
Überwindbarkeit durch deren Ausmass unter Belastung und durch die durch die Angststörung und
durch die
depressive Störung reduzierten Ressour
cen nicht mehr zumutbar und aus medizinischer Sicht nicht mehr längerfristig möglich
sei
. Allein mit der Schmerzstörung wäre eine leichte wechselbelastende Tätigkeit im Umfang von vier bis fünf Stunden täglich zumutbar. Doch die Arbeitsfähigkeit werde zusätzlich durch die depressive Störung und die
Angst
störung
sowie auch durch die gegenseitigen Wechselwirkungen eingeschränkt. Man müsse davon ausgehen, dass keine verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr vor
liege (
Urk.
2
4.
S. 34-35).
Die Arbeitsunfähigkeit sei vor allem auf ein psychisches Leiden mit Krankheitswert zurückzuführen. Die aktuellen sozialen Probleme seien Krankheitsfolgen (
Urk.
24 S. 35).
3.3.6
In Auseinandersetzung mit abweichenden medizinischen Beurteilungen hielt
Dr.
B._
fest, die Schmerzen seien bisher nicht adäquat eingeordnet und in ihren Auswirkungen nicht ausreichend gewürdigt worden. Was die gegenüber dem Gutachten von 2010 abweichende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit betreffe, so lasse sich diese durch den damals besseren Gesundheitszustand erklären
(
Urk.
24 S. 35)
.
Im Vergleich zum Zustand bei der Observation und der
Begutachtung im Jahr 2010 sei der Versicherte sozial stärker desintegriert, er verfolge kaum noch persönliche Interessen oder Hobbies
und
selbst das Wohler
gehen seiner Kinder sei ihm weitgeh
end gleichgültig (
Urk.
24 S. 37
)
.
4.
4.1
4.1.1
Sowohl im
Y._
-Gutachten
vom
1
5.
Juni
2010 (
Urk.
10/39)
als auch im Gutach
ten von
Dr.
B._
vom 3
1.
Oktober 2013
(
Urk.
24)
w
urde
vom Vorlie
gen einer depressiven Störung und einer Angststörung ausgegangen. Hinweise auf eine gesundheitliche Störung in diesen Bereichen ergeben sich auch aus den Berichten des behandelnden Psychiaters
Dr.
C._
(
Urk.
10/31,
Urk.
3/4). Was die von
Dr.
B._
gestellte Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren betrifft, so vermag diese weniger zu überzeugen als die im
Y._
-Gutachten
gestellte Diagnose einer mittelgradige
n
depressive
n
Episode mit somatischem Syndrom. Einerseits handelt es sich beim
Y._
-Gutachten um ein
bidisziplinäres
Gutachten, so da
ss unter Mitwirkung eines ortho
pädischen Gutachters konkreter festgelegt werden konnte, in welchem Umfang die Schmerzen auf die vorhandenen somatischen Beschwer
den zurückgeführt werden können. Andererseits standen die depressions- und angstbedingten Beschwerden in der freien Beschwerdeschilderung des Versi
cherten jeweils deutlich im Vordergrund (
Urk.
10/39/14-15
,
Urk.
24 S. 11
). Zudem hielt
Dr.
B._
als Begründung d
er
Diagnose
einer Schmerzstörung
lediglich fest, die Schmerzen seien bisher psychiatrisch nicht adäquat eingeord
net und in ihren Auswirkungen nicht ausreichend gewürdigt worden, wobei er nicht erklären könne, weshalb d
ies unterblieben sei (
Urk.
24 S
. 35). Im
bidiszip
linären
Gutachten
wurde
jedoch durchaus auf die nicht mit den somatischen Beschwerden erklärbaren Schmerzen eingegangen, wobei diese im Rahmen der depressiven Störung erklärt
wurden
und
eine psychogene Überlagerung der Schmerzsymptomatik angenommen
wurden
(
Urk.
10/39/16-17)
. Mit dieser Ein
ordnung der Schmerzen setz
t
e sich
Dr.
B._
nicht auseinander
(
Urk.
24 S. 35)
.
Doch diese
Einordnung
der Schmerzproblematik im Rahmen der mittelgradigen depressiven Störung
erscheint überzeugend, da die depressiven Symptome
wie erwähnt gegenüber den Schmerzen
gemäss den Schilderungen des Versicherten
im Vordergrund stehen.
Weiter wurde in beiden Gutachten eine
generalisierte
Angststörung diagnostiziert, im
Y._
-Gutachten eine solche mit
wahnhafter Erlebnisverarbeitung
.
Es sind tatsächlich auch dem Gutachten von
Dr.
B._
Anhaltspunkte für eine wahnhafte Erlebnisverarbeitung
zu entnehmen
.
Der Versic
herte schilderte beispielsweise, dass
er
anlässlich der Verhaftung seines
Sohnes Angst gehabt habe, dass
dieser umgebracht werde
(
Urk.
24 S. 13)
und, dass er anlässlich des Unfalls im März 2007 gemutmasst habe, jemand
wolle
ihn umbringen und er sich auch nach dem Unfall gesorgt habe, dass den Kindern etwas geschehe. Er wisse nicht, warum er diese Gedanken gehabt habe, er habe damals mit niemandem Probleme gehabt
(
Urk.
24 S. 8
).
Auch der
behandelnde
Psychiater
Dr.
C._
kritisierte am Gutachten von
Dr.
B._
, dass dieser die paranoiden Symptome nicht ausreichend gewürdigt habe (
Urk.
3/4). Es ist somit hier auf die im
Y._
-Gutachten gestellte Diagnose einer generalisierten Angststörung mit wahnhafter Erlebnisverarbeitung abzustellen.
4.1.2
Die Kundenberatung
der IV-Stelle führte
in
einer
undatierten internen Stellung
nahme
aus, es
dürften
nicht gleichzeitig eine depressive Störung und eine Angststörung diagnostiziert werden
(
Urk.
10/105/5)
. Diese beiden Diagnosen wurden jedoch
unabhängig voneinander
von
beiden
psychiatrischen Gutachtern sowie dem behandelnden Psychiater gestellt
(
Urk.
10/39,
Urk.
24,
Urk.
10/31). Zudem hatte auch
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Neurologie und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom R
egionalen Ärztlichen Dienst
in seiner Stellungnahme vom 1
5.
November 2013 diese beiden Diagnosen wiedergege
ben, ohne Kritik
an dieser Diagnosestellung
zu äussern (
Urk.
10/105/4)
.
4.1.3
Insgesamt ist somit
von den
im
Y._
-Gutachten
festgehaltenen
Diagnosen
auszugehen
.
Anzumerken ist, dass
es
in versicherungsrechtlicher Hinsicht nicht
auf
die Diagnosestellung, sondern auf
den Schweregrad der ärztlich attestierten gesundheitlichen Beeinträchtigungen und dementsprechend auf das Mass ihrer Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ankommt
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_826/2011 vom
6.
Februar 2012, E. 3.2
)
.
4.2
4.2.1
Im
bidisziplinären
Gutachten
des
Gutachtenszentrum Y._
vom
1
5.
Juni
2010
(
Urk.
10/39)
wird die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von 60
%
in einer angepassten Tätigkeit überzeugend begründet
, indem davon ausgegangen wird, dass die psychischen Beschwerden nicht
gänzlich
überwindbar s
eien
,
dem Versicherten
jedoch durch
aus eine relevante verwertbare Restarbeitsfähigkeit verbleib
e
(
Urk.
10/39/22-25)
.
Der Observationsbericht
vom
6.
Oktober 2010
zu den Ermittlungen vom 2
6.
Juli bis
am
2
3.
September 2010
(
Urk.
10/55/7-36
)
beleg
t
sodann
gewisse Aktivitäten des Versicherten
,
jedoch nicht das Vorliegen einer
A
rbeitsfähigkeit
von mehr als 60
%
in einer angepassten Tätigkeit.
Die
anderweitige
nachträgliche
Einschät
zung
des psychiatrischen
Y._
-
Gutachters
Dr.
Z._
vom
8.
Juni 2011
(
Urk.
10/63
)
überzeugt nicht
.
Es kann nämlich nicht nachvollzogen werden, wie sich eine 80%ige Arbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit aus psychiatrischer Sicht
klar aus dem Observationsbericht ergeben
soll, welcher lediglich die
ausser Haus vorgenommenen Aktivitäten
des Versicherten an
einigen
wenigen Tagen dokumentiert
e, wie der Versicherte zu Recht geltend macht (
Urk.
1 S. 5)
.
Dr.
Z._
begründete eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
auch nicht nachvollziehbar.
Zudem ging
er
offenbar von der falschen Annahme aus, dass der Versicherte
ab Ende August 2010 einer Arbeitstätigkeit im Auto-Occasionshandel nachgegangen sei (
Urk.
10/63/3)
. Gemäss den Akten muss
jedoch
davon ausgegangen werden, dass das fragliche Geschäft vom Bruder des Versicherten und nicht vom Versicherten selbst betrieben wird
, welcher da lediglich teilweise mithilft
(
Urk.
10/81,
Urk.
10/82).
4.2.2
Die
im psychiatrischen Gutachten von
Dr.
B._
vom
3
1.
Oktober 2013
festge
haltene
Arbeitsunfähigkeit
im Umfang von 100
%
für jegliche Tätigkeit (
Urk.
24 S. 33-35) überzeugt jedoch
ebenfalls
nicht
.
So führte
Dr.
B._
aus,
seit dem Jahr 2010 habe eine Verschlechterung der Gesundheit stattgefunden
(
Urk.
24
S. 37)
.
D
och es bleibt
unklar, worin die
se
Verschlechterung
konkret bestehen soll
e
.
Insbesondere führte
Dr.
B._
bei allen von ihm diagnostizierten
psychischen Störungen
aus, dass diese seit März 2007 beständen (
Urk.
24 S. 28), ohne kon
kret zu erläutern, wie sich diese oder deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit
seither
verschlimmert
hätten
.
Was
die vom Gutachter festgehaltene sozial stärkere Desintegration und d
ie kaum
noch
v
orhanden
en persönlichen
Interes
sen und Hobbies betrifft
(
Urk.
24 S. 37)
, so
ergibt sich eine soziale Desintegra
tion und ein inaktiver Tagesablauf
ohne Wahrnehmung von Hobbies
bereits aus den Schilderungen des Versicherten anlässlich der Begutachtung
beim
Gutachtenszentrum Y._
(
Urk.
10/39/13
-169)
,
so dass
unklar bleib
t
, worin sich hier
in der Zeit zwischen 2010 und 2013
eine Verschlechterung ergeben haben soll.
Zwar äusserte
Dr.
B._
, die Selbstpräsentation des Versicherten sei mit dem
Aktivitätsni
veau
im Observationsvideo nicht mehr vergleichbar, was für eine Verschlech
terung des Befindens seit dem September 20
10
spreche (
Urk.
24 S. 38). Doch im Gutachten vom
1
5.
Juni
2010 (
Urk.
10/39) wird der Versicherte ebenfalls
bereits
als
depressiv, deutlich niedergeschlagen, affektiv überwiegend vermindert mit
schwingend und im Antrieb deutlich vermindert
geschildert
(
Urk.
10/39/16)
.
Soweit
Dr.
B._
ausführt
e
, manche Beschwerde
-
angaben des Versicherten wie ein
Libidoverlust
seit drei Jahren passten ebenfalls zu einer
gesundheitlichen
Verschlechterung ab
dem
Jahr
2010 (
Urk.
24 S. 38), ist anzumerken, dass der Versicherte bereits gegenüber
Dr.
Z._
einen
Libidoverlust
beklagt
hatte
(
Urk.
10/39/15
)
.
4.2.3
I
m Gutachten von
Dr.
B._
lassen
sich
aus den Aussagen des Versicherten und seines Sohnes
durchaus
Schlüsse auf
gewisse
noch vorhandene
Ressourcen des
Versicherten
ziehen. So fährt
er Auto, interessiert sich für neue Wagen und kümmert sich am Morgen zumindest teilweise um seine kleine Tochter. Auch
kauft er
an Tankstellen und in Fast-Food Ketten
ein
,
besucht Restaurant
s
, geht spazieren und fährt Velo
.
Mit seinem Bruder pflegt er
regelmässigen
Kon
takt und hilft ihm ab und zu in dessen Geschäft.
D
er Versicherte
verbringt
jähr
lich Ferien in seiner Heimat
, weiter
fuhr er offenbar
mit einem Kollegen und seinem Sohn
nach Deutschland zum Einkaufen (
Urk.
24 S. 9-12,
Urk.
24
S. 18-22)
.
Soweit der Gutachter
Dr.
B._
ein
e
weitgehende Gleichgültigkeit
des Versicherten
betreffend das Wohlergehen seiner Kinder aufführt
e
(
Urk.
24
S. 37)
, vermag dies nicht zu überzeugen, da der Versicherte sich anlässlich der Inhaftierung seines Sohns sehr gesorgt und intensiv nach diesem erkundigt hat
te
(
Urk.
24 S. 19-20)
und sich
gemäss seinen Äusserungen
auch sonst bezüglich seiner Kinder sorgt (
Urk.
24 S. 12)
.
4.2.4
Schliesslich lassen auch die psychiatrischen
Diagnosen (mittelgradige depressive Störung, allgemeine generalisierte Angststörung) auf das Vorhandensein einer verwertbaren Restarbeitsfähigkeit schliessen.
Es kann nicht allei
n
auf die sub
jektive Ansicht des Versicherten abgestellt werden, über keine Arbeitsfähigkeit zu verfügen
, da er keine Lust für irgendetwas habe (
Urk.
24 S. 18)
.
Zur depres
siven Störung, derzeit mittelgradig,
ist anzumerken, dass die
se
bereits seit März 2007 vorliegt
(
Urk.
10/39/23,
Urk.
24 S. 28)
und sich soweit aus den Akten ersichtlich, nie zurückbildete. Es muss somit
von einer
chronifizierten
mitt
el
gradigen depressiven Störung ausgegangen
werden
, welche
rechtsprechungs
gemäss
als verselbständigte psychische Störung durchaus Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben kann
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_140/2014 vom
7.
Januar 2015, E. 3.4.2). Zudem liegen
entgegen der von der IV-Stelle in der Beschwerdeantwort zum Ausdruck gebrachten Ansicht (
Urk.
9)
keine Anhalts
punkte für im Vordergrund stehende psychosoziale Belastungen vor - dies w
urde
vielmehr in beiden Gutachte
n ausdrücklich verneint (
Urk.
10/39/25,
Urk.
24 S. 35)
.
4.3
Es ist somit
gestützt auf das
Y._
-Gutachten vom 1
5.
Juni 2010 (
Urk.
10/39)
auf eine Arbeitsfähigkeit im Umfang von 60
%
in einer angepassten Tätigkeit abzustellen
. Um den Anspruch auf eine
Invalidenrente abzuklären, ist daher
ein Einkommensvergleich
(vgl. E. 1.3)
durchzuführen.
5.
5.1
Z
ur Ermittlung des
Valideneinkommens
ist
auf die Angaben des Arbeitgebers ab
zustützen
(Urk.
10/13
). Danach hatte der Beschwerdeführer im Jahr
200
8
in der bisherigen Tätigkeit ein Jahreseinkommen von
Fr.
72‘800
.-- erzielt
.
Zur Festsetzung des Invalideneinkommens ist auf die Tabelle TA1 der Schweizeri
schen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) 200
8
abzu
stellen. Der standardisierte Monatslohn (Vollzeitäquivalent basierend auf 4 1/3 Wochen à 40 Arbeitsstunden) für einfache und repetitive Tätigkeiten (
Anforde
rungsniveau
4) für Männer betrug Fr. 4'
806
.--. Dieser Betrag ist auf die im Jahr 200
8
betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,
6
Stunden hochzurechnen (
Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Wochenarbeitszeit, Periode 1990 bis 2014, im Internet abrufbar
). Daraus resultiert ein jährliches Bruttoeinkommen von Fr.
59‘978.88
(
Fr.
4‘
806
.-- x
12 :
40 x 41,
6
)
respektive von
Fr.
35‘987.33
(
Fr.
59‘978.88 x 0,6)
in einem dem Versicherten zumutbaren Pensum von 60
%
.
Da der Versicherte nur noch
in
Teilzeit tätig sein und
nur noch körperlich leichte
Arbeiten verrichten kann
(vgl. E. 3.1
.5
)
, ist von diesem Einkommen
gemäss Tabellenwert
ein leidensbedingter Abzug
vorzunehmen. Da der Versi
cherte trotz den Einschränkungen noch viele mögliche leichte Tätigkeiten im Anforderungsniveau 4 ausüben kan
n
, erweist sich ein Abzug in der Höhe von 10
%
als angemessen. D
as Invalideneinkommen
beträgt somit
Fr.
32‘388.60
(
Fr.
35‘987.33 x 0,9)
. Verglichen mit dem
Valideneinkommen
ergibt sich ein invaliditätsbedingter Minderverdienst von Fr.
40‘411.40
und somit ein
Invali
ditätsgrad
von gerundet
56
%.
5.2
Der Versicherte hat bei einem Invaliditätsgrad von 56
%
Anspruch auf eine halbe Invalidenrente
.
D
ie
Vorsorgeeinrichtung Swiss Life AG
hatte im
Einwand
verfahren
gegen den ersten Vorbescheid
vom 1
1.
Februar 2011 (
Urk.
10/48)
erwähnt
, da
ss
die
Wartezeit frühestens am 3
0.
April 2008 zu eröffnen sei
(
Urk.
10/57
)
.
Tatsächlich bezeichnete die damalige Arbeitgeberin de
s
Versicher
ten den 3
0.
April 2008 als den Beginn der Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
10/5) und gab auch der Versicherte in seiner Anmeldung vom 1
1.
November 2008 eine Arbeitsunfähigkeit ab dem
1.
Mai 2008 an (
Urk.
10/9/8), was sich auch mit dem Bericht des Hausarztes
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Innere Medizin,
vom
2.
Juni 2008 (
Urk.
10/1/2) respektive mit dessen Angaben im „Auszug aus der Kran
kengeschichte seit 2000
“
vom
25. September 2008 (Urk. 10/1/1)
deckt, gemäss welchem der Versicherte im Jahr 2007 jeweils nur vorübergehend arbeitsunfä
hig war (vom 2
8.
März bis am
1.
April 2007
zu
100
%
, vom
2.
bis
9.
April 2007
zu
50
%
, vom
2.
bis 1
1.
Juli 2005
zu
100
%
und vom 2
7.
November bis am
5.
Dezember 2007
zu
100
%
) und im Jahr 2008
erst
ab Mai 2008 krankgeschrie
ben
wurde
,
aber
auch mi
t
den Ausführungen des Versicherten
selber
(
Urk.
1
S. 3).
Die
Wartezeit
ist daher
ab dem
1.
Mai 2008 zu eröffnen, da es erst von da an zu einer andauernden Arbeitsunfähigkeit von durchschnittlich mindestens 40
%
ohne
wesentliche Unterbrüche
in der angestammten Tätigkeit gekommen ist
.
Zudem erfolgte die Anmeldung bei der Invalidenversicherung erst am 1
1.
November 2008 (
Urk.
10/9), was einen vor dem
1.
Mai 2009 entstehenden Rentenanspruch gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG ebenfalls ausschliesst
.
Der Renten
anspruch besteht somit ab dem 1. Mai 2009.
5.3
Die Beschwerde
vom 1
4.
März 2014 (
Urk.
1)
ist daher
teilweise gutzuheissen
, d
ie Verfügung vom
1
7.
Februar 2014
ist aufzuheben und es ist festzuhalten, dass der Versicherte ab dem
1.
Mai 2009
Anspruch auf eine halbe Invalidenrente hat.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen der gesetzlichen Vorgabe (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Die Kosten sind
bei diesem Ausgang des Verfahrens
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach der Rechtsprechung ist bei bloss teilweisem Obsiegen dann eine unge
kürzte Parteientschädigung zuzusprechen, wenn die versicherte Person im Grundsatz obsiegt und lediglich im
Masslichen
teilweise unterliegt. In Streitig
keiten um die Höhe einer Invalidenrente trifft dies dann zu, wenn nicht die beantragte ganze oder höhere Rente, sondern eine geringere Teilrente zugespro
chen wird. Dahinter steht die Überlegung, dass ein
"Überklag
en
"
eine Reduktion der Parteientschädigung nicht rechtfertigt, soweit das Rechtsbegehren keinen Einfluss auf den Prozessaufwand ausübt (Urteil des Bundesgerichts 9C_995/2012 vom 1
7.
Januar 2013 mit weiteren Hinweisen).
Der
vertretene
Beschwerdeführer hat somit Anspruch auf eine ungekürzte Parteientschädigung. Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens
bemessen (Art. 61
lit
. g ATSG, §
34
Abs.
3 des Gesetzes über das
Sozialversicherungsge
richt
des Kantons Zürich). Unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen
Stun
denansatzes
von
Fr.
200.--
bis Ende 2014 sowie von
Fr.
220.-- ab Anfang 2015
ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung in der Höhe von
Fr.
2‘900.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
zu bezahlen.
Das
Gericht erkennt
:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Sozial
-
versicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 1
7.
Februar 2014, auf
gehoben und
es wird
festgestellt, dass der Beschwerdeführer ab
1.
Mai 2009 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente hat.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800.-- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. Rech
nung und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine
Prozessent
-
schä
digung
von
Fr.
2‘900
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
Fürsprecher
Dr.
Stefan
Werlen
, unter Beilage einer Kopie von
Urk.
26
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage einer Kopie von
Urk.
26
Swisscanto
Sammelstiftung der Kantonalbanken
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.