Decision ID: 33f37f1d-39f4-4ff5-8913-5b46b293e8a0
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1957 geborene
X._
bezog eine
ganze
Rente der Invaliden
versicherung
sowie eine
Hilflosenentschädigung
, als er a
m
1.
Februar 2008 ins
B._
in
C._
, eintrat. Am 2
6.
Januar 2008 stellte er der
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
(nachfolgend:
Durch
führungsstelle
), ein Gesuch um Ausrichtung von Zusatzleistungen zur IV-Rente (
Urk.
11/1).
Mit Verfügung vom
8.
Mai
200
8
sprach die Durchführungsstelle dem Versicherten
sowie dessen Ehefrau
ab
1.
Februar
200
8
monatliche Zusatz
leistungen
zu (
Urk.
11/23
).
Revisionsweise wurden die Zusatzleistungen mit Verfügungen vom
5.
Juni 2008 (
Urk.
11/24),
7.
Januar 2009 (
Urk.
11/37),
7.
Januar 2010 (
Urk.
11/49), 2
5.
März 2010 (
Urk.
11/61)
an die veränderten finanziellen Verhältnisse des Versicherten
angepasst.
1.2
Nachdem die Durchführungsstelle
in Erfahrung gebracht hatte, dass sich in der Berechnung der Zusatzleistungen seit dem
1.
März 2008
die
Heimtaxe
mit anre
chenbarem Anteil der Krankenkassenleistungen, die
Hilflosenentschädigung
sowie das Erwerbseinkommen der Ehefrau
verändert haben
,
forderte
sie m
it Verfügung vom 2
5.
März 2010
(
Urk.
11/62)
zu
viel ausbezahlte Leistungen
in der Höhe von
total
Fr. 28‘596.--
(
Fr.
21‘269.-- von
X._
,
Fr.
7‘327.-- von
Y._
)
zurück
.
Die Einsprache des Versicherten und dessen Ehefrau vom 2
2.
April 2010 (
Urk.
11/71 =
Urk.
3/6) w
ies die
Durchführungs
stelle
mit
Entscheid vom 1
6.
September 2010 (
Urk.
11/81) ab.
Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft.
1.3
Mit
Schreiben
vom 1
5.
November 2010 (
Urk.
11/95)
ersuchte
n
der Versicherte und dessen Ehefrau um Erlass der Rückforderung, was die Durchführungsstelle mit Verfügung vom 1
8.
April 2011 (
Urk.
11/115) mange
ls guten Glaubens ablehnte. D
agegen erhoben
der Versicherte und dessen Ehefrau am 2
3.
Mai 2011
Einsprache
(
Urk.
11/118)
. Nachdem der Versicherte am 2
9.
Juli 2011 ver
storben war (vgl.
Urk.
11/125),
wies die Durchführungsstelle
die Einsprache
mit Entscheid vom 3
0.
Januar 2012 (
Urk.
11/1
29 =
Urk.
2) ab
.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 3
0.
Januar 2012 (
Urk.
2)
erhoben die Erben von
X._
am
1
5.
Februar 2012 Beschwerde (
Urk.
1) und bean
tragten,
die
Verfügung vom 1
8.
April 2011 und der
Einspracheentscheid
vom 3
0.
Januar 2012 seien
,
soweit sie den
Betrag von
Fr.
7‘327.-- überst
i
e
gen
,
auf
zuheben (
Ziff.
1 und
Ziff.
2). Mit der Witwe sei
betreffend
Fr. 7‘327.
-- ein
trag
barer Rückzahlungsmodus zu vereinbaren (
Ziff.
3)
. Mit Beschwerdeantwort vom 2
5.
April 2012 (
Urk.
10) beantragte die Durchführungsstelle die Abweisung der Beschwerde. In der Re
plik vom 2
3.
Mai 2012 (
Urk.
14) hielten die Beschwerde
führenden
an ihren Anträgen fest. Mit Duplik vom
2.
Juli 2012 (
Urk.
17) bestä
tigte die Beschwerdegegnerin den Antrag auf Abweisung der Besc
hwerde, was den Beschwerdeführenden
am
3.
Juli 2012 zur Ken
ntnis gebracht wurde (
Urk.
18).
Mit Verfügung vom 2
9.
April 2013 (
Urk.
19) wurde den Beschwerdeführe
nden
Frist für das Einreichen einer Triplik angesetzt, da die Duplik fälschlicherweise als verspätet betrachtet worden war. Mit Triplik vom 1
3.
August 2013 (
Urk.
23)
beantragten die Beschwerdeführenden
, es sei festzustellen, dass der
Rückforde
rungsanspruch
der Beschwerdegegnerin
infolge Verwirkung
gemäss
Art.
25
Abs.
2
ATSG
erloschen sei. Die Verfügung vom 1
8.
April 2011 und der
Ein
spracheentscheid
vom 3
0.
Januar 2012 seien aufzuheben (
Ziff.
1). Eventuell seien die Verfügung vom 1
8.
April 2011 und der
Einspracheentscheid
vom 30.
Januar 2012
,
soweit sie den Betrag von maxi
mal
Fr.
7‘327.-- überstiegen
,
aufzuheben (
Ziff.
2.1) und mit der Witwe sei betreffend maximal
Fr.
7‘327.-- ein tragbarer Rückzahlungsmodus zu vereinbaren (
Ziff.
2.2).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozial
versicherungsrechts
(ATSG) sind unrechtmässig bezogene Leistungen zu
rückzuerstatten. Die Unrechtmässigkeit des Bezugs von Ergänzungsleistungen ergibt sich dadurch, dass die Berechnungsgrundlagen rückwirkend so angepasst werden, dass aus der Neuberechnung ein tieferer Anspruch resultiert als ur
sprünglich ausgerichtet (
Carigiet
/Koch, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009, S. 98).
Das
Gesetz über die Zusatzleistun
gen zur eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ZLG)
enthält keine Bestimmungen über die Rückerstattung zu Unrecht bezoge
ner kantonaler Leistungen. Die Rückerstattung zu Unrecht bezogener Leistungen entspricht jedoch einem allgemeinen Rechtsgrundsatz im
Sozialversicherungs
recht
und ist Ausdruck des Gesetzmässigkeitsprinzips (Thomas Locher, Grund
riss des Sozialversicherungsrechts,
3.
Auflage, Bern 2003, S. 278,
§
42, N 2;
vgl. auch S. 87 f.,
§
4, N 16 ff.), weshalb die bundesrechtlichen Bestimmungen auch auf die kantonalen Beihilfen und die Gemeindezuschüsse anzuwenden sind.
1.2
Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstat
ten, wenn eine grosse Härte vorliegt (Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG).
Demnach darf eine Rückforderung nur unter der doppelten Voraussetzung des guten Glaubens und der grossen Härte erlassen werden.
1.3
Der gute Glaube als Erlassvoraussetzung ist nicht schon mit der Unkenntnis des Rechtsmangels gegeben. Es ist zu unterscheiden zwischen dem guten Glauben als fehlendem Unrechtsbewusstsein und der Frage, ob sich jemand unter den gegebenen Umständen auf den guten Glauben berufen kann, und ob er bei zu
mutbarer Aufmerksamkeit den bestehenden Rechtsmangel hätte erkennen sol
len. Der Leistungsempfänger darf sich nicht nur keiner böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben Nachlässigkeit schuldig gemacht haben.
Nach der Rechtsprechung entfällt der gute Glaube als
Er
lassvoraussetzung
von vornhe
rein, wenn der
Rückerstat
tungs
tat
bestand
(Melde
oder
Auskunftspflichtverlet
zung
) durch ein arglistiges oder grobfahrlässiges Verhalten her
beigeführt wurde. Anderseits kann sich die versicherte Person auf den guten Glauben berufen, wenn ihre fehlerhafte Handlung oder Unter
lassung nur eine leichte Verletzung der Melde
oder Aus
kunfts
pflicht darstellt (BGE 112 V 97 E. 2c mit Hinwei
sen).
Das Mass der erforderlichen Sorgfalt beurteilt sich nach einem objektiven Mas
sstab, wobei aber das den Betroffenen in ihrer Subjektivität Mögliche und Zu
mutbare (Urteilsfähigkeit, Gesundheitszustand, Bildungsgrad usw.) nicht ausge
blendet werden darf (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2008 vom 19. August 2009 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) fest,
im Zusammenhang mit der unterlassenen Meldung über die Veränderung des Erwerbseinkommens sei eine Meldepflichtverletzung und daher der fehlende gute Glaube durch die Rückerstattungspflichtige in der Einsprache anerkannt worden (S. 2
lit
. b).
Die Verfügung vom
6.
November 2008 über eine mittlere Hilflosigkeit sei von der IV-Stelle des Kantons Zürich erlassen worden. Eine Kopie derselben sei so
dann an die Ausgleichskasse Zürcher Arbeitgeber gesandt worden. Eine Infor
mation an die Ausgleichskasse des Kantons Zürich sei allerdings nicht er
folgt.
Es habe also nicht ohne w
eiteres davon ausgegangen werden können, dass diese Information an die für die Zusatzleistungen zuständige Stelle weitergeleitet würde
. Unabhängig davon könne dem Argument, die Meldepflicht entfalle in einem solchen Fall, ohnehin nicht gefolgt werden. Auch eine allfällig mögliche Kenntnisnahme der veränderten Umstände durch den Versicherungsträger ver
möge nicht ohne weiteres vom Vorwurf der groben Nachlässigkeit zu entlasten (S. 2
lit
. c)
.
Auch bei der Veränderung der
Heimtaxe
und des Anteils der
Krankenkassenleis
tungen
werde von den Leistungsbezügern nicht verlangt, dass sie eine exakte Vorstellung von Art und Umfang der Beeinflussung für die
Zusatzleistungsbe
rechnung
hätten. Entscheidend sei einzig, dass im vorliegenden Fall unter Anwendung der zumutbaren Sorgfalt sowohl aus den
Heim
rechnungen
/Pensionsabrechnungen als auch aus den Leistungsabrechnungen der Krankenkasse erkennbar gewesen sei, dass sich eine meldepflichtige Verän
derung ergeben habe. Insbesondere sei auch hier zumutbar, im Falle von Unsi
cherheit bei der zuständigen Stelle nachzufragen, wie sehr eine solche Verän
derung die Zusatzleistungen beeinflussen könnte (S. 3
lit
. d).
Die Voraussetzungen des guten Glaubens seien nicht gegeben. Auf die Prüfung der grossen Härte könne verzichtet werden, da die beiden Vorauss
e
tzungen kumulativ erfüllt sein müssten
(S. 3
Ziff.
4)
.
Daran hielt die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort vom 2
5.
Ap
ril 2012 (
Urk.
10) sowie in der Duplik vom
2.
Juli 2012 (
Urk.
17) fest.
2.2
Demgegenüber stellten sich die Beschwer
deführenden
auf den Standpunkt
(Urk.
1
), wegen Überlastung bei der Betreuung des schwer kranken Ehemannes, ihrer beiden schulpflichtigen Buben, der Führung des Haushaltes, der Teilzeit
beschäftigung und der grösseren administrativen Belastung vergessen zu haben, die Erhöhung des Arbeitspensums von 50
%
auf 70
%
zu melden. Deshalb sei sie bereit, mit der Beschwerdegegnerin für die auf sie entfallenden
Fr.
7‘327.-- einen Abzahlungsmodus zu vereinbaren (S. 3
Ziff.
2).
Die noch strittige Rück
forderung
setze sich aus den vom
1.
März 2008 bis 3
1.
März 2010 ausbezahlten Zusatzleistungen zusammen. Bereits am
9.
November 2009 sei wieder mit dem ausführlichen Formular Auskunft gege
ben worden. Gestützt darauf sei davon ausgegangen worden, die
Beschwerde
gegnerin
habe die für sie notwendigen Daten erhoben. Die
Hilflosenentschädi
gung
, welche am
5.
Oktober 2009 ausbezahlt worden sei, sei offensichtlich gemeldet worden (S. 4
Ziff.
6).
Die Berechnungen seien umfassend und kompliziert, weshalb das Nachvoll
ziehen dieser Berechnungen nicht möglich gewesen sei (S. 4
Ziff.
7). Aus diesem
Grund sei die
D._
zur Hilfe gerufen worden, welche am 2
2.
Mai 2008 eine Einsprache verfasst und bei dieser Gelegenheit die Erhöhung des Anspruchs der
Hilflosenentschädigung
gemeldet habe
(S. 5
Ziff.
8)
.
Betreffend die veränderte
Heimtaxe
sei
festzuhalten, dass diesbezüglich die Situa
tion nicht nur für sie, sondern auch für die zuständige Person der
D._
undurchsichtig gewesen sei. Es
habe
nicht nachvollzogen werden
kön
nen
, wie die
Heimtaxe
zusammen mit dem Anspruch auf eine
Hilflosenentschä
digung
verrechnet worden sei. In der Einsprache sei deshalb darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Berechnung der Zusatzleistungen bezogen auf die Heimfinanzierung noch einmal grundsätzlich überprüft werden sollte
. Die Abrechnung sei für Aussenstehende sehr schwer nachvollziehbar
.
Angesichts dieser Komplexität des Sachverhalts sei der gute Glaube
zu bejahen
(S. 5 f.
Ziff.
11).
Der Rückforderungsanspruch sei zudem verjährt
(S. 6
Ziff.
12).
2.3
Streitig und zu prüfen ist in diesem Verfahren einzig der Erlass der Rückforde
rung, während deren Bestand sowie Höhe unbestritten sind und rechtskräftig festgestellt wurden.
3.
3.1
Gemäss Art. 24 der Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hin
terlassenen- und Invalidenversicherung (ELV) hat der Anspruchsberechtigte der kantonalen Durchführungsstelle von jeder Änderung der persönlichen und von jeder ins Gewicht fallenden Änderung der wirtschaftlichen Verhältnisse unver
züglich Mitteilung zu machen.
3.2
Den Akten, insbesondere d
er Telefonnotiz der Beschwerdegegnerin
auf dem Anmeldeformular für den Bezug von Zusatzleistungen
vom 1
0.
März 2008 (
Urk.
11/1)
ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin
der
Beschwerdegeg
nerin
die
Erhöhung
ihres
Arbeitspensums pe
r
1.
Januar 2008 auf zirka 70
%
m
itteilte.
In der Folge liess
die Beschwerdeführerin - wie anlässlich
des
Telefon
gesprächs
vom 1
0.
März 2008 aufgefordert - der Beschwerdegegnerin
ihre Lohnabrechnung für den Februar 2008 (
Urk.
11/20)
zukommen
,
welche
sodann
gemäss Aktenverzeichnis
spätestens
am 2
8.
März 2008 b
ei der
Beschwerdegeg
nerin
eingetroffen ist.
Auch
auf
dieser Lohnabrechnung ist der Besch
äftigungs
grad mit 70
%
angegeben
.
Zudem enthält die Lohnabrechnung eine Notiz der Beschwerdegegnerin, wonach das jährliche Nettoeinkommen der Beschwerde
führerin neu
Fr.
51‘814.10 betrage.
Eine Verletzung der Meldepflicht der Beschwerdeführerin ist diesbezüglich daher nicht erstellt.
Auch d
ie in
der Ein
sprache vom 2
2.
April 2010 von der Beschwerdeführerin abgegebene
(aber
unzutreffende)
Bestätigung, sie habe es wohl versäumt
,
die Aufstockung ihres Pensums mitzuteilen
(vgl.
Urk.
11/71 =
Urk.
3/6)
, vermag
nicht zu ändern, dass es ein Fehlverhalten ihrerseits nicht gegeben hat.
Zudem wurde in den Verfügungen vom
8.
Mai 2008 (
Urk.
11/23), vom
5.
Juni 2008 (
Urk.
11/24) und
vom
7.
Januar 2009 (
Urk.
11/37)
ein
gestützt auf die Lohnabrechnung von Februar 2008 ermittelte
s
Erwerbseinkommen in der Höhe von
Fr.
51‘814.10 angerechnet.
Dass dieses Einkommen tatsächlich
zu tief
ermittelt
wurde, konnte aufgrund der zum damaligen Zeitpunkt vorgelegenen Akten
auch mit einem
Mindestmass
an Aufmerksamkeit
weder
von der Beschwer
deführerin noch von der Beschwerdegegnerin bemerkt w
erden.
Erst aufgrund des Lohnausweises 2008
(
Urk.
11/43), welchen
die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin gemäss Aktenverzeichnis
im Novem
b
er 2009
ein
reichte, wurde ersichtlich, dass das korrekte Erwerbseinkommen im Jahre 2008
mit
Fr. 53‘947.
-- hätte eingesetzt werden müssen
.
3.3
Es fragt sich jedoch, ob aus der korrekten Meldung der
Einkommensverän
de
run
g
durch die Beschwerdeführerin unter den gegebenen Umständen auf ihren guten Glauben und damit auf die Erfüllung der
ersten
Erlass
voraussetzung
zu schliessen ist, oder ob andere Gründe gegeben sind, welche der Annahme des guten Glaubens entgegenstehen.
3
.
4
Der gute Glaube entfällt nicht nur, wenn der Leistungsempfänger
weiss
, dass er unberechtigt Ergänzungsleistungen bezieht, sondern auch, wenn er sich einer groben Nachlässigkeit schuldig gemacht hat
(
Carigiet
/Koch,
Ergänzungsleistun
gen
zur AHV/IV, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009,
S. 104). Durch eine nur leichte Fahrlässigkeit wird der gute Glaube, wie gesehen (E. 1.3), nicht aus
ge
schlossen.
Von einer grobfahrlässigen Verletzung der Meldepflicht ist auszugehen, wenn die rückerstattungspflichtige Person nicht das
Mindestmass
an Aufmerksamkeit aufgewendet hat, welches von einem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter den gleichen Umständen verlangt werden muss. Wie in anderen Be
reichen beurteilt sich das
Mass
der erforderlichen Sorgfalt nach einem objekti
ven
Massstab
, wobei aber das den Betroffenen in ihrer Subjektivität Mögliche und Zumutbare (Urteilsfähigkeit, Gesundheitszustand, Bildungsgrad usw.) nicht ausgeblendet werden darf (Urteil des Bundesgerichts 8C_759/2008 vom 26.
No-vember
2008 E. 3.2 und E. 3.5).
3.5
Soweit die Beschwerdegegnerin geltend machte, die Beschwerdeführerin hätte bei der Kontrolle der jeweiligen EL-Berechnungsblätter bemerken müssen, dass das Erwerbseinkommen zu tief eingesetzt worden war, ist festzuhalten, dass
der Beschwerdeführerin aufgrund der vorliegenden Umstände weder ein Handeln in
böser Absicht nachgesagt noch der Vorwurf gemacht werden
kann
, sie
habe grobfahrlässig gehandelt. Die Beschwerdegegnerin setzte auch im
Berechnungs
blatt
der Verfügung vom
7.
Ja
nuar 2010 (
Urk.
11/49) noch Fr.
51‘814.10 statt
Fr.
53‘947.
--
ein
, obwohl ihr die Belege über das korrekte Erwerbseinkommen von der Beschwerdeführerin
spätestens im November 2009
vorgelegt wurden
(vgl.
Urk.
11/43)
.
Dass die Beschwerdeführerin die fehlerhafte Angabe betref
fend ihr Erwerbseinkommen
in der Verfügung vom
7.
Januar 2010
im Umfang von lediglich
Fr.
2‘000.
-- pro Jahr
, welche
ausserdem
in
den Berechnunge
n
jeweils hälftig zwischen ihr und ihrem Ehemann aufgeteilt wurde,
auch bei der Aufwendung
der erforderlichen Sorgfalt
nicht bemerkt hat,
erscheint
aufgrund der subjektiven
Situation
glaubhaft und
kann ihr
somit
nicht
vorgeworfen wer
den.
Unter diesen Umständen ist
ihr
guter Glaube beim Bezug der
Ergänzungs
leistungen
, welche der Rückforderung im Betrag von Fr.
7
'
327
.
-- zu Grunde liegen, zu bejahen
.
4.
4.1
Bezüglich der
Hilflosenentschädigung
ergibt sich aus den Akten
weiter, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Einsprache vom 2
2.
Mai 2008 (
Urk.
11/66) die Beschwerdegegnerin darauf aufmerksam machte, dass sich seit der Antrag
stellung für die Zusatzleistungen bei ihrem Ehemann der Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
von leicht auf mittel erhöht habe und
ihr
entsprechende Unterlagen vorlieg
en sollten. Sodann
beantragte sie die nochmalige Überprü
fung der Anrechnung der
Hilflosenentschädigung
, da die EL-Berechnung dies
bezüglich nicht nachvollziehbar sei.
Eine Verletzung der Meldepfl
icht der Beschwerdeführerin
diesbez
üglich ist nach dem Gesagten
ebenfalls nicht erstellt. Daran vermag auch der Hinweis der Beschwerdegegnerin, die betreffende Verfügung sei erst im November 2008 erl
assen worden
(vgl.
Urk.
11/33 =
Urk.
11/68)
, nichts zu ändern. Die Beschwer
deführerin ist ihrer Pflicht
zweifelsohne
nachgekommen, ind
em sie eine ihr
bekannte Veränderung
der Beschwerdegegnerin
sofort
gemeldet hat.
Ausserdem lag der Beschwerdegegnerin
beim Erlass ihres
Einspracheentscheides
vom 1
3.
November 2008 (
Urk.
12/6)
neben dem Hinweis der Beschwerdeführerin
vom Mai 2008
auch der Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädigung
vom 1
8.
September 2008 (
Urk.
11/28) vor, welchem der Anspruch auf eine
Hilflo
senentschä
digung
mittleren Grades
ab
1.
Mai 2008 ebenfalls zu entnehmen ist
(S. 4)
.
4.2
Nach der Rechtsprechung scheidet der gute Glaube regelmässig aus, wenn ein Berechnungsfehler vorliegt, welchen die versicherte Person bei Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit ohne weiteres hätte erkennen müssen (Urteil des Bundesgerichts P 62/04 vom 6. Juni 2005 E. 4.3).
Diesbezüglich
bleibt festzuhalten, dass v
on
Bezugsberechtigten in der Regel nicht erwartet werden kann
, dass sie
die Berechnung der Zusatzleistungen voll
ständig nachzuvollziehen
vermö
g
en
. Um sich nicht dem Vorwurf einer
Sorg
faltspflichtverletzung
auszusetzen, muss
es grundsätzlich genügen, dass
die Berechnungsblätter, die den Verfügu
ngen beigelegt sind, im Rahmen der
indivi
duellen Möglichkeiten auf offensichtli
che Fehler hin kontrolliert
werden
.
Die vorliegend relevante
n
Position
en
„
Hilflosenentschädigung
“ und „
Heimtaxe
“
sind
nicht
ohne weiteres verständlich, weshalb es insgesamt nicht als
grobfahr
lässig
erscheint, wenn die Beschwerdeführerin dies
e
übersehen respekt
ive nicht hinterfragt hat.
Ausserdem
ist es zumindest fraglich, ob
dies
e Position
en
für einen Laien ohne nähere Erklärung
überhaupt nachvollziehbar
sind
.
4.3
Der Beschwerdeführerin war daher bei der Durchsicht der
EL-Berechnungs
blätter
der Verfügungen nicht ohne weiteres erkennbar, dass darin zu tiefe
Bei
träge der Krankenkasse
und eine falsche
Hilflosenentschädigung
aufgeführt waren und dass die EL-Berechnung daher unzutreffend war.
Von einer groben Nachlässigkeit der Beschwerdeführerin kann unter den gegebe
nen Umständen nicht gesprochen werden. Weiter
kann davon ausge
gangen werden, dass der Beschwerdeführerin
subjektiv das Be
wusstsein der
Unrechtmässigkeit
des Leistungsbezugs fehlte.
Unter diesen Umständen ist ihr guter Glaube auch beim Bezug der
Ergänzungs
leistungen
, welche der Rückforderung im Betrag der restlichen Fr. 21'269.-- zu Grunde liegen, zu bejahen.
Somit bleibt zu prüfen, ob die zweite, kumulativ zu erfüllende
Erlassvoraus
setzung
der grossen Härte gegeben ist.
4.4
Die Beschwerde ist daher in dem Sinne gutzuheissen, dass der angefochtene
Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 30. Januar 2012 aufzuheben und die Sache an sie zurückweisen ist, damit sie prüfe, ob die Rückerstattung für die Beschwerdeführerin eine grosse Härte bedeuten würde, und sie hernach über das Erlassgesuch erneut entscheide.
5.
Bei diesem Ausgang steht den anwaltlich vertretenen Beschwerdeführenden eine Prozessentschädigung zu, die beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2‘500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bemessen ist.