Decision ID: f5f7380c-c64b-468c-88a4-49a69a8dce15
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1990, war seit dem 1. August 2009 als Montage-Elektriker bei der
Y._
tätig und dadurch bei der Suva obligatorisch unfallversichert (Urk.
9/1 Ziff. 1 und 3
). Am 14. März 2011 wurde er als
Motor
radfahrer
von einem Auto erfasst und war in der Folge vom 1
4.
bis 28. März 2011 im
Z._
hospitalisiert, wobei die Ärzte ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma und Traumata des Thorax, der Wirbelsäule sowie des Abdo
mens diagnostizierten (Urk. 9/12 S. 1). Die Suva erbrachte die gesetzlichen
Leistungen (Urk. 9/2).
Am 23. Februar 2012 erteilte die Sozialversiche
rungs
an
stal
t des Kantons Zürich, IV-Stelle, Kostengutsprache für eine Umschulung (Urk.
9/75), welche der Versicherte im Dezember 2015 erfolgreich mit dem Diplom «Techniker HF Elektrotechnik» abschloss (Urk. 9/166, Urk. 9/170).
Am 25. November 2012 stürzte der Versicherte und zog sich dabei einen Bruch des rechten Oberarmes zu (Urk. 10/7). Dieser
zweite
Unfall wurde im Dezember 2013 abgeschlossen (vgl. Protokoll des Schlussgesprächs vom 2. Dezember 2013, Urk. 10/73).
1.2
Mit Verfügung vom 4. Dezember 2014 sprach die Suva dem Versichert
en eine Integrationsentschädigung von 30 % zu (Urk. 9/150), was dieser mit Schreiben vom 6. Januar 2015 ausdrücklich akzeptierte (Urk. 9/155). Die Heilkosten
leis
tungen für die ärztliche Behandlung der organischen Unfallfolgen stellte die Suva mit Schreiben vom 4. Dezember 2014 ein, wobei die Kosten für
Lyrica
sowie höchstens zwei Serien Physiotherapie pro Jahr davon ausgenommen wurden. Ebenso wurden die Kosten für die stützende Psychotherapie vorläufig bis zum Abschluss der Umschulung übernommen (Urk. 9/151).
1.3
Mit Verfügung vom 16. August 2016 verneinte die Suva sowohl einen Anspruch auf Rentenleistungen als auch auf Leistungen aufgrund der bestehenden psycho
genen Beschwerden (Urk. 9/175).
Am 1. November 2016 zog der
zuständige
Kran
kenversicherer die am 29. August 2016 vorsorglich erhobene Einsprache zurück (Urk. 9/177, Urk. 9/189).
Die vom Versicherten am 5. September 2016 erho
bene Einsprache (Urk. 9/180) wies die Suva mit
Einspracheentscheid
vom 10. November 2017 ab (Urk. 9/200 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 13. Dezember 2017 Beschwerde gegen den
Einspra
che
entscheid
vom 10. November 2017 (Urk. 2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und es seien die versicherungsrechtlichen Leistungen, insbesondere Rente, Heil
be
hand
lungen, Integritätsentschädigung, eventuell Taggelder, zu erbringen. Even
tuell sei ein Gerichtsgutachten
einzuholen
beziehungsweise die Sache zur Neu
beurteilung an die Suva zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1).
Mit Beschwerde
antwort vom 30. Januar 2018 schloss die Suva auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei (Urk. 7 S. 2).
Dies wurde dem Beschwerdeführer am 15. Februar 2018 mitgeteilt (Urk. 11). Mit Eingabe vom 21. März 2018 beantragte der Beschwerdeführer die Edition der invalidenversicherungsrechtlichen Akten (Urk. 13 S. 1), was mit Verfügung vom 29. März 2018 veranlasst wurde (Urk. 15).
Am 24. Mai 2018 reichte der Beschwerdeführer seine Stellungnahme ein (Urk. 20
), wohingegen die Beschwerdegegnerin die mit Verfügung vom 31. Mai 2018 angesetzte Frist zur Stellungnahme (Urk. 21) unbenutzt verstreichen liess (vgl. Urk. 24). Am 18. März 2019 wurde antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2 Ziff. 3) eine Hauptverhandlung durchgeführt (Prot. S. 7-11).
Über die im Verfahren IV.2018.00953 hängige Beschwerde wurde mit Urteil vom heutigen Datum entschieden.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. Novem
ber 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesges
etz
es
über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallver
siche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirk
licht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt
ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
14. März 2011
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss
Art.
6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die
Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
kran
k
heiten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (
Abs.
3).
1.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.4
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der
Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Gesund
heitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergangenen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versicherungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall
für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – aus
gehend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung vorge
nom
men wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der
dazwischen liegende
mittlere Bereich (BGE 115 V
133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr.
10
E. 2).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
-
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuver
lässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erheb
liche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt,
ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gutachterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/
ee
, 122 V 157 E. 1c; vgl. auch BGE 123 V 331 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete
ihren
Entscheid vom 10. November 2017 (Urk. 2)
im Wesentlichen
damit, dass die Ereignisse vom 14. März 2011 sowie 25. November 2012 mittelschwere Unfälle darstellten, letztere
r
im Grenzbereich zu den leichten (S. 6 Ziff. 2.b). Gemäss den vom Bundesgericht verlangten Krite
rien sei der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen den psychischen bezieh
ungs
weise organisch nicht nachweisbaren Beschwerden des Beschwerdeführers und den Unfallereignissen zu verneinen, eine Leistungspflicht bestehe nicht (S. 6 Ziff. 2.c).
Bei der Rentenprüfung seien einzig die Unfallfolgen an der rechten Schulter zu berücksichtigen. Der Einkommensvergleich ergebe einen rentenaus
schliessenden Invaliditätsgrad von 4.9 % (S. 9 Ziff. 3.b).
Im Rahmen der Beschwerdeantwort vom 30. Januar 2018 (Urk. 7)
führte die Beschwerdegegnerin ergänzend aus, der Beschwerdeführer selber erachte eine Be
hand
lung von psychischen Beschwerden nicht mehr als erforderlich. Die Umschu
lung zum diplomierten Techniker HF Elektrotechnik habe er erfolgreich abge
schlossen, sich in der Folge aber entschlossen, seine Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tätigkeit nicht zu verwerten, sondern auf Reisen zu gehen. Dies spreche gegen das Vorliegen von invalidisierenden Schmerzen. Die Behandlung der phy
sischen Verletzungen sei bereits lange Zeit abgeschlossen. Der Zeitpunkt des Fall
abschlusses erweise sich als korrekt (S. 4 f. Ziff. 8).
Die Adäquanz sei nach den Kriterien der Psycho-Praxis zu prüfen und aus näher dargelegten Gründen zu verneinen (S. 5 ff. Ziff. 9.2-5). Mangels Kausalität der psychischen Beschwerden könne dem Beschwerdeführer auch keine Integritätsentschädigung für eine mög
licherweise vorliegende psychische Beeinträchtigung gewährt werden (S. 7 Ziff. 9.7).
Das Zumutbarkeitsprofil für eine angepasste Tätigkeit sei evaluiert und anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung bestätigt worden. Dieser Beurteilung sei zu folgen, da sie die von der Rechtsprechung vorgegebenen Voraussetzungen für einen beweiskräftigen ärztlichen Bericht vollumfänglich erfülle (S. 7 Ziff. 9.9).
Das
Valideneinkommen
sei eingehend abgeklärt worden und nicht bestritten (S. 8 Ziff. 10.1). Das Invalideneinkommen sei mittels LSE zu bestimmen. Unter Be
rücksichtigung des neuen Diploms sei es dem Beschwerdeführer sogar möglich, ein konkretes Einkommen von über Fr. 100'000.-- pro Jahr zu erzielen. Anhand des ermittelten Vergleichseinkommen resultiere kein Invaliditätsgrad, weshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (S. 8 Ziff. 10-11
; vgl. auch Prot. S. 10
)
.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, der Sachverhalt sei insbe
sondere im Zusammenhang mit den psychischen Unfallfolgen ungenügend abge
klärt worden (Urk. 1 S. 4 Ziff. 4). Zudem sei die Adäquanzprüfung beziehungs
weise die Einstellung der Heilkostenübernahme zu früh erfolgt. Er habe bekannt
lich immer noch Schmerzen und sei arbeitsunfähig (S. 5 Ziff. 5). Beim Ereignis vom 14. März 2011 handle es sich
mindestens um einen schweren Unfall im mittleren Bereich. Falls die
Adäquanzprüfung jetzt durchzuführen wäre, würde zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges ein Kriterium genügen (S. 6 Ziff. 6). Entgegen der Meinung der Beschwerdegegnerin sei der adäquate Kausal
zusammenhang gegeben (S. 8 Mitte). Die kreisärztliche Zumutbarkeitsprüfung vom 2. Dezember 201
4
sei nicht mehr zeitnah und entspreche nicht mehr den neuesten Arztberichten, weshalb nicht darauf abgestellt werden könne. Die Be
schwerdegegnerin habe das Invalideneinkommen viel zu hoch angesetzt (S. 8 Ziff. 8).
In seiner Eingabe vom 21. März 2018 (Urk. 13) machte der Beschwerdeführer er
gänzend geltend, es sei klar ersichtlich, dass die psychotherapeutische Behand
lung notwendig und weiterhin angesagt sei (S. 1).
Im Rahmen der Replik (Urk. 27) führte der Beschwerdeführer
weiter
aus, die Be
schwerdegegnerin habe sich weder mit den Ausführungen von
Dr.
med. A._
, welcher festgehalten habe, dass die psychischen Probleme zumindest teilweise durch den Unfall verursacht worden seien, noch mit weiteren bei den Akten liegenden Arztberichten, welche die Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit so
wie die unfallkausalen physischen und psychischen Unfallfolgen festhalten würden,
auseinandergesetzt
(S. 3 f. Ziff. 5-6).
Es würden genügend unfallkausale organische Beeinträchtigungen vorliegen, für welche der Kausalzusammenhang nicht wegdiskutiert werden könne
und die Beschwerdegegnerin leistungspflichtig sei. Insbesondere die Schmerzthematik sei organischer Ursache (S. 5 Ziff. 8). Zum Invalideneinkommen mache die Beschwerdegegnerin unterschiedliche Angaben, diese Frage sei nochmals von Amtes wegen zu prüfen (S. 6 Ziff. 10). Für die Bestimmung des
Valideneinkommens
sei von den konkreten Verhältnissen auszu
gehen. Er habe die Umschulung zum diplomierten Techniker HF Elektrotechnik erfolgreich abgeschlossen. Der Verdienst eines Elektrotechnikers HF liege bei Fr. 105'000.--, es sei von diesem
Valideneinkommen
auszugehen und nicht vom Lohn im ehemaligen Stammbetrieb (S. 6 f. Ziff. 11).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin aus den Ereignissen vom 14. März 2011 sowie 25. November 2012.
Unbestritten und rechtskräftig beurteilt ist die Integritätsentschädigung für die somatische Beeinträchtigung des rechten Armes, welche von der Beschwerde
gegnerin auf 30 % festgesetzt
und vom Beschwerdeführer ausdrücklich anerkannt wurde
(vgl. Urk.
10/150, Urk. 10/155)
.
3.
3.
1
Nach dem Verkehrsunfall am 14. März
2011 war der Beschwerdeführer bis 28. März
2011 im
Z._
,
B._
, hospitalisiert. In ihrem Bericht vom 25. März 2011 (Urk. 9/12) nannten die Ärzte folgende Diagnosen (S. 1):
-
leichtes
Schädel-Hirn-Trauma
-
s
ubarachnoidale
Kontusionsblutung hochparietal rechts
-
Thoraxtrauma
-
Claviculafraktur
rechts
-
inkomplette
Plexus
brachialis
Läsion rechts
-
massive
Lungenkontusionen rechts
-
apikaler
Mantelpneumothorax
rechts
-
Contusio
cordis
-
Wirbelsäulentrauma
-
Fraktur
Proc
.
spinosus
C7, Fraktur
Proc
.
transversus
C6/7 rechts, Fraktur
Proc
.
costales
rechts Th1/Th2
-
Abdomentrauma
-
Nierenunterpollazeration rechts
Der Beschwerdeführer sei initial vom Schockraum auf die Intensivstation zur Überwachung aufgenommen worden. Die sensomotorische Störung am rechten Unterarm und der rechten Hand bei inkompletter Lexus
brachialis
Parese habe sich im Verlauf minim
regredient
gezeigt. Die initial erhöhten
Topaninwerte
seien im Rahmen einer
Contusio
cordis
gesehen worden und rasch rückläufig gewesen. Von Seiten der diversen Thorax- und
Abdominaltraumas
hätten sich im Verlauf keine Auffälligkeiten gezeigt. Am 28. März 2011 sei der Beschwerdeführer zur weiteren Betreuung in die
C._
entlassen worden (S. 2). Vom 14. März bis 28. April 2011 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (S. 3).
3.
2
Nach einem Rehabilitationsaufenthalt vom 28. März bis 23. August 2011 in der
C._
nannten die Ärzte im Austrittsbericht vom 25. August 2011 (Urk. 9/36) im Wesentlichen dieselben Diagnosen und führten folgende Probleme bei Austritt auf (S. 1):
-
sensomotorische Lähmung des rechten Armes mit Hypästhesie und Miss
empfindungen bei Plexus-
brachialis
-Läsion
-
rezidivierende, vor allem abends auftretende, messerstichartige, ein
schiessende Schmerzen im rechten Arm, stark
regredient
-
eingeschränkte Schulterbeweglichkeit rechts, orthopädische
Limite
-
körperliche
Dekonditionierung
,
regredient
Nach einer Ferienpause werde der Beschwerdeführer am 12. September 2011 in die
C._
zurückkehren. Dabei würden während zweier Monate auf der Abteilung «Berufliche Eingliederung» im ambulanten Ganztagessetting
Mög
lich
keiten einer Umschulung beziehungsweise Weiterbildung vertieft abgeklärt. Die berufliche Tätigkeit als Elektromonteur sei aktuell nicht mehr zumutbar, die Anforderungen seien zu hoch. Im Rahmen der beruflichen Abklärungen sei die Arbeitsfähigkeit ganztags gegeben. Als spezielle Einschränkungen gelte es zu beachten, dass der Beschwerdeführer funktioneller
Einhänder
sei und den rechten Arm nicht einsetzen könne. Darüber hinaus bestünden keine Einschränkungen der Zumutbarkeit. Es liege eine minime kognitive Leistungsminderung infolge einer neuropsychologischen Funktionsstörung vor, die möglicherweise eine Folge einer primär hirnorganischen Schädigung sei (S. 2).
3.
3
Im Wesentlichen dieselben Ausführungen machten die Ärzte
der
C._
nach der Komplexbehandlung vom 12. September bis 11. November 20
11 im Austrittsbericht vom 1. Dezember 2011 (Urk. 9/65). Dabei führten sie ergän
zend aus, der weitere Verlauf nach der
Plexusrevision
bleibe abzuwarten, wobei mit einer langen Regenerationsphase gerechnet werden müsse. Eine Rückkehr an die bisherige Arbeit sei aufgrund der körperlichen Einschränkungen nicht mehr möglich. Der Beschwerdeführer plane den berufsbegleitenden Besuch einer höhe
ren Fachschule im Verlauf
. Die Schmerzen und Parästhesien im Arm würden zwar weiterhin bestehen, seien aber unter der Medikation erträglich
(S. 2). Geplant sei eine erneute intensivierte stationäre Rehabilitationsbehandlung nach Durchfüh
rung der
Plexusrevision
. Je nach postoperativem Verlauf sei ein Eintritt im Januar 2012 als sinnvoll zu erachten. Die Beurteilung der Zumutbarkeit und der Arbeits
fähigkeit müsse postoperativ erneut thematisiert werden (S. 4).
3.
4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
E._
, diagnostizierte in seinem Bericht vom 6. Dezember 2012 (Urk. 10/38) eine Anpassungsstörung sowie eine längere de
pres
sive Reaktion (ICD-10 F45.21) mit Status nach Suizidversuch nach Mischin
toxikation und Alkohol. Er gehe weiterhin von einer Anpassungsstörung aus, wo
bei es zu einer augenfälligen Besserung der depressiven Symptomatik gekom
men sei. Von Suizidalität könne sich der Beschwerdeführer klar distanzieren (S. 1). Er sei mit einer ambulanten, psychiatrischen Behandlung einverstanden und habe sich bereits einen Psychiater gesucht (S. 2).
3.
5
Nach einem Aufenthalt vom 25. November bis 7. Dezember 2012 in der
F._
des
G._
nannten die Ärzte in ihrem Bericht vom 7. Dezember 2012 im Wesentlichen folgende Diagnosen (Urk. 10/7 S. 1):
-
proximale
Humerus
3-part
fracture
rechts
-
Alkoholintoxikation am Wochenende des 25. November 2012
-
Mischintoxikation in suizidaler Absicht am 27. November 2012
-
l
eichte
Hypernaträmie
146
mM
-
n
ormochrom
e
,
normozytäre
Anämie unklarer Genese
Eine offene PHILOS-Plattenosteosynthese habe am 3. Dezember 2012 problemlos durchgeführt werden können, der postoperative Verlauf habe sich komplikations
los gestaltet. Am 6. Dezember 2012 sei der Notfallpsychiater miteinbezogen worden, die Untersuchung habe gezeigt, dass eine weitere ambulante psychia
trische Betreuung zu empfehlen sei. Es sei ein Termin im Krisenzentrum des
Z._
organisiert worden. Der Beschwerdeführer sei in gebessertem All
ge
meinzustand und mit reizlosen Wundverhältnissen nach Hause entlassen worden
(S. 2).
3.
6
Nach einer Verlaufskontrolle am 5. Februar 2013 nannte
Dr.
med. H._
, Facharzt für Neurologie,
I._
,
Z._
, in seinem Bericht vom selben Tag
folgende Diagnosen
(Urk. 10/22
S. 1
)
:
-
traumatische,
supraclaviculäre
, obere Armplexus-Parese rechts im Rahme
n eines Polytraumas am 14. März 2011
-
Armplexus-Revision mit intraoperativer Neurographie,
Neurolyse
und
Oberlin
-Transfer, OSME Clavicula rechts 25. November 2011
-
Gebesserte neuropathische Schmerzen
-
Status nach
Retraumatisierung
it
proximaler
Humerusfraktur
im Rahmen eines Sturzereignisses im November 2012 ohne Verschlech
te
rung der neurologischen Ausfälle
Der Beschwerdeführer
klage
über im Alltag bestehende, noch leichte, unter der aktuellen Behandlung aushaltbare Nervenbeschwerden (S. 1).
I
n der klinischen Untersuchung hätten sich weitestgehend unveränderte Befunde zum August 2012 gezeigt. Es könne davon ausgegangen werden, dass es durch die
Retraumati
sie
rung
der rechten Schulter mit Oberarmfraktur nicht zu einer Verschlechterung der neurologischen Ausfälle gekommen sei. Aktuell vierzehn Monate postoperativ könne im Wesentlichen davon ausgegangen werden, dass es sich beim aktuellen Befund um einen Endzustand handle. Aus neurologischer Sicht sei es ent
schei
dend, dass der Beschwerdeführer weiterhin regelmässig Physiotherapie erhalte, damit die muskuläre
Dysbalance
im Schulterbereich angegangen werden könne
. Zur Therapie der neuropathischen Schmerzen habe er
Cymbalta
verschrieben
(S. 2).
3.
7
Am 30. April 2013 wurde der Beschwerdeführer durch
Dr.
med. A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Konsiliarpsychiater
der Beschwer
de
gegnerin, psychiatrisch untersucht. In seinem Bericht vom 25. April
2013 (Urk. 9/107)
führte er aus, klinisch ergebe sich im Moment das Bild einer Anpas
sungsstörung mit einer längeren depressiven Reaktion. Ein auslösendes, bedeut
sames Ereignis sei in Form des ersten Unfalls, aber vielleicht noch fast mehr des zweiten
gegeben
, als er dabei gewesen sei, sich die erfreuliche Zukunftsper
spek
tive mit der neuen Ausbildung zu zerstören
. Im Hintergrund möge dabei auch die etwas (zu?) radikal vorgenommene Abgrenzung zur Herkunftskultur und -familie eine Rolle gespielt haben. Zumindest seit dem zweiten Unfall sei die depressive Stimmung gegeben und auch im Untersuchungskontext objektiv feststellbar. Das Gefühl, kurz vor einem Gewaltausbruch zu stehen, habe über längere Zeit hinweg bestanden. Daneben hätten bereits vor dem Unfall beobachtbare Persönlichkeits
züge bestanden in Form einer gewissen Verletzlichkeit und Kränkbarkeit, sowie eines hohen Selbstanspruchs, ohne dass diese jedoch als Persönlichkeitsstörung gewertet werden könnten. In den meisten Lebensbereichen habe der Beschwer
de
führer eine genügend gute Anpassungsfähigkeit gezeigt. Gerade im sozialen Bereich sei jedoch eine Entwicklung in Richtung eines sozialen Rückzugs sicht
bar, die gestoppt werden sollte. Eine psychotherapeutische Behandlung wäre in der heutigen Situation sehr wünschenswert und klar indiziert (S. 18). Zusammen
fassend scheine es wahrscheinlich, dass die jetzt beobachtbaren psychischen Prob
leme in Form einer Anpassungsstörung zumindest teilweise dur
ch den Unfall verursacht worden. Eine bessere Exploration der Alkoholproblematik und des Konflikts mit der Herkunftsfamilie und deren Kultur scheine aber notwendig zu sein, um eine zuverlässige Aussage machen zu können. Eine psychiatrisch-psy
chotherapeutische Behandlung sei dringend indiziert
. Daneben sei jede Form der Tagesstrukturierung mit einem ablenkenden und fokussierenden Effekt sehr wün
schenswert
(S. 19).
3.
8
In seinem Bericht vom 6. Juni 2013 (Urk. 9/108) hielt Dr.
A._
zusammen
fassend fest,
als psychiatrische Hauptdiagnose bleibe diejenige einer Anpassungs
störung in Form einer längeren depressiven Reaktion bestehen. Die mit einer gewissen Regelmässigkeit in der Wohnung der Eltern auftretenden Wutanfälle mit Zerstörung von Material seien damit aber noch nicht erklärt und verdienten eine spezielle Beachtung. Würden sie auch nicht im Kontext einer Persönlich
keitsstörung oder einer
hirnorganischen Wesensänderung verstanden, so müssten sie als periodisch auftretende impulsive Handlungen ohne Zuordnung zu einer anderen klinischen Störung gedeutet werden. Diagnostisch sei dabei am ehesten von einer nicht näher definierten Störung der Impulskontrolle (ICD-10 F63.8) aus
zugehen. Differentialdiagnostisch könne der Verdacht auf eine nicht näher bezeichnete organische Verhaltensstörung beibehalten werden, da die Sympto
matik ja erst nach dem Unfallereignis ein klinisch relevantes Ausmass ange
nommen zu haben scheine.
Weiter seien gegenwärtig Probleme durch negative Kindheitserlebnisse (ICD-10 Z61.8) und in der Beziehung zu den Eltern (ICD-10 Z63.1) anzunehmen. Zuletzt lasse sich die fehlende Verarbeitung des Unfalls und der Unfallfolgen (ICD-10 Z91.4) als Risikofaktor benennen. Therapeutisch ge
sehen bestehe eine sehr schwierige Situation, indem die ablehnende Haltung des Beschwerdeführers einen therapeutischen Erfolg praktisch zum vornherein ver
un
mögliche (S. 10).
3.
9
PD
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Plastische,
Rekonstruktive
und Ästhetische Chirurgie sowie für Handchirurgie,
I._
,
Z._
, diagnostizierte in seinem Bericht vom 17. September 2013 einen Status nach
Oberlin
-Transfer bei Status nach oberem
Plexusausriss
im März 2011 und führte aus,
die Schmerzen seien im Laufe des Sommers wieder besser geworden und
d
er
Beschwerdeführer
sei zufrieden mit der erreichten Funktion. Er sei über die Möglichkeit informiert, durch einen
Trapeziumtransfer
die Abduk
tion zu verbessern, was er im Moment aber nicht wolle, weil er demnächst seine Ausbildung wiederaufnehme (Urk. 9/114).
3.
10
Mit Bericht vom 28. November 2013 schloss der zuständige Arzt des
G._
,
F._
, die Behandlung des Armbruchs ab. Der Beschwerde
führer berichte, dass er nur selten Schulterschmerzen habe, jedoch nach wie vor chronische Schmerzen an der Hand (Urk. 10/75).
3.
11
In ihrem Bericht vom 9. Januar 2014 (Urk. 9/125) d
iagnostizierte
lic
. phil.
K._
, Fachpsychologin für Psychotherapie, eine Anpas
s
ungsstörung (ICD-1
0 F43.2). Der Beschwerdeführer berichte von starken Schlafstörungen, Gereiztheit,
innerer Anspannung, teils überschiessender Wut, Stimmungsschwankungen, Insuf
fizienzgefühlen, selbstverletzendem Verhalten und vereinzelt Suizidgedanken. Das restriktive Essverhalten dürfte ein dysfunktionaler Bewältigungsversuch zur Wiederherstellung von Kontrolle über seine aversiven Gefühle darstellen (S. 2 Ziff. 3). Die Arbeitsfähigkeit sei vom behandelnden Arzt zu beurteilen (S. 2 Ziff. 4). Die Prognose sei derzeit noch unklar, eine psychotherapeutische Behand
lung sei angesichts der wiederkehrenden Suizidgedanken und der deutlich ein
geschränkten
Bewältigungsstrategien im Umgang mit seiner Behinderung und seinen negativen Gefühlszuständen dringend indiziert. Ohne eine entsprechende Behandlung sei mittel- und langfristig mit der Ausbildung von zwanghaften Mustern, insbesondere auch einer Essstörung, sowie mit wiederkehrenden depres
siven Einbrüchen inklusive Suizidalität zu rechnen (S. 2 Ziff. 5).
3.
12
Nach einer elektrodiagnostischen Untersuchung diagnostizierte
Dr.
H._
in seinem Bericht vom 25. März 2014 (Urk. 9/131
)
eine traumatische,
supracla
vi
cu
läre
,
obere
Armplexusparese
rechts im Rahmen eines Polytraumas vom 14. März 2011 mit
Wurzelavulsion
C
7.
Vorhanden seien noch Schmerzen im Bereich der rechten Handfläche, aus diesem Grund benötige er immer noch
Lyrica
(S. 1). Zweieinhalb Jahre nach dem
Oberlin
-Transfer zeige sich ein recht erfreulicher Befund mit gutem funktionellem Resultat. Es habe ein Kraftgrad einer Arm
beugung von M4-5 erreicht werden können, was zum Vorbefund von 2013 einer weiteren Verbesserung entspreche. Im Übrigen zeige sich ein im Wesentlichen unveränderter Befund. Ob durch eine Sehnen-Transfer-Operation eine Verbesse
rung des hängenden Extensors des
Dig
. III erreicht werden könne, könne er nicht beurteilen (S. 2).
3.
13
In ihrem Bericht vom 22. August 2014 (Urk. 9/140) führte
lic
. phil.
K._
bei unveränderten Diagnosen (S. 2 Ziff. 4) aus, es zeige sich weiterhin eine hohe Ge
reiztheit, die einerseits mit den chronischen Schmerzen, andererseits mit einer unver
arbeiteten Wut auf die Unfallverursacherin und den weitgehend abgespal
tenen schmerzhaften Gefühlen über den Verlust seiner Bewegungsfreiheit zu
sammenhänge. Des Weiteren setze sich der Beschwerdeführer bezüglich seiner Ausbildung enorm stark unter Druck und gönne sich derzeit kaum mehr positive Erfahrungen, da er befürchte, dass er ohne ständiges Lernen die Ausbildung nicht schaffen werde (S. 1 Ziff. 2). Aktuell sei im klinischen Eindruck ein hohes Mass an Depressivität mit wiederkehrenden Suizidgedanken beobachtbar (S. 2 Ziff. 3).
Die depressive Symptom
a
tik sei als Folge des Unfalls und der dysfunktionalen Verarbeitung der damit verbundenen körperlichen Einschränkungen entstanden. Es zeige sich eine Tendenz zur
Chronifizierung
, die auf Veränderungen auf der Persönlichkeitsebene als Folge der dysfunktionalen Verarbeitung des Unfalles und der damit verbundenen Konsequenzen hinweisen würde (S. 2 Ziff. 4). Hin
weise auf vorbestehende psychische Erkrankungen würden nicht bestehen (S. 2 Ziff. 5). Im Bereich der Selbstwahrnehmung und der Kommunikation seines emo
tionalen Erlebens hätten Fortschritte erzielt werden können. Gerade im Umgang mit den drängenden Suizidfantasien und seinen aggressiven Impulsen scheine die Psychotherapie derzeit
ein wichtiger Anker und stabilisierender Faktor zu sein
, indem er sich hier offen mitteilen könne und i
h
m alternative Perspektiven ver
mittelt werden könnten (S. 2 Ziff. 6).
3.
14
Nach einer am
6.
und 7. Oktober 2014 durchgeführten Evaluation der funktio
nellen Leistungsfähigkeit (EFL) hielten die
Fachperson
en der
L._
in ihrem Bericht vom 8. Oktober 2014 (Urk. 9/141) fest, das arbeitsrelevante Problem sei die starke Bewegungseinschränkung durch Kraftlosigkeit im rechten Arm. Eine Symptomausweitung habe nicht beobachtet werden können (S. 2). Die Beschreibung von Schmerzen und Einschränkungen, das Schmerz- und Leistungsverhalten sowie die Konsistenz seien gut. Der Be
schwerdeführer zeige eine grosse Leistungsbereitschaft, wobei bei jedem der 30 Tests die funktionelle
Leistungslimite
ersichtlich sei. Die beobachtete Belast
barkeit entspreche einer leichten Tätigkeit (Hantieren von Lasten selten bis maxi
mal 10 kg, oder viel Stehen/Gehen, oder belastende Arm- oder Beinfunktion) beid
händig und rechts (links bis 20 kg). Zeitlich sei eine Belastung ganztags möglich. Es bestünde eine starke Einschränkung der Handkoordination und der Handkraft rechts. Nie möglich seien sodann das Steigen auf Leitern, Arbeiten über Schulterhöhe sowie das Heben von Taillen- zu Kopfhöhe mit beiden Händen oben. Selten möglich seien sodann das Heben von Taillen- zu Kopfhöhe mit einer Hand unten sowie Stossen, Ziehen und Kriechen. Die beobachtete Belastbarkeit liege bei weitem unter den Belastungsanforderungen der bisherigen Arbeit. Der Beschwerdeführer mache eine Umschulung und sei Vollzeitstudent. Bei der neuen Tätigkeit werde er nach eigener Aussage hauptsächlich im Büro eingesetzt und nur noch leichten Belastungen ausgesetzt (S. 2).
Der Beschwerdeführer könne nicht genau sagen, was die Dauerschmerzen auslösten. Er wolle aber keine Opiate einnehmen, lieber halte er die Schmerzen aus (S. 5).
3.
15
In seiner Beurteilung vom 2. Dezember 2014 (Urk. 9/147) nannte der Kreisarzt
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
to
logie, folgende Diagnosen (S. 6
Ziff. 5
):
-
residuelle
obere
Plexusteilparese
rechts nach Revision mit
Neurolyse
und
Oberlin
-Transfer (Schädel-Hirn-Trauma und periphere Frakturen C6-Th2 ebenso wie
Abdominaltrauma
folgenlos ausgeheilt, ebenfalls geheilte
Klavikulafraktur
rechts, Metall entfernt)
-
konsolidierte proximale
Humerusfraktur
rechts (stabil liegendes Metall, keine Hinweise auf
Humeruskopfnekrose
)
Wahrscheinlich seit ungefähr einem Jahr sei der Zustand stabil, dies sei neu
ro
logisch zuletzt am 23. März 2013 durch Dr.
H._
festgehalten worden. Dadurch
sei der versicherungstechnische Abschluss möglich. Heute klage der Beschwerde
führer über eine ausgeprägte Funktionsstörung des vormals dominanten rechten Arms/der rechten Hand und ebenfalls über eine stark eingeschränkte Schulter
beweglichkeit rechts. Klinisch bestätigten sich die anamnestischen Angaben mit einer deutlichen Bewegungseinschränkung der Schulter sowie einer Funktions
stö
rung entsprechend einem Residuum nach oberer
Armplexusparese
mit par
tieller Erholung und nach
Oberlin
-Transfer. Unter Berücksichtigung der EFL ergebe sich folgendes Zumutbarkeitsprofil: Der rechte Arm/die dominante rechte Hand könnten nur für leichte Hilfsfunktionen ohne Anforderungen an Grob- und Feingriff und nur im günstigen Raum körpernah vor dem Stamm bis höchstens Schulterhöhe eingesetzt werden. Repetierte Belastungen, Tätigkeiten mit Schlä
gen und starken Erschütterungen seien nicht zumutbar
. Nach Abschluss seien die Heilkosten für
Lyrica
und allenfalls ein bis höchstens zwei Serien Physiotherapie pro Jahr zu übernehmen, der Beschwerdeführer müsse dabei aber auch subjektiv einen erheblichen Nutzen von der Behandlung erfahren (S. 6 Ziff. 5).
Bezüglich der Integritätsentschädigung führte Dr.
M._
sodann aus, der Zu
stand sei stabil und erheblich, der weitere Verlauf nicht voraussehbar, wahr
schein
lich aber stabil bleibend (Urk. 9/148 Ziff. 1). Gemäss Tabelle 1 über die Inte
gritätsentschädigung im UVG schätze er den Integritätsschaden auf 30 % (Ziff. 2-3).
3.
16
Auf entsprechende Nachfrage teilte
lic
. phil.
K._
am 7. Juli 2015 mit, sie sei von Oktober 2014 bis Februar 2015 im Mutterschaftsurlaub gewesen. Sie habe dem Beschwerdeführer angeboten, dass eine Kollegin sie vertreten könne, dies habe er aber abgelehnt. Seit ihrer Rückkehr habe sie versucht, ihn zu erreichen, leider erfolglos (Urk. 9/160).
3.
17
Der Hausarzt
Dr.
med.
N._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte in seinem Bericht vom 5. Januar 2017 folgende Diagnosen (Urk. 9/195 S. 1):
-
residuale obere
Plexusparese
rechts nach
Oberlin
-Transfer bei Status nach Motorradunfall im Jahr 2011
-
Status nach Suizidversuch im Jahr 2012
-
posttraumatisches Belastungssyndrom
-
depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit wahrscheinlich soma
tischem Syndrom
Nach dem Unfall und anschliessenden mehrmaligen Operationen habe der Be
schwer
deführer ein Schmerzsyndrom im Bereich der rechten
Thoraxhälfte
mit Betonung im Bereich des rechten Armes mit diffusen brennenden Schmerzen un
d beinahe Funktionsausfall
des Armes entwickelt. Aktuell klage er über brennende und pochende Schmerzen im Bereich des rechten Armes. Im Nackenbereich und der rechten
Thoraxhälfte
spüre er weniger Schmerzen. Trotz intensiver psychia
trisch-psychologischer Betreuung sowie der Einnahme von Psychopharmaka klage er über massivste Schlafstörungen, negative und pessimistische Zukunfts
per
spektiven, Wertlosigkeit, diffuse Konzentration und Vergesslichkeit, Albträum
e, sozialen Rückzug sowie Pessimismus (S. 1). Er könne kaum aus der Wohnung gehen und habe kaum noch Kontakte zur äusseren Welt. Es sei immer wieder zu starken Suizidgedanken gekommen, wobei er sich aktuell klar von Suizid dis
tanzieren wolle. Im aktuellen Zustand schätze er den Beschwerdeführer in der freien Wirtschaft weder arbeits- noch eingliederungsfähig. Er könne höchstens an einem geschützten Arbeitsplatz beschäftigt werden (S. 2).
3.
18
Der behandelnde Psychiater
Dr.
med.
O._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt am 23. Januar 2017 fest, der Beschwerdeführer sei ihm vom Hausarzt aufgrund einer langjährigen depressiven Entwicklung zur psychia
trischen Betreuung zugewiesen worden. Aufgrund der richtungsweisenden Schmerz
problematik und erheblichen negativen Selbstwahrnehmung mit Selbst
wert
regulationsstörung, welche zu einem erheblichen sozialen Rückzug im Sinne einer Vita
minima
geführt hätten, seien die stützend-
supportiven
Gespräche nach mehreren Sitzungen im November 2016 vorderhand sistiert worden. Es seien therapeutische Optionen beziehungsweise Alternativen hinsichtlich der subjektiv
vorherrschenden Schmerzproblematik auszuschöpfen. Die komplexe Fragestel
lu
ng hinsichtlich der medizinisch
-theoretischen und sozial-praktischen Arbeitsfähig
keit im Kontext dieser mehrdimensionalen Schmerzproblematik mit konsekutiven psychosozialen Funktionsdefiziten und psychisch-emotionaler Belastung sei per
se durch qualifizierte Fachkräfte polydisziplinär-gutachterlich zu klären (Urk. 9/194
).
3.19
Nach einem Erstgespräch nannte
Dr.
med.
P._
, Facharzt für Psychia
trie und Psychotherapie,
Z._
,
Q._
, in seinem Bericht vom 14. November 2017 folgende Diagnosen (Urk. 14/1 S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psy
chotische Symptome (ICD-10 F33.2) mit somatischem Syndrom
-
Status nach Suizidversuch November 2012 im Rahmen der Diagnose 1
-
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73)
-
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1; DD: F62.0) infolge Diagnose 5
-
Sensomotorische Lähmung des rechten Armes mit Hypästhesie und Miss
empfindungen bei Plexus
brachialis
-Läsion, eingeschränkte Schulterbe
weg
lichkeit rechts, orthopädische
Limite
bei oberer
Plexusparese
rechts nach
Oberlin
-Transfer bei Status nach Motorradunfall
Die Symptomatik äussere sich in gedrückt wirkender Stimmung,
Anhedonie
, Antriebsminderung mit gesteigerter Ermüdbarkeit, Aktivitätseinschränkung mit massivem sozialem Rückzug, reduzierter Konzentration, stark vermindertem Selbst
wertgefühl und Selbstvertrauen, Gefühlen von Schuld und Wertlosigkeit, pessimistischer Zukunftsperspektive sowie Schlafstörungen mit Tag-Nacht-Um
kehr. Ein eventuell bestehendes posttraumatisches Belastungssyndrom könne erst im Verlauf beurteilt werden. Eine organisch bedingte Aggravation bei Status nach
Subarachnoidalblutung
im Rahmen des Unfalltraumas sei nicht auszuschliessen (S. 1). Therapeutisch werde die Durchführung einer ambulanten, gegebenenfalls stationären Psychotherapie empfohlen. Dem Beginn einer antidepressiven Medi
kation stehe der Beschwerdeführer eher zurückhaltend gegenüber (S. 2). Eine
frühere Medikation mit
Lyrica
sei sistie
rt, eine Medikation mit
Cymbalta
sei weg
en unerwünschter Nebenwirkungen abgesetzt worden (S. 4).
3.
20
Die übrigen bei den Akten liegenden Arztberichte (
Urk. 9/31-35,
Urk. 9/53-54
,
Urk. 9/64,
Urk. 9/85
-86
,
Urk. 9/8
7-92, Urk. 9/95, Urk. 9/104
, Urk. 9/109, Urk. 9/116
, Urk. 9/152
, Urk. 10/8
, Urk. 10/44, Urk. 10/55
, Urk. 14/2, Urk. 17/106
) enthalten keine für die Beurteilung der vorliegend strittigen Fragen relevanten Angaben, so dass auf deren detaillierte Wiedergabe verzichtet werden kann.
4.
4.1
Der Beschwerdeführer
beanstandete den Fallabschluss per
Ende 2015
sowohl was die somatischen als auch die psychischen Beschwerden betrifft
als verfrüht (vgl. vorstehend E. 2.2).
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invaliden
rente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetz
ung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszu
stan
des der
versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Ein
gliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 1
9 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3). In diesem Zeitpunkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits
fähig
keit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Be
griffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch wei
tere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhof
fte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbes. auf BGE 134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
4.2
Was die somatischen Beschwerden betrifft,
sprach die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 4. Dezember 2014 eine Integritätsent
schä
di
gung entsprechend einer Integritätseinbusse von 30 % zu (Urk. 9/150) und stellt
e die Prüfung des Rentenanspruches nach Abschluss der Eingliederungsmass
nah
men in Aussicht (vgl. Urk. 9/151 S. 1). Im November 2015 schloss der Beschwer
de
führer die Umschulung zum «Techniker HF Elektrotechnik» erfolgreich mit dem Diplom ab (vgl. Urk. 9/166, Urk. 9/170).
Aus den medizinischen Berichten
geht hervor, dass Dr.
H._
bereits in seinem Bericht vom 5. Februar 2013 im Wesentlichen von einem Endzustand
ausge
gangen war
(E. 3.6)
. A
m 25. März 2014
stellte er
eine weitere Verbesserung des Kraftgrades einer Armbeugung
fest
, ansonsten aber einen unveränderten Befund (E
. 3.12).
Am 28. November 2013 schloss der zuständige Arzt des
G._
die Behandlung des Armbruchs ab (E. 3.10).
Der Beschwerdeführer selber
bestä
tigte
anlässlich der am 18. März 2019 durchgeführten Hauptverhandlung, es seien keine weiteren Operationen vorgesehen, die Behandlung sei abge
schlossen (Prot. S. 9).
Damit ist
ohne
Weiteres
davon auszugehen, dass im Zeitpunkt des Abschlusses der Umschulung
im November 2015
der Endzustand erreicht war
. Dementsprechend ist der Fallabschluss per Ende des Jahres 2015 nicht als ver
früht zu betrachten und die von der Beschwerdegegnerin
in diesem Zeitpunkt
vorgenommene Adäquanzprüfung nicht zu beanstanden.
5.
5.1
Nach der Rechtsprechung ist bei der Beurteilung der Adäquanz von psychischen Unfallfolgeschäden wie folgt zu differenzieren: Zunächst ist abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule, eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2) oder ein Schädel
Hirntrauma erlitten hat. Ist dies der Fall, sind bei Unfällen aus dem mittleren Bereich die in BGE 117 V 359 E. 6a und 382 E. 4b umschriebenen Kriterien anzuwenden. Andernfalls erfolgt die Adäquanzbeurteilung in den dem mittleren Bereich zuzuordnenden Fällen nach den Kriterien gemäss BGE 115 V 133 E. 6c/
aa
(siehe zur Begründung der teilweise unterschiedlichen Kriterien: BGE 117 V 359 E. 6a, letzter Absatz).
Ergeben die Abklärungen, dass die versicherte Person ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule, eine
diesem äquivalente Verletzung
oder ein Schädel-Hirntrau
ma erlitten hat, ist zusätzlich zu beurteilen, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise vorlie
gen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten.
Die Beurteilung der Adäquanz in
diesen
Fällen
ist nach der Praxis des Bundesge
richts nicht nach den für das Schleudertrauma in BGE 117 V 359 entwickelten Kriterien, sondern nach den in BGE 115 V 133 für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall aufgestellten Kriterien vorzunehmen (BGE 127 V 102 E. 5b/
bb
, 123 V 98 E. 2a, RKUV 1995 Nr. U 221 S. 113 ff., SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 1; ferner BGE 134 V 109 E. 10.2 f.).
5.2
Aus den bei den Akten liegenden Arztberichten ergibt sich ohne Weiteres, dass der Beschwerdeführer beim Unfall vom 14. März 2011 ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat (E. 3.1). Bereits im Austrittsbericht der
C._
vom 25. August 2011 standen
jedoch
die Beeinträchtigungen des rechten Armes im Vordergrund, der Beschwerdeführer klagte weder über Kopfschmerzen noch über Schwindel oder andere typischen Beschwerden (E. 3.2). Insgesamt zeigt sich, dass das Hauptaugenmerk der
Behandlung bereits kurze Zeit nach dem ersten Unfall am 14. März 2011 auf dem rechten Arm lag und nach dem zweiten Unfall am 25. November 2012 vermehrt die psychischen Beschwerden in den Vorder
grund rückten (vgl. E. 3.4-5). Hinzu kommt, dass es sich bei der Diagnose einer PTBS nicht um eine psychische Beeinträchtigung handelt, welche bei einem leichten Schädel-Hirn-Trauma üblicherweise auftritt. Die Beschwerdegegnerin hat demnach die Beurteilung des vorliegenden Falles zu Recht nach den in BGE 113 V 133 für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall aufgestellten Kriterien vorgenommen.
5.3
Im Hinblick auf die Prüfung der Adäquanz ist zunächst der Unfall nach seiner Schwere zu qualifizieren, welche sich nach dem augenfälligen Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften bestimmt
(vgl. vorstehend E. 1.4). Die Beschwerdegegnerin ging davon aus, dass es sich bei dem für die Beurteilung des vorliegenden Falles im Vordergrund stehenden Unfallereigni
s
vom 14. März 2011
um einen mittelschweren Unfall handelt (E. 2.1). Demgegenüber machte der Be
schwerdeführer geltend, der Unfall sei als schwerer Unfall im mittleren Bereich zu qualifizieren (E. 2.2).
Gemäss der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 4. April 2013 bog die Unfallverursacherin nach links über die Gegenfahrbahn ab und nahm dabei den vortrittsberechtigten Beschwerdeführer nicht beziehungsweise zu spät wahr, was zur Kollision mit dem Motorrad des Beschwerdeführers führte (Urk. 3/5 S. 11).
Aus dem Bericht des
Z._
vom 25. März 2011 ergibt sich weiter, dass
sich der Beschwerdeführer g
emäss fremdanamnestischen Angaben mehrmals über
schla
gen
habe
(Urk. 9/12 S. 1).
Die multiplen und gravierenden Verletzungen lassen sodann auf die Einwirkung erheblicher Kollisionskräfte auf den Körper des Beschwerdeführers schliessen. Insgesamt lässt sich
der vorliegend zu beurteilende
Unfallhergang
mit
demjenigen Sachverhalt
vergleichen
, welcher dem Urteil des Bundesgerichts 8C_484/2007 vom 3. September 2008 zugrunde lag. Dabei
ver
suchte ein Motorradfahrer
,
eine abbremsende Personenwagenkolonne zu überho
len, wobei ihm plötzlich der au
s
der Kolonne heraus nach links abbiegende Traktor mit Heuwagen-Anhänger quer im Weg stand, weil ein entgegen
kommen
des Auto diesem Gefährt den Vortritt gewährt hatte
(E. 6.2)
.
Wie im genannten Fall ist auch vorliegend von einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den schweren Ereignissen auszugehen.
6.
6.1
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Un
falles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamt
wür
digung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszu
lösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlim
mer
t;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auf
fallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwie
rigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungs
weise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Krite
rien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenz
bereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu be
rücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die mög
licherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben
könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
6.2
Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls vorliegen, beurteilt sich objektiv und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens der versicherten Person. Zu beachten ist dabei, dass jedem mindes
tens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann. Es wird nur das Unfallgeschehen an sich und nicht die dabei erlittene Verletzung betrachtet.
Der Beschwerdeführer kollidierte
innerorts als Motorradfahrer
mit einem Personen
wagen, welcher über die Strasse querte. Selbst die Tatsache, dass
er
sich beim Sturz mehrfach überschlug, führt nicht
ohne Weiteres
zu besonders dramatischen Begleitumständen oder einer besonderen Eindrücklichkeit. Gemäss der bundesge
richtlichen Rechtsprechung wird dieses Kriterium bei
Verkehrsu
nfällen
insbeson
dere bejaht bei solchen
mit Todesfolge
, mit Beteiligung eines Lastwagens oder mehreren Fahrzeugen (vgl.
Rumo-Jungo
/Holzer, Rechtsprechung des Bundesge
richts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG), S. 69 f.). Eine besondere Eindrücklichkeit oder besonders dramatische Begleitumstände können im vorliegenden Fall nicht gesehen werden.
Entgegen der Argumentation des Beschwerdeführers ist
auch
das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen
nicht
erfüllt. A
uch wenn der Beschwerdeführer beim Unfall ein Polytrauma
mit leichtem Schädel-Hirn-Trauma, Thorax-, Wirbelsäulen- und
Abdomentrauma
erlitten
hat,
erscheinen die Verletzungen nicht als geeignet, psychische Fehlreaktionen auszu
lösen (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2009 vom 19. November 2009, E. 3.6). Immerhin standen bereits bei Eintritt in die
C._
zwei Wochen nach dem Unfall
die Beschwerden im rechten Arm (sensomotorische Läh
mung des rechten Armes, messerstichartig einschiessende Schmerzen im rech
ten Arm, eingeschränkte Schulterbeweglichkeit rechts) sowie Schlafstörungen im Vordergrund
(E. 3.2)
.
Keine Hinweise
in den medizinischen Akten
gibt es sodann auf eine
für die beim Beschwerdeführer vorliegenden Verletzungen
ungewöhnlich lange Dauer der ärzt
lichen Behandlung
.
Beim Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen können adäquanzrelevant nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallabschluss ohne wesentlichen Unter
bruch
bestehende erhebliche Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_682/2013 vom 14. Februar 2014, E. 11.2 mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer machte zwar glaubhaft geltend, dass er an anhaltenden Schmerzen im rechten Arm beziehungsweise in der rechten Hand leide
, beschrieb die Schmerzen jedoch mehrfach als erträglich und aushaltbar. Einschränkungen, welche nicht auf den Funktionsausfall
,
sondern auf die Schmerzen an sich zurückzuführen sind, sind nicht erkennbar
(vgl. E. 3.3, E. 3.6, E. 3.9, E. 3.12, E. 3.14)
. Das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen ist damit zu verneinen.
Keine Hinweise ergeben sich auf eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfall
folgen erheblich verschlimmert hätte. Auch ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen
sind
zu verneinen.
Schliesslich ist auch das Kriterium von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit nicht erfüllt, konnte der Beschwerdeführer doch bereits im April 2012 die Weiterbildung zum «Techniker HF Elektrotechnik» in Angriff nehmen und - nach einem
durch den zweiten Unfall am 25. November 2012 be
dingten Unterbruch -
im November 2015 erfolgreich abschliessen (vgl. Urk. 9/75, Urk. 9/166, Urk. 9/170)
.
6.3
Da somit kein einziges Beurteilungskriterium zu bejahen ist, ist
der adäquate Kausalzusammenhang zwischen
de
n
bestehenden psychischen Beschwerden und dem Unfallereignis vom 14. März 2011 zu verneinen. Nachdem der Unfall vom 25. November 2012 unbestrittenermassen als
deutlich
weniger schwer einzu
stufen ist als derjenige vom 14. März 2011, erübrigen sich weitere Ausführungen zu einer allfälligen diesbezüglichen Adäquanz.
An dieser Beurteilung vermögen auch die Ausführungen von Dr.
A._
nichts zu ändern, welcher in den beiden Unfällen auslösende Ereignisse für die psychische Entwicklung erkannt hatte (vgl. E. 3.7-8).
Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin eine Leis
tungs
pflicht aufgrund der psychischen Beschwerden verneint hat.
7.
7.1
Aufgrund der medizinischen Akten ausgewiesen und von beiden Parteien unbe
stritten ist, dass der Beschwerdeführer
aus somatischen Gründen
in der bisherigen Tätigkeit als Montage-Elektriker nicht mehr arbeitsfähig ist (E. 2.1-2, E. 3.2-3). Bezüglich der
Leistungsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit geht die Beschwerdegegnerin davon aus, dass
der Beschwerdeführer unter Berück
sichtigung des
Zumutbarkeitsprofil
s
gemäss der
kreisärztliche
n
Beurteilung voll
ständig arbeitsfähig ist, wohingegen dieser geltend macht, die kreisärztliche Zumutbarkeitsprüfung sei nicht mehr zeitnah und entspreche nicht den neuesten Arztberichten, weshalb nicht darauf abgestellt werden könne. Der Sachverhalt sei ungenügend abgeklärt.
7.2
Die kreisärztliche Beurteilung datiert vom
2
. Dezember 2014 und liegt damit tatsächlich bereits mehr als vier Jahre zurück. Dies ändert jedoch nichts daran,
dass
diese
die praxisgemässen Kriterien (vgl. vorstehend E. 1.5) vollumfänglich erfüllt. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht,
die
Beurteilung
entspreche nicht mehr den neuesten Arztberichten,
vermag diese
Argumentation nicht
zu überzeugen
. Wie vorstehend
ausgeführt
, ging Dr.
H._
im Wesentlichen bereits im Februar 2013
von einem Endzustand aus (vgl. E 4.2). Seit der kreisärztlichen Stellungnahme vom 4. Dezember 2014 liegen denn auch keine Arztberichte mehr vor, aus welchen sich eine Verschlechterung der somatischen Situation ergeben würde. Für die Prüfung der Rentenfrage kann somit
auf die nachvollziehbar und überzeugend begründete Beurteilung durch Dr.
M._
abgestellt werden und der medizinische Sachverhalt ist als dahingehend erstellt zu betrachten, dass der Beschwerdeführer den rechten Arm beziehungsweise die dominante rechte Hand nur noch für leichte Hilfsfunktionen ohne Anforderungen an Grob- und Feingriff und nur im günstigen Raum körpernah vor dem Stamm bis höchstens Schul
ter
höhe einsetzen kann und repetierte Belastungen sowie Tätigkeiten mit Schlägen und starken Erschütterungen nicht zumutbar sind (E. 3.15).
Diese Beurteilung stimmt denn auch mit der EFL vom 8. Oktober 2014 überein, gemäss welcher eine
angepasste Tätigkeit ganztags zumutbar ist (E. 3.14).
Weitere medizinische Abklä
rungen
erweisen sich als nicht notwendig.
8.
8.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
8.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1; 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Soll bei der Festsetzung des
Valideneinkommens
eine berufliche Weiterent
wick
lung, welche die versicherte Person normalerweise vollzogen hätte, mitberück
sichtigt werden, so müssen praxisgemäss konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie einen beruflichen Aufstieg und ein entsprechend höheres Einkommen tatsächlich realisiert hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre.
B
losse Absichts
erklärungen der versicherten Person
genügen
nicht. Vielmehr muss die Absicht, beruflich weiterzukommen, bereits im Zeitpunkt des Unfalls durch konkre
te Schritte wie Kursbesuch, Aufnahme eines Studiums, Ablegung von Prüfungen usw. kundgetan worden sein. Bei der Prüfung der mutmasslichen beruf
lichen Entwicklung können
jedoch
unter Umständen aus einer besonderen beruf
lichen Qualifizierung im Invaliditätsfall Rückschlüsse auf die hypothetische Ent
wicklung gezogen werden, zu der es ohne Eintritt des (unfallbedingten)
Ge
sund
heitsschadens gekommen wäre. Nach der Rechtsprechung ist eine solche Ausnahme unter anderem dann zulässig, wenn die angestammte Tätigkeit auch nach dem Unfall weitergeführt werden kann. Indessen darf aus einer erfolg
rei
chen Invalidenkarriere in einem neuen Tätigkeitsgebiet nicht ohne Weiteres abge
leitet werden, die versicherte Person hätte ohne Invalidi
tät eine vergleichbare Position auch im angestammten Tätigkeitsgebiet erreicht (Urteil des Bundesge
richts 8C_667/2010 vom 1
5.
Dezember 2010, E. 3.3).
8.3
Für die Berechnung des
Valideneinkommens
stützte sich die Beschwerdegegnerin auf die Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin, welche das ohne die Unfall
ereignisse im Jahre 2015 hypothetisch erzielbare Einkommen auf Fr. 59'800.-- beziffert hatte (Urk. 9/168 S. 2). Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, er habe die Umschulung zum diplomierten Techniker HF Elektrotechnik erfolgreich abgeschlossen. Der Verdienst eines Elektrotechnikers HF liege bei Fr. 105'000.--, es sei von diesem
Valideneinkommen
auszugehen (E. 2.2).
Im Zeitpunkt des Unfalls im März 2011 arbeitete der Beschwerdeführer
seit gut eineinhalb Jahren
als Montage-Elektriker, nachdem er im Juli 2009 die Lehre abgeschlossen hatte (Urk. 9/41 S. 8).
Es ist unbestrittenermassen davon auszu
gehen, dass er ohne den Unfall im Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns im Jahr 2015 weiterhin in diesem Bereich gearbeitet hätte. Nach dem Unfall war der Beschwerdeführer trotz den unfallbedingten Einschränkungen in der Lage, eine Höhere Fachschule zu absolvieren und das Diplom «Techniker HF Elektrotechnik» zu erwerben. Da ihm diese Invalidenkarriere nicht in einem neuen Tätigkeits
bereich, sondern im technischen Bereich, in dem er bereits vor dem Unfall seine Lehre absolviert hatte, gelang
(vgl. dazu das Urteil des Bundesgerichts 8C_667/2010 vom 15. Dezember 2010 E. 4.2)
, ist diese ausnahmsweise bei der
Be
stimmung des
Valideneinkommens
mitzuberücksichtigen
. Es erscheint als über
wiegend wahrscheinlich, dass sich der Beschwerdeführer auch ohne den Unfall nich
t mit dem Lehrabschluss begnügt
hätte, zumal er mit dem Erreichen des erwähnten Diploms als Invalider eine überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft unter Beweis gestellt hat. Somit ist zur Bestimmung des
Valideneinkommens
vom Lohn eines
diplomierten Elektrotechnikers HF
im Jahr 2015
auszugehen und
dieser
auf Fr. 105'000.-- anzusetzen (vgl. Urk. 9/168 S. 3).
8.4
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch reali
sierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht.
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
be
nen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3
, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei
Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Gemäss den Angaben der früheren Arbeitgeberin betr
u
g der branchenübliche Jah
reslohn eines Elektrotechnikers HF
im Jahr 2015
Fr. 105'000.-- (Urk. 9/168 S. 3).
Weder der Beschwerdeführer noch die Beschwerdegegnerin brachten dage
gen etwas vor, weshalb das Invalideneinkommen ohne Weiteres auf Fr. 105'000.--
anzusetzen ist.
8.
5
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
bb
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesund
heitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbe
dingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (Urteil 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abwei
chende
Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichtes
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2 und
8C_808/2013 vom 14. Februar 2014 E. 7.1.1 mit Hinweisen).
Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts vermag eine faktische
Einhän
dig
keit
oder Beschränkung der dominanten Hand als
Zudienhand
einen Abzug von 20 bis 25 % zu rechtfertigen. Zu bedenken ist allerdings, dass das Bundesge
richt bei funktioneller
Einarmigkeit
oder
Einhändigkeit
auch schon Abzüge von 10 % als angemessen bezeichnet hat. Entscheidend sind die gesamten Umstände des konkreten Falles (Urteile 8C_58/2018 vom 7. August
2018, E. 5.3; 8C_800/2017 vom 21. Juni
2018, E. 6; 8C_744/2017, E. 5.2; je mit weiteren Hinweisen).
Im vorliegenden Fall
kann der Beschwerdeführer den rechten Arm bezieh
ungs
weise die dominante rechte Hand nur noch für leichte Hilfsfunktionen ohne
Anforderungen an Grob- und Feingriff und nur im günstigen Raum körpernah vo
r dem Stamm bis höchstens Schulterhöhe einsetzen. Repetierte Belastungen so
wie Tätigkeiten mit Schlägen und starken Erschütterungen sind nicht mehr zumutbar
(vgl. vorstehend E. 7.2)
.
Zu berücksichtigen ist allerdings auch, dass der Beschwe
r
deführer im Unfallzeitpunkt 21 Jahre und bei Beginn des Rentenan
spruchs 24 Jahre alt und damit noch
vergleichsweise
jung
war
. Ein Abzug wegen Teil
zeitbeschäftigung entfällt sodann, da dem Beschwerdeführer eine angepasste Tätigkeit ganztags zugemutet werden kann. Ebenfalls keinen weiteren Abzug rechtfertigt die Nationalität/Aufenthaltskategorie, ist der Beschwerdeführer doch Schweizer Bürger und in der Schweiz aufgewachsen (vgl. Urk. 17/3 Ziff. 1.6 und 4.1).
Hingegen fällt ins Gewicht, dass er
lediglich eine Berufserfahrung von nicht einmal zwei Jahren vorweisen
kann
, die zudem bereits acht Jahre zurückliegt. Unter Würdigung der gesamten Umstände trägt ein Abzug von 1
0
% den Gege
benheiten des vorliegenden Falles angemessen Rechnung.
8.6
Bei einem
Valideneinkommen
von Fr. 105'000.-- (vgl. vorstehend E.
8.2
) sowie einem Invalideneinkommen in der Höhe von
Fr. 9
4
'5
0
0.--
(Fr. 105'000.-- x 0.
9
; vgl. vorstehend E.
8.3-4
) ergibt sich somit eine Einkommenseinbusse von Fr.
10’500
.--, was einem Invaliditätsgrad von 1
0
% entspricht.
Damit hat der
Beschwerdeführer rückwirkend ab Januar 2016 Anspruch auf eine Rente basie
ren
d auf einem
Invaliditätsgrad von 10 %. Dies führt zur Aufhebung des ange
foch
tenen Entscheides und zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde im genannten Sinne.
9.
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Mit Honorarnote vom 18. März 2019 machte Rechtsanwalt Matthias
Horschik
, Zürich, Aufwendungen von insgesamt 15.5 Stun
den geltend (Urk. 28), was
grundsätzlich
angemessen erscheint. Unter Berücksich
tigung eines gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich der Mehrwertsteuer von 8 % bis Ende Dezember 2017 sowie von 7.7 % ab Januar 2018)
sowie der lediglich teilweisen Gutheissung
ist
die
Entschädigung
jedoch
um die Hälfte zu reduzieren und auf 1'838.65 festzusetzen.