Decision ID: e460e821-5020-53ed-92fe-da6730d85b42
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a A._ meldete sich am 1. Dezember 2006 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 1). Er gab an, er habe die Primarschule besucht. Einen Beruf habe er nicht erlernt.
Bis 31. Januar 2007 war er als Packer für die B._ tätig gewesen. Der Lohn 2007 hätte
gemäss den Angaben der Arbeitgeberin (IV-act. 4) Fr. 48'100.-- betragen. Die effektiven
Jahresverdienste 2004 bis 2006 hatten sich allerdings auf Fr. 53'160.--, Fr. 52'605.--
und Fr. 54'253.-- belaufen. Dr. med. C._, FMH Allgemeine Medizin, berichtete der IV-
Stelle am 2. Januar 2007 (IV-act. 5), die Diagnosen lauteten: St. n. neck dissection links
level II - V (15.07.05) wegen Lymphknotentuberkulose, aktuell Accessoriusschwäche
links, leicht eingeschränkte Funktion glenohumeral links, chronische Rhinopharyngitis
und zunehmend depressives Zustandsbild. Dr. C._ berichtete weiter, der Zustand sei
besserungsfähig. Bei der neck dissection sei es zu einer Verletzung des N. accessarius
gekommen. Seither bestünden Schwierigkeiten im Bereich des linken Schultergürtels,
Schmerzen beim Gebrauch der linken Schulter und eine muskuläre Dysbalance im
Bereich des Schultergürtels. Wegen der Chronifizierung des Leidens und wegen der
depressiven Entwicklung werde Cipralex eingesetzt. In einer sitzenden Tätigkeit ohne
grössere Belastung des Schultergürtels bestehe keine zeitliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit. Dr. med. D._, Arzt für Allgemeine Medizin FMH, berichtete am 11.
April 2007 (IV-act. 16), der Versicherte klage über Schmerzen im infraaurikulären
Nackenbereich links und im medialen Claviculabereich links vor allem bei stärkerer
Belastung. Die Operationsnarbe zervikal links sei reizlos, weich und palpatorisch völlig
unauffällig. Die Beweglichkeit im linken Nacken-Schulter-Armbereich sei jetzt nur noch
geringfügig eingeschränkt. Das linke Schultergelenk sei frei beweglich. Weder aktiv
noch passiv könnten bei Bewegung wesentliche Schmerzen im linken Nacken-
Schulter-Armbereich ausgelöst werden. Der Versicherte wolle eine körperlich leichte
Arbeit. Am liebsten würde er zum CNC-Maschinenoperateur umgeschult.
A.b Der RAD schlug eine neurologische Begutachtung vor (IV-act. 18). Dr. med. E._,
Fachärztin für Neurologie FMH, IEEG, ENMG, Neurosonographie, Praxis im Kantonalen
Spital, F._, führte in ihrem Gutachten vom 27. August 2007 aus (IV-act. 22), sie habe
folgende Diagnosen erhoben: Halslymphknoten-Tuberkulose links mit neck dissection
und Fistelumschneidung zervikal links mit perioperativer Läsion des N. accessorius
links und konsekutiver Parese des M. trapezius, V. a. depressive Entwicklung. Dr. E._
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führte weiter aus, die Einschränkung der Schultergelenkbeweglichkeit sei im Rahmen
der Parese problemlos erklärt. Es sei auch plausibel, dass es zu belastungsabhängigen
Schmerzen gekommen sei. Das geschilderte Ausmass an Schmerzen sei aber
ungewöhnlich und sie habe den Eindruck, dass andere Faktoren wie beispielsweise
Zukunftsängste und wahrscheinlich auch eine depressive Entwicklung die Problematik
verkomplizierten. Der Versicherte habe als Grund für die aktuelle Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit im Rahmen einer körperlich leichten Tätigkeit nicht die
Schulterschmerzen, sondern eine allgemeine Müdigkeit angegeben. Für körperlich
schwerere Arbeiten (mit beiderseitigem Heben schwerer Lasten) bestehe keine
Arbeitsfähigkeit mehr. Hingegen seien dem linkshändigen Versicherten leichte
Tätigkeiten wie beispielsweise die aktuelle Arbeit in einer Firma, aus rein neurologischer
Sicht uneingeschränkt zumutbar. Im Abklärungsbericht Verzahnungsprogramm vom
17. August 2007 (IV-act. 23-9) wurde angegeben, der Versicherte sei ruhig, höflich,
kooperativ, lernfähig, motiviert, interessiert, zuverlässig, kommunikativ, teamfähig,
handwerklich geschickt und er arbeite mit sämtlichen Maschinen methodisch und
qualitativ gut. Seine Leistungsfähigkeit habe zwischen 60 und 70% geschwankt. Diese
Prozentzahl beziehe sich nicht auf das Arbeitspensum, sondern auf die Leistung pro
Zeiteinheit. Der Beschäftigungsgrad habe anfangs 100% betragen, sei aber bald auf
75% reduziert worden. In der Metallbearbeitung habe der Versicherte ohne Schmerzen
in der Schulter feilen können. Seine Schulterschmerzen könnten von aussen nicht
wahrgenommen werden. Die Reduktion der Leistungsfähigkeit sei nicht ersichtlich auf
die Schulter zurückzuführen. Bei leichter körperlicher Arbeit beeinträchtige die linke
Schulter den Versicherten nicht.
A.c Der RAD empfahl am 28. September 2007 eine psychiatrische Abklärung (IV-act.
24). Dr. med. G._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, teilte in ihrem
Gutachten vom 24. Oktober 2007 mit (IV-act. 28), der Versicherte leide an einer
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion. Die depressive Störung äussere
sich vor allem in körperlichen Symptomen. Ausserdem bestünden folgende Symptome:
Gedankenkreisen, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, erhöhte Reizbarkeit,
Lärmempfindlichkeit und Niedergeschlagenheit mit verminderter affektiver
Modulationsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht seien alle Tätigkeiten, die dem
körperlichen Leiden adaptiert seien, zu 70-75% zumutbar. Es sollte sich um eine klar
strukturierte, einfache Tätigkeit handeln, ohne übermässige Lärmbelastung, ohne
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übermässige Anforderungen an die Konzentration, ohne Ansprüche an die
intellektuellen Fähigkeiten und ohne die Notwendigkeit, viel neues Wissen und neue
Kenntnisse erwerben zu müssen. Auf Dauer könne aus psychiatrischer Sicht mit einer
vollen Arbeitsfähigkeit gerechnet werden. Die IV-Stelle schloss am 2. Februar 2009 die
Arbeitsvermittlung ab, weil der Versicherte sich maximal zu 50% arbeitsfähig fühle und
sich vorwiegend auf seine gesundheitliche Beeinträchtigung beschränke, was die
Motivation, die Leistung und den Antrieb stark vermindere (IV-act. 40, 43). Die Ärzte
des Psychiatrie-Zentrums H._, berichteten am 5. März 2009 (IV-act. 49), der
Versicherte stehe seit dem 9. Dezember 2008 in ambulanter Behandlung. Folgende
Diagnosen seien erhoben worden: Leichte depressive Episode, anhaltende
somatoforme Schmerzstörung. Aus psychiatrischer Sicht sei eine Arbeitsfähigkeit von
50% in einer leidensadaptierten Tätigkeit zumutbar. Dr. G._ gab in ihrem
Verlaufsgutachten vom 13. Oktober 2009 an (IV-act. 63), die depressive Komponente
stehe im Vergleich zur Voruntersuchung nun im Vordergrund. Der Versicherte sei
gefangen in seiner Überzeugung, mit einer 50%igen Arbeitsbelastung an seine Grenze
zu kommen. Bei der Beurteilung der Foerster'schen Kriterien müsse festgestellt
werden, dass keine psychische Komorbidität von ausgeprägter Schwere vorliege. Eine
chronische körperliche Erkrankung liege in Form der Parese des M. trapezius mit einer
Funktionseinschränkung der linken Schulter vor. Die soziale Integration sei im Bereich
der beruflichen Tätigkeit und der ausserfamiliären Freizeitaktivitäten weitgehend
verloren gegangen. Auch innerhalb der Familie habe der Versicherte eine
Aussenseiterrolle. Es bestehe ein mehrjähriger Verlauf ohne nennenswerte Remission.
Die bisherigen Behandlungsversuche seien unbefriedigend verlaufen. Allerdings seien
bisher weder unterschiedliche therapeutische Ansätze noch eine wirklich konsequent
durchgeführte somatische oder psychiatrisch-psychotherapeutische Therapie
festzustellen. Ein sozialer Krankheitsgewinn habe nicht festgestellt werden können. Die
offensichtlich fehlende Motivation des Versicherten widerspreche dessen Sorge um die
Existenz der Familie. Der Versicherte sei zu 20% arbeitsunfähig. Mit einer vollständigen
Arbeitsfähigkeit sei in absehbarer Zeit nicht mehr zu rechnen. Der Umstand, dass das
Psychiatriezentrum H._ eine andere Diagnose gestellt habe, sei kein wesentlicher
Widerspruch, da es viele Überschneidungen gebe. Sowohl bei der leichten depressiven
Episode als auch bei der Anpassungsstörung bestünden per definitionem nur leichte
Funktionseinschränkungen. Am 20. November 2009 gab Dr. G._ ergänzend an (IV-
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act. 68), da eine Leistungsfähigkeit von 75% beobachtet worden sei, könne aus
medizinisch-theoretischer Sicht von einer Arbeitsfähigkeit von mindestens 75%
ausgegangen werden. Es bestehe keine zusätzliche Einschränkung.
A.d Die IV-Stelle nahm einen Einkommensvergleich vor (IV-act. 72). Sie stellte einem
Valideneinkommen von Fr. 49'062.-- (von der B._ angegebener Betrag von
Fr. 48'100.--, der Nominallohnentwicklung angepasst bis 2009) einem
durchschnittlichen Jahreseinkommen von Fr. 61'468.-- gegenüber. Der
Minderverdienst belief sich zwar auf 25,29%, aber die IV-Stelle akzeptierte davon nur
20,29%. Daraus resultierte ein Invalideneinkommen von Fr. 51'515.--. Es resultierte ein
"Erwerbsvorteil" von Fr. 2'453.--, was einem "Invaliditätsgrad" von -5% entsprach. Mit
einem Vorbescheid vom 28. Januar 2010 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-
act. 75), dass sie beabsichtige, sein Leistungsgesuch abzuweisen, da er nicht
rentenspezifisch invalid sei. Der Versicherte liess am 1. März 2010 die Zusprache
mindestens einer halben Invalidenrente rückwirkend ab Juli 2006 beantragen (IV-act.
78). Der Rechtsvertreter machte geltend, der Versicherte leide an Schmerzen in der
gesamten linken Körperhälfte bis hinunter in die Hüftgegend. Beim blossen Heben des
Arms verkrampfe sich seine Muskulatur. Auch auf der rechten Seite des Halses träten
Probleme auf. Beim Recycling von Computern habe er ein Pensum von 75% absolviert.
Dabei habe er aber nur eine Leistung von 60-70% erbracht. Die Arbeitsfähigkeit habe
demnach nur 45-47% betragen. Die Gutachter seien also alle von falschen
Voraussetzungen ausgegangen, weshalb eine erneute neurologische und
psychiatrische Begutachtung notwendig sei. Wäre den Gutachtern der effektive
Arbeitsfähigkeitsgrad mitgeteilt worden, so hätte das zweifellos einen anderen Eindruck
auf sie gemacht. Bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von weniger als 50% mache allein
schon der Teilzeitabzug 17% aus. Deshalb sei der Maximalabzug von 25%
gerechtfertigt. Dr. med. I._ vom RAD hielt dazu am 24. März 2010 fest (IV-act. 79),
die Einschätzung einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit im Verzahnungsprogramm
sei nicht mit einer medizinisch begründeten Arbeitsunfähigkeit gleichzusetzen. Die IV-
Stelle wies das Rentenbegehren am 29. März 2010 ab (IV-act. 80). Zur Begründung
verwies sie u.a. auf die Stellungnahme von Dr. I._. Sie machte ausserdem geltend,
sie könne keinen zusätzlichen Abzug gewähren, weil eine Parallelisierung der
Vergleichseinkommen vorgenommen worden sei.
B.
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B.a Der Versicherte liess am 7. Mai 2010 Beschwerde erheben (act. G 1) und die
Zusprache mindestens einer halben Rente rückwirkend ab Juli 2006 beantragen.
Eventualiter sei die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sein
Rechtsvertreter machte geltend, die Operation habe inzwischen Schmerzen auf der
ganzen linken Körperseite zur Folge. Daraus resultiere eine Kraftlosigkeit der linken
Extremität. Da seine Arbeitsfähigkeit im Verzahnungsprogramm nur 47% betragen
habe und nicht 75%, wie die medizinischen Gutachterinnen angenommen hätten, seien
deren Schlussfolgerungen unhaltbar. Gemäss einem Bericht der Psychiatrie-Dienste
Süd vom 30. April 2010 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50%. Trotz der
Parallelisierung der Einkommen müsse ein Abzug vom Tabellenlohn von 25% erfolgen.
Die Ärzte der Psychiatrie-Dienste Süd hatten angegeben (act. G 1.2), der
Beschwerdeführer leide an einer leichten depressiven Episode und an einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 10. Juni 2010 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Sie führte zur Begründung aus, es könne nicht auf die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch die Abklärungsstelle Z._ abgestellt werden,
da die vom Beschwerdeführer erbrachte Leistung von der Überzeugung der eigenen
Leistungsunfähigkeit geprägt gewesen sei. Die subjektive Überzeugung der
Arbeitsunfähigkeit sei nicht massgebend für den Invaliditätsgrad. Die neurologische
Arbeitsfähigkeitsschätzung erfülle alle Anforderungen an ein Gutachten. Deshalb sei
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in einer behinderungsadaptierten
Erwerbstätigkeit aus rein neurologischer Sicht uneingeschränkt arbeitsfähig sei. Auch
die psychiatrische Begutachtung erfülle alle Anforderungen. Zwar seien nicht ganz
eindeutige Angaben zur Arbeitsfähigkeit gemacht worden, das sei aber nicht von
Belang, denn die Anpassungsstörung sei rechtsprechungsgemäss zum vornherein
nicht invalidisierend und stelle deshalb keine relevante Komorbidität zur chronischen
Schmerzstörung dar. Auch die übrigen Kriterien, die eine zumutbare
Willensanstrengung verhindern könnten, seien nicht (hinreichend) erfüllt. Das gelte auch
für die vom Psychiatrie-Zentrum gestellten Diagnosen. Der Beschwerdeführer sei also
in einer adaptierten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig. Selbst bei einem
Tabellenlohnabzug von 10% bestünde also kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
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B.c Der Beschwerdeführer liess am 30. Juni 2010 einwenden (act. G 7), die
Gutachterinnen müssten sich auf die missverständliche Selbsteinschätzung von 75%
gestützt haben, denn wie anders hätten sie ihm eine grössere Arbeitsunfähigkeit
zubilligen sollen, als er selber vorgegeben habe. Dr. G._ habe die Überwindung der
Schmerzen als knapp zumutbar bezeichnet und gemeint, dass er eine Leistung von
75% erbringen könne. Die Abklärung hätte nicht durch die Neurologin allein erfolgen
dürfen. Vielmehr hätte auch eine orthopädisch-rheumatologische Abklärung
vorgenommen werden müssen. Die Sache hätte also nicht einfach auf die Psyche
reduziert werden dürfen.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 5. Juli 2010 auf eine Stellungnahme (G
9).

Erwägungen:
1.
Anspruch auf eine Invalidenrente hat, wer zu mindestens 40% invalid ist (Art. 28 Abs. 2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20]). Gemäss Art. 16
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG,
SR 830.1) ist zur Bemessung des Invaliditätsgrades das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum Erwerbseinkommen, das sie
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Das
ausschlaggebende Element der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens -
und damit indirekt des Invaliditätsgrads - ist in aller Regel der Grad der verbliebenen
Arbeitsfähigkeit.
1.1
1.1.1 Dr. C._ hat am 2. Januar 2007 keine präzise Arbeitsfähigkeitsschätzung
abgegeben. Er hat aber festgestellt, dass keine zeitliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit bestehe, wenn die Arbeit sitzend ausgeübt werden könne und wenn
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der Schultergürtel dabei nicht belastet werde. Auch Dr. D._ hat am 11. April 2007
den Arbeitsfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers nicht beziffert. Er hat darauf
hingewiesen, dass das linke Schultergelenk voll beweglich sei und dass durch
Bewegungen im linken Nacken keine wesentlichen Schmerzen im Schulterbereich
ausgelöst würden. Die beiden behandelnden Ärzte sind also aufgrund des
Operationsresultats optimistisch gewesen. Sie sind davon ausgegangen, dass dem
Beschwerdeführer eine vollumfängliche Wiedereingliederung in eine adaptierte
Erwerbstätigkeit gelingen könne. Sie haben aber auch beide darauf hingewiesen, dass
angesichts der zunehmenden Verschlechterung der psychischen Situation des
Beschwerdeführers eine schnelle Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess wichtig
sei. Den Angaben dieser beiden Ärzte entsprechend ist bei der beruflichen Abklärung
im Rahmen des Verzahnungsprogramms anfangs davon ausgegangen worden, dass
der Beschwerdeführer in einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit voll
arbeitsfähig sei. Sein Verhalten hat dann nach kurzer Zeit dazu geführt, dass der
Beschäftigungsgrad von 100% auf 75% gesenkt worden ist. Im Rahmen dieser 75%-
Beschäftigung hat der Beschwerdeführer dann eine Leistung von 60-70% erbracht. Die
von ihm gezeigte Arbeitsfähigkeit hat deshalb, wie sein Rechtsvertreter zu Recht
geltend gemacht hat, nur knapp 50% betragen. Die abschliessenden Bemerkungen im
Bericht über die berufliche Abklärung zeigen, dass die beteiligten Fachpersonen die
Ursache für diese geringe Leistung nicht in der körperlichen Beeinträchtigung gesehen
haben. Es ist nämlich darauf hingewiesen worden, dass der Beschwerdeführer in der
Metallbearbeitung ohne Schmerzen in der Schulter habe feilen und dass generell die
Schulterschmerzen von aussen nicht hätten wahrgenommen werden können. Die
entscheidende Schlussfolgerung aus dieser beruflichen Abklärung lautete, dass die
linke Schulter den Beschwerdeführer bei einer körperlich leichten Arbeit nicht
beeinträchtige (vgl. IV-act. 23-9). Die grosse Differenz zwischen der Arbeitsfähigkeit,
die aufgrund der Beeinträchtigung der Schulter allein objektiv bestanden hat, und der
vom Beschwerdeführer gezeigten, seiner subjektiven Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung
entsprechenden Leistung war also für die beteiligten Fachpersonen nicht zu
übersehen. Mit dem Ergebnis der beruflichen Abklärung lässt sich die vom
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers behauptete Arbeitsunfähigkeit von weniger als
50% also ebensowenig belegen wie mit den eingangs gewürdigten beiden
Arztberichten.
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1.1.2 Die neurologische Begutachtung hat entgegen der Auffassung des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin ausgereicht, um die somatische Situation zu
klären, denn die Beschwerden sind - neben der psychischen Beeinflussung -
ausschliesslich auf die Beschädigung eines Nervs zurückzuführen. Weder die
hausärztlichen Berichte noch das neurologische Gutachten selbst enthalten einen
Hinweis darauf, dass neben der neurologischen Beeinträchtigung auch noch
rheumatologische oder orthopädische Schäden beteiligt sein könnten. Der Vorwurf der
unvollständigen medizinischen Abklärung geht also fehl. Die neurologische Abklärung
selbst, die für eine adaptierte, körperlich leichte Erwerbstätigkeit eine vollständig
erhaltene Arbeitsfähigkeit ergeben hat, überzeugt. Sie beruht auf einer vollständigen
Kenntnis der Vorakten, auf einer umfassenden und sorgfältigen klinischen
Untersuchung und auf aktuellen EMG-Befunden. Nichts deutet darauf hin, dass die
neurologische Gutachterin durch den mit dem Arbeitsfähigkeitsgrad verwechselten
Beschäftigungsgrad von 75% für die Dauer der beruflichen Abklärung beeinflusst
worden wäre. Sie hat in Übereinstimmung mit den behandelnden Ärzten und den mit
der beruflichen Abklärung befassten Personen aus der Sicht ihres Fachgebiets eine
Arbeitsfähigkeit von 100% ermittelt. Die psychiatrische Gutachterin hat zwar auf einen
nach ihrem Verständnis während der beruflichen Abklärung ermittelten
Arbeitsfähigkeitsgrad von 75% verwiesen und selbst aus der Sicht ihres Fachgebiets
einen Arbeitsfähigkeitsgrad von 70-75% angegeben. Das zwingt aber entgegen der
Auffassung des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers nicht zum Schluss, dass sie
ihre eigene Arbeitsfähigkeitsschätzung nach diesem Irrtum ausgerichtet hätte, dass sie
also eine tiefere Arbeitsfähigkeit angegeben hätte, wenn sie nicht diesem Irrtum
aufgesessen wäre. Auch die psychiatrische Abklärung beruht nämlich auf einer
umfassenden Kenntnis der Vorakten und auf einer sorgfältigen und gründlichen
Exploration. Die psychiatrische Gutachterin hat zwar die direkte Ursache für die
Arbeitsunfähigkeit von 70-75% nicht explizit aufgeführt, aber erfahrungsgemäss stehen
insbesondere eine psychisch bedingte Verlangsamung und ein Bedarf nach
zusätzlichen Kurzpausen dahinter. Die Gutachterin hat entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin in ihrem ersten Gutachten keine widersprüchlichen Angaben
gemacht. Sie hat nur darauf hingewiesen, dass eine erfolgreiche berufliche
Eingliederung es dem Beschwerdeführer erlauben würde, psychisch so weit zu
gesunden, dass er wieder eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit erlangen könnte. Die
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Gutachterin hat zwar auch in ihrem Verlaufsgutachten wieder den Umstand erwähnt,
dass der Beschwerdeführer während der beruflichen Abklärung offenbar zu 75% habe
arbeiten können. Sie hat diese Einschätzung aber nicht übernommen. Vielmehr hat sie
als Begründung für die von ihr selbst auf 20% geschätzte Arbeitsunfähigkeit damit
begründet, dass der Beschwerdeführer an Schlafstörungen bzw. einer daraus
resultierenden, erhöhten Müdigkeit leide und dass er ein erhöhtes Pausenbedürfnis
habe. Sie hat sich zudem im Detail mit den sogenannten Foerster'schen Kriterien
auseinandergesetzt, was überflüssig gewesen wäre, wenn sie sich, wie der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers behauptet, entscheidend von einer
(angeblichen) 75%igen Arbeitsunfähigkeit während der beruflichen Abklärung hätte
leiten lassen. Dabei hat sie eine psychische Komorbidität von ausgeprägter Schwere
verneint. Sie hat zwar eine chronische körperliche Erkrankung, nämlich die
Schulterbeschwerden links, erwähnt, diese aber nicht weiter gewürdigt. Dasselbe gilt
für den teilweisen Verlust der sozialen Integration. Die erfolglosen
Behandlungsbemühungen sind mindestens zum Teil der fehlenden Motivation des
Beschwerdeführers zuzuschreiben, so dass auch darin kein Hindernis für eine
Überwindung der Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung erblickt werden kann. Schliesslich
fehlt auch ein sozialer bzw. sekundärer Krankheitsgewinn. Auch wenn diese
Foerster'schen Kriterien je für sich allein nicht das erforderliche Mass zur Verhinderung
einer zumutbaren Willensanstrengung aufweisen, so hindern sie im Zusammenwirken
den Beschwerdeführer doch daran, seine Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung vollständig
zu überwinden. Es ist daher mit der psychiatrischen Gutachterin davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer auch in einer behinderungsadaptierten Erwerbstätigkeit zu
20% arbeitsunfähig ist.
1.2 Die Beschwerdegegnerin hat zur Bemessung des Valideneinkommens auf das
von der B._ angegebene Jahreseinkommen von Fr. 48'100.-- abgestellt und dieses
der Nominallohnentwicklung bis 2009 angepasst. Dr. C._ hat eine Arbeitsunfähigkeit
an der letzten Arbeitsstelle ab Oktober 2006 angegeben. Zur Diskussion steht deshalb
ein möglicher Rentenanspruch ab Oktober 2007 (Erfüllung des sogenannten
Wartejahrs, Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG), weshalb der Einkommensvergleich anhand der
Einkommen des Jahres 2007 zu erfolgen hat. Effektiv hat der Beschwerdeführer in den
Jahren 2004 bis 2006 Fr. 53'160.--, Fr. 52'605.-- und Fr. 54'253.-- verdient. Die
Ursache für diese Abweichungen ist vom Arbeitgeber nicht erklärt und von der
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Beschwerdegegnerin auch nicht näher abgeklärt worden. Es dürfte sich aber um
Leistungsprämien, Überstunden o.ä. gehandelt haben. Wäre dem Beschwerdeführer
nicht gekündigt worden, wäre er weiterhin in der Lage gewesen, ein über dem
angegebenen Jahreslohn Fr.48'100.-- liegendes Einkommen zu erzielen. Dies
rechtfertigt es, den effektiven Lohn 2006 von Fr. 54'253.-- der branchenspezifischen
Nominallohnentwicklung anzupassen (vgl. die vom Bundesamt für Statistik
herausgegebene Lohnentwicklung 2007, Anhang Tabelle T1.05, Wirtschaftszweige 19,
23-25). Daraus resultiert ein Jahreseinkommen von Fr. 55'427.--. Dieser Betrag ist als
Valideneinkommen in den Einkommensvergleich einzusetzen. Der Durchschnittslohn
der Hilfsarbeiter hat im Jahr 2007 Fr. 60'167.-- betragen (vgl. den Anhang 2 der von der
Informationsstelle AHV/IV herausgegebenen Textausgabe des IVG, die sich auf die
Tabelle TA1 im Anhang zu der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen
Lohnstrukturerhebung stützt). Das Ausgangseinkommen zur Ermittlung des
zumutbaren Invalideneinkommens ist also deutlich höher als das Valideneinkommen.
Praxisgemäss muss das Durchschnittseinkommen reduziert werden, allerdings nicht
auf den Betrag des Valideneinkommens, sondern auf 105% des Valideneinkommens.
Ausgangseinkommen zur Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens des
Beschwerdeführers ist deshalb der Betrag von Fr. 58'198.--. Bei einem
Arbeitsfähigkeitsgrad von 80% resultiert ein Jahreseinkommen von Fr. 46'558.--. Der
Beschwerdeführer hätte bei einer Verwertung seiner Restarbeitsfähigkeit von 80%
nicht nur die üblichen Konkurrenznachteile gegenüber gesunden zu 80%
erwerbstätigen Hilfsarbeitern in Kauf zu nehmen (keine Überstunden, keine Einsätze an
nicht adaptierten Arbeitsplätzen, effektive oder auch nur befürchtete Gefahr
überdurchschnittlicher Krankheitsabsenzen, Bedarf nach besonderer Rücksichtnahme
usw.). Ein adaptierter Arbeitsplatz bestünde nämlich nach den Angaben der
psychiatrischen Gutachterin in einer einfachen Tätigkeit, ohne übermässige
Anforderungen an die Konzentration, ohne Ansprüche an die intellektuellen Fähigkeiten
und ohne Bedarf nach dem Erwerb neuen Wissens oder neuer Kenntnisse. Bei einer
solchen Tätigkeit handelt es sich erfahrungsgemäss um eine Hilfsarbeit am unteren
Rand des Anforderungsspektrums und damit natürlich auch am unteren Rand des
Lohnspektrums. Diese seltene Kombination der "klassischen" Konkurrenznachteile mit
behinderungsbedingten Anforderungen, die nur noch eine besonders einfache
Hilfsarbeit zulassen, rechtfertigt es, ausnahmsweise den Maximalabzug vom
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Tabellenlohn von 25% auszuschöpfen. Da die Ursache der Herabsetzung des
Durchschnittseinkommens auf den Betrag des Valideneinkommens eine andere
Ursache hat, hindert die Einkommensparallelisierung die Berücksichtigung eines
Tabellenlohnabzugs nicht. Das Jahreseinkommen von Fr. 46'558.-- ist somit um einen
Viertel auf Fr. 34'919.-- zu reduzieren. Bei einem Valideneinkommen von Fr. 55'429.--
resultiert so ein Invaliditätsgrad von 38%. Im Ergebnis hat die Beschwerdegegnerin
also zu Recht einen Rentenanspruch verneint.
2.
Demnach ist die Beschwerde abzuweisen. Der unterliegende Beschwerdeführer hat
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Da ihm die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung bewilligt worden ist, hat sein Rechtsbeistand einen Anspruch
auf eine Entschädigung durch den Staat. Diese Entschädigung beträgt gemäss Art. 31
Abs. 3 des st. gallischen Anwaltsgesetzes (sGS 963.70) 80% des - hypothetischen -
Honorars. Dieses ist nach der Schwierigkeit des Prozesses und nach der Bedeutung
der Streitsache zu bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Da es sich um ein durchschnittliches
Verfahren gehandelt hat, wäre es praxisgemäss auf Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Der Staat hat den Rechtsbeistand des
Beschwerdeführers also mit Fr. 2'800.-- zu entschädigen. Das Beschwerdeverfahren in
IV-Sachen ist kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr bemisst sich nach dem
Verfahrensaufwand (Art. 29 Abs. 1 IVG). Im vorliegenden Fall ist von einem
durchschnittlichen Aufwand auszugehen, so dass die Gerichtsgebühr praxisgemäss
auf Fr. 600.-- festzusetzen ist. Da dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt worden ist, ist er von der Bezahlung dieser Gerichtsgebühr zu
befreien. Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse in der Zukunft einmal erlauben,
kann der Beschwerdeführer allerdings zur Rückerstattung der vom Staat entschädigten
Parteikosten und zur Nachzahlung der
Gerichtsgebühr verpflichtet werden (Art. 99 Abs. 2 VRP [kantonales Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1] i.V.m. Art. 123 Abs. 1 ZPO [Schweizerische
Zivilprozessordnung, SR 272]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
bis
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