Decision ID: 62358c5a-2c4b-4738-aaae-f165c5868623
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1960 geborene und zuletzt als
selbständige
Taxi-
Chauffeuse
tätig gewesene
X._
meldete sich am 1
9.
Juli 2018 (
Urk.
10/2) unter Hinweis auf eine Einschränkung der Schulterbeweglichkeit, Schmerzen im Steissbein und Ischias
bei längerem Sitzen
bei der
Eidgenössischen
Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, führte ein Standortgespräch (
Urk.
10/11) durch und holte Auskünfte über die erwerbliche und medizinische Situation ein.
Am 24. September 2018 (Urk. 10/18) teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass keine
Eingliederungsmassnahmen
möglich seien.
Nach Einholung weiterer medizinischer Unterlagen veranlasste die IV-Stelle eine polydisziplinäre medizinische
Begutachtung (Expertise vom 12.
Dezember 2019;
Urk.
10/34). Mit Vorbescheid vom 2. April 2020 (
Urk.
10/38) stellte sie der Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht.
Nach erhobenen Einwänden vom
8.
April 2020 (
Urk.
10/39) und 2
0.
Mai 2020 (
Urk.
10/42)
holte die IV-Stelle weitere medizinische Unterlagen ein.
Nach Ein
gang der Stellungnahme
der Versicherten
(
Urk.
10/59) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren schliesslich mit Verfü
gung vom
8.
Dezember 2020 (Urk.
2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 2
5.
Januar 2021 (
Urk.
1) Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom
8.
Dezember 2020 sei aufzu
heben und es sei ihr mit Wirkung ab Februar 2019 eine Invalidenrente zuzu
sprechen; eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung und Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(S. 2).
Im Nachgang zur Beschwerde reichte sie am 2
3.
Februar 2021 (
Urk.
5) zwei Operationsberichte und einen Patientenreport (
Urk.
6/1-3) ein. Die IV-Stelle schloss am
8.
März 2021 (
Urk.
9) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Eingabe vom 1
9.
März 2021 (Urk. 12) reichte die Beschwerdeführerin weitere Arztberichte (
Urk.
13/1-4)
ein
. Mit Verfügung vom 2
9.
März 2021 (
Urk.
14) wurde der Beschwerdegegnerin Gelegenheit gege
ben zu den eingereichten Arztberichten Stellung zu nehmen, worauf sie mit Schreiben vom 2
7.
April 2021 (
Urk.
15) verzichtete.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypotheti
schen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
Der Einkommensvergleich hat auch bei
Selbständigerwerbenden
in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden,
worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu ver
gleichen (BGE 128 V 29 E. 1; AHI 1998 S. 120 E. 1a und S. 252 E. 2b je mit Hinweisen)
.
Nach der Rechtsprechung kann die Aufnahme einer unselbständigen Erwerbstä
tigkeit als zumutbar erscheinen, wenn davon eine bessere erwerbliche Verwer
tung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden kann und der berufliche Wechsel unter Berücksichtigung der gesamten Umstände (Alter, Aktivitätsdauer, Ausbildung, Art der bisherigen Tätigkeit, persönliche Lebensumstände) als zumutbar erscheint (Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. November 2014 E. 3.1 mit Hin
weisen auf Urteile I 116/03 vom 10. November 2003 E. 3.1 und I 145/01 vom 12. September 2001 E. 2b).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom 8. Dezem
ber 2020 (
Urk.
2) damit,
dass die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit als Taxi-
Chauffeuse
wie auch im erlernte
n
Beruf als
Coiffeuse
nicht mehr arbeits
fähig
sei
. Eine angepasste Tätigkeit sei ihr jedoch vollzeitig zumutbar. Eine angepasste Tätigkeit solle folgendes Belastungsprofil enthalten: Körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten (mit nur kurzem Stehen und Gehen am Stück bis maximal 30 Minuten und Sitzen von maximal 1 Stunde am Stück), sowie kein Heben/Tragen von Lasten mehr als 5kg und keine Arbeiten über Brust
höhe
.
Bei Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs von 10
%
resultiere ein Invaliditätsgrad von 0
%
(S. 2)
.
Im interdisziplinären Gutachten seien sämtli
che Beschwerden und Symptome der Beschwerdeführerin berücksichtigt worden. Unter Berücksichtigung des Belastungsprofils seien auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend Verweistätigkeiten vorhanden (S. 3).
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
9) führte sie zudem aus, auf das Gutachten könne abgestellt werden. Aus orthopädischer Sicht bestehe eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit als Taxi-
Chauffeuse
oder Herren-
Coiffeuse
. Es sei ihr jedoch vollum
fänglich zumutbar einer leichten oder wechselbelastenden Tätigkeit nachzuge
hen. Eine Arbeitsunfähigkeit aus internistischer und psychiatrischer Sicht bestehe nicht. Selbst wenn auf ein
deutlich
höheres
Valideneinkommen
gemäss Auszug aus dem individuellen Konto
(IK)
abgestellt werde, ergebe sich trotz Berücksich
tigung eines leidensbedingten Abzugs von 10
%
kein rentenauslösender Invali
ditätsgrad von mindestens 40
%
.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend (
Urk.
1),
aus näher darge
legten Gründen könne nicht auf das Gutachten abgestellt werden (S. 5 ff.).
Es seien nicht sämtliche
für den Entscheid
relevanten Beschwerden berücksichtigt worden und das Zumutbarkeitsprofil werde von der Beschwerdegegnerin weiter umschrieben als im Gutachten. Selbst wenn man auf das Gutachten abstellen würde, so seien die Auswirkungen der Beschwerden, welche von den Gutachtern nicht abgeklärt worden seien, zusätzlich zu berücksichtigen. Das Zumutbarkeits
profil einer allfälligen angepassten Tätigkeit sei derart eng umschrieben, dass auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt gar nicht genügend Verweistätigkeiten vor
handen seien.
Von einem Einkommensvergleich könne abgesehen werden, weil ohnehin Anspruch auf eine ganze Rente ab Februar 2019 bestehe. Dennoch stehe fest, dass das
Valideneinkommen
viel zu tief angenommen worden sei (S. 10).
3.
3.1
Der Hausarzt der Beschwerdeführerin,
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für allgemeine Medizin FMH, hielt in seinem Bericht v
om 1
1.
September 2018 (Urk. 10/1
5/7-9) folgende Diagnosen fest (S. 1):
-
Rezidivierende akute Exazerbationen mit/bei COPD
-
Psycho-physische
Dekompensation mit depressiven Zügen mit sekundärer
Aethylproblematik
-
Längerdauernder Durchfall, somatische Abklärung in Ordnung
-
Schulterbeschwerden bei Status nach Osteosynthese einer
Clavikula
fraktur
links am
6.
Juni 2017
-
Ausgeprägte
Lumbo
-Ischialgie rechts bei schwerer Skoliose/degenerativer Veränderung/Osteoporose
Die Beschwerdeführerin habe ausgeprägte Rücken- und Beinbeschwerden, Probleme beim Sitzen, Aufstehen
und
Gehen
und sie könne keine Lasten heben (S. 1). Als
Taxi-
Chauffeuse
bestehe keine Arbeitsfähigkeit, sowohl körperlich als auch psychisch. Die Fahreignung per se sei gegeben, jedoch nicht
in Form einer
Arbeitsbelastung (S. 2 f.).
3.2
In einem weiteren Bericht vom
5.
Februar 2019 (
Urk.
10/20/4-5) nannte Dr.
Y._
folgende Diagnosen (S. 1):
-
Ausgeprägte LVS/LSS bei schwerer degenerative
r
Lumbal
skoliose/Osteo
porose
-
Kontrolle Klinik
Z._
, 100
%
AUF 13.02.2018 bis anhin
-
Restbeschwerden Schulter links bei Status nach Osteosynthese einer
Clavikulafraktur
06.17/OSME 05.18
-
Schwere COPD/Nikotin
-
Untergewicht
-
Rezidivierende Diarrhoe,
Kolonoskopie
04.18
-
Status nach
psycho-physischem
Erschöpfungssyndrom mit depressiven Zügen - stabilisiert
-
Sekundäre
Aethylproblematik
- sistiert
Zudem gab
Dr.
Y._
an, eine Belastung des Rückens und
von
Herz-Kreislauf-Atmung sei nicht möglich,
ebenso
wenig
eine psychische Belastung. Eine Belastung der Schulter sei kaum möglich. Es sei der Beschwerdeführerin weder die Tätigkeit als
Taxi-
Chauffeuse
noch eine angepasste Tätigkeit zumutbar und es sei medizinisch-therapeutisch keine Verbesserung möglich (S. 1 f.).
3.3
Med.
pract
.
A._
, Assistenzarzt Orthopädie, von der Universitätsklinik
Z._
stellte in seinem Bericht vom 2
5.
März 2019 (
Urk.
10/21/7-11) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Lumboglutealgie
rechts mit/bei
-
Rechtskonvexer degenerativer Lumbalskoliose mit Cobb-Winkel 25°, Apex L3,
Osteochondrose
L5/S1 rechts
-
COPD
-
Status nach Osteosynthese
Claviculafraktur
links 06/2017
-
Status nach Fraktur OSG rechts unklaren Datums
-
Osteoporose
-
Nikotinabusus
Die Beschwerdeführerin habe über langjährig bestehende lumbale Beschwerden berichtet, welche nach
gluteal
und in den proximalen lateralen und dorsalen Oberschenkel ausstrahl
t
en. Nach einer probatorischen Infiltration der Nerven
wurzel L5 rechts berichte die Beschwerdeführerin über keinerlei Besserung der Symptomatik. Es zeige sich nach wie vor eine
Lumboglutealgie
rechtsbetont mit bandförmigen lumbalen Schmerzen. Seit Februar könne sie ihren Beruf als Taxi
fahrerin nicht mehr ausüben. Es würden regelmässig physiotherapeutische Behandlungen durchgeführt werden, welche jedoch mit einer Zunahme der Beschwerden verbunden seien. Analgetika würde
sie
nicht regelmässig ein
nehmen (S. 2).
Ob und
wieviele
Stunden pro Tag gearbeitet werden könne, könne nicht beantwortet werden
.
3.4
Die zuständigen Fachärzte des
B._
,
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH,
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH
,
und
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hielten in ihrem Gutachten vom 12.
Dezember 2019 (
Urk.
10/34) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 6):
-
Chronisches
lumbovertebrales
/-
gluteales
Schmerzsyndrom mit/bei
-
Rechtskonvexer degenerativer Lumbalskoliose (Cobb-Winkel 25°, Apex L3)
-
Osteochondrose
L5/S1 (MRI 10/2018 und 08/2019)
-
Impingement
linke Schulter bei
-
Status nach
Claviculafraktur
links 06/2017
-
Status nach Osteosynthese 06/2017
-
Status nach OSME 05/2018
Als Diagnose
n
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie folgende:
-
Dupuytren
Strahl IV beidseits rechtsbetont
-
Status nach Fraktur OSG rechts 2017
-
Konservative Behandlung
-
Gemäss Akten schwere COPD mit gemäss Akten Exazerbationen im Februar und März 2018
-
Nikotinabusus
-
Gemäss Akten Osteoporose
-
Osteodensitometrie
anamnestisch im Jahre 2018, Therapie mit
Bonviva
-
Gemäss Akten Untergewicht (BMI 19.5 kg/m
2
aktuell)
-
Anamnestisch
Kolon
o
skopie
im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung im April 2018 mit unauffälligem Befund
-
Gemäss Akten rezidivierende Diarrhoen, anamnestisch derzeit normale Defäkation
-
Anamnestisch familiäre Belastung mit Diabetes mellitus väterlicherseits
-
Anamnestisch
Cataract
-Operation beidseits im September 2018
-
Schädlicher Gebrauch von Alkohol, anamnestisch derzeit regelmässiger Alkoholkonsum von ca. 2 dl Rotwein täglich (leichte
Thrombopenie
,
Makrozytose
, erhöhtes CD-
Transferrin
)
-
Hepatopathie (erhöhte Leberenzyme), am ehestem im Rahmen des fort
gesetzten Äthylkonsums
-
Tonsillektomie mit ca. 14 Jahren
-
Status nach Sterilisation
Die Gutachter gaben an, aus orthopädischer Sicht sei die Beschwerdeführerin durch die unter Belastung sich verstärkenden Schmerzen in der unteren Lenden
wirbelsäule mit Ausstrahlung in die
Gluteal
-/Oberschenkelregion rechts bei rechtskonvexer degenerativer Lumbalskoliose und
Osteochondrose
L5/S1 rechts bei Osteoporose einerseits sowie
durch die
eingeschränkte schmerzhafte Schultergelenksbeweglichkeit links nach
Claviculafraktur
andererseits behindert. Aufgrund der Kombination der beiden Leiden bestehe eine Arbeitsunfähigkeit in der ursprünglich ausgeübten Tätigkeit als selbständig erwerbende Taxi-
Chauffeuse
zu 100
%
ab Februar 2018 wie auch im erlernten Beruf als
Herren
coiffeuse
.
Eine leidensangepasste Tätigkeit sei ganztags vollschichtig zumutbar.
Aus internistischer Sicht beständen im allgemeinmedizinischen bzw.
internisti
schen Bereich Beschwerden im Rahmen der bekannten COP
D
in Form von morgendlichem Husten mit Auswurf. Eine Arbeitsunfähigkeit aus internistischer Sicht könne nicht begründet werden. Aus psychiatrischer Sicht betreibe die Beschwerdeführerin seit Jahren einen sehr geringfügigen, doch aber regelmässig etwas überhöhten Alkoholkonsum, welcher hier als schädlicher Gebrauch diagnostisch gefasst worden sei. Aus dem Konsum würden sich, da jeweils nur abends konsumiert werde, keine Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit ergeben, sofern nicht nachts gearbeitet werde
(S. 5).
Die Beschwerdeführerin bringe eine sehr leistungsbereite und perfektionistische Grundpersönlichkeit mit, die sie dazu befähigt habe, über viele Jahre hinweg ein sehr hohes Leistungsniveau, sowohl beruflich als auch privat, aufrecht zu erhal
ten. Entsprechend schwer sei es der Beschwerdeführerin gefallen, aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen dieses hohe Leistungsniveau aufzugeben und eine neue Balance zu finden, was ihr anamnestisch aber gut gelungen sei. Insofern beständen aktuell keine Risikofaktoren im Bereich der Persönlichkeit für die Entwicklung einer psychiatrischen Störung von Krankheitswert. Auch eine etwaige berufliche Wiedereingliederung sei nicht durch die Persönlichkeits
faktoren gefährdet. Sie habe auch eine sehr gute familiäre soziale Unterstützung und eine stabile finanzielle Situation beschrieben. Einziger vorübergehender Belastungsfaktor sei der gerade zurückliegende Umzug in eine kleinere Wohnung gewesen sowie die Belastungsfaktoren im Jahre 2018, welche aber sämtlich nicht mehr das aktuelle Befinden in relevanten Ausmass beeinträchtigen würden. So hätten keine relevanten Belastungen herausgearbeitet werden können. Die Beschwerdeführerin verfüge über viele soziale Ressourcen, welche sie auch wert
schätze und regelmässig nutze (S. 7 f.).
Das Belastungsprofil beschrieben die Gutachter wie folgt: Die Beschwerdeführerin könne ganztags vollschichtig ab Februar 2018 in einer leichten, wechselbelasten
den Tätigkeit mit nur kurzem Stehen am Stück bis maximal 30 Minuten, einer
Gehdauer
am Stück von höchstens 10 Minuten, Sitzen von maximal einer Stunde am Stück, ohne repetitives Heben von Lasten über 5 kg und ohne Tätigkeiten über Brusthöhe mit Einsatz des linken Armes eingesetzt werden (S. 8).
4.
4.1
A
ufgrund der medizinischen Akten steht
unbestrittenermassen
fest, dass die Beschwerdeführerin dahingehend eingeschränkt ist, dass für die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit als
Taxi-
Chauffeuse
oder ihren erlernten Beruf als
Herrencoiffeuse
keine verwertbare Einsatzfähigkeit mehr
besteht. Zu prüfen ist dagegen, ob und i
n welchem Umfang die Beschwerdefüh
rerin in einer angepassten Tätigkeit arbeits- beziehungsweise leistungsfähig ist. Dabei stützte sich die Beschwerdegegnerin bei ihrer Beurteilung
auf das
B._
-Gutacht
en vom 1
2.
Dezember 2019 (E. 3.4
)
.
4.2
Das
B
._
-Gutachten vom 12. Dezember 2019 ents
pricht den praxisgemässen Anforde
rungen an den Beweiswert einer Expertise. So ist es für die streitigen Belange umfassend, gibt es doch Antwort auf die Frage nach dem Gesundheits
zustand der Beschwerdeführerin und der verbleibenden Arbeitsfähigkeit. Es beruht sodann auf den notwendigen Untersuchungen in internistischer,
orthopä
discher und psy
chiatrischer Fachric
htung. Die Gutachter berücksich
tigten die geklagten Beschwerden und setzten sich damit auseinander (
Urk.
10/34 S
.
15 f., S
.
25 f., S. 29 f., S. 32 ff
.). Die Expertise wurde sodann in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben, wobei sich die Gutachter zur Krankheitsentwicklung äusserten und Bezug auf die medizinischen
Vorakten
nahmen (Urk.
10/34 S. 18 f., S. 25 f., S. 37.)
. Schliesslich le
uchtet das Gutachten in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und
in der Beurteilung der medizini
schen Situa
tion ein und die Schlussfolgerungen in der Expertise sind begründet.
4.3
Soweit die Beschwerdeführerin beanstandet,
gewisse
Informationen aus Arzt
berichten seien im Gutachten nicht erwähnt worden (
Urk.
1 S. 6), ist darauf hin
zuweisen, dass es nachgerade nicht Aufgabe eines Gutachtens ist, die vorliegen
den medizinischen Berichte vollständig wiederzugeben.
Daraus lässt sich kein Mangel des Gutachtens ableiten.
Aufgrund
der Akten ergeben sich
sodann
keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass
mit dem
B
._
-Gutachten
dem Gesundheitszustand de
r
Beschwerdeführer
in
nicht angemessen Rechnung getra
gen worden wäre. Zunächst lassen die Akten nicht darauf schliessen, dass der Beschwerdeführerin aus
pneumologischer
Sicht eine Verweistätigkeit gemäss dem formulierten Zumutbarkeitsprofil nicht zumutbar wäre. Insbesondere lässt die
von der
Beschwerdeführer
in
(Urk. 1 S. 6 ff.) ins Feld geführte COPD einen solchen Schluss nicht zu. So schilderte die Beschwerde
führerin im Rahmen der Begutachtung, dass von Seiten der COPD ein chronischer morgendlicher Husten mit Sputum wechselnder Farbe bestehe. Bei Belastungen wie Geradeausgehen, Treppensteigen und Heben schwerer Lasten verspüre sie eine Atemnot, in Ruhe aber nicht (
Urk.
10/34 S. 16).
Bei der Untersuchung stellte
Dr.
D._
eine regelmässige, ruhige Atmung (Eupnoe),
ein abgeschwächtes Atemgeräusch,
ein
Vesikuläratmen
über allen Lungenfeldern, keine Neben
geräusche und einen sonoren Klopfschall fest
(S. 20).
Gestützt auf seine Unter
suchungsbefunde ging er davon aus, dass der
unter der gegenwärtigen Behand
lung stabilen
COPD
(S. 22)
keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen werden kann, was nachvollziehbar erscheint.
Es ist
zudem
nicht ersichtlich, inwiefern den geschilderten Beschwerden hinsichtlich der COPD mit dem beschriebenen Belastungsprofil nicht genügend Rechnung getragen wurde
.
Über das Belastungsprofil hinausgehende, weitergehende Einschränkungen wurden auch von der Beschwerdeführerin im Rahmen der Begutachtung nicht geltend gemacht, womit sich weitere Abklärungen nachvollziehbarerweise erübrigten
. Soweit die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf den Arztbericht vo
n
Dr.
Y._
(vorstehend E. 3.2
) geltend macht, die Gutachter hätten die COPD nicht genügend berücksichti
gt, dringt sie nicht durch. Dr.
Y._
nennt unter Diagnosen zwar eine «schwere COPD»
.
Soweit
er
sich zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin äusserte, bescheinigte er eine vollumfängliche Arbeits
unfähigkeit
als
Taxi-
Chauffeuse
wie auch leidensangepasst
, wobei nicht differen
ziert dargelegt wurde,
weshalb
dies
e
generelle Arbeitsunfähigkeit
aufgrund der COPD gegeben
ist
.
D
er
im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichte
Bericht von Dr
.
Y._
vom
1.
März 2021 belegt zudem eine weiterhin stabile Situation ohne Auftreten weiterer Exazerbationen, eine Situation wie sie
bereits anlässli
ch der Untersuchungen im
B
._
vom
Oktober 2019 vorgelegen hatte (
Urk.
13/1,
Urk.
10/34 S. 1).
Im Hinblick auf die unterschiedliche Einschätzung der Arbeits
fähigkeit durch
Dr.
Y._
ist auch auf die Erfahrungstatsache zu verweisen,
dass
Hausärzte und behandelnde Arztpersonen
mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Hinsichtlich der von der Beschwerdeführerin geklagten Sehbeschwerden (
Urk.
1 S. 7 f.) ist anzumerken, dass auch diese bei der Begutachtung berücksichtigt wurden.
Die Beschwerdeführerin gab dazu an, im September 2018 sei eine beid
seitige
Cataract
Operation durchgeführt worden und dass sie seither beim Sehen beidseits, vor allem bei hellem Hintergrund, Trübungen wie Rauchschwaden bemerke (
Urk.
10/34 S. 16).
Es ist unbestritten, dass das Sehvermögen beim Autofahren von grosser Bedeutung ist
, wobei die angestammte Tätigkeit als
Taxi-
Chauffeuse
bereits aus anderen gesundheitlichen Gründen nicht mehr zumutbar ist
. Inwiefern die geklagten Trübungen einer angepassten Tätigkeit im Wege stehen sollen, ergibt sich weder aus den Akten noch wurde dies von der Beschwerdeführerin substantiiert dargelegt.
Auch die im Beschwerdeverfahren eingereichten Unterlagen vermögen keine diesbezüglichen Einschränkungen zu belegen; vielmehr ergibt sich aus dem eingereichten Patientenreport, dass am 1
1.
Juli 2019 harmlose Gla
skörperdestruktionen besprochen und
am 1
6.
Juli 2020 keinerlei Augenbeschwerden beklagt wurden und der Kontrolltermin von Januar 2021 abgesagt wurde (vgl.
Urk.
6/3 S. 1 f.)
und dass damit
keinerlei relevante Augenproblematik vorlag.
Des Weiteren macht die Beschwerdeführerin geltend, die Diagnose einer
Dupuytren
Strahl IV sei zu wenig berücksichtigt worden (
Urk.
1 S. 8). Der ortho
pädische Gutachter,
Dr.
C._
,
legte
in seinem Teilgutachten
schlüssig dar
,
dass
im Rahmen der Untersuchung die Ellbogen-, Hand- und Fingergelenke seiten
gleich frei beweglich
waren
. Er stellte auch deutliche Verhärtungen mit Knoten
bildung im Sinne eines
Dupuytren
Strahl IV rechts ausgeprägter als links und keine Flexionskontrakturen der Finger fest (
Urk.
10/34 S. 27).
Er befasste sich somit ohne Weiteres mit den geklagten Beschwerden und hielt diese diagnostisch fest.
Auch hier ist
jedoch
anzumerken, dass nicht ersichtlich ist, inwiefern diese Diagnose
insbesondere
eine weitere vom Belastungsprofil unberücksichtigt gebliebene Einschränkun
g der Arbeitsfähigkeit begründen soll
.
Hinsichtlich ihrer Beschwerden gab die Beschwerdeführerin bei der orthopädischen Untersuchung an, dass sie vor allem Mühe beim Heben und Tragen von Koffern oder beim Öffnen der
Taxitüre
habe. Ansonsten habe sie Mühe beim Heben schwerer Lasten und es seien ihr wegen des Schulterleidens keine Tätigkeiten über Brusthöhe möglich (
Urk.
10/34 S. 26). Zusätzliche Beschwerden hinsichtlich der
Hände
beklagte die Beschwerdeführerin nicht.
Auch aus den übrigen Akten ergeben sich keine Hinweise auf eine zusätzliche funktionelle Einschränkung durch die genannte Knotenbildung, womit nicht zu beanstanden ist, dass
die Gutachter dieser Diagnose in der Konsensbeurteilung keine Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit beimassen und
diesbezüglich keine weiteren Abklärungen seitens der Beschwerdegegnerin vorgenommen wurden.
Aus psychiatrischer Sicht beanstandet die Beschwerdeführerin sodann die aufge
führte und ihrer Ansicht nach zu wenig berücksichtigte Alkoholproblematik (
Urk.
1 S. 8 f.).
Diesbezüglich kann dem Gutachten entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin sich am Abend jeweils 2 dl Rotwein genehmig
t
. Im Jahr 2018 ha
tte
sie jedoch bis zu einem halben Liter Rotwein getrunken (
Urk.
10/34 S. 18).
Im Rahmen der psychiatrischen Befragung gab sie zudem an, seit Mai 2019 wieder ihre seelische Balance gefunden zu haben, nachdem das Jahr 2018 von vielen Belastungen geprägt gewesen sei. Sie habe im Frühjahr mehrere Entzün
dungen der Lunge und eine Darmgrippe durchgemacht. Im Anschluss an diese Krankheitsphase habe es eine etwa zwei Monate lang dauernde Phase mit vermehrtem Alkoholkonsum gegeben, was sie aber im Sommer 2018 wieder auf das aktuelle tägliche Mass von 2 dl Rotwein reduziert habe. Das Jahr 2018 sei zudem vom plötzlichen Tod ihrer Mutter
kurz vor Weihnachten
und mit der seelischen Auseinandersetzung im Hinblick auf die Unmöglichkeit der Ausübung ihrer bisherigen Tätigkeit (S. 32 f.)
geprägt gewesen
.
Psychisch fühle sie sich eigentlich leistungs- und arbeitsfähig (S. 33).
Dr.
E._
legt
e
dazu in nachvoll
ziehbarer Weise dar, dass der schädliche Gebrauch von Alkohol jeweils in den Abendstunden stattfinde
t
und bei einem möglichen Arbeitsbeginn am Morgen nicht mehr mit relevanten Blutalkoholwerten zu rechnen
ist
(S. 38).
Anderweitige psychopathologisch relevante Befunde nach AMDP liessen sich nicht feststellen. So war die Beschwerdeführerin allseits orientiert, kognitiv-mnestisch ungestört, formal gedanklich geordnet und kohärent
, es
gab
keine Hinweise auf inhaltliche Denkstörungen, Sinnestäuschungen, Ich-Störungen
. Es
lagen
keine
phobischen Ängste oder Zwänge
vor
. Die Beschwerdeführerin
war
affektiv ausgeglichen und gut schwingungsfähig. Antrieb,
Hedonie
, Libido, Appetit sowie die Psycho
motorik
waren
ungestört. Bis auf die schmerzbedingte Durchschlafstörung
wurden
keine zirkadianen Besonderheiten
und auch keine Gefährdungsaspekte
festgestellt
(S. 36).
Dem Bericht von
Dr.
Y._
(E. 3.2 hiervor)
kann
hinsichtlich des Alkoholkonsum
s ebenfalls kein die Arbeitsfähigkeit einschränkender Befund entnommen werden, zumal er die
Aethylproblematik
in Übereinstimmung mit den Angaben der Beschwerdeführerin
als «sistiert» bezeichnete
(E. 3.2)
.
Dass sich der Alkoholkonsum massgeblich auf die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
auswirkt oder d
ass sich das Trinkverhalten der Beschwerdeführerin wesentlich verschlimmert hätte und deren Arbeitsfähigkeit nunmehr einschränken würde, ist mangels entsprechender Hinweis
e in den Akten nicht anzunehmen.
4.4
Insgesamt
ergeben
sich
keine begründeten Zweifel am
B
._
-Gutachten vom 12.
Dezember 2019
.
Von weiteren Abklärungen, wie von der Beschwerde
führerin gefordert, sind keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb da
rauf in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hin
wiesen) zu ver
zichten ist. Demnach kann von einer vollen Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten entsprechend dem Belastungsprofil ab Februar 2018 ausgegangen werden (E. 3.3)
, welche zumindest nach Ende 2018 auch nicht von längeren operations- oder krankheitsbedingten Zeiten vollständiger Arbeitsunfähigkeit unterbrochen wurde
.
5.
5.1
Strittig und zu prüfen bleibt, wie sich die eingeschränkte
Leistungsfähigkeit
der Beschwerdeführerin in erwerblicher Hinsicht
ab
Januar respektive
Februar 2019
(
Art.
29
Abs.
1 IVG;
Urk.
10/2 S.
6,
Urk.
10/34 S. 8)
auswirkt.
5.
2
5.2
.1
Für die Ermittlung des
Valideneinkommens
von selbständig erwerbstätig gewesenen Personen, das der Bestimmung des Invaliditätsgrades nach Art. 16 ATSG zugrunde zu legen ist, sollten in erster Linie die aus dem Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) ersichtlichen Löhne herangezogen werden. Weist das bis Eintritt der Invalidität erzielte Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung getretene Schwankungen auf, ist dabei auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst abzustellen (Urteil des Bun
desgerichts 8C_626/2011 vom 29. März 2012 E. 3, E. 4.1 f.).
Bei selbständig Erwerbenden wird namentlich dann nicht auf das zuletzt erzielte Einkommen abgestellt, wenn aufgrund der Umstände mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit anzunehmen ist, dass der Versicherte im Gesundheitsfall seine nicht einträgliche selbständige Tätigkeit aufgegeben und eine besser
entlöhnte
andere Tätigkeit angenommen hätte, oder dann, wenn die vor der Gesundheits
beeinträchtigung ausgeübte selbständige Tätigkeit wegen ihrer kurzen Dauer keine genügende Grundlage für die Bestimmung des
Valideneinkommens
dar
stellt, zumal in den ersten Jahren nach Aufnahme der selbständigen Erwerbs
tätigkeit üblicherweise aus verschiedenen Gründen (hohe Abschreibungsquote auf Neuinvestitionen usw.) die Betriebsgewinne gering sind. Wenn sich hingegen der Versicherte, auch als seine Arbeitsfähigkeit noch nicht beeinträchtigt war, über mehrere Jahre hinweg mit einem bescheidenen Einkommen aus selbständi
ger Erwerbstätigkeit begnügt hat, ist dieses für die Festlegung des
Validen
einkommens
massgebend, selbst wenn besser
entlöhnte
Erwerbsmöglichkeiten bestanden hätten. Das Bundesgericht hat denn auch eine Parallelisierung der Einkommen bei selbständig Erwerbenden in der Regel abgelehnt (Urteil des Bun
desgerichts 8C_626/2011 vom 2
9.
März 2012 E. 4.4 mit Hinweisen auf
BGE 135 V 58
E. 3.4.6-7).
5.2.2
Die Beschwerdegegnerin stellte
mangels nach 2014 im IK verbuchter Einkommen
auf einen Durchschnittswert der Reingewinne
beziehungsweise -verluste
des Bereichs Taxi
der
F._
(Limousine Service
G._
) aus den
Jahren
2015 bis 2017
von
Fr.
18‘961.49 (2015), Fr. 5‘000.94 (2014) und –
Fr.
4‘483.23
(2017)
ab und errechnete gestützt darauf ein
Valideneinkommen
von
Fr.
6‘493.--
(Urk.
10/37/6
,
Urk.
10/17/9
)
.
Wie sich aus den Angaben der Beschwerdeführerin gegenüber den
B
._
-Gutachterpersonen ergibt, waren bereits vor zwanzig Jahren Rückenschmerzen aufgetreten, weswegen sie sich 2014 auch den Autositz habe aufpolstern lassen, was aber zu keiner Verbesserung der Beschwerden geführt habe
(
Urk.
10/34 S. 25 unten)
.
Im Jahr 2017 erlitt die Versicherte zwei
Frakturen
,
einerseits
des OSG rechts sowie eine
Claviculafraktur
links, was zu längeren Aus
fällen geführt haben dürfte
(
Urk.
10/34 S. 6).
Im März 2017 wurde zudem eine frische Rippenfraktur festgestellt (
Urk.
13/4).
Aufgrund dieser Umstände – der
ausbleibenden
IK-Lohnbuchungen bei gleichzeitig
zunehmenden und
nachvoll
ziehbaren gesundheitlichen Beeinträchtigungen, stellen die Gewinne beziehungs
weise Verluste der Jahre 2015 bis 2017 keine geeignete Grundlage für die Inva
liditätsbemessung dar
(Urteil des Bundesgerichts 9C_324/2008 vom 6.
Januar 2009 E. 3.2.2)
.
In
den Jahren 2010 bis 2014 vor
den zunehmenden Beeinträchti
gungen hatte die Versicherte
gemäss IK-Auszug ein durchschnittliches Ein
kommen von
Fr.
28'400.-- pro Jahr
(
Fr.
20'500.-- + Fr. 23'000.-- + 17'900.-- + 38'200.-- +
Fr.
42'400.-- / 5)
erzielt
.
Für die Zeit vor 2010 ist trotz bereits 2005 aufgenommener selbständiger Tätigkeit sodann kein IK-Einkommen verbucht (vgl.
Urk.
10/37 S. 5,
Urk.
10/12).
Somit ist
für
das
Valideneinkommen
grund
sätzlich auf
den Durchschnittswert der Jahre 2010 bis 2014 von
Fr.
28’400
.--
abzustellen
.
Nach dem Ausgeführten
sind die von der Beschwerdegegnerin
bei der Beschwer
deführerin und ihrem Ehegatten
telefonisch eingeholten
und nun umstrittenen (vgl.
Urk.
1 S. 10 f.)
Auskünfte
nicht entscheidend, womit von weite
ren beweis
rechtlichen Vorkehren von vorneherein
abgesehen werden kann
(
vgl.
BGE 117 V 282).
5.
3
5.3.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik
(BFS)
periodisch heraus
gegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5
.2, 129 V 472 E. 4.2.1
). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E
. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne
ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl.
BG
E
142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, 3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
5.
3.2
Aus den Akten, namentlich dem Einkommensvergleich vom 2. April 2020 (Urk. 10/36), geht hervor, dass die Beschwerde
gegnerin das Invalideneinkommen auf der Basis der vom BFS periodisch heraus
gegebenen LSE ermittelte. Da die Beschwerdeführerin keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, es mithin an einem in Ausschöpfung der ihr verbleibenden Arbeits
fähigkeit tatsächlich erzielten Verdienst fehlt, steht der
Beizug
der LSE
Tabellen im Einklang mit der Rechtsprechung (vorstehend E. 5.
3.1
).
Konkret zog die Beschwerdegegnerin den monatlichen Bruttolohn (Zentralwert) aller Wirtschaftszweige («Total») von Frauen auf dem Kompetenzniveau 1 gemäss Tabelle TA1_tirage_skill_level der LSE 2016
(
Ziff.
45-96)
heran, welcher 4'281.
- beträgt. Angesichts dessen, dass praxisgemäss grundsätzlich die im Verfügungs
zeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen zu verwenden sind (vorstehend E. 5.
3.1
) und der angefochtene Entscheid (Urk. 2) vom 8. Dezember 2020 datiert, ist jedoch auf die am 21. April 2020 veröffentlichte LSE 2018 abzustellen, wonach der vorgenannte Zentralwert für das Jahr 2018 Fr. 4’
371
.-- beträgt. Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen wöchentlichen Arbei
tszeit von 41.7
Stun
den im Jahr 2019 (BFS, Tabelle 03.02.03.01.04.01
Total
)
sowie der bis ins Jahr 2019 eingetretenen Lohnentwicklung (BFS, Tabelle T1.2.15 Nominallohnindex Frauen 2016-2019
, 2018 = 101.7, 2019 = 102.7
)
bei einem zumutbaren 100 %-Pensum
resultiert
ein Einkommen von Fr.
5
5'218.90
.--.
Die Beschwerdegegnerin hat einen Abzug vom Tabellenlohn von 10
%
vorgenommen, was von der Beschwerdeführerin nicht moniert wurde und nicht zu beanstanden ist. Bei einem Abzug von 10
%
resultiert somit ein Invalideneinkommen von
Fr.
49‘697
.--
.
Im Vergleich mit dem
Valideneinkommen
von Fr.
28’400
.-- (vorstehend E. 5.
2.2
) ergibt sich somit keine invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse.
Selbst wenn man das höchste erzielte Einkommen
der Beschwerdeführerin aus dem Jahr 2014
von
Fr.
42‘400.-- als
Valideneinkommen
und den maximal zulässigen leidensbedingten Abzug von 25 % berücksichtigen würde (BGE 135 V 297)
und somit ein Invalideneinkommen von
Fr.
41'414.20 (
Fr.
55'218.90 x 0.75)
annähme
ergäbe sich keine rentenbegründende Erwerbseinbusse.
Erst bei Annahme eines
Valideneinkommens
von
rund
Fr.
68‘500.--
resultierte
beim Invalideneinkommen von
Fr.
41‘414.20
eine rentenbegründende
Invaliditäts
einbusse
. Ein solches Einkommen steht aber weit
ausserhalb
der je erzielten und nachgewiesenen Einkünfte.
5.4
5.4.1
Die Beschwerdeführerin bestreitet die Verwertbarkeit ihrer Restarbeitsfähigkeit unter Hinweis auf ihre gesundheitlichen Einschränkungen (
Urk.
1 S. 10). Diesbe
züglich gilt es zu berücksichtigen, dass der zu unterstellende ausgeglichene Arbeitsmarkt nach ständiger Rechtsprechung durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften gekennzeichnet ist und einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten aufweist (BGE 110 V 273 E. 4b). Das gilt sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraus
setzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (Urteil des Bundes
gerichts 8C_113/2016 vom
6.
Juli 2016 E. 4.3 mit Hinweisen). Wohl trifft es zu, dass nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden darf. Indessen umfasst der ausgeglichene Arbeitsmarkt auch sogenannte Nischen
arbeitsplätze, also Stellenangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können (Urteil des Bun
desgerichts 8C_434/2017 vom 3. Januar 2018, E. 7.2.1 mit Hinweisen).
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumut
bar ist. Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalles ab. Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesund
heitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einarbeitungs
aufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur, vorhan
dene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweisen). Die Möglichkeit, die verbliebene Arbeits
fähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt nicht zuletzt davon ab, welcher Zeitraum der versicherten Person für eine berufliche Tätigkeit und vor allem auch für einen allfälligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht (BGE 138 V 457 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_645/2017 vom 23. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen). Gemäss BGE 138 V 457 richtet sich der Zeitpunkt, in welchem die Frage nach der Verwertbar
keit der Restarbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter beantwortet wird, nach dem Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbstätigkeit (E. 3.3). Als ausgewiesen gilt die medizinische Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbstätigkeit, sobald die medizinischen Unterlagen diesbezüglich eine zuverlässige Sachver
halts
feststellung erlauben (BGE 143 V 431 E. 4.5.1; vgl. BGE 138 V 457 E. 3.4).
5.4.2
Zwar ist die Beschwerdeführerin in qualitativer Hinsicht nicht unwesentlich in der Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit eingeschränkt. Das Belastungsprofil ist jedoch nicht derart eng formuliert, dass es der Beschwerdeführerin nicht möglich wäre,
ihre Arbeitsfähigkeit
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten. Zu denken ist insbesondere an leichte Prüf-, Überwachungs-, und Kontroll
arbeiten
mit der Möglichkeit zwischen Sitzen und Stehen
/Gehen
zu wechseln
(Urteil des Bundesgerichts 8C_599/2015 vom 22. Dezember 2015 E. 5.1). Eine Unverwert
barkeit der Restarbeitsfähigkeit bejahte das Bundesgericht beispiels
weise bei einer faktisch tauben Versicherten, die an mehreren Geburtsgebrechen und an einer Depression litt (Urteil des Bundesgerichts 8C_652/2014 vom 9. Januar 2015 E. 3.2.3)
,
bei einer Restarbeitsfähigkeit von 20 %, mit einer Leistungsmin
derung von 40 % (Urteil des Bundesgerichts 9C_446/2012 vom 16. November
2012 E.
5.
3)
, bei einer 621⁄2-jährigen Versicherten mit minimaler Ausbildung (Urteil des Bundesgerichts 9C_416/2016 vom 1
4.
Oktober 2016 E. 3.1 und E. 5.1) oder einem 60-jährigen, seit 20 Jahren als Hotelportier tätigen Versi
cherten ohne Berufsausbildung und fehlenden feinmotorischen Fähigkeiten
(Urteil des Bundesgerichts 9C_954_2012 vom 1
0.
Mai 2013 E. 3.2)
. Derartige
Verhältnisse
liegen bei der Beschwerdeführerin nicht vor
.
Die
Beschwerdeführer
in
war im Zeitpunkt der Begutachtung
und des Vorliegens des Gutachtens
59
Jahre alt und
ihr verblieb eine Aktivitätsdauer von gut 4.5
Jahren.
Eine verbleibende Aktivitätsdauer von rund fünf Jahren bis zum Erreichen des AHV-Pensionsalters
g
ilt rechtsprechungsgemäss grundsätzlich als ausreichend, um eine neue einfache Erwerbstätigkeit aufzunehmen, sich einzuar
beiten und die Arbeit auszuüben
(vgl. BGE 143 V 431 E. 4.5.2 mit Hinweis; vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_28/2017 vom 1
9.
Juni 2017 E. 5.2 mit Hinweis).
Zudem ist auch aufgrund des
der Beschwerdeführerin
zumutbaren Pensums von 100
%
und de
n
gegebenen Ressourcen (
Urk.
10/34 S. 7) nicht ersichtlich, weshalb
sich für die Beschwerdeführerin
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt keine Stelle mehr finden sollte
.
Insgesamt ist demnach von einer Verwertbarke
it der festgestellten Restleis
tungsfähigkeit auszugehen.
6.
Nach dem Gesagten resultiert aus dem Einkommensvergleich kein rentenbe
gründender Invaliditätsgrad, selbst dann nicht, wenn ein Abzug auf dem Invali
deneinkommen von 25 % berücksichtigt würde. Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als rechtens. Dementsprechend ist die Beschwerde abzuweisen.
Festzuhalten bleibt, dass auch dann, wenn von der Nichterwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin und ausschliesslicher Tätigkeit im Aufgabenbereich
ausge
gangen würde, bei einer Einschränkung von einem Drittel (
Urk.
10/34 S. 8) ein Rentenanspruch zu verneinen ist. Ob
sich
angesichts d
es Plans der Beschwerde
führerin
,
ab dem 6
0.
Lebensjahr gemeinsam mit dem Ehemann mit dem Wohn
mobil unterwegs zu sein oder sich im Ferienhaus aufzuhalten
(Urk.
10/34 S. 33),
die Annahme einer Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall
überhaupt
rechtfertigt, kann offenbleiben.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. E
ntsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.