Decision ID: 963279d2-37ef-59b5-91b5-0cfcc9a1182d
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ erlitt bei einem Unfall im Jahr 1986 ein stumpfes Kopftrauma mit fraglicher
Commotio cerebri. Die damals zuständige Ausgleichskasse des Kantons Zürich sprach
ihr daraufhin mit einer Verfügung vom 2. März 1989 per Oktober 1987 eine ganze IV-
Rente sowie mit einer Verfügung vom 6. April 1994 eine Hilflosenentschädigung
leichten Grades per März 1993 zu. Die Unfallversicherung der Versicherten verfügte am
4. Dezember 2002 rückwirkend ab dem 1. März 1993 die Zusprache einer
Hilflosenentschädigung. Daraufhin stellte die IV-Stelle die Hilflosenentschädigung
formlos ein und forderte die innerhalb der gesetzlichen Verjährungsfrist von fünf Jahren
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ausbezahlten Hilflosenentschädigungen (d.h. ab dem 1. November 1997) von der
Unfallversicherung zurück.
A.b Nach eigenen Angaben hatte die Versicherte am 22. Dezember 2002 einen
Autounfall in Spanien gehabt.
A.c Am 23. März 2009 stellte die Unfallversicherung der Versicherten die UV-Rente
und die UV-Hilflosenentschädigung gestützt auf ein Gutachten des ABI vom 12. März
2009 ab sofort ein. In der Folge ersuchte die Versicherte die IV-Stelle am 15. Juni 2009
um die (Wieder-)Ausrichtung der Hilflosenentschädigung. Nachdem die
Unfallversicherung am 30. Oktober 2009 die UV-Rente und die UV-
Hilflosenentschädigung auch rückwirkend per 31. März 2004 eingestellt und eine
Rückforderung der unrechtmässig ausbezahlten Leistungen verfügt und die IV-Stelle
am 18. Januar 2010 die ursprüngliche rentenzusprechende Verfügung vom 2. März
1989 in prozessuale Revision gezogen und den IV-Rentenanspruch abgelehnt hatte,
erhob die Versicherte gegen die jeweiligen Verfügungen Beschwerden beim
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (IV 2010/77, UV 2010/32, UV 2010/56).
A.d Die IV-Stelle lehnte das Gesuch um eine Hilflosenentschädigung am 1. April 2010
ab, da die Frage nach dem Ausmass der Hilfsbedürftigkeit in den
Zuständigkeitsbereich des Unfallversicherers gehöre und dieser keine relevante
Hilfsbedürftigkeit mehr habe feststellen können. Gegen diese Verfügung liess die
Versicherte am 10. Mai 2010 Beschwerde erheben (IV 2010/205). Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen sistierte dieses Beschwerdeverfahren
zunächst aufgrund der hängigen IV- und UV-Beschwerdeverfahren.
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A.e Mit einem Entscheid vom 18. Januar 2010 wurde der IV-Rentenanspruch der
Versicherten bejaht. Am 5. Dezember 2011 wurden die UV-Einspracheentscheide (UV
2010/32 und UV 2010/56) aufgehoben und die Sache zur Prüfung der adäquaten
Unfallkausalität der gesundheitlichen Beschwerden an die Unfallversicherung
zurückgewiesen. Die dagegen erhobenen Beschwerden wurden vom Bundesgericht
am 23. März 2012 abgewiesen (Entscheid 8C_37/12 und 8C_87/12). Anschliessend
verfügte die Unfallversicherung erneut die rückwirkende Einstellung ihrer Leistungen für
die Folgen des Unfalls im Jahr 1986 per 4. Dezember 2002 sowie eine Einstellung der
Leistungen für die Folgen des Unfalls vom 22. Dezember 2002 per 31. Dezember 2003.
Gegen den diesbezüglichen Einspracheentscheid vom 30. April 2013 erhob die
Versicherte eine Beschwerde (UV 2013/38). Nachdem das Bundesgericht den
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 12. November 2014 in Sachen UV 2013/38
aufgehoben und zur erneuten Beurteilung an das Versicherungsgericht zurückgewiesen
hatte (8C_913/14), hob es den daraufhin verfassten Entscheid des
Versicherungsgerichtes vom 7. Dezember 2015 (UV 2015/32), in welchem dieses die
Sache betreffend die Folgen des Unfalls vom 22. Dezember 2002 zur Vornahme
weitere Abklärungen an die Unfallversicherung zurückgewiesen und bezüglich die
Folgen des Ereignisses vom 9. August 1986 die Adäquanz bejaht hatte, am 23. Juni
2016 in Bezug auf den Unfall vom 9. August 1986 auf und verneinte den adäquaten
Kausalzusammenhang. Weil es auf den Teil der Beschwerde, in welchem die
Rückweisung der Sache betreffend die Folgen des Unfalls vom 22. Dezember 2002 an
die Unfallversicherung angefochten worden war, nicht eintrat (8C_41/2016), hatte die
Unfallversicherung die Folgen des Unfalls vom 22. Dezember 2002 - insbesondere
auch medizinisch - in einem separaten Revisionsverfahren abzuklären und neu zu
verfügen.
B.
B.a Die Versicherte meldete sich am 19. Juni 2017 zum Bezug von
Ergänzungsleistungen zu ihrer IV-Rente an (act. G 3.1/63), nachdem die EL-
Durchführungsstelle zuletzt im Jahr 2015 einen EL-Anspruch verneint hatte (vgl. act. G
3.1/68, act. G 3.2/90,119). Im Anmeldeformular gab sie u.a. an, eine Liegenschaft in
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Spanien und eine in der Schweiz zu besitzen (act. G 3.1/63-10). Aus den in der
Vergangenheit eingereichten Akten ergab sich, dass die Liegenschaft in der Schweiz
einen Steuerwert in Höhe von Fr. 262'000.-- hatte (vgl. act. G 3.2/147-9). Gemäss einer
Veranlagungsberechnung der Kantons- und Gemeindesteuer 2014 vom 6. Februar
2017 hatte die sich in Spanien befindende Liegenschaft der Versicherten einen
steuerbaren Wert von Fr. 120'000.-- (act. G 3.1/60-11). Im Rahmen ihrer Anmeldung
liess die Versicherte sinngemäss mitteilen, sie habe seit jeher einen Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung. Derzeit seien diesbezüglich jedoch Verfahren bei ihrem
Unfallversicherer und der IV-Stelle hängig. Die IV-Stelle habe das Verfahren betreffend
die Hilflosenentschädigung angesichts des offenen Verfahrens bei der
Unfallversicherung noch nicht wiederaufgenommen. Es stehe aber dennoch fest, dass
ihr entweder von der obligatorischen Unfallversicherung oder von der
Invalidenversicherung eine Hilflosenentschädigung zustehe (act. G 3.1/62-1).
B.b Die EL-Durchführungsstelle wies den Anspruch der Versicherten auf
Ergänzungsleistungen ab dem 1. März 2017 mit einer Verfügung vom 5. Dezember
2017 ab, weil sich bei der Gegenüberstellung der anrechenbaren Einnahmen und der
anerkannten Ausgaben ein Einnahmenüberschuss ergeben hatte. In der EL-
Berechnung hatte die EL-Durchführungsstelle u.a. vom in der Schweiz gelegenen und
selbstbewohnten Grundeigentum der Versicherten mit Wert von Fr. 262'000.-- einen
Freibetrag von Fr. 112'500.-- abgezogen und Fr. 149'500.-- berücksichtigt. Ebenfalls
berücksichtigt hat sie den Wert des in Spanien gelegenen Grundeigentums der
Versicherten von Fr. 120'000.-- (act. G 3.1/17, 19).
B.c Gegen diese leistungsabweisende EL-Verfügung liess die Versicherte am 22.
Dezember 2017 Einsprache erheben. Darin liess sie u.a. ausführen, die EL-
Durchführungsstelle habe einen Freibetrag für selbstbewohnte Grundstücke in Höhe
von Fr. 300'000.-- und nicht lediglich in Höhe von Fr. 112'500.-- zu berücksichtigen,
weil sie seit jeher eine Hilflosenentschädigung beziehe und trotz des offenen
Verfahrens mit der obligatorischen Unfallversicherung feststehe, dass ihr entweder von
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der obligatorischen Unfallversicherung oder aber von der Invalidenversicherung eine
Hilflosenentschädigung zustehe (act. G 3.1/15). Am 29. Januar 2018 ergänzte der
Rechtsvertreter der Versicherten, bevor er sein Mandat niederlegte, die IV-Stelle
organisiere eine umfassende Begutachtung, in deren Rahmen auch die Frage nach
dem Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung beantwortet werden solle. Falls die EL-
Durchführungsstelle Zweifel betreffend des seines Erachtens auf jeden Fall
bestehenden Anspruchs der Versicherten auf eine Hilflosenentschädigung bei der
Unfall- oder der Invalidenversicherung hegen sollte, sei das Einspracheverfahren zu
sistieren, bis die entsprechende Begutachtung im Rahmen des IV-
Abklärungsverfahrens vorliege (act. G 3.1/12).
B.d Am 24. Juli 2018 sistierte die EL-Durchführungsstelle das Einspracheverfahren
betreffend den EL-Anspruch der Versicherten. Zur Begründung führte sie aus, strittig
sei u.a. die Höhe des Freibetrags für selbstbewohntes Grundeigentum, der im Falle des
Bestehens eines Anspruchs auf eine Hilflosenentschädigung nicht Fr. 112'500.--,
sondern Fr. 300'000.-- betrüge. Da in Bezug auf den Anspruch der Versicherten auf
eine Hilflosenentschädigung der Invalidenversicherung eine Beschwerde beim
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hängig sei, könne die Einsprache erst
nach dem rechtskräftigen Abschluss dieses Beschwerdeverfahrens geprüft werden
(act. G 3.1/11).
B.e Am 17. August 2018 erklärte die Versicherte im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens betreffend ihren Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung der
Invalidenversicherung (IV 2010/205) auf Nachfrage des Versicherungsgerichtes, sie
habe noch keine Verfügung von der Unfallversicherung erhalten. Daraufhin hob das
Versicherungsgericht die Sistierung des Beschwerdeverfahrens betreffend die
Hilflosenentschädigung (IV 2010/205) am 3. September 2018 endgültig auf und setzte
das Beschwerdeverfahren fort. Mit einem Entscheid vom 12. September 2018 in
Sachen IV 2010/205 hob das Versicherungsgericht die angefochtene Verfügung der IV-
Stelle vom 1. April 2010 auf. Es bejahte das Bestehen einer Vorleistungspflicht der
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Invalidenversicherung gegenüber der Unfallversicherung im Bereich der
Hilflosenentschädigung und wies die Sache deshalb zur weiteren Abklärung des für die
Beurteilung eines Anspruchs der Beschwerdeführerin auf eine Hilflosenentschädigung
bislang ungenügend erstellten Sachverhalts an die IV-Stelle zurück.
C.
C.a Gegen die Sistierungsverfügung der EL-Durchführungsstelle (nachfolgend
Beschwerdegegnerin) vom 24. Juli 2018 erhob die Versicherte (nachfolgend
Beschwerdeführerin) am 14. September 2018 eine Beschwerde. Sie machte
sinngemäss geltend, sie sei mit der Sistierung des Einspracheverfahrens nicht
einverstanden, weil sich ihre gesundheitliche und finanzielle Notlage ohne
Ergänzungsleistungen verschlimmere (act. G 1).
C.b Am 4. Oktober 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde gegen die Sistierung des EL-Einspracheverfahrens. Zur Begründung
verwies sie auf ihre Ausführungen in der angefochtenen Verfügung vom 24. Juli 2018.
Sie merkte an, das Einspracheverfahren bleibe bis zum Abschluss des pendenten
Verfahrens betreffend die Hilflosenentschädigung sistiert (act. G 3).
C.c Innert erstreckter Frist reichte die Beschwerdeführerin am 10. Dezember 2018 eine
Replik ein. Darin erklärte sie sinngemäss, die Sistierung sei unzumutbar. Zudem liege
der IV-Entscheid des Versicherungsgerichts betreffend die Hilflosenentschädigung vor,
weshalb die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort an einer Begründung
festhalte, die so gar nicht mehr stimme (act. G 10).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).
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Erwägungen
1.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 24. Juli 2018 hat die Beschwerdegegnerin das
Einspracheverfahren gegen die Verfügung vom 5. Dezember 2017 sistiert. Dabei
handelt es sich um eine verfahrensleitende Verfügung bzw. um eine
Zwischenverfügung (vgl. Art. 55 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [SR 830.1; ATSG] in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 und
Art. 46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren [SR 172.021; VwVG]).
Solche (nicht die Zuständigkeit oder den Ausstand betreffenden) prozess- und
verfahrensleitenden Verfügungen sind nach Art. 46 Abs. 1 VwVG nur selbständig
anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können
(lit. a) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid
herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein
weitläufiges Beweisverfahren ersparen kann (lit. b). Die erste Eintretensvoraussetzung
kann im konkreten Fall als erfüllt betrachtet werden: Die Beschwerdeführerin wird
nämlich jedenfalls so lange keine Ergänzungsleistungen erhalten, bis die
Beschwerdegegnerin über ihre Einsprache entschieden hat. Als Folge davon könnte
eine Sozialhilfeabhängigkeit der Beschwerdeführerin entstehen beziehungsweise
bereits entstanden sein. Darin ist ein Nachteil zu erblicken, der selbst durch einen
späteren günstigen Entscheid betreffend ihre Einsprache nicht wieder gutgemacht
werden kann. Die Beschwerdeführerin wäre nämlich gezwungen, sich für den Zeitraum
bis zum Abschluss des Einspracheverfahrens mit dem sozialhilferechtlichen statt mit
dem höheren ergänzungsleistungsrechtlichen Existenzminimum zu begnügen. Auch
wenn sie später eine entsprechende Nachzahlung erhalten sollte, die diesen Nachteil
rein buchhalterisch ausgleichen würde, würde dies nichts am Umstand ändern, dass
sie sich bis dahin finanziell hätte einschränken müssen. Die Situation der
Beschwerdeführerin stellt sich zudem ähnlich dar wie bei einem Entzug der
aufschiebenden Wirkung einer Beschwerde, weil die Beschwerdeführerin für die Dauer
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des Verfahrens gezwungen ist, ohne Ergänzungsleistungen auszukommen. Bei der
Beurteilung von Gesuchen um die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung einer
Beschwerde ist die Vermeidung einer auch nur vorübergehenden
Sozialhilfeabhängigkeit gemäss der konstanten bundesgerichtlichen Rechtsprechung
als ein schützenswertes Interesse anerkannt (vgl. statt vieler das Urteil des
Bundesgerichtes 8C_276/2007 vom 20. November 2007, E. 3, mit zahlreichen
Hinweisen). Dies rechtfertigt es, im Risiko einer allenfalls auch nur vorübergehenden
Sozialhilfeabhängigkeit einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil zu erblicken (vgl.
zum Ganzen auch den Entscheid EL 2016/12, EL 2016/16 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 13. Dezember 2016, E. 2). Die Anfechtung von
Zwischenverfügungen erfolgt direkt mit Beschwerde beim Versicherungsgericht (vgl.
Art. 52 Abs. 1 i.V.m. Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 ATSG). Gemäss Art. 60 Abs. 1 ATSG gilt
ab der Eröffnung der Verfügung, gegen die eine Einsprache ausgeschlossen ist, eine
30-tägige Beschwerdefrist. Weil sich die Beschwerdeführerin am 14. September 2018
fristgerecht an das Versicherungsgericht gewandt hat, ist auf die Beschwerde gegen
die Zwischenverfügung vom 24. Juli 2018 betreffend die Sistierung des
Einspracheverfahrens einzutreten.
1.1 Einspracheentscheide sind innert angemessener Frist zu erlassen (Art. 52 Abs. 2
Satz 1 ATSG; vgl. auch Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft [SR 101; BV]). Nach den von der Rechtsprechung im
Zusammenhang mit ungerechtfertigten Verfahrensverzögerungen entwickelten
Grundsätzen muss eine Gerichts- oder Verwaltungsbehörde einen Entscheid binnen
einer Frist fassen, welche nach der Natur der Sache und nach der Gesamtheit der
übrigen Umstände des konkreten Einzelfalles als angemessen erscheint (vgl. Entscheid
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 760/05 vom 24. Mai 2006). Weil eine
Verfahrenssistierung stets das Risiko birgt, das Verfahren unnötig zu verzögern, ist sie
nur ausnahmsweise zulässig und sie muss sich auf sachliche Gründe stützen können.
Nach der Rechtsprechung wird die Hängigkeit eines anderen Verfahrens, dessen
Ausgang von präjudizieller Bedeutung ist, als zureichender Grund für eine Sistierung
anerkannt (vgl. Entscheid des Bundesgerichts vom 24. Mai 2007, 4A_69/07 E. 2.2; BGE
130 V 90).
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2.
2.1 Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen. Als Einnahmen werden gemäss
Art. 11 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (SR 831.30; ELG) u.a. ein Fünfzehntel des
Reinvermögens angerechnet, soweit es bei alleinstehenden Personen Fr. 37'500.--
übersteigt. Gehört der versicherten Person eine Liegenschaft und wird diese von der
versicherten Person bewohnt, wird nur der Fr. 112'500.-- übersteigende Wert dieser
Liegenschaft als Vermögen angerechnet. Gemäss Art. 11 Abs. 1bis lit. b ELG ist in
Abweichung von Abs. 1 lit. c sogar nur der Fr. 300'000.-- übersteigende Wert der
Liegenschaft als Vermögen zu berücksichtigen, sofern eine Person Bezügerin einer
Hilflosenentschädigung der AHV, IV, UV oder MV ist und eine Liegenschaft bewohnt,
die sie besitzt.
2.2 Die Beschwerdeführerin bewohnt eine Liegenschaft mit Wert von Fr. 262'000.--,
deren Eigentümerin sie ist (act. G 3.1/63). Die Beschwerdegegnerin hat den Wert der
Liegenschaft abzüglich eines Freibetrages in Höhe von Fr. 112'500.-- bei der Ermittlung
des anrechenbaren Vermögens berücksichtigt. Der sich u.a. deshalb ergebende
Einnahmenüberschuss hat zu einer Abweisung des EL-Anspruchs der
Beschwerdeführerin geführt (act. G 3.1/18 f.). Die Beschwerdeführerin hat in ihrer
Einsprache vom 29. Januar 2018 u.a. sinngemäss geltend gemacht, ihr sei ein
Freibetrag für selbstbewohnte Liegenschaften in Höhe von Fr. 300'000.-- anzurechnen,
da sie unabhängig vom Ausgang der aktuell hängigen UV- und IV-
Hilflosenentschädigungsverfahren einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung
habe (act. G 3.1/12). Die Beschwerdegegnerin hat dieses Einspracheverfahren am 24.
Juli 2018 mit der Begründung sistiert, die Einsprache könne erst nach dem
rechtskräftigen Abschluss des Beschwerdeverfahrens betreffend die IV-
Hilf¬losenentschädigung geprüft werden. Dieses sei jedoch sistiert, weil das Verfahren
betreffend die UV-Hilflosenentschädigung noch hängig sei (act. G 3.1/11).
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2.3 Im vorliegenden Fall würde die Anrechnung eines höheren Freibetrags für
selbstbewohnte Liegenschaften für sich allein nicht zum Wegfall des
Einnahmenüberschusses und somit nicht zum Entstehen eines EL-Anspruches führen.
Damit allein wäre die Sistierung also nicht zu rechtfertigen. Insbesondere ist
anzumerken, dass nicht der komplette Freibetrag in Höhe von Fr. 300'000.--
ausgeschöpft würde, da die selbstbewohnte Liegenschaft der Beschwerdeführerin in
der Schweiz lediglich einen Wert von Fr. 262'000.-- aufweist. Die Liegenschaft in
Spanien gilt nicht als selbstbewohnt, weshalb sie nach wie vor vollumfänglich zu
berücksichtigen wäre. Die Beschwerdeführerin hat in ihrer Einsprache jedoch
abgesehen von der Höhe des Freibetrags für selbstbewohnte Liegenschaften auch
andere Einnahmenpositionen beanstandet, die, sollte deren Überprüfung ergeben,
dass sie im Sinne der Einsprache zu korrigieren wären, zusammen mit einem höheren
Freibetrag für selbstbewohnte Liegenschaften zu einem EL-Anspruch der
Beschwerdeführerin führen könnten. Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass
die Höhe des Freibetrags für selbstbewohnte Liegenschaften massgebend für die
Zusprache oder Abweisung eines EL-Anspruchs der Beschwerdeführerin ist. Die
Notwendigkeit einer Sistierung kann deshalb nicht ausgeschlossen werden.
2.4 Die Unfallversicherung hat gemäss dem Entscheid des Versicherungsgerichts vom
7. Dezember 2015 in Sachen UV 2015/32 bzw. dem Bundesgerichtsentscheid
8C_41/2016 vom 23. Juni 2016 in Bezug auf die Folgen des Unfalls der
Beschwerdeführerin im Jahr 2002 weitere Abklärungen vorzunehmen. Ob diese
schliesslich dazu führen werden, dass die Beschwerdeführerin infolge des genannten
Unfalls einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung der Unfallversicherung haben
wird, steht nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest. Dasselbe gilt auch für den Anspruch der Beschwerdeführerin
auf eine Hilflosenentschädigung der Invalidenversicherung. In der durch die
Beschwerdeführerin angefochtenen Verfügung vom 1. April 2010 hat die IV-Stelle
nämlich nicht nur ihre Zuständigkeit in Bezug auf die Ausrichtung einer
Hilflosenentschädigung, sondern unabhängig davon auch das Vorliegen der
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Voraussetzungen für die Ausrichtung einer Hilflosenentschädigung der
Invalidenversicherung verneint. Es kann somit nicht ohne Weiteres davon ausgegangen
werden, dass die Beschwerdeführerin in jedem Fall und unabhängig vom Ausgang des
jeweiligen Verfahrens einen Anspruch auf eine UV- oder IV-Hilflosenentschädigung
haben wird, weil sich sowohl im Verfahren der Unfallversicherung als auch im Verfahren
der Invalidenversicherung herausstellen könnte, dass sie die Voraussetzungen für den
Bezug einer Hilflosenentschädigung nicht erfüllt. Daran ändert auch der am 12.
September 2018 nach der Einreichung der Beschwerde ergangene Entscheid des
Versicherungsgerichtes in Sachen IV 2010/205 nichts. Zwar hat das
Versicherungsgericht darin das Vorliegen einer Vorleistungspflicht der
Invalidenversicherung gegenüber der Unfallversicherung im Bereich der
Hilflosenentschädigung dem Grundsatz nach bejaht, doch hat es den Sachverhalt in
Bezug auf die Hilflosenentschädigung als ungenügend erstellt qualifiziert und die
Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückgewiesen. Ob die
Beschwerdeführerin im Sinne des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (SR
831.20; IVG) hilflos ist, steht also nach wie vor nicht fest.
2.5 Damit die EL-Durchführungsstelle den EL-Anspruch der Beschwerdeführerin
korrekt berechnen kann, müssen die einzelnen Einnahmen- und Ausgabenpositionen
frankengenau feststehen. Die Hilflosenentschädigung ist keine anrechenbare Einnahme
im Sinne des Art. 11 ELG, weshalb es im Regelfall irrelevant ist, ob ein EL-Ansprecher
eine Hilflosenentschädigung bezieht. Im vorliegenden Fall lebt die Beschwerdeführerin
jedoch in einer Liegenschaft, deren Eigentümerin sie selbst ist. Grundsätzlich ist in
einem solchen Fall der Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG anwendbar, wonach bei der
Bestimmung des Bruttovermögens eines EL-Ansprechers für selbstbewohnte
Liegenschaften ein Freibetrag von Fr. 112'500.-- zu berücksichtigen ist. Art. 11 Abs.
1bis lit. b ELG sieht jedoch für Bezüger einer Hilflosenentschädigung einen höheren
Freibetrag vor. Deshalb ist es im konkreten Fall für die Bestimmung des
anzurechnenden Vermögens der Beschwerdeführerin ausnahmsweise bedeutsam, ob
die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung hat. Weil dies
jedoch auch trotz des rechtskräftigen Gerichtsentscheids vom 12. September 2018 in
Sachen IV 2010/205 noch nicht bekannt ist, steht der für die Beurteilung der
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Einsprache massgebliche Sachverhalt nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest. Zwar könnte die Beschwerdegegnerin selbst
Sachverhaltsabklärungen zu einem allfälligen Hilflosenentschädigungsanspruch der
Beschwerdeführerin gegenüber der Unfallversicherung und der Invalidenversicherung
vornehmen, doch wäre dies aus verfahrensökonomischer Sicht nicht sinnvoll, weil dies
einen grossen Aufwand für die im Themengebiet der Hilflosenentschädigung nicht
bewanderte Beschwerdegegnerin bedeuten würde, weil bereits zwei weitere Verfahren
betreffend die Hilflosenentschädigung der Unfallversicherung und der IV-Stelle hängig
sind und weil die Gefahr widersprüchlicher Entscheide der EL und der Invaliden- bzw.
der Unfallversicherung bestehen würde. Deshalb hat die Beschwerdegegnerin das
Einspracheverfahren zu Recht sistiert.
2.6 Im Sinne eines obiter dictum ist anzumerken, dass die Beschwerdegegnerin die
Sistierung aufrecht zu erhalten hat, bis ein rechtskräftiger Entscheid betreffend den
Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Hilflosenentschädigung der Invaliden- oder
der Unfallversicherung vorliegt.
3.
Somit ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind gemäss Art. 61 lit. a ATSG
keine zu erheben.