Decision ID: f7116011-3707-5c64-8968-60aa942e45a7
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 12. Februar 2020 in der Schweiz um
Asyl (Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 1).
B.
Am 20. Februar 2020 nahm die Vorinstanz die Personalien des Beschwer-
deführers auf und am 27. Februar 2020 gewährte sie ihm rechtliches Ge-
hör, unter anderem zur Zuständigkeit Deutschlands für die Durchführung
des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zum beabsichtigten Nichteintre-
tensentscheid sowie zur Wegweisung in diesen Dublin-Mitgliedstaat (SEM-
act. 9 und 16).
C.
Mit Verfügung vom 25. März 2020 (eröffnet gleichentags) trat die Vor-
instanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das
Asylgesuch nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz nach
Deutschland an und forderte den Beschwerdeführer auf, die Schweiz spä-
testens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig
wies die Vorinstanz auf die einer allfälligen Beschwerde von Gesetzes we-
gen fehlende aufschiebende Wirkung hin und beauftragte den Kanton Zü-
rich mit dem Vollzug der Wegweisung (SEM-act. 28).
D.
Gegen den vorinstanzlichen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit ei-
ner Eingabe vom 31. März 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-
richt. Er beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die
Vorinstanz anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten, eventualiter sei
die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und zur Neubeurtei-
lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Vorinstanz
anzuweisen, von den deutschen Behörden individuelle Zusicherungen be-
züglich seines Zugangs zum Asylverfahren, adäquater und rechtzeitiger
medizinischer Versorgung sowie seiner Unterbringung einzuholen. Zudem
sei die Vorinstanz anzuweisen, im Dispositiv des Entscheides eine ange-
messene Ausreisefrist anzusetzen und diese mit dem Zusatz zu versehen,
dass sie sich automatisch verlängere, sollte eine Überstellung innert Frist
nicht möglich sein.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer die Ge-
währung der aufschiebenden Wirkung und im Sinne einer vorsorglichen
Massnahme die Anweisung an die Vollzugsbehörden, bis zum Entscheid
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über das vorliegende Rechtsmittel von jeglichen Vollzugshandlungen ab-
zusehen. Des Weiteren beantragte er die unentgeltliche Prozessführung
sowie die Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistandes. Eventualiter sei
zumindest auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten (Ak-
ten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1).
E.
Am 1. April 2020 lagen die vorinstanzlichen Akten des Beschwerdeführers
in elektronischer Form vor und setzte der Instruktionsrichter den Vollzug
der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus (BVGer-act. 2).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet das Bundesverwaltungsgericht
– in der Regel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen
Verfügungen (Art. 5 VwVG) der Vorinstanz (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒
33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Das Verfahren richtet sich nach dem
VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes be-
stimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
1.3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachfolgend aufzuzeigen ist, handelt es sich vorliegend um eine offensicht-
lich unbegründete Beschwerde, weshalb auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet werden kann und der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu be-
gründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
2.
Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
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unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsuchende
in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl-
und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Gemäss Art. 3 Abs. 1 der Verordnung (EU)
Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni
2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-
gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen
oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-
nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) wird jeder Asylan-
trag von einem einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des
Kapitels III der Dublin-III-VO als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO).
4.
Die grundsätzliche (Wiederaufnahme-) Zuständigkeit Deutschlands zur
Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gestützt auf Art. 18
Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO ist vorliegend unbestrittenermassen gegeben.
Zu prüfen ist nachfolgend, ob die Vorinstanz in Anwendung der Souveräni-
tätsklausel von ihrem Selbsteintrittsrecht Gebrauch machen muss.
4.1. Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte
Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylver-
ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Er-
weist sich die Überstellung einer asylsuchenden Person in einen Dublin-
Mitgliedstaat als unzulässig im Sinne der EMRK oder einer anderen die
Schweiz bindenden, völkerrechtlichen Bestimmung, muss die Vorinstanz
die Souveränitätsklausel anwenden und das Asylgesuch in der Schweiz
behandeln (BVGE 2015/9 E. 8.2.1; 2010/45 E. 7.2).
4.2. Der Beschwerdeführer macht geltend, die Überstellung nach Deutsch-
land setze ihn einer Gefahr für die Gesundheit aus und verletze Art. 3
EMRK. Er leide an verschiedenen gesundheitlichen Problemen. Insbeson-
dere sei er schwer an Diabetes erkrankt. Deswegen müsse er täglich den
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Blutzucker messen und Medikamente einnehmen. Aufgrund der Diabe-
teserkrankung hätten sich in den letzten Monaten auch seine Sehprobleme
massiv verstärkt. Er sehe fast nichts mehr und sei in vielen Belangen auf
Hilfe angewiesen. Beispielsweise könne er nicht mehr lesen und schreiben
und die Unterkunft könne er nur in Begleitung verlassen, da er sich sonst
nicht zurechtfinde. Er habe ausserdem Mühe zu laufen, weil er eine Fraktur
am Bein habe. Wegen der vielen Medikamente habe er Probleme, sich zu
erinnern und aufgrund seiner unsicheren Zukunft auch Schlafprobleme. In
der Schweiz sei eine Augenoperation geplant gewesen. Dafür habe er von
der Krankenversicherung bereits Kostengutsprache erhalten. Aufgrund der
COVID-19-Pandemie habe die Augenoperation bisher aber nicht stattfin-
den können. Die Operation sei dringend notwendig, denn ohne sie drohe
in Kürze eine ganzheitliche Erblindung. Er fürchte, bei einer Überstellung
nach Deutschland nicht innert nützlicher Frist eine adäquate medizinische
Versorgung zu erhalten. Bis die notwendigen Abklärungen in Deutschland
– vor allem angesichts der chaotischen Zustände im Gesundheitswesen
wegen der COVID-19-Pandemie – vorgenommen werden könnten, würde
unnötig wertvolle Zeit verstreichen. Er wolle in der Schweiz gesundwerden,
ansonsten er sich umbringen werde.
4.3. Ein Verstoss gegen Art. 3 EMRK kann vorliegen, wenn eine schwer
kranke Person durch die Abschiebung mit einem realen Risiko konfrontiert
würde, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung
ihres Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Lei-
den oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde
(vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016,
Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
4.4.
4.4.1. Den ärztlichen Berichten vom 29. Februar 2020, vom 6. März 2020
und vom 18. März 2020 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer an
akuter Virushepatitis A, an einer essentiellen (primären) Hypertonie, Obsti-
pation, Gastritis, sonstigen Anämien, Vitamin-D-Mangel, an einer gemisch-
ten Hyperlipidämie, weiteren abnormen Befunden der Blutchemie sowie an
einer nicht primär insulinabhängigen Diabetes mellitus (Typ-2-Diabetes)
leidet. Zudem wurden eine Fraktur des Fusses und Anpassungsstörungen
diagnostiziert. Hinsichtlich der Seherkrankung geht insbesondere aus dem
ärztlichen Bericht eines Augenzentrums vom 6. März 2020 hervor, dass der
Beschwerdeführer am rechten Auge an einem Sekundärglaukom und am
linken Auge an einer diabetischen Retinopathie sowie an einer Katarakt-
form leidet. Auf der rechten Seite bestehe ein Visus von Lichtprojektionen,
angedacht sei hier eine drucksenkende Therapie. Zur Stabilisierung und
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eventuell leichten Verbesserung der Sehleistung auf dem noch verbliebe-
nen linken Auge sei eine Katarakt-Operation angezeigt. Ohne Therapie,
respektive ohne die ausstehende Operation drohe dem Beschwerdeführer
ein weiterer Sehverlust bis hin zur Blindheit (SEM-act. 20 f. und act. 24 f.;
BVGer-act. 1, Beilagen).
4.4.2. Es ist nicht abzustreiten, dass der Beschwerdeführer an einer Viel-
zahl gesundheitlicher Probleme leidet. In Würdigung sämtlicher ausgewie-
sener Diagnosen gelangt das Gericht jedoch zum Schluss, dass keine der
gesundheitlichen Beeinträchtigungen von einer solchen Schwere ist, dass
von einer Überstellung nach Deutschland abgesehen werden müsste. Her-
vorzuheben ist, dass insbesondere die Seherkrankung des Beschwerde-
führers respektive die ausstehende Augenoperation einer Überstellung im
Sinne der zitierten Rechtsprechung nicht entgegenstehen. Das Gericht
verkennt nicht, dass die Operation für den Beschwerdeführer von erhebli-
cher Bedeutung ist, zumal ihm ohne diese ein weiterer Sehverlust bis hin
zur Blindheit droht. Den Akten sind indes keine Hinweise zu entnehmen,
dass die Operation zeitlich derart dringlich wäre, dass sie umgehend erfol-
gen müsste. Der Beschwerdeführer wies selbst darauf hin, dass die Ope-
ration in der Schweiz aufgrund der COVID-19-Pandemie vorerst nicht
durchgeführt werde.
4.4.3. Deutschland verfügt zweifellos über eine ausreichende medizinische
Infrastruktur (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E-575/2020 vom 6. Februar
2020 E. 5.4). Eine adäquate Behandlung der gesundheitlichen Probleme
des Beschwerdeführers und insbesondere seiner Seherkrankung ist daher
gewährleistet. In Deutschland hat er sich im Juli 2019 bereits einer Augen-
operation unterzogen. Die Bedenken, die Operation könne in Deutschland
aufgrund der COVID-19-Pandemie nicht innert nützlicher Frist durchge-
führt werden, sind unbegründet. Im heutigen Zeitpunkt sind sowohl die Di-
agnose als auch die Therapieempfehlung bekannt. Angesichts des hohen
medizinischen Standards in Deutschland ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer dort eine zeitgerechte und adäquate medizinische Be-
handlung erhalten wird.
4.4.4. Die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefoch-
tenen Verfügung beauftragt sind, werden den medizinischen Umständen
bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung Rechnung
tragen und die deutschen Behörden vorgängig in geeigneter Weise über
die spezifischen gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Bedürfnisse in-
formieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO). Medikamente können dem Be-
schwerdeführer auf Vorrat abgegeben werden.
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4.4.5. Nicht zu beanstanden ist, dass die Vorinstanz vor Erlass der Verfü-
gung die Ergebnisse des psychiatrischen Konsiliums vom 9. April 2020 zur
Klärung der Schlaf- und Anpassungsstörung (vgl. SEM-act. 21) sowie der
ärztlichen Kontrolle seiner bestehenden, aktenkundigen Beschwerden vom
1. April 2020 (vgl. SEM-act. 21 und 25) nicht abgewartet hat. Von weiteren
medizinischen Abklärungen sind keine neuen Erkenntnisse in Bezug auf
das Vorliegen schwerwiegender Erkrankungen zu erwarten, weshalb da-
rauf verzichtet werden kann (vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3; 136 I 229 E. 5.3).
Die Rügen der unvollständigen Sachverhaltsfeststellung, respektive der
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes durch die Vorinstanz sind da-
her nicht stichhaltig.
4.5. Suizidale Absichten können lediglich ein temporäres Vollzugshindernis
sein (Urteil des BGer 2C_856/2015 vom 10. Oktober 2015 E. 3.2.1 m.w.H.;
Urteile des BVGer D-1519/2020 vom 20. März 2020; F-1417/2020 vom
17. März 2020; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen
Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 23 E. 5.1 S. 212 m.w.H.). Einer
weiterhin bestehenden oder gar sich akzentuierenden suizidalen Tendenz
des Beschwerdeführers ist bei der Ausgestaltung der Überstellungsmoda-
litäten sowie mit einer angemessenen, sorgfältigen Vorbereitung der Über-
stellung selbst Rechnung zu tragen und ihr ist mit geeigneten medizini-
schen Massnahmen und Betreuung (beispielsweise dem Heranziehen me-
dizinischen Fachpersonals bei der Rückführung) entgegenzuwirken. Es
wird Sache der Vollzugsbehörden sein, die deutschen Behörden vorgängig
über den in dieser Hinsicht indizierten Behandlungsbedarf zu informieren
(vgl. Art. 31 ff. Dublin-III-VO).
4.6. Deutschland kommt seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen aus der
EMRK, dem Übereinkommen vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und
andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe (FoK, SR 0.105) und dem Abkommen vom 28. Juli 1951 über die
Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie dem Zusatzproto-
koll der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) nach. Überstellungen
nach Deutschland setzen selbst bei vulnerablen Personen keine vorgän-
gige Einholung von individuellen Zusicherungen betreffend Zugang zum
Asylverfahren, medizinischer Versorgung und Unterbringung voraus (vgl.
Urteil des BVGer E-397/2020 vom 28. Januar 2020). Daran vermag die
aktuelle Krisensituation aufgrund der COVID-19-Pandemie nichts zu än-
dern.
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4.7.
4.7.1. Der Beschwerdeführer bringt schliesslich vor, er habe in Deutsch-
land einen abweisenden Asylentscheid erhalten. Er befürchte deshalb, in
Haft genommen und in sein Heimatland Pakistan ausgeschafft zu werden.
Dort werde er wegen seiner Homosexualität verfolgt und müsse um sein
Leben fürchten. In Deutschland sei er nur sehr kurz zu seinen Asylgründen
befragt worden und die ihm in Pakistan drohende Gefahr sei nicht erkannt
worden.
4.7.2. Vorliegend hat der Beschwerdeführer kein ernsthaftes und konkretes
Risiko dafür dargetan, die deutschen Behörden würden sich weigern, ihn
wiederaufzunehmen. Es sind auch keine Hinweise ersichtlich, dass
Deutschland den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur
Ausreise in ein Land zwingen würde, in dem sein Leib, sein Leben oder
seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder
in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwun-
gen zu werden. Im pauschalen Hinweis des Beschwerdeführers auf eine
nur kurze Anhörung zu seinen Asylgründen sind keine Indizien dafür zu
erkennen, dass sein Asylverfahren mangelhaft war. Es darf davon ausge-
gangen werden, Deutschland anerkenne und schütze die Rechte, die sich
für Schutzsuchende aus der Richtlinie des Europäischen Parlaments und
des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für
die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes ergeben
(sog. Verfahrensrichtlinie). Ferner ist darauf hinzuweisen, dass ein definiti-
ver Entscheid über ein Asylgesuch und die Wegweisung ins Heimatland
nicht per se eine Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips darstellen
(BVGE 2017 VI/5 E. 8.5.3.3; Urteil des BVGer E-569/2020 vom 4. März
2020).
4.8. Im Übrigen kommt der Vorinstanz bei der Anwendung von Art. 29a
Abs. 3 AsylV 1 Ermessen zu (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Der Sachverhalt
erweist sich vorliegend als hinreichend abgeklärt. Von einer Rückweisung
der Sache zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung ist abzusehen (vgl.
oben E. 4.4.5). Den Akten sind keine Hinweise auf eine gesetzeswidrige
Ermessensausübung (Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG) durch die Vorinstanz
zu entnehmen. Es besteht daher kein Grund für eine Anwendung der Er-
messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO und Art. 29a Abs. 3 AsylV 1.
Somit bleibt es bei der Zuständigkeit Deutschlands für die Durchführung
des Asyl- und Wegweisungsverfahrens.
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5.
5.1. Mit der Wegweisungsverfügung ist eine angemessene Ausreisefrist
zwischen sieben und dreissig Tagen anzusetzen, wobei gesundheitliche
Probleme eine längere Ausreisefrist erforderlich machen können (Art. 64d
Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Eine Wegweisung gestützt auf die Dublin-Asso-
ziierungsabkommen ist indes sofort vollstreckbar oder die Vorinstanz kann
eine Ausreisefrist von weniger als sieben Tagen ansetzen (Art. 64d Abs. 2
Bst. f AIG und Art. 45 Abs. 3 AsylG; Art. 9 Abs. 2 und Abs. 3 der Verordnung
vom 1. April 2020 über Massnahmen im Asylbereich im Zusammenhang
mit dem Coronavirus [COVID-19-Verordnung Asyl; SR 142.318]). Bereits
an früherer Stelle wurde dargelegt, dass die vom Beschwerdeführer anbe-
gehrte Augenoperation nicht zwingend in der Schweiz durchgeführt werden
muss und hier derzeit offenbar auch nicht durchgeführt wird. Einen An-
spruch auf medizinische Behandlung in der Schweiz hat der Beschwerde-
führer nicht. Die Ansetzung einer (längeren) Ausreisefrist aufgrund seiner
gesundheitlichen Beeinträchtigungen ist daher nicht gerechtfertigt (vgl.
auch BVGE 2011/28 E. 6.5).
5.2. Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass die herrschende Situation im
Zusammenhang mit der Ausbreitung der COVID-19-Pandemie dem aktu-
ellen Kenntnisstand zufolge lediglich ein temporäres Vollzugshindernis bil-
den kann (Urteile des BVGer F-1622/2020 vom 26. März 2020 E. 2.2;
D-1282/2020 vom 25. März 2020 E. 5.5). Eine Überstellung im Rahmen
der Dublin-III-VO hat grundsätzlich innerhalb von sechs Monaten nach An-
nahme des Wiederaufnahmegesuchs, respektive nach Beschwerdeent-
scheid über die Überstellungsanordnung zu erfolgen (Art. 29 Abs. 1 Dublin-
III-VO; Art. 42 Dublin-III-VO). Ist dies nicht möglich, ist in der Schweiz das
nationale Verfahren durchzuführen (Art. 29 Abs. 2 Dublin-III-VO; Art. 9
Abs. 2 COVID-19-Verordnung Asyl; BVGE 2015/19 E. 5 f.). Mit der Frage,
wann genau der Vollzug aufgrund der COVID-19-Pandemie oder gesund-
heitlich bedingten Verzögerungen bei Dublin-Überstellungen erfolgen
kann, befasst sich das Bundesverwaltungsgericht nicht. Bei der Festset-
zung des Ausreisezeitpunkts handelt es sich um eine blosse Vollzugsmo-
dalität, die praxisgemäss nicht Verfahrensgegenstand bildet (vgl. Urteile
des BVGer D-5665/2017 vom 13. März 2018 E. 1.3; E-6016/2017 vom
26. Oktober 2017 [nicht publ.]; E-5055/2013 vom 13. November 2013;
E-3086/2010 vom 10. Mai 2010).
6.
Aus den bisherigen Erwägungen ergibt sich, dass Deutschland für die
Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens des Beschwerdefüh-
rers zuständig ist. Zu Recht ist die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a
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Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten und hat in An-
wendung von Art. 44 AsylG die Überstellung nach Deutschland angeordnet
(Art. 32 Bst. a AsylV 1). Die Beschwerde ist abzuweisen. Der Antrag auf
Gewährung der aufschiebenden Wirkung erweist sich mit der Ausfällung
des vorliegenden Urteils als gegenstandslos.
7.
7.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer
grundsätzlich kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das von ihm mit der
Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden
Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu betrachten waren (Art. 65 Abs. 1
und Abs. 2 VwVG, Art. 102m Abs. 1 Bst. a AsylG).
7.2. Der Beschwerdeführer hat die Verfahrenskosten demnach zu tragen.
Diese sind in Anwendung von Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2) auf Fr. 750.– festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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