Decision ID: 03508417-9973-40d6-9ac2-b41e321d82c7
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
T._,
Beschwerdeführer,
gegen
Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegner,
betreffend
Kursbesuch (Handelsschule)
Sachverhalt:
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A.
A.a T._ füllte am 21. Dezember 2008 den Antrag auf Arbeitslosenentschädigung aus.
Er gab an, nach wie vor vollzeitlich bei der A._ als Maschinenmonteur tätig zu sein
(act. G 3.1/B1). Im Gesuch um Zustimmung zu einem Kurs "Prozessfachmann" mit
Dauer von April 2009 bis April 2011 legte der Versicherte dar, die Arbeitgeberin habe
mitgeteilt, dass ca. per November 2009 die gesamte Montage ins Ausland verlegt
werde. Da er von 1984 bis 1988 nur eine Maschinenmonteur-Lehre absolviert habe,
habe er bei den bisherigen Stellenbewerbungen gemerkt, dass er auf dem aktuellen
Arbeitsmarkt keine Chance habe. Der RAV-Personalberater stimmte diesem Gesuch zu
und bejahte eine drohende Arbeitslosigkeit (act. G 3.1/B18). Das RAV lehnte das
Kursgesuch mit Verfügung vom 16. Januar 2009 ab mit der Begründung, die Dauer des
beantragten Lehrgangs übersteige die zulässige Kursdauer von höchstens einem Jahr
wesentlich. Die Ausbildung sei auf eine berufliche, soziale und wirtschaftliche
Besserstellung ausgerichtet und auch deshalb arbeitsmarktlich nicht angezeigt (act. G
3.1/B19). Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies das RAV mit
Einspracheentscheid vom 5. März 2009 ab (act. G 3.1/B20).
A.b In der Folge reichte der Versicherte dem RAV am 8. März 2009 ein Gesuch um
Zustimmung zum Besuch einer Handelsschule ein. Zur Begründung führte er an, dass
er mit dem Wissen als langjähriger Monteur mit dieser Handelsschule im
Ersatzteildienst, in der Arbeitsvorbereitung und im Büro oder auch als Generalist
arbeiten und so eine Arbeitslosigkeit vermeiden könne (act. G 3.1/A2). Mit Verfügung
vom 7. April 2009 lehnte das RAV das Gesuch ab. Zur Begründung legte es unter
anderem dar, obwohl die wirtschaftliche Situation seiner Arbeitgeberin als schwierig zu
bezeichnen sei, stehe der Versicherte immer noch in einem ungekündigten
Arbeitsverhältnis. Da keine Hinweise vorliegen würden, dass die Kündigung in nächster
Zeit anstehe oder eine Auflösung aufgrund akuter Gefährdung des Weiterbestandes
der Unternehmung bevorstehe, sei er nicht akut von Arbeitslosigkeit bedroht. Auch sei
die arbeitsmarktliche Indikation im Zusammenhang mit der beantragten Massnahme
nicht gegeben (act. G 3.1/A 5, B21). Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache
(act. G 3.1/A7, A11, B23) wies das Amt für Arbeit mit Einspracheentscheid vom
11. August 2009 ab (act. G 3.1/B28).
B.
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B.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicherte mit Eingabe vom 7.
September 2009 Beschwerde mit dem Antrag, der Entscheid sei aufzuheben und der
beantragte Kursbesuch an der Handelsschule zu genehmigen. Zur Begründung führte
der Beschwerdeführer unter anderem aus, bis heute habe seine Arbeitgeberin seit
Sommer 2008 ca. 100 Arbeitsplätze liquidiert und werde bis Ende 2009 auch seinen
Arbeitsplatz ins Ausland verlegen (act. G 1.2). Er sei damit von Arbeitslosigkeit bedroht.
Tatsache sei, dass er nach seiner Maschinenschlosserlehre keinerlei Weiterbildungen
mehr vorzuweisen habe. Er erwarte von der staatlichen Arbeitsvermittlungsstelle, dass
sie ihn informiere, wenn tatsächlich eine Stelle zu belegen wäre, deren
Anforderungsprofil er erfülle. Das RAV habe ihm bis heute keine einzige Stelle
vermitteln können, die seinen Fähigkeiten entspreche. Seine beruflichen Fähigkeiten
würden den heutigen Anforderungen nicht mehr genügen. Seine Arbeitskraft könne
ganz offensichtlich im Ausland billiger eingekauft werden. Er sei aus Gründen des
Arbeitsmarktes erschwert vermittelbar.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 6. Oktober 2009 beantragte der
Beschwerdegegner Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies er auf die
Darlegungen in der Verfügung vom 7. April 2009 und im angefochtenen
Einspracheentscheid.

Erwägungen:
1.
Vorliegend erliess anstelle des an sich zuständigen RAV Oberuzwil das Amt für Arbeit
den angefochtenen Einspracheentscheid vom 11. August 2009. Dies ergab sich
deshalb, weil die Ehefrau des Beschwerdeführers als Sachbearbeiterin beim RAV tätig
ist (vgl. act. G 3.1/B17). Mit Blick auf die daraus resultierenden möglichen
Befangenheiten erscheint es sachgerecht, dass das Amt für Arbeit die Prüfung der
Einsprache und den Erlass eines entsprechenden Entscheids übernahm (vgl. auch Art.
5 Abs. 1 lit. c der bis 31. Oktober 2009 in Kraft gestandenen Verordnung über die
regionalen Arbeitsvermittlungszentren [sGS 361.13] bzw. Art. 1 Abs. 2 der seit 1.
November 2009 geltenden Verordnung über Arbeitslosenversicherung und
Arbeitsvermittlung vom 29. September 2009, sGS 361.11]).
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2.
2.1 Das Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) bezweckt nach Art. 1a Abs. 2, drohende
Arbeitslosigkeit zu verhüten, bestehende Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und die rasche
und dauerhafte Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu fördern. Die arbeitsmarktlichen
Massnahmen nach Art. 59 ff. AVIG sollen die Eingliederung von versicherten Personen,
die aus Gründen des Arbeitsmarkts erschwert vermittelbar sind, verbessern (Art. 59
Abs. 2 AVIG). Sie setzen in jedem Fall voraus, dass sie durch die Arbeitsmarktlage
unmittelbar geboten sind. Diese arbeitsmarktliche Indikation soll verhindern, dass
Leistungen zu Zwecken in Anspruch genommen werden, die nicht mit der
Arbeitslosenversicherung im Zusammenhang stehen (SVR 2005 ALV Nr. 9 S. 29 E.
2.1.1 = Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; ab 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 14. Januar 2005 [C 147/04]). Die
in Frage stehende Massnahme muss dafür bestimmt, geeignet und notwendig sein, die
Vermittelbarkeit im konkreten Fall erheblich zu fördern. Schliesslich muss der
voraussichtliche Erfolg der Massnahme in einem vernünftigen Verhältnis zu ihren
Kosten stehen (Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV Soziale Sicherheit, 2. Auflage, Rz 667 mit Hinweisen).
2.2 Nach Gesetz und Rechtsprechung sind die Grundausbildung und die allgemeine
Förderung der beruflichen Weiterbildung nicht Sache der Arbeitslosenversicherung.
Deren Aufgabe ist es lediglich, in gewissen Fällen durch konkrete Eingliederungs- und
Weiterbildungsmassnahmen die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Dabei muss es sich um
Vorkehren handeln, die es der versicherten Person erlauben, sich dem industriellen und
technischen Fortschritt anzupassen, oder die sie in die Lage versetzen, ihre bereits
vorhandene berufliche Fähigkeit ausserhalb der angestammten engen bisherigen
Erwerbstätigkeit auf dem Arbeitsmarkt zu verwerten. Die Grenze zwischen
Grundausbildung und allgemeiner beruflicher Weiterbildung einerseits sowie
Umschulung und Weiterbildung im arbeitslosenversicherungsrechtlichen Sinn
anderseits ist fliessend. Da ein und dieselbe Vorkehr beiderlei Merkmale aufweisen
kann und namentlich praktisch jede Massnahme der allgemeinen Berufsbildung auch
der Vermittlungsfähigkeit der versicherten Person auf dem Arbeitsmarkt zugute kommt,
ist entscheidend, welche Aspekte im konkreten Fall unter Würdigung aller Umstände
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überwiegen (BGE 111 V 274 f. E. 2b/2c mit Hinweisen). Im Weiteren gelten nur Kurse
von beschränkter Dauer als Massnahmen der Umschulung oder Weiterbildung im
arbeitslosenversicherungsrechtlichen Sinne. Dabei hat eine Kursdauer von einem Jahr
als obere Limite zu gelten; Leistungsgesuchen für länger dauernde Kurse kann nur
ausnahmsweise entsprochen werden (SVR-ALV 2008 Nr. 1, 1 [C 19/07]).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer ist gelernter Maschinenschlosser. Er arbeitete seit dem
Beginn der Berufslehre im Jahr 1984 bei derselben Arbeitgeberin (act. G 3.1/B15) und
war dort auch im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids (11. August 2009) weiterhin
beschäftigt. Im Schreiben vom 6. Oktober 2008 hatte ihn die Arbeitgeberin informiert,
dass die Montage, die Blechfertigung und das Versorgungscenter TV im Verlauf des
Jahres 2009 nach Zittau verlagert würden und von dieser Verlagerung auch seine Stelle
betroffen sei. Es liege ihr sehr daran, die Arbeit in Uzwil bis zur Verlagerung in
gewohnter Qualität ausführen zu können. Sie zähle deshalb auf seine Mitarbeit in dieser
wichtigen Zeit. Die Arbeitgeberin bot eine "Durchhalteprämie", in der Höhe abgestuft
nach der Dauer der Mitarbeit im Jahr 2009 mit Maximalansatz bei Mitarbeit bis 30.
November 2009, bis zur definitiven Verlagerung des Arbeitsplatzes nach Zittau. Man
werde in dieser Phase gemeinsam versuchen, einen neuen, geeigneten Arbeitsplatz zu
finden (act. G 3.1/B16).
Zu prüfen ist vorweg die Frage, ob der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Erlasses
des angefochtenen Entscheids von Arbeitslosigkeit bedroht war. Nachdem gemäss der
bis 30. Juni 2003 in Kraft gestandenen Fassung von Art. 60 Abs. 1 lit. a AVIG noch eine
unmittelbar drohende Arbeitslosigkeit verlangt wurde, setzt die seit 1. Juli 2003 gültige
Fassung von Art. 59 Abs. 1 AVIG vom Wortlaut her lediglich voraus, dass die betroffene
Person von Arbeitslosigkeit bedroht ist. In der Botschaft des Bundesrates zu einem
revidierten Arbeitslosenversicherungsgesetz vom 28. Februar 2001 wurde in diesem
Zusammenhang festgehalten, für Personen, die unmittelbar von Arbeitslosigkeit
bedroht seien, d.h. die Kündigung bereits erhalten hätten, stünden arbeitsmarktliche
Massnahmen bereits heute zur Verfügung. Ein Ausbau der Arbeitslosenversicherung in
Richtung allgemeine Prävention sei mit der Revisionsvorlage nicht vorgesehen. Eine
Ausdehnung der verfügbaren Instrumente auf Personen, die verschiedene
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Risikomerkmale auf sich vereinigen würden, aber nicht unmittelbar von Arbeitslosigkeit
bedroht seien, würde bedeuten, dass die ALV zusätzliche Aufgaben im Bildungsbereich
und in der Ausländerpolitik übernehmen müsste. Die Verankerung der allgemeinen
Prävention in der ALV sei daher nicht angezeigt (BBl 2001, 2258, 2259). Ausgehend
von diesen Darlegungen würde dies für die konkret zu prüfende Frage bedeuten, dass
als Leistungsvoraussetzung eine unmittelbar drohende Arbeitslosigkeit nach wie vor
verlangt ist, d.h. das Vorliegen einer Kündigung. Eine abschliessende Beantwortung
der Frage, ob im Fall des Beschwerdeführers eine Arbeitslosigkeit im Sinn von Art. 59
Abs. 1 AVIG drohte, kann jedoch unterbleiben, denn der Leistungsanspruch ist - wie
nachstehend zu zeigen sein wird - aus anderen Gründen zu verneinen.
3.2 Der beantragte Lehrgang im kaufmännischen Bereich weist keinen direkten
sachlichen Zusammenhang mit der bisherigen Berufstätigkeit des Beschwerdeführers
auf, weshalb grundsätzlich eine Umschulungsmassnahme zur Diskussion steht. Der
Beschwerdeführer sieht als Einsatzmöglichkeiten eine kaufmännische Tätigkeit im
Ersatzteildienst, in der Arbeitsvorbereitung und im Büro oder auch als Generalist (act. G
3.1/A2 S. 2). Dabei ist allerdings zu beachten, dass auf der Basis der beruflichen
Ausbildung und Praxis des Beschwerdeführers eine umfassende Ausbildung
erforderlich wäre, um im kaufmännischen Bereich - wenn auch allenfalls in einem
Betrieb, in welchem er seine Berufskenntnisse im angestammten Bereich nutzen
könnte - tatsächlich tätig sein und auf dem Arbeitsmarkt konkurrieren zu können. Die
beantragte Massnahme rückt damit in die Nähe einer eigentlichen Grundausbildung,
welche nicht Gegenstand eines von der Arbeitslosenversicherung zu übernehmenden
Kurses bilden kann. Der Beschwerdeführer selber erachtet die beantragte Ausbildung
denn auch als "solide Grundlage für den späteren Erwerb des Eidgenössischen
Fähigkeitszeugnisses (EFZ) für Kaufleute" (act. G 1 Ziffer 3). Überdies ist auch in Frage
gestellt, ob eine einjährige Ausbildung (vgl. dazu act. G 1.5) für sich allein geeignet ist,
dem Beschwerdeführer kaufmännische Kenntnisse in der Weise zu vermitteln, um auf
dem aktuellen (angespannten) Arbeitsmarkt im kaufmännischen Bereich bestehen zu
können.
Selbst wenn von einer (reinen) Umschulungsmassnahme auszugehen wäre, fiele eine
solche lediglich dann in Betracht, wenn für die betroffene Person keine Möglichkeiten
besteht, im angestammten Berufsbereich eine Stelle zu finden. Es bestehen keine
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konkreten Anhaltspunkte, dass es dem Beschwerdeführer mit seiner Ausbildung und
langjährigen Berufstätigkeit verunmöglicht wäre, im angestammten oder in einem
verwandten Tätigkeitsbereich eine Arbeit zu finden. Aufgrund seines Alters, seiner
beruflichen Ausbildung und Berufserfahrung darf bei ihm nicht von einer stark
erschwerten Vermittelbarkeit aus Gründen des Arbeitsmarktes ausgegangen werden.
Allein der Umstand, dass bei schwieriger Wirtschaftslage die Vermittelbarkeit allgemein
erschwert ist, erfüllt diese Voraussetzungen noch nicht. Der Beschwerdeführer macht
lediglich in pauschaler Weise geltend, er habe bei den bisherigen Stellenbemühungen
festgestellt, dass er auf dem Arbeitsmarkt keine Chance habe. Konkrete Angaben,
welche effektiv auf eine schwere Vermittelbarkeit hindeuten würden, finden sich in den
Akten und im Beschwerdeschreiben jedoch nicht. Die Tatsache, dass bei seiner
Arbeitgeberin für die ausgeschiedenen Mitarbeiter ein Sozialplan erarbeitet wurde (act.
G 1.4), bedeutet für sich allein offensichtlich nicht, dass der Beschwerdeführer
erschwert vermittelbar wäre. Wenn er im Weiteren vorbringt, der RAV-Leiter habe ihm
zu einer beruflichen Neuorientierung geraten, was ihn veranlasst habe,
arbeitsmarktliche Massnahmen überhaupt zu beantragen (act. G 1 Ziffer 2), ist
festzuhalten, dass der behauptete Ratschlag des RAV-Leiters jedenfalls keine ALV-
Leistungszusicherung beinhaltete und auch nicht seinem schliesslich eingenommenen
Standpunkt entsprach (vgl. act. G 1.1 S. 3). Der Umstand, dass RAV-intern offenbar
vorerst die Meinungen auseinandergingen, lässt sich offensichtlich nicht als
Leistungszusicherung interpretieren, sondern ist vielmehr im Rahmen eines
notwendigen Meinungsbildungsprozesses zu sehen (vgl. act. G 3.1/B18 und B20 [zum
ersten Kursgesuch], B22 und B28).
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 11. August 2009 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53