Decision ID: 0b3d61fe-5c27-5ca4-8b34-a52c05b021f1
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 14. Oktober 2014 bei der Gemeinde Oberbipp
ein Baugesuch ein für den Neuanstrich zweier Lagertanks auf den Parzellen Oberbipp
Grundbuchblatt Nr. C._ und D._. Die Parzelle liegt in der Arbeitszone 2.
Gegen das Bauvorhaben erhob der Beschwerdeführer Einsprache. Mit Entscheid vom
17. Dezember 2014 erteilte die Gemeinde Oberbipp die Baubewilligung.
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2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 14. Januar 2015 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt die
Aufhebung des Entscheides vom 17. Dezember 2014 und die Beurteilung des
Sachverhalts durch die Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK).
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, edierte die
Vorakten und führte den Schriftenwechsel durch. Die Beschwerdegegnerin und die
Gemeinde Oberbipp beantragen die Abweisung der Beschwerde. Auf die Rechtsschriften
wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die
Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde
(Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer, dessen Einsprache abgewiesen wurde, ist
durch den vor-instanzlichen Gesamtentscheid beschwert und daher zur
Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten.
2. Farbgebung der Lagertanks
a) Die beiden Lagertanks der Beschwerdegegnerin liegen im Tanklager Oberbipp. Das
Tanklager umfasst insgesamt dreizehn grosse, zylindrische Lagertanks für Heizöl, Diesel
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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und ähnliche Stoffe. Es ist Teil einer Industriezone am nordöstlichen Siedlungsrand der
Gemeinde Oberbipp. Die bestehenden Tanks sind grossteils mit grüner Farbe gestrichen.
Der Tank auf der westlich an die Grundstücke der Beschwerdegegnerin anschliessenden
Parzelle Nr. E._ ist in Silbergrau gestrichen. Die Beschwerdegegnerin hat im
Rahmen einer Sanierung einen ihrer Tanks bereits ohne Bewilligung in Silbergrau
gestrichen. Den zweiten Tank möchte sie ebenfalls in dieser Farbe streichen. Das
Baugesuch umfasst die nachträgliche Bewilligung für den ersten Tank und die ordentliche
Bewilligung für den zweiten Tank.
Der Beschwerdeführer rügt, das Tanklager präge aufgrund seiner Grösse das
Landschaftsbild. Die grüne Farbgebung der Tanks füge sich besser in die Landschaft ein.
Die Sache sei der OLK zur Beurteilung vorzulegen.
b) Bauten, Anlagen, Reklamen, Anschriften und Bemalungen dürfen Landschaften,
Orts- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen (Art. 9 Abs. 1 BauG). Diese Vorschrift stellt
die „ästhetische Generalklausel“ im Sinne eines allgemeinen Beeinträchtigungsverbots dar.
Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur bestehenden
Überbauung schafft, der erheblich stört. Die Gemeinden dürfen eigene Ästhetikvorschriften
erlassen, die über die kantonalen Vorschriften hinausgehen können. Derartige Vorschriften
müssen, um selbständige Bedeutung zu erlangen, konkreter gefasst sein als die
Anordnungen des kantonalen Rechts, sie dürfen Letztere nicht bloss allgemein anders
formulieren.3
Das Baureglement der Gemeinde Oberbipp enthält insbesondere folgende Bestimmungen
zur Gestaltung von Bauten und Anlagen: "(...) Bauvorhaben dürfen das Landschafts-, Orts-
und Strassenbild durch Lage und Gestaltung nicht beeinträchtigen und es muss eine gute
Gesamtwirkung entstehen (Art. 10 Abs. 1 GBR4)." Diese Bestimmungen gehen weiter als
Art. 9 Abs. 1 BauG, ihnen kommt daher selbständige Bedeutung zu.
Der Begriff „gute Gesamtwirkung“ stellt einen unbestimmten kommunalen Gesetzesbegriff
dar, bei dessen Auslegung die kommunalen Behörden einen gewissen
Beurteilungsspielraum haben. Jedoch dürfen auch an das Erfordernis der guten
3 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 4 und 13; BVR 2009 S. 328 E. 5.2 mit Hinweisen 4 Baureglement der Gemeinde Oberbipp vom Juni 2013
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Gesamtwirkung nicht unverhältnismässig hohe Ansprüche gestellt werden. Die gute
Gesamtwirkung ist weder an geringen noch an besonders hohen architektonischen
Qualitäten zu messen. Das bedeutet bei durchschnittlichen örtlichen Gegebenheiten, dass
das Mittelmass der Umgebung nicht gestört werden darf und sich eine neue Baute oder
Anlage an den qualitativ hochwertigeren Bauten und Anlagen der Umgebung zu orientieren
hat.5
c) Das Tanklager liegt in einer Industriezone. Die architektonischen und städtebaulichen
Qualitäten von Industriezonen sind typischerweise vernachlässigbar. Dies trifft auch im
vorliegenden Fall zu. Die Gebäude, die südlich und westlich an das Tanklager
anschliessen, weisen unterschiedliche Grautöne auf, ein Gebäude hat eine rote Fassade.
Die silbergraue Farbgebung der Tanks nimmt die in der unmittelbaren Umgebung
vorherrschenden Farbtöne auf und führt insoweit zu einer guten Einordnung in die
Umgebung.
Das Tanklager ist im Süden und im Westen von andern Gewerbe- und Industriebauten
umgeben. Lediglich von Südosten her betrachtet tritt es vor den dahinter liegenden,
bewaldeten Hügeln in Erscheinung. Es handelt sich aber weder um eine besonders
schutzwürdige Landschaft, noch um ein Landschaftsschutzgebiet. Es bestehen daher
keine gesteigerten ästhetischen Ansprüche für die Einordnung von Bauten in die
Landschaft. Die silbergrauen Tanks passen sich farblich an die anschliessenden Industrie-
und Gewerbebauten an und führen so zu einem einheitlicheren Gesamtbild. Zudem ist
davon auszugehen, dass die grüne Farbgebung zwar während der Vegetationsperiode, die
silbergraue Farbe dagegen im Winterhalbjahr unauffälliger wirkt. Es ist daher kein Grund
ersichtlich, weshalb von der Beschwerdegegnerin verlangt werden sollte, die Tanks in
grüner Farbe zu streichen. Die Rüge des Beschwerdeführers ist unbegründet.
d) Die Baubewilligungsbehörde konsultiert die zuständigen kantonalen Fachstellen,
wenn gegen ein Vorhaben Bedenken oder Einwände betreffend die Beeinträchtigung des
Ortsbildes oder der Landschaft bestehen und diese Bedenken nicht offensichtlich
unbegründet sind (Art. 22 Abs. 1 Bst. a BewD6).
5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 4a; BVR 2009 S. 329 E. 5.3, BVR 2006 S. 491 E. 6.3.1 6 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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Das Bauvorhaben befindet sich in einer Industriezone. Es ist unvermeidlich, dass diese
optisch in einem gewissen Gegensatz zur umgebenden Landschaft steht. Solange die
Bauten in neutralen Farben wie Grau-, Braun- oder Grüntönen gehalten sind, kann jedoch
grundsätzlich von einer guten Einordnung in die Umgebung ausgegangen werden. Anders
wäre es beispielsweise, wenn für die Tanks eine auffälligere Farbe, wie gelb, rot oder pink
gewählt würde. Dies ist vorliegend aber nicht der Fall. Das Bauvorhaben sieht den Anstrich
der Tanks in Silbergrau vor. Diese Farbe ist für solche Anlagen und Industriezonen im
Allgemeinen üblich. Ähnliche Farbtöne finden sich mehrfach auch bei Bauten in der
unmittelbaren Umgebung. Allfällige Bedenken betreffend das Landschaftsbild sind daher
offensichtlich unbegründet. Die Gemeinde hatte keinen Anlass, die OLK beizuziehen. Die
Rüge des Beschwerdeführers ist unbegründet.
Insgesamt ist der Beschwerdeführer mit keiner seiner Rügen durchgedrungen. Die
Beschwerde wird daher abgewiesen.
3. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die Verfahrenskosten im
Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr (Art. 103 Abs. 2 VRPG in
Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV7). Dabei ist zu berücksichtigen, dass die vorliegend zu
beurteilende Beschwerde in grossen Teilen identisch ist mit der gleichzeitig eingereichten
Beschwerde betreffend den Biodiesel-Tank auf Parzelle Nr. 689 (RA Nr. 110/2015/3). Ihre
Beurteilung hat aus diesem Grund zu unterdurchschnittlichem Aufwand geführt. Die
Pauschalgebühr wird daher auf Fr. 500.00 festgesetzt. Parteikosten werden keine
gesprochen (Art. 104 Abs. 1 VRPG).
7 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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