Decision ID: 5e5ab2fd-5884-5260-b852-c0b8a0eb4b1d
Year: 2006
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerin stellte am 22. Juli 2003 bei der Gemeinde Belp ein
Baugesuch für den Neubau einer Mobilfunkanlage an der Flugplatzstrasse 939 in Belp.
Das Baugrundstück Belp Gbbl. Nr. F._ (selbständiges Baurecht Belp Gbbl.
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Nr. E._) befindet sich innerhalb der Flughafenzone gemäss der gleichnamigen
Überbauungsordnung der Gemeinde Belp vom 17. September 1992 und im Perimeter des
Sicherheitszonenplanes Nr. 757-1 des Bundesamts für Zivilluftfahrt vom 21. November
1987. Das Projekt umfasst die Errichtung eines Antennenmastes von 21 m Höhe und eines
Geräteraumes im bestehenden Hangar sowie die Montage von je drei 900 MHz GSM-
Antennen und drei Dual Band Antennen (GSM 1800 MHz/UMTS). Während der Auflage-
und Einsprachefrist erhob u.a. die Beschwerdegegnerin gegen das Bauvorhaben
Einsprache. Die Gemeinde gab der Bauherrin Gelegenheit zur Stellungnahme, edierte die
erforderlichen Berichte bei den kantonalen und eidgenössischen Fachbehörden und führte
eine Einigungsverhandlung durch. Mit Gesamtbauentscheid vom 8. Juli 2004 erteilte die
Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Belp der Beschwerdeführerin den Bauabschlag.
2. Die Beschwerdeführerin erhob gegen diesen Entscheid am 12. August 2004
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE). Sie
beantragte die Aufhebung des Bauabschlages und die Erteilung der Baubewilligung. Zur
Begründung brachte sie vor, die Gemeinde habe den Sachverhalt unrichtig festgestellt,
indem sie fälschlicherweise von einer Störanfälligkeit der geplanten Mobilfunkanlage in
Bezug auf die Flugfunksysteme der Beschwerdegegnerin ausgegangen sei, obwohl die
Fachstellen derartige Interferenzen praktisch ausgeschlossen hätten. Zudem verstosse der
Bauabschlag gegen das Gebot der Verhältnismässigkeit, weil es die Gemeinde
unterlassen habe, die Bewilligungserteilung unter Auflagen zu prüfen.
3. Die Beschwerdegegnerin hielt dem entgegen, die Störanfälligkeit der
Mobilfunkanlage sei durch die Fachbehörden des Bundes bestätigt und demzufolge im
angefochtenen Bauabschlag richtigerweise angenommen worden. Die Bauherrin habe es
unterlassen, eine genaue Risikoanalyse in Bezug auf die Störanfälligkeit vorzulegen, und
die behauptete Unverhältnismässigkeit des Bauabschlages sei auf ihr eigenes
widersprüchliches Verhalten zurückzuführen, da sie im Bewilligungsverfahren jegliche
Auflagen abgelehnt habe. Dementsprechend beantragte sie die Abweisung der
Beschwerde, eventualiter die Erteilung der Bewilligung unter Auflagen.
Die Gemeinde Belp beantragte die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung ihres
Gesamtbauentscheides. Das Amt für Berner Wirtschaft (beco) verzichtete auf eine
Stellungnahme zu den umstrittenen Interferenzen und bestätigte seinen Amtsbericht im
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vorinstanzlichen Verfahren, wonach die geplante Anlage, unter Vorbehalt einer
Abnahmemessung, die Anforderungen zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung
vollumfänglich einhalte.
4. Das Rechtsamt, das gestützt auf Art. 7 OrV BVE1 die Beschwerdeverfahren im
Zuständigkeitsbereich der BVE instruiert, führte den Schriftenwechsel durch und edierte die
Vorakten. Zur umstrittenen elektromagnetischen Verträglichkeit der geplanten
Mobilfunkanlage mit den bestehenden Flugfunksystemen der Beschwerdegegnerin
erstatteten das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) mit Eingaben vom 10. Dezember 2004
und 27. Januar 2005 und das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) am 11. März 2005
je einen Fachbericht. Auf Antrag der Beschwerdeführerin führte das Rechtsamt am 9. Mai
2005 eine Instruktionsverhandlung durch, an der sich die Parteien im Fall der Bewilligung
der Mobilfunkanlage auf gemeinsame Messungen vor Inbetriebnahme und auf die sofortige
Abschaltung bei Störungen einigten.
5. Das Bundesgericht verlangte im BGE vom 10. März 20052, dass bei der Bewilligung
von Mobilfunkanlagen auch zu prüfen sei, wie die deklarierte äquivalente
Strahlungsleistung (ERP) eingehalten werden könne, wenn technisch auch eine höhere
Sendeleistung möglich wäre. Das Rechtsamt sistierte das vorliegende
Beschwerdeverfahren bis zur Klärung der Frage, mit welchen Massnahmen die deklarierte
Sendeleistung kontrolliert werden kann. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) empfahl mit
Rundschreiben vom 16. Januar 2006, die Kontrolle der Einhaltung der Grenzwerte der
NISV bei Basisstationen für Mobilfunk mit Hilfe eines Qualitätssicherungssystems zu
gewährleisten. Das Rechtsamt nahm daraufhin das Beschwerdeverfahren wieder auf,
schloss das Beweisverfahren und gab den Verfahrensbeteiligten Gelegenheit zur
Stellungnahme. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid
relevant, in den Erwägungen eingegangen.
1 Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
2 BGer 1A.160/2004 vom 10. März 2005
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II. Erwägungen
1. Die BVE prüft die Prozessvoraussetzungen von Amtes wegen. Die Gemeinde Belp hat einen Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3 gefällt. Dieser kann, unabhängig von den
geltend gemachten Einwänden, einzig mit dem für das Leitverfahren massgeblichen
Rechtsmittel angefochten werden (Art. 11 Abs. 1 KoG). Leitverfahren ist das
Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Gestützt auf Art. 40 Abs. 1 BauG4 können
Bauentscheide innert dreissig Tagen seit ihrer Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVE
angefochten werden. Die BVE ist zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
Gemäss Art. 40 Abs. 2 BauG sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde zur Beschwerde befugt. Die
Beschwerdeführerin ist als abgewiesene Baugesuchstellerin durch den vorinstanzlichen
Entscheid formell und materiell beschwert und demzufolge zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist daher
einzutreten.
2. Umstritten ist im vorliegenden Beschwerdeverfahren die elektromagnetische Verträglichkeit der geplanten Mobilfunkanlage mit den bestehenden Flugfunksystemen der Beschwerdegegnerin. Diese macht geltend, die Fachbehörden des Bundes hätten die
Gefahr von Interferenzen zwischen den beiden Systemen letztlich nicht mit Sicherheit
ausgeschlossen, weshalb der Bauabschlag berechtigterweise erfolgt sei.
a) Art. 4 VEMV5 bestimmt, dass elektrische oder elektronische Anlagen die
grundlegenden Anforderungen der elektromagnetischen Verträglichkeit nach der EMV-
Richtlinie6 der Europäischen Union erfüllen müssen. Diese finden gemäss Art. 7 Abs. 1
Bst. b FAV7 auch auf Fernmeldeanlagen wie die umstrittene Mobilfunkstation Anwendung.
Laut Auskunft des BAKOM liegen die auf den vorliegenden Fall anwendbaren generellen
Immunitätsanforderungen im Wohn- und Kleingewerbeumfeld bei 3 V/m bzw. in
industrieller Umgebung bei 10 V/m. Für Flugfunkanlagen wird im Bereich von 80 –
1'400 MHz eine Immunität von 10 V/m verlangt, zwischen 1'400 und 2'000 MHz eine solche
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 5 Verordnung vom 9. April 1997 über die elektromagnetische Verträglichkeit (VEMV; SR 734.5) 6 Richtlinie 89/336/EWG vom 3. Mai 1989 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten
über die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV-Richtlinie) 7 Verordnung vom 14. Juni 2002 über Fernmeldeanlagen (FAV; SR 784.101.2)
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von 3 V/m.8 Nach den unbestrittenen Angaben der Beschwerdeführerin bewirkt die
geplante Mobilfunkanlage eine Feldstärke von 1.1 V/m bei dem am nächsten gelegenen
Anlageteil der Flugsicherungssysteme.
b) Auf Fragen des Rechtsamtes hin hat sich das BAKOM im Beschwerdeverfahren zur
umstrittenen Störanfälligkeit geäussert. Es hielt dabei an seiner Stellungnahme im vorins-
tanzlichen Verfahren9 fest, wonach die Gefahr von Interferenzen als äusserst gering
einzustufen sei. Bei Geräten, die dem heutigen Stand der Technik entsprechen, könne dies
weitestgehend ausgeschlossen werden. Ein hundertprozentiger Ausschluss von Störungen
sei indessen lediglich im theoretischen Modell denkbar. In der Praxis bestehe dagegen nie
eine absolute Sicherheit, dass Störungen unmöglich seien, da diese namentlich auch durch
Defekte an technischen Anlagen hervorgerufen werden könnten. Abgesehen vom Fall
eines Gerätedefektes könnten derartige Störungen aber auch von anderen technischen
Anlagen ausgehen, die im Bereich des Flughafens betrieben würden, d.h. unabhängig
davon, ob eine neue Mobilfunkstation in Betrieb genommen werde oder nicht. Mit Blick auf
die genannten Anforderungen an die elektromagnetische Verträglichkeit gelangt das
BAKOM zur Einschätzung, dass die geplante Mobilfunkanlage die
Immunitätsanforderungen einhalte.
Auch das BAZL bestätigte mit der Stellungnahme vom 10. Dezember 2004 seinen
Fachbericht im Bewilligungsverfahren,10 wonach ihm keine Informationen vorliegen, die auf
eine elektromagnetische Unverträglichkeit von GSM- oder UMTS-Kommunikationsanlagen
mit Flugfunksystemen schliessen lassen. Es wies zudem auf einen ähnlich gelagerten Fall
am Flughafen Zürich hin, in dem sich die gleichen Parteien darauf geeinigt hätten, die
Kompatibilität der Mobilfunkanlage vor deren Inbetriebnahme anhand eines mehrstufigen
Messverfahrens zu überprüfen, und empfahl auch hier ein entsprechendes Vorgehen.
c) Anlässlich der Instruktionsverhandlung vom 9. Mai 2005 haben sich die
Beschwerdeführerin und die Beschwerdegegnerin mit Blick auf den Vorschlag des BAZL
auf ein analoges Prüfverfahren geeinigt. Danach ist bei einer Aufhebung des
angefochtenen Entscheides und der Bewilligung des Baugesuches die geplante
Mobilfunkanlage vor ihrer Inbetriebnahme hinsichtlich ihres Störpotentials auf die
Flugsicherungsdienste zu überprüfen. Die Prüfung erfolgt durch die Beschwerdegegnerin
8 EN 61000-6-1, EN 61000-6-2 und EN 301 489-22 9 Schreiben vom 19. Januar 2004, Vorakten pag. 16 10 Schreiben vom 30. Dezember 2003, Vorakten pag. 19
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in direkter Zusammenarbeit mit der Beschwerdeführerin und zwar anhand eines
mehrstufigen Messverfahrens mit GNSS Empfängern und Spektrum Analyse Tools. Allfällig
auftretende Störungen sind mittels zusätzlicher Filter zu beheben und die Messung zu
wiederholen. Die Ergebnisse sowie ein etwaiger Verzicht auf das Messverfahren sind
schriftlich festzuhalten.
Die Beschwerdeführerin hat sich ausserdem mit einer Auflage einverstanden erklärt,
wonach die Mobilfunkanlage bei Störungen anderer Systeme, insbesondere bei einer
Störung von Flugsicherungsdiensten, jederzeit auf erstes Verlangen auszuschalten ist. Bei
andauernder Störung nach dem Ausschalten der Mobilfunkanlage ist die
Beschwerdeführerin berechtigt, die Mobilfunkanlage wieder in Betrieb zu nehmen.
d) Die BVE sieht keine Veranlassung, von der Beurteilung der Fachbehörden des
Bundes in kommunikations- bzw. luftrechtlichen Fragen abzuweichen. Sie anerkennt zwar
das Bestreben der Beschwerdegegnerin, mögliche Fremdeinflüsse auf ihre
Flugfunksysteme soweit möglich einzuschränken, und teilt auch deren Einschätzung, dass
bei Flugsicherungsanlagen angesichts der potentiellen Schadensgrösse erhöhte
Anforderungen an die Funktionssicherheit der umliegenden Systeme zu stellen sind.
Gleichzeitig erfüllt das Bauvorhaben aber unbestrittenerweise die massgeblichen
Immunitätsanforderungen an die elektromagnetische Verträglichkeit. Die BVE erachtet das
Störpotential zusammen mit den Fachinstanzen als äusserst gering. Dass diese dabei –
wie von der Beschwerdegegnerin und der Vorinstanz verlangt – nicht eine
uneingeschränkte, hundertprozentige Störsicherheit garantieren können, liegt in der Natur
der Sache. Aus den Stellungnahmen des BAZL und insbesondere des BAKOM geht jedoch
hervor, dass die elektromagnetische Behinderung der Flugsicherungssysteme durch die
projektierte Mobilfunkanlage weitestgehend ausgeschlossen werden kann. Die Sicherheit
der bestehenden Flugfunkanlagen wird durch einen ordnungsgemässen Betrieb der neuen
Mobilfunkstation nicht beeinträchtigt.
3. Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe den
Verhältnismässigkeitsgrundsatz verletzt, indem sie es unterlassen habe, die Erteilung einer Bewilligung unter Auflagen zu prüfen, und ihr direkt den Bauabschlag erteilt habe. Die
Beschwerdeführerin hat anlässlich der Einigungsverhandlung im vorinstanzlichen
Verfahren deutlich gemacht, dass sie die Erteilung einer Baubewilligung unter Auflagen
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ablehnt und Nebenbestimmungen nicht akzeptieren würde.11 Indem sie der Gemeinde nun
vorhält, sie hätte die Bewilligung mit Auflagen erteilen müssen, steht sie im Widerspruch zu
ihren eigenen Aussagen im Bewilligungsverfahren und geniesst keinen Rechtsschutz. Der
Gemeinde kann keine Verletzung des Verhältnismässigkeitsprinzips vorgeworfen werden,
wenn sie darauf verzichtet, eine Bewilligung auszuarbeiten, welche die Bauherrin von
vorneherein nicht akzeptiert. Die Rüge der Beschwerdeführerin erweist sich als
unbegründet.
4. Die Beschwerdegegnerin verlangt mit ihrem Eventualantrag, eine Bewilligung sei mit
der Auflage zu versehen, wonach die Beschwerdeführerin bei einem Unfall, dessen
Ursachen auf eine Störung durch die Mobilfunkanlage zurückzuführen sei, die Haftung der Beschwerdegegnerin zu übernehmen habe.
Die aufgeworfene haftpflichtrechtliche Frage betrifft das privatrechtliche Verhältnis
zwischen der Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegnerin. Über privatrechtliche
Verhältnisse wird im Baubeschwerdeverfahren – abgesehen von hier nicht vorliegenden
Spezialfällen – nicht entschieden; zu deren Durchsetzung sind die Betroffenen auf den
zivilrechtlichen Rechtsweg verwiesen. Gestützt auf Art. 2 Abs. 1 BauG prüft die Behörde
lediglich, ob ein Bauvorhaben den bau- und planungsrechtlichen Vorschriften und den nach
andern Gesetzen im Baubewilligungsverfahren zu prüfenden Vorschriften entspricht, ob es
die öffentliche Ordnung nicht gefährdet und ob ihm keine Hindernisse der Planung im
Sinne der Art. 36 und 62 BauG entgegenstehen. Auflagen können laut Art. 38 Abs. 3 BauG
und Art. 35 Abs. 2 BewD12 mit einer Baubewilligung verbunden werden und kommen bei
Bauvorhaben in Betracht, die je nach ihrer näheren Gestaltung oder Einrichtung oder je
nach der Art der Nutzung oder Betriebsführung sowohl gesetzeskonform als auch
gesetzwidrig sein können. Sie sind hier das Mittel dazu, die gesetzwidrigen Auswirkungen
zu verhindern, dienen aber nicht der öffentlichrechtlichen Durchsetzung privatrechtlicher
Forderungen. Auf die diesbezügliche Rüge der Beschwerdegegnerin kann nicht
eingetreten werden.
5. Mobilfunkanlagen werden mit der im Standortdatenblatt deklarierten äquivalenten
Strahlungsleistung (ERP) bewilligt. Häufig ist es aber technisch möglich, eine höhere
11 Vorakten pag. 14 12 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (BewD; BSG 725.1)
8
Sendeleistung als bewilligt zu erzeugen. Das Bundesgericht hat im Entscheid 1A.160/2004 vom 10. März 2005 ausgeführt, der weitgehend auf Eigenverantwortung der
Netzbetreiberin basierende Vollzug sei nicht in jedem Fall ausreichend, um die Einhaltung
der Grenzwerte der NISV13 dauerhaft zu gewährleisten. Insbesondere, wenn die
Sendeleistung ferngesteuert werden könne, müsse der Beurteilung der nichtionisierenden
Strahlung (NIS) grundsätzlich die mit der installierten Hardware maximal mögliche
äquivalente Strahlungsleistung (ERP) und nicht ein niedrigerer Wert zugrunde gelegt
werden. Werde von diesem Grundsatz abgewichen, der Betrieb der Anlage also mit einer
niedrigeren als der maximal möglichen Sendeleistung bewilligt, müsse dies im
Bewilligungsentscheid begründet und dargelegt werden, wie die Einhaltung der bewilligten
ERP gewährleistet werden könne.14
a) Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) empfiehlt im Rundschreiben vom 16. Januar
200615, die Einhaltung der bewilligten ERP mit einem Qualitätssicherungssystem zu
gewährleisten. Die Netzbetreiberinnen sollen verpflichtet werden, ein
Qualitätssicherungssystem einzurichten, welches sämtliche Komponenten,
Geräteeinstellungen und Betriebsabläufe erfasst, die einen Einfluss auf die NIS-
Immissionen haben können. Neben der Sendeleistung erfasst das
Qualitätssicherungssystem insbesondere auch die Senderichtung. In einer Datenbank
werden die eingestellten Betriebsdaten täglich mit den bewilligten Werten verglichen.
Festgestellte Überschreitungen eines bewilligten Wertes müssen innerhalb von 24 Stunden
behoben werden, sofern dies durch Fernsteuerung möglich ist, andernfalls innerhalb einer
Arbeitswoche. In jedem Fall wird automatisch ein Fehlerprotokoll erzeugt. Das
Qualitätssicherungssystem wird von einer unabhängigen, externen Prüfstelle periodisch
kontrolliert. Diese legt den kantonalen Vollzugsbehörden und dem BAKOM die
Kontrollberichte vor. Die Vollzugsbehörden verfügen über ein vollständiges Einsichtsrecht
in die Datenbank. Die Netzbetreiberinnen sollen verpflichtet werden, das
Qualitätssicherungssystem bis Ende 2006 einzurichten und alle Anlagen, also auch die
schon bestehenden Mobilfunkanlagen, im Qualitätssicherungssystem zu erfassen.
Anlagen, die vor der Umsetzung des Qualitätssicherungssystems in Betrieb genommen
werden, müssen so detailliert dokumentiert werden, dass eine unmittelbare, einzelfallweise
und einfache Kontrolle durch die Vollzugsbehörden möglich ist.
13 Verordnung vom 23. Dezember 1999 über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV, SR 814.710)
14 BGer 1A.160/2004 vom 10. März 2005, E. 3.3 15 Rundschreiben betreffend Qualitätssicherung zur Einhaltung der Grenzwerte der NISV bei
Basisstationen für Mobilfunk und drahtlose Teilnehmeranschlüsse vom 16. Januar 2006
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b) Das beco hat am 17. Januar 2006 in einem Rundschreiben über das geplante
Qualitätssicherungssystem informiert und empfohlen, in den Baubewilligungen eine
entsprechende Auflage aufzunehmen.
c) Das vom BAFU empfohlene Qualitätssicherungssystem ist eine geeignete
Massnahme, um die Kontrolle von Mobilfunkanlagen zu verbessern. Es hat gegenüber
technischen Einrichtungen zur Begrenzung der Sendeleistung erhebliche Vorteile: Das
Qualitätssicherungssystem erlaubt eine regelmässige Kontrolle, diese Kontrolle kann die
Vollzugsbehörde einfach und kostengünstig durchführen. Das Qualitätssicherungssystem
erfasst nicht nur die Sendeleistungen, wie vom Bundesgericht gefordert, sondern darüber
hinaus sämtliche Parameter einer Mobilfunkanlage, die einen Einfluss auf die
nichtionisierende Strahlung haben können, insbesondere auch die Sendewinkel. Zudem
erfasst das Qualitätssicherungssystem auch die bestehenden Anlagen. Das
Qualitätssicherungssystem kann zwar nicht in jedem Fall eine Überschreitung der
bewilligten Sendeleistung verhindern. Es ist aber festzuhalten, dass das auch mit einer
Auflage über die technische Ausgestaltung der Anlage nicht verhindert werden kann. Es ist
ohne weiteres möglich, eine in der Baubewilligung verlangte technische Begrenzung der
Sendeleistung nach der Abnahmekontrolle wieder zu entfernen. Dies wäre für die
Vollzugsbehörden viel schwieriger zu kontrollieren, als das vom BAFU empfohlene
Qualitätssicherungssystem. Das Qualitätssicherungssystem bietet einen besseren Schutz
vor übermässigen NIS-Immissionen als technische Einrichtungen16. Es übertrifft damit die
vom Bundesgericht im Entscheid 1A.160/2004 vom 10. März 2005 gestellten
Anforderungen.
d) Die Baubewilligung wird mit der Auflage ergänzt, dass die Anlage nur mit einem
System der Qualitätssicherung gemäss dem Rundschreiben des Bundesamts für Umwelt
vom 16. Januar 2006 betrieben werden darf.
6. Zusammenfassend folgt aus den Erwägungen, dass die geplante Mobilfunkanlage keine Gefährdung von Personen oder Sachen bewirkt und sich die Parteien auf ein
Kontrollverfahren vor Inbetriebnahme der Anlage geeinigt haben. Nachdem die
Mobilfunkstation auch die umweltrechtlichen Vorschriften einhält, ist der Bauabschlag
16 Vgl. dazu die Expertise des BAKOM in http://www.umwelt-schweiz.ch/imperia/md/content/luft/nis/- vorschriften/bakom-expertise-erp.pdf
10
aufzuheben und dem Vorhaben die Bewilligung zu erteilen, ergänzt mit den
baupolizeilichen und luftrechtlichen Nebenbestimmungen. Der vorliegende Entscheid ist
zudem in Anwendung von Art. 37m Abs. 4 LFG17 dem Bundesamt für Zivilluftfahrt zu
eröffnen.
Die Amts- und Fachberichte des BAZL, BAKOM, beco und der GVB sind den Parteien
schon mit dem angefochtenen Bauabschlag eröffnet worden. Es wird auf die Erläuterungen
und Hinweise zur Bauausführung in den Berichten verwiesen.
7. Die Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren erhoben
werden. Die Behörde setzt die Gebühr gestützt auf die gesetzliche Gebührenordnung nach
pflichtgemässem Ermessen fest (Art. 103 Abs. 1 und 2 VRPG18). Die Verfahrenskosten
werden nach Art. 108 Abs. 1 VRPG der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben. Als unterliegend gilt, wer mit
seinen Anträgen nicht durchdringt. Im vorliegenden Verfahren werden die
Verfahrenskosten auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'400.- festgesetzt. Im Hauptstreitpunkt
der elektromagnetischen Verträglichkeit haben sich die Parteien auf ein gemeinsames
Vorgehen geeinigt. Daneben sind die Beschwerdeführerin mit der gerügten Verletzung der
Verhältnismässigkeit und die Beschwerdegegnerin mit der verlangten Auflage zur Haftung
unterlegen. Bei diesem Ergebnis rechtfertigt sich die hälftige Aufteilung der
Verfahrenskosten auf beide Parteien.
Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Sie werden nach Art. 108 Abs. 3 VRPG im selben
Verhältnis wie die Verfahrenskosten auf die Parteien verteilt. Nach dem Gesagten sind die
Parteikosten wettzuschlagen, d.h. jede Partei trägt ihre Kosten.