Decision ID: c3146a1e-cd13-5e7d-9b36-1d37294047b3
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte), war bei der B._ AG als Verkäuferin in einem
Pensum von 60 % angestellt. Am ._ 2013 wurde die Versicherte bei der Arbeit von
zwei Tätern überfallen und gefesselt (IV-act. 15; Fremdakten 1-108). Noch am Tag des
Überfalls wurde die Versicherte notfallmässig ins Spital eingeliefert, wo die
behandelnden Ärzte Fesselspuren an den Hand- und Fussgelenken feststellten und die
Diagnose einer akuten Belastungsreaktion bei Raubüberfall am ._ 2013 stellten
(Fremdakten, 1-90 ff.). Am 21. August 2013 wurde die Versicherte dem Psychiatrischen
Zentrum Z._ zur weiteren Behandlung zugewiesen, wo sie bis zum 4. Oktober 2013
stationär betreut wurde. Gemäss Austrittsbericht war sie in einem seelischen
Ausnahmezustand eingeliefert worden. Völlig erschöpft und wie betäubt, unfähig das
Geschehene in irgendeiner Form zu erfassen oder gar zu beschreiben, habe die
Versicherte innerhalb von Sekunden von Teilnahmslosigkeit zu heftigen
Gefühlsausbrüchen und sogar Selbstvorwürfen, am Geschehenen Verantwortung zu
tragen, gewechselt. Unter Tränen habe sie von Spannungszuständen, Ängsten,
Intrusionen, Konzentrationsstörungen und massiven Schlafstörungen erzählt. Weiter
habe die Versicherte berichtet, vor ca. zehn Jahren als Mitarbeiterin eines Kiosks schon
einen ähnlichen Vorfall erlebt zu haben, ohne dabei jedoch einen persönlichen Schaden
erlitten zu haben. Bereits vor dem Überfall am ._ 2013 sei es ihr psychisch nicht gut
gegangen. Sie habe sich überfordert und erschöpft gefühlt, da sie für alles in der
Familie zuständig gewesen sei. Ihr Ehemann sei Kriegsveteran und durch
Kampfhandlungen traumatisiert. Durch seine affektive Labilität sei der Alltag manchmal
schwierig. Anamnestisch habe die Versicherte zudem eine schwierige Kindheit erlebt.
A.a.
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Der Vater sei alkoholkrank und im Rausch jeweils gewalttätig gewesen. In den ersten
vier bis fünf Wochen der Hospitalisation habe es den Anschein gemacht, als würde
sich die Versicherte durch enge Bezugspflege und täglich geführte therapeutische
Gespräche stabilisieren. Getriggert durch einen Termin bei der Opferhilfe habe sie sich
in der Folge jedoch immer öfter zurückgezogen und sie habe selbst die
Patientengemeinschaft, die ihr zuvor noch als grosse Stütze erschienen sei, plötzlich
als extrem belastend erlebt. Beim Versuch, die Versicherte in ein störungsspezifisches,
multimodales, interdisziplinäres Behandlungssetting einzubinden, seien erneut heftige
Symptome aufgetreten. Gequält von traumatischen Bildern des Überfalls, welche
zunehmend in den Therapiealltag eingedrungen seien, habe die Versicherte ein
ausgeprägtes Vermeidungsverhalten entwickelt, was eine konsequente Teilnahme am
Therapieprogramm verunmöglicht habe. Auch habe die Versicherte die stufenweise
Reduktion der Lorazepam-Dosierung, die zuvor unproblematisch gewesen sei, nicht
mehr toleriert. Um den bisherigen Therapieerfolg nicht weiter zu gefährden, habe man
sich dazu entschieden, die begonnene Therapie zu unterbrechen und die Versicherte
vorerst in das von ihr als sehr unterstützend erlebte häusliche Umfeld zu entlassen. Als
Diagnosen nannten die behandelnden Ärzte eine akute Belastungsreaktion im
Übergang zur posttraumatischen Belastungsstörung vor dem Hintergrund einer
mittelgradigen depressiven Episode im Vorfeld, früherer Traumata in der Anamnese
sowie des Verdachts auf eine Persönlichkeitsakzentuierung mit vorwiegend ängstlich-
vermeidenden und abhängigen Zügen (IV-act. 37-6 ff.).
Am 22. Oktober 2013 berichtete Dr. med. C._, Fachärztin Innere Medizin, dass
sich der Schlaf und der Appetit der Versicherten verbessert hätten. Sie wirke agiler. Am
21. Oktober 2013 habe sie einen deutlich besseren Eindruck gemacht (Fremdakten,
1-68). In einem Bericht vom 28. Oktober 2013 erklärte Dr. C._, dass sie die
Versicherte schon seit Jahren behandle. Es sei immer um eine Eisenmangelanämie
gegangen. Im September 2011 habe sie ihr wegen einer Erschöpfungsdepression
vorübergehend Deanxit und Citalopram verordnet. Allerdings habe ihr die Versicherte
mitgeteilt, dass sie lediglich Deanxit kurzfristig eingenommen habe. Bei der
Kontrolluntersuchung vom 27. Oktober 2011 habe sich die Versicherte bereits besser
gefühlt. Ein drohendes Burnout-Syndrom sei damals als abgewendet erschienen.
A.b.
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Zwischenzeitlich sei es zu keinen depressiven Episoden mehr gekommen (Fremdakten,
1-66).
Am 2. Dezember 2013 berichtete Dr. med. D._, Psychiatrische Klinik Y._, dass
bei der Versicherten psychopathologisch-diagnostisch eine akute, durch eine gewisse
Aggravationstendenz nunmehr prolongierte Belastungsreaktion vorliege. Angesichts
der Tatsache, dass sich die Versicherte recht enttäuscht und gekränkt über die
fehlende Zuwendung ihrer Arbeitgeberin und der Ämter beklagt habe und ihr Leiden
deutlich zur Schau stelle, erachte er eine spezifische traumafokussierende Behandlung
als nicht geeignet. Zwischen einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer
Anpassungsstörung zu unterscheiden, sei in der kurzen Zeit der Behandlung und
angesichts der inkonsistenten und teilweise auch widersprüchlichen Berichte der
Versicherten kaum möglich gewesen. Gewisse Elemente einer posttraumatischen
Störung seien wohl bereits zum Vorschein gekommen. Zudem erscheine die
Versicherte gegenüber einer solchen Entwicklung biographisch durch Ereignisse
während ihrer Kindheit und Jugend sowie einen Einbruch an einer früheren Arbeitsstelle
in gewisser Hinsicht disponiert. Die Versicherte habe ihn, Dr. D._, in drei
aufeinanderfolgenden Wochen konsultiert, wobei sich rasch gezeigt habe, dass sie eine
idiosynkratische Vorstellung von Wiedergutmachung und Entlastung vertrete, in der
sein psychiatrisch-psychotherapeutisches Angebot nicht enthalten zu sein scheine. Die
Versicherte habe sich genötigt gefühlt, ihn aufzusuchen, und wäre lieber zu dem bereits
zuvor konsultierten Dr. med. E._, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
gegangen. Am Anfang der dritten Sitzung habe sie, verärgert durch eine kurze
Wartezeit, ihre Mitarbeit aufgekündigt. Er würde aktuell eine stationäre Abklärung und
Behandlung der Versicherten in der psychiatrischen Klinik Y._ empfehlen
(Fremdakten, 1-52 f.).
A.c.
Am 24. Januar 2014 berichtete Dr. C._, dass die Versicherte den Hausarzt
gewechselt habe und nicht mehr zu ihr komme (Fremdakten, 1-34).
A.d.
In einem Bericht vom 25. Februar 2014 nannte Dr. E._ als Diagnosen eine
posttraumatische Belastungsstörung, eine selbstunsichere Persönlichkeitsstörung
sowie eine mittel- bis schwergradige depressive Episode. Weiter hielt er fest, dass in
der nunmehr dreimonatigen Behandlungsphase intensive Ängste im Vordergrund
A.e.
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B.
gestanden hätten. Die Versicherte sei immer sehr angespannt, klage über zwanghafte
Erinnerungen an den erlebten Überfall und äussere Angst, an ihre bisherige
Arbeitsstelle zurückzukehren, zumal sie bereits sieben Jahre zuvor einen ähnlichen
Überfall erlebt habe. In der bisherigen Therapie seien nur kleine Schritte erreicht
worden. Die Versicherte sei tagsüber noch immer auf die Anwesenheit einer Drittperson
angewiesen. In der Nacht werde sie von Albträumen heimgesucht. Ihr erscheine häufig,
dass jemand an die Türe oder die Fenster klopfe, was bei ihr Panik auslöse. Die
Versicherte habe Angst vor Kontakten mit Personen. Sie lebe seit dem Überfall sozial
ganz isoliert. Schon in ihrer Kindheit habe sie eine Reaktion auf die erlebte Aggression
ihres Vaters gezeigt. Man könne aber annehmen, dass auch der Überfall, der vor
einigen Jahren stattgefunden habe, eine wichtige Rolle in der Art und Weise der
jetzigen Reaktion spiele. Es sei von einer Retraumatisierung auszugehen (Fremdakten,
1-11).
Am 18. März 2014 meldete sich die Versicherte bei der IV-Stelle des Kantons St.
Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) für berufliche Massnahmen und Rentenleistungen an
(IV-act. 1). In einem Bericht vom 1. April 2014 erklärte Dr. E._, dass die Versicherte
seit dem Überfall vom ._ 2013 an erheblichen psychischen Problemen leide und zu
100 % arbeitsunfähig sei. Als Diagnosen nannte er eine posttraumatische Belastungs
störung (bestehend seit dem ._ 2013), eine ängstliche Persönlichkeitsstörung
(bestehend seit der Kindheit) sowie eine mittel- bis schwergradige Depression
(bestehend seit dem ._ 2013; IV-act. 11).
B.a.
Vom 18. August bis 24. Oktober 2014 wurde die Versicherte in der Tagesklinik des
Psychiatrischen Zentrums Z._ behandelt. Im Austrittsbericht wurden als Diagnosen
eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine schwergradige depressive
Episode ohne psychotische Symptome genannt. Weiter hiess es, eine Teilnahme an
Gruppenaktivitäten sei für die Versicherte kaum aushaltbar gewesen. Sie habe
anschliessend längere Pausen im Ruheraum benötigt. An der Kochgruppe habe sie
stets mit Freude teilgenommen und habe sich manchmal auch kreativ einbringen
können. Einzelgespräche seien nie länger als 15 Minuten möglich gewesen. Die
Versicherte habe sich rasch überfordert und ängstlich gefühlt. Sie sei deutlich leidend
B.b.
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gewesen. Aufgrund der Überforderung habe man eine Pause vom teilstationären
Rahmen beschlossen. Der Versicherten sei auch der Vorschlag einer psychiatrischen
Spitex unterbreitet worden, was diese aber zunächst mit Dr. E._ habe besprechen
wollen. Die Versicherte werde in einem leicht verschlechterten Zustand in die alten
Verhältnisse entlassen mit der Empfehlung einer stationären Behandlung in einer
traumaspezifischen Klinik (IV-act. 26).
In einem Bericht an die IV-Stelle vom 2. März 2015 hielt Dr. E._ fest, dass die
Versicherte seit dem 14. Oktober 2013 durch ihn behandelt werde. Trotz der
durchgeführten ambulanten und medikamentösen Therapie sei ihr Zustand unverändert
geblieben. Deswegen habe er sie in die Tagesklinik des Psychiatrischen Zentrums
Z._ eingewiesen, wo sie sich vom 18. August bis zum 24. Oktober 2014 aufgehalten
habe und in leicht verschlechtertem Zustand entlassen worden sei. Neu beurteilte Dr.
E._ die depressive Störung als schwergradig. Die Fortsetzung der Therapie habe
ebenfalls keine namhafte Verbesserung gebracht. Die Option einer Behandlung auf
einer traumaspezifischen Abteilung sei noch offen (IV-act. 30).
B.c.
Mit Mitteilung vom 9. März 2015 lehnte die IV-Stelle das Gesuch der Versicherten
um berufliche Massnahmen ab, da solche aufgrund des Gesundheitszustandes zurzeit
nicht möglich seien. Sollten sich die Verhältnisse ändern, könne die Versicherte ein
neues Gesuch einreichen (IV-act. 34).
B.d.
Vom 3. bis 11. Februar 2016 nahm die Versicherte an einer stationären
Traumatherapie in der Klinik F._ teil. Im Austrittsbericht vom 24. Februar 2016 hiess
es, dass bei der Versicherten zu Beginn der Behandlung erhebliche Schwierigkeiten
bestanden hätten, sich befriedigend ins Alltagsleben einzubringen. Ängste, emotionale
Labilität, seelische Leere sowie schädigende Kompensationsformen hätten im
Vordergrund gestanden. Die Versicherte sei im stationären Rahmen kaum fähig
gewesen, neue Anpassungsstrategien zu nutzen. Sie habe sich wenig in die
Stationskultur eingelebt, sondern habe sich nach eigenen Angaben vorwiegend in
ihrem Zimmer aufgehalten und auf den Besuch der Familie gewartet, der morgens und
abends stattgefunden habe. Die Versicherte sei der Therapie gegenüber ambivalent
eingestellt gewesen, habe äussere Gegebenheiten verleugnet und die
Auseinandersetzung mit kritischen Themen vermieden. Die ausbleibende
B.e.
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Kostengutsprache habe die Versicherte durcheinandergebracht, da sie angenommen
habe, diesbezüglich sei alles bereits bei Eintritt geregelt gewesen. Sie habe andere
gebeten, die ungeklärten Angelegenheiten zu regeln. Eine Therapeutin, die sie nach
einer Woche einmalig um Klärung der Kostengutsprache gebeten habe, habe sie als in
hohem Masse strafend und verfolgend erlebt. Infolgedessen habe sie sich einen
Therapeutenwechsel gewünscht. Da dies im aktuellen Setting nicht möglich gewesen
sei, habe die Versicherte den Aufenthalt auf eigenen Wunsch vorzeitig beendet. Sie
wolle die ambulante Therapie bei Dr. E._ weiterführen. Als notwendige Bedingungen
für einen erneuten stationären Eintritt würden das Beibehalten einer Tagesstruktur, die
Bereitschaft, sich in einem Mindestmass in eine bestehende Gruppe einzuleben sowie
die regelmässige ambulante Psychotherapie gesehen. Bei Bedarf und entsprechender
Vorbereitung könne sich die Versicherte zu einem erneuten Vorgespräch anmelden (IV-
act. 67-5 ff.; zum Zuweisungsschreiben von Dr. E._ vgl. IV-act. 67-13 f.).
In einem Fragebogen zur Rentenabklärung gab die Versicherte am 8. August 2016
an, dass sie ohne Gesundheitsschaden heute in einem Pensum von 60-100 %
erwerbstätig wäre, da ihre Kinder (...) seien (IV-act. 56; zu dem am 22. August 2018
erneut ausgefüllten Fragebogen, wonach die Versicherte als Gesunde in einem Pensum
von 80-100 % arbeiten würde, vgl. ferner IV-act. 78).
B.f.
Am 16. Januar 2017 berichtete Dr. E._, dass trotz gewisser Fortschritte die
Notwendigkeit für eine intensivere Behandlung bestehe, um eine weitere psychische
Stabilität zu erreichen. Deswegen werde die Versicherte in die Tagesklinik X._
überwiesen. Es sei zu hoffen, dass sie durch diese Behandlung auf die Fortsetzung der
Traumatherapie vorbereitet werde (Fremdakten, 47-1 f.; zu einem vorhergehenden
Bericht vom 13. Mai 2016 vgl. Fremdakten, 14-1 f.).
B.g.
Vom 13. Januar bis 3. Februar 2017 war die Versicherte in der Tagesklinik des
Psychiatrischen Zentrums X._ behandelt worden. Im Austrittbericht hielten die
behandelnden Ärzte fest, dass die Versicherte anfangs sehr schüchtern gewesen sei
und kaum hörbar geflüstert habe. Sie scheine von Anfang an mit dem Setting
überfordert gewesen zu sein. Die Gruppentherapien habe sie kaum ausgehalten, sich in
die Ruheräume zurückgezogen und nicht an den gemeinsamen Essenszeiten
B.h.
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teilgenommen. Es habe sie nur schon Überwindung gekostet, in die Tagesklinik zu
kommen. Aus diesem Grund habe sie die Behandlung abgebrochen (IV-act. 66-2 f.).
Am 9. Juli 2018 berichtete Dr. E._, dass die Versicherte nur in einem geschützten
Rahmen einem Pensum von 50 % nachgehen könnte. Da sich die Versicherte durch
die stationären und teilstationären Behandlungen überfordert gefühlt habe, seien keine
solchen mehr geplant. Die Prognose sei ungünstig (IV-act. 74; zu einem weiteren
Bericht vgl. IV-act. 84).
B.i.
In einer Stellungnahme vom 2. August 2018 hielt der regionale ärztliche Dienst
(RAD) fest, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht unklar sei, ob die Versicherte
die Therapien tatsächlich aufgrund ihres Gesundheitszustandes nicht habe bewältigen
können oder ob eher eine fehlende Mitwirkung und mangelnde Kooperation im
Vordergrund gestanden hätten. Die übertrieben anmutende Beschwerdeschilderung
der Versicherten und ihre Anspruchshaltung (z.B. der dezidierte Wunsch nach einem
Therapeutenwechsel auf der Traumastation, der nicht zu einer ängstlich-abhängigen
Persönlichkeit passe) oder der Abbruch der ambulanten Behandlung bei Dr. D._,
nachdem sie eine kurze Wartezeit habe in Kauf nehmen müssen, wiesen nicht
unbedingt auf einen der Symptomatik entsprechenden Leidensdruck hin. Eine seit fünf
Jahren bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit könne aus versicherungsmedizinischer
Sicht nicht nachvollzogen werden (IV-act. 75-5 f.).
B.j.
Am 7. November 2018 fand bei der Versicherten eine Haushaltsabklärung statt. Im
entsprechenden Abklärungsbericht stufte die IV-Eingliederungsverantwortliche die
Versicherte als im Gesundheitsfall zu 20 % im Haushalt und zu 80 % im
Erwerbsbereich tätig ein. Weiter hielt sie fest, dass die Versicherte nicht aktiv an der
Abklärung teilgenommen habe. Sie habe während der ganzen Abklärung auf der
Polstergruppe gelegen. Das Verhalten und das Schlafen der Versicherten anlässlich der
Abklärung seien nicht nachvollziehbar (IV-act. 82).
B.k.
Am 5. April 2019 hielt der RAD fest, dass die übertrieben anmutende
Beschwerdeschilderung der Versicherten nicht nachvollziehbar sei. Aus
versicherungsmedizinischer Sicht sei das Verhalten der Versicherten anlässlich der
Haushaltsabklärung nicht durch krankheitsbedingte Symptome zu erklären. Zur
B.l.
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abschliessenden Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei eine psychiatrische Begutachtung
angezeigt (IV-act. 86-2).
Am 2. November 2019 erstattete med. pract. G._, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, im Auftrag der IV-Stelle ein psychiatrisches Gutachten (IV-
act. 96). Als Diagnosen nannte sie eine depressive Episode, gegenwärtig leicht bis
allenfalls zeitweilig mittelgradig, eine posttraumatische Belastungsstörung, gegenwärtig
weitgehend remittiert, sowie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlichen
und abhängigen Persönlichkeitszügen (IV-act. 96-39). Sodann kam med. pract. G._
zum Schluss, dass die Versicherte die bisherige Tätigkeit noch ca. 5 bis 5.5 Stunden
pro Tag ausüben könne bei einer Leistungsminderung von ca. 10 %. Gesamthaft
betrage die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit bezogen auf ein Pensum von
100 % ca. 50 %. Im Haushalt liessen sich bei einer freien Zeiteinteilung keine
Einschränkungen feststellen. Die der Versicherten ab August 2013 attestierte 100%ige
Arbeitsunfähigkeit lasse sich aus gutachterlicher Sicht bis Oktober 2013 gut
nachvollziehen. Vermutlich seit Oktober 2013, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
seit Oktober 2014 und mit Sicherheit spätestens ab dem Zeitpunkt der Begutachtung,
also ab Oktober 2019, liege eine ca. 50%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit vor. In einer optimal leidensangepassten Tätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit auf
100 % zu schätzen. Tätigkeiten mit hohen Anforderungen an die Stresstoleranz, die
emotionale Belastbarkeit und die selbständige Strukturierung der Arbeitsabläufe seien
nicht zu empfehlen. Auch Nachtschichten seien ungeeignet (IV-act. 96-55).
B.m.
In einer Stellungnahme vom 13. November 2019 bezeichnete der RAD das
Gutachten als umfassend und einleuchtend. Die festgestellten psychischen
Einschränkungen entsprächen in ihrer Ausprägung nicht den von der Versicherten
angegebenen Beeinträchtigungen. Die Einschätzung von med. pract. G._, wonach es
sich um ein eigenwilliges, subjektives Krankheitskonzept mit einem daraus
resultierenden maladaptiven Krankheits-, Schon- und Vermeidungsverhalten bei einem
hohen sekundären Krankheitsgewinn handle, werde vom RAD geteilt. Es fänden sich
sowohl in den Aussagen als auch im Verhalten der Versicherten zahlreiche
Inkonsistenzen und Widersprüche, die von med. pract. G._ beschrieben worden
seien. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von med. pract. G._ sei plausibel. In der
angestammten Tätigkeit sei von einer 50%igen und in einer angepassten Tätigkeit von
B.n.
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C.
einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Diese Arbeitsfähigkeiten würden mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit seit Oktober 2014 und mit Sicherheit seit Oktober
2019 gelten. Im Haushalt lägen bei freier Zeiteinteilung keine Einschränkungen vor (IV-
act. 97-5 f.).
Mit Vorbescheid vom 14. November 2019 wurde der Versicherten die Abweisung
des Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 0 % in Aussicht gestellt. Die
Versicherte sei als zu 80 % im Erwerb und als zu 20 % im Haushalt Tätige eingestuft
worden. In der angestammten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 %, in
einer angepassten eine solche von 100 % (IV-act. 100).
B.o.
Gegen diesen Vorbescheid erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt
lic. iur. T. Zogg, St. Gallen, am 6. Januar 2020 Einwand. Diesem legte sie eine
Stellungnahme von Dr. E._ vom 12. Dezember 2019 sowie eine psychiatrische
Beurteilung von Dr. med. H._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Konsiliarpsychiater der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva), vom 25.
August 2017 bei (IV-act. 103 und 105).
B.p.
Nach der Einholung einer erneuten RAD-Stellungnahme (vgl. IV-act. 106) verfügte
die IV-Stelle am 7. Februar 2020 die Abweisung des Rentenbegehrens (IV-act. 107).
B.q.
Gegen diese Verfügung erhob die weiterhin durch Rechtsanwalt Zogg vertretene
Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 11. März 2020 Beschwerde. Sie
beantragte, die Verfügung vom 7. Februar 2020 sei aufzuheben und ihr sei rückwirkend
ab dem 1. Oktober 2014 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen (act. G 1). Weiter beantragte sie die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung für das Verfahren vor
Versicherungsgericht (act. G 1 und 4).
C.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 28. Mai 2020 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
C.b.
Am 3. Juni 2020 entsprach das Versicherungsgericht dem Gesuch um Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung
C.c.
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
Invalidenrente.
2.
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor Versicherungsgericht
(act. G 6).
In ihrer Replik vom 3. September 2020 hielt die Beschwerdeführerin an den in der
Beschwerde gestellten Rechtsbegehren fest (act. G 10).
C.d.
Mit Schreiben vom 15. September 2020 hielt die Beschwerdegegnerin an dem in
der Beschwerdeantwort gestellten Antrag fest und verzichtete auf die Erstattung einer
ausführlichen Duplik (act. G 12).
C.e.
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf
eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Als
Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere
Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität ist bei im
Gesundheitsfall Vollzeiterwerbstätigen durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln
2.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/22
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(Art. 16 ATSG). Wenn eine versicherte Person auch ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht voll, sondern nur teilerwerbstätig gewesen wäre, ist
der Invaliditätsgrad gemäss der langjährigen Praxis des Bundesgerichts nicht anhand
eines reinen Einkommensvergleichs (vgl. Art. 16 ATSG), sondern anhand der
sogenannten gemischten Methode zu berechnen. Hierbei ist der Anteil der
Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (vgl. Art. 28a Abs. 3 IVG; BGE 141 V
21 E. 3.2). Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder
als nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten
Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (Urteil des
Bundesgerichts vom 17. April 2019, 8C_820/2018, E. 3.2). Massgebend sind die
Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben,
wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten
Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (Urteil des Bundesgerichts vom 11.
August 2016, 9C_179/2016, E. 4.2.1 mit Hinweisen). Im vorliegenden Fall hat die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin aufgrund deren Angaben in den
Fragebögen zur Rentenabklärung (vgl. IV-act. 56-1 und 78-1) sowie anlässlich der
Haushaltsabklärung (vgl. IV-act. 82-5) zu Recht als im Gesundheitsfall
Teilzeiterwerbstätige (80 % Erwerb, 20 % Haushalt) eingestuft (vgl. IV-act. 107). Auch
die Beschwerdeführerin kritisiert diese von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
Qualifikation nicht (vgl. act. G 1 und 10).
Um die Arbeitsfähigkeit bzw. Leistungsfähigkeit einer versicherten Person
bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im Beschwerdefall das Gericht - auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweis).
2.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/22
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3.
Für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin hat sich die
Beschwerdegegnerin sowohl hinsichtlich des Erwerbsteils (Gewichtung 80 %) als auch
hinsichtlich des Aufgabenbereichs (Gewichtung 20 %) auf das Gutachten von med.
pract. G._ sowie die Stellungnahmen des RAD abgestützt (vgl. act. G 5).
Demgegenüber erachtet die Beschwerdeführerin das Gutachten aus verschiedenen
Gründen als nicht beweiskräftig (vgl. act. G 1 und 10).
3.1.
3.2.
Zunächst bemängelt die Beschwerdeführerin das Gutachten von med. pract.
G._ dahingehend, dass es Inkonsistenzen enthalte. So habe med. pract. G._
einerseits ausgeführt, dass sie, die Beschwerdeführerin, in ihren Antworten auf
konkrete Fragen zu den geltend gemachten Beschwerden trotz wiederholter
Nachfragen wenig konkret und stereotyp geblieben sei. Andererseits habe med. pract.
G._ festgehalten, dass die Angaben bei konkreten Nachfragen wiederholt
inkonsistent, punktuell auch widersprüchlich gewesen seien. Diese Schlussfolgerungen
seien nicht nachvollziehbar. Wenn Antworten stereotyp seien, könnten sie nicht
gleichzeitig inkonsistent sein. Des Weiteren habe med. pract. G._ ausgeführt, dass
viele ihrer Fragen nicht beantwortet worden seien, da sie, die Beschwerdeführerin, eine
fehlende Erinnerung bzw. massive Gedächtnisstörungen seit dem Überfall geltend
gemacht habe. Im Widerspruch dazu habe die Gutachterin dann aber festgehalten,
dass bei der Konfrontation mit den in den Akten beschriebenen Ereignissen ein gutes
Erinnerungsvermögen vorgelegen habe (act. G 1 S. 8 f.).
3.2.1.
Dass die Beschwerdeführerin teilweise angegeben hat, sich nicht erinnern zu
können, sich andererseits aber an gewisse Ereignisse sehr gut hat erinnern können, ist
tatsächlich widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit hat aber nicht die Gutachterin,
sondern die Beschwerdeführerin zu verantworten. Med. pract. G._ weist insofern
plausibel auf dieses widersprüchliche Erinnerungsvermögen hin, als es eben gerade
Zweifel an den geltend gemachten Erinnerungslücken aufkommen lässt. Was den
Einwand der Beschwerdeführerin hinsichtlich des Antwortverhaltens betrifft, ist
festzuhalten, dass Antworten durchaus oberflächlich, also in gewisser Weise stereotyp,
und gleichzeitig inkonsistent sein können. Dies zeigt sich in der im Gutachten
enthaltenen detaillierten Dokumentation der gegebenen Antworten (vgl. IV-act.
96-26 ff.).
3.2.2.
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3.3.
Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, dass das psychiatrische
Gutachten nicht überzeuge, da sich med. pract. G._ nicht rechtsgenügend mit
anderslautenden fachärztlichen Beurteilungen auseinandergesetzt habe. Ihre
Einschätzung stehe im Widerspruch zur Beurteilung des behandelnden Psychiaters Dr.
E._, welcher eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für angepasste Tätigkeiten attestiert
habe. Auch der Hausarzt Dr. med. I._, Arzt für Allgemeine Medizin FMH, sei in
seinem Bericht vom 28. März 2018 von einer schweren Depression ausgegangen und
habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit attestiert. Dr.
med. J._, praktischer Arzt, sei in seinem Bericht vom 27. April 2015 ebenfalls von
einer akuten Belastungsreaktion ausgegangen. Schliesslich stehe das Gutachten von
med. pract. G._ auch in einem Widerspruch zum Bericht des Psychiatrischen
Zentrums Z._ vom 13. Januar 2014 und demjenigen der Tagesklinik des
Psychiatrischen Zentrums X._ vom 23. Mai 2017, in welchen ebenfalls von einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen worden sei. Weiter widerspreche das
Gutachten auch der Stellungnahme von Dr. H._ vom August 2017. Dieser sei davon
ausgegangen, dass ein überwiegender Teil der Symptomatik ohne den Überfall
vom ._ 2013 nicht vorhanden wäre und dass sämtliche zur Verfügung stehenden
Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft seien, weshalb von der weiteren Behandlung
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine namhafte Besserung mehr erwartet
werden könne (act. G 1 S. 9 ff.).
3.3.1.
Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin hat sich med. pract. G._
ausreichend mit den teils divergierenden Einschätzungen der behandelnden Ärzte
auseinandergesetzt. Die Herleitung der von ihr gestellten Diagnosen hat sie im
Gutachten detailliert beschrieben und dabei auf die von anderen Ärzten gestellten
Diagnosen ausreichend Bezug genommen. Sie hat ausführlich begründet, weshalb eine
allenfalls früher vorhandene schwere depressive Episode sowie eine posttraumatische
Belastungsstörung als weitgehend remittiert anzusehen seien (vgl. IV-act. 96-39 ff.). Im
Weiteren hat sie bezüglich der Diagnosestellung auch auf Inkonsistenzen in den
Berichten der behandelnden Ärzte hingewiesen. So hat sie beispielsweise festgehalten,
dass im Austrittsbericht der Tagesklinik des Psychiatrischen Zentrums Z._ vom 13.
Januar 2014 (vgl. IV-act. 26) die Diagnose einer schweren depressiven Episode gestellt
worden sei, eine solche aber nicht zu den im Bericht enthaltenen Beschreibungen,
wonach die Beschwerdeführerin stets mit Freude an einer Kochgruppe teilgenommen
habe und sich dabei kreativ habe einbringen können, passe (IV-act. 96-49). Auch hat
med. pract. G._ den zeitlichen Verlauf der Erkrankung unter Würdigung der Berichte
3.3.2.
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der behandelnden Ärzte dargelegt. Dabei hat sie namentlich darauf hingewiesen, dass
die ärztlicherseits kurz nach dem Überfall vom ._ 2013 erfolgte diagnostische
Einschätzung einer akuten Belastungsreaktion absolut nachvollziehbar sei ebenso wie
die im Austrittsbericht des Psychiatrischen Zentrums Z._ vom 3. Oktober 2013
erwähnte posttraumatische Belastungsstörung. Retrospektiv sei auch die damals
diagnostizierte schwere depressive Episode nachvollziehbar. Dr. D._ habe dann
allerdings in seinem Bericht vom Dezember 2013 (Fremdakten, 1-52 f.) bereits
Inkonsistenzen und Widersprüche in der Beschwerdeschilderung der
Beschwerdeführerin beschrieben, die gerade auch vor dem Hintergrund der
hausärztlichen Berichte von Dr. C._ (vgl. Fremdakten 1-66, 1-68 und 1-34) sowie vor
dem Hintergrund des Austrittsberichts des Psychiatrischen Zentrums Z._ vom 4.
Oktober 2013 (IV-act. 37-6 ff.) einleuchtend seien (IV-act. 96-48 ff.). In der Tat erscheint
es fragwürdig, wenn sich der Zustand der Beschwerdeführerin in den ersten Wochen
des stationären Aufenthaltes im Psychiatrischen Zentrum Z._ stark verbessert hat,
während sich gegen Ende des Aufenthaltes - angeblich ausgelöst durch einen Termin
bei der Opferberatung - plötzlich ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten eingestellt
hat, welches eine konsequente Teilnahme am Therapieprogramm verunmöglicht hat
(vgl. IV-act. 37-6 ff.). Auch im Rahmen der im Jahr 2014 begonnenen tagesklinischen
Behandlung im Psychiatrischen Zentrum Z._ ist gegen Ende des Aufenthaltes -
wiederum angeblich ausgelöst durch einen Kontakt mit einer anderen Institution - eine
Dekompensation bzw. eine Verschlechterung der Beschwerden eingetreten (vgl. IV-
act. 26). Aus psychiatrischer Sicht hat med. pract. G._ keinen nachvollziehbaren
Zusammenhang zwischen den Dekompensationen und der Problematik der
posttraumatischen Belastungsstörung erkannt (IV-act. 96-53). Auch die nachfolgenden
Versuche einer stationären oder teilstationären Behandlung sind gescheitert. Der
Aufenthalt in einer speziell auf Opfer von Traumata ausgerichteten Station der F._ im
Februar 2016 ist seitens der Versicherten nach wenigen Tagen abgebrochen worden,
da ihrem Wunsch nach einem Wechsel der Therapeutin nicht nachgekommen worden
ist. Gemäss Austrittsbericht der F._ vom 24. Februar 2016 hat sich die
Beschwerdeführerin kaum in die Patientengruppe eingefügt, sondern morgens und
abends auf den Besuch der Familie gewartet. Die behandelnden Ärzte der F._ haben
für einen allfälligen erneuten Aufenthalt die Bedingung formuliert, dass die
Beschwerdeführerin die Bereitschaft mitbringen müsste, sich in einem Mindestmass in
eine bestehende Gruppe einzuleben sowie an einer regelmässigen Psychotherapie
teilzunehmen (IV-act. 71). Auch die Teilnahme am Programm der Tagesklinik des
Psychiatrischen Zentrums X._ anfangs 2017 ist von der Beschwerdeführerin vorzeitig
beendet worden (IV-act. 66-2 f.). Schon Dr. H._ hat in seiner Beurteilung vom August
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2017, auf die sich die Beschwerdeführerin unter anderem beruft (vgl. E. 3.3.1),
bezweifelt, dass die zahlreichen Therapieabbrüche einzig aufgrund eines
Überforderungsgefühls erfolgt seien. Als mögliche Ursache für die
Behandlungsabbrüche hat er auch die Ambivalenz der Beschwerdeführerin gegenüber
den angebotenen Therapien erwähnt (vgl. IV-act. 103-21 ff.). Weiter hat der RAD in
seiner Stellungnahme vom 2. August 2018 darauf hingewiesen, dass die
Anspruchshaltung der Beschwerdeführerin (z.B. der dezidierte Wunsch nach einem
Therapeutenwechsel oder der Abbruch der ambulanten Behandlung bei Dr. D._
aufgrund einer kurzen Wartezeit) nicht unbedingt auf einen Leidensdruck hindeuten
würden. Diese Anspruchshaltung passe auch nicht zu einer ängstlich-abhängigen
Persönlichkeit (IV-act- 75-5). Damit übereinstimmend hat med. pract. G._
retrospektiv lediglich hinsichtlich der ersten stationären psychiatrischen Behandlung im
Zeitraum von August bis Oktober 2013 eine gute Motivation der Beschwerdeführerin
erkannt, während sie die Motivation hinsichtlich der von August bis Oktober 2014
erfolgten tagesklinischen Behandlung vor dem Hintergrund eines sekundären
Krankheitsgewinns zumindest als ambivalent gewertet hat. Eine tragfähige Motivation
zu einer Trauma-spezifischen Behandlung in der F._ im Februar 2016 oder zur
tagesklinischen Behandlung in X._ anfangs 2017 ist für die Gutachterin nicht
erkennbar gewesen (IV-act. 96-50). Diese Einschätzung von med. pract. G._ wird
durch die im Rahmen der Begutachtung durchgeführte Messung der Spiegel der
verordneten Medikamente gestützt. Der Serumspiegel des Medikaments Temesta
(Wirkstoff Lorazepam) hat nämlich unterhalb des therapeutischen Bereichs gelegen
und jener des schlafanstossenden Antidepressivums Trimipramin ist überhaupt nicht
nachweisbar gewesen (IV-act. 96-50 f.). Darüber hinaus sind med. pract. G._ im
Rahmen der Begutachtung weitere Inkonsistenzen im Verhalten und in den seitens der
Beschwerdeführerin geltend gemachten Erinnerungslücken aufgefallen (vgl. IV-act. 96;
vgl. dazu auch E. 3.2). Auch das von der Beschwerdeführerin anlässlich der
Haushaltsabklärung durch die Beschwerdegegnerin gezeigte Verhalten, das bereits
den RAD irritiert hatte (die Beschwerdeführerin hat die ganze Zeit auf der Polstergruppe
gelegen und keine Auskunftsbereitschaft gezeigt; vgl. IV-act. 82), hat sich med. pract.
G._ medizinisch nicht hinreichend erklären können (vgl. IV-act. 96-54). Gerade vor
diesem Hintergrund ist es nicht zu beanstanden, dass med. pract. G._ nicht
unbesehen auf die von den behandelnden Ärzten attestierten Diagnosen und
Arbeitsunfähigkeiten abgestellt, sondern diese kritisch hinterfragt hat, zumal die
behandelnden Ärzte wegen ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung geneigt sein
können, eher zugunsten ihrer Patienten auszusagen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5; Urteil
des Bundesgerichts vom 29. Oktober 2014, 8C_677/2014, E. 7.2). Med. pract. G._
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hat denn auch einleuchtend dargelegt, dass Dr. E._ sich als behandelnder Arzt nicht
mit den bereits von Dr. D._ beschriebenen Inkonsistenzen befasst, sondern in seinen
Berichten zu grossen Teilen auch auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin
abgestellt habe (vgl. IV-act. 96-52). Sodann seien in den Austrittsberichten der F._
(IV-act. 67-5 ff.) und der Psychiatrischen Tagesklinik X._ (IV-act. 66-2 f.) Diagnosen
unkritisch übernommen worden und die in den Berichten erwähnten psycho
pathologischen Befunde stellten eine Vermischung von subjektiven Beschwerden und
tatsächlich festgestellten psychischen Symptomen dar, weshalb aus gutachterlicher
Sicht auf diese Berichte nicht abgestellt werden könne (vgl. IV-act. 96-53). Soweit die
Beschwerdeführerin sich auf den Bericht von Dr. I._ vom 28. März 2018 beruft, ist auf
die darin enthaltenen Ausführungen zu verweisen, wonach sie diesen Hausarzt nach
November 2012 lediglich im Oktober 2017 einmalig wegen thorakaler Schmerzen
aufgesucht habe und am 6. März 2018 erneut vorstellig geworden sei, um über die
letzten fünf Jahre zu berichten. Dementsprechend hat Dr. I._ bezüglich Diagnosen
und Arbeitsunfähigkeiten auf die Einschätzung von Dr. E._ abgestellt und die
Beschwerdegegnerin für weitere Angaben an ihn verwiesen (vgl. IV-act. 67-1 ff.). Auch
Dr. J._ hat in seinem Bericht vom 27. April 2015 im Wesentlichen auf weitere
Berichte verwiesen (vgl. IV-act. 37-2 ff.). Zusammenfassend erscheint die Einschätzung
von med. pract. G._, wonach eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit lediglich bis Oktober
2013 gut nachvollziehbar sei, während vermutlich schon danach und mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit seit Oktober 2014 in der angestammten Tätigkeit
eine 50%ige und einer leidensangepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
vorliege (vgl. IV-act. 96-55), einleuchtend. An diesem Ergebnis vermag auch der im
Beschwerdeverfahren neu eingereichte Bericht von Dr. E._ vom 4. März 2020 nichts
zu ändern (vgl. act. G 1.1.3). Ein medizinisches Administrativ- oder Gerichtsgutachten
ist nämlich nicht stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu
nehmen, wenn die behandelnden Ärzte später zu anderslautenden Einschätzungen
gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten.
Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil
die behandelnden Ärzte wichtige Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung
unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundegerichts vom 27. Mai
2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2 mit weiterem Hinweis). Solche im Rahmen der
Begutachtung unberücksichtigt gebliebenen Aspekte sind dem neu eingereichten
Bericht nicht zu entnehmen.
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4.
3.4.
Schliesslich rügt die Beschwerdeführerin die Dauer der Begutachtung. Es liege
auf der Hand, dass die aus einem knapp dreistündigen Gespräch gezogenen Schlüsse
nicht vergleichbar seien mit der Diagnose und der Einschätzung von Dr. E._, der sie
über längere Zeit regelmässig fachärztlich betreut habe. Insbesondere bei psychischen
Problemen erscheine eine einmalige Begutachtung nicht ausreichend, um eine
verlässliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vornehmen und die Berichte der
behandelnden Fachärzte in Frage stellen zu können (vgl. act. G 1 S. 7).
3.4.1.
Dass sich eine psychiatrische Begutachtung nicht auf einen gleich langen
Beobachtungszeitraum wie Berichte behandelnder Fachleute stützen kann, liegt in der
Natur der Sache. Dieser Umstand allein vermag den Beweiswert einer Expertise jedoch
nicht zu schmälern (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. November 2012,
9C_671/2012, E. 4.5). Med. pract. G._ hat die Beschwerdeführerin sorgfältig und in
Kenntnis der Vorakten exploriert. Vorliegend sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich,
dass die Dauer der Untersuchung keine seriöse Beurteilung der Beschwerdeführerin
erlaubt hätte.
3.4.2.
Die von der Beschwerdeführerin gegen das Gutachten von med. pract. G._
vorgebrachten Einwände erweisen sich nach dem Gesagten als nicht stichhaltig.
Vielmehr leuchtet die von med. pract. G._ bescheinigte Arbeitsfähigkeit in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation ein. Weiter bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv
wesentliche Tatsachen im Gutachten nicht berücksichtigt worden wären. Schliesslich
hat med. pract. G._ auch die vom Bundesgericht definierten Standardindikatoren des
strukturierten Beweisverfahrens ausreichend berücksichtigt. Auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von med. pract. G._ kann somit abgestellt werden.
Folglich ist bis September 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen. Ab
Oktober 2014 ist in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin von einer 50%igen und
in optimal leidensangepassten Tätigkeiten von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit
auszugehen (IV-act. 96-55 und 97-5 f.). Im Haushaltsbereich sind unter
Berücksichtigung der Art der Beeinträchtigungen bei freier Zeiteinteilung sodann keine
Einschränkungen anzunehmen (vgl. IV-act. 96-55).
3.5.
In einem nächsten Schritt sind die erwerblichen Auswirkungen der Gesundheits
beeinträchtigung zu prüfen. Dabei ist der Invaliditätsgrad anhand der sogenannten
gemischten Methode festzusetzen (vgl. E. 2.1).
4.1.
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4.2.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades im Erwerbsbereich wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Entscheidend
für den Einkommensvergleich sind grundsätzlich die Verhältnisse im Zeitpunkt des
Beginns des Rentenanspruchs (vgl. BGE 129 V 222).
4.2.1.
Die IV-Anmeldung der Beschwerdeführerin ist am 18. März 2014 bei der
Beschwerdegegnerin eingetroffen (IV-act. 1-1). Der früheste Beginn eines allfälligen
Rentenanspruchs im Sinne von Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG wäre somit der 1. September
2014. Das Wartejahr i.S.v. Art. 28 Abs. 1. lit. b IVG war zu diesem Zeitpunkt bereits
verstrichen, da die Arbeitsunfähigkeit am Tag des Überfalls vom ._ 2013 ihren Anfang
genommen hat (vgl. IV-act. 1-5). Massgebend für den Einkommensvergleich ist somit
das Jahr 2014.
4.2.2.
Für das Valideneinkommen ist entscheidend, was die versicherte Person
aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und ihrer persönlichen Umstände nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des
allfälligen Rentenbeginns hätte verdienen können, wenn sie nicht invalid geworden
wäre (Art. 16 ATSG; BGE 135 V 59 E. 3.1 und 139 V 30 E. 3.3.2, je mit Hinweisen).
Ausgehend von den Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin
(vgl. IV-act. 15-3) hat die Beschwerdegegnerin hochgerechnet auf ein Pensum von 100
% (vgl. Art. 27 Abs. 3 lit. a der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR
831.201]) für das Jahr 2014 ein Valideneinkommen von jährlich Fr. 50'266.-- ermittelt
(vgl. IV-act. 107), was nicht zu beanstanden ist. Auch die Beschwerdeführerin hat am
errechneten Valideneinkommen keine Kritik geübt (vgl. act. G 1 und 10).
4.2.3.
bis
Für die Ermittlung des Invalideneinkommens ist, wie die Beschwerdegegnerin zu
Recht ausgeführt hat (vgl. IV-act. 107-1), grundsätzlich auf den Medianlohn der
schweizerischen Lohstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik für die im
Kompetenzniveau 1 beschäftigten Frauen abzustellen. Den LSE-Werten folgend ergäbe
sich für das Jahr 2014 für ein Pensum von 100 % (bei einer betriebsüblichen
wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden) ein Jahreseinkommen von Fr. 53'793.--
(vgl. Anhang 2 der von der Informationsstelle AHV/IV herausgegebenen
Gesetzesausgabe "Invalidenversicherung, Allgemeiner Teil des
4.2.4.
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Sozialversicherungsrechts", Ausgabe 2019). Bei LSE-Daten handelt es sich allerdings
lediglich um statistische Durchschnittswerte, was sich daran zeigt, dass die
Beschwerdeführerin im vorliegenden Fall als Gesunde in einem Pensum von 100 % ein
unter dem LSE-Wert für Hilfsarbeitertätigkeiten liegendes Einkommen erzielt hat. Da
die Akten keinerlei Anhaltspunkte dafür liefern, dass die Beschwerdeführerin freiwillig
auf ein höheres Einkommen verzichtet hat, ist anzunehmen, dass die
Unterdurchschnittlichkeit ihres Validenlohns auf die für die Invaliditätsbemessung nicht
zu berücksichtigenden Zwänge des realen Arbeitsmarktes zurückzuführen ist. Folglich
ist es nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin das Invalideneinkommen
mit dem Valideneinkommen gleichgesetzt hat (vgl. IV-act. 107-2).
Da somit sowohl hinsichtlich des Validen- als auch hinsichtlich des
Invalideneinkommens von derselben Lohnbasis auszugehen ist, kann der
Einkommensvergleich anhand eines sogenannten Prozentvergleichs vorgenommen
werden. Dabei entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit,
allenfalls unter Berücksichtigung eines Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. BGE 126 V 75).
Gründe, die einen weiteren Abzug auf Seiten des Invalideneinkommens rechtfertigen
würden, sind vorliegend nicht ersichtlich und werden auch nicht geltend gemacht.
4.2.5.
Für den September 2014, in welchem noch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
anzunehmen ist, ergibt sich somit für den Erwerbsbereich ein Invaliditätsgrad von 100
%. Für die Zeit ab Oktober 2014, in welcher von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in
angepassten Tätigkeiten auszugehen ist, resultiert im Erwerbsbereich ein
Invaliditätsgrad von 0 % (für die Arbeitsunfähigkeitsgrade vgl. E. 3.5).
4.2.6.
Die für den Teilbereich Erwerb errechneten Invaliditätsgrade sind schliesslich
entsprechend dem für den Erwerbsbereich anzunehmenden Pensum zu gewichten. Bei
einer Gewichtung des Erwerbsbereichs von 80 % (vgl. E. 2.1) und einem
Teilinvaliditätsgrad von 100 %, wie er für den September 2014 anzunehmen ist
(vgl. E. 4.2.6), ergibt sich ein gewichteter Teilinvaliditätsgrad von 80 % (80 x 100 / 100).
Bei einem Teilinvaliditätsgrad von 0 %, wie er für die Zeit ab Oktober 2014 gilt
(vgl. E. 4.2.6), resultiert ein gewichteter Teilinvaliditätsgrad von 0 % (80 x 0 / 100).
4.2.7.
Im Haushaltsbereich sind entsprechend der gutachterlichen Einschätzung keine
Einschränkungen ausgewiesen (vgl. IV-act. 96-55), was zumindest für den Zeitraum ab
Oktober 2014 nachvollziehbar erscheint. Folglich ist im Aufgabenbereich spätestens ab
Oktober 2014 von einem Teilinvaliditätsgrad von 0 % auszugehen, wobei auch der
gewichtete Teilinvaliditätsgrad 0 % (20 x 0 / 100) entspricht. Ob im September 2014
analog dem Grad der Arbeitsunfähigkeit auch im Haushalt von einer vollen
4.3.
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5.