Decision ID: 434b6bf5-849e-4e18-813d-98a9cc3e82f0
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1957, führte als Küchenchef und Hotelier selb
ständig das Hotel
Y._
von Dezember 2005 bis August 2009
(
Urk.
7/1 S. 6,
Urk.
7/25 S. 1)
. Nach Aufgabe der Arbeitst
ätigkeit zog der Versi
cherte nach
Z._
und meldete sich am 2
8.
Dezember 2009
(Eingangsda
tum)
bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle,
unter Hinweis auf
eine psychische Beeinträchtigung
zum
Leistungs
bezug
an.
Die
IV-Stelle
holte Arztberichte
von
Dr.
med.
A._
, Facharzt Allgemeine Medizin FMH,
vom 2
9.
Januar 2010 (
Urk.
7/6)
sowie vom behan
delnden Psychiater
Dr.
med.
B._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
vom
8.
Februar 2010,
ein
(
Urk.
7/7
).
Am
9.
Juli 2010 teilte
Dr.
B._
der IV-Stelle auf Nachfrage hin
mit, dass ab Juni 2010 Inte
grationsmassnahmen möglich seien
(
Urk.
7/15).
Am
8.
November 2010 unterrichtete er die IV-Stelle telefonisch darüber, dass es dem Versicherten deutlich besser gehe und er seit einiger Zeit
einen Tag pro Woche im ge
schützten Rahmen als Koch im
Bistro
C._
in
Z._
arbeite (Urk.
7/19
)
.
In der Folge erteilte d
ie IV-Stelle
am 1
0.
März 2011
eine Kosten
gutspra
che für ein Arbeitstraining im
Bistro
C._
für den Zeitraum vom 3
1.
Januar 2011 bis zum 3
0.
April 2011 (
Urk.
7/29,
Urk.
7/30), welches schliess
lich
bis zum 3
1.
Juli 2011 verlängert wurde (
Urk.
7/34
, Urk.
7/45
).
Das Arbeitstraining
verlief gemäss Schlussbericht Integrationsmassnahme im Bistro
C._
vom 2
5.
Juli 2011 erfolgreich und es konnte eine Arbeitsfä
higkeit von 70 – 80
%
erreicht werden, wobei der Versicherte 1 – 2mal pro Woche die Verantwortung als Küchenchef übernahm (
Urk.
7/38).
Bereits am 2
9.
Juni 2011 hatte die IV-Stelle d
as Unternehmen
D._
mit der Arbeitsver
mittlung beauftragt (
Urk.
7/37).
Mit dieser Unterstützung
fand der Versicherte eine 77.4%ige Arbeitsstelle als Koch beim Krippenverein
E._
ab dem 2
2.
Februar 2012 (
Urk.
7/42 S. 3,
Urk.
7/44).
Dem
Versicherten
wurde
aber
noch während der Probezeit
per
3.
Mai 2012 wieder gekündigt
(
Urk.
7/43)
.
Die Arbeitsvermittlung blieb
danach
erfolg
los und
wurde per November 2012
abgeschlossen (
Urk.
7/57
)
.
Beim Gespräch des Versicherten mit der IV-Stelle am 3
1.
Januar 2013 im Rahmen der Eingliederungsberatung wurde festgehalten, dass die Möglichkeiten der IV-Stelle erschöpft seien. Es wurde
vereinbart
, dass der Versicherte abkläre, ob er via Sozialamt in einem geschützten Rahmen arbeiten könne. Nachdem der
Versicherte
sich bis zum 2
5.
April 2013 nicht bei
der IV-Stelle
zurückmeldete
, wurde das Dossier bezüglich Eingliederungsberatung geschlossen (Urk. 7/60).
Entsprechend
dem von der IV-Stelle
angeforderten
Arztbe
richt vom 1
9.
Juni 2013 von Dr.
B._
war der Versicherte seit 1
8.
Novemb
er 2009 zu 100
%
arbeitsunfähig.
Dr.
B._
schloss aber den Erfolg einer erneuten begleiteten Eingliederung nicht aus (
Urk.
7/61 S. 3
).
Dipl. med. Peter F._
, Facharzt für Neurologie, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie vom
Regionalen ä
rztlich
en
Dienst
(RAD)
,
nahm am
2
6.
Juni 2013
dahingehend Stellung, dass
der Versicherte in bisheriger Tätigkeit seit Mai 2009 vollständig arbeitsunfähig
sei
. In angepasster Tätigkeit ohne Führungsauf
gaben sei er ab dem
1.
Juni 2010 zu 40
%
arbeitsfähig gewesen, ab dem Stellenverlust im Jahre 2013 sei er wieder zu 0
%
arbeitsfähig. Er befinde sich in ausreichender Behandlung
, eine erneute Beurteilung sollte in 12
Monaten erfolgen
(
Urk.
7/62 S.
6).
Bei der Berechnung der durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit
bemerkte
demge
genüber
die IV-Stelle
, dass innerhalb von 4-6 Monaten nach dem
1.
Juni 2010
sowohl in
einer
angepassten wie auch in der angestammten Tätigkeit
von
eine
r
volle
n
Arbeitsfähigkeit
auszugehen sei
.
Die Sachbearbeiterin hielt nach Bespre
chung mit dem Rechtsdienst
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
vom 2
1.
August
2013
im Feststellungsblatt fest, dass
kein lang andauernder Ges
undheitsschaden ausgewiesen
sei
und die gesundheitlichen Einschränkung
en
aufgrund ps
ychosozialer Einflüsse bestehen
würden
(
Urk.
7/62 S. 7).
1.2
Mit Vorbescheid vom 2
1.
August 2013
stellte die IV-Stelle dem
Versicherten die Abweisung seines Rentenbegehrens in Aussicht
mit der Begründung
,
dass
kein
lang andauernde
r
Gesundheitsschaden
vorliege
. Vielmehr sei die aktuelle gesundheitliche Einschränkung auf psychosoziale Einflüsse zurückzuführen, welche für die Invalidenver
sicherung nicht relevant seien (Urk. 7/63). Dagegen erhob der Versicherte, nun
mehr vertreten
durch
die P
ro
I
nfirmis
,
am
19.
September
2013
Einwand (
Urk.
7/65
;
ergänzende
Einwandbegründung
vom 2
5.
Oktober 2013 [
Urk.
7/68]). Mit Verfügung vom
2
2.
Januar 2014
verneinte die IV-Stelle
wie angekündigt einen
Rentenanspruch (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
mit Datum vom 2
0.
Februar 2014
Beschwerde
und beantr
agte, es sei die Verfügung vom 22. Januar
2014 aufzu
heben und
es sei
ihm eine ganze Rente zuzusprechen
.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1).
Die Beschwe
rdegegnerin schloss am 2
5.
März
2014 auf
Abweisung der Beschwerde
(
Urk.
6), was dem Beschwerdeführer am 3
1.
März 2014
zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10
).
Der vom Beschwerdeführer am
9.
Mai 2014 nachgereichte Arztbericht von
Dr.
B._
vom 2
8.
März 2014 (
Urk.
11 und Urk. 12/1-2) wurde der Beschwerdegegnerin am 1
3.
Mai 2014 zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
13).
3.
Auf
die
Vorbringen der Parteien sowie auf die Akten ist, soweit für die
Ent-scheidfindung
erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der Invalidenversicherung zu Recht verneint hat.
1.2
In der angefochtenen Verfügung vom 2
2.
Januar 2014 (
Urk.
2) erwog die
Beschwer
degegnerin
, dass kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege, sondern die aktuelle gesundheitliche Einschränkung auf psychosoziale Einflüsse zurückzuführen sei, welche für die Invalidenversicherung nicht relevant seien
.
Gemäss RAD bestehe zwar eine gesundheitliche Einschränkung, diese sei jedoch rein medizinischer Natur, aus rechtsanwendender Sicht seien die genannten Diagnosen nach wie vor überwindbar
(
Urk.
2).
1.3
Der Beschwerdeführer lässt demgegenüber vorbringen, er sei aufgrund seiner gesundheitlichen Beschwerden weder in der angestammten noch in einer ange
passten Tätigkeit in der Lage
,
ein Renten ausschliessendes Einkommen zu erzielen. Die gesundheitlichen Einschränkungen seien unüberwindbar und nicht auf psychosoziale Einflüsse zurückzuführen (
Urk.
1).
1.4
In der Vernehmlassung vom 2
5.
März
2014 (
Urk.
6) brachte die
Beschwer
de
gegne
rin
vor,
ein Burn-
out
werde
in
der Regel mit ICD-10 Z73.0 diagnostiziert. Dies sei eine Belastung, welche den Gesundheitszustand einer Person beein
flussen würde, an sich aber keine Krankheit oder Schädigung sei und somit nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheitsschadens falle. Daran ändere auch die Einordnung von
Dr.
B._
nichts, da die Beschwerden durch die enorme psychosoziale Belastung entstanden seien und durch diese unter
halten würden. Die festgestellte psychische Krankheit habe ihre hinreichende Erklärung in diesen psychosozialen Umständen und gehe gleichsam in ihnen auf.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
tels
rente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.
4
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist - auch bei psychischen Erkran
kungen - in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität füh
ren, indem sie einen ver
selbst
ändigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden - Fol
gen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil
des Bundesgerichts
9C_
537/2011
vom
2
8.
Juni 20
12
E. 3.2
mit Hinwei
sen
).
2.
5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE
134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.6
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach
Art.
49
Abs.
2
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
ist mit jenem externer medizinischer Sachver
ständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten genügen. Auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen - zu denen die RAD
Berichte gehören - kann allerdings nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_512
/2014 vom 1
2.
Januar 2015, E. 3.3.1 mit Hinweisen
).
2.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständi
ger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Verfahren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S. 69).
3.
3.1
Dr.
med.
G._
,
FMH
für Allgemeine Medizin, der den Beschwerdeführer von Februar bis Ende September 2009 behandelt hatte,
diagnostizierte in seinem Arztbericht
vom 24.
September 2010
(Eingangsdatum)
eine psychische Dekom
pensation sowie eine larvierte Depression, welche
beide
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Daneben leide der Beschwerdeführer an Diabetes mellitus Typ II, wobei dies keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
habe
. Im Rahmen der Anamnese notierte er
, dass es mit Müdigkeit
, Adynamie und Überforderung bei der Arbeit
begonnen habe
.
Nebst Diab
e
tes mellitus Typ II gab er
als Befunde
Antriebsschwäche, Schlaflosigkeit und psychosomatische Beschwerden
an.
V
om 2
0.
Februar 2009 bis zum
9.
März 2009
sei der Beschwerdeführer
zu 25 %
, vom 1
0.
März 2009 bis zum 2
7.
Mai 2009 zu 50
%
und
ab dem 2
8.
Mai 2009 zu 100
%
arbeitsunfähig
gewesen
.
Bei
geeigneter Tätigkeit und gutem Arbeitsumfeld
sei
eine 100%
ige Arbeitsfähigkeit möglich
(
Urk.
7/18 S. 2).
3.2
Dr.
A._
hielt in seinem Arztbericht vom 2
9.
Januar 2010 fest, dass der Beschwerdeführer an einer psychiatrischen Erkrankung leide,
deren
Einzelheiten
ihm nicht
bekannt seien. Die übrigen internistischen Diagnosen
hätten
keine Relevanz bezüglich Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
7/6 S. 9).
3.3
Dr.
B._
hielt
im Arztbericht vom
8.
Februar 2010 (
Urk.
7/7 S. 2f.)
unter Anam
nese
fest
, dass der Beschwerdeführer ab Übernahme des Betriebes in eige
ner Verantwortung im Jahr 2005 aufgrund seiner Gewissenhaftigkeit, des wechselnden, stark wetterabhängigen Arbeitsanfalls und grosser finanzieller Belastung schnell unter depressiven Symptomen
ge
litt
en hätte
. Bereits anfangs 2
007 sei er von seinen Söhnen auf seinen Zustand angesp
rochen
worden
, hätte dem aber keine Bedeutung geschenkt. Auch hätte er immer wieder gehofft, dass die nächste Saison geschäftlich und gesundheitlich besser würde. Allerdings hätte er zunehmend unter Nervosität, Bauchweh, Schmerzen über der Brust und grosser Müdigkeit gelitten, so dass er tagsüber plötzlich eingeschlafen sei. Nachts hätte er aufgrund seiner Sorgen nicht schlafen können. Zur äusseren Belastung sei noch der
anankastische
Persönlichkeitszug, der den Beschwerde
führer mit seinem Hang zur Perfektion und Übergewissenhaftigkeit vor allem in der Küche aber auch im übrigen Betrieb zusätzlich belastet hätte
, hinzugekom
men
.
Dr.
B._
diagnostizierte
eine
schwere depressive Reaktion im S
inne eines
B
urn
-
out
(ICD
-10 F
32.2) sowie eine
anankastische
Persön
lichkeit (ICD-10 F
60.5)
.
Der Beschwerdeführer sei
durch eine
Ersch
öpfungsdepression einge
schränkt
. Nach adäquater Therapie sollte er innert 6 – 8 Monate
n wieder voll arbeitsfähig sein
.
3.4
Am
9.
Juli 2010 teilte
Dr.
B._
der IV-Stelle auf Nachfrage hin mit, dass ab Juni 2010 Integrationsmassnahmen möglich seien (
Urk.
7/15). Am
8.
November 2010 unterrichtete er die IV-Stelle telefonisch darüber, dass es dem Versicherten deutlich besser gehe und er seit einiger Zeit einen Tag pro Woche im geschütz
ten Rahmen als Koch im Bistro
C._
in
Z._
arbeite (Urk.
7/19).
Dr.
med.
H._
,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
vom RAD
,
hielt in
ihrer
abschliessenden Stellungnahme vom 1
0.
November 201
0
fest, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht gesundheitliche Ein
schränkungen ausgewiesen seien, welche die Arbeitsfähigkeit einschränken würden.
Für den Zeitraum vom 2
0.
Februar 2009 bis zum 3
1.
Mai 2010 schloss sie sich dabei dem Arztbericht von
Dr.
G._
vom 2
4.
September 2010 an (E.
3.1). Weiter hielt sie fest, dass a
b dem
1.
Juni 2010 von einer 40%igen Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als Koch ohne Führungsaufgaben ausgegangen werden
könne
, was einer angepassten Tätigkeit entspreche. In der bisherigen Tätigkeit als selbständiger Koch mit Führungsaufgaben bestehe derzeit noch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Aus versicherungsmedizinischer Sicht könne durch eine weiterführende psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung und einer schrittweisen Steigerung der Arbei
tstätigkeit innerhalb von 4 -
6 Monaten eine volle Arbeitsfähigkeit erreicht werden,
und zwar
sowohl in bisheriger wie auch angepasster Tätigkeit
. Da der Beschwerdeführer die möglichen
B
ehand
lungsoptionen
zuverlässig wa
h
rnehme, sei die Auflage einer
Schadenminde
rungspflicht
im Leistungsfall entbehrlich
(
Urk.
7/62 S. 5).
Nach dem erfolgreichen Abschluss des 6monatigen Arbeitstrainings im Bistro
C._
(Sachverhalt E. 1) wurde der
Beschwerdeführer durch das Unter
nehmen
D._
als Koch beim Krippenverein
E._
vermittelt
(Stellenantritt im Februar 2012)
.
Dr.
B._
notierte dazu im Arztbericht vom 1
9.
Juni 2013
(
Urk.
7/61)
, dass
der Beschwerdeführer aufgrund seiner Gewissenhaftigkeit und Anspruchshaltung und der daraus resultierenden langsamen Arbeitsweise die Anstellung noch während der Probezeit
am
3.
Mai 2012
verloren
habe
. In der Folge sei
er
zunehmend antriebsloser, apathisch und hoffnungslos
geworden. Er hätte schlechter s
chlafen können, hätte kaum Appe
tit gehabt und habe sich immer mehr zurückgezogen und alle seine Hobbys aufgegeben.
Nachdem der Wiedereingliederungsversuch gescheitert
sei
,
sei der Beschwerdeführer
aufgrund seiner
chronifizierten
Depression und der entspre
chend ausgeprägten depressiven Symptomatik zu 100
%
arbeitsunfähig.
Dr.
B._
hielt
an der
mit
Arztbericht vom
8.
F
eb
r
uar 2010
gestellten Diagnose
fest (
Urk.
7/7
, E. 3.3
)
und ergänzte
, dass eine affektive und kognitive Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit nach einer schweren depressiven Reaktion im Sinne
eines Burn-
o
ut vorliege
.
Nachdem sich die Situation anfangs langsam gebessert habe und eine
Wiedereingliederung möglich gewesen sei, habe das Scheitern den Zustand derart verschlechtert, dass er in etwa
dem entspreche, der im letzten Bericht beschrieben worden sei.
Ob eine erneute Eingliederung sinnvoll sein könnte, könne er nicht beurteilen, er schliesse einen Erfolg allerdings nicht aus.
D
ie Sachbearbeiterin
der IV-Stelle
nahm
am 2
1.
August 2013 Rücksprache mit dem Rechtsdienst
und notierte
, dass laut Besprechung kein lang andauernder Gesundheitsschaden ausgewiesen sei
, sondern die gesundheitlichen Einschrän
kungen aufgrund psychosozialer Einflüsse bestünden
(
Urk.
7/62 S. 7)
.
3.
5
Im Arztbericht vom 2
7.
März 2014 (
Urk.
12/1) hielt
Dr.
B._
fest, dass sich die Depression trotz aller therapeutischen Bemühungen
chronifiziert
hätte.
Er teile
zwar
die Ansicht der IV-Stelle, dass psychosoziale Einflüsse bei der depressiven Erkrankung eine Rolle spielen würde, so zum Beispiel auch, dass
der Beschwer
deführer
aufgrund der depressiven Hemmung verschiedene Einsprachen und Eingaben nicht gemacht hätte und erneut finanzielle Forderungen gestellt wur
den und
Einsprachefristen
verstrichen seien. Allerdings hätten die anfänglichen äusseren Einflüsse (Hotel / Konkurs) heute keinen Einfluss mehr. Trotz der hochdosierten Antidepressiva
habe
sich kein sichtbarer Erfolg gezeigt. Im ersten Arbeitsmarkt sehe er den Beschwerdef
ührer als nicht arbeitsfähig an,
sondern lediglich
im geschützten Rahmen im reduzierten Pensum, wob
e
i er auch da sehr schnell überfordert sei und Unterstützung brauche.
4.
4.1
Die vorliegenden Arztberichte und Stellungnahmen der RAD-Ärzte lassen eine abschliessende Beurteilung der vorliegenden Streitsache nicht zu. Es bleibt unklar, inwieweit die psychosozialen
und soziokulturellen
Faktoren
, insbeson
der
e die andauernden finanziellen
Sorgen,
in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen
.
Die RAD-Ärztin
Dr.
H._
ging in ihrer Stellungnahme vom 1
0.
November 2010 von einer
durch eine weiterführende Behandlung
überwindbaren gesundheitlichen Einschränkung aus (
Urk.
7/62 S.
5).
Im Gegensatz dazu hielt RAD-Arzt
Dr.
F._
am 2
6.
Juni 2013
fest, dass der Beschwerdeführer seit Mai 2009 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen sei. Ab
1.
Juni 2010 sei er in angepasster Tätigkeit ohne Führungsaufgaben 40
%
arbeitsfähig
gewesen, ab Stellenverlust im Jahr 2013 sei er allerdings wieder zu 0
%
arbeitsfähig
(
Urk.
7/62 S. 6).
Ohne
weitere Begründung
notierte
d
ie Beschwerdegegnerin
nach der Besprechung
mit dem Rechtsdienst
vom 2
1.
August 2013
, dass die gesundheitlichen Einschränkungen aufgrund psy
chosozialer Einflüsse bestünden (
Urk.
7/62 S. 7)
.
Schliesslich wird i
n der ange
fochtenen Verfügung vom 2
2.
Januar 2014
ausgeführt, die gesundheitliche
Einschränkung sei auf psychosoziale Einflüsse zurückzuführen und somit IV
rechtlich irrelevant. Gleichzeitig sei die Einschränkung aber auch überwindbar, was
jedoch
eine IV-rechtlich relevante gesundheitliche Einschränkung bedingt
e
(
Urk.
2)
.
I
n der Vernehmlassung vom 2
5.
März 2014
wird ein
Burn
-
out (ICD-10 Z73.0)
postuliert
, welches zwar den Gesund
heitszustand einer Person beein
flussen könne, an sich aber keine Krankheit oder Schädigung sei.
Wie der Rechtsdienst in der Vernehmlassung
zu dieser Ein
schätzung
gekommen ist, ist nicht nachvollziehbar, da dies
weder durch den RAD noch durch die ein
gehol
ten Arztberichte gestützt
wird
.
Auch die Arztberichte von
Dr.
B._
lassen keine abschliessende Beurteilung zu. Er führt aus, dass d
ie Depression
chronifiziert
sei
und die gesundheitlichen Einschränkungen unüberwindbar seien, da Antidepressiva hochdosiert ohne sichtbaren Erfolg angewendet worden seien, der Patient sich an die ärztlichen Anweisungen bezüglich körperlichen Verhaltens halte und der Beschwerde
führer beim Versuch, wieder im ersten Arbeitsmarkt tätig zu werden, völlig überfordert gewesen sei.
A
llerdings
teilt er auch
die Ansicht
der
Beschwerde
gegnerin
, dass psychosoziale Faktoren – wenn auch nicht mehr die ursprüngli
chen – eine
Rolle spielen
würden (
Urk.
12/1)
.
4.2
Aufgrund
dieser
in vielerlei Hinsicht widersprüchlichen
Einschätzungen
kann nicht beurteilt werden, ob und inwieweit
eine von depressiven
Verstimmungs
zuständen
klar unterscheidbare
, von psychosozialen Umständen losgelöste,
andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne vorliegt
und inwieweit sie sich invalidisierend auswirkt
.
Die angefochtene Verfügung ist folglich aufzuheben und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zur ergänze
nden
psychiatrischen - vorzugsweise gut
achterlichen -
Abklärung
und
zu
neuer Verfügung
zurückzu
weisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5
.
5
.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
600.--
festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
Damit erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der
un
entgeltlichen Rechtspflege (
Urk.
1,
Urk.
8-9) als gegenstandslos.
5
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2
), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Prozessentschädigung wird vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (
§
34
Abs.
3
Gesetz über das
Sozialversicherungsge
richt
). Vorliegend ist eine Entschädigung von
Fr.
1‘0
00.--
(inklusive Mehrwert
steuer und Barauslagen) angemessen.