Decision ID: 42d6d753-ca3f-4365-9452-a7ba04cfa188
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1962
,
war vom 26. Januar 1998 bis 30.
November 2016 im Rehabilitationszentrum des
Y._
angestellt. Bis zum 30. April 2007 war
die Versicherte
als Mitarbeiterin Reinigungsdien
s
t tätig und wechselte im Mai 2007 in die Wäscherei. Ihr Arbeitspensum betrug
anfänglich
100 % und
ab
dem 1.
Oktober 2009 90 % (Urk. 3/5).
Mit am 3. März 2016 (vgl. Urk. 7/1 S. 8) von der Versicherten
unterschriebene
m
Anmeldeformular
für die berufliche Integration/Rente
- ohne Angaben über die Art der gesundheitliche Beeinträchti
gung -
meldete
die
bevollmächtigte
Visana Services AG die Versicherte am 9. März 2016
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7
/
3-4
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte
in der Folge
die medizinische und erwerbliche Situation ab.
Am 9. Mai 2016 (Urk. 7/11) teilte
sie
der Versicherten mit, dass aufgrund des Gesundheitszustandes zurzeit keine beruf
lichen Massnahmen möglich seien
,
und mit Mitteilung vom 16. August 2017 (Urk. 7/21), dass
das Verfahren bezüglich
Eingliederungsmassnahmen abge
schlossen
w
erde
und
betreffend
die Rente
eine separate Verfügung ergehe
.
Nach
am
6. März 2018 ergangenem
Vorb
e
scheid
(Urk.
7
/27) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
30
.
April
201
8
einen Rentenanspruch (Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 24. Juli 2018 (Urk. 1) Beschwerde gegen die Verfügung vom 30. April 2018 (Urk. 2) und
beantragte, diese sei aufzuheben und es sei das Verfahren zwecks Ergänzung der Abklärungen und Gewährung von beruflichen Massnahmen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, eventualiter sei ihr in Abänderung der Verfügung vom 30. April 2018
mit Wirkung ab 1.
September 2016 eine
Viertelsrente
zuzusprechen (Urk. 1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
14
. September 201
8
(Urk.
6
) Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
17
. September 201
8
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
8
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Sie kann Folge von
Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die
Invalidenversicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Am 1. Januar 2018 sind die geänderten Bestimmungen der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 1. Dezember 2017 in Kraft getreten. Mit dieser Änderung wurde für die Festlegung des Invaliditätsgrades von teilerwerbstätigen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) in Art. 27
bis
Absatz 2–4 IVV ein neues Berechnungsmodell eingeführt.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die galten, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2.1, 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Die angefochtene Verfügung ist am
30. April 2018
und somit nach Inkrafttreten der Verordnungsänderung ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Verordnungsbestimmungen am 1. Januar 2018 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dau
erleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist ent
sprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2017 auf
die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeit
punkt auf die revidierten Verordnungsbestimmungen abzustellen (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts I 428/04 vom 7. Juni 2006 E. 1).
1.3.2
Nach der bis
31.
Dezember 2017 gültigen Gerichts- und Verwaltungspraxis zur Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode wird zunächst der Anteil der Erwerbstätigkeit und der
jenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (vgl.
alt
Art. 27 IVV) ermittelt. Die Inva
lidität bestimmt sich in der Folge dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkom
mens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungs
-
vergleich vorgenommen wird, wobei im Erwerbsbereich praxisgemäss berück
-
sichtigt
wird, was die versicherte Person im Gesundheitsfall aus ihrer Teilerwerbs
-
tätigkeit erzielen würde. Die Gesamtinvalidität ergibt sich aus der Addierung der in beiden Bereichen ermit
telten und gewichteten
Teilinvaliditäten
(BGE 131 V 51 E. 5.5.1, 130 V 393 E. 3.3, 125 V 146 E. 2b und 5c).
1.3.3
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 IVV per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstäti
gen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätig
keit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads, den die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäfti
gungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in ihrer rentenabweisenden Verfügung vom 30. April 2018 (Urk. 2) aus, nach Eingang der Anmeldung sei zuerst der Anspruch auf berufliche Massnahmen geprüft worden. Eingliederungsmassnahmen durch die Invalidenversicherung seien nicht nötig, weshalb das Verfahren mit Mittei
lung vom 16. August 2017 abgeschlossen und die Rentenprüfung eingeleitet wor
den sei. Die
medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass die Beschwerdefüh
rerin in ihrer angestammten Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig sei, aber in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70 % bestehe (S. 1).
Die Beschwerdeführerin habe in einem 90 %-Pensum gearbeitet und dabei im Jahr 2016 ein Einkommen von
Fr. 52'520.40 erzielt. Aufgerechnet auf ein 100 %-Pensum ergebe dies ein Jahreseinkommen von Fr. 58'356.--. Zu den restlichen 10 % gehörten die üblichen Aufgaben im Haushalt. Da eine hohe Restarbeitsfä
higkeit für angepasste Tätigkeiten bestehe, sei eine Einschränkung im Haushalt nicht anzunehmen. In einer angepassten Tätigkeit als Hilfsarbeiterin betrage der Lohn gemäss Bundesamt für Statistik Fr. 55'039.4
0.
Bei einem zumutbaren Pen
sum von 70 % betrage das Einkommen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung Fr. 38'527.
6
0.
Mit einem Abzug auf den Tabellenlohn von 5 % aufgrund grob
motorischer Probleme belauf
e
sich das Einkommen mit gesundheitlicher Ein
schränkung auf Fr. 36'601.2
0.
Im Einkommensvergleich resultiere
ein Invalidi
tätsgrad von
3
7 %, womit kein Rentenanspruch bestehe (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich in ihrer Beschwerde vom
24
.
Juli
201
8
(Urk. 1) hingegen auf den Standpunkt,
abgesehen von zwei
veralteten
Berichten der behandelnden
Rheumatologin
und einer Beurteilung durch den regionalen ärztlichen Dienst
(RAD)
habe die Beschwerdegegnerin keine medizinischen Abklärungen gemacht und damit den medizinischen Sachverhalt unzureichend abgeklärt (S. 5 f, S. 8). Zudem habe es die Beschwerdegegnerin unterlassen, ihr ernsthafte Eingliederungsmassnahmen anzubieten (S. 6 f., S. 8). Daneben sei die Beschwerdegegnerin von einem falschen
Valideneinkommen
ausgegangen und hätte beim Invalideneinkommen
aufgrund der erheblichen Einschränkungen
einen Abzug von 15 % auf den Tabellenlohn vornehmen müssen (S. 7 f.).
2.3
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt in genü
gender Weise abgeklärt hat und bejahendenfalls,
ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
3.
3.1
Dr. med.
Z._
,
Fachärztin FMH für Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Spezialärztin für Rheumatologie, bei welcher sich die Beschwerdeführerin seit dem 28. Juli 2014 in ambulanter Behandlung befindet
,
diagnostizierte in ihrem Bericht vom
24. Januar 2017 (Urk. 7/16/4-1
7
; vgl. auch ihren Bericht vom 22. April 2016 [
Urk. 7/10/6-10
]
)
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 1)
:
-
Rheumatoide Arthritis mit/bei:
-
Rheumafaktor
und anti-
ccP
positiv,
antinukleäre
Antikörper
negativ
-
Erstmanifestation
anfangs Juli 2014, E
rstdiagnose
28.
Juli 20
14
-
Basistherapie mit
Methotrexat
seit Juli 2014
bis
17.
Februar 20
15,
Leflunomide
20 mg seit November
2014,
Humira
s.c
.
alle 14 Tage seit Januar
20
15, gestoppt wegen Nebenwirkungen,
Actemra
einmal pro Woche seit 16. Juli 20
15
-
Hypovitaminose D, substituiert
-
Lumbospondylogenes
Syndrom beidseits mit / bei
:
-
Wirbelsäulenfehlform: Hyperlordose lumbal
-
degenerative Veränderungen mit links foraminaler und
extraforamina
ler
Dis
c
usprotrusion
L3/4,
breitbasiger
dorsaler
Dis
c
usprotrusion
L4/5, Spondylarthrosen
auf beiden Höhen und
Anulusriss
L5/S1 (MR vom 19.
November 20
15)
,
mögliche LRS L3 Komponente linksbetont
-
Ze
rv
ikospondylogenes
Syndrom beidseits mit/bei
:
-
deutlicher muskulärer Dysbalance
-
Asthma bronchiale anamnestisch
-
u
nklare belastungsabhängige Dyspnoe und retrosternale Schmerzen
-
bei Feuchtigkeit vermehrt
-
differentialdiagnostisch: k
ardiale Genese
-
Arterielle Hypertonie, behandelt (
wahrscheinlich
Nebenwirkung von
Leflunomid
)
-
r
eaktiv depressive Entwicklung
Nachdem Dr.
Z._
der Beschwerdeführer
in
in ihrem Bericht vom 22.
April 2016 (Urk. 7/10/6-10) eine seit 8. November 2015 bestehende vollständige Arbeitsun
fähigkeit als Reinigungsfachfrau (
Ziff.
1.6
; vgl. dazu auch
Urk.
7/8/4-15
und Urk.
7/8/16-17) attestiert,
bescheinigte
sie der Beschwerdeführerin
auch
in ihrem Bericht vom 24. Januar 2017 (Urk. 7/16/4-16) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die angestammte Tätigkeit
in der Wäscherei
und
eine 70%ige Arbeitsfähigkeit für leichte, wechselbelastende, behinderungsangepasste Tätigkeiten
(Ziff. 2.1).
Den
Gesundheitszustand
bezeichnete sie
als stationär (Ziff. 1.1). Zudem führte Dr.
Z._
aus, bei einer leichten, behinderungsangepassten
Tätigkeit
sei keine grosse Verminderung der Leistungsfähigkeit zu vermerken (Ziff. 2.2) und mög
licherweise könne die Arbeitsfähigkeit durch medizinische Mass
nahmen verbes
sert werden (Ziff.
4.1).
3.2
Dr.
med.
A._
,
Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie
,
RAD, führte
in
seiner
Stellungnahme vom
11. April
2017
(Urk. 7/26 S. 3) gestützt auf die Berichte von Dr.
Z._
(vgl. E. 3.1)
aus,
es bestehe ein Gesundheitsschaden, der ab dem 8. November 2015 zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit geführt habe. In einer angepassten, leichten, überwiegend sitzenden Tätigkeit mit Wechselbelastung ohne grobmotorische Beanspruchung der Hände könne von
einer 70%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Mittelschwere und schwere körperliche Tätigkeiten, insbesondere solche mit überwiegender Belastung der Handgelenke und überwiegende Geh- und Stehbelastung, sowie Kälte- / Nässe-Exposition sollten vermieden werden.
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin
brachte vor
,
abgesehen von veralteten Berichten der behandelnden Rheumatologin Dr.
Z._
und einer Beurteilung durch den RAD habe die Beschwerdegegnerin keine medizinischen Abklärungen
vorgenommen
und
somit
den medizinischen Sachverhalt unzureichend abgeklärt. Dies insbe
sondere, weil die Beschwerden als progredient und eine reaktive depressive Ent
wicklung b
eschrieben worden seien
(Urk. 1 S. 5 f, S. 8).
4.2
Sowohl das Verwaltungsverfahren wie auch der kantonale Sozialversicherungs
prozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach haben Verwaltung und Sozialversicherungsgericht den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Führen die im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen den Versicherungsträger oder das Gericht bei umfassender, sorgfältiger, objektiver und inhaltsbezogener Beweis
wür
digung (BGE 132 V 393 E. 4.1 S.
400) zur Überzeugung, ein bestimmter Sach
verhalt sei als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten, und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so liegt im Verzicht auf die Abnahme weiterer Beweise keine Verletzung des An
spruchs auf rechtliches Gehör (antizipierende Beweiswür
digung; BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236
f. mit weiteren Hinweisen). Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnah
men noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (
Urteil des Bundesge
richts 9C_662/2016 vom 15. März 2017 E. 2.2 mit Hinweis).
4.3
Es liegt
in der Natur
einer r
heumatoiden Arthritis
und einer degenerativen
Wir
belsäulenerkrankung
, dass im Laufe der Zeit
gesundheitliche
Verschlechterung
en
eintreten können.
Anhaltspunkte für eine Zustandsverschlimmerung mit Auswir
kungen auf die funktionelle Leistungsfähigkeit
in den 15 Monaten
seit dem Bericht von
Dr.
Z._
vom 24.
Januar 2017
(E. 3.1)
bis zum Verfügungszeitpunkt
am 30.
April 2018
, welche einer genaueren Untersuchung bedürften,
sind
vorlie
gend
jedoch
keine
ersichtlich
.
Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin wurden die
somatischen Beschwerden
zuletzt
nicht als progredient beschrieben
, sondern ausdrücklich als stationär bezeichnet
(vgl.
E. 3.1
). Wenn Dr.
Z._
in ihrem Bericht vom 22. April 2016 (Urk.
7/10/6-10
Ziff. 1.4 S. 3)
zwar
noch von einer deutlichen Verschlechterung
gegenüber dem Zustand zwei Jahre zuvor
berichtet hatte
, stellte sie in ihrem letzten Bericht
vom 24. Januar 2017 (Urk.
7/16/4-16
)
doch klar, dass sich der
stationäre
Gesundheitszustand, nach medikamentöser Einstellung,
so zeigte
,
dass
sie eine 70%ige Arbeitsfähigkeit in
einer angepassten Tätigkeit bescheinigte
und es für möglich hielt, dass sich die Arbeitsfähigkeit durch medizinische Massnahmen möglicherweise weiter ve
rbes
sern liess
(E. 3.1).
Die
Beschwerdeführerin
selbst brachte zudem weder
im Ver
waltungsverfahren
noch
im vorliegenden Beschwerdeverfahren medizinische Unterlagen
ein
, welche ihre Behauptung einer Verschlechterung des
somatischen
Gesundheitszustands
stützten
und so
Anlass für eingehender
e
U
ntersuchungen begründen könnten
.
Die Beschwerdegegnerin war daher
diesbezüglich
nicht gehalten, weitere Abklärungen zu treffen.
Was das Vorbringen
betreffend
eine allfällige psychische Erkrankung
und deren Untersuchung
angeht,
ist
der Beschw
erdegegnerin jedoch zuzustimmen.
Aus den vorhanden
en
Berichten von Dr.
Z._
geht hervor, dass sich die Beschwerdefüh
rerin in psychiatrischer
Behandlung
befindet
oder zumindest bis Januar 2017 befand
.
So verwies Dr.
Z._
in ihrem Bericht 22. April 2016 (Urk. 7/10/6-10) auf die von der Beschwerdeführerin wegen ihrer Schmerzgeschichte bei Psychiater Dr. med.
B._
in Anspruch genommene Behandlung
hin
(S. 3 oben) und aus dem letzten vorliegenden Bericht von Dr.
Z._
vom 24. Januar 2017 (Urk.
7/16/4-16
) geht hervor, dass
die
Beschwerdeführerin
Cipralex
einnahm (
S. 3 Ziff.
3.2), was dafürspricht, dass sie
sich
zumindest
damals
noch
in psychiatri
scher
Therapie befand
.
Selbst wenn sich aus medizinischer und insbesondere invalidenversicherungsrechtlicher Sicht herausstellen sollte, dass aus psychiatri
scher Sicht keine relevante funktionelle Einschränkung
vorliegt
, so hätte die Beschwerdegegnerin bei den gegebenen Anhaltspunkten einer psychiatrischen Behandlung doch zumindest die Berichte des behandelnden Psychiaters
einholen müssen
, um ihrer Abklärungspflicht in genügender Weise nachzukommen.
Denn
es
ist
grundsätzlich Aufgabe des Arztes oder der Ärztin, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E
. 4). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
4.4
Darüber hinaus wurde trotz Anhaltspunkten auf ebenfalls vorhandene Einschrän
kungen im Aufgabenbereich (Haushalt) keine Haushaltsabklärung vorgenommen.
Ein Schluss, wie ihn die Beschwerdegegnerin
zog
, indem sie von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit
ohne Weiteres zur Annahme gelangte, es
liege
keine Ei
nschränkung
im Haushalt vor (vgl. Urk. 2 S. 3 oben), ist unzuläs
sig.
Dies zumal
durchaus
Hinweise auf eine Einschränkung im Haushalt
vorlie
gen, ist doch die Beschwerdeführerin in ihrer Tätigkeit
in der Wäscherei
zu 100 % arbeitsunfähig (E. 3.1)
.
Z
udem ist nach dem Tod ihres
Ehema
nns
(vgl. Urk. 7/16/4-7 S. 4 Ziff. 4.4)
eventuell
auch
keine Unterstützung von im gleichen Haushalt lebenden Angehörigen zu erwarten.
In Zusammenhang mit den Ein
schränkungen im Haushalt ist praxisgemäss nicht die medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit ausschlaggebend, sondern wie sich der Gesundheitsschaden in der nichterwerblichen Betätigung konkret auswirkt, was durch die Abklärung an Ort und Stelle zu erheben ist (vgl. etwa Bundesgerichtsurteil 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.7.1 mit Hinweisen). So stellt
di
e von einer qualifizierten Per
son durchgeführte Abklärung vor Ort (nach Massgabe des Art. 69 Abs. 2 IVV; vgl. auch
Rz
. 3081 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH, gültig ab 1. Januar 2015) für gewöhnlich die geeig
nete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der gesundheitlichen
Einschrän
kung im Haushalt dar.
4.5
Damit erweist sich die bisher getroffene Tatsachenfeststellung durch die Beschwerdegegnerin als unvollständig
. Demzufolge ist
die ange
fochtene Verfügung vom
30. April 2018
aufzuheben
und die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
, da
mit diese
nach erfolgter
notwendiger
Abklärung über den Leistungsanspruch
der
Beschwerdeführer
in
neu
verfüge.
5
.
Im vorliegenden Verfahren geht es um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen, weshalb das Verfahren kostenpflichtig ist. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art.
69 Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr.
800.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie von der unterliegenden Beschwer
degegnerin zu tragen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die
Verwal
tung
zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als
vollstän
diges Obsiegen (BGE 137 V 57 E.
2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Unter Berücksichtigung der massgebenden Kriterien ist die Prozessentschädigung auf Fr. 2'000.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.