Decision ID: 6e40dc9f-8884-44ff-8318-f16cd90b04ac
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1971, Mutter drei
er 1991, 2004 und
2007 geborener
Kinder,
arbeitete
zuletzt
von 1998
bis 2007 als Zimmer
mäd
chen
, wobei sie bis 2004
in einem Pensum von 100
%
und seither in einem Pensum von 50
%
tätig war
. Nach der Geburt des dritten Kindes war sie
nicht mehr ausserhäuslich erwerbstätig
(vgl.
Urk.
6/32 S. 1
6 f.
Ziff.
3.1.2
;
Urk.
6/
38 S. 2
Ziff.
2.1-2.2
). Am 2
0.
Januar 2014 meldete sie sich bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation (
Urk.
6/4-5;
Urk.
6/12
-13;
Urk.
6/19) ab und teilte der Versicherten
daraufhin
mit, dass derzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
6/16). Ausserdem veranlasste
sie
ein polydisziplinäres Gutachten, welches am 2
5.
August 2015 erstattet wurde (
Urk.
6/32), sowie eine Abklärung der be
ein
trächtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt, über welche am 3
1.
März 2016 berichtet wurde (
Urk.
6/38).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/41;
Urk.
6/44) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
9.
Mai 2016 (
Urk.
6/48 =
Urk.
2) einen Renten
anspruch der Versicherten.
2.
Die Versicherte erhob am 1
6.
Juni 2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
9.
Mai 2016 (
Urk.
2) und beantragte sinngemäss deren Aufhebung und die erneute Prüfung des Sachverhalts (vgl.
Urk.
1 S. 3). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
2.
Juli 2016 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
7.
Oktober 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
un
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
wind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Invalide o
der von einer Invalidität (Art.
8 ATSG) bedroht
e Versicherte haben gemäss Art.
8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
(Abs. 1)
:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelne
n Massnahmen erfüllt sind
.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbs
lebens zu berücksichtigen (Abs.
1
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
gemäss Abs. 3 in
me
dizinischen Mass
nahmen (
lit
. a),
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
),
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsverm
ittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
.
d).
1.4
Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspruches als auch an
lässlich einer Rentenrevision (
Art.
17
Abs.
1 ATSG) stellt sich unter dem Gesichtspunkt des
Art.
28a
Abs.
3 IVG in Verbindung mit
Art.
16 und 7
Abs.
2 ATSG die Frage nach der anwendbaren
Invaliditätsbemessungsmethode.
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, führt je zur Anwendung einer anderen Me
thode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich,
Betätigungsver
gleich
, gemischte Methode) und ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beein
träch
tigung bestünde. Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbs
tätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch, das heisst ohne
Gesundheits
schaden
, aber bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig wäre (
Art.
27
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV
). Die gemischte Methode be
zweckt damit eine möglichst wirklichkeitsgerechte Bemessung des
Invalidi
täts
grades
(BGE 133 V 504 E. 3.3 mit Hinweisen).
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben. Dabei sind die kon
krete Situation und die Vorbringen der versicherten Person nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit ist der im Sozial
versicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich (
BGE 137 V 334
E. 3.2,
130 V 393
E. 3.3,
125 V 146
E. 2c, je mit Hinweisen).
1.5
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach Mass
gabe des
Art.
69
Abs.
2 IVV; vgl. auch
Rz
. 3084 ff. des Kreisschreibens des BSV über Invalidität und Hilflosigkei
t in der Invalidenversicherung, KSIH)
stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der gesundheitlichen Einschränkung im Haushalt dar (Urteil
des Bundesgerichts
9C_201/2011 vom 5. September 2011 E. 2, in: SVR 2012 IV Nr. 19 S. 86). Einer ärztlichen Fachperson, die sich zu den einzelnen Positionen der Haushalt
füh
rung unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat, bedarf es nur in Ausnahmefällen, namentlich bei unglaubwürdigen Angaben der versicherten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen (Urteil des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 2
8.
Mai 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen
).
Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt einer ver
sicherten Person sind – analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskraft von Arztberichten (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweis) – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Ver
hält
nissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beein
trächtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versi
cher
ten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 [in BGE 129 V 67 nicht veröffentlichte Erwägung]; Urteil des Bundesgerichts I 733/03 vom
6.
April 2004 E. 5.1.2; vgl. auch BGE 130 V 61 E.
6.2 und 128 V 93 E. 4 betreffend Abklärungsberichte im Zusammenhang mit der Hauspflege und Hilflosigkeit). Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haushalt massgebend, sondern gelten analog für jenen Teil eines Abklärungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von teilerwerbstätigen Versicherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen
).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) fest, dass
die Beschwerdeführerin als zu 50
%
Erwerbstätige und zu 50
%
im Haushalt Tätige zu qualifizieren sei. Eine angepasste Tätigkeit sei ihr zu 100
%
zumutbar.
Die Einschränkung im Haushalt betrage 16
%
. Nach Vornahme des
Einkom
mens
vergleichs
resultiere ein nicht rentenbegründender Gesamtinvaliditätsgrad von 8
%
. Da keine Erwerbseinbusse vorliege, sei das Gesuch um Arbeitsvermittlung beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum
(RAV)
einzureichen (S. 2
f.
).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (
Urk.
1), der ermittelte Invaliditätsgrad sei bei den bestehenden Beschwerden nicht nach
vollziehbar. Die Arbeiten im Haushalt könne sie nur schrittweise und meistens
auch
nur teilweise erledigen
(S. 1)
. Die Schmerzen seien teilweise so stark, dass sie Medikamente einnehmen müsse
(S.
2)
.
Ausserdem sei neulich eine De
pression aufgrund der chronischen Schmerzen diagnostiziert worden.
Die bishe
rige Tätigkeit als Zimmermädchen könne sie nicht mehr ausüben. Damit sie eine
andere Tätigkeit ausüben könne, benötige sie eine Ausbildung
. Der Sachverhalt sei erneut zu prüfen (S. 3).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Inva
lidenrente sowie auf berufliche Massnahmen.
3.
3.1
Dr.
med.
Y._
, Fachärztin für Neurochirurgie, nannte mit Bericht vom 1
3.
März 2014 (
Urk.
6/4/5-8) die folgenden –
hier
gekürzt auf
ge
führten - Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
-
Diskushernie C5/6 mit klarer Wurzelkompression C6 rechts
-
b
eginnende motorische Ausfälle im
Dermatom
C6 mit
Bizepsschwäche
-
k
lare Indikation zur ventralen Mikrodiskektomie C5/6
rechts
mit Durch
führung am 2
0.
September 2011
-
Status nach ventraler mikrochirurgischer Dekompression C5/6
-
Status nach ventraler
interkorporeller
Spondylodese
-
Lumboischialgie
mit Ausstrahlung
ins
rechte
Dermatom
S1
mit Verdacht auf Nervenkompression S1 rechts
-
Degeneration L4/5 und L5/S1 mit beginnender leichter
Spondylarthrose
; keine Diskushernie
-
Status nach
Spondylodese
C5/6
ohne
residuelle
Myelonkompress
i
o
n
oder Wurzelkompression
Die Beschwerdeführerin sei derzeit aufgrund der Rückenproblematik zu 60
%
arbeitsunfähig geschrieben. Sie könne nicht mehr
in der
Reini
gung arbeiten.
E
ine Umschulung für eine 40%ige Tätigkeit
werde
empfohlen. Die Arbeits
fähig
keit sei nach der
geplanten
Bypass-
Operation erneut zu evaluieren (S.
3
Ziff.
1.6,
Ziff.
1.8).
3.2
Mit Ber
icht vom 1
2.
Mai 2014 (
Urk.
6/12-
13) führte
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, als Diagnosen eine
Diskushernien
ope
ration
C5/6, eine essentielle Hypertonie sowie eine Hypothyreose auf (
Urk.
6/13).
Die Prognose sei schwierig. Die Beschwerdeführerin sei in der bisherigen Tätig
keit als Zimmermädchen vollständig arbeitsunfähig (
Urk.
6/12 S.
3
Ziff.
1.4,
Ziff.
1.6).
3.3
Am 2
2.
August 2014 ging bei der Beschwerdegegnerin der
am 1
3.
März 2014 datierte
Bericht von
Dr.
Y._
in leicht abgeänderter Form ein (
Urk.
6/19/6-9
; vgl. Aktenverzeichnis zu
Urk.
6 S. 1
). Als Diagnose führte sie dabei neuerdings zusätzlich
einen
Status nach am 1
4.
April 2014 erfolgte
r Magenbypass
-O
peration auf
. Seit der Operation
habe die Beschwerdeführerin bereits
40 kg
abgenommen
. Eine progressive Verbesserung der Beschwerden
an
der Lendenwirbelsäule (LWS) sei zu erwarten. Die Beschwerden an der
Hals
wirbel
säule
(HWS) würden wahrscheinlich bestehen bleiben (S.
1 ff.
Ziff.
1.1,
Ziff.
1.4). Eine Umschulung mit progressiver Arbeitsintegration könne ab April 2015
durchgeführt
werden. D
er
Beschwerdeführerin
sei eine leichte
Tätigkeit in einem Pensum von zirka 40 bis 50
%
möglich
. Die bisherige Tätigkeit in der Reinigung sei ihr nicht mehr zumutbar (S. 3
Ziff.
1.6).
3.4
Am 2
5.
August 20
15 erstatteten die Gutachter des
A._
AG ihr polydisziplinäres Gutachten in den Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie sowie Neurologie zuhanden der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6/32).
Dabei konnten sie folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen (S.
32
Ziff.
6.1):
-
chronisches
Panvertebralsyndrom
zervikal und lumbal betont mit/bei:
-
Status nach ventraler mikrochirurgischer Dekompression C5/6 mit
Dis
kektomie
,
Foraminotomie
und ventraler
interkorporeller
Cage-Spondylose am 2
0.
September 2011
-
degenerativen Veränderungen
an der LWS
ohne Diskushernie
-
persistierendem sensiblem Defizit
Dermatom
C6 rechts
-
Fehlhaltung der
Brustwirbelsäule (
BWS
)
mit zusätzlich protrahierten Schultern
-
Periarthropathia
humeroscapularis
(PHS)
calcarea
rechts
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannten
sie –
hier
gekürzt aufgeführt - Folgendes (S. 32
Ziff.
6.2):
-
Status nach morbider Adipositas mit/bei:
-
Status nach
laparoskopischer
proximaler Magenbypass
-O
peration am 1
4.
April 2014
-
Verdacht auf
Anastomosenstenose
-
Status nach obstruktivem Schlafapnoesyndrom
-
hormonell substituierte Hypothyreose, unter aktueller Therapie klinis
ch und laborchemisch
euthyreote
Stoffwechsellage
-
anamnestisch allergische
Rhinokonjunktivitis
-
Varicosis
crurum
Anlässlich der internistischen Untersuchung
seien
eine
Varicosis
crurum
sowie
ein
minimer
Druckschmerz im
Epigastrium
aufgefallen
.
Für
eine
kardio
pul
mo
nale
Pathologie
ergäben sich keine klinischen Hinweise
. Das
Elektrokardio
gramm (
EKG
)
zeige einen unauffälligen Erregungsablauf und die Spirometrie ergebe keine Hinweise auf eine obstruktive oder restriktive Ventilationsstörung. Die
Befunde der
Laboruntersuchungen
seien normal
.
Bei
der bestehenden Hypo
thyreose sei unter der jetzigen Therapie a
ufgrund
der normalen Blutparameter, dem normalen Blutdruck und Puls sowie
dem normalen
Stuhlgang und des Fehlens weiterer typischer
Symptome der
Hypothyreose
von einer
euthyreoten
Stoffwechsellage auszugehen. Anamnestisch bestehe
überdies eine allergische
Rh
inokonjunktivitis
. Aus rein internistischer Sicht könne keine Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden und die Beschwerde
füh
rerin sei zu 100
%
arbeitsfähig (S. 36).
Die rheumatologische Untersuchung habe eine Fehlhaltung der BWS mit akzen
tuierter Brustkyphose und protrahierten Schultern sowie muskulärer Insuffizienz gezeigt. Die Beweglichkeit aller Wirbelsäulensegmente sei unauffällig und
an den Extremitäten
würden sowohl
radikuläre
als auch
spondylogene
Zeichen fehlen. Im rechten Schultergelenk finde sich eine schmerzhafte
Bewegungs
ein
schränkung
bei
bestehender PHS
calcarea
. A
ns
onsten fänden sich keine Defizite am Gelenkstatus.
Die Beschwerdeführerin sei in der bisherigen Tätigkeit als Zimmermädchen nicht mehr arbeitsfähig.
Im Haushalt sei
sie nicht einge
schränkt. In einer dem Rückenleiden angepassten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne Zwangshaltung
en,
ohne repetitive Überkopfarbeiten und ohne repetitives Heben von schweren Lasten über 6 kg sei sie vollständig arbeitsfähig (S.
28, S.
36 f.).
In der neurologischen Untersuchung seien
abgesehen von
eine
r
residuelle
n
sen
sib
le
n
Ausfallssymptomatik
des
Dermatom
s
C6 keine objektivierbaren De
fizite nachweisbar gewesen. Diese Ausfallssymptomatik
sei ohne Relevanz für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Im Bereich der HWS werde lediglich
eine
Spondy
lodese
C5/6 mit geringen
unkarthrotischen
Forameneinengungen
C5/6
rechts ohne weitere Pathologie
erwähnt. Die Problematik am dritten rechten Finger sei nicht neurogen, sondern am ehesten auf eine Tendovaginitis
steno
sans
zurückzuführen. Die bisherige Tätigkeit als Zimmermädchen sei der Be
schwerdeführerin aufgrund der degenerativen Veränderungen im Bereich der HWS und LWS nicht
mehr zumutbar. Eine angepasste
körperlich leichte, wechsel
belastende Tätigkeit mit
der
Möglichkeit
zur
Änderung der
Körperposi
tion
sei ihr dagegen in einem vollen Pensum möglich (S. 31 f., S. 37).
Zusammenfassend kamen die Gutachter zum Schluss, dass die Beschwerde
füh
rerin aufgrund des zervikal und lumbal betonten chronischen
Panvertebral
syn
droms
mit degenerativen Veränderungen der LWS
sowie
der eingeschränkten
Belastbarkeit der rechten Schulter in der bisherigen Tätigkeit als Zimmer
mäd
chen nicht mehr arbeitsfähig sei.
Dies gelte seit der Diagnosestellung der
Dis
kus
hernie
im April 201
1.
In einer angepassten
körperlich leichte
n
,
wechselbe
lastende
n
Tätigkeit ohne Zwangshaltungen, ohne repetitive Überkopfarbeiten und ohne repetitives Heben schwerer Las
ten über 6 kg sei sie dagegen voll
ständig arbeitsfähig.
Dies gelte retrospektiv betrachtet - abgesehen von den vorübergehenden
hospitalisations
- und
rekonvaleszenzbedingten
Phasen der Arbeitsunfähigkeit - seit jeher
(S.
37
ff.
Ziff.
7.4-7.7, S.
40
Ziff.
2-3). Im Haus
halt sei die Beschwerdeführ
erin zu 100
%
arbeitsfähig (S. 4
0
Ziff.
5). Eine regel
mässige Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie zur Konditionierung und zum Aufbau der insuffizienten Rücken- und Bauchmuskulatur werde dringend empfohlen. Die
PHS
rechts
sollte
behandelt werden.
Zur Klärung der Dysphagie bei Status nach
erfolgter
Magenbypass
-O
peration sollte eine Gastros
kopie zum Ausschluss einer
Anastomosenstenose
durchgeführt werden (S.
41
Ziff.
7.a).
3.5
Mit Stellungnahme vom 1
5.
September 2015
empfahl
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe
gungs
apparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), für die Beurteilung auf das Gutachten des
A._
abzustellen. Die Beschwerdeführerin sei in der bisherigen Tätigkeit als Zimmermädchen
seit April 2011
vollständig arbeitsunfähig.
In einer angepassten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne Zwangshaltungen, ohne repetitive Überkopfarbeiten, ohne repetitives Heben schwerer Lasten über 6 kg sowie mit der Möglichkeit zur Änderung der Körperposition sei sie dagegen – abgesehen von den vorübergehenden
hospitalisations
- und
rekonvaleszenzbe
dingten
Phasen einer Arbeitsunfähigkeit - stets zu 100
%
arbeitsfähig gewesen
(vgl.
Urk.
6/40 S. 5 f.).
3.6
Am
1.
Februar 2016
erfolgte eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähig
keit in Beruf und Haushalt (vgl. Abklärungsbericht vom
3
1.
März
2016
,
Urk.
6/3
8
). Die Beschwerdeführerin habe dabei erzählt,
dass sie bei guter Ge
sundheit in einem Pensum von 50
%
als Zimmermädchen
arbeiten würde. Eine ausserhäusliche
Tätigkeit
sei
aus finanziellen Gründen n
otwendig
. Sie habe die
damalige
Erwerbstätigkeit im Umfang von 50
%
aufgegeben,
um
für den autis
tischen Sohn da
zu sein
. Dieser besuche nun eine Tagesschule (S. 3
Ziff.
2.5). Die Abklärungsperson legte dementsprechend die Qualifikation der Beschwerde
führerin als zu 50
%
Erwerbstätige und zu 50
%
im Haushalt Tätige fest (S
. 3
Ziff.
2.6).
Sodann habe die Beschwerdeführerin angegeben, dass sie sich bei guter Gesund
heit vollumfänglich um sämtliche Haushaltsarbeiten gekümmert habe.
Aktu
ell stosse sie bereits bei leichten Tätigkeiten an ihre Grenzen und sei auf ein
etappenweises
Arbeiten
sowie
regelmässige Ruhepausen angewiesen. Sämt
liche Arbeiten mit einem erhöhten Kraftaufwand und in hohen Lagen seien ihr nicht mehr möglich. Ihr Ehemann entlaste sie daher regelmä
ssig bei den
Haus
haltsarbeiten
(S. 5
Ziff.
6).
Kognitive Einschränkungen habe sie nicht
(S.
5
Ziff.
6.1).
F
rüher
habe sie
täglich eine warme Mahlzeit zubereitet. Nun
müsse sie zwei- bis dreimal pro Woche
auf Fertigprodukte zurück
greifen
.
D
en Tisch
könne sie decken und abräumen. D
ie oberflächliche
Küchenr
einigung sei ihr
ebenfalls
möglich. Bei der gründlichen
R
einigung sei sie auf die Unterstützung des Ehe
mannes angewiesen (S. 5 f.
Ziff.
6.2).
Die Wohnung könne sie
nur noch einmal pro Woche oberflächlich staubsaugen. Die gründlichen Saugarbeiten erledige der Ehemann.
Körperlich leichte Tä
tigkeiten versuche sie weiterhin durchzu
führen. Die gründliche Reinigung des Badezimmers erfolge einmal pro Woche durch den Ehemann
. Dieser übernehme auch die Fensterreinigung.
Der Wechsel der Bettlaken erfolge gemeinsam mit d
em Ehemann
(S. 6
Ziff.
6.3). Die Einkäufe
tätige sie weiterhin selbständig.
Die Kinder oder der
Ehemann
würden sie mehrheitlich begleiten und die schweren Taschen tragen
(S. 7
Ziff.
6.4). Die Wäsche erledige sie weiterhin überwiegend selbständig. Der Ehemann bügle allerdings seine Hemden selber, da
ihr dies nicht mehr möglich sei
. Beim Zu
sammenlegen der Wäsche unterstütze er sie (S. 7
Ziff.
6.5). Die Kinderbetreuung
nehme
sie
uneingeschränkt wahr (S. 7 f.
Ziff.
6.6).
Die Abklärungsperson erkannte
schliesslich
eine Einschränkung
bei der Ernährung, bei
der
Wohnungs
pflege
sowie bei der Wäsche und Kleiderpflege im Umfang von insgesamt 15.60
%
(S. 5 ff.
Ziff.
6.1-6.8).
3.7
Mit
Bericht vom 2
4.
März 2016 (
Urk.
6/43)
bestätigte
Dr.
Y._
die bishe
r von ihr gestellten Diagnosen und
wies auf aktuell teilweise brennende Schmerzen im
Dermatom
C6 rechts mit
einer
Koordinationsstörung der rechten Hand hin (S. 1). Zur Kontrolle der
epifusionellen
Diskopathie
und zur Beur
teilung, ob die aktuellen Symptome mit einer neuen Kompression C6 oder C7 im
Neuroforamen
zusammenhängen würden,
erfolge
eine
Magnetresonanztomo
graphie
(MRI) mit radiologis
chen Funktionsaufnahmen der HWS
(S. 2).
3.8
Dem im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten Bericht vom
7.
Juni 2016 (
Urk.
3) über die
gleichentags erfolgten
Funktionsaufnahmen sowie
die Computertomographie (
CT
)
und
das
MRI der HWS ist zu entnehmen, dass keine relevante
Foramenstenose
und
insofern
keine erkennbare
radikuläre
Kompr
es
sion ersichtlich gewesen sei
. Es zeige sich eine minimale dorsale
Protrusion
der Bandscheibe C4/
5.
Der zervikale Spinalkanal sei weit. In den konventionellen Aufnahmen sei eine Beweglichkeit im Segment C5/6 zu erahnen.
Interkorporell
C5/6 bestehe kaum ein stabilisierender
Durchbau
.
4.
4.1
Die Würdigung der medizinischen Akten ergibt,
dass das polydisziplinäre Gutachten des
A._
(vorstehend E. 3.4) die an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage gestellten Anforderungen (vorstehend E. 1.
6
) vollum
fäng
lich erfüllt. So berücksichtigt es die
zu jenem Zeitpunkt
von der Beschwer
de
führerin geklagten Beschwerden (vgl.
Urk.
6/32 S. 18 ff.
Ziff.
3.3-3.4, S. 25, S.
29, S. 35 f.
Ziff.
7.3) in angemessener Weise, wurde in Kenntnis sowie in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet (vgl.
Urk.
6/32 S. 2 ff.
Ziff.
1.2-1.5, S. 38
Ziff.
7.5) und trägt der konkreten medizinischen Situation Rechnung. Es erfolgte eine ausführliche internistische, rheumatologische sowie neurolo
gische Befundaufnahme
(vgl.
Urk.
6/32 S. 21 ff.
Ziff.
4.1, S. 25 f., S. 29 f.
), womit das Gutachten auf einer für die Beantwortung der gestellten Fragen um
fassenden Beurteilung
beruht.
Dabei zeigte sich
im Wesentlichen
ein zervikal
und lumbal betontes chronisches
Panvertebralsyndrom
mit degenerativen Ver
än
derungen der LWS und
residueller
sensibler Ausfallssymptomatik des
rechten
Dermatoms
C6 sowie eine eingeschränkte Belastbarkeit der recht
en Schulter bei bestehender PHS
(vgl.
Urk.
6/32 S.
36 f.).
Nach erfolgter Magenbypass-Opera
tion konnte ein erfreulicher Gewichtsverlust von 80 kg verzeichnet werden, so dass
der
Body Mass Index (
BMI
)
nun
im Normbereich
liegt
.
Die
Gewichts
reduktion
hatte auch zur Folge, dass die Beschwerdeführerin hinsichtlich des Schlafapnoesyndroms kein
continuous
positive
airway
pressure
(CPAP)-Gerät mehr benötigt. Die festgestellte Hypothyreose ist hormonell substituiert (vgl.
Urk.
6/32 S.
18 oben, S.
3
2
).
Die aufgrund der erhobenen Befunde attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Zimmermädchen
ist nachvollziehbar. Dasselbe gilt für die Einschätzung, wonach die Beschwerde
führerin
in einer angepassten
körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne Zwangshaltungen, ohne repetitive Überkopfarbeiten und ohne repetitives Heben schwerer Lasten über 6 kg
vollständig arbeitsfähig ist
(vgl.
Urk.
6/32 S.
37 ff.
Ziff.
7.4-7.7).
Die Beurteilung leuchtet in der Darlegung der medizini
schen Zusammenhänge ein und die vorgenommenen Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit werden ausführlich begründet.
Darauf kann abgestellt werden.
Dies empfahl überdies auch RAD-Arzt
Dr.
B._
(vgl.
Urk.
6/40 S. 5 f.).
4.2
Die
erst
nach der Begutachtung erfolgten Untersuchungen aufgrund der teil
weise brennenden Schmerzen im
rechten
Dermatom
C6 mit einer Koordina
tions
störung der rechten Hand
ändern daran nichts, konnten dadurch doch keine wesentlichen
,
bisher unberücksichtigten Befunde erhoben werden, wobei
insbesondere keine relevante
Foramenstenose
und
insofern
keine
radikuläre
Kom
pression
ersichtlich war
(vgl.
Urk.
3).
Zudem beurteilt
das
Sozialver
siche
rungs
gericht
nach ständiger Rechtsprechung die Gesetzmässigkeit von
Ver
wal
tungs
ver
fügungen
in der Regel nach dem Sachverhalt, der zur Zeit des
Verfü
gungs
erlasses
– mithin am 1
9.
Mai 2016 – gegeben war
.
Tatsachen, die jenen Sach
ver
halt seither verändert haben,
sollen
im Normalfall Gegens
tand einen neuen Verfügung sein
(BGE 121 V 362 E. 1b).
4.3
Soweit die Beschwerdeführerin im Rahmen des Beschwerdeverfahrens auf eine neulich durch
Dr.
med.
C._
diagnostizierte Depression aufgrund der chroni
schen Schmerzen hinwies (vgl.
Urk.
1 S. 3), lassen sich
den
vorhandenen
medi
zinischen Akten keine
Anhaltspunkte
für
ein relevantes psychisches Leiden
im massgeblichen Zeitraum
entnehmen. Anlässlich der Begutachtung durch die Ärzte des
A._
gab die Beschwerdeführerin zwar unter anderem an, dass sie sich durch die Einnahme von
Targin
leicht depressiv fühle und viel
weine
(vgl.
Urk.
6/32 S.
18
Ziff.
3.3).
Bei
der internistischen Untersuchung
zeigte sich jedoch
eine unauffällige Psyche (vgl.
Urk.
6/32 S. 21
Ziff.
4.1). Auch schilderte die Beschwerdeführerin einen regen Tagesablauf (vgl.
Urk.
6/32 S. 17
Ziff.
3.1.4) und verneinte eine psychiatrische Therapie (vgl.
Urk.
6/32 S. 19
Ziff.
3.3).
Es ist somit anzunehmen, dass allfällige psychische Probleme nicht ausgeprägt waren
,
so dass
die Gutachter des
A._
nachvollziebar
auf
eine psychiatrische Begut
achtung der Beschwerdeführerin verzichteten. Es ist folglich
mit dem im Sozial
versicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lich
keit
davon auszugehen, dass im Verfügungszeitpunkt noch kein relevantes psychisches Leiden vorlag, weshalb
für
weitere Abklärungen keine Veran
lassung bestand und ein allfälliges psychisches Leiden im Rahmen einer neuen Verfügung zu prüfen wäre (BGE 121 V 362 E. 1b).
4.4
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin gestützt auf die beweiskräftige gutachterliche Beurteilung des
A._
im Wesentlichen an einem
zervikal
und lumbal betonten chronischen
Panvertebralsyndrom
sowie an einer PHS
calcarea
leidet und aufgrund dessen
in der bisherigen Tätigkeit als
Zimmermädchen nicht mehr arbeitsfähig ist. Eine angepasste Tätigkeit in Be
achtung des Belastungsprofils ist ihr hingegen vollständig zumutbar.
5.
5.1
Hinsichtlich der sozialversicherungsrechtlichen Qualifikation der Beschwerde
füh
rerin (vorstehend E.
1.
4
) stützte sich die Beschwerdegegnerin auf den
Haus
haltsabklärungsbericht
vom 3
1.
März 2016 (
Urk.
6/38), worin die Beschwerde
füh
rerin als zu 50
%
Erwerbstätige und zu 50
%
im Haushalt Tätige qualifi
ziert
wurde (vgl.
Urk.
6/38 S. 3
Ziff.
2.6
).
Dies ist unbestr
itten und nicht zu bean
stan
den
.
5.2
Die von der Abklärungsperson
aufgrund der
Ausführungen der Beschwerde
füh
rerin (vorstehend E. 3.6)
ermittelten Ei
nschränkungen bei der Ernährung, bei
der Wohnungspflege
sowie bei der Wäsche und Kleiderpflege im Umfang von ins
gesamt 15.6
%
(vgl.
Urk.
6/38 S. 5 ff.
Ziff.
6.1-6.8
) erscheinen in Anbetracht der festgestellten gesundheitlichen Einschränkungen und der geltenden
Schaden
min
derungspflicht
von im Haushalt tätigen Versicherten (BGE 133 V 504 E. 4.2) als plausibel und nachvollziehbar.
Es sind keine Anzeichen dafür ersichtlich, dass diese
Beurteilung
auf klar feststellbaren Fehleinschätzungen beruhte.
Wie die Abklärungsperson bereits zutreffend erkannte (vgl.
Urk.
6/38 S. 5
Ziff.
6), ist es der Beschwerdeführerin zumutbar, die anfallenden Arbeiten etappenweise durchzuführen.
Die Erhebung erfolgte detailliert und in Kenntnis der örtli
chen und räumlichen Verhältnisse.
Der Abklärungsbericht ist somit auch hinsichtlich der ermittelten Einschränkung voll beweiskräftig, weshalb darauf abzustellen ist (
vorstehend E. 1.
5
).
Zudem wird die Einschätzung der Abklärungsperson auch durch die
medi
zini
schen Berichte
plausibilisiert. So gab die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung an, dass sie den Haushalt grösstenteils alleine erledige. Einzig das Bügeln, das Fensterputzen sowie das Tragen von schweren Sachen
sei
ihr nicht mehr möglich (vgl.
Urk.
6/32 S. 21 oben). Andernorts ist de
m Gutachten zu entnehmen, dass d
ie
Beschwerdeführerin
den Haushalt selber mache. Sie könne
kochen, allerdings aufgrund der Kreuzschmerzen nicht lange in der Küche stehe
n. Ansonsten mache sie die Wäsche, bügle, gehe einkaufen und könne problemlos 5 kg tragen. Wegen ihrer Schulter könne sie
allerdings
die Fenster nicht
putzen (vgl.
Urk.
6/32 S. 25 Mitte). Entsprechend wurde die Beschwerdeführerin von den Gutachtern des
A._
als im Haushalt vollständig arbeitsfähig erachtet (vgl.
Urk.
6/32 S. 40
Ziff.
5).
5.3
Nach dem Gesagten ist die Beschwerdeführerin somit mit dem im
Sozial
versi
cherungsrecht
massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lich
keit als zu
5
0
%
Erwerbstätige
und zu 5
0
%
im Haushalt Tätige zu qualifizieren. Die Einschränkung im Haushaltsbereich beträgt
15.6
%
.
Das Urteil der zweiten Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschen
rechte (EGMR) in Sachen Di
Trizio
gegen die Schweiz vom 2. Februar 2016 (Nr.
7186/09) steht der vorliegenden Anwendung der gemischten Methode nicht entgegen (vgl.
BGE 143 I 50
und IV-Rundschreiben Nr. 355 des Bundesamtes für Sozialversic
herungen vom 31. Oktober 2016).
6.
6.1
Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen vorzunehmen. Da die Beschwerdeführerin – wie zuvor ausgeführt (vorstehend E. 5) – als zu 50
%
Erwerbstätige und zu 50
%
im Haushalt Tätige zu qualifizieren ist, gelangt die gemischte Methode nach
Art.
28a
Abs.
3 IVG zur Anwendung.
Dabei wird bei nur teilweise erwerbstätigen Versicherten die Invalidität für diesen
Teil nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen
. Die Gesamtinvalidität ergibt sich aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten
Teilinvaliditäten
(
Art.
28a
Abs.
3 IVG;
BGE
130 V 393 E. 3.3
).
6.2
Ein Rentenanspruch entsteht gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruches. Angesichts der Anmeldung vom 2
0.
Januar 2014 (
Urk.
6/1), welche am
5.
Februar 2014 bei der Beschwerdegegnerin eingegangen war (vgl. Aktenverzeichnis zu
Urk.
6 S.
1), würde ein allfälliger Rentenanspruch frühestens ab dem
1.
August 2014 bestehen. Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des hypothetischen Rentenbeginns, mithin auf das Jahr 2014, abzustellen (BGE 129 V 222).
6
.3
Bei der Ermittlung des
Valideneinkommens
(
BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1;
134 V 322 E. 4.1) stützte sich die Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
2 S.
2
;
Urk.
6/39
S.
1
) auf die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE), wobei sie auf den standar
disierten Durchschnittslohn im Bereich Gastgewerbe/Beherbergung und Gastronomie im privaten Sektor abstellte, welcher bei Frauen im Jahr 2012
Fr.
3‘665.-- betrug (vgl. LSE 2012, TA1,
S. 35,
Ziff.
55-56, Kompetenzniveau 1).
Der durchschnittlichen wöchen
tlichen Arbeitszeit von 41.7
Stunden
im Jahr 2014
und der Nominallohnentwicklung
bei den Frauen der Jahre 2012 (Index: 2‘630) bis 2014 (Index: 2‘673)
angepasst
,
ergibt dies ein hypothetisches
Validenein
kommen
von rund
Fr.
23‘299
.-- im Jahr 2014
bei einem Pensum von 50
%
(
Fr.
3‘665
.-- : 40 x 41.7 x 12
: 2‘630 x 2‘673 x 0.5
). Dies ist angesichts der Erwerbsbiographie der Beschwerdeführerin nicht zu beanstanden. Da eine regel
mässige Erwerbstätigkeit als
Zimmermädchen
bereits sehr lange zurück liegt, er
scheint das Abstellen auf die Tabellenlöhne und dabei auf die konkrete Branche gerechtfertigt.
6
.
4
Auch das Invalideneinkommen ermittelte die Beschwerdegegnerin – in Beach
tung der Rechtsprechung
(BGE
142 V 178 E. 2.5.7;
139 V 592 E. 2.3
;
135 V 297 E. 5.2; 129
V 472 E. 4.2.1;
126 V 75 E. 3b
) – gestützt auf die Tabellenlöhne, wobei sie auf das
für Frauen geltende standardisierte monatliche Einkommen in einfachen Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher
Art
in sämtlichen Wirt
schaftszweigen des privaten S
ektors im Betrag von
Fr.
4‘112.--
(vgl. LSE 2012, TA1,
S. 35,
Total, Kompetenzniveau 1) abstellte (vgl.
Urk.
2 S. 2;
Urk.
6/39 S. 1).
Dies ist angesichts der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin
derzeit keine Tätigkeit ausübt,
nicht zu beanstanden und wurde von der Beschwerdeführerin auch nicht bestritten. Der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit
und der
Nominallohnentwicklung
angepasst, ergibt dies
im Jahr 2014 e
in hypothe
tisches
Invalideneinkommen von rund
Fr.
52‘282
.-- bei der verbliebenen 100%igen Arbeitsfähigkeit
respektive von rund
Fr.
26‘141.-- bei einem Pensum von 50
%
(
Fr.
4‘
112
.-- : 40 x 41.7 x 12
: 2‘630 x 2‘673 x 0.5
).
Sodann gewährte d
ie
Beschwerdegegnerin
aufgrund des einschränkenden
Belas
tungsprofils
einen
angemessenen
Abzug vom Tabellenlohn (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75)
von 10
%
(vg
l.
Urk.
2 S. 2;
Urk.
6/39 S. 2)
. Gründe für einen höheren Abzug
sind
nicht ersichtlich und
wurden
auch nicht geltend gemacht. Somit resultiert ein hypothetisches Invalideneinkommen von
rund
Fr.
23‘527.-- (
Fr.
26‘141.--
x 0.9).
6
.
5
Wird das
Valideneinkommen
von
Fr.
23‘299.--
dem Invalideneinkommen von
Fr.
23‘527.--
gegenübergestellt, resultiert
k
eine Erwerbseinbusse
und
somit ein Teilinvaliditätsgrad von
0
%
.
Der Umstand, dass ab dem
1.
Januar 2018 vor
aussichtlich in einer modifizierten Anwendungsweise der gemischten Methode das
Valideneinkommen
bezogen auf ein volles Pensum ermittelt wird (vgl.
– nicht rechtskräftiges -
Urteil des hiesigen Gerichts IV.2016.00548 vom 1
9.
Mai 2017 E. 8), ändert daran nichts, resultiert auch bei dieser Berechnung
aufgrund
der attestierten 100%igen Arbeitsfähigkeit lediglich die dem vorgenommenen Abzug von 10 % entsprechenden
Einbusse.
Die Einschränkung im Haushaltsbereich beträgt
15.6
%
(vorstehend E.
5
), was bei
einer Gewichtung von 5
0
%
einem Teilinvaliditätsgrad von
7.80
%
(
15.60
%
x 0.5
) entspricht.
6.6
Nach Addition der Teilinvaliditätsgrade im Erwerbs- und im Haushaltsbereich resultiert schliesslich ein nicht rentenbegründender Gesamtinvaliditätsgrad von gerundet
8
%
(vorstehend E. 1.1).
Die Beschwerdegegnerin verneinte demnach einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht.
7.
7.1
Zuletzt stellt sich die Frage, ob allenfalls Massnahmen der beruflichen Eingliederung
(vorstehend E.
1.3)
zu gewähren sind.
D
ie Beschwerdegegnerin
erachtete
die Durchführung
solche
r
Massnahmen
als derzeit nicht möglich (vgl. Mitteilung
vom 2
3.
Juli 2014,
Urk.
6/16). Nachdem sie der Beschwerdeführerin allerdings die Verneinung des Rentenanspruchs in Aussicht gestellt hatte
(
Urk.
6/41)
, beantragte diese ausdrücklich
eine
Arbeitsvermittlung respektive eine passende Ausbildung (vgl.
Urk.
6/42;
Urk.
6/44 S. 3). Obwohl sich die
Be
schwerdegegnerin
in der vorliegend angefochtenen Verfügung lediglich zum Anspruch auf Arbeitsvermittlung
gemäss
Art.
18 IVG
geäussert hat (vgl.
Urk.
2 S. 3),
ist
demnach auch der Anspruch auf
Umschulung
(
Art.
17 IVG)
zu prüfen.
Eine erstmalige berufliche Ausbildung im Sinne von
Art.
16 IVG fällt
von vornherein
ausser Betracht, war die Beschwerdeführerin
doch
vor Eintritt der Invalidität in ökonomisch bedeutsamem Ausmass
erwerbstätig
(vgl.
BGE 121 V 186 E.
3a
, 118 V 7,
Urteil des Bundesgerichts I 147/04 vom 1
9.
August 2004
E.
6.1.2
; AHI-Praxis 4/2000 S. 189
).
7.2
Gemäss
Art.
17 IVG hat d
ie versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann
(
Abs.
1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bisherigen Beruf gleichgestellt
(
Abs.
2
).
Nach der Rechtsprechung ist unter Umschulung grundsätzlich die Summe der Ein
glie
de
rungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und geeig
net
sind, der vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen ver
sicherten Person eine ihrer früheren annähernd gleichwertige Er
werbsmöglichkeit zu vermitteln
(BGE 130 V 488 E. 4.2
; Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_163/2008 vom
8.
August 2008 E. 2.2). Schliesslich setzt der Anspruch auf Umschulung voraus,
dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des
Gesundheits
scha
dens
im bisher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Aus
bildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20
%
erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 130 V 48
8 E. 4.2, 124 V 108 E. 2a und b
).
Die Beschwerdeführerin
machte nach dem Besuch der
obligatorische
n
Primar
schule
sowie der
Scuola
Media zwar
eine fünfjährige Ausbildung zur Buch
halterin, schloss diese indessen – aus invaliditätsfremden Gründen - nicht ab.
So gab
sie
an, dass sie kein Interesse an dieser Ausbildung gehabt habe und dies
e nur auf Anraten des Vaters gemacht habe. Seit sie in die Schweiz eingereist war, war sie sodann ausschliesslich als Zimmermädchen tätig (vgl.
Urk.
6/32 S. 16
Ziff.
3.1.2).
Der vorgenommene Einkommensvergleich (vorstehend E. 6)
zeigt, dass
die Beschwerdeführerin
trotz ihrer gesundheitlichen Einschrän
kung
en
keine Erwerbseinbusse hinnehmen
muss. Auch ist
sie in den ihr offen
steh
enden Tätigkeitsgebieten ohne spezi
fische Ausbildung arbeitsfähig
.
E
in Anspruch auf Umschulung
ist demnach nicht
gegeben.
7.3
Hinsichtlich des Anspruchs auf Arbeitsvermittlung steht ein solcher nach dem ausdrücklichen Gesetzeswortlaut von
Art.
18
Abs.
1 IVG nunmehr schon den arbeitsunfähigen Versicherten zu,
wobei das Gesetz auf Art. 6 ATSG verweist. D
araus ergibt sich, dass der Ein
tritt einer Arbeitsunfähigkeit genügt; sie
muss sich nicht zur Erwerbsunfä
higkeit gemäss Art. 7 ATSG oder gar Inv
alidität ge
mäss Art. 8 ATSG ver
dichtet haben. Zu beachten ist zudem, dass
bei langer Dauer einer Arbeits
unfähigkeit im bisherigen Beruf auch die zumutbare Tätig
keit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt wird (Art. 6 Satz 2 ATSG). Zur Begründung dieses Anspruches ist jedoch eine spezifische Einschränkung gesundheitlicher Art notwendig, wobei die leistungsspezifische Invalidität des Anspruchs vorliegt, wenn die Behinderung Probleme bei der Stellensuche verursacht. Dies trifft beispielsweise zu
, wenn wegen Stummheit oder man
gelnder Mobilität kein Bewerbungsgespräch
möglich ist oder dem potenziel
len Arbeitgeber die besonderen Möglichkeiten und Grenzen der ver
sicherten Person erläutert werden müssen, damit sie überhaupt eine Chance hat, den gewünschten Arbeitsplatz zu erhalten. Zwischen dem Gesundheitsschaden und der Notwendigkeit der Arbeitsvermit
tlung muss entsprechend ein Kau
salzu
sammenhang bestehen und die versi
cherte Person muss bei der Stel
lensuche aus invaliditätsbedingten Gründen
auf das Fachwissen und entsprechende Hilfe der Vermittlungsbehörden angewiesen
sein. Dies gilt auch für Versicherte, die in einer behinderungsangepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig sind
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_641/2015 vom 12. Januar 2016 E. 2 und
9C_966/2011 vom
4. Mai
2012 E.
3.2
).
Diese Voraussetzungen erfüllen die bei der Beschwerdefüh
rerin noch verbliebenen, medizinisch begründeten
Ein
schränkungen nicht
und es stehen ihr genügend zumutbare Stellen offen
, weshalb
auch kein Anspruch auf Arbeitsvermittlung besteht.
7.4
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin weder
An
spruch auf
Arbeitsvermittlung oder Umschulung
noch auf eine Invaliden
rente
hat.
Die angefochtene Verfügung erweist sich d
emnach als rechtens, was zur Ab
wei
sung der Beschwerde führt.
8.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
g
ang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuer
legen.