Decision ID: 24f9b99d-76d8-4188-9f46-ed76e822146e
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marco Bivetti, Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 28. Mai 2010 zum Bezug von IV-Leistungen an. Sie machte
geltend, Leiden an den Knien und an den Armen zu haben. Im Weiteren gab sie an, als
Mitarbeiterin bei der B._ AG tätig zu sein (IV-act. 1). Im Fragebogen für
Arbeitgebende wurde am 15. Juni 2010 angegeben, dass die Versicherte als
Betriebsmitarbeiterin im Bereich der Grobzerlegerei mit dem Dressieren von
Fleischstücken und dem Abschneiden von Fett beschäftigt sei, dass für sie keine
Umplatzierungsmöglichkeit im Betrieb bestehe und dass sie bei dieser Tätigkeit
praktisch den ganzen Tag stehen und nur selten laufen müsse. Die Versicherte arbeite
nach der bereits vorgenommenen Operation am linken Knie wieder zu 100%. Gemäss
Aussage der Versicherten stehe eine weitere Operation am rechten Knie bevor. Sie
leide auch an Schmerzen in der rechten Schulter (IV-act. 12). Dr. med. C._, Facharzt
für orthopädische Chirurgie, hatte mit Schreiben vom 28. Oktober 2009 gegenüber
dem Hausarzt der Versicherten, Dr. med. D._, allgemeine Medizin FMH, notiert, bei
der Versicherten sei vor drei Jahren im Kantonsspital St. Gallen eine Arthroskopie des
linken Kniegelenkes vorgenommen worden. Sie habe Schmerzen in den Kniegelenken,
links mehr als rechts. Mitte August habe die Versicherte beim Hantieren mit einem
schweren Brocken Fleisch einen einschiessenden Schmerz verspürt und daraufhin den
Arm nicht mehr heben können. Die Schultersonographie bei Dr. E._ habe eine
Supraspinatusruptur aufgezeigt. Er empfehle auf Grund der massiven beidseitigen
Gonarthrose eine Kniearthroplastik (IV-act. 22-11). Dr. D._ notierte im Arztbericht
vom 29. August 2010, die Versicherte leide seit 2006 an einer beidseitigen Varus- und
Femoropatellararthrose, seit dem 4. Februar 2010 an einem Status nach Knie TEP links
und seit dem Herbst 2009 an einem Zervikalsyndrom. Zudem bestünden seit 1997 eine
rezidivierende depressive Verstimmung und seit 2002 eine arterielle Hypertonie. Am
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8. Januar 2006 habe die Versicherte einen Sturz erlebt, welcher eine Distorsion des
linken Knies zur Folge gehabt habe. In der Folge habe sich eine Arthrose aktiviert, die
dann zunehmend Beschwerden verursacht habe. Diverse konservative Massnahmen,
beispielsweise Physiotherapie, hätten nur eine vorübergehende Erleichterung gebracht.
Schliesslich habe im Februar 2010 das linke Kniegelenk partiell ersetzt werden müssen.
Je nach Schulterbelastung werde bald auch eine operative Sanierung der
Rotatorenmanschette notwendig sein. Die Versicherte sei durch Medikamente
kreislaufmässig gut eingestellt. Vom 3. Februar 2010 bis 3. Mai 2010 habe eine 100%-
ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Ab 4. Mai 2010 bis 30. Mai 2010 sei eine 50%-ige
Arbeitsunfähigkeit vorhanden gewesen. Das Heben und Tragen schwerer Fleischstücke
sollte in Zukunft vermieden werden. Auch seien grössere Gehstrecken und das
Treppensteigen zu vermeiden. Im Rahmen von acht Stunden sei die bisherige Tätigkeit
aus medizinischer Sicht noch zumutbar. Falls schwerere Stücke gemieden werden
könnten, sei die Versicherte voll arbeitsfähig. Nach einer erfolgreichen operativen
Revision der Rotatorenmanschette der rechten Schulter und einer TEP am linken Knie
sei die volle Leistungsfähigkeit der Versicherten gesichert (IV-act. 22-1). Dem
Abklärungsbericht der IV-Stelle vom 19. September 2010 war zu entnehmen, dass sich
die Versicherte bald auch einer Operation am rechten Knie werde unterziehen müsse.
Gemäss eigener Aussage arbeite die Versicherte im Moment Vollzeit, wobei jeweils ab
Mittwoch die Schmerzen wieder zunähmen. Sie werde von ihrer Arbeitgeberin
geschätzt, trotzdem sei ihr Arbeitsplatz gefährdet. Sie arbeite den ganzen Tag stehend
am Förderband, zerlege und dressiere Fleischstücke und lege diese anschliessend
wieder zurück. Das Gewicht der Fleischstücke betrage zwischen 2 und 10 Kg. Der
Umzug der Unternehmung von F._ nach G._ löse bei der Versicherten grosse
Ängste aus, obwohl die Tätigkeiten in G._ in Zukunft leichter sein würden. Man könne
die Versicherte dort nämlich in der Verpackerei einsetzen. Dies sei aktuell in F._ nicht
möglich. Die Versicherte fühle sich nach eigenen Angaben nicht zu 100% arbeitsfähig.
Sie habe Bedenken hinsichtlich der zweiten Operation geäussert. Sie könne nicht
garantieren, dass sie nach der zweiten Operation wieder voll werde arbeiten können.
Die Versicherte arbeite seit dem 1. Juni 2010 zu 100% angestammt, doch handle es
sich um eine rein stehende Tätigkeit, was in Anbetracht des Gesundheitszustandes
nicht optimal sei. Adaptiert sei eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit bei einer
wechselbelastenden, körperlich leichten bis selten mittelschweren Tätigkeit zu
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erreichen. Die Anspruchsvoraussetzungen für berufliche Eingliederungsmassnahmen
seien erfüllt. Auch in G._ sei keine sitzende Tätigkeit verfügbar. Ein Arbeitsplatzerhalt
sei dringend angezeigt (IV-act. 24). Dem Assessmentprotokoll der IV-Stelle vom
9. November 2010 war zu entnehmen, dass die Versicherte auch nach der Operation
immer noch Schmerzen in der Kniekehle beim Treppensteigen verspürte. Sie habe
keinen erlernten Beruf. Ihr Ehemann sei nicht arbeitstätig. Die Versicherte werde am
15. November 2010 am rechten Knie operiert werden. Der Erhalt des Arbeitsplatzes
werde nach Ablauf der Heilungsphase noch einmal geprüft werden (IV-act. 25).
A.b Am 5. Januar 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass Massnahmen zum
Arbeitsplatzerhalt zur Zeit nicht möglich seien. Am 15. November 2010 sei die
Versicherte am rechten Knie operiert worden. Der Heilungsprozess dauere einige
Monate. Nach Ablauf der Heilungsphase werde der Erhalt des Arbeitsplatzes noch
einmal überprüft. Die Arbeitsvermittlung werde daher vorübergehend abgeschlossen
(IV-act. 28). Mit Schreiben vom 11. März 2011 notierte Dr. C._ gegenüber Dr. H._,
nach der Knieoperation rechts bestehe ein klinisch günstiger Verlauf; subjektiv sei das
Knie aber nicht voll belastbar. Eine Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit in reduzierter
Form sei in ca. 7 - 10 Tagen geplant. Der stellvertretende Schichtleiter habe
angegeben, aus der Sicht der Arbeitgeberin sei eine 50%-ige Arbeitstätigkeit das
Mindesterfordernis (IV-act. 33-5). Am 13. April 2011 berichtete Dr. C._ gegenüber
Dr. H._, die Patentien habe die Arbeit jetzt wieder aufgenommen. Die
Schmerzmedikation sei etwas knapp bemessen bei gleichzeitigem Belastungsaufbau.
Nach telefonischer Absprache mit Dr. H._ sei vorerst keine Steigerung der
Arbeitsfähigkeit ratsam, da die Versicherte auch andere Diagnosen habe, welche die
volle Wiederaufnahme der Arbeit erschwert (IV-act. 33-7). Gemäss dem Bericht von Dr.
H._ vom 29. April 2011 war die bisherige Tätigkeit im Umfang von 50%, adaptierte
Tätigkeiten aber ganztags zumutbar. Zur Zeit sei die Versicherte in Absprache mit Dr.
C._ zu 50% arbeitsfähig. Eine Reduktion der Arbeitsunfähigkeit sollte in Zukunft
möglich sein (IV-act. 33-3). Im Bericht vom 29. April 2011 gab Dr. H._ an, seit Januar
seien eine Abnahme der Knieschmerzen sowie ein zunehmend normaler Gang ohne
Krücken zu beobachten (IV-act. 33-1). Gemäss dem Triage-Protokoll der IV-Stelle von
1. Juni 2011 war der Gesundheitszustand der Versicherten nach der
Kniegelenksprothese Mitte Dezember 2010 immer noch nicht ganz stabil. Die
angestammte Tätigkeit sei in Bezug auf den Gesundheitszustand nicht adaptiert (IV-
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act. 38-1). Gemäss Verlaufsprotokoll vom 16. Januar 2012 hatte die Versicherte in der
Zwischenzeit zuerst am neuen Standort G._ gearbeitet. Weil es dort Probleme mit
der Maschine gegeben hatte, war sie wieder nach F._ unplatziert worden. Per 31.
Dezember 2011 wurde der Versicherten gekündigt (IV-act. 42). Am 23. Januar 2012
teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass kein Anspruch auf berufliche Massnahmen
bestehe, da sie über das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) derzeit im
Rahmen eines 50% Pensums in einem Einsatzprogramm teilnehme und bei der
Stellensuche optimal durch das RAV betreut werde (IV-act. 48).
A.c Am 31. Januar 2012 berichtete Dr. H._, die bisherige Tätigkeit sei der Ver
sicherten immer noch zumutbar. Eine andere Tätigkeit ohne längeres Stehen und
Heben von schweren Lasten sei der Versicherten im Rahmen eines 50% Pensums
zumutbar. Eine Teilzeitarbeit mit voller Leistung sei bis Ende Dezember möglich
gewesen, daher sollte sie auch in Zukunft weiter möglich sein (IV-act. 49-5). Im
Verlaufsbericht vom 31. Januar 2012 notierte Dr. H._, die Diagnosen Depression,
Panvertrebralsyndrom, Gonarthrose beidseitig und Rotorenmanschettenläsion links
hätten Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten. Auf Grund der zunehmenden
depressiven Entwicklung erfolge seit Oktober 2011 eine Therapie bei Dr. med. J._,
Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, die am 5. März 2012 berichtete,
die Versicherte leide an einer anhaltenden depressiven Störung mit gegenwärtig
mittelgradiger Ausprägung mit somatischem Syndrom auf dem Hintergrund eines
chronischen Schmerzsyndroms. Bis auf Weiteres bestehe aus psychischen Gründen
eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit. Aktuell sei der Versicherten eine behinderungsan
gepasste leichte körperliche Tätigkeit zu maximal 50% bei um schätzungsweise 50%
herabgesetzter Leistung möglich (IV-act. 49-2 und 56).
A.d In der Folge ordnete die IV-Stelle eine orthopädisch-psychiatrische Begutachtung
der Versicherten an (IV-act. 59). Im bidisziplinären Gutachten vom 16. Mai 2012 gaben
Dr. med. K._ und Dr. med. L._ an, die Arbeitsfähigkeit der Versicherten werde
durch eine mässige Spondylose C5/6, eine Osteochondrose, eine Spondylose und
Spondylarthrose im Bereich L4/5, einen Status nach beidseitiger Knietotalprothese
(links 2/2010 und rechts 11/2010), eine Adipositas (IV-act. 63-21) und eine
mittelgradige depressive Störung (IV-act. 63-17 und 34) beeinträchtigt. Aus
psychiatrischer Sicht sei in einer leidensangepassten Tätigkeit seit Mai 2011 eine 60%-
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ige Arbeitsfähigkeit (40%-ige Arbeitsunfähigkeit) anzunehmen, wobei es sich um
Arbeiten ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne Stressbelastung, ohne erforderliche
geistige Flexibilität und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung handeln sollte.
Anlässlich der gemeinsamen orthopädisch-psychiatrischen Beurteilung am
11. Mai 2012 sei die Arbeitsfähigkeit als Produktionsmitarbeiterin in einer Fleischfabrik
gesamthaft bei voller Stundenpräsenz eines normalen Pensums ab Mai 2011 auf 50%
(50% Arbeitsunfähigkeit) festgelegt worden, da bei mittelgradiger depressiver Störung
die emotionale Belastbarkeit, die geistige Flexibilität, die Motivation, die Interessen und
die Dauerbelastbarkeit beeinträchtigt seien (IV-act. 63-22). Aus rein psychiatrischer
Sicht könne ohne Berücksichtigung der körperlich begründeten Leiden in der
angestammten Tätigkeit eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit bei vollem Stundenpensum
(Arbeitsunfähigkeit von 50%) seit ungefähr November 2010 angenommen werden. Bei
einer angepassten (adaptierten) Tätigkeit könne aus psychiatrischer Sicht eine 60%-ige
Arbeitsfähigkeit bei vollem Stundenpensum (Arbeitsunfähigkeit von 40%) seit dem
gleichen Zeitpunkt angenommen werden (IV-act. 63-18 und 36). Der psychiatrische
Gutachter Dr. L._ stimmte der diagnostischen Einschätzung von Dr. J._ betreffend
das Vorliegen einer mittelgradigen depressiven Störung zu. Die attestierten
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (100%-ige Arbeitsunfähigkeit) von November
2010 bis Februar 2011 waren für ihn jedoch nicht nachvollziehbar, da auch bei
mittelgradiger depressiver Störung eine Restarbeitsfähigkeit bestehe. Einer 50%-igen
Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit könne zugestimmt werden. Da Dr. J._
bei der zuletzt ausgeübten Tätigkeit eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit attestiert habe, sei
nicht nachvollziehbar, warum auch bei behinderungsangepasster Tätigkeit nur eine
maximal 50%-ige Arbeitsfähigkeit mit 50% herabgesetzter Leistung möglich sein sollte.
Bei einer angepassten Tätigkeit sei aus psychiatrischer Sicht durchaus eine erhöhte
Arbeitsleistung zumutbar (IV-act. 63-22 und 37). Nachdem sich trotz der vorliegenden
mittelgradigen depressiven Störung Ressourcen und Restaktivitäten erheben liessen,
erschienen berufliche Massnahmen oder Integrationsmassnahmen zum jetzigen
Zeitpunkt zumindest theoretisch als aussichtsreich. Die Arbeitsfähigkeit sei durch ein
psychisches und durch ein somatisches Leiden mit Krankheitswert eingeschränkt. Ein
Überwiegen von psychosozialen Faktoren sei nicht anzunehmen, obwohl neben
mangelnden Deutschkenntnissen die Arbeitslosigkeit und die finanziellen Belastungen
zu erheben seien. Für das Vorliegen einer Suchterkrankung fänden sich keine Hinweise
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(IV-act. 63-23). Unter Fortsetzung der therapeutischen Massnahmen sei eine weitere
Besserung des psychischen Zustandsbildes mit Leistungssteigerung und 70%iger
Arbeitsfähigkeit innerhalb eines Jahres zu erwarten (IV-act. 63-18 und 37). Gemäss der
Stellungnahme des RAD vom 12. Juni 2012 konnte auf das orthopädisch-
psychiatrische Gutachten abgestellt werden. Es sei ausführlich, schlüssig und
nachvollziehbar. Es bestünden Einschränkungen der Versicherten in Hinblick auf
körperlich schwere, rückenbelastende und psychisch belastende Tätigkeiten. Der
Gesundheitszustand der Versicherten sei stabil. Der psychiatrische Gutachterrechne
bei Fortführung der bisherigen psychiatrischen Therapie mit einer Besserung der
Depression und einer leichten Steigerung der Arbeitsfähigkeit. Daher werde eine
Revision in einem Jahr vorgeschlagen (IV-act. 64).
A.e Nach der Vornahme eines Einkommensvergleiches (IV-act. 66) kündigte die IV-
Stelle der Versicherten mit einem Vorbescheid vom 4. Juli 2012 die Abweisung des
Rentenbegehrens an (IV-act. 69). Am 10. September 2012 liess die Versicherte den
Antrag stellen, ihr sei eine halbe IV-Rente zuzusprechen (IV-act. 74). Ihr Rechtsvertreter
brachte vor, die Versicherte habe, nachdem sie aufgrund einer ersten Knieoperation
(künstliches Kniegelenk) während mehrerer Monate vollumfänglich arbeitsunfähig
gewesen sei, lediglich zu einem Pensum von 50% in die bisherige Tätigkeit
zurückkehren können. Invalidisierend kämen eine Spondylose mit Diskushernie sowie
eine Osteochondrose, eine Spondylose und Spondylarthrose L4/5 und eine reaktive,
mittelgradige depressive Störung hinzu. Die Versicherte sei gemäss den Gutachtern im
bisherigen Tätigkeitsbereich noch zu 50%, in einer angepassten Tätigkeit noch zu 60%
arbeitsfähig. Hinsichtlich des Valideneinkommens sei zweifellos die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit heranzuziehen, in der die Versicherte ein Einkommen von Fr. 50'570.-- erzielt
habe. Mangels tatsächlichem Einkommen sei gemäss der Rechtsprechung für das
Invalideneinkommen auf die Tabellenlöhne abzustellen. Dieses Einkommen liege
gemäss TA1-2010 bei Anforderungsniveau 4 und nach Anpassung auf die gemäss
Statistik im Jahre 2010 übliche Arbeitszeit bei Fr. 52'728.--. In Anbetracht der Art und
Weise der Arbeit der Versicherten, insbesondere auch aufgrund der Schichtführung, sei
davon auszugehen, dass ein Ausgleich im Sinne einer Parallelisierung auch dann
gerechtfertigt sei, wenn die Differenz der beiden Einkommen unter 5% liege. Auch sei
die Vornahme eines Leidensabzuges vorliegend zwingend, da die Versicherte seit der
Einreise in die Schweiz während 16 Jahren ausschliesslich und mit einem Vollpensum
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am Fliessband stehend mit einem Messer Tiere zerlegt habe, was sinnbildlich für die
harte, schwere Arbeit sei, welche die Versicherte verrichtet habe. Die Versicherte
müsse heute eine Tätigkeit finden, die den oben aufgeführten zahlreichen
Anforderungen bzw. Einschränkungen entspreche. Zweifellos müsse sie dafür ein im
Vergleich zum Tabellenlohn um 15% reduziertes Einkommen in Kauf nehmen. Dies
müsse umso mehr gelten, als nicht davon auszugehen sei, dass die Versicherte in der
körperlich und psychisch sehr anstrengenden Tätigkeit während Jahren freiwillig auf
Einkommen verzichtet habe. Sie sei mit Sicherheit nicht freiwillig unter dem
Tabellenlohn von Niveau 4 tätig gewesen. Zudem seien die aktenkundigen schlechten
Deutschkenntnisse der Versicherten, ihr fortgeschrittenes Alter und die Tatsache, dass
sie in der Schweiz bisher ausschliesslich bei einem einzigen Arbeitgeber tätig gewesen
sei, zu berücksichtigen. Gesamthaft erscheine ein Leidensabzug von 20 bis 25%, je
nachdem ob eine Parallelisierung der Einkommen stattfinde, gerechtfertigt. Unter
Berücksichtigung der erwähnten Einschränkungen verbleibe eine Jahreseinkommen
von Fr. 23'728.--, weshalb aufgrund der Erwerbseinbusse von 26'972.-- ein
Invaliditätsgrad von 51.2% bestehe
A.f Mit einer Verfügung vom 3. Oktober 2012 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch der
Versicherten auf eine Invalidenrente. Zur Begründung führte sie aus, die Tätigkeit als
Betriebsmitarbeiterin sei der Versicherten noch zu 50% zumutbar. In dieser Tätigkeit
habe sie ein Jahreseinkommen von Fr. 50'570.-- erzielt. In einer leidensadaptierten
Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 60%. Gemäss Lohnstrukturerhebung des
Bundesamtes für Statistik könne die Versicherte somit ein Jahreseinkommen von
Fr. 31'637.-- verdienen. Aufgrund des Einkommensvergleiches resultiere ein IV-Grad
von 37%, da der IV-Grad unter 40% liege, werde das Rentenbegehren abgewiesen.
Die geltend gemachten Einschränkungen müssten medizinisch begründet sein und
könnten nicht berücksichtigt werden, da sie bereits in der Arbeitsfähigkeitsschätzung
mitberücksichtigt seien. Eine Angleichung des Minderverdienstes komme nur in Frage,
wenn der Minderverdienst grösser als 5% sei (IV-act. 75).
B.
B.a Mit einer Beschwerde vom 8. November 2012 und mit einer
Beschwerdeergänzung vom 6. Dezember 2012 beantragte die Versicherte sinngemäss
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- unter Kosten- und Entschädigungsfolge - die Zusprache einer halben Invalidenrente.
Ihr Rechtsvertreter führte zur Begründung aus, bei einer angepassten Tätigkeit, welche
den im Gutachten vorgesehenen Anforderungen entspreche, liege die Arbeitsfähigkeit
bei 60%. Die Auffassung, dass die angestammte Tätigkeit zu 50% zumutbar sei,
müsse in Zweifel gezogen werden, da gemäss der interdisziplinären Einschätzung
ausschliesslich körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten zumutbar seien, die
emotional nicht belastend seien und keine Dauerbelastung beinhalteten. Diese
Anforderungen seien bei der angestammten Tätigkeit nicht erfüllt, da die Arbeitgeberin
selbst die Anforderungen an das Durchhaltevermögen als hoch einstufe. Es sei daher
offenkundig, dass den Gutachtern nicht bewusst gewesen sei, welch belastende
Tätigkeit die Beschwerdeführerin ausgeübt habe. Die fehlende Erwähnung und
Beschreibung der bisher ausgeübten Tätigkeit weise auf eine mangelhafte
Auseinandersetzung mit wesentlichen Sachverhaltsaspekten hin. Es erscheine fraglich,
ob die Gutachter im konkreten Wissen um die von der Beschwerdeführerin ausgeübte
Tätigkeit überhaupt zum Schluss gekommen wären, dass ihr die bisherige Tätigkeit
weiterhin zugemutet werden könne. Obschon davon ausgegangen werden könne, dass
der Erwerbsunfähigkeitsgrad im angestammten Tätigkeitsbereich über 50% liege, so
liege der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin in der Annahme der Fortsetzung der
bisherigen Tätigkeit im angeblich zumutbaren Rahmen bei mindestens 50%, womit
mindestens ein Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung bestehe. Ein
Leidensabzug von 20 bis 25% je nachdem, ob eine Parallelisierung der Einkommen
stattfinde, sei gerechtfertigt. Zu den Ausführungen der Beschwerdegegnerin zum
Einwand vom 10. September 2012 sei anzumerken, dass sie verkenne, was die
Beschwerdeführerin für eine in Bezug auf die körperliche Leistungsfähigkeit
anforderungsreiche Tätigkeit ausgeübt habe. Allein schon die Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin für die bisherige angeblich leichte Tätigkeit nur noch zu 50%
arbeitsfähig sein solle, belege dies. Die zahlreichen Anforderungen an eine
Verweistätigkeit seien in der Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter mit Sicherheit
nicht berücksichtigt. Falsch sei zudem, dass Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit,
Nationalität, Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad invaliditätsfremd seien und
sich bereits beim Valideneinkommen auswirkten. Die Beschwerdeführerin müsse in
einer neuen Tätigkeit, bei der sie nicht auf den Goodwill eines langjährigen
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Arbeitgebers zählen könne, einen Lohnnachteil in Kauf nehmen. Dies sei bei der
Festlegung des Tabellenlohns rechtsprechungsgemäss zu berücksichtigen (G 1 und 4).
B.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 20. Februar 2013 machte die
Beschwerdegegnerin sinngemäss geltend, dem orthopädischen Gutachten sei zu
entnehmen, dass aus den Kniegelenkbeschwerden der Beschwerdeführerin keine
zusätzliche Arbeitsunfähigkeit resultiere. Jedoch seien körperlich schwere Arbeiten
möglichst zu vermeiden, damit ein vorzeitiger Verschleiss der Implantate mit Lockerung
derselben vermieden werden könne. Gemäss dem orthopädischen Gutachten resultiere
bei der Beschwerdeführerin aus rein orthopädischer Sicht nachvollziehbar nebst
qualitativen Einschränkungen auch eine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
von 10% in einer Verweistätigkeit. Der psychiatrischen Begutachtung sei zu
entnehmen, dass trotz den vorliegenden Symptomen einer mittelgradigen depressiven
Störung bei der Versicherten eine zumutbare Willensanstrengung zur Wiederaufnahme
einer beruflichen Tätigkeit anzunehmen sei. Bei einer angepassten Tätigkeit könne aus
psychiatrischer Sicht eine 60%-ige Arbeitsfähigkeit bei vollem Stundenpensum seit
etwa November 2010 angenommen werden. Ob ein diagnostiziertes Leiden den
Rechtsbegriff der invalidisierenden Krankheit im Sinne des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung erfülle, sei eine Rechtsfrage. Leichte bis höchstens
mittelschwere psychische Störungen depressiver Natur seien im Prinzip als
therapeutisch angehbar zu beurteilen. Der psychiatrische Gutachter habe eine
Fortsetzung der seit 6. September 2011 durchgeführten psychiatrisch-
psychotherapeutischen Therapie mit antidepressiver Medikation empfohlen und er
habe ausserdem eine weitere Besserung des psychischen Zustandsbildes mit
Leistungssteigerung und 70%iger Arbeitsfähigkeit innerhalb eines Jahres
prognostiziert. Fest stehe jedenfalls, dass die therapeutischen Mittel bei der
Beschwerdeführerin nicht ausgeschöpft seien. Die diagnostizierte depressive Störung,
gegenwärtig in einer mittelgradigen Episode, sei therapeutisch angehbar. Unter diesen
Umständen stelle die psychische Beeinträchtigung der Beschwerdeführerin keinen
invalidisierenden Gesundheitsschaden dar. Daher sei eine rechtlich relevante psychisch
bedingte Arbeitsunfähigkeit zu verneinen. Das bidisziplinäre Gutachten sei in Bezug auf
den medizinischen Sachverhalt beweiskräftig. Da das psychische Leiden der
Beschwerdeführerin in rechtlicher Hinsicht nicht invalidisierend sei, müsse sich die
Invaliditätsbemessung nach den organisch bedingten Beeinträchtigungen richten. Für
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die Ermittlung des Einkommens, welches eine versicherte Person ohne Invalidität
erzielen könnte (Valideneinkommen), werde in der Regel am zuletzt erzielten,
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten
Verdienst angeknüpft, da es der Erfahrung entspreche, dass die bisherige Tätigkeit
ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Rechtsprechungsgemäss dürfe
das Valideneinkommen dann nicht aufgrund des zuletzt verdienten Lohnes bestimmt
werden, wenn dieser unterdurchschnittlich sei, d.h. deutlich unter dem Tabellenlohn
gemäss der vom Bundesrat für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebung liege.
Dies sei der Fall, wenn die prozentuale Abweichung den Erheblichkeitswert von 5%
übersteige, wobei nur in dem Umfang zu parallelisieren sei, in welchem die prozentuale
Abweichung den Erheblichkeitsgrenzwert von 5% übersteige. Der Bruttojahreslohn der
Beschwerdeführerin im Jahr 2010 inder Höhe von Fr. 50'750.-- habe nur rund 3,86%
unter dem für die Bestimmung des Invalideneinkommens heranzuziehenden
Tabellenlohn für Frauen im privaten Sektorin einfachen und repetitiven Arbeiten
(Anforderungsniveau 4) des Jahres 2010 von Fr. 52'790.-- gelegen. Zudem sei kein
Abzug vom Tabellenlohn angezeigt, da den relevanten somatischen
Beeinträchtigungen mit der im Gutachten attestierten 10%igen Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit bereits hinreichend Rechnung getragen sei. Das Alter lasse keinen
Abzug vom Tabellenlohn zu. Die Bedeutung der Dienstjahre nehme im privaten Sektor
ab, je niedriger das Anforderungsprofil der Arbeit sei, weshalb dieser Aspekt keinen
Abzug rechtfertige. Die schlechten Deutschkenntnisse hätten bei Hilfsarbeiten im
Anforderungsniveau 4 ebenfalls keine lohnmindernde Wirkung. Der
Einkommensvergleich ergebe bei einem Valideneinkommen von Fr. 50'750.-- und
einem Invalideneinkommen von Fr. 47'511.-- einen rentenausschliessenden
Invaliditätsgrad von abgerundet 6%, daher sei die angefochtene Verfügung im
Ergebnis nicht zu beanstanden (G 7).
B.c In ihrer Replik vom 22. April 2013 liess die Beschwerdeführerin sinngemäss
geltend machen, die Auffassung der Gutachter über den bisherigen Tätigkeitsbereich
bilde durchaus einen Massstab hinsichtlich der angewandten Sorgfalt bei der
Vornahme der durch sie getätigten Abklärungen. Dass die Beschwerdeführerin
während rund 16 Jahren einer schweren, belastenden Tätigkeit nachgegangen sei,
stelle zudem eine Erklärung für die heute bestehenden somatischen Leiden dar. Die
Einschätzung der Gutachter habe sich nachweislich als zu optimistisch und falsch
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erwiesen. Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit habe nie mehr über 50%
gehoben werden können. Die Beschwerdeführerin habe ihre Stelle gesundheitsbedingt
verloren. Betreffend der Invalidisierung durch die festgestellte psychische Krankheit
habe eine Beurteilung nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu erfolgen,
welcher untersuche, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die
Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen
stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozialpraktisch zumutbar und für die
Gesellschaft tragbar sei. Die Beschwerdegegnerin könne nichts aus der Tatsache einer
allfälligen Behandelbarkeit resp. Therapierbarkeit hinsichtlich des invalidisierenden
Charakters ableiten. Beim Leidensabzug sei der Einfluss aller Merkmale auf das
Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Die Beschwerdeführerin habe
jahrelang davon gelebt, ihren Körper mit grossem Einsatz gewinnbringend einzusetzen.
Dies sei ihr heute nicht mehr möglich. Es bestünden hohe Anforderungen an eine
Verweistätigkeit. Mangels Erfahrungen ausserhalb von Metzgereigrossbetrieben und
aufgrund der schlechten Deutschkenntnissen sei davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin mit weiteren Lohnminderungen rechnen müsse (G 9).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (G 11).

Erwägungen:
1. Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder ver
bessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine
Gesundheitsbeeinträchtigung verursachte und nach der zumutbaren Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Bei
Versicherten, die erwerbstätig gewesen sind (vgl. Art. 28a Abs. 1 IVG), wird für die
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Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das sie nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihnen zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnten, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnten, wenn sie nicht invalid geworden wären (Art. 16 ATSG).
2. In Bezug auf die medizinische Eingliederung besteht zwar eine gute Chance auf eine
arbeitsfähigkeitsrelevante Verbesserung. Allerdings kann sich diese Verbesserung
gemäss den Angaben des psychiatrischen Gutachters frühestens nach einem Jahr
einstellen, so dass die entsprechende Veränderung nicht in die aktuelle
Invaliditätsbemessung einbezogen werden kann. Andernfalls würde sich die
Invaliditätsbemessung nämlich nicht auf den mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehenden aktuellen Sachverhalt, sondern auf eine - unsichere -
Prognose betreffend einen zukünftigen Sachverhalt abstützen, was weder mit dem
Untersuchungsgrundsatz noch mit dem materiellen Leistungsrecht in Übereinstimmung
zu bringen wäre. Die erhoffte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit als Folge der
medizinischen Eingliederung wird deshalb allenfalls Gegenstand eines späteren
Revisionsverfahrens (Art. 17 Abs. 1 ATSG) bilden müssen. Die Erwerbsfähigkeit der
Beschwerdeführerin kann durch berufliche Eingliederungsmassnahmen nicht mehr
beeinflusst werden. Angesichts der hohen Arbeitsunfähigkeit auch in einer
leidensadaptierten Erwerbstätigkeit (vgl. dazu E. 3) wäre nämlich nur eine sogenannt
höherwertige Umschulung zu einer qualifizierten Arbeitskraft geeignet, die durch die
Arbeitsunfähigkeit bedingte Erwerbseinbusse in einem rentenrelevanten Ausmass zu
kompensieren, weil damit das Lohnniveau ansteigen würde. Dadurch könnte die
Beschwerdeführerin trotz eines unveränderten Restarbeitsfähigkeitsgrades im Idealfall
ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen. Es ist aber davon auszugehen, dass
die Beschwerdeführerin nicht die notwendigen Voraussetzungen (insbesondere
betreffend Schulbildung, Deutschkenntnisse, intellektuelle Fähigkeiten,
Leistungsfähigkeit) für eine Umschulung zu einer qualifizierten Arbeitskraft mitbringt.
Zudem wäre eine solche Umschulung mit Blick auf das Alter bzw. auf die
Resterwerbsdauer nicht verhältnismässig und angesichts des psychischen Leidens
wohl auch nicht erfolgversprechend.
3.
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3.1 Die Beschwerdeführerin leidet nachweislich an diversen orthopädischen
Beeinträchtigungen und an einer psychischen Krankheit, die ihre Arbeitsfähigkeit
herabsetzen. Die Gutachter haben in ihrem orthopädisch-psychiatrischen Gutachten
vom 27. April 2012, auf das die Beschwerdegegnerin hauptsächlich abgestellt hat,
ausgeführt, aufgrund der orthopädischen Einschränkungen sei als eine ideal angepasst
eine leichte Tätigkeit anzusehen, welche in temperierten Räumen und
abwechslungsweise sitzend und stehend ausgeübt werden könne, ohne dass dabei
häufig gelaufen werden müsse, und die nicht mit einer häufig inklinierten, reklinierten
oder rotierten Körperhaltung, nicht mit knienden Positionen und nicht mit einem
häufigen Heben und Tragen von Lasten über 5 Kilogramm verbunden sei. In einer
solchen ideal angepassten Tätigkeit besteht nach der Auffassung der Gutachter aus
orthopädischer Sicht eine 90% Arbeitsfähigkeit (vgl. IV-act. 63-9). Aus psychiatrischer
Sicht soll eine ideal adaptierte Tätigkeit, zusätzlich zu den bereits erwähnten
Anforderungen, keine erhöhte emotionale Belastung, keine Stressbelastung (Zeitdruck),
keine geistige Flexibilität und keine Dauerbelastung beinhalten. In einer Tätigkeit, die all
diese Merkmale erfüllt, ist die Beschwerdeführerin gesamthaft bei voller
Stundenpräsenz aus psychiatrischer Sicht zu 60% arbeitsfähig (vgl. IV-act. 63-22).
Aufgrund der anhaltenden mittelgradigen depressiven Störung sind die emotionale
Belastbarkeit, die geistige Flexibilität, die Motivation, die Interessen und die
Dauerbelastbarkeit der Beschwerdeführerin beeinträchtigt (IV-act. 63-35). Trotz der
vorliegenden Symptome ist der Beschwerdeführerin eine Willensanstrengung zur
Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit im Ausmass von 60% zumutbar (vgl. IV-
act. 63-36). Die Einschätzung der Gutachter des Medizinischen Gutachtenzentrums der
Region St. Gallen, die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei aus orthopädischen
und psychischen Gründen um 40% eingeschränkt, überzeugt. Der psychiatrische
Sachverständige hat explizit ausgeführt, die mittelgradige depressive Störung der
Beschwerdeführerin zeichne sich durch eine niedergeschlagene Stimmungslage mit
Lustlosigkeit, Freudlosigkeit, Affektstörungen mit wiederholter Affektlabilität und
weinerlichem Verhalten, Unruhezuständen sowie Angstgefühlen aus. Zudem fühle sich
die Beschwerdeführerin hilflos und leide unter Schlafstörungen mit Ein- und
Durchschlafstörungen, die sich unter Medikation bereits gebessert hätten (vgl. IV-
act. 63-17). Bei der depressiven Störung der Beschwerdeführerin, die retrospektiv seit
November 2010 als mittelgradig ausgeprägt qualifiziert worden ist, handelt es sich
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gemäss den nachvollziehbaren und überzeugenden Ausführungen des psychiatrischen
Sachverständigen um ein eigenständiges psychisches Leiden. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die für somatoforme Schmerzstörungen
bestehende Vermutung, dass die Behinderung oder deren Folge mit zumutbarer
Willensanstrengung überwindbar sei, bei von psychogenen Schmerzstörungen
losgelösten depressiven Leiden nicht anwendbar (Urteil des Bundesgerichts vom 8.
April 2013, 8C_651/2012, E. 5.3). Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin
muss bei eigenständigen depressiven Leiden das Gleiche auch für das Argument der
Therapierbarkeit gelten: Die Therapierbarkeit eines Leidens steht dem Eintritt einer
rentenbegründenden Invalidität grundsätzlich nicht im Wege (Ulrich Meyer,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung [IVG], 2. Aufl., Zürich Basel Genf 2010, S. 275f.). Das
Bundesgericht hat im Entscheid BGE 127 V 294 explizit festgehalten, die Quanti
fizierung der Therapierbarkeit einer psychischen Störung als Ausschlussgrund für die
Entstehung des Rentenanspruches widerspreche dem Sinn und Zweck der
Leistungsart der Invalidenversicherung. Zudem hat es festgestellt, die Therapierbarkeit
sage nichts über den invalidisierenden Charakter einer Krankheit aus. Für die
Entstehung eines Anspruches auf eine Invalidenrente sei immer und einzig
vorausgesetzt, dass währendeines Jahres (ohne wesentliche Unterbrüche) eine
mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe und dass weiterhin eine
anspruchsbegründende Erwerbsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes bestehe. Das
depressive Leiden der Beschwerdeführerin ist im genannten Zeitraum genügend stark
ausgeprägt gewesen, um eine (sogenannt „invalidisierende“) Arbeitsunfähigkeit im vom
Sachverständigen genannten Ausmass zu begründen. Entscheidend ist, dass es sich
dabei um eine eigenständige Krankheit von erheblicher Schwere, Ausprägung und
Dauer gehandelt hat, die geeignet gewesen ist und immer noch ist, die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin relevant zu beeinträchtigen. Folglich ist ausgehend vom
Gutachten vom 16. Mai 2012 von einer Arbeitsunfähigkeit von 40 Prozent ab
November 2010 auszugehen (IV-act. 63-18).
3.2 Da die Beschwerdeführerin vor dem Entstehen der medizinischen Einschränkungen
vollzeitig erwerbstätig gewesen ist, hat die Bemessung des Invaliditätsgrades anhand
der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs zu erfolgen. Die
Beschwerdeführerin ist in einem fleischverarbeitenden Betrieb als Hilfsarbeiterin tätig
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gewesen. Sie hat einen Lohn erzielt, der um weniger als 5% unter dem
schweizerischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne gelegen hat. Die Wahl dieses
Arbeitsplatzes ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf arbeitsmarktliche,
familiäre, persönliche (z.B. einkurzer Arbeitsweg) oder ähnliche äussere Zwänge
zurückzuführen gewesen, denn nichts deutet darauf hin, dass die Beschwerdeführerin
aufgrund einer unterdurchschnittlichen validen Leistungsfähigkeit unterdurchschnittlich
entlöhnt worden wäre. Hätte sie einen besser bezahlten, geeigneten Arbeitsplatz
gefunden, hätte sie - im fiktiven Gesundheitsfall - ihren Arbeitsplatz gewechselt. Der
am letzten Arbeitsplatz erzielte Lohn entspricht also nicht der erwerblichen validen
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführer. Vielmehr bemisst sich diese
Leistungsfähigkeit nach dem schweizerischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne.
Da zur Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens praxisgemäss ebenfalls von
diesem Wert auszugehen ist, kann sich der Einkommensvergleich (Art. 16 ATSG) auf
einen sogenannten Prozentvergleich beschränken. Der Invaliditätsgrad entspricht also
dem Arbeitsunfähigkeitsgrad unter zusätzlicher Berücksichtigung eines allfälligen
Abzugs vom Tabellenlohn.
3.3 Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt
werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
erreichen bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten können (vgl. BGE 126 V 75
E. 5a; vgl. auch Philipp Geertsen, Der Tabellenlohnabzug, Die Bereinigung der
LSE-Tabellenlöhne zur Ermittlung des Invalideneinkommens, in: Ueli Kieser/Miriam
lendfers [Hrsg.], Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 2012, Zürich/St. Gallen 2012,
S. 140ff.). Bei der Bemessung des Abzugs vom Tabellenlohn ist dem Umstand
Rechnung zu tragen, dass in ihrer Gesundheit beeinträchtigte Arbeitnehmerinnen,
selbst wenn sie im Umfang der verbliebenen Arbeitsfähigkeit eine volle Leistung
erbringen, aus der Sicht eines potentiellen Arbeitsgebers gegenüber einer gesunden
Arbeitnehmerin, die mit einem entsprechenden Beschäftigungsgrad tätig wäre,
erhebliche indirekte Kostennachteile aufweisen. Es droht nämlich eine
überdurchschnittliche Zahl an krankheitsbedingten Arbeitsabsenzen, bei psychisch
beeinträchtigten Arbeitnehmerinnen kann die Leistung - in Qualität und Umfang - stark
schwanken, was die Einsatzplanung erschwert, es besteht ein Bedarf nach erhöhter
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Rücksichtnahme seitens der Arbeitskolleginnen und der Vorgesetzten usw. All diese
Nachteile sind aus betriebswirtschaftlicher Sicht als zusätzliche Lohnkosten zu
berücksichtigen, d.h. in ihrer Gesundheit beeinträchtigte Arbeitnehmerinnen müssen
ihre Arbeitskraft zu einem um diese zusätzlichen Kosten tieferen Preis anbieten, um mit
gesunden Arbeitnehmerinnen konkurrieren zu können. Diesem Konkurrenznachteil
muss mit dem Tabellenlohnabzug Rechnung getragen werden (vgl. Philipp Geertsen,
a.a.O., S. 150). Hingegen sind vorliegend die langjährige Tätigkeit für einen einzigen
Arbeitgeber und die mangelnden Deutschkenntnisse der Beschwerdeführerin nicht zu
berücksichtigen, denn diese Umstände wirken sich nicht wesentlich auf die
Lohnaussichten als Hilfsarbeiterin aus. Für Hilfsarbeiten sind nämlich weder gute
Deutschkenntnisse noch Arbeitserfahrungen an verschiedenen Arbeitsstellen
notwendig. Die Absenz vom Arbeitsmarkt spielt keine wesentliche Rolle, weil
Hilfsarbeiten definitionsgemäss auch von älteren Arbeitnehmern in kurzer Zeit „on the
job“ erlernt werden können und keine Berufserfahrung oder aktuellen Berufskenntnisse
voraussetzen. Die zu erwartenden höheren Sozialabgaben im Alter wirken sich
hingegen lohnmindernd aus, was mit einem Abzug vom Tabellenlohn zu
berücksichtigen ist. Insbesondere aufgrund der Art und der Stärke der psychischen
Erkrankung der Beschwerdeführerin erscheint vorliegend praxisgemäss ein Abzug von
15% als angemessen. Unter Berücksichtigung dieses Abzuges resultiert in Anwendung
eines Prozentvergleichs ein Invaliditätsgrad von 49 % (40% + [60% x 0.15]).
3.4 Da die Anmeldung zum Rentenbezug im Mai 2010 erfolgt ist, kann die
Beschwerdeführerin gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens ab 1. November 2010 einen
Anspruch auf eine Invalidenrente begründen. Zu prüfen bleibt, wann die
Beschwerdeführerin das sogenannte Wartejahr erfüllt hat (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG),
denn erst damit entsteht der Rentenanspruch. Die Beschwerdeführerin ist zwar bereits
früher aufgrund ihrer somatischen Beschwerden an einem diesbezüglich nicht
adaptierten Arbeitsplatz arbeitsunfähig gewesen. Sie hätte diese Arbeitsunfähigkeit
aber ohne weiteres durch einen Wechsel an einen (somatisch) adaptierten (Hilfs-)
Arbeitsplatz beseitigen können. Die arbeitsplatzspezifische Arbeitsunfähigkeit einer
Hilfsarbeiterin erfüllt den Tatbestand des Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG nicht, denn der
Wechsel an einen adaptierten Arbeitsplatz erfordert keine Umschulung und ist ohne
weiteres zumutbar. Das Wartejahr kann also erst zu laufen begonnen haben, als die
Beschwerdeführerin auch an einem fiktiven (somatisch) adaptierten (Hilfs-) Arbeitsplatz
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im erforderlichen Ausmass arbeitsunfähig geworden ist. Die Gutachter haben der
Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht ab November 2010 eine 40%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert. Das sogenannte Wartejahr (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) ist
somit erst am 31. Oktober 2011 abgelaufen, so dass der Anspruch auf eine
Viertelsrente am 1. November 2011 entstanden ist.
4.
4.1 Demnach ist der Beschwerdeführerin in Gutheissung der Beschwerde mit Wirkung
ab 1. November 2011 eine Viertelsrente zuzusprechen. Zur Festsetzung des
Rentenbetrages ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit praxisgemäss als
angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist zurückzuerstatten.
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint mit Blick auf vergleichbare
Fälle (vgl. etwa das Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
15. Juni 2012, IV 2010/158) eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP