Decision ID: 8ae11f4d-5645-4b1e-9681-64be391c28fa
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1959 geborene
X._
arbeitete als
Ingenieur
bei der
Y._
AG, als er am 2
9.
Oktober 2009 beim Gleitschirmfliegen abstürzte und sich dabei
unter anderem
eine LWK2-Luxationsfraktur mit inkompletter Para
parese
sub
L3 ASIA D mit neurogener Blasenfunktionsstörung und eine Ruptur des hinteren Kreuzbandes im rechten Knie zuzog (
Urk.
7
/7/70,
Urk.
7/7/76
,
Urk.
7/10/6
).
Am 1
2.
März 2010 meldete er sich bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/1
).
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zog
die Akten des Unfallversicherers
, der Suva,
bei (
Urk.
7/
7,
Urk.
7/16-18,
Urk.
7/20
).
Nach beruflichen (
Urk.
7/
8-9) und medizinischen Abklärungen (
Urk.
7/10/6,
Urk.
7/14/6
)
und Durchführung des
Vorbescheid
verfah
rens
(
Urk.
7/21-24,
Urk.
7/
26,
Urk.
7/29
-31
)
verneinte s
ie aufgrund des ermittel
ten Invaliditätsgrades von
34
%
mit Verfügung vom
1
6.
August
2012
eine
n
Ren
tenanspruch
(
Urk.
7/32
).
1.2
Am
8.
Dezember 2014 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine seit Ende Juli 2014 bestehende
psychische
Störung erneut bei der IV-Stelle zum Leis
tungsbezug an (
Urk.
7/33
).
P
er Ende Juli 2015
wurde
ihm
die Stelle bei der
Y._
AG
gekündigt
(
Urk.
7/52/2). Nach ersten Abklärungen (
Urk.
7/40/6-22,
Urk.
7/45-47,
Urk.
7/49)
veranlasste die IV-Stelle Frühinterventionsmassnahmen in Form einer Potentialabklärung
(
Urk.
7/63
,
Urk.
7/67,
Urk.
7/68-70
; vgl. auch
Urk.
7/52
,
Urk.
7/68
).
Anschliessend
nahm der Versicherte - auf
Aufforderung der
IV-Stelle
hin
, sich behandeln zu lassen
(
Urk.
7/71)
-
im
Zentrum
Z._
eine ambulante psychiatrisch-psycho
logische Einzeltherapie
auf
(
Urk.
7/76
; vgl. auch
Urk.
7/74-75
,
Urk.
7/89
)
. Vom
1
7.
November 20
1
5 bis 2
1.
Januar 2016
hielt er sich
stationär
in der i
ntegrierten Psychiatrie
A._
auf (
Urk.
7/84).
Auf Veranlassung der IV-Stelle wurde er v
om 1
6.
bis 2
0.
Januar 2017 im Zentrum
B._
internistisch, rheumato
logisch, neurologisch, psychiatrisch und neuropsychologisch begutachtet (
Urk.
7/112/4); die Expertise wurde am 2
1.
März 2017
fertiggestellt
(
Urk.
7/112). Mit ergänzendem Bericht vom
1
5.
August 2017
(
Urk.
7/125
) beantwortete das
B._
Zusatzfragen der IV-Stelle (
Urk.
7/115).
Die
IV-Stelle
ermittelte daraufhin einen Invaliditätsgrad von 30
%
(
Urk.
7/130) und
stellte dem
Versicherten mit Vorbescheid vom 1
0.
April 2018 die Verneinung eines Rentenanspruchs in Aus
sicht (
Urk.
7/132
).
Nach Prüfung
der
vom
Versicherte
n
dagegen
erhoben
en
Ein
wände (
Urk.
7/138
,
Urk.
7/143
)
verfügte
s
ie
am
1
7.
August 2018
im angekündig
ten Sinn
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Sarah-Maria
Kaisser
, mit Eingabe vom 1
9.
September 2018 Beschwerde und beantragte, es sei ihm rückwirkend seit wann rechtens, spätestens jedoch seit Dezember 2014, eine
Viertelsrente
sowie rückwirkend seit wann rechtens, spätestens jedoch seit November 2016, eine halbe Rente zuzusprechen; eventualiter sei die Sache zur Vor
nahme weitere
r
Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
5.
Oktober 2018 beantragte die IV
Stelle die Ab
weisung der Beschwerde (
Urk.
6). Dies wurde
dem Beschwer
deführer
am 2
6.
Oktober 2018 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Auf
die
Vorbringen
der Parteien und
die
eingereichten Unterlagen wird,
soweit
für
die
Entscheidfindung
erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialv
ersicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017
vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29
Abs.
1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Abs. 1 ATSG. Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (
Art.
29 Abs. 3 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.5
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV]
), so ist im Beschwerdeverfah
ren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch rele
vante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG).
Anlass zur Renten
revision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Ren
tenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die Rentenablehnung in der angefochtenen Verfügung damit
,
gestützt auf das Gutachten des
B._
stehe
fest,
dass sich der Gesundheits
zust
a
n
d ab November 2016 aus rheumatologi
scher Sicht verschlechtert habe;
des
halb sei
dem Beschwerdeführer die
bisherige Tätigkeit wegen eines erhöhten Pau
senbedarfs nur noch zu 70
%
zumutbar. Die
im
B._
-Gutachte
n erwähnten psychischen Einschränkungen führten aus Rechtsanwendersicht zu keiner Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit. Insofern sei es nicht zu einer gesundheitlichen Veränderung gekommen.
Auf die vom psychiatrischen Gutachter attestierte Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit
könne
nicht abgestellt werden. Der Beschwerde
führer leide nur an einer leichtgradigen depressiven Störung und habe über ein hohes Aktivitätsniveau berichtet.
Er könne mit seinem Wohnmobil in Tschechien, Deutschland und der Schweiz herumreisen. Er habe Kontakt zur Familie, treffe Freunde und führe eine tragfähige Distanzbeziehung. Es bestehe eine gute
Tag
gesstruktur
, und ein sozialer Rückzug liege nicht vor. Die im Gutachten erwähnte schwierige psychosoziale Lage mit hohen Schulden und grossen Existenzängsten dürfe bei der Invaliditätsbemessung nicht berücksichtigt werden.
Da der Be
schwerdeführer die bisherige Tätigkeit noch zu 70
%
ausüben könne, entspreche dies zugleich dem – rentenausschliessenden – Invaliditätsgrad
(
Urk.
2; vgl. auch
Urk.
6)
.
2.2
Der Beschwerdeführer stellt
e
sich demgegenüber auf den Standpunkt, er habe spätestens seit Dezember 2014 Anspruch auf eine
Viertelsrente
und spätestens seit November 2016 Anspruch auf eine halbe Rente
(
Urk.
1 S. 2 und 11)
.
Die Gutachtenstelle
B._
habe die attestierte 20%ige Arbeitsunfähigkeit aus psychi
atrischer Sicht auf Nachfrage der IV-Stelle
nochmals
klar bestätigt. Ferner habe sie ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die bestehenden IV-
f
remden Faktoren in diese Schätzung miteingeschlossen seien und die beschriebene Aktivitätslage trotz Diskrepanz zur geklagten Beschwerdeintensität durchaus mit der festgestell
ten, die Arbeitsfähigkeit einschränkenden psychischen Pathologie vereinbar sei. Die IV-Stelle reisse
seine
Aussagen
und diejenigen
des psychiatrischen Gutachters aus dem Kontext.
Die
als psychosozialer Faktor eingestuften
Existenzängste bei
spielsweise würd
en in den Akten einzig zwei Mal erwähnt
. Dass er, wi
e sich aus dem Gutachten ergebe
, aus finanziellen Gründen im Wohnmobil lebe, werde von der IV-Stelle nicht berücksichtigt. Das
G
leiche gelte für den Umstand, dass er sich wegen der deutlich günstigeren Lebenshaltungskosten und nicht aus Reiselust immer mal wieder auf Stellplätzen im nahen Ausland aufhalte.
Ferienbedingt habe er sich einzig im Jahr 2016 für insgesamt fünf Wochen im Ausland aufge
halten.
Bei seinen Freunden handle es sich einzig um ein Pärchen und einen Schulfreund, wobei er sich, wie aus dem
Gutachten hervorgehe, bei Begegn
ungen
mit diesen Freunden schäme
.
Bezüglich seiner Distanzbeziehung werde im Gut
achten nur ein einziger dreiwöchiger Aufenthalt in Tschechien erwähnt. Der Be
ziehung dürfe keine Tragfähigkeit im Alltag zugeschrieben werden
. Entgegen der Ansicht der IV-Stelle bestehe kein Grund, um von der im psychiatrischen Gut
achten attestierten 20%igen
Leistungseinschränkungabzuweichen
(
Urk.
1 S. 7-9).
Er habe deshalb seit der Aufnahme der Behandlung im
Z._
am 3
1.
Oktober 2014, spätestens aber seit der Einreichung seines Gesuchs, also ab Dezember 2014, An
spruch auf eine
Viertelsrente
(
Urk.
1 S. 9).
Unbestrittenermassen stehe aufgrund des
B._
-Gutachtens fest, dass er aus rheumatologischer Sicht seit November 2016
wegen des nochmals höheren Pausenbedarfs nur noch
im Rahmen eines Pensums von 70
%
arbeitsfähig sei.
Unter Berücksichtigung des aus psychologi
scher Sicht um 20
%
reduzierten Rendements betrage die Verdienstfähigkeit 56
%
.
Seither habe er
Anspruch auf eine halbe Rente (
Urk.
1 S. 10 f.).
Eventuell sei die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen, insbesondere eines aktuellen Einkommensvergleichs, und zum anschliessenden Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1 S.
11).
3.
3.1
Im vorliegenden
Neuanmeldung
sverfahren ist zu beurteilen, ob seit der materiel
len Prüfung und Verneinung eines Rentenanspruchs
mit Verfügung vom 1
6.
August 2012 (
Urk.
7/32)
eine anspruchserhebliche Sachve
rhaltsänderung ein
getreten ist.
3.2
Der Verfügung vom 1
6.
August 2012 lag in medizinscher Hinsicht
die
versiche
rungsmedizinische
Beurteilung
der
Berichte der behandelnden Ärzte durch
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Neurologie vom Kompetenzzentrum Versiche
rungsmedizin der Suva, vom 1
4.
Oktober 2011 zu Grunde (vgl.
Urk.
7/22/4-5
,
Urk.
7/30-32).
Dr.
C._
hielt
am 1
4.
Oktober 2011
fest, der Beschwerdeführer habe am 2
9.
Oktober 2009 einen Gleitschirmunfall erlitten, indem er 12 Meter tief abge
stürzt sei (
Urk.
7/18/6,
Urk.
7/18/10). Dabei habe er sich eine LWK2-Luxationsfraktur mit
Hinterkantenbeteiligung
und LWK1-Querfor
t
satzfraktur zu
gezogen, welche mittels einer dorsalen
Spondylodese
von L2-L4 operativ versorgt worden sei. Etwa zwei
Jahre nach dem Unfallereignis bestünden weiterhin dau
erhafte und gravierende unfallbedingte Folgezustände.
Es bestehe eine inkom
plette Paraparese (unvollständige Lähmung beider Beine)
beziehungsweise eine residuale motorische Schwäche der unteren Extremität
(
Urk.
7/18/10-11).
Die ebenfalls durch den Unfall bedingte Ruptur des
rechten
Kreuzbandes sei wegen
starke
r
Knieschmerzen am 1
9.
Mai 2010 operativ rekonstruiert worden, wobei nach wie vor eine komplexe Knieinstabilität fortbestehe (
Urk.
7/18/7-9,
Urk.
7/18/11). Nach der stationären Rehabilitation habe weiterhin ein neuropa
thisches Schmerzsyndrom bestanden. Zwar
habe
im weiteren Verlauf ein Teil der hoch dosierten Schmerzmedikamente, welche als Nebenwirkung auch Müdigkeit verursachten, abgebaut werden können. Die Hausärztin beschreibe jedoch auch in einer ihrer letzten Stellungnahmen
weiter bestehende
erhebliche Schmerzen (
Urk.
7/18/6,
Urk.
7/18/10-11). Nicht nur subjektiv stark belastend wirkten sich auch die anhaltenden neurogenen Blasen-, Darm- und Sexualfunktionsstörungen aus
. Als residualer Endzustand bestehe eine Stuhlinkontinenz. Die
sehr
schnelle Steigerung der Arbeitsfähigkeit
von 50
%
ab
1.
Mai 2011 auf 100
%
ab
1.
Sep
tember 2011 erscheine nicht realistisch. Von der Administration sei der vermehrte Zeitbedarf des Beschwerdeführers bei der Erledigung von Aufgaben genau erho
ben worden. Unter Berücksichtigung dieser Erhebung und des Erfahrungswertes bei inkompletten
Paraplegikern
erscheine
eine 80%ige
Arbeitsfähigkeit im ange
stammten Beruf als Ingenieur
zumutbar,
mit der Möglichkeit zur flexiblen Ar
beitsgestaltung
(
Urk.
7/18/10-11).
Bei Erlass der Verfügung vom 1
6.
August 2012 wurde zusätzlich die telefonische Auskunft des Arbeitgebers berücksichtigt, dass der Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit ein Arbeitspensum von 75
%
leiste. Das Invalidenein
kom
men wurde anhand des in diesem Pensum erzielten Lohns bestimmt (
Urk.
7/30-32).
3.3
3.3.1
Vom 1
6.
bis 2
0.
Januar 2017
wurde der
Beschwerdeführer
im Auftrag der IV
Stelle
im
B._
interdisziplinär
begutachtet
, wobei
Spezialisten
der Disziplinen Innere Medizin, Rheumatologie, Neurologie, Psychiatrie sowie Neuropsychologie ihn
persönlich
untersuchten
.
Berücksichtigt wurden sodann d
ie von der IV-Stelle zur Verfügung gestellten und
die von den Gutachtern nachträglich eingeholten
medizinischen Akten
sowie die Ergebnisse einer aktuellen Laboruntersuchung
. D
ie gutachterlichen Schlussfolgerungen basierten auf dem Ergebnis einer Kon
senskonferenz
(
Urk.
7/112/2
-5
,
Urk.
7/112/69
,
Urk.
7/112/77
).
Der Beschwerdeführer gab den Gutachtern auf einem Fragebogen vom
4.
Dezem
ber 2016 an, er leide unter totalen Versagensängsten, Verzweiflung, Zukunfts
- und
Existenzängsten, Denkblockaden, Merkschwierigkeiten sowie als Folge da
von
unter starken bis mittelgradigen
depressiven Phasen. Er
habe über 90
%
sei
ner Fachkompe
tenz verloren (
Urk.
7/112/57; vgl. auch
Urk.
7/112/24,
Urk.
7/112/29). Dem begutachtenden Neurologen berichtete er zudem, dass seine kognitiven Fähigkeiten seit seiner Herzerkrankung mit
kardiogenem
Schock im
Jahr 2014 stark nachgelassen hätten (
Urk.
7/112/37).
Anlässlich der psychiatri
schen Exploration sah er sich nicht in der Lage, wieder erwerbstätig zu werden (
Urk.
7/112/62).
Dem Gutachten ist zu entnehmen, dass aus allgemein-internistischer Sicht keine Pathologien mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt wurden
. Beim Beschwerdeführer bestehe ein Status nach einem
kardiogenen
Schock
bei
Tachy
kardiomyopathie
im Juli 2014
(
Urk.
7/112/22,
Urk.
7/112/25,
Urk.
7/112/74
,
Urk.
7/112/78
).
3.3.2
Der begutachtende Psychiater schloss aufgrund seiner Untersuchungsbefunde (aufgenommen gemäss AMDP) auf eine gewisse Somatisierung vor dem Hinter
grund ausgeprägter somatischer Beeinträchtigungen und wies darauf hin, der Be
schwerdeführer habe eine schwierige psychosoziale Lage (Stellenverlust per Ende Juli 2015 [
Urk.
7/112/47], finanzielle Sorgen) beschrieben
(
Urk.
7/112/57)
. Es hätten eine leichtgradige depressive Verstimmung, ein leichtgradiger Interesse
verlust, eine leichtgradige Freudlosigkeit, ein leichtgradig geminderter Antrieb, eine leichtgradig verminderte Konzentration, ein leichtgradig vermindertes Selbstwertgefühl/Selbstvertrauen, leichtgradige Gefühle von Wertlosigkeit, ein leichtgradig pessimistisches Gedankengrübeln, vereinzelte lebensmüde Gedanken und leichtgradige, körperbezogene Ängste hinsichtlich der kardialen und renalen Problematik erhoben werden können (
Urk.
7/112/44-45). Die neuropsychologi
sche Untersuchung habe – gemessen an der prämorbid zu erwartenden über
durchschnittlichen kognitiven Leistungsfähigkeit eines Absolventen eines Ma
schineningenieurstudiums - eine leichte bis mittelschwere kognitive Störung bei deutlichen Problemen im Bereich des Antriebs und der emotionalen Affektstabi
lität ergeben (
Urk.
7/112/74). Die Beschwerdeschilderung sei insgesamt konzis gewesen, wobei eine gewisse Diskrepanz zwischen der Intensität der geschilderten Beschwerden (
Urk.
7/43-44,
Urk.
7/57) und der gut nachweisbaren Aktivitätslage (
Urk.
7/112/58) bestanden habe (
Urk.
7/112/75,
Urk.
7/112/80).
Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte eine rezidivierende depressive Stö
rung, gegenwärtig leichtgradig, sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge mit leis
tungsorientierten Anteilen. Er hielt fest, es bestehe ein Mischbild aus belasteter Persönlichkeitsakzentuierung mit ereignisbezogener Ressourcenverminderung sowie der rezidivierenden depressiven Störung (
Urk.
7/112/74). In der Kombina
tion sei die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde leicht bis mittelschwer (
Urk.
7/112/78). Der Beschwerdeführer sei in Deutschland als
Secondo
aufge
wachsen
, sei studierter Maschinenbauingenieur
und zeige eine deutliche Leis
tungsorientierung. Sowohl emotional als auch hinsichtlich der beruflichen Leis
tungsfähigkeit habe er bis zum Auftreten von Spannungen an seinem ehemaligen
Arbeitsplatz im Jahr 2014 beziehungsweise des kardialen Ereignisses im August 2014 eine gute Ressourcenlage aufgewiesen; bis dahin dürfe von einer bean
spruchten, aber gut integrierten Persönlichkeit ausgegangen werden. Im Jahr 2014 sei es zu einer Ressourcenabnahme gekommen, danach könne nur noch von einer
mässig integrierten Persönlichkeitsstruktur
in den Bereichen Selbst-/Fremdwahrnehmung, Selbststeuerung, emotionale Kommunikation sowie innere Bindung/äussere Beziehung gesprochen werden (
Urk.
7/
46-
47,
Urk.
7/78-80
). Ein Teil dieses Leistungsdefizits sei wohl IV-fremd (
Urk.
7/112/62).
Der soziale Kon
text sei uneingeschränkt (
Urk.
7/112/59).
Behandlungsanamnestisch könne vor allem zu Beginn der psychiatrischen Behandlung, als sich die Kündigung der letz
ten Stelle bereits abgezeichnet habe, ein Leidensdruck nachgewiesen werden. Im weiteren Verlauf scheine der Behandlungsdruck phasenweise deutlich abgenom
men zu haben (
Urk.
7/112/61). In funktioneller Hinsicht ergäben sich a
nhand des Instruments der Mini-ICF-APP
mittelschwere Einschränkungen in den Bereichen Flexibilität/Umstellfähigkeit, Anwendung fachlicher Kompetenzen, Durchhalte
fähigkeit, Selbstbehauptungsfähigkeit sowie Anpassung an Regeln/
Routinen (
Urk.
7/112/77). Aus psychiatrischer Sicht sei sowohl in der bisherigen Tätigkeit als Maschinenbauingenieur als auch in einer adaptierten Tätigkeit von einer 20%igen erwerbsbezogenen Leistungsminderung auszugehen, welche ab der Be
handlungsaufnahme im
Z._
am 3
1.
Oktober 2014
(vgl.
Urk.
7/76)
gelte. Diese Einschränkung
sei
zum
34%igen Invaliditätsgrad gemäss der Verfügung der IV
Stelle vom 1
6.
August 2012 hinzuzuaddieren (
Urk.
7/112/80).
3.3.3
Der rheumatologische Gutachter hielt fest, die anlässlich des Glei
t
schirmunfalls vom 2
9.
Oktober 2009 erlittene Fraktur des zweiten Lendenwirbelkörpers sei stabil verheilt. Sie habe zu einer inkompletten Querschnittslähmung und entspre
chenden neurologischen Ausfällen geführt. Der Spinalkanal sei nicht eingeengt, es bestünden aber adhäsive
Verziehungen
der Dura.
Der Unfall
habe auch zu einer
Ruptur des rechten Kreuzbandes geführt, welche operativ versorgt worden sei. Diesbezüglich sei es seit einem Jahr zu einer deutlichen Zunahme der Schmer
z
symptomatik gekommen; im MRT sei eine deutliche laterale Gonarthrose und Degeneration des Aussenmeniskus zum Vorschein gekommen mit entspre
chendem klinischem Befund. Zudem lasse sich klinisch eine leichte bis mässige Instabilität
des Knies
(vordere Schublade) feststellen. Seit einem Jahr bestünden zudem progrediente, kaum beeinflussbare Schmerzen, welche vom Kreuz seitlich in das rechte Bein ausstrahlten. Im MRT zeigten sich mässige degenerative Ver
änderungen vorwiegend im S
eg
ment L5/S1 ohne
Kompromittierung
neuraler Strukturen. Aufgrund der klinischen Untersuchung
müsse eher von einer
musculo-tendinösen
Ursache der Beschwerden respektive einer
Faszien
problematik
ausgegangen werden. Erschwerend wirke sich ein Beinlängen
unterschied aus
. Zu
sätzlich bestünden neu belastungsabhängige Schmerzen im linken Daumensat
telgelenk, welches degenerative Veränderungen aufweise
(
Urk.
7/112/76). Funk
tionell
e
ingeschränkt sei aus rheumatologischer Sicht das rechte Knie mit deutli
cher lateraler Gonarthrose und degenerativem Meniskusschaden, welche zu einer wesentlich beeinträchtigten Stand- und Gehfunktion führten. Zudem sei das lum
bale Achsenskelett aufgrund der degenerativen Veränderungen und der dorsalen Stabilisation vermindert belastbar, weswegen auf rein sitzende Tätigkeiten ver
zichtet werden sollte
(
Urk.
7/112/77-78).
Aus rheumatologischer
Sicht könne der Beschwerdeführer noch leichte, vorwiegend, aber nicht ausschliesslich sitzende Tätigkeiten ausüben. Nicht mehr möglich seien Arbeiten auf Treppen oder Leitern, das Gehen auf unebenem Grund sowie Tätigkeiten, welche die linke Hand stark belasteten
.
Die bisherige Tätigkeit als Maschinenbauingenieur entspreche weitge
hend diesen Kriterien.
Wegen der jahrelangen Schmerzsymptomatik benötige der Beschwerdeführer häufiger Pausen. Dies reduziere das Rendement in
der bisheri
gen und in
einer angepassten Tätigkeit um 30
%
. Seit Erlass der Verfügung der IV-Stelle vom 1
6.
August
2012 habe sich die Situation im rechten
Knie ver
schlechtert, so dass er nun noch häufiger auf Pausen angewiesen sei. Dies erkläre die um 5
%
höhere Einschränkung des Rendements aus rheumatologischer Sicht. Da die laterale Gonarthrose erstmals in den im November
2016 angefertigten MRT-Bildern des rechten Knies dokumentiert werde, gelte die zusätzliche Ein
schränkung ab dann. Die Hälfte hiervon, also 2,5
%
, sei der aus psychiatrischer Sicht bescheinigten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit hinzuzuaddieren (
Urk.
7/112/80-81).
3.3.4
Der neurologische
Sachverständige
nannte als relevante Gesundheit
sstörungen eine i
nkomplette, linksbetonte Paraparese ab L2 mit Sensibilitätsstörungen ab Niveau L2 sowie einer neurogenen Blasen-, Darm- und Sexualfunktionsstörung
und
persistierende neuropathische Schmerzen, vor allem im Bereich des linken Fusses. Diese Beeinträchtigungen seien Folge des im Jahr 2009 erlittenen Gleitschirm
un
falls. Durch die Paraparese sei der Beschwerdeführer in seiner Gehfähigkeit deut
lich eingeschränkt. Beeinträchtigt werde er auch durch die chronische, neuropa
thische Schmerzsymptomatik. Zudem bestünden auch Ein
schränkungen im sozi
alen Bereich, insbesondere wegen der Darmfunk
tions
störung und der sexuellen Funktionsstörung (
Urk.
7/76-77). Die zumutbare Arbeitsfähigkeit habe sich aus neurologischer Sicht seit Erlass der Verfügung der IV-Stelle im Jahr 2012 nicht verändert (
Urk.
7/112/81).
3.3.5
Aus interdisziplinärer Sicht bescheinigten die Gutachter dem Beschwerdeführer in Addition zu dem seit dem 1
6.
August
2014 (richtig
wohl 2012) geltenden Invaliditätsgrad von 34
%
eine Verminderung des beruflichen Rendements um 20
%
wegen der psychischen Symptomatik sowie eine zusätzliche
Rendement
verminderung
wegen der gesundheitlichen Verschlechterung aus rheumatologi
scher Sicht von 2,5
%
seit November 2016 (
Urk.
7/112/81).
3.4
Am 1
0.
April 2017 stellte die IV-Stelle den Gutachtern Ergänzungsfragen (
Urk.
7/115/1-2). Am 1
5.
August 2017 hielten die
B._
-Gutachter in Ergänzung
zu
ihrer Expertise fest,
sie hätten die neuropsychologische Testung als indiziert erachtet, weil der Beschwerdeführer während der
Hospitalisation
im Juli und Aug
u
st 2014 nach dem
kardiogenen
S
chock ein schweres gemischtes
hypo- und hyperaktives Delir entwickelt habe. Ziel sei es gewesen, mittels der neuropsycho
logischen Tests gegebenenfalls organische Faktoren feststellen zu können. Der Beschwerdeführer habe prämorbid eine überdurchschnittliche kognitive und in
tellektuelle Leistungsfähigkeit
aufgewiesen
. Sein beruflicher Werdegang - er habe jahrelang als angestellter Maschineningenieur gearbeitet –wäre andernfalls nicht möglich gewesen. Im Vergleich dazu falle seine heutige kognitive Leistungsfä
higkeit deutlich ab (
Urk.
7/
125/1-2).
Zu betonen sei sodann, dass lediglich eine gewisse Diskrepanz zwischen der geklagten Beschwerdeintensität und der nach
gewiesenen Aktivitätslage bestehe. Die beschriebenen ausserberuflichen Aktivi
täten s
eien durchaus mit der psychi
schen Pathologie vereinbar. Bei der Schätzun
g der psychi
sch bedingten Arbeitsunfähigkeit sei die Analyse von Kon
text/Aktivitäten und
Taggesstruktur
in Relation gesetzt worden zur bisherigen und einer adaptierten Tätigkeit. Dabei seien auch die «gewisse Diskrepanz» und die invaliditätsfremden Faktoren berücksichtigt worden (
Urk.
7
/
125/3).
Gerade weil der bisherige, seit 2012
geltende
Invaliditätsgrad von 34
%
somatisch be
dingt gewesen sei, müsse die psychisch bedingte Einschränkung hinzuaddiert werden. Zu einer weiteren Addition im Sinne einer zusätzlichen Arbeitsunfähig
keit von 2,5
%
seit November 2016 führe die gesundheitliche Verschlechterung aus rheumatologischer Sicht (
Urk.
7/125/4).
3.5
Med.
pract
.
D._
, Facharzt für Arbeitsmedizin
,
vom
Regionalen Ärztlichen Dienst, bezeichnete das Gutachten mit dessen Ergänzung in seiner Stellungnahme vom 1
1.
September 2017 als
grundsätzlich
nachvollziehbar und plausibel. Ge
stützt
darauf könne da
von
ausgegangen werden, dass sich sowohl der somatische als auch der psychische Gesundheitszustand im Vergleich zur Situation bei Erlass der Verfügung vom 1
6.
August 2012 verschlechtert
hätten
.
S
ei
t Oktober
2014 bestehe zusätzlich zur
25%igen Arbeitsunfähigkeit wegen der körperlichen Ein
schränkungen eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit auf Grund der psychischen
Beschwerden; seit November 2016 sei zusätzlich die um 5
%
verminderte Arbeits
unfähigkeit
infolge
der verschlechterten Situation im Kniegelenk zu berücksich
tigen. Damit bestehe aus
versicherungsmedizinischer Sicht eine Arbeitsunfähig
keit von 50
%
.
Indessen könne d
en Ausführungen im Gutachten nicht gefolgt werden, soweit die Gutachter den Invaliditätsgrad mit der medizinischen Ein
schätzung der Arbeitsunfähigkeit vermischt hätten
(
Urk.
7/130/10-11).
4.
4.1
4.1.1
Die IV-Stelle ist der Ansicht, auf die vom psychiatrischen Gutachter des
B._
attestierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit könne aus Rechtsanwendersicht nicht abgestellt werden (
Urk.
2).
Unbestrittenermassen ist die Beurteilung der üb
rigen Gutachter, insbesondere des rheumatologischen Sachverständigen, beweis
kräftig (
Urk.
2 S. 2).
Zu prüfen ist deshalb zunächst, ob die vom begutachtenden Psychiater
bescheinigte
Arbeitsunfähigkeit im Lichte der massgeblichen Standar
dindikatoren (vorstehend E. 1.2) überzeugt.
Dem psychiatrischen Teilgutachten ist zu entnehmen, dass die für die gestellten Diagnosen (rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradig und akzentuierte leistungsorientierte Persönlichkeitszüge) relevanten Befunde in ihrer Ausprägung insgesamt leicht bis mittelschwer waren
(
Urk.
7/112/59)
.
Während
sich
in der klinischen Untersuchung
leichte depressive Symp
tome
zeigten
(
Urk.
7/112/44-45), ergab die neuropsychologische Untersuchung eine leichte bis mittelschwere kognitive Störung bei deutlichen Problemen im Bereich des An
triebs und der emotionalen Affekts
t
abilität
(
Urk.
7/112/74).
Zudem gelangte der psychiatrische
Sachverständige
des
B._
aufgrund der anamnestischen Angaben zur Schlussfolgerung, dass
der Beschwerdeführ
er
anfänglich
trotz einer deutli
chen L
eistungsorientier
ung eine gut integrierte
Persönlichkeit
mit guten Ressour
cen
auf
ge
wies
en hatte
;
jeweils
n
ach dem
Gleitschirmunfall vom 2
9.
Oktober 2009, dem
Auftreten von Spannungen an seinem ehemaligen Arbeitsplatz im Jahr 2014 und dem kardialen Ereignis im August 2014
kam
es zu einer
Re
s
sourcen
abnahme
, so dass aktuell nur noch
eine mässig integrierte
Persönlichkeitsstruktur
besteht
. Anhand des Instruments der Mini-ICF-APP ermittelte
d
er
Gutachter
mit
telschwere Einschränkungen in den Bereichen Flexibilität/Umstellfähigkeit, An
wendung fachlicher Kompetenzen, Durchhaltefähigkeit, Selbstbehauptungsfähig
keit sowie Anpassung an Regeln/Routinen (
Urk.
7/112/77
-79
).
Dabei berücksich
tigte er auch, dass der Beschwerdeführer sich in einer schwierigen psychosozialen Situation befand (
Urk.
7/112
/57)
, und
klammerte
einen Teil dieses Leistungsdefi
zits
, den er
als IV-fremd
einschätzte, aus
(
Urk.
7/112/62
;
Urk.
7/125/3
).
Komorbid
zum psychischen Krankheitsbild besteh
t die
ausgeprägte somatische Problematik (linksbetonte Paraparese ab L2 mit Sensibilitätsstörungen ab Niveau L2
,
neuro
gene Blasen-, Darm- und Sexualfunktionsstörung
sowie
persisti
erende neuropa
thische Schmerzen
vor allem im Bereich des
rechten Knies und
linken Fusses
; vgl. vorstehend E. 3.3.3-3.3.4)
.
Der
s
oziale Kontext ist nach Ansicht des psychiatri
schen Experten
weitgehend
uneingeschränkt
(
Urk.
7/112/59)
.
Bei der Einschätzung des beruflichen Leistungs
potentials berücksichtigte der
B._
-P
sychiat
er
seine
Beobachtung, dass
eine gewisse Diskrepanz zwischen der geklagten Beschwerdeintensität und der nachgew
iesenen Aktivitätslage
bestand
(
Urk.
7/112/75,
Urk.
7/112/80)
, und setzte die Aktivitäten und
Taggesstruktur
des Beschwerdeführers in Relation zu den Anforderungen an die bisherige und eine adaptierte Tätigkeit
. Auf Nachfrage der IV-Stelle präzisierte er, dass die
beschrie
benen ausserberuflichen Aktivitäten durchaus mit der psychischen Pathologie vereinbar
seien (
Urk.
7/125/3)
.
Der Gutachter berücksichtigte auch die Ergebnisse der von der IV-Stelle veranlassten Abklärung des Potentials zur Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt vom
6.
bis 3
1.
Juli 2015: Diese ergab eine voraussichtli
ch
e
Leistungsfähigkeit von 40-50
%
, abhängig vom medizinischen Verlauf (
Urk.
7/112/62).
Auch den
behandlungsanamnestisch zu Beginn der psychia
trischen Therapie nachweisbaren Leidensdruck, der im weiteren Verlauf offenbar phasenweise deutlich abgenommen hatte
, beachtete der Psychiater (
Urk.
7/112/61
).
Unter Berücksichtigung dieser Indikatoren
attestiert
e
der
Sachverständige
dem Beschwerdeführer
aus psychiatrischer Sicht
ein
e 20%ige
Leistungseinschränkung
sowohl in der bisherigen Tätigkeit als Maschinenbauingenieur als auch in einer adaptierten Tätigkeit
. Di
es ist
, wie auch
med.
pract
.
D._
vom RAD festge
halten hat
(
Urk.
7/130/10-11)
, nicht zu beanstanden.
Entgegen der Ansicht der IV-Stelle besteht beim Beschwerdeführer nicht nur eine leichtgradige depressive Störung. Zusammen mit der neuropsychologisch erhobenen leichten bis mittel
schweren kognitiven Störung auf dem Boden akzentuierter Persönlichkeitszüge waren die Befunde und die daraus folgenden funktionellen Einschränkungen in ihrer Ausprägung mindestens leicht bis mittelschwer. Zudem hat der psychiatri
sche Gutachter überzeugend dargelegt, dass das Aktivitätsniveau des Beschwer
deführer
s
und die
gelegentlichen Reisen im Wohnmobil mit den attestierten Ein
schränkungen vereinbar
sind
. Aus den Schilderungen des Beschwerdeführers gegenüber dem psychiatrischen Experten
ergibt sich
, dass er seine wenigen sozialen Kontakte psychisch bedingt nicht uneingeschränkt geniessen
konnte
(
Urk.
7/112/43-44)
.
D
eshalb vermag auch der soziale Kontext die gutachterliche Beurteilung nicht in Frage zu stellen
.
Schliesslich hat der
psychiatrische Sachver
ständige
die IV-Stelle auf Nachfrage nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen,
dass
psychosoziale Belastungsfaktoren
bei seiner Einschätzung ausgeschieden
wurden
(
Urk.
7/125/3
). Soweit die IV-Stelle geltend macht, bei der bescheinigten 20%igen Arbeitsunfähigkeit sei auch die schwierige psychosoziale
Lage
berück
sichtigt worden (
Urk.
2), kann ihr
deshalb
nicht gefolgt werden.
Die IV-Stelle übersieht, dass die attestierte Einschränkung der beruflichen Leistungsfähigkeit im Umfang von 20
%
zum einen deutlich
geringer ist
als die Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers, der sich für vollständig arbeitsunfähig
hielt
(
Urk.
7/112/62). Zum andern
vermögen die vom psychiatrischen Gutachter er
hobenen funktionellen Einschränkungen eine
20%ige Einschränkung
des berufli
chen Leistungsvermögens hinreichend zu begründen.
Damit kann entgegen der Ansicht der IV-Stelle auch aus Rechtsanwendersicht auf die vom psychiatrischen Gutachter des
B._
bescheinigte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit abgestellt werden.
4.
1.
2
Auch die Arbeitsfähigkeit aus interdisziplinärer Sicht
und deren Entwicklung im zeitlichen Verlauf
werden
im Gutachten
nachvollziehbar
dargelegt
:
Demnach war der Beschwerdeführer ab
Beginn der psychiatrisch-psychothera
peutischen Behandlung im
Z._
am 3
1.
Oktober 2014
aus psychiatrischer Sicht
in der bisherigen und
einer
adaptierten Tätigkeit
zu 20
%
a
rbeitsunfähig im Sinne einer Leistungsminderung.
Diese Leistungsminderung wirkte sich
zusätzlich
zur vorbestehenden
Rendementminderung
von 25
%
wegen
der körperlichen Be
schwerden auf die Arbeitsfähigkeit aus
.
Dies wurde von den Gutachtern unmiss
verständlich in der Expertise vom 2
1.
März
2017 und nochmals in der ergänzen
den Stellungnahme vom 1
5.
August
2017 festgehalten, indem sie von einer Addition der psychisch
en
und somatisch
en
Leistungseinschränkungen sprachen (
Urk.
7/112/81,
Urk.
7/125/4). Diese Einschätzung ist nicht zu beanstanden: Vom rheumatologischen Gutachter wurde
aufgezeigt
, dass die neuropathischen Schmerzen dem Beschwerde
führer häufigere Pausen abnötig
en, was zu einer Minderung des
(quantitativen) Rendements führt
(
Urk.
7/112/81). Zusätzlich zu dieser Einschränkung bestehen während der Arbeitszeit die
psychiatrisch
und
neuropsychologisch
erhobenen Leistungsdefizite.
Zwar hat der fallführende psychiatrische Gutachter anstelle der zur psychischen Arbeitsunfähigkeit zu addie
renden somatischen Arbeitsunfähigkeit von 25
%
fälschlicherweise den bei Erlass der Verfügung vom 1
6.
August
2012 (
Urk.
7/32) ermittelten, ebenfalls körperlich bedingten Invaliditätsgrad von 34
%
herangezogen (
Urk.
7/112/80-81,
Urk.
7/125/4). Mit med.
pract
.
D._
vom RAD (
Urk.
7/130/10-11) kann aber davon ausgegangen werden, dass dieser offensichtliche Irrtum die Beweiskraft der gutachterlichen Beurteilung insgesamt nicht einschränkt.
Folglich
bestand ab
dem 3
1.
Oktober 2014
eine 45%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen und in leidensangepassten Tätigkeiten
(
Urk.
7/112/80-81)
.
Eine weitere Minderung der zumutbaren Arbeitsfäh
i
gkeit angestammt und ange
passt
besteht seit November 2016 wegen der verschlechterten Situation im rech
ten Knie. Laut den Gutachtern ist nur die Hälfte der daraus resultierenden 5%igen Einschränkung des Rendements, entsprechend einem Wert von 2,5
%
, zur psy
chisch bedingten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu addiere
n (
Urk.
7/112/81)
. Folglich be
stand
ab November 2016 eine Arbeits
unfähigkeit von 47,5
%
.
4.
2
N
ach dem Gesagten
steht gestützt auf das voll beweiskräftige Gutachten des
B._
vom 2
1.
März 2017
fest, dass sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers seit Erlass
der
Verfügung
vom 1
6.
August 2012 (
Urk.
7/32)
deutlich
v
erändert hat
, und zwar ab dem 3
1.
Oktober 2014
in
psychiatrischer
und
ab November 2016 in
rheumatologischer
Hinsicht.
5.
Die IV-Stelle hat bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades im zeitlichen Verlauf die psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit nicht berücksichtigt. Die
angefochtene Verfügung ist deshalb aufzuheben und die
Sache entsprechend dem Eventualan
trag des Beschwerdeführers (
Urk.
1 S.
11)
an die Vorinstanz zurückzuweisen, da
mit sie den Invaliditätsgrad nochmals auf Basis des in Erwägung
4.
1.
2
dargeleg
ten medizinisch-theoretischen Verlaufs der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und in eine
r angepassten Tätigkeit ermittle.
Zur
Berechnung der Wartezeit im Sinne von
Art.
28
Abs.
lit
. b IVG sowie zur
Feststellung
des Beginns
und des Umfangs
eines
all
fälligen Rentenanspruchs wird die IV-Stelle
auch zu
berücksichtigen haben, dass
der Beschwerdeführer
wegen seiner Herzerkrankung mit
kardiogenem
Schock
gemäss
den
Berichten
des Kar
diologen
Dr.
med.
E._
vom 3
1.
Dezember 2014 (
Urk.
7/40/6-7) und
8.
April 2016 (
Urk.
7/90
/2-3
) von Mai bis Dezember 2014
in seiner Tätigkeit als Ingenieur
zu 100
%
arbeitsunfähig
war
(
Urk.
7/130/2 und 7/130/6
; vgl. zum Ganzen BGE 121 V 264 E. 6 und 7
).
In diesem Zusammenhang
ist der Beschwerdeführer darauf hinzuweisen, dass ein Rentenanspruch gemäss Art. 29
Abs.
1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs ent
stehen kann. Da
er
sich am
8.
Dezember 2014 erneut zum Rentenbezug angemel
det hat (
Urk.
7/33), kann ein allfälliger Rentenanspruch entgegen seinem Antrag (
Urk.
1 S. 2) auf jeden Fall noch nicht im Dezember 2014 entstehen.
Die IV-Stelle wird den Invaliditätsgrad mittels
Einkommensvergleich
zu ermitteln haben.
Dabei ist von Belang, dass
der Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit
seit dem 3
1.
Oktober 2014
aus psychischen Gründen nur noch mit eingeschränk
ter Leistungsfähigkeit versehen
konnte
.
Ende Januar 2015
wurde ihm die Stelle
per Ende Juli 2015 gekündigt (
Urk.
7/52/2)
. Spätestens ab Ende Januar 2015 kann nicht mehr von besonders stabilen Arbeitsverhältnisse
n
ausgegangen werden, so dass der tatsächlich erzielte Verdienst ab dann nicht mehr zur Ermittlung des Invalidenlohns herangezogen werden kann (vgl. BGE 139 V 592 E. 2.3; 135 V
297 E. 5.2; 129 V 472 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/
aa
).
Die IV-Stelle
wird das Invali
deneinkommen
deshalb
gestützt auf die Tabellenlöhne des Bundesamtes für Sta
tistik
(vgl. BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1)
– allenfalls unter Berücksichtigung eines
l
eidensbedingten Abzugs vom Tabellenlohn
(vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc)
– zu ermitteln haben.
Hernach wird die IV-Stelle erneut über den Rentenanspruch zu verfügen haben. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von
Fr.
800.-- zulasten der unter
liegenden IV-Stelle (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2)
.
Nach
§
34
Abs.
1
des
Gesetz
es
über das Sozialversiche
rungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Der in der Honorarnote von Rechtsanwältin Sarah-Maria
Kaisser
vom
8.
Novem
ber 2018 (
Urk.
10) ausgewiesene Zeitaufwand von 8 Stunden und 15 Minuten erscheint
mit Blick auf die
obgenannten Kriterien als angemessen. Der verrech
nete Stundenansatz von
Fr.
270.-- ist hingegen auf den gerichtsüblichen Ansatz von
Fr.
220.-- zu kürzen. Unter zusätzlicher Berücksichtigung der geltend ge
machten Spesen in der Höhe von
Fr.
141.40 u
nd der Mehrwertsteuer von 7.7
%
beläuft sich die dem Beschwerdeführer zuzusprechende Parteientschädigung auf Fr.
2'107.--.