Decision ID: 2f9e96f7-98cc-5ec6-99aa-8dfc8252b485
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Am 28. März und 24. August 2018 stellte die französische Steuerbe-
hörde, die Direction Générale des Finances Publiques (DGFP), insgesamt
vier Amtshilfeersuchen an die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV,
nachfolgend auch: Vorinstanz). Sie stützte sich dabei auf Art. 28 des Ab-
kommens vom 9. September 1966 zwischen der Schweiz und Frankreich
zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom
Einkommen und vom Vermögen und zur Vermeidung von Steuerbetrug
und Steuerflucht (SR 0.672.934.91; nachfolgend: DBA CH-FR).
A.b Darin ersucht die DGFP um Amtshilfe und insbesondere um Übermitt-
lung von Daten zu Konten bei der X._ von namentlich bekannten
Personen, die in den Beilagen zu den Ersuchen aufgelistet werden. Die
Ersuchen betreffen die Einkommenssteuer («impôt sur le revenu») für den
Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis zum 31. Dezember 2016 sowie die Soli-
daritätssteuer auf Vermögen («impôt de solidarité sur la fortune») für den
Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis zum 1. Januar 2017.
B.
Die ESTV trat auf die Ersuchen ein und erliess am 25. Mai und 20. Sep-
tember 2018 Editionsverfügungen gegenüber der X._ und der
Y._.
C.
Am 8. August bzw. 8. Oktober 2018 beantragten die X._ und die
Y._ (nachfolgend: Informationsinhaberinnen) bei der ESTV, ihnen
in den Amtshilfeverfahren Parteistellung zu gewähren, was die ESTV mit
Verfügung vom 3. Januar 2019 ablehnte. Sie begründete dies insbeson-
dere damit, der OECD-Standard sehe nicht vor, dass dem Informationsin-
haber in einem Amtshilfeverfahren Einsicht in die Verfahrensakten gewährt
werde. Auch Ziff. XI des Zusatzprotokolls zum DBA CH-FR (ebenfalls pu-
bliziert unter SR 0.672.934.91) behalte die im ersuchten Staat geltenden
Bestimmungen über die Rechte der Steuerpflichtigen vor, ohne dass die
Bestimmung dazu diene, den wirksamen Informationsaustausch zu verhin-
dern oder übermässig zu verzögern. Damit dürfe nur der formell vom Ersu-
chen betroffenen Person ein Recht zur Teilnahme am Verfahren einge-
räumt werden, nicht jedoch dem Informationsinhaber. Daher könne dem
Informationsinhaber nur Parteistellung eingeräumt werden, wenn er mit
vergleichbarer Intensität wie die formell betroffene Person vom Ersuchen
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betroffen sei. Die Informationsinhaberinnen seien in Publikationen im Bun-
desblatt im Zusammenhang mit den vorliegenden Amtshilfeersuchen nie
genannt worden, weil die betroffenen Personen namentlich bekannt seien.
Auch zukünftig würden die Namen der Informationsinhaberinnen nicht ge-
nannt, so dass in der Öffentlichkeit nicht der Eindruck entstehen könnte,
diese hätten ihren Kunden bei der Hinterziehung von Steuern geholfen. Bei
den Namen auf den Listen handle es sich – soweit ersichtlich – nicht um
solche, die anlässlich einer Hausdurchsuchung der französischen Behör-
den bei den Informationsinhaberinnen beschlagnahmt worden seien. Es
liesse sich keine Absicht der französischen Behörden erkennen, die Infor-
mationen gegen die Informationsinhaberinnen zu verwenden. Schliesslich
seien nur ein paar hundert Personen betroffen und damit ungleich weniger
als z.B. beim Ersuchen, das dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
A-4974/2016 vom 25. Oktober 2016 zugrunde gelegen habe.
D.
Gegen diese Verfügung erhoben die Informationsinhaberinnen (nachfol-
gend: Beschwerdeführerinnen) am 4. Februar 2019 Beschwerde an das
Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragen, die angefochtene Verfügung
aufzuheben und ihnen die Parteistellung in den Amtshilfeverfahren zu ge-
währen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. In formeller Hin-
sicht beantragen sie, die Vorinstanz anzuweisen, bis zum Abschluss des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens in den genannten Amtshilfeverfahren
keine von Frankreich ersuchten Informationen an eine französische Be-
hörde zu liefern, es sei denn, für die Information lägen sämtliche Zustim-
mungserklärungen nach Art. 16 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 28. Sep-
tember 2012 über die internationale Amtshilfe in Steuersachen (StAhiG,
SR 651.1) vor. Ihre Beschwerde begründen sie mit der Eröffnung einer
Strafuntersuchung der zuständigen französischen Behörde gegen sie.
Nach der Eröffnung habe die DGFP die Amtshilfeersuchen eingereicht, um
so an Kundendaten zu gelangen. Sie (die Beschwerdeführerinnen) rech-
neten damit, dass diese Unterlagen gegen sie im laufenden Strafverfahren
und für Strafverfahren gegen Schweizer Mitarbeitende verwendet würden.
Das Vorgehen der französischen Behörden gegen die Beschwerdeführe-
rinnen sei mit jenem gegen [eine andere Bank] vergleichbar. Es sei eine
Hausdurchsuchung vorgenommen und Mitarbeitende seien befragt wor-
den. Die Einhaltung des Spezialitätsprinzips sei nicht sichergestellt. Die
Strafverfolgungsbehörde und die DGFP arbeiteten eng zusammen und es
bestünden auch gesetzliche Informationspflichten und -möglichkeiten.
Selbst bei Einhaltung des Spezialitätsprinzips bestehe die Gefahr, dass die
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Informationen durch Urteile gegen Steuerpflichtige oder die Medienbericht-
erstattung zu öffentlichen Informationen würden. Diese Informationen
könnten dann gegen die Beschwerdeführerinnen verwendet werden. Die
Amtshilfeersuchen beträfen hunderte Kunden, wobei damit zu rechnen sei,
dass weitere gestellt würden. Die Reputation der Beschwerdeführerinnen
könne durch das laufende Strafverfahren geschädigt werden und sie könn-
ten zu erheblichen Straf- und Schadensersatzzahlungen für Handlungen
verurteilt werden, die in der Schweiz rechtmässig erfolgt seien. Insgesamt
machen die Beschwerdeführerinnen geltend, sie seien von den Amtshil-
feersuchen in ihren eigenen Interessen stärker als andere Informationsin-
haberinnen betroffen.
E.
Am 6. März 2019 nahm die Vorinstanz kurz Stellung zur Beschwerde. Sie
beantragt, den Beschwerdeführerinnen keine Einsicht in die Verfahrensak-
ten zu gewähren.
F.
Ein Gesuch um Einsicht in die Verfahrensakten, das die Beschwerdeführe-
rinnen am 12. März 2019 stellten, wies das Bundesverwaltungsgericht mit
Zwischenverfügung vom 14. März 2019 ab, soweit es das Gesuch nicht als
gegenstandslos betrachtete.
G.
Auf eine gegen diese Zwischenverfügung eingereichte Beschwerde der In-
formationsinhaberinnen trat das Bundesgericht mit Urteil 2C_313/2019
vom 3. April 2019 nicht ein.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie die Akten wird – soweit dies
entscheidwesentlich ist – im Rahmen der folgenden Erwägungen einge-
gangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegen Amtshilfeersuchen der DGFP vom
28. März und 24. August 2018 gestützt auf Art. 28 Abs. 1 DBA CH-FR zu-
grunde. Die Durchführung der mit diesem Abkommen vereinbarten Bestim-
mungen richtet sich nach dem StAhiG (Art. 1 Abs. 1 Bst. a und Art. 24 StA-
hiG im Umkehrschluss).
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1.2
1.2.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das
Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) beurteilt dieses Beschwer-
den gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezem-
ber 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Zu den
beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbaren Verfügungen gehört damit
auch die Schlussverfügung der ESTV im Bereich der internationalen Amts-
hilfe in Steuersachen (Art. 32 VGG im Umkehrschluss und Art. 19 Abs. 5
StAhiG) sowie die dieser vorangehenden Verfügungen (vgl. Art. 19 Abs. 1
StAhiG).
1.2.2 Verneint die Vorinstanz in einer Verfügung die Parteistellung einer
Person, schliesst diese Verfügung das Verfahren für die entsprechende
Person ab. Es wird ihr nicht möglich sein, diese Verfügung zusammen mit
der Schlussverfügung anzufechten, weil sie über den Erlass der Schluss-
verfügung mangels Verfahrensstellung regelmässig gar nicht informiert
wird. Daher ist eine solche Person berechtigt, die Verfügung, mit der ihr die
Parteistellung verwehrt wird, anzufechten (Urteil des BVGer A-4974/2016
vom 25. Oktober 2016 E. 1.2.2 ff.).
1.2.3 Die angefochtene Verfügung ist an die Beschwerdeführerinnen
adressiert. Die Beschwerdeführerinnen sind durch die Verfügung in ihren
rechtlichen und tatsächlichen Interessen betroffen, indem ihnen die Partei-
stellung abgesprochen wird. Sie erfüllen die Voraussetzungen gemäss
Art. 48 Abs. 1 VwVG (i.V.m. Art. 19 Abs. 2 StAhiG).
1.3 Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 50 Abs. 1
VwVG i.V.m. Art. 5 Abs. 2 StAhiG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
1.4 Im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht ist – von
hier nicht relevanten Ausnahmen abgesehen – der Sachverhalt massge-
bend, wie er sich zum Zeitpunkt des Urteils darstellt (BVGE 2011/43 E. 6.1,
2009/9 E. 3.3.1). Neue Sachverhaltsumstände, die sich seit dem Zeitpunkt
des Erlasses der angefochtenen Verfügung ergeben haben, sind dabei zu
berücksichtigen.
2.
Dass die Beschwerdeführerinnen legitimiert sind, die vorliegende Be-
schwerde zu erheben, wurde gerade festgehalten. Im Folgenden ist nun zu
prüfen, ob ihnen im Amtshilfeverfahren Parteistellung einzuräumen ist.
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2.1 Nach schweizerischem innerstaatlichem Recht stellt sich die Rechts-
lage wie folgt dar:
2.1.1 Art. 19 Abs. 2 StAhiG räumt zunächst der «betroffene[n] Person» ein
Beschwerderecht ein. Weitere Personen sind unter den Voraussetzungen
von Art. 48 VwVG beschwerdelegitimiert. Gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG ist
zur Beschwerde legitimiert, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilge-
nommen hat oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat (Bst. a),
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist (Bst. b) und ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Bst. c).
2.1.2 Die Beschwerdelegitimation bestimmt sich in Verfahren der internati-
onalen Amtshilfe in Steuersachen somit nach Art. 19 Abs. 2 StAhiG i.V.m.
Art. 48 Abs. 1 VwVG. Der Kreis der zur Beschwerde berechtigten Perso-
nen geht damit über die betroffene Person im Sinn von Art. 3 Bst. a StAhiG
hinaus. Erfüllt eine Person die Voraussetzungen für die Beschwerdelegiti-
mation, hat sie auch Parteistellung und ihr kommen die damit verbundenen
Rechte und Pflichten zu (vgl. Art. 6 VwVG; BENOÎT BOVAY, Procédure ad-
ministrative, 2. Aufl. 2015, S. 166 und 169 f., S. 172 i.V.m. S. 171 und
S. 174; RENÉ RHINOW/HEINRICH KOLLER/CHRISTINA KISS/DANIELA THURN-
HERR/DENISE BRÜHL-MOSER, Öffentliches Prozessrecht, 3. Aufl. 2014,
Rz. 312, 860 und 1202; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl.
2013, Rz. 443 und 493 ff.; PIERRE MOOR/ETIENNE POLTIER, Droit adminis-
tratif, Bd. 2, 3. Aufl. 2011, Ziff. 2.2.5.5 S. 282; VERA MARANTELLI/SAID HU-
BER, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg], Praxiskommentar Verwaltungs-
verfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 6 N. 3, 17 und 24 ff., s.a. Art. 48 N. 11,
wonach mit den Kriterien des «besonders berührt Sein» und des «schutz-
würdigen Interesses» der grundsätzlich weite Parteibegriff von Art. 6
VwVG eingeschränkt werden soll).
2.1.3 Eine Informationsinhaberin kann zumindest dann gegen eine
Schlussverfügung Beschwerde erheben, wenn sie in ihren eigenen Inte-
ressen betroffen ist und nicht nur Auskünfte über die Geschäftspartner ge-
ben muss (zu denken ist beispielsweise an die Übermittlung von Ge-
schäftsgeheimnissen der Informationsinhaberin; vgl. in Bezug auf Anwälte
und Treuhänder: CHARLOTTE SCHODER, Praxiskommentar zum Bundesge-
setz über die internationale Amtshilfe in Steuersachen, 2014, Art. 19 StA-
hiG N. 253; Urteil des BVGer A-4974/2016 vom 25. Oktober 2016 ganze
E. 2 insb. E. 2.5). Allerdings ist eine Bank, welche im Verfahren der inter-
nationalen Amtshilfe in Steuerangelegenheiten mittels Editionsverfügung
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von der ESTV aufgefordert wird, Daten ihrer Kunden zu übermitteln, in der
Regel nicht in einem so starken Ausmass von der Weiterleitung dieser Da-
ten an eine ausländische Behörde betroffen, dass ihr die Beschwerdelegi-
timation zuzuerkennen wäre. Anders verhält es sich nur, wenn im Einzelfall
die Bank selbst durch die Übermittlung von Kundendaten betroffen ist (Ur-
teile des BVGer A-360/2017 vom 5. April 2017 E. 3.2, A-4974/2016 vom
25. Oktober 2016 E. 3.1).
2.2 Im internationalen Verhältnis sind zudem die völkerrechtlichen Verträge
zu beachten (Art. 1 Abs. 2 StAhiG), vorliegend das DBA CH-FR sowie das
Zusatzprotokoll zu diesem.
2.2.1 Ziff. XI des Zusatzprotokolls zum DBA CH-FR hält unter anderem Fol-
gendes fest:
«Die im ersuchten Staat geltenden Bestimmungen des Verwaltungsverfah-
rensrechts über die Rechte der Steuerpflichtigen bleiben vorbehalten, ohne
dass diese Bestimmungen dazu dienen, den wirksamen Informationsaus-
tausch zu verhindern oder übermässig zu verzögern.»
2.2.2 Es fragt sich, ob diese Bestimmung im internationalen Recht die Be-
schwerdeberechtigung nach nationalem Recht einschränkt. Mit Blick auf
das Ergebnis des vorliegenden Verfahrens kann dies indessen offengelas-
sen werden.
2.3
2.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hatte sich bereits früher mit der Frage
der Parteistellung einer Bank als Informationsinhaberin zu befassen. Im
bereits mehrfach genannten Urteil A-4974/2016 vom 25. Oktober 2016
kam es zum Schluss, dass der Informationsinhaberin aufgrund der konkre-
ten Sachverhaltskonstellation Parteistellung einzuräumen sei. Im Urteil
A-360/2017 vom 5. April 2017 hingegen wurde der Informationsinhaberin
eine solche Parteistellung abgesprochen.
2.3.2 Im Urteil A-4974/2016 vom 25. Oktober 2016 erachtete es das Ge-
richt im konkreten Einzelfall unter Würdigung der gesamten Umstände als
entscheidend, dass
– mit Blick auf die unter Berücksichtigung der Vergangenheit bis zum Ur-
teilszeitpunkt aussergewöhnlich hohe, im fünfstelligen Bereich lie-
gende Zahl betroffener Konten und aufgrund eines in Frankreich gegen
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die Bank (bzw. Gesellschaften des Konzerns) laufenden Strafverfah-
rens der für den guten Ruf einer Bank abträgliche Eindruck hätte ent-
stehen können, «die Bank habe Kunden bei der Steuerhinterziehung
geholfen – dies (weil das Ersuchen erst kürzlich gestellt wurde), nach-
dem der Bundesrat beschlossen hatte, den OECD-Standard zum inter-
nationalen Informationsaustausch in Steuersachen zu übernehmen»
(E. 3.1.2 des Urteils),
– davon auszugehen war, dass die Ergreifung eines Rechtsmittels gegen
Schlussverfügungen der ESTV einen allfälligen Reputationsschaden
der Bank zumindest hätte mindern können (E. 3.1.2 des Urteils),
– die Aufbereitung von Datensätzen im fünfstelligen Bereich, die Informa-
tion mehrerer tausend Kunden und die (über die reine Informationsbe-
schaffung hinausgehende) Einrichtung einer Hotline für Kunden, wie
sie der betreffenden Bank von der ESTV vorgeschrieben wurden, über
dem gewöhnlich für ein Amtshilfeverfahren zu treibenden Aufwand lie-
gen, den ein Informationsinhaber auf sich nehmen muss (E. 3.1.3 des
Urteils),
– aufgrund des in Frankreich gegen Gesellschaften des Konzerns lau-
fenden Strafverfahrens nicht auszuschliessen war, dass sich die
schweizerische Bank mit Erfolg auf das Verbot berufen kann, sich
selbst belasten zu müssen, zumal konkrete Umstände Zweifel an der
Einhaltung des Spezialitätsprinzips erweckten (E. 3.1.4 des Urteils).
Mithin führte damals eine Kombination mehrerer Sachverhaltselemente
dazu, dass das Bundesverwaltungsgericht der damaligen Beschwerdefüh-
rerin die Parteistellung einräumte.
3.
Vorab ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerinnen nicht formell vom
Amtshilfeersuchen der DGFP betroffene Personen, sondern blosse Infor-
mationsinhaberinnen sind. Bei dieser Sachlage sind sie im Amtshilfever-
fahren nur dann als beschwerdeberechtigte Person im Sinne von Art. 19
Abs. 2 StAhiG zu betrachten, wenn sie als Informationsinhaberinnen ge-
mäss Art. 48 Abs. 1 VwVG beschwerdelegitimiert sind (E. 2.1.1 ff.), wenn
sie also mit einer Intensität betroffen sind, die jener der Bank im Verfahren
A-4974/2016 gleichkommt.
3.1 Im vorliegenden Verfahren stellt sich die Lage nun im Vergleich mit dem
Urteil A-4974/2016 wie folgt dar:
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3.2 Im Verfahren A-4974/2016 handelte es sich um eine sehr hohe Anzahl
(potenziell) betroffener Kunden. Diese lag in Bezug auf ein einziges Amts-
hilfeersuchen im fünfstelligen Bereich. Demgegenüber sind im vorliegen-
den Verfahren zurzeit ein paar hundert Personen von vier Gesuchen be-
troffen. Schon insofern sind die beiden Verfahren nicht miteinander ver-
gleichbar, zumal auch die Beschwerdeführerinnen im vorliegenden Verfah-
ren keine kleinen Banken mit nur wenigen Kunden sind. Selbst im Verfah-
ren A-360/2017, in dem der Bank keine Parteistellung eingeräumt wurde,
waren über 10‘000 Personen betroffen. Ob allenfalls weitere Amtshilfeer-
suchen folgen könnten, ist vorliegend nicht von Belang, ist doch die Lage
zu beurteilen, wie sie sich zum Zeitpunkt der Urteilsfällung präsentiert
(E. 1.4).
3.3 Wie im Verfahren A-4974/2016 läuft auch im vorliegenden Verfahren
offenbar ein Strafverfahren gegen die Banken. Aufgrund der wesentlich ge-
ringeren Anzahl potenziell betroffener Kunden sowie dem Umstand, dass
keine Veröffentlichung des Namens der Beschwerdeführerinnen notwendig
war, ist aber nicht von einem besonderen Reputationsschaden für die Bank
auszugehen, den sie mittels Beschwerde gegen Schlussverfügungen der
ESTV allenfalls mindern könnte.
3.4 Auch der Aufwand, den die Beschwerdeführerinnen im vorliegenden
Verfahren betreiben müssen, ist mit jenem im Verfahren A-4974/2016 nicht
vergleichbar. Abgesehen von der ungleich geringeren Zahl von betroffenen
Kunden und der Tatsache, dass diese namentlich genannt sind, wurden die
Beschwerdeführerinnen nicht von der ESTV aufgefordert, eine Hotline für
Kunden einzurichten. Eine solche Hotline war selbst im Verfahren
A-360/2017 einzurichten gewesen, in dem der Bank keine Parteistellung
zuerkannt worden war. Der Aufwand, den die Beschwerdeführerinnen vor-
liegend betreiben müssen, liegt eindeutig in dem Bereich, den eine Bank
als Informationsinhaberin auf sich nehmen muss und der als zumutbar zu
gelten hat.
3.5 Was das Verbot, sich selber belasten zu müssen, betrifft, ist auch hier
auf die ungleich geringere Anzahl allfällig betroffener Kunden hinzuweisen.
Soweit ersichtlich, wird in den Amtshilfeersuchen auch nicht nach den Na-
men der Bankmitarbeitenden gefragt, so dass diese voraussichtlich ge-
mäss geltender Rechtsprechung als nicht betroffene Drittpersonen in den
(allenfalls) zu übermittelnden Unterlagen zu schwärzen sein werden (BGE
144 II 29 E. 4.2.4, 143 II 506 E. 5.2.1, 142 II 161 E. 4.6.1; Urteile des BGer
2C_690/2015 vom 15. März 2016 E. 4.5; vgl. aber auch Urteil des BGer
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2C_619/2018 vom 21. Dezember 2018 E. 3.3), wobei dies hier nicht zu
entscheiden ist.
Ein weiterer, hier wesentlicher Unterschied zum Verfahren A-4974/2016
liegt darin, dass die Namen der betroffenen Personen der ersuchenden
Behörde bekannt sind und sie somit nicht nur über Nummern verfügt, wel-
che nur die Bank den Personen zuordnen kann.
Auch ist festzuhalten, dass allein eine Zusammenarbeit der Strafverfol-
gungs- mit den Steuerbehörden nicht für eine Verletzung des Spezialitäts-
prinzips spricht, wobei es hier ohnehin auch keine Anhaltspunkte für eine
allfällige Verletzung gibt. Aufgrund dieses Prinzips ist die Verwendung der
Daten in einem Verfahren betreffend Geldwäscherei ohne Zustimmung der
Vorinstanz grundsätzlich ausgeschlossen. Jedoch dürfen nach dem DBA
CH-FR übermittelte Informationen im ersuchenden Staat in einem öffentli-
chen Gerichtsverfahren oder in einer Gerichtsentscheidung offengelegt
werden (Art. 28 Abs. 2 Satz 3 DBA CH-FR). Das bedeutet aber nicht, dass
deswegen der Informationsinhaberin eo ipso Parteistellung zukäme.
In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerde-
führerinnen den Verfahrensantrag stellen, die Vorinstanz sei anzuweisen,
bis zum Abschluss des Beschwerdeverfahrens keine der ersuchten Infor-
mationen an eine französische Behörde zu liefern, es sei denn, für die In-
formationen lägen sämtliche Zustimmungserklärungen nach Art. 16 Abs. 1
StAhiG vor (Hervorhebung nur hier). Sollten die Informationen nämlich tat-
sächlich gegen die Beschwerdeführerinnen verwendet werden, ist irrele-
vant, ob die (direkt) betroffenen Personen ihre Zustimmung erteilt haben
oder nicht. Es mag vertragsrechtlich nachvollziehbar sein, dass sich die
Banken Kunden, die die Informationen übermittelt haben möchten, nicht in
den Weg stellen. Für das vorliegende Verfahren hilft ihnen diese Argumen-
tation indessen nicht, weil sich einerseits die Situation der Beschwerdefüh-
rerinnen in Bezug auf Kunden, die der Übermittlung zustimmen, nicht von
jener in Bezug auf Kunden, die nicht zustimmen, unterscheidet und sich
andererseits dadurch die ohnehin schon relativ tiefe Zahl jener Verfahren,
in denen die Beschwerdeführerinnen schliesslich Parteistellung einzuneh-
men wünschen, weiter reduziert.
Schliesslich führt der Umstand, dass gegen eine Bank im ersuchenden
Staat ein Verfahren läuft, ebenfalls nicht eo ipso dazu, dass ihr in einem
Verfahren der internationalen Amtshilfe in Steuersachen, in dem sie Infor-
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Seite 11
mationsinhaberin ist, die Parteistellung zu gewähren wäre. Vorliegend er-
scheinen die Vorbringen der Beschwerdeführerinnen, die Informationen,
die sie herausgeben müssen, könnten im ersuchenden Staat gegen sie
verwendet werden, abstrakter Natur. Auch diesbezüglich sind die Be-
schwerdeführerinnen nicht mit einer Intensität betroffen, die die Einräu-
mung der Parteistellung verlangen würde.
Ins Leere zielt bei alledem der Einwand der Beschwerdeführerinnen, die
rechtliche Auffassung der Vorinstanz widerspreche dem Grundsatz des
rechtlichen Gehörs. Ob der Entscheid rechtens war, ist keine Frage der
Verletzung der Begründungspflicht, sondern eine Frage der eben erfolgten
Prüfung der einschlägigen Voraussetzungen.
3.6 Insgesamt ist damit festzuhalten, dass die Beschwerdeführerinnen
nicht stärker als andere Informationsinhaberinnen betroffen sind. Die Be-
schwerde ist daher abzuweisen.
4.
Die Beschwerdeführerinnen haben den Verfahrensantrag gestellt, die Vor-
instanz sei anzuweisen, bis zum Abschluss des Beschwerdeverfahrens
keine der ersuchten Informationen an eine französische Behörde zu liefern,
es sei denn, für die Informationen lägen sämtliche Zustimmungserklärun-
gen nach Art. 16 Abs. 1 StAhiG vor. Mit diesem Urteil wird dieser noch nicht
behandelte Verfahrensantrag der Beschwerdeführerinnen gegenstands-
los.
5.
5.1 Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten, die unter Berücksichti-
gung der Kosten für die Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsge-
richts vom 14. März 2019 auf Fr. 4'000.-- festgesetzt werden, den Be-
schwerdeführerinnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 4 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dieser Betrag
ist dem von den Beschwerdeführerinnen geleisteten Kostenvorschuss in
Höhe von insgesamt Fr. 5‘000.-- zu entnehmen. Der Restbetrag von
Fr. 1‘000.-- ist ihnen nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils
zurückzuerstatten.
5.2 Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1
VwVG e contrario; Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario; Art. 7 Abs. 3 VGKE).
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Seite 12
6.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h des Bundesgesetzes vom 17. Juni
2005 über das Bundesgericht (BGG, SR 173.110) innerhalb von 10 Tagen
nur dann mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das
Bundesgericht weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von
grundsätzlicher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen
um einen besonders bedeutenden Fall im Sinn von Art. 84 Abs. 2 BGG
handelt (Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist,
entscheidet das Bundesgericht.
(Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.)
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