Decision ID: 1bca122d-598f-57cf-b53d-c3474ac757aa
Year: 2017
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer ist Eigentümer der Parzelle Mattstetten Grundbuchblatt
Nr. C._ Anlässlich der Bauabnahme einer anderen Baute stellte die Gemeinde
Mattstetten im Januar 2016 fest, dass der Beschwerdeführer einen alten Holzzaun entfernt
und durch einen neuen Drahtgitterzaun ersetzt hatte. Mit Schreiben vom 19. April 2016
verlangte die Gemeinde das Einreichen eines nachträglichen Baugesuchs. Dieser
Aufforderung kam der Beschwerdeführer nicht nach.
2. Mit Wiederherstellungsverfügung vom 13. März 2017 forderte die Gemeinde
Mattstetten den Beschwerdeführer auf, den neu erstellten Drahtgitterzaun auf Parzelle
Nr. C._ an der Grenze zur Parzelle Nr. D._ innert vier Monaten nach
Rechtskraft der Verfügung vollständig zu entfernen. Allfällige Löcher in der
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Fundamentsmauer seien innert derselben Frist fachmännisch zu verschliessen.
Gleichzeitig wies sie erneut auf die Möglichkeit eines nachträglichen Baugesuchs hin und
drohte die Ersatzvornahme und eine Busse bei Nichtbefolgung an.
3. Gegen diese Wiederherstellungsverfügung reichte der Beschwerdeführer am
11. April 2017 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern
(BVE) ein. Ein nachträgliches Baugesuch hat er nicht eingereicht. Der Beschwerdeführer
beantragt in seiner Beschwerde sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung
und den Verzicht auf die Wiederherstellung. Zur Begründung führt er im Wesentlichen aus,
der Holzzaun sei lediglich instand gehalten geworden, es handle sich nicht um einen
Neubau. Bezüglich der Höhe des Zaunes führt er insbesondere aus, es gebe in der
Nachbarschaft massiv überhöhte Zäune, welche die Gemeinde seit jeher toleriere.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Dabei gab das Rechtsamt auch der
Eigentümerin der Nachbarparzelle Nr. D._ Gelegenheit, sich am
Beschwerdeverfahren als Partei zu beteiligen. Mit Schreiben vom 29. Mai 2017 verzichtete
die Nachbarin auf eine Teilnahme am Beschwerdeverfahren. Die Gemeinde Mattstetten
beantragt in ihrer Stellungnahme vom 2. Mai 2017, die Beschwerde sei abzuweisen.
Nachdem das Rechtsamt bei der Gemeinde Mattstetten Auskünfte zur Höhe des Zaunes
sowie zu allfälligen Terrainauffüllungen eingeholt hatte, erhielten die Verfahrensbeteiligten
Gelegenheit, zum Ergebnis des Beweisverfahrens Stellung zu nehmen. Der
Beschwerdeführer machte davon mit Stellungnahme vom 21. August 2017 Gebrauch.
5. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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II. Erwägungen
1. Eintreten
Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48
BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Der Beschwerdeführer ist als Adressat durch die angefochtene Verfügung beschwert und
daher zur Beschwerde legitimiert. Auf seine form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten.
2. Voraussetzungen einer Wiederherstellungsverfügung
a) Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung ausgeführt (formelle Rechtswidrigkeit),
setzt die zuständige Baupolizeibehörde eine angemessene Frist zur Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes unter Androhung der Ersatzvornahme (Art. 46 Abs. 1 und 2
BauG). Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts genügt eine bloss formelle
Rechtswidrigkeit allerdings nicht, um die Beseitigung der Baute oder Anlage anzuordnen.
In Fällen wie dem vorliegenden, in dem kein nachträgliches Baugesuch gestellt wurde, hat
die Beschwerdeinstanz daher wenigstens summarisch zu prüfen, ob die umstrittene Anlage
auch materiell rechtswidrig ist.3
b) Für den neu erstellten Drahtgitterzaun liegt unbestritten keine Baubewilligung vor.
Deshalb ist die formelle Rechtswidrigkeit gegeben, wenn dafür eine solche erforderlich ist.
Vorab ist somit zu prüfen, ob der Zaun baubewilligungspflichtig ist. Falls die
Bewilligungspflicht zu bejahen ist, ist danach summarisch zu prüfen, ob der Zaun
bewilligungsfähig wäre oder ob er auch materiell rechtswidrig ist.
3. Formelle Rechtswidrigkeit
a) An der Grenze zur Nachbarparzelle Nr. D._ stand gemäss
Beschwerdeführer seit über 60 Jahren ein Holzzaun. Der Beschwerdeführer entfernte
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 3 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 15a
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einen Grossteil dieses Holzzaunes und ersetzte ihn durch einen Drahtgitterzaun. Der neue
Zaun ist auf der bestehenden Sockelmauer erstellt worden und besteht aus einem
lichtdurchlässigen Gitterrost. Laut Beschwerdeführer sind auch die Pfosten des alten
Zaunes beibehalten worden. Die Arbeiten am Zaun wurden gemäss angefochtener
Verfügung ungefähr im Jahr 2015 vorgenommen, was vom Beschwerdeführer nicht
bestritten wird. Auf den vorhandenen Fotos ist denn auch erkennbar, dass im Januar 2014
noch der alte Holzzaun stand.4
Die Gemeinde macht in der Wiederherstellungsverfügung geltend, da der alte Holzzaun
komplett abgebaut worden sei, sei die Neuerstellung des Gitterzaunes als Neubau
einzustufen. Aufgrund seiner Höhe von über 1.20 m sei der neue Zaun
baubewilligungspflichtig. Der Beschwerdeführer habe somit ohne Baubewilligung einen
baubewilligungspflichtigen Gitterzaun erstellt. Der Beschwerdeführer bringt in seiner
Beschwerde hingegen vor, es sei kein Neubau des Zaunes. Es handle sich lediglich um
eine Instandhaltung des alten Holzzaunes.
b) Keiner Baubewilligung bedürfen nach Art. 1b Abs. 1 BauG der Unterhalt von Bauten
und Anlagen, für eine kurze Dauer erstellte Bauten und Anlagen sowie andere geringfügige
Bauvorhaben. Im Übrigen bestimmt das Baubewilligungsdekret die baubewilligungsfreien
Bauvorhaben. Bewilligungsfrei sind insbesondere die in Art. 6 BewD5 aufgelisteten
Vorhaben. Sind keine bau- oder umweltrechtlich relevanten Tatbestände betroffen, sind
das Unterhalten und Ändern von Bauten und Anlagen bewilligungsfrei (Art. 6 Abs. 1 Bst. c
BewD). Zum Unterhalt ist auch die Instandstellung von Bauten zu rechnen, soweit damit
keine wesentlichen Änderungen und keine Erneuerung verbunden sind. Unter einer
Erneuerung versteht man eine wesentliche Verbesserung des Zustands einer Baute, die
über den blossen Unterhalt, die Instandstellung oder den Ersatz einzelner schadhafter
Teile hinausgeht.6 Vorliegend hat der Beschwerdeführer sämtliche Holzbretter entfernt und
durch einen Gitterrost ersetzt. Dies geht über den blossen Unterhalt oder den Ersatz
schadhafter Teile hinaus.
Zudem ist der neue Zaun teilweise höher als der alte. Auf den vorhandenen Fotos ist zu
erkennen, dass der alte Zaun in seiner Gesamthöhe inklusive Sockelmauer ungefähr dem
4 Siehe dazu die Fotobeilagen zur Beschwerde und die Fotos in den Vorakten 5 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 6 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 25
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abfallenden Terrain der Zufahrt auf der Parzelle des Beschwerdeführers folgte. Im Bereich
des Gittertors über die Zufahrt hatte er in etwa die gleiche Höhe wie dieses Gittertor.
Demgegenüber folgt der neue Zaun in seiner Gesamthöhe inklusive Sockelmauer dem
abfallenden Terrain deutlich weniger, sondern verläuft über die gesamte Zaunlänge fast
waagrecht. Als Folge davon ist er im Bereich des Gittertors deutlich höher als das Gittertor
und dementsprechend auch deutlich höher als der alte Zaun.7 Auch aus diesem Grund
handelt es sich nicht bloss um einen Unterhalt des alten Zauns. Mit dem Argument, der alte
Zaun sei bloss instand gehalten bzw. unterhalten worden, lässt sich somit keine
Baubewilligungsfreiheit für den neuen Drahtgitterzaun begründen.
c) Nach Art. 1a Abs. 1 BauG sind alle künstlich geschaffenen und auf Dauer angelegten
Bauvorhaben, die in fester Beziehung zum Erdboden stehen und geeignet sind, die
Nutzungsordnung zu beeinflussen, baubewilligungspflichtig. Zäune sind bis zu einer Höhe
von 1.20 m baubewilligungsfrei (Art. 6 Abs. 1 Bst. i BewD). Wie die Zaunhöhe zu messen
ist, wird nirgends ausdrücklich definiert. Nach der konstanten Praxis der BVE wird im
Zusammenhang mit der Bewilligungspflicht von Zäunen die Höhe analog der üblichen
Regelung für Gebäude, also ab dem gewachsenen Boden, bei Abgrabungen ab dem
fertigen Terrain gemessen.8 Als gewachsener Boden gilt das Terrain, wie es vor Baubeginn
besteht (Art. 97 Abs. 1 BauV9). Für Zäune zwischen beidseitig aufgeschütteten
Grundstücken kommt die Spezialregelung von Art. 97 Abs. 2 Bst. b BauV zum Tragen.
Diese besagt, dass die Bauhöhe für Einfriedungen, Stützmauern und dergleichen zwischen
beidseitig aufgeschütteten Grundstücken vom tieferen fertigen Terrain aus gemessen wird.
Art. 97 BauV wurde zwar aufgehoben. Da die Gemeinde Mattstetten gemäss Ziff. 3.3 der
angefochtenen Wiederherstellungsverfügung ihre baurechtliche Grundordnung noch nicht
angepasst hat, findet dieser Artikel trotzdem noch Anwendung (Art. 34 Abs. 2 BMBV10).
d) Die Gemeinde Mattstetten hat in ihrer Wiederherstellungsverfügung für die Höhe des
Zaunes Art. 97 Abs. 2 Bst. b BauV beigezogen. Für die Anwendung dieser Spezialregelung
müssten sowohl die Parzelle Nr. C._ wie auch die Nachbarparzelle Nr.
D._ aufgeschüttet worden sein. Die Gemeinde Mattstetten führt dazu in ihrer
Stellungnahme vom 27. Juli 2017 aus, ihres Erachtens sei die Parzelle Nr. C._
7 Siehe dazu die Fotobeilagen zur Beschwerde und die Fotos in den Vorakten 8 BDE 120/2006/28 vom 02.04.2017, E. 4d 9 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 10 Verordnung vom 25. Mai 2011 über die Begriffe und Messweisen im Bauwesen (BMBV; BSG 721.3)
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erhöht worden und die asphaltierte Strasse entspreche nicht mehr dem gewachsenen
Terrain. Die Nachbarparzelle Nr. D._ sei geringfügig aufgeschüttet worden, wobei
dies nicht belegt werden könne. Demgegenüber macht der Beschwerdeführer in seiner
Stellungnahme vom 21. August 2017 geltend, das Terrain auf Parzelle Nr. C._ sei
nicht verändert worden, lediglich beim Betonsilo sei das Terrain vor über 10 Jahren um
zirka 5 cm erhöht worden. Die Nachbarparzelle Nr. D._ weise dieselbe Höhe auf
wie schon vor Jahrzehnten.
Vorliegend ist weder rekonstruierbar noch nachweisbar, ob und inwieweit die beiden
Parzellen aufgeschüttet worden sind. Trotz entsprechender Aufforderung in der Verfügung
vom 14. Juni 2017 konnte die Gemeinde keine Belege für Aufschüttungen auf den beiden
Parzellen nennen. Die Höhe des Zaunes wird daher, analog der üblichen Regelung für
Gebäude, ab dem gewachsenen Boden von Parzelle Nr. C._ gemessen. Die
Sockelmauer ist Bestandteil der Einfriedung und die Höhe des Zaunes wird daher inklusive
der Höhe dieser Sockelmauer gemessen.
e) Gemäss Stellungnahme der Gemeinde vom 27. Juli 2017 weist der neue Zaun
gemessen ab der Parzelle Nr. C._ eine Höhe von 1.30 bis 1.70 m auf. Die von der
Gemeinde gemessene Höhe wirkt glaubhaft. Der Beschwerdeführer bringt zwar in seiner
Stellungnahme vom 21. August 2017 vor, der Zaun weise lediglich eine Höhe von 1.15 bis
1.43 m auf. Es liegt jedoch die Vermutung nahe, dass er die Höhe der Sockelmauer nicht
eingerechnet hat. Zudem ist diese Abweichung in der Höhenangabe vorliegend ohnehin
unerheblich. Darüber, dass die Höhe des Zauns (teilweise) über 1.20 m beträgt, besteht
Einigkeit. Demzufolge bedarf der neue Drahtgitterzaun einer Baubewilligung (Art. 1b BauG
i. V. m. Art. 6 Abs. 1 Bst. i BewD im Umkehrschluss). Der Beschwerdeführer verfügt über
keine Baubewilligung, weshalb der neue Drahtgitterzaun formell rechtswidrig ist.
f) Von vornherein nicht einschlägig ist in diesem Zusammenhang die
Besitzstandsgarantie von Art. 3 BauG. Diese betrifft lediglich die Bewilligungsfähigkeit,
nicht aber die Bewilligungspflicht von Bauvorhaben.11
11 Vgl. Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 3 N. 1c
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4. Materielle Rechtswidrigkeit
a) Der neue Drahtgitterzaun steht direkt an der Grenze zum Nachbargrundstück
Nr. D._ und hat eine Höhe von über 1.20 m. Für den Grenzabstand verweist
Art. 41 Abs. 2 GBR12 bei Einfriedungen auf die Bestimmungen des EG ZGB13, die
diesbezüglich auch als öffentlich-rechtliche Vorschriften der Gemeinde gelten. Danach
dürfen lediglich Einfriedungen wie Zäune bis zu einer Höhe von 1.20 m, gemessen vom
gewachsenen Boden des höher gelegenen Grundstücks, an die Grenze gestellt werden.
Höhere Einfriedungen sind um das Mass der Mehrhöhe von der Grenze zurückzunehmen
(Art. 79k Abs. 1 und 2 EG ZGB) oder es muss ein Näherbaurecht oder eine
Ausnahmebewilligung vorliegen (Art. 43 Abs. 1 und 2 GBR). Der Beschwerdeführer macht
weder geltend, über eine Ausnahmebewilligung zu verfügen noch beruft er sich auf ein
Näherbaurecht zu Lasten des Nachbargrundstücks Nr. D._. Eine summarische
Prüfung ergibt daher, dass der neue Drahtgitterzaun nicht bewilligt werden könnte und
daher auch materiell rechtswidrig ist.
b) An der materiellen Rechtswidrigkeit vermag auch die Besitzstandsgarantie nichts zu
ändern. Diese Bestimmung in Art. 3 BauG bietet altrechtlichen Bauten, die an sich neuem
Recht nicht mehr entsprechen, einen gewissen Schutz, in dem sie in begrenztem Rahmen
modernisiert und auch umgebaut werden dürfen. Unabhängig davon, ob der alte Zaun
überhaupt eine solche altrechtliche Baute war, fällt die neubauähnliche Umgestaltung
ohnehin nicht unter die Besitzstandsgarantie.14 Die Sockelmauer und die Pfosten sind laut
Beschwerdeführer erhalten geblieben. Die Holzbretter hat er jedoch entfernt und durch
einen Zaun aus einem neuen Material ersetzt. Der Zaun ist damit so weitgehend
umgestaltet worden, dass dieser einer neuen Anlage gleichkommt. Zudem ist der neue
Zaun erheblich höher als der alte (siehe oben Erwägung 3b), wodurch eine allenfalls
vorbestehende Rechtswidrigkeit noch verstärkt worden wäre (vgl. Art. 3 Abs. 2 BauG). Die
Besitzstandsgarantie ist hier folglich nicht anwendbar.
12 Gemeindebaureglement der Gemeinde Mattstetten vom 13. September 2012 13 Gesetz vom 28. Mai 1911 betreffend die Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (EG ZGB; BSG 211.1) 14 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 3 N. 3a
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c) Zusammenfassend ergibt sich, dass der umstrittene Drahtgitterzaun nicht über die
notwendige Baubewilligung verfügt und auch nicht bewilligt werden könnte. Er ist daher
sowohl formell als auch materiell rechtswidrig. Somit muss grundsätzlich der rechtmässige
Zustand wiederhergestellt werden.
5. Wiederherstellungsanordnung
a) Die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands muss im öffentlichen Interesse
liegen, verhältnismässig sein und darf den Vertrauensgrundsatz nicht verletzen. Eine
Wiederherstellungsmassnahme ist verhältnismässig, wenn sie geeignet ist, das
angestrebte Ziel zu erreichen, nicht weiter geht, als zur Herstellung des rechtmässigen
Zustandes nötig ist, und die Belastung für die pflichtige Person in einem vernünftigen
Verhältnis zum verfolgten Ziel steht.15
b) Generell besteht ein grosses öffentliches Interesse an der Einhaltung der
baurechtlichen Bestimmungen und an der konsequenten Verhinderung von Bauten, die der
baurechtlichen Ordnung widersprechen.16 Auch das Interesse an der Verhinderung einer
Präjudizwirkung ist von Bedeutung. Vorliegend bestehen zudem nicht nur öffentliche,
sondern auch nachbarliche Interessen an der Durchsetzung der Wiederherstellung, dienen
doch die verletzten Abstandsvorschriften direkt dem Schutz der Nachbarn.
c) Die Wiederherstellung ist zweifellos auch geeignet, die betroffenen öffentlichen und
nachbarlichen Interessen an der Durchsetzung der baurechtlichen Bestimmungen zu
verwirklichen. Die angeordnete Wiederherstellungsmassnahme, das vollständige Entfernen
des Zaunes, geht jedoch weiter, als zur Herstellung des rechtmässigen Zustandes
erforderlich ist. Ein Zaun mit einer Höhe von 1.20 m darf an die Grenze gestellt werden und
ist damit rechtmässig. Daher ist es ausreichend, den neuen Drahtgitterzaun auf eine Höhe
von 1.20 m (inklusive Sockelmauer, gemessen ab dem bestehenden Terrain der Parzelle
Nr. C._) zu reduzieren. Die Wiederherstellungsanordnung wird daher in teilweiser
Gutheissung auf eine entsprechende Reduktion der Höhe beschränkt. Eine solche
Anordnung ist für den Beschwerdeführer auch zumutbar, zumal er nicht als gutgläubig
gelten kann und die Abweichung nicht geringfügig ist. Im Übrigen ist damit auch die vom
15 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9 ff. 16 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9a
RA Nr. 120/2017/15 9
Beschwerdeführer angesprochene Absturzsicherung von der Zufahrt auf die
Nachbarparzelle sichergestellt, dafür ist ein Zaun mit einer Höhe von 1.20 m ausreichend.
d) Die Anordnung in der angefochtenen Verfügung hinsichtlich allfälliger Löcher in der
Fundamentsmauer dürfte damit bedeutungslos sein. Es besteht jedoch keine
Notwendigkeit, diese Anordnung zu ändern oder zu streichen, zumal dies vom
Beschwerdeführer nicht speziell gefordert wird. Auch die übrigen Punkte der
Wiederherstellungsverfügung behalten ihre Gültigkeit. Daher wird die Beschwerde im
Übrigen abgewiesen und die Wiederherstellungsverfügung der Gemeinde Mattstetten
bestätigt.
e) Die Ansetzung einer neuen Frist, innert der die angeordnete Massnahme
auszuführen ist, ist nicht notwendig: Die Wiederherstellungsverfügung nennt keinen
bestimmten Termin, sondern eine Frist von vier Monaten ab Rechtskraft der
Wiederherstellungsverfügung. Der Zaun muss daher spätestens vier Monate nach
Rechtskraft des vorliegenden Entscheides auf eine Höhe von 1.20 m zurückgebaut
werden.
6. Gleichbehandlung im Unrecht
a) Der Beschwerdeführer macht geltend, in der Nachbarschaft gebe es massiv
überhöhte Zäune, die von der Gemeinde seit jeher toleriert würden. Die Gemeinde verhalte
sich parteiisch. Der Beschwerdeführer macht somit sinngemäss einen Anspruch auf
Gleichbehandlung im Unrecht geltend.
b) Das in der Bundesverfassung und in der Kantonsverfassung verankerte
Gleichheitsprinzip verbietet einerseits unterschiedliche Reglungen, denen keine rechtlich
erheblichen Unterscheidungen zu Grunde liegen, und untersagt andererseits die rechtliche
Gleichbehandlung von Fällen, die sich in tatsächlicher Hinsicht wesentlich unterscheiden.
Ein Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht besteht grundsätzlich nicht. Eine
Ausnahme von diesem Grundsatz bedingt das Vorliegen vergleichbarer Fälle, eine
eigentliche gesetzwidrige Praxis sowie den Willen der Behörde, an dieser Praxis
festzuhalten. Selbst bei Vorliegen einer gesetzwidrigen Praxis hat der Anspruch, ebenfalls
gesetzwidrig behandelt zu werden, zurückzutreten, wenn überwiegende öffentliche oder
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private Interessen im Einzelfall eine gesetzeskonforme Entscheidung verlangen. Bei
solchen Interessenkonflikten hat eine Abwägung im Einzelfall zu erfolgen.17
c) Der Beschwerdeführer hat in seinem Schreiben vom 6. Mail 2016 an die Gemeinde
Zäune in der Nachbarschaft genannt, welche angeblich ebenfalls zu hoch seien. Die
Vergleichbarkeit mit der hier zu beurteilenden Situation kann aufgrund der nachfolgenden
Ausführungen offen bleiben. Aus den Vorakten geht hervor, dass die Gemeinde bestrebt
ist, das Baubewilligungsverfahren bei Einfriedungen rechtmässig durchzuführen. So führte
sie in ihrem Schreiben vom 19. April 2016 an den Beschwerdeführer aus, es gebe im
Mattstetten tatsächlich Einfriedungen mit einer Höhe von über 1.20 m. In letzter Zeit müsse
jedoch für sämtliche solche Anlagen eine Baubewilligung eingeholt werden, ausser diese
seien baubewilligungsfrei. Die Gemeinde hat damit unmissverständlich zum Ausdruck
gebracht, dass sie keine gesetzeswidrige Praxis verfolgt. Schon aus diesem Grunde
vermag der Beschwerdeführer aus dem Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht nichts
zu seinen Gunsten abzuleiten. Im Übrigen müsste der Anspruch auf Gleichbehandlung im
Unrecht gegenüber dem privaten Interesse der Nachbarin ohnehin zurücktreten.
d) Zusammenfassend ergibt sich, dass es an den Voraussetzungen für einen Anspruch
auf Gleichbehandlung im Unrecht mangelt. Die Rüge der Ungleichbehandlung erweist sich
damit als unbegründet.
7. Kosten
a) Die Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 600.--
(Art. 103 Abs. 2 VRPG18 i. V. m. Art. 19 Abs. 1 GebV19). Die Verfahrenskosten werden der
unterliegenden Partei auferlegt (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Auf eine Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands kann nicht verzichtet werden. Allerdings wird die
Wiederherstellung auf eine Reduktion der Höhe des Zaunes beschränkt. Bei diesem
Ausgang des Verfahrens rechtfertigt es sich, dem Beschwerdeführer die Hälfte der
Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 300.-- aufzuerlegen. Der Gemeinde werden keine
17 VGE Nrn. 100.2008.23318/23319 vom 22.10.2008, E. 4.2 mit Hinweisen 18 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 19 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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Verfahrenskosten auferlegt (Art. 108 Abs. 2 VRPG). Die restlichen Verfahrenskosten trägt
daher der Kanton.
b) Die Verfahrensbeteiligten waren nicht anwaltlich vertreten. Daher sind keine
Parteikosten im Sinne des Gesetzes entstanden (Art. 104 Abs. 1 und 2 VRPG).