Decision ID: e8a0461b-6f04-5d3e-a2bd-cb3f2b326c46
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 9. September 2008 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Im polydisziplinären Gutachten vom 9. August
2010 wurden folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit angegeben (IV-
act. 52-23): Chronisch therapieresistente Kniegelenksbeschwerden rechts, ein
chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom, ein zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom linksbetont, eine chronische Periarthropathia humeroscapularis
tendopathica links und eine arterielle Hypertonie. Zusammenfassend sei jedoch in der
angestammten Tätigkeit als Hilfsarbeiterin in einem Stickereibetrieb sowie für jegliche
weitere körperlich leichte, wechselbelastende berufliche Tätigkeiten eine volle
Arbeitsfähigkeit gegeben. Für ihre zuletzt während Jahren ausgeübte und für jede
andere körperlich leichte, wechselbelastende berufliche Tätigkeit sei sie unter den
genannten qualitativen Einschränkungen (Möglichkeit zu einem regelmässigen Wechsel
der Arbeitsplatzposition nach ihrem Gutdünken; Vermeiden des Zurücklegens von
Gehstrecken und häufigen Benützens von Treppen, repetitiver Überkopfbewegungen,
stereotyper Rotationsbewegungen der Wirbelsäule und von Arbeiten in anhaltender
Oberkörper-Vorneigeposition) voll arbeitsfähig (IV-act. 52-24 f.). Mit Verfügung vom 23.
November 2010 wies die IV-Stelle in der Folge das Rentenbegehren ab. Diese
Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.
Am 1. März 2012 reichte die Versicherte bei der IV-Stelle erneut ein
Rentenbegehren ein. Sie gab an, ihr Gesundheitszustand habe sich massiv
verschlechtert (IV-act. 68). Sie äusserte am 19. Mai 2012 weiter, die begonnene
Schmerztherapie im Spital habe aufgrund der massiven Nebenwirkungen abgebrochen
werden müssen (IV-act. 72). Die Schmerzen beeinträchtigten ihr Gemüt; die Hausärztin
habe sie daher im Psychiatriezentrum angemeldet. Eine Integration in den
B.a.
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Arbeitsprozess sei nicht möglich. Am 5. Februar 2013 berichteten die Psychologin
B._ und Dr. med. C._ vom Psychiatrie-Zentrum D._ (IV-act. 79), die Versicherte
leide an einer mittelgradigen depressiven Episode. Der Schmerz sei therapieresistent.
Eine Arbeitsfähigkeit sei durch die chronischen Schmerzen und die depressive
Reaktionsweise ausgeschlossen. Selbst ein Arbeitstraining in einem geschützten
Rahmen mit geringen Anforderungen würde die Versicherte überfordern und könnte zu
einer psychischen Dekompensation führen. Die Hausärztin, Dr. med. E._, Ärztin für
Allgemeine Medizin FMH, berichtete am 14. Mai 2013, der Versicherten seien aufgrund
der ausgeprägten Schmerz- und Depressionssymptomatik nur noch leichtere Arbeiten
im Haushalt mit sehr häufigen Unterbrechungen möglich (IV-act. 90-5). Die bisherige
Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar. Die Versicherte sei durch ihre chronischen
Schmerzen so massiv eingeschränkt, dass sie nicht längere Zeit stehen, gehen oder
sitzen könne. Zudem verhindere die depressive Symptomatik einen aktiveren Umgang
mit den Schmerzen wie zum Beispiel eine intensivere Trainingstherapie (IV-act. 90-5 f.).
Am 4. Juli 2013 berichtete Dr. med. F._ (IV-act. 93), FMH Rheumatologie, bei der
Versicherten bestehe vor allem eine körperliche Einschränkung mit einer verminderten
Belastbarkeit des Knies rechts sowie der lumbalen und der zervikalen Wirbelsäule. Die
bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar (IV-act. 93-4).
Wechselbelastende Tätigkeiten seien während circa einer Stunde pro Tag zumutbar
(IV-act. 93-6). Am 14. November 2013 fand eine Haushaltsabklärung bei der
Versicherten statt (IV-act. 102). Die Versicherte gab an, ohne gesundheitliche
Behinderung würde sie im gleichen Pensum von 50 Prozent im selben Betrieb arbeiten.
Die Abklärungsperson gelangte zur Auffassung, dass sich im Haushalt unter
Berücksichtigung der zumutbaren Schadenminderung durch die Familienangehörigen
keine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit ergebe. Am 21. Januar 2014 teilte Dr. E._
mit, die Versicherte sei weiterhin einmal monatlich in Behandlung im Psychiatrie-
Zentrum und seit September 2013 werde sie alle zwei Wochen von einer Therapeutin
zu Hause begleitet (IV-act. 103). Die chronische Schmerzsymptomatik cervikocephal,
cervikobrachial sowie lumbal und in den beiden Kniegelenken habe sich eher
verschlechtert und lasse sich weder medikamentös noch physiotherapeutisch
beeinflussen. Zusätzlich seien Unterbauchschmerzen aufgetreten, die in Abklärung
seien. Die Versicherte sei schmerzbedingt nicht fähig, auch nur 30 Minuten in der
gleichen Stellung sitzend oder stehend zu verbleiben; sie müsse auch bei
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Spaziergängen begleitet werden. Aufgrund der chronischen Kopf-, Nacken-, Rücken-,
Arm- und Knieschmerzen und der begleitenden chronischen Depression sei der
Versicherten keine Tätigkeit mehr zumutbar. Im Verlaufsbericht vom 27. Januar 2014
teilten Dr. med. G._ und Dr. med. H._ vom Psychiatrie-Zentrum D._ mit (IV-act.
104), bei den Diagnosen habe es keine Veränderungen gegeben. Seit August 2013
seien neben drei Konsultationen auch sieben Hausbesuche durchgeführt worden. Die
Versicherte sei in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt, da sie unter deutlichen
Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, einer vermehrten Vergesslichkeit
sowie Problemen in der Auffassungsgabe leide. Die genaue Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit sei nur schwer möglich. Sie schlössen sich den früheren
Einschätzungen an und gingen von einer vollen Arbeitsunfähigkeit aus. Am 20. Februar
2014 hielt der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) in einer Stellungnahme fest, dass die
Versicherte unter der Annahme einer offenbar chronifizierten mittelgradigen Depression
über eine nennenswerte Restarbeitsfähigkeit von mindestens 50 Prozent verfüge.
Angesichts der Qualifikation als zu 50 Prozent Erwerbstätige könne auf eine weitere
Klärung des medizinischen Sachverhalts verzichtet werden.
Mit einem Vorbescheid vom 24. April 2014 kündigte die IV-Stelle der Versicherten
die Abweisung des Rentenbegehrens an (IV-act. 109). Sie führte aus, die Abklärungen
hätten ergeben, dass die Versicherte ohne den Gesundheitsschaden weiterhin mit
einem Pensum von 50 Prozent erwerbstätig wäre; die restlichen 50 Prozent würden auf
den Aufgabenbereich entfallen. Damit liege keine Einschränkung im Erwerbsbereich
vor. Auch im Haushalt sei sie nicht eingeschränkt, weshalb kein Invaliditätsgrad
bestehe. Die Versicherte wendete am 7. Mai 2014 ein (IV-act. 110), es bestehe eine
Fülle an Diagnoseansätzen. Sie leide seit über sieben Jahren physisch und psychisch
massiv, sodass sie in ihrer Lebensqualität eingeschränkt sei. Das alles habe zur
Resignation – auch auf der Ärzteseite – geführt. Es herrsche Perspektivenlosigkeit. Sie
habe ihre Situation (kulturell bedingt) beschönigt dargestellt. Sie sei immobil bzw. in
ihrer Transportfähigkeit eingeschränkt, sodass sie auch nicht zur Arbeit gelangen
könne. Sie habe sich nicht zur Gutachterstelle äussern sowie Fragen stellen können;
auch sei ihre Tochter nicht zu Rate gezogen worden. Insgesamt gehe es ihr viel
schlechter, als dies im "Gutachterspiegel" nachzulesen sei. Mit einer Verfügung vom
18. Juni 2014 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act. 111).
B.b.
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C.
Am 5. Juli 2014 liess die Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom 18.
Juni 2014 erheben. Sie beantragte sinngemäss die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und ihr sei eine ganze Rente zuzusprechen (IV-act. 112). In ihrer
Beschwerdeantwort vom 23. September 2014 beantragte die IV-Stelle die Abweisung
der Beschwerde (IV-act. 115). Am 9. März 2017 hiess das Versicherungsgericht die
Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 18. Juni 2014
teilweise gut. Es wies die Sache zur ergänzenden medizinischen Abklärung und zum
Erlass einer neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück (IV-act. 131). Es führte aus, die
vom RAD abgegebene Arbeitsfähigkeitsschätzung vermöge nicht den
ausschlaggebenden Beweiswert zu beanspruchen, denn der RAD habe eine eigene,
von allen anderen Beurteilungen abweichende Würdigung der medizinischen
Arbeitsfähigkeit der Versicherten vorgenommen, ohne dass er selber den
Gesundheitszustand untersucht hätte. Weiter sei auch der restliche Sachverhalt nicht
ausreichend abgeklärt worden; so lasse sich den Akten insbesondere keine stichhaltige
psychiatrische Arbeitsfähigkeitsschätzung entnehmen. Entsprechend seien ergänzende
medizinische Abklärungen unabdingbar. Der RAD habe denn auch am 6. September
2013 (IV-act. 97) zu Recht die Möglichkeit des Bedarfs an weiteren medizinischen
Abklärungen in Betracht gezogen. Die Abklärungen müssten im Hinblick auf die von
der IV-Stelle angewendete gemischte Methode der Invaliditätsbemessung die
Beurteilung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit der Versicherten im Haushalt beinhalten.
B.c.
Am 12. Juni 2017 berichtete Dr. med. I._ vom Psychiatrie-Zentrum D._ (IV-act.
144), die Versicherte leide an einer mittelgradigen depressiven Episode, an einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, an
Problemen in ihrer Beziehung zum Ehepartner, an chronischen Knieschmerzen
beidseits, an chronischen lumbalen Rückenschmerzen, an einer Zervikobrachialgie
links mit Diskopathien sowie an einer chronischen Cephalgie. Eine höherfrequente
Behandlung sei aufgrund der sehr angespannten finanziellen Situation nicht möglich.
Medikamentös ergäben sich bei der Versicherten aufgrund der Polypharmazie immer
wieder massive Magenprobleme. Mittelfristig sei nicht von einer Besserung der
Symptomatik auszugehen. Die reduzierten kognitiven Fertigkeiten, die wandernden
Schmerzen am gesamten Körper und die Schlafproblematik seien nicht mit einer
C.a.
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St.Galler Gerichte
Tätigkeit am freien Arbeitsmarkt vereinbar. Auch sei die bisherige Tätigkeit nicht mehr
zumutbar.
Am 25. September 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie eine
umfassende medizinische Untersuchung als notwendig erachte (IV-act. 147). Der
Rechtsvertreter der Versicherten führte am 5. Oktober 2017 aus, das Leiden daure
bereits ein Jahrzehnt an, weshalb alle Symptome chronifiziert seien. Die
Nebenwirkungen der Medikamente führten nachts regelmässig zum Erbrechen. Die
Hand der Versicherten schlafe ein und werde gefühllos. Das linke Knie werde nicht
operiert, da der Erfolg der ersten Operation fragwürdig sei; das linke Knie sei
schmerzhaft und schwelle an. Die Versicherte vereinsame, da frühere Kollegen
überfordert seien. Sämtliche Therapien (Physiotherapie, Akupunktur) hätten versagt.
Die Versicherte würde es daher zur Feststellung des Leidensausmasses begrüssen,
wenn sie zu einer Beobachtungsphase aufgeboten würde. Sie sei überfordert, ihr
entsprechendes affektives Erleben in rationales Reflektieren zu übersetzen; daher seien
die laufenden psychiatrischen Engagements auch "wenig fruchtbringend". Ihre
innersten Dimensionen blieben verschlossen; therapeutische Gespräche "kreiselten"
lediglich an der Oberfläche. Eine Rente würde der Versicherten wieder einen Teil ihrer
Persönlichkeit zurückgeben, da sie sich damit vielleicht einmal neu einkleiden könnte.
C.b.
Am 5. Dezember 2017 wurde die Versicherte durch die medexperts ag
internistisch, rheumatologisch und psychiatrisch abgeklärt. Im Gutachten (IV-act. 160,
Versand am 25. Januar 2018) wurde ausgeführt, die Versicherte leide an einer derzeit
mittelgradigen depressiven Störung, einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren, einer medialen Gonarthrose links und einem
Status nach Knie-Totalprothese rechts (2007), einer Periarthropathie der linken Schulter
bei Acromioclavicular-Gelenksarthrose sowie einem chronischen spondylogenen
Syndrom bei überdurchschnittlichen degenerativen Veränderungen der unteren Hals-
und Lendenwirbelsäule (IV-act. 160-50). Aus rheumatologischer Sicht sei wegen den
erheblichen degenerativen Veränderungen in den Kniegelenken, der linken Schulter
sowie der Lenden- und Halswirbelsäule ein Mischbild von Symptomen zu beschreiben,
die bildgebend belegbar seien. Diese gingen jedoch auch einher mit einem
generalisierten weichteilrheumatischen Schmerzsyndrom, welches die klinische
Untersuchung erschwere. In psychiatrischer Hinsicht bestehe bei den früheren
C.c.
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psychiatrischen Diagnosen kein Konsens. Aktuell hätten sich die Diagnosen geändert;
es bestehe eine leichte bis mittelgradige depressive Störung, differentialdiagnostisch
eine rezidivierende depressive Störung. Rückblickend könne festgehalten werden, dass
die Versicherte bisher vermutlich antidepressiv noch ungenügend behandelt worden
sei. Aus heutiger psychiatrischer Sicht weise die Versicherte lediglich eine Teil-
Arbeitsunfähigkeit auf. Die Entwicklungen der körperlichen Symptome mit ihren
Auswirkungen auf die Psyche seien nicht nachvollziehbar. Die somatischen
Beschwerden seien verdeutlicht dargestellt worden und es bestehe der Verdacht auf
ein aggravierendes Verhalten. Die Versicherte scheine verbittert und auf ihr körperliches
Leiden eingeengt zu sein; sie weise zudem depressive Verhaltensmuster auf. Sie zeige
teilweise ein regressives Verhalten und die Selbstlimitierung könne durch weitere
psychiatrische Diagnosen nicht logisch begründet werden. Der Lebensgeschichte der
Versicherten seien keine Hinweise für eine Persönlichkeitsentwicklung ausserhalb der
Norm zu entnehmen (IV-act. 160-51). Da ein stark selbstlimitierendes Verhalten
zugrunde liege, wäre eine psychiatrische Behandlung vermutlich zum Scheitern
verurteilt. Aus psychiatrischer Sicht sei derzeit eine Teilarbeitsunfähigkeit von 50
Prozent gegeben (IV-act. 160-52). Für die angestammte Tätigkeit in einem Stickerei-
Betrieb bestehe seit Mai 2007 (infolge einer Kniearthrose rechts und der Implantation
einer Totalprothese) eine Arbeitsunfähigkeit. Für körperlich adaptierte, leichte
Tätigkeiten schätzten die Gutachter die Arbeitsfähigkeit wegen der psychiatrisch
beurteilten Einschränkungen auf 50 Prozent. Dabei zu integrieren seien die
muskuloskelettalen Probleme: Beginnende mediale Gonarthrose links bei Zustand nach
Totalprothese rechts, Periarthropathie der linken Schulter und chronisch rezidivierende
Lumbalgien bei über dem Altersdurchschnitt liegenden degenerativen Veränderungen
der unteren Lendenwirbelsäule. Rheumatologisch seien körperlich leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten mit folgenden qualitativen Einschränkungen möglich:
Kein andauerndes Stehen, kein regelmässiges Treppensteigen, keine Tätigkeiten über
Schulterhöhe links und kein häufiges Bücken oder Arbeiten in einer stärker
vorgeneigten Zwangshaltung (IV-act. 160-52 f.). Die Krankheitsprognose sei aufgrund
der chronifizierten Probleme sowohl psychiatrisch wie muskuloskelettal, aber auch
wegen der verschiedenen sozialen, IV-fremden Faktoren (wie Migrationsproblematik,
bescheidene Schul- und Deutschkenntnisse, familiäre Faktoren, vieljährige
Erwerbsabstinenzen, Selbstlimitierung sowie subjektive Krankheitsüberzeugung)
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schlecht (IV-act. 160-53). Der RAD-Arzt Dr. med. J._ qualifizierte dieses Gutachten in
seiner Stellungnahme vom 1. Februar 2018 als umfassend, widerspruchsfrei und
nachvollziehbar (IV-act. 162). Auf es könne abgestellt werden. Die IV-Stelle hielt am 15.
Februar 2018 fest, dass die Versicherte im Rahmen der Haushaltsabklärung vom 14.
November 2013 (IV-act. 102) zu 50 Prozent als Stickereimitarbeiterin und zu 50 Prozent
als im Haushalt tätige Person qualifiziert worden sei; im Haushalt hätten grundsätzlich
keine Einschränkungen ermittelt werden können.
Mit einem Vorbescheid vom 15. Februar 2018 kündigte die IV-Stelle der
Versicherten die Abweisung des Rentengesuchs an. Sie führte aus, die Versicherte
erleide im Haushalt, welcher 50 Prozent ausmache, keine Einschränkungen. Im Erwerb,
dessen Anteil ebenfalls 50 Prozent betrage, resultiere infolge des
Einkommensvergleiches ([Fr. 40'132.-- – Fr. 22'717.--] ÷ Fr. 40'132.--) eine
Einschränkung von 48 Prozent. Anhand der gemischten Methode resultiere somit ein
Invaliditätsgrad von 24 Prozent. Dagegen liess die Versicherte am 22. März 2018
einwenden, sie sei von der IV-Stelle "selber einzuladen um ihr das Wort zu
erteilen" (Art. 6 EMRK). Ausserdem sei ein Obergutachten einzuholen, welches sich mit
der "Diskrepanz der Gutacherseite und der Seite der Hausärztin" und der Versicherten
auseinandersetze. Ihr sei eine ganze Rente, rückwirkend ab dem Zeitpunkt, in dem das
Rentengesuch eingereicht worden sei, auszuzahlen. Zur Begründung liess sie im
Wesentlichen ausführen, dass sich die Gutachter zu wenig nach ihren Beschwerden
bzw. nach deren Auswirkungen erkundigt hätten. Zudem fehle die Angabe der
Begutachtungsdauer. Ihr sei nie eröffnet worden, dass sie die Gutachter hätte
beanstanden können. Bei der Begutachtung sei von der Aktualität auszugehen, was
nicht geschehen sei. Gemäss den behandelnden Ärzten sei ihr eine Arbeit nicht
zumutbar. Alle Arbeitsversuche seien gescheitert; eine "irgendgeartete" Arbeitsstätte
fehle komplett. Mit einer Verfügung vom 3. April 2018 lehnte die IV-Stelle das
Rentenbegehren wie angekündigt ab (IV-act. 167). Die Versicherte liess am 4. April
2018 einwenden (IV-act. 168), die IV-Stelle sei nicht auf ihren Einwand vom 22. März
2018 eingegangen. Dies tangiere den Anspruch auf rechtliches Gehör; der Einwand sei
entsprechend noch zu würdigen. Der zuständige Sachbearbeiter hielt am 11. April 2018
fest, dass ihm der Einwand aufgrund eines Personalwechsel nicht bekannt gewesen sei
(IV-act. 169). Das rechtliche Gehör sei demnach verletzt worden, weshalb die
C.d.
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Verfügung vom 3. April 2018 zu widerrufen sei. Am 11. April 2018 widerrief die IV-Stelle
die Verfügung vom 3. April 2018 (IV-act. 170). Die IV-Stelle holte beim
Psychiatriezentrum D._ einen Bericht über den dortigen stationären Aufenthalt ein.
Dr. med. K._ vom Psychiatriezentrum D._ hatte am 7. September 2015 berichtet
(IV-act. 173), die Versicherte sei vom 29. Mai 2015 bis 27. Juni 2015 in stationärer
Behandlung gewesen. Dabei seien die folgenden Diagnosen erhoben worden: Eine
mittelgradige depressive Episode, eine chronische Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Faktoren, eine benigne essentielle Hyperthonie (ohne Angabe einer
hypertensiven Krise), ein Status nach Meniskusläsion (Meniskusoperation, Knie TEP
rechts 2007, postoperativ Infektion), eine medial aktivierte Gonarthrose (Chondropathie
bis zu Grad IV links), ein lumbosacraler Übergangswirbel mit Neoartikulation links und
Hemisakralisation rechts, HWK 5/6 rechts ausladende Diskusprotrusion ohne nervale
Alteration sowie ein Hauptbefund im distalen Segment HWK 6/7 bei einer hier
fortgeschrittenen Spondylarthrose/Spondylchondrose mit einer rechts ausladenden
Diskusprotrusion. Sie gehe von einer dauerhaft nicht gegebenen Arbeitsfähigkeit aus.
Zusammenfassend bestünden bei der Versicherten chronifizierte somatische und
psychiatrische Krankheitsbilder, deren Bewältigungs- und Behandlungsmöglichkeiten
sich gegenseitig negativ beeinflussten. Daher sei in Kenntnis der Anamnese und
aufgrund des stationären Behandlungsverlaufs von einer insgesamt als äusserst
ungünstig zu beurteilenden Prognose der Krankheitsbewältigung auszugehen. In seiner
Stellungnahme vom 28. Mai 2018 (IV-act. 175) äusserte der RAD-Arzt Dr. J._
bezüglich des Einwandes des Rechtsvertreters der Versicherten, er gehe davon aus,
dass der psychiatrische Gutachter im Gespräch mit der Versicherten an die nötigen
Informationen gelangt sei und ihr die Redefreiheit gewährt habe. Abklärungen hätten
ergeben, dass die Versicherte im Jahre 2017 nicht hospitalisiert gewesen sei; die letzte
psychiatrische Hospitalisation habe im Jahr 2015 stattgefunden (vgl. das Mail vom 25.
Juli 2018; IV-act. 178). Der Gutachter habe die Pflicht, die Aussagen der behandelnden
Ärzte ernst zu nehmen, ihre Einschätzung müsse er aber nicht übernehmen. Weiter
seien keine substantiellen medizinischen Argumente vorgebracht worden, die geeignet
wären, die Qualität des Gutachtens in Frage zu stellen. Mit einem Schreiben vom 5.
September 2018 berichtete Dr. med. I._ vom Psychiatrie-Zentrum D._ (IV-act.
180-2 f.), dass die Versicherte seit Mai 2017 im Psychiatrie-Zentrum in Behandlung sei;
zwischenzeitlich habe sich keine Änderung der Diagnose ergeben. Aufgrund der
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D.
angespannten finanziellen Situation sei eine engmaschigere bzw. intensivere
Behandlung der Versicherten nicht möglich. Am 20. September 2018 hielt die RAD-
Psychiaterin Dr. med. L._ fest (IV-act. 181), dass sich zwischenzeitlich aus
fachpsychiatrischer Sicht keine neuen Aspekte ergeben hätten. Mit einem Schreiben
vom 20. September 2018 teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter der Versicherten im
Sinne einer zweiten Anhörung mit (IV-act. 182), dass am bisherigen Entscheid
(Abweisung des Rentenbegehrens) festgehalten werde. Am 27. September 2018
wiederholte der Rechtsvertreter der Versicherten in einer Stellungnahme im
Wesentlichen das bereits im Einwand vom 22. März 2018 Dargelegte (IV-act. 183). Mit
einer Verfügung vom 4. Oktober 2018 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der
Versicherten ab (IV-act. 184).
Am 2. November 2018 (eingegangen am 6. November 2018) erhob die Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 4. Oktober 2018 (IV-act. 185). Sie stellte die
Anträge, der Entscheid sei zu annullieren und ihr sei eine halbe Rente zurückbezogen
auf das Jahre 2006 zuzusprechen. Weiter sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu
gewähren. Sie führte im Wesentlichen aus, sie könne kein halbes Arbeitspensum
bewältigen, weil sie selbst lapidare Tätigkeiten des täglichen Lebens nicht
bewerkstellige. Es existiere kein für sie tauglicher Arbeitsplatz; bisherige
Arbeitsversuche seien abgebrochen worden. Die Beschwerdegegnerin habe sich nicht
mit dem "Gutachtensspiegel" beschäftigt. Auch seien Verfahrensfehler geschehen;
insbesondere sei im Gutachten die Zeitdauer der Begutachtung nicht genannt worden.
Die Beschwerdeführerin sei vorab nicht darüber orientiert worden, wer sie als Experte
begutachten werde. Das rechtliche Gehör sei auch dadurch verletzt worden, dass ihre
Aussagen und Dokumente vom RAD und von den Ärzten übergangen worden seien.
Für die anwaltlichen Deserviten im Rahmen des Beschwerdeverfahrens ersuche sie um
Fr. 500.--.
D.a.
Am 29. November 2018 (IV-act. 189) reichte die Versicherte einen Bericht der
langjährigen Hausärztin Dr. E._ vom 20. November 2018 nach (IV-act. 188). Dr. E._
war der Meinung, dass der Beschwerdeführerin eine ganze Invalidenrente zustehe. Sie
D.b.
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leide an einer chronischen Schmerzstörung, die sowohl psychische als auch nicht
unerhebliche somatische Faktoren aufweise. Es gebe realistischerweise keinen
Arbeitsplatz, in welchem die Beschwerdeführerin auch nur kurzfristig arbeiten könnte.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 5. Dezember 2018 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte
sie aus, die Gutachter der medexperts ag seien strikt den versicherungsmedizinischen
Prämissen gefolgt und hätten daher die geltend gemachten Leiden ohne
Krankheitswert bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung ausgeschlossen. Die
Beschwerdeführerin sei umfassend internistisch, rheumatologisch und psychiatrisch
untersucht worden; bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung habe eine Gesamtbetrachtung
stattgefunden. Das Gutachten sei ausführlich abgefasst und die Schlussfolgerungen
seien nachvollziehbar gewesen. Es sei vermerkt, dass das psychiatrische Gespräch 1.5
Stunden gedauert habe (in IV-act. 160-43); die Behauptung der Beschwerdeführerin,
dass die Untersuchungsdauer nicht genannt worden sei, treffe damit nicht zu. Im
Übrigen sei es rechtlich nicht zwingend, die Untersuchungsdauer zu nennen.
Massgebens sei einzig, ob das Gutachten inhaltlich vollständig und im Ergebnis
schlüssig sei. Dies sei der Fall. Die Angaben der Beschwerdeführerin seien im
Gutachten ausführlich dargestellt und die geltend gemachten psychischen und
körperlichen Leiden seien nachvollziehbar gewürdigt worden. Aus den Berichten von
Dr. E._ vom 4. Mai 2017 (IV-act. 137) und vom 20. November 2018 (IV-act. 188)
ergäben sich keine neuen Aspekte. Weiter sei zu berücksichtigen, dass behandelnde
Ärzte ohnehin überwiegend zugunsten ihrer Patienten aussagten. Die Berichte würden
keine objektiv feststellbare Gesichtspunkte nennen, die im Rahmen der Begutachtung
unerkannt geblieben und die geeignet wären, zu einer abweichenden Beurteilung zu
führen. Die Invaliditätsbemessung sei anhand der gemischten Methode vorzunehmen.
Gemäss dem Abklärungsbericht vom 14. Januar 2014 (IV-act. 102) sei die
Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung der Schadenminderungspflicht ihrer
Angehörigen im Haushalt nicht eingeschränkt.
D.c.
Am 18. Dezember 2018 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren bewilligt (act. G 9).
D.d.
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Erwägungen
1.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 4. Oktober 2018 hat die Beschwerdegegnerin
das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin abgewiesen. Da das
Beschwerdeverfahren die Prüfung der Rechtmässigkeit dieser Verfügung zum Ziel hat,
muss es sich auf den in der Verfügung enthaltenen Gegenstand beschränken. Folglich
ist nur zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Eröffnung der
angefochtenen Verfügung einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
gehabt hat.
2.
Am 23. Januar 2019 (eingegangen am 25. Januar 2019) reichte die
Beschwerdeführerin ihre Replik ein (act. G 11). Sie führte im Wesentlichen aus, dass sie
nicht als vermittelbar gelten könne; die Beschwerdegegnerin ignoriere dies. Sie betonte
nochmals, dass sie in den Expertengesprächen kaum zu Wort gekommen sei. Die
Gerichtspraxis verlange die Nennung der Gesprächsdauer im Rahmen der
Begutachtung, um das rechtliche Gehör zu beweisen. Die Dauer der Expertise sei
pauschalisiert. Der Abklärungsbericht Haushalt, auf welchen sich die
Beschwerdegegnerin abstütze, sei über fünf Jahre alt. Zum Arbeitsprozess würde
dieser ohnehin noch nichts aussagen. Die Beschwerdegegnerin habe es unterlassen,
"den Expertenbeweis zu verifizieren" und "Hypothesen durch den Wahrheitsbeweis zu
komplementieren". Die Expertise werde im Widerspruch zum Gewaltenteilungsprinzip
zum Richter erkoren.
D.e.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 13).D.f.
Eine versicherte Person hat laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, wenn sie
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und wenn sie nach dem Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist. Für die Bemessung der Invalidität
wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
2.1.
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Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre. Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und
denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird laut
dem Art. 28a Abs. 2 IVG für die Bemessung der Invalidität in Abweichung vom Art. 16
ATSG darauf abgestellt, in welchem Umfang sie unfähig geworden sind, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen. Bei Versicherten, die teilweise erwerbstätig und
teilweise im Aufgabenbereich tätig gewesen sind, wird der Invaliditätsgrad für beide
Bereiche nach der jeweiligen Methode berechnet; die Teilinvaliditätsgrade werden nach
den Anteilen der Bereiche „gewichtet“ und dann addiert (sog. gemischte Methode; Art.
28a Abs. 3 IVG).
Vorab ist zu klären, anhand welcher Methode (Einkommensvergleich,
Betätigungsvergleich oder gemischte Methode) die Invaliditätsbemessung im
vorliegenden Fall vorzunehmen ist. Ob und gegebenenfalls in welchem Ausmass eine
versicherte Person auch ohne den Gesundheitsschaden im Aufgabenbereich tätig
wäre, ist nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts anhand der
hypothetischen Verhaltensweise der versicherten Person zu prüfen. Namentlich ist
abzuklären, ob die versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht
auf die gesamten Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art)
erwerbstätig oder im Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle
Notwendigkeit der Aufnahme oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige
Erziehungs- und Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person sowie deren
berufliche Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen massgebend sein. Die Statusfrage
beurteilt sich nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung
entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall
ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 146 E. 2c mit
Hinweisen; vgl. auch BGE 133 V 504 E. 3.3).
2.2.
Gemäss dem Bericht über die Haushaltsabklärung vom November 2013 (IV-act.
102) hat die Beschwerdeführerin angegeben, sie wäre ohne Behinderung zu 50 Prozent
als Hilfsarbeiterin an ihrem früheren Arbeitsplatz in einem Stickereibetrieb tätig. In
diesem Punkt vermag der Abklärungsbericht die hypothetische Erwerbsquote von 50
Prozent nicht mit dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
zu belegen. Die entsprechende Frage an die Beschwerdeführerin, wie sie vorgedruckt
2.3.
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im Abklärungsbericht wiedergegeben wird, ist zwar sehr einfach formuliert gewesen.
Eine überzeugende Antwort hätte aber sehr hohe Anforderungen an die
Abstraktionsfähigkeit und -leistung der Beschwerdeführerin gestellt. Die
Beschwerdeführerin hätte nämlich von ihrer seit langer Zeit anhaltenden
Gesundheitsbeeinträchtigung und damit von der effektiv bestehenden, belastenden
Situation abstrahieren und sich in einen fiktiven Zustand uneingeschränkter Gesundheit
versetzen müssen, um diese Fiktion dann in die komplexen Zusammenhänge ihrer
sozialen Situation (familiär, insbesondere bezüglich Kinderbetreuung, und finanziell,
insbesondere das tiefe Erwerbseinkommen und dann die noch tiefere AHV-Rente des
Ehemannes als einzige Einnahmenquelle) einzufügen. Erfahrungsgemäss unterbleibt
diese Abstraktionsleistung sehr häufig, entweder weil die versicherte Person die
Notwendigkeit dieser Fiktion nicht erkennen kann oder weil sie gar nicht fähig ist, sich
von ihrer effektiv bestehenden, aktuellen Lage zu lösen und sich eine Situation ohne
die Gesundheitsbeeinträchtigung vorzustellen. In solchen Fällen wird dann meist nicht
das hypothetische Erwerbspensum im fiktiven "Gesundheitsfall", sondern jenes
Erwerbspensum angegeben, das bis zum Eintritt der dauernden Arbeitsunfähigkeit real
bestanden hat und unter Umständen bereits durch die Gesundheitsbeeinträchtigung
beeinflusst gewesen ist. Hinzu kommt, dass oft den seit der faktischen Einstellung der
Erwerbstätigkeit eingetretenen Änderungen (wie z.B. der Pensionierung des Ehegatten
mit der damit einhergehenden Reduktion des Familieneinkommens) nicht Rechnung
getragen wird. Der Bericht über die Haushaltabklärung vom 14. November 2013 enthält
keinen Beleg dafür, dass die Beschwerdeführerin auf die Notwendigkeit hingewiesen
worden wäre, sich in die fiktive Situation bei einer vollständig erhaltenen Gesundheit
hineinzuversetzen, dass ihr aufgetragen worden wäre, dem Umstand Rechnung zu
tragen, dass der Aufwand für die Betreuung der Kinder laufend gesunken war, und
dass sie angehalten worden wäre, auch die – insbesondere nach der Pensionierung
des Ehemannes – sehr angespannte finanzielle Situation einzubeziehen. Hinzu kommt,
dass bei der Haushaltabklärung kein professioneller, unabhängiger Dolmetscher
eingesetzt worden ist. Damit ist nicht erstellt, dass die Übersetzung sowohl der Frage
(inklusive der dazu notwendigen Erläuterungen, falls die Abklärungsperson diese
überhaupt geliefert hat) als auch der Antwort vollständig, korrekt und unbeeinflusst
durch die persönliche Meinung der emotional beteiligten, übersetzenden Tochter
erfolgt ist. Die Abstraktionshöhe und die Komplexität des Gefragten, das Fehlen einer
korrekten Protokollierung von Frage und Antwort und der Einsatz einer möglicherweise
voreingenommenen Übersetzerin lassen es offensichtlich nicht zu, dem
entsprechenden Teil des Abklärungsberichts, nämlich der notierten Erwerbsquote im
hypothetischen "Gesundheitsfall" von 50 Prozent, einen ausreichenden Beweiswert
zuzumessen. Dies würde es an sich nahelegen, die Beschwerdeführerin erneut zu
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diesem Punkt zu befragen. Nun ist aber in antizipierender Beweiswürdigung davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin, ohne die notwendige Abstraktionsleistung
für den hypothetischen "Gesundheitsfall" erbracht zu haben, eine Erwerbsquote von
100 Prozent angeben würde. Die Beschwerdeführerin hat nämlich inzwischen Kenntnis
davon, dass die Anwendung der gemischten Methode für sie nachteilig sein muss.
Dem Ergebnis einer erneuten Befragung müsste also ein ausreichender Beweiswert
abgesprochen werden.
Unter diesen Umständen bleibt nur die Möglichkeit, den massgebenden
hypothetischen Sachverhalt anhand der realen, bereits objektiv nachgewiesenen
Sachverhaltselemente zu ermitteln. Die Beschwerdeführerin hat sich im März 2012 zum
Leistungsbezug angemeldet. Bezüglich des Beginns der Arbeitsunfähigkeit verweist
das medexperts-Gutachten (IV-act. 160-52) auf den Bericht des Psychiatriezentrums
D._ vom 7. September 2015 (IV-act. 173). Daraus ergibt sich (verknüpft mit den
Angaben in IV-act. 79-2 und IV-act. 90-18), dass die Beschwerdeführerin spätestens
seit November 2011 mindestens zu 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist. Unter der
Berücksichtigung des Wartejahrs (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) und des Aufschubs des
Rentenbeginns um sechs Monate (Art. 29 Abs. 1 IVG) ist der potentielle Rentenbeginn
auf den 1. November 2012 festzusetzen. Massgebend ist damit das fiktive
Arbeitspensum der Beschwerdeführerin im hypothetischen "Gesundheitsfall" im
Zeitraum vom 1. November 2012 bis 4. Oktober 2018. Der pensionierte Ehemann der
Beschwerdeführerin erhält monatlich eine bescheidene AHV-Rente von rund Fr.
1'300.--. Das ist das einzige Einkommen des Ehepaars A._, so dass der gemeinsame
Existenzbedarf nicht aus eigener Kraft gedeckt werden kann. Die Beschwerdeführerin
hat keinen Beruf erlernt, weshalb sie auch als Gesunde nur eine Hilfsarbeit ausüben
könnte. Damit würde sie nur ein bescheidenes Erwerbseinkommen erzielen, das
zusammen mit der AHV-Rente des Ehemannes nur dann den gemeinsamen
Existenzbedarf decken würde, wenn die Beschwerdeführerin zu 100 Prozent arbeiten
würde. Da die Kinder nur noch einer geringen (vom Ehemann zu erbringenden) und
dann gar keiner elterlichen Betreuung mehr bedurft haben, wäre die fiktiv gesunde
Beschwerdeführerin nicht gehindert gewesen, vollzeitlich erwerbstätig zu sein, zumal
der Ehemann den ganzen Tag Zeit gehabt hätte, den Haushalt zu besorgen. Unter
diesen Umständen muss davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin
ohne die gesundheitliche Beeinträchtigung zu 100 Prozent erwerbstätig wäre. Die
Invaliditätsbemessung hat somit anhand eines reinen Einkommensvergleichs zu
erfolgen.
2.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/20
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3.
Die Beschwerdeführerin hat keine berufliche Ausbildung absolviert; sie hat als
Hilfsarbeiterin in einem Stickereibetrieb gearbeitet. Dabei hat sie keine qualifizierten
Berufskenntnisse erworben. Die Akten enthalten keine Hinweise auf eine (erheblich)
über- oder unterdurchschnittliche Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin vor dem
Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung. Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin
als Hilfsarbeiterin im Stickereibetrieb einen unterdurchschnittlichen
Hilfsarbeiterinnenlohn erzielt hat, ist demnach auf die Zwänge des
invalidenversicherungsrechtlich nicht massgebenden tatsächlichen Arbeitsmarktes
zurückzuführen. Hätte sich ihr eine entsprechende Gelegenheit geboten, hätte die
Beschwerdeführerin eine besser entlöhnte Arbeitsstelle angenommen und damit einen
durchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohn erzielt. Die Validenkarriere muss deshalb in
der Ausübung einer durchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeit bestehen. Das
Valideneinkommen entspricht somit dem statistischen Zentralwert der
Hilfsarbeiterlöhne im Jahr 2012, nämlich Fr. 51'441.-- (vgl. die Lohnstrukturerhebung
des Bundesamts für Statistik, zusammengefasst im Anhang 2 der IV-Ausgabe der
Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019, wonach im Jahr 2012 der durchschnittliche
Hilfsarbeiterlohn Fr. 51'441.-- bzw. Fr. 4'287.-- pro Monat bei einer Wochenarbeitszeit
von 41,7 Stunden betragen hat).
3.1.
3.2.
Bei der Ermittlung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens
kommt den Auswirkungen der Gesundheitsbeeinträchtigung auf die Arbeitsfähigkeit in
der Regel eine zentrale Rolle zu. Zur Abklärung des Gesundheitszustandes ist die
medexperts ag von der Beschwerdegegnerin mit der Erstellung eines polydisziplinären
Gutachtens (IV-act. 160) beauftragt worden. Es ist zu prüfen, ob dem Gutachten ein
ausreichender Beweiswert zukommt bzw. ob die dort angegebene Arbeitsfähigkeit mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachvollziehbar belegt ist. Die
Sachverständigen der medexperts ag haben die Berichte der behandelnden Ärzte
eingehend erfasst und gewürdigt. Sie haben insbesondere auch die festgestellten
Diagnosen, die Beurteilungen sowie die Arbeitsfähigkeitsschätzungen der
behandelnden Ärzte dargestellt und sich damit auseinandergesetzt. Sie haben je eine
eigene persönliche Untersuchung der Beschwerdeführerin durchgeführt und die
subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin aufgenommen. In ihren Teilgutachten
haben sie den von ihnen erhobenen objektiven klinischen Befund anschaulich und
vollständig dargelegt. In der polydisziplinären Zusammenfassung haben sie ihre
3.2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/20
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Diagnosen und ihre versicherungsmedizinische Beurteilung detailliert wiedergegeben.
Sie haben ihre gemeinsame Arbeitsfähigkeitsschätzung für die angestammte und für
eine adaptierte Tätigkeit nachvollziehbar und basierend auf dem in den Teilgutachten
Ausgeführten vorgenommen und begründet. Ein Indiz dafür, dass die
Sachverständigen eine relevante Gesundheitsbeeinträchtigung übersehen oder nicht
hinreichend erfasst hätten, ist nicht ersichtlich; das Gutachten erweist sich als
umfassend. Die ausführlichen Befundschilderungen in allen Teilgutachten erlauben es
einem medizinischen Laien, die Schlussfolgerungen der Sachverständigen bezüglich
der Diagnosen und der Arbeitsfähigkeitsschätzung nachvollziehen. Auch im Hinblick
auf die von der Rechtsprechung ausgearbeiteten "Standardindikatoren" (BGE 141 V
281) ist das Gutachten als vollständig zu beurteilen. Die Sachverständigen haben sich
nämlich bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung auch mit den objektiven Einschränkungen
und Ressourcen der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt (vgl. BGE 141 V 281 E.
3.4.1 und 3.4.2, S. 291 ff.). Insgesamt finden sich damit in den Akten keine
Anhaltspunkte, die gegen die Zuverlässigkeit des medexperts-Gutachtens sprechen
würden. Für den Beweiswert eines Gutachtens kann es nicht auf die
Untersuchungsdauer ankommen. Massgebend ist vielmehr, ob das Gutachten
vollständig und im Ergebnis schlüssig ist. Daher ändert die im rheumatologischen und
im internistischen Teilgutachten fehlende Angabe der Dauer der Untersuchung nichts
an der Qualität und Vollständigkeit des Gutachtens. Auch der zuständige RAD-Arzt, Dr.
J._, hat am 01. Februar 2018 das Gutachten als umfassend und widerspruchsfrei
qualifiziert (IV-act. 162).
Eine Verletzung des Art. 6 EMRK ist nicht zu erkennen; die Beschwerdeführerin
ist im Rahmen des Gutachtens ausführlich zu sämtlichen Punkten befragt worden. Im
Zuge der Anamneseerhebung und der Ermittlung der Symptome durch die
Sachverständigen ist der Beschwerdeführerin stets das Wort erteilt worden; andernfalls
hätte das Gutachten als solches gar nicht erstellt werden können. Weiter war die
Beschwerdeführerin am 18. Oktober 2017, also rund 2,5 Monate vor der Untersuchung,
über die Gutachterstelle und die Sachverständigen informiert worden (IV-act. 157). Sie
war darauf hingewiesen worden, dass Einwendungen gegen die Sachverständigen
schriftlich an die Beschwerdegegnerin einzureichen seien. Eine solche Einwendung ist
nicht erfolgt. Weiter ist der Beschwerdeführerin im Vorbescheidsverfahren nochmals
die Gelegenheit gegeben worden, sich zu äussern.
3.2.2.
Rechtsprechungsgemäss hat das Sozialversicherungsgericht auf den bis zum
Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen
(BGE 139 V 335 E. 6.2). Später eingetretenen Tatsachen ist nicht im Rahmen des
3.2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/20
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hängigen Beschwerdeverfahrens, sondern im Rahmen eines allfälligen späteren
Verwaltungsverfahrens Rechnung zu tragen. Sind später eingetretene, mit dem
Streitgegenstand in einem engen Sachzusammenhang stehende Tatsachen indes
geeignet, die Beurteilung des im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung bestehenden
Sachverhalts zu beeinflussen, so sind sie im laufenden Verfahren zu berücksichtigen
(Entscheid 8C_357/2016 des Bundesgerichts vom 7. Oktober 2016, E. 3.2 und
Entscheid 9C_67/2012 des Bundesgerichts vom 4. Juli 2012, E. 2.2). Aus dem
nachträglich eingereichten Arztbericht von Dr. E._ vom 20. November 2018 (IV-act.
188) ergeben sich keine neuen Tatsachen, sondern lediglich bereits Bekanntes. Er
enthält folglich nichts, das bei der Überprüfung der angefochtenen Verfügung zu
berücksichtigen wäre. Dieser Bericht ist damit nicht geeignet, die Beurteilung im
Verfügungszeitpunkt zu beeinflussen.
Die Invalidenkarriere besteht infolge mangelnder Ausbildung in der Verrichtung von
Hilfsarbeiten, die in körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten mit
entsprechenden qualitativen Einschränkungen: Kein andauerndes Stehen, kein
regelmässiges Treppensteigen, keine Tätigkeiten über Schulterhöhe links und kein
häufiges Bücken oder Arbeiten in stärker vorgeneigter Zwangshaltung, bestehen
können (IV-act. 160-53). Von beruflichen Eingliederungsmassnahmen kann keine
rentensenkende oder gar rentenausschliessende Wirkung erwartet werden, denn eine
(notwendigerweise) höherwertige Umschulung wäre zum Scheitern verurteilt, weil die
Beschwerdeführerin damit offensichtlich überfordert und zudem durch ihre Krankheit
und Arbeitsunfähigkeit nicht ausreichend ausbildungs- bzw. umschulungsfähig wäre.
Der Ausgangswert zur Ermittlung des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens entspricht daher dem Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne. Dieser
hat sich im Jahr 2012 auf Fr. 51'441.-- belaufen (vgl. die Lohnstrukturerhebung des
Bundesamts für Statistik, Anhang 2 der IV-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV,
Ausgabe 2019). Für die Beantwortung der Frage, ob im Einzelfall ein
Tabellenlohnabzug zu berücksichtigen ist, muss geprüft werden, ob ein strikt
betriebswirtschaftlich-ökonomisch denkender potentieller Arbeitgeber, der selbst dem
rauen Wind der freien Marktwirtschaft ausgesetzt ist, der versicherten Person den nur
dem Arbeitsfähigkeitsgrad entsprechend reduzierten Zentralwert bezahlen würde. Das
wäre nur dann der Fall, wenn die versicherte Person ihre Restarbeitsfähigkeit so
verwerten könnte, dass der Wert ihrer Arbeitsleistung betriebswirtschaftlich-
ökonomisch betrachtet jenem einer gesunden, durchschnittlich leistungsfähigen
Person entsprechen würde, die im selben Pensum angestellt wäre. Kann die (über
einen längeren Zeitraum gemittelt x Prozent betragende) Arbeitsleistung der
versicherten Person krankheits- oder unfallbedingt erheblichen Schwankungen
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/20
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4.
Selbst wenn die gemischte Methode Anwendung finden sollte, gibt es – entgegen der
Ansicht des Bundesgerichts – keine Schadenminderungspflicht durch den Beizug von
Familienangehörigen. Die Invalidität besteht nämlich in der behinderungsbedingten
Einbusse an persönlicher Leistungsfähigkeit der versicherten Person und nicht etwa in
der (teilweisen) Unfähigkeit des aus der versicherten Person und den
Familienangehörigen bestehenden „Teams“, den Haushalt zu erledigen. Nicht die
Familie der versicherten Person – oder gar deren Haushalt – ist invalid, sondern die
versicherte Person. Die Einschränkung im Haushalt muss deshalb unabhängig von der
Verfügbarkeit von mithelfenden Familienangehörigen bemessen werden. Keine
Berücksichtigung finden dürfen allerdings jene Hausarbeiten, die Angehörige auch
dann ausführen würden, wenn die versicherte Person nicht in ihrer Gesundheit
beeinträchtigt wäre. Diese Arbeiten müssen sowohl auf der Validen- als auch auf der
Invalidenseite des Betätigungsvergleichs ausgeblendet werden. Darüber hinaus
erscheint es auch als fraglich, ob einer versicherten Person gestützt auf das Verhalten
ihrer Familienangehörigen und damit eines nicht in ihrem Einflussbereich liegenden
Umstandes (Ausübung einer Mithilfe im Aufgabenbereich) eine Leistung verweigert
oder aufgehoben werden kann (vgl. BGE 142 V 442 E. 6.2 S. 447 und Entscheid
IV 2014/350 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 2. Dezember 2016, E. 2.2.1).
Ausserdem wäre vor Erlass der Verfügung aufgrund der langen Zeitspanne von der
letzten Haushaltsabklärung im November 2013 bis zum Verfügungszeitpunkt im
Oktober 2018 eine Verlaufsabklärung notwendig gewesen.
unterliegen, ist die versicherte Person also nicht in der Lage, ihre Arbeitsleistung
konstant zuverlässig und damit im Voraus planbar zu erbringen, besteht das Risiko von
vermehrten unerwarteten krankheitsbedingten Absenzen oder liegen ähnliche Gründe
vor, die den betriebswirtschaftlich-ökonomischen Wert der Arbeitsleistung der
versicherten Person schmälern, muss ein Tabellenlohnabzug vorgenommen werden,
damit keine Soziallohnkomponente in die Invaliditätsbemessung einfliesst.
Praxisgemäss erscheint deshalb bei Personen mit einer depressiven Störung ein
Tabellenlohnabzug von 15 Prozent als angemessen. Unter Berücksichtigung der
Restarbeitsfähigkeit von 50 Prozent und des Tabellenlohnabzuges von 15 Prozent
resultiert hier ein zumutbarerweise erzielbares Invalideneinkommen von Fr. 21'862.43
(= 51'441.-- x 0.50 x 0.85). Damit ergibt sich für die Zeit ab November 2012 ein
Invaliditätsgrad von 57,50 bzw. 58 Prozent (= [51'441.00 – 21'862.43] ÷ 51'441.00). Die
Beschwerdeführerin hat also mit Wirkung ab 1. November 2012 einen Anspruch auf
eine halbe Rente. Die Beschwerdegegnerin wird die Höhe der halben Invalidenrente zu
ermitteln haben. Dazu ist die Sache an sie zurückzuweisen.
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5.