Decision ID: 9c9e65a1-2d02-48c7-bf2f-e3cb6065df0d
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, gebo
ren
1968 beziehungsweise
1970
,
meldete sich am 1
7.
März 2009 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
(berufliche Integration/ Rente)
an (
Urk.
9/2)
. Am 1
9.
Mai
2009 ersuchte sie ferner
um Abgabe eines Hör
gerätes (
Urk.
9/12). Die Sozialversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation (
Urk.
9/6-8;
Urk.
9/11;
Urk.
9/14-17;
Urk.
9/19;
Urk.
9/21
;
Urk.
9/33-34;
Urk.
9/36
)
ab
und erteilte der Versicherten Kostengutsprache für
die
Anpassung des
Hörgeräte
s
(vgl. Mittei
lung vom 1
9.
Oktober
2009,
Urk.
9/26).
Mit Verfügung vom 2
1.
April
2010 (
Urk.
9/38) verneinte
sie
zwar
einen
Anspruch
der Versicherten
auf berufliche Mass
nahmen und eine Invalidenrente
, erteilte ihr allerdings am 2
7.
April 2010 Kostengutsprache für zwei Hörgeräte (
Urk.
9/39).
1.2
Am 1
6.
Februar
2015
meldete sich die Versichert
e erneut zum Leistungsbezug an,
wobei die Anmeldung erst am 1
8.
November 2015 bei der
IV-Stelle
einging (vgl.
Urk.
9
/47-
48
).
Im Januar
2017 ersuchte sie
wieder
um Abgabe eines Hör
gerätes (
Urk.
9/75).
Die IV-Stelle tätigte Abklärungen der medizinischen und erwerblichen Situation (
Urk.
9/51-52;
Urk.
9/54-55;
Urk.
9/68;
Urk.
9/70-71;
Urk.
9/7
4) und
veranlasste
insbesondere
eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt, über welche am 2
8.
Februar
2017 be
richtet wurde (
Urk.
9/82). Mit Mitteilung vom 2
0.
April
2017 (
Urk.
9/90)
sprach
sie
der Versicherten
schliesslich
eine
binaurale Hörgerätepauschale zu.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/85;
Urk.
9/92;
Urk.
9/95-96) verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 2
8.
Juni 2017 (
Urk.
9/99 =
Urk.
2) einen Leistungsanspruch der Versicherten.
2.
Die Versicherte erhob am
4.
September
2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
8.
Juni
2017 (
Urk.
2)
und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihr die
gesetzlichen
Leistungen zuzusprechen. Eventuell seien
eine
Begutach
tung
und
eine
erneute
Haushaltsabklärung durchzuführen (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
Oktober 2017 (
Urk.
7) die Rückweisung zur weiteren
medizinischen
Abklärung. Mit Stellungnahme vom 2
7.
November
2017 (
Urk.
12) schloss sich die Beschwerdeführerin
diesem Antrag
an, was der Beschwerdegegnerin am 2
8.
November
2017 zur Kenntnis ge
bracht wurde (
Urk.
13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) in Verbindung mit Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) prüft der Versicherungsträger die Begeh
ren der versicherten Person, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein. Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (Art. 43 Abs. 2 ATSG).
In Ergänzung und Präzisierung zu Art. 43 Abs. 1 ATSG hält Art. 69 Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) fest, dass die IV-Stelle, wenn
die versicherungsmässigen Voraussetzungen erfüllt sind, die erforderlichen Unter
lagen, insbesondere über den Gesundheitszustand, die Tätigkeit, die Arbeits- und Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person sowie die Zweckmässigkeit bestimmter Eingliederungsmassnahmen beschaffen und zu diesem Zwecke Be
richte und Auskünfte verlangen, Gutachten einholen, Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen sowie Spezialisten der öffentlichen oder privaten Invaliden
hilfe beiziehen kann.
1.
2
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Verfahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Be
gehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der entscheidrelevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bun
desgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) fest,
dass die Beschwerdeführerin
seit November
2015 in ihrer Arbeitsfähigkeit ein
geschränkt
sei
. Bis Juli 2016 habe eine volle Arbeitsunfähigkeit vorgelegen. Seit August 2016 sei ihr eine 60%ige Tätigkeit
wieder
zumutbar. Sie sei als zu 50
%
Erwerbstätige und zu 50
%
im Haushalt Tätige zu qualifizieren.
Eine gesund
heit
liche Einschränkung liege
weder
im Erwerbsbereich
noch
in der Haus
halts
führung
vor
. Demnach bestehe kein Anspruch auf Leistungen der Invali
den
versicherung (S. 1 f.).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (
Urk.
1),
aufgrund der
medizinischen Beurteilungen
sei belegt
, dass sich ihr gesundheitli
cher
Zustand laufend verschlechtere. Zwar habe die Aufnahme der
Peritoneal
di
a
lyse
vorübergehend zu einer gewissen Stabilisierung geführt.
I
m Rahmen der ter
minalen Niereninsuffizie
nz
seien jedoch laufend neue Befunde
erhoben wor
den
, aufgrund welcher sie
spätestens seit dem Bericht des
Y._
vom April 2017
als zu 100
%
arbeitsunfähig gelte
.
Obwohl dieser Bericht damals bereits vorgelegen habe, habe der
Regionale Ärztliche Dienst (RAD)
hierzu
keine Stellung genommen
und d
adurch
ihr rechtliches Gehör ver
letzt
. Die durch den RAD vorgenommene Beur
teilung sei nicht mehr aktuell
. Falls der medizinische Sachverhalt als unvollständig erachtet werde,
beantrage sie eine Begutachtung
(S. 6 ff.). Schliesslic
h widerspreche die Annahme einer
50%igen
Erwerbstätigkeit
im Gesundheitsfall den medizinischen Akten.
U
m den Lebens
unterhalt
ihrer
Familie zu sichern
, müsste sie einem Vollzeitpensum nachgehen
. Auf
die anlässlich der Haushaltsabklärung gemachten
Aussagen könne mangels genügender Deutschkenntnisse nicht abgestellt werden.
Selbst
die Beschwerde
gegnerin sei
davon
abgewichen. Die gemischte Methode komme demnach nicht zur Anwendung (S. 9 ff.).
2.3
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
7
) beantragte die Beschwerdegegnerin
die Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung
, da der RAD
den Bericht des
Y._
vom April 2017 übersehen
habe und a
ufgrund d
ieses Berichtes
weitere Ab
klärungen nötig
seien
. Hinsichtlich der Qualifikation der Beschwerdeführerin
werde
auf den Abklärungsbericht
verw
i
e
sen. Es bestünden keine Hinweise auf Verständigungsprobleme oder mangelnde Deutschkenntnisse. Die finanziellen Verhältnisse seien lediglich ein Indiz für die Beurteilung der Statusfrage (S. 1 f.).
2.4
Die Beschwerdeführerin
schloss
sich
daraufhin
dem Antrag auf
Rückweisung zur weite
ren Abklärung an und beantragte dabei
, dass nebst den ergänzenden medizinischen Abklärungen auch eine erneute Überprüfung der Statusfrage an
zuordnen sei (
Urk.
12 S. 1 ff.).
2.5
Nachdem in Bezug auf die
Rückweisung zur weiteren
medizinischen
Abklärung übereinstimmende Anträge vorliegen und diese mit der Akten- und Rechtslage im Einklang stehen, ist die Beschwerde
in dem Sinne gutzuheissen, dass die vorliegend angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese
die notwendigen Abklärun
gen vornehme und
hernach
über den
Leistungsanspruch der
Beschwerdeführer
in
neu verfüge.
Da der medizinische Sachverhalt noch offen ist, erübrigen sich
zum
jetzigen Verfahrens
zeitpunkt
Weiterungen zur Statusfrage.
3.
3.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
4
00.
--
anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
3.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Prozessentschädigung ist gemäss
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
GSVGer
– ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien und beim
für Rechtsanwälte
gerichtsüblichen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich
MWSt
) ist die Prozessen
ts
chädigung vorliegend auf
Fr.
2‘6
00.--
(inkl. Barauslagen und MWSt) festzusetzen.