Decision ID: 046da142-7acf-40cf-83b5-04ad591a4697
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ ist seit 1. Juli 2018 als Selbstständigerwerbender im Bereich B._ bei der
Ausgleichskasse der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (nachfolgend:
Ausgleichskasse) erfasst (act. G 4.1/12.3). Gestützt auf die Selbstangaben in der
Anmeldung vom 29. Juni 2018 ging die Ausgleichskasse für den Zeitraum von Juli bis
Dezember 2018 von einem anteilsmässigen sowie um die aufzurechnenden
persönlichen Beiträge ergänzten beitragspflichtigen Einkommen von Fr. 26'400.-- aus
und setzte die provisorischen Sozialversicherungsbeiträge (AHV/IV/EO/FAK) auf
Fr. 1'807.50 fest (inkl. Verwaltungskosten [act. G 4.1/1.4 und 12.2]).
A.a.
Am 28. Januar 2019 setzte die Ausgleichskasse das beitragspflichtige Einkommen
für das Jahr 2019 auf Basis der Vorjahresperiode auf Fr. 54'500.--, die Akontobeiträge
AHV/IV/EO/FAK auf Fr. 5'734.20 fest (inkl. Verwaltungskosten [act. G 4.1/14.1]). Am
15. Februar 2019 meldete der Versicherte der Ausgleichskasse auf dem dafür
vorgesehenen Formular, er werde 2019 voraussichtlich ein Einkommen von
Fr. 80'000.-- erzielen. Gleichzeitig teilte er mit, das Einkommen 2018 weiche um mehr
als 25 Prozent vom bisherigen Einkommen ab; es sei auf Fr. 85'000.-- festzusetzen
(act. G 4.1/15.1). In der Folge nahm die Ausgleichskasse die entsprechenden
Anpassungen vor und setzte die provisorischen AHV/IV/EO/FAK-Beiträge 2018 (Juli bis
A.b.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Dezember) auf Fr. 4'103.05, jene für das Jahr 2019 auf Fr. 9'596.20 fest (jeweils inkl.
Verwaltungskosten [act. G 4.1/16.1 und 18.1]).
Mit Mitteilung vom 13. Januar 2020 setzte die Ausgleichskasse die Akontobeiträge
für das Jahr 2020 auf Basis der Vorjahresperiode auf Fr. 88'800.-- und die
Akontobeiträge auf Fr. 10'166.70 fest (inkl. Verwaltungskosten), worauf der Versicherte
am 26. Februar 2020 per Formular mitteilte, das voraussichtliche Einkommen 2020
betrage Fr. 40'000.--, jenes für 2019 Fr. 100'000.-- (act. G 4.1/23.1 und 24.1). Auf Basis
dieser Selbstangaben korrigierte die Ausgleichskasse die Akontobeiträge 2019 auf
Fr. 11'938.90, jene für 2020 auf Fr. 3'873.65 (jeweils inkl. Verwaltungskosten [act.
G 4.1/26.1 und 28.1]).
A.c.
Am 27. April 2020 stellte der Versicherte bei der Ausgleichskasse einen Antrag auf
Corona Erwerbsersatzentschädigung für den Zeitraum vom 17. März 2020 bis zum
16. Mai 2020. Sein Betrieb habe zwar nicht auf Grund einer Anordnung des Bundes
schliessen müssen (Härtefall). Als Selbstständigerwerbender im B._ sei er aber direkt
vom Reiseverbot betroffen. Er könne zwar mit möglichen Kunden telefonieren,
Abschlüsse kämen in seiner Branche allerdings nur zustande, wenn er vor Ort bei den
Kunden sein könne. Somit habe er während des Fortbestehens des Reiseverbots keine
Möglichkeit auf Neugeschäfte. Insgesamt rechne er bis zum Ende des Jahres 2020 mit
Mindereinnahmen von 70 - 80 % im Vergleich zu den Vorjahren. Parallel dazu sei ihm
die Angestelltentätigkeit mit Festgehalt bei der C._AG per 30. April 2020 ebenfalls
wegen der Coronakrise gekündigt worden, welche Einnahmen er somit ebenfalls zu
100 % verliere (act. G 4.1/29).
A.d.
Mit formloser Mitteilung vom 29. April 2020 wies die Ausgleichskasse den Antrag
auf Corona-Erwerbsersatz ab, da der Antragsteller keinen Erwerbsausfall infolge einer
Betriebsschliessung erleide und sein beitragspflichtiges Einkommen über Fr. 90'000.--
liege. Damit erfülle er keines der Anspruchskriterien (act. G 4.1/30).
A.e.
Mit als "Einspruch" gekennzeichneter Eingabe vom 8. Mai 2020 (Eingangsstempel
Ausgleichskasse vom 13. Mai 2020) machte der Versicherte erneut geltend, er sei vom
Reiseverbot betroffen, da er seine ausschliesslich ausländischen Kunden nicht mehr
vor Ort besuchen könne. Er habe das Einkommen 2019 von Fr. 100'000.-- nicht
A.f.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gemeldet, sondern die Ausgleichskasse habe diesen Betrag als sein voraussichtlich
beitragspflichtiges Jahreseinkommen festgelegt. Diese Zahlen basierten auf keinen
Vergleichszahlen der Vorjahre, weil er erst Mitte 2018 in die Schweiz gekommen sei.
Als Neuzuzüger sei ihm nicht bekannt gewesen, dass er schon für 2018 und 2019 eine
Reduzierung des voraussichtlich beitragspflichtigen Jahreseinkommens hätte
beantragen können. Stattdessen habe er in beiden Jahren seine Vorauszahlungen auf
zu hohen Summen geleistet. Dies sollte ihm bei der Festlegung der Corona-
Erwerbsersatzentschädigung nicht zum Nachteil ausgelegt werden (act. G 4.1/32.1).
Mit Verfügung vom 2. Juni 2020 wies die Ausgleichskasse das Gesuch um
Ausrichtung einer Corona-Erwerbsersatzentschädigung formell unter Wiederholung der
Begründung gemäss Mitteilung vom 29. April 2020 ab (act. G 4.1/34). Diese Verfügung
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.g.
Mit erneutem Antrag vom 16. September 2020 machte der Versicherte einen
(unbefristeten) Anspruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung ab dem 17. März
2020 geltend, diesmal wegen Betriebseinstellung (act. G 4.1/35). Mit Mitteilung vom
15. Oktober 2020 wies die Ausgleichskasse den Antrag wiederum mit der Begründung
ab, dass der Versicherte keinen Erwerbsausfall infolge Betriebsschliessung erleide und
sein gemeldetes beitragspflichtiges Einkommen 2019 über Fr. 90'000.-- liege (act.
G 4.1/36). Nachdem das Treuhandbüro des Versicherten am 3. Dezember 2020 eine
anfechtbare Verfügung verlangt hatte, erliess die Ausgleichskasse am 4. Dezember
2020 eine gleichlautende einsprachefähige Verfügung (act. G 4.1/38 f.).
A.h.
Am 29. Oktober 2020 orientierte der Treuhänder die Ausgleichskasse über die
Einstellung der selbstständigen Erwerbstätigkeit (act. G 4.1/37).
A.i.
Am 14. Dezember 2020 reichte der Versicherte abermals ein Gesuch um
Ausrichtung einer Corona-Erwerbsersatzentschädigung ein, diesmal für den Zeitraum
vom 17. September 2020 bis zum 31. Oktober 2020, unter Hinweis auf eine
wesentliche Einschränkung mit einhergehendem Erwerbsausfall (act. G 4.1/42).
A.j.
Mit Einsprache vom 21. Dezember 2020 gegen die Verfügung vom 4. Dezember
2020 machte der Einsprecher geltend, er habe am 26. Februar 2020 irrtümlich das
Einkommen 2019 rückwirkend auf Fr. 100'000.-- anpassen lassen. Dabei handle es
A.k.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
sich um die Gesamteinnahmen, nicht um den Reingewinn bzw. das
Erwerbseinkommen für das Jahr 2019. Der voraussichtliche Gewinn sei vergleichbar
mit demjenigen aus dem Jahr 2018 (act. G 4.1/43).
Mit Entscheid vom 24. März 2021 wies die Ausgleichskasse die Einsprache gegen
die Verfügung vom 4. Dezember 2020 ab. Der Erwerbszweig des Einsprechers habe
nicht zwangsweise schliessen müssen, sondern sei indirekt von den Massnahmen des
Bundesrates betroffen gewesen, weshalb das Gesuch als sogenanntes Härtefallgesuch
zu behandeln sei. Der Einsprecher habe für die Akontobeiträge 2019 ein
voraussichtliches Erwerbseinkommen von Fr. 100'000.-- gemeldet, woraus ein AHV-
pflichtiges Einkommen von Fr. 110'600.-- resultiert habe. Dagegen habe er sich nicht
gewehrt. Ob die Meldung irrtümlich erfolgt sei, könne die Kasse nicht abschätzen,
sondern sie habe sich auf die Angaben des Einsprechers zu verlassen. Ausserdem
frage die Ausgleichskasse jeweils nach dem Einkommen und nicht nach dem Umsatz.
Bis zum 16. September 2020 habe auch keine definitive Steuermeldung für das Jahr
2019 vorgelegen. Damit habe das AHV-pflichtige Einkommen die Grenze von
Fr. 90'000.-- überstiegen, womit der Bezug einer Corona-Erwerbsausfallentschädigung
für Härtefälle für die Zeit vom 17. März 2020 bis zum 16. September 2020 nicht
möglich sei (act. G 4.1/50).
A.l.
Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 28. April
2021 mit den sinngemässen Anträgen auf dessen Aufhebung und die nachträgliche
Gutheissung der Erwerbsersatzentschädigung. Wie aus den Jahresrechnungen
(Erfolgsrechnungen) 2018 und 2019 ersichtlich sei, habe das Erwerbseinkommen bei
Fr. 56'337.12 bzw. bei Fr. 56'475.92 gelegen und der Umsatz bei Fr. 102'930.14 resp.
bei Fr. 103'083.73. Da er kein Finanzfachmann sei, habe er den Umsatz statt des
voraussichtlichen Einkommens deklariert. Zudem habe für die Steuerveranlagung 2018
der Entscheid der Verwaltungsrekurskommission vom 23. November 2020 abgewartet
werden müssen. Ab Frühjahr 2020 hätten keine Geschäftsreisen mehr stattfinden
können, da die Grenzen geschlossen gewesen seien, wobei er in den vergangenen
zwei Jahrzehnten seine Umsätze ausschliesslich mit ausländischen Vereinen generiert
habe. Da bei der B._ der persönliche Kontakt unerlässlich sei, seien für ihn die
B.a.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Erwägungen
1.
Massnahmen des Bundes einer Betriebsschliessung gleichgekommen, so dass er nach
zwei erfolgreichen Jahrzehnten im Jahr 2020 nicht einmal mehr 25 % Umsatz im
Vergleich zu allen Vorjahren habe erzielen können (act. G 1).
Mit Eingabe vom 7. Juni 2021 verzichtet die Beschwerdegegnerin auf eine
Stellungnahme und beantragt unter Verweis auf die Erwägungen im
Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G 4).
B.b.
Am 9. Dezember 2021 holt das Versicherungsgericht beim Beschwerdeführer
weitere Akten ein (Buchhaltung 2019 und definitive Steuerveranlagung 2019 [act.
G 7 f.]).
B.c.
Anspruchsberechtigt für eine Corona-Erwerbsausfallentschädigung sind unter
anderem Selbstständigerwerbende im Sinne von Art. 12 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (SR 830.1; abgekürzt: ATSG), die auf
Grund einer Massnahme nach Art. 6 Abs. 1 und 2 der COVID-19-Verordnung 2
(Betriebsschliessung, Veranstaltungsverbot) einen Erwerbsausfall erleiden und im Sinn
des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (SR 831.10;
abgekürzt: AHVG) obligatorisch versichert sind (Art. 2 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 2
Abs. 1bis lit. c der Verordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im
Zusammenhang mit dem Coronavirus [COVID-19 [SR 830.31; abgekürzt: COVID-19-
Verordnung Erwerbsausfall]] in der bis 16. September 2020 gültig gewesenen,
vorliegend anwendbaren Fassung).
1.1.
Selbstständigerwerbende im Sinn von Art. 12 ATSG, die nicht unter Abs. 3 fallen,
sind anspruchsberechtigt, wenn sie auf Grund der bundesrätlichen Massnahmen zur
Bekämpfung des Coronavirus (ohne von einer Betriebsschliessung oder einem
Veranstaltungsverbot betroffen gewesen zu sein [sogenannter "Härtefall"]) einen
Erwerbsausfall erleiden und ihr für die Bemessung der Beiträge der AHV
massgebendes Einkommen für das Jahr 2019 zwischen Fr. 10'000.-- und Fr. 90'000.--
liegt (Art. 2 Abs. 3bis COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall). Die Voraussetzung von
Abs. 1bis lit. c der COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall gilt auch für diese
Selbstständigerwerbenden.
1.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.
Für die Bemessung der Höhe der Entschädigung ist auf Art. 5 der COVID-19-
Verordnung Erwerbsausfall abzustellen. Demnach beträgt das Taggeld 80 % des
durchschnittlichen Erwerbseinkommens, das vor Beginn des Anspruchs auf die
Entschädigung erzielt worden war (Abs. 1), wobei zur Ermittlung des Einkommens Art.
11 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende, bei
Mutterschaft und bei Vaterschaft (SR 834.1; abgekürzt: EOG) sinngemäss anwendbar
ist (Abs. 2 Satz 1). Nach der Festlegung der Entschädigung kann eine Neuberechnung
der Entschädigung nur vorgenommen werden, wenn eine aktuellere Steuerveranlagung
bis zum 16. September 2020 der anspruchsberechtigten Person zugestellt wird und
diese den Antrag zur Neuberechnung bis zu diesem Datum einreicht (Abs. 2 Satz 2).
Grundlage für die Bemessung der Entschädigung für selbstständig Erwerbende bildet
somit grundsätzlich das Erwerbseinkommen, welches im Jahr 2019 erzielt wurde. Als
Basis ist das Einkommen zu verwenden, welches für die Festsetzung der
Beitragsrechnungen für das Jahr 2019 (Akontorechnungen) herangezogen wurde. Liegt
im Zeitpunkt der Festsetzung der Entschädigung die definitive Steuerveranlagung für
das Jahr 2019 bereits vor, ist auf diese abzustellen (Kreisschreiben des Bundesamtes
für Sozialversicherungen [BSV] über die Entschädigung bei Massnahmen zur
Bekämpfung des Coronavirus - Corona-Erwerbsersatz [abgekürzt: KS CE] Randziffer
[Rz] 1065 ab der dritten Fassung, gültig ab 13. Mai 2020).
1.3.
Der Versicherungsträger kann auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn
ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 ATSG).
1.4.
Der Beschwerdeführer hat sich gemäss Aktenlage insgesamt dreimal zum Bezug
einer Corona-Erwerbsausfallentschädigung angemeldet. Im ersten Gesuch vom 27.
April 2020 für den Zeitraum vom 17. März 2020 bis zum 16. Mai 2020 machte er einen
Anspruch gemäss der so genannten Härtefallregelung (Art. 2 Abs. 3bis COVID-19-
Verordnung Erwerbsausfall) geltend (act. G 4.1/29). Im zweiten Gesuch vom 16.
September 2020 für den Zeitraum ab 17. März 2020 unbefristet berief er sich auf die
faktische Schliessung seines Betriebs und somit auf einen Anspruch auf Grund einer
behördlich angeordneten Betriebsschliessung oder eines Veranstaltungsverbots (Art. 2
Abs. 3 COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall [act. G 4.1/35]). In der dritten Anmeldung
vom 14. Dezember 2020 beantragte er Corona-Erwerbsausfallentschädigung ab dem
17. September 2020 bis zum 31. Oktober 2020 unter Hinweis auf eine wesentliche
Einschränkung seiner Erwerbstätigkeit mit einhergehendem Erwerbsausfall (act.
2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
G 4.1/42). Die Behandlung dieses Gesuchs war nicht Gegenstand des
Einspracheentscheides und ist im vorliegenden Verfahren nicht zu beurteilen.
Die Beschwerdegegnerin hat mit Verfügung vom 2. Juni 2020 bereits die
Anmeldung vom 27. April 2020 umfassend geprüft und einen Anspruch sowohl unter
dem Titel des Art. 2 Abs. 3 als auch des Art. 2 Abs. 3bis COVID-19-Verordnung
Erwerbsausfall verneint (kein Erwerbsausfall infolge Betriebsschliessung und
gemeldetes beitragspflichtiges Jahreseinkommen 2019 grösser als Fr. 90'000.--). Diese
Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft (act. G 4.1/34). Indem die
Beschwerdegegnerin das vorliegend zu beurteilende Gesuch vom 16. September 2020
(act. G 4.1/35) erneut materiell geprüft und wiederum das Erfüllen der
Anspruchsvoraussetzungen sowohl mangels Erwerbsausfalls infolge einer
Betriebsschliessung als auch eines Fr. 90'000.-- übersteigenden beitragspflichtigen
Jahreseinkommens verneint hat, ist - auch zu Gunsten des Beschwerdeführers - davon
auszugehen, dass sie die erneute Anmeldung als Wiedererwägungsgesuch
entgegengenommen, das Vorhandensein der Wiedererwägungsvoraussetzungen
implizit verneint und erneut einen ablehnenden materiellen Entscheid gefällt hat. Das
Versicherungsgericht hat deshalb nur zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin das
Wiedererwägungsgesuch zu Recht abgewiesen hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
2. März 2012, 9C_908/2011, E. 2.2 mit Hinweisen u.a. auf BGE 119 V 479 E. 1b/cc).
2.2.
Die Beschwerdegegnerin hat das Gesuch vom 16. September 2020 zunächst
implizit mit dem Hinweis abgewiesen, dass der Erwerbszweig der B._ nicht nach Art.
6 Abs. 2 COVID-19-Verordnung 2 zwangsweise habe schliessen müssen. Dies trifft zu,
fällt doch dieser Erwerbszweig augenscheinlich nicht unter die in dieser Bestimmung
genannten, öffentlich zugänglichen Einrichtungen (was der Beschwerdeführer selber
auch damit zum Ausdruck brachte, dass er im Gesuch bei der Frage nach der Art der
öffentlichen Einrichtung "andere" angab [act. G 4.1/35.1]). Der Beschwerdeführer
macht zwar geltend, das Einbrechen des Geschäfts mit ausländischen Vereinen auf
Grund der ausgefallenen D._-spiele und der Tatsache, dass die Verantwortlichen
ebenfalls zu Hause im Lockdown waren, käme für ihn einer Betriebsschliessung gleich.
Dies mag zwar von der Wirkung her zutreffen. Indessen ändert dies nichts daran, dass
sein Betrieb eben gerade nicht unmittelbar unter die Anordnung zur
Betriebsschliessung gemäss Art. 6 Abs. 2 COVID-19-Verordnung 2 fiel. Dies umso
weniger, als der Beschwerdeführer seinen Umsatz nach eigenen Angaben
ausschliesslich im Ausland erzielte (Beschwerde, act. G 1), die dortigen Lockdowns
jedoch nicht auf Grund von Massnahmen der schweizerischen Behörden erfolgten. Der
Betrieb des Beschwerdeführers fiel sodann nicht unter das Veranstaltungsverbot
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gemäss Art. 6 Abs. 1 COVID-19-Verordnung 2, führte doch der Beschwerdeführer
selber keine öffentlichen oder privaten (Sport-)Veranstaltungen durch. Schliesslich ist
seine Geschäftstätigkeit auch nicht als Vereinsaktivität zu qualifizieren.
Mit der Beschwerdegegnerin ist weiter festzustellen, dass der Beschwerdeführer
mit seiner selbstständigen Erwerbstätigkeit unter Art. 2 Abs. 3bis COVID-19-
Verordnung Erwerbsausfall (Härtefall) fällt, soweit die bundesrätlichen Massnahmen zur
Bekämpfung des Coronavirus kausal für den geltend gemachten Erwerbsausfall waren.
Nachdem die zuletzt mit Mitteilung vom 5. März 2020 festgesetzten - und damit
massgebenden - Akontobeiträge 2019 auf einem beitragspflichtigen Einkommen von
Fr. 110'600.-- beruhten (act. G 4.1/26.1), ist die in der genannten Bestimmung
vorgesehene Einkommensgrenze von Fr. 90'000.-- unzweifelhaft überschritten. Die
Beschwerdegegnerin ging deshalb zu Recht nicht vom Vorliegen einer zweifellosen
Unrichtigkeit der Verfügung vom 2. Juni 2020 aus, womit kein Wiedererwägungsgrund
gegeben ist.
2.4.
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, er habe irrtümlich den Umsatz
anstatt das Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit gemeldet, ist dieser
Einwand nicht zu hören. Gemäss Art. 5 Abs. 2 COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall
(ab der Fassung vom 6. Juli 2020 [Verordnung vom 19. Juni 2020, rückwirkend in Kraft
seit 17. März 2020 bis zum 16. September 2020 [AS 2020 2223]]) in Verbindung mit Art.
11 Abs. 1 EOG ist für die Entschädigung das Einkommen 2019, von dem die AHV-
Beiträge erhoben wurden, massgebend. Dabei ist grundsätzlich auf die
Akontorechnungen abzustellen, soweit noch keine Steuerveranlagung vorliegt (Rz.
1065 KS CE, in den Fassungen ab 13. Mai 2020; vgl. auch vorstehende Erwägung 1.3).
Bei diesen handelt es sich naturgemäss um provisorische, der Ausgleichskasse
gemeldete Einschätzungen der versicherten Person. Diese ist zwar grundsätzlich
gehalten, eine möglichst realistische Schätzung abzugeben und die Akontobeiträge
gegebenenfalls an die Lohnentwicklung anpassen zu lassen (vgl. Art. 24 Abs. 4 AHVV).
Die Ausgleichskasse kann und muss diese persönlichen Einschätzungen jedoch nicht
im Detail überprüfen (vgl. Rz 1147 der Wegleitung des Bundesamtes für
Sozialversicherungen über die Beiträge der Selbstständigerwerbenden und
Nichterwerbstätigen in der AHV, IV und EO [WSN], wonach die Ausgleichskassen die
Angaben der Beitragspflichtigen berücksichtigen, namentlich, wenn glaubhaft gemacht
wird, die Akontobeiträge entsprächen offensichtlich nicht dem voraussichtlichen
Einkommen [gemäss letzter Beitragsverfügung]; vgl. aber nachstehende Erwägung 2.6
zur Revisionsmöglichkeit).
2.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben, nachdem die COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall keine solchen vorsieht
(Art. 1 COVID-19-Verordnung Erwerbsausfall in Verbindung mit Art. 61 lit. fbis ATSG).