Decision ID: b366a0a1-9729-51a0-9454-e7d22de49b62
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher Marco Büchel, LL.M., c/o K & B Rechtsanwälte,
Freudenbergstrasse 24, Postfach 213, 9240 Uzwil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen (Umschulung, Rente)
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Sachverhalt:
A.
A.a B._, Jahrgang 1959, meldete sich am 23. November 2005 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an und stellte Antrag auf Ausrichtung einer
Invalidenrente (IV-act. 1). Der behandelnde Arzt, Dr. med. A._, Facharzt FMH für
Allgemeinmedizin, diagnostizierte im Arztbericht vom 2. Dezember 2005 eine schwere
depressive Episode ohne psychotische Symptome im Rahmen einer
Anpassungsstörung und eine Gonarthritis bei Chondrokalzinose und attestierte dem
Versicherten eine volle Arbeitsunfähigkeit seit 29. November 2004 im angestammten
Beruf als Elektriker. Unter Hinweis darauf, dass beim Versicherten die psychischen
Probleme im Vordergrund stünden, verwies er für weitere Auskünfte auf den
behandelnden Psychiater, Dr. med. C._, Psychiatrie/Psychotherapie, (IV-act. 6). Am
22. Dezember 2005 berichtete Dr. med. D._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
der den Versicherten im Rahmen eines stationären Aufenthalts in der Klinik Gais AG
vom 5. September 2005 bis 24. September 2005 ärztlich behandelt hatte, ebenfalls von
einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2) und
bestätigte eine volle Arbeitsunfähigkeit als Elektriker bei Austritt aus der Klinik (IV-
act. 12/5 f.). Mit Arztbericht vom 24. April 2006 bestätigte schliesslich auch Dr. C._
beim Versicherten eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
(ICD-10 F32.2) auf dem Boden einer emotional unstabilen Persönlichkeit (ICD-10
F60.31). Zudem stellte er ein chronifiziertes Schmerzsyndrom fest. Die
Arbeitsunfähigkeit des Versicherten legte er aus rein psychiatrischer Sicht auf 100%
seit der Erstkonsultation am 15. Januar 2005 fest (IV-act. 16).
A.b Vom 22. Mai 2006 bis 22. September 2006 wurde der Versicherte in der
Psychiatrischen Klinik Wil stationär behandelt. Während dieses Aufenthalts stellten die
behandelnden Ärzte beim Versicherten eine schwere depressive Episode mit
somatischem Syndrom (ICD-10 F32.3) seit dem Jahr 2003, vermutungsweise eine
emotional instabile Persönlichkeit mit impulsiven Zügen, Probleme durch negative
Kindheitserlebnisse bei körperlicher Misshandlung (ICD-10 Z61.6), Familienzerrüttung
durch Scheidung im Jahr 2004 (ICD-10 Z63.5) und Probleme in Verbindung mit
Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit seit dem Jahr 2002 (ICD-10 Z56) fest. Zudem
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diagnostizierten sie eine Amblyopie links bei Anisometropie (Visus von 16%, funktionell
begründete Schwachsichtigkeit) und anamnestisch eine Kniegelenksarthrose beidseits.
Die Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit betrage 100% seit November
2004 (IV-act. 19).
A.c Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte in der Folge im Dezember 2007
durch die Ärztliche Begutachtungsinstitut GmbH Basel (ABI) begutachtet. Im Gutachten
vom 28. Januar 2008 finden sich mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit die Diagnosen
leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0/F32.1), beginnende
degenerative Veränderungen Knie links (ICD-10 M17.1) mit Chondrokalzinose beider
Menisken (ICD-10 M11.2), chronisch intermittierendes lumbovertebrales
Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik (ICD-10 M54.5) bei leichten
degenerativen Veränderungen der Lendenwirbelsäule (ICD-10 M47.85), Amblyopie bei
Anisometropie links mit Visus 0.16 (ICD-10 H53.0). Ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit wurde zudem eine Hypercholesterinämie festgestellt. In der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit als Elektriker sei der Versicherte seit November 2004
arbeitsunfähig. Für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit einer Hebe- und
Traglimite von 15 kg, die keine repetitiven Zwangshaltungen von Rumpf oder unteren
Extremitäten beinhalten und kein gutes binokulares Sehen voraussetzen, bestehe eine
zumutbare Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 70% bei ganztägiger Präsenz mit etwas
vermindertem Rendement aus psychiatrischen Gründen. Während durch eine
Intensivierung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung eine weitere
Besserung der depressiven Symptomatik mit positiven Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit zu erwarten sei, sei von beruflichen Massnahmen erst dann ein Erfolg
zu erwarten, wenn der Versicherte klare Bereitschaft zur Mitarbeit signalisiere (IV-
act. 24/17, 24/20).
A.d Abstellend auf dieses Gutachten stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 1. Juli
2008 die Verneinung eines Rentenanspruchs in Aussicht (IV-act. 30). Daran hielt sie
trotz des von Rechtsanwältin Isabelle Zanettin in Vertretung des Versicherten dagegen
gerichteten Einwands vom 25. Juli 2008 (IV-act. 34) fest und lehnte mit Verfügung vom
13. Oktober 2008 den Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente ab (IV-
act. 35).
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A.e Am 27. Oktober 2008 trat der Versicherte wegen zunehmender Beschwerden im
linken Knie notfallmässig ins Spital Flawil ein. Nach der Erstellung von Röntgenbildern
beider Knie diagnostizierten die Ärzte des Spitals Flawil eine Pseudogicht im Knie links,
eine Chondrokalzinose beidseits sowie eine beginnende Gonarthrose links. Zudem
äusserten sie den Verdacht auf eine depressive Verstimmung (act. G 4.2).
B.
B.a Gegen die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 13. Oktober 2008 richtet sich
die am 14. November 2008 von Rechtsanwalt Marco Büchel, Uzwil, für B._ beim
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen angehobene Beschwerde mit dem
Antrag, es sei dem Beschwerdeführer eine Umschulung, eventualiter eine Viertelrente
der Invalidenversicherung zu gewähren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung führt der Rechtsvertreter an, dass die IV-Stelle den Beschwerdeführer
bundesrechtswidrig nicht auf das ihm zustehende Umschulungsrecht hingewiesen und
ein solches zu Unrecht lediglich gestützt auf die im ABI-Gutachten geäusserte fehlende
Motivation des Beschwerdeführers verneint habe. Ob eine Umschulung in Frage
komme oder nicht, sei keine medizinische, sondern eine rechtliche Frage, deren
Beantwortung der IV-Stelle und nicht den medizinischen Gutachtern obliege. Generell
könne nicht auf das ABI-Gutachten abgestellt werden, da es nicht in sich schlüssig sei.
So werde eine Suizidgefahr aktenwidrig verneint. Auch äusserten die Gutachter keine
Erklärung für die von ihnen festgestellte Verbesserung der Depression. Bei dem
Gutachten handle es sich offensichtlich um ein Gefälligkeitsgutachten für die
Auftraggeberin. Aus diesen Gründen sei ein Obergutachten einzuholen. Falls das
Gericht der Ansicht sein sollte, dass auf das ABI-Gutachten abzustellen sei und zudem
kein Anspruch auf Umschulung bestehe, sei der Invaliditätsbemessung als
Valideneinkommen das vom Beschwerdeführer bei der E._ erzielte, der Teuerung
angepasste Erwerbseinkommen des Jahres 2001 zugrundezulegen. Das
Valideneinkommen für das Jahr 2004 betrage daher Fr. 68'424.--. Demgegenüber
betrage das Invalideneinkommen Fr. 38'539.20, woraus sich ein Invaliditätsgrad von
43,7% errechne. Damit habe der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Viertelrente der
Invalidenversicherung.
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B.b Vom 9. Dezember 2008 bis 12. Dezember 2008 war der Beschwerdeführer im
Kantonsspital St. Gallen hospitalisiert. Im Kurzaustrittsbericht vom 12. Dezember 2008
äusserten die Ärzte des Kantonsspitals einen hochgradigen Verdacht auf Morbus
Bechterew und auf eine zweimalige vasovagale Synkope. Zudem diagnostizierten sie
eine schwere depressive Episode mit somatischem Syndrom. Die dem
Beschwerdeführer zur Behandlung des Morbus Bechterew vorgeschlagene Medikation
lehnte dieser damals ab (act. G 4.1).
B.c Mit Beschwerdeantwort vom 7. Januar 2009 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich auf den Standpunkt, das ABI-Gutachten
sei von unabhängigen Experten erstellt worden, umfassend, kohärent und
nachvollziehbar. Offenbar fühle sich der Beschwerdeführer subjektiv nicht krank, zumal
im Rahmen der Begutachtung festgestellt worden sei, dass er das verordnete
Antidepressivum kaum einnehme. Auch die empfohlene Therapie gegen den Morbus
Bechterew lehne der Beschwerdeführer ab. Wieso der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers beim Invalideneinkommen von Fr. 55'056.-- (100%) für einen
Hilfsarbeiter ausgehe, sei nicht nachvollziehbar, habe ein Hilfsarbeiter im Jahr 2006 bei
einer betriebsüblichen Arbeitszeit von 41,7 Wochenstunden gemäss den
Tabellenlöhnen doch durchschnittlich Fr. 59'197.-- verdient. Damit ergebe sich selbst
bei einem Valideneinkommen von Fr. 68'424.--, das zudem möglicherweise
Überstunden berücksichtige, lediglich ein Invaliditätsgrad von 39,4%. Selbst in diesem
Fall habe der Beschwerdeführer also keinen Anspruch auf eine Invalidenrente.
B.d Mit Eingabe vom 6. Februar 2009 bekräftigt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers den Standpunkt, dass es sich bei den Gutachtern des ABI bereits
im Hinblick auf das zwischen der Beschwerdegegnerin und den Gutachtern
bestehende Auftragsverhältnis nicht um unabhängige Experten handle. Das Gutachten
sei zudem mangelhaft, werde eine Suizidgefahr entgegen der Aktenlage verneint und
lediglich noch eine leichte bis mittelschwere Depression diagnostiziert. Die Diagnose
Morbus Bechterew fehle vollständig. Wenn die Beschwerdegegnerin beim
Einkommensvergleich auf die Werte des Jahres 2006 abstelle, müsse dies auch beim
Valideneinkommen im Rahmen eines Teuerungsausgleichs berücksichtigt werden.
Dieses betrage demnach Fr. 70'012.--, woraus bei einem Invalideneinkommen von
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Fr. 41'438.-- ein Invaliditätsgrad von 40,8% und damit ein Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Viertelrente resultiere (act. G 8).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Vorliegend ist vorderhand der Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche
Massnahmen, insbesondere eine Umschulung, streitig. Gemäss Art. 17 Abs. 1 IVG
besteht ein Anspruch auf eine Umschulung in eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die
Umschulung infolge der Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit
voraussichtlich erhalten oder wesentlich verbessert werden kann. Invalid im Sinne des
Art. 17 Abs. 1 IVG ist ein Versicherter, der "wegen der Art und Schwere des
eingetretenen Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten und in den für ihn ohne
zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden noch zumutbaren
Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von
etwa 20% erleidet; dabei bemisst sich die Erwerbseinbusse an dem vor dem Eintritt
des Gesundheitsschadens erzielten Erwerbseinkommen" (Ulrich Meyer-Blaser, Die
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, S. 125). Der Umschulungsanspruch
setzt nicht nur einen ausreichenden, massnahmenspezifischen Invaliditätsgrad, d.h.
eine behinderungsbedingte Erwerbseinbusse voraus. Notwendig ist auch, dass diese
Erwerbseinbusse durch die Umschulung beseitigt würde. Die Umschulung müsste also
eingliederungswirksam sein (vgl. Meyer-Blaser, a.a.O., S. 131). Sie müsste ausserdem -
als dritte Anspruchsvoraussetzung - verhältnismässig sein.
2.
2.1 Der Beschwerdeführer, der nach eigenen Aussagen im ehemaligen Heimatland die
Grundschule und eine Ausbildung zum Elektriker absolvierte, reiste im September 1990
in die Schweiz ein (IV-act. 1, 2). Von September 1990 bis Ende 2001 war er bei der
E._ als Elektromonteur/Automatiker angestellt und erzielte dabei zuletzt ein jährliches
Bruttoerwerbseinkommen von Fr. 67'034.-- (IV-act. 9, 27/3, 14). Seine Hauptaufgaben
lagen im Verdrahten von Maschinen und im Anschliessen von Motoren (IV-act. 27/1 –
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7). Mit Schreiben vom 27. September 2001 kündigte der Beschwerdeführer dieses
Arbeitsverhältnis per 31. Dezember 2001, offenbar aufgrund seiner Versetzung in die
Reparaturabteilung bzw. wegen Differenzen mit seinem Vorgesetzten (IV-act. 27/13,
27/24, 24/10). In der Folge war er längere Zeit arbeitslos. Von Ende September 2002
bis Dezember 2002 und von April bis Juni 2003 arbeitete er temporär als Verdrahter für
die F._; vom 15. März 2004 bis 8. April 2004 war er befristet bei der G._ als
Montageelektriker/Elektromonteur angestellt (IV-act. 9 – 11). Entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin übte der Beschwerdeführer demnach auch im Rahmen seiner
temporären Einsätze keine Hilfstätigkeiten aus, setzt doch sowohl die Tätigkeit des
Verdrahters als auch diejenige des Montageelektrikers resp. Elektromonteurs zweifellos
Berufskenntnisse im Bereich Elektronik voraus. Der Beschwerdeführer ist daher als
ausgebildeter Elektriker und nicht als Hilfsarbeiter zu qualifizieren. Daran vermag im
Hinblick auf die jahrelange Berufstätigkeit auch das Fehlen eines entsprechenden
Ausbildungsnachweises nichts zu ändern, ist doch davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer – hätte er tatsächlich keine Ausbildung zum Elektriker absolviert –
nicht in der Lage gewesen wäre, seine Arbeit bei der E._ zufriedenstellend
auszuüben, wie dem Abschlusszeugnis vom 31. Dezember 2001 klar zu entnehmen ist
(IV-act. 27/14).
2.2 Sowohl zwischen den Parteien als auch unter den medizinischen Fachpersonen ist
unbestritten, dass der Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit als Elektromonteur
im Hinblick auf die damit verbundenen Zwangshaltungen der unteren Extremitäten und
des Rumpfes seit November 2004 nicht mehr auszuüben imstande ist. Der
Einkommensvergleich zur Ermittlung der Invalidität (Art. 16 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]) kann nun aber
erst erfolgen, wenn allfällige Eingliederungsmassnahmen durchgeführt worden sind
oder wenn feststeht, dass keine Eingliederung nötig oder möglich ist. Es gilt der
Grundsatz der 'Eingliederung vor Rente' (vgl. etwa Ueli Kieser, ATSG-Kommentar,
2.Aufl., Zürich 2009, Vorbemerkungen N 47 mit Hinweisen). Indem die
Beschwerdegegnerin beim als Berufsmann zu qualifizierenden Beschwerdeführer
ungeachtet seiner vollen Arbeitsunfähigkeit in seiner angestammten Tätigkeit eine
ablehnenden Rentenverfügung erlassen hat, ohne vorgängig die Möglichkeit einer
Eingliederung zu überprüfen, hat die Beschwerdegegnerin den Grundsatz
'Eingliederung vor Rente' verletzt. Daran vermag die Äusserung der ABI-Gutachter,
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dass "eine berufliche Eingliederung an seiner subjektiven Einschätzung einer vollen
Arbeitsunfähigkeit scheitern [dürfte]" nichts zu ändern, handelt es sich dabei um eine
reine Mutmassung, die zudem dadurch entkräftet wird, dass der Beschwerdeführer
sowohl im Verwaltungs- wie auch im Beschwerdeverfahren in erster Linie berufliche
Massnahmen und nicht eine Berentung fordert, was eher für als gegen seinen
Eingliederungswillen spricht. Die Beschwerdegegnerin wird demnach allfällige
Eingliederungsmassnahmen zu prüfen haben.
3.
Die Anordnung und Umsetzung von Eingliederungsmassnahmen kann nur unter
Berücksichtigung der Arbeitsfähigkeit bzw. der medizinischen Anforderungen an eine
adaptierte Tätigkeit erfolgen. Diesbezüglich ist im vorliegenden Fall festzuhalten, dass
das von der Beschwerdegegnerin eingeholte ABI-Gutachten im heutigen Zeitpunkt
nicht mehr aktuell ist und zudem den beim Beschwerdeführer diagnostizierten
hochgradigen Verdacht eines Morbus Bechterew nicht berücksichtigt, obwohl der
Beschwerdeführer bereits anlässlich der ABI-Untersuchung über für Morbus Bechterew
typische intermittierende asymmetrische Knieschmerzen sowie intermittierende
Rückenschmerzen geklagt hat. Auf die im Gutachten attestierte Arbeitsfähigkeit resp.
die aufgestellten medizinischen Anforderungen an eine adaptierte Tätigkeit, die nach
Ansicht der Gutachter "weitestgehend durch die Befunde auf psychiatrischer Ebene
bestimmt werden" (IV-act. 24 - 17), kann deshalb nicht abgestellt werden. Vielmehr
wird die Beschwerdegegnerin eine unabhängige, noch nicht vorbefasste
Gutachterstelle mit der Erstellung eines rheumatologisch-psychiatrischen Gutachtens
zu beauftragen haben, wobei insbesondere die rheumatologischen Beschwerden des
Beschwerdeführers eingehend abzuklären und bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung resp.
den medizinischen Anforderungen an eine adaptierte Tätigkeit zu berücksichtigen sein
werden.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 13. Oktober 2008 ist aufzuheben und die Sache zu weiteren
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medizinischen und beruflichen Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zur neuen
Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles
Obsiegen (ZAK 1987 S. 268 E. 5a). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich, sodass ihr als nicht von der Pflicht zur Übernahme amtlicher Kosten
befreiter selbstständiger öffentlich-rechtlicher Anstalt die ganze Gerichtsgebühr
aufzuerlegen ist. Dem Beschwerdeführer ist der von ihm geleistete Kostenvorschuss
von Fr. 600.- zurückzubezahlen.
4.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
ungekürzte Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses
bemessen wird (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1).
Angemessen erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG