Decision ID: 5e2d4cec-68b1-50d2-85fa-647263f9c35e
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.Y. und B.Y. sind verheiratet und wohnen in X. Von 2003 bis zu deren
Konkurs im Jahr 2011 war A.Y. bei der Q. GmbH angestellt, an der er zudem mit einem
Stammanteil von Fr. 50‘000.-- mehrheitsbeteiligt war. Nach der Konkurseröffnung Mitte
März 2011 beantragte A.Y. Arbeitslosenentschädigung. Die kantonale
Arbeitslosenkasse setzte seinen versicherten Verdienst in der Folge – anhand der als
nachgewiesen betrachteten Einkünfte vom 1. März 2010 bis 14. März 2011 – auf
monatlich Fr. 2‘502.-- fest. Die von A.Y. erhobene Einsprache wies sie am 4. Oktober
2011 ab (vi-act. 2/11); dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft. A.Y. hatte gegenüber
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der Arbeitslosenkasse erfolglos geltend gemacht, von September 2010 bis Februar
2011 monatlich im Durchschnitt ca. Fr. 5‘335.-- (netto) verdient zu haben.
B. Bereits während des Einspracheverfahrens hatte sich A.Y. mehrmals an die
Arbeitslosenkasse gewandt und mitgeteilt, dass er den seiner Meinung nach
unrechtmässig zu tief angesetzten versicherten Verdienst in der Folge auch für die
steuerliche Festsetzung seines im Jahr 2010 erzielten Einkommens als präjudiziell
erachte (vi-act. 2/12 und 2/14). Am 27. September 2011 reichte das Ehepaar A.Y. und
B.Y. die Steuererklärung 2010 ein. Die Pflichtigen legten einen Lohnausweis der Q.
GmbH bei, worin sich der Ehemann (handschriftlich) ein monatliches Einkommen von
Fr. 2‘502.-- bescheinigt hatte. Seinen Nettolohn deklarierte er schliesslich mit
Fr. 20‘610.--. Die Veranlagungsbehörde hingegen legte sein Einkommen aus
unselbständiger Erwerbstätigkeit auf Fr. 71‘270.-- (Fr. 81‘000.-- abzüglich 12%
Sozialversicherungsbeiträge nach Ermessen) fest – gestützt auf einen Auszug aus
seinem individuellen Konto bei der Sozialversicherungsanstalt (SVA) und die von ihm
selbst unterzeichnete AHV-Lohnbescheinigung zuhanden der SVA (vgl. vi-act. 7/2.3
und 2.4). Mit Veranlagungsverfügungen vom 20. August 2013 veranlagte sie das
Ehepaar A.Y. und B.Y. für die Kantons- und Gemeindesteuer 2010 mit einem
steuerbaren Einkommen von Fr. 97‘000 und ohne Vermögen und für die direkte
Bundessteuer 2010 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 85‘300.--. Die dagegen
erhobenen Einsprachen wies das Kantonale Steueramt mit Entscheiden vom
16. September 2013 ab (vgl. vi-act. 7, Dossier 3).
C. Mit Eingabe vom 11. Oktober 2013 erhoben A.Y. und B.Y. Rekurs und
Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission und beantragten, die abgegebene
Steuererklärung zu anerkennen oder beim Volkswirtschaftsdepartement zu
intervenieren, damit die Bemessung der Arbeitslosenentschädigung angepasst werde.
Sie brachten insbesondere vor, sie hätten sich auf die mündliche Auskunft des
damaligen örtlichen Steuersekretärs D.E. verlassen, wonach der objektiv identische
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Einkommensnachweis von zwei kantonalen Behörden nicht unterschiedlich gewertet
und taxiert werden dürfe.
Mit gemeinsamem Entscheid vom 10. April 2014 hiess die
Verwaltungsrekurskommission die Rechtsmittel gut, hob die Einspracheentscheide auf
und veranlagte die Pflichtigen mit steuerbaren Einkommen von Fr. 45‘300.-- (Kantons-
und Gemeindesteuern) bzw. Fr. 33‘400.-- (direkte Bundessteuer). Sie folgte im
Wesentlichen den Argumenten der Pflichtigen und erachtete es nach dem Grundsatz
von Treu und Glauben im Rechtsverkehr als problematisch, dass zwei kantonale
Behörden für die Berechnung des Einkommens auf unterschiedliche Grundlagen
abgestellt hatten. Es sei zudem nicht ungewöhnlich, dass sich der Inhaber oder
Hauptbeteiligte einer Gesellschaft keinen oder nur mehr einen geringeren als den
vertraglich vereinbarten und der Sozialversicherungsanstalt gemeldeten Lohn
ausbezahle, wenn die Gesellschaft in finanziellen Nöten sei.
D. Gegen den Entscheid der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) erhob
das Kantonale Steueramt (Beschwerdeführer) mit (gemeinsamer) Eingabe vom 19. Mai
2014 Beschwerden beim Verwaltungsgericht mit den Anträgen, der angefochtene
Entscheid sei aufzuheben und das steuerbare Einkommen der Beschwerdegegner A.Y.
und B.Y. sei auf Fr. 93‘100.-- (Kantons- und Gemeindesteuern 2010) bzw. Fr. 81‘400.--
(direkte Bundessteuer 2010) festzusetzen (act. 1). Die Vorinstanz und die
Beschwerdegegner trugen in ihren Vernehmlassungen vom 22. Dezember 2014 und
15. Januar 2015 die Abweisung der Beschwerden an (act. 7 und 10). Die
Eidgenössische Steuerverwaltung liess sich zur Beschwerde betreffend direkte
Bundessteuer 2010 nicht vernehmen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die streitigen Einkommenssteuerveranlagungen fallen unter die harmonisierte
Steuergesetzgebung (vgl. insbesondere Art. 7 ff. des Bundesgesetzes über die
Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden, SR 642.14, StHG).
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Die Vorinstanz erledigte deshalb den Rekurs betreffend die Kantons- und
Gemeindesteuern einerseits und die Beschwerde betreffend die direkte Bundessteuer
andererseits zu Recht im gleichen Entscheid, aber mit getrennten Dispositivziffern;
unter diesen Umständen durfte auch der Beschwerdeführer die Beschwerden in einer
gemeinsamen Rechtsschrift erheben (BGE 135 II 260 E. 1.3.1). Ebenso ist es zulässig,
dass das Verwaltungsgericht über die Beschwerden im gleichen Urteil entscheidet (vgl.
statt vieler BGer 2C_440 und 441/2014 vom 10. Oktober 2014 E. 1.2; VerwGE B
2014/222 und 223 vom 25. Februar 2016 E. 1, www.gerichte.sg.ch).
2. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP; Art. 229 in
Verbindung mit Art. 196 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, StG; Art. 145 des
Gesetzes über die direkte Bundessteuer, SR 642.11, DBG, in Verbindung mit Art. 1
Abs. 3 und Art. 7 Abs. 2 der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer, sGS 815.1). Der Beschwerdeführer ist zur Beschwerdeerhebung
legitimiert, und die Eingabe vom 19. Mai 2014 entspricht zeitlich, formal und inhaltlich
den gesetzlichen Anforderungen (Art. 229 in Verbindung mit Art. 196 Abs. 1 StG und
Art. 64, Art. 48 Abs. 1 sowie aArt. 30 Abs. 1 VRP, letzterer seinerseits in Verbindung mit
Art. 145 Abs. 1 Ingress und lit. a der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272;
Art. 145 in Verbindung mit Art. 141 Abs. 1 und 2 sowie Art. 133 Abs. 1 DBG). Auf die
Beschwerden ist einzutreten.
3. Die Überprüfungsbefugnis des Verwaltungsgerichts ist auf
Rechtsverletzungen beschränkt; der Beschwerdeführer kann sich sodann darauf
berufen, die angefochtene Verfügung oder der angefochtene Entscheid beruhe auf
einem unrichtig oder unvollständig festgestellten Sachverhalt (Art. 61 VRP). Das
Verwaltungsgericht entscheidet, ohne an die Begehren der Beteiligten gebunden zu
sein (Art. 196 Abs. 2 StG).
4. Umstritten ist die Höhe des Einkommens aus unselbständiger
Erwerbstätigkeit, das der Ehemann im Jahr 2010 erzielt hat.
4.1. Gemäss Art. 29 Abs. 1 StG und Art. 16 Abs. 1 DBG unterliegen alle
wiederkehrenden und einmaligen Einkünfte der Einkommenssteuer. Nach dem Prinzip
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der Gesamtreineinkommenssteuer werden grundsätzlich alle Vermögenswerte, die dem
Steuerpflichtigen während eines bestimmten Zeitabschnittes zufliessen, gesamthaft als
Einkommen besteuert (vgl. Zigerlig/Oertli/Hofmann, Das st. gallische Steuerrecht,
7. Aufl. 2014, Rz. II/59).
4.1.1. Über seine persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse, die für Bestand und
Höhe der Steuerschuld massgeblich sind, hat der Pflichtige mit der Steuererklärung
den Steuerbehörden in allen Einzelheiten Auskunft zu erteilen, insbesondere über
Berufs- Familien- und Wohnverhältnisse, sodann die Zusammensetzung,
Beschaffenheit und wertmässige Höhe des Steuerobjektes (hier: Einkommen) und die
geltend gemachten Abzüge (Art. 168 StG und Art. 124 DBG; Zigerlig/Oertli/Hofmann,
a.a.O., Rz. VII/11). Die Steuererklärung selbst ist weder eine Beweisurkunde noch eine
blosse Willenserklärung, sondern eine Wissenserklärung (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, Handkommentar DBG, 2. Aufl. 2009, N 2 zu Art. 124 DBG). In diesem Sinn
muss der zur Mitwirkung verpflichtete Steuerpflichtige alles tun, um eine vollständige
und richtige Veranlagung zu ermöglichen (vgl. Art. 170 StG und Art. 126 DBG). Um der
Veranlagungsbehörde die Aufgabe der Nachprüfung zu erleichtern, muss er für die
wichtigsten Angaben gleich von Anfang an, mit der Steuererklärung, die nötigen Belege
einreichen. Hierzu gehört bei unselbständig erwerbstätigen Personen der Lohnausweis
(vgl. Art. 169 Abs. 1 Ingress und lit. a StG; Art. 125 Abs. 1 Ingress und lit. a DBG). Zu
dieser Bescheinigung ist jeder schweizerische Arbeitgeber verpflichtet, ungeachtet
dessen, ob der Arbeitnehmer haupt- oder nebenberuflich oder auch nur vorübergehend
für ihn tätig ist. Sämtliche Leistungen, die als Erwerbseinkommen zu qualifizieren sind –
namentlich Lohn, Nebenbezüge, Spesenentschädigungen und Naturalleistungen –
müssen grundsätzlich auf einem einzigen Lohnausweis bescheinigt werden (Art. 127
Abs. 1 Ingress und lit. a DBG; Zigerlig/Oertli/Hofmann, a.a.O., Rz. II/83-94; Richner/
Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 13 ff. zu Art. 127 DBG).
4.1.2. Die Veranlagungsbehörde prüft ihrerseits die Steuererklärung, nimmt die
erforderlichen Untersuchungen vor und stellt die für eine vollständige und richtige
Besteuerung massgebenden tatsächlichen Verhältnisse fest. Sie kann insbesondere
Sachverständige beiziehen, Augenscheine durchführen sowie Geschäftsbücher und
Belege an Ort und Stelle einsehen (Untersuchungsmaxime, vgl. Art. 176 StG und Art.
130 Abs. 1 DBG). Sie kann unter anderem auch die Organe der öffentlichen
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Verwaltung, die Strafuntersuchungsbehörden und die Gerichte zur Mitwirkung
auffordern; diese sind verpflichtet, ungeachtet einer allfälligen Geheimhaltungspflicht
auf Verlangen kostenlos aus den amtlichen Registern und Akten Auskunft zu erteilen
(vgl. Art. 163 Abs. 2 StG).
4.2. Die Beschwerdegegner deklarierten im Veranlagungsverfahren das
Einkommen des Ehemannes aus unselbständiger Erwerbstätigkeit mit Fr. 20‘610.-- (vi-
act. 7/1.2). Ihre Deklaration untermauerten sie mit einem von Hand ausgefüllten
Lohnausweis der Q. GmbH vom 13. März bzw. 27. September 2011. Den Bruttolohn
gaben sie mit «12 x 2‘502.-- gemäss Bescheid Amt für Arbeit», entsprechend Fr.
30‘024.--, an. Hiervon zogen sie für Arbeitnehmerbeiträge an AHV/IV/EO/ALV/NBUV Fr.
2‘968.20 sowie Fr. 6‘445.80 an ordentlichen Beiträgen an die berufliche Vorsorge ab,
sodass schliesslich der bereits genannte Nettolohn resultierte (vi-act. 7/2.10). Die
Veranlagungsbehörde ersuchte die Pflichtigen am 26. Juni 2012, die Steuererklärung
mit unterschriebenen Lohnausweisen 2010 und 2011 der Q. GmbH, mit einer Kopie der
Auszüge aus dem individuellen Konto der SVA St. Gallen für die Jahre 2010 und 2011
und mit Kopien der Jahresabrechnungen 2010 und 2011 der GmbH an die SVA St.
Gallen zu ergänzen. Der Ehemann der Beschwerdegegner verwies den
Steuerkommissär am 2. Juli 2012 an den Leiter des örtlichen Steueramtes; dieser
verfüge über alle relevanten Unterlagen (vi-act. 7/2.8). Laut Aktennotiz vom 26. Juli
2012 teilte der Ehemann diesem telefonisch mit, er könne die geforderten Unterlagen
nicht einreichen. Er habe alles, worüber er verfüge, der Steuererklärung 2010 beigelegt.
Sein Lohn sei durch das Amt für Arbeit so festgelegt worden. Somit habe er nicht mehr
verdient, und er wünsche, von den Steuerbehörden in Ruhe gelassen zu werden. In der
Folge machte die Veranlagungsbehörde die geforderten Auszüge direkt bei der SVA
erhältlich (vgl. vi-act. 7/2.4) und legte das Bruttoeinkommen anhand der
übereinstimmenden Angaben auf dem Auszug aus dem individuellen Konto des
Ehemannes und der AHV-Lohnbescheinigung der Q. GmbH auf Fr. 81‘000.-- fest.
Diesen verminderte sie um einen ermessensweisen Abzug von 12% für
Sozialversicherungsbeiträge der 1. und 2. Säule und veranlagte das streitige
Erwerbseinkommen des Ehemannes mit Fr. 71‘270.--.
4.3. Die Vorinstanz hielt demgegenüber dafür, hinsichtlich des Einkommens des
Ehemannes sei auf den von den Pflichtigen deklarierten Betrag von Fr. 2‘502.-- (brutto)
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abzustellen, wie es auch der Verfügung des kantonalen Arbeitsamtes entnommen
werden könne. Dieses habe auf die Bankkontoauszüge abgestellt und festgehalten,
dass Arbeitgeberbescheinigungen, Lohnabrechnungen sowie die Eintragungen auf
dem individuellen Konto der SVA lediglich Indizien für Lohnzahlungen seien. Es sei
nach dem Grundsatz von Treu und Glauben problematisch, wenn zwei kantonale
Behörden für die Berechnung des Einkommens auf unterschiedliche Grundlagen
abstellen würden. Der Ehemann habe seine Lohnbezüge der Liquidität der von ihm
beherrschten Arbeitgeberin angepasst und in unregelmässigen Abständen und auf
verschiedene Arten Lohn bezogen. Es sei glaubhaft, dass nur der vom kantonalen
Arbeitsamt festgestellte Lohn effektiv zugeflossen sei und weitergehende
Lohnforderungen nicht hätten durchgesetzt werden können (E. 3.e des angefochtenen
Entscheids).
4.4. Der vorinstanzlichen Auffassung kann insbesondere mit Blick auf die vom
Beschwerdeführer zusätzlich eingereichten Akten nicht gefolgt werden.
4.4.1. Dem Verwaltungsgericht reichte der Beschwerdeführer nämlich weitere, in der
Zwischenzeit bei der kantonalen Arbeitslosenkasse erhältlich gemachte Unterlagen ein
(vgl. act. 3). Darunter befindet sich ein Lohnausweis der Q. GmbH vom 13. März 2011,
worin diese für das Jahr 2010 ein Einkommen von Fr. 81‘000.-- (brutto) bescheinigt
hatte (act. 3/I/5). Hiervon wurden Beiträge an die 1. und 2. Säule von Fr. 8‘007.60 bzw.
Fr. 6‘445.80 abgezogen und ein Nettolohn von Fr. 66‘546.60 ausgewiesen.
4.4.2. Der Beschwerdeführer geht von diesem steuerbaren Einkommen des
Ehemannes aus und rechnet Fr. 810.-- auf, da zu Unrecht Arbeitnehmerbeiträge an die
Krankentaggeldversicherung (monatlich Fr. 67.50) abgezogen worden seien. Diese
Beiträge seien vom Bruttolohn nicht abzugsfähig und steuerlich unbeachtlich, da der
Abzug für Versicherungsprämien und Sparzinsen bereits mit dem Maximalbetrag von
Fr. 4‘800.-- bei den Kantons- und Gemeindesteuern bzw. Fr. 3‘300.-- bei der direkten
Bundessteuer berücksichtigt worden sei. Die Beschwerdegegner seien demzufolge mit
einem steuerbaren Einkommen von Fr. 93‘100.-- bei den Kantons- und
Gemeindesteuern und einem solchen von Fr. 81‘400.-- bei der direkten Bundessteuer
zu veranlagen.
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4.4.3. Nach den übereinstimmenden Angaben auf dem Lohnausweis und auf den
monatlichen Lohnabrechnungen zahlte die Q. GmbH dem Ehemann in der fraglichen
Periode Lohn in der Höhe von Fr. 81‘000.-- (brutto) aus (act. 3/I/4 und 3/I/5). Nach dem
im Steuerrecht geltenden Grundsatz, dass die Steuerbehörde die Beweislast für die
steuerbegründenden Tatsachen trägt, während den Steuerpflichtigen die Beweislast für
Tatsachen trifft, welche die Steuerschuld aufheben oder mindern (vgl. SGE 2010 Nr. 23
und 32), war es an der Veranlagungsbehörde, die Höhe des streitigen Einkommens zu
beweisen. Diesen Beweis hat sie mit dem ins Recht gelegten Lohnausweis vom 13.
März 2011 erbracht, denn dieser ist ein Beweismittel mit hohem Beweiswert, das zum
Beweis der Erwerbseinkünfte aus unselbständiger Erwerbstätigkeit geeignet ist (vgl. M.
Zweifel, in: Zweifel/Athanas [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bd.
I/2b, 2. Aufl. 2008, N 11 zu Art. 125 DBG).
Den Gegenbeweis, dass nämlich die Bezüge nicht in der von der Arbeitgeberin
bescheinigten Höhe erfolgt sind, haben die Beschwerdegegner nicht erbracht.
Entsprechende Anhaltspunkte liegen auch nicht vor: Die Q. GmbH liess dem privaten
Bankkonto des Ehemannes im Jahr 2010 – soweit aktenmässig dokumentiert –
Fr. 40‘000.-- gutschreiben (vgl. act. 3/I/6). Bereits mit diesen Zahlungen ist
nachgewiesen, dass die Pflichtigen in der Steuererklärung ein zu tiefes Einkommen
deklariert haben. Nicht aktenkundig sind indessen die Kontobewegungen der Monate
Januar, Juni, Oktober und Dezember 2010. Aufgrund der übrigen Gutschriften darf
aber angenommen werden, dass auch in diesen vier Monaten Lohn in ähnlicher Höhe
ausbezahlt worden ist, wodurch sich geschätzte Zahlungen von insgesamt Fr.
60‘000.-- ergeben. Weiter hat die Arbeitgeberin des Ehemannes den
Beschwerdegegnern einen Personenwagen im Wert von Fr. 8‘000.-- verkauft bzw.
überschrieben; der Kaufpreis wurde mit Lohnguthaben verrechnet (vgl. vi-act. 7/2/15).
Dies ergibt geschätzte Bezüge in der Höhe von Fr. 68‘000.--, was exakt dem von der
Arbeitgeberin am 13. März 2011 bescheinigten Nettoeinkommen (inkl.
Spesenentschädigung) entspricht (vgl. act. 3/I/5).
4.4.4. Das Einkommen des Ehemannes ist demnach anhand des Lohnausweises vom
13. März 2011 zu veranlagen. Dem Nettolohn sind – wie der Beschwerdeführer zu
Recht vorträgt – die Arbeitnehmerbeiträge an die Krankentaggeldversicherung
aufzurechnen; diese sind vom Bruttolohn nicht abzugsfähig (vgl. Ziff. 42 der Wegleitung
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zum Ausfüllen des Lohnausweises bzw. der Rentenbescheinigung,
www.estv.admin.ch) und können gegebenenfalls als «Versicherungsprämien und
Sparzinsen» in Abzug gebracht werden. Die maximal zulässigen Abzüge von Fr.
4‘800.-- (Kantons- und Gemeindesteuern; vgl. Art. 45 Abs. 1 Ingress und lit. g StG)
bzw. Fr. 3‘300.-- (direkte Bundessteuer; vgl. aArt. 212 DBG in der bis 31. Dezember
2010 geltenden Fassung) wurden konkret bereits gewährt, weshalb ein weitergehender
Abzug entfällt. Das Nettoeinkommen des Ehemannes ist auf Fr. 67‘357.-- festzusetzen,
und die Beschwerdegegner sind – in vollständiger Gutheissung der Beschwerde – mit
einem steuerbaren Einkommen von Fr. 93‘100.-- (Kantons- und Gemeindesteuern;
ohne steuerbares Vermögen) bzw. Fr. 81‘400.-- (direkte Bundessteuer) zu veranlagen.
4.5. Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, steht der Schutz von Treu und
Glauben diesem Ergebnis nicht entgegen (vgl. E. 3.e des angefochtenen Entscheids).
Es fehlte bereits an einer verbindlichen Zusicherung seitens der Veranlagungsbehörde,
auf die sich die Beschwerdegegner hätten verlassen dürfen (vgl. vi-act. 13), und an im
Vertrauen darauf getätigten Dispositionen. Es ist zudem nicht ersichtlich, weshalb die
Veranlagungsbehörde an eine Verfügung der kantonalen Arbeitslosenkasse gebunden
sein soll, die vom Adressaten selbst als rechtsfehlerhaft betrachtet wurde, die er aber –
aus welchen Gründen auch immer – nicht angefochten hat. Der Entscheid der
Arbeitslosenkasse wirkt sich steuerlich somit einzig auf die Steuerperiode 2011 aus, in
der die dannzumal entrichtete Arbeitslosenentschädigung zu versteuern ist. Allenfalls
kann jedoch aus dem Verhalten der kantonalen Arbeitslosenkasse geschlossen
werden, dass sie sich an eine für die Beschwerdegegner günstigere Beurteilung des
Einkommens im Veranlagungsverfahren binden wollte. Sie beschied in der Verfügung
vom 7. Juni 2011 (vi-act. 7/2.18): «Sollten Sie jedoch später tatsächlich einen höheren
Lohn nachweisen können, mittels IK-Auszug und Steuerveranlagung, werden wir den
versicherten Verdienst anpassen». Es ist den Beschwerdegegnern unbenommen zu
versuchen, sich darauf zu berufen.
5.
5.1. Zusammenfassend ergibt sich, dass der vorinstanzliche Entscheid in
vollständiger Gutheissung der Beschwerden aufzuheben und die Beschwerdegegner
mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 93‘100.-- (Kantons- und Gemeindesteuern;
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ohne steuerbares Vermögen) bzw. Fr. 81‘400.-- (direkte Bundessteuer) zu veranlagen
sind.
5.2. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der
Beschwerdeverfahren den Beschwerdegegnern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP; Art.
145 in Verbindung mit Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr für die
Beschwerdeverfahren von insgesamt Fr. 1'500.-- erscheint angemessen (Art. 7 Abs. 1
Ingress und Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
5.3. Bei Gutheissung eines Rechtsmittels ist zugleich von Amtes wegen über die
amtlichen Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens zu entscheiden. In der Regel erfolgt
die entsprechende Kostenverlegung in Bezug auf die Beteiligten und deren Anteile
analog dem Rechtsmittelentscheid (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st.
gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. 2004, S. 103). Die amtlichen Kosten
für das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren vor der Vorinstanz von Fr. 800.-- sind
somit ebenfalls vollumfänglich den Beschwerdegegnern aufzuerlegen. Sie sind mit dem
Kostenvorschuss von Fr. 1‘200.-- zu verrechnen; der Restbetrag von Fr. 400.-- ist
ihnen zurückzuerstatten.
5.4. Ausseramtliche Kosten sind mangels grundsätzlichen Anspruchs
(Beschwerdeführer) und mehrheitlichen Obsiegens (Beschwerdegegner) nicht zu
entschädigen (vgl. Art. 98 Abs. 1 und 98bis VRP; Art. 145 in Verbindung mit Art. 144
Abs. 4 DBG und Art. 64 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes, SR 172.021);
entsprechende Anträge wurden zudem von keiner Seite gestellt.