Decision ID: ffaf2a57-2e9f-5c0b-98d6-6491204d67bd
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am (...) in der Schweiz um Asyl nach. Mit
Verfügung vom 19. Juni 2017 lehnte das SEM das Asylgesuch ab und ord-
nete die Wegweisung sowie den Wegweisungsvollzug des Beschwerde-
führers an. Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wies das
Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-3799/2017 vom 25. Juni 2018 ab.
B.
Mit Eingabe vom 17. Oktober 2018 reichte der Beschwerdeführer bei der
Vorinstanz ein Wiedererwägungsgesuch ein. Das SEM leitete diese Ein-
gabe samt Beweismitteln am 31. Oktober 2018 zur Prüfung, ob sie als Re-
visionsgesuch zu behandeln sei, an das Bundesverwaltungsgericht weiter.
Mit Urteil vom 5. Dezember 2018 trat das Bundesverwaltungsgericht auf
das Revisionsgesuch nicht ein, nachdem der vom Beschwerdeführer ver-
langte Kostenvorschuss nicht geleistet worden war.
Das SEM schrieb in der Folge das Wiedererwägungsgesuch am 11. De-
zember 2018 ab.
C.
C.a Der Beschwerdeführer gelangte mit wiederum als Wiedererwägungs-
gesuch bezeichneter Eingabe vom 30. Januar 2019 erneut an die Vorin-
stanz. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er könne mittlerweile mit-
tels mehrerer Fotos sowie der Kopie des Arbeitsvertrages seines Vaters
belegen, dass sich seine Familie nicht mehr in B._, sondern dauer-
haft in C._ aufhalte. Die im Referenzurteil D-5800/2016 geforderten
besonders günstigen Voraussetzungen seien nicht mehr gegeben, wes-
halb sich der angeordnete Wegweisungsvollzug nach B._ nunmehr
als unzumutbar erweise.
C.b Mit Verfügung vom 7. Februar 2019 wies das SEM das Wiedererwä-
gungsgesuch ab. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, die ein-
gereichten Fotos stellten Momentaufnahmen dar und die aufgedruckten
Daten seien manipulierbar. Der eingereichte (angebliche) Arbeitsvertrag
liege nur in Kopie vor. Sämtliche Beweismittel seien deshalb zum Nachweis
eines dauerhaften Aufenthalts der Familie in C._ nicht geeignet.
C.c Auf die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde trat das Bun-
desverwaltungsgericht mit Urteil D-1243/2019 vom 10. April 2019 nicht ein,
nachdem der vom Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung vom
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18. März 2019 geforderte Kostenvorschusses nicht innert Frist geleistet
worden war.
D.
D.a Am 23. Oktober 2019 reichte die Rechtsvertretung des Beschwerde-
führers beim SEM ein weiteres Wiedererwägungsgesuch ein. Zur Begrün-
dung wurde dargelegt, dem Gesuch lägen Fotos der Familie des Be-
schwerdeführers bei, welche seine Familienangehörigen zeigten und er-
kennbar in C._ während des Zeitraumes (...) bis (...) aufgenommen
worden seien. Damit sei der dauerhafte Aufenthalt im D._ belegt.
Die Familie des Beschwerdeführers sei auch bereit, sich zur Abklärung des
dauernden Aufenthalts im D._ mit der Schweizer Botschaft in
C._ in Verbindung zu setzen beziehungsweise sich dort regelmäs-
sig zu melden oder sonstige Abklärungen durch die Botschaft vornehmen
zu lassen. Der Wegweisungsvollzug nach B._ sei unzumutbar.
D.b Mit Schreiben vom 7. November 2019 teilte das SEM dem Beschwer-
deführer mit, sein Wiedererwägungsgesuch werde formlos abgeschrieben,
nachdem er in der Eingabe vom 26. Oktober (recte: 23. Oktober) 2019 die-
selben Gründe vorgebracht habe wie in den vorangegangenen Gesuchen,
nämlich den angeblich dauerhafte Aufenthalt seiner Familie in C._.
E.
Mit Eingabe vom 18. November 2019 reichte der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht eine Rechtsverweigerungsbeschwerde ein. Er
beantragte, das SEM sei anzuweisen, auf das Wiedererwägungsgesuch
vom 26. Oktober 2019 einzutreten und es materiell zu behandeln, eventu-
aliter sei das Wiedererwägungsgesuch vom 26. Oktober 2019 als Revisi-
onsgesuch durch das Bundesverwaltungsgericht entgegenzunehmen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung, um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses sowie um Bestellung der unterzeichnenden Rechtsvertreterin als
unentgeltliche Rechtsbeiständin.
Auf die Begründung der Rechtsbegehren wird – soweit für den Entscheid
wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
F.
Am 20. November 2019 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-
gang der Beschwerde.
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G.
Mit Eingabe vom 10. März 2020 reichte der Beschwerdeführer unter Hin-
weis auf Erwägung 4.5 des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts
D-6666/2018 weitere Fotos seiner Familienangehörigen ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig (Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.2 Gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern einer anfecht-
baren Verfügung kann bei der Beschwerdeinstanz, die für die Behandlung
einer Beschwerde gegen eine ordnungsgemäss ergangene Verfügung zu-
ständig wäre, Beschwerde geführt werden (Art. 46a VwVG; vgl. dazu auch
MARKUS MÜLLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bun-
desgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Rz. 3 zu
Art. 46a).
1.3 (Formlose) Abschreibungsentscheide auf ein Folgegesuch können
nicht angefochten werden; der Rechtsschutz ist von Gesetzes wegen aus-
geschlossen (vgl. BVGE 2015/28 E. 3).
2.
Zu prüfen ist zunächst, ob angesichts der vorstehenden Ausführungen auf
die als Rechtsverweigerungsbeschwerde bezeichnete Eingabe des Be-
schwerdeführers vom 18. November 2019 einzutreten ist.
2.1 Der Beschwerdeführer begründet seine Rechtsverweigerungsbe-
schwerde im Wesentlichen damit, die Vorinstanz habe in ihrer formlosen
Abschreibung zu Unrecht darauf verwiesen, dass mit dem Wiedererwä-
gungsgesuch vom 23. Oktober 2019 die gleichen Gründe vorgebracht wor-
den seien wie mit den früheren Gesuchen. Mit den neu eingereichten Be-
weismitteln, so der Beschwerdeführer, sei es ihm nunmehr gelungen, den
dauerhaften Aufenthalt seiner Familienangehörigen in C._ nachzu-
weisen. Um die Dauerhaftigkeit des Aufenthalts seiner Familie zu bewei-
sen, habe er eine gewisse Dauer abwarten müssen, um aufzeigen zu kön-
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nen, dass sie sich nach wie vor dort aufhalten würden. Angesichts der bis-
herigen Begründung des SEM zu seinem früheren Wiedererwägungsge-
such sei ihm kein anderer Weg geblieben, das nunmehr fehlende Netzwerk
in B._ zu belegen, als einen längeren Zeitraum abdeckende Be-
weismittel einzureichen. Zudem habe er weitere mögliche Arten des Be-
weises wie beispielsweise die Meldung seiner Familie auf der Schweizer
Botschaft in C._ angeboten. Es liege kein rechtsmissbräuchliches
Verhalten seinerseits vor, vielmehr habe das SEM durch die formlose Ab-
schreibung eine Rechtsverweigerung begangen.
2.2 Ob und unter welchen Voraussetzungen eine Rechtsverweigerungsbe-
schwerde nach erfolgter formloser Abschreibung überhaupt möglich wäre,
kann an dieser Stelle offenbleiben. Immerhin ist anzumerken, dass das
Bundesverwaltungsgericht aufgrund einer Rechtsverweigerungsbe-
schwerde lediglich überprüfen könnte, ob die betreffende Verwaltungsbe-
hörde die erwartete Verfügung zu Unrecht verweigert hat. Materielle As-
pekte der – allenfalls verweigerten Verfügung – könnten somit nie den
Streitgegenstand bilden (vgl. Urteil des BVGer A-3130/2011 vom 20. März
2012 E. 1.4.3).
Als massgeblich erweist sich im vorliegenden Fall, dass sich die Qualifika-
tion einer Eingabe nach deren Inhalt richtet, nicht nach deren Bezeichnung
durch die Partei. Der Beschwerdeführer macht in der Sache geltend, die
Vorinstanz habe sein Wiedererwägungsgesuch zu Unrecht formlos abge-
schrieben, obwohl er zusätzliche gleichartige Beweismittel eingereicht
habe. Damit ist seine Eingabe – wenn auch als Rechtsverweigerungsbe-
schwerde bezeichnet – als Beschwerde gegen die formlose Abschreibung
zu qualifizieren. Eine solche ist indessen, wie bereits vorstehend erwähnt
(vgl. E. 1.3), ausgeschlossen.
Der Klarheit halber erscheint aber immerhin der Hinweis angezeigt, dass
die vorinstanzliche Begründung für die formlose Abschreibung insofern
nicht ganz schlüssig erscheint, als der Eindruck entstehen könnte, der Be-
schwerdeführer sei mit der von ihm vorgebrachten Tatsache, er verfüge
über kein soziales Netz mehr in B._, ein für alle Mal ausgeschlos-
sen. Dies dürfte jedoch nicht der tatsächlichen Auffassung der Vorinstanz
entsprochen haben. Sollten dem Beschwerdeführer andersartige Beweis-
mittel – wofür er im Übrigen selber Beispiele nennt – für die geltend ge-
machte Tatsache vorliegen, erschiene ein erneutes Wiedererwägungsge-
such nicht von vornherein ausgeschlossen. Dies ist jedoch im vorliegenden
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Verfahren zu beurteilen, sondern wäre zu gegebenem Zeitpunkt durch das
SEM zu prüfen.
2.3 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass auf die Eingabe des Beschwer-
deführers vom 18. November 2019 nicht einzutreten ist.
3.
Anhaltspunkte dafür, das Wiedererwägungsgesuch vom 26. Oktober 2019
als Revisionsgesuch entgegenzunehmen, bestehen keine. Es ist nicht an-
satzweise ersichtlich – und wird vom Beschwerdeführer auch nicht darge-
legt – inwiefern ein revisionsrechtlich relevanter Sachverhalt in Bezug auf
eines der vom Bundesverwaltungsgericht gefällten Urteile vorliegen würde.
4.
Das Beschwerdeverfahren ist ohne Erhebung von Verfahrenskosten abzu-
schliessen (Art. 6 Abs. 1 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
(VGKE, SR 173.320.2). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung wird damit gegenstandslos.
5.
Hinsichtlich des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsver-
beiständung ist festzustellen, dass unter den in Art. 65 Abs. 1 VwVG um-
schriebenen Voraussetzungen eine unentgeltliche Rechtsbeiständin oder
ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt wird, wenn es zur Wahrung der
Rechte der Partei notwendig ist (Art. 65 Abs. 2 VwVG). Ausschlaggebend
ist dabei das Kriterium, ob die beschwerdeführende Partei zur Wahrung
ihrer Rechte notwendigerweise der professionellen juristischen Hilfe eines
Anwaltes bedarf (vgl. dazu BGE 128 I 225 E. 2.5.2 S. 232 f.; 122 I 49 E. 2c
S. 51 ff.; 120 Ia 43 E. 2a S. 44 ff.). In Verfahren, welche – wie das vorlie-
gende – vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht sind, sind strenge Mas-
sstäbe an die Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung anzusetzen
(vgl. EMARK 2000 Nr. 6 sowie BGE 122 I 8 E. 2c S. 10). Im asylrechtlichen
Beschwerdeverfahren sind besondere Rechtskenntnisse zur wirksamen
Beschwerdeführung im Regelfall nicht unbedingt erforderlich. Aus diesen
Gründen wird die unentgeltliche Verbeiständung im Sinne von Art. 65
Abs. 2 VwVG praxisgemäss nur in den besonderen Fällen gewährt, in wel-
chen in rechtlicher oder tatsächlicher Hinsicht erhöhte Schwierigkeiten be-
stehen.
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Das vorliegende Verfahren erscheint weder in tatsächlicher noch in recht-
licher Hinsicht besonders komplex, weshalb das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG abzuweisen ist.
(Dispositiv nächste Seite)
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