Decision ID: c7b1d525-ba6e-522f-9b9b-820233d57685
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben
zufolge im August 2018. Am (...) Dezember 2020 reiste er im Rahmen ei-
nes Relocation-Programms legal aus Griechenland in die Schweiz ein, wo
er gleichentags um Asyl nachsuchte.
B.
B.a Der minderjährige Beschwerdeführer wurde am 27. Januar 2021 (Erst-
befragung unbegleitete minderjährige Asylsuchende [EB UMA]) sowie am
17. Februar 2021 (Anhörung nach Art. 29 AsylG [SR 142.31]) – jeweils im
Beisein seiner zugewiesenen Rechtsvertretung beziehungsweise Vertrau-
ensperson – zu seiner Person und seinen Asylgründen angehört. Dabei
machte er im Wesentlichen folgenden Sachverhalt geltend:
B.b Aufgrund eines Erbstreits sei es in seiner Familie immer wieder
zu Konflikten gekommen. Sein Onkel väterlicherseits habe vor etwa zehn
Jahren seinen Vater umbringen lassen und Anspruch auf seine Ländereien
erhoben. Die Mutter habe nach dem Tod ihres Mannes Anzeige erstattet
und ein Gerichtsverfahren angestrengt. Sein Onkel sei jedoch gut mit den
Lokalbehörden vernetzt und sichere seine Position durch Schmiergeld-
zahlungen ab, weshalb es bisher nie zu einer Verurteilung gekommen sei.
Seit dem Tod seines Vaters sei die Situation angespannt und der Onkel
habe auch das Haus beansprucht, in dem er mit seiner Mutter und einigen
seiner Geschwister gelebt habe. Seine Mutter habe sich – nicht zuletzt
aufgrund ihrer desolaten finanziellen Lage – stets geweigert, das Haus zu
verlassen. Im Juli 2018 sei der Konflikt erneut eskaliert. Sein Cousin und
weitere Personen hätten sich mit Stöcken bewaffnet Zutritt zum Haus ver-
schafft und seien auf sie losgegangen. Während dieses Handgemenges
seien sein gelähmter Bruder und einer der Gegner verletzt worden. Seine
Mutter habe daraufhin befürchtet, die Angehörigen väterlicherseits würden
ihn für die Verletzung des Gegners verantwortlich machen und sich an ihm
rächen wollen. Sie habe ihm deshalb geraten wegzugehen, zumal er nebst
seinem gelähmten Bruder und einem Jahre zuvor verstossenen Bruder der
einzige männliche Nachkomme sei. Seit seiner Ausreise sei es zu weiteren
Konflikten gekommen und seine Verwandten hätten nach ihm gesucht.
Nach seiner Flucht aus dem Heimatstaat sei er in Griechenland von einem
Mann sexuell missbraucht worden und seither fühle er sich zu Männern
hingezogen. Seine Mutter habe ihm aber gesagt, dass Homosexualität in
Pakistan verboten sei und man ihn deswegen umbringen würde.
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B.c Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer
unter anderem seinen Geburtsschein sowie mehrere Polizeianzeigen und
andere Unterlagen betreffend den Familienzwist zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 2. September 2021 – gleichentags eröffnet – verneinte
das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein
Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an, wobei
es den Vollzug der Wegweisung zugunsten einer vorläufigen Aufnahme in
der Schweiz aufschob.
D.
D.a Der Beschwerdeführer liess mit Eingabe an das Bundesverwaltungs-
gericht vom 4. Oktober 2021 Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfü-
gung erheben. Darin beantragte er, die Dispositivziffern 1–3 der angefoch-
tenen Verfügung seien aufzuheben und ihm sei unter Anerkennung seiner
Flüchtlingseigenschaft in der Schweiz Asyl zu gewähren; eventualiter sei
die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
D.b In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG einschliesslich des Ver-
zichts auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 22. Oktober 2021 hiess der Instruktionsrichter
das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Prozessführung
gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und lud die
Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.
F.
Die Vorinstanz liess sich am 3. November 2021 zur Beschwerde verneh-
men und hielt dabei vollumfänglich an den Erwägungen in der angefochte-
nen Verfügung fest.
G.
Auf Zwischenverfügung vom 9. November 2021 hin replizierte der Be-
schwerdeführer am 24. November 2021 und hielt an seinen Rechtsbegeh-
ren fest.
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Seite 4

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel wie auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
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Seite 5
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1; vgl. auch Urteil des BVGer D-2282/2018 vom 5. April 2019
E. 5.1).
4.
4.1 Die Vorinstanz qualifizierte die Vorbringen des Beschwerdeführers als
asylrechtlich nicht relevant. Dem familiären Konflikt liege kein Motiv im Sinn
von Art. 3 AsylG zugrunde und die grundlegende Schutzfähigkeit und der
Schutzwille der pakistanischen Behörden sei zu bejahen. Weder der gel-
tend gemachten schlechten Sicherheitslage in seiner Heimatregion (an der
Grenze zu Indien) noch der Armut seiner Kernfamilie oder den
Ereignissen in Griechenland kämen asylrechtliche Relevanz zu. Soweit der
Beschwerdeführer geltend gemacht habe, sich seit dem Übergriff in
Griechenland homosexueller Neigungen bewusst geworden zu sein, sei
erkennbar, dass er deswegen subjektive Furcht vor Verfolgung für den Fall
einer Rückkehr empfinde. Die reine potenzielle Befürchtung einer mögli-
chen zukünftigen Verfolgung reiche jedoch nicht aus, diese Furcht voll-
umfänglich zu objektivieren. Es bedürfe einer beachtlichen Wahrscheinlich-
keit, dass sich seine Annahme drohender Verfolgung in absehbarer
Zukunft verwirkliche. Eine solche Wahrscheinlichkeit sei in seinem Fall je-
doch nicht unmittelbar erkennbar, weshalb es auch diesem Vorbringen
an flüchtlingsrechtlicher Relevanz fehle.
4.2 Zur Begründung seines Rechtsmittels führte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen aus, dass der familiäre Konflikt keine flüchtlingsrechtliche
Relevanz habe, werde nicht bestritten. Dies gelte aber nicht für seine
Homosexualität. Er sei sich dieser zwar erst nach dem Übergriff in Grie-
chenland bewusstgeworden; es sei aber davon auszugehen, dass er be-
reits in seinem Heimatstaat homosexuell gewesen sei, sich angesichts sei-
nes Alters (von [...] Jahren im Zeitpunkt der Ausreise) und des sozio-
kulturellen Hintergrunds aber nie mit der Thematik auseinandergesetzt
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habe. Seine kulturelle Prägung führe dazu, dass er sich auch in der
Schweiz mit seiner Sexualität schwertue und er zwischen dem Wunsch,
diese auszuleben, sowie dem Bedürfnis, sie geheim zu halten, hin- und
hergerissen sei. Die Vorinstanz stelle seine Homosexualität zu Recht nicht
in Frage. Allerdings verkenne sie in ihrer Beurteilung die Situation von
LGBT-Menschen in Pakistan. Gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen
seien gesetzlich verboten und homosexuelle Handlungen würden mit
Peitschenhieben, Haft oder dem Tod bestraft. Ein Outing habe negative
Folgen für die betroffenen Personen, da sie sich dadurch Gewalt und Dis-
kriminierung seitens der Gesellschaft und der Familie aussetzen würden.
Ausserdem sei es für Betroffene schwierig, polizeilichen Schutz zu erhal-
ten, und es fehle in diesen Konstellationen am staatlichen Schutzwillen.
Zudem sei unklar, wie seine Mutter zu seiner Sexualität stehe. Sie habe ihn
jedenfalls mit Blick auf seine sexuelle Orientierung vor einer Rückkehr
gewarnt. Er müsse ausserdem davon ausgehen, Opfer von Gewalt zu
werden, sollten seine – ohnehin gewalttätigen – Angehörigen seine Homo-
sexualität auch nur vermuten. Somit wäre er gezwungen, seine sexuelle
Orientierung zu verheimlichen und zu verleugnen, was zum einen uner-
träglichen psychischen Druck und zum anderen die ständige Angst vor
einem Outing auslösen würde. Aufgrund der Umstände, welchen Homo-
sexuelle in Pakistan ganz allgemein gegenüberstünden, sowie seiner per-
sönlichen Situation mit seiner Verwandtschaft sei seine subjektive Furcht,
die Homosexualität könnte entdeckt werden, objektiv begründbar. Diese
würde sich zudem mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer
Zukunft realisieren.
4.3 Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung an ihren Erwägungen in
der angefochtenen Verfügung betreffend die Homosexualität fest. Ergän-
zend führte sie aus, Homosexualität sei in Pakistan zwar illegal und tabu,
werde aber selten strafrechtlich verfolgt. Homosexuelle seien in diesem
Land zwar Diskriminierungen, mit grosser Wahrscheinlichkeit aber keiner
asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt. Die begründete Furcht vor einer
wahrscheinlichen Verfolgung sei vorliegend nicht gegeben und könne – wie
bereits im Asylentscheid ausgeführt – nicht objektiviert werden. Seine
Mutter habe ihn zwar vor einer Rückkehr gewarnt, aber eine direkte und
sofortige familiäre Isolation oder Sanktionierung sei nicht ersichtlich. Aus-
serdem gebe es keine Anhaltspunkte, dass er bei einer Rückkehr aufgrund
seiner sexuellen Orientierung gezielte Verfolgung seitens seiner entfernten
Verwandten oder in der Folge durch den Staat zu befürchten hätte, zumal
der Kontakt in der zerstrittenen Familie bereits stark eingeschränkt sei und
es sich bei entsprechenden Befürchtungen um reine Spekulation handle.
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Unter Berücksichtigung der persönlichen Umstände des Beschwerde-
führers sei ausserdem kein unerträglicher psychischer Druck von asyl-
relevantem Ausmass erkennbar. Die Auseinandersetzung mit der sexuel-
len Orientierung könne schwierig und belastend erscheinen, dennoch habe
er sich seiner Mutter mitteilen können und die bloss potenzielle Wahr-
scheinlichkeit einer Verfolgung sei nicht geeignet, einen unerträglichen
psychischen Druck im geforderten Sinn objektiv zu begründen.
4.4 In seiner Replik führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus,
es sei zu gefährlich, seine Sexualität in seinem Heimatstaat auszuleben.
Diverse Quellen würden belegen, dass homosexuelle Personen in Pakis-
tan aktuell keinen genügenden Schutz erfahren würden und sie Gefahr
liefen, diskriminiert, verfolgt oder getötet zu werden. Um Bedrohungen für
Leib und Leben – insbesondere auch durch die ihm feindlich gesinnte
erweiterte Familie – abzuwenden, sei er gezwungen, seine sexuelle
Orientierung geheim zu halten, und werde dadurch einem unerträglichen
psychischen Druck ausgesetzt.
5.
5.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Vorinstanz die Vorbringen des Beschwerdeführers
– auch soweit diese die Befürchtungen von Verfolgung infolge Homo-
sexualität betreffen – zu Recht als flüchtlingsrechtlich nicht relevant quali-
fiziert hat. Die Ausführungen in der Beschwerdeschrift vermögen den
Erwägungen des SEM nichts Stichhaltiges entgegenzusetzen. Somit kann
vorab auf die zutreffenden Erwägungen der angefochtenen Verfügungen
verwiesen werden.
Die Frage der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers kann
unter diesen Umständen offenbleiben.
5.2 Wie von der Vorinstanz festgestellt, ist es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen, seine subjektive Befürchtung einer potenziellen, zukünftigen
Verfolgung zu objektivieren, womit es diesbezüglich an asylrechtlicher Re-
levanz fehlt:
5.2.1 Die Annahme begründeter Furcht setzt nach konstanter Rechtspre-
chung unter anderem voraus, dass er bei einer Rückkehr erhebliche Nach-
teile gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in
absehbarer Zukunft zu gewärtigen hätte (vgl. etwa BVGE 2013/11 E. 5.1
und 2011/51 E. 6.1, je m.w.H.).
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5.2.2 Dies ist offenkundig nicht der Fall (und zwar ungeachtet der Tatsache,
dass der Beschwerdeführer in der Schweiz vorläufig aufgenommen ist und
die Rückkehr nach Pakistan deshalb gänzlich hypothetisch erscheint):
5.2.3 Zunächst einmal würde der Beschwerdeführer – gemäss heutiger Ak-
tenlage – nicht zusammen mit einem Partner, sondern als alleinstehende
Person nach Pakistan reisen. Die Frage, ob und gegebenenfalls wann
er dort eine gleichgeschlechtliche Beziehung aufnehmen würde, ist ebenso
offen wie die konkreten Umstände, unter denen diese Partnerschaft dann
gelebt würde respektive werden könnte. Dass ihn individuell-konkrete Ver-
folgungsmassnahmen mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer
Zukunft treffen würden, ist schon aus diesem Grund nicht anzunehmen.
5.2.4 Auch mit Blick auf eine allfällige Verfolgung seitens seiner gewalt-
tätigen Verwandten ergibt sich kein anderes Bild: Einerseits ist der
Beschwerdeführer nicht geoutet, zumal er einzig seine Mutter über seine
Erlebnisse in Griechenland und seine angeblich anschliessend entdeckte
Homosexualität unterrichtet habe. Sie habe denn auch – wie von der Vor-
instanz in ihrer Vernehmlassung zu Recht festgehalten – nicht mit Unver-
ständnis reagiert (vgl. act. A11/11 Ziff. 9.01 und act. A15/11 F49 ff., ins-
besondere F54). Andererseits erscheint die Annahme gesucht, er müsse
in sein Heimatdorf zurückkehren, gerate dann wieder mit den Verwandten
aneinander und könne sich – aufgrund seiner zwischenzeitlich bekannt ge-
wordenen Homosexualität – nicht mehr auf staatlichen Schutz verlassen.
In diesem Zusammenhang lässt sich festhalten, dass der Beschwerde-
führer sich zum einen ausserhalb des Heimatdorfes niederlassen könnte
(beispielsweise wiederum bei seiner Schwester in B._; vgl.
act. A11/11 Ziff. 7.01 und act. A15/11 F36) und zum anderen die Entde-
ckung seiner sexuellen Orientierung durch die entfernte Verwandtschaft
rein spekulativer Natur ist. Auch insoweit ist offensichtlich keine begründete
Furcht vor Verfolgung anzunehmen.
5.2.5 Im Übrigen geht das Bundesverwaltungsgericht in seiner bisherigen
– nach wie vor gültigen – Praxis nicht davon aus, dass homosexuelle
Personen in Pakistan einer Kollektivverfolgung ausgesetzt wären (vgl.
etwa Urteil des BVGer E-4373/13 vom 25. Oktober 2013 E. 4.4.3).
5.3 Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass die Vorinstanz zu
Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein
Asylgesuch abgelehnt hat. Für die eventualiter beantragte Rückweisung
der Sache an die Vorinstanz besteht ebenfalls keine Veranlassung.
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Seite 9
6.
Lehnt das SEM ein Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.)
7.
Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 2. September 2021 die Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festgestellt und die vorläufige
Aufnahme des Beschwerdeführers angeordnet hat, erübrigen sich praxis-
gemäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit und Möglichkeit des Weg-
weisungsvollzugs.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt.
Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Instruktions-
verfügung vom 22. Oktober 2021 sein Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen
wurde und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich seine finanzielle
Lage seither entscheidrelevant verändert hätte, ist von der Auflage von
Verfahrenskosten abzusehen.
(Dispositiv nächste Seite)
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