Decision ID: 5c565aa5-56a3-4adb-b6bf-744fcff31d35
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 5./6. November 2018 (IV-act. 1) wegen eines seit März
2018 bestehenden Asthma bronchiale bei der Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des
Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Die Suva
kläre die Sache (betreffend Asbest-/Staubexposition) ab. Er sei seit August 1994 als
_ angestellt.
A.a.
Dr. med. B._, Praktischer Arzt, gab in seinem ärztlichen Bericht zur
Eingliederung vom 13. November 2018 (IV-act. 9) an, es lägen ein Asthma bronchiale
late onset, ED 07/2018, GINA 3, bei Staubexposition, Asbest nicht auszuschliessen,
und Nikotin 35 py, sistiert 05/2018, sowie multiple Pleuraplaques, DM (Diabetes
mellitus) II, und eine arterielle Hypertonie vor. Er habe den Versicherten ab 29. Mai
2018 arbeitsunfähig geschrieben, weil eine Abklärung der Suva am Arbeitsplatz
betreffend eine arbeitsplatzbezogene Arbeitsunfähigkeit bei Feinstaubexposition laufe.
Der Versicherte leide an einer Anstrengungsdispnoe. Im Alltag bestünden keine
Einschränkungen und für leichte Tätigkeiten (wechselnd im Sitzen und im Stehen)
bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Es gebe keine Gründe, die gegen einen
sofortigen Beginn der Wiedereingliederung sprächen.
A.b.
Im Fragebogen vom _. _ 2018 (IV-act. 11) bestätigte die Arbeitgeberin, der
Versicherte stehe in ungekündigtem Verhältnis. Er habe im Jahr 2016 (unter Einschluss
einer Erfolgsbeteiligung) Fr. 83'_._ und 2017 Fr. 80'_._ verdient.
A.c.
Am 20. November 2018 (IV-act. 12) übermittelte die Suva Kopien ihrer wichtigsten
Akten (Fremd-act. 31, 33). - In einem Bericht von Dr. med. C._, Fachärztin für Hals-,
A.d.
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Nasen- und Ohrenkrankheiten, vom 27. Januar 2014 (Fremd-act. 21-3) etwa war von
einem Status nach protrahierter Laryngitis mit inkompletter Parese des linken
Stimmbands und einem Nikotinabusus sowie beruflicher Raucheinwirkung berichtet
worden, in einem Bericht vom 30. April 2018 (Fremd-act. 21-5) von einem infizierten
Gehörgangsekzem links mit Myringitis und Gehörgangsexostosen links mehr als
rechts. - Die Radiologie Nordost hatte am 18. Mai 2018 (Fremd-act. 10) vorgefundene
multiple Pleuraplaques mit Verkalkungen beschrieben, die auf eine chronische
Staubinhalation/Asbest hinweisend sein könnten, ausserdem ein sehr gering
ausgeprägtes apikal betontes zentro-azinäres Emphysem. - In einem Arztzeugnis UVG
vom 20. Juli 2018 (Fremd-act. 11) hatte Dr. B._ beim "Unfalldatum" jenes vom
29. Mai 2018 erwähnt und eine volle Arbeitsunfähigkeit des Versicherten vom 25. Juni
2018 bis 19. August 2018 gemeldet. - Der Versicherte hatte der Suva am 10. August
2018 (Fremd-act. 19) erklärt, alles habe im Frühjahr 2016 mit einer leichten Heiserkeit
begonnen, die bis zur (drei Monate anhaltenden) Stimmlosigkeit zugenommen habe.
Ab 2018 hätten sich die Atembeschwerden verschlechtert.
Ebenfalls am 20. November 2018 erfolgte eine Aktenedition der
Krankentaggeldversicherung (vgl. Fremd-act. 32). - Am 9. Juli 2018 (Fremd-act. 32-6)
war demnach eine Krankmeldung ergangen. - Dr. B._ hatte am 5. September 2018
(Fremd-act. 32-22 f.) erklärt, am angestammten Arbeitsplatz sei der Versicherte bis zur
Klärung der Ätiologie der Beschwerden nicht einsatzfähig, in einer anderen Tätigkeit
unter Berücksichtigung der gesundheitlichen Einschränkungen (wie chronischen
Hustens, Heiserkeit, Belastungsdyspnoe NYHA II) aber voll arbeitsfähig. In Frage
kämen etwa eine Tätigkeit als Kassierer oder Chauffeur.
A.e.
Am 26. November 2018 (IV-act. 16) reichte das Lungenzentrum, Klinik für
Pneumologie und Schlafmedizin sowie Klinik für Thoraxchirurgie, am Kantonsspital
St. Gallen Arztberichte ein. In einem Bericht vom 15. Juni 2018 (IV-act. 20) war
festgehalten worden, der Versicherte sei wegen eines seit ein paar Monaten
bestehenden chronischen Hustens, begleitet von Auswurf, zugewiesen worden und es
bestünden eine Dyspnoe mMRC (modified Medical Research Council Dyspnea Scale) 2
(tags und nachts) ohne Attacken und eine Rhinoconjunktivitis sowie Heiserkeit. Wegen
Letzterer und des Hustens werde eine asthmatische Komponente vermutet. Vor drei
Wochen habe eine HNO (Hals-, Nasen-, Ohrenkrankheiten; auch ORL, Oto-Rhino-
A.f.
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Laryngologie)-Untersuchung stattgefunden, ausserdem sei dem Versicherten eine PPI
(Protonenpumpen-Inhibitoren)-Therapie verschrieben worden, die eine Besserung
gebracht habe. Im CT-Thorax hätten sich Pleuraplaques und emphysematöse
Lungenveränderungen gezeigt, die für den beschriebenen Nikotinabusus typisch seien.
Die Lungenvolumina und die Diffusion seien normal gewesen. Bei den Diagnosen
figurierte auch eine Psoriasis. - In einem Bericht vom 6. September 2018 (IV-act. 17)
war darauf hingewiesen worden, dass unter der etablierten Steroidtherapie keine
ausreichende Symptomkontrolle habe erreicht werden können. Der Versicherte sei im
Alltag deutlich beeinträchtigt und habe noch nicht die erstrebte Leistungsfähigkeit
erreicht. Er habe berichtet, er gehe täglich etwa eine Stunde auf der Geraden spazieren
und müsse wegen der Dyspnoe bis zu dreimal anhalten. Er erwache nachts nicht
wegen der respiratorischen Problematik.
Am 24. Januar 2019 (Fremd-act. 43 f.) und am 29. März 2019 (Fremd-act. 45, 62)
gingen weitere Suva-Akten ein. - In einer technischen Expositionsbeurteilung vom
12. Oktober 2018 (Fremd-act. 35) war festgehalten worden, eine Exposition des
Versicherten (in den Jahren 2013 bis 2018) gegenüber atemwegsreizenden Stoffen (_
und _) könne als gesichert betrachtet werden. Eine Exposition gegenüber
atemwegssensibilisierenden Arbeitsstoffen sei unklarer, könne aber aufgrund von
fehlenden toxikologischen Daten auch nicht ausgeschlossen werden.
A.g.
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung hielt am 4. März
2019 (IV-act. 30) dafür, der Versicherte sei vom 29. Mai 2018 bis 20. August 2018 in der
angestammten Tätigkeit voll arbeitsunfähig gewesen (Suva-Abklärung). Es handle sich
um eine leichte körperliche Tätigkeit, die wechselbelastend, aber überwiegend im
Stehen, ausgeübt werden müsse. Das Asthma sei nicht arbeitsplatzbezogen. Die
Leistungsfähigkeit habe sich unter geeigneter Therapie verbessert. Der Versicherte sei
in der angestammten Tätigkeit voll arbeitsfähig. Wegen der langen Abwesenheit mit
entsprechender Dekonditionierung sei eine langsame Wiedereingliederung mit einem
initialen Pensum von vier Stunden pro Tag mit Steigerung auf ein volles Pensum
innerhalb von zwei Monaten zu empfehlen.
A.h.
Am 29. März 2019 (Fremd-act. 62, 61, 69) wurden von der Suva neue Akten
zugestellt und es wurde mitgeteilt, die Berufskrankheit werde anerkannt. - Das
A.i.
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Lungenzentrum am Kantonsspital St. Gallen hatte am 4. Februar 2019 (Fremd-act. 50)
berichtet, bei der damaligen Ergospirometrie sei eine unterdurchschnittliche
Leistungsfähigkeit bezüglich der geleisteten Arbeit (73 % Soll) und bezüglich der
maximalen Sauerstoffaufnahme (75 %) festzustellen gewesen. Am wahrscheinlichsten
sei eine muskulo-skelettale Ursache bei Dekonditionierung. Die Leistungsfähigkeit habe
im Vergleich zu November 2018 um etwa 20 % zugenommen. Eine pulmonale
Limitierung habe sich nicht gezeigt. - Dr. med. D._, Facharzt für Arbeitsmedizin und
Allgemeinmedizin, hatte am 7. März 2019 (Fremd-act. 51) festgehalten, der aktuelle
Arbeitsplatz des Versicherten verfüge über Absaugungen. Der (von 2013 bis 2018
innegehabte) Arbeitsplatz existiere nicht mehr, vergleichbare Arbeitsplätze seien aber
noch vorhanden. Da die Pneumologen die Heiserkeit auf einen persistierenden Reflux
zurückgeführt hätten, seien die aktuellen HNO-Berichte erforderlich. - Dr. med. E._,
Fachärztin für Arbeitsmedizin, hatte am 29. März 2019 (Fremd-act. 59) berichtet, der
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich ab 2018 verschlechtert, indem die
Heiserkeit zugenommen habe und Atembeschwerden auftreten seien. Er habe von
1977 bis 1979 eine zweijährige Anlehre als _ gemacht und bis 1994 als solcher
gearbeitet. An seiner anschliessenden Stelle sei er einem weissen Pulver von _
ausgesetzt gewesen, das bei der _bearbeitung ausfalle, ausserdem von 2013 bis
2018 atemwegreizenden Inhaltsstoffen aus _. Sie empfehle, die Pleuraplaques zur
Übernahme nach Art. 9 Abs. 1 UVG mit Listenstoff Asbeststaub. Die
Asthmaerkrankung und die ORL-Beschwerden dagegen seien lediglich möglicherweise
auf die beruflichen Expositionen zurückzuführen.
In einem Assessment- und Verlaufsprotokoll vom 13. Mai 2019 (IV-act. 33) über ein
Gespräch vom 3. Mai 2019 wurde festgehalten, der Versicherte habe berichtet, man
habe ihm gesagt, er dürfe seine bisherige Arbeit nicht mehr machen, denn andernfalls
würde sich sein Gesundheitszustand verschlechtern. Sein Hausarzt habe auch von der
Gefahr gesprochen, dass sich ein Tumor bilde. Er sei inzwischen ein Jahr lang zuhause
gewesen und das sei schwer gewesen. Er arbeite insgesamt seit bald 25 Jahren bei
seiner Arbeitgeberin und habe beabsichtigt, sich mit 63 Jahren pensionieren zu lassen.
Die Suva habe ihm vor drei Wochen bestätigt, dass er nicht mehr an den Arbeitsplatz
zurückkehren könne. Er könne aber gut mit dem PC umgehen und sei offen für eine
neue Aufgabe und für entsprechende Kursbesuche. - Später wurde weiter dargelegt,
A.j.
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im Verlauf habe der Versicherte gezweifelt, ob Schulungen noch Sinn machten. Zu
beruflichen Massnahmen habe er sich nicht in der Lage gesehen. Er wolle wohl erst die
gesundheitliche Situation geklärt haben, bevor er an die berufliche Integration denken
könne.
In einem Untersuchungsbericht vom 16. April 2019 (IV-act. 39) hatte das
Lungenzentrum am Kantonsspital St. Gallen als erste Diagnose einen chronischen
Husten und Heiserkeit multifaktorieller Genese (bei u.a. Asthma bronchiale late onset;
in früheren Berichten war dieses erste Diagnose gewesen) bezeichnet. Der Versicherte
habe erklärt, der Husten sei unter Inhalation deutlich weniger geworden, nach wie vor
bestünden jedoch Heiserkeit und Anstrengungsdyspnoe. Refluxbeschwerden habe er
nicht. Als zusätzlichen Grund für Husten und Heiserkeit hätten sich Hinweise auf einen
laryngealen Reflux ergeben. Es sei eine doppelte PPI-Dosis zu empfehlen. Der Befund
sei klinisch und lungenfunktionell im Vergleich zu Februar 2019 unverändert. - Dr. B._
gab in einem IV-Arztbericht vom 16. Mai 2019 (IV-act. 41) an, er behandle den
Versicherten seit 30. Mai 2018. Von Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien ein
chronischer Husten und Heiserkeit multifaktorieller Genese. Heiserkeit und
Anstrengungsdispnoe bestünden weiter, der Husten sei jedoch deutlich weniger
geworden. Die bisherige Arbeit sei seit 29. Mai 2018 nicht mehr zumutbar, eine
adaptierte Tätigkeit aber an acht Stunden pro Tag. - Der RAD ging am 18. Juni 2019
(IV-act. 45-3) von einer vollen Arbeitsfähigkeit des Versicherten in körperlich leichten
Tätigkeiten aus. Ebenso stellte er am 31. Oktober 2019 (IV-act. 47-2) fest, der
Versicherte sei medizintheoretisch in einer adaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähig (vgl.
IV-act. 47, Mitte und unteres Drittel). Es wurde weiter angenommen, der Gutachter
habe eine Einarbeitungsphase und Rekonditionierung nach langer Absenz vom
Arbeitsplatz vorgesehen und sei deshalb initial von einem Pensum von 50 %
ausgegangen. Dieses Pensum sollte innerhalb von sechs Monaten auf ein volles
Pensum gesteigert werden können.
A.k.
Am 27. Mai 2019 (Fremd-act. 80) erfolgte eine Aktenedition der Krankentaggeld
versicherung, am 13. Juni 2019 (Fremd-act. 83 f.) eine solche der Suva. - Dr. med.
F._, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten, hatte am 30. August 2018 (Fremd-
act. 99-2) berichtet, es liege beim Versicherten eine chronische Raucherlaryngitis in
Kombination mit Reflux vor. Auf Gabe des PPI und nachmittäglich von Lansoprax hin
A.l.
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sei die Stimme des Versicherten innerhalb eines Monats viel belastbarer geworden.
Heiserkeit bestehe noch aufgrund des leichten Reinckeödems. - Die Suva schrieb der
Krankenversicherung am 18. September 2019 (Fremd-act. 102), die
berufskrankheitsbedingten Beschwerden begründeten offensichtlich keine
Arbeitsunfähigkeit, weshalb auch kein Taggeld geschuldet sei. Sie hatte gemäss Mail
vom 11. April 2019 (Fremd-act. 80-169) auch zur Auskunft gegeben, es seien keine
Arbeitsplatzanpassungen angezeigt.
Am 22. Oktober 2019 (Fremd-act. 104-1) übermittelte die
Krankentaggeldversicherung des Versicherten weitere Akten. - Gleichentags (Fremd-
act. 104-2 f.) hatte sie den Versicherten darüber informiert, dass er gemäss einer
medizinischen Beurteilung durch Dr. med. G._, Facharzt für Pneumologie und Innere
Medizin, in einer leidensangepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei, und ihn
aufgefordert, sich schnellstmöglich beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
anzumelden. - Dr. G._ hatte in seinem Gutachten vom 19. September 2019 (Fremd-
act. 104-5 ff.) als Diagnose mit Bezug zur Arbeitsfähigkeit ein Asthma bronchiale intr.
([intrinsisch, gemäss Pschyrembel syn. infektbedingt] late onset) bezeichnet. Ohne
Bezug zur Arbeitsfähigkeit seien eine Pleuraasbestose, eine arterielle Hypertonie und
ein latenter Diabetes mellitus II. Es sei davon auszugehen, dass der Versicherte mit den
Befunden der Pleuraasbestose schon viele Jahre gelebt und gearbeitet habe (die
Exposition sei wahrscheinlich von 1977 bis 1994 erfolgt). Wahrscheinlich liege eine
Kombination von Asthma und chronischer Bronchitis (COPD) vor, wobei von COPD
angesichts der weitgehend normal gemessenen Lungenfunktion gar nicht gesprochen
werden dürfe. Durch eine Therapie des Asthmas seien noch Verbesserungen zwischen
null und 30 % möglich, mehr wäre höchst unwahrscheinlich. Die inhalative Belastung
mit Staub aus Natriumtetraborat (Boraxstaub) sei nicht direkter Auslöser des Asthmas,
habe aber Beschwerden an den Atemwegen verschlimmern können. Eine neue
Exposition sei daher nicht opportun. Eine Beschäftigung am bisherigen Arbeitsplatz,
den es aber nicht mehr gebe, wäre nicht mehr möglich. Die Arbeitgeberin habe aber
viele Produktionsplätze, so dass dem Versicherten wahrscheinlich ein Arbeitsplatz
ohne inhalative Belastung angeboten werden könne. Da die Lasten mit maschinellen
Hebevorrichtungen transportiert würden, sei eine kräftemässige Überlastung dabei
unwahrscheinlich. Daher sei ein Arbeitsversuch mit zunächst 50 % Zeit bei voller
A.m.
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Leistung zu empfehlen. Da eine kräftemässige Überbelastung nicht auftreten dürfte, sei
nicht ausgeschlossen, dass auch eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit zeitlich zwischen
50 und 100 % möglich sei; das müsse sich aber in der Realität erweisen. Der
Versicherte könne grössere Lasten nicht häufiger oder für längere Zeit tragen oder
heben (Grenze etwa bei 10 kg mehrmals pro Stunde oder länger als eine Minute am
Stück). Er könne - was bedeutender sei - nicht in einer Umgebung mit feuchtheisser,
feuchtwarmer oder feuchtkalter Luft, mit Dämpfen, Gerüchen, Stäuben oder ähnlichen
inhalativen Reizen oder mit inhalativer Infektionsgefahr, etwa in zugiger Luft mit vielen
Menschen, arbeiten. Es seien dem Versicherten (sc. unter diesen Voraussetzungen) alle
Arbeiten am Schreibtisch, Transportarbeiten in der Ebene mit Hilfsmitteln,
Schulungstätigkeiten, Arbeiten an stationären Maschinen und "alle indirekten
Kommunikationstätigkeiten" möglich; das wären im Vergleich zu seiner früheren
Tätigkeit 100 % Leistung. Auf dem Arbeitsmarkt, der oft auch mit den Erfordernissen
des Bewegens schwerer Lasten und eines höheren Kraftaufwands einhergehe, wären
dem Versicherten 50 % Leistung zumutbar, nach einer Eingewöhnungsphase dürfte
auch eine Steigerung möglich sein, vielleicht sogar bis 100 %. Theoretisch sei er auf
dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu 100 % (Zeit und Leistung) arbeitsfähig. Praktisch
werde er das aber sehr wahrscheinlich wegen der Wechselhaftigkeit der Beschwerden
beim Asthma nur zeitweise erreichen, was auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt von
Arbeitgebern wegen zeitweise auch deutlicheren Leistungseinbussen und der
Unvorhersehbarkeit der Entwicklung dieser Erkrankung oft nicht toleriert werden
könne.
In einem Bearbeitungsblatt vom 21. Februar 2020 (IV-act. 55) wurde festgehalten,
der Versicherte habe am 21. November 2019 mitgeteilt, man habe ihm die Kündigung
vorangezeigt und er wolle deshalb versuchen, in das Frühpensionierungsprogramm zu
kommen. Am 20. Februar 2020 habe er angegeben, nun die Kündigung auf Ende
Februar 2020 erhalten zu haben. Auf Anraten des Hausarztes sei er nun in Abklärung
wegen einer Depression und sei bis mindestens 31. März 2020 voll arbeitsunfähig
geschrieben. Die Anmeldung beim RAV sei erfolgt, wegen der Arbeitsunfähigkeit sei er
aber wieder abgemeldet. Er hoffe, ohne berufliche Massnahmen der IV auszukommen
und wolle darauf verzichten (vgl. IV-act. 55-5 f.). - In einem Assessment- und
Verlaufsprotokoll vom 17. Januar 2020 (IV-act. 53) über ein Gespräch vom 14. Januar
A.n.
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2020 hatte die IV-Eingliederungsverantwortliche darauf hingewiesen, dass der
Versicherte insgesamt mit der Situation überfordert zu sein scheine (vgl. IV-act. 53-3).
Am 19. Februar 2020 (IV-act. 53-5) hatte sie weiter festgehalten, er sei nun wegen einer
Depression in Abklärung im Psychiatrie-Zentrum. Er könne über die Pensionskasse
eine Lohnfortzahlung erhalten, weil die Invalidenversicherung involviert und solange er
zu 100 % arbeitsunfähig sei. Er hoffe, keine Arbeit mehr suchen zu müssen. Er sei aus
ihrer (der IV-Eingliederungsverantwortlichen) Sicht sehr eingeschränkt, was die
Einsatzmöglichkeiten betreffe, sei 61 Jahre alt, verfüge über keinerlei PC-Kenntnisse
und habe seit 1994 als _ (ohne Ausbildung) gearbeitet. Es müsste ein
Nischenarbeitsplatz gefunden werden.
Am 13. März 2020 (IV-act. 57) teilte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des
Kantons St. Gallen dem Versicherten mit, weitere berufliche Massnahmen seien nicht
angezeigt, da er sie nicht wünsche.
A.o.
Dr. B._ teilte im IV-Bericht vom 12. Mai 2020 (IV-act. 61) mit, der Versicherte sei
weiterhin voll arbeitsunfähig. Erstmals im Herbst 2018 sei eine Anpassungsstörung
aufgetreten. Der Arzt diagnostizierte zusätzlich eine solche Störung mit längerer
depressiver Reaktion. Es liege eine psychische Einschränkung vor. Wie viele Stunden
pro Tag eine angepasste Tätigkeit zumutbar sei, liess er offen. - Das Psychiatrie-
Zentrum hatte dem Arzt gegenüber in einem Eintrittsbericht vom 31. Januar 2020 (IV-
act. 64) die genannte Diagnose angegeben. Der Versicherte sei aufgrund von
lebenssituativen Belastungsmomenten zugewiesen worden. Seine Arbeitsfähigkeit
werde zurzeit als deutlich eingeschränkt betrachtet. Der Versicherte habe berichtet, er
habe bereits eine Krankschreibung durch Dr. B._ bis Ende März 2020. Diese solle im
weiteren Verlauf neu evaluiert werden.
A.p.
Im IV-Arztbericht vom 5. August 2020 (IV-act. 66) gab das Psychiatrie-Zentrum
bekannt, es liege seit Herbst 2018 eine leichte depressive Episode vor und die
Arbeitsfähigkeit sei auf 50 % (vier Stunden pro Tag) eingeschränkt. Es sei von einer
künftigen Steigerung auszugehen.
A.q.
Die Hals-Nasen-Ohrenklinik am Kantonsspital St. Gallen hatte in einem Bericht
vom 6. Juli 2020 (IV-act. 75) bekanntgegeben, es lägen beim Versicherten u.a. eine
A.r.
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chronische Laryngitis und ein Stimmlippenpolyp links vor. Es bestehe eine Dysphonie.
Es werde zur Abtragung des Polypen geraten. - Die Radiologie Nordost hatte in einem
Bericht vom 7. Juli 2020 (IV-act. 76) über ein CT Thorax erklärt, die Anzahl und die
Grösse der Pleuraplaques sei seit 2018 stationär geblieben.
Dr. med. I._, Praktischer Arzt, wies den Versicherten am 12. September 2020
(IV-act. 78-2) an einen Gastroenterologen, weil er über Unterbauchschmerzen,
bestehend seit Tagen, ausserdem über eine ausgesprochene Müdigkeit, geklagt habe.
Eventuell liege eine Divertikulitis, eventuell ein Tumor, vor. - PD Dr. med. H._,
Facharzt für Gastroenterologie, gab Dr. I._ am 28. Oktober 2020 (IV-act. 94) bekannt,
es hätten sich im Kolon ascendens und im Kolon sigmoideum je ein Polyp gefunden,
die abgetragen worden seien. Ausserdem liege u.a. eine ausgeprägte Divertikulose des
Kolon sigmoideum und des Kolon descendens vor.
A.s.
Das Psychiatrie-Zentrum erklärte in einem IV-Verlaufsbericht vom 4. Dezember
2020 (IV-act. 84), das psychiatrische und somatische Zustandsbild sei unverändert
geblieben. Der Versicherte habe angegeben, die Corona-Situation belaste ihn
zusätzlich, der soziale Rückzug habe sich verstärkt.
A.t.
Der RAD befürwortete am 14. Dezember 2020 (IV-act. 85) abzuklären, ob seit 2019
pneumologische Abklärungen und ob die Koloskopie wegen des Verdachts auf
Divertikulitis stattgefunden hätten. - Am 11./22. Januar 2021 (IV-act. 101) hielt er (eine
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und ein Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie) fest, bei einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion
könne versicherungspsychiatrisch eine Arbeitsunfähigkeit von ca. 50 % für maximal
zwei bis drei Monate als plausibel erachtet werden. Es werde denn auch keine
antidepressive Behandlung durchgeführt. Medizintheoretisch sei mindestens in einer
adaptierten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 80 bis 100 % auszugehen.
A.u.
Mit Vorbescheid vom 18. Februar 2021 (IV-act. 104) wurde dem Versicherten bei
einem Invaliditätsgrad von 21 % (Valideneinkommen Fr. 84'916.--, Invalideneinkommen
Fr. 66'804.--) die Abweisung seines Gesuchs vom November 2018 in Aussicht gestellt.
In ideal angepassten Tätigkeiten sei er aus versicherungsmedizinischer Sicht zu 100 %
arbeitsfähig.
A.v.
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Mit Einwand vom 26. März 2021 (IV-act. 107) liess der Versicherte durch seinen
Rechtsvertreter eine volle (wohl: ganze) Rente ab 6. November 2018 beantragen,
eventualiter sei ein unabhängiges pneumologisches und psychiatrisches Gutachten zu
erstellen. Sowohl im psychiatrischen Verlaufsbericht vom 4. Dezember 2020 wie in der
RAD-Stellungnahme vom 14. Dezember 2020 sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50 %
die Rede. Allenfalls müsse wegen der medizinisch überholten pneumologischen
Anamnese ein Gutachten erstellt werden und es werde ein Arztbericht von Dr. med.
J._, Facharzt für Pneumologie und Innere Medizin, eingereicht werden. Zudem sei
das Invalideneinkommen viel zu hoch angesetzt worden. Es sei weder ein Leidens-
noch ein Teilzeitabzug berücksichtigt worden. Der Versicherte stehe kurz vor der
Pension und sei gesundheitlich sehr stark angeschlagen. Die erforderliche
Arbeitsplatzanpassung für den Versicherten sei nicht zu erwarten. Er brauche zudem
betriebsunübliche Pausen. Das Entgegenkommen eines Arbeitgebers müsste
unrealistisch gross sein. Der Versicherte sei aber ohnehin voll arbeitsunfähig, wie sich
u.a. aus dem beigelegten Arztzeugnis von Dr. B._ vom 25. März 2021 ergebe.
Innerhalb eines Monats habe der RAD die Beurteilung unbegründet geändert.
Abzustellen sei auf die vorangegangene Einschätzung vom 14. Dezember 2020. Der
Invaliditätsgrad des Versicherten betrage jedenfalls mindestens 70 %. - Dr. B._ hatte
den Versicherten am 25. März 2021 in einem Ärztlichen Zeugnis befristet für den Monat
April 2021 voll arbeitsunfähig geschrieben (IV-act. 107-19). - Mit einem
Ergänzungsschreiben vom 19. Juni 2021 (IV-act. 113) reichte der Rechtsvertreter des
Versicherten einen Konsiliarbericht von Dr. J._ an Dr. B._ samt verschiedenen
Untersuchungsberichten (dem Rechtsvertreter am 26. April 2021 zugestellt, IV-act. 114)
ein. Es ergebe sich daraus eine signifikante pneumologische Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit des Versicherten. - Dr. J._ hatte berichtet, es seien pulmonale
Ursachen der geklagten Anstrengungsdyspnoe gefunden worden, allerdings erst ab
submaximaler bis maximaler Belastung (gemessen an der errechneten
Sollarbeitskapazität). Unter Berücksichtigung der - verminderten - maximalen VO2
(Sauerstoffaufnahme) von 71 % Soll sei der Versicherte in seiner körperlichen
Leistungsfähigkeit bestimmt symptomlimitiert.
A.w.
Der RAD (die zuständige Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin) hielt am
28. Juni 2021 (IV-act. 115) dafür, der Psychiater des RAD habe am 22. Januar 2021
A.x.
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B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Fiechter für
den Betroffenen am 13. September 2021 erhobene Beschwerde (act. G 1). Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragt, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und es sei diesem ab dem 6. November 2018 eine volle (bzw. ganze) Rente
auszurichten, eventualiter sei ein unabhängiges pneumologisches und psychiatrisches
Gutachten zu erstellen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Er bekräftigt die
Vorbringen im Einwand. In den Akten werde dem Beschwerdeführer mehrmals eine
Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierter Tätigkeit von lediglich 50 % attestiert. Das
ärztliche Zeugnis von Dr. J._ dokumentiere die pneumologischen Einschränkungen
des Beschwerdeführers bestens. Es sei bei der Festsetzung des Invalideneinkommens
weder ein Leidensabzug berücksichtigt worden noch der Umstand, dass bei einer
Teilzeitarbeit mit erheblichen Einkommenseinbussen zu rechnen sei. Der
Beschwerdeführer sei bei den beruflichen Tätigkeiten gesundheitlich sehr stark limitiert.
Die vorwiegend auf Produktionstätigkeiten ausgerichteten Arbeitsplätze in der
Ostschweiz würden wegen der Covid 19-Lage immer rarer. Die Konkurrenz um
Arbeitsplätze mit verschiedenen einfachen Tätigkeiten sei erheblich. Deshalb könne
nicht davon ausgegangen werden, dass er mit seinen gesundheitlichen
Beeinträchtigungen bei der Auswahl von Arbeitnehmenden zum Zug komme. Die
erforderliche Arbeitsplatzanpassung für den Beschwerdeführer sei von einem künftigen
Arbeitgeber nicht zu erwarten, zumal ihm selbst im 24 Jahre andauernden
eine Arbeitsunfähigkeit von maximal 50 % für zwei bis drei Monate als plausibel
erachtet. Dr. G._ habe angenommen, die initiale Arbeitsfähigkeit des Versicherten
von 50 % sei innerhalb von sechs Monaten auf ein volles Pensum steigerungsfähig
(vgl. IV-act. 115-2). Spätestens ab dem Gutachten vom September 2019 sei in
adaptierter Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 % mit entsprechender späterer
Steigerung anzunehmen. Der pneumologische Abklärungsbericht von Dr. J._ habe
gezeigt, dass der Versicherte gut belastbar sei und erst bei maximaler Belastung
Atemnot auftrete. Es handle sich um einen im Vergleich zum Gutachtenszeitpunkt leicht
gebesserten Gesundheitszustand. Es habe dazwischen keine Behandlung beim
Lungenspezialisten stattgefunden (vgl. IV-act. 115-3).
Mit Verfügung vom 3. August 2021 (IV-act. 117, vgl. auch IV-act. 119) lehnte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen einen Rentenanspruch des
Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 21 % ab.
A.y.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/28
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Arbeitsverhältnis bei der früheren Arbeitgeberin trotz entsprechender Anfragen keine
alternative Möglichkeit angeboten worden sei. Eine Schichtarbeit sei ihm nicht möglich.
Und auch Tätigkeiten als _ kämen für ihn nicht in Frage, da er über keinen
Berufsabschluss verfüge. Er brauche zudem betriebsunübliche Pausen. Es könne ihm
ausserdem keine Tätigkeit in den Bereichen Dienstleistung, Verkauf oder Büro
zugemutet werden, da er dafür keine Ausbildung besitze und eine Umschulung
altersbedingt nicht mehr realistisch sei. Bei den LSE-Tabellen müsse auf den
Wohnkanton abgestellt werden. Eine angepasste Tätigkeit gebe es aber auf dem
Arbeitsmarkt nicht. Das Entgegenkommen eines Arbeitgebers müsste unrealistisch
gross sein. Der Beschwerdeführer sei aber ohnehin voll arbeitsunfähig. Er leide an
schwerwiegenden somatischen Beschwerden aufgrund einer eingeschränkten
Lungenfunktion, Atemnot und chronisch entzündeten Stimmbändern mit ausgeprägter
Heiserkeit. Ausserdem leide er seit 2018 an einem psychiatrisch beeinträchtigten
Zustand, der sich aufgrund der Covid-Lage verschlechtert habe. Diesbezüglich sei ihm
im Bericht vom 4. Dezember 2020 eine Arbeitsfähigkeit von 50 % attestiert worden.
Nach diversen Berichten von Dr. B._, u.a. einem beigelegten Bericht vom 26. August
2021 (act. G 1.1.8: Ärztliches Zeugnis zuhanden der Arbeitgeberin über eine
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers von 100 % im Monat September 2021), sei
er seit 2018 voll arbeitsunfähig. Die RAD-Stellungnahme vom 11. Januar 2021 sei
aufgrund von fehlender Objektivität ohne Beweiskraft. Innerhalb eines Monats sei die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in leidensadaptierter Tätigkeit IV-intern
unterschiedlich beurteilt worden. Abzustellen sei auf die vorangegangene RAD-
Einschätzung vom 14. Dezember 2020. Der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers
betrage jedenfalls mindestens 70 % (mit Invalideneinkommen von Fr. 25'051.50 bei
Arbeitsfähigkeit von 50 % und Abzug von 25 %). Sollte wider Erwarten keine ganze
Rente zugesprochen werden, müsste ein bidisziplinäres Gutachten erstellt werden.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 15. November 2021 (act. G 4) beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die Lungenfunktion des
Beschwerdeführers sei in mehreren Testungen und Belastungserprobungen untersucht
worden, zuletzt durch Dr. J._. Es lägen zahlreiche Berichte des Kantonsspitals
St. Gallen und Arbeitsfähigkeitsschätzungen von Fachärzten vor, die sich alle darin
einig seien, dass der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit ohne inhalative
Belastung voll arbeitsfähig sei. Das sei vom RAD von Beginn weg so festgehalten
worden. Dann sei eine psychiatrische Diagnose hinzugetreten, die nicht bestritten
werde. Umstritten sei lediglich deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Das
Psychiatrie-Zentrum gehe von 50 %, der RAD von 80 bis 100 % Arbeitsfähigkeit aus.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 14/28
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Während es einem Behandler an einer neutralen Einschätzung fehle, habe der
versicherungsinterne Arzt kein entsprechendes Interesse (an einer
Arbeitsfähigkeitsschätzung zugunsten des Patienten). Es handle sich um ein Leiden mit
einem leichten Schweregrad. Der Beschwerdeführer stehe aktuell nicht in ambulanter
Behandlung und strebe auch keine solche an. Er nehme auch keine spezielle
antidepressive Medikation, sondern lediglich leichte pflanzliche Mittel aus Baldrian,
Pestwurz und Melisse ein, und er habe auf eine schlafanstossende Medikation
verzichtet. Der Leidensdruck sei also als tief zu werten. Der RAD habe seine
medizinische Würdigung unter Beizug aller Akten und im Hinblick auf die
Rentenprüfung abgegeben und es lägen auch fachärztliche Einschätzungen vor (hier
seien somit die im Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
22. Oktober 2021, IV 2020/213 E. 2 f., genannten [sc. und dort nicht vorhanden
gewesenen] Voraussetzungen erfüllt). Daher genügten die Unterlagen für eine
Beurteilung. Von weiteren Abklärungen sei keine andere Arbeitsfähigkeitsschätzung zu
erwarten. Von einer Unverwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit könne nicht gesprochen
werden, da es hierfür hohe Hürden gebe und hier nur eine Einschränkung aufgrund der
Lungenfunktion vorliege. Massgebend sei nicht der konjunkturelle Arbeitsmarkt. Es
bedürfe für das Finden einer Stelle weder einer Arbeitsplatzanpassung noch einer
Ausbildung. Ein Berufswechsel könne aufgrund der Schadenminderungspflicht auch
bei fortgeschrittenem Alter erwartet werden. Ein Leidensabzug sei nicht angezeigt und
es liege, da der Beschwerdeführer einer vollzeitlichen Arbeitstätigkeit nachgehen
könne, auch keine Teilzeittätigkeit vor. Es bleibe somit beim Invaliditätsgrad von 22 %.
Trotz der Erwerbseinbusse von mehr als 20 % und eines leicht erhöhten (wohl:
überdurchschnittlichen) Lohns, was für eine Gleichstellung des Beschwerdeführers mit
Ausgebildeten spräche, seien mangels subjektiven Willens dazu keine
Umschulungsmassnahmen vorzunehmen. Arbeitsvermittlung und eine allfällige
Berufsberatung hätten keinen Einfluss auf die Rente, weshalb der Rentenentscheid
(gemäss dem Bundesgerichtsurteil vom 26. Mai 2021, 8C_204/2021 E. 4.2.2)
unabhängig davon gefällt werden könne. Sollte der Beschwerdeführer inzwischen bei
der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert sein, könnte er allenfalls eine Anmeldung für
Überbrückungsleistungen in Betracht ziehen.
D.
Mit Replik vom 20. Januar 2022 (act. G 10) legt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers dar, die Beschwerdegegnerin habe eingeräumt, dass die
Auswirkungen dessen psychischen Leidens auf die Arbeitsfähigkeit strittig blieben. Da
unbestritten sei, dass der Sachverhalt nicht genügend abgeklärt sei, sei das durch ein
neutrales psychiatrisches Gutachten zu klären. Denn das Ergebnis einer medizinischen
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 15/28
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Begutachtung bilde in der Regel die wichtigste Entscheidgrundlage in medizinischer
Hinsicht im Beschwerdeverfahren. Den Umstand, dass der RAD kein Interesse an einer
Arbeitsfähigkeitsschätzung zugunsten des Patienten habe bzw. nicht das Interesse des
Beschwerdeführers verfolge, stelle die Beschwerdegegnerin fälschlicherweise mit
einem wertfreien bzw. neutralen Interesse (bzw. Urteil) gleich. Der RAD fühle sich weder
an die Neutralität noch an die Objektivität gebunden, wie sie bei einer
sozialversicherungsrechtlichen Begutachtung erforderlich sei. Es sei zwischen
versicherungsinternen und -externen Sachverständigen zu differenzieren, insbesondere
deshalb, weil Art. 44 ATSG ein Gehörs- und Partizipationsrecht gewähre. Dass beim
Beschwerdeführer ein geringer Leidensdruck bestehe, werde bestritten. Im Gegenteil
sei er so hoch, dass der Beschwerdeführer innerlich resigniert habe. Auf eine
schlafanstossende Medikation verzichte er wegen der Gefahr des nächtlichen Er
stickens infolge der stark eingeschränkten Lungentätigkeit. Die Problematik der
Schlafstörungen habe sich zwischenzeitlich zugespitzt und es könnten dagegen
höchstens Antidepressiva oder Anxiolytika eingenommen werden. Auf die Einnahme
dieser Psychopharmaka werde jedoch verzichtet, weil die Nebenwirkungen nicht
absehbar seien. Gemäss dem Bericht vom 4. Dezember 2020 sei es seit dem
25. August 2020 zu keiner Verbesserung gekommen. Dieser Grund sowie die
ärztlicherseits attestierten Defizite namentlich in den Bereichen Durchhaltefähigkeit,
Konzentration, Aufmerksamkeit, Energie, Antrieb und Umgang mit Stress und anderen
psychischen Anforderungen verunmöglichten es dem Beschwerdeführer, eine
psychiatrische Behandlung in Anspruch zu nehmen. Er sei zudem bald 63 Jahre alt und
wolle seine spärlich verbliebende Lebensenergie nicht mehr für eine kräftezehrende,
beschwerliche und seit Jahren erfolglose psychiatrische Behandlung - mit
psychiatrischen Gesprächen und dabei besprochenen, aber nicht umsetzbaren
Copingstrategien - aufwenden. Da die Verschreibung von antidepressiven
Medikamenten in der Regel mit einer psychiatrischen Gesprächstherapie einhergehe
und somit nunmehr ungünstig wäre, lasse auch die Nichteinnahme von
entsprechenden Mitteln nicht den Schluss auf ein lediglich leichtes psychisches Leiden
zu. Jüngst habe die Lungenkrankheit dazu geführt, dass sich der psychische Zustand
des Beschwerdeführers aufgrund von Covid 19 verschlechtert habe. Er leide an
Konflikten in der Öffentlichkeit, weil er keine Maske tragen könne, habe sich sozial
verstärkt zurückgezogen, gehe nicht mehr selber einkaufen, nehme an keinen
Familienanlässen mehr teil und verlasse das Haus nur noch für Spaziergänge. Er zähle
in Bezug auf Covid 19 zu den besonders gefährdeten Personen und es sei auf eine
Impfung verzichtet worden. Es sei dem Beschwerdeführer nicht mehr möglich und
nicht zumutbar, eine passende Stelle auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu finden.
Er wäre auf eine Tätigkeit im Homeoffice angewiesen. Reine Überwachungs- und
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 16/28
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Kontrolltätigkeiten unter dieser Bedingung gebe es selbst nicht auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Die medizinischen Zusammenhänge zwischen der
Lungen- und Atemwegserkrankung, den unbedingt mitzuberücksichtigenden Covid 19-
Umständen und der psychischen Erkrankung bedürften der Klärung. Gemäss dem
beigelegten Arbeitszeugnis des Beschwerdeführers vom 29. Februar 2020 habe der
Beschwerdeführer über 25 Jahre hinweg eine tadellose Leistung erbracht, sei sein
soziales Verhalten jederzeit vorbildlich und die Arbeitsweise selbständig gewesen und
habe er umfassende Branchenkenntnisse gehabt. Es dürfe mit grösster
Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass die renommierte Arbeitgeberin den
Beschwerdeführer angestellt hätte, wenn es für irgendeine Arbeitstätigkeit möglich
gewesen wäre. Im ebenfalls beigelegten _vertrag vom _. _ 2019 habe die
Arbeitgeberin auf die Einschränkungen und zu eng definierten medizinischen Auflagen
hingewiesen. Bei der Bemessung des Leidensabzugs sei zu berücksichtigen, dass dem
beinahe 63 Jahre alten Beschwerdeführer aufgrund der lang andauernden
gesundheitlichen Beschwerden gekündigt worden sei. Er sei während rund 25 Jahren
Maschinen ohne Quellenabsaugung ausgesetzt gewesen, die atemwegsreizende Stoffe
wie _ und ein _ ausgestossen hätten. Er verfüge zudem namentlich auch nicht über
eine Ausbildung im PC-Bereich. Die Restarbeitsfähigkeit sei nicht bzw. nur mit einer
äusserst signifikanten Lohneinbusse verwertbar. Der Abzug müsste eigentlich mehr als
25 % ausmachen, was aber rechtlich nicht möglich sei. Im Assessment- und
Verlaufsprotokoll vom 17. Januar 2020 werde an zwei Stellen festgehalten, dass sich
der Beschwerdeführer für den Prozess der beruflichen Massnahmen offen gezeigt
habe. Er habe aus Gründen seiner psychischen Verfassung nicht teilnehmen können.
Er sei immer noch zu 100 % arbeitsunfähig für alle Tätigkeiten, wie sich aus den
beigelegten Berichten von Dr. B._ vom 25. November 2021 (act. G 10.4: volle
Arbeitsunfähigkeit für Monat Dezember 2021) und vom 27. Dezember 2021
(act. G 10.5: volle Arbeitsunfähigkeit für Monat Januar 2022) ergebe.
E.
Die Beschwerdegegnerin hat am 2. Februar 2022 (act. G 13) auf die Erstattung einer
Duplik verzichtet.

Erwägungen
1.
Im Streit liegt die Verfügung vom 3. August 2021, mit welcher die Beschwerdegegnerin
einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers abgelehnt hat. Der Beschwerdeführer
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 17/28
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seinerseits beantragt die Zusprache einer ganzen Rente. Streitgegenstand bildet daher
zunächst dieser allfällige Rentenanspruch. - Von einer Weiterführung beruflicher
Massnahmen hatte die Beschwerdegegnerin mit der Mitteilung vom 13. März 2020
abgesehen, weil der Beschwerdeführer solche nicht anbegehrte. Sollte sich aber
zeigen, dass ohne Eingliederungsmassnahmen ein Rentenanspruch in Frage kommt,
so gehörte zum Streitgegenstand notwendigerweise auch die Frage, ob die
Beschwerdegegnerin den Grundsatz "Eingliederung vor Rente" beachtet und eine
allfällige Pflicht des Beschwerdeführers zu Massnahmen ausreichend in Anspruch
genommen habe.
2.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG, SR
831.20; in der vorliegend anwendbaren, bis 31. Dezember 2021 in Kraft gewesenen
Fassung, vgl. BGE 132 V 215 E. 3.1.1) besteht der Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.1.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1). - Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG;
vgl. schon BGE 102 V 165). - Sämtliche psychischen Erkrankungen sind nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1 f.) grundsätzlich (bei
Ausnahmen nach dem jeweiligen Beweisbedarf) einem strukturierten Beweisverfahren
nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. Die funktionellen Folgen der
Gesundheitsschädigung sind danach qualitativ zu erfassen und quantitativ
einzuschätzen. Für die Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens sind in der
Regel diverse Standardindikatoren beachtlich, die in zwei Kategorien systematisiert
werden, nämlich einerseits in der Kategorie des funktionellen Schweregrads und
anderseits in jener der Konsistenz. Zum funktionellen Schweregrad sind die Komplexe
"Gesundheitsschädigung" (mit den Aspekten der Ausprägung der diagnoserelevanten
Befunde, des Behandlungs- und Eingliederungserfolgs oder der entsprechenden
Resistenz und der Komorbiditäten), "Persönlichkeit" (mit Persönlichkeitsdiagnostik und
persönlichen Ressourcen) und "Sozialer Kontext" zu berücksichtigen. In der Kategorie
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/28
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3.
Aus der medizinischen Aktenlage ergibt sich, dass der Beschwerdeführer durch
Dr. B._ für seine langjährige bisherige Tätigkeit ab 29. Mai 2018 (vgl. IV-act. 9-1;
auch noch im Mai 2019, IV-act. 41-3) bzw. vom 25. Juni 2018 bis 19. August 2018
(Attest vom 20. Juli 2018, Fremd-act. 11-2) voll arbeitsunfähig geschrieben worden
war, weil eine Exposition mit schädlichen Stoffen am Arbeitsplatz in Abklärung stand.
Der RAD stellte am 4. März 2019 fest, das Asthma des Beschwerdeführers sei nicht
arbeitsplatzbezogen und die Leistungsfähigkeit habe sich unter Therapie verbessert.
Der Beschwerdeführer sei für die angestammte Tätigkeit voll arbeitsfähig (vgl. IV-
act. 30-2). Gemäss dem Gutachten für die Krankentaggeldversicherung von Dr. G._
vom 19. September 2019 war eine Arbeitstätigkeit am bisherigen Arbeitsplatz
allerdings wegen der inhalativen Belastung durch feuchtheisse Luft, Öldämpfe und
Stäube nicht mehr geeignet (Fremd-act. 104-5 ff.). Die Krankentaggeldversicherung
teilte dem Beschwerdeführer deshalb am 22. Oktober 2019 (Fremd-act. 104-2 f.) mit,
da er nicht innerhalb des Betriebs eingegliedert werden könne, sei er gehalten,
innerhalb von drei Monaten Arbeit in einem anderen Erwerbszweig zu suchen. Es ist
nach Lage der Akten davon auszugehen, dass sich die Atteste von Dr. B._ einer
vollen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers für die Monate April, September und
Dezember 2021 sowie Januar 2022 zuhanden der Arbeitgeberin auf die bisherige
Tätigkeit bezogen.
4.
der Konsistenz geht es um Gesichtspunkte des Verhaltens, namentlich um eine
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen und um behandlungs- und eingliederungsanamnestisch
ausgewiesenen Leidensdruck (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.1.3).
Was die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit betrifft, war der
Beschwerdeführer gemäss Dr. B._ in einer solchen Tätigkeit zunächst voll
arbeitsfähig geblieben, wie der Arzt wiederholt (am 13. November 2018, 5. September
2018), zuletzt noch im Mai 2019, attestiert hatte.
4.1.
In Bezug auf den somatischen Gesundheitszustand zeigt sich diesbezüglich
Folgendes:
4.2.
Zwar hatte das Lungenzentrum am Kantonsspital St. Gallen am 6. September
2018 festgehalten, der Beschwerdeführer sei im Alltag deutlich beeinträchtigt und habe
4.2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 19/28
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noch nicht die erstrebte Leistungsfähigkeit erreicht (IV-act. 17-3), und am 4. Februar
2019 war dort eine unterdurchschnittliche Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers in
der Ergospirometrie bezüglich der geleisteten Arbeit und bezüglich der maximalen
Sauerstoffaufnahme beschrieben worden (vgl. Fremd-act. 50-2 f.). Am 16. April 2019
hatte sich dann ein im Vergleich zu Februar 2019 unveränderter klinischer und
lungenfunktioneller Befund gezeigt. Diagnostiziert worden waren damals in erster Linie
ein chronischer Husten und Heiserkeit multifaktorieller Genese (vgl. IV-act. 39-3).
Gemäss der Begutachtung durch Dr. G._ vom 16. September 2019 ist aber bei der
Diagnose eines Asthmas bronchiale intrinsisch (late onset) für angepasste Tätigkeit
theoretisch eine Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers von 100 % anzunehmen. Bei
dieser Beurteilung konnte sich Dr. G._ auf Suva-Akten und auf Berichte des
Hausarztes des Beschwerdeführers stützen (vgl. Fremd-act. 104-7). Die Untersuchung
erscheint zudem vollständig, so dass die entsprechenden Voraussetzungen für ein
Abstellen auf die Angaben vorliegen.
Dr. G._ seinerseits weist zwar darauf hin, dass der Beschwerdeführer diese
Arbeitsfähigkeit von 100 % wegen der Wechselhaftigkeit der Beschwerden beim
Asthma praktisch sehr wahrscheinlich nur zeitweise erreichen werde und zeitweise
deutlichere Leistungseinbussen vorhanden sein würden. Er hält fest, beim
Belastungstest vom 16. September 2019 sei trotz besten Wetterbedingungen etwas
Hypoxie unter Belastung aufgetreten, unter anderen Bedingungen werde die
Belastbarkeit schlechter sein (vgl. Fremd-act. 104-8). Es ist bei einer Würdigung des
Gutachtens insgesamt davon auszugehen, dass er das Ausmass dieser medizinischen
Einschränkung bei schlechten Bedingungen insofern umschrieben hat, als er die
Ausschlusskriterien - namentlich die körperlich schwere Belastung (vgl. Fremd-
act. 104-10 Ziff. 8.2) - formuliert und zusammengestellt hat (vgl. nachfolgend E. 4.2.3).
Insgesamt hat er die Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt (sc.
medizin-)theoretisch mit 100 % bezeichnet (vgl. Fremd-act. 104-11 oben). Wenn der
Arzt allerdings annimmt, eine Anstellung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gehe oft
auch mit Bewegen schwerer Lasten und (sc. dem Erfordernis von) mehr Kraftaufwand
einher (mit der Folge von dann lediglich 50 % Arbeitsfähigkeit, vgl. nachfolgend
E. 4.2.3), so handelt es sich dabei um einen Aspekt, der bei der Beurteilung der
erwerblichen Auswirkungen und der Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit relevant ist.
Dasselbe gilt für die Annahme, Arbeitgeber auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
tolerierten oft eine Wechselhaftigkeit von Beschwerden (oder die Auswirkung der
Unvorhersehbarkeit der Entwicklung der Erkrankung) nicht (a.a.O.).
4.2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 20/28
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Auf eine medizinisch gesehen wesentlich reduzierte oder gar aufgehobene
Arbeitsfähigkeit für eine adaptierte Tätigkeit lässt sich daraus nach dem Gutachten als
Ganzes mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht schliessen. Denn danach ist davon
auszugehen, dass dem Beschwerdeführer medizinisch alle Tätigkeiten zumutbar sind,
welche keine der diversen Ausschlusskriterien beinhalten. Ausgeschlossen ist
demnach, dass der Beschwerdeführer in einer Umgebung mit feuchtheisser,
feuchtwarmer oder feuchtkalter Luft, mit Dämpfen, Gerüchen, Stäuben oder ähnlichen
inhalativen Reizen oder mit inhalativer Infektionsgefahr, etwa in zugiger Luft mit vielen
Menschen, arbeiten muss. Eine leistungsmässige Einschränkung besteht beim
Beschwerdeführer ausserdem wie erwähnt insofern, als er grössere Lasten nicht
häufiger oder für längere Zeit tragen oder heben (Grenze etwa bei 10 kg mehrmals pro
Stunde oder länger als eine Minute am Stück) kann. Es ist nach dem Gutachten davon
auszugehen, dass für solche Tätigkeiten (mit Bewegen schwerer Lasten und
erforderlichem grösserem Kraftaufwand, vgl. Fremd-act. 104-10 Ziff. 8.3 unten) eine
zunächst beschränkte Arbeitsfähigkeit von 50 % mit nach einer Eingewöhnungsphase
möglicher Steigerung bis 100 % besteht. Für Tätigkeiten ohne diese erhöhten
kräftemässigen Anforderungen ist aufgrund des Gutachtens von Dr. G._ auf eine
medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit von 100 % zu schliessen.
4.2.3.
Über seine (jüngeren, nach dem Gutachten von Dr. G._ gemachten)
pneumologischen Abklärungen in der Zeit vom 11. März 2021 bis 21. April 2021 hat
Dr. J._ dem Hausarzt (wie er dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am
26. April 2021 bekanntgab, IV-act. 114) berichtet, der Beschwerdeführer habe bei einer
Spiroergometrie vom 30. März 2021 181 W (106 % Soll) geleistet. Die maximale VO2
sei vermindert gewesen. Es habe keine anstrengungsbedingte Verschlechterung der
Obstruktion gegeben (vgl. IV-act. 114-1). Dass die Pneumologen am Lungenzentrum
am 4. Februar 2019 trotz geklagter Dyspnoe keine pulmonale Limitierung gefunden
hätten, lasse sich wohl nur durch den Abbruch des Arbeitsversuchs bei 146 W erklären.
Bei seiner Abklärung hätten die Limitationen beim Beschwerdeführer gerade bei
ungefähr 155 W angefangen. Das Verhalten (der gemessenen Werte) bei der
Blutgasanalyse am Kantonsspital werde dort als muskulo-skelettale Antwort bei
Dekonditionierung beurteilt. Er sei diesbezüglich anderer Auffassung. - Schon Dr. G._
hatte sich zu dieser Deutung des Lungenzentrums kritisch geäussert und erklärt, ein
Trainingsmangel könne nicht nachträglich einen Ausschluss einer pulmonalen
Leistungsreduktion begründen, denn es komme bei den meisten Patienten im Gefolge
der Obstruktion der Atemwege zu einem solchen Mangel. - Dr. J._ seinerseits
begründete seine erwähnte abweichende Auffassung damit, dass Zusammenhänge
4.2.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 21/28
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zwischen Psoriasis und Myopathien/Polymyalgien beschrieben würden, und das gar
mit Lungenbeteiligung im Sinn einer Alveolitis. Letztere scheine jedoch beim
Beschwerdeführer nicht vorzuliegen, denn sonst wären diverse
Lungenfunktionsparameter wohl schwer pathologisch. Der Arzt erklärte des Weiteren
zum früheren Verlauf, im November 1994, als der Beschwerdeführer erst gerade seit
drei Monaten an der betreffenden Stelle gearbeitet habe, sei nach Untersuchungen von
einer denkbaren leichtgradigen bronchialen Hyperreaktivität gesprochen und dem
Beschwerdeführer eine probatorische antiasthmatische Therapie angeboten worden,
auf die dieser aber verzichtet habe, weil kein manifestes Asthma vorgelegen habe. Erst
am 12. September 2019 habe er sich in der Folge wieder gemeldet. Dr. J._ hielt
ferner fest, zusammenfassend seien bei den Untersuchungen des Beschwerdeführers
pulmonale Ursachen der geklagten Anstrengungsdyspnoe gefunden worden, allerdings
erst ab submaximaler bis maximaler Belastung, gemessen an der errechneten
Sollarbeitskapazität. Unter Berücksichtigung der verminderten maximalen VO2 von
71 % Soll sei der Beschwerdeführer in der körperlichen Leistungsfähigkeit bestimmt
symptomlimitiert. Von einer schwer pathologischen Lungenfunktionsstörung ist nach
seiner Beurteilung aber wie erwähnt nicht auszugehen. - Ein Grund zum Abweichen
von der Einschätzung einer Arbeitsfähigkeit von 100 % für adaptierte Tätigkeiten ergibt
sich aus diesen Gegebenheiten nicht (im Gegensatz zur Arbeitsfähigkeit in nicht den
Adaptiationskriterien entsprechenden Tätigkeiten). Gemäss den Messungen am
Lungenzentrum am Kantonsspital St. Gallen vom 4. Februar 2019 hatte damals eine
von der genannten Messung nur leicht abweichende unterdurchschnittliche
Leistungsfähigkeit (bezüglich der geleisteten Arbeit von 73 % Soll und) bezüglich der
maximalen Sauerstoffaufnahme von 75 % bestanden. Jene Daten hatte Dr. G._ bei
seiner Beurteilung auch berücksichtigt (vgl. IV-act. 104-8; er hatte im Übrigen auch von
einer weitgehend normal gemessenen Lungenfunktion des Beschwerdeführers
berichtet).
Anhaltspunkte für einen im Zeitablauf veränderten Sachverhalt zeigt der Bericht
von Dr. J._ demnach nicht auf. Angesichts der beschriebenen Limitierungen kann
vielmehr davon ausgegangen werden, dass von Dr. J._ keine relevante
Verschlechterung des Zustands des Beschwerdeführers im Vergleich zu den Befunden
bei Dr. G._ (und am Lungenzentrum am Kantonsspital St. Gallen) beschrieben wurde.
Damit bleibt es überwiegend wahrscheinlich bei der umschriebenen pneumologischen
Arbeitsfähigkeit von 100 %.
4.2.5.
Bei der gastroenterologischen Untersuchung vom 28. Oktober 2020 fanden sich
beim Beschwerdeführer schliesslich zahlreiche, aber reizlose Divertikel (aber keine
4.2.6.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/28
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Divertikulitis). Die beiden Polypen wurden dabei abgetragen (vgl. IV-act. 94). Die
Divertikulose wurde vom RAD als Diagnose ohne Auswirkung auf Arbeitsfähigkeit
betrachtet (vgl. IV-act. 101-2), was nachvollziehbar erscheint.
Aus somatischer Sicht ist demnach für adaptierte Tätigkeiten mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit von einer medizinischen Arbeitsfähigkeit von 100 % auszugehen.
4.2.7.
In psychiatrischer Hinsicht ergibt sich im Einzelnen was folgt:4.3.
In einem Arztbericht des Psychiatrie-Zentrums zuhanden von Dr. B._ vom
31. Januar 2020 wurde beim Beschwerdeführer nach der Aktenlage erstmals eine
psychiatrische Diagnose gestellt, nämlich in Form von Anpassungsstörungen mit
längerer depressiver Reaktion (IV-act. 64-1). Die Arbeitsfähigkeit werde als deutlich
eingeschränkt betrachtet, doch werde auf Wunsch des Beschwerdeführers auf eine
Krankschreibung verzichtet, da Dr. B._ eine solche bis Ende März 2020 bereits
gemacht habe. Ein entsprechendes Attest von Dr. B._ ist soweit ersichtlich nicht
aktenkundig; nach der Aktenlage dürfte eine Bescheinigung aber im Februar 2020 -
allenfalls für den Monat März 2020 - erfolgt sein und sich auf die bisherige Tätigkeit
bezogen haben. In seinem IV-Bericht vom 12. Mai 2020 (IV-act. 61) übernahm Dr. B._
die psychiatrische Diagnose vom Psychiatrie-Zentrum (Anpassungsstörung) und hielt
dafür, der Beschwerdeführer sei als _ seit Mai 2018 voll arbeitsunfähig. Ob er
Ressourcen für eine Eingliederung habe, könne er nicht beantworten. Wie viele
Stunden pro Tag dem Beschwerdeführer eine angepasste Tätigkeit zumutbar sei,
beantwortete der Arzt nicht. Das Psychiatrie-Zentrum hielt später - am 5. August 2020
(IV-act. 66-4 f.) - fest, seit Herbst 2018 liege beim Beschwerdeführer eine leichte
depressive Episode vor. In einer angepassten Tätigkeit sei er aus psychiatrischen
Gründen zu 50 % arbeitsunfähig bzw. an vier Stunden pro Tag arbeitsfähig.
Diesbezüglich sei von einer guten Prognose mit Steigerung der Arbeitsfähigkeit
auszugehen. Zurzeit sei der Beschwerdeführer indessen durch den Hausarzt aus
somatischen Gründen voll arbeitsunfähig geschrieben. Am 4. Dezember 2020 (vgl. IV-
act. 84) schliesslich berichtete das Psychiatrie-Zentrum von einem unveränderten
psychiatrischen (und somatischen) Zustandsbild (bei zusätzlich angegebener Belastung
durch die Corona-Situation).
4.3.1.
Der RAD befasste sich mit dieser psychiatrischen Sachlage und hielt am
22. Januar 2021 (IV-act. 101) dafür, bei den gestellten Diagnosen handle es sich
lediglich um eine leichte psychische Störung bzw. depressive Episode. Es sei für
höchstens zwei bis drei Monate von einer Arbeitsfähigkeit von etwa 50 %, im Übrigen
aber mindestens in einer adaptierten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 80 bis
4.3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 23/28
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100 % auszugehen. - Diese RAD-Einschätzung basiert nicht auf einer ärztlichen
Untersuchung des Beschwerdeführers. Daher handelt es sich beim entsprechenden
Bericht nicht um eine Stellungnahme im Sinn von Art. 49 Abs. 2 der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201), sondern lediglich um Empfehlungen zur
weiteren Bearbeitung des Leistungsbegehrens aus medizinischer Sicht (Art. 59
Abs. 2 IVG und Art. 49 IVV), die sich nach der Rechtsprechung (vgl. BGE 143 V 58
E. 5.1 mit Hinweis, Bundesgerichtsurteile vom 2. Mai 2016, 9C_839/2015 E. 3.3, und
vom 21. März 2018, 9C_524/2017 E. 5.1) einzig dazu zu äussern vermögen, ob der
einen oder anderen ärztlichen Ansicht zu folgen oder aber eine zusätzliche
Untersuchung vorzunehmen ist (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 21. März 2018,
9C_524/2017 E. 5.1, BGE 143 V 58 E. 5.1). Auch reine Aktengutachten können
allerdings beweiskräftig sein, nämlich wenn ein lückenloser Befund vorliegt und es im
Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden
medizinischen Sachverhalts geht, mithin wenn die direkte ärztliche Befassung mit der
versicherten Person in den Hintergrund rückt (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 21. März
2018, 9C_524/2017 E. 5.1, vom 2. November 2016, 9C_159/2016 E. 3.4, und vom
25. März 2011, 9C_58/2011 E. 2.2).
bis
Für die medizinisch psychiatrische Arbeitsfähigkeitsschätzung des RAD
sprechen vorliegend zunächst die gestellten Diagnosen, die als solche auf ein lediglich
reaktives Geschehen und auf einen geringen Schweregrad des psychiatrischen Leidens
hindeuten. Zunächst handelte es sich gemäss dem Erstbericht ab Januar 2020 wie
erwähnt um eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion. Das
Psychiatrie-Zentrum hielt zudem noch am 4. Dezember 2020 etwa fest, ein stationärer
Aufenthalt sei bei der Diagnose (nunmehr) einer leichten depressiven Episode nicht
angezeigt. Es legt zwar auch dar, eine teilstationäre Behandlung in der Tagesklinik sei
zurzeit wegen der Maskentragepflicht nicht möglich (vgl. IV-act. 84-3), doch ist
insgesamt anzunehmen, dass in diesem Bericht von einem nur leichten Schweregrad
des Leidens ausgegangen wurde.
4.3.3.
Des Weiteren war die Zuweisung ins Psychiatrie-Zentrum zur Abklärung
aufgrund von lebenssituativen Belastungsmomenten (konkret wohl der Kündigung)
erfolgt. Nach der Rechtsprechung werden bei der Prüfung der Standardindikatoren die
funktionellen Folgen von Gesundheitsschädigungen auch mit Blick auf psychosoziale
Faktoren abgeschätzt, welche den Wirkungsgrad der Folgen einer
Gesundheitsschädigung beeinflussen. Soweit diese Belastungsfaktoren direkt negative
funktionelle Folgen zeitigen, bleiben sie ausser Acht. Hingegen können sie mittelbar zur
Invalidität beitragen, wenn und soweit sie zu einer ausgewiesenen Beeinträchtigung der
4.3.4.
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psychischen Gesundheit als solcher - mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit - geführt
haben, wenn sie also einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten
oder den Wirkungsgrad seiner - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen
bestehenden - Folgen verschlimmern (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 20. Januar 2020,
8C_559/2019 E. 3.2; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2; BGE 141 V 281 E. 4.3.3). Auf eine
solche anhaltende gesundheitliche Beeinträchtigung kann nach der Aktenlage nicht
ohne weiteres geschlossen werden.
Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang, dass eine psychiatrische
Beeinträchtigung wie erwähnt erstmals ab Januar 2020 - und nicht wie nachträglich
attestiert bereits ab Herbst 2018 - aktenkundig geworden ist, waren zuvor
diesbezüglich doch keine Befunde erwähnt worden. Eine relevante Verschlechterung
wird im Bericht vom 4. Dezember 2020 trotz Schilderung zusätzlich belastender
Faktoren (wegen der Corona-bedingten Umstände) durch den Beschwerdeführer
ärztlicherseits nicht bestätigt (vgl. IV-act. 84-2).
4.3.5.
Nach dem Bericht des Psychiatrie-Zentrums wurden als Defizite ferner
Schlafstörungen, eine Grübelneigung sowie Niedergeschlagenheit mit sozialem
Rückzug beschrieben. Dadurch würden sich Funktionseinschränkungen in der
Durchhaltefähigkeit, der Konzentration und der Aufmerksamkeit und
Funktionseinschränkungen der Energie und des Antriebs sowie im Umgang mit Stress
und anderen psychischen Anforderungen ergeben. Als Adaptationskriterien wurde
erwähnt, dass keine Nacht- oder Schichtarbeit in Frage komme, und dass eine
Flexibilität der Arbeitseinteilung erforderlich sei, weil aufgrund der mangelnden
Konzentrationsfähigkeit und der Atemnot betriebsunübliche Pausen nötig seien (vgl. IV-
act. 84-3). Nebst den qualitativen Einschränkungen wird demnach hauptsächlich ein
vermehrter Pausenbedarf statuiert.
4.3.6.
Bei diesen Gegebenheiten erscheint die Arbeitsfähigkeitsschätzung des RAD
hinsichtlich der psychiatrischen Beeinträchtigung des Beschwerdeführers überwiegend
wahrscheinlich (80 bis 100 % Arbeitsfähigkeit). Die Arbeitsunfähigkeit von 50 %,
welche das Psychiatrie-Zentrum angenommen hat, wurde einerseits mit einem
erhöhten Pausenbedarf wegen mangelnder Konzentrationsfähigkeit, aber anderseits
auch mit der bestehenden Atemnot (und somit dem somatischen Aspekt) begründet
(vgl. IV-act. 84-3). Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung von 50 %, die von den
psychiatrisch behandelnden Ärzten stammt, erscheint somit nur ungenügend
nachvollziehbar.
4.3.7.
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5.
Es rechtfertigt sich aus diesem Grund zusammenfassend ausnahmsweise, von
einer ergänzenden medizinischen Abklärung in Form einer persönlichen Untersuchung
des Beschwerdeführers durch den RAD, wie sie ansonsten regelmässig erforderlich ist,
in antizipierender Beweiswürdigung abzusehen und auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung
des RAD von durchschnittlich 90 % (Mittelwert der vom RAD angegebenen Bandbreite,
gemäss Bundesgerichtsurteil vom 28. Dezember 2007, 9C_626/2007 E. 3.2)
abzustellen.
4.3.8.
Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns überwiegend wahrscheinlich
als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten,
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten
Verdienst angeknüpft, da es der Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne
Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 6.
Oktober 2020, 9C_316/2020 E. 3.1, und vom 22. August 2019, 9C_868/2018 E. 3.1,
BGE 139 V 28 E. 3.3.2, BGE 129 V 222). - Vorliegend kann mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer ohne
Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigungen an der bisherigen Stelle verblieben
wäre (nach längerer Zeit wurde sie ihm schliesslich aufgrund der medizinischen
Anforderungen, die er zu stellen hat, gekündigt). Das von der Beschwerdegegnerin für
das Jahr 2018 berücksichtigte Valideneinkommen beträgt Fr. 84'916.-- und basiert auf
den Angaben in der Arbeitgeberbescheinigung vom _ 2018 (vgl. IV-act. 102, vgl. IV-
act. 11). Diesbezüglich ist allerdings darauf hinzuweisen, dass das Einkommen des
Beschwerdeführers gemäss IK-Auszug in den letzten Jahren (vgl. IV-act. 6) gewissen
Schwankungen unterlegen hatte.
5.1.
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär
von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person
konkret steht. Ist kein tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, können die
Tabellenlöhne herangezogen werden (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 22. November
2019, 8C_590/2019 E. 5.1, und vom 22. Februar 2019, 9C_479/2018 E. 2.2, BGE 143 V
295 E. 2.2). - Nach Angaben des Beschwerdeführers vom 3. Mai 2019 war er zum
damaligen Zeitpunkt inzwischen ein Jahr lang zuhause - somit also nicht mehr
erwerbstätig - gewesen. Nach der Aktenlage hat er ursprünglich eine Anlehre gemacht
und, wie anhand der im IK-Auszug verzeichneten (den statistischen Durchschnitt für
einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art des Kompetenzniveaus 1
übersteigenden) Einkommen anzunehmen ist, hernach eine qualifizierte Tätigkeit
5.2.
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ausgeübt. Angesichts der weitreichenden Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
hätte er demnach grundsätzlich einen Anspruch auf berufliche Massnahmen. Allerdings
bekundete er an entsprechenden Massnahmen kein Interesse, was angesichts des
fortgeschrittenen Alters (der Beschwerdeführer war bei der Begutachtung 60.5- und bei
Verfügungserlass 62-jährig) in Bezug auf eine eigentliche Umschulung nachvollziehbar
erscheint. Denn es ist davon auszugehen, dass eine solche nicht mehr mit
verhältnismässigen Mitteln erreichbar gewesen wäre. Daher rechtfertigt es sich, für die
Bemessung seines Invalideneinkommens vom statistischen Einkommen für Tätigkeiten
für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art des Kompetenzniveaus 1
auszugehen, welches im Jahr 2018 für Männer Fr. 67'767.-- ausmachte (vgl. Anhang 2
der Textausgabe Invalidenversicherung, Allgemeiner Teil des
Sozialversicherungsrechts, Gesetze und Verordnungen, 2022, herausgegeben von der
Informationsstelle AHV/IV, S. 278, basierend auf der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung, LSE, des Bundesamtes für Statistik). Praxisgemäss sind die
Tabellenwerte für die gesamte Schweiz (und nicht jene nach Regionen) beizuziehen
(vgl. Bundesgerichtsurteil vom 16. Mai 2019, 8C_705/2018 E. 4.1, vgl. auch BGE 148 V
174 E. 9.2.2). Es ist im Übrigen auch nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer
ausschliesslich in der Ostschweiz tätig sein könnte. - Die erhalten gebliebene hohe
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in adaptierten Tätigkeiten von durchschnittlich
90 % kann des Weiteren trotz seines Alters als verwertbar betrachtet werden (noch
zum Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. G._ war er wie erwähnt etwa 60.5 Jahre
alt und stand ihm somit eine Aktivitätsdauer von viereinhalb Jahren bevor; nach der
Aktenlage war er bereits im April 2019 darüber informiert worden, dass er seine
bisherige Arbeit nicht mehr machen könne). Massgeblich ist für die Frage der
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ein hypothetisch ausgeglichener Arbeitsmarkt
mit fiktivem Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach Stellen
und mit einer Struktur, die einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält (vgl. BGE
148 V 174 E. 9.1, BGE 134 V 64, BGE 129 V 480 E. 4.2.2). Das Abstellen auf diesen
abstrakten ausgeglichenen Markt dient dazu, die Risiken von Invalidität und
Arbeitslosigkeit bzw. den Leistungsbereich der Invalidenversicherung und jenen der
Arbeitslosenversicherung voneinander abzugrenzen (vgl. BGE 141 V 351 E. 5.2,
Bundesgerichtsurteil vom 23. September 2014, 9C_192/2014 E. 3.1; BGE 110 V 276
E. 4b). Dass der Beschwerdeführer nach der Aktenlage faktisch noch bis Februar 2020
im Arbeitsverhältnis verblieb (vgl. IV-act. 53), vermag hieran nichts zu ändern (vgl. auch
Bundesgerichtsurteil vom 9. Februar 2022, 8C_578/2021 E. 6.1).
Bestehen im Einzelfall Anhaltspunkte dafür, dass die versicherte Person ihre
gesundheitlich zumutbare verbleibende (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen
5.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 27/28
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6.
Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann, ist
ein Abzug von den Tabellenlöhnen zu machen. Bei der Bestimmung der Höhe des
Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das
Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu
schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl.
BGE 134 V 322 E. 5.2 und BGE 126 V 75). - Ein Abzug wegen nicht mehr zumutbarer
körperlich schwerer Arbeit fällt, da der gewählte Tabellenlohn (des
Kompetenzniveaus 1) bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten
umfasst, nicht in Betracht (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 24. Mai 2018, 8C_884/2017
E. 4.2). Es kann davon ausgegangen werden, dass dem Beschwerdeführer eine
vollzeitliche Erwerbstätigkeit medizinisch zumutbar ist, denn der Bedarf an
betriebsüblichen Pausen bildete wie erwähnt gerade den Grund zur Annahme einer
(quantitativen) Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers. Ein diesbezüglicher Abzug
entfällt daher (vgl. auch Bundesgerichtsurteile vom 12. November 2019, 9C_542/2019
E. 3.1, und vom 16. Mai 2019, 8C_705/2018 E. 4.3). Nach der Aktenlage ist beim
Beschwerdeführer mit Leistungsschwankungen zu rechnen. Zudem wurde auf den
Aspekt der Unvorhersehbarkeit der Krankheitsentwicklung für einen potenziellen
Arbeitgeber hingewiesen. Ob Letzterer einen Abzug zu begründen vermag, ist fraglich
(vgl. zum Risiko allfälliger vermehrter Absenzen aus gesundheitlichen Gründen
Bundesgerichtsurteil vom 19. Mai 2020, 9C_18/2020 E. 6.2.2). Insgesamt ist jedenfalls
kein Abzug von mehr als 10 % vom Tabellenlohn vorzunehmen.
Bei einer Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers von 90 % ergibt sich ohne
Abzug ein Invalideneinkommen von Fr. 60'990.-- (Fr. 67'767.-- x 0.9) und im Vergleich
zu einem Valideneinkommen von Fr. 84'916.-- ein Invaliditätsgrad von 28 %. Beim
maximal anzunehmenden Abzug von 10 % stellt sich das Invalideneinkommen auf
Fr. 54'891.-- und der Invaliditätsgrad beläuft sich auf 35 %. Auch dieser
Invaliditätsgrad ist nicht rentenbegründend.
5.4.
Die angefochtene Verfügung erweist sich bei diesen Gegebenheiten als recht
mässig.
5.5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.6.1.
Nach Art. 69 Abs. 1 IVG (vgl. Art. 61 lit. f ATSG) ist das Beschwerdeverfahren
bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Als unterliegende Partei hat
6.2. bis bis
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