Decision ID: 26c7bc6e-0e85-4a5c-a9bb-15cb82d7d1e7
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1987,
erlitt am 2
3.
Oktober 2008 einen Auffahr
unfall (
Urk.
14/169 S. 1). Am
1
1.
Dezember 2009
meldete sie sich
bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
14/106
=
Urk.
14/135
).
Mit Verfü
gung vom
3.
Februar 2011 (
Urk.
14/184) verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, einen Rentenanspruch. Eine dagegen erhobene Beschwerde (
Urk.
14/189)
wies das hiesige Gericht mit Urteil vo
m 1
8.
September 2012
(Verfahren-
Nr. IV.2011.00261) ab (
Urk.
14/240 S. 10 Dispositiv
Ziff.
1). Mit Urteil vom
1
5.
April 2013
hiess das Bundesgericht eine
gegen das Urteil des hie
sigen Gerichts
erhobene Beschwerde (vgl.
Urk.
14/243) teilweise gut
(
Urk.
14/279 S. 9 Dispositiv
Ziff.
1).
Mit
Verfügung vom 2
3.
Januar 2015 (
Urk.
14/375)
lehnte
die
neu zuständige
IV-Stelle Luzern eine Kostengutsprache für Kontaktlinsen
ab
.
Mit Verfügung
en
vom 2
9.
November
und vom
7.
Dezember 2017 (
Urk.
14/590,
Urk.
14/592)
sprach
sie
der Versicherten ab dem
1.
April 2015 eine ganze Rente zu.
1.2
Die Versicherte
ersuchte am
6.
Januar 2018 um Gewährung eines Assistenzbei
trages (
Urk.
14
/617). Am
1
5.
März 2018
beantragte sie
eine
Hilflosenentschädi
gung
(
Urk.
14/631/1-8).
Mit Verfügung vom
2.
Mai 2018
(
Urk.
14/640)
verneinte
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
einen Anspruch auf einen Assistenzbeitrag.
Mit Verfügung vom 1
7.
Januar 2019 (
Urk.
14/686) ver
neinte sie auch einen Ansp
ruch auf
Hilflosenentschädigung
.
2.
2.1
Mit Poststempel vom 1
6.
Dezember 2018 erhob die Versicherte Rechtsverweige
rungsbeschwerde (
Urk.
1)
bezüglich
Leistungen der Invalidenversicherung.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
1.
Februar 2019 (
Urk.
13) die Abweisung der Beschwerde.
2.2
Die Versicherte stellte am 2
1.
Januar 2019 (
Urk.
15/1)
beim hiesigen Gericht
ein
Ausstandsbegehren
gegen Sozialversicherungsrichterin Romero-Käser
und Gerichtsschreiber Brugger, das
mit Beschluss des hiesigen Gerichts vom 2
1.
Oktobe
r 2019 (
Urk.
15/12) abgewiesen wurde.
2.3
Die Beschwerdeantwort wurde der Beschwerdeführerin am 1
1.
Februar 2020 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
16).
In der Folge
nahm sie Stellung (
Urk.
17) und
reichte dem Gericht weitere Akten (
Urk.
18,
Urk.
19/1-5) ein.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
56
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversi
cherungsrechts (ATSG)
kann gegen
Einspracheentscheide
oder Verfügungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, Beschwerde erhoben werden (
Abs.
1). Beschwerde kann auch erhoben werden, wenn der Versicherungsträger entgegen dem Begehren der betroffenen Person keine Verfügung oder keinen
Einspracheentscheid
erlässt (
Abs.
2). Die Bundesverfassung
(BV)
garantiert einen Anspruch auf Beurteilung innert angemessener Frist (
Art.
29
Abs.
1 BV).
1.2
Eine Verletzung von
Art.
29
Abs.
1 BV – sowie gegebenenfalls von
Art.
6
Ziff.
1
der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK;
BGE 130 I 174 mit Hinwei
sen) – liegt nach der Rechtsprechung unter anderem dann vor, wenn eine Gerichts- oder Verwaltungsbehörde ein Gesuch, dessen Erledigung in ihre Kom
petenz fällt, nicht an die Hand nimmt und behandelt. Ein solches Verhalten einer Behörde wird in der Rechtsprechung als formelle Rechtsverweigerung bezeichnet. Art. 29
Abs.
1 BV ist aber auch verletzt, wenn die zuständige Behörde sich zwar bereit zeigt, einen Entscheid zu treffen, diesen aber nicht binnen der Frist fasst, welche nach der Natur der Sache und nach der Gesamtheit der übrigen Umstände als angemessen erscheint (sog. Rechtsverzögerung).
Für den Rechtsuchenden ist es unerheblich, auf welche Gründe – beispielsweise auf ein Fehlverhalten der Behörden oder auf andere Umstände – die Rechtsver
weigerung oder Rechtsverzögerung zurückzuführen ist; entscheidend ist aus
schliesslich, dass die Behörde nicht oder nicht fristgerecht handelt (SVR
2001
IV
Nr. 24 S. 73 f. E. 3a und b, BGE 124 V 130, 117
Ia
116 E. 3a, 197 E. 1c, 103 V 190 E. 3c).
1.3
Das mit der Rechtsverzögerungs- oder Re
chtsverweigerungsbeschwerde ver
folgte rechtlich geschützte Interesse besteht darin, einen an eine gerichtliche Beschwer
deinstanz weiterziehbaren Entscheid zu erhalten
, weshalb Streitge
genstand des Beschwerdeverfahrens allein die Prüfung der beanstandeten Rechtsverweigerung oder
Rechtsverzögerung i
st, während die durch die Verfü
gung oder den
Ein
spracheentscheid
zu regelnden materiellen Rechte und Pflichten nicht zum Streit
gegenstand gehören (SVR 2005 IV Nr. 26 S. 102 E. 4.2 mit Hinweisen
[= Urteil des
Bundesgerichts
I 328/03 vom 23. Okto
ber 2003]
).
Eine unzulässige Rechts
verzögerung liegt vor, wenn die Behörde ihren Entscheid in objektiv nicht gerechtfertigter Weise hinauszögert. Ob dies zutrifft, beurteilt sich auf Grund der konkreten Umstände des Einzelfalls. Massgebend sind in diesem Zusammenhang namentlich die besondere Bedeutung und die Art des Verfahrens, die Komplexität und Schwierigkeit der Sache sowie das prozessuale Verhalten der Beteiligten (BGE 125 V 191 f.
E. 2a; Urteil des
Bundesgerichts
B
5/05
vom 17.
Juli 2006,
E
. 3.4). Diese Recht
sprechung lässt nicht zu, dass das Gericht in abstrakter und verbind
licher Form ein für
allemal
festlegen könnte und dürfte, innerhalb welcher Zeit
spanne eine Verwaltungs- oder Gerichtsbehörde einen Entscheid zu fällen hat, ohne sich dem Vorwurf einer Rechtsverzögerung auszusetzen. Die betroffene Behörde oder Organisation hat Anspruch darauf, dass gegen sie erhobene Vor
würfe in jedem einzelnen Fall anhand der konkreten Umstände geprüft werden
(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts U 434/06 vom 6. Dezem
ber 2006
E.
2.1 und 2.2).
2.
2.1
Die
Beschwerdeführerin beantragte in
der Beschwerde
vom 1
6.
Dezember 2018
die
umgehende Kostenübernahme für Stützstrümpfe, Kontaktlinsen, für vergan
gene und zukünft
ige medizinische Transporte
und für Assistenz. Verfahrensrecht
lich beantragte sie die
Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und der unentgeltlichen Rechtsvertretung
(
Urk.
1 S. 1 oben).
2.2
Streitig und zu prüfen ist,
ob von Seiten der Beschwerdegegnerin
innert
der
erforderlichen
Frist über die
in der Beschwerde
genannten
Gesuche
entschieden worden ist. Dies unter der Voraussetzung, dass
die Beschwerdeführerin zuvor
ent
sprechende Begehren
gestellt hat.
3.
3.
1
Die Beschwerdegegnerin
verneinte
mit Verfügung vom
2.
Mai 2018 (
Urk.
14/640)
einen Anspruch auf einen Assistenzbeitrag (
Art.
42
quater
ff.
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Die Verfügung
erging
nach
der Anmeldung
der
Beschwerdeführerin vom
6.
Januar 2018 (vgl.
Urk.
14/617)
innert weniger
Monate
.
Eine unzulässige Rechtsverzögerung
scheidet daher aus.
Weiter ist
auf
das Begehren betreffend Kostenübernahme für Kontaktlinsen
ein
zugehen
(
Urk.
1 S. 1 oben).
Die Beschwerdeführerin reichte im vorliegenden Ver
fahren ein Schreiben von PD
Dr.
med.
Y._
,
Facharzt für Ophthal
mologie,
vom 1
9.
Oktober 2018 (
Urk.
2/3) ein,
der darin
wiederholte
Augenent
zündungen
erwähnte
und
die
Verwendung von sauerstoffdurchlässige
n und wäs
serigen Kontaktlinsen empfahl.
Die IV-Stelle Luzern hatte eine Kostengutsprache für Kontaktlinsen
bereits
mit Verfügung vom 2
3.
Janu
ar 2015 (
Urk.
14/375) abgelehnt,
da
bei Erwachsenen
kein Anspruch
gegenüber der Invalidenversiche
rung
auf
medizin
ische Massnahmen bestehe
.
In einem
E-Mail
an die Beschwer
deführerin
vom 2
2.
Oktober 2018
verwies die Beschwerdegegnerin
auf den Ent
scheid der IV-Stelle Luzern
(
Urk.
14/668 S.
1 oben). Nachdem die zuständige Behörde
innert Frist tätig geworden ist,
liegt auch
bezüglich eines Anspruches auf Kostenübernahme für Kontaktlinsen weder eine Rechtsverweigerung noch eine Rechtsverzögerung vor.
3.2
D
ie Beschwerdeführerin hat
- soweit
aus den vorinstanzlichen Akten ersichtlich
-
gegenüber der Beschwerdegegnerin
bislang
kein Gesuch für Kostenübernahme von Stützstrümpfen
gestellt.
Eine
ärztliche Verordnung für Kompressions
strümpfe
vom
8.
November 2018
(
Urk.
2/4) wurde
erst
mit der Beschwerde vom 1
6.
Dezember 2018 eingereicht.
Demnach
liegt auch insofern
keine unzulässige Rechtsverweigerung oder Rechtsverzögerung vor.
3.3
Am
7.
Juni 2018
stellte die Beschwerdeführerin einen
Antrag für eine Promobil-Fahrberechtigung
(
Urk.
14/650)
.
B
islang
wurde
nicht geprüft, ob
ein Anspruch auf Kostenübernahme für ein
Fahrzeug
im Sinne eines
Hilfsmittel
s
besteht
(vgl.
Art.
2 der Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch
die Invalidenver
sicherung (HVI; HVI Anhang
Ziff.
10)
. Der Antrag
lag
zum Zeitpunkt der Einrei
chung der Beschwerde vom 1
6.
Dezembe
r 2018 ein gutes halbes Jahr zurück
. Aufgrund des kurzen Zeitraumes scheidet
eine Rechtsverweigerung oder eine Rechtsverzögerung
auch bezüglich einer Kostenübernahme für Transportkosten
aus. Die Beschwerdeführerin hat ihren Wohnsitz
in der Zwischenzeit in den Kan
ton Aargau verlegt (vgl.
Urk.
17 und
Urk.
21)
.
Die Prüfung
eines allfälligen Anspruches
fällt daher
ohnehin
nicht länger in die Zuständigkeit der Beschwer
degegnerin.
3.4
Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Rechtsverweigerung
bezie
hungsweise Rechtsverzögerung
erweist
sich
zusammenfassend als unbegründet. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
4.
4.1
Bei der Rechtsverweigerungs-
oder
Rechtsverzögerungsbeschwerde handelt es sich nicht um eine Leistung
sstreitigkeit im Sinne von Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
, wes
halb das vorliegende Ver
fahren kostenlos ist.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung erweist sich daher als gegenstandslos.
Die Beschwerdeführer
in
beantragte zudem die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters für das vorliegende Verfahren (
Urk.
1 S. 1 oben).
4.2
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Vertretung
erfüllt, wenn der Pro
zess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche V
ertretung
not
wendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Die unentgeltliche Rechtspflege kann nur gewährt werden, wenn die Rechtsvor
kehr nicht aussichtslos ist. Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten (ex ante betrachtet) beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Ge
winnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (BGE 133 III 614 E. 5 mit Hinweisen).
Die von der Beschwerdeführerin eingereichte
Rechtsverweigerungsbeschwerde
erweist sich als aussichtslos, nachdem über
die entsprechenden Gesuche
bereits entschieden worden ist oder
diese
frühestens
ein halbes Jahr
vor Einreichung der Beschwerde
gestellt worden sind
. Infolge Aussichtslosigkeit der Beschwerde
besteht kein Anspruch auf unentgeltliche Rechtsvertretung.