Decision ID: 5d928070-7f4b-58e1-9374-881d53854a41
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1967
und
vom 1. Februar 2006 bis 30. September 2008 als Pneumonteur bei
der
Firma Y._
in der Filiale
Z._
angestellt (Urk.
8/14 Ziff. 2.1
), meldete sich am 9. Juli 2008
unter Hinweis auf Bandschei
benbeschwerden und Alkoholismus
bei der Invalidenversicherung
zur Früher
fassung (Urk. 8/2) beziehungsweise am 28. August 2008 (Urk. 8/7)
erstmals
zum Leistungsbezug
an.
Mit Verfügung vom 19. Januar 2010 (Urk. 8/37)
wies
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, das Leistungsbegehren
mangels Mitwirkung
des Versicherten
ab
.
1.2
Am 11. April 2013 erneuerte der Versicherte
das Leistungsgesuch (Urk. 8/40)
, nachdem er vom 1. Januar bis 19. September 2012 bei der
Firma Y._
in der Filiale
A._
tätig
gewesen
war mit letztem Arbeitstag am 20. August 2012 (Urk. 8/48 Ziff. 2.1, Ziff. 2.3)
. Die
IV-Stelle klärte die medizinische (Urk. 8/46, Urk. 8/50-51
, Urk.
8/63
) und erwerbliche Situation (Urk. 8/48, Urk. 8/52
, Urk. 8/54, Urk. 8/65) ab, schloss eine gewährte Arbeitsvermittlung
infolge
subjektiv
er
Arbeitsunfähigkeit des Versicherten ab (Urk. 8/61) und zog Akten der Krankentaggeldversicherung des Versicherten bei (Urk. 8/64).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 8/68, Urk. 8/74, Urk. 8/76-77) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 17. März 2014 einen Rentenan
spruch
des Versicherten
(Urk. 8/80 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob mit Eingabe vom 22. April 2014 Beschwerde gegen die Verfügung vom 17. März 2014 (Urk. 2) und beantragte sinngemäss die Aus
richtung einer Rente (Urk. 1).
Ferner reichte er einen weiteren medizinischen Bericht (Urk. 3) ein und ergänzte die Unterlagen mit Eingabe vom 13. Mai 2014 (Urk. 5, Urk. 6/1-10).
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 15. Mai 2014 (Urk. 7) die Abweisung der Beschwerde und verzichtete
nach Aufforderung des Gerichts (vgl. Urk. 9)
mit Schreiben vom 10. Juni 2014 (Urk. 10) auf eine Stel
lungnahme zu den vom Beschwerdeführer
nachträglich
eingereichten medizi
nischen Unterlagen (Urk. 6/1-10). Dies wurde dem Beschwerdeführer am 18. Juni 2014 zur Kenntnis gebracht (Urk. 11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.
5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Verfahren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Be
gehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der entscheidrelevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S. 69).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Be
-
schwer
deinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im Verwaltungs
verfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gut
achtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der - anschliessend refor
matorisch entscheidenden - Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstel
lung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
Streitig ist der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers.
Zu prüfen ist zunächst, ob die vorhandenen medizinischen Akten eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers zulassen, oder ob es weiterer Abklärungen des rechtser
heblichen Sachverhalts bedarf.
2.2
Nach Ansicht der Beschwerdegegnerin sei der Beschwerdeführer seit August 2012 (Beginn der einjährigen Wartezeit) in seiner bisherigen Tätigkeit erheblich eingeschränkt und aufgrund der medizinischen Beurteilung sei ihm die bishe
rige Tätigkeit nicht mehr zumutbar. Dafür seien ihm
behinderungsangepasste
Tätigkeit
en
wie zum Beispiel leichte Fertigungsarbeiten
, Kontrolleur
-
oder De
montage-Tätigkeiten
zu 100 % zumutbar (Urk. 2 S. 1 f.).
2.3
Der Beschwerdeführer machte
sinngemäss
geltend,
er sei in seiner Arbeitsfähig
keit eingeschränkt und
habe wegen seiner Krankheit Anspruch auf Leistungen
(Urk. 1).
3.
3.1
Dr. med.
B._
, Oberarzt
des Spitals C._
, Rheumaklinik und Institut für Physikalische Medizin, nannte in seinem Bericht vom 30. Dezember 2008 zuhanden des Hausarztes des Beschwerdeführers (Urk. 8/23/6-7) folgende Diagnosen (S. 1):
lumbospondylogenes bis leichtes sensibles lumboradikuläres Ausfalls
-
syn
drom L5 bis S1 rechts
bekannte degenerative Lendenwirbelsäulen (LWS)-Veränderungen im MRI LWS vom 2003
klinisch Verdacht auf leichte Reizung des Meniskus lateralis linksseitig
Status nach arthroskopischer Teilmeniskektomie links vor etwa 10
J
ah
ren
leichtgradige Knieinstabilität
3.2
Der Beschwerdeführer war vom
7.
Juli bis
7.
November 2008 in der Klinik
D._
hospitalisiert.
Dr.
med.
E._
, Oberarzt, stellte in seinem Bericht vom 3
1.
Dezember 2008 zuhanden der Beschwerdegegnerin (
Urk.
8/20/7-15) fol
gende Diagnosen mit Auswirkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2
Ziff.
1.1):
Alkoholabhängigkeitssyndrom vom Typ des Pegeltrinkens, abstinent in beschützender Umgebung (ICD-10 F10.21)
anamnestisch bekannte Diskushernienproblematik Lendenwirbelkörper (LWK) 3/4 und 4/5
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte er ein Ta
bakabhängigkeitssyndrom, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F17.23), eine anamnestisch bekannte Hepatopathie, eine anamnestisch bekannte arteri
elle Hypertonie sowie eine anamne
s
tisch bekannte Meniskusläsion des linken Knies (S. 2
Ziff.
1.2).
Vor Eintritt in die Klinik und zu Beginn der Behandlung hätten die Symptome eines Alkoholabhängigkeitssyndroms mit einem starken Wunsch oder einer Art Zwang Alkohol zu konsumieren bestanden mit einer verminderten Kontrollfä
higkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge (S. 5
Ziff.
3.4). Während des Klinikaufenthaltes sei es
dem Beschwerdeführer
gelungen, eine Stabilisierung bezüglich Alkoholabstinenz zu erzielen (S. 5
Ziff.
3.5 unten). Aufgrund chronischer Rückenschmerzen sei eine medizinische Trainingstherapie (MTT)
durchgeführt worden
(S. 6).
Während des Klinikaufenthaltes beziehungsweise der Behandlung attestierte
Dr.
E._
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers (S. 2
Ziff.
2) und ging danach von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit bei guter Prognose aus (S. 7 oben, S. 8
Ziff.
5.2).
3.3
Vom 16. April bis 7. Juli 2008 war der Beschwerdeführer im Psychiatriezentrum
in F._
hospitalisiert. Mit am 1. April 2009 bei der Beschwerdegegnerin einge
gangenem Bericht der Klinikärzte (Urk. 8/24) wurde als Diagnosen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit ein Alkoholabhängigkeitssyndrom, abstinent zum Zeitpunkt der Entlassung (ICD-10 F10.21), sowie ein Verdacht auf einen epileptischen Krampfanfall im April 2008 gestellt. Als Diagnosen ohne Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Ärzte einen Tinnitus rechts, eine arterielle Hypertonie, anamnestisch Angaben einer Diskushernie, ein rezidivie
rendes lumboradikuläres Syndrom sowie eine mehrfragmentäre Trümmerfraktur der Endphalanx Dig. I am 30. Januar 2008 (Ziff. 1.1).
Die Ärzte führten aus, während des Aufenthaltes habe sich der Beschwerdefüh
rer körperlich gut erholen können, habe auch psychisch stabiler gewirkt und Zukunftspläne gemacht. Er fühle sich subjektiv psychisch instabil, da er bei sei
nen letzten Arbeitsstellen gemobbt worden sei und er sich gemäss seinen Anga
ben dem nicht mehr gewachsen fühle (Ziff. 1.4). Zur Frage der Arbeitsfähigkeit hielten die Ärzte fest, bei Aufrechthaltung der Abstinenz sei der Beschwerde
führer ganztags arbeitsfähig, wiesen aber darauf hin, dass die Behandlung noch nicht abgeschlossen sei, da der Beschwerdeführer in die Klinik
D._
eintreten werde (Ziff. 1.7, Ziff. 1.9).
3.4
Im Bericht vom 25. Februar 2009 (Urk. 8/23/2-5) verwies Dr. med.
G._
, Arzt für Allgemeine Medizin FMH, betreffend Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf die Diagnosestellung im Bericht
des
Spitals C._
(vgl. vorstehend E. 3.
2
) und führte aus, aktuell leide der Beschwerdeführer an Rücken- und Kniebeschwerden. In seinem Beruf als Monteur oder anderen Berufen mit schwerer Belastung sei eine 50%ige Arbeitsfähigkeit realistisch (Ziff. 1.4).
3.5
Eine am 30. März 2009 durchgeführte Magnetresonanztomographie (MRT) im Medizinischen Diagnose-Zentrum ergab im Segment L4/5 eine mittelgradige Chon
d
rose mit kleinvolumiger rechts paramedianer subligamentärer Diskusher
nie mit Kontakt zur abgehenden Spinalnervenwurzel L5 rechts und möglicher Kompromittierung derselben aber ohne direkte Kompression derselben sowie im Segment L5/S1 eine moderate Chondrose mit Riss im Anulus fibrosus und al
lenfalls möglicher indirekter Kompromittierung der abgehenden Spinalnerven
wurzel S1 links ohne direkte Kompression derselben (Urk. 8/25).
3.6
Auf Zuweisun
g der Krankentaggeldversicherung
des Beschwerdeführers wurde dieser am 14.
Januar 2013 interdisziplinär im Rehazentrum der
Kliniken
in H._
untersucht
(vgl. Fachberichte Innere Medizin/Rheumatologie [Urk. 8/64/13-16], Psychosomatik [Urk. 8/64/17-20]
und
Ergonomie [Urk. 8/50 = Urk. 8/64/24-32]
. Die Ärzte stellten in ihrem Bericht vom 18. Januar 2013 (Urk. 8/46/4-
6
= Urk. 8/64
/10-12
)
zusammenfassend
folgende Diagnosen mit Auswirkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit (
S. 1):
chronisches lumbospondylogenes Syndrom beidseits
Fehlform und Fehlhaltung der Wirbelsäule
m
uskuläre Dysbalance, Insuffizienz, Dekonditionierung
d
egenerative Diskopathie L4/5 und L5/S1 mit diskreter rechts para
-
medi
aner Diskushernie L4/5 mit möglichem Kontakt zur Nerven
wur
-
zel L5 rechts und Spondylarthrosen lumbosakral
p
sychische
und
Verhaltensstörung
en
durch Alkoholabhängigkeitssyn
drom, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F10.20)
Gonarthrose links
k
linisch Hinweise für laterale Meniskusläsion
a
rterielle Hypertonie
D
ie Ärzte führten aus, beim Beschwerdeführer bestehe mit Sicherheit ein Sucht
problem, gemäss psychiatrischer Abklärung bestünden psychische und Verhal
tensstörungen durch ein Alkoholabhängigkeitssyndrom. Im Rahmen der aktuel
len Abklärung habe der Beschwerdeführer glaubhaft berichtet, seit zirka einem Jahr abstinent zu leben, was auch von seiner ih
n
begleitenden Ehefrau bestätigt worden sei. Trotzdem seien sie zum Schluss gekommen, dass das langjährige Alkoholabhängigkeitssyndrom überwiegend wahrscheinlich noch nicht habe definitiv überwunden werden können (S. 2 Ziff. 5
; vgl. auch Urk. 8/64/19
). Be
treffend Arbeitsfähigkeit sei
der Beschwerdeführer
für die zuletzt ausgeübte Tä
tigkeit als Lastwagenpneumonteur
vollständig arbeitsunfähig. Eine adaptier
t
e Tätigkeit könnte er aktuell halbtags während vier bis viereinhalb Stunden – ei
nem 50 %-Arbeitspensum entsprechend – ausüben für maximal mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten mit selten zu hantierenden Lasten (Heben von
Taille zu Kopfhöhe) von 12.5 kg und nur manchmal ausgeübten Tätigkeiten im vorgeneigten Stehen. Dies wegen der auffälligen allge
meinen Dekonditionie
rung und der
verminderte
n
muskuläre
n
Stabilisationsfähigkeit der Wirbelsäu
lenmuskulatur. Das arbeitsrelevante funktionelle Problem sei eine verminderte Belastbarkeit der LWS (S. 2 Ziff. 4).
Im Rahmen der Tests zur arbeitsbezogenen Belastbarkeit wurde eine Belastbar
keit deutlich unter den Belastungsanforderungen festgestellt und zur Verbesse
rung der Kraftausdauer ein physiotherapeutisch geleitetes medizinisches Trai
ning (MTT) 2-3x pro Woche empfohlen, wobei festgehalten wurde, dass auch mit einer solchen Rehabilitation keine arbeitsrelevante Steigerung der Belast
barkeit erwartet werden könne (Urk. 8/50/2
= Urk. 8/64/25
).
3.7
Dr.
G._
(vgl. vorstehend E. 3.
4
), verwies in seinem Bericht vom 11. Juni 2013 (Urk. 8/46/1-2) auf den Bericht der
Kliniken
in H._
(vgl. vorstehend E. 3.6
) und attestierte dem Beschwerdeführer ab dem 13. Mai 2013 eine 50%ige Arbeitsfä
higkeit in einer angepassten Tätigkeit (Ziff. 1.9).
3.8
Vom 16. März bis 11. April 2013 unterzog sich der Beschwerdeführer einer statio
nären Rehabilitation in der
Klinik I._
Im Versicherungs
bericht vom 7. Januar 2014 (Urk. 8/63
= Urk. 3
) berichteten die Ärzte bei be
kannter Diagnose - ergänzt um eine koronare Herzerkrankung, eine
Adipositas
sowie eine
n
Verdacht auf
ein obststruktives Schlafapnoe-Syndrom
(S. 1) - über einen äusserst motivierten und kooperativen Beschwerdeführer, welcher die Therapien regelmässig besucht habe. In den Assessments hätten sie einen grenzwertigen Score für Depression im HADS Test gefunden, vor allem einen erhöhten Wert für angstbedingtes Vermeidungsverhalten.
Der Beschwerdeführer sei
im Rahmen der stationären Rehabilitation dabei sehr differenziert im Um
gang und in der Beschreibung seiner Schmerzen gewesen. Es bestünden allen
falls diskrete Hinweise auf eine Symptomausweitung, was ein Risiko für weitere Chronifizierung und Arbeitsunfähigkeit darstelle. Sie würden davon ausgehen, dass der Beschwerdeführer für körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbe
lastende Tätigkeiten reintegrierbar sein sollte (S. 2 unten). Eine 100%ige Ar
beitsunfähigkeit sei bis z
um 19. April 2013 ausgewiesen,
ein
Wiedereinstieg in den Beruf soll in einem Pensum von 50 % erfolgen, welches im Verlaufe gesteigert werden könn
t
e (S. 3).
3.9
Dr. med.
J._
, Facharzt Allgemeinmedizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom 11. Februar 2014 aus, der Be
schwerdeführer leide gemäss den aktuellen Berichten des Hausarztes und der
Klinik I._
an einem chronischen lumbospondylogenen Syn
drom, einer
Gonarthrose links sowie
einer koronaren Herzkrankheit und erleide
Einschränkungen
in Form von Rücken- und Knieschmerzen. Ohne Ein
fluss
auf die Arbeitsfähigkeit bestünden ein Alkoholabhängigkeitssyndrom, derzeit absti
nent, sowie eine Adipositas.
Die
angestammte Tätigkeit
des Beschwerdeführers sei
gemäss Taggeldversicherung des Beschwerdeführers
seit August 2012 blei
bend nicht mehr zumutbar. In einer angepassten Tätigkeit bestehe eine voll
ständige Arbeitsfähigkeit für leichte wechselbelastende Tätigkeiten ohne Ge
wichtheben, teilweise sitzend (Urk. 8/
6
7/3).
3.
10
Dr
. med.
K._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, Nachfol
ger von Hausarzt Dr.
G._
, berichtete der Beschwerdegegnerin am 5. März 2014 (Urk. 8/76) über den Beschwerdeführer. Dieser leide neu
zusätzlich
an einem Diabetes melli
tus Typ 2, welcher letztes Jahr
diagnostiziert worden sei und nun medikamentös behandelt werden müsse. Der Gesundheitszustand sei seit Oktober stabil, der Diabetes mellitus habe auch keinerlei Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
Betreffend Arbeitsfähigkeit verweise er auf die ausführlichen Berichte der Klinik
en
in H._
. In der bisherigen Tätigkeit als Pneumonteur sei der Beschwerdeführer nicht arbeitsfähig. Über die Suchtproblematik könne er keine Angaben machen. In den Laborwerten seien die Leberwerte leicht erhöht erschienen, dies könn
t
e aber durch eine Lebersteatose bedingt sein. Zudem be
stünden Schlafstörungen
,
weil
der Beschwerdeführer
insbesondere auch über seine Zukunft grüble und aktuell noch in einem Spannungsfeld mit seiner Ehe
frau sei (S. 1).
3.11
Dr.
J._
vom RAD hielt in seiner Beurteilung vom 17. März 2014 an seiner vorherigen Stellung
nahme vom 11. Februar 2014 fest
und führte aus, mit der im Rahmen des Einwandes vervollständigten medizinischen Aktenlage werde neu lediglich noch ein kompensierter Diabetes erwähnt und im Übrigen die be
kannten Gesundheitsschäden bestätigt (Urk. 8/79/2).
4.
4.1
Den vorliegenden Arztberichten kann grundsätzlich übereinstimmend entnom
men werden, dass dem Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit als
Pneumon
teur
nicht mehr zumutbar ist. Dies ist unbestritten.
4.2
Betreffend die Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit stützte d
ie Beschwerdegegnerin ihren Entscheid auf die Stellungnahme
von Dr.
J._
vom
RAD
, welcher betreffend Diagnosen
zwar
auf die Berichte des Hausarztes und der
Klinik I._
abstellte,
aber abweichend von deren Annahme einer Restarbeitsfähigkeit von 50
%
von einer
vollständigen Arbeitsfähigkeit
in einer leidensangepassten Tätigkeit ausging
, ohne dies zu be
gründen
(Urk. 2, v
gl.
vor
stehend E. 3.9, E. 3.11). D
iese Be
urteilung vermag
den
praxisgemässen Kriterien hinsichtlich Beweiskraft
eines Arztberichts (vgl. vor
stehend E. 1.4)
nicht
zu genügen
.
4.3
D
er
Ansicht der Beschwerdegegnerin
kann
aus den nachstehenden Gründen nicht gefolgt werden:
Hinsichtlich des Grades der behinderungsangepassten Arbeitsfähigkeit hielten die
Ärzte der
Klinik I._
in ihrem Bericht vom 7. Januar 2014 fest, dass der Beschwerdeführer für körperlich leichte bis mittelschwere, wech
selbelastende Tätigkeiten in die Arbeitswelt reintegrierbar sei, wobei ein Wie
dereinstieg in einem Pensum von 50 % zu erfolgen habe, welches im Verlaufe gesteigert werden könne (vgl. vorstehend E. 3.8). Ebenso attestierten die Ärzte der Kliniken
in H._
in ihrem Bericht vom 18. Januar 2013
dem Beschwerde
führer eine
Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten
im Umfang von
lediglich
50 %, welche
–
allenfalls
-
nach Durchführung von MTT gesteigert werden
könne
(vgl. vorstehend E. 3.6).
Ferner
geht aus de
n Abklärungen
der Ärzte der Kliniken
in H._
hervor, dass die somatische Problematik, mithin die auffällige allgemeine Dekonditionierung und die verminderte Belastbarkeit der LWS
,
das arbeitsrelevante funktionelle Problem des Beschwerdeführers
darstellt
und
die Arbeitsfähigkeit
gegenwärtig
nicht durch
psychische Störungen
, hervorgerufen
durch das Alkoh
o
labhängigkeitssyndrom
,
beeinträchtigt
wird
(Urk. 8/77/29)
, wobei diesbezüglich die Ärzte der
Klinik I._
einen grenzwerti
gen
Score für Depression ermittelt haben
(vgl. vorstehend E. 3.8)
.
Daraus geht hervor, dass der Beschwerdeführer
aus somatischen Gründen
ange
passt
gegenwärtig
lediglich
zu 50 % arbeitsfähig ist,
die Arbeitsfähigkeit
aber mit entsprechenden Massnahmen
möglicherweise
gesteigert werden kann.
Hie
raus direkt auf eine theoretisch vollständige Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers in einer leidensangepassten Tätigkeit zu schliessen, wie es die Be
schwerdegegnerin tat,
findet in den Akten keine Stütze
.
Zwar
stellt
e
ine physi
sche und psychische Dekonditionierung
grundsätzlich
einen mit invaliditäts
fremden Elementen vergleichbaren Faktor dar,
weshalb
eine versicherte Person durch die eigene Krankheitsüberzeugung nicht von ihrer Pflicht entbunden
ist
, in körperlicher und psychischer Hinsicht das Zumutbare zu unternehmen, um eine Wiedereingliederung anzustreben. Nimmt sie diese Pflicht nicht wahr, so hat dafür nicht die Invalidenversicherung einzustehen (vgl. dazu das Urteil des Bundesgerichts I
601/05 vom 1
1.
August 2006, E.
2.3).
Vorliegend geht aber auch aus dem Bericht
der
Klinik I._
(vgl. vorstehend E. 3.8)
hervor, dass sich der Beschwerdeführer äusserst motiviert und kooperativ
ge
zeigt
und die Therapien regelmässig besucht
hat
sowie weiter
e
Therapien
indi
ziert
sind, deren
Ausgang noch offen
ist
,
mithin er sich im Rahmen seiner Mög
lichkeiten akti
v um Wiedereingl
iederung bemüht. Zudem wurde in H._
fest
gestellt, dass auch mit einem physiotherapeutisch geleiteten medizinisch-thera
peutischen Training keine arbeitsrelevante Steigerung der Belastbarkeit erwartet werden könne. Auch aus diesem Grund kann
zum jetzigen Zeitpunkt
nicht
ohne
weiteres
von einer vollen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer an
gepassten Tätigkeit
ausgegangen werden
.
Aus den vorliegenden
in sich
über
einstimmenden medizinischen Akten kann
nämlich
nur
geschlossen werden, dass auch diese Ärzte von einer
möglicherweise
steigerbaren Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ausgingen
,
diese jedoch
vorderhand auf 50
%
schätzten. Dabei kamen die behandelnden Ärzte ihrer Aufgabe der nachvollziehbaren Be
urteilung der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers (vgl. vorstehend E. 1.3) nur ungenügend nach. Die ärztliche Einschätzung soll so genau wie möglich Auskunft über die tatsächlich verbleibende Arbeitsfähigkeit der versicherten Person geben. Ist nach ärztlicher Ansicht die Arbeitsfähigkeit mittels Therapie steigerbar, so handelt es sich noch nicht um den Endzustand.
Damit ist auch gesagt, dass im Verfügungszeitpunkt keine abschliessende Beurteilung der Rest
arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers möglich w
ar.
5.
Nach dem Gesagten liegen keine aussagekräftigen medizinischen Berichte vor, die über die Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers Auskunft geben könn
ten. Damit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid.
Entsprechend ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie das im Sinne des Gesagten Notwendige
(vgl. vorstehend E.
4.3-4
)
, das heisst
eine fachärztliche
Abklärung der
tatsächlichen
Restarbeitsfähigkeit des Be
schwerdeführers
mit konkretem Belastungsprofil
veranlasse und hernach erneut über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers entscheide. Die angefochtene Verfügung ist aufzuheben und die Beschwerde in diesem Sinne gutzuheissen.
6
.
Die Kos
ten des Verfahrens sind auf Fr.
700.-- festzulegen und, da die Rückwei
sung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsie
gen gilt (vgl. etwa Urteil des
Bunde
sgerichts U
199/02 vom 10. Februar 2004 E.
6, mit Hinweis auf BGE 110 V 57 E. 3a; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 E. 3), aus
gangsgemäss von der Bes
chwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs.
1
bis
IVG).