Decision ID: 24139d5d-7bf7-564f-ba8e-1251707bf80a
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der am (...) 1952 geborene A._ (nachfolgend: Versicherter) ist nie-
derländischer Staatsangehöriger. Er gelangte zusammen mit seiner Ehe-
frau und Tochter im Jahre 2010 in die Schweiz, wo der Familie eine
EU/EFTA-Bewilligung erteilt wurde. Im März 2013 widerrief das zuständige
Amt für Migration und Personenstand des Kantons Bern die Aufenthaltsbe-
willigung und wies die Familie – ohne Erfolg – aus der Schweiz weg (vgl.
Urteil des BGer 2C_243/2015 vom 2. November 2015; Urteil des BVGer F-
1148/2017, F-1151/2017, F-1153/2017 vom 7. Juli 2017). Der Versicherte
war bei der Gemeinsamen Einrichtung KVG (nachfolgend auch: GE KVG)
für die internationale Leistungshilfe registriert und nahm Leistungen des
schweizerischen Gesundheitswesens in Anspruch. Die entsprechenden
Kosten wurden bei der niederländischen Krankenversicherung des Versi-
cherten eingefordert.
B.
B.a Mit Verfügung vom 24. Februar 2017 (BVGer-act. 4/2) teilte die GE
KVG dem Versicherten mit, dass die Registrierung im Rahmen der Leis-
tungsaushilfe infolge seines Rentenbezugs aus der Schweiz zum 31. Mai
2016 beendet worden sei. Die GE KVG führte weiter aus, der Versicherte
sei gemäss Art. 23 der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 aufgrund des Be-
zugs einer schweizerischen Rente in der Schweiz versicherungspflichtig.
Der niederländische Krankenversicherer sei über das Ende der Registrie-
rung bereits informiert worden, weshalb die Anspruchsgrundlage für eine
Leistungsaushilfe zu Lasten des niederländischen Trägers nicht mehr exis-
tiere.
B.b Der Versicherte erhob gegen diese Verfügung mit Schreiben vom
28. Februar 2017 Einsprache (BVGer-act. 4/3) und verlangte sinngemäss
die Aufhebung der Verfügung, weil die falschen Rechtsgrundlagen ange-
wendet worden seien. Ausserdem forderte er die Vergütung der aufgelau-
fenen Rechnungen sowie die Bestätigung der aufschiebenden Wirkung der
Einsprache.
B.c Mit Einspracheentscheid vom 10. April 2017 (BVGer-act. 1/1 = 4/4; Zu-
stellung: 8. Mai 2017) wies die GE KVG die Einsprache ab. Sie verpflichtete
den Versicherten überdies, der GE KVG innert 30 Tagen nach Rechtskraft
des Entscheides den Nachweis einer gültigen Versicherung für sich und
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seine versicherungspflichtigen nichterwerbstätigten Familienangehörigen
nach KVG (KVG-Police) einzureichen.
C.
C.a Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) erhob gegen diesen
Einspracheentscheid der GE KVG (nachfolgend auch: Vorinstanz) mit Ein-
gabe vom 27. Mai 2017 (BVGer-act. 1) über die Schweizerische Botschaft
Berlin (Eingang: 30. Mai 2017) beim Bundesverwaltungsgericht (Eingang:
8. Juni 2017) Beschwerde und beantragte sinngemäss die Aufhebung des
angefochtenen Entscheides, die Vergütung der offenen Rechnungen sowie
die Bestätigung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde.
C.b Mit unaufgeforderter Eingabe vom 29. Juni 2017 (BVGer-act. 3) reichte
der Beschwerdeführer Rechnungen von Apothekerleistungen in der
Schweiz ab Dezember 2016 ein.
C.c Mit Vernehmlassung vom 14. Juli 2017 (BVGer-act. 4) beantragte die
Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde sowie die Bestätigung des an-
gefochtenen Einspracheentscheides, unter Kosten- und Entschädigungs-
folgen.
C.d Der Beschwerdeführer erneuerte mit Replik vom 27. Juli 2017 (BVGer-
act. 6) im Wesentlichen und sinngemäss seine bisherigen Anträge und Vor-
bringen.
C.e Mit Duplik vom 14. September 2017 (BVGer-act. 8) hielt die Vorinstanz
an ihrem Antrag auf Beschwerdeabweisung und den vernehmlassungs-
weise gemachten Ausführungen fest.
C.f Der Beschwerdeführer rügte mit Spontaneingabe vom 25. Februar
2018 (BVGer-act. 10) eine Rechtsverzögerung bzw. –verweigerung der
Vorinstanz und ersuchte sinngemäss, diese sei anzuweisen, die seit Ver-
fügungserlass in der Schweiz bei ihm angefallenen Kosten für ärztliche Be-
handlungen und Leistungen von Apotheken während der Dauer des vorlie-
genden Verfahrens weiterhin zu vergüten.
C.g Die Vorinstanz beantragte in ihrer Stellungnahme vom 15. April 2018
die Abweisung der Rechtsverweigerungs- und Rechtsverzögerungsbe-
schwerde (BVGer-act. 12).
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C.h Mit ungefragt eingereichter Eingabe vom 2. Mai 2018 (BVGer-act. 14)
erneuerte der Beschwerdeführer sinngemäss seine bisherigen Anträge.
C.i Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 18. Mai 2018
(BVGer-act. 15) wurde das sinngemässe Gesuch des Beschwerdeführers
um Erlass von vorsorglichen Massnahmen gutgeheissen und die Vor-
instanz angewiesen, unverzüglich die Vergütung der vom Beschwerdefüh-
rer geltend gemachten Krankheitskosten zu prüfen und darüber zu ent-
scheiden. Gleichzeitig wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, innert
30 Tagen eine Bescheinigung seines aktuellen Wohnsitzes einzureichen.
C.j Die Vorinstanz verfügte daraufhin am 6. Juni 2018, dass die Leistungs-
übernahme im Rahmen der internationalen Leistungsaushilfe nach den
Bestimmungen der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 hinsichtlich der vom Be-
schwerdeführer eingereichten Forderungen für die Zeit ab dem 31. Mai
2016 nach erfolgter materieller Prüfung abgelehnt werde. Weiter habe der
Beschwerdeführer der Vorinstanz innert 30 Tagen nach Rechtskraft dieser
Verfügung den Nachweis einer gültigen Versicherung für sich und seine
versicherungspflichtigen nichterwerbstätigen Familienangehörigen ge-
mäss KVG (KVG-Policen) einzureichen. Schliesslich werde einem allfälli-
gen Rechtsmittel die aufschiebende Wirkung entzogen (BVGer-act. 18).
C.k Mit Eingabe vom 8. Juni 2018 (BVGer-act. 19) verwies der Beschwer-
deführer auf seinen Wohnsitz im Kanton Tessin und beantragte die Gut-
heissung der Beschwerde sowie die Verpflichtung der Vorinstanz zur Be-
gleichung der offenen Rechnungen.
C.l Die vom Beschwerdeführer in der Folge unaufgefordert eingereichten
Eingaben vom 10. und 11. Juni 2018 (BVGer-act. 20, 21) sowie diejenige
vom 19. Juni 2018 (BVGer-act. 23) wurden mit Instruktionsverfügungen
vom 13. Juni 2018 (BVGer-act. 22) bzw. 26. Juni 2018 (BVGer-act. 24) zu-
ständigkeitshalber an die Vorinstanz zur weiteren Veranlassung innerhalb
des offenen Einspracheverfahrens weitergeleitet.
C.m Mit Einspracheentscheid vom 2. Juli 2018 (BVGer-act. 25) wies die
Vorinstanz die vom Beschwerdeführer gegen die Verfügung vom 6. Juni
2018 erhobene Einsprache ab.
C.n Zwecks Koordination der Rechtsprechung wurde das vom Bundesver-
waltungsgericht am 9. März 2020 gefällte Urteil C-6251/2108 abgewartet.
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C.o Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten
ist – soweit für die Entscheidfindung erforderlich – in den nachfolgenden
Erwägungen einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, soweit diese von einer
Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden und keine Aus-
nahme nach Art. 32 VGG vorliegt.
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht prüft seine Zuständigkeit von Amtes
wegen (Art. 7 Abs. 1 VwVG). Das gilt auch für die Zuständigkeit der Vor-
instanz (THOMAS FLÜCKIGER, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxis-
kommentar zum VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 7 Rz. 24; vgl. auch BGE 127 V
1 E. 1a und Urteil des BGer 8C_852/2011 vom 12. Juni 2012 E. 4.1, je
m.H.).
1.3 Anfechtungsobjekt bildet vorliegend der Einspracheentscheid vom
10. April 2017, mit welchem die GE KVG – in Bestätigung der Verfügung
vom 24. Februar 2017 – die Registrierung des Beschwerdeführers für die
internationale Leistungsaushilfe aufgehoben hat.
1.4 Im Folgenden ist zunächst zu klären, ob die GE KVG als Vorinstanz
zum Entscheid über die Einstellung der internationalen Leistungsaushilfe
überhaupt zuständig war. Gegebenenfalls ist in einem zweiten Schritt zu
prüfen, ob gegen eine entsprechende Verfügung der Vorinstanz die Be-
schwerde an das Bundesverwaltungsgericht offensteht und dieses mithin
zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig ist.
2.
2.1 Die Tätigkeiten der Gemeinsamen Einrichtung KVG sind in Art. 18 KVG
(SR 832.10) aufgeführt. Laut Art. 18 Abs. 3 KVG kann der Bundesrat der
GE KVG weitere Aufgaben übertragen, namentlich zur Erfüllung internati-
onaler Verpflichtungen. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in Art. 19
KVV (SR 832.102) Gebrauch gemacht. Nach Art. 19 Abs. 1 KVV nimmt die
gemeinsame Einrichtung die sich aus Art. 95a KVG ergebenden Aufgaben
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als Verbindungsstelle wahr. Sie erfüllt auch die Aufgaben als aushelfender
Träger am Wohn- oder Aufenthaltsort der Versicherten, für die aufgrund
von Art. 95a KVG Anspruch auf internationale Leistungsaushilfe besteht.
Art. 95a KVG verweist in Abs. 1 auf das Freizügigkeitsabkommen zwischen
der Schweiz und der Europäischen Gemeinschaft vom 21. Juni 1999 (FZA,
SR 0.142.112.681) sowie die zur Anwendung der Systeme der sozialen Si-
cherheit massgeblichen Koordinierungsverordnungen, wobei in Bst. a die
hier angewendete Verordnung (EG) Nr. 883/2004 genannt wird. Die GE
KVG ist ausserdem zuständig für die Durchführung der Leistungsaushilfe
und die Aufgaben als Verbindungsstelle aufgrund anderer internationaler
Vereinbarungen.
2.2 Vorliegend fungierte die GE KVG im Zeitraum vor dem angefochtenen
Einspracheentscheid als aushelfender Träger, indem sie die in der Schweiz
entstandenen Kosten der medizinischen Behandlung des Beschwerdefüh-
rers und seiner Familienangehörigen vorfinanzierte und hernach beim zu-
ständigen Träger – dem niederländischen Krankenversicherer – einfor-
derte. Damit erfüllte die GE KVG eine Aufgabe nach Art. 19 Abs. 1 KVV in
Verbindung mit Art. 18 Abs. 3 KVG. Sie war demnach für die Registrierung
bzw. Gewährung der besagten Leistungsaushilfe zuständig und konnte
diese folglich mittels Verfügung bzw. Einspracheentscheid auch wieder
aufheben, sofern die entsprechenden Anspruchsvoraussetzungen nicht
mehr erfüllt waren (vgl. Urteil des BVGer C-6251/2018 vom 9. März 2020
E. 3.4; vgl. zur Verfügungskompetenz der GE KVG gegenüber Leistungs-
ansprechern auch Urteil 9C_265/2019 des BGer vom 18. Februar 2020
E. 1.2.2 [zur Publikation vorgesehen]).
3.
3.1 Gemäss Art. 90a Abs. 1 KVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt – in Abweichung von Art. 58 Abs. 2 ATSG (SR 830.1) – über Be-
schwerden gegen die aufgrund von Art. 18 Abs. 2bis und 2ter erlassenen
Verfügungen und Einspracheentscheide der gemeinsamen Einrichtung. Es
entscheidet auch über Beschwerden gegen die aufgrund von Art. 18
Abs. 2quinquies erlassenen Verfügungen der gemeinsamen Einrichtung.
Gleichzeitig wird in Art. 18 Abs. 8 KVG festgehalten, dass auf Beschwerden
an das Bundesverwaltungsgericht gegen Verfügungen der gemeinsamen
Einrichtung nach den Abs. 2bis, 2ter und 2quinquies Art. 85bis Abs. 2 und 3 AHVG
(SR 831.10) sinngemäss anwendbar ist. Art. 85bis Abs. 1 AHVG besagt,
dass über Beschwerden von Personen im Ausland in Abweichung von
Art. 58 Abs. 2 ATSG das Bundesverwaltungsgericht entscheidet.
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3.2 Wie aufgezeigt (E. 2), ist der angefochtene Einspracheentscheid auf
der Grundlage von Art. 18 Abs. 3 KVG ergangen. Laut den oben erwähnten
Art. 18 Abs. 8 und Art. 90a KVG fallen jedoch nur Beschwerden gegen Ver-
fügungen nach Art. 18 Abs. 2bis, 2ter und 2quinquies KVG in die Zuständigkeit
des Bundesverwaltungsgerichts; Abs. 3 von Art. 18 KVG bleibt in Art. 18
Abs. 8 und Art. 90a KVG unerwähnt. Das Bundesverwaltungsgericht kam
in seinem Urteil C-6251/2018 vom 9. März 2020 nach eingehender Ausle-
gung von Art. 18 und 90a KVG zum Schluss, dass bei einem im Zusam-
menhang mit Art. 18 Abs. 3 KVG ergangenen Einspracheentscheid der ge-
meinsamen Einrichtung nicht Art. 90a KVG zur Anwendung gelangt, son-
dern die reguläre Rechtspflege gemäss KVG bzw. infolge des Verweises
in Art. 1 Abs. 1 KVG das ATSG (E. 5.4.6). Daraus folgt, dass bei Versicher-
ten mit Wohnsitz in der Schweiz gemäss Art. 58 Abs. 1 ATSG das Versi-
cherungsgericht desjenigen Kantons zuständig ist, in dem der Beschwer-
deführer zur Zeit der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hatte (vgl. auch
E. 5.5 und 5.6 des Urteils C-6251/2018).
4.
4.1 Der Begriff des Wohnsitzes bestimmt sich gemäss innerstaatlichem
Recht, nachdem das vorliegend anwendbare Gemeinschaftsrecht (vgl. die
im Rahmen des FZA anwendbare Verordnung [EG] Nr. 883/2004) die
Frage, wie der Wohnort zu bestimmen ist, weitgehend offenlässt und die
nähere Bestimmung dem jeweiligen nationalen Recht überantwortet (vgl.
BGE 138 V 186 E. 3.3.1 m.H.). Der Wohnsitz richtet sich somit nach
Art. 23 ff. ZGB, wie dies Art. 13 Abs. 1 ATSG ausdrücklich vorsieht. Damit
ist die zu Art. 23 bis Art. 26 ZGB entwickelte Rechtsprechung entscheidend
für die Bestimmung des im Sozialversicherungsrecht massgebenden
Wohnsitzes (vgl. BGE 127 V 237 E. 1). Nach Art. 23 Abs. 1 Satz 1 ZGB
befindet sich der Wohnsitz einer Person an dem Ort, wo sie sich mit der
Absicht dauernden Verbleibens aufhält. Für die Begründung eines Wohn-
sitzes müssen somit zwei Merkmale kumulativ erfüllt sein: ein objektiv
äusseres (Aufenthalt) sowie ein subjektiv inneres (Absicht, dauernden Ver-
bleibens), wobei das letztgenannte Element aufgrund von erkennbaren
Umständen objektiv bestimmt werden muss (vgl. BGE 133 V 309 E. 3.1).
Fremdenpolizeiliche Entscheide über Niederlassungs- und Aufenthaltsbe-
willigungen sind sozialversicherungsrechtlich nicht entscheidend für das
Vorliegen oder Nichtvorliegen des Wohnsitzes in der Schweiz (vgl. BGE
138 V 533 E. 4.3; IRENE HOFER, in: Frésard-Fellay/Klett/Leuzinger [Hrsg.],
Basler Kommentar zum ATSG, 2020, Art. 13 Rz. 6 m.w.H.). Wer die Auf-
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enthaltsbewilligung verliert, gibt noch nicht ohne Weiteres den schweizeri-
schen Wohnsitz auf; vielmehr ist weiterhin vom Bestehen eines schweize-
rischen Wohnsitzes auszugehen, wenn sich die betreffende Person in der
Schweiz aufhält und den Willen manifestierte, hier zu bleiben (vgl. UELI
KIESER, Kommentar zum ATSG, 3. Aufl. 2015, Art. 13 Rz. 16 m.H. auf Urteil
des EVG [heute: BGer] I 486/00 E. 2.2 = SVR 2005 IV Nr. 20; vgl. auch
BGE 129 V 79 E. 5.2). Laut Art. 24 Abs. 1 ZGB bleibt der einmal begründete
Wohnsitz einer Person bestehen bis zum Erwerb eines neuen Wohnsitzes.
Aufgrund dieser Bestimmung bleibt der Wohnsitz bis zur Begründung eines
neuen auch an einem Ort bestehen, von dem die betreffende Person be-
hördlich weggewiesen wurde, sofern sie in der Schweiz verbleibt (BGE 51
II 42 E. 2; DANIEL STAEHELIN, in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kom-
mentar zum ZGB, 6. Aufl. 2018, Art. 24 Rz. 4 m.w.H.). Bei nur vorüberge-
hendem Aufenthalt im Ausland wird der schweizerische Wohnsitz beibehal-
ten (SVR 2000 AHV Nr. 2).
4.2 Im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung (30. Mai 2017) verfügten der
Beschwerdeführer und seine Familienangehörigen über keine Aufenthalts-
bewilligung mehr in der Schweiz. Das zuständige Amt für Migration und
Personenstand des Kantons Bern hatte diese infolge Sozialhilfebezugs mit
Verfügung vom 8. März 2013 widerrufen und die Familie aus der Schweiz
weggewiesen, wogegen diese erfolglos den Instanzenzug beschritten
hatte (vgl. Urteil des BGer 2C_243/2015 vom 2. November 2015). Da die
Familie ihrer Verpflichtung, die Schweiz zu verlassen, nicht freiwillig nach-
gekommen war, verhängte das Staatssekretariat für Migration (SEM) mit
drei separaten Verfügungen vom 15. Februar 2017 gegen den Beschwer-
deführer, seine Ehefrau und die gemeinsame Tochter ein jeweils dreijähri-
ges Einreiseverbot, welches mit der Gefahr eines massiven Sozialhilfebe-
zugs und der Uneinsichtigkeit des Beschwerdeführers begründet wurde.
Auf Beschwerde hin hob das Bundesverwaltungsgericht die verhängten
Einreiseverbote mit Urteil vom 7. Juli 2017 allerdings auf, da gegenüber
den betroffenen Angehörigen eines Vertragsstaates des FZA ein freizügig-
keitsbeschränkendes Einreiseverbot nicht zu rechtfertigen war (F-
1148/2017, F-1151/2017, F-1153/2017). Dass der Beschwerdeführer, wel-
cher mit seiner Ehefrau und der schwer behinderten Tochter am 3. Juni
2010 in die Schweiz gekommen war und hier die Aufenthaltsbewilligung für
die ganze Familie (als erwerbslose Unionsbürger) erhalten hatte, in objek-
tiver und subjektiver Hinsicht einen schweizerischen Wohnsitz im Sinne
von Art. 23 Abs. 1 ZGB begründet hatte, steht ausser Diskussion und ergibt
sich namentlich auch aus den folgenden Umständen: Der Beschwerdefüh-
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rer hatte sich in der Schweiz als selbständig erwerbender Garagist ange-
meldet. Die niederländischen Behörden hatten ihre Rentenzahlungen an
die Tochter wegen Wegzugs des Beschwerdeführers ins Ausland einge-
stellt und die IV-Stelle des Kantons Bern hatte der Tochter aufgrund einer
Hilflosigkeit schweren Grades eine Hilflosenentschädigung zugesprochen
(vgl. Urteil des BGer 2C_243/2015 vom 2. November 2015 Sachverhalt
Bst. A). Ebenfalls unzweifelhaft ist die Tatsache, dass sich der Beschwer-
deführer mit seiner Familie trotz Wegweisung bis zum Zeitpunkt der Be-
schwerdeerhebung und darüber hinaus in der Schweiz aufhielt und bislang
den Willen manifestiert, hier zu bleiben (vgl. das Urteil des BVGer F-
1148/2017, F-1151/2017, F-1153/2017 vom 7. Juli 2017). Der Beschwer-
deführer gibt in seiner Beschwerde eine neue schweizerische (Zustell-)Ad-
resse im Kanton Zürich (Z._) an (BVGer-act. 1) und macht in seinen
weiteren Eingaben ausdrücklich und durchwegs einen schweizerischen
Wohnsitz geltend (BVGer-act. 6, 19). Auch die Vorinstanz geht im Zeitpunkt
des Erlasses der angefochtenen Verfügung von einem Wohnsitz des Be-
schwerdeführers im Kanton Zürich (Y._) aus. In ihrer Vernehmlas-
sung bezweifelt sie zwar, ob der Beschwerdeführer sich tatsächlich an der
neuen Adresse in Z._ aufhalte bzw. ob er überhaupt noch einen
schweizerischen Wohnsitz habe (BVGer-act. 4 S. 6). In weiteren Eingaben
bzw. Verfügungen betreffend den Beschwerdeführer stellt die Vorinstanz
dessen langjährigen Wohnsitz in der Schweiz aber nicht mehr in Frage
(BVGer-act. 18 S. 1, 25 S. 1).
4.3 Unter den genannten Umständen ist davon auszugehen, dass der vom
Beschwerdeführer in der Schweiz begründete Wohnsitz – trotz Wegwei-
sung – gemäss Art. 24 Abs. 1 ZGB und der dargelegten Rechtsprechung
(E. 4.1 vorne) in der Schweiz bestehen blieb. Ein allenfalls vorübergehen-
der Aufenthalt des Beschwerdeführers im Ausland änderte nichts daran.
Folglich hatte der Versicherte zur Zeit der Beschwerdeerhebung den
Wohnsitz im Kanton Zürich.
5.
Nach dem Gesagten ist das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung
der vorliegenden Beschwerde nicht zuständig. Auf die Beschwerde ist da-
her nicht einzutreten. Unter diesen Umständen ist es unerheblich, ob der
Beschwerdeführer allein oder gemeinsam mit seinen Familienangehöri-
gen, welche die Beschwerdeschrift mitunterzeichnet haben, Beschwerde
führt. Deren Beschwerdeberechtigung ist daher nicht zu prüfen. Auch ist
auf die materielle Argumentation der Parteien nicht weiter einzugehen. Die
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Sache (samt Verfahrensakten) ist vielmehr an das zuständige Sozialversi-
cherungsgericht des Kantons Zürich zum Entscheid zu überweisen (vgl.
Art. 8 Abs. 1 VwVG; Art. 58 Abs. 3 ATSG).
6.
Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG die
Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei (Satz 1). Unter-
liegt diese nur teilweise, so werden die Verfahrenskosten ermässigt
(Satz 2). Ausnahmeweise können sie ihr erlassen werden (Satz 3). Auf Ver-
fahrenskosten kann namentlich verzichtet werden, wenn Gründe in der Sa-
che oder in der Person der Partei es als unverhältnismässig erscheinen
lassen, sie ihr aufzuerlegen (Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Beschwerdeführer hat die Beschwerde
entsprechend der Rechtsmittelbelehrung erhoben und die Rechtslage war
nicht ohne Weiteres aus dem blossen Gesetzestext ersichtlich. Unter Be-
rücksichtigung dieser Umstände erscheint es vorliegend gerechtfertigt, von
einer Kostenauflage an den Beschwerdeführer abzusehen (vgl. Urteil des
BVGer C-6251/2018 vom 9. März 2020 E. 8; siehe auch nicht publ. E. 2
von BGE 134 V 45). Der Vorinstanz sind ebenfalls keine Verfahrenskosten
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2 VwVG). Parteientschädigungen sind keine zu-
zusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario; Art. 7 Abs. 3 VGKE).
Das Dispositiv folgt auf der nächsten Seite.
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