Decision ID: e25a40c8-26fa-53ba-82a8-4bf748cd5dc6
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Studer, Hauptstrasse 11a,
8280 Kreuzlingen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 1956, meldete sich am 25. November 2003 (richtig wohl 2004)
wegen eines anlässlich des Autounfalls vom 30. November 2000 erlittenen
Schleudertraumas (zum Hergang des Unfalls vgl. act. G 7.26.3) zum Bezug von IV-
Leistungen (Berufsberatung, Umschulung, Rente) an (act. G 7.1). Ihre bislang
ausgeübte selbstständige Tätigkeit gab sie gesundheitsbedingt am 1. Mai 2004
grösstenteils auf, arbeitete aber in einem reduzierten Rahmen weiter (act. G 7.44.7).
Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, diagnostizierte im Bericht vom
21. Dezember 2004 ein chronisches Zervikovertebralsyndrom bei einem Status nach
einem Autounfall im November 2000 und bei Streckfehlhaltung der HWS. Ferner
bestehe eine depressive Entwicklung bei Neurose und Tendenz zu
Medikamentenabusus. Seit 29. Juli 2002 bis auf weiteres sei sie für ihre angestammte
Tätigkeit zu 50% arbeitsunfähig. Arbeiten mit wechselnder Tätigkeit und wechselnder
Rückenhaltung seien ihr zumutbar (act. G 7.14.3 ff.).
A.b Im von der Versicherten in Auftrag gegebenen neurologischen Gutachten vom
21. April 2005, stellte Dr. med. C._, Facharzt FMH für Neurologie, folgende
Diagnosen: chronisches Zervikalsyndrom sowie myofasciale Verspannungen im HWS-
Bereich, im Bereich der Schultern vor allem links und der BWS durch Auffahrunfall vom
30. November 2000 bei rezidivprovozierender, berufsbedingter inklinierender
Körperhaltung, Verdacht auf eine Ulnariseinklemmung unter dem Biventer des M. flexor
carpi ulnaris am distalen Oberarm sowie Neigung zur arteriellen Hypertonie. Im
angestammten Beruf sei sie zu 100% arbeitsunfähig. Eine leidensangepasste Tätigkeit
könne die Versicherte mit einem Beschäftigungsgrad von 40% ausüben (act.
G 7.26.1 ff.). Im Bericht vom 13. Oktober 2005 gab Dr. C._ an, dass eine
leidensangepasste Tätigkeit (mit ausreichend Pausen, um eine konzentrierte gebückte
Haltung über Stunden zu vermeiden) der Versicherten täglich während 3,5 Stunden pro
Tag zumutbar sei (act. G 7.31.3).
A.c Vom 15. bis 16. Mai 2007 wurde die Versicherte in der MEDAS Zentralschweiz
interdisziplinär (internistisch, psychiatrisch, rheumatologisch und neurologisch)
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begutachtet. Im Gutachten vom 18. Juni 2007 diagnostizierten die Experten mit
wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit ein chronisches,
linksseitiges zervikovertebrales und zervikozephales Schmerzsyndrom mit deutlicher
spondylogener Komponente bei/mit: intermittierend zervikozephalen Kopfschmerzen
links, Segmentdegeneration C4 bis C6, Fehlhaltung mit zervikaler Streckhaltung und
Segmentkyphosierung C3 bis C6 sowie Status nach Distorsionstrauma der
Halswirbelsäule am 30. November 2000. Die vom Hausarzt Ende 2004 diagnostizierte
depressive Reaktion sei inzwischen remittiert. In der bisherigen Tätigkeit sei die
Versicherte noch zu 30% arbeitsfähig. Bei einer Verweistätigkeit in einem anderen
Bereich ihrer Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50%. Bei einer optimal
angepassten, körperlich ausgesprochen leichten, zwingend wechselbelastenden
Verweistätigkeit, ohne gehäufte Zwangshaltungen im Sitzen oder Stehen, ohne
Verrichtungen über Kopf und ohne Anforderung an die Konzentration, verfüge die
Versicherte über eine 70%ige Arbeitsfähigkeit. Die zumutbare Arbeitszeit sei mit 6 - 6 /
Stunden zu veranschlagen. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit sei dabei nicht
anzunehmen. Bei allen genannten Tätigkeiten seien die rheumatologischen Befunde für
die Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit ausschlaggebend (act. G 7.44.1 ff.).
A.d Am 6. September 2007 nahm die IV-Stelle eine Abklärung an Ort und Stelle vor. Die
Abklärungsperson hielt im Bericht vom 23. November 2007 fest, dass die Versicherte
seit der gesundheitsbedingten offiziellen Geschäftsaufgabe im Jahr 2004 bis heute
weiterhin stundenweise noch im Atelier arbeite. Sie könne dies nur in sehr reduziertem
Rahmen tun, versuche aber wenn möglich immer ein Pensum von ca. 50% zu
erreichen, da sie finanziell darauf angewiesen sei. Die Abklärungsperson bemerkte bei
der Versicherten einen "etwas abwesenden Eindruck" und hatte das Gefühl, diese
stehe unter Medikamenteneinfluss, was ihr die Versicherte bestätigt habe. Im
Nachgang zur Abklärung gab die Abklärungsperson einen Auftrag zur
Eingliederungsberatung (act. G 7.66.1 ff.).
A.e Ab November 2007 wurde die Versicherte durch einen IV-Eingliederungsberater bei
der Stellensuche unterstützt. Anlässlich der Besprechung vom 17. März 2008 brachte
die Versicherte zum Ausdruck, dass sie sich ernsthafte Gedanken mache, die
selbstständige Erwerbstätigkeit in ihrem angestammten Beruf wieder aktiver zu
gestalten. Einen Teil der Arbeiten könne sie jedoch nicht selbst bewältigen; deshalb
1
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prüfe sie die Anstellung einer Person (ehemalige Mitarbeiterin), die sie dann weiter
ausbilde oder gebe die Reparaturaufträge an einen bekannten Berufskollegen weiter.
Sie wünschte keine weitere Unterstützung mehr bei der Stellensuche und beantragte
die Prüfung der Rentenfrage (act. G 4.70.3).
A.f Mit Vorbescheid vom 18. April 2008 stellte die IV-Stelle in Aussicht, einen Anspruch
auf berufliche Massnahmen abzulehnen, da die Versicherte angemessen eingegliedert
sei (act. G 7.76). Im Vorbescheid vom 21. April 2008 äusserte sich die IV-Stelle zur
Rentenfrage und lehnte einen Anspruch auf eine Invalidenrente bei einem
Invaliditätsgrad von 30% ab (act. G 7.78).
B.
B.a Im Einwand vom 19. Mai 2008 gegen den Vorbescheid vom 18. April 2008 rügte
die Versicherte, dass dessen Begründung unzutreffend sei. Zwar habe sie auf
berufliche Massnahmen verzichtet. Sie sei aber nach wie vor darum bemüht,
selbstständig und aktiv eine berufliche Eingliederung zu finden, die ihre gesundheitliche
Beeinträchtigung angemessen berücksichtige (act. G 7.81). Gegen den Vorbescheid
vom 21. April 2008 erhob die Versicherte ebenfalls am 19. Mai 2008 mit separater
Eingabe Einwand. Sie bringt darin vor, dass die IV-Stelle die Vergleichseinkommen
falsch ermittelt habe. Für den Einkommensvergleich sei vielmehr auf die im
Abklärungsbericht vom 23. November 2007 genannten Einkommen abzustellen.
Gestützt darauf ergebe sich zumindest ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Ergänzend
wies die Versicherte darauf hin, dass die involvierten privaten Unfallversicherungen eine
50%ige Erwerbsunfähigkeit anerkannt hätten (act. G 7.82.1 ff.).
B.b Unter Hinweis auf die Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht forderte die IV-
Stelle die Versicherte mit Schreiben vom 12. August 2008 auf, ihre selbstständige
Erwerbstätigkeit zugunsten einer behinderungsgerechten und besser entlöhnten
Tätigkeit aufzugeben (act. G 7.84). Die Versicherte entgegnete dieser Forderung, dass
ihr die Aufgabe der selbstständigen Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden könne
(Schreiben vom 2. September 2008, act. G 7.85).
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B.c In der Verfügung vom 16. September 2008 betreffend die Rentenfrage ermittelte
die IV-Stelle ausgehend von einem korrigierten Valideneinkommen im Betrag von
Fr. 38'800.-- einen Invaliditätsgrad von 38% und lehnte einen Rentenanspruch ab (act.
G 7.86). Was den Anspruch auf berufliche Massnahmen anbelangt, so verfügte die IV-
Stelle gleichentags, dass wegen angemessener Eingliederung kein entsprechender
Anspruch bestehe (act. G 7.87).
C.
C.a Gegen die ablehnende Rentenverfügung vom 16. September 2008 richtet sich die
Beschwerde vom 7. Oktober 2008. Die Beschwerdeführerin beantragt darin unter
Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Zusprache mindestens
einer Viertelsrente ab 1. Juni 2003. Eventualiter sei die Sache zur ergänzenden
Abklärung und anschliessenden Neuverfügung an die Verwaltung zurückzuweisen. Die
Beschwerdeführerin bringt vor, dass der in der angefochtenen Verfügung korrigierte
Einkommensvergleich nach wie vor unzutreffend sei. Das Valideneinkommen sei zu tief
angesetzt worden und berücksichtige nicht sämtliche finanziellen Vorteile der
selbstständigen Erwerbstätigkeit. Zur Bestimmung des Invalideneinkommens sei
fälschlicher Weise auf die bisherige Tätigkeit und nicht auf eine mit höherem
Arbeitspensum zumutbare leidensangepasste Tätigkeit abgestellt worden. Sie stellt
sich des Weiteren auf den Standpunkt, dass ihr die Aufgabe ihrer selbstständigen
Tätigkeit nicht zugemutet werden könne, keine Verletzung der
Schadenminderungspflicht vorliege und bei der Bemessung des Invalideneinkommens
von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit ausgegangen werden
müsse (act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 15. Dezember
2008 die Beschwerdeabweisung. Sie macht geltend, dass zur Bestimmung des
Invalideneinkommens auf die LSE-Durchschnittslöhne unter Berücksichtigung einer
70%igen Arbeitsfähigkeit abzustellen sei. Die Aufgabe der selbstständigen Tätigkeit sei
der Beschwerdeführerin zumutbar. Selbst unter Berücksichtigung eines
Leidensabzuges von 10% resultiere kein Rentenanspruch (act. G 7).
C.c In der Replik vom 2. Februar 2009 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
und ihrer Begründung unverändert fest (act. G 9).
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C.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer begründeten Duplik
verzichtet (act. G 11).
C.e Mit Eingabe vom 6. Juli 2009 teilt die Beschwerdeführerin mit, dass ein bisher nicht
bekannter Gesundheitsschaden objektiviert worden sei, der sich laut neuen ärztlichen
Angaben bereits vor Abfassung der angefochtenen Verfügung vom 16. September
2008 auf ihre Gesundheit ausgewirkt habe. So bestehe gemäss Bericht der
Psychiatrischen Klinik Wil vom 16. Juni 2009 (act. G 13.1) seit Jahrzehnten eine bipolar
affektive Störung mit gegenwärtig schwerer depressiver Episode mit psychotischen
Symptomen (ICD-10: F31.5). Diese habe in den vergangenen Jahren zu massivsten
Beeinträchtigungen im einfachen Alltag und insbesondere auch im Berufsalltag geführt
(act. G 13).
C.f Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Stellungnahme zur Eingabe vom 6. Juli 2009
verzichtet (vgl. act. G 14).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist einzig der Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Rentenleistungen strittig. Die Verfügung vom 16. September 2008 betreffend den
Anspruch auf berufliche Massnahmen blieb unangefochten (vgl. act. G 1, S. 5).
2.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
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16. September 2008 ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem
Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung
betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den
allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die
damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der
5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage
zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die
seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
3.
3.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein
Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
3.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von
externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und
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Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
3.3 Der erstinstanzliche Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz
beherrscht (Art. 61 lit. c ATSG). Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die
richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen
(BGE 125 V 195 E. 2).
4.
4.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Rentenablehnung in medizinischer
Hinsicht auf das interdisziplinäre Gutachten der MEDAS Zentralschweiz vom 18. Juni
2007 (act. G 7.44). Darin bescheinigten die Gutachter der Beschwerdeführerin für
leidensadaptierte Tätigkeiten aufgrund eines chronischen, linksseitigen
zervikovertebralen und zervikozephalen Schmerzsyndroms mit deutlicher
spondylogener Komponente eine 70%ige Arbeitsfähigkeit. Der psychiatrische
Gutachter stellte keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit benannte er eine remittierte, längere, depressive
Reaktion (ICD-10: F43.21) sowie eine Nikotinabhängigkeit (ICD-10: F17.24; act.
G 7.44). Die Beurteilung der MEDAS-Gutachter wurde von der Beschwerdeführerin im
Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren nicht in Zweifel gezogen.
4.2 Mit Eingabe vom 6. Juli 2009 reichte die Beschwerdeführerin einen Bericht der
Psychiatrischen Klinik Wil vom 16. Juni 2009 ein. Darin stellt der behandelnde Dr. med.
D._, Psychiatrischen Klinik Wil, die Diagnose einer bipolar affektiven Störung mit
gegenwärtig schwerer depressiver Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10:
F31.5). Die stationäre Aufnahme sei unter dem Bild einer bereits länger anhaltenden
schweren depressiven Episode mit zuletzt psychotischen Symptomen in der Form,
dass die Beschwerdeführerin wahnhaft davon überzeugt gewesen sei, ihre
Wahrnehmungsstörungen im Bereich des Halses würden extern durch Strahlen oder
Ähnliches bedingt. Kurzfristig habe eine akute Suizidalität vorgelegen. In
Zusammenarbeit mit dem selbst beruflich psychiatrieerfahrenen Lebenspartner habe
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sich herausarbeiten lassen, dass die Beschwerdeführerin bereits seit Jahrzehnten an
einer bipolaren/manisch-depressiven Erkrankung leide, die der bisherigen Anamnese
und dem Verlauf zu urteilen nach in den vergangenen Jahren zu massivsten
Beeinträchtigungen bereits im einfachen Alltag, insbesondere auch im Berufsalltag
geführt habe. Trotz umfassender Therapie sei an eine gegenwärtige Wiederaufnahme
der beruflichen Tätigkeit insbesondere im selbstständigen Bereich nicht zu denken. Es
sei noch eine weitere stationäre Behandlung von mindestens zwei bis drei Wochen
anvisiert (act. G 13.1).
4.3 Die Beschwerdeführerin hat diesen ausführlichen Bericht von Dr. D._ erst
9 Monate nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 16. September 2009
eingereicht. Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätzlich die
tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Erlasses der angefochtenen
Verwaltungsverfügung massgebend (BGE 121 V 366 E. 1b mit Hinweisen). Doch
können namentlich Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, insoweit
berücksichtigt werden, als sie mit dem Streitgegenstand in engem
Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Verfügungserlasses zu beeinflussen (BGE 99 V 102 mit Hinweisen).
4.3.1 Der Bericht von Dr. D._ äussert sich nicht zur Entwicklung der Arbeits- und
Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin seit der letzten psychiatrischen
Begutachtung vom 23. Mai 2007 (act. G 7.44.30 ff.) und enthält auch keine Bezifferung
der Restarbeitsfähigkeit. Er ist aber zumindest insoweit für den Verfügungszeitpunkt
aufschlussreich, als er darin für die "vergangenen" Jahre massivste Beeinträchtigungen
der Leistungsfähigkeit, eine bereits seit Jahrzehnten bestehende bipolare/manisch-
depressive Erkrankung bzw. eine bereits länger anhaltende schwere depressive
Episode mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beschreibt (act. G 13.1). Aufgrund dieser
Aussagen kann nicht ausgeschlossen werden, dass dieses psychische Beschwerdebild
teilweise bereits den vor Verfügungserlass eingetretenen Sachverhalt beschlägt. Dieser
Eindruck wird durch die für die Beurteilung der Psyche relevante Feststellung der
Abklärungsperson im Abklärungsbericht an Ort und Stelle vom 23. November 2007
verstärkt, worin diese festhält, die Beschwerdeführerin habe einen etwas abwesenden
Eindruck gemacht. Daran vermag nichts zu ändern, dass die - in medizinischer Hinsicht
als Laie zu betrachtende - Abklärungsperson, die erkannte Auffälligkeit auf die
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Medikamenteneinnahme der Beschwerdeführerin zurückführte (act. G 7.66.8). Dies
umso weniger als das dreimal täglich von der Beschwerdeführerin eingenommene
Medikament Zaldiar (act. G 7.66.1) als unerwünschte Nebenwirkungen häufig
(Stimmungsveränderungen, Schlaflosigkeit, Verwirrtheit) bis gelegentlich (u.a.
Depression und Entpersonalisierung) zu psychischen Störungen führt (vgl. die Angaben
im Arzneimittelkompendium zum Medikament Zaldiar ). Die gutachterliche
Untersuchung erfolgte am 16. Mai 2007. Damit sind bis zum Zeitpunkt des
Verfügungserlasses vom 16. September 2008 16 Monate verstrichen. Im
psychiatrischen Teilgutachten wurde keine für die Arbeitsfähigkeit relevante Diagnose,
namentlich auch keine bipolar affektive Störung benannt (act. G 7.44.30 ff.). Angesichts
der im Verfügungszeitpunkt bereits längere Zeit zurückliegenden psychiatrischen
Begutachtung sowie der Erkenntnisse von Dr. D._ zum psychischen Beschwerdebild,
kann bis zum Verfügungserlass nicht mehr ohne Weiteres auf die frühere gutachterliche
psychiatrische Beurteilung abgestellt werden.
4.3.2 Insgesamt ergeben sich aus den Akten erhebliche Hinweise für eine Zunahme der
psychischen Leiden und der Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin bis zum Erlass
der angefochtenen Verfügung vom 16. September 2008. Es liegen aber keine
medizinischen Berichte bei den Akten, die über die Entwicklung des
Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit bis zum Verfügungserlass hinreichenden
Aufschluss geben könnten. Da die bestehenden Unterlagen eine schlüssige und
abschliessende Beurteilung der Leistungsfähigkeit und somit des Invaliditätsgrades
nicht erlauben, ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die
Entwicklung der psychischen Beschwerden und der Leistungsfähigkeit fachärztlich
abklären lässt. Die mit der ergänzenden psychiatrischen Begutachtung zu
beauftragende Person wird dabei namentlich die vollständige, von der Psychiatrischen
Klinik Wil dokumentierte Krankheitsgeschichte zu berücksichtigen haben. Sie wird sich
nach der Abklärung der gesundheitlichen Verhältnisse ferner im Rahmen der
Umschreibung einer leidensangepassten Tätigkeit auch noch zu den Fragen zu äussern
haben, ob die bisher ausgeübte selbstständige Erwerbstätigkeit mit Blick auf die
psychischen Leiden als leidensadaptiert anzusehen ist und ob deren Aufgabe der
Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht zugemutet werden kann. Im Übrigen
wird sich die Beschwerdegegnerin noch mit der Frage zu beschäftigen haben, ob die
erwerbliche Verwertbarkeit des gutachterlich abgeklärten Leistungsvermögens vom
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Erfolg weiterer Eingliederungsvorkehren abhängt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
5. Oktober 2009, 9C_141/09, E. 2.3.3). Angesichts des noch abklärungsbedürftigen
Sachverhalts können die gegen den von der Beschwerdegegnerin vorgenommenen
Einkommensvergleich erhobenen Rügen offen gelassen werden.
5.
In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin eine Verletzung der
Begründungspflicht und erachtet die Aufhebung der angefochtenen Verfügung auch
aus diesem Blickwinkel für gerechtfertigt (act. G 1, S. 8). Da die angefochtene
Verfügung bereits aus materiellen Gründen aufzuheben ist, können die Fragen offen
gelassen werden, ob die Beschwerdegegnerin den Gehörsanspruch mit ihrer
Verfügungsbegründung verletzt hat und ob gegebenenfalls eine allfällige Verletzung im
vorliegenden Beschwerdeverfahren hätte geheilt werden können.
6.
6.1 Nach dem Gesagten ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde die Verfügung
vom 16. September 2008 aufzuheben. Die Sache ist zur ergänzenden Abklärung und
neuer Verfügung im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss der Beschwerdeführerin von Fr. 600.-- ist ihr
zurückzuerstatten.
6.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Honorarnote verzichtet. Der
bis
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Bedeutung und Komplexität der Streitsache angemessen erscheint eine
Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht