Decision ID: c28e466a-6f04-59bc-8594-f6e987aa6535
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Eth-
nie, verliess eigenen Angaben zufolge am 8. Juni 2015 Sri Lanka und flog
über Dubai am 9. Juni 2015 in die Schweiz, wo er gleichentags im damali-
gen Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in Kreuzlingen um Asyl
nachsuchte.
B.
Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 23. Juni 2015 sowie der
Anhörung zu den Asylgründen vom 12. Mai 2016 trug der Beschwerdefüh-
rer im Wesentlichen folgenden Sachverhalt vor:
Er stamme aus B._, Distrikt C._ [Nordprovinz], und habe
seit seiner Geburt mit seinen Eltern und Geschwistern im Dorf gelebt. Er
habe die Schule bis zur 8. Klasse besucht und habe danach als (...) gear-
beitet. Dieser Tätigkeit sei er während etwa fünf bis sechs Monaten – bis
zwei Jahre vor seiner Ausreise – nachgegangen. Danach habe er ab und
zu für seinen Vater als (...) gearbeitet.
Als der Beschwerdeführer noch sehr klein gewesen sei, sei seine Mutter
aufgrund eines Streits mit seinem Vater zu ihrer Mutter – seiner Grossmut-
ter – nach Vanni gegangen. Sie habe sich dort den Liberation Tigers of
Tamil Eelam (LTTE) angeschlossen und sei in der Geheimdienstabteilung
tätig gewesen. Nach Kriegsende sei sie in einem Rehabilitationszentrum in
(...) gewesen und sei im (...) 2010 entlassen worden. Sie sei danach zur
Familie zurückgekehrt. Seither habe sie regelmässig beim Criminal Inves-
tigations Departement (CID) Unterschrift leisten müssen und sei dabei
mehrfach aufgefordert worden, dass auch ihr Sohn – der Beschwerdefüh-
rer – sich beim CID melden solle. Er habe dies nicht getan, weswegen die
Behörden am (...) Dezember 2012 zum Haus der Familie gekommen seien
und nach ihm gesucht hätten. Sie hätten auch ihn verdächtigt, für den Ge-
heimdienst der LTTE gearbeitet zu haben. Man habe ihm vorgeworfen, er
sammle Informationen im [Gebiet von C._] und leite diese seiner
Mutter im Rahmen ihrer Geheimdienstaktivität weiter. Er sei zu diesem
Zeitpunkt nicht zu Hause gewesen, weshalb seine Mutter verhaftet und zu
einem Gefängnis in (...) gebracht worden sei. Er habe Angst gehabt, nach
Hause zurückzukehren, und habe sich fortan bei seinem ehemaligen Ar-
beitgeber in (...) versteckt. Seine Mutter sei nach sechs Monaten wieder
entlassen worden. Nach ihrer Entlassung sei einige Male bei seinen Eltern
nach ihm gesucht worden und es habe Hausdurchsuchungen gegeben. Im
E-241/2018
Seite 3
Mai 2015 habe man seiner Mutter gedroht, man werde ihn auslöschen.
Deswegen habe er entschieden, Sri Lanka zu verlassen. Sein Vater und
sein ehemaliger Arbeitgeber hätten die Ausreise organisiert und einen ge-
fälschten Pass sowie einen Schlepper organisiert. Seine Mutter müsse
noch immer monatlich beim CID-Büro in C._ Unterschrift leisten.
Seine Mutter habe sich in einer Zeitung über die familiären Probleme und
ihre Probleme als ehemaliges LTTE-Mitglied geäussert. Seither habe die
Mutter noch mehr Probleme. Sie sei misshandelt worden und man habe ihr
mit Vergewaltigung gedroht, wenn sich ihr Sohn nicht melden würde. Seit
seiner Ausreise lebe nun auch sein jüngerer Bruder versteckt.
Der Beschwerdeführer reichte eine beglaubigte Kopie seines Geburts-
scheins, eine Kopie der Familienkarte, eine Haftentlassungsbestätigung
der Mutter und eine Haftbestätigung der Mutter, beide im Original, sowie
den genannten Zeitungsartikel zu den Akten.
C.
Mit Schreiben vom 21. September 2017 wurde der Beschwerdeführer von
der Vorinstanz aufgefordert, einen ärztlichen Bericht einzureichen.
D.
Mit Eingang beim SEM vom 5. Oktober 2017 reichte der Beschwerdeführer
einen ärztlichen Bericht seiner Hausärztin zu den Akten. Aus dem Bericht
geht im Wesentlichen hervor, dass er an einer Depression leide und eine
Psychotherapie angezeigt wäre.
E.
Mit Entscheid vom 7. Dezember 2017 – eröffnet am 12. Dezember 2017 –
stellte die Vorinstanz fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingsei-
genschaft nicht erfülle, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegwei-
sung aus der Schweiz und deren Vollzug an. Die Vorinstanz begründete
die Verfügung im Wesentlichen mit der Unglaubhaftigkeit des geltend ge-
machten Übergriffs und im Übrigen mit der fehlenden Asylrelevanz der Vor-
bringen.
F.
Diese Verfügung liess der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin
mit Eingabe vom 11. Januar 2018 beim Bundesverwaltungsgericht anfech-
ten. Er beantragte, die Verfügung der Vorinstanz vom 7. Dezember 2017
sei aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen und ihm sei
Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit
E-241/2018
Seite 4
des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme an-
zuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei die unentgeltliche Rechts-
pflege zu gewähren und die Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeistän-
din zu bestellen.
Mit der Rechtsmitteleingabe wurden eine Fürsorgebestätigung und eine
Kostennote eingereicht.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 19. Januar 2018 bestätigte die Instruktions-
richterin den Eingang der Beschwerde und hielt fest, der Beschwerdeführer
könne den Abschluss des Verfahrens in der Schweiz abwarten.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 22. Januar 2018 gewährte die Instruktions-
richterin die unentgeltliche Prozessführung, verzichtete auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses und ordnete die Rechtsvertreterin als amtliche
Rechtsbeiständin bei. Gleichzeitig forderte sie den Beschwerdeführer auf,
die in der Beschwerde erstmals vorgebrachten exilpolitischen Tätigkeiten
detailliert darzulegen und das Gericht über seine medizinischen und thera-
peutischen Behandlungen zu informieren.
I.
Mit Eingabe vom 9. Februar 2018 führte der Beschwerdeführer aus, er
habe seit seiner Ankunft in der Schweiz im Jahr 2015 an den Festlichkeiten
des Märtyrergedenkfeiertages und an Demonstrationen in (...) und (...) teil-
genommen. Hinsichtlich seiner psychologischen Behandlung wies er da-
rauf hin, dass sein Hausarzt ihn an einen Psychologen überwiesen habe
und dieser sich in Kürze bei ihm für einen Termin melden werde. Sobald
die Therapie es zulasse, werde er dem Gericht einen Bericht mit einer ers-
ten Einschätzung einreichen.
J.
Am 13. Februar 2018 lud die Instruktionsrichterin das SEM ein, sich zur
Beschwerde vernehmen zu lassen.
K.
In seiner Vernehmlassung vom 15. Februar 2018 hielt das SEM fest, die
Beschwerdeschrift enthalte keine erheblichen Tatsachen oder Beweismit-
tel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten.
E-241/2018
Seite 5
L.
Am 19. Februar 2018 wurde die Vernehmlassung des SEM dem Beschwer-
deführer zur Kenntnisnahme zugestellt.
M.
Mit Instruktionsverfügung vom 10. Juni 2020 erhielt der Beschwerdeführer
– mit Hinweis auf die Zwischenverfügung vom 22. Januar 2018, in welcher
er letztmals aufgefordert wurde, ergänzende Angaben zu seinen exilpoliti-
schen Tätigkeiten und seinen therapeutischen Behandlungen einzureichen
– Gelegenheit, letzte ergänzende Ausführungen zum Beschwerdeverfah-
ren einzureichen.
N.
Mit Eingabe vom 25. Juni 2020 führte der Beschwerdeführer aus, er sei
seit seiner Ausreise mehrere Male zu Hause von den Behörden gesucht
worden, zuletzt am 6. März 2020. Die Behörden seien nachts zu seinem
Elternhaus gekommen und hätten nach seinem Aufenthaltsort gefragt.
Etwa alle drei bis vier Monate komme es zu entsprechenden Hausdurch-
suchungen. Seine Mutter unterstehe zudem nach wie vor der Unterschrifts-
pflicht und müsse sich jeweils Ende des Monates in C._ beim CID
melden. Ihr sei mitgeteilt worden, die Meldepflicht würde bestehen bleiben,
bis sie ihren Sohn ausliefern würde. Ausserdem habe auch sein jüngerer
Bruder im Jahr 2018 fliehen müssen. Er habe zunächst in Indien gelebt und
sei jetzt in Malaysia. In Bezug auf den aktuellen Behandlungsstand des
Beschwerdeführers führte die Rechtsvertreterin aus, dass es ihr nicht mög-
lich gewesen sei, den behandelnden Psychologen zu kontaktieren, da die-
ser in einer neuen Praxis tätig sei, und ersuchte um eine angemessene
Fristerstreckung zur Einreichung medizinischer Unterlagen.
O.
Mit Schreiben vom 30. Juni 2020 erstreckte die Instruktionsrichterin die
Frist zur Nachreichung von medizinischen Unterlagen bis zum 10. Juli
2020.
P.
Am 3. Juli 2020 informierte die Rechtsvertreterin das Gericht, dass sie in-
zwischen in Erfahrung habe bringen können, dass der behandelnde Psy-
chologe im Urlaub sei, und ersuchte das Gericht erneut, die angesetzte
Frist zu erstrecken.
E-241/2018
Seite 6
Q.
Am 8. Juli 2020 erstreckte die Instruktionsrichterin die Frist erneut bis zum
31. Juli 2020.
R.
Mit Eingabe vom 28. Juli 2020 führte die Rechtsvertreterin des Beschwer-
deführers aus, gemäss telefonischer Auskunft des behandelnden Psycho-
logen sei der Beschwerdeführer im Februar und März 2018 bei ihm in Be-
handlung gewesen. Er habe an Schlafstörungen gelitten, da er sich grosse
Sorgen um seine Mutter gemacht habe. Durch die Verschreibung eines
Schlafmittels habe die Schlafstörung gemindert werden können. Der Be-
schwerdeführer sei offenbar vom «Therapie-Konzept» nicht überzeugt ge-
wesen und habe es vorgezogen, das Schlafmittel von seiner Hausärztin zu
beziehen und die Therapie beim Psychologen abzubrechen. Somit gebe
es keine aktuellen Berichte, welche zu den Akten gereicht werden könnten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
E-241/2018
Seite 7
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Das SEM führte in der ablehnenden Verfügung aus, der Beschwerde-
führer habe sich in der BzP und der Anhörung in einem wesentlichen Punkt
widersprochen. In der BzP habe er als fluchtauslösendes Ereignis angege-
ben, er sei an dem Ort, an welchem er sich nach der Verhaftung der Mutter
im Dezember 2012 versteckt habe, behördlich gesucht worden. In der An-
hörung habe er hingegen ausgeführt, er habe, während er sich bei seinem
ehemaligen Arbeitgeber versteckt habe, keine Probleme gehabt, da nie-
mand von seinem Versteck gewusst habe. Die Behörden hätten der Mutter
E-241/2018
Seite 8
gegenüber im Mai 2015 Todesdrohungen gegen ihn ausgesprochen, was
schliesslich zu seiner Ausreise im Juni 2015 geführt habe. Auch unter Be-
rücksichtigung des summarischen Charakters der BzP sei der Wahrheits-
gehalt seiner Aussagen in erhebliche Zweifel zu ziehen, da es sich bei dem
fluchtauslösenden Ereignis um einen wesentlichen Aspekt des Asylvorbrin-
gens handle. Diese Zweifel würden durch weitere Widersprüche verstärkt.
So habe er an der BzP angegeben, er habe sich gerade in einer Bäckerei
befunden, um Brot zu kaufen, als er von seinem Nachbarn angerufen und
über die Suche nach ihm und die Verhaftung der Mutter informiert worden
sei. An der Anhörung habe er dagegen angegeben, er habe zum Zeitpunkt
des Anrufs mit Freunden Fussball gespielt. Seine auf entsprechenden Vor-
halt hin angegebene Erklärung, wonach er nach dem Fussballspiel wie üb-
lich in der Bäckerei Soda gekauft habe, vermöge den Widerspruch in sei-
nen Aussagen nicht zu entkräften, zumal der Zeitpunkt des fraglichen An-
rufs – angesichts dessen Bedeutungsschwere – klar einer der beiden Situ-
ationen zuzuordnen gewesen sein dürfte. Darüber hinaus würden weitere
Unstimmigkeiten in seinen Vorbringen auffallen. Beispielsweise sei nicht
nachvollziehbar, weshalb die sri-lankischen Behörden erst nach der Ent-
lassung der Mutter aus der Rehabilitationshaft im Jahr 2010 ein Verfol-
gungsinteresse an ihm entwickelt haben sollten. Die Identität der Mutter
und damit auch der Familienmitglieder dürfte den Behörden bereits zu ei-
nem früheren Zeitpunkt, und nicht erst nach deren Entlassung aus der Re-
habilitationshaft, bekannt gewesen sein. Hätten die Behörden ihm tatsäch-
lich unterstellt, ebenfalls für die LTTE tätig zu sein, wäre zu erwarten ge-
wesen, dass er bereits zu einem früheren Zeitpunkt in den Fokus des CID
geraten wäre. Im Übrigen scheine ein behördliches Verfolgungsinteresse
wegen Verbindungen zu den LTTE auch angesichts seines (damaligen) Al-
ters unwahrscheinlich. Des Weiteren sei auch nicht plausibel, dass die sri-
lankischen Behörden seine Mutter während rund zwei Jahren immer wie-
der aufgefordert hätten, ihren Sohn zu Befragungen mitzunehmen, ohne
dass die Missachtung für die Mutter oder für ihn konkrete Konsequenzen
gehabt hätte beziehungsweise er von den Behörden einmal gewaltsam
mitgenommen oder auch nur zu Hause aufgesucht worden wäre. Ebenso
sei nicht ersichtlich, weshalb die Behörden die Mutter im Jahr 2013 ohne
Auflagen hätten freilassen sollen, wenn explizit das Nichterscheinen des
Beschwerdeführers bei den Behörden der Grund für die Inhaftierung der
Mutter gewesen sei. Es sei auch nicht plausibel, dass die sri-lankischen
Behörden seine Mutter ab dem Jahr 2013 wiederum regelmässig aufgefor-
dert hätten, ihn zur Unterschriftenleistung mitzubringen, sein Nichterschei-
nen aber erst nach rund zwei weiteren Jahren dazu geführt habe, dass die
E-241/2018
Seite 9
Behörden die Mutter mit Drohungen unter Druck gesetzt hätten. Nicht zu-
letzt sei auch unwahrscheinlich, dass die Behörden ihn nicht bei seinem
ehemaligen Arbeitgeber aufgespürt hätten, zumal sein Vater seinen Aus-
sagen gemäss regelmässig dort angerufen habe. Insgesamt seien seine
Vorbringen widersprüchlich und unstimmig und würden den Anforderungen
an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. Auch die ein-
gereichten Beweismittel würden nichts an dieser Einschätzung ändern.
Aus der Haftbestätigung und dem Zeitungsartikel gehe im Wesentlichen
hervor, dass seine Mutter aufgrund ihrer ehemaligen LTTE-Mitgliedschaft
zwei Mal inhaftiert worden sei. Hinweise auf eine asylrelevante Verfolgung
seiner Person könnten den Beweismitteln nicht entnommen werden. Eine
Echtheitsprüfung der Beweismittel könne deshalb unterbleiben. Im Übrigen
falle auf, dass in der Haftbestätigung vom (...) Dezember 2012 von einer
dreimonatigen Haft der Mutter die Rede sei und sie in dem Zeitungsinter-
view ausführe, sie sei verhaftet worden, weil ihr Sohn nach Indien gegan-
gen sei. Beide Angaben würden den Äusserungen des Beschwerdeführers
widersprechen. Seine Vorbringen zur Verfolgung im Heimatstaat seien so-
mit nicht glaubhaft.
Es bleibe zu prüfen, ob er im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka begrün-
dete Furcht vor künftigen Verfolgungsmassnahmen im Sinne des Art. 3
AsylG habe. Gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung sei
diese Prüfung anhand sogenannter Risikofaktoren vorzunehmen. Rück-
kehrer, die illegal ausgereist seien, über keine gültigen Identitätsdoku-
mente verfügen würden, im Ausland ein Asylverfahren durchlaufen hätten
oder behördlich gesucht würden, würden am Flughafen zu ihrem Hinter-
grund befragt. Diese Befragung allein und das allfällige Eröffnen eines
Strafverfahrens wegen illegaler Ausreise stelle jedoch keine asylrelevante
Verfolgungsmassnahme dar. Regelmässig würden Rückkehrer auch am
Herkunftsort zwecks Registrierung, Erfassung der Identität, bis hin zur
Überwachung der Aktivitäten der Person befragt. Diese Kontrollmassnah-
men am Herkunftsort würden indes grundsätzlich kein asylrelevantes Aus-
mass annehmen. Der Beschwerdeführer habe keine Verfolgung im Zeit-
punkt seiner Ausreise glaubhaft machen können. Vielmehr sei er bis im
Juni 2015 in Sri Lanka wohnhaft gewesen und habe somit noch rund sechs
Jahre nach Kriegsende in seinem Heimatstaat gelebt. Allfällige, im Zeit-
punkt seiner Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich kein Ver-
folgungsinteresse der sri-lankischen Behörden auszulösen vermocht. Es
bestehe somit kein begründeter Anlass zu Annahme, dass er bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausge-
setzt wäre.
E-241/2018
Seite 10
4.2 In der Beschwerde wurde moniert, es sei nicht legitim, widersprüchli-
che Aussagen zwischen der BzP und der Anhörung derart stark zu gewich-
ten. Gemäss Rechtsprechung seien Widersprüche nur dann relevant,
wenn klare Aussagen diametral voneinander abweichen oder zentrale
Asylgründe bei der BzP nicht einmal ansatzweise erwähnt würden. Auch
der EGMR habe festgehalten, dass der Fokus auf Widersprüche zwischen
der BzP und der Anhörung konventionswidrig und mit den Grundsätzen der
Beweiswürdigung im Asylverfahren unvereinbar sei. In Bezug auf den vom
SEM ausgemachten Widerspruch hinsichtlich des fluchtauslösenden Er-
eignisses sei festzustellen, dass es sich dabei nicht um einen tatsächlichen
Widerspruch handle, sondern um eine ergänzende Aussage, welche die
Situation des Beschwerdeführers kurz vor seiner Ausreise beschreibe. Er
habe zudem bereits in der BzP von der Drohung vor seiner Ausreise er-
zählen wollen, sei jedoch vom Dolmetscher unterbrochen und zu Kurzan-
gaben angehalten worden. Auch hinsichtlich seiner Aussagen, wo er sich
zum Zeitpunkt des Erhalts des Warnanrufes seines Nachbarn aufgehalten
habe, sei bei näherer Betrachtung kein Widerspruch auszumachen. Er sei
mit seinen Freunden beim Fussballspielen gewesen und sei danach zur
Bäckerei gegangen, da er jeweils nach dem Fussballspielen Brot für die
Familie gekauft habe. Er habe noch ein Soda in der Bäckerei getrunken
und in dem Moment habe er den Anruf erhalten. Somit seien beide seine
Aussagen – er sei beim Fussballspielen gewesen und er habe in der Bä-
ckerei Brot gekauft – korrekt, und könnten nicht als Widerspruch qualifiziert
werden. Vielmehr sei es als Indiz, dass er keine auswendiggelernte Ge-
schichte vortrage, zu werten. Des Weiteren sei der Vorinstanz zu entgeg-
nen, dass es kein Einzelfall sei, dass das Verfolgungsinteresse an Kindern
von Eltern, die Mitglied bei den LTTE waren, mit deren Volljährigkeit auf-
flamme. Gerade junge alleinstehende Personen, deren familiärer Hinter-
grund eine LTTE-Verbindung aufweise, würden vom sri-lankischen Staat
besonders verdächtigt, sich am politischen Wiederaufbau der LTTE zu be-
tätigen. Auch der Umstand, dass sein Vater gehbehindert sei, erkläre das
Interesse der Behörden am Sohn und nicht am Vater. Es gehöre zur gän-
gigen Rekrutierungspraxis der LTTE, das älteste gesunde Familienmitglied
zu rekrutieren. Dies erkläre den Verdacht der Behörden, der Sohn könnte
an Stelle des Vaters Aufgaben für die LTTE übernommen haben. Des Wei-
teren habe die Vorinstanz ausser Acht gelassen, dass die zweite Verhaf-
tung der Mutter im Dezember 2012 eine Konsequenz davon gewesen sei,
dass sie ihren Sohn trotz den Aufforderungen nicht mitgenommen hatte.
Die Vorinstanz habe auch nicht beachtet, dass die Mutter nur alle sechs
Monate habe Unterschrift leisten müssen. Damit sei sie bis zu ihrer zweiten
E-241/2018
Seite 11
Verhaftung im Dezember 2012 höchstens vier Mal in C._ zur Leis-
tung der Unterschrift gewesen. Somit könne sehr wohl von einer schnellen
Reaktion und Repression von Seiten des Staates gesprochen werden. Es
sei ein glücklicher Zufall gewesen, dass der Beschwerdeführer im Moment
der zweiten Verhaftung der Mutter nicht zu Hause gewesen sei, ansonsten
er mit Sicherheit verhaftet worden wäre. Damit sei entgegen den Ausfüh-
rungen der Vorinstanz das Fernbleiben des Beschwerdeführers bei der
Meldepflicht der Mutter nicht ohne Konsequenz geblieben. Auch sei nicht
nachvollziehbar, dass die Vorinstanz es als unlogisch erachte, dass die
Mutter im Jahr 2013 ohne jegliche Auflage freigelassen worden sei. Der
Beschwerdeführer habe nämlich angegeben, dass die Mutter bei einem Zi-
vilofficer monatlich habe vorsprechen müssen. Sie sei somit nicht ohne
Auflagen freigelassen worden. Hinzukommend sei auch nicht korrekt, dass
– wie von der Vorinstanz behauptet – wieder zwei Jahre vergangen seien,
bis die Morddrohungen ausgesprochen worden seien. Der Beschwerde-
führer sei während diesen zwei Jahren nämlich mehrmals zu Hause von
CID-Beamten gesucht worden und es hätten Hausdurchsuchungen statt-
gefunden. Die Bedrohungslage habe sich zugespitzt, bis es schliesslich zu
den Todesdrohungen gekommen sei. Ausserdem seien die Drohungen das
Resultat eines Willkürstaates und es könne von Opfern nicht verlangt wer-
den, solche Handlungen rational erklären zu können. Auch sei plausibel,
dass die Behörden den Beschwerdeführer nicht in seinem Versteck bei sei-
nem ehemaligen Arbeitgeber gefunden hätten, da er vor der Rückkehr sei-
ner Mutter aus der Rehabilitationshaft für diesen gearbeitet habe, und die
Behörden erst nach der Rückkehr der Mutter von der Existenz des Be-
schwerdeführers erfahren hätten. Damit seien den CID-Beamten seine
frühere Tätigkeit und die Verbindung zu seinem Arbeitgeber unbekannt ge-
wesen. Dies könne erklären, weshalb dort nicht nach ihm gesucht worden
sei. Zusammenfassend sei festzustellen, dass die von der Vorinstanz vor-
gebrachten Widersprüche erklärbar seien. Aus den verbleibenden unlogi-
schen oder nicht nachvollziehbaren Handlungen des sri-lankischen Staa-
tes dürfe dem Beschwerdeführer kein Nachteil erwachsen, da es sich um
einen Willkürstaat handle, dessen Opfer er geworden sei.
Die als glaubhaft befundenen Vorbringen seien asylrechtlich relevant. Er
sei wegen seiner ethnischen Herkunft als Tamile und der Verwandtschaft
zu seiner Mutter, welche beim Geheimdienst der LTTE gewesen sei, ver-
folgt worden. Ob es sich dabei um eine Regressverfolgung handle oder
dem Beschwerdeführer eigene LTTE-Unterstützungsleistungen vorgewor-
fen würden, könne nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Das Verfol-
E-241/2018
Seite 12
gungsmotiv ergebe sich wohl aus der familiären Verbindung des Beschwer-
deführers zu seiner Mutter und der ihm unterstellten politischen Anschau-
ung und Unterstützung beim Wiederaufbau der LTTE. Er habe begründete
Furcht gehabt, dass sich eine Verfolgung in absehbarer Zeit verwirklichen
werde. Personen in der Nähe seines Verstecks seien nach ihm gefragt wor-
den und es habe bei ihm zu Hause Hausdurchsuchungen von CID-Beam-
ten gegeben. Er habe zudem erfahren, wie die Behörden seine Mutter ver-
haftet und in Haft gefoltert und misshandelt hätten, weil er nicht zur Unter-
schriftenleistung mit seiner Mutter mitgekommen sei. Diese Umstände hät-
ten darauf hingedeutet, dass ihm ernsthafte Nachteile drohen würden. Es
sei somit nachvollziehbar, dass er die Flucht ergriffen habe. Hinzukom-
mend sei die menschenrechtliche Situation in Sri Lanka zu berücksichti-
gen, welche sich seit dem Ende des Krieges im Jahr 2009 nicht verbessert
habe. Viele Berichte würden belegen, dass Verdächtigen mit auch nur ge-
ringen LTTE-Verbindungen in Haft Folterungen und Misshandlungen dro-
hen würden. Der sri-lankische Staat setze alles daran, ein Wiedererstarken
der LTTE zu verhindern. Der Beschwerdeführer erfülle somit die Flücht-
lingseigenschaft und ihm sei Asyl zu gewähren.
Ausserdem seien gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-
richts Personen, welche auch nach Beendigung des Bürgerkrieges unter
dem Verdacht stünden, in Verbindung mit den LTTE zu stehen oder ge-
standen zu haben, einer erhöhten Verfolgungsgefahr ausgesetzt. Dabei sei
nicht relevant, ob die Person tatsächlich ein aktives Mitglied der LTTE sei.
Als Hauptrisikofaktor für eine Verhaftung und Folter gelte gemäss dem
Bundesverwaltungsgericht eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle
oder vergangene Verbindung zu den LTTE. Auch die Verwandtschaft mit
einem vermeintlichen oder tatsächlichen LTTE-Mitglied, das Vorliegen
früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, das Fehlen der
erforderlichen Identitätspapiere bei der Einreise in Sri Lanka, eine Asylge-
suchstellung im Ausland sowie Narben am Körper der Rückkehrenden
seien Risikofaktoren. Der Beschwerdeführer erfülle mehrere starke Risiko-
faktoren. Er habe eine tatsächliche Verbindung zu den LTTE durch seine
Mutter. Ihm selber werde unterstellt, als Informant für den Geheimdienst
der LTTE tätig gewesen zu sein. Es habe in diesem Zusammenhang be-
reits eine Verhaftung (seiner Mutter) gegeben. Er erfülle somit zwei starke
risikobegründende Faktoren, die eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfol-
gung bei einer allfälligen Rückschaffung als sehr wahrscheinlich erschei-
nen liessen.
E-241/2018
Seite 13
5.
5.1 Nachfolgend ist zunächst unter Beachtung folgender Grundsätze zu
prüfen, ob die Vorinstanz den Vorbringen zu Recht die Glaubhaftigkeit ab-
gesprochen hat.
5.2 Glaubhaftmachung bedeutet im Gegensatz zum strikten Beweis ein re-
duziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände
und Zweifel an den Vorbringen. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft
gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist,
sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind.
Demgegenüber reicht es für die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der
Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten
Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorge-
brachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne ei-
ner Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachver-
haltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objek-
tivierte Sichtweise abzustellen (BVGE 2015/3 E. 6.5.1). Unglaubhaft sind
insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet
oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder
massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt wer-
den (Art. 7 Abs. 3 AsylG).
Die Glaubhaftigkeit von Aussagen asylsuchender Personen kann im Rah-
men eines inhaltsorientierten Ansatzes aufgrund sogenannter Realkenn-
zeichen beurteilt werden. Die Realkennzeichen ermöglichen eine Differen-
zierung zwischen erlebnisbasierten und erfundenen respektive verfälsch-
ten Aussagen. Je mehr Realkennzeichen eine Aussage enthält, desto grös-
ser ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Aussage auf eigenem Erleben be-
ruht. Dabei sind immer die Fähigkeiten der aussagenden Person und die
Komplexität des vorgebrachten Geschehens zu berücksichtigen. Zu den
Realkennzeichen gehören insbesondere die logische Konsistenz, die un-
geordnete, aber inhaltlich letztlich stimmige Darstellung, der quantitative
Detailreichtum, raum-zeitliche Verknüpfungen, die Wiedergabe von Ge-
sprächen, ausgefallene Einzelheiten, spontane Verbesserungen der eige-
nen Aussagen, das Eingeständnis von Erinnerungslücken sowie die Schil-
derung von Interaktionen, Komplikationen, Nebensächlichkeiten, unver-
standenen Handlungselementen und eigenen psychischen Vorgängen
(vgl. Urteil des BVGer E-1832/2017 vom 3.Dezember 2019, E.3.3, mit Hin-
weis auf: ANGELIKA BIRCK, Traumatisierte Flüchtlinge, Wie glaubhaft sind
ihre Aussagen?, Heidelberg 2002, S. 82 ff. und S. 139 ff.; REVITAL
E-241/2018
Seite 14
LUDEWIG/DAPHNA TAVOR/SONJA BAUMER, Wie können aussagepsychologi-
sche Erkenntnisse Richtern, Staatsanwälten und Anwälten helfen?, in:
AJP 11/2011, S. 1423 ff.; vgl. auch BGE 129 I 49 E. 5 sowie BVGE 2015/3
E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1 und 2012/5 E. 2.2, jeweils m.w.H.).
5.3 Zunächst ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer – wie vom SEM
korrekt in seiner ablehnenden Verfügung festgehalten – in Bezug auf den
konkreten Grund für seine Ausreise im Juni 2015 in der BzP und der Anhö-
rung abweichende Angaben gemacht hat. Während er in der BzP angab,
er sei an dem Ort, an welchem er sich seit der Verhaftung der Mutter im
Dezember 2012 aufgehalten habe, gesucht worden (SEM Akte A5, Ziff.
7.01), gab er an der Anhörung an, das fluchtauslösende Ereignis seien die
Todesdrohungen gegen ihn, welche die Behörden der Mutter gegenüber
geäussert hätten, gewesen (SEM Akte A14, F102). Weder seine Erläute-
rungen in der Anhörung, auf den Widerspruch angesprochen, noch seine
Ausführungen in der Beschwerde vermögen zu überzeugen. In der Anhö-
rung gab er darauf angesprochen an, es sei an dem Ort, an welchem er
sich versteckt habe, bei Nachbarn nach ihm gefragt worden, deshalb habe
sein Arbeitgeber ihm gesagt, er solle so schnell wie möglich den Ort ver-
lassen (a.a.O., F116, F127). Da er in der Anhörung kurz zuvor betont hat,
dass niemand von seinem Versteck beim Arbeitgeber gewusst habe und er
deshalb dort keine Probleme gehabt habe (a.a.O., F114), ist diese Erklä-
rung wenig überzeugend. Auch der Einwand in der Beschwerde, es handle
sich dabei nicht um widersprüchliche, sondern um ergänzende Angaben,
vermag nicht zu überzeugen (Beschwerde, B.II, Ziff.20), da in diesem Fall
zu erwarten gewesen wäre, dass der Beschwerdeführer nicht erst auf Vor-
halt des SEM diese ergänzenden Angaben gemacht hätte. Dass er wie von
ihm behauptet an jener Stelle vom Dolmetscher in der BzP unterbrochen
worden wäre, geht im Übrigen aus dem Protokoll nicht hervor. Die unter-
schiedliche Darstellung, was schliesslich zum Entschluss geführt habe,
nach zweieinhalb Jahren des Lebens im Versteck Sri Lanka zu verlassen,
lässt erste Zweifel an seinen Vorbringen aufkommen.
5.4 Der Beschwerdeführer hat geltend gemacht, er habe sich von Dezem-
ber 2012 bis zu seiner Ausreise im Juni 2015 bei seinem ehemaligen Ar-
beitgeber zu Hause versteckt (SEM Akte A5, Ziff. 2.01; SEM Akte A14,
F31). Seine Ausführungen über die Zeit bei seinem ehemaligen Arbeitge-
ber blieben jedoch vage und weisen keine Realkennzeichen auf. Auf die
Fragen des SEM, was er in den fast zweieinhalb Jahren dort gemacht
habe, gab er lediglich an, er habe das Haus kaum verlassen, habe fernge-
E-241/2018
Seite 15
sehen und sonst nichts getan (SEM Akte A14, F51f.). Auf spätere Nach-
frage gab er erneut nur an, er habe Angst gehabt das Haus zu verlassen,
da er gehört habe, dass das Militär bei Nachbarn nach ihm gefragt habe
(a.a.O., F125). Er habe neben fernschauen auch Haushaltsarbeiten ver-
richtet und der Ehefrau des Vorgesetzten geholfen, Essen vorzubereiten
(a.a.O., F132). Seine Schilderungen enthalten keine erlebnisgeprägten
Aussagen und lassen insgesamt nicht den Eindruck entstehen, dass er
sich auf tatsächlich erlebte Geschehnisse stützt. Auch konnte er nicht von
besonders schwierigen und belastenden Momenten oder ungewöhnlichen
Erlebnissen während den fast zweieinhalb Jahren, in welchen er bei sei-
nem ehemaligen Arbeitgeber gelebt habe, berichten (a.a.O., F134-F137).
Angesichts der Tatsache, dass er über einen derart langen Zeitraum sich
versteckt gehalten und das Haus nie verlassen habe, wäre zu erwarten
gewesen, dass seine Schilderungen mehr emotionale Vorgänge, Interakti-
onen und auch quantitativ mehr Details enthalten würden. Seine Aussagen
blieben indes durchwegs oberflächlich. Insgesamt konnte er nicht den Ein-
druck vermitteln, er habe tatsächlich über zwei Jahre lang versteckt leben
müssen, was die Zweifel an seinem Vorbringen, er sei von den sri-lanki-
schen Behörden gesucht worden, erheblich verstärkt.
5.5 Des Weiteren hat das SEM treffend darauf hingewiesen, dass die Aus-
sagen des Beschwerdeführers, seine Mutter sei seit ihrer Entlassung aus
der Rehabilitation im (...) 2010 regelmässig aufgefordert worden, den Sohn
zur Meldepflicht mitzubringen, unplausibel erscheinen. Einerseits wird
nicht deutlich, weshalb die Behörden nach der Rehabilitation und Beendi-
gung des Bürgerkrieges am Beschwerdeführer ein Interesse entwickelt ha-
ben sollten, obschon er zuvor nie im Visier der Behörden gestanden sei
und selber auch keinen Kontakt zu den LTTE gehabt habe (SEM Akte A14,
F56). Seine in der Beschwerde vorgebrachte Erklärung, dass gemäss der
gängigen Rekrutierungspraxis der LTTE in der Regel das älteste, gesunde
Familienmitglied rekrutiert werde (Beschwerde, B.II.Ziff. 22), kann ein ge-
nerelles Interesse der Behörden an ihm, als ältesten Sohn der Familie,
nicht erklären. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass im Jahr 2009 der
Bürgerkrieg beendet wurde und die LTTE die Waffen offiziell niedergelegt
haben, ist nicht davon auszugehen, dass die Behörden zu diesem Zeit-
punkt noch von aktiven Rekrutierungsversuchen der LTTE, welche alle äl-
testen Familienmitglieder in ihren Augen verdächtig hätten erscheinen las-
sen, ausgegangen sind. Andererseits leuchtet nicht ein, weshalb die Be-
hörden bei einem tatsächlichen Interesse am Beschwerdeführer nicht
schon vor Dezember 2012 einen Hausbesuch abgehalten hätten, da ihnen
die Adresse offensichtlich bekannt gewesen ist.
E-241/2018
Seite 16
5.6 Daneben blieben auch seine Aussagen, dass sein Bruder nun seit sei-
ner Ausreise versteckt lebe, unsubstantiiert. Er gab an der Anhörung an,
dass sein Bruder seit der Bedrohung gegen den Beschwerdeführer im Mai
2012 versteckt lebe (SEM Akte A14, F145). Konkrete Probleme habe er bis
anhin nicht bekommen (a.a.O., F146). Zum Zeitpunkt der Anhörung war
seit den angeblich gegen den Beschwerdeführer ausgesprochenen Dro-
hungen ein Jahr vergangen. Vor dem Hintergrund, dass es gegen den Bru-
der keine Drohungen gegeben habe und er keine sonstigen Probleme ge-
habt habe, scheint die Aussage, dass sein Bruder nun versteckt leben
müsse, zumindest zweifelhaft. In der Eingabe vom 25. Juni 2020 führte der
Beschwerdeführer zwar aus, dass sein Bruder inzwischen Sri Lanka ver-
lassen habe, zunächst in Indien gewesen sei und nun in Malaysia lebe. Er
sei aus Sri Lanka geflohen, da er bedroht worden sei, man werde ihn töten,
sollte er keine Informationen über den Beschwerdeführer preisgeben. Wei-
tere Einzelheiten zu den angeblichen Problemen des Bruders wurden nicht
vorgetragen, weshalb im Lichte der obigen Erwägungen dieser Einwand
ebenfalls zweifelhaft erscheint und auch nicht weiter belegt wurde. Aus den
Akten gehen zudem keine Hinweise hervor, dass noch andere Familienan-
gehörige wie beispielsweise der Vater oder die Schwester Probleme ge-
habt hätten, und der Schluss liegt nahe, dass neben der Meldepflicht der
Mutter die Familie keinen weiteren Behelligungen ausgesetzt gewesen ist.
Die in der Eingabe vom 25. Juni 2020 vorgelegten Ausführungen, der Be-
schwerdeführer sei zuletzt am 6. März 2020 zu Hause gesucht worden und
es komme etwa alle drei bis vier Monate zu Hausdurchsuchungen, blieben
ebenfalls vage und es wurden keine weiteren diesbezüglichen Belege oder
Details vorgebracht. Angesichts des Umstands, dass der Beschwerdefüh-
rer rechtlich vertreten ist, wäre zudem zu erwarten gewesen, dass er das
Gericht bereits zu einem früheren Zeitpunkt über wesentliche Vorkomm-
nisse beziehungsweise die angeblich weiterhin regelmässig stattfindenden
Hausdurchsuchungen orientiert hätte. Die knappen Aussagen in der Ein-
gabe vom 25. Juni 2020 sind jedenfalls im Kontext seiner übrigen Aussa-
gen nicht geeignet, eine gezielte Verfolgung seiner Person glaubhaft er-
scheinen zu lassen.
5.7 Des Weiteren hat das SEM in seiner ablehnenden Verfügung treffend
vorgebracht, dass sich der Beschwerdeführer bezüglich des Ortes, wo er
sich aufgehalten habe, als er von der Verhaftung seiner Mutter erfahren
habe, widersprochen hat. Während er an der BzP sagte, er sei in einer
Bäckerei gewesen (SEM Akte A5, Ziff. 7.02), gab er an der Anhörung wie-
derholt an, er sei beim Fussballspielen beziehungsweise auf dem Spielpatz
E-241/2018
Seite 17
gewesen (SEM Akte A14, F33, F48). Auf Vorhalt des SEM hin führte er aus,
er sei nach dem Fussballspielen zum Einkaufen gegangen, da er Soda
habe kaufen wollen (SEM Akte A14, F117f.). Erst als er vom SEM erneut
darauf aufmerksam gemacht wurde, dass es sich um widersprüchliche
Aussagen handle, erklärte er, er habe nach dem Fussballspielen regelmäs-
sig Brot für das Abendessen gekauft (a.a.O., F119). In der Beschwerde
wird die Ansicht vertreten, dass beide Aussagen korrekt seien, da er wie
üblich nach dem Fussballspiel zur Bäckerei gegangen sei, um Brot zu kau-
fen und dort noch ein Soda getrunken habe (Beschwerde B,II, Ziff. 21). Das
Gericht bestätigt die Einschätzung des SEM, dass zu erwarten gewesen
wäre, dass er diesen für seine Zukunft angeblich prägenden Anruf korrekt
einem der Orte hätte zuordnen können, insbesondere da er an der Anhö-
rung zwei Mal von dem Anruf berichtete und den Ort, wo er sich aufgehal-
ten habe, angab, ohne die Bäckerei zu nennen (SEM Akte A14, F33, F48).
5.8 Zu dem eingereichten Dokument bezüglich der Haftanordnung der
Mutter im Dezember 2012 ist festzuhalten, dass daraus nicht hervorgeht,
die Haft stehe in Zusammenhang mit dem Beschwerdeführer. Vielmehr
wird in dem Dokument darauf verwiesen, dass die Haft aufgrund der Akti-
vitäten der Mutter für die LTTE erfolge. Im Übrigen fällt auf, dass in dem
Dokument von einer dreimonatigen Haft die Rede ist, während der Be-
schwerdeführer mehrfach angab, sie sei sechs Monate inhaftiert gewesen
(SEM Akte A5, Ziff. 7.01; SEM Akte A14, F54, F92, F96). Die eingereichte
Haftanordnung der Mutter vermag somit die Vorbringen des Beschwerde-
führers nicht zu stützen.
5.9 Auch der vom Beschwerdeführer eingereichte Zeitungsartikel ist nicht
geeignet, seine Vorbringen zu belegen. Im Zeitungsartikel gibt die Mutter
zwar an, sie sei verhaftet worden, weil sie für die LTTE gekämpft habe und
ihr Sohn nach Indien gegangen sei (siehe Übersetzung des Zeitungsarti-
kels in SEM Akte A14, S. 17f.). Diese Aussage stimmt jedoch wiederum
nicht mit den Angaben des Beschwerdeführers überein. Er gab zwar an,
seine Mutter habe den Nachbarn gesagt, er sei nach Indien gegangen
(SEM Akte A14, F129). Hätten die Behörden dies auch angenommen, ist
jedoch nicht nachvollziehbar, weshalb sie weiterhin den Beschwerdeführer
zu Hause gesucht hätten. Was ihrem Sohn vorgeworfen werde, sagt die
Mutter im Artikel zudem nicht. Ferner fällt auf, dass die Mutter in dem Artikel
beschreibt, wie die Polizisten sie um Mitternacht zu Hause aufgesucht hät-
ten und sie im Nachthemd habe mitgehen müssen (siehe Übersetzung des
Zeitungsartikels in SEM Akte A14, S. 17f.). Der Beschwerdeführer hat hin-
E-241/2018
Seite 18
gegen in seinen Befragungen angegeben, sein Freund habe ihn etwa ge-
gen 18 Uhr über den Besuch des Militärs bei ihm zu Hause informiert (SEM
Akte A14, F35). Gleichzeitig gab er zwar auch an, seine Mutter sei in der
Nacht verhaftet worden (a.a.O., F34). Weshalb der Beschwerdeführer be-
reits um 18 Uhr hätte gewarnt werden sollen, während die Mutter erst in
der Nacht verhaftet worden sei, leuchtet indes nicht ein. Ansonsten stim-
men die Angaben im Zeitungsartikel zwar weitgehend mit den Aussagen
des Beschwerdeführers überein. Der Zeitungsartikel gibt indes lediglich die
Aussagen der Mutter des Beschwerdeführers wieder und kann in Zusam-
menhang mit den unstimmigen Aussagen des Beschwerdeführers nicht als
Beleg für die Glaubhaftigkeit seiner Angaben gesehen werden.
5.10 Aus den Akten geht insgesamt hervor, dass der Beschwerdeführer
psychisch angeschlagen scheint; gemäss dem von der Hausärztin einge-
reichten Arztbericht leide er an einer Depression (SEM Akte A16). Aus dem
Anhörungsprotokoll wird deutlich, dass der Beschwerdeführer mehrfach
sehr emotional reagierte, als er über seine Mutter sprach (siehe zum Bei-
spiel SEM Akte A14, F77, F78). Es fällt jedoch auf, dass der Beschwerde-
führer zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung im Jahr 2018 das Gericht
darauf aufmerksam gemacht hat, dass er in Kürze eine psychologische
Behandlung beginnen werde und sobald es die Therapie zulasse, einen
Arztbericht mit einer ersten Einschätzung einreichen werde (Eingabe vom
9. Februar 2018). Bis zum heutigen Zeitpunkt wurde kein detaillierter ärzt-
licher Bericht über seinen psychischen Zustand eingereicht und seine psy-
chischen Beeinträchtigungen blieben unbelegt. Erst auf mehrfache Nach-
frage des Gerichts führte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 28. Juli
2020 aus, dass er im Februar und März 2018 bei einem Psychologen in
Behandlung gewesen sei, diese jedoch schliesslich abgebrochen habe, da
er von dem «Therapie-Konzept» nicht überzeugt gewesen sei. Dies legt
den Schluss nahe, dass seine geltend gemachten psychischen Probleme
einerseits nicht gravierend gewesen sind und anderseits nicht im Zusam-
menhang mit seiner vorgebrachten Asylbegründung stehen. Auf jeden Fall
kann aus dem Umstand, dass er offensichtlich während des Asylverfahrens
psychisch belastet war, als es um seine Mutter ging, nichts zu Gunsten der
Glaubhaftigkeit seiner Asylvorbringen abgeleitet werden.
5.11 In Abwägung aller Elemente, die für oder gegen die Glaubhaftigkeit
seiner Vorbringen sprechen, kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass insgesamt die Elemente, welche gegen die Glaubhaftigkeit
sprechen, überwiegen und es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist,
E-241/2018
Seite 19
eine Verfolgung in Sri Lanka zum Zeitpunkt seiner Ausreise glaubhaft zu
machen.
6.
6.1 Das SEM hielt im Weiteren unter Verweis auf die bundesverwaltungs-
gerichtliche Rechtsprechung in der ablehnenden Verfügung im Ergebnis
treffend fest, dass dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka keine flüchtlingsrelevante Gefahr drohe. Im Zusammenhang mit der
Rückkehr nach Sri Lanka hielt das Bundesverwaltungsgericht im Referenz-
urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 fest, bestimmte Risikofaktoren (Ein-
trag in die „Stop-List“, Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivitä-
ten) seien als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie bei einer
Rückkehr ins Heimatland bereits für sich alleine genommen zur Bejahung
einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber würden das
Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine zwangsweise respektive
durch die Internationale Organisation für Migration (IOM) begleitete Rück-
führung sowie gut sichtbare Narben schwach risikobegründende Faktoren
darstellen. Dies bedeute, dass diese in der Regel für sich alleine genom-
men keine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu begründen ver-
möchten. Jegliche glaubhaft gemachten Risikofaktoren seien in einer Ge-
samtschau und in ihrer Wechselwirkung sowie unter Berücksichtigung der
konkreten Umstände in einer Einzelfallprüfung zu berücksichtigen, mit dem
Ziel, zu erwägen, ob mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlings-
rechtlich relevante Verfolgung bejaht werden müsse (vgl. a.a.O. E. 8.5.5).
6.2 Im vorliegenden Fall sind keine ausreichenden risikobegründenden
Faktoren im Sinne der zitierten Rechtsprechung ersichtlich. Die Ausreise
mit einem gefälschten Pass und die tamilische Ethnie des Beschwerdefüh-
rers vermögen kein flüchtlingsrechtliches Risikoprofil im beschriebenen
Sinne zu begründen. Wie oben dargelegt, ist es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen, eine Verfolgung seiner Person aufgrund der Tätigkeit der
Mutter für die LTTE glaubhaft zu machen. Zwar könnte der Umstand, dass
die Mutter bei den LTTE tätig gewesen ist, einen Risikofaktor darstellen.
Einerseits sind seine diesbezüglichen Aussagen jedoch mit Zweifeln be-
haftet, andererseits hat er angegeben, dass seine Mutter rehabilitiert wor-
den sei. Allein der Umstand, dass die Mutter früher für die LTTE tätig ge-
wesen sei, kann vorliegend keinen Risikofaktor, welcher für sich allein ge-
sehen schon zur Bejahung einer begründeten Furcht führen würde, be-
gründen.
E-241/2018
Seite 20
Die im Laufe des Beschwerdeverfahrens vorgebrachten exilpolitischen Tä-
tigkeiten sind weder für sich alleine noch in Verbindung mit der LTTE-Ver-
gangenheit der Mutter ebenfalls nicht geeignet, um ein Risikoprofil des Be-
schwerdeführers zu begründen. Er habe gemäss seinen Angaben seit sei-
ner Ankunft in der Schweiz an Feierlichkeiten anlässlich des Märtyrerge-
denktages und an Demonstrationen in (...) und (...) teilgenommen. Seine
Angaben blieben jedoch unbelegt und auch auf wiederholte Nachfrage des
Gerichts wurden keine weiteren Ergänzungen zu den exilpolitischen Tätig-
keiten des Beschwerdeführers nachgereicht. Ein konkretes Gefährdungs-
profil des Beschwerdeführers ergibt sich aus diesen Angaben nicht. Es ist
nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr
ins Heimatland von den sri-lankischen Behörden verdächtigt würde, sich
während seines längeren Aufenthalts in der Schweiz exponiert exilpolitisch
betätigt zu haben und damit ein Wiederaufleben der LTTE anzustreben.
6.3 Auch die jüngsten Ereignisse in Sri Lanka vermögen an dieser Ein-
schätzung nichts zu ändern. Am 16. November 2019 wurde Gotabaya
Rajapaksa zum neuen Präsidenten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher
Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapaksa-Clan an die Macht zurück,
17.11.2019; https://www.theguardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-
presidential-candidate-rajapaksa-premadas-count-continues, abgerufen
am 05.03.2020). Gotabaya Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder,
dem ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015
an der Macht war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche
Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten be-
gangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechts-
verletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet
die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri
Lanka, 14.01.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident sei-
nen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder,
Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Ma-
hinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett
zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl.
https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-
brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state20191127174753/,
abgerufen am 04.03.2020). Beobachter und ethnische / religiöse Minder-
heiten befürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Über-
wachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen
und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl.
Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste
E-241/2018
Seite 21
bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapa-
ksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri
Lankas Präsident löst das Parlament auf, 03.03.2020).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-
gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind
beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des
Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri
Lanka: Families of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt
es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein-
zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen
zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Fol-
gen besteht. Für den Beschwerdeführer ist das nach dem Gesagten zu
verneinen.
An der Lageeinschätzung des Referenzurteils E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 ist weiterhin festzuhalten. Aus den Akten ist auch unter Berücksichti-
gung der aktuellen Lage in Sri Lanka keine auf die Person des Beschwer-
deführers bezogene konkrete Gefährdung erkennbar.
6.4 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abge-
lehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
E-241/2018
Seite 22
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
8.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des
Beschwerdeführers noch der übrigen Akten Anhaltspunkte dafür, dass er
E-241/2018
Seite 23
für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder FoK verbotenen Strafe oder
Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des EGMR sowie jener
des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine kon-
krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im
Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen
würden (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008,
Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.).
Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lassen weder
die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine Menschen-
rechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug als unzulässig er-
scheinen (vgl. Referenzurteil E-1866/2015 E. 2.2 f.). An dieser Einschät-
zung ist auch unter Berücksichtigung der jüngsten politischen Entwicklun-
gen in Sri Lanka (vgl. oben E.6.3) festzuhalten. Auch im Hinblick auf die
diplomatischen Unstimmigkeiten zwischen der sri-lankischen und der
schweizerischen Regierung (nach der Entführung einer Angestellten der
schweizerischen Botschaft in Sri Lanka am 25. November 2019) besteht
kein konkreter Grund zur Annahme, die allgemeinen politischen Entwick-
lungen in Sri Lanka könnten sich zum heutigen Zeitpunkt auf den Be-
schwerdeführer auswirken (vgl. Entscheid D-1466/2020 vom 23. März
2020 E.7.2.2). Der EGMR hat zudem wiederholt festgestellt, dass nicht ge-
nerell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe in Sri Lanka
eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Ein-
zelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich
vom 19. September 2013, Nr. 10466/11; Rechtsprechung zuletzt bestätigt
in J.G. gegen Polen vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14). Aus den Akten erge-
ben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer
bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genannten „Back-
ground Check“ (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und
Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre.
Der Vollzug der Wegweisung ist somit zulässig.
E-241/2018
Seite 24
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Nach einer eingehen-
den Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundes-
verwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvoll-
zug in die Nordprovinz (mit Ausnahme des „Vanni-Gebiets“) zumutbar ist,
wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere
Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes so-
wie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) be-
jaht werden kann (vgl. Referenzurteil E- 1866/2015 E. 13.2). In einem wei-
teren als Referenzurteil publizierten Entscheid vom 16. Oktober 2017 er-
achtet das Bundesverwaltungsgericht auch den Wegweisungsvollzug ins
„Vanni-Gebiet“ als zumutbar (vgl. Urteil D-3619/2016 vom 16. Oktober
2017 E. 9.5). An dieser Einschätzung vermögen auch die aktuellen Ereig-
nisse in Sri Lanka nichts zu ändern.
8.3.3 Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Sri Lanka
erweist sich auch aus individueller Sicht als zumutbar. Gemäss seinen Aus-
sagen hat er von Geburt bis zwei Jahr vor seiner Ausreise mit seiner Fami-
lie in B._ im Distrikt C._ in der Nordprovinz gelebt. Seine
Eltern befinden sich nach wie vor in seinem Heimatort. Der Beschwerde-
führer kann somit auf ein tragfähiges Beziehungsnetz, welches ihn bei der
Rückkehr unterstützen kann, zurückgreifen. Er kann überdies eine achtjäh-
rige Schulbildung und Arbeitserfahrung als (...) und (...) vorweisen und es
ist ihm zuzumuten, in Sri Lanka wieder eine entsprechende Arbeit aufzu-
nehmen. Trotz der inzwischen über fünfjährigen Landesabwesenheit kann
somit davon ausgegangen werden, dass ihm eine wirtschaftliche und sozi-
ale Wiedereingliederung – nötigenfalls mit Hilfe seiner Familie – gelingen
wird.
8.3.4 Auch aus medizinischer Sicht spricht nichts gegen die Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs. Gemäss seinen im Beschwerdeverfahren vor-
E-241/2018
Seite 25
gebrachten Ausführungen hat der Beschwerdeführer in der Schweiz psy-
chologische Unterstützung in Anspruch genommen. In der Eingabe vom
28. Juli 2020 wurde präzisiert, dass er die Behandlung bei einem Psycho-
logen abgebrochen habe und zuletzt im März 2018 in psychologischer Be-
handlung gewesen sei. Seine Schlafstörungen hätten mit der Einnahme
von Schlafmitteln gemindert werden können. Aus den Akten ergeben sich
somit keine Hinweise, dass er an medizinischen Beeinträchtigungen leidet,
welche nicht auch in seinem Heimatstaat behandelt werden könnten.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit Zwischenver-
fügung vom 22. Januar 2018 wurde indes das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege gutgeheissen. Eine allfällige Veränderung
der finanziellen Lage des Beschwerdeführers geht aus den Akten nicht her-
vor. Dem Beschwerdeführer sind deshalb trotz Unterliegens keine Verfah-
renskosten aufzuerlegen.
11.
Infolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist der eingesetzten
Rechtsvertreterin ein amtliches Honorar zu entrichten. Die zuletzt aktuali-
sierte Kostennote vom 25. Juni 2020 weist einen Aufwand von 19.5 Stun-
E-241/2018
Seite 26
den bei einem Stundenansatz von Fr. 150.– sowie Auslagen für Überset-
zungen von 280.–, eine Dossiereröffnungspauschale von Fr. 50.– und Porti
von Fr. 20.– auf. Der verlangte Stundenansatz ist praxis- und reglements-
konform (vgl. Art. 10 VGKE), die ausgewiesenen Stunden erscheinen je-
doch dem Aufwand des Verfahrens nicht angemessen und die Kostennote
ist entsprechend zu kürzen. Für das Verfassen der Beschwerde inklusive
der Besprechung mit dem Klienten und dem Aktenstudium sowie juristi-
schen und länderspezifischen Abklärungen ist ein Aufwand von 10 Stunden
als angemessen zu erachten und der entsprechend ausgewiesene Auf-
wand um 6 Stunden zu kürzen. Das Verfassen der Kostennote wird nicht
entschädigt und die entsprechende ausgewiesene Stunde ist ebenfalls
vom Gesamtaufwand zu kürzen. Der übrige ausgewiesene Arbeitsaufwand
erscheint insgesamt angemessen und das Gericht erachtet demnach für
das Beschwerdeverfahren einen Arbeitsaufwand von insgesamt 12.5 Stun-
den als angemessen. Die ausgewiesenen Auslagen für Übersetzungen
und Porti erscheinen angemessen, die Dossiereröffnungspauschale wird
hingegen nicht entschädigt. Der Rechtsvertreterin ist demnach zulasten
der Gerichtskasse ein amtliches Honorar von Fr. 2175.– (inkl. Auslagen)
zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
E-241/2018
Seite 27