Decision ID: 8c4cfe81-6f21-5286-8938-8c0345c956f7
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) verunfallte am 31. März 2004 mit dem
Gleitschirm. Dabei zog er sich eine inkomplette Paraplegie sub L3 bei Status nach LWK
1-Fraktur zu (IV-act. 10, 130). Die Basler Versicherung AG (nachfolgend: Basler)
übernahm als Unfallversicherer die Heilungskosten und richtete Taggeldleistungen aus
(act. G 1.2). Nach einer fünfmonatigen stationären Rehabilitation im Schweizer
Paraplegiker Zentrum in B._ (IV-act. 117) übernahm die IV-Stelle zur beruflichen
Wiedereingliederung ab Oktober 2005 die Kosten einer Umschulung zum technischen
Kaufmann, welche der Versicherte mit dem internen Diplom abschloss (u.a. IV-act. 162,
244, 253, 259, 290, 294).
A.b Zum Zeitpunkt des Unfalls hatte der Versicherte als Geschäftsführer der C._
GmbH gearbeitet. Im September 2006 gründete er seine eigene Bowling-Anlage, die
D._ GmbH (IV-act. 292). Diese entstand durch die Abspaltung von der C._ GmbH
(IV-act. 347).
A.c Mit Verfügung vom 21. Mai 2008 sprach die Basler dem Versicherten eine
Integritätsentschädigung auf der Basis einer Integritätseinbusse von 70% zu (UV-act.
4/9 ff.). Die IV-Stelle St. Gallen verfügte am 29. Oktober 2009, dass auf der Basis eines
Invaliditätsgrads von 16% kein Rentenanspruch bestehe (IV-act. 351 f.). Diese
Verfügung blieb unangefochten. Am 2. August 2010 gewährte die Basler dem
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Versicherten verfügungsweise eine Invalidenrente mit Wirkung ab 1. März 2009 auf der
Basis eines Invaliditätsgrads von ebenfalls 16%. Die Leistungen würden infolge
Vorliegens eines relativen Wagnisses um 50% gekürzt (UV-act. 4/21 ff.). Die gegen
diese Verfügung erhobene Einsprache, mit welcher sowohl der Invaliditätsgrad als auch
die Leistungskürzung beanstandet wurden (UV-act. 4/28 f.), wies die Basler mit
Einspracheentscheid vom 7. April 2011 ab (UV-act. 4/32 ff.). Das Versicherungsgericht
St. Gallen hiess die dagegen erhobene Beschwerde am 11. Juli 2012 dahingehend gut,
dass die Basler verpflichtet wurde, dem Versicherten die Leistungen ungekürzt
auszurichten. Betreffend Festlegung des Invaliditätsgrads wurde die Beschwerde
abgewiesen (UV-act. 4/77 ff.). Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft.
A.d Am 6. November 2012 liess der Versicherte ein Revisionsbegehren stellen (IV-act.
368 ff.). Mit Verfügung vom 11. April 2014 errechnete die IV-Stelle einen
Invaliditätsgrad von 35%, womit kein Rentenanspruch bestehe. Im Übrigen führte sie
aus, dass das Rentenbegehren aufgrund fehlender Revisionsgründe abgewiesen werde
(IV-act. 442 ff.). Diese Verfügung blieb unangefochten.
A.e Die Basler verfügte am 29. Oktober 2014, dass aufgrund fehlender
Revisionsgründe die UV-Rente im bisherigen Umfang ausgerichtet werde (UV-act.
4/130 f.). Dieser Verfügung war ein Antrag des Versicherten um Anpassung der Rente
an den Invaliditätsgrad von 35% gemäss Verfügung vom 11. April 2014
vorangegangen. Die gegen die Verfügung vom 29. Oktober 2014 am 28. November
2014 erhobene Einsprache (UV-act. 4/133 ff.) wies die Basler mit Einspracheentscheid
vom 20. April 2015 ab (UV-act. 4/138 ff.).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid lässt der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) vertreten durch seinen Rechtsvertreter am 19. Mai 2015 unter
Entschädigungsfolge Beschwerde erheben mit dem Rechtsbegehren, der
Einspracheentscheid vom 20. April 2015 sei aufzuheben und die Basler (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) zu verpflichten, dem Beschwerdeführer rückwirkend ab 1.
November 2012 eine Invalidenrente mit einem Invaliditätsgrad von mindestens 35%
zuzusprechen. Eventualiter sei der Einspracheentscheid aufzuheben und die
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Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen mit der Anweisung, eine
neue Verfügung im Sinne der Beschwerde zu erlassen (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 3. August 2015 lässt die Beschwerdegegnerin die
vollumfängliche Abweisung der Beschwerde beantragen (act. G 7).
B.c Mit Replik vom 28. September 2015 (act. G 11) und Duplik vom 29. Oktober 2015
(act. G 13) bestätigen die Parteien ihre Standpunkte.
B.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die aufgrund der 1. UVG-Revision geänderten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der
dazugehörenden Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft
getreten. Nachdem vorliegend Bestimmungen zur Anwendung gelangen, die mit der
Revision keine Änderung erfahren haben, erübrigt sich eine intertemporalrechtliche
Beurteilung.
2.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist, ob die
Voraussetzungen für eine Revision der Rente des Beschwerdeführers gegeben sind.
2.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]). Eine Er¬höhung der Rente im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG setzt eine
anspruchserhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse voraus, welche entweder
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in einer objektiven Verschlechterung des Gesundheitszustands mit entsprechend
verminderter Arbeitsfähigkeit oder in geänderten erwerblichen Auswirkungen einer im
Wesentlichen gleich gebliebenen Gesundheitsbeeinträchtigung liegen kann.
Demgegenüber stellt eine bloss abweichende Beurteilung eines im Wesentlichen gleich
gebliebenen Sachverhaltes keine revisionsrechtlich relevante Änderung dar (Urteil des
Bundesgerichts vom 3. Oktober 2013, 8C_211/2013, E. 2.2). Im Bereich der
obligatorischen Unfallversicherung ist die erforderliche Erheblichkeit der
Sachverhaltsänderung gegeben, wenn sich der Invaliditätsgrad um 5% verändert (BGE
140 V 87 E. 4.3).
2.2 Die Frage der wesentlichen Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen beurteilt
sich durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenverfügung bestanden hat (bzw. der letzten rechtskräftigen Verfügung, welche
auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht), mit demjenigen zur Zeit der streitigen
Revisionsverfügung (BGE 134 V 132 f. E. 3).
2.3 Die ursprüngliche Verfügung der Beschwerdegegnerin, welche auf einer
materiellen Prüfung des Rentenanspruchs des Beschwerdeführers beruht, datiert vom
2. August 2010 (UV-act. 4/21 ff.), die streitige Revisionsverfügung wurde am 29.
Oktober 2014 erlassen (UV-act. 4/130 f.). Zu prüfen ist damit, ob eine oben
beschriebene wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen zwischen
August 2010 und Oktober 2014 vorliegt, womit ein Revisionsgrund nach Art. 17 ATSG
gegeben wäre.
2.4 Der Beschwerdeführer lässt ausführen, dass im relevanten Zeitraum das
Invalideneinkommen aus behinderungsbedingten Gründen massiv gesunken sei. Die
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers habe aufgrund seines Alters und einer damit
einhergehenden Verschlimmerung der invaliditätsbedingten Beschwerden in den
letzten Jahren markant abgenommen. Er könne weniger Arbeiten selbst ausführen und
müsse dafür mehr Personal anstellen, was dementsprechend höhere Personalkosten
nach sich ziehe.
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2.4.1 Die ab dem Jahr 2009 bis 2013 alle zwei Jahre durchgeführten ambulanten
Verlaufskontrollen im Schweizer Paraplegiker Zentrum in B._ sprechen durchgehend
von einem guten Allgemein- und Rehabilitationszustand ohne Veränderungen
hinsichtlich der Muskelkraft in den unteren Extremitäten, der Gehfähigkeit sowie der
Gelenksbeweglichkeit (UV-act. 2/59-73). Der Beschwerdeführer selbst berichtet am 25.
Oktober 2011 über einen komplikationslosen Verlauf seit der Kontrolle im Jahr 2009. Er
sei mit seinem Gesundheitszustand sehr zufrieden (UV-act. 2/69). Die lediglich alle zwei
Jahre stattfindenden Kontrollen in B._ stützten diese Ausführungen. Die in diesem
Verfahren vom Beschwerdeführer geltend gemachte objektive Verschlechterung des
Gesundheitszustands mit entsprechend verminderter Arbeitsfähigkeit ist damit nicht
hinreichend bewiesen.
2.4.2 In Bezug auf geänderte erwerbliche Auswirkungen bei im Wesentlichen gleich
gebliebenen Gesundheitsbeeinträchtigungen fällt auf, dass seit dem Jahr 2009 der
Umsatz und der Cashflow (Unternehmensgewinn vor Abschreibung und Eigenlohn) der
D._ GmbH erheblich gesunken sind (IV-act. 410). Diese Veränderung der Einkommen
beruht indes auf rein wirtschaftlichen Faktoren, die keinen Revisionsgrund begründen,
da die erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens (bei im Wesentlichen
gleich gebliebener Tätigkeit) – eine Erwerbseinbusse von Fr. 30‘000.-- – dieselben sind
wie bei der ursprünglichen Zusprache der Rente. Es widerspräche der ökonomischen
Vernunft, wenn – wie es die IV-Stelle in ihrer Verfügung vom 11. April 2014 ausführt (IV-
act. 442 ff.) – ohne Verschlechterung des Gesundheitszustands des
Beschwerdeführers höhere Personalkosten als vor dem Jahr 2010 anfielen. Im
Gegenteil wären eher tiefere Personalkosten anzunehmen, da der Beschwerdeführer
eine geringere Nachfrage wegen des erhöhten Konkurrenzdrucks bei Bowling-Anlagen
sowie wegen der Frankenstärke geltend macht. Nicht relevant sind allfällige
Personalmehrkosten aufgrund von Personalwechseln und der damit einhergehenden
Einarbeitung. Dasselbe gilt in Bezug auf eine ungünstige Auswahl der Mitarbeiter. Diese
rein wirtschaftlichen Faktoren begründen – wie erwähnt – keinen Revisionsgrund.
Gestützt auf die konkreten Zahlen ergibt sich zudem, dass die Personalkosten in den
Jahren 2006 bis 2012 zwar schwankend, indes in den Jahren 2006 bis 2009 nicht
markant tiefer sind (durchschnittlich rund Fr. 203‘000.--) als in den Jahren danach
(durchschnittlich Fr. 213‘000.--; IV-act. 410). Es kommt hinzu, dass es dem zum
technischen Kaufmann ausgebildeten Beschwerdeführer (IV-act. 290) zumutbar wäre,
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die Buchhaltungsaufgaben, welche Kosten von rund 10‘000.-- verursachen, selbst zu
erledigen, womit sich die von der IV-Stelle errechnete Erwerbseinbusse von Fr.
47‘025.-- (IV-act. 443) um Fr. 10‘000.-- reduzieren würde.
2.4.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse
im relevanten Zeitraum zwar verändert haben, diese aber weder aus einer objektiven
Verschlechterung des Gesundheitszustands mit entsprechend verminderter
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers noch aus geänderten erwerblichen
Auswirkungen einer im Wesentlichen gleich gebliebenen Gesundheitsbeeinträchtigung
herrühren. Ein solcher Nachweis wurde jedenfalls nicht erbracht. Die rein
konjunkturbedingt bzw. konkurrenzbedingt rückläufige Entwicklung des
Invalideneinkommens wäre parallel dazu auch beim Valideneinkommen eingetreten,
womit es an den Voraussetzungen einer Revision mangelt (vgl. UELI KIESER,
Änderungen im Valideneinkommen als Revisionsgrund?, in RENÉ SCHAFFHAUSER/
FRANZ SCHLAURI [Hrsg.], Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung,
St. Gallen 1999, S. 67). Die Beschwerde ist abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung.