Decision ID: 06592cdc-7e32-5e21-951e-11231bcd3905
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 16. Oktober 2013 bei der Gemeinde Spiez ein
Baugesuch ein für den Abbruch bzw. Teilabbruch mehrerer Gebäude, den Neubau von
sieben Seevillen mit Garage und Bootsgarage, den Neubau von zwei Appartementhäusern
mit Einstellhalle sowie den Umbau und die Aufstockung eines weiteren Gebäudes auf den
Parzellen Spiez Grundbuchblatt Nrn. A._ und B._. Die Parzellen liegen in
der Überbauungsordnung (ÜO) „F._“. Dagegen erhob neben anderen die
Beschwerdeführerin Einsprache. Am 13. Juli 2015 erhob die Beschwerdeführerin
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Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) gegen
eine undatierte Zwischenverfügung der Gemeinde Spiez. Die BVE entschied am 20. Juli
2015, dass auf die Beschwerde nicht einzutreten sei.1 Mit Gesamtentscheid vom
25. August 2015 erteilte die Gemeinde Spiez dem Bauvorhaben die Baubewilligung.
2. Dagegen reichte die Beschwerdeführerin am 25. September 2015 Beschwerde bei
der BVE ein. Sie beantragt die Aufhebung des Gesamtentscheides vom 25. August 2015
und das Erteilen des Bauabschlags, eventualiter die Rückweisung an die Gemeinde Spiez.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch. Die Beschwerdegegnerin beantragt die Abweisung der
Beschwerde und den Entzug der aufschiebenden Wirkung. Mit Verfügung vom 14. Oktober
2015 teilte das Rechtsamt der Beschwerdeführerin mit, es beabsichtige, einer allfälligen
Beschwerde gegen den Entscheid der BVE die aufschiebende Wirkung zu entziehen, und
gab ihr Gelegenheit zur Stellungnahme. Die Beschwerdeführerin liess sich innert Frist nicht
vernehmen. Die Gemeinde Spiez beantragt in ihrer Stellungnahme vom 28. Oktober 2015,
auf die Beschwerde sei nicht einzutreten und es sei ihr die aufschiebende Wirkung zu
entziehen. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Zuständigkeit der BVE
Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er –
unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
1 RA Nr. 110/2015/95 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1)
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vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
2. Beschwerdelegitimation
a) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die
Einsprache der Beschwerdeführerin wurde von der Vorinstanz abgewiesen. Die
Beschwerdeführerin ist damit formell beschwert.
Materiell beschwert ist nur, wer sich am vorinstanzlichen Verfahren zulässigerweise
beteiligt hat.5 Die Beschwerdeführerin durfte sich am vorinstanzlichen Verfahren nur
beteiligen, wenn sie zur Einsprache berechtigt war. Zur Einsprache befugt sind Personen,
die durch das Bauvorhaben unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen
sind (Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG). Nach Lehre und Rechtsprechung ist dies der Fall, wenn
eine Person durch ein Bauvorhaben in höherem Mass als die Allgemeinheit betroffen ist
und zum Streitgegenstand eine besondere Beziehungsnähe hat. Die Betroffenheit kann
rechtlicher oder auch nur tatsächlicher Natur sein. Sie muss aber hinreichend sein, das
heisst eine bestimmte Intensität erreichen, so dass von der Abwendung eines materiellen
oder ideellen Nachteils gesprochen werden kann. Der Nachteil muss dabei bei einer
objektivierten Betrachtungsweise als solcher empfunden werden; eine besondere
subjektive Empfindlichkeit der betroffenen Person verdient keinen Rechtsschutz. Diese
Anforderungen grenzen die Beschwerden betroffener Drittpersonen von der unzulässigen
Popularbeschwerde ab.6
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts muss die besondere Beziehungsnähe zum
Streitgegenstand bei Bauprojekten insbesondere in räumlicher Hinsicht gegeben sein. In
einer besonders nahen Beziehung zur Streitsache stehen naturgemäss die Nachbarn des
4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 5 BVR 2008 S. 396 E. 1.2 6 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 35– 35c N. 16 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung
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Baugrundstücks. Unter Nachbarn versteht die Verwaltungs- und Gerichtspraxis vorab die
Eigentümer von Nachbargrundstücken sowie Personen, die an solchen Grundstücken
dinglich berechtigt sind. Der Kreis der betroffenen Nachbarschaft kann nicht allgemein
festgelegt werden, sondern muss im Einzelfall nach den konkreten Verhältnissen bestimmt
werden. Die Einsprache- und Beschwerdebefugnis der Nachbarn ist in der Regel zu
bejahen, wenn deren Liegenschaft unmittelbar an das Baugrundstück angrenzt oder
allenfalls nur durch einen Verkehrsträger davon getrennt wird. Es wird also darauf
verzichtet, auf bestimmte feste Werte abzustellen. Allerdings ergibt sich die Legitimation
nicht schon allein aus der räumlichen Nähe, sondern erst aus einer daraus herrührenden
besonderen Betroffenheit. Eine besondere Betroffenheit wird vor allem in Fällen bejaht, in
denen von einer Baute oder Anlage mit Sicherheit oder grosser Wahrscheinlichkeit
Immissionen auf das Nachbargrundstück ausgehen.7
b) Die Beschwerdeführerin begründet ihre Legitimation zur vorliegenden Beschwerde
insbesondere damit, dass sie auf einem weniger als 100 m entfernten Nachbargrundstück
einen Verkaufswagen und einen Raum in einem Ökonomiegebäude gepachtet habe. Der
Verkaufswagen und das Ökonomiegebäude befinden sich auf der "E._", dem
nördlichen Teil der Parzelle Nr. C._. Der Verkaufswagen dient dem Verkauf von
Imbissen und Getränken. Gemäss Pachtvertrag vom 7. Februar 2012 ist der
Verkaufswagen von frühestens Mitte März bis spätestens Ende Oktober tagsüber in
Betrieb. Der Raum im Ökonomiegebäude wird im Sommerhalbjahr für das Lagern von
Lebensmitteln für den Verkauf im Wagen, im Winterhalbjahr für das Abstellen von
Gerätschaften aus dem Wagen verwendet.
Die Parzelle Nr. C._, auf der sich der Verkaufswagen der Beschwerdeführerin
befindet, grenzt im Westen direkt an die Bauparzelle Nr. 3237. Der Verkaufswagen
befindet sich in rund 100 m Entfernung von dieser Parzellengrenze. Das Bauvorhaben soll
aber im westlichen Teil der Parzellen Nr. A._ und D._ realisiert werden,
so dass zwischen dem Verkaufswagen und dem Bauvorhaben rund 350 m liegen. Damit
fehlt bereits eine besondere räumliche Nähe der Beschwerdeführerin zum Bauvorhaben.
Der dazwischen liegende Grund ist zu einem grossen Teil bewaldet. Es besteht daher
keine Sichtverbindung zwischen dem Verkaufswagen und dem Bauvorhaben. Es ist auch
nicht davon auszugehen, dass im Bereich des Verkaufswagens irgendwelche Immissionen
7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 35–35c N. 17 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung; BGE 121 II 171 E. 2b und c
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des Bauvorhabens wahrgenommen werden können. Schliesslich leitet die
Beschwerdeführerin ihre Legitimation nicht aus einem bewohnten Gebäude ab, sondern
aus einem Verkaufswagen und Ökonomiegebäude, die nur tagsüber und nur im
Sommerhalbjahr betrieben werden. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die
Beschwerdeführerin durch das Bauvorhaben besonders betroffen sein sollte. Sie
begründet ihre Beschwerde denn auch ausschliesslich mit ihrem Interesse für Naturschutz.
Dies allein führt aber nicht zu einer persönlichen Betroffenheit, die die Beschwerdeführerin
zur vorliegenden Beschwerde legitimieren könnte. Die Beschwerdeführerin ist nicht mehr
als jedermann vom Bauvorhaben betroffen und nicht unmittelbar in eigenen
schutzwürdigen Interessen betroffen. Sie ist daher nicht zur Beschwerde legitimiert. Auf
ihre Beschwerde wird nicht eingetreten.
3. Aufschiebende Wirkung
a) Die Beschwerdegegnerin beantragt, der vorliegenden Beschwerde sei die
aufschiebende Wirkung zu entziehen. Sie begründet ihr Gesuch damit, dass das
Bauvorhaben nur während der grossen Seeabsenkung, die alle vier Jahre erfolge, realisiert
werden könne. Die nächste grosse Seeabsenkung werde im November 2015 durchgeführt,
ein pünktlicher Baubeginn sei daher zwingend. Die Beschwerde der Beschwerdeführerin
entbehre zudem jeglicher Grundlage. Die Gemeinde Spiez bestätigt in ihrer
Stellungnahme, dass das Bauvorhaben nur während der Seeabsenkung realisiert werden
kann.
b) Die aufschiebende Wirkung dient dem umfassenden und wirksamen Rechtsschutz.
Sie soll die tatsächliche Überprüfung des angefochtenen Verwaltungsakts dadurch
gewährleisten, dass das eigenmächtige Verändern der Sach- oder Rechtslage bzw. das
Schaffen von vollendeten Tatsachen, das den Entscheid in der Hauptsache vorwegnimmt
oder das Rechtsmittel illusorisch werden lässt, verhindert wird.8 Die aufschiebende
Wirkung ist damit die Regel, von der nur unter besonderen Verhältnissen abgewichen
werden soll.9 Aus wichtigen Gründen kann die verfügende Behörde anordnen, dass einer
allfälligen Beschwerde gegen ihren Entscheid keine aufschiebende Wirkung zukommt (Art.
8 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 68 N. 2 9 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 68 N. 16
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68 Abs. 1 VRPG10). Die Bestimmung gilt analog auch für Beschwerdeinstanzen.11 Als
wichtige Gründe gelten bedeutende und dringliche öffentliche und/oder private Anliegen,
die den Interessen an einem Aufschub der Wirksamkeit einer Anordnung bis zur
endgültigen Klärung der Rechtslage vorgehen. Es muss sich um wirklich überzeugende
Anliegen handeln, weil den Interessen, ein umstrittenes Rechtsverhältnis in der Schwebe
zu halten, erhebliche Bedeutung zukommt. Diese Interessen müssen den besonderen
Anliegen an der sofortigen Wirksamkeit im Rahmen einer Interessenabwägung
gegenübergestellt werden. Nur wenn die Gründe, die für die sofortige Vollstreckung
sprechen, vordringlich bzw. gewichtiger sind als die Interessen an einem Aufschub, darf
einer Beschwerde der Suspensiveffekt entzogen werden. Die Prozessaussichten können
mitberücksichtigt werden, sofern sie eindeutig sind.12 Art. 68 Abs. 5 Bst. b VRPG nennt als
wichtigen Grund insbesondere ein privates Interesse an der sofortigen Wirksamkeit einer
begünstigenden Verfügung, sofern eine summarische Prüfung ergibt, dass die Beschwerde
offensichtlich unbegründet ist. Der Entscheid nach Art. 68 Abs. 2 VRPG ist aufgrund der
Akten, also ohne zusätzliche Beweiserhebungen, zu fällen.13
c) Das Bauvorhaben sieht unter anderem den Bau einer privaten Hafenanlage mit
Bootsgaragen vor. Die Bauarbeiten bedingen eine Absenkung des Thunersees. Eine
solche grosse, geplante Absenkung des Thunersees auf die Niedrigwasserkote von
557 m.ü.M. erfolgt alle vier Jahre. Die nächste Absenkung findet vom 20. Januar bis
20. Februar 2016 statt, die folgenden Absenkungen im Januar 2020 und 2024.14 Die
eigentlichen Bauarbeiten brauchen gemäss Angaben der Beschwerdegegnerin eine
Vorlaufzeit von rund ein bis zwei Monaten. Dies bedeutet, dass die Beschwerdegegnerin
darauf angewiesen ist, umgehend mit den Arbeiten beginnen zu können, da das
Bauvorhaben ansonsten frühestens im Jahr 2020 realisiert werden könnte. Die
Verzögerung eines Bauvorhabens aufgrund einer Beschwerde gegen die Baubewilligung
kann im Normalfall den Entzug der aufschiebenden Wirkung nicht rechtfertigen. Vielmehr
muss jeder Bauherr mit dieser Möglichkeit rechnen und die Umsetzung des Bauvorhabens,
soweit möglich, entsprechend planen. Im vorliegenden Fall liegen jedoch insofern
10 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 11 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 68 N. 15 12 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 68 N. 16 13 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 68 N. 17 14 Angaben gemäss Website des Amtes für Wasser und Abfall (AWA): www.bve.be.ch/bve/de/index/wasser/ wasser/wasserregulierung/oberlandseen.html
http://www.bve.be.ch/bve/de/index/wasser/
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besondere Umstände vor, als das Bauvorhaben nur während der vierjährlich stattfindenden
Seeabsenkung realisiert werden kann. Die Daten der Seeabsenkung sind vorgegeben und
können von der Bauherrschaft nicht beeinflusst werden. Ein Aufschub des Baubeginns
bedeutet, dass das Bauvorhaben erst in vier Jahren realisiert werden kann. Mit einer
solchen Verzögerung muss im Normalfall nicht gerechnet werden. Die
Beschwerdegegnerin hat daher ein gewichtiges privates Interesse an der sofortigen
Wirksamkeit der Baubewilligung.
Die Beschwerdeführerin hat bereits zweimal Beschwerde gegen die Überbauungsordnung
"F._" bzw. ein im Bereich dieser Überbauungsordnung liegendes Bauvorhaben
erhoben. Das Verwaltungsgericht wie auch die BVE sprachen der Beschwerdeführerin die
Legitimation zur Beschwerde mangels materieller Beschwer ab.15 Die BVE entzog einer
allfälligen Beschwerde gegen ihren Entscheid die aufschiebende Wirkung.16 Der
vorliegende Fall unterscheidet sich insofern, als die Beschwerdeführerin neu ihre
Legitimation aus dem Verkaufswagen auf Parzelle Nr. C._ ableitet. Wie oben
dargelegt (E. 2b) führt dies zu keiner anderen Beurteilung, da die Beschwerdeführerin nach
wie vor nicht mehr als jedermann vom Bauvorhaben betroffen und damit nicht materiell
beschwert ist. Ihre Beschwerde, wie auch eine allfällige Beschwerde gegen den
vorliegenden Entscheid, ist daher zum Vornherein aussichtslos.
Angesichts der fehlenden Legitimation der Beschwerdeführerin und der damit verbundenen
Aussichtslosigkeit einer Beschwerde erscheint es als nicht gerechtfertigt, wenn die
Beschwerdegegnerin mit der Ausführung ihres Bauvorhabens, das nur während der
grossen Seeabsenkung realisiert werden kann, erst im Jahr 2020 beginnen könnte.
Aufgrund der besonderen Umstände des vorliegenden Falls überwiegt daher das private
Interesse an der sofortigen Wirksamkeit der Baubewilligung das Interesse am Aufschub
der Rechtskraft. Einer allfälligen Beschwerde gegen den vorliegenden Entscheid wird
deshalb die aufschiebende Wirkung entzogen.
4. Kosten
15 VGE Nr. 100.2013.376 vom 22. April 2014, E. 3; RA Nr. 110/2014/60, E. 2 16 RA Nr. 110/2014/60, E. 4
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a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin. Sie hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 500.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV17).
b) Die Beschwerdeführerin hat zudem der Beschwerdegegnerin die Parteikosten zu
ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Beschwerdegegnerin ist mehrwertsteuerpflichtig18
und kann somit die von ihrem Rechtsvertreter auf sie überwälzte Mehrwertsteuer in ihrer
eigenen Mehrwertsteuerabrechnung als Vorsteuer abziehen. Ihr fällt daher betreffend
Mehrwertsteuer kein Aufwand an und eine Abgeltung der Mehrwertsteuer käme einer mit
Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG unvereinbaren Überentschädigung gleich.
Nach neuer Praxis des Verwaltungsgerichts ist deshalb die in der Kostennote des
Rechtsvertreters der Beschwerdegegnerin aufgeführte Mehrwertsteuer von Fr. 327.35 bei
der Bestimmung des Parteikostenersatzes nicht zu berücksichtigen.19
Im Übrigen gibt die Kostennote des Anwaltes der Beschwerdegegnerin zu keinen
Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdeführerin hat somit der Beschwerdegegnerin die
Parteikosten von Fr. 4'092.00 zu ersetzen.