Decision ID: 31f3cf6d-c62f-54a7-859a-e3d8cdffe64c
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich erstmals am 31. Mai 1995 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an, nachdem er am 5. Mai 1994 bei einem Arbeitsunfall eine
doppelseitige Calcaneus-Fraktur erlitten hatte (IV-act. 3 und 6-16). Langes Gehen und
Stehen sowie das Tragen von schweren Lasten waren ihm in der Folge nicht mehr
zumutbar, sodass die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Hilfsgipser nicht mehr möglich
war (vgl. IV-act. 20 und 16-1).
A.a.
Mit Verfügung vom 14. Juni 1996 sprach der Unfallversicherer dem Versicherten
eine Invalidenrente von 25% ab dem 1. April 1996 zu (act. G6.2/3-1 ff.). Die IV-Stelle
ermittelte analog zur Unfallversicherung einen Invaliditätsgrad von 25% und wies
gestützt darauf das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 8. August 1996 ab (IV-
act. 38).
A.b.
Am 26. August 1996 liess der Versicherte der IV-Stelle mitteilen, er habe trotz
erheblicher Anstrengungen keine angepasste Tätigkeit gefunden. Er ersuchte deshalb
um ein Arbeitstraining (IV-act. 39). Vom 21. Oktober 1996 bis 17. Januar 1997 fand eine
berufliche Abklärung statt (IV-act. 43 f.). Danach übernahm die IV-Stelle die Kosten für
eine Umschulung vom 3. Februar bis 31. Juli 1997 (IV-act. 54), während welcher der
A.c.
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Versicherte die fachlichen Grundvoraussetzungen für eine industrielle Tätigkeit im
mechanischen Bereich erlernen sollte (siehe IV-act. 51-1; siehe auch IV-act. 62 und 66).
Mit Verfügung vom 17. September 1997 schloss die IV-Stelle die beruflichen
Massnahmen ab. Der Versicherte habe die Umschulung auf leichte Tätigkeiten
erfolgreich absolviert. Bei einem Invaliditätsgrad von 25% bestehe kein Anspruch auf
eine Invalidenrente (IV-act. 69).
A.d.
Am 10. Februar 2015 meldete der Versicherte sich erneut zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 124).
A.e.
Mit Bericht vom 12. März 2015 stellte der Hausarzt des Versicherten, med. pract.
B._, Ärztezentrum C._, folgende Diagnosen: schwere koronare
Dreigefässerkrankung mit Hauptstammstenose, St. n. vierfachem ACVB (Bypass-
Operation, Mai 2014); chronisches Schmerzsyndrom bei
Rotatorenmanschettensyndrom li. Schulter, Gonarthrose bds. und degenerativer
Wirbelsäulenerkrankung; psychophysischer Erschöpfungszustand; Diabetes mellitus
Typ II. In einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit ohne Heben und Tragen betrage
die Arbeitsfähigkeit maximal 40% (IV-act. 132-1 f.).
A.f.
Mit Sprechstundenbericht vom 9. Oktober 2015 stellte Dr. med. D._, Oberarzt
Neurochirurgie, Spital E._, folgende Hauptdiagnosen: Verdacht auf
Hämangioblastom intramedullär C5/C6 mit begleitender intramedullärer Zyste;
Spinalkanalstenose C4/C5 (IV-act. 166).
A.g.
Mit Bericht vom 7. Januar 2016 hielten Dr. med. F._, Oberarzt mbF, und
Dr. med. G._, Klinik für Neurochirurgie, Kantonsspital St. Gallen, fest, aus ihrer Sicht
bestehe die therapieresistente Brachialgie links aufgrund der Kombination des
intramedullären Tumors auf Höhe C5/C6 und der gleich darüber liegenden
Spinalkanalstenose auf Höhe C4/C5. Zudem gebe es eine assoziierte, kurzstreckige
Syringomyelie (IV-act. 193-2).
A.h.
Mit Stellungnahme vom 8. Februar 2016 ging der RAD-Arzt Dr. med. H._ von
einer mindestens 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit aus (IV-act.
A.i.
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199). Am 26. Februar 2016 fügte er dieser Einschätzung hinzu, die Arbeitsfähigkeit
müsste bei entsprechender Motivation des Versicherten steigerbar sein (IV-act. 218).
Mit Mitteilung vom 3. Juni 2016 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten Beratung
und Unterstützung in der Stellensuche (IV-act. 232). Im Rahmen eines
Einsatzprogrammes ab dem 22. August 2016 erbrachte der Versicherte bei guter
Motivation und Konzentration in einem Arbeitspensum von 50% eine volle Leistung,
konnte aber das Pensum nicht steigern (IV-act. 235-3 f. und IV-act. 238-2).
A.j.
Mit Mitteilung vom 13. Dezember 2016 informierte die IV-Stelle den Versicherten,
dass kein Anspruch auf weitere berufliche Massnahmen bestehe, da es nicht gelungen
sei, ihn innert angemessener Zeit in den Arbeitsmarkt zu integrieren (IV-act. 244).
A.k.
Nach einem Gespräch zwischen Sachbearbeiter, Rechtsdienst und RAD (IV-act.
256-4) teilte die IV-Stelle dem Versicherten am 22. September 2017 mit, dass sie eine
polydisziplinäre medizinische Untersuchung veranlassen werde. Mit Abklärungen in
den Fachgebieten Allgemeine Innere Medizin, Angiologie, Kardiologie, Neurologie,
orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates sowie
Psychiatrie und Psychotherapie beauftragt wurde die BEGAZ GmbH
Begutachtungszentrum Basel-Land (nachfolgend: BEGAZ; IV-act. 254 f. und 260).
A.l.
Mit Gutachten vom 2. Februar 2018 stellten die BEGAZ-Gutachter folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: residuelles Schmerzsyndrom
Schulter links, DD Frozen shoulder; chronisches lumbospondylogenes Syndrom;
sensibles radikuläres Ausfallsyndrom C5 links; V.a. zum Teil zystische intramedulläre
Raumforderung in Höhe HWK5/6, DD intramedulläres Ependymom, Hämangioblastom
mit leichter Beeinträchtigung des Myelons und nicht auszuschliessender beginnender
Myelopathie, DD Syringomyelie, jedoch dringender V.a. intramedullären Tumor;
koronare 3-Gefäss-Erkrankung; anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Als
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nennen sie periphere arterielle
Verschlusskrankheit, Stadium 1 beidseits; St.n. Calcaneus-Trümmerfraktur bds.;
Sensibilitätsstörung im Versorgungsgebiet des N. suralis links; Kopfschmerzen vom
Spannungstyp; Diabetes mellitus Typ 2. Die einzelnen Diagnosen würden negativ
interferieren (IV-act. 265-74 f.). Gesamtmedizinisch bestehe eine volle
A.m.
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B.
Arbeitsunfähigkeit im Rahmen der Herzoperation (29. April 2014) bis Austritt aus der
kardialen Rehabilitation (20. Mai 2014 [richtig: 30. Mai 2014]). Danach bestehe eine
volle Arbeitsunfähigkeit für schwere Arbeiten, wozu auch die zuletzt durchgeführte
Arbeit als Gipser auf der Baustelle mit Tragen von 70 bis 80 kg schweren Waren zähle.
Tätigkeiten in grosser Kälte und Hitze sowie bei starken Temperaturschwankungen, bei
einem gestörten Tag-/Nacht-Rhythmus, bei atmosphärischem Unter- und Überdruck
sowie bei überdurchschnittlicher Verletzungsgefahr (bei erhöhter Blutungsgefahr unter
Aspirin) sollten vermieden werden. Tätigkeiten auf unebenem und/oder rutschigem
Gelände, solche auf Gerüsten, Leitern etc., Überkopftätigkeiten und das Achsenskelett
belastende Arbeiten sollten ebenfalls vermieden werden. Rückenadaptierte Tätigkeiten
mit leichter körperlicher Betätigung, organisatorische und administrative Tätigkeiten
könnten dem Versicherten jedoch ganztags zugemutet werden. Dabei sei von einem
erhöhten Pausenbedarf auszugehen. In einer entsprechend adaptierten Tätigkeit sei
von einer Arbeitsfähigkeit von 80% ab August 2014 auszugehen (IV-act. 265-79 f.).
Mit Vorbescheid vom 16. April 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten bei
einem IV-Grad von 16% die Abweisung seines Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-
act. 272). Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Lorenz
Gmünder, GN Rechtsanwälte, am 18. Mai 2018 Einwand (IV-act. 273).
A.n.
Am 25. Juni 2018 teilte der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin mit, er
habe bei der I._ AG per 1. Juni 2018 eine neue Stelle gefunden. Das Pensum betrage
40% bei einer Leistungsfähigkeit von 75%. Dies sei das absolute Leistungsmaximum
(IV-act. 275 f.).
A.o.
Nach einer zweiten Anhörung (IV-act. 284) wies die IV-Stelle das Begehren um
Invalidenrente mit Verfügung vom 10. Dezember 2018 ab (IV-act. 285).
A.p.
Gegen diese Verfügung erhebt A._, vertreten durch Rechtsanwältin Jasmina
Husidic, GN Rechtsanwälte, am 28. Januar 2019 Beschwerde. Er beantragt, die
Verfügung vom 10. Dezember 2018 sei aufzuheben. Ihm sei ab August 2015 eine ganze
Invalidenrente auszurichten. Eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen und
eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit vorzunehmen. Unter Kosten- und
B.a.
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Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung macht er
geltend, er habe im Jahr 2013 einen Stundenlohn von Fr. 33.06 erzielt, wobei dieser
Lohn einer Leistung von 75% entspreche, da er krankheitsbedingt lediglich leichte
Arbeit erbringen könne. Damit resultiere ein Einkommen von Fr. 69'029.30 (Fr. 33.06 x
2'088 Jahresarbeitsstunden). Die Leistungseinbusse entspreche der vorbestehenden
Invalidität von 25%. Hätte er die volle Leistung erbringen können, so hätte er einen
Lohn von Fr. 92'039.-- erwirtschaftet (Fr. 69'029.30 / 75 x 100). Unter Berücksichtigung
der Nominallohnentwicklung ergebe dies ein Valideneinkommen 2015 von
Fr. 93'146.40. Der orthopädische BEGAZ-Gutachter gehe davon aus, dass die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit in einem adaptierten Rahmen stattgefunden habe, vom
Beschwerdeführer aufgrund seiner kardialen Probleme aufgegeben worden sei und der
Beschwerdeführer wieder im selben Pensum arbeiten könne, wie vor dem kardialen
Ereignis. Dem könne nicht zugestimmt werden. Er habe nach dem kardialen Ereignis
zunehmend linksseitige Schulterschmerzen entwickelt. Gefragt nach dem Grund der
Arbeitsunfähigkeit habe er anlässlich der Begutachtung Herzprobleme,
Beinbeschwerden, Rückenschmerzen, überhaupt kein Vorhandensein von Kraft
genannt. Er sei der Gipsertätigkeit, welche nicht ideal adaptiert gewesen sei, nur
nachgegangen, weil er keine andere Arbeitsstelle gefunden habe. Der orthopädische
Gutachter selber führe aus, dass das residuelle Schmerzsyndrom der Schulter links
und das chronische lumbospondylogene Syndrom bei medialer Diskusprotrusion L5/S1
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Die vom orthopädischen Gutachter
beschriebenen Kriterien einer adaptierten Tätigkeit seien nicht mit der Tätigkeit als
(Hilfs-)Gipser vereinbar. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sei somit nicht mehr möglich.
Zur abweichenden Einschätzung betreffend Arbeitsfähigkeit des behandelnden Arztes,
des Krankentaggeldversicherers und des RAD im Jahr 2017 würden sich die Gutachter
auch in der Stellungnahme vom September 2018 nicht äussern. Die vom Orthopäden
bescheinigte postoperative Arbeitsunfähigkeit von maximal vier bis sechs Monaten
aufgrund der Schulteroperation vom 7. August 2015 habe keinen Eingang in die
gesamtmedizinische Würdigung gefunden. Der Orthopäde spreche immer davon, dass
die adaptierte Tätigkeit "im selben Umfang wie vor dem kardialen Ereignis von 2014"
zumutbar sei. Damals habe der Beschwerdeführer eine Leistung von 75% erbracht.
Dass die Gutachter zusammen zum Schluss gekommen seien, dass eine
Arbeitsfähigkeit von 80% in einer adaptierten Tätigkeit vorliegen würde, sei somit
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falsch. Die den Gutachtern vorliegenden MRI-Bilder seien sodann veraltet gewesen.
Gemäss Bundesgericht könne ein Gutachten, welches auf veraltete, nicht im Original
vorliegende Bilder abstelle, kein umfassendes Bild über den Gesundheitszustand
geben. Bei der Schlussfolgerung des psychiatrischen Gutachters sei fraglich, weshalb
bei einer Gipsertätigkeit theoretisch keine Pausen möglich sein sollten und wieso die
vermehrten Pausen in anderen Tätigkeiten nicht als leistungsmindernd beurteilt
würden. Dem Gutachten könne somit kein voller Beweiswert zugesprochen werden.
Der Beschwerdeführer könne maximal ein Pensum von 40% bei einer Leistung von
75% bewältigen, wie er dies bei der I._ tue. Diese Arbeitgeberin sei sehr sozial
eingestellt und nehme auf seine Einschränkungen Rücksicht. Der Beschwerdeführer
habe diese Stelle, welche aus wirtschaftlicher Sicht schlichtweg ein Unikat sei, durch
die Vermittlung seines _ erhalten, mit dem er nun auch zusammenarbeite. Er erziele
so ein Einkommen von Fr. 1'485.-- monatlich (x 13), wobei die Tätigkeit den
Adaptionskriterien nicht vollumfänglich entspreche. Die Gutachter würden diverse
Adaptionskriterien aufstellen. Es würden somit diverse Einschränkungen vorliegen. Eine
Bürotätigkeit könne der Beschwerdeführer mangels Ausbildung und Sprachkenntnisse
nicht ausüben. In Industriebetrieben werde meist in Schichten gearbeitet, was der
Beschwerdeführer aufgrund des gestörten Tag-/Nacht-Rhythmus nicht könne. Zudem
verfüge er nicht über für das Bedienen von Computern und automatisierten Maschinen
sowie deren Überwachung und Kontrolle erforderliche minimale Kenntnisse und
Fähigkeiten. Aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkungen, nicht vorhandener
Ausbildung und damit verbundenen Umstellungs- und Einarbeitungsaufwandes sowie
seines Alters werde ihn realistischerweise kein Arbeitgeber einstellen. Des Weiteren
hätte der Beschwerdeführer sich gemäss GAV FAR (Gesamtarbeitsvertrag für den
flexiblen Altersrücktritt im Bauhauptgewerbe) ohne die Gesundheitseinschränkung
2014 im Alter von 60 Jahren pensionieren lassen können. Seine allfällige
Restarbeitsfähigkeit sei somit nicht mehr verwertbar (act. G1).
Mit Beschwerdeantwort vom 1. April 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Auf das BEGAZ-Gutachten könne abgestellt werden,
denn hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit, worauf es für die
Invaliditätsbemessung ankomme, seien keine Ungereimtheiten oder
Widersprüchlichkeiten erkennbar. Aus gesamtgutachterlicher Sicht liege eine 80%ige
B.b.
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Arbeitsfähigkeit vor. Aus den Feststellungen des orthopädischen Gutachters sei
sodann zu schliessen, dass beim Beschwerdeführer keine schwerwiegenden
pathologischen Befunde am Bewegungsapparat bestehen würden. Die Verhältnisse im
Bereich der Lendenwirbelsäule und die schmerzbedingt eingeschränkte Beweglichkeit
des linken Schultergelenks hätten Eingang in die Diagnosen gefunden und seien beim
Belastungsprofil berücksichtigt worden. Der orthopädische Gutachter begründe
nachvollziehbar, welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer in einem Vollzeitpensum
zumutbar seien. Damit liege aus orthopädischer Sicht ein schlüssiges Belastungsprofil
vor. Soweit der Beschwerdeführer rüge, der orthopädische Experte hätte zur
abweichenden Einschätzung des behandelnden Arztes Stellung nehmen müssen, liege
es im Ermessen des Experten, ob und gegebenenfalls welche Berichte im Gutachten
diskutiert würden. Betreffend bildgebender Untersuchung würde den Gutachtern für
die Wahl der Untersuchungsmethoden ein weiter Ermessensspielraum zukommen.
Insbesondere zur Beurteilung von rückenbedingten Einschränkungen stehe das
klinische Bild im Vordergrund, bildgebenden Abklärungen käme nur ein ergänzender
Stellenwert zu. An der Konsensbeurteilung kritisiere der Beschwerdeführer zu Recht,
die vom orthopädischen Gutachter bescheinigte postoperative Arbeitsunfähigkeit von
maximal vier bis sechs Monaten habe nicht Eingang in die gesamtmedizinische
Würdigung gefunden. Dieses Versäumnis vermöge aber den Beweiswert der Expertise
nicht dermassen zu schmälern, dass nicht darauf abgestellt werden könnte. In Industrie
und Gewerbe gebe es verschiedene einfache Hilfstätigkeiten, welche dem im BEGAZ-
Gutachten festgehaltenen Anforderungsprofil entsprächen, erfahrungsgemäss nicht
überwiegend in Schichtarbeit verrichtet werden müssten und weder gute
Sprachkenntnisse noch ein besonderes Bildungsniveau erforderten. Auch der Aspekt
des fortgeschrittenen Alters schliesse die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit nicht
aus. Der Beschwerdeführer sei im massgebenden Zeitpunkt der Erstattung des
BEGAZ-Gutachtens zwar bereits 62 Jahre alt gewesen. In Anbetracht der relativ hohen
Hürden, welche das Bundesgericht für die Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
älterer Menschen entwickelt habe, sei das Finden einer Stelle zwar erschwert, nicht
aber zum Vornherein als ausgeschlossen anzusehen. Für die Frage der Verwertbarkeit
könne es keine Rolle spielen, dass der Beschwerdeführer sich im Gesundheitsfall mit
60 Jahren hätte frühpensionieren lassen. Als Valideneinkommen sei der vor dem Unfall
vom 5. Mai 1994 erzielte Verdienst als Hilfsgipser in Höhe von Fr. 57'426.--
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heranzuziehen und an die Nominallohnentwicklung anzupassen. Das
Valideneinkommen sei somit auf Fr. 73'339.-- zu veranschlagen. Für das
Invalideneinkommen sei auf die LSE abzustellen. Ein Tabellenlohnabzug sei nicht
angebracht. Es resultiere ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad. Die angefochtene
Verfügung sei somit im Ergebnis nicht zu beanstanden (act. G6).
Mit Replik vom 27. Juni 2019 führt der Beschwerdeführer aus, weitere
Arztberichte, welche den Gutachtern nicht vorgelegen hätten, würden zeigen, dass das
BEGAZ-Gutachten veraltet und unzutreffend sei. Der orthopädische Gutachter spreche
davon, die vor dem kardialen Ereignis ausgeübte Tätigkeit sei wieder zumutbar. Dabei
handle es sich um eine Tätigkeit, bei der der Beschwerdeführer 75% Leistung erbracht
habe. Damit impliziere der Gutachter eine Arbeitsfähigkeit von 75% in einer adaptierten
Tätigkeit, was der 80%igen attestierten Arbeitsfähigkeit in der Konklusion
widerspreche. Selbst wenn auf das BEGAZ-Gutachten abgestellt werden könnte, sei
die Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht verwertbar. Er habe sich vor
ca. 19 Jahren unzählige Male beworben und nur Absagen erhalten. Damals sei er
jünger gewesen und sein Gesundheitszustand besser. Schon die BEGAZ-Gutachter
würden zahlreiche Adaptionskriterien aufzählen. Industriebetriebe würden immer in
Schichten arbeiten. Einzig Frauen mit Betreuungspflichten gegenüber Kindern würden
in solchen Betrieben zu normalen Arbeitszeiten arbeiten. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin habe das Bundesgericht festgehalten, dass das Bedienen von
Computern und automatisierten Maschinen sowie deren Überwachung und Kontrolle,
wenn sie im Einsatz stünden, gewisse minimale Kenntnisse und Fähigkeiten
voraussetzten, über welche Ungelernte, die immer nur einfache Hilfsarbeitertätigkeiten
ausgeübt hätten, ohne entsprechende Ausbildung nicht verfügen würden. Mit ihrer
neuen Berechnung des Valideneinkommens bestätige die Beschwerdegegnerin, dass
der Beschwerdeführer seit dem Unfall 1994 zu 25% invalid sei. Dies bedeute, dass die
von den BEGAZ-Gutachtern bescheinigte Arbeitsfähigkeit von 80% allem
widerspreche. Der Beschwerdeführer habe im Jahr 2013 75% als Hilfsgipser gearbeitet
und dabei einen sehr guten Stundenlohn erzielt. Wäre er ganz gesund gewesen, hätte
er eine 100%ige Leistung erbringen, als Gipser arbeiten und einen dementsprechend
höheren Lohn erzielen können. Es sei demnach realistischer, auf diesen Lohn
abzustellen als auf jenen aus dem Jahr 1993. Gerade in der Baubranche steige der
B.c.
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Erwägungen
1.
Lohn mit der Arbeitserfahrung überproportional. Diesen Umstand berücksichtige die
Nominallohnentwicklung nicht. Sollte die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit bejaht
werden, sei auf das tatsächlich erzielte Einkommen von Fr. 18'997.80 als
Invalideneinkommen abzustellen. Mehr Leistung könne der Beschwerdeführer nicht
erbringen und einen sozialeren Arbeitgeber finde er sowieso nicht. Eventualiter sei das
erzielte Einkommen von 30% auf 80% hochzurechnen. Subeventualiter sei, werde auf
die LSE abgestellt, ein Leidensabzug von 20% vorzunehmen. Insgesamt würde ein
Invaliditätsgrad von mindestens 42% resultieren, sodass die angefochtene Verfügung
unter allen Umständen aufzuheben sei (act. G12).
Am 4. Juli 2019 verzichtet die Beschwerdegegnerin auf eine Duplik (act. G14).B.d.
Am 13. November 2019 reicht die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ihre
Honorarnote über Fr. 7'823.75 ein (act. G16). Mit Schreiben vom 12. Mai 2020 teilt
Rechtsanwältin Amanda Guyot, GN Rechtsanwälte, mit, dass sie die Vertretung des
Beschwerdeführers übernommen hat (act. G18).
B.e.
Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) versicherte Personen,
die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
1.1.
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Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist
(Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach
Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG).
1.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4).
1.3.
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 157 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Die urteilenden Instanzen haben
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen.
1.4.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen).
1.5.
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
1.6.
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2.
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit
Hinweisen).
Der Beschwerdeführer macht geltend, auf das BEGAZ-Gutachten könne nicht
abgestellt werden. Es ist daher zu prüfen, ob dieses Gutachten beweiskräftig ist und
eine rechtsgenügliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zulässt.
2.1.
Der Beschwerdeführer bringt vor, er könne nicht, wie der orthopädische Gutachter
behaupte, wieder im selben Pensum in derselben Tätigkeit arbeiten wie vor dem
kardialen Ereignis 2014. Die linksseitigen Schulterschmerzen hätten nach der
Herzoperation deutlich zugenommen. Ausserdem habe er Bein- und
Rückenschmerzen, welche sich negativ auswirken würden (namentlich Nachtschmerz,
Anlaufschmerzen, Beschränkung der Gehstrecke und der Sitzdauer). Die zuletzt vor
dem kardialen Ereignis ausgeübte Tätigkeit als Gipser bei reduzierter Leistung sei nicht
ideal gewesen, aber die einzige Anstellung, die er habe bekommen können. Dass der
Beschwerdeführer, wie der orthopädische Gutachter bescheinige, trotz einer
Verschlechterung seines Gesundheitszustands rein aus orthopädischer Sicht wieder
die damalige Leistung von 75% solle erbringen können, sei nicht nachvollziehbar. Die
Beschreibung der adaptierten Tätigkeit des orthopädischen Gutachters lasse sich
sodann ohnehin nicht mit der Tätigkeit eines (Hilfs-)Gipsers vereinbaren (act. G1, S. 8
ff.).
2.2.
Die Feststellung des orthopädischen Gutachters, wonach der Beschwerdeführer
seine Tätigkeit als (Hilfs-)Gipser im Jahr 2014 nicht aufgrund orthopädischer Probleme,
sondern wegen der kardialen Problematik aufgegeben hat, ist nicht zu beanstanden,
zumal der Beschwerdeführer selbst auf die Frage nach dem Grund der Arbeitsaufgabe
2014 das kardiale Ereignis nannte (IV-act. 265-27) und diese Erklärung mit den Akten
im Einklang steht (vgl. etwa IV-act. 132-8, Zuweisung ins Kantonsspital am 28. April
2014 wegen seit sechs Monaten beklagter Atemnot und rascher Ermüdbarkeit bei
Belastung; IV-act. 132-1, Bericht des Hausarztes vom 12. März 2015, in welchem er in
erster Linie die koronare Erkrankung als Grund für die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit nennt).
2.3.
Der Beschwerdeführer führt an, seine Schulterbeschwerden links hätten nach dem
koronaren Ereignis zugenommen. Dies lässt sich insofern anhand der Akten
nachvollziehen, als in der Folge eine Operationsindikation als gegeben erachtet wurde.
Der orthopädische Gutachter attestierte denn auch eine postoperative
Arbeitsunfähigkeit nach der Schulterarthroskopie und subacromialer Dekompression
2.4.
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vom 7. August 2015 von maximal vier bis sechs Monaten (IV-act. 265-34). Danach trat
aber eine erhebliche Besserung ein. Der Beschwerdeführer selbst berichtete anlässlich
der ambulanten Untersuchung im Kantonsspital St. Gallen vom 10. Oktober 2016, der
frühere Armschmerz samt Hypersensibilität links sei vollständig verschwunden.
Schmerzhaft geblieben waren demnach im Bereich der Schulter lediglich gewisse
Bewegungen, vor allem die Elevation über 60 Grad (IV-act. 242-2). Auch anlässlich der
neurologischen Begutachtung schilderte der Beschwerdeführer, nach der
Schulteroperation seien die linksseitigen Armschmerzen verschwunden, jedoch sei die
Beweglichkeit im linken Schultergelenk eingeschränkt (IV-act. 265-36). Der
orthopädische Gutachter untersuchte die linke Schulter des Beschwerdeführers auch
klinisch und hielt fest, dass der linke Arm bei der Untersuchung zwar eine deutliche
Kraft- und Beweglichkeitseinschränkung zeigte, im spontanen Verhalten aber gut
eingesetzt worden sei (IV-act. 265-28 f. und 265-33). Der Beschwerdeführer gab
gegenüber dem orthopädischen Gutachter an, er habe lediglich leichte Tätigkeiten als
Gipser durchgeführt, beispielsweise Korrekturarbeiten (IV-act. 265-27). Somit ist mit
Blick auf die geltend gemachte Einschränkung der linken Schulter des
Beschwerdeführers nicht zu beanstanden, dass lediglich die Diagnose eines residuellen
Schmerzsyndroms (DD Frozen shoulder) gestellt wurde und der orthopädische
Gutachter zum Schluss kam, dem Beschwerdeführer sei seine vor dem koronaren
Ereignis ausgeübte Tätigkeit wieder zumutbar.
Insgesamt standen für den Beschwerdeführer nach Erholung von der
Schulteroperation die tieflumbalen Rückenschmerzen (mit Ausstrahlungen vor allem ins
rechte Bein) im Vordergrund (siehe beispielhaft IV-act. 242-2, 265-15, 265-27, 265-47,
265-65). Diese Schmerzen bestanden indes schon deutlich vor dem koronaren Ereignis
(vgl. IV-act. 265-65). Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, er leide unter
Nachtschmerz sowie Anlaufschmerzen und könne nur begrenzte Strecken gehen bzw.
eine begrenzte Zeit sitzen, waren diese Einschränkungen somit gemäss seinen eigenen
Angaben bereits vor 2014 vorhanden. Dennoch war der Beschwerdeführer bis 2014
ganztags als (Hilfs-)Gipser tätig, wobei seine Leistung wohl mit Blick auf die Suva-
Rente mit 75% angegeben wurde (vgl. IV-act. 265-27). Der Beschwerdeführer macht
geltend, seine Schmerzen seien zunehmend. Der orthopädische Gutachter hat gestützt
auf die Vorakten, insbesondere die frühere Bildgebung (Röntgen / MRI), und die eigene
klinische Untersuchung wohl degenerative Veränderungen festgestellt und ein
lumbospondylogenes Syndrom diagnostiziert, kam jedoch zum Schluss, dass diese
Einschränkungen die früher ausgeübte Tätigkeit nicht hindern würden. Seine
diesbezüglichen Ausführungen sind mit Blick auf die Schilderung des
Beschwerdeführers betreffend seine frühere Tätigkeit als (Hilfs-)Gipser (leichte
2.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/28
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3.
Tätigkeiten, beispielsweise Korrekturarbeiten, IV-act. 265-27) nachvollziehbar. Seine
Feststellung, der Beschwerdeführer könne aus orthopädischer Sicht die vor dem
koronaren Ereignis erbrachte Leistung wieder erbringen, ist somit nicht zu
beanstanden.
Der Beschwerdeführer kritisiert, die Gutachter hätten sich nicht zu den
abweichenden Einschätzungen betreffend Arbeitsfähigkeit des behandelnden Arztes,
des Krankentaggeldversicherers und des RAD geäussert (act. G1, S. 10).
3.1.
Ob und gegebenenfalls welche Berichte im Gutachten diskutiert werden, liegt
gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung im Ermessen der Gutachter.
Entscheidend ist, dass diese über sämtliche Unterlagen verfügten (Urteil des
Bundesgerichts vom 19. Juni 2015, 9C_24/2015, E. 4.2, bestätigt in Urteil des
Bundesgerichts vom 23. April 2018, 9C_276/2017, E. 4.3.2). Im BEGAZ-Gutachten wird
festgehalten, dass unter anderem die zur Verfügung gestellten Vorakten Grundlage für
das Gutachten bilden. Nebst einer Aktenzusammenfassung standen den Gutachtern
sämtliche Berichte vollumfänglich zur Verfügung (IV-act. 265-8 ff.). Die Expertise ist
somit in Kenntnis der Vorakten, mithin auch der Einschätzungen des Hausarztes, auf
welche sich der Krankentaggeldversicherer stützte, und des RAD, erstellt worden.
3.2.
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung entspricht es sodann einer
Erfahrungstatsache, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte mit Blick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten
aussagen und ihre Angaben deshalb zurückhaltend zu werten sind (vgl. hierzu etwa
BGE 125 V 351 E. 3b/cc oder BGE 135 V 465 E. 4.5). Die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und
Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits
lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und
zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu
anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich
eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und
nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die
im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Entscheid
des Bundesgerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2 mit Hinweisen). Zudem ist
auch dem Umstand, dass die ärztliche Beurteilung von der Natur der Sache her
unausweichlich Ermessenszüge trägt, Rechnung zu tragen (Entscheid des
Bundesgerichts vom 23. Januar 2019, 9C_804/2018, E. 2.2 mit Hinweisen).
3.3.
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4.
5.
Vorliegend ergeben sich aus den Berichten der Behandler keine wesentlichen
Aspekte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben
wären. Eine vom Gutachten abweichende Arbeitsfähigkeitsschätzung lag einzig beim
Hausarzt vor, der weder Facharzt für Orthopädie oder Neurologie noch für Psychiatrie
ist. Die nicht fachspezifische Arbeitsunfähigkeitsschätzung von RAD-Arzt Dr. J._ war
zudem Anlass für die polydisziplinäre Begutachtung (vgl. IV-act. 252). Eine explizite
Diskussion dieser anderen Einschätzung war demnach nicht zwingend erforderlich,
sondern lag im Ermessen der Gutachter.
3.4.
Der Beschwerdeführer kritisiert zu Recht, dass die vom orthopädischen Gutachter
bescheinigte Arbeitsunfähigkeit von maximal vier bis sechs Monaten aufgrund der
Schulteroperation vom 7. August 2015 nicht in die gesamtmedizinische,
zusammenfassende Würdigung der Arbeitsfähigkeit einbezogen wurde (act. G1, S. 10
f.).
4.1.
Dabei handelt es sich offenkundig um ein Versehen. Dass diese vorübergehende
Arbeitsunfähigkeit keinen Eingang in die Konsensbeurteilung fand, führt indes nicht zur
Unverwertbarkeit des BEGAZ-Gutachtens. Damit wird kein unauflösbarer Widerspruch
in der Beurteilung der medizinischen Situation geschaffen, zumal die vorübergehende,
orthopädisch begründete Arbeitsunfähigkeit unter den Gutachtern nicht in Frage
gestellt wurde. Der Beweiswert des Gutachtens nimmt deshalb keinen Schaden.
4.2.
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Gutachter hätten ihm "auf Biegen und
Brechen" eine rentenausschliessende Arbeitsunfähigkeit unterstellen wollen. Wenn der
orthopädische Gutachter ihm attestiere, er sei im selben Umfang wie vor dem kardialen
Ereignis arbeitsfähig, so entspreche dies einer Arbeitsfähigkeit von 75%, nicht von
80% (act. G1, S. 11).
5.1.
Im orthopädischen Teilgutachten wurde die Restarbeitsfähigkeit nicht ausdrücklich
beziffert. Der orthopädische Gutachter hielt lediglich fest, eine adaptierte Tätigkeit
sollte dem Beschwerdeführer wieder im selben Pensum zumutbar sein wie vor dem
kardialen Ereignis 2014 (IV-act. 265-33). Der orthopädische Gutachter äusserte
hingegen nicht, vor diesem Ereignis 2014 habe die Arbeitsfähigkeit 75% betragen. Er
hielt lediglich die Äusserung des Beschwerdeführers fest, wonach dieser ganztags als
Gipser gearbeitet habe, wobei er durch die Suva aufgrund der Calcaneusfrakturen 25%
arbeitsunfähig geschrieben gewesen sei (IV-act. 265-27). Damit hat der orthopädische
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/28
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6.
Gutachter nicht bestätigt, dass die Arbeitsfähigkeit vor dem Ereignis 2014 seiner
Ansicht nach 75% betragen habe. Die Annahme des Beschwerdeführers, er sei vor der
kardialen Erkrankung nur zu 75% arbeitsfähig gewesen, trifft denn auch gar nicht zu.
Die Suva-Rente beruht nicht auf einer zeitlichen Einschränkung seiner Arbeitsfähigkeit,
sondern auf einer unfallbedingten Lohneinbusse bei einer ganztägigen, vorwiegend in
sitzender Position auszuübenden Beschäftigung (vgl. act. G6.2/3-7).
Demzufolge ist darin, dass in der Konsensbeurteilung eine Arbeitsfähigkeit von
80% resultierte, kein Widerspruch zum orthopädischen Teilgutachten zu erblicken.
5.3.
Der Beschwerdeführer rügt weiter, die Gutachter hätten sich auf veraltete MRI-
Bilder gestützt, obwohl darauf gemäss Rechtsprechung nicht abgestellt werden könne.
Er verweist diesbezüglich auf einen Entscheid des Bundesgerichts. Im vom
Beschwerdeführer zitierten Fall rügte die versicherte Person, das Gutachten beruhe auf
veralteten Bildern, die den Gutachtern noch nicht einmal vorgelegen hätten. Zudem
habe das kantonale Gericht einen nach der Begutachtung ins Recht gelegten
Radiologiebericht nicht gewürdigt. In diesem vom Bundesgericht behandelten Fall
gingen aus dem nach der Begutachtung erstellten Radiologiebericht objektivierbare
Befunde hervor, welche auf eine bereits zum Zeitpunkt der Begutachtung eingetretene
Verschlechterung des Gesundheitszustands hinwiesen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
vom 14. August 2009, 9C_881/2008, E. 3).
6.1.
Vorliegend stand die frühere Bildgebung zusammen mit den entsprechenden
Berichten den Gutachtern zur Verfügung (vgl. etwa IV-act. 265-30 f.; vgl. auch IV-
act. 265-10, wo sich aus der Aktenzusammenstellung ergibt, dass die Bilder und
Berichte beim neurologischen Gutachter eingescannt seien). Hinweise darauf, dass die
Bildgebung in der zur Verfügung gestellten Qualität für eine Beurteilung des
Gesundheitszustands des Beschwerdeführers ungenügend gewesen wäre, sind nicht
ersichtlich. Zwar stammte die Bildgebung aus den Jahren 2014 bis 2016 (siehe
beispielhaft IV-act. 174 ff., 183 und 226), während die orthopädische Begutachtung am
15. Januar 2018 stattfand (IV-act. 265-25). Dennoch bestand keine zwingende
Veranlassung, im Rahmen der Begutachtung weitere MRI- oder Röntgenaufnahmen zu
machen, und zwar namentlich aus folgenden Gründen.
6.2.
Der Beschwerdeführer hat nach der Schulteroperation vom 7. August 2015
jeweils die (tieflumbalen) Rückenschmerzen in den Vordergrund gestellt. So werden
beispielsweise im Arztbericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 29. April 2016 der
6.2.1.
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St. n. Schultergelenk-Arthroskopie links ebenso wie die Kniebeschwerden bds.
linksbetont lediglich als Nebendiagnosen genannt. Die Armbeschwerden links seien
unter der angepassten Schmerzmedikation praktisch verschwunden. Im Moment
störend seien die tieflumbalen Rückenschmerzen, die er meistens schon am Morgen
habe (IV-act. 225). Auch einige Monate später, anlässlich der ambulanten
Untersuchung vom 10. Oktober 2016, vermerkten die zuständigen Ärzte des
Kantonsspitals St. Gallen, der Armschmerz samt Hypersensibilität links sei vollständig
verschwunden. Schmerzhaft geblieben seien im Bereich der Schulter gewisse
Bewegungen, v.a. die Elevation über 60°. Im Vordergrund stünden die tieflumbalen
Rückenschmerzen, die der Beschwerdeführer seit Jahren habe (IV-act. 236-2). Weitere
Abklärungen zur Schulter waren demnach nicht erforderlich.
Die Veränderungen an der Wirbelsäule waren ebenfalls bereits gut dokumentiert
(vgl. etwa IV-act. 174 f., 183 und 226). Insbesondere zeigte sich die zystische
intramedulläre Raumforderung auf Höhe C5/6 im April 2016 als gegenüber dem
Vorzustand (erneut) grössenstationär (IV-act. 226). Von einem neuerlichen MRI der
Wirbelsäule waren dementsprechend keine wesentlichen neuen Erkenntnisse zu
erwarten.
6.2.2.
Mit der Replik vom 27. Juni 2019 reicht der Beschwerdeführer weitere Berichte
des Kantonsspitals St. Gallens sowie des Spitals K._ aus den Jahren 2017 und 2018
ein und macht geltend, diese würden aufzeigen, dass das BEGAZ-Gutachten veraltet
sei (act. G12, S. 2 f.). Aus der planmässigen Verlaufskontrolle im Kantonsspital
St. Gallen vom 13. November 2018 ergab sich jedoch erneut ein stationärer Befund
bezüglich intramedullärer Raumforderung ("grössenkonstant ohne Hinweis auf
zunehmende Veränderungen") und betreffend LWS (weiterhin) keine
Operationsindikation. Ausführungen betreffend allfälliger Kompression der
Nervenwurzeln C4/5 erfolgten in der Beurteilung hingegen keine (act. G12.1). Aus dem
Bericht vom 6. Juni 2018 betreffend MRI Wirbelsäule (LWK1 - SWK4) gingen ebenfalls
bloss eine fragliche klinische Relevanz der Spinalkanalstenose sowie eine bloss
potenzielle Reizung der Nervenwurzel L5, ansonsten altersentsprechend normales
Kernspintomogramm der LWS hervor (act. G12.2). Im Austrittsbericht des Spitals K._
vom 15. Februar 2017 standen sodann die periphere arterielle Verschlusskrankheit
sowie die schwere koronare Herzkrankheit im Fokus. Vertiefte Abklärungen zur
Wirbelsäule erfolgten hingegen nicht (act. G12.3). Soweit der Beschwerdeführer
geltend macht, im Austrittsbericht des Spitals K._ seien einige seiner Beschwerden
geschildert und der Bericht habe den BEGAZ-Gutachtern nicht vorgelegen (act. G12,
S. 3), ist festzuhalten, dass es sich dabei nicht um von den Ärzten erhobene Befunde,
6.2.3.
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7.
sondern Angaben des Beschwerdeführers handelte. Ausserdem hatte der
Beschwerdeführer im Rahmen der Begutachtung Gelegenheit, seine Beschwerden zu
schildern und tat dies auch (vgl. etwa IV-act. 265-18). Insgesamt vermögen die mit der
Replik eingereichten Berichte daher keine Zweifel an der Richtigkeit der BEGAZ-
Beurteilung zu wecken.
Bildgebend nachgewiesene (pathologische) Befunde lassen für sich allein in der
Regel ohnehin nicht den Schluss auf eine Arbeitsunfähigkeit zu (Urteil des
Bundesgerichts vom 3. März 2017, 9C_793/2016, E. 4.1.2, mit Hinweisen). Oft kommt
dem persönlichen Untersuch eine grosse Bedeutung zu. Die BEGAZ-Gutachter haben
den Beschwerdeführer klinisch untersucht und den nach ihrem Ermessen nötigen Tests
unterzogen (so hat beispielsweise der angiologische Gutachter die Pulse überprüft und
eine Duplexsonographie vorgenommen, IV-act. 265-19 ff.). Den medizinischen
Sachverständigen kommt, was die Wahl der Untersuchungsmethoden betrifft, ein
weiter Ermessensspielraum zu. Sie entscheiden auch, ob im konkreten Fall
Röntgenaufnahmen oder ein MRI zur Abklärung namentlich von Rückenschmerzen
erforderlich sind (Urteile des Bundesgerichts vom 23. Januar 2019, 8C_831/2018,
E. 3.2.5, mit Hinweis, und vom 10. Mai 2013, 8C_153/2013, E. 3.2.1).
6.2.4.
Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass die BEGAZ-Gutachter keine
weiteren bildgebenden Untersuchungen veranlasst haben. Klinische Hinweise auf eine
relevante Verschlechterung des Gesundheitszustands, welche weitere Röntgen- oder
MRI-Bilder notwendig gemacht hätten, lagen nicht vor. Die bereits vorhandene
Bildgebung in Verbindung mit der klinischen Untersuchung ermöglichten eine
zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Demnach ist der Einwand des
Beschwerdeführers, die Bildgebung sei veraltet, unbehelflich.
6.2.5.
Der Beschwerdeführer bringt vor, die BEGAZ-Gutachter hätten ihm zu Unrecht
Aggravation unterstellt, nachdem Diagnosen bestünden, welche diesem Vorwurf
widersprechen würden (act. G12, S. 4).
7.1.
Der orthopädische BEGAZ-Gutachter hielt fest, die Angaben des
Beschwerdeführers seien insgesamt soweit konsistent. Der Beschwerdeführer habe
eine Sitzdauer von 30 Minuten genannt, sei aber absolut problemlos über 35 Minuten
ruhig dagesessen. Anzeichen einer Aggravation hätten allenfalls bei der Untersuchung
der LWS (Lasègue versus Langsitz) sowie der linken Schulter (gutes Einsetzen des
linken Armes im spontanen Verhalten versus deutliche Kraft- und
Beweglichkeitseinschränkung bei der expliziten Untersuchung) bestanden (IV-act.
7.2.
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8.
265-27 und 265-32 f.). Der psychiatrische Gutachter hielt fest, Diskrepanzen hätten
sich insofern ergeben, als Schmerzen beim Beschwerdeführer während der Exploration
nicht hätten objektiviert werden können. Er habe die mehrstündige Reise zum
Untersuchungsort mit den öffentlichen Verkehrsmitteln alleine unternommen und dabei
immer wieder längere Gehstrecken zurückgelegt (IV-act. 265-66 und 265-71).
Nach dem Gesagten handelte es sich bei den festgestellten Aggravationen jeweils
um Diskrepanzen zwischen den Aussagen des Beschwerdeführers und der
Beobachtung der Gutachter und in einem Fall um inkonsistente Schmerzangaben
(Lasègue versus Langsitz). Diese Diskrepanzen lassen sich entgegen der Annahme des
Beschwerdeführers nicht mit bestehenden Diagnosen erklären.
7.3.
Der Beschwerdeführer kritisiert das psychiatrische Teilgutachten dahingehend,
gemäss RAD erstaune die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
bei gleichzeitigem Vorliegen somatischer Befunde. Im Weiteren sei unklar, weshalb bei
wechselbelastenden leichten körperlichen Tätigkeiten Schmerzen weniger im
Vordergrund stünden, da bei solchen Tätigkeiten auch die Möglichkeit zu Pausen
bestehen würden. Pausen seien auch bei schweren Tätigkeiten möglich. Der Schmerz
verschwinde trotzdem nicht (act. G12, S. 4).
8.1.
Der psychiatrische Gutachter hat hierzu geäussert, typischerweise würde ein
verstärktes Schmerzerleben bei schwerer körperlicher Tätigkeit exazerbieren, sei
jedoch weniger im Vordergrund bei wechselbelastender leichter körperlicher Tätigkeit,
bei welcher auch die Möglichkeit zu Pausen bestehe (IV-act. 282-4). Der psychiatrische
Gutachter nennt als psychosozialen Belastungsfaktor die Karzinomerkrankung der
Ehefrau des Beschwerdeführers. Sofern die Schmerzen nicht ausreichend durch
somatische Befunde erklärt werden könnten, müsse vom Vorliegen einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung ausgegangen werden (IV-act. 265-65). Der
Beschwerdeführer selbst erlebt seine Schmerzen als gravierender als vom
orthopädischen und neurologischen Gutachter insbesondere anhand der klinischen
Befunde objektivierbar. Insofern sind die Schmerzen nicht ausreichend durch
somatische Befunde erklärt. Dass die Diagnose einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung gestellt wurde, wirkt sich jedenfalls nicht zu Lasten des
Beschwerdeführers aus, denn eine andere psychiatrische Diagnose ist nicht
aktenkundig (vgl. IV-act. 265-70).
8.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/28
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9.
10.
Das Gutachten wurde in Kenntnis der Vorakten erstellt (vgl. IV-act. 265-8 ff.). Keine
Partei macht geltend, dass für die Begutachtung Fachärzte aus anderen Fachgebieten
hätten beigezogen werden müssen und auch aus den Akten ergibt sich diesbezüglich
keine Notwendigkeit. Der Beschwerdeführer wurde von jedem Gutachter persönlich
untersucht. Das Gutachten erfüllt nach dem Gesagten die Anforderung, auf allseitigen
Untersuchungen zu beruhen und in Kenntnis der Vorakten erfolgt zu sein. Es ist für die
streitigen Belange umfassend und berücksichtigt die geklagten Beschwerden. In der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation ist es
einleuchtend und die Schlussfolgerungen der Gutachter sind begründet. Die
Vorbringen des Beschwerdeführers vermögen daran keine Zweifel zu wecken.
9.1.
Folglich ist auf das Gutachten, insbesondere auf die Schätzung der
Arbeitsfähigkeit abzustellen. Somit ist der Beschwerdeführer in einer adaptierten
Tätigkeit als zu 80% arbeitsfähig zu betrachten.
9.2.
Der Beschwerdeführer macht geltend, selbst wenn auf das Gutachten abgestellt
werden könne, sei seine Restarbeitsfähigkeit aufgrund seiner diversen Beschwerden,
seines Alters sowie seiner fehlenden Sprachkenntnisse und Ausbildung unverwertbar.
10.1.
Referenzpunkt für die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit ist der hypothetisch
ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach der Rechtsprechung handelt es
sich dabei um einen theoretischen und abstrakten Begriff, der dazu dient, den
Leistungsbereich der Invalidenversicherung von demjenigen der
Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Der Begriff umschliesst einerseits ein
bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach
Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen
Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält und zwar sowohl bezüglich der dafür
verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des
körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob
die invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten,
und ob sie ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE
110 V 273 E. 4b; ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b).
10.2.
Daraus folgt, dass für die Invaliditätsbemessung nicht darauf abzustellen ist, ob
eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden
kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich
10.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/28
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nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften
entsprechen würden (AHI-Praxis 6/1998 S. 291). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt ist
also ein theoretischer und abstrakter Begriff. Er berücksichtigt die konkrete
Arbeitsmarktlage nicht, umfasst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch tatsächlich
nicht vorhandene Stellenangebote und sieht von den fehlenden oder verringerten
Chancen Teilinvalider, eine zumutbare und geeignete Arbeitsstelle zu finden, ab (BGE
134 V 64 E. 4.2.1).
Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze,
also Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen
von Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Von einer Arbeitsgelegenheit kann dann
nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur in so
eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch
nicht kennt, oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines
durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden
Stelle daher von vornherein ausgeschlossen erscheint (siehe zum Ganzen Urteile des
Bundesgerichts vom 25. September 2018, 8C_290/2018, E. 5.4, und vom 30. Januar
2019, 8C_710/2018, E. 7.1, je mit Hinweisen).
10.4.
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in
der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren
persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer
versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird und dass ihr deren
Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungslast nicht mehr zumutbar ist. Der
Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf
dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen
Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Massgebend
können die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der
absehbare Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang
auch Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung,
beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem
angestammten Bereich sein (BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweisen). Von Bedeutung für
die Beurteilung der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit sind namentlich deren
Ausmass und die verbleibende berufliche Aktivitätsdauer im Zeitpunkt des Feststehens
der medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-) Erwerbstätigkeit. Der für die Beurteilung
relevante Zeitpunkt ist gegeben, sobald die medizinischen Unterlagen eine zuverlässige
10.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/28
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11.
Sachverhaltsfeststellung erlauben (vgl. BGE 138 V 457 E. 3.3 f.; Urteil des
Bundesgerichts vom 25. Juli 2016, 8C_324/2016, E. 4.4).
Mit Blick auf die Massgeblichkeit des theoretisch ausgeglichenen Arbeitsmarktes
ist eine Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit nicht leichthin anzunehmen (Urteil
des Bundesgerichts vom 28. November 2014, 9C_485/2014, E. 3.3.1). Hilfsarbeiten
werden auf dem hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt grundsätzlich
altersunabhängig nachgefragt (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2018,
9C_862/2017, E. 3.3.3 mit Hinweis). Angesichts der strengen Bundesgerichtspraxis
sind die Hürden für die Annahme der Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auch
bei älteren Arbeitnehmenden hoch (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2009,
9C_918/2008, E. 4.3; zur Rechtsprechung des Bundesgerichtes vgl. auch Entscheid
des Versicherungsgerichts vom 7. Dezember 2017, IV 2015/384, E. 3.3.2).
10.6.
Da für die Frage nach der Verwertbarkeit nicht der tatsächliche, sondern der
hypothetisch ausgeglichene Arbeitsmarkt relevant ist, ist das Vorbringen des
Beschwerdeführers, er habe sich vor vielen Jahren, als er noch jünger und sein
Gesundheitszustand besser gewesen sei, unzählige Male vergeblich beworben (vgl.
act. G12, S. 6), unbehelflich.
11.1.
Der Beschwerdeführer ist zu 80% arbeitsfähig, wobei diese Arbeitsfähigkeit in
ganztägiger Anwesenheit mit erhöhtem Pausenbedarf umgesetzt werden kann (IV-
act. 265-79 f.). Damit ist der Beschwerdeführer in quantitativer Hinsicht nur leicht
eingeschränkt. In qualitativer Hinsicht kann er rückenadaptierte leichte
wechselbelastende Tätigkeiten ausführen, wobei Tätigkeit in grosser Kälte und Hitze
sowie bei starken Temperaturschwankungen, bei einem gestörten Tag-/Nacht-
Rhythmus, bei atmosphärischem Unter- und Überdruck sowie bei
überdurchschnittlicher Verletzungsgefahr (bei erhöhter Blutungsgefahr unter Aspirin)
vermieden werden sollten. Tätigkeiten auf unebenem und/oder rutschigem Gelände,
solche auf Gerüsten, Leitern etc., Überkopftätigkeiten und das Achsenskelett
belastende Arbeiten sollten ebenfalls vermieden werden. Seine Einschränkungen
erscheinen zwar zahlreich, sind jedoch nicht derart gravierend, dass geeignete Stellen
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht mehr denkbar wären.
11.2.
Der Beschwerdeführer führt aus, leidensadaptierte Tätigkeiten in der Industrie
würden immer nur in Schicht ausgeführt und Schichtarbeit sei ihm nicht mehr zumutbar
(act. G12, S. 7). Es mag zwar zutreffen, dass in Industriebetrieben oftmals Schicht
gearbeitet wird. Dass dies dem Beschwerdeführer verunmöglicht, eine Anstellung zu
11.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/28
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finden, erscheint indes nicht überwiegend wahrscheinlich. Er selbst gibt an,
üblicherweise würden einzig Frauen, welche Kinder zu betreuen hätten, in solchen
Betrieben zu "normalen" Zeiten arbeiten (act. G12, S. 7). Wenn Arbeitgeber auf die
familiären Verpflichtungen Rücksicht nehmen, ist nicht einzusehen, weshalb sie nicht
im gleichen Umfang – im Sinne eines realistischen sozialen Entgegenkommens –
gesundheitliche Einschränkungen berücksichtigen können.
Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, das Bedienen von Computern und
automatisierten Maschinen sowie deren Überwachung und Kontrolle würden gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung gewisse minimale Kenntnisse und Fähigkeiten
verlangen, über welche Ungelernte, die immer nur einfache Hilfsarbeitertätigkeiten
ausgeübt hätten, ohne entsprechende Ausbildung in der Regel nicht verfügten
(act. G12, S. 7).
11.4.
Im vom Beschwerdeführer zitierten Fall ging es indes um eine versicherte Person,
welche aufgrund massiver Einschränkungen der rechten Hand (bloss noch unbelastete
Zudienhand) und Unzumutbarkeit der Elevation des linken Armes über 45° kaum mehr
eine manuelle Tätigkeit ausüben konnte und geltend machte, es gebe keinen
ausgeglichenen Arbeitsmarkt mehr für nicht manuelle und intellektuell anspruchslose
Hilfsarbeiten (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. November 2018, 9C_304/2018,
E. 4 und E. 5). Anders als die versicherte Person in jener Fallkonstellation ist der
Beschwerdeführer in der Lage, manuelle Tätigkeiten zu verrichten, sofern sie
leidensadaptiert sind. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass der
Beschwerdeführer im Jahr 1997 nach einer dreimonatigen Berufsabklärung eine
halbjährige Umschulung machen konnte, welche ihm die fachlichen
Grundvoraussetzungen für eine industrielle mechanische Tätigkeit vermittelte. In dieser
Umschulung konnte der Beschwerdeführer bei einer täglichen Arbeitszeit von sieben
Stunden eine volle Leistung erbringen und zeigte für praktische Arbeiten eine gute
Aufnahmefähigkeit (IV-act. 62). Der Beschwerdeführer ist demnach in der Lage, Neues
zu lernen und kann auf die Erfahrungen dieser Umschulung zurückgreifen. Ihm stehen
auf dem hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt eine Vielzahl von Stellen offen. Zu
denken ist etwa an einfache wechselbelastende Kontroll-, Überwachungs-, Sortier-,
Verpackungs-, Recycling-, (De-)Montage- sowie Maschinenbedienungsarbeiten. Dafür
benötigt der Beschwerdeführer weder besondere Berufs- oder Sprachkenntnisse noch
Berufserfahrung.
11.5.
Der Beschwerdeführer macht geltend, aufgrund seines fortgeschrittenen Alters
sei seine Arbeitsfähigkeit nicht mehr verwertbar. Massgeblicher Zeitpunkt für die
verbleibende berufliche Aktivitätsdauer ist vorliegend derjenige des Gutachtens vom
11.6.
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12.
2. Februar 2018. Damals war der Beschwerdeführer rund 62 Jahre alt. Er stand damit
noch rund drei Jahre vor der ordentlichen Pensionierung. Damit ist er zwar nicht leicht
vermittelbar, Hilfsarbeiter werden gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung jedoch
altersunabhängig nachgefragt, und die verbleibende Zeit bis zur Pensionierung ist nicht
so kurz, dass eine Verwertung der Restarbeitsfähigkeit angesichts der konkreten
quantitativen und qualitativen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit nicht mehr möglich
gewesen wäre (vgl. zur Rechtsprechung des Bundesgerichts zur Verwertbarkeit der
Arbeitsfähigkeit in fortgeschrittenem Alter auch Entscheid des Versicherungsgerichts
St. Gallen vom 7. Dezember 2017, IV 2015/384, E. 3.3.2 mit Hinweisen).
Nach dem Gesagten ist von einer Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers auszugehen.
11.7.
Zwischen den Parteien ist die Berechnung des Invaliditätsgrades umstritten.12.1.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie gesund geblieben wäre (Valideneinkommen; Art. 28a Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 16 ATSG). Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt
des Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und
Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige
rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu
berücksichtigen sind (BGE 129 V 222 E. 4.1 f. mit Hinweisen).
12.2.
Vorliegend hat sich der Beschwerdeführer am 10. Februar 2015 erneut zum
Bezug von IV-Leistungen angemeldet. Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach
Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG). Anspruch
auf eine Rente haben Versicherte, die während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind. Dieses
Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG war zum Zeitpunkt der erneuten Anmeldung
unstreitig bereits erfüllt. Ein allfälliger Rentenanspruch besteht somit ab 1. August
2015. Somit ist für den Einkommensvergleich auf das Jahr 2015 abzustellen.
12.3.
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13.
Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Nicht zu
beachten ist, was sie bestenfalls hätte verdienen können. In der Regel wird am zuletzt
erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die
bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Berufliche
Weiterentwicklungen, die ein Versicherter normalerweise vollzogen hätte, sind bei der
Festsetzung des Valideneinkommens zu berücksichtigen, sofern ein hypothetischer
beruflicher Aufstieg sehr wahrscheinlich erscheint. Rein theoretische
Aufstiegsmöglichkeiten sind unbeachtlich (Meyer/ Reichmuth, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 28a N 49 und N 63 f.;
BGE 129 V 222 E. 4.3.1 und BGE 131 V 51 E. 5.1.2).
13.1.
Die Beschwerdegegnerin hat in der Beschwerdeantwort das vor dem
Arbeitsunfall im Jahr 1993 erzielte Einkommen von Fr. 57'426.-- als Validenbasis
herangezogen (vgl. IK-Auszug, IV-act. 154-2). Unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung für Männer hat sie für das Jahr 2015 ein Valideneinkommen
von Fr. 73'339.-- berechnet (vgl. Tabelle "T39 Entwicklung der Nominallöhne, der
Konsumentenpreise und der Reallöhne" der vom Bundesamt für Statistik periodisch
herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung [nachfolgend: LSE]).
13.2.
Der Beschwerdeführer selbst will für das Valideneinkommen den vor dem
kardialen Ereignis 2014 bei der L._ erzielten Stundenlohn von Fr. 33.06 heranziehen.
Darin ist ein Ferienzuschlag von Fr. 3.06 sowie eine Feiertagsentschädigung von
Fr. 1.06 und ein Anteil 13. Monatslohn von Fr. 2.54 enthalten (vgl. IV-act. 139-3 und
273-6). Ferien- und Feiertagsentschädigung sind bei der Berechnung des
Jahresgehalts abzuziehen, weil der Beschwerdeführer an Ferien- und Feiertagen nicht
arbeiten kann. Bei einem Stundenlohn von Fr. 26.40 und einer Jahresarbeitszeit
(inklusive Ferien- und Feiertage) von 2'088 Stunden (siehe GAV für das Maler- und
Gipsergewerbe Deutschschweiz und Tessin für die Jahre 2012 bis 2016, S. 4) resultiert
ein Einkommen von Fr. 55'123.20 für das Jahr 2014. Dieses ist um den 13. Monatslohn
auf Fr. 59'716.80 zu erhöhen (Fr. 55'1232.20 / 12 x 13) und der
Nominallohnentwicklung anzupassen (Fr. 59'716.80 + 0.4% gemäss Tabelle T39),
sodass für das Jahr 2015 ein Einkommen von Fr. 59'955.65 resultiert. Das auf diese
Weise errechnete Jahreseinkommen übersteigt den GAV-Jahreslohn von Fr. 59'722.--
leicht. Der Beschwerdeführer argumentiert zwar, es sei um 25% aufzustocken, da er
13.3.
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14.
15.
nur zu 75% leistungsfähig gewesen sei. Dies ergäbe einen Jahreslohn von
Fr. 79'941.--. Dass die Arbeitgeberin ihm im Gesundheitsfall ein solches Gehalt bezahlt
hätte, ohne dass der Beschwerdeführer nebst Berufserfahrung weitere Fähigkeiten, wie
etwa eine abgeschlossene Berufslehre erworben hätte, erscheint indes nicht
überwiegend wahrscheinlich. Auszugehen ist daher mit der Beschwerdegegnerin von
einem Valideneinkommen von Fr. 73'339.--, welches ebenfalls bereits deutlich über
dem minimalen GAV-Jahreslohn für (ungelernte) Berufsarbeiter liegt.
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist
kein effektives Erwerbseinkommen gegeben, namentlich, weil die versicherte Person
nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich
zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung statistische Werte, insbesondere die LSE beigezogen werden (BGE
139 V 592 E. 2.3).
14.1.
Vorliegend ist der Beschwerdeführer zwar bei der I._ wieder erwerbstätig. Er
hat aber lediglich ein 40%-Pensum inne und macht geltend, dabei lediglich zu 75%
leistungsfähig zu sein. Wenn auf das BEGAZ-Gutachten abgestellt werde, sei sein Lohn
von 30% (40% Pensum x 75% Leistung) auf 80% hochzurechnen, womit ein
Jahreseinkommen von Fr. 50'660.80 resultieren würde (act. G12, S. 9; für einen
Einkommensvergleich wäre indes noch die Nominallohnentwicklung zu berücksichtigen
und der so errechnete Lohn entsprechend aus dem Jahr 2018 auf das Jahr 2015
herunterzurechnen). Die Tätigkeit bei der I._ ist jedoch, wie der Beschwerdeführer
selbst angibt, nicht ideal adaptiert. Hinzu kommt, dass er bei dieser die
Resterwerbsfähigkeit nicht voll ausnützt. Sein bei der I._ erzieltes Einkommen kann
deshalb nicht als Invalideneinkommen herangezogen werden. Stattdessen ist für das
Invalideneinkommen auf die LSE abzustellen. Der Jahreslohn beträgt gemäss der
Tabelle TA1 der LSE für das Total sämtlicher Wirtschaftszweige, Kompetenzniveau 1,
Männer, Fr. 66'633.-- bei einem 100%-Pensum (siehe Anhang 2 der vom Bundesamt
für Sozialversicherungen herausgegebenen IV-Textausgabe, Ausgabe 2019, S. 228,
basierend auf der LSE). Für ein 80%-Pensum beträgt der Jahreslohn folglich
Fr. 53'306.-- (Fr. 66'633.-- x 0.8).
14.2.
Zu klären ist noch die Frage eines Tabellenlohnabzugs bei der Bestimmung des
Invalideneinkommens. Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass
15.1.
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gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten
behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren
arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. In BGE 126 V 75 ff. hat das
Bundesgericht festgestellt, dass es von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen des konkreten Einzelfalls (leidensbedingte Einschränkung, Alter,
Dienstjahre, Nationalität, Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) abhängt, ob
und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind. Bereits in der Beurteilung
der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen dürfen
nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu
einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen. Der Einfluss sämtlicher
Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen, d.h. dass nicht für jedes Merkmal der entsprechende Abzug
zu quantifizieren und die einzelnen Abzüge zusammenzuzählen sind. Der Abzug ist auf
höchstens 25% begrenzt (Urteil des Bundesgerichts vom 20. April 2018, 9C_833/2017,
E. 2.2; BGE 134 V 327 E. 5.2).
Der Beschwerdeführer übte vor seinem Arbeitsunfall vom Mai 1994 als Gipser
auch körperlich schwere Tätigkeiten aus. Dies ist ihm nun nicht mehr möglich. Er kann
vielmehr lediglich noch leichte Tätigkeiten ausüben. Aus diesem Grund rechtfertigt sich
ein Tabellenlohnabzug. Im Weiteren ist die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
zwar quantitativ insofern eingeschränkt, als er nur noch 80% Leistung erbringen kann.
Er kann seine Arbeitsfähigkeit indes in einer ganztägigen Anwesenheit mit erhöhtem
Pausenbedarf umsetzen (vgl. IV-act. 265-79 f.). Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung rechtfertigt der Umstand, dass die grundsätzlich vollzeitlich
arbeitsfähige versicherte Person krankheitsbedingt lediglich reduziert leistungsfähig ist,
keinen Abzug, der über die Berücksichtigung der eingeschränkten Leistungsfähigkeit
und damit des Rendements hinausgeht (siehe beispielhaft Urteile des Bundesgerichts
vom 20. September 2019, 8C_395/2019, E. 6.5.2, und vom 4. März 2009,
9C_980/2008, E. 3.1.2, je mit Hinweisen). Indes bestehen beim Beschwerdeführer
qualitative Einschränkungen, die sich auf das Belastungsprofil auswirken. Tätigkeiten in
grosser Kälte und Hitze sowie bei starken Temperaturschwankungen, bei einem
gestörten Tag-/Nacht-Rhythmus, bei atmosphärischem Unter- und Überdruck sowie
bei überdurchschnittlicher Verletzungsgefahr (bei erhöhter Blutungsgefahr unter
Aspirin) sollten ebenso vermieden werden wie Tätigkeiten auf unebenem und/oder
rutschigem Gelände, solche auf Gerüsten, Leitern etc., Überkopftätigkeiten und das
Achsenskelett belastende Arbeiten. Das bedeutet beispielsweise, dass der
Beschwerdeführer keine den Tag-/Nacht-Rhythmus störenden Schichten arbeiten
15.2.
https://swisslex.westlaw.com/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx126xVx75_82&AnchorTarget=BGEx126xVx75
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