Decision ID: 6c50e949-ef34-4352-8cb7-ff8045afc12c
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ A. B., geboren am 21. Januar 1972, kubanische Staatsangehörige, heiratete am
15. Februar 2007 in der Heimat den in der Schweiz niedergelassenen italienischen
Staatsangehörigen J. K., geboren am 22. Januar 1966. Am 18. Mai 2007 reichte sie für
sich und ihre beiden Töchter aus einer früheren Beziehung, F. E. und D. E., geboren am
31. Mai 1993 bzw. 22. November 2000, auf der Schweizer Botschaft in Havanna ein
Einreisegesuch zum Verbleib beim Ehemann bzw. Stiefvater ein. Am 3. Juli 2007 stellte
J. K. ein Familiennachzugsgesuch. Nach verschiedenen Abklärungen stellte das
Ausländeramt (heute Migrationsamt) am 22. November 2007 die Ermächtigung zur
Visumserteilung aus. Am 13. Februar 2008 reisten A. B. und ihre beiden Töchter in die
Schweiz ein und erhielten im Rahmen des Familiennachzugs eine
Aufenthaltsbewilligung EG/EFTA, gültig bis 12. Februar 2013.
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Am 3. November 2010 teilte das Einwohneramt L. dem Ausländeramt mit, A. B. lebe
seit dem 1. November 2010 getrennt von ihrem Ehemann. In der Folge ersuchte das
Ausländeramt die Ehepartner um Stellungnahme. A. B. teilte am 18. Februar 2011 u.a.
mit, sie lebe seit dem 1. November 2010 mit den Töchtern in einer eigenen Wohnung
und sie beabsichtige nicht, das Eheleben mit J. K. wieder aufzunehmen. J. K. liess sich
am 19. Februar 2011 vernehmen und hielt u.a. fest, das eheliche Zusammenleben sei
bereits vor rund einem Jahr beendet worden und er wolle sich scheiden lassen. Am 4.
März 2011 reichte A. B. dem Ausländeramt verschiedene Unterlagen ein, darunter
einen Eheschutzentscheid vom 29. Oktober 2010, wonach vom Getrenntleben der
Eheleute ab 1. November 2010 Vormerk genommen und die Vereinbarung, die sie
abgeschlossen haben, genehmigt wird.
Am 16. März 2011 gewährte das Migrationsamt A. B. das rechtliche Gehör im Hinblick

darauf, dass in Erwägung gezogen werde, ihre Aufenthaltsbewilligung EG/EFTA zu
widerrufen. Nachdem innert der gesetzten Frist keine Stellungnahme eingegangen war,
widerrief das Migrationsamt die Aufenthaltsbewilligungen EG/EFTA von A. B. sowie von
F. E. und D. E. am 13. April 2011 und setzte ihnen Frist bis 10. Juli 2011, um die
Schweiz zu verlassen.
B./ Am 27. April 2011 erhob A. B. für sich und ihre Töchter gegen die Verfügung des
Migrationsamtes vom 13. April 2011 Rekurs beim Sicherheits- und Justizdepartement
und beantragte sinngemäss, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben. Dem
Gesuch, es sei ihr für das Rekursverfahren die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung zu gewähren, entsprach das Sicherheits- und
Justizdepartement am 19. Mai 2011. Am 22. Juni 2011 teilte Rechtsanwalt lic. iur. M.
N., O., mit, dass er A. B. ab sofort in rechtlichen Belangen vertrete. Am 27. Juni 2011
wurde er als unentgeltlicher Rechtsbeistand bestimmt. Am 31. Januar 2012 wies das
Sicherheits- und Justizdepartement den Rekurs von A. B. und ihren Töchtern ab und
lud das Migrationsamt ein, eine neue Ausreisefrist zu setzen.
C./ Am 14. Februar 2012 erhoben A. B. für sich und ihre Tochter D. E. sowie F. E., alle
vertreten durch H. I., gegen den Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements
vom 31. Januar 2012 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie beantragten, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und das Migrationsamt sei anzuweisen, ihnen
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die Aufenthaltsbewilligung zu erteilen bzw. zu verlängern. Sodann sei den
Beschwerdeführerinnen die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu
gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten.
Am 22. März 2012 wies der Präsident des Verwaltungsgerichts das Gesuch um
unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung ab und setzte den
Beschwerdeführerinnen Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses von Fr. 2'500.--.
Am 19. April 2012 stellte das Sicherheits- und Justizdepartement den Antrag, die
Beschwerde sei abzuweisen. Auf eine Stellungnahme wurde verzichtet.
Am 23. April und am 16. Mai 2012 reichten die Beschwerdeführerinnen neue
Beweismittel ein. Am 16. Mai 2012 gab das Migrationsamt eine Mutationsmeldung für
Ausländer des Einwohneramtes L. zu den Akten und teilte mit, F. E. sei während des
hängigen Rechtsmittelverfahrens zu ihrem Stiefvater J. K. gezogen. Am 29. Juni 2012
bestätigte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerinnen, F. E. habe ein sehr enges
Verhältnis zu ihrem Stiefvater, weshalb sie nun offiziell bei ihm eingezogen sei. Sodann
reichte sie weitere Beweismittel ein, die belegen sollen, dass F. E. und ihre Schwester
D. E. hier sehr gut integriert seien.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
Im Beschwerdeverfahren müssen aufgrund der verfassungs- und
konventionsrechtlichen Rechtsweggarantien und entgegen dem Novenverbot in Art. 61
Abs. 3 VRP echte Noven zugelassen werden, soweit - wie vorliegend - ein
Dauerrechtsverhältnis betroffen ist und die Angelegenheit bisher nicht von einer
richterlichen Instanz überprüft wurde (VerwGE B 2012/20 vom 3. Juli 2012 E. 1 mit
Hinweis, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). Die Beweismittel, die während des
Beschwerdeverfahrens zu den Akten gegeben worden sind, sind somit rechtsgültig in
das Verfahren eingebracht worden.
Auf die Beschwerde ist im Sinn der Erwägungeneinzutreten.
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2. Die Beschwerdeführerin A. B. macht geltend, sie und ihre Töchter hätten gestützt auf
das Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der
Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten über die Freizügigkeit
(SR 0.142.112.681, abgekürzt FZA) Anspruch darauf, dass die
Aufenthaltsbewilligungen nicht widerrufen und nach Ablauf der Gültigkeitsdauer
verlängert werden. Zur Begründung wird ausgeführt, die Vorinstanz setze sich bewusst
über die Rechtsprechung des EuGH hinweg. Danach werde das Aufenthaltsrecht des
nachgezogenen Ehepartners nicht tangiert, solange die Ehegatten bloss voneinander
getrennt lebten und nicht geschieden seien (Urteil des EuGH i.S. Diatta, C-267/83).
Sodann habe die Ehe der Rekurrentin (richtig: Beschwerdeführerin) bis zur Trennung
am 1. November 2010 mehr als drei Jahre gedauert.
2.1. Art. 3 Abs. 1 und 2 Anhang I FZA bestimmen, dass die Familienangehörigen einer
Person, die Staatsangehörige einer Vertragspartei des Abkommens ist und ein
Aufenthaltsrecht hat, das Recht haben, bei ihr Wohnung zu nehmen. Als
Familienangehörige gelten ungeachtet der Staatsangehörigkeit der Ehegatte und u.a.
die Verwandten in absteigender Linie, die noch nicht 21 Jahre alt sind oder denen
Unterhalt gewährt wird (lit. a). Das Nachzugsrecht erstreckt sich auch auf die
Stiefkinder mit Drittstaatsangehörigkeit (BGE 136 II 65 ff.). A. B. wurde eine bis 12.
Februar 2013 gültige Aufenthaltsbewilligung "zum Verbleib beim Ehemann" erteilt, ihren
Töchtern eine solche "zum Verbleib bei der Mutter".
2.2. Die Vorinstanz verkennt nicht, dass der EuGH in der Rechtssache Diatta
entschieden hat, dass das Aufenthaltsrecht des nachgezogenen Ehegatten -
unabhängig von seiner Staatsangehörigkeit - auch bei einer dauerhaften Trennung der
Ehegatten nicht erlischt, solange die Ehe rechtlich nicht aufgelöst ist. Das
Bundesgericht hat aber wiederholt bestätigt, dass es rechtsmissbräuchlich ist, wenn
sich ein Ehegatte nach der Trennung weiterhin auf eine inhaltlos gewordene Ehe beruft,
die nur noch dazu dienen soll, gestützt auf Art. 3 Abs. 1 Anhang I FZA einen
Aufenthaltstitel zu erhalten bzw. diesen zu behalten (BGer 2A.569/2004 E. 2 mit
Hinweis auf BGE 130 II 113 ff., BGer 2C_207/2010 vom 22. September 2010 mit
Hinweis auf BGer 2C_693/2010 vom 13. September 2010 E. 6; vgl. auch M. Spescha,
in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli, Kommentar zum Migrationsrecht, 3. Aufl., Zürich 2012, N
7 zu Art. 3 FZA). Wie nach innerstaatlichem Recht muss somit im Einzelfall abgeklärt
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werden, ob genügend konkrete Anhaltspunkte für die Annahme vorliegen, dass die
Ehegatten kein wirkliches Eheleben mehr führen wollen und dass die Ehe nur aus
ausländerrechtlichen Gründen aufrechterhalten wird. Die wahren Absichten der
Ehegatten können im Allgemeinen nicht durch direkte Beweise ermittelt werden,
sondern nur aufgrund von Indizien (BGE 130 II 135 E. 10.2 mit Hinweis auf BGE 127 II
56 E. 5). Nach der Rechtsprechung dürfen die Erklärungen des Ehegatten, welcher ein
Aufenthaltsrecht in der Schweiz unabhängig von der Ehesituation hat, sodann nicht
entscheidend sein, wenn es um die Frage des Rechtsmissbrauchs geht (BGE 130 II
135 E. 10.3).
2.3. Aktenkundig ist, dass die Beschwerdeführerin A. B. und J. K. spätestens seit dem
1. November 2010, somit seit fast zwei Jahren, getrennt leben (act. 62-66 der
Beschwerdeführerin, Eheschutzentscheid vom 29. Oktober 2010). Sodann hat A. B.
dem Migrationsamt am 18. Februar 2011 auf Anfrage mitgeteilt, unüberwindbare
Konflikte, Auseinanderleben und Disharmonie seien der Grund dafür und sie
beabsichtige nicht, die Ehe mit J. K. wieder aufzunehmen (act. 53 A. B.). J. K. liess sich
am 19. Februar 2011 vernehmen und hielt u.a. fest, das eheliche Zusammenleben sei
bereits vor rund einem Jahr beendet worden. Vorher hätten er und seine Ehefrau
ständig gestritten, wobei es meistens um Geld gegangen sei. Er habe die Scheidung
noch nicht eingereicht, weil seine Ehefrau noch nicht zustimmen wolle. Er werde "das
aber sicher durchziehen" (act. 54 A. B.). Mit Eheschutzentscheid vom 29. April 2011
wurden die Unterhaltszahlungen von J. K. reduziert, und es wurde die Gütertrennung
per 1. April 2011 angeordnet. Ein Ehewille war für die Vorinstanz somit weder von
Seiten der Beschwerdeführerin noch von Seiten von J. K. ersichtlich. Daran ändert
nichts, dass die Beschwerdeführerin am 27. April 2011 gegenüber der Vorinstanz
geltend machte, sie und ihr Ehemann seien nach wie vor in Kontakt und dieser habe
sich in letzter Zeit gar verbessert, weshalb die Ehe vielleicht nochmals eine Chance
habe, bzw. dass sie am 15. Juli 2011 ausführen liess, weil die Beziehung lange
angedauert habe, sei es möglich, dass nach einer vorübergehenden Trennungsphase
wieder eine Versöhnung stattfinde. Damit hat die Beschwerdeführerin nicht dargetan,
dass die Eheleute ernsthaft in Erwägung gezogen haben, das Eheleben wieder
aufzunehmen, abgesehen davon, dass dafür auch heute keine Anhaltspunkte
bestehen. Somit durfte die Vorinstanz davon ausgehen, A. B. berufe sich in
rechtsmissbräuchlicher Weise auf ihre Ehe mit J. K.
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3. Die Beschwerdeführerinnen machen geltend,die Vorinstanz habe zu Unrecht nicht
geprüft, ob sich bezüglich D. E. gestützt auf Art. 3 der UN-Kinderrechtekonvention (SR
0.107, abgekürzt KRK) ein Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz ableiten lasse. Nach
Art. 3 Abs. 1 KRK sei bei allen Massnahmen, die Kinder betreffen, das Wohl des Kindes
"vorrangig" zu berücksichtigen.
Nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung ergibt sich aus der KRK, deren
Bestimmungen zum Teil eher programmatischer Natur sind, aber regelmässig kein
unmittelbarer Anspruch auf Erteilung einer ausländerrechtlichen Bewilligung (BGE 135 I
157 E. 2.2.2 mit Hinweis auf BGE 126 II 377 ff.). Die entsprechenden Vorgaben sind
aber bei der Interessenabwägung nach Art. 8 Ziff. 2 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt EMRK) zu berücksichtigen. Die
Beschwerdeführerinnen berufen sich mit Recht nicht auf Art. 8 EMRK, zumal es am
Schutzobjekt der Familie fehlt.
4. Die Beschwerdeführerin A. B. und ihre Töchter halten weiter dafür, sie hätten
gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. a bzw. lit. b des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen
und Ausländer (SR 142.20, abgekürzt AuG) Anspruch darauf, dass ihnen das
Aufenthaltsrecht in der Schweiz erhalten bleibe.
Die Rechtslage nach den Bestimmungen des AuG und der Verordnung über Zulassung,
Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, abgekürzt VZAE) ist für die
Beschwerdeführerin A. B. und ihre Töchter, deren Aufenthaltsrecht von der Mutter
abgeleitet ist, nicht günstiger als diejenige nach dem FZA (Art. 2 Abs. 2 AuG). Die
Aufenthaltsbewilligung wird gemäss Art. 33 Abs. 2 AuG für einen bestimmten
Aufenthaltszweck erteilt und kann nach Art. 62 lit. d AuG widerrufen werden, wenn die
Ausländerin eine mit der Verfügung verbundene Bedingung nicht einhält bzw. wenn der
Zulassungsgrund wegfällt. Weil der Beschwerdeführerin A. B. die
Aufenthaltsbewilligung aufgrund ihrer Heirat mit J. K. "zum Verbleib beim Ehemann"
und den Töchtern die Aufenthaltsbewilligungen "zum Verbleib bei der Mutter" erteilt
worden sind und die eheliche Gemeinschaft nicht mehr besteht, liegt ein
Widerrufsgrund nach Art. 62 lit. d AuG vor (vgl. auch Spescha, in: Spescha/Thür/Zünd/
Bolzli, a.a.O., N 9 zu Art. 63 AuG).
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4.1. Nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG besteht nach Auflösung der Ehe oder der
Familiengemeinschaft der Anspruch des Ehegatten und der Kinder auf Erteilung und
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Artikel 42 und 43 weiter, wenn die
Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche
Integration besteht. Die Beschwerdeführerinnen stellen sich auf den Standpunkt, im
Gegensatz zur Auffassung der Vorinstanz sei die Voraussetzung der drei Jahre
dauernden Ehegemeinschaft erfüllt, weshalb auch hätte geprüft werden müssen, ob
sich A. B. hier erfolgreich integriert habe. Sie begründen dies damit, A. B. habe am 18.
Mai 2007 einen Antrag auf Visumerteilung gestellt und das Gesuch um
Familiennachzug von J. K. sei am 9. Juli 2007 beim Ausländeramt eingegangen. Ab
diesem Zeitpunkt hätten sie und ihr Ehemann gegen ihren Willen in der Schweiz nicht
zusammenleben können, was ihnen nach Treu und Glauben nicht zum Nachteil
gereichen dürfe. Es sei deshalb stossend, für die Berechnung der Dreijahresfrist auf die
offizielle Einreise abzustellen.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG ist für die
Beantwortung der Frage, ob eine Ehegemeinschaft im Zeitpunkt der Auflösung drei
Jahre bestanden hat, einzig das Zusammenleben im Inland massgebend (BGE 136 II
117 E. 3.3). Diese zeitliche Grenze gilt absolut. Selbst wenn sie nur um wenige Wochen
oder Tage verpasst wird, besteht kein Anspruch auf Verlängerung der Bewilligung mehr
(BGE 137 II 347 E. 3.1.3 mit zahlreichen Hinweisen). Sodann ist eine etwaige
voreheliche Beziehung auf die Mindestdauer von drei Jahren nicht anzurechnen (BGE
137 II 3 E. 3.1 mit Hinweis).
Unbestritten ist, dass die Ehegemeinschaft von A. B. und J. K. in der Schweiz nicht drei
Jahre gedauert hat. Somit fehlt es am zeitlichen Erfordernis von Art. 50 Abs. 1 lit. a
AuG und die Vorinstanz war nicht gehalten, abzuklären, ob sich die
Beschwerdeführerin mit ihren Töchtern hier erfolgreich integriert habe. Weiter kann
dem Migrationsamt nicht vorgeworfen werden, das Verfahren im Zusammenhang mit
der Übersiedlung der Beschwerdeführerinnen in die Schweiz sei schleppend geführt
worden. J. K. reichte das Familiennachzugsgesuch am 3. Juli 2007 ein (act. 43 A. B.),
und es ist nicht zu beanstanden, dass das Migrationsamt weitere Abklärungen getätigt
hat, zumal die Ehe im Ausland geschlossen worden war, zwei Stiefkinder nachgezogen
werden sollten und die finanziellen Verhältnisse des Ehemanns zufolge seiner
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selbständigen Erwerbstätigkeit nicht ohne weiteres transparent waren. Nachdem eine
Eingabe vom 1. Oktober 2007 die erforderliche Klärung gebracht hatte, wurde die
Ermächtigung zur Visumerteilung am 22. November 2007 ausgestellt. A. B. und ihre
Töchter sind aber erst Mitte Februar 2008 zu J. K. in die Schweiz eingereist, was
ohnehin nicht auf das Verhalten der Migrationsamtes zurückzuführen ist.
Es ergibt sich somit, dass die Beschwerdeführerin und ihre Töchter aus, Art. 50 Abs. 1
lit. a AuG keinen Anspruch auf ein Aufenthaltsrecht in der Schweiz ableiten können.
4.2. Nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG besteht nach Auflösung der Ehe oder der
Familiengemeinschaft der Anspruch des Ehegatten und der Kinder auf Erteilung und
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Artikel 42 und 43 weiter, wenn wichtige
persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen.
Wichtige persönliche Gründe können nach Abs. 2 dieser Vorschrift namentlich
vorliegen, wenn der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde und die soziale
Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint (vgl. auch Art. 77 Abs.
2 VZAE). Die Aufzählung in Art. 50 Abs. 2 AuG ist nicht abschliessend. Der
Gesetzgeber hat mit dem Erfordernis der wichtigen persönlichen Gründe bewusst eine
offene Formulierung gewählt, die den rechtsanwendenden Behörden einen
Beurteilungsspielraum einräumt (M. Caroni, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.],
Handkommentar zum Ausländergesetz, Bern 2010, N 23 zu Art. 50 AuG). Nach der
Praxis des Bundesgerichts fallen neben den in Art. 50 Abs. 2 AuG genannten Gründen
der Tod des in der Schweiz lebenden Ehegatten, die Anwesenheit gemeinsamer
Kinder, zu denen eine enge Beziehung besteht und die in der Schweiz gut integriert
sind, als wichtige Gründe in Betracht (BGE 137 II 349 E. 3.2.2).
Da es im Rahmen von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG um nacheheliche Härtefälle geht, d.h. an
die ursprünglich aus der Ehe abgeleitete Bewilligung angeknüpft wird, sind auch die
Umstände, die zur Auflösung der Ehe geführt haben, von Bedeutung. Hat der
Aufenthalt nur kurz gedauert und wurden keine engen Beziehungen zur Schweiz
geknüpft, lässt sich ein Anspruch auf weiteren Verbleib nicht begründen, wenn die
erneute Integration im Herkunftsland keine besonderen Probleme stellt. Entscheidend
ist, ob die persönliche, berufliche und familiäre Wiedereingliederung als stark gefährdet
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zu gelten hat, und nicht, ob ein Leben in der Schweiz einfacher wäre (BGE 137 II 350
E. 3.2.3 mit Hinweisen).
4.2.1. Die Beschwerdeführerin A. B. kam im Alter von 36 Jahren in die Schweiz, wo sie
sich seit gut vier Jahren aufhält. Sie ist weder in strafrechtlicher noch in finanzieller
Hinsicht negativ in Erscheinung getreten und arbeitet im Restaurant P., L., in der
Abwaschküche/Waschküche als Teilzeitmitarbeiterin im Stundenlohn. Im Januar 2012
war sie 74 Stunden tätig und hat netto Fr. 1'816.65 verdient, im Februar 2012 hat sie
66 Stunden gearbeitet und einen Lohn von netto Fr. 1'737.35 erzielt. Die Behauptung,
A. B. sei in der Lage, ihren Lebensunterhalt selber zu finanzieren, trifft somit höchstens
dann zu, wenn mitberücksichtigt wird, dass J. K. am 29. April 2011 verpflichtet worden
ist, ihr ab 1. Juni 2011 einen Unterhaltsbeitrag von Fr. 1'000.-- je Monat zu bezahlen.
Entscheidend ist aber, dass die Tatsache allein, dass die Beschwerdeführerin hier zu
keinen Klagen Anlass gibt und einer Erwerbstätigkeit nachgeht, keinen wichtigen Grund
im Sinn von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG darstellt, zumal davon auszugehen ist, dass sie mit
den Lebensumständen in Kuba vertraut und in der Lage ist, im Herkunftsland wieder
Fuss zu fassen. Schliesslich wird nicht geltend gemacht, gesundheitliche Gründe
würden ihren Verbleib in der Schweiz erforderlich machen.
4.2.2. Die Beschwerdeführerinnen machen weiter geltend, die persönliche Situation
von F. E. und D. E. mache ihren Aufenthalt in der Schweiz im Sinn von wichtigen
Gründen nach Art. 50 Abs. l lit. b AuG erforderlich.
4.2.2.1. F. E., deren Aufenthaltsrecht in der Schweiz von der Mutter abgeleitet ist, war
bei der Einreise in die Schweiz knapp 15 Jahre alt. Sie ist am 31. Mai 2011 18 Jahre alt
und damit volljährig geworden. Auch bezüglich F. E., wie übrigens ebenfalls bezüglich
ihrer jüngeren Schwester D. E., gilt, dassüber sie nichts Nachteiliges bekannt ist. Wie
ausgeführt, kann aufgrund dieser Tatsache allein aber nicht geschlossen werden, die
Anwesenheit der jungen Frau und ihrer Schwester in der Schweiz sei weiterhin
erforderlich, weil eine Rückkehr ins Herkunftsland für sie mit unzumutbaren
persönlichen Nachteilen verbunden wäre. Auch der Umstand, dass das Leben in der
Schweiz insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht einfacher sein dürfte als in Kuba,
stellt keinen wichtigen persönlichen Grund für einen Verbleib in der Schweiz dar.
Gewisse persönliche und wirtschaftliche Nachteile, die mit einer Rückkehr ins
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Herkunftsland verbunden sind, müssen auch von jungen Erwachsenen und
Jugendlichen in Kauf genommen werden und sind zumutbar. Schliesslich ist der
Umstand, dass F. E. und ihre Schwester Kuba vor gutvier Jahren verlassen mussten,
weil ihre Mutter den Lebensmittelpunkt zufolge Heirat von Kuba in die Schweiz
verlegen wollte, grundsätzlich auch nicht geeignet, eine unzumutbare persönliche Härte
im Sinn von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG zu begründen.
Bezüglich F. E. fällt aber auf, dass es ihr gelungen ist, sich hier innert kurzer Zeit
ausserordentlich gut zurechtzufinden und auch sprachlich zu integrieren, obschon sie
bereits rund 15 Jahre alt war, als sie ihr persönliches und kulturelles Umfeld im
Herkunftsland verlassen hat und in die Schweiz übergesiedelt ist. Aus den Akten ergibt
sich, dass sie über ein tragfähiges persönliches Umfeld verfügt. Von besonderer
Bedeutung ist aber, dass es die junge Fraugeschafft hat, den Weg ins Berufsleben
zufinden. In der Zeit vom 1. September 2011 bis 31. Juli 2012 machte sie in der
Pizzeria Q., L., ein Praktikum. Gemäss Lehrvertrag vom 2. April 2012, der im Rahmen
des Beschwerdeverfahrens eingereicht worden ist, absolviert F. E. seit August 2012 im
Gasthaus S., R., eine Lehre als Restaurationsangestellte. Mit Bericht vom 19. Juni 2012
wird ihr vom Berufs- und Weiterbildungszentrum U. bescheinigt, dass sie sich sowohl
in Deutsch als auch in Mundart verständige, dass sie sich im Unterricht des
Brückenangebots "Vorlehre" vorbildlich verhalte und dass sie, was die Noten betreffe,
im obersten Drittel der Klasse rangiere. Folglich müsste F. E. im Fall einer Rückkehr in
die Heimat ihre erst vor kurzem begonnene Ausbildung abbrechen. In Betracht fällt in
diesem Zusammenhang weiter, dass sie auch eine enge Beziehung zu ihrem Stiefvater
J. K. aufgebaut hat, bei dem sie seit April 2012 offiziell auch (wieder) wohnt. J. K. hat in
mehreren Schreiben glaubhaft zum Ausdruck gebracht, er pflege mit F. E., die zur Zeit
mit ihrer Mutter nicht "auskomme", engen Kontakt und er habe die "Rolle als Vater" ihr
gegenüber wie auch gegenüber D. E. seit vielen Jahren inne.
Zusammenfassend ergibt sich somit, dass F. E. im Fall des Widerrufs der
Aufenthaltsbewilligung nicht nur aus dem persönlichen Umfeld herausgerissen würde,
das sie sich hier aufgebaut hat, nachdem sie die ihr gewohnte Umgebung in Kuba vor
gut vier Jahren verlassen musste. Sie könnte auch ihre erst vor kurzem begonnene
Ausbildung nicht zu Ende führen und würde zudem von der Bezugsperson getrennt,
die ihr neben der Mutter am nächsten steht und von der anzunehmen ist, sie habe zur
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guten Integration der jungen Frau in der Schweiz wesentlich beigetragen. Somit liegen
im Fall von F. E. wichtige persönliche Gründe im Sinn von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG vor,
die ihren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen. An dieser Beurteilung ändert
nichts, dass die junge Frau mit den in Kuba herrschenden Verhältnissen vertraut und
offensichtlich in der Lage ist, sich veränderten Lebensbedingungen rasch anzupassen.
4.2.2.2. D. E., deren Aufenthaltsrecht ebenfalls von der Mutter abgeleitet ist, war gut
sieben Jahre alt, als sie in die Schweiz einreiste, heute ist sie fast zwölfjährig. Gemäss
ärztlichen Berichten vom 16. April 2011 und vom 22. Februar 2012 ist sie hier gut
integriert, spricht fliessend Mundart und Hochdeutsch und ist in der Schule fleissig.
Schulzeugnisse liegen nicht vor. Sodann ist D. E. wegen einer ADHS
(Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung) mit begleitenden
Entwicklungsverzögerungen von Motorik, Raumerfassung, auditiver Wahrnehmung und
Merkfähigkeit in ergotherapeutischer Behandlung, wo sie grosse Fortschritte gemacht
hat. Zwecks Begründung eines Härtefalls wird ausgeführt, D. E. befinde sich aufgrund
ihrer Krankheit und ihres Alters in einer heiklen Situation. Wenn sie nach Kuba
zurückgeschickt werde, sei die positive Entwicklung der letzten Jahre gefährdet. Eine
nochmalige Entwurzelung und der Verlust von wichtigen Bezugspersonen wie den
Lehrern und der behandelnden Ärztin liege nicht im Interesse des Kindeswohls und
stelle einen wichtigen persönlichen Grund zum Verbleib in der Schweiz dar.
Die Vorinstanz hat bei der Schweizer Botschaft in Havanna abgeklärt, wie Kinder mit
einer ADHS in Kuba medizinisch, schulisch und sozial betreut werden. Am 9. Juni 2011
hat der Schweizer Botschafter in Havanna mitgeteilt, Kuba habe im Vergleich zu
anderen Ländern mit vergleichbarem wirtschaftlichem Entwicklungsstand ein weit
überdurchschnittlich gut ausgebautes Gesundheits- und Erziehungswesen. In Bezug
auf Indikatoren, die beispielswiese von der UNO erhoben und verglichen würden,
nehme Kuba beachtliche Ränge ein, die mit denen entwickelter Industriestaaten
vergleichbar seien. Insbesondere auf Kindergesundheit werde grosser Wert gelegt. Das
Niveau der medizinischen Behandlung sowie der schulischen und sozialen
Eingliederung von Kindern mit gesundheitlichen Problemen dürfte nach Einschätzung
des Schweizer Botschafters in Kuba höher sein als in praktisch jedem anderen
nichtentwickelten Staat bzw. könnte höher sein als in diversen Industriestaaten.
Erwähnt wird, dass in Havanna unter der Schirmherrschaft der UNICEF eine
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Internationale Konferenz für Jugendpsychiatrie stattgefunden habe, an der seines
Wissens auch südamerikanische Spezialisten zum Thema ADHS teilgenommen hätten.
Somit bestehen unter dem Gesichtspunkt, dass D. E. hier wegeneiner ADHS behandelt
wird, für sich alleinkeine Bedenken, die einen Härtefall nach Art. 50 Abs. l lit. b AuG zu
begründen vermöchten. In Betracht fällt aber weiter, dass auch D. E. hier persönlich
und schulisch gut integriert ist und dass auch sie eine intensive Vater-Tochter-
Beziehung zu J. K. hat. Wie J. K. glaubhaft ausführt, sieht ihn D. E., die er kennt, seit
sie ein Jahr alt ist, als ihren Vater an. Sie vertraut ihm, und sie treffen sich mehrmals je
Woche und verbringen zudem die Freizeit zusammen. Unter den gegebenen
Umständen würde eine nochmalige Entwurzelung des Kindes, das aufgrund seines
Alters noch einige Jahre der Betreuung durch die Mutter bedarf, eine besondere Härte
darstellen. Insgesamt ist somitdavon auszugehen, die in den letzten Jahren in der
Schweizerfolgte positive Entwicklung von D. E. wäre bei einer Rückkehr ins
Herkunftsland in hohem Massgefährdet, weshalb auch bezüglich der jüngeren Tochter
der Beschwerdeführerin A. B. von einemHärtefall im Sinn vonArt. 50 Abs. 1 lit. b AuG
auszugehen ist.
5. Zusammenfassend ergibt sich, dass bezüglich der Beschwerdeführerinnen F. E. und
D. E. wichtige persönliche Gründe für einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz im Sinn
von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG vorliegen. Sodann erweist sich der Widerruf der
Aufenthaltsbewilligungen der Töchter wie auch der Mutter als unverhältnismässig,
zumal die zuständigen Behörden nach Art. 96 Abs. 1 AuG bei der Ermessensausübung
nicht nur die öffentlichen Interessen, sondern auch die persönlichen Verhältnisse sowie
den Grad der Integration der Ausländerinnen und Ausländer zu berücksichtigen haben.
Letztere überwiegen im konkreten Fall gegenüber dem öffentlichen Interesse, wonach
Ausländerinnen und Ausländer, bei denen die familiären Voraussetzungen, die für die
Erteilung des Aufenthaltsrechts massgebend waren, nach kurzer Zeit wegfallen, die
Schweiz wieder verlassen. Demzufolge ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit darauf
eingetreten werden kann. Der angefochtene Entscheid vom 31. Januar2012 und die
Verfügung des Migrationsamtes vom 13. April 2011 werden aufgehoben.
5.1. (...).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
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St.Galler Gerichte
Demnach hat das Verwaltungsgericht