Decision ID: bcf19b31-4632-529c-8f32-f279f62900f7
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
berufliche Massnahmen (Umschulung)
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Sachverhalt:
A.
A.a Der 1975 geborene A._ meldete sich am 14. Oktober 2010 zum Bezug von IV-
Leistungen (Massnahmen für die berufliche Eingliederung) an. Wegen einer
Hüfterkrankung habe er Ende Juni 2010 den Beruf als Tänzer vollständig aufgeben
müssen (act. G 4.1.4 und 5). Dr. med. B._, hielt mit Arztzeugnis vom 14. September
2010 als Diagnose eine Chondropathie Grad III Hüftkopf und Acetabulum sowie
Limbuspathologie mit Degeneration und feinen Einrissen links bei mässiger
Hüftdysplasie fest. Er bestätigte, dass die Arbeitsfähigkeit des Versicherten im alten
Beruf als Tänzer noch bis Juni 2010 habe erhalten werden können. In Zukunft seien
aber schwere körperliche Arbeiten für den Versicherten nicht mehr möglich (act.
G 4.1/3). RAD-Arzt Dr. med. C._ nahm am 28. Oktober 2010 dahingehend Stellung,
dass bei den ärztlich beschriebenen Veränderungen am linken Hüftgelenk in der
angestammten Tätigkeit als Tänzer eine dauerhafte (mindestens 20%ige)
Arbeitsunfähigkeit bestehe, womit aus medizinischer Sicht die Voraussetzungen für
berufliche Massnahmen gegeben seien (act. G 4.1/7).
A.b Anlässlich eines Assessmentgesprächs zwischen dem Versicherten und der
Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle vom 24. Februar 2011 gab jener an, sich
zum Bachelorstudiengang "Kommunikation: Journalismus/
Organisationskommunikation" an der D._ angemeldet zu haben, weshalb er um
Unterstützung durch die IV ersuche. Am 7. April 2011 teilte ihm die
Eingliederungsverantwortliche mit, dass auf Grund des im bisher ausgeübten Beruf als
Tänzer erzielten geringen Verdienstes kein Umschulungsanspruch bestehe (act.
G 4.1/21, 22 und 23).
A.c Mit Vorbescheid vom 15. August 2011 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, das Leistungsbegehren für eine Umschulung abzuweisen. Da die gelernte
Tätigkeit im kaufmännischen Bereich optimal adaptiert sei und eine volle
Arbeitsfähigkeit bestehe, sei ein dauerhafter Minderverdienst nicht gegeben. Eine
Umschulung sei daher nicht angezeigt. Das Studium würde auf Grund des vormals
erzielten Einkommens zu einer Besserqualifizierung führen. Weiter wies die IV-Stelle
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darauf hin, dass der Anspruch auf Unterstützung bei der Stellensuche oder
Wiedereingliederung in den kaufmännischen Bereich jedoch gegeben sei. Es stehe
dem Versicherten offen, sich zur Arbeitsvermittlung zu melden (act. G 4.1/27).
A.d Mit Eingaben vom 29. August 2011 bzw. 4. Oktober 2011 liess der Versicherte
durch Rechtsanwältin lic. iur. Y. Schweri, Zürich, gegen den Vorbescheid Einwand
erheben. Die Rechtsvertreterin machte geltend, dass der Versicherte gerade nicht über
eine Berufsausbildung im kaufmännischen Bereich verfüge. Er habe die
Handelsmittelschule gemacht und im Jahr 1994 abgeschlossen. Ein Praxisjahr sei nicht
erfolgt: Ebenso habe er nie irgendeine kaufmännische Tätigkeit ausgeübt. Das vor
mittlerweile über 17 Jahren erworbene Diplom entspreche einer Berufsmaturität und
ermögliche ihm den Zugang zu einer Fachhochschule; es handle sich aber keineswegs
um eine kaufmännische Berufsausbildung, die den Versicherten ohne Weiteres zur
Aufnahme einer entsprechenden Tätigkeit befähigen würde. Für eine kaufmännische
Tätigkeit, die über blosse Hilfsarbeiten hinausgehe, müsste er deshalb erst die
erforderlichen Qualifikationen erwerben. Auch das von der IV-Stelle angenommene
Valideneinkommen entspreche nicht der Realität, da lediglich der im Jahr 2000 erzielte
Verdienst am F._ hochgerechnet worden sei. Da der Versicherte sich auf Grund einer
Laufbahnberatung weniger hin zu einer kaufmännischen als vielmehr zu einer
künstlerisch/kommunikativen Tätigkeit orientieren wolle, wäre eine Unterstützung durch
die IV zumindest im Rahmen einer Austauschbefugnis zu prüfen (act. G 4.1/30, 32).
A.e Mit Verfügung vom 15. November 2011 hielt die IV-Stelle am Vorbescheid fest. In
Bezug auf den Einwand blieb sie dabei, dass das erworbene Handelsdiplom einer
kaufmännischen Ausbildung ohne Praxiserfahrung entspreche und verwertet werden
könne, zumal die IV für eine entsprechende Eingliederung Unterstützung leisten würde.
Eine Austauschbefugnis komme nur dann zum Tragen, wenn ein
Umschulungsanspruch vorhanden sei, die Kosten der gewünschten Ausbildung jedoch
den üblichen finanziellen und/oder zeitlichen Rahmen übersteigen würden. Da der
Umschulungsanspruch nicht gegeben sei, könne darauf nicht weiter eingegangen
werden (act. G 4.1/33).
B.
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B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde des Versicherten vom 27.
Dezember 2011 mit dem sinngemässen Antrag auf Aufhebung der angefochtenen
Verfügung und Übernahme der Kosten der Umschulung. Der Beschwerdeführer führte
aus, dass er nach einer professionellen Ausbildung zum Tänzer an der E._ von
August 1994 bis Juni 1996 eine Festanstellung im F._ von August 1996 bis Juni 2001
erhalten habe. Von September 2001 bis Juli 2010 habe er eine Anstellung als Tänzer an
der G._ innegehabt. Er habe diesen Beruf somit während 14 Jahren zu 100% und mit
vollem Körpereinsatz ausgeübt, bis eine im November 2009 erstmals manifest
gewordene Hüfterkrankung eine weitere Tätigkeit auf diesem Gebiet verunmöglicht
habe. Im letzten September habe er dank seines Handelsmittelschuldiploms der H._
sowie des bestandenen Eintritt-Assessments ein Bachelorstudium in Kommunikation,
Vertiefung Journalismus/Organisationskommunikation, an der D._ aufnehmen
können. Weiter machte er geltend, dass er für eine Arbeit im kaufmännischen Bereich
gewiss ähnlich viel Einarbeitung und Einschulung benötigen würde wie für das
gegenwärtige Studium. Es könne keine Rede davon sein, dass seine gelernte Tätigkeit
im kaufmännischen Bereich optimal adaptiert sei. Er verstehe daher nicht, weshalb
man ihn nur im kaufmännischen Bereich unterstützen würde. Hinsichtlich des
Arguments, die Ausbildung würde zu einer Besserqualifizierung führen, könne aus der
Tatsache, dass Tänzer generell trotz ihrer körperlich und geistig überaus
anspruchsvollen und intensiven Arbeit einen relativ geringen Lohn erhielten, nicht
abgeleitet werden, dass sie auch später keinen besser bezahlten Beruf ausüben
könnten. Ausserdem könne auch nicht davon ausgegangen werden, dass ein
Medienschaffender mit Sicherheit besser verdiene als ein kaufmännisch Tätiger, eher
treffe das Gegenteil zu (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 2. März 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung hielt sie fest, dass die Umschulung die
wegen Eintritt der Invalidität ganz oder teilweise verloren gegangene Erwerbsfähigkeit
so weit als möglich wieder herstellen sollte. Hierzu sei in der Regel ein dem bisherigen
gleichwertiger Beruf geeignet, sofern er den Fähigkeiten des Versicherten entspreche.
Dem Beschwerdeführer wäre es vorliegend möglich, eine Tätigkeit als kaufmännischer
Angestellter aufzunehmen. Die nötige Einstiegshilfe würde von Seiten der IV
angeboten. Schliesslich unterlasse es der Beschwerdeführer, den Betrag des
Valideneinkommens genau zu beziffern. Auf Grund der Ausführungen im Einwand
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könne jedoch davon ausgegangen werden, dass dieses Einkommen seiner Meinung
nach rund Fr. 60'000.-- ausmachen müsse. Der Umschulungsanspruch setze eine
invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse von rund 20% voraus. Gemäss der Ermittlung
durch die IV-Stelle würde das Einkommen als kaufmännischer Angestellter
Fr. 63'872.-- betragen. Somit hätte der Beschwerdeführer über Fr. 76'000.-- in der
bisherigen Tätigkeit verdienen müssen, um überhaupt einen Anspruch auf Umschulung
zu erhalten, was er jedoch nicht getan habe und auch für die Zukunft nicht habe
glaubhaft machen können (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 21. April 2012 hielt der Beschwerdeführer an seinem Antrag fest
(act.
G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 8).

Erwägungen:
1.
Gegenstand der angefochtenen Verfügung und damit zu prüfen ist der Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Umschulung. Die IV-Stelle wies nicht nur einen Anspruch
auf Übernahme der Kosten des Bachelorstudiums ab, sondern verneinte auch eine
teilweise Unterstützung im Rahmen einer Austauschbefugnis mit der Begründung, dass
der Umschulungsanspruch grundsätzlich nicht gegeben sei.
2.
2.1 Nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder
herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzungen für den
Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Die
Eingliederungsmassnahmen bestehen u.a. in Massnahmen beruflicher Art:
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Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung
sowie Kapitalhilfe (Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG).
2.2 Gemäss Art. 17 Abs. 1 IVG besteht ein Anspruch auf eine Umschulung in eine
neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und
dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder wesentlich verbessert
werden kann. Gemäss Art. 6 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung
(IVV; SR 831.201) gelten als Umschulung unter anderem Ausbildungsmassnahmen, die
Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer
Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen. Nach der
Rechtsprechung ist unter Umschulung grundsätzlich die Summe der
Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und
geeignet sind, dem vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen
Versicherten eine seiner früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmöglichkeit zu
vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der "annähernden Gleichwertigkeit" nicht in
erster Linie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter
Eingliederung zu erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein
Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen
Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen
Vorkehren. Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich soweit sicherstellen, als
diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 124 V 110 E. 2a mit
Hinweisen). Das Erfordernis der Gleichwertigkeit begrenzt den Umschulungsanspruch
"nach oben" (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1.
Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 2. Februar 1998,
I 448/96). Denn es ist nicht Aufgabe der IV, einen behinderten Versicherten in eine
bessere beruflich-erwerbliche Stellung zu führen, als er sie vorher innehatte. Hingegen
steht der Gesichtspunkt der Beschränkung auf das vor dem Invaliditätseintritt
beruflich-erwerblich Erreichte denjenigen Umschulungen nicht entgegen, die den
Versicherten zu einem bescheideneren beruflichen Ziel führen, was in vielen Fällen -
invaliditätsbedingt - zutreffen dürfte. Erforderlich ist einzig, dass sich der erwartete
Teilerfolg noch als genügend eingliederungswirksam bezeichnen lässt.
Ausnahmsweise, sofern nämlich Art und Schwere des Gesundheitsschadens und ihre
beruflichen Auswirkungen derart schwer wiegen, dass nur eine verglichen mit der vor
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dem Invaliditätseintritt ausgeübten Erwerbstätigkeit anspruchsvollere Ausbildung zu
einer optimalen Verwertung der Arbeitsfähigkeit auf einer höheren Berufsstufe führt,
geht in diesem Sonderfall die Umschulung zu Lasten der IV. Für die Beurteilung der
annähernden Gleichwertigkeit ist nicht auf die Erwerbsmöglichkeiten im bisherigen
Beruf abzustellen, die der Versicherte ohne Gesundheitsschaden durch berufliche
Weiterentwicklung allenfalls (hypothetisch) erreicht hätte; entscheidend sind vielmehr
die erwerblichen Verhältnisse im Zeitpunkt des Invaliditätseintritts. Andererseits ist bei
der Beurteilung der annähernd gleichwertigen Erwerbsmöglichkeit nicht nur der
Gesichtspunkt der aktuellen Verdienstmöglichkeit, sondern der für die künftige
Einkommensentwicklung ebenfalls bedeutsame qualitative Stellenwert der
angestrebten Ausbildung mit zu berücksichtigen (ulrich meyer, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 2. Aufl. Zürich 2010, S. 195f. mit
Hinweisen).
3.
3.1 Dr. B._ hielt im Arztzeugnis vom 14. September 2010 fest, dass die
Arbeitsfähigkeit im Beruf als Tänzer auf Grund der Hüftproblematik mittels
Cortisoninfiltration noch knapp bis zum Schluss der damaligen Anstellung habe
erhalten werden können. Im Verlauf hätten sich aber immer mehr Probleme seitens der
linken Hüfte gezeigt. In Zukunft seien schwere körperliche Tätigkeiten nicht mehr
durchführbar, da sie zu einer Beschleunigung der Arthroseentwicklung der linken Hüfte
führen würden (act. G 4.1/3). Demnach ist der Beschwerdeführer auf eine Tätigkeit
angewiesen, die seinem Hüftproblem angepasst ist und daher nur körperlich leichte bis
höchstens mittelschwere Arbeiten umfasst. Diese Voraussetzung sollte in der Regel bei
Tätigkeiten sowohl im kaufmännischen Bereich als auch im Bereich Journalismus/
Organisationskommunikation gegeben sein.
3.2 Was das Erfordernis der Gleichwertigkeit einer neuen Tätigkeit anbelangt, so übte
der Beschwerdeführer gemäss seinen Angaben nach Abschluss der
Handelsmittelschule im Jahr 1994 weder ein darauf aufbauendes Praktikum aus noch
arbeitete er überhaupt je als kaufmännischer Angestellter. Vielmehr habe er direkt im
Anschluss eine Ausbildung zum klassischen Tänzer an der E._ aufgenommen, nach
deren Beendigung er im August 1996 eine Festanstellung im Ensemble des F._
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bekommen habe. Nach knapp fünfjähriger Tätigkeit habe er ab September 2001 als
Tänzer an die G._ gewechselt, wo er bis zur Hüfterkrankung im Sommer 2010 tätig
gewesen sei (act. G 1). Damit muss der Beschwerdeführer hinsichtlich seines Berufs
als qualifizierter Tänzer und nicht als Kaufmann betrachtet werden, da er bei Eintritt des
Gesundheitsschadens seit 16 Jahren in diesem tätig gewesen war und sich hierin
offensichtlich die erforderlichen Profikenntnisse erworben hatte. Mithin ist auch für die
Bestimmung des im Gesundheitsfall mutmasslich erzielten Verdienstes auf diesen
Beruf abzustellen. Die IV-Stelle rechnete das vom Beschwerdeführer als Tänzer beim
F._ vor seinem Wegzug nach H._ erzielte Einkommen 2000 auf und ermittelte für
das Jahr 2008 einen Betrag von Fr. 51'500. Demgegenüber setzte die
Arbeitslosenkasse für die am 16. August 2010 beginnende Rahmenfrist einen
versicherten Verdienst von Fr. 4'767.--, umgerechnet Fr. 57'204.-- pro Jahr, fest (act. G
4.1/13), wobei sie sich auf den gemäss Auskunft des F._ maximalen Lohn für einen
Tänzer mit der Ausbildung des Beschwerdeführers abstützte (act. G 4.1/16). Im
Einwand liess der Beschwerdeführer geltend machen, es könne nicht allein auf den
Lohn im Rahmen der Anstellung bei einem Tanztheater abgestellt werden. Mit
zunehmender Erfahrung (und wohl auch mit zunehmendem Alter) wäre er daneben im
Ausbildungsbereich tätig gewesen oder hätte Choreographien gemacht, was zu
weiterem Einkommen geführt hätte (act. G 4.1/32). Zum Valideneinkommen sind somit
weitere Erhebungen durchzuführen. Allenfalls ist zu prüfen, ob ein Tabellenlohn der
LSE beigezogen werden kann, wobei zu beachten ist, dass der Beschwerdeführer mit
seinen beruflichen Kenntnissen und Erfahrungen mindestens im Anforderungsniveau 3
(z.B. T1 Nr. 92 [Unterhaltung, Kultur, Sport) einzustufen wäre.
3.3 Die Beschwerdegegnerin geht davon aus, dass der Beschwerdeführer auf Grund
seines 1994 erzielten Handelsmittelschulabschlusses eine zumutbare adaptierte
Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter ausüben könnte. Wie der Beschwerdeführer
zu Recht einwendet, kann nicht angenommen werden, dass der Wechsel in eine
kaufmännische Tätigkeit ohne vorgängige schulische/berufliche Massnahmen erfolgen
könnte, nachdem der Diplomabschluss von 1994 zeitlich lange zurückliegt und ohne
jegliche berufliche Praxiserfahrung nicht direkt auf dem Arbeitsmarkt als ausreichende
Qualifikation eingesetzt werden kann, mindestens nicht in einer - im IV-rechtlichen Sinn
- gleichwertigen Tätigkeit zum Tänzer-Beruf. Daran vermag auch die von der
Beschwerdegegnerin angebotene Arbeitsvermittlung nichts zu ändern. Folglich ist ein
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Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Umschulung grundsätzlich zu bejahen. Die
IV-Stelle wird prüfen müssen, mit welchen Eingliederungsmassnahmen der
Beschwerdeführer im kaufmännischen Bereich eingesetzt werden könnte und welche
Verdienstmöglichkeiten sich ihm dabei eröffnen würden. Dabei müssten die
Eingliederungsmassnahmen auf eine Tätigkeit ausgerichtet sein, welche das Kriterium
der Gleichwertigkeit bezogen auf die frühere Tänzer-Tätigkeit erfüllt; ebenfalls hätten
die Eingliederungsmassnahmen hinsichtlich Kosten- und Zeitaufwand verhältnismässig
zu sein. Nun hat der Beschwerdeführer das Bachelor-Studium der Kommunikation mit
Vertiefungsfach Journalismus und Organisationskommunikation an der D._
begonnen mit der Absicht, sich zu einer kommunikativen/journalistischen Tätigkeit
umzuorientieren. Er ersucht um finanzielle Unterstützung dieser Ausbildung seitens der
IV. Es stellt sich daher die Frage, ob und inwieweit diese Ausbildung - verglichen mit
einer tauglichen Eingliederungsmassnahme im kaufmännischen Bereich - als
zweckmässige und verhältnismässige Massnahme zur Verbesserung der
Erwerbsfähigkeit anerkannt und finanziell unterstützt werden kann.
3.4 Wählt eine versicherte Person ohne invaliditätsbedingte Notwendigkeit eine
Ausbildung, die den Rahmen der Gleichwertigkeit sprengt, kann die IV daran Beiträge
gewähren im Ausmass des Leistungsanspruchs auf eine gleichwertige
Umschulungsmassnahme (sog. Austauschbefugnis, AHI 2002 105ff.). Die
Austauschbefugnis kommt jedoch insbesondere nur zum Tragen, wenn zwei
unterschiedliche, aber von der Funktion her austauschbare Leistungen in Frage stehen.
Vorausgesetzt wird also ein substitutionsfähiger gesetzlicher Leistungsanspruch (vgl.
BGE 120 V 280 E. 4). Über das Ausmass des Leistungsanspruchs hinausgehende
Beiträge fallen ausser Betracht.
3.5 Die IV-Stelle verneinte eine Austauschbefugnis mit der Begründung, dass kein
Anspruch auf Umschulung im Sinn der IV-rechtlichen Eingliederungsmassnahmen
bestehe. Nachdem ein Anspruch auf Umschulung, wie dargelegt wurde, jedoch zu
bejahen ist, wird die IV-Stelle zu prüfen haben, ob die vom Beschwerdeführer gewählte
Ausbildung als verhältnismässige, zu einer gleichwertigen Tätigkeit hinführende
Eingliederungsmassnahme zu qualifizieren ist. Übersteigt jedoch der gewählte
Lehrgang den Rahmen der Gleichwertigkeit oder Verhältnismässigkeit, so wird die IV-
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Stelle den Anspruch auf eine Austauschbefugnis zu prüfen und gegebenenfalls die an
die Ausbildung zu leistenden Beiträge festzusetzen haben.
3.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Sachverhalt keine abschliessende
Beurteilung der Streitsache zulässt. Die Beschwerdegegnerin wird daher im Sinn der
Erwägungen weitere Abklärungen zum Umschulungsanspruch tätigen und eine
allfällige Austauschbefugnis prüfen sowie über das Leistungsgesuch des
Beschwerdeführers neu befinden müssen.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 15. November 2011 teilweise gutzuheissen und die
Sache zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung im Sinn der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Dem Beschwerdeführer ist der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP