Decision ID: 9ad1300d-257c-408d-94d1-938ca598704c
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 28. Juni 2018 beim RAV B._ zur Arbeitsvermittlung an
(act. G 3.1.64) und stellte per 1. Juli 2018 bei der kantonalen Arbeitslosenkasse Antrag
auf Arbeitslosenentschädigung. Er gab an, er habe in seiner letzten Arbeitsstelle bei der
C._ AG (FL, nachfolgend: Arbeitgeberin), trotz (früheren) sehr guten Bewertungen bei
einem neuen Vorgesetzten plötzlich die Erwartungen bezüglich Leistung und
Teamführung nicht erfüllt. Man habe ihn degradieren wollen und ihm eine nicht
zumutbare Stelle als Controller angeboten mit dem Ziel, dass er selbst kündigen
würde. Da er dies nicht getan habe, habe ihm die Arbeitgeberin am 18. September
2017 per 31. März 2018 gekündigt. Auf Grund von Krankheit habe sich die
Kündigungsfrist bis zum 30. Juni 2018 verlängert. Da er bereits per 1. August 2018
wieder eine neue Stelle gefunden habe, ersuche er lediglich um eine Überbrückung von
einem Monat. Nebst Lohnansprüchen sei ihm bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses
eine Entschädigung wegen missbräuchlicher Kündigung in Höhe von Fr. 32'937.--
zugesprochen worden (act. G 3.1.54, vgl. auch act. G 3.1.49f., 3.1.57).
A.a.
Im Rahmen der Verschuldensabklärung führte der Versicherte im Fragebogen vom
28. August 2018 aus, sein neuer Vorgesetzter habe ihn vom ersten Tag an schikaniert.
Die ihm angebotene Stelle sei weder fachlich noch was das Gehalt anbelange
zumutbar gewesen. Es sei nur darum gegangen, ihn zu einer Kündigung zu zwingen.
Die Konditionen seien absichtlich so schlecht gewesen, dass ihm auch gesagt worden
sei, man gehe davon aus, dass er sie nicht akzeptieren und selber kündigen werde.
Von seiner Seite aus habe er alles getan, um eine neue Stelle zu finden, was ihm auch
gelungen sei. Es gehe lediglich um einen Monat der Überbrückung, welche er bei zwei
A.b.
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kleinen Kindern und einer nicht arbeitenden Ehefrau auch unbedingt benötige (act.
G 3.1.36).
Mit Schreiben vom 13. September 2018 bestätigte die ehemalige Arbeitgeberin,
dem Versicherten eine Änderung des Arbeitsvertrags unterbreitet zu haben, und reichte
diese der Arbeitslosenkasse ein. Als Grund dafür gab sie an, dass der Versicherte ihre
Erwartungen hinsichtlich Leistung bei inhaltlichen Themen wie auch in Bezug auf die
Teamführung nicht habe erfüllen können. Beim Angebot der anderen Stelle sei die
Erfahrung und Qualifikation des Versicherten sowie die Verantwortung der Stelle
berücksichtigt worden (act. G 3.1.30).
A.c.
In der zweiten Stellungnahme vom 7. November 2018 machte der Versicherte
geltend, die ihm von seiner Arbeitgeberin angebotene Stelle habe weder seine
Erfahrungen noch Qualifikationen berücksichtigt. Er sei seit 18 Jahren im Einkauf tätig
mit stets steigender Verantwortung und nicht im Controlling. Seit elf Jahren habe er
Führungsverantwortung und immer sehr gute Leistungen bestätigt bekommen. Von der
Ausbildung her sei er Dipl. Wirtschaftsingenieur ohne Controlling-Erfahrung. Das
Angebot einer Stelle, welches die Stelle eines seiner Mitarbeiter gewesen sei, für die er
nicht die notwendige Erfahrung/Ausbildung mitbringe, bei der er keine
Führungsverantwortung mehr habe und dies zu einem um ca. Fr. 20'000.-- gekürzten
Gehalt sowie mit weiteren verschlechterten Konditionen wie weniger Urlaub, Verlust
eines reservierten Parkplatzes, Verkürzung der Kündigungsfristen um drei Monate,
einer schlechteren Pensionskasse usw. könne unter keinen Umständen als fair
bezeichnet werden. Für ihn sei es offensichtlich gewesen, dass es sich um eine
Schikane gehandelt habe, damit er selber kündige. Dies sei ihm auch direkt nahegelegt
worden, als ihm das Angebot gemacht worden sei. Bis vor kurzem sei ihm in mehreren
Mitarbeitergesprächen ausnahmslos attestiert worden, dass er auch die von der
Arbeitgeberin in ihn gesetzten Erwartungen bzw. die Anforderungen an seine Stelle
nicht nur erreicht, sondern deutlich übertroffen habe. Dies gehe aus den Protokollen
über die Mitarbeiterbeurteilungen der Jahre 2013 bis und mit 2016 hervor. Auf Grund
der Umstände sei für ihn klar, dass sich die Änderungskündigung als missbräuchlich
erweise. Basierend darauf habe die Arbeitgeberin ihm eine entsprechende
Entschädigung bereits ausbezahlt, was ein weiterer klarer Hinweis darauf sei, dass hier
die Begründung der Kündigung doch nicht nachvollziehbar sei (act. G 3.1.27).
A.d.
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B.
Mit Verfügung vom 14. November 2018 stellte die Arbeitslosenkasse den
Versicherten ab 1. Juli 2018 für 38 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Zur
Begründung führte sie aus, indem er die ihm unterbreitete Vertragsänderung vom 31.
August 2017 mit Gültigkeit ab 1. März 2018 abgelehnt habe, habe er auf die
Weiterführung eines zumutbaren Arbeitsverhältnisses verzichtet. Die von ihm geltend
gemachten Gründe, die zum Verzicht geführt hätten, würden keine Unzumutbarkeit des
Arbeitsverhältnisses begründen. Nach höchstrichterlicher Praxis würden an die
Unzumutbarkeit des Arbeitsverhältnisses hohe Anforderungen gestellt. Auf Grund der
vorliegenden Unterlagen ergebe sich, dass es ihm zumutbar gewesen wäre, das
Arbeitsverhältnis auch zu den geänderten Konditionen weiterzuführen und gleichzeitig
eine andere Stelle zu suchen. Damit hätte er für einen lückenlosen Übergang von einem
Arbeitgeber zum anderen sorgen können. Auch die ihm ausgerichtete Abfindung
bestätige nicht, dass es sich um eine missbräuchliche Kündigung gehandelt habe.
Vielmehr sei er seiner Schadenminderungspflicht nicht nachgekommen (act. G 3.1.26).
A.e.
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte am 14. Dezember 2018 durch seine
Rechtsschutzversicherung Einsprache erheben (act. G 3.1.22) und diese am 23. Januar
2019 begründen. Zur Hauptsache liess er geltend machen, dass die ihm angebotene
Anstellung unzumutbar gewesen sei, weil er weder eine Ausbildung als Controller
gemacht noch jemals in diesem Bereich aktiv gearbeitet habe. Seine bisherige Rolle
habe sich ausschliesslich auf die Führung der beiden Controller bezogen, ohne deren
Tätigkeiten in inhaltlicher Hinsicht je selbst machen zu müssen. Daher wäre er in dieser
Anstellung ganz klar überfordert gewesen. Zudem wäre die Anstellung als Controller für
den Versicherten unzumutbar gewesen, weil sie eine Wiederbeschäftigung in seinem
ursprünglichen Beruf als Einkaufsleiter wesentlich erschwert hätte und er von der
Arbeitgeberin sowieso schlecht behandelt worden wäre, da er nicht mehr erwünscht
gewesen sei (act. G 3.1.19).
B.a.
Auf Nachfrage der Arbeitslosenkasse nahm die ehemalige Arbeitgeberin des
Versicherten im Schreiben vom 17. Mai 2019 dahingehend Stellung, dass aus ihrer
Sicht die dem Versicherten angebotene Stelle zumutbar gewesen sei. Die angebotene
B.b.
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C.
Stelle habe eine Fachfunktion ohne Führung im Teilbereich Einkaufscontrolling
beinhaltet. Eine Überforderung wäre nicht gegeben gewesen (act. G 3.1.9).
Auf telefonische Nachfrage der Arbeitslosenkasse bei der Arbeitgeberin am 13.
Juni 2019 bezüglich der von ihr dem Versicherten bezahlten drei Monatslöhne gab
diese zur Auskunft, dass sie nach wie vor davon ausgehe, es handle sich nicht um eine
missbräuchliche Kündigung. Auf Grund einer "Kostenabwägung" habe man aber eine
Bezahlung dieses Betrages einem zu riskierenden Gerichtsverfahren vorgezogen (act.
G 3.1.7).
B.c.
Mit Einspracheentscheid vom 9. Juli 2019 wies die Arbeitslosenkasse die
Einsprache ab und bestätigte die Einstellung von 38 Tagen. Zur Begründung führte sie
aus, dass der Versicherte den geänderten Arbeitsvertrag mit seiner ehemaligen
Arbeitgeberin nicht habe eingehen wollen und es zur Kündigung durch die
Arbeitgeberin gekommen sei, werde wie eine Selbstkündigung betrachtet. Eine
Überforderung in der neuen Stelle wäre nicht gegeben gewesen, da die Stelle gemäss
den Aussagen der Arbeitgeberin nicht im üblichen Controlling, sondern im
Einkaufscontrolling gewesen wäre. In diesem Bereich habe der Versicherte schon
langjährige Berufserfahrung mitgebracht. Zudem sei nicht ersichtlich, warum ihn die
neue Tätigkeit in seiner beruflichen Entwicklung hätte behindern sollen, handle es sich
doch mehr oder weniger um dasselbe Tätigkeitsgebiet. Damit habe eine
Unzumutbarkeit der neuen Stelle nicht bewiesen werden können (act. G 3.1.4).
B.d.
Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde von
Rechtsanwalt lic. iur. Thomas Bösch im Namen des Versicherten vom 8. August 2019
mit dem Antrag auf dessen Aufhebung und auf Verzicht der Einstellung in der
Anspruchsberechtigung; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Der Rechtsvertreter
macht geltend, dass entgegen der Behauptung der Beschwerdegegnerin eine Tätigkeit
im gleichen Unternehmensbereich aber in anderer fachlicher Funktion sehr wohl eine
Überforderung darstellen könne, weil die Erfahrung in leitender Funktion offensichtlich
nicht einfach mit einer spezifischen Ausbildung oder Arbeitserfahrung als
Einkaufscontroller gleichgesetzt werden könne. Denn der Beschwerdeführer habe die
Einkaufscontroller in seiner Abteilung unbestrittenermassen nicht in fachlicher Hinsicht
C.a.
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Erwägungen
1.
angeleitet. Die Annahme eines Stellenangebots, das eine Rückversetzung beinhalte,
erschwere eine künftige Neuanstellung wesentlich, da es der bewerbenden Person nur
schwer gelingen werde, ein durch eine Rückversetzung ausgelöstes Misstrauen
betreffend ihre Fähigkeiten entkräften zu können. Insofern müsse auch eine durch eine
Rückversetzung verursachte Überqualifikation als unzumutbar bezeichnet werden. So
könne nach der allgemeinen Lebenserfahrung wohl ausgeschlossen werden, dass sich
der Beschwerdeführer unter diesen Umständen für seine aktuelle Stelle als Leiter
strategischer Einkauf bei seiner neuen Arbeitgeberin auch nur schon hätte vorstellen
dürfen. Somit habe der Beschwerdeführer die ihm angebotene Stelle zu Recht wegen
Unzumutbarkeit ablehnen dürfen (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 16. September 2019 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie hält daran fest, dass der
Beschwerdeführer die Beweislast für die Unzumutbarkeit der ihm angebotenen Stelle
trage, weil die Nichtannahme der Stelle einer Selbstkündigung gleichzusetzen sei.
Dieser Beweis gelinge ihm vorliegend nicht und es sei keineswegs ersichtlich, warum
er nicht zumindest das Arbeitsverhältnis eingegangen sei und es versucht habe.
Ausserdem sei nach allgemeiner Lebenserfahrung davon auszugehen, dass es sich
leichter aus einem Anstellungsverhältnis heraus bewerbe als aus der Arbeitslosigkeit
(act. G 3).
C.b.
Mit Schreiben vom 27. September 2019 verzichtet der Beschwerdeführer auf eine
Replik (act. G 5).
C.c.
Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist die
versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes
Verschulden arbeitslos ist. Die Arbeitslosigkeit gilt gemäss der Verordnung über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIV; SR
837.02) insbesondere dann als selbstverschuldet, wenn die versicherte Person durch
ihr Verhalten, insbesondere wegen Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten, dem
Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat (Art. 44 Abs. 1
1.1.
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lit. a AVIV). Ferner gilt die Arbeitslosigkeit als selbstverschuldet, wenn die versicherte
Person das Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne dass ihr eine andere
Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht
zugemutet werden konnte (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). Wurde die Kündigung vom
Arbeitgeber ausgesprochen, weil die versicherte Person trotz der ihr gebotenen
Gelegenheit nicht bereit war, das Arbeitsverhältnis unter geänderten Bedingungen
weiterzuführen, kann der Einstellungsgrund der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit
gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG gegeben sein. In Anlehnung an den Tatbestand von
Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV ist in einem solchen Fall zu untersuchen, ob der versicherten
Person die Annahme des Änderungsangebotes und damit das Verbleiben am
bisherigen Arbeitsplatz zumindest bis zum Antritt einer Anschlussstelle nicht mehr
zumutbar war (Jacqueline Chopard, Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung,
Zürich 1998, S. 119). Grundsätzlich muss eine versicherte Person im Rahmen der
Schadenminderungspflicht jede zumutbare Arbeit annehmen bzw. beibehalten (Art. 16
Abs. 1 AVIG). Das sozialversicherungsrechtliche Schadenminderungsprinzip findet
demnach seine Grenze bei der Zumutbarkeit. So kann es der versicherten Person nicht
zugemutet werden, eine Stelle, die im Sinne von Art. 16 Abs. 2 AVIG unzumutbar und
damit von der Annahmepflicht ausgenommen ist, beizubehalten.
Im Weiteren ist bei der Prüfung der Frage, ob eine Sanktion wegen Selbstaufgabe
der Stelle im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV zulässig ist, das Übereinkommen
Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über die Beschäftigungsförderung
und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (nachfolgend
Übereinkommen; SR 0.822.726.8) zu beachten, das für die Schweiz am 17. Oktober
1991 in Kraft getreten ist. Nach Art. 20 lit. c des Übereinkommens können Leistungen
der Arbeitslosenversicherung verweigert, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden,
wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person ihre
Beschäftigung freiwillig („volontairement“) ohne triftigen Grund („sans motif légitime“)
aufgegeben hat. Da diese Bestimmung inhaltlich hinreichend bestimmt und klar ist, ist
sie im Einzelfall direkt anwendbar und geht den nationalen Bestimmungen über den
Erlass einer Einstellungsverfügung vor (BGE 124 V 234, 236 E. 3a.). Damit dürfen bei
einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten
Anforderungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz gestellt werden;
insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggründe der
versicherten Person zu berücksichtigen (Jacqueline Chopard, a.a.O., S. 80). Es kann
nicht von einer freiwilligen Beschäftigungsaufgabe im Sinne des Übereinkommens
gesprochen werden, wenn eine versicherte Person nicht von sich aus, sondern vom
Arbeitgeber oder durch die Entwicklung am Arbeitsplatz zur Kündigung gedrängt wird.
1.2.
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2.
Gleiches gilt für den Fall, dass die versicherte Person für das Verlassen der Stelle
legitime Gründe zu nennen vermag (BGE 124 V 234, 238 E. 4b/aa).
Die Unzumutbarkeit einer Fortsetzung des bisherigen Arbeitsverhältnisses ist vor
dem Hintergrund von Art. 16 Abs. 1 AVIG zu beurteilen, wonach grundsätzlich jede
Arbeit zumutbar ist, es sei denn, einer der in Abs. 2 dieser Bestimmung abschliessend
aufgelisteten Ausnahmetatbestände sei erfüllt. Ein schlechtes Arbeitsklima oder
Spannungen zwischen der versicherten Person und Vorgesetzten begründen noch
keine Unzumutbarkeit. Sie können allenfalls im Rahmen der Verschuldensbeurteilung
Berücksichtigung finden (SVR 1997 ALV Nr. 105 S. 324 E. 2a und Urteil des
Bundesgerichts vom 27. November 2013, 8C_742/2013, E. 4.1 mit Hinweisen).
Unzumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen (vgl. Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG) muss
nach der Rechtsprechung durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls
andere geeignete Beweismittel) belegt sein. Aus Gründen der Rechtssicherheit darf
sich die Arbeitslosenkasse oder das Gericht nicht mit blossen Behauptungen
begnügen, sondern benötigt vielmehr zweckdienliche Beweismittel, die primär die
versicherte Person im Rahmen der ihr obliegenden Mitwirkungspflicht bei der
Abklärung des Sachverhalts beizubringen hat (Urteil des Bundesgerichts vom
27. November 2013, 8C_742/2013, E 4.1 mit Hinweisen).
1.3.
Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer die ihm von seiner
Arbeitgeberin angebotene Stelle als Senior Einkaufscontroller nicht angenommen hat,
worauf ihm die Arbeitgeberin das Anstellungsverhältnis gekündigt hat. Der
Beschwerdeführer macht geltend, die ihm angebotene Stelle sei aus mehreren
Gründen nicht zumutbar gewesen.
2.1.
Einerseits stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass die Stelle als
Einkaufscontroller eine Überforderung für ihn dargestellt hätte. So habe er als
Führungskraft "Leiter Einkaufscontrolling, Methoden, Tools und Prozesse" die
Einkaufscontroller in seiner Abteilung nicht in fachlicher Hinsicht angeleitet. Weiter
besitze er nachgewiesenermassen weder eine Ausbildung noch Arbeitserfahrung für
die betreffende als "Fachfunktion" anerkannte Tätigkeit. Denn es sei nicht haltbar zu
argumentieren, es gehe nicht um eine Controller Tätigkeit, sei doch ein
Einkaufscontroller offensichtlich nichts anderes als ein Controller im Bereich Einkauf.
Seine Stelle bei der ehemaligen Arbeitgeberin habe inhaltlich ca. 20% den Bereich
Einkaufscontrolling ausgemacht. Dazu habe ausschliesslich die disziplinarische
Führung von zwei Controllern und die Sicherstellung gehört, dass das Berichtswesen
2.2.
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zeitlich und geregelt abgelaufen sei. Die fachlichen Arbeitsinhalte der Controller habe
direkt der Bereich Controlling verantwortet, der nicht zum Einkauf gehöre. Die
Anstellung als Controller setze bestimmte Fähigkeiten und Kenntnisse voraus, wie ein
abgeschlossenes Studium im Bereich Controlling bzw. mehrjährige Erfahrung in
diesem Bereich, das professionelle Beherrschen von MS Excel, BVA
Programmierkenntnisse, um gewisse Auswertungen durchführen zu können, sowie die
Bearbeitung von enorm komplexen Exceldaten (act. G 1). Dagegen führte die
ehemalige Arbeitgeberin des Beschwerdeführers in ihrer Stellungnahme vom 1. Mai
2019 aus, aus ihrer Sicht sei die Stelle, die dem Beschwerdeführer angeboten worden
sei, zumutbar gewesen. Der Beschwerdeführer sei bis zur Kündigung als Leiter
Einkaufsmethoden, Prozesse und Einkaufscontrolling tätig gewesen. Die angebotene
Stelle sei eine Fachfunktion ohne Führung im Teilbereich Einkaufscontrolling gewesen.
Um seiner Erfahrung Rechnung zu tragen, hätten sie diese Stelle im Änderungsvertrag
auch Senior Einkaufscontroller genannt. Er hätte diese Stelle mit seiner Ausbildung und
Erfahrung aus ihrer Sicht gut ausfüllen können; eine Überforderung wäre nicht gegeben
gewesen, da er das Thema Einkaufscontrolling bis anhin auch als Führungskraft
geleitet habe (act. G 3.1.9). Auch wenn die Frage, ob es sich bei der Stelle als Senior
Einkaufscontroller um eine reine Controlling-Tätigkeit gehandelt hatte, hier nicht
abschliessend beantwortet werden kann, ist dennoch davon auszugehen, dass eine
fachliche Überforderung nicht gegeben sein musste. Denn zu berücksichtigen ist, dass
die Arbeitgeberin um die Fähigkeiten ihres Angestellten Bescheid wusste und es kaum
in ihrem Sinne schien, jemanden in einer Stelle einzusetzen, für welche dieser Person
die nötigen Kenntnisse fehlten. Der Stellenbeschreibung vom 2. August 2017 ist
sodann durchaus auch eine fachliche Führung des Teams Einkaufscontrolling zu
entnehmen (act. G 1.7). Von daher ist eine fachliche Überforderung nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen, weshalb eine Unzumutbarkeit der
Stellenannahme aus diesem Grund zu verneinen ist.
Weiter argumentiert der Beschwerdeführer, dass ihn die Annahme des geänderten
Arbeitsvertrages in seinem beruflichen Fortkommen stark eingeschränkt hätte, weshalb
sie auch aus diesem Grund unzumutbar gewesen sei. Der Beschwerdeführer sei im
massgeblichen Zeitpunkt bereits seit zehn Jahren bei verschiedenen Arbeitgebern in
leitender Stellung im Bereich Einkauf tätig gewesen. Es sei nachvollziehbar, dass sich
seine Anstellungschancen im gleichen Bereich und in gleichwertiger Kaderstellung
enorm geschmälert hätten, wenn er seinem Lebenslauf die Herabstufung durch seine
Arbeitgeberin mit Entzug der Führungsfunktion und die Tätigkeit "Senior
Einkaufscontroller" hätte anfügen müssen. Es könne nach allgemeiner Lebenserfahrung
nicht davon ausgegangen werden, dass er sich unter diesen Umständen für seine
2.3.
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aktuelle Stelle auch nur hätte vorstellen dürfen. Zur Verdeutlichung reicht er
Arbeitsverträge, Organigramme und die Stellenbeschreibungen vergangener
Arbeitsstellen ein, welche zeigen würden, dass die eine leitende Stelle "nahtlos" zur
anderen gepasst habe. Umgekehrt wäre die Kluft zwischen der Funktion des
Einkaufscontrollers bei der einen Unternehmung und der Leitungsfunktion bei der
anderen wesentlich grösser gewesen. Als weitere Grundlage verweist der
Beschwerdeführer auf das Urteil des Versicherungsgerichts vom 10. April 2012, AVI
2011/72. In jenem Fall wäre eine Versicherte, welche in Deutschland ein
Hochschuldiplom als Bauingenieurin abgelegt hatte und bereits damals in einer nicht
mehr der ursprünglichen Anstellung entsprechenden Tätigkeit arbeitete, durch die
Annahme der von der Arbeitgeberin angebotenen Stelle als Betriebsmitarbeiterin
Vorfabrikation in der Hierarchie noch stark weiter zurückgestuft worden. Dabei ging das
Gericht davon aus, dass die Annahme jenes Stellenangebotes, das eine solche
Rückversetzung beinhaltete, eine künftige Neuanstellung wesentlich erschwert hätte,
da es der Versicherten nur schwer gelungen wäre, ein durch eine Rückversetzung
ausgelöstes Misstrauen betreffend ihre Fähigkeiten entkräften zu können. Das Gericht
verwies dabei auch auf die Meinung von Chopard, wonach eine durch eine
Rückversetzung verursachte Überqualifikation unzumutbar sei (Jacqueline Chopard,
a.a.O., S. 120). Im von ihr zitierten nicht publizierten Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts (EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts) vom 6. August 1996, C 326/95, habe dieses jedoch in unbegründeter
Weise argumentiert, es sei nicht einzusehen, warum eine versicherte Person in
ungekündigter Stellung weniger Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz gehabt hätte,
als wenn sie sich als arbeitslose Person um eine neue Stelle hätte bewerben müssen.
In jedem Fall habe sie sich ohnehin gegenüber einem neuen Arbeitgeber über ihren
beruflichen Werdegang auszuweisen. Gemäss Chopard war das höchste Gericht
allerdings in keiner Weise auf das Problem einer Rückversetzung näher eingegangen
und habe mit dieser Rechtsprechung Art. 16 Abs. 2 lit. d AVIG seines Sinnes entleert
(Jacqueline Chopard, a.a.O., S. 120). Vorliegend hat die Rückstufung auf eine "Senior"
Fachstelle jedoch nicht dieselbe Wirkung wie diejenige im zitierten Urteil des
Versicherungsgerichts. Obgleich die Stelle ohne Führungsfunktion gewesen wäre, hätte
sie dennoch signalisiert, dass es sich beim Stelleninhaber um einen Spezialisten mit
Berufserfahrung handelte. Von einer stärkeren Erschwerung des beruflichen
Fortkommens ist daher im Vergleich zur Stellensuche als Arbeitsloser vorliegend nicht
auszugehen.
Des Weiteren braucht hier - entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers -
nicht darüber befunden zu werden, ob es sich um eine missbräuchliche Kündigung
2.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/13
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3.
durch die Arbeitgeberin handelte, zumal der Beschwerdeführer in den vorliegenden
Akten auch nie begründet hat, auf welche gesetzlichen Grundlagen er seine
Behauptung stützt. Selbst wenn ihn sein neuer Vorgesetzter aus der früheren Position
weghaben wollte, herrscht im schweizerischen und ebenso im hier anwendbaren
liechtensteinischen Recht Vertragsfreiheit, welche auch die Freiheit der Partnerwahl
beinhaltet. Missbräuchlich sind sodann im schweizerischen Recht nur nach dem
Obligationenrecht klar bestimmte Kündigungsgründe (vgl. Missbräuchliche Kündigung:
Art. 336 OR), welche vorliegend nicht ersichtlich sind. Der Wortlaut von §1173a Art. 46
des liechtensteinischen ABGB, welches für das Arbeitsverhältnis grundsätzlich
anwendbar wäre, entspricht grossmehrheitlich Art. 336 OR. Vorliegend ist jedoch einzig
die Frage zu beantworten, ob die Nichtannahme der angebotenen Stelle zulässig war.
Mit der Beschwerdegegnerin ist davon auszugehen, dass die Annahme der
angebotenen Stelle bis zum Auffinden einer neuen Stelle und somit zur Vermeidung
von Arbeitslosigkeit zumutbar war.
Zu prüfen bleibt, ob die im angefochtenen Einspracheentscheid angeordnete
Einstellhöhe von 38 Tagen angemessen ist.
3.1.
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30
Abs. 3 AVIG) und beträgt gemäss Art. 45 Abs. 3 AVIV 1 bis 15 Tage bei leichtem
Verschulden (lit. a), 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem Verschulden (lit. b) und 31 bis
60 Tage bei schwerem Verschulden (lit. c). Ein schweres Verschulden liegt
insbesondere vor, wenn die versicherte Person eine zumutbare Arbeitsstelle ohne
Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle aufgegeben hat (Art. 45 Abs. 4 lit. a AVIV). Beim
Einstellungsgrund der Auflösung des Arbeitsverhältnisses ohne Zusicherung einer
neuen Stelle (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV) kommt dem konkreten Sachverhalt für die
Verschuldensbeurteilung im Allgemeinen eine erhebliche Bedeutung zu, zumal
Tatsache und Schwere des Verschuldens meist nicht klar feststehen. Bei Einstellungen
nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV kann die Bestimmung von Art. 45 Abs. 4 AVIV lediglich
die Regel bilden, von welcher beim Vorliegen besonderer Umstände im Einzelfall
abgewichen werden darf (vgl. BGE 130 V 126 E. 3.2).
3.2.
Die kantonalen Gerichte sind in sozialversicherungsrechtlichen Angelegenheiten
verpflichtet, die Angemessenheit einer mit Beschwerde angefochtenen
Verwaltungsverfügung zu prüfen (vgl. BGE 137 V 73f. E. 5.2). Bei der
Unangemessenheit geht es um die Frage, ob der zu überprüfende Entscheid, den die
Behörde nach dem ihr zustehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen
3.3.
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=Einstellung+Bem%FChungen+arbeitslosenversicherung+Seco+Einstellraster&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-V-71%3Ade&number_of_ranks=0#page71
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4.
Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise
anders hätte ausfallen sollen. Allerdings darf das Sozialversicherungsgericht sein
Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es
muss sich auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende
Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 126 V 81 E. 6 mit
Hinweis).
Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung für die Dauer von 38 Tagen liegt im
unteren Drittel des gesetzlich vorgegebenen Einstellmasses für ein schweres
Verschulden. Der Beschwerdeführer hat die ihm angebotene Stelle nicht angenommen,
weil sie für ihn nicht nur eine Rückstufung in hierarchischer, sondern auch in finanzieller
Hinsicht bedeutet hätte. Es handelt sich dabei um einen persönlichen Entscheid des
Beschwerdeführers, welchen er höher wertete als die Beibehaltung eines
Arbeitsplatzes bis zum Auffinden einer neuen Stelle. Zu berücksichtigen ist vorliegend
jedoch, dass der dem Beschwerdeführer angebotene Lohn von Fr. 115'000.-- zwar
höher als 70%, aber tiefer als 80% des bisherigen Lohnes von Fr. 151'788.-- gewesen
wäre (vgl. act. G 3.1, S. 144). Dies bedeutet, dass der Beschwerdeführer auch bei
Annahme des neuen Arbeitsvertrages einen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
gehabt hätte (vgl. Art. 22 i.V.m. Art. 24 AVIG). Schliesslich hatte die Rückstufung nach
jahrelangen positiven Bewertungen nachvollziehbar etwas Kränkendes, umso mehr als
die Arbeitgeberin ihr Vorgehen trotz mehrmaligem Nachfragen auch seitens der
Beschwerdegegnerin nicht wirklich begründete. Dass der Beschwerdeführer eine
solche Rückstufung unter diesen Umständen nicht einfach hinnehmen wollte, ist
nachvollziehbar bzw. bis zu einem bestimmten Grad entschuldbar. Damit liegen
besondere Umstände vor, welche es rechtfertigen, von einem mittelschweren
Verschulden auszugehen und das Einstellmass auf 25 Tage festzulegen.
3.4.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen
und das Einstellmass auf 25 Tage zu reduzieren. Gerichtskosten sind keine zu erheben
(Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
4.1.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
partielle Parteientschädigung. Diese wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
4.2.
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