Decision ID: 17dc5882-fbfc-5e6f-ab2a-f45f3721c3c5
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im März 2009 erstmals zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 6). Ihre letzte Festanstellung als Näherin bei der B._
AG endete im April 2009 (letzter Arbeitstag am 28. Oktober 2008, IV-act. 16). Im
November 2008 war in der Rheumatologie C._ durch Dr. med. D._ (vis. Dr. med.
E._) eine ambulante Kontrolle durchgeführt worden. Dabei ergaben sich die
Diagnosen Verdacht auf relevante depressive Episode mit somatischem Syndrom;
generalisiertes Schmerzsyndrom; chronisches cervicovertebrales/-cephales
Schmerzsyndrom und ausgeprägte Dekonditionierung und Haltungsinsuffizienz (IV-act.
26-7). Dr. med. F._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Chefarzt der Klinik G._,
wo sich die Versicherte vom 20. April bis 15. Mai 2009 in einer
Rehabilitationsbehandlung befand, stellte in seinem Bericht vom 2. Juni 2009 die
Diagnosen Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F 43.21),
bestehend seit August 2008, sowie eine Panikstörung (ICD-10: F 41.0). Es sei ab dem
1. Juli 2009 mit einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit zu rechnen (IV-act. 26-17). Unterstützt
vom Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) und der IV-Stelle konnte die
Versicherte vom 12. Januar bis 11. Juli 2010 ein Einsatzprogramm in der H._ in
einem 50%-Pensum absolvieren (IV-act. 39-6, IV-act. 43 und 44). Die Programmleitung
berichtete am 5. Juli 2010, die Versicherte erledige die Arbeiten zur vollsten
Zufriedenheit; man könne sich aber nicht auf sie verlassen, da sie sich oft krank melde
(IV-act. 43).
A.b Am 4. November 2010 veranlasste die IV-Stelle des Kantons St. Gallen
(nachfolgend: IV-Stelle) eine medizinische Abklärung (IV-act. 69 und 70). Am 29.
November 2010 wurde eine internistische/rheumatologische Untersuchung durch Dr.
med. I._, Spezialarzt FMH für Innere Medizin, speziell Rheumaerkrankungen, und
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eine psychiatrische Untersuchung durch Dr. med. J._, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, durchgeführt. Gestützt auf die medizinischen Befunde wurde im
Gutachten vom 8. Februar 2011 sowohl aus somatischer wie auch aus psychiatrischer
Sicht von einer Arbeitsfähigkeit von 80% ausgegangen (IV-act. 73 und 74).
A.c Mit Vorbescheid vom 21. März 2011 bzw. mit Verfügung vom 22. Juli 2011 wies
die IV-Stelle einen Rentenanspruch bei einem Invaliditätsgrad von 20% ab (IV-act. 91).
Die dagegen erhobene Beschwerde beim Versicherungsgericht (IV-act. 92 und 96) wies
dieses mit Entscheid vom 20. Juli 2012 ab. Auf das Gutachten von Dr. I._ und Dr.
J._ vom 8. Februar 2011 könne abgestellt werden (IV-act. 111). Auf die dagegen
erhobene Beschwerde (IV-act. 114) trat das Bundesgericht mit Urteil vom 31. Oktober
2012 nicht ein (IV-act. 117).
A.d Am 24. Oktober 2012 liess die Versicherte über ihren Rechtsvertreter ein
"Rentenrevisionsbegehren" wegen eines medizinisch verschlechterten Zustandes
stellen (IV-act. 115 und 125). Im Vorbescheid vom 28. Januar 2013 stellte die IV-Stelle
ein Nichteintreten in Aussicht, da eine relevante Veränderung nicht glaubhaft gemacht
sei (IV-act. 131). In der Folge liess der Rechtsvertreter der Versicherten der IV-Stelle am
26. April 2013 einen Bericht von Dr. F._ zukommen (IV-act. 136 und 137). Am 3. Mai
2013 stellte er der IV-Stelle einen Bericht von Dr. med. K._, Tagesklinik der St.
Gallischen Kantonalen Psychiatrische Dienste, Sektor Nord, zu (IV-act. 139 und 140).
Gestützt auf eine Empfehlung von Dr. med. L._, Facharzt für Neurologie sowie für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst der
Invalidenversicherung (RAD), beauftragte die IV-Stelle am 11. September 2013 die
Vorgutachter mit einem bidisziplinären rheumatologischen und psychiatrischen
Verlaufsgutachten (IV-act. 151 und 153).
A.e Am 22. Oktober 2013 erfolgte die rheumatologische Begutachtung durch Dr. I._
sowie die psychiatrische Begutachtung durch Dr. J._ (IV-act. 158 und 157). Im
Gutachten vom 19. Dezember 2013 hielten die Gutachter konsensual fest, dass ab
Begutachtungszeitpunkt eine Restarbeitsfähigkeit von 65% als zumutbar gelte (IV-act.
157).
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A.f RAD-Arzt Dr. L._ hielt in der Stellungnahme vom 10. Februar 2014 fest, das
Verlaufsgutachten genüge den versicherungsmedizinischen Kriterien. Es weise eine
Arbeitsfähigkeit von 65% in adaptierter Tätigkeit aus, wobei sich die Versicherte
gemäss ihren Äusserungen gegenüber den Gutachtern allerdings subjektiv nicht in der
Lage sehe, mehr als bisher (ca. 30%) zu arbeiten (IV-act. 159). Letzteres wurde von der
Versicherten am 4. März 2014 bestätigt, weshalb der Versicherten am 28. März 2014
mitgeteilt wurde, berufliche Massnahmen seien aktuell nicht angezeigt (IV-act. 163,
165).
A.g Mit Vorbescheid vom 23. April 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, dass ihr Leistungsbegehren abgelehnt werde. Es werde eine Arbeitsfähigkeit
von 65% sowohl in ihrer angestammten Tätigkeit sowie in einer leidensadaptierten
Tätigkeit bestätigt. Gestützt auf den Einkommensvergleich (IV-act. 166) resultiere ein
Invaliditätsgrad von 32%. Da der Invaliditätsgrad unter 40% liege, bestehe kein
Rentenanspruch (IV-act. 169).
A.h Am 10. Juni 2014 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid die
Abweisung des Leistungsbegehrens (IV-act. 170).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 14. Juli
2014. Die Beschwerdeführerin lässt durch ihren Rechtsvertreter unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen beantragen, die Verfügung vom 10. Juli 2014 sei aufzuheben
und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Ihr sei die unentgeltliche
Rechtspflege zu gewähren. Die Beschwerdeführerin macht geltend, die
Beschwerdegegnerin habe das Valideneinkommen nicht korrekt ermittelt. Das
Valideneinkommen sei gestützt auf die Lohnstrukturerhebung 2011 zu ermitteln.
Ebenso habe die Beschwerdegegnerin es unterlassen, vom Invalideneinkommen einen
Abzug für die Teilzeittätigkeit und einen leidensbedingter Abzug in der Höhe von je
10% zu machen. Selbst ohne Abzüge resultiere ein Invaliditätsgrad von mehr als 40%
(act. G 1).
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B.b Mit Beschwerdeantwort vom 16. September 2014 beantragt die IV-Stelle die
Abweisung der Beschwerde. Die Einschätzung von Dr. I._, wonach aus somatischer
Sicht eine 70%ige Arbeitsfähigkeit adaptiert bestehe, sei nicht plausibel. Die einzige
rheumatologische Diagnose, welche die Arbeitsfähigkeit einschränken könnte, sei die
Skoliose, welche aber nur leichtgradig festgestellt worden sei. Diese könne daher
adaptiert kaum Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben, weshalb aus somatischer Sicht
von einer vollen Arbeitsfähigkeit adaptiert auszugehen sei. Somatoforme
Schmerzstörungen und ähnliche Leidenszustände würden in der Regel keine zu einer
Invalidität führende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirken. Ein Ausnahmefall sei
nicht gegeben. Zudem halte die Feststellung des psychiatrischen Gutachters, die
Willensanstrengung zur Überwindung der Beschwerden sei nur teilweise zumutbar,
einer juristischen Würdigung nicht stand. Entweder sei eine Willensanstrengung
zumutbar oder sie sei es nicht. Die Beschwerdeführerin müsse in einer adaptierten
Tätigkeit als zu 100% arbeitsfähig betrachtet werden (act. G 4).
B.c Am 22. September 2014 hat das Versicherungsgericht dem Gesuch um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege entsprochen (act. G 5).
B.d Mit Schreiben vom 24. Mai 2016 legt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
einen Arztbericht vom 19. Mai 2016 sowie einen aktuellen
Medikamentendosierungsplan ins Recht. Er führt aus, dass sich der
Gesundheitszustand verschlechtert habe und die Prognose ungünstig sei (act. G 10).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
beziehungsweise ob eine Invalidität von über 40% ausgewiesen ist.
2. Streitig ist vorab das Ausmass der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin.
2.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
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Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Das im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
3.
3.1 In der Beschwerdeantwort bringt die Beschwerdegegnerin vor, dass die
Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit - anders als in der Verfügung vom 10.
Juni 2014, wo die Beschwerdegegnerin noch von einer Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit von 65% ausging - als zu 100% arbeitsfähig betrachtet werden
müsse. Aus somatischer Sicht sei eine volle Arbeitsfähigkeit adaptiert anzunehmen und
auch in psychiatrischer Hinsicht könnten die Beschwerden überwunden werden. Diese
Argumentation stützt die Beschwerdegegnerin hauptsächlich auf die Diagnosen im
Verlaufsgutachten vom 19. Dezember 2013 sowie auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung BGE 130 V 352.
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3.1.1 Dr. I._ diagnostizierte im Gutachten vom 19. Dezember 2013 in
rheumatologischer Hinsicht ein generalisiertes Schmerzsyndrom bei Verdacht auf
Schmerzstörung mit fibromyalgischem Beschwerdebild ohne den angegebenen
Schmerzgrad erklärenden radiologischen Befund bei leichtgradiger Skoliose (ICD-10:
M79.0, M47.8), ein chronisches cervikocephales Schmerzsyndrom mit diffusen
Kopfschmerzen angebend bei leichter Dysfunktion der mittleren Halswirbelsäule
(ICD-10: M53.0), bei negativem craniocerebralem MRI 03.06.05 mit Verdacht auf
Spannungskopfschmerzen (ICD-10: G44.2, differentialdiagnostisch Migräne) sowie ein
leichtes panvertebrales Schmerzsyndrom bei leichter, knapp 10 Grad Brustwirbelsäule-
Skoliose mit Tendenz zu Haltungsinsuffizienz (ICD-10: M41.2 leichtgradig). In Bezug
auf die Arbeitsfähigkeit führt Dr. I._ aus, dass aus rheumatologischer Sicht in leichten
Reinigungstätigkeiten wie bis zum Zeitpunkt der Begutachtung ausgeübt, als Näherin,
sowie in leichten industriellen, gut angepassten Tätigkeiten,in Wechselhaltung mit
eingehaltener Lasthebegrenze Boden/Tisch repetitiv 5kg und einmalig 7 bis knapp
10kg, Tisch bis Brusthöhe repetitiv 3kg, einmalig 4kg, eine Restarbeitsfähigkeit von
70% (10% Pausenabzug, 20% Leistungsminderung durch Fibromyalgieschmerzen,
panvertebralem Schmerz bei leicht skoliotischer Wirbelsäule-Fehlform, leichter nicht
progredienter Spondylose, bei längerem Arbeiten vorzeitig ermüdend) bestehe. Als
Küchenhilfe bestehe aufgrund der grösseren Belastung eine Restarbeitsfähigkeit von
60% (IV-act. 157-14 ff.).
3.1.2 Die Diagnosen von Dr. J._ aus psychiatrischer Sicht mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit lauten auf rezidivierend depressive Störung, aktuell mittelgradige
Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11), anhaltende somatoforme
Schmerzstörung im Sinne einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) sowie Status nach Panikattacken (ICD-10:
F41.0); ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünden Anpassungsprobleme bei
Veränderung der Lebensumstände (Z60.0), Probleme in Verbindung mit Berufstätigkeit
und Arbeitslosigkeit (Z56) sowie ein Erschöpfungssyndrom (Z73.0) (IV-act. 158-8). Zur
Arbeitsfähigkeit hält Dr. J._ fest, dass diese aus psychiatrischer Sicht bei rund 65%
anzusiedeln sei (IV-act. 158-11).
3.1.3 Die Gutachter zeigen nachvollziehbar auf, wie sie zur Einschätzung der
Restarbeitsfähigkeit kommen und auf welche diagnostischen Befunde diese
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Einschätzung abgestützt wird. Den Ausführungen der Beschwerdegegnerin, dass die
Unzumutbarkeit einer willentlichen Schmerzüberwindung nur in Ausnahmefällen
anzunehmen sei, kann aufgrund der Aufgabe der Überwindbarkeitsvermutung (BGE
141 V 281) nicht gefolgt werden. Ebenso ist es durchaus denkbar, dass die
Beschwerden nur teilweise überwunden werden können (vgl. BGE 141 V 281 E.
3.4.2.2), Exploranden mit psychosomatischen Leiden also noch über Ressourcen
verfügen, die sie für ein Erwerbsleben sinnvoll nutzen können (JÖRG JEGER, Die neue
Rechtsprechung zu psychosomatischen Krankheitsbildern, in: Jusletter 13. Juli 2015).
Dr. J._ begründet in seinem psychiatrischen Gutachten vom 30. November 2013 die
Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit von 80% (gemäss Gutachten vom 15. Januar
2011, Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit aufgrund Konzentrationsstörungen und
rascher Erschöpfbarkeit, IV-act. 73-7) auf 65% mit der fortgesetzten Nervosität und der
ängstlich-depressiven Grundstimmung seit fast 4 Jahren trotz adäquater Medikation
(IV-act. 158-11). Die Beschwerdeführerin leidet vorliegend zudem nicht einzig an einer
somatoformen Schmerzstörung. Von wesentlicher Bedeutung ist deshalb, dass
vorliegend ein bidisziplinäres Gutachten erstellt wurde und die Restarbeitsfähigkeit im
Konsens der Begutachter auf 65% festgelegt wurde. Dazu wurden die Diagnosen
beider Disziplinen in ihrer Gesamtheit - und nicht wie es die Beschwerdegegnerin in der
Beschwerdeantwort getan hat, jede Disziplin isoliert für sich - hinsichtlich der
Restarbeitsfähigkeit ausgewertet; es wurden insbesondere auch die Ressourcen
einbezogen (IV-act. 158-9 f.). Nur eine solche gesamthafte Betrachtung führt zu einer
korrekten Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit. Der Zweck interdisziplinärer Gutachten
liegt darin, alle relevanten gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erfassen und die
sich daraus je einzeln ergebenden Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in ein
Gesamtergebnis zu fassen (Urteil des Bundesgerichtes vom 19. September 2013,
9C_425/2013, E.4.3.1, mit Hinweis auf BGE 137 V 224, E. 1.2.4). Die eigene, nach
Disziplinen isolierte Einschätzung des Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin (die zu
der im Gegensatz zur Einschätzung des RAD Arztes steht, vgl. IV-act. 159) vermag die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im bidisziplinären Gutachten daher nicht in Zweifel zu
ziehen. Es ist nicht ersichtlich, weshalb auf das Gutachten nicht abgestellt resp.
weshalb von der darin enthaltenen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin abgewichen werden soll.
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3.2 Der vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eingereichte Bericht von Dr.
med. M._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 19. Mai 2016
(act. G 10.1) beschlägt im Übrigen nicht den hier allein massgebenden, bis zum
Verfügungserlass vom 10. Juni 2014 eingetretenen Sachverhalt, weshalb sich
Weiterungen hierzu erübrigen.
3.3 Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass gestützt auf das bidisziplinäre
Gutachten vom 19. Dezember 2013 davon auszugehen ist, dass die
Beschwerdeführerin seit der Verlaufsbegutachtung im Oktober 2013 in einer
leidensadaptierten Tätigkeit noch eine Arbeitsleistung von 65% erbringen kann.
4.
4.1 Damit ist im Folgenden der Invaliditätsgrad auf der Basis einer Arbeitsfähigkeit von
65% für leichte, leidensadaptierte Tätigkeiten zu bemessen.
4.2 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu
berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver
Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
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4.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens
zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie wenigstens zu 50% und auf eine Viertelsrente,
wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades
wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität
und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen) (Art. 16 ATSG).
4.3.1 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht. Ist kein
solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die
versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine
an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist auf
Erwerbstätigkeiten abzustellen, die der versicherten Person angesichts ihrer
Ausbildung und ihrer physischen sowie intellektuellen Eignung zugänglich wären.
Rechtsprechungsgemäss werden hierzu die Tabellenlöhne gemäss den vom
Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE)
herangezogen (BGE 129 V 475 f. E. 4.2.1). Die Beschwerdegegnerin hat auf die LSE-
Tabellenlöhne 2010 für Frauen im privaten Sektor, TA1, Anforderungsprofil 4, (Fr.
4'225.-- monatlich) als Ausgangswert abgestellt, was einem Jahreslohn (bei 41.7
Stunden betriebsüblicher wöchentlicher Arbeitszeit, Nominallohnentwicklung +1% für
das Jahr 2011) von Fr. 53'255.-- entspricht (IV-act. 166). Diese Grundlage für die
Berechnung des Invalideneinkommens ist nicht zu beanstanden und von den Parteien
auch unbestritten.
4.3.2 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im Zeitpunkt des (allfälligen) Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde hätte verdienen können. Dabei wird -
primär aus Beweisgründen - in der Regel am zuletzt erzielten, der Teuerung und der
realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer
Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden
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fortgesetzt worden wäre (Urteil des Bundesgerichts vom 22. September 2009,
8C_143/2009, E. 2.2.1 mit Hinweisen). Fehlen aussagekräftige konkrete Anhaltspunkte
für die Einkommensermittlung, so ist auf Erfahrungs- und Durchschnittswerte
zurückzugreifen, wie sie in der LSE enthalten sind (8C_423/2007 mit Hinweis).
4.3.3 Nach den zu Art. 28 Abs. 2 IVG entwickelten Grundsätzen hat der
Einkommensvergleich in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden
hypothetischen Erwerbseinkommen also ziffernmässig möglichst genau ermittelt und
einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen
ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im
Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte
miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht
unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen.
Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen (BGE 114
V 313 E. 3a). Vorliegend geht aus dem Auszug des individuellen Kontos hervor, dass
die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit erheblich schwankende Einkommen
erzielt hat (IV-act. 15). In Übereinstimmung mit der Beschwerdeführerin ist der
Validenlohn mangels repräsentativer Grundlage nicht gestützt auf das nur während
rund 1 1⁄2 Jahren erzielte Einkommen bei der B._ AG in der Höhe von Fr. 42'900.--
(IV-act. 16-2) abzustellen. Es ist vielmehr auf derselben Grundlage wie das
Invalideneinkommen zu erheben (LSE-Tabellenlöhne für Frauen im privaten Sektor,
TA1, Anforderungsprofil 4). Sind Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom
selben Tabellenlohn zu berechnen, entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung des Abzugs vom Tabellenlohn (sog.
Prozentvergleich, vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. Juli 2012, 8C_365/2012, E. 7
mit Hinweis).
4.4 Zu klären ist damit noch die Frage des Tabellenlohnabzugs bei der Bestimmung
des Invalideneinkommens. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin verlangt einen
leidensbedingten Abzug von 10% sowie einen Abzug von 10% wegen Teilzeittätigkeit.
Mit dem Abzug vom Tabellenlohn nach BGE 126 V 75 soll der Tatsache Rechnung
getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der
Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und
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Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach
Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf
einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlich erwerblichem Erfolg
verwerten kann (Urteil des Bundesgerichts vom 29. April 2014, 9C_848/2014, E. 4.3.1
mit Hinweisen). Obwohl die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Behinderung nur noch
leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ausüben kann (leichte Reinigungstätigkeiten wie
bis zum Zeitpunkt der Begutachtung am 22. Oktober 2013 ausgeübt, Tätigkeit als
Näherin, sowie leichte industrielle, gut angepasste Tätigkeiten, IV-act. 157-14), muss
ihr dieser Umstand allein nicht zum Nachteil gereichen. Es ist nämlich auch bei
eingeschränkter Leistungsfähigkeit noch kein Abzug gerechtfertigt, weil der
Tabellenlohn im Anforderungsniveau 4 bereits eine Vielzahl von leichten und
mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts vom 30. März 2009,
9C_72/2009, E. 3.4 mit Hinweisen). Zu beachten ist zudem, dass allfällige bereits in der
Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche
Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzuges
einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunktes führen
(Urteil des Bundesgerichts vom 24. Januar 2011, 8C_530/2010, E. 4.2). Der von der
Beschwerdeführerin geforderte leidensbedingte Abzug von 10% wird von dieser damit
begründet, dass sie gemäss Gutachten an Dauerschmerzen leide. Im Gutachten wird
festgehalten, dass eine Restarbeitsfähigkeit von 65% infolge mittlerer Einschränkung
der Willenskraft, Schmerzen und Einschränkung, die niedergeschlagene Stimmung zu
überwinden, bestehe (IV-act. 157-22 Ziff. 10.1.4.). Aus rheumatologischer Sicht seien
im Rahmen der Restarbeitsfähigkeit von 65% bereits vermehrte Kurzpausen und eine
allfällige Leistungsminderung berücksichtigt; aus psychiatrischer Sicht bestehe zudem
ein reduzierter Antrieb, Einschränkung in Konzentration, rascherer Erschöpfbarkeit mit
entsprechend regelmässigem und erhöhtem Pausenbedarf, weshalb gesamthaft eine
Restarbeitsfähigkeit adaptiert von 65% bestehe (IV-act. 157-22 f. Ziff. 10.2.1.). Die von
der Beschwerdeführerin geltend gemachten Schmerzen wurden somit bereits bei der
Arbeitsfähigkeitseinschätzung berücksichtigt. Gleiches gilt für die Leistungsminderung
sowie für die vermehrten Kurzpausen, welche im Gutachten bereits in die Einschätzung
der Restarbeitsfähigkeit eingeflossen sind. Ein Teilzeitabzug ist gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht angezeigt, da bei Frauen ein
Tabellenlohnabzug für Teilzeit nicht begründet sei (Urteil des Bundesgerichts vom 18.
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September 2012, 9C_315/2012, E. 3.2.3). Zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses war
die Beschwerdeführerin 46 Jahre alt, womit auch unter dem Titel Alter kein Abzug
anerkannt werden kann. Insgesamt kann damit festgehalten werden, dass ein
Tabellenlohnabzug nicht angezeigt ist.
4.5 Beim Prozentvergleich ohne Tabellenlohnabzug entspricht der Invaliditätsgrad dem
Grad der Arbeitsunfähigkeit, welche bei einer Restarbeitsfähigkeit von 65% vorliegend
bei 35% liegt (E. 3.3). Damit ergibt sich ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von
35%.
5.
Die Frage, ob die Voraussetzung der einjährigen Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG
im Zeitpunkt des Verfügungserlasses erfüllt war, kann aufgrund des Invaliditätsgrads
von unter 40% offen bleiben.
6.
6.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Der unterliegenden Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten in
der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von
der Bezahlung zu befreien.
6.3 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. Im hier zu
beurteilenden Fall erscheint eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inkl.
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Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen
(Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat den
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin pauschal mit Fr. 2'800.-- (inkl. Barauslagen
und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
6.4 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO/CH; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).