Decision ID: eafc8eac-029c-5bcc-86e7-2487c72dcc7f
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamili-
scher Ethnie, suchte am 19. Oktober 2015 erstmals in der Schweiz um Asyl
nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 28. Oktober 2015
und der Anhörung vom 27. Februar 2017 führte er im Wesentlichen Fol-
gendes aus:
Er stamme aus B._, Nordprovinz, wo er von seiner Geburt an bis
zur Ausreise gelebt habe. Sein älterer Bruder sei im Jahr 2010 vom Militär
rekrutiert und gezwungen worden, für dieses zu arbeiten. Nachdem der
Bruder seine Familie im Oktober 2014 besucht habe, sei er verschwunden;
sie hätten ihn seither nie mehr gesehen. In der Folge seien mehrmals Sol-
daten sowie andere Personen zu ihnen gekommen und hätten nach sei-
nem Bruder gesucht. Anlässlich eines solchen Besuchs am (...) 2014 hät-
ten die Soldaten ihn (Beschwerdeführer) an einen unbekannten Ort mitge-
nommen, mehrere Tage lang festgehalten und dabei schwer gefoltert. Sie
hätten ihn noch vier weitere Male mitgenommen, nach seinem Bruder ge-
fragt und auf brutale Art und Weise gefoltert. Fünf Tage nach der letzten
Mitnahme sei er auf dem Weg nach Hause zusammen mit einem Kollegen
von zwei unbekannten Personen mit einem Schwert angegriffen worden,
wobei sein Freund schwer verletzt worden sei. Die Angreifer hätten gesagt,
wenn er das nächste Mal seinen Bruder nicht ins Armeecamp bringe, wür-
den sie ihm den Hals abschneiden. Nach diesem Vorfall hätten seine Eltern
ihm geraten, ins Ausland zu gehen, weshalb er Sri Lanka am 21. August
2015 verlassen habe.
A.b Mit Verfügung vom 14. März 2017 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch
ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug
an. Es begründete seine Verfügung im Wesentlichen damit, dass die Vor-
bringen des Beschwerdeführers teilweise nicht glaubhaft und teilweise
nicht asylrelevant seien.
A.c Das Bundesverwaltungsgericht wies eine gegen diesen Entscheid ge-
richtete Beschwerde mit Urteil D-2175/2017 vom 14. Februar 2018 ab.
B.
Mit Eingabe vom 4. Juni 2019 reichte der Beschwerdeführer ein zweites
Asylgesuch ein. Darin führte er aus, er sei nach der Ablehnung seiner Be-
schwerde im April 2018 in Kontakt mit Schleppern getreten und zunächst
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nach Indien gegangen. Er habe dann zu seinen Eltern nach Sri Lanka zu-
rückkehren wollen. Weil ihn das Militär dort aber rasch hätte finden können,
hätten ihm seine Eltern geraten, zu seinem Cousin nach Colombo zu ge-
hen. In der Folge habe er bei seinem Cousin gelebt und nach einiger Zeit
begonnen, in einem (...) zu arbeiten. Im April 2019 hätten in Colombo meh-
rere Bombenanschläge stattgefunden. Unter anderem sei auch eine Kirche
betroffen gewesen, wobei er sich zum Zeitpunkt der Explosion ausserhalb
der Kirche befunden habe und unverletzt geblieben sei. Eine Woche später
sei er auf der Strasse vor seiner Wohnung von muslimischen Personen
angehalten und gefragt worden, was er hier mache und ob er Muslim sei.
Aus Angst habe er dies bejaht, woraufhin sie ihn aufgefordert hätten, mit
ihnen in die Moschee zu gehen und zu beten. Da er dies nicht gekonnt
habe, habe er zugegeben, dass er in Wahrheit Christ sei. Die Muslime hät-
ten ihn daraufhin mit einem Messer bedroht und beleidigt sowie gegen sei-
nen Willen zur Moschee bringen wollen, um zu überprüfen, ob er beschnit-
ten sei. In diesem Moment sei die Polizei vorbeigefahren und sie hätten
von ihm abgelassen. Die Polizisten hätten ihn in ihrem Fahrzeug mitge-
nommen und mit verbundenen Augen in einen dunklen Raum gebracht.
Sie hätten ihn gefragt, was er mit den Muslimen zu tun habe, woraufhin er
ihnen die Vorkommnisse geschildert habe. Als sie seine Identitätskarte hät-
ten sehen wollen, habe er ihnen jene seines Bruders E._ gezeigt.
Die Polizisten hätten aber sofort festgestellt, dass er nicht E._ sei.
Sie hätten ihm vorgeworfen, in die Bombenattentate involviert gewesen zu
sein und mit Muslimen zusammenzuarbeiten. Mit einer glühenden Metall-
stange hätten sie seinen (...) verbrannt, bis er in Ohnmacht gefallen sei.
Als er wieder zu sich gekommen sei, habe er sich in der Wohnung seines
Cousins befunden, wobei er sich nicht habe erklären können, wie er dorthin
gekommen sei. Seine Verwandten hätten ihn dazu gedrängt, das Land zu
verlassen, da er sonst sie und sich selbst in grosse Gefahr gebracht hätte.
Mithilfe eines Schleppers sei er deshalb zurück in die Schweiz gereist.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer drei Fotoaufnahmen ein,
welche seinen mit Brandnarben versehrten (...) zeigten. Zudem ersuchte
er um eine Einladung für eine Anhörung, um seine Asylgründe mündlich
und im Detail darlegen zu können.
C.
C.a Das kantonale Migrationsamt teilte dem SEM auf dessen Anfrage hin
am 24. Juni 2019 mit, dass sich der Beschwerdeführer seit dem 13. Juni
2019 nicht mehr im Asylzentrum aufhalte. Am Folgetag informierte es das
SEM darüber, dass der Beschwerdeführer sich beim Kanton gemeldet
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habe, wo er aufgefordert worden sei, sich ans Amt (...) zu wenden. Dort
sei er aber nicht erschienen. Aufgrund des weiterhin unbekannten Aufent-
halts des Beschwerdeführers schrieb das SEM das Mehrfachgesuch am
9. Juli 2019 gestützt auf Art. 8 Abs. 3bis AsylG (SR 142.31) formlos ab.
C.b Der Beschwerdeführer stellte mit Eingabe vom 20. August 2019 ein
Gesuch um Wiederaufnahme seines abgeschriebenen Mehrfachgesuchs.
Er habe sich bei einem Kollegen aufgehalten und dies dem kantonalen
Migrationsamt gemeldet. Er habe dabei aber nicht richtig verstanden, dass
er angewiesen worden sei, beim Amt (...) vorzusprechen.
C.c Mit Schreiben vom 27. August 2019 gab das SEM dem Gesuch um
Wiederaufnahme des Mehrfachgesuchs statt. Gleichzeitig bat es den Be-
schwerdeführer, diverse Fragen zu seiner Reise nach Sri Lanka, seinem
Aufenthalt in Colombo und seiner Rückreise in die Schweiz ausführlich zu
beantworten. Weiter forderte es ihn auf, seine Vorbringen mit entsprechen-
den Dokumenten – wie Tickets für Flug- oder Zugreisen, einem Arbeitsver-
trag oder anderen Belegen für die Tätigkeit im (...) sowie weiteren Beweis-
mitteln für seinen Aufenthalt in Sri Lanka – zu belegen.
C.d Der Beschwerdeführer reichte – handelnd durch seinen neu mandatier-
ten Rechtsvertreter – am 24. September 2019 bei der Vorinstanz eine Stel-
lungnahme ein. Darin führte er aus, wie er nach Sri Lanka und wieder zurück
in die Schweiz gereist sei. Er könne diese Reisen aber nicht belegen, da er
mit einem Schlepper gereist sei, welcher die Flugtickets sowie die verwen-
deten Pässe jeweils wieder an sich genommen habe. In Colombo habe er
bei seiner Cousine gewohnt an der Adresse "(...)". Gearbeitet habe er vom
(...) 2018 bis Anfang Mai 2019 im (...). Einen Arbeitsvertrag könne er nicht
vorlegen, da die Absprache – wie in Sri Lanka üblich – mündlich getroffen
worden sei. Zudem sei der Lohn bar ausbezahlt worden, weshalb er auch
hierfür keine Belege beibringen könne. Er habe indessen von seinem ehe-
maligen Vorgesetzten eine Arbeitsbestätigung eingeholt. Neben dieser Ar-
beitsbestätigung liess er dem SEM zwei Fotografien zu seinem Aufenthalt
in Sri Lanka und mehrere Chatverläufe von in dieser Zeit getätigten Chats
zukommen. Weiter habe er zwei Fotos erhalten, die seine Anwesenheit
beim Bombenattentat in einer Kirche zeigten. Abschliessend ersuchte der
Beschwerdeführer erneut um Durchführung einer Anhörung zu seinen
Asylgründen.
D.
Mit Verfügung vom 3. Oktober 2019 wies das SEM das Mehrfachgesuch
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des Beschwerdeführers ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und
ordnete deren Vollzug an. Zudem erhob es eine Gebühr von Fr. 600.–.
E.
Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom
4. November 2019 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen
diesen Entscheid. Darin beantragte er, die angefochtene Verfügung sei
vollumfänglich aufzuheben und zur vollständigen Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter
sei ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren, subeventualiter sei die Unzuläs-
sigkeit, allenfalls Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen
und ihm als Folge davon eine vorläufige Aufnahme zu gewähren. In pro-
zessualer Hinsicht ersuchte er um Feststellung der aufschiebenden Wir-
kung, Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege inklusive Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie Beiordnung der unterzeich-
nenden Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin.
F.
Mit Eingabe vom 7. November 2019 reichte der Beschwerdeführer eine
Fürsorgebestätigung zu den Akten.
G.
Der Instruktionsrichter hielt mit Zwischenverfügung vom 9. Dezember 2019
fest, dass der Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung
zukomme, weshalb auf den Antrag, es sei die aufschiebende Wirkung fest-
zustellen, nicht einzutreten sei. Gleichzeitig hiess er das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1
VwVG gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Das Gesuch um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands wies er
indessen ab.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
In der Regel entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Besetzung
mit drei Richtern beziehungsweise drei Richterinnen. Gestützt auf Art. 111a
Abs. 1 AsylG kann auch in diesen Fällen auf die Durchführung eines Schrif-
tenwechsels verzichtet werden.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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Seite 7
5.
5.1 Das SEM begründete seine Verfügung im Wesentlichen damit, dass
die Vorbringen des Beschwerdeführers in seinem Mehrfachgesuch nicht
glaubhaft seien. Seine Ausführungen zum angeblichen Aufenthalt in Sri
Lanka seien äusserst unsubstanziiert und pauschal ausgefallen und im Er-
gebnis als blosse Behauptung zu werten. Als Belege habe er lediglich eine
Arbeitsbestätigung des (...) in Colombo verschiedene Fotos sowie Aus-
züge von Chatverläufen zu den Akten gereicht. Die Arbeitsbestätigung –
welche im Übrigen leicht fälschbar sei – sei als reines Gefälligkeitsschrei-
ben zu qualifizieren, welches nicht beweistauglich sei. Weiter liessen die
eingereichten Fotos weder auf einen Aufenthalt in Sri Lanka schliessen
noch auf die von ihm behauptete Situation. Zudem sei auf den Fotoaufnah-
men, welche ihn während des Bombenattentats in einer Kirche zeigen sol-
len, keine eindeutig identifizierbare Person zu erkennen. Ebenso wenig
könnten sich den Chatverläufen klare Indizien für die geltend gemachte
Reise und den Aufenthalt in Sri Lanka entnehmen lassen. Sodann sei auch
die äusserst pauschale Erklärung für das Fehlen jeglicher Reiseunterlagen
– der Schlepper habe diese wieder weggenommen – nicht überzeugend.
Es dürfe angenommen werden, dass er beispielsweise über Quittungen
von Restaurants oder Taxis, Kreditkartenabrechnungen vom Flughafen
oder Fotos von dort verfügen würde, wenn er die geltend gemachte Reise
tatsächlich unternommen hätte. Zusammenfassend gelinge es ihm nicht,
die behauptete Reise nach Sri Lanka und die dort erlittenen Probleme
glaubhaft zu machen. An dieser Einschätzung vermöchten auch die einge-
reichten Fotos, welche Narben an seinem (...) zeigten, nichts zu ändern.
Seine Ausführungen zu den Ereignissen, welche zu diesen Narben geführt
hätten, seien ebenfalls sehr pauschal und oberflächlich. Zudem sei nicht
nachvollziehbar, wie es zum Vorwurf der Involvierung in die Anschläge ge-
kommen sein soll. Einzig der Aufenthalt vor einer Moschee und die angeb-
liche Auseinandersetzung mit Muslimen vor dieser vermöchten einen sol-
chen nicht zu begründen, zumal die sri-lankischen Behörden bei Verhaf-
tungen von Personen, die verdächtigt würden, mit den Terroranschlägen in
Verbindung zu stehen, gezielt vorzugehen schienen. Es sei somit festzu-
halten, dass die Narben auch von anderen Ereignissen als von den be-
haupteten staatlichen Misshandlungen stammen könnten.
Angesichts der vagen und pauschal gehaltenen Ausführungen sowie der
untauglichen vorgelegten Beweismittel gelinge es dem Beschwerdeführer
nicht, neue Asylgründe glaubhaft darzulegen. Es sei im Übrigen nicht er-
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forderlich, ihn zu einer Anhörung vorzuladen, da das Verfahren bei Mehr-
fachgesuchen nach Art. 111c AsylG grundsätzlich schriftlich geführt werde
und eine Anhörung vorliegend auch nicht angezeigt erscheine.
5.2
5.2.1 In seiner Beschwerdeeingabe machte der Beschwerdeführer – ne-
ben Wiederholungen – ergänzende respektive präzisierende Angaben zum
Sachverhalt. Er führte aus, dass er mithilfe eines Schleppers nach Sri
Lanka zurückgekehrt sei, da er sich davon gefürchtet habe, dort als "de-
portee" anzukommen und dadurch erneut ins Visier der heimatlichen Si-
cherheitsbehörden zu geraten. Mit einer Familie aus der Westschweiz sei
er über D._ nach Indien geflogen. Von dort aus habe er seine Fa-
milie kontaktiert, die ihn davor gewarnt habe, nach Hause zurückzukehren,
und ihn stattdessen angewiesen habe, nach Colombo zu gehen. Er habe
in der Folge ein unauffälliges Leben geführt, bis es im April 2019 zu den
Bombenanschlägen gekommen sei. Etwa eine Woche später sei er auf
dem Nachhauseweg an einer Moschee vorbeigekommen und es sei zu ei-
ner Auseinandersetzung mit einigen Muslimen gekommen. Dies habe die
Aufmerksamkeit der Polizei auf sich gezogen, woraufhin die Muslime ge-
flohen seien, während er von den Polizisten mitgenommen worden sei.
Diese hätten ihn in einen dunklen Raum gebracht und dort befragt. Dabei
hätten sie umgehend gemerkt, dass er nicht seine eigene Identitätskarte,
sondern jene seines Bruders E._ auf sich getragen habe. Sie hätten
ihm deshalb vorgeworfen, dass er sie anlüge, und ihm nicht geglaubt, als
er seine Geschichte mit dem Aufenthalt in der Schweiz und der anschlies-
senden Rückkehr erzählt habe. Die Polizisten hätten untereinander singha-
lesisch gesprochen und ihn beschuldigt, Verbindungen zu den Bombenan-
schlägen zu haben, da er mit Muslimen unterwegs gewesen sei. Sie hätten
von ihm wissen wollen, was ihre weiteren Pläne seien, und ihn immer wie-
der geschlagen, obwohl er beteuert habe, dass er die Muslime nicht kenne
und nichts über die Anschläge wisse. Die Polizisten hätten den Raum ver-
lassen und als sie wiedergekommen seien, habe einer von ihnen mit einem
Handschuh eine mit einem Tuch umwickelte glühende Eisenstange getra-
gen. Sie hätten ihn auf dem Boden festgehalten und mit der Eisenstange
seinen (...) verbrannt, bis er schliesslich das Bewusstsein verloren habe.
Als er wieder zu sich gekommen sei, habe er sich bei einem Kollegen sei-
ner Cousine befunden. Im Nachhinein habe er erfahren, dass die Cousine
einen Anruf erhalten habe mit der Anweisung, ihn abzuholen. Sie habe da-
raufhin zwei Bekannte geschickt, welche ihn mitgenommen hätten. Die Po-
lizisten hätten zu diesen gesagt, dass er von nun an beobachtet werde und
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sich für eine erneute Befragung bereithalten solle. Da er sich in den folgen-
den Tagen kaum habe bewegen können, habe er diese liegend verbracht,
während ihm jeweils zweimal täglich eine Salbe auf (...) aufgetragen wor-
den sei. Danach sei er zu seiner Cousine zurückgekehrt. Sein Leben sei in
Gefahr gewesen, weshalb seine Familie die erneute Flucht aus Sri Lanka
organisiert habe. Über F._ sei er mit einem Boot nach Indien ge-
langt. Von dort sei er mit einer Frau, die sich als G._ vorgestellt und
ihm einen Reisepass gegeben habe, via H._ direkt nach I._
gereist.
5.2.2 In der Rechtsmitteleingabe wurde insbesondere geltend gemacht,
dass die Vorinstanz den Sachverhalt nicht richtig abgeklärt habe. Sie habe
den Beschwerdeführer in ihrem Schreiben vom 27. August 2019 lediglich
aufgefordert, Angaben zu seiner Reise nach Sri Lanka und wieder zurück
sowie zu seinem Aufenthalt dort zu machen. Sie habe jedoch keine weite-
ren Fragen zur geltend gemachten Verfolgung gestellt und auch darauf ver-
zichtet, ihn erneut anzuhören, obwohl er ausdrücklich um eine mündliche
Anhörung gebeten habe. Zwar sei das Verfahren bei Mehrfachgesuchen
grundsätzlich schriftlich zu führen. Es sei aber dem Umstand Rechnung zu
tragen, dass mit diesem Verfahren auch Asylgesuche von Personen zu be-
handeln seien, die zwischenzeitlich in ihr Heimatland zurückgekehrt seien.
In diesen Fällen könnten allenfalls neue Asylgründe geltend gemacht wer-
den, die von den Gesuchstellern in einer schriftlichen Laieneingabe nicht
ausführlich genug dargelegt werden könnten, weshalb je nach Konstella-
tion weitere Abklärungen nach Art. 12 ff. VwVG angezeigt seien. Nachdem
mit den eingereichten Fotos der Narben auf seinem (...) zweifelsfrei belegt
sei, dass der Beschwerdeführer Folter ausgesetzt gewesen sei, leuchte es
nicht ein, dass die Vorinstanz keine weiteren Abklärungen zur Verfolgung
getätigt und sich darauf beschränkt habe, ihm Fragen zu seinem Aufenthalt
in Sri Lanka und zur Reise zu stellen. Der Sachverhalt erweise sich deshalb
nicht als rechtsgenüglich abgeklärt und die Sache sei zur Neubeurteilung
an die Vorinstanz zurückzuweisen.
5.2.3 Weiter brachte der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit den
fehlenden Dokumenten zur Flucht vor, dass es eine bekannte Vorgehens-
weise von Schleppern sei, alle Reisedokumente wieder einzuziehen, wes-
halb er über keine solchen verfüge. Ein Taxi habe er nie benutzt und auf
der Rückreise habe er zwar in H._ einen Kaffee getrunken, welcher
aber von G._ bezahlt worden sei. Es sei somit nachvollziehbar,
dass er seine Reise nach Sri Lanka und zurück nicht mit Dokumenten be-
legen könne. Aus der Beschwerdeeingabe gehe hervor, dass er seinen
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Reiseweg durchaus substanziiert und detailliert darzulegen vermöge. Zu-
dem sei nicht ersichtlich, weshalb die Vorinstanz die Arbeitsbestätigung als
Gefälligkeitsschreiben qualifiziere; diese sei zumindest als Indiz für den
Aufenthalt in Sri Lanka zu werten. Die Chatverläufe seien ebenfalls als ent-
sprechende Indizien anzusehen, da aus diesen hervorgehe, dass er sich
im April 2019 mit jemandem darüber unterhalte, dass er wieder in Colombo
sei und bald Osterferien habe. Mit den Folternarben setze sich die Vo-
rinstanz nur ganz nebensächlich und in pauschaler Weise auseinander.
Gemäss ihrer Argumentation habe er die Schweiz niemals verlassen, was
bedeuten würde, dass er sich die Brandnarben hierzulande zugezogen
habe. Dies erscheine um einiges weniger wahrscheinlich, als dass er diese
– wie von ihm beschrieben – in Sri Lanka erhalten habe. Fragwürdig er-
scheine auch, dass sich das SEM in seinem Entscheid in keiner Weise
damit auseinandersetze, woher die Brandnarben andernfalls stammten.
Die Vorinstanz habe es unterlassen, eine Gesamtwürdigung vorzunehmen
und sich vielmehr darauf fokussiert, ob er seine Rück- beziehungsweise
Wiedereinreise sowie seinen Aufenthalt in Sri Lanka mit Beweismitteln be-
legen könne oder nicht. Insgesamt seien die Vorbringen überwiegend
glaubhaft. Folglich sei davon auszugehen, dass er vor seiner erneuten
Ausreise aus Sri Lanka im Jahr 2019 ins Visier der sri-lankischen Sicher-
heitsbehörden geraten sei. Die erlittene Folter weise zweifellos die erfor-
derliche Intensität auf, um als asylrelevanter Nachteil zu gelten. Das Ver-
folgungsmotiv sei eine unterstellte Verbindung zu den Muslimen und den
Bombenanschlägen, womit er infolge einer ihm unterstellten politischen
Gesinnung beziehungsweise Religionszugehörigkeit gezielt verfolgt
werde. Die Furcht vor einer zukünftigen Verfolgung sei auch aktuell, da die
Polizisten ihm weitere Verhöre in Aussicht gestellt hätten. Er erfülle somit
die Flüchtlingseigenschaft und es sei ihm Asyl zu gewähren. Zudem lägen
mehrere der vom Bundesverwaltungsgericht festgelegten Risikofaktoren
vor, welche eine künftige Verfolgung höchst wahrscheinlich erscheinen
liessen. Er stamme aus dem Norden Sri Lankas, sei tamilischer Ethnie und
verfüge nicht über einen gültigen Reisepass. Weiter seien ihm in der Ver-
gangenheit – auch wegen seines Bruders – bereits Verbindungen zu den
Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) unterstellt worden. Zudem weise
er (...) Brandnarben am (...) auf.
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Seite 11
6.
6.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu
beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vor-
instanzlichen Verfügung zu bewirken.
6.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Dies umfasst als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse, die einer Partei
einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam
zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35
E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die
Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheid-
findung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass sich
die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt
und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65
E. 5.2).
6.3 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflich bildet ei-
nen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
6.4 Das zweite Asylgesuch wurde knapp 16 Monate nach dem rechtskräf-
tigen Abschluss des ersten Asylverfahrens und somit innerhalb der Fünf-
jahresfrist von Art. 111c Abs. 1 AsylG eingereicht. Bei dieser Konstellation
ist eine Anhörung gemäss Art. 29 AsylG grundsätzlich nicht vorgesehen,
auch wenn der Beschwerdeführer geltend macht, dass er zwischenzeitlich
in seinen Heimatstaat zurückgekehrt sei (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.3). Auf-
grund der ihm obliegenden Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 8 AsylG) und ge-
stützt auf Art. 111c AsylG war der Beschwerdeführer gesetzlich verpflichtet,
seine neuen Asylgründe schriftlich substanziiert darzutun und mit entspre-
chenden Beweismitteln zu belegen. Es besteht kein Anspruch auf eine
nochmalige Anhörung, in welcher er seine Asylgründe mündlich darlegen
kann. In seiner Eingabe vom 4. Juni 2019 stellte er denn auch ein schriftli-
ches Asylgesuch, in welchem er neue Asylgründe geltend machte. Es ist
nicht ersichtlich, weshalb es ihm nicht möglich gewesen sein soll, seine
Vorbringen in schriftlicher Form ausreichend detailliert zu schildern. Zudem
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Seite 12
stellte ihm das SEM mit Schreiben vom 27. August 2019 verschiedene Fra-
gen, wobei er auch ausdrücklich auf Art. 111c AsylG hingewiesen und ihm
mitgeteilt wurde, dass Mehrfachgesuche schriftlich und begründet zu erfol-
gen hätten. Das entsprechende Antwortschreiben vom 24. September
2019 wurde durch einen Rechtsvertreter verfasst, welchem die Verfahrens-
vorschriften betreffend die Stellung von Mehrfachgesuchen ebenfalls be-
kannt gewesen sein müssen, auch wenn er – ohne weitere Begründung –
die Durchführung einer Anhörung beantragte. Sodann war es dem Be-
schwerdeführer unbenommen, im Rahmen seiner Eingabe vom 24. Sep-
tember 2019 oder mit einem separaten Schreiben ergänzende oder präzi-
sierende Ausführungen zu seiner geltend gemachten Verfolgung zu ma-
chen, ohne dass er hierzu ausdrücklich aufgefordert worden wäre. Es ist
vorliegend von entscheidender Bedeutung, ob überhaupt von einer Rück-
kehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka auszugehen ist, da andern-
falls seinen neuen Asylgründen die Grundlage entzogen ist. Somit ist es
nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz ihm in erster Linie Fragen zu
seiner Reise und dem behaupteten Aufenthalt im Heimatstaat gestellt hat.
Zudem war der Beschwerdeführer verpflichtet, seine Asylgründe bereits im
Mehrfachgesuch schriftlich und substanziiert darzulegen. Entsprechend
war das SEM auch nicht gehalten, ihm im Rahmen von weiteren Abklärun-
gen die Gelegenheit zu geben, seine Verfolgungsvorbringen und die gel-
tend gemachte Folter nochmals mündlich oder schriftlich im Detail zu schil-
dern. Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes oder eine unvoll-
ständige Sachverhaltsabklärung durch die Vorinstanz liegt nicht vor, wes-
halb der Antrag auf Rückweisung der Sache an das SEM zur Neubeurtei-
lung abzuweisen ist.
7.
7.1 Glaubhaftmachung bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein
reduziertes Beweismass und lässt Raum für gewisse Einwände und Zwei-
fel an den Vorbringen des Beschwerdeführers. Eine Behauptung gilt be-
reits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völ-
lig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle
Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es demgegenüber
nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdi-
gung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände ge-
gen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist
im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der
Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf
eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1
m.w.H.).
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7.2 Im Rahmen seines Mehrfachgesuchs vom 4. Juni 2019 legte der Be-
schwerdeführer dar, dass er im April 2018 mit Schleppern in Kontakt getre-
ten und zunächst nach Indien gelangt sei. Da ihm der illegale Aufenthalt
dort zu stressig gewesen sei, habe er sich entschlossen, zu seinen Eltern
zu reisen. Präzisierend führte er in der Eingabe vom 24. September 2019
aus, dass er auf dem Luftweg von J._ via D._ nach
K._ (Indien) gereist sei. Von dort aus habe er seine Familie kontak-
tiert und sei mithilfe eines weiteren Schleppers auf dem Seeweg via
L._ nach Sri Lanka gelangt. Insgesamt habe er etwa eine Woche in
Indien verbracht. Die Ausführungen in der Beschwerdeeingabe enthalten
wenige ergänzende Angaben, namentlich zu der Familie, mit welcher der
Beschwerdeführer nach K._ gereist sein will. Vor diesem Hinter-
grund ist festzuhalten, dass seine Angaben zum Reiseweg nach wie vor
als vage und oberflächlich anzusehen sind. Weder zum ungefähr einwö-
chigen Aufenthalt in Indien noch zur Reise von K._ nach L._
– die immerhin mehrere hundert Kilometer auseinanderliegen – noch zur
Weiterreise nach Colombo machte der Beschwerdeführer detaillierte Aus-
sagen. Vielmehr beschränkte er sich darauf, anzugeben, er habe die Stre-
cke auf dem Seeweg zurückgelegt. Zudem wies das SEM zu Recht darauf
hin, dass es nicht nachvollziehbar erscheint, dass er zu seiner Reisetätig-
keit keinerlei Belege einreichen konnte. Die Hinreise dauerte offenbar meh-
rere Tage und der Beschwerdeführer war mit verschiedenen Transportmit-
teln unterwegs. Entsprechend wäre zu erwarten gewesen, dass er über
gewisse Belege – seien es Quittungen oder Kreditkartenabrechnungen für
gekauftes Essen und Verkehrsmittel oder in dieser Zeit aufgenommene Fo-
tografien – für seine Reise verfügen würde, selbst wenn der Schlepper die
Flugtickets und Pässe wieder an sich genommen hätte. Es ist jedenfalls
nicht davon auszugehen, dass der auf der Rückreise in H._ getrun-
kene – und von G._ bezahlte – Kaffee (vgl. Ziff. 31 der Beschwer-
deschrift) das einzige ist, was der Beschwerdeführer während seinen Rei-
sen zu sich genommen hat und allenfalls mit einer Quittung belegen
könnte.
7.3 Sodann sind auch die Ausführungen des Beschwerdeführers zu sei-
nem Aufenthalt in Colombo durchwegs pauschal gehalten. Seine einzigen
Angaben hierzu sind, dass er bei seiner Cousine gewohnt, ab (...) 2018 im
(...) gearbeitet und ein unauffälliges Leben geführt habe. Das SEM hat dies
zu Recht als äusserst unsubstanziierte Schilderung des behaupteten ein-
jährigen Aufenthalts in Colombo angesehen. Abgesehen von der Arbeits-
bestätigung – welche die Vorinstanz zutreffend als leicht fälschbares Do-
D-5786/2019
Seite 14
kument eingestuft hat – reichte der Beschwerdeführer nur noch zwei unda-
tierte Fotografien zu seinem Aufenthalt in Sri Lanka ein. Es wird nicht dar-
gelegt, wann und wo diese Aufnahmen entstanden seien und inwiefern
diese geeignet sein sollen, zu belegen, dass er sich zwischen April 2018
und Anfang Mai 2019 in Sri Lanka aufgehalten haben soll. Die Chatverläufe
sind ebenfalls nicht als Indiz für seine Reise in den Heimatstaat zu werten,
nachdem diese keine eindeutigen Rückschlüsse auf den Aufenthaltsort des
Verfassers der Nachrichten zulassen und weitere diesbezügliche Überprü-
fungen nicht möglich sind, weil der Beschwerdeführer das von ihm in Sri
Lanka verwendete Mobiltelefon angeblich verloren habe (vgl. Eingabe vom
24. September 2019). Es ist auch nicht nachvollziehbar, dass der Be-
schwerdeführer neben diesen wenigen Unterlagen keinerlei weiteren Be-
lege dafür einreichen konnte, dass er sich ein ganzes Jahr im Heimatstaat
aufgehalten habe.
7.4 Im Zusammenhang mit den Anschlägen in Sri Lanka im April 2019
macht der Beschwerdeführer sowohl in seinem Mehrfachgesuch als auch
in der Beschwerdeeingabe geltend, er habe sich zum Zeitpunkt der Explo-
sion zwar ausserhalb der Kirche befunden, aber alles mitansehen müssen.
Gleichzeitig reichte er mit seiner Stellungnahme vom 24. September 2019
zwei Fotoaufnahmen ein, welche seine Anwesenheit beim Bombenattentat
belegen sollen. Nicht nur befindet sich die darauf mit einem Pfeil markierte
Person innerhalb der Kirche, sie lässt sich aufgrund der Unschärfe des Fo-
tos auch nicht identifizieren. Des Weiteren zeigen die beiden Fotos – die
sich im Internet abrufen lassen (vgl. https://www.myghanalinks.com/in-
dex.php/world-news/14347-sri-lanka-bombings-190-dead-hundreds-inju-
red-in-church-hotel-explosions-on-easter-sunday; https://www.onanka.com/
news/sri-lanka-imposes-emergency-says-intenational-network-involved-in-
attacks.html, beide abgerufen am 23.03.2020) – die Kirche (...) in
M._. Es ist nicht ersichtlich und wird vom Beschwerdeführer auch
nicht dargelegt, weshalb er dort und nicht an seinem Wohnort in Colobmo
oder allenfalls bei seinen Eltern in N._ den Ostergottesdienst be-
sucht respektive sich währenddessen ausserhalb der Kirche aufgehalten
haben sollte. Seine Ausführungen und die vorgelegten Fotoaufnahmen zu
den Anschlägen vom 21. April 2019 sind somit ebenfalls nicht geeignet,
den behaupteten Aufenthalt in Sri Lanka glaubhaft zu machen.
7.5 Zur geltend gemachten Verfolgung führte der Beschwerdeführer in sei-
nem Gesuch vom 4. Juni 2019 aus, dass er etwa eine Woche nach den
Anschlägen auf der Strasse vor seiner Wohnung von Muslimen angehalten
worden sei. In der Beschwerdeeingabe erklärte er dagegen, dass er auf
D-5786/2019
Seite 15
dem Nachhauseweg an einer Moschee vorbeigegangen sei, vor der etwa
sieben Männer gestanden hätten, welche ihn angehalten hätten. Weiter
wurde ausgeführt, dass es zu einer Auseinandersetzung mit diesen Män-
nern gekommen sei und seine Hilferufe die Aufmerksamkeit der Polizei auf
sich gezogen hätten. Die Polizisten hätten ihn mitgenommen und mit ver-
bundenen Augen in einen dunklen Raum gebracht. Sie hätten seine Iden-
titätskarte sehen wollen und sofort gemerkt, dass es nicht seine, sondern
jene seines Bruders E._ gewesen sei. Sie hätten ihm vorgeworfen,
dass er mit Muslimen unterwegs gewesen und in die Bombenattentate in-
volviert gewesen sei. Es ist schwer nachvollziehbar, dass die Beamten dem
Beschwerdeführer allein deshalb, weil er in eine Auseinandersetzung vor
einer Moschee verwickelt gewesen sei, eine Verbindung zu den Bomben-
anschlägen unterstellt hätten, zumal die Polizei gerade erst durch seine
Hilferufe auf die Gruppe aufmerksam geworden sein soll. Gemäss den An-
gaben des Beschwerdeführers hätten die Polizisten ihn der Lüge bezichtigt
und ihm mit einer glühenden Eisenstange den (...) verbrannt, bis er in Ohn-
macht gefallen sei. Seinen Ausführungen im Mehrfachgesuch zufolge sei
er in der Wohnung seines Cousins wieder zu sich gekommen, habe sich
aber nicht erklären können, wie er dorthin gekommen sei. Demgegenüber
machte er in der Beschwerdeeingabe geltend, er sei bei einem Kollegen
seiner Cousine zuhause wieder aufgewacht. Die Cousine habe einen Anruf
erhalten, um ihn abzuholen, und daraufhin zwei Bekannte geschickt, die
ihn mitgenommen hätten. Es wird ersichtlich, dass sich der Beschwerde-
führer hinsichtlich der angeblich erlittenen Verfolgung nicht nur teilweise
widersprüchlich äusserte, sondern auch keine nachvollziehbaren Gründe
für die behauptete Festnahme und Folter vorbringen konnte.
7.6 Zusammenfassend kam das SEM zu Recht zum Schluss, dass es dem
Beschwerdeführer mit seinen vage und pauschal gehaltenen Angaben zur
Reise nach Sri Lanka, seinem einjährigen Aufenthalt in Colombo sowie zur
Rückreise in die Schweiz nicht gelinge, eine Rückkehr in den Heimatstaat
glaubhaft zu machen. Es erscheint nicht nachvollziehbar, dass er in diesem
Zusammenhang neben einer Arbeitsbestätigung sowie zwei undatierten
Fotoaufnahmen und ein paar Chatverläufen keinerlei Beweismittel vorle-
gen konnte. Dadurch ist den geltend gemachten Verfolgungsvorbringen die
Grundlage entzogen. Doch selbst wenn er in Sri Lanka gewesen sein
sollte, weist deren Schilderung auch verschiedene Ungereimtheiten auf.
Die Ausführungen des Beschwerdeführers zu seinen neuen Asylgründen
erfüllen somit die Anforderungen an das Glaubhaftmachen im Sinne von
Art. 7 AsylG nicht.
D-5786/2019
Seite 16
7.7 Zwar trifft es zu, dass sich nicht feststellen lässt, woher die Narben am
(...) des Beschwerdeführers stammen sollen. Die Existenz von Narben
sagt aber noch nichts darüber aus, wann und wo diese entstanden sind
und was deren Ursache ist. Obwohl er eigenen Angaben zufolge massive
Verbrennungen erlitten habe – darauf deuten auch die eingereichten Foto-
grafien hin – macht der Beschwerdeführer nicht geltend, dass er sich in
ärztliche Behandlung begeben habe, was wiederum schwer nachvollzieh-
bar erscheint. Letztlich bleibt es unklar, woher und von wem die geltend
gemachten Verletzungen herrühren. Angesichts der unglaubhaften Schil-
derungen zum Reiseweg, seinem Aufenthalt in Sri Lanka und der behaup-
teten Verfolgungssituation ist jedoch nicht davon auszugehen, dass sie un-
ter den von ihm dargelegten Umständen entstanden sind. Sodann ist es
zwar zutreffend, dass Narben bei einer Rückkehr in die Heimat als Risiko-
faktor anzusehen sind. Im Rahmen des ersten Asylverfahrens kam das
Bundesverwaltungsgericht jedoch zum Schluss, dass es dem Beschwer-
deführer nicht gelungen sei, relevante Probleme mit den sri-lankischen Si-
cherheitsbehörden sowie ihm unterstellte Verbindungen zu den LTTE
glaubhaft zu machen (vgl. Urteil D-2175/2017 E. 7.15). Nachdem sich auch
seine neuen Asylgründe als unglaubhaft erwiesen haben, ist nicht davon
auszugehen, dass er infolge der Narben – die im Übrigen als schwach risi-
kobegründende Faktoren gelten (vgl. Urteil des BVGer E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 [als Referenzurteil publiziert] E. 8.4.5 und 8.5.5) – die Auf-
merksamkeit der Sicherheitsbehörden auf sich ziehen und als Unterstützer
der LTTE respektive als Person wahrgenommen werden könnte, welche
bestrebt ist, den tamilischen Separatismus wieder aufleben zu lassen. Die
Einschätzung aus dem ersten Asylverfahren, dass der Beschwerdeführer
über kein massgebliches Risikoprofil verfüge, ist deshalb trotz der Narben
am (...) nach wie vor als zutreffend zu erachten.
7.8
7.8.1 An dieser Stelle ist sodann festzuhalten, dass die allgemeine Lage in
Sri Lanka in jüngster Zeit verschiedenen Veränderungen unterworfen war.
So wurde am 16. November 2019 Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsi-
denten Sri Lankas gewählt. Dieser war unter seinem Bruder Mahinda Raja-
paksa, welcher von 2005 bis 2015 an der Macht war, Verteidigungssekre-
tär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Journalistinnen und
Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben. Zudem wird er von Be-
obachtern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verant-
wortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigungen (vgl. Human Rights
Watch: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl
ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister
D-5786/2019
Seite 17
und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein;
die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren
im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsabteilun-
gen oder -institutionen (vgl. https://www.aninews.in /news/world/asia /sri-
lanka-35-including-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-mi-
nisters-of-state20191127174753/, abgerufen am 23.03.20). Beobachter
und ethnische / religiöse Minderheiten befürchten insbesondere mehr Re-
pression und die vermehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivistin-
nen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und
regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]:
Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Des Wei-
teren kam es Ende des letzten Jahres zu einem Konflikt zwischen der
Schweizer Botschaft und den sri-lankischen Behörden. Die diplomatischen
Beziehungen haben sich aber zwischenzeitlich wieder normalisiert und es
wurden bereits Rückschaffungen nach Sri Lanka durchgeführt, ohne dass
die Betroffenen über die bekannten Befragungen am Flughafen und am
Wohnort hinausgehenden Problemen ausgesetzt waren.
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist es beim derzeitigen Kenntnis-
stand durchaus als möglich zu erachten, dass sich die Gefährdungslage
für Personen mit einem bestimmten Risikoprofil akzentuieren könnte (vgl.
Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E 1866/2015 vom 15. Juli
2016, HRW, Sri Lanka: Families of "Disappeard" Threatened, 16.02.2020).
Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass
seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv
einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im
Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Perso-
nen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019, zu deren Folgen
respektive zu den jüngsten Entwicklungen in Sri Lanka besteht.
7.8.2 Vorliegend gelang es dem Beschwerdeführer nicht, glaubhaft zu ma-
chen, dass er in der Heimat behördlicher Verfolgung ausgesetzt gewesen
wäre. Es sind auch sonst keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass er im aktu-
ellen politischen Kontext in Sri Lanka in den Fokus der sri-lankischen Be-
hörden geraten könnte und mit asylrelevanter Verfolgung zu rechnen hätte.
7.9 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine
Verfolgung oder begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne
D-5786/2019
Seite 18
von Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte und die Flücht-
lingseigenschaft folglich nicht erfüllt. Das SEM hat sein Mehrfachgesuch
somit zu Recht abgelehnt.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
D-5786/2019
Seite 19
9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Dies gelingt ihm jedoch nicht. Auch die allgemeine
Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug
zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesag-
ten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der
völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.4
9.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung aus, im Rahmen des ers-
ten Asylverfahrens sei festgehalten worden, dass sich der Vollzug der Weg-
weisung als zumutbar erweise. Den Ausführungen im Mehrfachgesuch so-
wie den weiteren Eingaben liessen sich keine neuen und wesentlichen
Gründe für eine Revidierung dieser Einschätzung entnehmen. Auf Be-
schwerdeebene wird dem entgegengehalten, dass sich der Beschwerde-
führer bereits in der Vergangenheit in psychologischer Behandlung befun-
den und sein Zustand sich infolge der neuesten Ereignisse verschlechtert
D-5786/2019
Seite 20
habe. Es sei ihm aber seit seiner Wiedereinreise noch nicht möglich gewe-
sen, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hierzu ist anzumerken,
dass die psychischen Probleme des Beschwerdeführers schon im ersten
Asylverfahren als zu wenig gravierend eingeschätzt wurden, um als Weg-
weisungsvollzugshindernis angesehen zu werden. Zudem wurde festge-
halten, dass er sich deswegen bereits zuvor im Heimatstaat habe behan-
deln lassen, weshalb davon auszugehen sei, dies sei auch nach seiner
Rückkehr wieder möglich (vgl. Urteil D-2175/2019 E. 9.4.5). Nachdem sich
der Beschwerdeführer zum jetzigen Zeitpunkt nicht in psychologischer Be-
handlung befindet und keine Hinweise darauf ersichtlich sind, dass eine
allenfalls notwendige medizinische Behandlung seiner psychischen Prob-
leme nicht wiederum im Heimatstaat erhältlich gemacht werden könnte, ist
in dieser Hinsicht nicht von einem Wegweisungsvollzugshindernis auszu-
gehen. Im Übrigen kann in Bezug auf die Beurteilung der Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs auf die entsprechenden Erwägungen im Urteil
D-2175/2019 (E. 9.4.1 ff.) verwiesen werden. Es sind keine Gründe ersicht-
lich, die zu einer abweichenden Einschätzung respektive dazu führen
könnten, dass der Vollzug der Wegweisung als unzumutbar angesehen
werden müsste. Auch die politischen Entwicklungen in Sri Lanka und die
Anschläge vom 21. April 2019 sowie der damals verhängte – zwischenzeit-
lich wieder aufgehobene – Ausnahmezustand vermögen daran nichts zu
ändern. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit als zumutbar.
9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
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Seite 21
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Auf die Erhe-
bung von Kosten ist indessen angesichts der mit Verfügung vom 9. Dezem-
ber 2019 gewährten unentgeltlichen Prozessführung zu verzichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 22