Decision ID: 9d51851b-1a08-44e6-a102-285833977a3d
Year: 2016
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt:
1. Mit Veranlagungsverfügung vom 24. September 2015 wurden die Pflichtigen zu einem
steuerbaren Einkommen von Fr. 60‘264.-- sowie einem satzbestimmenden Einkommen von Fr.
535‘891.-- veranlagt.
2. Gegen diese Veranlagung erhob der Vertreter mit Schreiben vom 28. Oktober 2015 Ein-
sprache und begehrte die Sistierung des Verfahrens bis zur Erledigung des Parallelverfahrens
betreffend die direkte Bundessteuer 2012. Zur Begründung führte er zusammenfassend aus, für
das Parallelverfahren sei die Sprungbeschwerde beantragt worden. Die Rechtsfragen seien
deckungsgleich. Es gehe im Wesentlichen darum, dass die Steuerpflichtigen per 1. Januar
2012 in Form einer Kollektivgesellschaft eine selbständige Erwerbstätigkeit aufgenommen hät-
ten und damit die Überführung der bisher im Privatvermögen gehaltenen Liegenschaften bis zur
Höhe der belegten Verkehrswerte zu überführen seien. Zudem könnten die Liegenschaften als
Anlagevermögen abgeschrieben werden. Die Steuerverwaltung akzeptiere jedoch die von den
Steuerpflichtigen vorgeschlagenen Einbringungswerte der Liegenschaften zum Verkehrswert in
die Kollektivgesellschaft nicht. Die Steuerverwaltung sei jedoch aufgrund Treu und Glauben auf
ihre Einschätzung vom 21. Februar 2014 zu behaften.
3. Mit Einsprache-Entscheid vom 18. Januar 2016 wies die Steuerverwaltung die Einspra-
che ab. Zur Begründung führte sie zusammenfassend aus, das kantonale Steuergesetz kenne
den Sprungrekurs nicht. Es sei demnach ein formeller Entscheid zu fällen. Im weiteren lehne
man eine Berufung auf den Grundsatz von Treu und Glauben ab, da die von der Steuerverwal-
tung geforderten Bedingungen nicht eingehalten worden seien. Hinsichtlich des Vorliegens ei-
ner selbständigen Erwerbstätigkeit führte sie aus, es bestehe vorliegend kein Aussenauftritt am
Markt, kein Handelsregistereintrag und auch kein Handel mit Immobilien durch Kauf und Ver-
kauf. Die Kriterien der selbständigen Erwerbstätigkeit seien nicht erfüllt. Zudem bestehe vorlie-
gend kein eigentlicher Betrieb mit betriebsnotwendigem Anlagevermögen. Die Kapitalanlagelie-
genschaften dienten rein privaten Zwecken. Ein Handel mit Immobilien sei bis heute nicht er-
folgt. Ohne gewinnbringenden Verkauf sei von einer blossen Vermögensverwaltung auszuge-
hen. An einem eigentlichen Handel fehle es. Bei allen Liegenschaften handle es sich um Rendi-
teobjekte im Privatvermögen. An der Ausgangslage habe sich bisher nichts Wesentliches ge-
ändert, weshalb eine Umqualifikation im Steuerjahr 2012 nicht sachgerecht sei.
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4. Mit Schreiben vom 12. Februar 2016 erhob der Vertreter Rekurs und beantragte, 1. Das
steuerbare Einkommen 2012 sei auf Fr. 158‘783.-- festzusetzen, wobei eine interkantonale
Steuerausscheidung nach Massgabe der Vorgaben des interkantonalen Steuerrechts vor-
zunehmen sei. 2. Unter o/e Kostenfolge.
Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, die Pflichtigen hätten zu keinem Zeit-
punkt eine Kehrtwendung vorgenommen. Die Steuerverwaltung habe mit Rulingantwort vom 21.
Februar 2014 bestätigt, dass es sich bei den Renditeliegenschaften um Geschäftsvermögen
handle, wobei keine Bedingungen gestellt worden seien. Relevant sei, ob ein gewinnstrebiger
Umgang mit Liegenschaften vorliege, welcher den Begriff der blossen Vermögensverwaltung
sprenge. Dies sei vorliegend klar der Fall. Die Annahme einer privaten Vermögensverwaltung
setze ein zu verwaltendes Vermögen voraus. Vorliegend seien die Liegenschaften zu fast 100%
fremdfinanziert. Ab dem 1. Januar 2012 würden die Rekurrenten eine Kollektivgesellschaft be-
treiben und seien damit als selbständig Erwerbende zu qualifizieren. Die bilanzierten Liegen-
schaften würden Anlagevermögen darstellen. Hinsichtlich der Überführungswerte führte er aus,
die Pflichtigen hätten durch Schatzungen einen Verkehrswert von Fr. 57‘853‘617.-- geltend ge-
macht. Die Einbringungswerte würden weit darunter liegen, weshalb diese als handelskonform
gelten würden. Gemäss dem im Kanton Basel-Landschaft geltenden monistischen System stel-
le eine Überführung eines Grundstücks vom Privat- ins Geschäftsvermögen keinen Steuertat-
bestand dar. Der Grundstückgewinn als Differenz aus Veräusserungserlös abzüglich Geste-
hungskosten unterstehe der Grundstückgewinnsteuer. Die Differenz zwischen den Überfüh-
rungswerten und den Einkommenssteuerwerten unterstehe als wieder eingebrachte Abschrei-
bungen zusätzlich der Einkommenssteuer. Es gebe keinen Grund von der einheitlichen Ge-
winnbestimmung und dem Massgeblichkeitsprinzip abzuweichen. Die 14 Mietliegenschaften
stellten Anlagevermögen der Kollektivgesellschaft dar. Die Steuerverwaltung erkläre das Merk-
blatt A/1995 der ESTV als für sie nicht bindend, was nicht rechtens sei. Das steuerbare Ein-
kommen sei demnach gemäss den Regeln des interkantonalen Steuerrechts auszuscheiden.
5. Mit Vernehmlassung vom 30. März 2016 beantragte die Steuerverwaltung die Abwei-
sung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, vorliegend gehe es einzig um die Qualifi-
zierung der Tätigkeit der Rekurrenten als selbständige Tätigkeit oder als blosse private Vermö-
gensverwaltung. Mangels Verkäufen von Liegenschaften scheide die Qualifikation als ge-
werbsmässiger Liegenschaftshandel aus. Die Steuerverwaltung sei zum Schluss gelangt, dass
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es sich vorliegend insgesamt um das private Erstellen bzw. Umbauen von Mehrfamilien- oder
Wohn-/Gewerbehäusern zum Zweck von langfristigen Vermietungen auf erworbenen Bau-
grundstücken handle, also um eine Tätigkeit, die der zwar umfangreichen aber dennoch rein
privaten Vermögensverwaltung diene. Da bisher kein eigentlicher Betrieb bestehe und es somit
an betriebsnotwendigem Anlagevermögen gänzlich fehle, würden die erworbenen und umge-
bauten Liegenschaften deshalb allein der Kapitalanlage dienen, was bei natürlichen Personen
eher für Privatvermögen spreche.
6. An der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.

Das Steuergericht zieht in Erwägung:
1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu-
ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurteilung des vorliegenden Rekurses zu-
ständig.
Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vor-
liegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr übersteigt, vom Präsidenten und vier Richterinnen und
Richtern des Steuergerichts beurteilt.
Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stellenden Anforderungen erfüllt sind, ist
ohne weiteres darauf einzutreten.
2. Der Beurteilung unterliegt zunächst, ob sich die Pflichtigen auf ein Ruling mit der Steuer-
verwaltung berufen können, welches das Immobilienportefeuille der Pflichtigen als Geschäfts-
vermögen qualifiziert.
a) Der Vertreter führt diesbezüglich in seinem Rekurs und an der heutigen Verhand-
lung aus, die Steuerverwaltung habe sich an die Qualifikation des Sachverhalts in der Ru-
lingantwort vom 21. Februar 2014 zu halten. Ein Abweichen rechtfertige sich nicht.
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b) Unter einer in der Praxis oft als Ruling bezeichneten Verständigung versteht man
gemeinhin eine zwischen Steuerpflichtigen und Steuerbehörden erfolgte Einigung über be-
stimmte Elemente des steuerrechtlich relevanten Sachverhalts. Solche Verständigungen ent-
behren zwar einer ausdrücklichen gesetzlichen Grundlage, gelten indessen nach herrschender
Lehre und Rechtsprechung als zulässig und binden die Steuer-(Justiz-)behörden wie auch die
Steuerpflichtigen gestützt auf den Grundsatz von Treu und Glauben, sofern und soweit sie auf
eine gesetzmässige Einschätzung abzielen. Der Abschluss solcher Vereinbarungen, deren
Rechtsnatur umstritten ist, kann aus Gründen der Verhältnismässigkeit und der Verfahrenswirt-
schaftlichkeit geradezu geboten sein in Fällen, da die Sachverhaltsabklärung auf unüberwindli-
che Schwierigkeiten stossen müsste. Solche Vereinbarungen können sich auch auf künftige,
zum Zeitpunkt der Verständigung noch nicht verwirklichte Sachverhalte beziehen. Im Rechts-
mittelverfahren sind solche Verständigungen aber auf ihre Gesetzmässigkeit hin überprüfbar.
Gegenstand von Verständigungen sind vorab bestimmte Elemente des steuerrechtlich relevan-
ten Sachverhalts, insbesondere wenn dieser (bei den direkten Steuern) durch eine amtliche
Untersuchung nicht oder nur unter unverhältnismässig grossen Schwierigkeiten geklärt werden
kann. Verständigungen können sodann auch Bewertungsfragen betreffen. Sie können sich al-
lerdings nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht auf eigentliche Rechtsfragen beziehen,
da Bestand und Umfang der Steuerschuld ausschliesslich durch das Gesetz festgelegt werden.
Zu den Rechtsfragen, über welche nach Bundesgericht eine Verständigung nicht möglich ist,
zählen auch Auslegungsfragen. Diese sind indessen nicht immer bereits von vorneherein rest-
los klar. Der Beschränkung auf den Sachverhalt allein wird denn auch in der Praxis nicht (um-
fassend) nachgekommen. Üblich ist zwar, dass die Steuerpflichtigen einen genau beschriebe-
nen Sachverhalt der Steuerverwaltung vorlegen und diese alsdann ihre rechtliche Würdigung
kund tut. Über diese und die damit zusammenhängenden rechtlichen (Auslegungs-)Fragen wird
darauf aber im Rahmen des gesetzlichen Spielraums durchaus noch diskutiert und gegebenen-
falls eine Einigung erzielt und erfolgt nicht bloss eine Antwort der Steuerverwaltung (vgl. Micha-
el Beusch, Zulässigkeit und Wirkung von Verständigungen [Rulings], publ. in: Zeitschrift für
Schweizerisches und Internationales Steuerrecht, zsis) 2009, monatsflash Nr. 1; Schrei-
ber/Jaun/Kobierski, Steuerruling - Eine systematische Auslegeordnung unter Berücksichtigung
der Praxis, publ. in: Archiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA], Bd. 80, S. 293 ff.).
c) Im Schreiben vom 21. Februar 2014 an die Pflichtigen führte die Steuerverwal-
tung aus, eine Zuordnung der in der Anfrage genannten Liegenschaften zum Geschäfts-
vermögen sei als vertretbar zu erachten. Im Weiteren nannte die Steuerverwaltung gewisse
Bedingungen wie z.B. die Aufnahme der Liegenschaften zu maximal den Gestehungskosten,
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wobei Wertberichtigungen nur dann als steuerwirksam anerkannt würden, wenn sie geschäfts-
mässig begründet seien und sich nach dem Zeitpunkt, ab dem eine Steuerbilanz geführt werde
ereignen würden oder dass ein Marktauftritt erforderlich sei.
Mit Schreiben vom 2. Juni 2015 (Rulingvorschlag) unterbreitete die Steuerverwal-
tung den Pflichtigen u.a. die Festlegung der Soll-Nettomieten, die Kapitalisierungssätze im Sin-
ne eines Kompromisses, den Einbilanzierungswert der Liegenschaft in B._ und eine Ge-
samtübersicht der Werte für die Steuerbilanz.
Mit Schreiben vom 16. Juni 2015 führte der Vertreter u.a. aus, aus systemati-
schen Gründen und Bedenken hätten jedoch die von der Steuerverwaltung vertretene Irrele-
vanz der Einbringungswerte für die Einkommensbesteuerung der Personengesellschafter für
die Kantons- und Gemeindesteuer nicht geteilt werden können und die Richtigkeit der Auffas-
sung der Steuerverwaltung auch nicht unterschriftlich bestätigt werden können. Der Rulingvor-
schlag wurde sodann nicht unterzeichnet.
Mit Schreiben vom 7. Juli 2015 führte die Steuerverwaltung u.a. aus, den Pflichti-
gen gehe es um eine schrittweise und isolierte Beurteilung von einzelnen Rechtsfragen, welche
sich aber letztlich zusammenhängend stellen würden bei der Festlegung eines bestimmten
Steuerfaktors, nämlich dem Nettoeinkommen aus der Bewirtschaftung der Liegenschaften. Die
in dieses Verfahren involvierten Vertreter der Steuerverwaltungen gingen demgegenüber von
einer Gesamtbetrachtung aus. Sinn und Zweck von Steuerrulings sei nicht lediglich einzelne
Rechtsfragen verbindlich im Voraus zu regeln, um dann allfällig streitig gebliebene Rechtsfra-
gen im Rechtsmittelverfahren beurteilen zu lassen.
d) Ein gegenseitig unterzeichnetes Ruling existiert vorliegend nicht. Mit Schreiben
vom 16. Juni 2015 lehnte der Vertreter die Unterzeichnung eines solchen explizit ab. Eine neue
Vereinbarung wurde von der Steuerverwaltung nicht unterbreitet. Die Zusicherung der Steuer-
verwaltung vom 21. Februar 2014 an die Pflichtigen, dass eine Zuordnung der in der Anfrage
genannten Liegenschaften zum Geschäftsvermögen möglich sei, qualifiziert alleine nicht als
Ruling. Diese Zusicherung erfolgte im Schreiben vom 21. Februar 2014 denn auch nicht isoliert,
sondern unter weiteren Prämissen. Damit ist entgegen der Auffassung des Vertreters der Pflich-
tigen trotz langwierigen aufwendigen Verhandlungen und zahlreichem Schriftverkehr keine Ver-
einbarung resp. Ruling zu Stande gekommen, aus welchem Rechte abgeleitet werden könnten.
3. Der Vertreter der Pflichtigen argumentiert nun weiter, dass selbst wenn das Vorliegen
eines Rulings verneint werde, überschreite die Tätigkeit der Pflichtigen den Rahmen der priva-
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ten Vermögensverwaltung klar. Damit stellt sich im Folgenden die Frage, ob die Tätigkeit der
Pflichtigen als gewerbsmässig und in der Folge die im Immobilienportefeuille gehaltenen Lie-
genschaften als Geschäftsvermögen zu betrachten sind, oder ob die Immobilien der rein priva-
ten Vermögensverwaltung dienen.
a) Gemäss § 24 Abs. 1 lit. b StG sowie Art. 8 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden vom 14. Dezember 1990
(StHG) gelten als Geschäftsvermögen alle Vermögenswerte, die ganz oder vorwiegend der
selbständigen Erwerbstätigkeit dienen. Gleiches gilt für Beteiligungen von mindestens 20% am
Grund- oder Stammkapital einer Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft, sofern der Eigentü-
mer sie im Zeitpunkt des Erwerbs als Geschäftsvermögen erklärt.
b) Als Geschäftsvermögen galt ursprünglich ein Aktivum, wenn es aus Mitteln des
Geschäftes oder für geschäftliche Zwecke erworben wurde, weiter wenn es dem Geschäftsbe-
trieb tatsächlich diente, sei es unmittelbar durch seinen Wert, als notwendiges Betriebskapital
oder als Reserve, sofern und soweit eine solche nach Art und Umfang des Geschäfts erforder-
lich oder doch üblich war. Der Wille des Steuerpflichtigen, wie er namentlich in der Aufnahme
eines Gegenstandes in die Geschäftsbücher oder in der Ausscheidung aus diesen zum Aus-
druck kommt, bildete lediglich ein - allerdings gewichtiges - Indiz für die Ausscheidung. Diese
Umschreibung wurde später insofern präzisiert, als das entscheidende Kriterium für die Zutei-
lung eines Vermögenswertes zum Geschäftsvermögen darin zu erblicken sei, dass dieser für
Geschäftszwecke erworben worden ist und dem Geschäft tatsächlich dient. Heute ist für die
Zuteilung eines Vermögensgegenstandes dessen technisch-wirtschaftliche Funktion massge-
bend: Geschäftsvermögen wird angenommen, wenn ein Vermögenswert tatsächlich dem Ge-
schäft dient (vgl. Blumenstein/Locher, System des schweizerischen Steuerrechts, 7. Aufl., Zü-
rich 2016, S. 290f.). Für die bisherige steuerliche Behandlung kann sich aus dem Grundsatz
von Treu und Glauben eine Qualifikation als Privat- oder als Geschäftsvermögen ergeben (vgl.
Höhn/Waldburger, Steuerrecht Band I, 9. Aufl., Bern/Stuttgart/Wien 2001, § 14 N 49).
c) Wird ein Vermögensgegenstand aus dem Privatvermögen künftig für geschäftli-
che Zwecke verwendet oder wechselt die bisher überwiegende private Nutzung in eine künftig
überwiegende geschäftliche Nutzung, so liegt eine Privateinlage vor. Aufgrund des Massge-
blichkeitsprinzips gilt grundsätzlich der Buchwert als Einkommenssteuerwert, wobei dieser ma-
ximal dem Verkehrswert im Zeitpunkt der Überführung entsprechen dürfte. Die Überführung von
Vermögensgegenständen vom Privat- ins Geschäftsvermögen löst grundsätzlich keine Ein-
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kommenssteuerfolgen und auch keine Sozialversicherungsabgaben aus, da Kapitalgewinne auf
Privatvermögen nicht besteuert werden. Nur wenn Grundstücke aus dem Privatvermögen in
das Geschäftsvermögen überführt werden, kann eine Steuerpflicht (Grundstückgewinnsteuer)
ausgelöst werden (vgl. Art. 12 StHG) (vgl. Ettlin E./Baumgartner P./Fluri S. Abgrenzung von
Geschäfts- und Privatvermögen, Berücksichtigung der jüngsten Rechtsprechung, ST 89 (2015),
S. 377).
d) Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gehört die Vermietung eigener
Liegenschaften zur üblichen Verwaltung privaten Vermögens. Bei der Annahme, sie sei Gegen-
stand eines geschäftlichen Betriebs - mithin einer selbständigen Erwerbstätigkeit - sei grösste
Zurückhaltung geboten. Der Eigentümer, der seine Liegenschaft(en) mit Wohn- oder Ge-
schäftsbauten überbaut, um aus deren Vermietung einen Ertrag zu erzielen, verwalte norma-
lerweise privates Vermögen (von Ah, Die Besteuerung Selbständigerwerbender, Zü-
rich/Basel/Genf 2011, S. 12). Mit Bezug auf den Bundesgerichtsentscheid [BGE] 125 II 113, auf
welchen sowohl die genannte Autorin als auch der Vertreter hinweisen, ist festzuhalten, dass
die dortige Fallkonstellation mit der vorliegenden nicht vergleichbar ist. In dortigem Fall ging es
um einen Bauunternehmer, welcher neben der Vermietung von Liegenschaften auch einen ei-
gentlichen Liegenschaftshandel (Kauf und Verkauf) betrieb. Obwohl er seine berufliche Tätigkeit
zum relevanten Zeitpunkt bereits aufgebeben hatte, wurde er dennoch als gewerbsmässiger
Liegenschaftshändler besteuert, mit dem Argument, das gewinnbringende Vorgehen sei bereits
zu einem früheren Zeitpunkt geleistet worden (vgl. BGE 125 II 113. E. 6.cc).
4. a) Die Rekurrenten haben sich seit dem Jahre 1995 ein Immobilienportefeuille, wel-
ches aus Renditeliegenschaften besteht, aufgebaut. Die Verwaltung der Liegenschaften erfolgte
entgeltlich über die C._ AG, deren Aktien sich in den Händen der Rekurrenten befinden. Mit
Schreiben vom 21. Februar 2008 ersuchten die Pflichtigen bei der Steuerverwaltung darum, sie
nicht als professionelle Liegenschaftshändler einzustufen. Diesem Wunsch kam die Steuerver-
waltung nach und bestätigte mit Schreiben vom 8. Mai 2008, dass sämtliche im Besitz der
Pflichtigen gehaltenen Liegenschaften dem Privatvermögen zugeordnet würden. Mit Schreiben
vom 2. Dezember 2013 unterbreiteten die Pflichtigen der Steuerverwaltung, dass man aufgrund
der beabsichtigten Erweiterung des Immobilienbestandes vorhabe, die Immobilien ins Ge-
schäftsvermögen bzw. aufgrund der kaufmännischen Ausrichtung, in die Kollektivgesellschaft
D._ zu überführen. Ziel wäre es schliesslich die Kollektivgesellschaft in eine Aktiengesell-
schaft umzuwandeln. Neu sollten die Liegenschaften ab dem 1. Januar 2012 also dem Ge-
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schäftsvermögen angehören. Die Pflichtigen gingen demnach bis zum 31. Dezember 2011 da-
von aus, dass die Liegenschaften dem Privatvermögen angehören würden.
b) Nach Art. 552 Abs. 1 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des schwei-
zerischen Zivilgesetzbuches, Fünfter Teil: Obligationenrecht vom 30. März 1911 (OR) ist die
Kollektivgesellschaft eine Gesellschaft, in der zwei oder mehrere natürliche Personen, ohne
Beschränkung ihrer Haftung gegenüber den Gesellschaftsgläubigern, sich zum Zwecke vereini-
gen, unter einer gemeinsamen Firma ein Handels, ein Fabrikations- oder ein anderes nach
kaufmännischer Art geführtes Gewerbe zu betreiben.
Der Abschluss des Gesellschaftsvertrags ist grundsätzlich formfrei. Die gemein-
same Zweckverfolgung als Fundament des Personengesellschaftsrechts besteht bei der kauf-
männischen Kollektivgesellschaft in der Betreibung eines nach kaufmännischer Art geführten
Gewerbes (vgl. BSK OR II - Baudenbacher, Art. 552 N 13ff.). Das Betreiben eines kaufmänni-
schen Unternehmens ist keine begriffsnotwendige Voraussetzung der Kollektivgesellschaft. Bei
Vorliegen der sonstigen Entstehungsvoraussetzungen besteht nach Eintragung in das Handels-
register eine nichtkaufmännische Kollektivgesellschaft. In der Wirtschaftswirklichkeit kommt die
nichtkaufmännische Kollektivgesellschaft in Bereichen wie Architektur- oder Anwaltsbüro oder
Vermögensverwaltung vor, selbst wenn das Vermögen erheblich ist und die Geschäftsführung
über den gewöhnlichen Rahmen einer laufenden Vermögensverwaltung hinausgeht, spekulati-
ver Natur ist und der Betrieb bankähnlichen Charakter aufweist. Die Eintragung in das Handels-
register hat konstitutiven Charakter (vgl. BSK OR II - Baudenbacher, Art. 553 N 1f.).
c) Die Kollektivgesellschaft wurde am 19. Juni 2014 unter der Firma D._ mit
dem Zweck Entwicklung und Verwaltung von Immobilien im Handelsregister des Kantons Ba-
sel-Stadt eingetragen. Als Gesellschafter figurieren die Ehegatten A._. Gemäss der Darstel-
lung des Vertreters in der Rulinganfrage vom 2. Dezember 2013, sollten die Liegenschaften per
Datum vom 1. Januar 2012 in das Geschäftsvermögen bzw. in die Kollektivgesellschaft über-
führt werden. Bis zur Gründung der Kollektivgesellschaft war es der ausdrückliche Wunsch der
Rekurrenten die Liegenschaften im Privatvermögen zu halten.
Es stellt sich damit die Frage, ob sich zwischenzeitlich Gründe ergeben haben,
die dazu veranlassen, die Liegenschaften als Geschäftsvermögen zu betrachten und eine ande-
re als bisher erfolgte Qualifikation vorzunehmen. Mit Blick auf die gesamten Aktivitäten der
Pflichtigen vor der Gründung der Kollektivgesellschaft, wie auch nach deren Gründung ist fest-
zustellen, dass der Immobilienbestand kontinuierlich bis ins Jahr 2008 gewachsen ist. Danach
blieb der Immobilienbestand bis zum Jahre 2012 konstant. Im Jahre 2012 begannen die Rekur-
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renten zudem damit, Grundstücke zu überbauen und eigene Immobilienprojekte zu realisieren.
Die Tätigkeit der Rekurrenten beschränkte sich seit Beginn im Jahre 1995 auf den Kauf von
Immobilien sowie deren Verwaltung und Bewirtschaftung und darüber hinaus, seit der Grün-
dung der Kollektivgesellschaft im Jahre 2014, auf die Erstellung von Neubauten und deren an-
schliessenden Vermietung. Damit liegt ein Dauersachverhalt vor, der sich bis heute seit über 20
Jahren nicht substantiell verändert hat. Dass sich die Rekurrenten dazu entschlossen haben
ihren Immobilienbestand zu verdoppeln und dies auch realisieren, tut nichts zur Sache, solange
die Tätigkeit an sich unverändert weitergeführt wird. Auch im Aussenverhältnis sind keine Ände-
rungen erkennbar. Sowohl die einfache Gesellschaft der Ehegatten als auch in der Folge die
Kollektivgesellschaft verfolgten das gleiche Ziel, nämlich lediglich den Aufbau und die Verwal-
tung des Immobilienbestandes. In BGE 98 Ia 212 führte das Bundesgericht in einem Fall, in
welchem eine Kollektivgesellschaft zur Verwaltung des Familienvermögens gegründet wurde
aus, die Gesellschafter der Kropf & Cie hätten sich für die gemeinsame Verwaltung ihres Fami-
lienvermögens ebenso gut zu einer einfachen Gesellschaft zusammenschliessen können. Von
einer solchen unterscheidet sich die von ihnen gegründete nichtkaufmännische Kollektivge-
sellschaft dadurch, dass diese mit einer Firma im Handelsregister eingetragen ist und dass die
Gesellschaft wie auch ihre Mitglieder der Konkursbetreibung unterliegen (vgl. BGE 98 Ia 212, E.
3). Die Steuerrekurskommission des Kantons Basel-Stadt erwog in einem internationalen Sach-
verhalt, dass die société civile immobilière mit keiner in der Schweiz bestehenden Gesell-
schaftsform zu vergleichen sei. Die Gesellschaft sei als transparent zu betrachten, das heisst
die Gesellschafter werden direkt besteuert. Nach schweizerischem Steuerrecht wird die société
civile immobilière als nichtkaufmännische Kollektivgesellschaft betrachtet (...). Die reine Ver-
mietung von Liegenschaften gilt in der Schweiz als private Vermögensverwaltung und nicht als
selbständige Erwerbstätigkeit. Sofern Liegenschaften gekauft bzw. verkauft werden, kann ge-
werbsmässiger Liegenschaftshandel vorliegen (vgl. Entscheid der Steuerrekurskommission des
Kantons Basel-Stadt Nr. 2012-123 vom 22. August 2013 publ. in BStPra Bd. XXII 5/2015 S.
276f.).
Aufgrund der bisherigen Ausführungen ist kein Grund ersichtlich, weshalb die
Immobilien zwischenzeitlich dem Geschäftsvermögen angehören sollten, hat sich doch ausser
des zu verwaltenden Volumens, welches sich erhöht hat, nichts nennenswertes getan, was eine
anderweitige Beurteilung rechtfertigen würde.
5. a) Entgegen den Ausführungen des Vertreters verlangt das Bundesgericht für die
Qualifikation zum gewerbsmässigen Liegenschaftenhändler sehr wohl auch dessen Verkaufs-
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resp. Handelstätigkeit. Es führte in seinem Entscheid vom 31. Oktober 2011 unter Erwägung
2.3 aus, steuerbarer Immobilienhandel im Sinne einer selbständigen Erwerbstätigkeit liegt ge-
mäss bundesgerichtlicher Praxis dann vor, wenn die steuerpflichtige Person An- und Verkäufe
von Liegenschaften systematisch und mit der Absicht der Gewinnerzielung tut. Die Gewinnab-
sicht bildet ein subjektives Kriterium, das nur aufgrund äusserer Umstände festgestellt werden
kann. Erforderlich ist die Entwicklung einer Tätigkeit, die in ihrer Gesamtheit auf Erwerb gerich-
tet ist. Als Indizien hierfür kommen in Betracht: die systematische bzw. planmässige Art und
Weise des Vorgehens (aktives, wertvermehrendes Tätigwerden durch Parzellierung, Überbau-
ung, Werbung usw.; Erwerb in der offenkundigen Absicht, die Liegenschaft möglichst rasch mit
Gewinn weiterzuverkaufen; Ausnützung der Marktentwicklung), die Häufigkeit der Liegen-
schaftsgeschäfte, der enge Zusammenhang eines Geschäfts mit der beruflichen Tätigkeit der
steuerpflichtigen Person, der Einsatz spezieller Fachkenntnisse, die kurze Besitzesdauer, der
Einsatz erheblicher fremder Mittel zur Finanzierung der Geschäfte oder die Realisierung dersel-
ben im Rahmen einer Personengesellschaft.
Keine selbständige Erwerbstätigkeit bzw. kein gewerbsmässiger Immobilienhan-
del liegt vor, wenn lediglich das eigene Vermögen verwaltet wird, insbesondere etwa durch die
Vermietung eigener Liegenschaften. Dies gilt selbst dann, wenn das Vermögen umfangreich ist,
professionell verwaltet wird und wenn kaufmännische Bücher geführt werden. Sogar bei der
Vermietung möblierter Wohnungen gelten die Einkünfte trotz der Arbeiten, welche der Eigentü-
mer für die Vermietung erbringen muss, im Wesentlichen als Vermögensertrag und nicht als
Ertrag aus selbständiger Erwerbstätigkeit, wenn die Arbeiten dazu dienen, ähnlich wie Unter-
haltsarbeiten, den Mietgegenstand zur Erzielung des Ertrages bereitzustellen (vgl. Entscheid
des Bundesgerichts, 2C_948/2010 vom 31. Oktober 2011, E. 2.3f. mit weiteren Hinweisen; vgl.
auch BGE 125 II 113, E.6a; BGE 2A_52/2003 vom 17. Dezember 2002, E. 2.5; BGE
2C_869/2008 vom 7. April 2008, E. 2.3ff. ;StE 2015, B 23.1 Nr. 82, E. 2.3 u. 2.4; ).
b) Bis zum heutigen Tag haben die Pflichtigen keine Liegenschaften verkauft, son-
dern ihren Immobilienbestand weiter erhöht. Das Durchführen (planen, erstellen usw.) weiterer
Immobilienprojekte führt nicht zu einer Änderung der Qualifikation des Sachverhalts. Dies stellt
lediglich eine Erweiterung des bisherigen Tätigkeitsgebiets dar. Die Rekurrenten haben lediglich
die Erträge aus den Vermietungen und nicht etwa Gewinne aus Verkäufen in neue Liegenschaf-
ten reinvestiert. Damit erfüllen sie auch nur einen Teil der Voraussetzungen für die Annahme
der Gewerbsmässigkeit. Das Erzielen von möglichst hohen Mieterträgen ist ja geradezu der
Zweck eines grossen Immobilienportefeuilles. Gewerbsmässigkeit setzt voraus, dass neben
dem Erstellen und Vermieten von Liegenschaften auch Liegenschaftsverkäufe getätigt werden,
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woraus allfällige Gewinne wiederum in weitere Immobilienprojekte investiert werden können.
Daraus folgt auch, dass nicht die Grösse des Immobilienportefeuilles und auch nicht das Erzie-
len hoher Mieteinnahmen und deren Reinvestition in neue Immobilien zur Annahme einer ge-
werbsmässigen Tätigkeit führt. Andernfalls würde die Abgrenzung über die Grösse des Immobi-
lienportefeuilles erfolgen, was in allen anderen Fällen nicht zielführend sein kann, genügt es
doch in einzelnen Konstellationen einen, oder nur wenige Verkäufe getätigt zu haben, um als
Liegenschaftshändler qualifiziert zu werden. Das Transaktionsvolumen allein ist demnach nicht
ausschlaggebend. Im Weiteren ist auch festzuhalten, dass Abrisse, Umbauten und die Realisa-
tion von Immobilienprojekten auch im Rahmen der privaten Vermögensverwaltung möglich sind,
solange die Immobilien nicht zum Verkauf stehen.
Das von den Rekurrenten verwaltete Immobilienportefeuille stellt aufgrund all
dieser Erwägungen weiterhin Privatvermögen dar. Die Beantwortung der übrigen Fragen, wie
die Festlegung der Höhe der Einbringungswerte der Liegenschaften in die Kollektivgesellschaft
und die damit verbundenen jährlichen Abschreibungen erübrigt sich damit.
Im Hinblick auf eine allfällige Umstrukturierungsabsicht ist auch der Hinweis des
Vertreters auf das Kreisschreiben der EStV (KS) Nr. 5 vom 1. Juni 2004, Ziff. 3.2 u. 4.3.2.8 we-
nig hilfreich. Demgemäss ist die steuerneutrale Übertragung von Betrieben oder Teilbetreiben
auf eine juristische Person und nicht die von Immobilienportefeuilles gemeint.
c) Währendem es in anderen Fällen um die Bestreitung des Vorliegens aller Krite-
rien geht, welche einen gewerbsmässigen Liegenschaftshändler ausmachen, ist in vorliegen-
dem Fall genau das Gegenteil der Fall. Hierbei handelt es sich jedoch um einen Einzelfall, der
auf die übrigen Fälle, in denen es um gewerbsmässige Liegenschaftshändler, Wertschriften-
händler um Kunst-, Wein-, oder Oldtimersammler geht, kein anderes Licht zu werfen vermag.
An der bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichts ist damit einmal mehr festzuhalten.
Insgesamt erweist sich der Rekurs demnach als unbegründet und ist abzuweisen.
6. Ausgangsgemäss sind den Rekurrenten Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 1‘000.-- auf-
zuerlegen (§ 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver-
waltungsprozessordnung [Verwaltungsprozessordnung, VPO] vom 16. Dezember 1993) und es
ist ihnen keine Parteientschädigung auszurichten (§ 130 StG i.V.m. § 21 Abs. 3 VPO).
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