Decision ID: a9ed1d5a-5ef6-5745-b482-ae8d9921dd6e
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reiste am 4. Januar 2020 in die Schweiz ein, wo er
am 6. Januar 2022 im Bundesasylzentrum Bern um Asyl nachsuchte. Ein
Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der «Eurodac»-Datenbank ergab, dass
er am 26. Mai 2021 in Slowenien ein Asylgesuch gestellt hatte (vgl. Akten
der Vorinstanz [SEM act.] 7).
B.
Mit Erklärung vom 12. Januar 2022 verzichtete der Beschwerdeführer auf
die kostenlose Rechtsvertretung im Asylverfahren. In diesem Zusammen-
hang verwies er auf eine bereits am 5. Januar 2022 an die Parteivertreterin
erteilte Vollmacht (SEM act. 10 und 11).
C.
Im Rahmen des Dublin-Gesprächs gewährte das SEM dem Beschwerde-
führer am 19. Januar 2022 das rechtliche Gehör zu dem in der Persona-
lienaufnahme angegebenen Reiseweg, zur Zuständigkeit Sloweniens für
die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu einer allfälli-
gen Rückkehr dorthin sowie zum medizinischen Sachverhalt. Hierbei er-
klärte er, sein Heimatland in einem Lastwagen verlassen zu haben. In Slo-
wenien sei er erwischt worden. Er habe die Fingerabdrücke abgeben und
auf dem Polizeiposten aussagen müssen. Eine Nacht lang sei er danach
dort geblieben und anschliessend wieder aus dem Dublinraum ausgereist.
In der Folge habe er sich während fünf bis sechs Monaten im Balkanraum,
hauptsächlich in Serbien, aufgehalten. Da ihm sein Handy gestohlen wor-
den sei, habe er hierfür keine Beweise. Allerdings könne er eine Adresse
nennen, an welcher er sich in Serbien aufgehalten habe. Er habe sie je-
doch nicht präsent, die Rechtsvertretung werde sie dem SEM weiterleiten.
Nach Slowenien wolle er nicht zurückkehren, sein Ziel sei es von Anfang
an gewesen, in die Schweiz zu kommen. In Slowenien habe ihn die Polizei
zudem beschimpft und Hunde auf ihn gehetzt. Zum Gesundheitszustand
gab er an, körperlich wohlauf, aufgrund des Erlebten psychisch aber ange-
schlagen zu sein (SEM act. 14).
Die Parteivertreterin nahm nach vorgängiger Absprache mit ihrem Man-
danten nicht am Dublin-Gespräch teil (SEM act. 12).
D.
Am 20. Januar 2022 ersuchte das SEM die slowenischen Behörden um
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Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Ver-
ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-
mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-
angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags
auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).
E.
Mittels E-Mail gab die Parteivertreterin dem SEM am 24. Januar 2022 eine
Adresse bekannt, an welcher sich der Beschwerdeführer im Anschluss an
seine Anhaltung in Slowenien in Serbien aufgehalten habe.
F.
Die slowenischen Behörden stimmten dem Übernahmeersuchen am
2. Februar 2022 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO zu (SEM
act. 17).
G.
Mit Verfügung vom 15. Februar 2022 (eröffnet am 23. Februar 2022) trat
die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31)
auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte seine Über-
stellung nach Slowenien und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach
Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das SEM
den Kanton Bern mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte dem Be-
schwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus
und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid
keine aufschiebende Wirkung zukomme (SEM act. 21 und 22).
H.
Mit Rechtsmitteleingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 28. Feb-
ruar 2022 beantragte der Beschwerdeführer, die angefochtene Verfügung
sei aufzuheben und das SEM anzuweisen, sein Asylgesuch materiell zu
prüfen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Erteilung der auf-
schiebenden Wirkung, Erlass vorsorglicher Massnahmen, Gewährung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung und Verzicht auf die Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses. Ausserdem sei ihm eine Nachfrist zum Einreichen
weiterer Beweismittel und zur Ergänzung der vorliegenden Beschwerde
einzuräumen.
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Als Beweismittel legte er einen Ausdruck der E-Mail vom 24. Januar 2022
sowie Kopien der Rechnung eines Belgrader Hotels und eines Bestäti-
gungsschreibens zweier Bekannten zu den Akten.
I.
Am 2. März 2022 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Überstel-
lung gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus (BVGer act. 2).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von
Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33
Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und
so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwür-
diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist da-
her zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105 AsylG und
Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1
VwVG).
1.4 Der Beschwerdeführer beantragt die Ansetzung einer Nachfrist zum
Nachreichen weiterer Beweismittel und einer ergänzenden Beschwerdebe-
gründung. Da das eingereichte Rechtsmittel den gesetzlichen Anforderun-
gen genügt, keine Gründe im Sinne von Art. 53 VwVG vorliegen (weder
aussergewöhnlicher Umfang noch besondere Schwierigkeit der Streitsa-
che) und er in Berücksichtigung des Verlaufs des vorinstanzlichen Verfah-
rens hinreichend Zeit hatte, die notwendigen Unterlagen zusammenzutra-
gen, ist dem Gesuch um Ansetzung einer Nachfrist nicht stattzugeben.
2.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
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Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch-
führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu
behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die
unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, ein Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf ein Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.H.).
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung dieses Staates prüft das SEM die
Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. Führt diese Prüfung zur
Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Durchführung des Asyl-
verfahrens zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betreffende Mitglied-
staat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat, auf das
Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall
eines sogenannten Aufnahmeverfahrens («take charge») sind die in Kapi-
tel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten
Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7
Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeit-
punkt, in dem die betreffende Person erstmals einen Antrag in einem Mit-
gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-
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men eines Wiederaufnahmeverfahrens («take back») findet demgegen-
über grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III
statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.).
4.3 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
die antragstellende Person, die während der Prüfung ihres Antrags in ei-
nem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder die sich im Ho-
heitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach
Massgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wiederaufzunehmen (Art. 18 Abs. 1
Bst. b Dublin-III-VO). Diese Verpflichtung erlischt, wenn der Gesuchsteller
oder eine andere Person gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. c oder d das Hoheits-
gebiet der Mitgliedstaaten während einer Dauer von mindestens drei Mo-
naten verlassen hat, ausser die Person verfüge über einen durch den zu-
ständigen Mitgliedstaat ausgestellten Aufenthaltstitel (Art. 19 Abs. 2 Dublin-
III-VO).
5.
5.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Eu-
rodac»-Datenbank ergab, dass er am 26. Mai 2021 in Slowenien um Asyl
nachgesucht hatte (SEM act. 7). Die dortigen Behörden stimmten dem ent-
sprechenden Übernahmeersuchen am 2. Februar 2022 zu. Die Zustim-
mung stützte sich auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO (SEM act. 17).
5.2 Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass ihm in Slowenien die Fin-
gerabdrücke abgenommen worden sind und die Behörden ihn befragt ha-
ben. Er habe dort jedoch kein Asylgesuch stellen, sondern von Anfang an
in die Schweiz kommen wollen. In diesem Zusammenhang macht er haupt-
sächlich geltend, sich mehr als drei Monate ausserhalb des Herrschaftsge-
bietes der Mitgliedstaaten der Dublin-III-VO aufgehalten zu haben, wes-
halb die Zuständigkeit Sloweniens erloschen und die Schweiz für die Prü-
fung seines Asylgesuches zuständig sei.
5.3 Hierzu gilt es vorweg festzuhalten, dass Slowenien der Wiederauf-
nahme des Beschwerdeführers in Kenntnis seiner Äusserungen explizit zu-
stimmte und dieser Staat daher selbst davon ausgeht, dass der Betroffene
den Dublinraum nicht länger als drei Monate verlassen hat.
5.4 Losgelöst davon vermag der Beschwerdeführer den verlangten Nach-
weis für einen solchen Aufenthalt ausserhalb des Dublinraumes nicht zu
erbringen. Die Vorinstanz führte zutreffend aus, dass seine Aussagen, wel-
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che er bei der Personalienaufnahme zum Reiseweg machte (am 30. De-
zember 2021 von der Türkei in einem Lastwagen verstreckt direkt in die
Schweiz), in offenkundigem Widerspruch zu denjenigen anlässlich des
Dublin-Gesprächs stehen (Anhaltung in Slowenien im Mai 2021 mit an-
schliessendem fünf- bis sechsmonatigem Aufenthalt im Balkanraum ohne
Rückreise in die Heimat). Zu belegen vermochte er seine vagen Angaben
nicht. Die anschliessend nachgereichte E-Mail vom 24. Januar 2022, wo-
rauf eine serbische Adresse ohne jegliche zeitliche Einordnung figuriert
(Beschwerdebeilage 2), ist nicht geeignet, eine längere Anwesenheit aus-
serhalb des Herrschaftsgebiets der Mitgliedstaten der Dublin-III-VO glaub-
haft zu machen. Ebenfalls im Verlaufe des Dublin-Gesprächs fügte der Be-
schwerdeführer an, keine weiteren Beweismittel zu haben, weil ihm das
Handy gestohlen worden sei.
5.5 Die auf Beschwerdeebene eingereichten Beweismittel ändern daran
nichts. Zum einen lassen sie sich in keiner Weise mit früheren Äusserun-
gen des Beschwerdeführers in Einklang bringen, zum andern entbehren
die fraglichen Dokumente einer stringenten Einbettung in eine nachvoll-
ziehbare Schilderung der damit verknüpften Geschehnisse. So charakteri-
siert sich die Bestätigung zweier Bekannter vom 24. Februar 2022 (Be-
schwerdebeilage 4) als bestelltes Gefälligkeitsschreiben, das selbst inhalt-
lich (die beiden wollen den Beschwerdeführer irgendwann zwischen Juli
und August 2021 dreimal in Belgrad getroffen haben) keine verwertbaren
Schlüsse für die hier rechtlich relevante Frage erlaubt. Der Beweiswert der
vorgelegten Rechnungskopie eines Belgrader Hotels unbekannten Aus-
stellungsdatums (Beschwerdebeilage 3) ist zufolge der leichten Fälschbar-
keit gering; falls es sich beim auf der Fotokopie abgeschnittenen Datum
der Abrechnung um den "24. Februar 2022" handeln sollte (vgl. Be-
schwerde S. 4), wäre dies eigenartig, weil Hotelrechnungen üblicherweise
nicht erst mehrere Monate nach dem Auschecken erstellt werden. Abgese-
hen davon erscheint nicht plausibel, warum der Beschwerdeführer diesen
angeblich mehr als viermonatigen Aufenthalt in einer solchen Unterkunft
zuvor mit keinem Wort erwähnte (sondern angab, er habe sich in Belgrad
in den "Y._" aufgehalten; vgl. Beschwerdebeilage 2 und Protokoll
Dublin-Gespräch, SEM act. 14). Bei einer Gesamtwürdigung ist es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen, einen mehr als dreimonatigen Aufent-
halt ausserhalb des Dublinraums glaubhaft darzulegen.
5.6 Vor diesem Hintergrund wären in Bezug auf die Verweildauer in Ser-
bien von zusätzlichen Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten
gewesen (zur antizipierten Beweiswürdigung vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3 oder
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BGE 136 I 229 E. 5.3). Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass das SEM
diesbezüglich keine weiteren Vorkehren getroffen hat. Eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs ist in diesem Vorgehen mithin nicht erkennbar. Ebenso
wenig abzuwarten sind die in der Beschwerdeschrift in Aussicht gestellten
weiteren Beweismittel.
5.7 Die grundsätzliche Zuständigkeit Sloweniens ist somit gegeben.
6.
6.1 Nachfolgend ist demnach im Licht von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu
prüfen, ob es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren
und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Slowenien würden
systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmensch-
lichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-
Grundrechtecharta mit sich bringen würden und ob nach Art. 17 Abs. 1
Dublin-III-VO das Selbsteintrittsrecht auszuüben ist.
6.2 Slowenien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-
kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben.
6.3 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO nicht gerechtfertigt.
7.
7.1 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
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fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintritts-
recht). Dieses Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311)
konkretisiert. Erweist sich die Überstellung einer asylsuchenden Person in
einen Dublin-Mitgliedstaat als unzulässig im Sinne der EMRK oder einer
anderen die Schweiz bindenden, völkerrechtlichen Bestimmung, muss die
Vorinstanz die Souveränitätsklausel anwenden und das Asylgesuch in der
Schweiz behandeln (BVGE 2015/9 E. 8.2.1; 2010/45 E. 7.2).
7.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Rechtsprechung da-
von aus, dass das slowenische Asylsystem keine systemischen Mängel im
Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter Satz Dublin-III-VO aufweist (vgl. etwa Ur-
teile des BVGer F-5473/2021 vom 28. Dezember 2021 E. 5.2; E-5437/2021
vom 20. Dezember 2021 E. 4.3; F-4495/2021 vom 19. Oktober 2021 E. 5.1;
F-1643/2021 vom 19. April 2021 E. 7.2; D-715/2021 vom 19. Februar 2021
S. 6 f.). Die slowenischen Behörden stimmten der Wiederaufnahme des
Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO zu. Da-
mit haben sie signalisiert, die Verantwortung für das Asylverfahren über-
nehmen zu wollen. Der Beschwerdeführer hat in diesem Zusammenhang
kein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan, die slowenischen Behör-
den würden sich weigern, ihn wiederaufzunehmen und seinen Antrag auf
internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie
zu prüfen. Den Akten sind ferner keine Gründe für die Annahme zu entneh-
men, das Land werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement
missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib,
sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG
gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein sol-
ches Land gezwungen zu werden.
7.3 Der Beschwerdeführer wurde in Slowenien – wenn auch angeblich ge-
gen seinen Willen – als Asylsuchender registriert. Klarzustellen gilt es an
dieser Stelle, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-
räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE
2010/45 E. 8.3). Die Abnahme der Fingerabdrücke von illegal einreisenden
Ausländern und Asylsuchenden wiederum stützt sich auf die Eurodac-Ver-
ordnung und erweist sich somit als legitim. Bei einer allfälligen vorüberge-
henden Einschränkung der ihm zustehenden Aufnahmebedingungen
könnte sich der Betroffene im Übrigen nötigenfalls an die slowenischen Be-
hörden wenden und seine Rechte auf dem Rechtsweg einfordern (vgl.
Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Letzteres gilt auch in Bezug auf die geltend ge-
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machte Behandlung durch die slowenische Polizei, sofern er dies als wi-
derrechtlich erachtet. Slowenien ist ein funktionierender Rechtsstaat und
die Behörden sind grundsätzlich gewillt und fähig, staatlichen Schutz zu
gewähren.
7.4 Des Weiteren liegen keine konkreten Anhaltspunkte vor, wonach die
Gesundheit des Beschwerdeführers bei einer Überstellung ernsthaft ge-
fährdet würde. Die einzig vor der Vorinstanz geltend gemachte psychische
Verstimmung scheint nicht akut zu sein, hat er sich doch während seines
Aufenthalts im Bundesasylzentrum weder beim dortigen Pflegepersonal
gemeldet noch sonstige medizinische Betreuung beansprucht. Ferner ver-
fügt Slowenien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur, weshalb
allfällige psychische Probleme des Beschwerdeführers einer Behandlung
dort zugänglich sein dürften. Es liegen ferner keine Hinweise vor, wonach
Slowenien dem Beschwerdeführer eine adäquate medizinische Behand-
lung verweigern würde.
8.
Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei der
Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum
(vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem
Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hin-
weise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Unter-
schreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb
in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen.
9.
Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Ermes-
sensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Somit bleibt Slowenien der für die
Behandlung des Asylgesuches des Beschwerdeführers zuständige Mit-
gliedstaat gemäss Dublin-III-VO.
10.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da er
nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung
ist, wurde die Überstellung in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu
Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1).
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11.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen.
12.
Der am 2. März 2022 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem Ur-
teil dahin.
13.
Das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehen-
den Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind. Somit sind
die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt; die Verfahrens-
kosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG)
und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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