Decision ID: c0c2e44b-366e-45a4-b6af-3894cea0eed9
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden (Mutter, Vater und deren vier minderjährige Kin-
der; türkische Staatsangehörige) ersuchten erstmals am 12. Oktober 2021
um Asyl in der Schweiz. Im Rahmen des anschliessenden Dublin-Verfah-
rens erliess das SEM am 10. Dezember 2021 einen Nichteintretensent-
scheid und ordnete die Wegweisung der Beschwerdeführenden nach Slo-
wenien an. Eine dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesverwal-
tungsgericht am 6. Januar 2022 ab.
B.
Am 27. Juni 2022 wurden die Beschwerdeführenden nach Slowenien über-
stellt.
C.
Mit schriftlicher Eingabe vom 4. Juli 2022 ersuchten die Beschwerdefüh-
renden in der Schweiz erneut um Asyl. Das SEM nahm die Eingabe als
Mehrfachgesuch im Sinne von Art. 111c AsylG (SR 142.31) entgegen. Ein
Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit
Eurodac) ergab, dass die Beschwerdeführenden am 5. Oktober 2021 in
Slowenien um Asyl ersucht hatten.
D.
Das SEM gewährte den Beschwerdeführenden am 18. Juli 2022 schriftlich
das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der
Möglichkeit einer Überstellung nach Slowenien. Die Beschwerdeführenden
äusserten sich mit Stellungnahme vom 24. August 2022.
E.
Die slowenischen Behörden hiessen das Gesuch des SEM um Übernahme
der Beschwerdeführenden gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verord-
nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), am 8. August
2022 gut.
F.
Mit Verfügung vom 30. August 2022 (eröffnet am 3. September 2022) trat
das SEM (im Folgenden: die Vorinstanz) auf die Asylgesuche der Be-
schwerdeführenden nicht ein, ordnete deren Wegweisung nach Slowenien
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an und forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerde-
frist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte sie die Aushändigung der editions-
pflichtigen Akten und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den
Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu.
G.
Am 7. September 2022 gelangten die Beschwerdeführenden an das Bun-
desverwaltungsgericht mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und die Sache sei zur materiellen Beurteilung an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Die Vorinstanz sei anzuweisen, das Selbstein-
trittsrecht anzuwenden und auf die Asylgesuche einzutreten. Der materielle
Sachverhalt sei festzustellen und es sei die Unmöglichkeit der Überstellung
nach Slowenien festzustellen. Ferner ersuchten sie um Erteilung der auf-
schiebenden Wirkung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses und Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung.
H.
Am 8. September 2022 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovi-
sorischen Vollzugsstopp an.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2. Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs-
gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu-
ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Die Beschwerdeführenden sind
zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3
AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb
sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines
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zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e
AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-
scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1. Die Beschwerdeführenden bringen zunächst vor, die Vorinstanz habe
sich nicht mit ihren Ausführungen betreffend ihren Aufenthalt im sloweni-
schen Wald und den Ausschaffungsdrohungen der slowenischen Behör-
den auseinandergesetzt. Zudem habe die Vorinstanz nicht geprüft, ob die
behaupteten Misshandlungen durch die slowenischen Polizeibehörden die
Schwelle einer möglichen Verletzung von Art. 3 EMRK erreicht haben
könnten, sondern in diesem Zusammenhang pauschal das Vorliegen struk-
tureller Mängel verneint. Damit machen die Beschwerdeführenden eine
Verletzung der Begründungspflicht geltend.
3.2. Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt von der Behörde, dass
sie die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, ernsthaft prüft und in
ihrer Entscheidfindung angemessen berücksichtigt (Art. 32 Abs. 1 VwVG).
Die Begründung (Art. 35 Abs. 1 VwVG) muss so abgefasst sein, dass die
betroffene Person den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten
kann. Sie muss wenigstens kurz die Überlegungen darstellen, von denen
sich die Behörde leiten liess und auf welche sie ihren Entscheid stützt. Die
Anforderungen an die Begründung sind umso höher, je grösser der Ent-
scheidungsspielraum der Behörde ist (BGE 142 II 324 E. 3.6).
3.3. Die Vorinstanz hat sich in der angefochtenen Verfügung eingehend mit
der geltend gemachten Androhung einer Kettenabschiebung und dem Zu-
gang zu einem rechtsstaatlichen Asyl- und Wegweisungsverfahren in Slo-
wenien auseinandergesetzt. Angesichts dessen, dass die Beschwerdefüh-
renden hinsichtlich der behaupteten Verletzung von Art. 3 EMRK keinerlei
Belege vorgelegt haben, waren diesbezüglich keine weitergehenden Aus-
führungen angezeigt. Die Rüge betreffend Verletzung der Begründungs-
pflicht erweist sich angesichts dieser Sachlage als unbegründet. Die Vor-
instanz hat das rechtliche Gehör der Beschwerdeführenden nicht verletzt.
4.
4.1. Im Weiteren rügen die Beschwerdeführenden, ihr gesundheitlicher Zu-
stand sei nicht genügend abgeklärt worden. Sie hätten die Vorinstanz am
22. Juli 2022 um eine Fristerstreckung für die Einreichung der Stellung-
nahme ersucht, um Arztberichte nachzureichen, weil die behandelnde Psy-
chiaterin in den Ferien gewesen sei. Die Vorinstanz habe dies jedoch ab-
gelehnt.
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4.2. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet
einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
4.3. Zunächst ist festzuhalten, dass die Vorinstanz das Fristerstreckungs-
gesuch der Beschwerdeführenden teilweise gutgeheissen und die ur-
sprünglich auf den 1. August 2022 angesetzte Frist für die Einreichung der
Stellungnahme bis am 5. August 2022 erstreckt hat. Aufgrund eines neu-
erlichen Fristerstreckungsgesuchs wurde diese Frist im Zusammenhang
mit einem Spitalaufenthalt des Rechtsvertreters sodann schliesslich bis
zum 26. August 2022 erstreckt. Die Vorinstanz hat sich mit sämtlichen ver-
fügbaren ärztlichen Unterlagen und Angaben der Beschwerdeführenden
bezüglich ihrer gesundheitlichen Situation auseinandergesetzt, insbeson-
dere auch mit den beiden medizinischen Berichten der G._ vom
22. August 2022. Sie durfte davon ausgehen, dass keine weiteren Abklä-
rungen mehr notwendig sind. Eine Rückweisung der Sache an die Vor-
instanz «zur materiellen Beurteilung» ist angesichts dieser Sachlage nicht
angezeigt.
5.
5.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
5.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-
gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals
ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des
Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich
keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr
statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1).
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Nachdem die slowenischen Behörden innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-
III-VO festgelegten Frist dem Wiederaufnahmegesuch der Vorinstanz zu-
gestimmt haben, ist die Zuständigkeit Sloweniens grundsätzlich gegeben.
5.3. Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als
zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche
Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-
bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–Grundrechte-
charta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-
staat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um festzu-
stellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann.
Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund der
Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten Mit-
gliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so wird
der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat
(Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
5.4. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-
nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-
siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu-
manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-
VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche
Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE
2015/9 E. 8.2.1).
6.
6.1. Die Beschwerdeführenden bringen in ihrer umfangreichen und un-
übersichtlichen Rechtsmitteleingabe vor, es würden Anhaltspunkte dafür
vorliegen, dass sich Slowenien nicht an seine völkerrechtlichen Verpflich-
tungen zur Einhaltung des Non-Refoulement-Verbots halte. Es würden sich
die Berichterstattungen häufen, wonach die slowenischen Behörden Asyl-
suchenden den Zugang zu einem Asylantrag verweigern und diese in gros-
ser Zahl zurück über die Grenzen zu Bosnien-Herzegowina, Kroatien oder
Serbien ausschaffen würden. Ihnen selbst hätten die slowenischen Behör-
den angedroht, sie nach Bosnien-Herzegowina auszuschaffen, wenn sie
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Slowenien nicht freiwillig verlassen würden. Man habe ihnen klargemacht,
dass sie in Slowenien nicht willkommen seien. Die Polizei habe ihnen die
Mobiltelefone und das Gepäck abgenommen und sie zwei Stunden lang
mit angelegten Handschellen im Regen warten lassen. Da das jüngste Kind
nicht gestillt werden konnte, habe die Mutter um etwas Milch gebeten.
Diese Bitte sei von den Polizisten ignoriert worden. Da sie – die Beschwer-
deführenden – Angst gehabt hätten, über die EU-Grenzen hinaus abge-
schoben zu werden, hätten sie sich vier Tage lang im Wald, ohne Wasser
und Nahrung, versteckt. Danach hätten sie sich aufgrund der Ausweglosig-
keit entschlossen, wieder in die Schweiz zurückzukehren. Als sie dort an-
gekommen und etwas zu Essen erhalten hätten, hätten die Kinder erbro-
chen. Eines der Kinder sei sogar notfallmässig mit dem Krankenwagen ins
Kinderspital H._ gebracht worden. Sie – die Beschwerdeführen-
den – hätten all dies aufgrund der unmenschlichen und erniedrigenden Be-
handlung durch die slowenischen Behörden und wegen der zwangsmässi-
gen Ausschaffung durch die schweizerischen Behörden erlitten. Die Kinder
würden an einer Traumatisierung leiden. Dies verstosse gegen die UN-Kin-
derrechtskonvention sowie gegen Art. 3 EMRK. Die gesamte Familie sei
psychisch «total kaputt» und sie seien von der behandelnden Psychiaterin
als reiseunfähig qualifiziert worden. Sie würden eine Behandlung durch
spezialisierte Fachärzte sowie ein stabiles Umfeld benötigen. Zur behan-
delnden Ärztin in der Schweiz hätten sie das notwendige Vertrauensver-
hältnis aufgebaut, das durch eine Wegweisung wiederum zerstört werden
würde.
6.2. Das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Slowenien wei-
sen nach konstanter Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
keine systemischen Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und
dritter Satz Dublin-III-VO auf (vgl. Urteile des BVGer F-555/2022 vom
15. Februar 2022 E. 6.2, F-5473/2021 vom 28. Dezember 2021 E. 4,
F-4659/2020 vom 24. September 2020 E. 4.1). Daran vermögen die allge-
meinen Ausführungen der Beschwerdeführenden auf nicht näher bezeich-
nete Berichterstattungen nichts zu ändern. In Bezug auf eine angeblich an-
gedrohte und systematisch praktizierte Wegweisung nach Bosnien-Herze-
gowina ist anzufügen, dass Slowenien und Bosnien-Herzegowina keine
gemeinsame Grenze teilen. Die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO
ist nicht gerechtfertigt.
6.3. Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz das Selbsteintrittsrecht
gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV zu Recht
nicht ausgeübt hat.
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6.3.1. Die Beschwerdeführenden wurden am 27. Juni 2022 nach Slowe-
nien überstellt. Bereits am 4. Juli 2022 haben sie in der Schweiz wiederum
ein Asylgesuch gestellt. Sie haben sich somit nicht einmal eine Woche in
Slowenien aufgehalten. Für die ihnen dort angeblich widerfahrenen Erleb-
nisse reichen sie keinerlei Belege ein, sondern stützen sich lediglich auf
ihre eigenen Schilderungen gegenüber ihrer Psychologin.
6.3.2. Slowenien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR
0.142.301) und kommt seinen entsprechenden völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nach (vgl. E. 6.2). Die Beschwerdeführenden vermögen nicht dar-
zutun, dass bei einer Rückführung in ihrem Fall eine Verletzung von Art. 3
EMRK drohen würde. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschrän-
kung der ihnen zustehenden Aufnahmebedingungen könnten sie sich im
Übrigen nötigenfalls an die slowenischen Behörden wenden und ihre
Rechte auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 der Richtlinie des Eu-
ropäischen Parlaments und des Rates 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur
Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationa-
len Schutz beantragen [Aufnahmerichtlinie]). Letzteres gilt auch in Bezug
auf eine allfällige schlechte Behandlung durch die Polizeibehörden. Slowe-
nien ist ein funktionierender Rechtsstaat und die Behörden sind grundsätz-
lich gewillt und fähig, staatlichen Schutz zu gewähren.
6.3.3. Die von den Beschwerdeführenden angeführten psychischen Prob-
leme und die in den beiden Arztberichten vom 22. August 2022 festgestell-
ten Diagnosen (komplexe Trauma-Folgestörung, reaktive Depression,
schwere psychische und Verhaltensstörung im Wochenbett) führen nicht
zur Unmöglichkeit einer Überstellung nach Slowenien. Vielmehr liegen
keine konkreten Anhaltspunkte vor, wonach die Gesundheit der Beschwer-
deführenden bei einer Überstellung ernsthaft gefährdet würde. Slowenien
verfügt über eine ausreichende medizinische Infrastruktur, weshalb die
psychischen Beschwerden der Beschwerdeführenden einer Behandlung
dort zugänglich sein dürften. Überdies liegen keine Hinweise vor, wonach
Slowenien ihnen eine adäquate medizinische Behandlung verweigern
würde. Die Erlebnisse der Beschwerdeführenden und ihr jahrelanges Le-
ben als Flüchtlinge sind sicherlich belastend, insbesondere für die minder-
jährigen Kinder. Nichtsdestotrotz bestehen aus medizinischer Sicht keine
schweren psychischen Erkrankungen, welche einen Selbsteintritt der
Schweiz nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO i.V.m. Art. 29a Abs. 3 AsylV 1
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gebieten würden. Für die angebliche Spitalbehandlung eines ihrer Kinder
reichen die Beschwerdeführenden weder Belege ein noch machen sie de-
tailliertere Ausführungen hierzu.
6.4. Zusammenfassend ist die Schweiz weder völkerrechtlich verpflichtet,
auf die Asylgesuche einzutreten, noch liegen humanitäre Gründe vor, wel-
che einen Selbsteintritt nahelegen würden.
7.
Die Vorinstanz ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1
Bst. b AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht einge-
treten und hat die Wegweisung nach Slowenien angeordnet.
8.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Mit dem vorliegen-
den Urteil fällt der am 8. September 2022 angeordnete Vollzugsstopp da-
hin. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist gegen-
standslos geworden.
9.
9.1. Die gestellten Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ungeachtet ei-
ner allfälligen prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1
VwVG).
9.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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