Decision ID: d1f040a9-64d6-45fc-b5fc-fe7ba97b3196
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der
1967 im
Y._
geborene
X._
,
Vater
von zwei
Kinder
n
(
Jahrgang 2003 und 2004
)
, reis
t
e im
Herbst
1998
mit seiner Ehefrau
als Asyl
suchender
in die Schweiz ein
, wo er
rund drei Jahre später
vorläufig aufgenommen wurde
(
Be
wil
ligung F;
Urk.
8/3/1)
. Nachdem er
von November 2007 bis
zur per Ende A
u
gust 2008
aus betrieblichen Gründen
ausgesprochenen
Kündigung
mit einem Pensum
von 40
% als Kebab-Verkäufer
erwerbstätig gewesen war
(Urk.
8/12), meldete sich der Ver
sicherte
a
m 29.
Januar 2010
wegen
Muskelprobleme
n
und Depression
en
, bestehend seit dem Jahr 2007,
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
an
(Urk.
8/2).
In der Folge klärte d
ie
Sozialversicherungsanstalt des
Kan
tons Zürich, IV-Stelle,
die medizinische
n und erwerblich-beruflichen Ver
hältnisse ab, wobei sie unter anderem
das polydisziplinäre Gutachten der Medizinischen
Abklärungsstelle (MEDAS)
Z._
vom 4. Januar 2011 ein
holte
(Urk.
8/21).
So
dann erteilte sie im Rahmen einer
Integrationsmassnah
me
Ko
s
tengutsprache (Urk.
8/39)
für ein vom 5. De
zember 2011 bis 2. März 2012 da
u
erndes Belastbarkeitstraining
in der Stiftung
A._
i
n
B._
, welches
jedoch
am 13.
Januar 201
2
mangels Erreichung der Zwischenziele
abgebrochen
wurde (Urk.
8/46
, Urk. 8/48
).
Mit Verfügung vom
6.
September 2012
(Urk. 2)
verneinte
die IV-Stelle
wie am
21.
Februar 2012
vorbeschieden
(Urk.
8/52)
einen
A
nspruch des Ver
sicherten
auf eine Inva
lidenrente
mangels
Vorliegens eines inv
a
lidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschadens
.
2.
Dagegen erhob
X._
a
m
5.
Oktober 2012 Beschwerde (Urk.
1) und beantragte, die
angefochtene
Verfügung vom 6.
September 2012 sei aufzuh
e
ben und
ihm
sei ab wann rechtens eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache
zur rechtskonformen Abklärung des
me
dizini
schen Sach
verhaltes und neuer Entscheidung an die
IV-Stelle zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Versicherte um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Beste
l
lung von Rechts
an
walt Stephan Küb
ler als
unentgeltlicher Rechtsver
treter
.
In
d
er
Beschwerdeantwort vom 12. No
vember 2012 (Urk. 7) schloss die
IV-Stelle auf
Abwei
sung der Be
schwer
de.
Mit Verfügung vom 15. November 2012 (Urk. 9) wurde dem Versi
cherten die unent
geltliche Prozessführung gewährt und in der Person von Rechtsanwalt Stephan Kübler ein unent
geltlicher Rechtsve
r
treter bestellt.
Zudem
wurde ein zweiter
Schriften
wechsel
angeordnet. Mit Re
p
lik vom 2. Februar 2013 (Urk. 12) und Duplik vom 19. Fe
bruar 2013 (Urk. 18)
hielten die Parteien an ihren An
trägen fest.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes
über die Invalidenversicherung [
IVG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.
2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.
3
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Ver
mutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer z
u
mutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, wel
che die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wieder
einstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Res
sour
cen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Ein
zel
fall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dau
er. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperli
che
Be
gleiterkrankungen
; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit un
veränderter
oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rück
bil
dung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therape
u
tisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich
miss
glück
ten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krank
heits
ge
winn
; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durch
ge
führ
ten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unter
schiedli
chem th
e
rapeutischen Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicher
ten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die ent
spre
chenden B
e
funde darstellen, desto eher sind – ausnahmsweise – die Vo
raus
set
zungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Z
u
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2
.
2.1
Prozessthema bildet der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Rente der Invalidenversicherung.
Unbestritten (Urk. 1 S. 9, Urk. 2 S. 1) und durch die m
e
di
zinischen Akten doku
mentiert ist, dass
somatischerseits
keine mass
gebende Ein
schränkung des be
ruflichen Leis
tungsvermögens vorliegt.
Diesbezüglich
kann insbesondere auf das
von Dr. med.
C._
, Facharzt für Rheumatologie
,
im Rah
men der Begutachtung in der MEDAS
Z._
verfasste
Teilgut
achten
vom 14. Sep
tember 2010 (Urk. 8/21/41-45
)
sowie
auf
die Be
rich
t
e
von Dr. med.
D._
, Facharzt
für Allgemeine In
nere Medizin und Rheu
matologie, vom 17. Mai 2006 und
1. Juli 2008
(
Urk. 8/13/1
2-15
)
,
von Dr. med.
E._
, Facharzt für Neu
rologie, vom 25. November 2009 (
Urk. 8/13/10-11
)
und von Dr. med.
F._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
vom 9.
April 2010 (
Urk.
8/13/5-7
) verwiesen werden.
2.2
2.2.1
Uneins sind sich die
Parteien
hingegen
bezüglich
de
s
psychischen Gesundheits
zustand
es
und dessen Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerde
führers
.
2.2.
2
Ein
erster
Hinweis
auf
das Vorliegen
ein
er psychischen
Problematik
findet sich
in den Akten
im Bericht
von Dr.
D._
vom 1. Juli 2008 (
Urk. 8/13/14-15).
D
er Rheumatologe
,
welcher
den Beschwerdeführer
auf
h
ausärzt
liche Zuweisung
hin
am 17. Mai 2006 (vgl.
Bericht gleichen Da
tums [Urk. 8/13/
12-13]) und 30. Juni 2008
wegen rechtsbetonten Schulter-, Arm- und Ellbogenbeschwerden sowie Nackenschmerzen
konsi
liarisch untersucht hatte
,
äusserte darin die
Ver
dachtsdiagnose
einer r
eaktiv-depressiven Stimmung
slage bei psy
chosozialer Überlas
tungssituation mit
somatoformer
Schmerzkomponente und Tendenz zur generalisierten
Tendomyopathie
,
nachdem
di
e jüngsten
bildge
benden Untersu
chungen
der
Schultern, de
s
rechten Ellbogen
s
und der HWS im
Wesent
lichen Normalbefunde gezeigt hatten.
Mit dem
Hinweis darauf, bereits die im Jahr 2006 initiierten
Massnahmen
(
Infiltrationen, Physiotherapie,
NSAR
)
seien
ohne nen
nenswerten Erfolg g
eblieben
, erklärte Dr.
D._
, er verzichte
nun
be
wusst
auf eine erneute Behandlung mit kon
ventionell-rheumatolo
gi
schen
The
rapiean
sätzen
und erachte
die schwierige psychosoziale Situation
als
h
auptverantwort
lich
f
ür das Ausmass der Be
schwerden
.
Da
der Beschwerde
füh
rer praktisch keine Unterstützung durch die erkrankte Ehefrau erfahre
, führe
er
nebst der strengen Arbeit am
Kebab-Stand
weitgehend den Haushalt und schaue auch nachts zu den
beiden
Kindern
, wovon das
jüngere nie durch
schlafe.
Dr.
D._
empfahl,
in erster Linie
die nächtliche
Entspannung und de
n
Tag-Nacht-Rhyth
mus des m
ü
den und erschöpften
Beschwerdeführers zu verbessern, allenfalls unter Ver
abreichung entsprechender Medikation.
2.2.3
In der Folge wurde der Beschwerdeführer a
uf Veranlassung des Hausarztes im November und Dezember 2008 vier
mal
in der
G._
untersucht
.
Die
Oberärztin med.
pract
.
H._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
, diagnostizie
r
te i
m Bericht vom
9. Dezember 2008
(Urk.
8/13/8-9
)
eine Anpassungsstörung mit
längere
r
depressive
r
Reaktion (ICD-10 F43.2
1) und eine
a
nhaltende
somat
o
forme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4).
S
ie
notierte
, der
im
Y._
in leitender Stellung in einer
Sonnenblu
menöl
fabrik
tätig gewesene und im Jahr 1998 z
u
sammen mit seiner Ehefrau aus poli
tischen Gründen
als
I._
Asyl
suchender in die Schweiz eingereiste
Beschwerd
eführer
fühle sich
im Alltag sehr belastet
, da er w
egen der Erkran
kung der Ehefrau (Status nach
funikulärer
Myelose
, Ve
r
dacht auf
somatoforme
Schmerzstörung, chronische Anpassungsstörung)
neben seiner 40 %-Anstellung
an einem Kebab-Stand
die
meiste Haus
halts
arbeit
ve
r
richten
und in der Nacht
zur Betreuung
sein
es dreijährigen Sohnes zwei- bis dreimal aufstehen müsse.
Med.
pract
.
H._
befundete
, bis auf
eine deprimierte Stimmungslage, eine ausgeprägte Müdigkeit und eine eingeschränkte Schla
f
qualität bestünden keine Anhaltspunkte für psychiatrische Auffälligkeiten.
Im Gespräch
mit dem Beschwer
de
führer
seien die
nebst Nacken- und Rücke
n
schmerzen
geklagten
Kon
zentrationsstörungen
kaum fest
stellbar gewesen. Es seien häufig Schuldzu
wei
sungen an die Schweizer Behör
den gefallen,
die
wegen
organisatorische
r
Verzö
gerungen
im Zusammen
hang mit der
Aufent
halts
bewi
l
ligung
F
für die Zunahme der körperlichen
Be
schwer
den des
Ehepaares
veran
t
wortlich
seien.
In der Beurteilung hielt die Oberärztin fest, die
erho
benen Dia
g
nosen bestünden vor dem Hinter
grund mehrerer psychosozial
belas
tender F
a
k
toren (chronischer Schlafmangel durch Betreuung des Sohnes in der Nacht, E
r
krankung der Ehe
frau,
Entwurze
lungsproblematik
). Im
Krankheitsmo
dell
des B
e
schwerdeführers werde
ein im Jahr 1999 erlittener
Autounfall als Auslöser der Schmerzen dar
gestellt; auf
rechterhaltende
r
Faktor dieser Stö
rung seien die o
r
ganisatorischen Verzögerun
gen bezüglich seines Aufenthaltes in der Schweiz. Der Beschwerde
führer lehne die empfohlene Behandlung mit
SSRI
ab und wü
n
sche eine
Wei
terb
ehandlung
durch den Hausarzt
.
2.2.4
Dr. med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychoth
erapie,
hielt in seinem Bericht vom
29. März 2010 (Urk. 8/11)
betreffend die ab 19.
August 2009
erfolgte Behandlung zur Anamnese
fest, der im
Y._
geborene und aufgewac
h
sene, mit einer
Landsfrau
ver
hei
ratete Beschwerdeführer sei im Jahr 1998 als Asylsuchen
der in die Schweiz
ein
gereist
und verfüge
zurzeit
über die Bewill
i
gung F,
welche Situation
ihn
eigenen Angaben
zufolge
überfordere.
Ausserdem
habe
er
a
nläss
lich
der
bisher
er
f
olgten sechs Konsultationen
über
Konzen
trat
i
onsstörungen, Kopf-/
Nackenschmerzen und Vergesslichkeit seit einem im Jahr 1999 erlittenen Fahrradsturz sowie Überforderung wegen der psychisch kranken Ehefrau
geklagt
. Ob
jek
tiv sei
der Beschwerdeführer
allseits orientiert
,
psych
o
mo
torisch ruhig und nicht suizidal
. Er sei
klagend und fordernd aufgrund
seiner
Über
for
de
rungssituation
als
Asyl
suchen
der
mit Bewilligung F
und ohne Ar
beits
stelle
.
An
haltspunkte für Wahn
ideen, Ich-S
tö
rungen oder Sinnestäuschungen
seien
nicht
auszumachen
.
Das
vorhan
dene
sub
depressive
Zustandsbild
(leichte dep
res
sive Episode)
sei reaktiv auf die aktuelle Situation
, wobei zu erwarten sei, dass sich der Beschwerdefüh
rer im Rahmen der vorgesehenen regelmässigen Be
handlung (
Verhaltenspsycho
t
herapie
und Medi
kation) von der Fixierung auf e
i
ne Invalidenrente lösen kön
ne.
Hinweise auf eine psychi
sche Erkrankung
b
e
stünden nicht
.
2.2.5
Am
9. April 2010 (Urk.
8/13/5-7) berichtete der den Beschwerdeführer seit dem Jahr 1999 hausärztlich behandelnde
Dr.
F._
anamnestisch
, der aus dem
Y._
stam
mende Beschwerdeführer habe in
der
Heimat in leitender Stellung in einer Sonnenblumenölfabrik gearbeitet
. I
m Jahr 1998 sei er mit seiner Ehe
frau
– sie leide ebenfalls an einer Anpassungsstörung mit reaktiver depressiver Sympto
matik und einer
Somatisierungsstörung
–
als
I._
Asylsuchender in die Schweiz
eingereist
und in den Jahren 2003 und 2005 (richtig: 2004 [Urk. 8/3/2]) zweimal Vater geworden. Bis vor rund einem Jahr
habe
der Beschwerdeführer längere Zeit
zu
40 % an einem Kebab-Stand
gea
rbeitet
.
Der Hausarzt diagnost
i
zierte
mit
Auswirkung
auf die Ar
beitsfähig
keit eine
Anpas
sungsstö
rung
mit
längere
r
depressive
r
Reaktion seit Anfang 2008
,
eine
a
nhal
tende
somatoforme
Schmerzstörung seit zirka 2006
und ein
en
Verdacht auf
eine
generalis
ierte
Te
n
d
omyopathie
seit 2006 bei
PHS
beidseits
sowie
lumbo
spondy
logene
m
und
th
o
rako
vertebrale
m
Syndrom.
Den weiteren Diagnosen – einem
Status nach rezidi
vierender
Urolithiasis
links mit ESWL links 2006,
ureterosko
pischer
Steinent
fer
nung
2004 und
Nephrolithiasis
beid
seits,
einem
Status nach
Septumplastik
und
Latero
-Fraktur
der
untere
n
Muscheln beidseits bei posttrau
matischer Schiefnase mit
Septumdeviation
und Muschelhyperplasi
e beidseits am 3. Oktober 2008 sowie einem
substituierte
n
Vitam
in B12-Mangel seit August 2009 –
schrieb er keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu.
Dr.
F._
a
ttestie
r
te dem Beschwerdeführer eine Ar
beitsfähigkeit von rund 50 % seit Juli 2008, welche in Zukunft allen
falls ge
steigert werden könne.
Eventuell führe die
Ps
y
cho
therapie
bei Dr.
J._
zu einer Verbesserung der psychosozialen Faktoren und
der
psy
chischen Belastbarkeit.
2.2.6
Dr.
med.
K._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
, welcher den B
e
schwerdeführer am 7. September 2010 im Rahmen der MEDAS-Begutachtung im Beisein eines Dolmetschers untersucht hatte, diagnostizierte im Teilgutachten
vom 7. Oktober 2010 (Urk.
8/21/28-40)
mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
ein schweres
chronifiziertes
depressives Zustandsbild mit psychotischen Symp
tomen (inhaltli
che Denkstörungen, Wahrnehmungsstörungen, Störungen der Ich-Identität und
Parathymie
) sowie depressionsbedingtem somatischem Syn
drom und kognitiven Funktionseinschränkungen, begleitet von Angst- und
psy
chovegetativen
körperlichen Symptomen und
zwangsbedingter Angstabwehr
(ICD-19
F 32.31; S. 11
)
.
Er
beurteilte
,
u
rsächlich scheine es sich um ein endoge
nes Krankheit
sbild zu handeln, anamnestisch
mit Beginn der Symptomatik b
e
reits in der Kindheit, im späteren Verlauf
aggraviert
durch eine posttraumati
sche Belastungsstörung (kriegsbedingte Traumata, traumatische Erlebnisse im Gefängnis, dreijähriges Untertauchen im Untergrund) und psychosoziale
Belas
tungsfaktoren
(Integrationsprobleme in der Schweiz,
kollusive
Ehebeziehung
und psychosoziale Überforderung). Die Angst- und Zwangssymptomatik lasse sich unter der obigen depressiven Depressionsdiagnose sub
sumieren; es handle sich um Folgebeschwerden, welche keine eigene Entität darstellten (S. 11 f.).
Menschen mit dem genannten Zustandsbild seien –
auf
grund der willentlich nicht mehr überwindbaren Antriebshemmung, der allge
meinen Verlangsamung, beeinträchtigter Wahrnehmung sowie geschwächter Aufmerksamkeit und redu
ziertem Konzentrationsvermögen – nicht mehr in der Lage, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Auch im privaten Bereich seien sie nicht mehr oder nur noch sehr begrenzt fähig, ihren sozialen Verpflich
tun
gen nachzukommen. Dies treffe auch beim Beschwerdeführer zu. Die Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit liege bei ihm hierdurch gegenwärtig bei 100
%
. Da die psychotische Sympto
ma
tik in den Vorbefunde
n nicht dokumentiert sei, kön
ne
rückblickend nicht sicher angegeben werden, seit wann die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der vorliegenden Höhe bestehe. Möglicherweise habe sich die psychotische Sympto
matik erst letztlich ausgebildet, was verstehen lies
se, dass der behandelnde Psy
chiater
Dr.
J._
diese
im
Bericht
vom 29.
März 2010 nicht beschrieben und auch das depressive Zustandsbild nur als leicht ein
gestuft habe (S. 12).
Bei
adä
quater
Behandlung könne mit einer deutlichen Verbesserung der Situa
tion, g
e
folgt von einer Erhöhung der Arbeitsfähigkeit
,
ge
rechnet werden. Es bedürfe pri
mär einer Anpassung der depressiven Medikation unter Einschluss potenter
An
tipsychotika
sowie einer psychosozialen Entlastung (S. 13).
2.2.7
Dr.
J._
berichtete am 30. Mai 2011 (
Urk.
8/32)
,
der Be
schwerdeführer sei u
n
regelmässig in die Behandlung gekommen. Anlässlich der letzten Konsul
tation vor zwei Tagen sei der
ak
tuell von seiner Situation
beziehungs
weise
der feh
len
den Anerkennung seines Gesuch
e
s ge
plagte
Beschwerde
führer
objektiv
allseits orientiert
gewesen
, in der Mimik bedrückt,
sub
depressiv
auf
grund der geklagten Schmerzen und seinem reaktiv-depressi
ven Zustandsbild auf seine Le
b
ensum
stände. Es
lägen
keine Anhalts
punkte für Wahnideen, Ich-S
tö
rungen oder Si
n
nestäuschungen vor. Der Antrieb sei unauffällig gewesen, Sui
zidalität sei ver
neint worden. Der behandelnde Psychiater schloss diagnos
tisch auf eine
Anpas
sungsstörung
mit
längere
r
depressi
ve
r
Reaktion (ICD-F43.21) so
wie eine
soma
toforme
Schmerzstörung (ICD-F45.4) und bekräf
tigte die vormals
beschei
nigte
Arbeitsfähigkeit von 100 %. Als Prozedere empfahl er eine Wei
terführung der laufenden Therapie
, wobei der Be
schwerdeführer zur Einnahme der bisher abge
lehnten Antidepressiva und
zur
regelmässigen
Teilnahme an der
psycho
the
ra
peutischen Behandlung anzuhalten sei.
Am
3.
Februar 2012 (
Urk.
8/49)
berichtete Dr.
J._
bei gleichbleibender
Dia
gnosestellung
und Befunderhebung, der auf seinen Asylentscheid wartende
B
e
schwerdeführer klage weiterhin über
Nacken-, Schulter-
sowie
Armschmerzen
und sei darauf fixiert,
mit diesen Schmerzen nicht arbeiten
zu
könne
n.
Er
habe die initiierte Medikation
abgesetzt und wolle keine Medikamente ein
nehmen.
Objektiv betrachtet
bestehe weiterhi
n eine Arbeitsfähigkeit von 100
%.
3.
3.1
3.1.1
Nachdem die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2)
o
h
ne nähere Auseinandersetzung mit dem MEDAS-Gutachten
von einem
invali
denversicherungsrechtlich
nicht relevanten
pathogenetisch
-ätio
lo
gisch unkla
ren
syndromalen
Beschwerdebild
ohne na
chweisbare organische Grundlage aus
ge
gangen war, hielt sie im vorliegenden Verfahren insbesondere dafür, es könne in psychischer Hinsicht nicht auf das MEDAS-Gutachten abge
stellt werden, da es an einer hinreichenden Objektivierung der Beschwerden und Ausklammerung der psychosozialen Belastungsfaktoren fehle. Stattdessen sei gestützt auf die Einschätzung des behandelnden Psychiaters
Dr.
J._
eine psy
chisch bedingte Arbeitsunfähigkeit zu verneinen (Urk. 7, Urk. 18).
3.1.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer in seinen Rechtsschriften im Wesentlichen auf den Standpunkt, laut dem unter
Beizug
eines Dolmetschers erstellten und voll beweistauglichen MEDAS-Gutachten liege eine schwere psy
chische Erkrankung vor, welche zum Bezug einer ganzen Rente berechtige. Der Einschätzung des behandelnden Psychiaters könne nicht ohne weiteres ge
folgt werden, da er von einem ganz anderen Krankheitsbild ausgehe und die Verstän
digung auf
L._
erfolge, was für beide eine Fremdsprache darstelle. Auch sei nicht bekannt, ob die Behandlung
und Beurteilung
durch Dr.
J._
lege
artis
e
r
folg
t sei
. Es gehe nicht an, einfach blindlings auf dessen Einschätzung abzu
stel
len, ohne die Dis
krepanzen zum MEDAS-Gutachten geklärt zu haben. Bei Zwei
feln an letzte
rem hätte die Beschwerde
gegnerin
Ergänzungs- und
Erläute
rungs
fragen
an die ME
DAS-Gutachter stellen oder ein Zweitgutachten anordnen müssen (Urk. 1 S.
4
f
f., Urk. 12 S. 2 ff.).
3.
2
3.2.1
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers
vermag die
psychiatrische
E
x
per
tise
von Dr.
K._
vom 7. Ok
tober 2010 (Urk. 8/21/28-40) und damit die Ein
schätzung des psychischen Gesundheitszu
standes im
Hauptg
ut
achten
der MEDAS
vom 4. Januar 2011 (Urk. 8/21/1-27
)
nicht
zu überzeugen. Wie die B
e
schwerdegegnerin
in ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
7 S. 2 Ziff.
2) zutref
fend
er
kannte
, liess
sich
der psychiatrische Sachverständige
im Wesentli
chen
von den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers leiten
. Dies zeigt sich nicht nur d
a
rin, dass in
den
gutachterl
ichen Ausführungen
von Dr.
K._
die Schilderun
gen des Beschwerdeführers
(S. 6-8)
im Vergleich
zu
den ob
jektiven Befunden
(S. 9 f.)
breiten Raum ein
nehmen.
Ins Gewicht fällt auch
, dass die
von Dr.
K._
wiedergegebenen
Erhebungen zu den
aktuellen
Beschwerden und deren Ent
wicklung im zeitlichen Verlauf in de
n
übrigen
medizinischen
Ak
ten
keine hin
reichende Stütze
fin
den.
Diese vermitteln hinsichtlich der Lebens- und
Krank
heitsgeschichte
des Beschwerdeführers ein völlig anderes Bild
, wobei
darin
w
e
der
An
zeichen für
eine bereits in der Kindheit in Er
scheinung getrete
ne, im Zu
ge von Militär- und Kriegserfahrungen massiv ver
stärkte und seither persistie
rende Angstsymptomatik noch
Hinweise auf
psychovegetative oder psychoti
sche Sympto
me
auszumachen sind
.
D
ies
gilt
speziell
auch für die Berichte des langjährigen Hausarztes Dr.
F._
(E. 2.2.5
) und des
seit August 2009
beha
n
delnden Psychiaters Dr.
J._
(
E. 2.2.4 und E. 2.2.7
)
.
Des Weiteren
wurde in der vom Beschwerdeführer unterzeichneten Anmeldung zum Leistungsbezug der
Beginn der gesundheitlichen Beeinträchtigung auf
das Jahr 2007 datiert (Urk. 8/3
S. 2 Ziff. 6.3)
.
Einzig von den Fachleuten der Stif
tung
A._
wurde im Rahmen des Belastbarkeitstrainings
zwischenzeitlich
die
hernach im Gespräch mit Dr.
J._
negierte
Frage aufge
worfen, ob im Falle des Beschwerde
führers allenfalls eine posttrau
matische Belastungsstörung vor
liege
(
Urk. 8/43 S. 2, Urk. 8/46 S. 2). Dr.
K._
liess den Umstand, dass die vom Beschwerde
führer anlässlich der MEDAS-Begutachtung geschil
derte Lebens- und
Krank
heitsge
schichte
einschliesslich der aktuellen
Beschwerde
n
in den übrigen Akten nicht ansatzweise dokumentiert
sind
, gänzlich unbe
rück
sichtigt. Eine einlässliche und kritische Diskussion der subjekti
ven Darstel
lung des Beschwerdeführers wäre indes umso mehr geboten gewe
sen, als im Rahmen der gleichentags erfolgten rheumatolo
gischen Exploration
der Verdacht auf
eine Aggravation
erhoben
wurde
(Urk. 8/21/44)
.
Schliesslich setzte sich der psy
chiatrische Sachverständige auch nicht gebührend mit den psychosozialen und soziokulturellen
Belas
tungs
faktoren
auseinander.
Bemerkenswert ist sodann
, dass im Rahmen der
MEDAS-Begutachtung
trotz
Beizug
einer
professionelle
n
Übersetzungshilfe Verständigungsschwierigkeiten
auftraten mit der Folge, dass spezifische psychopathologische Fragestellungen
zum Beispiel jene nach eigenen Schuldzuweisungen, Wahngedanken und Beeinflussungsideen
unbeantwortet geblieben sind (S. 9), Störungen des Ich-Er
lebens nicht evaluiert (S. 9) und psychometrische Testuntersuchungen nicht durchgeführt werden konnten (S. 10). Dennoch ging Dr.
K._
– offenbar g
e
stützt auf die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers – von eindeutigen psychotischen Symptomen (Wahnwahrnehmungen, Verfolgungsideen, begleitet von Trugwahrnehmungen, vorwiegend im akustischen Bereich, und
Beeinflus
sungsideen
) sowie von Störungen der Ich-Identität
aus (S. 9 und 11)
.
Zudem vermag es nicht zu genügen, wenn Dr.
K._
die Diskrepanz zur Beur
teilung von
Dr.
J._
(Bericht vom 29. März 2010 [Urk. 8/11]) mit dem blossen Hinweis, es sei möglich, dass sich die in den Vorbefunden nicht dokumentierte psychotische Symptomatik erst letztlich aus
gebildet habe
(S. 12)
, zu erklären versucht. Einer solcher
Schlussf
olgerung stehen zudem die nach der Begutach
tung ergangenen Berichte
des behandelnden Psychiaters
vom 30. Mai 2011 (Urk. 8/32) und 5. Februar 2013 (Urk. 15) entgegen, worin
das Vorliegen
psy
chotische
r
Symptome in Form von Wahnideen, Ich-Störungen und Sinnestäu
schun
gen verneint
und
die vormalige
Einschätzung einer vollen Arbeitsfähig
keit bekräftigt wurden
.
Zusammenfassend entspricht das psychiatrische Teilgutachten von Dr.
K._
nicht den
Anforderungen
an einen beweistauglichen ärztlichen Bericht
(E. 1.4
).
Demzufolge
ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin für die
Ent
scheid
findung
nicht darauf abgestellt hat.
3.2.2
Hieran
vermag der vom Beschwerdeführer (Urk. 12 S. 4) angerufe
ne Umstand, dass
der Regionale Ärztli
che Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin in
d
er Stel
lungnahme vom 11. Feb
ruar 2011 (Urk. 8/50 S. 5 f.)
befand
, aus
versicherungs
medizinischer
Sicht kön
ne dem MEDAS-Gutachten gefolgt werden, nichts zu ändern. Denn
die
Ausführungen
des RAD beschränken sich
im We
sentlichen auf eine zusammenfassende Wiedergabe des MEDAS-Gutach
tens und beinhalten keine hinreichende Auseinandersetzung mit
diesem und den me
dizini
schen
Vorakten
. In
wiefern darin eine überzeugende Be
gründung erblickt wer
den kann, ist nicht ersichtlich und wurde vom Be
schwer
d
eführer auch nicht dargelegt.
Ausser
dem
verfügt
die
betreffende
RAD-Ärztin
laut
Medizi
nalberufere
gister
des Bundesamtes für Gesundheit (
MedReg
; http://ww
w.medregom.admin.ch) weder über einen psychiatrischen Facharzttitel noch über eine einschlägige Weiterbil
dung zur Beurteilung des
Sachverhalt
es aus psychiatrischer Sicht
.
Im Übrigen steht
der RAD der IV-Stelle generell
lediglich
be
ratend zur Ver
fü
gung
(Art. 49 Abs. 3 der Verordnung über die Invaliden
versicherung [IVV]).
3.3
3.3.1
Die behandelnden Fachärzte –
namentlich die a
n der
G._
tätige Oberärztin med.
pra
c
t
.
H._
(E. 2.2.3)
und der
den Beschwerdeführer seit August 2009
behandelnde Psychiater Dr.
J._
(E. 2.2.4 und E. 2.2.7)
– gingen
einhellig
von einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) und einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) aus, w
o
bei sie diese Diagnosen nicht
als
krankheitswertig
erachteten
beziehungs
weise
ihnen keinen massgebenden Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
zuschrieben
und das Beschwerdebild
zur Hauptsache
auf der Grundlage von psycho
sozialen
B
e
lastungsf
aktoren interpretierten.
Auch die
übrige
medizinische
Akten
lage
mit Ausnahme de
s
nicht
beweistaugli
chen
MEDAS-Gutach
tens
(E. 3.2),
insbesondere
die Berichterstattung
des lang
jähri
gen Hausarztes Dr.
F._
, welcher
die
ihm bekannte
Lebens- und Krankheitsgeschichte
sorgfältig und ausführlich darlegte (Urk. 8/13/5-7), und des
Rheumatologen Dr.
D._
(Urk. 8/13/12-15),
führ
t
in einer Gesamt
schau
zum
Schluss
, dass das psychi
sche Beschwerdebild – soweit die
rein psy
chopa
thologi
schen Befunde
überhaupt abgrenzbar
sind – augenfällig durch bel
asten
de psychosoziale und sozio
kulturelle Umstände (Betreuung der Kinder auch in der Nacht, Erkrankung der Ehefrau, Aufenthaltsstatus, unklare Zukunft der F
a
milie, Entwurzelungsproblematik, Fixierung auf Invalidenrente) bestimmt und unterhalten wird, wo
bei davon auszugehen ist, dass bei einer Veränderung der Lebenssituation auch eine wesentliche Besserung der psychischen Befindlichkeit und der durch diese eingeschränkten Arbeits
fähigkeit erwartet werden kann.
3.3.2
Wie bereits dargelegt (E. 1.
3
) vermag eine
somatoforme
Schmerzstörung nur ausnahmsweise und unter besonderen Voraussetzungen eine rechtserhebliche Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren im Vordergrund stehen und wesentlich das Beschwerdebild bestim
men, desto ausgeprägter müsste – zur Annahme einer Invalidität – eine fach
ärztlich ausgewiesene Störung mit Krankheitswert vorhanden sein. Wenn – wie im vorliegenden Fall – die Ärzte im Wesentlichen nur Befunde erheben, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erkl
ä
rung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychi
scher Gesundheitsschaden gegeben (vgl. BGE 127 V 299 E. 5a
; Urteil des Bun
desgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2)
. Neben der
somato
formen
Schmerzstörung liegt hier mit der diagnostizierten Anpassungsstörung
mit län
gerer depressiver Reaktion kein selbstständiges psychisches Leiden im Sinne e
i
ner psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer vor.
Diese ist
im Lichte der
klassifikatorischen
Umschreibung ganz allge
mein
im Grenzbereich dessen zu situieren, was über
haupt noch als
krankheits
wertiges
,
potenziell invalidisierendes Leiden gelten kann (
vgl.
Urteil
des Bun
desgerichts 9C_636/2007 vom 2
8.
Juli 2008
E. 3.2.2). Alsdann
sind die
massge
blichen Mo
r
biditätskriterien
,
die ein Abweichen von der
Überwind
ba
rkeitsver
mutung
erla
u
ben würden
(E. 1.
3
)
, offenkundig
weder in gehäufter noch in aus
geprägter We
i
se
erfüllt.
So kann w
eder von einem
verfestigten, therapeutisch nicht mehr b
e
einflussbaren innersee
lischen Verlauf einer an sich
missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn)
noch von einem
Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären B
e
handlung (auch mit unterschiedlichem thera
peutischem Ansatz) trotz kooperat
i
ver Haltung der versicherten Person gesprochen werden.
Alsdann liegt unb
e
strittenermassen keine
relevante
chro
nische körperliche
Begleiterkran
kung
vor. Dem Schmerzgeschehen liegt zwar ein mehrjähriger
Krankheitsver
lauf
mit weit
gehend unveränderter Symp
tomatik zugrunde; dieser Verlauf ist
allerdings
d
i
agnosespezifisch und
daher
nicht ausschlaggebend (Urteil
des Bun
desgerichts
8C
_195/2008 vom 1
6.
De
zember 2008
E. 7.3). Auch gibt es
keine Anzeichen für einen sozialen Rückzug des
Beschwerdeführers
aus sämtlichen Lebensbereichen
.
Im Gegenteil spricht der
vom Beschwerdeführer
gegenüber
de
n
MEDAS-
Gut
achtern
geschilderte Tages
ablauf – wonach er
die Mahlzeiten
für die Familie
zubereite
,
sich morgens
wie auch
mittags um
seine
beiden
Kinder küm
mere
und
diese
in den Kindergarten
res
pektive
zur
Schule bringe, bei deren Abwesenheit vormittags mit
seiner
Ehe
gattin
Termine wahrnehme oder Einkäufe besorge und nachmittags
bisweilen
mit ihr spazieren gehe (Urk. 8/21/10) – sowie der U
m
stand, dass er
–
so etwa
auch für
die Fahrten
vom Wohnort
nach
M._
und zurück
(Urk. 8/21/35) –
öffentli
che Ver
kehrsmittel
(Zug, Tram)
– ben
ü
tzt,
nicht für einen erheblichen Leidensdruck und somit gegen ein gravierendes psy
chi
sches Leiden. Gleiches gilt für die
in den Akten mehrfach
dargestellte
schlechte Compliance
bezüglich Psycho
therapie und Medikamenteneinnahme (
Urk. 8/11 S. 1 Ziff. 1.2, Urk. 8/13/9, Urk. 8/21/
37, Urk. 8/31, Urk. 8/32 S. 1 Ziff. 1.2 und S. 3 Ziff. 1.11, Urk. 8/49 S. 2 Ziff. 1.5
). Bezeichnenderweise
erklärte
der Be
schwerdeführer
anlässlich der psychiatrischen Exploration denn
auch,
er nehme die
verschriebene Medikation
(
darunter
Venlafaxin
ER 300 mg/d und
Trittico
100 mg/d)
nicht regelmässig
jeden Tag
,
sondern nur
"je nach Be
schwerden"
ein, wobei dies
gegenwärtig
nur Herzmedikamente seien (Urk. 8/21/37).
Unter diesen Umständen bleibt kein Raum für die rechtliche Anerkennung eines invalidisierenden psychischen Gesundheitssc
hadens,
sodass
eine
Leistungs
pflicht
der Invalidenversicherung ausser Betracht fällt.
3.3.3
Der Beschwerdeführer vermag dieser Schlussfolgerung nichts Stichhaltiges ent
gegenzusetzen.
Was die
sprachliche Kommunikation
zwischen
ihm
und
dem behandelnden
Psy
chiater
betrifft,
stellte
Dr.
J._
mit
Schreiben vom 5. Februar 2013 (Urk. 15)
an das
Gericht
klar,
er sei
L._
Muttersprache und
un
terhalte
sich mit dem Be
schwerdeführer jeweils auf
L._
(vgl. auch Urk. 8/21/13 oben)
, wobei
dieser
dem Gespräch bisl
ang bes
tens habe folgen können.
Da
mit werden die
vom Rechtsver
treter des Beschwerdeführers
replicando
geäusserten Zweifel (Urk. 12 S. 3 f.)
zuver
lässig
ausgeräumt.
Eine Verständigungsproblematik wäre denn auch nicht ohne
w
eiteres mit der
D
auer
der Behandlung bei Dr.
J._
diese
betrug
im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung (Urk. 2)
immerhin
mehr als drei Jahre
in Einklang zu bringen gewesen.
Schliesslich
sind
auch
keine
Anhaltspunkte für eine nicht lege
artis
erfolgte Ei
n
schätzung
von Dr.
J._
(Urk. 12 S. 4)
aktenkundig
.
Ebenfalls nichts abzugewinnen ist de
m
Hinweis des Beschwerdeführers
(Urk. 12 S. 5)
auf
die Angaben des ehemaligen Arbeitgebers betreffend Vergesslichkeit und Schmerzklagen einerseits sowie auf die
Ergebnisse des Arbeitsversuches
in der S
tiftung
A._
andererseits. Denn sowohl bei der Ausübung der
Teilzeittätig
keit
als Kebab-Verkäufer (Arbeitgeberfragebogen vom 1. April 2010 [Urk. 8/12 S. 7]) als auch im Rahmen
des Belastbarkeitstrainings (vgl. Schlussbe
richt vom 17. Januar 2012 [Urk. 8/48]) hing die
Le
is
tungsfähigkeit
einzig von der subjek
tiven Bereitschaft des Beschwerdeführers ab
.
D
ie
involvierten
Personen
waren
aufgrund
des fehlenden medizinische
n Fach
wissens nicht in der Lage
, die Dis
krepanzen zwischen dem
gezeigten
Ver
halten und den objektiven Beschwerden zu erkennen.
3.3.4
Nachdem d
ie vorhandene
n
medizinische
n
Unterlagen
eine verlässliche Beurtei
lung des Leistungsanspruches de
s Beschwerdeführers
erlauben
, besteht kein A
n
lass für medizinische Weiterungen. Insbesondere
sind von Erläuterungs- oder Ergän
zungsfragen an die MEDAS-Gutachter oder der Anordnung eines
Zweit
gutach
tens
keine zusätzlichen
Erkenntnisse
zu erwarten,
weshalb darauf zu ver
zichten ist (antizipierte Beweisw
ürdigung; BGE 122 V 157 E. 1d).
4.
Folglich erweist sich die angefochtene Verfügung vom
6. September 2012 (Urk.
2)
als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5
.
5
.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art. 69 Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 8
00.-- festzusetzen,
ausgangsgemäss
de
m
Beschwerdeführer aufzuerlegen
und infolge
Gewährung der unentgeltlichen Pro
z
essführung einstweilen
auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis
auf
§
16
Abs.
4
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
).
5
.2
5
.2.1
Nach
§
34
Abs.
3
GSVGer
bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Pro
zesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 der seit
1.
Juli 2011 in Kraft ste
hen
den Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem S
o
zialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird – auch im Rahmen der unent
gelt
li
chen Rechtsvertretung – namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz ge
währt.
5
.2.
2
Der von Rechtsanwalt
Stephan Kübler
mit Eingabe vom
27
. Januar 2014
gel
ten
d gemachte Aufwand von
14
Stunden
und 25 Minuten sowie Fr. 61.10
Bar
aus
lag
en
(Urk. 20-21
)
ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen. Namentlich
sind in der Honorarnote
auch
T
ä
tigkeiten wie das Aufsetzen e
iner Entbindungserklärung,
verschiedene
nicht nä
her spezifizierte
schriftliche und mündliche
Kontaktaufnahmen mit Dr.
J._
und dem Beschwerdeführer
enthalten
, welche nicht
im Rahmen eines zu ent
schädigenden Aufwandes geltend gemacht werden
kön
nen
.
Angesichts der zu studierenden gut
6
0
Aktenstücke der Beschwerdegegnerin, der etwa
11
- und
5-
seitigen Rechtsschriften, den Aufwendungen im Zusammen
hang mit dem Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
(
vgl.
Unter
stützungsbestätigung
der Fürsorgebehörde vom 20. August 2012 [Urk. 4])
sowie der in ähnlichen Fällen zu
gesprochenen Beträgen ist die Entschädigung von Rechts
anwalt
Stephan Kübler
bei Anwendung des gerichtsüblichen
Stundenan
satzes
von
Fr.
200.-- (zu
züglich Mehrwertsteuer) auf Fr.
2'
6
00.--
(inklusive Ba
r
aus
la
gen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
5
.2.3
Der Beschwerdeführer ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, sofern er dazu in der Lage ist.