Decision ID: acf4f6a9-4b9c-4603-8945-5f43c63ca483
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ wurde am 9. März 2011 (IV-act. 2) von der behandelnden Ärztin Dr. med. B._,
Fachärztin für Innere Medizin, bei der Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons
St. Gallen zur Früherfassung angemeldet. Die Ärztin erklärte, der Versicherte sei als
selbständigerwerbender I._ seit dem 18. Juni 2010 voll arbeitsunfähig. - Der
Versicherte gab gemäss Gesprächsprotokoll am 28. März 2011 (IV-act. 3) an, er habe
diesen Beruf erlernt und mache J._. Seit der Entlassung eines Mitarbeiters im Jahr
2009 habe er als Allrounder alle Arbeiten - es handle sich im Grunde nicht um schwere
Arbeit - selber erledigt. Wegen der Schmerzen bei chronischem Tennisarm beidseits
könne er das aber nicht mehr bewältigen. Vor zwei bis zweieinhalb Monaten habe er
einen Arbeitsversuch mit 50 % Arbeit aufgenommen, seit März 2011 sei er aber wieder
voll arbeitsunfähig geschrieben. Er habe nun den genannten Mitarbeiter durch
Vermittlung des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) wieder angestellt. Der
Arzt (wohl: Vertrauensarzt) der Krankentaggeldversicherung, die ihn schon im
Dezember 2010 zu einer IV-Anmeldung gedrängt habe, habe ihm ohne grosse
Untersuchung mitgeteilt, er könne wieder voll arbeiten. Ein anderer Arzt habe dagegen
eine Operation für nötig gehalten. Damit wolle er allerdings noch warten und suche
noch nach Alternativen. Er besuche zwei bis drei Mal pro Woche die Physiotherapie.
Von der Invalidenversicherung wolle er eigentlich nichts, lieber wolle er wieder gesund
sein und voll arbeiten. - Nachdem sie ihn am 1. April 2011 (IV-act. 4) erfolglos zu einer
IV-Anmeldung aufgefordert hatte, schloss die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des
Kantons St. Gallen das Dossier am 20. April 2011 (IV-act. 6).
B.
Am 23./25. September 2013 (IV-act. 12, durch Unterschrift vervollständigt am
16. Oktober 2013, IV-act. 15) meldete sich der Versicherte zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an. Er sei seit Oktober 1982 bei einer AG angestellt und
erziele derzeit ein Bruttoeinkommen von (sc. monatlich) Fr. 10'000.--. - Die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle ersuchte um Einreichung der
B.a.
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Buchhaltungsabschlüsse der letzten fünf Jahre. Gemäss IK-Auszug (IV-act. 23) war der
Versicherte von 1982 bis 1989 selbständigerwerbend gewesen und ab jenem Jahr bei
der AG angestellt. Gemäss der Meldung des Steueramts vom _. _ 2013 (IV-act. 24)
war er im Jahr 2009 für Fr. 90'_, 2010 für Fr. 90'_.-- und 2011 für Fr. 155'_.--
unselbständigen Haupterwerb veranlagt worden. - Der Versicherte gab am
18. November 2013 (IV-act. 27-3) an, die Unternehmung aufgebaut zu haben und mit
seiner Ehefrau und einer Familienangehörigen zu führen. An einer Unterstützung durch
berufliche Massnahmen habe er kein Interesse. - Die Sozialversicherungsanstalt/IV-
Stelle teilte ihm daher am 28. November 2013 (IV-act. 29) mit, berufliche
Eingliederungsmassnahmen seien zurzeit nicht angezeigt.
Gemäss einem bei den (im November 2013 eingegangenen) Fremdakten
liegenden Bericht eines Röntgeninstituts vom 19. Dezember 2012 (Fremd-act. 1-15)
über ein damaliges MRT der HWS wegen Schmerzen des Versicherten im Arm rechts
bzw. an den Fingern III und IV hatten sich dabei eine breitbasige subligamentäre
Hernierung der Bandscheibe C6/7 mit vor allem rechtsseitig foraminaler Ausdehnung
und Nervenwurzelkompression im foraminalen Anteil rechts, aber auch bilateraler
Einengung links rezessal, und eine ausgeprägte Spondylosis auch C5/6 mit
linksbetonter foraminaler Einengung auch auf dieser Höhe und mit bilateraler
Nervenwurzelkompression im foraminalen Anteil - auch diese Bandscheibe mit
begleitender Protrusion - gezeigt. - PD Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeinmedizin,
hatte der Krankentaggeldversicherung am 6. Februar 2013 (Fremd-act. 1-11 ff.) erklärt,
der Versicherte sei wegen Diskushernien C6/7 und C5/6 seit Dezember 2012 zurzeit
arbeitsunfähig. Mit der Arbeit beginnen könne er je nach Verlauf.
B.b.
Im Arztbericht vom 25. Februar 2014 (IV-act. 34) erklärte PD Dr. C._, es
bestünden beim Versicherten eine Diskushernie C6/C7 rechts und eine foraminale
Stenose C5/C6 rechts seit 2013, daneben eine arterielle Hypertonie und eine
Vitamin D-Insuffizienz. Seit Dezember 2013 sei der Versicherte als I._
schmerzbedingt voll arbeitsunfähig. Mit einer Wiederaufnahme beruflicher Tätigkeit
könne nicht gerechnet werden. Die Frage, in welchem Umfang und seit wann eine
behinderungsangepasste Tätigkeit möglich sei, wurde nicht beantwortet. Medizinische
Massnahmen (Infiltration der HWS) könnten die Einschränkungen, nicht aber die
Arbeitsunfähigkeit vermindern. Nicht zumutbar seien Tätigkeiten rein im Sitzen,
B.c.
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C.
Überkopfarbeiten, eine Rotation im Sitzen/Stehen, das Heben/Tragen von Gewichten
über 5 kg und das Steigen auf Leitern/Gerüste sowie das Treppensteigen. Die übrigen
einzelnen Verrichtungen (z.B. Tätigkeiten im Sitzen, in Wechselbelastung, Bücken,
Kauern) seien zumutbar. - Am 20. April 2014 (IV-act. 41) teilte der Arzt mit, die bisherige
Tätigkeit sei nicht zumutbar, in einer adaptierten Tätigkeit (ohne Überkopfarbeiten) sei
der Versicherte aber arbeitsfähig. Der Zustand sei stationär. Es liege neben der
Diskushernie C6/C7 rechts noch eine Insertionstendinopathie der Achillessehne rechts
vor.
In einer Arbeitgeberbescheinigung vom 3. April 2014 (IV-act. 38) hatte der Ver
sicherte angegeben, ohne Gesundheitsschaden würde er derzeit ca. Fr. 98'000.-- ver
dienen. - Ebenfalls für seine Unternehmung hatte er der Krankentaggeldversicherung
gegenüber am 7. Januar 2013 (Fremd-act. 1-16 f.) angegeben, er sei seit dem
10. Dezember 2012 wegen eines 'Tennisarms rechts (Bandscheibenvorfall)'
arbeitsunfähig. Der versicherte Verdienst betrage Fr. 132'314.--.
B.d.
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung gab am 20. Juni
2014 (IV-act. 42) bekannt, bei Einhaltung der von Dr. C._ erwähnten Bedingungen
einer Erwerbstätigkeit sei der Versicherte als voll arbeitsfähig zu betrachten. - Mit
Vorbescheid vom 4. Juli 2014 (IV-act. 45 f.) stellte die Sozialversicherungsanstalt/IV-
Stelle dem Versicherten eine Abweisung seines Leistungsgesuchs vom 16. Oktober
2013, namentlich seines Rentenanspruchs bei einem Invaliditätsgrad von 27 %, in
Aussicht. Sie verglich ein Valideneinkommen von Fr. 84'269.-- mit einem
Invalideneinkommen von Fr. 61'776.-- (Durchschnittseinkommen gemäss
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik 2011, vgl. IV-act. 43). - Nach
unbenützt abgelaufener Einwandfrist verfügte sie am 19. September 2014 (IV-act. 47)
entsprechend. Die angestammte Tätigkeit, in welcher er gemäss IK-Auszug in den
Jahren 2009 bis 2011 im Durchschnitt ein Einkommen von Fr. 84'268.65 abgerechnet
habe, sei dem Versicherten nicht mehr zumutbar. In einer leidensadaptierten Tätigkeit
sei er aber voll arbeitsfähig.
B.e.
Am 9. Juli 2015 (IV-act. 51) sandte PD Dr. C._ der IV-Stelle einen Bericht der
Rehaklinik D._ (vom 15. Mai 2015, Fremd-act. 2) betreffend den Versicherten zur
C.a.
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Einsicht zu. - Die Rehaklinik hatte darin am 15. Mai 2015 über ein ambulantes
Assessment berichtet. Als Diagnosen lägen beim Versicherten (verkürzt
wiedergegeben) vor: ein Unfall vom 21.12.2014 (PKW-Unfall im Rahmen eines
Sekundenschlafs mit kurzer Bewusstlosigkeit und Erinnerungslücke) mit HWS-
Distorsion QTF II, fortgeschrittene degenerative Veränderungen der HWS mit
persistierendem zervikozephalem und -spondylogenem Syndrom, seit dem Unfall
reaktiviert, der Verdacht auf ein Schlafapnoesyndrom, ausserdem eine nicht
eingestellte arterielle Hypertonie und fortgeschrittene degenerative Veränderungen der
LWS. Unter den vorgeschlagenen Therapieempfehlungen sollten die unfallbedingten
Beschwerden der HWS abklingen, so dass eine Wiederaufnahme der Tätigkeit als
Allrounder in der eigenen Unternehmung möglich sein sollte. Die berufliche
Wiedereingliederung hänge aber vor allem von den unfallunabhängigen Befunden ab.
Aufgrund der fortgeschrittenen degenerativen Veränderungen der HWS und LWS
werde eine Einschränkung der Belastbarkeit für schwere und mittelschwere Tätigkeiten
und für monotone Haltungen dieser Wirbelsäulenabschnitte sowie für Überkopfarbeiten
übrigbleiben. Ausserdem bestehe der dringende Verdacht auf eine psychosoziale
Belastungssituation, welche die berufliche Reintegration erschweren werde (vgl.
Fremd-act. 2-5). Es wurde festgehalten, der Versicherte habe angegeben, den Unfall
auf einer nächtlichen Fahrt vom _ her erlitten zu haben und erst wieder aufgewacht
zu sein, als er mit seinem Auto auf der Leitplanke gewesen sei. Er habe gemerkt, wie
das Auto schwankend geworden sei. Ein Rettungssanitäter habe ihn gefragt, ob er auf
die Notfallstation gebracht werden wolle. Er habe aber damals keine Schmerzen
gehabt, diese seien erst ein paar Tage später aufgetreten (vgl. Fremd-act. 2-6). In
seiner Tätigkeit sei er durch die Schmerzen und durch Vergesslichkeit beeinträchtigt. Er
wolle die Belastbarkeit aber steigern und plane, [...]. Dadurch sei er gezwungen, aktiver
zu werden. Im Bericht wurde festgehalten, am 12. Mai 2015 sei wegen der Frage nach
einer leichten traumatischen Hirnverletzung ein neurologisches Konsil geplant
gewesen. Die wegen einer damaligen organisatorischen Verzögerung erforderlich
gewordene drei- bis vierstündige Wartezeit für den Versicherten habe dieser nicht
aufbringen können. Falls ein solches Konsil noch als notwendig erachtet werde, sei es
am Wohnort durchzuführen (vgl. Fremd-act. 2-4). Es wurde weiter dargelegt, der
Versicherte habe eine mässige Leistungsbereitschaft gezeigt (vgl. Fremd-act. 2-5) und
es sei eine erhebliche Symptomausweitung beobachtet worden. Auch hätten sich
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diskrepante Sachverhaltsdarstellungen gezeigt (vgl. IV-act. 2-4). Gemäss
Testergebnissen waren das Leistungsverhalten und die Konsistenz schlecht gewesen
(vgl. Fremd-act. 2-11).
Am 5. April 2016 (IV-act. 52) schrieb Prof. C._ der IV-Stelle, der gesundheitliche
Zustand des Versicherten, der in seiner Behandlung stehe und bei ihr (der
Invalidenversicherung) angemeldet sei, habe sich verschlechtert. Er ersuche deshalb
um eine Re-Evaluation der Sache. - Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle teilte dem
Versicherten daraufhin am 14. April 2016 (IV-act. 53) mit, der Arzt sei zu einer IV-
Anmeldung nicht legitimiert. Werde (vom Versicherten selber) nach einem abweisenden
Rentenentscheid (hier vom 19. September 2014) ein neues Gesuch gestellt, sei darin
glaubhaft zu machen, dass sich der Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert habe. Das sei bis anhin nicht der Fall.
C.b.
Am 11./15. April 2016 (IV-act. 54) meldete sich der Versicherte mittels Formulars
bei der Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle an. Er sei (mit einem Unterbruch von zehn
Tagen) seit Dezember 2012 voll arbeitsunfähig und leide erstens an einem Band
scheibenvorfall und zweitens an einem weiteren nach einem Autounfall. Es handle sich
um eine Verschlechterung der Krankheit. Alle Ausweise seien bereits beim ersten
Versuch (bzw. Antrag auf Leistungen) beigelegt worden. Er stellte der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle (gemäss IV-act. 55 f., am 3. Mai 2016; nebst dem
Bericht der Rehaklinik D._) zwei Anmeldungen, eine Verfügung der
Unfallversicherung, einen Bericht über eine kreisärztliche Untersuchung und einen
Lohnausweis 2014 zu. - Die Unfallversicherung hatte in der Verfügung vom 6. Januar
2016 (Fremd-act. 3-1 f.) festgehalten, sie habe bis anhin für Folgen eines
Unfallereignisses vom 21. Dezember 2014 gesetzliche Versicherungsleistungen
erbracht. Aufgrund der Abklärungen seien die noch geklagten Beschwerden organisch
nicht hinreichend nachweisbar. Die Adäquanz sei zu verneinen und die Leistungen
würden auf den 31. Januar 2016 eingestellt. - Nach einer kreisärztlichen Untersuchung
war im Bericht darüber vom 28. Oktober 2015 (Fremd-act. 3-3 bis 7) festgehalten
worden, der Versicherte habe am Unfalltag als Fahrer eines Personenwagens eine
Kollision mit der Leitplanke und dabei gemäss PD Dr. C._ eine kraniozervikale
Beschleunigungsverletzung Grad II nach QTF-Klassifikation der degenerativ bereits
erheblich vorgeschädigten Halswirbelsäule erlitten. Der Versicherte sei wegen der
C.c.
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Verschleisserscheinung der HWS einschliesslich der Bandscheibenvorfälle während
annähernd zweier Jahre arbeitsunfähig gewesen und die Behandlung sei zum
Unfallzeitpunkt erst gerade seit drei Monaten abgeschlossen gewesen. Im
Erstbehandlungsbericht von PD Dr. C._ seien mit Ausnahme von leichten
Parästhesien keine neurologischen Ausfallerscheinungen oder Begleitverletzungen von
Seiten der Schultergelenke oder der Lendenwirbelsäule dokumentiert worden. Frische
knöcherne Verletzungen der HWS bzw. eine Instabilität der degenerativ
vorgeschädigten HWS hätten ausgeschlossen werden können. Eine richtunggebende
(anhaltende) Verschlimmerung des Vorzustands sei nicht festgestellt worden.
Unfallunabhängig seien eine degenerative HWS-Erkrankung mit multisegmentaler
Osteochondrose, Unkovertebralarthrose und zervikalen Diskushernien bzw.
Diskusvorwölbung. Ausserdem bestehe der Verdacht auf eine unfallunabhängige
Schädigung der Rotatorenmanschette bzw. ein Impingementsyndrom rechtes Schulter
gelenk mit Funktionsbeeinträchtigung einschliesslich Kraftminderung insbesondere des
rechten Arms. Da eine geplante neurologische Abklärung in der Rehaklinik D._ nicht
habe durchgeführt werden können, werde eine Untersuchung durch einen Neurologen
oder eine kernspintomografische Abklärung des Neurokraniums und der
Halswirbelsäule empfohlen.
Der RAD hielt am 31. Mai 2016 (IV-act. 59) fest, für den Versicherten kämen
überwiegend leichte körperliche Arbeiten ohne Zwangshaltungen von Hals- und
Lendenwirbelsäule in Frage. Aus den umfassenden Abklärungen des Unfallversicherers
lasse sich ableiten, dass es durch den Selbstunfall lediglich zu einer vorübergehenden
Verschlimmerung der Folgen der bereits bekannten degenerativen Veränderungen an
der HWS gekommen sei. Es bestünden Hinweise auf eine deutliche
Symptomausweitung und die Angaben des Versicherten seien teilweise
widersprüchlich gewesen.
C.d.
Am 1. Juni 2016 (IV-act. 61) kündigte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle dem
Versicherten an, auf sein neues Gesuch vom 4. April 2016 nicht einzutreten, da er keine
wesentliche Veränderung seit der Verfügung vom 19. September 2014 glaubhaft
gemacht habe. - Nach unbenütztem Fristablauf erliess sie am 18. Juli 2016 (IV-act. 62)
eine entsprechende Verfügung.
C.e.
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D.
Am 17. August 2016 (IV-act. 65) erkundigte sich eine Mitarbeiterin der
Krankenversicherung des Versicherten nach dem Stand bzw. dem Verlauf der Sache
seit der ersten IV-Anmeldung. Gleichentags (IV-act. 63) reichte sie eine Vollmacht des
Versicherten für ein Care Management (IV-act. 64) ein.
D.a.
In einem Mail vom 19. August 2016 (IV-act. 66) schrieb die Sozialversicherungs
anstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen dem Versicherten, sie nehme Bezug auf eine
von ihm an jenem Tag getätigte telefonische Anfrage betreffend erneutes Leistungs
gesuch/Wiederanmeldung. Sie erklärte ihm, damit eine neue Anmeldung geprüft
werden könne, seien vorerst ein unterzeichnetes schriftliches Gesuch mit konkretem
Antrag bezüglich der beantragten Leistung (berufliche Integration/Massnahmen oder
Invalidenrente) und Belege mit konkreten, sachlichen Anhaltspunkten für relevante
Änderungen seit dem letzten relevanten Entscheid einzureichen, z.B. ausführliche
Arztberichte, Buchhaltungsunterlagen (Erfolgsrechnungen/Bilanz). Ausserdem sei
anzugeben, wann die Änderung eingetreten sei.
D.b.
Anlässlich einer persönlichen Vorsprache vom 22. März 2017 (IV-act. 67) machte
der Versicherte gemäss der Aktennotiz geltend, seit dem Verkehrsunfall im Dezember
2014 habe sich sein Gesundheitszustand weiter verschlechtert. Er leide an verstärkten
Nacken- und Schulterbeschwerden rechts, ausserdem an einer Gewichtszunahme,
Bluthochdruck und beidseitigen Kniebeschwerden. Die angestammte Tätigkeit sei ihm
nur noch sehr eingeschränkt möglich, er könne nämlich nur noch administrative Arbeit
wie die Kundenakquisition, Schreibarbeiten und die Geschäftsführung erledigen. Seit
dem Bandscheibenvorfall vom Dezember 2012 erleide er in der Erwerbstätigkeit auch
konstant Gewinneinbrüche; unzählige Aufträge hätten an Dritte vergeben werden
müssen. Er befinde sich zurzeit auch in Trennung von der Ehefrau. Er beziehe keine
Taggeldleistungen, aber eine BVG-Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 27 %
gemäss der IV-Verfügung vom 19. September 2014. Es wurde in der Aktennotiz
festgehalten, es sei vereinbart worden, dass der Versicherte innert nützlicher Frist einen
ausführlichen Arztbericht von Prof. C._ und nach Möglichkeit einen solchen des
Physiotherapeuten zustellen werde.
D.c.
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Am 22. März 2017 unterzeichnete der Versicherte auch ein Formular zur IV-
Anmeldung (IV-act. 69, kein Eingangsdatum).
D.d.
Prof. C._ liess dem Versicherten am 23. März 2017 per Mail mitteilen, er solle
die Invalidenversicherung dazu auffordern, ihm das IV-Formular direkt zuzustellen. - Bei
den Akten liegen diverse Unterlagen ohne Eingangsdatum (IV-act. 70 bis 75), darunter
etwa ein Schreiben von Prof. C._ vom 2. März 2017 (IV-act. 71-17), wonach der
Versicherte voraussichtlich von Februar bis März 2017 wegen Unfalls zu 100 %
arbeitsunfähig sei, ebenso Atteste einer vollen Arbeitsunfähigkeit wegen Unfalls für die
Zeit vom 21. Dezember 2014 bis Juli 2016 und wegen Krankheit für die Monate von
August 2016 bis Januar 2017. Ausserdem wurden Buchhaltungsunterlagen (2014/2015,
IV-act. 73), ein (Internet-) Handelsregisterauszug der Aktiengesellschaft, dessen
alleiniger Zeichnungsberechtigter der Versicherte ist, vom 21. März 2017 (IV-act. 74)
und ein Schreiben der BVG-Sammelstiftung vom 2. März 2017 (IV-act. 75) eingereicht,
wonach sich die Einrichtung der beruflichen Vorsorge den Entscheiden der
Invalidenversicherung anschliesse, welche auf ein Erhöhungsgesuch ebenfalls nicht
eingetreten sei.
D.e.
Am 6. April 2017 (IV-act. 77) reichte der Versicherte einen Brief von Prof. C._ ein.
Dieser hatte ihm am 28. März 2017 (IV-act. 77-2) erklärt, eine Neubeurteilung mache,
wie ihm die Invalidenversicherung per Mail mitgeteilt habe, nur Sinn, wenn eine
relevante Änderung des Sachverhalts eingetreten sei. Da dies bei ihm nicht der Fall sei,
erübrige sich eine erneute IV-Anmeldung.
D.f.
Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle kündigte dem Versicherten mit Mail vom
7. April 2017 (IV-act. 76) den Abschluss des Abklärungsverfahrens an.
D.g.
Gemäss Telefonnotiz vom 8. Mai 2017 (IV-act. 78) meldete der Versicherte,
zwischenzeitlich sei ein MRI des Rückens gemacht worden, bestätige Prof. C._ eine
gesundheitliche Verschlechterung und sei am 24. Mai 2017 ein Konsultationstermin bei
Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vorgesehen. In der
Telefonnotiz wurde erwähnt, es sei abgemacht worden, dass der Versicherte
umgehend den MRI-Befund einreiche und sich im Anschluss an die psychiatrische
D.h.
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Konsultation melde und dass die IV-Stelle Prof. C._ einen IV-Arztbericht zum
Ausfüllen zukommen lasse.
Mit Mail vom 9. Mai 2017 (IV-act. 79) erklärte der Versicherte, er reiche u.a. zwei
Unterlagen des Röntgeninstituts ein. - Das Röntgeninstitut hatte am 3. Mai 2017 (IV-
act. 79-2) angegeben, auf Höhe C5/6 bestehe beim Versicherten eine breitbasige
subligamentäre Hernierung unter leicht rechtsseitiger Bevorzugung mit Einengung des
Foramen intervertebrale, teils diskogen, teils durch die Spondylosis und Unkarthrosis,
teils aber auch durch die Spondylarthrose bedingt und bilateral. Auf Höhe C6/7
bestehe weiterhin eine subligamentäre breitbasige Hernierung der Bandscheibe mit
auch Spondylosis auf dieser Höhe und mit mässiger foraminaler Einengung durch die
Degenerationen und Spondylarthrosen auch auf diesem Niveau, teils auch mit
Einengung des Foramen intervertebrale rechtsbetont. Es sei auch eine minime
Protrusion der Bandscheibe C3/4 ohne neurale Kompression vorhanden. Die übrige
zervikale Wirbelsäule sei bei Osteochondrose C5/6 und C6/7 normal. - In einem
eingelegten älteren Bericht vom 4. Februar 2014 (IV-act. 79-3) hatte eine
Wirbelsäulenchirurgie (wohl Dr. med. F._, Facharzt für Neurochirurgie, vgl. IV-
act. 80-5) berichtet, initial habe der Versicherte auf eine cervikale Infiltration gut
angesprochen, weshalb am 10. Dezember 2013 nochmals eine solche durchgeführt
worden sei. Nun wolle der Versicherte vorerst zuwarten. Längerfristig werde er um eine
Dekompression und Prothesenimplantation C5 bis C7 nicht herumkommen.
D.i.
In einem IV-Arztbericht vom 23. Mai 2017 (IV-act. 80-1 bis 4) teilte Prof. C._ mit,
es lägen beim Versicherten eine Diskushernie C6/C7 rechts, eine Insertionstendopathie
Achillessehne rechts und ein KZBT (kraniozervikales Beschleunigungstrauma) vor. Er
leide an chronischen Schmerzen, Kopfweh und oft Schwindel und sei seit dem
10. Dezember 2012 für sämtliche Tätigkeiten voll arbeitsunfähig. - Gemäss einem
beigelegten Bericht der Klinik für Neurologie am Kantonsspital St. Gallen vom 14. Juni
2016 (IV-act. 80-18 f.) war eine leichte, bifurkationsbetonte Atheromatose in den (mit
extrakraniellem Ultraschall) untersuchten extrakraniellen Carotisabschnitten ohne
Hinweise auf relevante Stenosen gefunden worden. - Das Spital Herisau hatte am
23. Februar 2017 (IV-act. 80-7 ff.) als nephrologische Diagnosen des Versicherten
intermittierende Unterschenkelödeme, höchstwahrscheinlich medikamentös induziert,
eine normale Nierenfunktion, eine komplizierte Nierenzyste linker Nierenunterpol sowie
D.j.
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eine arterielle Hypertonie benannt. Eine eigentliche Nephropathie habe nicht gefunden
werden können.
Der RAD erklärte am 14. August 2017 (IV-act. 84), es sei medizinisch nicht
plausibel nachvollziehbar, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit
dem Referenzzeitpunkt der RAD-Stellungnahme vom 31. Mai 2016 bzw. der Verfügung
vom 18. Juli 2016 mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit geändert haben könnte.
D.k.
Mit Vorbescheid vom 15. August 2017 (IV-act. 86) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der inzwischen bestellten Rechtsvertreterin des
Versicherten in Aussicht, dessen Leistungsgesuch vom 22. März 2017 abzuweisen. Es
sei nicht nachvollziehbar, dass sich der Gesundheitszustand relevant verändert haben
könnte.
D.l.
Die Rechtsvertreterin des Versicherten wandte am 20. Oktober 2017 (IV-act. 89)
ein, es sei von einer - unbestrittenermassen glaubhaft zu machenden -
Verschlechterung im Vergleich zu der in Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom
18. Juli 2016 auszugehen. Denn gemäss dem Bericht vom 3. Mai 2017 liege eine
breitbasige subligamentäre Hernierung C5/6 vor, die in den Vorakten nicht genannt
worden sei, wie sich aus der RAD-Stellungnahme vom 20. Juni 2014 ergebe, auf
welche in der RAD-Stellungnahme vom 31. Mai 2016 verwiesen werde. Auch die
Protrusion C3/4 sei dort nicht erwähnt worden, ebenso wenig wie die Spondylosis auf
Höhe C6/7. Prof. C._ nehme angesichts des MRT vom 3. Mai 2017 klar eine
Verschlechterung an. Daher sei auf das Leistungsgesuch des Versicherten einzutreten.
Es genüge hierzu eine Glaubhaftmachung der Verschlechterung. Der Versicherte sei
unlängst am Kantonsspital St. Gallen an einem Termin gewesen; sollte der
entsprechende Bericht relevante Erkenntnisse enthalten, werde er nachgereicht
werden. - Mit Mails vom 22. und 26. Januar 2018 (IV-act. 94) teilte die Rechtsvertreterin
des Versicherten mit, dieser habe sich nach den Abklärungen im Schmerzzentrum am
Kantonsspital St. Gallen auf Anraten von Prof. C._ in psychotherapeutische
Behandlung durch Dr. med. G._, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, begeben. - Nach einer Rückfrage der Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle vom
23. März 2018 (IV-act. 96) stellte die Rechtsvertreterin ihr am 10. April 2018 (IV-act. 97)
einen Bericht von Dr. G._ vom 7. April 2018 (IV-act. 98) zu. Darin hatte der Arzt
D.m.
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erklärt, der Versicherte stehe seit dem 19. Januar 2018 in Behandlung. Es lägen bei ihm
(verkürzt wiedergegeben) eine Anpassungsstörung mit vorwiegender Störung von
Angst, Depression, Besorgnis, Anspannung und Ärger, ein chronifiziertes Burnout-
Syndrom bei vielfältigen, erdrückenden Stressoren, aktuell ein schwerer HWS-Befund,
eine Schnittwunde am Finger (zugezogen bei einem neulich erfolgten Arbeitsversuch),
ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom und als subjektives Hauptsymptom
Konzentrationsstörungen vor. Es würden sich kleine Arbeitseinsätze empfehlen, doch
sei fraglich, ob ein Kundenkreis existiere. - Auf Erkundigung vom 10. April 2018 (IV-
act. 99), ob und gegebenenfalls bis wann weitere Unterlagen (aufgrund erwähnter
weiterer Abklärungen zum HWS-Befund und erwähnter Abklärungen im Kantonsspital)
einzureichen vorgesehen sei, teilte die Rechtsvertreterin am 26. April 2018 (IV-act. 100)
mit, der Versicherte sei in der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates am Kantonsspital St. Gallen untersucht worden. Gemäss dem
beigelegten Bericht werde eine neurologische Abklärung empfohlen. Ob Prof. C._
eine solche Zuweisung vorsehe, werde sie später mitteilen. - Im Bericht vom 17. April
2018 (IV-act. 101) hatte die genannte Klinik als Diagnosen (verkürzt wiedergegeben)
bezeichnet: ein chronisches Schmerzsyndrom mit psychischen und somatischen
Faktoren, Chronifizierungsstadium II nach Gerbershagen, ein obstruktives
Schlafapnoe-Syndrom, mittelgradig, eine arterielle Hypertonie, ein Diabetes mellitus
Typ 2 und eine Nierenzyste im Unterpol links. Das seit mehreren Jahren vorliegende
chronische Schmerzsyndrom im HWS- und Schulterbereich sei seit einem Autounfall
von 2014 zunehmend. Ein eindeutiges anatomisches Korrelat habe sich anhand der
aktuellen klinischen Befunde nicht gezeigt, eventuell könnte eine neurologische
Abklärung die Symptomatik besser objektivieren. - Nachdem ihr die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle am 26. Juni 2018 und am 27. Juli 2018, je unter
Androhung einer Weiterführung der Sachverhaltsprüfung anhand der vorhandenen
Akten für den Unterlassungsfall, Antwortfristen gesetzt hatte (IV-act. 103 und 105),
erklärte die Rechtsvertreterin am 17. August 2018 (IV-act. 106-1), Ergebnisse einer
neurologischen Untersuchung lägen noch nicht vor. Ende August solle aber nach
Auskunft des Versicherten eine Untersuchung stattfinden. Sie würde die Ergebnisse
umgehend weiterleiten. Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle teilte ihr am 17. August
2018 (IV-act. 106-1) mit, sie selber werde demnach zurzeit keine weiteren Abklärungen
treffen.
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E.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwältin lic. iur. Bettina Surber für
den Betroffenen am 11. April 2019 erhobene Beschwerde. Die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die
Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, den Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers mit Blick auf die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit genauer
Der RAD hielt am 27. Februar 2019 (IV-act. 107) fest, die vorhandene Aktenlage
könne nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands seit 2017 annehmen lassen.
D.n.
Nach Auskunft des Steueramtes vom _. _ 2019 (IV-act. 108) war der Ver
sicherte im Jahr 2015 für ein Einkommen (nicht aus selbständiger Erwerbstätigkeit; z.B.
Mandate, Nebenerwerb aus Arbeitnehmertätigkeit, Taggelder/Renten usw., ohne
Kapitalerträge) von Fr. 95'_.-- und ein Einkommen der Ehefrau als
Selbständigerwerbende von Fr. 36'_.-- und ein gesamtes Erwerbseinkommen von
Fr. 143'_.-- veranlagt worden. Die entsprechenden Einkommen im Jahr 2016 hatten
Fr. 93'_.--, Fr. 29'_.-- und Fr. 138'_.-- ausgemacht.
D.o.
Am 11. März 2019 (IV-act. 112) hielt die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle fest,
seit dem 17. August 2018 habe sich die Rechtsvertreterin nicht mehr vernehmen
lassen. Trotz mehrmaligen Versuchen, sie telefonisch zu erreichen, habe sie nicht
reagiert.
D.p.
Mit Verfügung vom 11. März 2019 (IV-act. 110) wies die Sozialversicherungs
anstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen das Leistungsgesuch des Versicherten vom
22. März 2017 ab. Am 18. Juli 2016 sei auf sein (zweites) Leistungsgesuch nicht einge
treten worden. Damals sei lediglich eine vorübergehende Verschlechterung bestätigt
und auf die bisherige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit abgestellt worden. Mit dem
Gesuch vom 22. März 2017 sei erneut eine Verschlechterung geltend gemacht und
seien Leistungen beantragt worden. Bis anhin seien keine weiteren medizinischen
Unterlagen eingegangen, die den Nachweis einer möglichen Verschlechterung des
Gesundheitszustands erbringen würden. Demnach sei aufgrund der vorliegenden
Akten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht von einer Verschlechterung des
Gesundheitszustands seit dem letzten Entscheid auszugehen.
D.q.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/24
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abzuklären. Der Beschwerdeführer habe über ein eigenes Geschäft verfügt, mit dem er
gute Umsätze erzielt habe. Das habe ihm erlaubt, sich in der Zeit vor Eintritt der
gesundheitlichen Beeinträchtigungen einen sehr guten Lohn auszubezahlen, wie sich
aus den Auszügen aus dem Individuellen Konto ergebe. Er habe sich nach der
Ablehnung eines ersten und dem Nichteintreten auf ein zweites IV-Gesuch am 22. März
2017 wieder angemeldet. Der ersten Anmeldung von 2013 habe eine Arbeitsunfähigkeit
von 100 % zugrunde gelegen, die seit Juni 2010 bestanden habe. Der
Beschwerdeführer habe an belastungsabhängig immer wieder auftretenden grossen
Schmerzen in beiden Armen mit Ausstrahlung bis in die Finger gelitten. Gemäss dem
Arztbericht vom 24. Februar 2014 hätten eine Diskushernie C6/C7 und eine foraminale
Stenose C5/C6 vorgelegen. Bei einem Autounfall mit HWS-Distorsion sei das
persistierende zervikozephale und spondylogene Syndrom reaktiviert worden. Die
Unfallversicherung habe die UVG-Leistungen bis zum 21. Dezember 2016 (recte:
31. Januar 2016) erbracht. Auf die Anmeldung vom 6. April 2016, die der
Beschwerdeführer wegen der weiterhin vorliegenden Rückenproblematik gemacht
habe, sei nicht eingetreten worden. Mit dem neuen Gesuch und im Lauf des Verfahrens
seien verschiedene Arztberichte eingereicht worden. Strittig sei, ob seit der letzten
Ablehnung von einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes auszugehen sei.
Denn mit der Verfügung vom 18. Juli 2016 sei eine Verschlechterung gegenüber dem
Zustand vom 19. September 2014 als nicht glaubhaft betrachtet worden. Gemäss den
in den Akten liegenden Arztberichten sei von einer Verschlechterung seit
19. September 2014 bzw. seit dem Nichteintreten vom 18. Juli 2016 auszugehen.
Aufgrund des MRI der HWS vom 3. Mai 2017 sei anzunehmen, dass die degenerative
Veränderung an der HWS weiter fortgeschritten sei. Die breitbasige Hernierung C5/C6
sei eine im Vergleich zum Zustand vom 19. September 2014 neu genannte Diagnose.
Im Bericht des Kantonsspitals sei denn auch festgehalten worden, die Hernierung C6/
C7 bestehe "weiterhin", während solches bei der Hernierung C5/C6 nicht erwähnt
worden sei. Der RAD habe offenbar am 14. August 2017 eine Befundänderung in
Betracht gezogen, sei dieser aber mangels Vorliegens der Voruntersuchungen nicht
nachgegangen. Massgeblich müsste aber sein, gestützt auf welche medizinischen
Unterlagen die Leistungspflicht abgelehnt worden sei, und diese Unterlagen seien
aktenkundig. Die breitbasige subligamentäre Hernierung C5/C6 sei in der betreffenden
Zusammenfassung nicht genannt worden. Dr. med. H._, Facharzt für Neurochirurgie,
erachte die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aufgrund der degenerativen
Veränderungen als stark beeinträchtigt und nehme ein zumutbares Arbeitspensum von
50 % an. Wie sich die Verschlechterung auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers auswirke, sei ungeklärt. Das würde auch ein allfälliger neuer
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Arztbericht nicht belegen. Dazu brauche es eine Beurteilung im Rahmen eines
gutachterlichen Auftrags, allenfalls durch ein Leistungstraining.
F.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 11. Juni 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Strittig sei, ob sie zu Recht aufgrund der vorliegenden
Akten von einer versicherungsmedizinisch nicht relevanten Verschlechterung des
Gesundheitszustands ausgegangen sei oder ob weitere Abklärungen in Form einer
versicherungsexternen Begutachtung angezeigt seien. Die blosse Möglichkeit eines
bestimmten Sachverhalts genüge den Beweisanforderungen nicht. Die Behörde habe
sich auf schlüssige medizinische Berichte zu stützen. Lägen solche nicht vor oder
würden sich die Berichte widersprechen, seien weitere Abklärungen nötig. Ein
förmlicher Anspruch auf eine Begutachtung bestehe allerdings nicht, auch
Aktengutachten und RAD-Berichte könnten beweiskräftig sein, sofern es im
Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden
medizinischen Sachverhalts gehe. Entscheidend sei daher, ob der RAD die ihm
vorgelegten medizinischen Unterlagen hinreichend gewürdigt habe, um gestützt darauf
schlussfolgern gekonnt zu haben, dass sich die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers seit der Referenzsituation nicht verändert habe. Während der
Beschwerdeführer dafürhalte, der RAD habe den neuen Befund einer Hernierung auf
Höhe C5/C6 nicht ausreichend berücksichtigt, sei dort schon am 19. Dezember 2012
eine ausgeprägte Spondylosis mit linksbetonter foraminaler Einengung und bilateraler
Nervenwurzelkompression im foraminalen Anteil erwähnt und angegeben worden, die
Bandscheibe zeige eine begleitende Protrusion. Auch Prof. C._ habe gemäss Bericht
vom 6. Februar 2013 eine Diskushernie C5/C6 diagnostiziert und ausgeführt, mit einer
Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne gerechnet werden; ausser diversen
genannten Ausnahmen (wie z.B. Überkopfarbeiten) könnten alle Arbeiten ausgeführt
werden. Das habe der RAD in der Stellungnahme vom 20. Juni 2014 berücksichtigt,
ebenso wie am 31. Mai 2016 die Ergebnisse der kreisärztlichen Untersuchung. Zu
keinem abweichenden Resultat führe das Fazit des ambulanten Assessments der
Rehaklinik D._ vom 15. Mai 2016. Gemäss dem RAD sei es durch den Unfall lediglich
zu einer vorübergehenden Verschlimmerung der vorbestehenden degenerativen
Veränderungen an der Halswirbelsäule gekommen. Der Befund des Röntgeninstituts
vom 3. Mai 2017 sei inhaltlich weitgehend deckungsgleich mit dem
Untersuchungsbericht vom 19. Dezember 2012. Mit der Bemerkung, die
Voruntersuchung zur Beurteilung einer Befundänderung stehe nicht zur Verfügung,
habe der RAD lediglich die Ausführung des Röntgenologen wiedergegeben. Demnach
könne auch nicht erwartet werden, dass der betreffende Bericht Aussagen über eine
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Veränderung enthalte, denn hierzu wäre ein Vergleichswert nötig. Den bis anhin
jüngsten Bericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates am Kantonsspital St. Gallen habe der RAD am 27. Februar 2019
eher als Indiz dafür gewertet, dass seit 2017 keine Verschlechterung eingetreten sei, da
kein anatomisches Korrelat habe ausfindig gemacht werden können, welches darauf
hinzuweisen vermöchte. Die Empfehlung, eine neurologische Untersuchung durchzu
führen, sei nicht im Mindesten begründet. Es werde auch nur eventuell eine bessere
Objektivierung erwartet. Der RAD habe sich somit mit allen relevanten ärztlichen
Dokumenten auseinandergesetzt und habe ein schlüssiges Fazit gezogen. Es fehlten
konkrete stichhaltige Hinweise dafür, dass eine massgebende Verschlechterung
eingetreten sei. Zu weiteren Abklärungen sei sie (die Beschwerdegegnerin) daher nicht
gehalten.
G.
Mit Replik vom 21. Oktober 2019 hält die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
daran fest, dass dessen degenerative Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule
seit dem Referenzzeitpunkt der Leistungsablehnung weiter fortgeschritten seien. Wenn
das eintrete und die Beschwerden zunähmen, könne das dazu führen, dass die Arbeit -
der Beschwerdeführer habe die körperlich anstrengende und mit Zwangshaltungen der
Halswirbelsäule verbundene Arbeit als I._ ausgeübt - nicht mehr oder nur noch ein
geschränkt möglich sei. Die Voraussetzung, dass mit einer Neuanmeldung eine
Veränderung glaubhaft gemacht werden müsse, solle die Verwaltung vor
Mehrfachgesuchen schützen. Da jede Zunahme der degenerativen Veränderungen
auch die Arbeitsfähigkeit im erlernten Beruf beeinflussen könne, werde weiterhin daran
festgehalten, dass die Beschwerdegegnerin zu Unrecht nicht auf das Leistungsgesuch
des Beschwerdeführers eingetreten sei. Der Beschwerdeführer habe die bisherige
Arbeit in der Zwischenzeit aufgeben müssen und arbeite als Mitarbeiter einer _-
unternehmung in der _. Damit erziele er ein deutlich tieferes Einkommen als in der
selbständigen Tätigkeit als I._, die ihm zu Zeiten voller Arbeitsfähigkeit ein gutes
Einkommen garantiert habe.
H.
Die Beschwerdegegnerin hat am 13. November 2019 auf die Erstattung einer Duplik
verzichtet.
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Erwägungen
1.
Im Streit liegt die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 11. März 2019. Gemäss
dem Wortlaut des Dispositivs dieser Verfügung hat sie damit das Leistungsbegehren
des Beschwerdeführers vom 22. März 2017 abgewiesen.
1.1.
Unbestrittenermassen ist zunächst davon auszugehen, dass die Beschwerde
gegnerin ein Gesuch des Beschwerdeführers vom März 2017 zu beurteilen hatte. Denn
das Verfahren der ersten IV-Anmeldung des Beschwerdeführers vom
23./25. September 2013 war mit der formell rechtskräftigen Verfügung vom
19. September 2014 abgeschlossen worden. Dass die Beschwerdegegnerin auf das
Schreiben von Prof. C._ vom 9. Juli 2015 (IV-act. 51) nicht reagiert hatte, ist sodann
nicht zu beanstanden. Auf die zweite Anmeldung des Beschwerdeführers vom
11./15. April 2016 (IV-act. 54) war die Beschwerdegegnerin in der Folge mit Verfügung
vom 18. Juli 2016 nicht eingetreten. Wie aus einem Bestätigungsmail der
Beschwerdegegnerin an den Beschwerdeführer vom 19. August 2016 (IV-act. 66)
hervorgeht, hatte dieser an jenem Tag, somit innerhalb der Rechtsmittelfrist jener
Verfügung, angerufen. Das Mail trägt den Betreff "Ihre telefonische Anfrage - erneutes
Leistungsgesuch/Wiederanmeldung" und die dem Beschwerdeführer darin angezeigte
Zusammenfassung enthält nichts, was wahrscheinlich machen würde, dass dieser die
erlassene Nichteintretensverfügung beanstandet hatte. Auf das Mail, worin er u.a. zur
Einreichung eines (sc. weiteren) unterzeichneten Gesuchs aufgefordert worden war,
reagierte er nach der Aktenlage denn auch nicht. Auch die Erkundigung der Care-
Managerin der Krankenversicherung nach dem aktuellen Stand und dem Verlauf des
Verfahrens vom 17. August 2016 (IV-act. 65) war im Übrigen ohne aktenkundige
Folgeaktion geblieben. Es ist demnach (wie es im Übrigen auch die Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers annimmt) davon auszugehen, dass die Verfügung vom 18. Juli
2016 ebenfalls in formelle Rechtskraft erwachsen ist.
1.2.
Gemäss dem Wortlaut ihres Dispositivs hat die Beschwerdegegnerin mit der
angefochtenen Verfügung vom 11. März 2019 das Gesuch wie erwähnt abgewiesen. -
Verwaltungsverfügungen sind nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts allerdings
nicht (lediglich) nach ihrem Wortlaut zu verstehen, sondern es ist - vorbehältlich der
Problematik des Vertrauensschutzes - nach ihrem tatsächlichen rechtlichen Gehalt zu
fragen (vgl. BGE 132 V 76). Vorweg ist festzuhalten, dass ein materielles Einlassen der
Beschwerdegegnerin auf die IV-Anmeldung durch über das Einholen eines blossen
Arztberichts hinausreichende Abklärungen vorliegend nicht erfolgte. Im Vorbescheid
1.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/24
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2.
Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
war erklärt worden, es sei anhand der vorliegenden medizinischen Unterlagen nicht
plausibel nachvollziehbar, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
im Vergleich zur Referenzsituation relevant mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
verändert haben könnte, aber auch, aufgrund der vorliegenden Unterlagen bestehe
weiterhin kein Anspruch auf eine IV-Rentenleistung (vgl. IV-act. 86-2). Die Begründung
der Verfügung lässt sodann wiederum insofern auf eine dispositivgemässe Erledigung
schliessen, als die Beschwerdegegnerin festgehalten hat, es bestehe unter
Berücksichtigung der vorliegenden Unterlagen weiterhin kein Anspruch auf eine IV-
Rentenleistung. Ausserdem führte die Beschwerdegegnerin aus, es sei "aufgrund der
vorliegenden Akten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht von einer
Verschlechterung des Gesundheitszustands seit dem letzten Entscheid
auszugehen" (IV-act. 110-2). Diese Begründungselemente und das Dispositiv stimmen
demnach insofern überein. Die Ausführungen in der Beschwerdeantwort zeigen, dass
die Beschwerdegegnerin selbst von einem materiellen Entscheid ausgeht, erwähnt sie
doch, es müssten (für einen Anspruch) schlüssige Beweise vorliegen und auch RAD-
Berichte könnten beweiskräftig sein, ein Anspruch auf eine Begutachtung bestehe
dagegen nicht. Insgesamt rechtfertigt es sich, von einem materiell abweisenden
Entscheid der Beschwerdegegnerin auszugehen. - Dass der Beschwerdeführer
seinerseits einen Nichteintretensentscheid annimmt, der angesichts einer nach seiner
Auffassung glaubhaft gemachten Änderung unzutreffend sei, vermag daran nichts zu
ändern. Die in der angefochtenen Verfügung enthaltene Stellungnahme zum Einwand
enthält des Weiteren auch Hinweise auf eine Gesuchserledigung durch eine Sanktion
für ungenügende Mitwirkung bei der Abklärung. Eine materielle Anspruchsbeurteilung
aufgrund der vorhandenen Akten ist in Art. 43 Abs. 3 ATSG denn auch als Sanktion
vorgesehen (vgl. dazu unten E. 5.2). - Die Beschwerdegegnerin hat nach der Aktenlage
jedenfalls wie erwähnt entschieden, auf das Gesuch einzutreten, was als solches nicht
zu beanstanden ist, und sie hat das Gesuch abgewiesen.
Tritt die Verwaltung auf eine Neuanmeldung ein, so hat sie das neue
Leistungsgesuch (abgesehen von Sanktionsverhältnissen) in tatsächlicher und
rechtlicher Hinsicht allseitig zu prüfen (vgl. BGE 130 V 253 E. 3.3).
1.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 19/24
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3.
Zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers liegen
aus dem Verfahren der vorliegenden Neuanmeldung vom März 2017 zunächst
Angaben von Prof. C._ vor, namentlich diverse - nicht näher begründete -
Bescheinigungen durchgehend voller Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers für die
Zeit vom Unfall am 21. Dezember 2014 (zunächst wegen dieses Unfalls und später
wegen Krankheit) bis Ende März 2017, letzteres gemäss Attest vom 2. März 2017 (vgl.
IV-act. 71-17). Am 28. März 2017 wies der Arzt den Beschwerdeführer sodann jedoch
darauf hin, dass eine relevante Änderung des Sachverhalts bei ihm nicht eingetreten
sei, weshalb sich eine weitere IV-Anmeldung erübrige. Das könnte darauf hindeuten,
dass der Arzt nicht von einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers ausging. Zuvor war der RAD nämlich am
31. Mai 2016 aufgrund des Ergebnisses einer kreisärztlichen Untersuchung (vom
Oktober 2015) zur Beurteilung gelangt, der Beschwerdeführer sei für adaptierte
Tätigkeiten arbeitsfähig (vgl. IV-act. 59). In einem IV-Arztbericht vom 23. Mai 2017
erklärte Prof. C._ den Beschwerdeführer jedoch wegen der chronischen Schmerzen,
des Kopfwehs und oft auftretenden Schwindels ausdrücklich für alle Tätigkeiten als
arbeitsunfähig. Die Beschreibung einer zwischenzeitlichen (d.h. seit seiner Äusserung
von Ende März 2017 eingetretenen) Verschlechterung des Zustands des
Beschwerdeführers lässt sich im Bericht allerdings nicht ausmachen. Diagnostiziert hat
der Arzt hauptsächlich (d.h. mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit) eine Diskushernie C6/
C7 rechts, eine Insertionstendopathie Achillessehne rechts und ein KZBT.
3.1.
Bei der Beurteilung der letztgenannten kraniozervikalen
Beschleunigungsverletzung (durch den Unfall vom 21. Dezember 2014) einerseits hatte
sich der Kreisarzt der Unfallversicherung in seinem Bericht vom 28. Oktober 2015 auf
eine entsprechende Annahme von Prof. C._ vom 19. Januar 2015 bezogen (vgl.
Fremd-act. 3-6). Mit Ausnahme von leichten Parästhesien waren demnach im
Erstbehandlungsbericht aber keine neurologischen Ausfallerscheinungen oder
Begleitverletzungen von Seiten der Schultergelenke oder der Lendenwirbelsäule
dokumentiert worden. Frische knöcherne Verletzungen der HWS bzw. eine Instabilität
der degenerativ vorgeschädigten HWS hatten ausgeschlossen werden können. Eine
richtunggebende (anhaltende) Verschlimmerung des Vorzustands war nicht festgestellt
worden. Der Kreisarzt schloss, es habe sich um eine vorübergehende Verschlimmerung
des vorbestehenden Zustands durch den Unfall gehandelt.
3.2.
Die in seinem IV-Arztbericht vom 23. Mai 2017 erwähnte Diskushernie C6/C7 und
das Sehnenleiden anderseits hatte Prof. C._ bereits am 20. April 2014 (vgl. IV-act. 41)
3.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 20/24
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beschrieben. Schon am 6. Februar 2013 (vgl. Fremd-act. 1-11) hatte er ausserdem von
einer Diskushernie C5/6 und am 25. Februar 2014 (vgl. IV-act. 34) von einer foraminalen
Stenose C5/C6 rechts seit 2013 berichtet. Auch die Wirbelsäulenveränderungen auf
Höhe C5/6 bestanden demnach bereits im Dezember 2012, war einem Röntgenbericht
vom 19. Dezember 2012 (Fremd-act. 1-15) doch zu entnehmen, dass dort eine
ausgeprägte Spondylosis mit linksbetonter foraminaler Einengung mit bilateraler
Nervenwurzelkompression im foraminalen Anteil und mit Diskusprotrusion bestehe. - In
Kenntnis dieser bereits vorhandenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen hatte
Prof. C._ dem Beschwerdeführer am 20. April 2014 für adaptierte (ohne Überkopf
arbeiten stattfindende) Tätigkeiten Arbeitsfähigkeit attestiert.
Eine röntgenologische Abklärung der HWS vom 3. Mai 2017 (vgl. IV-act. 79-2)
zeigte insgesamt, dass (nebst einer minimen Protrusion der Bandscheibe C3/4 ohne
neurale Kompression) auf Höhe C5/6 eine Hernierung mit bilateraler Einengung des
Foramen intervertebrale und auf Höhe C6/7 weiterhin eine Hernierung der Bandscheibe
mit auch Spondylosis und mässiger foraminaler Einengung durch die Degenerationen
und Spondylarthrosen, teils auch mit Einengung des Foramen intervertebrale
rechtsbetont, vorlagen. Und der Kreisarzt der Unfallversicherung hatte in seinem
Bericht vom 28. Oktober 2015 den Verdacht auf eine Schädigung der
Rotatorenmanschette bzw. ein Impingementsyndrom rechtes Schultergelenk mit
Funktionsbeeinträchtigung einschliesslich Kraftminderung insbesondere des rechten
Arms geäussert. - Für das chronische Schmerzsyndrom im HWS- und Schulterbereich
fand jedoch die Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates am Kantonsspital St. Gallen gemäss ihrem Bericht vom 17. April
2018 in den klinischen Befunden kein eindeutiges anatomisches Korrelat. Eine
neurologische Abklärung könnte die Symptomatik eventuell besser objektivieren (vgl.
IV-act. 101-3). - Ein Arztbericht von Dr. H._ wurde im Übrigen nicht zu den Akten
gereicht, ebenso wenig ein solcher des Schmerzzentrums am Kantonsspital St. Gallen.
3.4.
Was den Aspekt des psychischen Gesundheitszustands betrifft, liegt ein Bericht
von Dr. G._ vom 7. April 2018 vor, wonach beim Beschwerdeführer eine
Anpassungsstörung und ein chronifiziertes Burnout-Syndrom (bei zunehmender
Schmerzsymptomatik seit 2013 und Autounfall im Dezember 2014) bestünden. Der
Psychiater erwähnte eine "persistierende Arbeitsunfähigkeit, ärztlich attestiert",
bescheinigte seinerseits jedoch nicht (ausdrücklich) eine psychiatrisch bedingte
Einschränkung. Vielmehr empfahl er kleine Arbeitseinsätze und stellte in diesem
Zusammenhang die Existenz eines Kundenkreises des Beschwerdeführers in Frage
3.5.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 21/24
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(vgl. IV-act. 98), was gegen die Annahme einer relevanten Arbeitsunfähigkeit unter
diesem Gesichtspunkt spricht.
Der RAD hielt schliesslich am 27. Februar 2019 (IV-act. 107) dafür, die Datenlage
sei schmal. Aufgrund der vorhandenen Akten könne nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit eine Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers
seit 2017 angenommen werden. Im Gegenteil würden die konsultierten Chirurgen eine
chronische Schmerzstörung mit seit fünf Jahren bestehenden Beschwerden erwähnen,
für die sich kein organisches Korrelat finden lasse. Eine Anpassungsstörung ziehe
zudem in der Regel keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in
rentenbegründendem Ausmass nach sich. Eine neurologische Abklärung sei ferner
nicht aktenkundig.
3.6.
Dieser medizinischen Beurteilung kann in Anbetracht der gesamten Aktenlage
gefolgt werden und es ist zusammenfassend anzunehmen, dass beim
Beschwerdeführer rentenrelevante Gesundheitsschädigungen zu vorliegend
massgeblicher Zeit nicht bestanden, zumal eine anhaltende Verschlechterung seines
Zustands und seiner Arbeitsfähigkeit nicht ausgewiesen erscheint und die frühere, eine
Rente abweisende Verfügung vom 19. September 2014 - in jedenfalls nicht als
zweifellos unrichtig zu betrachtender Weise - zum Ergebnis einer vollen Arbeitsfähigkeit
in adaptierter Tätigkeit gelangt war. Denn wie erwähnt hatte Prof. C._ den
Beschwerdeführer am 20. April 2014 für adaptierte Tätigkeiten als arbeitsfähig
bezeichnet. Nach dem Unfall vom Dezember 2014 war der Beschwerdeführer in der
Folge auch in der Rehaklinik D._ untersucht worden. Es hatte sich dabei ergeben,
dass wegen der fortgeschrittenen degenerativen Veränderungen der HWS und der
LWS (multisegmentale degenerative Veränderungen, p.m. LWK4-SWK1 mit
Spondylosen, Osteochondrosen, Fazettengelenksarthrosen, vgl. Fremd-act. 2-1) nach
Abklingen der unfallbedingten HWS-Beschwerden eine verminderte Belastbarkeit für
schwere und mittelschwere Tätigkeiten und für monotone Haltungen dieser beiden
Wirbelsäulenabschnitte und für Überkopfarbeiten übrigbleiben werde (vgl. Fremd-
act. 2-5). Festzustellen gewesen war indessen auch eine erhebliche
Symptomausweitung. Die genannte qualitative Beeinträchtigung durch die
degenerativen Veränderungen ist zu berücksichtigen, bedeutet allerdings keine
Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten. Insbesondere ist zur Frage einer
allfälligen Verschlimmerung des Leidens darauf hinzuweisen, dass der vom
Beschwerdeführer hierfür geltend gemachte Grund, dass die Hernierung des Diskus
C5/C6 (sc. im Vergleich zum Zustand vor dem Verfahren der Neuanmeldung vom März
2017) neu sei, nicht zutrifft. Da sich ein eindeutiges anatomisches Korrelat beim
3.7.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 22/24
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4.
Was den erwerblichen Aspekt betrifft, lässt der Beschwerdeführer in der Replik
mitteilen, er habe inzwischen die bisherige Tätigkeit aufgeben müssen und arbeite als
Mitarbeiter in einer Unternehmung mit einem deutlich tieferen Einkommen, als es ihm
seine selbständige Tätigkeit als I._ garantiert habe. Nähere Auskünfte, etwa zum
Zeitpunkt und zum Lohn, gab er nicht. Ein Grund zur Annahme eines
rentenbegründenden Invaliditätsgrads liegt darin indessen nicht. Der Beschwerdeführer
hatte am 3. April 2014 angegeben, er würde ohne Gesundheitsschaden ein Einkommen
von Fr. 98'000.-- verdienen. Selbst wenn zum Vergleich mit einem solchen
Valideneinkommen das statistisch erhobene Durchschnittseinkommen von Männern für
einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art (Kompetenzniveau 1) im
privaten Sektor für jenes Jahr von Fr. 66'453.-- (gemäss Anhang 2 der Textausgabe
Invalidenversicherung, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Gesetze und
Verordnungen, 2019, herausgegeben von der Informationsstelle AHV/IV, S. 228,
basierend auf der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung LSE des Bundesamtes für
Statistik) heranzuziehen wäre, ergäbe sich kein rentenbegründender Invaliditätsgrad
(sondern ein solcher von 32 %). Unberücksichtigt bliebe dabei, dass anzunehmen ist,
der Beschwerdeführer verfüge aus seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit als
Selbständigerwerbender und als geschäftsführender Angestellter einer eigenen
Unternehmung über diverse Fähigkeiten, welche ihm bei zumutbarer Mitwirkung auch
bei Vorliegen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen noch ein überdurchschnittliches
Einkommen ermöglichten.
5.
Untersuch der klinischen Befunde durch die Klinik für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates am Kantonsspital St. Gallen wie erwähnt
nicht gezeigt hat, ist auch nicht von einer relevanten Zunahme der degenerativen
Veränderungen auszugehen.
In Anbetracht der gesamten Aktenlage rechtfertigt es sich somit, mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem nicht rentenbegründenden Ausmass der
Invalidität des Beschwerdeführers auszugehen, ohne dass gemäss dem
Untersuchungsgrundsatz weitere Abklärungen erforderlich gewesen und noch
vorzunehmen wären.
5.1.
Bei diesem Ergebnis kann offen bleiben, ob die Voraussetzungen von Art. 43
Abs. 3 ATSG für eine sanktionsweise Verfügung eines materiellen Entscheids aufgrund
5.2.
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6.