Decision ID: b5668173-33a7-478d-8b57-d16d2c42ff14
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1
.
Der 1976 geborene türkische Staatsangehörige
X._
reiste im Mai 2003 in die Schweiz ein und ist anerkannter Flüchtling (Urk. 9/9 und Urk. 9/91/80). Von Juni 2003 bis Ende 2008 wurden für ihn Sozialversicherungsbeiträge als Nichterwerbstätiger abgerechnet, von Oktober 2008 bis Juli 2009 war er über das Sozialamt der Stadt Zürich als Allrounder Malerarbeiten beschäftigt (Aus
zug aus dem Individuellen Konto IK, Urk. 9/15, und Lebenslauf, Urk. 9/91/79) und ab Juli 2009 bis zu seinem letzten Arbeitstag am 3. Mai 2011 war er bei der
Z._
als Produktionsmitarbeiter angestellt (Arbeitgeberfragebogen, Urk. 9/13).
Am 24. Juli 2012 wurd
e er zur Früherfassung (Urk. 9/3
) und unter Angabe von seit 1. Mai 2011 bestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen aufgrund von Rückenschmerzen bei Diskushernie, Depression und posttraumatischer Belas
tungsstörung (PTBS) zum Leistungsbezug bei der Eidgenössischen Invali
den
versicherung angemeldet (Urk. 9/8 Ziff. 6.2 und Ziff. 6.3). Mit Mitteilung vom
15. April 2013 hielt die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, fest, dass mangels Deutschkenntnissen gegenwärtig keine beruflichen Einglie
derungsmass
nahmen möglich seien und ein Rentenanspruch separat geprüft werde (Urk. 9/30).
Nach Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht liess die IV-Stelle ein psychiatrisches Gutachten bei Dr. med.
A._
, Psychiatrie und Psychothe
rapie, erstellen (Gutachten vom 25. April 2014, Urk. 9/59). In der Folge ver
anlasste die IV-Stelle ein zusätzliches bidisziplinäres Gutachten bei Prof. Dr.
med.
B._
, FMH Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie
,
und Dr. med.
C._
, Innere Medizin FMH spez. Rheumaerkrankungen (Urk. 9/89, Urk. 9/91
und Urk. 9/92)
,
und stellte mit Vorbescheid vom 4. März 2016 die Abweisung eines Anspruchs auf eine IV-Rente in Aussicht (Urk. 9/94). Nach erfolgtem Einwand (Urk. 9/102) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 23. Juni 2016 ab (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob X._
am 11. August 2016 Beschwerde und beantragte (Urk. 1 S. 2) die Verfügung vom 23. Juni 2016 sei aufzuheben und es sei ihm eine Invalidenrente zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 6. September 2016 (Urk. 8) auf Abweisung der Be
schwerde, was dem Beschwerdeführer am 7. September 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heits
wert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psy
chiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Aus
mass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumut
bar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 127 V 294 E. 4c; 139 V 547 E. 5.2;
BGE 143 V 409
E. 4.2.1).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psycho
so
matische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsäch
liche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281). Mit
BGE 143 V 418
hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshin
dernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
so
urcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweis
belastete versicherte Person zu tragen (BGE 141
V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Leistungsabweisung damit (Urk. 2), dass
die Abklärungen keinen namhaften, eigenständigen, länger andauernden psy-chischen Gesundheitsschaden mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit ausgewiesen hätten. Aufgrund der bestehenden Ressourcen und des Krank-heitsverlaufs sei eine vollzeitige Erwerbstätigkeit zumutbar.
Der Beschwerdeführer habe trotz bestehender posttraumatischer Belastungs-störung (PTBS) im Jahr 2011 vollzeitig arbeiten können. Die Verschlechterung des Gesundheitszustandes sei auf psychosoziale Faktoren zurückzuführen, die sich unter Therapie sowie Auflösung gewisser Belastungsfaktoren stabilisiert hätten. Aktuell sei noch eine leichte depressive Episode ausgewiesen, die behan
delbar sei. Insgesamt handle es sich um eine vorübergehende Verschlechterung des Gesundheitszustandes und nicht um eine Beeinträchtigung, welche sich dauerhaft auf die Arbeitsfähigkeit auswirke.
2.2
Dagegen brachte der Beschwerdeführer
vor (
Urk. 1
),
der Gutachter Prof. Dr. B._ habe ausgeführt, dass es im Verlauf seit Dezember 2012 zu psy
chiatrischen Störungsbildern mit Auswirkung auf die mittel- und langfristige Arbeitsfähigkeit gekommen sei. Es liege eine Störung der ICH-Funktionen im Rahmen einer latent vorhandenen und seit April 2011 aktiven Belas
tungs
stö
rung vor. Diese sei unter den Lebensbedingungen bis April 2011 zwar fortbe
stehend, jedoch die Symptome weitgehend kompensiert gewesen. Durch multiple
psychosoziale Belastungen (als Auslöser) sei es dann zur Dekompensation des Störungsbildes mit einer Verschlechterung der Symptome der PTBS und nach
folgender depressiver Symptomatik bis hin zum Suizidversuch gekommen. Der Gutachter habe dargelegt, dass er aufgrund des psychischen Leidens nicht in der Lage gewesen sei, zu 100 % einer Arbeit nachzugehen (S. 7). Die Verschlech
terung des Gesundheitszustandes sei weder
auf psychosoziale Faktoren zurück
zuführen noch werde sie durch solche Faktoren aufrechterhalten, sondern sei lediglich durch diese ausgelöst worden (S. 7 f.). Der Gutachter empfehle zwar eine Therapie zur Verbesserung des Gesundheitszustandes, könne jedoch nicht mit Bestimmtheit sagen, ob diese anschlagen werde. Er habe deshalb eine Neu
beurteilung Mitte 2017 vorgeschlagen. Eine längere Zeit dauernde Erwerbsun
fähigkeit sei gegeben, sobald die einjährige Wartefrist abgelaufen sei. Folglich sei ab dem 1. Dezember 2013 eine Invalidenrente auszurichten (S. 8).
3.
3.1
Dr. med. D._, FMH für Allgemeinmedizin, welche den Beschwerde
führer seit dem Jahr 2009 behandelt, stellte im Bericht vom 23. November 2013 (Urk. 9/17) die Diagnosen eines chronischen lumboradikulären Syndroms bei/ mit Discusprotrusion mit Nervenkompression L4/5 sowie L5/S1 bestehend seit ca. Mai 2011 und eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Sie hielt fest, der Beschwerdeführer habe bereits 2009 unter rezidivierenden Lumbal
schmerzen ohne Ausstrahlung gelitten und damals bei der Z._ gearbeitet, wo er viel schwer habe tragen müssen. Eine MRI (Magnetresonanz
tomographie)-Untersuchung habe eine Discusprotrusion mit Nervenkompression gezeigt, welche seine Symptome erkläre. Zudem sei der Beschwerdeführer psychisch traumatisiert, nachdem er aus politischen Gründen von 1996 bis 2001 in Gefangenschaft unter menschenunwürdigen Bedingungen gewesen sei und mehrmals über 30 Tage dauernde Hungerstreiks gemacht habe. Er leide immer noch unter seiner Vergangenheit und habe Schlafstörungen und Alpträume. Es wurde eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % ab 4. Mai 2011 attestiert (vgl. auch Bericht vom 13. Juli 2015, Urk. 9/73).
3.2
Dr. med. E._, Allgemeine Innere Medizin FMH, der den Beschwerdeführer im Rahmen einer delegierten Psychotherapie seit 20. April 2012 behandelte, hielt im Formularbericht zu Händen der Beschwerdegegnerin vom 20. Dezember 2012 fest (Urk. 9/19), der Beschwerdeführer sei als Jüngster von neun Kindern in Istanbul/Türkei geboren worden. Aufgrund politischer Probleme (Gefängnis
aufenthalt Foltererfahrung) sei er im Jahr 2003 in die Schweiz geflüchtet und in der Folge als politischer Flüchtlinge anerkannt worden. Im Jahr 2009 habe er angefangen, bei seinem letzten Arbeitgeber zu arbeiten, bis es zu einem Unfall bei der Arbeit gekommen sei. Dieser Unfall habe zu einer Retraumatisierung aufgrund ähnlicher Körperempfindungen wie früher geführt. Die Untersu
chungs
befunde zeigten, dass die Aufmerksamkeit, Konzentration und das Ge
dächtnis leicht reduziert seien. Die Stimmung sei gedrückt, traurig, verunsichert und antriebslos. Es bestünden Ein- und Durchschlafstörungen und Ängste mit aufkommenden Bildern der traumatischen Erlebnisse. Innerlich sei der Be
schwer
deführer angespannt, latent suizidal und der Appetit beeinträchtigt. Es wurde festgehalten, dass bei gleichbleibender Behandlungsmotivation und Com
pli
ance von einer günstigen Prognose im Sinne einer weiteren Symptombes
serung auszugehen und aus diesem Grund die Weiterführung der Behandlung indiziert sei. Die gegenwärtige Behandlung bestehe in einer fachspezifischen Psychotherapie von zwei bis drei Sitzungen pro Monat.
3.3
Im Bericht der F._ vom 5. August 2013 (Urk. 9/43) über die stationäre Behandlung vom 26. Juni bis 11. Juli 2013 hielten die Ärzte den Eintritt des Beschwerdeführers zur fürsorgerischen Unter
bringung auf Zuweisung des G._ bei akuter Selbstgefährdung und einem Suizidversuch am 25. Juni 2013 durch Mischintoxikation von Alkohol und Antidepressiva fest (S. 3). Es wurden folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt (S. 2):
-
Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2);
Status nach Suizidversuch am 25. Juni 2013 durch Mischintoxikation mit Alkohol, Remeron und Cipralex
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Schädlicher Ge
brauch (ICD-10 F10.1)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide: Schädlicher Gebrauch (ICD-10 F12.1)
-
Fremdanamnestisch Spielsucht (ICD-10 F63.0)
-
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
Es wurde festgehalten, der Beschwerdeführer leide unter einer belastenden Situation zu Hause, habe vor kurzem seinen Vater verloren, habe Schwierig
keiten mit der Wohnung und gebe an, seit dem Jahr 2011 an Rückenschmerzen zu leiden.
Zur Prognose vermerkten die Ärzte, es sei davon auszugehen, dass sich unter optimierter antidepressiver Einstellung sowie regelmässigen psychologischen Ge
sprächen das Zustandsbild noch verbessern könne. Hinsichtlich der Wieder
aufnahme einer körperlichen Tätigkeit schienen die Rücken- und Beinschmerzen seit dem Vorfall 2011 limitierend zu sein. Die wiederkehrenden Erinnerungen an das Trauma (sogenannte Flash-Backs) könnten sich negativ auf die Kon
zentrationsfähigkeit und der schädliche Alkohol- und der übermässige Nikotin
konsum ebenfalls negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken und die Belast
barkeit reduzieren (S. 3 Ziff. 1.4).
Im Vordergrund stünden die lumbalen Schmerzen, welche auch teilweise in das linke Bein ausstrahlten und den Beschwerdeführer in seiner körperlichen Be
weglichkeit einschränkten. Psychisch einschränkend sei die derzeitige depres
sive Symptomatik, charakterisiert vor allem durch Grübeln, verminderten An
trieb sowie Schlafstörungen. Dies könne sowohl in einer Einschränkung der Arbeitseffizienz und der Konzentrations- und Leistungsfähigkeit resultieren als auch in Vermeidungsverhalten und Blockaden. Mit einer langfristigen, optima
len medikamentösen Einstellung, sowohl antidepressiv als auch analgetisch sowie Psychotherapie liessen sich die Einschränkungen vermindern und eine stationäre Alkoholentwöhnungstherapie in der Klinik O._ mit dem Ziel der Abstinenz wirke sich positiv auf den Krankheitsverlauf aus (S. 4).
3.4
Dr. med. H._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 20. Mai 2014 (Urk. 9/52), eigenanamnestisch habe der Be
schwerdeführer den Konsum vom Cannabis nach Entlassung aus der F._ ganz sistiert und der Alkoholkonsum sei nach Entlassung aus der Klinik sehr selten gewor
den. Als Diagnosen nannte er eine schwer bis mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11), eine posttraumatische Belastungs
störung (ICD-10 F43.1) bei Status nach langjähriger Verhaftung und Folter im Heimatland und eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psy
chi
schen Faktoren (ICD-10 F45.41) bei/mit lumbalen Rückenschmerzen. Im Antrieb sei der Beschwerdeführer deutlich vermindert und im Affekt sei er niederge
schlagen und zeige einen Zustand von vegetativer Übererregtheit mit Vigil
an
zsteigerung, übermässiger Schreckhaftigkeit und ausgeprägter Schlafstörung mit wiederkehrenden Albträumen und ständigen körperlichen Missempfindungen. Der Beschwerdeführer habe grössere Schwierigkeiten, den Tagesablauf ange
messen zeitlich und inhaltlich zu strukturieren. Viele Tätigkeiten führe er nicht zu Ende und seine mangelnde Anpassungsfähigkeit führe bei anderen und sozia
len Interaktionen zu negativen Reaktionen.
Möglich sei eine behinderungsangepasste Tätigkeit (20 bis 40 % 2 Stunden pro Tag, ab Juli/August 2014) in einem geschützten Raum, was aus therapeutischer Sicht und zur Förderung des Selbstwertgefühls und der Tagesstrukturierung Sinn mache.
3.5
Dr. A._, welcher den Beschwerdeführer im Auftrag der Beschwerdegegnerin untersuchte, diagnostizierte im Gutachten vom 25. September 2014 (Urk. 9/59) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronifizierte posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F33.10; S. 9). Der Gutachter hielt fest, aufgrund der Anamnese, der Untersuchungen und den Angaben in den Akten habe der Beschwerdeführer eine unauffällige Ent
wick
lung in Kindheit und Jugend durchgemacht; es gebe keine Hinweise auf eine Störung bis zum Alter von 20 Jahren. Danach sei er wegen seiner politischen Aktivität gemäss eigenen Angaben von der türkischen Polizei in U-Haft ge
nommen, dort geschlagen und gefoltert worden und habe beinahe sieben Jahre in Haft verbracht und dort mehrere Phasen mit Hungerstreik durchlebt. Seither beschreibe er diverse Störungen, welche in der Haft begonnen hätten und bis heute vorhanden seien. Er schildere Wach- und Albträume, ausgeprägte Schlaf
störungen, Flash-backs, Dissoziationsphänomene, getriggert mit nachfolgender Angstreaktion und Wiedererleben. Die Beschreibung sei typisch für eine post
traumatische Belastungsstörung, entspreche den ICD-1O Kriterien und es ergä
ben sich keine ernsthaften Zweifel daran. Im weiteren Lebensverlauf mit Flucht in die Schweiz habe sich der Versuch der Integration und Arbeitsaufnahme gezeigt, wobei es scheine, dass die PTBS weiterhin chronifiziert vorhanden, in der Symptomausprägung aber wechselnd und er auch über längere Zeit arbeitsfähig gewesen sei.
Mit einem vom Beschwerdeführer geschilderten Arbeitsunfall im Jahr 2011 sei es nicht nur zu den für ihn neuen lumboradikulären Beschwerden, sondern auch zu einer Verschlechterung der PTBS gekommen. Zu einer weiteren Verschlech
terung des psychischen Zustandes sei es in der Folge im Jahr 2013 im Kontext mit der Erkrankung und dem Tod des Vaters gekommen, wobei er eine mittel- bis schwere depressive Episode verbunden mit einem Suizidversuch und über
mässigem Konsum von Alkohol durchlebt habe. Im weiteren Verlauf scheine
sich eine deutliche Besserung des depressiven Zustandsbildes entwickelt zu haben
und das heutige Befinden sei im Wesentlichen durch eine ausgeprägte Schlaf
störung beeinträchtigt, welche in erster Linie der PTBS zuzuordnen sei. Daneben scheine sich durch die fehlende Beschäftigung und Tagesstruktur eine Störung des Tag-, Nachtrhythmus ergeben zu haben und auf Grund fehlender äusserer
Anforderung eine Entwicklung im Sinne einer sogenannten „Dekonditionierung",
welche potentiell zur Chronifizierung einer depressiven Störung beitrage (S. 9).
Aus rein psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer auf Grund der ge
nannten Störungen vermutlich zu 20 bis 30 % in der angestammten — wie auch in einer angepassten — Tätigkeit arbeitsfähig, wobei einschränkend zu sagen sei, dass die Auswirkung der Schlafstörung auf die Arbeitsfähigkeit, namentlich auf Präsenz und Durchhaltevermögen derzeit auf Grund fehlender Beschäftigung nicht sicher beurteilt werden könne (S. 10; vgl. auch Urk. 9/62).
3.6
3.6.1
Am 28. November 2015 berichtete der psychiatrische Teilgutachter Prof. Dr. B._ anlässlich der im Auftrag der Beschwerdegegnerin erfolgten bidis
ziplinären Abklärung (Urk. 9/89/1-27, S. 10 f.), den Angaben des Beschwerde
führers zufolge habe dieser aufgrund von Eheschwierigkeiten, Schulden und weil sein Vater erkrankt und schliesslich verstorben sei keinen Ausweg mehr gesehen und
am 2
5.
Juni 2013
einen Selbsttötungsversuch in alkoholisiertem Zustand mit Tabletten unternommen. Mit Hilfe seines Freundes habe er sich schliesslich wieder besonnen und er trinke nur noch Alkohol im Rahmen sozialer Aktivitäten, ein- bis zweimalig am Wochenende bis zu fünf Bier. Aktuell beschreibe der Beschwerdeführer eine psychische Instabilität, welche rasch wechselhaft sei. Er habe sehr gute und dann auch wieder schlechte Momente, wobei die Albträume und die Schlafstörungen unverändert bestün
den. Am Morgen fühle er sich daher häufig unzureichend ausgeruht und sei deshalb weniger leistungsfähig. Er habe zudem weiterhin lumbale Rücken
schmerzen, wobei ihm eine Operation vorgeschlagen worden sei, der er jedoch skeptisch gegenüberstehe.
Zum Tagesablauf berichte der Beschwerdeführer, er steht gegen 10 Uhr jeden Morgen auf. Wenn er eine Aufgabe habe, so könne er auch am Morgen ohne Probleme aufstehen, trotz seiner Schafstörung. Er trinke Kaffee, ohne zu früh
stücken. Dann schaue er sich im Internet die Nachrichten an und gehe hernach spazieren. Zur Arbeit gehe er auf Abruf und zweimal in der Woche am Abend um Deutsch lernen. Der Kurs beginne um 20 Uhr und ende um 22 Uhr. Häufig helfe er seinem neuen Chef beim Bügeln; wobei er allerdings dabei Probleme mit seinem Rücken bekomme. Meist koche er sich nichts zum Mittagessen und er esse nur einmal am Tag am Abend. Am Nachmittag sei er zuhause, setze sich oft hin, bekomme manchmal Besuch von seinem Freund und zwischendurch reinige er seine Wohnung und gehe einkaufen. Am Abend koche er sich ein Nachtessen oder hole sich ein Essen bei der Migros und wärme dieses auf. Zwischen Mitternacht und 1 Uhr gehe er zu Bett. Der Schlaf sei aufgrund von Albträumen seit der Zeit seiner Inhaftierung gestört (S. 12).
Unter „Diagnosen” hielt der Gutachter fest, bei der Begutachtung stünden Klagen über Schlafstörungen, posttraumatische Symptome und Rücken
schmer
zen im Vordergrund. Die Schlafstörungen und die Albträume seien unverändert, wobei derzeit nicht — wie im Vorgutachten beschrieben — über weitere Symp
tome einer PTBS mit Intrusionen und Flashbacks geklagt werde. Auch bestehe nur noch ein leichtes depressives Syndrom, so dass seit dem Gutachten von Dr. A._ vom 25. September 2014 von einer Besserung des psychischen Ge
sundheitszustandes auszugehen sei. Die Diagnosen einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) sowie einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F33) und eines schädlichen Gebrauchs von Alkohol (ICD-10 F10.1) seien zwischen allen Behandlern, dem Vorgutachter und aktuell unbestritten (S. 21).
Beim Beschwerdeführer seien vorbestehende Störungen der Ich-Funktionen im Rahmen der posttraumatischen Belastungsstörung gegeben und die Störung sei unter den Lebensbedingungen des Beschwerdeführers bis zum Unfall im April 2011 zwar fortbestehend, jedoch die Symptome weitgehend kompensiert ge
wesen (S. 22). Durch multiple psychosoziale Belastungen (als Auslöser) sei es zur Dekompensation des Störungsbildes mit einer Verschlechterung der Symp
tome der PTBS und zudem zur nachfolgenden depressiven Symptomatik bis hin zu einem Suizidversuch gekommen. Durch die PTBS liege eine erhebliche Schwächung des Ichs vor, die den Ausbruch der psychiatrischen Störungsbilder begünstigt habe und handicapierende Fähigkeitsstörungen bedinge. Ein Hinweis auf ein Suchtleiden sei aus den Akten anzunehmen; es habe ein schädlicher Gebrauch von Alkohol und fraglich von Cannabis vorgelegen, der in selbst
the
rapeutischer Absicht erfolgt und damit von sekundärer Genese der Störung sei. Aktuell ergebe sich kein Hinweis auf den Gebrauch von Cannabis und der Beschwerdeführer trinke weiterhin Alkohol, wobei die Menge gemäss anam
nes
tischer Angaben auch ein „social drinking” übersteige. Jedoch seien die Krite
rien für eine Suchtstörung nicht gegeben (S. 23).
Es bestünden persönliche Ressourcen. Der Beschwerdeführer berichte von Freun
den, welche ihn unterstützten. Seine „neuen" Grundüberzeugungen, sich durch das Erlernen der deutschen Sprache soziokulturell in der schweizerischen Gesellschaft besser zu verankern, sei zu begrüssen und auch protektiv in Bezug auf seine PTBS sinnvoll (S. 23). Im sozialen Kontext sei der Beschwerdeführer sicherlich in seiner Teilhabe reduziert, jedoch nicht ausschliesslich aufgrund krankheitsbestimmter Faktoren. Eine soziale Isolierung bestehe hingegen nicht. Zur Behandlung und Eingliederung bemerkt der Gutachter, dass sich der Be
schwerdeführer mehrfach in stationäre psychiatrische Behandlung begeben habe und in ambulanter psychiatrischer Behandlung stehe. Die kontrollierten Blut
serumspiegel der Psychopharmaka Quetiapin und Mirtazapin seien im thera
peutischen Wirkspiegel. Anzuregen sei eine störungsspezifische Behandlung der PTBS, wie zum Beispiel eine EMDR (
Eye Movement Desensitization and Repro
cessing
; Traumatherapie)
.
Diese Therapieformen seien für psychotraumatische Störungen in Zürich verfügbar. Zur Konsistenz bemerkte der Gutachter, das Aktivitätsniveau habe sich im Alltagsleben zwischenzeitlich wieder verbessert und stehe nicht im Kontrast zum Störungsbild (S. 24).
Zur Arbeitsfähigkeit hielt der Gutachter fest (S. 26), es sollten keine Tätigkeiten in Gefängnissen oder Einrichtungen ausgeübt werden und auch keine Tätig
keiten, die in Wechselschicht erfolgten oder die eine erhöhte Stresstoleranz erfordern oder bei welchen mit Injektionsmaterialien umgegangen werden müsse oder die eine hohe neuro-kognitive Belastbarkeit erforderten. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit in der Dönerfabrik könne als weitgehend leidensadaptiert bezeichnet werden. Bezogen auf ein 100 % Pensum in zuletzt ausgeübter und in adaptierter Tätigkeit habe während der stationären Aufenthalte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Ab Dezember 2002 (richtig wohl: 2012; vgl. auch Urk. 9/59/10 unten) sei von einer Arbeitsfähigkeit von 40 bis 50 % auszugehen, ab 26. Juni 2013 habe die Arbeitsfähigkeit 0 % betragen, ab Juli 2014 sei eine 20 bis 30%ige Arbeitsfähigkeit anzunehmen und ab November 2014 von einer 40 bis maximal 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
3.6.2
Die Gutachterin Dr. C._, welche den Beschwerdeführer am 16. Dezember 2015 internistisch-rheumatologisch begutachtete (Urk. 9/91 S. 1 bis S. 52), nannte als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine verminderte Belastbarkeit und intermittierende Beschwerden der Lendenwirbelsäule bei medianer Diskushernie L4/L5 mit Kompression der Nervenwurzel L5 links und Kontakt zur Nervenwurzel L5 rechts und medianer Diskushernie L5/S1 mit Kontakt zur Nervenwurzel S1 links. Sie hielt fest, die bildgebenden Befunde (MRI Dezember 2015 gegenüber MRI Juni 2011) seien seit Jahren im Wesent
lichen unverändert, ohne radikuläre Zeichen und der Beschwerdeführer sei aktuell schmerzfrei und brauche keine Schmerzmittel (S. 41).
Gemäss dem Gutachter von Dr. A._ betreibe die neue Partnerin des Be
schwerdeführers einen Hemdenservice und er könne dort möglicherweise ein wenig arbeiten. In der Untersuchung berichte er, dass er seit kurzem in einer chemischen Reinigung in der Nähe seiner Wohnung arbeite, dort Kleider abhole und diese mit dem Firmenwagen in das Nähatelier bringe. Die Fahrt ins Atelier daure etwa 25 Minuten
und danach
bringe er den Wagen wieder in die che
mi
sche Reinigung zurück
. Diese mache er zwei- bis dreimal pro Woche.
Zur Arbeitsfähigkeit hielt die Gutachterin fest, der Beschwerdeführer könne Lasten bis zu 12.5 kg hantieren (leichtes bis knapp mittelschweres Belastungs
niveau). Tätigkeiten, die diesem Profil entsprechen, könne er bezogen auf ein Arbeitspensum von 100 % zu 100 % ausüben. Die (aktuelle) Tätigkeit bei der chemischen Reinigung und auch die Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter bei der Firma Z._ seien als angepasst zu betrachten, sofern dabei keine Lasten über 12.5 kg hantiert werden müssten (S. 45 f.).
3.6.3
Aus gesamtmedizinischer Sicht hielten die Gutachter zur Arbeitsfähigkeit fest, die Tätigkeit bei der Z._ und die aktuelle Tätigkeit in einer chemi
schen Reinigung seien angepasst. Bezogen auf ein Pensum von 100 % sei der Beschwerdeführer in diesen Tätigkeiten 40 bis maximal 50 % arbeitsfähig. Die attestierte Arbeitsfähigkeit bestehe ab November 2014 (Urk. 9/92).
4.
4.1
Aus den Akten ergibt sich, dass
der Beschwerdeführer im Mai 2003 als Asyl
bewerber in die Schweiz einreiste (vgl. Urk. 9/91/45). Hier ging er ab Oktober 2008 zunächst einer durch das Sozialamt vermittelten und später einer Erwerbs
tätigkeit in einer Produktionsstätte für Döner nach, wobei er diese Tätigkeit im Mai 2011 zufolge Rückenbeschwerden niederlegte (Sachverhalt Ziff. 1). Die da
rauf
hin attestierten Arbeitsunfähigkeiten wurden insbesondere mit der Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung begründet, hervorgerufen durch
belastende Ereignisse
aufgrund von Gefängnisaufenthalten
in der Türkei in den Jahren 1996
bis 2002 (E. 3.1 und E. 3.2 hiervor).
Eine Verschlechterung der psychischen Symptomatik mit der Diagnose einer schweren depressiven Episode mit fürsorgerischer Unterbringung bei akuter Selbstgefährdung führten die behandelnden Ärzte auf eine belastende psycho
soziale
Situation
(Eheschwierigkeiten) und den Umstand zurück, dass der Be
schwer
deführer kurz zuvor seinen Vater verloren hatt
e
. Dazu wurden ein schäd
licher Gebrauch von Alkohol, Cannabinoiden und eine Spielsucht aufgeführt (E. 3.3).
Eine deutliche Besserung der psychischen Symptomatik im weiteren Verlauf zeigte sich anlässlich der Erstbegutachtung durch Dr. A._,
welcher
im Wesent
lichen
nur noch Einschränkungen
durch
eine ausgeprägte Schlafstörung be
schrie
b. Diese sah der Erstgutachter im Zusammenhang mit der posttrauma
tischen Belastungsstörung, wobei er aber gleichzeitig auch auf eine
fehlende Beschäftigung und Tagesstruktur
und eine Störung des Tag-
Nach
t
rhythmus
aufg
rund fehlender äusserer Anforderung
hinwies (E. 3.5).
Eine weitere Verbesserung der psychischen Symptomatik wurde anlässlich der
psychiatrischen Untersuchung durch Prof. Dr.
B._
vom 27. November 2015
verzeichnet, wobei zwar unverändert auf die Schlafstörungen und Albträume hingewiesen, jedoch keine weiteren Symptome einer PTBS mit Intrusionen und Flashbacks mehr festgestellt wurden und sich lediglich noch ein leichtes de
pressives Syndrom zeigte.
4.2
Vor diesem Hintergrund sind die Ausführungen von Prof. Dr. B._ nach
vollziehbar, dass beim Beschwerdeführer eine Störung der Ich-Funktionen im Rahmen der posttraumatischen Belastungsstörung bereits vorbestehend war, die
Symptome dieser Störung unter den Lebensbedingungen bis zum Unfall im Ap
ril
2011 jedoch soweit kompensiert gewesen waren, dass der Beschwerde
führer nach
seiner Einreise in die Schweiz zumindest während einer gewissen Zeit einer Erwerbstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nachgehen konnte. Im Ver
lauf haben psychosoziale Belastungsfaktoren
zur
Dekompensation des Stö
rungs
bildes geführt, und es ist zu einer Verschlechterung des psychischen Zustandes mit nachfolgender depressiver Symptomatik bis hin zu einem Suizidversuch gekommen (E. 3.6.1).
In somatischer Hinsicht ist aufgrund der Untersuchungen von Dr. C._ erstellt, dass die Rückproblematik seit Jahren im Wesentlichen unverändert und ohne radikuläre Zeichen ist, zeigte sich der Beschwerdeführer in der Unter
su
chung doch schmerzfrei und ohne Gebrauch von Schmerzmitteln. Dr. C._ hat nachvollziehbar begründet, dass in rückenadaptierter Tätigkeit, ohne dass mit Lasten über 12.5 kg hantiert werden muss, aus somatischer Sicht in bishe
riger und angepasster Tätigkeit eine 100%ige Restarbeitsfähigkeit zumutbar ist (vgl. E. 3.6.2).
5.
5.1
Damit fussen die postulierten Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tätigkeit ausschliesslich auf der psychischen Symptomatik. A
ngesichts der Diagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung und einem leichten depressiven
Syndrom
und in Anbetracht dessen, dass die juristische Anspruchs
prüfung in jedem Fall Aufgabe des Rechtsanwenders ist (vgl. etwa
Urteil des Bundesgerichts
9C_154/
2016 vom 19. Oktober 2016 E. 4.), ist
die Beurteilung des tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens anhand des in BGE 141 V 281 aufgestellten Katalogs von Indikatoren vorzunehmen
(BGE 141 V 281 E. 4.3.1).
Diese Standardindikatoren erlauben - u
nter Berücksichtigung leistungshin
dern
der äusserer Belastungsfaktor
en einerseits und Kompensations
potenzialen (Res
so
urcen) anderseits - das ta
tsächlich erreichbare Leistungs
vermögen einz
u
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom
1.
März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der K
onsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4, zum Ganzen vgl. auch E. 1.3 hier
vor).
5.1.1
Hinsichtlich des Komplexes Gesundheitsschädigung ergibt sich, dass der Be
schwer
deführer
schon bei der Einreise infolge seiner Erfahrungen im Gefängnis in der Türkei an einer PTBS litt. Eine besonders schwere Ausprägung der Störung wird jedoch von den befassten Ärzten nicht beschrieben, was im Einklang steht mit der von Juli 2009 bis April 2011 uneingeschränkt ausge
übten Erwerbstätigkeit (Urk. 9/13). Der Beschwerdeführer selbst gab an, seine gesundheitliche Beeinträchtigung sei im Mai 2011 aufgetreten (Urk. 9/8/5), was auch die behandelnde Dr. D._ bestätigte (vorstehend E. 3.1). Der diagnostizierten PTBS fehlt es daher von vornherein an der erforderlichen Schwere. Erst im Zusammenhang mit belastenden psychosozialen Umständen (Ehescheidung, Tod des Vaters) dekompensierte der Beschwerdeführer laut der gutachterlichen Einschätzung und zur PTBS trat ein depressives Geschehen hinzu (vorstehend E. 3.6.1). Damit standen invaliditätsfremde Faktoren im Vor
dergrund des Krankheitsbildes, das zur Arbeitsunfähigkeit führte. Aus soma
ti
scher Sicht besteht sodann ausser einer Belastungslimite beim Hantieren von Gewichten von mehr als 12.5 kg (zum Belastungsprofil vgl. E. 3.6.2 hievor) keine Einschränkung, so dass es an einem (schweren) invalidisierenden Gesund
heitsschaden im Sinne des entsprechenden Indikators ermangelt.
Zum Indikator
„
Beh
andlungserfolg und -resistenz“ ist dem psychiatrischen Gut
achten zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer nur
einmal pro Monat in ambu
lanter fachpsychiatrischer Behandlung steht — welche Therapiefrequenz auf keinen grösseren Leidensdruck hindeutet — und
Antidepressiva einnimmt
(Urk. 9/89/13).
5.1.2
Die Ressourcen des Beschwerdeführers liegen
gemäss
Untersuchungs
befunden
weitgehend im Normbereich respektive zeigen keine Auffälligkeiten, wurde doch
normales Verhalten, normale
s Erscheinungsbild, Bewusstsein und Orien
tie
rung
, normales Altgedächtnis,
normale Konzentration und Aufmerksamkeit
,
regel
rechtes und unauffälliges Denkvermögen und Gedankengang, mit im Norm
bereich liegender kognitiver Begabung, ohne wesentliche Einschränkung von Interessen, ohne Antriebsstörung bei unauffälliger Psychomotorik festgehalten (vgl. Urk. 9/89/14 f.).
Es ist somit anzunehmen, dass der Beschwerdeführer weiter
hin über persönliche Ressourcen verfügt, die er bei Wiederaufnahme
respektive bei
einer
Erhöhung der zur Zeit lediglich in einem niedrigen Arbeits
pensum ausgeübten
Erwerbstätigkeit aktivieren könnte.
Wenn auch Prof. Dr. B._ eine Störung der Ich-Funktion schilderte, kann darin keine ressourcenhemmende Persönlichkeitsstruktur erblickt werden, da der Gutachter die Störung im Rahmen der posttraumatischen Belastungsstörung erwähnte (vorstehende E. 3.6.1) und ihr damit keine massgebliche eigene Be
deu
tung zuschrieb.
5.1.3
Bezüglich der Kategorie Konsistenz fällt auf, dass
sich der Beschwerdeführer selber zwar durchaus in der Lage sieht, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, die Verantwortung für das ihm zumutbare Leistungsvermögen aber an die behan
delnden Ärzte abgibt, die entschieden hätten, dass er nur noch 40 % arbeiten könne (Urk. 9/89/13). Der Beschwerdeführer verfügt neben seiner Erwerbstätig
keit auf Abruf über einen
stru
kturierten und geregelten Tagesablauf
. So be
schrieb
er, dass
er gegen 10 Uhr jeden Morgen — und wenn er eine Aufgabe habe ohne Probleme auch früher — aufstehe. Den Tag verbringt er mit Konsul
tationen im Internet, und S
pazieren
; daneben absolviert er zweimal pro Woche am Abend einen Deutschkurs. Zwischendurch bekommt er Besuch, reinigt die Wohnung, geht einkaufen
(
Urk. 9/89/12) und spielt als Hobby das Instrument Saz, welches er gerne und gut spiele (Urk. 9/89/8). Im Rahmen seiner Tätigkeit in der Kleiderreinigung fährt er sodann den Firmenwagen des Reinigungs
insti
tuts und nimmt damit am lebhaften Strassenverkehr teil (Urk. 9/91/4). Ebenso besteht die Teilnahme an weiteren sozialen Aktivitäten an den Wochenenden, wobei er mit Bekannten jeweils Bier konsumiert (Urk. 9/89/11). Seine Beziehung zu einem Freund ist sogar derart eng, dass dieser ihn vom übermässigen Alkoholkonsum abzuhalten vermochte (vorstehend E. 3.6.1).
Damit zeigen die Angaben des Beschwerdeführers zu seinen Aktivitäten keine besonderen Auffälligkeiten. Eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitäts
niveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen kann nicht als erstellt ange
sehen werden. Namentlich ergeben sich bei der Pflege von sozialen Kontakten keine Einschränkungen, und der Beschwerdeführer ist in der Verrichtung alltäg
licher Dinge wie auch in der Führung des Haushalts selbständig
.
5.1.4
Hinsichtlich des Aspekts des behandlungsanamnestisch ausgewie
senen Leidensdrucks konnte der psychiatrische
Gutachter festhalten, dass der Beschwer
deführer aktuell zwar mit Antidepressi
va und Analgetika versorgt wird
und mit einer Frequenz von einmal monatlich in fachpsychiatrischer Behandlung steht
(
Urk. 9/89/13
).
Die lediglich spärlichen psychopathologischen Untersuchungsbe
funde korrelieren damit mit der niedrigen Behandlungsfrequenz und lassen — wie gesagt — nicht auf anhaltend hohen Leidensdruck schliessen. E
s ist
auch
nicht einzusehen, weshalb den Beschwer
den bei anhaltend hohem Leidens
druck nicht mit anderen therapeutischen Ansätzen beg
egnet worden wäre, zumal verschiedene psychosomatische Ansätze
mittels traumaspezifischer Behandlung
diskutiert wurden (vgl. Urk. 9/59/10 und Urk. 9/89/26). Ein eingliederungs
anam
nestischer Leidensdruck ist
damit
nic
ht auszumachen.
5.1.5
Zu berücksichtigen ist auch
, dass anlässlich der rheumatologische Untersuchung eine Muskelmasse von 61 % gemessen wurde, welche den Normwert von 40 % weit übertrifft, und daraus geschlossen wurde, dass keine lang andauernde kör
perliche Schonung vorliegt sondern der Beschwerdeführer vielmehr häufig auf seinem Hometrainer trainiert (Urk. 9/91/43). Im Weiteren konnten
Diskrepanz
en
bei der Prüfung der Handfunktion festgestellt werden, wobei die gezeigte, weit
gehende Kraftlosigkeit beider Hände mit einer maximalen Handkraft rechts von
26 % und links von 20 % rheumatologisch nicht erklärt werden konnte und dies
bezüglich auf selbstlimitierendes Verhalten geschlossen wurde (Urk. 9/91/44).
5.2
Damit ist ein erheblicher funktioneller Schweregrad des Leidens im Verfü
gungs
zeitpunkt zu verneinen, nachdem sich aus der psychischen Symptomatik kein invalidisierender Gesundheitsschaden darstellen lässt, welcher es dem Be
schwer
deführer verunmöglicht, seine Restarbeitsfähigkeit in seiner bisherigen und einer dem somatischen Leiden angepassten Tätigkeit (gemäss dem somatischen Belastungsprofil) vollzeitig zu verwerten. Angesichts der klaren Aktenlage sind in diesem Zusammenhang von weiteren Beweismassnahmen (etwa der Einholung eines Gutachtens) keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b).
6.
6.1
Zu prüfen bleibt
damit,
wie sich das Leistungsvermögen
seit der Anmeldung zum Leistungsbezug
vom 2
4.
Juli 2012
im zeitlichen Verlauf entwickelt hat; die medizinische Aktenlage weist anfänglich eine Verschlechterung der depressiven Symptomatik mit Exacerbation bis hin zur Suizidalität und stationärer und fürsorgerischer Hospitalisation aus und danach wurde eine kontinuierliche Ver
besserung der psychischen Symptomatik verzeichnet.
Die behandelnde Dr. D._ bescheinigte dem Beschwerdeführer auf
grund von Rückenbeschwerden seit 4. Mai 2011 Arbeitsunfähigkeiten (Urk. 9/17).
Dr.
E._
attestierte aufgrund der posttraumatischen Belastungsstörung im Bericht
vom 20. Dezember 2012 eine 40 bis 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 9/19 Ziff. 1.9). Die fürsorgerische Hospitalisation in der F._ aufgrund des Suizid
versuchs fand vom 26. Juni bis 11. Juli 2013 mit anschliessender stationärer Entwöhnungsbehandlung bis 31. Juli 2013 und stationärer Rehabilitation bis 13. August 2013 (Urk. 9/43 S. 2, Urk. 9/44) statt. Der Erstbegutachter Dr. A._ attestierte aufgrund seiner Untersuchung vom 24. September 2014 eine Rest
arbeitsfähigkeit von 20 bis 30 % (Urk. 9/59 S. 10). Prof. Dr. B._ verwies nach seiner Untersuchung vom 27. November 2015 betreffend den psychia
trischen Verlauf einerseits auf den Vorgutachter Dr. A._ (vgl. Urk. 9/89/24 f.) und bescheinigte anderseits eine Restarbeitsfähigkeit von 40 bis 50 % mit Wir
kung ab November 2014 fest (vgl. Urk. 9/89/26), was in die bidisziplinäre Gesamtbeurteilung übernommen wurde (Urk. 9/92).
6.2
Im Verlauf rechtfertigt es sich damit, das Wartejahr im Mai 2011 zu eröffnen, weshalb nach der Anmeldung am 24. Juli 2012 ein Anspruch auf Renten
leistungen frühestens ab Januar 2013 in Betracht fällt (Art. 29 Abs. 1 IVG).
Dem Gutachten von Dr. C._ ist zu entnehmen, dass die Rücken
beschwerden bereits vor der Einreise in die Schweiz bestanden und seither praktisch unverändert persistieren (Urk. 9/91/46). Die von ihr aus somatischer Sicht be
scheinigte uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit gilt daher im gesamten fraglichen Zeitraum seit Januar 2013 als unverändert. Diese Einschätzung wird durch die Beurteilung durch Dr. D._ - die seit Mai 2011 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestierte (vorstehend E. 3.1) - nicht entkräftet, da sie neben den somatischen auch die psychischen Beeinträchtigungen mitberücksichtigte, obwohl diese nicht in ihren Fachbereich fallen.
In psychiatrischer Hinsicht wurden zwar unterschiedliche Arbeitsunfähigkeiten
bescheinigt. Allerdings haben sich die psychischen Verhältnisse im Verlauf nicht
derart verändert, dass die Frage der invalidisierenden Wirkung des Gesundheits
schadens (vorstehende E. 5.1) im Zeitablauf unterschiedlich zu beurteilen wäre. Der Beschwerdeführer war zwar nach seinem Suizidversuch an 26. Juni 2013 bis im August 2013 in stationärer Behandlung (vgl. Urk. 9/43/2) und derweil gänzlich arbeitsunfähig (vgl. auch Urk. 9/89/24). Allerdings ist nicht belegt, dass diese vorübergehende Verschlechterung angehalten hätte. Dem zeitlich nächsten Bericht des behandelnden Dr. H._ vom 20. Mai 2014 (vorstehend E. 3.4) sind — neben den anhaltenden Symptomen der PTBS — die weitgehend gleichen Befunde (Schlafstörungen, Albträume) zu entnehmen, wie sie später Prof. Dr. B._ erhob. Dieser berichtete denn auch - ohne genaue Zeitangabe - von einem Abklingen der Symptomatik unter Therapie nach der Entlassung (Urk. 9/89/22). Auch Dr. A._ erwähnte eine deutliche Besserung nach der Dekompensation im Jahr 2013 (vorstehend E. 3.5).
6.3
Demnach hat die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch zu Recht verneint, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
7.1
Die Voraussetzungen zur Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung ge
mäss § 16 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) sind erfüllt.
Das vom Beschwerdeführer gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 2) ist damit gutzuheissen.
7.2
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig.
Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem Beschwer
de
führer aufzuerlegen, jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozess
füh
rung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Der Beschwerdeführer ist auf § 16 Abs. 4 GSVGer hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Prozessführung verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.