Decision ID: a3eda8f4-fb3a-51d3-8da8-6a55bb0e3514
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein pakistanischer Staatsangehöriger der Ethnie
Mughal – suchte am 27. November 2018 im damaligen Empfangs- und
Verfahrenszentrum (EVZ) des SEM in B._ um Asyl nach. Am
18. Dezember 2018 wurde er zu seiner Person zum Reiseweg sowie sum-
marisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person, BzP). Am
15. Januar 2019 und am 30. Januar 2019 hörte das SEM den Beschwer-
deführer einlässlich zu den Asylgründen an (Anhörung beziehungsweise
Fortsetzung der Anhörung).
B.
B.a Anlässlich seiner Befragungen machte der Beschwerdeführer im We-
sentlichen geltend, dass er aus C._ (Provinz D._) stamme,
wo er geboren und aufgewachsen sei und zuletzt auch gelebt habe. Er sei
verheiratet und habe fünf Kinder, vier aus erster Ehe sowie einen gemein-
samen Sohn mit seiner zweiten Ehefrau, die er nach dem Tod seiner ersten
Frau geheiratet habe. Seine weiteren Kinder lebten, mit Ausnahme seines
ältesten Sohnes, dessen Aufenthaltsort ihm nicht bekannt sei, in
C._, teils in eigenen Haushalten, teils bei seiner Schwester. Neben
dieser Schwester habe er zudem noch zwei Brüder. Drei weitere Brüder
seien bereits verstorben. Zuletzt habe er in C._ in einer (...) gear-
beitet beziehungsweise während zwei bis zweieinhalb Jahren ein eigenes
(...) besessen, in welchem er (...) und verkauft habe.
Die Gründe für seine Ausreise aus Pakistan seien auf einen Erbstreit zu-
rückzuführen, der im Jahr 2016 begonnen habe. Sein Vater habe viel Land
besessen und ihm sowie seinen Brüdern vor seinem Ableben je einen Teil
seines Grundstücks überlassen. Seine drei Brüder seien, noch bevor der
Vater 1999 verstorben sei, als Besitzer der jeweiligen Grundstückteile ein-
getragen worden. Er habe damals kein Geld für die Registrierung gehabt
und sei deshalb nicht eingetragen worden. Seinen Teil des Landes habe er
im Jahr 2016 verkauft und später seine Brüder gebeten, die Verkaufsun-
terlagen zu unterzeichnen, damit der Verkauf offiziell hätte zu Ende ge-
bracht werden können. Sein Bruder E._, dessen Grundstücktaneil
neben seinem gelegen und der einen Teil seines Landes beansprucht
habe, habe sich jedoch geweigert, und ihm untersagt, den Grundstücksteil
zum Verkauf anzubieten. Es sei deshalb zum Streit mit seinem Bruder ge-
kommen. Die Käufer seines Grundstücksanteils, mit denen er das Geschäft
bereits abgewickelt gehabt habe, hätten ihm innerhalb eines Jahres 80
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Lakh Rupien bezahlt. Da er im Jahr 2016 mit dem Geld nach Dubai gegan-
gen sei und dort 2017 eine Firma für (...) gegründet habe, habe er den
Käufern, nachdem sein Bruder die Unterschrift verweigert habe, das Geld
nicht mehr zurückzahlen können. Deshalb hätten die Käufer ihn angezeigt
und die Sache sei im Jahr 2018 schliesslich vor Gericht gekommen. Weil
er seine Schulden, die gemäss pakistanischem Gesetz nun das Doppelte
des Kaufpreises betragen würden, nicht habe begleichen können, habe er
sich, nachdem er drei- bis viermal von Dubai nach Pakistan zurückgekehrt
sei, Ende Dezember 2017 für die definitive Ausreise entschieden.
Abgesehen vom Streit mit seinem Bruderm habe er auch Probleme mit
seinem Schwager, dem Bruder seiner zweiten Frau, gehabt. Dieser habe
gewollt, dass er [Beschwerdeführer] sich nach der Geburt seines Sohnes
aufgrund des grossen Altersunterschiedes zwischen ihm und seiner Ehe-
frau wieder scheiden lasse und ihm mit dem Tod gedroht, falls er die Schei-
dung verweigere. Dies sei ursprünglich der Grund gewesen, weshalb er
2016 nach Dubai gegangen sei, um dort seine Firma aufzubauen und an-
schliessend seine Frau und seinen Sohn zu sich zu holen. Dies habe je-
doch nicht geklappt.
Nachdem er sich entschieden habe, seinen Heimatstaat definitiv zu verlas-
sen, sei er am 31. Dezember 2017 nach Dubai geflogen und habe dort zu-
nächst versucht, ein Visum für die Schweiz zu erhalten, was jedoch nicht
geklappt habe. Sein Ziel sei es gewesen, zwecks medizinischer Behand-
lung – er leide seit mehreren Jahren an Diabetes und habe Herzprobleme
– nach Deutschland zu gelangen. Schliesslich habe er mit Hilfe seines Fir-
menpartners ein Visum für die Schweiz erhalten und sei ungefähr im
Juli 2018 nach Deutschland gereist, wo er ein Asylgesuch eingereicht habe
und am Herzen operiert worden sei. Am 27. November 2018 sei er von den
deutschen Behörden zuständigkeitshalber in die Schweiz überführt wor-
den.
B.b Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer Fotos seiner zweiten
Ehefrau und des gemeinsamen Sohnes sowie Kopien von Gerichtsunter-
lagen betreffend das gegen ihn eingeleitete Verfahren in Pakistan, Konto-
auszügen aus Dubai und einem Arztbericht aus Deutschland ein.
C.
Mit Verfügung vom 8. Mai 2020 – eröffnet am 11. Mai 2020 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
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lehnte sein Asylgesuch ab, wies ihn aus der Schweiz weg und ordnete den
Vollzug an.
D.
Mit Eingabe vom 10. Juni 2020 erhob der Beschwerdeführer gegen die
vorinstanzliche Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht
und beantragte sinngemäss deren Aufhebung. Ferner ersuchte er in pro-
zessualer Hinsicht um die Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer einen Arztbericht des (...)
vom 5. Juni 2020 sowie weitere medizinische Unterlagen ein.
E.
Mit Schreiben vom 11. Juni 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
den Eingang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015.).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Beschwerdeführer ist
als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG).
Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer
Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
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3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Zur Begründung ihrer Verfügung führte die Vorinstanz aus, dass die
Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Flüchtlings-
eigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten würden. Übergriffe
durch Dritte oder Befürchtungen, künftig solchen ausgesetzt zu sein, seien
nur dann asylrelevant, wenn der Staat seiner Schutzpflicht nicht nach-
komme oder nicht in der Lage sei, Schutz zu gewähren. Generell sei
Schutz gewährleistet, wenn der Staat geeignete Massnahmen treffe, um
die Verfolgung zu verhindern, beispielsweise durch wirksame Polizei- und
Justizorgane zur Ermittlung, Strafverfolgung und Ahndung von Verfol-
gungshandlungen, und wenn Antragsteller Zugang zu diesem Schutz hät-
ten. Insofern er sinngemäss geltend gemacht habe, seinen Heimatstaat
wegen eines Streites mit seinem Bruder betreffend das gemeinsame Erbe
und, daraus hervorgehend, seinen Schulden gegenüber den Käufern sei-
nes Grundstückstanteils, verlassen zu haben, sei festzuhalten, dass die
Probleme mit seinem Bruder sowie die Schwierigkeiten mit den Käufern
seines Grundstückteils rein privater Natur und auf ein Fehlverhalten sei-
nerseits zurückzuführen seien, dessen Konsequenzen er zu tragen habe.
Das Vorgehen des pakistanischen Staates, ein Gerichtsverfahren gegen
ihn einzuleiten und ihn vorzuladen, entspreche rechtsstaatlich legitimen
Zwecken und Interessen. Somit komme diesen Vorbringen keine Asylrele-
vanz zu. Betreffend sein Vorbringen, er sei aus Pakistan ausgereist, weil
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er von seinem Schwager bedroht worden sei, sei zunächst darauf hinzu-
weisen, dass es sich auch bei diesem Vorbringen um ein Problem mit einer
Drittperson und nicht mit den Behörden seines Landes handle. Sodann
seien gemäss seiner Aussage zwischen dem Streit mit seinem Schwager
und seiner Ausreise nach Dubai ungefähr dreieinhalb beziehungsweise
zwei bis zweieinhalb Jahre vergangen, in denen nichts Konkretes vorgefal-
len sei. Zwar sei er ihm aus dem Weg gegangen, weitere Probleme mit ihm
habe es aber nicht gegeben. Weder sei demnach ein direkter zeitlicher und
kausaler Zusammenhang zwischen seiner Ausreise nach Dubai im Jahr
2016 und den Schwierigkeiten mit seinem Schwager, sollten sich diese ef-
fektiv so zugetragen haben, ersichtlich noch lägen Anzeichen dafür vor,
dass ihm bei einer Rückkehr in sein Heimatland ernsthafte Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG drohten. Nach dem Gesagten komme auch diesem
Vorbringen keine Asylrelevanz zu.
4.2 In seiner Rechtsmitteleingabe bringt der Beschwerdeführer dagegen
vor, dass ihn der negative Entscheid stark belaste. Er habe Angst, dass er
nach Pakistan geschickt werde und dort grosse Probleme wegen seiner
Krankheit und wegen seiner Familie bekomme. Im Interview habe er von
seinen Krankheiten erzählt. Sein Gesundheitszustand sei schlecht. Er
werde noch den Bericht seines Hausarztes einreichen, wo die Medika-
mente aufgelistet seien, die er einnehmen müsse. Er leide seit langem an
Diabetes und habe bereits zwei Operationen aufgrund von Herzinfarkten
hinter sich. Er habe auch psychische Probleme und nehme deswegen Me-
dikamente. Diese Probleme würden sich verschlimmern, wenn er nach Pa-
kistan zurückkehren müsse. Noch mehr Angst habe er davor, dass er auf-
grund seiner Diabeteserkrankung oder infolge eines weiteren Herzinfarktes
sterbe oder sich mit dem Coronavirus anstecke. Wegen der Diabeteser-
krankung benötige er zudem einen speziell ausgebildeten Arzt. Er könne
sich in Pakistan keine Behandlung leisten, da er dort nichts mehr habe. In
Pakistan seien die öffentlichen Spitäler nicht gut und es gebe zu wenige
davon. Die privaten Kliniken seien sehr teuer. Es gebe immer wieder ge-
fälschte Medikamente. Angesichts seiner finanziellen und familiären Situa-
tion sei es für ihn lebensgefährlich, nach Pakistan zurückzukehren. Zudem
grassiere gegenwärtig die Corona-Pandemie und er sei als Angehöriger
einer Risikogruppe in höchstem Masse gefährdet. In C._ sei die Si-
tuation besonders schlimm. Er werde ziemlich sicher sterben, wenn er sich
dort mit dem Coronavirus infiziere. Sodann hätte er im Falle einer Rückkehr
nach Pakistan wieder Probleme mit seiner Familie. Er habe ja im Interview
von den Problemen mit seinem Bruder, seinem Schwager und seiner
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Schwiegermutter erzählt. Falls er zu seiner Frau und seinem Kind zurück-
kehre, wäre dies für alle gefährlich. Deshalb sei er ja nach Dubai ausge-
reist. Er wolle mit seiner Frau und seinem Kind ein sicheres Leben aus-
serhalb von Pakistan führen. Der Schwager werde es nicht zulassen, dass
er jetzt zurückkehre. Er habe Angst, dass der Druck auf seine Frau aufs
Unerträgliche ansteige, wenn er zurückkehre. Der Schwager habe gedroht,
dass er sie alle töten lassen würde. Sein ältester Bruder, der bei den fami-
liären Problemen hätte helfen können, sei mittlerweile verstorben. Er könne
nicht auf die Hilfe seiner Familie zählen und habe keinen Ort, wo er leben
könne. Seine Schwester könne nicht für ihn aufkommen, sie habe selber
viele Kinder. Aufgrund seines Alters und seines Gesundheitszustandes
werde er keine Arbeit mehr finden. Auch sein Bruder F._ werde ihn,
entgegen den Ausführungen der Vorinstanz, nicht in seiner Eisenwerkstatt
beschäftigen, da dieser sich mit seinem Bruder E._ gegen ihn ver-
bündet habe.
5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu
Recht abgelehnt hat. Sie hat den Sachverhalt richtig und vollständig abge-
klärt und in rechtsgenüglicher Weise die Gründe angeführt, welche auf die
fehlende Asylrelevanz der Vorbringen schliessen lassen. Zur Vermeidung
von Wiederholungen kann vollumfänglich auf die entsprechenden vo-
rinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden, die weder in rechtlicher
noch in tatsächlicher Hinsicht zu beanstanden sind und denen das Gericht
sich anschliesst (vgl. E. 4.1).
5.2 Die Rechtsmitteleingabe stellt dem nichts Stichhaltiges entgegen, zu-
mal sie in ihrer den Asylpunkt betreffenden Begründung äusserst ober-
flächlich bleibt und sich mit der vorinstanzlichen Verfügung in keiner Weise
inhaltlich auseinandersetzt und somit auch nicht aufzeigt, inwiefern die vor-
instanzliche Beweiswürdigung Bundesrecht verletzen oder zu einer rechts-
fehlerhaften Sachverhaltsfeststellung führen soll.
5.3 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine
flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu
machen. Das SEM hat folglich zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft ver-
neint und sein Asylgesuch abgelehnt.
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6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2
7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
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7.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Die Rückschaffung des Beschwerdeführers in
den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs-
sig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht
als unzulässig erscheinen.
Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Prob-
lemen stellt sodann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3
EMRK dar. Dies ist insbesondere der Fall, wenn die betroffene Person sich
in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits
in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rech-
nen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten könnte
(vgl. BVGE 2011/9 E. 9 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des EGMR).
Gemäss jüngerer Praxis des EGMR kann ein Verstoss gegen Art. 3 EMRK
aber auch vorliegen, wenn eine schwer kranke Person durch die Abschie-
bung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Zielstaat –
mit einem realen Risiko konfrontiert würde, einer ernsten, raschen und un-
wiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands ausge-
setzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkür-
zung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili
gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10,
§§ 180-193 m.w.H.). Eine solche aussergewöhnliche Situation ist gemäss
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den Akten vorliegend offensichtlich nicht gegeben, zumal der Beschwerde-
führer bereits im Heimatstaat behandelt worden ist (vgl. nachfolgend
E. 7.3.2). Gemäss dem eingereichten Arztbericht sind zudem gegenwärtig
keine weiteren Behandlungen und Untersuchungen geplant, weshalb da-
von auszugehen ist, dass der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
stabil ist.
Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der
landes- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
7.3
7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.2 Der Wegweisungsvollzug nach Pakistan ist grundsätzlich zumutbar
(vgl. Urteil des BVGer E-5352/2017 vom 12. Februar 2019 E. 9.3.1 m.w.H.).
In Fällen der grundsätzlichen Zumutbarkeit ist die Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs nur anzunehmen, wenn konkrete, in der Person des
Beschwerdeführers liegende Gegebenheiten eine individuelle Gefährdung
zu begründen vermögen. Solche sind vorliegend nicht ersichtlich.
Der Beschwerdeführer verfügt in seiner Heimat – neben seinen Brüdern,
mit denen er angeblich Probleme hat – über ein umfassendes soziales Be-
ziehungsnetz, welches ihn bei seiner Rückkehr unterstützen kann: So le-
ben in Pakistan seine erwachsenen Kinder aus erster Ehe. Auch verfügt er
über eine Schwester, bei der zwei seiner Kinder aus erster Ehe leben ([...]).
Zu seiner Tochter, welche studiert, hat er ein gutes Verhältnis und nach wie
vor Kontakt ([...]). Auch hat er einen Onkel mütterlicherseits mit dem er
befreundet ist ([...]). Darüber hinaus hat er einen Freund, bei dem er bereits
in der Vergangenheit untergekommen ist, als er zwischen Dubai und Pa-
kistan gependelt hat, und der gegenwärtig die Frau sowie das gemeinsame
Kind beherbergt ([...]). Sodann verfügt der Beschwerdeführer über Arbeits-
erfahrung in verschiedenen Bereichen. So hat er von seinem Vater gelernt,
wie man in einer (...)werkstatt (...) herstellt und arbeitete als (...) wie auch
in der (...), wobei er ein eigenes (...) geführt hat. Zudem hat er mit seiner
Frau (...) und auf dem Markt verkauft ([...]). Auch war es dem Beschwer-
deführer möglich, eine Firma in Dubai zu gründen, wobei er zum Schicksal
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dieser Firma lediglich ausgeführt hat, er habe «keinen Kontakt zu nieman-
dem mehr» und könne deshalb nicht sagen, was mit dieser Firma passiert
sei ([...]).
Insofern der Beschwerdeführer sinngemäss geltend macht, dass seine ge-
sundheitlichen Probleme gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs sprechen würden, ist Folgendes festzuhalten: Gemäss dem einge-
reichten Arztbericht vom 5. Juni 2020 des (...) sind beim Beschwerdeführer
ein insulinpflichtiger Diabetes mellitus Typ 2, eine koronare Kardiopathie
sowie eine depressive Episode und ein kariöses Gebiss diagnostiziert wor-
den. Die gesundheitlichen Probleme werden gegenwärtig medikamentös
behandelt, weitere Behandlungen und Untersuchungen sind gemäss Arzt-
bericht nicht geplant, wobei eine hausärztliche Kontrolle alle drei Monate
empfohlen wird. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Diabeteserkran-
kung und die Herzprobleme bereits in Pakistan bestanden haben und auch
behandelt wurden. So wurden der Beschwerdeführer in Pakistan schon am
Herzen operiert und die Diabeteserkrankung medikamentös behandelt
([...]). Es ist mithin nicht einzusehen, weshalb die gesundheitlichen Prob-
leme, mit denen der Beschwerdeführer über mehrere Jahre hinweg in Pa-
kistan gelebt hat, auf einmal eine Rückkehr dorthin verunmöglichen sollten,
zumal er, wie bereits ausgeführt, in seinem Heimatstaat diesbezüglich be-
handelt worden ist. Zudem kann der Beschwerdeführer den laut Arztbericht
ungenügend eingestellten Zucker vor der Ausreise noch besser einstellen
lassen, wobei es an ihm liegt, die Therapie diszipliniert durchzuführen. Die
beim Beschwerdeführer diagnostizierte depressive Episode, deren Ursa-
che und Dauer unklar ist, scheint sodann keinen grösseren Behandlungs-
bedarf zu bedingen, wird sie laut Arztbericht doch gegenwärtig lediglich
medikamentös behandelt und sind keine weiteren Schritte geplant oder er-
forderlich. Es ist davon auszugehen, dass diese Behandlung somit, falls
erforderlich, auch in Pakistan fortgesetzt werden kann, zumal in
C._, dem Wohnort des Beschwerdeführers, die beiden renommier-
ten Institutionen "(...)" und "(...)" existieren, in denen ambulante und stati-
onäre Behandlungen von psychischen Erkrankungen aller Art verfügbar
sind. Insgesamt kann somit betreffend den Gesundheitszustand – entge-
gen den anderslautenden Beschwerdevorbringen – von einer günstigen
Prognose ausgegangen werden, zumal der Beschwerdeführer die Möglich-
keit hat, einen Medikamentenstock aus der Schweiz mitzunehmen, wel-
cher zur Überbrückung in der Anfangszeit ausreichen sollte. Ergänzend
kann sodann auf die Möglichkeit der medizinischen Rückkehrhilfe verwie-
sen werden (Art. 93 Abs. 1 Bst. c AsylG und Art. 73 ff., insbesondere Art. 75
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der Asylverordnung 2 über Finanzierungsfragen vom 11. August 1999 [SR
142.312]).
Bezüglich der sich derzeit in zahlreichen Ländern ausbreitenden Corona-
Pandemie ist festzuhalten, dass sich die Coronavirus-Krankheit (Covid-19)
in Pakistan weit weniger als in der Schweiz ausgebreitet hat, wobei unter
Hinweis auf die Dunkelziffer in beiden Ländern nicht alle Fälle bekannt sein
dürften. Jedenfalls führt die Tatsache, dass auch Pakistan von Covid-19-
Erkrankungen betroffen ist nicht zur Annahme der Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs. Auch die aktuellen Massnahmen im Zusammen-
hang mit der weltweiten Ausbreitung von Covid-19 sind aufgrund ihrer vor-
übergehenden Natur nicht geeignet, die obigen Schlussfolgerungen in
Frage zu stellen. Sollten diese im vorliegenden Fall den Vollzug der Weg-
weisung vorübergehend verzögern, so kann dieser zwangsläufig zu einem
späteren, angemessenen Zeitpunkt erfolgen (vgl. Urteile der BVGer
D-1557/2020 und D-1554/2020 vom 23. April 2020 E. 7.4, E-895/2020 vom
15. April 2020 E. 9.6).
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Der Beschwerdeführer ersuchte um die Beiordnung eines amtlichen
Rechtsbeistandes (vgl. Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. aArt. 110a Abs. 1
AsylG). Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass seine
Begehren als aussichtslos zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu
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erfüllenden Voraussetzungen nicht gegeben, weshalb das Gesuch unge-
achtet einer allfälligen Mittellosigkeit abzuweisen ist.
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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