Decision ID: 2ac15fc3-50c7-409d-87d5-0245e694f275
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Raub
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung, vom 25. November 2019 (DG190297)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 18. Juni 2010
(Urk. 36) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 55 S. 63 ff.)
«Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig des Raubes mit Mitführen einer Waffe im Sinne von Art. 140
Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 140 Ziff. 2 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 18 Monaten Freiheitsstrafe.
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
4. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB für 5 Jahre des Landes
verwiesen.
5. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem wird ange-
ordnet.
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Schadenersatz von
Fr. 103.90 zuzüglich 5 % Zins ab 20. Juli 2018 zu bezahlen.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger C._ Fr. 500.– zuzüglich 5 % Zins
ab 20. Juli 2018 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Fr. 500.– zuzüglich 5 % Zins
ab 20. Juli 2018 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
9. Rechtsanwältin MLaw X1._, substituiert durch RA lic. iur X2._ wird für ihre Auf-
wendungen als amtliche Verteidigerin des Beschuldigten aus der Gerichtskasse wie folgt
entschädigt:
Honorar: 7'722.00
Barauslagen: 174.10
Zwischentotal: 7'896.10
Entschädigung total inkl. 7.7 % MwSt (in Fr.): 8'504.20
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10. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 4'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'500.– Gebühr für das Vorverfahren.
Fr. 8'504.20 Entschädigung amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden, mit Ausnahme
derjenigen der amtlichen Verteidigung, dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der
amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen. Eine Nachforderung
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
12. (Mitteilungen)
13. (Rechtsmittel)»
Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 70 S. 1):
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 25. November 2019 (DG190297-L) sei – mit Ausnahme von Ziffer 9 – vollumfänglich aufzuheben.
2. Der Berufungskläger sei von Schuld und Strafe freizusprechen. 3. Im Falle einer Bestätigung des erstinstanzlichen Schuldspruches
sei auf eine Landesverweisung zu verzichten. 4. Die Zivilforderungen seien abzuweisen; eventualiter seien sie auf
den Weg des Zivilprozesses zu verweisen. 5. Die Kosten der Untersuchung sowie des erst- und zweitinstanz-
lichen Verfahrens, inkl. diejenigen der amtlichen Verteidigung, seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 65):
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang, Berufungsumfang, Formelles
1. Verfahrensgang
1.1. Am 18. Juni 2019 erhob die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat Anklage
beim Einzelgericht am Bezirksgericht Zürich (Urk. 36). Das Einzelgericht überwies
den Prozess am 4. Oktober 2019 ans Kollegialgericht (Urk. 44).
1.2. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz
vom 25. November 2019 wurde der Beschuldigte – in Anwendung von Art. 366
StPO in seiner Abwesenheit – des qualifizierten Raubes im Sinne von Art. 140
Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 140 Ziff. 2 StGB schuldig gesprochen und mit
18 Monaten Freiheitsstrafe (unbedingt) bestraft. Ausserdem wurde der Beschul-
digte für fünf Jahre des Landes verwiesen, welche Anordnung im Schengener In-
formationssystem (SIS) auszuschreiben sei. Und schliesslich wurde dem Privat-
kläger 2, B._, Schadenersatz von Fr. 103.90 (zuzüglich Zins) sowie beiden
Privatklägern je eine Genugtuung von Fr. 500.– (zuzüglich Zins) zugesprochen
(Urk. 55).
1.3. Gegen dieses zunächst mündlich im Dispositiv eröffnete Urteil (Prot. I
S. 18, Urk. 52) liess der Beschuldigte anderntags, durch seine amtliche Vertei-
digung mit Eingabe vom 26. November 2019 (Urk. 53), rechtzeitig Berufung an-
melden (Art. 399 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 90 Abs. 2 StPO). Am 17. Dezember
2019 wurde das begründete Urteil (Urk. 55 = Urk. 59) an die Parteien versandt,
welche es in den darauffolgenden Tagen zugestellt bekamen (Urk. 58/1–4).
1.4. Die Berufungserklärung des Beschuldigten erfolgte am 20. Dezember 2019
(Datum Poststempel) und damit innert der zwanzigtägigen Frist von Art. 399
Abs. 3 StPO (Urk. 73).
1.5. Mit Präsidialverfügung vom 17. Januar 2020 wurde die Berufungserklärung
des Beschuldigten den Privatklägern sowie der Staatsanwaltschaft zugestellt und
Frist angesetzt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder ein
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Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Beide Privatkläger haben innert
besagter Frist (vgl. Urk. 64) keine Anschlussberufung erhoben, keine Anträge ge-
stellt und sich auch sonst nicht vernehmen lassen. Die Staatsanwaltschaft ver-
zichtete auf Anschlussberufung, beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen
Urteils und ersuchte um Dispensation von der Teilnahme an der Berufungsver-
handlung (Urk. 65).
Am 16. April 2020 wurde zur heutigen Berufungsverhandlung vorgeladen. Der
Staatsanwaltschaft wurde das persönliche Erscheinen freigestellt, und den Privat-
klägern wurde Kenntnis von der Verhandlung gegeben (Urk. 66). Zur Verhandlung
vom 4. Juni 2020 ist der amtliche Verteidiger des Beschuldigten erschienen
(Prot. II S. 3). Der Beschuldigte selbst ist – ohne Benachrichtigung – nicht er-
schienen, wobei der amtliche Verteidiger erklärte, dass er nicht wisse, wo sich
dieser aufhalte und ihn auch telefonisch nicht erreichen könne (Prot. II S. 4). Nach
Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO "wird eine abwesende Partei, die sich rechtmässig ver-
treten lässt, nicht als säumig betrachtet" (BBl 2006 1317). Der Beschuldigte wurde
durch die amtliche Verteidigung vertreten. Entsprechend war die Berufungsver-
handlung ohne den säumigen Beschuldigten durchzuführen. Ein Abwesenheits-
verfahren findet in einer solchen Konstellation nicht statt (Art. 407 Abs. 2 StPO
e contrario; Urteil 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2). Vorfragen waren
keine zu entscheiden und es waren keine Beweise abzunehmen. RA X2._
verzichtete zudem auf eine mündliche Urteilseröffnung und -begründung (Prot. II
S. 4). Das Urteil erging noch gleichentags und wurde den Parteien vorab im Dis-
positiv schriftlich zugestellt (Prot. II S. 5 ff).
2. Umfang der Berufung
2.1. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gemäss seiner Berufungs-
erklärung vom 20. Dezember 2019 (Urk. 70 S. 1) gegen den vorinstanzlich ergan-
genen Schuldspruch (Disp.-Ziff. 1) sowie gegen alle damit zusammenhängenden
Sanktionsfolgen (Strafe und deren Vollzug [Disp.-Ziff. 2 und 3]; Landesverweisung
[Disp.-Ziff. 4] samt SIS-Ausschreibung [Disp.-Ziff. 5]), gegen den dem Privatkläger
2 zugesprochenen Schadenersatz (Disp.-Ziff. 6), gegen die den Privatklägern zu-
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gesprochenen Genugtuungen (Disp.-Ziff. 7 und 8) sowie gegen die Kostenfolgen
(Disp.-Ziff. 10 und 11). Einzig die der amtlichen Verteidigung zugesprochene Ent-
schädigung aus der Gerichtskasse (Disp.-Ziff. 9) blieb unangefochten.
2.2. In Rechtskraft erwachsen ist damit einzig die vorinstanzliche Zusprechung
des Honorars der amtlichen Verteidigung für das erstinstanzliche Verfahren
(Disp.-Ziff. 9).
Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnung ist vorab Vormerk zu nehmen
(Art. 399 Abs. 3 StPO in Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO sowie Art. 404
StPO).
3. Formelles
3.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, erfolgt dies in
Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies stets explizit Erwäh-
nung findet.
3.2. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende Instanz nicht
mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 mit Hin-
weisen). Die Berufungsinstanz kann sich auf die für ihren Entscheid wesentlichen
Punkte beschränken. Es müssen aber wenigstens kurz die Überlegungen ge-
nannt werden, von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die sich sein
Entscheid stützt (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 mit Hinweisen).
II. Schuldpunkt
1. Ausgangslage
1.1. Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, er sei am Freitag, 20. Juli 2018,
zwischen ca. 22:45 Uhr und 23:15 Uhr, an der D._-gasse in ... Zürich, an ei-
nem Raub auf drei Geschädigte beteiligt gewesen. Und zwar hätten er und zwei
derzeit unbekannte Mittäter (wobei es sich beim einen um E._ handeln kön-
ne) unter Androhung von Gewalt von F._, C._ (Privatkläger 1) und
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B._ (Privatkläger 2) die Herausgabe von Geld und Mobiltelefonen gefordert.
Namentlich hätten zwei der Täter (der gänzlich unbekannte Täter und der mut-
massliche Täter E._) je ein Messer in der Hand gehalten, wobei sie den drei
Geschädigten zu verstehen gegeben hätten, dass wenn diese ihren Anweisungen
nicht Folge leisten würden, sie abgestochen würden. Aufgrund dessen habe
B._ sein Mobiltelefon «Apple, iPhone 8 Plus» dem Beschuldigten ausgehän-
digt. In der Folge seien die drei Geschädigten angewiesen worden, die Täter zum
Postschalter an der G._-strasse ... in ... Zürich zu begleiten. Dort angekom-
men hätten sie F._ aufgefordert, Fr. 500.– abzuheben und ihnen das abge-
hobene Geld zu übergeben. Weil F._ jedoch nur Fr. 100.– habe abheben
können, hätten sich die Täter mit diesem Betrag zufrieden gegeben. F._ ha-
be die Fr. 100.– dem Beschuldigten übergeben. Sowohl die Herausgabe des Mo-
biltelefons als auch die Herausgabe des Geldes seien erfolgt, weil die drei Ge-
schädigten Angst gehabt hätten, abgestochen zu werden, wie dies von den Tä-
tern in Aussicht gestellt worden sei. Das Mobiltelefon sowie das Geld hätten die
Täter behalten, um wie Eigentümer darüber zu verfügen.
All dies sei von den Tätern so gewollt und beabsichtigt gewesen. Das Trio habe
aufgrund vorheriger Absprache und in gleichmassgeblichem Zusammenwirken
gehandelt, wobei die Täter, soweit der eine nicht persönlich gehandelt habe, mit
den Handlungen der anderen einverstanden gewesen seien, was auf einem ein-
heitlichen Willens- und Handlungsentschluss beruht habe (Urk. 36 S. 2).
1.2. In rechtlicher Hinsicht würdigt die Staatsanwaltschaft das Verhalten des
Beschuldigten als Raub mit Mitführen einer Waffe im Sinne von Art. 140 Ziff. 1
StGB in Verbindung mit Art. 140 Ziff. 2 StGB, verübt in Mittäterschaft.
1.3. Der Beschuldigte bestreitet jegliche Beteiligung an einem Übergriff auf die
Geschädigten. Er macht im Ergebnis geltend, dass eine Verwechslung seiner
Person vorliegt. Zwar sei er am Abend der Tat in Zürich gewesen, aber nicht an
den Tatörtlichkeiten (Urk. 6 Ziff. 7 ff.; Urk. 11 Ziff. 5; Urk. 13 Ziff. 3; Urk. 16 Ziff. 5
f.; Urk. 18 Ziff. 3).
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2. Grundsätze der Sachverhaltserstellung und massgebliche Beweismittel
Was die Vorinstanz zu den massgebenden Grundsätzen der Sachverhaltser-
stellung, den verfügbaren Beweismitteln und deren Verwertbarkeit sowie den
Beweiswürdigungsregeln (dabei insbesondere zur Aussagewürdigung) ausführt,
ist nicht zu beanstanden (Urk. 59 S. 6–8). Die Vorinstanz hat die Ergebnisse und
den Inhalt der massgeblichen Beweismittel umfassend und richtig wiederge-
geben, worauf zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden kann
(Urk. 59 S. 8 ff.).
3. Würdigung der Beweismittel
3.1. Die Vorinstanz erachtete den zur Anklage gebrachten Sachverhalt gestützt
auf die massgeblichen Beweismittel als erstellt (Urk. 59 E. II/12 S. 47). Es kann
vorweggenommen werden, dass den von der Vorinstanz aus dem Beweismaterial
gezogenen Schlüssen zur Sachverhaltserstellung im Ergebnis zu folgen ist. Sorg-
fältig, schlüssig und zutreffend hat die Vorinstanz die Aussagen namentlich des
Beschuldigten (Urk. 59 E. II/5.8 S. 13) und der drei Geschädigten (Urk. 59
E. II/6.5 S. 21 f., E. II/7.5 S. 30, E. II/8.6 S. 36 f.), aber auch jene der weiteren be-
fragten Personen (Urk. 59 E. II/9.3 S. 41, E. II/10.3 S. 44, E. II/11.3 S. 47) gewür-
digt. Auch die den Akten beiliegenden weiteren Unterlagen (Urk. 59 E. II/3 und 4
S. 6 und 8) wurden in die Würdigung einbezogen. Die nachstehenden Er-
wägungen sollen die vorinstanzliche Beweiswürdigung nur noch verdeutlichen
und ergänzen bzw. präzisieren:
3.2. Was den unstrittigen Teil des Sachverhalts angeht, nämlich dass die drei
Geschädigten am späteren Abend des 20. Juli 2018 in der Nähe des G._--
platzes (D._-gasse/G._-strasse) in Zürich Opfer eines von drei Männern
ausgeübten Raubs wurden, kann angesichts ihrer detailreichen, kohärenten, lo-
gisch konsistenten und authentisch wirkenden Aussagen, welche sich zudem mit
objektiven Beweismitteln verflechten lassen (wie etwa der Transaktionsübersicht
der Postfinance-Karte [Urk. 24/ 5]), kein Zweifel bestehen.
Wenn F._ von einem Pärchen berichtet, das ihnen beim Weg zum Geldau-
tomaten entgegen gekommen sei, aber ihre Zwangssituation nicht bemerkt habe,
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weil die Männergruppe wie ganz normale Personen gewirkt habe (Urk. 10 Ziff. 54
f.; ähnlich C._ in Urk. 12 Ziff. 68), so mindert dies die Glaubhaftigkeit der
Schilderung der Geschädigten nicht (wie der Beschuldigte findet [Urk. 11 Ziff. 4]).
Im Gegenteil spricht dieses originelle Detail, dessen Schilderung zunächst zwar
aufhorchen lässt, sich aber als plausibel erweist, für eine Schilderung von tatsäch-
lich Erlebtem. Es war ein Leichtes für die Räuber, während des Passierens von
anderen Leuten kurz das Messer zu verstecken, ohne dass deshalb gleich die
Bedrohungssituation weggefallen wäre (a.M. der Beschuldigte in Urk. 11 Ziff. 4).
In Bezug darauf, dass die drei Geschädigten unter Androhung von Gewalt ausge-
nommen wurden, ist nach dem Gesagten der eingeklagte Sachverhalt rechts-
genügend erstellt.
3.3. Ohne Weiterungen zuzustimmen ist der Vorinstanz in der Würdigung der
Glaubwürdigkeit der Zeugen H._ (Urk. 59 E. 9.2 S. 41), I._ (Urk. 59
E. 10.2 S. 44) und J._ (Urk. 59 E. 11.2 S. 47).
Nicht vorbehaltlos beigepflichtet werden kann dagegen den Ausführungen der
Vorinstanz zur Glaubwürdigkeit des Beschuldigten. Hierzu erwog sie, dass er als
beschuldigte Person einvernommen worden sei und somit nicht unter der Straf-
androhung von Art. 307 StGB zu wahrheitsgemässen Aussagen verpflichtet ge-
wesen sei. Er habe als direkt vom Ausgang des vorliegenden Verfahrens Be-
troffener ein Interesse daran, sich selber nicht zu belasten bzw. die Geschehnisse
in einem für ihn günstigen Licht darzustellen. Unter diesem Gesichtspunkt seien
seine Aussagen «mit ganz besonderer Vorsicht zu würdigen» (Urk. 59 E. 5.7
S. 12). Diese häufig in Entscheiden verwendete Formulierung hält genauerer Be-
trachtung nicht stand. Die Würdigung von Aussagen erfordert stets grösste Vor-
sicht, und eine Abstufung in verschiedene Vorsichtsstufen gibt es in diesem Zu-
sammenhang nicht. Zur Unterscheidung von wahren und erfundenen Aussagen
ist die prozessuale Stellung ein untaugliches Kriterium, weil ein Unschuldiger das-
selbe Interesse hat; oder es ist ein Zirkelschluss, indem von vornherein – tenden-
ziell zumindest – von der Schuld des Beschuldigten ausgegangen wird. Ausser-
dem ist das Recht tangiert, sich nicht selbst belasten zu müssen (Art. 113 Abs. 1
StPO). Die prozessuale Stellung einer Partei vermag für die Sach-
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verhaltserstellung nie etwas beizutragen, weder im positiven noch im negativen
Sinne (vgl. Urteil der erkennenden Kammer SB180079-O/U vom 18. Oktober
2018 E. 3.1 S. 9). Korrekt ist stattdessen, dem Beschuldigten grundsätzlich
Glaubwürdigkeit zu attestieren. Es handelt sich aber um ein untergeordnetes
Detail – im Vordergrund steht ohnehin die Überzeugungskraft der Aussagen (da-
hingehend auch die Vorinstanz in Urk. 59 E. II/3 S. 7 unten).
Auch die Ausführungen der Vorinstanz zur Glaubwürdigkeit des Geschädigten/
Zeugen F._ (Urk. 59 E. 6.4 S. 21) und der beiden Privatkläger (Urk. 59 E. 7.4
S. 29 und E. 8.5 S. 35 f.) sind für die Glaubhaftigkeitsbeurteilung nicht von Rele-
vanz. Auch bei ihnen ist (mit der Vorinstanz) primär die Überzeugungskraft ihrer
Aussagen massgebend. Festgehalten werden kann aber, dass bei ihnen von ei-
ner Zufallsbegegnung mit den Tätern auszugehen ist. Ein Motiv für eine falsche
Anschuldigung ist jedenfalls nicht erkennbar.
3.4. Gemäss der aus Art. 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK
sowie Art. 10 Abs. 3 StPO verankerten Maxime «in dubio pro reo» ist bis zum ge-
setzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, dass der einer strafbaren Hand-
lung Beschuldigte unschuldig ist (Art. 10 Abs. 1 StPO; BGE 127 I 38 E. 2a; Urteil
des Bundesgerichts 6B_617/2013 vom 4. April 2014 E. 1.2). Aus der Unschulds-
vermutung – als Beweislastregel – ergibt sich, dass es Sache der Anklage-
behörde ist, die Schuld des Beschuldigten zu beweisen, und dass nicht dieser
seine Unschuld nachweisen muss (WOHLERS, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber,
StPO Komm., 2. Aufl., 2014, Art. 10 N 6; SCHMID/JOSITSCH, Handbuch StPO,
3. Aufl., 2017, N 216 f.; BSK StPO-TOPHINKE, Art. 10 N 19, 80; BGE 127 I 40;
BGE 120 Ia 37). Der Grundsatz «in dubio pro reo» ist verletzt, wenn das Straf-
gericht einen Beschuldigten (einzig) mit der Begründung verurteilt, er habe seine
Unschuld nicht nachgewiesen (BGE 127 I 38 E. 2a mit Hinweis).
3.5. Belastet wird der Beschuldigte im Wesentlichen durch die Aussagen der
drei Geschädigten F._, C._ und B._.
3.5.1. Die Verteidigung zweifelt am Beweiswert der Täteridentifikation. Zusam-
mengefasst macht sie geltend, dass sich eine teilweise Identifizierung als wenig
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aussagekräftig entpuppe vor dem Hintergrund, dass sich der Raub den Beschrei-
bungen der Opfer zufolge über einen längeren Zeitraum hingezogen habe und
man gemeinsam eine gewisse Strecke zum Geldautomaten zurückgelegt habe.
Der Täter 3 sei nicht maskiert und für alle drei Geschädigten klar sichtbar gewe-
sen. Man habe in dieser Zeit kommuniziert. Bei einer solch intensiven Begegnung
müsse man davon ausgehen, dass der tatsächliche Täter zuverlässig erkannt
worden wäre (Urk. 50 S. 4 f.; Urk. 70 S. 6 f.).
3.5.2. Nachfolgend kann – ergänzend zu den bereits schlüssigen Erwägungen der
Vorinstanz (Urk. 59 E. II/4 S. 8; E. II/6.2 S. 15, E. II/6.5 S. 22 f.; E. II/7.2 S. 25,
E. II/7.5 S. 30; E. II/8.2 S. 32, E. II/8.6 S. 36) – nochmals, vertiefend, auf die
Täteridentifikation eingegangen werden:
3.5.2.1. Am 22. bzw. 25. Juli 2018 gaben die Geschädigten bei der Polizei Täter-
beschreibungen an (Urk. 3 Ziff. 12 und 4; Urk. 4 Ziff. 15; Urk. 5 Ziff. 18 und 46).
Vor dem Hintergrund, dass bei verbalen Täterbeschreibungen regelmässig
Schwierigkeiten zu erwarten sind (vgl. BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfest-
stellungen vor Gericht, 4. Aufl., München 2014, Rn. 1210 f.) und daher keine allzu
hohen Anforderungen daran zu stellen sind, erweisen sich diese detaillierten Tä-
terbeschreibungen der drei Geschädigten als beeindruckend übereinstimmend.
Was das von F._ – acht Monate nach dem Vorfall und auf konkrete Frage
nach Tattoos – (an der Hand oder am Arm) vermutete Tattoo beim Täter 3 anbe-
langt, ist zu sagen, dass er selber sagte, er sei diesbezüglich nicht sicher (Urk. 10
Ziff. 12). Angesichts dieser Unsicherheit kann jedenfalls nicht gesagt werden, der
Beschuldigte scheide als Täter 3 aus, wenn er kein Tattoo trägt (darauf zielend
der Beschuldigte in Urk. 11 Ziff. 4).
3.5.2.2. Anhand der Signalemente wurde sodann mit den Geschädigten am
24. Juli 2020, gestaffelt, eine Bildrecherche durchgeführt (B._ mit Beginn um
10 Uhr, C._ ab 11 Uhr, F._ ab 11:45 Uhr). Dabei wurde anhand einer
Vielzahl von Bildern aus der Polizei-Datenbank ISIS nach den Tätern 1 und 3 ge-
sucht (welche, anders als der Täter 2, bei der Tat nicht maskiert waren). Dabei
gab B._ an, dass es sich beim Bild des Beschuldigten zu 90 bis 95% um den
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Täter 3 handle (Urk. 26 S. 2 f.). Auch F._ erkannte den Beschuldigten als Tä-
ter 3 («mit Sicherheit», zu 100%; Urk. 28 S. 2 f.). Demgegenüber vermochte
C._ auf keinem der gezeigten Bilder den Täter 3 zu identifizieren (Urk. 27 S.
2).
Frappant ist in diesem Zusammenhang, dass in Bezug auf den Täter 3 B._
und F._ – unabhängig voneinander – übereinstimmten. Wenn von B._
Restzweifel geäussert wurden (nicht zu 100%, sondern nur zu 90–95% sicher), so
spricht dies im Kontext gesehen nur für das Bemühen, die betreffende Person
nicht fälschlich zu beschuldigen. Dass C._ den Beschuldigten nicht (als
mutmasslichen Täter 3) erkannte, kann einerseits im allgemeinen Unschärfebe-
reich solcher Recherchen liegen, lässt sich andererseits aber auch dadurch plau-
sibilisieren, dass C._ nach der kohärenten Schilderung der Geschädigten im
Gegensatz zu seinen Kollegen (namentlich B._) wenig Kontakt direkt mit
dem Täter 3 hatte (vgl. Urk. 12 Ziff. 10; Urk. 3 Ziff. 8, Urk. 5 Ziff. 8, Urk. 9 Ziff. 7).
Mit eine Rolle spielen mag, dass die Sichtverhältnisse zur fraglichen Zeit an die-
sen Örtlichkeiten schlecht waren (vgl. Urk. 3 Ziff. 27, Urk. 4 Ziff. 35, Urk. 5 Ziff.
33).
Was den Täter 1 betrifft, kam sowohl für B._ als auch C._ E._ in
Frage (jeweils zu 90 bis 95%; Urk. 26 und 27, je S. 2). Zwar macht in diesem Zu-
sammenhang etwas stutzig, dass alle drei Täter Zürcher Dialekt (teils mit Akzent)
gesprochen haben sollen (Urk. 1 S. 1–6), der Nigerianer E._ laut den vorbe-
stehenden Polizeiinformationen aber der deutschen Sprache nicht mächtig sein
soll (Urk. 1 S. 10). Dies allein erschüttert den Beweis indes nicht – einerseits weil
beim Vorfall keine längeren, komplizierten Gespräche geführt wurden, anderer-
seits weil es gut sein kann, dass E._s Deutsch effektiv besser ist, als es der
Polizei bekannt war.
3.5.2.3. Nachdem in der Folge der Beschuldigte am 17. August 2018 polizeilich
einvernommen wurde (Urk. 6) und dabei festgestellt wurde, dass sich sein Er-
scheinungsbild inzwischen gegenüber dem Archivbild erheblich verändert hatte,
wurde ein neues Porträt angefertigt (Urk. 2 S. 9), welches den Geschädigten an
einer Wahlbildkonfrontation am 23. August 2018 im Rahmen eines Fotobogens
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vorgelegt wurde, auf welchem sieben ähnlich aussehende sowie der Täterbe-
schreibung (abgesehen vom Gesichtshaar) entsprechende Vergleichspersonen
abgebildet waren (Anhang zu Urk. 7).
Der Fotobogen (Anhang zu Urk. 7) entspricht der von der Rechtsprechung und
Lehre empfohlenen Vorgehensweise bei Gegenüberstellungen (vgl. ZR 106/2007
S. 276 E. 5.2.b; Urteil des Bundesgerichts 1P.104/2004 vom 10. Mai 2004 E. 4;
BLÄTTLER, Zur Problematik der Täteridentifikation im Rahmen einer Konfrontation
aus der Sicht der polizeilichen Praxis, AJP 2000 1374; GARBADE, Mindestanforde-
rungen bei Täteridentifikationen - Forum «Redlich aber falsch» Bern, 20. Mai
2000, AJP 2000 1375).
Nun, rund ein Monat nach dem Vorfall, vermochte einzig noch B._ den Be-
schuldigten klar als Täter 3 zu identifizieren. F._ und C._ erkannten kei-
ne Person als Täter 3 (Urk. 2 S. 9). B._ dagegen war sich «zu 100%» sicher
(Urk. 7 Ziff. 7 ff.). Dass gerade B._ sich so sicher war, ist plausibel, weil (laut
übereinstimmenden Angaben der Geschädigten) der Täter 3 sich zu Beginn der
Begegnung um den etwas entfernt stehenden B._ kümmerte (Urk. 4 Ziff. 8,
Urk. 5 Ziff. 8), sodass er diesem prägnanter, namentlich bezüglich der Gesichts-
züge, in Erinnerung blieb.
Eine mögliche Erklärung dafür, dass F._ und C._ ihn beide nicht mehr
erkannten, wäre sodann, dass der Beschuldigte sein Kopfhaar nach dem Delikt
kurz geschoren haben und den Bart länger tragen könnte. Wenn nämlich just der
Beschuldigte auf seine kurzen Haare im Gegensatz zur Täterbeschreibung hin-
weist und – vermeintlich zu seiner Entlastung – ein Bild mit Kurzhaarfrisur vorlegt,
das aber kurz nach dem inkriminierten Vorfall aufgenommen worden war (Urk. 11
S. 2), so wirkt dies eher verräterisch als entlastend. Denn ausgehend davon, dass
er einer der Täter war, hätte er nach dieser Nacht durchaus ein Motiv gehabt, sei-
ne Haarform und damit sein Aussehen zu verändern.
3.5.2.4. An der Einvernahme vor der Staatsanwaltschaft am 6. Februar 2019 mit
dem Beschuldigten konfrontiert, äusserte sich B._ dezidiert dahingehend,
dass der anwesende Beschuldigte es gewesen sei, der ihn ausgeraubt habe. Er
habe ihn am Gesicht und an der Körpersprache wiedererkannt (Urk. 8 Ziff. 8–10).
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Ebenso überzeugt zeigte sich B._ an der staatsanwaltlichen Einvernahme
vom 28. Februar 2019 (an welcher der Beschuldigte nunmehr verteidigt war), und
dies obschon der Beschuldigte sein Aussehen (die Gesichtsbehaarung) verändert
habe (Urk. 9 Ziff. 3–5).
Auch F._ schien sich sicher zu sein, den Täter 3 vor sich zu haben, als ihm
der Beschuldigte am 28. März 2019 bei der Staatsanwaltschaft persönlich gegen-
über sass (Urk. 10 Ziff. 58 ff.).
Gleichentags bejahte auch C._, dass der bei der Einvernahme anwesende
Beschuldigte zur Täterschaft zählte. Selber könne er dies «zu 75%» bestätigen;
wenn aber B._ davon überzeugt sei, sei er dies auch, weil sich der Täter 3
damals mit seinem Kollegen B._ befasst habe (Urk. 12 Ziff. 10 f.). Auch hier
zeigt die differenzierte Aussage C._s vor allem das Bemühen, niemanden
fälschlich zu beschuldigen.
3.5.3. Zusammenfassend ergeben sich weder aus der Vorgehensweise bei der
Durchführung der Täteridentifikation noch aus der Analyse der diesbezüglichen
Aussagen der Geschädigten Anhaltspunkte, welche auf – bewusst oder unbe-
wusst – falsche Angaben hinsichtlich der Täterschaft hindeuten.
3.6. Im Lichte der klar für die Täterschaft des Beschuldigten sprechenden Aus-
sagen der Geschädigten fragt sich, ob der Beschuldigte glaubhafte Erklärungen
vorbringen kann, welche die ihn belastenden Momente zu entkräften vermögen.
3.6.1. Der Beschuldigte erklärte grundsätzlich konstant und widerspruchsfrei,
dass er am fraglichen Abend um ca. 20 bis 21 Uhr von seinem Domizil in
Winterthur los und mit dem Zug nach Zürich-K._ [Stadtteil] gefahren sei. Kurz
nach 22 Uhr sei er bei einem Freund, H._, am L._-platz in Zürich ange-
kommen. Mit diesem habe er in der Nähe des L._-platzes auf einem Bänk-
chen in einem Park Joints geraucht und sei dann, etwa um Mitternacht, allein zu
Fuss zum Club M._ gegangen. Dort habe er, der eigentlich nicht oft in Clubs
gehe, Alkohol (Shots) konsumiert. Zwei Frauen, die vor dem M._ Flyer ver-
teilt hätten, hätten ihn dann auch noch Kokain mitkonsumieren lassen (Urk. 6 Ziff.
11 ff. und 39; Urk. 11 Ziff. 5 f.; Urk. 16 Ziff. 5 und 10 ff.). Dieser Konsum habe ihn
- 15 -
umgehauen, und er sei um ca. 5 Uhr morgens im Spital aufgewacht; man habe
ihm gesagt, die Ambulanz habe ihn dorthin gebracht (Urk. 6 Ziff. 9; Urk. 11 Ziff. 6).
3.6.2. Letzteres, die Einlieferung ins Spital, nachdem der Beschuldigte in der Tat-
nacht um ca. 02:30 (des 21. Juli 2018) vor dem Club M._ am Boden liegend
vorgefunden worden war, ist glaubhaft belegt durch Urk. 21 (so auch die
Vorinstanz in Urk. 59 E. II/5.8 S. 13).
Objektiviert ist dadurch auch die – unbestrittene – Tatsache, dass sich der Be-
schuldigte in der Tatnacht in der Innenstadt von Zürich, in einer Distanz von rund
zwei Kilometern vom Tatort entfernt, aufhielt.
3.6.3. Was über die Geschehnisse vor seinem Kollaps vom Beschuldigten vorge-
bracht wird – nämlich dass er ganz allein zu Fuss zum M._ Club ging, dort
alkoholische Drinks (Shots) konsumierte und ihm vor dem Club von zwei ihm zu-
vor nicht bekannten Frauen unentgeltlich Kokain abgegeben wurde – ist zwar
nicht völlig ausgeschlossen, aber doch sehr aussergewöhnlich. Allein für sich be-
trachtet kommt dieser inhaltlichen Besonderheit zwar noch kein entscheidendes
Gewicht zu, mutet aber schon seltsam an. Entgegen der Ansicht der Verteidigung
(vgl. Urk. 70 S. 3) lassen diese Schilderungen – wie auch die Beobachtung, dass
er zum M._ haben laufen müssen, da keine Trams mehr gefahren seien –
die Aussagen des Beschuldigten jedenfalls nicht besonders plausibel erscheinen.
Allgemein fällt auf, dass die Aussagen des Beschuldigten zur Zeit zwischen der
Verabschiedung seines Bekannten in der Gegend des L._-platzes (ihm zu-
folge kurz nach Mitternacht, «00:00 Uhr oder 00:10 Uhr» [Urk. 16 Ziff. 16]) und
seinem Kollaps kurz vor 3 Uhr morgens karg bleiben.
Obgleich die Wahrnehmungsfähigkeit und das Erinnerungsvermögen beim Be-
schuldigten wegen der in der fraglichen Nacht zu sich genommenen Substanzen
beeinträchtigt gewesen sein mag, ist vor dem Hintergrund seiner sonstigen Schil-
derungen davon auszugehen, dass er sich an gewisse Details noch hätte erinnern
können – etwa ob er im M._ Club Eintritt bezahlt hat oder auch unter wel-
chen Umständen er Shots getrunken hat (vgl. Urk. 16 Ziff. 24 ff.). Es fehlen just in
den relevanten Passagen Detailangaben und inhaltliche Erweiterungen. Damit
- 16 -
weisen die Aussagen sog. Zurückhaltungs- und Verweigerungssignale auf, wel-
che gegen deren Glaubhaftigkeit sprechen (R. BENDER, Die häufigsten Fehler bei
der Beurteilung von Zeugenaussagen, in SJZ 81 [1985] S. 53 ff., 57).
3.6.4. Zutreffend fasste die Vorinstanz sodann die Aussagen des Zeugen
H._ zusammen, würdigte diese sorgfältig und schlüssig und konstatierte
schliesslich, dass der vom Beschuldigten angerufene Entlastungszeuge seinem
Freund kein taugliches Alibi habe geben können (Urk. 59 E. II/9.3 S. 41). Dies ist
noch sehr zurückhaltend ausgedrückt.
Vorauszuschicken ist einmal, dass es – unter der Hypothese, dass der Beschul-
digte am Raub beteiligt war – ein Leichtes für ihn gewesen wäre, seinen Freund
frühzeitig für ein Alibi zu kontaktieren. Diese Möglichkeit wird denn auch selbst
von der Verteidigung als "nicht lebensfremd" qualifiziert (Urk. 70 S. 4). Spätes-
tens, als der Beschuldigte von der Polizei zur Einvernahme vom 17. August 2018
(Urk. 6) vorgeladen wurde, musste ihm klar sein, dass er gefragt würde, wo er zur
Tatzeit gewesen sei. Es bestand also reichlich Zeit, sich über ein Alibi abzu-
sprechen.
Genau so wirkt denn auch, wie der kontaktierte H._ reagierte, als er von der
Polizei kontaktiert wurde. Mit der Vorinstanz (Urk. 59 E. II/9.3 S. 41) ist als glaub-
haft anzusehen, dass Polizist I._ am 17. August 2018 während eines Unter-
bruchs der Einvernahme des Beschuldigten (Urk. 6), zwischen 13:50 und 14:05
Uhr, H._ anrief (Urk. 6 Ziff. 39 f.) und ihm dieser – wie im Polizeirapport vom
30. August 2018 festgehalten (Urk. 2 S. 8 f.) – angab, dass sich die beiden jungen
Männer am Tatabend von ca. 20 bis 21 Uhr zusammen am L._-platz aufge-
halten hätten. Das vermeintliche Alibi fiel damit in sich zusammen, weil das Delikt
zweifelsfrei später verübt worden war (sodass der Beschuldigte nach dem Treffen
noch leicht an die Tatörtlichkeiten hätte gelangen können). Die Richtigkeit der
Rapportierung wurde nicht nur von Polizist I._ (Urk. 17 Ziff. 28 ff.), sondern
auch von dem diesen damals beaufsichtigenden Polizisten N._ (Urk. 19 Ziff.
36 ff.) schlüssig, im Rahmen von Zeugenaussagen, bekräftigt. Ein Versehen ist
höchst unwahrscheinlich, namentlich weil es sich um eine äusserst wichtige An-
- 17 -
gabe handelte, welcher entscheidendes Gewicht bei der weiteren Ermittlung zu-
kam.
Namentlich im Lichte seiner späteren Aussagen gegenüber der Staatsanwalt-
schaft betrachtet (Urk. 14), wirkt es höchst zweifelhaft, wenn die Auskunftsperson
H._ knapp einen Monat nach dem fraglichen Abend am Telefon sogleich,
aus dem Stegreif, eine verlässliche Antwort darauf geben können will, mit wem,
von wann bis wann und wo er sich an jenem Freitagabend aufhielt. Solches erfor-
derte spezielle Anknüpfungspunkte oder dann ein ganz spezielles Erinnerungs-
vermögen – ein besseres, als der Zeuge später, gegenüber der Staatsanwalt-
schaft am 9. Mai 2019 (Urk. 14) offenbarte.
Geradezu entlarvend aber waren die von H._ bei der Staatsanwaltschaft de-
ponierten Aussagen. Aufhorchen lassen da bereits die Umstände, wie er zusam-
men mit dem Beschuldigten zur Einvernahme erschienen war (vgl. Urk. 14 Ziff. 2
f.), nachdem der Beschuldigte bei der Staatsanwaltschaft darauf gedrängt hatte,
dass sein Kollege befragt wird (Urk. 13 Ziff. 3).
Nichts einzuwenden ist gegen die angewandte kriminalistische List, mit dem der
Zeuge zu seinen Aktivitäten an verschiedenen Daten befragt wurde (zu Beginn
gerade nicht zum Tatabend des 20. Juli 2018, sondern zum 13. und zum 27. Juli
2018; Urk. 14 Ziff. 40 ff.; a.M. der Beschuldigte in Urk. 16 Ziff. 3). Aufschlussreich
klammerte sich der Zeuge prompt zunächst an den 13. Juli 2018 als «speziellen,
merkwürdigen Tag» (Urk. 14 Ziff. 41), obschon es um diesen Tag gar nicht geht.
Es zeigte sich klar, dass der Zeuge nicht (oder nicht mehr) wusste, an welchem
Datum er vom Beschuldigten besucht worden war. Klar wurde dies spätestens bei
der Frage 55: «55. Ist A._ nun am 13., 20. oder 27. Juli bei Ihnen vorbei
gekommen? Das was bei Ihnen auf dem Brief steht. Das, was A._ gesagt hat.»
Kein allzu grosses Gewicht beizumessen ist in diesem Zusammenhang der inhalt-
lichen Divergenz, wonach der Zeuge davon sprach, dass sie bei ihm in der Sied-
lung «gehängt» hätten (Urk. 14 Ziff. 45), während der Beschuldigte angegeben
hatte, sie seien auf einem Bänkchen in einem Park gesessen (Urk. 16 Ziff. 20).
Der Friedhof O._ liegt an der L._-strasse, nahe der Wohnsiedlung, wo
- 18 -
der Zeuge wohnt. Es könnte sein, dass dies bloss einer Ungenauigkeit in den
Schilderungen der Örtlichkeit geschuldet ist (wie vom Beschuldigten in Urk. 16
Ziff. 21 vorgebracht).
Gravierender ist dagegen, dass der Zeuge seine Zeitangaben über das Zusam-
mensein mit dem Beschuldigten offensichtlich der Zeit anzupassen suchte, wel-
che für ein Alibi dienlich wäre. So verwies er anfänglich, schwindende Erinnerung
geltend machend, auf seine Angabe gegenüber der Polizei (Urk. 14 Ziff. 58). Als
man ihn darauf an seine rapportierte Zeitangabe (20 bis 21 Uhr) erinnerte, passte
der Zeuge seine Aussage an und vertrat fortan die Meinung, nach seinem «jetzi-
gen Wissen» seien sie von ca. 22 Uhr bis Mitternacht zusammen gewesen
(Urk. 14 Ziff. 61). Er erinnere sich daran, weil es für ihn ein «spezieller Tag» ge-
wesen sei; der Beschuldigte sei ja dann noch ins Spital gegangen und die «Bul-
len» hätten ihn ja noch «mitgenommen» und das sei ihm alles noch so geblieben
(Urk. 14 Ziff. 62). Diesem vagen Erklärungsversuch geht jede Sinnhaftigkeit ab.
Wäre für den Zeugen der Abend, bevor sein Freund ins Spital eingeliefert wurde,
tatsächlich so speziell in Erinnerung geblieben, so müsste er sich ausserdem
zwingend an die Wetterbedingungen erinnern, unter welchem die beiden stunden-
lang draussen auf einer Bank sitzend verbracht haben sollen. Just an das damals
herrschende Wetter vermochte sich der Zeuge aber nicht zu erinnern (Urk. 14
Ziff. 63 ff.). Auch dies zeigt deutlich, dass der Zeuge nicht nur das Datum nicht
mehr präsent hatte, sondern auch die beschriebene Situation nicht vor seinem
geistigen Auge sah.
Insgesamt wurde in der Vernehmung zu Tage gefördert, dass der Zeuge seinen
Freund decken will, aber keine sachdienlichen Hinweise über eigene Wahr-
nehmungen geben konnte. Viel plausibler erscheint vor dem Hintergrund der Indi-
zienlage, dass der Beschuldigte den Zeugen H._ frühzeitig kontaktierte und
mit ihm besprach, was anzugeben sei, wenn letzterer von den Untersuchungsbe-
hörden angefragt würde. Darauf deutet denn auch die Aussage H._s in Urk.
14 Ziff. 91 hin, wo er ausführte:
«[...] Am Morgen [des 21. Juli 2018] rief er mich an. Und dann eben. Dann rief er mich an und fragte, was passiert ist und so. Das Datum weiss ich jetzt leider nicht mehr. [...]»
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Besonders deutlich wird sein geradezu krampfhaftes Bestreben, den Beschuldig-
ten zu decken, auch, als er gefragt wurde, wieso er sich sicher sei, dass der Be-
schuldigte am Deliktsdatum bei ihm war. Darauf erwiderte er (Urk. 14 Ziff. 99):
«Was für ein Delikt? Hat er ein Delikt begangen? Er hat nichts begangen. Sie haben keine Beweise gegen ihn. Er war bei mir.»
3.7. Gesamthaft gesehen lassen sich in den Aussagen des Beschuldigten und
seines Entlastungszeugen klare Warnsignale für unglaubhafte Aussagen
(vgl. BENDER/NACK/TREUER, a.a.O., Rn. 336 ff.) und keine nachvollziehbare, kon-
sistente Erklärung für die erstellte Indizienlage erkennen.
3.8. Es besteht eine für die Täterschaft des Beschuldigten doch überzeugend
sprechende Indizienlage, für die der Beschuldigte keine glaubhaften Erklärungen
zu liefern vermag. Fehlen Anhaltspunkte für die Richtigkeit seiner entlastenden
Behauptungen, darf das Gericht in freier Beweiswürdigung zum Schluss kommen,
dessen Vorbringen seien unglaubhaft. Darin liegt weder eine Verletzung des Aus-
sageverweigerungsrechts des Beschuldigten gemäss Art. 113 Abs. 1 StPO
bzw. Art. 6 EMRK noch eine verfassungswidrige Umkehr der Beweislast (Urteile
des Bundesgerichts 6B_678/2013 vom 3. Februar 2014 E. 4.4; 6B_453/2011 vom
20. Dezember 2011 E. 1.6, nicht publ. in BGE 138 IV 47; 6B_30/2010 vom 1. Juni
2010 E. 4.1 mit Hinweisen; 1P.641/2000 vom 24. April 2001, publ. in: Pra 90/2001
Nr. 110, E. 3; SCHMID/JOSITSCH, Handbuch StPO, 3. Aufl., 2017, N 231;
OBERHOLZER, Grundzüge des Strafprozessrechts, 3. Aufl., 2012, N 733; Entscheid
des EGMR vom 8. Februar 1996, Murray gegen Vereinigtes Königreich, in:
EuGRZ 1996, S. 587, Nr. 47; MEYER-LADEWIG, EMRK, Handkommentar, 3. Aufl.,
2011, Art. 6 N 140 mit Hinweisen).
Die Summe der den Beschuldigten belastenden Indizien und das Fehlen einer
glaubhaften Erklärung dafür lassen – mit der Vorinstanz (Urk. 59 E. II/12 S. 47) –
keine vernünftigen Zweifel aufkommen, dass es sich beim Beschuldigten um ei-
nen der drei Räuber, nämlich den in der Untersuchung als Täter 3 bezeichneten,
handelt.
Der zur Anklage gebrachte Sachverhalt ist damit erstellt.
- 20 -
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Die Vorinstanz würdigte das Verhalten des Beschuldigten in rechtlicher
Hinsicht als Raub mit Mitführen einer Waffe im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 140 Ziff. 2 StGB.
4.2. Nach dem Grundtatbestand von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB macht sich
strafbar, wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung gegenwärtiger
Gefahr für Leib oder Leben oder nachdem er den Betroffenen zum Widerstand
unfähig gemacht hat, einen Diebstahl begeht. Raub ist damit eine qualifizierte
Form der Nötigung, um einen Diebstahl begehen zu können (BGE 133 IV 210).
Die Nötigungshandlung muss sich gegen eine Person richten, die in Bezug auf
die zu stehlende Sache eine Schutzposition einnimmt. Bei der vorliegend relevan-
ten Begehungsform der Androhung gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben
kann die Androhung sowohl ausdrücklich oder konkludent, etwa durch Vorhalten
einer Waffe erfolgen. Der Täter muss dabei die Drohung nicht verwirklichen wol-
len. Es genügt, wenn beim Opfer dieser Eindruck erweckt wird. Subjektiv ist
Vorsatz erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt (zum Ganzen: OFK StGB-
DONATSCH, Art. 140 N 1 ff.). Zusätzlich müssen selbstverständlich auch An-
eignungsabsicht sowie die Absicht unrechtmässiger Bereicherung bestehen, wo-
bei Eventualabsicht genügt.
Vorliegend ist von einer ausdrücklichen Drohung auszugehen, wobei zu deren
Verstärkung nach dem anklagegemäss erstellten Sachverhalt die zwei Mittäter
des Beschuldigten je ein Messer in der Hand hielten und den drei Geschädigten
(verbal) zu verstehen gaben, dass sie abgestochen würden, wenn sie den An-
weisungen nicht Folge leisten würden. Angesichts der Situation (Örtlichkeit, Nähe
zwischen den Personen, Maskierung des einen Mittäters etc.) war die Situation
für die Geschädigten als gegenwärtige Gefahr für Leib und Leben wahrnehmbar.
Die drei Täter brachten namentlich durch das Vorhalten von Messern den Privat-
kläger 2 (B._) dazu, sein Mobiltelefon dem Beschuldigten zu übergeben und
den Geschädigten F._, einen Geldbetrag von Fr. 100.– ebenfalls dem Be-
schuldigten zu übergeben. Die Aneignungsabsicht ist gegeben. Der Beschuldigte
- 21 -
wusste, dass er (und seine Mittäter) keinen Rechtsanspruch auf die Sachen hatte.
Er handelte mit Absicht.
4.3. Die drei Mittäter handelten in arbeitsteiliger und koordinierter Weise in der
Gruppe. Aus ihrer Vorgehensweise ergibt sich schliesslich, dass sie sowohl in
Bezug auf die Verwendung von Messern als auch die Wegnahme von B._s
Mobiltelefon und des von F._ beim Geldautomaten abzuhebenden Geldbe-
trages direktvorsätzlich, aufgrund eines zuvor vage gefassten und später rollend
konkretisierten gemeinsamen Tatentschlusses handelten.
4.4. In Bezug auf die von F._ erzwungene Herausgabe von Geld, das von
diesem zunächst noch beim Geldautomaten abzuheben war, fragt sich, ob allen-
falls auf räuberische Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 in Verbindung mit
Ziff. 3 StGB statt auf Raub zu erkennen gewesen wäre. Die Abgrenzung zwischen
den beiden Tatbeständen wird in der Literatur unterschiedlich vorgenommen, wo-
bei auf die Einzelheiten nicht eingegangen zu werden braucht (vgl. BSK StGB-
WEISSENBERGER, Art. 156 N 27 und N 52; TRECHSEL/CRAMERI, in: Trechsel/Pieth
[Hrsg.], PK StGB, Art. 156 N 18; DONATSCH, OFK-StGB, StGB 156 N 15; STRA-
TENWERTH/JENNY/BOMMER, Schweizerisches Strafrecht BT I, 7. Aufl., 2010, § 17
N 7; REHBERG/SCHMID/DONATSCH, Strafrecht III, 8. Aufl., 2002, S. 243 f.). Wenn
der Täter zur Vermögensdisposition auf die Mitwirkung des Opfers angewiesen
ist, ist grundsätzlich auf räuberische Erpressung zu erkennen. Wird die Nöti-
gungshandlung hingegen nicht nur für den Zugang zur angestrebten Sache vor-
genommen, sondern darüber hinaus auch während der eigentlichen Ver-
mögensschädigung bzw. Wegnahme aufrecht erhalten, führt dies zur Annahme
von Raub (STRATENWERTH/JENNY/BOMMER, a.a.O., § 17 N 7; ebenso BSK StGB-
WEISSENBERGER, Art. 156 StGB N 52).
Der Geschädigte F._ wurde zum Geldautomaten geführt, wo er angesichts
der bereits beschriebenen Nötigungshandlung den Geldbetrag abhob und räum-
lich-zeitlich unmittelbar danach dem Beschuldigten übergab. Während der Geld-
herausgabe und somit der eigentlichen Wegnahme wurde dabei die
Nötigungshandlung aufrecht erhalten.
Damit liegt mit der Vorinstanz auch bezüglich des Bargelds ein Raub vor.
- 22 -
4.5. Mit der Vorinstanz ist der Tatbestand von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB erfüllt
worden. Tatobjekte sind in Bezug auf den Geschädigten F._ Fr. 100.– Bar-
geld und beim Privatkläger B._ ein Mobiltelefon Apple iPhone 8 Plus. Dem
Privatkläger C._ wurde letztlich nichts weggenommen; bei ihm blieb es daher
beim Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB.
4.6. Ob eine oder mehrere Handlungen vorliegen, ist eine Rechtsfrage (vgl. PK
StGB-TRECHSEL/THOMMEN 2018, Art. 49 N 3, mit weiteren Hinweisen). Das Bun-
desgericht hält fest, dass derjenige Täter wegen eines (einfachen) Diebstahls
zu verurteilen sei, der in einem räumlich-zeitlichen Kontext von Laden zu Laden
ziehe (Urteil des Bundesgerichts 6S.531/2000 vom 27. Dezember 2000, E. 2c).
Die herrschende Lehre geht für die Annahme einer Handlungseinheit bei Rechts-
gütern mit individuellem Einschlag jedoch präzisierend davon aus, dass stets
auch dieselbe Person betroffen sein müsse, die einzelnen Taten also gegen den
selben Träger des Rechtsgutes gerichtet sein müsse (STRATENWERTH, Schweize-
risches Strafrecht, AT I, 4. Aufl., 2011, § 19 N 10). Bei unpersönlichen Rechts-
gütern wie dem Eigentum und dem Vermögen kann die Einschränkung des iden-
tischen Rechtsgutträgers entbehrlich sein (so im zitierten Urteil des Bundes-
gerichts betreffend Diebstahl).
Zwar erscheint zweifelhaft, ob bloss aufgrund des engen räumlichen und zeit-
lichen Zusammenhangs der Entwendung des Mobiltelefons des Privatklägers 2
(B._) und des Geldbetrages des Geschädigten F._ von einer Hand-
lungseinheit und von einem Gesamtvorsatz auszugehen ist, wonach ohne konkre-
tes Ziel die drei jungen Männer ausgeraubt werden sollten und somit nicht von
mehrfacher Tatbegehung auszugehen ist. Hier auf mehrfache Tatbegehung zu
schliessen, würde aber ohnehin gegen das Verschlechterungsverbot gemäss
Art. 391 Abs. 2 Satz 1 StPO verstossen und scheidet daher aus.
4.7. Die qualifizierte Form des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 2 StGB
begeht, wer zum Zweck des Raubes eine Schusswaffe oder eine andere gefähr-
liche Waffe mit sich führt.
Eine Waffe ist ein Gegenstand, der eigens für Angriff und Verteidigung konzipiert
wurde und auch diesem Zweck dient (BGE 117 IV 135, E.1.c.; BGE 118 IV 142
- 23 -
E.3.d.), unter anderem auch Pfeffersprays und Schlagringe (vgl. ferner Art. 4
Abs. 1 lit. c und d WG). Verschiedene Lehrmeinungen vertreten die Ansicht, dass
die Qualifizierung nach Art. 140 Ziff. 2 StGB eine «Gefährlichkeit» der Waffe ver-
lange, welche sich an jener der Schusswaffe orientiert. Die besondere Gefährlich-
keit einer Schusswaffe besteht darin, dass ein Mensch ohne Kraftaufwand
und auf eine gewisse Distanz hin getötet oder schwer verletzt werden kann
(BSK StGB-NIGGLI/RIEDO, Art. 140 N 61 und Art. 139 N 150; PK StGB-
TRECHSEL/CRAMERI 2018, Art. 139 N 20). An diesen Kriterien orientiert, sind
Schlagringe, Stichwaffen sowie Sprühmittel gemäss einem Teil der Lehre grund-
sätzlich nicht als gefährliche Waffe im Sinne des qualifizierten Tatbestandes zu
definieren (BSK StGB-NIGGLI/RIEDO, Art. 139 N 155 und 157, Art. 140 N 61;
PK StGB-TRECHSEL/CRAMERI 2018, Art. 139 N 20). Demgegenüber werden in der
Botschaft von 1979 (BBl 1980, 1241, 1256) Sprühmittel, Hieb- und Stichwaffen
und Schlagringe als Beispiele für gefährliche Waffen genannt. Daraus schliesst
das Bundesgericht, dass von Gesetzes wegen nicht der gleich hohe Gefähr-
dungsgrad wie bei einer Schusswaffe gefordert ist (BGE 113 IV 60, E.1.a.). Ge-
mäss Bundesgericht sind Schusswaffen oder andere gefährliche Waffen aber nur
solche, mit denen bei der Tatausführung geschossen werden kann oder die zu-
mindest wegen ihrer Form oder ihres Gewichts für einen Dritten eine ähnliche Ge-
fahr darstellen, wobei diese Kriterien auch ein Schlagring erfüllt (BGE 110 IV 81
E.1.a.; ebenso BGE 111 IV 49 E. 3; explizit bestätigt im Urteil des Bundesgerichts
6B_ 339/2009 vom 7. August 2009, E. 1.5).
Vorliegend sind die verwendeten Messer in der Anklageschrift nicht näher um-
schrieben (Urk. 36 S. 2: «je ein Messer»). Gegenüber der Polizei gab der Ge-
schädigte F._ Messer mit einer Klingenlänge von je ca. 5 cm an (Urk. 3 Ziff.
13). C._ sprach beim Täter 1 von einem Messer, welches zugeklappt vorge-
zeigt worden sei, um zu zeigen, dass man es dabei hatte (Urk. 4 Ziff. 22 und 24);
er skizzierte das Messer so, dass von einer Klingenlänge von gut 10 cm auszu-
gehen ist (Gesamtlänge zusammengeklappt «ca. 12 cm»; Anhang zu Urk. 4). Und
B._ meinte bei der Staatsanwaltschaft, es habe sich um ein Klappmesser mit
einer Klingenlänge von 8–9 cm gehandelt (Urk. 9 Ziff. 45 f.).
- 24 -
Nach dieser im Wesentlichen übereinstimmenden Beschreibung der Messer han-
delte es sich um Taschenmesser, auch Fixier- oder Klappmesser genannt, bei
welchen die Klinge zum gefahrlosen Transport in eine Fuge des Griffstücks ge-
klappt werden kann. Solche Taschenmesser erfüllen die Definition einer «anderen
gefährliche Waffe» gemäss Art. 140 Ziff. 2 StGB nicht, zumal sie eindeutig nicht
eigens für Angriff und Verteidigung und damit als Waffen konzipiert worden sind.
4.8. Schliesslich fragt sich noch, ob das konkrete Vorgehen mit dem Einsatz
von Messern den qualifizierten Tatbestand des Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB erfüllt
hat. Gegebenenfalls hätte dies aber aufgrund des Verschlechterungsverbots nach
Art. 391 Abs. 2 Satz 1 StPO folgenlos zu bleiben.
Gemäss Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB wird der Räuber mit einer Freiheitsstrafe
nicht unter zwei Jahren bestraft, wenn er durch die Art, wie er den Raub begeht,
seine besondere Gefährlichkeit offenbart. Da bereits dem Grundtatbestand des
Raubes eine gewisse Gewaltanwendung inhärent ist, gestaltet sich die Ab-
grenzung zwischen dem Grundtatbestand und dem qualifizierten Tatbestand der
besonderen Gefährlichkeit als schwierig. Die Abgrenzung wird auch dadurch er-
schwert, dass es sich bei der Qualifikation gemäss Ziff. 3 Abs. 3 um einen Auf-
fangtatbestand handelt, weshalb nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine
Bestrafung nach diesem qualifizierten Tatbestand nur in Frage kommt, wenn die
Tat nach ihrem Unrechts- und Schuldgehalt besonders schwer wiegt (BSK StGB-
NIGGLI/RIEDO, Art. 140 N 70 f.). Es geht um Fälle, bei welchen eine konkrete Ge-
fahr für das Opfer geschaffen wurde, auch wenn es dadurch keine Verletzungen
davontrug. Es gilt dabei auch das Zusammenwirken mehrerer Täter sowie einen
allfälligen Konsum von Alkohol oder Betäubungsmitteln und die sich daraus erge-
bende Möglichkeit unkontrollierter Handlungen zu berücksichtigen (Urteile des
Bundesgerichts 6S.250/2003 vom 28. August 2003 E. 1.2 und 6B_658/2013 vom
22. Januar 2014 E. 2.3). Solches wird dem Beschuldigten und seinen Mittätern
nicht vorgeworfen, namentlich wurden die Messer den Geschädigten nicht be-
sonders nah, etwa vor das Gesicht gehalten (wie es etwa dem Bundesgericht in
seinem Urteil 6B_988/2013 vom 5. Mai 2014 E. 1.4.1 f. zugrunde lag).
- 25 -
Damit wurde korrekt nicht auf eine qualifizierte Erfüllung des Tatbestands gemäss
Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB erkannt.
4.9. Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe sind nicht ersichtlich.
5. Fazit
Dementsprechend ist der Beschuldigte des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1
Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
III. Strafzumessung, Strafvollzug
1. Allgemeines, Grundsätze, Strafrahmen
1.1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von
18 Monaten (unbedingt). Da einzig der Beschuldigte Berufung gegen das vor-
instanzliche Urteil erhob, fällt aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391
Abs. 2 StPO) eine strengere Bestrafung von vornherein ausser Betracht.
1.2. Die Vorinstanz hat die Grundsätze, nach welchen eine Strafe zuzumessen
ist, richtig zusammengefasst (Urk. 59 E. IV/1.1 und 2.1, S. 48 f.). Darauf kann
verwiesen werden.
1.3. Vorliegend hat sich der Beschuldigte des Raubes im Sinne von Art. 140
Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. Dieser Straftatbestand sieht als abstrakte
Strafandrohung eine Freiheitsstrafe von minimal sechs Monaten bis zu zehn Jah-
ren vor. Umstände, die ein Über- oder Unterschreiten des Strafrahmens indizie-
ren, liegen mit der Vorinstanz nicht vor.
2. Tatverschulden
2.1. In objektiver Hinsicht ist mit der Vorinstanz zu bemerken, dass der Be-
schuldigte und seine Mittäter nur relativ geringfügige Werte erbeuteten, nämlich
ein Mobiltelefon «Apple iPhone 8 Plus» sowie Fr. 100.– Bargeld. Ihre Absicht rich-
tete sich allerdings auf Mobiltelefone und auf Bargeld in einer Grössenordnung
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von bis zu Fr. 1'000.–, was aber auch noch nicht allzu hoch ist. Das Tatvorgehen
und auch das Drohen mit vorgehaltenen Messern war wohl nicht von langer Hand
geplant, muss aber unter den drei Mittätern zunächst grob besprochen worden
sein. Später wurde die Planung den Gegebenheiten angepasst. Die drei Räuber
traten nach der ersten Kontaktnahme rüde und aggressiv auf, trieben die Opfer in
die Enge und stiessen zur Einschüchterung nebst den vorgezeigten Messern
auch Todesdrohungen (abstechen, umbringen) aus. Im weiteren Verlauf (beim
Gang zum Geldautomaten) scheint sich die Situation etwas entspannt zu haben.
Der Überfall dürfte in etwa eine Viertelstunde gedauert haben, in welcher sich die
drei Geschädigten in einer äusserst unangenehmen Situation befanden und Angst
vor einem unmittelbar bevorstehenden Gewaltexzess hatten. Im Spektrum aller
Tatvarianten eines Raubs sind aber viel gravierendere Überfälle denkbar. Das ob-
jektive Tatverschulden erscheint daher als leicht.
2.2. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich. Die Tat zeugt von einer er-
heblichen kriminellen Energie, gerade auch angesichts der arbeitsteiligen Vor-
gehensweise. Das Motiv kann nur egoistischer und finanzieller Natur gewesen
sein. Das subjektive Tatverschulden vermag damit die objektive Tatschwere in
keiner Weise in einem milderen Licht erscheinen zu lassen.
2.3. Das Tatverschulden erscheint insgesamt als leicht, weshalb sich eine Ein-
satzstrafe im Bereich des unteren Drittels des Strafrahmens, von 13 Monaten
rechtfertigt.
3. Täterkomponente
3.1. Was die persönlichen Verhältnisse anbelangt, kann auf die Ausführungen
der Vorinstanz (Urk. 59 E. IV/4.1) und auf unten E. IV/2.4 verwiesen werden.
Die persönlichen Verhältnisse zeitigen keine Auswirkungen auf die Strafzu-
messung.
3.2. Der Beschuldigte weist drei Vorstrafen aus (Urk. 35/1). Am 2. September
2016 wurde er mit Urteil der II. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich
wegen mehrfachen (teils versuchten) Diebstahls, Nötigung, Sachbeschädigung,
- 27 -
mehrfacher Drohung und Hausfriedensbruchs jugendstrafrechtlich zu einem Frei-
heitsentzug von 6 Monaten verurteilt, wobei dieser zu Gunsten von Massnahmen
aufgeschobenen wurde (SB160147-O: Urk. 93 S. 42). Am 27. Juni 2017 erging
ein Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis, womit wegen Sachbe-
schädigung eine bedingte Geldstrafe von 45 Tagessätzen, unter Ansetzung einer
Probezeit von 2 Jahren, ausgefällt wurde (Unt.Nr. 2017/10012848: Urk. 7). Und
am 27. März 2018 bestrafte die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis den Beschul-
digten erneut wegen Diebstahls, wobei es ihn unter Einbezug der soeben erwähn-
ten Strafe, deren Aufschub widerrufen wurde, mit einer Geldstrafe von
100 Tagessätzen zu Fr. 30.– (Unt.Nr. 2017/10038858: Urk. 14). Diese Vorstrafen
sind zwar nicht allzu schwer, mehrheitlich aber einschlägig (Vermögensdelikte).
Und sie liegen nicht lange zurück; die dritte Strafe wurde ihm nur gerade
31⁄2 Monate vor der heute zu beurteilenden Tat eröffnet. Deshalb führen die Vor-
strafen mit der Vorinstanz zu einer spürbaren Straferhöhung von drei Monaten.
3.3. Unter Berücksichtigung aller strafzumessungsrelevanten Faktoren er-
scheint im Ergebnis eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten als gerechtfertigt.
4. Vollzug
4.1. Die Vorinstanz hat die anwendbaren Grundsätze bei der Prüfung eines be-
dingten Strafvollzugs korrekt wiedergegeben (Urk. 59 E. V/1 S. 52). Bei der Sub-
sumption erwog sie, dass zwar von der Vermutung einer günstigen Prognose
(Art. 42 Abs. 1 StGB) auszugehen sei, dass aber angesichts der nicht weit zu-
rückliegenden Vorstrafen und der angestiegenen Deliktsschwere im Urteils-
zeitpunkt (25. November 2019) keine günstige Prognose gestellt werden könne,
woran auch die aktuelle Lebenssituation des Beschuldigten nichts ändere. Daraus
schloss die Vorinstanz, dass die subjektiven Voraussetzungen zur Gewährung
des bedingten Strafvollzugs im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB nicht gegeben sei-
en, weshalb die Freiheitsstrafe zu vollziehen sei (Urk. 59 E. V/2 f. S. 52 f.).
4.2. Das Gericht kann den Vollzug einer Freiheitsstrafe zwischen einem Jahr
und höchstens drei Jahren teilweise aufschieben, wenn dies notwendig ist, um
dem Verschulden des Täters genügend Rechnung zu tragen (Art. 43 Abs. 1
- 28 -
StGB). Materiell wird sowohl bei der Gewährung des bedingten als auch des teil-
bedingten Vollzugs das Fehlen einer ungünstigen Prognose vorausgesetzt, mithin
die Abwesenheit der Befürchtung, dass der Täter sich nicht bewähren werde.
Wenn und soweit die Legalprognose nicht schlecht ausfällt, muss der Vollzug
(zumindest eines Teils der Strafe) bedingt aufgeschoben werden. Andererseits ist
bei einer (klar) schlechten Prognose auch ein bloss teilweiser Aufschub der Strafe
ausgeschlossen (Urteil des Bundesgerichts 6B_538/2007 vom 2. Juni 2008
E. 3.1.2 f.).
4.3. Der Beschuldigte wurde noch nie zu einer Freiheitsstrafe von mehr als
sechs Monaten verurteilt (vgl. Art. 42 Abs. 2 StGB). Mit der Vorinstanz ist damit
eine günstige Prognose vorliegend zu vermuten und sind die Voraussetzungen
zur Gewährung des bedingten oder teilbedingten Strafvollzug in objektiver Hin-
sicht gegeben.
Seit dem Vorfall vom 20. Juli 2018 ist im Vergleich zum vorinstanzlichen Urteils-
zeitpunkt etwas mehr Zeit verstrichen. Soweit bekannt hat sich der Beschuldigte
seit nun bald zwei Jahren nichts mehr zu schulden kommen lassen. Dies und eine
Gesamtwürdigung der Umstände ergeben, dass noch keine (klare) Schlechtprog-
nose zu stellen ist, welche einen (vollständig) unbedingten Vollzug erforderlich
machen würde. Zwar ist der Beschuldigte einschlägig vorbestraft, doch wird mit
vorliegendem Urteil zum ersten Mal eine (erwachsenenrechtliche) Freiheitsstrafe
verhängt. Aus spezialpräventiver Sicht scheint es angezeigt, einen Strafteil un-
bedingt auszusprechen, um angesichts dessen Warnwirkung für die Zukunft eine
deutlich bessere Prognose stellen zu können. Damit ist auf eine teilbedingte Stra-
fe zu erkennen.
4.4. Wenn das Gericht auf eine teilbedingte Strafe erkennt, hat es im Zeitpunkt
des Urteils den aufgeschobenen und den zu vollziehenden Strafteil festzusetzen
und die beiden Teile in ein angemessenes Verhältnis zu bringen. Nach Art. 43
StGB muss der unbedingt vollziehbare Teil mindestens sechs Monate betragen
(Abs. 3), darf aber die Hälfte der Strafe nicht übersteigen (Abs. 2). Vorliegend
ergibt sich somit für den vollziehbaren Teil ein Rahmen zwischen 6 und 8 Mona-
ten. Innerhalb dieses gesetzlichen Rahmens liegt die Festsetzung im pflichtge-
- 29 -
mässen Ermessen des Gerichts, wobei das «Verschulden» als Bemessungsregel
zu beachten ist, dem in genügender Weise Rechnung zu tragen ist (Art. 43 Abs. 1
StGB). Vorliegend ist es angezeigt, den zu vollziehenden Anteil auf 8 Monate
festzusetzen und die andere Hälfte der Strafe aufzuschieben.
4.5. Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so
bestimmt es dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren (Art. 44
Abs. 1 StGB).
Obwohl dem Beschuldigten gerade noch eine positive Prognose gestellt werden
kann, verbleiben gewisse Restbedenken. Eine Probezeit von drei Jahren er-
scheint geeignet, diesen Restbedenken in angemessener Weise zu begegnen.
IV. Landesverweisung
1. Vorinstanzliches Urteil
Die Vorinstanz hielt zunächst fest, dass der vom Beschuldigten verübte Raub eine
Katalogtat für eine obligatorische Landesverweisung gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. c
StGB darstelle (Urk. 59 S. 57).
Im Rahmen der Härtefallprüfung prüfte die Vorinstanz Vollzugshindernisse nach
Art. 66d Abs. 1 StGB, verneinte solche aber, da der Beschuldigte kein Flüchtling
im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention sei und eine Rückführung in den Irak
auch nicht gegen eine andere Norm des zwingenden Völkerrechts verstosse
(Urk. 59 S. 57).
Sodann erwog die Vorinstanz, dass der Beschuldigte zwar ein persönliches Inte-
resse am Verbleib in der Schweiz habe, zumal offenbar mittlerweile seine ganze
Familie hier lebe. Er lebe allerdings erst seit zehn Jahren in der Schweiz, sei also
nur zum Teil hier aufgewachsen. Auch wenn er zu seinem Heimatland keinen
grossen Bezug mehr haben möge, spreche er immerhin noch seine Mutter-
sprache, Kurdisch, und würde sich damit in seiner Heimat verständigen können.
Weiter sei der Beschuldigte weder abhängig von einer in der Schweiz ansässigen
Person, noch sei eine Person von seiner Anwesenheit in der Schweiz abhängig.
Auch wenn der Beschuldigte seit seiner Einreise in die Schweiz und nach Absol-
- 30 -
vierung eines Deutschkurses die obligatorische Schulzeit hier absolviert habe,
scheine er darüber hinaus wenig unternommen zu haben, um sich wirtschaftlich
zu integrieren. Bisher habe sich der Beschuldigte mit Gelegenheitsjobs über
Wasser halten können. An dieser Einschätzung ändere auch die anlässlich der
Hauptverhandlung geltend gemachte, nicht weiter belegte, angebliche derzeitige
Festanstellung bei einem Pizzakurier nichts. Jedenfalls wäre es – so die Vor-
instanz weiter – mitnichten so, dass der Beschuldigte aus einem stabilen beruf-
lichen oder finanziellen UmQ._ herausgerissen würde, müsste er das Land
verlassen. Weiter sei davon auszugehen, dass er eine handwerkliche Tätigkeit,
wie er sie in der Schweiz ausgeübt habe (wenn er gearbeitet habe), auch in sei-
ner Heimat ausüben könnte. Die Betroffenheit des Beschuldigten von einer Lan-
desverweisung sei zwar sicherlich beträchtlich, erscheine jedoch nicht als gänz-
lich unzumutbar (Urk. 59 S. 57 f.).
Angesichts der schwerwiegenden Straftat eines Raubes sei das öffentliche In-
teresse an einer Landesverweisung als gross zu veranschlagen. Weiter sei
zu berücksichtigen, dass auch diverse Vorstrafen den Beschuldigten nicht davon
abgehalten hätten, erneut in schwerer Weise zu delinquieren, womit auch die Ge-
fahr einer erneuten Straffälligkeit erheblich erscheine, wobei besonders in Be-
tracht zu ziehen sei, dass die Schwere der vom Beschuldigten verübten Delikte in
den letzten Jahren zugenommen und nun mit dem Raub eine neue Stufe erreicht
habe. Insgesamt bestehe ein grosses öffentliches Interesse an einer Landesver-
weisung (Urk. 59 S. 58).
Im Ergebnis sei das öffentliche Interesse an Sicherheit und Ordnung klar höher zu
gewichten als die Verbundenheit des Beschuldigten mit der Schweiz. Als verhält-
nismässig würde sich eine Dauer der Landesverweisung von 5 Jahren erweisen.
Der Beschuldigte sei somit für 5 Jahre des Landes zu verweisen (Urk. 59 S. 59).
2. Würdigung
2.1. Nach Art. 66a Abs. 1 StGB verweist das Gericht Ausländer, die wegen ei-
ner der im betreffenden Artikel aufgeführten strafbaren Handlungen verurteilt wer-
den, unabhängig von der Höhe der Strafe für 5 bis 15 Jahre aus der Schweiz. Der
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Beschuldigte ist irakischer Staatsangehöriger. Sodann machte er sich einer Kata-
logtat im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB schuldig. Die Voraussetzungen von
Art. 66a StGB sind damit grundsätzlich gegeben.
2.2. Die Landesverweisung ist eine strafrechtliche sichernde Massnahme mit
migrationsrechtlicher Wirkung, die neben der eigentlichen Strafe ausgefällt wird.
Strafen und Massnahmen sind für einen Beschuldigten einschneidend und hart.
Eine zu vollziehende Freiheitsstrafe hat unter anderem zur Folge, dass der Verur-
teilte seinen Beruf nicht weiter ausüben kann, dass er von seiner Familie, Leben-
spartner und Kindern getrennt wird. Nämliches gilt für die Landesverweisung.
Auch diese ist per se hart und einschneidend und kann ebenfalls Auswirkungen
auf Beruf und Familie haben. Diese Folgen sind der Strafe oder der Massnahme
immanent und damit vom Gesetzgeber gewollt. Vor dem Hintergrund, dass diese
Massnahme einzig daran anknüpft, dass der Täter nicht Schweizer Bürger ist,
wurde bei der Landesverweisung eine Härtefallklausel eingeführt. Der Gesetz-
geber hat erkannt, dass bei dieser Gesetzeslage Ergebnisse resultieren können,
die gänzlich unverhältnismässig sind. Dabei hatte er namentlich Verurteilte im
Blick, die in der Schweiz geboren und aufgewachsen sind oder sich seit Jahr-
zehnten im Lande aufhalten, kaum noch Beziehungen zu ihrer Heimat haben und
sich dort nicht mehr zurechtfinden würden. Ein ausnahmsweises Absehen von ei-
ner Landesverweisung ist – mit Ausnahme von Art. 66a Abs. 3 StGB (entschuld-
bare Notwehr oder entschuldbarer Notstand) – aber nur dann zulässig, wenn ku-
mulativ zwei Voraussetzungen vorliegen: Ein schwerer persönlicher Härtefall und
kein überwiegendes öffentliches Interesse an der Landesverweisung (Art. 66a
Abs. 2 StGB; Urteil des Bundesgerichts 6B_2/2019 vom 27. September 2019
E.7.1).
Im Rahmen der Prüfung eines schweren persönlichen Härtefalls gemäss Art. 66a
Abs. 2 StGB hat das Gericht die öffentlichen und privaten Interessen gegenein-
ander abzuwägen. Die Beurteilung kann kriteriengeleitet nach der Bestimmung
über den «schwerwiegenden persönlichen Härtefall» in Art. 31 Abs. 1 der Verord-
nung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007
(VZAE; SR 142.201) erfolgen, wobei deren Liste nicht abschliessend gilt. Zu be-
- 32 -
rücksichtigen sind namentlich der Grad der (persönlichen und wirtschaftlichen)
Integration, einschliesslich familiäre Bindungen des Ausländers in der Schweiz
bzw. in der Heimat, Aufenthaltsdauer und Resozialisierungschancen. Ebenso ist
der Rückfallgefahr und wiederholter Delinquenz Rechnung zu tragen. Das Gericht
darf auch vor dem Inkrafttreten von Art. 66a StGB begangene Straftaten berück-
sichtigen. Die Härtefallklausel ist restriktiv anzuwenden (Urteile des Bundes-
gerichts 6B_736/2019 vom 3. April 2020 E. 1.1.2 sowie 6B_1314/2019 vom
9. März 2020 E. 2.3.2).
Im Rahmen der Härtefallbeurteilung ist schliesslich auch die Vereinbarkeit mit den
Grund- und Menschenrechten und dabei insbesondere mit Art. 8 EMRK zu beach-
ten. Die EMRK verschafft zwar keinen Anspruch auf Einreise und Aufenthalt oder
auf einen besonderen Aufenthaltstitel. Sie hindert die Konventionsstaaten nicht
daran, die Anwesenheit auf ihrem Staatsgebiet zu regeln und den Aufenthalt aus-
ländischer Personen unter Beachtung überwiegender Interessen des Familien-
und Privatlebens gegebenenfalls auch wieder zu beenden. Das entsprechende, in
Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV geschützte Recht ist indes berührt, wenn eine staat-
liche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme eine nahe, echte und tatsächlich
gelebte familiäre Beziehung einer in der Schweiz gefestigt anwesenheitsbe-
rechtigten Person beeinträchtigt, ohne dass es dieser ohne weiteres möglich
bzw. zumutbar wäre, ihr Familienleben andernorts zu pflegen. Der Anspruch gilt
im Übrigen nicht absolut: Liegt eine aufenthaltsbeendende oder -verweigernde
Massnahme im Schutz- und Anwendungsbereich von Art. 8 EMRK, erweist sich
diese als zulässig, falls sie gesetzlich vorgesehen ist, einem legitimen Zweck im
Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK entspricht und zu dessen Realisierung in einer de-
mokratischen Gesellschaft «notwendig» erscheint. Zum geschützten Familien-
kreis gehört in erster Linie die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten
mit ihren minderjährigen Kindern. In den Schutzbereich von Art. 8 EMRK fallen
aber auch andere familiäre Verhältnisse, sofern eine genügend nahe, echte und
tatsächlich gelebte Beziehung besteht. Hinweise für solche Beziehungen sind das
Zusammenleben in einem gemeinsamen Haushalt, eine finanzielle Abhängigkeit,
speziell enge familiäre Bande, regelmässige Kontakte oder die Übernahme von
Verantwortung für eine andere Person (Urteil des Bundesgerichts 6B_659/2018
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vom 20. September 2018 unter Verweis auf BGE 144 II 1 E. 6.1 S. 12 und
BGE 142 II 35 E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_612/2018 vom 22. August
2018 E. 2.2).
2.3. Es ist nicht am Staat, einen stringenten Negativbeweis für das Nichtvor-
liegen eines den Beschuldigten begünstigenden Umstands zu erbringen (hier des
Nichtvorliegens eines Härtefalls). Der Staat ist mit anderen Worten nicht dafür
beweisführungspflichtig, dass der Beschuldigte im Heimatland nicht einer Gefahr
für Leib und Leben ausgesetzt ist. Solche entlastenden Umstände sind vielmehr
(erst dann) abzuklären, wenn diesbezüglich konkrete Zweifel bestehen
(vgl. WOHLERS, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, a.a.O., Art. 10 N 7) oder wenn die
beschuldigte Person solche Umstände glaubhaft behauptet (vgl. SCHMID/
JOSITSCH, Praxiskommentar StPO, Art. 10 N 2a; BSK StPO I-TOPHINKE, Art. 10
N 21). Die beschuldigte Person trifft hier regelmässig eine Substantiierungslast.
Die Strafbehörden müssen nicht jede aus der Luft gegriffene Schutzbehauptung
durch hieb- und stichfesten Beweis widerlegen (BSK StPO I-TOPHINKE, Art. 10
N 21). Es ist vielmehr am Beschuldigten, diejenigen Härtegründe geltend
zu machen und im Rahmen des Zumutbaren bei der Beweisführung mitzuwirken,
aus denen er Rechte ableiten will, nämlich das Vorliegen eines Härtefalles im
Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB. Auch das schlichte Benennen eines dieser
Gründe führt nicht zur alleinigen Beweisführungspflicht der Strafbehörden. Das
Bundesgericht hat in seiner Rechtsprechung denn auch (im Zusammenhang mit
Rechtfertigungsgründen) betont, dass der Untersuchungsgrundsatz den Be-
schuldigten nicht davon entbinde, die behaupteten Menschenrechtsverletzungen
«vertretbar vorzubringen» (Urteil 6B_880/2017 vom 4. Juli 2018 E. 3.5.4).
2.4. Aus den Akten und den Befragungen des Beschuldigten bei der Staatsan-
waltschaft sowie den Akten von früheren Verfahren ergibt sich Folgendes zu den
persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten:
Der Beschuldigte verbrachte seine ersten Lebensjahre als viertes von fünf Ge-
schwistern in P._ [Ort] im Irak (Kurdistan). Schulen besuchte er dort keine;
tagsüber hielt er sich offenbar zum Spielen im Geschäft seines Onkels auf. Als er
fünfjährig war, zog sein Vater in die Schweiz. Ein paar Jahre später, 2009, zog die
- 34 -
Mutter mit den Kindern nach, obgleich es ihnen zuvor im Irak eigentlich gut ge-
gangen sei. Der Beschuldigte war bei der Einreise 11-jährig. Im Aufnahmeheim,
wo sie die ersten Monate verbracht haben, besuchte der Beschuldigte Deutschun-
terricht. Besser Deutsch gelernt hat er dann im Schulhaus Q._, nachdem die
Familie nach R._ [Ort] umgezogen war. Nach der 2. und 3. Sekundarklasse
absolvierte der Beschuldigte das 10. Schuljahr, in dessen Rahmen er ein Coiffeur-
Praktikum machte, wo er jedoch nur ein Monat lang blieb (SB160147-O: Urk. 93
S. 16 f. i.V.m. Urk. 19/4 S. 16 f.). Anschliessend sowie bis zur ersten Untersu-
chungshaft (Ende 2013) arbeitete er in einem Umzugstransportunternehmen auf
Abruf.
Schon bald nach seiner Ankunft in der Schweiz kam der Beschuldigte in einen
schlechten Kollegenkreis und mit Kriminalität in Kontakt, begann zu kiffen und war
wiederholt in Schlägereien verwickelt (SB160147-O: Urk. 93 S. 37 i.V.m. Urk. 68
S. 19). Mitte 2014 wurde er psychiatrisch begutachtet, wobei zu seiner Persön-
lichkeit ausgeführt wurde, dass es sich um einen desintegrierten und entwurzelten
jungen Mann handle, welcher sich seit längerem an einen grenz- und normver-
letzenden Lebensstil gewöhnt habe und gesellschaftlich dissozial verankert
sei (SB160147-O: Urk. 93 S. 24 i.V.m. Urk. 19/4 S. 65 f.). Konstatiert wurde eine
Störung des Sozialverhaltens, eine dissoziale Persönlichkeitsstörung und eine
erzieherische Fehlentwicklung (SB160147-O: Urk. 93 S. 36 i.V.m. Urk. 19/4 S. 66
f.).
Nach mehreren vorsorglichen Unterbringungen (Durchgangsstation Winterthur,
Aufnahmeheim Basel), von wo er mehrmals entwich und es wiederholt
zu vorübergehenden Gefängniseinweisungen kam, wurde der Beschuldigte in die
geschlossene Abteilung des Massnahmezentrums Uitikon (MZU) eingewiesen.
Mit Urteil der II. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich vom
2. September 2016 wurde eine Unterbringung nach Art. 15 Abs. 1 und 2 JStG
sowie eine ambulante Behandlung nach Art. 14 Abs. 1 JStG für den Beschuldig-
ten angeordnet (SB160147-O: Urk. 93 S. 42). Bereits im Sommer 2017 wurde
diese aufgehoben, nachdem sie als gescheitert betrachtet und mit einer persön-
lichen Betreuung ersetzt worden war (SB160147-O: Urk. 97). Zuvor war es (am
8. April 2017) zu einer erheblichen Sachbeschädigung (Sachschaden: rund
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Fr. 7'000.–) in der Disziplinarzelle des MZU gekommen, für die der Beschuldigte
mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 27. Juni 2017 zu einer
bedingten Geldstrafe von 45 Tagessätzen, unter Ansetzung einer Probezeit von
2 Jahren, bestraft wurde (Unt.Nr. 2017/10012848: Urk. 7 [eröffnet am 12. Juli
2017]).
Dies vermochte den Beschuldigten nicht davon abzuhalten, bereits am
14. November 2017 erneut zu delinquieren, indem er in ein Mehrfamilienhaus ein-
schlich, dort ein deponiertes Postpaket entwendete und dessen Inhalt (ein Zelt
und zwei Kletterseile) später auf einer Internetplattform zu verkaufen suchte. Da-
für wurde er wegen Diebstahls mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Limmattal/Albis vom 27. März 2018, unter Einbezug der soeben erwähnten Strafe,
deren Aufschub widerrufen wurde, mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu
Fr. 30.– verurteilt (Unt.Nr. 2017/10038858: Urk. 14 [eröffnet am 6. April 2018]).
Das Asylgesuch der Eltern des Beschuldigten, ihm selber und seiner Geschwister
ist abgewiesen. Der Wegweisungsentscheid kann aber nicht vollzogen werden,
weshalb der Beschuldigte ausländerrechtlich als vorläufig aufgenommen gilt
(Ausweis F; SB160147-O: Urk. 92 S. 18).
Der Beschuldigte ist ledig und kinderlos (SB160147-O: Urk. 92 S. 12).
2.5. Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten begründen keinen
schweren persönlichen Härtefall. Es kann grundsätzlich auf die vorstehend re-
sümierten, zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 59
S. 57 f.). Der 22-jährige Beschuldigte ist nicht in der Schweiz geboren und hat
nicht seine ganze Kindheit hier verbracht. Etwa die Hälfte seines jungen Erwach-
senenalters verbrachte er in seinem Heimatland Irak. Wohl leben seine Geschwis-
ter und Eltern aktuell in der Schweiz (Urk. 50 S. 8), doch ist angesichts deren un-
gesicherten Aufenthaltsstatus nur schon unsicher, ob das so bleiben kann. Dem
ledigen und kinderlosen und soweit bekannt körperlich gesunden jungen Mann ist
aber unabhängig davon zuzutrauen, dass er auch ohne ständigen Kontakt zur
Herkunftsfamilie eine neue Existenz im Ausland aufbaut. Neben den Kontakten
zur Familie ist nichts Konkretes bekannt über engere soziale Bindungen in der
Schweiz. Angesichts von Anstellungen bei einem Umzugstransportunternehmen
- 36 -
(auf Abruf) und der behaupteten Vollzeitstelle als Pizzakurier (Urk. 50 S. 9) kann
nicht die Rede davon sein, dass der Beschuldigte beruflich Fuss fassen konnte.
Das Ausmass der persönlichen Beziehung bzw. die Bindung des Beschuldigten
zur Schweiz ist jedenfalls nicht besonders stark ausgeprägt. Von einer gelunge-
nen Integration kann auch angesichts des strafrechtlichen Leumunds keine Rede
sein.
Schliesslich erscheint eine Rückkehr des Beschwerdegegners in sein Heimatland
Irak als zumutbar. Es ist anzunehmen, dass noch Verwandte (wenigstens entfern-
te) dort leben, sodass an Kontakte angeknüpft werden kann. Dass es – wie auch
durch die Verteidigung vor Berufungsgericht geltend gemacht (Urk.70 S. 10) – zu
Morddrohungen seitens der Familie des Vaters kam (vgl. Urk. 50 S. 9 sowie
Urk. 16 Ziff. 69), kann zwar sein. Doch inwiefern deswegen aktuell und auf die
ganze Gegend bezogen von einer Gefahr für den Beschuldigten auszugehen ist,
blieb weitgehend unklar und zu unbestimmt, als dass dies etwas am Ergebnis än-
dern könnte. Gewiss dürfte – wie von der Verteidigung zu Recht geltend gemacht
(Urk. 70 S. 9 f.) – das Leben im Herkunftsland härter und gefährlicher sein als in
der Schweiz. Dass die Wirtschaftslage schwieriger sein könnte (dazu die Vertei-
digung in Urk. 50 S. 9), vermag aber praxisgemäss eine Ausweisung nicht (Urteile
des Bundesgerichts 2C_702/2019 vom 19. Dezember 2019 E. 3.5.3 und
2C_253/2015 vom 9. September 2015 E. 3.3.3) und die strafrechtliche Landes-
verweisung umso weniger zu hindern. Der Beschuldigte beherrscht immerhin
Kurdisch (das er selber als seine Muttersprache bezeichnete [Urk. 16 Ziff. 66 f.])
und hatte bis zum Alter von 11 Jahren seinen eigenen früheren Angaben zufolge
kein schlechtes Leben im Irak (SB160147-O: Urk. 93 S. 16 i.V.m. Urk. 19/4 S. 16
f.).
Es wird ihm daher möglich sein, sich dort zu integrieren. Die Aufrechterhaltung
des persönlichen Kontakts zu seinen Geschwistern und seiner Mutter wird aus
dem Irak heraus schwerer fallen, wird jedoch tatsächlich auch telefonisch, über
Skype oder ähnliche Applikationen möglich sein (Urteil 2C_449/2019 vom
12. September 2019 E. 4.3.3; vgl. Urk. 50 S.9). Dass die Schwierigkeiten im Her-
kunftsland grösser sind als in der Schweiz, liegt nahe. Dass aber ein Verlassen
der Schweiz bei objektiver Betrachtung zu einem nicht hinnehmbaren Eingriff in
- 37 -
die Daseinsbedingungen des Beschuldigten führen würde, ist nicht ersichtlich.
Zum selben Ergebnis kamen übrigens auch die Migrationsbehörden, die sein
Asylgesuch ablehnten.
2.6. Gemäss Art. 66d Abs. 1 StGB kann die zuständige kantonale Behörde
(hier das Migrationsamt des Kantons Zürich) den Vollzug der obligatorischen
Landesverweisung aufschieben, wenn (lit. a) der Betroffene ein von der Schweiz
anerkannter Flüchtling ist und durch die Landesverweisung sein Leben oder seine
Freiheit wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer be-
stimmten sozialen Gruppe oder seiner politischen Anschauungen gefährdet wäre,
oder wenn (lit. b) andere zwingende Bestimmungen des Völkerrechts dem Vollzug
der Landesverweisung entgegenstehen. In diesem Zusammenhang ist insbe-
sondere das sogenannte Non-Refoulement-Gebot zu beachten, welches die Aus-
lieferung, Ausweisung oder Rückschiebung einer Person in ein anderes Land
verbietet, falls ernsthafte Gründe für die Annahme vorliegen, dass für die betref-
fende Person im Zielland ein ernsthaftes Risiko von Folter bzw. unmenschlicher
Behandlung oder einer anderen sehr schweren Menschenrechtsverletzung be-
steht (vgl. Art. 3 EMRK, Art. 3 Flüchtlingskonvention, Art. 3 Anti-Folterkonvention,
Art. 7 UNO-Pakt II sowie Art. 25 Abs. 2 BV).
Bei der geforderten Gesamtbetrachtung der massgeblichen Aspekte, welche
einen persönlichen Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB zu begründen
vermögen, sind die Schwierigkeiten, die der Beschuldigte im Falle seiner Rück-
führung in sein Zielland zu gewärtigen hätte, mit zu berücksichtigen (dazu bereits
oben E. IV/2.5). Dies ergibt sich einerseits aus der gemischten Rechtsnatur der
Landesverweisung, welche auch migrationsrechtliche Elemente enthält, und an-
derseits aus dem Umstand, dass eben eine umfassende Prüfung der persön-
lichen Verhältnisse zu erfolgen hat. Ist als erstellt zu betrachten, dass der Be-
schuldigte im Falle der Rückführung in sein Zielland mit hoher Wahrscheinlichkeit
Folter oder unmenschlicher Behandlung ausgesetzt wäre, so müsste man unter
Umständen auch bei sonst schwachem Bezug zur Schweiz von einem persön-
lichen Härtefall ausgehen. Dieser würde aber noch nicht zum Verzicht auf die
Anordnung einer Landesverweisung führen, sondern nur, aber immerhin, zur Ab-
- 38 -
wägung dieser privaten Interessen mit den öffentlichen. Auch eine allgemein
problematische Situation im Zielland ist unter gewissen besonderen Umständen
im Rahmen der Gesamtwürdigung der persönlichen Verhältnisse zu berücksich-
tigen, wird aber für sich allein in der Regel nicht zur Annahme eines Härtefalles
führen können. Solche nicht direkt mit der Person des Beschuldigten zusammen-
hängenden Probleme sind hauptsächlich im Rahmen des Vollzugs zu berücksich-
tigen. Das Gericht wird allein mit dieser Begründung nicht von einer Landesver-
weisung absehen, sondern die Vollzugsbehörde hat in Anwendung von Art. 66d
StGB die Möglichkeit und die Pflicht, die Landesverweisung gegebenenfalls
einstweilen auszusetzen. Zu betonen ist ferner, dass sich solche Zustände im
Zielland rasch ändern können. Gerade mit Bezug auf den Irak gibt es aber jüngste
Bundesgerichtsentscheide (Urteile 6B_841/2019 vom 15. Oktober 2019 sowie
6B_1314/ 2019 vom 9. März 2020), wo auch das Non-Refoulement-Gebot die
Landesverweisungen nicht zu verhindern vermochte.
Zusammengefasst ergibt sich auch unter dem Aspekt des Non-Refoulement-
Gebots kein schwerer persönlicher Härtefall.
2.7. Hinzu kommt noch, dass den privaten Interessen des Beschuldigten eine
nicht unerhebliche Delinquenz des Beschuldigten in kurzer Abfolge, womit er die
Sicherheit der hiesigen Öffentlichkeit schon mehrmals verletzte, gegenüber steht.
Der Beschuldigte zeigte sich durch die Sanktionen und gegen ihn laufenden Ver-
fahren wenig beeindruckt. Durch die Erfüllung des Tatbestandes von Art. 140
Ziff. 1 Abs. 1 StGB hat er als Anlasstat ein Verbrechen begangen, das hochwer-
tige Rechtsgüter betrifft. Er zeigte dabei keine Einsicht ins Unrecht seines Verhal-
tens oder Reue. Es besteht ohne Zweifel eine beträchtliche Rückfallgefahr. Das
von der Verteidigung vorgebrachte Argument, wonach der Beschuldigte eine
Freiheitsstrafe zu verbüssen haben werde, welche unter anderem der Prävention
weiterer Straftaten diene, weshalb sie als prognostisch günstig zu berücksichtigen
sei (Urk. 70 S. 9), vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern.
2.8. Nach dem Gesagten vermögen die privaten Interessen des Beschuldigten
das öffentliche Interesse an einer Landesverweisung in einer Gegenüberstellung
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klar nicht zu überwiegen. Die von der Vorinstanz angeordnete Landesverweisung
ist damit zu bestätigen.
2.9. Die Vorinstanz sprach eine Landesverweisung für die gesetzliche Mindest-
dauer von 5 Jahren aus (Urk. 59 S. 63). Die Staatsanwaltschaft beantragte ledig-
lich die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 65). Nur schon aufgrund
des Verschlechterungsverbotes (Art. 391 Abs. 2 StPO) hat es deshalb bei einer
Landesverweisung für die Dauer von 5 Jahren sein Bewenden.
3. Die Vorinstanz hat sodann die Ausschreibung der Landesverweisung im
Schengener Informationssystem (SIS) zu Recht angeordnet und zutreffend be-
gründet. Darauf kann verwiesen werden (Urk. 59 E. VI/7 S. 59 f.). Die Anordnung
ist zu bestätigen.
V. Zivilansprüche
1. Schadenersatz
Im angefochtenen Urteil wurde der Beschuldigte verpflichtet, dem Privatkläger 2
Schadenersatz von Fr. 103.90 zuzüglich 5% Zins ab dem 20. Juli 2018 zu bezah-
len (Urk. 59 S. 63). Der Beschuldigte lässt berufungsweise beantragen, es sei die
Zivilforderung des Privatklägers 2 abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg ver-
weisen (Urk. 60 S. 2).
Die allgemeinen Voraussetzungen und gesetzlichen Grundlagen für die Beur-
teilung der Schadenersatzforderung wurden durch die Vorinstanz korrekt wieder-
gegeben (Urk. 59 E. VII/1 S. 60 f.), und es wurde zutreffend festgehalten, dass
sich B._ als Privatkläger konstituiert hat (Urk. 59 E. I/2 S. 5) und ein Scha-
denersatzbegehren gestellt wurde (Urk. 59 E. VII/1.3 S. 61).
Da der vorinstanzliche Entscheid im Schuldpunkt zu bestätigen ist und die Vor-
aussetzungen für eine Haftpflicht für die entwendete iPhone-Hülle (inkl. Panzer-
glas) nach Art. 41 Abs. 1 OR gegeben sind, ist die vorinstanzliche Regelung zu
bestätigen.
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2. Genugtuung
Gefolgt werden kann der Vorinstanz auch bezüglich ihres schlüssig begründeten
Entscheids, den beiden Privatklägern mit Blick auf die widerrechtlich erfolgte Ver-
letzung ihrer Persönlichkeit, und zwar in etwa gleich starker Intensität, je eine Ge-
nugtuung von Fr. 500.– zuzüglich Zins zu 5% ab dem 20. Juli 2018 zuzusprechen
(vgl. Urk. 59 E. VII/2 S. 61). Zwar kam nicht beiden Privatklägern etwas abhan-
den. Doch dies steht nicht im Vordergrund, sondern vielmehr, dass sie durch den
Überfall einer erheblichen psychischen Belastung ausgesetzt wurden, welche
noch immer nachhallen und namentlich ihr Sicherheitsgefühl beeinträchtigt haben
dürfte (vgl. Prot. I S. 12). Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich. Der Betrag
von je Fr. 500.– ist mit der Vorinstanz angemessen und entspricht in seiner Höhe
Summen, wie sie von den Gerichten in vergleichbaren Fällen festgesetzt worden
sind.
Der Beschuldigte ist deshalb zu verpflichten, den Privatklägern je eine Genugtu-
ung in der Höhe von je Fr. 500.– zuzüglich Zins zu 5% ab dem 20. Juli 2018 zu
bezahlen.
V. Kosten und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliche Kostenfolgen
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kostenfestsetzung
und -auflage gemäss den Dispositivziffern 11 und 12 zu bestätigen (Art. 426
Abs. 1 StPO).
2. Kosten des Berufungsverfahrens
Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– festzusetzen.
Die Kostenauflage erfolgt im Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen (Art. 428
Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt mehrheitlich, obsiegt aber bei der recht-
lichen Würdigung insofern, als nicht von der Erfüllung des qualifizierten Raub-
tatbestands ausgegangen wird, und bei der Strafe (Höhe und Vollzug). Es recht-
fertigt sich somit, die zweitinstanzlichen Kosten – mit Ausnahme der Entschä-
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digung der amtlichen Verteidigung – zu 3/4 dem Beschuldigten aufzuerlegen und
zu 1/4 auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung
sind angesichts der schlechten finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten einst-
weilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Sie können vom Beschuldigten in einem
späteren Zeitpunkt im Umfang von 3/4 eingefordert werden, falls sich seine wirt-
schaftliche Situation entsprechend verbessern sollte.
3. Entschädigung der amtlichen Verteidigung
Die amtliche Verteidigung machte für das Berufungsverfahren einen Aufwand von
Fr. 3'817.– geltend (Urk. 69). Anlässlich der Verhandlung präzisierte sie, dass mit
dem Posten "Berufungsverhandlung Vorbereitung OGZ" vom 4. Juni 2020 die
Teilnahme an der Berufungsverhandlung und nicht deren Vorbereitung gemeint
sei (Prot. II S. 4). Der von der amtlichen Verteidigung bezifferte Aufwand ist aus-
gewiesen und erscheint angemessen. Unter Berücksichtigung der tatsächlichen
Dauer der Berufungsverhandlung von lediglich fünf Minuten (und nicht wie von
der Verteidigung vorgängig geschätzt vier Stunden, vgl. Prot. II S. 3 f.) ist die amt-
liche Verteidigung daher mit Fr. 3'000.– aus der Gerichtskasse zu entschädigen.