Decision ID: 370c7807-39df-5aea-9ff3-ffc10433e034
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende Beschwerdeführer
(geb. [...]) reiste im Jahr 1991 erstmals in die Schweiz ein und ersuchte in
der Folge zweimal erfolglos um Asyl. Im Rahmen seines dritten Asylge-
suchs wurde er am 27. Oktober 2005 zufolge Unmöglichkeit des Wegwei-
sungsvollzugs vorläufig aufgenommen. Am 21. August 2009 erhielt er in-
folge Härtefallregelung eine Aufenthaltsbewilligung.
B.
Am 11. September 2009 ersuchte der Beschwerdeführer die Vorinstanz um
Abgabe eines Passes für eine ausländische Person. Dem Gesuch legte er
eine Bestätigung der mazedonischen Botschaft bei, wonach er keine ma-
zedonische Staatsbürgerschaft besässe (Akten der Vorinstanz [SEM
act.] 4). Die Vorinstanz stellte ihm im Sinne einer Ausnahme am 6. Okto-
ber 2009 ein Ersatzreisedokument für die Dauer von zwölf Monaten aus,
damit er in Mazedonien (neue Landesbezeichnung seit 12. Februar 2019
und nachfolgend Nordmazedonien) vor Ort die notwendigen Schritte für die
Erlangung dieser Staatsangehörigkeit einleiten könne (SEM act. 6).
C.
Am 30. September 2010 reichte der Beschwerdeführer ein neues Gesuch
um Ausstellung eines Passes wegen Schriftenlosigkeit ein (SEM act. 7).
Mit Verfügung vom 11. November 2010 verweigerte die Vorinstanz die Aus-
stellung des beantragten Reisedokuments und begründete den Entscheid
unter anderem damit, dass er nicht von der Möglichkeit Gebrauch gemacht
habe, sich innerhalb des vorangegangenen Jahres in Nordmazedonien
einbürgern zu lassen (SEM act. 10).
D.
Zwei weitere Gesuche um Ausstellung eines Reisepasses wies die Vor-
instanz mit Verfügungen vom 22. Juli 2011 und 6. November 2015 ab (SEM
act. 14 und act. 23). Letzterer Entscheid wurde vom Bundesverwaltungs-
gericht mit Urteil F-8038/2015 vom 31. Mai 2017 bestätigt. Ein neues Ge-
such vom 12. Dezember 2017 wurde von der Vorinstanz abgeschrieben,
da der Beschwerdeführer nicht fristgemäss um Erlass einer beschwerde-
fähigen Verfügung ersucht hatte (SEM act. 34).
E.
Am 22. Januar 2019 beantragte der Beschwerdeführer beim Migrationsamt
des Kantons St. Gallen erneut die Ausstellung eines Reisepasses für eine
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ausländische Person (SEM act. 36). Zur Stützung seiner behaupteten
Schriftenlosigkeit reichte er eine Bestätigung der Botschaft der Republik
Nordmazedonien vom 30. November 2018 ein, gemäss welcher ein Antrag
um Ausstellung eines Reisedokuments direkt in Skopje einzureichen sei.
Das Gesuch wurde der Vorinstanz überwiesen.
F.
Nach Prüfung der Unterlagen teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer
am 19. Februar 2019 mit, die Voraussetzungen für die Ausstellung des be-
antragten Reisedokuments seien nicht erfüllt. Er habe die Möglichkeit, in-
nert Frist eine beschwerdefähige Verfügung zu verlangen (SEM act. 38).
Nach zweimaliger Fristverlängerung reichte er am 28. Juni 2019 ein neues
Schreiben der Botschaft der Republik Nordmazedonien vom 14. Mai 2019
ein, wonach er die Staatsbürgerschaft nicht besässe und somit keinen Rei-
sepass beantragen könne (SEM act. 45). Am 17. September 2019 setzte
die Vorinstanz ihn über ihre Absicht in Kenntnis, das Gesuch abzulehnen
und gewährte ihm letztmals eine Frist zur Beantragung einer beschwerde-
fähigen Verfügung. Am 16. Oktober 2019 ersuchte er um deren Erlass
(SEM act. 49).
G.
Mit Verfügung vom 23. Januar 2020 wies die Vorinstanz das Gesuch um
Ausstellung eines Passes für ausländische Personen ab (SEM act. 52).
H.
Der Beschwerdeführer beantragte mit Rechtsmitteleingabe vom 2. März
2020 beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der vorinstanzlichen
Verfügung sowie die Ausstellung eines auf sechs Monate befristeten Rei-
sepasses für ausländische Personen mit einem Rückreisevisum (Akten
des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer act.] 1).
I.
In ihrer Vernehmlassung vom 7. Mai 2020 schloss die Vorinstanz auf Ab-
weisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe
vom 15. Juni 2020.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 25. März 2021 forderte das Bundesverwal-
tungsgericht das SEM auf, seine Aktenführungspflicht wahrzunehmen,
sämtliche Aktenstücke zu paginieren sowie das Aktenverzeichnis zu aktu-
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alisieren (BVGer act. 10). Nachdem das SEM diesem Ersuchen nachge-
kommen war, stellte das Bundesverwaltungsgericht dem Beschwerdefüh-
rer mit Zwischenverfügung vom 13. April 2021 eine Kopie des aktualisier-
ten Aktenverzeichnisses zu. Gleichzeitig forderte es ihn auf, bei Bedarf er-
neut ein Gesuch um Akteneinsicht zu stellen (BVGer act. 11).
K.
Nachdem der Beschwerdeführer am 29. April 2021 beim Bundesverwal-
tungsgericht um Zustellung der vollständig paginierten Akten und des Ak-
tenverzeichnisses ersucht hatte, wurde das SEM mit Zwischenverfügung
vom 5. Mai 2021 angewiesen, diesem Ersuchen nachzukommen (BVGer
act. 12-13).
L.
In der Folge stellte das SEM dem Beschwerdeführer Kopien der zur Edition
freigegebenen Akten zu. Letzterer wandte sich mit Schreiben vom 15. Juni
2021 erneut an das Bundesverwaltungsgericht und monierte im Wesentli-
chen die nicht vollständige Zustellung der Originalakten (BVGer act. 14).
M.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen der Vorinstanz betreffend die Ausstellung von Reisedoku-
menten für ausländische Personen sind mit Beschwerde beim Bundesver-
waltungsgericht anfechtbar (vgl. Art. 31 ff. VGG; Art. 5 VwVG). Dieses ent-
scheidet in der vorliegenden Materie endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 6 BGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-
gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
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2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhalts und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-
verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62
Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann
die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen
gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage
zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer machte zunächst geltend, die Vorinstanz habe
ihm im Rahmen seiner Akteneinsicht Verfahrensakten zugestellt, welche
weder durchgehend nummeriert gewesen seien noch ein Aktenverzeichnis
enthalten hätten. Er könne deshalb nicht prüfen, ob die zugestellten Akten
vollständig seien. Er beantragte sodann die Edition der vollständigen Akten
des SEM samt Aktenverzeichnis (vgl. Beschwerde II Ziff. 3; Replik II Ziff. 3).
3.2 Mit Zwischenverfügung vom 25. März 2021 forderte das Bundesver-
waltungsgericht das SEM auf, seine Aktenführungspflicht wahrzunehmen
und sämtliche Aktenstücke zu paginieren sowie das Aktenverzeichnis zu
aktualisieren (BVGer act. 10). Das SEM kam dieser Aufforderung nach. Es
ist somit davon auszugehen, dass der verfassungsmässige Anspruch auf
geordnete und übersichtliche Aktenführung nunmehr gewahrt ist (vgl. dazu
Urteil des BGer 8C_319/2010 vom 15. Dezember 2010 E. 2.2).
3.3 Am 18. Mai 2021 stellte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer im Auf-
trag des Bundesverwaltungsgerichts Kopien der vollständig paginierten
und zur Edition frei gegebenen Akten zu. Das SEM verwies dabei auf di-
verse Aktenstücke, in welche keine Einsicht gewährt werden könne, da es
sich um interne Akten handle. Ferner stellte es fest, aus ökonomischen
Gründen werde auf eine Zustellung von unwesentlichen oder bereits be-
kannten Aktenstücken verzichtet (Beilage zu BVGer act. 14). Mittels
Schreiben vom 15. Juni 2021 machte der Beschwerdeführer im Wesentli-
chen geltend, es erstaune ihn, dass es fünf Aktenstücke gebe, in die ihm
keine Einsicht gewährt werden könne. Er ersuche das Gericht deshalb das
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SEM anzuweisen, dem Bundesverwaltungsgericht die vollständigen Origi-
nalakten zuzustellen, um prüfen zu können, ob die erwähnten Akten dem
Einsichtsrecht nicht unterstünden. Weiter monierte er, es sei nicht nach-
vollziehbar, nach welchen Kriterien die Vorinstanz zwischen wesentlichen
und unwesentlichen Aktenstücken unterscheide. In diesem Sinne ersuche
er nochmals um Anweisung an das SEM, ihm für kurze Zeit die vollständi-
gen Originalakten zuzustellen (BVGer act. 14).
3.4 Die Vorinstanz retournierte dem Bundesverwaltungsgericht die voll-
ständigen Originalakten nach Zustellung der Akten an den Beschwerdefüh-
rer. Es ist dabei dem SEM nicht vorzuwerfen, dass es die als «interne Ak-
ten» bezeichneten Aktenstücke 5/1, 18/9, 37/1, 41/1 und 47/3 nicht zu-
stellte, handelt es sich doch dabei um Akten, denen für die Behandlung des
Falles kein Beweischarakter zukommt und welche vielmehr ausschliesslich
der verwaltungsinternen Willensbildung dienen bzw. nur für den Eigenge-
brauch bestimmt sind (vgl. dazu WALDMANNN/OESCHGER, Praxiskommen-
tar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 26 N 65). Weiter ist darauf hinzuweisen, dass
den Akten des SEM keine als «unwesentlich» klassifizierten Aktenstücke
zu entnehmen sind (vgl. aktualisiertes Aktenverzeichnis sowie die dort auf-
geführte Legende der Klassifizierungsbuchstaben). Auf eine Zustellung der
Originalakten an den Beschwerdeführer konnte vor diesem Hintergrund
verzichtet werden.
4.
4.1 Einer schriftenlosen Person mit Aufenthaltsbewilligung kann die Vor-
instanz einen Pass für eine ausländische Person abgeben (vgl. Art. 59
Abs. 1 AIG [SR 142.20] i.V.m. Art. 4 Abs. 2 Bst. a der Verordnung vom
14. November 2012 über die Ausstellung von Reisedokumenten für aus-
ländische Personen [RDV; SR 143.5]). Schriftenlos ist eine ausländische
Person gemäss Art. 10 Abs. 1 RDV dann, wenn sie über kein gültiges Rei-
sedokument ihres Heimat- oder Herkunftsstaates verfügt und von ihr nicht
verlangt werden kann, dass sie sich bei den zuständigen Behörden ihres
Heimat- oder Herkunftsstaates um die Ausstellung oder Verlängerung von
Reisedokumenten bemüht (Bst. a) oder für welche die Beschaffung von
Reisedokumenten unmöglich ist (Bst. b). Die Kontaktaufnahme mit den Be-
hörden des Heimat- oder Herkunftsstaates kann namentlich von schutzbe-
dürftigen und asylsuchenden Personen nicht verlangt werden (Art. 10 Abs.
3 RDV).
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4.2 Als unmöglich im Sinne dieser Bestimmung gilt die Beschaffung eines
Reisepapiers grundsätzlich nur dann, wenn sich die ausländische Person
bei den Behörden ihres Heimatstaates um einen Reisepass bemüht, des-
sen Ausstellung aber ohne zureichende Gründe verweigert wird (zum Gan-
zen siehe BVGE 2014/23 E. 5.3–5.4). Die Ausstellung von Reise- und Iden-
titätspapieren liegt in der Kompetenz des jeweiligen Heimatstaates. Die-
sem kommt bei der Ausübung seiner Passhoheit ein erheblicher Gestal-
tungsspielraum zu, den es zu respektieren gilt (vgl. anstelle vieler Urteil
des BVGer F-6281/2016 vom 17. Mai 2018 E. 4.2 m.H.).
5.
5.1 Zur Begründung der Abweisung des Gesuchs um Ausstellung eines
Passes für eine ausländische Person führte die Vorinstanz in ihrer Verfü-
gung vom 23. Januar 2020 im Wesentlichen aus, dem Beschwerdeführer
sei es möglich und zumutbar, sich bei den entsprechenden Behörden sei-
nes Heimatstaates in der Schweiz um die Ausstellung von heimatlichen
Reisedokumenten bzw. um Einleitung eines Einbürgerungsverfahrens zu
bemühen. Seiner Geburtsurkunde zufolge sei er in Skopje, dem heutigen
Staatsgebiet der Republik Nordmazedonien, geboren. Es liege somit in der
Zuständigkeit der nordmazedonischen Behörden, ihm Wege aufzuzeigen,
wie er die Staatsbürgerschaft erlangen und einen heimatlichen Pass be-
schaffen könne. Deren – vom Beschwerdeführer – eingereichte Bestäti-
gung vom 14. Mai 2019 nenne die Voraussetzungen, damit ein Passantrag
gestellt werden könne. Er habe sich zielführend um die Beschaffung der
fehlenden Grundlagendokumente zu bemühen und seine nordmazedoni-
sche Staatsangehörigkeit bestätigen zu lassen. Falls er dazu dorthin reisen
müsse, liege es ebenfalls in der Kompetenz der heimatlichen Behörden,
ihm die hierfür nötigen Dokumente (z.B. Laissez-passer) auszustellen.
Eine Reise in sein Heimatland sei angesichts der aktuellen politischen
Lage und auch aufgrund des Umstands, dass er bereits zweimal mit einem
Pass für eine ausländische Person freiwillig dorthin gereist sei, zumutbar.
Bei allfälligen Problemen könne er mit einem Laissez-passer des Eidge-
nössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) und ei-
nem Rückreisevisum in die Schweiz zurückkehren. Allenfalls sei die
Passbeantragung mithilfe eines Rechtsvertreters vor Ort vorzunehmen.
Bislang habe er nicht belegen können, dass er alle Möglichkeiten zur Be-
schaffung der erforderlichen Dokumente ausgeschöpft hätte.
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5.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner Rechtsmitteleingabe im We-
sentlichen geltend, die Vorinstanz habe nicht berücksichtigt, dass er ge-
mäss Bestätigung der Botschaft der Republik Nordmazedonien vom
30. November 2018 (damals noch Mazedonien) den Passantrag persön-
lich beim Ministerium des Innern in Skopje einreichen müsse. Er bestreitet
zudem, dass die heimatlichen Behörden ihm die für die Reise nötigen Do-
kumente ausstellen würden. Selbst wenn sie dies tun würden, bestünde
sodann das Risiko, dass er – falls ihm die Ausstellung eines Reisepasses
verweigert würde – nicht mehr in die Schweiz zurückkehren könnte. Damit
sei erstellt, dass ihm die Beschaffung eines gültigen heimatlichen Reise-
dokuments weder zumutbar noch objektiv möglich sei. Hinzu komme, dass
er seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 31. Mai 2017 min-
destens ein halbes Dutzend Mal persönlich bei der Botschaft in Bern vor-
gesprochen habe. Er gehöre der ethnischen Minderheit der Albaner in
Nordmazedonien an, und das bisherige Verhalten der nordmazedonischen
Behörden sei als Diskriminierung dieser Minderheit zu bewerten.
Weiter führt er aus, er habe bei der Vorinstanz insgesamt sechs Gesuche
um Ausstellung eines befristeten schweizerischen Reisedokuments einge-
reicht. Diese habe sich jedoch in der Folge nicht mit der Ausstellung eines
befristeten Reisepasses befasst, sondern «einfach» die Ausstellung eines
Passes für eine ausländische Person abgelehnt. Ausserdem habe sie nicht
geprüft, ob ihm allenfalls aus humanitären Gründen ein befristeter Reise-
pass auszustellen sei, damit er beim entsprechenden Ministerium in Skopje
einen Pass beantragen könne.
5.3 In ihrer Vernehmlassung hält die Vorinstanz zum wiederholten Male
fest, es obliege den heimatlichen Behörden, für Reisen nach Nordmazedo-
nien ein Laissez-passer auszustellen. Aus den Unterlagen gehe nicht her-
vor, dass sich der Beschwerdeführer bei der heimatlichen Vertretung je-
mals um die Ausstellung eines solchen bemüht hätte oder dass die Aus-
stellung desselben verweigert worden wäre. Entgegen seinen Aussagen
habe er bei der Vorinstanz bislang nie ein Gesuch um Ausstellung eines
befristeten Schweizer Ersatzreisedokuments, sondern nur Gesuche um
Ausstellung eines Passes für eine ausländische Person eingereicht. Die
Ausstellung eines für sechs Monate befristeten Dokuments sei folglich nie
offiziell beantragt worden und überdies rechtlich auch nicht vorgesehen. Es
liege nicht in der Zuständigkeit des SEM, durch die Ausstellung von befris-
teten Ersatzreisedokumenten konsularische Angelegenheiten zu regeln
und in die völkerrechtliche Souveränität anderer Staaten einzugreifen.
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5.4 Replikweise bringt der Beschwerdeführer vor, die Vorinstanz verkenne
den Begriff des Laissez-passer, da ein solches grundsätzlich nur für eine
einmalige Einreise in ein bestimmtes Land ausgestellt würde. Ihre Ausfüh-
rungen, wonach der Betroffene bei allfälligen Problemen bei der Passbe-
schaffung wieder problemlos in die Schweiz zurückkehren könne, seien
keine Garantie für eine gesicherte Rückreise. Ebenfalls erschliesse sich
ihm nicht, weshalb er nicht bereits früher auf diese theoretische Möglichkeit
hingewiesen worden sei. Weiter wäre die Vorinstanz in der Pflicht gewe-
sen, bei ihm rückzufragen, ob er nun um Ausstellung eines befristeten oder
unbefristeten schweizerischen Einreisedokuments ersuche. Abschliessend
rügt er eine Verletzung der Informations- und Beratungspflicht nach
Art. 57 AIG. Die Vorinstanz habe entgegen dieser Bestimmung keine kor-
rekte und sachdienliche Auskunft erteilt. Ihr Verhalten erweise sich insge-
samt als unhaltbar.
6.
Der Beschwerdeführer verfügt über eine Aufenthaltsbewilligung. Da er we-
der schutzbedürftig noch asylsuchend ist, kann ihm eine Kontaktaufnahme
mit den nordmazedonischen Behörden ohne Weiteres zugemutet werden
(vgl. Art. 10 Abs. 1 Bst. a RDV i.V.m. Art. 10 Abs. 3 RDV). Zu Recht erhebt
er denn auch keine Einwände gegen eine Kontaktaufnahme mit den hei-
matlichen Behörden, hat er sich doch bereits mehrmals mit diesen in der
Schweiz in Verbindung gesetzt. Somit bleibt einzig darüber zu befinden, ob
ihm die Papierbeschaffung möglich ist (Art. 10 Abs. 1 Bst. b RDV).
7.
7.1 Aus den Akten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die Staatsbür-
gerschaft der Republik Nordmazedonien nicht besitzt und somit kein Recht
auf Ausstellung eines Reisepasses hat (Bestätigung der Botschaft vom
14. Mai 2019 [Beilage 7 von BVGer act. 1]). Er ist jedoch gemäss Geburts-
urkunde am 19. Mai 1970 in Skopje geboren (SEM act. 15/30), weshalb
der Erwerb der nordmazedonischen Staatsbürgerschaft grundsätzlich
möglich ist (vgl. dazu auch Urteil des BVGer F-8038/2015 vom 31. Mai
2017 E. 4.1 m.H. sowie Ausführungen in BERGMANN/FERID/HENRICH, Inter-
nationales Ehe- und Kindschaftsrecht, Mazedonien, Stand: 15.12.2010,
S. S. 7 und S. 12).
7.2 Es obliegt somit dem Beschwerdeführer, die nötigen Schritte zur Zuer-
kennung der nordmazedonischen Staatsangehörigkeit einzuleiten und vor-
gängig sämtliche dafür benötigten Unterlagen erhältlich zu machen. Dem
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Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts F-8038/2015 vom 31. Mai 2017
ist in dieser Hinsicht zu entnehmen, dass er gemäss seinen Aussagen ei-
nen Geburtsschein über seine in Nordmazedonien lebende Mutter erhält-
lich machen konnte, hingegen die Ausstellung eines Strafregisterauszugs
von einer persönlichen Vorsprache im Heimatland abhängig gemacht
wurde (E. 4.2 ebenda). Das Gericht stellte sich damals auf den Standpunkt,
es sei nicht belegt worden, dass er die erforderlichen Unterlagen nur vor
Ort beantragen könne. Weiter seien keine Bemühungen dargelegt worden,
über einen bevollmächtigen Anwalt an das erforderliche Dokument zu ge-
langen. Schliesslich habe er nicht aufgezeigt, wieso es ihm während seines
Aufenthaltes in Nordmazedonien nicht gelungen sei, ein formelles Einbür-
gerungsgesuch bei der zuständigen Behörde einzureichen. Das Gericht
schätzte dementsprechend seine Aussichten auf Wiedereinbürgerung zu
diesem Zeitpunkt als intakt ein (F-8038/2015 E. 4.4 und 4.5).
7.3 Seit dem Erlass des Urteils vom 31. Mai 2017 sind den Akten folgende
Bemühungen des Beschwerdeführers in Bezug auf die Ausstellung eines
heimatlichen Reisepasses bzw. um Erlangung der nordmazedonischen
Staatsangehörigkeit zu entnehmen:
Am 28. Juli 2017 wandte er sich an das kantonale Migrationsamt und er-
klärte im Wesentlichen, er habe sich intensiv darum bemüht, einen heimat-
lichen Reisepass zu erhalten. Gemäss Auskunft eines von seiner Mutter
kontaktierten Anwalts in Nordmazedonien habe er aber aufgrund der aktu-
ellen politischen Lage keine Chance, die entsprechenden Papiere zu er-
langen, solange er sich nicht selber in Nordmazedonien darum bemühe
(SEM act. 27).
Mit Schreiben vom 13. April 2018 führte er gegenüber dem SEM unter an-
derem aus, er habe mit einem Anwalt vor Ort Kontakt aufgenommen. Die-
ser habe ihm ebenfalls mitgeteilt, dass eine persönliche Vorsprache unab-
dingbar sei, und auch seine im Heimatland lebende Mutter habe alle mög-
lichen Schritte unternommen (vgl. SEM act. 31).
In der Eingabe vom 23. Juli 2018 kündigte er gegenüber der Vorinstanz an,
dass er sich erneut um die (Wieder-)Einbürgerung oder allenfalls um die
Ausstellung eines Laissez-passer bei der Botschaft bemühen werde (SEM
act. 33).
Gemäss seiner schriftlichen Mitteilung vom 17. Dezember 2018 habe er
wiederum bei der Botschaft der Republik Nordmazedonien in Begleitung
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eines Zeugen vorgesprochen und um Ausstellung eines Reisepasses er-
sucht; man habe ihm erklärt, dass er persönlich beim Innenministerium der
Republik Nordmazedonien in Skopje ein Gesuch einreichen müsse. Bestä-
tigt wurde dies durch ein Schreiben der nordmazedonischen Botschaft vom
30. November 2018 (SEM act. 35).
Am 2. Mai 2019 wandte er sich wiederum an das SEM und führte aus, er
sei intensiv darum bemüht, die entsprechenden Papiere zu erhalten, um
direkt in Nordmazedonien ein Gesuch um Erteilung der Staatsbürgerschaft
einzureichen und einen Reisepass zu beantragen. Überdies habe er Kon-
takt mit einem Rechtsanwalt in Skopje aufgenommen. Die entsprechenden
Abklärungen würden offenbar länger dauern als angenommen (SEM act.
43).
In seiner Eingabe an die Vorinstanz vom 28. Juni 2019 verwies er auf seine
wiederholten Bemühungen. Die Botschaft habe sich geweigert, ihm ein
Laissez-passer auszustellen, da er nicht nordmazedonischer Staatsbürger
sei. Gleichzeitig wurde – nebst dem bereits eingereichten Dokument vom
30. November 2018 – eine Bestätigung der Botschaft vom 14. Mai 2019
zu den Akten gereicht, der zu entnehmen ist, dass er nicht Bürger von
Nordmazedonien sei und kein Recht auf die Ausstellung eines Passes
habe (SEM act. 45).
In seiner Beschwerdeeingabe vom 2. März 2020 führte er unter anderem
aus, er habe seit dem Urteil des BVGer vom 31. Mai 2019 (recte: 31. Mai
2017) mindestens ein halbes Dutzend Mal persönlich bei der Botschaft in
Bern vorgesprochen (Beschwerde III Ziff. 15).
8.
Vorliegend wird nicht in Abrede gestellt, dass sich die Situation des Be-
schwerdeführers als schwierig darstellt. Allerdings wurden – wie nachfol-
gend aufgezeigt wird – insgesamt keine hinreichenden Bestrebungen auf-
gezeigt, welche die strengen Anforderungen an die Ernsthaftigkeit der Be-
mühungen zur Beschaffung von Reisepapieren zu erfüllen vermöchten.
8.1 Es versteht sich von selbst, dass das Ersuchen um die Ausstellung von
Reisepapieren bei der nordmazedonischen Botschaft nicht zielführend ist,
solange der Beschwerdeführer nicht die Staatsbürgerschaft besitzt. Eine
offensichtliche Weigerung der nordmazedonischen Behörden, dem Be-
schwerdeführer Reisepapiere auszustellen oder gar der Hinweis auf diskri-
minierendes Verhalten ist jedoch nicht auszumachen.
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Seite 12
In Bezug auf die Bemühungen betreffend die Erlangung der nordmazedo-
nischen Staatsbürgerschaft blieben die Ausführungen des Beschwerdefüh-
rers insgesamt vage und pauschal. Es ist insbesondere nicht substantiiert
dargelegt worden, ob die Kontaktaufnahme mit dem Anwalt in Skopje zu
weiteren Erkenntnissen geführt hat und welche konkreten intensiven Be-
mühungen er oder seine Mutter unternommen haben, um die benötigten
Papiere erhältlich zu machen. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten,
dass auch die Aussage, die nordmazedonische Botschaft habe sich gewei-
gert, ihm ein Laissez-passer auszustellen, nicht hinreichend belegt ist.
Sollte für weitere Identifikationsabklärungen bzw. für die Durchführung des
Einbürgerungsverfahrens eine Reise ins Heimatland erforderlich sein,
hätte er sich zu diesem Zweck – wie bereits das SEM ausführte – bei der
nordmazedonischen Botschaft in Bern um Ausstellung eines Laissez-pas-
ser zu bemühen. Sofern er befürchtet, nach allfälligen Problemen bei der
Passbeschaffung würde ihm eine Rückreise in die Schweiz verunmöglicht,
so kann darauf hingewiesen werden, dass weder die gesamte Aktenlage
noch die die aktuelle politische Lage in Nordmazedonien auf eine Gefähr-
dung seiner Rückreise hinweisen. Nordmazedonien gilt als verfolgungssi-
cheren Staat («Safe Country» [vgl. dazu bspw. Urteil des BVGer E.
7115/2018 vom 29. Juli 2020 E. 6.2]).
8.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass zum heutigen Zeitpunkt keine
Umstände vorliegen, aufgrund derer der Beschwerdeführer als schriftenlos
im Sinne von Art. 10 Abs. 1 RDV anzusehen wäre. Somit fehlt es an einer
unabdingbaren Voraussetzung für die Ausstellung des beantragten Reise-
dokuments für eine ausländische Person. Unbehelflich ist dabei der Ein-
wand des Beschwerdeführers, er habe bei der Vorinstanz lediglich um Aus-
stellung eines befristeten Ersatzreisedokuments ersucht. Unabhängig von
der Gültigkeitsdauer (vgl. dazu Art. 13 Abs. 1 Bst. b RDV; Art. 13 Abs. 3
RDV) ist die Schriftenlosigkeit der ausländischen Person zwingende Vor-
aussetzung für die Ausstellung eines Reisepasses gemäss Art. 4 Abs. 2
Bst. a RDV. Zu Recht macht das SEM in seiner Vernehmlassung dazu gel-
tend, es liege nicht in seiner Zuständigkeit, durch die Ausstellung von be-
fristeten Ersatzreisedokumenten konsularische Angelegenheiten zu re-
geln. Schliesslich kann auch kein Verstoss gegen Art. 57 AIG ausgemacht
werden (vgl. Replik Ziff. III 14). Dieser Artikel betrifft die Informations- und
Beratungspflicht von Bund, Kantone und Gemeinden gegenüber Auslän-
derinnen und Ausländern im Hinblick auf die Lebens- und Arbeitsbedingun-
gen in der Schweiz, nicht aber im Hinblick auf die Erhältlichmachung von
heimatlichen Reisepapieren. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass aus
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dieser Bestimmung ohnehin keine umfassende Informationspflicht der Be-
hörden abgeleitet werden kann (vgl. Urteil des BVGer 2C_339/2019 vom
14. November 2019 E. 5.1 m.H.). Aufgrund dieser erübrigt es sich, auf die
weiteren Vorbringen des Beschwerdeführers einzugehen.
9.
Die Vorinstanz hat demzufolge dem Beschwerdeführer zu Recht die Aus-
stellung eines schweizerischen Ersatzreisepapiers verweigert. Die ange-
fochtene Verfügung erweist sich somit im Lichte von Art. 49 VwVG als
rechtmässig und verhältnismässig. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen und auf Fr. 1'000.– festzusetzen (vgl. Art. 63
Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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