Decision ID: 722f1bed-8a3e-40a9-a15d-0b0ee21d26fd
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 25. März 2009 wegen Wirbelsäulenbeschwerden
(Fibromyalgie, Bandscheibenoperation, angeborene Problematik) bei der
schweizerischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 1).
A.b Dr. med. B._, Wirbelsäulenzentrum C._, berichtete der IV-Stelle auf deren
Ersuchen am 15. Juli 2009, als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit lägen
eine Osteochondrose L4/5, L5/S1 mit Lumboischialgie sowie eine Fibromyalgie vor. Am
22. Januar 2009 sei eine ventrale interkorporelle Spondylodese L4/5, L5/S1 sowie eine
dorsale Stabilisation L4/5, L5/S1 (IV-act. 16-9) durchgeführt worden. Die
Arbeitsunfähigkeit in kaufmännischer Tätigkeit habe bis 20. Januar 2009 70 %, vom
21. Januar bis 20. April 2009 100 %, vom 21. April bis 15. Juni 2009 85 % und vom
16. Juni bis 31. Juli 2009 80 % betragen. Ab 1. September 2009 prognostizierte er die
bisherige Tätigkeit während 5 x 3 Std./Woche zumutbar. Dabei bestehe eine
verminderte Leistungsfähigkeit durch eine Gewichtslimite von 5 kg und durch die
Notwendigkeit vermehrter Pausen und Arbeitsunterbrüche. Die Arbeitsfähigkeit liege
bei 30 %. In einer wechselbelastenden Tätigkeit bestehe während 3 Std./täglich eine
100 %ige Leistungsfähigkeit. Rein sitzende oder stehende sowie vorwiegend im Gehen
ausgeübte Tätigkeiten seien unzumutbar (IV-act. 16-1 ff.). Ab dem 7. September 2009
attestierte Dr. B._ eine Arbeitsfähigkeit von 3 x 3 Std./Woche bis auf weiteres (IV-
act. 19).
A.c Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 27. Juli 2009 mit, es werde ihr Beratung
und Unterstützung beim Erhalt des derzeitigen Arbeitsplatzes gewährt (IV-act. 17).
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A.d Die innegehabte Teilzeitstelle (ca. 36 %) der Versicherten als Mitarbeiterin in der
D._ AG wurde per 30. September 2009 wegen starkem Auftragsrückgang
aufgehoben (IV-act. 20-5).
A.e Dr. med. E._, Fachärztin FMH für Neurologie, untersuchte die von Dr. B._
zugewiesene Versicherte am 10. November 2009. Sie stellte fest, die angegebenen
Dysästhesien beider Hände und Missempfindungen bei stereotypen Hand- und
Armpositionen seien zusammen mit den klinischen Befunden vereinbar mit einer
intermittierenden Irritation des N. medianus im Carpalkanal beidseits. Ein
Carpaltunnelsyndrom sei elektrodiagnostisch nicht nachweisbar. Seit mehreren Jahren
klage die Versicherte über Sensibilitätsstörungen im Bereich der rechten Gesichtshälfte
sowie fluktuierende handschuh- und sockenförmige, rechts betonte
Sensibilitätsstörungen der Extremitäten. Deren Ätiologie sei nach wie vor unklar. Eine
funktionelle Überlagerung im Rahmen des Fibromyalgie-Syndroms sei möglich (IV-
act. 26-5 f.).
A.f Die Eingliederungsverantwortliche schloss den Fall am 1./2. Dezember 2009 ab, da
sich die Versicherte nicht arbeitsfähig fühlte (IV-act. 28; IV-act. 29). Die IV-Stelle
verfügte am 22. Februar 2010 den Abschluss der Arbeitsvermittlung (IV-act. 37).
A.g Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte durch das Ärztliche
Begutachtungsinstitut GmbH, Basel (ABI), am 4. Mai 2010 polydisziplinär (internistisch,
psychiatrisch, orthopädisch einschliesslich neurologischem Status) begutachtet
(Gutachten vom 28. Juni 2010). Die Gutachter diagnostizierten im Wesentlichen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom ohne
radikuläre Symptomatik (ICD-10: M54.80) und ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4). Aufgrund der
objektiven Befunde sei die Versicherte aus orthopädischer Sicht als Sekretärin wie
auch für eine andere körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit ab Mai 2010 zu 80
% arbeitsfähig mit einem ganztägigen Pensum und vermehrten Pausen. Körperlich
schwere und mittelschwere Tätigkeiten seien nicht mehr zumutbar. Aus psychiatrischer
Sicht sei die Versicherte in ihrer Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt (IV-act. 44-23 ff.).
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A.h Der regionale ärztliche Dienst (RAD) nahm am 2. Juli 2010 Stellung, auf das
Gutachten könne vollumfänglich abgestellt werden. Es sei umfassend, kohärent,
nachvollziehbar und in sich widerspruchsfrei (IV-act. 45).
A.i Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt und
anlässlich der Abklärung vor Ort gab die Versicherte an, ohne die schon im Frühjahr
2002 vorhandenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen wäre sie vollzeitlich zu 100 %
erwerbstätig gewesen (IV-act. 51-2).
A.j Im Verlaufsbericht vom 6. Dezember 2010 bezeichnete Dr. B._ den
Gesundheitszustand als stationär; es sollte eine rheumatologische Abklärung
durchgeführt werden (IV-act. 57).
A.k Mit Vorbescheid vom 14. Januar 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 65).
A.l Am 28. April 2011 erhob die Versicherte gegen den Vorbescheid Einwand (IV-
act. 73-1 ff.). Sie erklärte sich mit der Beurteilung im ABI-Gutachten nicht
einverstanden und reichte einen Bericht von Dr. med. F._, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 28. April 2011 ein, wonach aktuell ein
mittelgradig depressives Syndrom bestehe (IV-act. 73-6 f.).
A.m Gemäss Arztbericht vom 15. August 2011 diagnostizierte Dr. F._ im
Wesentlichen eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1) mit Somatisierung
und akzentuierte Persönlichkeitszüge mit Verdacht auf krankheitsbedingte
Wesensänderung (ICD-10: F62.9). Seit der ABI-Begutachtung habe sich der
Gesundheitszustand deutlich verschlechtert. Die aktuelle Symptomatik gehe nicht mehr
in der anlässlich der ABI-Begutachtung diagnostizierten somatoformen
Schmerzstörung auf. Stattdessen bestehe aktuell eine mittelgradige depressive
Episode. Die bisherige Tätigkeit als Sekretärin sei seit 28. März 2011 zu 40 %
zumutbar. Eine wechselbelastende Tätigkeit ohne grosse körperliche Anstrengung mit
ausreichenden Erholungspausen sei während 3.5 Std. täglich zumutbar (IV-act. 77).
A.n Im Verlaufsbericht vom 28. Februar 2012 schilderte Dr. F._ den
Gesundheitszustand als stationär. Der Versicherten sei die bisherige Tätigkeit nicht
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mehr zumutbar. Andere Tätigkeiten seien zumutbar; Art und Leistungsfähigkeit
müssten im Rahmen einer kompetenten Arbeits- und Belastungserprobung evaluiert
werden (IV-act. 85).
A.o Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte am 11. Juni 2012 bidisziplinär
(rheumatologisch/psychiatrisch) durch Dr. med. G._, Facharzt für Rheumatologie und
Innere Medizin, sowie durch Dr. med. H._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
begutachtet (Gutachten vom 6. September 2012, IV-act. 94). Die Gutachter stellten im
Wesentlichen folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
Lumbospondylogenes Syndrom beidseits, rechtsbetont (ICD-10: M54.4), depressive
Episode, gegenwärtig mittelgradig mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11),
Verdacht auf akzentuierte Persönlichkeitszüge mit krankheitsbedingter
Wesensänderung (ICD-10: F62.9), Differenzialdiagnose emotional instabile
Persönlichkeitsstörung, Borderline Typus (ICD-10: F60.31), sowie eine somatoforme
Schmerzstörung und Verdacht auf somatoforme autonome Funktionsstörung des
unteren Gastrointestinaltraktes (ICD-10: F45.4, F45.32; IV-act. 94-17 f.). Aus
bidisziplinärer Sicht liege die Arbeitsfähigkeit aufgrund der im psychiatrischen
Fachgebiet gestellten Diagnosen bei 50 % in körperlich leicht belastenden Tätigkeiten
im zuletzt ausgeübten beruflichen Umfeld, wobei aus psychiatrischer Sicht alle
Tätigkeiten zumutbar seien, die keine starke Anforderung an Konzentration und
Ausdauer forderten (IV-act. 94-21). Dies gelte ab Juni 2012 (IV-act. 94-24).
A.p Der RAD befand am 30. Oktober 2012, auf das Gutachten könne vollumfänglich
abgestellt werden (IV-act. 96). Der Rechtsdienst der IV-Stelle nahm am 8. Januar 2013

Stellung, es liege (aus verschiedenen, in den Erwägungen näher zu erörternden
Gründen) keine invalidenversicherungsrechtlich relevante Gesundheitsbeeinträchtigung
vor (IV-act. 101).
A.q Mit Vorbescheid vom 21. Februar 2013 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 104). Mit Einwand vom 8. April
2013/7. Mai 2013 beantragte die Versicherte die Aufhebung des Vorbescheids vom
21. Februar 2013, die Zusprechung einer Teilrente und ein Arbeitstraining (IV-act. 108)
bzw. eine die psychiatrische Einschätzung verifizierende Abklärung (IV-act. 110). Die
Angelegenheit wurde nochmals dem Rechtsdienst (vgl. Stellungnahme vom 10. Juni
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2013, IV-act. 119) und dem Gutachter Dr. H._ (vgl. Stellungnahme vom 5. August
2013, IV-act. 118) vorgelegt.
A.r Mit Verfügung vom 25. November 2013 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
bei einem Invaliditätsgrad von 20 % ab. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
seien die Voraussetzungen zum Bezug einer IV-Rente trotz Vorliegens einer
medizinisch-attestierten Arbeitsunfähigkeit von 50 % nicht erfüllt (IV-act. 125).
B.
B.a Mit Beschwerde vom 13. Januar 2014 beantragt die Beschwerdeführerin, vertreten
durch Rechtsanwältin G. Grob Hügli, Procap Schweiz, die Verfügung vom
25. November 2013 sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben, es sei ihr
mit Wirkung ab 1. Juli 2011 eine Viertelsrente, ab 1. Oktober 2011 eine Dreiviertelsrente
und ab 1. Juni 2012 eine halbe Rente auszurichten. Eventualiter sei ein
Gerichtsgutachten einzuholen. Bei der diagnostizierten Depression handle es sich um
ein eigenständiges Leiden und nicht um eine Komorbidität zur (ebenfalls
diagnostizierten) Schmerzstörung. Es liege
somit kein pathogenetisch ätiologisch unklarer syndromaler Zustand vor, auf den die
Rechtsprechung der Überwindbarkeitsvermutung anzuwenden sei (act. G1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom 14. März 2014
die Abweisung der Beschwerde. Die Angaben der Beschwerdeführerin zeigten, dass
die Depression entgegen der von Dr. H._ vertretenen Meinung keine eigenständige
Krankheit darstelle. Ob die Depression ausnahmsweise als invalidisierende
Komorbidität anzusehen sei, sei eine frei überprüfbare Rechtsfrage. Von den (weiteren)
massgebenden Kriterien sei keines erfüllt; insbesondere könne das
lumbospondylogene Syndrom nicht als chronische körperliche Begleiterkrankung
gelten, da es die anhaltende Schmerzstörung aufrechterhalte. Selbst wenn die
Depression ein eigenständiges Leiden wäre, wäre sie nicht invalidisierend, da sie
behandelbar und noch nicht austherapiert sei. Die Willensanstrengung könne nicht in
einen zumutbaren und einen unzumutbaren Teil aufgeteilt werden. Eine durch einen
Arzt angenommene teilweise Zumutbarkeit müsse im Sinne der Rechtsprechung in eine
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volle Zumutbarkeit umgedeutet werden. Sodann sei das vorliegende Beschwerdebild
wesentlich durch invaliditätsfremde psychosoziale Umstände geprägt (act. G 4).
B.c In ihrer Replik vom 28. Mai 2014 hält die Beschwerdeführerin an ihrer Beschwerde
vom 13. Januar 2014 fest. Der Gutachter spreche (bezüglich der Depression) von
einem eigenständigen Leiden. Die Diagnose der somatoformen Schmerzstörung rücke
dabei in den Hintergrund, insbesondere weil der Gutachter explizit darauf hinweise,
dass es sich nicht um eine Komorbidität zur Schmerzstörung handle. Die
Rechtsprechung zu den ätiologisch-pathogenetisch unklaren syndromalen
Beschwerdebildern finde demnach keine Anwendung. Es sei Sache der Gutachter bzw.
Ärzte, sich dazu zu äussern, ob eine psychische Komorbidität gegeben sei, und den
psychischen Gesundheitszustand sowie das objektiv vorhandene Leistungspotential zu
beurteilen. Der Gutachter führe nicht aus, dass lediglich rein invaliditätsfremde
psychosoziale Umstände die psychische Gesundheit beeinträchtigten. Sie sei zwar
noch nicht austherapiert, aber seit mindestens April 2011 in psychotherapeutischer
Behandlung, von der auszugehen sei, dass sie lege artis durchgeführt werde. Die
Empfehlung beruflicher Massnahmen beziehe sich auf die Restarbeitsfähigkeit von 50
% (act. G 8).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 10).
Erwägungen
1.
1.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) haben Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]) bedrohte
Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und
geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten und zu verbessern (lit. a) und die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
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Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können,
Anspruch auf eine Rente (lit. a), wenn sie während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und ab einem
Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Invalidenrente (Art. 28 Abs. 2
IVG).
1.3 Art. 8 ATSG definiert Invalidität als voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Unter Erwerbsunfähigkeit versteht
das Gesetz den durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachten Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen).
1.5 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der
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medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
2.
Aus somatischer (rheumatologischer/orthopädischer) Sicht wird der
Beschwerdeführerin durch den Gutachter Dr. G._ (Gutachten vom 6. September
2012, IV-act. 94-21), sowie durch das ABI (Gutachten vom 28. Juni 2010) in der
angestammten und in weiteren leicht belastenden Tätigkeiten seit Juni 2010
übereinstimmend eine Arbeitsfähigkeit von 80 % attestiert. Diese Sichtweise ist
aufgrund umfassender Untersuchungen und Befunderhebungen mit im Wesentlichen
übereinstimmenden Diagnosen und Einschätzungen nachvollziehbar begründet und
führt für sich alleine nicht zu einem anspruchsbegründenden Invaliditätsgrad. Zu prüfen
und hauptsächlich umstritten ist, ob die psychischen Einschränkungen zu
invalidenversicherungsrechtlichen Ansprüchen führen.
3.
3.1 Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die
Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische
Diagnose voraus. Eine solche Diagnose ist eine rechtlich notwendige, aber nicht
hinreichende Bedingung für einen invalidisierenden Gesundheitsschaden. Zur Annahme
einer Invalidität braucht es in jedem Fall ein medizinisches Substrat, das (fach-)
ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und
Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Insbesondere darf das klinische
Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen bestehen, welche von belastenden
soziokulturellen und psychosozialen Faktoren herrühren, sondern hat davon
psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen, zum Beispiel eine von
depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im
fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen
Leidenszustand. Entscheidend ist, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter
therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens
willensmässig erwartet werden kann zu arbeiten (BGE 127 V 294 E. 5a S. 299; Urteil
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8C_302/2011 vom 20. September 2011 E. 2.5.1, in: SVR 2012 IV Nr. 22 S. 95). Diese
Grundsätze gelten auch bei Vorliegen eines pathogenetisch-ätiologisch unklaren
syndromalen Beschwerdebildes ohne nachweisbare organische Grundlage, bei dem
sich in erster Linie die nach einem objektivierenden Massstab zu beurteilende Frage
der Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit trotz Schmerzen stellt (Art. 7 Abs. 2 ATSG;
BGE 139 V 547 E. 8.2 S. 564). Eine depressive Störung stellt allerdings keinen solchen
Zustand dar (zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts vom 8. Oktober 2014,
9C_856/2013, E. 3.1 mit weiteren Verweisen).
3.2 Beim Zusammentreffen einer zuverlässig diagnostizierten depressiven Episode
oder Störung mit einer Schmerzstörung sind in erster Linie die (fach-) ärztlichen
Feststellungen zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit massgeblich. Dabei
stellt sich insbesondere die Frage, ob es sich bei der depressiven Problematik um ein
vom Schmerzgeschehen losgelöstes selbständiges Leiden von erheblicher Schwere,
Intensität, Ausprägung und Dauer handelt. Dazu ist fachärztlicherseits Stellung zu
nehmen wie auch zur Bedeutung psychosozialer und soziokultureller
Belastungsfaktoren im Kontext (vgl. Urteil 8C_162/2013 vom 17. Juli 2013 E. 4.2).
Selbst wenn im Übrigen, rechtlich betrachtet, ein unklares syndromales
Beschwerdebild vorliegt, muss fachärztlich geprüft werden, ob nicht ein anderes
Störungsbild gegeben ist, das anhand klinischer und/oder anderweitiger
Untersuchungen zuverlässig nachgewiesen werden kann (Urteil 8C_251/2013 vom 14.
Februar 2014 E. 4.2.2, in: SVR 2014 IV Nr. 112 S. 47, mit Verweis auf BGE 139 V 547 E.
9.4 S. 568; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts vom 8. Oktober 2014,
9C_856/2013, E. 3.2).
4.
4.1 Der psychiatrische Gutachter Dr. H._ diagnostizierte sowohl eine depressive
Episode als auch eine somatoforme Schmerzstörung und attestierte beiden Diagnosen
einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 95-8); er begründete mithin seine
Einschätzung der 50 %igen Arbeitsunfähigkeit mit beiden Diagnosen. Zum
Psychostatus notierte er, es seien leichte Einschränkungen der Aufmerksamkeit und
der Konzentrationsfähigkeit feststellbar gewesen. Affektiv habe sich die
Beschwerdeführerin dysthym verstimmt und eher resigniert gezeigt. Sie habe über
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Stimmungsschwankungen und Stimmungslabilität berichtet. Vorherrschend seien
Klagen über die wechselhafte gesundheitliche Situation gewesen. Allgemeine Sorgen
der Existenzsicherung und vor einer ungewissen Zukunft seien vorhanden gewesen,
ebenso Ängste in Bezug auf die körperliche Gesundheit (Zunahme der Schmerzen).
Beklagt worden seien eine erhöhte Vergesslichkeit, erhöhte Reizbarkeit und ein sozialer
Rückzug. Psychomotorisch habe eher eine Antriebsminderung bestanden, bei
berichteter innerer Unruhe, Nervosität und Anspannung insbesondere bei
Schmerzexazerbation. Psychovegetativ seien Einschlafstörungen mit Gedankenkreisen
und Grübelzwang sowie schmerzbedingte Durchschlafstörungen berichtet worden (IV-
act. 95-7 f.). In der aktuellen Untersuchung habe das Vorliegen einer depressiven
Störung nachvollzogen werden können, was aufgrund der vielfältigen belastenden
Krankheiten, welche die Beschwerdeführerin schon lange begleiten würden, nicht
verwunderlich sei (IV-act. 95-9). Zur Diagnose der somatoformen Schmerzstörung
führte er aus, es sei wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin einen Teil ihrer
innerseelischen Konflikte äusserlich durch Schmerzen symbolisiere und somit eine
Konversionsstörung vorliege. Diese habe sich zu den bestehenden körperlichen
Schmerzen hinzu gesellt (IV-act. 95-10). In einer ergänzenden Stellungnahme vom
5. August 2013 erklärte Dr. H._ auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin, aufgrund
der erst im achtzehnten Lebensjahr entdeckten Gebärmutteratresie und der
Unterleibsoperationen handle es sich bei der depressiven Erkrankung um ein
eigenständiges Leiden. Es könne davon ausgegangen werden, dass die
Identitätsbildung der Beschwerdeführerin als Frau nicht einfach gewesen sei. Das
depressive Verarbeitungsmuster sei also nicht einfach nur eine Komorbidität zur
Schmerzstörung (IV-act. 118-3). Der Gutachter stimmt darin überein mit dem
behandelnden Dr. F._, der im Arztbericht vom 15. August 2011 festgehalten hatte,
symptomatisch im Vordergrund stünden die Stimmungsschwankungen mit
Nebeneinander von Leergefühlen und explosiver Reizbarkeit sowie eine sehr
eingeschränkte Belastbarkeit mit Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. Er hatte
depressive Symptome mit mittelgradiger Ausprägung beschrieben, die für sich
genommen eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit begründeten (IV-act. 77-2 f.).
Seines Erachtens gehe die aktuelle Symptomatik in der zuvor vom ABI Basel gestellten
Diagnose einer anhaltenden Schmerzstörung aus den aufgeführten Gründen nicht auf.
Stattdessen bestehe nunmehr das klinische Bild einer mittelgradigen depressiven
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Episode. Die aktuelle funktionelle Schmerzverstärkung durch das psychische Leiden
deute er im Zusammenhang mit dieser depressiven Entwicklung. Eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung könne zusätzlich bestehen (IV-act. 77-4). In seiner
Stellungnahme vom 31. August 2011 hatte der RAD angeführt, Dr. F._ habe
nachvollziehbar erläutert, dass die depressive Erkrankung keine Komorbidität, sondern
ein eigenständiges Leiden sei (IV-act. 78-2). Dr. H._ führte in seiner ergänzenden
Stellungnahme vom 5. August 2013 aus, gemäss anderen Diagnosemanualen würde
eine „double depression“ diagnostiziert: einerseits seien eine abgrenzbare depressive
Episode (aktuell mittelgradig mit somatischem Syndrom) und andererseits eine
zugrunde liegende depressive Verstimmung (Dysthymie) vorhanden (IV-act. 118-1).
4.2 Die Diagnosestellungen von Dr. H._ beruhen auf umfassenden Untersuchungen
und sind in Anbetracht des jeweiligen Status bzw. der jeweiligen Befunde
nachvollziehbar; offenkundige Widersprüche sind nicht zu erkennen. Entsprechend
sind die Diagnosen auch nicht umstritten. Die Beschwerdegegnerin wendet hingegen
ein, die Beschwerdeführerin habe angegeben, am meisten würden ihr die ständig
wechselnden Schmerzen und die „damit verbundenen“ Stimmungsschwankungen zu
schaffen machen, weshalb keine selbständige Erkrankung (Depression) vorliege
(act. G 4 S. 4 mit Verweis auf IV-act. 95-7). Diese Äusserung der psychiatrisch nicht
sachverständigen Beschwerdeführerin ist nicht geeignet, die fachärztliche Beurteilung
in Frage zu stellen. Es ist auch nicht Sache des Rechtsdienstes, Feststellungen und
Einschätzungen medizinischer Experten beiseite zu schieben und eigene
Einschätzungen vorzunehmen. Es ist sodann nicht ersichtlich, dass die depressiven
Episoden zur Hauptsache auf invaliditätsfremden Belastungsfaktoren beruhten.
Vielmehr vollzog sich gemäss Dr. F._ der Umschlag in eine depressive Entwicklung,
als die Rückenoperation 2009 nicht das erhoffte Ergebnis zeitigte (IV-act. 73-6), und Dr.
H._ erwähnt als Ursprung mit der Gebärmutteratresie ebenfalls ein gesundheitliches
Problem. Dass gemäss dem Gutachter allgemeine Sorgen der Existenzsicherung und
vor einer ungewissen Zukunft vorhanden sind (IV-act. 95-8), vermag daran nichts zu
ändern. Es ist mithin bei der fachärztlich diagnostizierten depressiven Erkrankung von
einem eigenständigen Leiden einerseits und von einer somatoformen Schmerzstörung
andererseits auszugehen.
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4.3 Zur Behandelbarkeit des psychischen Leidens äusserte Dr. H._ im Wesentlichen,
medizin-theoretisch seien Depressionen behandelbar. Inwieweit dies jedoch bei der
Beschwerdeführerin der Fall sei, sei durch den behandelnden Arzt zu beurteilen. Da die
Beschwerdeführerin zum Gutachtenszeitpunkt keine antidepressive Medikation gehabt
habe, könne davon ausgegangen werden, dass der Zustand noch nicht austherapiert
sei (IV-act. 118-2). Die Behandelbarkeit einer psychischen Störung sagt indes für sich
allein betrachtet nichts über deren invalidisierenden Charakter aus (Urteil des
Bundesgerichts vom 19. Juni 2013, 9C_947/2012, E. 3.2.1 mit Hinweis auf BGE 127 V
298 E. 4c). Das Bundesgericht hat sodann in der jüngeren Rechtsprechung klargestellt,
dass die Behandelbarkeit eines psychischen Leidens sogar bei grundsätzlich guter
Prognose einen - allenfalls befristeten - Rentenanspruch nicht zum Vorneherein
ausschliesst (Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2014, 8C_148/2014 E. 3.1 mit
Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts vom 17. Juni 2014, 8C_56/2014, E. 4.1).
Würde der Behandelbarkeit wesentlicher Einfluss auf den invalidisierenden Charakter
eines depressiven Leidens zugestanden, so würde dies einen rückwirkend befristeten
Rentenanspruch für ein depressives Leiden, wie er etwa im Urteil des Bundesgerichts
vom 3. September 2014, 9C_292/2014, E. 3.2 anerkannt wurde, ausschliessen (Urteil
des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 2. Juli 2015, IV 2013/204 E. 3.3.2).
5.
5.1 Aus dem Blickwinkel der somatoformen Schmerzstörung ist zu bemerken, dass
das Bundesgericht die Vermutung, Schmerzsyndrome und vergleichbare
psychosomatische Leiden seien überwindbar, in BGE 141 V 381 aufgegeben hat. An
der Beurteilung der Zumutbarkeit und am Erfordernis einer objektivierten
Beurteilungsgrundlage gemäss Art. 7 Abs. 2 ATSG ändere dies nichts. Es sei nach wie
vor von der grundsätzlichen „Validität“ der die materielle Beweislast tragenden
versicherten Person auszugehen (BGE 141 V 395 f., E. 3.7). Das funktionelle
Leistungsvermögen sei anhand von Indikatoren zu beurteilen (BGE 141 V 296 f. E. 4.1
und S. 298 ff., E. 4.3). Diese betreffen den Schweregrad einer Gesundheitsschädigung
(Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome, diagnose-inhärenter
Mindestschweregrad, Behandlungserfolg oder -resistenz, Teilnahme an beruflichen
Eingliederungs- und Integrationsmassnahmen, psychische und körperliche
Begleiterkrankungen, Anzahl der nicht ausreichend organisch erklärten
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Körperbeschwerden; zit. Urteil E. 4.3.1), die Persönlichkeit (Persönlichkeitsdiagnostik,
persönliche Ressourcen, Persönlichkeitsentwicklung und -struktur; zit. Urteil E. 4.1.3,
4.3.2), den sozialen Kontext (zit. Urteil E. 4.3.3) sowie die Konsistenz (Gleichmässigkeit
der Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen,
sozialer Rückzug, soziale Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung,
Inanspruchnahme therapeutischer Optionen als Hinweis auf den tatsächlichen
Leidendruck; zit. Urteil E. 4.4; vgl. zum Ganzen auch Bundesamt für
Sozialversicherungen [BSV], IV-Rundschreiben Nr. 334 vom 7. Juli 2015, Anhang).
Nach wie vor sind unklare symptomatische Beschwerden nur invalidisierend, wenn sie
therapeutisch nicht (mehr) angehbar sind (zit. Urteil, E. 4.3.1.2). Die bisher einzelnen
Kriterien der „psychiatrischen Komorbidität“ und der „körperlichen
Begleiterkrankungen“ sind in einem Indikator zusammengefasst, wobei ersterer keine
Vorrangstellung mehr zukommt (zit. Urteil, E. 4.3.1.3). Neben der auf die Erfassung von
Persönlichkeitsstruktur und -störungen abzielenden Persönlichkeitsdiagnostik fällt auch
das Konzept der sogenannten „komplexen Ich-Funktionen“ in Betracht (zit. Urteil,
E. 4.3.2). Der medizinische Gutachter hat das Leistungsvermögen einzuschätzen und
dabei den einschlägigen Indikatoren zu folgen. Die Rechtsanwender überprüfen die
betreffenden Angaben frei, insbesondere dahin, ob die Ärzte sich an die
massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben, das heisst, ob sie
ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung sind (Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG), sowie, ob die
versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grundlage
erfolgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG). Recht und Medizin tragen in diesem Sinn,
je nach ihren fachlichen und funktionellen Zuständigkeiten, zur Feststellung ein und
derselben Arbeitsunfähigkeit bei. Es gibt keine unterschiedlichen Regeln gehorchende,
getrennte Prüfung einer medizinischen und einer rechtlichen Arbeitsfähigkeit (zit. Urteil,
E. 5.2.2. und 5.2.3).
5.2 Dr. H._ äusserte im psychiatrischen Teilgutachten vom 22. August 2012, die
Auswirkung der somatoformen Schmerzstörung auf die Arbeitsfähigkeit sei anhand von
drei Faktoren - Heredität und Biografie, Förster’sche Prognosekriterien, komplexe Ich-
Funktionen - zu beurteilen: In der Biografie der Beschwerdeführerin seien belastende
Ereignisse aufgetreten, welche sie im Umgang mit ihren körperlichen Symptomen
überforderten. Einige der Försterkriterien seien erfüllt (auffällige prämorbide
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Persönlichkeitsstruktur bzw. -entwicklung, chronische körperliche
Begleiterkrankungen, Arbeitsplatzverlust, primär chronifizierter Krankheitsverlauf ohne
längerdauernde Remissionen), was einen prognostisch ungünstigen Verlauf der
somatoformen Schmerzstörung erwarten lasse. Die komplexen Ich-Funktionen der
Realitätsprüfung und Urteilsbildung, der Beziehungsfähigkeit und Kontaktgestaltung,
Affektsteuerung und Impulskontrolle, Selbstwertregulation und Regressionsfähigkeit,
Intentionalität und Antrieb sowie die Abwehrorganisation seien bei der
Beschwerdeführerin eingeschränkt. Aufgrund dieser ungünstigen Konstellation habe
die Somatisierungsstörung einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Gleichwohl könne bei
der Beschwerdeführerin ein Wille zur Schmerzüberwindung und zur Reintegration
gefordert werden. Ab dem Zeitpunkt der Begutachtung betrage die Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht 50 % (IV-act. 95-10). In seiner ergänzenden Stellungnahme vom
5. August 2013 hielt Dr. H._ zur Überwindbarkeit der Schmerzen fest, als chronische
körperliche Begleiterkrankung könne die im Gutachten erwähnte jahrelange
Schmerzproblematik (Schmerzen seit der Kindheit, Gebärmutteratresie mit weiter be
stehenden Abdominalbeschwerden) sowie ein Fibromyalgiesyndrom betrachtet
werden. Ein sozialer Rückzug habe inzwischen stattgefunden. Der therapeutische
Verlauf und das Behandlungsergebnis der Psychotherapie seien unklar. Zusätzlich
müsse bedacht werden, dass neben der somatoformen Schmerzstörung auch eine
somatoforme autonome Funktionsstörung des unteren Gastrointestinaltraktes
vorzuliegen scheine, welche therapeutisch ausgesprochen schwierig zu behandeln sei.
Ein primärer Krankheitsgewinn, welcher sich aus der Krankheit selbst ergebe,
insbesondere Erleichterungen, Schonung, vermehrte Zuwendung aufgrund der
Krankenrolle, sei sicherlich vorhanden. Eine Konversionsstörung, also ein primär
intrapsychischer unlösbarer Konflikt, der auf ein körperliches Geschehen projiziert
werde, habe sich daraus entwickelt und begründe seines Erachtens eine
invalidisierende Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 118-2 f.). Während das ABI-Gutachten vom
28. Juni 2010 der noch alleine diagnostizierten somatoformen Schmerzstörungen keine
über die somatisch begründete Arbeitsunfähigkeit hinausgehende Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit zuerkannt hatte (IV-act. 44-15, 24), führte Dr. F._ im Arztbericht vom
15. August 2011 aus, aus psychiatrischer Sicht bestehe bei der Beschwerdeführerin ein
komplexes psychisches Leiden, welches sich auf dem Boden vielfältiger
überfordernder Belastungen bereits vor vielen Jahren entwickelt habe und den
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heutigen Umgang mit den aktuellen somatischen Beschwerden massgeblich
mitbestimme. Die psychische Belastbarkeit und Widerstandskraft sei durch
vorangegangene Rückschläge und daraus entstandene Ängste vermindert. (...). Die
Beschwerdeführerin sei hier aufgrund ihrer belastenden Persönlichkeitsentwicklung
sensibler und weniger anpassungsfähig als andere Menschen. Sie sehe sich schnell
bedroht und glaube, sich verteidigen zu müssen. Dies zu überwinden liege nicht im
Bereich ihrer Willenskraft. Der Befund habe sich gegenüber der Situation bei der ABI-
Begutachtung deutlich verschlechtert. Aus Sicht der Beschwerdeführerin bestehe das
Hauptleiden nach wie vor in den unveränderten Rückenschmerzen und
Gefühlsstörungen. Hinzugekommen seien jedoch nun auch subjektiv wahrnehmbare
depressive Symptome mit mittelgradiger Ausprägung, die für sich genommen eine
eingeschränkte Leistungsfähigkeit begründeten (IV-act. 77-2 f.).
5.3 Aus den Ausführungen von Dr. H._ und Dr. F._ geht hervor, dass sie die
invalidisierende Wirkung der psychiatrischen Beeinträchtigungen nicht nur aus den
psychiatrischen Befunden selbst, sondern mit der Komplexität und Vielfältigkeit der die
Überwindbarkeit der Schmerzen beeinträchtigenden Belastungen begründen,
namentlich auch mit der Therapieresistenz der Schmerzen. Insbesondere stützt Dr.
H._ seine Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit nicht etwa darauf, dass mit der
depressiven Episode eine schwere und therapieresistente psychische Komorbidität zur
somatoformen Schmerzstörung vorliege, sondern er prüft weitere Kriterien bzw.
Indikatoren des psychischen Leidens als Ganzes. So berücksichtigt er nebst den
Förster’schen Prognosekriterien die Auswirkungen der Biografie und der komplexen
Ich-Funktionen auf die Überwindbarkeit der Beschwerden. Dies entspricht einer
umfassenden Würdigung dieser Frage im Einzelfall, wie sie die neue Rechtsprechung
des Bundesgerichts fordert. Einer solchen gesamthaften Betrachtung würde im
Übrigen nicht entsprechen, der Depression wegen Behandelbarkeit eine Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit abzusprechen und eine invalidisierende Wirkung ausschliesslich
der somatoformen Schmerzstörung gestützt auf eine umfassende Würdigung aller
Indikatoren zu bejahen.
5.4 Zusammenfassend beruht das Gutachten des Rheumatologen und Internisten
Dr. G._ und von Dr. H._ auf umfassenden Untersuchungen, berücksichtigt die von
der Beschwerdeführerin dargelegten Symptome und ist hinsichtlich der
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Diagnosestellung und der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit schlüssig und
nachvollziehbar. Es ist daher darauf abzustellen und von einer 50 %igen
Arbeitsunfähigkeit ab dem Zeitpunkt der gutachterlichen Untersuchung vom 11. Juni
2012 (IV-act. 94-1, 21) auszugehen.
6.
6.1 Die Beschwerdeführerin war infolge der Rückenoperation vom 20. Januar 2009 bis
20. April 2009 zu 100 % arbeitsunfähig (IV-act. 12-1). Vom 21. April 2009 bis 15. Juni
2009 attestierte ihr Dr. B._ eine Arbeitsfähigkeit während 2 x 3 Stunden, vom 16. Juni
bis 31. Juli 2009 von 3 x 3 Stunden, vom 1. bis 31. August 2009 von 4 x 3 Stunden und
ab 1. September 2009 „wie früher“ von 5 x 3 Stunden pro Woche (IV-act. 14-6 f.,
Bericht vom 17. Juni 2009). Aufgrund der erhöhten Schmerzmedikation wurde jedoch
am 3. September 2009 bis auf weiteres eine Arbeitsfähigkeit von 3 x 3 Wochenstunden
bescheinigt (IV-act. 19; IV-act. 44-33), und erst ab 19. November 2009 war die
Beschwerdeführerin wie ursprünglich vorgesehen für 5 x 3 Stunden pro Woche
arbeitsfähig geschrieben (IV-act. 25; IV-act. 44-52). Dies entspricht - gemessen an
einem Vollzeitpensum von 42 Stunden - einer Arbeitsunfähigkeit von noch rund 64 %.
Gemäss ABI-Gutachten vom 28. Juni 2010 bestand ab Januar 2010 eine
Arbeitsfähigkeit von mindestens 50 % (IV-act. 44-24). Damit war das Wartejahr mit
durchschnittlicher Arbeitsunfähigkeit von (mindestens) 40 % (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG)
am 19. Januar 2010 bestanden. Zu diesem Zeitpunkt war auch die sechsmonatige Frist
(Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG) seit der Anmeldung am 25. März 2009 (IV-act. 1) abgelaufen.
6.2 Ab Mai 2010 schätzten die ABI-Gutachter die Arbeitsfähigkeit auf 80 % (IV-
act. 44-22). Dr. F._ attestierte der Beschwerdeführerin am 15. August 2011 eine
„Arbeitsunfähigkeit“ von „40 %“ ab Behandlungsbeginn am 28. März 2011 (IV-
act. 77-3, 4), wobei sich aus den Angaben in Ziff. 1.7 und 1.9 zum zumutbaren
zeitlichen Rahmen ergibt, dass die Arbeitsfähigkeit 40 % beträgt und es sich bei den
unter Ziff. 1.6 als Arbeitsunfähigkeit angegebenen 40 % um einen Verschrieb handelt.
Damit übereinstimmend nahm der RAD am 31. August 2011 Stellung, es sei
überwiegend wahrscheinlich, dass die 40 %ige Arbeitsfähigkeit für leichte
kaufmännische Arbeiten seit Beginn 2011 vorliege (IV-act. 78-2). Dr. H._ schreibt
dazu, in der Begutachtung habe das Vorliegen einer depressiven Störung
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nachvollzogen werden können und sei aufgrund der vielfältigen belastenden
Krankheiten der Beschwerdeführerin nicht verwunderlich (IV-act. 95-9). Auch nach ihm
ist somit auf Dr. F._ abzustellen. Es ist folglich ab 1. Januar 2011 von einer
Arbeitsunfähigkeit von 60 % auszugehen.
6.3 Gemäss Art. 29 der Verordnung über die Invalidenversicherung (SR 831.201;
IVV) werden bei der Berechnung der Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG
zurückliegende Wartezeiten angerechnet, wenn die Rente nach Verminderung des
Invaliditätsgrades aufgehoben wird und dieser in den folgenden drei Jahren wegen
einer auf dasselbe Leiden zurückzuführenden Arbeitsunfähigkeit erneut ein
rentenbegründendes Ausmass erreicht. Da letztlich sowohl die bis Ende April 2010
bestehende als auch die ab Januar 2011 attestierte Arbeitsunfähigkeit auf demselben
Leidenskomplex beruhen, ist die genannte Bestimmung vorliegend anzuwenden mit
der Folge, dass ab Januar 2011 nicht nochmals ein Wartejahr zu bestehen war (E. 6.4).
Zusammenfassend war somit die Wartezeit für einen Rentenanspruch ab Januar 2010
erfüllt. Ferner erscheint vom 1. Januar bis 30. April 2010 eine Arbeitsunfähigkeit von 50
% (ABI-Gutachten, IV-act. 44-24), vom 1. Mai bis 31. Dezember 2010 von 20% (ABI-
Gutachten), ab 1. Januar 2011 von 60 % (Dr. F._, RAD, Dr. H._) und ab Juni 2012
von 50 % (Gutachten Fachärzte G._ und H._) ausgewiesen.
7.
7.1 Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt gab die
Beschwerdeführerin am 22. Juli 2010 an, dass sie seit Frühjahr 2002 unter gesundheit
lichen Beeinträchtigungen leide, ohne die sie seit damals zu 100 % erwerbstätig wäre.
Als Gründe dafür nannte sie soziale Kontakte, die Anwendung und Bestätigung des
Erlernten sowie den finanziellen „Zustupf“ (IV-act. 51-2). Dies erscheint insoweit
plausibel, als ab 2002 abdominale Schmerzen und ab 2005 entsprechende
Abklärungen und Behandlungen aktenkundig sind (vgl. IV-act. 44-73; IV-act. 21-2 f.).
Gemäss Abklärungsbericht Haushalt vom 19. Oktober 2010 führte die
Beschwerdeführerin anlässlich der Abklärung vor Ort aus, sie würde seit dem
Heimeintritt ihres Sohnes I._ im Jahre 2006 zu 100 % im kaufmännischen Bereich
arbeiten (IV-act. 56-1, 4). Mit Blick darauf, dass nicht relevant ist, ob die
Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden bereits ab Frühjahr 2002 oder erst ab
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2006 vollzeitlich gearbeitet hätte, ist die durch die Beschwerdegegnerin
vorgenommene Qualifikation als Vollerwerbstätige nicht zu beanstanden. Hinsichtlich
des Einkommensvergleichs ist sowohl für die Validenkarriere als auch für das
Invalideneinkommen von einer Tätigkeit im kaufmännischen Bereich und somit vom
entsprechenden Tabellenlohn auszugehen. Es ist daher ein Prozentvergleich
vorzunehmen; diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit,
unter Berücksichtigung des Tabellenlohnabzuges (Urteil des Bundesgerichts vom
4. Februar 2015, 9C_888/2014, E. 2; vgl. nachfolgend E. 7.2).
7.2 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen
Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn)
allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass
persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung,
Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E.
3b/aa S. 323). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene
Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/aa in fine
S. 80). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der
Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und
darf 25 % nicht übersteigen (BGE 126 V 75 E. 5b/bb-cc S. 80; 134 V 322 E. 5.2 S. 327
f.; Urteil 9C_368/2009 vom 17. Juli 2009 E. 2.1). Vorliegend fällt ein Tabellenlohnabzug
- wenn überhaupt - von höchstens 10 % wegen des eingeschränkt möglichen
Spektrums von leidensadaptierten Tätigkeiten in Betracht. Ein solch maximal möglicher
Tabellenlohnabzug wirkt sich auf die Rentenhöhe nicht aus, weshalb nachfolgend der
Invaliditätsgrad ohne solchen bemessen wird.
7.3 Damit ergibt sich ab Januar 2010 entsprechend der Arbeitsunfähigkeit von 50 %
ein Anspruch auf eine halbe Rente. Gemäss ABI-Gutachten bestand ab Mai 2010 eine
Arbeitsunfähigkeit von nur noch 20 %. In Anwendung von Art. 88a Abs. 1 IVV, wonach
eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in jedem Fall zu berücksichtigen ist, nachdem
sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich
weiterhin andauern wird, dauert der Anspruch auf eine halbe Rente bis Ende Juli 2010.
Ab 1. Januar 2011 bis Ende August 2012 (ebenfalls gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV) ergibt
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sich, entsprechend der Arbeitsunfähigkeit von 60 %, ein Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente, und seit 1. September 2012 hat die Beschwerdeführerin bei einer
Arbeitsunfähigkeit von 50 % wiederum Anspruch auf eine halbe Rente.
8.
8.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 25. November 2013
aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung vom 1. Januar 2010 bis 31. Juli
2010 eine halbe Rente, vom 1. Januar 2011 bis 31. August 2012 eine Dreiviertelsrente
und ab 1. September 2012 eine halbe Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung und
Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
8.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr zurückzuerstatten.
8.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). In der vorliegenden
Streitsache erscheint eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.