Decision ID: 51073249-4cf3-562c-9c02-429bd2582079
Year: 2015
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. A_ (nachfolgend: Beschwerdeführer) war als Angestellter in der Produktion der C_ AG
bei der Suva (nachfolgend: Vorinstanz) unfallversichert, als er am Montag, 8. Oktober 2012,
beim Abräumen der Rollbahn mit einem Fuss im Netz hängen blieb und nach hinten
stürzte.
B. Dr. D_ von der Praxis Brunnenhof stellte dem Beschwerdeführer aufgrund von
Beschwerden infolge dieses Ereignisses am 10. Oktober 2012 ein Arbeitsunfähig-
keitszeugnis für die Zeit vom Mittwoch, 10. Oktober 2012 bis und mit Freitag, 13. Oktober
2012 aus (VI-act. 1). Der Beschwerdeführer nahm seine Arbeit am Montag, 15. Oktober
2012, wieder auf (VI-act. 2).
C. In der Folge teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 22. Oktober
2012 mit, dass er für die Folgen des Berufsunfalls Versicherungsleistungen erhalte. Der
Taggeldanspruch beginne am 11. Oktober 2012, wobei das Taggeld durch den Arbeitgeber
ausbezahlt werde; die Kosten der Heilbehandlung würden von der Vorinstanz direkt den
Leistungserbringern bezahlt (VI-act. 4). Da der Beschwerdeführer nach der kurzen
Arbeitsunfähigkeit seine Arbeit wieder aufgenommen hatte, keine weiteren Unfallscheine
bei der Vorinstanz einreichte und nach dem 13. Oktober 2012 auch keine weitere
Behandlung im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 8. Oktober 2012 in Anspruch nahm,
wurden für die Zeit nach Mitte Oktober 2012 auch keine Leistungen von der Vorinstanz
mehr ausgerichtet.
D. Am 6. November 2013 meldete sich die Lebenspartnerin des Beschwerdeführers bei der
Vorinstanz und teilte mit, die damalige Schadenmeldung sei falsch ausgefüllt worden. Bei
dem Unfall vom 8. Oktober 2012 seien auch der Rücken und das Bein verletzt worden. Der
Beschwerdeführer habe wegen dem Rücken immer noch Schmerzen und diese würden
immer schlimmer (VI-act. 6).
E. Daraufhin holte die Vorinstanz diverse Arztberichte ein und schickte eine Aussen-
dienstmitarbeiterin beim Beschwerdeführer vorbei. Der Beschwerdeführer berichtete
anlässlich dieses Besuchs vom 2. Dezember 2013, beim Unfall vom 8. Oktober 2012 sei
sein Oberkörper irgendwie abgedreht und sein linkes Bein für eine kurze Zeit eingeklemmt
worden. Im linken Fuss habe er im Gelenk einen stechenden Schmerz gespürt und auch im
Rücken habe er einen Schmerz gespürt, wie wenn ihm jemand mit dem Messer im Rücken
bohre. Trotzdem habe er noch zwei Stunden zu Ende gearbeitet und sich um 17 Uhr auf
den Nachhauseweg begeben. Unterwegs habe er im linken Bein kein Gefühl mehr gehabt
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und sei zu Boden gestürzt. Am nächsten Tag habe er den Hausarzt aufgesucht. Dieser
habe sich aber für den Rücken nicht interessiert und nur das Bein untersucht (VI-act. 19).
F. Kreisärztin Dr. E_ gab am 17. Januar 2014 gestützt auf die eingeforderten Unterlagen
und Berichte eine ärztliche Einschätzung ab zur Frage, ob die vom Beschwerdeführer
geltend gemachten Beschwerden (vor allem Rückenschmerzen) mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit kausal zum Unfallereignis im Oktober 2012 sind. Sie verneinte dies klar,
insbesondere, da echtzeitlich keinerlei Rückenbeschwerden dokumentiert seien. Die
Aussage des Beschwerdeführers, man habe seine Rückenschmerzen einfach ignoriert, sei
nicht nachvollziehbar (VI-act. 44).
G. Insbesondere gestützt auf diese Einschätzung erliess die Vorinstanz am 14. Februar 2014
eine Verfügung, in der sie festhielt, dass sie nicht leistungspflichtig sei für die vom
Beschwerdeführer gemeldeten Rückenbeschwerden. Die aktuell geschilderten Beschwer-
den seien nicht überwiegend wahrscheinlich auf das Unfallereignis vom 8. Oktober 2012
zurückzuführen (VI-act. 48). Der Beschwerdeführer liess seinen Rechtsvertreter Einsprache
gegen diese Verfügung erheben (VI-act. 51). Mit Einspracheentscheid vom 2. Juni 2014
wies die Vorinstanz die Einsprache ab (VI-act. 61).
H. Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vom Beschwerdeführer am 4. Juli 2014
erhobene Beschwerde ans Obergericht (act. 1). Mit Vernehmlassung vom 21. Oktober
2014 (act. 8) verlangte die Vorinstanz deren Abweisung und Bestätigung des
angefochtenen Einspracheentscheids. Dem Beschwerdeführer wurde die Vernehmlassung
der Vorinstanz zur Kenntnis gebracht und ihm eine Frist von 10 Tagen angesetzt, um
allenfalls ausdrücklich eine mündliche Verhandlung zu verlangen, ansonsten davon
ausgegangen werde, dass er darauf verzichte, zumal die Streitsache für eine solche
ohnehin nicht ohne weiteres geeignet erscheine. Für den Verzichtsfall wurde ihm
Gelegenheit eingeräumt, eine Replik einzureichen (act. 10). Am 17. November 2014 reichte
der Beschwerdeführer eine Replik ein (VI-act. 12) und verzichtete damit auf die
Durchführung einer mündlichen Verhandlung. Hierauf setzte das Obergericht der
Vorinstanz ebenfalls eine Frist für ein allfälliges Begehren um eine mündliche Verhandlung
bzw. im Verzichtsfall eine Frist zur Einreichung einer Duplik (act. 13). Daraufhin liess sich
der Beschwerdeführer mit zwei inhaltlich identischen Schreiben vom 24. und 26. November
2014 vernehmen, es habe sich offensichtlich ein Missverständnis eingeschlichen; die
Replik sei zur Vereinfachung des Verfahrens eingereicht worden, der Beschwerdeführer
halte aber vollumfänglich daran fest, eine öffentliche Verhandlung durchführen zu wollen.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers betonte, es sei wichtig für das Gericht, sich ein
Bild über den Beschwerdeführer und seine Leiden anhand eines Augenscheins selbst zu
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verschaffen (act. 14). Im Sinn eines Entgegenkommens nahm das Obergericht den Antrag
auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung trotz des zuvor stillschweigend erfolgten
Verzichts an (act. 17). Die Vorinstanz hielt mit Duplik vom 9. Dezember 2015 am Antrag auf
Abweisung der Beschwerde fest (act. 19). Am 5. Februar 2015 wurde die vom
Beschwerdeführer beantragte mündliche Verhandlung auf den 20. Mai 2015 angesetzt und
die Parteien vorgeladen. Nachdem die Vorinstanz bereits auf eine Teilnahme an der
Verhandlung verzichtet hatte, zog der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 19. Mai 2015,
das am Morgen des Verhandlungstags beim Obergericht einging (act. 27), das Gesuch um
eine öffentliche Verhandlung zurück, da sich der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
auf Grund der zahlreichen gesetzlichen Fristen ausser Stande sehe, die Reise nach Trogen
anzutreten. Am 20. Mai 2015 wurde die Sache daher ohne Durchführung einer mündlichen
Verhandlung in der dritten Abteilung des Obergerichts in Abwesenheit der Parteien
abschliessend beraten und darüber entschieden.
I. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den vorinstanzlichen Akten sowie auf die
Vorbringen der Parteien in den Rechtschriften wird, soweit entscheidrelevant, in den
nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

Erwägungen
1. Formelles
1.1
Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen.
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-
rechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes (JG, bGS 145.31)
beurteilt das Obergericht Beschwerden gegen solche Entscheide. Die örtliche Zuständigkeit
ist gegeben (Art. 58 Abs. 1 ATSG). Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der
weiteren Prozessvoraussetzungen ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerde-
berechtigung als auch hinsichtlich der Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (insbe-
sondere Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG, SR 832.20]
i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und Art. 61 lit. b ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG, bGS 143.1]).
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
Seite 6
1.2
Der Beschwerdeführer verlangt von der Vorinstanz die Herausgabe des „Betriebsdossiers“,
in welchem der Unfallhergang umschrieben sei (Rechtsbegehren Ziff. 5). Dem ist
entgegenzuhalten, dass die Vorinstanz ihre Akten betreffend das in Frage stehende
Unfallereignis vom Oktober 2011 vollständig eingereicht hat (act. 9.1-66). Die Akten wurden
dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers bereits im März 2014 im Rahmen des
Einspracheverfahrens vor der Vorinstanz zur Verfügung gestellt (VI-act. 57). Im
vorliegenden Verfahren erhielt der Rechtsvertreter die von der Vorinstanz eingereichten
Akten ebenfalls zur Einsichtnahme zugeschickt (act. 10). Es ist daher nicht ersichtlich, was
mit dem expliziten Editionsantrag des Beschwerdeführers, den dieser in der Replik zudem
auf ein „Arbeitssicherheitsdossier“ ausweitet (Replik, Ziff. II 5-7), bezweckt wird. Im Übrigen
ist anzumerken, dass im Leistungsbereich der Unfallversicherung ohnehin kein „Betriebs-
dossier“ oder „Arbeitssicherheitsdossier“ zu erstellen ist, aus welchem eine genaue
Beschreibung des Unfallhergangs hervorgeht; lediglich im Prämienbereich existieren sog.
Betriebsdossiers, d.h. Dossiers, in welchen der jeweilige Betrieb erfasst wird. Die
Beschreibung des Unfallhergangs ist nicht aus dem Betriebsdossier, sondern vielmehr aus
der elektronischen Schadenmeldung, welche sich in den Akten der Vorinstanz befindet (VI-
act. 2), ersichtlich. Diese wurde dem Beschwerdeführer von der Vorinstanz zur Kenntnis
gebracht. Anderweitige Unterlagen über die Arbeitgeberfirma, welche den Prämienbereich
betreffen, haben zum Vornherein keine Bedeutung für die Beurteilung der Leistungspflicht
der Vorinstanz im vorliegenden Fall. Der Editionsantrag des Beschwerdeführers ist
entsprechend abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
2. Materielles
2.1
Als Unfall gilt die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung
der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4
ATSG). Diese Voraussetzungen sind beim Ereignis vom 8. Oktober 2012 ohne Zweifel
erfüllt, weshalb zu Recht unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer am 8. Oktober 2012
bei seiner Arbeit einen Unfall erlitten hat.
2.2
Der Beschwerdeführer macht unter anderem geltend, die Vorinstanz habe Art. 16 und 19
UVG, Art. 49 ATSG sowie Art. 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK, SR
Seite 7
0.101) und Art. 29a der schweizerischen Bundesverfassung (BV, SR 101) verletzt. Er bringt
in diesem Zusammenhang insbesondere vor (vgl. Beschwerde, insbesondere Ziff. III, 21 ff.
und IV), die Vorinstanz hätte den Fall zunächst mittels Verfügung im Sinn von Art. 49 ATSG
abschliessen müssen, um die jetzigen Beschwerden überhaupt als allfälligen Rückfall zum
Unfallereignis zu bezeichnen (anders argumentiert der Beschwerdeführer in Ziff. I 6 der
Beschwerde, wo er geltend macht, die Vorinstanz habe einen Rückfall zu bejahen).
Mit diesen - in sich teils widersprüchlichen - Rügen verkennt der Beschwerdeführer, dass
es letztlich gar keine Rolle spielt, ob die Vorinstanz die von ihm geltend gemachten
Beschwerden als Rückfall oder Spätfolgen des Unfallereignisses qualifiziert. Sollte er damit
sinngemäss geltend machen wollen, die Vorinstanz hätte dem Beschwerdeführer
rückwirkend Taggelder auszurichten, so übersieht er, dass der Beschwerdeführer nach
dem Unfall lediglich vom 10. bis 13. Oktober 2012 arbeitsunfähig geschrieben war und sich
in der Folge erst über ein Jahr später wieder bei der Vorinstanz gemeldet hatte, um über
Beschwerden zu berichten. Nach der kurzen Arbeitsunfähigkeit hat der Beschwerdeführer
seine Arbeit am 15. Oktober 2012 wieder aufgenommen und der Vorinstanz keine weiteren
Arbeitsunfähigkeitszeugnisse mehr eingereicht. Entsprechend ist auch nicht ersichtlich,
weshalb dem Beschwerdeführer nach Mitte Oktober 2012 ein Taggeldanspruch zukommen
sollte. Unter diesen Umständen bestand auch keine Pflicht der Vorinstanz, eine Verfügung
darüber zu erlassen, dass sie ihm keine Taggelder ausrichte. Die vom Beschwerdeführer
angeführten angeblichen Rechtsverletzungen sind nicht nachvollziehbar.
2.3
Die Vorinstanz weist zu Recht darauf hin, dass sie mit der angefochtenen Verfügung keine
Versicherungsleistungen eingestellt hat, sondern vielmehr Versicherungsleistungen im
Zusammenhang mit den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Rückenbeschwerden
bereits mangels Vorliegen des als Grundvoraussetzung für Leistungen der Vorinstanz
erforderlichen Kausalzusammenhangs verneint (Vernehmlassung, act. 8, Ziff. V 13). Jede
Leistungspflicht der Vorinstanz - sei dies direkt im Anschluss an ein Unfallereignis (d.h. für
einen sog. Grundfall) oder erst später für einen Rückfall oder eine Spätfolge (vgl. dazu
Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2012 vom 27. Juni 2012, E. 2.2, m.w.H) ist an die
Voraussetzung geknüpft, dass ein Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden und
dem Unfallereignis besteht:
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers setzt voraus, dass zwischen dem
Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden einerseits ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen
Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene
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Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit
eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung
des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder
unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende
Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der
versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht
werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele. Ob
zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung bzw. im
Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem
im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung
eines Leistungsanspruches nicht (vgl. anstelle vieler BGE 129 V 177, E. 3.1, m.w.H.).
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt andererseits voraus, dass zwischen dem
Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang
besteht. Die Vorinstanz hat mit Verfügung vom 14. Februar 2014 das Vorliegen eines
natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen den vom Beschwerdeführer geschilderten
Beschwerden und dem Unfallereignis vom 8. Oktober 2012 verneint. Fehlt bereits der
natürliche Kausalzusammenhang, erübrigt sich eine zusätzliche Prüfung der Adäquanz.
2.4
Gemäss Eintrag im Verlaufsbericht der Praxis Brunnenhof (VI-act. 42, S. 2) erschien der
Beschwerdeführer am Mittwoch, 10. Oktober 2012 in der Praxis und berichtete vom
Unfallereignis vom Montag, 8. Oktober 2012, bei welchem er den linken Fuss gegen innen
verdreht habe. Am 9. Oktober 2012 habe der Beschwerdeführer gearbeitet und dabei auch
noch eine „Eisenstange ins Gesicht bekommen, an die linke Wange“. Objektiv festgehalten
wurde im Verlaufsbericht die geschwollene linke Wange und ein Druckschmerz im Bereich
Unterkiefer links. Am linken Fuss (oberes Sprunggelenk / Mittelfuss) fand sich eine diskrete
Schwellung mit fraglichem Hämatom. Die Bewegung war schmerzbedingt eingeschränkt,
Sensibilität und Pulse waren in Ordnung. Der Röntgenbefund von Fuss, oberem
Sprunggelenk und Schädel zeigte keine Hinweise auf eine Fraktur. Es bestand lediglich der
Verdacht auf eine Kontusion des Mittelfusses und des oberen Sprunggelenks links.
Es fällt auf, dass dieser Eintrag im Verlaufsbericht sich nicht im Einzelnen mit den Angaben
des Beschwerdeführers gegenüber der Aussendienstmitarbeiterin der Vorinstanz deckt
(vgl. Sachverhalt, lit. E): Gemäss Verlaufsbericht suchte der Beschwerdeführer den
Hausarzt anders als nach dessen persönlicher Schilderung nicht bereits einen Tag nach
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dem Unfall, sondern erst zwei Tage nach dem Unfall auf; auch wurde er nicht von seinem
Hausarzt, sondern von der als Praxisassistentin in der Brunnenhofpraxis tätigen Dr. D_
behandelt.
2.5
Bei der Nachkontrolle in der Praxis Brunnenhof am 13. Oktober 2012 bestanden gemäss
Eintrag im Verlaufsbericht (VI-act. 42, S. 2) nur noch „ganz wenig Schmerzen am Fuss links
lateral.“ Es bestand keine Schwellung mehr, weder im Gesicht noch am Fuss. Weitere
Beschwerden, insbesondere Rückenbeschwerden mit Bezug auf den Unfall vom 8. Oktober
2012, sind im Verlaufsbericht keine erwähnt. Der Beschwerdeführer regte anlässlich dieses
Arztbesuchs lediglich - ohne Zusammenhang zum Unfall vom 8. Oktober 2012 - an, einen
Check up durchzuführen, da er nicht an Gewicht zunehme, was ihn sehr beunruhige.
2.6
Der vom Beschwerdeführer gewünschte Check up wurde am 13. November 2012
durchgeführt. Dabei waren die „Wirbelsäule und Nierenlogen klopfindolent. Lunge:
vesikuläres ATG über allen Lungenfelder. Abdomen weich, Druckdolenz im rechten und
linken Unterbauch, kein Klopfdolenz, keine Abwehrspannung. Lebergrösse nicht sicher
beurteilbar. Kraft, Sensibilität und Reflexe der OE und UE seitengleich, Babinski bds. neg.,
Lasègue bds. neg. Fusspulse palpabel“ (vgl. VI-act. 42, S. 3). Rückenbeschwerden sind
keine erwähnt.
2.7
Am 19. November 2012 besprach Dr. D_ die Laborwerte mit dem Beschwerdeführer.
Rückenbeschwerden sind (weiterhin) keine erwähnt. Einem weiteren Termin in der Praxis
Brunnenhof vom 14. Dezember 2012 ist der Beschwerdeführer offenbar unentschuldigt
ferngeblieben (vgl. VI-act. 42, S. 3). Danach war der Beschwerdeführer nicht mehr in der
Praxis Brunnenhof in Behandlung bis zum April 2013, als er von Dr. F_ wegen einer
Dornwarze an der linken Ferse behandelt wurde (VI-act. 42, S. 1). Auch bei diesem Termin
im April 2013 waren Rückenbeschwerden offenbar kein Thema. Am 7. Mai 2013
veranlasste schliesslich Dr. G_ von der Brunnenhof Praxis eine Untersuchung des
Beschwerdeführers durch Dr. H_, weil der Beschwerdeführer befürchtete, eine
Gesichtslähmung zu entwickeln. Gemäss Dr. H_ bestanden dafür jedoch keine
Anhaltspunkte und es waren keine weiteren Massnahmen zu treffen. Rückenbeschwerden
irgendwelcher Art sind auch hier keine erwähnt, vielmehr wurden im Bereich der
Extremitäten symmetrische Muskeleigenreflexe und keine sensomotorischen Defizite
festgestellt (VI-act. 16).
Seite 10
2.8
Erst im Juni 2013 überwies Dr. G_ den Beschwerdeführer zu Dr. I_, wo dieser vom
Unfall am Arbeitsplatz im Oktober 2012 berichtete. Der Beschwerdeführer gab an, nach
dem Unfall seien die Schmerzen „bald wieder versurrt“. Im Dezember 2012 seien dann
aber zunehmend lumbale Schmerzen und Beschwerden im Gesässbereich aufgetreten;
zudem habe er ein komisches Kribbeln in beiden Beinen verspürt (vgl. VI-act. 18, S. 1 f.).
Aktenkundig sind solche Beschwerden, wie Ziff. 2.4 bis 2.7 obenstehend zeigen, allerdings
erst in diesem Bericht von Dr. I_. Es fällt insbesondere auf, dass der Beschwerdeführer
den Arzttermin bei Dr. D_ im Dezember 2012 nicht wahrnahm, was erstaunt, sollte er
tatsächlich bereits damals unter derartigen Beschwerden gelitten haben.
Dr. I_ ging aufgrund der klinischen Untersuchung und radiologischen Befunde von einer
„segmentalen Instabilität auf Höhe von LWK 5 aus mit konsekutiv myofaszialer
Überlastungsreaktion“, wobei eine Bandlaxität diesbezüglich einen ungünstigen Cofaktor
darstelle (VI-act. 18). Am 6. November 2013 stellte sich der Beschwerdeführer erneut in der
Sprechstunde von Dr. I_ vor (VI-act. 17), welcher eine „Spondylolyse von L5 bds. mit
leichten degenerativen Veränderungen auf der Höhe L5/S1“ feststellte.
2.9
Im September 2013 wurde der Beschwerdeführer ausserdem von Dr. J_ untersucht.
Auch bei Dr. J_ hat der Beschwerdeführer vom Unfall vom November (gemeint wohl:
Oktober) 2012 berichtet und erwähnt, er habe seither unter Beschwerden gelitten. Dr. J_
nimmt diese persönliche Schilderung des Beschwerdeführers in der Anamnese auf, stellt im
Sprechstundenbericht vom 16. September 2013 (VI-act. 15) aber ausdrücklich klar: „Der
Unfall ist meiner Meinung nach für die Beschwerdesymptomatik nicht ursächlich. Sonst
müsste man Aufhellungszeichen im Pedikel sehen.“
2.10
In der Folge erfolgten verschiedene weitere Abklärungen und Behandlungen im
Zusammenhang mit den Rückenbeschwerden des Beschwerdeführers (vgl. Röntgenbericht
vom 23. September 2013, VI-act. 38; Infiltration Facettengelenk LW5/SW1 vom 23.
September 2013, VI-act. 39; Bericht von Dr. I_ vom 6. November 2013, VI-act. 17). Im
Sprechstundenbericht vom 25. November 2013 hält Dr. I_ fest, dass sich nach der
Facettengelenksinfiltration die Beschwerdesymtomatik immerhin um 50% verbessert habe
(VI-act. 32). Beschwerdefrei ist der Beschwerdeführer aber nach wie vor nicht. Dies wird
von der Vorinstanz entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (vgl. Replik, Ziff. IV
20) auch gar nicht in Abrede gestellt. Entscheidend für eine allfällige Leistungspflicht der
Vorinstanz ist aber nicht, ob der Beschwerdeführer unter Rückenbeschwerden leidet,
Seite 11
sondern, ob diese Beschwerden auf das Unfallereignis vom Oktober 2012 zurückzuführen
sind. Ist dies zu verneinen, hat die Vorinstanz auch keine näheren Abklärungen zur
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers vorzunehmen (vgl. das diesbezügliche
Rechtsbegehren des Beschwerdeführer, Ziff. 6).
An dieser Stelle ist zudem darauf hinzuweisen, dass die Sachverhaltsdarstellung des
Rechtsvertreters des Beschwerdeführers, wonach beim Unfall „der Fuss und Teile des
Knies ... gebrochen wurden“ (Beschwerde, Ziff. II 14) und zudem auch ein „Wirbelbruch“
erfolgt sei (Replik, Ziff. III) als haltlos bezeichnet werden muss, da derartige Unfallfolgen
weder in den Berichten der behandelnden Ärzte, noch in den Röntgen- oder MRI-
Untersuchungen bestätigt wurden.
2.11
Um die Frage der Unfallkausalität der Beschwerden abschliessend zu klären, hat die
zuständige Sachbearbeiterin der Vorinstanz eine ärztliche Beurteilung bei Kreisärztin Dr.
E_ eingeholt (VI-act. 43). Dr. E_ kam in ihrer Beurteilung vom 17. Januar 2014 (VI-act.
44) zum klaren Schluss, dass die aktuell beklagten Beschwerden im Bereich von Rücken,
Hüft und Bein nicht kausal zum Unfallereignis vom 8. Oktober 2012 seien.
2.12
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis und gegebenenfalls in
Auseinandersetzung mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (Urteil des
Bundesgerichts 9C_152/2014 vom 21. Juli 2014, E. 3.1.1; BGE 134 V 231, E. 5.1, BGE 125
V 351, E. 3a). Dr. E_ nimmt in ihrer Beurteilung ausführlich auf die Feststellungen der
behandelnden Ärzte in den vorhandenen Arztberichten Bezug und begründet überzeugend,
dass gesamthaft davon auszugehen ist, dass es beim Unfall lediglich zu einer Mittelfuss-,
und tagsdarauf zusätzlich zu einer Gesichtsverletzung, gekommen sei. Die kreisärztliche
Stellungnahme ist einleuchtend und nachvollziehbar. Die Beurteilung von Dr. E_ steht
auch nicht im Widerspruch zur Einschätzung der behandelnden Ärzte; in keinem der
vorliegenden Arztberichte wird ein Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und
den Rückenbeschwerden des Beschwerdeführers bestätigt; vielmehr verneint Dr. J_
einen solchen Kausalzusammenhang sogar ausdrücklich (vgl. VI-act. 15). Der
Einschätzung von Dr. E_ kann somit vollständig gefolgt werden. Entsprechend ist ein
Seite 12
natürlicher Kausalzusammenhang zwischen den vom Beschwerdeführer vorgetragenen
Beschwerden und dem Unfallereignis vom 8. Oktober 2012 zu verneinen.
2.13
Weitere Abklärungen sind damit nicht erforderlich. Dem entsprechenden Begehren in Ziff. 4
der Rechtsbegehren des Beschwerdeführers ist nicht stattzugeben.
2.14
Fehlt es am Kausalzusammenhang, so kann zum Vornherein kein Anspruch auf die vom
Beschwerdeführer verlangte Integritätsentschädigung entstehen (vgl. das diesbezügliche
Rechtsbegehren, Ziff. 2). Im Übrigen ist ohnehin nicht ersichtlich, welche dauernde
erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität (vgl. Art. 24
UVG) überhaupt vorliegen soll, die zu der vom Beschwerdeführer geltend gemachten vollen
Integritätsentschädigung berechtigen würde. Die Rückenbeschwerden des
Beschwerdeführers, wie sie in den ärztlichen Berichten dokumentiert sind, erfüllen
jedenfalls die Voraussetzungen zur Ausrichtung einer Integritätsentschädigung
offensichtlich nicht.
2.15
Insgesamt ergibt sich somit, dass die Vorinstanz ihre Leistungspflicht mangels gegebenem
Kausalzusammenhang zum in Frage stehenden Unfallereignis zu Recht verneint hat. Die
Leistungsbegehren des Beschwerdeführers sind vollumfänglich abzuweisen.
3. Kosten und Entschädigung
3.1.
Für das vorliegende Verfahren werden keine Kosten erhoben (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art.
61 lit. a ATSG).
3.2.
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet, da der Beschwerdeführer unterliegt
(Art. 61 lit. g ATSG e contrario i.V.m. Art. 1 UVG) und da die obsiegende Vorinstanz als
staatliche Einrichtung wegen des Prinzips der Kostenlosigkeit des Verfahrens gemäss
Art. 61 lit. a ATSG grundsätzlich keinen Anspruch auf eine solche haben kann (Art. 61 lit. g
ATSG e contrario; KIESER, ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009, N 33
und 114 zu Art. 61 ATSG; Art. 24 Abs. 3 lit. a i.V.m. mit Art. 59 VRPG).
Seite 13
3.3.
Da dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 29. August 2014 im vorliegenden Verfahren
die unentgeltliche Rechtspflege und die unentgeltliche Verbeiständung gewährt wurden
(ERV 14 48), hat sein Rechtsvertreter auch beim vorliegenden Verfahrensausgang
Anspruch auf eine Entschädigung als unentgeltlicher Rechtsbeistand. Die Entschädigung
ist in Sozialversicherungssachen pauschal und ermessensweise festzulegen. Im
vorliegenden Fall wird zulasten der Staatskasse die in gleichartigen Fällen übliche
Entschädigung von pauschal Fr. 2'250.-- (inklusiv Barauslagen und Mehrwertsteuer)
gewährt, unter Vorbehalt der Rückforderung beim Beschwerdeführer für den Fall
günstigerer wirtschaftlicher Verhältnisse.
3.4.
Der Beschwerdeführer verlangt überdies die Zusprechung einer Parteientschädigung für
das vorinstanzliche Einspracheverfahren. Gemäss Art. 52 Abs. 3 ATSG ist das
Einspracheverfahren kostenlos; Parteientschädigungen werden in der Regel nicht
ausgerichtet.
Da der Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren unterlegen ist und die angefochtene
Verfügung vollumfänglich bestätigt wurde, entfällt ein Entschädigungsanspruch für das
Einspracheverfahren zum Vornherein (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_792/2009 vom
1. Februar 2010, E. 8). Der entsprechende Antrag ist ohne weiteres abzuweisen.
Ob der Beschwerdeführer allenfalls Anspruch auf Bestellung eines unentgeltlichen
Rechtsvertreters im Einspracheverfahren hat, kann vorliegend offen gelassen werden. Die
Vorinstanz hat den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in Ziff. 5 des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 2. Juni 2014 aufgefordert, das beigelegte Formular zusammen
mit einer in zeitlicher Hinsicht spezifizierten Kostennote einzureichen, worauf sie über das
entsprechende Gesuch separat entscheiden werde. Ob der Rechtsvertreter dieser
Aufforderung nachgekommen ist, ergibt sich nicht aus den Akten. Eine allfällige Abweisung
des Gesuchs wäre aber in jedem Fall separat anzufechten und bildet nicht Gegenstand des
vorliegenden Verfahrens.
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