Decision ID: 55fa1799-316f-4cc0-98bd-1c66221ec0dd
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963, war bei der Suva obligatorisch unfallversichert, als er sich am 2
8.
November 1991 eine Schnittverletzung
am
rechte
n
Zeigefinger
zuzog
(
Urk.
7/1)
.
Die Suva sprach ihm mit
Verfügung
vom
1
5.
Oktober 19
93 (7/18)
und
Ein
spracheentscheid
1
5.
Februar 1994 (
Urk.
7/19) eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von
10
%
und eine Integritätsentschädigung entsprechend einer Integritätseinbusse von 5
%
zu, was das Bundesgericht mit Urteil vom
6.
Juni 1997
bestätigt
e (
Urk.
7/22)
.
1.2
Am
1.
September 2016 zog sich der Versicherte eine Zehenf
raktur
am rechten Fuss
(
Urk.
8/1)
und am
8.
Januar 2017 eine Fraktur des linken Vorderarms
(
Urk.
9/2, vgl.
Urk.
9/4)
zu.
Die Suva hob mit Verfügung vom
7.
November 2018 (
Urk.
7/118 =
Urk.
8/139 =
Urk.
9/124) die 1991 zugesprochene Rente auf (S.
3
), hielt den Abschluss der 2016 und 2017 eröffneten Fälle fest
,
verneinte einen Rentenanspruch
(S. 4 unten)
und
sprach dem Versicherten eine
Integritätsentschädigung
entsprechend einer Integri
tätseinbusse von 10
%
zu
(S.
5
).
Die dagegen am 1
0.
November 2018 erhobene Einsprache (
Urk.
7/119 = Urk. 8/144 =
Urk.
9/127) wies sie mit
Einspracheentscheid
vom 1
2.
Februar 2020 ab (
Urk.
7/129 =
Urk.
8/151 =
Urk.
9/141 =
Urk.
2)
.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
2.
Februar 2020 (
Urk.
2) erhob der Versi
cherte am 1
6.
März 2020 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, dieser sei aufzu
heben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihm eine Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 56
%
, eventuell mindestens 30
%
, auszurichten (S. 2 oben
Ziff.
1 f.).
Die Suva beantragte mit
Beschwerdeantwort
vom 1
9.
Mai 20
20 (
Urk.
6)
die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am
3.
Juni 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
Am 1
3.
Juli 2020 reichte der Beschwerdeführer weitere medizinische Unterlagen (
Urk.
12/1-3) ein (
Urk.
11), und am 1
7.
Juli 2020 teilte ihm das Gericht mit, es sei ihm unbenommen, bis
1.
Dezember 2020 weitere Arztberichte, auch solche aus den Akten der Invalidenversicherung, einzureichen (
Urk.
13 S. 2
Ziff.
2), was nicht erfolgte.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebro
chen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Über
gangsbestimmungen).
Auf zwei de
r hier zu beurteilende
n Unfälle (1991, 2016), finden die
die bis 31. De
zember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung
, auf den dritten die ab
1.
Januar 2017 geltenden. Da sie, soweit vorliegend anwendbar, im Zuge der Revision unverändert geblieben sind, werden sie
in der
aktuellen
Fassung zitiert
.
1.2
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der (unfallbedingten) Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behand
lung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätig
keit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalidenein
kommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
1.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass
die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
1.4
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung entweder Tabellenlöhne gemäss der vom Bundesamt für Statistik periodisch her
ausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) oder die Zahlen der Dokumentation von Arbeitsplätzen (DAP) der Suva herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3 mit Hinweis).
Die DAP ist eine Sammlung von Beschreibungen in der Schweiz tatsächlich existierender Arbeitsplätze. Damit unterscheidet sie sich von der tabellarischen Darstellung von Durchschnittslöhnen, die im Rahmen der LSE vom Bundesamt für Statistik regelmässig erhoben werden. Neben allgemeinen Angaben und Ver
dienstmöglichkeiten werden in der DAP die physischen Anforderungen an die Stelleninhaber oder Stelleninhaberinnen festgehalten. Der Raster der körperlichen Anforderungskriterien basiert auf dem internationalen medizinischen Standard EFL nach Isernhagen (ergonomische Funktions- und Leistungsprüfung). Die Suva entschloss sich 1995 zum Aufbau der DAP mit dem Zweck, das Invalidenein
kommen entsprechend den gerichtlichen Anforderungen so konkret wie möglich ermitteln zu können (BGE 139 V 592 E. 6.1 mit Hinweisen).
Bei Heranziehen der DAP hat sich die Ermittlung des Invalideneinkommens auf mindestens fünf zumutbare Arbeitsplätze zu stützen. Zusätzlich sind Angaben zu machen über die Gesamtzahl der aufgrund der gegebenen Behinderung in Frage kommenden dokumentierten Arbeitsplätze, über den Höchst- und den
Tiefstlohn
sowie über den Durchschnittslohn der dem jeweils verwendeten Behinderungs
profil entsprechenden Gruppe. Damit soll die Überprüfung des Auswahlermessens ermöglicht werden, und zwar in dem Sinne, dass die Kenntnis der Gesamtzahl der dem verwendeten Behinderungsprofil entsprechenden Arbeitsplätze sowie des Höchst-, Tiefst- und Durchschnittslohnes im Bereich des Suchergebnisses eine zuverlässige Beurteilung der von der Suva verwendeten DAP-Löhne hinsichtlich ihrer Repräsentativität erlaubt. Das rechtliche Gehör ist dadurch zu wahren, dass die Suva die für die Invaliditätsbemessung im konkreten Fall herangezogenen DAP-Profile mit den erwähnten zusätzlichen Angaben auflegt und die versicherte Person Gelegenheit hat, sich dazu zu äussern. Allfällige Einwendungen der ver
sicherten Person bezüglich des Auswahlermessens und der Repräsentativität der DAP-Blätter im Einzelfall sind grundsätzlich im
Einspracheverfahren
zu erheben, damit sich die Suva im
Einspracheentscheid
damit auseinandersetzen kann. Ist die Suva nicht in der Lage, im Einzelfall den erwähnten Anforderungen zu genü
gen, kann im Bestreitungsfall nicht auf den DAP-Lohnvergleich abgestellt
werden; die Suva hat
diesfalls
im
Einspracheentscheid
die Invalidität aufgrund der LSE-Löhne zu ermitteln. Im Beschwerdeverfahren ist es Sache des angerufe
nen Gerichts, die Rechtskonformität der DAP-Invaliditätsbemessung zu prüfen, gegebenenfalls die Sache an den Versicherer zurückzuweisen oder an Stelle des DAP-Lohnvergleichs einen Tabellenlohnvergleich gestützt auf die LSE vorzu
nehmen (BGE 139 V 592 E. 6.3 mit Hinweis).
1.5
Anlass zur Revision einer Invalidenrente im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente (zum massgeblichen Vergleichszeitpunkt vgl. BGE 133 V 108 E. 5.4), die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beein
flussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesund
heitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgaben
bereich von Bedeutung; dazu gehört die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf
grund einer Angewöhnung oder Anpassung an die Behinderung. Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen und E. 6.1). Entsprechend ist gegebenenfalls nicht nur der natürliche Kausal
zusammenhang, sondern auch dessen Adäquanz für die Zukunft neu zu prüfen, wobei die im Zeitpunkt der erwogenen revisionsweisen Leistungsanpassung gegebenen tatsächlichen Verhältnisse massgebend sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_248/2017 vom 24. Mai 2018 E. 3.3 mit Hinweisen).
Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades ist die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und – sofern Anhaltspunkte für eine Verände
rung der erwerblichen Auswirkungen einer Gesundheitsschädigung bestehen – Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht (BGE 134 V 131 E. 3, 133 V 108 E. 5.3.1 und E. 5.4).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) davon aus, der medizinisch
e
Befund an der rechten Hand habe sich seit der Rentenfest
setzung beziehungsweise der letzten Beurteilung im Jahr 2010 wesentlich ver
bessert, weshalb ein Revisionsgrund vorliege. Zudem habe der Beschwerdeführer 2016 ein höheres Einkommen erzielt als das 1991
- auf 2016 hochgerechnete -
Einkommen. Mithin sei die bisher ausgerichtete Rente für die Folgen des Unfalls von 1991 aufzuheben (S. 12
Ziff.
5).
Bezüglich der Unfallereignisse von 2016 und 2017 resultiere gemäss der kreis
ärztlichen Beurteilung und gestützt auf DAP-Löhne ein Invalideneinkommen von
Fr.
67'888.-- (S. 13 f.
Ziff.
6.1). Das
Valideneinkommen
sei aus näher dargelegten Gründen mit
Fr.
68'328.-- zu beziffern (S. 14 f.
Ziff.
6a)
, womit kein anspruchs
relevanter Invaliditätsgrad resultiere (S. 15
Ziff.
7).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), aufgrund der Beschwerden am rechten Fuss sei er nur zu 80
%
arbeitsfähig (S. 4
Ziff.
12). Bezüglich der rechten Hand seien nach wie vor Einschränkungen vor
handen und es sei kein Revisionsgrund gegeben (S. 5
Ziff.
14). Zur Bestimmung des Invalideneinkommens sei auf die LSE abzustellen und es sei ein Abzug von mindestens 20
%
vom Tabellenlohn angezeigt (S. 5 f.
Ziff.
17). Das
Validenein
kommen
sei bezogen auf 45
Wochenstunden und damit auf Fr.
76'860.-- festzu
setzen (S. 6
Ziff.
18).
2.3
Strittig und zu prüfen sind die Aufhebung der bisher ausgerichteten Invaliden
rente sowie der aufgrund der Unfälle von 2016 und 2017 resultierende Invalidi
tätsgrad.
3.
3.1
Am 3
0.
November 2010 berichteten die Ärzte des Departements Chirurgie,
Y._
,
über ihre am 1
6.
September 2010 erfolgte Untersu
chung (
Urk.
7/85). Sie nannten folgende Diagnosen (S. 2
Ziff.
1):
nicht klar
korrelierbarer
Kraftverlust der rechten Hand mit nicht objekti
vierbarer Bewegungseinschränkung des Zeigefingers der rechten Hand und Flexionsdefizit des Kleinfingers rechts bei
-
Schnittverletzung
palmar
über dem PIP Zeigefinger mit Durchtrennung des radio-
palmaren
Gefässnervenbündels und Primärnaht am 28.
November 1991
-
Status nach Nervenrevision, Neuromresektion und Überbrückung des Ne
r
vendefektes am radio-
palmaren
Fingernerv mittels eines PIN
Interponats
von rechts am 2
8.
Oktober 1992
-
Status nach alter Schnittverletzung über der Grundphalanx des Klein
fingers rechts mit klinisch Verdacht auf Verletzung der tiefen Beuge
sehne
Ob sich die medizinische Situation an der rechten Hand gegenüber 2000 verän
dert habe, könne nicht schlüssig beantwortet werden. Die
Beschwielung
der rechten Hand, die grössere Umfangmessung am rechten Oberarm sowie die nicht vorhandene Fingergelenkssteife
ermöglich
ten
bezüglich der
inkonstant gemesse
nen Werte keine Interpretation des Testergebnisses (S. 2 f.
Ziff.
2).
Der Patient sei aufgrund der Unfallrestfolgen nicht wesentlich
handicapiert
. Die Arbeitsleistung müsste vor Ort im Sinne einer Arbeitsplatzevaluation geprüft wer
den (S. 3
Ziff.
3).
3.2
Gemäss Austrittsbericht vom 3
1.
August 20
17 (
Urk.
8
/88
=
Urk.
8/
89)
weilte der Beschwerdeführer vom 1
9.
Juli bis 2
3.
August 2017 stationär
in der Z._
.
Die berufliche Tätigkeit als Hilfsgipser sei nicht zumutbar. Zumutbar sei mittel
schwere Arbeit, wegen der Fussproblematik wechselbelastend sowie ohne Tätig
keit auf unebenem Gelände, ohne Zwangshaltungen wie Kauern, Hocken, Knien und ohne Ersteigen von Leitern
und
Gerüsten. Das linke Handgelenk betreffend bestünden keine Einschränkungen. Aus unfallfremden Gründen (Adipositas per magna,
Rhizarthrose
links) könnten schwere Tätigkeiten mit vollem Krafteinsatz der linken Hand nicht empfohlen werden (S. 3 Mitte).
3.3
Kreisarzt
med.
pract
. A._
, Facharzt für Chirurgie, nannte mit Bericht vom
2
1.
November
20
17 (7/114 = 8/100 = 9/78) über die gleichentags erfolgte Untersuchung
folgende Diagnosen
(S. 13):
auf der Leiter ausgerutscht und umgefallen (
1.
September
2016) mit
-
k
aum dislozierte
r
intraartikuläre
r
Fraktur der Basis der proximalen Phalanx
D
ig
. I F
uss
rechts
(
Condylusbereich
medial)
-
k
onservative Therapie
-
mutmasslich Entwicklung eines M.
Sudeck
(radiologisch!)
-
Rippenkontusion links
-
folgenlos ausgeheilt
auf
Glatteis ausgerutscht und auf die linke Hand gefallen (
8.
Januar
2017)
mit
-
d
istale
r
extraartikuläre
r
Radiusfraktur links
-
o
perative Sanierung mit winkelstabiler Platte am 1
7.
Januar
2017
-
mutmasslich ebenfalls Entwicklung eines M.
Sudeck
im Bereich der linken Hand
St
atus nach
Quetschverletzung der rechten Hand 1991 mit Schnittwunde am
Dig
.
II mit
-
Verletzung des
ulnaren
und radialen Gefässnervenbündels am
Dig
.
II
-
Status nach
Nerventransplantation (laut
Versichertem
mit wenig Erfolg)
-
initialer Kraftlosigkeit
-
jetzt motorisch einwandfreier Funktion ohne Ausfälle
Als u
nfallfremde Nebendiagnosen
nannte er (S. 13 unten)
:
-
r
ezidivierende depressive Stör
ung (ICD-1
0
F33.9)
-
Rhizarthrose
linke Hand, Grad III nach Eaton
-
a
rterielle Hypertonie (medikamentös eingestellt)
-
chronic
obstructive
pulmonar
y
disease
(
COPD
)
und SAP
-
g
renzwertiger Diabetes Mellitus Typ 2 (aktuell ohne Therapie)
-
Adipositas, aktuell Grad II-III
-
Status nach
C2-Abusus, eigenanamnestisch
-
Status nach
Nikotinabusus, laut V
ersicher
tem
zirka 100 pack-
years
(
py
)
In seiner Beurteilung führte er aus, bezüglich der rechten Hand sei es zu einem sehr guten Resultat gekommen. Die 2010 diskutierte Krafteinschränkung sei ver
schwunden. Die ausgezeichneten Messwerte entsprächen dem eines Gesunden. Die vom Versicherten manchmal angegebene Faustschlussunfähigkeit bezüglich
Dig
. II und V bestehe unter Ablenkung nicht. Die
Hyp
- beziehungsweise Anästhesie am Zeigfinger störe den Versicherten nach eigenen Angaben nicht. Sämtliche Spezialgriffe könnten kraftvoll und konzise ausgeführt werden, Ein
schränkungen im Berufsleben seien nicht mehr überwiegend wahrscheinlich vor
handen (S. 14 oben).
Bezüglich der linken Hand sei es noch nicht zu einem guten Resultat gekommen. Es sei zu einer posttraumatischen Früharthrose radiokarpal gekommen und zusammen mit dem Röntgenbefund ergebe sich das Vorliegen eines
complex
regional
pain
syndrome
(CRPS = Morbus
Sudeck
=
Algodystrophie
) I, das näher genannte therapeutische Massnahmen erfordere. Die Schmerzen am Daumen hin
gegen seien überwiegend wahrscheinlich einer
Daumengelenks- beziehungsweise Sattelgelenksarthrose zuzuschreiben, die nicht unfallkausal sei
(S. 14 Mitte).
Bezüglich des rechten Fusses sei die mediale
Capitulumfraktur
der Grosszehe abgeheilt
. Aber auch
hier
sei das Vorliegen eines CRPS I anzunehmen, das näher genannte therapeutische Massnahmen erfordere (S. 14 unten).
3.4
Mit Bericht vom 3
1.
August 2018 über die am 2
9.
August 2018 erfolgte Untersu
chung
(
Urk.
8/123 =
Urk.
9/108)
führte Kreisarzt
A._
aus, es
sei
auch bezüglich der linken Hand zu einem Endzustand gekommen, Anhaltspunkte für ein CRPS bestünden nicht (S. 15 Mitte).
Auch den rechten Fuss betreffend sei die
Trophik
gegenüber der Gegenseite nun symmetrisch, es bestünden keinerlei Anzeichen eines CRPS
. Im angestammten Beruf als Bauarbeiter/Gipser könne der Versicherte nicht mehr arbeiten (S. 15). Das Zumutbarkeitsprofil laute wie folgt: Auf der linken Seite dürften nur sehr leichte Lasten getragen werden, rechts sei das Tragen frei. Das Hantieren mit Werkzeugen sei auf der linken Seite leicht und auf der rechten Seite nicht einge
schränkt. Arbeiten über Kopfhöhe, bei welchen beide Hände gebraucht würden, sollten nicht ausgeführt werden. Das Sitzen sei frei. Arbeiten, welche rezidi
vierendes Knien und Kniebeugen erforderten, sollten ebenfalls nicht ausgeführt werden. Die längerdauernde Haltung könne frei gewählt werden. Die Fortbe
wegung könne über längere Strecken manchmal ausgeführt werden, auf das Gehen auf unebenem Gelände sei vollständig zu verzichten (S. 15 unten). Treppen könnten manchmal bestiegen werden, Leitern sollten nicht bestiegen werden. Arbeiten, welche beidhändig symmetrisch ausgeführt werden müssten beziehungsweise welche ein Gleichgewicht und/oder Balancieren erforderten, dürften nicht ausgeführt werden (S. 15 f.).
3.5
Ebenfalls am 3
1.
August 2019 beurteilte Kreisarzt
A._
den Integritätsschaden; er bezifferte ihn aufgrund einer mässigen Arthrose im Bereich der linken Hand
m
it 10
%
(
Urk.
8/124 =
Urk.
9/109).
3.6
Dr.
med. B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates sowie für Handchirur
gie, nannte mit Bericht vom 27.
August 2019 über die am Vortag erfolgte Untersuchung (
Urk.
9/136) folgende, hier leicht verkürzt angeführte, Diagnosen (S. 1):
-
persistierendes Schmerzsyndrom Vorderarm links bei
-
Status nach
palmarer
Plattenosteosynthese distaler Radius links am 14.
Januar 2017
-
Status nach dislozierter Fraktur nach Stolpersturz am
8.
Januar 2017
-
Funktionsminderung Hand rechts
bei
-
Status nach Sehnen-/Nervenverletzung
Dig
. II rechts 1991
-
Status nach unklarer Verletzung Kleinfinger rechts
-
Verdacht auf
Rhizarthrose
links
-
Verdacht auf
Lisfranc
-Arthrose/-Arthritis rechts mit Rückfuss-
Varus
-
anamnestisch Status nach CRPS Typ II
-
Status nach Leitersturz mit Fraktur
-
Adipositas
-
depressive Störung
-
Refluxerkrankung
-
arterielle Hypertonie
-
Diabetes mellitus Typ II
-
Status nach Operation eines Lungentumors
In seiner Beurteilung führte er unter anderem aus, er habe keine Hinweise auf eine chirurgisch verbesserbare Ursache für die Beschwerden des Patienten finden können. Mechanisch liege links eine gute und stabile Situation vor. Weder klinisch noch
sonografisch
zeigten sich gereizte Weichteile im Sinne einer
inflammatorischen
Reaktion durch die Platte. Auch fehlten grössere degenerative Veränderungen. Die neurologische Situation präsentiere sich auf beiden Seiten sehr inkonsistent. Auffallend sei, wie schon vom Kreisarzt erwähnt, dass beispielsweise der Zeigefinger rechts deutlich besser aktiviert werden könne, wenn der Patient etwas abgelenkt sei. Das vom Patienten angegebene Ausfall
muster passe ebenfalls nicht zu anatomischen Strukturen. Es stelle sich daher die Frage, ob die Einschränkungen letztlich nicht auch einen psychosomatischen Hintergrund hätten. Dies zu beurteilen übersteige
jedoch seine Kapazitäten als Handchirurg (S. 3).
3.7
Dr.
med. C._
, Oberärztin Handchirurgie,
D._
, nannte mit Bericht vom 1
3.
Juni 2020 (
Urk.
12/3) folgende Diagnosen (S. 1):
-
störendes
Osteosynthesematerial
distaler Radius links bei
-
Status nach offener Reposition und volarer Plattenosteosynthese einer distalen Radiusfraktur vom
8.
Januar 2017
-
Verdacht auf
complex
regional
pain
syndrome
(CRPS) im Verlauf
-
beginnende Arthrose
radioskaphoidal
-
Verdacht auf aktivierte
Rhizarthrose
links
-
Status nach Steroidinfiltration vom 1
2.
Juni 2017
-
Status nach Leitersturz vom
1.
September 2016
mit Distorsion Fuss rechts mit
/bei
-
intraartikulärer Fraktur IP-Gelenk beziehungsweise Grundphalanx Grosszehe rechts
-
CRPS Fuss rechts im Verlauf
-
MTP I-Arthrose Fuss rechts
-
Adipositas per magna
Im CT vom
8.
Juni 2020 zeige sich eine korrekte Lage des
Osteosynthesematerials
ohne Lockerungszeichen. Es könne jedoch im Bereich des distalen Plattenendes radial ein Knochensporn gesehen werden, der genau zur Schmerzlokalisation passe
. Es werde eine
Osteosynthesematerialentfernung
und Knochenspornab
tra
gung in Aussicht genommen (S. 2 oben).
Laut provisorischem Austrittsbericht vom 1
7.
Juni 2020 (
Urk.
12/1) weilte der Beschwerdeführer vom 1
6.
bis 1
8.
Juni 2020 in der
D._
, und es wurden die
beiden ersten der oben genannten Diagnosen gestellt (S. 1 Mitte).
Bei postoperativ unauffälligem Verlauf sei der Beschwerdeführer mit intakter Sensomotorik und reizlosen Wundverhältnissen ausgetreten (S. 1 unten).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer zog sich 1991 eine Schnittverletzung am rechten Zeige
finger zu (vorstehend E. 3.1).
Daraus ergaben sich
erwerbliche Beeinträchti
gungen, was 1993 zur
Zusprache
einer Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 10
%
führte (
Urk.
7/19).
4.2
Im Rahmen einer
Abklärung im Jahr 2010
konnte
nic
ht schlüssig beantwortet werden
, ob sich die medizinische Situation verändert habe, dies angesichts inkonstanter Wert
e
bei der Kraftmessung, der
Beschwielung
der rechten Hand, der grösseren Umfangmessung am rechten Oberarm und einer nicht vorhandenen Fingergelenkssteife (vorstehend E. 3.1).
Kreisarzt
A._
konstatierte sodann im November 2017 bezogen auf die 1991 verletzte rechte Hand eine motorisch einwandfreie Funktion ohne Ausfälle
. D
ie erhobenen Messwerte entsprächen dem eines Gesunden
, s
ämtliche Spezialgriffe könnten kraftvoll und konzise ausgeführt werden, Einschränkungen im Berufsle
ben seien nicht mehr überwiegend wahrscheinlich vorhanden
(vorstehend E. 3.3).
Dr.
B._
nannte im August 2019 unter den Diagnosen zwar eine Funktionsmin
derung der rechten Hand,
auf welche er
aber
keinen weiteren Bezug nahm,
bezeichnete die neurologische Situation als auf beiden Seiten sehr inkonsistent und bezog sich in seiner übrigen Beurteilung auf ein persistierendes Schmerzsyn
drom im Bereich des linken Vorderarms, für welches er keine chirurgisch ver
besserbare Ursache fand (vorstehend E. 3.6). Im Juni 2020
nannte
Dr.
C._
in
ihr
er handchirurgischen Beurteilung gar keine die rechte Hand betreffende Diagnose (vorstehend E. 3.7).
4.3
Aufgrund der genannten Beurteilungen ist offensichtlich, dass sich die gesund
heitliche Situation bezogen auf die 1991 erlittene Verletzung der rechten Hand revisionsrelevant verbessert hat. Führten die Beeinträchtigungen damals noch zu Einschränkungen, die einem Invaliditätsgrad von 10
%
entsprachen, war schon 2010 nur noch - eine überdies fragliche - Kraftminderung zu erheben (vorstehend E. 3.1), und 2017 war diesbezüglich mit schlüssiger Begründung keine Arbeits
unfähigkeit mehr zu attestieren.
Bei - bezogen auf die rechte Hand - voller Arbeitsfähigkeit besteht keine Veran
lassung zu einer Invaliditätsbemessung beziehungsweise eine solche ergibt einen Invaliditätsgrad von 0
%
.
Die erfolgte Rentenaufhebung erweist sich deshalb als zutreffend und diesbezüg
lich ist die Beschwerde abzuweisen.
5.
5.1
Der Beschwerdeführer erlitt sodann im September 2016 eine Fraktur der rechten Grosszehe und im
Januar 2017 eine Fraktur des linken Vorderarms.
Gemäss der Beurteilung im Austrittsbericht der
Z._
bestanden im August 2017 das linke Handgelenk betreffend keine Einschränkungen (vorste
hend E. 3.2).
Kreisarzt
A._
konstatierte im November 2017 bezüglich beider Verletzungen das Auftreten eines CRPS I sowie eine posttraumatische Früh
arthrose radiokarpal links (vorstehend E. 3.3), was schliesslich als Integritäts
schaden von 10
%
berücksichtigt wurde (vorstehend E. 3.5). Im August 2018 hielt Kreisarzt
A._
fest, dass keine Anhaltspunkte für ein CRPS mehr bestünden und es bezüglich der linken Hand zu einem Endzustand gekommen sei. Den rechten Fuss betreffend formulierte er ein näher umschriebenes Belastungsprofil (vorste
hend E. 3.4).
Dr.
B._
fand im August 2019 keine Hinweise auf eine chirurgisch verbesserbare Ursache des persistierenden Schmerzsyndroms im Bereich des linken Vorderarms und eine sehr inkonsistente neurologische Situation beidseits, was ihn die Frage nach einem psychosomatischen Hintergrund der Beschwerden aufwerfen liess (vorstehend E. 3.6).
Dr.
C._
fand im Juni 2020 eine korrekte Lage des
Oste
osynthesematerials
im Bereich des distalen Radius, sowie einen zu
r
Schmerzlo
kalisation passenden Knochensporn, der in der Folge operativ - und nach Lage der Akten erfolgreich - entfernt wurde (vorstehend D. 3.7).
5.2
Die Beeinträchtigungen, welche
Dr.
B._
organisch nicht
zu
erklären vermochte und
die
von
Dr.
C._
dem 2020 bildgebend erfassten
und sodann entfernten
Knochensporn zugeschrieben wurden, sind im kreisärztlichen Zumutbarkeits
profil hinreichend berücksichtigt, sah dieses doch unter anderem vor, dass auf der linken Seite nur sehr leichte Lasten getragen werden
dürften und das Hantieren mit Werkzeugen auf der linken Seite leicht eingeschränkt
sei (vorste
hend E. 3.4).
Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin der Invalidi
tätsbemessung bezogen auf die Unfälle von 2016 und 2017 das kreisärztliche Zumutbarkeitsprofil zugrunde legte.
5.
3
Seit
1.
Juli 2016 war der Beschwerdeführer bei der
E._
als Hilfsgipser mit einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden tätig (
Urk.
9/2
Ziff.
3). Die Arbeit
geberin bezifferte am 1
2.
September 2017 (
Urk.
9/69) und 2
6.
Januar 2018 (
Urk.
9/86) die Jahresarbeitszeit mit 2'080 Stunden (was 52 x 40 Stunden ent
spricht
)
und machte folgende Angaben zum Lohn (in Fr.):
2017
2018
Stundenlohn brutto
28.30
30.--
Ferien-/Feiertagsentschädigung
4.--
4.23
1
3.
Monatslohn
2.70
2.85
Gemäss der Zusammenfassung der Entscheidungsgrundlagen für die Rentenfest
setzung vom
6.
November 2018 (
Urk.
7/117 =
Urk.
8/138 =
Urk.
9/123) ermittelte die
Beschwerdegegnerin
das
Valideneinkommen
, indem sie den Stundenlohn plus Anteil 1
3.
Monatslohn mit 2'080 Jahresstunden multiplizierte (
Fr.
30.-- +
Fr.
2.85 x 2'080), was
Fr.
68'328.-- ergab (S. 5 unten).
Der Beschwerdeführer machte geltend, das von ihm 2016 und 2017 erzielte Ein
kommen sei von der ausgewiesenen 40-Stundenwoche auf eine branchenübliche 45-Stundenwoche umzurechnen, dies mit der Begründung, er habe wegen Rest
folgen des Unfalls von 1991 lediglich 40 Wochenstunden gearbeitet (
Urk.
1 S. 6
Ziff.
18). Dem kann nicht gefolgt werden. Wie dargelegt, bestanden zu diesem Zeitpunkt keine solchen Restfolgen mehr (vorstehend E. 4.
3), so dass das
Validen
einkommen
rechtsprechungskonform auf herkömmliche Weise (vorstehend E. 1.4) zu ermitteln ist.
Dies hat die Beschwerdegegnerin getan, womit das
Valideneinkommen
mit Fr. 68'328.-- zu beziffern ist.
5.
4
Zur E
rmittlung des hypothetischen Invalideneinkommens stellte die Beschwerde
gegnerin auf DAP-Profile ab (
Urk.
8/137
=
Urk.
9/120). Sie ermittelte 105
passende
DAP-Tätigkeiten mit einem durch
schnittlichen Einkommen von Fr.
67'905.--
,
und stützte sich sodann auf deren 5 mit einem durchschnittlichen Einkommen von rund
Fr.
67'888.-- (S. 1).
Dass die ausgewählten Tätigkeiten dem kreisärztlichen Anforderungsprofil nicht entsprechen würden, ist weder geltend gemacht worden noch gibt es dafür Anhaltspunkte.
Auch alle rechtsprechungsgemässen Anforderungen an die Ver
wendung von DAP-Daten (vorstehend E. 1.
4
) sind erfüllt.
Demnach beläuft sich das Invalideneinkommen auf
Fr.
67'888.--.
5.5
Bei einem
Valideneinkommen
von
Fr.
68'328.-- (vorstehend E. 5.3) und einem Invalideneinkommen von
Fr.
67'888.--
(vorstehend E. 5.4)
beträgt die Ein
kommenseinbusse Fr. 440.
, was einen Invaliditätsgrad von 0.64
%
ergibt, der keinen Rentenanspruch begründet.
Der angefochtene Entscheid ist mithin nicht zu beanstanden, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.