Decision ID: 2229904f-e813-49ec-8ff9-589533fcc64b
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im November 2014 zum Bezug von Ergänzungsleistungen an
(act. G 7.1.40), nachdem ihm die IV-Stelle mit einer Verfügung vom 23. September
2014 rückwirkend ab dem 1. August 2014 eine Entschädigung bei einer Hilflosigkeit
leichten Grades (wegen einer schweren Sehschwäche; vgl. act. G 7.3.104) und mit
einer Verfügung vom 24. September 2014 rückwirkend ab dem 1. August 2013 eine
ganze Rente zugesprochen hatte (vgl. act. G 7.1.41–4 f.). Mit einem Schreiben vom 5.
Dezember 2014 wies die EL-Durchführungsstelle den EL-Ansprecher darauf hin (act. G
7.1.31), dass sie zu prüfen habe, ob die nicht erwerbstätige Ehefrau in einem
ergänzungsleistungsrechtlichen Sinne auf die Erzielung eines Erwerbseinkommens
verzichte. Allenfalls werde bei der EL-Anspruchsberechnung ein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet werden müssen. Die EL-Durchführungsstelle forderte
den EL-Ansprecher auf, seine Ehefrau zur Beantwortung verschiedener Fragen
betreffend ihre berufliche Karriere anzuhalten. Am 22. Dezember 2014 gab die Ehefrau
des EL-Ansprechers an (act. G 7.1.22), sie habe keine berufliche Ausbildung absolviert.
In den Jahren 2002–2010 habe sie in einem Pensum von 30–40 Prozent als Putzfrau
gearbeitet. Aufgrund von „psychischen Beschwerden, Rückenschmerzen,
Fersenschmerzen“ sei sie nicht mehr arbeitsfähig. Sie habe sich am 10. Juni 2011 zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet. Mit einer
verfahrensleitenden Verfügung vom 16. Februar 2015 sistierte die EL-
Durchführungsstelle das EL-Verfahren bis zum Abschluss des IV-Verfahrens betreffend
das Rentenbegehren der Ehefrau des EL-Ansprechers (act. G 7.1.17).
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A.b Die Ehefrau des EL-Ansprechers hatte sich bereits im Juni 2011 unter Hinweis auf
eine „schwere Depression“ zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an-
gemeldet (act. G 7.4.1). Ihr Hausarzt Dr. med. B._ hatte im März 2012 berichtet (act.
G 7.4.19), die Ehefrau des EL-Ansprechers leide an einem cervico-cephalen
Schmerzsyndrom, an einer rezidivierenden depressiven Störung, (verdachtsweise) an
einem „ACS/Synkope“ und an einem Status nach einem Autounfall. Die „starke“
Depression wirke sich auf die Arbeitsfähigkeit aus, aber er, Dr. B._, habe keine
Arbeitsfähigkeitsschätzung vorgenommen; das sei Sache eines Psychiaters. Die Klinik
C._ hatte im Mai 2012 angegeben (act. G 7.4.22), die Ehefrau des EL-Ansprechers
leide an einer schweren depressiven Episode und an einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung. Sie sei im Februar 2012 zur zweiten stationären psychiatrischen
Behandlung in die Klinik eingetreten. Da sie sich bereits im Klinikalltag bei den meisten
Aktivitäten des täglichen Lebens überfordert gezeigt habe, sei sie im Moment nicht
fähig, einer behinderungsangepassten Tätigkeit nachzukommen. Auch das Psychiatrie-
Zentrum D._ hatte im November 2012 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit wegen
einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer damals schweren Episode ohne
psychotische Symptome attestiert (act. G 7.4.24). Im Auftrag der IV-Stelle hatte die
ärztliches Begutachtungsinstitut (ABI) GmbH im Dezember 2013 ein polydisziplinäres
Gutachten erstellt (act. G 7.4.49). Die Sachverständigen hatten festgehalten, die
Versicherte leide an einem chronischen cervico-spondylogenen und cervico-cephalen
Schmerzsyndrom, an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig
leichten bis mittelgradigen Episode sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit –
an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, an einer Adipositas und an
einem chronischen Nikotinkonsum mit einem schädlichen Gebrauch. Für ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten bestehe seit Mai 2011 eine durch die depressive Störung
bedingte Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent. Die Arbeitsfähigkeitsschätzungen der
Klinik C._ und des Psychiatrie-Zentrums D._ überzeugten nicht, da sich die
behandelnden Ärzte nicht mit der Frage nach der Zumutbarkeit einer erwerblichen
Tätigkeit auseinandergesetzt, sondern weitgehend auf die subjektiven Angaben der
Ehefrau des EL-Ansprechers abgestellt hätten. An sich müsste eine antidepressive und
neuroleptische Medikation verordnet werden, aber das sei wenig sinnvoll, weil davon
ausgegangen werden müsse, dass die Ehefrau des EL-Ansprechers die Medikamente
nicht regelmässig einnehme. Die im Gegensatz dazu konstante und regelmässige
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Einnahme von Benzodiazepinen sei ungünstig. Ein Arzt des IV-internen regionalen
ärztlichen Dienstes (RAD) hatte das Gutachten im Januar 2014 als überzeugend
qualifiziert (act. G 7.4.50). Ebenfalls noch im Januar 2014 hatte die IV-Stelle der Ehefrau
des Beschwerdeführers mittels eines Vorbescheides die Abweisung des
Rentenbegehrens mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades angekündigt
(act. G 7.4.53). Im März 2014 hatte diese einen Bericht von Dr. med. E._ von den
psychiatrischen Diensten Graubünden eingereicht (act. G 7.4.58–7 f.), laut dem sich ihr
Gesundheitszustand in den letzten Wochen erneut verschlechtert hatte und laut dem
sie an einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen gelitten
hatte. Im September 2014 hatte Dr. E._ berichtet (act. G 7.4.62), der
Gesundheitszustand der Ehefrau des EL-Ansprechers sei unverändert schlecht
geblieben. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die ABI GmbH im April 2016 ein
Verlaufsgutachten (act. G 7.4.80). Die Sachverständigen führten aus, im Vergleich zur
letzten Begutachtung sei der Gesundheitszustand im Wesentlichen unverändert
geblieben. Auf die Berichte von Dr. E._ könne nicht abgestellt werden, da dieser
seine Diagnosestellung und seine Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht überzeugend
begründet habe. Die Ehefrau des EL-Ansprechers sei nach wie vor zu 80 Prozent
arbeitsfähig. Eine RAD-Ärztin qualifizierte das Gutachten der ABI GmbH als
überzeugend (act. G 7.4.81). Im Juni 2016 forderte die Rechtsvertreterin der Ehefrau
des EL-Ansprechers eine Kopie des Gutachtens an (act. G 7.4.82). Eine solche wurde
ihr dann umgehend zugestellt (act. G 7.4.83). Mit einem Vorbescheid vom 9.
September 2016 teilte die IV-Stelle der Ehefrau des EL-Ansprechers mit, dass sie (nach
wie vor) die Abweisung des Rentenbegehrens mangels eines rentenbegründenden
Invaliditätsgrades vorsehe (act. G 7.4.87). Am 19. Oktober 2016 verfügte sie
entsprechend (act. G 7.4.88).
A.c Am 25. Oktober 2016 teilte der EL-Ansprecher der EL-Durchführungsstelle mit
(act. G 7.1.15), dass die IV-Stelle das Rentenbegehren der Ehefrau mit einer Verfügung
vom 19. Oktober 2016 abgewiesen habe. Die Ehefrau werde kein Rechtsmittel gegen
diese Verfügung erheben, weshalb das IV-Verfahren als abgeschlossen betrachtet
werden könne. Am 7. Dezember 2016 notierte ein Sachbearbeiter der EL-
Durchführungsstelle (act. G 7.1.13–2), laut einem polydisziplinären Gutachten, das im
Auftrag der IV-Stelle erstellt worden sei, sei die Ehefrau des EL-Ansprechers zu 80
Prozent arbeitsfähig. Trotzdem gehe diese keiner Erwerbstätigkeit nach. Sie habe auch
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nicht nachgewiesen, dass sie unverschuldet arbeitslos sei. Folglich sei ihr ein
hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen. Dessen Betrag sei ausgehend von
den Ergebnissen der Lohnstrukturerhebung für das Jahr 2014 zu berechnen. Davon sei
ein Abzug von 30 Prozent („Alter, Gesundheit“) zu machen. Das ergebe ein
hypothetisches Bruttoerwerbseinkommen von 32’439 Franken. Mit einer Verfügung
vom 10. Dezember 2016 wies die EL-Durchführungsstelle das Leistungsbegehren des
EL-Ansprechers ab (act. G 7.1.4). Zur Begründung führte sie aus, die EL-
Anspruchsberechnung habe für den gesamten Zeitraum von August 2013 bis
Dezember 2016 einen Einnahmenüberschuss ergeben.
A.d Am 24. Januar 2017 liess der EL-Ansprecher eine Einsprache gegen die Verfügung
vom 10. Dezember 2016 erheben (act. G 7.2.8). Seine Rechtsvertreterin beantragte die
Zusprache einer Ergänzungsleistung rückwirkend ab August 2013. Zur Begründung
führte sie aus, erst mit der Zustellung des Vorbescheides vom 9. September 2016 habe
definitiv festgestanden, dass die Ehefrau des EL-Ansprechers für adaptierte Tätigkeiten
zu 80 Prozent arbeitsfähig sei. Die behandelnden Ärzte hätten noch bis zum 31.
Oktober 2016 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Ein hypothetisches
Erwerbseinkommen dürfe folglich frühestens ab dem 9. September 2016 angerechnet
werden. Mit einem Entscheid vom 14. Juni 2017 wies die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache ab (act. G 7.2.3). Zur Begründung führte sie aus, rechtsprechungsgemäss
sei die rückwirkende Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens zulässig.
Wenn ein EL-Bezüger ein Rentenerhöhungsgesuch einreiche, das dann abgewiesen
werde, sei das bisher angerechnete hypothetische Erwerbseinkommen für die gesamte
Dauer des IV-Abklärungsverfahrens anzurechnen. Eine „Ausscheidung“ allein mit der
Begründung, der EL-Bezüger sei sich nicht sicher gewesen, ob sein
Rentenerhöhungsgesuch gutgeheissen werde, sei nicht zulässig. Hier liege ein
vergleichbarer Fall vor, weshalb für die gesamte massgebende Dauer von einer
Arbeitsfähigkeit der Ehefrau von 80 Prozent auszugehen sei.
B.
B.a Am 8. August 2017 liess der EL-Ansprecher (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 14. Juni 2017 erheben (act. G
1). Sein Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung des angefochtenen
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Einspracheentscheides und die Zusprache einer Ergänzungsleistung mit Wirkung ab
dem 1. August 2013. Zur Begründung führte er an, die Ehefrau des Beschwerdeführers
habe frühestens ab dem Zeitpunkt der Zustellung des IV-Vorbescheides am 12.
September 2016 wissen können, dass sich der Invaliditätsgrad nur auf 16 Prozent (im
Erwerbsbereich) belaufen habe. Folglich könne für die Zeit davor kein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet werden. Hinzu komme, dass die jüngste Tochter im
August 20_ erst etwas mehr als _ Jahre alt und damit noch betreuungsbedürftig
gewesen sei. Der praktisch blinde Beschwerdeführer habe die Betreuung der Tochter
nicht sicherstellen können. Zudem sei er selbst – als Bezüger einer
Hilflosenentschädigung – auf eine Betreuung durch seine Ehefrau angewiesen
gewesen, was die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit verunmöglicht habe. Am 19.
September 2017 liess der Beschwerdeführer Nachweise für die Stellenbemühungen
seiner Ehefrau in der Zeit von Januar bis Juni 2017 nachreichen (act. G 5.1).
B.b Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte

am 26. September 2017 unter Hinweis auf die Erwägungen im angefochtenen
Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G 7).
B.c Der Beschwerdeführer liess am 15. November 2017 an seinen Anträgen festhalten
(act. G 12). Auch die Beschwerdegegnerin hielt an ihrem Antrag fest (act. G 14).
Erwägungen
1.
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG). Der Zweck
der Ergänzungsleistung besteht also in der Deckung eines tatsächlichen finanziellen
Bedarfs. Dementsprechend gilt der Grundsatz, dass bei der Anspruchsberechnung die
tatsächlichen Ausgaben und Einnahmen zu berücksichtigen sind (Art. 10 f. ELG). Der
Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG sieht eine Ausnahme von diesem Grundsatz vor: Bei der
Anspruchsberechnung sind auch Einnahmen und Vermögenswerte anzurechnen, auf
die verzichtet worden ist. Das bedeutet, dass real nicht (mehr) vorhandene
Vermögenswerte oder real nicht (mehr) erzielte Einnahmen so angerechnet werden, als
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wären sie (noch) vorhanden respektive als würden sie (noch) erzielt. Statt auf den
tatsächlichen Sachverhalt (nicht vorhandenes Vermögen oder nicht erzielte Einnahme)
wird also auf einen fiktiven Sachverhalt abgestellt, das heisst es wird fingiert, der
fragliche Vermögenswert sei (noch) vorhanden beziehungsweise die fragliche Einnahme
werde (noch) erzielt. Mit der Anrechnung einer entsprechenden – in der
Verwaltungspraxis als hypothetisches Vermögen oder als hypothetisches Einkommen
bezeichneten – Einnahme kann verhindert werden, dass die Allgemeinheit (die die
Ergänzungsleistung über die Steuern finanziert) einen Bedarf decken muss, der nur
deshalb entstanden ist, weil der EL-Ansprecher oder der EL-Bezüger auf einen
Vermögenswert oder auf eine Einnahme verzichtet hat, mit dem be¬ziehungsweise mit
der er diesen Bedarf aus eigenen Mitteln hätte decken können. Der Art. 11 Abs. 1 lit. g
ELG will also einen EL-spezifisch betrachtet rechtsmissbräuchlichen Bezug von
Ergänzungsleistungen verhindern.
2.
2.1 Die Ehefrau des Beschwerdeführers hat im hier massgebenden Zeitraum kein
Erwerbseinkommen erzielt. Die Beantwortung der Frage, ob darin ein Verzicht im Sinne
des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG zu erblicken sei, hängt davon ab, ob es ihr möglich und
zumutbar gewesen ist, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen und ein entsprechendes
Einkommen zu erzielen. Massgebend ist in diesem Zusammenhang, ob die Ehefrau des
Beschwerdeführers arbeitsfähig gewesen ist und ob allfällige Betreuungspflichten der
Aufnahme einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit entgegengestanden sind. Falls die
Ehefrau des Beschwerdeführers arbeitsfähig und nicht durch Betreuungspflichten an
der Ausübung einer Erwerbstätigkeit verhindert gewesen ist, muss sie als arbeitslos
qualifiziert werden. Entscheidend ist in diesem Fall, ob sie selbstverschuldet oder
unverschuldet arbeitslos gewesen ist.
2.2 Mit der Frage nach der Arbeitsfähigkeit der Ehefrau des Beschwerdeführers hat
sich vorliegend die IV-Stelle eingehend auseinandergesetzt. Sie hat die Berichte der
behandelnden Ärzte eingeholt und zwei medizinische Gutachten in Auftrag gegeben.
Die ABI GmbH hat nach einer ersten Begutachtung im Oktober 2013 mit einer
überzeugenden Begründung rückwirkend ab Mai 2011 (mit Ausnahme der beiden
Aufenthalte in der Klinik C._) durchgehend eine Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent für
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ideal leidensadaptierte Tätigkeiten attestiert. Auf den ersten Blick scheint sich aber der
Gesundheitszustand der Ehefrau des Beschwerdeführers bereits kurz nach dieser
ersten Begutachtung verschlechtert zu haben, denn der ab März 2014 neu
behandelnde Psychiater Dr. E._ hat in seinen Berichten von März und September
2014 akustische Halluzinationen in der Form von imperativen Stimmen beschrieben,
was er als ein psychotisches Symptom der bekannten depressiven Störung qualifiziert
hat. Bei genauer Betrachtung fällt aber auf, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers
gegenüber Dr. E._ Angaben gemacht hat, die sich so deutlich von jenen
unterschieden, die sie noch wenige Wochen davor gegenüber den Sachverständigen
der ABI GmbH gemacht hatte, dass der Eindruck entsteht, die Sachverständigen der
ABI GmbH und Dr. E._ hätten zwei verschiedene Personen beschrieben. Die
Unterschiede sind derart gross, dass sie nicht mit einer entsprechenden Veränderung
des Gesundheitszustandes der Ehefrau des Beschwerdeführers erklärt werden können.
Auch lassen sich die Unterschiede nicht mit einer leicht diskrepanten diagnostischen
Beurteilung innerhalb der oft anzutreffenden medizinischen Unsicherheiten begründen.
Vielmehr kann nur eine der beiden Beurteilungen zutreffen: Entweder überzeugen die
von den Sachverständigen der ABI GmbH gestellten Diagnosen oder jene, die Dr. E._
gestellt hat; entweder überzeugt die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen
der ABI GmbH oder jene von Dr. E._. Eine dritte Möglichkeit ist nicht ersichtlich. Bei
der Würdigung der beiden sich beinahe diametral entgegenstehenden Beurteilungen
fällt ins Gewicht, dass die Sachverständigen der ABI GmbH im Rahmen einer im April
2016 durchgeführten Verlaufsbegutachtung keine objektiven klinischen Befunde haben
erheben können, die zu den subjektiven Angaben der Ehefrau des Beschwerdeführers
gegenüber Dr. E._ gepasst hätten. Sie haben mit einer überzeugenden Begründung
aufgezeigt, dass sich jene subjektiven Angaben keinem spezifischen psychischen
Beschwerdebild zuordnen liessen und dass der massgebende objektive klinische
Befund bei der Verlaufsbegutachtung im Wesentlichen jenem bei der ersten
Begutachtung entsprochen habe. Damit haben sie mit dem erforderlichen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit die behauptete Verschlechterung des
Gesundheitszustandes im Januar oder Februar 2014 widerlegt. Das bedeutet, dass die
Ehefrau des Beschwerdeführers überwiegend wahrscheinlich ab Mai 2011
durchgehend zu 80 Prozent arbeitsfähig für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten
gewesen ist.
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2.3 Nun könnte die Ehefrau des Beschwerdeführers aber einwenden, sie sei (trotz der
objektiven Zumutbarkeit eines Arbeitspensums von 80 Prozent) völlig davon überzeugt
gewesen, dass sie arbeitsunfähig sei. Zudem könnte sie geltend machen, dass die
behandelnden Ärzte ihr ab Mai 2011 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert
hätten. Tatsächlich haben sämtliche Therapeuten die Ehefrau des Beschwerdeführers
bis zur ersten Begutachtung durch die ABI GmbH im Oktober 2013 in ihrer Ansicht
bestärkt, sie sei vollständig arbeitsunfähig und deshalb nicht in der Lage, einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen. Zweimal ist die Ehefrau des Beschwerdeführers sogar
stationär psychiatrisch behandelt worden. Vor diesem Hintergrund kann trotz der
später retrospektiv attestierten Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent für ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten nicht angenommen werden, die Ehefrau des
Beschwerdeführers hätte schon lange vor der ersten Begutachtung durch die ABI
GmbH erkennen müssen, dass sie – trotz den übereinstimmenden, anderslautenden
Arbeitsunfähigkeitsattesten der behandelnden Ärzte – an sich in der Lage gewesen ist,
eine Arbeitstätigkeit aufzunehmen. In dieser speziellen Situation ist es für die Ehefrau
des Beschwerdeführers selbstverständlich gewesen, sich nicht um eine Arbeitsstelle zu
bemühen. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin kann deshalb nicht gestützt
auf die (erst viel später festgestellte) objektive Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent davon
ausgegangen werden, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers selbstverschuldet
arbeitslos gewesen sei und deshalb auf die Erzielung eines Erwerbseinkommens
verzichtet habe. Nach der ersten Begutachtung durch die ABI GmbH hat sich die Sach-
lage allerdings anders dargestellt: Ab diesem Zeitpunkt hat der Ehefrau des
Beschwerdeführers bewusst sein müssen, dass ihr aus objektiver Sicht – entgegen
ihrer subjektiven Krankheitsüberzeugung und entgegen der Angaben der behandelnden
Ärzte – ein Erwerbspensum von 80 Prozent zumutbar gewesen ist. Daran hat sich
anschliessend nichts mehr geändert, denn entgegen den Angaben in den (nicht
überzeugenden) Berichten von Dr. E._ hat sich der Gesundheitszustand der Ehefrau
des Beschwerdeführers nach der ersten Begutachtung durch die ABI GmbH nicht
verschlechtert. Diese hat folglich nicht davon ausgehen können, sie sei nun wieder
vollständig arbeitsunfähig, denn ihr muss bewusst gewesen sein, dass sie nach wie vor
im selben Umfang wie bei der ersten Begutachtung durch die ABI GmbH arbeitsfähig
gewesen und geblieben ist. Das Ergebnis der Verlaufsbegutachtung hat diese bereits
vorhandene Kenntnis der Ehefrau des Beschwerdeführers dann – aus ihrer Sicht –
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lediglich noch „offiziell“ bestätigt. Zusammenfassend hat der Ehefrau des
Beschwerdeführers also bereits ab Februar 2014 bewusst sein müssen, dass sie aus
medizinischer Sicht arbeitsfähig und damit verpflichtet gewesen ist, sich um eine
Arbeitsstelle zu bemühen.
2.4 Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers haben der Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit in einem Pensum von 80 Prozent keine Betreuungspflichten entgegen
gestanden. Die jüngste Tochter ist im Zeitpunkt des frühestmöglichen
Anspruchsbeginns – August 20_ – nämlich bereits über _ Jahre alt und damit nicht
mehr auf eine intensive Betreuung angewiesen gewesen. Die noch notwendige
Betreuung hätte die Ehefrau des Beschwerdeführers wohl auch trotz eines
Arbeitspensums von 80 Prozent gewährleisten können. Auch der Beschwerdeführer
selbst ist nicht auf eine intensive Betreuung angewiesen gewesen, denn er ist nur
aufgrund eines „Sonderfalls“ Bezüger einer Hilflosenentschädigung (vgl. Art. 37 Abs. 3
lit. d IVV), das heisst er ist nur für die Pflege gesellschaftlicher Kontakte auf eine
regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen. Die dafür notwendige Betreuung
steht der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit der Ehefrau nicht entgegen. Zudem hätte er
trotz seiner Gesundheitsbeeinträchtigung eine allenfalls noch notwendige geringfügige
Betreuungspflicht gegenüber der Tochter erfüllen können. Bleibt zu prüfen, ob die
Ehefrau selbstverschuldet oder unverschuldet arbeitslos gewesen ist.
2.5 Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen geht in ständiger
Rechtsprechung (vgl. statt vieler den Entscheid EL 2016/19 vom 15. August 2017, E.
2.2) davon aus, dass im Beschwerdeverfahren nicht der Sachverhalt bis zur Eröffnung
des angefochtenen Einspracheentscheides, sondern nur der Sachverhalt bis zur
Eröffnung jener Verfügung massgebend ist, die im Einspracheverfahren auf ihre
Rechtmässigkeit überprüft worden ist. Als „streitiges“ Verfahren setzt das
Einspracheverfahren nämlich einen zum Vorneherein klar definierten Streitgegenstand
voraus, was nur dann der Fall sein kann, wenn sich dieser nach der Eröffnung des
Einspracheverfahrens nicht mehr weiter verändern kann. Eine solche nachträgliche
Veränderung des Streitgegenstandes träte aber ein, wenn auch die
Sachverhaltsentwicklung während des laufenden Einspracheverfahrens zum
Gegenstand des Einspracheverfahrens gehören würde. Im Umfang dieser
nachträglichen Erweiterung des Streitgegenstandes wäre der Einspracheentscheid
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genau betrachtet kein Einspracheentscheid mehr, sondern eine Verfügung, denn eine
den Zeitraum zwischen der Eröffnung der angefochtenen Verfügung und der Eröffnung
des Einspracheentscheides betreffende Verfügung würde ja fehlen, das heisst die
Verwaltung würde sich im Einspracheentscheid erstmals mit dem entsprechenden
Sachverhalt befassen, was typisch für ein ursprüngliches Verwaltungsverfahren, das
mit einer Verfügung abgeschlossen wird, aber völlig untypisch für ein
Rechtsmittelverfahren ist. Die versicherte Person könnte diesen Teil des
Einspracheentscheides respektive gegen die als Einspracheentscheid „verkleidete“
Verfügung keine Einsprache mehr erheben. Sie würde also eines Rechtsmittels
beraubt, wenn der Einspracheentscheid auch die Sachverhaltsentwicklung bis zu
seiner Eröffnung berücksichtigen müsste. Für den vorliegenden Fall bedeutet das, dass
nur der Sachverhalt bis zum 10. Dezember 2016 massgebend ist. Da sich die
Nachweise für erfolglose Stellenbemühungen der Ehefrau des Beschwerdeführers auf
die Zeit ab Januar 2017 und damit nach dem 10. Dezember 2016 beziehen, sind sie in
diesem Verfahren nicht weiter zu berücksichtigen. Für den gesamten hier
massgebenden Zeitraum von August 2013 bis Dezember 2016 liegen keine Nachweise
für erfolglose Stellenbe¬mühungen bei den Akten. Die Ehefrau des Beschwerdeführers
hat folglich nicht nachweisen können, dass sie trotz ernsthafter und ausreichender
Stellenbemühungen auf dem konkreten tatsächlichen Arbeitsmarkt keine Arbeitsstelle
gefunden hat beziehungsweise unverschuldet arbeitslos gewesen ist.
2.6 Die Ehefrau des Beschwerdeführers hat also ab Februar 2014 gewusst, dass es ihr
aus medizinischer Sicht zumutbar gewesen ist, eine Erwerbstätigkeit in einem Pensum
von 80 Prozent aufzunehmen. Sie ist auch effektiv in diesem Umfang arbeitsfähig
gewesen. Der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit haben zudem keine
Betreuungspflichten entgegengestanden. Trotzdem hat sich die Ehefrau des
Beschwerdeführers nicht um eine Arbeitsstelle bemüht, weshalb sie ab Februar 2014
selbstverschuldet arbeitslos gewesen ist, das heisst sie hat im Sinne des Art. 11 Abs. 1
lit. g ELG auf die Erzielung eines Erwerbseinkommens verzichtet. Wenn sie sich um
eine Arbeitsstelle bemüht hätte, hätte sie frühestens im März 2014 zu arbeiten
beginnen können. Den ersten Lohn hätte sie folglich frühestens Ende März 2014
erhalten, das heisst sie hätte diesen frühestens im April 2014 für die Deckung des
Familienbedarfs verwenden können (vgl. dazu auch den Entscheid EL 2014/51 des St.
Galler Versicherungsgerichtes vom 24. Mai 2016, E. 3.4). Folglich erweist sich die
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Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens nur für die Zeit vom 1. April
2014 bis zum 31. Dezember 2016 als rechtmässig; für die Zeit vom 1. August 2013 bis
zum 31. März 2014 hingegen darf kein hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau
des Beschwerdeführers angerechnet. Diesbezüglich muss der angefochtene
Einspracheentscheid korrigiert werden.
3.
Bei der Bestimmung der Höhe des hypothetischen Erwerbseinkommens ist die
Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid weitgehend korrekt
vorgegangen: Den Ausgangswert bildet der für die Grossregion Ostschweiz
massgebende statistische Hilfsarbeiterinnenlohn gemäss den Ergebnissen der
Schweizer Lohnstrukturerhebung; die Kürzung des gesamtschweizerischen Wertes um
zehn Prozent zur Annäherung an den für die Grossregion Ostschweiz massgebenden
Wert entspricht der ständigen Praxis des Versicherungsgerichtes des Kantons St.
Gallen (vgl. etwa den Entscheid EL 2016/3 vom 9. August 2017, E. 5.4). Auch die
Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzuges von zehn Prozent erweist sich als
angemessen. Allerdings hätte die Beschwerdegegnerin diesen nicht zum Abzug für den
erhöhten Pausenbedarf von 20 Prozent addieren dürfen, sondern in einer separaten
Multiplikation berücksichtigen müssen. Als falsch erweist sich auch die
Nichtberücksichtigung der (hypothetischen) Beiträge an die obligatorische
Nichtberufsunfallversicherung und an die berufliche Vorsorge. Bei der
Nichtberufsunfallversicherung handelt es sich nämlich um einen Teil der
obligatorischen Unfallversicherung gemäss dem UVG. Jeder Arbeitnehmer, der
mindestens acht Stunden pro Woche für einen Arbeitgeber tätig ist, ist obligatorisch
gegen Nichtberufsunfälle versichert (Art. 7 Abs. 2 UVG, Art. 8 Abs. 2 UVG und Art. 13
UVV). Die Prämie für die Nichtberufsunfall-Teilversicherung wird in aller Regel vom
Arbeitgeber auf den Arbeitnehmer überwälzt (vgl. Art. 91 UVG). Folglich handelt es sich
bei den Prämien für die obligatorische Nichtberufsunfallversicherung gemäss dem UVG
um Sozialversicherungsbeiträge, die vom Bruttoeinkommen abzuziehen sind. Dasselbe
gilt sinngemäss auch in Bezug auf die Beiträge an die berufliche Vorsorge. Der
Umstand, dass diese Beiträge nicht in Prozenten vom Bruttoeinkommen erhoben
werden und dass der entsprechende Betrag deshalb in Bezug auf ein hypothetisches
Erwerbseinkommen nur schwer geschätzt werden kann, erlaubt es nicht, sie bei der
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Berechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens einfach zu ignorieren. Mangels
aussagekräftigerer Zahlen berücksichtigt das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen für gewöhnlich einen – die Beiträge an die AHV/IV/EO und an die
Arbeitslosenversicherung einschliessenden – Beitragsabzug von total neun Prozent
(vgl. zum Ganzen auch den Entscheid EL 2014/46 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 26. April 2016, E. 4.8). Zusammenfassend ist das
hypothetische Erwerbseinkommen auf 4’112 Franken × 12 ÷ 40 × 41,7 × 0,9
(Umrechnung vom Schweizer Wert auf den Wert für die Grossregion Ostschweiz) × 0,8
(Arbeitsfähigkeitsgrad) × 0,9 (Tabellenlohnabzug) × 0,91 (Abzug für
Sozialversicherungsbeiträge) = 30’334 Franken festzusetzen. Das von der
Beschwerdegegnerin angerechnete hypothetische Erwerbseinkommen von 32’439
Franken erweist sich damit als zu hoch, weshalb der angefochtene
Einspracheentscheid auch diesbezüglich zu korrigieren ist.
4.
4.1 An sich könnte das Versicherungsgericht die übrigen Berechnungspositionen
überprüfen und anschliessend die Ergänzungsleistung für den gesamten Zeitraum vom
1. August 2013 bis zum 31. Dezember 2016 neu festsetzen. Da ein Beschwerde-
respektive (kantonalrechtlich) Rekursentscheid aber nicht in Wiedererwägung gezogen
werden kann, bestünde bei diesem Vorgehen die Gefahr, dass ein später nicht mehr
korrigierbarer Fehler gemacht würde. Das kann vermieden werden, indem die Sache
zur erneuten Festsetzung der Ergänzungsleistung für die Zeit ab dem 1. August 2013 –
bis zur Eröffnung der neuen Verfügung – an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen
und diese verpflichtet wird, der Ehefrau des Beschwerdeführers ab dem 1. April 2014
ein hypothetisches Erwerbseinkommen von 30’334 Franken (das natürlich laufend an
die Nominallohnentwicklung anzupassen ist) anzurechnen.
4.2 Hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen gilt dieser Verfahrensausgang
als ein vollständiges Obsiegen des Beschwerdeführers. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine
Parteientschädigung auszurichten. Angesichts des durchschnittlichen
Vertretungsaufwandes ist die Parteientschädigung praxisgemäss auf 3’000 Franken
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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