Decision ID: fd75a1cb-ca56-4c30-81ed-a057d85148dc
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1964 geborene
X._
war vom
1.
Januar 2000 bis am 3
1.
Mai 2016 als Education Manager bei der
Y._
GmbH angest
e
llt, wobei ihr letzter effektiver Arbeitstag
der
1
3.
November 2015 war (
Urk.
17/
21).
Nachdem
X._
v
om
9.
bis 2
2.
November 2016 (Urk.
17/13/7-8) sowie vom
9.
April bis
3.
Mai 2017 (
Urk.
17/13/3-6) in der
Psychiatrie Z._
hospitalisiert
ge
wesen war, war sie ab dem
3
0.
Juni 201
7
erneut
in stationäre
r
Behandlung
in der
Psychiatrie Z._
(
Urk.
17/13
/1-2
). Am
1
0.
August 2017 trat
sie aus der
Psychiatrie Z._
aus und
begab sich
in stationäre Behandlung in der
Klinik A._
(
Urk.
17/
12). Am
4.
Dezember 2017 (Eingangsdatum)
meldete sie sich
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
17/
2). Die IV-Stelle liess einen Auszug aus dem Individuellen Konto erstellen (
Urk.
17/
7) und führte mit der Versicherten am 2
2.
Januar 2018 ein Standortgespräch durch (
Urk.
17/
9).
In der Folge gingen bei der IV-Stelle Berichte der
Klinik A._
(
Urk.
17/12) und der
Psychiatrie Z._
(
Urk.
17/13) ein.
Am
2
5.
Januar 2018
endete der stationäre Aufenthalt
der Versicherten
in der
Klinik A._
und
sie
trat zur Nachbehandlung ins
Zentrum B._
ein
(
Urk.
17/12/3).
Am 1
2.
Februar 2018 nahm sie eine Tätigkeit
in einem Pensum von 80
%
bei der Stiftung
C._
im geschützten Rahmen
auf (Urk.
17/
16,
Urk.
17/
19).
Die Versicherte trat per 3
1.
Januar 2019 aus dem
Zentrum B._
Zürich aus. Gleichzeitig endete ihre Tätigkeit für die Stiftung
C._
(
Urk.
17/
27).
A
m
4.
Februar 2019
teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit, dass Eingliederungsmassnahmen nicht möglich seien (
Urk.
17/
29). Nachdem
die IV-Stelle einen Bericht vom Konstantinos
K._
, Oberarzt, vom
Zentrum B._
Zürich eingeholt hatte (
Urk.
17/40) und
der behandelnde Psychiater
med.
pract
.
D._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
,
trotz diverser Auf
forderungen (
Urk.
17/
22,
Urk.
17/
23,
Urk.
17/
24,
Urk.
17/
25,
Urk.
17/
28, Urk.
17/
33,
Urk.
17/
37,
Urk.
17/
42,
Urk.
17/
44,
Urk.
17/
48,
Urk.
17/
49,
Urk.
17/
50
)
keinen Bericht eingereicht
hatte (
Urk.
17/
54/8)
, stellte die IV-Stelle mit
Vorbescheid
vom
2.
Juli 2020 in Aussicht, einen Leistungsanspruch der Ver
sicherten zu verneinen (
Urk.
17/
55).
Am 3
0.
November 2020 ging bei der IV-Stelle ein Bericht von
Dr.
D._
ein (
Urk.
17/
70).
In der Folge gab
sie
bei
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie
lic
. phil.
F._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, ein
bi
disziplinäres
Gutachten in Auftrag (
Urk.
17/
84), welches am
1.
Juli 2021 erstattet wurde (
Urk.
17/
98
-99
)
. Am 2
7.
September 2021 erliess die IV-Stelle einen neuen Vorbescheid und stellte in Aussicht,
einen Rentenanspruch der Versicherten zu verneinen
(
Urk.
1
7
/101). Dageg
en erhob die Versicherte am 28.
Oktober 2021 Einwand (
Urk.
1
7
/106). Mit Verfügung vom
9.
November 2021 verneinte die IV-Stelle einen
Renten
anspruch der Versicherten (
Urk.
2).
2.
Mit
einer mit
8.
Dezember 2021
datierten Eingabe (
Urk.
1)
erhob die Versicherte
unter Beilage eines Berichts von med.
pract
.
D._
vom
9.
Dezember 2021 (Urk.
3)
beim hiesigen Gericht Beschwerde. Mit Verfügung vom
3.
Januar 2022 (
Urk.
5) wurde ihr Frist angesetzt, um genau anzugeben, welche Entscheidung anstelle des angefochtenen Entscheids beantragt wird und um den angefochtenen Ent
scheid einzureichen. Mit Eingabe vom 1
7.
Januar 2022 liess die Beschwerde
führerin, nun vertreten durch Rechtsanwältin Corinne Schoch, beantragen (
Urk.
7):
«1.
Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
9.
November 2021 sei auf
zuheben und es sei die Oberbegutachtung betreffend Anamnese, sämtliche infrage kommende
n
Diagnosen, Art und Umfang der Erwerbsfähigkeit so
wie Wiedereingliederung hinsichtlich Rentenanspruch und Ansprüche Eingliederungsmassnahmen anzuordnen.
2.
Es sei der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin festzulegen und die Beschwerdegegnerin anzuweisen, Eingliederungsmassnahmen, das heisst berufliche Massnahmen (
Art.
16
Abs.
2
lit
. c
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung, IVG
) und Berufsberatung, Arbeitsvermittlung, Ausrichtung von Taggeldern und allfällig Finanz
z
uschüsse
n
für Selbst
ständige zu veranlassen.
Eventuali
t
er sei der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin festzulegen und die Beschwerdegegnerin anzuweisen, Eingliederungsmassnahmen, das heisst Umschulung (
Art.
17 IVG) und Berufsberatung, Arbeits
vermittlung, Taggelder bzw. allfällig Finanzzuschüsse für
Selbstständig
erwerbende
zu veranlassen.
3.
Kosten und Entschädigung zu Lasten der
Beschwerdegegnerin.»
In prozessualer Hinsicht ersuchte
die Beschwerdeführerin
um Gewährung der un
entgeltlichen Prozessführung und um Bestellung von Rechtsanwältin Corinne Schoch als unentgeltliche Rechtsvertreterin. Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
5.
März 2022 (
Urk.
16) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2
8.
März 2022 an
gezeigt wurde (
Urk.
18).
Am 2
5.
April 2022 reichte Rechtsanwältin Corinne Schoch eine – ergänzte – Honorarnote ein (
Urk.
19 und
Urk.
20; vgl. auch Urk.
12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des IVG sowie der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Be
urteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
1.3.1
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.3.2
Mit BGE 145 V 215 liess das Bundesgericht die bisherige Rechtsprechung fallen, wonach primäre Abhängigkeitssyndrome beziehungsweise Substanzkonsumstörungen zum vornherein keine invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschäden darstellen können, und ihre funktionellen Auswirkungen deshalb keiner näheren Abklärung bedürfen. Fortan ist - gleich wie bei allen anderen psychischen Erkrankungen - nach dem strukturierten Beweisverfahren zu ermitteln, ob und gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich diagnostiziertes Abhängigkeitssyndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person auswirkt.
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die not
wendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweis
wert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erklärte zur Begründung ihres Entscheides (
Urk.
2), die Beschwerdeführerin sei seit Anfang 2016 zu 20
%
in der bisherigen wie auch in jeder anderen Tätigkeit eingeschränkt. Ein Rentenanspruch entstehe erst, wenn die einjährige gesetzliche Wartefrist, während welcher eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40
%
habe vorliegen müsse
n
, erfüllt sei. Dies sei bei der Beschwerdeführerin nicht der Fall. Sie könne weiterhin ein renten
ausschliessendes Einkommen erzielen.
2.2
Die Beschwerdeführerin liess dagegen im Wesentlichen einwenden (
Urk.
7),
seit
ihrer Entlassung bei
der
Y._
GmbH
per Ende 2016 sei
s
ie zu 100
%
erwerbsunfähig gewesen. Seit einigen Monaten bestehe eine 80
%
ige E
rwerbs
unfähig
keit
. Die Unterscheidung in Phasen, wie im Gutachten geschehen,
welche sie
in den Kliniken verbracht habe, und in Phasen, in welchen sie nicht stationär behandelt
worden sei, sei nicht opportun.
Dies gelte umso mehr, als sie nach Austritt aus der
Klinik A._
am 2
8.
Januar 2018 während eines Jahres im betreuten
Zentrum B._
gewohnt und in dieser Zeit
auf dem geschüt
z
t
en, zweiten Arbeitsmarkt tätig gewesen sei. Das Wartejahr sei demnach ohne Weiteres ab
gelaufen. Selbst im Gutachten werde festgestellt, dass von einer aktuell geltenden Erwerbsunfähigkeit von 70 bis 80
%
auszugehen sei. Bei Unterstützung durch eine Rente und Eingliederungsmassnahmen könne Aussicht bestehen,
allenfalls
eine gewisse Erwerbsfähigkeit im
1.
Arbeitsmarkt zu erreiche
n
. Sie benötige dabei
jedoch
erhebliche Unterstützung betreffend Eingliederung, und dies nicht
nur
während sechs Mo
n
aten, sondern im Rahmen einer rol
lenden Planung
.
Das Gutachten von
Dr.
E._
erfülle die Voraussetzungen an ein beweis
kräftiges medizinisches Gutachten nicht.
Dr.
E._
forsche den bekannten, äusserst schwierigen Verhältnissen
ihrer
psychisch-erkrankten Mutter, welche in Kliniken habe eintreten müssen, nicht nach und bezeichne
die Erkrankung der Mutter
als ein
en
nicht zu berücksichtigende
n
«
li
f
e
-event». Bei
der
vorhanden gewesenen familiären Konstellation könne nicht mehr von unbeachtlichen «
li
f
e
-events» ausgegangen werden, sondern von hochgradig belasteten Familien
verhältnissen, welche sie mutmasslich geprägt hätten und allenfalls zu heutigen Belastungen und Beeinträchtigungen beitrügen. Auch den von ihr berichteten überaus belastenden Dingen in der Ehe in den Jahren 2010 bis 2012 habe
Dr.
E._
nicht nachgeforscht. Den Ursachen des Abhängigkeitssyndroms Alko
hol bzw. der Erkrankung selbst
sei
Dr.
E._
nicht mit der erforderlichen Sorgfalt nach
gegangen
.
Weiter habe
er
nicht berücksichtig
t
, dass sie an Schlaf
störungen leide. Sie habe jede Nacht Durchschlafstörungen.
Dr.
E._
habe festgehalten,
es sei im Zeitpunkt des Gutachtens kein sozialer Rückzug zu er
kennen. Was Anderes als ein sozialer Rückzug sei es, wenn eine Person alleine in einer Wohnung lebe und keinerlei Bekanntschaften ausser virtuellen Kontakten über das Internet pflege. Sie lebe sozial durchwegs
isoliert. Des Weiteren habe Dr.
E._
entgegen der neuropsychologischen Abklärung
durch
lic
. phil.
F._
festgestellt, Konzentrationsstörungen lägen nicht vor
. Schliesslich habe Dr.
E._
die
anlässlich der psychodiagnostischen Abklärung vom 2
7.
November 2017
in der
Klinik A._
festgestellten
Auffälligkeiten einer zwanghaften Persönlichkeit weder geprüft noch berücksichtigt.
Er habe zudem
keine Rücksprache mit ihren verschiedenen Therapeuten genommen.
Dass sie, nachdem sie die Integrationsmassnahmen auf dem geschützten Arbeits
markt Anfang 2019 beendet habe, sofort und ohne jede Unterstützung auf dem
1.
Arbeitsmarkt hätte tätig werden können, sei «
Theoretisiererei
». Und dies scheine auc
h dem Gutachter bewusst zu sein
, ansonsten würde er nicht i
n wider
sprüchl
i
c
her Weise zur vorzitierten Beurteilung empfehlen, sie
vorerst mittels SVA-gestützter
beruflicher Massnahmen zu 20 bis 30
%
einzugliedern und die Erwerbstätigkeit sodann stufenweise zu erhöhen. Wäre der Gutachter effektiv der Ansicht, sie sei zu 80
%
erwerbsfähig, hätte er keine Eing
liederungsmassnahmen empfohlen.
Der Gutachter habe si
ch
in keiner Weise mit ihrer bisherigen Tätigkeit bzw. dem e
r
forderlichen Profil auseinandergesetzt.
Das Belastungsprofil sei als überdurch
schnittlich hoch zu beurteilen. Ihr sei gerade deshalb gekündigt worden, weil sie dieser sehr hohen Belastung nicht mehr gewachsen gewesen sei.
Da das Gutachten in verschiedener Hinsicht unvollständig, aktenwidrig und nicht korrekt sei, sei eine Oberbegutachtung anzuordnen.
A
ufgrund d
e
ssen sei dann zu prüfen, ob eine Rente zuzusprechen sei. Zudem seien unabhängig von der Ober
begutachtung schnellst möglich die notwendigen Eingliederungsmassnahmen anzuordnen. Werde die Oberbegutachtung wider Erwarten abgelehnt, so sei die Rentenprüfung gleichwohl vorzunehmen, da sie erst seit einigen Monaten zu 20
%
erwerbsfähig und die Prognose ungewiss sei. Um die Restarbeitsfähigkeit zu verwerten seien zudem intensive und angemessene Eingliederungs
massnahmen notwendig und anzuordnen.
3.
3.1
Es liegen insbesondere die folgenden medizinischen Berichte vor:
3.2
Mit Austrittsbericht vom 1
7.
August 2017 (
Urk.
17/13/1-2) nannten
MSc
G._
und
Dr.
med.
H._
, Assi
s
tenza
r
zt,
von
der
Psychiatrie Z._
als Diagnosen:
-
p
sychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: akute Intoxikation (akuter Rausch) mit bei
-
2,4 ‰ Atemalkohol am 3
0.
Juni 2017 (ICD-10 F10.0)
-
p
sychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Abhängigkeits
syndrom
-
e
igenanamnestisch abstinent seit einem Jahr (ICD-10 F10.2)
-
Anpassungsstörungen (ICD-10 F43.2)
-
a
bsichtliche Selbstschädigung mit/bei
-
Status
nach Suizidversuch 3
0.
Juni 2017 mit 0,45 l hochprozentigem Alkohol und Ingestion von 20mg
Escitalopram
(ICD-10 X84.9!)
-
Kontaktanlässe mit Bezug auf das Wohnumfeld oder die wirtschaftliche Lage (ICD-10 Z59)
-
Nussallergie
Die Beschwerdeführerin sei mit fürsorg
erischer
Unterbringung
(FU)
aufgrund akuter Suizidalitä
t mit Status nach Suizidversuch
zur Krisenintervention und Ent
zugsbehandlung unter
Oxazepam
hospitalisiert worden. Während den ersten
zwölf
Stunden hätten sich mittelschwere Entzugszeichen mit mittelgradig erhöh
ten Vitalwerten, insbesondere Tachykardie, gezeigt. In den folgenden 72 Stunden habe sie sich weiterhin
entzügig
gezeigt. Nach Routine-Kontrollen sei die Beschwerdeführerin auf
Venlafaxin
75 mg 1-0-0-0 eingestellt worden und
habe
von einer raschen Remission suizidaler Absichten und einer aufgehellten Grund
stimmung mit gesteigertem Antrieb berichtet. Sozialdienstlich sei
eine Sozial
hilfe-Anmeldung und die
Einleitung einer Trennung vom aktuellen Lebenspartner aufgegleist worden.
Die Beschwerdeführerin habe sich rasch
und freundlich ins Stationsmilieu integriert. Sie habe teilweise eine
co
-therapeutische Verhaltens
weise gegenüber Mitpatienten gezeigt, habe sich aber nach vermehr
tem Auf
fordern davon distanzieren können.
Das sp
e
zi
a
ltherapeutische Angebot, bestehend aus B
ew
egungs-, Kunst- und Ergotherapie
,
sei pünktlich und regel
mässig von der Beschwe
rdeführerin wahrgenommen worden. Sie
habe eine grosse Freude an den Aktivitäten, K
reativität und Ausdauer gezeigt
.
3.3
Dipl. psych.
I._
und
MSc
J._
, Psychologin, von der
Klinik A._
, in welcher die Beschwerdeführerin vom 1
0.
August 2017 bis am 2
5.
Januar 2018 hospitalisiert war,
führten mit Bericht vom 3
0.
Januar 2018 (
Urk.
17/12) als Diagnosen bei Austritt an:
-
p
sychische und Verhal
ten
sstörungen durch Alkohol: Abhängigkeits
syndrom, gegenwärtig abstinent, aber in beschützender Umgebung (ICD-10 F10.21)
-
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
-
Persönlichkeitsakzentuierung narzisstisch/abhängig (ICD-10 Z73.1)
-
p
sychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhängigkeits
syndrom, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwachten Ersatz
drogenprogramm (kontrollierte Abhängigkeit; ICD-10 F17.22)
Dipl. Psych.
I._
und
MSc
J._
attestierten der Beschwerdeführerin für die
Dauer des stationären Aufenthaltes
vom 1
0.
August 2017 bis 2
5.
Januar 2018 eine 100%ige Arbeitsunfä
higkeit.
3.4
Oberarzt
K._
vom
Zentrum B._
Zürich
erklärte mit Bericht an die
Beschwerde
gegnerin
vom 2
7.
Juni 2019 (
Urk.
17/40), die Beschwerdeführerin sei vom 2
0.
Dezember 2018 bis
am
6.
Mai 2019 durch ihn behandelt worden. Die Behandlung sei durch die Beschwerdeführerin beendet worden. Zum Austritts
zeitpunkt sei
sie
sowohl körperlich als auch psychisch stabil gewesen. Von ihnen sei keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Als einzige Diagnose führte Ober
arzt
K._
ICD-10 F10.20 (
P
sychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol
,
Abhängigkeitssyndrom
) an. Er mass dieser Diagnose keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu.
3.5
Med.
pract
.
D._
nannte mit Bericht an
die Beschwerdegegnerin vom 24.
November 2020 (
Urk.
17/70) als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Anpassungsstörung
-
k
omplexe posttraumatische Belastungsstörung
-
Beziehungsstörung
Die Beschwerdeführerin sei seit Oktober 2016 in der Psychiatrie,
Klinik A._
bzw.
Zentrum B._
, gewesen. Der Austritt sei am 3
1.
Januar 2019 erfolgt. Seither gelinge es ihr erfolgreich mit neuem Verhalten ihre ganze Gesundheit zu regenerieren und sich allmählich wieder in die Gesellschaft einzugliedern (beispielsweise Krankheitseinsicht, Abstinenz, immer besserwerdendes Tagesmanagement). Zur
zeit sei aufgrund der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung keine Belastung möglich.
3.6
Dr.
E._
und
lic
. phil.
F._
nannten in ihrem Gutachten vom
1.
Juli 2021 (
Urk.
17/98) als psychiatrische Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit (
Urk.
1
7
/98/17):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen und kränk
baren Anteilen (ICD-10 F61.0) – unter Anwendung der ICD-11-Kriteren sei eine leichte (ICD-11: 6D10.0), nicht aber eine mittelgradige (ICD—10
6D10.1)
oder schwere Persönlichkeitsstörung (ICD-11: 6D10.2) zu diagnostizieren.
Als
psychiatrische Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter an (
Urk.
17/98/17):
-
Alkoholabhängigkeit (ICD-10 F10.2) mit Binge-Trinkverhalten und abstinenten Phasen, derzeit abstinent (ICD-10 F10.20) – aufgrund der der
zeitigen Abstinenz lässt sich eine Persönlichkeitsdiagnostik vornehmen.
Als neuropsychologische Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit erhoben die Gutachter
(
Urk.
17/98/17):
-
m
inimale kognitive Störung mit einzelnen leichten Minderleistungen innerhalb der Aufmerksamkeitsfunktionen, bei ansonsten durchwegs durchschnittlichen bis gut durchschnittlichen Leistungen, bei einem durchschnittlichen Intelligenzniveau (Wor
tschatztest Verbal-IQ: 104 – Schmidt & Metzler, 1992)
.
Weite
re
n aktenanamnestischen Diagnosen massen die Gutachter keine Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu und erklärten, d
ie aktenkundige Diagnose einer Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) mit/bei Problemen in Verbindung mit psychosozialen Belastungen (ICD-10 Z59) sei möglich, werde durch die Akten
angaben aber unzureichend begründet (fehlende ICD-10-Kriterienprüfung in alkoholabstinentem Zustand). Die aktenkundigen Diagnosen einer remittierten rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F33.4) und eines narzisstischen Persönlichkeitsakzents (ICD-10 Z73.1) liessen sich nicht nachvollziehen, weil weder depressive Merkmale in alkoholabstinentem Zustand dokumentiert seien noch ein episodisches Krankheitsgeschehen (ICD-10 F33) beschrieben werde, welches si
ch
vom episodischen Trinkverhalten (ICD-10 F10.2) abgrenzen lasse. Die Akten enthielten keine aussagekräftige Persönlichkeitsdiagnostik (fehlende ICD-10-Kriterienprüfung in alkoholabstinentem Zustand). Im Rahmen
ihrer psychiatrischen
Untersuchung vom 1
6.
April 2021
habe
sich aber eine Per
sönlichkeitsdiagnostik vornehmen
lassen
(ICD-10 F61.0). Die aktenkundige Diagnose einer nicht komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) oder einer komplexen Form (ICD-10 F43.1 und F62.0) werde weder durch anamnestische Angaben noch durch psychopathologische Befunde gestützt und letztlich auch nicht durch eine entsprechende ICD-10
-Kriterienprüfung substantiiert (
Urk.
17/98/17-18).
Hinsichtlich funktioneller Auswirkungen der Befunde/Diagnosen aus psychiatrischer Sicht
erklärte
Dr.
E._
,
aufgrund
der Untersuchung vom 16.
April 2021 liessen sich bei der Beschwerdeführerin relevante psychische Störungen (ICD-10 F61.0/F10.2) diagnostizieren, welche mit derzeit minimalen funktionellen Einschränkungen einhergingen (Alkoholabstinenz). In ange
stammter und gleichzeitig angepasster Tätigkeit mit entsprechenden Anforderungen an Anpassung, Strukturierungs- und Planungsfähigkeit, Flexibilität und Interaktionsfähigkeit (beispielsweise Instruktionstätigkeiten) sei aufgrund des Funktionsprofils (Mini-ICF-APP) von einer Arbeitsfähigkeit auszu
gehen, welche sich zwischen unbeeinträchtigt bis leicht beeinträchtigt bewege. Gemäss Konsens entspreche eine leichtgradige Leistungseinbusse einer Reduktion von rund einem Drittel. In Annäherung sei bei der Beschwerdeführerin eine maximal 20%ige Arbeitsunfähigkeit begründbar (6 bis 7 normproduktive Stunden pro Tag). Aus neuropsychologischer Sicht erklärte
lic
. phil.
F._
, die neuropsychologische Untersuchung habe ein weitgehend unauffälliges Profil mit mehrheitlich durchschnittlichen Leistungen in allen Funktionsbereichen
ergeben
, nebst partiellen leichten Minderleistungen innerhalb einzelner Aspekte der Auf
merksamkeitsfunktionen, entsprechend einer minimalen ko
gnitiven Störung
. Das
Intelligenzniveau sei durchschnittlich. Somit sei ein mehrheitlich unauffälliges neuropsychologisches Funktionsvermögen in allen Funktionsbereichen festzu
halten (Aufmerksamkeits- und Exekutivfunktionen, Lern- und Gedächtnis
funktionen, Sprache, visuell-räumliche Funktionen sowie schul
isch
e Fertigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen).
Betreffend eventuell relevanter Persönlichkeitsaspekte erklärten die Gutachten, wie dargelegt, sei unte
r Anwendung der ICD-11-Kriterien
eine leichte Persönlich
keitsstörung zu diagnostizieren. Die Biografie der Beschwerdeführerin lasse in einigen, nicht aber in allen oder den meisten Lebensbereichen ein sozial
un
an
gepasstes und im Verlauf malada
ptives Verhalten erkennen (Urk.
17/98/1
8).
Zur Konsistenz erklärten die Gutachter, während der gutachterlichen Erhebung der Vorgeschichte und des Befundes seien durch die Beschwerdeführerin konsistente Inhalte vorgetragen worden.
Sie
habe einen phasenweisen Alkohol
überkonsum erwähnt,
habe
dem früheren Alkoholkonsum
aber
nicht dieselbe
Bedeutung beizumessen geschienen gehabt
, welche den Akten zu entnehmen sei (wiederholte und prolongierte Alkoholentzugssymptomatik während stationärer Aufenthalte). Dies stelle aber keine Inkonsistenz im engeren Sinne dar, sondern bilde ein der Alkoholstörung (ICD-10 F10.2) inhärentes Krankheitssymptom ab. Die subjektiv geäusserten arbeitsbezogenen funktionellen E
i
nschränk
un
gen mit einer weitgehenden Unfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt tätig sein zu können,
zeigten
Abweichungen zur Beurteilung des vorliegenden Gutachtens (nachvoll
ziehbare funktionelle Einschränkungen, aber ohne nennenswerten Verlust der Fähigkeit zur Partizipation und Teilhabe). Die
se
Diskrepanz sei einer
Dekonditi
oni
erung
und Selbstlimitierung geschuldet und besitze daher keinen Krankheitswert. Insgesamt sei ein konsistentes Bild mit authentisch imponieren
den Schilderungen entstanden. Die im vorliegenden Gutachten dargelegten Be
funden seien als valide zu betrachten. Die
Performanzvalidierung
in der neuropsychologischen Untersuchung vo
m 2
8.
Juni 2021 sei unauffällig
gewesen. Die Beschwerdeführerin habe kooperati
v und ausdauernd mitgearbeitet
(
Urk.
17/98/20)
.
Zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit führten die Gutachter aus psychiatrischer Sicht
an
, in Abhängigkeit des Anforderungsprofils sei eine maximal leichte funktionelle Beeinträchtigung begründbar. In der angestammten Tätigkeit sei bei einem neuen Arbeitgeber von sechs bis sieben Stunden täglicher, normproduktiver Anwesenheit auszugehen (80%ige Arbeitsfähigkeit). Aufgrund von
Dekondit
on
ierungseffekten
sei eine gestufte Wiedereingliederung anzu
streben (Beginn im Pensum von 20 bis 30
%
). Eine zeitnahe SVA-gestützte berufliche Massnahme mit Beginn im Pensum 20 bis 30
%
sei der Beschwerde
führer
in
medizinisch zumutbar. Das Pensum lasse sich danac
h innert längstens sechs Monate
auf das Zielpensum 80
%
steigern (Wegfall
dekonditionierender
Effekte nach begonnener Eingliederung). Aus neuropsychologischer Sicht bestünden in
der
angestammte
n
Tätigkeit (Education Manager) keine Ein
schränkungen
in der
Anwesenheit
und
keine nennenswerten Einschränkungen der Leistungsfähigkeit während der Anwesenheit (100%ige Arbeitsfähigkeit). Die angestammte Tätigkeit sei als leidensangepasst zu beurteilen. Unter Berück
sichtigung der Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit aus neuropsychologischer und psychiatrischer Sicht sei von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in angestammter und gleichzeitig angepasster Tätigkeit auszugehen (sechs bis sieben
norm
produktive
Stunden täglich bei einer uneingeschränkten Fähigkeit zur Anwesen
heit
;
Urk.
17/98/20-21
).
3.7
Mit Bericht an das hiesige Gericht vom
9.
Dezember 2021 (
Urk.
3) nannte med.
pract
.
D._
als Diagnosen:
-
Status nach Anpassun
g
sstörung (ICD-10 F43) März 2021 zum Teil über
gegangen in eine komplexe posttraumat
ische Belastungsstörung ab 2022
-
k
omplexe posttraumatische Belastungsstörung
-
Beziehungsstörung
-
Status nach sekundärem Alkoholmissbrauch im Zusammenhang mit un
tauglichen Selbstheilungsversuchen
-
Verdachtsdiagnose eines Wernicke-
Korsakoff
-Syndroms (ICD-10 E51.2) mindestens während einer gewissen Krankheitszeit
Seines Erachtens fehle
dem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Gutachten
der ganze Bezug zu den vielen Akten der Verlaufsgeschichte von 2016 bis heute. So sei zum Beispiel nirgends festgehalten, ob anderweitige Krankschreibungen, welche angeblich vorlägen, einbezogen worden seien. Die häufigen Hinweise auf eine schwere Alkoholerkrankung in der Folge seien ebenfalls nirgends in die Beurteilung einbezogen worden, obwohl die Beschwerdeführerin mehrere
FU
in der
Psychiatrie Z._
durchlaufen habe. Ab Eintritt in die
Klinik A._
am 1
0.
O
ktober 2017 sei eine andauernde 100%ige Arbeitsunfähigkeit belegt. Aus fachlicher Sicht sei rein formal gegen das Gutachten nichts einzuwenden, inhaltlich aber fehlten wesentliche Fakten des Krankheitsverlaufs vollständig.
Bei der Beschwerdeführerin liege eine weitgehend abgeklungen
e
psychische Krankheit einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung mit voran
gegangener Anpassungsstörung mit sekundärem Alkoholmissbrauch vor. Der vorhandene frühere Leistungsausweis und die nach Therapie sehr gute Besserung des Gesundheitszustandes erforder
t
e
n
eine Abklärung und einen Eingliederungs
versuch durch die Beschwerdegegnerin.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihren Entscheid im Wesentlichen auf das
Gut
achten von
Dr.
E._
und
lic
. phil.
F._
vom
1.
Juli 2021 (E. 3.6
; vgl. Urk.
17
/100/4-5)
und ging von einer
80
%igen Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin aus.
Es gilt jedoch zu beachten, dass sich aus dem Gutachten entgegen der Annahme der Beschwerdegegnerin nicht für den gesamten massgebenden Zeitraum eine 80%ige Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ergibt. Gemäss
Dr.
E._
besteht zwar seit Anfang 2016 eine 80%ige Arbeitsfähigkeit, davon ausgenommen sind allerdings sämtliche stationären (
Psychiatrie Z._
,
Klinik A._
) und rehabilitativen Aufenthalte (
Zentrum B._
). Während diesen sei eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen (
Urk.
17/98/72). Die Beschwerdeführerin war vom
9.
bis 2
2.
November 2016 (
Urk.
17/13/7-8) sowie vom
9.
April bis
3.
Mai 2017 (
Urk.
17/13/3-6) in der
Psychiatrie Z._
hospitalisiert. Ab dem 3
0.
Juni 2017 war sie erneut in der
Psychiatrie Z._
in stationärer Behandlung (
Urk.
17/13
/1-2
). Am 1
0.
August 2017 trat sie aus der
Psychiatrie Z._
aus und begab sich gleichentags in stationäre Behandlung in der
Klinik A._
(
Urk.
17/12). Ab dem 2
5.
Januar 2018 wohnte die Beschwerdeführerin im
Zentrum B._
Zürich und nahm am 1
2.
Februar 2018 eine Tätigkeit bei der Stiftung
C._
im geschützten Rahmen auf (Urk.
17/16,
Urk.
17/19). Sie trat per 3
1.
Januar 2019 aus dem
Zentrum B._
aus. Gleich
zeitig endete ihre Tätigkeit für die Stiftung
C._
(
Urk.
17/27). Gestützt auf das Gutachten ergibt sich somit eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit vom
1.
Januar 2016 bis am
8.
November 2016, eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom
9.
bis am 2
2.
November 2016, eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit vom 2
3.
November
2016
bis
am
8.
April 2017, eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom
9.
April bis
am
3.
Mai 2017, eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit vom
4.
Mai bis
am
2
9.
Juni 2017 und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt vom 3
0.
Juni 2017 bis am 3
1.
Januar 201
9.
4.2
4.2.1
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
4.2.2
Vorliegend bestehen keine Indizien, welche gegen die Zuverlässigkeit des Gut
achtens
von
Dr.
E._
und
lic
. phil.
F._
vom
1.
Juli 2021
sprächen. Vielmehr beruht das Gutachten auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen, wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet, berück
sichtigt die geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen sowie dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander. Die Gutachter haben die medizinischen Zu
stände und Zusammenhänge zudem einleuchtend dargelegt und ihre Schluss
folgeru
ngen nachvollziehbar begründet
. Die Gutachter haben dabei die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren (vgl. E.
1.3
) schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt und somit den normativen Vorgaben Rechnung getragen (vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Entgegen dem Vorbringen der Beschwerdeführerin (
Urk.
7 S. 7) setzten sich die Gutachter
eingehend
mit der Anamnese und der Erkrankung ihrer Mutter aus
einander.
So ergibt sich aus dem Gutachten denn auc
h, dass die Beschwerde
führerin
bedingt durch die beeinträchtigte Gesundheit der Mutter viel Zei
t bei den Grosseltern verbracht
hatte
,
e
inem wohlbehüteten Umfeld (Urk.
17/98/40).
Auch mit den weiteren für die Beschwerdeführerin belastenden Ereignissen setzten die Gutachter sich ausein
an
der
,
namentlich
mit
d
er
«Entwurzelung» durch den Um
zug in den Kanton Wallis und die Schwierigkeit sich im Kanton Wallis einzuleben (
Urk.
17/98/40;
Urk.
17/98/43)
sowie
mit der Kündigung durch die
Y._
GmbH (
Urk.
17/98/43). Dass
Dr.
E._
diese Ereignisse als «Life Events», das heisst psychosoziale Belastungen, bezeichnete (
Urk.
17/98/43)
,
bedeutet entgegen der Beschwerdeführerin (
Urk.
7 S. 7) nicht, dass er diese als unbeachtlich erachtete, sondern dass er sie nicht als «
t
raumatische Ereignisse» im Sinne von ICD-10 F43.1
(posttraumatische Belastungsstörung)
qualifizierte (
Urk.
17/98/43;
Urk.
17/98/47). Inwieweit diese Beurteilung nicht zutreffen soll, legt die Beschwerdeführerin nicht dar und ist auch nicht
ersichtlich
, handelt es sich
bei den infrage stehenden Ereignissen
doch nicht um Ereignisse mit Bedrohung der körperlichen Sicherheit und Unversehrtheit (vgl.
Urk.
17/98/66).
Entgegen der Beschwerdeführerin (
Urk.
7 S. 8) berücksichtig
t
e
Dr.
E._
auch
ihre
Schlafstörungen
. Er erachtete diese jedoch nicht als
in
einer für
eine Mit
begründung einer
depressive
n
Stö
rung notw
endigen Schwere als gegeben an
(
Urk.
17/98/61).
Auch der Einwand der Beschwerdeführerin,
Dr.
E._
sei zu Unrecht davon ausgegangen, dass kein sozialer Rückzug vorlie
g
e (
Urk.
7 S. 8), da sich ihre Kontakte auf Internet-Kontakte beschränk
t
e
n
(
Urk.
17/98/43), verfängt nicht. Auch
wenn
virtuelle Kontakte nicht mit realen Kontakten gleichzu
setzen sind, können sie sich doch positiv auf die Ressou
rcen auswirken, weshalb bei
regen
Kontakten via
Internet auch nicht von einem sozialen Rückzug im Rechts
sinne ausgegangen werden kann.
Gilt doch generell, je ausgeprägter eine Unter
stützung im sozialen Umfeld ist, desto besser ist die Prognose eines erfolgreichen Umgangs mit belastenden Faktoren (Bo
rer in: Sutter-
Somm
[Hrsg.], IM
PULSE – Impulse zur praxisorientierten Rechtswissenschaft, Band Nr. 22, BGE 141 V 281 – Post-Überwindbarkeitsrechtsprechung,
Rz
. 126).
Mit ihrem Einwand
,
Dr.
E._
habe im Gegensatz zu
lic
. phil.
F._
Konzentrationsstörungen verneint (
Urk.
7 S. 8), lässt die Beschwerdeführerin aus
ser Acht, dass
Dr.
E._
explizit auf das neuropsychologische Teilgutachten verwies und erklärte, dass Abweichungen zur klinischen Beurteilung mögli
c
h seien, wobei der neuropsychologischen Untersuchung dabei ein höherer Aus
sagewert zukomme (
Urk.
17/98/53).
Die neuropsychologische Testung ergab je
doch gar keine relevanten Abweichungen, zeigte sich doch die Konzentration in der Verhaltensbeobachtung als stabil (
Urk.
17/99/6) und
ergab der 2 & 7 RUFF-Test nur
bezüglich Tempo
einen
lei
cht unterdurchschnittliche Wert
(
Urk.
17/99/7).
Aus neuropsychologischer Sicht wurde denn auch – im Gegensatz zur psychiatrischen Beurteilung
-
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert (vgl. E. 3.6).
Die Beschwerdeführerin weist zutreffend darauf hin
(
Urk.
7 S. 8)
, dass die Fach
personen
der
Klinik A._
im Januar 2018 erklärten, dass sich aus dem Screening-Fragebogen eine Auffälligkeit in der Skala zwanghafte Persönlichkeit ergeben habe (
Urk.
17/15/3). Hieraus kann die Beschwerdeführerin jedoch nichts zu ihren Gunsten ableiten, erachteten doch auch die Fachpersonen der
Klinik A._
die Kriteri
e
n einer Persönlichkeitsstörung als nicht erfüllt und die berichteten Persönlichkeitseigenschaften als im Normbereich liegend (Urk
.
17/15/3). Die Beschwerdeführerin verneinte denn auch im Rahme
n der Begutachtung Zwangs
gedank
en und rituelle Z
w
angshandlungen gegen einen inneren Widerstand (
Urk.
17/98/54). Sie bringt auch beschwerdeweise in keiner Weise vor, inwieweit eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung bzw. Auffälligkeit vorliegen soll.
Soweit
die Beschwerdeführerin beanstandet, es sei nicht nachvollziehbar, dass Dr.
E._
dem Abhängigkeitssyndrom keine Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit
zugemessen habe
(
Urk.
7 S. 9), kann ihr ebenfalls nicht gefolgt werden. Es trifft zwar zu, dass die Gutachter die Diagnose Alkoholabhän
g
igkeit anführten,
dies allerdings bei aktueller Abstinenz
. Es ist daher nachvollzie
h
bar, dass
sie dem Alkoholabhängigkeitssyndrom – aktuell -
keine Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit zumassen. Die von der Beschwerdeführerin vorgebracht
e
Wernicke-Enzephalopathie wurde lediglich von
med.
pract
.
D._
in seinem Bericht vom
9.
Dezember 2021 angeführt
(E. 3.7)
, und zwar als Verdachtsdiagnose während einer gewissen Krankheitszeit. Dass sich die Gutachter nicht zu dieser nach der Begutachtung genannten Verdachtsdiagnose äussern, stellt das Gutachten
selbst
redend
nicht
infrage.
Soweit die Beschwerdeführerin beanstandet
, die Gutachter hätten es
u
nterlassen, mit den behandelnden Ärzten Rückspr
a
che zu nehmen (
Urk.
7 S. 9)
,
lässt sie aus
ser Acht
,
dass
der begutachtenden Person bei der Wahl der Untersuchungs
methoden ein weiter Ermessensspielraum zu
steht
und die Einholung fremd
anamnestischer Angaben keine Voraussetzung für die Erstellung eines beweis
kräftigen Gutachtens
darstellt
(Urteile des Bundesgerichts 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 9C_275/2014 vom 21. August 2014 E. 3).
Dies gilt vor
liegend umso mehr, als
umfassende
Berichte der behandelnden Ärzte vorliegen.
Soweit die Beschwerdeführer
i
n beanstandet, dass keine 80%ige E
rw
erbsfähigkeit ausgewiesen sei, gilt es zu beachten, dass die Gutachter tatsächlich nahelegen, eine Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit mit einem Pensum von 20 bis 30
%
zu beginnen. Hieraus kann jedoch nicht der Schluss gezogen werden, dass aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht nicht sofort eine 80%ige Erwerbstätigkeit anrechenbar ist. Die Gutachter begründen das tiefere Einstiegspensum mit
Dekonditionierungseffekten
(
Urk.
17/98/71),
die sie
wesentlich
auf die seit Jahren bestehende Arbeitslosigkeit zurückführten (
Urk.
17/98/57). S
olche sind jedoch
grundsätzlich
kein in der Invalidenversicherung versichertes Risiko (vgl.
Urteil
des Bundesgerichts
9C_755/2020
vom
8.
März 2021 E. 5.
)
.
Die Gutachter haben sich entgegen dem Einwand der Beschwerdeführerin (
Urk.
7 S. 11) sehr wohl mit den Anforderungen an der angestammten Arbeitsstelle aus
einandergesetzt. So führten
sie
im Rahmen der Aktenzusammenstellung explizit an, dass
gemäss
Arbeitgeberin die Anforderungen an Konzentration, Aufmerk
samkeit, Durchhaltevermögen, Sorgfalt und Auffassungsvermögen als
gross
an
gegeben worden sein (
Urk.
17/98/2
7
).
Weiter hielten
sie
fest, dass
gemäss
An
gaben der Beschwerdeführerin die Anforderungen an die Mitarbeiter weiter gestiegen seien (
Urk.
17/98/36). Es l
i
egen keinerlei Anhaltspunkte dafür vor, dass die Gutachter bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkei
t in der angestammten Tätigkeit
diese
n
Anforderungen keine R
e
chnung getragen hätten.
4.2.3
Aus den A
ustrittsberichten
von
MSc
G._
und
Dr.
H._
von der
Psychiatrie Z._
vom 17.
August 2017 (
E. 3.2) und von
d
ipl.
psych.
I._
und
MSc
J._
von der
Klinik A._
vom 3
0.
Januar 2018 (E. 3.3) ergibt sich nichts, was das Gutachten infrage stellen würde, gingen die Gutachter
doch
für die Dauer der stationären Aufenthalte von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
aus
und erachteten die Beschwerdeführerin auch nach der Berichterstattung durch
dipl.
psych.
I._
und
MSc
G._
von der
Klinik A._
noch für ein weiteres Jahr als arbeitsunfähig.
Auch aus dem Bericht von
Oberarzt
K._
vom
Zentrum B._
vom 2
7.
Juni 2019 (E. 3.4) kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ablei
ten, er
klärte
Oberarzt
K._
doch,
dass zum Austrittszeitpunkt die Beschwerde
führerin sowohl körperlich als auch psychisch stabil gewesen sei und von ihnen keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei.
Hinsichtlich des Berichts von
med.
pract
.
D._
vom 2
4.
November 2020 (E. 3.5) legten die Gutachter dar
, dass eine posttraumatische Be
l
a
stungsstörung weder durch anamnestische Angaben noch durch psychopathologische Befund
e
gestützt und letztlich auch nicht durch eine entsprechende ICD-10-Kritierenprüfung sub
stantiiert werde (
Urk.
17/98/70).
Dem ist nichts
a
nzufügen, bleibt doch voll
kommen unklar, welches bzw. welche Ereignisse
med.
pract
.
D._
a
l
s ursächlich für eine posttraumatische Belastungsstörung erachtet
e
. Ein derartiges Ereignis ist denn – wie dargelegt – auch nicht
ersich
t
l
ich.
Auch aus dem im Beschwerde
verfahren eingereichten Bericht von
med.
pract
.
D._
vom 9.
Dezember 2021
(E. 3.7)
kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren G
unsten ableiten. Vielmehr ergibt sich aus dem
B
ericht, dass sich
ihr
Gesundheitszustand verbessert hat. Dass weiterhin eine
Dekonditionierung
besteht
,
ist unbestritten, diese vermag jedoch keinen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu begründen (vgl.
E. 4.2.2
). Hin
sichtlich der von
Dr.
D._
angeführten Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung kann auf das oben Gesagte verwiesen werden.
4.3
Nach dem Gesagten erweist sich das Gutachten von
Dr.
E._
und
lic
. phil.
F._
vom
1.
Juli 2021 als beweiskräftig, weshalb darauf abgestellt werden kann.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin hat sich am
4.
Dezember 2017 bei der Beschwerde
gegnerin zum Leistungsbezug angemeldet
(
Urk.
17/2)
. Der Rentenanspruch ent
stand daher
gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG frühestens am
1.
Juni 201
8.
In diesem Zeitpunkt war das Wartejahr der Beschwerdeführerin bereits abgelaufen
und be
trug die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit rund 90
%
(vgl. E. 4.1)
. Da die Beschwerdeführ
erin in diesem Zeitpunkt zu 100
%
erwerbsunfähig
und nicht ein
gliederungsfähig war (vgl.
Urk.
17/29;
Art.
28
Abs.
1
lit
. a IVG)
, hat sie ab
dem
1.
Juni 2018 Anspruch auf eine ganze Rente.
Nachdem gestüt
zt auf das Gutachten ab dem
1.
Februar
2019 wieder von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen ist
(E. 4.1)
, besteht ab
1.
Mai 2019
– grundsätzlich (vgl. E. 5.2 nachfolgend) -
kein Rentenanspruch mehr
(
Art.
88a
Abs.
1 IVV)
.
5.2
5.2.1
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Be
zugsdauer oder wenn sie das 55.
Altersjahr zurückgelegt haben,
praxisgemäss
in der Regel vorgängig
Mass
nahmen
zur Eingliederung durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigen
anstrengung auszuschöp
fen und erwerblich zu verwerten.
Ausnahmen von der
diesfalls
grundsätzlich ("vermutungsweise") anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbsteingliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Ab
senz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist (Urteil
des Bundesgerichts
9C_819/2014 vom 1
9.
Juni 2015 E. 4 mit Hinweisen), wenn die versicherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist (Urteil
des Bundesgerichts
9C_68/2011 vom 1
6.
Mai 2011 E.
3.3) oder wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufserfahrungen ver
fügt (Urteil
des Bundesgerichts
8C_39/2012 vom 2
4.
April 2012 E. 5.2). Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfe
stellungen wieder i
n das Erwerbsleben integrieren
(BGE 145 V 209
E. 5.1).
Die Rechtsprechung, wonach bei der revisionsweisen Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente bei zurückgelegtem 5
5.
Altersjahr grundsätzlich
Ein
gliederungsmassnahmen
durchzuführen sind, findet auch dann Anwendung, wenn
-
wie hier
-
zeitgleich mit der
Rentenzusprache
rückwirkend über deren Abstufung und/oder Befristung befunden wird (BGE 145 V 209 E. 5.2-5.4). Welches dabei der für die Ermittlung des Eckwerts des 5
5.
Altersjahres
mass
gebliche
Zeitpunkt sein soll - der Zeitpunkt der Verfügung selbst, derjenige der darin verfügten Rentenabstufung beziehungsweise -aufhebung (vgl. BGE 141 V 5) oder jener des Feststehens der entsprechenden medizinischen Zumutbarkeit (BGE 138 V 457) -,
wurde vom Bundesgericht bisher offengelassen
(
vgl.
BGE 145 V 209 E. 5.4).
Je nachdem, auf welchen Zeitpunkt man vorliegend abstellt, hat die am 1
5.
Juli 1964 geborene Beschwerdeführerin noch keine 55 Jahre zurück
gelegt.
Wie nachfolgend zu zeigen, kann
die Frage nach dem
massgeblichen
Zeit
punkt
auch vorliegend offenbleiben.
5.2.2
Die Beschwerdeführerin verfügt über eine
äusserst
breite Ausbildung. So erwarb sie 1985 die Matura. Von 1985 bis 1987 absolvierte sie die
Fachschule L._
und von 1994 bis 1995 bildete sie sich zur Marketing
planerin mit eidgenössischen Fachausweis weiter
. Ab 2000 absolvierte sie zudem betriebsinterne Weiterbildungen im Bereich Kosmetik
(
Urk.
17/99/16). Die Beschwerdeführerin verfügt
jedoch nicht nur über eine
sehr gute
Ausbildung, sondern auch über
breite Berufserfahrung. S
o arbeitete
sie in verschiedenen Funktionen in R
eisebüro
s
, übte Tätigkeiten im Verkauf aus und war insbesond
e
re während mehr als 15 Jahren als Education Manager tätig. Bei letzterer Tätigkeit hatte sie unter anderem Schulungen sowie Kundenevents durchzuführen (U
rk.
17/21,
Urk.
17/99/15
-16
)
. Die Beschwerdeführerin, welche die angestammte Tätigkeit wieder zu 80
%
ausüben kann (E. 5.1), ist daher
als fähig zu erachten
, das wieder ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbst
eingliederung erwerblich zu verwerten
.
Entsprechend besteht ab
1.
Mai 2019 kein Rentenanspruch mehr.
6.
Betreffend den eventualiter gestellten Antrag de
r
Beschwerdeführer
in
, ih
r
seien berufliche
Massnahmen
zu gewähren, ist festzustellen, dass die Beschwerde
gegnerin darüber in der angefochtenen Verfügung nicht entschieden hat
(
Urk.
2)
. Gegenstand der angefochtenen Verfügung ist
lediglich ein allfälliger Renten
anspruch der Beschwerdeführerin
(Verfügung, kein Anspruch auf eine Invaliden
rente; Wir haben den Anspruch auf eine Invalidenrente geprüft)
.
Mangels An
fechtungsgegenstands ist deshalb diesbezüglich auf die Beschwerde nicht einzu
treten, da grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu beurteilen sind, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich Stellung gen
ommen hat (BGE 131 V 164 E. 2.1,
125 V 413 E. 1a).
7
.
Zusammenfassend hat die Beschwerdeführerin vom
1.
Juni 2018 bis am 3
0.
April 2019 Anspruch auf eine befristete ganze Rente. Die Beschwerde ist in dem Sinne teilweise
gutzuheissen
, soweit überhaupt darauf einzutreten ist
.
8.
8.1
G
emäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
ist
das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgelegt. Vorliegend ist die Kostenpauschale auf
Fr.
8
00.-- festzu
setzen. Die Kosten sind aufgrund des teilweisen Obsiegens der Beschwerde
führerin zu einem Drittel der Beschwerdegegnerin und zu zwei Dritteln der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Da der vorliegende Prozess nicht als von vorn
herein aussichtslos bezeichnet werden kann und die Beschwerdeführerin be
dürftig ist (
Urk.
8
/4/1-5
und
Urk.
14
), ist ihr
antragsgemäss
(
Urk.
7
) die unent
geltlich
e Prozessführung zu bewilligen (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Die der Beschwerdeführerin auferlegten Gerichtskosten sind daher einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Beschwerdeführerin
wird auf § 16 Abs. 4
des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht (
GSVGer
)
hingewiesen, wonach
sie
zur Nachzahlung der ihm erlassenen Gerichtskosten verpflichtet ist, sobald
sie
dazu in der Lage ist.
8
.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die ob
siegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführer
in
machte mit Honorarnote vom
25.
April 2022 (
Urk.
19,
Urk.
20
)
einen Aufwand von
1
7
S
tunden und 30
Minuten
gelten
d
.
Dieser Aufwand ist der Streitsache nicht mehr angemessen. Der Fall ist weder besonders schwierig noch aktenmässig überdurchschnittlich umfa
ngreich. Durchgeführt wurde ein
Schriftenwechsel. Angerechnet werden kann vor diesem Hintergrund ein Aufwand von 1
2
Stunden. Die Parteientschädigung ist folglich
auf
(gerundet)
Fr.
3'0
00.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen
.
Diese ist nicht zu reduzieren, da das Hauptbegehren
der Beschwerdeführerin
, soweit über die zuzusprechende befristete ganze Invalidenrente hinausgehend (sog. Über
klagen), den Prozessaufwand nicht wesentlich beeinflusst hat (BGE 117 V 401 E. 2c; Urteil des Bundesgerichts 9C_846/2015 vom
2.
März 2016 E. 3).
8.3
Bei diesem Ausgang des Verfahrens erweist sich das
von der
Beschwerdeführer
in
gestellte Gesuch um unentgeltliche
Rechtsvertretung
als gegenstandslos.