Decision ID: f3132153-6abe-4faa-89da-722d1d76e406
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1963, wurde am
1.
Dezember 2018 anlässlich einer gegenseitigen verbalen und tätlichen Auseinandersetzung mit einer ehemaligen Untermieterin von dieser mit
den Fäusten geschlagen
und an den Kopfhaaren gezogen, worauf sie
zu Boden
stürzte
(
Urk.
7/14/1 S. 2 f.)
und in
der Folge unter anderem unter Nackenschmerzen, Schlafstörungen und Schwindelanfällen
litt
(
Urk.
7/15). Am 1
2.
Februar 2019 stellte die Geschädigte bei der Direktion der Justiz des Kantons Zürich, kantonale Opferhilfestelle, ein Gesuch um Zuspre
chung einer Entschädigung für (ungedeckte) Arzt- und Therapiekosten, Erwerbs
ausfall, Genugtuung sowie Soforthilfe (Urk.
9/1/1 S. 5 f.). Mit unbegründeter Ver
fügung vom 2
5.
Februar 2019 (
Urk.
9/9) sprach die kantonale Opferhilfestelle der Geschädigten längerfristige Hilfe für ungedeckte Arzt- und Therapiekosten im Betrag von
Fr.
1‘477.—
zu, verneinte einen Anspruch auf einen Vorschuss auf die Entschädigung und sistierte das Verfahren betreffend Entschädigung und Genug
tuung bis zum endgültigen Abschluss des Strafverfahrens beziehungsweise des Heilungsprozesses. Diese Verfügung ist nach unbenütztem Ablauf der Frist zur Beantragung ei
ner Begründung (vgl.
§
10a
lit
.
b des Verwaltungsrechtspfle
gege
setzes, VRG) in Rechtskraft erwachsen.
1.2
Am 2
5.
Februar (
Urk.
8/1) und am
6.
März 2019 (
Urk.
8/6) stellte die Geschädigte erneute Gesuche um Übernahme von ungedeckten
Behandlungsk
osten. Mit un
begründeter Verfügung vom 1
5.
März 2019 (
Urk.
8/12) sprach die kantonale Opferhilfestelle der Geschädigten erneut längerfristige Hilfe für ungedeckte Arzt- und Therapiekosten im Betrag von
Fr.
4‘210.90 zu. Diese Verfügung ist nach unbenütztem Ablauf der Frist zur Beantragung einer Begründung in Rechtskraft erwachsen.
1.3
Mit unbegründeter Verfügung vom 3
0.
April 2019 (
Urk.
7/17) sprach die kanto
nale Opferhilfestelle der Geschädigten erneut längerfristige Hilfe für ungedeckte Arzt- und Therapiekosten im Betrag von
Fr.
2‘135.65 zu (Dispositiv Ziffer I) und stellte die längerfristige Hilfe für ungedeckte Arzt- und Therapiekosten per 3
0.
April 2019 (Dispositiv Ziffer IV) ein. Am
7.
Mai 2019 beantragte die Geschä
digte eine Begründung der Verfügung vom 3
0.
April 2019 (
Urk.
7/21), worauf die kantonale Opferhilfestelle eine begründete Verfügung
erliess
(
Urk.
7/22 =
Urk.
2).
2.
Gegen die begründete Verfügung vom 3
0.
April 2019 (
Urk.
2) erhob die Geschä
digte am 1
8.
Juni 2019 Beschwerde und beantragte, Dispositiv Ziffer IV dieser Verfügung
sei aufzuheben und es sei ihr weiterhin längerfristige Hilfe für unge
deckte Arzt- und Therapiekosten zuzusprechen. Gleichzeitig ersuchte die Geschä
digte um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsvertretung (
Urk.
1 S.
1
).
Mit Eingabe vom 2
7.
Juni 2019 (
Urk.
6) verzichtete die kantonale Opferhilfestelle auf eine Stellungnahme zur Beschwerde beziehungsweise auf eine Beschwerde
antwort, wovon der Beschwerdeführerin am 1
2.
November 2019 Kenntnis gege
ben wurde. Gleichzeitig wurde der Beschwerdeführerin mitgeteilt, dass über ihren Antrag auf unentgeltliche Rechtsvertretung zu einem späteren Zeitpunkt ent
schieden werde (
Urk.
24).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Hilfe nach dem
Bundesgesetz
über die Hilfe an Opfer von Straftaten (OHG)
er
hält jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körperli
chen, sexuellen oder psychi
schen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist
(Opfer), und zwar unabhän
gig davon, ob die Täterschaft ermittelt worden ist, ob sie vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt oder ob sie sich schuld
haft verhal
ten
hat
(Art. 1 Abs. 1 und 3 OHG
;
BGE 134 II 33 E. 5.5 mit
Hinweisen).
1.
2
Das Vorliegen einer Straftat ist unabdingbare Voraussetzung für die Anerken
nung der Opferqualität einer durch ein Ereignis geschädigten Person. Unter einer Straftat ist ein tatbestandsmässiges, rechtswidriges Verhalten im Sinne des Straf
gesetzbuches zu verstehen. Eine schuldhafte Tatbegehung wird indessen nur vom Strafrecht verlangt und spielt im Opferhilferecht als täterbezogenes Kriterium bei der Bestimmung der Opferqualität keine Rolle. Nach dem aktuellen Stand von Rechtsprechung und Lehre werden Vorsatz und Fahrlässigkeit im Strafrecht nicht mehr als Schuldformen betrachtet, sondern zum typischerweise rechtswidrigen Verhalten, das heisst zum subjektiven Tatbestand gezählt. Der Begriff der Straftat setzt deshalb neben der Verwirklichung eines objektiven Straftatbestands auch vorsätzliches oder fahrlässiges Handeln voraus (BGE 134 II 308 E. 5.5). Für die Geltendmachung von opferhilferechtlichen Ansprüchen kann es nicht darauf ankommen, ob der Strafanspruch des Staats verjährt ist. Das Opfer kann von einem strafrechtlich verjährten Delikt bei späterem Erfolgseintritt in derselben Weise betroffen sein, wie
wenn beispielsweise kein schuldhaftes Verhalten nach
gewiesen werden kann. Es ist daher gerechtfertigt, das Vorliegen einer Straftat im Sinne des OHG gegebenenfalls auch dann zu bejahen, wenn der Täter wegen der strafrechtlichen Verjährungsregeln vom Strafrichter nicht mehr verurteilt werden kann (vgl. BGE 134 II 308 E. 5.8).
1.3
Die Beeinträchtigung muss unmittelbare Folge einer Straftat sein. Dies setzt voraus, dass der objektive Tatbestand einer Strafnorm erfüllt ist und kein Recht
fer
tigungsgrund vorliegt (BGE 125 II 265 E. 4a/
aa
mit Hinweisen). Mit der ge
setzli
chen Beschrän
kung auf
unmittelbare
Ein
griffe sollen namentlich reine Ver
mö
gensdelikte wie Diebstahl oder Betrug von der Opferhilfe ausgenommen
werden
(BGE 120
Ia
157 E. 2d/
aa
mit Hinweisen). Die für einen
Anspruch auf Leistungen der Opferhilfe vorausgesetzte unmittelbare
Beeinträch
ti
gung in der körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität des Opfers muss
daher
von einem gewissen Gewicht sein. Bagatelldelikte
und ins
besondere
Tät
lichkeiten, die nur unerhebliche Be
einträchtigungen bewirken, sind daher vom
An
wendungsbe
reich des OHG grundsätzlich ausgenommen (BGE 125 II 265 E. 4a/
aa
,
120
Ia
157 E. 2d/
aa
und
bb
). Ent
scheidend ist jedoch nicht die Schwere der Straftat, son
dern der Grad der Be
troffenheit der geschädigten Person. So kann etwa eine Tätlichkeit die Opfer
stellung begrün
den, wenn sie zu einer nicht unerheblichen psychischen Beein
trächtigung führt (vgl. BGE 129 IV 216 E. 1.2.1). Die Beein
trächtigung muss hin
reichend dargelegt
beziehungsweise
zumindest glaubhaft gemach
t werden (BGE 131 IV 78
E.
1.2 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 6B_600/2009 vom 1. Dezember
2009
E. 1.2). Umgekehrt ist es denkbar, dass eine im Sinne des Op
fer
hilfe
ge
set
zes
un
erhebli
che Beeinträchtigung der körper
lichen und psychi
schen In
te
gri
tät ange
nommen wird, obwohl der Eingriff strafrechtlich als leichte Kör
per
ver
let
zung zu qualifi
zieren ist.
1.4
Nach Art. 13 OHG leisten die Beratungsstellen dem Opfer und seinen Angehöri
gen sofort Hilfe für die dringendsten Bedürfnisse, die als Folge der Straftat ent
stehen (Soforthilfe; Abs. 1). Soforthilfe
ist nach der Rechtsprechung
immer dann
zu leisten, wenn die durch die Straftat unmittelbar hervorgerufene Situa
tion des
Opfers eine Massnahme erfordert, die in sachlicher und zeitlicher Hin
sicht keinen
Aufschub duldet. Dies ist meistens unmittelbar im Anschluss an die Straftat der Fall,
je nach den Umständen aber auch später (Urteil des Bundesge
richts 1C_169/200
7 vom 6. März 2008 E. 2.2).
Die Soforthilfe dient dazu, die aus einer
Straftat resultierenden dringendsten Bedürfnisse abzudecken. Sie kann dann in An
spruch genommen werden, wenn als Folge der Straftat dringender Hand
lungs
be
darf besteht.
Die Abgrenzung der Sofort- von der längerfristigen Hilfe ist in
sofern von Bedeutung, als die Soforthilfe
unentgeltlich ist und unabhängig von den Einnahmen des Opfers ausgerichtet wird. Zudem werden bei der Soforthilfe geringere Anforderungen an den Nachweis der Straftat gestellt.
1.
5
Gemäss
Art.
13
Abs.
2
OHG leisten die Beratungsstellen dem Opfer und dessen Angehörigen soweit nötig zusätzliche Hilfe, bis sich der gesundheitliche Zustand der betroffenen Person stabilisiert hat und bis die übrigen Folgen der Straftat möglichst beseitigt oder ausgeglichen wo
rden sind (längerfristige Hilfe
). Die Beratungsstellen können die Soforthilfe und die längerfristige Hilfe durch Dritte erbringen lassen (
Abs.
3). Gemäss
Art.
14
Abs.
1 OHG umfassen die Leistungen unter anderem
die angemessene medizinische
und
psychologische Hilfe in der Schweiz, die als Folge der Straftat notwendig geworden ist.
Art.
16 OHG bestimmt den Umfang der Kosten für die längerfristige Hilfe Dritter. Leistungen der Opfer
hilfe werden nur endgültig gewährt, wenn der Täter oder eine andere verpflichtete Person oder Institution keine oder keine genügende Leistung erbringt (
Art.
4
Abs.
1 OHG). Wer Kostenbeiträge für die längerfristige Hilfe Dritter beansprucht, muss glaubhaft machen, dass die Voraussetzungen nach Absatz 1 erfüllt sind, es sei denn, es sei ihm oder ihr angesichts der besonderen Umstände nicht zumutbar, sich um Leistungen Dritter zu bemühen (
Art.
4
Abs.
2 OHG
; Urteil des Bundesge
richts 1C_612/2015 vom 1
7.
Mai 2016 E. 2.1
).
1.
6
Die Rechtsprechung hat es bisher
offen gelassen, ob für die Gewährung länger
fristiger Hilfe
im Sinne von
Art.
13
Abs.
2 und 3
in Verbindung mit
Art.
14
Abs.
1 OHG
eine opferhilferechtlich relevante Straftat und damit die Opferstellung wahr
scheinlicher sein muss als ihr Nichtvorliegen (so ausdrücklich die Empfehlungen der Schweizerischen Verbindungsstellen-Konferenz Opferhilfegesetz zur Anwen
dung des OHG vom 2
1.
Januar 2010, Ziffer 2.8.1
;
www.sodk.ch/de
)
, oder ob es bereits genügt, dass eine opferhilferechtlich relevante Straftat lediglich in Be
tracht fällt (Urteil
e des Bundesgerichts 1C_9/2017 vom
4.
April 2017 E. 2 und
1C_32/2014 vom
6.
Oktober 2014 E. 2.2 und 2.3).
1.
7
Im Gegensatz zu der vor dem 1. Januar 2009 geltenden Rechtslage kann die an
spruchsberechtigte Person gemäss dem zu diesem Zeitpunkt in Kraft getrete
nen
OHG nicht mehr wählen, in welchem Sinn sie für einen Schadensposten Opfer
hilfe
beanspruchen will. Denn sie kann für denjenigen Schaden, welcher Leis
tung
en der Sofort- oder der längerfristigen Hilfe auslösen kann, keine Ent
schädi
gung ver
langen (Art. 19 Abs. 3 OHG). Laut den Gesetzesmaterialien soll vom Zweck und der Dauer der ersuchten Leistung abhängen, ob Beratungshilfe oder Entschädi
gung beansprucht werden kann. Hilfeleistungen zur Stabilisie
rung des
Gesund
heitszustands und zur
Beseitigung der übrigen Folgen der Straftat (Art. 13
Abs. 2 OHG) dienen der Wiederherstellung der Situation, wie sie vor dem Scha
dens
er
eignis bestand. Demgegenüber sollen Hilfeleistungen während eines chro
ni
schen Zustands über die Entschädigung abgedeckt werden. Die Abgrenzung zwi
schen Beratungshilfe und Entschädigung spielt bei der Anspruchsbe
rech
ti
gung in örtli
cher und zeitlicher Hinsicht sowie beim Nach
weis der Opferstellung
eine Rolle. Zudem wird die Beratungshilfe etwas gross
zügiger bemessen als die Ent
schä
digung und ist nicht plafoniert, und ihre Gel
tendmachung ist an keine zeit
lichen
Limiten
gebunden. Für die Beratungshilfe ist der Wohnsitzkanton des
Opfers kos
tenpflich
tig (vgl. Art. 18 OHG), während die Entschädigung vom
Kan
ton zu bezah
len ist, auf dessen Territorium die Straftat begangen wurde (Art. 26 OHG; vgl. Charlotte
Schoder
, Opferhilfeleis
tungen im Lichte des revidierten OHG, AJP 2008 S. 1483 ff, S. 1491 f.).
1.
8
Im Bereich der Opferhilfe wird vorausgesetzt, dass
zwischen der Straftat und dem ein
ge
tretenen Schaden ein natürlicher
und adäquater
Kausalzusammenhang besteht.
Dieses Kausalitätserfordernis ergibt sich gemäss der Rechtsprechung
bereits
aus
Art.
1
Abs.
1 OHG, wonach Anspruch auf Unterstützung jede Person hat,
die durch eine Straftat in ihrer körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden is
t, was Reflexschäden (
atteintes
par
ricochet
) ausschliesst (
Urteil des Bundesgerichts 1C_3
34/2017 vom 27 Juni 2018 E. 3.1).
Des Weiteren
ist ein
Kausalitätserfordernis auch in
Art.
14 OHG statuiert. Denn gemäss
Art.
14
Abs.
1 OHG sind ausschliesslich angemessene Leistungen, die als Folge der Straftat notwendig geworden sind, von der Opferhilfe zu über
nehmen.
Demnach müssen die Soforthilfe und die längerfristige Hilfe
notwendig sein. Insoweit befand das Bundesgericht, dass das Opfer keiner staatlichen Hilfe bedarf, wenn es sich in zumutbarer Weise selber helfen kann (Urteil des Bundes
gerichts 1C_32/2014 vom
6.
Oktober 2014 E. 2.3 mit Hinweisen). Des Weiteren muss die Hilfe angemessen und nicht offensichtlich nutzlos sein (Urteil des Bundesgerichts 1C_612/
2015 vom 1
7.
Mai 2016 E. 2.3). Es
sind
daher
ausschliess
lich angemessene Leistungen, die als Folge der Straftat notwendig geworden sind, von der Opferhilfe zu übernehmen.
Mithin sind Leistungen nur für
Kosten
zu erbringen
, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Gewaltdelikt stehe
n.
Damit wird ein kausaler Zusammenhang zwischen der Straftat und der beantrag
ten Leistung gefordert
(
Urteil
e
des Bundesgerichts 1C_612/2015 vom 1
7.
Mai 2016 E. 2.3
und 1C_9/2017 vom
4.
April 2017 E. 3)
.
1
.
9
Vorausgesetzt wird zunächst
, dass
zwischen
der Straftat
und
d
em ein
ge
tretenen Schaden ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht.
Ursachen im Sinne
des
natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vor
han
den
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des na
türlichen Kausal
zu
sammenhangs nicht erforderlich, dass
eine Straftat
die alleinige oder unmittel
bare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten
Person beeinträchtigt hat, die Straftat
mit an
dern Wor
ten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene
ge
sundheit
liche Störung entfiele (vgl. BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 33
5 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.
1
0
Des Weiteren muss z
wischen der Straftat und dem erlittenen Schaden
ein
adä
qua
ter Kausalzusammenhang vorliegen
. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereig
nis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Ein
tritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt er
scheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Auf Grund des sowohl dem Unfallversicherungs- als auch dem Opferhilferecht
zu Grunde liegenden Solidari
tätsgedankens ist gemäss der Rechtsprechung bei der
Beurteilung der Adäquanz eines Unfallereignisses beziehungsweise einer Straf
tat bei psychischen Unfallfol
gen und bei Unfällen bei einem Schleuder
trau
ma der Halswirbelsäule eine Abweichung von den Grundsätzen des Haftpflicht
rechts gerechtfertigt, und es ist diesbezüglich die unfallversicherungs
rechtliche
Recht
sprechung zur Adäquanz heranzuziehen (Urteil des Bundesgerichts 1A.230/2006
vom 5. Juni 2007 E. 3.4
ff.).
1.1
1
In Bezug auf das
Beweismass
gilt im Bereich des Opferhilferechts die im Bereich des Haft
pflicht
rechts ergangene Rechtsprechung, wonach das Beweismass in Bezug auf
den natürlichen Kausalzusammenhang wegen der oft bestehenden Beweis
schwie
rigkeiten auf die überwiegende Wahr
scheinlichkeit herabgesetzt wird (BGE 128 III 271 E. 2b). Trotz einer grundsätz
lichen Bindung an das Straf
urteil kann im Bereich der Opferhilfe daher von den darin enthaltenen Feststel
lungen abge
wichen werden, wenn das Strafge
richt bei der Beurteilung der Kausalität einen anderen Massstab ansetzt (
mit an Sicher
heit grenzender Wahr
scheinlichkeit
), als der Zivilrichter zur Anwendung zu bringen hat (überwiegende Wahrschein
lich
keit; Urteil des Bundesgerichts 4C.327/2004 vom 22. Dezember 2004 E. 3.2).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner ging in der angefochtenen Verfügung vom 3
0.
April 2019 (
Urk.
2) davon aus, dass sowohl die Beschwerdeführerin als auch die Täterin infolge der Auseinandersetzung vom
1.
Dezember 2018 Strafantrag wegen Tät
lichkeiten
,
eventuell wegen Körperverletzungen
,
gestellt hätte
n. Auf
Grund der teilweise übereinstimmenden Aussagen
der Beschwerdeführerin und der Täterin gegenüber der Polizei habe jedoch jedenfalls als erstellt zu gelten
, dass die Täterin die Beschwerdeführerin
an den Haaren gezogen habe. Aus diesem Grunde sei
zu Gunsten der Beschwerdeführer
in
von einer Wahrscheinlichkeit
ihrer
Opferstel
lung auszugehen (
Urk.
1 S. 3). Gestützt auf die Beurteilung des die
Unfallfolgen
behandelnden Arztes vom 1
5.
April 2019
sei
sodann
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Straftat vom
1.
Dezember 2018 ein Schleuder
trauma der Hals
wirbelsäule (HWS) erlitten habe. Während der
natürliche Kausal
zusammenhang zwischen den gesundheitlichen Beeinträchtigungen und der Straftat zu bejahen
sei (
Urk.
1 S. 4), gelte es bei der Prüfung der
Frage nach einem
adäquaten Kausalzusammenhang
zwischen der Straftat und den gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin
die
unfallversicherung
srechtliche
Rechtsprechung zur Adäquanz
bei einem Schleudertrauma der HWS
zu
berück
sichtigen
. Da es sich bei der Straftat um ein leichtes Unfallereignis gehandelt habe, sei der
adäquate Kausalzusammenhang zwischen der Strafta
t und den nach dem 3
0.
April 201
9 weiterbestehenden Beschwerden zu verneinen, weshalb die Leistungen der längerfristigen Hilfe auf diesen Zeitpunkt einzustellen seien (S.
7
f.
).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte
hiegegen
vor, dass
die Behandlung des Schleu
dertraumas noch nicht abgeschlossen sei, und dass von einer Fortsetzung der Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes zu erwar
ten sei
. Der
Beschwerdegegner
habe
die Adäquanzprüfung
daher verfrüht
vorge
nommen
(
Urk.
1 S. 2 f. und
S. 4). Selbst wenn
er
indes die Adäquanz hätte
prüfen
dürfen, sei
der Beschwerdegegner zu Unrecht
von einem leichten
und nicht
von
einem mittelschweren Unfallereignis
ausgegangen
(
Urk.
1 S. 5)
. Bei Annahme eines mittelschweren Unfalls sei
die Adäquanz
und ein weitergehender Anspruch auf längerfristige Hilfe
zu bejahen (
Urk.
1 S. 6).
2.3
Streitig und zu prüfen ist im Folgenden daher der Anspruch der Beschwerdefüh
rerin auf längerfristige Hilfe für die Zeit ab
1.
Mai 2019
und dabei insbesondere die Frage,
ob die ab diesem Zeitpunkt weiterbestehenden Beschwerden in einem natürlichen
und
adäquaten Kausalzusammenhang zur Straftat vom
1.
Dezember 2018 stehen
. Dabei ist die
Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang
, wie bereits erwähnt (vorstehend E.
1.1
0
),
anhand der diesbezüglichen unfall
versiche
rungsrechtlichen Rechtsprechung zu prüfen ist.
3.
3.1
Nach Gesetz und Rechtsprechung
im Bereich der Unfallversicherung ist
der Fall unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2
des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversi
cherung
,
UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3). In diesem Zeitpunkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfä
higkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begrif
fes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Bes
serung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In die
sem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prog
nostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbe
sondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezem
ber 2014 E. 3).
3.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein
natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
3.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adä
quate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
3.4
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, das heisst rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang prak
tisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
Nach der Rechtspre
chung kann von
organisch objekt
iv ausgewiesenen Unfall
fol
gen
,
bei denen die
Unfalladäquanz
praktisch keine Rolle spielt
,
erst ge
spro
chen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Ab
klärungen bestätigt werden und die angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich auf breiter Basis anerkannt sind (nicht
in
BGE 135 V 465
publizierte E. 2 des Urteils des Bundesgerichts
8C_216/2009
vom
2
8.
Oktober 2009
; BGE 134 V 231 E. 5.1).
3.5
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beein
trächtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurück
zuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psy
chische Störungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zu
nächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzusam
menhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträchtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kri
terien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adä
quaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bundes
gericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psy
chischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beurteilung des adäquaten
Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
Praxisgemäss kann auf weitere Beweisvorkehren zum natürlichen Kausalzusam
menhang verzichtet werden, wenn der adäquate Kausalzusammenhang ohnehin zu verneinen ist (BGE 135 V 465 E. 5.1; Urteile des Bundesgerichts 8C_42/2007 vom 1
4.
April 2008 E. 2 und
8C_70/2009 vom 3
1.
Juli 2009 E. 3).
3.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange
umfassend ist, in der Darlegung
der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
4
.
4
.1
Zum Zeitpunkt bei Erlass der angefochtenen Verfügung vom 3
0.
April 2019 (Urk. 2) stellte sich der
massgebende medizinische Sachverhalt
folgendermassen dar:
4
.2
Die Ärzte des
Y._
, Radiologie, erwähnten in ihrem Bericht vom
3.
Dezember 2018 (
Urk.
7/13 =
Urk.
3/5), dass die Beschwerdeführerin vor zwei Tagen anlässlich einer Auseinandersetzung an den Haaren gerissen und zu Boden
gedrückt worden sei,
und
dass sie
seither unter Schmerzen im Bereich Th1 und 2 leide. Sie stellten fest, dass eine gleichentags durchgeführte Computertomo
gra
phie (CT) der Halswirbelsäule (HWS) der Beschwerdeführerin eine Streckfehlhal
tung der HWS und
Osteochondrosen
im Bereich C5/6 und Th1/2
,
jedoch keine Hinweise auf eine frische
ossäre
Läsion oder Luxation ergeben habe.
4.3
Dr.
med.
Z._
, praktischer Arzt,
stellte
in seinem
Zeugnis
vom
4.
Dezember 2018 (
Urk.
22/5/1)
die Arbeitsdiagnosen eines HWS-Schleudertraumas und multipler Prellungen und führte aus, dass voraussichtlich mit einer Arbeitsunfähigkeit von zwei Wochen zu rechnen sei.
D
ie Beschwerde
führerin
habe
angegeben, am
1.
Dezember 2018 von einer Untermieterin verprü
gelt worden zu sein, und dass sie dabei mit
Fäusten traktiert und an den Haaren gezogen worden sei. Eine körperliche Untersuchung der Beschwerdeführerin habe keine offenen Verletzungen, keine Blutspuren und keine Hämatome gezeigt. Die Beschwerdeführerin habe aber unter starken Kopfschmerzen sowie unter Schmer
zen bei Bewegung im Nacken und im Bereich de
r Brustwirbelsäule gelitten.
4.4
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Neurologie, diagnostizierte mit Bericht vom 1
7.
Januar 2019 (
Urk.
7/9) anhaltende Beschwerden nach
einem
tätlich
en
Angriff vom
1.
Dezember 2018
(S. 1) und erwähnte, dass die neurologische Untersuchung regelrechte Ergebnisse (S. 2), insbesondere einen regelrechten Hirnnervenstatus (S. 1) und keinen Anhalt für eine
Gefässdissektion
(S. 2)
,
ergeben habe. Die Beweglichkeit der Halswirbelsäule sei
zwar
etwas eingeschränkt
gewesen
(S. 1). Bei der Wiedervorstellung am 3
0.
Januar 2019 seien die Schmerzen
indes
schon rückläufig gewesen. Die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass sie weiterhin eine
kraniosakrale
Therapie durchführen werde (S. 2).
4.5
Dr.
Z._
erwähnte
am
2
2.
März 2019 (
Urk.
7/3), dass er die Beschwerdeführerin wegen Unfallfolgen seit dem
1.
Dezember 2018 behandle
,
und stellte fest, dass die Beschwerdeführerin am
1.
Dezember 2018 Opfer einer körperlichen Aus
einandersetzung geworden sei und
an einer
Symptomatik eines Halswirbel
säulentraumas leide. Zudem sei sie sehr geräuschempfindlich geworden. Es sei eine
Craniosakraltherapie
indiziert, da von dieser
Therapie
im Vergleich zur Phy
siotherapie grössere Heilungschancen zu erwarten seien.
Mit Zeugnis vom 2
2.
März 2019 (
Urk.
3/4) attestierte
Dr.
Z._
der Beschwerde
führerin eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom
1.
Dezember 2018 bis 3
1.
März 2019, eine solche von 50
%
vom
1.
April bis 3
1.
Mai 2019 und eine solche von 30
%
vom
1.
bis 3
0.
Juni 201
9.
Anschliessend sei eine
Reevaluation
d
er Arbeits
fähigkeit
angezeigt
.
4.6
In seinem Bericht vom 1
5.
April 2019 (
Urk.
8/18 =
Urk.
7/15) führte
Dr.
Z._
aus, dass
sich
die Beschwerdeführerin anlässlich des Ereignisses vom
1.
Dezember 2018 diverse Prellungen zugezogen habe, und dass sie anschliessend unter hart
näckigen Nackenschmerzen, Schlafstörungen, Schwindelanfällen und Hörstörun
gen gelitten habe. In psychischer Hinsicht leide sie zudem seit dem Ereignis vom
1.
Dezember 2018 unter einer Angststörung, eventuell unter einer posttraumati
schen Belastungsstörung (S. 1).
Es
sei eine psychiatrische Diagnostik und Therapie sinnvoll. Dabei sollte geklärt werden, ob die Beschwerdeführerin unter einer Angstneurose oder unter einer
posttraumatischen Belastungsstörung leide. Die Behandlung der Prellungen sei abgeschlossen. Zu Schürfungen sei es nicht gekommen. Es sei zu vermuten, dass es (anlässlich des Ereignisses vom
1.
Dezem
ber 2018) zu einem Schleude
rtraum
a
(der HWS) gekommen sei, wobei die hart
näckigen Schmerzen im Nacken, die Schlafstörungen, die Schwindelattack
en und die Hörstörungen damit in einem
Zusammenhang s
tünden. Die Behandlung der Folgen des Schleudertraumas (der HWS) sei noch nicht abgeschlossen. Die mehr
fachen bildgebenden (Röntgen und MRI) und neurologischen Untersuchungen hätten keine eindeutigen Ursachen der Schmerzproblematik ergeben.
Einzig eine
Craniosakraltherapie
habe eine Verbesserung der Symptomatik bewirken können (S. 2).
Er habe der Beschwerdeführerin in Bezug auf die Tätigkeit als Lehrerin bis 3
1.
März 2019 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit und ab
1.
April 2019 eine solche von 50
%
attestiert.
Die Arbeitsunfähigkeit sei durch das Ereignis vom
1.
Dezember 2018 verursacht worden. Eine Besserung des Gesundheitszustandes beziehungsweise eine
Restitutio
ad
integrum
sei möglich.
E
ine Genesung
werde
jedoch immer schwieriger zu erreichen
sein
, j
e l
änger der Heilungszustand dauern werde, wobei
die
psychischen Beschwerden
dabei
eine zentrale Rolle ein
nehmen werden
(S. 3).
4.7
Mit Bericht vom 3
1.
Mai 2019 (
Urk.
3/2) führte
Dr.
Z._
aus, dass ihn die Beschwerdeführerin seit dem Unfallereignis vom
1.
Dezember 2018 regelmässig konsultiert habe, und dass sie sich den empfohlenen Therapien, insbesondere der
Craniosakraltherapie
,
unterzogen habe. Seit Mai 2019 werde
sie
sodann regel
mässig psychotherapeutisch behandelt.
4.8
Der Leistungszusammenstellung vom
5.
April 2019 des Krankenversicherers der Beschwerdeführerin, der Helsana Versicherungen AG, zum Unfall der Beschwer
deführerin vom
1.
Dezember 2018 (
Urk.
7/11) ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin
in der Zeit
vom
1.
Dezember 2018 bis
5.
April 2019
neben
physiotherapeutisch
en
und komplementärmedizinisch
en Behandlungen
aus
schliesslich durch Arztpersonen der somatische
n
Medizin behandelt wurde.
Die Konsultation einer psychiatrischen Facharztperson ist erstmals am 1
3.
April 2019
(
Konsultation von
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psycho
therapie)
dokumentiert (
Urk.
7/26).
5.
5.1
Den erwähnten medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass
eine
C
T
der
HWS
der Beschwerdeführerin eine Streckfehlhaltung der HWS und
Osteochondrosen
im Bereich C5/6 und Th1/2
,
jedoch keine Hinweise auf
ossäre
Läsion
en,
Luxatio
n oder andere
Traumafolgen
ergab
(vorstehend E.
4.2
)
.
Dr.
A._
stellte in seinem
Bericht vom 1
7.
Januar 2019 (
vorstehend E.
4.4
)
fest,
dass
die neurologische Untersuchung - abgesehen von einer leichten Einschränkung der Beweglichkeit der HWS - keine pathologischen Befunde und insbesondere
einen regelrechten Hirnnervenstatus
und keine Hinweise
auf
eine
Gefässdissektion
ergeben habe.
Demgegenüber diagnostizierte
Dr.
Z._
in seinem Bericht vom
4.
Dezember 2018 (vorstehend E.
4.3
) ein HWS-Schleudertrauma und ging daher davon aus, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Straftat eine Distorsionsverletzung der HWS erlitten habe. Gemäss seiner
Beurteilung
vom 2
2.
März 2019 (
vorstehend E.
4.5
)
leide die
Beschwerdeführerin
infolgedessen
unter einer
Symptomatik eines Halswirbelsäulentraumas
und insbesondere unter einer Geräuschempfindlichkeit.
In seinem Bericht vom 1
5.
April 2019 (
vorstehend E.
4.6
)
ergänzte
Dr.
Z._
,
dass die Beschwerdeführerin
seit der Straftat unter
Nackenschmerzen, Schlafstö
rungen, Schwindelanfällen und Hörstörungen
leide. Sodann äusserte
Dr.
Z._
die Vermutung, dass die Beschwerdeführerin seit diesem Ereignis in
psychischer Hinsicht unter einer Angststörung, eventuell einer posttraumatischen Belastungs
störung
,
leide und erachtete eine
psychiatrische Diagnostik und Therapie
als
sinn
voll.
5.2
Auf Grund der medizinischen Aktenlage steht daher fest, dass die Straftat vom
1.
Dezember 2018 weder zu organischen Schädigungen im Sinne von strukturel
len, bildgebend nachweisbaren Verletzungen geführt, noch neurologisch objekti
vierbare Ausfallerscheinungen bewirkt hat. Streitig bleibt, ob die geklagten, organisch nicht nachweisbaren Restbeschwerden, insbesondere Beschwerden im Nackenbereich,
Sc
hlafstörungen, Schwindelanfälle
und Hörstörunge
n bezie
hungsweise eine Geräuschempfindlichkeit auf die Straftat vom
1.
Dezember 2018 zurückzuführen sind. Für die Annahme eines Schleudertraumas oder einer
schleu
dertraumaähnlichen
Verletzung ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle ist nicht erforderlich, dass die meisten der dem bunten Beschwerdebild zugerech
neten Symptome bereits innert einer Latenzzeit von 24 bis höchstens 72 Stunden auftreten. Es genügt, wenn sich in diesem Zeitraum Beschwerden in der Hals
region oder an der HWS manifestieren, während weitere für ein Schleudertrauma typische Beschwerden erst zeitverzögert auftreten können, um noch als unfall
kausal in Betracht zu kommen (Urteil des Bundesgerichts 8C_928/2008 vom 2
0.
April 2009 E. 3.1 mit Hinweisen).
5.3
Den medizinischen Unterlagen ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin zwar innerhalb der massgeblichen Latenz von 24 bis 72 Stunden nach der Straftat über
Kopf- und
Nackenschmerzen,
Schlafstörungen, Schwindelanfälle und Hör
störungen beziehungsweise
über
eine Geräuschempfindlichkeit
g
eklagt hat. W
eitere Symptome,
die
nach einem Schleudertrauma der HWS oder einem äquivalenten Verletzungsmechanismus
üblicherweise
auftreten (wie
Konzentra
tions
- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit,
Visusstörung
, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung
und Ähnliches
; BGE
117 V 359 E. 4b
; 119 V 335 E. 1
)
,
sind
aber auch zu einem späteren Zeitpunkt medizinisch nicht dokumentiert, weshalb es zumindest fraglich ist, ob eine
Schleudertraumaverletzung
vorliegt und ob die gesundheitlichen Beeinträchti
gungen mit dem Unfallereignis erklärbar sind.
Diese
Frage
kann
jedoch
offen
ge
lassen
werden
und
es kann
von weiteren Abklärungen zur natürlichen Kausalität abgesehen
werden
,
wenn bereits die
Adäquanz des Kausalzusammenhangs ohne
hin zu verneinen
wäre (vorstehend E.
3.5
), was es im Folgenden zu prüfen gilt.
6.
6.1
In psychischer Hinsicht steht fest, dass die Beschwerdeführerin
in der Zeit vom
1.
Dezember 2018 bis 1
2.
April 2019
nicht
psychiatrisch behandelt wurde, und dass sie
nach der Straftat
erstmals am 1
3.
April 2019 eine psychiatrische Fach
ärztin konsultierte.
Berichte psychiatrischer
Arztpersonen befinden
sich
denn auch nicht bei den Akten. Um solche handelt es sich insbesondere nicht bei den Berichten von
Dr.
Z._
. Denn dieser verfügt über einen medizinischen Weiter
bildungstitel als praktischer Arzt (
www.medregom.admin.ch
). Dabei handelt es sich um Ärzte, welche
am Ende ihrer Weiterbildung über die Kompetenz
verfügen
, eigenverantwortlich im Bereich der medizinischen
Grundversorgung tätig zu sein, wobei die Weiterbildung zum praktischen
Arzt
beziehungsweise zur p
raktische
n
Ärztin
in der Regel
als Basisweiterbildung für den späteren Erwerb des Facharzt
titels Allgemein
e
Innere Medizin
gilt (
www.siwf.ch/
weiter
bil
dung
/praktischer-
arzt.cfm
). Insoweit
Dr.
Z._
daher die Ansicht vertrat, dass die Beschwerdefüh
rer
in
neben den Symptomen eines Schleudertraumas der HWS infolge der Straf
t
at unter einem verselbständigten psychiatrischen Leiden im Sinne einer Angststö
rung oder einer posttraumatischen Belastungsstörung leide, kann auf
seine Beur
teilungen schon desh
a
lb
nicht abgestellt werden, weil es ihm an einer dafür angezeigten fachärztlichen Weiterbildung als Facharzt für Psychiatrie und Psy
cho
therapie fehlt
.
6.2
Vorliegend spricht indes auch der Umstand, dass sich die Beschwerdeführerin in der Zeit vom
1.
Dezember 2018 bis 1
2.
April 2019 nicht einer psychiatrischen Behandlung unterzog, obwohl ihr dies von ihrem Hausarzt,
Dr.
Z._
, empfohlen wurde, gegen einen
entsprechenden
psychischen Leidensdruck und gegen ein un
fallbedingtes psychisches Leiden. Insoweit
Dr.
Z._
vermutungsweise in Betracht zog, dass die Beschwerdeführerin infolge der Straftat unter einer post
traumatischen Belastungsstörung leiden könnte, gilt es sodann
zu berücksichti
gen,
dass
eine solche gemäss
den massgeblichen Leitlinien zur Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nach einem traumatisierenden Ereignis von aussergewöhnlicher Schwere auftritt,
welches bei
fast jedem eine tiefe
Verzweif
lung hervorrufen würde (
Dilling
/
Mombour
/Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V, Klinisch-diagnostische Leitlinien, 1
0.
Aufl., Bern 2015)
. Um ein solches Ereignis von ausserordentlicher Schwere hat es sich bei der Straftat vom
1.
Dezember 2018, anlässlich welcher die Beschwerdeführerin an den Haaren gezogen wurde und zu Boden stürzte, nicht gehandelt.
6.3
Nach Gesagtem lässt sich auf Grund der Akten
mit dem Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit nicht
auf hinreichende Anhaltspunkte für eine
durch die Straftat vom
1.
Dezember 2018 verursachte,
behandlungsbedürftige
, verselb
ständigte psychische Gesundheitsbeeinträchti
g
ung
von Krankheitswert schliessen. Unter diesen Umständen ist daher nicht
zu beanstanden, dass der Beschwer
degegner von weiteren medizinische
n
Abklärungen des psychischen Gesund
heitszustandes der Beschwerdeführerin absah.
6.4
Da ergänzende Beweismassnahmen an diesem
E
rgebnis nichts mehr änderten,
ist von
weitere
n
Abklärungen -
insbesondere psychiatrischen Abklärungen
- abzu
sehen (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen).
7.
7.1
Für den Fallabschluss beziehungsweise für die Adäquanzbeurteilung wird nach der erwähnten (vorstehend E.
3.1
)
unfallversicherungsrechtlichen
Rechtsprechung vorausgesetzt, dass noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten ist. Das Kriterium beurteilt sich namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist (BGE 134 V 109 E. 4.3). Es bedarf dabei einer ins
Gewicht fallenden Besserung durch die ärztliche Behandlung (Urteil des Bundes
gerichts 8C_697/2013 vom
5.
November 2013 E. 3.5). Eine allfällige blosse Ver
besserung allein des Leidens an sich, eine nur kurzfristige Linderung, eine blosse Verbesserung der Befindlichkeit oder dass die versicherte Person etwa von Phy
siotherapie profitieren kann, genügt nicht (Urteile des Bundesgerichts 8C_970/2012 vom 3
1.
Juli 2013 E. 3.4; 8C_855/2009 vom 2
1.
April 2010 E. 7; 8C_338/2009 vom 1
4.
Januar 2010 E. 5.1; 8C_28/2008 vom 2
8.
Juli 2008 E. 3.3). Von der Rechtsprechung wurde beispielsweise als ausschlaggebend erachtet, dass die versicherte Person ihre Erwerbstätigkeit nach ärztlicher Einschätzung dank der fraglichen weiteren Behandlung mit grosser Wahrscheinlichkeit wiederauf
nehmen werde (Urteil des Bundesgerichts 8C_277/2012 vom 1
2.
Oktober 2012 E.
2.3.3), wobei ärztliche Verlaufskontrollen, die Einnahme von Medikamenten so
wie
manualtherapeutische
Behandlungen nicht als kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustan
des gerichtete ärztliche Behandlung im Sinne der Rechtsprechung gelten (Urteile des Bundesgerichts 8C_306/2016 vom 2
2.
September 2016 E. 5.3 und U 395/06 vom
5.
Oktober 2007 E. 5.3).
7.2
Den Beurteilungen durch
Dr.
Z._
vom
1
5.
April 2019 (
vorstehend E.
4.6
)
und
vom 3
1.
Mai 2019 (
vorstehend E.
4.7
) ist zu entnehmen, dass in somatischer Hin
sicht a
usschliesslich die
Craniosakraltherapie
zu einer
Verbesserung der Sympto
matik
geführt habe, und dass diese Therapie sowie Verlaufskontrollen bei ihm selbst weiterhin regelmässig angezeigt seien.
Daraus lässt sich indes nicht auf eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes schliessen. Denn gemäss der erwähnten Rechtsprechung (vorstehend E.
7.1
) handelt es sich bei
manualthera
peutische
n
Behandlungen
,
wozu auch
die
Craniosakral
- und die Physiotherapie
zu zählen sind
, sowie bei ärztlichen Verlaufskontrollen nicht um
eine
kontinu
ierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung
, welche rechtsprechungs
gemäss
für eine namhafte Besserung des Ges
undheitszustandes vorausgesetzt wird
.
7.3
Sodann erachtete
Dr.
Z._
in seinem Bericht vom 1
5.
April 2019 (vorstehend E.
4.6
)
zwar eine
Verbesserung des Gesundheitszustandes
als möglich. Gleichzei
tig ging er indes davon aus
, dass
insbesondere auf Grund der psychischen Beschwe
r
den
e
ine Genesung immer schwieriger zu erreichen
sein werde
, je l
änger der Heilungszustand dauern werde. Daraus lässt sich
nicht schliessen, dass
die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder
herzustellen sei
.
Demzufolge vermag die Beschwerdeführerin aus den Beurteilun
gen durch
Dr.
Z._
nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. In Würdigung der Aktenlage ist vielmehr davon auszugehen, dass
zum Zeitpunkt bei Erlass der an
gefochtenen Verfügung vom 3
0.
April 2019 (
Urk.
2)
eine namhafte beziehungs
weise eine ins Gewicht fallende Verbesserung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin durch eine weitere ärztliche Behandlung nicht mehr
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu erwarten war.
8.
8.1
Zu prüfen ist im Hinblick auf die Adäquanzfrage der
Hergang der Straftat vom
1.
Dezember 2018
beziehungsweise die objektive
Schwere
dieses Ereignisses:
8.2
Im Rahmen der Adäquanzbeurteilung hat eine Einteilung der Unfälle nach Massgabe ihrer Schwere stattzufinden, wobei der Ausgangs
punkt das objektiv erfass
bare Unfallereignis beziehungsweise dessen objektive Schwere darstellt.
Massge
bend
ist
für die Beurteilung der Unfallschwere
daher
der augenfällige Gesche
hensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften, nicht jedoch
die
Folgen des Unfalls oder Begleitumstände, die nicht direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet werden können
.
Derartigen dem eigentlichen Unfallgeschehen nicht zuzuordnen
den Faktoren ist gegebenenfalls bei den Adäquanzkriterien Rechnung zu tragen. Dies gilt etwa für die - ein eigenes Kriterium bildenden - Verletzungen, welche sich die versicherte Person zuzieht, aber auch für - unter dem Gesichts
punkt der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrück
lichkeit des Unfalls zu prüfende - äussere Umstände, wie eine allfällige Dunkelheit im Unfall
zeitpunkt oder Verletzungs-
oder
Todesfolgen, die der Unfall für
andere Personen nach sich zieht.
Immerhin können die erlittenen Verletzungen aber Rückschlüsse auf die Kräfte, die sich beim Unfall entwickelt haben, gestatten (
BGE
134 V 109 E. 10.1;
Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_437/2015 vom
5.
September 2015 E. 3.3 und
8C_137/2014 vom 5. Juni 2014 E. 6.1).
8.3
Gemäss dem Rapport der Kantonspolizei vom 1
8.
Februar 2019 (
Urk.
8/17/1) hat die Täterin die Beschwerdeführerin
am
1.
Dezember 2018
im Rahmen
einer gegenseitigen verbalen und tätlichen Auseinandersetzung
mehrmals
mit den Fäusten geschlage
n und an den Kopfh
aaren gezogen, worauf
die Beschwerdefüh
rerin
zu Boden
stürzte (S. 2 f.).
8.4
Gemäss der Rechtsprechung sind ein gewöhnlicher Sturz oder ein Ausrutschen im Allgemeinen dem Bereich der leichten Unfälle zuzuordnen (
Urteil des Bundes
gerichts U 300/
03 vom 3
0.
November 2004 E. 3.3).
Das Bundesgericht hat in BGE
115 V 133 E. 6a einen gewöhnlichen Sturz und ein Ausrutschen als Beispiele für ein leichtes Unfallereignis aufgeführt. Leichte Unfälle wurden auch angenommen beim Ausrutschen auf einer nassen Wurzel und anschliessendem Sturz auf die linke Seite anlässlich eines Spaziergangs im Wald (Urteil des Bundesgerichts 8C_526/2008 vom 1
4.
Mai 2009 E. 5.1), bei einem Treppensturz auf das Gesäss mit einem initialen Verdacht auf Handgelenksbruch und später festgestelltem Steissbeinbruch (Urteil des Bundesgerichts U 91/01 vom 1
9.
Dezember 2001), bei einem Ausgleiten beim Tragen einer Motorsäge auf abschüssigem Gelände im Wald (Urteil des Bundesgerichts U 221/04 vom
7.
April 2005), bei einem Sturz auf einer Eisfläche mit Kopfanprall (Urteil des Bundesgerichts U 78/02 vom 2
5.
Februar 2003), bei einem Sturz bei Eisregen mit Schenkelhalsbruch (Urteil des Bundesgerichts U 145/02 vom
2.
Dezember 2002), bei einem Sturz beim Hinun
tersteigen von einer Baumaschine (Urteil des Bundesgerichts U 18/00 vom 1
7.
Oktober 2000) sowie bei einem Schlag eines 600 Kilogramm schweren Beton
blocks an den rechten Oberarm während Betonfräsarbeiten (Urteil des Bundesge
richts U 5/01
und
U 7/01 vom 1
5.
Oktober 2001).
Den leichten Unfällen war auch de
r
Sturz von einer
rund einen Meter hohen Ladebrücke
eines Lieferwagens
auf die Füsse
, mit einem Anstossen des
Rücken
s
an der Kante
der Ladebrücke, zuzu
ordnen
(Urteil des Bundesgerichts U
320/06 vom 3
0.
Oktober 2007 E. 4.5). Ent
sprechend wurde ein Sturz mit Schenkelhalsbruch bei Eisregen (Urteil
des Bun
desgerichts
U 145/02 vom
2.
Dezember 2002 E. 3.2) oder ein solcher auf Glatteis mit einem
Bizepssehnen
a
briss
am Oberarm (Urteil 8C_218/2009 vom 1
9.
Mai 2009) als leichter Unfall bewertet.
8.5
Mittelschwere Unfälle im Grenzbereich zu den leichten Unfällen wurden
demge
genüber
angenommen, bei einem schweren Sturz auf den Rücken (BGE 123 V
137 E. 3d), bei einem Ausgleiten beim Hinuntersteigen von einer Böschung mit anschliessendem heftigem Aufschlagen mit dem Rücken auf einem Betonstück am Boden (BGE 115 V 133 E. 11a-b), bei einem Sturz von einem 1,2 Meter hohen Gerüst mit einer
Calcaneusfraktur
(RKUV 1998 Nr. U 307 S. 449), bei einem Sturz in einen Lichtschacht mit Kontusion der rechten Hüfte und Distorsion des rechten Knies und beim Sturz auf einer schneeglatten Unterlage mit Läsion der
Supra
spi
natussehne
an der linken Schulter (Urteil des Bundesgerichts U 232/02 vom
5.
August 2003) sowie beim Sturz an einem steinigen Flussufer hangabwärts auf den Rücken ohne schwere
Verletzungen (Urteil des Bundesgerichts U 173/03 vom 1
5.
November 2004).
Sodann wurden Treppenstürze in der Regel als mittel
schwere Unfälle im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen betrachtet (Urteile des Bundesgerichts 8C_816/2011 vom 2
6.
Januar 2012, 8C_748/2010 vom
9.
Dezember 2010 E. 4.1, 8C_798/2007 vom
3.
Juli 2008 E. 4.1, U 340/05 vom 1
6.
Dezember 2005 E. 2.3 und U 83/05 vom
1.
Juni 2006 E. 3.1). Auch Stürze beim Skifahren, teilweise verursacht durch Kollisionen mit anderen Skifahren, wurden in der Regel als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert (Urteil des Bundesgerichts 8C_785/2009 vom 1
6.
Juni 2010 E. 7.3 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_53/2011 vom 3
0.
Mai 2011 E. 4.1.1). Gleich eingestuft wurden auch ein äussert wuchtiger Drehsturz eines Skifahrers mit heftigem Aufschlag des Kopfes auf der Piste (Urteil des Bundesgerichts 8C_744/2009 vom
8.
Januar 2010 E. 10) und ein Unfall, bei dem eine Skifahrerin von einem Snowboarder angefahren und in die Luft geworfen wurde und auf Rücken sowie Kopf stürzte (Urteil des Bundesgerichts U 369/05 vom 2
3.
Novem
ber 2006 E. 7.1 und 7.2.1).
8.6
Beim vorliegend streitigen Unfallereignis vom
1.
Dezember 2018, bei welchem die Beschwerdeführerin anlässlich einer
verbalen und tätlichen Auseinanderset
zung an den Kopfhaaren gezogen
wurde und auf ebener Unterlage
, ohne Kopf
anprall,
zu Boden stürzte
,
handelt es sich auf Grund des augenfälligen Gesche
hensablaufs unter Berücksichtigung der erwähnten Rechtsprechung um ein Ereignis, das den leichten Unfällen zuzuordnen ist. Daran ändert nichts,
wenn gestützt auf die Beurteilung durch
Dr.
Z._
von einer
HWS-Distorsionsverletzung
auszugehen wäre. Denn selbst
w
enn von einer solchen Ver
letzung auszugehen wäre,
wäre
auf Grund des augenfälligen Geschehensablaufs
auf einen leichten Unfall im Rechtssinne
zu erkennen.
Bei solchen Unfällen kann die Adäquanz des Kausalzusammenhangs in der Regel ohne
Weiteres verneint werden
(
vgl.
BGE 115 V 133 E. 6a). Ausnahmsweise (beispielsweise bei einem verzögerten Heilungsverlauf, bei einer langdauernden Arbeitsunfähigkeit oder bei Komplikationen durch eine besondere Art der erlittenen Verletzung; vgl. RKUV 1998 Nr. U 297 S. 243 ff.) ist die Adäquanzfrage zwar auch bei leichten Unfällen zu prüfen, wobei die Kriterien, die für Unfälle im mittleren Bereich gelten, her
anzuziehen sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_68/2009 vom
7.
Mai 2009 E.
5.2 mit Hinweisen). Im vorliegenden Fall
sind
indes keine Anhaltspunkte auf sol
che Ausnahmefälle
zu erkennen
.
Mangels besonderer Umstände
ist daher
bei
der als leichter Unfall zu qualifizierenden Straftat vom
1.
Dezember 2018 auf eine
Adäquanzbeurteilung
gemäss den für Unfälle im mittleren Bereich geltenden Kri
terien abzusehen
. Die
Adäquanz des Kausalzusammenhangs
ist
demzufolge
ohne Weiteres
zu verneinen.
9.
Da n
ach
Gesagtem die Leistungspflicht des Beschwerdegegners für
längerfristige
Hilfe an die Beschwerdeführerin auf Grund der Straftat
vom
1.
Dezember 2018 nach dem 3
0.
April 2019 mangels eines adäquaten
Kausalzusammenhang
s
zwi
schen den
nach dem 3
0.
April 2019 weiterbestehenden Beschwerden und der Straftat vom
1.
Dezember 2018
selbst dann zu verneinen
wäre
, wenn der natür
liche Kausalzusammenha
ng zu bejahen wäre, kann von weiteren Beweisvorkeh
ren zum natürlichen Kausalzusammenhang abgesehen werden.
Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen.
10.
10.1
Zu prüfen bleibt das Gesuch der Beschwerdeführerin vom 1
8.
Juni 2019
(
Urk.
1) um unentgeltliche Rechtsvertretung.
10.2
Art.
29
Abs.
3 der Bundesverfassung (BV) räumt jeder Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint, einen Anspruch auf einen unentgeltlichen Rechtsbeistand ein.
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
10.3
Bedürftig ist eine Person, welche nicht in der Lage ist, für Prozesskosten aufzu
kommen, ohne dass sie Mittel beanspruchen müsste, die zur Deckung des Grund
bedarfs für sie und ihre Familie notwendig sind (BGE 128 I 225 E. 2.5.1). Die prozessuale Bedürftigkeit beurteilt sich nach der gesamten wirtschaftlichen Situ
a
tion der Recht suchenden Person, wobei bei Verheirateten die Einkommen beider Ehegatten zu berücksichtigen sind (SVR 2010 IV
Nr.
10 S. 31; nicht publizierte E.
3.2 des in BGE 132 V 241 teilweise veröffentlichten Urteils U 289/05 vom 2
0.
März 2006, mit weiteren Hinweisen). Zu dieser Situation gehören sämtliche finanziellen Verpflichtungen, welche den jeweiligen Einkommens- und Vermö
gensverhältnissen gegenüberzustellen sind (BGE 124 I 1 E. 2a).
10.4
Gemäss der Rechtsprechung besteht auch bei Bedürftigkeit kein Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, soweit eine Rechtsschutzversicherung, ein Verband oder eine Gewerkschaft für die Gerichts- und Anwaltskosten tatsächlich auf
kommt, wobei die entsprechenden Leis
tungen zugesichert sein müssen.
Dies gilt
gemäss der Rechtsprechung
auch dann, wenn die Kostenübernahme
durch
den Kostenträger
als nur subsidiär bezeichnet
wird,
andernfalls das durch den Mit
gliederbeitrag versicherte Prozesskostenrisiko auf den Staat überwälzt würde (
Urteil des Bundesgerichts 9C
_347/2007 vom
6.
März 2008 E. 6).
10.5
Die Beschwerdeführerin erwähnte in ihrer Eingabe vom 1
1.
Juli 2019 (
Urk.
11), dass sie über eine Rechtsschutzversicherung verfüge, welche für ein Ereignis höchstens einen Betrag von
Fr.
5'000.-- leiste, und machte geltend, dass der Betrag von
Fr.
5'000.-- vollumfänglich zur Deckung der Kosten
ihrer
Rechtsver
tretung
als Privatklägerin
im Strafverfahren gegen die
Beschuldigte
bestimmt sei
.
10.6
Der von der Beschwerdeführerin eingereichten Stellungnahme der Coop Rechts
schutzversicherung vom
2
3.
Januar 2019 (Urk. 13/1) ist zu entnehmen, dass
Letz
tere
der Beschwerdeführerin für «den tätlichen Angriff» vorerst Kostengutsprache für Anwalts- und Expertenkosten im Betrag von 3'000.-- erteilte und darauf hin
wies, dass der Höchstbetrag Fr. 5'000.
betrage (S. 2).
10.7
Dem Tätigkeitsnachweis des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin, Rechtsan
walt Roger
Vago
, Zürich, vom 2
6.
Mai 2020 (
Urk.
29) ist zu entnehmen, dass dieser für das vorliegende Verfahren, inklusive des Aufwands für das
L
esen und Besprechen des vorliegenden Urteils,
einen zeitlichen Aufwand von 9.5 Stunden und Bara
uslagen im Betrag von
Fr.
63.-- und
insgesamt
eine Entschädigung für die Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin im Betrag von
insgesamt
Fr.
2'318.78 (inklusive Mehrwertsteuer) geltend machte.
11.
11.1
Gemäss der erwähnten Stellungnahme
vom 2
3.
Januar 2019 (
vorstehend E.
10.6
)
ging die
Coop Rechtsschutzversicherung
davon aus, dass es sich beim Versiche
rungsereignis
,
für welches ein Anspruch auf
Anwalts- und Expertenkosten im Betrag von
höchstens
Fr.
5'000.
-- bestehe
, um den tätlichen Angriff auf die Beschwerdeführe
rin vom
1.
Dezember 2018 handle
. Mithin umfasst der Höchst
betrag der bei der Coop Rechtsschutzversicherung versicherten Leistungen sowohl die Anwalts- und Expertenkosten, welche in dem gegen die Täterin geführten Strafverfahren
anfallen, als
auch
die Kosten der Rechtsvertretung im vorliegen
den Verfahren. Der Beschwerdeführerin ist daher nicht zu folgen, wenn sie gel
tend machen will, dass die Versicherungsleistungen der Coop Rechtsschutzversi
cherung ausschliesslich die Kosten
der Rechtsvertretung im Strafverfahren
deckten.
11.2
Nach Gesagtem
erreichen
die von der
Beschwerdeführerin geltend gemachten Kosten
ihrer
Rechtsvertretung
im
vorliegenden Verfahren
im Betrag
von
insge
samt Fr.
2'318.78 (inklusive Mehrwertsteuer)
nicht einmal die Hälfe des Höchst
betrages für Anwalts- und Expertenkosten
von
Fr.
5'000.--, welcher der Beschwerdeführerin
für das Ereignis vom
1.
Dezember 2018
von ihrer
Rechts
schutzversicherung
zugesichert wurde.
Unter diesen
Umständen ist davon auszu
gehen, dass
die
Rechtsschutzversicherung der Beschwerdeführerin für die
Kosten der Rechtsvertretung i
m
vorliegende
n
Verfahren
aufkommen wird, weshalb ein Anspruch auf unentgeltliche Rechtsvertretung nicht
ausgewiesen ist
.
Demzufolge ist das
Gesuch der Beschwerdeführerin vom 1
8.
Juni 2019 um un
entgeltliche Rechtsvertretung
abzuweisen.