Decision ID: cebd7e5e-1d38-49fd-9353-988cb8e39eed
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Bei A._ diagnostizierte der damals behandelnde Dr. med. B._, FMH Innere
Medizin, am 25. Oktober 2006 eine jugendliche Skoliose mit erheblicher Gefahr der
Progredienz und überwies sie zur weiteren Abklärung an Dr. med. C._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH (IV-act.
8-1 ff.). Dieser bestätigte mit Bericht vom 10. November 2006 die Diagnose und schlug
als erste Massnahme die Behandlung mit einem Korsett vor (IV-act. 8-4).
A.b Die Versicherte meldete sich am 14. November 2006 wegen der Skoliose erstmals
für medizinische Massnahmen der Invalidenversicherung (IV) und den Bezug eines
Hilfsmittels (Korsett) an (IV-act. 1). Da es aufgrund des stabilen Gesundheitszustandes
und des Abschlusses des Wachstums in der Folge nicht zur Verordnung eines Korsetts
kam (vgl. IV-act. 13 f.), stellte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 26.
September 2007 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 16). Die
IV-Stelle verfügte am 8. November 2007 entsprechend (IV-act. 18).
A.c Am 7. April 2008 wurde bei der Versicherten eine Derotationsspondylodese
vorgenommen (IV-act. 46). Die von 2010 bis 2013 absolvierte Lehre als
Dentalassistentin schloss sie erfolgreich ab (IV-act. 45). Ab 1. August 2013 war sie zu
einem Pensum von 100% als Sachbearbeiterin angestellt (IV-act. 26). Am 26. August
2013 wurde die Versicherte erneut an der Wirbelsäule operiert und dabei eine ventrale
Aufrichtungsspondylodese durchgeführt (IV-act. 21-1, IV-act. 59). In Folge der
Operation war die Versicherte vom 26. August 2013 bis 31. Dezember 2013 zu 100%
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und vom 1. Januar 2014 bis 24. Januar 2014 zu 50% arbeitsunfähig (IV-act. 27, IV-act.
35 und IV-act. 39-1).
A.d Die Versicherte meldete sich am 7. November 2013 bei der IV zur Früherfassung
an (IV-act. 19). In diesem Rahmen erfolgte am 5. Dezember 2013 ein Gespräch.
Gemäss Gesprächsprotokoll (IV-act. 21) ist für die Versicherte die Arbeit als
Dentalassistentin aufgrund der Skoliose und der damit verbundenen Schmerzen nicht
mehr möglich. Dr. med. D._, Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
des Bewegungsapparates, Kantonsspital St. Gallen, bestätigte, er erachte den
bisherigen Beruf aufgrund der ergonomisch nicht idealen Arbeitsweise als nicht
sinnvoll. Er empfehle dringend eine Arbeit mit Wechselbelastung (Schreiben vom 27.
März 2014; IV-act. 47).
A.e Am 12. Dezember 2013 meldete sich die Versicherte zur beruflichen Integration
bzw. zum Bezug einer IV-Rente an (IV-act. 23). Mit Verfügung vom 8. April 2014 lehnte
die IV-Stelle den Leistungsanspruch ab (IV-act. 49, vgl. auch die leistungsablehnende
Mitteilung vom 14. März 2014, IV-act. 41, sowie das Schreiben der Versicherten vom
31. März 2014, IV-act. 43). Sie begründete, die Versicherte sei nur vorübergehend
arbeitsunfähig gewesen und habe daher keinen Anspruch auf die beantragten
Leistungen.
A.f Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am 7. Mai 2014 Beschwerde und
beantragte deren Aufhebung sowie die Zusprache einer ganzen Invalidenrente,
eventualiter die Zusprache beruflicher Massnahmen, insbesondere
Umschulungsmassnahmen, und subeventualiter die Rückweisung zu weiteren
Abklärungen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge (IV-act. 56-2 ff.). In der „Kurz-
Beschwerdeantwort“ vom 20. August 2014 führte die IV-Stelle aus, die neue
Berufsausbildung stelle keine Umschulung, sondern eine erstmalige Ausbildung dar
(IV-act. 61, vgl. IV-act. 64). Mit Replik vom 28. Juli 2015 (IV-act. 70) beantragte die
Versicherte die Zusprache einer erstmaligen Ausbildung und die Vergütung der
diesbezüglichen Kosten sowie eines Taggelds, eventualiter bei nicht erfolgreicher
Absolvierung der erstmaligen Ausbildung eine ganze Invalidenrente; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Die neue Berufsausbildung stelle, wie von der IV-Stelle
vorgebracht, eine erstmalige Ausbildung dar. Die Versicherte habe rund ein Jahr 100%
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in einem Sekretariat gearbeitet (vgl. IV-act. 58, IV-act. 71). Sie beginne im Sommer
2015 den Besuch der Berufsmittelschule (BMS) und plane danach über eine Passarelle
ein Hochschulstudium zu absolvieren. Mit Schreiben vom 2. September 2015 widerrief
die IV-Stelle die Verfügung vom 8. April 2014 und kündigte weitere Abklärungen
bezüglich beruflicher Massnahmen und Rentenleistungen an (IV-act. 73). Das
Versicherungsgericht verfügte am 29. September 2015 die Abschreibung des
Verfahrens (IV-act. 79).
A.g Mit Vorbescheid vom 5. Februar 2016 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Leistungsbegehrens um berufliche Neuausbildung und
Rentenleistungen in Aussicht. Es entstünden bei der Neuausbildung keine
invaliditätsbedingten Mehrkosten und es liege keine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit vor,
welche eine Rentenleistung begründen würde (IV-act. 94). Die Versicherte erhob am 21.
März 2016 Einwand und argumentierte, allfällige Mehrkosten der neuen Ausbildung
(BMS) seien durch einen Vergleich der Kosten der neuen Ausbildung mit denjenigen
der alten (Dentalassistentin), welche tiefer gewesen seien, zu ermitteln (IV-act. 99).
A.h Mit Verfügung vom 1. April 2016 lehnte die IV-Stelle den Antrag auf
Kostengutsprache für eine Neuausbildung und für eine IV-Rente ab (IV-act. 100).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 1. April 2016 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 2. Mai 2016 (act. G 1). Die Beschwerdeführerin beantragt darin, die angefochtene
Verfügung sei insoweit aufzuheben, als sie eine Kostengutsprache für eine
Neuausbildung ablehne respektive die Mehrkosten der neuen gegenüber der alten
Ausbildung nicht übernehme. Weiter sei die Prozedur zur Bestimmung der Mehrkosten
der neuen Ausbildung gegenüber der bisherigen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen und anschliessend seien der Beschwerdeführerin diese Mehrkosten
verfügungsweise zuzusprechen und zu entrichten; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Ausserdem stellt sie den Antrag auf unentgeltliche
Prozessführung und Ernennung von Fürsprecher Daniel Küng zu ihrem unentgeltlichen
Rechtsbeistand.
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B.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 14. Juni 2016 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Sie führt aus, der Beschwerdeführerin entstünden
beim Besuch der BMS keine invaliditätsbedingten Zusatzkosten, weshalb die
Kostengutsprache für eine Neuausbildung zu Recht verweigert worden sei (act. G 7).
B.c Mit Verfügung vom 17. Juni 2016 bewilligte das Versicherungsgericht die
unentgeltliche Rechtspflege (act. G 8).
B.d Mit Schreiben vom 19. Juli 2016 verzichtete die Beschwerdeführerin auf die
Einreichung einer Replik (act. G 15).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch der
Beschwerdeführerin gegenüber der Invalidenversicherung auf berufliche Massnahmen
in Form der erstmaligen beruflichen Ausbildung und allenfalls der Umschulung.
1.1 Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der
erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten
entstehen, haben gemäss Art. 16 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern die
Ausbildung den Fähigkeiten der Versicherten entspricht. Der erstmaligen beruflichen
Ausbildung gleichgestellt ist die berufliche Neuausbildung invalider Versicherter, die
nach dem Eintritt der Invalidität eine ungeeignete und auf Dauer unzumutbare
Erwerbstätigkeit aufgenommen haben (Art. 16 Abs. 2 lit. b IVG). Bei der Beurteilung, ob
der versicherten Person die Fortsetzung der begonnenen Erwerbstätigkeit zugemutet
werden kann, sind neben den Erwerbsaussichten auch die persönlichen
Berufseignungen zu berücksichtigen (Rz 3015 des Kreisschreibens über die
Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art [KSBE]). Von einer beruflichen
Neuausbildung i.S.v. Art. 16 Abs. 2 lit. b IVG betroffen sind auch Personen, die nach
Eintritt der Invalidität eine ungeeignete erstmalige berufliche Ausbildung absolviert
haben (SILVIA BUCHER, Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, Bern 2011, Rz
665; Rz 3015 KSBE). Als erstmalige berufliche Ausbildung gilt gemäss Art. 5 Abs. 1 der
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Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) die berufliche
Grundbildung sowie, nach Abschluss der Volks- oder Sonderschule, der Besuch einer
Mittel-, Fach- oder Hochschule.
1.2 Massnahmen von Versicherten, die ihre Berufsausbildung abgeschlossen haben
und bereits im Erwerbsleben stehen oder die ohne Ausbildung seit mindestens sechs
Monaten eine Hilfstätigkeit ausüben, fallen unter die Umschulung nach Art. 17 IVG (Rz
3005 KSBE mit Verweis auf AHI 2000 S. 189). Musste eine erstmalige berufliche
Ausbildung infolge eines Gesundheitsschadens abgebrochen werden, so ist eine neue
berufliche Ausbildung der Umschulung gleichgestellt, wenn das während der
abgebrochenen Ausbildung zuletzt erzielte Erwerbseinkommen höher war als 30% des
Höchstbetrages des Taggeldes (Art. 6 Abs. 2 IVV). Massgebend für die Abgrenzung ist
hier das Erwerbseinkommen unmittelbar vor Eintritt des Versicherungsfalls; dies gilt
selbst dann, wenn die versicherte Person trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung
die Ausbildung noch einige Zeit weitergeführt oder beendet hat oder nach erfolgtem
Abschluss noch auf dem erlernten Beruf tätig war (Rz 3006 KSBE mit Verweisen auf
AHI 1997 S. 159 und AHI 2002 S. 99). Ist eine versicherte Person bereits in
zureichender und zumutbarer Weise eingegliedert oder besteht die Möglichkeit, ihr
ohne zusätzliche Ausbildung einen geeigneten und zumutbaren Arbeitsplatz zu
vermitteln, so liegt keine invaliditätsbedingte Notwendigkeit für eine Umschulung vor
(Rz 4013 KSBE).
1.3 Im Sozialversicherungsprozess gelten gemäss Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die
Grundsätze der Untersuchungspflicht und der freien Beweiswürdigung. Demgemäss
hat der Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien
gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 53 E. 4a am Schluss).
2.
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Vorerst ist zu prüfen, ob die Voraussetzungen für einen Anspruch auf eine erstmalige
berufliche Ausbildung (Art. 16 IVG) oder eine Umschulung (Art. 17 IVG) der
Beschwerdeführerin erfüllt sind. Dabei stellt sich die Frage, ob der Beschwerdeführerin
die angestammte Tätigkeit als Dentalassistentin zumutbar ist.
2.1 Die Skoliose wurde erstmals am 25. Oktober 2006 bei der Behandlung wegen
einer Lungenentzündung zufällig festgestellt. Die Beschwerdeführerin gab gegenüber
dem behandelnden Dr. B._ keine Rückenbeschwerden an (IV-act. 8-1 f.). Dr. C._
stellte mit Bericht vom 10. November 2006 keine eindeutigen Leistungseinbussen fest
(IV-act. 8-4). Die erste Operation erfolgte am 7. April 2008, da eine Behandlung mit
einem Korsett aufgrund des stabilen Gesundheitszustandes und des Abschlusses des
Wachstums nicht mehr möglich war (vgl. IV-act. 13 f., IV-act. 46). Allfällige
Beschwerden vor der ersten Operation sind nicht aktenkundig. Mit Schreiben vom 9.
Juli 2012 berichtete Dr. D._ über die Nachkontrolle vom 3. Juli 2012, wonach es zu
einer Progression der Skoliose gekommen sei. Die Beschwerdeführerin verspüre keine
Schmerzen und bei ihrer Arbeit als Dentalhygienikerin (richtig: Dentalassistentin) habe
sie keinerlei Beschwerden. Da die Beschwerdeführerin asymptomatisch sei, sich
jedoch durch die Kosmetik (Asymmetrie des Taillendreiecks und Rippenbuckel) stark
gestört fühle, sei ein weiterer Eingriff nicht sehr dringlich. Es müsse jedoch mit einer
weiteren Progression gerechnet werden, weshalb auch eine Indikation zur operativen
Versorgung bestehe (IV-act. 46).
2.2 Anlässlich des Früherfassungsgesprächs vom 5. Dezember 2013 (IV-act. 21)
bestätigte die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Erstdiagnose der Skoliose keine
Beschwerden gehabt zu haben. Auch nach der ersten Operation 2008 sei sie
beschwerdefrei gewesen. Als sie 2010 mit der Lehre als Dentalassistentin begonnen
habe, habe sie Rückenschmerzen verspürt. Bei längerem Sitzen hätten die Schmerzen
zugenommen. Sie habe auch bei der Arbeit mehr Schmerzen verspürt, da sie oft mit
dem Oberkörper nach vorne geneigt habe arbeiten müssen. Die Beschwerden seien ab
Sommer 2012 immer stärker geworden. Nach Untersuchungen am Kantonsspital St.
Gallen habe man sich zu einer zweiten Operation entschieden. Derzeit (5. Dezember
2013) schmerze vor allem der Bereich des linken Schulterblattes mit Ausstrahlung in
den Nacken und den linken Oberarm. Die seitliche Rotation mit dem Oberkörper sei
eingeschränkt und „das nach vorne neigen“ verursache Schmerzen. Bei längerem
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Sitzen oder Stehen verstärkten sich die Beschwerden. Sie könne in ihrem Beruf nicht
mehr tätig sein und wolle deshalb eine Ausbildung zur biomedizinischen Analytikerin
machen. Sollte sie die Aufnahmeprüfung nicht schaffen, plane sie die BMS zu
besuchen.
2.3 Am 14. Januar 2014 (IV-act. 35-1) berichtete Dr. D._, die Prognose sei sehr gut.
Er schätzte die Beschwerdeführerin von 26. August 2013 bis 31. Dezember 2013 als
100%, danach bis 31. Januar 2014 als 50% und ab 1. Februar 2014 als 0%
arbeitsunfähig ein. Gemäss Abklärungen des RAD verlief die Rehabilitation nach der
Operation jedoch so gut, dass die Beschwerdeführerin bereits ab 25. Januar 2014 zu
0% arbeitsunfähig gewesen sei. Es sei jedoch zukünftig davon auszugehen, dass
aufgrund des Wirbelsäulenleidens eine relative Minderbelastbarkeit der Wirbelsäule
bestehen bleiben werde (vgl. RAD Fallübersicht vom 11. März 2014, IV-act. 39). Laut
Bericht vom 6. März 2014 von Dr. D._ war die Beschwerdeführerin bei der Kontrolle
vom 4. März 2014 praktisch beschwerdefrei und es waren keine Schulterschmerzen
vorhanden. Dr. D._ war der Ansicht, es zeige sich klinisch und radiologisch ein
erfreuliches Ergebnis der Operation (IV-act. 59). Am 27. März 2014 schrieb Dr. D._
sodann, da praktisch die gesamte Wirbelsäule der Beschwerdeführerin versteift
worden sei, empfehle er ihr dringend eine Arbeit mit Wechselbelastung auszuführen. Ihr
Beruf als Dentalhygienikerin (richtig: Dentalassistentin) mit einer ergonomisch nicht
idealen Arbeitsweise erachte er als nicht sehr sinnvoll (IV-act. 47).
2.4 Mit Schreiben vom 31. März 2014 (IV-act. 43) teilte die Beschwerdeführerin der IV-
Stelle mit, sie habe bis zur zweiten Operation physisch und psychisch sehr unter ihrer
Skoliose gelitten. Die gut sichtbare Verkrümmung der Wirbelsäule und der
Beckenschiefstand hätten sie sehr gestört. Die von Dr. D._ empfohlene Arbeit mit
Wechselbelastung (vgl. IV-act. 47) sei in ihrem erlernten Beruf unmöglich.
2.5 In ihrer Eingabe vom 7. Mai 2014 (Beschwerdeschrift im Verfahren IV 2014/240; IV-
act. 56) führte die Beschwerdeführerin aus, sie beantrage in erster Linie eine
Umschulung. Sie leide unter Schmerzen und Dr. D._ empfehle ihr dringend, eine
Arbeit mit Wechselbelastung auszuführen. Sie habe nicht damit rechnen müssen, dass
ihre Ressourcen aufgrund ihrer gesundheitlichen Störungen nicht mehr reichen würden,
um nach Abschluss der Lehre als Dentalassistentin tätig zu sein. Die bisherige erlernte
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Tätigkeit als Dentalassistentin sei ihr somit nicht mehr möglich. Mit Replik vom 28. Juli
2015 im Verfahren IV 2014/240 des Versicherungsgerichts (IV-act. 70) argumentierte
die Beschwerdeführerin sodann, es handle sich bei der neuen Berufsausbildung um
eine erstmalige Ausbildung, da sich der Gesundheitsschaden vor der Lehre manifestiert
habe und der in der Lehre erzielte Lohn unter dem Betrag des Taggelds i.S.v. Art. 23
Abs. 2 IVG liege. Sie werde am 1. August 2015 die BMS beginnen und in der Folge
über die Passarelle ein Hochschulstudium absolvieren. In der vorliegenden
Beschwerde vom 2. Mai 2016 (act. G 1) gibt die Beschwerdeführerin zudem an, ihr
ursprüngliches Berufsziel sei nicht Dentalassistentin sondern Dentalhygienikerin
gewesen, was sie aufgrund der gesundheitlichen Störungen nicht habe erreichen
können. Sie habe den Beruf der Dentalassistentin u.a. gestützt auf die Ausführungen
ihres behandelnden Arztes, wonach ihr die Ausbildung und spätere Erwerbstätigkeit
zumutbar sei, trotz ihrer Skoliose gewählt. Die Beschwerdeführerin geht weiterhin
davon aus, dass es sich beim Beruf der Dentalassistentin um eine ungeeignete und auf
die Dauer unzumutbare Erwerbstätigkeit i.S.v. Art. 16 Abs. 2 lit. b IVG handelt. Die
zusätzlichen Kosten i.S.v. Art. 5 Abs. 2 IVV seien durch einen Vergleich der Kosten der
neu begonnen Ausbildung mit derjenigen der Lehre zur Dentalassistentin zu ermitteln,
weshalb die Beschwerdeführerin einen Leistungsanspruch habe.
2.6 Die Beschwerdegegnerin führt in ihrer Beschwerdeantwort vom 14. Juni 2016 (act.
G 7) aus, der Gesundheitsschaden, der zur Aufgabe der erlernten Tätigkeit als
Dentalassistentin geführt habe, habe sich bereits im Jahr 2006, mithin vor Beginn der
Lehre, manifestiert. Aus den medizinischen Akten ergebe sich eindeutig, dass sich die
begonnene Ausbildung zur Dentalassistentin aus gesundheitlichen Gründen als
ungeeignet herausgestellt habe. Da das Monatseinkommen während der Lehre unter
dem Betrag des Taggeldes i.S.v. Art. 23 Abs. 2 IVG gelegen habe, stelle die neue
Berufsausbildung keine Umschulung, sondern eine erstmalige Ausbildung dar. Der
Beschwerdeführerin entstünden gemäss der eingereichten Kostenaufstellung für den
Besuch der BMS (vgl. IV-act. 91-2) keine invaliditätsbedingten Mehrkosten und es sei
deshalb zu Recht keine Kostengutsprache für eine Neuausbildung erteilt worden.
3.
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3.1 Die Annahme der Parteien, die Ausbildung zur Dentalassistentin sei i.S.v. Art. 16
Abs. 2 lit. b IVG ungeeignet gewesen und die Erwerbstätigkeit in diesem Beruf auf die
Dauer unzumutbar, stützt sich im Wesentlichen auf die Aussagen der
Beschwerdeführerin vom 5. Dezember 2013 (vgl. act. 21-2) und vom 31. März 2014
(vgl. IV-act. 43) sowie die Einschätzung von Dr. D._ in seinem Schreiben vom 27.
März 2014 (vgl. IV-act. 47). Die Beschwerdegegnerin erwähnte mehrfach, die
Ungeeignetheit der Ausbildung ergebe sich aus den medizinischen Akten (vgl. act. G 7,
IV-act. 61). Auf welche Akten sie sich dabei stützt, erläuterte sie jedoch nicht und ist
neben der Empfehlung von Dr. D._ (vgl. IV-act. 47) nicht ersichtlich. Bei den Angaben
der Beschwerdeführerin vom 5. Dezember 2013 ist zudem zu beachten, dass diese nur
gut drei Monate nach der Operation vom 26. August 2013 erfolgten, mithin zu einem
Zeitpunkt, als sie bedingt durch den Eingriff noch zu 100% arbeitsunfähig war (vgl.
Arztzeugnis vom 3. Dezember 2013; IV-act. 27 und Bericht vom 14. Januar 2014; IV-
act. 35). Nachdem Dr. D._ am 6. März 2014 (IV-act. 59) von einem erfreulichen
Operationsergebnis und einer praktisch beschwerdefreien Beschwerdeführerin
berichtet hatte, empfahl er ihr am 27. März 2014 eine Arbeit mit Wechselbelastung,
weshalb ihr bisheriger Beruf mit einer ergonomisch nicht idealen Arbeitsweise nicht
sehr sinnvoll sei (IV-act. 47). Seine Empfehlung begründete er nicht weiter und führte
nicht aus, inwiefern der Beruf der Dentalassistentin nicht sinnvoll sein soll. Auch
äusserte er sich nicht zu konkreten Einschränkungen bei der Berufsausübung und einer
allfälligen Arbeitsunfähigkeit als Dentalassistentin. Es bleibt darauf hinzuweisen, dass
Dr. D._ in seinem Bericht und der Empfehlung fälschlicherweise von der Tätigkeit
einer Dentalhygienikerin spricht (vgl. IV-act. 46, IV-act. 47), welche den Rücken wohl
stärker belastet als die Tätigkeit als Dentalassistentin und deshalb von der
Beschwerdeführerin nach ihren eigenen Angaben nicht erlernt wird bzw. wurde (vgl.
act. G 1, IV-act. 56-8). Ob es sich lediglich um eine fehlerhafte Berufsbezeichnung oder
eine falsche Annahme über die tatsächliche Tätigkeit der Beschwerdeführerin und
damit einhergehend über die ergonomischen Anforderungen handelt, ist unklar.
3.2 Abgesehen von der Einschätzung von Dr. D._ vom 6. März 2014 (IV-act. 47) sind
keine weiteren Arztberichte, welche von einer Tätigkeit als Dentalassistentin abraten
würden, aktenkundig. Im Gegenteil erwähnt die Beschwerdeführerin, ihr behandelnder
Arzt habe ihr vor Ausbildungsbeginn gesagt, die Ausbildung und Erwerbstätigkeit als
Dentalassistentin sei (voraussichtlich) zumutbar (vgl. act. G 1). Auch der RAD-Arzt Dr.
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med. E._ erwähnte in seiner Beurteilung vom 11. März 2014 (IV-act. 39-2) nur, es sei
zukünftig von einer relativen Minderbelastbarkeit der Wirbelsäule auszugehen, äusserte
sich jedoch nicht konkret zu einer allfälligen Einschränkung im angestammten Beruf der
Beschwerdeführerin.
3.3 Gemäss Bericht von Dr. D._ vom 9. Juli 2012 (vgl. IV-act. 46) war eine zweite
Operation nicht sehr dringlich, da die Beschwerdeführerin keine Beschwerden hatte,
sich aber kosmetisch gestört fühlte. Die zweite Operation fand erst am 26. August
2013, mithin über ein Jahr später, statt. Wie das Versicherungsgericht bereits mit
Entscheid vom 16. Februar 2016 betreffend Krankentaggeld erwog, ist davon
auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin am 1. August 2013, also kurz vor der
Operation, in ihrer Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt war. Ausschlaggebend für den
Entscheid zur zweiten Operation waren vornehmlich kosmetische Gründe. Schmerzen
oder objektive Funktionseinschränkungen, welche die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin vor der Operation bereits beeinträchtigt haben, sind den
Arztberichten nicht zu entnehmen (vgl. den unter http://www.gerichte.sg.ch/home/
dienstleistungen/rechtsprechung/aktuelle_entscheide1/Entscheide_20121111/kv_-
_krankenversicherung/kv-zusatzversicherung/kv-z-2014-11.html abrufbaren Entscheid
des Versicherungsgerichts vom 16. Februar 2016, KV-Z 2014/11, E. 3.3). Die
Durchführung der zweiten Operation weist somit auch nicht auf eine Unzumutbarkeit
der Tätigkeit als Dentalassistentin hin.
3.4 Den Akten sind abgesehen von den Angaben der Beschwerdeführerin wenige
Monate nach der zweiten Operation vom 5. Dezember 2013 (vgl. act. 21-2) und vom
31. März 2014 (vgl. IV-act. 43) keine Hinweise auf Beschwerden während der Lehre zu
entnehmen. Die Beschwerden scheint sie zudem gegenüber dem behandelnden Dr.
D._ nicht erwähnt zu haben (vgl. IV-act. 46 und IV-act. 59). Ärztlich dokumentierte
gesundheitliche Beeinträchtigungen während der Ausbildung zur Dentalassistentin sind
nicht aktenkundig. Zudem macht die Beschwerdeführerin keine schmerzbedingten
Arztbesuche oder Therapien (bspw. Physiotherapie, Muskeltraining) während der Lehre
geltend und solche ergeben sich auch nicht aus den Akten. Gemäss Schreiben des
ehemaligen Lehrbetriebs vom 7. November 2015 war die Beschwerdeführerin während
der Lehre insgesamt nur für 6 Tage krankgeschrieben, davon einmal wegen einer
Erkältung und einmal wegen einer Grippe (IV-act. 86). Absenzen aufgrund der Skoliose
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sind nicht dokumentiert und werden von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend
gemacht. Schliesslich lässt sich dem Arbeitszeugnis des Lehrbetriebs ebenfalls kein
Hinweis auf allfällige gesundheitliche Auffälligkeiten während der Ausbildung
entnehmen. Die Beschwerdeführerin wird im Gegenteil als belastbar beschrieben (vgl.
IV-act. 45-4).
3.5 Weshalb eine Dentalassistentin nicht einen Grossteil ihrer Arbeit in
Wechselbelastung sollte ausführen können, ist nicht ersichtlich. Gemäss Art. 1 der
Verordnung des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) über
die berufliche Grundbildung Dentalassistentin/Dentalassistent mit eidgenössischem
Fähigkeitszeugnis (EFZ; SR 412.101.221.12) umfassen die Aufgaben von
Dentalassistentinnen unter anderem das Assistieren bei Behandlungen, den Empfang
und die Betreuung von Patienten, die Information über Prophylaxemassnahmen sowie
die Organisation des Praxisalltags. Zudem sind sie verantwortlich für administrative
Aufgaben und Hygienemassnahmen (vgl. auch die Auflistung der Fachkompetenzen im
Bildungsplan zur Verordnung über die berufliche Grundbildung Dentalassistentin /
Dentalassistent EFZ, S. 6 ff., abrufbar unter https://www.sso.ch/fileadmin/upload_sso/
1_SSO/8_Berufsbilder/Dentalassistent/DA-Bildungsplan_neu_2011.pdf). Von längeren
Zwangshaltungen während der Arbeit, die nicht angepasst werden könnten, ist nicht
auszugehen. So gab auch der ehemalige Lehrbetrieb der Beschwerdeführerin an,
neben der sitzenden Tätigkeit beim Assistieren sei die Beschwerdeführerin während
der Lehre oft gestanden oder gegangen, dies z.B. beim Sterilisieren und Abwaschen
(vgl. Fragebogen für Arbeitgebende vom 8. Januar 2014; IV-act. 34). Dabei ist davon
auszugehen, dass der Lehrbetrieb aufgrund der Skoliose der Beschwerdeführerin keine
besonderen Massnahmen ergriffen hat und mit entsprechenden Anpassungen des
Arbeitsplatzes und der Arbeitsabläufe die Wechselbelastung weiter gefördert werden
könnte. Beispielsweise ist nicht ersichtlich, weshalb administrative Aufgaben,
Patientenbetreuung und -beratung sowie die vom Lehrbetrieb erwähnten Aufgaben des
Abwaschens und Sterilisierens (vgl. IV-act. 34) nicht auch stehend oder allenfalls erhöht
sitzend durchgeführt werden könnten.
3.6 Zusammengefasst scheitert der Beweis, dass die angestammte Tätigkeit der
Dentalassistentin der Beschwerdeführerin aus gesundheitlichen Gründen nicht
zumutbar wäre. Damit entfallen auch Ansprüche auf berufliche Massnahmen im Sinne
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einer erstmaligen beruflichen Ausbildung (Art. 16 IVG) und einer Umschulung (Art. 17
IVG).
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen.
4.2 Der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Rechtspflege am 17. Juni 2016
bewilligt (act. G 8). Wenn ihre wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten, kann sie
jedoch zur Nachzahlung verpflichtet werden (Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1] i.V.m. Art. 123 Abs. 1 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272]).
4.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die Gerichtsgebühr
ist der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Zufolge Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege (vgl. act. G 8) ist sie von der Bezahlung zu befreien.
4.4 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin verzichtete auf das Einreichen
einer Kostennote. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit erscheint eine
pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- angemessen. Diese ist um einen
Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Somit entschädigt der Staat den
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin pauschal (vgl. BGE 125 V 201) mit Fr. 2'400.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).