Decision ID: ae47d23f-4110-5a90-a75c-ae0fafa23aeb
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X._ (geb. 1978) ist Staatsangehörige Nordmazedoniens. Sie heiratete im Dezember
1996 in Mazedonien ihren Landsmann Y._ (geb. 1976), der sich seit April 1983 im
Familiennachzug in der Schweiz aufhielt. Im August 1997 zog sie zu ihrem in der
Schweiz niedergelassenen Ehemann und ist hier mittlerweile selbst
niederlassungsberechtigt. Die beiden gemeinsamen Kinder (geb. 1999 und 2000)
wurden eingebürgert. X._ und Y._ lebten zwischen Juni 2006 und Dezember 2011
getrennt.
Y._ trat zwischen 2002 und 2009 wiederholt strafrechtlich in Erscheinung. Unter
anderem wurde er am 9. November 2006 wegen mehrfachen Verstosses gegen das
Betäubungsmittelgesetz und grober Verkehrsregelverletzung zu drei Jahren Zuchthaus
verurteilt, wobei der Vollzug der Freiheitsstrafe zugunsten einer ambulanten
Massnahme aufgeschoben wurde. Zudem war er im Jahr 2009 bei zwei
Betreibungsämtern mit Betreibungen von rund CHF 71'600 und 44 Verlustscheinen
über rund CHF 84'000 sowie beim Sozialamt am Wohnort mit einem offenen Saldo von
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rund CHF 13'200 und einem Rückstand bei den Alimentenzahlungen von rund
CHF 43'100 verzeichnet. Das Ausländeramt widerrief am 20. April 2009 die
Niederlassungsbewilligung von Y._. Die dagegen erhobenen Rechtsmittel blieben
erfolglos (VerwGE B 2009/121 vom 3. Dezember 2009, www.gerichte.sg.ch). Y._
wurde verpflichtet, die Schweiz nach Beendigung der ambulanten Massnahme am
19. Dezember 2011 zu verlassen (VerwGE B 2010/119 vom 1. Juli 2010,
www.gerichte.sg.ch). Nachdem seinem Gesuch vom 1. Dezember 2011, den Widerruf
der Niederlassungsbewilligung wiedererwägungsweise aufzuheben, kein Erfolg
beschieden war (VerwGE B 2013/98 vom 25. Juni 2013, BGer 2C_752/2013 vom 2. Mai
2014), verliess Y._ die Schweiz am 20. Juni 2014. Die zuständige Bundesbehörde
belegte ihn mit einem bis 29. Juni 2016 gültigen Einreiseverbot (Dossier Migrationsamt
Y._ S. 706 f.).
B. Das Migrationsamt wies am 17. Mai 2017 das Gesuch von X._, es sei ihrem
Ehemann eine Aufenthaltsbewilligung im Familiennachzug zu erteilen, ab. Das
Sicherheits- und Justizdepartement wies den dagegen erhobenen Rekurs am
6. Februar 2019 ab. Zur Begründung wird im Wesentlichen ausgeführt, Y._ lebe noch
nicht fünf Jahre ausserhalb der Schweiz. Im März 2008 habe er die erreichte Stabilität
betreffend illegalen Drogenkonsum nicht halten können. Während der gesamten Dauer
der Massnahme habe er sich aktiv an der Behandlung beteiligt und sich um Abstinenz
und Reintegration bemüht. Für den Zeitraum vom 1. August 2006 bis 1. August 2008
sei er am 11. November 2008 wegen Vernachlässigung von Unterhaltspflichten bestraft
worden. Das Verwaltungsgericht habe im Entscheid vom 3. Dezember 2009
festgehalten, nach Einschätzung des psychiatrischen Gutachters sei die
Heroinabhängigkeit kein Grund und nicht ausschlaggebend dafür gewesen, dass Y._
mit seinem Personenwagen mehrere Kilogramm Heroin in die Schweiz transportiert
habe, und sei von einer erheblichen Rückfallgefahr ausgegangen. Y._ sei nach der
erfolgreich abgeschlossenen ambulanten Behandlung wieder straffällig und am
2. Dezember 2014 wegen in den Jahren 2012 und 2013 begangener mehrfacher
Unterlassung der Buchführung und mehrfachen Pfändungsbetrugs verurteilt worden.
Es sei ihm generell darum gegangen, Einkommens- und Vermögensverhältnisse nicht
offenzulegen und mit vagen, sich immer von neuem widersprechenden Aussagen die
Berechnung der pfändbaren Quote zu verunmöglichen. Für die von ihm betriebene
Bluestone-Garage GmbH habe er unregelmässig und äusserst magere
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Abschlagszahlungen geleistet. Das Betreibungsamt sei nie in der Lage gewesen, deren
Korrektheit nachzuvollziehen. Sein Verschulden wiege schwer. Der Gesamtbetrag der
Verlustscheine habe sich zwischen Dezember 2009 und Januar 2018 massiv – auf rund
CHF 207'100 – erhöht. Es bestünden Zweifel, dass Y._ gewillt und fähig sei,
längerfristig mit seiner Familie auf dem betreibungsrechtlichen Existenzminimum zu
leben und Schulden abzubauen. Zu seinen Gunsten sei die lange Aufenthaltsdauer in
der Schweiz – von 1983 bis 2014 – zu berücksichtigen. Er habe sich aber hier nur
teilweise integriert. Es sei ihm nicht gelungen, sich aus dem Einflussbereich seines in
der Kultur des Herkunftslands verhafteten Vaters zu lösen und sich den hiesigen
Lebensgewohnheiten und Wertvorstellungen anzunähern. Vergleichsweise
ungünstigere Lebens- und Arbeitsbedingungen änderten nichts daran, dass ihm
grundsätzlich zugemutet werden könne, weiterhin im Heimatland zu leben. X._ sei
1997 im Alter von 19 Jahren zu ihrem Ehemann – von dem sie zumindest in der Zeit
von Juni 2006 bis Dezember 2011 getrennt gelebt habe – in die Schweiz gezogen. Sie
habe die prägenden Kinder- und Jugendjahre im Heimatland verbracht, sei mit den
dortigen Sitten und Gebräuchen vertraut und spreche auch die Landessprache. Auch
wenn sie in der Schweiz eine Arbeitsstelle habe, könne ihr das Familienleben im
gemeinsamen Heimatland zugemutet werden. Da sie niederlassungsberechtigt sei,
müsse sie die Schweiz aber nicht verlassen und könne die Ehe mittels Besuchen und
über moderne Kommunikationsmittel leben.
C. X._ (Beschwerdeführerin) erhob gegen den Entscheid des Sicherheits- und
Justizdepartements (Vorinstanz) vom 6. Februar 2019 durch ihre Rechtsvertreterin mit
Eingabe vom 20. Februar 2019 und Ergänzung vom 12. April 2019 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit den Rechtsbegehren, es seien unter Kosten- und
Entschädigungsfolge der Entscheid der Vorinstanz aufzuheben und das Gesuch um
Familiennachzug für Y._ gutzuheissen.
Mit Vernehmlassung vom 6. Mai 2019 verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen im
angefochtenen Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin reichte dem Gericht mit Schreiben vom
21. Mai 2019 Honorarnoten für das Beschwerde- und das Rekursverfahren ein.
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Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen der
Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressatin des
angefochtenen Entscheids ist die im Rekursverfahren unterlegene Beschwerdeführerin
zur Ergreifung der Beschwerde berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde gegen den Rekursentscheid vom 6. Februar 2019 wurde mit
Eingabe vom 20. Februar 2019 rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der
Ergänzung vom 12. April 2019 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin macht einen umfassenden Anspruch aus Art. 8 Ziff. 1 der
Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR
0.101, EMRK) und Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, BV), mit ihrem Ehemann in der Schweiz zu leben, geltend.
2.1. Nach Art. 43 Abs. 1 Ingress des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und
Ausländer und über die Integration (Ausländer- und Integrationsgesetz; SR 142.20, AIG)
haben ausländische Ehegatten von Personen mit Niederlassungsbewilligung unter
bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Erteilung der Aufenthaltsbewilligung. Der
Anspruch erlischt gemäss Art. 51 Abs. 2 Ingress und lit. b AIG, wenn Widerrufsgründe
nach Art. 62 oder 63 Abs. 2 AIG vorliegen. Einen derartigen Widerrufsgrund setzt eine
ausländische Person unter anderem dann, wenn sie "zu einer längerfristigen
Freiheitstrafe verurteilt wurde" (Art. 62 Abs. 1 Ingress und lit. b in Verbindung mit
Art. 63 Abs. 1 Ingress und lit. a AIG). Als längerfristig im Sinn dieser Bestimmungen gilt
eine Freiheitsstrafe, wenn ihre Dauer ein Jahr überschreitet (vgl. BGer 2C_409/2017
vom 2. August 2018 E. 4.1 mit Hinweis auf BGE 139 I 145 E. 2.1). – Dies war hier der
bis
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Fall: der Ehemann der Beschwerdeführerin wurde – nachdem er bereits früher
mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten war – am 9. November 2006 wegen
mehrfachen Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie grober Verletzung
der Verkehrsregeln zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Damit war sein
Anspruch auf Familiennachzug erloschen. Er verliess die Schweiz – nach Abschluss der
ambulanten Massnahme, welche an die Stelle des Vollzugs der Freiheitstrafe getreten
war, und nach letztlich erfolglosem Wiedererwägungsbegehren – am 20. Juni 2014.
Es kann das in Art. 8 EMRK beziehungsweise Art. 13 BV geschützte Recht auf Achtung
des Privat- und Familienlebens verletzen, wenn einem Ausländer, dessen
Familienangehörige hier weilen, die Anwesenheit untersagt und damit das
Familienleben vereitelt wird. – Die Beschwerdeführerin ist in der Schweiz
niederlassungsberechtigt und hat mit ihrem Ehemann von Dezember 2011 bis zu
dessen Ausreise am 20. Juni 2014 zusammengelebt. Er hat die Beschwerdeführerin
seither mehrfach in der Schweiz besucht, und es bestehen keine Anhaltspunkte dafür,
dass die Eheleute nicht beabsichtigen, nach einem allfälligen Zuzug des Ehemanns in
der Schweiz zusammenzuwohnen. Die Beschwerdeführerin kann deshalb den
Anspruch auf Achtung ihres Familienlebens geltend machen (vgl. BGer 2C_225/2007
vom 3. Dezember 2007 E. 1.2; BGE 130 II 281 E. 3.1).
2.2. Der in Art. 8 Ziff. 1 EMRK garantierte Anspruch gilt jedoch nicht absolut. Vielmehr
ist nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK ein Eingriff in das durch Ziff. 1 geschützte Rechtsgut
statthaft, soweit er gesetzlich vorgesehen ist und eine Massnahme darstellt, die in einer
demokratischen Gesellschaft für die nationale Sicherheit, die öffentliche Ruhe und
Ordnung, das wirtschaftliche Wohl des Landes, die Verteidigung der Ordnung und zur
Verhinderung von strafbaren Handlungen, zum Schutz der Gesellschaft und Moral
sowie der Rechte und Freiheiten anderer notwendig ist. Die Konvention verlangt
insofern eine Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten Interessen an der
Bewilligungserteilung und den öffentlichen Interessen an deren Verweigerung, wobei
Letztere in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist
(BGer 2C_409/2017vom 2. August 2018 E. 4.2 mit Hinweis insbesondere auf BGE 139 I
145 E. 2.2, 135 I 153 E. 2.2.1, 135 I 143 E. 1.3.1 und 2.1).
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Eine strafrechtliche Verurteilung verunmöglicht die Erteilung einer (neuen)
Aufenthaltsbewilligung nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung grundsätzlich
nicht ein für alle Mal, doch darf das neue Bewilligungsgesuch nicht dazu dienen,
rechtskräftige Entscheide immer wieder infrage zu stellen. Soweit der Betroffene,
gegen den eine Entfernungsmassnahme ergriffen wurde, weiterhin in den Kreis der
nach Art. 42 ff. AIG nachzugsberechtigten Personen fällt und es seinen hier
anwesenden nahen Angehörigen unzumutbar ist, ihm ins Heimatland zu folgen und das
Familienleben zu pflegen, ist eine spätere Neubeurteilung angezeigt. Vorausgesetzt ist,
dass sich der Betroffene seit der Verurteilung beziehungsweise Strafverbüssung
bewährt und sich für eine angemessene Dauer in seiner Heimat klaglos verhalten hat,
so dass eine Integration in die hiesigen Verhältnisse nunmehr absehbar erscheint und
eine allfällige Rückfallgefahr vernachlässigt werden kann. Das öffentliche Interesse an
der Gefahrenabwehr verliert an Bedeutung, soweit die Entfernungsmassnahme gegen
den Fehlbaren ergriffen, durchgesetzt und für eine der Schwere der Tat angemessene
Zeitdauer aufrechterhalten wurde (vgl. BGer 2C_409/2017 vom 2. August 2018 E. 4.3
mit Hinweisen). Der Zeitablauf, verbunden mit Deliktsfreiheit, kann somit dazu führen,
dass die Interessenabwägung anders ausfällt als zum Zeitpunkt der strafrechtlichen
Verurteilung oder der Entlassung aus dem Strafvollzug. Damit wird dem Umstand
Rechnung getragen, dass die seit der Tat verflossene Zeit und das seitherige Verhalten
der ausländischen Person beim bewilligungsrechtlichen Entscheid
mitzuberücksichtigen sind (vgl. BGer 2C_1170/2012 vom 24. Mai 2013 E. 3.3 mit
Hinweis insbesondere auf BGE 130 II 493 E. 5).
Wann die Neubeurteilung zu erfolgen hat, bestimmt sich aufgrund der Umstände im
Einzelfall. Das Bundesgericht berücksichtigt dabei, dass die Regelhöchstdauer des
Einreiseverbots nach Art. 67 Abs. 3 Satz 1 AIG fünf Jahre beträgt und diese nur bei
Vorliegen einer ausgeprägten Gefahr ("menace caractérisée") für die öffentliche
Sicherheit und Ordnung überschritten werden darf. Hat sich der Betroffene seit der
Rechtskraft des Widerrufsentscheids und seiner Ausreise während fünf Jahren
bewährt, ist es regelmässig angezeigt, den Anspruch auf Familiennachzug neu zu
prüfen. Eine frühere Beurteilung ist möglich, soweit das Einreiseverbot von Beginn an
unter fünf Jahren angesetzt worden oder eine Änderung der Sachlage eingetreten ist,
die derart ins Gewicht fällt, dass ein anderes Ergebnis im Bewilligungsverfahren
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ernstlich in Betracht gezogen werden kann (vgl. BGer 2C_409/23017 vom 2. August
2018 E. 4.4 mit Hinweisen).
Besteht ein Anspruch auf eine Neubeurteilung, heisst dies nicht, dass die Bewilligung
auch erteilt werden muss. Die Gründe, welche zum Widerruf geführt haben, verlieren
ihre Bedeutung grundsätzlich nicht; die Behörde muss vielmehr eine neue umfassende
Interessenabwägung vornehmen, in welcher der Zeitablauf seit dem ersten Widerruf in
Relation gesetzt wird zum nach wie vor bestehenden öffentlichen Interesse an der
Fernhaltung. Dabei kann es nicht darum gehen, wie im Rahmen eines erstmaligen
Entscheids über die Aufenthaltsbewilligung frei zu prüfen, ob die Voraussetzungen
dafür erfüllt sind. Vielmehr ist massgebend, ob sich die Umstände seit dem früheren
Widerruf in einer rechtserheblichen Weise verändert haben (BGer 2C_409/2017 vom
2. August 2018 E. 4.5 mit Hinweisen).
Wann der Zeitpunkt gekommen ist, an dem die früheren Straftaten als
Erlöschensgründe nach Art. 51 AIG dahinfallen und für sich alleine den Ansprüchen
nach Art. 42 ff. AIG nicht weiter entgegenstehen, ist aufgrund der Umstände des
Einzelfalls zu bestimmen. Bei der Beurteilung des Rückfallrisikos ist nach Art und
Ausmass der möglichen Rechtsgüterverletzung zu differenzieren: Je schwerer die
möglichen Rechtsgüterverletzungen sind beziehungsweise waren, desto niedriger sind
die Anforderungen an die in Kauf zu nehmende Rückfallgefahr. Je weiter die Straftaten
der ausländischen Person zurückliegen, umso eher lässt sich ihr wieder Vertrauen
entgegenbringen und kann sich die Annahme rechtfertigen, dass es zu keinen weiteren
Straftaten kommen wird. Je nach den Umständen kann es sinnvoll sein, von der
betroffenen Person zunächst eine weitere Bewährung im Rahmen von
bewilligungsfreien Besuchsaufenthalten zu verlangen und erst danach einen
Daueraufenthalt zu bewilligen. Die Praxis tendiert zur Zurückhaltung bei der
Neuerteilung von Aufenthaltsbewilligungen, wenn den Straftaten, die zum Widerruf der
früheren Bewilligung geführt haben, ein schweres Verschulden zugrunde liegt (BGer
2C_409/2017 vom 2. August 2018 E. 4.6).
2.3.
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2.3.1. Der Beschwerdeführer wurde am 9. November 2006 wegen einer schweren
Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und die
psychotropen Stoffe (Betäubungsmittelgesetz; SR 812.121, BetmG) im Sinn des
damals geltenden Art. 19 Ziff. 2 Ingress und lit. a BetmG – er wusste oder musste
annehmen, dass sich die Widerhandlung auf eine Menge von Betäubungsmitteln
bezieht, welche die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann – strafrechtlich
belangt. Unter dem geltenden, auf Art. 121 Abs. 3 Ingress und lit. a BV beruhenden
Art. 66a Abs. 1 Ingress und lit. o des Schweizerischen Strafgesetzbuches (SR 311.0,
StGB) führt eine solche Verurteilung zu einer obligatorischen Landesverweisung für die
Dauer von 5-15 Jahren. Bei der Beurteilung der Rechtsmässigkeit des Widerrufs der
Niederlassungsbewilligung im Anschluss an die strafrechtliche Verurteilung des
Ehemannes der Beschwerdeführerin zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe hielt das
Verwaltungsgericht vom 3. Dezember 2009 denn auch fest, angesichts der hohen Zahl
der verhängten Strafen, der wiederholten Delinquenz trotz strafrechtlicher Sanktionen
und der Dauer der Freiheitsstrafe von insgesamt drei Jahren müsse das öffentliche
Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung als hoch eingestuft werden. Von
einem Y._ im Zeitpunkt der Beurteilung des Widerrufs der Niederlassungsbewilligung
durch das Verwaltungsgericht anzulastenden erheblichen straf- und
ausländerrechtlichen Verschulden und einem entsprechenden beträchtlichen
öffentlichen Interesse an der Verweigerung einer Aufenthaltsbewilligung ist auch bei der
Beurteilung des aktuellen Gesuchs um Familiennachzug auszugehen.
2.3.2. Das Verwaltungsgericht ging am 3. Dezember 2009 aufgrund des Verhaltens
nach der Verurteilung und des Rückfalls in den Drogenkonsum entsprechend den
Feststellungen im psychiatrischen Gutachten von einer erheblichen Rückfallgefahr aus.
Bei der Beurteilung der aktuellen Rückfallgefahr ist zu unterscheiden zwischen jener
hinsichtlich erneuter Drogendelikte und hinsichtlich Vermögensdelikten.
Zwar ist die Rückfallgefahr hinsichtlich Drogendelikten mittlerweile zu relativieren:
Zunächst wurde mit dem Aufschub des Vollzugs der Freiheitsstrafe zugunsten einer
ambulanten Massnahme von einem gewissen Zusammenhang zwischen der
Suchterkrankung des Beschwerdeführers und seinem deliktischen Handeln
ausgegangen. Die aktenkundigen Widerhandlungen gegen das
Betäubungsmittelgesetz liegen mittlerweile – worauf in der Beschwerde zu Recht
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hingewiesen wird – über zehn Jahre zurück. Der Abschluss der Massnahme nach
Ablauf der fünfjährigen gesetzlichen Höchstdauer wurde – trotz eines Rückfalls mit
Opiaten und zwei strafrechtlichen Verurteilungen – als erfolgreich bezeichnet und die
Freiheitsstrafe deshalb nicht mehr vollzogen. Allerdings war entsprechend einem
Bericht der behandelnden Hausärztin vom 9. Juli 2012 auch nach dem Abschluss der
Massnahme eine Weiterführung des Entzugsprogramms mit Psychopharmaka und
Subutex erforderlich (vgl. Dossier Y._, Seite 598 f.). Auch anlässlich der
verkehrsmedizinischen Untersuchung vom 27. März 2017 gab Y._ an, weiterhin
Subutex einzunehmen (vgl. act. 11/5, Beilage 12). Subutex ist Teil eines medizinischen,
sozialen und psychologischen Behandlungsprogramms für drogenabhängige
Patientinnen und Patienten; es enthält den Wirkstoff Buprenorphin (vgl. https://
compendium.ch), ein Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide zur Behandlung von
mittelstarken bis starken Schmerzen und zur Behandlung einer Opioidabhängigkeit
(vgl. https://www.pharmawiki.ch). Dass sich Y._ in der Zwischenzeit von dieser
Substitutionsbehandlung gelöst hätte, lässt sich den Akten nicht entnehmen. Insoweit
ist das Vorbringen in der Beschwerde, Y._ lebe bereits über 12 Jahre frei von Heroin-
und Alkoholsucht, zu relativieren.
Ein künftiger Aufenthalt von Y._ in der Schweiz wird vor allem durch seine schwierige
wirtschaftliche Situation geprägt sein. Die Anforderungen an die aktuelle wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit haben sich zwar insoweit reduziert, als dass die Beschwerdeführerin
wirtschaftlich integriert ist und die beiden Kinder, die ihre Ausbildung abgeschlossen
haben beziehungsweise demnächst abschliessen werden (vgl. Dossier
Beschwerdeführerin, Seiten 84 f. und 93 f.), in absehbarer Zeit wirtschaftlich von den
Eltern unabhängig sein werden. An der erheblichen Verschuldung von Y._ hat sich in
der Zwischenzeit jedoch nichts Wesentliches geändert. Bei den Sozialämtern Sennwald
und Buchs betrugen die offenen Schuldsaldi am 23. Januar 2018 knapp CHF 13'300
und knapp CHF 80'700 (act. 11/7 Dossier Beschwerdeführerin, Seiten 197 und 199).
Beim Betreibungsamt Sennwald bestanden gleichentags offene Verlustscheine über
knapp CHF 29'900 (act. 11/7 Dossier Beschwerdeführerin, Seite 195). Das
Betreibungsamt Buchs meldete am 24. Januar 2018 66 nicht getilgte Verlustscheine
aus Pfändungen der letzten 20 Jahre im Gesamtbetrag von etwas mehr als
CHF 207'000 (act. 11/7 Dossier Beschwerdeführerin, Seite 205 ff.). Die erneute
Konfrontation mit seiner Verschuldung wird den Druck auf den Beschwerdeführer,
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wirtschaftlich erfolgreich zu sein, erhöhen. Bei der Beurteilung der Rückfallgefahr fällt
deshalb ins Gewicht, dass die strafrechtliche Verurteilung von Y._ darauf
zurückzuführen war, dass er mit seinem Personenwagen mehrere Kilogramm Heroin in
die Schweiz transportierte mit der Absicht, mit dem Erlös aus dem Drogentransport
seine Schulden zu reduzieren. Abgesehen davon hat die konkrete Rückfallgefahr eine
untergeordnete Bedeutung, da bei ausländischen Personen, die sich – wie die
Beschwerdeführerin und ihr Ehemann – nicht auf das Freizügigkeitsabkommen berufen
können, generalpräventive Gesichtspunkte in die Beurteilung miteinfliessen dürfen
(BGer 2C_299/2017 vom 11. Januar 2018 E. 3.3 mit Hinweisen).
Auch die weiteren strafrechtlichen Verurteilungen nach jener vom 9. November 2006
standen im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Lage Y._. Zwar macht er geltend,
die Verurteilungen wegen Verletzung der Unterhaltspflicht und wegen mehrfacher
Unterlassung der Buchführungspflicht und mehrfachen Pfändungsbetrugs seien
juristisch nicht haltbar. Seine Vorbringen ändern aber nichts daran, dass er in
wirtschaftlicher Hinsicht auch während und nach der ambulanten Massnahme in
finanziellen Angelegenheiten ein undurchsichtiges Gebaren an den Tag legte. Zwar hat
Y._ entsprechend der eingereichten Stellenzusicherung die Absicht, selbständig
erwerbstätig zu sein, zumindest vorderhand aufgegeben. Auf aussagekräftige
Erfahrungen mit einer längerfristigen unselbständigen Erwerbstätigkeit kann er
indessen nicht zurückblicken.
2.3.3. Für die Beurteilung der aktuellen Rückfallgefahr ist der Nachweis der Bewährung
von erheblicher Bedeutung. Seit seiner Ausreise am 20. Juni 2014 fiel Y._ in der
Schweiz strafrechtlich nicht auf. Zur Häufigkeit und Dauer seiner Besuchsaufenthalte
bei seiner Familie in der Schweiz enthält die Beschwerde keine Angaben. Aktenkundig
sind zwei Suspensionsverfügungen vom 15. September 2015 und vom 11. Dezember
2015, mit welchen Driton Ramadani während des geltenden Einreiseverbots die
Einreise zwecks zwei je einwöchigen Besuchen bei seiner Familie vom
19.-26. September 2015 und vom 4.-11. Januar 2016 erlaubt wurde (Dossier Y._,
Seiten 739 und 741). Darüber hinaus hat sich der Beschwerdeführer jedenfalls im
Zeitpunkt der verkehrsmedizinischen Untersuchung vom 27. März 2017 in der Schweiz
aufgehalten. Aus seinen Angaben zu seiner aktuellen Situation ist zu schliessen, dass
er sich – zumindest im Jahr 2017 – auch während längerer zeitlicher Abschnitte in der
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Schweiz bei seiner Familie aufgehalten hat. Ob dies auch in den folgenden zwei Jahren
der Fall war, lässt sich den Akten nicht entnehmen. Die Bedeutung der Straffreiheit in
der Schweiz ist entsprechend vergleichsweise tief zu gewichten.
Zur Bewährung von Y._ in seiner Heimat liegen eine "Bestätigung aus dem
Strafregister" und eine "Bescheinigung" des Grundgerichts Kumanovo vor, die beide
vom 1. November 2016 datieren. Aus den – teilweise allerdings schwer verständlichen
– Übersetzungen der "Bestätigung" und "Bescheinigung" ist zu schliessen, dass Y._
bis in jenem Zeitpunkt in Nordmazedonien strafrechtlich nicht aktenkundig in
Erscheinung getreten war. Für den Zeitraum seit 1. November 2016 liegen keine
vergleichbaren Bestätigungen vor. Zudem ergeben sich zu seinen Lebensumständen in
seiner Heimat, insbesondere zu seiner dortigen wirtschaftlichen und sozialen
Integration, weder aus den Eingaben der Beschwerdeführerin noch aus den Akten
konkrete Anhaltspunkte. Entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung dürfte
unter diesen Umständen gar die Frage aufgeworfen werden, ob eine Neubeurteilung
aufgrund der unklaren Bewährung im Heimatland überhaupt angezeigt ist (vgl. BGer
2C_1170/2012 vom 24. Mai 2013 E. 4.2).
2.3.4. Hinsichtlich der Rückfallgefahr ist zusammenfassend festzuhalten, dass zu den
Umständen der Bewährung von Y._ seit seiner Ausreise aus der Schweiz am 20. Juni
2014 wenig bekannt ist und deshalb, zusammen mit den schwierigen wirtschaftlichen
Bedingungen, auf welche er in der Schweiz nach wie vor treffen würde, und der
Abhängigkeit von Subutex, welche zumindest bis ins Jahr 2017 bestand, die Gefahr
eines Rückfalls in strafrechtlich relevante Verhaltensmuster nicht vernachlässigt werden
kann.
2.3.5. In die Interessenabwägung ist die Situation der Beschwerdeführerin und der
Kinder miteinzubeziehen. Die 1999 und 2000 geborenen Kinder sind mittlerweile
volljährig, wirtschaftlich in der Schweiz integriert und eingebürgert. Sie sind von der
Verweigerung des Familiennachzugs für ihren Vater insoweit betroffen, als sie – wie in
den vergangenen Jahren – das Familienleben auf der Grundlage gegenseitiger Besuche
und über elektronische Kommunikationsmittel führen müssen. Vor dem Hintergrund
ihrer rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Eigenständigkeit erscheint diese
Einschränkung nicht als besonders schwerwiegend. Die Notwendigkeit der ständigen
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Präsenz des Vaters mit Blick auf das Kindeswohl ist im heutigen Zeitpunkt deshalb zu
relativieren (vgl. BGer 2C_299/2017 vom 11. Januar 2018 E. 4.5.4). Die
Beschwerdeführerin ist 1997 im Alter von knapp 19 Jahren zu ihrem damals in der
Schweiz niederlassungsberechtigten Ehemann gezogen. Da sie in der Schweiz
mittlerweile selbst niederlassungsberechtigt ist, ist sie nicht verpflichtet, ihrem
Ehemann nach Mazedonien zu folgen. Sie ist denn auch nach der Ausreise ihres
Ehemanns am 20. Juni 2014 in der Schweiz geblieben, wo sie wirtschaftlich integriert
ist. Aus einer Gesamtbetrachtung resultiert, dass der Beschwerdeführerin und ihrem
Ehemann eine Weiterführung ihres bis anhin gepflegten Ehelebens über Besuche und
elektronische Kommunikationsmittel zumutbar ist. Sollten sich die Beschwerdeführerin
und ihr Ehemann dafür entscheiden, ihre Ehe in Mazedonien zu leben, erscheint die
Rückkehr der Beschwerdeführerin in ihr Heimatland, in welchem sie die prägenden
Kinder- und Jugendjahre verbracht hat und mit deren Sprache und Kultur sie vertraut
ist, nicht mit besonderen Schwierigkeiten der Reintegration verbunden zu sein.
3. Zusammenfassend ist jedenfalls zurzeit die vorinstanzliche Abwägung der
öffentlichen Interessen an einer weiteren Fernhaltung des Ehemanns der
Beschwerdeführerin einerseits und ihrer privaten Interessen daran, ihre Ehe in der
Schweiz zu leben, anderseits insbesondere angesichts der lückenhaften Nachweise zur
Bewährung seit seiner Ausreise am 20. Juni 2014 nicht zu beanstanden. Die
Verweigerung des Familiennachzugs erweist sich damit als recht- und insbesondere als
verhältnismässig. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. Ein erneutes Gesuch um
Familiennachzug für Y._ erscheint insbesondere dann aussichtsreicher, wenn sich der
Ehemann der Beschwerdeführerin auch von der Subutex-Behandlung gelöst hat und
damit die Wahrscheinlichkeit der dauerhaften wirtschaftlichen Integration mit einer
substantiellen Reduktion der Verschuldung und die Rückfallgefahr günstiger
einzuschätzen sind. Für eine günstigere Einschätzung ist auch erforderlich, dass sich
die Bewährung in der Schweiz auf konkret dargetane – allenfalls auch bereits erfolgte
und längere – Besuchsaufenthalte stützen kann und die konkreten Lebensumstände,
insbesondere die wirtschaftliche und soziale Integration in seiner Heimat bekannt sind.
Gegebenenfalls kann geprüft werden, ob und inwieweit die Erteilung und Verlängerung
der Aufenthaltsbewilligung mit dem Abschluss einer Integrationsvereinbarung (Art. 33
Abs. 4 und 5 AIG) – beispielsweise auf der Grundlage eines konkreten Budgets und
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St.Galler Gerichte
eines Rückzahlungsplans (vgl. BGer 2C_724/2018 vom 24. Juni 2019 E. 4.2.5) –
verbunden werden kann.
4. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens von der Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Eine Entscheidgebühr von CHF 2'000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Sie ist mit dem von der Beschwerdeführerin
in der gleichen Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. Ausseramtliche
Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und 98 VRP).