Decision ID: 5f7d6f33-1531-4637-9bf2-91b2698a940d
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich erstmals im November 1998 wegen einer Diskushernie bei der
IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Er gab an,
eine Lehre als Autoservicemann absolviert zu haben. Seit November 1990 sei er als
Granitmonteur (Küchen) für die B._ AG tätig. Mit Verfügung vom 10. Januar 2000 (IV-
act. 21) bewilligte die IV-Stelle eine Umschulung zum Baustellenüberwacher in der
B._ AG. Am 19. Februar 2001 informierte die IV-Stelle den Versicherten darüber (IV-
act. 33), dass er rentenausschliessend eingegliedert sei, da er erfolgreich zum
Bauüberwacher umgeschult und bei seiner ehemaligen Arbeitgeberin zum bisherigen
Lohn angestellt worden sei.
A.b Im August 2011 meldete sich der Versicherte wegen eines Knieleidens rechts
erneut zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 35). Er gab an,
zuletzt zu 100 % bei der B._ AG beschäftigt gewesen zu sein (Massaufnahme,
Kontrolle). Die gesundheitliche Beeinträchtigung bestehe seit dem 16. Dezember 2010.
A.c Am 23. August 2011 berichtete Dr. med. C._, Arzt Chirurgie Spital D._, RAD-
Ärztin Dr. med. E._ telefonisch (IV-act. 42, Gesprächsprotokoll nicht unterzeichnet),
dass die folgenden Diagnosen die Arbeitsfähigkeit des Versicherten beeinträchtigten:
- Status nach Implantation einer Knietotalarthroplastik rechts sowie vollständiger
Synovektomie am 17. Dezember 2010 wegen einer Pangonarthrose im rechten Knie
und einer villonodulären Synovialitis (Grunderkrankung);
- Status nach perkutaner Bestrahlung des rechten Knies wegen der Grunderkrankung
Synovialitis (ab 8. postoperativer Woche) mit nachfolgend zunehmender Patella bacha/
Schrumpfung des Lig. patellea.
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Dr. C._ gab weiter an, dass der Versicherte in einer ideal adaptierten Tätigkeit
medizinisch-theoretisch zu 100 % arbeitsfähig sei. Bei einer adaptierten Tätigkeit
handle es sich um eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit mit Wechsel von Sitzen,
Laufen und Stehen. Ungeeignet seien schwere und schwerste körperliche Arbeiten und
langes Knien.
A.d Die Arbeitgeberin berichtete der IV-Stelle am 1. September 2011 (IV-act. 48), dass
sie den Versicherten vor Eintritt des Gesundheitsschadens als Baubegleiter beschäftigt
habe. Seit dem 16. Dezember 2010 sei er zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben. Als
Baubegleiter habe der Versicherte seit dem 1. Januar 2008 einen Jahreslohn von Fr.
84‘500.-- erzielt. Diesen Lohn würde er ohne Gesundheitsschaden auch heute noch
verdienen. Die Tätigkeit als Baubegleiter habe die Baustellenkoordination (selten), die
Bauabnahme (selten), die Qualitätskontrolle (manchmal) und die Massaufnahme (oft)
beinhaltet. Der Versicherte habe bei der Arbeit manchmal sitzen, oft jedoch gehen und
stehen müssen. Selten habe er leichte, mittelschwere oder schwere Lasten tragen
müssen. Die Anforderungen an die Konzentration/Aufmerksamkeit, an die Sorgfalt und
an das Auffassungsvermögen seien gross, die Anforderungen an das
Durchhaltevermögen mittel gewesen.
A.e Der Hausarzt Dr. med. F._ berichtete RAD-Ärztin Dr. E._ am 2. Dezember 2011
telefonisch (IV-act. 56), dass die Symptomatik seit dem letzten Telefonat am 23. August
2011 gleich geblieben sei. Der Versicherte sei in seiner angestammten Tätigkeit wegen
der beklagten Schmerzen und der Bewegungseinschränkungen des rechten
Kniegelenks bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. In einer adaptierten Tätigkeit sei
er zu 50 - 100 % arbeitsfähig, wobei die Höhe der zu erzielenden Arbeitsfähigkeit von
der konkreten Tätigkeit abhängig sei (Gesprächsprotokoll von Dr. F._ am 6.
Dezember 2011 unterzeichnet, siehe IV-act. 58).
A.f Am 16. April 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass die Kosten für die
berufliche Abklärung vom 15. März bis 14. Juni 2012 bei der G._ übernommen
würden (IV-act. 72).
A.g Dem Schlussbericht der G._ vom 12. Juni 2012 war zu entnehmen (IV-act. 75),
dass die Versuche, die Präsenzzeit auf stabile 3 resp. 4 Stunden pro Tag zu steigern,
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aufgrund der somatischen Beschwerden des Versicherten gescheitert seien. Die
Leistungsfähigkeit des Versicherten habe sich gegen Ende des Arbeitstages jeweils
deutlich verschlechtert. Bei einer Präsenzzeit von zwei Stunden pro Tag habe sich der
Leistungsgrad auf 60 % belaufen. Der Versicherte verfüge über langjährige berufliche
Erfahrungen und gute handwerkliche Fähigkeiten. Alle wesentlichen
Grundarbeitsfähigkeiten wie Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein und
Qualitätsbewusstsein seien vorhanden gewesen. Der Versicherte habe sich
kontaktfreudig und kommunikativ gezeigt und sich schnell ins Arbeitsteam integriert.
Am 28. September 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass die beruflichen
Massnahmen abgeschlossen würden, da das Arbeitspensum während der beruflichen
Abklärung nicht wie geplant auf 100 % habe gesteigert werden können und er sich
nicht vorstellen könne, mehr als zwei Stunden pro Tag zu arbeiten.
A.h Der Hausarzt berichtete am 4. November 2012 (IV-act. 87), das der Versicherte in
seiner bisherigen Tätigkeit seit dem 16. Dezember 2010 und bis auf weiteres zu 100 %
arbeitsunfähig sei, weil er nicht lange stehen oder sitzen könne. Eine adaptierte,
wechselbelastende Tätigkeit sei ihm 1 - 2 Stunden pro Tag zumutbar. Die
Arbeitsunfähigkeit ineiner adaptierten Tätigkeit begründete der Hausarzt damit, dass
das Knie während des Arbeitsversuchs wieder massiv angeschwollen sei und die
Schmerzen sehr stark zugenommen hätten.
A.i Am 17. Januar 2013 wurde dem Versicherten mitgeteilt, dass eine monodisziplinäre
Begutachtung bei Dr. med. H._, Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin,
notwendig sei (IV-act. 92). Am März 2013 empfahl Dr. H._ der IV-Stelle telefonisch,
den Versicherten auch psychiatrisch begutachten zu lassen, da dieser sich seit rund
zwei Monaten in teilstationärer Behandlung in der Klinik I._ befinde (IV-act. 100).
A.j Dr. med. J._, Chefarzt der Klinik I._, und der Psychologe K._ gaben in ihrem
Bericht vom 14. Mai 2013 (IV-act. 107) als Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine Anpassungsstörung, Angst mit depressiver Reaktion gemischt
(ICD-10: F43.22), und ein psychophysisches Erschöpfungssyndrom (Z73.0) an (beide
seit 11.01.2013). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie
eine Magen-Darm-Symptomatik im Rahmen einer Störung der
Stressmodulationsfähigkeit (seit 11.01.2013). Vom 28. Januar 2013 bis 15. März 2013
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habe sich der Versicherte einer ambulanten psychosomatischen
Rehabilitationsbehandlung in der Klinik I._ unterzogen. Seit dem 21. März 2013 finde
eine ambulante Behandlung statt. Der Schweregrad der somatischen
Beeinträchtigungen könne nicht abgeschätzt werden. Von der psychologischen Seite
her betrachtet könne dem Versicherten eine gute Prognose gegeben werden. Eine
Medikation finde nicht statt. Vom 28. Januar bis 15. März 2013 (Start des
Rehabilitationsaufenthaltes) sei der Versicherte in seiner bisherigen Tätigkeit als
Granitmonteur zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Als Grund wurde angegeben, dass
das Knie nicht belastet werden könne und Stressreaktionen und Überbelastung den
Versicherten destabilisierten. Aufgrund der Knieproblematik, der (gemeint wohl:
verminderten) Belastbarkeit und der schnellen Ermüdbarkeit bestehe in der
angestammten Tätigkeit eine verminderte Leistungsfähigkeit. Eine adaptierte Tätigkeit
sei dem Versicherten nur ca. 4 - 5 Stunden pro Tag zumutbar, da er vor Überforderung
geschützt werden müsse. Die Klinik schlug eine Wiedereingliederungsmassnahme mit
leichterer Tätigkeit resp. die Zusprache einer Teilrente vor.
A.k Am 1. März 2013 wurde der Versicherte orthopädisch und am 26. April 2013
psychiatrisch untersucht (bidisziplinäres Gutachten des Medizinischen
Gutachtenzentrums Region St. Gallen [MGSG] vom 15. Mai 2013, IV-act. 111). Die
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit lauteten:
- Schmerzpersistenz nach Knietotalprothesenimplantation 12/2010 mit postoperativer
Radiotherapie bei villonodulärer Synovitis rechts und Patella baja;
- Anpassungsstörungen mit Angst und depressiver Reaktion gemischt, bestehend seit
etwa 02/2013 (F43.22);
- Zustand nach mittelgradiger depressiver Episode im Rahmen von
Anpassungsstörungen, bestehend von etwa 07/2012 bis 01/2013 (F32.1).
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden u.a. eine
Pseudolumboischialgie links und eine somatoforme autonome Funktionsstörung des
oberen Gastrointestinaltrakts, bestehend seit etwa 04/2011 (F45.31), angegeben. Der
orthopädische Gutachter Dr. med. H._ führte aus, dass das Ausmass der lumbalen
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Schmerzen bei unauffälligen radiologischen und geringen pathologischen objektiven
Befunden der LWS nur ungenügend nachvollzogen werden könne. Bezüglich des
rechten Knies seien einzig eine reduzierte Mobilität der Patella und eine eingeschränkte
Kniegelenksbeweglichkeit aufgefallen. Radiologisch sei eine Patella baja bei Nullachse
als abnormaler Befund dokumentiert. Die Beschwerden seien im Wesentlichen durch
eine vermehrte Bindegewebsvernarbung mit Bewegungseinschränkung und durch eine
Patella baja zu erklären. Generell würde auch bei normalem postoperativem Befund
nach einer Orthesenimplantation keine volle Arbeitsfähigkeit als Küchenbaumonteur
mehr bestehen, da durch die vermehrte Belastung des Implantats eine frühzeitige
Abnützung und Lockerung zu befürchten wären. Aufgrund der Schmerzpersistenz
seien dem Versicherten körperlich schwere Arbeiten, die vorwiegend sitzend oder
gehend ausgeübt werden müssten und die mit häufigem Laufen auf Treppen sowie
unebenem Boden und knienden Positionen verbunden seien, nicht mehr vollumfänglich
zumutbar. Die Arbeitsfähigkeit als Küchenbaumonteur, einer körperlich anstrengenden
Tätigkeit, die mit häufigem Laufen sowie knienden Positionen verbunden sei, betrage
seit Juli 2011 bei voller Stundenpräsenz eines normalen Pensums 35 %. In körperlich
leichten Tätigkeiten, die abwechslungsweise sitzend und stehend ausgeübt würden,
ohne dass dabei häufig kniende Positionen eingenommen werden müssten und die
nicht mit häufigem Laufen, insbesondere auf Treppen und unebenem Boden,
verbunden seien, sei der Versicherte seit Juli 2011 bei voller Stundenpräsenz zu 90 %
arbeitsfähig. Ab Dezember 2010 bis zu diesem Zeitpunkt habe im Rahmen der
postoperativen Rehabilitation eine volle Arbeitsunfähigkeit (angestammt und adaptiert)
bestanden. Der psychiatrische Gutachter Dr. med. L._ erklärte, dass der Versicherte
seit etwa Juli 2012 im Zusammenhang mit den chronischen Kniebeschwerden rechts
im Rahmen von Anpassungsstörungen eine mittelgradige depressive Episode
entwickelt habe. Diese habe sich seit etwa Februar 2013 unter teilstationärer
psychosomatischer Behandlung gebessert. Seither bestünden Anpassungsstörungen
mit Angst und depressiver Reaktion gemischt. Dabei handle es sich um leichte
psychische Störungen. Weiter lägen Hinweise für eine somatoforme autonome
Funktionsstörung des oberen Gastrointestinaltrakts vor. Diese Störungen seien
erstmals drei Wochen nach der letzten Bestrahlung im März 2011 aufgetreten und
liessen sich seither wiederholt in Belastungssituationen, vor allem in Anwesenheit
mehrerer Personen, feststellen. Auch diese Beschwerden hätten sich unter der
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teilstationären psychosomatischen Behandlung in der Klinik I._ gebessert. Es handle
sich dabei um psychosomatische Beschwerden, die im Zusammenhang mit
psychosozialen Faktoren (Arbeitslosigkeit, mangelnde Zukunftsperspektiven) und
emotionalen Konflikten stünden. Aufgrund der Anpassungsstörungen mit
vorübergehender mittelgradiger depressiver Episode und gegenwärtig Angst und
Depression gemischt erschienen die emotionale Belastbarkeit, die geistige Flexibilität,
der Antrieb, die Interessen, die Motivation und die Dauerbelastbarkeit je nach Intensität
der depressiven Störung unterschiedlich stark beeinträchtigt. Trotz der
Anpassungsstörungen mit vorübergehend mittelgradiger depressiver Episode und
gegenwärtig Angst und Depression gemischt sei dem Versicherten die
Willensanstrengung zur Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit mit Verwertung der
Restarbeitsfähigkeit zumutbar. Die somatoforme autonome Funktionsstörung habe
keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, da die Foerster-Kriterien nicht erfüllt seien. Aus
psychiatrischer Sicht liege kein stabiler Gesundheitszustand vor; die psychische
Beschwerdesymptomatik verbessere sich seit Monaten. Für den Zeitraum Juli 2012 bis
Januar 2013 sei aufgrund der mittelgradigen depressiven Episode in der
angestammten Tätigkeit von einer 60 %igen und in einer adaptierten Tätigkeit von einer
70 %igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Seit etwa Februar 2013 sei der Versicherte aus
psychiatrischer Sicht in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Küchenmonteur bei einem
vollen Stundenpensum zu 75 % und in einer adaptierten Tätigkeit zu 100 %
arbeitsfähig. Bei einer adaptierten Tätigkeit handle es sich um eine Tätigkeit ohne
erhöhte emotionale Belastung, ohne erhöhten Zeitdruck (Stressbelastung), ohne
erforderliche geistige Flexibilität und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung. In
polydisziplinärer Hinsicht legten die Gutachter die Arbeitsfähigkeit für die Zeit von
Dezember 2010 bis Juni 2011 in jeglicher Tätigkeit auf 0 % fest. Ab Juli 2011 betrage
die Arbeitsfähigkeit als Küchenbaumonteur 35 % und die Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit 90 %. Für die Zeit ab Juli 2012 schätzten die Gutachter die
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auf 70 % und ab Februar 2013 wieder auf
90 %.
A.l RAD-Ärztin Dr. E._ hielt am 2. Juli 2013 fest (IV-act. 112), dass die Gutachter zum
Bericht des behandelnden Psychiaters leider nicht hätten Stellung nehmen können, da
sie diesen erst am 15. Mai 2013 erhalten hätten. Da die Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen
im Gutachten und im Arztbericht in etwa zeitgleich erfolgt seien und relevant
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voneinander abwichen, sei eine Plausibilisierung notwendig. Bezüglich des Berichts der
Klinik I._ führte die RAD-Ärztin aus, dass eine dauerhafte Teilarbeitsunfähigkeit
aufgrund der gestellten Diagnosen (u.a. werde auch ein psychophysisches
Erschöpfungssyndrom/eine Z-Diagnose als arbeitsfähigkeitsbeeinflussende Diagnose
geltend gemacht) und Befunde, der Therapie, die ohne Medikamente auskomme,
sowie aufgrund der bisher guten Therapieerfolge aus RAD-ärztlicher Sicht nicht
nachvollziehbar sei. Ausserdem seien die Einschränkungen immer zuerst mit den
somatischen Problemen begründet worden, d.h. das somatische Leiden sei zumindest
in die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung des behandelnden Psychiaters mit eingeflossen. Der
dokumentierte psychiatrische Befund weise nur leichte Funktionsstörungen aus und es
sei dem Versicherten eine gute Prognose bescheinigt worden. Seitens des
behandelnden Psychiaters werde eine Teilrente für den Versicherten gewünscht, um
diesen „psychisch zu entlasten“. Die RAD-Ärztin beurteilte das bidisziplinäre Gutachten
als umfassend, kohärent, in sich widerspruchsfrei und nachvollziehbar, weshalb auf es
abgestellt werden könne.
A.m Mit Vorbescheid vom 24. Juli 2013 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 116). Zur Begründung führte sie die
gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung an. Das Valideneinkommen entsprach dem
Lohn, den der Versicherte im Jahr 2011 als Baubegleiter bei seiner ehemaligen
Arbeitgeberin erzielt hätte (Fr. 84‘500.--). Das Invalideneinkommen wurde anhand von
Tabellenlöhnen ermittelt (Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik [LSE]
des Jahres 2011, privater Sektor, Leistungsniveau 4) und auf Fr. 55‘598.-- festgesetzt
(90 % von 61‘776.--, IV-act. 113). Ein Tabellenlohnabzug wurde nicht gewährt. Der IV-
Grad betrug folglich 34 %. Dagegen liess der Versicherte am 19. September 2013
einwenden (IV-act. 122), der Arbeitsversuch von März bis Juni 2012 habe gezeigt, dass
es ihm wegen der Schmerzen und zunehmend auch aus psychischen Gründen nicht
möglich sei, seine Restarbeitsfähigkeit zu verwerten. Er verlangte die Gewährung eines
Leidensabzugs von 10 - 15 % und die Zusprache einer Viertelsrente.
A.n Mit Verfügung vom 11. November 2013 wies die IV-Stelle das Rentengesuch aus
den im Vorbescheid angegebenen Gründen ab (IV-act. 123). Zu den Einwänden
erwiderte sie, dass kein Leidensabzug gewährt werden könne, da die Einschränkungen
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des Versicherten in der Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter gebührend
berücksichtigt worden seien.
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
8. Dezember 2013 „Einsprache“ bei der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
erheben (act. G 1). Die Patientenstelle Ostschweiz beantragte, dem Beschwerdeführer
sei eine Dreiviertelsrente zuzusprechen. Zur Begründung führte sie an, dass der
Beschwerdeführer die von den Gutachtern attestierte 100 %ige Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit ab 1. Februar 2013 unmöglich umsetzen könne. Dies habe der
Arbeitsversuch gezeigt und sei auch von Dr. F._, der den Beschwerdeführer schon
über lange Zeit betreue, bestätigt worden. Die Ausübung auch einer adaptierten
Tätigkeit während mehr als drei Stunden pro Tag sei unrealistisch. Der „Einsprache“
lag u.a. ein ärztliches Zeugnis von Dr. F._ vom 2. Dezember 2013 bei (act. G 1.3). Dr.
F._ hatte erklärt, der Arbeitsversuch habe deutlich gezeigt, dass der
Beschwerdeführer maximal zwei Stunden pro Tag arbeiten könne. Laut einem
Sprechstundenbericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie des Spitals D._ vom
26. August 2013 (act. G 1.5) hatte der Beschwerdeführer das operierte Kniegelenk
nach der letzten Konsultation im Juni 2011 weiter „beübt“, was zu einer Verbesserung
der Situation geführt habe. Subjektiv seien jedoch unangenehme Restbeschwerden
geblieben. Dr. C._ hatte erklärt, dass sich in Anbetracht der Vorgeschichte klinisch
und radiologisch ein gut akzeptables Ergebnis gezeigt habe. Eine Lockerung der
Prothese liege nicht vor. Die Streckung sei vollständig möglich, die Flexion akzeptabel.
Der Beschwerdeführer werde sich mit den Restbeschwerden (Engegefühl im operierten
Gelenk) arrangieren müssen. In einer operativen Behandlung der Patella bacha sehe er
keinen Sinn. Orthopädischerseits bestehe kein weiterer Handlungsbedarf. Die
Beschwerdegegnerin leitete die „Einsprache“ am 9. Dezember 2013
zuständigkeitshalber an das Versicherungsgericht weiter (act. G 0). Am 13. Dezember
2013 informierte die Patientenstelle Ostschweiz das Versicherungsgericht, dass die
Einsprache/Beschwerde gegen die Verfügung vom 11. November 2013
fälschlicherweise der Beschwerdegegnerin zugestellt worden sei (act. G 2).
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B.b Am 20. Februar 2014 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde (act. G 8). Zur Begründung brachte sie vor, dass die Arbeitsfähigkeit
medizinisch-theoretisch, d.h. nicht gestützt auf die Ergebnisse einer beruflichen
Abklärung, zu bestimmen sei. Die vom orthopädischen Gutachter aufgeführten
Befunde (vermehrte Bindegewebevernarbung mit Bewegungseinschränkung und
Patella baja) vermöchten keine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu
begründen. Der Beschwerdeführer müsse in einer adaptierten Tätigkeit als voll
arbeitsfähig angesehen werden. Im Übrigen falle auf, dass Dr. H._ regelmässig
Arbeitsfähigkeiten in der angestammten Tätigkeit von gegen 60 % und adaptiert von
90 % bescheinige. Da für die Annahme einer Beeinträchtigung in einer adaptierten
Tätigkeit kein Raum bestehe, müsse davon ausgegangen werden, dass Dr. H._ − wie
üblich − bereits einen leidensbedingten Abzug in seine Arbeitsfähigkeitsschätzung
miteinbezogen habe.
B.c Am 4. April 2014 reichten die Ehefrau und die Kinder des Beschwerdeführers eine
Stellungnahme ein (act. G 10). Sie machten geltend, dass sich die gesundheitliche
Verfassung des Beschwerdeführers durch die Bestrahlungen stark verschlechtert habe.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 12).

Erwägungen
1.
Zunächst ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer rechtzeitig Beschwerde hat erheben
lassen. Das Schreiben vom 13. Dezember 2013 (act. G 2) ist am selben Tag bei der
Post aufgegeben worden. Den Akten ist nicht zu entnehmen, wann dem
Beschwerdeführer die angefochtene Verfügung vom 11. November 2013 zugestellt
worden war. Geht man davon aus, dass die Zustellung am 12. November 2013 erfolgt
ist, hat die Beschwerdefrist am 13. November 2013 zu laufen begonnen und wäre am
12. Dezember 2013 abgelaufen. Die Beschwerdeerhebung wäre mit dem Schreiben
vom 13. Dezember 2013 daher zu spät erfolgt. Folglich müsste nun abgeklärt werden,
ob die Verfügung tatsächlich am 12. November 2013 zugestellt worden war. Weitere
Abklärungen wären jedoch überflüssig, wenn das Schreiben vom 8. Dezember 2013
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(act. G 1) als Beschwerde qualifiziert werden könnte. Die Vertreterin des
Beschwerdeführers hat dieses als Einsprache bezeichnete Schreiben nämlich am 8.
Dezember 2013 bei der Post aufgegeben. Die Beschwerdegegnerin hat das Schreiben
gestützt auf Art. 58 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) dem Gericht weitergeleitet. Die Vertreterin
des Beschwerdeführers hat im Schreiben eine Dreiviertelsrente beantragt und
zusammengefasst erklärt, mit der Verfügung vom 11. November 2013 nicht
einverstanden zu sein. Das Schreiben trug den Titel „Einsprache gegen die IV-
Verfügung vom 11.11.2013“. Gemäss Art. 56 Abs. 1 ATSG kann gegen
Einspracheentscheide oder Verfügungen, gegen welche eine Einsprache
ausgeschlossen ist, Beschwerde erhoben werden. Die Vertreterin des
Beschwerdeführers ist aufgrund dieser Bestimmung wohl davon ausgegangen, dass
gegen die Rentenverfügung zunächst Einsprache bei der Beschwerdegegnerin erhoben
werden muss, bevor das Gericht angerufen werden kann. Sie muss also übersehen
haben, dass gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG, SR 831.20) Verfügungen der IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht
angefochten werden können. Indem die Vertreterin des Beschwerdeführers das
Schreiben vom 8. Dezember 2013 als Einsprache betitelt hat, ist davon auszugehen,
dass sie ein ordentliches Rechtsmittel gegen den Rentenentscheid hat ergreifen wollen,
d.h. dass es sich beim Schreiben nicht um ein Wiedererwägungsgesuch gehandelt hat.
Dies hat sie auch in ihrem Schreiben vom 13. Dezember 2013 an das Gericht zum
Ausdruck gebracht. Der Beschwerdeführer hat somit seinen Anfechtungswillen
kundgetan. Das Schreiben vom 8. Dezember 2013 ist deshalb als Beschwerde gegen
die Verfügung vom 11. November 2013 zu behandeln. Die Beschwerde ist folglich
rechtzeitig erhoben worden, sodass auf sie einzutreten ist.
2.
2.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 11. November 2013 hat die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers verneint. Zu
prüfen ist nachfolgend, ob diese Rentenabweisung zu Recht erfolgt ist.
2.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
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durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist
gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
3.
3.1 Um den IV-Grad ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststehen.
3.2 Der orthopädische Gutachter Dr. H._ hat die Arbeitsfähigkeit für den Zeitraum
Dezember 2010 bis Juni 2011 in jeglicher Tätigkeit mit Verweis auf die postoperative
Rehabilitation auf 0 % geschätzt. Die Einräumung einer mehrmonatigen
Rehabilitationszeit nach der Knietotalarthroplastik und Synovektomie am 17. Dezember
2010 leuchtet vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer sich vom 10. Februar
bis 11. März 2011 zusätzlich einer perkutanen Bestrahlung des rechten Knies hat
unterziehen müssen, ein (IV-act. 87-15 f.). Ab Juli 2011 hat der orthopädische
Gutachter die Arbeitsunfähigkeit wegen der Schmerzpersistenz im rechten Knie in der
angestammten Tätigkeit auf 65 % geschätzt. Er ist dabei davon ausgegangen, dass es
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sich bei der angestammten Tätigkeit um die als körperlich schwer einzustufende
Tätigkeit als Küchenbauer gehandelt hat, die auch die Einnahme kniender Positionen
erfordert. Der orthopädische Gutachter hat übersehen, dass der Beschwerdeführer im
Jahr 2000/2001 wegen Rückenbeschwerden zum Baustellenüberwacher umgeschult
worden ist und seither auf diesem Beruf gearbeitet hat (vgl. IV-act. 48). Der
Beschwerdeführer selbst hat angegeben, dass es sich hierbei um eine körperlich
leichte Tätigkeit gehandelt habe. Allerdings habe er bei dieser Tätigkeit oft
Treppensteigen und Autofahren müssen (IV-act. 66-2). Die Tätigkeit als
Baustellenüberwacher unterscheidet sich somit stark von jener als Küchenbauer,
mithin handelt es sich zumindest um eine überwiegend körperlich leichte Tätigkeit (die
ehemalige Arbeitgeberin hat angegeben, dass der Beschwerdeführer selten
mittelschwere und schwere Gewichte hat heben oder tragen müssen, siehe IV-act.
48-5). Trotzdem beinhaltet auch sie nicht adaptierte Verrichtungen wie beispielsweise
häufiges Treppensteigen. Für die Tätigkeit als Baustellenüberwacher kann folglich nicht
die Arbeitsfähigkeitsschätzung für körperlich adaptierte Tätigkeiten herangezogen
werden. Somit liegt für die Arbeitsfähigkeit aus orthopädischer Sicht in der
angestammten Tätigkeit als Baustellenüberwacher für die Zeit ab 1. Juli 2011 keine
brauchbare Arbeitsfähigkeitsschätzung im Recht. Diese ist jedoch erforderlich, um über
den Rentenanspruch entscheiden zu können. Denn sollte der Beschwerdeführer
invaliditätsbedingt eine Einkommenseinbusse von 40 % oder mehr erleiden, müsste
vor der Rentenzusprache geprüft werden, ob eine Umschulung eine Berentung
verhindern könnte (sog. Grundsatz „Eingliederung vor Rente“). Zwar hat der
orthopädische Gutachter die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ab 1. Juli
2011 auf 90 % geschätzt. Aufgrund des relativ hohen Valideneinkommens
(Fr. 84‘500.--) würde jedoch bereits ein IV-Grad über 40 % resultieren, wenn das
Invalideneinkommen anhand des durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohns (Fr. 61‘910.-- im
Jahr 2011, siehe Anhang 2 der IVG-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe
2015) berechnet und ein 10 %iger Tabellenlohnabzug gewährt würde. Bezüglich der
Arbeitsfähigkeitsschätzung in einer körperlich adaptierten Tätigkeit ab 1. Juli 2011 ist
anzumerken, dass der orthopädische Gutachter nicht begründet hat, weshalb die
Kniebeschwerden die Arbeitsfähigkeit um 10 % beeinträchtigen sollen (beispielsweise
Notwendigkeit vermehrter Pausen zur Entlastung des Knies und/oder verlangsamtes
Arbeitstempo). Die Schmerzen allein reichen als Begründung nicht aus, da diese ja
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auch während der restlichen (90 %) der Zeit, für die der Beschwerdeführer für
arbeitsfähig erklärt worden ist, bestehen. Ausserdem hat der orthopädische Gutachter
sich nicht mit der Arbeitsfähigkeitsschätzung des Operateurs Dr. C._, wonach der
Beschwerdeführer in einer ideal adaptierten Tätigkeit aus medizinisch-theoretischer
Sicht zu 100 % arbeitsfähig sei, auseinandergesetzt (siehe IV-act. 42). Aus den
angegebenen Gründen erweist sich das orthopädische Teilgutachten von Dr. H._ als
unvollständig.
3.3 Der Beschwerdeführer hat geltend gemacht, der Arbeitsversuch bei der G._
habe gezeigt, dass er nur drei Stunden pro Tag in einer adaptierten Tätigkeit
arbeitsfähig sei. Dieser Argumentation ist entgegenzuhalten, dass es bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung darum geht, festzustellen, welche Arbeitsleistung einer
versicherten Person aus objektiver Sicht noch zumutbar ist. Welche Leistung eine
versicherte Person anlässlich eines Arbeitsversuchs erbringt, wird wesentlich durch
subjektive Faktoren wie die von der versicherten Person empfundenen Schmerzen, ihre
Motivation und ihre Willenskraft mitbestimmt. Daher kann bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung auf die Ergebnisse eines Arbeitsversuchs nicht abgestellt
werden. Dies bedeutet auch, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung des Hausarztes
schon deshalb nicht zu überzeugen vermag, weil seine Beurteilung offensichtlich auf
den Ergebnissen des Arbeitsversuchs basiert (siehe act. G 1.3).
3.4 Der psychiatrische Gutachter Dr. L._ hat die Arbeitsunfähigkeit für die Zeit von
Juli 2012 bis Januar 2013 wegen einer mittelgradigen depressiven Episode im Rahmen
von Anpassungsstörungen in der Tätigkeit als Küchenbauer auf 40 % und in einer
adaptierten Tätigkeit auf 30 % geschätzt. Zunächst fällt auf, dass Dr. L._ eine
rückwirkende Diagnosestellung und Arbeitsfähigkeitsschätzung für einen Zeitraum
vorgenommen hat, in dem der Beschwerdeführer nicht in psychotherapeutisch-
psychiatrischer Behandlung gewesen ist. Die Diagnostik sowie die
Arbeitsfähigkeitsschätzung basieren somit nicht auf erhobenen Befunden, sondern
einzig auf den Angaben des Beschwerdeführers. Es stellt sich daher grundsätzlich die
Frage, ob eine solche − insbesondere psychiatrische − retrospektive Diagnosestellung
und Arbeitsfähigkeitsschätzung lediglich gestützt auf die Angaben einer versicherten
Person überhaupt den Beweisanforderungen des sozialversicherungsrechtlichen
Verfahrens zu genügen vermögen. Hinzu kommt, dass der psychiatrische
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Sachverständige − wie der orthopädische − auf eine falsche angestammte Tätigkeit,
nämlich diejenige des Küchenbauers (statt jene des Baustellenüberwachers) abgestellt
hat. Sodann hat er nicht erklärt, weshalb er die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit tiefer eingeschätzt hat als diejenige in einer adaptierten Tätigkeit bzw. welche
Verrichtungen der angestammten Tätigkeit nicht adaptiert sind. Für die Zeit ab Februar
2013 hat der psychiatrische Gutachter gestützt auf die Diagnose Anpassungsstörungen
mit Angst und depressiver Reaktion gemischt die Arbeitsunfähigkeit in der Tätigkeit als
Küchenbauer auf 25 % und diejenige in einer adaptierten Tätigkeit auf 0 % geschätzt.
Auch bezüglich dieser Arbeitsfähigkeitsschätzungen ist zu bemängeln, dass auf die
falsche angestammte Tätigkeit abgestellt worden ist und dass die Differenz zwischen
der Arbeitsfähigkeit adaptiert und angestammt von 25 % nicht begründet worden ist.
Des Weiteren hat Dr. L._ nicht erklärt, woher die Überzeugung des
Beschwerdeführers, vollständig arbeitsunfähig zu sein, stammt. Die gestellten
Diagnosen erklären dies zumindest aus der Sicht eines medizinischen Laien nicht. Der
Beschwerdeführer hat sich ab Januar 2013 in psychiatrisch-psychotherapeutischer
Behandlung befunden. Der Gutachter ist über diese Behandlung informiert gewesen.
Trotzdem hat er keinen Bericht des behandelnden Psychiaters angefordert resp. −
soweit aus den Akten ersichtlich − nicht das telefonische Gespräch mit dem Behandler
gesucht. Hinzu kommt, dass der psychiatrische Sachverständige angegeben hat, dass
aus psychiatrischer Sicht kein stabiler Gesundheitszustand vorliege und die psychische
Beschwerdesymptomatik seit Monaten in Besserung begriffen sei. Die
Rentenzusprache für die Zukunft erfolgt gestützt auf den Sachverhalt im
Verfügungszeitpunkt. Die Arbeitsfähigkeit für die Zukunft wird also immer gestützt auf
eine Prognose, wie sich der Sachverhalt nach Verfügungserlass entwickeln wird,
geschätzt. Eine solche Prognose kann nur gestellt werden, wenn der
Gesundheitszustand im Verfügungszeitpunkt stabil gewesen ist. Dies ist vorliegend in
psychischer Hinsicht nicht der Fall gewesen. Dementsprechend ist bereits aus diesem
Grund eine erneute psychiatrische Begutachtung notwendig. Der von der
Beschwerdegegnerin zu beauftragende Gutachter wird sich mit der oben angeführten
Kritik (rückwirkende Arbeitsfähigkeitsschätzung, Abstellen auf falsche angestammte
Tätigkeit, fehlende Begründung für die unterschiedliche Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in einer adaptierten Tätigkeit) sowie mit dem
Bericht des behandelnden Psychiaters vom 14. Mai 2013 bzw. der seither
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aufgelaufenen psychiatrischen Krankheitsgeschichte auseinandersetzen müssen.
Schliesslich bleibt anzumerken, dass das Bundesgericht seine Rechtsprechung zu den
somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren psychosomatischen Leiden mit
BGE 141 V 281 geändert hat. Daher wird bei der erneuten psychiatrischen
Begutachtung zu prüfen sein, ob der diagnostizierten somatoformen autonomen
Funktionsstörung des oberen Gastrointestinaltraktes unter Berücksichtigung der neuen
Praxis allenfalls ein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beizumessen ist.
3.5 Die Arbeitsfähigkeitsschätzung des behandelnden Psychiaters Dr. J._ vom
14. Mai 2013 überzeugt im Übrigen nicht, da er auch die verminderte Belastbarkeit des
Knies in seiner Einschätzung berücksichtigt hat (siehe Ziff. 1.7 des Arztberichts) und es
sich somit nicht um eine rein psychiatrische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gehandelt
hat. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung in somatischer Hinsicht ist jedoch nicht Aufgabe
des Psychiaters. Hierzu fehlt ihm das erforderliche Fachwissen, wie er in seinem
Arztbericht selber eingeräumt hat (Ziff. 1.4, unter „Prognose“).
3.6 Die Beschwerdegegnerin hat folglich den Untersuchungsgrundsatz nach Art. 43
Abs. 1 ATSG verletzt, indem sie den Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abgeklärt hat.
Die Sache ist daher zur erneuten Begutachtung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Das MGSG kommt dabei für die erneute Begutachtung nicht in
Betracht, da sie als vorbefasste Gutachterstelle als befangen gelten muss. Die
Beschwerdegegnerin wird zudem klären müssen, ob in somatischer Hinsicht eine
orthopädische Neubegutachtung ausreichend ist oder ob in dieser Hinsicht zusätzlich
eine Begutachtung in einer weiteren Fachdisziplin notwendig ist. Auf jeden Fall wird
auch eine erneute psychiatrische Abklärung erfolgen müssen. Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass die Sache zur erneuten bi- oder polydisziplinären Begutachtung an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
4.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
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Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
Verwaltung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu werten (BGE 132 V
215 E. 6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist
dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.