Decision ID: 44f8147f-361c-4673-a10a-c0f855773924
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1974 geborene
X._
meldete sich am 2
0.
April 2010 (Eingangsdatum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungs
bezug an (
Urk.
7/3). Die IV-Stelle nahm medizinische und erwerbliche Abklärun
gen vor. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/15) wies
sie
mit Ver
fügung vom
3.
Januar 2011 das Leistungsbegehren von
X._
ab (
Urk.
7/17
).
Am 2
6.
Juni 2014 (Eingangsdatum) meldete sich
X._
erneut bei der IV-Stelle
zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/24).
Wiederum nahm die
IV-Stelle erwerb
liche und medizinische Abklärungen vor und wie
s
nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(
Urk.
7/35) das Leistung
sbegehren
mit Verfügung vom 2
4.
Novem
ber
2014
ab (
Urk.
7/37). Am 9.
Dezember 2015
(Eingangsdatum)
mel
dete
sich
X._
abermals
bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/39).
Auf dieses Leistungsbegehren trat die IV-Stelle nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/41,
Urk.
7/44) mit Verfügung vom
2.
Mai
2016 nicht ein (
Urk.
7/47).
1.2
Anfangs
Februar 2019 meldete sich
X._
erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/
49,
Urk.
7/52
-54
)
,
worauf
die IV-Stelle am 4.
Februar 2019
mitteilte
, dass Eingliederungsmassnahmen
zurzeit
nicht möglich seien (
Urk.
7/51).
In der Folge
liess
die IV-Stelle
einen Auszug aus dem Individuellen Konto erstellen (IK-Auszug,
Urk.
7/55)
und holte Berichte von Dr.
med.
Y._
, Facharzt FMH für Neurochirurgie, (
Urk.
7/60) und von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, (
Urk.
7/63, Urk.
7/67) ein. Am 26.
November 2019 wurde
X._
von Dr.
med.
A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsappa
ra
tes
, und von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Innere Medizin, beide vom
regionalen ärztlichen Dienst der IV-Stelle (RAD)
,
untersucht (
Urk.
7
/65-66).
Nach
dem die IV-Stelle bei
X._
eine Haush
altsabklärung durchgeführt hatte
(
Urk.
7
/70), stellte sie mit
Vorbescheid vom 1
7.
Juni 2020 in Aussicht, einen Rentenanspruch zu verneinen (
Urk.
7/73). Dagegen liess
X._
Einwand erheben (
Urk.
7/74,
Urk.
7/81,
Urk.
7/87), wobei sie in prozessualer Hinsicht die Bestellung von Rechtsanwältin
Stephanie C. Elms
als unentgeltliche Rechts
ver
treterin für die
Vorbescheidverfahren
beantragen liess.
Im Rahmen des
Vorbe
scheidverfahrens
stellte
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
der IV-Stelle einen Bericht zu
(
Urk.
7/91
; vgl.
Urk.
7/93
). Mit Verfügung vom
2.
März 2021
verneinte
die IV-Stelle
einen Anspruch von
X._
auf eine Invalidenrente
(
Urk.
7/98 =
Urk.
2). Das Gesuch um Bestellung von
Rechtsanwältin
Stephanie C. Elms
als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das
Vorbescheidverfahren
wies die IV-Stelle mit Verfügung vom
9.
März 2021 ab (
Urk.
7/101).
2.
Mit Eingabe vom 1
5.
April 2021
(
Urk.
1)
liess
X._
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
2.
März 2021 betreffend Rentenanspruch
erheben und bean
tragen:
1.
Es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
2.
März 2021 aufzu
heben.
2.
Es s
ei
die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine Rente nach
dem
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG)
, zu gewähren.
3.
Es s
ei
ein medizinisches Gutachten einzuholen.
4.
Eventualiter sei die Sache zwecks Einholung eines medizinischen Gutach
tens und anschliessendem Neuentscheid an die Beschwerdegegnerin zu
rück
zuweisen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin.
In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin
u
m Gewährung der un
entgeltlichen Prozessführung und um Bestellung von
Rechtsanwältin Stephanie C. Elms als unentgeltliche Rechtsvertreterin.
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
5.
Mai 2021 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin mit Verfü
gung vom 2
6.
Mai 2021 angezeigt wurde (
Urk.
8). Mit Eingabe vom 1
7.
Juni 2021 (
Urk.
9) reichte Rechtsanwältin
Stephanie C. Elms
ihre Honorarnote (Urk.
10) ein.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Nach den allgemeinen Regeln des Sozialversicherungsrechts hat der Versiche
rungsträger den rechtserheblichen Sachverhalt abzuklären. Er ist nach dem in
Art.
43
Abs.
1 ATSG statuierten Untersuchungsgrundsatz verpflichtet, die not
wen
digen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte einzuholen. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_815/2012 vom 2
1.
Oktober 2013 E. 3.2.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
ging in der angefochtenen Verfügung vom
2.
März 2021
davon aus, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfal
l zu 50
%
erwerbs-
und zu 50
%
im Haushalt tätig wäre
(
Urk.
2 und
Urk.
6)
. Die Beschwerdeführerin sei in der angestammten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig, in einer
angepassten
Tätigkeit bestehe
jedoch
eine 75%ige Arbeitsfähigkeit. Im Haushalt sei die Be
schwerdeführerin zu 13
%
eingeschränkt. Eine psychische Erkrankung sei erst im
Einwandverfahren
geltend gemacht worden. Gemäss dem aktuellen Bericht des behandelnden Psychiaters
Dr.
C._
habe sich die Beschwerdeführerin erst im August 2020, mithin nach Erlass des Vorbescheids
wieder
in psychiatrische Be
handlung begeben.
Während ihren Untersuchungen hätten die Ärzte des RAD keine Indizien bemerkt, welche auf eine rel
e
vante psychische Einschränkung
hin
wiesen
. Auch als der Abklärungsdienst bei der Beschwerdeführerin zu Hause ge
wesen sei, seien keine psychischen Lei
d
en
, welche sie im Haushalt einschränkten,
erwähnt
beziehungsweise
bemerkt worden
. Dr.
C._
gehe von einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit aufgrund des psychischen Leidens aus. Diese Arbeitsunfähig
keit stütze er jedoch auch
auf somatisch bedingte
Beschwerden, welche fachfremd seien.
Bei der
vo
n Dr.
C._
gestellten
psychiatrischen
Diagnose handle es sich um eine depressive Episode. Episoden seien vorübergehend und wirkten sich nicht längerdauernd auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit aus, was aber Voraus
setzung für
einen
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung sei. Es lägen
zudem
zahlreiche psychosoziale Belastungsfaktoren vor, welche nicht be
rück
sichtigt werden könnten.
2.2
Die Besch
w
e
rdeführerin liess
dagegen im Wesentlichen
einwenden
(
Urk.
1)
, der von der Beschwerdegegnerin errechnete
Invaliditätsgrad
stütze sich auf das RAD-Gutachten von
Dr.
A._
. Dabei ergebe sich die Leistungsminderung allein aus somatischer Sicht. Aus dem Verlauf ihrer gesundheitlichen Situation sei ersichtlich,
dass
seit Jahren auch psychische
Leiden
bestünden
.
N
achdem der be
handelnde Psychiater am 3
1.
Dezember 2020 sein
en Arztbericht eingereicht habe,
mit welchem er ihr eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiere,
wäre die Be
schwerdegegnerin
i
m Rahmen der Untersuchungspflicht gehalten gewesen,
ihren
psychischen Gesundheitszustand abzuklären.
Entgegen der Beschwerdegegnerin liege keine vorübergehende depressi
ve Episode, sondern eine länger
andauernde
depressive Erkrankung vor, welche sich über die Jahre entwickelt habe. Sie befin
de
sich seit dem Jahr 2010 in psychiatrischer Behandlung. Der Arztbericht von
Dr.
C._
sei weder dem RAD noch dem Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin vorgelegt worden.
Soweit die
Beschwerdegegnerin
geltend mache
, sie
– die Be
schwerdeführerin
–
habe si
ch erst wieder im August 2020 nach Erlass des Vorbe
scheides
in ps
ychiatrische Behandlung begeben, verkenne die Beschwerdegeg
nerin, dass dies
sie
nicht von ihrer Untersuchungspflicht
befreien würde
. Es gelte jedoch
ohnehin
zu beachten, dass
Dr.
C._
lediglich ausführ
e
, seit
August 2020 erfolge ein Versuch,
mit dem Medikament
Brintellix
eine stimmungs
auf
hellende Wirkung zu erreichen. Damit sag
e
er
jedoch
nicht, dass sie erst im August 2020 die psychiatrische Behandlung wiederaufgenommen habe.
Der RAD-Bericht
von
Dr.
A._
sei recht
knapp
gehalten
und äussere sich, bis auf die Bemerkung, sie beschreibe eine angespannte psychosoziale Situation, nicht
zu ihrem
psychischen Zustand
.
RAD-Arzt
Dr.
A._
habe sich zudem nicht mit ihrem Berufsprofil auseinandergesetzt. Namentlich führe er aus, dass ihre letzte Berufstätigkeit Reinigungsangestellte gewesen sei. Sie habe jedoch zuletzt als Service-Aushilfe gearbeitet. Es
bestünden zumindest Zweifel an der Zu
verlässigkeit und Schlüssigkeit der RAD-Untersuchung, weshalb eine verwal
tungsexterne Begutachtung anzuordnen sei. Für die durch die IV-Kunden
bera
ter
in vorgenommen
e
Ressourcenprüfung besteh
e
keine beweiskräftige medizini
sche Grundlage, weshalb ihr kein Beweiswert zukommen könne. Zu erwähnen
sei
je
doch, dass der behandelnde Psychiater von fehlenden Ressourcen ausgehe.
Hinsichtlich ihres Status gelte es zu beachten, dass sie aus gesundheitlichen Gründen ihr Pensum reduziert gehabt habe.
Es sei von einer 100%igen Erwerbs
tätigkeit im Gesundheitsfall auszugehen
.
3.
3.1
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
führte
mit Bericht
vom
4.
Dezember
2018
an die damalige Rechtsvertreterin der Beschwer
de
führerin
(
Urk.
7/48)
als Diagnosen an:
-
Status nach beidseitiger vollständiger
Arthrotomie
, Teilentfernung der medialen Anteile der
Pedikel
beidseits, direkte
foraminale
Dekompression der Nervenwurzel L5 beidseits, totale Diskektomie L4/5 mit PLIF-Opera
tion L4/5 und
dorsolateraler
Repositionsspondylodese
bei
Spondy
lo
lis
thesis
M
e
yerding
Grad II auf
Meyerding
Grad I am
6.
März 2018
bei
-
l
umbospondylogenem
und fluktu
ierendem
radikulären
Reizsyndrom L5 beidseits, aktuell mehr rechts bei
Spondylolisthesis
L5 gegen
S1 mit deutlicher
Retrolisthese
(
Meyerding
Grad I-II mit konsekutiver abso
luter
Foraminalstenose
), beginnender
Diskopathie
L4/5, diskrete
Ante
ro
listhese
L5 gegen L4
-
Facettengelenksarthrose mit Gelenkserguss beidseits. Keine Kompression neuraler Strukturen
-
deutlich hyp
er
tropher rechtsbetonter Facettengelenksarthrose L5/S1
-
Status nach Operation einer lateralen
I
nguinalhernie
rechts am 27.
Febru
a
r 2017
-
Zervikraniales
und –
spondylogenes
Schmerzsyndrom bei fixierter Fehl
stellung der HWS
-
Status nach chronischem Nikotinabusus (etwa 30 pack
year
), seit 2017 erfolgreich sistiert
-
Adipositas Grad I
-
Varusgonarthrose
beidseits
-
H
allux
valgus
rechts
-
b
eginnende Grosszehengrundgelenksarthrose links
Die Beschwerdeführerin be
finde sich von allgemein-internistischer Seite in einem zufriedenstellenden Allgemein
zustand bei adipösem Ernährungszustand (BMI 35 kg/m
2
). Medikamentenbedarf bestehe aktuell nicht. Der Appetit sei gut, die Nah
rungsaufnahme gelinge problemlos. Die aktuellen Laborwerte zeigten allesamt Normwerte. Vitaminmangelzustände bestünden aktuell nicht. Unter erfolgreich sistiertem Nikotinkonsum sowie erheblich eingeschränkter Belastungs- und Mobilitätsfähigkeit ergebe sich weiterhin eine Gewichtszunahme von drei bis vier Kilogramm.
Bei morbider Adipositas Grad I
erfolge nun
eine Evaluation eines bariatrischen Eingriffs
im
E._
, wobei bisher noch keine Ernäh
rungsberatung erfolgt sei, was
eine der Voraussetzung zur Erfüllung einer eventuellen Operationsindikation darstelle. Als l
imitierend im Alltag beschreibe
die Beschwerdeführerin die bekannten chro
nischen
lumbospondylogenen
Schmerzen, wobei der wirbelsäulenchirur
gische Eingriff eine Erleichterung der Rückenschmerzen erbracht habe. Langes Stehen oder
S
itzen,
Arbeiten in gebeugter Haltung und
Tragen schwerer/mittelschwerer Lasten seien weiterhin nicht durchführbar und die Belastungsfähigkeit bleibe durch die Grunderkrankungen weiterhin erheblich eingeschränkt.
3.2
Dr.
Y._
nannte mit Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 1
0.
April 2019 (
Urk.
7/60)
die
auch
von
Dr.
D._
angeführte Diagnosen betreffend die Wirbel L4, L5 und S
1.
Zusätzlich hielt er einen Verdacht auf
eine
muskuläre Reizung paravertebral links tieflumbal fest.
Die Beschwerdeführerin habe eine lange Leidensgeschichte. Vor seiner Erstkon
sultation im Mai 2017 seien bei der Beschwerdeführerin bereits drei schmerzthe
rapeutische Behandlungen durchgeführt worden. Im Rahmen der Erstkonsultation habe die Beschwerdeführerin vor allem über tieflumbale Schmerzen mit aber auch
Abstrahlung
radikulär
dem
Dermatom
L5 entsprechend
berichtet. Da die Schmerz
situation zunehmend nicht kontrollierbar gewesen sei, sei am
6.
März 2018 die operative Sanierung erfolgt. Nach der Operation hätten sich die
radikulären
Schmerzen zurückgebildet. Es persistier
t
en fluktuierende tieflumbale Schmerzen belastungsabhängig. Die Belastungsfähigkeit der Beschwerdeführerin bleibe sicherlich eingeschränkt. Es seien nur wechselbelastende, wirbelsäulenschonende Tätigkeiten möglich. Starke körperliche Belastungen seien zu vermeiden.
3.3
RAD-Arzt
Dr.
A._
nannte mit Untersuchungsbericht vom 2
6.
November 2019 (
Urk.
7/65) als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
s
chmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung der LWS mit/bei
-
Status nach partieller
Pedikulotomie
beidseits,
foraminaler
Dekom
pres
sio
n der Nervenwurzel L5 beidseits, totaler Diskektomie L4/L5 mit PLIF und
dorsolateraler
Repositionsspondylodese
bei
Spondylolisthe
s
is
Meyerding
II auf
Meyerding
I
6.
März 2018
-
r
ezidivierendes
lumbosakr
a
l
e
s
und
lumbospondylogenes
Schmerzsyn
drom beidseits
Als Diagnosen ohne A
uswirku
n
g
en auf die Arbeitsfähigkeit führte
Dr.
A._
an:
-
k
linisch asymptomatische, röntgenologisch beginnende mediale Gon
ar
throse beidseits,
Hallux
valgus
mit beginnender Grosszehengrund
ge
lenksarthrose rechts mehr als links, anamnestisch Fersensporn links, anamnestisch HWS-Beschwerden bei röntgenologisch HWS-Fehlhaltung, anamnestisch Anpassungsstörung mit Angst und Depressivität auf dem Boden anhaltender psychosoz
ialer Belastung (ICD-10 F43.22)
Es sei ein somatischer Gesundheitsschaden ausgewiesen, der die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
dauerhaft beeinträchtige. I
n
der
bisherigen Tätigkeit als Reinigungsangestellte bestehe mindestens seit der LWS-Operation vom
6.
März 2018 keine Arbeitsfähigkeit mehr.
In angepasster
,
körperlich leichter wechselbe
lastender Tätigkeit ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastungen über fünf bis
zehn Kilogramm,
ohne
wirbelsäulen-kniegelenksbelastende Zwangshaltungen und
Tätigkeiten
mit Überstrecken oder im Bücken
, Hocken Knien und ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, häufiges Treppensteigen, häufiges Gehen auf unebenem
Gelände, Schlag-Stoss
-Vibrationsbelastungen sowi
e Nässe-Kälteexposit
ion
sollte
eine
70
- bis 80
%
ig
e
Arbeitstätigkeit umsetzbar
s
ein, und zwar mindestens ab September 2018 (erfahrungsgemäss Rekonvaleszenz nach LWS-
Spondylodese
März 2018). Hierbei handle es sich um
eine
100%ige Arbeitsfähigkeit in optimal angepasster Tätigkeit abzüglich 20 bis 30
%
Rendement für vermehrten Pausen
bedarf zur Entlastung, respektive zum Körperstellungswechsel nach operativ fix
ierter LWS.
3.
4
RAD-Arzt
Dr.
B._
nannte in seinem Beri
cht vom 2
6.
November
2019
(Urk.
7/66), welcher auf den Untersuchungen der Beschwerdeführerin vom glei
chen
Tag beruhte, keine Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit führte er eine morbide Ge
wichtsproblematik an. Er attestierte der Beschwerdeführerin sowohl für die angestammte als auch für eine angepasste Tätigkeit eine 100%ige Arbeits
fähig
keit.
3.
5
Vor
den Untersuchungen durch
die RAD-Ärzte
Dr.
A._
und
Dr.
B._
hatte die Beschwerdegegnerin
Dr.
Z._
ersucht mitzuteilen,
wie er jetzt und mittelfristig die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in bisheriger und an
gepasster
Tätigkeit
sehe
und wie
ein geeignetes berufliches Belastungs- und Ressour
cenprofil
auszusehen habe
(
Urk.
7/72/5).
Dr.
Z._
antwo
rtete am 11.
Dezember 2019, dass er die Frage nicht beantworten könne (
Urk.
7/67). Weiter
hatte
die Beschwerdegegnerin
Dr.
Z._
gebeten
, detailliert zu den genauen Adipositas-Kennzahlen sowie den von ihm durchgeführten und noch geplanten Massnahmen
Stellung
zu
nehmen (
Urk.
7/72/5). Dazu erklärte
Dr.
Z._
, bei der Beschwerdeführerin besteh
e eine Adipositas III (BMI: 36,
3), welche zu einer allge
meinen Einschränkung der Beweglichkeit und Mobilität führe. Ihre bekannten orthopädischen Beschwerden würden natürlich zusätzlich verschlechtert. Deshalb sei nach diversen Abklärungen eine regelmässige Ernährungstherapie i
nit
i
i
ert
worden, zudem eine medikamentöse Unterstü
t
zung
,
um eine Gewichtsabnahme zu
erreichen. Die Prognose per se sei schlecht, da durch das
myofasziale
Schmerz
syndrom und Status nach orthopädischen Operationen die körperliche Aktivität bereits deutlich eingeschränkt sei. Zudem leide die Beschwerdeführerin unter der allgemeinen Situation. Eine operative Korrektur der Adipositas sei seitens der Beschwerdeführerin nicht vorgesehen. Weitere Angaben zu den Arbeitsun
fähig
keiten (beziehungsweise
zum
Verlauf) könnten leider nicht
gemacht
werden
(
Urk.
7/67).
3.
6
Dr.
C._
nannte mit Bericht
an die Beschwerdegegnerin
vom 3
1.
Dezember 2020 (
Urk.
7/91
; vgl.
Urk.
7/93
) als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit:
-
a
nhaltende, therapieresistente mittel- bis
schwergradig
e
depressive Episode mit soma
tischem Syndrom (ICD-10 F32.11)
Aktuell bestehe aus rein psychiatrischer Sicht aufgrund des geschilderten Verlaufs und seiner diagnostischen Erhebung eine
ein
ge
schränkte Arbeitsfähigkeit von 100
%
für jegliche zumutbare Arbeitstä
ti
g
kei
t. Die mas
sgebende Arbeitsunfähig
keit sei
seines Erachtens jedoch auch somatisch bedingt, eine rheumatologische Abklärung sei empfohlen und durchgeführt worden. Eine Umschulung (berufliche Massnahmen) erscheine weiterhin, nicht zuletzt aufgrund erheblicher Schmerz
problematik und Ermüdungserscheinungen nach der körperlichen Betätigung
,
nicht erfolgsverspr
echend.
Dr.
C._
hielt ab 4.
September 2020 bis 3
1.
Janu
a
r
2021 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit fest. Das depressive Syndrom beinhalte eine
massive Beeinträchtigung des Antriebs, der Motivationsfähigkeit und der Fähig
keit
,
Interesse für etwas aufzubringen. Diese limitierenden Faktoren seien sowohl im alten Beruf als auch in einer Verweistätigkeit wirksam.
Er sei
der
Ansicht
, dass
k
ein bewusstseinsnaher Prozess
,
wie
etwa eine Simulation
,
vorliege, sondern die psychopathologischen Phänomene sich im Unbewussten abspielten und nicht der Willenskontrolle der Beschwerdeführerin
unterstünden
. Seit August 2020 sei versucht worden
,
mit
Brintellix
10
mg
eine stimmungsaufhellende Wirkung zu erreichen. Aufgrund der ausgeprägten Nebenwirkungen sei
im September 2020
eine Umstellung auf
Duloxetin
60 mg erfolgt
. Daraufhin sei es zu einer leichten Aufhellung der depressiven Grundstimmung ohne Auswirkung auf die verwert
bare Arbeitsfähigkeit gekommen.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte das Vorliegen eines relevanten psychischen
Gesundheitsschadens de
r
B
eschwerdeführerin
unter anderem
mit der Begrün
du
ng, es könne nicht von einem länger
andauernden Gesundheitsschaden ausgegangen
werden
.
Die Beschwerdegegnerin lässt dabei ausser Acht,
dass sie selber davon ausgeht, dass die Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit andauernd nicht mehr ausüben
kann
, womit
die Beschwerdeführerin grundsätzlich
auch bei einem vorübergehenden zusätzlichen Gesundheitsschaden Anspruch auf eine befristete Rente
haben könnte
(vgl.
Art.
17
Abs.
1 ATGS,
Art.
88a
der Verordnung über
die Invalidenversicherung, IVV;
vgl.
Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der IV
, KSIH
,
Rz
2020 f.)
.
Der behandelnde Psychiater
Dr.
C._
diagno
s
ti
zierte zudem eine anhaltende
, therapieresistente depressive Episode (
Urk.
7/91/3)
, was eine gewisse Dauer der geltend gemachten Beeinträchtigung vermuten lässt
.
Die B
e
schwer
degegnerin stützt
e
ihre Einschätzung
des psychischen Gesundheits
zustandes der Beschwerdeführerin
einzig auf
die Einschätzung
eines
Kundenbe
rater
s
, das heisst eine
s
medizinischen Laien
, welche
r
zudem Annahmen
traf
, welche im Bericht von D
r.
C._
keine Stütze finden. So ergibt sich
aus dem Bericht
nicht
– wie von der Beschwerdegegnerin geltend gemacht – dass die Beschwerdeführerin erst im August 2020 die
Behandlung bei
Dr.
C._
auf
genommen hätte. Vielmehr hält
Dr.
C._
fest, dass die Beschwerdeführerin seit 2
8.
Januar 2010 bei ihm in Behandlung stehe (
Urk.
7/91/2
) und im
August 2020
– lediglich -
ein Versuch
mit
Brintellix
10
mg
gestartet
worden sei
(
Urk.
7/91/3).
Einen Unterbruch der Behandlung führt D
r.
C._
in seinem Bericht
nicht an.
Die Beschwerdegegnerin hat weder im
Vorbescheidverfahren
noch im vorliegenden Beschwerdeverfahren eine Stellungnahme ihres RAD
zum psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
eingeholt.
Auch
wenn
Dr.
C._
in seinem Bericht tatsächlich auch somatische Beschwerden anführt und es bei der W
ür
d
i
gung von Berichten von behandelnden Ärzten der Erfah
rungstatsache Rechnung zu tragen gilt, dass diese im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten Aussagen
(BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc)
,
erscheint es gestützt auf den Bericht von
Dr.
C._
durchaus möglich, dass die Be
schwerdeführerin zumindest an einer vorübergehenden psychischen Erkrankung mit Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit leidet.
Hieran vermag auch der Um
stand, dass die Beschwerdeführerin bis zu ihrem Einwand (
Urk.
7/87) im gesamten Abklärungsverfahren weder psychische Beschwerden noch eine psychiatrische Behandlung
geltend gemacht hat (vgl. insbesondere
Urk.
7/58)
, nichts zu ändern.
Die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht lässt sich für einen medizinischen Laien
gestützt auf die Akten nicht
schlüssig beurteilen. Die Beschwerdegegnerin wäre daher gehalten gewesen,
zumind
est eine Stel
lung
nahme eines Arztes oder einer Ärztin des RAD mit fachpsychiatrischer Ausbil
dung
zum psychischen Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin einzuholen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_858/2014 vom
3.
September 2015 E. 3.3)
. Die Beschwerdegegnerin ist
dementsprechend
ihrer Abklärungspflicht nicht hinrei
chend nachgekommen, weshalb die Sache an sie zurückzuweisen ist.
4.2
Bei dieser Sachlage muss der somatische Gesundheitszustand
der Beschwer
de
führerin
nicht abschliessend beurteilt werden. Es ist jedoch festzuhalten, dass nicht ersichtlich ist, was die Beschwerdeführerin daraus ableiten möchte, dass die angestammte Tätigkeit nicht diejenige als Reinigungsangestellt
e
, sondern
dieje
nige
als Service-Aushilfe sein soll, erfordert die Tätigkeit als Reinigungsan
ge
stellte doch mindestens die gleichen körperlichen Voraussetzungen wie diejenige als Service-Aushilfe. Der Bericht von
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Phy
sikali
sche Medizin und Rehabilitation
(
Urk.
7/91/7),
auf welchen sich die Be
schwerdeführerin zur Geltendmachung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten beruf
t
(
Urk.
1 S. 8)
, stammt aus dem Jahr 2016 und äussert sich nur
zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer angestammten T
ätigkeit, in welcher anerkan
nte
rmassen eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit be
steht. Er ist dahe
r von vornherein nicht geeignet
, eine Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit zu belegen.
5.
Nach dem Gesagten ist d
ie angefochtene Verfügung vom
2.
März 2021
(
Urk.
2) aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
, damit sie – zumindest – eine Stellungnahme
eines Arztes oder einer Ärztin des RAD mit
fachpsychiatrischer Ausbildung
zum psychischen Gesundheitszustand
der Be
schwe
r
deführerin
einholt und hernach beziehungsweise nach Vornahme sämt
licher sich als notwendig erweisenden Abklärun
g
en erneut über den Leistungs
anspruch der Beschwerdeführerin entscheidet. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
6.
6.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.
--
festgelegt. Vorliegend sind sie auf
Fr.
7
00.
--
festzu
setzen
.
Die Rückweisung an die Verwaltung gilt nach ständiger Rechtsprechung als voll
ständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
6.2
Die vertretene Beschwerdeführerin
hat Anspruch auf eine Prozessentschädigung (
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Mit Honorarnote vom
1
7.
Juni
2021 (
Urk.
10
) machte Rechtsanw
ältin Stephanie C. Elms
einen zeitlichen Aufwand von
13,4
Stunden geltend. Dieser Aufwand erweist sich der Streitsache
nicht mehr als angemessen
,
stellten sich in der vor
liegenden Streitsache doch weder besondere rechtliche Fragen noch erweist sich der Sachverhalt als besonders kompliziert.
Insbesondere der geltend gemachte Aufwand von acht Stunden für das reine Verfassen der Beschwerdeschrift ist an
gesichts der eingereichten Beschwerde
, welche rund zur Hälfte eine Zusam
men
fassung des Sachverhalts beziehungsweise allgemeine rechtliche Ausführungen beinhaltet, nicht nachvollziehbar. Es ist daher für das Verfassen der Beschwerde lediglich ein zeitlicher Aufwand von fünf statt acht Stunden zu berücksichtigen.
Angesichts des nun ergehenden Urteils erweist sich auch der für das Urteils
stu
dium und die en
tsprechende Besprechung geltend gemachte
Aufwand von einer Stunde als nicht angemessen
. Hierfür kann lediglich eine halbe Stunde berück
sichtigt werden
.
Es ergibt sich so ein anrechenbarer zeitlicher Aufwand von
9
,
9
Stunden, woraus bei einem gerichtsüblichen Stundenansatz von Fr. 220.-- eine Entschädigung in Höhe von Fr.
2'
416.10
(inklusive Barauslagen und
M
WSt
)
r
esulti
ert
.
6.3
Bei diesem Ausgang des Verfahrens erweist sich das
von der Beschwerdeführerin
gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und
um Bestellung von Rechtsanwältin Stephanie C. Elms
als unentgeltliche Rechtsvertreter
in
als gegen
standslos.