Decision ID: 21d4343d-439c-4928-9f5a-2d83adde545c
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
H._ und I._, X._, sind Eigentümerinnen der Grundstücke
Nrn. 001, 002, 003 und 004, Grundbuch X._, an der P._strasse in
X._. Die Grundstücke liegen gemäss geltendem Zonenplan der Ge-
meinde X._ vom 16. August 2002 in der Wohnzone W2 und sind im
Wesentlichen unüberbaut. Nördlich der Grundstücke Nrn. 001, 002
und 003 bzw. östlich des Grundstücks Nr. 004 verläuft die
P._strasse (Gemeindestrasse 2. Klasse).
[...]
Übersicht Grundstücke
(Quelle: Geoportal SG)
B.
a) Mit Baugesuch vom 1. September 2020 beantragte die
G._ AG, X._, bei der Politischen Gemeinde X._ die Baubewilli-
gung für die Erstellung von provisorischen Parkplätzen auf den Grund-
stücken Nrn. 001 bis 004 entlang der P._strasse.
b) Innert der Auflagefrist vom 2. bis 15. Oktober 2020 erhoben
A._ und B._, J._ und K._, E._ und F._, C._ und D._
sowie L._ und M._, alle X._, Einsprache gegen das Bauvorha-
ben.
c) Mit Beschluss vom 6. Januar 2021 erteilte der Gemeinde-
rat X._ die Baubewilligung unter Bedingungen und Auflagen und
wies die Einsprachen ab.
C.
Gegen diesen Beschluss erhoben A._ und B._, J._ und K._,
C._ und D._, E._ und F._ sowie L._ und M._, alle
vertreten durch B._, am 21. Januar 2021 Rekurs beim
Baudepartement (im Folgenden Rekurs 1; Verfahren Nr. 21-710). Mit
Schreiben vom 12. Februar 2021 teilt M.A. HSG Nicole A. Bauer,
Rechtsanwältin, St.Gallen, mit, die vorerwähnten Personen zu
vertreten. Im weiteren Verlauf des Verfahrens wies Rechtsanwältin
Nicole A. Bauer ferner darauf hin, dass J._ und K._ sowie L._
und M._ auf eine weitere Beteiligung am Rekursverfahren
verzichteten. Entsprechend stellen A._ und B._, E._ und F._
sowie C._ und D._ (nachfolgend Rekurrenten 1), durch ihre
Rechtsvertreterin, mit Rekursergänzung vom 10. März 2021 folgende
Anträge:
1. Der Einspracheentscheid vom 6. Januar 2021 und der
Bauentscheid vom 6. Januar 2021 seien aufzuheben und die Baubewilligung (Baugesuch Nr. 0 2020–0128) sei zu verweigern.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 3/27
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl. 7,7% MwSt.
Zur Begründung wird zusammenfassend ein Verfahrensfehler im Zu-
sammenhang mit den Baugesuchsunterlagen, eine fehlende Befris-
tung der (angeblich) provisorischen Parkplätze, eine ungenügende
Parkplatzdimensionierung und eine Verletzung der Umweltschutzge-
setzgebung geltend gemacht. Ferner bemängeln die Rekurrenten 1
das Fehlen einer Sondernutzungskonzession sowie ein fehlendes
Parkregime.
D.
a) Bereits mit Eingabe vom 28. Januar 2021 an den Gemeinde-
rat X._ hatte B._ geltend gemacht, obwohl gegen die fragliche
Baubewilligung Rekurs erhoben worden sei, werde auf den Grundstü-
cken Nrn. 001 bis 004 seit 22. Januar 2021 gebaut und inzwischen
parkiert. Sie ersuchte den Gemeinderat X._ daher gestützt auf
Art. 159 des Planungs- und Baugesetzes (sGS 731.1; abgekürzt PBG)
um einen Baustopp und ein Benützungsverbot für die provisorischen
Parkplätze.
b) Am 29. Januar 2021 erliess der Präsident der Baukommission
X._ gegenüber der G._ AG superprovisorisch einen Baustopp
und verfügte die sofortige Einstellung jeglicher Arbeiten an den Par-
kierflächen auf den Grundstücken Nrn. 001 bis 004 bis zum Entscheid
über die ordentlichen (vorsorglichen) Massnahmen. Weiter untersagte
der Präsident der Baukommission X._ die Nutzung der Parkierflä-
chen bis zum Entscheid über die ordentlichen (vorsorglichen) Mass-
nahmen. Ferner räumte er der G._ AG die Möglichkeit ein, zur Sa-
che und zum Erlass einer ordentlichen vorsorglichen Massnahme
(Baustopp und Nutzungsverbot) Stellung zu nehmen.
c) Nach Eingang einer Stellungnahme der G._ AG, vertreten
durch lic.iur. Jürg Bereuter, Rechtsanwalt, St.Gallen, vom 8. Februar
2021 beschloss der Gemeinderat X._ am 23. Februar 2021, auf den
Erlass eines Benützungsverbots beziehungsweise eines Baustopps
zu verzichten.
E.
Gegen diesen Beschluss erhoben A._ und B._ (nachfolgend Re-
kurrenten 2), wiederum vertreten durch M.A. HSG Nicole A. Bauer,
Rechtsanwältin, St.Gallen, am 8. März 2021 Rekurs beim Baudepar-
tement (im Folgenden Rekurs 2; Verfahren Nr. 21-2386). Es werden
folgende Anträge gestellt:
1. Es sei die Nichtigkeit des Beschlusses Nr. 37 vom
23. Februar 2021 festzustellen.
2. Eventualiter sei der Beschluss Nr. 37 vom 23. Februar 2021 aufzuheben.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 4/27
3. Es sei gemäss Art. 159 Abs. 1 lit. a PBG die  der Arbeiten zur Erstellung der provisorischen Parkplätze gemäss Baugesuch Nr. 0 2020 zu . Für den Widerhandlungsfall sei die  gemäss Art. 292 StGB gegen die Organe der  auszusprechen.
4. Es sei in Anwendung von Art. 159 Abs. 1 lit. b PBG ein Benützungsverbot für die bereits erstellte  (Baugesuch Nr. 0 2020-0128) zu verfügen. Für den Widerhandlungsfall sei die Strafandrohung  Art. 292 StGB gegen die Organe der  auszusprechen.
5. Es sei in Anwendung von Art. 159 Abs. 1 lit. d PBG die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands zu verfügen.
6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl. MwSt.
Zur Begründung machen die Rekurrenten 2 zusammengefasst gel-
tend, es sei ihr rechtliches Gehör verletzt worden, weil ihnen die Ein-
gabe der Rekursgegnerin vom 8. Februar 2021 nicht zur Stellung-
nahme zugestellt worden sei. Weiter rügen sie die Verletzung der Aus-
standspflicht. Auch machen sie geltend, die Erstellung der streitgegen-
ständlichen 22 provisorischen Parkplätze sei bewilligungspflichtig, je-
doch nicht bewilligungsfähig. Indem weder die Einstellung der Bauar-
beiten noch ein Nutzungsverbot verfügt worden sei, sei die Errichtung
von Bauten und Anlagen noch vor dem Vorliegen einer behördlichen
Bewilligung erlaubt worden.
F.
a) Mit Vernehmlassung vom 1. April 2021 beantragt die Vorinstanz
im Verfahren Nr. 21-710, den Rekurs 1 unter Kostenfolge abzuweisen.
Ebenfalls am 1. April 2021 beantragt die Vorinstanz im Verfahren
Nr. 21-2386, es sei der Rekurs 2 unter Kostenfolge abzuweisen, so-
weit darauf eingetreten werden könne.
b) Mit Eingabe vom 8. April 2021 beantragt die Rekursgegnerin im
Verfahren Nr. 21-2386 durch ihren Rechtsvertreter die Abweisung des
Rekurses 2 unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Rekurrenten 2. Im Rekursverfahren Nr. 21-710 lässt sich die Rekurs-
gegnerin nicht vernehmen.
c) Mit Rekursreplik vom 30. April 2021 äussern sich die Rekurren-
ten 2 nochmals im Verfahren Nr. 21-2386, so insbesondere zur
vorinstanzlichen Vernehmlassung vom 1. April 2021 sowie zur Stel-
lungnahme der Rekursgegnerin vom 8. April 2021.
d) Mit Amtsbericht vom 30. April 2021 führt das kantonale Tiefbau-
amt (TBA) aus, die Parkplätze entsprächen nicht den geometrischen
Anforderungen der Norm 40 291a der Vereinigung Schweizerischer
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 5/27
Strassenfachleute (VSS). Der Mehrverkehr stelle keine Probleme für
die Verkehrsinfrastruktur dar.
e) Am 7. Mai 2021 wurden den Rekurrenten 2 die gesamten von
der Vorinstanz im Rekursverfahren Nr. 21-2386 eingereichten Vorak-
ten zugestellt. Dazu lassen sich die Rekurrenten 2 mit Eingabe vom
19. Mai 2021 vernehmen.
f) Mit Schreiben vom 31. Mai 2021 reicht die Rekursgegnerin eine
Rekursduplik ein, worin sie weiterhin die Abweisung des Rekurses 2
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Rekurrenten 2
beantragt.
g) Mit Amtsbericht vom 4. Juni 2021 äussert sich das kantonale
Amt für Umwelt (AFU) zum Bauvorhaben. Das AFU geht darin von un-
bedeutenden (zusätzlichen) Lärmimmissionen nach Inbetriebnahme
der Parkierungsanlage aus.
G.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Die beiden Rekursverfahren stehen im gleichen sachlichen Zu-
sammenhang. Sie werfen in wesentlichen Teilen dieselben bzw. zu-
sammenhängende Sachverhalts- und Rechtsfragen auf. Es ist somit
zweckmässig, sie verfahrensrechtlich zu vereinigen und durch einen
einzigen Entscheid zu erledigen (VerwGE B 2015/96 und B 2015/97
vom 26. Oktober 2016 Erw. 1; GVP 1972 Nr. 30).
1.2 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP) sowie – hinsichtlich der vorsorglichen Massnahmen –
aus Art. 44 VRP.
1.3 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigungen sind gegeben (Art. 45
VRP). Auf die Rekurse ist einzutreten.
2.
Am 1. Oktober 2017 ist das PBG in Kraft getreten und das Baugesetz
vom 6. Juni 1972 (nGS 8, 134; abgekürzt BauG) aufgehoben worden
(Art. 172 Bst. a PBG). Der erstinstanzliche Einsprache- und Baubewil-
ligungsentscheid erging am 6. Januar 2021. Mithin sind vorliegend
grundsätzlich die Bestimmungen des PBG anwendbar, sofern sie ge-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 6/27
mäss Anhang zum Kreisschreiben „Übergangsrechtliche Bestimmun-
gen im PBG“ vom 8. März 2017 (Baudepartement SG, Juristische Mit-
teilungen 2017/I/1) als unmittelbar anwendbar erklärt werden. Im Üb-
rigen gelangen weiterhin das Baugesetz und das entsprechende Bau-
reglement zur Anwendung.
3.
Die Rekurrenten 2 beantragen im Rekursverfahren Nr. 21-2386 pri-
mär, es sei die Nichtigkeit des angefochtenen Beschlusses Nr. 37 vom
23. Februar 2021 festzustellen. Der Beschluss sei unter Verletzung
von wesentlichen Verfahrensvorschriften (rechtliches Gehör; Aus-
stand) ergangen und bereits aus diesem Grund nichtig, eventualiter
aufzuheben.
3.1 Fehlerhafte Entscheide sind nach bundesgerichtlicher Recht-
sprechung nur dann nichtig, wenn der ihnen anhaftende Mangel be-
sonders schwer ist, wenn er offensichtlich oder zumindest leicht er-
kennbar ist und wenn zudem die Rechtssicherheit durch die Annahme
der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet wird. Inhaltliche Mängel einer
Entscheidung führen nur ausnahmsweise zur Nichtigkeit. Als Nichtig-
keitsgründe fallen vorab die funktionelle oder sachliche Unzuständig-
keit der entscheidenden Behörde sowie krasse Verfahrensfehler in Be-
tracht. Die Nichtigkeit eines Entscheids ist von sämtlichen rechtsan-
wendenden Behörden jederzeit von Amtes wegen zu beachten. In der
Regel bewirkt die Fehlerhaftigkeit einer Verfügung demgegenüber
bloss deren Anfechtbarkeit; d.h., dass eine fehlerhafte Verfügung Gül-
tigkeit erlangt, wenn sie nicht förmlich angefochten wird; erfolgt dage-
gen eine Anfechtung, so wird die Verfügung aufgehoben oder abge-
ändert. Der Begriff der Anfechtbarkeit impliziert, dass eine solche man-
gelhafte Verfügung aufgehoben wird, sofern eine am Prozess betei-
ligte Partei den betreffenden Fehler beanstandet (Urteil des Bundes-
gerichtes 1C_5/2019 vom 12. Juni 2019 Erw. 4.2 mit Hinweisen).
3.2 Die Rekurrenten 2 rügen, es sei ihr rechtliches Gehör verletzt
worden, weil ihnen die Eingabe der Rekursgegnerin vom 8. Februar
2021 nicht zur Stellungnahme zugestellt worden sei. Die
Gehörsverletzung sei durch die Nichtzustellung der Stellungnahme
und die gezielte Entfernung der Stellungnahme aus den Akten im
Rahmen der am 16. Februar 2021 erfolgten Aktenzustellung
besonders schwerwiegend.
3.2.1 Nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101; abgekürzt
BV) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Gemäss bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung muss deshalb den Parteien von Ver-
fassungs wegen die Möglichkeit eingeräumt werden, zu jeder Eingabe
der Gegenpartei Stellung zu nehmen. Dieses sogenannte
Replikrecht hat in einem Verfahren betreffend vorsorgliche Massnah-
men zwar nicht die gleiche Tragweite wie in einem ordentlichen Ver-
fahren auf Erlass eines Sachurteils. Gleichwohl ist das Replikrecht zu
gewähren, wenn Eingaben gemacht werden und die Behörde darin
enthaltene neue Vorbringen im Entscheid zu berücksichtigen gedenkt
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 7/27
(vgl. Urteil des Bundesgerichtes 5D_8/2016 vom 3. Juni 2016 Erw. 2.2
mit Hinweisen). Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist sodann formel-
ler Natur, womit seine Verletzung ungeachtet der materiellen Begrün-
detheit des Rechtsmittels zur Gutheissung der Beschwerde und zur
Aufhebung des angefochtenen Entscheids führt (BGE 135 I 187
Erw. 2.2; ebenso z.B. Urteil des Bundesgerichtes 4A_453/2016 vom
16. Februar 2017 Erw. 2.4). Nach der Rechtsprechung kann eine
– nicht besonders schwerwiegende – Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person
die Möglichkeit erhält, sich vor einer Rechtsmittelinstanz zu äussern,
die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei prüfen kann. Von
einer Rückweisung der Sache ist selbst bei einer schwerwiegenden
Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit
die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu un-
nötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung
gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderli-
chen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (Urteil des
Bundesgerichtes 5D_8/2016 vom 3. Juni 2016 Erw. 2.3; ebenso Urteil
des Bundesgerichtes 4A_453/2016 vom 16. Februar 2017 Erw. 2.4; je
mit Hinweisen).
3.2.2 Festzustellen ist vorab, dass der Vorinstanz das Schreiben der
Rekursgegnerin vom 8. Februar 2021 vor Erlass ihres Beschlusses
vom 23. Februar 2021 vorlag. Andernfalls hätte sie es im Beschluss
nicht erwähnen können. In tatsächlicher Hinsicht wäre der Vorinstanz
somit die Gewährung des Replikrechts möglich gewesen. Daran än-
dert der Einwand der Vorinstanz nichts, wonach sie die Zustellung des
Schreibens an die Rekurrenten 2 versäumt habe, da das Schreiben
bei der Post verloren gegangen sei. Mit diesen Ausführungen bestätigt
die Vorinstanz im Übrigen, dass den Rekurrenten 2 das fragliche
Schreiben nicht vor der Beschlussfassung zugestellt worden war.
Damit und weil die Vorinstanz zudem die Vorbringen der
Rekursgegnerin gemäss Schreiben vom 8. Februar 2021 zumindest
mitberücksichtigte, ist von einer Verletzung des Replikrechts und somit
von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs der Rekurrenten 2
auszugehen.
3.2.3 Entgegen der rekurrentischen Auffassung erweist sich die fest-
gestellte Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht als besonders
schwerwiegend. Zum einen bringt die Vorinstanz zu Recht vor, dass
der Rechtsvertreter der Rekursgegnerin am 8. Februar 2021 den Re-
kurrenten 2 ein separates Schreiben zukommen liess, das sich in we-
sentlichen Punkten mit dem fraglichen Schreiben an die Vorinstanz
deckt (vgl. act. 3 und act. 5 der kommunalen Vorakten). Dazu nahmen
die Rekurrenten 2 am 11. Februar 2021 – mithin noch vor Erlass des
angefochtenen Beschlusses – Stellung und sie bedienten die
Vorinstanz ebenfalls mit einer Orientierungskopie (vgl. act. 6 der kom-
munalen Vorakten). Zum anderen waren die Ausführungen der Re-
kursgegnerin im Schreiben vom 8. Februar 2021 nicht derart bedeu-
tend oder unerwartet, dass die Annahme einer schwerwiegenden Ver-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 8/27
letzung gerechtfertigt wäre. Auch stützte sich die Vorinstanz nicht un-
besehen auf diese Ausführungen, sondern sie traf eigene Abklärun-
gen, nahm eine eigene Beurteilung der Sach- und Rechtslage vor und
begründete ihren Beschluss betreffend Benützungsverbot und Bau-
stopp ausführlich. Hinzu kommt, dass es sich bei einem vorsorglichen
Benützungsverbot im Sinn von Art. 159 Abs. 1 Bst. b PBG um ein Re-
gelungsinstrument des einstweiligen Rechtsschutzes handelt, welcher
unter Bedingungen der Dringlichkeit stattfindet; in solchen Verfahren
hat das Replikrecht wie gezeigt nicht die gleiche Tragweite wie in ei-
nem ordentlichen Verfahren auf Erlass eines Sachurteils und die vor-
sorglichen Massnahmen werden gestützt auf reduzierte Beweiserhe-
bungen durchgeführt. Diese Umstände bzw. diese Dringlichkeit recht-
fertigen vorliegend zwar nicht die Gehörsverletzung, sprechen aber
gleichwohl gegen die Annahme einer schwerwiegenden Verletzung
des Replikrechts. Daran ändert schliesslich nichts, dass im den Rekur-
renten 2 zugestellten Aktenverzeichnis (rekurrentische Beilage 3) ge-
wisse Aktenstücke (noch) nicht enthalten waren (vgl. insbesondere
act. 3 –9 gemäss Aktenverzeichnis im Rekursverfahren).
3.2.4 Aufgrund des geringen Gewichts der Gehörsverletzung konnte
Letztere ohne Weiteres geheilt werden. Dies geschah einerseits durch
grossmehrheitliche Wiedergabe des Schreibens vom 8. Februar 2021
im angefochtenen Beschluss (vgl. S. 2), andererseits durch Zustellung
des Schreibens im Rekursverfahren Nr. 21-2386 am 14. April 2021
und schliesslich durch Zustellung der gesamten Vorakten mit Schrei-
ben vom 7. Mai 2021. Von einer Heilung wäre im Übrigen selbst bei
Annahme einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs
auszugehen, denn die Rückweisung würde vorliegend zu einem for-
malistischen Leerlauf und unnötigen Verzögerungen führen.
3.2.5 Im Sinn eines Zwischenfazits ist festzuhalten, dass zwar eine
Verletzung des Replikrechts und damit des verfassungsmässigen
Anspruchs auf rechtliches Gehör vorliegt. Eine Nichtigkeit des
angefochtenen Beschlusses vom 23. Februar 2021 lässt sich daraus
jedoch nicht ableiten, sondern die Verletzung wiegt leicht und wurde
geheilt. Damit entfällt auch die eventualiter beantragte Aufhebung des
angefochtenen Beschlusses. Die Gehörsverletzung ist jedoch bei der
Verlegung der Kosten des Rekursverfahrens Nr. 21-2386 zu
berücksichtigen.
3.3 Die angebliche Nichtigkeit des im Rekursverfahren Nr. 21-2386
angefochtenen Beschlusses begründen die Rekurrenten 2 ferner da-
mit, es liege eine Verletzung der Ausstandspflicht vor.
3.3.1 Art. 7 Abs. 1 VRP bestimmt, dass Behördenmitglieder sowie öf-
fentliche Angestellte und amtlich bestellte Sachverständige von sich
aus in den Ausstand zu treten haben, wenn sie oder eine ihnen nahe-
stehende Person an der Angelegenheit persönlich beteiligt sind
(Bst. a), wenn sie Vertreter, Beauftragte, Angestellte oder Organe ei-
ner an der Angelegenheit beteiligten Person sind oder in der Sache
Auftrag erteilt haben (Bst. b) oder wenn sie "aus anderen Gründen"
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 9/27
befangen erscheinen (Bst. c). Es genügt, dass das betroffene Mitglied
befangen sein könnte oder befangen erscheint. Ein ausschliesslich
persönliches Empfinden einer Partei reicht dafür jedoch nicht aus. Ver-
nünftige Gründe müssen das Misstrauen in die Unabhängigkeit und
Unparteilichkeit objektiv rechtfertigen. Im Weiteren ist von Befangen-
heit auszugehen, wenn Personen im Sinn von Art. 7 Abs. 1 VRP bei
einer Anordnung einer Vorinstanz mitgewirkt haben (Art. 7 Abs. 1
Bst. bbis VRP). Gemäss Rechtsprechung können jedoch die Grund-
sätze der richterlichen Unabhängigkeit nicht unbesehen auf nichtrich-
terliche Behörden übertragen werden. Verlangt ist (lediglich) ein be-
stimmtes Mass an Unparteilichkeit, Unbefangenheit und Unvoreinge-
nommenheit der Entscheidbehörde. Denn Verwaltungsbehörden sind
nicht nur zur neutralen Rechtsanwendung berufen, sie haben auch öf-
fentliche Aufgaben zu erfüllen. Von daher können sie nicht im eigent-
lichen Sinn als unparteilich bezeichnet werden. Im verwaltungsinter-
nen Verfahren bejaht das Bundesgericht eine diesbezügliche Aus-
standspflicht in der Regel nur dann, wenn das betreffende Behörden-
mitglied oder der Beamte ein persönliches Interesse an dem zu be-
handelnden Geschäft hat. In jedem Fall ist eine Beurteilung aller kon-
kreten Umstände nötig. Massgebend sind sowohl die behördliche Or-
ganisation als auch die Funktionen, welche die Betreffenden wahrzu-
nehmen haben, sowie ihre Stellung im konkreten Verfahren. Eine Aus-
standspflicht kann insbesondere dann bestehen, wenn die Person
selbst Partei des Verfahrens ist oder ein persönliches Interesse am
Verfahrensgegenstand hat und insoweit in "eigener Sache" entschei-
det. Bei Wahrung öffentlicher Interessen besteht grundsätzlich keine
Ausstandspflicht (vgl. zum Ganzen VerwGE B 2020/120 vom 29. April
2021 Erw. 2.5.1; VerwGE B 2016/127 vom 23. Mai 2018 Erw. 2.3.1; je
mit Hinweisen).
3.3.2 Soweit die Rekurrenten 2 eine Befangenheit der Vorinstanz als
Gesamtbehörde geltend machen, ist ihnen zum Vornherein nicht zu
folgen. Ein Ausstandsbegehren hat sich immer gegen eine (oder meh-
rere) bestimmte natürliche Person(en) zu richten (VerwGE B 2016/127
vom 23. Mai 2018 Erw. 2.3.1; BDE Nr. 22/2021 vom 5. März 2021
Erw. 3.2 mit Hinweisen). Der Grund dafür liegt darin, dass die Befan-
genheit einen inneren Gemütszustand betrifft, weshalb nur natürliche
Personen, nicht aber eine Gesamtbehörde befangen sein können (vgl.
BDE Nr. 22/2021 vom 5. März 2021 Erw. 3.2 und BDE Nr. 48/2019
vom 6. August 2019 Erw. 2.2; je mit Hinweisen).
3.3.3 Weiter liegt auch keine Befangenheit bzw. keine Ausstands-
pflicht beim Gemeindepräsidenten Dr. N._ vor. Die Rekurrenten 2
berufen sich diesbezüglich auf die superprovisorische Anordnung ei-
nes Baustopps und eines Benützungsverbots vom 29. Januar 2021.
Diese sei vom Präsidenten der Baukommission X._ erlassen wor-
den, obschon der Antrag explizit an den Gemeinderat X._ adressiert
gewesen sei. Daraus lässt sich jedoch keine Befangenheit und insbe-
sondere kein persönliches Interesse des Gemeindepräsidenten mit
Blick auf den Entscheid in der Hauptsache (Beschluss vom 23. Feb-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 10/27
ruar 2021) ableiten. Auch die von den Rekurrenten 2 behaupteten Ver-
letzungen der Zuständigkeitsordnung genügen nicht für die Annahme
einer Befangenheit des Gemeindepräsidenten. Ebenso wenig lassen
die vorgebrachten Umstände betreffend Gebührenerhebung den
Schluss auf persönliche Interessen zu, zumal es betragsmässig um
vergleichsweise tiefe Beträge geht und der Vorinstanz bei der Verle-
gung und Bemessung von amtlichen Kosten ein erheblicher Ermes-
sensspielraum zukommt (vgl. BDE Nr. 76/2020 vom 17. August 2020
Erw. 4.4 mit Hinweisen).
3.3.4 Insgesamt sind somit weder bei der Vorinstanz als Gesamtbe-
hörde noch beim Gemeindepräsidenten Gründe erkennbar, welche
auf eine Befangenheit schliessen lassen. Entsprechend liegt diesbe-
züglich entgegen der Auffassung der Rekurrenten 2 kein Verstoss ge-
gen Verfahrensrecht vor, weshalb der angefochtene Beschluss vom
23. Februar 2021 auch nicht nichtig sein kann. Ebenso wenig ist der
Beschluss aufzuheben; der Rekurs 2 erweist sich in dieser Hinsicht als
unbegründet.
4.
Die Rekurrenten 1 rügen hinsichtlich der angefochtenen
Baubewilligung, im Rahmen des Bewilligungsverfahrens seien meh-
rere Pläne eingereicht worden. Der schlussendlich genehmigte Situa-
tionsplan 1:200, Variante 5, datierend vom 10. November 2020, sei zu
keinem Zeitpunkt öffentlich aufgelegt worden. Ohne erneute Publika-
tion und öffentliche Auflage des Bauprojekts mit geänderter Erschlies-
sung hätten neu betroffene Nachbarn und Anstösser bislang keine Ge-
legenheit gehabt, sich dagegen zur Wehr zu setzen, weshalb ihr Ge-
hörsanspruch verletzt sei. Die Baubewilligung sei aufgrund der Ge-
hörsverletzung und deren formeller Natur aufzuheben.
4.1 Das PBG unterscheidet drei – grundsätzlich auch für Ände-
rungsgesuche massgebliche – Arten von möglichen Bewilligungsver-
fahren, nämlich das ordentliche Verfahren nach Art. 138 f. PBG, das
vereinfachte Verfahren nach Art. 140 f. PBG und das Meldeverfahren
nach Art. 142 f. PBG. Das Meldeverfahren ist jedoch unter anderem
ausgeschlossen bei Änderungen von noch nicht rechtskräftig bewillig-
ten Bauvorhaben, die dem ordentlichen oder dem vereinfachten Ver-
fahren unterstehen (vgl. Art. 142 Abs. 1 Bst. b PBG). Das vereinfachte
Verfahren wiederum kommt nur dann zur Anwendung, wenn keine In-
teressen von Dritten oder die Interessen nur von wenigen Einsprache-
berechtigten berührt sind (Art. 140 Abs. 1 PBG). Einspracheberechtigt
ist, wer ein schutzwürdiges Interesse hat (vgl. Art. 153 Abs. 2 PBG).
Ausschlaggebend ist damit die Interessenslage und nicht die Art oder
das Ausmass einer Baute oder Anlage. Ist der Kreis der Einsprache-
berechtigten nicht abschliessend bestimmbar, so ist grundsätzlich ein
ordentliches Verfahren durchzuführen (vgl. VerwGE B 2020/17 vom
23. Januar 2021 Erw. 3.3.2 mit Hinweisen).
4.2 Vorliegend ist erstellt und seitens Vorinstanz grundsätzlich un-
bestritten, dass das ursprüngliche Baugesuch einen Situationsplan
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 11/27
1:200 vom 7. September 2020 enthielt und dass dieser Plan Teil der
öffentlichen Auflage vom 2. bis 15. Oktober 2020 bildete. Erstellt ist
ferner, dass in der Folge das Baugesuch abgeändert und ein neuer
Situationsplan ("Variante 5" vom 10. November 2020) eingereicht und
auch bewilligt wurde. Gemäss geändertem Plan wurde insbesondere
die ursprünglich ganz im Osten des Bauvorhabens vorgesehene Zu-
fahrt zur Parkierungsanlage geschlossen, womit neu über die einzig
verbliebene Ein-/Ausfahrtsmöglichkeit im Westen zu- und weggefah-
ren werden soll. Ein derartiges Änderungsgesuch kann nicht formlos
bzw. ohne Durchführung eines im PBG vorgesehenen Verfahrens be-
willigt werden. Weil es sich zudem um eine Änderung eines im ordentli-
chen Verfahren behandelten Baugesuchs handelt, fällt ein Meldever-
fahren zum Vornherein ausser Betracht. Die Vorinstanz hätte für die
Projektänderung somit mindestens ein vereinfachtes Verfahren, man-
gels abschliessender Bestimmbarkeit sämtlicher Einspracheberech-
tigten wohl sogar ein ordentliches Verfahren durchführen müssen.
Dies wurde unterlassen, was auch die Vorinstanz bestätigt. Sie stellt
sich jedoch auf den Standpunkt, die Grundstücke der Rekurrenten 1
befänden sich nicht im Einspracheperimeter, weshalb die Rekurren-
ten 1 auch keine Bauanzeige erhalten hätten. Sie würden sich mit ih-
rem Einwand für Verfahrensrechte Dritter stark machen. Eine allfällige
Gehörsverletzung Dritter würde höchstens dazu führen, dass für diese
Dritten die Rechtsmittelfrist nicht zu laufen beginne. Ein solcher Ver-
fahrensmangel rechtfertige jedoch kein Einschreiten und die Rekur-
renten 1 könnten sich nicht auf derartige Verletzungen von Verfah-
rensrechten Dritter berufen. Die Vorinstanz stützt sich diesbezüglich
namentlich auf BDE Nr. 74/2020 vom 14. August 2020 (Erw. 4.3.7).
4.3 Das Baudepartement beurteilte in BDE Nr. 74/2020 vom 14. Au-
gust 2020 eine Konstellation, in welcher allenfalls (in Missachtung von
Art. 139 Abs. 1 Bst. b PBG) das Baugesuch nicht sämtlichen Grundei-
gentümern, deren Grundstück nicht mehr als 30 Meter vom Bauvorha-
ben entfernt war, mit eingeschriebenem Brief bekannt gegeben wurde.
Das Baudepartement hielt fest, dass darin allenfalls eine Verletzung
des rechtlichen Gehörs dieser Einspracheberechtigten liegen könnte
und für die Übergangenen gegebenenfalls die Rechtsmittelfrist vorerst
nicht zu laufen beginne. Ein solcher Verfahrensmangel rechtfertige je-
doch kein aufsichtsrechtliches Einschreiten, zumal er auch nicht zur
Nichtigkeit einer Baubewilligung führe. Im Übrigen könne sich der (dor-
tige) Rekurrent nicht auf derartige Verletzungen von Verfahrensrech-
ten Dritter berufen.
4.4 Das Bundesgericht hatte sich in jüngster Zeit zweimal mit einer
ähnlichen Fragestellung zu befassen. Im Urteil 1C_5/2019 vom
12. Juni 2019 kam das Bundesgericht zum Schluss, dass die ange-
fochtene Baubewilligung hätte aufgehoben werden müssen, wenn
statt des vereinfachten das ordentliche Bewilligungsverfahren hätte
durchgeführt werden müssen. Es sei offensichtlich, dass die Be-
schwerdeführer an der Aufhebung der Baubewilligung ein schützens-
wertes Interesse hätten. Daran ändere auch der Umstand nichts, dass
den Beschwerdeführenden selbst aus dem – von ihnen behaupteten –
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 12/27
Mangel der Baubewilligung allenfalls kein Rechtsnachteil erwachsen
sei. Von dieser Rechtsprechung wich das Bundesgericht dagegen in
seinem Entscheid 1C_58/2020 vom 25. Februar 2021 bereits wieder
ab. Die Vorinstanz hatte in diesem Fall erwogen, die Projektänderun-
gen hätten nicht im Anzeigeverfahren durchgeführt werden dürfen,
sondern es hätte ein ordentliches Baubewilligungsverfahren durchge-
führt werden müssen. Eine falsche Verfahrenswahl führe jedoch nicht
ohne Weiteres zur Aufhebung des ergangenen baurechtlichen Ent-
scheids. Durch die Zustellung des Entscheids sei der Beschwerdefüh-
rer von der Baubewilligung unterrichtet worden. Es sei ihm daher mög-
lich gewesen, Rekurs zu erheben und seine Rügen trotz der falschen
Verfahrenswahl der Rekursinstanz vorzutragen. Damit habe er seine
Interessen wahren können, weshalb die Baubewilligung nicht aufzu-
heben sei (vgl. Erw. 2.1). Insgesamt schlussfolgerte das Bundesge-
richt, es sei nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz den Verfah-
rensfehler der falschen Verfahrenswahl als geheilt betrachtet habe, da
der Beschwerdeführer von der Baubewilligung unterrichtet worden sei
und Einsicht in die Akten gehabt habe.
4.5 Aufgrund des jüngsten Entscheids des Bundesgerichtes besteht
kein Anlass, die langjährige Praxis des Baudepartementes anzupas-
sen. Somit kann ein Einsprecher bzw. Rekurrent aus einer falschen
Verfahrenswahl nichts zu seinen Gunsten ableiten, wenn seine eige-
nen Rechte im Verfahren gewahrt blieben. Auf die Verletzung von Ver-
fahrensrechten Dritter kann er sich nicht berufen.
4.6 Vorliegend ist unbestritten, dass den Rekurrenten 1 mit Schrei-
ben vom 23. November 2020 der im Ergebnis bewilligte Situationsplan
1:200 ("Variante 5") vom 10. November 2020 zugestellt wurde. Im glei-
chen Rahmen wurde den Rekurrenten 1 unter Fristansetzung die
Möglichkeit gewährt, ihre Einsprache neu zu beurteilen. Damit waren
hinsichtlich des fraglichen Situationsplans die Rechte der Rekurren-
ten 1 gewahrt und Letztere konnten sich dagegen wirksam zur Wehr
setzen. Der festgestellte Verfahrensmangel (fehlendes Verfahren be-
treffend Projektänderung) führt nicht zur Aufhebung der angefochte-
nen Baubewilligung und der Rekurs 1 erweist sich diesbezüglich als
unbegründet.
5.
Die Rekurrenten 1 bemängeln sodann eine fehlende Befristung des
Bauvorhabens. Das fragliche Baugesuch laute explizit auf die Erstel-
lung provisorischer Parkplätze (Provisorium). Es finde sich keine ver-
bindliche Deklaration seitens der Bauherrschaft, für welche exakte
Zeitdauer das Provisorium beantragt werde. Auch die erteilte Baube-
willigung weise keine Befristung auf. Die Vorinstanz entgegnet na-
mentlich, im Einspracheentscheid sei verbindlich festgehalten worden,
dass die Parkplätze bis Frühjahr 2023 zurückgebaut werden müssten.
Zwar trifft es zu, dass im Einspracheentscheid unter dem Titel "Be-
triebsdauer" erwogen wurde, der Parkplatz werde bis Ende 2022 be-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 13/27
trieben und bis Frühjahr 2023 zurückgebaut. Aus dem Entscheiddis-
positiv ergibt sich jedoch keine derartige Befristung und auch keine
Verpflichtung zum Rückbau per Frühjahr 2023. Allgemein lässt sich
dem Einspracheentscheid keine Rückbauverpflichtung der Rekurs-
gegnerin entnehmen. Ferner enthält – wie die Rekurrenten 1 zu Recht
vorbringen – auch das Baugesuch keine ausdrückliche zeitliche An-
gabe, und die Baubewilligung wurde ebenfalls unbefristet erteilt. Diese
unbefristete Baubewilligung (und nicht etwa eine befristete Baubewil-
ligung) ist sodann Anfechtungsobjekt und Gegenstand des Rekursver-
fahrens; deren Rechtmässigkeit ist zu überprüfen. Im Übrigen kann die
Frage, ob zwingend eine Befristung vorzusehen gewesen wäre, offen-
bleiben, weil – wie zu zeigen sein wird – die unbefristete Baubewilli-
gung bereits aus anderen Gründen aufzuheben ist.
6.
Die Rekurrenten 1 rügen, die bewilligten Parkfelder würden eine
Länge von lediglich 5 m aufweisen und damit die erforderliche Park-
feldlänge um ganze 1,20 m unterschreiten. Ferner sei die vorgese-
hene Fahrgasse für die Nutzung der Parkplätze durch Lieferwagen im
Gegenverkehr-Regime mit Senkrechtparkierung unzureichend. Der
bewilligte Parkplatz erweise sich als nicht bewilligungsfähig.
6.1 Aus dem Baugesuch gehen der Zweck der Parkierungsanlage
und die Art der zu erwartenden Fahrzeuge zwar nicht ausdrücklich
hervor. Jedoch bestätigte die Rekursgegnerin selber, dass es beim
fraglichen Baugesuch um eine "Bewilligung eines Parkplatzes für Bau-
stellenfahrzeuge zur Bedienung der Baustelle der Überbauung
4. Etappe Uptown X._" geht (vgl. Schreiben vom 8. Februar 2021
an die Baukommission X._; ebenso Vernehmlassung vom 8. April
2021 im Verfahren Nr. 21-2386 Rz. 8). In Übereinstimmung damit
führte die Vorinstanz im angefochtenen Beschluss aus, es würden "für
den Bau der 4. Etappe Uptown X._ [...] insbesondere für die Baufir-
men temporär zusätzliche Parkplätze benötigt" (fast identisch im Übri-
gen bereits Schreiben vom 23. November 2020). Insgesamt ist des-
halb erstellt und unbestritten, dass die Parkierungsanlage primär für
Baustellenfahrzeuge bzw. für die auf der genannten Baustelle tätigen
Baufirmen geplant wurde und von entsprechenden Fahrzeugen ge-
nutzt wird.
6.2 Vor dem Hintergrund dieser Umstände wurden die rekurrenti-
schen Einwände zu den projektierten Parkfeldern dem TBA zur Über-
prüfung vorgelegt. Gestützt auf die VSS-Norm 40 291a hält das TBA
zusammengefasst fest, aufgrund des Baustellenverkehrs sei mit einer
Benutzung der Parkfelder durch Lieferwagen zu rechnen, weshalb
zwingend die Komfortstufe C einzuhalten sei. Die Abmessungen für
das Befahren von Senkrechtparkplätzen sei abhängig von der Breite
der Fahrgasse. Das TBA errechnet so Mindestbreiten für Senkrecht-
parkplätze zwischen 2,60 m und 3,00 m und geht von einer benötigten
Länge von 6,20 m zuzüglich 0,70 m Überhang aus. Für Längspark-
plätze der Komfortstufe C ist gemäss TBA eine Länge von 6,30 m für
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 14/27
Randparkplätze und 6,80 m für zwischenliegende Parkplätze vorgege-
ben. Die Breite muss 2 m betragen. Das TBA stellt gestützt auf die
Planunterlagen des Baugesuchs fest, dass die Anforderungen aus der
Norm zum Teil deutlich unterschritten werden. Es führt weiter aus, für
provisorische Baustellenerschliessungen seien leichte Abweichungen
von der Norm möglich. Zudem organisiere sich der Baustellenverkehr
meist selbstständig. Vorliegend sei die Nutzung jedoch nur möglich,
wenn die Parkplätze grösstenteils mit Personenwagen (und nicht Lie-
ferwagen) benutzt würden. Für den Lieferwagenverkehr seien die
Parkplätze nicht geeignet. Selbst bei einer reinen Personenwagen-Be-
trachtung fehle jedoch der Überhangzuschlag von 0,5 m, welcher auf-
grund des Zauns im Bereich der Fahrgasse eingerechnet werden
müsste. Entsprechend schlussfolgert das TBA, die Parkplätze würden
nicht den geometrischen Anforderungen der Norm entsprechen.
6.3 Was an den Ausführungen des TBA unzutreffend sein könnte,
ist weder ersichtlich noch dargetan. Somit ergibt sich, dass die einzel-
nen Parkfelder bzw. die Parkierungsanlage insgesamt nicht den Vor-
gaben der VSS-Norm entsprechen. Bei den Senkrechtparkplätzen
(Parkplätze Nrn. 1 – 19) fällt namentlich die nicht normgerechte Länge
(5 m statt 6,2 m zzgl. 0,7 m Überhang gemäss Norm) auf. Ferner er-
weisen sich angesichts der Fahrgassenbreite von rund 4 m bei den
Parkplätzen Nrn. 1 – 6 sowie 7 und 8 (nicht nur, aber insbesondere)
diese Parkplätze als deutlich zu schmal für Lieferwagen (2,65 m statt
jedenfalls mehr als 3 m). Erschwerend kommt hinzu, dass für Liefer-
wagen auf den nur 5 m langen Parkfeldern regelmässig nicht genü-
gend Platz zur Verfügung stehen wird; sie werden somit in die Fahr-
gasse hineinragen, womit sich die tatsächlich vorhandene Fahrgas-
senbreite zusätzlich reduziert. Letzteres hat wiederum erhöhte Min-
destbreiten für die fraglichen Parkfelder zur Folge hat (vgl. Amtsbericht
TBA, S. 2, Tabelle zu Senkrechtparkplätzen). Insgesamt zeigt sich da-
mit, dass die Parkierungsanlage nicht normgerecht geplant wurde. Ins-
besondere sind die einzelnen Parkfelder für die Nutzung mit Lieferwa-
gen im Vergleich zu den Normvorgaben deutlich zu kurz und zu
schmal.
6.4 Die Vorinstanz wendet jedoch ein, da die Anlage als Notfalllö-
sung für eine begrenzte Zeit, für einen eingeschränkten Nutzerkreis
auf privatem Grund zur Verfügung stehe, lägen genügend Gründe vor,
die eine Abweichung von den VSS-Normen rechtfertigten.
6.4.1 Die VSS-Normen gelten als Richtlinien für die technische Aus-
gestaltung einer Strasse bzw. von Anlagen, die dem Verkehr dienen
(vgl. z.B. Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen 2016/II/2). Bei
den VSS-Normen handelt es sich jedoch nicht um Rechtssätze, son-
dern um Verwaltungsanweisungen, die ein anerkanntes Hilfsmittel bei
der Frage bilden, ob eine Anlage den Anforderungen der Verkehrssi-
cherheit genügt. Ihre Anwendung im Einzelfall muss indessen dem
Grundsatz der Verhältnismässigkeit standhalten, weshalb sie einem
Entscheid nicht ungeachtet der konkreten Verhältnisse zugrunde ge-
legt werden dürfen (vgl. VerwGE B 2015/277 und B 2015/280 vom
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 15/27
28. März 2014 Erw. 7.3 sowie BDE Nr. 18/2021 vom 19. Februar 2021
Erw. 7.2, beide mit Hinweis auf VerwGE B 2015/14 vom 20. Januar
2017 Erw. 11.1).
6.4.2 Vorliegend erweisen sich die Abweichungen von den Normvor-
gaben als derart massiv, dass sie auch unter Berücksichtigung der von
der Vorinstanz geltend gemachten Gründe (insbesondere Nutzung
während begrenzter Zeit; eingeschränkter Nutzerkreis; Privatgrund)
nicht bewilligungsfähig sind. Die Parkierungsanlage bzw. die einzel-
nen Parkfelder genügen klarerweise nicht für eine Parkierung von Lie-
ferwagen. Hinzu kommt, dass weder Baugesuch noch Baubewilligung
verbindliche und durchsetzbare Angaben bzw. Anordnungen zur zeit-
lichen Befristung enthalten. Die Parkierungsanlage könnte somit
grundsätzlich auf Dauer bestehen bleiben, weshalb der Einhaltung der
Normvorgaben bzw. der Gewährleistung der Verkehrssicherheit er-
höhtes Gewicht beizumessen ist. Insgesamt liegen keine hinreichen-
den Gründe vor, welche die dargestellten Abweichungen von den
Normvorgaben rechtfertigen könnten. Unabhängig davon ist jedoch
festzuhalten, dass die festgestellten massiven Abweichungen selbst
gegen die Bewilligungsfähigkeit eines Provisoriums sprechen würden.
6.5 Zusammenfassend erweist sich die Parkierungsanlage in ihrer
jetzigen Form als nicht bewilligungsfähig. Der Rekurs 1 ist begründet
und die angefochtene Baubewilligung ist samt Einspracheentscheid
aufzuheben. Bloss ergänzend ist zu erwähnen, dass weder die
Vorinstanz noch die Rekursgegnerin darlegen, weshalb eine den
Normvorgaben entsprechende Planung der Parkierungsanlage un-
möglich bzw. mit unverhältnismässigem Aufwand verbunden sein soll.
Offen ist weiter, ob die Rekursgegnerin auf sämtliche 22 geplanten
Parkfelder zwingend angewiesen ist oder ob nicht vielmehr – insbe-
sondere zur Erhöhung der Verkehrssicherheit bzw. zwecks Einhaltung
der Normvorgaben – gewisse Parkfelder weggelassen und andere da-
für grösser dimensioniert werden könnten. Auch ist eine Vergrösse-
rung der gesamten Parkierungsanlage in südliche Richtung nicht zum
Vornherein ausgeschlossen; daraus ergäbe sich voraussichtlich die
Möglichkeit zur Verlängerung einzelner Parkfelder. Wenn die
Vorinstanz Abweichungen von den Normvorgaben gestützt auf Ver-
hältnismässigkeitsüberlegungen zulassen wollte, hätte sie solche (und
eventuell weitere) Abklärungen treffen müssen.
7.
Die Rekurrenten 1 bringen vor, das bewilligte Baugesuch zur Erstel-
lung von 22 Parkplätzen komme zum Teil auf einem als Gemein-
destrasse 2. Klasse gewidmeten Wendeplatz zu liegen, was eine Son-
dernutzung darstelle und konzessionspflichtig sei. Eine Sondernut-
zungskonzession sei jedoch nicht erteilt worden.
7.1 Sowohl die Vorinstanz (vgl. Stellungnahme vom 1. April 2021 im
Verfahren Nr. 21-710 Ziff. 6) als auch die Rekursgegnerin (vgl. Stel-
lungnahme vom 8. April 2021 im Rekursverfahren Nr. 21-2386 Rz. 9)
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 16/27
gehen mit den Rekurrenten 1 einig darin, dass ein Teil der Parkie-
rungsanlage in den Bereich eines als Gemeindestrasse klassierten
Wendehammers zu liegen kommt. Auch wird von keiner Partei geltend
gemacht, es sei eine Sondernutzungskonzession erteilt worden. Die
im Geoportal verfügbaren Angaben (vgl. insbesondere Ortho-
foto 2019) legen sodann nahe, dass der Wendehammer seine Funk-
tion zwischenzeitlich verloren hat, weil die P._strasse verlängert und
mit der Q._strasse verbunden wurde.
7.2 Eine Pflicht zur Verfahrenskoordination besteht nach Art. 25a
Abs. 1 des eidgenössischen Raumplanungsgesetzes (SR 700; abge-
kürzt RPG), wenn die Errichtung oder Änderung einer Baute oder An-
lage Verfügungen mehrerer Behörden erfordert. Es versteht sich aber
von selbst, dass auch mehrere Verfügungen ein und derselben Be-
hörde nicht unabhängig voneinander erlassen, sondern untereinander
abgestimmt werden müssen (K. MARTI, in: Aemissegger/Kutt-
ler/Moor/Ruch [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über die Raum-
planung, Zürich/Basel/Genf 2010, Art. 25a N 20). Die Koordinations-
pflicht nach Art. 25a RPG erstreckt sich grundsätzlich auf sämtliche
kantonalen und bundesrechtlichen Verfahren, die im Zusammenhang
mit Bauvorhaben durchgeführt werden müssen und die der Bewilli-
gungszuständigkeit der Kantone unterliegen (WALDMANN/HÄNNI,
Raumplanungsgesetz, Handkommentar, Bern 2006, Art. 25a N 21).
Sie kann indessen nur so weit reichen, als ein Koordinationsbedürfnis
auch tatsächlich besteht. Ein Bedürfnis ist grundsätzlich dann nachge-
wiesen, wenn ein Bauvorhaben ausser der eigentlichen Baubewilli-
gung noch weitere Bewilligungen, Konzessionen, Zustimmungen oder
Genehmigungen benötigt (WALDMANN/HÄNNI, a.a.O., Art. 25a N 25).
Die Natur der zu koordinierenden Bewilligungen, namentlich ob es sich
um raumplanungs- bzw. umweltschutzrechtliche oder um gewerbepo-
lizeiliche Verfügungen handelt, ist jedoch unerheblich
(WALDMANN/HÄNNI, a.a.O., Art. 25a N 22). Unter die Koordinations-
pflicht fallen namentlich auch Genehmigungs- und Konzessionsent-
scheide, solange diese einen hinreichenden materiellen Einfluss auf
das Bauvorhaben haben, was der Fall sein kann bei Sondernutzungs-
konzessionen für die Benutzung des öffentlichen Grundes
(WALDMANN/HÄNNI, a.a.O., Art. 25a N 21).
7.3 Gemäss Art. 24 Abs. 1 des Strassengesetzes (sGS 732.1; ab-
gekürzt StrG) bedarf die Sondernutzung der Konzession. Diese kann
erteilt werden, wenn das Bedürfnis ausgewiesen ist und keine über-
wiegenden öffentlichen oder privaten Interessen entgegenstehen
(Art. 25 Abs. 2 StrG). Sie wird befristet und kann mit Bedingungen und
Auflagen versehen werden (Art. 25 Abs. 2 StrG). Die Konzession kann
also von Gesetzes wegen mit Auflagen und Bedingungen versehen
werden und bedarf ihrerseits einer Interessenabwägung. Entspre-
chend kann die Prüfung auf Einhaltung der strassenrechtlichen Best-
immungen und die damit notwendigerweise verbundene Interessen-
abwägung zu einer Verweigerung der strassenrechtlichen Konzession
oder zur Erteilung einer solchen unter Bedingungen oder Auflagen füh-
ren. Kann aber aus irgendwelchen Gründen die Konzession nicht oder
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 17/27
nur unter Auflagen und Bedingungen erteilt werden, so kann auch das
Bauvorhaben nicht oder gegebenenfalls nicht in der eingegebenen
Form verwirklicht werden. Es besteht deshalb ein Koordinationsbedarf
und die Verfahren sind zu koordinieren.
Gleiches würde gelten, wenn lediglich von gesteigertem Gemeinge-
brauch nach Art. 21 StrG auszugehen wäre. Die hierfür notwendige
Bewilligung wäre mit dem Baubewilligungsverfahren ebenfalls zu ko-
ordinieren.
7.4 Vorliegend wurde die Baubewilligung für die Parkierungsanlage
erteilt, wobei unbestritten ist, dass zwei der Parkfelder auf dem klas-
sierten Wendehammer zu liegen kommen. Entsprechend wäre hierfür
eine Konzession (oder Bewilligung) notwendig und die beiden Verfah-
ren wären miteinander zu koordinieren gewesen. Daran ändert nichts,
dass der Wendehammer anscheinend nicht mehr als solcher genutzt
wird – nichtsdestotrotz handelt es sich um eine klassierte Fläche, auf
welche die Bestimmungen des Strassengesetzes Anwendung finden.
Eine Sondernutzungskonzession wurde nicht erteilt. Ob dieser Mangel
– wie von der Vorinstanz und sinngemäss auch von der Rekursgegne-
rin im Verfahren Nr. 21-2386 geltend gemacht – mittels zusätzlicher
Auflagen (Verzicht auf die beiden Parkplätze) durch die Rekursinstanz
geheilt werden könnte, muss nicht abschliessend geklärt werden; die
Baubewilligung ist wie gezeigt bereits aus anderen Gründen aufzuhe-
ben.
8.
Die Rekurrenten 2 beantragen im Rekursverfahren Nr. 21-2386, es sei
die Einstellung der Arbeiten zur Erstellung der provisorischen Park-
plätze zu verfügen. Sie bringen vor, die Vorinstanz sei nicht nur befugt,
sondern auch verpflichtet, gegen gesetzeswidrige Zustände einzu-
schreiten und diese zu beseitigen. Bauarbeiten, welche ohne Baube-
willigung oder in Abweichung von rechtskräftigen Baubewilligungen
ausgeführt würden, seien von Amtes wegen einzustellen. Die Pflicht
der zuständigen Behörde sei zwingend. Ein Ermessensspielraum be-
stehe diesbezüglich nicht. Die Rekurrenten 2 bestreiten ferner, dass
die Parkplätze bereits fertig erstellt sein sollen und daher die Anord-
nung eines Baustopps hinfällig sei. Die Vorinstanz hätte diesbezüglich
nach rekurrentischer Auffassung den Nachweis zu erbringen, dass die
Parkplätze exakt gemäss Situationsplan vom 24. September 2020
(gemeint wohl: Situationsplan vom 10. November 2020) erstellt wor-
den sind.
8.1 Wird durch die Errichtung von Bauten und Anlagen ohne Bewil-
ligung oder auf andere Weise ein unrechtmässiger Zustand geschaf-
fen, wird die Einstellung der Arbeiten verfügt (Art. 159 Abs. 1 Bst. a
PBG; sog. "Baustopp"). Eine derartige Verfügung zur Einstellung der
Arbeiten kommt jedoch zum Vornherein nur in Frage, wenn im Ent-
scheidzeitpunkt tatsächlich noch (einzustellende) Arbeiten vorgenom-
men werden. Solange nicht gebaut wird (bzw. sobald keine Arbeiten
mehr vorgenommen werden), scheidet der Erlass eines Baustopps
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 18/27
grundsätzlich aus bzw. der Erlass eines Baustopps nach Abschluss
der Bauarbeiten bleibt wirkungslos (so VerwGE B 2020/224 vom
27. Mai 2021 Erw. 5.2). Anders wäre allenfalls zu entscheiden, wenn
konkrete Anhaltspunkte die (Wieder-)Aufnahme von Bauarbeiten na-
helegen; in einem solchen Fall käme der Erlass eines Baustopps noch
vor Beginn von Bauarbeiten unter Umständen in Frage.
8.2 Die Rekurrenten 2 machen nicht geltend, es seien im Zeitpunkt
des vorinstanzlichen Verzichts auf einen Baustopp noch Bauarbeiten
ausgeführt worden. Die Vorinstanz ging somit zu Recht davon aus,
dass mangels Bauarbeiten auch keine Einstellung von Arbeiten zu ver-
fügen war; der Rekurs erweist sich diesbezüglich als unbegründet.
Dass derzeit noch gebaut wird, machen die Rekurrenten 2 ebenfalls
nicht geltend, womit sich aus denselben Gründen auch der Erlass ei-
nes Baustopps durch die Rekursinstanz erübrigt und der diesbezügli-
che Antrag der Rekurrenten 2 abzuweisen ist. Ob die Parkplätze exakt
gemäss Situationsplan erstellt wurden, spielt entgegen der rekurrenti-
schen Auffassung jedenfalls solange keine entscheidwesentliche
Rolle, als nicht weitere Indizien eine Wiederaufnahme von Bauarbei-
ten befürchten lassen.
9.
Die Rekurrenten 2 beantragen ferner, es sei in Anwendung von
Art. 159 Abs. 1 Bst. b PBG ein Benützungsverbot für die bereits er-
stellte Parkierungsfläche zu verfügen. Sie machen unter anderem gel-
tend, nach der Praxis werde ein Verbot der Nutzung insbesondere bei
formell nicht bewilligten Bauten als vorsorgliche Massnahme angeord-
net. An der Einhaltung und Durchsetzung der Rechtsordnung bestehe
ein gewichtiges öffentliches Interesse. Eigenmächtiges Vorgehen und
die Schaffung von baurechtswidrigen Zuständen störten die öffentliche
Ordnung und seien daher möglichst frühzeitig zu unterbinden. Insge-
samt solle bei Feststellung der formellen Baurechtswidrigkeit der Er-
lass eines Nutzungsverbots grundsätzlich geboten und erforderlich
sein.
9.1 Laut Art. 158 in Verbindung mit Art. 159 PBG kann die politische
Gemeinde ein Benützungsverbot verfügen, wenn durch die Errichtung
von Bauten und Anlagen ohne Bewilligung oder auf andere Weise ein
unrechtmässiger Zustand geschaffen wird. Dabei sind die Erstellung
einer Baute und die Nutzung derselben gemäss verwaltungsgerichtli-
cher Rechtsprechung nicht gleich zu beurteilen. Das öffentliche Inte-
resse am Verbot der Nutzung einer formell baurechtswidrigen Baute
ist in aller Regel anders zu gewichten als dasjenige am Verhindern
einer solchen Baute. Insbesondere ist ein Benützungsverbot nicht als
Sanktion wegen Missachtung einer vorgängigen Baueinstellungsver-
fügung anzuordnen. Entscheidend ist, ob hinreichende Gründe beste-
hen, einen Zustand einstweilen zu erhalten oder rechtliche Interessen
zu sichern. Ein Benützungsverbot ist in der Regel dann zu verfügen,
wenn die Sicherheit oder Gesundheit von Menschen oder Tieren ge-
fährdet wird; erhebliche Sachwerte gefährdet sind; die Umwelt durch
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 19/27
Emissionen oder Immissionen unzulässig belastet wird oder eine bös-
gläubige Bauherrschaft aus der Nutzung einen unrechtmässigen Vor-
teil ziehen könnte (VerwGE B 2020/223 vom 23. April 2021 Erw. 4.2
erster Absatz mit Hinweisen).
In der vom Verwaltungsgericht seit 2009 ergangenen Rechtsprechung
wurde es als zulässig erachtet, die Nutzung einer Baute grundsätzlich
während des hängigen (nachträglichen) Bewilligungsverfahrens im In-
teresse an der Einhaltung und Durchsetzung der Rechtsordnung allein
schon zu untersagen, wenn eine Baute oder deren Nutzung formell
baurechtswidrig war. Zur Begründung führte das Verwaltungsgericht
jeweils aus, dass derjenige Eigentümer, der ohne Bewilligung ein Bau-
vorhaben verwirklicht, grundsätzlich nicht bessergestellt werden soll
als jener, der ordnungsgemäss ein Baugesuch einreicht und vor der
Realisierung seines Bauvorhabens eine Bewilligung einholt. Zudem
würden mit einem Nutzungsverbot keine irreversiblen Massnahmen
getroffen, namentlich müsste der Adressat des Nutzungsverbots wäh-
rend des hängigen Verfahrens keine der ohne Bewilligung erstellten
Bauten bzw. Bauteile entfernen. Das Nutzungsverbot sei somit im All-
gemeinen ein geringer Eingriff in dessen Rechte (VerwGE B 2013/127
vom 12. Juli 2013 Erw. 4). Das Baudepartement hat diese Ansicht ge-
teilt und entsprechend diese Praxis übernommen. Nur mit dieser kla-
ren Haltung konnte verhindert werden, dass derjenige, der ohne Bau-
bewilligung baut, bessergestellt wird, als derjenige, der sich rechtmäs-
sig verhält und vorgängig eine Baubewilligung einholt.
Im VerwGE B 2020/223 vom 23. April 2021 erachtete das Verwal-
tungsgericht seine eigene (bisherige) Rechtsprechung mit Blick auf die
vorzunehmende Interessenabwägung als zu wenig differenziert und
vollzog eine Praxisänderung. Sinn eines Benützungsverbots gemäss
Art. 159 Abs. 1 Bst. b PBG sei demnach zwar zu verhindern, dass die
Bauherrschaft aus einem baurechtswidrigen Zustand Nutzen ziehen
könne oder dass sie oder andere Personen geschädigt werden könn-
ten. Es sei indessen nicht jede bewilligungsbedürftige, aber (noch)
nicht bewilligte Nutzung von vornherein sofort zu untersagen bzw. zu
verbieten. Je nach den Umständen könne es – weiterhin gemäss Ver-
waltungsgericht – im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung vor-
läufig genügen, die Grundeigentümerschaft aufzufordern, ein (nach-
trägliches) Baugesuch einzureichen. Ansonsten komme die Anord-
nung eines Benützungsverbots unter Umständen einer Sanktion we-
gen Missachtung des formellen Baupolizeirechts nahe. Die für die Ver-
fügung eines Benützungsverbots zuständige politische Gemeinde
habe zu unterscheiden: Stehe bereits fest oder sei es zumindest sehr
wahrscheinlich, dass eine Nutzung materiellrechtlich unzulässig sei,
sei das Interesse der Bauherrschaft an einer (vorläufigen) Weiternut-
zung in der Regel nicht schutzwürdig. In diesem Fall sei der Erlass
eines Benützungsverbots grundsätzlich gerechtfertigt. Sei dagegen
die angestrebte Nutzung möglicherweise bewilligungsfähig, also im
Prüfungszeitpunkt nur formell baurechtswidrig, könne es unverhältnis-
mässig sein, den Betrieb sofort (oder in naher Zukunft) einzustellen
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 20/27
bzw. die Nutzung zu verbieten. Unverhältnismässig könne eine sofor-
tige Einstellung im geschilderten Sinn insbesondere dann sein, wenn
ein Betrieb bereits lange Zeit unbeanstandet geführt und ein nachträg-
liches Baubewilligungsverfahren bereits eingeleitet worden sei. Falls
sich eine Bauherrschaft indessen weigere, ein nachträgliches Bauge-
such einzureichen oder ein solches gemäss den Vorgaben der zustän-
digen Baupolizeibehörde zu ergänzen, bleibe der Baubehörde einzig
die Möglichkeit beziehungsweise die Pflicht, von Amtes wegen die
Verfügung eines Benützungsverbots zu prüfen sowie ein Wiederher-
stellungsverfahren einzuleiten (vgl. zum Ganzen VerwGE B 2020/223
vom 23. April 2021 Erw. 4.2 dritter Absatz mit Hinweisen; ähnlich auch
die von der Vorinstanz erwähnte Verfügung des Präsidenten der Ab-
teilung I des Verwaltungsgerichtes vom 18. Februar 2021 im Verfah-
ren B 2020/253).
9.2 Die soeben dargelegte Praxisänderung des Verwaltungsgerich-
tes zum Benützungsverbot gemäss Art. 159 Abs. 1 Bst. b PBG gilt
es – auch wenn sie nicht der Auffassung des Baudepartementes ent-
spricht und faktisch die Besserstellung des ohne Bewilligung Bauen-
den oder Umnutzenden zur Folge hat – vorliegend zu beachten. Die
Vorinstanz durfte bzw. musste somit bei ihrem Entscheid über das be-
antragte Benützungsverbot die materiellrechtliche Bewilligungsfähig-
keit des Bauvorhabens mitberücksichtigen. Die formelle Baurechts-
widrigkeit genügt (nach geänderter Rechtsprechung des Verwaltungs-
gerichtes) in der Regel – jedenfalls für sich alleine – nicht, um ein Be-
nützungsverbot im Sinn von Art. 159 Abs. 1 Bst. b PBG rechtfertigen
zu können.
9.3 Vorliegend verzichtete die Vorinstanz mit dem angefochtenen
Beschluss vom 23. Februar 2021 auf den Erlass eines Benützungs-
verbots. In diesem Zeitpunkt hatte sie die Baubewilligung für die Par-
kierungsanlage (datierend vom 6. Januar 2021) bereits erteilt. Infolge-
dessen ging sie nachvollziehbarerweise beim Verzicht auf das Benüt-
zungsverbot auch von der Bewilligungsfähigkeit der Parkierungsan-
lage aus, indem sie sich auf die "materiellrechtlich zulässige Nutzung
der Parkierflächen" gemäss Baubewilligung bezog (vgl. angefochtener
Entscheid, insbesondere S. 6, "Subsumtion").
9.4 Die Nutzung der Parkierungsanlage war zusammenfassend im
Prüfungszeitpunkt (23. Februar 2021) formell baurechtswidrig. Materi-
ellrechtlich ging die Vorinstanz von der Bewilligungsfähigkeit der An-
lage bzw. deren Nutzung aus, auch wenn die Baubewilligung noch
nicht in Rechtskraft erwachsen war. Weiter sah die Vorinstanz mit
nachvollziehbarer Begründung insbesondere betreffend Interessenab-
wägung von einem Benützungsverbot ab. Soweit die Rekurrenten 2
die vorinstanzliche Interessenabwägung als unangemessen rügen
(vgl. Rekurs vom 8. März 2021 Ziff. IV.2.b.4.4), ist ihnen nicht zu fol-
gen. Sie gehen diesbezüglich namentlich davon aus, es könne mittels
einer Betonschranke die durchgehende Befahrbarkeit der
P._strasse beschränkt werden. Eine solche Wiederinstallation der
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 21/27
(bis vor einiger Zeit vorhandenen) Betonschranken im Zusammen-
hang mit dem Erlass eines beidseitigen Fahrverbots mit Zubringer-
dienst (im Westen auch für Baustellenverkehr) sei offenkundig eine
mildere und damit verhältnismässigere Massnahme zur vorläufigen
Entschärfung der Situation auf der P._strasse. Damit lassen die Re-
kurrenten 2 ausser Acht, dass es sich bei der P._strasse um eine
Gemeindestrasse 2. Klasse handelt, womit sie im Rahmen ihrer
Zweckbestimmung dem Gemeingebrauch offensteht (vgl. Art. 17
StrG). Beschränkungen des Gemeingebrauchs sieht das StrG in
Art. 20 zwar vor. Solche Einschränkungen setzen jedoch voraus, dass
sie sich angesichts der besonderen Verhältnisse auf bestimmten
Strassenstrecken als notwendig erweisen, verhältnismässig sind und
durch das öffentliche Interesse gedeckt werden (H.-P. VOGT, in:
G. Germann [Hrsg.], Kurzkommentar zum st.gallischen Strassenge-
setz vom 12. Juni 1988, Art. 20 N 2). Auch wäre für die Beschränkung
des Gemeingebrauchs – je nach Art der getroffenen Massnahme – ein
Verfahren nötig (vgl. dazu VOGT, a.a.O., Art. 20 N 3 ff.). Entgegen der
rekurrentischen Darstellung kann somit die (vorübergehende) Schlies-
sung der P._strasse bzw. die Einschränkung des Gemeingebrauchs
durch Installation von Betonschranken nicht ohne Weiteres als mildere
Massnahme bezeichnet werden. Vielmehr bestehen gewichtige (öf-
fentliche) Interessen daran, dass eine Gemeindestrasse 2. Klasse
auch tatsächlich dem Gemeingebrauch offensteht. Es bleibt dabei,
dass die Vorinstanz eine nachvollziehbare und vertretbare Interesse-
abwägung vorgenommen und in Beachtung des ihr zustehenden Er-
messens auf die Anordnung eines Benützungsverbots verzichtet hat.
Der Rekurs 2 erweist sich in dieser Hinsicht als unbegründet und ist
abzuweisen.
9.5 Bezüglich des Benützungsverbots gilt es abschliessend zu be-
achten, dass die Abweisung des Rekurses 2 nicht die rechtskräftige
Beurteilung des Benützungsverbots zur Folge hat. Vielmehr können
vorsorgliche Massnahmen jederzeit angepasst werden, etwa, um
neuen Entwicklungen oder tatsächlichen Änderungen der involvierten
Interessen Rechnung zu tragen (B. MÄRKLI, in: Rizvi/Schindler/Cavelti
[Hrsg.], Praxiskommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechts-
pflege [VRP], Zürich/St.Gallen 2020, Art. 18 N 36). Solche neuen Ent-
wicklungen bzw. neue Umstände liegen hier mit der Aufhebung der
Baubewilligung vor, und im jetzigen Zeitpunkt (anders als im Zeitpunkt
des vorinstanzlichen Beschlusses betreffend Benützungsverbot) er-
weist sich die Parkierungsanlage und deren Nutzung nicht nur formell,
sondern auch materiell als baurechtswidrig. Weiter gilt, dass die zu-
ständige Baupolizeibehörde nicht nur befugt, sondern verpflichtet ist,
gegen gesetzeswidrige Zustände wie den vorliegenden von Amtes we-
gen vorzugehen (vgl. VerwGE B 2020/224 vom 27. Mai 2021
Erw. 5.3).
Das Baudepartement ist nach einer weiteren Praxisänderung des Ver-
waltungsgerichtes plötzlich nicht mehr befugt, ein Nutzungsverbot,
welches länger als das Rekursverfahren in der Hauptsache Gültigkeit
hat, gestützt auf Art. 18 VRP auszusprechen (vgl. VerwGE B 2020/219
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 22/27
vom 29. März 2021, mit Verweis auf die alte Rechtsprechung in
VerwGE B 2020/60 vom 14. Oktober 2010 wiederum mit Hinweis auf
VerwGE B 2009/2 vom 16. Februar 2009, in GVP 2009 Nr. 66, bestä-
tigt mit Urteil des Bundesgerichtes 1C_123/2009 vom 17. Juli 2009 –
weiter auch VerwGE B 2013/127 vom 12. Juli 2013, VerwGE
B 2012/171 vom 10. Oktober 2012 oder VerwGE B 2000/149 vom
25. Oktober 2000). Ein Erlass eines Nutzungsverbots durch das Bau-
departement soll gemäss Verwaltungsgericht gestützt auf Art. 158
i.V.m. 159 PBG ebenfalls nicht in Frage kommen, da dieser Artikel le-
diglich die politischen Gemeinden zum Erlass vorsorglicher Massnah-
men für zuständig erkläre. Diese Praxisänderung in Bezug auf Art. 18
VRP führt zum stossenden Ergebnis, dass das Baudepartement nicht
mehr befugt ist, im Rahmen eines Rückweisungsentscheids von Am-
tes wegen anstelle der politischen Gemeinde ein vorsorgliches Benüt-
zungs- bzw. Nutzungsverbot zu erlassen. Vielmehr ist das Baudepar-
tement gemäss der neusten Rechtsprechung des Verwaltungsgerich-
tes (jedenfalls ausserhalb eines aufsichtsrechtlichen Einschreitens) im
Rahmen eines Rückweisungsentscheids lediglich befugt, eine politi-
sche Gemeinde, soweit erforderlich, von Amtes wegen anzuweisen,
ein Benützungsverbot im Sinn von Art. 159 Abs. 1 Bst. b PBG zu prü-
fen und gegebenenfalls zu verfügen (vgl. VerwGE B 2020/219 vom 29.
März 2021 Erw. 4 mit Hinweisen). Auch wenn das Baudepartement
diese Rechtsauffassung des Verwaltungsgerichtes nicht teilt, hält es
sich an diese neue Praxis. Andernfalls hätte das Baudepartement so-
gar Kosten- und Entschädigungsfolgen in einem entsprechenden ver-
waltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren zu befürchten, weil das
Verwaltungsgericht in jüngster Vergangenheit vermehrt dazu überge-
gangen ist, entsprechende Entscheide nicht nur aufzuheben, sondern
dem Baudepartement auch Kosten aufzuerlegen.
Entsprechend wird die Vorinstanz – in Übereinstimmung mit der neuen
verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. VerwGE B 2020/253
vom 23. Juni 2021) – angewiesen, ein Benützungsverbot erneut zu
prüfen und gegebenenfalls zu verfügen; wiederum gilt, dass sie dabei
die voraussichtliche Bewilligungsfähigkeit eines allfälligen (neuen)
Baugesuchs wird zu berücksichtigen haben. Ausgeschlossen ist vor-
liegend demgegenüber die Anordnung eines Benützungsverbots
durch das Baudepartement als Rekursinstanz; dazu ist das Baudepar-
tement gemäss Verwaltungsgericht (vgl. wiederum VerwGE
B 2020/219 vom 29. März 2021 Erw. 4 mit Hinweisen) wie erwähnt
nicht mehr befugt, jedenfalls soweit es die Nutzung der Parkierungs-
anlage für die Zeit nach Abschluss des Rekursverfahrens betrifft. Der
diesbezügliche Antrag der Rekurrenten 2 ist abzuweisen.
10.
Die Rekurrenten 2 beantragen, es sei in Anwendung von Art. 159
Abs. 1 Bst. d PBG die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
zu verfügen. Zur Begründung bringen sie vor, die Rekursgegnerin
habe die Nutzung des Parkplatzes zu keinem Zeitpunkt eingestellt. Es
müsse folglich befürchtet werden, dass sich die Rekursgegnerin auch
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 23/27
gegen ein von der Rekursinstanz angeordnetes Nutzungsverbot hin-
wegsetzen werde, weshalb angesichts und unter Würdigung der feh-
lenden Bewilligungsfähigkeit durch die Anordnung zur Wiederherstel-
lung des rechtmässigen Zustands fortdauernden Rechtsverletzungen
vorzubeugen sei.
10.1 Wird durch die Errichtung von Bauten und Anlagen ohne Bewil-
ligung oder auf andere Weise ein unrechtmässiger Zustand geschaf-
fen, wird die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands verfügt
(Art. 159 Abs. 1 Bst. d PBG). Die für den unrechtmässigen Zustand
verantwortlichen Personen wirken im Wiederherstellungsverfahren
mit. Wird innert angesetzter Frist kein Vorschlag für die Wiederherstel-
lung vorgelegt, legt die politische Gemeinde die Wiederherstellungs-
massnahme im Rahmen des pflichtgemässen Ermessens fest
(Art. 159 Abs. 2 PBG). Für das Wiederherstellungsverfahren werden
die Vorschriften dieses Erlasses über das Baubewilligungsverfahren
sachgemäss angewendet (Art. 159 Abs. 3 PBG).
10.2 Aus den vorerwähnten Bestimmungen ergibt sich, dass für die
erstinstanzliche Beurteilung einer allfälligen Wiederherstellungsanord-
nung die politische Gemeinde zuständig ist. Gründe, um von dieser
Zuständigkeitsordnung abzuweichen, liegen nicht vor; jedenfalls genü-
gen dafür die Befürchtungen der Rekurrenten 2 nicht, wonach die Re-
kursgegnerin sich gegen ein von der Rekursinstanz angeordnetes Be-
nützungsverbot hinwegsetzen könnte; ein solches Benützungsverbot
kann nach dem Gesagten das Baudepartement als Rekursinstanz auf-
grund der jüngsten Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtes gerade
nicht mehr verfügen (vgl. oben). Hinzu kommt, dass keineswegs aus-
geschlossen ist, dass die fraglichen Parkplätze mindestens teilweise
nachträglich (doch noch) bewilligt werden könnten, sofern die Rekurs-
gegnerin ein angepasstes Baugesuch einreicht. Eine Verhältnismäs-
sigkeitsprüfung hinsichtlich der beantragten Wiederherstellung wäre
im jetzigen Zeitpunkt somit ohnehin nicht abschliessend möglich. Auch
deshalb ist der Antrag der Rekurrenten 2 betreffend Wiederherstellung
des rechtmässigen Zustands abzuweisen. Über die Wiederherstellung
hätte vielmehr die Vorinstanz zu befinden, wenn beispielweise kein
(angepasstes) Baugesuch eingereicht würde.
11.
Zusammenfassend ergibt sich im Verfahren Nr. 21-710, dass die an-
gefochtene Baubewilligung samt Einspracheentscheid aufzuheben ist.
Die Baubewilligung wurde zu Unrecht erteilt, weil die Parkierungsan-
lage bzw. die einzelnen Parkfelder die Vorgaben der VSS-Normen ver-
letzen. Der Rekurs 1 ist deshalb begründet und gutzuheissen. Dem-
gegenüber erweist sich der im Verfahren Nr. 21-2386 angefochtene
Beschluss betreffend Benützungsverbot und Baustopp nicht als nich-
tig. Die festgestellte Gehörsverletzung der Rekurrenten 2 konnte ge-
heilt werden und eine Verletzung der Ausstandspflicht liegt nicht vor.
Im Zeitpunkt des Entscheids über das Benützungsverbot durfte die
Vorinstanz zudem von der materiellen Bewilligungsfähigkeit der Par-
kierungsanlage ausgehen, weshalb sie insgesamt zu Recht auf ein
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 24/27
Benützungsverbot und auf eine Verfügung zur Einstellung von Arbei-
ten verzichtete. Der Rekurs 2 ist diesbezüglich als unbegründet abzu-
weisen. Abzuweisen sind auch die Anträge der Rekurrenten 2 auf Ein-
stellung der Arbeiten und auf Erlass eines Benützungsverbots, ebenso
der Antrag auf Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands.
12.
12.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. In Verfahren, bei denen sich ähnlich wie im Zivilprozess direkt
und indirekt Betroffene mit entgegengesetzten Interessen am Verfah-
rensausgang gegenüberstehen, werden in aller Regel diese beiden für
die Auferlegung von amtlichen Kosten herangezogen, während dem
erstverfügenden Gemeinwesen, selbst wenn es mit seinen Anträgen
unterliegt, keine amtliche Kosten auferlegt werden (R. HIRT, Die Re-
gelung der Kosten nach st.gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz,
Lachen/St.Gallen 2004, S. 76). Indessen ist zu beachten, dass das Er-
folgsprinzip in gewissen, vom Gesetz ausdrücklich geregelten Fällen
durch das Verursacherprinzip durchbrochen wird (HIRT, a.a.O., S. 93
und S. 110). So gehen unter anderem Kosten, die ein Verfahrensbe-
teiligter durch Verletzung wesentlicher Verfahrensvorschriften verur-
sacht hat, unabhängig vom Prozessausgang zu dessen Lasten
(Art. 95 Abs. 2 VRP).
12.2 Im Rekursverfahren Nr. 21-710 obsiegen die Rekurrenten 1 voll-
ständig. Die Rekursgegnerin als Baugesuchstellerin hat trotz Verzichts
auf Antragstellung als Verursacherin des Verfahrens und zufolge Auf-
hebung der Baubewilligung als unterliegend zu gelten (vgl. VerwGE
B 2017/176 vom 24. September 2018 Erw. 3; BDE Nr.121/2020 vom
9. Dezember 2020 Erw. 7.2; HIRT, a.a.O., S. 81 f.). In diesem Verfah-
ren sind die amtlichen Kosten somit der Rekursgegnerin aufzuerlegen.
12.3 Im Rekursverfahren Nr. 21-2386 sind die Anträge der Rekurren-
ten 2 (Feststellung Nichtigkeit, eventualiter Aufhebung des angefoch-
tenen Beschlusses; ferner Erlass eines Baustopps und eines Benüt-
zungsverbots sowie Anordnung der Wiederherstellung des rechtmäs-
sigen Zustands) vollumfänglich abzuweisen. Gleichzeitig wurde im
diesbezüglichen vorinstanzlichen Verfahren das Replikrecht der Re-
kurrenten 2 und damit deren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt.
Diese Verletzung konnte zwar geheilt werden, sie ist aber bei der Kos-
tenverlegung zu berücksichtigen.
12.4 Insgesamt hat deshalb die Rekursgegnerin die Kosten des Ver-
fahrens Nr. 21-710 zu tragen. Im Verfahren Nr. 21-2386 werden dem-
gegenüber die Rekurrenten 2 zu 3/4 und die Vorinstanz zufolge der
Gehörsverletzung zu 1/4 kostenpflichtig (vgl. Art. 95 Abs. 2 VRP;
R. VON RAPPARD-HIRT, in: Rizvi/Schindler/Cavelti (Hrsg.), Praxiskom-
mentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege (VRP), Zü-
rich/St.Gallen 2020, Art. 95 N 9).
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 25/27
12.5 Die Entscheidgebühr wird für beide Rekursverfahren zusammen
auf Fr. 4'000.– festgelegt (vgl. Nr. 20.13.01 des Gebührentarifs für die
Kantons- und Gemeindeverwaltung, sGS 821.5). Dem erwähnten
Ausgang der beiden Verfahren entsprechend sind die amtlichen Kos-
ten im Umfang von Fr. 2'000.– der Rekursgegnerin (für das Verfahren
Nr. 21-710) zu überbinden. Fr. 1'500.– (= 3/4 von Fr. 2'000.–) haben
die Rekurrenten 2 unter solidarischer Haftung zu bezahlen (Art. 96bis
VRP). Ein Teilbetrag der amtlichen Kosten von Fr. 500.– (= 1/4 von
Fr. 2'000.–) wäre der Politischen Gemeinde X._ aufzuerlegen, auf
deren Erhebung ist jedoch zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
12.6 Der von den Rekurrenten 1 im Verfahren Nr. 21-710 am
10. Februar 2021 geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'800.– ist
zurückzuerstatten.
12.7 Der von den Rekurrenten 2 im Verfahren Nr. 21-2386 am
18. März 2021 geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'800.– ist
anzurechnen. Den Rekurrenten 2 sind Fr. 300.– zurückzuerstatten.
13.
Im Verfahren Nr. 21-710 stellen die Rekurrenten 1 und die Vorinstanz
ein Begehren um Ersatz der ausseramtlichen Kosten. Im Verfahren
Nr. 21-2386 stellen die Rekurrenten 2, die Vorinstanz sowie die Re-
kursgegnerin ein solches Begehren.
13.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
13.2 Im Verfahren Nr. 21-710 obsiegen die Rekurrenten 1 mit ihren
Anträgen. Da das Verfahren zudem in tatsächlicher und rechtlicher
Hinsicht Schwierigkeiten bot, die den Beizug einer Rechtsvertreterin
rechtfertigen, besteht grundsätzlich Anspruch auf eine ausseramtliche
Entschädigung (Art. 98bis VRP). Weil keine Kostennote vorliegt, ist die
ausseramtliche Entschädigung in Anwendung von Art. 6 in Verbindung
mit Art. 22 der Honorarordnung (sGS 963.75; abgekürzt HonO) er-
messensweise auf Fr. 2'750.– festzulegen. Sie ist von der
Rekursgegnerin zu bezahlen, welche wiederum trotz Verzichts auf
Antragsstellung als Verursacherin des Verfahrens und zufolge
Aufhebung der Baubewilligung als unterliegend zu gelten hat. Da im
Übrigen kein begründeter Antrag um Zusprechung der Mehrwertsteuer
gestellt wurde, wird diese aufgrund des per 1. Januar 2019 geänderten
Art. 29 HonO nicht zum Honorar hinzugerechnet.
13.3 Im Verfahren Nr. 21-2386 unterliegen die Rekurrenten 2 mit
ihren Anträgen. Sie hätten deshalb grundsätzlich keinen Anspruch auf
eine ausseramtliche Entschädigung. Weil jedoch ihr Anspruch auf
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 49/2021), Seite 26/27
rechtliches Gehör verletzt wurde und dies von der Vorinstanz zu ver-
antworten ist, ist die Politische Gemeinde X._ zur Leistung einer
ausseramtlichen Entschädigung von Fr. 1'000.– zu verpflichten. Weil
auch im Verfahren Nr. 21-2386 kein begründeter Antrag um Zuspre-
chung der Mehrwertsteuer gestellt wurde, ist diese wiederum nicht
zum Honorar hinzuzurechnen (Art. 29 HonO).
13.4 Die Rekursgegnerin beantragt im Verfahren Nr. 21-2386 die Ab-
weisung des Rekurses 2 und obsiegt mit diesem Antrag. Da das Ver-
fahren auch für sie in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwierig-
keiten bot, die den Beizug eines Rechtsvertreters rechtfertigen, be-
steht grundsätzlich Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung
(Art. 98bis VRP). Die ausseramtliche Entschädigung ist ebenfalls in An-
wendung von Art. 6 in Verbindung mit Art. 22 HonO ermessensweise
auf Fr. 2'750.– festzulegen. Sie ist von den Rekurrenten 2 zu bezah-
len. Ein Zuschlag für die Mehrwertsteuer entfällt, weil die Rekursgeg-
nerin keinen solchen Antrag gestellt und entsprechend auch nicht be-
gründet hat.
13.5 Die Vorinstanz hat grundsätzlich keinen Anspruch auf Ersatz der
ausseramtlichen Kosten (HIRT, a.a.O., S. 176). Sie bringt keine
Gründe vor, die ein Abweichen von dieser Regel rechtfertigen. Ihr Be-
gehren ist daher – sowohl im Verfahren Nr. 21-710 als auch im Ver-
fahren Nr. 21-2386 – abzuweisen.