Decision ID: 71347e14-4314-43c3-942d-503b797eaab1
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend einfache Körperverletzung etc. in schuldunfähigem Zustand
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Abteilung, vom 4. Dezember 2018 (DG180010)
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Antrag der Staatsanwaltschaft:
Der Antrag auf Anordnung einer Massnahme für eine schuldunfähige Person der
Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 27. August 2018 (Urk. 48) ist diesem Urteil
beigeheftet.
Berufungsanträge:
a) der Verteidigung des Berufungsklägers:
(Urk. 142 S. 1 f.)
1. Es seien die Dispositiv-Ziffern 1, 2 und 4 des Urteils vom 4. Dezember
2018 des Bezirksgerichts Meilen (DG180010) aufzuheben und der Be-
rufungskläger freizusprechen.
2. Der Berufungskläger sei umgehend aus der Haft zu entlassen. Für die
bereits erstandene Haft sei ihm eine angemessene Entschädigung zu-
zusprechen.
3. Die Kosten des Berufungsverfahrens (inkl. Kosten der amtlichen Ver-
teidigung samt MwSt.) sowie die Kosten der Haftverfahren seien auf
die Staatskasse zu nehmen.
b) der Staatsanwaltschaft See / Oberland:
(Urk. 143 S. 1)
1. Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
2. Abweisung des Antrags der Verteidigung, die Fotos des Berufungsklä-
gers seien aus dem Recht zu nehmen.
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Urteil der Vorinstanz:
1. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte A._ im Zustand der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit folgende Tatbestände erfüllt hat:
− einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB (Dossi-
er 6)
− Hausfriedensbruch im Sinne von Art. 186 StGB (Dossier 1) sowie
− mehrfache Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB
(Dossier 2 und 3)
2. Aufgrund der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit wird von einer
Strafe abgesehen.
3. Vom Vorwurf der Sachbeschädigung betreffend Dossier 4 wird der Beschul-
digte freigesprochen.
4. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von
Art. 59 StGB (Behandlung von psychischen Störungen) angeordnet.
Die bis zum heutigen Tag erstandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft
von 493 Tagen wird an die stationäre therapeutische Massnahme ange-
rechnet.
5. Die Schadenersatz- sowie die Genugtuungsbegehren der Privatklägerinnen
2 und 3 werden abgewiesen.
6. Die Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die übrigen Kosten, einschliesslich
derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden auf die Staatskasse ge-
nommen.
7. Rechtsanwalt lic. iur. X._, ... [Adresse], wird für seine Bemühungen als
amtlicher Verteidiger des Beschuldigten in der Zeit vom 29. Juni 2017 bis
4. Dezember 2018 mit total CHF 24'081.75 (inkl. MwSt.) aus der Gerichts-
kasse entschädigt.
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Die Kasse des Bezirksgerichts Meilen wird angewiesen, den ausstehenden
Betrag von CHF 14'081.75 (CHF 24'081.75 abzüglich Akontozahlung von
CHF 10'000.00) an Rechtsanwalt lic. iur. X._ auszuzahlen.
Berufungsanträge:
a) der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 142 S. 1 f.)
4. Es seien die Dispositiv-Ziffern 1, 2 und 4 des Urteils vom 4. Dezember
2018 des Bezirksgerichts Meilen (DG180010) aufzuheben und der Be-
rufungskläger freizusprechen.
5. Der Berufungskläger sei umgehend aus der Haft zu entlassen. Für die
bereits erstandene Haft sei ihm eine angemessene Entschädigung zu-
zusprechen.
6. Die Kosten des Berufungsverfahrens (inkl. Kosten der amtlichen Ver-
teidigung samt MwSt.) sowie die Kosten der Haftverfahren seien auf
die Staatskasse zu nehmen.
b) des Vertreters der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(Urk. 143 S. 1)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene, mündlich eröffnete
Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Abteilung, vom 4. Dezember 2018 meldete die
amtliche Verteidigung mit Eingabe vom 10. Dezember 2018 (Datum des Post-
stempels) rechtzeitig Berufung an (Prot. I S. 26 ff.; Urk. 87; Art. 399 Abs. 1 StPO).
Nach Erhalt des begründeten Urteils am 21. Februar 2019 reichte sie am 7. März
2019 (Datum des Poststempels) die Berufungserklärung im Sinne von Art. 399
Abs. 3 StPO ein und beantragte einen vollumfänglichen Freispruch, die Aufhe-
bung der Dispositiv-Ziffern 1-4 des vorinstanzlichen Urteils sowie eine umgehen-
de Haftentlassung (Urk. 105/1; Urk. 128). Mit Präsidialverfügungen vom 8. März
2019 wurde die Berufungserklärung den Privatklägerinnen 1-3 und der Staatsan-
waltschaft zugestellt sowie Frist für Anschlussberufung oder einen Nichteintre-
tensantrag angesetzt (Urk. 129) und das Haftentlassungsgesuch wurde abgewie-
sen (Urk. 131). Mit Eingabe vom 30. März 2019 teilte die Staatsanwaltschaft ihren
Verzicht auf Anschlussberufung mit und beantragte die Bestätigung des vorin-
stanzlichen Urteils (Urk. 138). Die Privatklägerinnen 1-3 liessen sich nicht ver-
nehmen.
2. Der Antragsgegner wurde am 27. Juni 2017 festgenommen und durch
den beigezogenen Notfallpsychiater wegen Fremdgefährdung in die Psychiatri-
sche Universitätsklinik Zürich (PUK) eingewiesen (Urk. D6/1 S. 2; Urk. D6/5).
Nach seiner Entlassung aus der Fürsorgerischen Unterbringung am 30. Juni 2017
wurde er der Staatsanwaltschaft zugeführt (Urk. D6/7; Urk. D1/33/4; Urk. D1/33/9)
und gleichentags mit Urteil des Zwangsmassnahmengerichtes des Bezirksgerich-
tes Meilen in Untersuchungshaft versetzt (Urk. D1/33/13).
Nach mehreren kurzzeitigen Hospitalisierungen in der PUK, einer Einwei-
sung in die Klinik Schlosstal der Integrierten Psychiatrie Winterthur sowie mehre-
ren Rückverlegungen ins Gefängnis Zürich (Urk. D1/33/16; Urk. D1/33/21;
Urk. D1/33/25+26), erfolgt am 25. August 2017 sein Eintritt in die PUK, Zentrum
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für Stationäre Forensische Therapie, in Rheinau (Urk. D1/21/14 S. 1), in welcher
er bis heute untergebracht ist.
Am 27. August 2018 stellte die Staatsanwaltschaft den Antrag auf Anord-
nung der Sicherheitshaft (Urk. 48). Mit Verfügung des Zwangsmassnahmenge-
richtes des Bezirksgerichtes Meilen vom 4. September 2018 wurde der Antrags-
gegner in Sicherheitshaft versetzt (Urk. 50), welche bis heute fortdauert (Urk. 82;
Urk. 126).
3. Am 12. März 2019 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf
den 14. Mai 2019 vorgeladen (Urk. 133). Anlässlich derselben stellten die Partei-
en die eingangs aufgeführten Anträge (Prot. II S. 10 f., Urk. 142 und 143).
II. Prozessuales
1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem
die Urteilsdispositivziffern 3 (Freispruch betreffend Sachbeschädigung Dossier 4),
5 (Zivilklage Privatklägerinnen 2 und 3), 6 und 7 (Kosten- und Entschädigungs-
dispositiv) unangefochten blieben (Urk. 128 S. 2), ist mittels Beschluss festzustel-
len, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang in Rechtskraft erwachsen
ist.
2. Betreffend die dem Antragsgegner vorgeworfenen Delikte des Hausfrie-
densbruchs im Sinne von Art. 186 StGB, der mehrfachen Sachbeschädigung im
Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB sowie der einfachen Körperverletzung im Sinne
von Art. 123 Ziff. 1 StGB liegen formgültige und fristgerechte Strafanträge der Pri-
vatklägerinnen 1-3 vom 14. April 2017 (Urk. D1/2), 20. April 2017 (Urk. D2/3),
10. März 2017 (Urk. D3/3), 4. Mai 2017 (Urk. D3/4), 20. April 2017 (Urk. D4/5) und
28. Juni 2017 (Urk. D6/3) vor (Art. 30 f. StGB).
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III. Sachverhalt
1. Dossier 1
Dem Antragsgegner wird vorgeworfen, er habe am Abend des 13. April 2017
die Villa B._ an der ...str. ... in C._ betreten und sich bei den ... [Haus-
teil] schlafen gelegt, wo er am Morgen des 14. April 2017 angetroffen worden sei,
obschon ihm bereits am 1. November 2016 ein Hausverbot für die gesamte Lie-
genschaft erteilt worden sei, von welchem er Kenntnis gehabt habe (Urk. 48 S. 2
f.).
Der Antragsgegner lässt den Vorwurf durch die amtliche Verteidigung be-
streiten und macht geltend, er habe weder vor Ort geschlafen, noch sei ihm je ein
Hausverbot erteilt worden. Er könne sich nicht daran erinnern, jemals von einem
solchen Kenntnis gehabt zu haben (Urk. 128 S. 3; Urk. 142 S. 2 f.).
Der Antragsgegner wurde von der Polizei am Morgen des 14. April 2017
schlafend bei der Villa B._ angetroffen (Urk. D1/1; Urk. D1/6), was fotodoku-
mentarisch festgehalten wurde (Urk. D1/3). Das unbefristete Hausverbot für die
vorgenannte Liegenschaft gültig ab 1. November 2016 (Urk. D1/4) wurde ihm am
1. November 2016 im Beisein der Polizei übergeben (Urk. D1/5), weshalb er
Kenntnis davon hatte. Zudem anerkannte der Antragsgegner nicht nur in der an-
lässlich der Tatbestandsaufnahme durchgeführten polizeilichen Einvernahme den
ihm vorgeworfenen Sachverhalt (Urk. D1/6 S. 2), sondern er bestätigte in der
staatsanwaltschaftlichen Hafteinvernahme vom 30. Juni 2017 in Anwesenheit der
amtlichen Verteidigung auch, vom Hausverbot für die vorgenannte Liegenschaft
Kenntnis gehabt zu haben (Urk. D1/8 S. 1 und S. 2 f., insbes. Antw. auf Fragen 9
und 10). Von einem falschen Geständnis des Antragsgegners bei der Polizei, wie
es die Verteidigung heute geltend machte (Urk. 142 S. 3), ist deshalb nicht auszu-
gehen.
Entsprechend ist der Sachverhalt in Übereinstimmung mit der Vorinstanz
(Urk. 109 S. 7) als erstellt zu erachten.
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2. Dossier 2
Dem Antragsgegner wird weiter vorgeworfen, am 20. April 2017, ca. 09.19
Uhr, mit unbekanntem Gegenstand bewusst gegen den Kühlergrill und das Ra-
dargerät des Abstandsreglers des Personenwagens Mercedes, welcher vor der
D._ Automobile AG auf dem Parkplatz angrenzend am Trottoir abgestellt ge-
wesen sei, geschlagen zu haben, in der Absicht, das Fahrzeug zu beschädigen.
Zumindest habe er eine Beschädigung in Kauf genommen. Dabei sei ein Sach-
schaden in der Höhe von ca. Fr. 1'000.– entstanden (Urk. 48 S. 3).
Der Antragsgegner bestreitet den Vorwurf (Urk. D2/6 S. 2; Urk. D1/8 S. 3)
und macht geltend, er sei weder vor Ort gewesen, noch habe er die Sachbeschä-
digung begangen. Die Zeugenaussagen würden nicht ausreichen, um seine
Schuld zu beweisen, so die Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung
(Urk. 128 S. 3; Urk. 142 S. 3).
Die rechtstheoretischen Grundsätze der richterlichen Beweiswürdigung wur-
den im angefochtenen Urteil zutreffend wiedergegeben. Es kann darauf verwie-
sen werden (Urk. 109 S. 8 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung wird bei der Würdigung von Aussagen nicht mehr wie früher
Gewicht auf die generelle Glaubwürdigkeit des Einvernommenen im Sinne einer
dauerhaften personalen Eigenschaft gelegt, sondern diesem Gesichtspunkt
kommt kaum mehr relevante Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahr-
heitsfindung ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage, welche durch metho-
dische Analyse ihres Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf ein bestimmtes Ge-
schehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des Aussagenden
entspringen (BGE 133 I 33 E. 4.3).
Die Aussagen der Zeugin E._ anlässlich der Einvernahme durch die
Kantonspolizei Zürich vom 20. April 2017 (Urk. D2/1) sowie anlässlich der staats-
anwaltschaftlichen Einvernahme vom 28. November 2017 (Urk. D1/9) wurden im
angefochtenen Urteil zutreffend wiedergegeben, sodass vollumfänglich darauf
verwiesen werden kann (Urk. 109 S. 9 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Sie bestätigte in ih-
ren Einvernahmen schlüssig und konstant, dass sie zum Tatzeitpunkt an der Bus-
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haltestelle in C._ gegenüber der D._ Automobile AG gestanden sei, als
sie ein Krachen gehört habe. Sie habe dann einen Mann von hinten gesehen, wel-
cher schwarze, weite Hosen sowie einen roten Kapuzenpullover getragen habe,
wobei die Kapuze oben gewesen sei. Er sei ca. 180 cm gross und schlank gewe-
sen (Urk. D2/1 S. 4; Urk. D1/9 S. 3 ff.). Sie habe gesehen, wie dieser Mann seine
Hand mit einer Flasche vom Fahrzeug zurückgezogen habe und Plastikteile der
Fahrzeugfront zu Boden gefallen seien. Den eigentlichen Schlag gegen das Auto
habe sie zwar nicht gesehen, aber dieser Mann müsse es gewesen sein, da sie
den Krach gehört und dann gesehen habe, wie die Fahrzeugteile zu Boden gefal-
len seien (Urk. D2/1 S. 4). Auf Vorhalt der Fotobogen (Urk. D3/5; Urk. D3/6) identi-
fizierte sie den Antragsgegner schliesslich als Täter (Urk. D1/9 S. 5, Antw. auf
Fragen 29 und 30; die Verteidigung lässt dies in Urk. 142 S. 3 ausser Acht). Zu-
dem erstellte die Kantonspolizei am Tattag eine Fotodokumentation über das be-
schädigte Fahrzeug sowie den Antragsgegner (Urk. D2/2); in Übereinstimmung
mit der Beschreibung der Zeugin E._ trägt er eine schwarze Hose sowie ei-
nen roten Kapuzenpullover. Die Zeugin E._ wurde jeweils auf die strafpro-
zessualen Rechte und Pflichten aufmerksam gemacht (Urk. D2/1 S. 4) und sagte
unter der Strafandrohung von Art. 307 StGB aus (Urk. D1/9 S. 2). Sie belastete
den Antragsgegner auch nicht übermässig, sondern gab zu Protokoll, dass sie den
eigentlichen Schlag gegen das Fahrzeug nicht gesehen habe (Urk. D2/1 S. 4).
Zudem steht sie in keinerlei persönlicher Beziehung zu ihm (Urk. D1/9 S. 2 f.). In
Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 109 S. 10) ist kein Grund ersichtlich,
weshalb sie den ihr unbekannten Antragsgegner zu Unrecht belasten sollte.
Die Aussagen der Zeugin E._ werden zudem durch die Aussagen von
D._ untermauert, welcher bestätigte, dass sich am Tattag eine Frau gemeldet
habe, um mitzuteilen, dass ein Mann mit rotem Kapuzenpullover eines der Fahr-
zeuge an der Front beschädigt habe. Er sei dann zusammen mit einem Mitarbeiter
nachsehen gegangen, und sie hätten den Mann noch davongehen gesehen. Sie
hätten ihn schon aufgrund seines Ganges und der Kleidung als den Antragsgeg-
ner erkannt (Urk. D2/1 S. 3). Auch anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einver-
nahme vom 28. November 2017 bestätigte D._ unter Strafandrohung von Art.
303-305 StGB (Urk. D1/11 S. 2), dass er den Mann noch gesehen und herum-
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schreien gehört habe. Er habe den Täter an den Kleidern erkennen können, an
der Kapuzenjacke mit der Kapuze auf dem Kopf (Urk. D1/11 S. 6, Antw. auf Frage
46). Da D._ den Antragsgegner nie aus der Nähe, sondern nur aus der Dis-
tanz gesehen hat, als dieser sich bereits mit über den Kopf gezogener Kapuze
vom Tatort entfernt hatte, erstaunt auch nicht, dass er diesen auf Vorhalt der Fo-
tobogen nicht identifizieren konnte (Urk. D1/11 S. 8). Daraus kann die Verteidi-
gung nichts zugunsten des Antragsgegners ableiten (Urk. 128 S. 4, auch nicht
Urk. 142 S. 3), zumal dieser von der Zeugin E._, welche den Vorfall von der
gegenüberliegenden Strassenseite her beobachten konnte, ab dem vorgehaltenen
Fotobogen eindeutig als Täter identifiziert wurde.
Folglich verbleiben aufgrund der glaubhaften Aussagen der Zeugin E._
sowie von D._ keine Zweifel, dass der Antragsgegner die ihm vorgeworfene
Sachbeschädigung begangen hat, sodass der Sachverhalt erstellt ist.
3. Dossier 3
Dem Antragsgegner wird zudem vorgeworfen, am 3. März 2017, ca. 18.41
Uhr, bewusst mehrfach mit seinem Fuss gegen den vorderen linken Seitenbereich
des Personenwagens Porsche, welcher vor der D._ Automobile AG auf dem
Parkplatz angrenzend am Trottoir abgestellt gewesen sei, getreten und absichtlich
mit einem Schirm und/oder einer Flasche gegen den vorderen linken Seitenbe-
reich und den linken Seitenspiegel geschlagen zu haben. Weiter habe er am 4.
März 2017, gegen 07.00 Uhr, bewusst mehrfach mit seinem Fuss gegen den lin-
ken vorderen Seitenbereich des genannten Personenwagens Porsche getreten.
Dabei habe er jeweils in der Absicht gehandelt, das Fahrzeug zu beschädigen,
zumindest habe er eine Beschädigung in Kauf genommen. Insgesamt sei ein
Sachschaden in der Höhe von Fr. 4'470.– entstanden (Urk. 48 S. 3 f.).
Der Antragsgegner bestreitet den Vorwurf (Urk. D3/11 S. 4 f.; Urk. D1/8 S. 4)
und macht geltend, er sei weder vor Ort gewesen, noch habe er die Sachbeschä-
digung am Porsche begangen. Ihm sei nicht klar, weshalb seine Person mit der
Beschädigung in Zusammenhang gebracht werde. Die Verteidigung machte an
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der Berufungsverhandlung geltend, die Angaben der Zeugen zur Beschreibung
der fraglichen Person seien inkonsistent (Urk. 128 S. 4; Urk. 142 S. 4).
Die Aussagen der Zeugen F._ (Urk. D3/1 S. 5 f.; Urk. D3/8; D1/10) und
G._ (Urk. D3/1 S. 6 f.; Urk. D3/9; Urk. D1/12) wurden im angefochtenen Urteil
zutreffend wiedergegeben, sodass vollumfänglich darauf verwiesen werden kann
(Urk. 109 S. 12 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
F._ bestätigte in seinen Einvernahmen detailliert und konstant, dass er
aufgrund eines Geräusches aus seinem Fenster geschaut und gesehen habe, wie
der bekannte "H._" aus der Gegend mit einer Flasche mehrere Male ziemlich
aggressiv auf den linken Seitenspiegel des betreffenden Fahrzeuges eingeschla-
gen habe. Dieser Mann sei bekannt. Er fluche immer laut vor sich hin und trage
viele Kleider. Er sei ca. 175 cm gross, 40 Jahre alt, habe eine dunkle Hautfarbe,
dunkle Haare und trage einen Bart (Urk. D3/1 S. 5 f.; Urk. D3/8 S. 1 f.; Urk. D1/10
S. 4 ff.). Am Samstagmorgen habe er erneut von seinem Wohnzimmerfenster aus
gesehen, wie derselbe Mann einige Male dynamisch in die gleiche Seite des
Fahrzeuges getreten habe (Urk. D3/8 S. 2; D1/10 S. 5). Anlässlich der staatsan-
waltschaftlichen Einvernahme vom 28. November 2017 reichte F._ zudem ein
Foto zu den Akten, welches den Täter zeige; dabei handelt es sich um den An-
tragsgegner (Urk. D1/10 S. 6 und Anhang). Entgegen der Ansicht der Verteidigung
ist das fragliche Foto als Beweismittel verwertbar und damit bei den Akten zu be-
lassen (vgl. Urk. 142 S. 4). Das Foto zeigt den Antragsgegner auf einer öffentli-
chen Bank bei einem Bushäuschen sitzend, das Gesicht zur Seite gedreht und mit
Sonnenbrille. Es handelt sich um ein älteres Foto, das privat für eine Fotoserie
(genannt "Bushüsli") gemacht wurde und rein zufällig den Antragsgegner in einer
öffentlichen Alltagssituation zeigt (ohne Zusammenhang zu den heute zu beurtei-
len Taten). Auch wenn der Antragsgegner zu diesem Foto damals nicht explizit
einwilligte, handelt es sich nicht um ein rechtswidrig erlangtes Beweismittel. Eine
Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte ist damit noch nicht gegeben. Auch die
Verteidigung hat solches nicht näher dargelegt (Urk. 142 S. 4). Das Foto war zur
Identifikation des Antragsgegners als Täter denn auch nicht entscheidend, son-
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dern bestätigte lediglich die bereits vorhandenen, klaren Hinweise auf seine Täter-
schaft.
Der Zeuge F._ gab weiter zu Protokoll, dass er den Antragsgegner als
Passanten vom Sehen her kennen würde (Urk. D1/10 S. 2). Er habe diesen schon
vorher auf der Strasse vorbeigehen sehen (Urk. D3/8 S. 2), und dieser habe ein-
mal im "Sonnenschein" auf der Wiese sein Lager mit vielen Regenschirmen auf-
geschlagen und dort genächtigt (Urk. D3/1 S. 5). Der Antragsgegner war dem
Zeugen optisch somit durchaus bekannt. Entsprechend identifizierte er diesen auf
Vorhalt der Fotobogen (Urk. D3/5; Urk. D3/6) auch zweifellos als Täter (Urk. D3/8
S. 1, Antw. auf Frage 4; Urk. D1/10 S. 6, Antw. auf Fragen 41 f.)
Auch der Zeuge G._ wiederholte in seinen Einvernahmen gleichblei-
bend, dass er sich bei der D._ Automobile AG Autos angesehen habe, als er
plötzlich Lärm gehört habe. Er sei dann näher herangegangen und habe gesehen,
wie eine Person mit einem türkisen Schirm wie ein Wilder ca. 20 Mal auf den lin-
ken Seitenspiegel dieses Fahrzeuges eingeschlagen habe. Er habe richtig die Wut
herausgelassen (Urk. D3/1 S. 6 f.; D3/9 S. 1 f.; Urk. D1/12 S. 3 ff., insbes. S. 5,
Antw. auf Fragen 22-25). Der Täter sei ca. 170 cm gross und von nordafrikani-
scher Herkunft gewesen mit heller Haut, ca. 40-jährig, und einem dunklen Um-
hang (Urk. D3/1 S. 6 f.). Anlässlich der Einvernahme durch die Kantonspolizei Zü-
rich vom 7. März 2017 identifizierte der Zeuge G._ den Antragsgegner auf
Vorhalt beider Fotobogen (Urk. D3/5; Urk. D3/6) zweifellos als Täter (Urk. D3/9 S.
1, Antw. auf Fragen 4 ff.). Dass er diesen bei seiner staatsanwaltschaftlichen Zeu-
geneinvernahme vom 28. November 2017 nur noch auf Vorhalt des Fotobogens
Ganzkörper (Urk. D3/5) identifizieren konnte (Urk. D1/12 S. 6), erstaunt angesichts
der seit der Tat vom 3. März 2017 verstrichenen Zeit nicht, da nachvollziehbar ist,
dass das Erinnerungsvermögen bezüglich einzelner Details nach mehreren Mona-
ten teilweise abgenommen hat.
Beide Zeugen wurden anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen
auf die Straffolgen von Art. 307 StGB hingewiesen (Urk. D1/10 S. 2; Urk. D1/12
S. 1 f.). Ihre Aussagen stimmen entgegen der Ansicht der Verteidigung in den we-
sentlichen Punkten überein, sind schlüssig und glaubhaft. Zudem stehen beide in
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keinerlei persönlicher Beziehung zum Antragsgegner, sondern sie bestätigten,
diesen lediglich vom Sehen her zu kennen (Urk. D1/10 S. 2; Urk. D1/12 S. 2).
Auch bei ihnen sind – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 109 S. 15) –
keine Gründe ersichtlich, weshalb sie den Antragsgegner zu Unrecht belasten soll-
ten.
Der entstandene Schaden am Porsche ist zudem fotodokumentarisch fest-
gehalten (Urk. D3/2). Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass die Staatsanwalt-
schaft I._ nicht als Zeugin einvernehmen konnte, da sie hatte Angst, der An-
tragsgegner würde sie erkennen und sich an ihr rächen (Urk. D1/17; Urk. D1/18).
Demzufolge können ihre Aussagen, wie auch die Vorinstanz zutreffend erwogen
hat (Urk. 109 S. 14), mangels Konfrontation mit dem Antragsgegner nicht zu des-
sen Nachteil verwertet werden. Allerdings verbleiben bereits gestützt auf die
glaubhaften Aussagen der Zeugen F._ und G._ keine Zweifel daran,
dass der Antragsgegner den Porsche beschädigt hat. Der Sachverhalt ist somit
erstellt.
4. Dossier 6
Dem Antragsgegner wird ferner vorgeworfen, am 27. Juni 2017, ca. 17.20
Uhr, der ihm auf dem ...-weg entgegenkommenden, ihm nicht bekannten Privat-
klägerin 3, J._, unvermittelt einen Faustschlag gegen die rechte Gesichtshälf-
te versetzt zu haben. Dadurch habe diese mehrere Verletzungen an der rechten
Ohrmuschel erlitten, welche an einer Stelle geblutet hätten, sodass die Wunde
desinfiziert und mit einem Antibiotikum habe behandelt werden müssen. Ebenso
sei eine Tetanus-Auffrischung notwendig gewesen, um eine Infektion zu verhin-
dern. Auch sei für den 27. Juni 2017 eine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden (Urk.
48 S. 4 f.).
Der Antragsgegner bestreitet den Vorwurf und macht geltend, dass er keine
Frauen schlage. Zum Tatzeitpunkt habe er bei der ... [Restaurant] in der ... [Ort]
einen Burger gegessen (Urk. D1/8 S. 5 f.). Er habe das nicht gemacht. Er könne
sich nicht erinnern, aber er habe an diesem Tag niemanden geschlagen
(Urk. D1/33/52 S. 3). Ergänzend führte die Verteidigung aus, dass dem Antrags-
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gegner körperliche Gewalt fern liege, insbesondere solche gegen Frauen. Dieser
könne sich nicht erklären, weshalb er von der Privatklägerin 3 und den Zeugen be-
lastet werde (Urk. 128 S. 4).
Die Aussagen der Privatklägerin 3 (Urk. D6/4 S. 1 f.; Urk. D1/13) sowie der
Zeugin K._ (Urk. D1/14) und des Zeugen L._ (Urk. D1/15) wurden im
angefochtenen Urteil zutreffend wiedergegeben; es kann vollumfänglich darauf
verwiesen werden (Urk. 109 S. 18 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Die Privatklägerin 3 schilderte den Vorfall sowohl anlässlich der Einvernahme
bei der Stadtpolizei Zürich vom 28. Juni 2017 (Urk. 6/4 S. 1 f.) als auch anlässlich
der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 28. November 2017 (Urk. D1/13)
konstant und schlüssig. Sie führte dazu aus, dass ihr ein Mann entgegengekom-
men sei, welcher sich dann plötzlich auf sie gestürzt und ihr einen Faustschlag
verpasst habe. Da sie sich bewegt habe, habe er sie nur am Ohr erwischt. Er habe
sie mit der Faust unterhalb des rechten Ohres geschlagen, sodass sie Kratzer er-
litten habe (Urk. D6/4 S. 1 f.; Urk. D1/13 S. 4 ff.). Sie habe dann am Ohr geblutet.
Auch am Hals habe sie wenige kleine Schnitte gehabt. Dieser Mann habe ihr ins
Gesicht schlagen wollen, sie sei aber ausgewichen. Er sei sehr aggressiv gewe-
sen (Urk. D1/13 S. 4 ff.). Ein anderer Fussgänger sei dann gekommen und habe
diesen Mann gestoppt und so verhindert, dass dieser sie nochmals angreife
(Urk. D6/4 S.1; Urk. D1/13 S. 4). Der Mann, der sie angegriffen habe, sei ihr durch
seine verwirrte Verhaltensweise aufgefallen, und er habe immer streng gerochen
(Urk. D6/4 S. 1). Er habe schmutzige Kleider getragen. Er habe schwarze Haare
und wirke absolut verrückt (Urk. D1/13 S. 6, Antw. auf Fragen 33 f.). Der Antrags-
gegner war der Privatklägerin 3 vom Sehen her bereits bekannt. Entsprechend
bestätigte sie, dass er bereits eine Woche am ...-weg ... vor dem Haus geschlafen
habe, in welchem sie arbeite (Urk. D1/13 S. 5). Folglich identifizierte sie diesen auf
Vorhalt der Fotobogen (Urk. D3/5; Urk. D3/6) zweifelsfrei als Täter (Urk. D1/13 S.
7). Die Privatklägerin 3 hat zwar Zivilforderungen geltend gemacht, weshalb sie
gewisse eigene Interessen am Verfahrensausgang hat. Sie steht aber in keinerlei
persönlicher Beziehung zum Antragsgegner (Urk. D1/13 S. 2) und sagte jeweils
unter Strafandrohung von Art. 303-305 StGB aus (Urk. D1/13 S. 2). Wie bereits
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die Vorinstanz zutreffend erwog (Urk. 109 S. 20), sind keine Gründe ersichtlich,
weshalb sie den Antragsgegner zu Unrecht belasten sollte.
Die Aussagen der Privatklägerin 3 decken sich zudem mit den Zeugenaus-
sagen von K._ und L._, welche den Vorfall unter der Strafandrohung von
Art. 307 StGB (Urk. D1/14 S. 1; Urk. D1/15 S. 1) übereinstimmend schilderten. Die
Zeugin K._ sagte aus, dass sie zusammen mit ihrer Freundin, der Privatklä-
gerin 3, unterwegs gewesen sei, als plötzlich ein Mann Anlauf genommen und in
Richtung der Privatklägerin 3 geschlagen habe. Diese habe dann am Ohr geblutet
(Urk. D1/14 S. 4, insbes. S. 6). Es sei ein Schlag mit der Faust ins Gesicht gewe-
sen. Er habe diese am rechten Ohr erwischt; zum Glück habe sich diese wegge-
dreht, sonst hätte er ihr direkt ins Gesicht geschlagen (ebenda, S. 5, Antw. auf
Fragen 21-24). Der Mann habe etwas dunklere Haut und dunkle Haare gehabt. Er
habe einen Bart getragen und sehr stark gestunken. Er habe wütend gewirkt
(ebenda, S. 6). Es sei dann ein weiterer Mann dazugekommen, welcher ihnen ge-
holfen habe (ebenda, S. 4). Auch der Zeuge L._ bestätigte, dass er hinter den
beiden Frauen gelaufen sei und so den Schlag des Mannes gesehen habe. Dieser
Mann habe dann erneut ausgeholt, weshalb er dazwischen gegangen sei und ihn
weggeschubst habe. Der Mann habe wirres Zeug gesprochen und geistig verwirrt
gewirkt (Urk. D1/15 S. 3 und S. 5). Auf entsprechende Frage bestätigte der Zeuge
L._, dass die Privatklägerin 3 ziemlich gewalttätig mit der Faust geschlagen
worden sei und am Ohr geblutet habe (ebenda, S. 4, Antw. auf Frage 24). Zudem
reichte er ein Foto ein, welches er vom Täter gemacht habe (Urk. D1/15 S. 4; Urk.
D1/15a); dieses zeigt den Antragsgegner. Die Verteidigung machte auch hierzu
geltend, das Foto sei aus dem Recht zu weisen, die Aufnahme verletzte die Per-
sönlichkeitsrechte des Antragsgegners (Urk. 142 S. 4). Das Foto wurde unmittel-
bar nach der Tat aufgenommen, um bei der Polizei in der Folge Anzeige gegen
den Antragsgegner erstatten zu können. Zweck des Fotos war somit, ein Beweis-
mittel zur Identifikation des Täters vorlegen zu können. Eine Einwilligung des An-
tragsgegner fehlte zwar (naturgemäss unter den gegebenen Umständen), jedoch
überwiegen die privaten und öffentlichen Interessen, wenn es wie im vorliegenden
Fall darum geht, eine allenfalls als einfache Körperverletzung einzustufende Tat
gegen eine Person anzuzeigen, die dem Opfer völlig unbekannt ist. Die Geschä-
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digte hatte angesichts des gegen sie unvermittelt erfolgten Angriffs ein schüt-
zenswertes und den Persönlichkeitsschutz des Antragsgegners überwiegendes In-
teresse auf Identifikation und Verfolgung der Täterschaft. Das Foto ist folglich als
gültiger Beweis bei den Akten zu belassen.
Der Zeuge L._ bestätigte, in keinerlei Beziehung zum Antragsgegner
oder der Privatklägerin 3 zu stehen (Urk. D1/15 S. 2). Die Zeugin K._ gab an,
mit der Privatklägerin 3 befreundet zu sein, und den Antragsgegner bereits einige
Tage vor der Tat in dieser Gegend gesehen zu haben. Er sei ihr bereits aufgrund
eines Zwischenfalls in einem Geschäft aufgefallen (Urk. D1/14 S. 3 und S. 5). Auf
Vorhalt der Fotobogen (Urk. D3/5; Urk. D3/6) identifizierten beide Zeugen den An-
tragsgegner zweifellos als Täter (Urk. D1/14 S. 6; Urk. D1/15 S. 5), wobei er ins-
besondere der Zeugin K._ optisch durchaus bekannt war.
Die Verletzungen der Privatklägerin 3 sind dokumentiert. Sie begab sich un-
mittelbar nach dem Vorfall in ärztliche Behandlung. Aus dem Bericht der ... Not-
fallpraxis Zürich vom 13. Dezember 2017 geht hervor, dass die Privatklägerin 3
am 27. und 28. Juni 2017 in Behandlung gewesen sei und mehrere Verletzungen
an der Ohrmuschel rechts – an Kratzspuren erinnernd und an einer Stelle blutend
– aufgewiesen habe (Urk. D6/9/3).
Sowohl die Privatklägerin 3 als auch die Zeugen K._ und L._ sag-
ten unter der Strafandrohung von Art. 303-305 StGB respektive Art. 307 StGB
aus, und alle drei konnten den Antragsgegner zweifelsfrei als Täter identifizieren.
Dieser konnte zudem aufgrund der übereinstimmenden Aussagen der Privatkläge-
rin 3 sowie der beiden Zeugen unmittelbar nach der Tat ca. 100 m vom Tatort ent-
fernt verhaftet werden (Urk. D6/1 S. 2). Obwohl die Privatklägerin 3 Zivilforderun-
gen geltend machte (Urk. D6/10/4) und damit ein Interesse am Ausgang des Ver-
fahrens hat, ist – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 109 S. 20) – kein
Grund ersichtlich, weshalb sie den Antragsgegner falsch belasten sollte. Auch bei
den beiden Zeugen ist kein Grund ersichtlich, weshalb sie diesen zu Unrecht be-
lasten sollten. Demzufolge verbleiben keine Zweifel daran, dass der Antragsgeg-
ner der Privatklägerin 3 einen Faustschlag versetzt hat, wodurch sich die Privat-
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klägerin 3 Verletzungen an der rechten Ohrmuschel zugezogen hat. Der Sachver-
halt ist damit erstellt.
5. Die Sachverhalte betreffend Dossier 1, 2, 3 und 6 sind folglich erstellt.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz erwog, dass der Antragsgegner die Tatbestände der einfa-
chen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB, des Hausfriedens-
bruchs im Sinne von Art. 186 StGB sowie der mehrfachen Sachbeschädigung im
Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB in einem Zustand vollständiger Schuldunfähigkeit
im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB erfüllt hat. Sie hat die gesetzlichen Definitionen
dieser Tatbestände richtig wiedergegeben (Urk. 109 S. 21 ff.), sodass darauf ver-
wiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Der Antragsgegner betrat trotz Hausverbot vom 1. November 2016
(Urk. D1/4) die ... [Hausteil] der Villa B._ und legte sich dort bewusst, im Wis-
sen um das bestehende Hausverbot schlafen. Denn entgegen der Verteidigung
hatte er durchaus Kenntnis vom bestehenden Hausverbot, da es ihm am 1. No-
vember 2016 im Beisein der Polizei übergeben wurde (Urk. D1/5) und er in der
staatsanwaltschaftlichen Hafteinvernahme vom 30. Juni 2017 in Anwesenheit sei-
nes amtlichen Verteidigers selber bestätigte, vom Hausverbot für die vorgenannte
Liegenschaft Kenntnis gehabt zu haben (Urk. D1/8 S. 1 und S. 2 f., insbes. Antw.
auf Fragen 9 und 10). Die Vorinstanz hat somit zutreffend erwogen (Urk. 109 S.
21), dass der Antragsgegner mit seinem Verhalten den Tatbestand des Hausfrie-
densbruchs im Sinne von Art. 186 StGB (Dossier 1) erfüllt hat.
3. Bezüglich Dossier 3 ist das Verhalten des Antragsgegners offensichtlich
als Sachbeschädigung zu qualifizieren. Die durch ihn verursachten Schäden an
den beiden Fahrzeugen der Privatklägerin 2 (Personenwagen Mercedes, Dossier
2; Personenwagen Porsche, Dossier 3) sind dokumentiert (Urk. D2/2; Urk. D3/2).
Der Antragsgegner schlug und trat bewusst mehrfach gegen die Fahrzeuge und
beschädigte diese somit vorsätzlich. Die Verteidigung macht zwar geltend, die
rechtliche Würdigung der Vorinstanz sei unzutreffend (Urk. 128 S. 4), ohne weitere
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Ausführungen dazu zu machen respektive dies substantiiert zu begründen. Die
rechtliche Würdigung der Vorinstanz ist zutreffend. Der Tatbestand der Sachbe-
schädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB (Dossier 2 und 3) ist mehrfach er-
füllt.
4. Die Vorinstanz würdigte das Verhalten des Antragsgegners zum Nachteil
der Privatklägerin 3 (Dossier 6) als einfache Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 StGB (Urk. 109 S. 22 f.). Die Verteidigung machte auch anlässlich
der Berufungsverhandlung geltend, dass aufgrund der Geringfügigkeit der Verlet-
zung maximal von einer Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 StGB auszugehen sei
(Urk. 142 S. 5, zuvor Urk. 128 S. 4 f.).
Eine einfache Körperverletzung ist in Abgrenzung zur Tätlichkeit gegeben,
wenn nicht mehr bloss eine harmlose Beeinträchtigung der körperlichen Integrität
oder des gesundheitlichen Wohlbefindens gegeben ist. Die körperliche Integrität
ist dann im Sinne einer einfachen Körperverletzung beeinträchtigt, wenn innere
oder äussere Verletzungen oder Schädigungen zugefügt werden, die mindestens
eine gewisse Behandlung und Heilungszeit erfordern, sofern sie um einiges über
blosse Kratzer hinausgehen. Bei Blutergüssen, Schürfungen, Kratzwunden oder
Prellungen ist die Abgrenzung der einfachen Körperverletzung zum Tatbestand
der Tätlichkeiten begrifflich nur schwer möglich (BGE 134 IV 189 E. 1.3 mit Hin-
weisen). Auf blosse Tätlichkeiten ist zu erkennen, wenn Schürfungen, Kratzwun-
den, Quetschwunden oder bloss blaue Flecken so harmlos sind, dass sie in kür-
zester Zeit vorübergehen und ausheilen (ROTH/BERKE-MEIER, in: NIGGLI/
WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Aufl., Basel 2019, N 3 f. zu
Art. 123 StGB). Die Tätlichkeit wird gegenüber der einfachen Körperverletzung
somit dadurch abgegrenzt, dass diese gerade keine Schädigung des Körpers
oder der Gesundheit zur Folge hat. Selbst leichte gesundheitliche Beeinträchti-
gungen, welche ein deutliches, freilich vorübergehendes Missbehagen verursa-
chen, sind als Tätlichkeiten zu werten (ROTH/KESHELAVA, in: NIGGLI/ WIPRÄCHTI-
GER, Basler Kommentar, Strafrecht I, a.a.O., N 3 ff. zu Art. 126 StGB). Als leichter
Fall einer einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB
sind sodann Angriffe auf die körperliche Integrität des Menschen in der untersten
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"Brandbreite" des Grundtatbestandes zu werten (ROTH/BERKE-MEIER, a.a.O., N 8
zu Art. 123 StGB). Für die Beantwortung der Frage, ob ein leichter Fall einer Kör-
perverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB vorliegt, ist auf die ge-
samten Umstände der Tat und nicht bloss auf die objektiven Verletzungsfolgen
abzustellen (BGE 127 IV 59 E. 2a/bb). Die Abgrenzung zwischen Tätlichkeiten
und einfacher Körperverletzung gilt als schwierig, weshalb sich der Richter auf
sein Erfahrungswissen berufen und seine eigene Wertung in die Würdigung ein-
bringen darf (ROTH/BERKE-MEIER, a.a.O., N 6 zu Art. 123 StGB). Dem Richter
steht somit ein relativ grosses Ermessen zu. Tätlichkeiten sind einerseits nach
"unten" abzugrenzen zu den harmlosen, noch nicht strafwürdigen "Rempeleien"
sowie gegen "oben" zu den als Vergehen geltenden Körperverletzungen
(ROTH/KESHELAVA, a.a.O., N 2 f. und N 5 zu Art. 126 StGB).
Die Privatklägerin 3 hat durch den Faustschlag des Antragsgegners mehrere
Verletzungen an der Ohrmuschel rechts, an Kratzspuren erinnernd und an einer
Stelle blutend, erlitten (Urk. D6/9/3), weshalb sie am 27. und 28. Juni 2017 in ärzt-
licher Behandlung war. Aus dem Bericht der ... Notfallpraxis Zürich vom
13. Dezember 2017 geht hervor, dass die Hautverletzungen der Privatklägerin 3
eine Behandlung mit Desinfektion und Antibiotikum sowie eine Tetanus-
Auffrischung zur Folge hatten, um Infektionen zu verhindern (Urk. D6/9/3). Zwar
war die Privatklägerin 3 aufgrund der erlittenen Verletzungen nicht krankgeschrie-
ben, der behandelnde Arzt bestätigte aber eine Arbeitsunfähigkeit für den 27. und
maximal noch den 28. Juni 2017 (Urk. D6/9/3). Entgegen der Auffassung der Ver-
teidigung (Urk. 128 S. 5; Urk. 142 S. 5) geht aus dem ärztlichen Bericht vom
13. Dezember 2017 durchaus hervor, dass die Behandlung mit Desinfektion, Anti-
biotikum sowie die Tetanus-Auffrischung erfolgt waren, um eine Infektion zu ver-
hindern (Urk. D6/9/3). Die Behandlung war damit nicht einfach überflüssig, wie
dies die Verteidigung wiederholt ausgeführt hat, sondern klar erforderlich. Die Ar-
gumentation der Verteidigung, es liege in der Natur der ärztlichen Tätigkeit, zu
Übervorsicht zu neigen, verfängt vor diesem Hintergrund nicht (Urk. 142 S. 5). Die
erfolgte Behandlung erscheint durchaus angemessen. Zudem hätte eine gewis-
senhafte Vergleichsperson in der Situation der Geschädigten ebenfalls eine Arzt-
praxis aufgesucht und sich entsprechend behandeln lassen.
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Der Faustschlag des Antragsgegners erfolgte ohne "Vorwarnung" und un-
vermittelt gegen das Gesicht der Privatklägerin 3. Hätte sich die Privatklägerin 3
nicht wegdrehen können, hätte sie der Schlag direkt ins Gesicht und nicht nur un-
terhalb des rechten Ohres getroffen. Er verpasste ihr auch nicht einfach eine Ohr-
feige mit der offenen Hand, sondern schlug ihr mit der Faust unvermittelt ins Ge-
sicht. Dabei war er aggressiv und wütend, was nicht nur die Privatklägerin 3, son-
dern auch die Zeugin K._ bestätigte (Urk. D1/13 S. 4 ff.; Urk. D1/14 S. 6). Der
Faustschlag wies eine gewisse Wucht auf, was sich auch aus den Aussagen des
Zeugen L._ ergibt, welcher ausführte, der Antragsgegner habe die Privatklä-
gerin 3 ziemlich gewalttätig mit der Faust geschlagen (Urk. D1/15 S. 4, Antw. auf
Frage 24). Dem Antragsgegner muss zumindest Eventualvorsatz hinsichtlich einer
einfachen Körperverletzung vorgehalten werden, konnte er doch nicht einschät-
zen, welche Verletzungen er mit seinem direkt ins Gesicht der Privatklägerin 3
ausgeführten Faustschlag bewirken würde. Dabei kann es ohne Weiteres zu ei-
nem Nasenbeinbruch, zu Verletzungen am Auge, an den Wangenknochen oder im
Mundbereich etc. des Opfers kommen, was allgemein als bekannt vorausgesetzt
werden darf, gerade auch wenn es sich um einen unvermittelten Schlag eines
körperlich überlegenen Mannes gegenüber einer Frau handelt.
Tatsache ist auch, dass die Privatklägerin 3 Verletzungen erlitten hat, die ge-
blutet haben (Urk. D6/9/3). Insgesamt überschreiten die Verletzungen das Mass
einer bloss vorübergehenden Befindlichkeitsstörung im Sinne der Tätlichkeit und
erforderten zudem eine ärztliche Behandlung. Der Umstand, dass die Verletzungs-
folgen für die Geschädigte nicht erheblich waren, ist zudem einzig dem Umstand
zu verdanken, dass diese sich rechtzeitig abdrehen konnte. Unter Berücksichti-
gung der gesamten Umstände der Tat ist das Vorgehen des Antragsgegners im
Rahmen des dem Gericht zustehenden Ermessens als einfache Körperverletzung
im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB zu qualifizieren, ohne dabei von einem leichten
Fall gemäss Abs. 2 der Bestimmung auszugehen (Dossier 6).
5. Prof. Dr. med. M._ attestiert dem Antragsgegner in seinem psychiatri-
schen Gutachten vom 14. März 2018 (Urk. D1/20/29) eine paranoide Schizophre-
nie, kontinuierlich (ICD-10: F20.00), eine Störung durch Cannabis, Abhängigkeit,
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derzeit abstinent in beschützender Umgebung (ICD-10: F12.21) sowie eine Stö-
rung durch multiplen Substanzgebrauch (Alkohol, Kokain, verschreibungspflichtige
Medikamente, Speed, etc.), schädlicher Gebrauch, derzeit abstinent in beschüt-
zender Umgebung (ICD-10: F19.11), wobei die Erkrankung so schwer ausgeprägt
sei, dass dieser selbst in einer Gruppe schwer erkrankter schizophrener Patienten
eine Ausnahmerolle einnehme. Er sei vollständig in seiner Perspektive gefangen
und aus dem wahnhaften Erleben heraus kaum mehr in der Lage, Kontakt zu an-
deren Menschen aufzunehmen oder aufrecht zu erhalten (Urk. D1/20/29 S. 37 f.
und S. 44). Die vorgeworfenen Straftaten würden in einem eindrücklichen Zu-
sammenhang mit der Krankheitssymptomatik stehen und in seiner krankheitsbe-
dingt massiv verzerrten Perspektive einer für ihn alternativlosen Reaktion auf die
von ihm als feindlich wahrgenommene Umwelt entsprechen. Folglich könne die
Motivlage für die dem Antragsgegner zur Last gelegten Delikte nicht von der
Krankheitssymptomatik getrennt werden. Aufgrund seiner eigenweltlichen Per-
spektive und der unkorrigierbar verzerrten Weltsicht müsse von einer aufgehobe-
nen Einsichtsfähigkeit ausgegangen werden. Es sei zwar nicht die grundsätzliche
Einsicht in die Strafbarkeit solcher Handlungen aufgehoben, allerdings fehle
krankheitsbedingt die Möglichkeit, die abstrakte Erkenntnis über das Unrecht auf
die eigenen Belange anzuwenden und ihr Genüge zu tun (ebenda, S. 45). Der An-
tragsgegner sei bei der Deliktsbegehung zum Nachteil verschiedener Geschädig-
ter aufgrund der schizophrenen Erkrankung, einer generellen Überforderungssitu-
ation und einer aggressiv angespannten Verfassung in einem Zustand gewesen,
in welchem seine Steuerungsfähigkeit aufgehoben gewesen sei. Aus forensisch-
psychiatrischer Sicht sei von einer aufgehobenen Schuldfähigkeit auszugehen
(ebenda, S. 49 f.).
Es gibt keinen Grund, die nachvollziehbaren gutachterlichen Ausführungen,
wonach der Antragsgegner die ihm zur Last gelegten Delikte in einem Zustand der
(nicht selbst verschuldeten) Schuldunfähigkeit verübte, in Zweifel zu ziehen. Damit
fällt ein Schuldspruch ausser Betracht und es bleibt zu prüfen, ob eine Massnah-
me im Sinne von Art. 59 oder Art. 63 StGB anzuordnen ist (Art. 19 Abs. 3 StGB).
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V. Massnahme
1. Die Vorinstanz ordnete für den Antragsgegner eine stationäre therapeuti-
sche Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB zur Behandlung von psychischen
Störungen an (Urk. 109 S. 34 und S. 38). Die Verteidigung beantragt, es sei von
der Anordnung einer stationären Massnahme abzusehen, da dies nicht verhält-
nismässig sei. Der Antragsgegner sei mit dem Gutachten von Prof. Dr. med.
M._ in keiner Weise einverstanden und bestreite, an einer paranoiden Schi-
zophrenie zu leiden oder Substanzen zu konsumieren. Bei diesem Gutachten
handle es sich zudem um ein reines Aktengutachten. Der Antragsgegner nehme
seine Umwelt weder feindlich wahr, noch hege er ihr gegenüber Aggressionen.
Daher sehe er nicht ein, weshalb er Medikamente einnehmen und eine Therapie
besuchen solle. Aufgrund der dem Antragsgegner vorgeworfenen Delikte laufe ei-
ne freiheitsentziehende Massnahme von mindestens 5 Jahren dem Verhältnis-
mässigkeitsprinzip stark zuwider. Die ihm vorgeworfene Sachbeschädigung be-
laufe sich nur auf ein paar tausend Franken, und die Körperverletzung habe ma-
ximal die Qualität einer Tätlichkeit. Aufgrund seiner Vergangenheit dürfe nicht auf
schwerere Delikte in der Zukunft geschlossen werden, da dies der Unschulds-
vermutung widersprechen würde. Der vorgeworfene Faustschlag vom
25. November 2015 sowie der vorgeworfene Angriff vom 26. Mai 2016 dürften
mangels rechtskräftiger Verurteilung nicht als erstellt erachtet und dem Antrags-
gegner auch nicht negativ angelastet werden (Urk. 128 S. 5; Urk. 142 S. 6).
2. Voraussetzung für die Anordnung einer Massnahme ist, dass eine Strafe
allein nicht geeignet ist, der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen,
ein Behandlungsbedürfnis des Täters besteht oder die öffentliche Sicherheit dies
erfordert und die besonderen Voraussetzungen der in Frage kommenden Mass-
nahme gegeben sind (Art. 56 Abs. 1 StGB). Ausserdem darf der mit der Mass-
nahme verbundene Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Täters im Hinblick auf
die Wahrscheinlichkeit und Schwere künftiger Delikte nicht unverhältnismässig
sein (Art. 56 Abs. 2 StGB). Demnach bedürfen Massnahmen deren unabdingba-
ren Notwendigkeit. Eine Massnahme muss überdies geeignet sein, bei der be-
troffenen Person die Legalprognose zu verbessern. Schliesslich muss eine ver-
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nünftige Relation zwischen dem Eingriff in die Freiheitsrechte der betroffenen
Person und dem mit dem Eingriff angestrebten Ziel bestehen (sog. Verhältnis-
mässigkeit im engeren Sinne). Entsprechend muss den Gefahren, die von einem
Täter zu befürchten sind, bei einer Interessenabwägung grössere Bedeutung zu-
kommen, als der Schwere des mit einer Massnahme verbundenen Eingriffs (Urteil
des Bundesgerichtes 6B_596/2011 vom 19. Januar 2012, E. 3.2.2). Je schwerer
die zu befürchtenden Delikte wiegen, desto geringer kann die Wahrscheinlichkeit
sein, dass sie begangen werden; umgekehrt kann nur eine hohe Wahrscheinlich-
keit weniger schwerer Taten die freiheitsentziehende Massnahme rechtfertigen
(BGE 127 IV 1, E. 2a). Beim Entscheid über die Anordnung einer Massnahme
stützt sich das Gericht auf ein fachärztliches Gutachten (Art. 56 Abs. 3 StGB).
Das Gericht ist bei der Würdigung eines Gutachtens grundsätzlich frei (Art. 10
Abs. 2 StPO), allerdings darf es in Fachfragen nur dann von den gutachterlichen
Feststellungen abweichen, wenn gewichtige und zuverlässig begründete Tatsa-
chen oder Indizien die Überzeugungskraft des Gutachtens ernstlich erschüttern
(HEER, in: NIGGLI/WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar, Strafrecht I, a.a.O., N 74 zu
Art. 56 StGB, mit weiteren Hinweisen).
3. Eine stationäre Massnahme zur Behandlung von psychischen Störungen
nach Art. 59 Abs. 1 StGB kann vom Gericht dann angeordnet werden, wenn der
Täter ein Verbrechen oder Vergehen begangen hat, das mit seiner psychischen
Störung in Zusammenhang steht (lit. a) und zu erwarten ist, dadurch lasse sich
die Gefahr weiterer mit seiner psychischen Störung in Zusammenhang stehender
Taten begegnen (lit. b). Dabei ist auch entscheidend, dass die von einer Mass-
nahme betroffene Person einer Behandlung überhaupt zugänglich ist. Ist eine
Massnahme von vornherein aussichtslos, fällt sie ausser Betracht. Nach der Pra-
xis des Bundesgerichtes muss ein Mindestmass an Kooperation erwartet werden
können (Urteil des Bundesgerichtes 6S.69/2002 vom 7. Mai 2002, E. 1.2). Im Ein-
klang mit der forensisch-psychiatrischen Lehre sind an die Therapiewilligkeit aber
nicht allzu strenge Anforderungen zu stellen. Statt der Motivation sollte von der
betroffenen Person in der Anfangsphase lediglich eine gewisse Motivierbarkeit
verlangt werden (Urteil des Bundesgerichtes 6P.73/2006 vom 29. Juni 2006,
E. 7.3). Erstes Ziel einer Therapie kann durchaus die Schaffung von Einsicht und
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Therapiewilligkeit darstellen, was gerade auch im Rahmen stationärer Behand-
lungen Aussicht auf Erfolg hat. Zu bedenken gilt es, dass eine mangelnde Ein-
sicht gerade zum Krankheitsbild vieler Störungen dazu gehört (HEER, in: NIG-
GLI/WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar, Strafrecht I, a.a.O., N 78 ff. zu Art. 59
StGB; TRECHSEL/PAUEN BORER, in: TRECHSEL/ PIETH, Schweizerisches Strafge-
setzbuch, Praxiskommentar, 3. Auflage, Zürich/St. Gallen 2018, N 9 zu Art. 59
StGB).
4. Für die Beurteilung der Anordnung einer Massnahme liegt das psychiatri-
sche Gutachten von Prof. Dr. med. M._, ... [Stellung] der Klinik für Forensi-
sche Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (PUK), vom
14. März 2018 (Urk. D1/20/29) vor, welches zwar vorwiegend aufgrund der Akten
erstellt wurde, da ein erstes Gespräch aufgrund der Verfassung des Antragsgeg-
ners abgebrochen werden musste und dieser die Mitwirkung danach teilweise
verweigerte. Der Gutachter hält aber fest, dass seine zahlreichen Versuche mit
dem Antragsgegner ein Gespräch zu führen, ihm ebenfalls einen Eindruck von
dessen Gesundheitszustand verschafft hätten. Zudem habe der Antragsgegner
trotz seiner Ablehnung gegenüber der Begutachtung stets einige Angaben ge-
macht. Die Aktenlage sei nicht nur betreffend die aktuellen Tatvorwürfe, sondern
auch hinsichtlich der psychiatrischen Vorgeschichte umfangreich und deshalb
durchaus geeignet, sowohl diagnostische Schlüsse, als auch tragfähige Aussagen
zur Schuldfähigkeit und Kriminalprognose sowie zur erforderlichen Behandlung
und deren Prognose zu machen (Urk. D1/20/29 S. 29 ff.). Dass sich der Gutachter
bei der Erstellung seines Gutachtens im Wesentlichen auf die doch umfangreiche
Aktenlage stützen musste, stellt – entgegen der Auffassung der Verteidigung
(Urk. 128 S. 5) – keinen Grund dar, an dessen Erkenntnissen und Diagnose zu
zweifeln. Ergänzend liegen zudem die Vorabstellungnahme betreffend Gutachten
von Prof. Dr. med. M._ vom 13. Juli 2017 (Urk. D1/20/8) sowie ein Behand-
lungsplan Teil II, schriftlicher Therapieplan, der PUK, Zentrum für Stationäre Fo-
rensische Therapie, vom 13. Juni 2018 (Urk. D1/21/14) vor (vgl. nachfolgend Erw.
V.5.7.).
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5. Der Antragsgegner hat die Tatbestände des Hausfriedensbruchs im Sinne
von Art. 186, der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB
sowie der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB
(vorstehend, Erw. IV.2. ff.) erfüllt, womit Vergehen und damit Anlasstaten gemäss
Art. 59 Abs. 1 lit. a StGB vorliegen.
5.1. Ebenso liegt eine schwerwiegende psychische Störung des Antrags-
gegners vor, welche im Zusammenhang mit den Tatbegehungen steht (Art. 59
Abs. 1 lit. a StGB). Der Gutachter attestiert dem Antragsgegner eine paranoide
Schizophrenie, kontinuierlich, gemäss ICD-10: F20.00 (Urk. D1/20/29 S. 37). Die-
se habe beim Antragsgegner zu massiven Leistungseinbussen geführt und sei
deshalb als schwer ausgeprägt zu klassifizieren (ebenda, S. 49). Die Erkrankung
sei derart schwerwiegend, dass der Antragsgegner selbst in einer Gruppe schwer
erkrankter schizophrener Patienten eine Ausnahmerolle einnehme. Er sei voll-
ständig in seiner Perspektive gefangen und aus dem wahnhaften Erleben heraus
kaum mehr in der Lage, Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen oder diesen
aufrecht zu erhalten (ebenda, S. 44). Darüber hinaus sei ihm die Diagnose einer
Störung durch Cannabis gemäss ICD-10: F12.21 sowie einer Störung durch mul-
tiplen Substanzgebrauch gemäss ICD-10: F19.11 zu stellen (ebenda, S. 38 und
S. 49). Die Schizophrenie habe Einfluss auf die verschiedenen Verhaltensberei-
che des Antragsgegners genommen, was sich auch in dessen Delinquenzge-
schichte widerspiegle. Die ihm vorgeworfenen Straftaten würden in einem ein-
drücklichen Zusammenhang mit der Krankheitssymptomatik stehen und in seiner
krankheitsbedingt massiv verzerrten Perspektive einer für ihn letztlich alternativlo-
sen Reaktion auf die von ihm als feindlich wahrgenommene Umwelt entsprechen
(ebenda, S. 44 f.). Der erforderliche Zusammenhang zwischen den inkriminierten
Taten und der schweren psychischen Störung des Antragsgegners ist offensicht-
lich gegeben.
5.2. Zur Legalprognose äussert sich der Gutachter dahingehend, dass sich
aus der Vorgeschichte mit der sozial desintegrierten Lebensführung, dem Dro-
genabusus, der bestehenden Geisteskrankheit, der fehlenden Krankheitseinsicht,
der mangelnden Zusammenarbeit mit den Behörden und der fehlenden Stressto-
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leranz ein hohes Risiko für erneute Gewalttätigkeiten ergebe, was der Verlauf seit
dem Jahr 2006, als eine ähnliche prognostische Einschätzung getroffen worden
sei, wiederholt gezeigt habe (Urk. D1/20/29 S. 37). Der Antragsgegner sei auf-
grund der seit Jahren bestehenden schwerwiegenden psychischen Erkrankung
stets in Gefahr, aus der Situation heraus unüberlegt und überschiessend zu rea-
gieren. Der Zusammenhang zwischen seiner schizophrenen Grunderkrankung
und seiner Tendenz, sich aggressiv und impulsiv zu verhalten, mache somit deut-
lich, dass die Kriminalprognose entscheidend vom weiteren Verlauf der schizo-
phrenen Störung bzw. von der Effektivität der Behandlung dieser Erkrankung ab-
hänge. Die bereits im Jahr 2009 zum Zeitpunkt der Aufhebung der damaligen
Massnahme als bedenklich bezeichnete Kriminalprognose müsse vor dem Hin-
tergrund des aktuellen Verlaufs weiterhin als besorgniserregend bezeichnet wer-
den. Die Entwicklung zeige eine zunehmende Gewaltbereitschaft. Aufgrund sei-
ner fortbestehenden psychischen Erkrankung und einem wenig erfolgverspre-
chenden Verlauf seiner Erkrankung in den letzten Jahren gehe vom Antragsgeg-
ner ein hohes Risiko für Sachbeschädigungen, Hausfriedensbrüche und fremdag-
gressive Gewalthandlungen aus (ebenda, S. 45 f.). Er zeige zahlreiche Risiko-
merkmale für die Begehung weiterer und auch schwerwiegender Delikte, zumal
der schädliche Gebrauch psychotroper Substanzen die Delinquenz weiter be-
günstige. Ihm fehle es zudem an ausreichender Akzeptanz der Behandlungsnot-
wendigkeit im Hinblick auf eine dauerhafte regelkonforme Einnahme der Medika-
tion und Abstinenz. Folglich sei mit hoher Wahrscheinlichkeit mit weiteren Haus-
friedensbrüchen, Sachbeschädigungen sowie Körperverletzungsdelikten gegen-
über Institutionspersonal und Dritten zu rechnen (ebenda, S. 50).
Der Gutachter hält weiter fest, dass die Jahre zwischen 2006 und 2017 klar
gezeigt hätten, dass es nicht gelungen sei, mit dem Antragsgegner eine tragfähi-
ge psychosoziale Perspektive zu erarbeiten. Vielmehr habe er zuletzt in der Ob-
dachlosigkeit gelebt und eine ähnliche Entwicklung sei auch in Zukunft zu erwar-
ten, wenn eine sachgerechte Behandlung der Grunderkrankung ausbleibe. So-
lange sein Denken und Verhalten weiterhin von der Erkrankung dominiert werde
und bei ausbleibender Behandlung, werde er aus dem Kreislauf der letzten Jahre
- 27 -
nicht ausbrechen können, was mit einem hohen Risiko weiterer Gewaltdelikte
einhergehe (Urk. D1/20/29 S. 47 und S. 51).
Der Einwand der Verteidigung, Gutachter seien in der Regel kaum bereit,
Tätern eine Ungefährlichkeit zu attestieren, weil sie sich damit Haftungsrisiken
aussetzen würden (Urk. 142 S. 5), geht angesichts dieser sorgfältig begründeten
Erwägungen im Gutachten zur Legalprognose des Antragsgegners fehl.
Aus dem Gutachten ergibt sich klar, dass ohne adäquate Behandlung der
paranoiden Schizophrenie ein hohes Risiko zur erneuten Begehung von ähnli-
chen Straftaten, wie die ihm jetzt vorgeworfenen, und insbesondere von Körper-
verletzungsdelikten gegenüber Institutionspersonal und Dritten, besteht, was zu-
sätzlich durch weitere destabilisierende Faktoren, wie eine sozial desintegrierte
Lebensführung, einhergehend mit einer allfälligen Verwahrlosung und Obdachlo-
sigkeit, fehlende Alltagsstrukturen und Stabilität sowie den schädlichen Gebrauch
psychotroper Substanzen verschärft wird.
5.3. Gestützt auf die differenzierten und einleuchtenden Erkenntnisse im
psychiatrischen Gutachten ergibt sich, dass aus dem Blickwinkel des Behand-
lungsbedürfnisses des Antragsgegners und der Rückfallgefahrenminimierung eine
stationäre Massnahme nach Art. 59 StGB klar angezeigt ist. Der Gutachter hält
dazu fest, dass die Ausgangslage und die seit Jahren bestehende chronifizierte
und erhebliche Symptomatik die Notwendigkeit psychiatrischer Behandlungs-
massnahmen mit einer engmaschigen Anpassung der antipsychotischen Medika-
tion, einer Drogenabstinenz und einer regelmässigen Monitorisierung dieser Pa-
rameter verdeutlichen würden. Diese Massnahmen würden aufgrund der fehlen-
den Krankheitseinsicht und angesichts der Schwere der Erkrankung nicht ambu-
lant umgesetzt werden können. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass ambulante
Interventionen im allgemeinpsychiatrischen Versorgungssystem keine ausrei-
chend enge Struktur bieten würden. Aus forensisch-psychiatrischer Sicht sei des-
halb eine stationäre Massnahme nach Art. 59 StGB angezeigt. Auch die wieder-
holte Verlegung zwischen Haft und Psychiatrie im Rahmen der exazerbierten
Psychose und die Eskalation der Gewalt gegenüber unbeteiligten Dritten mache
- 28 -
deutlich, dass der Antragsgegner innerhalb eines allgemeinpsychiatrischen Ver-
sorgungssystem nicht effektiv behandelbar sei (Urk. D1/20/29 S. 48).
5.4. Der Gutachter erachtet die schizophrene Erkrankung des Antragsgeg-
ners durch eine psychopharmakologische Behandlung als behandelbar. Durch die
Gewährleistung einer konsequenten Abstinenz von polytropen Substanzen und
einer antipsychotischen Medikation unter engmaschiger Monitorisierung lasse
sich die Gefahr neuerlicher Straftaten reduzieren (Urk. D1/20/29 S. 51). Als
zweckmässig und erfolgsversprechend wird damit vom Gutachter – wie bereits
von Dr. N._ im Gutachten 2006 (vgl. nachfolgend Erw. V.5.6.3.1.) – einzig
eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB empfohlen
(ebenda, S. 52).
5.5. Der Antragsgegner lehnt eine Behandlung ab. Er führte vor Vorinstanz
aus, dass er sich nicht als psychisch krank empfinde. Er halte sich für gesund. Die
Medikamente erhalte er gegen seinen Willen. Er sehe darin nichts Positives
(Prot. I S. 16 ff.). An der Berufungsverhandlung wollte sich der Antragsgegner da-
zu nicht mehr äussern (vgl. Prot. II S. 15 ff.). Da an die Therapiewilligkeit keine
allzu strengen Anforderungen zu stellen sind und die fehlende Motivation bei
schweren Störungen regelmässig zum Krankheitsbild dazugehört (vorstehend,
Erw. V.3.), stellt die weiterhin bestehende mangelnde Therapiewilligkeit des An-
tragsgegners angesichts seiner langjährigen und schwerwiegenden Erkrankung
sowie der gutachterlichen Einschätzung, wonach eine Behandlung im stationären
Rahmen dringend notwendig erscheine, keinen ausreichenden Grund dar, von ei-
ner stationären Massnahme abzusehen, zumal in Übereinstimmung mit der Vor-
instanz (Urk. 109 S. 31) die Möglichkeit besteht, dass im Rahmen einer Therapie
die Therapiewilligkeit erreicht werden kann. Zudem geht aus dem Gutachten her-
vor, dass für die Jahre 2006 bis 2010 eine stationäre Massnahme angeordnet
worden sei, welche einen positiven Effekt auf den Antragsgegner gehabt habe,
was sich darin gezeigt habe, dass es zwischen 2007 und 2011 zu wenig Klinikau-
fenthalten und keinen Deliktsvorwürfen gekommen sei. Nach der juristischen
Massnahme habe sich sein psychopathologischer Zustand verschlechtert, was
sich in zivilrechtlichen Massnahmen (2013 behördlich angeordneter Freiheitsent-
- 29 -
zug durch die KESB Zürich, Einweisung in die PUK) spiegle (Urk. D1/20/29
S. 41). Folglich besteht durchaus die Möglichkeit, dass eine stationäre Massnah-
me beim Antragsgegner einen positiven Effekt zeigen wird, zumal auch aus dem
Behandlungsplan Teil II, schriftlicher Therapieplan, der PUK vom 13. Juni 2018
hervorgeht, dass im Verlauf der therapeutischen Gespräche ein basales Krank-
heitsverständnis habe erarbeitet werden können (Urk. D1/21/14 S. 8)
5.6. Nachdem die Erforderlichkeit sowie die Eignung der Anordnung einer
stationären Massnahme bejaht wurde und auch die mangelnde Therapiewilligkeit
des Antragsgegners einer solchen Anordnung nicht entgegensteht, ist deren Ver-
hältnismässigkeit im engeren Sinn zu überprüfen (Art. 56 Abs. 2 StGB).
Bei den vom Antragsgegner begangenen Anlasstaten handelt es sich zwar
lediglich um Vergehen, welche nicht besonders schwer wiegen. Entsprechend zu
berücksichtigen ist aber, dass der Antragsgegner einer ihm unbekannten Person,
aus nichtigem Grund und ohne von dieser provoziert worden zu sein, unvermittelt
einen Faustschlag ins Gesicht verpasst hat. Der Gutachter erachtet das Risiko für
weitere Hausfriedensbrüche, Sachbeschädigungen sowie Körperverletzungsdelik-
te gegenüber Institutionspersonen und Dritten als hoch. Auch die bisherigen straf-
rechtlichen Schwierigkeiten bzw. Polizeiakten würden allesamt in Verbindung mit
der Schizophrenie stehen und seien datiert auf die Zeiträume, in welchen der An-
tragsgegner bereits erkrankt und insbesondere ohne Behandlung gewesen sei.
Ohne eine adäquate Behandlung sei mit weiteren Gewalthandlungen sowie einer
Chronifizierung der Erkrankung zu rechnen. Der fortgeschrittene Krankheitspro-
zess und die Erfahrungen der letzten Jahre würden zeigen, dass es um einen
langfristigen Behandlungsansatz unter stationären Umgebungsbedingungen ge-
hen müsse. Eine Entlassung des Antragsgegners in die Freiheit werde aufgrund
seiner schwerwiegenden psychischen Störung, seiner mangelnden Krank-
heitseinsicht und seiner Tendenz zu impulsiven Handlungen in unruhig und ge-
reizter Verfassung mit erheblichen Risiken verbunden sein. Die Erfahrungen nach
Abbruch bisher angeordneter Behandlungsmassnahmen würden nur den Schluss
zulassen, dass sich der Antragsgegner ohne äussere Strukturen weiteren psychi-
atrischen Interventionen, letztlich aber auch andersgearteter Kontroll- und Ein-
- 30 -
flussmöglichkeiten, entziehen werde. Bei ihm sei nach wie vor keine Einsicht in
den Zusammenhang zwischen dem Vorliegen seiner psychischen Erkrankung,
seiner Aggressionsbereitschaft und den Schwierigkeiten, sein Leben zu bewälti-
gen, zu eruieren. Es sei daher mit hoher Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen,
dass sich der Antragsgegner wieder in seine eigene Welt zurückziehen werde,
ohne Massnahmen zum Nachlassen der psychotischen Symptomatik zu beherzi-
gen, was wieder zur Anwendung fremdaggressiver Verhaltensweisen führen wer-
de. Die Vergangenheit habe deutlich gezeigt, dass eine ambulante Massnahme
nach Art. 63 StGB nicht sinnvoll umsetzbar sei, da eine Behandlung aufgrund des
Schweregrads der Erkrankung nicht vollzugsbegleitend durchgeführt werden kön-
ne. Dies habe auch der langjährig ambulante Psychiater des Antragsgegners,
O._, ausgeführt (Urk. D1/20/29 S. 45 ff. und S. 50 f.).
Der Gutachter spricht sich somit ganz klar für die Anordnung einer stationä-
ren Massnahme aus, da mit einer ambulanten Behandlung der Gefahr, dass es zu
neuerlichen Deliktsbegehungen kommt, nicht ausreichend begegnet werden
kann. Diese Einschätzung des Gutachters erweist sich als schlüssig, kohärent
und überzeugend, weshalb ihr zu folgen ist. Daneben, dass die Gefahr für eine
erneute Delinquenz, insbesondere auch für weitere Körperverletzungsdelikte, in
deutlichem Mass vorhanden ist, wird die Gefahrenlage zusätzlich dadurch ver-
schärft, dass der Antragsgegner bis zum heutigen Zeitpunkt keine Krankheitsein-
sicht zu haben scheint und eine schwere Beeinträchtigung der Unrechtseinsichts-
fähigkeit aufweist.
Auch die Vergangenheit zeichnet ein deutliches Bild vom Krankheitsverlauf
und der Deliktsgeschichte des Antragsgegners. Im Gutachten wird umfassend
und nachvollziehbar seine psychiatrische Vorgeschichte und eine Übersicht über
die ihm bisher vorgeworfenen Deliktsbegehungen aufgezeigt (Urk. D1/20/29
S. 2-27 und S. 54 ff.), was anschaulich die bisherigen Schwierigkeiten in der Be-
handlung, die sofortige Verschlechterung seines Zustandes jeweils nach Abset-
zen der Medikation sowie seine fehlende Krankheitseinsicht aufzeigt. Zur Veran-
schaulichung ist der Verlauf der letzten Jahre nochmals kurz zusammengefasst
widerzugeben.
- 31 -
Aus dem Gutachten geht hervor, dass es in den letzten Jahren bereits zu
mehrmonatigen Aufenthalten in der PUK teils mit elektiver Zwangsbehandlung
gekommen sei. Eine Platzierung in einer betreuten Wohnsituation sei trotz wie-
derholter Versuche gescheitert, da der Antragsgegner damit nicht einverstanden
gewesen sei. Auch ambulante Behandlungen habe er in den letzten Jahren nicht
wahrgenommen (Urk. D1/20/29 S. 6 ff.). Aus dem Jahr 2006 liege zudem eine
gutachterliche Einschätzung von Dr. N._ vor, welcher beim Antragsgegner
ebenfalls eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert und die Anordnung einer
Massnahme im stationären Rahmen empfohlen habe. In dieser Zeit sei es auch
zu einem Fusstritt und einer Drohung gegenüber einer Frau gekommen, was aber
zu einer Einstellung geführt habe, da die Geschädigte den Strafantrag zurückge-
zogen habe (ebenda, S. 15). Mit Urteil vom 19. Mai 2006 habe das Bezirksgericht
Zürich eine stationäre Massnahme angeordnet aufgrund der mehrfachen Verge-
waltigung, Freiheitsberaubung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch in
schuldunfähigem Zustand, sodass es zu einer Einweisung in die Psychiatrie Zent-
rum Hard gekommen sei (ebenda, S. 54 f.). Bereits damals habe wenig Krank-
heitseinsicht beim Antragsgegner geherrscht und dieser habe wiederholt den
Wunsch geäussert, die Medikamente abzusetzen. Bei einer bedingten Entlassung
habe die Klinik Hard deshalb eine engmaschige Betreuung mit einem geregelten
und überwachten Tagesablauf und die Fortsetzung einer kontinuierlichen psychi-
atrischen Behandlung inklusive Überwachung der Einnahme der neuroleptischen
Medikation empfohlen. Die Massnahmefähigkeit sei aufgrund der Erkrankung
zwar als reduziert bezeichnet worden, trotzdem sei eine Massnahme als sinnvoll
erschienen, weil weitere Delikte verhindert worden seien (ebenda, S. 17 f.). In der
Folge sei es dann zu einem Übertritt in das Haus P._, Winterthur, gekom-
men. Nachdem das Obergericht des Kantons Zürich den Entscheid des Bezirks-
gerichtes Zürich aufgehoben und zurückgewiesen habe, habe das Bezirksgericht
Zürich mit Urteil vom 14. September 2007 an der Weiterführung der bestehenden
stationären Massnahme festgehalten, allerdings wegen Sachbeschädigung,
Hausfriedensbruch sowie Freiheitsberaubung in schuldunfähigem Zustand; vom
Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung sei der Antragsgegner freigesprochen
worden (ebenda, S. 55).
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In einen Bericht der Bewährungs- und Vollzugsdienste des Kantons Zürich
vom 8. Juli 2009 heisse es, dass bereits im Gutachten vom 22. Januar 2006 eine
stationäre Behandlung für den Antragsgegner dringend empfohlen worden sei,
um die Legalprognose zu verbessern; eine ambulante Massnahme sei wenig
sinnvoll (ebenda, S. 19 f.). Am 17. August 2009 habe das Obergericht des Kan-
tons Zürich entschieden, dass der Tatbestand der Freiheitsberaubung nicht erfüllt
und die stationäre Massnahme in eine ambulante Massnahme umzuwandeln sei
(ebenda, S. 39 und S. 55). Der Antragsgegner habe dann am 10. Dezember 2010
das betreute Wohnen im Haus P._ verlassen und die Medikation abgesetzt.
Danach habe sich sein psychischer Zustand bereits Mitte Januar 2011 deutlich
verschlechtert und es sei zu neuerlichen Delikten gekommen. Am 17. März 2011
sei der Antragsgegner in verwahrlostem Zustand für ein freiwilliges Timeout in die
PUK eingetreten, bei welchem es aufgrund seines aggressiven Verhaltens ge-
genüber dem Pflegepersonal zu einer Zwangsmedikation gekommen sei (ebenda,
S. 37 und S. 55). Vom 11. April bis 27. Mai 2011 sei es dann zu einer Einweisung
in die PUK gekommen, da der Antragsgegner eine Frau berührt und versucht ha-
be, diese zu küssen. Der behandelnde Psychiater O._ sei in einem Schrei-
ben vom 12. August 2011 zum Schluss gekommen, dass eine ambulante Mass-
nahme nicht durchführbar sei, da der Antragsgegner zur Stabilisierung eine re-
gelmässige psychiatrische Behandlung und eine psychopharmakologische Medi-
kation benötige (ebenda, S. 23 f.). Med. pract. Q._ habe in seinem Kurzgut-
achten vom 16. Juni 2014 ebenfalls eine paranoide Schizophrenie (ICD-10:
F20.0) diagnostiziert und festgehalten, dass der Antragsgegner unter Entlas-
sungsumständen in seinem Gesundheitszustand gefährdet sei, da er dann die
Medikamente absetze mit dem Risiko einer Fremd- und Selbstgefährdung. Ab
dem Jahr 2015 habe der Antragsgegner keinen festen Wohnsitz mehr gehabt,
und die Deliktsvorwürfe gegen ihn hätten sich gehäuft. In den Jahren 2015 und
2016 sei es zu mehreren Sachbeschädigungen und Körperverletzungen gekom-
men, bei welchen er grundlos und ohne vorgängige Provokation Drittpersonen die
Faust ins Gesicht geschlagen habe, wobei die Verfahren aufgrund allfälliger
Rückzüge der Strafanträge der Geschädigten teilweise eingestellt worden seien
- 33 -
(ebenda, S. 26 f. und S. 41). Für das Jahr 2016 würden mindestens 19 polizeilich
aktenkundige Geschäfte betreffend den Antragsgegner vorliegen (ebenda, S. 41).
Die Vorgeschichte des Antragsgegners zeigt damit deutlich, dass es ihm
trotz mehrjähriger Intervention von Behörden – seit dem Jahr 2013 besteht für ihn
auch eine Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung im Sinne von
Art. 394 in Verbindung mit Art. 395 ZGB sowie eine Mitwirkungsbeistandschaft
nach Art. 396 ZGB (Beschluss der KESB Stadt Zürich vom 21. Februar 2013;
Urk. D1/31/5) – nicht gelungen ist, ein eigenständiges und deliktfreies Leben zu
führen, und insbesondere dass seine Erkrankung aufgrund des Schweregrades
sowie seiner fehlenden Krankheitseinsicht nur unter stationären Bedingungen
sinnvoll behandelt werden kann. Der Antragsgegner entzog sich bisher sämtli-
chen Behandlungen, zumal er nach Aufhebung der letzten stationären Massnah-
me die Medikation absetzte und auch weiterhin nicht gewillt ist, längerfristig Medi-
kamente einzunehmen, was bisher stets zu einer deutlichen Verschlechterung
seines Gesundheitszustandes sowie zu einer erneuten Delinquenz geführt hat.
Dabei kam es insbesondere bereits mehrmals zu tätlichen Angriffen gegenüber
Drittpersonen. Bezüglich der beiden Vorfälle vom 25. November 2015 und 26. Mai
2016, bei welchen er Drittpersonen grundlos einen Faustschlag ins Gesicht ver-
letzt haben soll (Urk. D1/34/6), wurden die Strafverfahren infolge Schuldunfähig-
keit eingestellt, worauf auch die Verteidigung zutreffend hinwies (Urk. 128 S. 5).
Zu berücksichtigen ist aber, dass damals aufgrund der Betreuung des Antrags-
gegners durch seine Beiständin und die KESB auf eine Überweisung der Verfah-
ren an das Gericht zur Prüfung einer Massnahme verzichtet wurde (Urk. D1/34/6).
Zudem sind diese beiden Vorfälle für die Frage, ob eine stationäre Massnahme
verhältnismässig erscheint, nicht weiter von Bedeutung, da der Gutachter klar
aufgezeigt hat, dass beim Antragsgegner zahlreiche Risikomerkmale für die Be-
gehung weiterer und auch schwerwiegender Delikte vorliegen.
5.7. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass Prof. Dr. med. M._ bereits
in seiner Vorabstellungnahme betr. Gutachten vom 13. Juli 2017 zum Schluss ge-
kommen ist, dass im Falle einer Entlassung aus der Behandlung bzw. Haft mit
weiteren Sachbeschädigungen und Hausfriedensbruchdelikten zu rechnen wäre.
- 34 -
Zudem wären Dritte gefährdet, Opfer weiterer Gewalthandlungen des Antrags-
gegners zu werden. Deshalb sei eine Entlassung in Freiheit mit erheblichen Risi-
ken verbunden. Aus psychiatrischer Sicht bestehe ein hohes Risiko weiterer Ge-
walthandlungen, so lange die Grunderkrankung nicht effektiv behandelt sei. In der
aktuellen Verfassung und vor dem Hintergrund der fehlenden Krankheitseinsicht
bzw. des nicht vorhandenen Problembewusstseins sei derzeit keine ambulante
Behandlung möglich (Urk. D1/20/8 S. 3). Zudem untermauert auch der Behand-
lungsplan Teil II, schriftlicher Therapieplan, der PUK vom 13. Juni 2018 (Urk.
D1/21/14) die Erkenntnisse des Gutachters. Daraus geht insbesondere klar her-
vor, dass es zwischenzeitlich zu einer Verbesserung der Psychopathologie ge-
kommen sei, welche sich aber jeweils rasch verschlechtere, wenn der Antrags-
gegner die Medikation absetze.
5.8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der psychiatrische Gutachter
das Risiko, dass der Antragsgegner inskünftig weitere Sachbeschädigungen,
Hausfriedensbrüche und insbesondere auch Körperverletzungsdelikte gegenüber
Institutionspersonal und Dritten begehen könnte, als hoch einschätzt (vorstehend,
Erw. V.5.2.). Ohne Weiteres nachvollziehbar ist auch die gutachterliche Einschät-
zung, dass aufgrund der bisherigen Erfahrungen und der Verweigerungshaltung
des Antragsgegner insbesondere gegenüber der erforderlichen medikamentösen
Therapie eine ambulante Behandlung nicht ausreiche, um der Gefahr weiterer
Straftaten hinreichend entgegenzutreten (vorstehend, Erw. V.5.6.1. ff.;
Urk. D1/20/29 S. 48 und S. 51). Ebenfalls zu berücksichtigen sind die instabilen
persönlichen Lebensumstände des Antragsgegners, welche das Rückfallrisiko
zusätzlich erhöhen, zumal es ohne geregelten Tagesablauf vermehrt zu einem
schädlichen Gebrauch psychotroper Substanzen gekommen ist. In Anbetracht der
geschilderten Umstände ist im heutigen Zeitpunkt dem Interesse, der vom An-
tragsgegner ausgehenden Gefahr mit einer geeigneten Massnahme zu begeg-
nen, grösseres Gewicht beizumessen, als der Schwere des mit der Massnahme
verbunden Eingriffs in seine Persönlichkeitsrechte. Die Verhältnismässigkeit im
engeren Sinne für die Anordnung einer stationären Massnahme ist folglich ge-
wahrt.
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5.9. Die Voraussetzungen für die Anordnung einer stationären Massnahme
im Sinne von Art. 59 StGB sind damit gegeben, weshalb diese entsprechend an-
zuordnen ist, wobei die vom Antragsgegner erstandene Untersuchungs- und Si-
cherheitshaft von 686 Tagen an die stationäre Massnahme anzurechnen ist
(Art. 51 StGB; BGE 141 IV 236, E. 3.1 ff.).
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Die Kosten des Berufungsverfahrens sind ausgangsgemäss dem Antrags-
gegner aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO), jedoch in Anbetracht seiner persönli-
chen Verhältnisse und seines gesundheitlichen Zustandes zu erlassen (Art. 425
StPO). Die im Berufungsverfahren angefallenen Kosten der amtlichen Verteidi-
gung sind demgemäss definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 425 StPO).