Decision ID: 06829364-5c24-513a-a31d-7d87a7441fb1
Year: 2017
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer ist Eigentümer des Grundstücks Wynau Grundbuchblatt
Nr. B._. Am 25. März 2015 reichte er bei der Gemeinde Wynau ein Baugesuch für
den Neubau eines Unterstands zum Holzen und zur Holzlagerung ein. Mit Entscheid vom
21. Mai 2015 erteilte die Gemeinde dem Bauvorhaben die Baubewilligung. Der Entscheid
enthielt unter anderem den Hinweis, die Kosten im Zusammenhang mit der Baukontrolle
würden nach deren Durchführung verrechnet.
2. Die C._ AG führte am 27. Januar 2016 eine Baukontrolle durch und prüfte,
ob das Dachwasser des neu erstellten Unterstands oberflächlich versickert und ob dies auf
der Parzelle selbst erfolgt. Zusätzlich nahm die C._ AG im Rahmen einer
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Zustandsaufnahme privater Anlagen (ZPA) alle auf dem Grundstück bereits vorhandenen
Versickerungsanlagen sowie Leitungen auf. Für ihre Tätigkeit stellte die C._ AG
der Gemeinde Fr. 787.85 in Rechnung. Die Gemeinde auferlegte diese Kosten mit
Verfügung vom 3. August 2016 unter dem Titel «Gebühren Baukontrolle» dem
Beschwerdeführer. Die gegen diese Kostenverfügung erhobene Beschwerde hiess die
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) mit Entscheid vom
29. November 2016 gut.1 Die Sache wurde zur Behandlung im Sinne der Erwägungen an
die Vorinstanz zurückgewiesen; die Gemeinde habe abzuklären, welche Gebühren
tatsächlich die Baukontrolle beträfen und welche Gebühren durch die zusätzliche
Datenaufnahme im Rahmen der ZPA entstanden seien. Ausserdem könne die Baukontrolle
nur mit einem Stundenansatz von Fr. 120.00 weiterverrechnet werden.
Die Gemeinde Wynau erliess daraufhin eine neue Verfügung. Mit Verfügung vom 12. Juni
2017 wurden dem Beschwerdeführer Kosten von Fr. 420.00 auferlegt. Diese setzen sich
zusammen aus einer Gebühr von Fr. 300.00 für die Baukontrolle sowie aus
Verfahrenskosten von Fr. 120.00.
3. Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 15. Juni 2017 Beschwerde bei der BVE.
Er macht geltend, er sei mit der Verfügung der Gemeinde nicht einverstanden und verlangt
sinngemäss deren Aufhebung. Er rügt die verrechnete Arbeitszeit sowie den
Rechnungsposten «Administration». Weiter bringt er vor, er wisse nicht, weshalb er im
Baubewilligungsverfahren Fr. 137.70 für einen Fachbericht Gewässerschutz bezahlt habe
und bringt weiter vor, die Verfahrenskosten von Fr. 120.00 seien nicht gerechtfertigt.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Mit Stellungnahme vom 14. Juli 2017
beantragt die Gemeinde Wynau sinngemäss die Abweisung der Beschwerde und hält an
ihrer Verfügung vom 12. Juni 2017 fest.
1 BDE 120/2016/49 vom 29.11.2016 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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5. Auf die eingereichten Unterlagen und Vorakten wird, soweit für den Entscheid
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Eintreten
Die Gemeinde hat dem Beschwerdeführer die Kosten als «Gebühren Baukontrolle»
auferlegt. Die Baukontrolle ist eine Aufgabe der Baupolizei (Art. 47 Abs. 4 BewD3).
Kostenverfügungen, die im Rahmen von baupolizeilichen Verfahren nach Art. 45 ff. BauG4
erlassen werden, können innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE
angefochten werden (Art. 49 Abs. 1 BauG). Die BVE ist somit für die Beurteilung der
Beschwerde zuständig. Der Beschwerdeführer ist als Adressat der Kostenverfügung zur
Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
grundsätzlich einzutreten.
2. Anfechtungsobjekt, Streitgegenstand
a) Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz. Der Streitgegenstand braucht
sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses
hinausgehen. Innerhalb dieses Rahmens bestimmen die Parteien den Streitgegenstand.
Sowohl für das Einleiten eines Beschwerdeverfahrens als auch für dessen Umfang und
eine allfällige vorzeitige Beendigung gelten somit die Verfügungs- oder Dispositionsmaxime
sowie das Rügeprinzip. Die Parteien können den Streitgegenstand im Verlauf des
Verfahrens nicht erweitern, sondern nur einschränken.5
b) Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet einzig die
Verfügung der Gemeinde Wynau vom 12. Juni 2017 betreffend die Gebühren für die
Baukontrolle. Die Kosten für den Fachbericht Gewässerschutz wurden dem
3 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, Bern 1997, Art. 72 N. 6–8
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Beschwerdeführer im Bauentscheid vom 21. Mai 2015 zur Bezahlung auferlegt. Dieser
Bauentscheid ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen und kann im vorliegenden
Verfahren nicht mehr zum Streitgegenstand erhoben werden. Auf die Rüge betreffend die
Kosten für den Fachbericht Gewässerschutz kann deshalb nicht eingetreten werden.
3. Gebühren Baukontrolle
a) Der Beschwerdeführer rügt in seiner Beschwerde den Rechnungsposten «Adminis-
tration» und bringt zudem vor, "die ihm verrechnete Arbeitszeit von 0.25 Stunden entspre-
che dem gesamten Zeitaufwand der C._ AG".
b) Gemäss Art. 51 Abs. 1 BewD können die Gemeinden für baupolizeiliche Tätigkeiten
– wozu auch die Baukontrolle, d. h. die Aufsicht über die Einhaltung der gesetzlichen Vor-
schriften und der Bestimmungen der Baubewilligung6 gehört – Gebühren und Auslagen
erheben. Sie haben dazu einen Gebührentarif zu erlassen (Art. 51 Abs. 3 BewD). Die
Gemeinde Wynau verfügt über ein entsprechendes Gebührenreglement. Gemäss Art. 34 ff.
GebR kann die Gemeinde für Baukontrollen eine Aufwandgebühr II erheben. Sie hat
gestützt auf Art. 53 GebR in ihrem Gebührentarif die Aufwandgebühr II auf einen Betrag
von Fr. 120.00 pro Stunde festgelegt.7
c) Nach dem Rückweisungsentscheid der BVE vom 29. November 2016 hat die
Gemeinde Wynau die Gesamtkosten der Baukontrolle bereinigt und neu verfügt.8 Die
effektiven Kosten für die Baukontrolle betragen gemäss Verfügung vom 12. Juni 2017 total
Fr. 300.00. Aus der Verfügung ergibt sich ein zeitlicher Aufwand für die aufgelisteten
Tätigkeiten von 2.50 Stunden. Die Gemeinde darf den gesamten Aufwand für die
Baukontrolle zu einem Stundenansatz von Fr. 120.00 verrechnen. Der Aufwand entspricht
weitgehend dem Leistungsjournal der Schlussrechnung der C._ AG.9 Im Übrigen
hat die Gemeinde dem Beschwerdeführer nicht den gesamten Aufwand der C._
AG weiterverrechnet: Während im Leistungsjournal beispielsweise "Versickerungsanlagen
6 Vgl. Art. 45 Abs. 2 Bst. a BauG; Art. 47 BewD; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 45 N. 2 7 Vgl. Gebührentarif der Gemeinde Wynau vom 1. Januar 2014 sowie Gebührentarif der Gemeinde Wynau vom 1. April 2016 8 Vgl. markiertes Leistungsjournal vom 31. März 2016 in den Vorakten der Gemeinde, zwischen pag. 26 und 27 9 Leistungsjournal der Schlussrechnung in den Vorakten, pag. 16
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einmessen und prüfen" oder "Feld mit SEA/Feld vorbereiten" aufgelistet ist, hat die
Gemeinde dem Beschwerdeführer den Aufwand für diese Tätigkeiten nicht in Rechnung
gestellt.
Der Beschwerdeführer macht sinngemäss geltend, der ihm verrechnete Zeitaufwand von
0.25 Stunden entspreche dem gesamten Zeitaufwand der C._ AG. Er begründet
dies jedoch nicht weiter. Der Beschwerdeführer spezifiziert insbesondere auch nicht,
welchen Rechnungsposten er genau bemängelt und weshalb ihm nicht der effektive
Zeitaufwand in Rechnung gestellt werden dürfte. Es ist fraglich, ob die Rüge überhaupt als
ausreichend begründet gelten kann. Die «Gebühren nach Aufwand» erhebt die Gemeinde
gemäss Art. 4 Abs. 3 ihres Gebührenreglements nach dem Zeitaufwand, der für die
konkrete Dienstleistung erforderlich ist. Der Zeitaufwand ergibt sich aus den Rapporten.
Die Gemeinde hat dem Beschwerdeführer daher zu Recht den effektiven Zeitaufwand der
C._ AG in Rechnung gestellt.
d) Unter der Bezeichnung «Administration» hat die Gemeinde Wynau dem
Beschwerdeführer mit Verfügung vom 12. Juni 2017 Fr. 30.00 in Rechnung gestellt (0.25
Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 120.00, ausmachend Fr. 30.00). Dieser Aufwand
entspricht, abgesehen vom Stundenansatz, dem Leistungsjournal der C._ AG. Der
Beschwerdeführer meint, die «Administration» beziehe sich auf das Eintragen der
Sickerstelle Überdachung auf dem Situationsplan. Dieser Eintrag sei gar nicht gemacht
worden, weshalb er diese Kosten nicht nachvollziehen könne.
Weder dem Leistungsjournal der Schlussrechnung der C._ AG noch der
Verfügung der Vorinstanz kann entnommen werden, welche Tätigkeiten unter den Titel
«Administration» fallen. Im Rahmen der ZPA nahm die C._ AG alle auf dem
Grundstück bereits vorhandenen Versickerungsanlagen auf und erstellte in diesem
Zusammenhang auch einen Plan.10 Diese Tätigkeiten fielen jedoch nicht unter die
«Administration». Dies lässt sich dem detaillierten Leistungsjournal entnehmen: Die
Tätigkeiten "Versickerungsanlagen einmessen und prüfen", "Versickerungsanlagen
erfassen" und "Plan erstellen" wurden als eigenständige Leistungen erfasst.11 Entgegen
der Ansicht des Beschwerdeführers fielen die Kosten für das Erstellen des Situationsplans
somit nicht unter den Rechnungsposten «Administration». Vielmehr ist es im Rahmen einer
10 Situationsplan im Schlussbericht "Abnahme Gewässerschutzbewilligung Nr. 15/197" in den Vorakten, pag. 17 11 Leistungsjournal der Schlussrechnung in den Vorakten, pag. 16
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Baukontrolle üblich, dass im Vorfeld administrative Tätigkeiten notwendig sind. Die
entsprechenden Kosten von Fr. 30.00 für eine Viertelstunde sind daher nicht zu
beanstanden.
Im Übrigen kann der Verfügung vom 12. Juni 2017 entnommen werden, dass dem
Beschwerdeführer weder die Kosten für das Erstellen des Situationsplans noch die
sonstigen im Zusammenhang mit der ZPA angefallenen Kosten auferlegt wurden.12 Der
Beschwerdeführer vermag damit aus seinem Argument, die Sickerstelle Überdachung sei
auf dem Situationsplan nicht eingetragen worden, nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.
e) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Rügen gegen die für die Baukontrolle
erhobenen Gebühren unbegründet sind.
4. Verfahrenskosten der Vorinstanz
a) Der Beschwerdeführer verlangt einen Verzicht auf die mit der angefochtenen
Verfügung erhobenen Verfahrenskosten von Fr. 120.00, da es nicht sein Verschulden sei,
dass die Angelegenheit neu beurteilt werden musste.
b) Gemäss Gebührenreglement erhebt die Gemeinde für die Baukontrolle eine
Aufwandgebühr (vgl. Ziff. 3). Zusätzlich zu dieser Aufwandgebühr darf keine weitere
Gebühr erhoben werden.13 Die Gemeinde darf daher neben der verlangten Aufwandgebühr
von Fr. 300.00 keine zusätzliche Verfahrensgebühr verlangen. Die Beschwerde ist
deshalb, soweit auf sie einzutreten ist, teilweise gutzuheissen. Die Verfügung vom 12. Juni
2017 wird in diesem Punkt aufgehoben.
5. Kosten
a) Die Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 450.00
(Art. 103 Abs. 2 VRPG14 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV15). Die mit der Verfügung der
12 Verfügung "Gebühren Baukontrolle" in den Vorakten, pag. 27 13 Vgl. BDE 120/2016/13 vom 26. April 2016, E. 4 14 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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Gemeinde Wynau vom 12. Juni 2017 erhobenen Verfahrenskosten von Fr. 120.00 werden
aufgehoben. Der Beschwerdeführer dringt mit seiner Beschwerde nur teilweise durch. Bei
diesem Ausgang des Verfahrens rechtfertigt es sich, dem Beschwerdeführer 2/3 der
Verfahrenskosten aufzuerlegen. Er hat damit Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 300.00
zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die Gemeinde gilt ebenfalls teilweise als unterliegend.
Einer Gemeinde werden Verfahrenskosten nur dann auferlegt, wenn sie in ihren
Vermögensinteressen betroffen ist (Art. 108 Abs. 2 VRPG). Da im vorliegenden Verfahren
nur die Höhe der erhobenen Gebühren umstritten war, ist die Gemeinde in ihren
Vermögensinteressen betroffen. Ihr können daher Verfahrenskosten auferlegt werden. Die
Gemeinde hat die restlichen 1/3 der Verfahrenskosten im Umfang von Fr. 150.00 zu
bezahlen.
b) Der Beschwerdeführer und die Gemeinde sind nicht anwaltlich vertreten. Es werden
daher keine Parteikosten gesprochen (Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).