Decision ID: 8bca12c3-2c28-5944-9792-16e4a13335cc
Year: 2014
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Gemeindeversammlung der Einwohnergemeinde (EG) Kirchlindach beschloss am 29. März 2010 eine Revision der Ortsplanung, bestehend aus Zonenplan 1, Schutzzonenplan, Baureglement, Waldfeststellungsplan und Naturgefahrenkarte. Die Revision umfasste namentlich die Umzonungen der Parzellen Kirchlindach Gbbl. Nrn. 1_ und 2_ von der Zone für öffentliche Nutzung (ZöN) in die Wohn- und Gewerbezone 2 (WG2) sowie die Einzonung der Parzelle Kirchlindach Gbbl. Nr. 3_ (Zone mit Planungspflicht [ZPP] Nr. 4). A._ erhob u.a. gegen diese Um- und Einzonung Einsprache, B._ beanstandete einzig die Umzonungen. Das Amt für Gemeinden und Raumordnung des Kantons Bern (AGR) genehmigte am 12. Juni 2012 die Ortsplanungsrevision und wies die beiden Einsprachen ab, diejenige von A._ soweit es darauf eintrat.
B.
Dagegen erhob A._ soweit die Einzonung der Parzelle Nr. 3_ in eine ZPP und die Umzonungen in eine WG2 betreffend am 10. Juli 2012 Beschwerde bei der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern (JGK). B._ erhob am 20. Juli 2012 Beschwerde bei der JGK und beanstandete die genannten Umzonungen. Die JGK vereinigte die Verfahren und wies die Beschwerden am 24. März 2014 ab, soweit sie darauf eintrat.
C.
Gegen den Entscheid der JGK hat A._ am 25. April 2014  erhoben und die folgenden Rechtsbegehren gestellt (Verfahren 100.2014.113):
«1. Der Beschluss der Gemeindeversammlung Kirchlindach in Sachen Umzonung Zone für öffentliche Nutzung beim Kindergarten, Parzellen Nr. 1_ und Nr. 2_, in eine WG2 sei aufzuheben.
2. Der Beschluss der Gemeindeversammlung Kirchlindach in Sachen Neueinzonung der Parzelle Nr. 3_ sei aufzuheben.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10.12.2014, Nrn. 100.2014.113/ 127U, Seite 3
3. Der Beschwerdeentscheid der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion vom 24. März 2014 sei aufzuheben.»
B._ hat den Entscheid vom 24. März 2014 mit  vom 5. Mai 2014 angefochten (Verfahren 100.2014.127). Er beantragt, der Beschwerdeentscheid der JGK sei aufzuheben. Ausserdem sei der Beschluss der Gemeindeversammlung «in Sachen Umzonung öffentliche Nutzung beim Kindergarten, Parzellen Nr. 1_ und Nr. 2_, in eine WG2 aufzuheben». Weiter stellt er Beweis- und Verfahrensanträge.
Die EG Kirchlindach beantragt mit Beschwerdeantwort vom 16. Juni 2014, beide Beschwerden seien abzuweisen und den Umzonungen sei die Genehmigung zu erteilen. Mit Vernehmlassungen vom 16. Juni 2014 beantragt die JGK in beiden Verfahren, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden könne. A._ und B._ haben je am 9. Juli 2014 Bemerkungen zur Beschwerdeantwort und zu den Vernehmlassungen eingereicht.

Erwägungen:
1.
1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerden als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) zuständig.
1.2 Die Beschwerdeführer haben an den (vereinigten) vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen, sind durch die angefochtenen Entscheide besonders berührt und haben als Eigentümer der Parzelle Kirchlindach Nr. 4_ (Beschwerdeführer 2) bzw. Mieter der Liegenschaft (Beschwerdeführer 1) ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG; vgl. auch Art. 61a Abs. 2 Bst. a des Baugesetzes vom 9. Juni 1985 [BauG; BSG 721.0]).
1.3 Nach Art. 81 Abs. 1 VRPG ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde innert 30 Tagen seit Eröffnung des Entscheids zu erheben. Zur Wahrung einer Frist muss die betreffende Handlung vor deren Ablauf vorgenommen werden. Eingaben müssen vor
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10.12.2014, Nrn. 100.2014.113/ 127U, Seite 4
Ablauf der Frist der Behörde, der schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden (Art. 42 Abs. 1 und 2 VRPG). Für die Fristwahrung genügt der Einwurf in einen Briefkasten der Behörde, der Post oder der schweizerischen Vertretung bis Mitternacht des letzten Tags der Frist. Die Absenderin bzw. der Absender trägt dafür die Beweislast (Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 42 N. 5; BGE 127 I 133 E. 7b S. 139 a.E., 109 Ia 183 E. 3a, 109 Ib 343 E. 2b; BGer 5A_201/2014 vom 26.6.2014, E. 3.2, H 131/06 vom 12.3.2007, E. 3.2, 5P.113/2005/5P.114/2005 vom 13.9.2006, E. 3.1). Es ist unbestritten, dass der angefochtene Entscheid dem Beschwerdeführer 2 am 3. April 2014 zugestellt wurde (vgl. Zustellinformation der Post, Track & Trace). Die Beschwerdefrist ist demnach unter Berücksichtigung der Regelung von Art. 41 Abs. 2 VRPG über den Fristenlauf an Samstagen am Montag, dem 5. Mai 2014 abgelaufen. Der Umschlag der im Briefkasten des Verwaltungsgerichts eingeworfenen Eingabe, die am 6. Mai 2014 eingegangen ist, trägt den Vermerk «Einwurf vor Mitternacht, 5. Mai 2014, beglaubigt durch C._» und die Unterschrift von C._. Auf Verfügung des Abteilungspräsidenten hin hat der Beschwerdeführer 2 mit Eingabe vom 18. Mai 2014 die Wohnadresse von C._ bekanntgegeben sowie weitere Angaben zu dessen Person und zu den genauen Umständen der Beschwerdeeinreichung gemacht. Es besteht kein Anlass, die Aussage in Zweifel zu ziehen, wonach der Briefeinwurf noch am 5. Mai 2014 erfolgt ist. Auf die form- und fristgerecht eingereichten Beschwerden ist – unter Vorbehalt der E. 1.4, 1.5, 2.2 und 5.7 – einzutreten.
1.4 Anfechtungsgegenstand in den vorliegenden Verfahren ist der Entscheid der JGK über die vorne in Bst. B genannten planerischen Anordnungen. In diesem Umfang ist der Entscheid an die Stelle der Genehmigungsverfügung des AGR getreten; diese gilt als inhaltlich mitangefochten (sog. Devolutiveffekt der Beschwerde; vgl. BGE 134 II 142 E. 1.4; BVR 2010 S. 411 E. 1.4; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 60 N. 7). Der Beschluss der Gemeindeversammlung, der mit Verfügung des AGR soweit hier interessierend genehmigt wurde, bildet nicht Verfahrensgegenstand. Soweit die Beschwerdeführer auch die (teilweise) Aufhebung des  beantragen, ist auf die Beschwerden nicht einzutreten.
1.5 Soweit der Beschwerdeführer 1 zur Begründung seiner Beschwerde auf die vom Beschwerdeführer 2 später eingereichte Beschwerde verweist (vgl. Beschwerde im Verfahren 100.2014.113 [nachfolgend: Beschwerde 1], Ziff. II Ingress), ist auf die
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10.12.2014, Nrn. 100.2014.113/ 127U, Seite 5
Beschwerde nicht einzutreten. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde muss unter anderem einen Antrag und eine Begründung enthalten, wobei diese Teile der Rechtsschrift innert der Beschwerdefrist eingereicht sein müssen (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 Abs. 2 sowie Art. 33 Abs. 3 VRPG). Hinzu kommt, dass die Parteien in vereinigten Verfahren nicht zu Streitgenossinnen bzw. Streitgenossen werden (Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 17 N. 4). Die beiden Beschwerden betreffen zwar teilweise den gleichen Gegenstand, weshalb die Verfahren aus prozessökonomischen Gründen auch vor Verwaltungsgericht zu vereinigen sind (Art. 17 Abs. 1 VRPG). Die Begründung der einen Beschwerde kann jedoch nicht zur Begründung der anderen Beschwerde herangezogen werden; trotz Vereinigung wahren die Beschwerdeführer ihre Rechte selber und für sich allein (Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 17 N. 4). Folglich ist auch auf die Beschwerde des Beschwerdeführers 2 nicht einzutreten, soweit er zur Begründung auf die Beschwerde des Beschwerdeführers 1 verweist.
1.6 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 VRPG). Es auferlegt sich eine gewisse Zurückhaltung, soweit für die Beurteilung besondere Sach- oder Fachkenntnisse erforderlich sind, über die es nicht gleichermassen verfügt wie die Verwaltungsbehörden mit ihren Fachleuten und -stellen (BVR 2014 S. 451 E. 1.3, 2013 S. 5 E. 5.6; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 80 N. 9).
2.