Decision ID: 83386086-b0d8-4aa5-b920-421fb91adaa7
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1955
,
ist von Beruf Hebamme und arbeitete seit 1982 als Pflegeheimmitarbeiterin im
Z._
in unterschied
lich hohen
Pensen
(Urk. 9/1/5). Seit dem 12. November 2012
war
sie zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben (Urk. 9/1/4).
Per 30. September 2013 wurde das Arbeitsverhältnis aufgelöst (Urk. 9/23/16).
Am 12. März 2013 meldete sich die Versicherte
unter Angabe von chronischen Rückenschmerzen
an der
Lend
enwirbelsäule
, Nacken- und Schulterschmerzen sowie Fersenschmerzen
bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbezug an
(Urk. 9/1
, vgl. Urk. 9/1/5
)
.
Nach
dem
die
Prüfung
ergeben hatte
,
dass
ein Arbeitsplatzerhalt beziehungswei
s
e eine Arbeitsvermittlung
nicht
möglich
sei
, wurde das Dossier in die Rentenprüfung weitergeleitet (Urk. 9/12/1).
Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
klärte die erwerblichen (
Urk. 9/6-13,
Urk.
9/16, Urk. 9/23
) und medizinischen (Urk.
9/17
-19
) Verhält
nisse ab
.
Am 28. November 2013 erliess sie einen Vorbescheid, worin sie die Abweisung des
Begehrens um eine Invalidenrente
in Aussicht
stellte
(Urk. 9/26). Hiergegen liess die Versicherte
,
vertreten durch die Fortuna Rechtsschutz-Versicherungs-Gesellschaft AG, Rechtsdienst, Rechtsanwältin Martina
Landolt
(Urk. 9/28)
,
am 3. Dezember
2013
Einwand erheben (Urk. 9/27), welchen sie mit Eingabe vom 5. Februar 2014 ergänzte (Urk. 9/31-33).
Daraufhin liess die IV-Stelle am 26. März 2014 eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt durchführen (Haushaltsabklärungsbericht vom 29. April 2014; Urk. 9/35).
Die Abklärungsperson qualifizierte
die Beschwerdeführerin als zu 100 % im Erwerbsbereich Tätige (Urk. 9/35/5).
Mi
t
Verfügung vom 29. April 2014 wies die IV-Stelle das
Begehren der Versi
cherten um eine Invalidenrente
ab
und verwies sie bezüglich beruflicher Mass
nahmen an die Arbeitslosenversicherung
(Urk. 9/37 = Urk. 2).
2.
2.1
Gegen die Verfügung vom 29. April 2014 erhob die Versicherte mit Eingabe vom 28. Mai 2014 Beschwerde mit dem Antrag, es sei die Verfügung vom 29. April 2014 aufzuheben
und
es sei
ihr eine Rente zuzusprechen.
Es seien berufliche und medizinische Abklärungen und Massnahmen vorzunehmen
und
e
s sei ein zweiter Schriftenwechsel zu gewähren, alles unter Kosten
-
und
Ent
schädigungsfolgen
zulasten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 15. Juli 2014 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine Stellungnahme (Urk. 8)
, was der Beschwerdeführerin am 16. Juli 2014 mitgeteilt wurde (Urk. 10).
2.2
Mit Verfügung vom 27. Oktober 2015 wurde die Pensionskasse der Stadt
Y._
zum Prozess beigeladen (Urk. 11).
Innert Frist teilte
sie
mit Schrei
ben
vom 23. November 2015 mit, dass sie nach Prüfung der Unterlagen auf eine Stellungnahme und somit auf die
Fristerstreckung
– welche sie
m
it
Schreiben vom 18. November 2015 verlangt
hatte
(Urk. 13) -
verzichte (Urk. 14).
Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1
.1
In formeller Hinsicht verlangt die Beschwerdeführerin zunächst die Durchfüh
rung eines
zweiten (weiteren)
Schriftenwechsels
(Urk.
1 S.
2).
1.2
Art.
61
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
(
ATSG
)
enthält keine Regelung zur Anordnung eines zweiten
Schriften
wechsels
durch die kantonalen Gerichte. Es ist daher das kantonale Verfah
rensrecht anwendbar.
Gemäss
§
19
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht (
GSVGer
) des Kantons Zürich kann nach der schriftlichen Stellungnahme der Gegenpartei ein
weiterer Schriftenwechsel
angeordnet oder, wenn es die Umstände rechtfertigen, zur mündlichen Verhandlung vorgeladen werden.
Seit Inkrafttreten von
Art.
29
Abs.
2
der Bundesverfassung der Schwei
zerischen Eidgenossenschaft
(
BV
)
berücksichtigt die höchstrichterliche Recht
sprechung bei der Konkretisierung des Anspruchs auf rechtliches Gehör vermehrt die Rechtsprechung des Europäischen G
erichtshofs für Menschen
rechte
zu
Art.
6
Ziff.
1
der Europäischen Menschenrechtskonvention (
EMRK
)
, nach der es den Parteien überlassen werden muss zu beurteilen, ob eine Ver
nehmlassung neue Argumente enthält und eine Stellungnahme erfordert (BGE 132 I 46 E. 3.3.2
, Kobel, Kommentar zum Gesetz über das
Sozialversicherungs
gericht
des Kantons Zürich, 2., vollständig überarbeitete Auflage, Zürich 2009,
§
19 N 17
)
.
Ein ordentlicher zweiter Schriftenwechsel ist überall dort anzuord
nen, wo die Vorinstanz oder die beklagte Partei in der Vernehmlassung neue Gesichtspunkte tatsächlicher oder rechtlicher Natur vorbringt (Kobel, Kommen
tar zum Gesetz über das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, a.a.O.,
§
19 N 20).
1
.3
Nachdem die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort
auf eine Stellung
nahme verzichtete
(Urk. 8)
,
und somit nichts Neues vorbrachte,
was sie nicht bereits im Verwaltungsverfahren vorgetragen hat
te
,
braucht – ohne Verletzung
des rechtlichen Gehörs der Beschwerdeführerin - nicht explizit ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet zu werden.
Da
der Schriftenwechsel nicht förmlich abgeschlossen wurde, hatte die Beschwerdeführerin die Möglichkeit, sich ver
nehmen zu lassen. Sie liess sich
jedoch
innert
angemessener
Frist nicht verneh
men.
2.
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung – Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Mit der angefochtenen Verfügung vom 2
9.
April 2014 (
Urk.
2) wurde zwar das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin grundsätzlich abgewiesen, aus der Begründung ergibt sich jedoch, dass nur über den Rentenanspruch entschieden und berufliche Massnahmen abgelehnt wurden. Nicht Gegenstand der ange
fochtenen Verfügung waren medizinische Massnahmen. Soweit die Beschwer
deführerin die Vornahme medizinischer Massnahmen beantragt (
Urk.
1 S. 2), ist daher mangels Anfechtungsgegenstand nicht auf die Beschwerde einzutreten.
3
.
3
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
3
.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
3
.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen
festzu
-
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
-
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
4
.
4
.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid fest, gemäss dem
R
egionalen
Ä
rztlichen Dienst (RAD), welcher den Fall geprüft habe, habe die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bereits
am 19. August 2013 wiedererlangt.
Da
sie
die bisherige Arbeitsfähigkeit somit
vor Ablauf der gesetzlichen Warte
zeit
von einem Jahr
zurückgewonnen habe
, seien die grundlegenden Voraussetzungen für den Rentenanspruch von vorn
herein nicht erfüllt. Die Festlegung des Invaliditätsgrades erübrige sich daher (Urk. 2 S. 1).
4
.2
Die Beschwerdeführerin liess in der Beschwerdeschrift vom 28. Mai 2014 ausfüh
ren,
die
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit se
i
nicht zurückge
wonnen worden
(Urk. 1 S. 2)
.
S
ie
habe in den letzten Jahren ihr Pensum
aus gesundheitlichen Gründen
von ursprünglich 100 %
immer weiter reduzieren müssen (Urk. 1 S. 3).
Die funktionelle Leistungsfähigkeit liege bei
W
eitem unter de
r
Belastungsanforderung der bisherigen Arbeit.
Die
Kernaufgabe der Pflege, welche Patientenlagerung und –
mobilisation
beinhalte,
könne sie
nicht mehr ausüben
(Urk. 1 S. 4)
.
Eine Arbeitsfähigkeit von
100
% sei gestützt auf die objektiven Befunde nicht realistisch. Es sei auch in einer angepassten Tätigkeit von einer maximalen Arbeits
-
beziehungsweise Leistungsfähigkeit von 50 % auszugehen. Eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen vorzuneh
men, um die tatsächlich verwertbare Arbeitsfähigkeit in einer
leidensangepass
ten
Tätigkeit
zu ermitteln
(Urk. 1 S. 5)
.
5
.
5
.1
5
.
1
.1
I
m Bericht des
A._
, Rheumaklinik, Physiotherapie Ergothera
pie
,
betreffend
das
Arbeitsassessment
vom
4. Februar 2013
wurden
als Diagnosen
ein
lumbospondylogenes
Syndrom,
bestehend seit
20 Jahren (ICD
-
10
:
M54.5),
eine
Insertionsenthesiopathie
der
Fascia
plantaris
am
Calcaneus
rechtsbetont (ICD
-
1
0:
M72.2) sowie ein
z
ervikobrachiales
Syndrom rechts,
be
stehend
seit
2010 (ICD
-
10
:
M53.
1)
,
aufgeführt
(Urk. 9/19/2
2-26
).
Die arbeitsbezogen relevanten Probleme seien vor allem eine verminderte
Belas
tungstoleranz
im Bereich der Lendenwirbelsäule und im rechten Fuss sowie eine verminderte muskuläre Stabilisierung der Wirbelsäule. Im
Weiteren
seien
eine verminderte Schulter
-
Arm
-K
raft und Handkraft beidseits festgestellt
worden.
Die funktionelle Leistungsfähigkeit liege weit unter den
Belastungsanforderun
gen
in
der bisherigen Arbeit.
Seit dem 1
2.
November 2012 bestehe eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit im Beruf als Pflegerin.
Aufgrund der objektivierbaren organischen
Befunde
sei eine Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
ohne Patientenlagerung, -mobilisation und -transfer zu
50
%
zumutbar. Eine leidensangepasste, leichte bis mittelschwere Tätigkeit sei ganztags mit vermehrten Pausen zumutbar, so dass hier von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Bei Umsetzen der therapeutischen Empfehlun
gen sei eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit möglich.
5
.
1
.2
D
em
B
ericht des
A._
, Rheumaklinik
,
Physiotherapie Ergo
therapie
, über die ambulante arbeitsbezogene Rehabilitation (ABR) vom 25. Juli 2013
(Urk.
9/
19/12-21)
ist zu entnehmen, dass die
ABR
regulär während fünf Tage
n
pro
Woche vom 15. bis zum 31. Mai 2013 und während drei Tage
n
pro
Woche vom 1. Juni bis
zum
5. Juli 2013 durchgeführt
wurde
.
Zu diesem Zeit
punkt sei die arbeitsbezogene Rehabilitation vorzeitig abgebrochen worden, nachdem sich gezeigt habe, dass eine Reintegration am bisherigen Arbeitsplatz nicht möglich sei.
Die
Belastungstoleranz im rechten Fuss und im Bereich der Lendenwirbelsäule
habe
gesteigert werden
können
,
dennoch bestehe
im Bereich der Lendenwirbelsäule
eine verminderte Belastungstoleranz
.
Die Belastbarkeit liege allgemein im Bereich einer leichten bis mittelschweren Arbeit
.
Die Arbeitsfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit habe
am
Ende der Rehabilita
tion
bezogen auf ein
50%iges
Pensum
50 % betragen
,
wobei
eine schrittweise Erhöhung des Arbeitspensums bis auf 90 % (eines 50%
-
Pensums) vorgesehen
gewesen sei
. Eine
höhergradige
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für das erwähnte Pensum lasse sich aus somatisch-rheumatologischer Sicht nicht begr
ü
nden.
I
n einer leidensangepassten
,
mittelschwere
n Tätigkeit
mit
nur seltenen
Gewichts
belastungen
bis 22,5 Kilogramm
bestehe
eine
100%ige
Arbeitsfähig
keit.
5
.
1
.3
Dem Arztbericht des
A._
vom 18. Oktober 2013, welcher auf dem Assessmentbericht vom 4. Februar 2013 und dem Bericht über die ambulante arbeitsbezogene Rehabilitation (ABR) vom 25. Juli 2013 beruht, ist zusätzlich zu entnehmen, dass
in der bisherigen Tätigkeit
bezogen auf ein 100%
-
Pensum
eine erhebliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit
bestehe
, welche einen
vollzeitigen Einsatz
verunmögliche. Theore
tisch könne bezogen auf ein 100
%
-
Pensum eine Arbeitsfähigkeit von 50 % angenommen werden (Urk. 9/18/2).
5.2
Dr. med.
B._
, Facharzt für Innere Medizin FMH,
hielt im Bericht
vom 2. November 2013 als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit ein chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom bei
Osteochondrosen
L4 und S1,
Spondylarthrosen
L5 bis S1, mehrere
n
fraglich relevante
n
leichte
n
Dis
kushernien
sowie
myofasziale
n
Schmerzen
fest
(Urk. 9/19/1
).
In einem weiteren Arztbericht vom 13. Januar 2014
nannte
Dr.
B._
neben den bisherigen Diagnosen zusätzlich
eine Skoliose, eine rezidivierende
Fasciitis
plantaris
beidseits sowie ein rezidivierendes
zervikobrachiales
Syndrom rechts. Zur Arbeitsfähigkeit führte er aus, die Beschwerdeführerin sei in der bis
herigen Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig. Als Pflegerin könne sie wegen des Rückenleidens einen grossen Teil der körperlich belastenden Arbeiten, nament
lich Tätigkeiten welche das Lagern, die Mobilisation und den Transfer von Patienten betreffen, nicht mehr ausführen. Er schätze die Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit
– je nach Verlauf des Leidens -
grob auf 50 %. Das Zumutbarkeitsprofil des
Arbeitsassessments
vom 4. Februar 2013 sei zu optimistisch
gewesen
(Urk. 9/31/1).
5.3
Der RAD-Arzt Dr. med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
,
hielt in seiner Stellungnahme vom 13. November 2013 fest
(Urk. 9/24/3-4)
, dass bei der
Beschwerdeführerin
e
i
n somatischer
Gesundheits
schaden
ausgewiesen
sei
, einschliesslich eine sich daraus ableitende Einschrän
kung der funktionellen Leistungsfähigkeit
.
Für
die bisherige Tätigkeit als Pflegefachfrau
habe
zunächst gemäss dem Haus
arzt Dr.
B._
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
vom
12. November 2012 bis zum 23. Juli 2013 bestanden. Dies sei plausibel, aber danach sei auf die differenzierten Angaben im ABR-Bericht abzustellen.
Für eine angepasste Tätigkeit habe zunächst eine Arbeitsfähigkeit von 75 % bestanden (gemäss dem Bericht vom 4. Februar 2013
)
, aber ab dem 19. Augu
s
t 2013 sei von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Es sei von einem Belastungsprofil auszugehen, bei welchem mittelschwere Arbeiten mit Gewichtsbelastung bis 22,5 Kilogramm selten am Tag möglich sei
en
(Urk. 9/24/4).
6
.
6
.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf
die Ausführungen des RAD und hielt fest, die Beschwerdeführerin habe ihre
uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit bereits am 19. August 2013 wiedererlangt (Urk. 2).
Demgegenüber ist der
Stellungnahme des RAD
-Arztes vom 13. November 2013 zu entnehmen, dass er bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der bis
herigen Tätigkeit keineswegs davon ausging, dass die Beschwerdeführerin ihre volle Arbeitsfähigkeit wiedererlangte. Vielmehr führte er gestützt auf die
Berichte des
A._
vom 25. Juli und vom 18. Oktober 2013
aus,
ab dem 19. August 2013
betrage die Arbeitsfähigkeit
90 % bezogen auf ein 50%iges Pensum
.
Nur für eine angepasste Tätigkeit attestierte er ab diesem Zeitpunkt eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (
Urk.
9/24/3-4).
6.2
Der RAD-Arzt
Dr.
C._
hatte die Beschwerdeführerin nicht selber untersucht. Er stützte seine Beurteilung lediglich auf die Akten, insbesondere auf die Berichte des
A._
, und übernahm die am 2
5.
Juli 2013 vom
A._
- rein prognostisch - ab dem 1
9.
August 2013 attestierte volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit. Auf prognostische Angaben kann für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich nicht abgestellt werden. Zudem erachtete der behandelnde Arzt
Dr.
B._
, der die Beschwerdeführerin am
2.
November 2013 letztmals gesehen hatte, im Bericht vom 1
3.
Januar 2014 (
Urk.
9/31) die Prognose des
A._
als zu optimistisch und schätzte die Arbeitsfähigkeit auch in einer angepassten Tätig
keit nur auf 50
%
.
6.3
Nach dem Gesagten erlaubt die Aktenlage keine hinreichend zuverlässigen Fest
stellungen darüber, zu wie viel Prozent die Beschwerdeführerin in einer
leidens
angepassten
Tätigkeit
arbeitsfähig
ist
,
respektive ob eine
Leistungseinschrän
kung
besteht
. Es bedarf daher zusätzlicher medizinischer
Abklärungen
. Die Verfügung vom 29. April 2014 (Urk.
2) ist folglich aufzuheben und die Sache ist zur Vornahme einer Prüfung der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer leidensangepassten Tätigkeit
an die IV-Stelle
zurückzuweisen.
Die IV-Stelle hat ausgehend von der
attestierten
Arbeitsfähigkeit in einer
leidensange
passten
Tätigkeit eine Invaliditätsbemessung
vorzunehmen
und erneut über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu befinden. Je nach Ergebnis der medizinischen Abklärungen wird sie gegebenenfalls auch berufliche Massnah
men zu gewähren haben. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit auf sie einzutreten ist.
7
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen.
D
ie Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung
gilt nach ständiger Rechtsprechung
als vollständiges Obsie
gen
. Die Gerichtskosten sind daher vollumfänglich der Beschwerdegegnerin auf
zuerlegen. Das geringfügige Unterliegen hinsichtlich des Nichteintretens auf den Antrag um Gewährung medizinischer Massnahmen rechtfertigt keine andere Kostenverteilung. Zudem hat
die vertretene Beschwerdeführerin Anspru
ch auf eine Prozessentschädigung
. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der
Streitsache und der Schwierigkeit des
Prozesses auf Fr. 1‘
5
00.-- (inklusive
Bar
auslagen
und Mehrwertsteuer) festzulegen.