Decision ID: 0fac586f-c1a5-43e1-845a-98a5ed1b7cb7
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
und
Y._
verfügten bei der SWICA Kranken
versicherung AG ab
1.
Januar 2012 über die Zusatzversicherungen nach dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG)
Completa
Top,
Completa
Praeventa
sowie
Hospita
allgemein.
Daneben waren sie bei der SWICA obligatorisch krankenpflegeversichert.
Die Prämien für
die
drei Zusatzversiche
rungen
beliefen sich auf
monatlich
Fr.
56.50 im Fall von
Y._
und
Fr.
51.60 im Fall von
X._
(
Urk.
2/8,
Urk.
2/16).
Mit Schreiben vom 2
0.
Juni 2012 forderte die SWICA die Versicherten auf,
Prämi
enausstände
für die Zusatzversicherungen in Höhe von
Fr.
141.00
(beste
hend aus den Prämien für den Monat Mai 2012 von
Fr.
56.50 und
Fr.
51.60, Mahnspesen von
Fr.
30.-- sowie Verzugszins von
Fr.
2.90)
bis spätestens 2
5.
Juli 2012 zu bezahlen und der SWICA eine Kopie der Zahlungsquittung zuzustellen; andernfalls stütze sich die SWICA auf das in
Art.
21 VVG statuierte Rücktrittsrecht und löse die Verträge für die Zusatzversicherungen auf (
Urk.
2/11
,
Urk.
9 S. 3
).
In den von der SWICA jeweils zu Beginn des Jahres zugestellten Versicherungs
policen für 2013 und 2014 war nur noch die obligatorische
Krankenpflegeversi
cherung
aufgeführt (
Urk.
2/6-7,
Urk.
2/14-15).
2.
Mit Eingabe vom
1
1.
Mai 2014 erhoben die Versicherten Klage gegen die SWICA und beantragten sinngemäss, es sei festzustellen, dass die Zusatzversi
cherungen nach VVG nicht aufgehoben worden seien und die Leistungspflicht der SWICA nicht ruhe, und es sei die SWICA zu verpflichten, ab
1.
März 2012 allfällige durch die Zusatzversicherungen gedeckten Leistungen zu erbringen (
Urk.
1; vgl. auch
Urk.
2/3
S. 1
).
Mit Verfügung vom 1
5.
Mai 2014 setzte das Gericht den Klagenden eine Nachfrist von 10 Tagen an, um genau anzugeben, welche Leistungen beantragt werden (
Urk.
3). In der Klageergänzung vom 2
5.
Mai 2014 teilten die Klagenden mit, sie hätten in den letzten zwei
Jahren keine Leistungen bezogen,
die unter
die Zusatzversicherungen fielen; d
eshalb
beschränke
sich ihre Klage auf
das Begehren, es sei festzustellen, dass die Zusatzversicherungen nicht aufgehoben worden seien
(
Urk.
5). In der
Klageant
wort
vom 1
8.
August 2014 beantragte die SWICA die Abweisung der
Klage
, soweit darauf einzutreten sei
(
Urk.
9).
In der Replik vom 2
0.
September 2014 hielten die Klagenden an ihrem Antrag fest (
Urk.
13). Am 2
9.
September 2014 teilte die
SWICA
dem Gericht mit, sie verzichte auf eine Duplik (
Urk.
16).
Mit Verfügung vom 17
.
September
2015 (Urk.
18
) wurde den Parteien die Gele
genheit eingeräumt, dem Gericht mitzuteilen, falls sie die Durchführung einer Hauptverhandlung wünschen. Während sich die
Klagenden
hie
r
zu nicht ver
nehmen liess
en (vgl.
Urk.
19)
, teilte die
SWICA
dem hiesigen Gericht am 30
.
September
2015 mit, sie
verzichte
auf eine mündliche Verhandlung
(Urk.
20
)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach dem Bundesge
setz über die Krankenversicherung (KVG) unterstehen nach Art. 12 Abs. 3 KVG dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG). Die Kantone können gestützt auf Art. 7 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO) ein Gericht bezeichnen, welches als einzige kantonale Instanz für Streitigkeiten in diesem Gebiet sach
lich zuständig ist. Im Kanton Zürich liegt die Zuständigkeit beim
Sozialversi
cherungsgericht
(§ 2 Abs. 2
lit
. b des Gesetzes über das
Sozialversi
cherungsge
richt
,
GSVGer
).
1.2
Die für das Sozialversicherungsgericht verbindliche Regelung der örtlichen Zuständigkeit im Bereich der Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversi
cherung findet sich in Art. 32 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO). Demnach ist bei Streitigkeiten aus Konsumentenverträgen für Klagen der Kon
sumentin oder des Konsumenten das Gericht am Wohnsitz oder Sitz einer der Parteien zuständig (Art. 32 Abs. 1
lit
. a ZPO).
Di
e Beklagte
hat
ihren Sitz im Kanton Zürich; damit ist auch die örtliche Zuständigkeit des
Sozialversiche
rungsgerichts
des Kantons Zürich gegeben.
1.3
Das Verfahren richtet sich nach der ZPO, wobei das einfache Verfahren zur Anwendung gelangt (Art. 243 Abs. 2
lit
. f ZPO) und die Klage direkt beim Gericht anhängig zu machen ist (BGE 138 III 558 E. 3.2 und 4.6). Das Gericht darf einer Partei nicht mehr und nichts anderes zusprechen, als sie verlangt, und nicht weniger, als die Gegenpartei anerkannt hat (Art. 58 ZPO). Es stellt den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 247 Abs. 2
lit
. a
i.V.m
. Art. 243 Abs. 2
lit
. f ZPO), erhebt von Amtes wegen Beweis (Art. 153
i.V.m
. Art. 247 Abs. 2
lit
. a ZPO) und bildet seine Überzeugung nach freier Würdigung der Beweise (Art. 157 ZPO).
Die
SWICA
hat auf die Durchführung einer Hauptverhandlung schriftlich verzich
tet (
Urk.
20). Die Klagenden haben zu dieser Frage innert der mit Verfü
gung vom 1
7.
September 2015 angesetzten Frist keine Stellung genommen, weshalb wie in der Verfügung angekündigt von ihrem Verzicht auf die Dur
ch
führung einer Verhandlung auszugehen ist (
Urk.
18,
Urk.
19). Demnach braucht keine mündliche Hauptverhandlung durchgeführt zu werden.
1.4
Als Teil des Privatrechts räumt das VVG den Parteien weitgehende Vertragsfrei
heit ein, solange sie die Schranken der Rechtsordnung beachten. Der
Vertrags
inhalt
richtet sich häufig nach vorformulierten Allgemeinen
Vertragsbestim
mungen
(AVB; Michael Iten, Der private Versicherungsvertrag: Der Antrag und das Antragsverhältnis unter Ausschluss der Anzeigepflicht, Freiburg, 1999,
S. 23 N71; vgl. auch Alfred Maurer, Schweizerisches Privatversicherungsrecht, 3. Aufl., Bern 1995, S. 150 f.). Das Schweizerische Obligationenrecht (OR) gilt immer subsidiär, wenn das VVG, das hinsichtlich des (Zusatz-)
Versicherungs
vertrages
zahlreiche vom OR abweichende oder dieses ergänzende Bestimmun
gen enthält, eine Frage nicht regelt (vgl. Art. 100 Abs. 1 VVG).
2.
2.1
Die Klagenden beantragen sinngemäss die Feststellung des Fortbestehens der von ihnen abgeschlossenen Zusatzversicherungen bei der SWICA (
Urk.
1,
Urk.
5). Mithin liegt eine Feststellungsklage vor.
2.2
Gemäss
Art.
88 ZPO ist Gegenstand der Feststellungsklage die Feststellung des Bestehens oder Nichtbestehens von Rechten und Rechtsverhältnissen.
Nicht zulässig sind Begehren auf Entscheidung
allgemeine
r
, hypothetische
r
oder abstrakte
r Rechtsfragen
.
Die klagende Partei hat ein erhebliches schutzwürdiges Interesse rechtlicher oder tatsächlicher Natur an der Feststellungsklage nachzu
weisen
. Ein solches ist gegeben, wenn kumulativ eine erhebliche Ungewissheit über Bestand und Inhalt der Rechtsbeziehungen zwischen den Parteien herrscht, das Fortdauern der Ungewissheit eine Unzumutbarkeit für den Kläger darstellt, weil sie ihn in seiner Bewegungsfreiheit behindert, und es dem Kläger nicht möglich ist, diese Unsicherheit mit einer Leistungs- oder Gestaltungsklage zu beheben/beseitigen.
Das Feststellungsinteresse ist Sachurteilsvoraussetzung. Fehlt es an einem Feststellungsinteresse, tritt das Gericht auf die Klage nicht ein
(
Weber in:
Basler Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 2. Auflage,
Basel
2013,
Art. 88
Rz
5, 9, 14 und 17).
2.3
Gegenstand des Klageverfahrens bildet die Feststellung des Bestehens beziehungs
weise Fortbestehens der Zusatzversicherungsverträge
zwischen den Parteien. Die Erbringung einer
vertraglichen Leistung
wegen des Eintritts eines versicherten Ereignisses steht nicht zur Diskussion
(
Urk.
5)
, eine Leistungsklage
scheidet also aus.
Über den
Fortbestand der Zusatzversicherungsverträge besteht Ungewissheit, wobei es den Klagenden nicht zumutbar ist
, mit der Klärung der Rechtslage zuwarten zu müssen, bis zufolge Eintritt
s
eines versicherten Risikos die vertraglichen Leistungen eingeklagt we
rden können. Das
Feststellungsbe
gehren
ist folglich zulässig (vgl. auch das Urteil des Sozialversicherungsgerichts KK.2008.00012 vom
9.
November 2009, E. 2.3).
3.
3.1
Die
SWICA
macht geltend, die Klagenden würden sich rechtsmissbräuchlich verhalten, da sie knapp eineinhalb Jahre nach Erhalt der Policen für das Jahr 2013, auf welchen die Zusatzversicherungen nicht mehr erwähnt gewesen seien, ohne jegliche Rücksprache bei der
SWICA
die gerichtliche Klage eingeleitet hätten. Deshalb sei auf die Klage nicht einzutreten (
Urk.
9 S. 6).
3.2
Diesem Begehren kann bereits deshalb nicht
entsprochen
werden, weil die
SWICA
die Abweisung der Klage beantragt
(
Urk.
9)
. Mittels
der verlangten
vor
herigen Rücksprache bei der
SWICA
hätte die Klage also
gar
nicht vermieden werden können. Auch sonst ist nicht ersichtlich, inwiefern die Klageeinleitung rechtsmissbräuchlich sein könnte (vgl.
Gehri
in: Basler Kommentar zur Schwei
zerischen Zivilprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2013, Art.
52
Rz
4 ff.), zumal das Verhalten der Klagenden auch nicht als querulatorisch beziehungsweise schikanös erscheint (vgl.
Gschwend
/
Bornatico
in: Basler Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2013,
Art.
132
Rz
30 ff.
).
Aus den Akten geht vielmehr hervor, dass
sie
auf Empfehlung ihrer Rechtsschutzversicherung am 1
1.
Mai 2014
direkt beim
hiesigen Gericht Klage erhoben.
Die Rechtsschutzversicherung ging gemäss Schreiben an die Klagen
den vom 2
9.
April 2014 davon aus, dass ihre Ansprüche andernfalls Ende Mai 2014 verjährt gewesen wären (
Urk.
2/3,
Urk.
13).
Angesichts d
ieses Motiv
s
und unabhängig von
dessen
Begründetheit
erscheint
die Klage nicht als miss
bräuchlich.
4
.
4
.1
4
.1.1
Die
SWICA
macht geltend,
die Klagenden seien mit der Bezahlung der Prämien für die
Zusatzversicherungen
Completa
Top,
Completa
Praeventa
sowie
Hospita
allgemein
für den Monat Mai 2012 in Verzug gewesen
,
weshalb sie
sie
mit Schreiben vom 2
0.
Juni 2012 aufgefordert
habe
, die Prämienausstände für die Zusatzversicherungen für die Monate März bis Mai 2012 in Höhe von
Fr.
141.00 (bestehend aus den Prämien für den Monat Mai 2012 von
Fr.
56.50 und
Fr.
51.60, Mahnspesen von
Fr.
30.-- sowie Verzugszins von
Fr.
2.90) bis spätestens 2
5.
Juli 2012 zu bezahlen und der
SWICA
eine Kopie der Zahlungsquittung zuzustellen, andernfalls
sie
sich auf das in
Art.
21 VVG statuierte Rücktrittsrecht stütze und die Verträge für die Zusatzversicherungen auflöse. Da die Kläger den ausstehenden Betrag nicht
innert der gesetzten Frist
beglichen hätten
, habe s
ie per
1.
Oktober 2012 das Rücktrittsrecht gemäss
Art.
21 VVG ausgeübt.
Mit dem Schreiben vom 2
0.
Juni 2012 sei sie ihrer Mahnpflicht gemäss
Art.
20
Abs.
1 VVG hinreichend nachgekommen.
Ferner habe sie die Klagenden in diesem Schreiben bereits eindeutig darauf hinge
wiesen, dass sie die Zusatzversicherungen im Fall des Unterlassens der fristge
rechten Bezahlung der Ausstände auflöse. Deshalb habe sie die Klagenden auch nicht nochmals gesondert darüber informieren müssen, dass die Zusatzversi
cherungen
per
1.
Oktober
2012 aufgelöst worden seien
(
Urk.
9; vgl. auch
Urk.
16)
.
4
.
1.
2
Die Klagenden vertreten demgegenüber den Standpunkt,
die drei Zusatz
ver
siche
rungen seien nicht rechtsgültig aufgelöst worden, und die
Leis
tungspflicht
der SWICA aus diesen Versicherungen ruhe nicht.
D
ie Mahnung der SWICA entspreche
nämlich
nic
ht den bundesgerichtlichen Formv
orschriften
. D
er Rück
tritt von den Zusatzversicherungen sei ihnen von der SWICA
auch
nie mitgeteilt worden
(
Urk.
1,
Urk.
13)
.
4
.2
4
.2.1
Wird die Prämie zur Verfallzeit oder während der im Vertrag eingeräumten Nach
frist nicht entrichtet, so ist der Schuldner unter Androhung der
Säumnis
folgen
auf seine Kosten schriftlich aufzufordern, binnen 14 Tagen, von der Absendung der Mahnung an gerechnet, Zahlung zu leisten (
Art.
20
Abs.
1 VVG). Bleibt die Mahnung ohne Erfolg, so ruht die Leistungspflicht des Versi
cherers vom Ablauf der Mahnfrist an (
Art.
20
Abs.
3 VVG). Wird die rückstän
dige Prämie nicht binnen zwei Monaten nach Ablauf der in
Art.
20 VVG festgesetzten Frist rechtlich eingefordert, so wird angenommen, dass der Versiche
rer, unter Verzicht auf die Bezahlung der rückständigen Prämie, vom Vertrag zurücktritt (
Art.
21
Abs.
1 VVG).
Das Gesetz räumt dem Versicherer somit bei Nichtbezahlung der ausstehenden Prämie durch den Versicherungsnehmer ein Wahlrecht ein: Er kann zwischen der Weiterführung des Vertrags oder - unter Verzicht auf die rückständige Prämie - dessen Beendigung entsche
iden
. Wählt er die Auflösung des
Vertrags
verhältnisses
, steht es ihm offen, diese durch eine vorzeitige Rücktrittserklärung oder durch Fristablauf herbeizuführen. Verhält der Versicherer sich während
zweier Monate seit Verzugseintritt, d.h. dem Zeitpunkt des Ablaufs der 14-tägi
gen Mahnfrist, passiv, indem er die rückständige Prämie nicht rechtlich einfor
dert, so wird angenommen, dass er vom Vertrag zurücktrete (
Art.
21
Abs.
1 VVG). Er ist indes nicht gehalten, bis zum Ablauf der zweimonatigen Frist mit der Vertragsbeendigung zuzuwarten. Vielmehr kann er bereits auf den
Verzugs
eintritt
hin mit der Rücktrittserklärung reagieren (
BGE 138 III 2, E. 4.1
mit Hin
weisen
).
4
.2.2
In Anbetracht der gravierenden wirtschaftlichen Auswirkungen hat die Mahnung nach
Art.
20
Abs.
1 VVG strengen Anforderungen hinsichtlich Form und Inhalt zu genügen, um die Interessen des Schuldners in geeigneter Weise zu wahren. Die schriftliche Mahnung muss die Beträge nennen, für die Zahlung verlangt wird, und ebenso
die Zahlungsfrist von 14 Tagen
. Vor allem hat sie ausdrücklich die Säumnisfolgen anzugeben, um diese in das Bewusstsein des Schuldners zu rücken. Die Androhung der Verzugsfolgen muss explizit, klar und umfassend erfolgen, wobei sämtliche Säumnisfolgen zu nennen sind, mit
hin nicht nur das Ruhen der Leistungspflicht des Versicherers nach
Art.
20
Abs.
3 VVG, sondern auch das Recht des Versicherers, vom Vertrag zurückzu
treten, beziehungsweise die Vermutung des Rücktritts gemäss
Art.
21
Abs.
1 VVG. Ein blosser Hinweis auf die (dem Mahnschreiben beigefügten)
Gesetzes
normen
von
Art.
20 f. VVG reicht dabei ebenso wenig aus wie eine Verweisung auf entsprechende Bestimmungen der Allgemeinen oder Besonderen
Versiche
rungsbedingungen
. Ungenügend ist ferner die Angabe, dass beim Versicherer zusätzliche Auskünfte über die Folgen der unterlassenen
Zahlung eingeholt werden können
. Eine Mahnung, welche nicht auf diese Folgen hinweist, ist rechts
widrig und kann die Wirkungen, auf die zu verweisen
sie unterlässt, nicht erzeugen (BGE 138 III 2, E. 4.2
und 5.2
mit Hinweisen)
.
4
.3
Der in der Mahnung vom 2
0.
Juni 2012 enthaltene Satz „Lassen Sie diese Frist verstreichen, stützen wir uns auf das Rücktrittsrecht, gemäss
Art.
21 Gesetz über den Versicherungsvertrag (VVG) und lösen ihren Vertrag für die Zusatzversi
cherungen auf
“ weist mit
aller
Deutlichkeit darauf hin, dass
die SWICA
beab
sichtigte, ohne weitere Erklärung vom
Vertrag
zurückzutreten, falls der Zahlungsausstand
von den Klagenden
nicht innert der angesetzten Frist bis 2
5.
Juli 2012 beglichen wird. Verdeutlicht wird dies durch den nächsten Satz „Weitere Zahlungen für Prämien der Zusatzversicherungen würden dann für die obligatorische Grundversicherung verwendet.“
(
Urk.
2/2)
.
Der dargelegte Inhalt des Mahnschreibens
ist
als präventive Rücktrittserklärung für den Fall, dass
die Klagenden den Prämienausstand nicht innert Frist bezahlen,
zu
verst
ehen
werden (vgl. dazu
Hasenböhler
, in: Basler
Kommentar
zum Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag, Basel 2001, Art. 21
Rz
9).
Entgegen ihrer Ansicht hat die SWICA den Klagenden den Vertragsrücktritt damit
klar
mitgeteilt.
Aufgrund
ihrer Erklärung hätte
die SWICA
die Zusatzver
sicherungsverträge bereits auf den Verzugseintritt –
a
ls
o per 2
6.
Juli 2012
– auflösen können, und den Eintritt der Vermutung des Rücktritts gemäss
Art.
21
Abs.
1 VVG nach Ablauf der zweimonatigen Frist
– die SWICA geht von der Auflösung der Verträge per
1.
Oktober 2012 aus
–
gar nicht
ab
warten müssen.
Nach dem Gesagten bestehen die drei Zusatzversicherungen
Completa
Top,
Completa
Praeventa
sowie
Hospita
allgemein zufolge rechtsgültigen Rücktritts von den Verträgen nicht mehr, und die Klage ist abzuweisen.