Decision ID: bb5acc0f-c319-5d05-ab8f-a4e1e8bee3c3
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) war als Maschinenoperateurin bei der B._ bei
der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Unfällen
versichert, als die Arbeitgeberin der Suva am 20. Juni 2017 einen Unfall meldete. Die
Versicherte habe am 19. Juni 2017 eine Störung an einer Maschine beheben wollen
und sich dabei die Finger eingeklemmt (Suva-act. 1). Die Erstbehandlung erfolgte
gleichentags im Krankenhaus C._ in D._, wo die behandelnde Ärztin Dr. med. E._
nach einer Röntgenuntersuchung eine Quetschung der rechten Hand diagnostizierte
und der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigte (Suva-act. 2, 24).
Mit Schreiben vom 22. Juni 2017 sicherte die Suva der Versicherten für den Unfall vom
19. Juni 2017 die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) zu (Suva-act.
7).
A.a.
Am 21. Juni 2017 führte Dr. med. F._, ebenfalls behandelnder Arzt im
Krankenhaus C._, und am 26. Juni 2017 Dr. E._ bei der Versicherten
Verlaufskontrollen durch und bescheinigten jeweils eine Verlängerung der
Arbeitsunfähigkeit. Wegen anhaltender leichter Kribbelparästhesien in den Fingern,
dem Gefühl, keine Kraft zu haben, sowie ausstrahlenden Schmerzen im Bereich des
linken Arms, empfahl Dr. E._ bei anhaltenden Beschwerden eine neurologische
Vorstellung. Die Versicherte wollte jedoch noch zuwarten (Suva-act. 9 f., 14 f., 24).
Anlässlich einer Kontrolluntersuchung im Krankenhaus C._ durch Dr. med. G._
A.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vom 17. Juli 2017 schilderte die Versicherte immer noch Kribbelparästhesien im Finger
und zudem ein Ziehen im gesamten Arm bis zur Schulter. Dr. G._ betrachtete dieses
möglicherweise von der HWS herkommend und stellte der Versicherten eine
Überweisung zum Neurologen zur Abklärung der Kribbelparästhesien mittels EMG aus
(Suva-act. 24). Am 25. Juli 2017 wurde die Versicherte durch Dr. med. H._, Facharzt
für Neurologie, untersucht, der die motorische Funktionsfähigkeit des Nervus medianus
im Bereich des rechten Handgelenks sowie die sensorische Funktionsfähigkeit des
Nervus medianus im Bereich der Dig II und IV überprüfte. Dr. H._ erhob als Befunde
Missempfindungen der rechten Hand, ein Taubheitsgefühl des rechten Ringfingers,
eine leichte Zervikobrachialgie rechts, jedoch kein radikuläres Ausfallsyndrom. Als
Diagnosen hielt er einen Arbeitsunfall am 19. Juni 2017 mit Quetschung der rechten
Hand, seitdem eine Zervikobrachialgie rechts und kein Karpaltunnelsyndrom fest. Er
empfahl eine konservative Therapie, Ruhe und Schonung (Suva-act. 33). Am 27. Juli
2017 stellte Dr. H._ eine Arbeitsunfähigkeitsbestätigung vom 31. Juli bis 31. August
2017 und am 29. August 2017 eine solche vom 1. bis 30. September 2017 aus (Suva-
act. 19, 26).
Im ärztlichen Zwischenbericht vom 29. August 2017 vermerkte Dr. H._
Schmerzen im Bereich der HWS und der rechten Hand, hielt fest, dass sich die
Versicherte in der Physiotherapie und Behandlung bei ihrem Hausarzt Dr. med. I._,
Arzt für Allgemeine Medizin, Additivfacharzt für Geriatrie und Gerontologie, befinde (vgl.
dazu auch Suva-act. 17) und verlängerte die Arbeitsunfähigkeit nochmals um vier
Wochen (Suva-act. 31, vgl. dazu Suva-act. 26). Die auf Zuweisung von Dr. H._ bei
der Versicherten am 30. August 2017 im MR Institut C._ von Dr. med. J._
durchgeführte MRT-Untersuchung der HWS zeigte eine Streckhaltung mit diskreter
Chondrose C2 bis C4 ausgeprägter als C4 bis C6 in Form von Wasserverlust,
ansonsten jedoch normale Befunde (Suva-act. 29).
A.c.
Am 10. Oktober 2017 holte die Suva bei Dr. med. K._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, eine
versicherungsmedizinische Beurteilung ein, wobei sie vermerkte, der Hausarzt habe
noch angegeben, dass die Versicherte versucht hätte, die Hand zu lösen und es sie
hierbei "verrissen" habe. Seither leide sie unter einer Zervikobrachialgie rechtsseitig,
Schulterschmerzen, Gefühlsstörungen der rechten Hand, betont des rechten
A.d.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
Ringfingers (Suva-act. 34). Nachdem Dr. K._ in seiner Beurteilung vom 10. Oktober
2017 die noch beklagte Beschwerdesymptomatik im Bereich des Nackens bzw. der
HWS bei Ausschluss unfallbedingter struktureller Verletzungen mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht mehr im Zusammenhang mit dem
Unfallereignis vom 19. Juni 2017 gesehen hatte und angesichts der klinischen Befunde
auch bezüglich der Hand von einer vollständigen unfallbedingten Arbeitsfähigkeit
spätestens drei Monate nach dem Unfall, also ab 20. September 2017, ausgegangen
war (Suva-act. 34), eröffnete die Suva der Versicherten mit Verfügung vom 2.
November 2017, dass der Zustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden habe,
wieder erreicht sei. Entgegenkommenderweise würde sie noch
Versicherungsleistungen bis 12. November 2017 ausrichten. Die weiter andauernde
Arbeitsunfähigkeit und medizinische Behandlung gingen alsdann zu Lasten der
Krankenversicherung (Suva-act. 38).
Am 16. Oktober 2017 hatte Dr. I._ der Versicherten eine Arbeitsunfähigkeit bis
16. November 2017 bestätigt (Suva-act. 37).
A.e.
Gegen die Verfügung vom 2. November 2017 liess der Versicherte durch Dr. I._
mit Eingabe vom 12. November 2017 Einsprache erheben (Suva-act. 40; die
Versicherte hat das Dokument mitunterzeichnet).
B.a.
Am 15. Dezember 2017 bescheinigte Dr. I._ der Versicherten eine
Arbeitsunfähigkeit bis 31. Januar 2018 (Suva-act. 41).
B.b.
Auf hausärztliche Zuweisung und bei den Indikationen anhaltende Omalgie rechts,
Elevationsdefizit, Rotatorenmanschettenläsion führte Dr. med. L._, MR Institut C._,
bei der Versicherten am 22. Dezember 2017 eine MRT-Untersuchung der rechten
Schulter durch. Diese zeigte eine tendinopathisch veränderte Supraspinatussehne mit
feinem, 1 mm breitem Einriss, welcher 1 cm vom Ansatz entfernt oberflächlich und
gelenksseitig gelegen sei, eine Ansatztendinopathie der Infra- und Subscapularissehne
ohne Ruptur, eine normale übrige Rotatorenmanschette, eine initiale Omarthrose und
AC-Gelenksarthrose sowie eine Bursitis subacromialis/subdeltoidalis (Suva-act. 42).
B.c.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.
Mit Schreiben vom 24. Oktober 2017 kündigte die B._ GmbH & Co. KG das
Arbeitsverhältnis mit der Versicherten per 31. Dezember 2017 (Suva-act. 51).
B.d.
Am 15. Februar 2018 äusserte sich die Versicherte nochmals mündlich gegenüber
der Suva (Suva-act. 45).
B.e.
Am 7. März 2018 wurde das Schadendossier erneut für eine
versicherungsmedizinische Beurteilung Dr. K._ vorgelegt (Suva-act. 56). Dieser
verfasste seine Beurteilung am 7. März 2018 (Suva-act. 57).
B.f.
Gestützt darauf wies die Suva die Einsprache vom 12. November 2017 gegen die
Verfügung vom 2. November 2017 mit Einspracheentscheid vom 9. Mai 2018 ab (Suva-
act. 70).
B.g.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 22. Mai 2018 Beschwerde bei der Suva
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin; act. G1). Die Beschwerde wurde
zuständigkeitshalber an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen überwiesen
(Eingang am 21. Juni 2018; act. G0). Die Beschwerdeführerin lässt sinngemäss
beantragen, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, aufgrund des Unfalls vom 19.
Juni 2017 weiterhin Leistungen zu erbringen (act. G1). Sie reichte ausserdem einen
Bericht über eine am 20. Februar 2018 im MR Institut C._ durch Dr. med. M._,
durchgeführte MRT-Untersuchung des Plexus, sowie einen Befundbericht samt
Befundergebnis von Dr. H._ vom 15. März 2018 ein (act. G1).
C.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 10. September 2018 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei
(act. G5).
C.b.
Die Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Replik innert angesetzter
verzichtet (act. G11).
C.c.
Mit Schreiben vom 28. Februar, 1. März 2019 und 16. April 2019 reichte die
Beschwerdeführerin weitere Eingaben mit Unterlagen ein (act. G12, G12.1 ff., G14,
C.d.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
G14.1 ff.). Diese wurden der Beschwerdegegnerin zur Kenntnis und allfälligen
Stellungnahme zugestellt (act. G13, G15). Mit Schreiben vom 14. Mai 2019 hielt die
Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag gemäss Beschwerdeantwort fest, und erklärte,
es bleibe auch mit den neu aufgelegten Akten der Beschwerdeführerin unverändert
dabei, dass in Bezug auf die Unfallfolgen (unkomplizierte Quetschverletzung der
rechten Hand sowie leichte Distorsion der HWS und rechten Schulter) der Status quo
ante/sine spätestens drei bis vier Monate nach dem Unfall erreicht gewesen sei (act.
G16). Mit Schreiben vom 9. Juni 2019 wandte die Beschwerdeführerin ein, dass sich
nie jemand den Unfallort angesehen habe und damit niemand wisse, in welcher
Maschine sie eingeklemmt worden sei (act. G18).
Mit Schreiben vom 3. September 2019 teilte Rechtsanwalt Dr. iur. Ronald
Pedergnana, St. Gallen, dem Versicherungsgericht die rechtliche Interessenwahrung
der Beschwerdeführerin mit (act. G20).
C.e.
Am 23. September 2019 reichte Rechtsanwalt Pedergnana eine
Beschwerdeergänzung mit den Anträgen ein, die Verfügung vom 2. November 2017 sei
aufzuheben und die Sache für weitere medizinische Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Eventualiter sei die Beschwerdeführerin für eine
Begutachtung aufzubieten, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der
Beschwerdegegnerin (act. G22).
C.f.
Mit Eingabe vom 21. Oktober 2019 nahm die Beschwerdegegnerin zur
Beschwerdeergänzung des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin Stellung (act.
G24) und brachte insbesondere vor, dass auf die Beschwerde aus formell-rechtlichen
Gründen insofern nicht eingetreten werden könne, als in der Beschwerdeergänzung
neu nur und ausschliesslich die Aufhebung der Verfügung vom 2. November 2017
beantragt worden sei, Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Prozesses hingegen
ausschliesslich der Einspracheentscheid vom 9. Mai 2018 sei.
C.g.
Am 23. Oktober 2019 nahm der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein
weiteres Mal zum Schadenfall Stellung (act. G26) und reichte zudem eine Bestätigung
des behandelnden Arztes Dr. I._ vom 21. Oktober 2019 unter anderem für die
fortbestehende Arbeitsunfähigkeit ein (act. G26.1).
C.h.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Erwägungen
1.
Formellrechtlich ist zunächst festzuhalten, dass dem Antrag der Beschwerdegegnerin
in ihrer Eingabe vom 21. Oktober 2019 (act. G24) - es sei auf die Beschwerde der
Beschwerdeführerin deshalb nicht einzutreten, weil deren Rechtsvertreter in der
Beschwerdeergänzung vom 23. September 2019 (act. G22) neu nur und
ausschliesslich die Aufhebung der Verfügung vom 2. November 2017 beantragt habe -
nicht gefolgt werden kann. Zwar ist ihr darin zuzustimmen, dass
Anfechtungsgegenstand im vorliegenden Beschwerdeverfahren der
Einspracheentscheid vom 19. Mai 2018 (Suva-act. 70) bildet, welcher an die Stelle der
Verfügung vom 2. November 2017 (Suva-act. 38) getreten ist. Entsprechend kann
Beschwerde auch nur gegen den Einspracheentscheid erhoben werden (vgl. Art. 56
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]; Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, § 69 N 21, § 75 N 15; Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 52 N 60, Art. 56 N 12). Nachdem
jedoch die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 22. Mai 2018 sinngemäss
richtig die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 19. Mai 2018 beantragt hatte
(act. G1), kann unbesehen des Antrags in der Beschwerdeergänzung auf diesen
ursprünglichen Antrag abgestellt werden. Eine gegenteilige Beurteilung wäre überspitzt
formalistisch, zumal es sich bei der Eingabe des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin um eine Beschwerdeergänzung und offensichtlich um eine
irrtümliche Nennung der Verfügung anstelle des Einspracheentscheids gehandelt hat.
So hat er das Rechtsbegehren mit Schreiben vom 30. Oktober 2019 dahingehend
korrigiert, dass er die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 9. Mai 2018 verlangt
(act. G28).
2.
Mit Schreiben vom 30. Oktober 2019 korrigierte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin sein Rechtsbegehren folgendermassen: "1. Der
Einspracheentscheid vom 9. Mai sei aufzuheben und die Sache für weitere
medizinische Abklärungen an die Suva zurückzuweisen. 2. eventualiter: Die
Beschwerdeführerin sei für eine Begutachtung aufzubieten. Unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin." (act. G28).
C.i.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vorliegend anerkannte die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht bezüglich des
Unfalls vom 19. Juni 2017 und erbrachte Heilkosten- und Taggeldleistungen. Streitig
und zu prüfen ist, ob sie ihre Leistungen zu Recht per 12. November 2017 eingestellt
hat.
3.
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung
bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht
demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem
versicherten Unfallereignis zusammenhängen (Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre
Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2012, S. 53 ff.).
Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht regelmässig auf
Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (BGE 129 V 181
E. 3.1, 123 III 110, 112 V 30; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58). Bei physischen
Unfallfolgen spielt indessen die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem
natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers
praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen deckt
(BGE 134 V 111 E. 2, 127 V 103 E.5b/bb, 117 V 365 mit Hinweisen; SVR 2000 Nr. 14 S.
45; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 58 f.). Das Vorliegen eines natürlichen
Kausalzusammenhangs muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse
Möglichkeit einer Unfallkausalität genügt nicht (Locher/ Gächter, a.a.O., § 70 N. 58 f.).
3.1.
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall
nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache der fortdauernd geklagten
Beschwerden darstellt, d.h. wenn die Beschwerden nur noch und ausschliesslich auf
unfallfremden Ursachen beruhen. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche
Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit gänzlich
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
fehlender Auswirkungen des Unfalls genügt für einen Leistungsanspruch nicht (Locher/
Gächter, a.a.O., § 70 N. 58 f.).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 351, E. 3a mit
Hinweis). Den Berichten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kann
rechtsprechungsgemäss gleichfalls Beweiswert beigemessen werden, sofern sie
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind
und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 135 V 467 ff. E. 4 und
BGE 125 V 353 f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen). Art. 8 der Bundesverfassung (BV; SR 101)
und Art. 6 Ziff.1 der Europäischen Menschenrechtskommission (EMRK; SR 0.101)
geben keinen formellen Anspruch auf eine versicherungsexterne Begutachtung, wenn
Leistungsansprüche streitig sind. Erachtet das Sozialversicherungsgericht die
rechtserheblichen tatsächlichen Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer
Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den Prozess ohne Weiterungen - insbesondere
ohne Anordnung eines Gerichtsgutachtens - abschliessen. In solchen Fällen sind an die
Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit eines Berichts oder Gutachtens eines
versicherungsinternen Arztes, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V
470 E. 4.4 mit Hinweis; bestätigt in Urteil des Bundesgerichts vom 23. November 2012,
8C_592/2012, E.5.3; Urteil des Bundesgerichts vom 3. Oktober 2008, 8C_510/2007, E.
7.5.4). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass auch reine Aktenbeurteilungen, wie sie
vorliegend von Dr. K._ erstellt wurden (Suva-act. 34, 57), beweiskräftig sein können,
sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche
Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die
direkte ärztliche Befassung einer versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil
des Bundesgerichts vom 18. Juni 2014, 9C_196/2014, E. 5.1.1). Angesichts der obigen
Darlegungen sprechen keine formellrechtlichen Gründe gegen den Einbezug der
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
ärztlichen Aktenbeurteilungen von Dr. K._ (Suva-act. 34, 57). Ob letztlich auf diese
abgestellt werden kann, ist im Rahmen der nachfolgenden materiell-rechtlichen
Beurteilung und Beweiswürdigung zu prüfen.
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a mit Hinweisen;
vgl. BGE 130 I 183 E. 3.2). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im
Sinn der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess
tragen mithin die Parteien die Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit
der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Beim Nachweis des Dahinfallens jeder kausalen
Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens handelt es sich
um eine leistungsaufhebende Tatfrage. Die entsprechende Beweislast liegt hier -
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher
Kausalzusammenhang überhaupt je gegeben war - nicht bei der versicherten Person,
sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2 mit Hinweisen, 1994
Nr. U 206 S. 328 E. 3b mit Hinweisen; Rumo-Jungo/ Holzer, a.a.O., S. 4, 79). Dieser
Grundsatz gilt aber nur für Verletzungen, welche damals thematisiert worden waren
und somit Gegenstand der Anerkennung bildeten (Urteil des Bundesgerichts vom 20.
August 2009, 8C_363/2009, E. 1; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG] vom 27. April 2005, U 6/05, auszugsweise publiziert in: AJP 2006 S. 1290 ff.).
Allerdings tragen die Parteien im Sozialversicherungsrecht in der Regel eine Beweislast
nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte.
Diese Beweisregel greift indessen erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im
Rahmens des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der
Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 222 E. 6 mit Hinweisen; Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 4, 55).
3.4.
Die Beschwerdeführerin leidet seit dem Unfallereignis vom 19. Juni 2017 über den
Leistungseinstellungszeitpunkt (12. November 2017) hinaus unter rechtsseitigen
Nacken-, Schulter-, Arm- und Brustschmerzen sowie unter Schmerzen und
Gefühlsstörungen in der rechten Hand, insbesondere im Bereich des Ringfingers, also
4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
auch unter Beschwerden, für die eine traumatische Schädigung oder Erkrankung des
peripheren Nervensystems als Ursache in Frage kommen (Suva-act. 33, 40, 45, act.
G1). Im konkreten Fall ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin am 19. Juni 2017
eine Quetschverletzung der rechten Hand zufolge Einklemmens in einer Maschine
erlitten hatte (Suva-act. 1, 24, 33, act. G12.1, G12.1.1). Anerkannt ist sodann, dass die
Beschwerdeführerin versucht hatte, die Hand aus der Maschine zu lösen bzw. sich
gegen den Druck der Maschine zu wehren, indem sie mit dem Körper dagegen
gedrückt hatte und es dadurch zu einem "Verreissen" des rechten Arms, der rechten
Schulter und der HWS gekommen war (Suva-act. 33, 57-3, act. G1). Beim Unfall vom
19. Juni 2017 hat mithin in Bezug auf verschiedene Körperteile der Beschwerdeführerin
eine schädigende Einwirkung stattgefunden, hinsichtlich welcher es zu prüfen gilt, ob
sie über den Leistungseinstellungszeitpunkt hinaus die gesundheitlichen Störungen der
Beschwerdeführerin und mithin einen weitergehenden Anspruch auf
Versicherungsleistungen der Unfallversicherung begründen können. Angesichts der
Ausführungen in Erwägung 3.4 trägt die Beschwerdegegnerin die Beweislast für den
Nachweis des Dahinfallens der Folgen der Quetschverletzung der Finger II bis IV, der
Verletzung des rechten Arms, der rechten Schulter und der HWS.
Für die Annahme unfallkausaler somatischer Unfallrestfolgen werden grundsätzlich
eine strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als
objektivierbares Korrelat verlangt. Als objektiviert gilt eine unfallkausale somatische
Läsion, wenn sie durch einen entsprechenden bildgebenden (radiologischen) oder - zur
Diagnostik von Störungen des Nervensystems - elektrophysiologischen
Untersuchungsbefund zur Darstellung gebracht bzw. bestätigt wird (vgl. BGE 134 V
121 E. 9, 134 V 232 E. 5.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober
2009, 8C_216/2009, E. 2; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit Hinweisen [U 479/05]).
Die Beschwerdeführerin wurde hinsichtlich ihrer Beschwerdesymptomatik umfassend
und wiederholt spezifisch untersucht.
4.2.
Dr. K._ kommt in seiner ärztlichen Beurteilung vom 7. März 2018 zum Schluss,
dass es durch das am 19. Juni 2017 erlittene Unfallereignis zu einer leichten
Quetschung der Finger II bis IV mit Weichteilschwellung und einer reversiblen
Nervenirritation der Fingernerven II bis IV sowie zu einer leichten Distorsion der HWS
gekommen sei, strukturelle Schäden hingegen unfallbedingt weder im Bereich der
HWS, des rechten Schultergelenks noch der rechten Hand entstanden seien (Suva-act.
57-3). Bei der Würdigung seiner Beurteilung fällt auf, dass sie auf einer - abgesehen
von der Beschwerdeführerin bzw. ihres Rechtsvertreters erst im Beschwerdeverfahren
eingereichten Unterlagen - umfassenden Aktenkenntnis beruht und das gesamte
4.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Leidensbild der Beschwerdeführerin berücksichtigt. Weder aus den von Dr. K._
berücksichtigten noch aus den von der Beschwerdeführerin und ihrem Rechtsvertreter
eingereichten weiteren medizinischen Untersuchungsberichten ergeben sich objektive
Gesichtspunkte, welche geeignet wären, die Schlussfolgerung von Dr. K._ in Zweifel
zu ziehen und nicht als überzeugend zu bezeichnen.
Im Rahmen der Erstbehandlung am 19. Juni 2017 im Krankenhaus C._ hat Dr.
E._ in Bezug auf die in der Maschine eingequetschte rechte Hand als klinische
Befunde eine leichte Schwellung der Finger II bis IV, eine beschwerdefreie Mittelhand,
einen kompletten Faustschluss sowie eine komplette Streckung der Finger, jedoch
Kribbelparästhesien in den Fingern II bis IV, vor allem im Bereich des Zeigefingers, hier
berührungsempfindlich, erhoben (Suva-act. 24). Durch eine Röntgenuntersuchung
konnte jedoch eine knöcherne Verletzung ausgeschlossen werden (Suva-act. 24). Dr.
K._ weist sodann in seiner ärztlichen Beurteilung vom 7. März 2018 zutreffend darauf
hin, dass die Missempfindungen laut dem Bericht von Dr. E._ über die
Verlaufsuntersuchung vom 26. Juni 2017 innerhalb von zehn Tagen einen deutlichen
Rückgang gezeigt hätten und klinisch keine auffälligen Befunde erhebbar gewesen
seien. So hätten eine intakte Durchblutung, ein uneingeschränkter Faustschluss sowie
eine uneingeschränkte Fingerbeweglichkeit, keine Schwellung und keine
Hämatomverfärbung festgestellt werden können (Suva-act. 57-3, vgl. auch Suva-act.
24). Wegen der anhaltenden Missempfindungen und Taubheitsgefühle in der rechten
Hand, insbesondere im Bereich des rechten Ringfingers, wurde die
Beschwerdeführerin jedoch am 25. Juli 2017 elektrophysiologisch durch Dr. H._
untersucht. Konkret prüfte der Neurologe den sensorischen Funktionszustand des
Medianusnervs beidseitig sowie den motorischen Funktionszustand des
Medianusnervs rechtsseitig. Dr. H._ sprach in seinem am selben Tag verfassten
neurologischen Arztbrief von einem fehlenden Befund für einen radikulären Ausfall und
stellte insbesondere kein Karpaltunnelsyndrom fest (Suva-act. 33). Am 15. März 2018
führte Dr. H._ bei der Beschwerdeführerin erneut eine elektrophysiologische
Untersuchung im Bereich des Medianusnervs durch. Die Befunde zeigten sich
unverändert ohne Auffälligkeiten (act. G1). Übereinstimmend fanden sich schliesslich
auch bei der am 9. August 2018 durch Dr. med. N._, Facharzt für Radiologie,
durchgeführten sonographischen Untersuchung beider Handgelenke keine sicheren
Hinweise auf ein Karpaltunnelsyndrom (act. G3.1). Eine röntgenologische
Untersuchung vom 9. August 2018 brachte einzig eine zystische Aufhellung, in
Projektion auf das Os Trapezium rechtsseitig, zur Darstellung. Eine Knochenzyste kann
zwar sekundär als Folge einer primären Knochenfraktur auftreten, doch konnte eine
solche am Unfalltag röntgenologisch ausgeschlossen werden (Suva-act. 24), womit
4.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ihre sekundäre Entwicklung selbstredend ausser Betracht fällt. Ansonsten zeigten sich
die Röntgenbilder vom 9. August 2018 unauffällig, d.h. ohne knöchernen Befund, ohne
Arthrosezeichen und ohne entzündliche Erosionen (act. G3.1). Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass - wie von Dr. K._ bereits vor der letzten elektrophysiologischen
Untersuchung überzeugend dargelegt - sowohl klinisch, aber insbesondere auch
bildgebend/apparativ keine Hinweise auf eine unfallkausale (posttraumatische)
Nervenverletzung oder ossäre Verletzung bestehen, welche einen organischen
Dauerschaden erfassen würden, aufgrund dessen die von der Beschwerdeführerin
fortdauernd geklagten Hand(-gelenks)beschwerden nach Massgabe der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf eine beim Unfallereignis vom 19. Juni 2017
erlittene strukturelle Läsion zurückgeführt werden könnten.
Anlässlich seiner Untersuchung vom 25. Juli 2017 stellte Dr. H._ sodann die
Diagnose Zervikalbrachialgie, bei welcher Schmerzen im Bereich der HWS, der
Schulter, am Oberarm und an der Hand bestünden, welche die Beschwerdeführerin -
wie gesagt - im Zeitpunkt der Leistungseinstellung aufgewiesen habe (Suva-act. 33).
Eine Diagnose mit dem Wortteil -algie beschreibt für sich allein nur einen Schmerz bzw.
Schmerzzustand im konkret genannten Körperbereich (vgl. Roche Lexikon, Medizin, 5.
Aufl. München 2003, S. 46, Klinisches Wörterbuch). Gerade die Ursachen von Nacken-
und Schulterschmerzen sind vielfältig. Die Ursache muss in keiner Weise ein
Unfallereignis sein. Die genannten Beschwerden vermögen sich zudem wechselseitig
zu beeinflussen bzw. gegenseitig zu unterhalten, weshalb sie erfahrungsgemäss auch
häufig zusammen beschrieben werden (Zervikobrachialsyndrom: Pschyrembel,
Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. Berlin 2017, S. 1972; Roche Lexikon, a.a.O., S. 1286;
Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2005, S. 799
f.). Eine MRT-Untersuchung der HWS vom 30. August 2017 durch Dr. J._ ergab eine
Streckfehlhaltung der HWS mit diskreter Chondrose C2 bis C4, ausgeprägter C4 bis
C6 in Form von Wasserverlust. Ansonsten zeigte das Kernspintomogramm normale
Verhältnisse (Suva-act. 29). Wie von Dr. K._ in seinen Beurteilungen vom 10. Oktober
2017 (Suva-act. 34) und 7. März 2018 (Suva-act. 57) überzeugend festgestellt, können
mit dem vorgenannten Untersuchungsergebnis organisch-strukturelle Unfallfolgen im
Bereich der HWS ausgeschlossen werden (vgl. Debrunner, a.a.O., S. 848 ff.; Roche
Lexikon, a.a.O., S. 326; Pschyrembel, a.a.O., S. 330; zur Streckfehlhaltung vgl. Urteile
des Bundesgerichts vom 17. Oktober 2008, 8C_124/2008, E. 6 mit vielen Hinweisen,
und 7. Februar 2008, U 13/07, E. 3.2 und 3.3). Am 9. August 2018 führte Dr. N._ eine
röntgenologische Untersuchung der HWS durch, welche die unfallfremde
Streckfehlhaltung bestätigte. Im Untersuchungsbericht wird zudem eine vollständige
Blockierung der gesamten HWS, sowohl in Reklination als auch in Inklination (act.
4.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
G3.1), erwähnt, welche sich am Unfalltag noch nicht hatte nachweisen lassen. Eine
solche ist für sich allein nicht als organisch hinreichend nachweisebare Unfallfolge zu
betrachten. Im Weiteren kann sie unterschiedliche Auslöser haben, muss also nicht
traumatisch verursacht worden sein (vgl. Debrunner, a.a.O., S. 860; Urteile des
Bundesgerichts vom 17. Oktober 2008, 8C_124/2008, E. 6 mit vielen Hinweisen, und 7.
Februar 2008, U 13/07, E. 3. und 3.3). Am 14. Februar 2019 folgte eine weitere
röntgenologische Untersuchung durch Dr. med. O._, Facharzt für Radiologie. Als
Befunde hielt dieser zusätzlich eine diskrete Anterolisthese von HWK 3 gegenüber
HWK 4 und diskret auch gegenüber HWK 5 sowie eine leichte Retrolisthese von HWK 2
gegenüber HWK 3 und HWK 3 gegenüber HWK 4 fest. Zwischen HWK 2 und HWK 3,
HWK 3 und HWK 4 sowie HWK 4 und HWK 5 bilde sich eine Stufe im Sinne einer
Instabilität (act. G14.2). Die Anterolisthese, Retrolisthese sowie Instabilität werden im
Zusammenhang mit der unfallfremden eingeschränkten Reklination und Inklination
erwähnt. So gelten auch die Anterolisthese (= Spondylolisthesis) sowie die
Retrolisthese ausdrücklich als Wirbelverschiebungen degenerativer Art und auch die
Instabilität entsteht vorrangig im Rahmen eines degenerativen Prozesses und vermag
nur selten als unfallkausaler Gesundheitsschaden sekundär, d.h. als Folge einer
primären Verletzung (insbesondere einer Wirbelfraktur, an welcher es im konkreten Fall
fehlt) aufzutreten (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 777, 843, 847, 852 f.; Leitlinie der
Orthopädie, a.a.O., S. 191; Pschyrembel, a.a.O., S. 1700 f. zu „Spondylolisthesis“).
Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass sich bei der Beschwerdeführerin
auch keine unfallbedingte strukturelle Läsion der HWS feststellen liess, welche mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit die fortdauernd geklagte
Beschwerdesymptomatik im Bereich der HWS mit Ausstrahlung in die Schulter
verursachen könnte.
Zu prüfen ist weiter, ob sich die Beschwerdeführerin beim Unfall vom 19. Juni
2017 eine Schulterverletzung rechts zugezogen hat. In einer von Dr. L._ am 22.
Dezember 2017 durchgeführten kernspintomographischen Untersuchung der rechten
Schuler fanden sich keine unfallbedingten strukturellen Schäden des Schultergelenks,
welche die als Indikation im Untersuchungsbericht angeführten Schulterschmerzen
oder das Elevationsdefizit erklären könnten (Suva-act. 42). Die sich darstellende
tendinopathische Signalerhöhung im Ansatzbereich der Supraspinatussehne mit
feinem, 1mm breitem Einriss stellt laut überzeugender Beurteilung von Dr. K._ keine
Unfallfolge dar, sondern sei ausschliesslich auf degenerative Veränderungen im
Zusammenhang mit der ebenfalls beschriebenen tendinopathischen
Verschleisserkrankung aller Rotatorenmanschettenansätze (auch der Infra- und
Subscapularissehne) anzusehen (Suva-act. 57-3). Eine Tendinopathie stellt
4.6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
grundsätzlich ein krankheitsbedingtes Leiden bzw. eine degenerative Veränderung dar,
welche höchstens sekundär, d.h. als Folge- oder Begleiterscheinung einer primären
Verletzung, beispielsweise einer Fraktur oder Ruptur, auftritt (vgl. Debrunner, a.a.O., S.
725; Roche Lexikon, a.a.O., S. 1808; Pschyrembel, a.a.O., S. 1782). Eine
Rotatorenmanschettenruptur wurde indes im MRT-Untersuchungsbericht
befundmässig nicht erhoben. Dem im Zusammenhang mit der Tendinopathie
erhobenen "Riss" kann keine Traumarelevanz beigemessen werden (vgl. dazu
Debrunner, a.a.O., S. 628). Überzeugend ist sodann die Feststellung von Dr. K._,
dass die mehrere Sehnen betreffende Tendinopathie durch ein einzelnes Unfallereignis
nicht erklärt werden kann. Das rechte Schultergelenk der Beschwerdeführerin zeigte
schliesslich weitere (degenerative) Affektionen (Omarthrose, AC-Arthrose, Bursitis
[Debrunner, a.a.O., S. 579 ff.; Roche Lexikon, a.a.O., S. 134, 280, 1363; Pschyrembel,
a.a.O., S. 152 f., 297 f., 1303 f.]), welche die Beurteilung von Dr. K._ insofern stützen
als sich letztlich in der rechten Schulter der Beschwerdeführerin eine umfassende
degenerative Problematik präsentierte. Weiter brachte schliesslich eine am 14. Februar
2019 durch Dr. O._ durchgeführte Röntgenuntersuchung - mit den Befunden leichter
Humeruskopfstand, kaum degenerative Veränderungen, keine frischen knöchernen
Verletzungszeichen, kein Hinweis auf eine Tendinosis - keine Unfallläsion im Bereich
der rechten Schulter hervor. Angesichts des Gesagten lässt sich somit auch kein
Gesundheitsschaden im Bereich der rechten Schulter der Beschwerdeführerin erheben,
der mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit durch den Unfall vom
19. Juni 2017 verursacht wurde.
Anlässlich einer am 14. Februar 2018 durch Prim. Dr. M._, Landeskrankenhaus
P._, bei der Beschwerdeführerin vorgenommenen MRT-Untersuchung des Plexus
brachialis rechts zum Ausschluss einer Läsion desselben, konnte eine Schädigung
nicht eindeutig zur Darstellung gebracht werden. Im Untersuchungsbericht wurde zwar
eine fragliche Verdickung des Nervenganglions C7 und C8 rechts im Neuroforamen als
mögliche Traktionsfolge genannt (act. G1). Mit den vagen Formulierungen "fraglich"
und "möglich" wird jedoch eine Unbestimmtheit hinsichtlich eines traumatischen
Sachverhalts deutlich gemacht bzw. ein solcher nur im Sinn eines möglichen
traumatischen Gesundheitsschadens ausgesprochen. Dies vermag dem im
Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nicht zu genügen (vgl. Erwägung 3.1). Der fehlende Nachweis einer
überwiegend wahrscheinlichen Traktionsfolge wird auch dadurch offenkundig, dass
Prim. Dr. M._ diesbezüglich ein ergänzendes MRT der HWS unter besonderer
Berücksichtigung der C7 und C8 Wurzel rechts empfahl. Zwar zog er eine HWS-Läsion
in Erwägung, doch hatte - wie in Erwägung 4.5 dargelegt - bereits im Rahmen der
4.7.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.
durch Dr. J._ am 30. August 2017 durchgeführten MRT-Untersuchung der HWS
keine solche nachgewiesen werden können (Suva-act. 29).
Schmerzen sind primär ein subjektives Phänomen. In Anbetracht der sich
diesbezüglich naturgemäss ergebenden Beweisschwierigkeiten genügen die
subjektiven Schmerzangaben der versicherten Person für die Annahme struktureller
Unfallrestfolgen nicht; vielmehr wird im Rahmen der sozialversicherungsrechtlichen
Leistungsprüfung - wie bereits erwähnt - verlangt, dass die Schmerzangaben durch
damit korrelierende, fachärztlich schlüssig feststellbare Befunde hinreichend mit einer
objektiv nachweisbaren Organpathologie erklärbar bzw. objektivierbar sind. Nach dem
Gesagten steht fest, dass die Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit anlässlich des Unfalls vom 19. Juni 2017 keine klar
ausgewiesene neue, bleibende, allenfalls schlecht verheilte strukturelle Läsion im
Bereich der HWS, der rechten Schulter, des rechten Arms, der rechten Hand oder der
Brust erlitten hat, welche die überwiegend wahrscheinliche Annahme von
Langzeitbeschwerden zulassen würde.
4.8.
Laut Bericht von Dr. E._ vom 19. Juni 2017 hatte die Beschwerdeführerin beim
gleichentags erlittenen Unfall eine Quetschung der rechten Hand erlitten (Suva-act. 24).
Wie bereits erwähnt, ist anerkannt, dass es beim Unfall zusätzlich zu einem
"Verreissen" des rechten Arms, der rechten Schulter und der HWS gekommen ist
(Suva-act. 33, 57-3, act. G1; vgl. Erwägung 4.1). Bei der Kontusion (= Quetschung) und
Distorsion (= Zerrung) handelt es sich um Weichteilverletzungen ohne strukturelle
Schädigung der Gelenke und Knochen, die jedoch in gewissen Fällen anhand klinischer
Befunde (Hämatome, Schwellungen, Druckdolenzen, Bewegungseinschränkungen,
Sensibilitätsstörungen, Muskelverhärtungen) objektiviert werden können. Nach der
medizinischen Erfahrung heilen Kontusionen und Distorsionen ohne spezifische
Behandlung innert kurzer Zeit folgenlos aus und die mit ihr verbundenen Beschwerden
bilden sich demzufolge gänzlich zurück (Debrunner, a.a.O., S. 412). Dieser
medizinische Erfahrungssatz, der von Dr. K._ in seiner ärztlichen Beurteilung vom 7.
März 2018 (Suva-act. 57-3) mit der Erklärung eines überwiegend wahrscheinlich nicht
mehr bestehenden natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall vom 19.
Juni 2017 und den fortdauernd von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden
bzw. eines erreichten Status quo ante (Erreichen des Gesundheitszustandes, wie er
unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat [Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54]) und von
der Beschwerdegegnerin mit der Leistungseinstellung per 12. November 2017
angewendet worden ist (Suva-act. 38), darf im Rahmen des
5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Wahrscheinlichkeitsbeweises berücksichtigt werden. Bei einer Kontusions- und
Distorsionsverletzung wird in einer ersten Phase gestützt auf einen geeigneten
Unfallmechanismus sowie auf klinische Befunde von einer schädigenden Einwirkung
auf den Körper ausgegangen. Fortdauernde Beschwerden werden jedoch aufgrund der
obgenannten medizinischen Erfahrungstatsache eben nicht mehr dem Unfall
angelastet. Dass damit der Zeitpunkt der Leistungseinstellung ein Stück weit
theoretisch bleibt, versteht sich aus der Sache selbst. Die im konkreten Fall
angenommene dreimonatige Heilungsdauer erscheint angesichts des obgenannten
Erfahrungssatzes plausibel und überzeugend. In Bezug auf die Kontusionsverletzung
vermochte Dr. E._ anlässlich der Untersuchung vom 26. Juni 2017 einen deutlichen
Rückgang der Missempfindungen und im Vergleich zum Unfalltag keine Schwellung
und keine Hämatomverfärbung mehr festzustellen. Im Übrigen erhob sie eine intakte
Durchblutung, einen uneingeschränkten Faustschluss und eine uneingeschränkte
Fingerbeweglichkeit (Suva-act. 24). Eine Distorsion kann sich sodann durch
verschiedenste Schweregrade auszeichnen, kann also durchaus auch nach einem
geringfügigen Vorfall auftreten. Im konkreten Fall ist hinsichtlich des Schweregrads
nichts bekannt. Die Annahme einer Distorsionsverletzung im Bereich des rechten Arms,
der rechten Schulter und der HWS basiert auf der Unfallschilderung der
Beschwerdeführerin, insbesondere in der Beschwerde vom 22. Mai 2018 (act. G1).
Diese erscheint auch plausibel. Da nie eine strukturelle Verletzung dargetan wurde,
sondern lediglich eine Distorsion stattgefunden hat, gibt es keine Fakten, welche gegen
die Annahme einer Heilung derselben nach drei Monaten sprechen würden. Nachdem
Dr. K._ vertretbar in seiner ärztlichen Beurteilung vom 7. März 2018 von einer
Heilungsdauer von drei Monaten ausging (Suva-act. 57-3), erscheint eine
Leistungseinstellung nach erst rund fünf Monaten (per 12. November 2017) - wie sie
von der Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid vorgenommen
wurde - nicht als verfrüht.
Die Aussage von Dr. I._ in der Einsprache vom 12. November 2017 (Suva-act.
40) - die Beschwerden des Bewegungsapparates seien sehr wohl durch den Unfall
ausgelöst worden und die Beschwerdeführerin sei auch heute noch zu 100%
arbeitsunfähig aufgrund des Unfalls - vermag an dieser Beurteilung nichts zu ändern.
Die anfängliche Kausalität oder die Auslösung der Beschwerden durch den Unfall wird
nicht in Abrede gestellt. Zur Frage des Status quo ante machte Dr. I._ indes keine
deutliche Aussage. Überhaupt gibt der Hausarzt mit seiner Feststellung nur eine
Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin wieder, lässt es aber an einer davon
losgelösten objektiven ärztlichen Prüfung der geklagten bzw. präsentierten Leiden
fehlen. Die alleinige Tatsache, dass die Beschwerdeführerin - wie von Dr. I._ am 21.
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.
Oktober 2019 bestätigt (act. G26.1) - vor dem Unfall vom 19. Juni 2017 nie
gesundheitliche Probleme gehabt habe, die zu Arbeitsausfällen geführt hätten, weshalb
die aktuell fortbestehende Arbeitsunfähigkeit dem Unfall anzulasten sei - reicht nicht
aus, um von einer Unfallkausalität auszugehen (vgl. dazu die beweisrechtlich
untaugliche Formel "post hoc ergo propter hoc" z.B. in: Alfred Maurer,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 460 Fn. 1205).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellung vorhanden sind, und somit auf die ärztliche
Beurteilung von Dr. K._ abgestellt werden kann und keine weiteren Abklärungen
angezeigt sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 18. Juni 2014, 9C_196/2014, E.
5.1.2). Der Nachweis für das Dahinfallen der Kausalität zwischen dem Unfall vom 19.
Juni 2017 und den direkten Unfallfolgen im Bereich der rechten Hand, der HWS, der
rechten Schulter und des rechten Arms auf den 12. November 2017 ist mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit dargetan und es ist davon auszugehen, dass
fortdauernde Beschwerden auf unfallfremde Faktoren zurückzuführen sind. Die
Einstellung der bisherigen Leistungen auf dieses Datum hin und die Verneinung
weiterer Leistungsansprüche erweist sich damit als gerechtfertigt. Weitere Abklärungen
in Bezug auf das Unfallgeschehen - sofern solche überhaupt möglich wären - erübrigen
sich.
5.3.
In der Beschwerdeergänzung vom 23. September 2019 ersucht der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin um die Abklärung einer posttraumatischen
Belastungsstörung (act. G22). Sein Schreiben vom 23. Oktober 2019 enthält die
Aussage, je länger eine posttraumatische Belastungsstörung untherapiert sei, desto
schlechter werde "das Outcome" sein (act. G26). Dr. I._ erklärte ausserdem in seiner
ärztlichen Bestätigung vom 21. Oktober 2019, der Unfall habe die Beschwerdeführerin
auch psychisch aus der Bahn geworfen (act. G26.1). Erstmals im Beschwerdeverfahren
wurde somit von beschwerdeführender Seite auf eine psychische Problematik als
Unfallfolge hingewiesen. Eine Anerkennung einer diesbezüglichen Leistungspflicht von
Seiten der Beschwerdegegnerin im Rahmen des Schreibens vom 22. Juni 2017 fällt
damit ausser Betracht. Hinsichtlich der Frage, ob bezüglich einer psychischen
Problematik ein Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 19. Juni 2017 besteht,
ist demnach die Beschwerdeführerin beweisbelastet.
6.1.
Abgesehen von der blossen Angabe einer posttraumatischen Belastungsstörung
bzw. der Aussage, die Beschwerdeführerin sei aus der Bahn geworfen worden, sind
6.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
7.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist der Einspracheentscheid vom 15. November
2017 nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss hat die
Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.