Decision ID: 199e645b-7de4-5baa-9d24-8a22e38e1786
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A. X erwarb den Führerausweis für Personenwagen am 30. August 2004. Nachdem er
am 23. April 2008 die Geschwindigkeit überschritten und am 28. Juli 2008 ein Fahrzeug
in fahrunfähigem Zustand (Cannabis) gelenkt hatte, entzog ihm das Strassenverkehrs-
und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen, Abteilung Personenzulassung
(nachfolgend: Strassenverkehrsamt), den Führerausweis vorsorglich und ordnete eine
verkehrsmedizinische Untersuchung an. Der Gutachter kam zum Schluss, dass die
Verkehrseignung von X nicht abschliessend positiv beurteilt werden könne und dieser
daher vorerst eine sechsmonatige Abstinenz einzuhalten habe. Nach erfolgreicher
Absolvierung der Abstinenz wurde der vorsorgliche Führerausweisentzug mit
Verfügung des Strassenverkehrsamtes vom 8. April 2010 aufgehoben und der
Führerausweis mit Drogenabstinenzauflagen versehen. Wegen der Vorfälle vom 23.
April und 28. Juli 2008 sprach die Administrativmassnahmebehörde am 10. Mai 2010
gegenüber X einen Führerausweisentzug von vier Monaten, mit Wirkung vom 28. Juli
bis 27. November 2008, aus. Am 20. Juni 2011 wurden die Auflagen gänzlich
aufgehoben.
B. Am Sonntag, 3. November 2013, um 23.10 Uhr, wurde X mit dem Personenwagen
"BMW D 130i", bei einer Verkehrskontrolle von der Kantonspolizei St. Gallen
angehalten. Da der durchgeführte Drogenschnelltest positiv ausfiel, wurde die
Abnahme einer Blut- und Urinprobe angeordnet. Deren Analyse ergab eine
Tetrahydrocannabinol(THC)-Carbonsäure(COOH)-Konzentration von ca. 180 μg/l im
Urin bzw. 6,8 μg/l im Blut und eine mittlere THC-Konzentration von 1,2 μg/l im Blut. Im
Bericht vom 21. November 2013 kam das Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital
St. Gallen, Abteilung Forensische Chemie (nachfolgend: IRM), gestützt auf die
Analysenergebnisse sowie die festgestellten Befunde bei der Polizeikontrolle und der
ärztlichen Untersuchung zum Schluss, dass X im Zeitpunkt der Kontrolle fahrunfähig
gewesen sei.
C. Mit rechtskräftigem Strafbefehl des Untersuchungsamtes A vom 17. Dezember 2013
wurde X der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes sowie des Fahrens in
fahrunfähigem Zustand schuldig gesprochen und zu einer unbedingten Geldstrafe von
15 Tagessätzen zu je Fr. 100.– sowie einer Busse von Fr. 100.– verurteilt.
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D. Das Strassenverkehrsamt verfügte gegenüber X am 20. Februar 2014 aufgrund der
Widerhandlung vom 3. November 2013 einen Führerausweisentzug für die Dauer von
zwölf Monaten und auferlegte ihm eine Gebühr von Fr. 325.–.
Dagegen erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 14. März 2014 Rekurs bei
der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag um ersatzlose Aufhebung der
angefochtenen Verfügung, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Vorinstanz
verzichtete auf eine Stellungnahme. Auf die Ausführungen des Rekurrenten wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis des
Rekurrenten zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 14. März 2014 ist
rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- a) Der Rekurrent macht zur Hauptsache geltend, der Bundesrat habe bei THC eine
Nulltoleranz verordnet. Das rechtsstaatliche Prinzip der Unschuldsvermutung erfordere
für eine Verurteilung daher, dass die inkriminierte Substanz im Blut zweifelsfrei
nachgewiesen werde. Zudem müssten alle Bürgerinnen und Bürger gleich behandelt
werden. Das Bundesamt für Strassen (nachfolgend: ASTRA) habe daher analytische
Grenzwerte definiert. Für THC betrage dieser 1,5 μg/l bei einer Messunsicherheit von
30%. Falls der THC-Messwert unterhalb des Grenzwertes liege, könne für eine
Verurteilung nicht allein auf die forensisch-toxikologische Analyse abgestellt werden.
Es müsse ein Sachverständigengutachten erstellt werden, das sich auf das heute
praktizierte Drei-Säulen-Modell stütze. Zu berücksichtigen seien dafür die chemisch-
toxikologischen Befunde, die Beobachtungen der Polizei sowie die ärztlichen
Feststellungen anlässlich der Blut-Entnahme bzw. der Urin-Asservierung. Beim
Rekurrenten sei der THC-Grenzwert von 1,5 μg/l deutlich unterschritten worden. Unter
Beizug von Beobachtungen der Polizei und der Assistenzärztin komme die Gutachterin
des IRM zum Schluss, dass eine Beeinträchtigung des Rekurrenten zum
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Ereigniszeitpunkt festgestellt werden könne. Die Gutachterin nehme ihre Einschätzung
dabei vollkommen unkritisch und willkürlich vor, indem sie ausschliesslich belastende
Umstände in der Gesamtbeurteilung erwähne und Widersprüche in der Wahrnehmung
der Beobachtung weglasse. Allein aufgrund des äusserst niedrigen THC-Gehalts im
Blut sei eine Beeinträchtigung der Fahrfähigkeit unwahrscheinlich. Dieser Umstand sei
nicht in die Beurteilung miteinbezogen worden. Der Polizist habe beim Rekurrenten
sodann einen sicheren Stand und weite Pupillen festgestellt, während die Ärztin eine
leichte Schwankung bzw. mittlere Pupillen beobachtet haben wolle. Aus dem
Polizeirapport ergäben sich sodann keine Verhaltensauffälligkeiten. Vielmehr habe sich
der Rekurrent anständig und kooperativ verhalten. Wie die Ärztin demgegenüber in
ihrer Gesamtbeurteilung einen mittleren Beeinträchtigungsgrad habe feststellen
können, sei in keiner Weise nachvollziehbar. Die Untersuchungen im Spital Linth hätten
sich über etliche Stunden hingezogen. Es sei daher nicht erstaunlich, dass sich
gewisse Müdigkeitssymptome wie rote Augen und Pupillenverzögerungen bemerkbar
gemacht hätten. Unter diesen Umständen könne der Bericht des IRM weder aus
medizinischer noch aus rechtlicher Sicht als genügende Grundlage für eine Verurteilung
bzw. eine Administrativmassnahme herangezogen werden, weshalb dem Rekurrenten
der Führerausweis zu belassen sei. Schliesslich sei festzuhalten, dass der Rekurrent
den Strafbefehl vom 17. Dezember 2013 irrtümlich nicht angefochten habe. Einerseits
habe er ihm aufgrund des Feiertagsstresses nicht genügend Aufmerksamkeit
gewidmet, andrerseits sei er davon ausgegangen, dass die verwirrlich angebrachte