Decision ID: eddf5171-7342-4ccd-a476-97e60882e1d8
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Abänderung Scheidungsurteil (vorsorgliche Massnahmen)
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichts im ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Zürich, 5. Abteilung, vom 1. Februar 2022 (FP210054-L)
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Rechtsbegehren betreffend vorsorgliche Massnahmen:
der Klägerin und Berufungsklägerin (Urk. 4/1 sinngemäss):
Es sei der Klägerin superprovisorisch die Obhut über den Sohn C._, geboren am tt.mm.2012, alleine zuzuteilen.
des Beklagten und Berufungsbeklagten (Urk. 4/39 S. 2):
"1. Das Gesuch der Klägerin betreffend die vorsorgliche Umteilung der Obhut für die Dauer des Abänderungsverfahrens für den Sohn C._ auf die Klägerin alleine sei abzuweisen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich MwSt. zulasten der
Klägerin."
des Verfahrensbeteiligten (Urk. 4/38 S. 1 f.):
"1. Es sei vorläufig für die Dauer des Verfahrens die mit Scheidungsurteil vom tt.mm.2017 festgelegte Betreuungsregelung für C._ wie folgt abzuändern:
- C._ wird nach vorgängiger Absprache unter den Parteien
und unter Miteinbezug der ausdrücklichen Wünsche von C._ vom Vater mindestens 1 bis zweimal pro Woche am Abend und/oder tagsüber an den Wochenenden betreut.  finden nur nach vorgängiger Absprache mit C._ statt.
- sobald C._ wieder zu regelmässigen Übernachtungen beim
Vater bereit ist und solchen zustimmt, streben die Parteien nebst der vorstehenden Minimalbetreuung auch regelmässige  inklusive Übernachtungen durch den Vater an. Auf die ausdrücklichen Wünsche und Bedürfnisse von C._ ist dabei Rücksicht zu nehmen.
- Die Ferien- und Festtagsbetreuung gemäss Scheidungsurteil vom
tt.mm.2017 gilt weiterhin.
2. Die Eltern seien gestützt auf Art. 307 Abs. 3 ZGB zu verpflichten, sich weiterhin für die Dauer von mindestens 6 Monaten beim Verein D._ im Rahmen eines Elterncoachings im Hinblick auf eine  der elterlichen Kommunikation sowie auf einen C._  seines Loyalitätskonflikts entlastenden Umgangs beraten und begleiten zu lassen sowie für C._ nach Rücksprache und auf  Empfehlung der Fachleute von D._ im Bedarfsfall eine  psychotherapeutische Begleitung in die Wege zu leiten."
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Verfügung des Einzelgerichts im ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Zürich, 5. Abteilung, vom 1. Februar 2022:
(Urk. 4/50 S. 9 f. = Urk. 2 S. 9 f.)
1. Die Betreuungsregelung von C._ gemäss Scheidungsurteil vom
tt.mm.2017 wird einstweilen für die weitere Dauer des Verfahrens wie folgt
abgeändert:
Der Vater betreut C._ ab 4. März 2022 an jedem zweiten Wochenende,
ab Freitagabend Schul- bzw. Trainingsschluss bis Sonntagabend um 20.00
Uhr (inkl. Abendessen).
Die Feiertags- und Ferienregelung gemäss Scheidungsurteil vom
tt.mm.2017 bleibt unangetastet.
In der übrigen Zeit wird C._ von der Mutter betreut; die Feiertags- und
Ferienregelung bleibt vorbehalten.
2. Der Klägerin wird die Weisung erteilt, dafür besorgt zu sein, dass C._
ab dem 4. März 2022 jedes zweite Wochenende beim Vater verbringt.
3. Beiden Parteien wird die Weisung erteilt, angemessen miteinander zu kom-
munizieren; eine Verpflichtung zum Besuch eines Elterncoachings bleibt
vorbehalten.
4. Die Parteien und die Kindesvertreterin werden zu einer Instruktionsverhand-
lung (Inhalt gemäss den Erwägungen) wie folgt vorgeladen:
Zeit: Montag, 9. Mai 2022, 14.00 Uhr Ort: Bezirksgericht Zürich, Wengistrasse 30, 8004 Zürich
Sitzungssaal Nr. 8
Die Parteien werden hiermit aufgefordert, zur bezeichneten Zeit  (mit oder ohne Vertreter) vor Gericht zu erscheinen. Ist eine Partei vertreten, ist es Sache der Vertretung, die Partei über den  zu informieren.
Bleibt eine Partei persönlich der Verhandlung ohne genügende  fern, können ihr die dadurch unnötigerweise entstandenen Prozesskosten auferlegt werden (Art. 108 ZPO).
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Die Rechtsvertreterin des Beklagten und die Kindesvertreterin werden gebeten, dem Gericht umgehend mitzuteilen, sollten sie am 9. Mai 2022, um 14.00 Uhr, bereits anderweitig besetzt sein. In diesem Fall würde ein neuer Termin für die Instruktionsverhandlung gesucht werden.
5. Sämtliche anderslautenden Anträge der Parteien zu den vorsorglichen
Massnahmen werden - einstweilen - abgewiesen.
6. [Mitteilungssatz]
7. [Rechtsmittel: Beschwerde; Frist: 10 Tage]
Berufungsanträge:
der Klägerin und Berufungsklägerin (Urk. 1 S. 3):
"1. sofortige Aufhebung des Beschlusses vom 01.02.2022 des  Zürich.
2. Die alleinige Obhut von C._, sowie dies de facto seit geraumer
Zeit gelebt wird, wobei die Kontakte zum Kindsvater 2x/Woche  werden sollen, jedoch ohne erzwungene Übernachtungen."

Erwägungen:
I.
1. Mit Scheidungsurteil des Bezirksgerichts Zürich vom tt.mm.2017 wurde die
Ehe der Parteien geschieden und die Konvention vom 11. Dezember 2017 ge-
nehmigt (Urk. 4/4/96). In Bezug auf die Obhut und die Betreuungsreglung des
gemeinsamen Sohnes C._, geboren am tt.mm.2012, vereinbarten die Partei-
en folgendes (Urk. 4/4/96 Dispositiv-Ziff. 4.2.b und 4.2.c):
"b) Obhut
Die Parteien beantragen, es sei ihnen beiden die Obhut für den Sohn mit wechselnder Betreuung zu übertragen. Der Vater erklärt sich ausdrücklich damit einverstanden, dass der zivilrechtliche Wohnsitz des Sohnes an die heutige Adresse der Mutter verlegt wird.
c) Betreuungsanteile
Die Parteien einigen sich über die Aufteilung der Betreuung des Sohnes wie folgt:
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Betreuung durch die Mutter:
- alternierend zum Vater an jedem zweiten Wochenende jeweils ab  bis Montagmorgen Kindergarten-/Schulbeginn,
- an jedem Montagmorgen bis am Mittwochmorgen, Kindergarten- /Schulbeginn,
- in den Jahren mit gerader Jahreszahl am ersten Tag der  Weihnachten und Silvester/Neujahr,
- in den Jahren mit ungerader Jahreszahl am zweiten Tag der  Weihnachten und am zweiten Tag der darauffolgenden ,
- während vier Wochen Ferien pro Jahr,
Betreuung durch den Vater:
- alternierend zur Mutter an jedem zweiten Wochenende jeweils ab  bis Montagmorgen Kindergarten-/Schulbeginn,
- an jedem Mittwochmorgen bis Freitagmorgen Kindergarten- /Schulbeginn,
- in den Jahren mit ungerader Jahreszahl am ersten Tag der  Weihnachten und Silvester/Neujahr,
- in den Jahren mit gerader Jahreszahl am zweiten Tag der  Weihnachten und am zweiten Tag der darauffolgenden ,
- während vier Wochen Ferien pro Jahr.
Die Eltern sprechen sich über die Aufteilung der Ferien jeweils rechtzeitig ab. Können sie sich nicht einigen, so kommt dem Vater in Jahren mit ungerader Jahreszahl das Entscheidungsrecht bezüglich der Aufteilung der Ferien zu; in Jahren mit gerader Jahreszahl der Mutter.
Ist ein Elternteil aus welchen Gründen auch immer nicht in der Lage, die  gemäss dem hier vereinbarten Betreuungsplan selber zu , ist er verpflichtet, für eine angemessene Betreuung des Sohnes durch Drittpersonen auf eigene Kosten besorgt zu sein. Eine Anfrage an den  Elternteil ist möglich; dieser ist jedoch nicht verpflichtet, die Betreuung zu übernehmen.
Weitergehende oder abweichende Betreuungsregelungen nach gegenseitiger Absprache bleiben vorbehalten."
2. Mit Eingabe vom 24. Mai 2021 beantragte die Klägerin und Berufungskläge-
rin (fortan Klägerin) die sofortige Abänderung des Scheidungsurteils mit dem an-
fangs wiedergegebenen superprovisorischen Antrag (Urk. 4/1). Mit Verfügung
vom 2. Juni 2021 wies die Vorinstanz das Gesuch um Anordnung von superprovi-
sorischen Massnahmen ab und hielt fest, dieses als Gesuch um Anordnung einer
vorsorglichen Massnahme für die Dauer des Abänderungsverfahrens weiterzufüh-
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ren. Gleichzeitig wurden die Parteien zu einer mündlichen Verhandlung betreffend
vorsorgliche Massnahmen und zur Einigungsverhandlung vorgeladen (Urk. 4/5).
Anlässlich der Verhandlung vom 29. Juni 2021 schlossen die Parteien eine Ver-
einbarung, in welcher sie sich auf eine Betreuungsregelung für C._ bis zum
Ende der Sommerferien einigten und sich mit der Bestellung einer Kindsvertrete-
rin für das Abänderungsverfahren sowie der Anmeldung von C._ für eine
Kinderbegleitung einverstanden erklärten (Urk. 4/14; Prot. I S. 4). Mit Verfügung
vom 30. Juni 2021 wurde u.a. die Vereinbarung vom 29. Juni 2021 genehmigt,
Rechtsanwältin lic. iur. Y._ als Kindsvertreterin bestellt und die KESB der
Stadt Zürich aufgefordert, einen von ihr bereits in Auftrag gegebenen Abklärungs-
bericht dem Gericht zuzustellen (Urk. 4/16). Der Abklärungsbericht des Sozial-
zentrums E._ ging am 26. Oktober 2021 bei der Vorinstanz ein (Urk. 4/34).
Anlässlich der Hauptverhandlung und Verhandlung zu vorsorglichen Massnah-
men vom 15. November 2021 stellten der Beklagte und Berufungsbeklagte (fortan
Beklagter) und die Kindsvertreterin die oben aufgeführten Anträge (Urk. 4/38;
Urk. 4/39; Prot. I S. 7 ff.). Zudem erklärte sich die Klägerin damit einverstanden,
dass ein psychiatrisches Gesundheitsgutachten über sie erstellt werde (Prot. I
S. 22 f.). Am 24. November 2021 wurde C._ angehört (Urk. 4/42). Mit Verfü-
gung vom 7. Dezember 2021 wurde F._ von der Psychiatrischen Universi-
tätsklinik Zürich mit der Erstellung des Gutachtens über den psychischen Ge-
sundheitszustand der Klägerin beauftragt (Urk. 4/46). Hernach erliess die Vorin-
stanz den oben aufgeführten Entscheid (Urk. 4/50 = Urk. 2).
3. Hiergegen erhob die Klägerin am 14. Februar 2022 fristgerecht (vgl.
Urk. 51/1) Beschwerde (recte: Berufung; Art. 308 Abs. 1 lit. b ZPO) und stellte die
eingangs aufgeführten Berufungsanträge sowie sinngemäss ein Gesuch um Ertei-
lung der aufschiebenden Wirkung (Urk. 1).
4. Mit Verfügung vom 2. März 2022 wurde das Gesuch der Klägerin um Ertei-
lung der aufschiebenden Wirkung abgewiesen (Urk. 5).
5. Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen. Da sich die Berufung so-
gleich als unbegründet erweist, kann auf weitere Prozesshandlungen verzichtet
werden (Art. 312 Abs. 1 ZPO).
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II.
Mit der Berufung können unrichtige Rechtsanwendung und unrichtige Fest-
stellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Berufung
ist begründet einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Zu dieser Begründungsanforde-
rung gehört, dass in der Berufungsschrift dargelegt werden muss, weshalb der
vorinstanzliche Entscheid in den angefochtenen Punkten unrichtig sein soll; die
Berufung muss sich dementsprechend mit den Entscheidgründen der Vorinstanz
im Einzelnen auseinandersetzen. Dies bedeutet, dass die Berufung einlegende
Partei im Einzelnen die vorinstanzlichen Erwägungen bezeichnet, die sie anficht,
sich mit diesen argumentativ auseinandersetzt und die Aktenstücke nennt, auf
denen ihre Kritik beruht. Blosse pauschale Verweisungen oder eine bloss eigene
Darstellung der Sach- und Rechtslage ohne Bezug zu bzw. Beanstandungen von
konkreten vorinstanzlichen Erwägungen genügen nicht. Das Berufungsverfahren
ist nicht einfach eine Fortsetzung oder gar Wiederholung des erstinstanzlichen
Verfahrens, sondern es dient der Überprüfung des angefochtenen Entscheids im
Lichte von konkret dagegen vorgebrachten Beanstandungen. Soweit eine Bean-
standung vorgetragen wird, wendet die Berufungsinstanz das Recht von Amtes
wegen an (Art. 57 ZPO); sie ist weder an die Argumente der Parteien noch an die
Begründung des vorinstanzlichen Entscheids gebunden (vgl. zum Ganzen BGE
138 III 374 E. 4.3.1; BGE 142 III 413 E. 2.2.4; Reetz/Theiler, in: Sutter-
Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO-Kommentar, Art. 311 N 36).
III.
1. Die Vorinstanz erwog im Wesentlichen, dass C._ zu beiden Elternteilen
eine tragfähige und liebevolle Beziehung und eine emotionale Bindung habe. Es
sei den aktuellen Lebensumständen der Parteien geschuldet, dass sich C._
im Moment stärker der Mutter zuwende und nicht beim Vater übernachten möch-
te. Die Klägerin verkenne jedoch, dass sie nicht einfach die Verantwortung der
Beziehungs- und Bindungspflege zwischen Vater und Sohn allein dem noch nicht
einmal 10-jährigen C._ überlassen könne. Dieser könne und dürfe die Ver-
antwortung für die Betreuungsregelung nicht alleine tragen. C._ sei noch
nicht in der Lage, die Konsequenzen seines Willens abzuschätzen, wenn er den
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Kontakt zum Vater auf ein Minimum beschränke. Bei der Klägerin seien jedoch
keinerlei Bemühen auszumachen, C._ aktiv darin zu unterstützen, beim Va-
ter auch ausserhalb der Ferienzeiten zu übernachten. Es sei auch wegen des
durch ein psychiatrisches Gutachten abzuklärenden Gesundheitszustands der
Klägerin wichtig, dass der Beklagte weiterhin eine zuverlässige und präsente Be-
zugsperson für C._ bleibe (Urk. 2 S. 6 f.).
Die Vorinstanz führte weiter aus, dass das Kindeswohl von C._ am bes-
ten gewährleistet sei, wenn beide Elternteile grundsätzlich weiterhin paritätisch
die Betreuungsverantwortung innehätten. Hingegen müsse zum Wohle von
C._ berücksichtigt werden, dass er faktisch – mit Ausnahme der Ferien – nun
schon längere Zeit nicht mehr beim Vater übernachtet habe. Es dürfe nicht ausser
Acht gelassen werden, dass die Verweigerungshaltung von C._ sich noch
mehr verfestigen könnte, würde man von ihm das die sofortige Wiederaufnahme
der geteilten Obhut verlangen. Es sei daher ein schrittweises Vorgehen ange-
messen, bei welchem die Betreuungsreglung für die weitere Dauer des Verfah-
rens einstweilen so auszugestalten sei, dass C._ an jedem zweiten Wochen-
ende ab Freitagabend Schulschluss (oder sollte C._ am Freitagabend Fuss-
balltraining haben, ab Trainingsende) bis Sonntagabend, 20.00 Uhr (inkl. Abend-
essen) vom Vater betreut werde und in der übrigen Zeit von der Mutter. Die Feri-
en- und Feiertagsregelung gemäss Scheidungsurteil bleibe unangetastet. Des
Weiteren sei der Klägerin die Weisung zu erteilen, dafür besorgt zu sein, dass
C._ jedes zweite Wochenende beim Vater verbringe. Beiden Eltern sei zu-
dem die Weisung zu erteilen, in angemessener Weise miteinander zu kommuni-
zieren. Eine Weisung, wie sie die Kindesvertreterin beantragt habe, wonach die
Parteien in ein Elterncoaching gehen sollten, um ihre Kommunikation zu verbes-
sern, mache erst dann Sinn, wenn Klarheit über den psychischen Gesundheitszu-
stand der Klägerin bestehe (Urk. 2 S. 7 ff.).
Abschliessend hielt die Vorinstanz fest, dass ab der Kalenderwoche 22 die
alternierende Obhut wieder aufgenommen werden solle, weshalb die Parteien zu
einer Instruktionsverhandlung auf Montag, 9. Mai 2022, vorzuladen seien (Urk. 2
S. 9).
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2. Die Klägerin macht in ihrer Berufung im Wesentlichen geltend, dass
C._ nun seit rund einem Jahr ganzzeitig bei ihr wohne. Die geteilte Obhut sei
ein Stress für C._ gewesen. Dieser sei von Anfang an nicht gerne zum Vater
gegangen und habe zunehmend die Besuche, insbesondere die Übernachtungen,
regelmässig verweigert. Sie habe versucht, dieses Problem zu lösen, doch erfolg-
los. Die von der Vorinstanz festgelegte Regelung widerspreche dem an der Ver-
handlung vom 15. November 2021 besprochenen Vorgehen, weshalb sie das
Protokoll verlange. Die Regelung sei undenkbar und unzumutbar für C._.
Dieser solle nicht gezwungen werden, beim Vater zu übernachten. Die alternie-
rende Obhut sei nicht mehr umsetzbar, da der Beklagte nicht mehr in Zürich, son-
dern in G._ wohne, und ein so weiter Schulweg für C._ nicht machbar
sei. C._ habe unter der Woche regelmässig Sport, weshalb eine Betreuung
durch den Beklagten unter der Woche auch organisatorisch nicht möglich sei. Der
Beklagte arbeite Vollzeit und C._ müsste im Hort oder von den Grosseltern
betreut werden (Urk. 1 S. 1 f.).
Die Klägerin führt weiter aus, dass C._ aufgrund des Beschlusses mas-
siv unter Druck und in ein Dilemma gerate. Er wolle nicht, dass sie gegen die ihr
auferlegte Weisung verstosse, da sie sonst als erziehungsunfähig gelten würde,
aber er möchte auch nicht beim Beklagten am Wochenende übernachten, da es
sonst heissen würde, er müsse auch unter der Woche wieder zu ihm gehen. Die
alternierende Obhut ab der 22. Kalenderwoche sei ja bereits eine "beschlossene
Sache". Der vorinstanzliche Entscheid sei nicht nachvollziehbar und das Kindes-
wohl werde völlig ausser Acht gelassen, weshalb er aufzuheben sei (Urk. 1 S. 2).
3.1 Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid lediglich eine einstweilige
Neuregelung der Betreuungsanteile für die weitere Dauer des Verfahrens vorge-
nommen. Soweit sich die Klägerin in ihrer Berufung dagegen wendet, dass laut
Vorinstanz ab Mai 2022 wieder die hälftig geteilte Obhut gelten soll, und sie gel-
tend macht, eine solche sei ausgeschlossen und nicht im Kindeswohl, kann da-
rauf nicht eingetreten werden, weil diesbezüglich noch gar nichts entschieden
wurde. Die Frage, ob vorliegend in Abänderung des Scheidungsurteils eine allei-
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nige Obhut eines Elternteils anzuordnen oder die geteilte (alternierende) Obhut
weiterzuführen ist, bildet Gegenstand des weiteren Verfahrens vor Vorinstanz.
3.2 Nach dem soeben Ausgeführten fällt mit Blick auf die von der Klägerin vor-
gebrachten Rügen zur Betreuungsregelung auf, dass sie insbesondere nicht da-
mit einverstanden zu sein scheint, dass C._ unter der Woche zum Beklagten
gehen muss. So führt sie den langen Schulweg vom angeblich neuen Wohnort
des Beklagten, die regelmässigen Sporttrainings am Abend unter der Woche und
die Fremdbetreuung als Gründe für die Ablehnung der vorinstanzlich angeordne-
ten Betreuungsregelung auf. Diese Regelung sieht nun aber gar keine Betreuung
durch den Beklagten unter der Woche vor, weshalb sich eine nähere Auseinan-
dersetzung mit diesen Argumenten erübrigt. Aus ihnen ist nichts gegen die ange-
ordnete Wochenendbetreuung abzuleiten. C._ soll unter der Woche weiter-
hin von der Klägerin betreut werden. Ein allfälliger Wegzug des Beklagten nach
G._ hätte keinen Einfluss auf die angeordnete Wochenendbetreuung. Der
Transport von C._ zwischen Zürich und G._ wäre von den Parteien un-
tereinander zu regeln.
3.3 In Bezug auf die von der Klägerin vorgebrachten Einwendungen zu den re-
gelmässigen Übernachtungen von C._ beim Beklagten muss der Klägerin
vorgeworfen werden, sich nicht mit den vorinstanzlichen Ausführungen auseinan-
derzusetzen. So führte die Vorinstanz unter Einbezug der Ausführungen der Par-
teien sowie der Aussagen von C._ anlässlich der Kindsanhörung nachvoll-
ziehbar aus, weshalb eine regelmässige Betreuung samt Übernachtungen für die
Beziehung zwischen C._ und dem Beklagten so wichtig ist und weshalb die
Klägerin diese Übernachtungen unterstützen soll. Die Klägerin geht nicht auf die-
se Ausführungen ein, sondern beharrt darauf, dass C._ nicht gezwungen
werden soll, zum Beklagten zu gehen. Es ist der Vorinstanz jedoch zuzustimmen,
dass die Entscheidung über den Umfang der Betreuung nicht dem 9-jährigen
C._ überlassen werden kann. C._ ist noch ein Kind und es ist für seine
Entwicklung von entscheidender Bedeutung, dass er einen regelmässigen Kon-
takt zur Mutter und zum Vater hat. Dadurch wird ihm ermöglicht, zu beiden Eltern-
teilen eine gute und funktionierende Beziehung aufzubauen. Es liegt somit im
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Sinne des Kindswohls, dass der regelmässige Kontakt zum Beklagten, und hierzu
gehören im Alter von C._ auch Übernachtungen, gefördert wird. In den Ver-
fahrensakten finden sich denn auch keine Hinweise, die gegen die vorinstanzliche
Regelung sprechen würden. So lässt sich insbesondere weder aus dem Abklä-
rungsbericht des Sozialzentrums E._ vom 15. Oktober 2021 (Urk. 4/34) noch
aus den Ausführungen der Kindsvertreterin (Urk. 4/38) oder aus dem Bericht der
Kinderanhörung vom 24. November 2021 (Urk. 4/42) entnehmen, dass die Über-
nachtungen beim Beklagten das Kindswohl gefährden würden. Wie die Vorinstanz
bereits ausführte, konnte C._ selbst nicht erklären, weshalb er aktuell nicht
beim Vater übernachten möchte, pflegt er doch eine gute Beziehung zu ihm
(Urk. 2 S. 5). Ausser dem Widerstand von C._ kann die Klägerin somit keine
Gründe vorbringen, weshalb keine Wochenendübernachtungen beim Beklagten
dem Kindswohl durchgeführt werden sollen. Wie oben ausgeführt, beziehen sich
ihre übrigen Einwendungen auf allfällige Betreuungstage unter der Woche. So-
dann ist davon auszugehen, dass C._ die Übernachtungen beim Vater auch
weniger als Zwang empfinden wird, sobald beide Parteien diese Betreuungsrege-
lung mit den Übernachtungen unterstützen. Dieser Loyalitätskonflikt, in welchem
sich C._ befindet, ist auf die mangelnde Kommunikations- und Kooperations-
fähigkeit der Eltern zurückzuführen (vgl. Urk. 4/34 S. 5; Urk. 4/38 S. 4 ff.;
Urk. 4/42 S. 2 f.). Das Unvermögen der Eltern, zumindest in Bezug auf C._
angemessen miteinander umzugehen, stellt jedoch kein Hindernis für eine alter-
nierende Wochenendbetreuung dar. Die vorinstanzliche einstweilige Betreuungs-
regelung entspricht dem Kindswohl und erscheint der momentanen Situation an-
gemessen.
3.4 Auch wenn die Klägerin den gesamten vorinstanzlichen Entscheid anficht,
macht sie keine Ausführungen zu den ihr und dem Beklagten erteilten Weisungen
(vgl. Urk. 2 S.10, Dispositiv-Ziff. 2 und 3). Es sind denn auch keine Gründe er-
sichtlich, weshalb bei Beibehaltung der vorinstanzlichen Betreuungsregelung von
diesen abzusehen wäre.
3.5 Zusammenfassend erweist sich die Berufung der Klägerin als unbegründet.
Demgemäss ist die Berufung abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist, und die
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angefochtene Verfügung zu bestätigen (Art. 318 Abs. 1 lit. a ZPO). Die Klägerin
ist jedoch noch einmal darauf hinzuweisen, dass es sich bei der vorinstanzlichen
Betreuungsregelung um eine vorsorgliche Massnahme für die Dauer des Verfah-
rens handelt und damit noch nicht endgültig über ihre Abänderungsklage ent-
schieden wurde.
4. Die Klägerin hat ein Recht auf Akteneinsicht (Art. 53 Abs. 2 ZPO), weshalb
ihr wunschgemäss (Urk. 1 S. 2) eine Kopie des Verhandlungsprotokolls vom
15. November 2021 mit diesem Entscheid zuzustellen ist.
IV.
1. Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr ist in Anwendung von § 2 Abs. 1, § 5
Abs. 1, § 6 Abs. 1, § 8 Abs. 1 und § 12 Abs. 1 und 2 GebV OG der Gerichtsge-
bührenverordnung auf Fr. 1'500.– festzusetzen. Die Gerichtskosten des Beru-
fungsverfahrens sind ausgangsgemäss der Klägerin aufzuerlegen und mit ihrem
Kostenvorschuss zu verrechnen (Art. 106 Abs. 1 ZPO).
2. Für das Berufungsverfahren sind keine Parteientschädigungen zuzuspre-
chen, der Klägerin zufolge ihres Unterliegens, dem Beklagten mangels relevanter
Umtriebe (Art. 95 Abs. 3, Art. 106 Abs. 1 ZPO).