Decision ID: ff54424a-75a4-5026-80f8-42ab8ebf8af2
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Y.Z._ und X.Z._ wohnen in A._ (Politische Gemeinde B._). Y.Z._ ist Leiter der
L._ Genossenschaft sowie Verwaltungsratspräsident und CEO der M._ AG mit Sitz in
C._. X.Z._ ist als Fachexpertin Pflege bei M._ tätig. In der Steuererklärung 2013
deklarierte der Ehemann als Berufskosten einen Pauschalbetrag für Fachliteratur von
CHF 400 sowie tatsächliche Kosten aus unselbständiger Nebenerwerbstätigkeit von
CHF 16'477. Davon entfielen CHF 11'257 auf eine Reise mit der Belegschaft der L._
Genossenschaft nach D._. Die Eheleute Z._ wurden mit Veranlagungsverfügungen
vom 23. November 2016 für die Kantons- und Gemeindesteuern 2013 mit einem
steuerbaren Einkommen von CHF 329'900 zum Satz von CHF 304'800 und einem
steuerbaren Vermögen von CHF 631'000 zum Satz von CHF 362'000 sowie für die
direkte Bundessteuer 2013 mit einem steuerbaren Einkommen von CHF 364'700 zum
Satz von CHF 339'600 veranlagt. Die Veranlagungsbehörde liess insbesondere die
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geltend gemachten tatsächlichen Kosten aus unselbständiger Nebenerwerbstätigkeit
nicht zum Abzug zu, berücksichtigte jedoch Weiterbildungs- und Umschulungskosten
im Umfang von CHF 400 sowie den Pauschalabzug in der Höhe von CHF 2'400. Das
kantonale Steueramt wies die von den Steuerpflichtigen gegen diese Veranlagungen
erhobene Einsprachen mit Entscheiden vom 28. Juni 2018 ab. Dagegen erhoben die
Eheleute Z._ Rekurs und Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission, welche
mit Entscheid vom 26. März 2019 die Rechtsmittel ebenfalls abwies.
B. Y.Z._ und X.Z._ (Beschwerdeführer) erhoben gegen den am 28. März 2019
zugestellten Entscheid der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) vom 26. März
2019 mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 29. April 2019 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht. Sie beantragten, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der
angefochtene Entscheid aufzuheben und es seien die Auslagen für den Teamanlass
von CHF 11'257 zusätzlich zu den Auslagen für Fachliteratur von CHF 400 als effektive
Berufskosten zum Abzug zuzulassen. Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung
vom 29. Mai 2019 die Abweisung der Beschwerde und verwies zur Begründung auf die
Erwägungen im angefochtenen Entscheid. Das kantonale Steueramt
(Beschwerdegegner) verzichtete am 18. Juni 2019 ausdrücklich und die
Eidgenössische Steuerverwaltung (Beschwerdebeteiligte) stillschweigend auf eine
Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit wesentlich,
in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...)
2. (...)
3. Umstritten ist einzig, ob die geltend gemachten tatsächlichen Kosten aus
unselbständiger (Neben-)Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführers zum Abzug
zuzulassen sind.
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3.1. Die rechtlichen Ausführungen der Vorinstanz zu den Berufskosten sind korrekt,
weshalb – anstelle von Wiederholungen – darauf verwiesen werden kann (vgl. E. 3b/aa
des angefochtenen Entscheids).
Das Gesetz spricht bei den hier relevanten "übrigen Berufskosten" nach Art. 39 Abs. 1
lit. c StG bzw. Art. 26 Abs. 1 lit. c DBG von den "für die Ausübung des Berufes
erforderlichen Kosten" und lässt damit nicht jedweden Zusammenhang zur
Einkommenserzielung genügen (vgl. Art. 1 Abs. 1 der Verordnung des EFD über den
Abzug der Berufskosten unselbständiger Erwerbstätiger bei der direkten Bundessteuer,
Berufskostenverordnung, SR 642.118.1, BKV). Gemäss ständiger Praxis zu den
Gewinnungskosten wird nicht verlangt, dass das Erwerbseinkommen ohne die streitige
Auslage überhaupt nicht hätte erzielt werden können oder dass eine rechtliche Pflicht
zur Bezahlung der entsprechenden Aufwendungen bestünde. Als Gewinnungskosten
gelten vielmehr diejenigen Auslagen, deren Vermeidung der steuerpflichtigen Person
nicht zumutbar ist und die wesentlich durch die Erzielung von Einkommen verursacht
bzw. veranlasst sind. Es ist jeweils im Rahmen einer Gesamtbetrachtung der konkreten
Umstände zu prüfen, ob zwischen den geltend gemachten Aufwendungen und der
Einkommenserzielung ein genügend enger Zusammenhang besteht (BGE 142 II 293
E. 3.1 und 3.2 mit zahlreichen Hinweisen).
Eine klare Abgrenzung der Gewinnungskosten zu den nicht abziehbaren
Lebenshaltungskosten (Art. 47 StG, Art. 34 lit. a DBG) fällt mitunter schwer, wie sich
etwa an den Beispielen der Mandatssteuern oder Standeskosten zeigt (Art. 1 Abs. 2
BKV). Sogenannte Repräsentations- und Standeskosten, wie Einladungskosten
(Geschenke, Blumen, Trinkgelder usw.), Anschaffung kostspieliger Kleidung,
Vereinsbeiträge etc. beruhen im Wesentlichen auf der sozialen Stellung der
steuerpflichtigen Person und sind daher überwiegend privat bedingt. Nicht abzugsfähig
sind sodann auch Mehrauslagen, die durch eine gehobene, besonders aufwendige
Lebensführung des Steuerpflichtigen entstehen; sie können auch dann nicht zu den
Gewinnungskosten gerechnet werden, wenn der Pflichtige glaubt, sie wegen seiner
beruflichen Stellung auf sich nehmen zu müssen. Ebenso wenig können Aufwendungen
abgezogen werden, die nicht zur Erzielung eines ganz bestimmten Einkommens,
sondern zur Erreichung oder Erhaltung der Erwerbsfähigkeit schlechthin getätigt
werden. Dazu gehören etwa die Kosten für die allgemeine Erhaltung oder Verbesserung
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der Arbeitskraft. Schliesslich stellen Anlagekosten keine Gewinnungskosten dar, das
heisst Aufwendungen zur Schaffung, Erweiterung oder Verbesserung einer
Einkommensquelle; dazu gehören namentlich Ausgaben, welche getätigt werden, um in
Zukunft eine höhere berufliche Stellung zu erreichen oder einen anderen Beruf ausüben
zu können. Abzugsfähig sind demgegenüber Auslagen, die getätigt werden, um eine
bestehende Einkommensquelle zu erhalten oder den weiteren Einkommensbezug zu
sichern (BGE 142 II 293 E. 3.4 mit Hinweis auf BGE 124 II 29 E. 3d; M. Reich,
Steuerrecht, 2. Aufl. 2012, Rz. 15 ff.; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar
zum DBG, 3. Aufl. 2016, N 20 zu Art. 34 DBG).
3.2. Die Beschwerdeführer machen geltend, der Anlass in D._ habe vom Donnerstag
bis Sonntag und ohne Begleitung stattgefunden. Für die Arbeitstage habe eine
vertragliche, für das Wochenende eine moralische Verpflichtung zur Teilnahme
bestanden. Die Mitglieder der Geschäftsleitung seien vollzählig anwesend gewesen; bei
den Mitarbeitenden hätten von zehn Personen lediglich deren drei gefehlt. Es hätten
keinerlei massgeblichen privaten Motive oder Gründe des Beschwerdeführers oder der
Teilnehmenden bestanden; der Grund der Veranstaltung sei einzig und alleine ein
geschäftlicher bzw. beruflicher gewesen. Das primäre Ziel habe darin bestanden, die
persönlichen Kontakte unter den Mitarbeitenden einerseits, aber auch zu den
Vorgesetzten – und in ganz entscheidendem Masse zum Beschwerdeführer als Teilzeit-
Geschäftsführer – andererseits, gleichzeitig nachhaltig und zeiteffizient zu festigen und
damit insgesamt sein Doppelmandat als Leitungsperson zu vereinfachen. Sowohl im
Jahr 2012 als auch im Jahr 2013 sei ihm ein Bonus ausbezahlt worden. Zwischen den
effektiven Berufsauslagen und dem Anspruch auf Bonus bestehe ein klarer
Zusammenhang: Die Zielerreichung habe einen direkten Einfluss auf den Bonus, und
umso wichtiger seien der Einsatz und die Leistung des gesamten Teams. Sowohl der
Beschwerdeführer als auch die Mitarbeitenden hätten für den Ausflug nebst Arbeitszeit
auch Freizeit hingegeben. Die Reise sei für das Team notwendig und förderlich
gewesen.
Die geltend gemachten Auslagen für die Einladung seines Teams für vier Tage nach
D._ sind – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführer – für die Erzielung des
Erwerbseinkommens eines leitenden Angestellten nicht unmittelbar erforderlich. Nicht
jedes finanzielle Engagement, welches die Motivation erhöht und allenfalls zu einer
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eigenen Einkommenserhöhung führt, kann als für den Beruf notwendige Kosten
angesehen werden. Ob und inwieweit sich Auslagen, welche unbestrittenermassen der
Zusammenarbeit der Mitarbeitenden und der Schaffung eines günstigen Arbeitsklimas
förderlich sind, unmittelbar im Geschäftserfolg und damit auch im Salär
niederschlagen, ist höchst ungewiss und praktisch nicht messbar. Wie die
Beschwerdeführer selbst anerkennen, dienen Personalaufwendungen unselbständig
Erwerbender vornehmlich dazu, die Vorgesetztenposition zu erleichtern. Überdies
entspringen sie der gehobenen gesellschaftlichen Geltung und dem Ansehen, die
einem Angestellten in leitender Funktion in der Regel zukommen. Solche nach Sitte
und Brauch erwachsende Verbindlichkeiten sind überwiegend durch die
gesellschaftliche Stellung bedingt und nicht abzugsfähig. Ähnlich verhält es sich im
Übrigen mit gemeinsamen Mittagessen und Teamausflügen, welche zwar durchaus
entsprechende Teamförderungsmassnahmen darstellen können, ohne dass jedoch
diese Kosten bei der Übernahme durch den Teamleiter von diesem als Berufskosten
abgezogen werden könnten. Bei solchen Aufwendungen handelt es sich vielmehr um
Ausgaben, zu denen sich der Beschwerdeführer mit Rücksicht auf seine berufliche
Stellung verpflichtet fühlt, die aber nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit seiner
Erwerbstätigkeit stehen. Solche sogenannten Standesausgaben sind nicht abzugsfähig
(ASA 41 S. 27 f.; AGVE 1981 S. 340 f.).
3.3. Die Höhe des durch den Beschwerdegegner gewährten Pauschalabzugs von
jeweils CHF 2'400 gestützt auf einen unselbständigen Nebenerwerb blieb unbestritten.
Nicht einzugehen ist auf die Frage, ob es sich bei der vom Beschwerdeführer für die
L._ Genossenschaft ausgeübte Tätigkeit um einen Nebenerwerb handelt, da sie sich
dazu nicht geäussert haben und aus den Akten dazu auch nichts zu entnehmen ist.
4. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist.
(...)