Decision ID: 4c883f3c-1aab-52e8-b865-a9ecdaaae7e1
Year: 2015
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 17. April 2013 richtete die Steuerbehörde der Vereinigten Staaten von
Amerika (USA; Internal Revenue Service in Washington [IRS]) ein Amtshil-
fegesuch an die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV). Der IRS
stützte sich dabei insbesondere auf Art. 26 des Abkommens vom 2. Okto-
ber 1996 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und den Ver-
einigten Staaten von Amerika zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf
dem Gebiete der Steuern vom Einkommen (SR 0.672.933.61, DBA-
USA 96).
B.
Mit Schlussverfügung vom 23. August 2013 gelangte die ESTV insbeson-
dere zum Ergebnis, A._ sei an der X._ Corporation wirt-
schaftlich berechtigt und in seinem Fall seien sämtliche Voraussetzungen
erfüllt, um dem IRS Amtshilfe zu leisten.
C.
Nachdem das Bundesverwaltungsgericht auf die gegen diese Schlussver-
fügung gerichtete, von A._ und der X._ Corporation (nach-
folgend: Beschwerdeführende) eingereichte Beschwerde vom 1. Oktober
2013 mit Urteil A-5540/2013 vom 6. Januar 2014 nicht eingetreten war, er-
hoben die Beschwerdeführenden am 20. Januar 2014 beim Bundesgericht
gegen dieses Urteil Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten.
D.
Ebenfalls am 20. Januar 2014 reichten die Beschwerdeführenden bei der
ESTV einerseits ein Wiedererwägungsgesuch betreffend die die Amtshilfe
gewährende Schlussverfügung und andererseits ein Ersuchen um Daten-
löschung/Datensperrung der im Amtshilfeverfahren erhobenen, sie betref-
fenden Daten ein.
E.
Mit Verfügung vom 5. Februar 2014 trat die ESTV auf das Wiedererwä-
gungsgesuch nicht ein. Das Gesuch um Vernichtung bzw. Rückgabe der
Bankunterlagen wies sie mit einer weiteren Verfügung gleichen Datums ab
und trat auf das Gesuch um Datensperrung und den Antrag auf Anordnung
vorsorglicher Massnahmen nicht ein.
F.
Gegen diese beiden Verfügungen erhoben die Beschwerdeführenden mit
A-1204/2014
Seite 3
Eingabe vom 10. März 2014 Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht.
Sie beantragen einerseits, die Wiedererwägungsverfügung der ESTV vom
5. Februar aufzuheben und das Gesuch um Wiedererwägung vom 20. Ja-
nuar 2014 in dem Sinn gutzuheissen, dass die Schlussverfügung der ESTV
vom 23. August 2013 in Wiedererwägung zu ziehen und in Bezug auf die
Gesuchsteller die Amts- und Rechtshilfe an den IRS zu verweigern sei, so-
wie dass die Zwischenverfügung der ESTV vom 30. April 2013 in Wieder-
erwägung zu ziehen sei, soweit sie nicht bereits durch das Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts A-5390/2013 vom 6. Januar 2014 aufgehoben
worden sei. Weiter beantragen sie, die Verfügung vom 5. Februar 2014 be-
treffend Datenlöschung aufzuheben und das Datenlöschungsersuchen
vom 20. Januar 2014 in dem Sinn gutzuheissen, dass die Personendaten
und Bankunterlagen, welche die Gesuchsteller beträfen und die im Rah-
men des sie betreffenden Geschäfts durch die ESTV bearbeitet worden
seien, unverzüglich zu vernichten seien und bis zum Zeitpunkt der Vernich-
tung jede weitere Datenbearbeitung zu unterlassen sei sowie dass, sofern
die Daten in physischer Form bei der ESTV bearbeitet worden seien, diese
der Bank Julius Bär unverzüglich zurückzugeben seien und bis zum Zeit-
punkt der Rückgabe jede weitere Datenbearbeitung zu unterlassen sei.
Eventualiter seien die Daten zu sperren. Die Kosten- und Entschädigungs-
folgen seien zu Lasten der ESTV zu veranschlagen. Schliesslich werden
zwei prozessuale Antrage auf Verfahrensvereinigung sowie Erteilung der
aufschiebenden Wirkung gestellt.
G.
Das Bundesverwaltungsgericht überwies die Eingabe mit Verfügung vom
11. März 2014 zuständigkeitshalber ans Bundesgericht, welches diese sei-
nerseits mit Verfügung vom 12. März 2014 dem Bundesverwaltungsgericht
zuständigkeitshalber zurücküberwies.
H.
Am 13. März 2014 nahmen die Beschwerdeführenden vor Bundesgericht
unaufgefordert zur Zuständigkeit Stellung. Die Stellungnahme wurde dem
Bundesverwaltungsgericht vom Bundesgericht am 17. März 2014 überwie-
sen.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 12. März 2014 (Versand am 18. März 2014)
erteilte das Bundesverwaltungsgericht der Beschwerde die aufschiebende
Wirkung, falls ihr eine solche nicht ohnehin zukomme, vereinigte die beiden
Verfahren (einerseits jenes betreffend Wiedererwägung und andererseits
A-1204/2014
Seite 4
jenes betreffend Datenlöschung/Datensperrung) und sistierte das Verfah-
ren bis zur Entscheidung des bundesgerichtlichen Verfahrens 2C_54/2014.
J.
Mit Urteil vom 2. Juni 2014 hiess das Bundesgericht die Beschwerde im
Verfahren 2C_54/2014 gut, soweit es darauf eintrat, hob den angefochte-
nen Entscheid auf und wies die Sache zur materiellen Entscheidung an
das Bundesverwaltungsgericht zurück.
K.
Daraufhin hiess das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde vom
1. Oktober 2013 mit Urteil A-3395/2014 vom 7. Juli 2014 gut.
L.
Mit Verfügung vom 17. Juli 2014 hob das Bundesverwaltungsgericht die
Sistierung im vorliegenden Verfahren (Bst. I) auf und lud die Parteien ein,
sich zum weiteren Verfahrensablauf zu äussern.
M.
Die Beschwerdeführenden hielten mit Stellungnahme vom 8. August 2014
dafür, soweit die Beschwerde die Wiedererwägung der Verfügung vom
23. August 2013 betreffe, sei sie gegenstandslos geworden. Kosten- und
Entschädigungsfolgen seien zu Lasten der Vorinstanz zu veranschlagen.
Betreffend das Ersuchen um Datenlöschung sei die Beschwerde nicht ge-
genstandslos geworden. Da die Datenbearbeitung widerrechtlich gewesen
sei, seien die Daten zu vernichten.
N.
Mit Verfügung vom 14. August 2014 wurde die Vorinstanz betreffend die
datenschutzrechtlichen Fragen zur Vernehmlassung aufgefordert.
O.
Die Vernehmlassung erfolgte am 12. September 2014 und wurde den Be-
schwerdeführenden mit Verfügung vom 16. September 2014 zugestellt.
Auf die Vorbringen in den Eingaben der Parteien wird – sofern sie ent-
scheidwesentlich sind – im Rahmen der Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
A-1204/2014
Seite 5
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) beurteilt dieses Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Vorliegend
wurden mit Zwischenverfügung vom 12. März 2014 zwei Verfahren verei-
nigt (eines betreffend Wiedererwägung einer die Amtshilfe gewährenden
Verfügung, das andere betreffend Datenschutz), so dass die Zuständigkeit
des Bundesverwaltungsgerichts bezüglich beider Verfügungen zu prüfen
ist.
Beide Verfügungen wurden von einer Vorinstanz nach Art. 33 Bst. d VGG
erlassen und es liegt keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vor.
Einerseits geht es um ein Gesuch um Wiedererwägung einer Schlussver-
fügung nach dem Bundesgesetz vom 28. September 2012 über die inter-
nationale Amtshilfe in Steuersachen (StAhiG, SR 672.5). Dieses ist im vor-
liegenden Verfahren anwendbar, weil das Amtshilfegesuch vom 17. April
2013 datiert, d.h. nach Inkrafttreten des StAhiG am 1. Februar 2013 einge-
reicht worden ist (Art. 24 Abs. 1 StAhiG). Zu den beim Bundesverwaltungs-
gericht anfechtbaren Verfügungen gehören die Schlussverfügungen der
ESTV im Bereich der internationalen Amtshilfe in Steuersachen (Art. 32
VVG e contrario i.V.m. Art. 19 Abs. 1 und 5 StAhiG). Der Rechtsschutz rich-
tet sich gemäss Art. 19 Abs. 5 StAhiG mit den im StAhiG genannten Aus-
nahmen nach den Bestimmungen über die Bundesrechtspflege. Die sich
auf Datenschutzrecht stützende Verfügung andererseits hat zwar ebenfalls
einen Zusammenhang mit einem Steueramtshilfeverfahren, ist aber nicht
Teil dieses Verfahrens, da dieses abgeschlossen ist (dazu Sachverhalt Bst.
K und hinten E. 3.2.3; dazu, ob datenschutzrechtliche Fragen in einem ei-
genen oder im Zusammenhang mit einem anderen Verfahren behandelt
werden vgl. auch ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwal-
tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013
Rz. 1856). Es handelt sich somit um ein Verfahren aufgrund des Bundes-
gesetzes vom 19. Juni 1992 über den Datenschutz (DSG, SR 235.1); nach
Art. 33 Abs. 1 DSG richtet sich der Rechtsschutz – und damit die Zustän-
digkeit des Bundesverwaltungsgerichts – nach den allgemeinen Bestim-
mungen über die Bundesrechtspflege.
1.2 Auch was das anwendbare Verfahrensrecht anbelangt, ist zu prüfen,
ob dies für alle Fragen das gleiche ist oder ob für die amtshilferechtlichen
Fragen andere Bestimmungen gelten als für die datenschutzrechtlichen.
Sowohl das StAhiG (Art. 5 Abs. 1 bzw. Art. 19 Abs. 5 StAhiG) als auch das
A-1204/2014
Seite 6
DSG (Art. 25 Abs. 4 bzw. Art. 33 Abs. 1 DSG) halten fest, dass, soweit das
jeweilige Gesetz nichts anderes bestimmt, bezüglich des Verfahrensrechts
das VwVG anwendbar sei.
Fragen zum Vorrang bei einer allfälligen Kollision von datenschutzrechtli-
chen mit amtshilferechtlichen Verfahrensvorschriften stellen sich im vorlie-
genden Verfahren nur in Bezug auf ein allfälliges Rechtsmittel gegen die-
ses Urteil (dazu E. 6), weshalb an dieser Stelle nicht weiter darauf einge-
gangen wird.
Das Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht richtet sich somit grundsätz-
lich nach dem VwVG, sofern das VGG (Art. 37 VGG) oder die spezialge-
setzlichen Regelungen (s. vorheriger Absatz) nichts anderes bestimmen
(Urteile des BVGer A-4407/2014 vom 8. Dezember 2014 E. 1.1 f.,
A-3924/2014 vom 8. Dezember 2014 E. 1.1 f).
1.3 Zur Beschwerde ist berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren
teilgenommen hat oder keine Möglichkeit zur Teilnahme hatte, durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 48 VwVG). Dies ist
bei den Beschwerdeführenden zweifelsohne der Fall.
1.4 Die ESTV bringt vor, auf das datenschutzrechtliche Begehren der Be-
schwerdeführenden sei nicht einzutreten. Sie beruft sich dabei auf die
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, das bei der Amtshilfe in
Steuersachen verschiedentlich festgehalten hat, es sei nicht seine Sache,
der ESTV vorzuschreiben, wie sie das geltende Recht umzusetzen habe.
Daher trat das Bundesverwaltungsgericht auf die Anträge der jeweiligen
Beschwerdeführenden, die ESTV sei anzuweisen, die Daten zu vernichten,
nicht ein. Es hielt in den Urteilen jeweils fest, die ESTV habe sich bei der
Umsetzung an geltendes Recht zu halten (statt vieler: Urteil des BVGer
A-272/2010 vom 4. März 2010).
Die genannte Rechtsprechung ist im Kontext zu sehen. In jenen Verfahren
ging es darum, im Rahmen der Amtshilfe über den Umfang derselben bzw.
über die Frage zu urteilen, ob sie bezüglich bestimmter Personen zu leisten
sei oder nicht. In diesen Fällen war es nicht Gegenstand des Verfahrens,
zu beurteilen, ob die ESTV das geltende Recht richtig umgesetzt hat. Zwar
ist die Umsetzung eines Urteils die Folge eines solchen. Solange aber eine
Vorinstanz nicht darüber entschieden hat, wie sie ein Urteil umsetzen wird,
kann ein Gericht – Ausnahmen wie Rechtsverzögerung und -verweigerung
A-1204/2014
Seite 7
vorbehalten – mangels eines Anfechtungsobjekts auch nicht über die Um-
setzung entscheiden. In diesem Sinn war es zum damaligen Zeitpunkt nicht
Sache des Bundesverwaltungsgerichts, über die Umsetzung des Urteils zu
entscheiden.
Vorliegend hat die ESTV nun aber darüber entschieden, wie sie mit den
Daten zu verfahren gedenkt. Es handelt sich nunmehr – wie bereits er-
wähnt – um eine datenschutzrechtliche Frage, zu deren Behandlung das
Bundesverwaltungsgericht zuständig ist (vgl. Art. 33 Abs. 1 DSG i.V.m.
Art. 31 VGG i.V.m. Art. 5 VwVG).
1.5 Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde gegen die Ver-
fügungen der ESTV vom 5. Februar 2014 ist einzutreten.
1.6 Den prozessualen Anträgen der Beschwerdeführenden hat die Instruk-
tionsrichterin mit Zwischenverfügung vom 12. März 2014 entsprochen
(Sachverhalt Bst. I).
2.
Die Beschwerdeführenden ersuchten die ESTV zunächst um Wiedererwä-
gung der Schlussverfügung vom 23. August 2013, eventualiter der Zwi-
schenverfügung vom 30. April 2013.
2.1 Nachdem das Bundesgericht ihre Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten gutgeheissen und das Bundesverwaltungsgericht ange-
wiesen hatte, auf die Beschwerde gegen die Schlussverfügung der ESTV
einzutreten (Sachverhalt Bst. J), hat das Bundesverwaltungsgericht die ur-
sprüngliche Beschwerde gutgeheissen und die Schlussverfügung vom 23.
August 2013 aufgehoben (Sachverhalt Bst. K). Weil die Schlussverfügung
somit nicht mehr existiert, kann sie auch nicht mehr in Wiedererwägung
gezogen werden. Das Wiedererwägungsgesuch der Beschwerdeführen-
den ist damit – wie diese selbst in ihrer Stellungnahme vom 8. August 2014
vorbringen – sowohl bezüglich Haupt- als auch Eventualantrag gegen-
standslos geworden.
2.2 Es gilt somit, über die Kostenfolge bezüglich dieses Teils des Verfah-
rens zu entscheiden.
Die Behandlung der Beschwerde bezüglich des Nichteintretensentscheids
hat für das Bundesverwaltungsgericht keinen erheblichen Aufwand verur-
sacht. Das Verfahren wurde mit Verfügung vom 12. März 2014 mit dem
A-1204/2014
Seite 8
Verfahren betreffend die Datenlöschung vereinigt und sogleich bis zur Ent-
scheidung des bundesgerichtlichen Verfahrens sistiert (Sachverhalt Bst. I).
Mit Verfügung vom 17. Juli 2014 wurde die Sistierung aufgehoben und den
Parteien Gelegenheit zur Stellungnahme zum weiteren Verfahrensablauf
gegeben (Sachverhalt Bst. L). Im vorliegenden Urteil füllt die entspre-
chende Erwägung keine halbe Seite (E. 2.1). Demzufolge kann unter dem
Blickwinkel von Art. 6 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR
173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten verzichtet werden.
3.
Es gilt somit, auf das Rechtsbegehren 2 der Beschwerdeführenden einzu-
gehen, welches sich auf die Verfügung vom 5. Februar 2014 betreffend
Datenlöschung bezieht.
3.1
3.1.1 Die Beschwerdeführenden verlangen die unverzügliche Vernichtung
von Personendaten und Bankunterlagen (und dass bis zur Vernichtung
jede weitere Datenbearbeitung unterlassen werde), allenfalls deren Rück-
gabe an die Bank Julius Bär bzw. deren Sperrung. Sie stützen sich dabei
auf das DSG und das auch dort zur Anwendung kommende Verhältnismäs-
sigkeitsprinzip. Ferner ziehen sie aus Art. 8 Abs. 2 StAhiG den Umkehr-
schluss, dass Personendaten, welche in Verletzung dieses Artikels gesam-
melt wurden, der Bank zurückzugeben sind. Sie machen geltend, die Er-
hebung und Aufbewahrung der Daten sei – aufgrund des ungenügenden
Amtshilfegesuchs – zu Unrecht erfolgt.
3.1.2 Die ESTV stellt sich in der angefochtenen Verfügung – die vor dem
Urteil des Bundesgerichts im Verfahren 2C_54/2015 ergangen ist – auf den
Standpunkt, das Urteil A-5390/2013 habe keine Auswirkungen auf das Ver-
fahren der Beschwerdeführenden und die Daten seien deshalb zu Recht
erhoben worden. Selbst wenn keine Amtshilfe geleistet würde, dürften die
Daten nicht vernichtet werden, sondern wären dem Bundesarchiv zur Auf-
bewahrung anzubieten. Dabei stützt sie sich auf Art. 6 Abs. 1 des Bundes-
gesetzes vom 26. Juni 1998 über die Archivierung (Archivierungsgesetz,
BGA, SR 152.1) und auf Art. 6 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 Bst. b und Art. 2 des
Regierungs- und Verwaltungsorganisationsgesetzes vom 21. März 1997
(RVOG, SR 172.010). Zudem ist die Vorinstanz der Meinung, aufgrund des
Devolutiveffekts und des Weiterzugs der Schlussverfügung vom 23. August
A-1204/2014
Seite 9
2013 ans Bundesverwaltungsgericht bzw. des Weiterzugs von dessen Ur-
teil ans Bundesgericht sei sie in der Sache nicht mehr zuständig, auch nicht
zur Behandlung des Begehrens um Datensperrung.
3.2 Im Folgenden ist zunächst die Anwendbarkeit des DSG zu prüfen
(E. 3.2). Ist dieses anwendbar, gilt es festzustellen, welches dessen rele-
vanten Bestimmungen sind (E. 3.3). Anschliessend sind die Bestimmun-
gen auf den konkreten Fall anzuwenden (E. 3.4).
3.2.1 Art. 2 Abs. 2 Bst. c DSG bestimmt, dass das DSG unter anderem
nicht auf Verfahren der internationalen Rechtshilfe sowie auf staats- und
verwaltungsrechtliche Verfahren anwendbar ist, mit Ausnahme erstinstanz-
licher Verwaltungsverfahren. Das Bundesverwaltungsgericht hielt seiner-
zeit dazu fest, dass diese Sonderregelung auf der Idee beruhe, dass in den
in Art. 2 Abs. 2 Bst. c DSG geregelten Bereichen der Persönlichkeitsschutz
durch spezialgesetzliche Verfahrensnormen hinreichend gesichert sei.
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts gelte dies für den Bereich
der Amtshilfe allerdings nicht im gleichen Masse. Die Amtshilfe könne dem-
nach diesbezüglich nicht einfach aus Praktikabilitätsgründen mit der inter-
nationalen Rechtshilfe in Zivil- und Strafsachen gleichgesetzt werden (BGE
126 II 126 E. 5a/aa zur Amtshilfe im Bereich des Börsenrechts). Die in je-
nen Verfahren anwendbaren Bestimmungen sahen keinen weitreichenden
Persönlichkeitsschutz vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss kam, das DSG sei im Bereich der Amtshilfe grundsätzlich anwend-
bar (statt vieler: Urteil des BVGer A-6242/2010 vom 11. Juli 2011 E. 10.2).
3.2.2 Im vorliegenden Verfahren gelten andere Rechtgrundlagen als jene,
aufgrund deren die eben erwähnten Urteile des Bundesverwaltungsge-
richts ergingen. Jenen lagen das Abkommen vom 19. August 2009 zwi-
schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und den Vereinigten Staa-
ten von Amerika über ein Amtshilfegesuch des Internal Revenue Service
der Vereinigten Staaten von Amerika betreffend UBS AG, einer nach
schweizerischem Recht errichteten Aktiengesellschaft (in der von der Bun-
desversammlung am 17. Juni 2010 genehmigten Fassung, SR
0.672.933.612) – wobei das DBA-USA 96 anwendbar war, soweit das Ab-
kommen keine abweichenden Bestimmungen enthielt (vgl. Urteil des
BVGer A-4013/2010 vom 15. Juli 2010 E. 6.2.2) – und die Verordnung vom
15. Juni 1998 zum schweizerisch-amerikanischen Doppelbesteuerungsab-
kommen vom 2. Oktober 1996 (SR 672.933.61) zugrunde, während im vor-
liegenden Verfahren das DBA-USA 96 in seiner ursprünglichen Fassung
sowie das StAhiG anwendbar sind. Das DBA-USA 96 enthält – soweit hier
A-1204/2014
Seite 10
interessierend – keine Datenschutzbestimmungen. Die Frage, wie mit den
– nun einmal – erhobenen Daten innerstaatlich umzugehen ist, beantwortet
sich mangels Bestimmungen im DBA-USA 96 somit einzig nach dem in-
nerstaatlichen Recht. Im StAhiG finden sich datenschutzrechtliche Bestim-
mungen. So ist insbesondere die Übermittlung von Informationen zu Per-
sonen, die nicht vom Ersuchen betroffen sind, unzulässig (Art. 4 Abs. 3
StAhiG). Es fragt sich daher, ob an der genannten Rechtsprechung, dass
das Datenschutzgesetz im Bereich der Amtshilfe grundsätzlich anwendbar
ist, festgehalten werden kann.
3.2.3 Die genannten Bestimmungen des StAhiG regeln den Datenschutz
in der Steueramtshilfe nur punktuell. Der so gewährte Schutz ist keinesfalls
umfassend. Insbesondere fehlen Bestimmungen, die auf die vorliegend ge-
stellten Fragen angewendet werden könnten, nämlich dazu, ob Daten wie
die vorliegenden aufzubewahren oder zu vernichten seien und, wenn auf-
zubewahren, durch wen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführen-
den kann aus Art. 8 Abs. 2 StAhiG nicht der Umkehrschluss gezogen wer-
den, dass zu Unrecht erhobene Daten den dort genannten Instituten wie-
der zurückzugeben seien; dieser Absatz befasst sich nur mit der Informati-
onsbeschaffung, nicht mit der Rückgabe von Daten. Die Beschwerdefüh-
renden selbst beziehen sich andernorts auf das DSG. Dieses enthält – im
Gegensatz zum StAhiG – Bestimmungen zu den von ihnen aufgeworfenen
Fragen. Ob das StAhiG oder das DSG vorgeht – entsprechend dem Grund-
satz, dass das DSG anderen Erlassen mit Datenschutzbestimmungen vor-
geht, es sei denn, diese enthielten strengere Bestimmungen (URS MAU-
RER-LAMBROU/SIMON KUNZ, in: Maurer-Lambrou/Blechta [Hrsg.], Basler
Kommentar, Datenschutzgesetz, Öffentlichkeitsgesetz, 3. Aufl. 2014
[nachfolgend: Kommentar DSG], Art. 2 DSG Rz. 2; vgl. auch BGE 128 II
311 E. 8.4) – muss vorliegend somit nicht geklärt werden. Dazu kommt,
dass das Amtshilfeverfahren als solches in dem Sinn abgeschlossen ist,
dass keine Amtshilfe gewährt wird (Sachverhalt Bst. J und K). Im konkreten
Fall stehen damit auch Einschränkungen, welche die Natur eines Amtshil-
feverfahrens beim Datenschutz allenfalls zulässt, nicht entgegen.
3.2.4 Schliesslich stellt sich die hier interessierende Frage in einem erstin-
stanzlichen Verwaltungsverfahren, weshalb das DSG aufgrund der doppel-
ten Ausnahmeklausel in Art. 2 Abs. 2 Bst. c DSG anwendbar ist.
3.2.5 Die anstehenden Fragen sind somit aufgrund des DSG zu beantwor-
ten.
A-1204/2014
Seite 11
3.3
3.3.1 Das DSG dient dem verfassungsrechtlichen Schutz der Privatsphäre
(vgl. Art. 1 DSG; FRANK SEETHALER, in: Kommentar DSG, vor Art. 1 DSG,
Entstehungsgeschichte des DSG, Rz. 12; RAINER J. SCHWEIZER, in: Die
Schweizerische Bundesverfassung, Kommentar, 2. Aufl., 2008, Art. 13
Abs. 2, Rz. 37). Personendaten bzw. «Daten» im Sinn des Datenschutzge-
setzes sind alle Angaben, die sich auf eine bestimmte oder bestimmbare
Person beziehen (Art. 3 Bst. a DSG; vgl. BGE 136 II 514 E. 3.2 mit Hinwei-
sen). Dabei kann es sich sowohl um Tatsachenfeststellungen als auch um
Werturteile handeln. Entscheidend ist, dass sich die Angaben einer oder
mehreren bestimmten Personen zuordnen lassen (vgl. GABOR P. BLECHTA,
in: Kommentar DSG, Art. 3 DSG Rz. 4).
«Bearbeiten» bedeutet laut Datenschutzgesetz jeder Umgang mit Perso-
nendaten, insbesondere das Beschaffen, Aufbewahren, Verwenden und
Bekanntgeben von Daten (Art. 3 Bst. e DSG).
3.3.2 Die Bearbeitung von Personendaten muss rechtmässig sein (Art. 4
Abs. 1 DSG). Organe des Bundes dürfen laut dem DSG Personendaten
bearbeiten und bekanntgeben, wenn dafür eine gesetzliche Grundlage be-
steht; besonders schützenswerte Personendaten dürfen sie nur dann be-
arbeiten, wenn ein Gesetz im formellen Sinn dies ausdrücklich vorsieht. Ist
dies nicht der Fall, muss entweder a) die Bearbeitung für eine in einem
formellen Gesetz klar umschriebene Aufgabe unentbehrlich sein oder b)
der Bundesrat die Bearbeitung bewilligt haben, weil die Rechte der be-
troffenen Personen nicht gefährdet sind, oder c) die betroffene Person im
Einzelfall eingewilligt oder ihre Daten allgemein zugänglich gemacht haben
(Art. 17 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 19 DSG; Urteil des BVGer B-3588/2014
vom 15. Oktober 2014 E. 6.5.1).
3.3.3 Unrechtmässig bearbeitete Personendaten sind gestützt auf Art. 4,
Art. 5 Abs. 1 und Art. 25 Abs. 3 Bst. a DSG zu vernichten. Ihrer Vernichtung
stehen die Archivierungsvorschriften des Bundes nicht entgegen. Art. 21
Abs. 1 DSG sieht nämlich lediglich vor, dass Bundesorgane dem Bun-
desarchiv in Übereinstimmung mit dem BGA alle Personendaten anzubie-
ten haben, die sie nicht mehr ständig benötigen (vgl. auch die entsprechen-
den Bestimmungen von Art. 6 und Art. 8 Abs. 1 BGA). Erfasst sind mit an-
deren Worten nur Personendaten, deren Bearbeitung bis anhin rechtmäs-
sig war, nicht aber Personendaten, deren Bearbeitung (Beschaffung) von
Anfang an widerrechtlich war (ROBERT BÜHLER, in: Kommentar DSG,
Art. 21 DSG Rz. 8; Urteil des BVGer A-6067/2008 vom 30. März 2009
A-1204/2014
Seite 12
E. 5.3; vgl. dazu auch Urteil des BGer 1A.6/2001 vom 2. Mai 2001 E. 2).
Allerdings prüft das Bundesarchiv selbst nicht, ob die Daten rechtmässig
erhoben wurden (BÜHLER, a.a.O., Art. 21 DSG Rz. 9).
3.3.4 Vernichtung von unrechtmässig bearbeiteten Daten bedeutet, dass
diese unwiederbringbar zerstört und irreversibel entfernt werden müssen
(BÜHLER, a.a.O., Art. 21 DSG Rz. 14). Bei Daten auf Papier ist dieses zu
schreddern oder zu verbrennen und es ist sicherzustellen, dass Dritte kei-
nen Zugang zu den «Relikten» erhalten (BÜHLER, Kommentar DSG Art. 21
DSG Rz. 15.). Schwieriger gestaltet sich die Datenzerstörung bei elektro-
nischen Daten. Hier ist nicht nur wesentlich, wie diese Daten bei der Be-
hörde gespeichert wurden, sondern bereits, wie die Behörde diese erhalten
hat. Wurden die Daten mittels einer CD oder eines USB-Sticks der Behörde
übermittelt, muss einerseits der Datenträger mittels Durchbohrung oder
Durchlochung unbrauchbar gemacht werden und andererseits sind alle Ko-
pien (inkl. sämtliche Back-ups) so zu behandeln, dass die Daten auch nicht
mehr lesbar gemacht werden können. Bei Daten, die der Behörde im An-
hang zu einer E-Mail übermittelt worden sind, müssen auch allfällige Zwi-
schenspeicherungen dieser E-Mail vernichtet werden. Da sich die Speiche-
rungstechnik laufend ändert, sind an die Vernichtung hohe Anforderungen
zu stellen. Übliche Löschbefehle oder eine reine Umformatierung stellen
kein Vernichten im datenschutzrechtlichen Sinn dar (BÜHLER, a.a.O.,
Art. 21 DSG Rz. 14), ebenso wenig die Sperrung von Zugangspasswör-
tern.
3.4 Im Folgenden ist somit in Bezug auf den vorliegenden Fall zuerst fest-
zustellen, ob die Daten rechtmässig erhoben wurden (E. 3.4.1) und je nach
Resultat, wie weiter zu verfahren ist (E. 3.4.2).
Vorauszuschicken bleibt, dass es sich bei den durch die ESTV bei der be-
troffenen Bank angeforderten Angaben um Daten im Sinn des DSG handelt
– bei einem Teil davon allenfalls sogar um besonders schützenswerte Per-
sonendaten nach Art. 3 Bst. c DSG – und dass auch das Aufbewahren von
Daten eine Bearbeitung im Sinn des DSG ist (E. 3.3.1).
3.4.1
3.4.1.1 Sowohl das DBA-USA 96 als auch das StAhiG sehen vor, dass im
Rahmen eines Amtshilfeverfahrens Daten über die betroffenen Personen
erhoben werden dürfen. Dies wird auch von den Beschwerdeführenden
nicht in Frage gestellt. Mit Art. 26 Ziff. 1 DBA-USA 96 besteht eine zumin-
A-1204/2014
Seite 13
dest implizite Grundlage zur Erhebung der Daten, denn Informationen (Da-
ten) können nur übermittelt werden, wenn sie zuvor erhoben wurden. Die
Datenerhebung ist damit für eine in einem formellen Gesetz – dem der
Staatsvertrag gleichgestellt ist – klar umschriebene Aufgabe unentbehrlich
(E. 3.3.2).
Eine explizite Grundlage für das Erheben der Daten findet sich überdies in
Art. 8 ff. StAhiG. Diese genügt den Anforderungen von Art. 17 Abs. 1 sowie
auch Abs. 2 DSG: Beim StAhiG handelt es sich um ein Gesetz im formellen
Sinn. Es besteht somit grundsätzlich eine genügende gesetzliche Grund-
lage für die Erhebung von Daten im Amtshilfeverfahren.
3.4.1.2 Selbst wenn an sich eine genügende gesetzliche Grundlage für die
Datenbearbeitung durch die ESTV vorgelegen hat, stellt sich weiter die
Frage, ob die Datenbearbeitung im konkreten Fall rechtmässig war. Art. 4
StAhiG mit der Überschrift «Grundsätze» sieht in Abs. 1 vor, dass Amtshilfe
ausschliesslich auf Ersuchen geleistet wird. In der Botschaft zum Erlass
eines Steueramtshilfegesetzes vom 6. Juli 2011 wird festgehalten, dass
diese Vorschrift unter anderem die spontane Amtshilfeleistung grundsätz-
lich ausschliesst (BBl 2011 6193 ff., 6204). Unter spontaner (internationa-
ler) Amtshilfe ist die Informationsübermittlung an ausländische Behörden
zu verstehen, die ohne oder ohne konkretes Ersuchen erfolgt (Urteile des
BVGer A-1606/2014 vom 7. Oktober 2014 E. 3.4.1 und A-3098/2014 vom
18. September 2014 E. 3.1). Die Anforderung, dass ein Ersuchen der aus-
ländischen Behörde vorliegen muss, erfüllt nicht jede beliebige Anfrage der
ausländischen Behörde, sondern nur ein Ersuchen, welches die rechtlich
vorgeschriebenen Voraussetzungen erfüllt.
Das Bundesverwaltungsgericht hat mit Urteil vom 7. Juli 2014 im Verfahren
A-3395/2014 festgestellt, dass auf das Amtshilfegesuch des IRS vom 17.
Juli 2013 nicht einzutreten sei (wobei auf die Begründung im Urteil
A-5390/2013 vom 6. Januar 2014 verwiesen wurde, im Wesentlichen da-
rauf, die im Indictment angeführten Sachverhalte würden den notwendigen
Tatbestand «Betrugsdelikte und dergleichen» nicht erfüllen und der im Ge-
such selber dargestellte Sachverhalt weise nicht denjenigen Detaillierungs-
grad auf, der bei Gruppenersuchen, welche diesen Tatbestand betreffen,
erforderlich sei; Urteil des BVGer A-3395/2014 vom 7. Juli 2014 E. c). Da-
mit fehlt es bezüglich der in jenem Verfahren erhobenen Daten an einem –
den gesetzlichen Anforderungen genügenden – Amtshilfegesuch. Weil das
StAhiG, wie gesagt, die spontane Amtshilfe ausschliesst, hat dies zur
Folge, dass die Erhebung dieser Daten widerrechtlich erfolgte.
A-1204/2014
Seite 14
3.4.1.3 Keine entscheidende Rolle spielt, dass die ESTV aufgrund ihrer da-
maligen Auslegung der gesetzlichen Bestimmungen und der Subsumption
zum Schluss kam, auf das Amtshilfegesuch sei einzutreten und dass aus
ihrer damaligen Sicht die Datenerhebung rechtmässig erfolgte. Aufgrund
des Konzepts des Gesetzes findet die gerichtliche Überprüfung des Ent-
scheids der ESTV, auf ein Amtshilfegesuch einzutreten, erst nach Erlass
der Schlussverfügung statt (vgl. Art. 19 Abs. 1 StAhiG). Diese Konstruktion
gereicht jedoch den Beschwerdeführenden rechtlich nicht zum Nachteil,
wäre doch schon vor der Datenerhebung nicht auf das Amtshilfegesuch
einzutreten gewesen und war die Datenbeschaffung somit im Augenblick,
als sie stattfand – als allfällige Daten von der Bank übermittelt wurden –
bereits widerrechtlich.
3.4.2 Weil die Daten unrechtmässig beschafft wurden, sind sie nach dem
zuvor Gesagten (E. 3.3.3) nicht dem Bundesarchiv anzubieten, sondern zu
vernichten. Vorliegend haben die Beschwerdeführenden einen entspre-
chenden Antrag gestellt. Dieser ist nach Art. 25 Abs. 3 Bst. a DSG zulässig
und somit gutzuheissen.
Was das Vorgehen bei der Vernichtung anbelangt, hat sich die ESTV an
die in E. 3.3.4 dargelegten Überlegungen zu halten, insbesondere sind bei
elektronischen Daten auch alle Back-ups so zu behandeln, dass nicht mehr
auf sie zugegriffen werden kann. Falls die Daten lediglich auf einer CD oder
einem USB-Stick gespeichert oder sogar in Papierform vorhanden sind –
was aber gemäss den Kenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts nicht
der Fall ist, hatte es doch selber online auf die Akten mittels eines Pass-
worts Zugriff –, spricht aus Sicht des Bundesverwaltungsgerichts nichts ge-
gen deren Rückgabe an die Bank.
3.4.3 Der Eventualantrag der Beschwerdeführenden auf Datensperrung ist
mit dem Urteil A-3395/2014 vom 7. Juli 2014 gegenstandslos geworden,
weil dadurch bereits entschieden wurde, dass dem IRS in Zusammenhang
mit dem Amtshilfeersuchen vom 17. April 2013 keine Daten der Beschwer-
deführenden übermittelt werden dürfen. Aus diesem Grund muss auch
nicht mehr auf die von den Parteien vorgebrachten Argumente zu den Aus-
wirkungen des Devolutiveffektes der ergriffenen Rechtsmittel auf die bean-
tragte Datensperre eingegangen werden.
3.5 In Bezug auf die datenschutzrechtliche Frage ist die Beschwerde somit
gutzuheissen, soweit sie nicht gegenstandslos geworden ist.
A-1204/2014
Seite 15
3.6 In diesem Punkt obsiegen die Beschwerdeführenden. Ihnen und der
Vorinstanz sind insoweit keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63
VwVG).
4.
Gesamthaft sind den Beschwerdeführenden weder im Zusammenhang mit
der Beschwerde gegen den Nichteintretensentscheid noch bezüglich der
datenschutzrechtlichen Fragen Kosten aufzuerlegen. Der Kostenvor-
schuss von Fr. 7'500.-- ist den Beschwerdeführenden nach Eintritt der
Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückzuerstatten. Die Beschwerde-
führenden werden gebeten, dem Bundesverwaltungsgericht eine Auszah-
lungsstelle bekannt zu geben.
5.
Den Beschwerdeführenden ist eine Parteientschädigung zuzusprechen
(Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 ff. VGKE). Diese wird auf Fr. 7'500.-- festge-
setzt.
6.
Was die Anfechtung dieses Entscheids anbelangt, ist nicht ausgeschlos-
sen, dass er ganz oder teilweise als Entscheid auf dem Gebiet der interna-
tionalen Amtshilfe in Steuersachen betrachtet wird. Ein solcher kann ge-
mäss Art. 83 Bst. h des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desgericht (BGG; SR 173.110) innerhalb von 10 Tagen nur dann mit Be-
schwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht
weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher
Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen beson-
ders bedeutenden Fall im Sinn von Art. 84 Abs. 2 BGG handelt (Art. 84a
und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Das Bundesgericht entscheidet, ob dies
der Fall ist.
Es entscheidet allenfalls auch, ob für sämtliche oder lediglich einige der
hier beurteilten Fragen die dreissigtägige Beschwerdefrist gemäss Art. 100
Abs. 1 BGG zur Anwendung gelangt.
Demnach verfügt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Betreffend Wiedererwägung wird das Verfahren zufolge Gegenstandslo-
sigkeit abgeschrieben.
A-1204/2014
Seite 16
2.
Betreffend Datenschutz wird die Beschwerde gutgeheissen, soweit sie
nicht gegenstandslos geworden ist. Die ESTV wird angewiesen, die Daten,
welche sie gestützt auf das Amtshilfegesuch des IRS vom 17. April 2013
betreffend die Beschwerdeführenden erhoben hat, umfassend zu vernich-
ten oder zurückzugeben.
3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. Der geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 7'500.-- wird den Beschwerdeführenden nach Eintritt der
Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet.
4.
Die Vorinstanz wird verpflichtet, den Beschwerdeführenden nach Eintritt
der Rechtskraft des vorliegenden Urteils eine Parteientschädigung in Höhe
von Fr. 7'500.-- zu bezahlen.
5.
Dieser Entscheid geht an:
– die Beschwerdeführenden (Gerichtsurkunde)
– die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)
Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.
Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:
Salome Zimmermann Susanne Raas
A-1204/2014
Seite 17