Decision ID: 92c43286-065e-4620-a905-827cafbae3fd
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
C._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Pia Trutmann Rüesch, Unterer Graben 1,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a C._ (Jg. 1976) wurde am 17. Juni 1994 zum Bezug von IV-Leistungen für
Erwachsene angemeldet. Sie absolvierte dann in einem geschützten Rahmen eine
erstmalige berufliche Ausbildung in der Form einer Anlehre zur Textilpflegerin.
Gleichzeitig unterzog sie sich einer psychotherapeutischen Behandlung. Gemäss
einem Bericht von Dr. med. A._ vom 14. Mai 1993 litt sie an einer Störung des
Sozialverhaltens und der Emotionen infolge psychischer und körperlicher
Traumatisierung. Mit einer Verfügung vom 12. Dezember 1997 sprach die IV-Stelle der
Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 69% eine ganze Invalidenrente zu. Zur
Ermittlung des Invaliditätsgrades hatte die IV-Stelle einem anhand statistischer
Angaben ermittelten Valideneinkommen von Fr. 50'800.- ein zumutbares
Invalideneinkommen als Textilpflegerin von lediglich Fr. 15'600.- gegenüber gestellt.
Sie war demnach von einer deutlich reduzierten Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin im erlernten Beruf ausgegangen, ohne dies aber medizinisch
belegt zu haben. Ab Januar 1998 arbeitete die Versicherte im Hotel B._, also
wiederum in einem geschützten Umfeld, in dem aber ein Leistungslohn ausgerichtet
wurde. Dieser belief sich gemäss einem Arbeitgeberbericht vom 21. Juli 1999 auf Fr.
809.50 (x13). Im Rahmen eines Rentenrevisionsverfahrens teilte das Hotel B._ am 12.
Oktober 2000 mit, der Lohn betrage seit September 1999 nur noch Fr. 647.60 (x13). Dr.
med. D._ berichtete der IV-Stelle am 1. Dezember 2000, die Versicherte leide an
einer beeinträchtigten Leistungsfähigkeit durch die bekannten sequentiellen
Traumatisierungen in der Kindheit. An der Stelle im Hotel B._ bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von 80%. Es bleibe mittelfristig abzuwarten, ob sich die Versicherte
stabilisieren könne, worauf dann eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit zu diskutieren
wäre. Die IV-Stelle ermittelte neu einen Invaliditätsgrad von 74%. Sie teilte der
Versicherten am 15. Juni 2001 mit, dass es bei der ganzen Rente bleibe.
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A.b Am 27. August 2004 erfuhr die IV-Stelle von der zuständigen Ausgleichskasse,
dass die Versicherte ein Kind geboren hatte. Die Versicherte teilte der IV-Stelle am
17. Februar 2005 telefonisch mit, dass sie vor der Geburt des Kindes zunächst zu
100% und dann zu 80% an einem geschützten Arbeitsplatz gearbeitet habe. Seit der
Geburt des Kindes sei sie nicht mehr erwerbstätig, denn es scheine ihr für das Kind
wichtig zu sein, dass sie für es da sei. Sie könne sich aber vorstellen, zu einem
späteren Zeitpunkt wieder zu arbeiten. Am 5. April 2005 teilte die Versicherte schriftlich
mit, dass sie seit dem 10. Mai 2004 nicht mehr arbeite, weil sie am 29. Mai 2004 Mutter
geworden sei. Wenn ihre Tochter älter sei, werde sie wieder arbeiten gehen. Am 3.
November 2005 erfolgte eine Haushaltabklärung. Im entsprechenden Bericht hielt die
Abklärungsperson fest, auch ohne die Behinderung ginge die Versicherte keiner
Erwerbstätigkeit mehr nach. Die Versicherte wolle zu 100% für ihr Kind da sein.
Gemäss ihren Angaben sei die Versicherte bei der Betätigung im eigenen Haushalt
nicht eingeschränkt. Die Abklärungsperson hielt im Bericht abschliessend fest, die
Versicherte sei neu als Hausfrau einzustufen. Da sie in dieser Tätigkeit voll arbeitsfähig
sei, sollte die Rente sofort eingestellt werden. Mit einer Verfügung vom 21. Februar
2006 wurde die laufende ganze Invalidenrente eingestellt. Die IV-Stelle begründete dies
mit der fehlenden Invalidität bei der Betätigung im eigenen Haushalt.
A.c In ihrer Einsprache vom 9. März 2006 machte die Versicherte geltend, sie sei
gezwungen, arbeiten zu gehen und den fehlenden Betrag zu erwirtschaften, wenn sie
keine Rente mehr erhalte. Das Einkommen ihres Ehemannes reiche nämlich nicht. Sie
habe zwar bei der Haushaltabklärung gesagt, dass sie lieber nicht arbeiten würde, um
ihre Tochter nicht in eine Kinderkrippe geben zu müssen. Das entspreche zwar ihrem
innersten Wunsch, aber die Realität sei, dass sie ohne die Rente sofort ein Einkommen
im freien Arbeitsmarkt erwirtschaften müsse. Im geschützten Arbeitsmarkt sei die
Suche einer Arbeitsstelle nur möglich, wenn sie eine Rente erhalte. Sie vermute, dass
eine Arbeit in der freien Wirtschaft bei ihr grossen Druck und Stress auslösen würde.
Den Haushalt habe sie mehr oder weniger im Griff, weil ihr dabei niemand einen Zeit-
oder Leistungsdruck auferlege. Am 29. März 2006 teilte die Versicherte ergänzend mit,
sie würde zu 60% einer Erwerbstätigkeit nachgehen, wenn sie gesund wäre. Sie müsse
Fr. 2500.- monatlich erwirtschaften, damit sie die Betreuung ihrer Tochter bezahlen
könne. Sie würde ihre Tochter während der Arbeitszeit bei einer Tagesmutter
unterbringen. Die IV-Stelle wies die Einsprache am 24. Oktober 2006 mit der
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Begründung ab, die Angaben der Versicherten anlässlich der Haushaltabklärung seien
als Aussagen der ersten Stunde überzeugender als die späteren Angaben. Es sei
deshalb nicht mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Versicherte
ohne die gesundheitliche Beeinträchtigung nach der Geburt des Kindes eine
Erwerbstätigkeit aufgenommen hätte. Im Haushalt bestehe keine Invalidität, so dass
die laufende ganze Invalidenrente revisionsweise aufgehoben werden müsse. Dieser
Einspracheentscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.
Die Versicherte füllte am 6. Juli 2007 erneut eine Anmeldung zum Bezug von IV-
Leistungen aus. Dabei gab sie u.a. an, sie sei seit dem 24. Mai 2007 geschieden. Das
psychiatrische Zentrum St. Gallen berichtete im Anmeldeformular, die Versicherte habe
mit dem Entzug der Rente keine Einkommensgrundlage mehr gehabt, weil sie von
ihrem Ehemann getrennt lebe. Sie habe eine 70%ige Anstellung im Reinigungsdienst
der Klinik E._ gefunden. Um den Lebensunterhalt finanzieren zu können, müsste sie
eigentlich zu 100% arbeiten. Aus gesundheitlichen Gründen wäre es jedoch sinnvoll,
das Arbeitspensum zu reduzieren. Die IV-Stelle forderte die Versicherte am 19. Juli
2007 auf, glaubhaft zu machen, dass sich der Invaliditätsgrad erheblich geändert habe.
Das psychiatrische Zentrum St. Gallen machte am 7. August 2007 geltend, die
Versicherte habe bereits letztes Jahr (2005) getrennt vom Ehemann gelebt und sich
deshalb gezwungen gesehen, aus wirtschaftlicher Notwendigkeit eine Erwerbstätigkeit
aufzunehmen. Seit dem 1. Juli 2006 arbeite die Versicherte im Reinigungsdienst der
Klinik E._. Bereits Mitte Juli 2006 sei die Versicherte von ihrem Hausarzt wegen
Zunahme der Angstsymptomatik und wegen einer psychosozialen
Überforderungssituation zur weiteren Behandlung und zur stützenden Betreuung
überwiesen worden. Es habe sich also schnell gezeigt, dass die Versicherte mit der
Doppelbelastung von Beruf und Kindererziehung überfordert sei. Das Risiko einer
Dekompensation sei hoch und die emotionale Instabilität zusammen mit der
verminderten Belastbarkeit gehe vor allem auf Kosten der kleinen Tochter. Die
Versicherte habe früher immer in einem geschützten Rahmen gearbeitet. Sie sei den
Stress in der freien Wirtschaft nicht gewohnt. Die Angstzustände, die
Stimmungsschwankungen und die Tendenz zu sozialem Rückzug verunmöglichten
Behördengänge und das Wahrnehmen von Terminen. Zur Bemessung der Invalidität
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dürfe nicht auf die Haushalttätigkeit abgestellt werden. Gemäss den monatlichen
Lohnabrechnungen belief sich der Bruttolohn bei einem Beschäftigungsgrad von 70%
auf Fr. 2478.-. Das die Versicherte behandelnde psychiatrische Zentrum St. Gallen
berichtete der IV-Stelle am 12. Oktober 2007, die Versicherte leide an einer
Anpassungsstörung mit vorwiegenden Beeinträchtigungen von anderen Gefühlen
(ICD-10 F43.23) infolge einer frühkindlichen psychischen und körperlichen
Traumatisierung. Sie stehe seit dem 9. August 2006 in einer integrativen ambulanten
psychiatrischen Behandlung. Die Zuweisung durch den Hausarzt sei wegen
allgemeiner Überforderung im Arbeits-, Wohn- und Sozialbereich und wegen einer
wiederholten depressiven Episode mit Angst, Stimmungstief, verminderter
Belastbarkeit, Konzentrationsstörungen, Hoffnungslosigkeit, Insuffizienzgefühlen,
Scham- und Schuldgefühlen, Minderwertigkeitsgefühlen und Schlafstörungen erfolgt.
Die Versicherte lebe vom Ehemann getrennt, sei Alleinerziehende und arbeite zu 60%
im Reinigungsdienst der Klinik E._. Vor dem Hintergrund aktueller psychosozialer
Belastungsfaktoren (alleinerziehend, Scheidung, finanzieller Druck) sowie aufgrund der
Traumatisierung in der Kindheit habe sich eine psychische Störung mit verminderter
Belastbarkeit, sozialem Rückzug, Schlafstörungen und Lebensmüdigkeit entwickelt.
Die aktuelle Situation habe ausserdem zu einer Verunsicherung des Selbstwertgefühls
mit entsprechend reaktivem depressivem Zustandsbild geführt. Die aktuelle psychische
Störung sei die Folge der Traumatisierung in der Kindheit und anderer psychosozialer
Belastungsfaktoren. Aus psychiatrischer Sicht bestehe längerfristig eine
Arbeitsunfähigkeit von 50%. Dr. med. F._ vom RAD hielt dazu am 9. Januar 2008
fest, die Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Zentrums St. Gallen sei im
Hinblick auf die beschriebene psychosoziale Belastungssituation durchaus
verständlich. Versicherungsmedizinisch sei aber konklusiv von einer Arbeitsfähigkeit in
der freien Wirtschaft von 70-80% auszugehen, was dem momentan geleisteten
Pensum entspreche. Der Spitalverband X._ gab am 24. April 2008 an, der Lohn der
Versicherten betrage seit Januar 2008 Fr. 32'832.80. Die Versicherte könne nicht mehr
allein eingesetzt werden, d.h. sie sei nicht mehr flexibel. Sie habe Mühe im Umgang mit
psychisch kranken Menschen. Sie falle oft aus, und andere Mitarbeiter müssten für sie
einspringen. Die Planung sei sehr schwierig.
C.
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Die IV-Stelle verglich den am bestehenden Arbeitsplatz bei einem Beschäftigungsgrad
von 100% erzielbaren Lohn mit dem bei einem Beschäftigungsgrad von 70% effektiv
erzielten Lohn, so dass ein Invaliditätsgrad von 30% resultieren musste. Am 5. Mai
2008 erging der entsprechende Vorbescheid. Der Spitalverband X._ teilte der IV-
Stelle am 2. Juni 2008 mit, der Lohn von Fr. 2525.- entspreche nicht der Leistung der
Versicherten. Deren effektive Leistung betrage maximal 50%, was einem Lohn von Fr.
1262.50 entspreche. Das psychiatrische Zentrum St. Gallen berichtete am 31. Juli
2008, die Versicherte leide an einer Anpassungsstörung mit depressiver Störung
gemischt (ICD-10 F41.2), chronifizierter Zustand bei andauernder psychosozialer
Belastungssituation. Als Mitarbeiterin des Reinigungsdienstes der Klinik E._ sei die
Versicherte bis auf weiteres zu 50% arbeitsunfähig. Ihr Zustand sei stationär. Die
Prognose sei eher ungünstig. Einerseits sei die Versicherte kaum introspektionsfähig
und sie weise sehr geringe Bewältigungsmöglichkeiten auf. Andererseits handle es sich
um eine langdauernde therapeutisch schlecht beeinflussbare psychosoziale
Belastungssituation. Wegen depressiver Verstimmung, emotionaler Instabilität,
Nervosität, Schlafstörungen und Ängsten bestehe eine stark verminderte Belastbarkeit.
Die Versicherte leide unter ausgeprägten Scham- und Schuldgefühlen und sie ziehe
sich von sozialen Kontakten zurück. Dieses Vermeidungsverhalten sei Teil der
psychischen Störung. Weiter leide die Versicherte unter Konzentrationsstörungen,
Kopfschmerzen und chronischer Müdigkeit. Die bisherige Tätigkeit sei ca. 4 Std. täglich
zumutbar. Dabei bestehe eine um 10-20% verminderte Leistungsfähigkeit. Dr. med.
G._ vom RAD hielt dazu am 20. August 2008 fest, die Diagnose einer depressiven
Störung könne nicht gestellt werden. Psychosoziale Problemkreise dürften aus
versicherungsmedizinischer Sicht nicht in die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
einbezogen werden. Deshalb bestehe aus versicherungsmedizinischer Sicht eine
Arbeitsfähigkeit von 70-80%, auch wenn die Arbeitsfähigkeit von 50% medizinisch
durchaus plausibel sei. Mit einer Verfügung vom 22. August 2008 wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren der Versicherten ab. Sie begründete dies mit einem Invaliditätsgrad
von 30%.
D.
Die Versicherte liess am 18. September 2008 Beschwerde erheben und beantragen,
die Verfügung vom 22. August 2008 sei aufzuheben und es sei eine Rente im gesetzlich
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vorgesehenen Umfang zuzusprechen; ausserdem sie ihr die unentgeltliche
Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu bewilligen. Zur Begründung machte ihre
Rechtsvertreterin insbesondere geltend, der Grund für die Aufhebung der ganzen
Rente habe nicht in einer Verbesserung des Gesundheitszustandes, sondern darin
bestanden, dass sie Mutter geworden sei und unbedacht angegeben habe, sie würde
vorerst keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen. Durch die Aufhebung der Rente sei
sie in Existenzängste geraten und habe sich deshalb entschlossen, erstmals in ihrem
Leben eine Stelle auf dem freien Arbeitsmarkt anzunehmen. Als Mitarbeiterin im
Hausdienst mit einem Pensum von 70% habe sie sich in einer permanenten
Überlastungs- und Überforderungssituation befunden. Deshalb habe sie ab 18.
November 2007 zu 50% krankgeschrieben werden müssen. Der vom Arbeitgeber
angegebene, der Leistung entsprechende Lohn von Fr. 15'150.- sei als zumutbares
Invalideneinkommen anzurechnen, was einen Invaliditätsgrad von 67,7% ergebe. Die
IV-Stelle verkenne mit dem Verweis auf die psychosozialen Probleme die
Grundproblematik, die bereits seit Jahren eine massive Behinderung darstelle. Gemäss
einem Bericht von Dr. med. H._ an die Rechtsvertreterin vom 15. September 2008
hatte sich das psychopathologische Zustandsbild seit 2006 verschlechtert. Dr. med.
H._ hatte weiter angegeben, nebst den psychosozialen Belastungsfaktoren spiele
auch die frühkindliche Traumatisierung eine wichtige Rolle für das aktuelle
psychopathologische Zustandsbild. Immer häufiger und intensiver imponierten
depressive Einbrüche, panikartige Angstzustände und eine emotionale Labilität
einhergehend mit einer deutlich reduzierten Leistungsfähigkeit. Die Versicherte sei nur
noch in der Lage, 4 Std. täglich zu arbeiten. Da ein heterogenes, komplexes und
chronifiziertes Störungsbild vorliege, würde sich der Gesundheitszustand nicht ändern,
wenn die psychosoziale Belastungssituation wegfiele.
E.
Die IV-Stelle beantragte am 6. November 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie
führte aus, psychosoziale Faktoren wie die Scheidung etc. könnten bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht berücksichtigt werden. Dr. med. H._ mache
widersprüchliche Angaben, wenn er einerseits auf die psychosozialen
Belastungsfaktoren hinweise und andererseits einen Einfluss dieser Faktoren auf die
Arbeitsfähigkeit verneine. Schliesse man die psychosozialen Faktoren aus, sei eine
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Arbeitsfähigkeit von 70% ausgewiesen, denn diese Faktoren seien mit 20% zu
gewichten.
F.
Die Versicherte liess am 15. Januar 2009 einwenden, die IV-Stelle verkenne die
Auswirkungen der seit Jahren chronifizierten Beeinträchtigung auf die Arbeitsfähigkeit.
Der Gesundheitszustand sei seit 1997 unverändert. Nur die Mutterschaft habe zur
Aufhebung der Rente geführt. Die von der IV-Stelle vorgenommene rückwirkende
theoretische Spaltung der psychosozialen Faktoren vom chronifizierten Störungsbild
und der Quantifizierung mit 20% sei medizinisch nicht ausgewiesen. Massgebend sei
die festgestellte Arbeitsfähigkeit von 4 Std. täglich, wobei eine zusätzliche
Leistungsminderung vorliege. Massgebend sei nicht der bezahlte Lohn, sondern der
Leistungslohn. Im Übrigen sei mit einer Kündigung durch den jetzigen Arbeitgeber zu
rechnen.
G.
Die IV-Stelle verzichtete am 3. Februar 2009 auf eine materielle Stellungnahme.

Erwägungen:
1.
Die am 12. Dezember 1997 zugesprochene ganze Invalidenrente ist mit einem
rechtskräftigen Einspracheentscheid vom 24. Oktober 2006 revisionsweise aufgehoben
worden. Beim neuen Rentengesuch vom 6. Juli 2007 handelt es sich somit um eine
Neuanmeldung im Sinne von Art. 87 Abs. 4 IVV. Laut dieser Verfahrensbestimmung
wird eine Neuanmeldung nur geprüft, wenn glaubhaft gemacht wird, dass sich der
Invaliditätsgrad in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise geändert hat. Die
Aufhebung der ganzen Rente ist nicht aufgrund einer Veränderung des
Gesundheitszustandes und damit einer Reduktion des Arbeitsfähigkeitsgrades,
sondern aufgrund einer Veränderung der Lebensumstände der Beschwerdeführerin
erfolgt. Diese Veränderung des Lebensumstände (früher im hypothetischen
"Gesundheitsfall vollerwerbstätig, jetzt nur im Aufgabenbereich Haushalt tätig) hat
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Anlass zu einem Wechsel der Methode der Invaliditätsbemessung geboten. Nach dem
an die Stelle des Einkommensvergleichs getretenen Betätigungsvergleich hat der
Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin nicht mehr 74%, sondern 0% betragen. Der
Neuanmeldung vom 6. Juli 2007 ist erneut eine Veränderung der Lebensumstände
vorausgegangen. Die Beschwerdeführerin hat sich nämlich scheiden lassen. Da der
Ehemann der Beschwerdeführerin schon früher ein sehr tiefes Erwerbseinkommen
erzielt hat, ist davon auszugehen, dass er keine oder nur geringe Unterhaltsleistungen
erbringt. Die Beschwerdeführerin wäre also im hypothetischen "Gesundheitsfall" auf
den Lohn aus einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit angewiesen, um nicht
sozialhilfeabhängig zu werden, denn der Lohn wäre neben allfälligen
Unterhaltsleistungen ihre einzige Einnahmenquelle. Das bedeutet, dass ein erneuter
Wechsel der Bemessungsmethode notwendig ist. An die Stelle des
Betätigungsvergleichs im Haushalt tritt wieder der Einkommensvergleich. Dieser wird
aufgrund der nach wie vor bestehenden Arbeitsunfähigkeit auf jeden Fall zu einer
Erhöhung des Invaliditätsgrades auf mehr als 0% führen. Es besteht die Möglichkeit,
dass daraus wieder ein Rentenanspruch resultieren wird. Damit ist eine erhebliche
Veränderung im Sinne des Art. 87 Abs. 4 IVV glaubhaft gemacht. Die
Beschwerdegegnerin ist also zu Recht auf die Neuanmeldung eingetreten.
2.
2.1 Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das eine versicherte Person nach dem
Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
zu setzen zum Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn
sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Das Valideneinkommen bemisst
sich also nach der hypothetischen beruflichen Karriere einer versicherten Person im
fiktiven "Gesundheitsfall". In der Regel besteht diese Validenkarriere aus der
hypothetischen Karriere im erlernten Beruf. Das kann im Fall der Beschwerdeführerin
nicht richtig sein, denn die Beschwerdeführerin hätte nicht die Anlehre als
Textilpflegerin absolviert, wenn sie nicht bereits krank gewesen wäre. Der Beruf der
Textilpflegerin bestimmt also möglicherweise die Invalidenkarriere, aber auf keinen Fall
die Validenkarriere. Welchen Beruf die Beschwerdeführerin erlernt hätte, wenn sie nicht
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krank gewesen wäre, lässt sich nicht, zumindest nicht mit der notwendigen
Wahrscheinlichkeit ermitteln. In dieser Situation sieht Art. 26 Abs. 1 IVV – wohl in
Umgehung der materiellen Beweislastverteilung bei Beweislosigkeit – vor, dass das
Valideneinkommen dem Medianwert gemäss der Lohnstrukturerhebung des
Bundesamtes für Statistik zu entsprechen habe. Die Gesetzmässigkeit des Art. 26 Abs.
1 IVV ist vom Bundesgericht noch nie in Frage gestellt worden. Es ist also davon
auszugehen, dass es sich um eine trotz der materiellen Beweislastverteilung zulässige
Vermutung handelt, die allerdings im Einzelfall widerlegbar sein, beispielsweise wenn
mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden kann, dass eine
versicherte Person einen Beruf erlernt hätte, bei dessen Ausübung sie mehr als den
Medianwert verdienen könnte. Im vorliegenden Fall ist auf die in Art. 26 Abs. 1 IVV
enthaltene Vermutung abzustellen. Das Valideneinkommen entspricht aufgrund des
Alters der Beschwerdeführerin also dem Medianwert für 2008. Dieser beläuft sich auf
Fr. 74'000.-. Die Beschwerdegegnerin hat stattdessen denjenigen Lohn als
Valideneinkommen betrachtet, den die Beschwerdeführerin an ihrem jetzigen
Arbeitsplatz erzielen könnte, wenn sie zu 100% arbeitsfähig wäre, nämlich Fr. 46'904.-.
Dabei hat sie übersehen, dass ein Anwendungsfall von Art. 26 Abs. 1 IVV vorliegt. Die
angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtswidrig, weil bei der Ermittlung
des Invaliditätsgrades auf ein falsches Valideneinkommen abgestellt worden ist.
2.2 Die Beschwerdeführerin hat den Beruf der Textilpflegerin erlernt. Auch wenn sie
diesen Beruf nie ausgeübt hat, wäre er doch weiterhin geeignet und zumutbar. Die
Beschwerdeführerin ist nach dem Abschluss der Berufsausbildung in einem
geschützten Rahmen als Hilfskraft in einem Hotelbetrieb tätig gewesen, bis sie sich
wegen der Geburt des Kindes aus dem Erwerbsleben zurückgezogen hat. Später hat
sie erstmals eine Arbeitsstelle in der freien Wirtschaft, im Reinigungsdienst einer [...]
Klinik angenommen. Würde man zur Bestimmung der Invalidenkarriere nur auf die
berufliche Ausbildung und auf die beruflichen Erfahrungen abstellen, wäre die aktuelle
Tätigkeit im Reinigungsdienst durchaus geeignet, d.h. der gesundheitlichen
Beeinträchtigung adaptiert. Trotzdem bestimmt die konkret ausgeübte Tätigkeit –
entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin - nicht die Invalidenkarriere der
Beschwerdeführerin. Der Arbeitgeber hat nämlich in seinem Bericht vom 24. April 2008
angegeben, die Beschwerdeführerin habe Mühe mit psychisch kranken Menschen.
Angesichts der Natur der Gesundheitsbeeinträchtigung ist das durchaus plausibel. Da
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nicht auszuschliessen ist, dass die bestehende Arbeitsumgebung die psychosoziale
Belastung verstärkt und so dazu beiträgt, die Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin zu erhalten oder längerfristig sogar zu verstärken, muss der
konkrete Arbeitsplatz als ungeeignet qualifiziert werden. Demnach bestimmt sich die
Invalidenkarriere nicht nach dem konkreten Arbeitsplatz im Reinigungsdienst der Klinik
E._, sondern nach einem adaptierten Arbeitsplatz entweder als Textilpflegerin oder
als Hilfskraft. Es ist davon auszugehen, dass es der Beschwerdeführerin zumutbar ist,
an einem Arbeitsplatz der freien Wirtschaft tätig zu sein, falls die Arbeit die
gesundheitlichen Probleme nicht akzentuiert (also beispielsweise wenig Kontakt mit
Fremden erfordert, keinen Stress verursacht, auch mit eingeschränkter
Konzentrationsfähigkeit problemlos ausgefüllt werden kann). Die Invalidenkarriere der
Beschwerdeführerin ist somit eine Tätigkeit als Textilpflegerin oder als Hilfsarbeiterin an
einem adaptierten Arbeitsplatz.
2.3
2.3.1 Dr. med. H._ vom psychiatrischen Zentrum St. Gallen hat am 12. Oktober 2007
eine Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 50% angegeben. Er hat dies mit dem
Vorliegen einer Anpassungsstörung begründet. Die Ursache dieser Störung hat er in
der psychischen und körperlichen Traumatisierung in der Kindheit und in
psychosozialen Faktoren gesehen. Dr. med. F._ vom RAD hat am 9. Januar 2008 die
Auffassung vertreten, die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. H._ sei zwar
medizinisch plausibel, versicherungsmedizinisch könne aber nur eine
Arbeitsunfähigkeit von 20-30% berücksichtigt werden. Am 31. Juli 2008 hat Dr. med.
H._ vom psychiatrischen Zentrum St. Gallen als Diagnose eine Anpassungsstörung
mit depressiver Störung gemischt, chronifizierter Zustand bei andauernder
psychosozialer Belastungssituation, angegeben. Er hat darauf hingewiesen, dass die
Beschwerdeführerin mit der Doppelbelastung als Erwerbstätige und als
alleinerziehende Mutter stark überfordert sei. Es liege eine langdauernde, therapeutisch
schlecht beeinflussbare psychosoziale Belastungssituation vor. Die Arbeitsunfähigkeit
betrage 50%. Dr. med. G._ vom RAD hat am 20. August 2008 erklärt, weshalb nach
seiner Auffassung aus versicherungsmedizinischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit von
50%, sondern nur eine solche von 20-30% angenommen werden könne:
Psychosoziale Problemkreise dürften nicht in die Arbeitsfähigkeitsschätzung
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einbezogen werden. Dr. med. H._ hat am 15. September 2008 auf einer
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von lediglich 50% beharrt. Er hat erneut
darauf hingewiesen, dass neben der frühkindlichen Traumatisierung auch die
psychosozialen Faktoren eine wichtige Rolle für das psychopathologische Zustandsbild
spielten. Die psychosoziale Belastungssituation habe teilweise Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit. Diese würde sich aber nicht verändern, wenn keine psychosoziale
Belastungssituation mehr bestehen würde. Dr. med. G._ vom RAD hat darin am 7.
Oktober 2008 einen Widerspruch gesehen, weil sich die psychosozialen Faktoren auf
die Arbeitsfähigkeit auswirkten oder eben nicht. Wenn man den Einfluss der
psychosozialen Faktoren abziehe, sei die vom RAD bescheinigte Arbeitsfähigkeit von
70% nachvollziehbar. Tatsächlich beruht die vom RAD vertretene Auffassung, die sich
angeblich auf versicherungsmedizinische Vorgaben stützt, auf einem Irrtum darüber,
wie bei der Arbeitsfähigkeitsschätzungen mit psychosozialen Belastungsfaktoren
umzugehen ist. Führt eine psychische Krankheit zu einer Arbeitsunfähigkeit und
bestehen daneben psychosoziale Belastungsfaktoren, welche die krankheitsbedingte
Arbeitsunfähigkeit noch erhöhen, so ist versicherungsmedizinisch tatsächlich nur die
tiefere, allein durch die psychische Krankheit bewirkte Arbeitsunfähigkeit zu
berücksichtigen. Die Ausführungen von Dr. med. H._ lassen aber darauf schliessen,
dass keine derartige Konstellation vorliegt. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die
psychosozialen Faktoren zusammen mit den frühkindlichen Traumatisierungen eine
Krankheit verursacht haben, die sich inzwischen chronifiziert hat. Hier sind die
psychosozialen Faktoren also eine Mitursache der die Arbeitsunfähigkeit auslösenden
Krankheit und nicht direkt die Ursache der Arbeitsunfähigkeit. Die psychische Krankheit
allein bewirkt nach der Auffassung von Dr. med. H._ die Arbeitsunfähigkeit von 50%.
Deshalb kann kein durch die psychosozialen Faktoren allein bewirkter Anteil an der
Arbeitsunfähigkeit ausgeschieden werden, weil versicherungsrechtlich nur das
Bestehen der Krankheit und die daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit massgebend
sind. Die Ursache der Krankheit ist irrelevant. Dr. med. H._ hat also keine
widersprüchlichen Angaben gemacht, indem er einen rein indirekten Einfluss (als
Mitursache der Anpassungsstörung) der psychosozialen Faktoren auf die
Arbeitsfähigkeit bejaht und gleichzeitig angegeben hat, bei einem Wegfall der
psychosozialen Faktoren würde sich nichts an der Arbeitsunfähigkeit ändern. Eine
chronifizierte Krankheit bleibt nämlich in ihrem Ausmass und in ihrer Schwere
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unverändert, wenn eine der Krankheitsursachen wegfällt. Da die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des RAD (70-80%) also auf einem Irrtum darüber beruht,
wie versicherungsmedizinisch mit den konkreten psychosozialen Faktoren als
Mitursache einer Krankheit umzugehen ist, erweist sich die Arbeitsfähigkeitsschätzung
von Dr. med. H._ als die überzeugendere.
2.3.2 Das bedeutet aber nicht, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. H._
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit richtig und damit der Bemessung des
zumutbaren Invalideneinkommens zugrunde zu legen wäre. Es handelt sich nämlich um
die Arbeitsfähigkeitsschätzung eines behandelnden Arztes. Auch wenn dieser Umstand
für den RAD offenbar nicht von Belang gewesen ist, muss doch dem Umstand
Rechnung getragen werden, dass behandelnde Ärzte aufgrund ihrer vertraglichen und
persönlichen Beziehung zu ihrem Patienten, dem Leistungsansprecher, nicht als
unabhängige Experten qualifiziert werden können. Ihre Angaben zur Arbeitsfähigkeit,
gelegentlich sogar zur Diagnose, sind die Aussagen einer Auskunftsperson. Hinzu
kommt, dass diese Arbeitsfähigkeitsschätzungen in aller Regel aus rein therapeutischer
Sicht (was dient der Behandlung?) abgegeben werden und dass es sich oft um
Patienten handelt, die ihre subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung seit längerer Zeit
beklagt und im Alltag auch demonstriert haben, während die Therapie erfolglos
geblieben ist. Diese Umstände führen dazu, dass eine natürliche Vermutung gegen eine
unabhängige und objektive Bewertung der Arbeitsfähigkeit durch den behandelnden
Arzt spricht. Deshalb kann der Arbeitsfähigkeitsschätzung behandelnder Ärzte in aller
Regel kein ausreichender Beweiswert beigemessen werden. Diese natürliche
Vermutung kann nur dadurch widerlegt werden, dass der behandelnde Arzt die
Unabhängigkeit und Objektivität seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung klar ausweist. Dies
setzt voraus, dass sich der behandelnde Arzt mit erkennbarer objektiver Distanz zu
seinem Patienten äussert, dass er sich detailliert mit den Gründen für seine erfolglosen
Therapiebemühungen auseinandersetzt und dabei die subjektive Selbsteinschätzung
seines Patienten offenlegt und objektiv analysiert, dass er sich insbesondere auch mit
der Frage befasst, ob es dem Patienten bei Aufwendung der objektiv zumutbaren
Willensanstrengung möglich wäre, die subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung
teilweise oder sogar vollumfänglich zu überwinden usw. Die Ausführungen von Dr.
med. H._ zur Begründung der behaupteten Arbeitsunfähigkeit von lediglich 50%
lassen keine ausgeprägte Unabhängigkeit und Objektivität erkennen. Insbesondere
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fehlt die unbedingt notwendige Auseinandersetzung mit der Frage, ob die
Beschwerdeführerin auch mit einer zumutbaren Willensanstrengung nicht mehr als
50% leisten könnten. Als weiterer Mangel der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med.
H._ erweist sich die Bezugnahme auf die konkret ausgeübte Erwerbstätigkeit in einer
[...] Klinik. Dabei dürfte es sich nämlich um eine angesichts der Natur der
Gesundheitsbeeinträchtigung ungeeignete Erwerbstätigkeit handeln. Es ist durchaus
denkbar, dass der häufige Kontakt mit psychisch kranken Menschen für die
Beschwerdeführerin eine erhebliche psychische Belastung darstellt, so dass an diesem
Arbeitsplatz tatsächlich eine psychosoziale Belastungssituation besteht, welche die
durch die Krankheit allein bewirkte Arbeitsunfähigkeit noch erhöht. Mit einem Wechsel
des Arbeitsplatzes könnte eine derartige zusätzliche Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit sofort beseitigt werden. Die für die Bemessung des zumutbaren
Invalideneinkommens ausschlaggebende Arbeitsfähigkeit muss sich auf eine
bestmöglich adaptierte Tätigkeit beziehen, sofern es der versicherten Person möglich
wäre, auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt eine solche Tätigkeit zu
finden. Die Beschwerdeführerin wäre ohne weiteres in der Lage, eine Hilfsarbeit
auszuüben, bei der sie nicht mit kranken Menschen oder sogar mit wenigen Menschen
in Kontakt käme und bei der sie ohne äusseren Druck und mit der Möglichkeit der
selbständigen Arbeitseinteilung tätig sein könnte. Es ist zu erwarten, dass ihre
Arbeitsfähigkeit an einem solchen Hilfsarbeitsplatz höher wäre als an der konkreten
Stelle im Reinigungsdienst der Klinik E._. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr med.
H._ ist somit nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit richtig. Erst recht muss das für die Arbeitsfähigkeitsschätzung des
RAD gelten, denn diese beruht nicht auf eigenen Untersuchungen, sondern nur auf der
- modifizierten - Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. H._. Da die zur Bemessung
des zumutbaren Invalideneinkommens notwendige Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin nicht bekannt ist, kann der Einkommensvergleich nicht zu Ende
geführt werden. Der massgebende Sachverhalt erweist sich als unzureichend
abgeklärt. Da die angefochtene Verfügung in Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes ergangen ist, muss sie als rechtswidrig qualifiziert und
aufgehoben werden. Die Beschwerdegegnerin wird die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in einer dem Ausbildungsniveau und dem Gesundheitszustand
angepassten Erwerbstätigkeit ermitteln und anschliessend das zumutbare
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Invalideneinkommen und damit auch den Invaliditätsgrad anhand des oben
vorgegebenen Valideneinkommens bestimmen. Sollte sich dabei ein Invaliditätsgrad
ergeben, der die Grenze von 40% (Art. 28 Abs. 2 IVG) erreicht, wird die
Beschwerdegegnerin zunächst zu prüfen haben, ob eine weitere medizinische oder
berufliche Eingliederung der Beschwerdeführerin möglich ist und ob damit eine
Verminderung des durch den Einkommensvergleich ermittelten Invaliditätsgrades
erreicht werden kann ("Eingliederung vor Rente", vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar,
2.A., Vorbemerkungen N. 47). Gegebenenfalls wird sie diese
Eingliederungsmassnahmen, notfalls unter Androhung einer Sanktion, durchführen.
Anschliessend wird sie neu über das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin
verfügen.
3.
Entsprechend den vorstehenden Ausführungen ist die angefochtene Verfügung
aufzuheben und die Sache ist zur weiteren Abklärung des Sachverhalts,
gegebenenfalls zur Eingliederung und schliesslich zur neuen Verfügung über das
Rentenbegehren der Beschwerdeführerin, an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Bei diesem Verfahrensausgang ist praxisgemäss von einem
vollumfänglichen Obsiegen der Beschwerdeführerin auszugehen. Die
Beschwerdeführerin hat deshalb einen Anspruch auf eine volle Parteientschädigung.
Diese bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit
des Prozesses. Unter Berücksichtigung dieser Kriterien erscheint eine
Parteientschädigung von Fr. 3500.- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen. Die vollumfänglich unterliegende Beschwerdegegnerin hat die Kosten
des Verfahrens zu tragen. Diese bemessen sich nach dem Verfahrensaufwand. Dieser
rechtfertigt eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-. Bei dieser Regelung der Kosten der
Vertretung und des Verfahrens erweist sich das eventualiter gestellte und bewilligte
Gesuch um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
Rechtsverbeiständung als gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG
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