Decision ID: cf309222-a78b-4721-9aa2-26ae8071fb95
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1977 geborene
X._
hat in ihrer Heimat Kosovo nach Abschluss des Gymnasiums keinen Beruf erlernt. Im Jahr 2003 reiste sie in die Schweiz ein.
Sie ist verheiratet und
arbeitete
zuletzt
zu 100
%
als Servic
e
angestellte im
Hotel
Y._
(
Urk.
10/1
,
Urk.
10/8
,
Urk.
10/43
).
Am 2
2.
April 2014 meldete sie sich unter Hinweis auf eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit seit
1.
Januar 2014 wegen chronischer Schmerzen panvertebral
,
einem
Sjögren
-
Syndrom
und einer Depres
sion bei
der
Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
10/1
; vgl. auch
Urk.
10/14/1
). Nachdem der Arbeitgeber der Versicherten per 3
1.
Mai 2014 ge
kündigt hatte (
Urk.
10/8/1
,
Urk.
10/8/7
),
leitete
die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
Frühinterventionsmassnahmen ein
(
Urk.
10/10
) und
kam für die Kosten eines Deutschkurses vom 1
8.
August bis 1
2.
September 2014 sowie
die Kosten für eine
Arbeitsvermittlung durch eine externe Firm
a
auf
(
Urk.
10/25,
Urk.
10/35
,
Urk.
10/39-41
,
Urk.
10/45
; vgl. auch
Urk.
10/44
).
Diese Massnahmen wurden am 2
3.
Februar 2015
in
Absprache
mit der
Versicherten unter anderem
wegen ihrer ungenügenden Deutschkenntnisse
abgebrochen (
Urk.
10/48,
Urk.
10/49/2,
Urk.
10/49/6).
1.2
In der Folge holte die IV-Stelle Verlaufsberichte der behandelnden Ärzte ein (
Urk.
10/53,
Urk.
10/63,
Urk.
10/68
,
Urk.
10/71,
Urk.
10/75,
Urk.
10/80
)
. A
n
schliessend
liess
s
ie die Versicherte, welche am 1
2.
März 2016 ein Kind zur Welt gebracht hatte (
Urk.
10/79),
bidisziplinär
rheumatologisch-psychiatrisch begut
achten
(
Urk.
10/84-86).
Laut dem
Gutachten vom
8.
April 2017
von Prof.
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie,
sowie vom 2
9.
April 2017
von
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für
Innere Medizin und Rheu
matologie
(
Urk.
10/88,
Urk.
10/
93-94), war die Versicherte in einer leichten behinderungsangepassten
Tätigkeit nie für längere Zeit a
rbeitsunfähig. Gestützt darauf ermittelte die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von 0
%
(
Urk.
10/97-98
) und stellte der Versicherten mit Vorbescheid vom
7.
Juni 2017 die Verneinung eines Rentenanspruchs in Aussicht (
Urk.
10/99).
N
ach d
urchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(
Urk.
10/101,
Urk.
10/105
,
Urk.
10/110,
Urk.
10
/
113-114)
verfügte
die IV-Stelle
am
2.
Oktober 2017 im
an
ge
kündig
ten Sinn
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
3.
November 2017 Beschwerde und beantragte, es sei das Verfahren an die IV-Stelle zurückzuweisen, eventuell sei ihr
gestützt auf ein rheumatologisches Gerichtsgutachten eine Teilrente
zuzu
sprechen
.
Zudem sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und es sei ihr in der Person von Rechtsanwältin Pia Dennler-Hager eine unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen (
Urk.
1
/1
S.
2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Dezem
ber 2017 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9).
Mit Verfügung vom 1
8.
Januar 2018 gewährte das Gericht der Beschwer
de
führerin die unentgeltliche Prozessführung und bestellte ihr Rechtsanwältin Pia Dennler-Hager als unentgeltliche Rechtsvertreterin (
Urk.
14).
Auf
die
Vorbringen
der Parteien und
die
eingereichten Unterlagen wird,
soweit
für
die
Entscheidfindung
erforderlich, nachfolgend eingegangen
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1
.1
Die IV-Stelle begründete die
Abweisung des Rentenbegehrens in der ange
foch
tenen Verfügung damit,
gestützt auf das beweiskräftige medizinische Gutachten sei eine seit Oktober 2013 bestehende gesundheitliche Einschränkung ausge
wiesen. Aus ärztlicher Sicht könne die Beschwerdeführerin aber trotzdem leichte wechselbelastende Tätigkeiten ohne das Heben, Tragen und Transportieren von Lasten über 10 kg und ohne grosse Temperaturschwankungen zu 100
%
ausüben. Aufgrund der Zahlen im IK-Auszug betrage das hypothetische
Validenein
kommen
für das Jahr 2014
Fr.
50'683.6
5.
Beim Invalideneinkommen von
Fr.
53'793.
-- rechtfertige sich die Vornahme eines leidensbedingten Abzugs nicht, da sämtliche gesundheitlichen Beschwerden bereits im medizinischen Belast
bar
keitsprofil berücksichtigt worden seien und die Tatsache, dass die Beschwerde
führerin als Ausländerin weniger Lohn beziehe, nicht IV-relevant sei
. Beim resul
tierenden Invaliditätsgrad von 0
%
bestehe kein Anspruch auf eine Rente
(
Urk.
2; vgl. auch
Urk.
9).
1
.2
Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt
, die Sache sei nicht
ent
scheidreif
und deshalb an die IV-Stelle zur weiteren Abklärung des
medizinischen
Sachverhalts zurückzuweisen
.
Zunächst
argumentiert sie,
die IV-Stelle habe sich mit dem im
Einwandverfahren
eingereichten Bericht der behandelnden Ärztin
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie,
vom 1
8.
April 2017 in der Begründung der angefochtenen Ver
fügung nicht aus
ein
andergesetzt.
Dadurch werde
ihr rechtliches Gehör verletzt. D
er Bericht sei
für die Beurteilung ihres Rentenanspruchs
bedeutsam, da darin
aufgezeigt
werde
, dass das Grundleiden nach Ansicht der Rheumatologen mit stärksten Medik
a
menten behandelt werden sollte
(
Urk.
1 S. 3
und 41
).
2
.
2.1
Nach Art. 42 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
siche
rungsrechts (ATSG) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör.
Zum Anspruch
auf rechtliches Gehör, wie er neben der expliziten gesetzlichen Rege
lung in Art. 42 ATSG auch in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV) garantiert wird (vgl. BGE 124 V 180 E. 1a),
gehört
das Recht der versicherten Person, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1). Der Gehörsanspruch verpflichtet die Behörde, die Vorbringen der betrof
fenen Person auch tatsächlich zu hören, zu prüfen und in der
Entscheidfindung
zu berücksichtigen, weshalb sie ihren Entscheid zu begründen hat (BGE 134 I 83 E. 4.1). Die Pflicht der Behörde, ihre Verfügungen – sofern sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 ATSG) – zu begründen, bezweckt insbesondere, die betroffene Person in die Lage zu versetzen, eine Ver
fügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten zu können (BGE 124 V 180 E. 1a, vgl. auch BGE 134 I 83 E. 4.1 mit Hinweisen).
Um den verfassungsrechtlichen Anforderungen zu genügen, muss die Begrün
dung wenigstens kurz die Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde bei ihrem Entscheid hat leiten lassen und auf die sich der Entscheid stützt. Aus der Begründung muss jedenfalls ersichtlich werden, ob und warum die Behörde ein Vorbringen einer Partei für unzutreffend beziehungsweise unerheblich hält. Es muss erkennbar sein, ob die Behörde es überhaupt in Betracht gezogen hat. Sie darf sich nicht auf den Hinweis beschränken, die Überlegungen der versicherten Person seien zur Kenntnis genommen und geprüft worden (
Kieser
,
ATSG
-Kom
mentar, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2015, N 56 zu Art. 49, mit Hinweis auf BGE 124 V 180).
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Daher führt dessen Verletzung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung
des angefochtenen Entscheids. Vorbehalten bleiben praxisgemäss Fälle, in denen die Verletzung des Begründungsrechts nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die Partei, deren rechtliches Gehör verletzt wurde, sich vor einer Instanz äussern kann, welche sowohl Tat- als auch Rechts
fragen uneingeschränkt überprüft. Von einer Rückweisung der Sache zur Gewäh
rung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltung ist im Sinne einer Heilung des Mangels selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförder
lichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweisen).
2.2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4).
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkei
t im Aufgabenbereich auszuüben
(Art. 59 Abs. 2
bis
des
Bundesge
setz
es
ü
ber die Invalidenversicherung [I
VG
]
)
.
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zu
sam
menzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei wider
sprüch
lichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medi
zinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
3
.
3
.1
In der
bidisziplinären
Zusammenfassung des rheumatologisch-psychiatrischen Gutachtens von
Dr.
A._
und
Dr.
Z._
vom 2
9.
April 2017 werden
fol
gende
Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
erwähnt: Ein primäres
Sjögren
-Synd
r
om mit
Sicca
-Symptomatik
sowie einem sekundären
fibromyalgi
formen
Schmerzsyndrom bei deutlich erhöhten
antinukleären
Antikörpern mit Nachweis von SSA- und SSB-Antikörpern, ohne Nachweis von
Mirkoangio
pa
thien
in der Kapillar-Mikroskopie sowie
ab Dezember 2016
unter Basistherapie
mit
Methotrexat
stehend
. Die Beschwerdeführerin sei wegen dem primären
Sjögren
-Syndrom nur in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit
unter Ver
meidung grosser Temperaturschwankungen sowie
ohne
Kälte- und Nässeex
posi
tion zu 100
%
arbeitsfähig (
Urk.
10/94).
Ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit waren laut den Gutachtern die psychiatrischen Diagnosen (anamnestisch zu diagnostizierende chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie eine gegenwärtig remittierte depressive Episode [
Urk.
10/88/55]).
Den beiden Teilgutachten ist sodann zu entnehmen,
dass die
Gutachter
die von der Beschwerdeführer
in
geklagten, praktisch im ganzen Körper auftretenden starken Schmerzen
aufgrund ihrer Untersuchungsbefunde
nur t
eilweise erklär
en
konnten
und die Beurteilung durch das verschlossene und widersprüchliche Ver
halten der
Explorandin
erschwert wurde
. Der psychiatrische Gutachter konnte wegen ihrer Weigerung, zu belastenden Erlebnissen Auskunft zu erteilen, die Standardindikatoren nicht abschliessend prüfen und deshalb auch keine Aussage zur Überwindbarkeit der Schmerzen machen
. Da die Beschwerdeführerin ange
geben hatte, die Einnahme des Schmerzmittels Tramadol in letzter Zeit vergessen zu haben, nahm die rheumatologische Gutachterin
Dr.
A._
an, das
s
sich die
Beschwerden gebessert hätten
(
Urk.
10/88/44-45,
Urk.
10/88/47
,
Urk.
10/88/51-5
5,
Urk.
10/93/55-57)
.
3.2
Mit dem Einwand vom
2
4.
August
2017 kritisierte die Beschwerdeführerin
die ihr im
Gutachten der
Dres
.
Z._
und
A._
attestierte vollständige Arbeits
fähigkeit in angepassten Tätigkeiten (
Urk.
10/105/3 ff. und
Urk.
10/105/31)
und
reichte
der IV-Stelle
zur Untermauerung ihrer
Argumentation
den aktuellen Ver
laufsbericht der behandelnden Rheumatologin
Dr.
B._
vom 1
8.
April 2017 ein (
Urk.
10/106/1-2; vgl. auch
Urk.
10/105/17).
Laut dem Bericht von
Dr.
B._
hatten sich die Gelenkschmerzen, die Weichteilschmerzen sowie die Müdigkeit und Erschöpfung der Beschwerde
füh
rerin nach gut dreimonatiger Behandlung mit
Methotrexat
20 mg subkutan nicht
verbessert. Aktuell stünden vor allem Schulter-/Nackenschmerzen im Vor
der
grund
sowie
generalisierte Schmerzen mit Betonung der Finger- und Hand
gelenke und der Ellenbogengelenke. Sie empfehle die
Beurteilung der Problematik in der
C._
mit der Bitte um einen Therapie
vorschlag.
Ihrer Meinung nach sei die Weiterbehandlung mittels
Mabthera
-Infu
sionen im Off-Label-
Use
prüfenswert
(
Urk.
10/106/1-2).
3
.3
In der a
ngefochtenen Verfügung führte die IV-Stelle zu den Einwänden der Beschwerdeführerin gegen die
gutachterliche
Beurteilung
der
Arbeitsfähigkeit
F
olgendes aus:
«Das Gutachten ist umfassend, berücksichtigt die gesamte Aktenlage, sowie sämtliche Beschwerden und Symptome der Kunden und beruht auf eigene
n
Untersuchungen. Das Gutachten ist insgesamt schlüssig und nachvollziehbar und in seinen Feststellungen plausibel. Es wird weiterhin darauf
abgestützt.»
4
.
4
.1
Die in der Verfügung gewählte Formulierung wirkt formelhaft und ist derart abstrakt, dass daraus nicht
erschlossen werden kann
, ob sich die IV-Stelle mit den Einwänden der Beschwerdeführerin gegen das Gutachten und mit dem ein
gereichten Verlaufsbericht der behandelnden Rheumatologin
Dr.
B._
konkret befasst hat. Die angefochtene Verfügung genügt damit den Anforde
rungen an eine
rechtsgenügliche
Begründung nicht.
Unter diesen Umständen
war die
Beschwerdeführerin
gezwungen, beim Sozial
ver
sicherungsgericht Beschwerde zu erheben, um eine einlässlich
e
Stellungnahme
zu ihren Einwänden gegen die gutachterliche Beurteilung und den in diesem Zusammenhang eingereichten Beweismitteln zu erhalten. Abgesehen davon, dass ihr dadurch eine Instanz verloren
geht
, erweist sich dies mit Blick auf die Kosten
pflicht des Beschwerdeverfahrens
(Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) als
nicht haltbar
.
Sodann
unterliess es die Beschwerdegegnerin in der Folge auch, diese Gehörsverletzung durch eine entsprechende Stellungnahme in der Beschwerdeantwort zu heilen (Urk. 9).
4
.2
Zusätzlich ist
F
olgendes zu
b
eachten:
Laut medizinischen Studien liegt die Prävalenz einer abnormen Erschöpfung und Müdigkeit bei Personen mit primä
rem
Sjögren
-Syndro
m bei 70
%
. I
n einer Studie
zeigte sich
, dass 37
%
dieser Pati
enten an einer Depression litten. Ferner leiden 40-75
%
der
Sjögren
-Patienten unter Gelenkschmerzen ohne nachweisbare Gelenkentzündung
. Bei 33
%
der Patienten wurden Myalgien und bei 47 bis 55
%
Fibromyalgie festgestellt
(
vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Sjögren-Syndrom
).
Solche Symptome sind grund
sätz
lich schwierig zu beweisen. Vorliegend kommt hinzu, dass die Beschwer
deführerin sich während der gutachterlichen Untersuchungen verschlossen und widersprüchlich verhielt, was eine Einschätzung ihrer beruflichen Leistungs
fähig
keit weiter erschwerte.
Die Beschwerdeführerin wurde von den Gu
tachtern
Z._
und
A._
am
6.
u
nd 1
0.
April 2017 untersucht (
Urk.
10/88/2,
Urk.
10/93/1)
. Der Bericht der behandelnden Rheumatologin
Dr.
B._
datiert vom 1
8.
April 2017 und behandelt die Konsultationen bis
7.
April 2017 (
Urk.
10/106).
D
ie Befunder
hebung der drei Ärzte
erfolgte
zumindest teilweise praktisch gleichzeitig. Der Bericht von
Dr.
B._
kann so verstanden werden, dass sie die von der Beschwerdeführerin geklagten starken Schmerzen als glaubhaft einstufte und
deshalb sämtliche Behandlungsoptionen auszuschöpfen versuchte.
Insofern wi
der
spricht ihr Bericht der gutachterlichen Beurteilung, welche von weniger schweren Schmerzen ausg
eht
.
Da die Gutachter ausdrücklich auf die für sie schwierige
und nicht abschliessend mögliche
Beurteilung der Beschwerdesymptomatik hinwiesen, hätte die IV-Stelle den Bericht von
Dr.
B._
einer
fachlich gleichermassen spezialisierten Arzt
person
des Regionalen Ärztlichen Dienstes vorlegen müssen
. Eine fachärzt
liche Stellungnahme, ob mit dem Bericht von
Dr.
B._
erhebliche
weitere
medizinische Tatsachen vorliegen, fehlt
bisher in den Akten (vgl. 10/114).
Von Bedeutung ist dieser Umstand insbesondere, da zum
Sjögren
-Syndrom typi
scherweise Symptome zu zählen sind, die unter Umständen nicht weiter objek
tivierbar sind, namentlich die erwähnten Gelenkschmerzen ohne nachweis
bare Gelenkentzündung. Inwiefern dem im Rahmen der rheumatologischen Unter
su
chung Rechnung getragen wurde, lässt sich dem Gutachten nicht entnehmen (vgl. Urk. 10/93/55 ff.). Somit ist festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin ihrer Abklä
rungspflicht nicht in ausreichendem Mass nachgekommen ist.
4
.3
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin einerseits das recht
liche Gehör im Abklärungsverfahren nicht gewährt hat. Andererseits hat sie ihre Pflicht zur Abklärung des
entscheiderheblichen
Sachverhalts nicht hinreichend erfüllt. In dieser Konstellation ist
die Sache an
sie
zurückzuweisen, damit
sie
die mit dem Einwand eingereichten neuen medizinischen Berichte einem kompe
ten
ten Facharzt des RAD zur versicherungsmedizinischen Würdigung vorlege und gegebenenfalls weitere Abklärungen tätige und hernach unter Wahrung des Anspruchs der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör über den Leistungs
an
spruch der Beschwerdeführerin erneut verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerd
e gutzuheissen.
5
.
5
.1
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von
Fr.
600.-- zulasten der unter
liegenden
IV-Stelle
(Art.
69
Abs.
1
bis
IVG)
.
5
.2
Nach
§
34
Abs.
1
des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach Einsicht in die Honorarnote von Rechtsanwältin Pia Dennler vom 3
0.
Novem
ber 2018 (
Urk.
16) ist der Beschwerdeführerin eine Parteient
schädi
gung in Höhe von
Fr.
1'487.40 (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zuzusprechen.
Diese
hat sie direkt der Rechtsvertreterin auszubezahlen.