Decision ID: 5ab247c0-a678-4df9-9724-b33bed268bf3
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o Procap Schweiz, Frohburg
strasse 4, Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich im März 2009 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, seit 2007 an Depressionen zu leiden.
Der behandelnde Arzt, med. pract. B._, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie
und -psychotherapie FMH, hatte der Versicherten am 20. März 2009 eine seit
mindestens anfangs Dezember 2008 bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert
(IV-act. 3). In einem ersten Telefongespräch mit einer Ärztin des Regionalen Ärztlichen
Dienstes Ostschweiz (RAD) gab er an, die Versicherte leide an einer schweren
depressiven Episode (ICD-10: F32.2). Sie befinde sich in ambulanter
fachpsychiatrischer Behandlung (mit Antidepressiva); der Gesundheitszustand sei
instabil. Die Versicherte habe wiederholt Suizidgedanken. Anamnestisch habe sie
bereits seit zwei Jahren schwere depressive Episoden. Aus Scham, Angst und der
Hoffnung, es selbst bewältigen zu können, habe sie aber damals noch keinen Arzt
aufgesucht (IV-act. 14).
A.b Vom 9. bis 26. November 2009 war die Versicherte in der Psychiatrischen Klinik
C._ hospitalisiert (IV-act. 33-2). Dort wurde ihr eine schwere depressive Episode mit
fraglichen psychotischen Symptomen (ICD-10: F32.3) und Störungen durch Sedativa
oder Hypnotika: Abhängigkeitssyndrom (F13.2) diagnostiziert. Die Versicherte befinde
sich in einem sehr depressiven Zustand mit immer wieder auftretenden suizidalen
Gedanken und fraglichen psychotischen Symptomen. Die Ärzte hielten einen
fortdauernden Aufenthalt in der Klinik oder eine Weiterbehandlung in der
Psychiatrischen Tagesklinik für angezeigt. Eine weitere psychiatrisch/
psychotherapeutische Behandlung sei dringend zu empfehlen. Als Übergangslösung
sei die psychiatrische Spitex organisiert worden.
A.c Vom 8. März bis 21. Mai 2010 erfolgte eine teilstationäre Behandlung in der Psy
chiatrischen Tagesklinik D._ (IV-act. 37). Die behandelnden Ärzte teilten mit, die
Versicherte leide an einem depressiven Zustandsbild mit Erschöpfung, rascher
Ermüdbarkeit, Antriebsmangel, Freudlosigkeit und z.T. Hoffnungslosigkeit,
Energieverlust und geringer Belastbarkeit. Falls durch das Weiterführen der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
medikamentösen und psychiatrischen Behandlung eine deutliche Verbesserung der
depressiven Symptomatikerreicht werden sollte, könne zumindest mit einem teilweisen
Wiedererlangen der Arbeitsfähigkeit gerechnet werden. Die Versicherte wünsche sich
wieder eine Arbeit, aktuell glaube sie jedoch nicht, dass dies möglich sein werde. Diese
Hoffnungslosigkeit sei als Symptom der Depression zu interpretieren (IV-act. 37-2). Bei
Austritt habe weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100% bestanden (vgl. dazu auch
der Austrittsbericht, act. 70-8).
A.d Am 4. Oktober 2010 wurde der Versicherten mitgeteilt, dass aufgrund ihres
Gesundheitszustandes aktuell keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich
seien (IV-act. 41).
A.e Am 16. und 18. Mai 2011 wurde die Versicherte in der MEDAS Ostschweiz poly
disziplinär begutachtet (IV-act. 55). Der psychiatrische Sachverständige, Dr. med.
E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hielt fest, zum Unter
suchungszeitpunkt habe eine mittelgradige- / bis zum Teil schwere depressive
Symptomatik im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung mit deutlichen
Stimmungsschwankungen, deutlicher Antriebsminderung, innerer Unruhe,
Selbstzweifeln, Mutlosigkeit, vermehrter Erschöpfbarkeit, verminderter Ausdauer, zum
Teil Ängsten und auch Schlafstörungen festgestellt werden können. Für das Vorliegen
einer psychotischen Symptomatik hätten sich keine ausreichenden Hinweise gefunden
(IV-act. 55-8). Der psychiatrische Gutachter stellte folgende Diagnosen:
"- Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig bis schwere depressive
Episode ohne psychotische Symptomatik (ICD-10: F33.2)
- Akzentuierte Persönlichkeitszüge mit histrionischen, abhängigen und emotional
instabilen Anteilen (ICD-10: Z73.1)."
Seit Dezember 2008 sei bei instabilem Gesundheitszustand von einer
Arbeitsunfähigkeit zwischen 50-100% auszugehen. Bei aktuell weiterhin instabilem
Gesundheitszustand sei die Arbeitsfähigkeit auch in einer adaptierten Tätigkeit derzeit
hochgradig herabgesetzt (bei 70-100%). Eine Behandlung im Rahmen der
Schadenminderungspflicht sei aus psychiatrischer Sicht zumutbar. Der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
rheumatologische Gutachter stellte bei normaler Wirbelsäulenstatik, normalem
Bewegungsausmass der Halswirbelsäule und frei beweglichen Gelenken, eine
generalisierte tendomyotische Druckempfindlichkeit fest (IV-act. 55-6). Dieses
unspezifische myofasziale Schmerzsyndrom habe keine Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit. Die Gutachter empfahlen eine Nachbegutachtung nach durchgeführter
stationärer und anschliessend fortgeführter ambulanter psychotherapeutischer
Behandlung inkl. Optimierung der Psychopharmakotherapie in etwa sechs bis
neun Monaten (IV-act. 55-14).
A.f Vom 7. Juni bis 1. Juli 2011 wurde die Versicherte auf der Kurzzeittherapiestation
des Psychiatrischen Zentrums D._ stationär behandelt (IV-act. 67). Es wurde der
Verdacht auf eine paranoide Schizophrenie (ICD-10: F20.0) geäussert. Die Versicherte
habe von bedrohlichen Stimmen berichtet. Sie sehe auch schreckliche Bilder. Die Ärzte
hielten fest, der Antrieb sei stark vermindert, der Affekt deprimiert mit beeinträchtigtem
Vitalgefühl. Die Versicherte sei wenig schwingungsfähig. Es bestehe ein deutlicher
sozialer Rückzug. Die Versicherte leide an Durchschlafstörungen mit Alpträumen. Die
Ärzte empfahlen dringend einen weiteren stationären Aufenthalt mit medikamentöser
Einstellung. Die Versicherte sei gegen ärztlichen Rat auf eigenen Wunsch ausgetreten.
Bei Austritt habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden.
A.g Am 22. Juli 2011 wurde die Versicherte auf ihre Mitwirkungs- und
Schadenminderungspflicht hingewiesen (IV-act. 57). Sie habe sich einer 8-12 wöchigen
stationären psychiatrischen Behandlung mit nachfolgender weiterer ambulanter
Behandlung zu unterziehen.
A.h Vom 3. August bis 2. September 2011 war die Versicherte erneut im
Psychiatrischen Zentrum D._ hospitalisiert (IV-act. 62). Die Ärzte berichteten, bei
Eintritt seien die bedrohlichen, imperativen Stimmen weiterhin sehr einschränkend
gewesen. Schwerpunkt der Behandlung sei die Fortführung und Umstellung der
antipsychotischen Medikation gewesen. Unter der Medikation mit Seroquel habe sich
eine langsame Verbesserung des Stimmenhörens eingestellt. Bei Austritt sei die
Versicherte aber weiterhin in einem reduzierten Allgemeinzustand gewesen. Das
Stimmenhören sowie die teilweise auch optischen Halluzinationen hätten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
fortbestanden. Sie habe sich in einer depressiven Stimmungslage befunden. Die
Arbeitsunfähigkeit habe bei 100% gelegen.
A.i Am 22. Februar 2012 berichtete med. pract. B._, trotz der stationären
Behandlungen habe sich am Gesundheitszustand nichts geändert. Die Symptomatik –
schwer depressiv und psychotisch – sei nach wie vor gleich. Die Versicherte sei nicht
mehr in der Lage ihren Alltag alleine zu bewältigen. Sie werde mit grosser
Wahrscheinlichkeit zu 100% arbeitsunfähig bleiben. Die Behandlung habe zusammen
mit der medikamentösen Therapie das Ziel, ein labiles Gleichgewicht aufrecht zu
erhalten und eine akute Suizidalität zu verhindern (IV-act. 70-3).
A.j Der RAD ordnete daraufhin eine Verlaufsbegutachtung bei Dr. E._ an (IV-act. 71),
die am 12. Juli 2012 durchgeführt wurde (IV-act. 75). In seinem Verlaufsgutachten hielt
Dr. E._ fest, das als einziges nicht zur depressiven Symptomatik passende Symptom
des Stimmenhörens, habe aus gutachterlicher Sicht bei der aktuellen Untersuchung
nicht im eigentlichen Sinne psychotisch gewirkt. Auch weitere schizophrene Symptome
hätten nicht festgestellt werden können. Aus gutachterlicher Sicht könne die Diagnose
einer paranoiden Schizophrenie deshalb nicht bestätigt werden. Insbesondere
histrionische Persönlichkeitszüge könnten erfahrungsgemäss zu sehr dramatischen,
vielgestaltigen Beschwerdeschilderungen über etwaige Krankheitssymptome führen.
Die aktuell vorliegende psychische, depressive Symptomatik stelle sich als gebessert
bzw. bei adäquater insbesondere konsequenter Behandlung als voraussichtlich noch
weiter besserungsfähig dar. Eine weitere konsequente und intensive Fortführung der
ambulanten psychiatrischen Behandlung sei unbedingt zu empfehlen. Die Versicherte
zeige auch verschiedene gute Ressourcen. Sie sei in der Lage, den Haushalt mit
gewisser Unterstützung zu bewältigen. Sie pflege wenige, aber intensive Kontakte und
kümmere sich um ihre Söhne. Derzeit würden in etwa mittelgradige Einschränkungen
der Aufmerksamkeit, der Ausdauer und der Konzentrationsfähigkeit bestehen. Zudem
seien die Stress- und Frustrationstoleranz sowie die Konfliktfähigkeit vermindert und
das Abgrenzungsvermögen etwas eingeschränkt. In der angestammten Tätigkeit sowie
adaptiert bestehe aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von ca. 50% mit
noch möglicher weiterer Besserungstendenz (IV-act. 75-15).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.k Der RAD-Arzt war der Ansicht, das Gutachten sei insgesamt vollständig und kon
sistent, womit darauf abgestellt werden könne. Die Versicherte sei als Raumpflegerin
zu 50% arbeitsfähig (IV-act. 76).
A.l In einer internen Notiz vom 1. Oktober 2012 hielt der Rechtsdienst fest, Z-Codie
rungen werde keine invalidisierende Wirkung zugebilligt. Die diagnostizierte
mittelgradige depressive Episode / depressive Störung leite sich aus einer ganzen
Reihe von psychosozialen Belastungsfaktoren ab. Rechtsprechungsgemäss könne
somit die depressive Störung nicht als invalidisierend anerkannt werden. Im Übrigen
aggraviere die Versicherte und es werde eine Rentenbegehrlichkeit erwähnt. Gestützt
auf die Aktenlage sei ein Rentenanspruch nicht ausgewiesen (IV-act. 77).
Dementsprechende kündigte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 24. Oktober 2012 an,
sie werde das Rentengesuch der Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 0%
ablehnen (IV-act. 80).
A.m Am 26. November 2012 erhob die procap St. Gallen-Appenzell für die Versicherte
Einwand (IV-act. 83). Es wurde die Zusprache von beruflichen Massnahmen und einer
Teilrente beantragt. Der psychiatrische Gutachter habe in beiden Gutachten eine
50-100%ige Arbeitsunfähigkeit seit Dezember 2008 attestiert. Es sei nicht
nachvollziehbar, wieso die IV-Stelle die medizinischen Fakten nicht akzeptiere, obwohl
die beiden Gutachten unter Berücksichtigung der Rechtsprechung erstellt worden
seien. Der Gutachter habe ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Schätzung der
Arbeitsunfähigkeit alleine auf IV-relevanten Faktoren basiere.
A.n Mit Verfügung vom 30. November 2012 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid
(IV-act. 85).
B.
B.a Am 21. Januar 2013 erhob der Rechtsvertreter der Versicherten Beschwerde und
stellte den Antrag, die Verfügung vom 30. November 2012 sei aufzuheben und der
Beschwerdeführerin sei eine Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die
Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(act. G 1). Zur Begründung führte er an, der Gutachter habe der Beschwerdeführerin für
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die Zeit zwischen 2008 und 2011 eine schwankende Arbeitsunfähigkeit von 50%-100%
attestiert. Ab September 2011 liege eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vor. Der RAD habe
das Gutachten bestätigt und festgehalten, dass ein stabiler Gesundheitszustand bei
einer Arbeitsfähigkeit von 50% vorliege. Die Diagnose einer Depression mittelgradigen
bis schweren Ausmasses, die grundsätzlich Anspruch auf eine Invalidenrente geben
würde, sei durch diverse psychiatrische Spezialisten festgestellt worden. Der
Rechtsdienst habe sich dann in seiner kurzen Begründung ohne weitere Überprüfung
auf den Standpunkt gestellt, dass es sich vorliegend um eine Diagnose handle, die
nicht zu einer Rente berechtige. Es handle sich vorliegend aber weder um eine
somatoforme Schmerzstörung noch um eine Fibromyalgie, sondern klarerweise um
eine Depression mittelschweren- bis schweren Ausmasses. Dass im Gutachten auch
psychosoziale Faktoren erwähnt würden, führe nicht dazu, dass es sich nicht um eine
rentenbegründende Invalidität handle. Die Beschwerdegegnerin habe wiederholt
weitere Abklärungen getätigt und der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Rente
ab Beginn der Arbeitsunfähigkeit sei gar nicht geprüft worden.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 21. Februar 2013 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte
sie an, vorliegend seien praktisch ausschliesslich psychosoziale Umstände
auszumachen. Es sei offensichtlich, dass die Beschwerdeführerin nicht mehr gedenke,
ins Erwerbsleben einzusteigen, zumal sie einen zu grossen Schuldenberg abzutragen
habe. Es bestehe ein deutlicher sekundärer Krankheitsgewinn und eine zu einem guten
Teil über Verdeutlichungstendenzen hinausgehende Tendenz zu Aggravation sowie ein
dysfunktionales Krankheits- und Vermeidungsverhalten, das von den
Familienangehörigen unterstützt bzw. akzeptiert werde. Hier sei auch das im Gutachten
erwähnte Wetteifern der Schwestern um eine Rente zu erwähnen. Beruhe die
Leistungseinschränkung auf Aggravation oder ähnlichen Konstellationen, liege
regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor. Z-Codierungen fielen nicht
unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheitsschadens und mittelschwere
psychische Störungen gälten als therapeutisch angehbar. Der Gutachter habe
festgehalten, dass bei adäquater und konsequenter Behandlung von einer
Verbesserung ausgegangen werden könne. Die Beschwerdeführerin lege aber eine
ambivalente Therapiemotivation an den Tag.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.c Am 6. März 2013 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege entsprochen (act. G 7).
B.d Mit Replik vom 22. April 2013 machte der Rechtsvertreter geltend, die psychoso
zialen Faktoren würden die psychiatrische Diagnose nicht in einem wesentlichen
Ausmasse mitbestimmen. Dr. E._ habe die vorliegenden psychosozialen Faktoren
benannt und diese nicht in seine Beurteilung einbezogen. Die Z-Diagnosen seien
lediglich Nebendiagnosen. Die Hauptdiagnose sei die rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradig ausgeprägt. Ab Dezember 2009 bis September 2011
sei der Beschwerdeführerin eine ganze Rente zuzusprechen. Ab September 2011 (bzw.
nach den Kriterien der gesundheitlichen Veränderung drei Monate danach) müsse der
Beschwerdeführerin bei einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50%, mindestens eine
halbe Rente zugesprochen werden.
B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet.

Erwägungen:
1.
1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, SR 830.1 [ATSG]), das heisst der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach ärztlicher Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.2 Gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG,
SR 831.20) haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen, erhalten oder verbessern können, Anspruch auf eine Rente (lit. a),
wenn sie während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50% auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% auf eine
Dreiviertelsrente und ab einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze
Invalidenrente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3 Für die Bemessung des Invaliditätsgrades sind die zuständige Behörde und später
das Gericht auf von den Ärzten zur Verfügung zu stellende Unterlagen angewiesen.
Aufgabe der Ärzte ist es denn auch, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten der
Versicherte arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261, E. 4 mit weiteren Hinweisen). Im
Rahmen der freien Beweiswürdigung dürfen sich Verwaltung und Gericht weder über
die medizinischen Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen, noch sind die ärztlichen
Einschätzungen zur Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer sozialversicherungsrechtlichen
Tragweite zu übernehmen. Die rechtsanwendende Behörde hat sorgfältig zu prüfen, ob
die ärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte
(insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren) mitberücksichtigt,
welche vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus, unbeachtlich sind
(BGE 130 V 356, E. 2.2.5).
1.4 Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung können psychische Beeinträchtigungen
der Gesundheit in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden Invalidität im
Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 8 ATSG bewirken (BGE 139 V 562, E. 7.1.4,
Urteil des Bundesgerichts vom 22. Januar 2007, I 290/06, E. 4.2.1). Ein geistiger oder
psychischer Gesundheitsschaden liegt dann vor, wenn aufgrund eines
Geburtsgebrechens, eines Unfalles oder einer Krankheit eine bleibende oder längere
Zeit dauernde Beeinträchtigung der mentalen, intellektuellen, kognitiven oder
emotionalen Funktionen besteht, welche durch therapeutische Massnahmen nicht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ausreichend behoben werden kann und die Arbeitsfähigkeit langdauernd vermindert
oder verunmöglicht (Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der
Invalidenversicherung [KSIH], Rz. 1007). Zur Annahme einer Invalidität braucht es in
jedem Fall ein medizinisches Substrat, welches schlüssig von einem Facharzt
festgestellt wird und nachweislich die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich
beeinträchtigt (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Juni 2012, 9C_537/2011, E. 3.2). Das
klinische Beschwerdebild darf nicht einzig in Beeinträchtigungen bestehen, die von den
belastenden soziokulturellen und psychosozialen Faktoren herrühren, sondern es hat
davon unterscheidbare Befunde zu umfassen, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im
fachmedizinischen Sinn oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand.
Damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann, muss eine von
soziokulturellen oder psychosozialen Belastungssituationen zu unterscheidende und in
diesem Sinne verselbständigte psychische Störung mit Auswirkungen auf die Arbeits-
und Erwerbsfähigkeit vorliegen (Urteil des Bundesgerichts vom 20. September 2011,
8C_302/2011, E. 2.5.1).
2.
2.1 Im Dezember 2008 begab sich die Beschwerdeführerin erstmals in psychiatrische
Behandlung. Der behandelnde Psychiater beurteilte sie zum damaligen Zeitpunkt, unter
antidepressiver Medikation, als zu 100% arbeitsunfähig. Auch die Ärzte der
Psychiatrischen Klinik C._ und des Psychiatrischen Zentrums D._ schätzten die
Beschwerdeführerin als schwer depressiv und nicht arbeitsfähig ein. Der psychiatrische
Gutachter hielt im ersten Gutachten zunächst ebenfalls fest, die Arbeitsfähigkeit sei
hochgradig herabgesetzt und die Einschränkung bewege sich zwischen 70-100%. Die
schwere depressive Symptomatik im Rahmen einer rezidivierenden depressiven
Störung verursache deutliche Stimmungsschwankungen, eine deutliche
Antriebsminderung, innere Unruhe, Selbstzweifel, Mutlosigkeit, vermehrte
Erschöpfbarkeit, verminderte Ausdauer, mit Ängsten und Schlafstörungen. Es gebe
zwar möglicherweise Hinweise auf Aggravation, es bestehe aber dennoch ein ernst zu
nehmendes, relativ schweres psychiatrisches Krankheitsbild, dass zunächst adäquat
und konsequent behandelt werden müsse. In seiner Verlaufsbegutachtung kam
Dr. E._ dann zum Schluss, es könne ein deutlicher sekundärer Krankheitsgewinn und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eine über Verdeutlichungstendenzen hinausgehende Tendenz zu Aggravation
festgestellt werden. Er benannte diverse psychosoziale Faktoren, die für die
Beschwerden eine Rolle spielen würden, hielt aber gleichzeitig fest, dass er als
Gutachter seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit unter Ausklammerung dieser
Aspekte vorzunehmen habe. Das von den behandelnden Ärzten verwendete
biopsychosoziale Krankheitsmodell, das die psychosozialen Belastungsfaktoren in die
Arbeitsfähigkeitsschätzung mit einbeziehe, sei denn auch der Grund, weshalb die
Behandler zu einer höheren Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gelangt seien. Seit
Entlassung der Beschwerdeführerin aus der stationären Behandlung im September
2011 sei aus gutachterlicher Sicht und nach IV-rechtlichen Kriterien von einer 50%igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
2.2 Die beiden psychiatrischen Gutachten erscheinen insgesamt als vollständig und
konsistent. Die gesamte Krankengeschichte wurde erfasst und die relevanten Vorbe
funde berücksichtigt und gewürdigt. Gestützt auf eigene Beobachtungen und Unter
suchungen erfolgte eine Diagnose und eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Der
Gutachter nahm Stellung zur angestammten Tätigkeit und umschrieb ideal adaptierte
Tätigkeiten. Abschliessend wurden Therapievorschläge aufgezeigt. Die aus der
Darstellung der Situation abgeleitete Arbeitsfähigkeitsschätzung ist gut und
nachvollziehbar begründet, so dass darauf abgestellt werden kann. Auch der RAD-Arzt
hat sich der Einschätzung des Gutachters von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit
angeschlossen.
2.3 Im ersten Gutachten hatte Dr. E._ noch eine rezidivierende depressive Störung
aktuell schwer ausgeprägt, festgestellt. Die Arbeitsfähigkeit sei hochgradig
herabgesetzt. Ab September 2011 hielt er einen 50%ige Arbeitsfähigkeit für gegeben.
In seiner Verlaufsbegutachtung stellte er dann fest, dass sich die depressive
Symptomatik unter der Behandlung leicht gebessert hatte und aktuell "nur" noch
mittelgradig war. Unter Berücksichtigung dieser Einschätzung ist davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin ab Dezember 2009 bis August 2011 zu 100%
arbeitsunfähig war. Ab September hat eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 50%
vorgelegen. Unter diesen Voraussetzungen steht ein möglicher Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin zur Diskussion.
3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.1 Es gilt der Grundsatz „Eingliederung vor Rente“ (vgl. Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 2. Aufl. 2009, Vorbemerkungen, N 47); deshalb ist zunächst zu prüfen, ob
allenfalls berufliche Massnahmen notwendig sind. Die Berechnung des
Invaliditätsgrades setzt in Anwendung von Art. 7 f. und 16 ATSG sowie Art. 28 Abs. 1
lit. a IVG die Durchführung sämtlicher Eingliederungsmassnahmen voraus, die geeignet
sind, die Erwerbsfähigkeit zu verbessern und dadurch den Invaliditätsgrad zu
vermindern. Kann mittels geeigneter und zumutbarer beruflicher
Eingliederungsmassnahmen eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit bewirkt werden,
besteht eine Pflicht zur Durchführung der entsprechenden Massnahmen. Die IV-Stelle
und die versicherte Person sind verpflichtet, alle beruflichen
Eingliederungsmassnahmen durchzuführen, die geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit zu
verbessern und damit den Invaliditätsgrad zu verringern.
3.2 Die Beschwerdeführerin hat keinen Beruf erlernt und vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung als Hilfsarbeiterin gearbeitet. Eine rentenrelevante
berufliche Eingliederung müsste also in einer qualifizierten Berufsausbildung (sog.
höherwertige Umschulung) bestehen, da bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50% nur ein
deutlich über dem durchschnittlichen Hilfsarbeiterinneneinkommen liegendes
Lohnniveau eine Erwerbseinbusse von weniger als 50%, idealerweise sogar von
weniger als 40%, ergeben würde. Da die Beschwerdeführerin allein schon aufgrund
ihrer psychischen Beeinträchtigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht in der
Lage ist, sich erfolgreich in einen qualifizierten Beruf umschulen zu lassen, kann eine
entsprechende berufsberaterische Abklärung ihrer Fähigkeiten unterbleiben. Demnach
besteht keine berufliche Eingliederungspflicht im Sinne des Grundsatzes der
"Eingliederung vor Rente". Die Beschwerdeführerin hat aber gemäss Art. 18 IVG einen
Anspruch auf eine – nicht unter diesen Grundsatz fallende und demnach auch nicht
zum Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens gehörende –
Unterstützung bei der Arbeitssuche.
4.
Nach dem Gesagten ist nun nachfolgend konkret zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin
Anspruch auf eine Rente hat.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.1 Vor ihrer Erkrankung hat die Beschwerdeführerin mit ihrem Ex-Ehemann ein
Restaurant geführt und war im Hotel F._ als Raumpflegerin tätig gewesen. Sie ist in
der Zwischenzeit geschieden worden und hat zusammen mit ihrem Ex-Ehemann einen
grossen Schuldenberg abzutragen. Eine Tätigkeit von weniger als 100% erscheint
damit als nicht wahrscheinlich. Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
im Gesundheitsfall zu 100% erwerbstätig wäre. Der Invaliditätsgrad der
Beschwerdeführerin ist somit anhand eines reinen Einkommensvergleichs (Art. 16
ATSG) zu ermitteln.
4.2 In der Regel wird für die Bestimmung des Valideneinkommens auf das zuletzt
erzielte Einkommen abgestellt. Das von der Beschwerdeführerin zuletzt erzielte
Einkommen setzte sich aus ihrem Verdienst aus der Tätigkeit im Gastwirtschaftsbetrieb
des Ex-Ehemannes und der Tätigkeit im Hotel F._ zusammen. Da das selbst geführte
Restaurant bald darauf Konkurs ging, kann darauf aber nicht abgestellt werden. Bei
dem Verdienst im Hotel F._ hat es sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht
um ein Einkommen gehandelt, das die valide Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin
abgebildet hätte. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin aus
arbeitsmarktlichen Zwängen heraus eine bezogen auf den Zentralwert der Löhne aller
Brachen unterdurchschnittlich entlöhnte Stelle angenommen hat. Zur Bemessung der
validen Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin ist daher der statistische
Durchschnittslohn aller Branchen gemäss der Lohnstrukturerhebung (LSE) des
Bundesamtes für Statistik heranzuziehen. Die Beschwerdeführerin ist als Hilfsarbeiterin
zu qualifizieren. Da für die Berechnung des Invalideneinkommens auf denselben
Tabellenlohn abzustellen ist, sind die beiden zu vergleichenden Einkommen identisch,
so dass ein Prozentvergleich vorzunehmen ist. Der Invaliditätsgrad entspricht unter
solchen Verhältnissen dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines
allfälligen Abzuges vom Tabellenlohn (Urteile des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts I 552/04 E. 3.4 vom 8. Juni 2005 und I 479/03 E. 3.1 vom
19. November 2003).
4.3 Die Tabellenlöhne basieren auf den Einkommen gesunder Arbeitnehmer. Als in ihrer
Gesundheit beeinträchtigte Arbeitnehmerin hat die Beschwerdeführerin mit indirekten
Wettbewerbsnachteilen zu rechnen. Dieser Tatsache ist mit einem Abzug vom
Tabellenlohn Rechnung zu tragen. Im vorliegenden Fall erscheint ein Abzug von 15%
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
als gerechtfertigt, denn ein potentieller Arbeitgeber hätte mit überdurchschnittlich
vielen Krankheitsabsenzen der Beschwerdeführerin zu rechnen. Deren Arbeitseinsatz
wäre zudem schlecht planbar, da aufgrund der Art der psychischen Beeinträchtigung
mit einer von Tag zu Tag schwankenden quantitativen und qualitativen Arbeitsleistung
zu rechnen wäre. Hinzu käme ein überdurchschnittliches Bedürfnis der
Beschwerdeführerin nach Rücksichtnahme seitens der Vorgesetzten und der
Mitarbeiter. Bei einer Einschränkung von 50% und einem Abzug von 15% resultiert ein
Invaliditätsgrad von 57.50%.
5.
5.1 Die Beschwerdeführerin hat sich im März 2009 zum Leistungsbezug angemeldet.
Damit kann ihr Anspruch gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG nach Ablauf von sechs Monaten
frühestens im September 2009 entstanden sein. Nachdem sich die Beschwerdeführerin
erstmals im Dezember 2008 in psychiatrische Behandlung begeben hat und der
behandelnde Arzt sie ab diesem Zeitpunkt für 100% arbeitsunfähig erklärte, ist davon
auszugehen, dass der Beginn des Wartejahrs gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG auf
Dezember 2008 festzulegen ist. Unter Berücksichtigung von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG
i.V.m. Art. 29 Abs. 1 IVG hat die Beschwerdeführerin damit ab Dezember 2009
Anspruch auf eine ganze Rente.
5.2 Laut psychiatrischem Verlaufsgutachten bestand ab September 2011 eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit. Gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV ist eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit
für die Herabsetzung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem
angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in
jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei
Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Unter analoger
Anwendung von Art. 88a Abs. 1 IVV ist demnach die ganze Rente per 1. Dezember
2011 auf eine halbe Rente herabzusetzen.
5.3 Die Beschwerdegegnerin hat das Rentengesuch der Beschwerdeführerin demnach
zu Unrecht abgewiesen. Die Verfügung vom 30. November 2012 ist aufzuheben und
der Beschwerdeführerin ist rückwirkend für die Zeit ab Dezember 2009 bis November
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2011 eine ganze Rente zuzusprechen. Ab Dezember 2011 hat die Beschwerdeführerin
Anspruch auf eine halbe Rente.
6.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend beurteilten Angelegenheit als angemessen und ist von der
unterliegenden Beschwerdegegnerin zu tragen. Die Beschwerdeführerin hat Anspruch
auf eine Parteientschädigung, die praxisgemäss auf Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) festgelegt wird.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP