Decision ID: 19238ec6-b7fe-43f6-b575-1c09cc9e35b6
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1960,
ist von
Beruf
Pfarrer
und
war
ab dem Jahr 2004, vermittelt durch die zentrale Koordinationsstelle für Stellvertretungen der reformierten Kirche, als Stellvertreter
in verschiedenen Kirchgemeinden tätig
. Daneben bildete er sich zum Spitalseelsorger und Erwachsenenbildner weiter (vgl.
Urk.
1 S. 3
Ziff.
4-5,
Urk.
9/29 S. 1 unten). Im Jahr 2009 meldete er sich erstmals bei der Arbeitslosenversicherung
zum
Leistungsbezug an und be
zog in einer vom
1.
Oktober 2009 bis 3
0.
September 2011
laufende
n
Rahmen
frist
Arbeitslose
nentschädigung (vgl.
Urk.
1 S.
4
Ziff.
6,
Urk.
2 S.
2
Ziff.
2
,
Urk.
9/4 S
.
8
)
. In dieser Zeit erzielte
er mittels
Stellvertretungen als Pfarrer
mehrfach
Zwischenverdienste
. Daneben
absolvierte
er
einen
Masterstudiengang in Applied
Histor
y
(vgl.
Urk.
1 S. 4
Ziff.
6,
Urk.
9/4 S.
5 ff.).
Anfang 2013 meldete
sich der Versicherte
erneut bei der Arbeitslosenversi
cherung zum Leistungsbezug an, woraufhin
per
1.
Januar 2013
eine weitere Rahmenfrist für de
n Leistungsbezug eröffnet
wurde
, während welcher
der Ver
sicherte wiederum
Zwischenverdienste mittels Stellvertretungen als Pfarrer erzielte
(vgl.
Urk.
1 S. 4
Ziff.
7,
Urk.
2 S.
2
Ziff.
2,
Urk.
9/4 S.
3 f.)
.
Per Ende Oktober 2
013 meldete sich der Versicherte von der Arbeitsvermittlung ab.
Im Ja
nuar 2014
b
eg
a
nn
er
nach erfolgter Beratung im Berufsinformationszentrum (vgl.
Urk.
9/4 S. 4 oben)
eine
Ausbildung
zum Berufs- und Laufbahnberater und arbeitete daneben als stellvertretende Pfarrpers
on (vgl
.
Urk.
1 S. 4
Ziff.
4,
Urk.
9/4
S. 3 Mitte).
Vom
1.
August 2014 bis 3
1.
Juli 2015 stand
der Versicherte
in einem befrist
eten
Teilzeitarbeitsverhältnis
mit der evangelisch-reformierten Landeskirche des
Kan
tons Zürich
, Gemeinde
Y._
. A
m
1.
Juli 2015 meldete er sich
erneut
zur Arbeitsvermittlung an (
Urk.
9/29) und stellte am 2
7.
Juli 2015 einen
weite
ren
Antrag auf Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung ab dem
1.
August 2015 (
Urk.
9/18).
Nach vorgängiger Gewährung des rechtlichen Gehörs (
Urk.
9/19) verneinte die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich (nachfolgend: Kasse) m
it Verfügung vom 3
0.
Juli
2015 (
Urk.
9/17)
einen Anspruch des Ver
s
i
cherten
auf Arbeitslosenentschädigung ab
3.
August
2015
wegen fehlender
Vermittlungs
fähig
keit
. Die vom Versicherten dagegen am 2
4.
August
2015 er
hobene (
Urk.
9/12)
und am 2
1.
September 2015 ergänzte (
Urk.
9/6) Einsprache
wies die K
asse mit Einspracheentscheid vom
9.
Oktober 2015 (
Urk.
9/2 =
Urk.
2) ab.
2.
Am
6.
November 2015 erhob der Versicherte Beschwerde gegen den Einsprache
entscheid vom
9.
Oktober 2015 (
Urk.
2) und beantragte, dieser sowie die diesem zugrunde liegende Verfügung vom 3
0.
Juli 2015 seien aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm die gesetzlich geschuldeten Leis
tungen zu gewähren; insbesondere sei ihm das Arbeitslosentaggeld ab
3.
August 2015 auszuzahlen (
Urk.
1 S. 2 oben). Am 1
2.
November 2015 ergänzte der Be
schwerdeführer
seine Beschwerde (
Urk.
6). Die K
asse beantragte mit
Beschwer
deantwort
vom
1.
Dezember 2015 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8). Dies
wurde dem Beschwerdeführer am
3.
Dezember
2015 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Eine der gesetzlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf
Arbeitslosenent
schädigung
ist die Vermittlungsfäh
i
gkeit (
Art.
8
Abs.
1 lit. f
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädi
gung
,
AVIG). Gemäss
Art.
15
Abs.
1 AVIG ist die arbeitslose Person
vermitt
lungsfähig
, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzuneh
men und an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Zur
Ver
mittlungsfäh
i
gkeit
gehört demnach nicht nur die Arbeits
fähigkeit im objektiven Sinn, sondern subjektiv auch die Bereitschaft, die Arbeitskraft entsprechend den persön
liche
n Verhält
nissen währ
end der üblichen Arbeitszeit ein
zu
setzen (BGE 125 V
51 E. 6a).
Wesentliches Merkmal der Vermittlungsbereitschaft ist dabei die Bereitschaft zur Annahme einer Dauerstelle als
Arbeitnehmer
.
Hiezu
genügt die Willenshaltung oder die bloss verbal erklärte Vermittlungsbereitschaft nicht; die versicherte Person ist vielmehr gehalten, sich der öffentlichen Arbeitsver
mittlung zur Verfügung zu stellen, angebotene zumutbare Arbeit anzunehmen und sich selbst intensiv nach einer zumutbaren Stelle umzusehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_99/2012 vom
2.
April 2012 E.
2 mit Hinweis
;
Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR],
3.
Auflage,
Basel 2016
, S. 2
348
Rz
270
mit Hinweisen auf die Praxis
).
Versicherte, die vor ihrer Arbeitslosigkeit temporär beschäftigt waren, gelten nur dann als vermittlungsfähig, wenn sie bereit und in der Lage sind, eine Dauerstelle anzunehmen (
Art.
14
Abs.
3 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung, AVIV).
1.2
Nach
Art.
17
Abs.
1 AVIG muss die versicherte Person, die Versicherungsleis
tungen
beanspruchen will, mit Unterstützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu ver
kür
zen. Insbesondere ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch aus
serhalb ihres bisherigen Berufes. Sie muss ihre Bemühungen nachweisen kön
nen.
1.3
Bei der Beurteilung der Frage, ob sich eine versicherte Person genügend um zumutbare Arbeit bemüht hat, ist nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der Bewerbungen von Bedeutung (BGE 120 V 74 E. 2, 124 V 225 E. 4a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung können u
ngenügende Arbeitsbemühungen zur Ver
nein
ung der Vermittlungsfähigkeit führen (BGE 112 V 215 E. 1b mit Hin
weisen
).
Auf f
ehlende Vermittlungsfähigkeit darf aber nicht allein aus dem Um
stand geschlossen werden, dass unzureichende Stellenbemühungen unter
nom
men werden. Selbst dürftige Bemühungen um eine neue Stelle sind in der Regel nur Ausdruck mangelhafter Erfüllung der gesetzlichen
Schadenminderungs
pflicht
und nicht Folge davon, dass die versicherte Person effektiv gar keine neue An
stellung finden will. Für die Annahme fehlender
Vermittlungsbereit
schaft
auf
grund ungenügender Stellensuche bedarf es daher qualifizierter Gründe (ARV 1996/97 N 8 S.
31 ff. E.
3 und 4; Urteil des Bundesgerichts 8C_966/2012 vom 1
6.
April
2013 E.
2.2).
Auch qualitativ ungenügende
Arbeits
bemühungen
wie etwa die Beschränkung der Arbeitssuche im bisherigen
Berufs
bereich
rechtferti
gen grundsätzlich nicht den Schluss auf fehlende
Vermit
t
lungs
bereitschaft
. Eine Ausnahme ergibt sich dort, wo ein Versicherter seine Bemühungen um Arbeit weiterhin auf sein bisheriges berufliches
Tätigkeits
ge
biet
richtet, obwohl hier keine Anstellungschancen bestehen und der Versicherte wegen seiner einseiti
gen Arbeitssuche schon mehrfach in der
Anspruchs
be
rechtigung
eingestellt worden ist
(vgl. Nussbaumer,
a.a.O.,
S.
2348 f.
Rz
272
mit zahleichen Hinweisen auf die Praxis).
1.4
Die Frage
der Vermittlungsfähigkeit ist prospektiv
- das
heisst
von jenem Zeit
punkt aus und aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Ablehnungsverfügung
beziehungsweise
des
Einspracheentscheids
ent
wickelt haben
(BGE 120 V 385 E.
2
; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_966/2012 vom 1
6.
April
2013 E.
4.1
)
-
und aufgrund ei
ner gesamthaften Würdigung der für die Anstellungschancen im Einzelfall we
sentlichen, objek
ti
ven und subjektiven Faktoren zu beurteilen.
Ausser
dem Umfang des für die versicherte Person in Betracht fallenden Arbeitsmarktes ist auch die Art der ge
suchten zumutbaren Arbeit von Bedeutung (Urteil des Bun
desgerichts 8C_966/201
2 vom 1
6.
April 2013 E. 2.3 mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte sich
im ang
efochtenen Entscheid (
Urk.
2) auf den Standpunkt
, dass
dem Beschwerdeführer aufgrund des offensichtlich feh
lenden Vermittlungswillens die Vermittlungsfähigkeit abzusprechen sei (S.
5 Mitte).
Es sei aktenkundig, dass sich der Beschwerdeführer grundsätzlich
nur
für
Stellvertretungen als
reformierte
Pfarrperson
bewerbe und dabei im Kanton Zürich und in der Regel nicht in anderen Kantonen suche.
Es sei davon aus
zuge
hen, dass
sich
der Beschwerdeführer
bewusst und aus freien Stücken
ent
sch
i
e
d
en habe, s
ich auf Stellen, die befristet
seien
, zu bewerben.
Auch nach
Erhalt der Verfügung vom
3
0.
Juli 2015
habe
er
sein Bewerbungsverhalten
nicht we
sentlich
verändert.
Wie in den vergangenen Jahren bewerbe er sich weiterhin auf Stellen mit wenig Aussicht auf ein unbefristetes, „normales“ Arbeitsverhält
nis.
Zwar reich
e
er nun
mehr Bewerbungen ein,
diese seien
jedoch mehrheitlich nicht erfolgsversprechend.
Der Nachweis der persönlichen
Arbeits
bemühungen
für die Monate August und September 2015 sei unvollständig aus
gefüllt. Soweit ersichtlich habe
s
ich
der Beschwerdeführer
nur auf sechs Vollzeitstellen bewor
ben, bei den übrigen Stellen handle es sich um
Teilzeit
stellen
, ein Teil davon
wiederum
befristete Stellvertretungen.
Zudem
habe
er sich
wiederum
fast aus
schliesslich auf Stellen als Pfarrer
respektive Seelsorger beworben, welche er - wie er selber angebe - a
ufgrund der Wohnsitzpflicht
aber wohl nicht erhalten werde
.
Aufgrund der
getätigten Bewerbungen im August und September 2015 sei nicht sehr wahrscheinlich, dass
d
er
Beschwerdeführer
eine unbefristete,
voll
zeitliche
Stelle finden werde.
Aufgrund seines
Verhaltens
sei davon auszugehen, dass er auch weiterhin nicht ohne
Arbeitslosenent
schädigung
auskommen werde. Mit der Arbeitslosenentschädigung finanziere
der Beschwerdeführer
sei
nen speziellen Berufswunsch und sein Wille sei nicht darauf gerichtet, eine „normale“ Dauerstelle anzunehmen. Der Beobachtungs
zeitraum von rund sechs Jahren und sein aktuelles Bewerbungsverhalten liessen keinen anderen Schluss zu. Es gehe jedoch nicht an, dass eine Berufsgattung und damit zusammenhän
gende persönliche Wünsche der Versicherten von der Arbeitslosenversic
herung dauernd unterstützt würden
. Es könne nicht Aufgabe der Arbeitslosenversiche
rung sein, die aufgrund der freiwilligen Berufssituation entstehenden, regel
mässigen und vorhersehbaren Einkommenslücken auf unbe
sti
mmte Zeit auszu
gleichen. Der (freiwillige
) Entscheid des Beschwerdeführers, weiterhin als Pfar
rer/Seelsorger tätig sein zu wollen, könne nicht weiter durch die Gemeinschaft der Versicherten getragen werden; der Beschwerdeführer habe die Konsequen
zen aus seinem Entscheid inskünftig selber zu tragen.
Der Be
schwerdeführer beteuere zwar seinen Willen, auch in anderen Bereichen tätig zu werden. Seine Erwerbslaufbahn der letzten rund sechs Jahre und sein aktuelles
Bewerbungs
verhalten
zeigten jedoch ein gänzlich anderes Bild
, nämlich dass er
eben nicht gewillt sei, eine „normale“ Dauertätigkeit anzunehmen.
Der Be
schwer
deführer zeige
damit ein Verhalt
en, das er ändern wür
de, wenn es die Arbeits
losenversi
cherung nicht gäbe (S. 2 ff.
Ziff.
5).
2.2
Der Beschwerdeführer machte in seiner Beschwerde (
Urk.
1) demgegenüber gel
tend, es dürfe nicht
von
einer subjektiven
Vermittlungsunfähigkeit ausgeg
angen werden.
Entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin sei er seit Jahren bemüht, entweder eine Festanstellung als Pfarrperson zu finden oder aufgrund von Weiterbildungen sein Profil soweit zu erweitern, dass er ausserhalb seines angestammten Tätigkeitsbereichs eine Chance habe, eine neue Stelle zu finden.
Sein fortgeschrittenes Alter sei dabei ein objektives Hindernis, das
jedem 55-jährigen Mann, der in ein anderes Tätigkeitsgebiet wechseln wolle, entgegen
stehen würde.
D
ie
Einschränkungen
bei der Stellensuche seien nicht
von seinem Willen abhängig (S. 12
Ziff.
22). Sodann sei es mit der Aufklärungs- und
Bera
tungspflicht
nicht vereinbar, dass er niemals darüber aufgeklärt worden sei, dass sein Verhalten eine Leistungseinstellung zur Folge haben könnte. Sei dem Berater
des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV)
bewusst, dass ein Verhalten einer
durch ihn zu beratenden Person zu einer Leistungseinstellung führen könne, müsse er diese Person darauf aufmerksam machen und nicht der Arbeitslosenversicherung den Eindruck vermitteln, die Person sei subjektiv
ver
mittlungsunfähig
, wenn dies nicht der Tatsache entspreche (S.
13 f.
Ziff.
24). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung dürfe einem Arbeitssuchenden der Wille zur Annahme einer Dauerstelle nicht abgesprochen werden, wenn er - trotz langjähriger ausschliesslicher
Temporärarbeit
- anhand der vorgelegten Arbeitsbemühungen zumindest für die relevante Zeit deutlich mache, dass er bereit und in der Lage sei, eine Dauerstelle anzunehmen.
A
uf den Entscheid der Beschwerdegegnerin
habe er umgehend
reagiert und sich während der Monate August bis September 2015 vermehrt ausserhalb seines Tätigkeitsgebietes be
worben. Selbstverständlich habe er sich auch weiterhin als Pfarrer beworben, habe allerdings nicht mehr nach einer Aufhebung der Wohnsitzpflicht gemäss Kirchenordnung gefragt. Er habe also sehr wohl deutlich gemacht, dass er die Vorgaben der Beschwe
rdegegnerin erfüllen wolle
,
und
er habe
seinen Willen zur An
nahme einer Dauerstelle über die ganzen Jahre gezeigt und diesen Willen ver
deutlicht durch seine Verhaltensänderung in den letzten Monaten. Eine Ver
wei
gerung der Taggeldleistungen sei daher weder gerechtfertigt noch verhält
nis
mässig (S. 14
Ziff.
25).
2.3
Strittig und zu prüfen ist de
r
Anspruch
de
s
B
eschwerdeführers
auf
Arbeits
losenentschädigung
ab
3.
August 2015
unter dem Gesichtspunkt der
subjektiven
Vermittlungsfähigkeit.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer übt seinen Beruf als Pfarrer seit Jahren im Rahmen von befristeten Stellvertretungen in v
erschiedenen Kirchgemeinden aus.
In den ersten beiden Rahmenfristen hat er diese Einsätz
e jeweils als Zwischenverdienst
abgerechnet
(vgl.
Urk.
9/4)
.
In seiner beim RAV am 2
9.
Juli 2015 eingegange
nen Stellungnahme
(
Urk.
9/19)
erläutert
e der Beschwerdeführer, dass eine reformierte Pfarrperson, die in eine Kirchgemeinde gewählt werden wolle, ge
mäss Kirchenordnung eine Wohnsitzpflicht in der Gemeinde treffe
.
Da seine Ehefrau bis vor drei Jahren in
Z._
Pfarrerin gewesen sei, hätten sie nach
Z._
ziehen müssen und sich ein eigenes Haus gekauft, welches aus Ausbildungs- und
Ar
beitsgründen
für die ganze Familie wichtig sei. Deshalb bleibe ihm, falls er bei seiner Familie wohnen bleiben wolle, nichts anderes übrig
,
als Stell
vertretungen zu machen. Da die anderen Kantonalkirchen zunächst stellver
tretende
Pfarr
personen
ihres eigenen Kantons berücksichtigten,
sei
er
von der zentrale
n
Koor
dinationsstelle
für Stellvertretungen der reformierten Kirche abhängig, welche er in regelmässigen Abständen anfrage. Die offenen Pfarrstellen in der deutschen Schweiz seien gemäss den aktuellen Homepages auf etwa sechs be
schränkt, wovon aus geografischen Gründen nur eine bis zwei Stellen in Frage kämen, welche aufgrund der Wohnsitzpflicht jedoch ebenfalls unrealistisch seien
.
3.2
Angesichts dieser Ausführungen
des Beschwerdeführers
sowie aufgrund des Umstands, dass der Beschwerdeführer seit dem Jahr 2004 keine Dauerstelle in seinem angestammten Berufsfeld als Pfarrer und auch nicht im Bereich der Spitalseelsorge
finden konnte, müssen seine Chancen auf eine Festanstellung in seinem bisherigen beruflichen Tätigkeitsgebiet
- wie die Beschwerdegegnerin zutreffend ausführte -
als nicht
realistisch
bezeichnet werden. So resultierte ins
besondere auch aus den vom Beschwerdeführer zwischen Oktober 2012 und Oktober 2013 getätigten Arbeitsbemühungen (
Urk.
9/16), welche sich praktisch ausschliesslich auf Stellen als Gemeindepfarrer, auf Stellvertretungen als Pfarrer
und auf Stellen als Spitalseelsorger beziehungsweise Stellvertretungen als Spital
seelsorger beschränkten, keine unbefristete Anstellung
. Desgleichen führ
ten auch
die ab Mai getätigten Arbeitsbemühungen (
Urk.
9/3) nur (aber immerhin) zu einer neuerlich befristete
n teilzeitlichen Anstellung (vgl.
Urk.
6).
3.3
Vor dem Hintergrund
dieser Sachlage wurde der Beschwerdeführer a
nlässlich seiner Anmeldung zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung in einer dritten Rahmenfrist von der RAV-Beraterin aufgefordert, seinen Suchbereich zu erwei
tern und Stellen ausserhalb seines bisherigen beruflichen Tätigkeitsgebietes zu suchen (
Urk.
9/4 S.
2 unten).
Dem prozessorient
i
erten Beratungsprot
o
koll des RAV (
Urk.
9/4) ist
nicht zu entnehmen,
dass
der Beschwerdeführer
bereits
in der ersten und der zweiten
Rahmenfrist explizit aufgefordert worden wäre, sich ausserhalb seines bisherigen beruflichen Tätigkeitsgebiete
s
um zumutbare Arbeit
zu bemühen
,
was mit der Rechtsprechung vereinbar ist, wonach auch
Arbeitnehmenden
mit speziellen Berufen mit einem kleinen Stellenangebot zunächst die Gelegenheit einzuräumen ist, Tätigkeiten im erlernten Beruf oder in der bisherigen Tätigkeit zu suchen (BGE 139 V 524 E. 2.1.3).
Die
Arbeits
bemü
hungen
des Beschwerdeführers wurden in der Vergangenheit demnach (so
wohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht) als
genügend erach
tet.
Es
ist
denn auch
nicht ersichtlich, dass
der
Beschwerdeführer je wegen
ungenügender Arbeitsbemü
hungen eingestellt worden wäre.
3.4
Dass er sich nicht ausserberuflich und/oder ausserhalb seines Wohnortes um unbefriste
te Anstellungen bemühe, wurde dem Beschwerdeführer
erstmals im Beratungsgespräch vom
9.
Juli 2015 (
Urk.
9/4 S.
2 f.) beziehungsweise anläss
lich der Verfügung vom 3
0.
Juli 2015 (
Urk.
9/17) zum Vorwurf gemacht.
In der Folge
passte der Beschwerdeführer sein Bewerbungsverhalten insofern an, als er sich in den Monaten August und September 2015
- nebst Bewerbungen im Bereich der Seelsorge -
auch mehrfach um berufsfremde Arbeitsstellen bemühte
(vgl.
Urk.
9/3). So bewarb er sich im August 201
5
als Mitarbeiter beim
B._
(
7.
August
201
5
),
als
Lehrperson/Lerncoach
bei der
A._
(1
2.
Augus
t 2015) und
als Mitarbeiter beim
C._
(1
3.
August
2015). Soweit ersichtlich handelt es sich auch bei der am 2
7.
August 2015 getätigten
Arbeits
bemühung
um eine berufsfremde.
Im September bewarb
sich
der Be
schwerde
führer
sodann
als Berufs-
, Studien
- und Laufbahn
berater beim
Lehr
lingshaus
D._
(
9.
September 2015)
und
als Sozialarbeiter bei der
E._
(2
3.
September 2015).
Diese Arbeitsbemühungen lassen erkennen, dass der Be
schwerdeführer die ihm von der RAV-Beraterin beziehungsweis
e
mit Verfügung vom 3
0.
Juli 2015 vor
geworfene Bewerbungsstrategie überdacht und
die Vor
würfe zum
Anlass ge
nommen hat, seine Bemühungen nicht nur auf sein bishe
riges
berufliches Tätigk
eitsgebiet in der Seelsorge zu richten. Damit aber hat er aber zumindest für die vorliegend relevante Zeit bis zum Erlass
d
es angefochte
nen
Einspra
che
entscheids
vom
9.
Oktober 2015
(vgl. vorstehend E.
1.4)
auch seinen Willen kundgetan, dass er bereit und in der Lage ist, eine Dauerstelle an
zunehmen. Abgesehen
davon zeugen
seine Bemühungen
um Weiterbildung zum
Spitalseel
sorger
, zum
Erwachsenenbildner sowie aktuell zum Berufs- und
Lauf
bahnbe
rater
(vgl.
Urk.
9/4)
von seiner Bereitschaft, sein potentielles
Tätig
keitsspektrum
zu erweitern und insofern auch von
seinem
Willen, eine
Dauer
stelle
zu finden
beziehungsweise
bei der Stellensuche nicht auf die
befristete
n
Stellvertretungen im Bereich der Seelsorge
eingeschränkt zu sein.
Entgegen der
Auffassung der Beschwerdegegnerin
kann
dem Beschwerdeführer
daher
die
Vermittlungsbereit
schaft
nicht
abgesprochen werden.
3.5
Soweit die Beschwerdegegnerin die vom Beschwerdeführer im August und Sep
tember 2015 getätigten Arbeitsbemühungen als
unvollständig und qualitat
iv ungenügend bezeichnete
(vgl. vorstehend E. 2.1)
, ist festzuhalten, dass es ihr offen steht, den Beschwerdeführer in der Anspruchsberechtigung einzustellen. Ihm deswegen
sogleich
die (subjektive) Vermittlungsfähigkeit abzusprechen, ist unter den gegebenen Umständen jedoch nicht gerechtfertigt und unverhältnis
mässig
, zumal der Beschwerdeführer bislang nie wegen
qualitativ ungenügender Arbeitsbemühungen, insbesondere
einseitiger Arbeitssuche
,
in der
Anspruchs
berechtigung
eingestellt worden ist (vgl. vorstehend E. 1.3).
4.
Nach dem Gesagten ist die Vermittlungsbereitschaft und insofern die
Vermitt
lungsfähigkeit
des Beschwerdeführers im Sinne von
Art.
8
Abs.
1 lit. f. in Ver
bindung mit
Art.
15
Abs.
1 AVIG zu bejahen. In diesem Sinne und mit dieser Feststellung ist daher der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Sache an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die übrigen
Anspruchsvo
rau
s
setzungen
prüfe und
hernach über den Anspruch des Beschwerdeführers auf
Arbeitslosenentschädigung
ab dem
3.
August 2015
neu verfüge
.
5.
Bei diesem Verfahrensausgang hat der
Beschwerdeführer gestützt auf
Art.
61 lit. g
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3
des Gesetzes über das
Sozialversi
cherungsgericht
(
GSVGer
)
Anspruch auf
eine Prozessentschädigung
,
welche
er
messensweise
auf
Fr.
2‘100.
-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
fest
zusetzen ist
.