Decision ID: dc2d18f5-6d6a-4343-8310-928ef2bf46b1
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 8. Juni 2009 zum Bezug von Leistungen bei der
Invalidenversicherung an. Sie gab an, dass sie keine berufliche Ausbildung absolviert
habe und seit dem 1. Februar 2008 in einem Pensum von 80% als B._ am Roboter
arbeite. Auf Grund zu grosser Brüste leide sie an extremen Rückenschmerzen. Die
Krankenkasse habe die Kostenübernahme für eine Brustverkleinerungsoperation
abgelehnt (IV-act. 1). Sie habe bis März 2009 gearbeitet, könne nun ihre Tätigkeit aber
auf Grund der Beschwerden nicht mehr weiter ausüben. Im Anschluss an eine
Brustverkleinerungsoperation, bei der auch ein Brustkrebstumor entfernt wurde,
äusserte die Versicherte die Angst, der Belastung am Arbeitsplatz nicht mehr
gewachsen zu sein (IV-act. 31). Trotz eines Job Coachings (vgl. IV-act. 33) scheiterte
die Wiedereingliederung der Versicherten in die frühere Tätigkeit (vgl. IV-act. 35). Sie
fand in der Folge keine andere Arbeitsstelle. Am 30. Dezember 2010 wurde die
Arbeitsvermittlung abgeschlossen (IV-act. 53).
A.a.
Obwohl sich im Verlaufe des Jahres 2010 Hinweise auf weitere gesundheitliche
Probleme ergeben hatten (namentlich Schwindel und Anpassungsstörungen; vgl. IV-
act. 55-7 ff.), wies die IV-Stelle das Rentengesuch der Versicherten mit Verfügung vom
19. Mai 2011 ab. Zur Begründung führte sie aus, dass die Versicherte ohne
Gesundheitsbeeinträchtigung weiterhin zu 80% als ungelernte B._ erwerbstätig und
zu 20% im eigenen Haushalt tätig wäre, dass ihr eine vollzeitige Erwerbstätigkeit mit
uneingeschränkter Leistung zugemutet werden könne, dass sie dabei mindestens so
A.b.
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viel wie in der früheren Tätigkeit verdienen könnte und dass bezüglich der
Haushaltstätigkeiten keine relevante Einschränkung vorliege, weshalb gesamthaft ein
Invaliditätsgrad von 0% resultiere (IV-act. 64). Mit Verfügung vom 17. August 2011
widerrief die IV-Stelle diese Verfügung, nachdem die Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. B. Züst, St. Gallen, dagegen Beschwerde erheben lassen hatte
(IV-act. 80). Das Beschwerdeverfahren wurde darauf mit Entscheid vom 6. September
2011 abgeschrieben (IV 2011/205; vgl. IV-act. 83).
Der Hausarzt der Versicherten gab am 18. November 2011 telefonisch an (IV-act.
86), dass die Versicherte für Tätigkeiten, bei denen sie den linken Arm nicht
gebrauchen müsse, voll arbeitsfähig sei. Für Tätigkeiten, bei denen der linke Arm voll
eingesetzt werden müsse, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50%. RAD-Arzt Dr. C._
notierte am 19. November 2011, dass für Tätigkeiten, bei denen der linke Arm
geschont werden könne, eine volle Arbeitsfähigkeit gegeben sei. Die frühere Tätigkeit
als B._ sei nicht leidensadaptiert (IV-act. 89-3). Mit Vorbescheid vom 8. Dezember
2011 kündigte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des Rentengesuchs an (IV-
act. 92). Dagegen liess sie am 23. Januar 2012 durch ihren Rechtsvertreter einwenden,
dass der medizinische Sachverhalt ungenügend abgeklärt worden sei. Sie werde
weiterhin durch die behandelnden Ärzte untersucht. Die IV-Stelle habe zu Unrecht
keine Abklärungen bezüglich ihrer psychischen Beschwerden getätigt. Eine allfällige
Restarbeitsfähigkeit sei nicht verwertbar (IV-act. 100-1ff.).
A.c.
Am 18. Juli 2012 fragte die IV-Stelle den Rechtsvertreter der Versicherten an,
weshalb sich diese trotz der behaupteten psychischen Beschwerden nicht in einer
psychiatrischen Behandlung befinde (IV-act. 120). Der Rechtsvertreter reagierte weder
auf dieses Schreiben noch auf spätere Erinnerungsschreiben (vgl. IV-act. 121, 122 und
123). Am 20. November 2012 kündigte die IV-Stelle der Versicherten an, dass sie die
vorgesehene abweisende Verfügung erlassen werde, wenn sie keine Antwort auf ihre
Frage erhalte (IV-act. 123). Auch auf dieses Schreiben reagierte die Versicherte bzw.
deren Rechtsvertreter nicht. Am 4. Januar 2013 verfügte die IV-Stelle entsprechend
ihrem Vorbescheid vom 8. Dezember 2011 (IV-act. 124).
A.d.
Die dagegen am 11. Februar 2013 durch die Versicherte erhobene Beschwerde
(IV-act. 126) hiess das Versicherungsgericht mit Urteil vom 11. Februar 2016 gut. Es
A.e.
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hob die angefochtene Verfügung auf und wies die IV-Stelle an, das
Verwaltungsverfahren umgehend weiterzuführen (IV-act. 142).
Mit Stellungnahme vom 13. April 2016 empfahl der RAD, es sei gestützt auf den
gerichtlichen Entscheid eine monodisziplinäre psychiatrische Begutachtung
durchzuführen (IV-act. 146). Gegen den von der IV-Stelle vorgeschlagenen Gutachter
liess die Versicherte am 2. Mai 2016 Einwände erheben (IV-act. 156), worauf die IV-
Stelle den Rechtsvertreter der Versicherten aufforderte, selber Vorschläge
annehmbarer Gutachter einzureichen (IV-act. 157, vgl. weiter IV-act.159, 163, 171).
A.f.
Im von der IV-Stelle eingeholten Verlaufsbericht vom 19. Januar 2017 hielt der
Hausarzt der Versicherten, Dr. med. D._, Allgemeine Medizin FMH, fest, sie habe im
Jahr 2013 sämtliche Therapien abgebrochen. Da sie in die Sprechstunden (lediglich)
wegen kleineren Beschwerden auftauche, sei eine objektivierbare Feststellung der
Arbeitsunfähigkeit nicht möglich. Er habe ihr dringend empfohlen, sich bei den
sozialpsychiatrischen Diensten zu melden, da aus seiner Sicht die Problematik vor
allem psychisch bedingt sei (IV-act. 176-6).
A.g.
Am 22. März 2017 verfügte die IV-Stelle eine Abweisung des Gesuchs um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren mangels sachlicher
Gebotenheit und wegen fehlender Notwendigkeit (IV-act. 178). Diese Verfügung
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.h.
Gestützt auf die RAD-Stellungnahme vom 20. Januar 2017 (IV-act. 179) wurde die
Versicherte im Mai 2017 neuropsychologisch durch Dr. phil. E._ und psychiatrisch
durch Prof. Dr. med. F._ begutachtet. Diese befanden sie im Interdisziplinären
Medizinischen Gutachten (IME) vom 31. Mai 2017 sowohl in der angestammten als
auch in einer leidensadaptierten Tätigkeit zu 80% arbeitsfähig. Wegen erhöhtem
Pausenbedarf könne sie bei einem 100%-Pensum lediglich eine 80%ige Leistung
erbringen (IV-act. 187). Der RAD befand das Gutachten als umfangreich und
widerspruchsfrei, weshalb darauf abgestellt werden könne (IV-act. 188).
A.i.
Mit Vorbescheid vom 11. Juli 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten in Aussicht,
das Leistungsbegehren gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 16% abzuweisen (IV-
act. 191). Dagegen liess die Versicherte durch ihren Rechtsvertreter Einwand erheben
A.j.
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B.
C.
Mit Verfügung vom 12. Juni 2018 weist die IV-Stelle auch das Begehren um
Rentenleistung ab. Gestützt auf die Begutachtung liege keine Diagnose vor, welche die
Arbeitsfähigkeit der Versicherten in rentenbegründendem Masse einschränke. Im
und insbesondere beantragen, das IME-Gutachten in Form einer polydisziplinären
Expertise zu ergänzen (IV-act. 192).
Auf Grund dieses Einwands empfahl RAD-Arzt Dr. med. C._, den Hausarzt der
Versicherten hinsichtlich der von ihm erwähnten Netzhauterkrankung um weitere
Auskünfte zu bitten sowie selber die Visus-Werte zu bestimmen (Stellungnahme vom
30. Januar 2018, IV-act. 202). Mit Schreiben vom 16. Februar 2018 teilte der Hausarzt
mit, dass der Augenarzt bei der Versicherten gemäss ihren Angaben einen Grauen
Star / Cataract festgestellt habe. Eine weitere Behandlung habe nachher nicht mehr
stattgefunden (IV-act. 205).
A.k.
Mit Verfügung vom 25. April 2018 wies die IV-Stelle das Gesuch der Versicherten
um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Vorbescheidverfahren mangels sachlicher
Gebotenheit und wegen fehlender Notwendigkeit ab (IV-act. 210).
A.l.
Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 28. Mai 2018
mit dem Antrag auf deren Aufhebung und auf Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung rückwirkend ab 18. September 2017 für das Verfahren vor der
Vorinstanz. Weiter sei der Beschwerdeführerin auch für das Beschwerdeverfahren die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen (IV 2018/186: act. G 1).
B.a.
Mit Eingabe vom 19. Juni 2018 beantragt die Beschwerdegegnerin unter Verzicht
auf eine Beschwerdeantwort die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verweist
sie auf die angefochtene Verfügung (IV 2018/186: act. G 3).
B.b.
Am 21. Juni 2018 bewilligt die Verfahrensleitung das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren (IV 2018/186: act. G 4).
B.c.
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Weiteren verweist sie auf die RAD-ärztliche Stellungnahme vom 30. Januar 2018 (IV-
act. 217).
D.
Dagegen richtet sich die Beschwerde der Versicherten vom 16. Juli 2018 mit dem
Begehren um deren Aufhebung und um Zusprache einer Invalidenrente nach
Massgabe des noch zu bestimmenden Invaliditätsgrads. Eventualiter sei die Verfügung
vom 12. Juni 2018 aufzuheben und die Gelegenheit zur Ergänzung des Sachverhalts an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Zudem sei der Beschwerdeführerin für das vorliegende
Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren; unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen. Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs, da die Abklärungen zur Netzhauterkrankung trotz Hinweis des RAD
nie erfolgt sei. Im Weiteren sei auch das schwankende Gangbild trotz dem Hinweis des
Hausarztes und sogar der Hinweise im neurologisch-psychiatrischen Gutachten nicht
weiter abgeklärt worden. Dies bedeute zum einen eine Verletzung der Pflicht zur
Sachverhaltsabklärung als auch eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Schliesslich
lasse sich aus dem Gutachten herleiten, dass die Beschwerdeführerin an einer
massiven psychischen Störung leide, was ihre Arbeitsfähigkeit erheblich reduziere. Die
Einschätzung, sie sei trotzdem in der angestammten Tätigkeit als B._ an einem
Roboter zu 80% arbeitsfähig, sei schlicht haltlos und damit im Ergebnis willkürlich. Auf
Grund der aufgezeigten Widersprüche sei eine polydisziplinäre Begutachtung durch
das Gericht in Auftrag zu geben, zumal auf Grund der bereits neunjährigen
Verfahrensdauer eine weitere Verzögerung zu verhindern sei (IV 2018/249: act. G 1).
D.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 28. September 2018 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (IV 2018/249: act. G 3).
D.b.
Am 15. Oktober 2018 bewilligt die Verfahrensleitung das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung durch den Rechtsvertreter [IV 2018/249: act.
G 4]).
D.c.
Mit Replik vom 31. Januar 2019 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
fest (IV 2018/249: act. G 12). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf die Einreichung
einer Duplik (IV 2018/249: act. G 14).
D.d.
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E.
Mit Schreiben vom 13. August 2019 informiert das Gericht die Parteien über
seinen Beschluss, ein polydisziplinäres (allgemeinmedizinisches/internistisches,
rheumatologisches oder orthopädisches, psychiatrisches und neuropsychologisches)
Gerichtsgutachten bei der MEDAS asim Begutachtung, Universitätsspital Basel, in
Auftrag zu geben (IV 2018/249: act. G 17). Am 8. Oktober 2019 beauftragt das Gericht
das asim mit der Begutachtung der Beschwerdeführerin (IV 2018/249: act. G 25). Die
Beschwerdeführerin wird vom asim für den 19., 20., 24. und 25. Februar 2020 zur
Begutachtung eingeladen (IV 2018/249: act. G 27).
E.a.
Im asim-Gutachten vom 17. Juni 2020 kommen die Gutachter zum Schluss, dass
die Beschwerdeführerin in der Gesamtschau auf Grund des Zusammenwirkens der
somatisch bedingten mit den neurokognitiven Einschränkungen eine Arbeitsfähigkeit in
einer ihren Leiden adaptierten Tätigkeit von 50% besitze (act. G 28 Gesamtgutachten
S. 11).
E.b.
Mit Schreiben vom 3. Juli 2020 reicht die Beschwerdegegnerin eine
Stellungnahme ihres RAD vom 2. Juli 2020 ein. Unter Bezugnahme der plausiblen
Feststellungen ihrer RAD-Ärzte erachtet sie das Gerichtsgutachten als beweiskräftig,
weshalb auf dessen Arbeitsfähigkeitsschätzung abzustellen sei (act. G 32, 32.1).
E.c.
Mit Eingabe vom 16. September 2020 beantragt die Beschwerdeführerin die
Zusprache einer ganzen Rente und die Übernahme der Kosten für ihren Transport zur
Begutachtung nach Basel, welche das Sozialamt Z._ ihr vorgestreckt habe. Zur
Begründung führt ihr Rechtsvertreter aus, dass sich die im Gutachten erwähnte
Resterwerbsfähigkeit von 50% angesichts der festgestellten gesundheitlichen
Einschränkungen als nicht oder jedenfalls nicht ohne Weiteres verwertbar erweise.
Zudem erscheine die Gesamtschätzung einer Arbeitsunfähigkeit von 50% als zu tief,
nachdem die neurokognitiven Einschränkungen alleine für sich betrachtet bereits eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30-50% bewirken sollten und die
Einschränkungen aus rheumatologischer Hinsicht noch dazu kämen (act. G 36).
E.d.
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Erwägungen
1.
Streitgegenstand im Verfahren IV 2018/249 bildet die Frage der Rechtmässigkeit der
Abweisung des Begehrens um Leistungen der Invalidenversicherung (Verfügung vom
12. Juni 2018). Im Verfahren IV 2018/186 bildet die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Vorbescheidverfahren jenes Leistungsverfahrens den
Streitgegenstand (Verfügung vom 25. April 2018). Da die Streitgegenstände eng
zusammenhängen und sich dieselben Parteien gegenüberstehen, rechtfertigt es sich,
die Verfahren IV 2018/249 und IV 2018/186 zu vereinigen.
2.
Zunächst ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Rentenleistungen der
Invalidenversicherung zu prüfen. Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Gemäss Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60%, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50%, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40% invalid ist. Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch
massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
2.1.
Im Sozialversicherungsprozess gelten die Grundsätze der Untersuchungspflicht
und der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Demgemäss hat der
Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien
2.2.
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3.
Vorliegend kam das Gericht zum Schluss, dass das Gutachten von Dr. E._ und Prof.
F._ vom 31. Mai 2017 nicht als Grundlage für den Rentenentscheid dienen kann (vgl.
dazu act. G 17). Es ging im Wesentlichen davon aus, dass die Beschwerdegegnerin es
versäumt hatte, die Beschwerdeführerin zusätzlich zur psychiatrischen und
neuropsychologischen Begutachtung auch in somatischer Hinsicht begutachten zu
lassen, wie es Prof. F._ in seinem Psychiatrischen Fachgutachten vom 31. Mai 2017
empfohlen hatte (vgl. IV-act. 187-69). Ausserdem hatte auch der Hausarzt der
Beschwerdeführerin im Arztbericht vom 19. Januar 2017 (Eingang bei der IV-Stelle)
empfohlen, die Beschwerdeführerin von der MEDAS ausführlich abklären zu lassen (IV-
act. 176-9). Die geltend gemachten Schmerzen "am ganzen Körper" (sie habe Rheuma,
acht Knieoperationen, Bandscheibenvorfälle und ein Mamma-Ca. gehabt und sei am
Unterleib operiert worden, vgl. IV-act. 187-38) waren in keiner weiteren Disziplin
untersucht worden. Sodann konnte der neuropsychologische Gutachter Dr. E._ in
seinem Teilgutachten vom 4. Juni 2017 keine Aussage zur Arbeitsfähigkeit machen. Er
legte zwar dar, dass gerade bei dissoziativen Störungen mit retrograder Amnesie auch
gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu auf Grund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 53 E. 4a am Schluss).
Der Grundsatz der freien Beweiswürdigung besagt, dass die urteilenden Instanzen
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden haben, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten
(vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2020, N 54 ff. zu Art.
43). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die beklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a). Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nicht ohne zwingende Gründe
von den Einschätzungen des medizinischen Experten ab. Ein Grund zum Abweichen
kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder, wenn ein vom
Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu anderen
Schlussfolgerungen gelangt (BGE 125 V 351 E. 3b/aa).
2.3.
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Diskrepanzen beobachtet werden könnten. Er konnte aber nicht feststellen, ob die
Testergebnisse krankheitsbedingt oder willentlich verfälscht worden seien (vgl. IV-act.
187-68).
4.
Zu prüfen ist somit vorab, ob das vorliegende Gerichtsgutachten für eine
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ausreichend ist und darauf abgestellt werden kann.
4.1.
Im Gutachten vom 17. Juni 2020 führen die asim Gutachter auf somatischem
Fachgebiet aus, aus onkologischer Sicht könne der Status nach invasiv duktalem
Mammakarzinom links im Jahr 2009 bis Status nach Tumorektomie der linken Mamma
und beidseitiger Mamma-Reduktionsplastik bestätigt werden. Aktuell bestehe ein
rezidivfreier Zustand ohne Therapieindikationen. Das im Zuge der Karzinomerkrankung
und deren Therapie aufgetretene Lymphödem des linken Armes sei zwischenzeitlich
abgeklungen. Auf onkologischem Fachgebiet bestehe insofern keine Einschränkung
der Funktionsfähigkeit (act. G 28 Gesamtgutachten S. 6f.).
4.2.
Die ergänzende neurologische Begutachtung, bei welcher von der Beschwerde
führerin eine rezidivierend auftretende Schwindelsymptomatik, Gedächtnisprobleme,
Rückenschmerzen und Kopfschmerzen sowie ein unsicheres Gangbild angegeben
worden seien, sei diagnostisch zur Einschätzung eines episodischen
Spannungskopfschmerzes nach ICHD III gekommen. Daneben bestehe eine für die
Leistungsfähigkeit wenig relevante Läsion des Ramus infrapatellaris des N. saphenus
links bei Status nach mehrfachen Eingriffen am Kniegelenk. Die beklagte
Schwindelsymptomatik habe aus neurologischer Sicht nicht eindeutig zugeordnet
werden können. Es müsse am ehesten von einer funktionellen Genese ausgegangen
werden, insbesondere, da keine Hinweise für spezifische Schwindelursachen auf
neurologischem Fachgebiet bestünden. Die auch im Schreiben des Gerichts vom 13.
August 2019 erwähnte Gangunsicherheit habe im Rahmen der aktuellen
neurologischen Untersuchung nicht objektiviert werden können. Es hätten sich
unspezifische Befunde ergeben, die am ehesten im Rahmen eines funktionellen
Beschwerdebildes interpretiert würden. Hinweise für eine primär organisch
neurologische Störung hätten sich diesbezüglich nicht ergeben. Durch die
episodischen Spannungskopfschmerzen und die Sensibilitätsstörungen im Bereich der
linken unteren Extremität könnten aus neurologischer Sicht keine wesentlichen
Funktionseinschränkungen begründet werden. Auf rein neurologischem Fachgebiet sei
daher die Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt (act. G 28 Gesamtgutachten S. 7.).
4.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/25
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Im Rahmen der rheumatologischen Untersuchung hätten die von der
Beschwerdeführerin angegebenen Beschwerden einer deutlichen Gonarthrose
beidseits mit klinisch ausgeprägter Kontrakturtendenz und verkürzter dorsaler
Oberschenkelmuskulatur bei bildgebend objektivierbarer fortgeschrittener
Pangonarthrose mit Chondrokalzinose links und femoropatellar betonter Arthrose
rechts bei Status nach rezidivierenden Patellaluxationen beidseits und Status nach
mehrfachen Voroperationen zugeordnet werden können. Daneben bestehe ein
chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit klinisch leicht schmerzhafter
Beweglichkeitseinschränkung der LWS mit Oberkörperinklinationsfehlhaltung bei
radiologisch bildgebendem Nachweis von mässigen degenerativen Veränderungen im
Bereich L5/S1. Zusätzlich bestehe ein chronisches zervikothorakovertebrales
Schmerzsyndrom mit geringgradiger Bewegungseinschränkung bei radiologischem
Nachweis von geringen degenerativen HWS-Veränderungen sowie Schulterschmerzen
links und eine symptomatische Fehlstatik der Füsse. Hinweise für Affektionen neuraler
Strukturen im Bereich der Wirbelsäule bestünden nicht. Die Gonarthrose beidseits, das
chronische lumbovertebrale und zervikothorakovertebrale Schmerzsyndrom führten zu
deutlichen Funktionseinbussen. Die in der Aktenlage dokumentierte
Lymphödembildung des linken Armes bei Status nach Therapie eines
Mammakarzinoms scheine sich gemäss Aktenlage und Anamnese im Laufe des Jahres
2011 zurückgebildet zu haben (Dokumentation Physiotherapie-Bericht vom 5. April
2011). Die Kniegelenksproblematik habe sich im Verlauf der letzten Jahre
verschlechtert. Da diesbezüglich keine Voruntersuchungen dokumentiert seien, sei der
zeitliche Verlauf nicht sicher zu rekonstruieren (act. G 28 Gesamtgutachten S. 7f.).
4.4.
Auf psychiatrischem Gebiet werde die anamnestisch anzunehmende frühere
Anpassungsstörung mit depressiver Symptomatik als derzeit ohne spezifische
Behandlung remittiert beurteilt. Es bestünden Hinweise auf infantile sowie abhängige,
DD histrionische Persönlichkeitszüge, wobei differentialdiagnostisch eine
Persönlichkeitsakzentuierung diskutiert werden müsse. Aktuell lägen keine Hinweise für
eine dissoziative Symptomatik vor. Eine solche habe weder aus dem anamnestischen
Selbstbericht noch aus der aktuellen Befunderhebung abgeleitet werden können. Die
psychiatrische Untersuchung habe den Eindruck einer wenig gebildeten,
unterdurchschnittlich intelligenten Beschwerdeführerin ergeben, die durch schwierige
Entwicklungsbedingungen seit der Kindheit belastet sei. Es hätten bei ihr infantile,
abhängige und möglicherweise auch histrionische Persönlichkeitszüge festgestellt
werden können, wobei die Kriterien für das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung nicht
erfüllt seien. Es sei insgesamt von gering ausgebildeten psychologischen Ressourcen
auszugehen, wobei ein Rückzug in eine streng religiöse Lebensführung stattgefunden
4.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/25
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habe. Es sei der Beschwerdeführerin gelungen, bis zum Auftreten ihrer körperlichen
Beschwerden im Rahmen ihrer kognitiven Möglichkeiten berufstätig zu sein. Insgesamt
habe aus psychiatrischer Sicht kein die Arbeitsfähigkeit wesentlich beeinflussendes
psychiatrisches Krankheitsbild festgestellt werden können (act. G 28 Gesamtgutachten
S. 8).
Die anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung objektivierte leichte bis
mittelschwere neurokognitive Störung werde als ätiologisch multifaktoriell im Kontext
der rheumatologischen Schmerzsituation am Bewegungsapparat interpretiert, wobei
eine zusätzliche Verstärkung durch die Persönlichkeitsakzentuierung im Sinne einer
gegenseitigen negativen Beeinflussung überwiegend wahrscheinlich sei. Zusätzlich
müsse das Ergebnis vor dem Hintergrund des niedrigen Bildungsniveaus beurteilt
werden. Die bei der neuropsychologischen Untersuchung objektivierbaren Defizite
seien als valide einzustufen. Ein qualitativer Vergleich mit den Ergebnissen der
Voruntersuchung 2017 sei bei damals nicht gegebener Validität heute nicht möglich.
Insgesamt erschienen die aktuell objektivierbaren Einschränkungen etwas geringer
ausgeprägt als im Rahmen der (nicht validen) neuropsychologischen Voruntersuchung
von 2017 (act. G 28 Gesamtgutachten S. 8).
4.6.
Insgesamt diagnostizierten die Gutachter mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine deutliche Gonarthrose beidseits, ein chronisches lumbovertebrales
Schmerzsyndrom, ein chronisches cervikothorakovertebrales Schmerzsyndrom sowie
eine leichte bis mittelschwere neuropsychologische Störung multifaktorieller Ätiologie.
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe anamnestisch eine
Anpassungsstörung mit depressiver Symptomatik, aktenanamnestisch eine
dissoziative Störung, ein Hinweis auf infantile sowie abhängige und dd histrionische
Persönlichkeitszüge, Schulterschmerzen links und de facto eine "Pseudoteilparese des
linken Armes inkonstanter Ausprägung", ein Status nach Mammakarzinom links, ein
chronisches Fatigue-Syndrom, a.e. multifaktoriell bedingt, eine symptomatische
Fehlstatik der Füsse mit Valgus-Knick-Senkfussbildung beidseits, bei erfolgter
Einlagenversorgung, eine Hautpsoriasis, ein episodischer Spannungskopfschmerz
nach ICHD-3 (ICD-10: G44.2), eine Läsion Ramus infrapatellaris Nervus saphenus links
(ICD-10: G57.8) bei einem Status nach mehrfachen Eingriffen am linken Kniegelenk,
chronische Rückenschmerzen seit Jahren, eine anamnestische Hörstörung sowie
Visusstörungen, gemäss Beschwerdeführerin sehr fluktuierend. Diese Befunde haben
gemäss den Gutachtern auf rein somatischem Fachgebiet Funktionseinschränkungen
infolge der Gonarthrose und der Minderbelastbarkeit der Wirbelsäule zur Folge.
Bezüglich der onkologischen Erkrankung und auch auf neurologischem Fachgebiet
4.7.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/25
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seien keine wesentlichen Funktionseinschränkungen objektivierbar. Die körperlichen
Einschränkungen im Bereich der Kniegelenke seien auf die fortgeschrittene beidseitige
Gonarthrose zurückzuführen, die Kniegelenkskontraktur dürfte aus statischen Gründen
die Fehlhaltung des Oberkörpers begünstigen, wobei auch die Haltearbeit der
Muskulatur im lumbalen Bereich und im Glutealbereich beeinträchtigt seien. Die
Explorandin sei daher für körperlich belastende Tätigkeiten eingeschränkt.
Insbesondere könne sie körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten nicht mehr
ausüben und sei beim Besteigen von Treppen, Stufen und Leitern und beim Bücken
und in die Hocke gehen eingeschränkt. Weiterhin bestehe eine Minderbelastbarkeit der
Wirbelsäule, so dass insgesamt deutliche muskuloskelettäre Einschränkungen der
Mobilität bestünden. Darüber hinaus bestünden Einschränkungen auf Grund der
objektivierten und validen, leichten bis mittelschweren neuropsychologischen Störung,
die ätiologisch einerseits der Schmerzsituation am Bewegungsapparat zugeordnet
werden könnten, und bezüglich welcher zusätzlich eine ungünstige Interaktion mit der
psychiatrisch attestierten Persönlichkeitsakzentuierung angenommen werden müsse
(act. G 28 Gesamtgutachten S. 8ff.).
Schliesslich führt das Gutachten auch ausführliche Diskussionen über eventuell
relevante Persönlichkeitsaspekte sowie über Belastungsfaktoren und Ressourcen.
Danach bestünden bei der Beschwerdeführerin Persönlichkeitsakzentuierungen,
bezüglich derer eine Interaktion mit den nachweisbaren neuropsychologischen
Defiziten anzunehmen sei. Die Persönlichkeitsakzentuierungen erreichten zwar für sich
genommen nicht den Schweregrad einer Persönlichkeitsstörung und seien rein
hinsichtlich der psychiatrischen Partizipationsfähigkeiten nicht wesentlich
leistungseinschränkend, müssten jedoch hinsichtlich der neuropsychologischen
kognitiven Einschränkungen als relevant betrachtet werden. Sodann verfüge die
Beschwerdeführerin insgesamt über wenig Ressourcen. Sie habe keine
Berufsausbildung für eine körperlich nicht belastende Tätigkeit und lebe sozial
zurückgezogen. Insbesondere müsse von einem prämorbid eingeschränkten
Intelligenzniveau ausgegangen werden, bei zusätzlich erschwerten
Entwicklungsbedingungen in der Kindheit. Es sei insgesamt von einer ungünstigen
Kombination von schwierigen Entwicklungsbedingungen in der Kindheit mit
eingeschränkten kognitiven Ressourcen auszugehen, was die Entwicklung der
vorliegenden Persönlichkeitsakzentuierungen begünstigt und dazu geführt habe, dass
die Beschwerdeführerin über wenig Ressourcen verfüge (act. G 28 Gesamtgutachten
S. 10).
4.8.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/25
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Die Konsistenzprüfung ergab sodann, dass bei den somatischen Untersuchungen
teilweise Hinweise auf Inkonsistenzen aufgefallen seien und in bestimmten
Teilbereichen von einer leicht verdeutlichenden Beschwerdepräsentation ausgegangen
werden könne, ohne dass Hinweise für Aggravation vorlägen. Das leichte
Verdeutlichungsverhalten sei am ehesten im Rahmen der Persönlichkeitsstruktur der
Beschwerdeführerin und ihren geringen kognitiven Ressourcen zu interpretieren.
Grundsätzlich sei das geschilderte Leiden konsistent gewesen, die Beschwerdeführerin
sei in allen Lebensbereichen gleichbleibend eingeschränkt und die
neuropsychologische Störung sei als valide zu bezeichnen (act. G 28 Gesamtgutachten
S. 11).
4.9.
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit sahen die Gutachter retrospektiv eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Maschinenbedienerin eines
Schweissroboters und für alle anderen körperlich belastenden und überwiegend
mittelschweren Tätigkeiten seit Zeitpunkt der Krankschreibung vom 17. März 2009
(Beginn der Abklärungen bei chronischen thorakovertebralen Beschwerden und
Mastopathie, anschliessend die Diagnose des Mammakarzinoms mit Ausbildung eines
Lymphödems) als nachvollziehbar. Dies sei mit dem rheumatologischen Krankheitsbild,
insbesondere der Minderbelastbarkeit beider Kniegelenke, zu begründen. Darüber
hinaus sei die Belastbarkeit der Wirbelsäule eingeschränkt. Nach Diagnose des
Mammakarzinoms sei die Arbeitsfähigkeit zunächst auf Grund der
Karzinomerkrankung, deren Therapie und den daraus resultierenden Komplikationen
(Lymphödem linker Arm) aufgehoben gewesen. Das Lymphödem scheine sich im
Verlauf des Jahres 2011 zurückgebildet zu haben. Der genaue Beginn der
degenerativen Kniegelenkserkrankung könne nicht rekonstruiert werden, diesbezüglich
sei ein mehrjähriger Verlauf anzunehmen. Das Thorakovertebralsyndrom habe zur
initialen Krankschreibung geführt. In der Gesamtschau erachteten die Gutachter auf
Grund des Zusammenwirkens der somatisch bedingten mit den neurokognitiven
Einschränkungen eine Arbeitsfähigkeit von 50% für gegeben. Retrospektiv betrachtet,
befanden sie eine angepasste Tätigkeit aus somatischer Sicht seit dem Zeitpunkt der
Rückbildung des Lymphödems, ca. im April 2011, für möglich. Bezüglich der kognitiven
Einschränkungen hielten sie fest, dass diese auf Grund der fehlenden Vergleichbarkeit
mit den Vorbefunden nicht sicher rekonstruiert werden könne. Plausibel sei angesichts
der schon bestehenden Schmerzsymptomatik und der Persönlichkeitsstruktur der
Beschwerdeführerin jedoch auch schon damals die diesbezüglich in der 50%igen
Arbeitsunfähigkeit enthaltene Einschränkung von 10% (act. G 28 Gesamtgutachten
S. 11f.).
4.10.
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5.
Die Beschwerdeführerin bemängelt die Nachvollziehbarkeit der
Gesamteinschätzung der Arbeitsunfähigkeit von 50%. Da die neurokognitiven
Einschränkungen für sich allein betrachtet bereits eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit von 30%-50% bewirken sollten, sei nicht verständlich, warum
gesamthaft dennoch nur eine Arbeitsunfähigkeit von 50% resultiere. Rein
rheumatologisch betrage die Arbeitsunfähigkeit 40% und die neurokognitiven
Einschränkungen seien ja zusätzlich limitierend (act. G 36). Das asim-Gutachten führt
dazu aus, dass aus isoliert somatischer Sicht eine angepasste Tätigkeit im Pensum von
60% möglich wäre, was mit den rheumatologischen Einschränkungen zu begründen
sei. Die Einschränkung gegenüber einem Vollpensum sei dabei durch die
Motilitätsverlangsamung beim Aufstehen und Umhergehenmüssen und dem
schmerzbedingt erhöhten Pausenbedarf zu begründen. Die darüber hinaus
nachgewiesenen leicht bis mittelschweren kognitiven Einschränkungen, die die
Ressourcen der Beschwerdeführerin zusätzlich limitierten, würden in der Gesamtschau
eine zusätzlich zu den somatischen Einschränkungen bestehende Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit bedingen, so dass gesamtmedizinisch gesehen ein Pensum von 50%
durchgeführt werden könne (act. G 28 Gesamtgutachten S. 11f.). Damit wird die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeitsschätzung genügend begründet. Dass die
verschiedenen Einschränkungen nicht vollständig zu addieren sind, erscheint zudem
schlüssig und überzeugend.
4.11.
Somit erscheint das Gutachten vollständig, nachvollziehbar und in sich stimmig. Es
leitet die verschiedenen Diagnosen ausführlich ab und begründet die Höhe der
Arbeitsfähigkeit nach Diskussion der Belastungsfaktoren und Ressourcen. Auch die
RAD-Ärzte erachten das Gutachten in ihrer Stellungnahme vom 2. Juli 2020 als
beweiskräftig (act. G 32.1).
5.1.
Bei der Würdigung der gerichtsgutachterlichen Beurteilung fällt ins Gewicht, dass
sie auf eigenständigen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange umfassend
ist. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und diskutiert. Abweichungen von
den Vorakten wurden aufgeführt und nachvollziehbar begründet. Die von der
Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden wurden umfassend berücksichtigt und
gewürdigt. Damit leuchtet die Attestierung einer insgesamt 50%igen Arbeitsfähigkeit in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation ein. Weiter bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv
wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden wären. Vielmehr ist mit der
Beschwerdegegnerin festzuhalten, dass die Expertise auch ausreichend Bezug auf die
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/25
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6.
massgeblichen Indikatoren gemäss BGE 141 V 281 nimmt. Folglich ist auf das
Gerichtsgutachten des asim vom 17. Juni 2020 abzustellen und bei der
Beschwerdeführerin seit März 2009 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten und seit April 2011 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in adaptierten
Tätigkeiten auszugehen.
Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, ihre Restarbeitsfähigkeit
sei nicht bzw. nicht ohne Weiteres verwertbar. Als Grund nennt sie sowohl die
festgestellten gesundheitlichen Einschränkungen für leidensangepasste Tätigkeiten als
auch, dass sie nicht auf vorhandene Begabungen und Fertigkeiten zurückgreifen könne
(act. G 36).
6.1.
Dieser Einwand ist vorliegend jedoch unbehelflich. Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts ist bei der Berechnung des Invalideneinkommens von einem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) auszugehen. Dieser ist gekennzeichnet
durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot an und Nachfrage nach
Arbeitskräften und weist einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten auf (BGE 110 V 273
E. 4b S. 276). Das gilt sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und
intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Dabei
ist nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten auszugehen. Es können nur
Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und
subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalls zumutbar sind (Urteil des Bundesgerichts
vom 30. März 2012, 9C_910/2011, E. 3.1). Je restriktiver das medizinische
Anforderungsprofil umschrieben ist, desto eingehender ist in der Regel die
Verwertbarkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt abzuklären und nachzuweisen (Urteil
des Bundesgerichts vom 25. Oktober 2018, 9C_898/2017, E. 3.3.1). Der ausgeglichene
Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und
Arbeitsangebote, bei denen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von
Seiten des Arbeitgebers rechnen können (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Oktober
2018, 8C_458/2018, E. 4.2; SVR 2019 IV 22). Von einer Arbeitsgelegenheit kann jedoch
dann nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur noch in so
eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch
nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines
durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden
Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundesgerichts
vom 6. Juli 2017, 9C_253/2017, E. 2.2.1 mit Hinweis; und vom 26. Juni 2018,
8C_133/2018, E. 2.2.1). Auf dem massgebenden hypothetischen ausgeglichenen
6.2.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-V-273%3Ade&number_of_ranks=0#page273
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7.
Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) werden Hilfsarbeiten prinzipiell altersunabhängig
nachgefragt und erfordern grundsätzlich weder gute Kenntnisse der deutschen
Sprache noch eine Ausbildung (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Oktober 2018,
9C_898/2017, E. 3.4).
Die Beschwerdeführerin war vor Eintritt ihrer Arbeitsunfähigkeit als Maschinen
bedienerin eines Schweissroboters tätig, wobei ihr diese körperlich sehr schwere
Tätigkeit laut den asim-Gutachter nicht mehr zumutbar ist (vgl. act. G 28
Gesamtgutachten S. 11). Als optimal angepasste Tätigkeit definierten die Gutachter nur
noch körperlich sehr leichte und leichte Tätigkeiten, maximal punktuell mittelschwer
ohne ausschliessliches Stehen und Gehen mit überwiegendem Sitzen, ohne
Notwendigkeit eines häufigen Positionswechsels, ohne Hantieren von Lasten mit mehr
als 3 - 5 kg Gewicht, höchstens selten bis 7 kg und ohne gebückt oder überkopf zu
verrichtende Tätigkeitsanteile, ohne Benutzen-müssen von Treppen, Stufen und Leitern
(act. G 28 Gesamtgutachten S. 11). Damit stehen ihr trotz einiger Einschränkungen
verschiedenste Tätigkeiten offen und sind die Einschränkungen nicht dermassen stark,
dass eine Verwertbarkeit unrealistisch wäre. Mit Blick auf die gesundheitlichen
Probleme und Einschränkungen der Beschwerdeführerin sowie auch unter
Berücksichtigung des doch sehr geregelten Tagesablaufs (vgl. act. G 28
Allgemeinmedizinisches Gutachten S. 6) ist somit davon auszugehen, dass es ihr
möglich sein sollte, eine Reihe von Tätigkeiten, allenfalls auch Heimarbeiten,
übernehmen zu können.
6.3.
Zu beachten gilt es zudem, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt, als ihre
medizinisch zumutbare (Teil-) Arbeitsfähigkeit auf Grund des Gutachtens vom 17. Juni
2020 feststand (vgl. dazu: BGE 138 V 461 E. 3.3), erst 52 Jahre alt war und ihr damit
bis zur ordentlichen Pensionierung noch eine Dauer von 12 Jahren zur Verfügung steht
(vgl. Zusammenfassung der Rechtsprechung zur Frage der altersbedingt
unzumutbaren Verwertung der Restarbeitsfähigkeit: Urteil des Bundesgerichts vom 20.
Februar 2019, 9C_549/2018, E. 3), weshalb auch das Alter als Kriterium der
Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit entfällt.
6.4.
Ausgehend von der gutachterlich festgestellten Arbeitsunfähigkeit von 100% seit
März 2009 und von 50% seit April 2011 ist der Invaliditätsgrad anhand des
Einkommensvergleichs zu bemessen (vgl. Erwägung 2.1).
7.1.
Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf die Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin zuletzt in einem 80%-Pensum arbeitstätig war, von einer auch
7.2.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-V-457%3Ade&number_of_ranks=0#page457
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weiterhin geltenden Tätigkeit im Rahmen eines 80%-Pensums aus, ohne sie jedoch je
zu ihrem Pensum befragt und auch ohne eine Abklärung vor Ort für den
Haushaltsbereich durchgeführt zu haben (vgl. IV-act. 190). Auf eine solche Abklärung
kann vorliegend verzichtet werden, da die jahrelang alleinerziehende Mutter von zwei
mittlerweile erwachsenen Kindern schon aus finanziellen Gründen einer vollen
Erwerbstätigkeit nachgehen müsste und damit als Vollerwerbstätige einzustufen ist.
Dieselbe Einschätzung teilte im Übrigen bereits anlässlich einer internen Besprechung
der Beschwerdegegnerin vom 12. August 2011 der IV-Rechtsdienst (vgl. IV-act. 76).
Für das Valideneinkommen ist massgebend, was die versicherte Person im
Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am
zuletzt erzielten, der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten
Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige
Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 134 V 322 E. 4.1).
Die Beschwerdeführerin war zuletzt von Februar 2008 bis Ende August 2010 bei der
Y._ AG als Bedienerin eines Schweissroboters/Metallarbeiter tätig (IV-act. 18-2, 45).
Nachdem aus dem Arbeitgeberfragebogen jedoch nicht klar hervorgeht, ob sie einen
13. Monatslohn bezog, sie zudem jeweils eine Gratifikation erhielt und es sich um eine
körperlich relativ schwere Tätigkeit handelte, kann beim Valideneinkommen mindestens
vom Durchschnittslohn für Hilfsarbeiterinnen ausgegangen werden. Im Jahr 2010, dem
Jahr des frühestmöglichen Rentenbeginns, betrug das durchschnittliche
Jahreseinkommen der Hilfsarbeiterinnen gemäss dem Bundesamt für Statistik [BFS]
Fr. 52'728.-- (vgl. Informationsstelle AHV/IV, Anhang 2 zur Gesetzesausgabe,
Lohnentwicklung). Dieses ist vorliegend anwendbar.
7.3.
Da Art. 16 ATSG das Invalideneinkommen ebenfalls als hypothetisches
Einkommen beschreibt und die Beschwerdeführerin auch keiner Tätigkeit nachgeht,
rechtfertigt es sich hier ebenfalls, auf den obigen durchschnittlichen
Hilfsarbeiterinnenlohn abzustellen. Da die beiden Vergleichseinkommen somit auf
derselben Grundlage zu berechnen sind, kann ein Prozentvergleich vorgenommen
werden. Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter
allfälliger Berücksichtigung eines Abzugs vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts
vom 9. März 2007, I 697/05, E. 5.4 mit Hinweis). Nach der Rechtsprechung können die
statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt werden, um dem Umstand Rechnung zu
tragen, dass versicherte Personen mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in der
Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412
E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
7.4.
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8.
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu verwerten in der Lage sind. Dabei
handelt es sich um einen allgemeinen behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78
E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen - auch von invaliditätsfremden Faktoren - des konkreten Einzelfalles ab
(namentlich leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen sind. Eine schematische Vornahme des Leidensabzuges ist
unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI 2002 S. 62 und BGE 129 V 481
E. 4.2.3 mit Hinweisen).
Gemäss dem asim-Gutachten ist die Beschwerdeführerin aus rein somatischer
Sicht nur noch für körperlich sehr leichte bis leichte Tätigkeiten, max. punktuell
mittelschwer ohne ausschliessliches Stehen und Gehen mit überwiegendem Sitzen,
ohne Notwendigkeit eines häufigen Positionswechsels, ohne Hantieren von Lasten mit
mehr als 3 - 5 kg Gewicht, höchstens selten bis 7 kg und ohne gebückt oder über Kopf
zu verrichtende Tätigkeitsanteile, ohne Benutzen-müssen von Treppen, Stufen oder
Leitern arbeitsfähig (act. G 28 Gesamtgutachten S 11). Damit rechtfertigt sich auf
Grund der Einschränkungen in qualitativer Hinsicht ein Abzug von 10%. Dagegen
begründet die lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt bei Verweisungstätigkeiten im
Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art) keinen
weiteren Abzug vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts vom 17. April 2018,
9C_17/2018, E. 4.3 mit Hinweisen). Folglich resultiert bei Vornahme des
Prozentvergleichs unter Berücksichtigung einer Arbeitsunfähigkeit von 100% seit März
2009 (bei IV-Anmeldung am 8. Juni 2009) ab 1. März 2010 ein Invaliditätsgrad von
100% und damit ein Anspruch auf eine ganze Rente sowie infolge einer
Arbeitsunfähigkeit von 50% ab April 2011 und unter Berücksichtigung eines
Tabellenlohnabzugs von 10% nach der dreimonatigen Wartezeit (vgl. Art. 88a Abs. 1
der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]) ab 1. Juli 2011 ein
Invaliditätsgrad von 55% (100% - [50% x 0.9]) und somit ein Anspruch auf eine halbe
Rente.
7.5.
Schliesslich ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Vorbescheidverfahren zu prüfen.
8.1.
Gemäss Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV; SR 101) hat jede Person, die
nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und deren Rechtsbegehren nicht
8.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/25
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aussichtslos erscheint, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege. Falls es zur Wahrung
ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf unentgeltlichen
Rechtsbeistand. Beim Anspruch gemäss Art. 29 Abs. 3 BV handelt es sich um einen
"eigentlichen Pfeiler des Rechtsstaates" (BGE 132 I 214 E. 8.2).
Der gesuchstellenden Person wird im Sozialversicherungsverfahren ein
unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo die Verhältnisse es erfordern (Art. 37 Abs.
4 ATSG). Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung sind (in Analogie zum gerichtlichen Verfahren) die finanzielle
Bedürftigkeit, die fehlende Aussichtslosigkeit und die Erforderlichkeit der Vertretung
(vgl. BBl 1999 4595). Den höheren Anforderungen im Verwaltungsverfahren soll
insofern Rechnung getragen werden, als die Erforderlichkeit der Vertretung eingehend
zu prüfen ist. Dabei wird auf die Schwierigkeit des Falles und auf die Verfahrensphase
abgestellt (BBl 1999 4595; vgl. auch BGE 132 V 201; Urteil des Bundesgerichts vom
12. März 2009, 9C_816/2008, E. 4.1). Die Beschwerdegegnerin wies das Gesuch
mangels sachlicher Gebotenheit und auf Grund fehlender Notwendigkeit ab.
Demgegenüber bejahte sie die Voraussetzung der finanziellen Bedürftigkeit auf Grund
der Sozialhilfeabhängigkeit (IV 2016/320: act. G 1.1).
8.3.
Ob eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung sachlich notwendig ist, beurteilt sich
nach den konkreten Umständen des Einzelfalls. Die Rechtsnatur des Verfahrens ist
ohne Belang. Grundsätzlich fällt die unentgeltliche Rechtsverbeiständung für jedes
staatliche Verfahren in Betracht, in das die gesuchstellende Person einbezogen wird
oder das zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist (BGE 128 I 227 E. 2.3 mit Hinweisen).
8.4.
Die Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung im Vorbescheidverfahren wird in
der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung namentlich mit Blick darauf, dass
die Versicherungsträger und Durchführungsorgane der einzelnen Sozialversicherungen
den rechtserheblichen Sachverhalt unter Mitwirkung der Parteien nach den
rechtsstaatlichen Grundsätzen der Objektivität, Neutralität und Gesetzesgebundenheit
(BGE 136 V 376) zu ermitteln haben (Art. 43 ATSG), nur zurückhaltend bejaht. Es
müssen sich danach schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen stellen, und eine
Interessenwahrung durch Dritte (Verbandsvertreter, Fürsorgestellen oder andere Fach-
und Vertrauensleute sozialer Institutionen) muss ausser Betracht fallen (BGE 132 V 201
E. 4.1 in fine; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 26. November 2012,
9C_878/2012, E. 3.6 und vom 22. Februar 2013, 9C_908/2012, E. 2.2, je mit Hinweis
darauf, dass die IV-Stellen unter Umständen auf soziale Einrichtungen hinzuweisen
haben, die fachkundige Unterstützung im Verwaltungsverfahren bieten [würden], und
darauf aufmerksam zu machen haben, bei diesen ein entsprechendes Gesuch zu
8.5.
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=9C_908%2F2012&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F132-V-200%3Ade&number_of_ranks=0#page200
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9.
Somit ist zu prüfen, ob eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung im zu beurteilenden
Verwaltungsverfahren auf Grund der Verhältnisse erforderlich war. Unbestritten blieb,
dass die Beschwerdeführerin über keine Rechtskenntnisse verfügt.
stellen). Insbesondere vermag nach dieser bundesgerichtlichen Rechtsprechung selbst
die hohe Bedeutung medizinischer Gutachten für sich allein genommen die
Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung nicht zu begründen. Es bedarf vielmehr
weiterer Umstände, welche die Sache als nicht (mehr) einfach und eine anwaltliche
Vertretung als notwendig erscheinen lassen (Urteile des Bundesgerichts vom
16. Dezember 2013, 9C_692/2013, E. 4.2 und vom 22. Februar 2013, 9C_908/2012,
E. 5.2 mit Hinweisen). Von Bedeutung ist auch die Fähigkeit der versicherten Person,
sich im Verfahren zurechtzufinden (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2013,
9C_908/2012, E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).
Vorliegend war im Zeitpunkt des Vorbescheids vom 11. Juli 2017 aus
medizinischer Sicht bereits ein mehrjähriges Abklärungsverfahren mit Rückweisung
durch das hiesige Gericht zu beurteilen. Sodann war der Sachverhalt in medizinischer
Hinsicht keineswegs einfach oder klar feststellbar. Während der RAD noch mit
Stellungnahme vom 30. Juni 2017 auf das IME-Gutachten abstellen und auf die
Vornahme von Untersuchungen in weiteren Disziplinen verzichten wollte, da sowohl in
der früheren Tätigkeit als Schweisserin als auch in einer adaptierten Tätigkeit eine
Arbeitsfähigkeit von 80% ausgewiesen sei (vgl. IV-act. 188), lag bereits auf Grund der
nicht weiter abgeklärten somatischen Beschwerden offensichtlich ein weiterer
Abklärungsbedarf vor. Damit ergab sich sowohl durch die offen gebliebenen Fragen zu
den somatischen Beschwerden der Beschwerdeführerin als auch durch die
Beurteilungen in psychiatrischer und neuropsychologischer Hinsicht Potential für eine
juristisch anspruchsvolle Auseinandersetzung darüber, ob eine relevante
Arbeitsunfähigkeit begründet war oder nicht.
9.1.
Nachdem sich sodann gestützt auf die Vorbringen des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren eine weitere Abklärung durch ein
Gerichtsgutachten aufdrängte, ist im Lichte dieser Umstände von einer medizinisch
sowie rechtlich anspruchsvollen Angelegenheit auszugehen, die eine rechtliche
Vertretung als erforderlich erscheinen lässt.
9.2.
Damit ist festzuhalten, dass auf Grund der medizinischen und rechtlichen
Würdigung der ärztlichen Berichte besondere tatsächliche und rechtliche
9.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/25
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10.
Schwierigkeiten bestanden, welche das Vorbescheidverfahren vom "normalen
Durchschnittsfall" unterschied und eine Rechtsverbeiständung erforderlich machten.
Die Voraussetzungen der Bedürftigkeit, welche bereits in der angefochtenen Verfügung
unbestritten blieb, sowie der fehlenden Aussichtslosigkeit (vgl. dazu: BGE 129 I 135 E.
2.3.1) sind schliesslich ebenfalls zu bejahen. Insgesamt waren deshalb die
Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im
Verwaltungsverfahren erfüllt und die Beschwerde gegen die abweisende Verfügung
vom 25. April 2018 ist demzufolge gutzuheissen.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gegen die Verfügung vom 12. Juni 2018
betreffend Rentenabweisung (IV 2018/249) gutzuheissen, die Verfügung ist aufzuheben
und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. März 2010 eine ganze Rente und ab
1. Juli 2011 eine halbe Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der
Leistung ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
10.1.
Die Beschwerde gegen die Verfügung betreffend unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren vom 25. April 2018 (IV 2018/186) ist
ebenfalls gutzuheissen. Der Beschwerdeführerin ist die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Vorbescheidverfahren ab 18. September 2017 zu
bewilligen und Rechtsanwalt lic. iur. B. Züst ist zum unentgeltlichen Vertreter zu
ernennen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Entschädigung ist die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
10.2.
Das Beschwerdeverfahren IV 2018/249 ist kostenpflichtig. Die Kosten werden
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von
Fr. 1'000.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit mit Einholung
eines Gerichtsgutachtens als angemessen. Ausgangsgemäss hat die
Beschwerdegegnerin die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- zu bezahlen.
10.3.
bis
Im Beschwerdeverfahren IV 2018/186 betreffend unentgeltliche Verbeiständung
im Verwaltungsverfahren sind keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Da
es sich vorliegend nicht um eine Streitigkeit betreffend "IV-Leistungen" handelt, findet
die Kostenregelung von Art. 69 Abs. 1 IVG keine Anwendung (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 12. Januar 2012, IV 2010/270, E. 6.4).
10.4.
bis
In Nachachtung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hat die
Beschwerdegegnerin die für das Gerichtsgutachten angefallenen Kosten von
Fr. 23'541.80 (act. G 35) zu tragen (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2).
10.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/25
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Die Beschwerdeführerin macht ferner Auslagen im Zusammenhang mit der
Begutachtung beim asim geltend, welche ihr von den Sozialen Diensten Oberriet
vorgeschossen worden seien (act. G 36). Ihr Rechtsvertreter hat diesbezüglich Belege
für die Fahrtkosten und von damit zusammenhängenden Spesen eingereicht. Wie aus
dem einen Beleg hervorgeht, zahlte die Wohnsitzgemeinde der Beschwerdeführerin
Spesen in Höhe von Fr. 681.-- für die Hin- und Rückfahrten zwischen dem Wohnort der
Beschwerdeführerin und dem Ort der Begutachtungsstelle, für die Verpflegung der
Fahrerin sowie die Parkgebühren anlässlich der am 19. und 20. Februar 2020
durchgeführten Untersuchungen sowie des kurzfristig vor Untersuchungsbeginn
stornierten Termins vom 18. Februar 2020 an die private Fahrerin aus. Diese Auslagen
stellen zweifelsohne notwendige Kosten im Sinne von Art. 45 ATSG dar und erscheinen
angemessen. Zudem ist der Rechnung des Rotkreuz-Fahrdienstes zu entnehmen, dass
dieser für die am 24. und 25. Februar 2020 erfolgten Untersuchungen Fahrkosten,
Verpflegungsspesen und Parkgebühren in Höhe von total Fr. 1'061.60 in Rechnung
stellte, wobei auch dieser Betrag für die weiten Fahrten an zwei Tagen angemessen
erscheint (vgl. auch Entscheid des Versicherungsgerichts vom 29. März 2018,
IV 2015/27, E. 6.4). Diese Kosten von insgesamt Fr. 1'742.60 sind von der
Beschwerdegegnerin zu übernehmen (vgl. BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2 sowie IV-
Rundschreiben Nr. 314 betreffend Kostentragung bei medizinischen Gutachten, welche
durch das Gericht in Auftrag gegeben worden sind).
10.6.
Im Verfahren IV 2018/249 hat die obsiegende beschwerdeführende Partei gemäss
Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird
vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO;
sGS 963.75; in der vorliegend anwendbaren, seit 1. Januar 2019 gültigen Fassung,
siehe Art. 30 HonO) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Im hier zu beurteilenden
Fall erscheint mit Blick auf vergleichbare Fälle mit Einholung eines Gerichtsgutachtens
eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 5'000.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen. Die Festlegung einer Entschädigung aus
unentgeltlicher Rechtsverbeiständung erübrigt sich bei diesem Prozessausgang.
10.7.
bis
Dem Prozessausgang entsprechend steht der Beschwerdeführerin auch im
Verfahren IV 2018/186 eine Parteientschädigung zu. Dabei erscheint mit Blick auf die
eingeschränkte Streitfrage und die Bemühungen des Rechtsvertreters der
10.8.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte