Decision ID: a5a3eaa8-1c13-44e2-bd37-18aa9ed589bd
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1955,
Mutter von zwei erwachsenen Kindern,
ist
seit
Januar
2006
teilzeitlich
als Raumpflegerin (
Urk.
10/14
Ziff.
1 und
Ziff.
2.1)
tätig
, seit Juni 2009 für
zwei
Arbeitgeber (
Urk.
10/8
und
Urk.
10/14
)
. Seit Januar
2008
ist
sie ausserdem als Kinderbetreuerin
tätig
(Urk.
10/12
Ziff.
1
, 2.1 und 2.7
).
Aufgrund eines psychischen Leidens meldete sich die
Versicherte
am
2
1.
Mai 2010
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
(
Urk.
10/2
Ziff.
6.2
)
.
In der Folge holte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, einen Auszug aus dem individuellen Konto (
Urk.
10/6), eine
n
Arztbericht (Urk. 10/
13
) sowie
diverse Austrittsberichte behandelnde
r
Kliniken (Urk. 10/17/6
und
Urk.
10/
18) und
Arbeitgeberberichte (
Urk.
10/8, 10/12 und 10/14) ein.
M
it Vorbescheid vom 22. März 2011
errechnete sie
ei
nen nach gemischter Methode
bestimmten
Invaliditätsgrad von 47
%
und
stellte
die Zusprechung einer
Vier
tels
rente
in Aussicht (Urk.
10/27).
D
ie Sozialen Dienste der Stadt Winterthur
erhoben Einwand
(
Urk.
10/29 und 10/31)
und beantragten
, dass der
Versicherten mindestens eine halbe IV-Rente zuzusprechen
sei
.
Im Zuge
weiterer
Abklärungen holte
die IV-Stelle
ein psychi
atrisch-psychotherapeutisches Gutachten ein (
Urk.
10/40).
Nach
Gewährung des rechtlichen Gehörs, in dessen Rahmen eine Gutachtensergänzung eingeholt
worden war (
Urk.
10/41-47
)
,
und
erneutem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
10/53
-61)
verfügte
die IV-Stelle
am
10.
Januar 2013 die Abweisung
des
Renten
be
gehrens
(
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 1
0.
Januar 2013 erhob d
ie
V
ersicherte am 11. Feb
ruar
2013 unter Auflage eines Berichtes von
Dr.
med.
Y._
, Facharzt FMH für Psy
chi
atrie und Psychotherapie
,
vom
7.
Februar 2013 (Urk. 3)
Be
schwerde und
bean
tragte, es
sei ihr ab November 2010 eine halbe Invaliden
rente zuzusprechen (
Urk.
2).
Eventualiter sei die angefochtene Verfügung auf
zuheben und
zur
Neu
be
urteilung
an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(
Ziff.
2). Weiter sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und in der Person von Rechts
an
walt Daniel
Christe
die unentgeltliche
Rechtsverbei
ständung
zu bewilligen (
Ziff.
4).
D
ie Beschwerdegegnerin teilte
mit Beschwerdeantwort vom
2
0.
März 2013
mit,
auf eine entsprechende Stellungnahme zu verzichten (
Urk.
9)
, was der Be
schwer
deführerin am 2
1.
März 2013 (
Urk.
11) zur Kenntnis gebracht wurde
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bun
desge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2
ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG)
sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf ein
e
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Drei
viertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im
Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die In
validität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
ben
bereich tätig, so wird die Inva
lidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der
unent
geltlichen Mitarbeit im Be
trieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil
der Tätigkeit im Aufga
benbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprech
end der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG; ge
mischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Nach der Gerichts- und Verwaltungspraxis wird zunächst der Anteil der Er
werbs
tätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (so unter ande
rem im Haushalt) ermittelt; die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Per
son ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, beurteilt sich mit Rücksicht
auf die gesamten Umstände, so die persönlichen, familiären, sozialen und er
werb
lichen Verhältnisse. Im Rahmen der gemischten Methode bestimmt sich die Inva
lidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgaben
be
reich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die
Gesamtinva
li
dität
aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten
Teil
invaliditäten
ergibt (BGE 130 V 393 ff. E. 3.3 mit Hinweisen; vgl. BGE 134 V 9).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das
heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflicht
ge
mäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
Sozial
ver
sicherungsgericht
alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stam
men,
objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Un
terlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medi
zi
nische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztbe
richtes
ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf all
sei
tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung
der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begrün
det
sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Her
k
unft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auf
trag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1;
125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründet die Leistungsablehnung damit, dass
keine
län
gerfristig
e
relevante (rein krankheitsbedingte) Arbeitsunfähigkeit
vorliege
, die
es der Beschwerdeführerin verunmögliche, als Verkäuferin
oder
Rei
nigungs
kraft
zu arbeiten (Urk. 2 S.2). Dabei stützte sie sich im Wesentlichen auf das psy
chi
a
trisch-psychotherapeutische Gutachten von
Dr.
med
.
Z._
,
FMH Psy
chiatrie und Psychotherapie
, vom 1
9.
Dezember 2011 samt Ergänzung vom 1
6.
April 2012
(
Urk.
10/40 und 10/44).
2.2
Die Beschwerdeführerin
wandte in ihrer Beschwerde vom 1
1.
Februar 2013 ein, es bestehe eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit
, da sie
in Belastungssitu
ationen mit einer
Exa
c
erbation
der seit Jahren
bekannten paranoiden Schizo
phre
nie
re
a
giere
.
Aus näher dargelegten Gründen
bestritt
sie den Beweiswert des psychiatrisch-psychotherapeutischen Gutachtens von Dr.
Z._
und macht
e
geltend, dass
zur Beurteilung ihres Gesundheitszustandes
vielmehr
auf
die
ent
sprechenden
Stellungnahmen ihres behandelnden Psychiaters
Dr.
Y._
abzu
stellen
sei
(
Urk.
1 S. 2 ff.)
.
3.
3.1
Im
Kurzaustrittsbericht vom
8.
September 2008 (
Urk.
10/17
/
6
)
der
A._
,
über die
Hospitalisation
vom 2
9.
August 2008 bis
3.
September 2008 nannten die Ärzte
eine paranoide Schizophrenie als
D
iag
nose
,
wobei
die Beschwerdeführerin aufgrund von
Schlafprobleme
n
hospitali
siert wor
den sei
. Nach Erhöhung der Medikation habe sich die Symptomatik deutlich ge
bessert.
3.2
Mit
Bericht vom 1
8.
August
2010
(
Urk.
10/13)
diagnostizierte
Dr.
Y._
eine chronisch verlaufende paranoide Schizophrenie (ICD10
F20.0) als Ursache der Ar
beitsunfähigkeit (
Ziff.
1.1).
Regelmässig komme es au
ch unter
Dauerbehand
lung
mit entsprechender Medikation bei seiner Patientin zu schizophrenen Epi
soden mit affektiven Störungen und paranoidem Erleben. Seit der
letzten
Epi
sode
(Sommer 2008)
habe sie sich nie mehr restlos stabilisiert
. Die
Remission sei
nur
noch
unvollständig. Die
psychiatrische Erkrankung dauere bereits über 25 Jahr
e
,
wobei sich der Gesundheitszustand seiner Patientin seit etwa
zwei
Jahren wie
de
r
deutlich
verschlechtert habe
(
Ziff.
1.4).
Aufg
rund der schizophrenen Symptome
sei sie in ihrer bisherigen
Nebentä
tigkeit
als Putzfrau
beeinträchtig
t
und stark ver
mindert leistungsfähig
. B
ereits
bei kleineren, unerheblichen Be
lastungssitua
ti
on
en
resp.
k
leinen Anforderungen von aussen
reagiere sie
mit
pa
ranoiden
Symp
tomen (
Ziff.
1.7).
Am
1
0.
Juni 2011
(
Urk.
10/35)
gab
Dr
.
Y._
an,
seine Patientin sei seit vielen Jahren in einem stark eingeschränkten Mass als Putzfrau
tätig.
Bereits bei einer vorübergehend leichten Erhöhung des Arbeitspensums komme sie sehr rasch an ihre Belastungsgrenze. Es würden dann häufig Krisensituationen entstehen, die
eine entsprechende Intervention mit medikamentöser Anpassung verlangen
wür
den
. In den Gesprächen sei
jeweils
eine deutliche Verschlechterung mit psy
cho
tischen Symptomen
(
paranoiden Ideen
)
festzustellen. Vor
zwei
Jahren habe sie in diesem Zus
ammenhang auch stationär behandelt werden müssen. An die Tä
tig
keit als Putzfrau sei sie im Rahmen einer Nischentätigkeit adaptiert und
verfüge
dort
bereits
seit langem
über
verständnisvolle
Bezugspersonen.
E
ine andere Tätig
keit oder eine Steigerung des aktuellen Arbeitspensums als Putzfrau sei ohne
Exacerbation
der Schizophrenie nicht denkbar. Die Restarbeitsfähigkeit habe sie in ihrer aktuellen Tätigkeit im Umfang von 15-16 Stunden pro Woche ausge
schöpft.
3.
3
In seinem
psychiatrisch-psychotherapeutischen Gutachten vom 1
9.
Dezember 2011
(
Urk.
10/40) stellte
Dr.
Z._
, mit Ausnahme bei stationären oder
teilsta
tionären
Hospitalisationen
,
keine
Diagnose mit Auswirkung
auf die Arbeits
fähig
keit.
Er
befand,
es sei
bei der Beschwerdeführerin von einer
mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit
seit 1974 bestehenden
(
vor allem
paranoiden) Schi
zophrenie
mit episodisch remittierendem Verlauf
auszug
ehen
(S. 11)
. In den akuten Epi
so
den seien die
ICD10
F20.03
Kriterien
ausreichend
dokumentiert
, wobei bei
ange
messener und zumutbarer Psychopharmakotherapie stabile Vollremissionen der akuten psychotischen Symptome erreicht worden
seien
.
Die Beschwerdeführerin
habe trotz Erkrankung nach 1974 eine Ausbildung erfolg
reich beendet, lang
jährig
bis 1984 auf ihrem Beruf gearbeitet, sich um Familie (bis 1996) und Kinder
er
ziehung gekümmert und sei heute beruflich sowie im Freizeitverhalten (inkl. Auslandreisen) aktiv.
Es
könne keine längerfristige rele
vante (rein
krankheits
be
dingte
) Arbeitsunfähigkeit begründet werden
. Der
Ver
dacht auf eine unvoll
stän
dige Remission
der Schizophrenie seit 2008 könne nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit belegt werden.
Die Beibehaltung der psychiatrisch-psycho
therapeutischen Behandlung sei
aber
anzustreben
und das bislang eingesetzte Medikament konsequent zu nutzen
, um bei
Einzelepiso
den
der Schizophrenie rasch und stringent therapeutisch hilfreich wirken zu können
(S. 12)
.
Die Einschätzung
von
Dr.
Y._
,
weshalb der
Beschwerdeführerin eine Leis
tungssteigerung nicht zumutbar sei, sei
nicht nachvollziehbar
. Er
habe be
i
sei
ner
ärztlichen
Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit auch krankheitsfremde Ge
sichts
punkte
(Lebensalter, Lage
am Arbeitsmarkt, persönliche Berufswünsche, finan
zielle
Sorgen, Scheidung/Umzug der Töchter/allein lebend etc.)
berück
sichtigt und
von krankheitsbedingten, objektivierten Befunden abgegrenzt.
Diese
krankheits
fremden
Gesichtspunkte würden
vor allem
therapeutische Rele
vanz besitzen und
damit nicht in die Beurteilung der medizinisch-theoretischen Zumutbarkeit einer
allfälligen Tätigkeit aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht einfliessen
(S.
13)
.
A
us psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht
seien
dem
gemäss
keine Hin
weise vorhanden, die weitere schwere Defizite aufgrund eines
Gesundheits
scha
den
s
und/oder eine Unzumutbarkeit zu deren Überwin
dung begründen könn
ten.
Es
seien keine wesentlichen dauerhaften Einschrän
kungen erkennbar
(S. 14)
.
Mit
Ergänzung
vom 1
6.
April 2012 (Urk. 10/44) zum Gutachten wiederholte er
im Wesentlichen das bereits Dargelegte
und
führte aus
, dass weder als Verkäu
fe
rin
noch als Reinigungskraft eine längerfristige relevante (rein
krankheitsbe
ding
te
) Arbeitsunfähigkeit begründet werde.
Der Verdacht auf eine unvollstän
di
ge
Remission der Schizophrenie seit 2008 könne nicht mit überwiegender Wahr
schein
lichkeit belegt beziehungsweise nachvollzogen werden.
3.4
Mit Schreiben vom
7.
Februar 2013 (
Urk.
3) zuhanden der Beschwerdeführerin wie
derholte
Dr.
Y._
in der Hauptsache das
bereits im Bericht vom 18.
Au
gust 2010 an die IV-Stelle
Ausgeführte
und betonte
wiederum, dass
sie
bei allen
auftretenden grösseren und kleineren
Alltagsbelastungen immer wie
der psychisch
dekompensiere
und nur dank langjähriger therapeutischer
Bezie
hungskonstanz
, medikamentöser Anpassungen sowie intensive
n
Sitzungsfre
quenzen
beruhigt werden könne.
Seit 2004 sei es im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit als Rei
ni
gungskraft vermehrt zu Überforderungssituationen gekom
men. Bereits
Wochen
vor
einer vorübergehenden Erhöhung des Arbeitspensums
– wie
zum Beispiel
bei
der Grossreinigung der Schulhäuser während den Ferien
–
reagiere sie mit Un
ruhe, Schlafstörungen und schliesslich psychotischen Epi
soden.
D
a sie im Rah
men
ihrer Tätigkeit
aufgrund
allfälliger
Mehrbelastung
zu
dekompensieren
ge
droht habe
, habe er sie mehrmals krankschreiben müssen
.
Eine bevorstehende
S
chulhausreinigung im 2008 habe
den
n
auch zum Aufent
halt in der
A._
vom 29.
August 2008 bis
3.
September 2008 geführt
, da sie
aufgrund der
zeitlichen An
forderungen überfordert
gewesen sei
. Sie habe
das Gefühl gehab
t,
aufgrund finanzieller Gründe
durchhalten zu müssen
.
Es sei
da
mals eine
deutliche An
passung der Medikation nötig
gewesen,
um
sie wieder aus der psychotischen, paranoiden Schizophrenie heraus
zuführen
.
S
eit der letz
ten Episode
sei sie
unter
anderem
auch
dünnhäutiger geworden und komme noch schneller an ihre Gren
zen
, wobei sie
vermehrt mit akuten Symptomen wie paranoiden Ängsten
und
affektstarr
em
sowie
starkem Misstrauen
reagiere
.
4.
4.1
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung
ist i
n Bezug auf Berichte von Haus
ärzten
grundsätzlich
der Erfahrungstatsache Rechnung
zu
tragen, dass
diese
mit
unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifels
fällen
eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen
(BGE 125 V 351 E.
3b/cc S.
353).
Da
b
ei handelt es sich um eine Richtlinie, die als solche mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (
Art.
61
lit
. c ATSG) vereinbar ist. Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfas
senden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom be
han
delnden Mediziner stammt, bedeutet nicht, dass sie von vornherein unbe
acht
lich ist. Das Gericht kann also auch auf
die spezi
ellen, etwa dank der lang
jährigen medizinischen
Betreuung nur einem Hausarzt zugänglichen Kenntnisse des Gesundheitszustand
es eines Versicherten abstellen
. Auf der anderen Seite ist es wegen der unterschiedlichen Natur von Behand
lungsauftrag des therapeu
tisch tätigen (Fach-)Arztes und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten me
dizinischen
Experten
nicht geboten, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Ab
klärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Ein
schätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine klärende Ergänzung des medi
zini
schen Dossiers (oder auch direkt eine abweichende Be
urteilung) aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige - und nicht rein subjektiver ärztlicher Inter
pretation entspringende - Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (
Urteil 9C_468/2009 vom
9.
Sep
tember 2009 E. 3.3.1 mit Hinweisen
).
4
.2
Vorab ist festzustellen, dass
die
involvierte Ärzteschaft die gleiche Diagnose
, namentlich eine paranoide Schizophrenie mit episodisch remittierendem Ver
lauf,
stellte
(
Urk.
10/40 S. 11 und
Urk.
10/13
Ziff.
1.4
)
.
Hinsichtlich der Auswir
kung der psychiatrischen Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit
liegen jedoch divergierende Schilderungen vor.
4.3
Dr
.
Z._
verneinte aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht eine rele
vante
längerfristige
Arbeitsunfähigkeit als Reinigungskraft.
Diese Schlussfolge
rung be
gründete er
mit der Vorgeschichte der Beschwerdeführerin, namentlich
damit,
dass
sie
trotz ihrer Erkrankung nach 1974 eine erfolgreiche Ausbildung been
de
te, langjährig bis 1984 auf ihrem Beruf arbeitete, sich bis 1996 um die Familie sowie Kindererziehung kümmerte und nach wie vor beruflich und im
Freizeit
verhalten
(inklusiv Auslandreisen)
aktiv ist
(
Urk.
10/40 S. 12)
.
Er
vertrat die An
sicht, dass der Verdacht auf eine unvollständige Remission der Schizo
phrenie seit
2008 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit belegt
wurde
.
Gänzlich
unberücksichtigt
blieb
im psychiatrisch-psy
chotherapeutischen
Gut
ach
ten
vom 1
9.
Dezember 2011
jedoch
der Umstand, dass die Beschwerdefüh
rerin
infolge
von Schlafproblemen im Zeitraum vom
2
9.
August 2008 bis 3. September
2008
in der
A._
hospitalisiert
worden war
.
Obschon
die damalige
Hospitali
s
a
tion
für die vorliegende Bestimmung der Arbeitsunfähigkeit
nicht von haupt
sächlicher Bedeutung
ist,
wurde
sie
von Dr.
Y._
einschlägig the
matisiert und
ent
sprechend ins Licht gerückt
(Urk.
10/35)
.
So sc
hilderte er
ge
rade
anhand
dieses
stationären Aufenthalts
im 2008
die Problematik
eine
r
Exacer
bation
der
Schizophrenie,
weil
die Beschwerdeführerin
damals
vorübergehend mehr ar
beiten
musste.
Da
es
Dr.
Z._
vollständig
unterliess
auf
ihren
damaligen
psy
chischen Zusammenbruch
Bezug zu nehmen
und lediglich
aufgrund ihrer be
ruflichen
be
ziehungsweisen
familiären Vorgeschichte
eine vollständige Remis
sion annahm,
erscheint das entsprechende Gutachten
als lückenhaft und
wenig plausibel.
4.4
Die Schilderungen und Angaben von
Dr.
Y._
sind detaillierter
und nachvoll
ziehbarer
.
Aufgrund seiner jahrelangen therapeutischen Betreuung und Be
hand
lung der Beschwerdeführerin
vermochte er
festzustellen, dass
sie
wieder
holt
bei übermässiger
Alltagsbe
lastung psychisch
dekompensiert
e
.
Vor allem die
inten
si
vere Arbeitsphase im 2008 und die damit einhergehende Mehrbelastung
sah er als
Auslöser
für den psychischen Kollaps, der
schliesslich
zum
stationä
ren
Auf
enthalt
in der
A._
führte. Unter Bezugnahme
auf aktuelle
Geschehnisse legte er plausibel dar, dass die Beschwerdeführerin erhöhter Belastung nicht standhält
und
mit Krankheitsschüben
reagiert
.
A
ufgrund
der
langjährigen the
rapeutischen
und medizinischen Betreuung der Beschwerdeführerin
kennt
er
ihre Vorge
schich
te und verfügt über spezielle Kenntnisse
ihres Gesundheitszu
standes
,
auf die es abzustellen gilt
.
Im Vordergrund seiner Einschätzung stehen denn auch objekti
vier
bare Geschehnisse und nicht lediglich subjektiv interpre
tierbare Aspekte. Auch
legte
Dr.
Y._
seiner Einschätzung keineswegs
krank
heitsfremde
Ge
sichts
punkte zu Grunde, beachtete aber den Einfluss externer Faktoren – wie fi
nan
zielle Sorgen nach dem Auszug der beiden Töchter – auf die
Krank
heits
entwicklung
, was insgesamt ein kohärentes Bild ergibt.
Es
er
scheint daher ange
bracht, auf
seine
Ausführen vom
7.
Februar 2013 abzustel
len
, zumal der
Bericht
dem
Beweiswert einer ärztlichen Einschätzung entspricht.
Damit ist der Sachverhalt als in dem Sinne erstellt zu betrachten, dass die Be
schwerdeführerin in ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit noch im Umfang von 15-16
Stunden pro Woche arbeitsfähig ist.
5.
5.1
Es bleibt zu prüfen, wie sich die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit der Beschwer
deführerin in erwerblicher Hinsicht
sowie
im Aufgabenbereich auswirkt.
5.2
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des
Einkommens
vergleichs
gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
16 ATSG grund
sätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig
nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Mass
gabe der im Ein
zel
fall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorge
nommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser
Pro
zentzahlen
genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypotheti
sche
Erwerbs
einkommen
ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das
In
validenein
kommen
auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt. Diese
Berech
nungsweise
ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhält
nisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für
den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und
40 Prozent (
Art.
28
Abs.
2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (so
ge
nann
ter
Prozentvergleich; BGE 114 V 310 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis).
Ei
genen Angaben zufolge
wäre
die Beschwerdeführerin bei guter Gesundheit zu 80-100
% erwerbstätig
(
Urk.
10/23/3)
.
Demgemäss ist
davon auszugehen, dass sie im Gesundheitsfall zu 90
%
erwerbstätig wäre und dass die restlichen
ver
bleibenden 10
%
eines Vollpensums in den Aufgabenbereich entfielen.
Die dies
bezüglichen Feststellungen der Beschwerdegegnerin sind nicht zu beanstanden und wurden auch nicht bestritten.
5.3
5.3
.1
Hinsichtlich des ursprünglich erlernten Berufs der Beschwerdeführerin als Ver
käuferin ist festzuhalten, dass sie diesen im
Jahr 19
84
auf
gab und nach der
Ge
burt ihrer Töchter auch nicht
wieder aufnahm
(
Urk.
10/2
Ziff.
5.2 und Urk. 10/6
)
. Vielmehr fing sie
im Jahr 1997
an
,
als
Raumpflegerin
(sowie in der
Kinder
be
treuung
)
zu arbeiten und
verrichtet diese
Tätigkeit
bis heute
(Urk.
10/2
Ziff.
5.4,
Urk.
10/8,
Urk.
10/12 und
Urk.
10/14
)
.
Da ein gesundheitsbedingter Verzicht auf die Wiederaufnahme der Tätigkeit als Verkäuferin 1997 nach der Kinderpause we
der medizinisch ausgewiesen noch behauptet wurde
, ist davon auszugehen, dass
die
Beschwerdefüherin
auch im Gesundheitsfall a
ls Raumpfle
gerin arbeiten
würde
.
Da die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit ef
fektiv verwertet un
d im angestammten Beruf die entsprechende
Restarbeitsfä
higkeit
besteht,
recht
fer
tigt
es
sich
,
zur Bemessung des Invaliditätsgrades im
Er
werbsbereich
einen
Pro
zentvergleich
vorzunehmen.
5.
3.2
Laut den Angab
en im Arbeitgeberfragebogen beträgt die
allgemeine
Arbeitszeit
als Reinigungskraft
im
Vollpensum
42
Stunden pro Woche (
Urk.
10/14
Ziff.
2.9)
.
Aufgrund ihres Gesundheitszustandes ist es der Beschwerdeführerin jedoch nur möglich im Umfang von 15-16 Stunden pro Woche zu arbeiten
. Dies
entspricht
einem
Arbeitspensum von 38 %
(
100 :
42 x 16
)
.
Demzufolge
beträgt die
Ein
schränkung im Tätigkeitsbereich
57.8 %
(100 –
100 :
90 x 38
)
und ergibt
einen
Teilinvaliditätsgrad von
52
%
(57.8 x 0.9)
im Erwerbsbereich.
5.4
Die durchgeführte Abklärung vor Ort ergab gemäss Bericht vom
1.
März 2011, dass keine Einschränkung im Haushaltsbereich
gegeben ist
(
Urk.
10/23 S.
5
f.
). Der Bericht und die aus der Abklärung gezogene Schlussfolgerung sind über
zeugend und
wurden seitens der Beschwerdeführerin anerkannt (
Urk.
1 S.
8)
, wes
halb darauf abgestellt werden kann.
Der nicht erwerbsbezogene
Invaliditäts
grad
beträgt demgemäss 0 %.
5.5
Bei einem nicht erwerbsbezogenen Invaliditätsgrad von 0 %
resultiert
damit
ein
Gesamt
invaliditätsgrad von
52
%.
Die Beschwerdeführerin hat demgemäss ab 1. November 2010 (Anmeldung im Mai 2010 plus sechs Monate) An
spruch
auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung.
Die Beschwerde ist
damit
antrags
gemäss
gutzuheissen.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Angesichts des vollständigen Obsiegens ist der Beschwerdeführerin eine
Partei
entschädigung
zuzusprechen, womit ihr Gesuch um
unentgeltliche
Rechtsver
beiständung
gegenstandslos geworden ist. Nach Einsicht in die Kostennote
vom 15. Januar 2014 (Urk.
12)
ist ihr somit
Fr.
2‘345.75
zuzusprechen.