Decision ID: a2876845-22f6-4a99-a8cb-3d8111b361f7
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X (Jahrgang 1954, deutscher Staatsangehöriger) ist verheiratet und hält sich
während der Woche alleine in A (Politische Gemeinde B) auf. Er arbeitet als Ing. bei der
M AG und übt in der Schweiz zudem eine selbständige Tätigkeit als Softwareentwickler
aus. Im Jahr 2008 wohnte er in einer Mietwohnung in B und verbrachte die
Wochenenden regelmässig bei seiner Familie in Deutschland. Mit Entscheid vom
2. Juni 2010 anerkannte das Steueramt des Kantons St. Gallen X als internationalen
Wochenaufenthalter mit Wohnsitz im Ausland, Entlöhnung durch einen Schweizer
Arbeitgeber und damit seine beschränkte Steuerpflicht aufgrund wirtschaftlicher
Zugehörigkeit in der Schweiz bzw. im Kanton St. Gallen. Weiter wurde festgehalten,
dass eine ergänzende ordentliche Veranlagung zur Quellensteuer mangels
Rechtsgrundlage nicht vorgenommen werde und eine Veranlagung der Einkünfte aus
selbständigem Nebenerwerb in der Schweiz vorbehalten werde.
B.- Für die Steuerperiode 2008 wurde X mit einem steuerbaren Einkommen von
Fr. 42'900.-- zum Satz von Fr. 155'900.-- veranlagt. Dabei schied die
Veranlagungsbehörde die Einkünfte aus unselbständigem Haupterwerb von
Fr. 115'168.-- und aus Wertschriften und Guthaben von Fr. 40.-- sowie den Ertrag aus
Eigennutzung, Miet- und Pachtzinsen von Fr. 15'000.-- an Deutschland aus und ging
von einem Einkommen aus selbständigem Nebenerwerb von Fr. 46'471.-- in der
Schweiz aus. Die dagegen erhobene Einsprache wies das kantonale Steueramt mit
Entscheid vom 4. Juni 2012 ab. Satzbestimmend erfasste sie auch das mit der
Quellensteuer erfasste Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit.
C.- Gegen den Einspracheentscheid erhob X mit Eingabe vom 4. Juni 2012 (Datum
Poststempel: 5. Juli 2012) Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem
Antrag, die Veranlagung sei gemäss dem Entscheid des kantonalen Steueramts vom
2. Juni 2010 zu berichtigen. Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom
3. September 2012 die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Der
Beschwerdeführer äusserte sich innert Frist nicht zur vorinstanzlichen Vernehmlassung.
Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat stillschweigend auf eine Stellungnahme zur
Beschwerde verzichtet.
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Auf die weiteren Einzelheiten wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Beschwerdeerhebung ist gegeben. Die Beschwerde vom 5. Juli 2012 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Sie erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 140 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer,
SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.- Unbestritten ist, dass das Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit zu
Recht an der Quelle besteuert worden ist. Der Beschwerdeführer anerkennt im
Grundsatz die ordentliche Veranlagung des Nebenerwerbseinkommens aus
selbständiger Tätigkeit; dieses dürfe jedoch nicht progressiv zu diesem
Quellensteuereinkommen erfasst werden.
a) Gemäss Art. 15 Abs. 1 des Abkommens zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland zur Vermeidung der
Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern von Einkommen und Vermögen vom
11. August 1971 (SR 0.672.913.62, abgekürzt: DBA-D) können Gehälter, Löhne und
ähnliche Vergütungen, die eine in einem Vertragsstaat ansässige Person aus
unselbständiger Arbeit bezieht, nur in diesem Staat besteuert werden, es sei denn,
dass die Arbeit in dem anderen Vertragsstaat ausgeübt wird. Wird die Arbeit dort
ausgeübt, so können die dafür bezogenen Vergütungen in dem anderen Staat
besteuert werden. Das DBA-D sieht dabei keine Sonderregelungen zur Behandlung von
Wochenaufenthaltern vor, weshalb die Steuerhoheit für die Besteuerung der
Erwerbseinkünfte dem Arbeitsortsstaat zukommt (vgl. Zigerlig/Jud, in: Zweifel/Athanas,
Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bd. I/2b, 2. Aufl. 2008, N 5 zu Art. 91
DBG).
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b) Art. 4 und 5 DBG regeln die beschränkte Steuerpflicht aufgrund wirtschaftlicher
Zugehörigkeit. Abs. 1 lit. a von Art. 5 DBG erklärt natürliche Personen ohne
steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt in der Schweiz als steuerpflichtig, wenn sie
hier eine Erwerbstätigkeit ausüben. So verhält es sich, wenn sich eine Person während
weniger als 30 Tagen in der Schweiz zu Erwerbszwecken aufhält oder wenn sie als
Grenzgänger oder Wochenaufenthalter in der Schweiz erwerbstätig ist. In diesen Fällen
ist auf dem Erwerbseinkommen von Arbeitnehmern die Quellensteuer nach Art. 91
DBG zu erheben (BGE 137 II 246 E. 3).
Der Steuerabzug an der Quelle ersetzt die ordentliche Veranlagung und den
ordentlichen Bezug hinsichtlich aller Einkünfte, die der Quellensteuer unterliegen,
vollständig. Es findet insbesondere keine nachträgliche ordentliche Veranlagung nach
Art. 90 Abs. 2 DBG statt. Bei der Quellensteuer nach Art. 91-97 DBG gilt daher der
Grundsatz der Einzelbetrachtung mit der Konsequenz, dass der Progressionsvorbehalt
nach Art. 7 Abs. 1 DBG bei einer derartigen Besteuerung nicht zum Tragen kommt (vgl.
Richner/Frei/ Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N 6 zu VB
zu Art. 91-101 DBG). Dies bedeutet, dass aufgrund des Abgeltungscharakters und der
selbständigen Erhebung der Quellensteuer die von dieser erfassten Einkünfte auch
nicht zur Satzbestimmung der im ordentlichen Verfahren veranlagten Einkünfte
herangezogen werden (Agner/Jung/Steinmann, Kommentar zum Gesetz über die
direkte Bundessteuer, Zürich 1995, N 4 zu Art. 7 DBG).
c) Das kantonale Steueramt anerkannte am 3. Juni 2010 den Status des
Beschwerdeführers als internationalen Wochenaufenthalter im Ausland für das Jahr
2007 (vgl. act. 2). Dass sich dieser Status für das Jahr 2008 verändert haben soll,
wurde weder geltend gemacht, noch ergibt es sich aus den Unterlagen. Folglich ist für
das Jahr 2008 ebenfalls von einem Wochenaufenthalterstatus des Beschwerdeführers
auszugehen. Im Jahr 2008 erhielt dieser für seine unselbständige Erwerbstätigkeit bei
der M AG in A einen Nettolohn von Fr. 115'168.--. Aufgrund seines Wohnsitzes in
Deutschland wurde ihm darauf eine Quellensteuer in der Höhe von Fr. 20'259.--
erhoben (vgl. act. 7/1 Lohnausweis). Da der Steuerabzug an der Quelle die ordentliche
Veranlagung ersetzt, darf nach den oben dargelegten Grundsätzen bei der
Besteuerung des Einkommens aus dem selbständigen Nebenerwerb des
Beschwerdeführers das Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit nicht mehr
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satzbestimmend berücksichtigt werden. Daraus folgt auch, dass die im
Zusammenhang mit der unselbständigen Erwerbstätigkeit angefallenen Berufskosten
nicht abgezogen werden können (vgl. Zigerlig/Jud, a.a.O., N 2 zu Art. 99 DBG).
Richtig und unbestritten ist, dass die Einkünfte aus Wertschriften und Guthaben sowie
der Ertrag aus Eigennutzung, Miet- und Pachtzinsen der in Deutschland gelegenen
Liegenschaft in der Schweiz nicht besteuert werden. Dies wurden sie im vorliegenden
Fall auch nicht. Diese Einkünfte sind jedoch beim Steuersatz zu berücksichtigen (vgl.
R. Cadosch, Kommentar zum DBG, 2. Aufl. 2008, N 2 zu Art. 6 DBG).
d) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde gutzuheissen ist. Der
angefochtene Einspracheentscheid vom 4. Juni 2012 ist aufzuheben. Unter
Berücksichtigung der Einkünfte aus Wertschriften und Guthaben sowie eines Ertrags
aus Eigennutzung, Miet- und Pachtzinsen ist das satzbestimmende Einkommen des
Beschwerdeführers auf Fr. 45'800.-- zu reduzieren. Der Beschwerdeführer ist somit für
die direkte Bundessteuer 2008 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 42'900.--
zum Satz von Fr. 45'800.-- zu veranlagen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die Verfahrenskosten zulasten des
Staates (Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- ist angemessen
(vgl. Art. 144 Abs. 5 DBG in Verbindung mit Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Dem Beschwerdeführer ist der
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückzuerstatten.