Decision ID: f174a7c3-9647-5e17-8896-bd927c0dafb9
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
V._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Paul Rechsteiner, Oberer Graben 44,
9000 St. Gallen,
gegen
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft, Hohlstrasse 552, Postfach, 8048 Zürich,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Invalidenrente
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1954 geborene V._ war Leiter der A._, einer Institution der Stiftung B._,
und damit bei der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft (Allianz) obligatorisch
gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 13. Februar 2002 brannte es in seinem
Einfamilienhaus und er zog sich Verbrennungen 2. und 3. Grades an Armen, Händen,
Gesicht, Hals und Beinen zu, insgesamt an 39,5% der Körperoberfläche (UV-act. 3-5,
8). Die Allianz erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Nach stationärer Behandlung im
Universitätsspital Zürich und Rehabilitation in der Thurgauer Klinik St. Katharinental
nahm der Versicherte seine Arbeitstätigkeit am 22. Mai 2002 zu 30% wieder auf (UV-
act. 19, 25 und 36). Die Arbeitsfähigkeit konnte er in der Folge bis auf 75% ab
1. November 2002 steigern (UV-act. 27, 37 und 39).
A.b Zwischenzeitlich waren beim Versicherten psychische Beeinträchtigungen
aufgetreten (UV-act. 50). Vom behandelnden Psychiater, Dr. med. C._, Facharzt FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie, wurde eine lang dauernde Anpassungsstörung
nach Brandunfall vom 13. Februar 2002 bei vorbestehender Persönlichkeitsvariante mit
Autoritätsproblemen, sozialen Ängsten und Beziehungsängsten (ICD-10 F43.23 und
F60.9) diagnostiziert und die Arbeitsunfähigkeit mit ca. 30% eingeschätzt (Bericht vom
30. Dezember 2003, UV-act. 64). Mit Aktenbeurteilung vom 23. Februar 2004 kam
Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und beratender Psychiater
der Allianz, zum Schluss, es habe eine posttraumatische Belastungsstörung
vorgelegen, die jetzt, zwei Jahre nach dem Brand als geheilt beurteilt werden könne
(UV-act. 66). In der Folge stellte die Allianz offenbar die Taggeldzahlungen aus der
obligatorischen Unfallversicherung ein und erbrachte weitere Taggelder für die ab
14. Februar 2004 attestierte Arbeitsunfähigkeit des Versicherten aus der ebenfalls bei
ihr bestehenden Krankentaggeld-Versicherung. Dr. C._ erhöhte die
Arbeitsunfähigkeit des Versicherten ab Februar 2005 von 30 auf 40% (UV-act. 81).
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A.c Als der Versicherte nach Meinung der Allianz den medizinischen Endzustand
erreicht hatte, holte diese bei den Ärzten der Klinik für Wiederherstellungschirurgie am
Universitätsspital Zürich und mit Zusatzfragen im Rahmen der Begutachtung für die
Invalidenversicherung (IV) durch Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, Stellungnahmen betreffend den Integritätsschaden des
Versicherten ein (UV-act. 90 und 98). Gestützt darauf und auf eine Beurteilung von
Dr. med. F._, Facharzt FMH für Chirurgie und beratender Arzt der
Beschwerdegegnerin, vom 28. April 2006, gewährte die Allianz dem Versicherten am
15. Mai 2006 schriftlich das rechtliche Gehör (UV-act. 101). Darin hielt sie fest, die
Taggeldleistungen der Unfallversicherung seien per 13. Februar 2004 eingestellt und
durch Taggelder der Kranken-Taggeldversicherung abgelöst worden. Medizinisch sei
ein Endzustand erreicht. Der Unfallanteil am aktuellen psychischen Zustandsbild
betrage 331⁄3%. Sie sehe vor, den rein unfallbedingten Integritätsschaden mit 27% bzw.
CHF 28'840.00 (20% für die physischen und ein unfallbedingter Anteil von 7% für die
psychischen Beeinträchtigungen) zu entschädigen. Die Kosten für die zweckmässige
Behandlung der Verbrennungsnarben würden weiterhin übernommen, eine
Leistungspflicht für die weitere Psychotherapie werde hingegen abgelehnt.
A.d Auf dieses Schreiben hin beauftragte der Versicherte Rechtsanwalt Paul
Rechsteiner mit seiner Vertretung (UV-act. 102). Dieser erklärte sich gegenüber der
Allianz mit der Höhe der Integritätsentschädigung einverstanden und drängte auf deren
umgehende Verfügung. Weiter stellte er fest, dass bisher keine Schritte unternommen
worden seien, den unfallbedingten Teil der bleibenden Erwerbsunfähigkeit abzuklären,
und forderte Informationen über das diesbezügliche weitere Vorgehen (UV-act. 105).
Die Allianz erliess daraufhin die Verfügung vom 14. Juli 2006, mit der sie dem
Versicherten die angekündigte Integritätsentschädigung zusprach, die Übernahme der
weiteren Heilbehandlung der Verbrennungsnarben zusicherte, die Kostenübernahme
der psychotherapeutischen Behandlung per 30. April 2006 einstellte und die separate
Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente vorbehielt (UV-act. 107).
A.e Gegen diese Verfügung erhob die EGK-Gesundheitskasse (EGK) als
Krankenversicherer des Versicherten am 17. Juli 2006 Einsprache (UV-act. 106). Mit
Begründung vom 27. Juli 2006 beschränkte die EGK ihre Einsprache auf die
Einstellung der Leistungen für Psychotherapie und führte an, es habe sich um einen
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schweren Unfall gehandelt, der geeignet sei, psychische Beeinträchtigungen zu
verursachen. Diese und somit deren Behandlung seien weiterhin unfallkausal, weshalb
die Allianz dafür leistungspflichtig bleibe (UV-act. 109). Die Allianz wies die Einsprache
der EGK mit Entscheid vom 26. März 2007 ab (UV-act. 115). Sie nahm darin ausführlich
Stellung, weshalb die psychischen Beeinträchtigungen, insbesondere das
Erschöpfungssyndrom, nicht mehr kausal zum Unfall vom 13. Februar 2002 seien. Der
Einspracheentscheid wurde auch dem Rechtsvertreter des Versicherten zugestellt (UV-
act. 114). Sowohl die EGK als auch der Versicherte liessen diesen Entscheid in
Rechtskraft erwachsen.
B.
Mit Schreiben vom 12. Juni 2007 gewährte die Allianz dem Versicherten das rechtliche
Gehör zur Rentenfrage. Sie führte aus, dass sie vorsehe, den Anspruch auf eine
Invalidenrente zu verneinen (UV-act. 122). In seiner Stellungnahme vom 18. Juli 2007
opponierte Rechtsanwalt Rechsteiner dagegen (UV-act. 125). Am 10. August 2007
erliess die Allianz die angekündigte Verfügung und lehnte einen Anspruch des
Versicherten auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung ab (UV-act. 126). Zur
Begründung führte sie an, die Kausalität der psychischen Beeinträchtigungen sei mit
Einspracheentscheid vom 26. März 2007 rechtskräftig verneint worden; die physischen
Beeinträchtigungen des Versicherten führten nicht zu einem verminderten
Erwerbseinkommen, weshalb die Voraussetzungen für einen Rentenanspruch nicht
erfüllt seien. In seiner Einsprache vom 12. September 2007 beantragte der Versicherte
die Aufhebung der Verfügung und die Ausrichtung einer Invalidenrente aus der
Unfallversicherung aufgrund eines Invaliditätsgrads von 23% (UV-act. 127). Diese
Einsprache wies die Allianz mit Entscheid vom 26. Februar 2008 ab (UV-act. 129).
C.
C.a Dagegen richtet sich die Beschwerde vom 10. April 2008, mit welcher die
Aufhebung des Einspracheentscheids vom 26. Februar 2008 und die Ausrichtung einer
Invalidenrente aus der Unfallversicherung aufgrund eines Invaliditätsgrads von 23%,
eventuell die Rückweisung an die Vorinstanz zur Festsetzung der Invalidenrente,
beantragt wird. Zur Begründung führt der Beschwerdeführer an, die
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Beschwerdegegnerin verhalte sich mit der Berufung auf die rechtskräftige Beurteilung
der Kausalität im Einspracheentscheid vom 26. März 2007 widersprüchlich und
verstosse damit gegen Treu und Glauben. Zudem habe er in der Verfügung vom
14. Juli 2006 (und im darauf gestützten Einspracheentscheid [vom 26. März 2007]) gar
kein Anfechtungsobjekt gehabt, um die ihm zustehende Invalidenrente aus der
Unfallversicherung geltend zu machen. Vielmehr habe er sich darauf verlassen müssen
und dürfen, dass über die Invalidenrente später verfügt werde. Mit der rechtskräftigen
Zusprechung der Integritätsentschädigung auch für den unfallkausalen Anteil am
psychisch bedingten Integritätsschaden habe die Beschwerdegegnerin die
Einschätzung durch Dr. E._ sowie ihre Leistungspflicht für den unfallkausalen Anteil
an den psychisch bedingten Beeinträchtigungen ausdrücklich anerkannt und müsse
sich auch betreffend Invalidenrente dabei behaften lassen.
C.b Die Allianz beantragt in der Beschwerdeantwort vom 5. Mai 2008 die Abweisung
der Beschwerde und die Bestätigung ihres Einspracheentscheids vom 26. Februar
2008. Zur Begründung bestreitet sie die Vorbringen in der Beschwerdeschrift und
verweist weitgehend auf die Ausführungen im Einspracheentscheid. Zusätzlich
beantragt sie, dem Beschwerdeführer wegen willkürlicher Prozessführung eine
Spruchgebühr und die Verfahrenskosten sowie eine Parteientschädigung aufzuerlegen.
C.c Mit Replik vom 26. Mai 2008 und Duplik vom 5. Juni 2008 halten die Parteien an
ihren Standpunkten fest. Auf die weiteren Begründungen in den Rechtsschriften und
die Ausführungen in den Akten wird - soweit entscheidnotwendig - in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
1.1 Der Beschwerdeführer leidet an psychischen Beeinträchtigungen, medizinisch
von Dr. E._ als Neurasthenie (Erschöpfungszustand; UV-act. 98) umschrieben. Strittig
und zu prüfen ist, ob deren Unfallkausalität im Einspracheentscheid vom 26. März 2007
umfassend verneint werden konnte und verneint wurde und ob damit bezüglich
Erwerbsunfähigkeit des Beschwerdeführers und daraus resultierendem Anspruch auf
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eine Invalidenrente der Unfallversicherung wegen psychischen Unfallfolgen eine res
iudicata vorliegt.
1.2 Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, die Unfallkausalität der
psychischen Beeinträchtigungen sei auch betreffend Erwerbsunfähigkeit und Anspruch
auf eine Invalidenrente rechtskräftig entschieden worden. Demgegenüber vertritt der
Beschwerdeführer die Auffassung, das sei nicht der Fall. Vielmehr habe die
Beschwerdegegnerin bezüglich Integritätsentschädigung die Unfallkausalität der
psychischen Beeinträchtigungen ausdrücklich anerkannt.
2.
2.1 Anfechtbar ist gemäss BGE 120 V 233 E. 1.a S. 237 grundsätzlich nur das
Dispositiv, nicht aber die Begründung eines Entscheids. Entsprechend nimmt auch nur
das Dispositiv an der Rechtskraft teil. Formell rechtskräftig wurde mit dem ersten
Einspracheentscheid vom 26. März 2007 demnach der Entscheid, es bestehe keine
weitere Leistungspflicht für psychotherapeutische Behandlungen. - Die Zusprechung
der Integritätsentschädigung und weiterer zweckmässiger Heilbehandlung der
Verbrennungsnarben waren - da nicht Gegenstand einer Einsprache - bereits mit der
Verfügung vom 14. Juli 2006 rechtskräftig geworden.
2.2 Im Rahmen der ersten Verfügung vom 14. Juli 2006 ist die Kausalität der
psychischen Beschwerden unterschiedlich beurteilt worden: Für den
Integritätsschaden ist sie bejaht, für die weitere psychotherapeutische Behandlung ist
sie in diesem Verfahrensschritt ohne nähere Begründung verneint worden. Im
Einspracheentscheid vom 26. März 2007 wurde dann ausführlich dargelegt, weshalb
die vorliegenden psychischen Beschwerden weder natürlich noch adäquat kausal zum
Unfall seien und Leistungen für eine weitere psychotherapeutische Behandlung
abgelehnt würden. Ungeachtet dessen wurde bereits in der Verfügung vom 14. Juli
2006 eine separate Prüfung des Rentenanspruchs durch eine andere Stelle der
Beschwerdegegnerin in Aussicht gestellt.
2.3 Im Gegensatz zu den von der Beschwerdegegnerin angeführten Leitentscheiden
des Bundesgerichts U 388/06 und U 198/04 und zum ebenfalls einschlägigen Urteil
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U 89/06, in denen es um Rückfälle bzw. Spätfolgen ging, ist, wie vorstehend
ausgeführt, die Leistungspflicht von der Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid
vom 26. März 2007 nicht umfassend geprüft, sondern nur bezüglich des dannzumal im
Streit liegenden Anspruchs auf weitere Psychotherapie zulasten der
Beschwerdegegnerin entschieden worden. Entsprechend wäre es Sache der
Beschwerdegegnerin gewesen, im zweiten Verfahren betreffend Invalidenrente
umfassend über den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Rente zu befinden und
in diesem Zusammenhang über alle Aspekte, somatische wie psychische, zu
entscheiden. Dabei hätte sie sich bezüglich der psychischen Unfallfolgen auf die
Ausführungen im ersten Einspracheentscheid vom 26. März 2007 beziehen und
entsprechend kurz fassen können. Dies umso mehr, als sich der Beschwerdeführer
dem Einspracheentscheid vom 26. März 2007 nicht widersetzte. Aufgrund der
fehlenden umfassenden Prüfung ihrer Leistungspflicht kann sich die
Beschwerdegegnerin aber nicht darauf berufen, die Unfallkausalität der psychischen
Beschwerden sei bereits rechtskräftig entschieden worden.
3.
3.1 Indem sie die geforderte umfassende Prüfung ihrer Leistungspflicht nicht
vornahm, hat die Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Invalidenrente der Unfallversicherung nur ungenügend geprüft. Der
Einspracheentscheid vom 26. Februar 2008 ist daher aufzuheben und die Streitsache
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie diese Prüfung nachhole.
3.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Hingegen hat der
Beschwerdeführer bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Der Betrag von pauschal Fr. 3'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) erscheint in Anbetracht der Bedeutung der
Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG