Decision ID: 9df77781-c001-4751-8b60-373fa723e4ca
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Unterhalt und weitere Kinderbelange (vorsorgliche Massnahmen) Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichts im vereinfachten Verfahren am Bezirksgericht Meilen vom 5. Januar 2018 (FK170028-G)
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Rechtsbegehren:
des Beklagten (Urk. 5/6 und Prot. I S. 9 f., sinngemäss):
1. Es sei C._ für die Dauer des Verfahrens unter die alleinige Obhut des Beklagten zu stellen.
2. Die Betreuung von C._ sei beiden Eltern zu gleichen Teilen zu übertragen.
3. Der Beklagte sei für berechtigt zu erklären, die seit dem 20. Oktober 2017 ausgefallene Betreuungszeit nachzuholen.
der Klägerin 1 (Urk. 5/28 S. 2):
"1. Es sei der Antrag des Gesuchstellers auf unverzügliche Rückgabe der Tochter C._ (Klägerin 2) und Nachholen von Besuchszeit .
2. Es sei die Obhut über die Klägerin 2, geb. tt.mm.2015, während der Dauer des Verfahrens der Klägerin 1 alleine zuzuteilen und der  für berechtigt zu erklären, C._ (Klägerin 2) während der Dauer des Verfahrens wie folgt zu sich auf Besuch zu nehmen:
- an jedem Wochenende einer geraden Kalenderwoche, von , 14.00 Uhr bis 18.00, am Samstag von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr sowie am Sonntag von 9.00 Uhr bis 18.00, d.h. ohne .
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. 8% MWST zulasten des Gesuchstellers und Beklagten."
der Klägerin 2 (Urk. 5/30 S. 7):
"1. Es sei die Tochter C._, geb. tt.mm.2015, unter die geteilte Obhut der Kindseltern zu stellen.
2. Es sei eine sinnvolle, fixe Betreuungsregelung im Sinne der gemachten Ausführungen festzulegen.
3. Ev. sei beim kjz D._ eine Abklärung der von der Kindsmutter  Vorwürfe betreffend durch den Kindsvater zu verantwortendes sexualisiertes Verhalten von C._ zu veranlassen."
Verfügung des Bezirksgerichtes Meilen, Einzelgericht im vereinfachten , vom 5. Januar 2018:
(Urk. 5/32 S. 17 ff. = Urk. 2 S. 17 ff.)
1. C._ (Klägerin 2), geboren tt.mm.2015, wird für die Dauer des  unter die alternierende Obhut ihrer Eltern, der Klägerin 1 und des Beklagten, gestellt.
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2. Der zivilrechtliche Wohnsitz von C._, Klägerin 2, befindet sich für die Dauer des Verfahrens am zivilrechtlichen Wohnsitz ihrer Mutter, der Klägerin 1.
3. Die Betreuungsanteile der Eltern von C._ werden für die Dauer des Verfahrens wie folgt festgelegt:
a) Die Klägerin 1 betreut C._ jeweils von Sonntagabend, 18.00 Uhr, bis Mittwochabend, 18.00 Uhr, sowie an jedem zweiten  von Freitagabend, 18.00 Uhr, bis Sonntagabend, 18.00 Uhr.
b) Der Beklagte betreut C._ jeweils von Mittwochabend, 18.00 Uhr, bis Freitagabend, 18.00 Uhr, sowie an jedem zweiten  von Freitagabend, 18.00 Uhr, bis Sonntagabend, 18.00 Uhr.
Diese Regelung tritt auf den Freitag, 12. Januar 2018, in Kraft und  mit dem Betreuungswochenende der Klägerin 1. Die erste  von C._ an den Beklagten gemäss dieser Regelung hat demnach am Mittwoch, 17. Januar 2018, 18.00 Uhr, zu erfolgen.
Soweit die Eltern nichts anderes vereinbaren, bringt jeweils derjenige Elternteil, der C._ zur Betreuung hatte, diese zum anderen , dessen Betreuungsperiode folgt.
4. Der Klägerin 1 und dem Beklagten wird für die Dauer des Verfahrens zudem das Recht eingeräumt, je zwei Wochen Ferien pro Halbjahr mit C._ zu verbringen.
Die Eltern haben sich über die Aufteilung der Ferien mindestens zwei Monate im Voraus abzusprechen. Können sie sich nicht einigen, so kommt dem Vater im ersten Halbjahr und der Beklagten im zweiten Halbjahr das Entscheidungsrecht bezüglich der Aufteilung der Ferien zu.
5. Abweichende Betreuungsregelungen nach gegenseitiger Absprache bleiben vorbehalten.
6. Der Antrag des Beklagten auf Nachholen der seit 20. Oktober 2017 bis heute ausgefallenen Betreuungszeit wird abgewiesen.
7. Über die Prozesskosten dieses Massnahmebegehrens wird mit der Hauptsache entschieden.
8. [Schriftliche Mitteilung.] 9. [Rechtsmittelbelehrung, Berufung, Frist 10 Tage, kein Fristenstillstand.]
Berufungsanträge:
der Klägerin 1 und Berufungsklägerin (Urk. 1 S. 2 f. und Urk. 24 S. 3):
"1. Es sei Dispositiv-Ziffer 1 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und es sei C._ (Klägerin 2) für die Dauer des Verfahrens unter die  Obhut der Mutter und Berufungsklägerin zu stellen.
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2. Es sei Dispositiv-Ziffer 3 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und es sei das Besuchsrecht des Berufungsbeklagten gegenüber C._ (Klägerin 2) wie folgt festzulegen:
− an jedem Wochenende einer geraden Kalenderwoche, von , 14.00 Uhr bis 18.00, am Samstag von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr sowie am Sonntag von 9.00 Uhr bis 18.00, d.h. ohne Übernachtung.
2.1 Eventualiter, falls Antrag Ziffer 2 nicht gutgeheissen wird, sei  3 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und das  des Berufungsbeklagten wie folgt festzulegen:
− wöchentlich am Freitag von morgens 9.00 Uhr bis abends 18.00 Uhr;
− an jedem zweiten Wochenende von Freitagabend 18.00 Uhr bis Sonntagabend, 18.00 Uhr.
3. Dispositiv-Ziffer 4 (Ferien) der angefochtenen Verfügung sei  aufzuheben.
4. Es sei in Übereinstimmung mit dem Antrag Ziff. 3 der Kindesvertreterin vom 21. Dezember 2017 eine Abklärung in Form einer Kurzexpertise vom E._ Institut ..., Zürich, einzuholen zu den von der Kindsmutter erhobenen Vorwürfen betreffend durch den Kindsvater zu  sexualisiertes Verhalten, sowie alarmierende regressive und emotionale neue Verhaltensweisen von C._ (Klägerin 2).
5. Die Kosten des Verfahrens seien den Kindseltern je zur Hälfte  und es sei von der Zusprechung von gegenseitigen  abzusehen."
Prozessualer Antrag der Klägerin 1 und Berufungsklägerin (Urk. 1 S. 2 f.):
"Es sei der vorliegenden Berufung die aufschiebende Wirkung zu erteilen."
Massnahmenantrag der Klägerin 1 und Berufungsklägerin (Urk. 80 S. 2):
"1. Es sei für C._ eine Beistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 1 ZGB zu errichten. Dem Beistand resp. der Beiständin seien die  Aufgaben zu übertragen:
a) Festsetzung der Ferienbesuchsrechte der Parteien im Falle von Meinungsverschiedenheiten,
b) Bestimmung, wann und wie ausgefallene Ferien und  nachzuholen sind,
c) Förderung der Kommunikationsfähigkeit und Kooperation der  in Bezug auf Kinderbelange,
d) Vermittlung zwischen den Parteien bei Konflikten; 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzgl. MwSt.)."
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des Beklagten und Berufungsbeklagten (Urk. 9 S. 4 f., Urk. 14 S. 6, Urk. 36 S. 2 i.V.m. Urk. 96, sinngemäss):
1. C._ sei unter die alleinige Obhut des Beklagten (inkl. offizieller Wohnsitz = Beklagter) zu stellen.
2. Der Klägerin 1 sei folgendes Besuchsrecht einzuräumen:
− wöchentlich am Mittwochnachmittag
− jede zweite Woche am Samstag oder Sonntag (ohne )
3. Die Klägerin 1 sei zu verpflichten, den Pass, den C-Ausweis, das  sowie den internationalen und nationalen Impfpass bei jeder Übergabe zurückzugeben.
4. Den Parteien sei das Recht einzuräumen, mit C._ je drei  pro Halbjahr zu verbringen. Diese Ferien seien mindestens zwei Monate im Voraus schriftlich anzumelden. Bei Überschneidungen entscheide im ersten Halbjahr die Klägerin 1, im zweiten Halbjahr der Beklagte. Bei Aufenthalten ausserhalb der Nachbarländer der Schweiz (= D, A, I, F) sei ein zusätzliches Zolldokument "Reisen eines Elternteils mit dem Kind" vom anderen Elternteil zu unterschreiben. Zusätzliche Ferienkontingente oder Tage seien nur im gegenseitigen Ausgleich zu gewähren.
5. Der Geburtstag von C._, Weihnachten, Silvester sowie Ostern  im Wechsel zu regeln, wobei diese Feiertage im Jahr 2019  dem Beklagten zuzusprechen sind.
6. Dem Beklagten seien im Jahr 2019 als Ausgleich für die verhinderten Ferienwochen im Oktober 2017 zwei zusätzliche Ferienwochen mit C._ zu gewähren.
7. Dem Beklagten sei im Jahr 2019 als Ausgleich für die verhinderte  vom 5. November bis 23. Dezember 2017 zusätzliche  im Umfang von 1/2 von sieben Wochen zu gewähren.
8. Dem Beklagten seien zusätzlich eineinhalb Wochen Ferien mit C._ als Ausgleich für die von der Klägerin 1 bezogenen eineinhalb Wochen Ferien in den USA im Dezember 2018 zu gewähren.
9. Es sei dem Beklagten Unterhalt für C._ rückwirkend zum 1. April 2017 gemäss Beilage zuzusprechen.
10. Die Klägerin 1 sei zur Rückzahlung von 1/2 der Familienzulage für die Zeit ab mm.2015 bis heute zu verpflichten. Ab dann sei diese auf den Unterhalt entsprechend der Obhut bzw. Besuchszeiten zu .
11. Die Klägerin sei zu verpflichten, die Hälfte aller Gesundheitskosten von C._ an den Beklagten zurückzuerstatten.
12. Die Erziehungsgutschriften seien rückwirkend auf 50:50 zu ändern.  seien diese entsprechend der Obhut/Besuchszeit zu verteilen.
13. Die Klägerin 1 sei zur Begleichung der Schulden/Rechnungen an den Beklagten gemäss der aktualisierten Anlage zu verpflichten.
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14. Die Klägerin 1 sei zur aktiven Mitarbeit beim Prozess um Beantragung eines deutschen Personalausweises (ohne Wohnsitz in Deutschland) für C._ zu verpflichten.
15. Die Klägerin 1 sei zu verpflichten, jegliche Einwirkung auf C._ zu Falschaussagen sowie Handlungen an sich zu unterlassen.
16. Die Klägerin 1 sei zu verpflichten, jegliche Falschaussagen, , Beleidigungen, Rufschädigungen, Verleumdungen, etc. auch gemäss Art. 303 und 304 StGB gegen den Beklagten sowie dessen Ehefrau zu unterlassen.
Antrag des Beklagten in Bezug auf den Massnahmenantrag (Prot. II S. 49 sinngemäss):
Der Antrag auf Errichtung einer Beistandschaft sei abzuweisen.
der Klägerin 2 (Urk. 27 S. 1 und Urk. 98 S. 8):
Es sei die Berufung abzuweisen und die erstinstanzliche Verfügung zu . Es sei bei der KESB Meilen ein aktueller Abklärungsbericht zur  sowie der Befindlichkeit von C._ einzuholen. Es sei bezüglich Urk. 92/93 bei geeigneter Stelle ein Kurzgutachten zur Frage einzuholen, wie die Äusserungen und das Verhalten von C._ zu  seien.
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Erwägungen:
I.
1. Die Klägerin 1 und Berufungsklägerin (fortan Klägerin) sowie der Beklagte
und Berufungsbeklagte (fortan Beklagter) sind die nicht miteinander verheirateten
Eltern von C._ (Klägerin 2, fortan C._), geboren am tt.mm.2015. Am
20. Oktober 2015 – noch vor der Geburt von C._ –gaben die Parteien die Er-
klärung über die gemeinsame elterliche Sorge zusammen mit der Vaterschaftsa-
nerkennung ab (Urk. 5/13/2-3). Die Klägerin und der Beklagte lebten bis zu ihrer
Trennung im März 2017 zusammen. Während des Zusammenlebens betreuten
die Parteien, die beide zu 100 % arbeitstätig waren, C._ in gemeinsamer Ab-
sprache (unter Zuhilfenahme von Au-Pairs). Nach der Trennung traten zwischen
den Parteien vermehrt Differenzen hinsichtlich der Betreuungszeiten auf. Ab Au-
gust 2017 reduzierte die Klägerin ihr Arbeitspensum auf 80 % und verlor schliess-
lich ihre Stelle per Ende September 2017. Im Oktober 2017 verweigerte die Klä-
gerin schliesslich die Übergabe von C._ an den Beklagten, der mit ihr ver-
einbarungsgemäss in die Ferien verreisen wollte (vgl. Urk. 2 E. 1.1.).
2. Mit Eingabe vom 20. Oktober 2017 gelangte der Beklagte an die Kindes-
und Erwachsenenschutzbehörde des Bezirks Meilen (fortan KESB Meilen) und
verlangte eine "unverzügliche Rückgabe" von C._ sowie die alleinige elterli-
che Sorge, eventualiter die "offizielle" (überwiegende) Obhut und die je hälftige
Aufteilung der Betreuungspflicht zwischen ihm und der Klägerin (vgl.
Urk. 5/13/33). Die Klägerin sowie C._ (vertreten durch die Klägerin) leiteten
gleichentags ein Schlichtungsverfahren beim Friedensrichteramt F._ betref-
fend die Regelung der Obhut, des Besuchsrechts sowie des Kindesunterhalts ein
(siehe Urk. 5/1). Nachdem an der Schlichtungsverhandlung keine Einigung erzielt
werden konnte, reichten die Klägerin und C._ unter Beilage der ausgestellten
Klagebewilligung mit Eingabe vom 8. November 2017 Klage bei der Vorinstanz
ein (Urk. 5/1 und 5/2). Mit Eingabe vom 7. November 2017 (bei der Vorinstanz
eingegangen am 13. November 2017) reichte auch der Beklagte Klage betreffend
die Kinderbelange von C._ ein und verlangte zudem (superprovisorisch an-
zuordnende) vorsorgliche Massnahmen (Urk. 5/5 und 5/6). Die Vorinstanz wies
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das Begehren des Beklagten um Erlass superprovisorischer Massnahmen mit
Verfügung vom 14. November 2017 ab (Urk. 5/9). Mit Verfügung vom
29. November 2017 wurde Rechtsanwältin lic. iur. Y._ als Kindsvertreterin
ernannt (Urk. 5/17). Am 21. Dezember 2017 fand vor Vorinstanz die Verhandlung
betreffend die beantragten vorsorglichen Massnahmen statt. Die Klägerin, der
Beklagte sowie die Kindsvertreterin stellten dabei die eingangs wiedergegebenen
Rechtsbegehren. An der Verhandlung schlossen die Klägerin und der Beklagte
eine Vereinbarung hinsichtlich einer vorläufigen Regelung des Kontakts, die bis
zum Erlass des gerichtlichen Entscheids über die vorsorglichen Massnahmen gel-
ten solle (Urk. 5/31). Mit Verfügung vom 5. Januar 2018 erliess die Vorinstanz
schliesslich den eingangs zitierten Entscheid (Urk. 5/32 S. 17 ff. = Urk. 2 S. 17 ff.).
3. Hiergegen erhob die Klägerin mit Eingabe vom 22. Januar 2018 innert Frist
Berufung mit den eingangs aufgeführten Anträgen (Urk. 1 S. 2 f.). Der Kostenvor-
schuss ging fristgerecht ein (Urk. 6 und 7). Das Gesuch um Gewährung der auf-
schiebenden Wirkung wurde mit Verfügung vom 2. März 2018 abgewiesen
(Urk. 13). Die Berufungsantwort datiert vom 10. März 2018. Darin beantragte der
Beklagte die Abweisung der Berufung und stellte weitere Anträge (Urk. 14). Mit
Verfügung vom 16. April 2018 wurde die Berufungsantwort der Klägerin zur
Kenntnisnahme zugestellt. Gleichzeitig wurde der Kindsvertreterin Frist zur freige-
stellten Stellungnahme zu den bisherigen Eingaben der Parteien angesetzt
(Urk. 17). Mit Eingabe vom 17. April 2018 reichte der Beklagte (unaufgefordert)
mehrere Beilagen ins Recht, die der Klägerin sowie der Kindsvertreterin zur
Kenntnisnahme zugestellt wurden (Urk. 18 und 19/1-3). Mit Verfügung vom 2. Mai
2018 wurde der Klägerin antragsgemäss Frist zur Stellungnahme zur Berufungs-
antwort angesetzt (Urk. 21 und Urk. 22). Sie nahm mit Eingabe vom 11. Mai 2018
fristgemäss Stellung, wobei sie Noven vorbrachte (siehe Urk. 24-26). Die Kinds-
vertreterin schloss in ihrer Stellungnahme vom 17. Mai 2018 zur Berufung und
Berufungsantwort innert erstreckter Frist auf Abweisung der Berufung, wobei sie
ebenfalls Noven vorbrachte (Urk. 23 und 27-29/1). Mit Verfügung vom 18. Mai
2018 wurde den Parteien sowie der Kindsvertreterin Frist angesetzt, um zu den
neuen Tatsachenbehauptungen Stellung zu nehmen (Urk. 30). Die Kindsvertrete-
rin verzichtete einstweilen auf eine Stellungnahme zu den neuen Tatsachenbe-
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hauptungen der Klägerin und ersuchte um eine erneute Fristansetzung bei Vorlie-
gen der Stellungnahme des Beklagten (Urk. 31). Die Klägerin nahm am 4. Juni
2018 zur Eingabe der Kindsvertreterin vom 17. Mai 2018 Stellung, der Beklagte
innert erstreckter Frist am 14. Juni 2018 zur Eingabe der Klägerin vom 11. Mai
2018 (Urk. 32- 38/1-11).
Mit Eingabe vom 19. Juni 2018 stellte der Beklagte (neue) Behauptungen hin-
sichtlich der (aktuellen) Erwerbstätigkeit der Klägerin auf und ersuchte um ent-
sprechende Abklärungen (Urk. 39). Mit Verfügung vom 20. Juni 2018 wurde so-
wohl der Klägerin als auch dem Beklagten Frist angesetzt, um zur aktuellen (ei-
genen) Erwerbssituation Stellung zu nehmen und entsprechende Belege einzu-
reichen. Das Gesuch der Kindsvertreterin um erneute Fristansetzung gemäss
Eingabe vom 28. Mai 2018 (Urk. 31) wurde abgewiesen (Urk. 40). Der Beklagte
nahm mit Eingabe vom 28. Juni 2018, die Klägerin mit Eingabe vom 2. Juli 2018
zur jeweils (eigenen) aktuellen Erwerbssituation Stellung (Urk. 41-45/1-2). Diese
Eingaben wurden der jeweiligen Gegenpartei sowie der Kindsvertreterin zur
Kenntnisnahme zugestellt. In der Folge reichten die Klägerin sowie der Beklagte
weitere Stellungnahmen ins Recht, die jeweils der Gegenseite sowie der Kinds-
vertreterin zur Kenntnisnahme zugestellt wurden (Urk. 51-57). Die (letzte) Stel-
lungnahme der Klägerin vom 1. Oktober 2018 (Urk. 57) konnte dem Beklagten
nicht zugestellt werden und kam mit dem Vermerk "nicht abgeholt" zurück
(Urk. 62).
Mit Eingabe vom 1. Oktober 2018 ersuchte der Beklagte betreffend die Feiertags-
regelung (sinngemäss) um Einsicht in das vorinstanzliche Protokoll (Urk. 59), was
ihm gewährt wurde (vgl. Urk. 60). Am 21. Oktober 2018 erfolgte eine erneute (No-
ven-)Eingabe des Beklagten, mit der er ein von ihm erstelltes "Übergabeprotokoll"
betreffend C._ ins Recht reichte (Urk. 63-64). Mit Eingabe vom 1. und
6. November 2018 leitete die KESB Meilen jeweils einen Rapport der Kantonspo-
lizei Zürich betreffend "Differenzen wegen des Reisepasses der gemeinsamen
Tochter" an das Gericht weiter (Urk. 65-68). Am 4. November 2018 stellte der Be-
klagte mehrere "Eilanträge", die mit Beschluss vom 9. November 2018 abgewie-
sen wurden, soweit auf sie eingetreten wurde (Urk. 69-70). Mit Eingabe vom
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14. November 2018 teilte die (bisherige) Rechtsvertreterin der Klägerin, Rechts-
anwältin X2._, dem Gericht ihre Mandatsniederlegung mit (Urk. 71). Am
20. und 28. November 2018 leitete die KESB Meilen dem Gericht ein an sie ge-
richtetes Schreiben des Beklagten sowie eine Verfügung der Kantonspolizei Zü-
rich betreffend "Entzug Unmündiger sowie Nötigung" zur Kentnnisnahme weiter
(Urk. 72-73 und Urk. 78-80). Der Beklagte reichte am 22. November und
25. November 2018 (unaufgefordert) weitere Beilagen ins Recht (Urk. 74-77). Mit
Eingabe vom 29. November 2018 ersuchte die nunmehr durch Rechtsanwalt
X1._ vertretene Klägerin um Anordnung vorsorglicher Massnahmen (Errich-
tung einer Beistandschaft) und nahm im Übrigen zur Eingabe des Beklagten vom
4. November 2018 (Urk. 69) Stellung (Urk. 80-83/2-6). Mit Verfügung vom
6. Dezember 2018 wurden den Parteien die Urkunden 71-83 zur Kenntnisnahme
zugestellt, mit dem Hinweis, einstweilen keine Stellungnahmen einzureichen, zu-
mal die Parteien sowie die Kindsvertreterin hierzu an der anzusetzenden Ver-
handlung Gelegenheit erhalten würden (Urk. 84). Am 7. Dezember 2018 wurden
die Parteien sowie die Kindsvertreterin zur Verhandlung vom 8. Januar 2019 über
vorsorgliche Massnahmen sowie zur Instruktionsverhandlung gemäss Art. 226
i.V.m. Art. 219 mit Parteibefragung vorgeladen (Urk. 85). Nachdem die Parteien
sowie die Kindsvertreterin an der Verhandlung vom 8. Januar 2019 zum Mass-
nahmegesuch betreffend Errichtung einer Beistandschaft für C._ Stellung
nehmen sowie ihr Replikrecht (abschliessend) wahrnehmen konnten, eröffnete
das Gericht den Parteien sowie der Kindsvertreterin an der Verhandlung mündlich
seinen Beschluss, wonach das Verfahren spruchreif und in die Phase der Urteils-
beratung übergegangen sei (Prot. II S. 36 ff., insbesondere S. 67). Dem Beklag-
ten wurde im Anschluss an die Verhandlung auf dessen Nachfrage hin der Inhalt
von Urkunde 62 übergeben, mit dem Hinweis, dass eine Stellungnahme hierzu
nicht mehr möglich sei (Prot. II S. 68). Die von allen Seiten gewünschte Ver-
gleichsverhandlung vom 16. Januar 2019 scheiterte (Prot. II S. 69 f.).
4. Am 21. Januar 2019 ging beim Gericht erneut eine Noveneingabe des Be-
klagten ein (Urk. 103-104). Diese hat jedoch für den vorliegenden Entscheid un-
beachtlich zu bleiben, zumal sie dem Gericht erst nach Beginn der Urteilsbera-
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tungsphase zugestellt worden ist (vgl. BGE 142 III 413 E. 2.2.5.). Sie ist der Ge-
genpartei sowie der Kindsvertreterin mit dem heutigen Entscheid zuzustellen.
5. Mit Eingabe vom 11. Februar 2019 stellte die Kindsvertreterin dem Gericht
ihre Honorarnote zu (Urk. 105-106). Diese wurde den Parteien mit Verfügung vom
12. Februar 2019 zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 107). Der Beklagte nahm
hierzu mit Eingabe vom 22. Februar 2019 (eingegangen am 25. Februar 2019)
Stellung (Urk. 108). Die Klägerin liess sich nicht vernehmen.
6. Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen (Urk. 5/1-34). Auf die Partei-
vorbringen ist nachfolgend nur insoweit einzugehen, als dies für die Entscheidfin-
dung notwendig ist.
II.
1. Mit der Berufung können unrichtige Rechtsanwendung und unrichtige Fest-
stellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Beru-
fungsinstanz verfügt über eine umfassende Überprüfungsbefugnis der Streitsa-
che, d.h. über unbeschränkte Kognition bezüglich Tat- und Rechtsfragen, ein-
schliesslich der Frage richtiger Ermessensausübung (Angemessenheitsprüfung;
BGer 5A_184/2013 vom 26. April 2013, E. 3.1). In der schriftlichen Berufungsbe-
gründung (Art. 311 ZPO) ist hinreichend genau aufzuzeigen, inwiefern der erstin-
stanzliche Entscheid in den angefochtenen Punkten als fehlerhaft zu betrachten
ist bzw. an einem der genannten Mängel leidet (BGE 142 I 93 E. 8.2; BGE 138 III
374 E. 4.3.1). Was nicht oder nicht in einer den gesetzlichen Begründungsanfor-
derungen entsprechenden Weise beanstandet wird, braucht von der Rechtsmit-
telinstanz nicht überprüft zu werden; diese hat sich – abgesehen von offensichtli-
chen Mängeln – grundsätzlich auf die Beurteilung der Beanstandungen zu be-
schränken, die in der schriftlichen Begründung formgerecht gegen den erstin-
stanzlichen Entscheid erhoben werden (BGE 142 III 413 E. 2.2.4 m.w.Hinw.;
BGer 5A_111/2016 vom 6. September 2016, E. 5.3).
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2. Neue Tatsachen und Beweismittel können im vorliegenden Berufungsver-
fahren bis zu Beginn der Urteilsberatung unbeschränkt vorgebracht werden (vgl.
BGE 144 III 349 E. 4.2.1).
3. Gegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens bildeten die Obhutszuteilung
sowie das Besuchsrecht. Soweit der Beklagte im Berufungsverfahren darüber
hinausgehende Anträge stellt, ist auf diese – unter Vorbehalt einer zulässigen
Klageänderung im Sinne von Art. 317 Abs. 2 ZPO – nicht einzutreten. Dies betrifft
insbesondere die Anträge Ziffer 9 bis 13 sowie Ziffer 15 und 16 (siehe Urk. 96).
4. Im Weiteren beantragt der Beklagte, es sei ihm das Nachholen von ausge-
fallener Betreuungs- sowie Ferienzeit im Jahr 2017 zu gewähren (Urk. 96, Ziffer 6
und 7 seiner Anträge). Mit diesen Anträgen zielt er jedoch auf eine Abänderung
von Dispositivziffer 6 der angefochtenen Verfügung ab. Nachdem diese Disposi-
tivziffer nicht mittels Berufung innert Frist angefochten worden ist, erweisen sich
diese Anträge als nicht rechtzeitig erfolgt und somit als unzulässig. Entsprechend
ist auf sie ebenfalls nicht einzutreten.
III.
A. Obhut
1. Ausgangslage
C._ wurde mit vorinstanzlicher Verfügung für die Dauer des Verfahrens unter
die alternierende Obhut der Klägerin 1 sowie des Beklagten gestellt (Urk. 2
Disp. Ziff. 1). Die Klägerin macht eine Verletzung der anwendbaren Bestimmun-
gen über die Zuteilung der Obhut, insbesondere Art. 298A Abs. 2ter ZGB (gemeint
offenbar: Art. 298 Abs. 2ter ZGB) geltend (Urk. 1 Rz. 46) und verlangt berufungs-
weise die alleinige Zuteilung der Obhut über C._ an sich, unter Einräumung
eines Besuchsrechts an den Beklagten (Urk. 1, Ziffer 1 und 2 der Anträge; vgl.
auch Urk. 99 S. 1). Der Beklagte verlangt im Berufungsverfahren ebenfalls die Zu-
teilung der alleinigen Obhut an sich, unter Einräumung eines Besuchsrechts an
die Klägerin (Urk. 96, Ziffer 1 und 2 der Anträge). Die Kindsvertreterin beantragt
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hingegen die Abweisung der Berufung und Bestätigung der vorinstanzlich ange-
ordneten Obhuts- und Betreuungsregelung (Urk. 27 S. 1; Urk. 98 S. 8).
2. Allgemeines
Hinsichtlich der beim Entscheid über die Obhutszuteilung beziehungsweise über
die Anordnung einer alternierenden Obhut relevanten Beurteilungskriterien kann
vorab auf die zutreffenden Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwiesen
werden (Urk. 2 E. 3.1.). Auf die umfangreichen Vorbringen der Parteien ist, soweit
sie denn entscheidrelevant sind (vgl. vorstehend Ziffer I./6.), im Folgenden im Zu-
sammenhang mit den einzelnen Kriterien für die Obhutszuteilung einzugehen.
3. Erziehungsfähigkeit
3.1. Vorinstanzlicher Entscheid
3.1.1. Die Vorinstanz führte aus, dass gestützt auf den Abklärungsbericht des
Kinder- und Jugendhilfezentrums D._ (kjz) vom 13. Januar 2017 keine An-
haltspunkte dafür bestünden, dass es dem Beklagten oder der Klägerin an der
Erziehungsfähigkeit fehlen würde. Zwar habe die Kantonspolizei im September
2016 bei der KESB [Meilen] eine Gefährdungsmeldung nach einem ausgearteten
Konflikt zwischen der Klägerin und dem Au-Pair G._ erstattet. Die "emotiona-
le Entgleisung" der Klägerin sei im Abklärungsbericht indes als Ausnahmereaktion
qualifiziert worden und würde nicht ihrem täglichen Umgang entsprechen. Als ein-
zigen Kritikpunkt hätten die abklärenden Personen die häufigen Au-Pair-Wechsel
aufgeführt, die im ersten Lebensjahr von C._ erfolgt seien (Urk. 2 E. 3.2.
lit. a).
3.1.2. Seit Abfassung dieses Berichts sei es mit der Trennung der Parteien zu
einschneidenden Veränderungen gekommen. Dennoch seien keine negativen
Auswirkungen auf die Erziehungsfähigkeit beider Parteien bekannt. Beide Partei-
en hätten das Wechselmodell mit mehr oder weniger gleichen Betreuungsanteilen
praktiziert. Das Anliegen der Klägerin, nach ihrem Stellenverlust Ende September
2017 ihren Betreuungsanteil zulasten des Beklagten auszudehnen, habe dieser
abgelehnt, sodass die Situation in der Folge eskaliert sei (Urk. 2 E. 3.2. b).
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3.1.3. Zwar enthalte die Klägerin C._ seit Mitte Oktober 2017 – seit ihrer
Rückkehr mit C._ aus den Ferien – dem Beklagten vor, was ein Fragezei-
chen hinter ihre Erziehungsfähigkeit stelle. Dennoch sei dieser Kritik nicht allzu
grosses Gewicht beizumessen, da der Beklagte zu dieser Eskalation beigetragen
habe und trotz der höheren Verfügbarkeit der Klägerin stur auf einer hälftigen Auf-
teilung der Betreuung beharrt habe. Im Übrigen sei die Klägerin nicht untätig ge-
blieben, sondern habe mit der Einleitung des vorliegenden Verfahrens eine be-
hördliche Regelung gesucht (Urk. 2 E. 3.2. lit. c).
3.1.4. Die Klägerin erachte das Kindswohl beim Beklagten als gefährdet, da
C._ seit Sommer 2017 Situationen mit sexuellem Bezug zeige. Sie gehe da-
von aus, dass C._ aufgrund ungenügender Rücksichtnahme Zeugin sexuel-
ler Handlungen zwischen dem Beklagten und seiner Ehefrau geworden sei, was
vom Beklagten indes bestritten werde. Es lägen bislang keine objektiven Befunde
vor, welche die Aussagen der Klägerin belegen würden. Insbesondere bestehe
keine Klarheit über allfällige Ursachen der von der Klägerin beschriebenen Spiel-
szenen. Beide Elternteile würden gemäss dem Bericht des kjz den Eindruck ver-
mitteln, sich ihrer Verantwortung bewusst zu sein. Sollte C._ tatsächlich
Zeugin sexueller Handlungen geworden sein, dürfe davon ausgegangen werden,
dass beide Elternteile diesbezüglich künftig mehr Vorsicht walten lassen. Anlass
für weitergehende Abklärungen, wie dies die Vertreterin von C._ eventualiter
beantragt habe, bestünden nicht (Urk. 2 E. 3.2. lit. d).
3.1.5. Nicht relevant seien sodann die Avancen des Beklagten gegenüber den Au-
Pairs, ebensowenig sein Umgang mit seinen vier Kindern aus erster Ehe. Von Be-
lang sei einzig das Verhalten des Beklagten gegenüber C._. Ihr gegenüber
habe die Klägerin bisher kein Fehlverhalten festgestellt. Etwas anderes lasse sich
auch dem Abklärungsbericht nicht entnehmen. Ein Anlass für die Einholung eines
Erziehungsfähigkeitsgutachtens, wie es die Klägerin verlange, lasse sich nicht
ausmachen (Urk. 2 E. 3.2. lit. e).
3.1.6. Damit liege mit Blick auf die Erziehungsfähigkeit der Parteien nichts vor,
das gegen eine alternierende Obhut spreche (Urk. 2 E. 3.2. lit. f).
- 15 -
3.2. Rüge der Verletzung der Offizialmaxime
3.2.1. Die Klägerin macht im Berufungsverfahren zunächst geltend, die Vorinstanz
sei gestützt auf den Abklärungsbericht des kjz D._ vom 13. Januar 2017 zum
Schluss gekommen, die Parteien seien erziehungsfähig. Es sei zwar seit Abfas-
sung des Berichts mit der Trennung der Kindseltern zu einschneidenden Verän-
derungen in der Lebenssituation der Parteien gekommen, die Parteien seien aber
ab Aufnahme des Getrenntlebens in der Lage gewesen, sich über die Belange
von C._ abzusprechen und namentlich deren Betreuung sicherzustellen, wo-
bei sie das Wechselmodell praktiziert hätten (mit Verweis auf Urk. 2 E. 3.2. lit. a
und b). Diese Begründung der Vorinstanz sei aber falsch und aktenwidrig. Die Vo-
rinstanz habe selbst ausgeführt, dass es seit Vorliegen des Berichts des kjz
D._ zu einschneidenden Veränderungen hinsichtlich der Lebenssituation der
Parteien in Form der Trennung gekommen sei. Indem die Vorinstanz sich bei ih-
rem Entscheid bezüglich der Obhut im Wesentlichen auf den Bericht des kjz
D._ vom 13. Januar 2017 bezogen habe, ohne die Umstände und Verände-
rungen nach der Trennung der Parteien im März 2017 zu berücksichtigen und
besser abzuklären, habe sie die "Offizialmaxime" (gemeint wohl: Untersuchungs-
maxime) und damit das Kindswohl von C._ verletzt. Die Erwägung der Vo-
rinstanz, wonach die Parteien seit der Trennung das Wechselmodell praktiziert
hätten, gehe denn auch an der tatsächlichen Situation vorbei und sei aktenwidrig.
Das vorinstanzliche Protokoll würde erhellen, dass die Parteien nach ihrer Tren-
nung während einer kurzen Phase versucht hätten, sich die Betreuung von
C._ nach Absprache aufzuteilen. Diese Absprachen seien jedoch nur von
Woche zu Woche mündlich getroffen worden, je nach Möglichkeit der Parteien,
C._ zu betreuen. Ein stabiles "Wechselmodell" sei dies "klar" nicht gewesen.
Es sei zwischen den Parteien denn auch immer wieder zu Diskussionen in Bezug
auf die Betreuungsperson von C._ während der Betreuungszeit des Beklag-
ten gekommen. Der Bericht des kjz [D._] habe festgehalten, dass der zwei-
fache abrupte Wechsel der Betreuungsperson im ersten Lebensjahr von C._
ein negativer Faktor für ihre Entwicklung gewesen sei. Zur Beibehaltung grösst-
möglicher Stabilität in der Betreuung sei die Klägerin daher der Ansicht gewesen,
dass C._ auch während ihrer Zeit beim Beklagten von ihrem damaligen Au-
- 16 -
Pair H._ betreut werde. Dieser habe jedoch bereits im Frühling 2017 eine
neue Nanny "verpflichtet", die kurz nach Antritt ihrer Stelle von ihm schwanger
geworden und seit dem tt. August 2018 nun seine Ehefrau sei. Der Umstand,
dass der Beklagte im Trennungszeitpunkt der knapp eineinhalb Jahre alten
C._ wieder einen abrupten Wechsel in der Betreuung zugemutet habe, zei-
ge, dass er seine Interessen vor diejenigen seiner Tochter stelle. Heute könne die
Ehefrau des Beklagten ihm zwar nunmehr helfen. Diese habe aber ab mm. 2018
ein eigenes Neugeborenes zu betreuen. Wie sie in dieser Rolle zurecht kommen
werde, sei noch völlig offen. Es könne jedoch nicht angehen, dass C._ wäh-
rend der Arbeitszeit des Beklagten von seiner Ehefrau betreut werde, wenn die
Klägerin sie während dieser Zeit persönlich betreuen könnte (Urk. 1 Rz. 31 ff.).
Die Rüge der Klägerin geht ins Leere: Welche "Umstände und Veränderungen"
die Vorinstanz konkret in diesem Zusammenhang unberücksichtigt gelassen und
nicht rechtsgenügend abgeklärt haben soll, wird von der Klägerin nicht näher
ausgeführt und ist auch nicht ohne Weiteres ersichtlich. Die Vorinstanz hielt denn
auch explizit fest, dass es seit Abfassung des Berichts zu Veränderungen ge-
kommen sei, kam jedoch zum Schluss, dass sich die Parteien dennoch hinsicht-
lich der Betreuung absprechen und C._ in mehr oder weniger gleichem Um-
fang hätten betreuen können. Was die Klägerin hiergegen vorbringt, geht sodann
an der Sache vorbei. Dass die Parteien ein "stabiles" Wechselmodell praktiziert
hätten, lässt sich den Erwägungen nicht entnehmen. Eine Aktenwidrigkeit ist mit-
hin nicht ersichtlich. Ob ein "stabiles" Wechselmodell gelebt worden ist, ist ohne-
hin nicht massgebend. Vielmehr war für die Vorinstanz entscheidend, dass beide
Parteien C._ in ungefähr gleichem Umfang betreut hatten, mithin ein Wech-
selmodell praktiziert hatten. Ebenfalls nicht von Belang ist in diesem Zusammen-
hang, inwiefern es Diskussionen betreffend die Betreuungsperson von C._
gegeben hat. Auch hier war für die Vorinstanz einzig massgebend, dass die Be-
treuung von C._ letztlich stets sichergestellt werden konnte.
3.3. Erziehungsfähigkeit des Beklagten
3.3.1. a) Die Klägerin bringt im Berufungsverfahren zunächst vor, der Beklagte
habe sich in Stressituationen nicht im Griff und sei (mit der Situation um C._
- 17 -
und sein Neugeborenes) überfordert (Urk. 24 Rz. 52, vgl. auch Prot. II S. 56). So
sei C._ vom Besuchswochenende vom 27. bis 29. April 2018 mit blauen Fle-
cken auf der Stirn und Wange zurückgekehrt. C._ sei bei der Rückkehr sehr
weinerlich und unruhig gewesen. Der Beklagte habe auf Nachfrage der Klägerin
nicht nachvollziehbar erklären können, wie es dazu gekommen sei. Da C._
sich auffällig benommen habe (sie habe Kopfschmerzen gehabt und viel geweint)
und die Erklärungen des Beklagten hinsichtlich der Verletzungen nicht stimmig
gewesen seien, sei sie mit C._ sicherheitshalber in den Kinderspital gefah-
ren. Der behandelnde Arzt im Spital habe in der Folge die Erklärung des Beklag-
ten ebenfalls als nicht plausibel erachtet und Meldung an die Kinderschutzgruppe
erstattet. I._ von der Kinderschutzgruppe habe dann – nachdem er die Ver-
letzungen noch mit dem leitenden Notfallarzt der Kinderschutzgruppe besprochen
habe – aufgrund der Feststellung in der Untersuchung vom 29. April 2018 eine
Meldung an die KESB geschickt. Auf Nachfrage der Klägerin habe C._ in ih-
rer (Baby-)Sprache zum Ausdruck gebracht, dass sie wohl vom Beklagten ge-
schlagen worden sei. C._ habe an diesem Abend sehr viel geweint und habe
nicht allein im Bett schlafen wollen. Sie habe dann auch das Bett eingenässt und
die Klägerin gesucht (Urk. 24 Rz. 7 und Rz. 52 ff.). Auch von weiteren Besuchs-
wochenenden sei C._ mit Verletzungen zurückgekehrt. Nach dem "letzten
Besuchswochenende" habe sich C._ offenbar am Balkongeländer gestossen
(Urk. 33 Rz. 9; Urk. 35/2). Eine Tochter des Beklagten aus früherer Ehe habe der
Klägerin nach der Trennung gesagt, dass sie C._ vor dem Beklagten schüt-
zen solle, ihr [der Tochter] gegenüber sei er in der Kindheit aggressiv gewesen
und habe sie körperlich sowie seelisch misshandelt. Auch die Klägerin habe be-
reits festgestellt, dass der Beklagte sehr aggressiv sein könne, schnell wütend
werde und herumschreie. Er sei bislang aber noch nie gegenüber C._ hand-
greiflich geworden. Der Vorfall vom Besuchswochenende vom 27. bis 29. April
2018 bestätige aber ihre Befürchtung, dass der Beklagte sich nicht im Griff habe
und nicht angemessen gegenüber C._ reagieren könne (Urk. 24 Rz. 56; vgl.
Urk. 57 Rz. 17). Merkwürdigerweise solle jeweils C._ Schuld an ihren Unfäl-
len sein. Solche Unfälle passierten bei der Klägerin nicht. Möglicherweise wolle
C._ damit im Haushalt des Beklagten die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, da
- 18 -
sie sonst nicht beachtet werde. Dies deute auf eine massive Vernachlässigung
der Betreuungspflichten seitens des Beklagten sowie der weiteren von ihm einge-
setzten zwei Betreuungspersonen hin (Urk. 57 Rz. 18). An der Verhandlung vom
8. Januar 2019 brachte die Klägerin schliesslich vor, C._ habe ihr wiederholt
erzählt, dass der Beklagte und dessen Ehefrau sie schlage. Auch gegenüber der
konsultierten Kinderpsychologin lic. phil. J._ habe C._ gesagt, sie werde
von der Ehefrau des Beklagten geschlagen. Die Klägerin habe deshalb am
21. Dezember 2018 Strafanzeige wegen Tätlichkeiten gegenüber C._ gegen
den Beklagten und dessen Ehefrau gestellt (Urk. 99 Rz. 10). Der Rechtsvertreter
der Klägerin führte an der Verhandlung im Weiteren aus, auch er habe bei einem
Telefonat mit der Klägerin eine Kinderstimme im Hintergrund gehört, die wohl
C._ gehört habe. Diese Kinderstimme habe gesagt "papa piga" und "papi
schlägt" (Prot. II S. 52 und S. 65).
b) Dem hält der Beklagte entgegen, C._ habe bei ihm zu Hause einen
kleinen Unfall gehabt. Sie sei auf ihren Sachen ausgerutscht und unglücklich auf
Höhe der Balkonschwelle auf ihr Laufrad sowie herumliegende Spielsachen gefal-
len. Dabei habe sie sich einige kleinere blaue Flecken zugezogen. Die Sache sei
für C._ selbst nicht dramatisch gewesen. Sie habe kurz geweint und dann
selbst bemerkt, dass sie etwas ungeschickt gewesen sei (Urk. 36 S. 21). Was die
weitere Verletzung betreffe, so werde der Hergang falsch wiedergegeben. Ein
Balkongeländer habe er denn auch gar nicht (Urk. 41 S. 3). Die Ausführungen zur
Tochter aus erster Ehe seien frei erfunden und stünden in einem anderen Zu-
sammenhang (Urk. 36 S. 23). Die von der Klägerin erhobenen Gewaltvorwürfe
bestreite er. Soweit C._ solche Sachen tatsächlich behaupte, werde sie von
der Klägerin negativ beeinflusst und "antrainiert". Dass dem so sei, zeige folgen-
der Vorfall: Am 21. Dezember 2018 habe sich C._ bei ihm zu Hause plötzlich
mit beiden Händen wiederholt ins Gesicht geschlagen und dabei gesagt: "Mama
A._ g'sagt, macht so, papa piga" (piga = suaheli für schlagen). Dass die Klä-
gerin C._ derart negativ beeinflusse, habe sich auch bei einem weiteren Vor-
fall betreffend Danksagung für das Essen gezeigt. Diese Vorfälle habe er auf Vi-
deo aufnehmen können, womit die negative Einflussnahme von der Klägerin auf
- 19 -
C._ bewiesen sei (Urk. 92 S. 2 ff. mit Verweis auf Urk. 93; Prot. II S. 60 und
66).
c) Die von der Klägerin erhobenen Gewaltvorwürfe, die vom Beklagten vehe-
ment bestritten werden (vgl. Urk. 14 S. 3; Urk. 36 S. 22; Prot. II S. 60, 61, 64, 66),
werden durch keine rechtsgenügenden objektiven Anhaltspunkte erhärtet: Die Ur-
sache der von der Klägerin festgestellten blauen Flecken bei C._ nach dem
Besuchswochenende vom 27. bis 29. April 2018 bleibt ungeklärt. Zu berücksichti-
gen ist in diesem Zusammenhang, dass es sich bei C._ um ein Kleinkind
handelt, das im Alltag aktiv sein dürfte, und kleinere Verletzungen beim Spielen
deshalb durchaus vorkommen können. Kommt hinzu, dass die KESB nach der er-
folgten Meldung offenbar diesbezüglich keine Veranlassung für die Einleitung wei-
terer Schritte sah, jedenfalls wurde seitens der Parteien nichts Derartiges behaup-
tet oder ist ersichtlich. Auch wurde gemäss dem Arztbericht des Kinderspitals vom
3. Mai 2018 (Urk. 26/13) der Klägerin lediglich die Kontaktnummer der Kinder-
schutzgruppe zur Terminvereinbarung weitergegeben, ein akuter Handlungsbe-
darf bestand offenbar auch dort nicht. Auf einen Beizug der erwähnten Meldung
von I._, wie es die Kindsvertreterin beantragt (Urk. 98 Rz. 17), kann unter
diesen Umständen daher verzichtet werden. Weitere Verletzungen nach Be-
suchswochenenden werden von der Klägerin weder substantiiert dargelegt, noch
ist rechtsgenügend erstellt, dass diese auf Handlungen des Beklagten oder eine
Vernachlässigung von C._ zurückzuführen sind. Dass sich C._ tatsäch-
lich wiederholt dahingehend äussert, sie werde geschlagen, wird vom Beklagten
nicht in Abrede gestellt (vgl. Prot. II S. 66). Strittig ist, worauf diese Äusserungen
C._s zurückzuführen sind: Die Klägerin hält dafür, dass der Beklagte
C._ schlage, der Beklagte ist der Ansicht, dass die Aussagen von C._
auf eine Manipulation seitens der Klägerin zurückzuführen seien. Hierbei fällt auf,
dass in keinem der von der Klägerin eingereichten Berichte von Fachpersonen
Anzeichen einer Gewalteinwirkung erwähnt oder festgestellt wurden (vgl.
Urk. 26/3; Urk. 29/1 S. 1; Urk. 83/6 S. 3 und 4). Im Bericht der psychiatrischen
Universitätsklinik vom 5. September 2018 wird als weiterführende Massnahme
denn auch einzig eine regelmässige Beratung bezüglich Interventionen zur Beru-
higung des Schlafverhaltens empfohlen (Urk. 83/6 S. 5). Auch die zuletzt konsul-
- 20 -
tierte Psychologin J._ hält in ihrem Bericht vom 4. Januar 2019 fest, dass an
der von C._ angezeigten Stelle keine Spuren oder Druckstellen ersichtlich
gewesen seien (Urk. 101/2 S. 3). Sie lässt im Weiteren denn auch offen, ob es
sich bei C._s Aussagen um reale Vorkommnisse oder um ein emotionales
Erleben handle (Urk. 101/2 S. 4). Die Kantonspolizei (Kinder- und Jugendschutz-
abteilung) sah offenbar gestützt auf die von der Klägerin kurz vor Weihnachten
2018 auf dem Polizeiposten vorgebrachten Gewaltvorwürfe keine Veranlassung
für ein sofortiges Handeln oder Eingreifen (vgl. Prot. II S. 39 ff.; Urk. 99 Rz. 10
und 19), jedenfalls wurde nichts dergleichen vorgebracht. Der von der Klägerin
eingereichte Brief ihrer Schwester, K._, vom 6. Januar 2019 vermag die be-
haupteten Gewalttätigkeiten nicht rechtsgenügend glaubhaft zu machen. In die-
sem Brief hält die Schwester lediglich die Beobachtung eines (starken) Kneifens
in die Backe bei der Übergabe fest (Urk. 101/1 "[...] heavily pinched her on the
right cheek."). Aus einem (allenfalls situationsbedingt zu starken) Kneifen in die
Backe bei der Übergabe kann noch nicht abgeleitet werden, dass C._ wie-
derholt vom Beklagten (oder gar seiner Ehefrau) geschlagen wird. Im Weiteren
hält der Brief lediglich die wiederholte Behauptung C._s fest, wonach sie ge-
schlagen werde, und es wird beschrieben, wie sich C._ bei der Klägerin zu
Hause verhalten haben soll. Abgesehen davon handelt es sich bei K._ um
die Schwester der Klägerin und damit um eine ihr (sehr) nahestehende Person,
weshalb deren Äusserungen ohnehin mit Zurückhaltung zu begegnen ist. Auch
die von der Klägerin eingereichten Transkriptionen von Aufnahmen (Urk. 101/3-4)
vermögen den behaupteten Gewaltvorwurf nicht rechtsgenügend glaubhaft zu
machen, zumal sie lediglich die Behauptungen von C._ festhalten und der
Beklagte – wie erwähnt – grundsätzlich nicht in Abrede stellt, dass C._ derar-
tige Behauptungen aufstellt (vgl. Prot. II S. 66). Insgesamt erscheint denn auch
nicht nachvollziehbar, weshalb der Beklagte C._ plötzlich schlagen sollte,
nachdem er gegenüber C._ während des Zusammenlebens gemäss Anga-
ben der Klägerin niemals gewalttätig geworden war (vgl. Urk. 24 Rz. 56). Dies
einzig auf die Überforderung mit zwei kleinen Kindern zurückzuführen, greift zu
kurz, zumal er bei der Betreuung auch von seiner Ehefrau unterstützt wird. Was
schliesslich die behaupteten Äusserungen der Tochter des Beklagten aus früherer
- 21 -
Ehe betrifft, so hielt bereits die Vorinstanz fest, dass diese für die Beurteilung der
Erziehungsfähigkeit nicht von Belang seien. Dem hält die Klägerin nichts entge-
gen. Abgesehen davon handelt es sich hierbei einzig um unbelegt gebliebene
Behauptungen (siehe Urk. 5/28 Rz. 37.3; Urk. 24 Rz. 56). Gesamthaft liegen da-
mit, wie erwähnt, keine genügenden Anhaltspunkte für ein gewalttätiges Verhalten
oder eine Vernachlässigung seitens des Beklagten (oder seiner Ehefrau) vor, die
seine Erziehungsfähigkeit in Frage stellen würden.
3.3.2. Weiter bringt die Klägerin vor, C._ zeige verschiedene (Verhaltens-)
Auffälligkeiten. Seit Aufnahme der erzwungenen Betreuungsregelung schlafe
C._ schlecht, habe Albträume, zeige neue alarmierende emotionale und re-
gressive Verhaltensweisen, wie Aus-der-Flasche-Trinken sowie Einnässen, was
früher nicht der Fall gewesen sei. Diese Verhaltensweisen zeigten deutlich, dass
C._ mit dem derzeitigen Besuchsrecht überfordert sei. Bei dem besorgniser-
regenden Verhalten gehe es unter anderem um das sexualisierte Verhalten von
C._, deren massive Trennungsängste sowie deren Albträume und Aggressi-
onen, die häufigen Wutanfälle, die vor allem kurz nach der Rückkehr von der Be-
suchszeit beim Beklagten vorkommen würden (Urk. 24 Rz. 43). Der Beklagte stel-
le solche Auffälligkeiten in Abrede und Verweise auf Aussagen des früheren Kin-
derarztes, Dr. L._, wonach C._ keine Verhaltungsauffälligkeiten zeigen
würde und die ihm von der Klägerin gezeigten Videos von C._ kein besorg-
niserregendes Verhalten zeigten. Die diesbezüglichen Aussagen des Kinderarz-
tes würden jedoch bestritten, habe er doch gegenüber der Klägerin diametral ent-
gegengesetzte Aussagen gemacht. Die von der Klägerin neu konsultierte Kinder-
ärztin Dr. M._ habe es denn auch für sinnvoll erachtet, genauere Abklärun-
gen zu treffen, nachdem die Klägerin ihr das Verhalten von C._ geschildert
habe, und sie für weitere Abklärungen an die "KJPP" [Klinik für Kinder- und Ju-
gendpsychiatrie und Psychotherapie] verwiesen (Urk. 24 Rz. 37). Die Kindsvertre-
terin habe Dr. L._ per E-Mail diverse Fragen gestellt (vgl. Urk. 27 und 29/1).
Dr. L._ sei die Frage gestellt worden, ob ihm seine Beobachtun-
gen/Untersuchungen Anlass zur Beunruhigung gegeben hätten. Dies habe er mit
"nein" beantwortet. Indes habe Dr. L._ gar keine eigenen Untersuchungen
durchgeführt. Krass im Gegensatz dazu stehe auch die Verordnung, die er am
- 22 -
4. September 2017 selbst ausgestellt habe. Im September 2017 sei es noch gar
nicht um ein sexualisiertes Verhalten von C._ gegangen. Trotzdem habe
Dr. L._ bereits zu diesem Zeitpunkt eine Überweisung an eine Kinderpsycho-
login für notwendig erachtet. Es sei nicht nachvollziehbar, dass nach dem Auftre-
ten weiterer Auffälligkeiten nach September 2017 aus Sicht des Kinderarztes alles
"in Ordnung" gewesen sei und kein Anlass zur Beunruhigung bestanden hätte. Dr.
L._ habe bestätigt, dass das von der Klägerin beschriebene Verhalten nicht
altersgerecht wäre. Indem Dr. L._ aber die Ausführungen der Klägerin von
Beginn weg als "Unwahrheiten" in einem angeblichen "Sorgerechtsstreit" herun-
tergespielt habe, habe er das Wohl von C._ verletzt. Möglicherweise sei Dr.
L._ nun auch nicht mehr ganz unparteiisch. Die Klägerin suche ihn denn
auch nicht mehr auf, nachdem dieser jeweils schlecht über den anderen Elternteil
gesprochen habe (Prot. II S. 55). Der Beklagte hingegen gehe nun auch mit sei-
ner weiteren Tochter zu ihm. Es sei davon auszugehen, dass Dr. L._ den
Beklagten nicht verärgern wolle, weil er sonst eine weitere Patientenbeziehung
verlieren könnte (Urk. 33 Rz. 4 ff.).
Für das Vorliegen auffälliger Verhaltensweisen von C._ liegen – mit Aus-
nahme der Schlafstörungen, wobei auch diesbezüglich die Beurteilung einzig ge-
stützt auf die Schilderungen der Klägerin erfolgte (vgl. Urk. 83/6 S. 4 und
Urk. 101/2 S. 1 und S. 3; so auch Urk. 95 S. 16) – nach wie vor keine rechtsgenü-
genden Anhaltspunkte vor (vgl. hierzu den vorinstanzlichen Entscheid in Urk. 2
E. 3.2. lit. d). Insbesondere konnten die zahlreichen von der Klägerin (teilweise
neu) konsultierten Fachpersonen nichts dergleichen feststellen (so auch die
Kindsvertreterin in Urk. 98 Rz. 13; vgl. auch Urk. 36 S. 3). Bereits der langjährige
Kinderarzt Dr. L._ konnte keine psychischen Beeinträchtigungen bei C._
ausmachen (vgl. Urk. 29 Frage 3; so im Ergebnis auch die Kindsvertreterin in
Urk. 27; vgl. Urk. 36 S. 3). Auf Nachfrage der Kindsvertreterin erklärte Dr. L._
denn auch, dass die Klägerin ihm bezüglich eines sexualisierten Verhaltens von
C._ berichtet habe, er selbst jedoch ein solches Verhalten auf den von ihr
gezeigten Videos nicht habe erkennen können (Urk. 29 Frage 6 und 7). Inwiefern
Dr. L._ nach Ansicht der Klägerin nicht mehr ganz als "unparteiisch" angese-
hen werden kann oder lediglich alles dem Beklagten glaubt (Urk. 33 Rz. 6 f.), ist
- 23 -
nicht nachvollziehbar. Aufgrund negativer Äusserungen über beide Parteien
(Prot. II S. 55) kann – unter der Annahme, dass dies überhaupt zutrifft – jedenfalls
noch nicht auf eine Parteilichkeit zugunsten des Beklagten geschlossen werden.
Dass Dr. L._ dafür angeblich keine eigenen Untersuchungen vorgenommen
habe, schadet, selbst wenn diese Behauptung zutreffen sollte, nicht, zumal zum
einen nicht ersichtlich ist, welche Untersuchungen er noch hätte vornehmen müs-
sen, und zum anderen davon auszugehen ist, dass er als unbestrittenermassen
langjähriger Kinderarzt von C._ eine Verhaltensänderung durchaus bemer-
ken würde. Nichts für den Standpunkt der Klägerin lässt sich denn auch der von
Dr. L._ ausgestellten Verordnung betreffend Überweisung von C._
zwecks Durchführung einer Psychotherapie ableiten (Urk. 33 Rz. 5; Urk. 35/1):
Zwar verordnete er darin eine Psychotherapie, doch ist gestützt auf seine Formu-
lierung, der Verwendung des Konjunktivs, davon auszugehen, dass er diese
Überweisung lediglich gestützt auf die Vorbringen der Klägerin und nicht basie-
rend auf eigenen Feststellungen veranlasste (vgl. Urk. 35/1, wonach C._ nun
ein auffälliges Verhalten zeige). Hinsichtlich der neu konsultierten Kinderärztin
(Dr. M._ in N._) hielt die Klägerin sodann selbst fest, dass die Überwei-
sung an die "KJPP" aufgrund ihrer Schilderungen erfolgt sei (Urk. 24 Rz. 37) und
damit nicht aufgrund deren eigenen Feststellungen. Das Argument der Klägerin,
wonach sich C._ bei Fachpersonen anders verhalte als zu Hause (Prot. II
S. 53), vermag nicht zu überzeugen und erscheint widersprüchlich, zumal sich die
Klägerin zur Untermauerung ihrer Behauptungen selbst auf diese Berichte stützt.
Den von der Klägerin eingereichten Schreiben von Freunden und Familie (so
Urk. 26/9-10) ist angesichts des nahen Verhältnisses zur Klägerin mit Zurückhal-
tung zu begegnen. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass, selbst wenn objekti-
ve Anhaltspunkte für ein auffälliges Verhalten von C._ vorliegen würden,
dennoch unklar bliebe, worauf dieses zurückzuführen wäre. Anhaltspunkte dafür,
dass die Ursache für derartige auffällige Verhaltensweisen beim Beklagten zu fin-
den wären, liegen jedenfalls nicht vor. Insgesamt erweist sich die Erziehungsfä-
higkeit des Beklagten auch in diesem Zusammenhang nicht als fraglich. Dies ent-
spricht im Übrigen auch der Einschätzung der Kindsvertreterin (vgl. Urk. 27).
- 24 -
3.3.3. Im Weiteren bringt die Klägerin vor, C._ nenne die Klägerin beharrlich
beim Vornamen und bezeichne die Ehefrau des Beklagten als "Mama", wozu sie
vom Beklagten offenbar aufgefordert werde. Eine solche Manipulation des Kindes
sei dessen Wohl abträglich (Urk. 24 Rz. 44 und 50; Urk. 99 Rz. 19; Prot. II S. 65).
Auch bezeichne der Beklagte selbst die Klägerin als die "biologische Mutter", was
bedenklich sei (Prot. II S. 65; Urk. 99 Rz. 7). Am 23. Dezember 2018 habe zudem
die Ehefrau des Beklagten die Klägerin "wüst" an der Haustüre beschimpft, als
Letztere C._ gemäss der vorinstanzlichen Betreuungsregelung habe abholen
wollen. Dies zeige ebenfalls die verachtende Haltung sowie die offensichtlich feh-
lende Bindungstoleranz des Beklagten, was C._ in einen massiven Loyali-
tätskonflikt stürze (Urk. 99 Rz. 7). Auch habe es der Beklagte in der Folge nicht
für nötig erachtet, sich für das Verhalten seiner Ehefrau zu entschuldigen, sei ge-
genüber der Klägerin selbst aggressiv aufgetreten und habe von ihr eine Ent-
schuldigung für die Beschimpfung seiner Ehefrau gefordert (Urk. 99 Rz. 5). Da
sich die Ehefrau geweigert habe, sich zu entschuldigen, habe die Klägerin in der
Folge Anzeige erstattet (Urk. 99 Rz. 8). An der Verhandlung habe der Beklagte
sodann mehrmals das Wort "Blödsinn" gebraucht, was ebenfalls zeige, wie er mit
der Klägerin umgehe (Prot. II S. 51 f.).
Soweit die Klägerin mit diesen Ausführungen insbesondere die Bindungstoleranz
des Beklagten in Frage stellen will, ist Folgendes festzuhalten: Für eine seitens
des Beklagten vorgenommene Manipulation von C._ in Bezug auf die Be-
zeichnung von ihr und seiner Ehefrau bestehen keine rechtsgenügenden objekti-
ven Anhaltspunkte. Der Beklagte stellt eine derartige Manipulation denn auch in
Abrede (vgl. Prot. II S. 62). Vielmehr handelt es sich hierbei um eine blosse Ver-
mutung der Klägerin. Abgesehen davon führte die Klägerin selbst aus, dass
C._ bei ihr und selbst bei Drittpersonen die Ehefrau des Beklagten "O._"
nenne (Urk. 99 Rz. 19). Dass der Beklagte die Klägerin im Schriftverkehr mit dem
Gericht "biologische Mutter" nennt (Prot. II S. 66), mutet etwas seltsam an, bedeu-
tet jedoch nicht, dass er dies auch vor C._ tut, was von ihm denn auch be-
stritten wird (vgl. Prot. II S. 66). Abgesehen davon ist zu bezweifeln, dass
C._ die Bedeutung dieser Bezeichnung bereits zu erfassen vermag. Was die
vorgeworfenen Beschimpfungen betrifft, so erfolgten diese offenbar gegenseitig
- 25 -
(vgl. Urk. 14 S. 3; Urk. 53 S. 11; Urk. 99 Rz. 6). Ob diese Beschimpfungen dem
Wohl von C._ zuträglich sind, ist mehr als fraglich, jedoch lassen sie nicht
per se auf eine fehlende Bindungstoleranz schliessen.
3.3.4. Schliesslich betrachtet die Klägerin die Bindung von C._ zu ihr als in-
niger (Urk. 99 Rz. 17, Prot. II S. 54). Ob dies zutrifft, kann offenbleiben, zumal
dies nichts über die Erziehungsfähigkeit des Beklagten an sich aussagt. Anhalts-
punkte für eine Angstbeziehung von C._ zum Beklagten, wie die Klägerin es
behauptet (Urk. 99 Rz. 17, Prot. II S. 54), bestehen keine. Es wird denn auch von
der Klägerin nicht näher ausgeführt, wie sich diese ihrer Ansicht nach äussere.
Der Umstand, dass C._ sich beim Beklagten weder auffällig noch trotzig ver-
halte (Urk. 99 Rz. 17), lässt jedenfalls nicht per se darauf schliessen. Die Klägerin
führt nicht näher aus und es ist auch nicht ersichtlich, worauf sie ihre allgemeine
Behauptung stützt, Kinder seien nur trotzig, wenn sie sich sicher fühlten (Prot. II
S. 53). Zudem bestreitet die Klägerin auch selbst explizit nicht (bzw. anerkennt
damit), dass C._ ihren Vater, den Beklagten, gern habe (Urk. 99 Rz. 17).
Nichts anderes lässt sich den (aktuellsten) eingereichten Berichten entnehmen
(vgl. insbesondere Urk. 101/2 und Urk. 83/6; so auch die Kindsvertreterin in
Urk. 98 Rz. 16). Insbesondere im Kurzbericht der Psychiatrischen Universitätskli-
nik Zürich vom 5. September 2018 wird C._ als gesundes und gut entwickel-
tes Kleinkind mit normalem Kontaktverhalten beschrieben. Es sei erkennbar, dass
sie eine Beziehung zum Beklagten aufgebaut habe (Urk. 83/6 S. 3 f.). Auch die
Kindsvertreterin hatte bei einem persönlichen Besuch beim Beklagten im Dezem-
ber 2018 den Eindruck, dass es C._ beim Beklagten gut gehe (Urk. 98
Rz. 10 f.).
3.3.5. Zusammengefasst liegen keine rechtsgenügenden Anhaltspunkte vor, wel-
che die Erziehungsfähigkeit des Beklagten in Frage zu stellen vermöchten. Auf
die Einholung einer Kurzexpertise beim E._ Institut (Urk. 24, Ziffer 4 der An-
träge; Urk. 33 Rz. 11) bzw. eines Abklärungsberichts bei der KESB Meilen
(Urk. 98 S. 8) kann – auch mit Blick auf den summarischen Charakter des Mass-
nahmeverfahrens – zumindest im vorliegenden Verfahren verzichtet werden.
- 26 -
Gleiches gilt in Bezug auf das von der Kindsvertreterin beantragte Kurzgutachten
hinsichtlich Urk. 92 und 93 (siehe Urk. 98 Rz. 98 und S. 8).
3.4. Erziehungsfähigkeit der Klägerin
3.4.1. Der Beklagte bringt vor, C._ verhalte sich offenbar nur bei der Klägerin
auffällig oder "komisch", nicht jedoch bei ihm. Entsprechend wären die Gründe
dafür bei der Klägerin zu suchen (Urk. 36 S. 3), sie sei das "Problem" (Urk. 36
S. 20). Das angeblich aggressive Verhalten von C._ bei der Klägerin sei ein
Spiegelbild des Verhaltens der Klägerin zu C._ und habe nichts mit dem Be-
klagten zu tun (Urk. 36 S. 19). C._ sei das erste Kind der Klägerin, sie sei
daher – anders als der Beklagte, der angesichts seiner sechs Kinder über eine
grosse Erfahrung in der Kindererziehung verfüge – noch unerfahren. Erfahrungs-
gemäss seien viele alleinerziehende Mütter (psychisch wie physisch) mit der Or-
ganisation und dem "Handling" von Kindern völlig überfordert (Urk. 14 S. 3). So-
weit die Klägerin behaupte, C._ trinke wieder aus der Flasche, sei anzumer-
ken, dass sie selbst C._ zwinge, aus der Milchflasche zu trinken, obwohl
C._ gar nicht mehr daraus trinken wolle, nur um sie ruhig zu stellen (Urk. 36
S. 19). Sie erziehe das Kind "von A bis Z" völlig falsch bzw. gar nicht (vgl. Urk. 36
S. 6; Urk. 95 S. 16) und schiebe es stattdessen in die Dritt- bzw. Fremdbetreuung
ab (Urk. 95 S. 16). C._ fühle sich bei der Klägerin unwohl und rebelliere da-
gegen (Urk. 36 S. 15; vgl. auch Urk. 36 S. 5; Urk. 53 S. 8 f.; Urk. 95 S. 17). Auch
sei es nicht im Interesse des Kindswohls, C._ (wiederholt) unkoordiniert einer
Vielzahl von Ärzten, Kliniken, Psychologen und ähnlichen Institutionen "vorzufüh-
ren" (Urk. 36 S. 6; Urk. 41 S. 3; Urk. 53 S. 9; Urk. 95 S. 11). Dies würden auch der
Kinderarzt Dr. L._ sowie das kjz so sehen (Urk. 36 S. 8). Der jahrelang zu-
ständige Kinderarzt [Dr. L._] folge der Argumentation der Klägerin zwischen-
zeitlich nicht mehr und sei ihr damit nicht mehr nützlich. Sie habe ihn denn auch
dazu gedrängt, eine Überweisung zu einem Psychologen zu veranlassen, obwohl
sichtlich kein Handlungsbedarf bestanden habe (Urk. 41 S. 3). Auch sei es alles
- 27 -
andere als sinnvoll, vernünftig und altersgerecht gewesen, mit C._ [im Okto-
ber/November 2018] in die USA zu reisen und sie einem Sterbenden – dem
schwerkranken Vater der Klägerin – vorzuführen, den sie gar nicht kenne (siehe
hierzu auch Ziffer 6.2.3.). Dies zeige erneut die Unerfahrenheit der Klägerin
(Urk. 95 S. 8). Die Klägerin sei sehr aggressiv, "unzurechnungsfähig" [gemeint
wohl: unberechenbar], sehr oft gereizt und habe sich nicht im Griff. Das "tempe-
ramentvolle" Verhalten der Klägerin zeige sich denn auch im "Drama" um das
Strafverfahren 2016, als sie das damalige Au-Pair bewiesenermassen niederge-
schlagen, gewürgt und schwer verletzt habe. Sie sei nicht in der Lage, mit
C._ adäquat umzugehen und sie entsprechend zu erziehen (Urk. 36 S. 23;
vgl. Urk. 53 S. 11, Urk. 95 S. 3 und 18).
Soweit der Beklagte mit diesen Ausführungen der Klägerin sinngemäss die Erzie-
hungskompetenz absprechen will, ist Folgendes festzuhalten: Wie bereits zuvor
ausgeführt, liegen keine genügenden Anhaltspunkte für ein alarmierendes Verhal-
ten von C._ vor. Zwar ist dem Beklagten insofern zuzustimmen, als dass das
wiederholte Aufsuchen von Fachpersonen ohne nennenswerte neue Erkenntnisse
wohl kaum im Kindeswohl liegen dürfte. Indes ist davon auszugehen, dass dieses
Vorgehen seitens der Klägerin – angesichts der sehr strittigen Betreuungsrege-
lung – im Zusammenhang mit dem vorliegenden Verfahren steht und darauf nach
endgültiger Regelung der Obhut/Betreuung verzichtet wird, zumal die Klägerin –
soweit ersichtlich – die Vielzahl von Fachpersonen erst konsultierte, nachdem
sich die Parteien insbesondere hinsichtlich der Betreuung nicht mehr einigen
konnten. Die Unerfahrenheit der Klägerin bzw. die nach eigenen Angaben um-
fangreiche Erfahrung des Beklagten in der Kindererziehung sagt sodann nichts
über die tatsächliche Erziehungsfähigkeit der Klägerin (wie im Übrigen auch des
Beklagten) aus. Hinsichtlich der Reise in die USA räumte die Klägerin an der Ver-
handlung vom 8. Januar 2019 selbst ein, dass darüber gestritten werden könne,
ob es aus kinderpsychologischer Sicht gut gewesen sei, C._ dorthin mitzu-
nehmen oder nicht (Prot. II S. 55). So oder so handelte es sich aber um einen
Einzelfall mit besonderen Umständen (Tod des Vaters der Klägerin). Was das be-
hauptete "Temperament" der Klägerin betrifft, so ist – mit Ausnahme des Vorfalls
mit dem Au-Pair G._ – nichts über allfällige (weitere) Gewalttätigkeiten be-
- 28 -
kannt. Gestützt auf den Bericht des kjz D._ vom 13. Januar 2017
(Urk. 5/13/29 S. 5) ist daher davon auszugehen, dass es sich beim besagten Vor-
fall mit dem Au-pair G._ um eine einmalige Ausnahmereaktion gehandelt
hatte.
3.4.2. Im Weiteren weist der Beklagte auf die wiederholten und oftmals erhebli-
chen (Haut-)Verletzungen von C._ nach den Besuchswochenenden bei der
Klägerin hin. Er hält jedoch selbst fest, dass er Dr. L._ lediglich in einem Fall
aufgesucht habe und dieser nicht zweifelsfrei habe bestätigen können, dass die
Verletzungen aus einer "unsachgemässen Behandlung" von C._ durch die
Klägerin resultierten. Entsprechend habe er sich keine weiteren Sorgen gemacht.
Kinder in einem bestimmten Alter – so der Beklagte weiter – würden ständig und
überall blaue Flecken, Verletzungen oder offene Wunden vom Spielen und Her-
umtollen davontragen (Urk. 36 S. 22; vgl. auch Urk. 41 S. 3). Hinweise auf eine
Vernachlässigung des Kindes ergeben sich aus diesem Vorbringen nicht.
3.4.3. Der Beklagte macht geltend, die Klägerin habe die Trennung im April
[vor-]letzten Jahres psychisch noch immer nicht verarbeitet (Urk. 53 S. 11). Sie
versuche mit allen Mitteln, einen Keil zwischen ihn, seine Ehefrau, das Geschwis-
terchen und C._ zu treiben (Urk. 36 S. 6). Den von ihr vorgebrachten An-
schuldigungen liege letztlich Eifersucht zugrunde, keinesfalls das Kindswohl. Be-
reits vor der Trennung habe sie angekündigt, dass sie im Falle der Trennung den
Kontakt zwischen dem Beklagten und C._ unterbinden werde. C._ solle
der neuen Familie entzogen werden (Urk. 14 S. 5). Auch beschimpfe die Klägerin
den Beklagten und dessen neue Ehefrau, was kaum im Interesse des Kindswohls
sei (Urk. 14 S. 5; Prot. II S. 58).
Dafür, dass die Klägerin den Kontakt zum Beklagten in tatsächlicher Hinsicht ver-
hindert, liegen keine Anhaltspunkte vor. Unbestritten ist, dass die Klägerin
C._ im Herbst 2017 nicht mehr dem Beklagten übergeben hatte (vgl. Urk. 2
E.1.1.). Nachdem das Gesuch um aufschiebende Wirkung der Berufung im vor-
liegenden Verfahren jedoch abgewiesen worden war, hat sich die Klägerin grund-
sätzlich an die reguläre Betreuungsregelung gemäss angefochtenem Entscheid
- 29 -
gehalten. Hinsichtlich der geltend gemachten Beschimpfungen gilt das zuvor in
Bezug auf den Beklagten Gesagte (siehe vorstehend Ziffer III./A./3.3.3.)
3.4.4. Schliesslich stellt der Beklagte in Abrede, dass C._ gerne zur Klägerin
gehe (Urk. 36 S. 19; Urk. 95 S. 14 f.) bzw. lässt gar offen, ob C._ "Liebe" ge-
genüber der Klägerin empfinde (Prot. II S. 63). Diesbezüglich ist jedoch festzuhal-
ten, dass dafür keinerlei Anhaltspunkte vorliegen. Die Kindsvertreterin hielt in ih-
rem vorinstanzlichen Plädoyer fest, dass die Klägerin und C._ eine "enge,
herzliche Beziehung" verbinde (Urk. 5/30 S. 5). Auch die im Recht liegenden (ak-
tuellen) Berichte von Fachpersonen beschreiben das Verhältnis von C._ zur
Klägerin als eng bzw. vertraut (vgl. Urk. 83/6 S. 3 und Urk. 101/2 S. 2). Zwar rügt
der Beklagte, dass die von der Klägerin beauftragten Fachpersonen "befangen"
seien, zumal es sich um von ihr bezahlte Auftragnehmer handle und einer der
Psychologen ihm bereits gesagt habe, er wolle lediglich die Probleme der Kläge-
rin lösen und interessiere sich nicht für die Anliegen bzw. die Ausführungen des
Beklagten (Urk. 95 S. 16). Dem kann allerdings nicht gefolgt werden: Die Berichte
beleuchten vielmehr die Gesamtsituation aus neutraler Perspektive und erwecken
nicht den Anschein etwaiger Befangenheit. Zudem vermochte der Beklagte seine
Behauptung hinsichtlich der Aussage des namentlich nicht einmal genannten
Psychologen nicht glaubhaft zu machen. Kommt hinzu, dass auch die Kindsver-
treterin festhielt, dass sie das Verhältnis zwischen der Klägerin und C._ als
vertraut und liebevoll erlebt habe, als sie die Klägerin im Dezember 2017 persön-
lich besucht habe (Urk. 98 Rz. 9). Auch das weitere Vorbringen des Beklagten,
wonach die Feststellungen der Fachpersonen nur unter "Laborbedingungen" ge-
macht worden seien, wobei diese Personen C._ nur ganz kurz gesehen hät-
ten, und diverse Beispiele unter realen Bedingungen das Gegenteil zeigen wür-
den (Urk. 95 S. 15), erscheint nicht einleuchtend. Dass sich C._ bei den
Übergaben zunächst allenfalls etwas "geknickt" zeigt (vgl. Urk. 95 S. 15), kann
auch darauf zurückgeführt werden, dass sie aufgrund des Wechsels wieder einer
kurzen Angewöhnungszeit bedarf. Bei den weiteren von ihm angeführten Beispie-
len (Urk. 95 S. 15) handelt es sich lediglich um Behauptungen, die nicht durch
rechtsgenügende objektive Anhaltspunkte untermauert werden. Insgesamt ist da-
her von einer vertrauten Bindung zwischen der Klägerin und C._ auszuge-
- 30 -
hen. Soweit der Beklagte schliesslich der Ansicht ist, dass C._ ihm am
nächsten stehe (vgl. Urk. 14 S. 3; Urk. 36 S. 4; Urk. 53 S. 10, 12 und S. 15;
Urk. 95 S. 16 ff.), ist auf das in Bezug auf die Klägerin Ausgeführte zu verweisen
(vorstehend Ziffer III./A./3.3.4.): Angesichts der vorliegend anzuordnenden alter-
nierenden Obhut (siehe nachfolgend Ziffer III./A./8.), kann offenbleiben, zu wem
C._ ein innigeres Verhältnis hat.
3.4.5. Insgesamt bestehen auch auf Seiten der Klägerin keine Anhaltspunkte, die
ihre Erziehungsfähigkeit ernstlich in Frage zu stellen vermöchten.
3.5. Fazit
Zusammenfassend ist sowohl auf Seiten der Klägerin als auch auf Seiten des Be-
klagten die Erziehungsfähigkeit zu bejahen. Für die Einholung einer Kurzexpertise
beim E._ Institut, eines aktuellen Abklärungsberichts zur Betreuungssituation
sowie der Befindlichkeit von C._ bei der KESB Meilen sowie eines Kurzgut-
achtens bezüglich Urk. 92/93 besteht – insbesondere auch mit Blick auf den
summarischen Charakter des vorliegenden Verfahrens – zumindest im vorliegen-
den Massnahmeverfahren keine Veranlassung.
4. Geographische Distanz
4.1. Die Vorinstanz führte aus, auch in geographischer Hinsicht spreche nichts
gegen eine alternierende Obhut. Die Parteien lebten in benachbarten Gemeinden,
die Distanz zwischen den Wohnungen betrage wenige Autominuten (Urk. 2
E. 3.3).
4.2. Diese Einschätzung wird sowohl von der Klägerin als auch vom Beklagten
zu Recht nicht in Frage gestellt. Daran ändert auch der Umzug des Beklagten im
Oktober 2018 nichts (vgl. Urk. 69), zumal sein neuer Wohnort in unmittelbarer
Nähe zum vorherigen Wohnort liegt.
5. Persönliche Betreuung/Stabilität
5.1. Die Vorinstanz erwog, die Kindseltern hätten sich sowohl während des Zu-
sammenlebens als auch nach Auflösung des gemeinsamen Haushalts im März
- 31 -
2017 in der Betreuung und Pflege von C._ abgewechselt. Es sei müssig,
exakt abzuklären, wie hoch der jeweilige Anteil gewesen sei. Fakt sei, dass ab
März 2016 beide Elternteile 100 % gearbeitet hätten. Die Klägerin habe an einem
Tag von zu Hause aus ("home office") gearbeitet, der Beklagte üblicherweise an
zwei Tagen. So habe es das kjz im Abklärungsbericht festgestellt und mit dessen
Inhalt hätten sich die Kindseltern einverstanden erklärt. Darauf sei der Beklagte
zu behaften. Zusätzlich hätten die Parteien – auch nach der Trennung – ein Au-
Pair beschäftigt, das während drei Tagen pro Woche für die Betreuung von
C._ zur Verfügung gestanden sei. Auch nach der Trennung seien beide El-
ternteile durch ein Au-Pair unterstützt worden. Diesem Konzept lasse sich ent-
nehmen, dass sich beide Elternteile in ähnlichem Umfang an der Betreuung und
Erziehung von C._ beteiligt und sich bewusst für dieses Modell entschieden
hätten. Daraus könne auch geschlossen werden, dass die Klägerin und der Be-
klagte für C._ gleichwertige (Haupt-)Bezugspersonen darstellten. Die Be-
strebungen der Klägerin, ihre Rolle in der Betreuung und Erziehung von C._
in den Vordergrund zu stellen und die Funktion sowie Bedeutung des Beklagten
zu relativieren, fänden in den Unterlagen der KESB [Meilen], welche die familiäre
Situation noch während des Zusammenlebens einlässlich abgeklärt habe, keine
Stütze. Damit erschienen die heutigen Ausführungen der Klägerin als prozesstak-
tisch motiviert. An diesem Eindruck vermöchten auch die Ausführungen von
H._ (Au-Pair bei den Parteien ab Oktober 2016) und K._ (Schwester der
Klägerin) nichts zu ändern.
Angesichts des bisherigen Gelebten dränge sich unter dem Gesichtspunkt der
Stabilität die Anordnung der alternierenden Obhut auf. Zu beachten sei der Um-
stand, dass die Klägerin – nach Verlust ihrer Stelle – beabsichtige, einstweilen
nicht zu arbeiten, jedenfalls nicht mehr als 20 %. Dies deshalb, weil C._ un-
ter den vielen Wechseln von Au-Pairs gelitten habe und sich Probleme beim
Schlafen und der Ernährung zeigen würden. Diese Situation erfordere nun – so
die Klägerin – die persönliche Betreuung. Auffällig sei zwar der Zeitpunkt der Auf-
gabe der Erwerbstätigkeit. Diese erfolge just in der Phase, in der die Frage der
Zuteilung der Obhut über C._ bzw. des Betreuungsanteils der beiden Eltern-
teile zum Streitpunkt geworden sei. Es sei denn auch nicht die Klägerin gewesen,
- 32 -
die gekündigt habe, sondern ihr Arbeitgeber. Insofern sei ihr Entscheid, sich ver-
mehrt um C._ zu kümmern, wohl eher vor dem Hintergrund einer sich bie-
tenden Gelegenheit zu verstehen und weniger als Ergebnis eines auf die Bedürf-
nisse von C._ fokussierten Entscheidungsprozesses zu betrachten. Ihre
Aussagen hinsichtlich ihres zukünftigen Arbeitspensums seien insofern mit Vor-
behalt zu geniessen. Fakt bleibe dennoch, dass die Klägerin aktuell keiner Arbeit
nachgehe und sie auch bei einem geringeren Arbeitspensum als 100 % – seien
es nun 80 % oder 60 % – ihr Leben werde fristen können. Der Beklagte werde es
sich angesichts seiner Umstände (vier unterhaltsberechtigte Kinder aus erster
Ehe und ein Kind aus jetziger Ehe) kaum leisten können, sein Arbeitspensum
künftig zu reduzieren. Zwar sei er zuversichtlich, dass er auch künftig seine Ar-
beitspflicht teilweise von zu Hause aus werde erfüllen können, diese Form der
Anwesenheit in der Wohnung genüge jedoch selbstverständlich nicht den Anfor-
derungen an die Betreuung eines zweijährigen Kindes. Allerdings verfüge er in
der Person seiner Ehefrau über Unterstützung bei der Betreuung von C._.
Diese kenne C._ gut. Sie habe – zunächst als Au-Pair – bereits seit der
Trennung der Parteien im Haushalt des Beklagten bei der Betreuung von C._
mitgeholfen. Die Weiterführung der bisher gelebten Regelung führe damit – ent-
gegen der Befürchtung der Klägerin – auch nicht zu einem erneuten Wechsel der
Bezugspersonen von C._. Ihre Sorge mute angesichts des Umstands, dass
sie ihrer Tochter zugemutet habe, über mehrere Wochen auf den Kontakt zum
Vater zu verzichten, seltsam an. Insgesamt betrachtet spreche somit auch das
Kriterium der persönlichen Betreuung nicht gegen die Anordnung der alternieren-
den Obhut. Die höhere zeitliche Verfügbarkeit der Klägerin sei bei der Bemessung
der Betreuungsanteile zu berücksichtigen (Urk. 2 E. 3.4.).
5.2. Die Klägerin bringt in ihrer Berufungsschrift diesbezüglich vor, sie halte da-
ran fest, dass sie seit der Geburt die Hauptbezugsperson von C._ gewesen
sei, und erklärte ihre Ausführungen im Plädoyer vom 21. Dezember 2017 S. 3 ff.,
Rz. 2 bis S. 7 Rz. 17 und die von ihr eingereichten Bestätigungen des Au-Pair-
Mädchens, H._ (Beilage 1 zum Plädoyer vom 21. Dezember 2017) und ihrer
Schwester (Beilage 2 zum Plädoyer vom 21. Dezember 2017) zum integrierenden
Bestandteil ihrer Berufung (Urk. 1 Rz. 41). Bereits das Kriterium der persönlichen
- 33 -
Betreuung spreche für die Zuteilung der alleinigen Obhut an die Klägerin. Die
Klägerin habe – aufgrund der Kündigung ihres Arbeitsverhältnisses im September
2017 – die grössere Möglichkeit, sich persönlich um C._ zu kümmern als der
Beklagte. Dies habe bereits der Vorderrichter festgehalten (mit Verweis auf Urk. 2
E. 4.2. S. 15). Sie sei denn auch bereit, C._ zuliebe zu Hause zu bleiben, um
C._ die bestmögliche Betreuung und Pflege für eine gesunde und gute Ent-
wicklung angedeihen zu lassen. C._ habe im ersten Lebensjahr einen mehr-
fachen Wechsel der Betreuungspersonen erleben müssen, was vom kjz als nega-
tiver Faktor für die Entwicklung des Kindes gewertet worden sei (Urk. 1 Rz. 47
S. 18). Dass sie nur aus prozesstaktischen Gründen arbeitslos sei, wie der Be-
klagte geltend mache, werde bestritten (Urk. 24 Rz. 40). Nachdem der Beklagte
während des Rechtsmittelverfahrens auf eine erneute Arbeitstätigkeit der Klägerin
hingewiesen (vgl. Urk. 39 S. 2; vgl. auch Urk. 53 S. 3) und das Gericht sie ent-
sprechend aufgefordert hatte, zu ihrer aktuellen Erwerbssituation Stellung zu
nehmen (Urk. 40), erklärte die Klägerin mit Eingabe vom 2. Juli 2018 (Urk. 43)
schliesslich, sie habe am 12. Februar 2018 bei ihrer vormaligen Arbeitgeberin
(P._ AG) einen (neuen) Vertrag als Buchhalterin auf Abruf auf Stundenbasis
abgeschlossen. Sie sei in Bezug auf ihre Arbeitsstunden jedoch flexibel und kön-
ne ihre Arbeit von zu Hause aus zu Zeiten erledigen, in denen C._ schlafe
oder (am Wochenende) beim Beklagten sei. Eine Betreuung zu 100 % sei damit
während der Woche problemlos möglich und sei seit dem 12. Februar 2018 auch
bereits so gelebt worden (Urk. 43 Rz. 2 ff.). An der Verhandlung vom 8. Januar
2019 erklärte die Klägerin schliesslich, ihr sei am 20. Dezember 2018 per Ende
März 2019 gekündigt und sie sei per sofort freigestellt worden. Aufgrund der Kün-
digung (und Freistellung) sei es ihr möglich, C._ vollumfänglich selbst zu be-
treuen. Eine neue Erwerbstätigkeit wolle sie vor dem voraussichtlichen Eintritt
C._s in den Kindergarten in zwei Jahren nur aufnehmen, falls diese Tätigkeit
im Home Office ausgeführt werden könne (Urk. 99 Rz. 15; Prot. II S. 37 f.).
Hinsichtlich der Erwerbstätigkeit des Beklagten bzw. dessen zeitlicher Verfügbar-
keit führte sie aus, der Beklagte sei in einem 100 %-Pensum tätig. Dies sei beim
Entscheid darüber, ob die alternierende Obhut und die von der Vorinstanz ange-
ordnete Betreuungsregelung im Kindeswohl sei, zu berücksichtigen. Blosse Er-
- 34 -
reichbarkeit oder Anwesenheit im Alltag seien kein Betreuungskonzept (mit Hin-
weis auf BGer 5A_22/2010 vom 7. Juni 2010, E. 5.2.), zumal der Beklagte wäh-
rend der "Home Office-"Zeit dem Arbeitgeber auch zur Verfügung stehen müsse
(Urk. 24 Rz. 26). Die genauen Arbeitszeiten seien unklar. Ebensowenig sei klar,
wie oft er auf Baustellen (in der ganzen Schweiz) sowie bei Kunden anwesend
sein müsse. Wenn seine Arbeitgeberin "flexibles Arbeiten" – so die Wortwahl in
Urk. 42/1 – anbiete, so heisse dies lediglich, dass der Erledigungsort flexibel ge-
wählt werden könne, das Pensum bleibe aber gleich. Sein Arbeitsort liege aber in
Q._ im Kanton Bern, womit – nebst der normalen Arbeitszeit von 8.5 Stun-
den – noch jeweils zwei Stunden Wegzeit hinzukämen. Entsprechend sei er an
den Arbeitstagen gar nicht präsent (Urk. 51 Rz. 5; vgl. auch Urk. 80 Rz. 40 mit
Verweis auf Urk. 83/5). Die monatlichen Team- und Koordinationssitzungen wür-
den grundsätzlich in Q._ stattfinden. Aus der von ihm eingereichten Urkunde
4/1 gehe überdies klar hervor, dass er die Bestimmungen des Arbeitsgesetzes
sowie der internen Weisungen der R._ einzuhalten habe. Damit sei aber ge-
sagt, dass sich der Beklagte nicht darauf berufen könne, er arbeite an seinen Be-
treuungstagen nachts, denn dies würde den Bestimmungen des Arbeitsgesetzes
zuwiderlaufen. Der Beklagte habe auch ganz bewusst nicht ausgeführt, wie sein
Tages- oder Wochenablauf aussehe, wisse er doch, dass er die Betreuung von
C._ nicht persönlich wahrnehmen könne. Dass der Beklagte nicht gleichzei-
tig arbeiten und sich um C._ kümmern könne, ergebe sich auch aus der
Weisung K 132.1 Ziffer 2.3.3. (Urk. 42/4), wonach die Mitarbeiter zu Hause stö-
rungsfrei arbeiten müssten und familiäre Verpflichtungen nur in punktueller Form
(Mittagsbetreuung/Abholen) zulässig seien (Urk. 51 Rz. 4 ff.). Der Beklagte aner-
kenne sodann auch, dass C._ keinen Mittagsschlaf mehr mache. Damit sei
aber auch gesagt, dass das Konzept "Home Office" jedenfalls heute nicht (mehr)
funktioniere, da die Betreuung der fast dreijährigen C._ intensiv sei. Soweit
er der Ansicht sei, er könne seine Arbeit überall ausführen und gleichzeitig auf
C._ aufpassen, irre er sich. Es sei denn auch grob verantwortungslos, wenn
er mit ihr in der Nähe eines Sees sei und dann nicht auf sie aufpasse, zumal
C._ noch nicht schwimmen könne. Des Weiteren führe er aus, dass zwei
Familienmitglieder C._ betreuen könnten. Dies zeige ebenfalls, dass er
- 35 -
C._ nicht selbst betreuen könne. Fraglich sei auch, um wen es sich dabei
überhaupt handle. Auch der Umstand, dass gemäss dem Beklagten jeweils
C._ schuld an ihren Unfällen sein solle, weise möglicherweise darauf hin,
dass C._ damit im Haushalt des Beklagten die Aufmerksamkeit auf sich zie-
hen wolle, da sie sonst nicht beachtet werde. Dies deute auf eine massive Ver-
nachlässigung der Betreuungspflichten seitens des Beklagten sowie der weiteren
von ihm eingesetzten zwei Betreuungspersonen hin (Urk. 57 Rz. 17). Aktuelle Ab-
klärungen hätten zudem nun ergeben, dass der Beklagte von Montag bis Freitag
in Q._ arbeite (Urk. 80 Rz. 40 mit Verweis auf Urk. 83/5 [Ermittlungsbericht
einer Privatdetektei]). Es werde bestritten, dass der Beklagte im Home Office ar-
beiten könne sowie auch, dass er donnerstags und freitags jeweils zu Hause ar-
beite und nicht extern tätig sei (Prot. II S. 57). Es entspreche nicht dem Kinds-
wohl, wenn C._ während der Arbeitszeit des Beklagten von dessen Ehefrau
betreut werde, obschon die Klägerin als C._s Mutter in der Lage und auch
Willens sei, das Kind persönlich zu betreuen (Urk. 1 Rz. 49).
5.3. Dem hält der Beklagte entgegen, seit der Geburt C._s habe er sich
"proaktiv" um sie gekümmert. Die Absprachen betreffend die Betreuungszeit sei-
en jeweils eine Woche im Voraus getroffen worden und hätten immer gut funktio-
niert. Die Klägerin sei nach ihrem Mutterschutz wieder im Umfang von 100 % ar-
beiten gegangen. Home Office-Tage habe sie – bis auf ein paar wenige Ausnah-
men – nicht umsetzen können oder wollen. Daher habe sie an den restlichen drei
oder zwei Werktagen, an denen der Beklagte unterwegs gewesen sei, auf die Hil-
fe von Au-Pairs zurückgegriffen. Der Beklagte sei hingegen nur zwei- oder drei-
mal infolge Weiterbildung einige Tage verhindert gewesen. Während des Zu-
sammenlebens habe er sich um C._ sowie den kompletten Haushalt ge-
kümmert. Zwischen ihm und C._ sei dadurch über Monate hinweg eine sehr
enge Bindung entstanden. Der Grundsatz, dass (Klein-)Kinder grundsätzlich eine
engere Bindung zu Müttern als zu Vätern hätten, gelte im vorliegenden Fall nach-
weislich nicht (Urk. 14 S. 4).
Hinsichtlich seiner Erwerbstätigkeit bzw. seiner zeitlichen Kapazität für eine per-
sönliche Betreuung von C._ führte der Beklagte im Wesentlichen aus, seine
- 36 -
Arbeitgeberin, die R._, lasse flexibles Arbeiten zu, wovon er auch regelmäs-
sig Gebrauch mache. Er sei zu 95 % nicht an feste Zeiten oder an "fixe" Orte ge-
bunden (Urk. 14 S. 1 f.). Durch eine interne Reorganisation habe er in eine ande-
re Division der Bauabteilung gewechselt. Das geltende Arbeitszeitmodell der
R._ sei seit 2012 gleich geblieben und auch er arbeite genau gleich wie wäh-
rend des Zusammenlebens (Urk. 41 S. 2). Er plane keine Bauprojekte, sondern
vertrete die Bauherrschaft, die R._. In Vertretung der R._ vergebe er
eingehende Aufträge an externe Architektur- und Ingenieurbüros, die in der Folge
das Projekt ausführen würden. Sein Job bestehe darin, die für ihn extern und in-
tern arbeitenden Personen zu betreuen und die Zielvorgaben der Bauherrschaft,
der R._, einzuhalten (Prot. II S. 42; vgl. auch Urk. 14 S. 1 f. und Urk. 53
S. 7). Er sei somit nicht mit der klassischen Projektarbeit, sondern vielmehr mit
einer "Kontroll-" und "Beurteilungsfunktion" betraut. Dies könne er beispielsweise
auch am Nachmittag am "Strand" erledigen (Urk. 53 S. 7). Er arbeite hauptsäch-
lich mit seinem Mobiltelefon und seinem Laptop, mit welchen er sich von überall in
das R._-Netzwerk einwählen könne (Prot. II S. 42). Seine Arbeit könne zu
jeder Zeit an jedem Ort erledigt werden. Er sei überdies ein Nachtmensch und ar-
beite vorzugsweise (auch mal spät) abends (Urk. 14 S. 2; Prot. II S. 43). Die ihm
obliegenden Projekte würden zwar schweizweit realisiert. Angesichts der heutigen
Tools und Netzwerke sowie Mobilität sei seine Anwesenheit dort jedoch nicht
mehr erforderlich. Auch gälten nicht zu "jedem Tag/Woche/Monat/Pro-
jekt/Aufgabe" exakt die gleichen Voraussetzungen oder Umsetzungen, weshalb
die Arbeit auch nicht tage- oder wochenweise fixiert werden könne. Dies sei pro-
jektspezifisch und es obliege den Mitarbeitern, sich selbst zu organisieren
(Urk. 53 S. 5 und 7). Zudem verfüge er nicht über feste Arbeitszeiten. Seine Wo-
chenarbeitszeit betrage 40 Stunden. Er sei jedoch frei darin, wann und wie er sei-
ne Arbeitsleistung erbringe (Prot. II S. 43). Die Meetings fänden entweder in Bern,
anderen R._-Standorten oder bei externen Ingenieurbüros statt. Sein Ter-
minkalender sei sehr flexibel. Im Moment sei aufgrund der "provisorischen" Be-
treuungsregelung der Donnerstag und Freitag immer "fix blockiert". An diesen Ta-
gen nehme er keine externen Termine wahr und arbeite von zu Hause aus. Ein
separates Büro habe er zu Hause nicht. An den anderen Wochentagen (Montag
- 37 -
bis Mittwoch) hänge es davon ab, was er zu erledigen habe. Sofern er lediglich
Dossiers prüfen oder Stellungnahmen verfassen müsse, arbeite er von zu Hause
aus. Für Meetings oder zur Überprüfung, ob die Zielvorgaben eingehalten worden
seien, fahre er an externe Orte (Prot. II S. 42 f.). Er und seine Ehefrau würden für
C._ die optimale Familie darstellen, um sie umfassend und tatsächlich zu
100 % zu betreuen. Eine Erwerbstätigkeit, insbesondere in Verbindung mit (zeit-
lich und räumlich ungebundenem) "Home Office" und einer sehr guten familiären
Betreuung durch zwei Ehepartner, stünde in keinerlei Widerspruch oder Konflikt.
Im Übrigen entscheide sich die Obhut über das Kind nicht über die Erwerbstätig-
keit, sondern über das Wohlbefinden des Kindes. Es sei auch nicht einsichtig, in-
wiefern eine arbeitslose/mittellose Mutter eine bessere Betreuung gewährleisten
können sollte als ein sechsfacher Vater mit einer weit über zwanzigjährigen Erfah-
rung in der Kindererziehung, der zusätzlich von seiner Ehefrau unterstützt werde
und bei dem C._ mit einem weiteren Geschwisterchen in der Familie lebe
(Urk. 36 S. 13). Beim Beklagten sei C._ in die Familie integriert und werde
nicht fremdbetreut (Urk. 53 S. 4; vgl. auch Prot. II S. 58 f.). C._ brauche oh-
nehin je länger je weniger eine Betreuung von 100 %, da sie sich auch gerne
einmal selbst beschäftige (siehe hierzu Urk. 53 S. 6). Wenn er (an seinen Betreu-
ungstagen) donnerstags und freitags zu Hause sei, dann kümmere sich die ganze
Familie um C._. Manchmal unternehme er, manchmal seine Ehefrau etwas
alleine (oder zusammen mit dem Halbgeschwister) mit C._. Manchmal un-
ternähmen sie als ganze Familie etwas (Prot. II S. 43).
In Bezug auf die Klägerin führte er zunächst aus, sie sei verpflichtet, sich um eine
Arbeitsstelle zu bemühen, da sie selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen
müsse und auch gegenüber C._ in der Pflicht sei. Sie könne sich nicht auf
die Gelder der Allgemeinheit sowie ihre Ersparnisse verlassen (Urk. 14 S. 5; vgl.
Urk. 36 S. 4). Angesichts der zeitlichen Übereinstimmung von Klageerhebung und
Jobverlust sei offensichtlich, dass die Klägerin mehr oder weniger proaktiv auf ih-
ren Jobverlust hingewirkt habe. Eine Kündigung seitens des Arbeitsgebers sei mit
Blick auf ihren beruflichen Hintergrund denn auch erstaunlich. Offenbar wolle sie
sich einen Betreuungsvorteil gegenüber dem Beklagten verschaffen, der trotz Re-
organisation bei seiner Arbeitgeberin eine neue Position gefunden habe. Die Klä-
- 38 -
gerin gehe von einer persönlichen Betreuung von 100 % aus, obschon sie
C._ die ganze Zeit wiederholt an eine örtliche Betreuungseinrichtung ab-
schiebe (und C._ dort gesehen werde) sowie regelmässig die Hilfe von
Nachbarn und Freunden in Anspruch nehme. Sie habe auch mehrmals darauf
hingewiesen, dass sie mittlerweile "selbstständig" sei und Kundenaufträge aus-
führe. Was "betreuungstechnisch" mit C._ "nach der vorübergehenden Ar-
beitslosenzeit" passiere, sei ebenfalls nicht geklärt worden (Urk. 36 S. 4). Mit Ein-
gabe vom 2. Juli 2018 habe die Klägerin schliesslich – erst nachdem er, der Be-
klagte, auf ihre erneute Arbeitstätigkeit hingewiesen habe – einen Arbeitsvertrag
ins Recht gelegt, aus dem aber nicht hervorgehe, wie die Arbeit im Detail vonstat-
ten gehen solle. Monatelang habe sie gelogen und behauptet, dass ihr angeblich
gekündigt worden und sie arbeitslos sei, obwohl es letztlich lediglich nur eine sehr
vage gehaltene Vertragsänderung gegeben habe. Die Klägerin müsse denn auch
eine ihrer Funktion und Ausbildung entsprechende Arbeitsstelle finden, um ihren
Lebensunterhalt zu bestreiten. Dies könne sie wohl kaum mit einem Pensum von
40 %. Vermutlich arbeite sie bereits im heutigen Zeitpunkt in einem höheren Pen-
sum. Anzunehmen sei, dass sie spätestens nach Abschluss der gerichtlichen
Auseinandersetzung ihr Pensum wieder deutlich erhöhen werde. Es sei langfristig
nicht zielführend, sich aus prozesstaktischen Gründen auf eine Arbeitslosigkeit
bzw. ein reduziertes Pensum zu berufen. Angemerkt sei, dass auch er seine Ar-
beit – unter entsprechenden finanziellen Einbussen – jederzeit auf wenige Pro-
zent reduzieren könne. Der Arbeitsumfang sei damit eine Frage des Geldes und
kein matchentscheidendes Kriterium für den Betreuungsanteil (Urk. 53 S. 4; vgl.
Urk. 95 S. 13). Soweit die Klägerin aktuell erneut behaupte, ihr sei gekündigt wor-
den, sei dies der gleiche strategische Schachzug wie letztes Jahr. Auch damals
habe die Klägerin über Monate hinweg behauptet, dass ihr gekündigt worden sei
und sie nun das Kind betreuen könne. Die Klägerin merke, dass ihr die Argumen-
te ausgehen würden und es eng für sie werde. Sie wolle jetzt zu Hause bleiben.
Wie sie das finanziere, sei unklar (Prot. II S. 61).
5.4. Hinsichtlich des Kriteriums der Stabilität kann den schlüssigen sowie zu-
treffenden Erwägungen der Vorinstanz gefolgt werden. Sowohl die Klägerin als
auch der Beklagte setzen diesen Erwägungen nichts Substanzielles entgegen
- 39 -
(vgl. insbesondere Urk. 1 Rz. 41). Soweit sich die Klägerin mit ihren Ausführun-
gen, wonach kein "stabiles Wechselmodell" gelebt worden sei (vgl. Urk. 1 Rz. 32
sowie vorstehend Ziffer III./A./3.2.1.), gegen die Erwägungen der Vorinstanz hin-
sichtlich des Kriteriums der Stabilität richten will, ist Folgendes festzuhalten: Ob
ein stabiles Wechselmodell gelebt worden ist oder sich die Parteien betreffend die
Betreuung lediglich mündlich von Woche zu Woche abgesprochen haben, ist
zweitrangig. Massgebend ist, dass sowohl die Klägerin als auch der Beklagte
C._ bis anhin in ungefähr ähnlichem Umfang jeweils bei sich zu Hause (auch
unter Zuhilfenahme von Drittpersonen) betreut hatten (vgl. auch Urk. 16/4 und
Urk. 5/29/3).
5.5. Was das Kriterium der persönlichen Betreuung betrifft, so fällt zunächst
Folgendes auf: Die Klägerin machte im vorinstanzlichen Verfahren einen Stellen-
verlust (per Ende September 2017) geltend und dies – worauf die Vorinstanz zu
Recht hinwies – zu einem Zeitpunkt, in dem die Obhutszuteilung bzw. der jeweili-
ge Betreuungsanteil zum Streitpunkt wurde. Im Weiteren machte sie geltend, sich
nunmehr um C._ kümmern zu wollen und einstweilen nicht mehr arbeiten zu
wollen bzw. nicht mehr als 20 % (Urk. 5/28 Rz. 31 und Rz. 38.1; Urk. 2 E. 3.4.
lit. c; Prot. I S. 22). Aber bereits im Februar 2018 schloss sie einen neuen Arbeits-
vertrag mit ihrer vorherigen Arbeitgeberin ab, wenngleich nur mit einem Pensum
von 40 %. Dem Gericht teilte sie dies erst auf entsprechende Aufforderung hin mit
Eingabe vom 2. Juli 2018 mit. An der Verhandlung vom 8. Januar 2019 machte
sie – bereits zum zweiten Mal und wiederum zu einem für das Verfahren relevan-
ten Zeitpunkt – erneut einen Stellenverlust geltend und brachte (erneut) vor,
C._ nun zu 100 % persönlich betreuen zu können und wollen sowie während
der nächsten zwei Jahre keiner Erwerbstätigkeit nachgehen zu wollen (Prot. II
S. 38). Insofern erweist sich die Klägerin diesbezüglich nur bedingt als glaubwür-
dig (vgl. bereits die Vorinstanz in Urk. 2 E. 3.4. lit. c S. 12, wonach "[...] diese
Aussagen mit Vorbehalt zu geniessen" seien). Eine (erneute) Arbeitserwerbsauf-
nahme ist mittelfristig nicht auszuschliessen. Es erscheint jedoch glaubhaft, dass
sie aktuell keiner Arbeitstätigkeit nachgeht (vgl. Urk. 101/5) und C._ zum ak-
tuellen Zeitpunkt persönlich betreuen kann.
- 40 -
Hinsichtlich des Beklagten erscheint mit Blick auf die von ihm eingereichten Bei-
lagen glaubhaft, dass er bei seiner aktuellen Arbeitgeberin im Home Office arbei-
ten und seine Arbeitszeit weitestgehend selbst einteilen kann (vgl. hierzu insbe-
sondere Urk. 42/1-2). Entsprechend erscheint es plausibel, dass er sowohl don-
nerstags als auch freitags ganztags zu Hause im Home Office arbeitet. Die Vor-
instanz hielt sodann fest, dass er zwar nicht in der Lage sei, C._ an seinen
Betreuungstagen tagsüber rund um die Uhr zu betreuen, womit er auf die Hilfe
Dritter, vorliegend seiner Ehefrau, angewiesen sei. Jedoch sei ein reger Kontakt
zwischen ihm und C._ an seinen Betreuungstagen, an welchen er zu Hause
arbeite, ohne Weiteres möglich (Urk. 2 E. 4.2.; siehe auch nachfolgend Zif-
fer III./B./1.1.). Diesen schlüssigen Erwägungen, denen vorliegend gefolgt werden
kann, setzt die Klägerin nichts entgegen, sondern beharrt – wie die vorstehenden
Erwägungen erhellen – einzig darauf, dass der Beklagte sich aufgrund seines
100 %- Pensums nicht um C._ persönlich kümmern könne. Dass der Beklag-
te zur Abdeckung seines Betreuungsanteils auf die Hilfe seiner Ehefrau zurück-
greift, ist jedoch nicht zu beanstanden, zumal diese C._ bei ihm zu Hause
(mit-)betreut (vgl. auch BGer 5A_888/2018 vom 20. April 2018, E. 3.3.3.). Auch ist
nicht einsichtig, dass es seiner Ehefrau aufgrund ihres mittlerweile fast einjährigen
(eigenen) Kindes nicht möglich sein soll, (gleichzeitig) auf C._ aufzupassen.
Eine "massive Vernachlässigung" der Betreuungspflichten ist ebenfalls nicht aus-
zumachen (siehe hierzu bereits vorstehend Ziffer III./A./3.3.1.) und wird von der
Klägerin denn auch lediglich vermutet. Es ist damit davon auszugehen, dass der
Beklagte C._ donnerstags und freitags eine dem Kindswohl entsprechende
(persönliche) Betreuung zukommen lassen kann. An dieser Einschätzung ändert
auch der von der Klägerin eingereichte Bericht einer Privatdetektei vom
29. Oktober 2018 (Urk. 83/5) nichts, bleibt doch diesbezüglich unklar, in welchem
(Gesprächs-)Zusammenhang der Beklagte die darin festgehaltenen Aussagen
und Auskünfte getätigt hat. Der Beklagte stritt diese Aussagen sinngemäss denn
auch ab (vgl. Urk. 95 S. 13).
Insgesamt spricht damit auch das Kriterium der persönlichen Betreuung nicht ge-
gen die Anordnung einer alternierenden Obhut.
- 41 -
6. Mindestmass an Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit
6.1. Diesbezüglich erwog die Vorinstanz, die Eltern von C._ hätten über
lange Zeit – auch nach der Trennung und Auflösung des gemeinsamen Haushalts
– Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit bewiesen. Indes seien die Kindsel-
tern angesichts der höheren zeitlichen Verfügbarkeit der Klägerin aufgrund ihrer
Erwerbsaufgabe sowie ihrer Forderung nach grösseren Betreuungsanteilen nun
an einen Punkt gelangt, der behördliches bzw. gerichtliches Einschreiten erforde-
re. Allein deshalb könne aber für die Zukunft nicht auf ein Mass an Kooperations-
und Kommunikationsfähigkeit geschlossen werden, das gegen eine alternierende
Obhut spreche. Beide Elternteile seien sich ihrer Verantwortung hinsichtlich der
Belange von C._ bewusst, was sie nicht nur während der Dauer ihres Zu-
sammenlebens, sondern auch nach ihrer Trennung bewiesen hätten. Sei die Fra-
ge einmal geklärt, wie der aktuellen Lebenssituation der Kindseltern, insbesonde-
re der höheren zeitlichen Verfügbarkeit der Kindsmutter, bei der Regelung der
Obhut und der Betreuungsanteile Rechnung zu tragen sei, dürfe mit Fug davon
ausgegangen werden, dass sich die Kindseltern im Interesse und zum Wohl von
C._ zusammenraufen und einen Weg finden würden, die für die Durchfüh-
rung der Regelung nötigen Absprachen zu finden. Es dürfte zukünftig mit einem
kooperativen Verhalten der Kindseltern und dem Willen sowie der Fähigkeit, die
notwendigen Informationen betreffend C._ auszutauschen, gerechnet wer-
den (Urk. 2 E. 3.5 f.).
6.2. Die Klägerin rügt, die Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit zum
Wohle von C._ sei vorliegend nicht gegeben:
6.2.1. Die Parteien hätten sich nach der Trennung über die Betreuung von
C._ zwar zunächst absprechen können, eine feste und über lange Dauer ge-
lebte und zum Wohle von C._ bewährte Betreuungsregelung habe aber nicht
gefunden werden können. Bereits im Juli 2017 habe die Klägerin anwaltliche Hilfe
in Anspruch nehmen müssen, eine aussergerichtliche Regelung sei aufgrund des
Verhaltens des Beklagten, der keine Beratungstermine habe wahrnehmen wollen
und nur mit der [damaligen] Rechtsvertreterin der Klägerin allein habe sprechen
wollen, nicht möglich gewesen. Der Beklagte selbst habe schliesslich im Oktober
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2017 die KESB Meilen angerufen. Die Probleme zwischen den Parteien betref-
fend die Betreuungszeiten von C._ hätten damit bereits kurz nach der Tren-
nung bestanden. Insofern sei die Feststellung der Vorinstanz falsch, wonach eine
"Störung der kooperativen Zusammenarbeit" erst erfolgt sei, nachdem die Kläge-
rin ihr Arbeitspensum im August 2017 auf 80 % reduziert habe und per Ende Sep-
tember 2017 ihre Arbeitsstelle schliesslich verloren habe. Ebenso falsch sei die
weitere Feststellung der Vorinstanz, die Kindseltern hätten über lange Zeit ihre
Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit – auch nach ihrer Trennung und Auf-
lösung des gemeinsamen Haushalts – bewiesen. Unbestritten sei, dass die Par-
teien während des Zusammenlebens die Betreuung von C._ hätten sicher-
stellen können. Aber bereits die Schilderungen, in welchem Umfang die Betreu-
ung ausgeübt worden sei, seien auseinandergegangen. Die Vorinstanz hätte
denn auch gar nicht abgeklärt, welche Differenzen zwischen den Kindseltern ge-
herrscht hätten bzw. habe den Behauptungen der Klägerin zur Kompromisslosig-
keit des Beklagten in der Durchsetzung seiner Ansprüche keine Beachtung ge-
schenkt (mit Verweis auf die Ausführungen zur Anstellung einer neuen Nanny ab
April 2017). Seit der Trennung im März 2017 habe es immer wieder Diskussionen
betreffend die (Fremd-)Betreuungsperson von C._ gegeben. Die Klägerin
habe bereits vorinstanzlich ausgeführt, dass sie stets versucht habe, mit dem Be-
klagten zusammenzusitzen und über Kinderbelange zu sprechen, auch unter Bei-
zug von Drittpersonen. Dies habe jedoch nicht funktioniert. Damit habe die Kläge-
rin klar ausgesagt, dass zwischen den Kindseltern massive Kommunikationsprob-
leme bestünden. Der Beklagte habe dem nicht widersprochen. Auch aus seiner
Aussage, die Parteien hätten bereits mit mehreren Anwälten der Klägerin über
das Besuchsrecht gesprochen, könne geschlossen werden, dass die Kommunika-
tion nicht funktioniere. Andernfalls hätten doch keine Anwälte beigezogen werden
müssen bzw. hätte diesfalls eine Besuchsrechtsvereinbarung erstellt werden kön-
nen, ohne Inanspruchnahme von gerichtlicher oder behördlicher Hilfe. Die Tatsa-
che, dass die Parteien so rasch nach der Trennung rechtliche Beratung und
Schutz gesucht hätten, belege vielmehr, dass die Kommunikation und Kooperati-
on nach der Trennung gar nie funktioniert habe (Urk. 1 Rz. 23 ff.; vgl. auch
Urk. 24 Rz. 34 f.).
- 43 -
6.2.2. Die Klägerin habe aus Sorge um C._ aufgrund deren Verhaltenswei-
sen Kontakt mit der Beratungsstelle S._ aufgenommen. Der Beklagte habe
sich indes geweigert, an einem dortigen Gespräch teilzunehmen. Zu einem ...-
Beratungstermin für Eltern in Trennung beim E._ Institut ..., der von der Be-
ratungsstelle S._ empfohlen worden sei, sei der Beklagte zwar erschienen,
habe den Termin aber mit Hinweis auf den fehlenden Nutzen und die Finanzier-
barkeit abgebrochen. Dies entgegen der Empfehlung der zuständigen Expertin,
die eine Fortsetzung der Beratungstermine unter Einbezug des Kindes dringend
empfohlen habe. Auf die "Anfrage" der Rechtsvertreterin, zum Wohle des Kindes
zusammenzuarbeiten, habe der Beklagte zwar reagiert, aber nur um die ganze
Schuld erneut der Klägerin zuzuschieben (mit Hinweis auf Urk. 18 und 19/2). Das
Verhalten des Beklagten nach Erlass der angefochtenen Verfügung zeige einmal
mehr, dass eine vernünftige Kommunikation nicht möglich sei, weshalb auch eine
alternierende Obhut nicht funktionieren könne (Urk. 24 Rz. 45 ff.; vgl. Prot. II S. 37
und 53).
6.2.3. Die fehlende Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit zeige sich auch
aufgrund von aktuellen Begebenheiten:
• Bis anhin habe eine minimale Kooperation der Parteien hinsichtlich des
Passes von C._ bestanden und dieser sei jeweils demjenigen Elternteil
übergeben worden, der ihn benötigt habe. Am 23. September 2018 habe
sich der Beklagte jedoch bei der Übergabe von C._ geweigert, der Klä-
gerin den Reisepass von C._ auszuhändigen, und habe die Klägerin zu
schlagen versucht. Aus Furcht vor einer Eskalation habe die Klägerin auf ei-
ne Anzeigeerstattung verzichtet und lediglich damit gedroht, bei erneuter
Weigerung die Polizei hinzuzuziehen (mit Verweis auf Urk. 66). Bei der
Übergabe von C._ am 21. Oktober 2018 habe sich der Beklagte erneut
geweigert, der Klägerin den Reisepass auszuhändigen, bzw. dessen Aus-
händigung von mehreren Bedingungen abhängig gemacht. Die Klägerin ha-
be zunächst die Kindsvertreterin um Vermittlung ersucht, um eine mit einer
Strafanzeige einhergehende Konflikteskalation zu vermeiden. Jedoch sei
auch deren Bemühen erfolglos geblieben. Schliesslich habe die Klägerin
- 44 -
sich entschieden, das Verhalten des Beklagten zur Anzeige zu bringen. Die
Polizei habe sich zur Vermittlung anerboten und die Klägerin darauf hinge-
wiesen, erst Anzeige zu erstatten, falls der Beklagte sich weiterhin weigern
sollte. Die Klägerin habe dem Beklagten daraufhin mit einer Strafanzeige
gedroht, woraufhin dieser postwendend selbst mit einer Strafanzeige ge-
droht habe. Schliesslich habe er den Pass doch noch herausgegeben, dies
aber wohl einzig aufgrund der polizeilichen Intervention. Mit der von ihm
ausgehenden Nötigung, Erpressung und Drohung habe der Beklagte klar ei-
ne Grenze überschritten und die Grundlage für die bei der alternierenden
Obhut zwingend erforderlichen Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit
zwischen den Parteien zerstört.
• Der Beklagte werfe der Klägerin wiederholt die Nichteinhaltung von Be-
suchszeiten und Ferienkontingenten vor. Diesbezüglich verweise er insbe-
sondere auf die Reise der Klägerin in die USA. Für diese Reise hätten je-
doch gute Gründe vorgelegen: Die Klägerin habe am Abend des 28. Oktober
2018 die Nachricht erhalten, dass ihr Vater in den USA einen Herzinfarkt er-
litten und voraussichtlich nur noch wenige Tage zu leben habe. Der Beklagte
habe sich telefonisch damit einverstanden erklärt, dass die Klägerin mit
C._ in die USA fliege, um ihren Vater nochmals sehen zu können, wo-
bei die Klägerin ihm die Kompensation der ausgefallenen Betreuungszeit
zugesichert hätte. Die genauen Reisedaten seien am Telefon nicht diskutiert
worden, zumal die Klägerin darüber selbst noch keine Kenntnis gehabt ha-
be. Dass eine Rückkehr für den 31. Oktober 2018 (Mittwoch) – wie es der
Beklagte geltend mache – vereinbart worden sei, werde ausdrücklich bestrit-
ten. Aus der E-Mail des Beklagten vom 30. Oktober 2018 gehe denn auch
hervor, dass er nicht gegen die Reise an sich gewesen sei, sondern diese
lediglich von – teilweise nötigenden – Bedingungen abhängig habe machen
wollen. Die Klägerin habe den ihr zustehenden Ferienanspruch für dieses
Jahr noch nicht ausgeschöpft, sondern eine Ferienwoche übrig gehabt. Zu-
dem habe sich die Klägerin aufgrund der Reise in die USA selbst ohne Zu-
stimmung des Beklagten und ohne entsprechenden Ferienanspruch unter
keinen Umständen strafbar gemacht. Am 1. November 2018 – kurz nach-
- 45 -
dem ihr Vater verstorben sei – habe sie ein Telefon von der Polizei betref-
fend die Strafanzeige des Beklagten erhalten. Der Tod ihres Vater sei ein
schwerer Schicksalsschlag gewesen. Die gleichentags erfolgte Strafanzeige,
die in jeder Hinsicht ungerechtfertigt und nur aus Schikane erstattet worden
sei, habe sie besonders hart getroffen. Seither sei sie ausserstande, mit
dem Beklagten zu kommunizieren. Es scheine, dass der Beklagte mit der
sofortigen Strafanzeige vor allem die emotionale Destabilisierung der Kläge-
rin bezweckt habe. Mit dieser mutwilligen Strafanzeige habe er die bereits
"untergrabene" Grundlage für eine Kommunikation und Kooperation in Kin-
desbelangen noch weiter zerstört. Am 7. November 2018 sei die Klägerin
schliesslich aus den USA zurückgekehrt und habe angesichts der für sie
äusserst belastenden Ereignisse (Konflikt über die Passherausgabe, Tod
des Vaters, Strafanzeige) fachliche Hilfe gesucht. Es sei ihr dringend gera-
ten worden, nicht mehr direkt mit dem Beklagten zu kommunizieren, solange
er die Klägerin nicht als gleichwertige Gesprächspartnerin akzeptiere
(Urk. 80 Rz. 15 ff.).
• Der Beklagte habe des Weiteren, ohne mit der Klägerin Rücksprache zu
nehmen sowie in Kenntnis, dass C._ in einer anderen Kinderarztpraxis
betreut werde, einen Termin für die Dreijahreskontrolle sowie die Impfung
beim (früheren) Kinderarzt Dr. L._ vereinbart. Die zwischen den Partei-
en fehlende Koordination der ärztlichen Betreuung könne gravierende Fol-
gen für C._ haben, insbesondere bei nicht abgesprochener Medikation.
Es wäre denn auch gut, wenn der andere Elternteil jeweils über abgegebene
"Prophylaxemedikamente" informiert wäre. Denn diese seien nicht immer
verträglich. Ohnehin seien sie nicht gut für das Kind. Besser wäre es denn
auch, Malariagebiete grundsätzlich zu meiden (Urk. 80 Rz. 33 f.; Prot. II
S. 55).
• An Weihnachten hätten sich die Parteien nicht über den Tausch von Betreu-
ungstagen einigen können: Die Klägerin habe dem Beklagten den Tausch
von Betreuungstagen angeboten, sodass er Weihnachten mit C._ hätte
verbringen können. Das Angebot sei unbeantwortet geblieben. Auch die Ko-
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ordination der Ferienpläne für das erste Halbjahr 2019 sei aufgrund des
Verhaltens des Beklagten bis anhin nicht möglich gewesen (Urk. 99 Rz. 11).
• Am Sonntag, den 23. Dezember 2018, habe der Beklagte C._ nicht
gemäss vorinstanzlicher Betreuungsregelung zur Klägerin (zurück-) ge-
bracht. Die Klägerin sei, als sie C._ gemäss der geltenden Betreuungs-
regelung am Abend habe abholen wollen, von der Ehefrau des Beklagten
mit dem "Stinkefinger" und einem "Fuck you" abgewiesen worden. Am
24. Dezember 2018 habe die Polizei sie schliesslich kontaktiert und mitge-
teilt, dass sie aufgrund der Angaben des Beklagten davon ausgegangen sei,
dass C._ über die Weihnachtstage beim Beklagten bleibe. Die KESB
[Meilen] habe die Polizei jedoch in der Folge auf deren Nachfrage hin über
die geltende Betreuungsregelung informiert, weshalb sie den Beklagten auf-
gefordert habe, C._ unverzüglich herauszugeben. Die Fehlinformation
seitens des Beklagten sei offensichtlich absichtlich erfolgt (Urk. 99 Rz. 2 ff.).
Soweit der Beklagte sich darauf berufe, er habe lediglich die ausgefallene
Betreuungszeit von Mittwochabend (21. Dezember 2018) bis Donnerstagmit-
tag (22. Dezember 2018) nachgeholt, habe er dies weder mit der Klägerin
abgesprochen noch habe er sie an jenem Sonntagabend über diesen Um-
stand informiert (Prot. II S. 51 f.). Des Weiteren habe sich der Beklagte für
das Verhalten seiner Ehefrau nicht entschuldigt und von der Klägerin eine
Entschuldigung für angebliche Beschimpfungen gefordert. Bei der Übergabe
vom 26. Dezember 2018 habe der Beklagte erneut eine Entschuldigung von
der Klägerin gefordert, währenddessen seine Ehefrau sich nicht entschuldigt
habe (Urk. 99 Rz. 5 ff.).
Die aktuell zwischen den Parteien aufgetretenen Konfliktsituationen würden mit
aller Deutlichkeit zeigen, dass der Beklagte nie bereit gewesen sei, in Kinderbe-
langen ernsthaft zu kommunizieren und kooperieren. Der Anschein einer funktio-
nierenden Kommunikation und Kooperation habe nur so lange bestanden, als die
Klägerin sich dem Diktat des Beklagten bedingungslos gefügt habe. Auch lägen
keine Anzeichen für eine Einsicht seitens des Beklagten vor. Vielmehr werde er
wohl weiterhin auf die Klägerin Druck ausüben (Urk. 80 Rz. 3 ff.; Urk. 99 Rz. 13).
- 47 -
Falls sich die Situation bei den Übergaben (vulgäre Beschimpfungen in Gegen-
wart von C._) nicht ändere, seien begleitete Übergaben zum Schutz von
C._ unumgänglich (Urk. 99 Rz. 13). Der Beklagte zeige sich denn auch wie-
derholt beleidigend gegenüber der Klägerin, was den zwischen den Parteien be-
stehenden Konflikt exemplarisch aufzeige (vgl. Prot. II S. 52, 54).
6.3. Demgegenüber bringt der Beklagte vor, das Hauptproblem sei, dass sich
die Klägerin weder an die angeordneten Betreuungszeiten noch an abgesproche-
ne Ferienzeiten halte (Urk. 95 S. 1 und S. 9; vgl. auch Urk. 53 S. 14; Prot. II
S. 58). Sie ignoriere die bilateralen Abmachungen hinsichtlich der Feiertage (Ge-
burtstag von C._, die Weihnachtstage sowie Silvester; Urk. 95 S. 1 und
Prot. II S. 39) und zeige sich nicht kooperativ (Urk. 59 S. 2; vgl. auch Prot. II
S. 60). Die Feiertage 2018 (Geburtstag von C._, Weihnachten sowie Silves-
ter) habe C._ allesamt bei der Klägerin verbracht, weshalb sie 2019 dem Be-
klagten zustünden (Urk. 95 S. 1 und S. 9). Zudem seien seitens der Klägerin di-
verse Verleumdungen, falsche Anschuldigungen, Drohungen, Nötigungen sowie
wissentliche Falschaussagen vor Dritten (inklusive Behörden, dem Gericht, der
Kantonspolizei, Psychologen, Ärzten) erfolgt (Urk. 95 S. 1). Des Weiteren habe
die Klägerin ihn am Telefon beschimpft (Urk. 53 S. 12). In Bezug auf die aktuells-
ten Vorkommnisse brachte er Folgendes vor:
• Hinsichtlich der Vorbringen zum Reisepass sowie der diversen Telefonate
mit der Kantonspolizei Zürich liege eine "wissentliche Verleumdung/Ruf-
schädigung/Irreführung der Untersuchungsbehörden" vor. Hierzu habe er
deshalb bereits einen Strafantrag (Art. 303 Ziff. 1 und 3 StGB sowie Art. 304
StGB) gestellt. Auch mute es seltsam an, dass die Klägerin nicht umgehend
nach Hilfe geschrien und die Polizei gerufen habe, nachdem der Beklagte
sie angeblich auf offener Strasse an einem hellen Samstagnachmittag mit
zahlreichen Menschen rundherum geschlagen habe. Er habe aus gutem
Grund der Klägerin am 24. Oktober 2018 per SMS mitgeteilt, dass er die
Übergaben von C._ nur noch draussen vor dem Haus vornehmen wer-
de. Auch wäre er wohl sehr naiv, mit solchen Handlungen seine Chancen im
laufenden Verfahren "auf faktisch Null" zu setzen, nachdem er bereits wäh-
- 48 -
rend so langer Zeit um C._ gekämpft habe. Die Klägerin verursache –
wie bereits in der Vergangenheit – immer wieder Eskalationen und erschei-
ne teilweise bereits im Wochenrhythmus bei der Kantonspolizei. Aber auch
jene schenke der Klägerin mittlerweile mit ihren immer gleichen Falschaus-
sagen/Verleumdungen keinen Glauben mehr. Der Pass von C._ sei von
ihm in den letzten 1.5 Jahren immer fristgerecht übergeben worden, dies im
Gegensatz zur Klägerin (Prot. II S. 58). Auch habe der Beklagte keine "un-
gerechtfertigten Forderungen" durchsetzen wollen, vielmehr sei es ihm um
die Einhaltung bilateraler Abmachungen gegangen. Zur Deeskalation in der
Passfrage habe der Beklagte der Klägerin daher vorgeschlagen, für C._
einen deutschen Personalausweis zu beantragen. Die Klägerin verweigere
dies jedoch. Darüber hinaus habe die Klägerin beim Beklagten nicht begli-
chene Schulden. Von "ungerechtfertigten Forderungen" könne daher keine
Rede sein. Die ihm von der Klägerin vorgeworfene Erpressung werde be-
stritten. Die Kantonspolizei habe denn auch im Zusammenhang mit dem
Pass Verständnis für seine begründeten Ängste gehabt (Reisen der Klägerin
mit C._ in die Türkei, die ein Krisengebiet sei). Sie habe ihm verspro-
chen, die Klägerin anzuweisen, den Pass nach ihrer Betreuungszeit umge-
hend wieder an ihn zurückzugeben. Er habe diesbezüglich auch nichts zu
befürchten, zumal er sich im Zusammenhang mit der Obhut/Betreuung von
C._ sowie dem erzwungenen Umgang/Treffen mit der Klägerin nichts
zu schulden habe kommen lassen.
• In Bezug auf die USA-Reise der Klägerin mit C._ gehe es einzig darum,
dass das Ferienkontingent der Klägerin bereits ausgeschöpft gewesen sei,
währenddem ihm noch Ferientage zugestanden seien. Die Klägerin habe
zunächst denn auch behauptet, am darauffolgenden Mittwoch wieder zu-
rückzukommen, was angesichts ihrer Betreuungszeit bis Mittwoch kein
Problem gewesen wäre. Aber erst nachdem er mittwochabends bei der Klä-
gerin für die Kindsübergabe an die Tür geklopft habe, habe die Klägerin ihm
mitgeteilt, dass sie erst in 1.5 Wochen zurückkommen werde. Er sei somit
vor vollendete Tatsachen gestellt worden und die Klägerin habe in keiner
Weise mitgeteilt, inwiefern er die ihm durch die Reise entgangene Betreu-
- 49 -
ungszeit kompensieren könne (Urk. 95 S. 7 f.; vgl. auch Prot. II S. 64). Ab-
gesehen davon habe es auch nicht dem Kindswohl entsprochen, mit
C._ einen ihr unbekannten Mann zu besuchen, der im Sterben liege
(vgl. hierzu vorstehend Ziffer III./A./6.2.3. S. 44 f.). Überdies habe die Kläge-
rin seit Jahren mit ihrem Vater im Streit gelegen, insofern der von ihr be-
hauptete "Schock" in Bezug auf den Gesundheitszustand ihres Vaters zu re-
lativieren sei. Die Klägerin habe gewusst, dass sie sich betreffend ihrer
USA-Reise nicht korrekt verhalten habe. Es liege damit ein Entzug Unmün-
diger im Sinne des Strafgesetzes vor, wobei nun auch eine Strafuntersu-
chung eingeleitet worden sei. Zu erwähnen sei auch, dass bei ausserkonti-
nentalen sowie Nicht-EU-Reisen eine Genehmigung des "Familienoberhaup-
tes", mithin des Beklagten, auf dem offiziellen Zolldokument "Reisen eines
Elternteils mit dem Kind" erforderlich sei. Ohne dieses Dokument werde der
reisende Elternteil schlimmstenfalls mit dem Kind am Zoll festgehalten (vgl.
hierzu auch Prot. II S. 59).
• Hinsichtlich des Kinderarztes sei darauf hinzuweisen, dass Dr. L._ der
zuständige Kinderarzt für C._ sei und bleibe. Die Klägerin sei über den
vereinbarten Impftermin informiert gewesen. In diesem Wissen habe sie
aber absichtlich kurz vorher noch einen Termin bei einem anderen Arzt ver-
einbart. Dies sei nicht zielführend und nicht zum Wohle von C._. Auch
die weiteren Konsultationen von Ärzten, Psychologen, Spitälern und Institu-
tionen würden nicht mit dem Beklagten abgesprochen werden. Die Klägerin
überschreite hierbei ihre Kompetenzen. Soweit die Klägerin die Abgabe von
"Prophylaxe-Medikamenten" für die Kenia-Reise beanstande, sei darauf hin-
gewiesen, dass die Klägerin dem Kind das gleiche Medikament bei einer
gemeinsamen Kenia-Reise 2016 verabreicht habe (Urk. 95 S. 11 f.; vgl.
auch Prot. II S. 60). Nun solle es schädlich sein. Zudem habe sie auch
selbst drei Wochen zuvor C._ "Prophylaxe-Medikamente" verabreicht.
Selbst habe sie aber vergessen, die für ihre Reise mit C._ zwingende
Gelbfieberimpfung durchzuführen, was schliesslich der Beklagte noch habe
nachholen müssen (Urk. 95 S. 12).
- 50 -
• Am 21. Dezember 2018 (Mittwoch) – kurz vor der regulären Übergabe von
C._ – habe er einen Anruf von der Kantonspolizei N._ erhalten.
Diese habe ihm erklärt, dass die Klägerin berichtet habe, er und seine Ehe-
frau hätten C._ geschlagen, weshalb sie [die Klägerin] C._ (an
diesem Abend) nicht übergeben wolle. Nachdem er zunächst auf der Über-
gabe von C._ gemäss geltender Betreuungsregelung bestanden habe,
habe er sich schliesslich von der Kantonspolizei überzeugen lassen,
C._ einstweilen bei der Klägerin zu belassen. Jedoch habe er klar ge-
äussert, dass er auf eine Kompensation dieser entgangenen Betreuungszeit
bestehe. Am nächsten Tag habe er morgens wiederum einen Anruf der Kan-
tonspolizei erhalten, worin diese ihm mitgeteilt habe, dass sie den von der
Klägerin erhobenen Vorwürfen keinen Glauben schenken würden und er
C._ bei der Klägerin abholen könne. Der Beklagte habe die Kantonspo-
lizei aufgrund der nicht möglichen Kommunikation mit der Klägerin gebeten,
diese anzurufen und ihr mitzuteilen, dass er C._ um 12.00 Uhr abholen
und die verpasste Betreuungszeit selbstverständlich nachholen werde, was
er dann auch getan und C._ bis Montag, 18.00 Uhr, bei sich behalten
habe. Von den Beschimpfungen an der Haustüre, als die Klägerin C._
am Sonntag um 18.00 Uhr habe abholen wollen, wisse er nichts, da er nicht
dabei gewesen sei (Prot. II S. 40 f. und 44 ff.).
6.4. Soweit die Klägerin den vorinstanzlichen Entscheid an sich bemängelt und
sich darauf beruft, dass sich die Parteien – entgegen den Feststellungen der Vor-
instanz – bereits nach der Trennung über die Betreuungsanteile und -zeiten sowie
die (Fremd-)Betreuungsperson nicht hätten einigen können (vgl. vorstehend Zif-
fer III./A./6.2.1.) und es daher an der für eine alternierende Obhut notwendigen
Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit der Parteien mangle, ist Folgendes
festzuhalten:
Differenzen über die Betreuungsanteile für sich allein stellen nach der bundesge-
richtlichen Rechtsprechung keinen hinreichenden Grund dar, um von der Anord-
nung einer alternierenden Obhut abzusehen. Ein Zerwürfnis der Eltern bzw. ihre
allfällige Unfähigkeit, miteinander zu kommunizieren, steht einer alternierenden
- 51 -
Obhut nur dort entgegen, wo die Eltern auch in anderen Kinderbelangen in gravie-
render Weise entzweit sind oder nicht miteinander kooperieren können, so dass
das Kind im Falle einer alternierenden Obhut Gefahr läuft, in seinem Wohlbefin-
den beeinträchtigt zu werden (BGer 5A_191/2016 vom 23. Dezember 2016,
E. 4.6.; siehe auch E. 4.5.). Somit stellt der Umstand, dass die Parteien entgegen
der vorinstanzlichen Feststellung bereits seit der Trennung sich über die Betreu-
ungszeit von C._ nicht mehr hätten einigen können, für sich – selbst unter
der Annahme, dass die entsprechenden Vorbringen der Klägerin zutreffen – kei-
nen Grund dar, um von der Anordnung der alternierenden Obhut abzusehen.
Ebensowenig stehen die Diskussionen betreffend die (Fremd-)Betreuungsperson
während der Betreuungszeit des Beklagten der Anordnung einer alternierenden
Obhut entgegen, zumal der Beklagte mit seiner Ehefrau mittlerweile über eine
konstante (Fremd-)Betreuungsperson verfügt, die ihn bei der Betreuung von
C._ unterstützt, wodurch diese – zumindest auf Seiten des Beklagten – nicht
mehr dem Wechsel von Betreuungspersonen ausgesetzt ist. Inwiefern schliess-
lich die Vorinstanz den Behauptungen der Klägerin zur Kompromisslosigkeit des
Beklagten in der Durchsetzung seiner Ansprüche keine Beachtung geschenkt ha-
be bzw. welche weiteren Differenzen zwischen den Parteien vorgelegen hätten
und die Vorinstanz diese nicht abgeklärt habe, legt die Klägerin nicht näher dar
und ist auch nicht ohne Weiteres ersichtlich. Insgesamt gehen damit die Bean-
standungen der Klägerin, soweit sie sich gegen die schlüssigen vorinstanzlichen
Erwägungen richten (vorstehend Ziffer III./A./6.1.), im Ergebnis ins Leere.
6.5. Zu prüfen ist, inwiefern die nach Erhebung der Berufung zu Tage getrete-
nen Differenzen einer alternierenden Obhut entgegenstehen:
Da der Berufung die aufschiebende Wirkung nicht zuerkannt wurde (vgl. Urk. 13
Disp. Ziff. 1), kam die vorinstanzlich angeordnete Betreuungsregelung im Sinne
einer alternierenden Obhut zum Tragen. Ab diesem Zeitpunkt bis heute kam es
zwischen den Parteien im Wesentlichen zu Konflikten in Bezug auf die Betreu-
ungszeiten (Ausdehnung von Betreuungszeiten, u.a. durch nicht abgesprochenen
Ferienbezug, und fehlende Kompensation ausgefallener Betreuungszeit, fehlende
gerichtliche Regelung der Betreuungszeit an den Feiertagen sowie am Geburts-
- 52 -
tag von C._). Auch die Streitigkeiten bezüglich der Passübergaben hatten ih-
ren Ursprung letztlich in der Uneinigkeit betreffend Betreuung (vgl. Urk. 68, ange-
hängte E-Mails, wonach Bedingungen für die Übergabe des Passes u.a. das
Nachholen von ausgefallenen Ferien, Anwendung der bilateral vereinbarten Feier-
tagsregelung sowie Mitwirken beim Beschaffen eines deutschen Personalauswei-
ses seien). Insgesamt kann man sich dabei aber gestützt auf die Akten nicht des
Eindrucks erwehren, dass sich insbesondere die Klägerin vehement der Anord-
nung einer alternierenden Obhut zu widersetzen versucht. Bereits im Herbst 2017
verweigerte sie die Übergabe von C._, was letztlich zum vorliegenden (Mas-
snahme-) Verfahren führte (vgl. Urk. 2 E. 1.1.). Während des vorliegenden Beru-
fungsverfahrens dehnte die Klägerin ihre Betreuungszeit vor allem in letzter Zeit
sowohl für ihre "Ferien" in den USA als auch kurz vor Weihnachten 2018 erneut
eigenmächtig aus. Inwiefern sie dem Beklagten dafür in tatsächlicher Hinsicht ei-
ne Kompensation anbot, ist nicht gänzlich klar (Hinsichtlich der USA-Reise: vgl.
Urk. 80 Rz. 18 [Behauptung Klägerin betreffend eines Angebots], Urk. 95 S. 7
[Bestreitung des Beklagten]; Urk. 83/2 letzte Seite, worin kein derartiges Angebot
ersichtlich ist; hinsichtlich Weihnachten 2018: siehe Urk. 88 letzte Seite, mit dem
"Angebot" eines Abtauschs von Betreuungstagen; vgl. auch Prot. II S. 36, wonach
die Klägerin in einer E-Mail den 24. bis 27. Dezember im Abtausch für den
27. Dezember bis 2. Januar 2019 angeboten habe und als der Beklagte dies nicht
akzeptiert habe, keine Einigung zustande gekommen sei). Vor allem diese Um-
stände führten letztlich zu diesen – mittlerweile eskalierten – Konflikten (vgl. auch
Urk. 95 S. 1). Wie jedoch bereits zuvor unter Ziffer III./A./6.4. dargelegt, sind nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung Differenzen über die Betreuungsanteile für
sich allein noch kein hinreichender Grund, um von der Anordnung einer alternie-
renden Obhut abzusehen.
Zu prüfen ist, ob die Parteien – über ihre Streitigkeiten bezüglich der Betreuungs-
anteile hinaus – auch in anderen Kinderbelangen derart entzweit sind, dass eine
(künftige) Kindswohlgefährdung anzunehmen wäre. Dies kann vorliegend verneint
werden. Zwar vermögen sich die Parteien in Bezug auf den zuständigen Kinder-
arzt sowie den Besuch einer Spielgruppe nicht zu einigen und bedienen sich bei
der Austragung ihrer Konflikte harscher Worte (vgl. hierzu insbesondere das
- 53 -
zweitinstanzliche Protokoll zur Verhandlung vom 8. Januar 2019 sowie auch
Urk. 99 und 95). Es ist jedoch davon auszugehen, dass eine verbindliche (vor-
sorgliche) gerichtliche Regelung der (strittigen) Betreuung an den Feiertagen so-
wie die Errichtung einer Beistandschaft eine wesentliche Beruhigung der (aktuell
eskalierten) Situation zwischen den Parteien mit sich bringen wird und die Gefahr
eines (allenfalls bereits entstandenen; vgl. Urk. 101/2 S. 3) Loyalitätskonflikts von
C._ dadurch minimiert wird. Insbesondere werden die Parteien durch den
von der KESB Meilen zu ernennenden Beistand zusätzlich eine Unterstützung
sowie eine Ansprechperson erhalten, die zwischen den Parteien in Bezug auf
noch schwelende Streitigkeiten vermitteln kann. Gestützt auf die Akten und die
Vorbringen der Parteien ist insgesamt denn auch davon auszugehen, dass so-
wohl die Klägerin als auch der Beklagte mit C._ fürsorglich und altersadäquat
umgehen und ihr die bestmögliche Betreuung angedeihen lassen wollen (vgl.
auch die Ausführungen der Kindsvertreterin in Urk. 98 Rz. 11). Auch die Überga-
ben hatten bis anhin im Wesentlichen funktioniert und grössere Probleme sind
erst in den letzten Monaten aufgetreten, was jedoch dem laufenden und seitens
der Parteien sehr emotional geführten Verfahren geschuldet sein dürfte. Abgese-
hen davon würde die Zuteilung der alleinigen Obhut an der aktuellen Situation
kaum etwas ändern, üben die Parteien doch die gemeinsame elterliche Sorge aus
(vgl. Urk. 5/13/3) und dürften dieselben Streitigkeiten auch im Zusammenhang mit
dem bei einer alleinigen Obhut festzulegenden Besuchsrecht aufkommen. Hin-
sichtlich des Besuchs der Spielgruppe ist zudem festzuhalten, dass C._ die
Spielgruppe während der Betreuungszeit der Klägerin besucht (Prot. II S. 38) und
der Beklagte dies offenbar nicht zu verhindern versucht, wenngleich er den Be-
such nicht befürwortet (vgl. Prot. II S. 56 und 59). Insofern ist diesbezüglich ohne-
hin nicht von einem kindswohlgefährdenden Konflikt auszugehen. Dass der Be-
klagte keine Beratungstermine bei den von der Klägerin kontaktierten Institutionen
wahrnehmen will, lässt schliesslich nicht per se auf eine fehlende Kooperations-
und Kommunikationsfähigkeit schliessen. Dies insbesondere auch angesichts der
Vielzahl der von der Klägerin kontaktierten Institutionen und des Umstands, dass
er nach eigenen Angaben Beratungstermine beim kjz D._ (bei T._)
wahrnimmt (vgl. beispielsweise Prot. II S. 42). Dass die Parteien überhaupt nicht
- 54 -
mehr (direkt) miteinander kommunizieren (Urk. 80 Rz. 35), ist schliesslich nicht
ersichtlich (vgl. Urk. 88, wonach die Parteien noch im Dezember 2018 über E-Mail
miteinander kommunizierten). Nach dem Ausgeführten sowie gestützt auf die Ak-
ten spricht damit auch das Kriterium des Mindestmasses an Kooperations- und
Kommunikationsfähigkeit vorliegend nicht gegen die Anordnung der alternieren-
den Obhut, zumindest nicht im heutigen Zeitpunkt.
7. Weitere Kriterien
Auch die weiteren Kriterien sprechen nicht gegen die Anordnung einer alternie-
renden Obhut. Die Einbettung in ein soziales Umfeld ist angesichts des Alters von
C._ ein grundsätzlich vernachlässigbares Kriterium. Hingegen ist sicherzu-
stellen, dass die Beziehung von C._ zu ihrem Halbgeschwisterchen U._
aufrecht erhalten bleibt. Einen Wunsch betreffend Betreuungsregelung hat die
mittlerweile dreijährige C._ naturgemäss noch nicht geäussert. Es ist gestützt
auf die Akten jedoch davon auszugehen, dass sie sowohl mit der Klägerin als
auch dem Beklagten gerne Zeit verbringt (vgl. Urk. 101/2 S. 3), jedenfalls beste-
hen keine gegenteiligen Anhaltspunkte (vgl. vorstehend Ziffer III./A./3.3.4. und
3.4.4.).
8. Fazit
Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Anordnung der alternierenden Obhut
aktuell die bestmögliche Lösung für C._s Wohl darstellt. Zwar stellt diese Be-
treuungslösung hohe Anforderungen an beide Elternteile und beide Parteien
konnten bis anhin dieses Konzept noch nicht vollends akzeptieren und umsetzen.
Eine präzisierte Regelung der Betreuungszeiten (insbesondere an Feiertagen so-
wie hinsichtlich der Ferien) sowie die Errichtung einer Beistandschaft dürften eine
deutliche Entspannung der aktuellen Situation mit sich bringen, sodass sich die
Betreuungsregelung einspielen kann. Auch liegt es in der Natur der Sache, dass
das Hin- und Herwechseln zwischen den Wohnungen der beiden Elternteile eine
gewisse Unruhe mit sich bringt und von einem Kind einiges an Anpassungsfähig-
keit verlangt. Das Interesse daran, dass das Kind eine alltagsbezogene Bezie-
hung zu beiden Elternteilen leben kann, ist aber vorliegend in den Vordergrund zu
- 55 -
stellen. Indem der (gerichtlichen) Betreuungsregelung konsequent nachgelebt
wird, wird im Übrigen wiederum eine Struktur bzw. ein Rhythmus in den Alltag von
C._ gebracht. Auch erscheint es nicht im Sinne des Kindswohles, C._
im Rahmen von vorsorglichen Massnahmen eine Obhutsänderung zuzumuten,
zumal – wie aufgezeigt – keine (akute) Kindswohlgefährdung ersichtlich ist und
keine ernstlichen Gründe gegen eine alternierende Obhut sprechen. Für die Ein-
holung weiterer Berichte oder (Kurz-)Gutachten besteht – insbesondere auch mit
Blick auf den summarischen Charakter des vorliegenden Verfahrens – keine Ver-
anlassung. Im Ergebnis erweist sich der vorinstanzliche Entscheid damit hinsicht-
lich der Obhutsfrage als angemessen und dem Kindeswohl entsprechend.
B. Betreuungsanteile
1. Reguläre Betreuung
1.1. Vorinstanzlicher Entscheid
Die Vorinstanz erwog unter Hinweis auf ihre Erwägungen zur Obhut, dass die
Kindseltern gleichermassen gewillt und befähigt seien, die Erziehung und Betreu-
ung von C._ sicherzustellen. Der einzige Unterschied bestehe in der zeitli-
chen Verfügbarkeit und damit der Fähigkeit zur persönlichen Betreuung von
C._. Dieser Unterschied bestehe indes erst seit Kurzem und es sei zum ak-
tuellen Zeitpunkt schwierig abzuschätzen, wie lange die Klägerin tatsächlich mit
der Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit zuwarten werde. Der Beklagte habe
bislang zwei Tage von zu Hause aus arbeiten können und er sei gewillt, dies auch
künftig zu tun. Zwar sei er, wolle er seiner Arbeitsverpflichtung genügen, damit
nicht in der Lage, seine Tochter tagsüber rund um die Uhr zu betreuen. Dafür be-
nötige er offensichtlich die Hilfe Dritter, welche in der Person seiner Ehefrau auch
zur Verfügung stehe. An den Tagen, an denen er zu Hause arbeite, sei dennoch
ein reger persönlicher Kontakt zur Tochter möglich, namentlich am Morgen, über
Mittag, in den Arbeitspausen und am Feierabend, was es C._ und dem Be-
klagten durchaus erlaube, ihre gute, intensive Vater-Kind-Beziehung aufrecht zu
erhalten. Es dränge sich daher auf, dem Vorschlag der Kindsvertreterin zu folgen
und die Betreuungsanteile wie folgt festzulegen: Von Montag bis Mittwoch erfolge
- 56 -
die Betreuung durch die Klägerin, am Donnerstag und Freitag durch den Beklag-
ten, an den Wochenenden solle C._ alternierend von der Klägerin und dem
Beklagten betreut werden. Das Bestreben des Beklagten, die Betreuungsanteile
der Kindseltern auf exakt 50 % zu bemessen, erscheine vom Gedanken beseelt,
beide Eltern hätten im gleichen Umfang Anspruch auf C._. Dieser Stand-
punkt lasse sich nur mit dem subjektiven Interesse des Beklagten an einer
Gleichbehandlung der Eltern erklären, das für den Entscheid aber nicht aus-
schlaggebend sei. Das wohlverstandene Interesse von C._, auf das es
massgeblich ankomme, spreche dafür, dass C._ an den Arbeitstagen, an
welchen der Beklagte zu Hause nicht anwesend sei, von der Klägerin betreut
werde, die persönlich für C._ da sein könne (Urk. 2 E. 4.2.).
1.2. Beurteilung
1.2.1. Seit Erlass der angefochtenen Verfügung hat sich der Sachverhalt in Bezug
auf die zeitliche Verfügbarkeit der Parteien nur insofern geändert, als dass die
Klägerin zwischenzeitlich eine Erwerbstätigkeit aufgenommen hatte, ihr aber per
Ende März 2019 erneut gekündigt worden ist und sie sich aufgrund ihrer Freistel-
lung wieder vollumfänglich um C._ kümmern kann. Die Ausgangslage ist
damit im Ergebnis dieselbe wie vor Vorinstanz.
1.2.2. Wie bereits in Bezug auf die Obhut erwogen, erscheint es plausibel, dass
der Beklagte aktuell stets am Donnerstag und Freitag zu Hause arbeitet und sich
während dieser Zeit – mit Unterstützung seiner Ehefrau – um C._ persönlich
kümmern kann (vgl. vorstehend Ziffer III./A./5.5.). An den übrigen Wochentagen
arbeitet der Beklagte jeweils unterschiedlich (vgl. insbesondere Prot. II S. 42). Die
Klägerin kann sich aktuell zwar vollumfänglich um C._ kümmern, inwiefern
sich die Umstände in Bezug auf ihre Erwerbstätigkeit in naher Zukunft ändern
werden, ist jedoch ungewiss (siehe vorstehend Ziffer III./A./5.2. S. 33 und Zif-
fer III./A./5.5. S. 39). Die von der Vorinstanz festgelegten Betreuungsanteile (60 %
zu 40 %) und -zeiten erscheinen daher nach wie vor als den aktuellen Gegeben-
heiten angemessen und im Interesse des Kindswohles. Entsprechend bleibt es im
Grundsatz bei dieser Regelung. Es ist jedoch insofern eine Präzisierung vorzu-
nehmen, als dass C._ an jedem Wochenende von Freitagabend, 18.00 Uhr,
- 57 -
bis Sonntagabend, 18.00 Uhr, einer geraden Kalenderwoche von der Klägerin
bzw. einer ungeraden Kalenderwoche vom Beklagten betreut wird. Dies erleich-
tert es den beteiligten Personen und Behörden, unmittelbar gestützt auf den Ent-
scheid erkennen zu können, von wem C._ am Wochenende betreut wird.
1.2.3. Angesichts der Betreuungsanteile sowie – in Übereinstimmung mit der Vor-
instanz (Urk. 2 E. 6.2.) – unter Berücksichtigung des grösseren Bezugs von
C._ zu F._ rechtfertigt es sich, den Wohnort der Klägerin als zivilrechtli-
chen Wohnsitz von C._ beizubehalten.
2. Ferienregelung
2.1. Hinsichtlich der Ferienregelung erwog die Vorinstanz, dass die Dauer des
(Haupt-)Verfahrens schwer abzuschätzen sei. Zudem sei C._ noch nicht
schulpflichtig, weshalb für sie grösstmögliche zeitliche Flexibilität bestehe, Ferien
mit ihren Eltern zu verbringen. Auch wenn die Parteien diesbezüglich keine expli-
ziten Anträge gestellt hätten, dränge es sich auf, für die Dauer des Verfahrens
auch das Recht der Eltern und ihrer Tochter auf gemeinsame Ferien zu statuie-
ren. Die Offizialmaxime lasse dies ohne Weiteres zu (mit Verweis auf Art. 296
Abs. 3 ZPO). Vier Wochen Ferien pro Jahr und Elternteil schienen angemessen.
Wegen der unbestimmten Dauer dieser vorsorglichen Regelung sei das Ferien-
recht halbjährlich auszugestalten (Urk. 2 E. 5).
2.2. Die Klägerin moniert, keine der Parteien habe die in Dispositivziffer 4 der
angefochtenen Verfügung angeordnete Ferienregelung beantragt, die Vorinstanz
habe diese gestützt auf die Offizialmaxime festgelegt. Zwar sei zutreffend, dass
vorliegend die Offizialmaxime zur Anwendung gelange. Angesichts des zerstritte-
nen Verhältnisses der Parteien sowie der Tatsachen, dass die Vorinstanz selbst
von einer nicht absehbaren Verfahrensdauer ausgegangen sei und die Klägerin
überdies Einwände geltend gemacht habe, die zunächst eine Abklärung der Be-
treuungssituation beim Beklagten erforderten (selbst die Kindsvertreterin habe ei-
nen solchen Antrag gestellt), liege die Anordnung einer solchen Ferienregelung
nicht im Interesse des Kindswohls. Entsprechend sei Dispositivziffer 4 der ange-
fochtenen Verfügung aufzuheben (Urk. 1 Rz. 57 f.).
- 58 -
Der Beklagte äussert sich hierzu – soweit ersichtlich – nicht explizit. Jedoch stellte
er im Berufungsverfahren den Antrag auf eine Ferienregelung, womit davon aus-
zugehen ist, dass er sich im Grundsatz mit der angeordneten Ferienregelung
identifiziert. Des Weiteren beantragt er sinngemäss die Verpflichtung der Parteien
zum Mitführen einer Einverständniserklärung für Reisen ins Ausland (vgl. Urk. 96,
Ziffer 4 der Anträge).
Die Kindsvertreterin beantragt insgesamt die Bestätigung der vorinstanzlichen
Regelung (vgl. Urk. 27 S. 1 und Urk. 98 S. 8).
2.3. Es ist zulässig, dass die Vorinstanz gestützt auf Art. 296 Abs. 3 ZPO, mit-
hin gestützt auf die Offizialmaxime, eine Ferienregelung ohne entsprechende Par-
teianträge anordnete. Entgegen der Auffassung der Klägerin steht die Zerstritten-
heit der Parteien in Bezug auf die Betreuungsregelung der Gewährung eines Fe-
rienrechts nicht entgegen. Vielmehr machen gerade diese Differenzen eine ent-
sprechende verbindliche gerichtliche Regelung erforderlich. Zudem ist die Verfah-
rensdauer und damit die Geltungsdauer dieser vorsorglichen Regelung – insbe-
sondere auch mit Blick auf die zahlreichen und umfangreichen Eingaben der Par-
teien im vorliegenden Rechtsmittelverfahren – nicht absehbar und könnte noch
einige Zeit beanspruchen. Umso mehr bedarf es daher einer Regelung für die
Dauer des Verfahrens. Soweit die Klägerin auf ihre Einwände in Bezug auf die
Erziehungsfähigkeit des Beklagten hinweist, kann auf die entsprechenden Erwä-
gungen unter Ziffer III./A./3.3. verwiesen werden. Eine Ferienregelung erscheint
vorliegend damit insgesamt geradezu geboten.
Die von der Vorinstanz vorgesehene Regelung (vier Wochen pro Jahr und Eltern-
teil sowie halbjährliche Ausgestaltung des Ferienrechts) erscheint dabei als an-
gemessen. Für die Anordnung von drei Wochen pro Halbjahr und Elternteil, wie
es der Beklagte beantragt (Urk. 96, Ziffer 4 der Anträge), besteht hingegen kein
Anlass. Anderweitige Absprachen bleiben ohnehin vorbehalten (siehe nachfol-
gende Ziffer). Angesichts der Konflikte zwischen den Parteien (insbesondere in
Bezug auf das Verschieben von Ferien) rechtfertigt es sich mit Blick auf das
Kindswohl, die Parteien zu verpflichten, die Aufteilung sowie den Zeitpunkt der zu
beziehenden Ferien unverzüglich dem Beistand mitzuteilen.
- 59 -
2.4. Die Vorinstanz hat sodann in Dispositivziffer 5 der angefochtenen Verfü-
gung festgehalten, dass abweichende Betreuungsregelungen nach gegenseitiger
Absprache vorbehalten bleiben (vgl. Urk. 2 S. 18). Daran ist festzuhalten. Insofern
erweist sich der Antrag des Beklagten, dass zusätzliche Ferienkontingente oder
Tage nur im gegenseitigen Ausgleich gewährt werden können, als obsolet.
2.5. Der Beklagte beantragt im Weiteren sinngemäss, die Parteien seien zu
verpflichten, bei geplanten Reisen ausserhalb der Nachbarländer der Schweiz
das Zolldokument "Reisen eines Elternteils mit dem Kind" zu unterzeichnen (vgl.
Urk. 96, Ziffer 4 der Anträge; Urk. 95 S. 7 und Prot. II S. 59). Diesbezüglich ist ihm
aber zu entgegnen, dass das Mitführen einer Einverständniserklärung bei Allein-
reisen eines Elternteils zwar (für allfällige Kontrollen am Flughafen) wünschens-
wert und auch ratsam sein kann, in der Schweiz jedoch keine derartige Pflicht be-
steht. Auch besteht unter dem Aspekt des Kindswohls keine Veranlassung für ei-
ne solche Verpflichtung. Nur der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen,
dass gewisse Zielländer eine Einverständniserklärung des nicht mitreisenden El-
ternteils zwingend vorsehen (vgl.https://www.eda.admin.ch/eda/de/home/ver-
tretungen-und- reisehinweise/laenderunabhaengigereiseinformationen/visum-
einreise.html). Diesbezüglich obliegt es jedoch dem jeweiligen Elternteil, sich vor-
gängig über die Einreisebestimmungen zu informieren und eine solche Einver-
ständniserklärung einzuholen.
2.6. Schliesslich beantragt der Beklagte, es seien ihm als Ausgleich für die von
der Klägerin im Oktober/November 2018 bezogenen Ferien in den USA im Jahr
2019 zusätzliche Ferien im Umfang von eineinhalb Wochen mit C._ zuzu-
sprechen (Urk. 96, Ziffer 8 der Anträge). Sinngemäss beantragt er damit ein
Nachholen von Betreuungszeit, die er im Oktober/November 2018 nicht hatte
wahrnehmen können. Dabei scheint jedoch – wie bereits die Vorinstanz zu Recht
im Zusammenhang mit dem Antrag des Beklagten auf Nachholen von ausgefalle-
ner Betreuungszeit im Jahr 2017 festhielt (vgl. Urk. 2 E. 4.3.) –, dass hierbei vor
allem das Bedürfnis des Beklagten nach Gleichbehandlung der Parteien im Vor-
dergrund steht und nicht das Kindswohl von C._. Seine Forderung mag zwar
verständlich sein, ist jedoch nicht im Interesse des Kindswohls geboten. Der An-
- 60 -
trag ist daher abzuweisen. Das diesbezügliche Verhalten der Klägerin ist jedoch
an anderer Stelle zu berücksichtigen (vgl. vorstehend Ziffer III./A./6.5.).
3. Feiertagsregelung
3.1. Die Vorinstanz sah von einer Regelung der Betreuung an den Feiertagen
ab (vgl. Urk. 2 S. 17 ff.). Für die Feiertage 2017 (Weihnachten und Silvester) hat-
ten die Parteien eine Vereinbarung unterzeichnet (vgl. Urk. 5/31). Die Klägerin
stellte betreffend die Feiertage – soweit ersichtlich – keinen expliziten Antrag. Der
Beklagte beantragte sinngemäss eine Regelung der Betreuung am Geburtstag
von C._, Weihnachten und Silvester sowie auch an Ostern, wobei die Be-
treuung an diesen Tagen im Jahr 2019 vollumfänglich ihm zuzuweisen sei, nach-
dem die Klägerin im Jahr 2018 C._ an sämtlichen Feiertagen bei sich gehabt
habe (vgl. Urk. 96, Ziffer 5 der Anträge sowie Urk. 95 S. 9).
3.2. Das Gericht kann – selbst ohne entsprechenden Antrag – gestützt auf die
Offizialmaxime (Art. 296 Abs. 3 ZPO) Kinderbelange regeln, sofern das Kindswohl
dies gebietet. Die Differenzen zwischen den Parteien hinsichtlich der Feiertage
2018 (vgl. vorstehend Ziffer III./A./6.2.3. und 6.3.) machen deutlich, dass eine
verbindliche Regelung der Betreuungszeit an den Feiertagen im Sinne des
Kindswohls geboten ist, zumal es durchaus im Interesse von C._ liegt, die
Feiertage mit beiden Elternteilen zu verbringen. Zudem dürfte eine solche Rege-
lung eine Beruhigung der Gesamtsituation bewirken, da die Betreuung an den
Feiertagen im Jahr 2018 durchaus Konfliktpotential bot und die Dauer des
(Haupt-)Verfahrens nicht absehbar ist. Mit einer klaren sowie verbindlichen Rege-
lung ist der Boden für weitere diesbezügliche Konflikte entzogen.
Zutreffend ist, dass C._ im Jahr 2018 sowohl ihren Geburtstag als auch
Weihnachten und Silvester bei der Klägerin verbracht hatte (vgl. Prot. II S. 36 f.).
Ob dies dem Kindswohl entsprach, ist fraglich, kann im vorliegenden Zusammen-
hang jedoch offenbleiben. Für die weitere Dauer des Verfahrens rechtfertigt es
sich unter dem Aspekt des Kindswohls, die Betreuungszeit an den Feiertagen in
Abweichung zur regulären Betreuungszeit in Jahren mit ungerader Jahreszahl
(erstmals 2019) wie folgt festzulegen: Betreuung durch den Beklagten an Pfings-
- 61 -
ten von Samstag (vor Pfingsten), 18.00 Uhr, bis Pfingstmontag, 18.00 Uhr; an ih-
rem Geburtstag (tt.mm), 10.00 Uhr, bis tt.mm, 10.00 Uhr; an Weihnachten vom
24. Dezember, 10.00 Uhr, bis 25. Dezember, 10.00 Uhr. Betreuung durch die
Klägerin in Jahren mit ungerader Jahreszahl (erstmals 2019) an Ostern von Kar-
freitag, 10.00 Uhr, bis Ostermontag, 18.00 Uhr; an Weihnachten vom 25. Dezem-
ber, 10.00 Uhr, bis 26. Dezember, 18.00 Uhr; sowie an Silvester vom 31. Dezem-
ber, 18.00 Uhr, bis 1. Januar, 18.00 Uhr.
In Jahren mit gerader Jahreszahl (erstmals 2020) gilt die umgekehrte Feiertags-
regelung: Betreuung durch den Beklagten an Ostern von Karfreitag, 10.00 Uhr,
bis Ostermontag, 18.00 Uhr; an Weihnachten vom 25. Dezember, 10.00 Uhr, bis
26. Dezember, 18.00 Uhr; an Silvester vom 31. Dezember, 18.00 Uhr, bis 1. Ja-
nuar, 18.00 Uhr. Betreuung durch die Klägerin an Pfingsten von Samstag (vor
Pfingsten), 18.00 Uhr, bis Pfingstmontag, 18.00 Uhr an C._s Geburtstag
(tt.mm), 10.00 Uhr, bis tt.mm, 10.00 Uhr sowie an Weihnachten vom
24. Dezember, 10.00 Uhr, bis 25. Dezember, 10.00 Uhr.
Zwischen den Feiertagen gilt die reguläre Betreuungsregelung. Abweichende ge-
genseitige Absprachen sind vorzubehalten. Eine Kompensation der (regulären)
Betreuungszeit aufgrund ausgefallener Feiertage rechtfertigt sich nicht.
4. Passübergaben
Angesichts der Konflikte der Parteien in Bezug auf den Pass von C._ recht-
fertigt sich gestützt auf Art. 296 Abs. 3 ZPO eine verbindliche Regelung der Pass-
übergaben (vgl. auch Urk. 96, Ziffer 3 der Anträge des Beklagten). Vorliegend er-
scheint es den Umständen angemessen, die Parteien zu einer bedingungslosen
Übergabe des Passes an den jeweils betreuenden Elternteil zu verpflichten. Der
Pass befindet sich damit jeweils im Besitz desjenigen Elternteils, der C._ ge-
stützt auf die vorangehend statuierte Regelung betreut. Für eine Regelung der
Übergaben der weiteren Dokumente (C-Ausweis, Untersuchungsheft, nationaler
und internationaler Impfpass; vgl. Urk. 96, Ziffer 3 der Anträge des Beklagten) be-
steht keine Veranlassung. Gleiches gilt mit Bezug auf den (sinngemässen) Antrag
des Beklagten, die Klägerin sei zur aktiven Mitarbeit bezüglich der Beantragung
- 62 -
eines deutschen Personalausweises für C._ zu verpflichten (Urk. 96, Zif-
fer 14 der Anträge).
C. Beistandschaft
1. Standpunkte der Parteien und der Kindsvertretung
1.1. Die Klägerin beantragt in ihrer Eingabe vom 29. November 2018 die Errich-
tung einer Beistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 ZGB im Sinne einer vorsorgli-
chen Massnahme (vgl. Urk. 80 S. 2). Zur Begründung führt sie an, die Anordnung
einer Beistandschaft sei angesichts der Unfähigkeit der Parteien, miteinander zu
kooperieren und kommunizieren, zur Wahrung es Kindswohls unerlässlich
(Urk. 80 Rz. 35).
1.2. Der Beklagte lehnt hingegen die Errichtung einer Beistandschaft ab (Prot. II
S. 49). Diesbezüglich hält er im Wesentlichen fest, dass zwischen den Parteien
kein Kommunikationsproblem bestehe. Das Problem sei vorliegend vielmehr,
dass die Klägerin sich wiederholt nicht an Vereinbarungen und Regelungen halte.
Daran könne auch ein Beistand nichts ändern (Urk. 95 S. 17).
1.3. Die Kindsvertreterin befürwortet nebst der Anordnung der alternierenden
Obhut auch die Errichtung einer Beistandschaft. Sie stellt sich auf den Stand-
punkt, dass die Errichtung einer Beistandschaft angesichts der Probleme betref-
fend die Gestaltung der Kontakte sowie im Umgang mit den Reisedokumenten
sinnvoll und zwecks Wahrung der Kindsinteressen auch nötig sei. Ein Beistand
sei in der Lage, mit den Eltern konkrete Regelungen auszuarbeiten und deren
Einhaltung zu überwachen. Auch die übrigen von der Klägerin im Massnahmebe-
gehren genannten, dem Beistand zu übertragenden Aufgaben seien sinnvoll. Der
Beistand dürfte in der Lage sein, die eher im organisatorischen Bereich liegenden
Probleme mit den Kindseltern zu besprechen und die nötigen Regelungen zu tref-
fen. Dabei werde sich zeigen, ob die Parteien dazu effektiv Hand böten bzw. ob
Schwierigkeiten bewusst gefördert und "bewirtschaftet" würden, um die Voraus-
setzungen für die Weiterführung der alternierenden Obhut zu beseitigen und die
Zuteilung der alleinigen Obhut zu bewirken (Urk. 98 Rz. 3 und 4).
- 63 -
2. Beurteilung
Wo die Verhältnisse es erfordern, kann das Gericht gestützt auf Art. 298b Abs. 3
ZGB i.V.m. Art. 315 Abs. 1 ZGB Kindesschutzmassnahmen im Sinne von Art. 307
ff. ZGB anordnen.
Zwischen den Parteien bestehen in Bezug auf die Betreuungszeiten von C._
durchaus (noch) Kommunikations- und Kooperationsschwierigkeiten. Bleiben die-
se Schwierigkeiten und Konflikte fortbestehen, wäre das Kindswohl langfristig be-
droht. Die Psychologin J._ hält in ihrem Bericht vom 4. Januar 2019 bereits
fest, dass bei C._ Anzeichen für eine erhebliche Überforderung sowie einen
Loyalitätskonflikt vorliegen würden (Urk. 101/2 S. 3). Auch der Kurzbericht der
Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich vom 5. September 2018 hält fest, dass
es dem Kindswohl zuträglich wäre, wenn sich die Eltern auf einen möglichst kon-
fliktfreien Umgang miteinander und vor allem in Erziehungsfragen einigen würden
(Urk. 83/6 S. 4). Insgesamt erscheint es zur Wahrung des Kindeswohls notwendig
und erforderlich, für C._ einstweilen eine Beistandschaft zu errichten. Dem
Beistand sind dabei unter Berücksichtigung der aktuell bestehenden Differenzen
zwischen den Parteien folgende Aufgaben zu übertragen:
− die Kindseltern in ihrer Sorge um C._ mit Rat und Tat unterstützen
− Förderung der Kommunikationsfähigkeit der Kindseltern
− Vermittlung zwischen den Kindseltern bei Konflikten in Bezug auf die
Kinderbelange
− Unterstützung der Kindseltern bei der Umsetzung der angeordneten
Betreuungsregelung sowie Festlegung von deren Modalitäten, wie ins-
besondere Übergabeort und Nachholbedingungen bezüglich ausgefal-
lener (regulärer) Betreuungszeit
− Vermittlung zwischen den Kindseltern bei Konflikten in Bezug auf die
medizinischen Belange von C._.
Die zuständige Kindesschutzbehörde ist entsprechend anzuweisen, einen Bei-
stand bzw. eine Beiständin gemäss dem vorstehend Gesagten zu ernennen.
- 64 -
D. Erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
Die Vorinstanz hat in Anwendung von Art. 104 Abs. 3 ZPO den Entscheid über
die Kosten- und Entschädigungsfolgen dem Endentscheid vorbehalten (Urk. 2
Disp. Ziff. 7). Diesbezüglich gilt es keine Anordnungen zu treffen.
IV.
1. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1.1. Die Höhe der Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren richtet sich nach
§ 12 Abs. 1 und 2 in Verbindung mit § 2, § 5 Abs. 1, und § 8 Abs. 1 der Gebüh-
renverordnung des Obergerichts vom 8. September 2010 (GebV OG). Unter Be-
rücksichtigung des tatsächlichen Streitinteresses, des Zeitaufwands des Gerichts
und der Schwierigkeit des Falles erscheint eine Gerichtsgebühr von Fr. 6'000.–
als angemessen.
1.2. Die Entschädigung für die Vertretung des Kindes gehört zu den Gerichts-
kosten (Art. 95 Abs. 2 lit. e ZPO). Die Bemessung der Entschädigung ist bundes-
rechtlich nicht geregelt. Vielmehr setzen die Kantone die Tarife fest (Art. 96 ZPO).
Rechtsgrundlage für die Festsetzung der Entschädigung für die anwaltliche Kin-
desvertretung ist im Kanton Zürich die Anwaltsgebührenverordnung (§ 1 Anw-
GebV). Die Kindsvertreterin macht für das vorliegende Berufungsverfahren eine
Prozessentschädigung von Fr. 7'414.45 (inkl. MwSt.) geltend. Die Klägerin bean-
standet dies nicht. Auch der Beklagte hält dem in seiner diesbezüglichen Stel-
lungnahme nichts Substanzielles entgegen (Urk. 108). Vorliegend erscheint an-
gesichts des notwendigen Zeitaufwands der Kindesvertreterin und der Schwierig-
keit des Falls die von ihr geltend gemachte Prozessentschädigung von insgesamt
Fr. 7'414.45 (inkl. MwSt.) als angemessen. Mit Blick auf das noch ausstehende
Studium dieses Urteils rechtfertigt es sich, die Entschädigung auf Fr. 7'600.– (inkl.
MwSt.) aufzurunden. Da es sich vorliegend um Gerichtskosten handelt, ist die
Kindesvertreterin direkt aus der Gerichtskasse zu entschädigen (BK ZPO-Sterchi,
Art. 95 N 10c).
- 65 -
1.3. Praxisgemäss sind betreffend nicht vermögensrechtlicher Kinderbelange
(Obhut, Betreuungszeiten) die Kosten den Parteien je hälftig aufzuerlegen und die
Parteientschädigungen wettzuschlagen, sofern diese unter dem Gesichtspunkt
des Kindesinteresses gute Gründe für ihre Prozessstandpunkte hatten (Art. 107
Abs. 1 lit. c ZPO; ZR 84 Nr. 41). Diese Voraussetzung ist erfüllt, weshalb die Kos-
ten des Berufungsverfahrens den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen und keine
Parteientschädigungen zuzusprechen sind.