Decision ID: 02219c11-1e7e-4aad-a1f5-be55b7dbd4a9
Year: 2020
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._ der im August 2014 eine Ausbildung zum Fachmann Gesundheit
bei der Spitex begonnen hatte, meldete sich im August 2015 unter Hinweis
auf eine Krebserkrankung, aufgrund welcher seit dem 31. Oktober 2014
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestand, bei der IV-Stelle des Kantons
Graubünden (nachfolgend IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Mit Bericht
vom 28. August 2015 diagnostizierte der behandelnde Onkologe, PD
Dr. med. B._, einen gemischten nicht-seminomatösen Keimzelltumor
des linken Hodens (Erstdiagnose Dezember 2013) u.a. bei Status nach
hoher Semikastration links und Hodenbiopsie rechts sowie einer
psychischen Belastungssituation. Zur Anamnese führte er aus, dass im
Oktober 2014 retroperitoneale Lymphknotenmetastasen gefunden worden
seien, woraufhin drei Zyklen Chemotherapie vorgenommen worden seien.
Darunter habe sich ein gutes Ansprechen gezeigt. Bei persistierenden
retroperitonealen Tumormanifestationen sei eine zusätzliche Resektion
mittels medianer Laparotomie am 25. Februar 2015 durchgeführt worden.
Aktuell bestehe eine komplette Remission. Bereits vor der Chemotherapie
habe der Patient an unspezifischem Unwohlsein mit rezidivierendem
Erbrechen, Schlafstörungen sowie Leistungsunfähigkeit gelitten. Diese
Beschwerden hätten sich seit der Chemotherapie und der Operation noch
akzentuiert.
Am 15. Januar 2016 berichtete PD Dr. med. B._ sodann, dass sich
der Gesundheitszustand von A._ gebessert habe, seit dem
14. Dezember 2015 keine Arbeitsunfähigkeit mehr bestehe und er wieder
eine Lehrstelle als Pflegefachmann angetreten habe. Mit Verfügungen
vom 8. März 2016 verneinte die IV-Stelle, nach Durchführung eines
Vorbescheidverfahrens, einen Anspruch auf eine Invalidenrente und auf
berufliche Massnahmen. Diese Entscheide erwuchsen unangefochten in
Rechtskraft.
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2. Nachdem A._ im Rahmen seiner Ausbildung ab dem 5. August 2016
wiederum zu 100% krankgeschrieben worden war, erfolgte im November
2016 infolge psychosomatischer Leiden erneut eine Anmeldung zum
Leistungsbezug bei der IV-Stelle. PD Dr. med. B._ berichtete am
23. November 2016, dass es bei A._ trotz aktuell fehlenden
Hinweisen auf ein Tumorrezidiv immer wieder zu einer verstärkten
psychischen Belastung mit Somatisierungsstörung, insbesondere
gastrointestinalen und Kreislaufbeschwerden sowie Nausea gekommen
sei. Diese hätten sich im Verlauf des Jahres 2016 exazerbiert, weshalb er
den Psychiatrischen Diensten Graubünden (PDGR) zur psychiatrischen
Behandlung zugewiesen worden sei. Der behandelnde Psychiater
diagnostizierte mit Bericht vom 15. Dezember 2016 eine somatoforme
autonome Funktionsstörung des oberen Verdauungssystems (ICD-10
F45.31), eine leichte depressive Episode, gegenwärtig teilweise remittiert
(ICD-10 F32.0), sowie eine psychische und Verhaltensstörung durch
Cannabinoide, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F12.2), und empfahl einen
stationären Aufenthalt sowie eine medikamentöse Optimierung. Einen
stationären Aufenthalt trat A._ indes nicht an.
3. Nach Hinweis auf seine Mitwirkungspflicht, fand am 18. Dezember 2017
eine psychiatrische Abklärung durch Dr. med. C._ vom Regionalen
Ärztlichen Dienst Ostschweiz (RAD) statt, über welche dieser am
19. Januar 2018 berichtete. Während er in der aktuellen Untersuchung
keine depressive Symptomatik feststellten konnte und das Vorliegen der
Diagnosekriterien einer somatoformen autonomen Funktionsstörung
verneinte, erachtete er jene einer Neurasthenie als erfüllt (Klagen über
körperliche Erschöpfung, Schwäche mit zusätzlichen somatoformen
Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Schwindel). Diese stufte er
aufgrund des Funktionsniveaus im Alltag als leichtgradig ein. Das vom
behandelnden Psychiater diagnostizierte Abhängigkeitssyndrom
(Cannabis) konnte Dr. med. C._ nicht bestätigen. Er schloss indes
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auf einen regelmässigen THC-Konsum. Während er die bisherige Tätigkeit
in der Pflege für den Zeitraum ab 5. August 2016 als nicht geeignet befand,
attestierte er A._ ab dem Abklärungszeitpunkt eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten, d.h. körperlich leichten Tätigkeit ohne
intensive zwischenmenschliche Kontakte oder Teamarbeit.
4. Mit Mitteilung vom 21. März 2018 gewährte die IV-Stelle A._ in
Zusammenhang mit der erstmaligen beruflichen Ausbildung eine
berufliche Abklärung vom 19. März 2018 bis zum 18. Juni 2018 in den
Bereichen Kaufmann EFZ, ICT-Fachmann und Printmedienverarbeitung,
Fachrichtung Druckausrüsten. Nachdem im Auswertungsgespräch vom
4. Juni 2018 festgestellt worden war, dass er nur ein Arbeitspensum von
max. 70% mit vielen Fehltagen erreicht hatte und trotz ausdrücklichem
Hinweis im Erstgespräch, dass ein Cannabiskonsum im Rahmen
beruflicher Massnahmen nicht toleriert werde, täglich Cannabis (THC)
konsumiert hatte, wurden ihm mit Mahn- und Bedenkzeitverfahren vom
11. Juni 2018 folgende Auflagen auferlegt: 100% Präsenz in der
beruflichen Abklärung, andauernde Cannabisabstinenz (THC) sowie ein
Nachweis bis zum 13. Juli 2018 für ein Erstgespräch für eine
Psychotherapie sowie deren Weiterführung während der Ausbildung.
Zudem wurde ihm angedroht, dass bei Nichterfüllung einer dieser Punkte
die beruflichen Massnahmen abgebrochen würden. Zugleich verlängerte
die IV-Stelle die berufliche Abklärung, bevor A._ neben einem
betreuten Wohnen am 1. August 2018 eine Lehre als Kaufmann EFZ (E-
Profil) im Sinne einer erstmaligen beruflichen Ausbildung antreten konnte
(siehe Mitteilung der IV-Stelle vom 9. August 2018). Dabei verbesserte er
sein Verhalten, indem er ein Arbeitspensum von 100% aufrechterhalten
konnte, keine Zwischenfälle bezüglich Cannabiskonsum verzeichnet
wurden, er einen Facharzt für Psychiatrie aufsuchte und seine schulischen
Leistungen wie auch seine Motivation steigern konnte. In der Folge
wechselte A._ insbesondere aufgrund schulischer Schwierigkeiten
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auf eigene Initiative auf das 2. Semester hin in das B-Profil, was sich
positiv auf seine schulischen und Arbeitsleistungen auswirkte.
Nachdem sich die Absenzen ab Oktober 2019 aus gesundheitlichen
Gründen gehäuft hatten, wies Hausärztin Dr. med. D._ mit Bericht
vom 20. Februar 2020 eine multiple Sklerose (MS; Erstdiagnose im Januar
2020) sowie eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) mit Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit aus, welche von häufiger Übelkeit und Erbrechen
begleitet wurden.
5. Da die Ausbildungsziele dadurch nicht mehr erreicht werden konnten und
A._ sich nicht in der Lage sah, die Ausbildung weiterzuführen, wurde
die erstmalige berufliche Ausbildung zum Kaufmann EFZ (B-Profil) per
10. März 2020 abgebrochen. Mit derselben Begründung stellte die IV-
Stelle A._ mit Vorbescheid vom 16. März 2020 den Abschluss der
beruflichen Massnahmen in Aussicht. Dagegen erhob er am 12. Mai 2020
Einwand und ersuchte aufgrund einer Verbesserung seines psychischen
und physischen Zustands und seiner Motivation dafür um
Wiederaufnahme der beruflichen Massnahme. Daraufhin schloss der
Rechtsdienst der IV-Stelle eine fehlende subjektive und objektive
Eingliederungsfähigkeit aus.
Nachdem im Austrittsbericht vom 21. April 2020 zum stationären
Aufenthalt von A._ vom 7. April 2020 bis zum 20. April 2020 in der
Klinik ein schädlicher Gebrauch von Cannabis (ICD-10 F12.1)
diagnostiziert worden war, befand der Rechtsdienst der IV-Stelle, es sei
einen Versuch wert, den Abschluss der beruflichen Massnahmen mit der
Verletzung der mit Mahnschreiben vom 11. Juni 2018 auferlegten
Pflichten zu begründen. Daraufhin schloss die IV-Stelle mit Verfügung vom
5. August 2020 die berufliche Massnahme wie vorbeschieden ab.
Begründend führte sie aus, A._ habe die ihm mit Schreiben vom
11. Juni 2018 auferlegten Pflichten, welche bis zum Abschluss der
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beruflichen Massnahmen zu erfüllen gewesen seien bzw. wären,
offensichtlich verletzt. Einerseits habe er die andauernde
Cannabisabstinenz (THC) nicht eingehalten, andererseits sei er soweit
ersichtlich nicht (mehr) in psychotherapeutischer Behandlung. Da er seine
Schadenminderungs- und Mitwirkungspflichten offensichtlich verletzt
habe, habe die IV-Stelle das Recht, die berufliche Massnahme nun
abzubrechen.
6. In der dagegen am 10. September 2020 beim Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden erhobenen Beschwerde beantragte A._
(nachfolgend Beschwerdeführer) neben der Aufhebung der Verfügung
vom 5. August 2020, die beruflichen Massnahmen seien gemäss
Verfügung vom 9. August 2018 wiederaufzunehmen. Eventualiter sei die
Angelegenheit zur Neubeurteilung an die IV-Stelle zurückzuweisen. In
formeller Hinsicht ersuchte er darum, der Beschwerde die aufschiebende
Wirkung zu erteilen. Zudem seien die Akten der IV-Stelle beizuziehen. Zur
Begründung brachte er im Wesentlichen vor, er habe nicht gegen die
Auflagen verstossen. Zwar sei bei einer Urinkontrolle am 16. April 2020
ein erhöhter Gehalt an Cannabinoiden festgestellt worden. Ob der positive
Test aber tatsächlich auf den Konsum von illegalem Cannabis
zurückzuführen oder durch das vom Arzt verschriebene CBD-Öl
hervorgerufen worden sei, sei offen. Zudem wäre der allenfalls schädliche
Cannabiskonsum erst nach Abbruch der beruflichen Massnahmen und
nicht während dessen erfolgt. Daneben sei er entgegen der Auffassung
der IV-Stelle in psychotherapeutischer Behandlung gewesen. Selbst wenn
jedoch von einer Verletzung der Schadenminderungs- und
Mitwirkungspflicht ausgegangen würde, wäre die IV-Stelle verpflichtet
gewesen, ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren durchzuführen, was sie
jedoch nicht gemacht habe.
7. Mit Vernehmlassung vom 8. Oktober 2020 schloss die IV-Stelle
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) auf Abweisung der Beschwerde und
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beantragte, dieser sei die aufschiebende Wirkung nicht zu erteilen. Mit
Schreiben vom 9. Oktober 2020 teilte die Instruktionsrichterin den Parteien
mit, dass sich die Frage der aufschiebenden Wirkung vorliegend nicht
stellt, da diese der Beschwerde gegen die Verfügung vom 5. August 2020
nicht entzogen worden sei, womit ihr von Gesetzes wegen aufschiebende
Wirkung zukomme. Am 6. November 2020 replizierte der
Beschwerdeführer bei im Wesentlichen unveränderten Rechtsbegehren.
Mit Duplik vom 11. November 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin
erneut, die Beschwerde sei abzuweisen und vertiefte ihren Standpunkt
punktuell. Der Beschwerdeführer verzichtete am 19. November 2020 auf
die Einreichung einer Triplik. Mit Eingabe vom 27. November 2020
(Vernehmlassung) im Parallelverfahren S 20 121 betreffend die
Zwischenverfügung vom 30. Oktober 2020, worin die IV-Stelle der
Beschwerde vom 10. September 2020 im Verfahren S 20 104 nachträglich
die aufschiebende Wirkung entzog, beantragte die IV-Stelle im Sinne
eines Eventualbegehrens, der genannten Beschwerde vom
10. September 2020 im Verfahren S 20 104 sei die aufschiebende
Wirkung vom Gericht zu entziehen.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften, die
angefochtene Verfügung vom 5. August 2020 sowie die weiteren Akten
wird, sofern erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-
Stelle des Kantons Graubünden vom 5. August 2020, worin die am
9. August 2018 zugesprochene berufliche Massnahme (erstmalige
berufliche Ausbildung) abgeschlossen wurde. Eine solche Anordnung, die
laut Bundesrecht der Beschwerde an das Versicherungsgericht am Ort der
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verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann beim Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden als das örtlich und sachlich zuständige
Versicherungsgericht angefochten werden (vgl. Art. 49 Abs. 2 lit. a des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100] i.V.m.
Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als
formeller und materieller Verfügungsadressat ist der Beschwerdeführer
von der angefochtenen Verfügung unmittelbar betroffen und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Er ist somit
zur Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59
ATSG). Die Beschwerde wurde zudem frist- und formgerecht eingereicht
(Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 39 Abs. 1 ATSG
sowie Art. 61 lit. b ATSG). Darauf ist somit einzutreten.
2. Vorliegend ist streitig und somit zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin die
dem Beschwerdeführer am 9. August 2018 gewährten beruflichen
Massnahmen resp. die per 10. März 2020 abgebrochene erstmalige
berufliche Ausbildung als Kaufmann EFZ Profil B zu Recht wegen einer
Verletzung der Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht
abgeschlossen hat.
3. Während die Beschwerdegegnerin die Schadenminderungs- und
Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers als offensichtlich verletzt
erachtet, weil er weder der Pflicht zur dauerhaften Cannabisabstinenz
noch jener zur psychotherapeutischen Behandlung während der
Ausbildung nachgekommen sein soll, ist der Beschwerdeführer
demgegenüber der Ansicht, dass er beide Auflagen erfüllt habe. Ohnehin
sei der angeblich erhöhte Gehalt an Cannabinoiden erst im Rahmen der
stationären Behandlung in der Klinik und somit zu einem Zeitpunkt
festgestellt worden, als die beruflichen Massnahmen bereits mit
Vorbescheid vom 16. März 2020 abgeschlossen gewesen seien. Selbst
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wenn aber eine Verletzung der Schadenminderungs- und
Mitwirkungspflicht angenommen würde, wäre zwingend ein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren durchzuführen gewesen. Zudem sei der verfügte
Abschluss der beruflichen Massnahmen unverhältnismässig.
4. Die versicherte Person muss alles ihr Zumutbare unternehmen, um die
Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) zu
verringern und den Eintritt der Invalidität (Art. 8 ATSG) zu verhindern.
Sodann muss sie an allen zumutbaren Massnahmen, die zur Erhaltung
des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Eingliederung ins
Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten
Aufgabenbereich dienen, aktiv teilnehmen, insbesondere an Massnahmen
der Frühintervention, Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
berufliche Eingliederung, Massnahmen beruflicher Art, medizinischen
Behandlungen nach Art. 25 des Bundesgesetzes über die
Krankenversicherung (KVG; SR 832.10) und Massnahmen zur
Wiedereingliederung von Rentenbezügerinnen und Rentenbezügern
(Art. 7 Abs. 1 und 2 IVG).
Als zumutbar gilt jede Massnahme, die der Eingliederung der versicherten
Person dient; ausgenommen sind Massnahmen, die ihrem Gesundheits-
zustand nicht angemessen sind (Art. 7a IVG). Nach den Gesetzgebungs-
materialien konkretisiert diese Bestimmung den bis anhin nur von der
Rechtsprechung näher definierten Begriff der Zumutbarkeit und hält fest,
dass jede Massnahme, die der Eingliederung einer versicherten Person
dient, grundsätzlich zumutbar ist, solange sie nicht ausdrücklich als
unzumutbar betrachtet werden muss. Damit wird die Beweislast in Bezug
auf die Zumutbarkeitsfrage verschoben. Musste bis anhin dargelegt
werden, dass eine Massnahme einer versicherten Person in ihrer
konkreten Lage zumutbar ist, so kann neu davon ausgegangen werden,
dass eine Massnahme prinzipiell zumutbar ist. Es liegt denn auch an der
versicherten Person darzulegen, inwiefern ihr eine bestimmte Massnahme
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nicht zumutbar sein soll. Allerdings wirkt sich diese Beweislastverteilung
faktisch nur im Streitfalle aus, da die IV-Stelle aufgrund des in Art. 43
Abs. 1 ATSG geregelten Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen
verpflichtet ist zu prüfen, ob eine unzumutbare Massnahme vorliegt.
Sodann wird im zweiten Satzteil von Art. 7a IVG ausdrücklich festgehalten,
dass lediglich gesundheitliche Gründe dazu führen können, dass eine
Massnahme im konkreten Einzelfall als unzumutbar erachtet werden muss
(siehe Botschaft zur Änderung des Bundesgesetztes über die
Invalidenversicherung [5. Revision], BBl 2005 4459 ff. 4560). Kommt die
versicherte Person den Pflichten nach Art. 7 IVG nicht nach, können ihr
die Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert
werden. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen
hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen
(Art. 7b Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 21 Abs. 4 ATSG; vgl. zum Ganzen BGE 145
V 215 E.5.3.1; Urteile des Bundesgerichts 9C_155/2019 vom 24. Juni
2019 E.2.2.1 f., 8C_741/2018 vom 22. Mai 2019 E.3.2 ff., 8C_865/2017
vom 19. Oktober 2018 E.3.2 f., 8C_830/2012 vom 13. März 2013 E.2.2).
4.1. Vorliegend macht der Beschwerdeführer nicht geltend, dass die im Mahn-
und Bedenkzeitschreiben vom 11. Juni 2018 aufgeführten Auflagen (siehe
IV-act. 83), auf deren Nichteinhaltung sich die Beschwerdegegnerin für
den Abschluss der beruflichen Massnahmen beruft, unzumutbar gewesen
sein sollen. Er stellt auch nicht in Abrede, dass anlässlich der Urinkontrolle
am 16. April 2020 ein erhöhter Cannabinoid-Gehalt festgestellt worden ist
(vgl. Austrittsbericht der Klinik vom 21. April 2020 [siehe IV-act. 150 S. 3
und 7]). Er ist jedoch der Auffassung, dass er der Pflicht zur dauerhaften
Cannabisabstinenz und psychotherapeutischen Behandlung
nachgekommen sei. Zwar trifft es zu, dass ihm aus medizinischen
Gründen Cannabidiol (CBD) verschrieben worden ist (vgl. ärztliches
Zeugnis und Rezept von PD Dr. med. B._ vom 9. April 2018 [siehe
IV-act. 82 und Akten des Beschwerdeführers [Bf-act.] 6] sowie Rezept von
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PD Dr. med. B._ vom 8. Mai 2020 [Bf-act. 7]), das er zunächst in der
Form von Tropfen (vgl. dazu Verlaufsprotokoll, Einträge vom 4. Juni 2018
[siehe IV-act. 84 S. 3 f.], 5. Juni 2018 [siehe IV-act. 84 S. 5] und 5. Oktober
2018 [siehe IV-act. 138 S. 3]), schliesslich per E-Zigarette bzw.
Verdampfer zu sich nahm (vgl. Zwischenbericht zum 1. Ausbildungsjahr
vom 28. August 2019 [siehe IV-act. 127 S. 2], Arztbericht von PD Dr. med.
B._ vom 3. Juni 2019 [siehe IV-act. 135 S. 11] und Verlaufsprotokoll,
Eintrag vom 28. Februar 2019 [siehe IV-act. 138 S. 7 f.]). Während nach
der Abmahnung durch die Beschwerdegegnerin am 11. Juni 2018 keine
Zwischenfälle bezüglich Cannabiskonsum mehr verzeichnet wurden (vgl.
etwa Nachrichten der Teamleiterin Industrieleistungen E._ vom
29. Juni 2018 und 7. Juli 2018 [siehe IV-act. 92 S. 1 f.] sowie vom
5. Oktober 2018 [siehe IV-act. 109], Bericht zur beruflichen Abklärung vom
13. Juli 2018 [siehe IV-act. 96 S. 2], Bericht betreffend Wohnen vom 9. Juli
2018 [siehe IV-act. 97] und Zusammenfassung der Berufsberaterin
F._ im Verlaufsprotokoll vom 9. August 2018 [siehe IV-act. 100 S. 4]),
konsumierte er in der Zeit mit verstärkten gesundheitlichen Beschwerden
gegen Ende 2019, welche letztlich in der Diagnose einer schubförmigen
multiplen Sklerose mündeten (vgl. dazu ambulanter Bericht von Dr. med.
G._ vom 16. Januar 2020 [siehe IV-act. 135 S. 19 f.]), indes erneut
Cannabis in der Form von Joints (THC). So gab er anlässlich seiner
stationären Behandlung in der Klinik selbst an, seit November 2019 bis zu
fünf Joints pro Tag zur Stimmungshebung, Schlafverbesserung und gegen
die Übelkeit geraucht zu haben (vgl. Austrittsbericht der Klinik vom
21. April 2020 [siehe IV-act. 150 S. 2 oben, S. 3 oben und S. 6 unten]).
Auch hinsichtlich der Psychotherapie zeigten sich trotz grundsätzlicher
Wahrnehmung von Therapiestunden (vgl. hierzu Nachrichten der
Teamleiterin Industrieleistungen E._ vom 29. Juni 18 [siehe IV-
act. 92 S. 2] sowie vom 5. Oktober 2018 [siehe IV-act. 109],
Verlaufsprotoll, Einträge vom 12. Juli 2018 [siehe IV-act. 100 S. 3],
5. Oktober 2018 [siehe IV-act. 138 S. 3], 3. Dezember 2018 [siehe IV-
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act. 138 S. 5] und 12. Juli 2019 [siehe IV-act. 138 S. 9],
Zusammenfassung der Berufsberaterin F._ im Verlaufsprotokoll vom
9. August 2018 [siehe IV-act. 100 S. 4], Zwischenbericht zum
1. Ausbildungsjahr vom 28. August 2019 [siehe IV-act. 127 S. 2] sowie
Schlussbericht betreffend Ausbildungsabbruch vom 18. März 2020 [siehe
IV-act. 143 S. 1]) erhebliche Lücken in der psychiatrisch-
psychotherapeutischen Behandlung. Dies ergibt sich aus den Akten (vgl.
Arztbericht von Dr. med. D._ vom 20. Februar 2020 [siehe IV-act. 135
S. 3], Verlaufsprotokoll, Eintrag vom 12. Juli 2019 [sieh IV-act. 138 S. 9],
Schlussbericht betreffend Ausbildungsabbruch vom 18. März 2020 [siehe
IV-act. 143 S. 1]) und der vom Beschwerdeführer beigebrachten
Aufstellung zu den bei der Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
H._ wahrgenommenen Therapiestunden (siehe Bf-act. 19) und der
Bestätigung von Dr. med. I._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie (siehe Bf-act. 28), beispielsweise hinsichtlich des
Zeitraums vom 15. August 2019 (Abschluss der psychiatrischen
Behandlung durch die Psychiaterin H._ am 14. August 2019) bis zum
23. Februar 2020 (Beginn der psychotherapeutischen Behandlung durch
Dr. med. I._ am 24. Februar 2020). Indes ist – wie hernach noch
ausführlich dargetan wird – relativierend anzuführen, dass Hinweise
darauf, dass sich der THC-haltige Cannabiskonsum und die
unregelmässige psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung negativ
auf die berufliche Massnahme ausgewirkt hätten, fehlen.
4.2. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, der angeblich erhöhte Gehalt an
Cannabinoiden sei erst festgestellt worden, als die beruflichen
Massnahmen bereits abgeschlossen gewesen seien, kann ihm aber nicht
gefolgt werden. Vielmehr ist der Beschwerdegegnerin darin beizupflichten,
dass vorliegend der sich bis zum Verfügungszeitpunkt am 5. August 2020
verwirklichte Sachverhalt massgeblich ist. Auch wenn die erstmalige
berufliche Ausbildung zum Kaufmann EFZ (B-Profil) per 10. März 2020
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infolge Nichterreichens der Ausbildungsziele bzw. – gemäss der
Ausbildungsstätte – aus gesundheitlichen Gründen abgebrochen worden
war (vgl. Verlaufsprotokoll vom 16. März 2020 [siehe IV-act. 138 S. 13]
und Schlussbericht betreffend Ausbildungsabbruch vom 18. März 2020
[siehe IV-act. 143 S. 1]) und der Beschwerdeführer die Ausbildungsstätte
und das betreute Wohnen bereits zu jenem Zeitpunkt verlassen musste
(vgl. Replikbeilage Bf.-act. 2 und Bericht betreffend Wohnen vom 18. März
2020 [siehe IV-act. 143 S. 6 f.]), räumte er anlässlich des stationären
Klinikaufenthalts selbst ein, den Cannabiskonsum in Form von bis zu fünf
Joints pro Tag bereits ab November 2019, d.h. noch während der
laufenden beruflichen Massnahme, wiederaufgenommen zu haben, bevor
er diesen im Hinblick auf den Klinikeintritt ab dem Vorgespräch vom
3. März 2020 wiederum sistiert haben soll (vgl. Austrittsbericht der Klinik
vom 21. April 2020 [siehe IV-act. 150 S. 2 oben, S. 3 oben und
insbesondere S. 6 unten]).
4.3. Des Weiteren kritisiert der Beschwerdeführer, dass kein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren durchgeführt worden sei. Die Beschwerdegegnerin
wendet dagegen in der Vernehmlassung grundsätzlich zu Recht ein, dass
ein solches am 11. Juni 2018 durchgeführt worden sei. Darin wurde er
sowohl auf seine Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht als auch auf
die Folgen bei einer Verletzung der ihm auferlegten Bedingungen
hingewiesen. Letztere umfassten namentlich eine dauerhafte
Cannabisabstinenz (THC) sowie den Nachweis einer
psychotherapeutischen Behandlung, welche auch während der
Ausbildung weitergeführt werden sollte (vgl. Schreiben vom 11. Juni 2018
betreffend Mahn- und Bedenkzeitverfahren [siehe IV-act. 83]). Dass diese
Auflagen auf den Zeitraum der beruflichen Abklärung beschränkt gewesen
wären, mithin für die anschliessende Ausbildungszeit keine Geltung mehr
beanspruchen würden, findet keine Stütze in den Akten. Vielmehr lässt
sich der Dauercharakter der dem Beschwerdeführer obliegenden Pflichten
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bereits aus dem Wortlaut des Mahn- und Bedenkzeitschreibens
entnehmen, indem vom Beschwerdeführer eine dauerhafte
Cannabisabstinenz und eine Inanspruchnahme einer Psychotherapie
während der Ausbildung verlangt wurde (vgl. dazu auch Zielvereinbarung
zur beruflichen Massnahme vom 31. Oktober 2018 [siehe IV-act. 116],
Verlaufsprotokoll, Einträge vom 11. Juni 2018 [siehe IV-act. 84 S. 6 f.],
11. Juli 2018 [siehe IV-act. 100 S. 3] und 6. August 2018 [Siehe IV-
act. 100 S. 4], Nachricht der Berufsberaterin F._ vom 2. Juli 2018
[siehe IV-act. 92 S. 1] und Schlussbericht betreffend Ausbildungsabbruch
vom 18. März 2020 [siehe IV-act. 143 S. 2]). Mithin erstreckten sich diese
auch auf die Ausbildung zum Kaufmann EFZ. Indes wäre – wie
nachfolgend aufgezeigt wird – unter
Verhältnismässigkeitsgesichtspunkten ein Hinweis darauf bzw. die
Durchführung eines neuen Mahn- und Bedenkzeitverfahrens mit
Einräumung einer angemessenen Bedenkzeit unter den Umständen des
konkreten Einzelfalls geboten gewesen (siehe nachfolgende Erwägungen
4.4 f.).
4.4. Der Beschwerdeführer rügt schliesslich, dass der angeordnete
Massnahmenabschluss unverhältnismässig sei. Dieser Einwand erweist
sich als begründet. Tatsächlich liegt das am 11. Juni 2018 durchgeführte
Mahn- und Bedenkzeitverfahren mit der dem Beschwerdeführer darin
auferlegten Pflicht zur dauerhaften Cannabisabstinenz und
psychotherapeutischen Behandlung bereits relativ lange zurück. Dabei ist
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer die Auflagen während
über einem Jahr erfüllte (vgl. Nachrichten der Teamleiterin
Industrieleistungen E._ vom 29. Juni 2018 und 7. Juli 2018 [siehe IV-
act. 92 S. 1 f.] sowie vom 5. Oktober 2018 [siehe IV-act. 109], Bericht zur
beruflichen Abklärung vom 13. Juli 2018 [siehe IV-act. 96 S. 2], Berichte
betreffend Wohnen vom 9. Juli 2018 [siehe IV-act. 97] und 18. März 2020
[siehe IV-act. 143 S. 6] und Verlaufsprotokoll, Eintrag vom 28. Februar
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2019 [siehe IV-act. 138 S. 8]), was denn auch die Beschwerdegegnerin
anerkannte (vgl. Zusammenfassung der Berufsberaterin F._ im
Verlaufsprotokoll vom 9. August 2018 [siehe IV-act. 100 S. 4]), bevor es
aufgrund der MS-bedingten Beschwerden vor allem hinsichtlich des
Cannabiskonsums (mit erhöhtem THC-Gehalt) im November 2019 zu
einem Rückfall kam. Die Nichterfüllung der Bedingungen bildete denn
zunächst auch nicht den Anlass dafür, die berufliche Massnahme
abzuschliessen. Vielmehr berief sich die Beschwerdegegnerin im
Vorbescheid vom 16. März 2020 noch darauf, dass der Beschwerdeführer
sich nicht in der Lage sah, die Ausbildung weiterzuführen, und die
Ausbildungsziele nicht erreicht werden konnten (siehe IV-act. 141, vgl.
ferner Verlaufsprotokoll vom 16. März 2020 [siehe IV-act. 138 S. 13]). Der
Beschwerdeführer hatte daher vor Verfügungserlass keine Gelegenheit
dazu, zu der ihm darin vorgeworfenen Verletzung der
Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht Stellung zu nehmen bzw.
geeignete Vorkehrungen zu treffen oder in Aussicht zu stellen und sein
Verhalten – wie bereits in der Vergangenheit unter Beweis gestellt –
entsprechend anzupassen. Wie der Beschwerdeführer zu Recht kritisiert,
erscheint die in der angefochtenen Verfügung angeführte Begründung für
den Abschluss der beruflichen Massnahmen denn auch eher gesucht.
Nachdem der Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin aufgrund des
beschwerdeführerischen Einwands vom 12. Mai 2020 sowohl die
subjektive als auch objektive Eingliederungsfähigkeit des
Beschwerdeführers bejaht hatte (vgl. insbesondere Nachricht vom 21. Juli
2020 [siehe IV-act. 153 S. 5]) und somit keine Begründung für das
Festhalten am Vorbescheid vom 16. März 2020 liefern konnte (vgl.
Nachrichten vom 27. Mai 2020 und 21. Juli 2020 des Rechtsdienstes an
den zuständigen Berufsberater [siehe IV-act. 149 und IV-act. 153 S. 5]),
befand der Rechtsdienst mit Nachricht vom 24. Juli 2020, es sei "einen
Versuch wert", den Abschluss der beruflichen Massnahmen mit der
Verletzung der mit Schreiben vom 11. Juni 2018 auferlegten Pflichten zu
- 16 -
begründen (siehe IV-act. 153 S. 4). Dieses Vorgehen erweckt den
Eindruck, dass die in der angefochtenen Verfügung angeführten
Beweggründe erst nachträglich herangezogen wurden, einzig mit dem
Ziel, das Ergebnis des Vorbescheids zu schützen. In diesem
Zusammenhang mutet denn auch der auf den 3. August 2020 datierte
Vermerk im Verlaufsprotokoll der Berufsberatung eigentümlich an, wonach
die Verfügung nach Rücksprache mit dem Rechtsdienst kurz zu halten
(siehe IV-act. 153 S. 6 und IV-act. 167 S. 11) und mit einer
offensichtlichen Verletzung der am 11. Juni 2018 auferlegten
Schadenminderungs- und Mitwirkungspflichtverletzung zu begründen sei.
4.5. Mit Blick auf die Rechtmässigkeit des Abschlusses der beruflichen Mass-
nahme bzw. die Verhältnismässigkeit sind in den Akten vor allem aber
keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass die erstmalige berufliche
Ausbildung zum Kaufmann EFZ aufgrund des seit November 2019 erneut
aufgetretenen Cannabiskonsums (THC) bzw. der lückenhaften
psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung tatsächlich gefährdet
gewesen wäre. Vielmehr standen seinerzeit die mit der diagnostizierten
schubförmigen multiplen Sklerose zusammenhängenden Beschwerden
im Vordergrund (vgl. Arztbericht von Dr. med. D._ vom 20. Februar
2020 [siehe IV-act. 135 S. 3], ambulanter Bericht von Dr. med. G._
vom 16. Januar 2020 [IV-act. 135 S. 19 f.], Schlussbericht zum
Ausbildungsabbruch vom 18. März 2020 [IV-act. 143 S. 2]; vgl. zum
Element der Kausalität, welches neben dem Verschulden bei der
Beurteilung einer Leistungskürzung bzw. -verweigerung zu beachten ist:
Urteil des Bundesgerichts 8C_865/2017 vom 19. Oktober 2018 E.3.2 f.
und 5.2.3 m.H.a. MEYER/REICHMUTH, in: STAUFFER/CARDINAUX [Hrsg.],
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 7-7b Rz. 34). Dabei zeigte sich die
Teamleiterin der Ausbildungs- und Wohnstätte mit Nachricht vom 10. März
- 17 -
2020 durchaus bereit, die berufliche Massnahme nach einer
Verbesserung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers
wiederaufzunehmen. Konkret schlug sie vor, nach einer Stabilisierung mit
einer Vorbereitungszeit zu starten, so dass der Beschwerdeführer im
Sommer 2020 die Ausbildung als Kaufmann EFZ (B-Profil) im 2. Lehrjahr
weiterführen könnte (vgl. Nachricht von J._ vom 10. März 2020 [siehe
IV-act. 137]). Gleichermassen hielt der Rechtsdienst der
Beschwerdegegnerin am 27. Mai 2020 dafür, es bestehe die Möglichkeit,
eine Vorbereitungszeit zu absolvieren (vgl. Nachricht vom 27. Mai 2020
[siehe IV-act. 149]). Obschon RAD-Arzt K._ in seiner Beurteilung vom
10. Juli 2020 Zweifel hinsichtlich der Erfolgsaussichten einer
Eingliederungsmassnahme hegte, kam auch er letztlich zum Schluss,
dass berufliche Massnahmen durchaus gewährt werden könnten, sofern
diese mit "strengsten Auflagen" verknüpft würden (vgl. IV-act. 167 S. 6 f.).
Im gleichen Sinne hielt die Berufsberatung der IV am 2. Juni 2020 dafür,
den Einstieg in eine berufliche Massnahme mit Bedingungen zu verbinden
i.S. eines Nachweises, während drei bis sechs Monaten eine Abstinenz
eingehalten zu haben und einer Tätigkeit nachgegangen zu sein (vgl.
Verlaufsprotokoll der Berufsberatung, Eintrag vom 2. Juli 2020 [siehe IV-
act. 153 S. 3]). Abgesehen davon wurde von keiner Seite in Abrede
gestellt, dass der Beschwerdeführer, nachdem sich sein psychischer und
physischer Gesundheitszustand nach eigenen Angaben gebessert hatte
(vgl. dazu Einwand vom 12. Mai 2020 [siehe IV-act. 146]), sowohl
subjektiv als auch objektiv eingliederungsfähig ist (vgl. Beurteilungen des
Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin vom 21. Juli 2020 [siehe IV-
act. 153 S. 5] und 27. Mai 2020 [siehe IV-act. 149] sowie Beurteilung von
RAD-Arzt K._ vom 10. Juni 2020 [siehe IV-act. 167 S. 6]).
Insofern präsentieren sich im Vergleich zum Massnahmenabbruch auch
mit Blick auf die Eingliederung eines noch jungen, eingliederungswilligen
und -fähigen Versicherten durchaus weniger einschneidende
- 18 -
Vorkehrungen, welche angeordnet hätten werden können. Insbesondere
wurde vom Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin, dem RAD und den
Eingliederungsfachpersonen die Wiederaufnahme der erstmaligen
beruflichen Ausbildung nach einer Vorbereitungszeit unter Anordnung von
konkreten Pflichten und der Androhung der Folgen bei deren Verletzung
im Sinne eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens übereinstimmend für
möglich befunden. Eine Weiterführung der beruflichen Massnahme in
einem solchen Rahmen erscheint denn auch in Anbetracht der während
der gesundheitlich stabilen Phase ab dem 2. Semester der Lehre als
Kaufmann EFZ (Profil B) erbrachten guten Leistungen und gewonnenen
Fachkompetenzen (vgl. hierzu insbesondere Schlussbericht zum
Ausbildungsabbruch vom 18. März 2020 [siehe IV-act. 143 S. 1 ff.], sowie
das Ausbildungszeugnis vom 10. März 2020 [siehe IV-act. 143 S. 5]) als
sinnvoll. Dass der Beschwerdeführer durchaus in der Lage ist, sein
Verhalten nach einer Abmahnung zu bessern und den angeordneten
Pflichten nachzukommen, hat er denn auch – wie bereits in der
vorstehenden Erwägung 4.4 erwähnt – in der Vergangenheit unter Beweis
gestellt. Weshalb dies nach der zwischenzeitlichen Besserung seines
gesundheitlichen Zustandes nicht wieder der Fall sein soll, ist nicht
ersichtlich.
5. Vor diesem Hintergrund erweist sich in einer Gesamtwürdigung der
Umstände der von der Beschwerdegegnerin verfügte Abschluss der
beruflichen Massnahmen und somit die vollständige Leistungseinstellung
im konkreten Fall als unverhältnismässig. Die Beschwerde ist somit
begründet und gutzuheissen. Die Angelegenheit ist in Aufhebung der
Verfügung vom 5. August 2020 an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie im Sinne der Erwägungen nach Anordnung
geeigneter Vorkehrungen und der Vornahme der notwendigen Verfahren
die Massnahme zur erstmaligen beruflichen Ausbildung des
Beschwerdeführers wiederaufnimmt.
- 19 -
Hinsichtlich des im Parallelverfahren S 20 122 betreffend die von der
Beschwerdegegnerin am 30. Oktober 2020 erlassene Zwischenverfügung
gestellten Eventualbegehrens um Entzug der aufschiebenden Wirkung ist
ihr entgegenzuhalten, dass sie im vorliegenden Verfahren S 20 104
genügend Gelegenheit gehabt hätte, einen solchen Antrag zu stellen.
Ohnehin wird aber mit dem Entscheid in der Hauptsache, d.h. im
vorliegenden Verfahren S 20 104, das Begehren um Entzug der
aufschiebenden Wirkung, soweit es denn überhaupt berücksichtigt werden
könnte, gegenstandslos.
6. Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung
von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem
kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Das Gericht legt die Kosten für das
vorliegende Verfahren auf Fr. 700.-- fest. Diese gehen zu Lasten der
Beschwerdegegnerin.
7. Der Beschwerdeführer hat zudem Anspruch auf einen aussergerichtlichen
Parteikostenersatz (Art. 61 lit. g ATSG). Als Bemessungskriterien für die
Höhe des Parteikostenersatzes nennt Art. 61 lit. g ATSG zwar lediglich die
Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses. Da
indessen der zeitliche Aufwand der Rechtsvertretung regelmässig von der
Schwierigkeit des Prozesses (mit-)bestimmt wird, ist er – auch ohne
ausdrückliche Nennung – bedeutsam für die Höhe der
Parteientschädigung. Im Übrigen wird die Bemessung der
Parteientschädigung dem kantonalen Recht überlassen (siehe Urteile des
Bundesgerichts 8C_98/2017 vom 27. Oktober 2017 E.4.1 f. und
8C_136/2016 vom 11. August 2016 E.2.1 f.). Art. 78 Abs. 1 VRG
bestimmt, dass im Rechtmittel- und Klageverfahren die unterliegende
Partei in der Regel verpflichtet wird, der obsiegenden Partei die durch den
- 20 -
Rechtsstreit verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen. Nach Art. 16a
des kantonalen Anwaltsgesetzes (Anwaltsgesetz; BR 310.100) bemisst
sich die Parteientschädigung für die Kosten der anwaltlichen Vertretung in
Verfahren vor Gerichts- und kantonalen Verwaltungsbehörden nach dem
für eine sachgerechte Prozessführung notwendigen Zweitaufwand sowie
der Schwierigkeit und der Bedeutung der Sache. Gemäss Art. 2 Abs. 1 der
Verordnung über die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen
und Rechtsanwälte (Honorarverordnung, HV; BR 310.250) setzt die
urteilende Instanz die Parteientschädigung der obsiegenden Partei nach
Ermessen fest. Dabei ist grundsätzlich vom Betrag auszugehen, welcher
der entschädigungsberechtigten Person für die anwaltliche Vertretung in
Rechnung gestellt wird, soweit der vereinbarte Stundensatz üblich ist
(siehe dazu Art. 3 Abs. 1 HV) und keine Erfolgszuschläge enthält, der
geltend gemachte Aufwand angemessen sowie für die Prozessführung
erforderlich ist und die geforderte Entschädigung zu keiner von der Sache
bzw. des Rechtschutzbedürfnisses her ungerechtfertigte Belastung der
unterliegenden Partei führt (siehe Art. 2 Abs. 2 HV).
Vorliegend reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
aufforderungsgemäss am 19. November 2020 eine Honorarnote samt
(von RA lic. iur. Reto T. Annen auf ihn übertragener) Honorarvereinbarung
(über einen Stundenansatz von grundsätzlich Fr. 250.--) ein. Das geltend
gemachte Honorar beläuft sich auf insgesamt Fr. 5'830.55 (bestehend aus
21.9 Stunden à Fr. 240.-- [Fr. 5'256.--] zzgl. Kleinspesenzuschlag
[Fr. 157.70] und 7.7% MWST [Fr. 416.85]). Mit Eingabe vom
24. November 2020 brachte die Beschwerdegegnerin vor, dieses Honorar
sei zu hoch, zumal es verschiedene Positionen betreffend Sozialdienst
enthalte, bei denen es fraglich erscheine, ob sie im Zusammenhang mit
dem vorliegenden Verfahren stünden (vgl. Aufwandspositionen vom
31. August., 2. September, 23. September, 24. September, 12. Oktober,
26. Oktober, 27. Oktober und 28. Oktober 2020; Total: 2.4 Stunden).
- 21 -
Dagegen wendete der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am
26. November 2020 ein, die Abklärungen und Besprechungen mit dem
Sozialdienst seien notwendig gewesen, um die nötigen
Hintergrundinformationen für die Sachverhaltsermittlung zu erhalten,
werde der Beschwerdeführer doch durch diesen Dienst betreut. Diese
Begründung leuchtet angesichts der umfassenden Aktenlage und den
vorgebrachten Argumenten des Beschwerdeführers in seinen
Rechtsschriften nicht ein. Daher ist insoweit eine Kürzung vorzunehmen.
Hinsichtlich der Aufwendungen betreffend L._ brachte der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vor, die Abklärungen hätten der
sofortigen Wiederaufnahme der beruflichen Massnahme des
Beschwerdeführers gedient, nachdem die aufschiebende Wirkung der
Beschwerde bestätigt worden sei. Da die Beschwerdegegnerin keine
Anstalten gemacht habe, diesbezügliche Massnahmen zu ergreifen, habe
er die Initiative selbst übernommen, um allenfalls doch noch eine
aussergerichtliche Einigung mit der Beschwerdegegnerin zu finden.
Daraus erhellt, dass auch diese Aufwendungen nicht direkt mit dem
vorliegenden gerichtlichen Verfahren zusammenhängen, weshalb die
entsprechenden Positionen somit zu streichen sind. Bei der Bemessung
des Stundenansatzes ist weiter zu beachten, dass der Rechtsvertreter
nicht im Anwaltsregister des Kantons Graubünden eingetragen ist.
Gemäss Praktikantenregister der Aufsichtskommission über die
Rechtsanwälte besteht für den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
hingegen eine Praktikumsbewilligung im Sinne von Art. 8 des
Anwaltsgesetzes. Gemäss Art. 6 HV beträgt das Honorar für
Rechtspraktikantinnen und Rechtspraktikanten 75 % des Ansatzes für
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte. Insofern kann der in der
Honorarnote geltend gemachten Stundenansatz von Fr. 240.-- nicht
gewährt werden. Vielmehr kann lediglich ein Stundenansatz von
Fr. 187.50 (75 % des mit RA lic. iur. Reto T. Annen vereinbarten
Anwaltstarifs von Fr. 250.--) anerkannt werden. Damit ist insgesamt ein
- 22 -
Aufwand von 19.5 Stunden à Fr. 187.50 (Fr. 3'656.25.--) zzgl. 3%
Kleinspesenpauschale (Fr. 109.70) und 7.7% MWST (Fr. 290.--), d.h.
Fr. 4'055.90 ausgewiesen. In diesem Umfang hat die
Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer aussergerichtlich zu
entschädigen.