Decision ID: 63e71e5a-b469-4f1b-8555-f4508e9770e4
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
U._,
Beschwerdeführer,
gegen
UNIA Arbeitslosenkasse, Auerstrasse 25, 9435 Heerbrugg,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Einstellung in der Anspruchsberechtigung (Selbstkündigung,
Arbeitgeberkündigung)
Sachverhalt:
A.
A.a U._, geboren 6. Mai 1968, war ab 1. Juli 2005 bei der A._ als Universalmonteur
angestellt (act. G 3.1/2.1). Mit Schreiben vom 22. September 2008 kündigte der
Versicherte dieses Arbeitsverhältnis per 30. November 2008 (act. G 3.1/3) und meldete
sich am 5. Januar 2009 zum Leistungsbezug bei der Arbeitslosenversicherung ab
5. Januar 2009 an (act. G. 3.1/1.2). In einem separaten Schreiben legte der Versicherte
die Umstände, die zu der von ihm ausgesprochenen Kündigung geführt hatten,
eingehend dar. Aus gesundheitlichen Gründen habe er die Zusammenarbeit mit einem
Arbeitskollegen, P.M., in der Wareneingangsprüfung verweigert, nachdem ihn dieser
regelmässig schikaniert und ihm Arbeit zugeschoben habe, die er eigentlich selbst
hätte erledigen müssen. Obwohl ihm deswegen vorerst keine Konsequenzen angedroht
worden seien, habe er in der Folge eine schriftliche Verwarnung erhalten, verbunden
mit einer Kündigungsandrohung, falls er sein Verhalten nicht ändern werde. Als er sich
geweigert habe, die Verwarnung zu unterschreiben, sei ihm mit der sofortigen
Kündigung gedroht worden. So habe er die Verwarnung einige Tage später
unterschrieben zurückgebracht. Die beteiligten Personen hätten dies aber nicht mehr
akzeptieren wollen und ihm mit der Kündigung und einem schlechten Arbeitszeugnis
gedroht, falls er das Arbeitsverhältnis nicht von sich aus kündige (act. G 3.1/5.2).
A.b Mit Schreiben vom 9. Februar 2009 forderte die UNIA Arbeitslosenkasse
Heerbrugg die A._ auf, zu diesen Vorbringen des Versicherten Stellung zu nehmen
(act. G 3.1/4.1). Die Arbeitgeberin äusserte sich hiezu mit Schreiben vom 12. Februar
2009 (act. G 3.1/4.2). Hierauf gewährte die Arbeitslosenkasse dem Versicherten das
rechtliche Gehör (act. G 3.1/5.1), worauf dieser mit Schreiben vom 3. März 2009
(Eingang bei der Arbeitslosenkasse) erneut eine Stellungnahme einreichte (act. G
3.1/5.3) .
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A.c In der Folge stellte die Arbeitslosenkasse den Versicherten mit Verfügung vom
16. April 2009 wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab 1. Dezember 2008 für 24
Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Zur Begründung führte sie an, dass eine
Unzumutbarkeit der Arbeitsstelle aufgrund der vom Versicherten geäusserten
Umstände mangels eines Arztzeugnisses nicht erstellt sei. Mit der Kündigung hätte der
Versicherte warten können, bis ihm eine andere Stelle zugesichert worden wäre. Auch
wenn die Arbeitgeberin schliesslich dem Versicherten gekündigt hätte, wäre in diesem
Fall eine selbst verschuldete Arbeitslosigkeit anzunehmen. Bei der
Sanktionsbemessung werde der Umstand, dass der Versicherte erst ab 5. Januar 2009
Arbeitslosenentschädigung beantragt habe, mit einer Reduktion von 31 auf 24
Einstelltage berücksichtigt (act. G 3.1/6).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte mit Schreiben vom 12. Mai 2009
Einsprache und beantragte sinngemäss die Aufhebung der verfügten Einstelltage. Dies
begründete er im Wesentlichen damit, dass er von der A._ zur Kündigung
gezwungen worden sei, weil er sich gegen die Verwarnung gewehrt habe. Denn was in
der Verwarnung stehe, stimme nicht (act. G 3.1/7.1).
B.b Mit Entscheid vom 16. Juni 2009 wies die Arbeitslosenkasse die Einsprache ab.
Die verfügte Einstellung erscheine auch nach erneuter Überprüfung als angemessen
(act. G 3.1/7.2).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von U._ mit Schreiben vom
7. Juli 2009 (Postaufgabe: 8. Juli 2009) beim Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen erhobene Beschwerde. Der Beschwerdeführer beantragt die Aufhebung der
Einstelltage und rügt sinngemäss eine einseitige Darstellung des Sachverhalts und eine
falsche rechtliche Würdigung durch die Beschwerdegegnerin (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 30. September 2009 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
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C.c In seiner Replik vom 2. November 2009 bringt der Beschwerdeführer erneut vor,
zur Kündigung gezwungen worden zu sein, und rügt darüber hinaus den Umstand,
dass die Beschwerdegegnerin offenbar von einem schweren Verschulden ausgehe,
wenn sie ohne die vorgenommene Reduktion eine Einstellung von 31 Tagen für
angemessen halte (act. G 5).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf die Einreichung einer Duplik (act. G 7).
C.e Mit Schreiben vom 28. Januar 2010 forderte das Gericht die A._ auf, ihre in der
Verwarnung vom 12. September 2008 am Beschwerdeführer geübte Kritik hinsichtlich
Motivation, Verhalten, Arbeitsverweigerung und Umgang mit Mitarbeitenden zu
konkretisieren und sich zum Vorwurf des Mobbings zu äussern. Dieser Aufforderung
kam die A._ mit Schreiben vom 12. Februar 2010 nach, beschrieb den
Beschwerdeführer erneut als unmotiviert, unfreundlich und launisch. Der
Beschwerdeführer habe mehrmals gegenüber seinem direkten Vorgesetzten die
Mitarbeit in der Wareneingangsprüfung verweigert und habe zudem negative Aussagen
über andere Teams und deren Teamleiterinnen resp. Teamleitern gemacht. Vom
Vorwurf des Mobbings distanziere sie sich ganz klar, denn der Teamleiter des
Beschwerdeführers würde als Arbeitnehmervertreter Mobbing nie zulassen (act. G 9).
C.f Das Schreiben der A._ vom 12. Februar 2010 wurde den Parteien zur
Stellungnahme zugestellt (act. G 10). Mit Eingabe vom 26. Februar bestreitet der
Beschwerdeführer, dass er unmotiviert gewesen sei oder dass gar Gespräche über
Motivation stattgefunden hätten. Viele Mitarbeiter hätten gerne mit ihm gearbeitet. Es
stimme nicht, dass er unfreundlich und launisch gewesen sei. Dies folge bereits aus
dem Umstand, dass er lange in der Wareneingangsprüfung gearbeitet habe, obwohl er
dort mit Einkäufern, Disponenten, Ingenieuren und Lieferanten hätte zusammenarbeiten
müssen. Er habe sich zudem nicht geweigert, die ihm zugewiesenen Arbeiten
auszuführen. Vielmehr habe er sie mit in seine Abteilung genommen oder sie gegen
Abend gemacht, wenn P.M. bereits gegangen gewesen sei. Die von der A._
behaupteten negativen Äusserungen über andere Teams würden bestritten. Er halte
daran fest, gemobbt worden zu sein. Sein ehemaliger Teamleiter sei zwei Tage vor der
Verwarnung "nach oben" gegangen, um für ihn (den Beschwerdeführer) eine
Dispensation von der Tätigkeit in der Wareneingangsprüfung zu erreichen. Dadurch sei
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der ehemalige Teamleiter zwischen die Fronten geraten und habe deshalb nicht mehr
für ihn schauen können (act. G 11).
C.g Die Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 26. Februar 2010 wurde der
Beschwerdegegnerin am 11. März 2010 zur Kenntnisnahme zugestellt (act. G 12).

Erwägungen:
1.
1.1 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist die
versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes
Verschulden arbeitslos ist. Selbstverschuldet ist die Arbeitslosigkeit namentlich dann,
wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne
dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der
Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (Art. 44 Abs. 1 lit. b der Verordnung über
die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR
837.02]). Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe findet demnach das
sozialversicherungsrechtliche Schadenminderungsprinzip seine Grenze bei der
Zumutbarkeit. So kann es der versicherten Person nicht zugemutet werden, eine Stelle,
die im Sinn von Art. 16 Abs. 2 AVIG unzumutbar und damit von der Annahmepflicht
ausgenommen ist, beizubehalten.
1.2 Im Weiteren ist bei der Prüfung der Frage, ob eine Sanktion wegen Selbstaufgabe
der Stelle im Sinn von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV zulässig ist, das Übereinkommen
Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über die Beschäftigungsförderung
und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (nachfolgend
Übereinkommen; SR 0.822.726.8) zu beachten, das für die Schweiz am 17. Oktober
1991 in Kraft getreten ist. Nach Art. 20 lit. c des Übereinkommens können Leistungen
der Arbeitslosenversicherung verweigert, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden,
wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person ihre
Beschäftigung freiwillig ("volontairement") ohne triftigen Grund ("sans motif légitime")
aufgegeben hat. Da diese Bestimmung inhaltlich hinreichend bestimmt und klar ist, ist
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sie im Einzelfall direkt anwendbar und geht den nationalen Bestimmungen über den
Erlass einer Einstellungsverfügung vor (BGE 124 V 234 E. 3c). Damit dürfen bei einer
völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV keine überhöhten
Anforderungen an die Zumutbarkeit des Verbleibens am Arbeitsplatz gestellt werden;
insbesondere sind bei der Zumutbarkeitsprüfung auch subjektive Beweggründe der
versicherten Person zu berücksichtigen (Jacqueline Chopard, Die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S. 80). Es kann nicht von einer freiwilligen
Beschäftigungsaufgabe im Sinn des Übereinkommens gesprochen werden, wenn eine
versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen vermag.
Gleiches gilt für den Fall, da die versicherte Person nicht von sich aus, sondern vom
Arbeitgeber oder durch die Entwicklung am Arbeitsplatz zur Kündigung gedrängt wird
(BGE 124 V 234 E. 4b/aa). Stellt der Arbeitgeber eine arbeitnehmende Person mit
anderen Worten unmissverständlich vor die Wahl, entweder selbst zu kündigen oder
andernfalls gekündigt zu werden, so liegt keine Selbstkündigung im Sinne von Art. 44
Abs. 1 lit. b AVIV vor. Zu prüfen bleibt in einem solchen Fall aber, ob die
arbeitnehmende Person dem Arbeitgeber Anlass gegeben hat, ihr die Kündigung
nahezulegen und ob sie deswegen nach Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV in der
Anspruchsberechtigung einzustellen ist (vgl. Chopard, a.a.O., S. 114).
2.
Der Beschwerdeführer äusserte sich in sämtlichen Schriften und Stellungnahmen
dahingehend, von der A._ zur Selbstkündigung gezwungen worden zu sein. So habe
ihm diese mitgeteilt, dass sie das Arbeitsverhältnis von sich aus auflösen und ihm
darüber hinaus ein schlechtes Arbeitszeugnis ausstellen würde, falls er sich weigern
sollte, selber die Kündigung auszusprechen. Zur Überprüfung dieser Behauptungen
forderte die Beschwerdegegnerin die A._ mit Schreiben vom 9. Februar 2009 auf,
unter anderem zu folgender Frage bzw. Aussage Stellung zu nehmen: "Laut Aussage
des Versicherten haben Sie Ihm angeraten, die Kündigung einzureichen, ansonsten
Si[e] das Arbeitsverhältnis auflösen würden und das Zeugnis nicht so gut sei." (act.
G 3.1/4.1). Die A._ nahm dazu wie folgt Stellung: "Bevor wir das Arbeitsverhältnis mit
einem Mitarbeitenden nach einer Verwarnung auflösen, geben wir ihm vorher die
Chance, dies selber zu tun. Im ersten Fall wird der Grund der Kündigung ins Zeugnis
geschrieben." (act. G 3.1/4.2). Aus dieser Antwort ist klar ersichtlich, dass die A._
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den Beschwerdeführer tatsächlich vor die von ihm geschilderte Wahl zwischen
Selbstkündigung oder Kündigung mit schlechterem Arbeitszeugnis gestellt hat. Im
Lichte der obigen Erwägungen liegt deshalb keine Selbstkündigung im Sinne von Art.
44 Abs. 1 lit. b AVIV vor. Nachfolgend wird aber zu prüfen sein, ob der
Beschwerdeführer allenfalls durch sein Verhalten Anlass dazu gegeben hat, dass ihm
seine ehemalige Arbeitgeberin die Kündigung nahelegte und ob er deswegen nach
Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV in der Anspruchsberechtigung einzustellen ist. Für die
Beschwerdegegnerin ist eine selbstverschuldete Arbeitslosigkeit auch gegeben, falls
der Beschwerdeführer von der Arbeitgeberin zur Kündigung angehalten worden sei
(act. G 3.1/6).
3.
3.1 Nach Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV ist die Arbeitslosigkeit auch dann selbstverschuldet,
wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Verletzung
arbeitsvertraglicher Pflichten, dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des
Arbeitsverhältnisses gegeben hat. Gemäss Art. 20 lit. b des zitierten Übereinkommens
können Leistungen verweigert, entzogen, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden,
wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vorsätzlich zu
ihrer Entlassung beigetragen hat. Eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung setzt
somit im Lichte dieses Abkommens voraus, dass die versicherte Person vorsätzlich zu
ihrer Entlassung beigetragen hat (Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG; ab 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 26.
April 2006, C 6/06, E. 1.1 und C 11/06, E. 1, je mit Hinweisen auf BGE 124 V 236 E.
3b;). Im Sozialversicherungsrecht handelt vorsätzlich, wer eine Tat mit Wissen und
Willen begeht oder mindestens im Sinn des Eventualvorsatzes in Kauf nimmt (Chopard,
a.a.O., S. 52). Eine zumindest eventualvorsätzliche Herbeiführung der Arbeitslosigkeit
liegt beispielsweise dann vor, wenn die versicherte Person auf Grund einer Verwarnung
weiss, dass ein bestimmtes Verhalten vom Arbeitgeber nicht – oder nicht mehr –
toleriert und zu einer Kündigung führen wird, sie aber dennoch die ihr nach den
persönlichen Umständen und Verhältnissen zumutbare Anstrengung zu einer Änderung
des beanstandeten Verhaltens nicht aufbringt (vgl. BVR 1999 S. 379 E. 5c). Hat eine
versicherte Person nur grob fahrlässig zur Kündigung durch den Arbeitgeber
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beigetragen, ist eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 20 lit. b des
Übereinkommens nicht zulässig.
3.2 Zu beachten ist im Weiteren, dass beim Einstellungsgrund nach Art. 44 Abs. 1 lit. a
AVIV das der versicherten Person zur Last gelegte Verhalten klar feststehen muss. Der
im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit genügt nicht (vgl. Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung,
in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV Soziale Sicherheit, 2. Auflage,
Rz 829 mit Hinweisen). Bei Differenzen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer
vermögen zudem blosse Behauptungen des Arbeitgebers den Nachweis für ein
schuldhaftes Verhalten der versicherten Person nicht zu erbringen, wenn sie von dieser
bestritten werden und nicht durch andere Beweise oder Indizien bestätigt erscheinen
(BGE 112 V 245 E. 1 mit Hinweisen; ARV 1993/94 Nr. 26 S. 183 f. E. 2a; Nussbaumer,
a.a.O., Rz 831 mit Hinweisen).
3.3 Im Folgenden ist somit zu prüfen, ob der Beschwerdeführer durch ein Fehlverhalten
der Arbeitgeberin Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben und die
Kündigung wenn nicht provoziert, so doch zumindest im Sinne eines Eventualvorsatzes
in Kauf genommen hat.
3.3.1 Der Beschwerdeführer wurde durch die A._ am 12. September 2008 schriftlich
verwarnt. Unter Bezugnahme auf drei persönliche Gespräche mit dem
Beschwerdeführer kritisierte die A._ insbesondere die Motivation und das Verhalten
des Beschwerdeführers und äusserte sich dahingehend, dass der Beschwerdeführer
Weisungen seiner direkten Führungskraft nicht befolgen würde. In der schriftlichen
Verwarnung werden die Vorwürfe nicht näher konkretisiert. In der vom Gericht
eingeholten Stellungnahme wirft die frühere Arbeitgeberin dem Beschwerdeführer vor,
er habe sich im Rahmen der Zusammenarbeit unfreundlich, unausgewogen und sehr
launisch benommen, was unweigerlich zu Konflikten mit anderen Mitarbeitenden
geführt habe. Es habe Situationen gegeben, in denen Arbeitsspitzen in anderen Teams
mit allen Mitarbeitenden überbrückt würden. Dem Beschwerdeführer sei dabei Arbeit in
der Wareneingangsprüfung zugeteilt worden. Er habe mehrmals gegenüber seinem
direkten Vorgesetzten die Mitarbeit in diesem Team verweigert, weil das Umfeld dort
für ihn nicht stimme. Die nicht näher umschriebenen Vorwürfe mangelnder Motivation,
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schlechten Umgangs und fehlender Loyalität bestreitet der Beschwerdeführer
vollumfänglich. So habe er bereits mehrere Male im Interesse des Geschäfts Ferien
kurzfristig verschoben oder sei noch um 22 Uhr zur Arbeit gefahren, um eine Anlage
über Nacht laufen zu lassen. Im Übrigen habe er zu fast allen Mitarbeitern ein gutes
Verhältnis gehabt. Bezüglich dieser Vorwürfe steht Aussage gegen Aussage, und es
lässt sich ein konkretes Fehlverhalten des Beschwerdeführers nicht nachweisen.
Demgegenüber räumt der Beschwerdeführer ein, sich geweigert zu haben, zu
denselben Zeiten wie der Mitarbeiter P.M. in der Wareneingangskontrolle tätig
gewesen zu sein. Diese Person habe ihn mit falschen Anschuldigungen und mit
Abschieben der Arbeit schikaniert. Er habe die Probleme mit diesem Mitarbeiter seinem
Vorgesetzten geschildert. Irgendwann habe er gesagt, er würde aus Rücksicht auf
seine Gesundheit nicht mehr aushelfen, wenn die besagte Person anwesend sei. Dies
allerdings erst, nachdem seine Arbeitgeberin während mehr als einem halben Jahr trotz
Kenntnis des gegen ihn gerichteten Mobbings durch besagten Arbeitskollegen nichts
unternommen habe und sich die Angriffe auf seine Gesundheit auszuwirken begonnen
hätten (act. G 3.1/5.2, 5.3 und 7.1). Die Arbeit habe er aber trotzdem erledigt, indem er
sie in seine Abteilung mitgenommen oder sie gegen Abend erledigt habe, als P.M.
bereits nicht mehr anwesend gewesen sei (act. G 11). In ihrer Stellungnahme vom 12.
Februar 2010 führt die Arbeitgeberin aus, dass über die vom
Beschwerdeführer angesprochenen Probleme Gespräche stattgefunden hätten und
nach Lösungen gesucht und solche im Rahmen der Möglichkeiten angeboten worden
seien. Der Beschwerdeführer habe jedoch allein die Verweigerung der Arbeit seinerseits
als Lösung gesehen, wodurch er die Kündigung provoziert habe (act. G 9).
Diesbezüglich machte der Beschwerdeführer geltend, in den in der Verwarnung
erwähnten Gesprächen sei es um die Frage der Zuteilung zur Wareneingangskontrolle
gegangen; dabei habe er dem Leiter dieser Abteilung erklärt, dass er in der
Zusammensetzung mit dem Mitarbeiter P.M. nicht in der Wareneingangsprüfung
arbeiten könne. Es sei ihm dann arbeitgeberseits gesagt worden, sie würden jemanden
anders suchen, und er habe normal weiter gearbeitet. Von einer Verwarnung sei keine
Rede gewesen; vielmehr sei das Problem eigentlich gelöst gewesen. Als die schriftliche
Verwarnung vom 12. September 2008 gekommen sei, habe er diese nicht
unterschreiben wollen, weil er sie für völlig übertrieben gehalten habe. In der Folge
habe er ein paar Tage Ferien genommen, um etwas Abstand zu gewinnen. Eine
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Erkundigung beim Arbeitsgericht habe dann ergeben, dass er bei der Verwarnung
lediglich deren Empfang unterzeichnen würde. Er habe dann die Verwarnung
unterschrieben zurückgebracht. Es sei ihm dann beschieden worden, es sei schon zu
spät, und er solle sofort kündigen. Andernfalls würden sie kündigen, was Auswirkungen
auf das Arbeitszeugnis haben würde (act. G 3.1/5.2 und 3.1/5.3.).
3.3.2 Die Darstellungen des Beschwerdeführers und seiner ehemaligen Arbeitgeberin
stimmen insoweit überein, als der Beschwerdeführer nicht (mehr) bereit war, wegen
zwischenmenschlicher Probleme gleichzeitig mit dem Mitarbeiter P.M. in der
Wareneingangskontrolle tätig zu sein. Wie der Beschwerdeführer unwidersprochen
ausführt, verweigerte er die Arbeit in der Wareneingangskontrolle nicht schlechthin,
sondern wollte sie so einteilen, dass er den Konflikten mit P.M. ausweichen konnte. Im
Gespräch mit dem zuständigen Leiter vom 2. September 2008 legte der
Beschwerdeführer nach seiner Darstellung nochmals die Unverträglichkeit mit dem
Mitarbeiter P.M. dar, worauf er auf Grund der Äusserungen dieses Vorgesetzten
angenommen habe, er würde von gleichzeitigen Einsätzen mit P.M. entlastet. Die
schriftliche Verwarnung kam dann für den Beschwerdeführer offenbar überraschend,
weshalb er sie zunächst nicht unterzeichnete. Nur wenige Tage nach der Verwarnung
stellte die Arbeitgeberin nach unbestrittener Darstellung den Beschwerdeführer vor die
Alternative, entweder selber zu kündigen oder von ihr die Kündigung zu erhalten. Dabei
ist festzuhalten, dass weder aus den Ausführungen der Arbeitgeberin noch jenen des
Beschwerdeführers hervorgeht, dass sich der Beschwerdeführer nach der Verwarnung
eine arbeitsvertragliche Verfehlung zuschulden kommen liess. Die Nichtunterzeichnung
des Empfangs der Verwarnung kann jedenfalls nicht als solche angesehen werden,
denn die Zustellung der Verwarnung kann auch ohne unterschriftliche
Empfangsbestätigung erfolgen. Somit kann dem Beschwerdeführer nicht vorgeworfen
werden, er habe mit einem Fehlverhalten eventualvorsätzlich die Kündigung
herbeigeführt. Damit ist ein Einstellungsgrund im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV
nicht ausgewiesen. Ob der Beschwerdeführer berechtigt gewesen wäre, die
gleichzeitige Arbeit mit P.M. in der Wareneingangskontrolle zu verweigern, kann unter
diesen Umständen dahingestellt bleiben.
4.
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Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen und der
angefochtene Einspracheentscheid vom 16. Juni 2009 aufzuheben. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53