Decision ID: a8704882-014b-53bb-a9cb-50a274a593e8
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich erstmals im Mai 2009 wegen Panikattacken und Schwindel bei der
IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 4 f.). Er gab
an, von Beruf Z._ zu sein. Eine durch Dr. phil. B._, Fachpsychologin für
Neuropsychologie FSP, Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG),
durchgeführte neuropsychologische Untersuchung ergab leichte bis mittelschwere und
schwerst gestörte Befunde (Bericht vom 18. August 2009, IV-act. 32). Nach der
Durchführung eines Coachings teilte die IV-Stelle dem Versicherten am 4. August 2010
mit, dass er keinen Anspruch mehr auf berufliche Eingliederungsmassnahmen habe, da
er durch das RAV optimal betreut werde (IV-act. 60). Das Rentengesuch wurde am
14. Januar 2011 ebenfalls abgewiesen (IV-act. 70).
B.
Am 5. September 2014 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 75). Er gab an, wegen einer rezidivierenden depressiven Episode
und einer Panikstörung seit dem 1. August 2014 und bis auf weiteres voll
arbeitsunfähig zu sein. Zuletzt sei er zu 100 % als Z._/Allrounder in einer Y._
beschäftigt gewesen. Med. pract. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
berichtete der IV-Stelle am 16. September 2014 (IV-act. 81), dass der Versicherte an
einem Asperger-Syndrom (ICD-10: F84.5), DD oder zusätzlich an einer narzisstischen
Persönlichkeitsstörung (F60.80), an einer rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig leichtgradige depressive Episode (F30.0), und an einer Panikstörung
B.a.
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(F41.0) leide. Die Arbeitsfähigkeit sei auch in einer angepassten Tätigkeit zu 20 %
eingeschränkt.
Mit Verfügung vom 12. November 2014 (IV-act. 89) trat die IV-Stelle auf das
Leistungsbegehren nicht ein. Nachdem der Versicherte dagegen Beschwerde erhoben
hatte (IV 2014/554, vgl. IV-act. 93), widerrief die IV-Stelle die Nichteintretensverfügung
(IV-act. 115). Das Beschwerdeverfahren wurde in der Folge abgeschrieben (IV-
act. 121).
B.b.
Nachdem die IV-Stelle dem Versicherten zunächst erneut ein Nichteintreten in
Aussicht gestellt hatte (IV-act. 124), trat sie dann doch auf die Wiederanmeldung ein
(vgl. IV-act. 131). Am 30. Oktober 2015 erteilte sie eine Kostengutsprache für ein
Bewerbungscoaching für die Zeit vom 23. September 2015 bis 31. Juli 2016 (IV-act.
148). Am 18. Januar 2016 begann der Versicherte einen Arbeitsversuch bei den Y._,
der bis zum 15. April 2016 dauern sollte (Mitteilung vom 26. Januar 2016, IV-act. 157).
Am 23. Februar 2016 informierte der Vorgesetzte den Coach des Versicherten darüber
(IV-act. 160), dass der Versicherte bemüht sei, aber auf keinen grünen Zweig komme.
Der Arbeitsversuch wurde am 26. Februar 2016 abgebrochen (IV-act. 161, 164). Am
14. März 2016 teilte der Eingliederungsberater der zuständigen IV-Sachbearbeiterin mit
(IV-act. 162), der Coach und er seien der Meinung, dass der Versicherte keinem
Arbeitgeber auf dem ersten Arbeitsmarkt zumutbar sei. Der Coach hielt im
Schlussbericht vom 12. April 2016 fest (IV-act. 173), dass die Sozialkompetenz und das
Teamverhalten des Versicherten laut dem Arbeitgeber unausgereift und kaum tragbar
seien (vgl. auch Schlussbericht vom 12. April 2016, IV-act. 173).
B.c.
Am 31. Mai 2016 wurde der Versicherte durch Dr. med. D._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, monodisziplinär begutachtet (Gutachten vom 22.
September 2016, IV-act. 181-1 ff.). Dr. D._ gab keine Diagnose mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit an. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
er eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4). Er
hielt unter anderem fest, dass die neuropsychologische Untersuchung vom 11. August
2016 durch Dr. phil. E._, Neuropsychologie (IV-act. 181-69 ff.), eine leichte bis
mässige Hirnfunktionsstörung ergeben habe. Allerdings sei unklar, weshalb diese
Auffälligkeiten bestünden. Der Neuropsychologe habe insgesamt keine sehr hohen
B.d.
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Anforderungen an eine ideal adaptierte Tätigkeit gestellt. Mit den
neuropsychologischen Auffälligkeiten liessen sich auch deshalb keine Einschränkungen
begründen, weil diese nicht klar einer psychischen Störung zugeordnet werden
könnten. Dr. D._ schätzte die Arbeitsfähigkeit in der angestammten sowie in
adaptierten Tätigkeiten auf 100 %. RAD-Psychiater Dr. med. F._ erklärte am 29.
September 2016, dass auf das Gutachten von Dr. D._ abgestellt werden könne (IV-
act. 182).
Mit Verfügung vom 3. Januar 2017 (IV-act. 190) wies die IV-Stelle das Gesuch um
berufliche Eingliederungsmassnahmen ab. Gegen diese Verfügung liess der Versicherte
Beschwerde erheben (IV 2017/61; IV-act. 201). Mit der Replik vom 15. Juni 2017 (IV-
act. 213) reichte der Rechtsvertreter des Versicherten zwei weitere Berichte von med.
pract. C._ ein. Med. pract. C._ hatte im Bericht vom 8. November 2016 (IV-act.
214-16 ff.) als Diagnosen eine narzisstische Persönlichkeitsstörung (F60.80), eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (F33.4), und eine nicht näher
bezeichnete organische oder symptomatische psychische Störung, verschiedene
neuropsychologische Defizite (F09), angegeben. Das Gutachten von Dr. D._ hatte er
als mangelhaft bezeichnet.
B.e.
Das Gericht hiess die Beschwerde am 18. Dezember 2017 teilweise gut, hob die
angefochtene Verfügung vom 3. Januar 2017 auf und wies die Sache zur weiteren
Abklärung und anschliessenden Neuverfügung im Sinne der Erwägungen an die IV-
Stelle zurück (IV 2017/61; IV-act. 216). Es erwog, dass die von Dr. D._ gestellte
Diagnose und die daraus abgeleitete Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht den
erforderlichen Beweisgrad erreichten, da Dr. D._ sich kaum mit dem auffälligen
Verhalten und der schlechten Arbeitsleistung des Versicherten im Rahmen der
beruflichen Eingliederungsmassnahmen und mit der verzerrten Selbstwahrnehmung
auseinandergesetzt bzw. diese zu würdigen versucht habe. Ausserdem habe Dr. phil.
E._ eine leichte bis mässige Hirnfunktionsstörung festgestellt, welche Dr. D._ nicht
habe erklären können. Eine somatische, insbesondere wohl neurologische (Kopf- und
Ohrendruck, allfällige weitere somatische Symptome) Abklärung und eine
anschliessende erneute psychiatrische Begutachtung seien unerlässlich. Dabei sei
sicherzustellen, dass dem noch zu beauftragenden psychiatrischen Gutachter die
B.f.
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Berichte über die (teil-)stationären psychiatrischen Hospitalisationen und, sofern
möglich, die Krankengeschichte der vorbehandelnden Psychiaterin vorlägen.
Die Psychiatrie X._ teilte der IV-Stelle am 13. März 2018 mit (IV-act. 227), dass
über den Aufenthalt vom 2. bis 6. Juni 2014 aufgrund der Kürze der Behandlung kein
Austrittsbericht erstellt worden sei. Dem Schreiben lagen ein Austrittsbericht der
Krisenintervention vom 6. August 2014 (IV-act. 226) und ein Austrittsbericht der
Tagesklinik vom 11. November 2014 bei (IV-act. 225-2 ff.). Der Versicherte war vom 2.
bis 31. Juli 2014 in der Krisenintervention hospitalisiert gewesen. Die Ärzte hatten als
Diagnose eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (F90.0), anamnestisch
mit rezidivierend depressiven Episoden und Panikstörung, angegeben. Der
tagesklinische Aufenthalt hatte vom 30. Juli 2014 bis 9. Oktober 2014 gedauert. Die
Ärztinnen hatten die Verdachtsdiagnose ADHS im Erwachsenenalter (F90.1) gestellt.
B.g.
Die Hausärztin Dr. med. G._ berichtete der IV-Stelle am 3. April 2018 (IV-act.
233), dass ein Status nach Cholezystektomie (Gallenblasenentfernung) im Februar 2018
bestehe. Aus somatischer Sicht sei der Versicherte in seiner Arbeitsfähigkeit nicht
eingeschränkt.
B.h.
Med. pract. C._ gab in seinem Bericht vom 10. April 2018 (IV-act. 236) als
Diagnosen eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode, und eine nicht näher
bezeichnete organische oder symptomatische psychische Störung, verschiedene
neuropsychologische Defizite (neuropsychologische Untersuchung von Dr. phil. E._),
an. Er hielt fest, dass die Kombination aus neuropsychologischen Defiziten und der
narzisstischen Persönlichkeitsstörung dazu führe, dass der Versicherte immer wieder
Fehler mache, diese aber nur teilweise oder nicht einsehe. Wenn er sich kritisiert fühle
oder eine Reizüberflutung auftrete, werde er relativ rasch innerlich angespannt, unruhig
und nervös, was zu zwischenmenschlichen Problemen führen könne. Die
zwischenmenschlichen Probleme könnten dann eine depressive Episode auslösen oder
eine bestehende depressive Episode aufrechterhalten. Der Versicherte sei in einer
angepassten Tätigkeit noch zu maximal 50 % arbeitsfähig. Eventuell könne die
Arbeitsfähigkeit langfristig gesteigert werden. Anhand von Arbeitsversuchen könnte
B.i.
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man am besten beurteilen, welche Arbeiten der Versicherte noch in welchem Pensum
durchführen könne.
Die zuständige IV-Sachbearbeiterin notierte am 17. Mai 2018 (IV-act. 242-1), dass
die vorbehandelnde Psychiaterin die Berichte aus den Jahren 2003/2004 nicht mehr
habe. RAD-Psychiater Dr. F._ hielt am 18. Mai 2018 fest (IV-act. 242-2 f.), dass die
Ausführungen von med. pract. C._ im Bericht vom 10. April 2018 weitschweifig und
wenig substanziell fassbar seien und keine versicherungsmedizinisch valide
Einschätzung ermöglichten. Zudem habe med. pract. C._ die zeitliche Einschränkung
des Arbeitspensums unzureichend begründet. Aufgrund des Gerichtsentscheides
müsse ein polydisziplinäres Gutachten in den Fachdisziplinen Allgemeine Innere
Medizin, Neurologie, ORL und Psychiatrie eingeholt werden.
B.j.
Am 2. Juli 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass eine polydisziplinäre
medizinische Untersuchung notwendig sei (IV-act. 239). Der Rechtsvertreter antwortete
am 16. Juli 2018 (IV-act. 240), dass er keine Ergänzungsfragen stellen wolle. Er hielt
aber fest, dass sich der Versicherte "krankhaft" persönlich überschätze, und dass die
Selbstwahrnehmung völlig verzerrt sei. Deshalb habe der Versicherte in der
Vergangenheit an verschiedenen Arbeitsplätzen Probleme gehabt. Es wäre zu
begrüssen, wenn die Gutachter hierzu Stellung nehmen würden.
B.k.
Am 15. August 2018 informierte die IV-Stelle den Versicherten über die
Begutachtungsstelle (PMEDA AG) und die Personalien der Gutachter (IV-act. 247). Sie
räumte dem Versicherten die Gelegenheit ein, triftige Einwendungen gegen die
Gutachter einzureichen. Am 25. Oktober 2018 teilte der Rechtsvertreter der IV-Stelle
mit (IV-act. 252), der Versicherte habe nach Ablauf der Frist erfahren, dass gegen die
PMEDA AG offenbar ein Strafverfahren wegen unsauberer Gutachterpraxis laufe. Da
der Versicherte damit jegliches Vertrauen in die Gutachter verloren habe, ziehe er seine
Zustimmung zu den Gutachtern zurück. Wegen seiner Mitwirkungspflicht werde er die
Begutachtung dennoch fortsetzen.
B.l.
Die PMEDA erstattete das polydisziplinäre Gutachten am 23. Januar 2019 (IV-act.
258). Die Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit lauteten:
B.m.
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (F33.4)–
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Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gaben die Gutachter u.a. eine
psychische und Verhaltensstörung durch Benzodiazepine: Abhängigkeitssyndrom
(F13.2) an (vollständige Diagnoseliste: IV-act. 258-8 f.). Der allgemein-internistische
Gutachter Dr. med. H._ hielt fest, dass sich auf internistischem Fachgebiet keine
Hinweise auf Funktions- oder Fähigkeitsstörungen oder Einschränkungen der
Ressourcen des Versicherten ergeben hätten. Aus internistischer Sicht sei der
Versicherte in der bisherigen Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. Der neurologische
Gutachter Dr. med. I._ erklärte, dass der neurologische Befund bis auf eine
angegebene Überempfindlichkeit nach einem Trauma am rechten Ringfinger regelrecht
gewesen sei. Für eine namhafte kognitive Störung habe sich kein ausreichender Anhalt
ergeben. Die Auffassung sei jedoch möglicherweise gestört gewesen. Angesichts des
leitlinienwidrigen Benzodiazepin-Konsums (Langzeitverordnung, keine erkennbare
Indikation) sei eine kognitive Beeinträchtigung auch in diesem Kontext denkbar. Ohne
eine Entgiftung und Entwöhnung von Benzodiazepinen lasse sich eine nicht-reversible
kognitive Beeinträchtigung nicht abgrenzen. Der "Kopfdruck" entspreche am ehesten
einem episodischen Spannungskopfschmerz, welcher in der Regel einfach
behandelbar sei. Aus neurologischer Sicht bestehe keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit. Die ORL-Fachärztin Prof. Dr. med. J._ führte aus, dass aktuell keine
Hinweise für eine Arbeitsunfähigkeit aus ORL-ärztlicher Sicht bestünden. Der
psychiatrische Gutachter Dr. med. K._ notierte, dass der Versicherte bei der
psychiatrischen Untersuchung keine Zeichen mnestischer oder konzentrativer Defizite
gezeigt habe. Die Auffassungsgabe und die geistige Spannkraft seien nicht
beeinträchtigt gewesen und der Versicherte habe während der ausführlichen
Exploration keine Zeichen einer vorzeitigen Ermüdbarkeit gezeigt. Die Stimmung sei
situationsadäquat unauffällig und die affektive Modulationsfähigkeit sei nicht
beeinträchtigt gewesen. Der Antrieb sei normal gewesen. Psychomotorisch sei der
Versicherte ruhig gewesen und habe keine Zeichen einer vegetativen Anspannung
gezeigt. Das formale Denken sei leicht beschleunigt gewesen. Es bestünden
gelegentlich auftretende Panikattacken sowie Zukunfts- und Existenzängste. Die vom
Versicherten geschilderten agoraphoben Ängste hätten eine wenig handlungsleitende
Konsequenz und seien offenbar durchaus überwindbar. Interaktiv hätten sich Hinweise
für eine narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung mit einer erhöhten Kränkbarkeit und
Agoraphobie mit Panikstörung (F40.01).–
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einem verstärkten Bedeutungserleben gefunden, die jedoch nicht die Intensität einer
manifesten Persönlichkeitsstörung erreichten. Obwohl es in der Vergangenheit
aufgrund eines problematischen Interaktionsverhaltens des Versicherten offenbar
mehrfach Probleme am Arbeitsplatz gegeben habe, sei der Versicherte dennoch in der
Lage gewesen, seine Lehre erfolgreich abzuschliessen und über viele Jahre hinweg
einer regelmässigen Arbeitstätigkeit nachzugehen. Die hier also durchaus
aufscheinende Sozialkompetenz spreche gegen eine manifeste Persönlichkeitsstörung,
die per definitionem bereits seit dem Jugend- bzw. dem frühen Erwachsenenalter
bestehen und entsprechende Probleme zur Folge gehabt haben müsste. Ausserdem
lebe der Versicherte seit bereits etwa vier Jahren in einer stabilen und fürsorglich
erlebten Partnerschaft, was zusätzlich für soziale Kompetenzen spreche und auch mit
einem aktenkundig diskutierten Asperger-Syndrom nicht ohne Weiteres zu vereinbaren
sei. Aufgrund des psychopathologischen Untersuchungsbefundes, der
Verhaltensbeobachtung sowie der Angaben zur Alltagsgestaltung lasse sich eine die
qualitativen Aspekte überschreitende Minderung der Arbeitsfähigkeit nicht begründen.
Aus psychiatrischer Sicht sei der Versicherte in der Lage, zumindest Arbeiten mit
einfachen Ansprüchen an die geistige und psychische Belastbarkeit, an die
Umstellungs- und Anpassungsfähigkeit sowie an die geistige Flexibilität, die
idealerweise gut strukturiert und planbar sowie ohne besondere Ansprüche an die
soziale Interaktionsfähigkeit und Konfliktfähigkeit gestaltet sein sollten, zu 100 % zu
verrichten. Für die Vergangenheit sei davon auszugehen, dass es aufgrund einer
höhergradigen Depressivität vorübergehend Zeiten der Arbeitsunfähigkeit gegeben
habe. Angesichts der gut bekannten, potenziell depressiogenen Wirkung der gemäss
den Angaben des Versicherten seit Jahren eingenommenen Benzodiazepin-Medikation
sei eine schrittweise Reduktion dieser Medikation mit dem Ziel einer kompletten
Abstinenz unter suchttherapeutischer Supervision zu empfehlen. Das Labor sei jedoch
im Urinscreening für Benzodiazepine negativ gewesen, was wiederum Zweifel an den
anamnestischen Angaben (2.5 mg Temesta zur Nacht bzw. nach Bedarf [IV-act.
258-169]; 5 mg Temesta zur Nacht [IV-act. 258-44]; 2.5-5 mg zur Nacht seit Januar
2018 [IV-act. 258-84]), auch hinsichtlich der reklamierten Ausprägung der
Beschwerden, begründe. In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung kamen die
Gutachter zum Schluss, dass in der bisherigen Tätigkeit wie auch in einer angepassten
Tätigkeit eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestehe. Die Gutachter hielten
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ausserdem fest, dass die IV-Stelle keine neuropsychologische Begutachtung in Auftrag
gegeben habe, eine solche grundsätzlich (angesichts der aktenkundig miterwogenen
kognitiven Beeinträchtigung) jedoch sinnvoll erscheine. Ohne stabile Abstinenz sei
jedoch keine verlässliche, von einem Benzodiazepin-Effekt abgrenzbare Beurteilung
möglich. Zu empfehlen sei also eine neuropsychologische Zusatzbegutachtung unter
dokumentierten Abstinenz-Bedingungen, um die Diagnostik abschliessend verlässlich
zu komplettieren.
B.n. RAD-Psychiater Dr. F._ notierte am 1. Februar 2019, dass auf das ausführliche
und umfassende polydisziplinäre Gutachten aus medizinischer Sicht abgestellt werden
müsse (IV-act. 264).
B.o. Mit Vorbescheid vom 8. Februar 2019 (IV-act. 267) stellte die IV-Stelle dem
Versicherten die Abweisung seines Gesuchs um berufliche Eingliederungsmassnahmen
in Aussicht. Zur Begründung hielt sie fest, dass gemäss ihren Abklärungen und unter
Berücksichtigung des Gutachtens kein Gesundheitsschaden mit relevanter Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit vorliege. Dagegen liess der Versicherte am 13. März 2019
einwenden (IV-act. 270), dass offenbar noch mindestens ein Strafverfahren gegen die
PMEDA AG wegen fahrlässig unrichtig erstellter Gutachten laufe. Das Gutachten sei
bereits deshalb in Frage zu stellen. Zudem sei der Hinweis des RAD im Zeitpunkt der
Einleitung eines Gutachtens, dass der behandelnde Psychiater unschlüssige,
langfädige Berichte verfasse, unzulässig gewesen. Des Weiteren seien die Differenzen
zwischen der Beurteilung des behandelnden Psychiaters und den Gutachtern nicht
diskutiert worden. Der psychiatrische Gutachter habe zwar akzentuierte narzisstische
Persönlichkeitszüge beschrieben, dazu aber keine Diagnose gestellt. Zudem habe er
kein adäquates Belastungsprofil entwickelt. Der Gesundheitszustand und die
Arbeitsfähigkeit könnten nur anhand eines längeren Arbeitsversuches richtig beurteilt
werden.
B.p. Ein Mitarbeiter der Abteilung Recht der IV-Stelle hielt in einer Stellungnahme vom
1. April 2019 bezüglich der formellen Einwände des Rechtsvertreters des Versicherten
gegen das Gutachten fest (IV-act. 273), dass gemäss der Sendung Kassensturz vom
16. Oktober 2018 gegen Dr. med. L._, Chefarzt der PMEDA AG, eine
Strafuntersuchung eingeleitet worden sei. Dr. L._ sei bei der Begutachtung des
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Versicherten nicht beteiligt gewesen, weshalb es von vornherein keinen Grund gebe,
das PMEDA-Gutachten aus formellen Gründen in Zweifel zu ziehen. Im Übrigen gelte
gegenüber Dr. L._ die Unschuldsvermutung. Der RAD habe bezüglich des Berichts
von med. pract. C._ einzig wiederholt, was bereits das Versicherungsgericht
verbindlich und aktenkundig festgestellt habe. Eine unzulässige Vorbeeinflussung der
PMEDA AG durch den RAD sei nicht erkennbar.
B.q. RAD-Psychiater Dr. F._ setzte sich in seiner Stellungnahme vom 5. April 2019
mit den medizinischen Einwänden des Rechtsvertreters auseinander (IV-act. 274). Er
führte aus, dass akzentuierte Persönlichkeitszüge keine Diagnose im Sinne einer
Erkrankung darstellten. Es stelle deshalb formal-medizinisch keinen Mangel dar, wenn
der Gutachter diese beschreibenden Elemente erwähne, aber nicht in die Diagnoseliste
aufnehme. Der psychiatrische Gutachter habe sich detailliert mit den vom
psychiatrischen Behandler angeführten diagnostischen Eventualitäten
auseinandergesetzt. Es könne jedoch nicht sein, dass sich die Gutachter immer wieder
mit bereits aufwändig geklärten Fragen auseinandersetzen müssten. Der psychiatrische
Gutachter habe auch die Adaptionskriterien beschrieben. Insbesondere weil sich der
psychiatrische Gutachter ausführlich zu den akzentuierten Persönlichkeitsanteilen
geäussert habe, müsse davon ausgegangen werden, dass er sie weder übersehen
noch unbeachtet gelassen habe, sondern aufgrund seiner fachlichen Analyse letztlich
davon ausgegangen sei, dass diese nicht Eingang in die Diagnose fänden.
Zusammenfassend seien die Einwände des Rechtsvertreters aus fachlicher Sicht nicht
nachvollziehbar.
B.r. Mit Verfügung vom 11. April 2019 wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche
Eingliederungsmassnahmen wie angekündigt ab (IV-act. 275). Zum Einwand hielt sie
fest, dass zwar gegenwärtig ein Strafverfahren gegen Dr. L._ laufe, dieser aber an der
Begutachtung des Versicherten nicht beteiligt gewesen sei. Das psychiatrische
Teilgutachten stelle aus medizinischer Sicht eine klare und umfassende Beurteilung
dar.
C.
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C.a. Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
28. Mai 2019 Beschwerde erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der Verfügung und die Gewährung beruflicher Eingliederungsmassnahmen.
Zur Begründung machte er geltend, dass das laufende Strafverfahren gegen die
PMEDA AG Grund genug sei, das Gutachten in formeller Hinsicht in Frage zu stellen.
Der Aufbau des Gutachtens sei fragwürdig, weil alle vier Gutachter denselben Text zur
Vorgeschichte herangezogen hätten. Daher sei nicht nachgewiesen, dass die Vorakten
auch von allen Gutachtern studiert worden seien. Ausserdem sei der sich
wiederholende "Vorspann" unvollständig und teilweise auch aktenwidrig: Zum Beispiel
habe der Beschwerdeführer die Stelle bei den TBW nicht aufgegeben, sondern sei
vorzeitig aus dem Arbeitsversuch entlassen worden. Beim Hinweis, der behandelnde
Arzt verfasse unschlüssige, langfädige Berichte, habe es sich um eine letztlich
suggestive Vorbeeinflussung der Gutachter gehandelt. Die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) habe sich im Vorbescheidverfahren gar nicht mit den Einwänden
auseinandergesetzt. Die faktische Unfähigkeit des Beschwerdeführers, sich an einem
Arbeitsplatz (ohne weiteres) integrieren zu können, sei bei der Begutachtung nicht
berücksichtigt worden. Es sei nicht nachvollziehbar, dass keine Berichte von
ehemaligen Arbeitgebern eingeholt worden seien. Weiter hätten sich die Gutachter
nicht mit den Diagnosen des behandelnden Psychiaters auseinandergesetzt. Obwohl
die Laborbefunde den Temesta-Missbrauch nicht nachgewiesen hätten, habe der
psychiatrische Gutachter einen Missbrauch von Medikamenten diagnostiziert. Die
Tatsache, dass der Beschwerdeführer nicht (mehr) in einer Partnerschaft lebe, sei
ausser Acht gelassen worden. Auch seien die neuropsychologischen Defizite, die bei
einer früheren Untersuchung festgestellt worden seien, vom psychiatrischen Gutachter
nicht beurteilt worden. Dass der Beschwerdeführer bei Belastungen nicht nur
depressive Symptome entwickle, sondern auch Ängste und Panikattacken habe, sei im
Gutachten zwar erwähnt worden; eine Diagnose sei jedoch nicht gestellt worden. Der
Rechtsvertreter hielt abschliessend fest, dass ein neues Gutachten zu erstellen sei.
C.b. Die Beschwerdegegnerin beantragte am 9. Juli 2019 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung hielt sie fest, es sei aktenkundig, dass der
Beschwerdeführer den Arbeitsversuch bei den Y._ abgebrochen habe. Im Übrigen
sei nicht erkennbar, inwiefern dies Auswirkungen auf die gutachterliche
Diagnosestellung und die Arbeitsfähigkeitsschätzung gehabt haben sollte. Bezüglich
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der anderen Rügen verwies die Beschwerdegegnerin auf die Stellungnahme der
Abteilung Recht vom 1. April 2019 und die Stellungnahme des RAD vom 5. April 2019.
Demnach sei vollumfänglich auf das schlüssige PMEDA-Gutachten abzustellen. Da der
Beschwerdeführer nicht invalid im Sinne von Art. 8 Abs. 1 ATSG sei, habe er keinen
Anspruch auf berufliche Massnahmen, zumal ihm bereits eine Arbeitsvermittlung, ein
Bewerbungscoaching und ein Arbeitsversuch zugesprochen worden seien. Die
Beschwerdegegnerin verwies schliesslich noch auf ihre Ausführungen in Ziff. 2 der
Beschwerdeantwort vom 10. April 2017 (IV-act. 208), wonach die an einem Arbeitsplatz
gezeigte Leistung für die Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht relevant sei; die
Arbeitsfähigkeit sei ausschliesslich medizinisch-theoretisch zu bestimmen.
C.c. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers machte in seiner Replik vom 16.
September 2019 ergänzend geltend (act. G 6), dass es keine Arbeitsstelle gebe, die
das Verhalten des Beschwerdeführers "aushalte". Nur konkrete Arbeitsversuche
könnten die Einschränkung des Beschwerdeführers belegen.
C.d. Am 12. Dezember 2019 fragte das Gericht den RAD-Psychiater Dr. F._ an, ob
gestützt auf das Gutachten der PMEDA eine neuropsychologische Zusatzbegutachtung
(unter den von den Gutachtern angegebenen Abstinenz-Bedingungen) notwendig
gewesen wäre (act. G 9). Dr. F._ antwortete am 10. Januar 2020 (act. G 10),
insbesondere weil bereits eine neuropsychologische Untersuchung vorliege, seien
weitere Abklärungen zu den aktenkundig und anamnestisch erwähnten kognitiven
Einschränkungen zur Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht notwendig gewesen. Dr.
phil. E._ habe Kriterien formuliert, unter denen die Ausübung beruflicher Tätigkeiten
möglich seien. Diese Kriterien entsprächen der bisherigen Tätigkeit als Automonteur.
Die Gutachter der PMEDA hätten zwar eine neuropsychologische Untersuchung
vorgeschlagen, ihre abschliessende Beurteilung aber nicht vom Ergebnis einer
neuerlichen neuropsychologischen Untersuchung abhängig gemacht.
C.e. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers erklärte am 3. Februar 2020 (act. G
12), dass allein mit einer erneuten neuropsychologischen Untersuchung abgeklärt
werden könnte, welche qualitativen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit aus den
neuropsychologischen Defiziten resultierten. Zudem sei die Untersuchung von Dr. phil.
E._ nach über dreieinhalb Jahren zu wiederholen. Des Weiteren gehe es auch um
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das Zusammenwirken der neuropsychologischen Defizite mit den anderen Diagnosen.
Das Hauptproblem des Beschwerdeführers im Berufsleben sei nämlich vor allem die
narzisstische Persönlichkeitsstörung. Deshalb müssten Berichte von früheren
Arbeitgebern eingeholt werden, um zu erfahren, wie sich der Beschwerdeführer dort
gegenüber anderen Menschen verhalten habe. Nur längere Arbeitsversuche würden
das effektive Defizit des Beschwerdeführers aufzeigen.

Erwägungen
1.
Zunächst ist zu prüfen, ob die Beschwerde rechtzeitig erhoben worden ist. Gemäss
Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) ist die Beschwerde innerhalb von 30
Tagen nach der Eröffnung der Verfügung einzureichen. Die angefochtene Verfügung
datiert vom 11. April 2019, ist gemäss den Angaben des Rechtsvertreters aber erst am
16. April 2019 zugestellt worden. Gesetzliche oder behördliche Fristen, die nach Tagen
oder Monaten bestimmt sind, stehen vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem
siebten Tag nach Ostern still (Art. 38 Abs. 4 lit. a ATSG). Der Ostersonntag ist im Jahr
2019 auf den 21. April gefallen, d.h. die Frist hat vom Sonntag, 14. April bis Sonntag,
28. April 2019 stillgestanden. Die Frist hat also erst am 29. April 2019 zu laufen
begonnen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat am 28. Mai 2019, also am
30. Tag der Frist und somit rechtzeitig Beschwerde erhoben. Auf die Beschwerde ist
daher einzutreten.
2.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat den Beweisantrag gestellt, dass auch
Berichte von früheren Arbeitgebern eingeholt werden müssten, um zu erfahren, wie
sich der Beschwerdeführer dort gegenüber anderen Menschen verhalten habe. Bei den
Akten liegt ein Schlussbericht des dem Beschwerdeführer zur Seite gestellten Coachs
der W._ AG vom 12. April 2016 (IV-act. 173), in welchem die
Persönlichkeitseigenheiten des Beschwerdeführers und seine Schwierigkeiten im
zwischenmenschlichen Bereich deutlich zum Ausdruck kommen. Welche zusätzlichen
Erkenntnisse Aussagen von früheren Arbeitgebern bringen könnten, ist nicht
ersichtlich. Zwar sind die im Rahmen von Arbeitsversuchen oder im Rahmen eines
Anstellungsverhältnisses gemachten Beobachtungen in die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit miteinzubeziehen. Einen direkten Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
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können diese Beobachtungen jedoch nicht haben: Erstens wird das im Rahmen eines
Arbeitsverhältnisses oder Arbeitsversuchs gezeigte Verhalten wesentlich durch
Faktoren wie die Motivation und die Willenskraft einer versicherten Person
mitbestimmt. Zweitens dürfte das Verhalten einer versicherten Person, bei welcher sich
zumindest Hinweise für eine narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung finden (IV-
act. 258-175), erheblich vom jeweiligen Arbeitsumfeld abhängen. Und drittens handelt
es sich bei den Aussagen respektive Wahrnehmungen von (ehemaligen) Vorgesetzten
um stark subjektiv geprägte Aussagen. Die Verhaltensbeobachtungen im Rahmen
eines Arbeitsversuchs oder im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses vermögen demnach
kaum etwas über die Arbeitsleistung auszusagen, die einer versicherten Person aus
medizinisch-theoretischer Sicht objektiv betrachtet noch zumutbar ist. Der
Beweisantrag des Rechtsvertreters, dass Berichte von früheren Arbeitgebern über das
Verhalten des Beschwerdeführers gegenüber anderen Menschen einzuholen seien, ist
deshalb in antizipierender Beweiswürdigung abzuweisen.
3.
Dem vorliegenden Beschwerdeverfahren liegt die IV-Anmeldung vom September 2014
zugrunde. Hierbei hat es sich um eine Neuanmeldung gehandelt; die erste Anmeldung
zum Leistungsbezug war im April/Mai 2009 erfolgt. Das Gericht hat bereits in seinem
Rückweisungsentscheid vom 18. Dezember 2017 (IV 2017/61) entschieden, dass die
Beschwerdegegnerin zu Recht auf die Wiederanmeldung vom September 2014
eingetreten ist (vgl. Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV,
SR 831.201). Im vorliegenden Beschwerdeverfahren ist somit nur noch
(materiellrechtlich) zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin das Gesuch um berufliche
Eingliederungsmassnahmen mit der angefochtenen Verfügung vom 11. April 2019 zu
Recht abgewiesen hat.
4.
Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG,
SR 831.20) haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte versicherte Personen
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind,
die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder
herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern und die Voraussetzungen für den
Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind. Eine drohende Invalidität liegt vor,
wenn der Eintritt der Erwerbsunfähigkeit überwiegend wahrscheinlich ist. Der Zeitpunkt
des Eintritts der Erwerbsunfähigkeit ist unerheblich (Art. 1 IVV). Die beruflichen
Eingliederungsmassnahmen umfassen die Berufsberatung, die erstmalige berufliche
4.1.
novies
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Ausbildung, die Umschulung, die Arbeitsvermittlung und die Kapitalhilfe (Art. 8 Abs. 3
lit. b IVG).
Das Gericht hatte sich bereits in seinem Rückweisungsentscheid vom 18.
Dezember 2017 (IV 2017/61) mit der Frage befasst, ob der Beschwerdeführer
(weiterhin) Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen habe. Das Gericht war
damals zum Schluss gekommen, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im
erlernten Beruf als Autolackierer nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehe. Deshalb hatte es eine somatische
Abklärung (Kopf- und Ohrendruck, allfällige weitere somatische Symptome) und eine
anschliessende erneute psychiatrische Begutachtung angeordnet. Die
Beschwerdegegnerin hat hierauf die noch fehlenden Berichte über die Hospitalisation
in der Krisenintervention des Psychiatrischen Zentrums X._ vom 2. bis 31. Juli 2014
(Austrittsbericht vom 6. August 2014, IV-act. 226) und über die Behandlung in der
Tagesklinik des Psychiatrischen Zentrums X._ vom 30. Juli bis 9. Oktober 2014
eingeholt (Austrittsbericht vom 11. November 2014, IV-act. 225). Über die
psychiatrische Hospitalisation vom 2. bis 6. Juni 2014 war aufgrund der Kürze der
Behandlung kein Austrittsbericht erstellt worden (IV-act. 227). Über die im Jahr
2003/2004 stattgefundene psychiatrische Behandlung bei Dr. med. M._ existieren
keine Unterlagen mehr (IV-act. 242-1). In der Folge hat die Beschwerdegegnerin einen
Verlaufsbericht beim behandelnden Psychiater med. pract. C._ eingeholt (IV-act. 236,
Bericht vom 10. April 2018) und ein polydisziplinäres Gutachten bei der PMEDA AG in
Auftrag gegeben, welches am 23. Januar 2019 erstattet worden ist. Als Nächstes ist
somit zu prüfen, ob die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im erlernten Beruf als
Autolackierer nun gestützt auf die neu einholten medizinischen Unterlagen mit dem
notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit bestimmt werden
kann.
4.2.
Das Gericht hatte die von med. pract. C._ eingereichten Berichte in seinem
Entscheid vom 18. Dezember 2017 (IV 2017/61) als nicht überzeugend erachtet. Es
hatte seiner Beurteilung die notwendige Objektivität abgesprochen, weil er in seinen
Berichten vehement die Interessen des Beschwerdeführers vertreten habe. Die
Berichte von med. pract. C._ hatten das Gericht aber auch inhaltlich nicht überzeugt,
weil sie sehr weitschweifig, teilweise vage und unklar und sich wiederholend gewesen
seien. RAD-Arzt Dr. F._ hat auch den neuen, wiederum sehr ausführlichen Bericht
von med. pract. C._ vom 10. April 2018 als weitschweifig und wenig substanziell
fassbar bezeichnet (IV-act. 242-2). Ausserdem hat er auf eine Wiederholung von
Beschreibungen hingewiesen und die zeitliche Einschränkung des Arbeitspensums (50
4.3.
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%) als unzureichend begründet erachtet. Die Ausführungen des RAD-Arztes bezüglich
des Berichts von med. pract. C._ vom 10. April 2018 überzeugen. Darüber hinaus ist
anzumerken, dass sich med. pract. C._ trotz des Hinweises des Gerichts im
Entscheid vom 18. Dezember 2017 (IV 2017/61) weiterhin zugunsten des
Beschwerdeführers und damit voreingenommen geäussert hat ("Ich bin froh, dass das
Versicherungsgericht die Verfügung von Ihnen vom 03.01.2017 aufgehoben hat [..]").
Ausserdem hat er auch in seinem neuesten Bericht wieder darauf beharrt, dass die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers anhand von Arbeitsversuchen zu ermitteln sei
(IV-act. 236-10), obwohl das Gericht bereits in seinem Entscheid vom 18. Dezember
2017 (IV 2017/61) darauf hingewiesen hatte, dass Arbeitsversuche in der Regel nicht
geeignet seien, etwas über die objektiv noch zumutbare Arbeitsfähigkeit auszusagen
(Erw. 4.3). Auf die Beurteilung von med. pract. C._ kann somit nicht abgestellt
werden. Nachfolgend ist demnach zu prüfen, ob die Arbeitsfähigkeitsschätzung der
PMEDA AG überzeugt.
In formeller Hinsicht hat der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers gegen das
Gutachten der PMEDA AG eingewendet, dass nach seinen Informationen gegen die
Gutachterstelle mindestens ein Strafverfahren wegen fahrlässig unrichtig erstellter
Gutachten laufe. Dies wecke Zweifel an der Fähigkeit bzw. Objektivität der
Gutachterstelle. Rechtsprechungsgemäss können die für eine Gutachterstelle tätigen
Personen, nicht jedoch die Gutachterstelle als solche, befangen sein (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 18. Dezember 2015, 8C_599/2014 E. 3.3; vgl. Urteil vom 30. März
2017, 9C_19/2017 E 5.1). Gemäss einem Beitrag des Kassensturzes vom 16. Oktober
2018 läuft gegen die PMEDA AG und L._ mindestens eine Strafuntersuchung wegen
falschen ärztlichen Zeugnissen (www.srf.ch/news/schweiz/gutachten-fuer-
versicherungen-gutachter-schreibt-falsches-arztzeugnis-rente-weg, abgerufen am 10.
März 2020). L._ der Leiter der PMEDA AG, ist am Gutachten vom 23. Januar 2019
nicht als Gutachter beteiligt gewesen. Gegen die am Gutachten beteiligten
Sachverständigen hat der Beschwerdeführer keine konkreten Befangenheitsgründe
geltend gemacht. Sein Rechtsvertreter hat allerdings argumentiert, dass die Gutachter
durch den Hinweis des RAD, der behandelnde Psychiater fasse unschlüssige,
langfädige Berichte, vorbeeinflusst worden seien. RAD-Psychiater Dr. F._ hat in
seiner Stellungnahme vom 18. Mai 2018 (IV-act. 242) unter anderem festgehalten, dass
die Ausführungen des behandelnden Psychiaters weitschweifig und wenig substanziell
fassbar seien, was bereits der Vorgutachter Dr. D._ erwähnt und
bemerkenswerterweise auch im Gerichtsurteil Eingang gefunden habe. Um eine
überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben zu können, müssen die
Gutachter über die gesamten Vorakten verfügen. Diese beinhalten oft sich
4.4.
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widersprechende ärztliche Beurteilungen der Leistungsfähigkeit der versicherten
Person und kritische Stellungnahmen des RAD zu Berichten von behandelnden Ärzten.
Für die Beurteilung des Leistungsanspruchs ist zentral, dass die involvierten
Fachpersonen, insbesondere die Gutachter, ihre Meinung frei und unabhängig äussern
können (vgl. Art. 59 Abs. 2 Satz 3 IVG). Es ist die Aufgabe der Gutachter, die im
Recht liegenden medizinischen Beurteilungen anhand ihrer eigenen Untersuchungen
und Beobachtungen unabhängig und kritisch zu würdigen und gegebenenfalls zu einer
anderen Einschätzung zu gelangen. Der Rechtsvertreter hat den Gutachtern
sinngemäss unterstellt, nicht fähig zu sein, die Einschätzung und die Angaben des
behandelnden Psychiaters objektiv zu würdigen. Dies stellt ein schwerer Vorwurf dar,
der vom Rechtsvertreter durch nichts belegt worden ist. Im Übrigen hat der RAD-Arzt
lediglich zusammengefasst die Worte des Versicherungsgerichts in dessen Entscheid
vom 18. Dezember 2017 wiedergegeben. Das Gericht hatte die Ausführungen des
behandelnden Psychiaters damals als "sehr weitschweifig, teils vage und unklar und
sich wiederholend" bezeichnet (Erw. 4.5). Zusammengefasst liegen keine Gründe vor,
die den Verdacht der Befangenheit und damit der Voreingenommenheit der Gutachter
zu wecken vermöchten.
bis
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat weiter vorgebracht, dass der
Aufbau des Gutachtens der PMEDA AG fragwürdig sei, weil alle vier Gutachter
standardmässig denselben Text zur Vorgeschichte abgedruckt hätten. Dadurch sei
nicht nachgewiesen, dass die Vorakten von allen Gutachtern studiert worden seien. Die
einzelnen Gutachter sind nicht verpflichtet, die Vorakten selber zusammenzufassen.
Dies wäre auch nicht effizient. Abgesehen davon sind auch individuell erstellte
Aktenauszüge kein Beweis dafür, dass die Gutachter die Vorakten studiert haben. Im
vorliegenden Fall weist nichts darauf hin, dass die einzelnen Gutachter das von der
Beschwerdegegnerin zusammengestellte Aktendossier nicht in allen Teilen gründlich
geprüft und damit die Anforderungen an eine medizinische Begutachtung in krasser
Weise missachtet hätten (vgl. IV-act. 158-16/57/101, 140). Der Einwand des
Rechtsvertreters ist somit nicht stichhaltig.
4.5.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat ausserdem moniert, dass der
"Vorspann" des Gutachtens (gemeint wohl Ziff. 3 der interdisziplinären
Gesamtbeurteilung, IV-act. 258-2-ff.) unvollständig und teilweise auch aktenwidrig sei.
Zum Beispiel sei festgehalten worden, der Beschwerdeführer habe die Stelle bei den
Y._ aufgegeben, dabei sei der Beschwerdeführer "vorzeitig entlassen" worden. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat nicht dargelegt, welche
entscheidrelevanten Informationen nicht im "Vorspann" enthalten sein sollen. Beim
4.6.
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"Vorspann" handelt es sich denn auch lediglich um eine Wiedergabe der von der
Beschwerdegegnerin erstellte Zusammenfassung des Kontexts des Auftrags, die
naturgemäss nicht den gesamten Sachverhalt wiedergeben kann. Die Gutachterstelle
ist von der Beschwerdegegnerin dazu angehalten worden, diesen Teil ins Gutachten zu
übernehmen resp. hineinzukopieren (vgl. IV-act. 243-1, 244-2). Tatsächlich hat die
Beschwerdegegnerin in der Zusammenfassung des Kontexts des Auftrags aktenwidrig
festgehalten, dass der Beschwerdeführer den Arbeitsversuch abgebrochen habe (IV-
act. 258-2, IV-act. 165-3). Den Gutachtern hat jedoch der Schlussbericht der W._ AG
vom 12. April 2016 vorgelegen, woraus hervorgeht, dass der Beschwerdeführer den
Arbeitsversuch nicht von sich aus abgebrochen hatte. Abgesehen davon handelt es
sich bei der Frage, ob der Arbeitsversuch von der Beschwerdegegnerin oder dem
Beschwerdeführer abgebrochen worden ist, nicht um ein entscheidrelevantes
Sachverhaltselement. Entscheidend ist vielmehr, dass die Gutachter über das
Verhalten und die ungenügenden Leistungen des Beschwerdeführers im Rahmen des
Arbeitsversuchs informiert gewesen sind. Dies ist aufgrund der Kenntnis des
Schlussberichts der W._ AG vom 12. April 2016 der Fall gewesen. Der Fehler im
"Vorspann" des Gutachtens ist somit nicht geeignet, Zweifel an der gutachterlichen
Beurteilung zu wecken.
Inhaltlich hat der Rechtsvertreter kritisiert, dass der psychiatrische Gutachter sich
nicht mit den Diagnosen des behandelnden Psychiaters med. pract. C._
auseinandergesetzt habe. Die Gutachter haben in der interdisziplinären
Gesamtbeurteilung unter der Fallführung des psychiatrischen Gutachters (IV-act.
258-6) korrekt festgehalten, dass med. pract. C._ die Diagnosen eines Asperger-
Syndroms und einer ADHS zuletzt (vgl. Bericht vom 10. April 2018) nicht mehr gestellt
habe. Bezüglich der Diagnose einer (narzisstischen) Persönlichkeitsstörung haben sie
festgehalten, dass med. pract. C._ diese Diagnose lediglich mit der Ausprägung von
Persönlichkeitseigenheiten des Beschwerdeführers begründet habe. Die Biographie
und die weitere psychiatrische Exploration deuteten jedoch nicht auf eine in der
Kindheit oder Jugend begonnene psychische und mit erheblichen negativen sozialen
Folgen störende Auffälligkeit hin, worauf die ICD-10-Definition abstelle (IV-act.
258-6/9). Der psychiatrische Gutachter der PMEDA AG hat im Rahmen der
gutachterlichen Untersuchung Hinweise für eine narzisstische
Persönlichkeitsakzentuierung mit einer erhöhten Kränkbarkeit und einem verstärkten
Bedeutungserleben gefunden, die jedoch nicht die Intensität einer manifesten
Persönlichkeitsstörung erreichten. Zwar habe es in der Vergangenheit aufgrund eines
problematischen Interaktionsverhaltens des Beschwerdeführers offenbar mehrfach
Probleme am Arbeitsplatz gegeben. Dennoch sei der Beschwerdeführer in der Lage
4.7.
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gewesen, seine Lehre erfolgreich abzuschliessen und über viele Jahre hinweg einer
regelmässigen Arbeitstätigkeit nachzugehen. Die hier also durchaus aufscheinende
Sozialkompetenz spreche gegen eine manifeste Persönlichkeitsstörung. Ausserdem
lebe der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben bereits seit etwa vier Jahren in
einer stabilen und fürsorglich erlebten Partnerschaft, was zusätzlich für soziale
Kompetenzen spreche und auch mit einem (sozialmedizinisch relevanten) aktenkundig
diskutierten Asperger-Syndrom nicht ohne weiteres zu vereinbaren sei. So seien weder
die diagnostischen Kriterien einer Persönlichkeitsstörung, eines namhaften Asperger-
Syndroms noch eines klinisch relevanten Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit hinreichend erfüllt. Der Vorwurf des
Rechtsvertreters, der psychiatrische Gutachter habe ausser Acht gelassen, dass der
Beschwerdeführer nicht (mehr) in einer Partnerschaft lebe, ist nicht nachvollziehbar.
Der Gutachter hat sich zum Beziehungsende nicht äussern können, da die
Partnerschaft im Zeitpunkt der Begutachtung gemäss den Angaben des
Beschwerdeführers noch bestanden hatte. Die Trennung ändert auch nichts daran,
dass der Beschwerdeführer in der Lage gewesen ist, während etwa vier Jahren eine
Partnerschaft zu führen. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der psychiatrische
Gutachter eingehend und verständlich begründet hat, weshalb die diagnostischen
Kriterien einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung entgegen der Beurteilung des
behandelnden Psychiaters nicht erfüllt sind (vgl. IV-act. 258-175). Des Weiteren hat er
sich auch zum auffälligen Verhalten des Beschwerdeführers im Rahmen des
Arbeitsversuchs geäussert und das Vorliegen eines namhaften Asperger-Syndroms
und eines klinisch relevanten Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms verneint. Der
psychiatrische Gutachter hat auch die von med. pract. C._ angegebene Diagnose
einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive
Episode, aktuell nicht bestätigen können. Er ist jedoch davon ausgegangen, dass in der
Vergangenheit vorübergehende Phasen höhergradiger Depressivität bestanden haben
(vgl. IV-act. 258-181). Die Diagnose einer rezidivierend depressiven Störung,
gegenwärtig remittiert, erscheint angesichts des vom psychiatrischen Gutachter
erhobenen psychopathologischen Befundes als begründet: Der Gutachter hat keine
Zeichen mnestischer oder konzentrativer Defizite, keine Beeinträchtigung der
Auffassungsgabe und der geistigen Spannkraft, keine Zeichen einer vorzeitigen
Ermüdbarkeit und keine Beeinträchtigung der affektiven Modulationsfähigkeit erheben
können. Der Stimmung sei situationsadäquat unauffällig und der Antrieb normal
gewesen. Der Beschwerdeführer sei psychomotorisch ruhig gewesen und habe keine
Zeichen einer vegetativen Anspannung gezeigt. Einzig das formale Denken sei leicht
beschleunigt gewesen (IV-act. 258-175). Der Vorwurf des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers, der psychiatrische Gutachter habe sich nicht mit den von med.
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pract. C._ gestellten Diagnosen auseinandergesetzt, ist somit nicht gerechtfertigt. Im
Gegenteil überzeugt die Beurteilung des psychiatrischen Gutachters, dass der
Beschwerdeführer weder an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, an einem
namhaften Asperger-Syndrom, an einem klinisch relevanten
Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom noch an einer gegenwärtig mittelgradigen depressiven
Störung leidet.
Med. pract. C._ hat als Diagnose ausserdem eine nicht näher bezeichnete
organische oder symptomatische psychische Störung, verschiedene
neuropsychologische Defizite, erwähnt. In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung
haben die Gutachter festgehalten, dass die im Rahmen der Begutachtung im MRI des
Gehirns vom 8. November 2018 dargestellte Läsion eine kognitive Störung nicht
eigenständig zu belegen vermöge (IV-act. 258-7). Der neurologische Gutachter hat
zwar eine leicht verminderte Auffassung für möglich gehalten (IV-act. 258-88). Für eine
namhafte kognitive Störung hat er jedoch keinen ausreichenden Anhalt gesehen.
Allerdings hat er eine kognitive Beeinträchtigung im Rahmen des leitlinienwidrigen
Benzodiazepin-Konsums (Langzeitverordnung, keine erkennbare Indikation) als
denkbar erachtet (IV-act. 258-91). Der psychiatrische Gutachter hat demgegenüber
keine Störung der Kognition feststellen können (IV-act. 258-7). Er hat als Diagnose
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aber eine psychische und Verhaltensstörung
durch Benzodiazepine: Abhängigkeitssyndrom, angegeben. Diese Diagnose hat er
gestützt auf die Anamnese und die Angaben des Beschwerdeführers gestellt. Obwohl
er sich offenbar bewusst gewesen ist, dass der aktuelle Laborbefund, welcher keine
Benzodiazepine im Urin gezeigt hat, Zweifel an den anamnestischen Angaben
begründet hat (IV-act. 258-176), hat er an dieser Diagnose festgehalten. Zwar erscheint
die Diagnose einer Benzodiazepin-Abhängigkeit angesichts der negativen
Laborbefunde aus der Sicht eines medizinischen Laien etwas widersprüchlich. Für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung ist es jedoch nicht relevant, ob nun tatsächlich eine
Benzodiazepin-Abhängigkeit vorliegt oder nicht, denn auch wenn der
Beschwerdeführer an einer solchen leiden würde, hätte sie gemäss den Gutachtern
keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit im erlernten Beruf als Autolackierer.
4.8.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat weiter geltend gemacht, dass die
Ängste und Panikattacken im Gutachten zwar erwähnt, aber nicht in die Diagnoseliste
aufgenommen worden seien. Diese Behauptung ist falsch, denn der psychiatrische
Gutachter hat als Diagnose eine Agoraphobie mit Panikstörung angegeben. Einen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat er jedoch mit der − insbesondere auch angesichts
des Aktivitätenniveaus des Beschwerdeführers (IV-act. 258-170 f.) − überzeugenden
4.9.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/23
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Begründung, dass die Ängste wenig handlungsleitende Konsequenz hätten und
offenbar durchaus überwindbar seien, verneint. Zu kritisieren ist das psychiatrische
Teilgutachten der PMEDA AG insoweit, als daraus nicht hervorgeht, wie sich eine
Panikattacke beim Beschwerdeführer äussert. Damit bleibt unklar, ob der Gutachter
einfach die Angabe des Beschwerdeführers, er leide an Panikattacken, übernommen
hat, oder ob er die Diagnose durch gezieltes Nachfragen der Symptome hergeleitet hat.
Im Übrigen hat selbst der behandelnde Psychiater med. pract. C._ im Bericht vom
10. April 2018 keine Angst- oder Panikstörung erwähnt.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat schliesslich noch vorgebracht,
dass eine erneute neuropsychologische Untersuchung hätte durchgeführt werden
müssen. Die Gutachter der PMEDA AG haben in der interdisziplinären
Gesamtbeurteilung festgehalten, dass eine neuropsychologische Begutachtung
(angesichts der aktenkundig miterwogenen kognitiven Beeinträchtigung) grundsätzlich
sinnvoll erscheine, um die Diagnostik abschliessend verlässlich zu vervollständigen.
Eine Arbeitsfähigkeitsschätzung haben sie trotzdem abgegeben. Das Gericht hat den
RAD-Psychiater Dr. F._ am 12. Dezember 2019 angefragt, ob eine
neuropsychologische Zusatzbegutachtung tatsächlich nicht notwendig gewesen sei.
Der RAD-Arzt hat am 10. Januar 2020 zusammengefasst geantwortet, dass die
aktenkundig und anamnestisch erwähnten kognitiven Einschränkungen zwar weiter
abgeklärt werden könnten, dies zur Einschätzung der Arbeitsfähigkeit jedoch nicht
notwendig sei, insbesondere weil bereits eine neuropsychologische Untersuchung (von
Dr. phil. E._ vom 11. August 2016). vorliege. Eine neuerliche neuropsychologische
Beurteilung könnte aber auch deshalb nichts an der Gesamtbeurteilung ändern, weil
die Gutachter der PMEDA AG ihre abschliessende Beurteilung nicht vom Ergebnis
einer neuerlichen neuropsychologischen Untersuchung abhängig gemacht hätten. Die
Antwort des RAD-Psychiaters überzeugt. Die Gutachter der PMEDA AG hätten keine
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben, wenn weitere Abklärungen (insbesondere eine
erneute neuropsychologische Untersuchung) notwendig gewesen wären, um die
Arbeitsfähigkeit mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit festlegen
zu können. Die Aussage der Gutachter ist so zu interpretieren, dass eine
neuropsychologische Zusatzbegutachtung zwecks abschliessender Diagnostik für die
zukünftige therapeutische Behandlung zwar sinnvoll wäre. Für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit haben die Gutachter eine weitere neuropsychologische Untersuchung
jedoch nicht als notwendig erachtet. Demnach ist in antizipierender Beweiswürdigung
davon auszugehen, dass eine erneute neuropsychologische Abklärung keine weiteren
Erkenntnisse hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers bringen würde.
4.10.
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5.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Die Gerichtsgebühr ist durch den von ihm geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.--
gedeckt. Der Beschwerdeführer hat bei diesem Verfahrensausgang keinen Anspruch
auf eine Parteientschädigung.