Decision ID: dffae7cd-dfeb-5ff5-8191-5dc78c3dc376
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden suchten am 23. Dezember 2015 im Empfangs-
und Verfahrenszentrum des SEM in E._ um Asyl in der Schweiz
nach. Am 14. Januar 2016 wurden sie summarisch befragt und am 10. Mai
2017, am 31. Oktober 2017 sowie am 16. Juli 2018 vertieft zu ihren Asyl-
gründen angehört.
Zur Begründung ihres Asylgesuchs machten sie im Wesentlichen geltend,
sie seien afghanische Staatsangehörige tadschikischer Ethnie aus
F._ in der Provinz F._. Sie seien seit 1986 verheiratet und
hätten drei gemeinsame Kinder, die sich mit ihnen als Asylsuchende in der
Schweiz befänden. Der Beschwerdeführer sei bis Ende Oktober/Mitte No-
vember 2015 als (...) an der (...) in G._ tätig gewesen. Als (...) sei
er in vielen Teilen Afghanistans unterwegs gewesen. Dies teilweise mit aus-
ländischen Delegationen. Diese Tätigkeit sei den Taliban ein Dorn im Auge
gewesen, weshalb er am (...) 2001 einen ersten Drohbrief erhalten habe,
als er sich mit (...) beschäftigt habe. In diesem Brief sei ihm unterstellt wor-
den, gegen die religiösen Gesetze der Taliban zu sein, weshalb er verfolgt
und bestraft werden müsse. Er sei zudem von Mitgliedern der afghani-
schen Regierung bedroht worden. Dies weil er entdeckt und in Berichten
festgehalten habe, dass gewisse Regierungsangestellte (...), um sich zu
bereichern. Zwischen August und Oktober 2015 und somit zwei bis vier
Monate vor seiner Ausreise habe er ein Radio- und Fernsehinterview über
(...) gegeben. Etwa zu der Zeit habe er auch begonnen, die Ausreise für
sich und seine Familie zu organisieren. Gegen Ende November 2015 habe
er ferner von der Polizei in F._ den Hinweis erhalten, dass ein zwei-
ter Drohbrief der Taliban gegen ihn existiere, welchen die Polizei in einem
beschlagnahmten Haus gefunden habe. Aufgrund dieses Drohbriefes habe
er am (...) November 2015 bei der Polizei Anzeige erstattet. Einige Tage
davor habe es zudem einen Angriff auf seinen Sohn (N [...]) gegeben. Man
wisse aber nicht, wer die Täter gewesen seien. Am (...) Dezember 2015
sei schliesslich die ganze Familie aus Afghanistan ausgereist. Sie seien
über den Landweg in den Iran, dann weiter in die Türkei und über Grie-
chenland bis in die Schweiz gereist.
Zum Nachweis ihrer Identität haben die Beschwerdeführenden Kopien ih-
rer Tazkira eingereicht. Darüber hinaus hat der Beschwerdeführer einen
am (...) 2008 auf ihn ausgestellten afghanischen Reisepass sowie einen
Berufsausweis der (...) eingereicht.
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Des Weiteren wurden weitere folgende Beweismittel abgegeben:
 (...).
 (...).
 (...).
 (...).
 (...).
 (...).
 (...).
 (...).
 (...).
 (...).
B.
Mit Verfügung vom 30. August 2018 verneinte das SEM die Flüchtlingsei-
genschaft der Beschwerdeführenden und lehnte ihre Asylgesuche ab.
Gleichzeitig ordnete es ihre Wegweisung aus der Schweiz an, schob den
Vollzug jedoch infolge Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Auf-
nahme auf.
C.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 1. Oktober 2018
beantragten die Beschwerdeführenden die Feststellung der Flüchtlingsei-
genschaft und die Gewährung von Asyl. In prozessualer Hinsicht ersuchten
sie um Koordination des Beschwerdeverfahrens mit demjenigen des Soh-
nes und dessen Familie (N [...]), die Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses so-
wie die Beiordnung ihrer damaligen Rechtsvertreterin als amtliche Rechts-
beiständin.
Als Beweismittel reichten sie Meldungen über (...) in Afghanistan und eine
Fürsorgebestätigung vom 12. September 2018 ein.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 10. Oktober 2018 hiess die Instruktionsrichte-
rin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut,
setzte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden als amtliche
Rechtsbeiständin ein und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz zur Vernehmlassung eingela-
den.
E-5629/2018
Seite 4
E.
In der Vernehmlassung vom 16. Oktober 2018 beantragte das SEM unter
vollständigem Festhalten an seinen Erwägungen die Abweisung der Be-
schwerde.
F.
Die Beschwerdeführenden erhielten die Vernehmlassung mit Schreiben
vom 17. Oktober 2018 zur Kenntnisnahme.
G.
Mit Eingabe vom 29. November 2019 ersuchte Rechtsanwältin Raffaella
Massara um Entlassung aus ihrem Amt als unentgeltliche Rechtsbeistän-
din der Beschwerdeführenden sowie darum, die ebenfalls bei der Berner
Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not tätige Ariane Burkhard als amt-
liche Rechtsbeiständin einzusetzen.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 24. Februar 2020 entliess die Instruktionsrich-
terin Rechtsanwältin Raffaella Massara antragsgemäss aus ihrem Amt als
amtliche Rechtsbeiständin und stellte ferner fest, es werde vorderhand
keine neue amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
E-5629/2018
Seite 5
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist somit einzutreten.
1.5 Dem Antrag der Beschwerdeführenden auf Koordination des vorliegen-
den Verfahrens mit demjenigen ihres volljährigen Sohnes und dessen Fa-
milie wird vorliegend durch die gleichzeitige Entscheidfindung in einem
gleichen Spruchgremium entsprochen (E-5626/2018).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte das SEM im We-
sentlichen aus, grundsätzlich sei zwar nicht daran zu zweifeln, dass der
Beschwerdeführer (...) sei. Dies habe er mit zahlreichen Beweismitteln be-
legt. Zudem wäre es angesichts der allgemeinen Lage in Afghanistan
durchaus denkbar, dass (...), der sich für (...), von Seiten der Taliban be-
droht werden könnte. Allerdings sei es dem Beschwerdeführer nicht gelun-
gen, die in diesem Zusammenhang geltend gemachte Verfolgungssituation
(Angriff auf seinen Sohn, Drohbriefe der Taliban, Drohungen von Regie-
rungsangestellten) in substanziierter Weise darzulegen. Seine Aussagen
hätten sich im Wesentlichen darauf beschränkt, zu erzählen, er sei von den
Taliban und regierungsnahen Personen bedroht worden. Jedoch sei er –
trotz mehrfacher Nachfrage – in keiner Weise darauf eingegangen, unter
welchen Umständen, wann und in welchem Ausmass er bedroht worden
sei. Seine Schilderungen seien weitgehend oberflächlich und schemenhaft
ausgefallen. Laut den eingereichten Beweismittel sei er seit dem Jahr 2005
mit (...) beschäftigt und dabei in Kontakt mit ausländischen Delegationen
gewesen. Dennoch ergäben sich aus dem Anhörungsprotokoll keinerlei
konkrete Hinweise darauf, dass er oder seine Familie durch die Taliban
oder andere Personen je persönlich einer konkreten Gefährdungssituation
ausgesetzt gewesen seien.
E-5629/2018
Seite 6
Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, es sei kurz vor seiner Aus-
reise zu einem Angriff auf seinen Sohn gekommen. Sein Sohn habe diesen
Angriff in seinem Asylgesuch ebenfalls geltend gemacht. Allerdings sei es
auch diesem nicht gelungen, den angeblich erlittenen Angriff glaubhaft zu
machen. Der Beschwerdeführer habe behauptet, man habe seinen Sohn
wegen seiner Probleme töten wollen. Er habe jedoch keinerlei konkrete
Anhaltspunkte dafür vorgebracht, sondern ausgeführt, er wisse nicht, wer
hinter dem Anschlag stehe (A23 S. 6, 10). Folglich handle es sich um eine
reine Hypothese. Ausserdem habe der Beschwerdeführer den Angriff ober-
flächlich und schemenhaft beschrieben, obwohl er unmittelbar nachdem
sich der Angriff ereignet habe, mit seinem Sohn persönlich in Kontakt ge-
standen habe und daher detailreichere und differenziertere Angaben zu er-
warten gewesen wären (A23 S. 5-6). Hinzu komme, dass sich seine Be-
schreibung des Vorfalles von der seines Sohnes unterscheide. Zum einen
habe er vorgebracht, der Vorfall habe sich auf einer Nebenstrasse ereignet
währendem sein Sohn gesagt habe, er sei auf einer Hauptstrasse ange-
griffen worden (A23 S. 6). Zum anderen habe der Beschwerdeführer ange-
führt, die Polizei sei gekommen und habe seinen Sohn zur Sicherheitskom-
mandozentrale der Provinz F._ mitgenommen (A23 S. 6). Sein
Sohn habe jedoch dazu im Widerspruch ausgesagt, er habe sich an die
Polizeiwache von H._ gewandt, welche sich anschliessend um den
Fall gekümmert habe. Aufgrund der substanzarmen und teilweise wider-
sprüchlichen Angaben sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die-
ses Vorbringen glaubhaft zu machen.
In Bezug auf die Bedrohung durch andere Personen, habe der Beschwer-
deführer lediglich ausgeführt, er sei von bestimmten Personen, über die er
in seinen Berichten geschrieben habe, beschimpft worden. Dabei hätten
sie ihm gedroht, ihn und seine Familie zu zerstören (A23 S. 9). Solche un-
substanziierten Angaben könnten jedoch auch leicht von einer unbeteilig-
ten Person gemacht werden. Ernsthafte Nachteile im Sinne einer flücht-
lingsrechtlich relevanten Verfolgung würden sich aus den Akten jedenfalls
nicht erkennen lassen (A23 S. 15 F71).
Was die Drohbriefe der Taliban (vgl. Beweismittel 13 und 14) anbelange,
gelte es festzuhalten, dass solche – aufgrund ihrer Beschaffenheit – leicht
käuflich erworben oder selber angefertigt werden könnten, weshalb sie
keine Beweiskraft entfalten würden. Der Beschwerdeführer habe die Ge-
fährdungssituation, welche angeblich von den Taliban ausgegangen sei,
nicht substanziiert darzulegen vermocht. Seine diesbezüglichen Schilde-
rungen hätten sich lediglich darauf beschränkt, dass er im Abstand von
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vierzehn Jahren zwei Drohbriefe erhalten habe (einen im Jahr 2001 und
einen im Jahr 2015; A23 S. 4, 8-9, S. 11-13). Was den zweiten Drohbrief
anbelange, erscheine unglaubhaft, dass die Polizei von F._ einen
an ihn adressierten Drohbrief mehrere Monate nach einem Radio- und
Fernsehinterview in einem anderen Haus gefunden habe, obwohl er und
seine Familie zu der Zeit in F._ wohnhaft gewesen seien (A23 S. 4,
13). Dieses Vorgehen erscheine weder logisch nachvollziehbar noch
könne daraus eine ernsthafte Bedrohungssituation abgeleitet werden. Die
von ihm geltend gemachte Verfolgung durch die Taliban sei damit ebenfalls
nicht glaubhaft gemacht.
Zusammenfassend sei es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die gel-
tend gemachte Verfolgung wegen seines Berufes als (...), glaubhaft zu ma-
chen. Die Beschwerdeführerin und die beiden gemeinsamen in das Asyl-
gesuch eingeschlossenen Kinder würden im Übrigen keine eigenen Asyl-
gründe geltend machen. An dieser Einschätzung vermöchten auch die
zahlreichen Beweismittel nichts zu ändern. Wie bereits erwähnt, würden
die Beweismittel zwar die (...) des Beschwerdeführers belegen, aber keine
konkrete Bedrohungssituation. Das Asyldossier des ältesten Sohnes und
dessen Familie würde ebenfalls zu keiner anderen Einschätzung führen.
Die Vorbringen würden somit den Anforderungen an das Glaubhaftmachen
nicht standhalten, so dass deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse.
Demzufolge würden die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft
nicht erfüllen, so dass das Asylgesuch abzulehnen sei.
3.2 Auf Beschwerdeebene wurde dem entgegengehalten, der Beschwer-
deführer habe die geltend gemachte Verfolgungssituation sehr wohl glaub-
haft gemacht. Die Vorinstanz zweifle vorliegend nicht an, dass er (...) sei.
Ferner stelle sie auch nicht in Abrede, dass ein (...), von Seiten der Taliban
bedroht werden könnte. Soweit die Vorinstanz der Ansicht sei, dass er den
Angriff auf seinen Sohn, die Drohbriefe der Taliban und die Drohungen der
Regierungsangestellten nicht substanziiert habe darlegen können, sei dies
nicht nachvollziehbar. Er habe anschaulich von zahlreichen Vorfällen er-
zählt, wie und unter welchen Umständen er immer wieder zur Zielscheibe
der Taliban und regierungsnahen Personen geworden sei. So beispiels-
weise, dass er aufgrund seiner Publikationen und öffentlicher Auftritte, an-
lässlich derer er die Taliban wiederholt öffentlich kritisiert habe, zu deren
Zielscheibe geworden sei (A23 F6, 34 S. 8, F44-56; BM 11 und 12). Er
habe auch ausführlich von den Problemen berichtet, die er mit regierungs-
nahen Personen gehabt habe. Beispielsweise habe er von einem Vorfall
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Seite 8
erzählt, bei dem (...) und wie er versucht habe, die Vorfälle aufzuklären
(A23 F34 S. 8f.); oder wie er (...) verhindert habe. Ferner habe er erzählt,
wie er in verschiedenen Berichten, die veröffentlicht worden seien, (...) kri-
tisiert habe, bei welchen (...) (A23 F34 S. 9). Ferner sei darauf hinzuwei-
sen, dass er nach seiner sehr ausführlichen freien Schilderung von der Vo-
rinstanz aufgefordert worden sei, sich auf das Ereignis, das zu seiner Aus-
reise geführt habe, zu beschränken (A23 F35). Somit sei es stossend, ihm
vorzuwerfen, er sei nicht in ausreichender Weise auf das Ausmass der Be-
drohungen eingegangen beziehungsweise er habe diese nicht substantiiert
geschildert.
Ferner werfe ihm die Vorinstanz vor, es sei ihm nicht gelungen, glaubhaft
zu machen, dass man seinen Sohn wegen seiner Probleme habe töten
wollen, da er dazu keine konkreten Anhaltspunkte habe machen können.
Dabei habe er Angaben zum Tatzeitpunkt, Tatort und Tatzusammenhang
machen können. Er habe erläutert, dass sich der Angriff nach einem von
ihm im Radio und Fernsehen ausgestrahlten Interview ereignet habe, in
dem er (...) (A23 F17, 57). Er habe weiter ausgeführt, dieses Ereignis habe
sich zwei, drei Tage vor der Anzeige, die er am 26. November 2015 ge-
macht habe, ereignet. Ferner habe er präzisiert, dass eine Kugel das Auto
seines Sohnes getroffen habe und dass sein Sohn danach auf die Polizei-
wache gebracht worden sei (A23 F19f.). Somit seien seine Aussagen we-
der oberflächlich noch schemenhaft ausgefallen. Dass er eingestanden
habe, nicht zu wissen, wer den Anschlag verübt habe (regierungsnahe Per-
sonen oder Taliban), mache ihn umso glaubwürdiger (A23 F16, 36). Ferner
sei nicht nachvollziehbar, dass ihm vorgeworfen werde, er und sein Sohn
hätten sich widersprochen. Die einzige Ungereimtheit habe darin bestan-
den, dass er ausgesagt habe, es habe sich auf einer Nebenstrasse ereig-
net, während sein Sohn von einer Hauptstrasse gesprochen habe (N [...]
A27 F60). Allein deswegen könne nicht davon ausgegangen werden, dass
es ihnen nicht gelungen sei, diesen Anschlag glaubhaft zu machen. Dies
insbesondere vor dem Hintergrund, dass es anlässlich seiner Anhörung of-
fensichtlich zu Übersetzungsfehlern gekommen sei (A23 Anmerkung zu
F36 S. 19). Schliesslich stünden die Aussagen der anderen Familienmit-
glieder miteinander in Einklang (A28 F42, A29 F33; N [...] A28 F39, F51-
61).
Im Weiteren bezweifle die Vorinstanz die Authentizität beziehungsweise
Beweiskraft der Taliban-Drohbriefe. Sie sei der Meinung, es mute seltsam
an, dass der zweite Drohbrief mehrere Monate nach seinem Radio- und
Fernsehinterview in einem anderen Haus gefunden worden sei, obwohl er
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Seite 9
und seine Familie im fraglichen Zeitpunkt in F._ wohnhaft gewesen
seien. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sei je-
doch problematisch, die Authentizität von Beweismitteln pauschal anzu-
zweifeln, ohne sie einem Echtheitscheck zu unterziehen. Ohne einlässliche
Prüfung dürfe nicht von einer Fälschung ausgegangen werden. Vor diesem
Hintergrund würden sich weitere Ausführungen zu seinen angeblich selt-
samen Ausführungen erübrigen. Ferner sei zu bedenken, dass der zweite
Drohbrief und das Attentat auf seinen Sohn, seinen Entschluss zur Aus-
reise lediglich beschleunigt hätten, der Entschluss sei aufgrund des
Drucks, der auf ihm gelastet habe, bereits früher gefallen (A23 F88). Dem-
zufolge seien seine Schilderungen glaubhaft und auf ihre Asylrelevanz un-
ter Berücksichtigung der Rechtspraxis des Bundesverwaltungsgerichts
(Definition von Risikogruppen, die einem erhöhten Verfolgungsprofil unter-
stehen) zu prüfen.
Als bekannter (...), weise er ein Risikoprofil auf. Aufgrund seiner Arbeit sei
er immer wieder Drohungen der Taliban ausgesetzt gewesen. Erschwe-
rend falle ins Gewicht, dass er auch Drohungen von korrupten regierungs-
nahen Personen ausgesetzt gewesen sei. Er sei als (...), nicht nur den
Taliban, sondern auch den Regierungsleuten ein Dorn im Auge gewesen,
(...). Er und seine Familie seien aufgrund seiner Tätigkeit systematischen,
schweren und wiederholten Eingriffen ausgesetzt gewesen, die sich am
Schluss in einem beinahe tödlichen Angriff auf seinen Sohn manifestiert
hätten. Er und seine Familie seien in Afghanistan somit Massnahmen aus-
gesetzt gewesen, die in ihrer Gesamtheit lebensbedrohlich geworden
seien und einen unerträglichen psychischen Druck bewirkt hätten. Damit
hätten die gegen ihn und seine Familie gerichteten Massnahmen eine der-
artige Intensität erreicht, dass ihnen ein menschenwürdiges Leben in Af-
ghanistan nicht mehr möglich gewesen sei. Aufgrund seiner Exponiertheit
sei es ihm nicht mehr zumutbar gewesen, das Gelingen eines Anschlags
auf seine Familie abzuwarten. Bei einer Rückkehr nach Afghanistan drohe
ihm aufgrund seiner Vorgeschichte und seines Profils eine flüchtlingsrecht-
lich relevante Verfolgung. Es könne nicht von einer innerstaatlichen Flucht-
alternative ausgegangen werden. Da weder eine Schutzfähigkeit der af-
ghanischen Behörden noch eine Fluchtalternative vorhanden seien, sei er
als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren. Weil den übri-
gen Familienmitgliedern aufgrund seiner Verfolgung ebenfalls ernsthafte
Nachteile drohen würden, seien auch sie als Flüchtlinge anzuerkennen.
E-5629/2018
Seite 10
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft im Sinne
von Art. 3 AsylG, wenn sie gezielte Nachteile von einer bestimmten Inten-
sität aufgrund der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Verfolgungsmotive er-
litten hat oder wenn begründeter Anlass zur Annahme besteht, eine solche
Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in abseh-
barer Zukunft verwirklichen, ohne dass ausreichender staatlicher Schutz
erwartet werden könnte (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f. und 2008/4 E. 5.2, je
m.w.H.). Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht;
es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten
Nachteile als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als
realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen.
4.3 Ob begründete Furcht vor künftiger Verfolgung vorliegt, ist aufgrund ei-
ner objektivierten Betrachtungsweise zu beurteilen. Es müssen hinrei-
chende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die
bei jedem Menschen in der gleichen Lage Furcht vor Verfolgung und damit
den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Die objektive Betrachtungs-
weise ist durch das vom Betroffenen bereits Erlebte und das Wissen um
Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Die erlittene Verfol-
gung und die begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung müssen zudem
sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Her-
kunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch
aktuell sein (vgl. BVGE 2008/12 E. 5.2 S. 154 f.).
4.4 Die Asylgründe sind sodann glaubhaft zu machen. Vorbringen sind
glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel
sind. Es darf sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen
Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den
Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung zuwiderlaufen. Glaubhaft ma-
chen bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes
E-5629/2018
Seite 11
Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel
am Vorbringen der gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die
Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen,
überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-
len (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 m.w.H.).
5.
5.1 Zunächst ist festzuhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht die Tä-
tigkeit des Beschwerdeführers als (...) in seinem Heimatstaat – ebenso wie
die Vorinstanz – nicht in Zweifel zieht. Diese wurde durch die beigebrach-
ten Beweismittel, namentlich Diplome, Arbeits- und Teilnahmebestätigun-
gen sowie Fotos ausreichend belegt und auch der Beschwerdeführer schil-
derte schlüssig und in sich kongruent seinen Werdegang.
5.2 Der Beschwerdeführer macht in diesen Zusammenhang zunächst gel-
tend, allein aus seiner Funktion als (...) heraus weise er bereits ein Risi-
koprofil auf, welches im Sinne der Rechtspraxis des Bundesverwaltungs-
gerichts an sich bereits genüge, um von einer Furcht vor Verfolgung durch
die Taliban in Afghanistan auszugehen. Hierzu ist Folgendes festzustellen:
5.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat mit Urteil D-5800/2016 vom
13. Oktober 2017 (als Referenzurteil publiziert) eine Lagebeurteilung zu Af-
ghanistan vorgenommen. Zusammenfassend ergibt sich eine deutliche
Verschlechterung der Sicherheitslage seit dem letzten Länderurteil im Jahr
2011 (BVGE 2011/7) und dem Abzug der International Security Assistance
Force (ISAF) über alle Regionen hinweg. Seit dem Übergang der Kontrolle
von den ISAF-Kampftruppen auf die Afghan National Security Forces
(ANSF) hat der Konflikt mehr und mehr den Charakter eines Bürgerkrieges
angenommen, wovon grosse Teile des Staatsgebiets direkt von Kampf-
handlungen betroffen sind. Hinzu kommen terroristische Anschläge in den
von den offenen Gefechten weitgehend ausgenommenen urbanen Zen-
tren. Im Visier stehen vor allem die Grossstädte Kabul und Kandahar, aber
auch kleinere Städte wie Jalalabad und Kunduz (vgl. dazu ausführlich
E. 7.3 und E. 7.4). Diese Rechtsprechung hat nach wie vor Gültigkeit.
Es erscheint unklar, ob sich die afghanischen Sicherheitskräfte gegen die
regierungsfeindlichen Gruppierungen werden behaupten können, zumal
die Desertions- und Abgangsrate sehr hoch, der Ausbildungsstand der
Rekruten schlecht ist und eine Infiltrierung durch regierungsfeindliche
Gruppierungen stattfindet. Zudem gilt die Afghan Local Police (ALP) in der
E-5629/2018
Seite 12
afghanischen Bevölkerung als korrupt und wird für gravierende Menschen-
rechtsverletzungen und Missbräuche verantwortlich gemacht. Hinzu
kommt die Tatsache, dass Angehörige der ALP für die von ihnen begange-
nen Vergehen nicht zur Rechenschaft gezogen werden und teilweise unter
der Kontrolle lokaler Machthaber stehen (vgl. zum Ganzen SFH, Afghanis-
tan: Update, Die aktuelle Sicherheitslage, Bern, 30. September 2016,
S. 6 ff; Bertelsmann Stiftung, BTI 2016 – Afghanistan Country Report, <
https://www.bti-project.org/fileadmin/files/BTI/Downloads/Reports/2016/pd
f/BTI_2016_Afghanistan.pdf >, abgerufen am 28. Februar 2020; vgl. auch
Urteil des BVGer E-552/2017 vom 30. Januar 2018 mit weiteren Verwei-
sen).
5.2.2 Bei der Beurteilung der Sicherheitslage lassen sich sodann Gruppen
von Personen definieren, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten
Verfolgungsrisiko ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem Perso-
nen, welche der afghanischen Regierung oder der internationalen Gemein-
schaft einschliesslich den internationalen Militärkräften nahestehen oder
als Unterstützer derselben wahrgenommen werden sowie westlich orien-
tierte oder der afghanischen Gesellschaftsordnung aus anderen Gründen
nicht entsprechende Personen (vgl. dazu UNHCR Eligibility Guidelines for
Assessing the International Needs of Asylum-Seekers from Afghanistan,
30. August 2018, A. Risk Profiles, S. 39 ff., sowie die beiden EASO Ber-
ichte: "Country of Origin Information Report: Afghanistan: Individuals tar-
geted by armed actors in the conflict" vom Dezember 2017; S. 34 f. und
"Country Guidance: Afghanistan: Guidance note and common asylum anal-
ysis", Juni 2018, S. 41-43). Gegenüber solchen Personen kommt es regel-
mässig zu Vorfällen, worunter namentlich Entführungen und Angriffe fallen,
bei denen die Betroffenen verletzt oder gar getötet worden sind (EASO Be-
richt "Country Guidance: Afghanistan: Guidance note and common asylum
analysis", Juni 2018, S. 44 f.).
5.2.3 Es scheint im Landeskontext Afghanistan – Taliban – durchaus mög-
lich, dass das Berufsbild des (...) zu einem erhöhten Verfolgungsrisiko füh-
ren kann. Erstellt ist nämlich, dass (...) vermehrt Anschlagsziel durch re-
gierungsfeindliche Organisationen, namentlich die Taliban, sind. Gleich-
wohl kann nicht von vornherein davon ausgegangen werden, dass (...) per
se einem Verfolgungsrisiko durch die Taliban im Sinne einer Kollektivver-
folgung unterliegen. Es bedarf im jeweiligen Einzelfall einer Konkretisie-
rung der Verfolgungssituation (vgl. Urteile des BVGer D-7906/2015 vom
20. September 2016 E. 5.2.3, E-857/2017 vom 4. März 2019 E. 6.7).
E-5629/2018
Seite 13
5.3 Was die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Vorverfolgung an-
belangt kommt das Bundesverwaltungsgericht übereinstimmend mit der
Vorinstanz zum Schluss, dass die Schilderungen des Beschwerdeführers
zu der aus seiner Tätigkeit resultierenden Verfolgung vor seiner Ausreise
nicht glaubhaft ausgefallen sind. Sie entfalten sodann teilweise auch von
vornherein keine Asylrelevanz. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann
deshalb vorab auf die entsprechenden Erwägungen in der angefochtenen
Verfügung verwiesen werden.
5.3.1 Was die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Behelligungen
seitens der Taliban im Jahr 2001 anbelangt, ist Folgendes festzustellen:
Die Vorbringen des Beschwerdeführers scheinen nachvollziehbar. Im Jahr
2001 hatte die Taliban eine erhebliche Machtstellung inne und der Be-
schwerdeführer bringt vor, dass der im Jahr 2001 an ihn gerichtete Brief
von der Wissenschaftsakademie selbst an ihn gerichtet wurde, die damals
unter der Herrschaft der Taliban gestanden habe. Er habe daraufhin in der
Konsequenz die Akademie verlassen und sei in seine Heimatprovinz
F._ zurückgekehrt (act. A23 F45 ff.). Nachdem im Oktober 2001
eine militärische Invasion in Afghanistan durch amerikanische Truppen mit
Hilfe eines Militärbündnisses verschiedener Staaten unter amerikanischer
Führung erfolgreich war, gelang es, die in den meisten Regionen Afghanis-
tans herrschenden Taliban zu stürzen. Der Beschwerdeführer macht denn
auch geltend, nach dem Einmarsch der ausländischen Streitkräfte und der
Wahl Karzais (der seit Dezember 2001 der Übergangsregierung angehörte
und in der Zeit von 2004-2014 afghanischer Präsident war) habe er seine
Arbeit in der Akademie wieder aufgenommen und bis Mitte Oktober / No-
vember 2015 fortgeführt. Das Vorbringen ist mithin nicht asylrelevant, fehlt
es doch am zeitlichen und kausalen Zusammenhang zur Ausreise.
5.3.2 Der Beschwerdeführer macht sodann geltend, er sei im Jahr 2015
erneut in den Fokus der Taliban geraten. Wie bereits festgestellt, ist die
Taliban in Afghanistan als terroristische Gruppierung wieder aktiv. Die im
Jahr 2001 vorwiegend nach Pakistan geflohenen Angehörigen der Taliban
formierten sich neu und treten seit 2003 wieder in Erscheinung. Seit Anfang
2006 verüben sie zusammen mit anderen terroristischen Gruppierungen
verstärkt Anschläge gegen afghanische Zivilisten und Soldaten der ISAF
und ASAF. Neben den zufällig gewählten Anschlagszielen sind auch ge-
wisse Personengruppen einem erhöhten Risiko ausgesetzt, Opfer von ge-
zielten Anschlägen zu werden.
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Der Beschwerdeführer macht diesbezüglich geltend, er habe die Taliban in
einem im Jahr 2015 ausgestrahlten Fernseh- und Radiointerview
angegriffen. Jedoch blieb sein Vorbringen in der Tat unsubstanziiert und
wurde auch nicht belegt.
5.3.3 Im Zusammenhang mit diesem Fernsehinterview bringt der Be-
schwerdeführer sodann vor, es sei deshalb seitens der Taliban ein zweiter
Drohbrief an ihn gerichtet worden. Der Vorinstanz ist jedoch zuzustimmen,
dass diesem Brief, den der Beschwerdeführer zu den Akten reichte, kein
grosser Beweiswert zuzumessen ist. Der Beweiswert ist diesem Dokument
zwar nicht von vornherein abzusprechen, jedoch ist er in den Kontext mit
den Vorbringen zu setzen. Die Umstände, unter denen der Beschwerde-
führer in den Besitz dieses Briefes gelangt sein soll, muten seltsam an. So
soll dieser Brief in der Region F._ anlässlich einer Hausdurchsu-
chung gefunden worden und ihm durch die Polizei übergeben worden sein.
Der Brief ist sodann nicht datiert, richtet sich aber namentlich an den Be-
schwerdeführer und ist mit der Angabe seines Arbeitsortes versehen, was
konstruiert anmutet.
5.3.4 Sodann bringt der Beschwerdeführer vor, dass sein Sohn nach dem
besagten Interview Opfer eines Attentatsversuchs geworden sei. Dieser
Anschlag scheint auch nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts nicht
glaubhaft. Weder die Beschwerdeführenden noch der betroffene Sohn
oder dessen Ehefrau machten dieses Vorbringen anlässlich der Erstbefra-
gung zur Person und den Asylgründen geltend. Dies, obwohl es sich dabei
um das endgültig fluchtauslösende Ereignis gehandelt haben soll (A23
F35). Schliesslich konnten weder der Beschwerdeführer noch sein Sohn
(N [...]) den Anschlag substanziiert dartun. Diesbezüglich ist auf die zutref-
fenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen und die Ausführungen im
Verfahren E-5626/2018 E. 5.2 ff..
5.3.5 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, er sei auch durch re-
gierungsnahe Personen bedroht worden, wobei diese Drohungen jeweils
im Zusammenhang mit korrupten Handlungen von Regierungsvertretern
gestanden seien, ist – ungeachtet der Frage der Glaubhaftmachung – fest-
zustellen, dass entsprechende Drohungen kein asylrelevantes Motiv im
Sinne von Art. 3 AsylG aufweisen, sondern unter dem Aspekt der Zulässig-
keit des Wegweisungsvollzuges (Art. 3 EMRK) zu berücksichtigen wären.
Da die Beschwerdeführenden in der Schweiz vorläufig aufgenommen sind
und die Vollzugshindernisse alternativer Natur sind, können weitere Aus-
führungen hierzu unterbleiben.
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5.4 Der Beschwerdeführer konnte somit keine ernsthaften Nachteile im
Sinne einer flüchtlingsrechtlichen Verfolgung glaubhaft machen. Hinzu
kommt, dass auch weder die Ehefrau noch die im Asylgesuch miteinge-
schlossenen Kinder spezifische Angaben zur angeblich erlebten Bedro-
hungssituation machen konnten und ausdrücklich angaben, selber keine
negativen Erlebnisse gemacht zu haben, spezifischen Fragen jeweils aus-
wichen und sagten nichts Genaues zu wissen (A28 F26-59, A29 F23-40,
A32 F27-38). So antwortete beispielsweise die Ehefrau auf die Frage, was
ihr Mann ihr in Bezug auf seine Probleme erzählt habe, lediglich: „Diese
Probleme weiss er selber besser. Ich weiss wirklich nicht viel darüber.“
(A28 F34).
5.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nicht
glaubhaft machen konnte, dass er oder seine Familie aufgrund seiner Tä-
tigkeit als (...) von Seiten der Taliban oder regierungsnahen Personen
ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt war. Gestützt
auf die Akten besteht auch kein Anlass zur Annahme, sie hätten solche für
die Zukunft zu befürchten. Die Vorinstanz hat somit zu Recht die Flücht-
lingseigenschaft der Beschwerdeführenden verneint und ihr Asylgesuch
abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
Im Sinne einer Klarstellung ist abschliessend festzuhalten, dass sich aus
den vorstehenden Erwägungen nicht der Schluss ergibt, die Beschwerde-
führenden seien zum heutigen Zeitpunkt angesichts der Entwicklung im
Heimatstaat nicht gefährdet. Der Beschwerdeführer hat denn auch zutref-
fend auf die in seiner Heimatregion prekäre Sicherheitslage hingewiesen
und die Angst davor, dass die weiblichen Mitglieder seiner Familie Opfer
von Übergriffen werden könnten. Der massiv schlechten Sicherheitslage
ist unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 AIG Rechnung getragen worden,
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mit der bereits im vorinstanzlichen Verfahren angeordneten vorläufigen
Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist so-
mit abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Be-
schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihnen jedoch
mit Zwischenverfügung vom 10. Oktober 2018 die unentgeltliche Prozess-
führung gewährt wurde – und sie aufgrund der Aktenlage nach wie vor als
prozessual bedürftig zu betrachten sind – sind im vorliegenden Verfahren
keine Kosten zu erheben.
9.2 Mit Zwischenverfügung vom 10. Oktober 2018 wurde zudem das Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gutgeheis-
sen und Rechtsanwältin Raffaella Massara, Berner Rechtsberatungsstelle
in Not, wurde als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt. Es ist daher der
amtlich bestellten Rechtsbeiständin zulasten der Gerichtskasse ein Hono-
rar für ihre Bemühungen auszurichten. Mit Schreiben vom 29. November
2019 informierte die Rechtsvertreterin darüber, dass sie die Rechtsbera-
tungsstelle verlassen werde und ersuchte darum, Frau Ariane Burkhard als
neue amtliche Rechtsbeiständin einzusetzen. Für den Fall, dass das Ver-
fahren spruchreif sei und keine weiteren Verfahrenshandlungen als not-
wendig erachtet würden, wurde darum ersucht, das Honorar der Rechts-
beratungsstelle auszurichten. Aus der Formulierung der Eingabe ist zu
schliessen, dass der Honoraranspruch von der beigeordneten Rechtsbei-
ständin an ihre frühere Arbeitgeberin abgetreten worden ist. Mit Verfügung
vom 24. Februar 2020 wurde die amtliche Rechtsbeiständin aus dem Man-
dat entlassen und die neue Bevollmächtigung zur Kenntnis genommen,
hingegen eine auf eine neue amtliche Verbeiständung aufgrund der
Spruchreife des Verfahrens verzichtet. Das bis zur Entlassung aus dem
amtlichen Mandat entstandene Honorar für die notwendigen Aufwendun-
gen ist daher der Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not aus-
zurichten. Es wurde – entgegen der Formulierung in der Beschwerde –
keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb die notwendigen Kosten
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aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Das
amtliche Honorar wird in Anwendung der genannten Bestimmungen und
unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (Art. 9–
13 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und
der Entschädigungspraxis in vergleichbaren Fällen auf Fr. 800.– (inkl. Aus-
lagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt.
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