Decision ID: 8b61a9aa-b1a6-5e52-85a2-cc6ceaf4511c
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Lorenz Gmünder, GN Rechtsanwälte,
St. Leonhard-Strasse 20, Postfach 728, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 1. Juni 2010 wegen Rückenleiden (Diskushernie,
Osteochondrose) zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung bei der IV-
Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1). Von 1981 bis 1986 absolvierte er eine Lehre
als Buchbinder in einem Betrieb in Italien und arbeitete bis 1989 als Buchbinder in
Italien. Im Dezember 1989 reiste der Versicherte in die Schweiz ein. Von 1990 bis 1997
arbeitete er in verschiedenen Betrieben als Buchbinder. Ab Mai 1997 arbeitete er zu
100% als Mitarbeiter in der Weiterverarbeitung bzw. als stellvertretender
Abteilungsleiter Ausrüsterei bei der B._ AG (IV-act. 14, 32).
A.b Vom 30. Juni bis 23. Juli 2010 war der Versicherte in stationärer Behandlung im
RehaKlinikum C._. Im Entlassungsbericht vom 3. August 2010 wurde festgehalten,
dass die Therapieziele weitestgehend erreicht worden seien und der Versicherte etwas
erholter wirke (IV-act. 15).
A.c Im Auftrag der IV-Stelle wurde in der Beruflichen Abklärungsstelle (BEFAS)
Appisberg vom 15. August 2011 bis 1. September 2011 eine berufliche Abklärung
durchgeführt. Im Schlussbericht vom 16. September 2011 wurde festgehalten, dass
eine körperlich leichtere, rückenadaptierte und nicht stärker gelenkbelastende
Tätigkeit, bei Möglichkeit des Einnehmens von Wechselpositionen, sitzend/stehend/
gehend, zugemutet werden könne. Unter optimal behinderungsadaptierten
Arbeitsverhältnissen sei eine 100%ige Arbeitsfähigkeit gegeben. Der Versicherte
verfüge über wertvolle intellektuell-schulische als auch manuelle Fertigkeiten. Da ab der
zweiten Abklärungswoche ein deutliches Schonverhalten im Vordergrund gestanden
sei, hätten die Fähigkeiten nicht abschliessend geklärt werden können.
Behinderungsangepasste Tätigkeiten wären verschiedene industrielle
Maschinenbedienungen und/oder Überwachungen, industrielle Montagen, (End/
Qualitäts-) Kontrollen, Mitarbeit im Kundendienst, gewisse Lagertätigkeiten (z.B.
hochautomatisiertes oder Kleinteilelager), Fahrdienste (leichte Kuriertätigkeiten wie
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etwa Labortransporte) und damit Vergleichbares (IV-act. 53). Gestützt auf den
Schlussbericht der Eingliederungsverantwortlichen vom 26. September 2011 (IV-act.
54) teilte die IV-Stelle dem Versicherten am 17. Oktober 2011 mit, dass keine (weiteren)
beruflichen Massnahmen möglich seien (IV-act. 59).
A.d Im von der IV-Stelle in Auftrag gegebenen Gutachten vom 6. Juni 2012 der Dres.
med. D._, Spezialarzt FMH für Innere Medizin speziell Rheumaerkrankungen, und
E._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, das gestützt auf Untersuchungen vom 19.
März 2012 erfolgte, kamen die Experten zum Schluss, dass der Versicherte in einer
adaptierten Verweistätigkeit an einem Arbeitsplatz mit ergonomischem Rückenstuhl,
leichter Arbeit auf Tischhöhe, wechselbelastend, bei Ganztagsanwesenheit mit 80%
verwertbarer Arbeitspräsenz (wegen gehäuften Kurzpausen) mit einer
Leistungsminderung von 10% gesamthaft 70% arbeitsfähig sei. In der angestammten
Tätigkeit als Buchbinder sei er maximal 60% arbeitsfähig bei Ganztagspräsenz,
pausenbedingt verwertbarer Arbeitspräsenz von 80% mit 20% reduzierter Leistung,
wegen der hier höheren Belastung (IV-act. 81).
A.e Mit Vorbescheid vom 29. August 2012 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht. Der Invaliditätsgrad betrage 27% (IV-act.
94).
A.f Mit Einwand vom 4. Oktober 2012 beantragte die Rechtsschutzversicherung des
Versicherten, es sei eine halbe IV-Rente zuzusprechen. Beim Invalideneinkommen in
der bisherigen Tätigkeit sei in Anwendung der LSE-Tabelle, Branche 18, von einem
Durchschnittslohn von Niveau 3 und 4 auszugehen. In einer angepassten Tätigkeit sei
das Total über alle Branchen und das Niveau 4 anzuwenden. Mit beiden Varianten
würde ein Invaliditätsgrad von über 50% resultieren (IV-act. 98).
A.g Mit Verfügung vom 3. Dezember 2012 wies die IV-Stelle, welche einen nicht
rentenbegründenden Invaliditätsgrad von 28% ermittelte, das Rentenbegehren des
Versicherten ab (IV-act. 100).
B.
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B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegend zu beurteilende Beschwerde
vom 14. Januar 2013. Der Beschwerdeführer beantragt unter Kosten- und
Entschädigungsfolge, die angefochtene Verfügung vom 3. Dezember 2012 sei
aufzuheben, dem Beschwerdeführer sei mindestens eine halbe Invalidenrente
auszurichten, eventualiter sei die Streitsache zur Durchführung weiterer Abklärungen
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (act. G1). In der Beschwerdeergänzung
vom 7. Februar 2013 begründet er dies damit, dass auf ein Valideneinkommen von Fr.
87'112.-- abzustellen sei, da er in den vier Jahren vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit in
grossem Umfang Überzeit geleistet habe, welche zusätzlich zum Grundlohn
entschädigt worden sei. Diese zusätzlichen Einkünfte hätten Lohncharakter. Beim
Invalideneinkommen seien die Tabellenlöhne der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) anzuwenden und auf das Anforderungsniveau 4
abzustellen. Zudem sei ein Tabellenlohnabzug von 10% gerechtfertigt (act. G 4).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 11. März 2013 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Es sei von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers auszugehen, da in rechtlicher Hinsicht mangels relevanter
organischer Befunde eine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht
dargetan sei. Es sei die Rechtsprechung für pathogenetisch-ätiologisch unklare
syndromale Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlagen
anzuwenden. Bei der Berechnung des Valideneinkommens sei die ausbezahlte
Überzeit anzurechnen, es sei jedoch vom Durchschnitt der im IK verbuchten
Einkommen der Jahre 2005 bis 2009 und somit von einem Valideneinkommen von Fr.
80'428.-- auszugehen. Beim Invalideneinkommen sei auf das Anforderungsniveau 3 der
LSE-Tabellen abzustellen, da der Beschwerdeführer trotz dem in der Schweiz nicht
anerkannten italienischen Berufsabschluss über Jahre eine qualifizierte Arbeit im
angestammten Berufsfeld ausgeübt habe. Ein Tabellenlohnabzug falle nicht in Betracht
(act. G 6).
B.c Mit Replik vom 15. Mai 2013 hält der Beschwerdeführer vollumfänglich an den
Rechtsbegehren gemäss Beschwerdeschrift fest. Im Gutachten seien die somatisch
bedingten Leiden und die dadurch bedingte Einschränkung der Leistungsfähigkeit mit
aller Klarheit festgehalten und begründet. Die Rechtsprechung zu den pathogenetisch-
ätiologisch unklaren Beschwerdebildern ohne nachweisbare Grundlage finde
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vorliegend keine Anwendung. Es sei auf das Gutachten und die darin festgestellten
Arbeitsfähigkeiten abzustellen (act. G 11). Mit der Replik reichte der Beschwerdeführer
ein ärztliches Zeugnis von Dr. med. F._, Allgemeinmedizin FMH, vom 6. Mai 2013 ein,
in welchem dieser angab, dass sich die Situation, insbesondere bezüglich Schmerzen
im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule seit Februar verschlechtert habe (act. G
11.1).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat am 31. Mai 2013 auf eine Duplik verzichtet (act. G
13).
B.e Am 26. Juni 2013 reichte die Rechtsvertreterin eine Kostennote über Fr. 3'950.-
Honorar (15.8 Stunden à Fr. 250.--) zuzüglich 4% Barauslagen und 8%
Mehrwertsteuer, total Fr. 4'436.65, ein (act. G 15.1).

Erwägungen:
1.
1.1 Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Renten
anspruch des Beschwerdeführers.
1.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Die Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
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besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin macht im Beschwerdeverfahren neu geltend, aufgrund
der gutachterlichen Feststellungen und der gestellten Diagnosen seien beim
Beschwerdeführer zwar organische Befunde am Bewegungsapparat vorhanden,
jedoch seien diese, insbesondere die degenerativen Änderungen, nicht schwergradig
ausgeprägt. Weiter habe sich radiologisch (MRI) kein Nachweis für eine
Nervenwurzelkompression ergeben und es hätten sich weder Instabilitäten noch eine
ausgeprägte Fehlstatik gezeigt. Unter diesen Umständen lasse sich
rechtsprechungsgemäss somatisch keine quantitative Einschränkung der
Leistungsfähigkeit begründen. In rechtlicher Hinsicht sei also mangels relevanter
organischer Befunde eine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht
dargetan. Einzig die beschriebenen qualitativen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit
seien nachvollziehbar. Zu berücksichtigen sei ausserdem, dass der rheumatologische
Experte das Vorliegen einer Schmerzstörung bejaht habe, da er aufgrund der
objektivierbaren Befunde das Ausmass der vom Beschwerdeführer beklagten
Schmerzen nicht habe nachvollziehen können. Unter diesen Umständen würde sich der
invalidisierende Charakter des gesamten Krankheitsbildes als eine Rechtsfrage
beurteilen.
2.2 Es erscheint fraglich, ob die Auffassung der Beschwerdegegnerin zutrifft, kann aber
vorliegend offen gelassen werden. Denn auch wenn zugunsten des Beschwerdeführers
gestützt auf eine 60%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und eine
70%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit (eine höhere Arbeitsunfähigkeit
behauptet selbst der Beschwerdeführer nicht) ein Einkommensvergleich vorgenommen
wird, resultiert kein Rentenanspruch, wie sich aus nachfolgenden Erwägungen ergibt.
3.
3.1 Für das Valideneinkommen ist massgebend, was die versicherte Person im
Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
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Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am
zuletzt erzielten, der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten
Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige
Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1). Ist der zuletzt
bezogene Lohn überdurchschnittlich hoch, ist er nur dann als Valideneinkommen
heranzuziehen, wenn mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, dass er weiterhin
erzielt worden wäre. Die Invalidenversicherung bietet als
Erwerbsunfähigkeitsversicherung grundsätzlich nur Versicherungsschutz für eine
übliche, normale erwerbliche Tätigkeit. In die Vergleichsrechnung einzubeziehen sind
daher nur Einkünfte, die bei einem normalen Arbeitspensum erzielt werden.
Praxisgemäss gehören dazu – ohne Rücksicht auf den hierfür erforderlichen zeitlichen
oder leistungsmässigen Aufwand – auch regelmässig geleistete Überstunden sowie
aus einer Nebenbeschäftigung oder selbständiger Erwerbstätigkeit fliessendes Entgelt.
Eine herabgesetzte Anrechenbarkeit kommt dagegen bei Mehrfachbeschäftigungen
über ein Vollpensum hinaus (Kumulierung von Erwerbs- und Haushaltarbeit, Ausübung
verschiedener wirtschaftlich gleichbedeutender Erwerbstätigkeiten) zum Tragen. Das
Abstellen auf eine normale erwerbliche Tätigkeit bedeutet, dass Einkünfte nur dann als
Validenlohn zu berücksichtigen sind, wenn sie bereits im Gesundheitsfall erzielt wurden
und weiterhin erzielt worden wären, wenn die versicherte Person keine gesundheitliche
Beeinträchtigung erlitten hätte (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Februar 2011,
8C_671/2010, E. 4.5.1 ff. mit Hinweisen).
3.1.1 Gemäss den Angaben des Arbeitgebers hatte der Beschwerdeführer in den
Jahren 2008 und 2009 ein monatliches Einkommen von Fr. 5'340.--, inklusive 13.
Monatslohn ein jährliches Einkommen von Fr. 69'420.-- (IV-act. 14-2). Aufgrund
geleisteter Überstunden sei das tatsächliche Einkommen höher ausgefallen (IV-act. 99).
Gemäss IK-Auszug betrug das Einkommen des Beschwerdeführers im Jahr 2009 Fr.
86'048.--, im Jahr 2008 Fr. 77'357.--, im Jahr 2007 Fr. 75'695.--, im Jahr 2006 Fr.
76'342.-- und im Jahr 2005 Fr. 68'920.-- (IV-act. 8).
3.1.2 Weist das bis zum Eintritt der Invalidität erzielte Einkommen starke und
verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung getretene Schwankungen auf, ist dabei für
eine bessere Repräsentativität auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten
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Durchschnittsverdienst abzustellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juni 2011,
8C_167/2011, E. 4.2 mit Hinweisen).
3.1.3 Aufgrund der erheblichen Unterschiede der jährlichen Einkommen ist die
Berechnung des Valideneinkommens der Beschwerdegegnerin, basierend auf dem
Durchschnittseinkommen der letzten fünf Jahre, unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung bis 2010, nicht zu beanstanden (vgl. act. G 6, S. 6). Entgegen
der Ansicht des Beschwerdeführers, wonach es keinen Grund zur Annahme gebe, dass
sich das Einkommen des Beschwerdeführers ab dem Jahr 2010 wieder unter das im
Jahr 2009 erzielte Einkommen bewegt hätte und deshalb vom im Jahr 2009 erzielten
Einkommen als Valideneinkommen auszugehen sei (vgl. act. G 11, S. 4), ist zu
berücksichtigen, dass die Arbeitgeberin angegeben hat, dass für die Zukunft keine
Überstunden garantiert werden könnten (IV-act. 99). Unter Berücksichtigung des
vereinbarten Jahresgehalts in den Jahren 2008 und 2009 von je Fr. 69'420.-- (vgl. IV-
act. 14-3), hat der Beschwerdeführer im Jahr 2009 Überstunden im Umfang von Fr.
16'628.-- und im Jahr 2008 von Fr. 7'937.-- geleistet. Somit hat der Beschwerdeführer
im Jahr 2009 mehr als doppelt so viele Überstunden als im Jahr 2008 und auch den
vorhergehenden Jahren geleistet. Es ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
anzunehmen, dass er auch in den nachfolgenden Jahren diese einmalig hohe Anzahl
von Überstunden hätte leisten können, weshalb auf den Durchschnittswert der letzten
5 Jahre abzustellen ist. Somit ist von einem Valideneinkommen von Fr. 80'428.-- im
Jahr 2010 auszugehen, wie ihn die Beschwerdegegnerin im Beschwerdeverfahren
zutreffend ermittelt hat (act. G 6, Rz 6).
3.2 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht, sofern
kumulativ besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist,
dass die versicherte Person die ihr verbleibende Leistungsfähigkeit in zumutbarer
Weise voll ausschöpft und das Einkommen aus der Arbeitsleistung angemessen und
nicht als Soziallohn erscheint. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine an sich zumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist auf Erwerbstätigkeiten abzustellen, die der
versicherten Person (nach zumutbarer Behandlung und allfälliger Eingliederung)
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angesichts ihrer Ausbildung und ihrer physischen sowie intellektuellen Eignung
zugänglich wären. Rechtsprechungsgemäss werden hierzu die Tabellenlöhne gemäss
den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen (BGE 129 V 475 f. E. 4.2.1).
3.2.1 Wie aus den Akten hervorgeht, war der Beschwerdeführer Eigentümer des
Restaurants G._, mit offenbar neuem Konzept (vgl. IV-act. 88 und 111). Welches
Einkommen der Beschwerdeführer daraus erzielen konnte, ist nicht bekannt.
Anerkanntermassen ist deshalb auf die Tabellenlöhne abzustellen.
3.2.2 Der Beschwerdeführer absolvierte eine 5-jährige Lehre als Buchbinder in H._
und arbeitete anschliessend bis 1989 bei diversen Firmen in H._ als Buchbinder und
als stellvertretender Abteilungsleiter Ausrüsterei. Ab 1990 arbeitete er als Buchbinder in
der Schweiz und seit 1997 als stellvertretender Abteilungsleiter Ausrüsterei bei seinem
letzten Arbeitgeber (vgl. IV-act. 32-1 f.) Obschon der Beschwerdeführer über keine in
der Schweiz anerkannte Berufsausbildung verfügt, hat er bei seinem letzten
Arbeitgeber als stellvertretender Abteilungsleiter Ausrüsterei gearbeitet, wobei es auch
zu seinen Aufgaben gehörte, die Mitarbeiter in seiner Abteilung zu instruieren (vgl. IV-
act. 14-6 f.). Im Schlussbericht BEFAS wurde zudem festgehalten, dass der
Beschwerdeführer über gute intellektuelle/schulische Ressourcen verfüge, mit der
Schwäche respektive Hemmung sich deutsch-schriftlich auszudrücken. Im
handwerklichen Bereich sei deutlich geworden, dass es sich beim Beschwerdeführer
um einen Praktiker mit manuellem Geschick vom mittleren bis gröberen Bereich
handle. Zudem verfüge er über eine gute Auffassungsgabe sowie eine normale
Konzentrations-, Merk- und Lernfähigkeit (IV-act. 53-6 ff.). Aufgrund seiner
vorhandenen beruflichen Ausbildung, seiner bisherigen beruflichen Tätigkeiten sowie
seiner festgestellten Fähigkeiten und Ressourcen kommt beim Beschwerdeführer in
einer adaptierten Tätigkeit nicht das Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive
Tätigkeiten) zur Anwendung, sondern es ist das Anforderungsniveau 3 (Berufs- und
Fachkenntnisse vorausgesetzt) heranzuziehen. Dass es sich beim Beschwerdeführer
nicht um einen Hilfsarbeiter handelt, zeigt sich auch daran, dass er bei verschiedenen
Firmen als Verwaltungsrat mit Einzelunterschrift tätig war (vgl. online-
Handelsregisterauszug betreffend I._ AG, J._ AG, K._ AG, abgerufen am 17.
Dezember 2014).
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3.2.3 Gemäss LSE 2010, TA 1, Ziff. 18 (Herst. v. Druckerz.; Vervielfältigung)
Anforderungsniveau 3, Männer, betrug das durchschnittliche Einkommen Fr. 6'500.--.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist eine Umrechnung des Tabellenlohns
auf 41.6 Wochenstunden durchzuführen. Die dem statistischen Invalidenlohn zu
Grunde liegende Wochenarbeitszeit von 40 Stunden ist rechtsprechungsgemäss auch
dann auf eine betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit umzurechnen, wenn die
versicherte Person als Valide in einem Betrieb mit geringerer Stundenwoche gearbeitet
hat. Anlass, das standardisierte Durchschnittseinkommen nicht auf eine
branchenübliche wöchentliche Arbeitszeit umzurechnen, bestünde allenfalls dann,
wenn dargetan wäre, dass die versicherte Person wegen der Wochenarbeitszeit von 40
Stunden bereits ohne Behinderung einen wesentlich unter dem branchenüblichen
Verdienst liegenden Lohn erzielt hätte, sodass diesem das Valideneinkommen
beeinflussenden Umstand nach dem Grundsatz der Parallelität der
Bemessungsfaktoren auch beim Invalideneinkommen Rechnung zu tragen wäre (Urteil
des Bundesgerichts vom 24. Januar 2011, 8C_965/2010, E. 4.2). Vorliegend hat der
Beschwerdeführer tatsächlich eine wesentlich höhere Wochenarbeitszeit als 40
Stunden geleistet, weshalb der Tabellenlohn auf die betriebsübliche wöchentliche
Arbeitszeit von 41.6 Stunden aufzurechnen ist. Daraus resultiert ein Jahreseinkommen
von Fr. 81'120.-- (Fr. 6'500.-- / 40 x 41.6 x 12). Bei einer Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit von 60% ergibt dies ein Invalideneinkommen von Fr. 48'672.--
(Fr. 81'120.-- x 0.6).
3.2.4 In einer adaptierten Tätigkeit besteht eine Arbeitsfähigkeit von 70%. Aus dem
Gutachten geht hervor, dass eine industrielle Verweistätigkeit bevorzugt werde (vgl. IV-
act. 81-21). Dies deckt sich auch mit der Beurteilung der BEFAS-Appisberg (vgl. IV-act.
56-39). Demzufolge kann auf den Durchschnittswert "Verarbeitendes Gewerbe/Herst.
v. Waren", Ziff. 10-33, LSE 2010, Tabelle TA1, Anforderungsniveau 3, Männer,
abgestellt werden. Daraus resultiert ein Jahreseinkommen von Fr. 76'777.-- (Fr.
6'152.-- / 40 x 41.6 x 12). Bei einer Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von
70% ergibt dies ein Invalideneinkommen von Fr. 53'744.-- (Fr. 76'777.-- x 0.7).
3.3 Es ist auf das im Vergleich zur angestammten Tätigkeit höhere Invalideneinkommen
in einer adaptierten Tätigkeit von Fr. 53'744.-- abzustellen. Im Folgenden ist noch zu
prüfen, ob ein Tabellenlohnabzug vorzunehmen ist.
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3.3.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass ein Tabellenlohnabzug von 10%
vorzunehmen sei. Er begründet dies damit, dass er auf dem Arbeitsmarkt aufgrund der
bestehenden Schmerzen und der eingeschränkten Leistungsfähigkeit sicherlich nicht
denselben Lohn wie ein gesunder Arbeitnehmer erreichen könne. Hinzu komme, dass
er keine schweizerische Ausbildung absolviert habe, nur vermindert lasthebefähig und
auf Wechselbelastung angewiesen sei sowie vermehrt Kurzpausen benötigt. Sodann
sei der Beschwerdeführer bereits 48 Jahre alt. Weiter sei zu berücksichtigen, dass
Deutsch nicht seine Muttersprache sei (act. G 4, S. 10).
3.3.2 Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt
werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichen Erfolg zu
verwerten in der Lage sind. Nach der Rechtsprechung hängen die Fragen, ob und in
welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen
und beruflichen Umständen – auch von invaliditätsfremden Faktoren – des konkreten
Einzelfalls ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre,
Nationalität/ Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem
Ermessen gesamthaft zu schätzen sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25%
festzusetzen ist. Eine schematische Vornahme des Tabellenlohnabzugs ist unzulässig
(BGE 126 V 79 E. 5b und 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen).
3.3.3 Der Beschwerdeführer war im Zeitpunkt des Verfügungserlasses vom 3.
Dezember 2012 48-jährig. Vor ihm lag noch eine 17-jährige Aktivitätsdauer, weshalb
sich das Alter nicht auf die Lohnhöhe auswirken dürfte.
3.3.4 Dass Deutsch nicht die Muttersprache des Beschwerdeführers ist, rechtfertigt
ebenfalls keinen Abzug. Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, dass die
Deutschkenntnisse des Beschwerdeführers erheblich mangelhaft seien. Aus der
BEFAS Abklärung geht einzig hervor, dass eine Hemmung vorliege sich deutsch-
schriftlich auszudrücken (vgl. IV-act. 53-6). Dies alleine rechtfertigt jedoch,
insbesondere bei einer Tätigkeit im Bereich des verarbeitenden Gewerbes und der
Herstellung von Waren, keinen Tabellenlohnabzug.
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3.3.5 Das Fehlen einer schweizerischen Ausbildung rechtfertigt vorliegend keinen
Tabellenlohnabzug. Schliesslich verfügt der Beschwerdeführer einerseits über eine
italienische Berufsausbildung und eine ausgewiesene Berufserfahrung sowie
andererseits über weitere persönliche Ressourcen, wie dies bereits dargelegt wurde
(vgl. E. 3.2.2 f.).
3.3.6 Der Umstand, dass der Beschwerdeführer vermehrt Kurzpausen benötigt, wurde
bereits bei der Festsetzung der Arbeitsfähigkeit auf 80% berücksichtigt und kann an
dieser Stelle nicht nochmals einbezogen werden. Mit der Berücksichtigung einer
zusätzlichen Leistungsminderung von 20% bzw. 10% wurde auch den
leidensbedingten Einschränkungen bereits Rechnung getragen. Ein zusätzlicher
Tabellenlohnabzug erscheint daher nicht gerechtfertigt.
3.4 Ausgehend vom Invalideneinkommen von Fr. 53'744.-- resultiert eine
Erwerbseinbusse von Fr. 26'684.-- (Fr. 80'428.-- – Fr. 53'744.--) und ein
Invaliditätsgrad von 33% ([26'684.-- / 80'428.--] x 100). Selbst in der angestammten
Tätigkeit resultiert ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 39% ([80'428.-- –
48'672.--] / 80'428.-- x 100; vgl. E. 3.2.3). Damit hat der Beschwerdeführer keinen
Anspruch auf eine Invalidenrente.
4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde vom 14. Januar 2013 abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihm daran anzurechnen.
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
bis
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