Decision ID: 2c04a947-1e6f-4067-bed5-4c187ac4c45a
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a A._ meldete sich am 18. Oktober 1990 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act.
1). Dr. med. B._, Innere Medizin FMH, berichtete am 30. Dezember 1990 (IV-act. 6),
der Versicherte sei durch einen Messerstich transnasal bis in die Orbita verletzt
worden. Die Läsion des Nervus opticus habe einen wahrscheinlich definitiven
Visusverlust im rechten Auge (Amaurose) zur Folge. Die Arbeit als Bauhilfsarbeiter
wurde dem Versicherten wegen des Unfallrisikos gekündigt (IV-act. 7). Da der
Versicherte eine Arbeitsstelle als Fabrikarbeiter fand, bei der er einen nur geringfügig
tieferen Lohn als an der früheren Arbeitsstelle erzielte, wies die zuständige
Ausgleichskasse sein Rentenbegehren am 21. Oktober 1991 ab (IV-act. 18). Am 10.
März 2003 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 36). Dr. med. C._ berichtete am 25. März 2003 (IV-act. 38), der Versicherte leide
an einer Hyperpathie im Bereich einer Rissquetschwunde am rechten Handrücken. Die
Schmerzen hätten auch nach der Wundheilung persistiert. Weitere Abklärungen mittels
MRI und spezialärztlichen Untersuchungen hätten keine Ursache ergeben. Der
Versicherte sei noch zu 25% arbeitsfähig. Dr. med. D._, Augenarzt FMH, gab am
16. Juni 2003 an (IV-act. 44), die Erblindung des rechten Auges sei definitiv. Der
Versicherte sei an einem adaptierten Arbeitsplatz ohne Gefährdung des gesunden
linken Auges zu 100% arbeitsfähig. Dr. med. E._ berichtete in seinem Gutachten vom
19. August 2003 (IV-act. 47), angesichts der fokalen Infiltrate am Handrücken mit
Suffusionen verschiedenen Alters könnte allenfalls ein artifizielles Klopfödem vorliegen.
Der Versicherte sollte diesbezüglich stationär abgeklärt werden. Die Klinik Valens hielt
in ihrem multidisziplinären Gutachten vom 29. Dezember 2003 fest (IV-act. 52), es
bestehe ein St. n. Schnittverletzung am rechten Handrücken (mit/bei leichter
Weichteilschwellung im Bereich der Narbe am Handrücken, Weichteilschwellung
radiodorsal zwischen Cutis und Extensorensehnenloge, fehlender Hinweis auf
knöcherne oder Sehnenläsion, Funktionsstörung des rechten Arms bei Schonverhalten,
kein Hinweis auf artifizielles Klopfödem oder Algodystrophie) und St. n.
Messerstichverletzung am rechten Auge mit Amaurose rechts. Für eine leichte,
wechselbelastende Arbeit mit seltenen Gewichtsbelastungen bis maximal 10 kg, ohne
Tätigkeiten, die ein gutes Gleichgewicht oder manuelle Fertigkeiten (Handkoordination)
verlangten und die einäugig durchgeführt werden könnten, bestehe eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit
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nicht eingeschränkt. Das Leistungsbegehren des Versicherten wurde mit einer
Verfügung vom 13. September 2004 abgewiesen (IV-act. 88). Ein dagegen erhobenes
Rechtsmittel wurde am 17. August 2005 letztinstanzlich abgewiesen (IV-act. 97).
A.b Im September 2005 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 34). Die F._AG gab am 25. Oktober 2005 an (IV-act. 99), sie
habe den Versicherten vom 1. Mai 2004 bis zum 30. Oktober 2005 als Montagearbeiter
zu 50% beschäftigt. Der Lohn habe Fr. 2'200.-- betragen. Dr. C._ berichtete am 24.
November 2005 (IV-act. 105), der Versicherte leide an einer Handkontusion mit
Rissquetschwunde rechts und - ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit - an einer
posttraumatischen Amaurose rechts. Alle Gelenke des rechten Arms bis zur Schulter
seien bewegungsdolent. Trotz umfangreicher Abklärungen sei die Ursache nicht
bekannt. Ambulante und stationäre Rehabilitationen hätten nichts genützt. Für ganz
leichte, mit einer Hand auszuführende Arbeiten könne der Versicherte ganztags
eingesetzt werden. Dr. med. G._, Allgemeine Medizin FMH, berichtete dem
zuständigen Sozialamt am 15. Mai 2006 (IV-act. 115), der Versicherte sei in einer
wechselseitigen Arbeit (sitzend, stehend, gehend) ohne einseitige repetitive
Arbeitsgänge und ohne Gewichtseinsätze über 10 kg sowie unter der Horizontalen
(Höhe Unterarm) voll arbeitsfähig. In einer internen Notiz der IV-Stelle wurde am 14.
August 2006 festgehalten (IV-act. 119), das Valideneinkommen stütze sich auf die
Angaben der H._AG, aufgerechnet auf das Jahr 2006. Das zumutbare
Invalideneinkommen beruhe auf der Grundlage des statistischen Durchschnittslohns.
Der Invaliditätsgrad belaufe sich auf 10%. Am 9. Oktober 2006 wies die IV-Stelle
sowohl das Begehren um berufliche Eingliederungsmassnahmen als auch das
Rentenbegehren ab (IV-act. 125, 126).
A.c Der Versicherte meldete sich am 13. November 2007 erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 134). Die IV-Stelle forderte ihn am 4. Dezember 2007 auf, eine
nach dem 9. Oktober 2006 eingetretene leistungserhebliche Sachverhaltsveränderung
glaubhaft zu machen (IV-act. 137). Dr. D._ teilte der IV-Stelle am 12. Dezember 2007
mit (IV-act. 138), der Augenbefund sei unverändert. Der Versicherte sei auf eine Arbeit
angewiesen, die kein stereotypes Sehen erfordere. Er empfehle die Einleitung
entsprechender beruflicher Massnahmen. Dr. C._ gab in einem Zeugnis vom 19.
Dezember 2007 an (IV-act. 140), die Handschmerzen rechts seien stärker geworden.
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Der Versicherte müsse deswegen mehr und stärkere Medikamente einnehmen. Klinisch
bestehe eine zunehmende Schwellung, Druckdolenz und Funktionseinschränkung mit
Einschränkung der Beweglichkeit und endgradigen starken Schmerzen. Dr. med. I._
vom RAD hielt am 24. Januar 2008 fest (IV-act. 142), es sei keine Verschlechterung des
Gesundheitszustands eingetreten. Die IV-Stelle eröffnete ein Verfahren betreffend
Arbeitsvermittlung (IV-act. 143). Sie holte einen Bericht von Dr. E._ ein. Dr. E._ gab
am 3. April 2008 (IV-act. 150) an, es bestehe ein Status nach einer Schnittverletzung
der rechten Hand mit einem persistierenden chronischen Schmerzsyndrom.
Inspektorisch bestehe nach wie vor eine unauffällige rechte Hand mit normaler Trophik,
höchstens angedeuteter leichter livider Verfärbung und vermehrter Behaarung. Es liege
eine Diskrepanz zwischen den subjektiv geklagten Beschwerden und den objektiven
Befunden vor. Bei Arbeiten mit leichtem manuellem Einsatz (Heben bis 1 kg, keine
Kraftanwendung der rechten Hand) könnte unter Umständen eine Arbeitsfähigkeit von
80% erreicht werden. Zusätzlich seien die Erblindung des rechten Auges und die
geistige und psychische Belastbarkeit zu beachten. Dr. I._ vom RAD vertrat am 15.
April 2008 die Auffassung (IV-act. 151), dass keine Verschlechterung des
Gesundheitszustands plausibel gemacht sei. Die Psychiatrie-Dienste Süd gaben dem
zuständigen RAV am 23. Januar 2009 an (IV-act. 156), der Versicherte sei in einem
geschützten Rahmen für leichteste Arbeiten zu 60-80% einsetzbar. Die Ärzte der
psychiatrischen Klinik St. Pirminsberg berichteten der IV-Stelle am 9. Februar 2009 (IV-
act. 158), der Versicherte leide an einem St. n. Schnittverletzung mit einem
persistierenden chronischen Schmerzsyndrom und einem funktionellen Ausschluss des
rechten Arms mit relativer Muskelatrophie, schmerzbedingter
Bewegungseinschränkung des Arms in der rechten Schulter und episodischen
Dysästhesien im rechten Handrücken, Unter- und Oberarm. Ausserdem bestehe eine
mittelgradige depressive Episode, die aber keine Arbeitsunfähigkeit bewirke. Weite
Teile des Problems wären durch eine geregelte Arbeit mit entsprechender Entlöhnung
lösbar. Die geistige und psychische Belastbarkeit des Versicherten sei durch die
sozialen Gegebenheiten und durch die rigiden prämorbiden Persönlichkeitszüge
eingeschränkt. In einer belastungsadaptierten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit
von 60-80%. Die Eingliederungsberaterin der IV-Stelle empfahl am 19. März 2009 eine
Überprüfung der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 160). Am 25. März 2009 wurde die
Arbeitsvermittlung eingestellt (IV-act. 164). Das Psychiatrie-Zentrum Werdenberg-
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Sarganserland berichtete im Juni 2009 (IV-act. 168), es gebe keine Veränderungen zum
Vorbericht. Der Versicherte sei nach der Behandlung vom 6. Mai 2009 nicht mehr
erschienen. Dr. I._ vom RAD hielt am 10. Juli 2009 fest (IV-act. 169), da keine
relevante und behandlungsbedürftige psychiatrische Störung vorherrsche, könne von
einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer ideal adaptierten Tätigkeit ausgegangen
werden, wenn mit der Hand nur Gewichte bis max. 1 kg gehoben und wenn mit der
Hand keine Kraft angewendet werden müsse. Ausserdem müsse der praktischen
Einäugigkeit Rechnung getragen sein. Die IV-Stelle verglich ein Valideneinkommen
2008 als Metallarbeiter von Fr. 57'719.-- mit einem anhand des statistischen
Durchschnittseinkommens bei einem Beschäftigungsgrad von 80% erzielbaren
Einkommen von Fr. 48'484.-- und ermittelte so einen Invaliditätsgrad von 16% (IV-act.
170). Mit einem Vorbescheid vom 14. September 2009 orientierte die IV-Stelle den
Versicherten darüber, dass sie beabsichtige, sein Rentengesuch abzuweisen (IV-act.
174). Am 30. November 2009 verfügte sie die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act.
185). Der Versicherte stellte der IV-Stelle ein an das Sozialamt gerichtetes Schreiben
von Dr. G._ vom 31. August 2009 zu (IV-act. 186). Dieser hatte darin ausgeführt, eine
50%ige Arbeitsleistung sei von der somatischen wie von der psychiatrischen Seite her
möglich.
B.
B.a Der Versicherte erhob am 24. Dezember 2009 Einsprache (richtig: Beschwerde)
mit dem Begehren, die Verfügung vom 30. November 2009 sei aufzuheben und der
Anspruch auf eine Invalidenrente sei gemäss dem Bericht von Dr. G._ neu
festzulegen (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 3. März 2010 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 8). Sie machte geltend, die Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit
als Folge der Beschwerden an der rechten Hand und der Erblindung des rechten
Auges sei auf 20% geschätzt worden. Da keine Verschlechterung des
Gesundheitszustands ausgewiesen sei, könne ohne weiteres auf diese Einschätzung
abgestellt werden. Auch bei einem "Höchstabzug" von 25% vom Tabellenlohn liege
der Invaliditätsgrad unter 40%.
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B.c Die Gerichtsleitung bewilligte am 4. März 2010 die unentgeltliche Rechtspflege
(act. G 10).
B.d Der Beschwerdeführer machte am 19. März 2010 geltend (act. G 11), er suche
seit Monaten vergeblich eine Arbeitsstelle. Aufgrund seines Gesundheitszustands
könne er aber nichts finden. Gemäss den Angaben des Hausarztes sei er zu 100%
arbeitsunfähig.
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 23. April 2010 auf eine Stellungnahme
(act. G 13).

Erwägungen:
1.
Ist eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrads verweigert worden, so wird
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn glaubhaft gemacht ist, dass sich der
Invaliditätsgrad in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert habe (Art. 87
Abs. 4 IVV). Gestützt auf diese Bestimmung hat die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdeführer am 4. Dezember 2007 aufgefordert, ausführliche Arztberichte,
Lohnausweise usw. einzureichen, ansonsten er mit einem Nichteintretensentscheid
rechnen müsse. Die Beschwerdegegnerin hat also ein Verwaltungsverfahren eröffnet,
das ausschliesslich der Prüfung der Frage gedient hat, ob sie auf die Neuanmeldung
vom 13. November 2007 einzutreten habe. Der Beschwerdeführer hat fristgerecht
verschiedene Arztberichte eingereicht, aber Dr. I._ hat am 24. Januar 2008 gestützt
auf diese Berichte die Auffassung vertreten, es sei keine Verschlechterung des
Gesundheitszustands eingetreten. Die Beschwerdegegnerin hat daraufhin weder den
angekündigten Nichteintretensentscheid erlassen noch dem Beschwerdeführer erneut
eine Frist zur Einreichung weiterer Arztberichte etc. angesetzt. Sie hat vielmehr selbst
den Versuch unternommen, für den Beschwerdeführer eine leistungserhebliche
Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu machen, indem sie einen Bericht von Dr. E._
eingeholt und gleichzeitig ein Verfahren zur Arbeitsvermittlung eröffnet hat, obwohl Dr.
I._ am 15. April 2008 im Bericht von Dr. E._ keinen Hinweis auf eine Veränderung
des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers hat entdecken können. Die
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Beschwerdegegnerin hat auch dies nicht zum Anlass genommen, gestützt auf Art. 87
Abs. 4 IVV einen Nichteintretensentscheid in Bezug auf die Neuanmeldung zum
Rentenbezug zu erlassen. Vielmehr hat sie das Verfahren pendent gehalten, bis sie am
20. Oktober 2008 von der Klinik St. Pirminsberg telefonisch erfahren hat, dass der
Beschwerdeführer wegen einer schweren depressiven Störung hospitalisiert worden
sei. Im entsprechenden Bericht der Klinik St. Pirminsberg ist dann eine Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers von noch 60-80% angegeben worden. Damit ist nach der
Auffassung der Beschwerdegegnerin eine relevante Veränderung des Invaliditätsgrades
glaubhaft gemacht gewesen, so dass auch in Bezug auf die Neuanmeldung zum
Rentenbezug ein Verwaltungsverfahren hat eröffnet werden können. Die
Beschwerdegegnerin ist dabei dem Vorschlag von Dr. I._ vom 23. April 2009, weitere
Arztberichte zur Überprüfung des Arbeitsfähigkeitsgrades des Beschwerdeführers
einzuholen, nachgekommen. Grundsätzlich liegt die "Glaubhaftmachungslast" gemäss
Art. 87 Abs. 4 IVV bei der versicherten Person, die sich neu zum Leistungsbezug
anmeldet. Die Beschwerdegegnerin hat denn auch zunächst diese
"Glaubhaftmachungslast" erläutert und einen Nichteintretensentscheid angedroht für
den Fall, dass innert einer bestimmten Frist keine Belege eingehen sollten, die eine
relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft machen würden. Wie die Berichte von Dr.
I._ vom 24. Januar und vom 15. April 2008 zeigen, hat der Beschwerdeführer weder
innert der ihm angesetzten Frist noch später Belege eingereicht, die eine erhebliche
Veränderung seines Invaliditätsgrads glaubhaft gemacht hätten. Trotzdem ist entgegen
der Abmahnung nie ein Nichteintretensentscheid ergangen. Stattdessen hat die
Beschwerdegegnerin begonnen, selbst nach Indizien für einen Anstieg des
Invaliditätsgrades zu suchen, was ihr schliesslich mit dem Bericht der Klinik
St. Pirminsberg gelungen ist, so dass sie - konkludent - auf die Neuanmeldung zum
Rentenbezug hat eintreten können. Nach der Rechtsprechung des angerufenen
Gerichts (vgl. den Entscheid vom 26. Februar 1998 i.S. M.C.-S.) kann die
Beschwerdegegnerin die sich neu anmeldende Person bei der Glaubhaftmachung
eines erheblichen Anstiegs des Invaliditätsgrads unterstützen. Dies gilt für jene Fälle, in
denen eine komplexe medizinische Situation vorliegt und/oder in denen die versicherte
Person mit der Glaubhaftmachung einer invaliditätsrelevanten
Sachverhaltsveränderung überfordert ist. Bei der Prüfung eines Anspruchs auf Hilfe bei
der "Glaubhaftmachung" ist der Beschwerdegegnerin ein grosses Ermessen
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einzuräumen, das allerdings durch die Pflicht zur Gleichbehandlung aller versicherten
Personen beschränkt ist: Es kann nicht sein, dass die Beschwerdegegnerin einer
versicherten Person dadurch hilft, dass sie ganz auf die "Glaubhaftmachung" verzichtet
und voraussetzungslos, d.h. unter Umgehung von Art. 87 Abs. 4 IVV auf eine
Neuanmeldung eintritt. Auch wenn die Beschwerdegegnerin gegenüber dem
Beschwerdeführer äusserst grosszügig bei der Hilfe zur "Glaubhaftmachung" einer
erheblichen Veränderung gewesen ist, indem sie einfach zugewartet hat, bis
schliesslich eine (lange nach der Neuanmeldung eingetretene) Verminderung des
Arbeitsfähigkeitsgrads glaubhaft gewesen ist, hat sie nach dem oben Ausgeführten ihr
Ermessen nicht missbraucht. Sie ist deshalb schliesslich zu Recht auf die
Neuanmeldung vom 13. November 2007 eingetreten und hat die Rentenberechtigung
des Beschwerdeführers anhand des aktuellen Sachverhalts neu geprüft.
2.
Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen).
2.1 Grundlage der Bemessung des Valideneinkommens bildet jene erwerbliche
Situation, in der sich die versicherte Person befinden würde bzw. befinden könnte,
wenn sie nicht krank geworden wäre. Diese hypothetische erwerbliche Situation wird
als Validenkarriere bezeichnet. Ausgehend von dieser Validenkarriere wird das
Valideneinkommen ermittelt. Der Beschwerdeführer hat gemäss seinen eigenen
Angaben im Herkunftsland eine Ausbildung als Maurer absolviert. Der Arbeitgeber, bei
dem er tätig gewesen ist, als er durch den Messerstich im rechten Auge blind
geworden ist, hat ihn als Bauarbeiter/Handlanger bezeichnet. Das zwingt zur Annahme,
dass die beruflichen Kenntnisse und Fertigkeiten nicht denjenigen eines in der Schweiz
ausgebildeten Maurers entsprochen haben, dass der Beschwerdeführer also
Bauhilfsarbeiter gewesen ist. Diese Tätigkeit hat er wegen der mit der Einäugigkeit
verbundenen Unfallgefahr nicht mehr ausüben können. Er hat damals eine Stelle als
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Hilfsarbeiter in einem kunststoffverarbeitenden Betrieb gefunden. Die
Beschwerdegegnerin hat deshalb ein Valideneinkommen als Bauhilfsarbeiter einem
zumutbaren Invalideneinkommen als Hilfsarbeiter in der kunststoffverarbeitenden
Industrie gegenübergestellt und einen Invaliditätsgrad von aufgerundet 10% ermittelt.
Bei der Bemessung des Valideneinkommens für den aktuellen Einkommensvergleich
hat die Beschwerdegegnerin nicht mehr auf die Karriere als Bauhilfsarbeiter abgestellt.
Sie hat den Beschwerdeführer als Metallarbeiter bezeichnet. Das dürfte auf den
Umstand zurückzuführen sein, dass der Beschwerdeführer in dem Zeitpunkt, in dem er
sich am rechten Handrücken verletzt hat, gemäss den Angaben des Arbeitsgebers
tatsächlich als ungelernter Metallarbeiter betätigt hat. Damit hat die
Beschwerdegegnerin ausgeblendet, dass der Beschwerdeführer bereits 1990 durch
eine Gesundheitsbeeinträchtigung beruflich "aus der Bahn geworfen worden ist", d.h.
dass er bereits seit 1990 (allerdings nicht in einem zu einer Rente berechtigenden
Ausmass) invalid ist. Die Folgen der Beschwerden an der rechten Hand haben deshalb
nur eine weitere Verschlechterung des Gesundheitszustands und damit der
Arbeitsfähigkeit bewirken können. Wäre bereits aufgrund des Verlusts der Sehkraft am
rechten Auge eine Invalidität von 40% oder mehr und damit ein Rentenanspruch
entstanden, so wäre in dem aufgrund der Handverletzung notwendigen
Revisionsverfahren gar nicht daran gedacht worden, die Validenkarriere auszuwechseln
(Metallarbeiter statt Bauhilfsarbeiter). Das zeigt, dass die Validenkarriere auch im
aktuellen Einkommensvergleich diejenige des Bauhilfsarbeiters sein muss. Allerdings
liegt diese Beschäftigung sehr lange zurück, so dass der damals effektiv erzielte Lohn
nicht die Grundlage der Ermittlung des Valideneinkommens bilden kann. Abzustellen ist
deshalb auf den Durchschnittslohn, den ein Bauhilfsarbeiter im Jahr 2008 erzielen
würde. Als Grundlage kommt in erster Linie der im massgebenden
Gesamtarbeitsvertrag vorgesehene Lohn in Frage, da sich die Löhne im Baugewerbe
erfahrungsgemäss eng an den dort vorgesehenen Lohn anlehnen. Als Alternative
kommt der Durchschnittslohn der Bauhilfsarbeiter in der Region Ostschweiz gemäss
der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik für das Jahr 2008 in Frage.
2.2 Der Beschwerdeführer geht keiner Erwerbstätigkeit mehr nach. Seine
Invalidenkarriere kann deshalb nur hypothetisch bestimmt werden. Es muss sich um
eine Hilfsarbeit handeln, bei der seine Einäugigkeit kein Nachteil wäre. Dr. I._ vom
RAD hat am 10. Juli 2009 als weitere qualitative Anforderungen eine Beschränkung auf
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einen leichten manuellen Einsatz der rechten Hand mit Verzicht auf Kraftanwendung
und ein Hebelimit von 1 kg angegeben. Er hat sich dabei wohl auf die Angaben von Dr.
E._ gestützt, der aber nach wie vor keine Ursache für die geklagten Schmerzen
gefunden und auf die Differenz zwischen den geklagten Beschwerden und den
objektiven Befunden hingewiesen hat. Angesichts des von Dr. E._ früher geäusserten
Verdachts auf ein artifizielles Klopfödem, der nie bestätigt, aber auch nicht definitiv
widerlegt worden ist, angesichts des Umstands, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung
nicht eindeutig auf die Folgen der Beschwerden an der rechten Hand beschränkt
geblieben ist, sondern möglicherweise die nachteilige soziale Situation einbezogen hat
(wie es ausgeprägt bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung durch die Klinik St. Pirminsberg
geschehen ist), sowie angesichts des Umstands, dass die zur Definition der
Arbeitsfähigkeit gehörende Pflicht des Beschwerdeführers, die aus der
Schmerzempfindung resultierenden subjektiven Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung durch
eine zumutbare Willensanstrengung zu überwinden und trotz der Schmerzen zu
arbeiten, bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung wohl keine Berücksichtigung gefunden
hat, erweisen sich weder die Umschreibung der adaptierten Tätigkeit noch die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E._ als überwiegend wahrscheinlich richtig. Das
muss erst recht für die Einschätzung der Klinik St. Pirminsberg gelten. Für diesen Teil
des massgebenden Sachverhalts fehlt also der überzeugende Nachweis, was die
Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens und damit des Invaliditätsgrads
ausschliesst. Die Sache ist deshalb zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
3.
Demnach ist die Beschwerde gutzuheissen und die Sache ist zur weiteren Abklärung
und zur anschliessenden neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Bei diesem Verfahrensausgang ist praxisgemäss von einem
vollständigen Obsiegen des Beschwerdeführers auszugehen. Dieser hat deshalb
zulasten der Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf eine volle Parteientschädigung.
Deren Höhe bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). Unter Berücksichtigung dieser beiden
Kriterien erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) als angemessen. Das Beschwerdeverfahren in IV-Sachen ist
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grundsätzlich kostenpflichtig. Die Höhe der Gerichtsgebühr bemisst sich nach dem
Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dieser ist als durchschnittlich zu werten und
rechtfertigt deshalb praxisgemäss eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--. Diese Gebühr ist
der vollumfänglich unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP