Decision ID: 9476a743-2224-4cbd-95eb-5e25b7429b43
Year: 2021
Language: de
Court: BE_SRK
Chamber: BE_SRK_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

den Akten entnommen:
A. A._ (Beschwerdeführer) hat mit Schreiben vom 29. Juli 2020 um Rückerstattung der bezahlten Wehrpflichtersatzabgaben der Ersatzjahre 2010 bis 2019 inklusive Zinsen
ersucht. Das Gesuch wurde vom Amt für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär des Kantons
Bern (BSM) mit Verfügung vom 7. August 2020 abgewiesen. In der Begründung wurde
festgehalten, dass der Beschwerdeführer mit Entscheid der medizinischen
Untersuchungskommission (UC) vom 9. Juni 2009 als militär- und zivildienstuntauglich erklärt
worden sei. Weiter sei er auf eigenes Begehren hin mit UC-Entscheid vom 14. Februar 2020 in
die Armee eingeteilt worden und leiste nun die gesamte Dienstleistung als Durchdiener vom
4. Mai 2020 bis zum 26. Februar 2021. Ein Anspruch auf Rückerstattung der Ersatzabgabe
bestehe erst nach Erfüllung dieser Gesamtdienstpflicht. Im Weiteren wird darauf hingewiesen,
dass auf Rückerstattungsbeträgen kein Zins vergütet werde.
B. Gegen diesen Entscheid hat der Beschwerdeführer innert Frist Einsprache erhoben, die vom BSM mit Einspracheentscheid vom 3. September 2020 mit analoger Begründung erneut
abgewiesen wurde.
C. Gegen diesen Entscheid hat der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 30. September 2020 bei der Steuerrekurskommission des Kantons Bern (Steuerrekurskommission) Beschwerde
erhoben. Er beantragt die umgehende Rückerstattung der gesamten bisher bezahlten
Wehrpflichtersatzabgaben, zuzüglich eines angemessenen Vergütungszinses. Eventualiter
zumindest die Rückerstattung der Ersatzabgabe für die Jahre 2010 bis 2012, in denen die
Möglichkeit der Dienstleistung noch nicht bestanden habe und für das Jahr 2019, in dem
anhand des Gesuchs auf Zulassung zum Militärdienst seine Dienstwilligkeit erstellt sei. In der
Begründung führt er u.a. aus, dass er im Jahr 2009 aufgrund einer Krebserkrankung und
_-diagnose sowohl militär- wie auch zivildienstuntauglich erklärt worden sei und ab
diesem Zeitpunkt Ersatzabgaben habe leisten müssen. Als er erfahren habe, dass aufgrund
eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) doch noch die
Möglichkeit bestehe, den Militärdienst nachträglich zu leisten, habe er ein entsprechendes
Gesuch eingereicht. Im nachfolgenden Verfahren sei er von der medizinischen Spezial
Untersuchungskommission (Spez UC) als militärdiensttauglich mit medizinischen Auflagen
eingestuft worden und habe nun als Durchdiener bis dato 151 Diensttage geleistet. Sinngemäss
macht er weiter geltend, er habe in den Jahren zuvor fast die gesamte Dienstleistungspflicht mit
Ersatzabgaben abgegolten und nun zudem bereits mehr als die Hälfte des Dienstes real
nachgeleistet. Damit habe er zur Zeit deutlich mehr als 100 % der Dienstpflicht geleistet und
werde gegen Ende des Dienstes fast 200 % des geschuldeten Dienstes geleistet haben. Da er
in seinem Alter einen eigenen Haushalt habe, würden der Erwerbsersatz von CHF 62.-- und der
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Sold von CHF 4.-- resp. CHF 5.-- pro Tag nicht ausreichen, um seine Lebenshaltungskosten zu
decken. Er habe die Differenz durch Erspartes ausgleichen müssen. Dies hätte sich vermeiden
lassen, wenn die Ersatzleistungen mit dem positiven Entscheid der Spez UC betreffend die
Militärdiensttauglichkeit zurückerstattet worden wären und er dadurch so gestellt worden wäre
wie jeder andere dienstwillige Rekrut zu Beginn der Rekrutenschule resp. der Dienstleistung.
Mit dem abschlägigen Einspracheentscheid des Amtes für Bevölkerungsschutz, Sport und
Militär betreffend die sofortige mindestens teilweise Rückerstattung der Ersatzabgaben werde
er im Sinne von Art. 8 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV; SR 101) diskriminiert. Der Entscheid
verstosse zudem gegen das Rechtsgleichheitsgebot von Art. 8 Abs. 1 BV, gegen die
Gleichstellung von Mann und Frau gemäss Art. 8 Abs. 3 BV, gegen das Verbot der
Benachteiligung von Behinderten nach Art. 8 Abs. 4 BV sowie gegen das Willkürverbot von
Art. 9 BV und die Eigentumsgarantie von Art. 26 Abs. 1 BV.
D. In ihrer Vernehmlassung vom 19. Oktober 2020 schliesst das BSM auf Abweisung der Beschwerde. Die Behörde führt sinngemäss aus, dass die meisten Vorbringen des
Beschwerdeführers den Rekrutierungs- und Einteilungsprozess sowie diesbezügliche
verfassungsrechtliche Aspekte betreffen würden. Entscheide in dieser Thematik würden aber
nicht der kantonalen Wehrpflichtersatzbehörde obliegen. Betreffend die verlangte
Rückerstattung der Ersatzzahlungen wird festgehalten, dass gemäss Art. 39 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Wehrpflichtersatzabgabe vom 12. Juni 1959 in der vorliegend
gültigen Fassung (WPEG; SR 661) die bezahlten Ersatzabgaben erst dann rückerstattet
werden könnten, wenn die Militär- und Zivildienstleistenden die Gesamtdienstleistungspflicht
erfüllt hätten. Gemäss Dienstanzeige in der militärischen Kontrolle der Schweizer Armee (PISA)
leiste der Beschwerdeführer seine gesamte Dienstleistung als Durchdiener an einem Stück vom
4. Mai 2020 bis am 26. Februar 2021. Sobald diese Gesamtdienstleistungspflicht erfüllt sei,
könne anhand der Bestätigung der Erfüllung der Dienstpflicht von der Schweizer Armee die
Rückerstattung vorgenommen werden. Aufgrund der gesetzlichen Regelung sei eine
Rückerstattung vor diesem Zeitpunkt grundsätzlich aber auch nur für eine bestimmte Anzahl
Ersatzjahre, wie vom Beschwerdeführer eventualiter beantragt, ausgeschlossen. Betreffend den
verlangten Vergütungszins wird festgehalten, dass Art. 39 Abs. 6 WEPG die Vergütung von
Zinsen auf Rückerstattungsbeträgen ausschliesse. Die Veranlagungen der Ersatzjahre 2010 bis
2019 seien nach den gesetzlichen Vorgaben und damit rechtmässig erfolgt. Sinngemäss wird
damit zum Ausdruck gebracht, dass sich auch kein Rückerstattungsanspruch aus einer
fehlerhaften Veranlagung ableiten lasse.
E. Mit Schreiben vom 25. November 2020 hat sich auch die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) zur Beschwerde vernehmen lassen. Zum Sachverhalt wird
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festgehalten, dass der Beschwerdeführer am 9. Juni 2009 für militär- und
schutzdienstuntauglich erklärt worden sei, womit die Ersatzpflicht ab dem Jahr 2010 (seinem
20. Altersjahr) gegeben gewesen sei. Aufgrund des Urteils vom 30. April 2009 des EGMR und
der danach ab dem Jahr 2013 für (ursprünglich militär- und schutzdienstuntaugliche)
Dienstwillige geschaffenen Möglichkeit der Militärdienstleistung mit speziellen medizinischen
Auflagen, sei der Beschwerdeführer, nach anfänglicher Ablehnung infolge seines Alters,
aufgrund eines Ausnahmegesuchs und unter der Bedingung der Dienstleistung an einem Stück
zum Militärdienst zugelassen worden. Der Dienst habe am 4. Mai 2020 begonnen und ende am
26. Februar 2021. Gemäss Art. 39 Abs. 1 WEPG würden Militär- und Zivildienstpflichtigen
bezahlte Ersatzabgaben rückerstattet, wenn diese die Gesamtdienstpflicht erfüllt hätten.
Gemäss Art. 111 der Verordnung über die Militärdienstpflicht vom 22. November 2017 (VMDP;
SR 512.21) betrage die Gesamtdienstpflicht für durchdienende Soldaten und Gefreite, welche
ihren Dienst bis am 31. Dezember 2022 leisten, 300 Tage. Gemäss den Angaben im
Informationssystem PISA habe der Beschwerdeführer davon aktuell 125 anrechenbare Tage
geleistet, womit er bis zur Erfüllung der Gesamtdienstpflicht noch 175 Diensttage zu leisten
habe. Mit der Entrichtung der Wehrpflichtersatzabgabe werde quasi ein Pfand abgegeben.
Dieses könne einzig im Rahmen der Rückerstattung wieder eingelöst werden, nachdem die
Gesamtdienstleistung erfüllt worden sei. Aus dem Gesagten folge, dass im aktuellen Zeitpunkt
kein Anspruch auf Rückerstattung der Ersatzabgaben bestehe. Eine Verzinsung von
Rückerstattungsbeträgen sei gemäss Art. 39 Abs. 6 WEPG ebenfalls ausgeschlossen. Würde
dem Beschwerdeführer die Ersatzabgabe vor Erfüllung der Gesamtdienstleistung
zurückerstattet, würde er dadurch gegenüber seinen Dienstkameraden, die bis zur Erfüllung der
Gesamtdienstleistungspflicht zuwarten müssten, bessergestellt, was einer Ungleichbehandlung
gleichkommen würde. Auch eine teilweise Rückerstattung sei dabei gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGer 2A.134/1996 vom 14.4.1997) nicht möglich.
Zu den weiteren Argumenten des Beschwerdeführers, dass die Verweigerung der sofortigen
Rückzahlung zu einer Übererfüllung der Dienstpflicht führe, hält die ESTV fest, dass diese
spätestens nach Erfüllung der Gesamtdienstleistungspflicht dahinfalle. Betreffend die vom
Beschwerdeführer geltend gemachte angespannte finanzielle Situation, die insbesondere in
seinem Alter, in dem man regelmässig bereits über einen eigenen Haushalt verfüge, nicht mit
jener von 20-Jährigen vergleichbar sei, weist sie darauf hin, dass die Nachholung des Dienstes
auf Gesuch des Beschwerdeführers hin und freiwillig erfolgt sei. Dieser habe Kenntnis gehabt
von der finanziellen Situation und der Höhe der Erwerbsersatzleistungen. Des Weiteren verfüge
er gemäss eigenen Aussagen über Erspartes, um die Zeitspanne zu überbrücken. Das
fortgeschrittene Alter betreffend hält sie weiter fest, dass das Urteil des EGMR im Jahr 2009 in
der Tagespresse präsent gewesen sei und dass der Beschwerdeführer somit unschwer selbst
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und früher auf die Möglichkeit der Militärdienstleistung mit speziellen medizinischen Auflagen
hätte aufmerksam werden können. Auch eine Enteignung liege nicht vor, da die Ersatzabgabe
nach geleistetem Dienst zurückerstattet und dem Beschwerdeführer die Mittel somit nicht
entzogen würden.
Zur Frage, ob mit der Entrichtung der Wehrpflichtersatzabgabe die Grundrechte verletzt
würden, verweist die ESTV auf diverse Entscheide des Bundesgerichts und weiterer kantonaler
Gerichte und hält weiter fest, dass gemäss Art. 59 BV jeder Schweizer zur Dienstpflicht oder der
subsidiären Entrichtung der Wehrpflichtersatzabgabe verpflichtet sei. Diese werde in Art. 1
WEPG konkretisiert, stelle Ersatz für die persönlich/physisch erbrachte Dienstleistung dar und
sei nicht als Strafe anzusehen.
F. Mit Brief vom 31. Dezember 2020 hat der Beschwerdeführer zur Vernehmlassung der ESTV Stellung genommen. Er hält dabei an seinen Begehren fest. Neben ausführlichen
Schilderungen seiner gesundheitlichen Probleme macht er u.a. geltend, dass er anlässlich der
Rekrutierung 2009 gegen seinen Willen als untauglich qualifiziert worden sei und dass er von
der Möglichkeit des Militärdienstes mit speziellen medizinischen Auflagen bis ins Jahr 2019
keine Kenntnis gehabt habe, weil er von der Armee nicht über diese Möglichkeit informiert
worden sei. Er hält weiter fest, die Tatsache, dass ihm die Wehrpflichtersatzabgaben nicht mit
der Zulassung zum Militärdienst oder zumindest mit seinem Gesuch vom 29. Juli 2020
zurückerstattet worden seien und dass auf den geleisteten Ersatzabgaben kein Zins vergütet
werde, sei verfassungs- und völkerrechtswidrig. Da er von Beginn weg stets dienstwillig
gewesen sei, sei es nicht richtig, wenn er diesbezüglich gleichbehandelt werde wie jemand, der
sich absichtlich um den Dienst gedrückt oder jeden einzelnen WK verschoben habe. Weiter
führt er detailliert auf, welche beruflichen und finanziellen Nachteile die späte Nachholung des
Militärdienstes für ihn zur Folge gehabt hätten und dass diese Folgen viel geringer ausgefallen
wären, wenn er den Dienst im regulären Alter hätte absolvieren können. So wäre der
Verdienstausfall seinerzeit viel geringer gewesen, da er nun als Dreissigjähriger mehr verdiene
als mit 19 Jahren. Weiter seien seine Lebenshaltungskosten nun viel höher, weil er bereits
einen eigenen Haushalt habe, den er während der Dienstleistung finanzieren müsse. Ferner sei
auch die Gesundheitsversorgung im Militär völlig ungenügend. Er hält zudem fest, dass er
aufgrund einer sich aufdrängenden Hüftoperation befürchte, dass er infolge des damit
zusammenhängenden Spitalaufenthalts aus dem Dienst entlassen werde und er damit trotz der
bisher geleisteten Diensttage und dem bereits angefallenen finanziellen Mehraufwand gar keine
Rückerstattung mehr erhalten werde.
G. Mit Brief vom 22. März 2021 hat das BSM der Steuerrekurskommission mitgeteilt, dass der Beschwerdeführer am 26. Februar 2021 die Gesamtdienstleistungspflicht erfüllt habe, und
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dass ihm die Wehrpflichtersatzabgaben für die Jahre 2010 bis 2019 gemäss Art. 39 Abs. 1
WEPG mit Verfügung vom 22. März 2021 zurückerstattet worden seien. Die Rückerstattung sei
nach Art. 39 Abs. 6 WEPG ohne Zinsvergütung erfolgt. Damit sei der wesentliche Teil der
Beschwerdeforderung erfüllt.
H. Mit Eingabe vom 19. April 2021 hat der Beschwerdeführer gegen die  vom 26. Februar 2021 beim BSM Einsprache erhoben. Er verlangt darin, dass auf
den im Zeitraum von 2010 bis 2019 zu Unrecht eingeforderten und viel zu spät zurückbezahlten
Beträgen ein Verzugszins zu entrichten sei. Art. 39 Abs. 6 WEPG sei nur auf Dienstpflichtige
anzuwenden, die, obwohl sie die Möglichkeit zur Dienstleistung hatten, diese nicht
wahrgenommen hätten. Sinngemäss macht er weiter geltend, es lasse sich nicht rechtfertigen,
die Bestimmung auch auf Leute anzuwenden, die gegen ihren Willen als dienstuntauglich
eingestuft worden seien und offensichtlich einzig aufgrund der damaligen völkerrechtswidrigen
Praxis der Schweiz überhaupt die Wehrpflichtersatzabgabe hätten zahlen müssen. Die
geleisteten Ersatzabgaben hätten ihm nach dem Entscheid des EGMR im Jahr 2009,
spätestens aber mit der Aufhebung des Entscheids über seine Militäruntauglichkeit (UT) vom
14. Februar 2020 zurückbezahlt werden müssen. Nach Ausführungen zur geltend gemachten
Verfassungswidrigkeit und Völkerrechtswidrigkeit der von ihm über zehn Jahre einverlangten
Wehrpflichtersatzabgaben hält er abschliessend fest, ihm sei völkerrechtswidrig für mehr als ein
Jahrzehnt Geld entzogen worden, dafür möchte er (inklusive Zinsen) voll entschädigt werden.
I. Mit Einspracheentscheid vom 30. April 2021 hat das BSM die Einsprache abgewiesen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien wird, soweit entscheidrelevant, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Einspracheentscheide der Wehrpflichtersatzverwaltung betreffend den Wehrpflichtersatz können bei der Steuerrekurskommission angefochten werden (Art. 31 Abs. 1 des
Bundesgesetzes vom 12. Juni 1959 über den Wehrpflichtersatz [WPEG; SR 661] i.V.m. Art. 2
der Verordnung vom 28. Januar 2004 betreffend den Vollzug des Bundesgesetzes über die
Wehrpflichtersatzabgabe [BWPEV; BSG 668.61]). Die Steuerrekurskommission ist deshalb
sachlich und örtlich zuständig. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit
seinen Anträgen nicht durchgedrungen. Er ist daher beschwert und zur Anfechtung befugt
(Art. 37 Abs. 1 der Verordnung vom 30. August 1995 über die Wehrpflichtersatzabgabe [WPEV;
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SR 661.1] i.V.m. Art. 34 WPEV). Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
deshalb einzutreten.
Die Beurteilung der Streitsache fällt an sich in die einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 70 Abs. 4
Bst. c des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der
Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]), die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse
rechtfertigen aber eine Überweisung an die Kammer (Art. 70 Abs. 5 GSOG).
2. Im vorliegenden Verfahren waren zum einen die vorzeitige Rückzahlung der Wehrpflichtersatzabgaben pro 2010 bis 2019, zum anderen die Vergütung von Zinsen auf dem
Rückerstattungsbetrag streitig. Mit Verfügung vom 22. März 2021 hat das BSM dem
Beschwerdeführer infolge Erfüllung der Gesamtdienstleistungspflicht die von ihm eingezahlten
Ersatzabgaben pro 2010 bis 2019 im Umfang von insgesamt CHF 12'952.-- zurückerstattet.
Das mit der Forderung auf vorzeitige Rückerstattung zusammenhängende
Rechtschutzinteresse ist somit sowohl durch Zeitablauf wie auch durch die inzwischen erfolgte
vollständige Rückerstattung der Ersatzabgaben dahingefallen. Der Antrag betreffend die
vorzeitige Rückerstattung der Wehrpflichtersatzabgaben pro 2010 bis 2019 und die dazu
eingereichte Begründung sind somit gegenstandslos geworden und nicht zu beurteilen.
Weiterhin streitig ist hingegen die Frage, ob der Rekurrent Anspruch auf Verzinsung des
Rückerstattungsbetrags hat. Der in der Einsprache gestellte Antrag auf die Erstattung von
Verzugszinsen unterscheidet sich vom Antrag auf Verzinsung im Beschwerdeverfahren, der
nicht bloss Verzugszinsen, sondern die Verzinsung aller geleisteten Ersatzabgaben ab der
Einzahlung bis zur Rückerstattung zum Gegenstand hat. Der in der Einsprache gestellte
zusätzliche resp. geänderte Antrag ist aber vorliegend nicht weiter zu erörtern, da die
Einsprache und der Einspracheentscheid zwar vom BSM zur Kenntnis an die
Steuerrekurskommission weitergeleitet, der Einspracheentscheid aber vom Beschwerdeführer
nicht angefochten worden ist. Die Frage der Verzinsung ist somit unverändert entsprechend
dem Beschwerdeantrag zu behandeln.
3. Gemäss Art. 39 Abs. 6 WEPG wird auf Ersatzabgaben kein Zins vergütet. Die gesetzliche Regelung schliesst eine Verzinsung grundsätzlich aus. Der Beschwerdeführer bestreitet dies
nicht, macht aber geltend, dass diese Regelung für ihn nicht gelten könne, da er im Jahr 2009
aufgrund einer Krebserkrankung entgegen seinem Willen als dienstuntauglich eingestuft
worden und trotz seiner grundsätzlichen Bereitschaft, den Dienst in natura zu leisten, zur
Entrichtung von Ersatzabgaben gezwungen worden sei. Gemäss dem Urteil des EGMR
13444/04 vom 30. April 2009 habe sich diese Praxis als völkerrechtswidrig erwiesen. Der
Beschwerdeführer macht damit letztlich geltend, dass die Einforderung der Ersatzabgabe zu
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Unrecht erfolgt sei und er somit auch nicht der Zinsregelung von Art. 39 Abs. 6 WEPG
unterstehe und dass er mit den völkerrechtswidrigen Ersatzabgaben zu Unrecht gezwungen
worden sei, dem Staat ein unverzinsliches Darlehen zu gewähren.
3.1 Dazu ist festzuhalten, dass Ersatzabgaben ohne Möglichkeit der Dienstleistung in natura für Wehrpflichtige mit gewissen gesundheitlich medizinischen Einschränkungen oder einem
Invaliditätsgrad von unter 40 % tatsächlich mit Urteil 13444/04 vom 30. April 2009 durch den
EGMR als völkerrechtswidrig befunden wurden. In der Folge wurde seitens des Bundes aber
die Möglichkeit einer Dienstleistung mit speziellen medizinischen Auflagen geschaffen und den
von solchen UT-Entscheiden betroffenen Wehrpflichtigen die Möglichkeit geboten, anstelle von
Ersatzabgaben Dienst zu leisten. Diese Möglichkeit hat der Beschwerdeführer im Jahr 2019
wahrgenommen. Er hat um Zulassung zum Dienst mit speziellen medizinischen Auflagen
ersucht und erhielt in der Folge die Möglichkeit, den Dienst in natura zu leisten und die
Ersatzabgaben zurückzufordern. Damit wurde für den Beschwerdeführer die
völkerrechtswidrige Situation beseitigt und zwar auch für die Jahre vor Einführung des Dienstes
mit speziellen medizinischen Auflagen. Mit der Aufhebung der Untauglichkeit, der Aufnahme in
die Armee und der Zulassung zur Dienstleistung unterliegt der Beschwerdeführer aber nun den
gleichen Regeln wie alle übrigen Dienstleistenden. Dies auch betreffend die Rückerstattung der
Ersatzabgaben resp. betreffend die Unverzinslichkeit dieser Abgaben gemäss Art. 39 Abs. 6
WEPG. Aus der ursprünglich völkerrechtswidrigen diskriminierenden Einforderung der
Ersatzabgaben lässt sich somit nichts zu Gunsten des Beschwerdeführers ableiten. Eine
gesetzeswidrige und dem Gleichbehandlungsgrundsatz widersprechende Verzinsung der
geleisteten Ersatzabgaben lässt sich damit nicht rechtfertigen.
3.2 Soweit geltend gemacht wird, dass er mit den völkerrechtswidrigen Ersatzabgaben zu Unrecht gezwungen worden sei, dem Staat ein unverzinsliches Darlehen zu gewähren, geht der
Beschwerdeführer ebenfalls davon aus, dass die Entrichtung der Wehrpflichtersatzabgabe in
seinem Fall grundsätzlich rechtwidrig gewesen sei und an sich gar nicht geschuldet worden
wäre. Dem ist aber nicht so. Wie zuvor dargelegt, ist gemäss Art. 59 Abs. 1 der
Bundesverfassung (BV; SR 101) jeder Schweizer verpflichtet, Militärdienst zu leisten.
Schweizer, die weder Militär- noch Ersatzdienst leisten, schulden nach Art. 59 Abs. 3 BV zur
Erfüllung ihrer Wehrpflicht ersatzweise eine Abgabe. Dieser verfassungsmässige Grundsatz
wird in Art. 1 ff. WEPG wiederholt und gesetzlich konkretisiert. Weder in der Pflicht, Militär- oder
Ersatzdienst leisten zu müssen noch in der Ersatzabgabe liegt eine Diskriminierung begründet,
denn sie gilt für alle Wehrpflichtigen gleichermassen (vgl. statt vieler BGE 2C_1051/2016 vom
24.8.2017, E. 2.2.2 und 2.2.3, mit Hinweisen). So oder so ist das eine oder andere geschuldet,
wobei die Abgabe dem Dienst grundsätzlich als gleichwertige Leistung gegenübersteht. Die
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Wehrpflicht wird, soweit aus irgendeinem Grund kein Militär- oder Ersatzdienst geleistet wird,
mittels der Ersatzabgabe erfüllt. Die Leistung der Ersatzabgabe an sich war nach Beseitigung
der völkerrechtswidrigen Situation und soweit vom Beschwerdeführer kein Dienst geleistet
wurde, in keinem Zeitpunkt diskriminierend oder rechtswidrig, sondern grundsätzlich in Erfüllung
der Wehrpflicht geschuldet. Nachdem den Betroffenen mit der Einführung des Dienstes mit
speziellen medizinischen Auflagen die Möglichkeit der Dienstleitung in natura geboten wurde,
war jegliche Diskriminierung, auch jene gegenüber Wehrpflichtigen mit einer Behinderung von
über 40 %, die als vollständig dienstuntauglich eingestuft werden und deshalb von der
Ersatzabgabe befreit sind, dahingefallen. Die Betroffenen hatten nun die Möglichkeit, die
Dienstleistung zu wählen und allfällige bereits eingezahlte Ersatzabgaben gemäss den
Bestimmungen des WEPG zurückzufordern. Dies aber, wie alle übrigen Wehrpflichtigen, ohne
Zinsen, denn die Ersatzleistung ist das Äquivalent zur Dienstleistung, die dem Staat infolge der
Wehrpflicht geschuldet wird. Wird somit der aufgeschobene Dienst später nachgeholt, erfolgt
dies ohne irgendwelche Zeitzuschläge resp. "Zinsen" und es wird im Gegenzug genau derselbe
Betrag, mit dem seinerzeit der nicht in natura geleistete Dienst erbracht resp. in Geld
abgegolten wurde, ebenfalls zinslos im gleichen Umfang wieder zurückerstattet. Es handelt sich
somit nicht um ein (unfreiwilliges) Darlehen, sondern um den Austausch zweier vom Grundsatz
her gleichwertiger Leistungen, von denen, je nach den Umständen, die eine oder die andere
aufgrund der Wehrpflicht so oder so geschuldet ist. Mit der Tatsache, dass der
Beschwerdeführer seine Wehrpflicht während zehn Jahren durch Entrichtung von
Ersatzabgaben abgeleistet und er sich nun freiwillig dazu entschlossen hat, die Wehrpflicht
stattdessen nachträglich als Dienst zu erfüllen, lässt sich keine system- und gesetzwidrige
Verzinsung der Ersatzabgaben rechtfertigen. Aus den Darlegungen geht zudem ohne weiteres
hervor, dass in der Erhebung verfassungsrechtlich und gesetzlich geschuldeter Ersatz- resp.
Kausalabgaben, entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers, weder eine Enteignung
noch ein widerrechtlicher vorübergehender Entzug von Mitteln und damit kein Verstoss gegen
die Eigentumsgarantie von Art. 26 BV liegen kann. Auch der vom Beschwerdeführer geltend
gemachte Strafcharakter der Ersatzabgabe entbehrt nach dem Gesagten offensichtlich jeglicher
Grundlage, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist.
3.3 Soweit der Beschwerdeführer neben einer Verletzung der allgemeinen Rechtsgleichheit nach Art. 8 Abs. 1 BV eine Verletzung der Gleichbehandlung der Geschlechter gemäss Art. 8
Abs. 3 BV im Speziellen geltend macht, kann darauf hingewiesen werden, dass das
Bundesgericht sich dazu bereits verschiedentlich geäussert und eine Verletzung von Art. 8 BV
durch die Wehr- und Ersatzpflicht nur für Männer auch im Bereich von Art. 8 Abs. 3 BV verneint
hat. Dies, weil die Wehr- und Ersatzpflicht für Männer gemäss Art. 59 Abs. 1 und 3 BV ebenfalls
Verfassungsrang hat und diese Bestimmung somit, als vom Verfassungs- und Gesetzgeber
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ausdrücklich gewollte, geschlechterspezifisch unterschiedliche Regelung, als – "lex spezialis" –
jener von Art. 8 BV vorgeht (vgl. BGE 2C_1051/2016 vom 24.8.2017, E. 3. ff. [3.4] mit
Hinweisen). Da somit ohnehin keine Verletzung der Gleichbehandlung von Mann und Frau
vorliegt, ist auch nicht weiter zu prüfen, ob eine solche, abweichend von der gesetzlichen
Regelung, in irgendeiner Weise eine Verzinsung von zurückgeforderten Ersatzabgaben
rechtfertigen könnte.
4. Sinngemäss macht der Rekurrent weiter geltend, dass er von der zuständigen  nicht auf die Möglichkeit des Dienstes mit speziellen medizinischen Auflagen aufmerksam
gemacht worden sei. Dies habe dazu geführt, dass er erst im Jahr 2019 von dieser Möglichkeit
erfahren habe und den Dienst zu einem späten, für ihn ungünstigen Zeitpunkt habe erbringen
müssen, der für ihn mit Nachteilen und Mehrbelastungen verbunden gewesen sei.
4.1 Dazu ist vorab festzuhalten, dass sich gemäss einem allgemeinen Rechtsgrundsatz aus der Rechtsunkenntnis grundsätzlich nichts zu eigenen Gunsten ableiten lässt
(vgl. BGer 2C_926/2018 vom 18.10.2018, E. 2.3; BGer 2C_674/2011 vom 7.2.2012, E. 4 und
BGer 2C_670/2007 vom 10.12.2007, E. 3). Auch wenn sich die Rechtslage für den
Beschwerdeführer nach dem ursprünglichen UT-Entscheid erst nachträglich verändert hat,
muss dies mit Blick auf die Tatsache, dass das diesbezügliche Urteil des EGMR entgegen der
Auffassung des Beschwerdeführers durchaus in den Medien erörtert wurde und Thema der
öffentlichen Diskussion war, auch im vorliegenden Zusammenhang gelten. Erwähnt wurden das
Urteil oder der neugeschaffene Dienst mit speziellen medizinischen Auflagen z.B. in der
Sendung "Rendez-vous" auf Radio SRF 1 vom 30. April 2009 (zu hören unter:
<https://www.srf.ch/play/radio>, Menu "Sendungen nach Datum > 30.04.2009 > Nachmittag >
12:30 Rendez-vous > fünfter Beitrag" [abgerufen am 31.5.2021]) oder in den Printmedien
betreffend den neuen Militärdienst für ehemals als untauglich eingeteilte Wehrpflichtige, z.B. in
"Der Bund" vom 18. Oktober 2013 (einsehbar unter:
<https://www.derbund.ch/schweiz/standard/untauglich-und-trotzdem-im-dienst-/story/-
19886995>) und "Der Bund" vom 14. Dezember 2010 (<https://www.derbund.ch/schweiz/-
standard/wenn-das-urteil-des-gerichthofs-fuer-menschenrechte-nichts-gilt/story/18393746>).
Weiter im "Tagesanzeiger" vom 18. Oktober 2013 (<https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/-
standard/untauglich-und-trotzdem-im-dienst-/story/19886995>) oder auch in der "NZZ" vom
20. November 2009, Seite 10 (<https://www.nzz.ch/schweiz_verliert_in_strassburg-1.4041447>)
und in der "NZZ" vom 14. November 2012 (<https://www.nzz.ch/schweiz/schweiz-armee-
dienstpflicht-untauglich-ersatzabgabe-1.17799821> [alle abgerufen am 31.5.2021]). Der
Beschwerdeführer hätte somit durchaus von der Möglichkeit des neu eingerichteten
Militärdienstes mit speziellen medizinischen Auflagen wissen können. Auch hätte er sich bei
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den zuständigen Behörden diesbezüglich erkundigen können. Soweit ihm durch die späte
Kenntnisnahme des neu geschaffenen Dienstes mit speziellen medizinischen Auflagen
Mehraufwand entstanden ist, hat er diesen somit auch selbst zu verantworten. Die
grundsätzlich berechtigte Frage, ob die Armee ihn nicht von sich aus über die Möglichkeit des
neu eingerichteten Dienstes hätte orientieren müssen, kann vorliegend offenbleiben, da der
Rekurrent inzwischen von der Möglichkeit erfahren, den Militärdienst geleistet hat und die
Wehrpflichtersatzabgaben zurückerstattet worden sind.
4.2 Zum geltend gemachten Mehraufwand und den Nachteilen infolge der späten Dienstleistung sowie der darin, nach Auffassung des Beschwerdeführers, liegenden
Diskriminierung, ist festzuhalten, dass alle Dienstpflichtigen, die den Dienst beispielsweise aus
gesundheitlichen, beruflichen oder anderen Gründen längere Zeit verschieben müssen,
grundsätzlich von derselben Problematik betroffen sind. Soweit sie Dienst nach dem WK-Modell
leisten, erfolgt zudem auch in diesen Fällen die Rückzahlung der Ersatzabgabe erst nach
Jahren, wenn die verschobenen Dienstleistungen alle nachgeholt sind. Auch die Problematik
eines allfälligen inflationsbedingten Wertverlusts oder der Tatsache, dass die als Ersatzabgabe
eingezahlten Mittel während Jahren gebunden sind und bis zur Rückerstattung nicht zur
Verfügung stehen, betrifft somit nicht nur Wehrpflichtige, die infolge eines UT-Entscheids gegen
ihren Willen ursprünglich nicht zum Dienst zugelassen wurden, sondern alle Angehörigen der
Armee, die einen Dienst verschieben. Auch wenn die konkreten Auswirkungen von Fall zu Fall
verschieden sind, liegt darin keine Diskriminierung begründet.
4.2.1 Von massgeblicher Bedeutung im Zusammenhang mit den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Nachteilen ist die Tatsache, dass der Beschwerdeführer in keinem
Zeitpunkt gezwungen war, die Dienstleistung nachzuholen. Gerade auch die Probleme und
Einbussen, die er im Arbeitsprozess und bei der Einkommenserzielung durch die Nachholung
gewärtigen musste, waren grundsätzlich voraussehbar. Der Rekurrent wusste gemäss eigenen
Aussagen über die finanziellen Folgen Bescheid und es ging ihm gemäss seinen Aussagen
neben der Aufhebung des UT-Entscheids vor allem darum, die Ersatzabgaben möglichst bald
zurückzuerhalten, weshalb er gemäss seiner Stellungnahme zur Vernehmlassung der ESTV
vom 31. Dezember 2020 auch bereit war, die damit zusammenhängenden Nachteile in Kauf zu
nehmen und den Dienst als Durchdiener zu leisten. Der Beschwerdeführer hat dringend darum
ersucht und sich, obwohl er fast die ganzen geschuldeten Ersatzabgaben bereits entrichtet
hatte, freiwillig dazu entschieden, die Dienstleistung doch noch in natura nachzuholen, um im
Gegenzug die Ersatzabgaben zurückfordern zu können.
4.2.2 Es ist wenig nachvollziehbar und erscheint treuwidrig, wenn er nun im Nachhinein die dadurch entstandenen und mit einer Dienstleistung in natura stets mehr oder weniger
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verbundenen Nachteile als Diskriminierung bezeichnet. Die Bedingungen der Dienstleistung,
der Ersatzpflicht und die Rückerstattungskonditionen sind für alle Dienstleistenden dieselben
und waren von vornherein klar. Eine gesetzwidrige Verzinsung der Ersatzabgaben ist damit
nicht zu rechtfertigen.
4.2.3 Ausserdem stehen dem Zinsausfall, der inflationsbedingten Wertverminderung, die überdies infolge sehr geringer Inflationsraten kaum ins Gewicht fällt, und den weiteren mit der
Dienstleistung in Zusammenhang stehenden Nachteilen aus rein ökonomischer Sicht die
Vorteile gegenüber, die sich in der Vergangenheit daraus ergeben haben, dass der
Beschwerdeführer keinen Dienst tun musste. Er musste keinen militärisch bedingten Unterbruch
im beruflichen Werdegang oder der Ausbildung in Kauf nehmen. Ebenso hatte er in all den
Folgejahren keine durch Militärdienst bedingten beruflichen Absenzen mit all ihren Nachteilen
auf dem Arbeitsmarkt zu gewärtigen. Dies alles sind geldwerte Vorteile, welche die
Wehrpflichtigen, die den Dienst in natura leisten mussten, nicht hatten, die über die Jahre
hinweg grundsätzlich auch einer Wertvermehrung unterlagen und die den mit der späten
Diensterfüllung zusammenhängenden ökonomischen Nachteilen ausgleichend
gegenüberstehen. Selbst wenn sich dies im Einzelfall verschieden stark auswirkt, erscheint
auch vor diesem Hintergrund die gesetzlich in Art. 39 Abs. 6 WEPG für alle
Dienstnachholenden ausdrücklich ausgeschlossene Verzinsung der Ersatzabgaben als
sachgerecht und korrekt. Damit liegt auch in diesem Kontext keine Ungleichbehandlung oder
Diskriminierung vor, welche ein Abweichen von der Norm als angezeigt erscheinen lassen
könnte.
4.2.4 Im Übrigen bleibt festzuhalten, dass selbst wenn entgegen den vorangehenden Ausführungen im Zusammenhang mit der späten Dienstleistung eine Diskriminierung
festzustellen wäre, diese die Modalitäten der Rekrutierung und der Dienstleistung an sich
beträfe und in keinerlei Zusammenhang mit der Rückerstattung der Ersatzabgabe nach
erfolgter Dienstleistung steht. Damit läge sie ausserhalb des vorliegenden
Verfahrensgegenstands der Rückerstattung der Ersatzabgaben und deren (Nicht-)Verzinsung,
weshalb darauf im vorliegenden Verfahren ohnehin nicht einzutreten wäre. Eine allfällige mit
einer Diskriminierung zusammenhängende Schadenersatzforderung kann nicht dazu
herangezogen werden, die gesetzliche Regelung über die Rückerstattung von
Wehrpflichtersatzabgaben ausser Kraft zu setzen und kann somit nicht über die Verzinsung der
Ersatzabgaben erfolgen, sondern wäre unabhängig davon in einem eigenständigen Verfahren
anzustreben.
5. Dass keine Verstösse gegen die verschiedenen Inhalte des Rechtsgleichheitsgrundsatzes von Art. 8 BV vorliegen, wurde im Einzelnen bereits dargelegt. Aus den bisherigen
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Ausführungen folgt zudem ohne Weiteres, dass in den gesetzlich verankerten Modalitäten der
Rückerstattung der Wehrpflichtersatzabgabe keinerlei Verstoss gegen Treu und Glauben und
auch keine Willkür liegen kann. Auch nicht in der in Art. 39 Abs. 1 WEPG statuierten Vorschrift,
dass die Rückerstattung erst erfolgen kann, wenn die Gesamtdienstleistung erfüllt worden ist.
Das Prinzip von Treu und Glauben und das Willkürverbot gemäss Art. 9 BV sind nicht verletzt.
Die diesbezüglichen Vorbringen des Beschwerdeführers gehen ins Leere und sind nicht weiter
zu erörtern. Auch die geltend gemachte Benachteiligung von Behinderten entbehrt jeglicher
Grundlage. Dies zum einen, weil der Beschwerdeführer gemäss der Definition von Behinderung
von Art. 2 Abs. 1 des Gesetzes über die Beseitigung von Benachteiligungen von Menschen mit
Behinderung vom 13. Dezember 2002 in der hier geltenden Fassung (BehiG; SR 151.3) gar
nicht behindert ist, war er doch beispielsweise stets zu 100 % arbeitstätig, zum andern, weil
auch Wehrpflichtige mit einer Behinderung von unter 40 % mit der Einführung des Dienstes mit
speziellen medizinischen Auflagen grundsätzlich nicht mehr benachteiligt sind.
6. Aus den Erwägungen folgt, dass die Beschwerde abzuweisen ist, soweit sie durch die erfolgte Rückerstattung der Ersatzabgaben nicht gegenstandslos geworden ist und soweit
darauf eingetreten werden kann.
7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer kostenpflichtig. Er hat die gesamten Verfahrenskosten zu tragen (Art. 31 Abs. 2 und 2 bis WPEG i.V.m. Art. 1, 2, 53, 58
und 59 des Dekrets vom 24. März 2010 betreffend die Verfahrenskosten und die
Verwaltungsgebühren der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft
[Verfahrenskostendekret, VKD; BSG 161.12]).
8. Ist der Beschwerdeführer vertreten, so kann bei ganz- oder teilweisem Obsiegen eine Parteientschädigung gesprochen werden. Da der Beschwerdeführer im vorliegenden Fall
unterliegt, werden keine Parteikosten gesprochen (Art. 31 Abs. 2bis WPEG i.V.m. Art. 104 ff. des
Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]).