Decision ID: 599b7aa0-f7ee-4cc4-80cf-ee8171194777
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
einfache Körperverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung - Einzelgericht, vom 22. April 2013 (GG130078)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 25. März 2013 ist
diesem Urteil beigeheftet (HD 17).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 38)
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB,
− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 9 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und mit
heute 2 Tage als durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 5 Jahre
festgesetzt.
4. Der Privatkläger B._ wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Weg
des Zivilprozesses verwiesen.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Fr. 600.– zuzüglich
5 % Zins ab 23. Mai 2012 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'500.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. Kosten der Kantonspolizei
Fr. 1'500.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten Untersuchung
Fr. Auslagen Untersuchung
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
8. (Mitteilungen)
9. (Rechtsmittel)
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 59):
1. Der Beschuldigte sei vollumfänglich freizusprechen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates.
3. Der Sprechende sei dem Beschuldigten, zumindest für die Berufungsver-
handlung, als amtlichen Verteidiger zu bestellen.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 44):
(schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

Erwägungen:
I.Verfahrensgang und Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Mit Urteil vom 22. April 2013 sprach das Bezirksgericht Zürich, 3. Abtei-
lung, den Beschuldigten der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB schul-
dig und bestrafte ihn mit einer Freiheitsstrafe von 9 Monaten. Der Vollzug dieser
Strafe wurde aufgeschoben und die Probezeit auf 5 Jahre angesetzt. Das
Schadenersatzbegehren des Privatklägers B._ verwies das Gericht auf den
Weg des Zivilprozesses und sprach ihm eine Genugtuung von Fr. 600.--
(zuzüglich 5% Zins ab 23. Mai 2012) zu. Schliesslich auferlegte das Gericht dem
Beschuldigten die Untersuchungs- und Verfahrenskosten (Urk. 38). Dieses Urteil
wurde dem Beschuldigten im Anschluss an die Hauptverhandlung mündlich eröff-
net (Prot. I S. 7). Noch vor Schranken meldete der Beschuldigte die Berufung an
(Prot. I S. 8).
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1.2. Mit Schreiben vom 24. April 2013 gelangte Rechtsanwalt X._ an die
Vorinstanz, reichte seine Vollmacht ein und bestätigte die Berufungsanmeldung
des Beschuldigten. Zudem stellte er den Antrag, es sei dem Beschuldigten ein
amtlicher Verteidiger in seiner Person zu bestellen (Urk. 28). Mit Verfügung vom
29. April 2013 wurde dieser Antrag von der zuständigen Vizepräsidentin abgewie-
sen (Urk. 31). Das schriftlich begründete Urteil wurde RA X._ am 22. Juli
2012 zugestellt (Urk. 37/2). Fristgerecht reichte dieser mit Eingabe vom 31. Juli
2013 die Berufungserklärung ein (Urk. 39). Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf
das Erheben einer Anschlussberufung und beantragte die Bestätigung des vo-
rinstanzlichen Urteils (Urk. 44). In seiner Berufungsbegründung stellte RA
X._ nunmehr auch vor der Berufungsinstanz den Antrag, dem Berufungsklä-
ger sei ein amtlicher Verteidiger in seiner Person zu bestellen (Urk. 39 S. 2). Mit
Verfügung vom 1. Oktober 2013 wies die Verfahrensleitung das Gesuch von RA
X._ um Bestellung als amtlicher Verteidiger ab (Urk. 48). Seitens der Privat-
klägerschaft hat sich am Berufungsverfahren niemand beteiligt.
1.3. Die Berufungsverhandlung fand am 12. Dezember 2013 statt.
2. Prozessuales
2.1. Der Verteidiger beantragte in seiner Berufungsklärung die Aufhebung des
Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 22. April 2013. Der Beschuldigte sei frei-
zusprechen und es seien die Kosten des Verfahrens auf die Staatskasse zu
nehmen. Demgegenüber beantragte die Staatsanwaltschaft die Bestätigung des
angefochtenen Urteils. Bei dieser Ausgangslage ist das gesamte erstinstanzliche
Urteil angefochten und daher vom Berufungsgericht zu überprüfen (Art. 404
Abs. 1 StPO).
2.2. Gegenstand dieses Verfahrens bilden die Anklagevorwürfe der Drohung
und der einfachen Körperverletzung. Beide Delikte werden nur auf Antrag verfolgt.
Die erforderlichen Strafanträge sind – wie die Vorinstanz zutreffend vermerkte
(vgl. 61 S. 9) – vorhanden (HD 11/1 und ND 5/1).
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2.3. Amtliche Verteidigung
2.3.1. An der Berufungsverhandlung stellte der Verteidiger erneut den Antrag,
dem Beschuldigten sei in seiner Person ein amtlicher Verteidiger zu bestellen
(Urk. 59 S. 1). Zur Begründung führte der Verteidiger aus, dem in den Akten
befindlichen psychologischen Gutachten des Beschuldigten vom 5. Oktober 2012
(recte 5. Oktober 2006) sei zu entnehmen, dass sich aus einem Unfall, den der
Beschuldigte im Alter von acht Jahren erlitten habe, eine Gehörlosigkeit im
rechten Ohr und eine massive Einschränkung der Hörfähigkeit am linken Ohr
ergeben habe. Zudem sei festgestellt worden, dass der Beschuldigte unter einer
Hirnfunktionsstörung leide, welche die intellektuelle Entwicklung beeinträchtigt
habe. Weiter sei festgestellt worden, dass der Beschuldigte aufgrund seiner
Behinderung und der sozialen und familiären Verhältnisse in der Entwicklung
retardiert und fehlgeleitet sei. In den Akten fänden sich keine Hinweise, wonach
diese Defizite des Beschuldigten zwischenzeitlich behoben worden wären. Der
Beschuldigte sei minderintelligent, was ihm den Abschluss einer Lehre verun-
möglicht habe. Er sei nur in der Lage, ihm genau zugewiesene Arbeiten zu
erledigen. Insofern erscheine es als klar, dass der Beschuldigte nicht in der Lage
sei, seine Rechte im vorliegenden Prozess selbständig wahrzunehmen (Urk. 59
S. 2f.)
2.3.2. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass jedermann seine Rechte selbst-
ständig und ohne staatliche Hilfe wahrnehmen kann und muss. Abweichungen
von diesem Grundsatz sieht das Gesetz einerseits bei Fällen der notwendigen
Verteidigung gemäss Art. 130 StPO - was vorliegend nicht in Betracht kommt -
und andererseits in der Bestimmung von Art. 132 Abs. 1 lit. b und Art. 132 Abs. 2
und 3 StPO vor. Danach ordnet die Verfahrensleitung eine amtliche Verteidigung
an, wenn die beschuldigte Person nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und
die Verteidigung zur Wahrung ihrer Interessen geboten ist. Letzteres ist nament-
lich der Fall, wenn es sich nicht um einen Bagatellfall handelt und der Straffall
gleichzeitig in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten bietet, denen
die beschuldigte Person allein nicht gewachsen wäre. Massgebend sind die kon-
kreten Umstände des Einzelfalls, insbesondere die Fähigkeiten der betroffenen
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Person, sich im Verfahren zurecht zu finden (vgl. Urteil des Bundesgerichts
1B_195/2012 vom 7. Mai 2012, E. 2.3).
2.3.3. Der Beschuldigte hat keine Arbeitsstelle und wird vom Sozialamt unterstützt
(Urk. 47, Urk. 58 S. 2). Die finanzielle Situation des Beschuldigten lässt es somit
nicht zu, die Kosten einer Verteidigung aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Betref-
fend die Frage, ob ein Bagatellfall vorliegen könnte, ist festzuhalten, dass gemäss
Art. 132 Abs. 3 StPO jedenfalls dann kein Bagatellfall vorliegt, wenn eine Frei-
heitsstrafe von mehr als vier Monaten, eine Geldstrafe von mehr als 120 Tages-
sätzen oder gemeinnützige Arbeit von mehr als 480 Stunden zu erwarten ist. Vor-
liegend auferlegte die Vorinstanz dem Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von
9 Monaten, womit klar nicht mehr von einem Bagatellfall im Sinne von Art. 132
Abs. 3 StPO ausgegangen werden kann (HD 38 S. 49).
2.3.4. Dem Beschuldigten werden zwei unterschiedliche Sachverhalte vorgewor-
fen. Zum einen soll er anlässlich einer verbalen und tätlichen Auseinandersetzung
zu C._ und D._ gesagt haben "Ihr werdet beide noch sterben", zum an-
deren soll er knapp drei Monate später mit der Faust ins Gesicht von B._ ge-
schlagen haben, sodass dieser eine Nasenbeinfraktur erlitt
(HD 17). Dabei handelt es sich um kurze Sachverhalte, die nicht zum Vornherein
auf besondere Schwierigkeiten hinweisen. Jedoch waren beim Tatgeschehen
betreffend die einfache Körperverletzung mehrere Personen involviert. Entspre-
chend liegen auch diverse Aussagen dieser Mitbeteiligten vor, welche zu würdi-
gen sind, was zu einer gewissen beweisrechtlichen Komplexität führt. Das
Geschehen bezüglich der Drohung ist vom Ablauf her einfach verständlich, jedoch
stellen sich diesbezüglich rechtliche Fragen, vorab diejenige nach der Subsumtion
des Sachverhalts unter den Tatbestand der Drohung (vgl. hinten Ziff. II. 5.). Die
Behandlung von Rechtsfragen dieser Art ist von einem Schwierigkeitsgrad,
welchem der Beschuldigte, der keine Ausbildung absolviert hat und auch an der
Berufungsverhandlung intellektuell bescheiden aufgetreten ist, allein nicht
gewachsen ist.
2.3.5. Aus diesen Gründen ist dem Beschuldigten gestützt auf Art. 132 Abs. 1 lit.
b und Art. 132 Abs. 2 und 3 StPO für das Berufungsverfahren in der Person von
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Rechtsanwalt X._ ein amtlicher Verteidiger zu bestellen, was vorab zu
beschliessen ist.
II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Anklagevorwurf
1.1. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 25. März 2013 vor-
geworfen, er habe am 2. März 2012 um ca. 18.00 Uhr in Zürich 9 am ...platz
im Zuge einer verbalen und tätlichen Auseinandersetzung mit D._ und
C._ gesagt: "Ihr werdet beide noch sterben". C._ sei durch diese Aus-
sage "geschockt" gewesen und habe ein mulmiges Gefühl gehabt, da er sich vor
dem Beschuldigten und dessen Bruder gefürchtet habe. Diese Einschüchterung
habe der Beschuldigte durch seine Worte zumindest in Kauf genommen
(HD 17).
1.2. Überdies wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe am 23. Mai 2012
um ca. 22.15 Uhr in Zürich ..., E._-Strasse ..., B._ mit der Faust gezielt
ins Gesicht geschlagen, so dass dieser eine Nasenbeinfraktur
erlitten habe, welche Verletzungen der Beschuldigte durch seinen Schlag zu-
mindest in Kauf genommen habe.
2. Standpunkt des Beschuldigten
2.1. Der Beschuldigte bestritt sowohl den Vorwurf der einfachen Körperver-
letzung (HD) als auch denjenigen der Drohung (ND) in der Untersuchung voll-
ständig (vgl. HD 3/3). Auch vor Vorinstanz führte der Beschuldigte aus, die
Anklagevorwürfe seien unzutreffend (HD 26).
2.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung hielt der Beschuldigte an seinen
Bestreitungen fest (Urk. 58). Damit ist der Anklagesachverhalt sowohl betreffend
die einfache Körperverletzung als auch betreffend die Drohung zu erstellen.
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3. Grundsätze der Beweiswürdigung und Beweismittel
Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheid die Grundsätze der richterlichen Beweis-
würdigung wiedergegeben und dabei auf die freie richterliche Beweiswürdigung
hingewiesen, worauf vorab verwiesen werden kann. Im Weiteren hat sie ausge-
führt, dass betreffend die Beweiswürdigung von Aussagen zwischen der Glaub-
würdigkeit einer Person und der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu unterscheiden
ist. Auf die entsprechenden korrekten Ausführungen ist ebenfalls zu verweisen
(vgl. Urk. 38 S.8ff., Art. 82 Abs. 4 StPO).
4. Schuldpunkt einfache Körperverletzung (HD)
4.1. Die Vorinstanz führte die zur Verfügung stehenden Beweismittel auf und
stellte fest, dass sich die Staatsanwaltschaft - soweit ersichtlich - bei ihrer Anklage
auf die Aussagen des Privatklägers 1 (HD 7/2) und der Zeugin F._ (HD 8/2)
stützte, was richtig ist und worauf verwiesen werden kann (Urk. 38 S. 6).
Ergänzend ist zu erwähnen, dass sowohl die Zeugin F._, als auch der Pri-
vatkläger 1 noch in der Tatnacht von der Stadtpolizei Zürich einvernommen wur-
den (HD 8/1 und HD 7/1) . Die anlässlich dieser Einvernahmen deponierten Aus-
sagen sind ebenfalls in die Beweiswürdigung miteinzubeziehen, was schliesslich
auch die Vorinstanz tat. Im Weiteren hat sich die Vorinstanz zur Verwertbarkeit
der Beweismittel geäussert, auf welche Ausführungen vorbehaltlos zu verweisen
ist (Urk. 38 S. 6f., Art. 82 Abs. 4 StPO). An der Berufungsverhandlung erwähnte
der Verteidiger, der Beschuldigte habe ihm mitgeteilt, dass er zwar bei den Ein-
vernahmen des Privatklägers 1 und der Zeugin F._ anwesend gewesen sei,
aber keine Ergänzungsfragen habe stellen dürfen (Urk. 59 S. 5). In den Protokol-
len der staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen des Privatklägers 1 und der Zeu-
gin F._ betreffend das Hauptdossier ist vermerkt, dass der Beschuldigte kei-
ne Ergänzungsfragen gestellt hat (HD 7/2, HD 8/2). Dies lässt vermuten, dass
dem Beschuldigten anlässlich der Einvernahmen durchaus ein Fragerecht einge-
räumt wurde. Jedoch ist, wie nachfolgend zu zeigen sein wird, schon aus anderen
Gründen nicht auf die belastenden Aussagen des Privatklägers 1 und der Zeugin
F._ abzustellen, weshalb die Frage, ob dem Beschuldigten in der Unter-
suchung das rechtliche Gehör ausreichend gewährt wurde, nicht weiter zu
erörtern ist.
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4.2. Es ist festzuhalten, dass unbestritten ist, dass es am 23. Mai 2012,
ca. 22.15 Uhr am E._-Strasse in Zürich .. zu einer Auseinandersetzung kam,
bei welcher der Privatkläger 1 durch einen Faustschlag ins Gesicht eine Nasen-
beinfraktur (HD 10/1) erlitt. Strittig ist, ob es der Beschuldigte war, der diesen
Faustschlag ausführte oder eine andere Person.
4.3. Die Vorinstanz hat sich mit der Glaubwürdigkeit des Privatklägers 1, der
Zeugin F._ und dem Beschuldigten auseinandergesetzt. Präzisierend bezüg-
lich der Glaubwürdigkeit des Privatklägers 1 ist festzuhalten, dass aus den Akten
nicht klar hervorgeht, ob dieser den Beschuldigten auch von einer früheren Aus-
einandersetzung her kannte. Offenbar wuchsen der Beschuldigte und der Privat-
kläger 1 im gleichen Stadtkreis auf und haben gemäss dem Beschuldigten gleiche
Kollegen. Mit Bezug auf eine Auseinandersetzung besteht jedoch eine
Verbindung des Privatklägers 1 zu G._ (HD 7/2 S. 2, HD 25
S. 4). Im Übrigen kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz ver-
wiesen werden (Urk. 38 S. 10f., Art. 82 Abs. 4 StPO).
4.4. Die Vorinstanz nahm vorab eine Würdigung der Aussagen des Privat-
klägers 1, der Zeugin F._ sowie des Beschuldigten vor. Darauf ist näher ein-
zugehen (Urk. 38 S. 11 ff.).
4.5. Aussagen des Privatklägers 1
4.5.1. Die Aussagen des Privatklägers 1, welche er bei der Stadtpolizei Zürich am
24. Mai 2002 (HD 7/1), bei der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl am 22. November
2012 (HD 7/2) und vor Vorinstanz am 22. April 2013 (HD 26) deponierte, wurden
von der Vorinstanz korrekt zusammengefasst. Zur Vermeidung von Wiederholun-
gen ist darauf zu verweisen (Urk. 38 S. 11ff., Art. 82 Abs. 4 StPO). Die Vorinstanz
hielt in ihren Erwägungen fest, es falle auf, dass der Privatkläger 1 in sämtlichen
Einvernahmen, sowohl bei der Polizei, als auch bei der Staatsanwaltschaft und
vor Gericht weitgehend konstant ausgesagt habe, obwohl zwischen den Ein-
vernahmen jeweils je mindestens sechs Monate vergangen seien. Relevante
Widersprüche seien keine auszumachen. Zudem habe der Privatkläger 1 die
Geschehnisse inklusive Vor- und Nachgeschichte mehrmals als logischen, in sich
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schlüssigen Ablauf ohne Strukturbrüche geschildert. Schliesslich habe der Privat-
kläger sehr sachlich und eher zurückhaltend ausgesagt, was grundsätzlich eben-
falls für glaubhafte Aussagen spreche. Übertreibungen oder unnötige Belastun-
gen seien nicht zu erkennen. Sodann habe er angegeben, dass er nicht mehr
sagen könne, ob es ein Aussteigen oder ein Herausreissen aus dem Auto
gewesen sei, es sei so gewesen, wie er es bei der Polizei gesagt habe. Auch
habe er gemeint, er könne nicht mehr sagen, wie oft und wohin er genau
geschlagen worden sei. Andernorts habe er ausgeführt, er glaube, dass er beim
Aussteigen drei Schläge erhalten habe. Zu diesen Ungenauigkeiten führte die
Vorinstanz aus, angesichts des dynamischen Geschehensablaufs sei es
verständlich und es erscheine nichts als ehrlich, dass der Beschuldigte dies-
bezüglich nichts Genaueres habe sagen können. Lügensignale seien keine aus-
zumachen. Überdies fehle ein Motiv, weshalb der Privatkläger 1 den Beschuldig-
ten zu Unrecht belasten sollte. Insgesamt stufte die Vorinstanz die Aussagen des
Privatklägers 1 als grundsätzlich glaubhaft ein (Urk. 38 S. 14/15).
4.5.2. Mit der Vorinstanz ist einig zu gehen, dass der Privatkläger 1 weitgehend
konstant aussagte. Jedoch ist sein Aussageverhalten nicht frei von Auffälligkeiten.
So erscheint es entgegen der Vorinstanz nicht verständlich, dass der Privatkläger
1 nicht verbindlich angeben konnte, wie er aus dem Auto kam, ob er selber aus-
stieg oder herausgezerrt wurde. Es handelte sich dabei um das Anfangsstadium
der Auseinandersetzung und damit um das Kerngeschehen. Es wäre durchaus zu
erwarten gewesen, dass er darüber Bescheid weiss, wie er an die Kontrahenten
geriet. Bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme führte er dazu folgendes
aus: "Ich stieg dann aus und sie schlugen weiter auf mich ein. Ich kann nicht mehr
sagen, ob es ein Aussteigen oder ein Herausreissen war. So, wie ich es bei der
Polizei gesagte habe, war es." (HD 7/2 S. 3). Anlässlich der polizeilichen Einver-
nahme machte er dazu jedoch gar keine Angaben (Urk. 7/1). Massgeblich ist
jedoch viel mehr, was der Beschuldigte konkret zu den Schlägen ausführte.
Die von der Polizei zu Beginn der Einvernahme gestellte Frage lautete wie folgt:
"Gestern, 23.5.2012, ca. 22.15 Uhr kam es am E._-Strasse zu einem Vorfall,
bei dem Sie verletzt worden sind. Bitte schildern Sie mir, was sich genau zuge-
tragen hat." Als Antwort führte der Beschuldigte hinsichtlich der Schläge aus: "Ich
habe die Türe geöffnet und so habe ich von einem bereits mehrere, ich glaube es
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waren drei, Faustschläge ins Gesicht bekommen. Ich wollte mich lösen doch einer
hat mich an den Kleidern festgehalten, so dass diese zerrissen sind. In der Folge
habe ich von dreien weitere Schläge ins Gesicht erhalten. Ich konnte mich dann
befreien und wegrennen". Den Schlag, der ihm das Nasenbein brach, erwähnte
der Privatkläger 1 an dieser Stelle nicht. Dies ist, nachdem er diesen später ein-
deutig dem Beschuldigten zuordnete und er diesen auch mit Namen kannte, doch
überraschend. Auch auf die Frage, wer ihn geschlagen habe, führte er später in
derselben Einvernahme nur allgemein aus, die A.H._-Brüder und auch
G._. Auf die Frage, wo er getroffen worden sei, sagte er, alle Schläge seien
gegen den Kopf geführt worden. Wer wohin geschlagen habe, wisse er nicht mehr
genau, er wisse aber, dass der Schlag auf die Nase durch A._ (den Beschul-
digten) geführt worden sei. Weiter erscheint es seltsam, dass der Beschuldigte
nur von den "Typen" sprach, die ihn angegriffen hätten, obwohl er alle Beteiligten
zumindest mit dem Vornamen kannte. Auch gab er an, er könne sich nicht vorstel-
len, weshalb er angegriffen worden sei. Angesprochen auf eine allfällige Vorge-
schichte, kam der Privatkläger 1 dann aber sofort auf den Disput mit "einem die-
ser Typen" (offenbar G._) zu sprechen. Damit erscheint das Aussageverhal-
ten des Privatklägers 1 bei der Polizei als nicht sehr spontan, weshalb die Aussa-
gen nicht restlos überzeugen. In den späteren Einvernahmen auf die Anzahl
Schläge des Beschuldigten angesprochen, gab er bei der Staatsanwaltschaft an,
den Schlag auf die Nase, der ihn verletzt habe, habe er vom Beschuldigten be-
kommen, ansonsten verweise er auf die Aussagen bei der Polizei. Dort war je-
doch die Frage, wie viel Mal er vom Beschuldigten geschlagen worden war, nicht
aufgegriffen worden. Vor Vorinstanz gab er dann an, der Beschuldigte habe ihm
die Faust gegeben, die ihm die Nase gebrochen habe. Es seien mehrere Schläge
gekommen. Offenbar wusste er dann, dass er vom Beschuldigten mehrmals ge-
schlagen worden war, obwohl er dies bei der Staatsanwaltschaft nicht mehr ge-
wusst hatte (HD 25 S. 2, HD 7/2 S. 4). Auf die Frage, wie viele Schläge er damals
mit der Faust auf die Nase bekommen habe, führte der Privatkläger 1 aus, er sei
sich nicht sicher, aber er habe sich merken können, dass derjenige, der ihm die
Nase gebrochen habe, von A._ gekommen sei. Er sei mehrmals auf den
Kopf geschlagen worden (HD 25 S. 2).
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4.5.3. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass der Privatläger 1 nie daran zweifel-
te, den Faustschlag, welcher ihm das Nasenbein brach, vom Beschuldigten ver-
setzt bekommen zu haben. Jedoch ist im Auge zu behalten, dass der Privatkläger
1 auch ausführte, mehrmals geschlagen worden zu sein und abgesehen vom
Faustschlag des Beschuldigten, welchen ihn verletzte, keine zuverlässigen
Angaben bzw. Zuordnungen machen konnte. Damit besteht aber auch eine
gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sich der Privatkläger 1 bei dieser von ihm
geltend gemachten Mehrzahl von Schlägen durchaus hätte irren können, wer ihm
den Faustschlag, der zum Nasenbeinbruch führte, versetzt hatte. Soweit die
Vorinstanz ausführt, es fehle ein Motiv, weshalb der Privatkläger 1 den Beschul-
digten zu Unrecht belasten sollte, so ist ein solches unter dem Aspekt einer Ver-
wechslung gar nicht nötig. Schliesslich ist zu erwähnen, dass der Privatkläger 1
vor Vorinstanz ausführte, er finde es eine Frechheit, dass A._ behaupte,
G._ hätte ihn geschlagen, da er ja selber sage er (der Privatkläger 1) mache
Kampfsport, dann hätte er sich ja selber verteidigen können. Es sei unrealistisch,
was dieser (A._) sage. Dabei spielt der Privatkläger 1 offenbar auf das Alter
und die körperliche Konstitution von G._ an, wonach er von diesem nicht ge-
schlagen werden könnte. Nun führte der Privatkläger 1 in der staats-
anwaltschaftlichen Einvernahme jedoch selber aus, er habe sich nicht verteidigen
können, weil es ein Überraschungsmoment und er nicht gefasst gewesen sei. Er
habe keine Chance gehabt (HD 7/2 S. 5). Dieser Aussage widerspricht der Privat-
kläger 1, indem er angibt, er hätte sich selber verteidigen können.
4.5.4. Somit ist festzuhalten, dass die Aussagen des Privatklägers 1 betreffend
die Frage, wer ihm mit einem Faustschlag das Nasenbein brach, konstant sind, im
Übrigen aber auch Unsicherheiten in seinen Angaben zu finden sind. Seine Aus-
sagen überzeugen daher nicht vorbehaltlos. Wie bereits die Vorinstanz ausführte,
sind sie unter Berücksichtigung der übrigen Beweismittel abschliessend zu
würdigen.
4.6. Aussagen der Zeugin F._
4.6.1. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Zeugin F._ korrekt zitiert, wes-
halb darauf verwiesen werden kann (Urk. 38 S. 15f., Art. 82 Abs. 4 StPO). Bei der
Gegenüberstellung der Aussagen anlässlich der ersten und der zweiten Einver-
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nahme kam die Vorinstanz zum Schluss, dass diese weitgehend übereinstimm-
ten. Sie führte aus, soweit ersichtlich springe lediglich ein wesentlicher Wider-
spruch ins Auge. So habe die Zeugin in der polizeilichen Einvernahme von fünf,
in der späteren staatsanwaltschaftlichen Einvernahme jedoch lediglich von
vier Beteiligten gesprochen, was jedoch die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen nicht
wesentlich zu beeinträchtigen vermöchte. Zudem falle insbesondere die Detail-
liertheit und Lebensnähe ihrer Sachdarstellung auf . So habe sie originelle Details
und eigene Sinneswahrnehmungen angegeben, wie beispielsweise, dass die
Autos zu hupen angefangen hätten, oder dass sie mit dem Gaspedal "gegäselt"
habe, um den Beschuldigten vor dem Auto zu vertreiben, oder dass sie zum
Privatkläger 1 gesagt habe, er solle nicht aus dem Auto steigen ("nein Schatz
gehe nicht raus"), weil sie gehört habe, wie die Männer gesagt hätten, sie wollten
den Privatkläger 1 schlagen (HD 8/2 S. 4). Soweit die Vorinstanz diese Angaben
als Realkennzeichen wertet und sich davon überzeugen lässt, dass die Zeugin
von echt Erlebtem spricht, ist dies zu relativieren. Einerseits deshalb, weil zu
beachten ist, dass die Angabe der Zeugin, sie habe dem Privatkläger 1 gesagt, er
solle nicht aus dem Auto steigen ("nein Schatz gehe nicht raus"), erst bei der
Staatsanwaltschaft deponiert wurde. Bei der Polizei führte sie zur selben
zeitlichen Phase aus, ihr Freund habe die Türe geöffnet und zu den Personen
gesagt, sie sollten ihn in Ruhe lassen. Wenn sie etwas zu klären hätten, dann
nicht vor seiner Freundin (HD 8/1 S. 1). Andererseits betreffen die Ausführungen
nicht das eigentliche Kerngeschehen. Bezüglich diesem fallen bei den Angaben
der Zeugin durchaus Unregelmässigkeiten auf. So führte sie bei der Stadtpolizei
am 24. Mai 2012, noch in der Tatnacht, auf die Frage, wie ihr Freund verletzt
worden sei, aus, sie könne es nicht sagen. Ihr Freund sei mit der Sanität ins Spital
gebracht worden. Sie könne nur sagen, dass ihrem Freund das Leibchen zer-
rissen worden sei und dass er überall Blut gehabt habe. Vom sehen her kenne
sie vier Männer. Sie kenne die Namen nicht. Ihr Freund habe ihr die Namen
vom Spital aus per SMS geschickt. Sie gab dann die Namen an und führte aus,
A._, H._, I._, vom Letzten wisse Sie nur G._. Er sei der Aus-
löser der ganzen Angelegenheit gewesen. (HD 8/1 S. 3). Anlässlich der staatsan-
waltschaftlichen Einvernahme vom 22. November 2012 führte die Zeugin F._
aus, die Täter hätten sofort auf ihren Freund eingeschlagen und ihn aus dem Auto
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gerissen. Er habe noch das Natel in der Hand gehabt. Als er es in der Tasche
versorgt gehabt habe, habe er sich umgedreht und sofort einen Schlag, direkt auf
die Nase erhalten. Sie hätte das genau gesehen. Die anderen Schläge seien auf
den Kopf, den Bauch und die Beine gegangen. Er sei auch
getreten worden. Den Schlag auf die Nase habe er von A._ (dem Beschul-
digten) erhalten. Dieser habe mit der Faust auf die Nase geschlagen. Weiter gab
die Zeugin an, sich auch an konkrete Faustschläge von H._ erinnern zu kön-
nen. Sie wisse nicht, wo er ihren Freund getroffen habe. Die Schläge seien ein-
fach auf den Kopf, den Hinterkopf und ins Gesicht, aber auch gegen den Ober-
körper gegangen (HD 8/2 S. 5).
4.6.2. Mit der Vorinstanz treten bei den Aussagen der Zeugin F._ keine weit-
reichenden Widersprüche hervor. Jedoch fällt auf, dass sie bei der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme wesentlich detailliertere Angaben machte, als noch bei
der polizeilichen Einvernahme. Nachdem sie bei der Polizei noch angab, zu den
Schlägen gegen ihren Freund nichts sagen zu können, gab sie ein halbes Jahr
später an, ein Faustschlag sei gezielt gegen die Nase ihres Freunds geführt
worden und zwar vom Beschuldigten. Dazu gab sie sogar an, sie hätte es genau
gesehen. Weiter wusste sie auch über Schläge von H._ Bescheid. Diese
Wissensentwicklung ist nicht erklärbar und lässt vermuten, dass es sich bei den
bei der Staatsanwaltschaft gemachten Angaben um nacherzählte Schilderungen
ihres Freundes handelte und eben nicht, wie die Vorinstanz interpretierte, um ei-
gene Wahrnehmungen. Damit vermögen ihre Aussagen, zumindest was die Fra-
ge des angeklagten Faustschlags gegen die Nase des Privatklägers 1 betrifft,
nichts Wesentliches zur Klärung des Sachverhalts beizutragen. Aufhorchen lässt
überdies, dass sie als einzige am Geschehen Beteiligte schilderte, der Privat-
kläger 1 sei auch gegen den Oberkörper geschlagen und auch getreten worden.
Solches gab nicht einmal der Privatkläger 1 selber an. Die Aussagen der Zeugin
F._ erscheinen damit aber insgesamt als unzuverlässig.
4.7. Aussagen des Beschuldigten
4.7.1. Auch betreffend die Aussagen des Beschuldigten ist auf die entsprechende
Zusammenfassung der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 38 S. 20ff., Art. 82 Abs. 4
StPO).
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4.7.2. Der Beschuldigte bestritt konstant, dem Privatkläger 1 mit einem Faust-
schlag das Nasenbein gebrochen zu haben, was auch die Vorinstanz feststellte.
Weiter führte die Vorinstanz aus, eine eigene Sachdarstellung zum engeren Tat-
ablauf habe der Beschuldigte nicht abgegeben. Er habe sich darauf beschränkt,
die Aussagen des Privatklägers 1 und der Zeugin F._ pauschal zu bestreiten.
Richtig ist, dass der Beschuldigte die Angaben des Privatklägers 1 und der
Zeugin F._ bestritt. Er hat aber jeweils Ausführungen gemacht, weshalb er
die Aussagen für falsch hält, welche Angaben die Vorinstanz in ihrem Urteil auch
zitierte (Urk. 38 S. 22f.). Damit kann nicht gesagt werden, der Beschuldigte hätte
alles pauschal bestritten. Im Weiteren führte die Vorinstanz aus, die eigene
Darstellung des Beschuldigten zum engeren Tatablauf sei nicht gerade detailliert
und lebendig, sondern eher stereotyp und vage (Urk. 38 S. 34). Der Beschuldigte
sagte dem Sinn nach wiederholt aus, dass es sich um eine schnelle Sache
gehandelt hatte. G._ habe ihm (Privatkläger 1) "so schnell eine reingege-
ben", dass er aus der Nase geblutet habe (HD 3/1 S. 2). Beim Staatsanwalt gab
der Beschuldigte an, G._ sei dann zu ihm (Privatkläger 1) gegangen und ha-
be zugeschlagen. Alles sei sehr schnell gegangen (HD 3/2 S. 2). Und vor Vo-
rinstanz gab er zur Auseinandersetzung an, als der Privatkläger 1 ausgestiegen
sei, seien sie von diesem herausgefordert worden und dann sei G._ mit einer
schnellen Faust auf ihn losgegangen (Urk. 26 S. 5). Mit der Vorinstanz ist festzu-
stellen, dass der Beschuldigte die Auseinandersetzung als sehr kurz beschrieb,
mitunter nur mit einem Schlag von G._ gegen den Privatkläger 1. Es ist da-
her festzuhalten, dass die Angaben des Beschuldigten, was das gesamte Ge-
schehen betrifft, nicht sehr ausführlich sind und daher im Raum steht, er könnte
zu seinen Gunsten etwas beschönigend ausgesagt haben. Diese Annahme of-
fenbart sich auch dadurch, dass der Privatkläger 1 nach der Auseinandersetzung
ein zerrissenes T-Shirt und eine beschädigte Jacke hatte, was kaum der Fall ge-
wesen wäre, hätte es sich um eine äusserst kurze Angelegenheit gehandelt, bei
der nur ein einziger Faustschlag ausgeteilt wurde. Jedoch beschreibt der Be-
schuldigte das eigentliche Tatgeschehen, nämlich den eingeklagten Faustschlag
gegen den Privatkläger 1, durchwegs konstant als schnellen Schlag, der den Pri-
vatkläger 1 überraschend getroffen habe. Diesen Überraschungseffekt beschrieb
auch der Privatkläger 1 selber sowie die Zeugin F._ und, wie nachfolgend zu
- 16 -
zeigen ist, auch die übrigen Beteiligten. Damit ist das Fazit der Vorinstanz zutref-
fend, wonach die Aussagen des Beschuldigten nicht per se als unglaubhaft er-
scheinen (Urk. 38 S. 35).
4.7.3. In ihrer Gesamtwürdigung kommt die Vorinstanz zum Schluss, dass die
Aussagen des Privatklägers 1 und der Zeugin F._ im Kernpunkt vollständig
übereinstimmten. Beide hätten mehrfach, klar und aus eigener Wahrnehmung
heraus ausgeführt, dass es der Beschuldigte gewesen sei, der dem Privatkläger 1
mit der rechten Faust auf die Nase geschlagen habe. Wie oben ausgeführt, trifft
es weder zu, dass die Zeugin F._ solches mehrfach ausführte; noch ist da-
von auszugehen, dass sie es nach ihrer eigenen Wahrnehmung schilderte. Zu-
dem bestehen relevante Widersprüche hinsichtlich der von den Schlägen ge-
troffenen Körperregion. Im Weiteren kann nicht gesagt werden, es stünden objek-
tive Beweismittel zur Verfügung, welche die Aussagen des Privatklägers 1 und
der Zeugin F._ stützten. Die Vorinstanz nennt in diesem Zusammenhang das
zerrissene T-Shirt des Privatklägers 1, welches beide beschrieben hätten. Dies
trifft zwar zu, nur trägt dies nichts zur relevanten Frage bei, wer dem Privatkläger
1 den eingeklagten Faustschlag versetzte. Auch die Feststellung der Vorinstanz,
es fehlten die Anzeichen eines Komplotts gegen den Beschuldigten, sagt nichts
zugunsten der Aussagen des Privatklägers 1 und der Zeugin F._ bzw. gegen
den Beschuldigten aus. Denn es könnte sich seitens des Privatklägers 1 ebenso
gut um eine Verwechslung gehandelt haben.
4.7.4. Als Fazit ist somit festzuhalten, dass nach der Würdigung der Aussagen
des Privatklägers 1, der Zeugin F._ und des Beschuldigten nach wie vor
nicht feststeht, wer dem Privatkläger 1 den Faustschlag versetzte, welcher beim
Beschuldigten zur diagnostizierten Nasenbeinfraktur führte. Es ist daher auf die
weiteren Beweismittel einzugehen.
4.8. Aussagen G._, I._ und H._
4.8.1. G._ wurde von der Polizei am 24. Mai 2012 morgens einvernommen.
Er führte aus, dass die Sache mit dem Privatkläger 1 bereits vor einem Monat am
Bahnhof Altstetten angefangen habe. Der Privatkläger 1 habe ihm dort eine Ohr-
feige gegeben, weil er sich ihm gegenüber angeblich frech und aggressiv verhal-
- 17 -
ten habe. Am Tatabend sei er mit A._ (Beschuldigter) unterwegs gewesen.
Sie hätten H._ und I._ bei den Glascontainern an der
J._-Strasse abholen wollen. Sie hätten dort dann das Auto der
Freundin des Privatklägers 1 vor der Schranke stehen gesehen. Er habe kurz
aussteigen müssen, weil der Opel von A._ ein 3-Türer sei und H._ und
I._ sonst nicht hätten einsteigen können. Er sei dann zum Fahrzeug des Pri-
vatklägers 1 rübergegangen und habe ihm zugerufen, er sollte aussteigen, da er
mit ihm sprechen müsse. Er habe die Angelegenheit vom Bahnhof Altstetten klä-
ren wollen. Der Privatkläger 1 habe die Beifahrertür geöffnet und sei zügig aus
dem Auto ausgestiegen. Er sei auf ihn zugekommen. Er denke, er sei ziemlich
wütend gewesen. Er habe Angst gehabt, dass er ihn wieder schlagen wolle und
habe ihm einen "Box" ins Gesicht gegeben. Wie viel Mal er den Privatkläger 1 ge-
schlagen habe, wisse er nicht. Irgendwann sei A._ gekommen und habe sie
getrennt. H._ sei auch gekommen. A._ habe ihn am Arm gepackt und
gesagt "Gahn wider is Auto!". Es sei alles extrem schnell gegangen (HD 6/1). Es
sei ein richtiges Durcheinander gewesen. Bei der staatsanwaltschaftlichen Ein-
vernahme führte G._ übereinstimmend mit der ersten Einvernahme aus, der
Privatkläger 1 habe ihm damals vor ca. einem Monat am Bahnhof Altstetten eine
Ohrfeige gegeben. Er sei deshalb zu seinem Auto gegangen und habe gerufen, er
solle aussteigen, er wolle mit ihm reden. Der Privatkläger 1 sei dann ausgestiegen
und auf ihn zugekommen. Er habe nicht gerade freundlich ausgesehen. Er selber
habe Angst bekommen und ihm einen Faustschlag ins Gesicht gegeben. Er habe
ein oder zweimal ins Gesicht des Privatklägers 1 geschlagen. Dann seien
A._ und H._ gekommen und hätten ihn vom Privatkläger 1 weggezogen.
A._ habe zu ihm gesagt, er solle zurück ins Auto gehen (HD 6/2).
4.8.2. Damit liegt bezüglich der vorliegend angeklagten Tat ein Geständnis von
G._ vor. Die Vorinstanz ging, nachdem sie es offenbar als
unwesentlich erachtete, nicht näher auf dieses Geständnis ein (vgl. Urk. 38
S. 27). Das ist an dieser Stelle nachzuholen. G._ beschreibt in seinen Aus-
sagen vorab den Tatanlass, nämlich, dass er ca. einen Monat vor der Tat mit dem
Privatkläger 1 einen Streit in Altstetten hatte, wobei ihm der Privatkläger 1 eine
Ohrfeige verpasst habe. Dass es diesen Streit tatsächlich gab,
bestätigte nicht nur der Beschuldigte, sondern auch der Privatkläger 1 in seinen
- 18 -
Aussagen, jedoch mit der Einschränkung, dass er G._ keine Ohrfeige ver-
passt, sondern diesen nur geschubst habe. Weiter gab die Zeugin F._ an, ihr
Freund habe ihr von diesem Streit berichtet. Sie führte schliesslich in ihrer Einver-
nahme bei der Stadtpolizei Zürich auch aus, G._ sei der Auslöser der ganzen
Angelegenheit gewesen (HD 8/1 S. 3). Damit steht fest, dass G._ ca. einen
Monat vor der Tat mit dem Privatkläger 1 in einen Streit verwickelt war. Dass er
diesen Streit nun als Tatmotiv vorbringt, erscheint daher nicht abwegig und lässt
auch sein Geständnis plausibel erscheinen. Dies umso mehr, als sich in seinen
Angaben keine Hinweise darauf finden, dass er betreffend das Geständnis von
jemandem unter Druck gesetzt worden war. I._, welcher gemäss überein-
stimmender Aussagen aller Beteiligten nicht unmittelbar am Geschehen beteiligt,
sondern nur dagestanden bzw. wie von der Zeugin F._ beurteilt, Schmiere
gestanden hatte, führte zum Geschehen aus, G._ habe aussteigen müssen,
damit sie ins Auto hätten steigen können. G._ sei dann zum BMW des Pri-
vatklägers 1 gerannt und dort sei der Privatkläger 1 ausgestiegen. Sie hätten et-
was geredet. Plötzlich hätten sie angefangen zu fighten. H._ und A._
seien dazwischen gegangen und hätten die beiden getrennt. G._ habe so
etwas gesagt wie "letztes Mal hast du dich geil gefühlt mit Kollegen". Er wisse
nicht, was G._ damit gemeint habe. Und weiter führte er aus, er habe gese-
hen, dass der erste Schlag von G._ gegen den Privatkläger 1 richtig geses-
sen habe. Das habe man auch gehört. Weiter gab er an, A._ und H._
hätten nicht zugeschlagen. Es habe im Auto dann eine Auseinandersetzung dar-
über gegeben, weshalb G._ das gemacht habe. Es habe nicht so getönt, als
H._ und A._ auch etwas gemacht hätten. Später habe H._ zu
A._ gesagt: "Warum hast du den mitgenommen". I._ gab auch Auskunft
zu seinen Beziehungen zu den verschiedenen Beteiligten. Die Beziehung zu
A._ (Beschuldigter) sei nicht sehr gut. Er sage nur "hoi" und "tschau". Dieser
sei arbeitslos und "hänge" immer herum. H._ sei sein bester Kollege.
G._ habe er zwei bis dreimal gesehen. Den Privatkläger 1 kenne er seit der
Schulzeit. Er wohne in seiner Nähe. Sie hätten noch nie Probleme miteinander
gehabt. Die Zeugin F._ habe er noch nie gesehen (HD 5/1). Aus diesen
Angaben geht hervor, dass I._ weder in Beziehung zum Beschuldigten, noch
zu G._ oder dem Privatkläger 1 steht. Es ist daher nicht einzusehen, weshalb
- 19 -
er G._ wahrheitswidrig belasten sollte. Somit stützen seine Angaben aber
das Geständnis von G._. Auch die Angaben von H._ lassen nichts er-
kennen, wonach das Geständnis von G._ nicht wahr sein könnte. Damit kann
festgehalten werden, dass das Geständnis von G._ als glaubhaft zu werten
ist.
4.8.3. Gestützt auf sein Geständnis wurde G._ mit Strafbefehl vom 24. Mai
2013 von der Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt der Körperverletzung schuldig ge-
sprochen. Der Sachverhalt, welcher der Verurteilung zugrunde liegt, lautet wie
folgt:
Am 23. Mai 2012 gegen 22.15 Uhr am E._-Strasse ... in Zürich ... näherte
sich G._ dem Fahrzeug, in welchem B._ auf dem
Beifahrersitz sass. B._ stieg in der Folge aus dem Fahrzeug aus. Als die bei-
den einander gegenüberstanden, versetzte G._ dem B._ unvermittelt
zwei Faustschläge ins Gesicht. Durch die Schläge erlitt B._ eine Nasenbein-
fraktur, welche Verletzung G._ durch sein Tun zumindest in Kauf nahm.
4.8.4. Daraus geht ohne Weiteres hervor, dass dieser Sachverhalt mit dem in der
vorliegenden Anklageschrift genannten identisch ist. Nachdem die Anklage ledig-
lich einen Faustschlag erwähnt, der zur Nasenbeinfraktur beim Privatkläger 1
führte, besteht kein Raum für die Annahme einer Mittäterschaft durch den
Beschuldigten. Eine solche liesse sich nur durch Veränderung des Anklagesach-
verhalts beurteilen, welches Vorgehen jedoch gegen das Anklage- bzw. Immuta-
bilitätsprinzip verstossen würde (Art. 9 StPO).
4.9. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass wegen der vorliegend angeklag-
ten einfachen Körperverletzung G._ bereits mit Strafbefehl vom 24. Mai 2013
der Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt verurteilt wurde. Das von G._ auch in
diesem Verfahren abgegebene Geständnis erscheint im Übrigen glaubhaft und
entlastet damit den Beschuldigten. Wesentlich ist dabei auch, dass sowohl die
Mitbeteiligten I._ als auch H._ nur G._ als Täter bezeichneten und
demgegenüber die anderslautenden Angaben des Privatklägers 1 sowie der Zeu-
gin F._ mit Zweifeln behaftet sind.
- 20 -
4.10. Bei dieser Sachlage bestehen unüberwindliche Zweifel an der Täterschaft
des Beschuldigten, weshalb er gestützt auf Art. 10 Abs. 3 StPO vom Vorwurf der
einfachen Körperverletzung freizusprechen ist.
5. Schuldpunkt Drohung (ND)
5.1. Dem Beschuldigten wird in diesem Anklagepunkt vorgeworfen, er habe am
2. März 2012 um ca. 18 Uhr am ...platz in Zürich 9 im Zuge einer verbalen und
tätlichen Auseinandersetzung mit D._ und C._ diesen gesagt: "Ihr wer-
det noch sterben". Durch diese Äusserung sei C._ "geschockt" gewesen und
habe ein mulmiges Gefühl gehabt, da er sich vor dem Beschuldigten und dessen
Brüder gefürchtet habe. Der Beschuldigte habe eine solche Einschüchterung
durch seine Worte zumindest in Kauf genommen.
5.2. Den Tatbestand von Art. 180 Abs. 1 StGB erfüllt, wer jemanden durch
schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt. Eine Drohung besteht darin,
dass der Drohende seinem Opfer ein künftiges Übel ankündigt oder in Aussicht
stellt. Indem das Gesetz eine schwere Drohung verlangt, nimmt es bewusst eine
Einschränkung des Tatmittels vor. Gleichzeitig definiert es aber auch den beim
Tatsubjekt bewirkten Erfolg, womit es eine weitere Einschränkung vornimmt und
diese in Beziehung zur ersten setzt: Die Drohung muss schwer sein und Angst
machen (Delnon/Rüdy, in: BSK Strafrecht II, 3. Auflage, Basel 2013, N 13 und 19
zu Art. 180 StGB). Die Tathandlung der schweren Drohung erschöpft sich in der
Ankündigung eines künftigen Übels, welches diese Gefühle hervorruft.
5.3. Der Beschuldigte bestreitet nicht, am 2. März 2012 beim Denner am
...platz in Zürich 9 auf die Brüder D._ und C._ gestossen zu sein, wo-
rauf es zu einer Auseinandersetzung zwischen ihnen gekommen ist. Jedoch be-
streitet der Beschuldigte D._ und C._ mit den Worten "ihr werdet beide
noch sterben" gedroht zu haben (ND 2/2).
5.4. Der Privatkläger 2 stellte am 26. März 2012 Strafantrag gegen den
Beschuldigten wegen Drohung, nachdem dieser seinerseits am 9. März 2012
gegen den Privatkläger 2 einen Strafantrag wegen Tätlichkeiten stellte (ND 1 S. 4,
ND 5/1). Beide Strafanträge resultieren aus der Auseinandersetzung vom 2. März
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2012, welche Grundlage des angeklagten Sachverhalts bildet. Aus den Akten
geht hervor, dass Ursprung dieser Auseinandersetzung offenbar ein Streit
zwischen einem Bruder des Privatklägers 2 sowie einem Bruder des Beschuldig-
ten bildete. Hinsichtlich der im Anklagesachverhalt beschriebenen Auseinander-
setzung vom 2. März 2012 beschuldigten sich die Parteien gegenseitig, den Streit
initiiert zu haben (ND 1, ND 2/1, ND 3/1).
5.5. Die Vorinstanz äusserte sich zur Glaubwürdigkeit des Privatklägers 2 und
des Beschuldigten. Massgeblich erscheint, dass die Beziehung zwischen
den beiden durch vorbestehende Streitereien, zumindest zwischen Familien-
angehörigen, belastet ist. Zwar kann deshalb dem Beschuldigten und dem Privat-
kläger 2 nicht zum Vornherein die Glaubwürdigkeit abgesprochen werden, jedoch
ist davon auszugehen, dass sich diese Vorbelastung auf das Aussageverhalten
sowohl des Beschuldigten als auch des Privatklägers 2 ausgewirkt hat.
5.6. Der Privatkläger 2 führte bei seiner Befragung bei der Stadtpolizei Zürich
als Beschuldiger im Strafverfahren gegen ihn selber am 26. März 2012 aus, im
Anschluss an das Gerangel seien D._ und der Beschuldigte aufgestanden
und hätten nichts mehr gemacht. D._ und er seien dann zum Auto zurückge-
kehrt. Der Beschuldigte habe dann zu ihnen gesagt "Ihr werdet beide sterben". Er
habe die Aussage schon ein bisschen ernst genommen (ND 3/1 S. 2). Anlässlich
der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 28. Januar 2013 gab der Privat-
kläger 2 an, die beiden (D._ und der Beschuldigte) hätten dann aufgehört.
Beide seien dann in Richtung Auto gegangen, wo er sich aufgehalten habe. Sie
seien dann etwa vier Meter gegangen und der Beschuldigte habe gesagt: "Ihr
werdet beide sterben". Er habe das selber gehört. Es seien noch drei Leute dort
gewesen, die Zigaretten geraucht hätten. Er sei selber geschockt gewesen, als er
dies gehört habe. Sie hätten dann den Einkauf abgebrochen und seien nach Hau-
se gegangen. Er habe sich nach diesem Vorfall geschämt, in den Denner zu ge-
hen (ND 3/2). Auf weitere Fragen führte der Privatkläger 2 aus, der Beschuldigte
habe in einem ernsten Tonfall gesprochen, sein Gesichtsausdruck sei "hässig"
bzw. erbost gewesen. Weiter führte er aus, er habe die Aussage ernst genom-
men. Auf die Frage, ob er danach Angst gehabt habe, gab der Beschuldigte an, er
habe schon ein bisschen ein mulmiges Gefühl gehabt. Auf die Frage, weshalb er
- 22 -
den Strafantrag erst gestellt habe, als gegen ihn selber eine Anzeige erfolgt sei,
antwortete der Privatkläger 2, er habe zuerst gedacht, die Sache sei mit dieser
Schlägerei geklärt worden (ND 3/2).
5.7. Bevor darauf einzugehen ist, ob die Aussagen des Privatklägers 2 insge-
samt als glaubhaft einzustufen sind, ist zu untersuchen, ob die vom Privatkläger 2
beschriebenen Empfindungen den Anforderungen der Tatbestandsvoraussetzun-
gen von Schrecken oder Angst im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB genügen.
5.8. In seiner ersten Aussage gab der Privatkläger 2 an, er habe die Aussage
"ihr werdet noch sterben" ein bisschen ernst genommen. Etwas später in der
Befragung sagte er dann, ja, er habe schon Angst vor diesen Brüdern. In seiner
zweiten Einvernahme gab er an, er sei selber geschockt gewesen als er das
gehört habe und er habe die Aussage ernst genommen. Auf die Frage ob er
danach Angst gehabt habe, sagte er, er habe schon ein bisschen ein mulmiges
Gefühl gehabt. In die Anklage wurde dann aufgenommen er sei "geschockt"
gewesen und habe ein mulmiges Gefühlt gehabt. Zwar könnten diese Begriffe
vermuten lassen, dass das innere Gleichgewicht des Privatklägers 2 im Sinne der
rechtlichen Vorgaben von Schrecken oder Angst gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB
betroffen gewesen sein könnte. Konkret ergibt sich solches aus den Angaben des
Privatklägers 2 jedoch nicht. Vielmehr erscheinen seine Aussagen sehr indiffe-
rent. So gab er bei der polizeilichen Befragung an, die Sache ein bisschen ernst
genommen zu haben und Angst gehabt zu haben. Später gab er an, die Sache
zwar ernst genommen zu haben, aber lediglich ein bisschen ein mulmiges Gefühl
gehabt zu haben. Aus diesen zögerlichen Angaben des Privatklägers 2 kann nicht
geschlossen werden, er sei durch die Aussage des Beschuldigten tatsächlich in
Angst oder Schrecken versetzt worden. So weisen auch die gesamten Umstände
nicht darauf hin, dass er durch die Aussage des Beschuldigten in seiner Gemüts-
verfassung erschüttert worden wäre oder bei ihm Angst im Sinne eines beklem-
menden Gefühls ausgelöst worden wäre. So führte er auch aus, sie hätten den
Einkauf abgebrochen, weil er sich geschämt habe, nach diesem Vorfall in den
Denner zu gehen und nicht etwa, er habe aus Angst oder Schrecken sein
Einkaufsvorhaben nicht wie geplant zu Ende geführt (ND 3/2 S. 2). Weiter gab er
auch an, er sei davon ausgegangen, dass die Sache mit dieser Schlägerei geklärt
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worden sei (ND 3/2 S. 4). Dies zeigt auch, dass es im Rahmen der bestehenden
interfamiliären Auseinandersetzung offenbar auch stets darum ging, (vermeintlich)
erlittenes Unrecht auszugleichen. So gab der Privatkläger 2 auch an, den Straf-
antrag wegen der Drohung nur gemacht zu haben, weil der Beschuldigte eben-
falls gegen ihn ein Verfahren anstrengt hatte (ND 3/1). Dies zeigt, dass im vor-
liegenden Fall die gesamten Umstände von grosser Bedeutung sind und diese
nicht dafür sprechen, dass der Privatkläger 2 davon ausging, die Aussage des
Beschuldigten sei ernst gemeint und er die Verwirklichung des angedrohten Übels
befürchtete. Vielmehr dürfte ihm die Aussage des Beschuldigten einfach unange-
nehm gewesen sein. Damit liegt aber keine schwere Drohung im Rechtssinne vor.
5.9. Somit steht fest, dass selbst unter der Annahme, das Geschehen habe
sich anklagegemäss abgespielt, keine Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB vor-
liegt. Damit erübrigen sich weitere Ausführungen zur Beweiswürdigung, mitunter
auch zum Vorbringen der Verteidigung, es stelle sich die Frage, inwiefern
dem Beschuldigten das rechtliche Gehör gewährt und er mit den Aussagen der
Gebrüder C.D._ konfrontiert worden sei (vgl. Urk. 59 S. 7).
5.10. Der Beschuldigte ist - entgegen dem Ergebnis der Vorinstanz - vom Vor-
wurf der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB freizusprechen.
III. Zivilansprüche
Zufolge Freispruchs sind sämtliche Zivilansprüche (Schadenersatz und Genugtu-
ung) des Privatklägers 1, B._, abzuweisen (vgl. Lieber V., in: Donatsch,
Hansjakob, Lieber, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Zürich
2010, Art. 126 N 8).
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kosten
1.1. Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie
darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428
- 24 -
Abs. 3 StPO). Gestützt auf Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die Beschuldigte Person die
Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Nachdem der Beschuldigte mit dem
heutigen Urteil vollumfänglich freigesprochen wird, sind die Kosten für die Unter-
suchung und das erstinstanzliche Verfahren auf die Gerichtskasse zu nehmen
(Art. 423 StPO).
1.2. Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte
obsiegt mit seinen Anträge vollständig. Hingegen unterliegt die Staatsanwaltschaft
mit ihrem Bestätigungsantrag. Damit sind die Kosten für das Berufungsverfahren,
inklusive der Kosten für die amtliche Verteidigung, auf die Gerichtskasse zu
nehmen.
2. Entschädigung amtlicher Verteidiger
Der amtliche Verteidiger reichte per 11. Dezember 2013 seine Honorarnote ein
(Urk. 60/4). Die geltend gemachten Aufwendungen für das Berufungsverfahren
sind ausgewiesen. Unter Hinzurechnung der Aufwendungen für die Berufungs-
verhandlung und die Urteilsbesprechung mit dem Beschuldigten ist der amtliche
Verteidiger für das Berufungsverfahren mit Fr. 2'810.15.-- (inkl. MwSt.) zu ent-
schädigen.