Decision ID: c5b52b81-8b19-5b41-9673-dd31c2555fcc
Year: 2015
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. A.1
Die am XX.XX.1960 geborene A_, verheiratete Mutter von zwei 1985 und 1986
geborenen Kindern, meldete sich am 12. Oktober 2011 (IV-act. 1) bei der Invalidenver-
sicherung an, da sie seit 1982 an starker Migräne und seit 2005 an einer Schulterentzün-
dung sowie Angstzuständen leide.
A.2
Laut Bericht von Allgemeinmediziner FMH Dr. C_, Wolfhalden, vom 30. Oktober 2011
(IV-act. 15) bestünden folgende Diagnosen: Depression, Lumboischialgie, Koxitis links und
schweres zervikozephales Syndrom. Zur Arbeitsfähigkeit könne er sich nicht äussern.
A.3
Gemäss Protokoll der IV-Stelle über das Assessmentgespräch vom 9. November 2011 (IV-
act. 16) wünsche die Versicherte eine Rente, da sie sehr krank sei.
A.4
Mit Bericht vom 21. Dezember 2011 (IV-act. 20) meinte Dr. D_, St. Gallen, dass wegen
Belastungen in der Vergangenheit - der Bruder sei 1996 erschossen worden - seit 2008
eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom und 100%iger Ar-
beitsunfähigkeit bestehe, die mit medizinischen Massnahmen nicht gebessert werden
könne.
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A.5
Gemäss Bericht der Klinik Gais vom 20. März 2012 (IV-act. 26) über einen Aufenthalt vom
12. Januar bis 10. Februar 2012 bestünden folgende Diagnosen: mittelgradige Depression
mit somatischem Syndrom, generalisierte Angststörung, Kopfschmerzen vom Spannungs-
typ in Kombination mit Migräne ohne Aura, lumbospondylogenes Syndrom und Status nach
Koxitis. Eine leichte Betätigung sei möglich, ebenso eine Verbesserung durch ambulante
Psychotherapie.
A.6
Gemäss Bericht des Psychiatrischen Zentrums Herisau (PZH) vom 31. Oktober 2012 (IV-
act. 42 und 50, 3/7) über einen Aufenthalt vom 20. August bis 9. November 2012 - bereits
vom 30. April bis 29. Juni 2012 habe sich die Patientin dort aufgehalten -, seien folgende
Diagnosen zu stellen: rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit
psychotischen Symptomen; posttraumatische Belastungsstörung (PTBS); Somatisierungs-
störung. Eine Besserung durch Therapie erscheine als möglich (s. auch den Verlaufsbericht
des PZH vom 7. Februar 2013 [IV-act. 50]).
A.7
Aus einem Gutachten von Internist und Rheumatologe FMH Dr. E_, Zürich, vom
7. Mai 2013 (IV-act. 57) über die unter Beizug einer Übersetzerin erfolgte Abklärung geht
hervor, dass die Explorandin angegeben habe, in Begleitung nur noch zwanzig Minuten
ausser Haus gehen zu können, jedoch nicht bergauf wegen einer Schwäche in Rücken und
Beinen. Stehen sei nur während fünf Minuten möglich, was zum Kochen nicht ausreiche,
wozu sie im Übrigen auch psychisch nicht mehr fähig sei. Sie wechsle ständig ihre Lage
zwischen sitzen, liegen, stehen und herumgehen in der Wohnung. In der Abklärung hätten
sich verschiedene Inkonsistenzen gezeigt, so etwa beim Ausziehen der Schuhe mit voller
Vorbeugung ohne Finger-Boden-Abstand, bei der entsprechenden Prüfung jedoch mit
einem solchen von 34 cm wegen Rückenschmerzen.
Zufolge Spannungskopfschmerzen und einer Migräne ohne Aura, eines klinisch und
befundmässig nicht erklärbaren generalisierten Schmerzsyndroms sowie eines sich klinisch
aktuell nicht auswirkenden Status nach leichter Coxitis links im August 2011 betrage die
Arbeitsfähigkeit bei Berücksichtigung gewisser Restriktionen in jeder Tätigkeit 80%.
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A.8
Einem Gutachten von Psychiaterin FMH F_, Zürich, vom 15. November 2013 (IV-act. 61)
über die ebenfalls unter Beizug einer Übersetzerin durchgeführte Abklärung, an die sich
eine bidisziplinäre Besprechung mit Dr. E_ angeschlossen habe, ist zu entnehmen, dass
die Explorandin die Änderung ihres Geburtsjahres von 1966 auf 1960 wie auch des
Zeitpunkts der Heirat von 2. Juli 1987 auf 15. Oktober 1982 mit Eigenheiten in ihrer Heimat
erklärt habe. In Anbetracht dessen, dass Auffassung, Konzentration, Merkfähigkeit und
Gedächtnis nicht beeinträchtigt seien und gewisse Daten sehr exakt angegeben worden
seien, erstaune es, dass der Name des nach eigenen Angaben seit mehr als 30 Jahren
eingenommenen Medikaments gegen Migräne vergessen worden sei. Auch die Erhebung
der Erwerbsbiographie habe sich schwierig gestaltet, da die Angaben in den Akten mit
jenen der Explorandin mehrfach differiert hätten.
Die Arbeitsfähigkeit werde in jeder Tätigkeit durch eine somatoforme Schmerzstörung und
eine gegenwärtig mittelgradige rezidivierende depressive Störung mit somatischem Syn-
drom beeinträchtigt. Eine Berentung wäre kontraproduktiv, da die Problematik ihren Ur-
sprung im Verlust der Arbeitsstelle habe. Empfehlenswert sei ein Arbeitstraining mit jeweils
zwei Stunden pro Tag zur Aktivierung und Tagesstrukturierung. Parallel dazu sollte die me-
dikamentöse Therapie intensiviert und kontrolliert werden, da die Medikamentenspiegel
sehr deutlich im unteren Bereich lägen. Ein Pensum von 80% sollte bei sukzessiver Stei-
gerung im Verlauf von sechs Monaten erreichbar sein, auch wenn eine ganze Reihe von
psychosozialen Faktoren vorliege.
A.9
Nach einer Stellungnahme des regionalärztlichen Dienstes der Invalidenversicherung
(RAD) vom 4. Dezember 2013 (IV-act. 62) gewährte die IV-Stelle am 13. Dezember 2013
(IV-act. 65) Arbeitsvermittlung, doch habe sich die Versicherte gemäss Eingliederungsbe-
richt vom 3. Februar 2014 (IV-act. 68) dazu wegen vermehrten sozialen Ängsten ausser-
stande gesehen. Nach einer weiteren Stellungnahme des RAD vom 3. Juli 2014 (IV-act. 71)
schloss die IV-Stelle mit Verfügung vom 11. August 2014 (IV-act. 72) die Massnahme ab.
A.10
Mit Vorbescheid vom 20. Oktober 2014 (IV-act. 74) wies die IV-Stelle das Leistungsbe-
gehren ab. Dagegen wandte sich die Versicherte mit Schreiben vom 19. November 2014
(IV-act. 77), unter Beilage eines Schreibens von Dr. C_ vom 1. November 2014 (IV-
act. 77, 3/6) und von Psychiaterin FMH Dr. G_, St. Gallen, vom 17. November 2014 (IV-
act. 77, 5/6).
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B. B.1
Mit Verfügung vom 28. April 2015 (IV-act. 80) verneinte die IV-Stelle einen Leistungsan-
spruch. Die sog. Förster-Kriterien seien überwiegend wahrscheinlich nicht erfüllt. Im Übri-
gen liege die Arbeitsfähigkeit psychiatrisch bei 100% und rheumatologisch bei 80%, total
also bei 80%. Bei einem Valideneinkommen als Produktionsmitarbeiterin von Fr. 50'300.--
und einem Invalideneinkommen von Fr. 42'604.-- betrage der Invaliditätsgrad nur 15%.
B.2
Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom 29. Mai 2015 Beschwerde mit den ein-
gangs wiedergegebenen Anträgen. Obwohl sie praktisch nur türkisch spreche und ver-
stehe, habe sie bei Dr. G_ während zwei Jahren nur Hochdeutsch sprechen können.
Neben psychosozialen und soziokulturellen Faktoren spiele auch eine depressive Störung
eine wichtige Rolle, was fast alle Ärzte anerkennen würden.
Der Beschwerde lag ein Schreiben der Clienia Littenheid AG vom 28. Mai 2015 (Bf.-
act. 2.2) bei, wonach die Versicherte seit 6. Mai 2015 stationär auf der fakultativ schliess-
baren Akutstation für Angst- und Depressionserkrankungen weile. Derzeit erscheine eine
berufliche Reintegration wegen einer somatoformen Schmerzstörung und einer chroni-
schen depressiven Störung als nicht möglich, was im Verlauf allerdings zu überprüfen sei.
B.3
Mit Beschwerdeantwort vom 11. August 2015 entgegnete die IV-Stelle u.a., die beiden
eingeholten Gutachten erschienen auch mit Blick auf die neue Rechtsprechung betreffend
somatoforme Schmerzstörungen als beweistauglich.
B.4
Mit Replik vom 3. September 2015 meinte die Beschwerdeführerin, die IV-Stelle stütze zu
Unrecht nur auf die beiden Gutachten ab. Gemäss beigelegtem Bericht der Clienia Litten-
heid AG vom 13. August 2015 über den stationären Aufenthalt vom 6. Mai bis 15. Juli 2015
und dem Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 20. August 2015 sei die Versicherte
u.a. wegen einer PTBS zu 100% arbeitsunfähig.
B.5
Mit Duplik vom 22. September 2015 entgegnete die IV-Stelle, Psychiaterin F_ habe eine
PTBS ausgeschlossen.
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Erwägungen
1. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt, dass
diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der Form- und
Fristerfordernisse erfüllt sind. Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2. 2.1
Als Invalidität gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) in Verbindung mit Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG; SR 830.1) die durch einen körper-
lichen oder geistigen Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit
oder Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbs-
unfähigkeit. Gemäss Art. 28 IVG haben versicherte Personen Anspruch auf eine ganze
Rente, wenn sie mindestens zu siebzig Prozent, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie min-
destens zu sechzig Prozent, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu fünfzig Prozent
und auf eine Viertelrente, wenn sie mindestens zu vierzig Prozent invalid sind.
2.2
Bei der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit stützt sich die Verwaltung (und im Beschwerde-
fall das Gericht) auf Unterlagen, welche von ärztlichen und gegebenenfalls auch anderen
Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind (Urteile des Bundesgerichts 9C_636/2013 vom
25. Februar 2014 Erw. 4.2.1 und 4.2.2, 9C_922/2013 vom 19. Mai 2014 Erw. 3.2.1). Auf-
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grund-
lage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet
werden können (BGE 132 V 93 Erw. 4).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streiti-
gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Be-
schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in
der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 125 V 351
Erw. 3a, 134 V 231 Erw. 5.1, 137 V 210 Erw. 6.1.2). Den im Rahmen des Verwaltungsver-
fahrens eingeholten Berichten von externen Spezialärzten ist bei der Beweiswürdigung
volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien dagegen sprechen. In Be-
zug auf Berichte von Hausärzten bzw. behandelnden Ärzten darf und soll der Richter der
Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftrags-
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rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen
(BGE 125 V 351 Erw. 3, 135 V 465 Erw. 4.5; Urteile des Bundesgerichts 8C_641/2013 vom
23. Dezember 2013 Erw. 5.4, 8C_637/2013 vom 11. März 2014 Erw. 2.2.2), was auch mit
der unterschiedlichen Natur von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag zusammenhän-
gen mag (Urteile des Bundesgerichts 8C_768/2012 vom 24. Januar 2013 Erw. 3,
8C_107/2013 vom 23. April 2013 Erw. 3). Gleichwohl hat der Richter zu prüfen, ob eine von
einer Partei eingereichte ärztliche Stellungnahme in rechtserheblichen Fragen die Auffas-
sungen und Schlussfolgerungen der von der Verwaltung oder vom Gericht bestellten medi-
zinischen Sachverständigen derart zu erschüttern vermag, dass davon abzuweichen ist.
3. 3.1
Die vorliegend angefochtene Verfügung vom 28. April 2015 erging vor dem Grundsatzent-
scheid des Bundesgerichtes BGE 141 V 281 (= 9C_492/2014 vom 3. Juni 2015), womit die
mit BGE 130 V 352 begründete Rechtsprechung betreffend grundsätzlicher Überwindbar-
keit von somatisch nicht erklärbaren Beschwerdebildern - dazu gehören u.a. dissoziative
Bewegungsstörungen, das Chronic Fatigue Syndrome (CFS; chronisches Müdigkeits-
syndrom), Fibromyalgien, leichte neuropsychologische Funktionsstörungen, spezifische
und unfalladäquate HWS-Verletzungen (Schleudertrauma) ohne organisch nachweisbare
Funktionsausfälle, nichtorganische Hypersomnie, Neurasthenie, leichte Persönlichkeitsver-
änderung bei chronischem Schmerzsyndrom, leichte neurotische Persönlichkeitsstörungen,
dissoziative Sensibilitäts- sowie Empfindungsstörungen und somatoforme Schmerzstörun-
gen (BGE 137 V 64 Erw. 4.2, 139 V 547 Erw. 2.2) - zugunsten einer neuen, grundsätzlich
sofort anwendbaren (Urteil des Bundesgerichts 8C_937/2009 vom 5. März 2010 Erw. 1.2)
Praxis mit einer ressourcenorientierten Betrachtungsweise (Erw. 4.1.1) aufgegeben wurde.
3.2
Dabei wurde u.a. festgehalten, dass in intertemporalrechtlicher Hinsicht hinsichtlich der
Anforderungen an die medizinische Begutachtung sinngemäss wie im Entscheid BGE 137
V 210 vorzugehen sei. Demgemäss verlieren nach altem Verfahrensstandard eingeholte
Gutachten nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften
Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen
entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen
vor Bundesrecht standhält (BGE 137 V 2010 Erw. 6). In sinngemässer Anwendung auf die
geänderten Anforderungen an den Beweis ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die bei-
gezogenen administrativen und/oder gerichtlichen Sachverständigengutachten - gege-
benenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten - eine schlüssige Beurteilung im
Lichte der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -
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dichte kann unter Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen (BGE 141 V 281
Erw. 8).
3.3
Anscheinend hat die Beschwerdeführerin die Arbeitsstelle beim Restaurant H_, wo sie
von Juli 1999 bis Juli 2005 tätig war, aufgrund einer Umstrukturierung verloren, ebenso die
Stelle bei der K_ AG, wo sie von Januar 2007 bis Januar 2009 gearbeitet hat. Nach
einem erfolglosen Versuch, sich selbständig zu machen, bezog sie Taggelder der Arbeits-
losenversicherung von Oktober 2006 bis Juli 2007 und danach wieder von Februar 2009
bis August 2010, insgesamt also über eine längere Zeit.
In der Folge wurde die Versicherte verschiedentlich stationär behandelt, so gemäss Bericht
der Klinik Gais vom 20. März 2012 vom 12. Januar bis 10. Februar 2012, wo eine ganze
Reihe von Diagnosen - eine mittelgradige Depression mit somatischem Syndrom, eine ge-
neralisierte Angststörung, Kopfschmerzen vom Spannungstyp in Kombination mit Migräne
ohne Aura, ein lumbospondylogenes Syndrom und ein Status nach Koxitis - gestellt und mit
verschiedenen Therapien, auch medikamentös, behandelt wurde. Eine weitere Behandlung
erfolgte gemäss Bericht vom 31. Oktober 2012 im PZH zunächst vom 30. April
bis 29. Juni 2012 und dann vom 20. August bis 9. November 2012, wo ebenfalls von einer
depressiven Störung - diese sogar mit psychotischen Symptomen im Rahmen einer ge-
genwärtig schweren Episode - und neu von einer PTBS und einer Somatisierungsstörung
die Rede war. Im Gutachten F_ vom 15. November 2013 werden diese Einschätzungen
und Diagnosen besprochen und dargelegt, inwiefern sie zutreffend sind, insbesondere
bezüglich einer PTBS und einer Somatisierungsstörung. An dieser nachvollziehbaren und
deshalb beweistauglichen Plausibilisierung vermag der Bericht Dr. C_ vom 30. Oktober
2011, der sich nicht zur Arbeitsfähigkeit äussert, ebensowenig zu ändern wie der nicht
beweistaugliche Bericht von Allgemeinmedizinerin Dr. D_ vom 21. Dezember 2011, wo-
nach wegen einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom eine
nicht behandelbare vollständige Arbeitsunfähigkeit vorliege, wogegen schon der Begriff
"Episode" spricht.
3.4
Anderseits ist nicht zu verkennen, dass die von Psychiaterin F_ betreffend Arbeitsfähig-
keit gestellte Prognose sich in der Folge anscheinend als zu optimistisch erwies, wie aus
dem nach dem Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 28. April 2015 von der
Clienia Littenheid AG am 13. August 2015 erstatteten Bericht über einen weiteren stationä-
ren Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 6. Mai bis 15. Juli 2015 - dieser kann grund-
sätzlich berücksichtigt werden (s. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_413/2010 vom
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9. September 2010 Erw. 5.2) -, wonach neben den bisher bekannten Diagnosen neu jene
einer somatoformen Schmerzstörung zu stellen sei, und dem Bericht des Kantonsspitals
St. Gallen vom 20. August 2015 wohl geschlossen werden muss. Dies könnte damit
zusammenhängen, dass sich die Beschwerdeführerin bisher einer konsequenten
medikamentösen Behandlung ihrer verschiedenen psychischen Leiden nicht unterzog,
worauf Gutachterin F_ mit der Bemerkung, dass die im Blut gemessenen Spiegel der
ärztlich verordneten Medikamente deutlich im unteren Bereich gelegen hätten, hingewiesen
hat, wie auch mit dem von der Beschwerdeführerin in der Beschwerdeschrift selber
eingeräumten Umstand, dass sie selber praktisch nur türkisch spreche (und wohl auch
verstehe), die "traumaspezifische Behandlung" bei Dr. G_ während zwei Jahren aber nur
in deutscher Sprache erfolgt sei. An der Einschätzung einer bisher mangelnden
Behandlung ändern im Übrigen auch die verschiedenen stationären Aufenthalte nichts, da
in deren Rahmen zwar verschiedene Therapien, auch medikamentöse erfolgten, bei
letzteren die entsprechenden Blutspiegel aber wohl kaum bestimmt worden sein dürften.
Gerade bei depressiven Störungen, welche Diagnose im Fall der Beschwerdeführerin
bekanntlich ebenfalls gestellt wurde und wird, kann aber eine invalidisierende Wirkung in
aller Regel erst angenommen werden, wenn diesbezüglich in Nachachtung der jeder
versicherten Person obliegenden Schadenminderungspflicht eine konsequente
(medikamentöse) Therapie befolgt wurde, deren Scheitern das Leiden als resistent
ausweist (Urteil des Bundesgerichts 8C_303/2015 vom 8. Oktober 2015 Erw. 4.4).
3.5
Vor diesem Hintergrund erscheint es vorliegend als angezeigt, die Angelegenheit in teil-
weiser Gutheissung der Beschwerde an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese die Gut-
achterin F_ anfrage, ob die nach der vorliegend angefochtenen Verfügung erstatteten
medizinischen Berichte an ihrer seinerzeitigen Prognose etwas zu ändern vermögen. Bei
dieser Gelegenheit könnte auch Dr. E_, dessen einzige somatische Diagnose auf Span-
nungskopfschmerzen und eine Migräne ohne Aura lautete - das generalisierte
Schmerzsyndrom ist nach seinen Angaben klinisch sowie befundmässig nicht erklärbar und
deshalb eher den pathogenetisch-ätiologisch unklaren Beschwerden wie beispielsweise der
von Psychiatern F_ diagnostizierten somatoformen Schmerzstörung zuzurechnen - an-
gefragt werden, ob er angesichts dessen an seiner Einschätzung einer (bloss) 80%igen Ar-
beitsfähigkeit in jeder Tätigkeit festhalte. Beiden Gutachtern würde es im Weiteren ob-
liegen, eine Konsensbeurteilung, wie sie nach Angaben eingangs des Gutachtes F_
zwar stattgefunden haben soll, aber keinen eigentlichen aktenmässigen Niederschlag ge-
funden hat, vorzunehmen und sich jeweils dazu auszusprechen, ob die bisherigen Anga-
ben in den beiden Gutachten mit Blick auf die erwähnte neue Rechtsprechung gemäss
BGE 141 V 281 (Ziff. 3.1 hiervor) Bestand haben; zumindest angeklungen ist dies bereits in
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Ziff. 7.3 des Gutachtens F_ unter dem Titel "Darstellung der Funktionseinschränkungen
und Ressourcen".
3.6
Der IV-Stelle wiederum stünde es frei, die Versicherte vorgängig zur Einholung dieser
ergänzenden Angaben unter Hinweis auf die Schadenminderungspflicht bzw. die Folgen
bei deren Verletzung zu einer konsequenten Therapie der von ihr geklagten verschiedenen
psychischen Beschwerden anzuhalten. Für den Fall einer weiteren Erfolglosigkeit der
therapeutischen Bemühungen wäre von der Verwaltung mit Blick auf die von Gutachterin
F_ in Ziff. 8.4 angesprochenen Tendenzen zur Selbstlimitierung und zur Aggravation
allenfalls die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass die von der Versicherten anhaltend
geklagten psychischen bzw. psychosomatischen Beschwerden - die depressive Störung
könnte in diesem Rahmen als Komorbidität gesehen werden - durch einen sog. Aus-
schlussgrund unterhalten werden könnten, was die Zusprechung einer Invalidenrente von
vornherein ausschliessen würde (Urteil des Bundesgerichts 9C_173/2015 vom
29. Juni 2015 Erw. 4.3, BGE 141 V 281 Erw. 2.2).
4. 4.1
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Die Rückwei-
sung mit noch offenem Ausgang gilt für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie
auch der Parteientschädigung als vollständiges Obsiegen, und dies unabhängig davon, ob
sie beantragt oder ob das entsprechende Begehren im Haupt- oder im Eventualantrag ge-
stellt wurde (Urteil des Bundesgerichts 8C_851/2012 vom 16. April 2013 Erw. 4). Dement-
sprechend ist vorliegend keine Entscheidgebühr zu erheben, weshalb der Beschwerde-
führerin der von ihr einbezahlte Kostenvorschuss von Fr. 800.-- zurückzuerstatten ist.
4.2
Der nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin ist keine Parteientschädigung zuzu-
sprechen (Art. 2 des Gesetzes über die Ausübung des Anwaltsberufes vom 11. April 2005
[Anwaltsgesetz], bGS 145.52; Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, Zürich 2015, Art. 61 N 169).
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