Decision ID: 2962036e-831c-435e-b92d-bd2d6aa5d20a
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._, geb. 1997, stammt aus Eritrea. Am 6. September 2015 reiste er illegal in die
Schweiz ein und stellte ein Asylgesuch. Das Staatssekretariat für Migration (SEM)
lehnte dieses mit Verfügung vom 7. Juni 2017 ab und wies ihn aus der Schweiz weg. In
der Folge tauchte er unter. Am 15. November 2017 wurde er von den deutschen
Behörden im Rahmen eines Dublin-In-Verfahrens rückübernommen. Nach kurzer Zeit
war er erneut unbekannten Aufenthalts.
B.
Am 25. September 2021 wurde A._ in Zürich kontrolliert und dem Migrationsamt des
Kantons St. Gallen zugeführt. Die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat verurteilte ihn am
26. September 2021 wegen rechtswidriger Einreise zu einer bedingten Freiheitsstrafe
von 40 Tagen. Zwecks Gewährung von Nothilfe wurde ihm vom Migrationsamt am
27. September 2021 das Ausreise- und Nothilfezentrum (ANZ) Sonnenberg als
Aufenthaltsort zugewiesen, welches er sogleich wieder verliess. Am 18. Oktober 2021
sprach er bei der Stadtpolizei St. Gallen vor und wollte ein Asylgesuch einreichen. Am
24. November 2021 wurde er erneut dem Migrationsamt zugeführt, nachdem er in
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Zürich kontrolliert worden war. In der Folge tauchte er erneut unter. Mit Strafbefehl vom
11. November 2021 verurteilte die Staatsanwaltschaft St. Gallen A._ wegen
rechtswidrigen Aufenthalts (vom 27. September bis 18. Oktober 2021) zu einer
bedingten Freiheitsstrafe von 30 Tagen.
Am 21. Januar 2022 wurde er in Basel von der Polizei kontrolliert und nach Zürich
überführt, wo er gestützt auf die Verurteilung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom
23. November 2021 wegen rechtswidrigen Aufenthalts für drei Monate in den
Strafvollzug versetzt wurde. Nachdem ein Abgleich mit der europäischen
Fingerabdruckdatenbank ergeben hatte, dass er in Deutschland ebenfalls um Asyl
ersucht hatte, wurde das Dublin-Verfahren mit Deutschland eingeleitet. Am 9. Februar
2022 stellte A._ ein Asylgesuch, welches er am 25. März 2022 wieder zurückzog. Am
14. April 2022 verfügte das SEM die Wegweisung aus der Schweiz nach Deutschland.
C.
Gestützt auf den Haftbefehl vom 13. April 2022 wurde A._ im Rahmen des Dublin-
Verfahrens (Dublin-Vorbereitungshaft, da Verfahren noch hängig) im Anschluss an die
Entlassung aus dem Strafvollzug am 20. April 2022 inhaftiert. Mit Eingabe seiner
Rechtsvertreterin vom 20. April 2022 an die Verwaltungsrekurskommission ersuchte
A._ um Haftentlassung sowie Überprüfung der Rechtmässigkeit und Angemessenheit
der Haft. Die zuständige Einzelrichterin der Verwaltungsrekurskommission bestätigte
mit Entscheid vom 25. April 2022 den Haftbefehl gegen A._ vom 13. April 2022 und
wies das Haftentlassungsgesuch ab. Einer allfälligen Beschwerde entzog sie die
aufschiebende Wirkung. Auf die Erhebung amtlicher Kosten wurde verzichtet und der
unentgeltlichen Rechtsbeiständin eine ausseramtliche Entschädigung von CHF 832
zugesprochen.
A._ reichte am 25. April 2022 Beschwerde gegen die vom SEM am 14. April 2022
verfügte Wegweisung nach Deutschland ein, worauf das Bundesverwaltungsgericht
einen superprovisorischen Vollzugsstopp verfügte. Mit Haftbefehl vom 27. April 2022
ordnete das Migrationsamt Haft im Dublin-Verfahren (Dublin-Ausschaffungshaft
zwecks Sicherstellung des Vollzugs) an.
D.
A._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 26. April 2022 eröffneten Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) mit Eingabe vom 9. Mai 2022 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht. Der Beschwerdeführer beantragt, er sei umgehend aus der
Haft zu entlassen; ferner sei die Rechtswidrigkeit der Haft sowie der Inhaftierung in
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Bazenheid festzustellen, eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge. In formeller Hinsicht ersucht er um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung. Diese wurde
ihm vom zuständigen Abteilungspräsidenten am 11. Mai 2022 bewilligt.
Am 5. Mai 2022 zog A._ die Beschwerde gegen die Wegweisungsverfügung des SEM
zurück, worauf das Verfahren vom Bundesverwaltungsgericht am 9. Mai 2022
abgeschrieben wurde.
Die Vorinstanz verzichtete am 16. Mai 2022, das Migrationsamt (Beschwerdegegner)
am 23. Mai 2022 unter Einreichung zusätzlicher Akten auf eine Vernehmlassung. Am
1. Juni 2022 wurde die Wegweisung des Beschwerdeführers nach Deutschland
vollzogen. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers reichte am 7. Juni 2022 eine
abschliessende Stellungnahme ein.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und auf die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten sowie die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerde gegen
den am 26. April 2022 zugestellten Entscheid wurde mit Eingabe vom 9. Mai 2022
rechtzeitig erhoben (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRP). Die Eingabe erfüllt in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 VRP). Der Beschwerdeführer – mit dem angefochtenen
Entscheid wurde die gegen ihn verfügte Haft im Rahmen des Dublin-Verfahrens
genehmigt sowie sein Haftentlassungsgesuch abgewiesen – war vom Entscheid
unmittelbar betroffen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Mit dem Vollzug
der Wegweisung des Beschwerdeführers am 1. Juni 2022 ist jedoch das aktuelle
Rechtsschutzinteresse am Antrag auf Haftentlassung dahingefallen. Vom Erfordernis
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des aktuellen Rechtsschutzinteresses kann jedoch ausnahmsweise abgesehen und
dementsprechend gleichwohl eine Prüfung vorgenommen werden, wenn die mit der
Beschwerde aufgeworfenen Fragen (kumulativ) sich jederzeit unter gleichen oder
ähnlichen Umständen wieder stellen könnten, wegen ihrer grundsätzlichen Bedeutung
an ihrer Beantwortung ein hinreichendes öffentliches Interesse besteht und wenn sie im
Einzelfall kaum je zweitinstanzlich rechtzeitig überprüft werden könnten. Zudem hat der
Beschwerdeführer für den Fall, dass er bereits ausgeschafft worden ist, die
Feststellung der Rechtswidrigkeit der Haft beantragt.
Aufgrund der Wegweisungsverfügung des SEM wurde der Haftbefehl vom 13. April
2022 betreffend Dublin-Vorbereitungshaft (Art. 76a Abs. 3 lit. a des Bundesgesetzes
über Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration, SR 142.20, AIG), welcher
dem angefochtenen Entscheid zugrunde lag, durch den Haftbefehl vom 25. April 2022
betreffend Dublin-Ausschaffungshaft (Art. 76a Abs. 3 lit. c AIG) ersetzt, was an der
Tatsache, dass der Beschwerdeführer nach dem Willen des Beschwerdegegners bis
zum Vollzug seiner Wegweisung in Haft gehalten werden sollte, nichts ändert. Dennoch
ist das Beschwerdeverfahren aus diesem Grund nicht als gegenstandslos geworden
abzuschreiben. Vielmehr richtet sich die vorliegende Beschwerde aus
verfahrensökonomischen Gründen sowie im Sinn der Verfahrensbeschleunigung
nunmehr gegen die am 25. April 2022 verfügte Dublin-Haft. Auf die Beschwerde ist
somit einzutreten.
2.
Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, er verfüge über eine
Aufenthaltsbewilligung in Deutschland, was bisher nicht berücksichtigt worden sei. Die
Vorinstanz sei aus nicht nachvollziehbaren Gründen davon ausgegangen, dass er sich
seit mehr als 90 Tagen ununterbrochen und damit rechtswidrig in der Schweiz aufhalte.
Dies treffe jedoch offensichtlich nicht zu. Dass er über eine Aufenthaltsbewilligung in
Deutschland verfüge, sei ihm schlicht nicht bewusst gewesen. Er sei der festen
Überzeugung gewesen, nicht in Deutschland bleiben zu dürfen. Es liege daher keine
absichtliche Täuschung der Behörden, sondern ein Missverständnis vor. Aus
demselben Grund habe er vorerst nicht nach Deutschland zurückkehren wollen. Nach
Aufklärung des Missverständnisses habe er so schnell als möglich nach Deutschland
zurückkehren wollen. Um die Rückkehr zu beschleunigen, sei die Beschwerde gegen
die Wegweisungsverfügung des SEM am 5. Mai 2022 zurückgezogen worden. Der
Haftgrund der erheblichen Fluchtgefahr habe somit nicht vorgelegen. Ferner sei die
2.1.
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Haft nicht verhältnismässig gewesen. Mildere Mittel für den schwerwiegenden Eingriff
in die persönliche Freiheit seien nicht geprüft worden. Sowohl die am 27. April 2022
verfügte Dublin-Ausschaffungshaft, als auch die zuvor am 13. April 2022 verfügte
Dublin-Vorbereitungshaft erwiesen sich insgesamt als rechtswidrig. Entgegen den
gesetzlichen Bestimmungen sei die Haft im Ausschaffungsgefängnis Bazenheid im
gleichen Regime wie im Strafvollzug vollzogen worden. Dies habe die Nationale
Kommission zur Verhütung von Folter (NKVF) bereits im Jahr 2016 festgestellt. Es fehle
an Privatsphäre, Beschäftigungs- und Bewegungsmöglichkeiten. Die Betreuung erfolge
durch Polizeibeamte.
Nach Art. 76a Abs. 1 AIG kann die zuständige Behörde die betroffene ausländische
Person zur Sicherstellung der Wegweisung in den für das Asylverfahren zuständigen
Dublin-Staat in Haft nehmen, wenn im Einzelfall konkrete Anzeichen befürchten lassen,
dass die Person sich der Durchführung der Wegweisung entziehen will (lit. a), die Haft
verhältnismässig ist (lit. b) und sich weniger einschneidende Massnahmen nicht
wirksam anwenden lassen (lit. c).
2.2.
Als zentraler Bestandteil des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems wurde am
26. Juni 2013 durch das Europäische Parlament und den Rat die Verordnung
Nr. 604/2013/EU verabschiedet (nachfolgend: Dublin III-Verordnung). Die Dublin III-
Verordnung verankerte neu eine Bestimmung, welche die Administrativhaft im Rahmen
des Dublin-Verfahrens regelt. Der darin enthaltene Grundsatz legt fest, dass keine
Person nur deshalb inhaftiert werden darf, weil sie sich in einem Dublin-Verfahren
befindet (Art. 28 Abs. 1 Dublin III-Verordnung). Die Haft darf nur angeordnet werden,
wenn eine erhebliche Gefahr besteht, dass die betroffene Person untertaucht, und nur,
wenn sie verhältnismässig ist und weniger einschneidende Massnahmen zur
Sicherstellung des Vollzugs nicht genügen (Abs. 2). In Ausführung von Art. 2 lit. n
Dublin III-Verordnung (Definition der Fluchtgefahr) definiert Art. 76a Abs. 2 AlG
verschiedene konkrete Anzeichen, welche befürchten lassen, dass sich die betroffene
Person der Durchführung der Wegweisung entziehen will. Solche liegen unter anderem
vor, wenn das Verhalten der betroffenen Person in der Schweiz oder im Ausland darauf
schliessen lässt, dass sie sich behördlichen Anordnungen widersetzt (Art. 76a Abs. 2
lit. b AIG). Dieser Haftgrund wird in der Praxis (analog zu Art. 76 Ziff. 3 und 4 AIG) als
Haftgrund der "Untertauchensgefahr" bezeichnet. Untertauchensgefahr liegt nach der
Rechtsprechung regelmässig vor, wenn die betroffene Person bereits einmal
untergetaucht ist, durch erkennbare unglaubwürdige und widersprüchliche Angaben
2.2.1.
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die Vollziehungsbemühungen zu erschweren versucht oder sonst klar zu erkennen gibt,
dass sie nicht bereit ist, ihrer Ausreiseverpflichtung nachzukommen und in ihre Heimat
zurückzukehren (vgl. BGer 2C_442/2020 vom 24. Juni 2020 E. 3.1).
Das SEM wies das Asylgesuch des Beschwerdeführers am 7. Juni 2017 ab und wies
ihn aus der Schweiz weg. In der Folge wie auch nach einer Rückschaffung aus
Deutschland im November 2017 tauchte er jeweils unter. Im Herbst des vergangenen
Jahres reiste er von Deutschland erneut in die Schweiz ein. Bei der Verhaftung vom
25. September 2021 trug er keine Identitätsdokumente auf sich. Das ANZ Sonnenberg,
wohin der Beschwerdeführer vom Beschwerdegegner am 27. September 2021
zugewiesen worden war, verliess er sogleich wieder. Am 18. Oktober 2021 meldete er
sich bei der Stadtpolizei St. Gallen. Bei der Befragung verneinte er, im Besitz von
Ausweispapieren zu sein oder über einen Aufenthaltstitel in einem anderen Land zu
verfügen. Am 22. November 2021 wurde der Beschwerdeführer erneut in Zürich
aufgegriffen und dem Beschwerdegegner zugeführt, worauf er ein weiteres Mal
untertauchte. Bei einer Befragung am 24. Februar 2022 wiederholte der
Beschwerdeführer, dass er in Deutschland nicht bleiben könne und die deutschen
Behörden ihm keinen Ausweis geben könnten. Obschon der Beschwerdeführer, wie
sich später herausstellte, über eine Aufenthaltsbewilligung für Deutschland verfügt,
verschwieg er dies mehrfach und täuschte damit die Schweizer Behörden. Dass dem
Beschwerdeführer nicht bewusst gewesen sein soll, dass er eine
Aufenthaltsbewilligung in Deutschland besitzt, stellt offensichtlich eine
Schutzbehauptung dar.
Die am 4. Mai 2021 ausgestellte, bis 5. Mai 2023 gültige deutsche
Aufenthaltsbewilligung wurde gestützt auf § 25 Abs. 3 des deutschen
Aufenthaltsgesetzes erteilt. Eine solche Bewilligung wird erteilt, wenn ein
Abschiebungsverbot festgestellt wurde. Anders als bei anerkannten Flüchtlingen
besteht kein Anspruch auf einen Flüchtlingspass, sondern der betroffene Ausländer
muss sich um einen Pass seines Heimatlandes bemühen. Innerhalb Deutschlands
dürfen sich Personen mit einer solchen Aufenthaltsbewilligung frei bewegen. Sie
können aber nur in und durch die Europäische Union sowie durch sonstige Drittstaaten
reisen, sofern sie die entsprechenden Einreisebedingungen erfüllen, namentlich im
Besitz eines gültigen Reisedokuments oder, wenn gefordert, eines Visums sind.
Entgegen den Ausführungen der Rechtsvertreterin stellt die fragliche deutsche
Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers – vergleichbar mit der vorläufigen
Aufnahme in der Schweiz (Status F) – kein Reisedokument dar, das zur freien Einreise
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in andere europäische Länder oder die Schweiz berechtigen würde. Es handelt sich
dabei lediglich um einen Ausweisersatz, wie es auf dem Ausweis auch vermerkt ist.
Sowohl die Einreise in die Schweiz im September 2021 als auch der hiesige Aufenthalt
waren damit illegal.
Im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs zur Anordnung der Dublin-
Vorbereitungshaft am 19. April 2022 wie auch zur Anordnung der Dublin-
Ausschaffungshaft am 27. April 2022 erklärte der Beschwerdeführer, er wolle in der
Schweiz bleiben. Zudem hat er sich den Schweizer Behörden wiederholt durch
Untertauchen entzogen. Auch gegen die neuerliche Wegweisungsverfügung vom
14. April 2022 erhob er vorerst Beschwerde und verzögerte damit das Verfahren der
Ausschaffung. Sein Verhalten liess insgesamt darauf schliessen, dass er sich
behördlichen Anordnungen widersetzt, sich daher der Durchführung der Wegweisung
entziehen würde und nicht bereit gewesen wäre, freiwillig nach Deutschland
auszureisen. Der Haftgrund von Art. 76a Abs. 1 lit. a AIG in Verbindung mit Art. 76a
Abs. 2 lit. b AIG war damit sowohl für den Haftbefehl vom 13. April 2022 als auch für
jenen vom 25. April 2022 gegeben.
Neben dem Vorliegen von konkreten Anzeichen, dass die Person sich der
Durchführung der Wegweisung entziehen will, muss die angeordnete Haft auch
verhältnismässig sein. So ist eine Haft nur zulässig, wenn nicht bereits eine weniger
einschneidende Massnahme hinreichend wirksam wäre (Art. 76a Abs. 1 lit. c AIG) und
sich die Festhaltung insgesamt als verhältnismässig erweist (Art. 5 Abs. 2 und Art. 36
Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101, BV;
Art. 76a Abs. 1 lit. b AIG). Die Haft muss aufgrund sämtlicher Umstände geeignet und
erforderlich sein, um die Überstellung an den zuständigen Dublin-Staat sicherzustellen;
zudem hat sie in einem sachgerechten und zumutbaren Verhältnis zum angestrebten
Zweck zu stehen (vgl. BGE 142 I 135 E. 4.1). Als weniger einschneidende Massnahmen
kommen namentlich eine Meldepflicht oder eine Eingrenzung in Betracht (A. Zünd, in:
Spescha/Zünd/Bolzli/Hruschka/de Weck [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 5. Aufl.
2019, N 2 zu Art. 76a AIG).
Der Beschwerdeführer hat – wie oben dargelegt – gezeigt, dass er eine Wegweisung
nicht akzeptiert, reiste er doch trotz abgewiesenem Asylverfahren und gewährtem
Bleiberecht in Deutschland erneut in die Schweiz ein. Es ist deshalb entgegen seinen
jetzigen Ausführungen nicht mit ausreichender Sicherheit davon auszugehen, dass er
2.2.2.
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bei einer Entlassung freiwillig nach Deutschland ausgereist wäre. Eine Eingrenzung,
Meldepflicht oder Zuweisung eines Wohnortes als mildere Massnahmen wären daher
kaum geeignet gewesen, um der drohenden Untertauchensgefahr zu begegnen, zumal
der Beschwerdeführer die ihm in der Vergangenheit zugewiesenen Unterkünfte jeweils
umgehend wieder verlassen oder gar nie aufgesucht hatte, sondern wiederholt
untergetaucht war. Die vorliegend angeordnete Dublin-Haft erwies sich
dementsprechend als geeignet und notwendig, um die Wegweisung des
Beschwerdeführers durchzuführen, und damit als verhältnismässig.
Der Beschwerdegegner hat des Verfahren sodann beförderlich behandelt. Das Dublin-
Verfahren wurde bereits während dem Strafvollzug eingeleitet. Die deutschen
Behörden stimmten der Übernahme am 7. April 2022 zu. Aufgrund der Beschwerde
gegen die Wegweisungsverfügung des SEM war der Vollzug bis zu deren Rückzug am
5. Mai 2022 blockiert. Anschliessend veranlasste der Beschwerdegegner umgehend
die Flugbuchung. Die Rückführung mittels Linienflug fand am 1. Juni 2022 statt. Die
Höchstdauer der Haft von sechs Wochen seit Beendigung der aufschiebenden Wirkung
des eingereichten Rechtsmittels gegen den Wegweisungsentscheid bis zur
Überstellung an den zuständigen Dublin-Staat wurde damit eingehalten. Nach dem
Gesagten waren die Voraussetzungen von Art. 76a AIG erfüllt.
2.3.
Nach Art. 81 Abs. 2 AIG ist die Haft in Hafteinrichtungen zu vollziehen, die dem Vollzug
der Vorbereitungs-, Ausschaffungs- und Durchsetzungshaft dienen. Ist dies
insbesondere aus Kapazitätsgründen in Ausnahmefällen nicht möglich, so sind die
inhaftierten Ausländerinnen und Ausländer gesondert von Personen in
Untersuchungshaft oder im Strafvollzug unterzubringen. Nach Art. 16 Abs. 1 Satz 1 der
Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom
16. Dezember 2008 hat die Inhaftierung grundsätzlich in speziellen Hafteinrichtungen
zu erfolgen. Fehlen in einem Mitgliedsstaat solche speziellen Hafteinrichtungen und ist
die Unterbringung in gewöhnlichen Haftanstalten nötig, so werden in Haft genommene
Drittstaatsangehörige gesondert von den gewöhnlichen Strafgefangenen untergebracht
(Art. 16 Abs. 1 Satz 2 Richtlinie 2008/115). Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung gilt bei der Administrativhaft aufgrund des Haftzwecks ein freieres
Haftregime als bei anderen Häftlingskategorien. Die entsprechenden Rechte dürfen
jeweils nur soweit beschränkt werden, als sich dies zur Gewährleistung des
Haftzwecks und zur Aufrechterhaltung des ordnungsgemässen Anstaltsbetriebs als
2.3.1.
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nötig erweist (BGE 122 II 299 E. 3b). Die ausländerrechtlich festgehaltene Person hat
Anspruch auf soziale Kontakte. Es müssen nicht nur hinreichende Besuche durch
auswärtige Personen erlaubt sein, sondern auch soziale Kontakte mit anderen
ausländerrechtlich festgehaltenen Personen ermöglicht werden, was die regelmässige
– aber nicht unbedingt dauernde – Benützung eines Gemeinschaftsraums oder
gemeinschaftliche Aktivitäten (Sport im Gefängnishof, weitere Tätigkeiten in anderen
Räumen usw.) über den obligatorischen einstündigen Spaziergang hinaus erforderlich
macht (BGE 122 II 299 E. 5a).
Die zentrale Vorgabe der gesonderten Unterbringung von illegal anwesenden
Drittstaatsangehörigen und von gewöhnlichen Strafgefangenen (vgl. dazu BGE 146 II
201) wird im vorliegenden Fall eingehalten. Das Ausschaffungsgefängnis Bazenheid
beherbergt ausschliesslich Ausländer, welche auf den Vollzug ihrer Wegweisung
warten. Straf- oder Untersuchungsgefangene befinden sich dort keine. Dass es sich
beim Gebäude früher um ein Untersuchungsgefängnis handelte, vermag daran ebenso
wenig zu ändern wie die Betreuung durch Polizeibeamte. Im Ausschaffungsgefängnis
Bazenheid sind maximal zwölf Ausschaffungshäftlinge untergebracht. Gemäss Bericht
der NKVF aus dem Jahr 2015 (nkvf.admin.ch) sind die Zellen täglich von 9.00 bis 11.00
Uhr und von 14.00 bis 16.00 Uhr geöffnet, womit sowohl soziale Kontakte in
ausreichendem Mass, aber auch der Rückzug in die eigene Zelle möglich sind. Es
stehen ein Aufenthaltsraum für Raucher und einer für Nichtraucher zur Verfügung. Die
Aufenthaltsräume sind mit einem Tischfussballkasten, Spielen sowie einer Bibliothek
und einem Telefon ausgestattet. Das Telefon ist frei zugänglich. Das Migrationsamt
stellt Personen in ausländerrechtlicher Administrativhaft ein Taschengeld zur
Verfügung, um eine Telefonkarte zu beziehen. Das Duschen sowie der tägliche
Spaziergang an der frischen Luft werden während den Zellenöffnungszeiten ermöglicht.
Die Haftbedingungen im Ausschaffungsgefängnis Bazenheid sind damit wesentlich
freier gestaltet als im Strafvollzug. Auch wenn sie hinsichtlich der Beschäftigungs- und
Bewegungsmöglichkeiten nicht als ideal bezeichnet werden können, erweisen sie sich
vorliegend nicht als unzulässig. Hinzu kommt, dass die Haft nur wenige Wochen
dauerte und vom Beschwerdeführer aufgrund seiner Beschwerde gegen die
Wegweisungsverfügung selbst verlängert wurde. In den nächsten Jahren findet im
Kanton St. Gallen eine Reorganisation der Gefängnisse statt. Mit der geplanten
Vergrösserung des Regionalgefängnisses Altstätten sollen die Haftbedingungen in der
Administrativhaft verbessert werden.
2.3.2.
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3.
Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Die
Voraussetzungen für die Inhaftierung des Beschwerdeführers im
Ausschaffungsgefängnis Bazenheid vom 20. April 2022 bis zu seiner Ausschaffung
nach Deutschland am 1. Juni 2022 waren stets gegeben und die Dublin-Haft somit
recht- und verhältnismässig. Die Vorinstanz wies das Haftentlassungsgesuch zu Recht
ab, weshalb auch die Beschwerde abzuweisen ist.
2.4.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 1'500 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung; sGS
941.12). Der Betrag geht zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege zulasten
des Staates (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 117 ff. der Schweizerischen
Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3
VRP).
3.1.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung besteht bei der erstmaligen richterlichen
Prüfung der Dublin-Haft Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung (vgl. BGE
143 II 361 E. 3), weshalb dem Beschwerdeführer für das Beschwerdeverfahren
Rechtsanwältin Lea Hungerbühler als unentgeltliche Rechtsbeiständin bestellt wurde
(vgl. Schreiben des zuständigen Abteilungspräsidenten vom 11. Mai 2022, act. 6). Der
Staat hat die Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers für die ausseramtlichen Kosten
des Beschwerdeverfahrens zu entschädigen. Wird vor Verwaltungsgericht die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt, gelangt die staatliche Honorarordnung
für die Vorbereitung und Durchführung des Verfahrens der Verwaltungsrechtspflege zur
Anwendung (Art. 30 lit. b Ziff. 2 des Anwaltsgesetzes; sGS 963.70, AnwG). Bei
unentgeltlicher Prozessführung wird das Honorar um einen Fünftel herabgesetzt
(Art. 31 Abs. 3 AnwG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Verwaltungsgericht pauschal CHF 1'500 bis CHF 15'000 (Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung; sGS 963.75, HonO). Innerhalb des für eine Pauschale gesetzten
Rahmens wird das Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach
Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und den
wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten, bemessen (Art. 19 HonO).
Die Rechtsvertreterin hat eine Kostennote eingereicht, worin – ausgehend von einem
3.2.
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