Decision ID: 519baa77-306f-4b27-adb3-03382b8563a5
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1974,
gelernte kaufmännische Angestellte, mel
dete sich aufgrund eines Rückenleidens am 25. Oktober 2007 bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, gewährte
am 6. März 2008 Beratung und Unter
stützung bei der Stellensuche (Arbeitsvermittlung; Urk. 7/19), schloss diese auf Wunsch der Versicherten indes
bereits
am 19. März 2008
wieder
(Urk. 7/25).
1.2
Am
7. Dezember 2017 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf körperliche und psychische Beschwerden erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 7/38). Die IV-Stelle klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und
holte ein
bidisziplinäres
Gutachten
(
Orthopädie und Psychiatrie mit ergän
zender neuropsychologischer Abklärung
)
ein, welche
s
am 20. Juni
(orthopädisch, Urk. 7/145)
respektive
16. Juli 2019 (psychiatris
ch, Urk. 7/161) erstattet wurde
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/167; Urk. 7/172; Urk. 7/174)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 19. März 2020 (Urk. 7/197 = Urk. 2) einen Rentenanspruch.
2.
Die Versicherte erhob am 23. April 2020 Beschwerde gegen die Verfügung vom 19. März 2020 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr ab Juni 2018 eine halbe Rente zuzusprechen (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 3. Juni 2020 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 8. Juni 2020 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen
im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Rentenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invalidi
tätsbemessung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypo
thetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren
sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Nei
gungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhält
nisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen wer
den (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
1.5
Bei einer hypothetisch im Gesundheitsfall lediglich teilerwerbstätigen versicher
ten Person
ohne
Aufgabenbereich im Sinne von
Art.
27
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
bemisst sich die Invalidität rechtsprechungsgemäss nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs oder einer Untervari
ante (Schätzungs- oder Prozentvergleich, ausserordentliches Bemessungsver
fahren) davon. Dabei ist das
Valideneinkommen
nach Massgabe der ohne Gesund
heitsschaden ausgeübten Teilerwerbstätigkeit festzulegen, wobei entschei
dend ist, was die versicherte Person als Gesunde tatsächlich an Einkommen erzielen würde, und nicht, was sie bestenfalls verdienen könnte. Wäre sie gesund
heitlich in der Lage, voll erwerbstätig zu sein, reduziert sie aber das Arbeits
pensum, um mehr Freizeit zu haben, hat dafür nicht die Invalidenversicherung einzustehen. Das Invalideneinkommen bestimmt sich entsprechend den gesetz
lichen Vorgaben danach, was die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut
bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte. Dabei kann das
–
ärztlich festzulegende
–
Arbeitspensum unter Umständen grösser sein als das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung geleistete (BGE 131 V 51 E. 5.1.2; wiedergegeben in BGE 142 V 290 E. 5).
In Präzisierung dieser Rechtsprechung hat das Bundesgericht in BGE 142 V 290 entschieden, dass bei teilerwerbstätigen Versicherten ohne Aufgabenbereich die anhand der Einkommensvergleichsmethode zu ermittelnde Einschränkung im (allein versicherten) erwerblichen Bereich proportional – im Umfang der hypo
thetischen Teilerwerbstätigkeit – zu berücksichtigen ist (E. 7.3).
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise b
egründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E.
1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus,
gestützt auf
das eingeholte
Gutachten bestehe in näher umschriebener
,
angepasster Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80 % (S. 2 oben).
Die Beschwer
deführerin habe die Ausbildung als kaufmännische Angestellte absolviert und ihre angestammt
e Tätigkeit zuletzt in einem 80
%-Pensum ausgeübt. Aufgrund der vorliegenden Befunde sei es ihr zumutbar, die angestammte Tätigkeit im bisherigen Ausmass weiterhin auszuüben
, womit kein Anspruch auf eine Invali
denrente bestehe (S. 2 oben).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
im
Gutachten
bestünden Ungereimtheiten, weshalb diese
s den Kriterien einer
beweiskräftigen
Entscheidgru
ndlage
nicht zu genügen vermöge
.
Im psychiat
rischen
(Teil-)
Gutachten werde von einer Arbeitsfähigkeit von sechs Stunden pro Tag ausgegangen und im
bidisziplinären
Konsens von 80 % (S. 7 f.).
Ebenso
hätten sich die Gutachter
ungenügend mit den Berichten der beruflichen Abklä
rungsstelle auseinandergesetzt und es sei trotz mehrfachem Hinweis der behan
delnden Rheumatologin keine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchgeführt worden (S. 8 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
der Anspruch auf eine Invalidenrente.
3.
3.1
PD Dr. med.
Z._
, Spezialarzt für Orthopädische Chirurgie, insbesondere Wirbelsäulen-Chirurgie, berichtete am 9. Juli 200
7
(Urk. 7/8/7-8) gestützt auf den Magnetresonanztomographie-Befund
(MRI,
Urk. 7/11/7) von einer deutlich fort
geschrittenen Bandscheibendegeneration L4/5 mit
protrusiver
Komponente auf beiden Etagen ohne direkt
neurokompressiv
relevantes
Ausmass. Zusätzlich bestehe wahrscheinlich rechtsseitig
eine
einseitige
Lyse
L5 ohne namhafte
Olisthese
(S. 2 oben).
3.2
Dr. med.
A._
, Facharzt für Innere Medizin, speziell Rheumatologie, nannte in seinem Bericht vom 23. November 2007 (Urk. 7/11/10-11) als Diag
nosen Zwe
isegment-
Diskopathien
mit Diskushernie L5/S1 und rechtsseitiger
Lyse
L5/S1 bei Irritation der Nervenwurzel L5 rechts und
einer
Anterolisthese
Meyer
ding
Grad
I L5/S1 (S. 1
Ziff. 2).
In der angestammten Tätigkeit als Flight
Atten
dant
bestehe keine Arbeitsfähigkeit mehr. Nach durchgeführter
Rekonditio
nierung
und Physiotherapie mit beruflicher Umstellung in eine rückenschonende Tätigkeit ohne repetitives vornüber gebückt sein respektive repetitives Gewicht
heben über 50 kg
beziehungsweise
Wechsel zwischen sitzender und stehender Position sei eine volle Erwerbstätigkeit möglich (S. 1 unten).
3.3
PD Dr.
Z._
(vgl. vorstehend E. 3.1)
berichtete der Beschwerdegegnerin am 16. No
vember 2017 (Urk. 7/32) über eine verminderte Belastbarkeit des
lumbosacralen
Übergangs bei isthmischer
Lyse
L
5.
Es bestehe
bei der Beschwerdeführerin
aus wirbelsäulenorthopädischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit in einer leichten Tätigkeit mit Wechselbelastung
(stehend, sitzend, gehend, mit
Lasttraglimite
von 5-7 kg)
im Umfang von 60-80 %, allenfalls 100 %.
3.4
Die Beschwerdeführerin wurde am 9. November 2017 neurologisch untersucht. PD Dr. med.
B._
, Fachärztin für Neurologie, nannte in ihrem Bericht vom 10. November 2017 (Urk. 7/56/4-5) die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
i
sthmische
Lyse
L5 rechts mit Vorschub Halswirbelkörper (HWK) 5 über S1 ca. 3 mm
-
Diskusprotrusion
L4/5 und L5/S1
Sie führte aus, bei der Beschwerdeführerin zeige
sich
seit Sommer 2017
(Juli und August) eine rezidivierende Lumbago
mit Schmerzzunahme der bekannten Lum
balgien mit links lateral ausstrahlenden
Lumboglutealgien
ohne sensomotorische Defizite bei erhaltener Blasen-Mastdarm-Funktion (S. 2 oben). Die neurologische Untersuchung zeige symmetrisch erhaltene Musk
eleigenreflexe in den oberen Extremitäten und in den unteren Extremitäten
bezüglich des
Patellarseh
n
enre
flexes
beidseits o
hne Anzeichen einer
Hyperreflexie
oder pathologischer
Reflexe.
Die Muskelkraft sei symmetrisch an den oberen und unteren Extremitäten
ohne
radikulär
zuzuordnende Sensibilitä
t
sdefizite. Die neurophysiologische Unter
suchung zeige elektromyographisch keine Anhaltspunkte für eine
Radikulopathie
. Es zeige sich eine leichte
Polyphasie
L4 bis S1 links
,
jedoch ohne eine patholo
gische Spontanaktivität
, welche
kompatibel mit einer Wurzelschädigung
wäre
(S. 2 Mitte).
3.5
Mit Bericht vom 19. Dezember 2017 (Urk. 7/48) diagnostizierte der die Beschwer
deführerin seit dem 20. November 2017 behandelnde Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0) und ein
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit/bei isthmischer
Lyse
L5/S1 und
Diskusprotrusion
L4/5 und L5/1 (Ziff. 1.1 f.).
Er führte aus, anam
nestisch schildere die Beschwerdeführerin chronische Rückenschmerzen lumbal seit dem 17. Lebensjahr mit regelmässigem Schmerzmittelgebrauch.
Sie habe
alle ihre Stellen infolge der Rücken
schmerzen aufgeben müssen
. Seit August 2017 bestehe eine zunehmende depressive Entwicklung bei unklaren beruflichen Per
spektiven und Rückenschmerzen (
Ziff. 1.4
).
Aus psychiatrischer Sicht bestehe in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit im
kauf
männischen Bereich
seit 4. Dezember 2017 bis vorerst 1. Januar 2018 eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit, wobei im Verlauf mit einer vollen Arbeitsfähigkeit zu rechnen sei (Ziff. 1.6).
3.6
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Rheumatologie, berichtete am 11. April 2018 der Beschwerdegegnerin (Urk. 7/60). Sie nannte als Diagnose
n
mit Auswirkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches
lumbovertebrales
,
teils
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom links bei bekannter isthmischer
Lyse
L5 rechts mit Vorschub L5 gegen S1 ca. 3mm,
eine
Diskusprotrusion
L4/5 und L5/S1 ohne Neurokompressionshinweise
und
mit
fehlenden
Anhaltspunkt
en für eine
Radikulopathie
, eine Fehlhaltung sowie
eine
muskuläre Insuffizienz bei Hyper
mobilität (Ziff. 2.5).
Die Beschwerdeführerin leide bereits seit dem 17. Altersjahr nach einer abdomi
nellen Operation an tieflumbalen Beschwerden, aktuell linksseitig mit diffuser Ausstrahlung in den Oberschenkel- respektive Unterschenkel-
Hinterbereich
bis etwa Mitte Unterschenkel. Eine MRI-Untersuchung habe zwar Segmentdegene
rationen im unteren Lendenwirbelsäulen (LWS)-Abschnitt aufgezeigt, jedoch keine
neurokompressiven
Hinweise dargestellt. Eine elektrophysiologische Abklä
rung sei zudem unauffällig gewesen (Ziff. 2.1).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit erachte sie eine zumindest 50%ige Arbeitsfähigkeit in Wechselbelastung als realistisch
, wobei einer Eingliederung psychosoziale Belastungsfaktoren im Wege
stünden
. Allenfalls empfehle sie eine Abklärung im Sinne einer EFL (Ziff. 2.7
; Ziff. 4.4
).
3.7
Der Wirb
elsäulenuntersuch vom 1
5. Oktober 2018 in der Universitätsklinik
E._
ergab
eine Lumbalgie bei isthmischer
Spondylo
l
isthese
L5/S1
Meyerding
Grad 1 und die Ärzte erachteten
nur bei therapierefraktärer Lumbalgie und ent
sprechend hohem Leidensdruck eine Indikation zur dorsalen
Spondylodese
für angezeigt. Da die Physiotherapie ein sehr gutes Ansprechen mit zumindest tem
porär beschwerdefreier Beschwerdeführerin gezeigt habe, sei diese zu intensi
vieren
(Bericht vom 25. Oktober 2018, Urk. 7/102).
3.8
Dr.
D._
(vgl. vorstehend E. 3.6)
qualifizierte
in ihrem Bericht vom
12. November 2018 (Urk. 7/106) bei bekannten Diagnosen (Ziff. 1.2)
das
Leiden der Beschwerdeführerin als chronisch und erachtete
sie
bei verschlechterter Situ
ation
als vollständig arbeitsunfähig (
Ziff.
1.3; Ziff. 4.1). Rein theoretisch bestehe eine Belastbarkeit für Massnahmen der Wiedereingliederung im Umfang von mindestens
zwei
Stunden, wofür allenfalls eine EFL notwendig wäre (Ziff. 4.2).
3.9
3.9.1
Die Beschwerdegegnerin veranlasste
am 27. Dezember 2018
ein
bidisziplinäres
Gutachten
in den Disziplinen Orthopädie und Psychiatrie (Urk. 7/115).
3.9.2
Dr. med.
F._
, Facharzt für Chirurgie und
Orthopädie, erstat
tete am 20. Juni 2019 ein orthopädisches Gutachten (Urk. 7/145).
Gestützt auf die Akten und die am 21. Februar 2019 erfolgte Untersuchung nannte er die folgenden Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 8):
-
a
usgeprägtes, chronisches,
lumbovertebrales
, teils
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom links mit
-
isthmischer
Spondylolyse
L5 rechts
-
Diskusprotrusion
L4/5 und L5/S1 mit
rezessaler
Stenose
-
ausgeprägte
r
Hyperlaxität
und Hypermobilität mit entsprechender Fehlhaltung sowie muskulärer Insuffizienz
-
deutliche
r
Progredienz der Bandscheibendegeneration mit erkennbarer Instabilität im Verlauf von Mitte 2007 bis zur letztmaligen Unter
suchung vom 15. Oktober
2018
in der Universitätsklinik
E._
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte er einen Status nach Jochbogenfraktur links vor zirka 20 Jahren sowie unspezifische Knie
beschwerden beidseits im Sinne
einer
Chondropathia
patellae
beidseits aufgrund
Muskeldysbalancen
mit einhergehender Patella-Instabilität rechts
mehr als
links (S. 8 unten).
Die Beschwerdeführerin klage seit ihrem 17. Lebensjahr
kontinuierlich
über lumbale Rückenbeschwerden und Schmerzen verschiedenen
Ausmasses
. Diese lumbalen Rückenbeschwerden hätten sich in den letzten Jahren so gesteigert, dass
die Beschwerdeführerin
nachvollziehbar die in verschiedenen Tätigkeiten gefor
derten Arbeitsleistungen nicht habe erbringen beziehungsweise nur
habe
teil
weise
kompensieren können. Zusätzlich bestehe sicherlich eine psychiatrische Symptomatik, weshalb hier auf das psychiatrische
Hauptgutachten verwiesen werde
(S. 8 f.).
Die kernspintomographischen und radiologischen Befunde und Bericht
e
sowie die angefertigten Kernspintomographien der lumbalen Wirbelsäule, beginnend vom 25. Juni 2007 bis letztmalig zum 15. Oktober 2018, zeigten eine Verschlechterung des degenerativen lumbalen Wirbelsäulenleidens im Sinne eines oben genannten chronischen
lumbovertebralen
, teils
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms, haupt
sächlich links. Die morphologischen Veränderungen seien eindeutig nach
weisbar im Sinne einer
Protrusion
beziehungsweise
einer
intermittierenden Nervenwurzelkompression auf der linken Seite bei erkenn
barer
Spondylolyse
(S. 9).
Hinsichtlich Arbeitsfähigkeit sei die Beschwerdeführerin aus orthopädisch-opti
scher Sicht in der Lage, leichte und gelegentlich mit
telschwere Arbeiten, mög
lichst w
echselbelastend und ohne Zwangshaltung für die Wirbelsäule und die Kniegelenke, auszuüben. Zu meiden seien Arbeiten in Zwangshaltung
wie vorne
übergeneigt stehend. Langfristiges Stehen und Sitzen sollte mit maximal 45 Minuten limitiert bleiben. Zu meiden seien Arbeiten mit repetitiven Bewegungs
anforderungen an den Rumpf, mit statischer Beanspruchung der Kniegelenke wie Knien, Hocken, Kauern. Auch keine Tätigkeiten, welche mit eventueller Unfall
gefährdung einhergehen. Arbeiten auf Leitern und Gerüsten sollten unterbleiben. Häufiges Bücken und Arbeiten in vorgeneigter Körper
position sollte
n
ebenfalls nicht gefordert werden. Das Heben, Tragen und Bewegen von Lasten sei mit maximal 15 kg körpernah limitiert (S. 10
Mitte). Damit sei in der angestammten Tätigkeit beziehungsweise im erlernten Beruf als Kauffrau eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50 % gegeben. In einer dem Leiden optimal angepassten Tätigkeit, das heisst mit ausreichenden Pausen sowie Möglichkeiten der Lageverände
rungen, z.B. kurzfristige
s
Hinlegen von zirka 20 Minuten oder weitere Entspan
nungsmöglichkeiten, bestehe eine Arbeitsfähigkeit in Höhe von 80 %
. Es sei allerdings fraglich, ob eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt ohne operative Massnahmen bei der noch relativ jungen Versicherten und der beste
henden Hypermobilität möglich sein werde
(S. 10 unten).
3.9.3
Am 8. Juli 2019 (Urk. 7/157) präzisierte Dr.
F._
auf Rückfragen, dass
die Einschätzungen hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit aus orthopädischer Sicht in der bisherigen und einer angepassten Tätigkeit ab der erneuten IV-Anmeldung vom 7. Dezember 2017 gälten. In einer dem Leiden optimal angepassten Tätigkeit, das heisst mit ausreichenden Pausen sowie Möglichkeiten der Lageverände
rungen, z.B. kurzfristiges Hinlegen von zirka 20 Minuten oder weitere Entspan
nungsmöglichkeiten, bestehe eine Arbeitsfähigkeit in Höhe von 80% (S. 3).
Zuvor sei auf die dokumentierten Arbeitsunfähigkeiten abzustellen, welche nachvoll
ziehbar und gerechtfertigt seien (S. 2).
3.9.4
Dr. med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstatte
te
gestützt auf die ihm überlassenen Akten,
eine
Anamnese und seine am 2. Mai 2019 durchgeführte Untersuchung sowie eine von
Dr.
sc. Hum. Dipl.-Psych.
H._
am 2. Juni 2019 erhobene neuropsychologische Unter
suchung (vgl.
nachstehend
E. 3.9.
5
) am 16. Juli 2019 ein psychiatrisches Gutach
ten (Urk. 7/161/1-61). Er nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit eine Aufmerksamkeitsdefizits-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0) mit mitte
l
schweren Einbussen bei der Aufmerk
samkeit (S. 44 Ziff. 6.1). Als Diagnose ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit nannte er eine Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2), Prob
leme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung im Sinne von emotional instabil akzentuierten Persönlichkeitszügen sowie abnorme Gewohn
heiten und Störungen der Impulskontrolle,
Trichotillomanie
(ICD-10 F63.3; S. 44 f. Ziff. 6.2).
Der Gutachter führte aus, im objektiven psychopathologischen Befund in Anleh
nung an die AMDP-Richtlinien anlässlich der Untersuchung vom 2. Mai 2019 sei eine phasenweise gedrückte,
dysphorische
Stimmung ohne durchgehende Depres
sion aufgefallen. Bei der Exploration von traumatischen Ereignissen sei eine emotionale Labilität zu beobachten gewesen. Inhaltlich sei die Beschwerdefüh
rerin auf diffuse Schmerzen eingeengt. Auffallend sei eine ausgeprägte Tendenz zur Selbstbeobachtung körperlicher Vorgänge im Sinne einer Aufmerksamkeits
fokussierung. Vorgetragen worden seien Zukunfts- und Existenzängste, agora
phobische Ängste mit Vermeidung von öffentlichen Verkehrsmitteln, zwang
haftes Zupfen der Wimpern und Augenbrauen und ein sozialer Rückzug. Insgesamt wirke die Beschwerdeführerin nicht schmerzgequält. Im Rahmen der Unter
suchung zeigten sich keine Beeinträchtigungen der Bewusstseinsklarheit und der Bewusstseinshelligkeit. Im klinischen Eindruck ergäben sich keine Hinweise auf umfassende und ausgeprägte Störungen (S. 46 oben). Ebenso seien der Antrieb und das psychomotorische Verhalten ungestört, Gestik und Mimik seien ange
messen und unterstrichen die Stimmung
affektsynthym
, Spontanität
und Eigen
initiative seien erhalten. Die soziale Teilnahme sei im privaten Bereich einge
schränkt. Die Beschwerdeführerin weise kein reduziertes Alltagsaktivitäts
niveau auf. Bei den Haushaltsarbeiten fühle sie sich aufgrund von körperlichen Beschwerden eingeschränkt (S. 46 Mitte). Es liege auf psychiatrischem und neu
ropsychologischem Fachgebiet ein ADHS im Erwachsenenalter vor, darüber hin
aus eine emotional instabile Persönlichkeitsakzentuierung und eine weitere Komorbidität im Sinne einer Angst u
nd depressiven Störung gemischt
, die
bekannterweise
zu einer stressinduzierten Hyperalgesie führen könnten, weswe
gen sich die Beschwerdeführerin dadurch insuffizient und im Selbstwertgefühl reduziert erlebe. Eine aufgrund der von der Beschwerdeführerin angegebenen körperlichen Schmerzen und Missempfindungen und der beklagten Intensität in dem Zusammenhang auf psychiatrischem Fachgebiet gemäss den ICD-10-Kriterien erwogene chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) könne nicht diagnostiziert werden.
In den zuletzt ausgeübten Tätigkeiten sei die Beschwerdeführerin sechs Stunden am Tag arbeitsfähig. Aufgrund der Aufmerksamkeitsstörungen sei von einem um 20 % reduzierten Rendement auszugehen. Seit der Anmeldung bei der IV-Stelle sei eine 80%ige Arbeitsfähigkeit bei um 20 % reduzierter Leistungsfähigkeit (Rendement) ausgewiesen (S. 58 f. Ziff. 8.1). Für klar strukturierte Aufgaben, die kein hohes Mass an Dauerkonzentration und Daueraufmerksamkeit erfordern oder ein hohes Mass an Kreativität voraussetz
t
en, bestehe mit Möglichkeit, sich zurückzuziehen,
während sechs Stunden am Tag an fünf Tagen pro Woche
eine Arbeitsfähigkeit von 80 %
(
S. 59 Ziff. 8.2). Bei der Beschwerdeführerin lägen als relevante psychosoziale Belastungsfaktoren die längere Abwesenheit vom Arbeitsmarkt und finanzielle Probleme vor (S. 61 Ziff. 8.5).
3.9.5
Dem neuropsychologischen Teilgutachten
der Diplompsychologin
H._
vom 2. Juni 2019 (Urk. 7/186; vgl. vorstehend E. 3.9.4) lassen sich hinsichtlich Diag
nosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit mittelschwere Einbussen bei der Aufmerksamkeit und ein Verdacht auf ADHS entnehmen (S. 9 Ziff. 6.1). Dar
über hinaus wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin in der am 8. Mai 2019 durchgeführten Untersuchung viele gute Resultate gezeigt habe. Durch
schnittlich gewesen seien ihr verbales, ihr visuelles Gedächtnis und ihr Arbeits
gedächtnis, ihre Fähigkeit zum logischen Denken und Schlussfolgern, ihre visuell-perzeptive Wahrnehmung, ihre Wortflüssigkeit und ihre Planungs- und Problemlösungsfähigkeit. Ihre kognitive Flexibilität und Umstellfähigkeit habe über dem Durchschnitt gelegen. Ihre gerichtete Aufmerksamkeit liege unter dem Durchschnitt. Die Testerhebung habe Hinweise auf ein ADHS ergeben (S. 10 Ziff. 7.1). Hinsichtlich Arbeitsfähigkeit sei die Beschwerdeführerin in der Tätigkeit
als kaufmännische Angestellte aus neuropsychologischer Sicht zu 50 % einge
schränkt (S. 11 Ziff. 8.1). Das zumutbare Arbeitspensum in einer angepassten Tätigkeit sei ebenfalls zu 50% eingeschränkt (S. 11 Ziff. 8.2).
3.9.6
In der
bidisziplinären
Konsensbeurteilung (Urk. 7/161/62-70) führten die Gut
achter aus, die Beschwerdeführerin klage seit ihrem 17. Lebensjahr
kontinuierlich
über lumbale Rückenbeschwerden und Sc
hmerzen verschiedenen Ausmasses
. An psychiatrischen Beschwerden werde über ein ständiges Gefühl, nicht zu genügen, mangelndes Selbstwertgefühl, Existenz- und Zukunftsängste sowie eine wechsel
hafte, allerdings überwiegend gedrückte Grundstimmung und Grübeln berichtet
(S. 65)
.
Als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien
mit Verweis auf die Teilgut
achten (vgl. vorstehend E. 3.9.2; E. 3.9.4 f.
)
zu nennen (S. 66 Ziff. 4.1):
-
ADHS im Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0) mit mittelschweren Einbussen bei der Aufmerksamkeit
-
a
usgeprägtes chronisches
lumbovertebrales
, teils
lumbospondylogenes
Schmerz
syndrom links
Als Diagnosen ohne Auswirkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gut
achter eine Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2),
ein
Problem mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung im Sinne von emo
tional instabil akzentuierten Persönlichkeitszügen, abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle,
Trichotillomanie
(ICD-10 F63.3), einen Status nach Jochbogenfraktur links vor zirka 20 Jahren sowie unspezifische Kniebe
schwerden beidseits (S. 66 Ziff. 4.2).
Hinsichtlich Belastungsfaktoren und Ressourcen sei zu erwähnen, dass bei der Beschwerdeführerin bis auf
die
längere Abwesenheit vom Arbeitsmarkt und finanzielle Probleme keine nicht versicherungsmedizinisch relevanten psycho
sozialen Belastungsfaktoren vorlägen. An negativen Ressourcen seien die feh
lende persönliche und berufliche Zielklärung hervorzuheben, darüber hinaus Aufmerksamkeitsstörungen bei ansonsten guter kognitiver Leistungsfähigkeit. Es bes
t
ünden keine Handlungstendenzen im beruflichen Kontext. Die Beschwerde
führerin verfüge über keine Visionen, Ziele, Ideen. Zusätzlich best
ünden
ein reduziertes Stresserlebnis, keine Interessen/Hobbies, kaum soziale Kontakte, kein Lebenspar
t
ner/keine Familie sowie fehlende öko
nomische Stabilität (S. 68
Ziff.
4
.5).
Die gutachterliche Konsistenzprüfung habe auf psychiatrischem Fach
gebiet keine Hinweise auf nicht im geklagten Umfang vorhandene Funktions
beeinträchtigungen ergeben. An Diskrepanzen und Inkonsistenzen sei lediglich das Ausmass der geschilderten Beschwerden im Vergleich zur Intensität der
bisherigen Inanspruchnahme therapeutischer Hilfe aufgefallen. Zusammen
fassend ergäben die vorliegenden Befunde bei kritischer Würdigung ein in sich schlüssiges, konsistentes Bild (S. 68 Ziff. 4.6).
Da in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit die Einschränkungen auf orthopädischem Gebiet überwiegten, sei aus
bidisziplinärer
Sicht von einer Gesamtarbeitsunfähig
keit von 50 % auszugehen. In einer dem Leiden optimal angepassten Tätigkeit bestehe übereinstimmend eine Gesamtarbeitsfähigkeit von 80 % (S. 69 Ziff. 4.9).
3.10
Wegen
einer Reklamation der Beschwerdeführerin
anlässlich der psychiatrischen Begutachtung (vgl. Urk. 7/152) nahm Dr.
G._
am 16. Juli 2019 Stellung (Urk. 7/162).
Er verneinte – näher ausgeführt – die Anschuldigungen (S. 2 f.), korrigierte hingegen den
Drogenabusus
im Sinne des langjährigen Konsums von
Cannabi
n
oiden
aufgrund eines Übertragungsfehlers. Gemeint gewesen sei in diesem Zusammenhang der langjährige Schmerzmittelkonsum der Beschwerde
führerin (S. 3 unten).
3.11
Dr.
D._
liess sich am 5. Februar
2020
zum Gutachten vernehmen (Urk. 7/192). Sie anerkannte die Feststellung, wonach die Beschwerden durch eine isthmische
Spondylolisthese
L5 gegen S1 erklärbar seien.
Hingegen könne sie nicht bestätigen, dass die Physiotherapie ein sehr gutes Ansprechen mit zumin
dest temporärer beschwerdefreier Beschwerdeführerin
zeige
(S. 1 oben). Darüber hinaus sei es immer wieder typisch, dass bei bestehender Hypermobilität und gleichzeitiger
Lyse
die muskuläre Balance
dekompensiere
(S. 1 unten).
Anfänglich habe durch die Infiltration der
Lyse
(Juli 2018) das Schmerzbild vorübergehend positiv beeinflusst werden können. Eine wiederholte Infiltration habe das Schmerzbild nicht mehr lindern können. Insgesamt könne erwähnt werden, dass die Auflistung der subjektiven Probleme in Kurzfassung im Gutachten korrekt sei. Ebenso könne an der klinischen Untersuchung nicht
s
bemängelt werden (S. 2 oben). Bezüglich der Diagnose habe sich die aktuelle Situation geändert.
Ab Herbst 2019 sei eine zunehmende
lumboradikuläre
Reizproblematik L5 links auf
getreten
(S. 2 Mitte).
Wie ebenfalls korrekterweise bezüglich der Arbeitsfähigkeit erwähnt, sei auch sie der Meinung wie teilweise der Gutachter und wie auch aus neuropsychologischer Sicht, dass die Beschwerdeführerin lediglich maximal zu 50 % arbeitsfähig sei. Ob in einem dem Leiden optimal angepassten Berufsfeld die Arbeitsfähigkeit tat
sächlich gesteigert werden könne, hinterfrage sie aber stark (S. 2 unten).
3.12
Med.
pract
.
I._
, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und Psy
chotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), erachtete
in seiner Stellung
nahme vom 18. Februar 2020 (Urk. 7/196/2)
die gutachterliche Stellungnahme auf einer umfassenden Würdi
g
un
g der Befunde
basierend
. Die funktionelle
Leis
tun
g
sfähigkeit spiegle sich
im ausführlichen Gutachten, wobei auch die verwert
baren Ressourcen herausgestellt worden seien.
3.13
Die Beschwerdeführerin wurde am 18. Februar 2020 in der
Klinik
J._
ambulant untersucht und beraten. Oberärztin Dr. med. univ.
K._
diagnostizierte im Sprechstundenbericht
gleichen Datums
(Urk. 7/194/2-3) chronische
lum
bospondylogene
Schmerzen mit L5-
Radikulopathie links mit isthmische
r
Spondylolisthese
bei zusätzlicher
Bandscheibenprotrusion
extrafora
minal
L5/S1 und L5 Wurzelkompression links
;
z
usätzlich
ein
en
kleine
n
Band
scheib
envorfall im Segment L4/L5 mit
black
discs
Pathologie und beginnender
Osteochondrose
sowie eine
r
zusätzlichen
black
disc
im Segment L3/L4 (S. 1 oben). Aktuell
seien
bei fehlenden neurologischen Defiziten und minimaler Analgesie im Alltag weitere konservative Massnahmen empfohlen. Es bestehe nur eine relative OP-Indikation, eine absolute OP-Indikation bei fehlenden Nervenaffek
tionen sei nicht gegeben (S. 2).
4.
4.1
Das
bidisziplinäre
Gutachten
vom
20. Juni sowie 16. Juli 2019
(vgl. vorstehend E. 3.9)
l
eg
t
den medizinischen Sachverhalt in einer schlüssigen und nachvollzieh
baren Weise dar, insbesondere erfolgte auch im Rahmen der ergänzenden
neu
ropsychologischen
Begutachtung vom 1
9.
Dezember 2019 eine interdisziplinäre Gesamtbeurteilung (
vgl. vorstehend E. 3.9.
6
).
Es ist deshalb grundsätzlich beweis
kräftig (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis
; vgl.
auch
vorstehend E. 1.
6
), wovon auch der RAD der Beschwerdegegnerin ausging (vgl. vorstehend E. 3.12).
Demnach
leidet die Beschwerdeführerin mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit an einem ADHS mit mittelschweren Einbussen bei der Aufmerksamkeit und an einem ausgeprägte
n
chronischen
lumbovertebralen
, teils
lumbospondylo
genen
Schmerzsyndrom links
.
Einer näheren Prüfung bedarf jedoch die getroffene Einschätzung der Arbeits
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit.
4.2
I
n der interdisziplinären Gesamtbeurteilung gingen die
Gutachter hinsichtlich Arbeitsfähigkeit in einer dem Leiden optimal angepassten Tätigkeit im Umfang von 80 % aus (vgl. vorstehend E. 3.9.6). Demgegenüber legte der psychiatrische Gutachter
in seinem Teilgutachten die Arbeitsfähigkeit
auf sechs Stunden am Tag an fünf Tagen pro Woche fest (Urk. 7/161 S. 59 Ziff. 8.2
; vgl. vorstehend E. 3.9.4
), was
– wie die Beschwerdeführerin zu Recht feststellte -
eine Arbeitsfähigkeit von zirka 70 % bedeutet (vgl. Urk. 1 S. 9). Diese
n
Widerspruch vermögen die Gut
achter nicht aufzulösen, weshalb zu Gunsten der Beschwerdeführerin von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit in einer dem Leiden optimal angepassten Tätigkeit aus
zugehen ist.
4.
3
4.3
.1
Die
Rüge
der Beschwerdeführerin
, das
bidisziplinäre
Gutachten der
Dres
.
F._
und
G._
weise
Ungereimtheiten auf
(Urk. 1 S. 7 ff.)
,
ist insoweit begrün
det, als dass ein Widerspruch im Umstand besteht, dass die hinzugezogene neu
ropsychologische Gutachterin in ihrem Teilgutachten zum Schluss gekommen ist, das zumutbare Arbeitspensum in einer angepassten Tätigkeit betrage 50 %
(vgl. vorstehend E. 3.9.5)
, wohingegen die Gutachter in ihrer Gesamtbeurteilung von einer 80%igen
beziehungsweise korrigierten 70%igen (vgl. vorstehend E. 4.2)
Arbeitsfähigkeit in
einer
dem Leiden angepassten Tätigkeit ausgehen
(vgl. vor
stehend E. 3.9.6)
.
Dass der psychiatrische Gutachter Dr.
G._
sich nicht explizit hierzu äussert, vermag den Beweiswert seines Gutachtens indes nicht in Zweifel zu ziehen. Dr.
G._
setzte sich eingehend mit den Standardindikatoren (
vgl.
vor
st
ehend E. 1.2) auseinander (vgl. Urk. 7/161 S. 54 ff., S. 67 ff.
). Seine
Beurteilung umfasste das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde.
Der psychiatrische Gutachter
ist bei der Beantwortung der Frage, wie
er
das Leistungsvermögen einschätzte, den einsch
lägigen Indi
katoren gefolgt, er
hat ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind, und
seine
versiche
rungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung ist auf objektivierter Grundlage erfolgt. Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob er sich an die mass
gebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist klar zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Stan
dardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrschein
lichkeit nachweisen, weshalb
seine
fachärztliche
Beurteilung, wonach
unter Aus
klammerung invaliditätsfremder psychosozialer Belastungsfaktoren
eine
2
0
beziehungsweise 3
0
%ige
reduzierte Leistungsfähigkeit
in einer dem Leiden ange
passten Tätigkeit bestehe, nachvollziehbar und schlüssig ist und mehr zu über
zeugen vermag als die Einschätzung der Psychologin, welche keine Ressourcen
prüfung vorgenommen hat. Zudem erscheint eine um die Hälfte reduzierte Festlegung der Arbeitsfähigkeit
vor dem Hintergrund der selbst festgestellten guten Resultate und überdurchschnittlichen kognitiven Flexibilität und Umstell
fähigkeit
der Beschwerdeführerin
und somit
alleine aufgrund ihrer Einschrän
kung in der Aufmerksamkeit
doch
fragwürdig
, zumal die E
inschränkungen von Dr.
G._
im Rahmen der Diagnosestellung ADHS ebenfalls festgestellt
und
gewürdigt wurden (vgl. vorst
ehend E. 3.9.4)
.
4.3
.2
Der
Vorwurf
, wonach die Gutachter sich ungenügend mit den Berichten der beruflichen Abklärungsstellen auseinandergesetzt hätten (Urk. 1 S. 7 f.),
vermag
den Beweiswert des Gutachtens
ebenfalls
nicht
zu schmälern.
D
ie abschliessende Beurteilung der sich aus einem Gesundheitsschaden ergeben
den funktionellen Leistungsfähigkeit
obliegt
in der Hauptsache dem Arzt oder der Ärztin, nicht den Fachleuten der Berufsberatung oder der beruflichen Einglie
derung. Mit Blick auf die rechtsprechungsgemäss enge, sich gegenseitig ergän
zende Zusammenarbeit zwischen der Ärzteschaft und der Berufsberatung ist jedoch einer konkret leistungsorientierten beruflichen Abklärung nicht jegliche Aussagekraft für die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit abzusprechen. Steht eine medizinische Einschätzung der Leistungsfähigkeit in offensichtlicher und erheblicher Diskrepanz zu einer Leistung, wie sie während einer ausführlichen beruflichen Abklärung bei einwandfreiem Arbeitsverhalten/-einsatz der versi
cherten Person effektiv realisiert wurde und gemäss Einschätzung der Berufsfach
leute objektiv realisierbar ist, vermag dies ernsthafte Zweifel an den ärztlichen Annahmen zu begründen und ist das Einholen einer klärenden medizinischen Stellungnahme grundsätzlich unabdingbar (Urteil des Bundesgerichts 8C_563/2018 vom 1
4.
November 2018 E. 6.1.1).
Diese Voraussetzungen sind vorliegend nicht gegeben
. Einerseits geht aus dem Schlussbericht der Potenzialerhebung (Urk. 7/68) hervor, dass bei der Beschwer
deführerin keine Präsenzsteigerung durchgeführt worden sei und dass aufgrund der begrenzten Anwesenheit keine detaillierte Aussage zum Arbeitsverhalten gemacht werden könne (S. 3 f.). Andererseits erfolgte der Abbruch des später auf
genommenen Aufbautrainings auf Wunsch der Beschwerdeführerin
und
dies
bereits am zweiten Teilnahmetag
(Urk. 7/103 S. 2).
4.
3.3
Zum Einwand der fehlenden Durchführung einer
EFL (Urk. 1 S. 10
)
ist festzu
halten, dass bei zuverlässiger ärztlicher Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der Regel keine Notwendigkeit besteht, die Rechtsfrage der Erwerbsunfähigkeit durch eine EFL zu überprüfen. Ausnahmsweise kann eine solche erforderlich sein, wenn mehrere involvierte Ärzte eine solche angesichts eines multiplen und schwierig einzuschätzenden Krankheitsbildes ausdrücklich befürworten (
Urteil des Bund
e
s
gerichts 8C_711/2016 vom 1
5.
Dezember 2016 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der ortho
pädische Gutachter erachtete eine solche – im Unterschied zur behandelnden Rheumatologin
Dr.
D._
– für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht als notwendig, ansonsten er eine solche empfohlen
beziehungsweise
veranlasst hätte. Auch sonst sind keine
Umstände
für die Notwendigkeit einer
EFL
ersicht
lich
,
da hier
im Wesentlichen
ein Rückenleiden vorliegt und keine multiplen körperlichen Einschränkungen.
4.3.4
Schliesslich
stösst auch der Vorwurf der fehlenden Auseinandersetzung des orthopädischen Gutachters mit der anderslautenden Beurteilung der behandeln
den Fachärz
tin (Urk. 1 S. 9 f.) ins
L
eere. Dr.
F._
nahm seine Einschät
zung in Kenntnis der gesamten medizinischen Aktenlage vor und ging auch auf die Berichte von Dr.
D._
ein (Urk. 7/145 S. 3 und 9). Darüber hinaus
konnte
die behandelnde Rheumatologin
an seiner klinischen Untersuchung nichts bemängeln (vgl. vorstehend E. 3.11).
Ihre anderslautende Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit ist daher mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver
trauensstellung zu ihrer Patientin eher zurückhaltend zu würdigen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Zudem ist ein
nach Art.
44 ATSG eingeholtes Administrativgutachten nicht stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass wei
terer Abklärungen zu nehmen, wenn behandelnde Ärzte zu einem anderen Ergebnis gelangen; vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil sie wichtige Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. statt
vieler SVR 2017 IV Nr. 49 S.
148;
Urteil des Bundesgerichts 9C_119/2020 vom 18. Mai 2010 E.
3.2.3).
Nach dem Gesagten
sowie mit Blick auf die Beurteilung des RAD (vgl. vorstehend E. 3.12)
vermag Dr.
D._
indes
keine solche neuen Aspekte aufzuzeigen.
Insoweit die
zeitlich
nach dem
bidisziplinären
Gutachten erstellten somatischen Berichte auf eine zunehmende
lumboradikuläre
Reizproblematik hinw
ei
sen und damit auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes schliessen
lassen könnten
, ist festzuhalten, dass die Oberärztin der
Klinik
J._
von fehlenden neurologischen Defiziten und minimale
r Analgesie im Alltag berichtet
und ledig
lich
konservative Massnahmen empfiehlt
(vgl. vorstehend E. 3.1
3
), womit (noch)
keine
versicherungsrechtliche
wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes
gegenüber dem Zustand anlässlich der Begutachtung
eingetreten ist.
4.4
Zusammenfassend kann auf
das
bidisziplinäre
Gutachten vom
20. Juni
sowie
16. Juli 2019
(vgl. vorstehend E. 3.9)
abgestellt werden. Unter Berücksichtigung
des Belastungsprofils
ist damit zumindest in einer behinderungsa
ngepassten Tätigkeit von einer 7
0
%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
5.
5.1
Aus den Akten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin
nach zuvor ausgeübten
diverse
n
unterjährige
n
Beschäftigungen
im Bereich
Tourismus,
Freizeit und Sport sowie Transport (vgl. Auszug aus dem individuellen Konto,
IK-Auszug
Urk. 7/6),
von August 2002 bis November 2005 als Flight
Attendant
bei der
L._
AG gearbeitet hatte. A
b Januar 2005
und damit noch vor dem aktenkundig medizinisch ausgewiesenen Gesundheitsschaden
war sie
in einem Beschäfti
gungsgrad von 70 %
angestellt
(Urk. 7/18/2.9; Ziff. 2.11)
, wobei aus dem IK-Auszug und den
Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin hervorgeht, dass die Beschwerdeführerin auch davor nicht
immer
in einem Vollzeitpensum gearbeitet hatte.
Hernach
arbeitete
die Beschwerdeführerin drei Monate lang (Mai bis August 2007) im Check-in für die
M._
, wo ihr in der Probezeit gekündigt wurde (Urk. 7/23). Ab 1. Oktober 2007 war sie in einem anfänglichen 65%-Pensum und ab Januar 2008 in einem solchen von 80 % bei der
N._
GmbH als Allrounderin (Rezeption und im Check-in
)
bis zirka Ende 2010
tätig gewesen (Urk. 7/16; Urk. 7/161 S. 31).
Hernach folgten saisonale Teilzeitanstellungen als Bademeisterin für die Jahre 2010-2013 und für drei Monate im Jahr 201
5.
Schliesslich war sie von
Februar
bis November 2016 als Telefonistin bei der
O._
GmbH in einem Pensum von zirka 20-60
%
auf Abruf im Stundenlohn angestellt gewesen (Urk. 7/161 S. 31 f.).
Gestützt auf die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin nach abgeschlossener KV-Lehre keine Tätigkeiten gemäss ihrer Ausbildung
ausgeübt
hatte, ihre Erwerbs
biografie
mit vielen, noch vor Eintritt des medizinisch ausgewiesenen Gesund
heitsschadens ausgeübten Teilzeitarbeitsstellen
sowie
den
Umstand,
dass
sie
den wiederholten Verlust ihrer
Arbeitsstellen
mit dem Rückenleiden und auch ihrer Beziehung begründete
(Urk. 7/161 S. 32), ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin
sie
als zu 80% Erwerbstätige ohne Aufgabenbereich qualifi
ziert hat.
Es ist überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall auch heute kein volles Erwerbspensum
inne hätte
.
Freizeitbeschäftigungen, wie sie die Beschwerdeführerin in der neben dem erwerblichen Pensum verbleibenden Zeit ausüben würde, sind
invalidenversi
cherungsrechtlich unbeachtlich und stellen keinen Au
fgabenbereich im Sinne von Art.
27 IVV dar. Dass sie die aus der
Pensumsreduktion
gewonnene Zeit im Wesentlichen für den Haushalt nutzt, wird von der Beschwerdeführerin sodann nicht behauptet (vgl. dazu: BGE 141 V 15 E
.
4.4). Auch führt die alleine lebende Beschwerdeführerin weder Haushaltstätigkeiten im Rahmen einer vereinbarten Aufgabenteilung für eine andere Person aus, noch hat sie gemäss Aktenlage irgendwelche Pflegeaufgaben für Kinder oder Verwandte. Entsprechend gilt sie für die Invaliditätsbemessung als Teilerwerbstätige ohne Aufgabenbereich (vgl. zum
Aufgabenbereich auch
Urteile des Bundesgerichts 9C_5
22/2019 vo
m 30.
Oktober 2019 E.
6 und 9C_615/2016 E.
5).
5.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
5.3
Aufgrund des beruflichen Werdegangs
der Beschwerdeführerin
bietet der IK
-
Auszug keine verlässliche Grundlage für die Ermittlung des
Valideneinkommens
. Vielmehr erscheint es dabei zugunsten
der Beschwerdeführerin
angezeigt, sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen anhand statistischer Durch
schnittswerte zu ermitteln
, zumal sie ihre ursprünglich gelernte Tätigkeit als kauf
männische Angestellte weiterhin ausüben kann
.
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erüb
rigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentvergleich» dar, sondern eine rein rechne
rische Vereinfachung
dar
(Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 19.
Juni 2017 E.
4 unter Hinweis
auf Urteil 9C_675/2016 vom 18.
April 2017 E.
3.2.1)
.
5.4
Vorliegend ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden einer Erwerbstätigkeit in einem 80 %-Pensum nachgehen würde
(vgl. vorstehend E. 5.1
)
. Für die Ermittlung des Invaliditätsgrades sind daher die Prozent
z
ahlen gegenüberzustellen.
5.5
Bei teilerwerbstätigen Versicherten ohne Aufgabenbereich ist die anhand der Ei
n
kommensvergleichsmethode (Art.
16 ATSG) zu ermittelnde Einschränkung im allein versicherten erwerblichen Bereich proportional – im Umfang der hypothe
tischen Teilerwerbstätigkeit – z
u berücksichtigen (vgl. dazu E.
1.
5
). Der Invalidi
tätsgrad entspricht der proportionalen Einschränkung im e
rwerblichen Bereich. Da die Beschwerdeführerin vorliegend ohne
gesundheitliche Einbusse zu 80
% erwerbstätig und gesundheitlich bedingt nur 70 % erwerbsfähig ist, ergibt sich für den Erwerbsbereich zunächst eine Einbusse von 30 %; diese ist proportional zu gewichten (d.h. auf das hypothetische Erwerbspensum von
80
% zu beziehen), woraus ein massgebender
rentenausschliessender
Inv
aliditätsgrad von rund 24
%
resultiert
.
Selbst unter Annahme eines
leidensbedingten Abzugs von
10
%
vom Invaliden
einkommen
würde
ein nicht anspruchsbegründe
nder Invaliditätsgrad von 32 %
resultieren
.
6.
Nach dem Gesagten
ist die angefochtene Verfügung
(Urk. 2)
im Resultat nicht zu beanstanden, was zur
Abweisung der Beschwerde
führt.
7.
7.1
Die Beschwerdeführerin beantragte die Bewilligung der unentgeltlichen Prozess
führung
(Urk. 1 S. 2 Ziff.
3). Die Voraussetzungen zur Bewilligung der unentgelt
lichen Prozessführung sind vorliegend erfüllt.
7.2
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig v
om Streitwert festzulegen (Art.
69 Abs.
1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf Fr.
9
00.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Pro
zessführung sind die Kosten jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Beschwerde
führerin ist auf § 16 Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht (
GSVGer
) hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Gerichts
kosten und der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, sofern sie dazu in der Lage ist.