Decision ID: 802dc797-00ef-56a0-b97a-eee230c3d381
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am (...) April 2015 in der Schweiz um Asyl
nach und machte anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 6. Mai
2015 und der Anhörung vom 6. März 2017 im Wesentlichen Folgendes gel-
tend:
Er sei sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie, geboren in
B._ und aufgewachsen in C._, im Raum D._. Wäh-
rend der Schulzeit habe er die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) un-
terstützt, indem er (...) organisiert, (...). Die LTTE habe an der Schule
Selbstverteidigungskurse gegeben. Er habe verschiedene LTTE-Mitglieder
kennengelernt und sei mit diversen wichtigen LTTE-Personen fotografiert
worden. (...) sei beim (...) der LTTE gewesen und einer seiner engen
Freunde sei für eine Selbstmordgruppe zuständig gewesen. (...) und des-
sen Freund hätten ihm zwischen (...) immer wieder kleinere Aufträge ge-
geben. Die Nachbarin, welche in den (...) verliebt gewesen sei, habe die-
sen der Eelam People's Democratic Party (EPDP) gemeldet, als sie her-
ausgefunden habe, dass er für die LTTE tätig sei. Im Jahr 2006 sei (...)
daher nach E._ gegangen. Er habe später (...) der Nachbarin um-
gekommen sei. Im selben Jahr ([...] 2006) sei der (...) erschossen worden.
Der spätere Mann der Nachbarin wiederum sei von den LTTE getötet wor-
den, da seine Familie Informationen über diesen an die LTTE weiteregelei-
tet habe. Die Nachbarin sei danach aus Angst weggezogen. Als im Jahr
2010 eine Climor-Bombe auf der Strasse explodiert sei (BzP) beziehungs-
weise er neben einer Reismühle mit einem Waffenversteck gestanden
habe (Anhörung), sei er zusammen mit weiteren Jungen verhaftet und ins
Camp gebracht worden. Am Abend seien sie unter der Bedingung, jeden
Freitag zur Unterschrift zu erscheinen, entlassen worden. Dies habe er län-
gere Zeit getan. Ab und zu hätten sie ihn durch „Kopfnicker“ identifizieren
lassen. Einige Monate später hätten Soldaten ihn auf dem Feld verhaftet
und ins Camp gebracht, wo sie ihn zwei Tage lang festgehalten hätten. Da
sein Vater mit dem Friedensrichter und einer weiteren wichtigen Person
zum Camp gekommen sei, hätten sie ihn freigelassen. 2013 sei die Nach-
barin zurückgekehrt, woraufhin sie aufgrund einer Grundstücksgrenze
Probleme gehabt hätten. Die Nachbarin – Mitglied der EPDP – habe von
seiner LTTE-Tätigkeit gewusst, ihn bedroht und ihn sowohl bei der EPDP
als auch beim Militär verraten, weshalb (...) 2013 seine eigentlichen Prob-
leme begonnen hätten. 2013 und 2014 sei er für eine Weile nach
E._ gegangen. Sein Vater habe ihm im Jahr 2014 gesagt, dass ein
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Kollege verhaftet worden sei und sie auch auf der Suche nach ihm seien.
Er habe bereits zu diesem Zeitpunkt ausreisen wollen, sei aber auf Anraten
des Vaters geblieben.
Eines Tages seien vier Militärpersonen auf „field-bikes“ vorbeigekommen
und hätten das Haus durchsucht und seine Mutter sowie seine Schwester
belästigt. Insgesamt sei er in seiner Abwesenheit drei Mal gesucht worden.
Da diese Suchen abgenommen hätten, sei er wieder nach Hause. Am (...)
2014 seien wiederum Personen des Militärs bei ihm zuhause vorbeigekom-
men und hätten seiner Mutter ein Foto von ihm gezeigt und sich nach ihm
erkundigt. Weil seine Mutter und (...) geschlagen worden seien, habe (...)
beziehungsweise die Mutter verraten, dass er auf dem Markt sei. Sie hätten
ihn dort geholt und ins (...)-Camp gebracht. Schon beim Eingang seien ihm
die Augen verbunden und die Hände gefesselt worden. Ihm seien von der
dort anwesenden Nachbarin vier Fotos vorgehalten worden, um Personen
zu identifizieren. Er habe zwar drei Personen erkannt, aber behauptet, nie-
manden zu kennen. Er sei brutal geschlagen worden, wobei ihm unter an-
derem die (...) durch einen Stoss mit dem Gewehrkolben (...), (...) und das
(...) abgeschnitten sowie sein (...) derartig verletzt worden sei, dass er (...).
Ausserdem sei er mit glühenden Zigaretten im (...) und am (...) verbrannt
und auf weitere Arten misshandelt worden. Er sei ins Koma gefallen und
daraufhin seinem Vater ausgeliefert worden. Als er im Spital gewesen sei,
seien Militärangehörige wiederholt zu seinem Vater gegangen und hätten
sich nach seinem Zustand erkundigt, wobei sie dem Vater mitgeteilt hätten,
dass er nach der Heilung wieder zurück ins Camp müsse. Er habe im Spital
einmal eine Unterschrift leisten müssen und sei danach direkt nach
F._, wo er bis zu seiner Ausreise weiterhin ambulant behandelt wor-
den sei (Anhörung) beziehungsweise er sei nach seinem Aufenthalt im Spi-
tal in C._ jeweils in Begleitung zum Camp gegangen, um Unter-
schrift zu leisten; da er weiterhin verdächtigt worden sei, die LTTE wieder-
aufbauen zu wollen, und misshandelt worden sei, um entsprechende Infor-
mationen preiszugeben, habe ihn sein Vater zur Ausreise gedrängt (BzP).
Am 7. April 2015 habe er deshalb sein Heimatland verlassen und sei via
G._, H._ und I._ in die Schweiz gereist. Nach seiner
Ausreise, am (...) 2015, sei sein Vater auf dem Heimweg von Personen
geschlagen worden, die sich nach ihm (dem Beschwerdeführer) erkundigt
hätten, woraufhin er im Spital habe behandelt werden müssen. (...) 2015
sei die Polizei bei seinen Eltern gewesen und habe sich nach seiner Tele-
fonnummer erkundigt. Hier in der Schweiz habe er am 27. November (...)
an einer Gedenkfeier der LTTE in J._ und auch im Jahr (...) an einer
Demonstration der LTTE in K._ teilgenommen.
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Zum Nachweis seiner Identität reichte er eine Kopie seiner Identitätskarte,
seinen Geburtsschein (im Original sowie in Kopie mit Übersetzung) sowie
die Geburtsscheine seiner Eltern (in Kopie mit Stempel) ein. Als Beweis-
mittel legte er die Kopie der Todesurkunde (...) mit Übersetzung, einen
Arztbericht betreffend die Verletzungen seines Vaters (im Original), ein
Schreiben des Friedensrichters L._ (im Original) sowie ein Affidavit
seiner Mutter mit der Bestätigung über die verwandtschaftlichen Verhält-
nisse (...) (im Original) zu den Akten.
Anlässlich der Anhörung hielt die Hilfswerksvertretung fest, der Beschwer-
deführer sei bei der Schilderung seiner Probleme immer wieder auf seine
Misshandlungen und die erlittene Folter zurückgekommen, ohne dies zu
merken. Sie regte ein spezialärztliches Gutachten an, um den rechtserheb-
lichen Sachverhalt vervollständigen zu können und ihm Zugang zu einer
adäquaten medizinisch-psychiatrischen Behandlung zu ermöglichen.
B.
Mit Verfügung vom 13. März 2019 – eröffnet am 19. März 2019 – verneinte
die Vorinstanz aufgrund mangelnder Glaubhaftigkeit und Asylrelevanz der
Vorbringen die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte
sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete sie seine Wegweisung aus der
Schweiz und den Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 15. April 2019 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde gegen die Verfügung vom 13. März 2019.
Diese sei wegen der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör,
eventuell wegen der Verletzung der Begründungspflicht, eventuell zur
Feststellung des richtigen und rechtserheblichen Sachverhalts aufzuheben
und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventuell sei
die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei seine Flüchtlingsei-
genschaft festzustellen; es sei ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. Even-
tuell sei die angefochtene Verfügung betreffend die Ziffern 4 und 5 aufzu-
heben und es sei die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs festzustellen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die vollständige Einsicht in
die gesamten Akten des SEM, insbesondre in das Aktenstück A14/1, mit
der Gewährung einer Nachfrist zur Einreichung einer Beschwerdeergän-
zung. Ausserdem sei der Spruchköper bekanntzugeben und mitzuteilen,
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ob dieser zufällig ausgewählt worden sei; andernfalls seien die objektiven
Kriterien für die Auswahl des Spruchkörpers bekanntzugeben.
Für den Fall, dass das Bundesverwaltungsgericht materiell entscheiden
sollte, stellte er die Beweisanträge, er sei zu seinen Asylgründen, insbe-
sondere dazu wie sich die Gefährdung mit der sich neu darstellenden Si-
tuation in Sri Lanka verändert habe, anzuhören. Ihm seien sämtliche dem
SEM vorliegenden Beweismittel offenzulegen und es sei ihm eine ange-
messene Frist zur Einreichung einer Stellungnahme anzusetzen. Ausser-
dem sei sein Gesundheitszustand vollumfänglich abzuklären und ihm sei
eine angemessene Frist anzusetzen, um einen ausführlichen Arztbericht
einzureichen.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer Fotos seiner Narben sowie
von ihm an einer Demonstration in K._ im (...) 2017 ein. Zur Unter-
mauerung der Anträge – auf deren Begründung, soweit für den Entscheid
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird – reichte
der Beschwerdeführer eine CD-ROM mit verschiedenen Beweismitteln ein
und führte in einem separaten Schreiben vom 15. April 2019 aus, ohne
ausdrücklichen Gegenbericht werde davon ausgegangen, dass die Beila-
gen in elektronischer Form auf der CD-ROM als vollwertige Beweismittel
akzeptiert würden und auf die Einreichung dieser Beilagen in Papierform
verzichtet werden könne.
D.
Am 17. April 2019 bestätigte das Gericht dem Beschwerdeführer den Ein-
gang der Beschwerde und hielt fest, dieser dürfe den Ausgang des Verfah-
rens einstweilen in der Schweiz abwarten.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 9. Mai 2019 teilte die Instruktionsrichterin dem
Beschwerdeführer den bisher festgelegten Spruchkörper mit, forderte den
Beschwerdeführer auf, den in Aussicht gestellten Arztbericht innert Frist
nachzureichen und die ihn behandelnden Fachpersonen gegenüber den
Bundesasylbehörden vom Arztgeheimnis zu entbinden. Überdies wies sie
die Anträge auf Akteneinsicht und auf Einräumung einer Frist zur Einrei-
chung einer Beschwerdeergänzung ab und forderte den Beschwerdeführer
auf, innert Frist einen Kostenvorschuss zu leisten.
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F.
Mit Schreiben vom selben Tag reichte der Beschwerdeführer den in Aus-
sicht gestellten Arztbericht nach, laut welchem er an einer posttraumati-
schen Belastungsstörung (PTBS) (...) leide.
G.
Am 24. Mai 2019 reichte der Beschwerdeführer eine weitere Eingabe ein,
in welcher er um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchte, und legte
eine weitere CD-ROM mit 48 Beweismitteln sowie eine Unterstützungsbe-
stätigung vom 13. Mai 2019 und die unterzeichnete Erklärung über die Ent-
bindung von der ärztlichen Schweigepflicht ins Recht.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 28. Mai 2019 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut und verzichtete auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG [SR
142.31] vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
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angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
– unter Vorbehalt der nachstehenden Erwägung – einzutreten.
1.5 Auf den Antrag auf Mitteilung betreffend die Bildung des Spruchkörpers
ist nicht einzutreten (vgl. Teilurteil des BVGer D-1549/2017 vom 2. Mai
2018 E. 4.3 [zur Publikation vorgesehen]).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Die Vorinstanz hielt in ihrem Entscheid zunächst fest, dass die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers nicht glaubhaft seien, weshalb auf die Prüfung
der Asylrelevanz verzichtet werden könne.
So habe der Beschwerdeführer an der BzP geltend gemacht, die LTTE mit
(...). Bei der Anhörung habe er hingegen erwähnt, er habe (...). Dass (...)
beim (...) der LTTE gewesen sei und ihm und seinen Kollegen den Auftrag
erteilt habe, Informationen über die sri-lankischen Behörden zu sammeln,
habe er erstmals an der Anhörung vorgebracht. Es sei nicht einsichtig, wa-
rum er diese Vorbringen nicht bereits bei der BzP geltend gemacht habe,
zumal er damals gefragt worden sei, ob er die LTTE noch durch weitere
Tätigkeiten unterstützt habe. Es müsse deshalb davon ausgegangen wer-
den, dass er bei der Anhörung nachträglich versucht habe, seinen Asyl-
gründen mehr Gewicht zu verleihen. Die Erklärung, nie nach dem Handeln
(...) gefragt worden zu sein, sei als Schutzbehauptung zu werten. Seine
Unterstützung der LTTE könne daher nicht geglaubt werden.
Auch seine Aussagen bezüglich der geltend gemachten behördlichen Su-
chen und Festnahmen würden zahlreiche Widersprüche aufweisen. So
habe er an der BzP geltend gemacht, dass im Jahr 2010 auf der Strasse
eine Bombe explodiert sei, woraufhin er und andere junge Leute festge-
nommen und ins Camp gebracht worden seien. Er sei unter der Bedingung
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freigelassen worden, jeden Freitag eine Unterschrift zu leisten. Bei der An-
hörung habe er hierzu angegeben, er sei festgenommen worden, als er auf
dem Feld gearbeitet habe, und danach zwei Tage festgehalten worden. Ein
anderes Mal sei er im Jahr 2010 zusammen mit seinen drei Kollegen ver-
haftet worden, als sie in der Nähe einer Reismühle gestanden hätten. Die
Erklärung, wonach es sich dabei um verschiedene Vorfälle gehandelt
habe, vermöge nicht zu überzeugen. Abgesehen davon habe er an der BzP
behauptet, der Vorfall auf dem Feld habe 2014 stattgefunden. Weiter habe
er widersprüchliche Angaben bezüglich der Suche durch die sri-lankische
Armee respektive der Angehörigen seiner Nachbarin gemacht. So habe er
sich einerseits nach M._ begeben, da er zu Hause gesucht worden
sei, sei andererseits aber bereits in M._ gewesen, als er das erste
Mal zu Hause gesucht worden sei. Ferner habe er sich betreffend seine
Festnahme vom (...) 2014 widersprochen. Bei der BzP habe er erzählt, (...)
habe seinen Aufenthaltsort verraten, an der Anhörung habe er indessen
angegeben, nicht zu wissen, wie die Soldaten ihn gefunden hätten. Auf
diesen Widerspruch angesprochen, habe er seine Aussage der BzP bestä-
tigt. Aufgrund der widersprüchlichen Schilderung dieser Festnahme könne
ihm auch nicht geglaubt werden, dass er tatsächlich den geschilderten
Misshandlungen ausgesetzt gewesen sei. Diese Schlussfolgerung erhärte
sich durch seine widersprüchlichen Angaben betreffend die Zeit nach der
Haft. So habe er an der BzP dargelegt, nach dem Spitalaufenthalt weiterhin
Unterschrift geleistet zu haben. Da er jedoch weiterhin verdächtigt und ein-
mal verletzt worden sei, sei er ausgereist. An der Anhörung habe er hinge-
gen geltend gemacht, lediglich einmal im Spital eine Unterschrift geleistet
zu haben und danach direkt in das Privatspital in F._ gegangen zu
sein. Die eingereichten Beweismittel würden überdies nicht dazu taugen,
den asylrelevanten Sachverhalt glaubhaft zu machen. So sei das Schrei-
ben des Friedensrichters als Gefälligkeitsschreiben zu qualifizieren und
dessen Inhalt stimme überdies nicht mit dem geschilderten Sachverhalt
überein.
4.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers macht auf Beschwerde-
ebene ausgedehnte allgemeine Ausführungen zur Lage in Sri Lanka und
reicht zum Beleg seiner Einschätzung eine umfangreiche eigene Doku-
menten- und Quellensammlung zu den Akten, welche das Lagebild und die
Einschätzung der Vorinstanz widerlege. Die Vorinstanz habe die individu-
ellen Asylgründe (insbesondere die LTTE-Verbindungen, seine Inhaftie-
rung und massive Folterung, seiner Herkunft aus dem Norden Sri Lankas
und sein exilpolitisches Engagement) unvollständig geprüft. Ausserdem sei
sie auf pauschale Weise zum Schluss gekommen, dass die Vorbringen des
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Beschwerdeführers unglaubhaft seien, da sie widersprüchlich oder nach-
geschoben seien. Die Glaubhaftigkeitsprüfung sei klar ungenügend erfolgt.
So sei das Vorbringen betreffend die LTTE-Tätigkeit des (...) keineswegs
nachgeschoben, sondern eine Konkretisierung des Sachverhalts. Überdies
sei er auch nie nach dessen Problemen gefragt worden. Ausserdem sei
anlässlich der Anhörung offensichtlich gewesen, dass sein Aussageverhal-
ten nicht als normal bezeichnet werden könne. Dies sei von der Hilfswerks-
vertretung auch bestätigt worden. Das ständige, ungewollte, wiederho-
lende Erinnern an die Foltererfahrung sei ein klarer Hinweis auf die Trau-
matisierung. Eine entsprechende Abklärung sei trotz Hinweis der Hilfs-
werksvertretung unterblieben.
Ausserdem sei er weiterhin exilpolitisch tätig gewesen (Teilnahme an re-
gimekritischen Demonstrationen) und einmal mit einer LTTE-Flagge gefilmt
worden. Dieses Video sei auf einem Onlineportal veröffentlicht worden.
Diesen Sachverhalt habe die Vorinstanz nicht abgeklärt, obwohl es sich
dabei um einen Hochrisikofaktor handle. Dasselbe gelte für seine zahlrei-
chen Narben, die er aufgrund seiner erlittenen Folter trage. Sodann hält
der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe daran fest, dass er
mehrere der im Referenzurteil E-1866/2016 vom 15. Juli 2016 definierten
Risikofaktoren erfülle. So stamme er aus einer Familie mit LTTE Mitglie-
dern, was in seiner Herkunftsregion bekannt sei. (...) habe eine wichtige
Funktion beim (...) der LTTE innegehabt. Er selbst habe regelmässig in
Kontakt zu anderen LTTE-Mitgliedern gestanden und diese mit Hilfsarbei-
ten unterstützt. Aufgrund dieser Verbindungen und Tätigkeiten sei er in der
Vergangenheit mehrmals behelligt, befragt, entführt und misshandelt wor-
den, wobei er massive Verletzungen und psychische Traumata davonge-
tragen habe. Mit seiner Flucht ins Ausland und dem mehrjährigen Aufent-
halt in einem tamilischen Diasporazentrum mache er sich weiter verdäch-
tig, Wiederaufbaubestrebungen der LTTE getätigt zu haben. Dieser Ver-
dacht würde sich auch durch seine exilpolitischen Aktivitäten in der
Schweiz bewahrheiten. Ausserdem gehöre er den sozialen Gruppen der
abgewiesenen tamilischen Asylsuchenden sowie der vermeintlich oder tat-
sächlichen LTTE-Unterstützer an. Zudem würde er mit temporären Reise-
dokumenten in sein Heimatland zurückgeschafft und so die Aufmerksam-
keit der Behörden auf sich lenken. Die auf den zu erwartenden Back-
ground-Check folgende Verhaftung aufgrund seines Profils würde mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen.
Ausserdem bestehe aufgrund seiner allenfalls erheblichen psychischen
Traumatisierung eine erhöhte Verfolgungsempfindlichkeit.
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4.3 Aus dem Arztbericht vom 9. Mai 2019 geht hervor, dass der Beschwer-
deführer an einer posttraumatischen Belastungsstörung (...) leide. Im Be-
gleitschreiben legt der Beschwerdeführer dar, dies sei auch bei der Anhö-
rung erkennbar gewesen, da er – konditioniert durch die Verhöre in Sri
Lanka, bei welchen er gefoltert worden sei – immer wieder ungewollte, wie-
derholende Erinnerungen an die Foltererfahrung hervorgebracht habe und
sein Aussageverhalten sehr auffällig gewesen sei. Er leide weiterhin an
Schlafstörungen, wache jede Stunde auf und sei tagsüber entsprechend
schläfrig. Auch diese Symptome stünden in einem Zusammenhang mit den
Erinnerungen an das Erlebte in Sri Lanka und der ständigen Angst, wieder
dorthin zurückkehren zu müssen. Ausserdem sei er (...), was durch die
Schläge (...) verursacht worden sei. Er sei folglich in einem sehr bedenkli-
chen und labilen Gesundheitszustand. Seine Krankheiten würden seine
Geschichte untermauern und aufzeigen, dass die berichteten Erlebnisse in
Sri Lanka tatsächlich stattgefunden hätten. Er reagiere gut auf die Behand-
lung und habe bereits einige Besserungen erlangen können. Eine Weiter-
behandlung und Begleitung über die nächsten Jahre hinweg sei nicht nur
sinnvoll, sondern auch dringend notwendig. Eine Rückkehr nach Sri Lanka
würde zu einer drastischen Verschlechterung des Gesundheitszustandes
führen (mit Verweis auf das Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsge-
richts D-4543/2013 E. 5.7 vom 22. November 2017). Seine Verfolgungs-
empfindlichkeit sei somit massiv erhöht, was zwangsläufig zur Anerken-
nung der Flüchtlingseigenschaft und zur Gewährung von Asyl führen
müsse.
5.
5.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben. Diese sind vorab
zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vo-
rinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ih-
rer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich
ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-
einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt
(vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Dem verfassungsmässigen Grundsatz des
rechtlichen Gehörs erwachsen behördliche Pflichten, wie unter anderem
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Seite 11
die Untersuchungspflicht (vgl. E. 3.2.2) sowie die Begründungspflicht (vgl.
E. 3.2.3). Das AsylG als lex specialis zum VwVG sieht für das Asylverfah-
ren besondere Verfahrensbestimmungen vor (Art. 6–17 AsylG).
Die behördliche Untersuchungspflicht beinhaltet die richtige und vollstän-
dige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes, die Beschaffung der
für das Verfahren notwendigen Unterlagen, die Abklärung der rechtlich re-
levanten Umstände sowie die entsprechende, ordnungsgemässe Beweis-
führung. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein
falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder wenn
die Vorinstanz nicht alle entscheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sach-
verhalts prüfte, etwa weil sie die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Un-
recht verneinte. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht
alle für den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt wur-
den (vgl. Kölz/Häner/Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). Im Asylverfahren wird
der Untersuchungsgrundsatz durch Art. 13 VwVG in Verbindung mit Art. 8
AsylG beschränkt, weil diese im Asylverfahren eine Mitwirkungspflicht der
asylsuchenden Person bei der Sachverhaltsermittlung verlangen.
Die Begründungspflicht stellt sicher, dass es der betroffenen Person
ermöglicht wird, den Entscheid sachgerecht anfechten zu können, was nur
der Fall ist, wenn sich sowohl die betroffene Person als auch die Rechts-
mittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können.
Die Begründungsdichte als solche richtet sich dabei nach dem Verfü-
gungsgegenstand, den Verfahrensumständen und den Interessen des
Betroffenen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich
geschützten Interessen des Betroffenen eine sorgfältige Begründung
verlangt wird (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1 und E-1445/2020 vom 30. Juli
2020 E. 3.2.2 m.w.H.).
5.3 Vorliegend ergibt eine Überprüfung der Akten, dass die formellen Rü-
gen des Beschwerdeführers begründet sind. Die vorinstanzliche Verfügung
vermag den Anforderungen an die Untersuchungs- sowie an die Begrün-
dungspflicht und somit an das rechtliche Gehör nicht zu genügen.
5.3.1 Die Vorinstanz stellt sowohl die Tätigkeit des Beschwerdeführers für
die LTTE, die diversen Festnahmen, die Misshandlungen als auch die Um-
stände der Ausreise in Frage.
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Seite 12
5.3.2 Wie bereits erwähnt, hat die Hilfswerksvertretung nach der Anhörung
festgehalten, der Beschwerdeführer habe Mühe bekundet, bei der Schilde-
rung seiner Probleme nicht immer wieder zu seinen Misshandlungen und
Foltererfahrungen zurückzuspringen, und regte die Erstellung eines spezi-
alärztlichen Gutachtens an. In der Tat fällt bei der Lektüre des Anhörungs-
protokolls auf, dass der Beschwerdeführer offenkundig Schwierigkeiten
hatte, sich zu fokussieren und die Ereignisse geordnet wiederzugeben,
was – unter Berücksichtigung des eingereichten Arztberichts vom 2. Mai
2019, in welchem eine (...) vermutet wird, – auf eine schlechte psychische
Verfassung während der Anhörung hindeuten könnte.
5.3.3 Es kann festgehalten werden, dass sich die protokollierten Angaben
durch eine Fülle detailreicher und lebhaft beschriebener Erfahrungen aus-
zeichnen. Die einzelnen Schilderungen der Ereignisse weisen Details, In-
teraktionen und inhaltliche Besonderheiten auf. Der Beschwerdeführer un-
termauert seine Erzählungen mit vielen Realkennzeichen, wie seiner Ges-
tik (vgl. A12 F55, F165 und F177) und der direkten Wiedergabe von Ge-
sprächen (vgl. A12 F55, F131, F145, F148 f., F159 f., F161 und F163 f.).
Übertreibungen lassen sich keine erkennen. Dies trifft beispielsweise auf
die Aussage in der BzP zu, laut welcher nach der Verhaftung von
N._ viele Personen Probleme bekommen hätten, er selbst jedoch
nicht (vgl. A3 Ziff. 7.01, vgl. auch A12 F55). Auch sein Hinweis, dass er sich
nach dem Tod (...) nur noch wenig für die LTTE eingesetzt habe und kein
Mitglied gewesen sei, ist hier zu erwähnen (vgl. A12 F55, F67 und F219,
vgl. auch A12 F205 und F207). Allfällige Wissens- oder Erinnerungslücken
hat er frei eingestanden oder darauf hingewiesen, wenn es sich lediglich
um eine Vermutung handelte (vgl. A12 F31 und F153, vgl. auch sein Hin-
weis, wonach er nicht wisse, ob Leute der EPDP oder der Armee ihn ge-
sucht hätten, vgl. A12 F125), und Fehler spontan korrigiert (vgl. A12 F55).
Verschiedene Punkte sind allerdings unklar. Beispielsweise geben die Er-
eignisse nach der behaupteten Haft Rätsel auf. Der Beschwerdeführer
äussert sich hier teilweise widersprüchlich, so dass nicht eruierbar ist, was
sich in der Zeit zwischen dem (...) 2014 und der Ausreise im (...) 2015
ereignet hat. Zweifel weckt auch die erst in der Anhörung vorgebrachte (...)
des (...) für die LTTE, wenn auch daraus nicht geschlossen werden kann,
dass dieser nicht Mitglied der LTTE gewesen ist. Die Ausführungen des
Beschwerdeführers zu seiner angeblichen Tätigkeit für die LTTE erschei-
nen indessen glaubhaft. Ebenso liegen verschiedene Hinweise für die
Glaubhaftigkeit der diversen Festnahmen vor. Auffallend ist zudem die sehr
detailreiche Beschreibung der geltend gemachten Misshandlungen, die im
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Seite 13
Anhörungsprotokoll einen zentralen Platz einnimmt. Der Beschwerdeführer
ist zudem durch Narben und frühere Verletzungen gekennzeichnet, welche
sich mit den behaupteten Misshandlungen in Einklang bringen lassen. Er
wies während der Anhörung immer wieder auf diese hin (vgl. A12 F55 ff.,
F165 und F254). Da die Vorinstanz die Festnahme vom (...) 2014 nicht für
glaubhaft hält, kommt sie ohne nähere Begründung zum Schluss, dass
auch die geltend gemachte Folter nicht stattgefunden habe. Die zahlrei-
chen Narben des Beschwerdeführers lässt sie dabei unkommentiert und
äussert sich auch nicht zu einer allfälligen alternativen Ursache der Nar-
ben. Eine Befragung zu den genauen Umständen der erlittenen Misshand-
lungen hätte hier Klarheit schaffen können. Ebenso hätte sich eine detail-
liertere Auseinandersetzung mit den diversen Vorfällen in den Jahren vor
den geltend gemachten Misshandlungen aufgedrängt. Es scheint hinsicht-
lich der geltend gemachten behördlichen Suchen und Festnahmen nicht
ausgeschlossen, dass es sich um mehrere und nicht nur um zwei wider-
sprüchlich vorgetragene Vorfälle gehandelt hat. Insgesamt lässt die Verfü-
gung des SEM eine umfassende Abwägung der Elemente, die für und ge-
gen die Glaubhaftigkeit des Vorgetragenen sprechen, vermissen.
5.3.4 Dessen ungeachtet weist der Asylentscheid keine hinreichende Ein-
schätzung der Risikofaktoren gemäss Referenzurteil E-1866/2015 vom 16.
Juli 2016 auf. Die Ausführungen des SEM beschränken sich im Wesentli-
chen auf die Verneinung von Vorfluchtgründen und die Niederschwelligkeit
des exilpolitischen Engagements. Eine Würdigung sämtlicher Sachverhalt-
selemente (so insbesondere der geltend gemachten verwandtschaftlichen
Verbindungen zu den LTTE wie auch der Narben und erlittenen Verletzun-
gen) unter dem Gesichtspunkt des Risikoprofils im Sinne des erwähnten
Referenzurteils hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung weitge-
hend unterlassen. Vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer dar-
legte, aus einer Familie mit Bezug zu den LTTE zu stammen, greift eine
pauschale Risikoeinschätzung zu kurz. Selbst wenn die Vorinstanz zum
Schluss gelangt, dass der Beschwerdeführer keine asylrechtlich relevan-
ten Vorfluchtgründe hat glaubhaft machen können, ist sie vorliegend ge-
halten, die im Referenzurteil E-1866/2015 genannten Risikofaktoren für
Verhaftung und Folter bei einer Rückkehr nach Sri Lanka individuell zu prü-
fen (a.a.O. E. 8.4). Soweit die Vorinstanz dies unterlassen hat, ist von einer
Verletzung der Begründungspflicht und somit des rechtlichen Gehörs aus-
zugehen.
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6.
Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht
in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück.
6.1 Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere
angezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen und ein
umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Die in diesen Fällen feh-
lende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Be-
schwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus
prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber
nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5 m.w.H.). Eine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör führt – angesichts des formellen Charakters des Gehörs-
anspruchs unabhängig davon, ob die angefochtene Verfügung bei korrek-
ter Verfahrensführung im Ergebnis anders ausgefallen wäre – grundsätz-
lich ebenfalls zur Kassation und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz.
Die Heilung von Gehörsverletzungen aus prozessökonomischen Gründen
ist auf Beschwerdeebene nur möglich, sofern das Versäumte nachgeholt
wird, der Beschwerdeführer dazu Stellung nehmen kann und der Be-
schwerdeinstanz für die konkrete Streitfrage die freie Überprüfungsbefug-
nis in Bezug auf Tatbestand und Rechtsanwendung zukommt sowie die
festgestellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist und die fehlende
Entscheidreife durch die Beschwerdeinstanz mit vertretbarem Aufwand
hergestellt werden kann (vgl. BVGE 2014/22 E. 5.3 m.w.H.).
6.2 Im vorliegenden Fall erscheint es aus prozessökonomischen Gründen
nicht angebracht, die fehlende Entscheidungsreife durch die Beschwer-
deinstanz herzustellen. Es ist nicht Aufgabe des Bundesverwaltungsge-
richts – welches in Asylsachen die einzige Beschwerdeinstanz ist – für eine
vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Die voraussichtlich erforderlichen Abklärungen übersteigen bezüglich Um-
fang und Dauer den für das Gericht vertretbaren Aufwand. Zudem wurde
mit der Untersuchungs- und der Begründungspflicht das rechtliche Gehör
verletzt. Somit erscheint es als angezeigt, die angefochtene Verfügung auf-
zuheben und die Sache zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts
sowie zur rechtsgenüglichen Prüfung, Begründung und Entscheidung an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Diese wird im Rahmen einer erneuten An-
hörung offene Fragen zu klären haben, wie die Rolle der Nachbarin, die
Ursachen für die Narben und Verletzungen des Beschwerdeführers, die
verschiedenen Verhaftungen und insbesondere die Ereignisse zwischen
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der geltend gemachten Folter und der Ausreise. Das Vorliegen einer allfäl-
ligen Traumatisierung des Beschwerdeführers ist ebenfalls abzuklären.
Schliesslich ist eine rechtsgenügliche Auseinandersetzung mit den Risiko-
faktoren gemäss dem erwähnten Referenzurteil vorzunehmen.
7.
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen, soweit darauf ein-
zutreten ist. Die angefochtene Verfügung des SEM vom 13. März 2019 ist
aufzuheben und die Sache zur vollständigen Feststellung des Sachverhal-
tes mittels Durchführung einer erneuten Anhörung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. Bei diesem Verfahrensausgang erübrigt es sich, auf die wei-
teren Begehren in der Beschwerde einzugehen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind ungeachtet der Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung keine Kosten zu erheben (Art. 63
Abs. 1 und 2 VwVG).
Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in An-
wendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE eine Entschädigung
für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine Kostennote einge-
reicht. Auf die Nachforderung einer solchen kann jedoch verzichtet werden,
da sich im vorliegenden Verfahren der Aufwand zuverlässig abschätzen
lässt (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Entschädigungspflichtig ist nur der notwendige
Aufwand, weshalb es zu berücksichtigen gilt, dass die Beschwerdeeinga-
ben sowohl redundante Passagen als auch weitschweifige Ausführungen
zur allgemeinen Lage in Sri Lanka enthalten, welche sich auch in den Ein-
gaben des Rechtsvertreters in anderen Beschwerdeverfahren finden. Die
von der Vorinstanz zu entrichtende Parteientschädigung ist in Berücksich-
tigung dieser Umstände sowie der übrigen massgeblichen Bemessungs-
faktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) auf Fr. 1‘500.– (inkl. Auslagen und Mehrwert-
steuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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