Decision ID: 2928fb3f-2e8d-4a03-b5ea-ee431fb016e2
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 30. Mai 2012 (DG120021)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 2. April 2012
(Urk. 18) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der qualifizierten Widerhandlung ge-
gen Art. 19 Abs. 1 lit. c und lit. d BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2
lit. a BetmG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von
3 1⁄2 Jahren, wovon 230 Tage durch Untersuchungs- sowie Sicherheitshaft
(berechnet bis und mit 30. Mai 2012) erstanden sind.
3. Die Sicherheitshaft wird fortgesetzt. Gegen diesen Entscheid kann innert 10 Tagen von der Eröffnung an beim Obergericht
des Kantons Zürich, III. Strafkammer, Postfach 2401, 8021 Zürich, schriftlich und be-
gründet Beschwerde eingereicht werden.
4. Die bei der Stadtpolizei Zürich, RW-FA-BMFA, unter der Lager-Nr. ... si-
chergestellten Betäubungsmittel werden eingezogen und der Stadtpolizei
Zürich zur Vernichtung überlassen.
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 3'600.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'400.00 Vorverfahren
Fr. 3'000.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 9505.00 Kosten amtl. Verteidigung (ausstehend)
Fr.
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliess-
lich derjenigen für die amtliche Verteidigung, werden dem Beschuldigten
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auferlegt, und, soweit ausreichend, aus dem mit Verfügung der
Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 2. November 2011 beschlag-
nahmten Betrag von Fr. 1'000.– bezogen. Die Kosten der amtlichen Vertei-
digung werden indessen einstweilen auf die Gerichtskasse genommen.
Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 84 S. 1)
1. Es sei Ziff. 2 des Urteils des Bezirksgerichts Winterthur vom 30. Mai
2012 aufzuheben. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 3
Jahren zu bestrafen, wobei 18 Monate der Strafe zu vollziehen und der
teilbedingte Aufschub gemäss Art. 43 StGB für die restlichen 18 Mona-
te zu gewähren sei.
2. Unter Ausgangsgemässen Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl.
Mehrwertsteuer) zulasten des Staates.
b) Der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich:
(schriftlich; Urk. 60)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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Erwägungen:
1. Prozessuales
1.1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 30. Mai 2012 wurde der Be-
schuldigte A._ der qualifizierten Widerhandlung gegen Art. 19 Abs. 1 lit. c
und d BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG schuldig gesprochen
und mit einer Freiheitsstrafe von 3 1⁄2 Jahren bestraft (Urk. 46 = 50 S. 2).
1.2. Gegen dieses Urteil liess der Beschuldigte noch vor Schranken durch sei-
nen damaligen amtlichen Verteidiger Berufung anmelden (Prot. I. S. 11). Eben-
falls fristgerecht reichte die damalige Verteidigung nach Erhalt des begründeten
Entscheids am 9. Oktober 2012 die Berufungserklärung ein (Urk. 54). Die Staats-
anwaltschaft verzichtete auf die Erhebung einer Anschlussberufung und beantrag-
te die Bestätigung des angefochtenen Urteils (Urt. 60). Der zuständige Staatsan-
walt wurde zudem auf seinen Antrag hin von der Teilnahme an der heutigen Beru-
fungsverhandlung dispensiert (Urk. 74).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 30. November 2012 wurde Rechtsanwalt lic.iur.
B._ als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten entlassen und Rechtsanwalt
Dr. X._ neu zum amtlichen Verteidiger bestellt (Urk. 62). Sodann wurde mit
Präsidialverfügung vom 18. Dezember 2012 die Sicherheitshaft des Beschuldig-
ten bis zur heutigen Berufungsverhandlung verlängert (Urk. 72).
1.4. Mit der Berufung wurde einzig das Strafmass (Dispositivziffer 2) angefoch-
ten und der teilbedingte Vollzug beantragt (Prot. II S. 11; Urk. 84 S. 1). Entspre-
chend ist davon auszugehen, dass der Schuldspruch (Dispositivziffer 1), der Ein-
zug und die Vernichtung der sichergestellten Betäubungsmittel (Dispositivziffer 4)
sowie das erstinstanzliche Kostendispositiv (Dispositivziffern 5 und 6) nicht bean-
standet werden und somit in Rechtskraft erwachsen sind. Davon ist Vormerk zu
nehmen (Art. 404 Abs. 1 i.V.m. Art. 402 StPO).
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2. Strafzumessung
2.1. Die Vorinstanz hat – unter Hinweis auf die einschlägige Rechtsprechung
des Bundesgerichts – die allgemeinen Grundsätze der Strafzumessung korrekt
dargestellt. Sie führte sodann aus, der Beschuldigte habe Kokain, eine der gefähr-
lichsten Drogen überhaupt, in erheblicher Menge in Verkehr gebracht und die
Grenze zum schweren Fall jedenfalls deutlich überschritten. Entlastend sei zu be-
rücksichtigen, dass der Beschuldigte in der Hierarchie des Drogenhandels eher
im unteren Bereich, immerhin aber nicht auf Stufe "Gassenverkäufer" anzusiedeln
sei. Er selber habe das Kokain von einem bestimmten Lieferanten zu Vorzugs-
konditionen bezogen. Er sei professionell vorgegangen und bemüht gewesen,
seine Spuren zu verwischen. Insgesamt wiege das Verschulden objektiv nicht
mehr leicht. Subjektiv habe er mit direktem Vorsatz gehandelt. Da er selbst nicht
drogenabhängig sei, sei davon auszugehen, dass er aus rein finanziellen Interes-
sen mit Kokain gehandelt habe. Trotz bescheidener finanzieller Mittel habe er sich
in keiner wirtschaftlichen Notlage befunden, damit wiege auch das subjektive Ver-
schulden nicht mehr leicht. Als hypothetische Einsatzstrafe scheine eine Frei-
heitsstrafe von 42 bis 48 Monaten angemessen. Straferhöhend berücksichtigte
die Vorinstanz sodann die einschlägigen, allerdings schon fünf Jahre zurück lie-
genden Vorstrafen, wobei sie allerdings Vorbehalte gegen den vorliegenden Straf-
registerauszug anbrachte, welcher offenbar auch Einträge, die nicht den Beschul-
digten betreffen, enthalte. Strafmindernde Umstände waren für die Vorinstanz
nicht ersichtlich, insbesondere, da der Beschuldigte bis zuletzt nicht geständig
gewesen war (Urk. 50 S. 24 ff.).
2.2. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte aus-
führen, er sei mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren zu bestrafen (Urk. 84 S. 1).
Bereits im Schreiben seines Verteidigers vom 21. Januar 2013 hatte der Beschul-
digte zu den Hintergründen seiner Tat ausführen lassen, er habe das Kokain je-
weils für einen Bekannten namens C._ gekauft, welcher der einzige Abneh-
mer gewesen sei. Des Beschuldigten Frau sei, als er Verwandte in D._
[Staat in Westafrika] besucht habe, aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen
und habe sich von ihm getrennt. Er habe sich in der Folge sehr einsam gefühlt
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und sei abends oft mit Kollegen ausgegangen. Dort habe er den ... [Staatsange-
hörigen von E._] namens C._ kennengelernt. Jenem habe er von sei-
nem guten Freund aus D._ erzählt, der in F._ [Staat in Nordafrika] da-
rauf warte, nach Europa überzusetzen. C._ habe erwähnt, dass er Brüder in
G._ [Staat in Westeuropa] habe, die dem Freund des Beschuldigten helfen
könnten. Im Gegenzug habe er den Beschuldigten gebeten, ihm einen Gefallen
zu tun. Da er selber kein Auto habe, sei es für ihn mühselig, von H._, seinem
Wohnort, nach I._ zu gelangen, um dort Kokain abzuholen. Er habe den Be-
schuldigten gefragt, ob er nicht jeweils das Kokain bei J._ abholen und ihm
bringen könne. Der Beschuldigte habe eingewilligt. C._ habe ihm jeweils das
Geld für die Drogen gegeben, woraufhin er, der Beschuldigte, die Drogen von
J._ gekauft und C._ nach H._ gebracht habe. Die Transporte seien
nicht regelmässig erfolgt. Ein- bis zweimal sei C._ bei den Transporten an-
wesend gewesen. Nach einiger Zeit habe der Beschuldigte bemerkt, dass
C._ nichts unternommen habe, dem Freund zu helfen. In der Folge habe er
sich geweigert, noch weitere Transporte für C._ auszuführen. Er habe somit
die Drogen aus Gefälligkeit für seinen Bekannten C._ transportiert und nicht
die Intention gehabt, die Drogen an Dritte zu verkaufen (Urk. 78 S. 2 f.; Urk. 83
S. 1 ff.).
2.3. Wie gesehen, legte die Vorinstanz nach Berücksichtigung der objektiven
sowie subjektiven Tatschwere und der Qualifizierung des Verschuldens des Be-
schuldigten als insgesamt nicht mehr leicht, die Einsatzstrafe auf 42 bis 48 Mona-
te Freiheitsstrafe fest (Urk. 50 S. 25 f.). Auf die diesbezüglichen Erwägungen
kann grundsätzlich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Neu hat der Be-
schuldigte dargelegt, wieso er diese grosse Menge von Kokain von J._ über-
nommen hat. Er machte dabei geltend, diese für einen Bekannten namens
C._ übernommen und von I._ nach H._ transportiert zu haben. Er
habe aber kein Geld für die Drogentransporte erhalten. C._ habe ihm statt-
dessen angeboten, einem Freund in F._ bei der - offensichtlich illegalen -
Einreise nach G._ zu helfen (Prot. II S. 4). Am Wahrheitsgehalt dieser Aus-
sagen bestehen gewisse Zweifel, sie können aber nicht widerlegt werden. So ist
nicht ersichtlich, wieso J._, welcher die Drogen jeweils von seinem Wohnort
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K._ im Auto zum Beschuldigten nach I._ transportiert hatte (Urk. 1/4
S 2), diese nicht ebenso direkt zu C._ nach H._ hätte bringen können.
Selbst wenn aber von der Darstellung des Beschuldigten ausgegangen wird, er-
geben sich daraus keine verschuldensreduzierenden Aspekte. Der Beschuldigte
wusste darum, dass er – wiederholt – Kokain in grossen Mengen transportierte,
auch wenn er seiner Aussage zufolge keinen Einfluss auf die Drogenmenge oder
den zu bezahlenden Preis hatte. Er machte dies, um einem Freund bei der illega-
len Einreise nach Europa behilflich zu sein, was nicht als achtenswerter Beweg-
grund angesehen werden kann. Hinzu kommt, dass er sich dabei in keiner Hin-
sicht in einer Notlage oder Drucksituation befand. Mithin erscheint eine hypotheti-
sche Einsatzstrafe von mindestens 40 Monaten aufgrund des nicht mehr leichten
Verschuldens als angemessen.
Hinsichtlich der sodann in die Beurteilung mit einzubeziehenden Täterkomponen-
ten kann vorab auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (Urk. 50 S. 26 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Aufgrund des Zeitablaufs, aber auch
der neuen Aussagen des Beschuldigten ergeben sich sodann die folgenden Än-
derungen und Ergänzungen:
Was die im vor der Berufungsverhandlung neu eingeholten Strafregisterauszug
(Urk. 79) verbleibenden Vorstrafen angeht, gibt es in den Akten Hinweise, dass
die darauf verzeichneten Delikte von zwei verschiedenen Personen mit ähnlichen
oder identischen Personalien (insbesondere Name und Geburtsdatum) begangen
wurden (vgl. Urk. 14/3a m.H. auf Beizugsakten G-5 / 2004 / 1311 der Bezirksan-
waltschaft Zürich, Urk. 20/1-12). Zur Verwirrung trug der zeitweilige Gebrauch des
Pseudonyms L._ bei, unter dem der Beschuldigte ebenfalls einen Namens-
vetter mit fast übereinstimmender Schreibweise und gleichem Geburtsdatum zu
haben scheint. Der Beschuldigte äusserte sich ausweichend zu seinen Vorstrafen
und verwies zu seiner Entlastung darauf, dass er diese nur teilweise verbüsst ha-
be. Aufgrund der Akten macht es jedoch den Anschein, als hätte ein anderer an
seiner Stelle einen Teil der von ihm erwirkten Strafen verbüsst (vgl. Beizugsakten
der Bezirksanwaltschaft Zürich G-5 / 1311 / 2004, Urk. 19; Urk. 83 S. 12 ff.). In
der heutigen Befragung anerkannte der Beschuldigte die im Strafregisterauszug
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aufgeführte Verurteilung vom 1. Oktober 2003 [gegen L._, Urk. 20/6 S. 4 und
Urk. 20/9] wegen Verstosses gegen das BetmG. An den Erhalt des Strafbefehls
vom 5. Mai 2004 konnte er sich nicht erinnern. Der darin behandelte Sachverhalt
war ihm jedoch geläufig, und der Empfangsschein trägt seine Unterschrift, wie ein
Vergleich zeigt (vgl. Beizugsakten der Bezirksanwaltschaft Zürich G-5 / 1311 /
2004, Urk. 11 und Urk. 16; Urk. 53; Urk. 83 S. 14). Hingegen betrifft der jüngste
Eintrag vom 27. Mai 2004 aus dem Kanton Genf (vgl. die Beizugsakten des Juges
d'instruction Genève Nr. P/8660/2004) offenbar tatsächlich nicht ihn, sondern eine
andere Person (fast) gleichen Namens. Die verbleibenden zwei Vorstrafen des
Beschuldigten sind zwar teilweise einschlägig, sie liegen jedoch schon weit zu-
rück und wirken sich daher nur marginal straferhöhend aus.
Neu ist sodann das umfassende Geständnis des Beschuldigten zu berücksichti-
gen. Hierbei ist jedoch nicht ausser Acht zu lassen, dass dieses Geständnis erst
nach Abschluss einer umfassenden Untersuchung und auch nach Durchführung
des erstinstanzlichen Verfahrens erfolgte, mithin nicht geeignet war, das Verfah-
ren insgesamt wesentlich zu vereinfachen. Hinzu kommt, dass die vorliegenden
Beweise klar für die Täterschaft des Beschuldigten sprechen. Vor diesem Hinter-
grund ist das Geständnis insgesamt nur leicht strafmindernd zu werten (vgl. auch
BGer 6S.467/2004; BSK Strafrecht I-Wiprächtiger, 2. Auflage, Art. 47 N 131;
Trechsel/Affolter-Eijsten, in Trechsel/Pieth (Hrsg.), StGB PK, 2. Auflage, Zü-
rich/St. Gallen 2013, Art. 47 N 24). Grundlegende Reue oder gar Einsicht ist
höchstens ansatzweise zu erkennen. Insbesondere kann nicht davon ausgegan-
gen werden, der Beschuldigte habe aus eigenem Antrieb und innerer Einsicht in
die Verwerflichkeit seines Tuns die Tätigkeit im Drogenhandel aufgegeben. Ge-
mäss eigener Darstellung unterliess der Beschuldigte weitere Transporte, da
C._ die versprochene Hilfe für seinen Freund in F._ nicht vorantrieb.
Nach Darstellung von J._ allerdings (welche sich mit dem SMS-Verkehr vom
11. August 2011 deckt, vgl. act. 4/2 S. 12 in Verbindung mit act. 3/3 Anhang 1),
hatte der Beschuldigte noch kurz vor dessen Verhaftung eine neue Lieferung von
400 Gramm Kokain(gemisch) bestellt.
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Insgesamt ist die Einsatzstrafe aufgrund der zu berücksichtigenden Täterkompo-
nenten leicht zu reduzieren. Angemessen erscheint deshalb eine Strafe von ca.
39 Monaten Freiheitsstrafe. Nachdem die auszufällende Strafe somit im Bereich
des Grenzwertes von 36 Monaten Freiheitsstrafe anzusiedeln ist, bis zu welchem
der teilbedingte Vollzug grundsätzlich noch gewährt werden kann, und da eine
Strafe von 36 Monaten ebenfalls – gerade noch – im Ermessensspielraum liegt,
ist der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren zu bestrafen (BGE 134
IV 17 E. 3.6), wobei dem Beschuldigten 541 Tage, die er bis zum heutigen Urteil
in Polizeiverhaft, Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden hat, an die Strafe
anzurechnen sind.
3. Vollzug
3.1. Angesichts der Dauer der zu verhängenden Freiheitsstrafe von 36 Mona-
ten scheitert die Gewährung des vollständig bedingten Strafvollzuges bereits aus
objektiven Gründen (Art. 42 Abs. 1 StGB; höchstens 2 Jahre). Gemäss Art. 43
Abs. 1 StGB kann das Gericht jedoch den Vollzug einer Freiheitsstrafe von
mindestens einem Jahr und höchstens drei Jahren teilweise aufschieben, wenn
dies notwendig ist, um dem Verschulden des Täters genügend Rechnung zu tra-
gen. Der unbedingt vollziehbare Teil darf dabei die Hälfte der Strafe nicht über-
steigen (Art. 43 Abs. 2 StGB). Bei der teilbedingten Freiheitsstrafe ist zusätzlich
zu beachten, dass sowohl der aufgeschobene wie auch der zu vollziehende Teil
mindestens sechs Monate betragen müssen (Art. 43 Abs. 3 StGB). Wurde inner-
halb der letzten fünf Jahre vor der Tat eine bedingte oder unbedingte Freiheits-
strafe von mindestens sechs Monaten oder eine Geldstrafe von mindestens 180
Tagessätzen erwirkt, müssen besonders günstige Umstände im Sinne von Art. 42
Abs. 2 StGB vorliegen, um einen Strafaufschub gewähren zu können. Besonders
günstige Umstände liegen dann vor, wenn frühere oder spätere Taten nicht dem-
selben Verhaltensmuster entsprechen oder wenn in der Zwischenzeit eine deut-
lich positive Wandlung der Lebensumstände des Täters eingetreten ist (BSK
Strafrecht I-Schneider/Garré, 2. Auflage, Art. 42 N 91).
3.2. In objektiver Hinsicht sind die Voraussetzungen zur Gewährung des teilbe-
dingten Strafvollzuges im vorliegenden Fall erfüllt, da der Beschuldigte zu einer
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Freiheitsstrafe zu verurteilen ist, die sich innerhalb des gesetzlich zulässigen
Rahmens befindet. Des Weiteren hat der Beschuldigte noch nie eine Freiheits-
strafe von mindestens sechs Monaten verbüsst und ist ebenso wenig zu einer
Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt worden, weshalb keine be-
sonders günstigen Umstände im Sinne von Art. 42 Abs. 2 StGB vorliegen müssen
(Urk. 14/3 in Verbindung mit Prot. I S. 4).
3.3. Weiter muss eine begründete Aussicht auf Bewährung bestehen, damit der
teilbedingte Strafvollzug gewährt werden kann. Wenn und soweit dem Täter eine
gute Legalprognose attestiert werden kann, verlangt Art. 42 StGB – der hier An-
wendung findet – dass zumindest ein Teil der Strafe aufgeschoben wird. Umge-
kehrt gilt, dass bei einer Schlechtprognose auch ein bloss teilweiser Aufschub der
Strafe nicht gerechtfertigt ist (BGE 134 IV 1, E. 5.3.1). Zur Erstellung dieser Le-
galprognose sind die Tatumstände, das Vorleben, der Leumund sowie alle weite-
ren Umstände, welche Rückschlüsse auf den Charakter und die Bewährungsaus-
sichten des Täters erlauben, zu berücksichtigen. Für die Einschätzung des Rück-
fallrisikos ist ein Gesamtbild der Täterpersönlichkeit unerlässlich. Relevante Fak-
toren sind etwa strafrechtliche Vorbelastung, Sozialisationsbiografie und Arbeits-
verhalten, das Bestehen sozialer Bindungen oder Hinweise auf Suchtgefährdun-
gen. Dabei sind die persönlichen Verhältnisse bis zum Zeitpunkt des Entscheides
mit einzubeziehen (Donatsch et al., Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kommen-
tar, 18. A., Zürich 2010, S. 108). Insbesondere ist auch die Warnwirkung des un-
bedingt zu vollziehenden Teils zu berücksichtigen (Donatsch et al., a.a.O, S. 112).
3.4. Der Beschuldigte weist im heutigen Zeitpunkt zwei ihm zweifelsfrei zuzu-
rechnende, aber bereits rund neun Jahre zurückliegende Vorstrafen auf. Zudem
scheint der Beschuldigte seit der vorinstanzlichen Hauptverhandlung eine gewis-
se Wandlung vollzogen zu haben, zeigte er sich heute doch – anders als in frühe-
ren Befragungen – vollumfänglich geständig. Er ist geschieden (Prot. II S. 9) und
ging bis zu seiner Verhaftung einer geregelten Arbeit nach, wobei er berufsbeglei-
tend auf den Lastwagenführerschein hin arbeitete (Urk. 3/3 S. 2, Urk. 14/4 S. 3 ff.,
Urk. 29/1 S. 4). Er lebte somit bis anhin in grundsätzlich geordneten sozialen Ver-
hältnissen und es liegen auch keine Hinweise auf eine Suchtgefährdung vor. Ins-
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gesamt kann – auch unter Berücksichtigung, dass ein Teil der Strafe zwingend zu
vollziehen sein wird – dem Beschuldigten eine günstige Prognose für die Zeit
nach dem Strafvollzug gestellt werden. Entsprechend ist ihm der teilbedingte
Strafvollzug zu gewähren.
3.5. Bei der Bemessung des vollziehbaren Teils der Strafe ist dem Verschulden
sowie der Legalprognose Rechnung zu tragen. Das Verhältnis der Strafteile ist so
festzusetzen, dass darin die Wahrscheinlichkeit der Legalbewährung des Täters
einerseits und dessen Einzeltatschuld andererseits hinreichend zum Ausdruck
kommen. Je günstiger die Prognose und je kleiner die Vorwerfbarkeit der Tat,
desto grösser muss der auf Bewährung ausgesetzte Strafteil sein (BGE 134 IV 1,
E. 5.6). Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, ist
gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren anzuordnen.
Die Bestimmung der Dauer der Probezeit richtet sich nicht nach der Schwere der
Tat, sondern nach der Höhe der Rückfallgefahr, der Persönlichkeit und dem Cha-
rakter des Verurteilten (Donatsch et al., a.a.O, S. 113).
3.6. Vorliegend kann grundsätzlich von einer guten Legalprognose des Be-
schuldigten ausgegangen werden. Er war in der Vergangenheit in der Lage, sich
auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten und an beruflichen Perspektiven zu arbeiten.
Hinzu kommt, dass davon auszugehen ist, dass das Untersuchungsverfahren und
die damit verbundene, bis heute erstandene Haft von 541 Tagen einen nachhalti-
gen Einfluss auf den Beschuldigten hatte. Dass dem Beschuldigten – im qualifi-
zierten Rahmen von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG – ein nicht mehr leichtes Ver-
schulden anzulasten ist (vgl. oben Erw. 4.3), wirkt sich hingegen deutlich zu sei-
nen Lasten aus. Der vollziehbare Teil der Strafe ist folglich auf 18 Monate festzu-
setzen. Im übrigen Umfang ist die Freiheitsstrafe bedingt auszusprechen. Ange-
sichts der Umstände und der konkreten Verhältnisse, insbesondere der einschlä-
gigen Vorstrafe, erscheint es als angemessen, die Probezeit auf 3 Jahre anzuset-
zen.
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4. Kosten- und Entschädigungsfolgen
4.1. Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt
wird. Ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung (Art. 426 Abs. 1
StPO). Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massga-
be ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
4.2. Nachdem die Strafe primär aufgrund des erst im Rechtsmittelverfahren er-
folgten Geständnisses des Beschuldigten zu mildern ist, weshalb auch der teilbe-
dingte Vollzug gewährt werden kann, sind dem Beschuldigten die Kosten des Be-
rufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, den-
noch vollumfänglich aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 2 lit. a StPO). Die Kosten der
amtlichen Verteidigung sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Ge-
genüber dem Beschuldigten bleibt diesbezüglich die Rückforderung gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.