Decision ID: 25bfb49a-4ebb-5498-a008-632be46acf16
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Verfügung vom 7. Juli 2020 stellte das SEM fest, die Gesuchstellerin
erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, wies ihr Asylgesuch vom 15. Feb-
ruar 2018 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den
Vollzug an. Die von der Gesuchstellerin gegen diese Verfügung erhobene
Beschwerde wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-4003/2020
vom 11. September 2020 abgewiesen.
B.
Mit Eingabe als "Neues Asylgesuch" betitelter Eingabe vom 13. Oktober
2020 gelangte die Gesuchstellerin an das SEM und beantragte die Gewäh-
rung von Asyl und die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft. Dabei
machte sie geltend, zwei Wochen zuvor hätten zwei unbekannte Personen
beim Quartiervorsteher nach ihrem Verbleib gefragt. Ausserdem habe sich
die Spezialeinheit (Özel Team), die als Anti-Terroreinheit bekannt sei, be-
reits am 10. August 2020 bei ihrer Tochter B._, welche im Bezirk
C._, Provinz D._, wohnhaft sei, nach dem Verbleib der Ge-
suchstellerin erkundigt. Sie habe daraufhin ihre Rechtsvertreterin
E._ gebeten, die Gründe für die Suche durch Unbekannte und die
Spezialeinheit abzuklären. Da diese jedoch auf Familien- und Scheidungs-
recht spezialisiert sei und hinter der Suche einen politischen Hintergrund
vermute, habe sie dies abgelehnt. Die Gesuchstellerin fürchte im Falle ei-
ner Rückkehr in die Türkei asylrechtlich relevanten Nachteilen ausgesetzt
zu werden.
C.
Mit Schreiben vom 16. Oktober 2020 erwog das SEM, die Gesuchstellerin
mache keine Gründe geltend, die im Rahmen eines Wiedererwägungs-
oder erneuten Asylverfahrens zu beurteilen wären, sondern ziele auf die
Neubeurteilung eines Sachverhalts ab, der bislang zwar nicht geltend ge-
macht worden sei, im Urteilszeitpunkt aber schon bestanden habe. Es er-
klärte sich als nicht zuständig für die Beurteilung der geltend gemachten
(Revisions-)Gründe und überwies die Eingabe vom 13. Oktober 2020 zur
weiteren Behandlung an das Bundesverwaltungsgericht.
D.
Mit superprovisorischer Massnahme vom 21. Oktober 2020 setzte die In-
struktionsrichterin den Vollzug der Wegweisung gestützt auf Art. 126 BGG
per sofort einstweilen aus.
E-5138/2020
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 AsylG
(SR 142.31) auf dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig über Be-
schwerden gegen Verfügungen des SEM (vgl. zur Ausnahme Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG). Es ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die
es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE
2007/21 E. 2.1).
1.2 Gemäss Art. 45 VGG gelten für die Revision von Urteilen des Bundes-
verwaltungsgerichts die Art. 121–128 BGG sinngemäss. Nach Art. 47 VGG
findet auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesuches Art. 67
Abs. 3 VwVG Anwendung.
1.3 Die Gesuchstellerin ist durch das betreffende Beschwerdeurteil vom
11. September 2020 berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an des-
sen Aufhebung oder Änderung. Sie ist daher zur Einreichung des Revisi-
onsgesuchs legitimiert (Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG in analogiam).
2.
2.1 Das Revisionsgesuch ist ein ausserordentliches Rechtsmittel, das sich
gegen einen rechtskräftigen Beschwerdeentscheid richtet. Wird das Ge-
such gutgeheissen, beseitigt dies die Rechtkraft des angefochtenen Ur-
teils, und die bereits entschiedene Streitsache ist neu zu beurteilen
(vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht, 2. Aufl. 2013, S. 303 Rz. 5.36).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus
den in Art. 121–123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG).
Nicht als Revisionsgründe gelten Gründe, welche die Partei, die um Revi-
sion nachsucht, bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren hätte gel-
tend machen können (sinngemäss Art. 46 VGG).
2.3 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der Besetzung mit drei
Richtern oder Richterinnen (Art. 21 Abs. 1 VGG), sofern das Revisionsge-
such nicht in die Zuständigkeit des Einzelrichters beziehungsweise der Ein-
zelrichterin fällt (vgl. Art. 23 VGG).
3.
3.1 Die Gesuchstellerin bezeichnete ihre Eingabe vom 13. Oktober 2020
als "Neues Asylgesuch" und richtete diese an das SEM. Die Qualifikation
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einer Eingabe richtet sich jedoch nach ihrem Inhalt, nicht nach ihrer Be-
zeichnung.
3.2 Die Gesuchstellerin beruft sich in ihrer Eingabe vom 13. Oktober 2020
im Wesentlichen auf ein Ereignis vom 10. August 2020 (Suche durch die
Spezial-Einheit Özel Team bei ihrer Tochter B._), das sich bereits
vor dem bundesverwaltungsgerichtlichen Urteil vom 11. September 2020
zugetragen habe, sowie eine weitere Suche durch Unbekannte. Sie ver-
sucht damit, die im vorangegangenen Beschwerdeverfahren vorgebrachte
behördliche Suche im Heimatland zu belegen und macht daher die ur-
sprüngliche Fehlerhaftigkeit des Beschwerdeentscheids E-4003/2020 gel-
tend.
3.3 Im Revisionsgesuch ist insbesondere der angerufene Revisionsgrund
anzugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von
Art. 124 BGG darzutun.
3.4 Soweit sich die Gesuchstellerin auf vorbestandene, aber erst nachträg-
lich erfahrene Tatsachen bezieht, macht sie sinngemäss Revisionsgründe
im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG (neue erhebliche Tatsachen oder
Beweismittel) geltend, welche mittels eines Revisionsgesuchs beim Bun-
desverwaltungsgericht anzubringen sind. Die Suche nach ihr soll laut ihren
Angaben wahrscheinlich politischen Hintergrund haben, weshalb ihr eine
(potentielle) Erheblichkeit zukomme. Das Gericht nimmt demnach die als
"Neues Asylgesuch" bezeichnete Eingabe vom 13. Oktober 2020 als Revi-
sionsgesuch gegen das Beschwerdeurteil des Bundesverwaltungsgerichts
E-4003/2020 entgegen und prüft sie unter revisionsrechtlichen Aspekten.
Zudem ist das Revisionsbegehren hinreichend begründet und rechtzeitig
eingereicht. Auf das Revisionsgesuch ist deshalb einzutreten.
4.
4.1 Gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG kann die Revision eines Urteils
verlangt werden, wenn die ersuchende Partei nachträglich erhebliche Tat-
sachen erfährt oder entscheidende Beweismittel auffindet, die sie im frühe-
ren Verfahren nicht beibringen konnte, dies unter Ausschluss der Tatsa-
chen und Beweismittel, die erst nach dem Entscheid entstanden sind.
4.2 Erhebliche Tatsachen beziehungsweise entscheidende Beweismittel
bilden demnach nur einen Revisionsgrund, wenn sie vor dem in Revision
zu ziehenden Entscheid entstanden sind, in früheren Verfahren aber nicht
beigebracht werden konnten, weil sie der gesuchstellenden Person damals
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nicht bekannt waren beziehungsweise trotz hinreichender Sorgfalt nicht
bekannt sein konnten oder ihr die Geltendmachung oder Beibringung aus
entschuldbaren Gründen nicht möglich war (vgl. BGE 134 III 47 E. 2.1 so-
wie, zu Art. 66 Abs. 3 VwVG, Entscheidungen und Mitteilungen der
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 27 E. 5a f.).
5.
5.1 Soweit die Gesuchstellerin geltend macht, sie vermute hinter der Su-
che nach ihr durch eine Spezialeinheit am 10. August 2020 sowie einer
weiteren Suche durch Unbekannte einen politischen Hintergrund, weshalb
sie sich im Falle einer Rückkehr in die Türkei vor ernsthaften Nachteilen
gemäss Art. 3 AsylG fürchte, ist darauf hinzuweisen, dass es ihr im voran-
gegangenen Asyl- und Beschwerdeverfahren nicht gelungen ist, eine seit
ihrer Ausreise wiederholte Suche durch die Spezialeinheit der Polizei
glaubhaft zu machen. (vgl. Urteil E-4003/2020 vom 11. September 2020
E. 6.2). Die nun auf Revisionsebene vorgebrachte Such- respektive Verfol-
gungssituation vermag zu keiner anderen Einschätzung zu führen, zumal
ihr Vorbringen auf einer angeblichen Mitteilung ihrer Tochter und somit auf
den Angaben Dritter beruht, denen kein genügender Beweiswert zukommt.
Es kann daher auf das Abwarten allfälliger weiterer Informationen aus dem
Heimatland der Beschwerdeführerin verzichtet werden. Auch wird nicht
weiter substanziiert, aus welchen Gründen (neue) Wegweisungsvollzugs-
hindernisse bestehen würden, die zur Revision des Urteils vom 11. Sep-
tember 2020 führen müssten.
5.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine revisionsrechtlich rele-
vanten Gründe dargetan sind. Das Gesuch um Revision des Urteils des
Bundesverwaltungsgerichts vom 13. Oktober 2020 ist demzufolge abzu-
weisen. Der am 21. Oktober 2020 vorsorglich verfügte Vollzugsstopp fällt
dahin.
6.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 1’500.– der
Gesuchstellerin aufzuerlegen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG;
Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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