Decision ID: c17fab2a-4706-405b-b2ff-04fed61dc10a
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 2. Februar 2018 beim
Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlung an (act. G3.1/A1)
und stellte bei der Kantonalen Arbeitslosenkasse (nachfolgend: Arbeitslosenkasse)
Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab diesem Datum (act. G3.1/A2). Die
Arbeitslosenkasse zahlte für den Monat Februar 2018 ein Arbeitslosentaggeld in der
Höhe von Fr. 1'781.05 aus (act. G3.1/A28). Per 28. Februar 2018 meldete das RAV den
Versicherten zufolge Antritts einer Stelle von der Arbeitsvermittlung ab (act. G3.1/A13).
A.a.
Mit Verfügung vom 12. März 2018 stellte das RAV den Versicherten für 15 Tage ab
dem 2. Februar 2018 in der Anspruchsberechtigung ein, da er in den letzten drei
Monaten vor der Anmeldung beim RAV keine Arbeitsbemühungen getätigt habe (act.
G3.1/A16). Die Arbeitslosenkasse forderte vom Versicherten mit Verfügung vom
13. März 2018 zu viel bezogene Taggeldleistungen im Totalbetrag von Fr. 1'406.10
(netto) zurück. Dazu führte sie aus, dass sie für den Monat Februar 2018
Arbeitslosentaggelder ausgerichtet habe. Am 12. März 2018 habe sie die Meldung
erhalten, dass er ab dem 2. Februar 2018 für 15 Tage in der Anspruchsberechtigung
eingestellt worden sei. Nach Neuberechnung des Taggeldes infolge der Einstellung
ergebe sich eine Rückforderung in der Höhe von Fr. 1'406.10 (act. G3.1/A28). Gegen
die vom RAV verfügte Einstellung in der Anspruchsberechtigung vom 12. März 2018
erhob der Versicherte mit Schreiben vom 12. April 2018 (Datum Postaufgabe) an die
Arbeitslosenkasse Einsprache (act. G3.1/A17 samt Zustellcouvert). Mit Entscheid vom
14. Mai 2018 hiess das RAV die Einsprache teilweise gut und reduzierte die Einstellung
in der Anspruchsberechtigung auf elf Tage (act. G3.1/A22). Gegen diesen Entscheid
erhob der Beschwerdeführer am 13. Juni 2018 Beschwerde beim Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen (act. G3.1/A23). Mit Entscheid vom 12. Dezember 2018
reduzierte das hiesige Gericht die Einstellung in der Anspruchsberechtigung auf acht
A.b.
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Tage. Auf den Antrag betreffend Verzicht auf die Rückforderung trat das Gericht nicht
ein, da dieser nicht Gegenstand des Einspracheentscheides bildete (AVI 2018/39; act.
G3.1/A25).
Gestützt auf das Urteil des Versicherungsgerichts St. Gallen stellte die
Arbeitslosenkasse dem Versicherten am 30. Juni 2020 eine Mahnung zu und forderte
ihn auf, die offene Forderung von Fr. 749.90 zu begleichen. Die offene Forderung
ergebe sich aus dem Betrag gemäss der Verfügung vom 13. März 2018 abzüglich der
Reduktion der Einstelltage gemäss dem Entscheid des Versicherungsgerichts St.
Gallen vom 12. Dezember 2018 (act. G3.1/A30).
A.c.
Am 30. Juli 2020 (Datum Eingang Arbeitslosenkasse) stellte der Versicherte ein
Gesuch um Erlass der Rückforderung. Er machte geltend, dass er nach Zustellung des
Entscheides des hiesigen Gerichtes betreffend die Dauer der Einstelltage keine
Forderung oder Rechnung erhalten habe. Er sei deshalb davon ausgegangen, dass das
RAV auf die Rückforderung verzichtet habe. Die Arbeitslosentaggelder habe er in
gutem Glauben empfangen. Da er sich im Studium befinde und kein Einkommen habe,
sei ihm die Rückerstattung nicht möglich (act. G3.1/A27).
A.d.
Mit Schreiben vom 2. Juni 2021 teilte das Amt für Wirtschaft und Arbeit
(nachfolgend: AWA) dem Versicherten mit, dass die zurückgeforderten Leistungen
gutgläubig bezogen worden seien. Für die Prüfung der besonderen Härte seien weitere
Unterlagen über die Einkommensverhältnisse im Monat Januar 2019 und den
Vermögensstand am 1. Januar 2019 erforderlich (act. G3.1/A31). Der Versicherte kam
dieser Aufforderung am 5. Juli 2021 nach (act. G3.1/A32 ff.).
A.e.
Mit Verfügung vom 18. August 2021 wies das AWA das Erlassgesuch ab. Es hielt
fest, dass mit dem Entscheid des Versicherungsgerichts lediglich die Anzahl der
Einstelltage reduziert worden sei. Die Einstellung an sich sei jedoch bestätigt worden.
Mit nur einer getätigten Bewerbung vor der Antragstellung beim RAV habe er die
Möglichkeiten der Stellensuche nicht ausgeschöpft. Demnach müsse davon
ausgegangen werden, dass er mit der Einstellung in der Anspruchsberechtigung
gerechnet habe. Mit Aushändigung der Broschüre "Was Sie als RAV-Kundin und RAV-
Kunde wissen müssen" (nachfolgend: Broschüre) habe er bereits in diesem Zeitpunkt
A.f.
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wissen müssen, dass die ungenügende Stellensuche vor der Antragstellung zu
Einstelltagen führen werde. Somit sei der gute Glaube für den Leistungsbezug nicht
gegeben (act. G3.1/A36)
Am 19. September 2021 erhob der Versicherte Einsprache gegen die Verfügung
vom 18. August 2021. Zur Begründung macht er im Wesentlichen geltend, dass er
nicht damit gerechnet habe, dass der Leistungsbezug nicht rechtmässig gewesen sei.
Seine Personalberaterin habe diesbezüglich nichts erwähnt und habe ihm mitgeteilt,
dass sie ihm alle nötigen Informationen mitgeteilt habe. Betreffend die fehlenden
Arbeitsbemühungen vor der Anmeldung halte er fest, dass er zuvor in der
Rekrutenschule gewesen sei und diese infolge gesundheitlicher Probleme habe
vorzeitig abbrechen müssen. In diesem Zeitpunkt sei er sich über seine berufliche
Zukunft nicht sicher gewesen. Daraufhin habe er sich auf eine Stelle beworben und
eine Absage erhalten, worauf er an der Qualität seiner Bewerbung gezweifelt habe. Um
Hilfe beim Bewerbungsprozess zu erhalten, habe er sich sodann beim RAV
angemeldet. Beim Leistungsbezug sei er nicht grob nachlässig gewesen und habe
ohne böswillige Absicht gehandelt. Im Gegenteil sei das RAV nachlässig vorgegangen,
indem es zu viele Einstelltage verfügt habe (act. G3.1/A37).
A.g.
Mit Entscheid vom 20. Oktober 2021 wies das AWA die Einsprache ab. Es führte
zur Begründung aus, dass eine fehlende Information der Personalberaterin nicht
relevant sei, da sich die Arbeitsbemühungen vorliegend auf einen Zeitpunkt vor der
Anmeldung beim RAV bezogen hätten und bereits bei der Anmeldung hätten vorliegen
müssen. Im Protokoll zum Erstgespräch sei zur Erklärung der quantitativ
ungenügenden Arbeitsbemühungen vor der Antragstellung festgehalten worden, dass
er lange Zeit nicht gewusst habe, in welchem Bereich er suchen solle. Daraus lasse
sich schliessen, dass er mit der Einstellung in der Anspruchsberechtigung habe
rechnen müssen, da er gewusst habe oder hätte wissen müssen, dass lediglich eine
Arbeitsbemühung innerhalb von drei Monaten nicht ausreichen würde. Seitens des
Versicherten bestehe auch eine Informationspflicht vor der Antragstellung. Somit sei
die Leistung nicht in gutem Glauben empfangen worden (act. G3.1/A39).
A.h.
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B.

Erwägungen
1.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhebt der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) am 19. November 2021 Beschwerde. Er beantragt sinngemäss eine
Aufhebung des Entscheides und eine Bewilligung des Erlassgesuchs. Er habe die
Leistungen damals in gutem Glauben empfangen, weitere Ausführungen diesbezüglich
seien seinen bisherigen Briefen zu entnehmen. Er habe sich beim RAV nicht einzig aus
finanziellen Gründen angemeldet, sondern um Unterstützung beim Bewerbungsprozess
zu erhalten. Zudem sei auch die besondere Härte gegeben, da er momentan ein
Studium absolviere und kein Einkommen erziele (act. G1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 15. Dezember 2021 beantragt der
Beschwerdegegner die Abweisung der Beschwerde. Da der Beschwerdeführer infolge
der ungenügenden Arbeitsbemühungen mit Einstelltagen habe rechnen müssen, müsse
der gute Glaube vorliegend verneint werden. Folglich erübrige sich eine Prüfung der
besonderen Härte (act. G3).
B.b.
Nach der Rechtskraft des Urteils vom 12. Dezember 2018 (AVI 2018/39; act. G3.1/
A25), mit welchem das hiesige Gericht die Einstellung in der Anspruchsberechtigung
auf acht Tage reduziert hatte, hätte die Arbeitslosenkasse grundsätzlich entweder
einen Einspracheentscheid betreffend die Rückforderung erlassen oder die – nach dem
Gerichtsentscheid jedenfalls betragsmässig falsche – Rückforderungsverfügung vom
13. März 2018 als fehlerhaft widerrufen und durch eine korrekte
Rückforderungsverfügung ersetzen müssen. Stattdessen hat die Arbeitslosenkasse
dem Beschwerdeführer am 30. Juni 2020 eine Mahnung zugestellt, mit der
Aufforderung, die offene Forderung von Fr. 749.90 zu begleichen. Sie hat dabei darauf
hingewiesen, dass sich die offene Forderung aus dem Betrag gemäss der Verfügung
vom 13. März 2018 abzüglich der Reduktion der Einstelltage gemäss dem Entscheid
des Versicherungsgerichts vom 12. Dezember 2018 ergebe (act. G3.1/A30). Inhaltlich
stellt das als Mahnung bezeichnete Schreiben eine betragsmässige Korrektur der
bereits früher ergangenen Rückforderungsverfügung vom 13. März 2018 dar.
1.1.
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Über Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit
denen die betroffene Person nicht einverstanden ist, hat der Versicherungsträger
schriftlich Verfügungen zu erlassen (Art. 49 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]). Die Verfügungen