Decision ID: 31aecc51-8614-469c-b797-fa62dbbc7d31
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm erhob am 26. Oktober 2021 Anklage
gegen den Beschuldigten wegen Hausfriedensbruchs, Raubes, mehrfa-
chen Führens eines Motorfahrzeugs ohne erforderlichen Führerausweis
und Widerhandlung gegen das Waffengesetz.
Dem Beschuldigten wurde vorgeworfen, am 26. April 2021 um ca.
12:00 Uhr gegen den Willen von A. in deren Haus eingedrungen zu sein,
mit dem Willen, Bargeld sowie Wertgegenstände unter Anwendung von
Gewalt zu stehlen. Er habe A. in ihr Schlafzimmer gedrängt, ihr sechs
Fingerringe gewaltsam von den Fingern gerissen und ihr dabei
Verletzungen zugefügt. Weiter habe er sie geschubst, woraufhin A. gestürzt
sei und sich am linken Ellbogen verletzt habe. Danach habe er A. in ihr
Schlafzimmer eingeschlossen und das kabellose Festnetztelefon aus dem
Fenster geworfen, um zu verhindern, dass die verletzte A. hätte Hilfe rufen
können. Anschliessend habe er weiteren Schmuck sowie Bargeld,
insgesamt in der Höhe von Fr. 15'040.00 aus dem Haus entwendet
(Anklage Ziff. I/1.).
Zudem soll er am 25. April 2021 um 15:11 Uhr sowie am 26. Mai 2021 um
13:50 Uhr den Personenwagen BMW 316i, deutsches Kontrollschild, ohne
den dafür erforderlichen Führerausweis gelenkt habe (Anklage Ziff. I/2.).
Weiter wurde ihm vorgeworfen, am 25. April 2021 um 15:11 Uhr in Allschwil
(BL) einen Kugelschreiber mit integriertem Messer mit einer Gesamtlänge
von 12.5 cm und einer Klingenlänge von 5.5 cm in die Schweiz gebracht zu
haben, ohne die dafür erforderliche kantonale Ausnahmebewilligung
erworben zu haben (Anklage Ziff. I/3.).
2.
Das Bezirksgericht Kulm erkannte mit Urteil vom 15. Februar 2022:
1. Der Beschuldigte ist schuldig - des Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB - des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB - des Führens eines Motorfahrzeugs ohne erforderlichen Führerausweis gemäss Art. 95
Abs. 1 lit. a SVG - des Vergehens gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 WG
2. 2.1. Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 erwähnten Bestimmungen und gestützt auf Art. 47 und Art. 49 Abs. 1 StGB zu 5 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.
- 3 -
2.2. Die Untersuchungshaft von 161 Tagen (26. April 2021 bis 3. Oktober 2021) sowie der  Strafantritt seit dem 4. Oktober 2021 werden gestützt auf Art. 51 StGB auf die  angerechnet.
3. Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a StGB für 15 Jahre des Landes verwiesen.
4. Die sichergestellte Waffe (Kugelschreiber mit integriertem Messer) wird in Anwendung von Art. 69 StGB zuhanden der Kantonspolizei Aargau, Fachstelle SIWAS, eingezogen und zur Vernichtung übergeben.
5. Der beschlagnahmte Personenwagen BMW 316i, blau, deutsches Kontrollschild, wird  und vernichtet.
6. 6.1. Die Verfahrenskosten bestehen aus:
a) der Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.00 b) der Anklagegebühr Fr. 3'000.00 c) den Kosten der Beweisführung Fr. 5’991.60 d) andere Auslagen Fr. 95.40 Total Fr. 12’087.00
Dem werden die Gerichtsgebühr (lit. a) sowie die Kosten gemäss lit. b) bis d) im  von Fr. 12'087.00 auferlegt.
6.2. Die Kosten für die Untersuchungshaft werden auf die Staatskasse genommen.
6.3. Die Dolmetscherkosten von Fr. 355.20 werden auf die Staatskasse genommen.
6.4. Die beschlagnahmten Vermögenswerte im Betrag von Fr. 373.77 werden zur  definitiv eingezogen und mit den Verfahrenskosten gemäss Ziff. 6.1. vorstehend verrechnet.
7. 7.1. Der amtliche Verteidiger der Beschuldigten wird aus der Staatskasse honoriert. Die  Kulm wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten das  genehmigte Honorar im Betrag von Fr. 14'057.55 (inkl. MwSt.) zu überweisen.
7.2. Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche  zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).
- 4 -
3.
3.1.
Mit Berufungserklärung vom 24. Mai 2022 beantragte der Beschuldigte, er
sei vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das Waffengesetz freizu-
sprechen und in Bezug auf die Tatbestände des Raubes, des Haus-
friedensbruchs sowie des mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs ohne
erforderlichen Führerausweis zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten zu
verurteilen. Die Landesverweisung sei für die Dauer von 5 Jahren
anzuordnen.
3.2.
Der Beschuldigte reichte am 23. Juni 2022 vorgängig zur Berufungsver-
handlung die schriftliche Berufungsbegründung ein.
3.3.
Mit Berufungsantwort vom 14. Juli 2022 beantragte die Staatsanwaltschaft
vorgängig zur Berufungsverhandlung die Abweisung der Berufung.
3.4.
Die Berufungsverhandlung fand am 17. November 2022 statt.

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen den Schuldspruch
wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz, die Strafzumessung
sowie die Dauer der angeordneten Landesverweisung. In den übrigen
Punkten ist das vorinstanzliche Urteil unangefochten geblieben und
deshalb nicht zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO).
2.
2.1.
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der Widerhandlung gegen das
Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 WG schuldig gesprochen. Sie hielt
fest, der Beschuldigte habe einen Kugelschreiber mit versteckter Klinge –
wobei er nicht in Abrede stelle, dass es sich dabei um eine verbotene Waffe
gemäss Waffengesetz handle – in die Schweiz eingeführt und besessen.
Ein Verbotsirrtum gemäss Art. 21 StGB liege nicht vor. Der Beschuldigte
hätte sich über das Waffenrecht der Schweiz informieren müssen und
können, was er jedoch unterlassen habe. Damit habe er zumindest
eventualvorsätzlich gehandelt (vorinstanzliches Urteil E. 5.4.2 ff.).
Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch. Er macht geltend, den
subjektiven Tatbestand nicht erfüllt zu haben, indem er ohne Wissen
bezüglich des Tatbestandsmerkmals der «Waffe» und damit unbewusst
- 5 -
fahrlässig und nicht vorsätzlich gehandelt habe. Er beruft sich mithin auf
einen Sachverhaltsirrtum. Da die fahrlässige Begehung der Tat nicht
angeklagt sei, sei er freizusprechen (Berufungsbegründung, S. 2 f.).
2.2.
Gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG macht sich der Widerhandlung gegen das
Waffengesetz schuldig, wer u.a. ohne Berechtigung Waffen erwirbt, besitzt,
trägt oder in das schweizerische Staatsgebiet verbringt. Gemäss Art. 4
Abs. 1 lit. c WG i.V.m. Art. 7 WV gelten insbesondere Messer mit einem
einhändig bedienbaren automatischen Auslösemechanismus, einer
Gesamtlänge von mehr als 12 cm und einer Klingenlänge von mehr als
5 cm oder Wurfmesser und Dolche mit feststehender, spitz zulaufender,
mehr als 5 cm und weniger als 30 cm langer symmetrischer Klinge als
Waffen.
2.3.
Entgegen der Staatsanwaltschaft und der Vorinstanz weist das vom
Beschuldigten im Auto mitgeführte Messer keine Waffenqualität gemäss
Waffengesetz auf. Insbesondere verfügt es nicht über einen einhändig
bedienbaren automatischen Auslösemechanismus, um es als Messer
gemäss Art. 7 Abs. 1 WV zu qualifizieren, und hat auch keine symme-
trische Klinge, um als Wurfmesser oder Dolch gemäss Art. 7 Abs. 3 WV zu
gelten (vgl. UA act. 445 f.). Unter diesen Umständen kommt dem Umstand,
dass das mit einem Kugelschreiber kombinierte Messer – das an einen
Brieföffner erinnert (vgl. UA act. 445 f.; Beweisstück) – nicht sofort auch als
Messer erkennbar ist, keine selbständige Bedeutung zu, zumal eine
eigentlich «Tarnung» nur bei Feuerwaffen im Rahmen von Art. 5 Abs. 1
lit. e WG relevant ist. Ausgeschlossen ist auch die Annahme einen
gefährlichen Gegenstand gemäss Art. 4 Abs. 6 WG zu erkennen, dessen
missbräuchliches Tragen eine Beschlagnahme gemäss Art. 31 Abs. 1 lit. c
WG rechtfertigen würde. Ein massgeblicher Unterschied zu einem
Taschenmesser wie etwa dem Schweizer Armeetaschenmesser, das
gemäss Art. 4 Abs. 6 WG ausdrücklich nicht als gefährlicher Gegenstand
gilt, ist nicht auszumachen, zumal auch Taschenmesser vielfach in Hüllen
oder Etuis mitgeführt werden. Sodann ist es vorliegend auch nicht darum
gegangen, das mit einem Kugelschreiber kombinierte Messer unbemerkt
an einen bestimmen Ort oder eine Veranstaltung, wo Messer generell
verboten sind, zu schmuggeln.
Die Berufung des Beschuldigten erweist sich in diesem Punkt im Ergebnis
als begründet und er ist vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das
Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG freizusprechen.
- 6 -
3.
3.1.
Der Beschuldigte hat sich des Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB,
des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB und des Führens eines
Motorfahrzeugs ohne erforderlichen Führerausweis gemäss Art. 95 Abs. 1
lit. a SVG schuldig gemacht, wofür er angemessen zu bestrafen ist.
Er beantragt die Senkung der vorinstanzlich ausgesprochenen Freiheits-
strafe von 5 Jahren auf 24 Monate (Berufungsbegründung, S. 3 ff.).
3.2.
Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV
217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen).
Darauf kann verwiesen werden.
3.3.
Sowohl der Hausfriedensbruch gemäss Art. 186 StGB als auch das Führen
eines Motorfahrzeugs ohne erforderlichen Führerausweis gemäss Art. 95
Abs. 1 lit. a SVG sehen als Strafen alternativ Freiheitsstrafe oder Geld-
strafe vor. Für den Raub gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB kommt
hingegen als Sanktion von Gesetzes wegen nur eine Freiheitstrafe in
Betracht, da keine ausserordentlichen Gründe vorliegen, die ein Unter-
schreiten des unteren Strafrahmens von 6 Monaten und einen Strafarten-
wechsel erlauben würden (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8). Bei der Wahl der
Sanktionsart sind neben dem Verschulden unter Beachtung des Prinzips
der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die Zweckmässigkeit und
Angemessenheit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den
Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre Wirksamkeit unter dem Gesichts-
winkel der Prävention zu berücksichtigen (BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134
IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1).
Vorliegend kommt für sämtliche Delikte nur eine Freiheitsstrafe infrage. Der
Beschuldigte ist mehrfach und teilweise einschlägig wegen Raubs,
Diebstahls, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs und weiterer Delikte
in der Schweiz, Bulgarien, Italien, Deutschland und Österreich vorbestraft
und dabei insbesondere auch in den letzten 10 Jahren bereits mehrfach zu
mehrmonatigen Freiheitsstrafen verurteilt worden (UA act. 1 ff; GA act. 31;
Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 5 f.). Der Beschuldigte liess sich
von den vielen Schuldsprüchen nicht beeindrucken. Nicht einmal die
zahlreichen, teilweise langjährigen Vollzüge von Freiheitsstrafen konnten
ihn von weiterer Delinquenz abhalten, sondern er delinquierte unbeirrt und
in verschiedensten Ländern weiter. Angesichts dieser Ungerührtheit des
Beschuldigten gegenüber dem Straf- und Vollzugssystem kommt als
angemessene und zweckmässige Sanktion für alle vorliegend zu beurtei-
lenden Delikte, die sowohl mit Freiheitsstrafe als auch Geldstrafe bedroht
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- 7 -
sind, nicht eine Geldstrafe, sondern nur eine Freiheitsstrafe in Frage (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 E. 2.3 und
6B_782/2011 vom 3. April 2012 E. 4.1).
3.4.
3.4.1.
Hinsichtlich der schwersten Straftat, des Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 1
Abs. 1 StGB, für die eine Einsatzstrafe festzusetzen ist, ergibt sich
Folgendes:
Das Gericht misst die Strafe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens nach
dem Verschulden zu (Art. 47 Abs. 1 StGB). Ausgangspunkt ist die Schwere
der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47
Abs. 2 StGB). Der Tatbestand des Raubs schützt nicht nur das Vermögen,
sondern auch die (persönliche) Freiheit, die wiederum die körperliche
Integrität mitumfasst (vgl. BGE 133 IV 207 E. 4.2).
Der Beschuldigte hat A. teilweise gewaltsam Schmuck und Bargeld
weggenommen, sie in ihr Schlafzimmer eingeschlossen und folglich wider-
standsunfähig gemacht und weiteren Schmuck und Bargeld entwendet.
Der Beschuldigte erbeutete Bargeld und Schmuck. Der Beschuldigte stellt
sich auf den Standpunkt, lediglich Fr. 300.00 an Bargeld entwendet zu
haben. Das restliche bei ihm in der Hosentasche gefundene Bargeld von
Fr. 2'640.00 will er kurz zuvor in Sondrio, Italien, erhalten haben
(Berufungsbegründung, S. 4; UA act. 305 und 313 f; GA act. 33 f.; Protokoll
der Berufungsverhandlung, S. 12). Dabei handelt es sich jedoch um eine
offensichtliche Schutzbehauptung, denn es ist nicht nachvollziehbar, dass
der Beschuldigte in Italien einen Betrag in Schweizer Franken als
Anzahlung und zum Anwerben weiterer Helfer aus dem Euroraum für
Abbrucharbeiten an einem Dach erhalten hat. Der Betrag ist denn auch um
einiges höher, als das letzte reguläre monatliche Einkommen des Beschul-
digten (GA act. 30: Fr. 1'600.00; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 5:
1'800.00). Vielmehr ist davon auszugehen, dass das beim Beschuldigten
in seiner Hosentasche sichergestellte Bargeld im Betrag von Fr. 2'640.00
von A. stammt, zumal gemäss den auf ihrem Konto zu verzeichnenden
Barabhebungen abzüglich ihrer notierten Ausgaben für die Monate Januar,
Februar und März 2021 ein Überschuss von Fr. 2'587.20 resultierte, was in
etwa dem in der Hosentasche des Beschuldigten aufgefundenen Betrag
entspricht (UA act. 202 f. und 283 ff.). Folglich ist von einem geraubten
Bargeldbetrag von Fr. 2'640.00 auszugehen. Insoweit der Beschuldigte
vorbringt, der Wert des Schmuckes sei mit dem Betrag von Fr. 12'400.00
als zu hoch veranschlagt worden (Berufungsbegründung, S. 4), kann er
nichts zu seinen Gunsten ableiten. Es liegen keine konkreten
Anhaltspunkte für einen offensichtlich zu hoch veranschlagten
Deliktsbetrag vor, zumal es der Beschuldigte unterlässt, die aufgeführten
- 8 -
Schadenspositionen im Detail zu bestreiten und der Schmuck, soweit es
sich um Gold und Edelsteine handelt, durchaus wertbeständig ist. Selbst
wenn der effektive Wert des Schmuckes tiefer zu veranschlagen gewesen
wäre, lässt dies den Taterfolg als nicht so viel geringer erscheinen, als dass
damit ein wesentlich geringeres Verschulden einherginge, zumal es
genügt, dass von einer Grössenordnung ausgegangen wird (Urteil des
Bundesgerichts 6B_56/2017 vom 19. April 2017 E. 2.2 mit Hinweis). Nach
dem Gesagten ist festzuhalten, dass der Betrag, auf den der Raub gerichtet
war, zwar nicht von grösserem Ausmass gewesen sein mag, dieser jedoch
nicht zu bagatellisieren ist.
Der Beschuldigte nahm A. gewaltsam diverse Fingerringe ab. Zudem
sperrte er A. in ihr Schlafzimmer ein, um sie zum Widerstand unfähig zu
machen, sich weiterer Beute zu behändigen und diese im Anschluss zu
sichern. Die Aussagen des Beschuldigten, nie im Haus gewesen zu sein
und A. nicht in ihr Schlafzimmer eingeschlossen zu haben (UA act. 304; GA
act. 33; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 12; anders in: UA
act. 317), sind weder schlüssig noch nachvollziehbar und folglich nicht
glaubhaft, da sich A. nicht selbst von aussen im Schlafzimmer
eingeschlossen haben kann (UA act. 385 f.). Somit überliess er die betagte
A. in ihrem Schlafzimmer sich selbst, genauso wie deren Auffinden, da das
Haus eher abgeschieden gelegen ist (UA act. 340). Geistesgegenwärtig
war A. – trotz ihres Sturzes und anhaltender Verwirrtheit (UA act. 386) – in
der Lage, aus dem Schlafzimmerfenster heraus um Hilfe zu rufen, wobei
sie durch Zufall von C. gehört wurde (UA act. 384). Die 91-jährige A. wies
nach dem Raub eine Quetsch-Risswunde am linken Ellenbogen auf,
feinfleckige Blutergüsse am Dekolleté, oberflächliche Hautabschürfungen
am rechten Bein und am Nagelbett des linken Ringfingers sowie einen
Bluterguss unter der Kopfschwarte am Scheitel (Gutachten des
Kantonsspitals Aarau = UA act. 290 ff.). Insgesamt war A. acht Tage lang
hospitalisiert (UA act. 173). Ob der Sturz von A. durch den Beschuldigten
direkt verursacht wurde oder A. aufgrund des Raubes stressbedingt von
selbst gestürzt ist (Berufungsbegründung, S. 3) spielt keine entscheidende
Rolle, steht doch zweifelsfrei fest, dass die erheblichen Beeinträchtigungen
der persönlichen Freiheit und der körperlichen Integrität auf den vom
Beschuldigten begangenen Raub zurückzuführen sind. Entsprechend
schwer wiegt der nicht monetäre Taterfolg und das damit einhergehende
Verschulden.
Die Art und Weise der Tatbegehung und folglich die Verwerflichkeit des
Handelns ist verschuldenserhöhend zu berücksichtigen. Der Beschuldigte
handelte gezielt und geplant, als er in das Wohnhaus von A. eindrang. Er
hat die Adresse des Hauses, in dem A. wohnte, im Jahr 2020 als Bild
erhalten (UA act. 316 und 336 ff.) und ist planmässig zu dem Haus in Q.
gefahren. Dass er lediglich auf der Suche nach seiner Exfrau D. gewesen
sein will, die dort vermeintlich mit E. – dem Sohn von A. – gewohnt haben
- 9 -
soll, weil diese der gemeinsamen Tochter nicht geantwortet habe
(Berufungsbegründung, S. 4; UA act. 302 und 318 ff.; vgl. GA act. 32;
Protokoll der Berufungsverhandlung S. 9), erscheint reichlich konstruiert
und ist als Schutzbehauptung zu werten, zumal es einfachere
Kommunikationswege gibt, mit den Bewohnern eines Hauses in der
Schweiz in Kontakt zu treten. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der
Beschuldigte bereits im Voraus plante, sich an dieser Adresse finanziell zu
bereichern, nachdem seine Exfrau bereits zu einem früheren Zeitpunkt
regelmässig Geld von E. erhalten hatte (UA act. 144). Dass er nicht mit A.
gerechnet hat, sondern mit E., ist nicht von entscheidender Bedeutung. Der
Beschuldigte parkierte mehrere Stunden zuvor in unmittelbarer Umgebung
zum Haus (UA act. 408 f.), bevor er um ca. 12:00 Uhr dann schliesslich
klingelte. Er liess sich auch nicht von der Umsetzung seines Planes
abhalten, als A. die Türe öffnete, er merkte, dass E. nicht da war, und als
er feststellte, dass die betagte Frau Angst hatte (UA act. 319 f.). Vielmehr
eignete sich der Beschuldigte einen Teil der Schmuckstücke ohne Skrupel
und Gewissensbisse an, indem er zur Durchsetzung des Diebstahls, Ringe
– insbesondere den Ehering – ab den Fingern von A. riss. Daran ändert
auch die Aussage des Beschuldigten nichts, wonach A. ihm die Ringe aus
Angst freiwillig gegeben habe (UA act. 320, 323; GA act. 32; Protokoll der
Berufungsverhandlung, S. 10 f.), zumal sich die dokumentierten Verletzun-
gen von A. in ein in sich stimmiges Bild einreihen.
Der Beschuldigte handelte aus rein finanziellen und damit letztlich egois-
tischen Gründen. Rein monetäre Gründe sind jedem Vermögensdelikt
immanent und werden beim Raub als qualifizierte Form der Nötigung, um
einen Diebstahl zu begehen, bereits durch das Tatbestandsmerkmal der
unrechtmässigen Bereicherungsabsicht beim Diebstahl erfasst. Sie dürfen
deshalb bei den Tatkomponenten nicht nochmals verschuldenserhöhend
berücksichtigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1327/2015 vom
16. März 2016 E. 4.2). Hingegen ist der Umstand verschuldenserhöhend
zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte ausschliesslich zur finanziellen
Bereicherung in die Schweiz eingereist bzw. nach Q. gefahren ist (BGE 143
IV 145 E. 8.3.2). Verschuldenserhöhend ist sodann auch das grosse Mass
an Entscheidungsfreiheit, über das der Beschuldigte verfügt hat, zu
berücksichtigen. Der Beschuldigte verfügte über ein reguläres monatliches
Einkommen (GA act. 30: Fr. 1'600.00; Protokoll der Berufungsverhandlung,
S. 5: Fr. 1'800.00). Auch ist nicht ersichtlich, dass er unter starkem Druck,
dem starken Einfluss oder der Erwartungshaltung Dritter oder einer
subjektiv als aussichtlos empfundenen Lage gehandelt hat. Je leichter es
aber für ihn gewesen wäre, das Vermögen und die persönliche Freiheit
sowie körperliche Integrität von A. zu respektieren, desto schwerer wiegt
die Entscheidung dagegen und damit sein Verschulden (vgl. BGE
127 IV 101 E. 2a; BGE 117 IV 112 E. 1 S. 114 mit Hinweisen).
- 10 -
Unter Berücksichtigung des weiten ordentlichen Strafrahmens von sechs
Monaten bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe und den davon erfassten Tatvor-
gehen und Tatumständen ist für den Raub vorliegend von einem mittel-
schweren Verschulden und einer dafür angemessenen Einsatzstrafe von
4 Jahren auszugehen.
3.4.2.
Diese Einsatzstrafe ist für den Hausfriedensbruch gemäss Art. 186 StGB
angemessen zu erhöhen.
Der Täter, der u.a. gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus eindringt,
wird auf Antrag mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe
bestraft. Durch Art. 186 StGB wird das Hausrecht bzw. die Unverletzlichkeit
der vom Hausfriedensbruch geschützten Räumlichkeiten und umfriedeten
Ort geschützt. Der Beschuldigte ist in die von A. bewohnte Wohn-
liegenschaft eingedrungen und hat ihre Privatsphäre aufs Gröbste verletzt
(UA act. 356; vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_510/2015 vom 25. August
2015 E. 1.3). Insofern der Beschuldigte A. hingegen bereits durch den
Raub in ihrem Sicherheitsgefühlt verletzt hat (UA act. 356), kann dies beim
Hausfriedensbruch nicht nochmals berücksichtigt werden.
Die Art und Weise der Tatbegehung ist nicht über die blosse Erfüllung des
Tatbestandes hinausgegangen und ist folglich neutral zu werten.
Verschuldenserhöhend ist demgegenüber das hohe Mass an Entschei-
dungsfreiheit zu berücksichtigen, über das der Beschuldigte auch
hinsichtlich des Hausfriedensbruchs verfügte.
Insgesamt ist von einem mittelschweren Tatverschulden und einer dafür
angemessenen Einzelstrafe von 1 Jahr auszugehen. Im Rahmen der Aspe-
ration ist der enge Zusammenhang des Hausfriedensbruchs zum Raub zu
beachten. Entsprechend geringer ist der Gesamtschuldbeitrag des
Hausfriedensbruchs zu veranschlagen. Angemessen erscheint eine
Erhöhung der Einsatzstrafe von 4 Jahren um 6 Monate auf 4 1⁄2 Jahre.
3.4.3.
Weiter ist die Einsatzstrafe für das Fahren ohne Berechtigung gemäss
Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG zu erhöhen.
Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe wird bestraft, wer
ohne den erforderlichen Führerausweis ein Motorfahrzeug führt. Geschütz-
tes Rechtsgut ist die Verkehrssicherheit bzw. der Schutz von Leib und
Leben der Verkehrsteilnehmer vor einer abstrakten Gefahr.
Obwohl der Beschuldigte wusste, dass er nicht über den erforderlichen
Ausweis verfügte, hat er sich hinter das Steuer eines Motorfahrzeugs
gesetzt und ist insgesamt mehrere hundert Kilometer durch die Schweiz
- 11 -
gefahren. Das Gesetz fingiert, dass jeder Verkehrsteilnehmer, der nicht im
Besitz einer Fahrberechtigung ist, sein Fahrzeug nicht genügend
beherrscht und deswegen andere Verkehrsteilnehmer (abstrakt) gefährdet
(ADRIAN BUSSMANN, in: Basler Kommentar, Strassenverkehrsgesetz, 2014,
N. 4 zu Art. 95 SVG, mit Hinweisen). Indem der Beschuldigte ohne über
einen gültigen Führerausweis zu verfügen, eine längere Strecke – teilweise
auch nachts und folglich bei einer erhöhten Anspruchssituation – ein Motor-
fahrzeug geführt hat, hat er eine grosse Gleichgültigkeit gegenüber dem
aus Gründen der Sicherheit im öffentlichen Strassenverkehr bestehenden
Erfordernis eines Führerausweises manifestiert. Er hat leichtfertig und
verantwortungslos gehandelt, zumal er in Bezug auf das Führen eines
Motorfahrzeugs über ein sehr grosses Mass an Entscheidungsfreiheit
verfügt hat. Es ist denn auch nicht ersichtlich oder dargetan, weshalb er
nicht auf die Fahrt verzichtet oder sich nicht anders organisiert hat. Je
leichter es aber für ihn gewesen wäre, das für ihn geltende Verbot zum
Führen eines Motorfahrzeugs zu respektieren, desto schwerer wiegt die
Entscheidung dagegen.
Insgesamt ist von einem nicht mehr leichten bis mittelschweren
Verschulden und einer dafür angemessenen Einzelstrafe von 6 Monaten
auszugehen. Es besteht kein Zusammenhang zu den anderen Tatbe-
ständen, weshalb es im Rahmen der Asperation eine Erhöhung der
Einsatzstrafe um 3 Monate auf 4 3⁄4 Jahre angemessen erscheint.
3.4.4.
Hinsichtlich der Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der Beschuldigte
hat in der Vergangenheit in verschiedenen Ländern mit erschreckender
Gleichgültigkeit zahlreiche Straftaten verübt (siehe dazu oben), was sich
straferhöhend auswirkt (BGE 136 IV 1 E. 2.6.2). Offensichtlich hat er nicht
einmal aus den mehrmonatigen Freiheitsstrafen irgendwelche Lehren
gezogen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass Vorstrafen nicht wie
eigenständige Delikte gewürdigt werden dürfen, weil dies auf eine
Doppelbestrafung hinausliefe (Urteil des Bundesgerichts 6B_18/2022 vom
23. Juni 2022 E. 2.6.1 mit Hinweis auf Urteile 6B_510/2015 vom 25. August
2015 E. 1.4 und 6B_325/2013 vom 13. Juni 2013 E. 3.2.3).
Der Beschuldigte hat sich hinsichtlich der zum Nachteil von A. begangenen
Straftaten zumindest dem Grundsatz nach geständig gezeigt. Auch wenn
ein Leugnen aufgrund der Beweislage (in Tatortnähe gesichtetes
ausländisches und befristetes Kennzeichen, Reifenspuren, dunkle
Kleidung des Beschuldigten, Deliktsgut im Auto, auf seinem Mobiltelefon
gespeichertes Foto mit der Adresse des Tatorts [UA act. 71 ff. und 336 ff.])
weitgehend zwecklos gewesen wäre und sich deshalb nicht sagen lässt,
dass der Beschuldigte aus freien Stücken ein Geständnis abgelegt hat und
er einzelne Handlungsweisen auch noch im Berufungsverfahren bestreitet,
ist nicht zu verkennen, dass er mit seinen Aussagen dazu beigetragen hat,
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das Strafverfahren zu vereinfachen und zu verkürzen. Das Geständnis darf
deshalb nicht gänzlich unberücksichtigt bleiben und ist leicht zu seinen
Gunsten zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 6B_65/2014 vom
9. Oktober 2014 E. 2.4). Sodann ist beim Beschuldigten keine nachhaltige
Einsicht oder echte Reue ersichtlich, die über eine blosse Tatfolgenreue
hinausgeht, zumal er regelmässig keine Aussagen machen wollte und sein
Verhalten gegenüber A. verharmloste (UA act. 303 und GA act. 32: A. habe
ihm den Schmuck und das Bargeld freiwillig gegeben; UA act. 313, 321 und
GA act. 32 f.: Er habe lediglich Fr. 300.00 mitgenommen; UA act. 303: Er
sei nicht mit der Absicht angereist, Probleme zu machen, sondern habe nur
nach seiner Exfrau gesucht; UA act. 320 und GA act. 32: er sei nicht für die
Verletzungen von A. verantwortlich; GA act. 33 f.: Er sei nicht im Haus
gewesen und habe A. nicht eingeschlossen). Daran ändert auch die
notierte und durch die Dolmetscherin bei seiner Einvernahme vom 30. Juni
2021 bei der Polizei vorgelesene Entschuldigung nichts (UA act. 317).
Eine schwierige Jugend ist nach der allgemeinen Lebenserfahrung zwar
geeignet, späteres deliktisches Verhalten zumindest zu begünstigen.
Selbst wenn der Beschuldigte eine schwierige Jugend gehabt haben sollte
– wofür keine gesicherten Informationen vorliegen –, so verfügte er
hinsichtlich dieser von ihm im Erwachsenenalter von 46 Jahren verübten
Delikte doch über ein hohes Mass an Entscheidungsfreiheit. Ein direkter
Zusammenhang zwischen den hier zu beurteilenden Taten und seiner
Kindheit und Jugendzeit ist denn auch nicht ersichtlich. Nach dem
Gesagten vermögen sich allfällige schwierige Lebensumstände in seiner
Kindheit und Jugend höchstens geringfügig strafmindernd auszuwirken.
Der Beschuldigte lebte vor seiner Inhaftierung in R. (D) in stabilen
Verhältnissen mit seiner Lebenspartnerin und verfügte zudem über ein
regelmässiges Einkommen (GA act. 30; Protokoll der Berufungs-
verhandlung, S. 3, 5 und 7). Er hat zwei erwachsene Töchter, wobei er vor
seiner Inhaftierung zu der älteren Tochter Kontakt pflegte. Seit seiner
Inhaftierung hat er den Kontakt zu den ihm nahestehenden Personen
abgebrochen. Eine besondere Strafempfindlichkeit des Beschuldigten ist
unter diesen Umständen nicht auszumachen, zumal eine besondere
Strafempfindlichkeit nur bei aussergewöhnlichen Umständen anzunehmen
ist, welche vorliegend nicht gegeben sind. Entgegen den Aussagen des
Beschuldigten, wonach er zwei Thrombosen hatte, aufgrund derer er vier
Wochen im Spital habe verbringen müssen, schneller ermüde, sich
wöchentlich Blut abnehmen lassen müsse und vermutlich für den Rest
seines Lebens auf Medikamente (Blutverdünner) angewiesen sei
(Berufungsbegründung, S. 5; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 5;
Plädoyer der Verteidigung S. 2), ist festzuhalten, dass weder die zwei
Thrombosen noch deren Auswirkung einen aussergewöhnlichen Umstand
darstellen und eine erhöhte Strafempfindlichkeit begründen (vgl. statt
vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1053/2018 vom 26. Februar 2019
- 13 -
E. 3.4 mit Hinweisen). Vielmehr sind Thrombosen sowie die tägliche
Einnahme von Medikamenten (insbesondere von Blutverdünnern), das
regelmässige Blutnehmen sowie das schnellere Ermüden weit verbreitet.
Der Beschuldigte vermag denn auch keine das durchschnittliche Mass
übersteigende aussergewöhnlichen Umstände aufzeigen.
Weitere Umstände, die im Rahmen der Täterkomponente zu berück-
sichtigen wären, sind nicht ersichtlich.
Insgesamt überwiegen damit die negativen Täterkomponenten deutlich
und die dem Verschulden angemessene Freiheitsstrafe ist um 3 Monate
auf 5 Jahre zu erhöhen.
3.5.
Zusammenfassend erweist sich für den Raub, den Hausfriedensbruch und
das Führen eines Motorfahrzeugs ohne erforderlichen Führerausweis eine
Freiheitsstrafe von 5 Jahren als dem Verschulden und den persönlichen
Verhältnissen des Beschuldigten angemessen.
3.6.
Bei diesem Strafmass fällt der (teil-)bedingte Vollzug von vornherein ausser
Betracht (Art. 42 und 43 StGB).
3.7.
Die ausgestandene Untersuchungshaft sowie der vorzeitige Strafantritt von
insgesamt 571 Tagen (26. April 2021 bis 17. November 2022) sind dem
Beschuldigten auf die Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB i.V.m.
Art. 110 Abs. 7 StGB; Art. 236 Abs. 4 StPO).
4.
4.1.
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für die Dauer von 15 Jahren des Lan-
des verwiesen. Die Landesverweisung an sich ist im Berufungsverfahren
unbestritten geblieben. Der Beschuldigte beantragt mit Berufung jedoch die
Senkung der Dauer auf 5 Jahre.
4.2.
Der Beschuldigte ist mit dem ausschliesslichen Ziel in die Schweiz
eingereist bzw. nach Q. gefahren, um sich dort finanziell zu bereichern.
Dazu hat er die Katalogtat des Raubes begangen (Art. 66a Abs. 1 lit. c
StGB). Dabei schreckte er als Kriminaltourist nicht davor zurück, eine ihm
unbekannte 91-jährige Frau an einer gezielt ausgewählten Adresse in Q.
zu überfallen und damit die hochwertigen Rechtsgüter des Vermögens, der
persönlichen Freiheit und insbesondere der körperlichen Integrität zu
verletzen, wodurch er eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche
Sicherheit und Ordnung darstellt. Sein mit dem Raub einhergehendes
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Verschulden wiegt denn auch mittelschwer und seine Legalprognose ist
schlecht, zumal er bereits früher in der Schweiz wie auch in Deutschland,
Österreich, Italien und Bulgarien mehrfach und teilweise einschlägig
straffällig wurde und mehrmonatige Freiheitsstrafen zu verbüssen hatte
(vgl. oben). Entsprechend hoch ist das öffentliche Interesse an einer
Ausweisung und Fernhaltung zu veranschlagen. Gleichzeitig bestehen
keine über die allgemeine Reisefreiheit hinausgehenden privaten
Interessen des Beschuldigten daran, sich in der Schweiz aufzuhalten,
zumal der Beschuldigte keinen persönlichen oder beruflichen Bezug zur
Schweiz aufweist (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 8). Mithin liegen
keine Gründe für eine kürzere Dauer der Landesverweisung vor, zumal –
anders als im Ausländerrecht – die Bestimmungen zur Landesverweisung
im Bereich des Strafrechts nicht eng auszulegen sind (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_378/2018 vom 22. Mai 2019 E. 4.4 nicht publiziert in
BGE 145 IV 364).
Entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten (Berufungsbegründung,
S. 6) erscheint es nicht sachgerecht, dem Tatverschulden hinsichtlich der
Dauer der Landesverweisung eine ausschlaggebende oder gar vorrangige
Bedeutung zuzumessen. Dies deshalb, weil das Verschulden bei der
Strafzumessung begrifflich im Einklang mit der ausgesprochenen Strafe
stehen sollte (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1194/2017 vom 14. Juni
2018 E. 1.5.2 mit Hinweis), was insbesondere bei Straftatbeständen mit
weiten Strafrahmen von bis zu 10 oder 20 Jahren Freiheitsstrafe zu
Formulierungen führt, die im Rahmen der Landesverweisung irritierend
erscheinen. Das im Rahmen der Strafzumessung bewertete Verschulden
betrifft somit lediglich die Einordnung innerhalb des Strafrahmens (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 6B_399/2021 vom 13. Juli 2022 E. 2.3,
6B_249/2020 vom 27. Mai 2021 E. 6.3). Daraus erhellt, dass dem
Verschulden bei der Frage der Dauer der Landesverweisung regelmässig
nur eine untergeordnete Bedeutung zukommen kann. In diesem
Zusammenhang ist denn auch darauf hinzuweisen, dass die
Landesverweisung im Wiederholungsfalle – vollständig ungeachtet des
Verschuldens – von Gesetzes wegen auf 20 Jahre auszusprechen ist
(Art. 66b StGB). Eine Verletzung des Prinzips der Verhältnismässigkeit ist
entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten (Berufungsbegründung, S. 6)
nicht ersichtlich.
Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung des Beschuldigten in die-
sem Punkt als unbegründet und der Beschuldigte ist für 15 Jahre des Lan-
des zu verweisen.
5.
5.1.
In der Berufung des Beschuldigten finden sich hinsichtlich der
vorinstanzlich vorgenommenen Einziehungen und Verrechnung der
beschlagnahmten Vermögenswerte von Fr. 373.77 (UA act. 149 f.) sowie
- 15 -
der Einziehung und Vernichtung des Personenwagens BMW 316i (UA
act. 147 f. und 462.1 f.) keine Ausführungen. Es kann dazu deshalb auf die
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (vorinstanzliches Urteil E. 9
und 10; Art. 82 Abs. 4 StPO).
5.2.
Einzig auf die von der Vorinstanz angeordnete Einziehung und Vernichtung
des Kugelschreibers mit integriertem Messer ist zurückzukommen. Da der
Beschuldigte vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das Waffengesetz
freizusprechen ist und es sich auch nicht um einen gefährlichen
Gegenstand im Sinne des Waffengesetzes handelt, ist ihm der Kugel-
schreiber mit integriertem Messer auf Verlangen herauszugeben.
6.
6.1.
Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe
des Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
Der Beschuldigte erwirkt mit seiner Berufung zwar, dass er vom Vorwurf
der Widerhandlung gegen das Waffengesetz freigesprochen wird und ihm
das beschlagnahme Messer herauszugeben ist. Es handelt sich dabei aber
um vergleichsweise untergeordnete Punkte. Im Übrigen wird die Berufung
denn auch abgewiesen und es bleibt bei einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren
und der Landesverweisung für die Dauer von 15 Jahren. Mithin wird der
angefochtene Entscheid nur unwesentlich abgeändert (Art. 428 Abs. 2 lit. b
StPO). Es rechtfertigt sich deshalb, die obergerichtlichen Verfahrenskosten
von Fr. 4'000.00 (§ 18 VKD) vollumfänglich dem Beschuldigten
aufzuerlegen.
6.2.
Der amtliche Verteidiger ist für das Berufungsverfahren gestützt auf die von
ihm eingereichte Kostennote und angepasst an die effektive Dauer der
Berufungsverhandlung aus der Staatskasse mit Fr. 3'900.00 zu entschä-
digen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT).
Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es
seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).
7.
7.1.
Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie
darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428
Abs. 3 StPO i.V.m Art. 426 Abs. 1 StPO).
Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die
Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Wird sie bei mehreren
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angeklagten Straftaten nur teilweise schuldig gesprochen, sind die
Verfahrenskosten anteilsmässig aufzuerlegen. Dies gilt jedenfalls, soweit
sich die verschiedenen Anklagekomplexe klar auseinanderhalten lassen
(Urteile des Bundesgerichts 6B_993/2016 vom 24. April 2017 E. 5.3 und
6B_904/2015 vom 27. Mai 2016 E. 7.4 f.).
Zwar waren alle Untersuchungshandlungen hinsichtlich der anderen
Anklagepunkte notwendig. Untersuchungshandlungen, die einzig in Bezug
auf die Widerhandlung gegen das Waffengesetz notwendig gewesen
wären, sind nicht ersichtlich (vgl. UA act. 441 ff.). Der Vorwurf der Wider-
handlung gegen das Waffengesetz ist jedoch unabhängig und steht in
keinem engen und direkten Zusammenhang zu den übrigen Anklage-
punkten. Die im Berufungsverfahren unbestritten gebliebenen erstinstanz-
lichen Verfahrenskosten von Fr. 12'087.00 sind dem Beschuldigten
demnach zu 9/10 aufzuerlegen.
7.2.
Die dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren
zugesprochene Entschädigung von Fr. 14'057.55 (inkl. MwSt.) ist mit
Berufung nicht angefochten worden, weshalb darauf im Berufungsverfah-
ren nicht mehr zurückgekommen werden kann (Urteil des Bundesgerichts
6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019). Diese Entschädigung ist vom
Beschuldigten zu 9/10 zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen
Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).
8.
Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es
ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO,
Art. 81 StPO).
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