Decision ID: 1ee3b45b-ab08-5540-b6cc-4602292e5392
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 21. Oktober 2021 im Bundesasyl-
zentrum (BAZ) B._ um Asyl nach. Er gab bei der Aufnahme seiner
Personalien an, er sei am (...) geboren. Er wurde für die weitere Behand-
lung seines Verfahrens dem BAZ C._ zugewiesen.
A.b Anlässlich seiner Einreise in die Schweiz führte der Beschwerdeführer
einen vom (Nennung Aussteller) in Italien ausgestellten negativen Covid-
19-Test vom (...) mit sich. Darin wurde er mit den Personalien D._,
geboren am (...), Afghanistan, registriert.
A.c Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Euro-
dac) vom 22. Oktober 2021 ergab, dass der Beschwerdeführer am (...) in
Italien in das Hoheitsgebiet der Dublin-Staaten eingereist war.
A.d Am 27. Oktober 2021 stellte das SEM bei den italienischen Behörden
betreffend den Beschwerdeführer ein Informationsersuchen nach Art. 34
der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur
Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-
trags auf internationalen Schutz (Dublin-III-VO) und erkundigte sich dabei
nach seinem Status und seinen registrierten Personalien.
A.e Am 29. Oktober 2021 führte das SEM eine Erstbefragung (Erstbefra-
gung unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender [EB UMA]) durch. Dabei
gab der Beschwerdeführer als Geburtsdatum den (...) an. Ferner wurden
ihm Fragen zu den Personalien und seinen persönlichen Verhältnissen in
der Heimat, zu allenfalls vorhandenen Identitätsdokumenten, zu seinem
Reiseweg und zu den Gründen seiner Ausreise gestellt. Weiter wurde ihm
das rechtliche Gehör zu seinen in Italien angeführten abweichenden Alters-
und Namensangaben sowie zur möglichen Zuständigkeit Italiens zur
Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gemäss Dublin-III-
VO, zum Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsyIG
(SR 142.31) sowie zur Wegweisung nach Italien gewährt. In diesem Zu-
sammenhang führte er aus, er habe in Italien kein Asylgesuch stellen son-
dern in die Schweiz reisen wollen. Seine Personalien seien dort – wohl
auch aufgrund sprachlicher Probleme – falsch notiert worden. Es sei ihm
gesagt worden, dass der falsche Name nicht wichtig sei; es genüge, wenn
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er die Korrektur seines Namens im Ankunftsland beantrage. Er habe ge-
hört, dass die Schweiz ein Land sei, in welchem die Einwohner unbesehen
ihres Glaubens frei leben könnten. Hingegen sei Italien kein gutes Land,
weshalb er nicht dort habe bleiben wollen. Zum Gesundheitszustand er-
klärte er, es gehe ihm gut.
A.f Am 3. November 2021 reichte der Beschwerdeführer medizinische Un-
terlagen ein.
A.g Die am (...) am (Nennung Institution) erstellte 3-Säulen-Modell-Ana-
lyse (körperliche, radiologische und zahnärztliche Untersuchung/Beurtei-
lung) zur Altersbestimmung ergab ein zu berücksichtigendes höchstes Min-
destalter des Beschwerdeführers von (...) Jahren. Sein durchschnittliches
Alter liege darüber, weshalb die Altersangabe von (...) nicht plausibel er-
scheine. Daraufhin gewährte das SEM dem Beschwerdeführer am 23. No-
vember 2021 das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Anpassung seines
Alters mit Geburtsdatum vom (...). Er hielt mit Eingabe vom 26. November
2021 am geltend gemachten Geburtsdatum und an seiner Minderjährigkeit
fest.
A.h Das Geburtsdatum des Beschwerdeführers wurde in der Folge im
ZEMIS – mit Bestreitungsvermerk – auf den (...) angepasst. Der Beschwer-
deführer wurde für das restliche Verfahren als volljährig erachtet.
A.i Am 30. November 2021 beantworteten die italienischen Behörden das
Informationsersuchen des SEM und bestätigten, dass sich der Beschwer-
deführer in Italien unter den Personalien D._, geboren am (...), Af-
ghanistan, habe registrieren lassen. Er habe keinen Asylantrag gestellt und
sei kurz nach seiner Ankunft untergetaucht.
A.j Am 2. Dezember 2021 ersuchte das SEM die italienischen Behörden
um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-
VO. Die italienischen Behörden lehnten das Ersuchen mit Schreiben vom
31. Januar 2022 ab.
A.k Am 2. Februar 2022 und mit schriftlicher Erinnerung vom 11. Februar
2022 ersuchte das SEM die italienischen Behörden gestützt auf Art. 5 (2)
der Durchführungsverordnung Dublin und unter Berücksichtigung der
Rechtsprechung des EuGH vom 13. November 2018 (Urteil C-47/17 sowie
C-48/17) im Rahmen einer Remonstration erneut um Wiederaufnahme des
Beschwerdeführers. Die italienischen Behörden hiessen das Ersuchen am
16. Februar 2022 gut.
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A.l Am 17. Februar 2022 legte der Beschwerdeführer (Nennung Beweis-
mittel) ins Recht.
B.
Mit Verfügung vom 22. Februar 2022 – eröffnet am 24. Februar 2022 – trat
das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylge-
such des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete dessen Wegweisung aus
der Schweiz nach Italien an und forderte ihn auf, die Schweiz spätestens
am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Zudem stellte es
fest, sein Geburtsdatum sei im ZEMIS mit Bestreitungsvermerk auf den (...)
gesetzt worden. Schliesslich hielt es fest, einer allfälligen Beschwerde
komme keine aufschiebende Wirkung zu, und verfügte die Aushändigung
der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwer-
deführer.
C.
Mit Eingabe vom 24. Februar 2022 teilte die damalige Rechtsvertretung
dem SEM die Beendigung des Mandatsverhältnisses mit.
D.
Der Beschwerdeführer focht die Verfügung des SEM vom 22. Februar 2022
mit Beschwerde vom 26. Februar 2022 (Poststempel) beim Bundesverwal-
tungsgericht an. Er beantragte, es sei der Nichteintretensentscheid des
SEM aufzuheben und sein Asylgesuch sei vom SEM zu prüfen. In formeller
Hinsicht beantragte er, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung
zu erteilen, die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.
Der Beschwerde lagen eine Kopie des angefochtenen Entscheids sowie
das Zustellkuvert bei.
E.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
28. Februar 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
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und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Das Verfahren
richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG
nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1
VwVG).
2.
Der Beschwerdeführer beantragt ausdrücklich die Aufhebung des Nichtein-
tretensentscheids des SEM und die Prüfung seines Asylgesuchs in der
Schweiz. Darin ist kein – auch nicht ein sinngemässes – Begehren auf Än-
derung des im ZEMIS vermerkten Geburtsdatums zu erkennen. Er bringt
denn auch in der Begründung seiner Rechtsmitteleingabe in diesem Zu-
sammenhang keinerlei Beanstandungen vor. Damit anerkennt er die vom
SEM im Entscheid festgehaltene Schlussfolgerung, wonach er die geltend
gemachte Minderjährigkeit nicht habe glaubhaft machen können (vgl. SEM
act. 1112750-36/15, S. 4). Mithin hat er die Dispositivziffer 6 der Verfügung
vom 22. Februar 2022 nicht angefochten. Er ist als volljährig zu betrachten.
3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten
Richterin oder eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weite-
rungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1
und 2 AsylG).
4.
4.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2 je m.w.H.).
4.2 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
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Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesbezüglich kommt die Dublin-III-VO zur Anwen-
dung.
4.3 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind
die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort
aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien;
vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation
im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-
gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO).
5.
Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, sich vor der Einreise in die Schweiz
in Italien aufgehalten zu haben. Die italienischen Behörden stimmten dem
– im Rahmen einer Remonstration gestellten – Gesuch des SEM um Über-
nahme am 16. Februar 2022 ausdrücklich zu (SEM-Akte 1112750-33/1).
Die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens ist somit gegeben und wird in der
Beschwerde auch nicht bestritten.
6.
Der Beschwerdeführer äussert in seiner Rechtsmitteleingabe im Wesentli-
chen den Wunsch, in der Schweiz bleiben zu können. Er wolle nicht nach
Italien zurückgehen. Die Schweiz sei ein Beispiel für Demokratie, Freiheit
und Frieden und er liebe die Kultur, weshalb er unter allen Umständen hier
bleiben und sich integrieren möchte.
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Rechtsprechung da-
von aus, dass das italienische Asylsystem – trotz punktueller Schwachstel-
len – keine systemischen Mängel im Sinn von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-
III-VO aufweist (vgl. Referenzurteil des BVGer E-962/2019 vom 17. De-
zember 2019 E. 6.3 und in letzter Zeit etwa die Urteile des BVGer
D-3818/2021 vom 3. September 2021 S. 4 oder F-3769/2021 vom 2. Sep-
tember 2021 E. 5.2). Für eine Änderung dieser Rechtsprechung besteht
keine Veranlassung.
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7.2 Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Schweiz das Selbsteintrittsrecht nach
Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO (konkretisiert in Art. 29a Abs. 3 AsylV 1)
ausüben muss respektive soll.
7.2.1 Der Beschwerdeführer vermag kein konkretes und ernsthaftes Risiko
darzutun, die italienischen Behörden würden sich weigern, ihn aufzuneh-
men und einen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Re-
geln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine
Gründe für die Annahme zu entnehmen, Italien werde in seinem Fall den
Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein
Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen
würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Die italie-
nischen Behörden haben der Aufnahme des Beschwerdeführers explizit
zugestimmt. Ausserdem hat er weder dargetan noch bringt er vor, die ihn
bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Italien seien derart
schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grund-
rechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 Folterkonvention (SR 0.105) führen
könnten.
Die allgemeinen Aufnahmebedingungen für (gestützt auf die Dublin-III-VO
zurückkehrende) Asylsuchende in Italien führen nach bisheriger Praxis des
Bundesverwaltungsgerichts denn auch nicht zur Ausübung des Selbstein-
trittsrechts in der Schweiz (vgl. etwa Urteil des BVGer F-1479/2021 vom
13. April 2021 2021 E. 7.2).
7.2.2 Zur gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers ist zunächst
festzuhalten, dass er anlässlich der EB UMA anführte, es gehe ihm gut (vgl.
SEM act. 1112750-14/12, Ziff. 8.02, S. 10). Den medizinischen Unterlagen
zufolge wurde er im (Nennung Zeitpunkt) wegen (Nennung Grund) behan-
delt und im (Nennung Zeitpunkt) wegen (Nennung Grund) begutachtet. Da-
bei wurden (Nennung Diagnose) diagnostiziert und eine (Nennung Thera-
pieempfehlung).
Das Bundesverwaltungsgericht hat das SEM schon vor einiger Zeit bei
schwer erkrankten Asylsuchenden, die sofort nach der Ankunft in Italien auf
lückenlose medizinische Versorgung angewiesen sind, verpflichtet, indivi-
duelle Zusicherungen betreffend die Gewährleistung der nötigen medizini-
schen Versorgung und Unterbringung bei den italienischen Behörden ein-
zuholen (vgl. Referenzurteile des BVGer E-962/2019 vom 17. Dezember
20219 E. 7.4.3 sowie D-2846/2020 vom 16. Juli 2020 E. 6.2 und statt vieler
die Urteile des BVGer F-3494/2021 vom 28. Oktober 2021,F-444/2021
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vom 8. Februar 2021 E. 6.1, E-208/2021 vom 22. Januar 2021 S. 13 oder
E-178/2021 vom 20. Januar 2021 E. 8.3). Der Beschwerdeführer gehört
offensichtlich nicht dieser Personenkategorie an. Seine medizinischen
Probleme sind nicht von einer derartigen Schwere, dass eine Überstellung
nach Italien einen Verstoss gegen internationale Verpflichtungen der
Schweiz bedeuten würde. Namentlich ergibt sich aus den Akten kein Hin-
weis auf eine drohende Verletzung von Art. 3 EMRK (vgl. hierzu
BVGE 2011/9 E. 7 m.H.a. die damalige Praxis des Europäischen Gerichts-
hofs für Menschenrechte [EGMR], Urteil des EGMR Paposhvili gegen Bel-
gien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
Der Zugang zum italienischen Gesundheitssystem über die Notversorgung
hinaus ist grundsätzlich gewährleistet (Urteil E-4232/2021 E. 6.3). Die Dub-
lin-III-VO oder andere völkerrechtliche Bestimmungen räumen kein Recht
ein, den für eine medizinische Behandlung bestgeeignetsten Staat frei zu
wählen oder eine dem Schweizer Standard äquivalente Therapie absolvie-
ren zu können (vgl. BVGE 2017 VI/7 E. 6.2; Urteil des BVGer F-3604/2021
vom 1. September 2021 E. 4.1.2).
7.3 Nach dem Gesagten lag für das SEM kein Grund für die zwingende
Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 Dublin-III-VO oder von
Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 vor, wobei es das ihm zustehende Ermessen ge-
setzeskonform ausübte (vgl. BVGE 2015/9 E. 8).
7.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass kein Grund für einen Selbst-
eintritt der Schweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Verbindung mit
Art. 17 Dublin-III-VO vorliegt. Der Beschwerdeführer vermag mit seiner Be-
gründung (Wunsch in der Schweiz zu bleiben) das gewünschte Verfahrens-
ziel – die Behandlung seines Asylgesuchs in der Schweiz – insgesamt nicht
zu erreichen. Die Dublin-III-Verordnung räumt den Schutzsuchenden denn
auch kein Recht ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selbst auszuwählen.
Italien bleibt somit zuständiger Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO und ist
verpflichtet, den Beschwerdeführer aufzunehmen.
8.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da er
nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung
ist, wurde die Überstellung nach Italien in Anwendung von Art. 44 AsylG
ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). Unter diesen Um-
ständen sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG
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(SR 142.20) nicht mehr zu prüfen, da das Fehlen von Überstellungshinder-
nissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheids gemäss
Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
10.
Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der
aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses gegenstandslos geworden.
11.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist abzu-
weisen, da die Beschwerde gemäss den vorstehenden Erwägungen als
aussichtslos zu bezeichnen war und es damit, unbesehen der finanziellen
Verhältnisse des Beschwerdeführers, an einer gesetzlichen Voraussetzung
gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG fehlt. Bei diesem Ausgang des Verfahrens
sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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