Decision ID: 84f91edd-a5f5-5b0a-aa25-f84fa4394e52
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 26. August 2011 in der Schweiz um
Asyl. Zur Begründung des Asylgesuchs führte er aus, er habe in
B._, Distrikt C._, mit seinem Vater, seinen drei Brüdern und
der Ehefrau eines Bruders gelebt. Seine Mutter sei altersbedingt gestor-
ben. Er habe in seinem Geschäft Videokassetten verkauft. Die Taliban hät-
ten ihm mitgeteilt, diese Tätigkeit verstosse gegen den Islam. Am 10. Ok-
tober 2010 hätten sie das Geschäft in Brand gesetzt und ihn auf ihren
Stützpunkt mitgenommen. Nach fünf Tagen habe er von dort fliehen kön-
nen. Am Morgen nach der Flucht hätten ungefähr 45 Vertreter der Taliban
sein Haus aufgesucht. Es sei zu einem Gefecht gekommen, bei welchem
sein Vater und einer seiner Brüder getötet worden seien. Ein anderer Bru-
der sei von den Taliban verschleppt worden. Ihm sei die Flucht gelungen
und er habe gleichentags B._ verlassen. Er habe noch einen Bru-
der in Pakistan, der gehbehindert sei.
B.
Mit Verfügung vom 13. November 2013 stellte die Vorinstanz fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylge-
such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren
Vollzug an.
C.
Mit Urteil E-7016/2013 vom 12. Februar 2014 wies das Bundesverwal-
tungsgericht die vom Beschwerdeführer gegen die vorinstanzliche Verfü-
gung erhobene Beschwerde ab. Es begründete die Abweisung im Wesent-
lichen damit, der Beschwerdeführer habe nicht nachvollziehbare, unrealis-
tische Angaben zu seiner Flucht vom Stützpunkt der Taliban und zu seinem
Entkommen beim Gefecht mit den 45 Vertretern der Taliban gemacht. Es
sei ihm daher nicht gelungen, seine Fluchtgründe glaubhaft darzulegen.
D.
Am 5. Mai 2014 beantragte die Vorinstanz bei der pakistanischen Botschaft
ein Ersatzreisepapier für den Beschwerdeführer. Dem Schreiben waren
eine Kopie eines Schuldiploms, eine Kopie der Wohnsitzbestätigung, eine
Kopie der Identitätskarte des gehbehinderten Bruders, Fingerabdrücke und
Fotos beigelegt.
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Seite 3
E.
Am 23. Juli 2014 wurde der Beschwerdeführer für eine polizeiliche Zufüh-
rung zur pakistanischen Botschaft zwecks Identifikation und Beschaffung
eines Ersatzreisepapiers festgenommen und in Ausschaffungshaft ge-
bracht. Mit Urteil vom 24. Juli 2014 befand die Präsidentin für Zwangs-
massnahmen im Ausländerrecht des Kantonsgerichts D._ die Aus-
schaffungshaft für die Dauer von vorerst drei Monaten bis 22. Oktober
2014 als rechtmässig und angemessen. Am 8. August 2014 wurde der Be-
schwerdeführer von der pakistanischen Botschaft zu seiner Herkunft und
Identität befragt. Anschliessend weigerte er sich, das für die Ausstellung
des Ersatzreisepapiers notwendige Antragsformular zu unterzeichnen. An-
lässlich der Haftbesuche lehnte er eine freiwillige Rückkehr nach Pakistan
ab. In der Folge wurde die Ausschaffungshaft mit Urteil vom 22. Oktober
2014 bis zum 22. Januar 2015 verlängert. Am 22. Oktober 2014 unter-
zeichnete der Beschwerdeführer den Antrag auf ein Ersatzreisepapier. Im
Januar 2015 wurde er aus der Ausschaffungshaft entlassen.
F.
Am 16. Februar 2015 reichte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz ein
Wiedererwägungsgesuch ein, da es ihm nicht möglich gewesen sei, bei
der pakistanischen Botschaft Reisepapiere zu beschaffen und die Taliban
in Peschawar schwere Überfälle auf eine Schule und eine Moschee mit
zahlreichen Opfern verübt hätten. Mit Verfügung vom 4. März 2015 trat die
Vorinstanz wegen Formfehlern nicht auf das Wiedererwägungsgesuch ein.
Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
G.
Mit Schreiben vom 28. März 2018 erkundigte sich der Beschwerdeführer
bei der Vorinstanz nach dem Stand des Identifikationsprozesses. Zugleich
teilt er mit, es sei ihm nicht mehr möglich, einen Kontakt zu seinem Bruder
in Pakistan herzustellen. Er habe nie eine pakistanische Identitätskarte be-
sessen und wisse nicht, ob seine Eltern jemals über eine Identitätskarte
verfügt hätten. Er habe mittlerweile sieben Mal bei der pakistanischen Bot-
schaft vorgesprochen; bis jetzt ohne Erfolg. Somit sei er seiner Mitwir-
kungspflicht nachgekommen.
H.
Mit Schreiben vom 20. April 2018 antwortete die Vorinstanz, die pakistani-
sche Botschaft habe den Antrag auf Fingerabdruckvergleich an die pakis-
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Seite 4
tanischen Immigrationsbehörden übermittelt, aber noch keine Rückmel-
dung erhalten. Die Kopie der Identitätskarte des Bruders sei zur Identifika-
tion des Beschwerdeführers nicht geeignet.
I.
Am 7. Januar 2020 lehnte die Vorinstanz den Antrag des Kantons
D._ vom 28. Januar 2019 auf Prüfung eines schwerwiegenden per-
sönlichen Härtefalls betreffend den Beschwerdeführer ab.
J.
Am 8. April 2020 reichte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz ein zwei-
tes Wiedererwägungsgesuch ein. Sowohl er als auch die Vorinstanz hätten
mehrfach erfolglos versucht, Identitätspapiere bei der pakistanischen Bot-
schaft zu erhalten. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb ihm in diesem
Zusammenhang vorgeworfen werde, die Mitwirkungspflicht verletzt zu ha-
ben. Er habe bereits an der Empfangsstelle erklärt, er besitze keine Iden-
titätspapiere. Er habe aber Zeugnisse, eine Wohnsitzbestätigung und die
Identitätskarte des Bruders eingereicht. Das Kantonsgericht D._
habe bestätigt, dass er sich genügend bemüht habe, seine Identität nach-
zuweisen. Die Vorinstanz könne sich nicht beliebig lange darauf berufen,
sie warte noch auf eine Antwort der pakistanischen Botschaft. Mit der Be-
schaffung der Reisepapiere verlange sie etwas, das ihr selbst nicht gelinge.
Die technische Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs stehe fest. So-
dann habe er in Pakistan und in seiner engeren Heimat B._,
C._, weder ein soziales noch familiäres Beziehungsnetz. Seine El-
tern und zwei seiner Brüder seien tot. Der Kontakt zu seinem verbleiben-
den Bruder, der beim Überfall der Taliban ein Bein verloren habe, sei ab-
gebrochen. B._ liege im sogenannten "Administred Tribal Areas"
(FATA). Nach zehn Jahren Landesabwesenheit und ohne Beziehungsnetz
würde er nach einer Rückkehr in eine existenzbedrohende Lage geraten.
Der Wegweisungsvollzug sei demzufolge auch unzumutbar. Pakistan und
insbesondere der Nordwesten mit der Grenze zu Afghanistan seien Rekru-
tierungsgebiet für verschiedene radikal islamische Terrororganisationen
(insbesondere der lslamic State Khorasan Province [ISKP]). Es bestehe
ein erhebliches Risiko für ihn, von terroristischen Gruppierungen angespro-
chen zu werden und deren gewaltsame Reaktionen erdulden zu müssen,
falls er ihre Forderungen nicht erfülle. Ohne Teil einer Gruppe oder eines
Familienverbandes zu sein, könne er Ziel eines Sicherheitsapparates wer-
den, der für die Nichteinhaltung der Menschenrechte bekannt sei. In beiden
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Fällen drohe ihm eine Verletzung von Art. 3 EMRK, Art. 3 Folterrechtskon-
vention und Art. 33 Genfer Flüchtlingskonvention. Die Zulässigkeit des
Wegweisungsvollzugs sei daher auch zu verneinen.
K.
Mit Schreiben vom 14. April 2020 teilte das Amt für Migration und Bürger-
recht (AFMB) des Kantons D._ der Vorinstanz mit, es unterstütze
den Antrag des Beschwerdeführers auf Anordnung der vorläufigen Auf-
nahme.
L.
Mit Verfügung vom 6. Mai 2020 wies die Vorinstanz das Wiedererwägungs-
gesuch ab und erklärte die Verfügung vom 13. November 2013 für rechts-
kräftig und vollstreckbar.
M.
Mit Urteil E-2966/2020 vom 22. September 2020 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht die Beschwerde gegen die Verfügung vom 6. Mai 2020 gut
und wies die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück, da sie
sich in der Begründung nicht zur Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs geäussert hatte.
N.
Mit Verfügung vom 15. Oktober 2020 (eröffnet am 16. Oktober 2020) wies
die Vorinstanz das Wiedererwägungsgesuch ab und erklärte die Verfügung
vom 13. November 2013 für rechtskräftig und vollstreckbar. Sie verzichtete
auf die Erhebung von Gebühren. Zudem stellte sie fest, einer allfälligen
Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu.
O.
Mit Eingabe vom 10. November 2020 erhob der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Es sei festzustellen, dass der
Vollzug einer Wegweisung des Beschwerdeführers nach Pakistan nicht zu-
lässig sei. Der Beschwerdeführer sei entsprechend in der Schweiz vorläu-
fig aufzunehmen. Eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Weg-
weisung nicht möglich sei und der Beschwerdeführer sei in der Schweiz
vorläufig aufzunehmen. Allenfalls sei die Angelegenheit zur vollständigen
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. Sämtliche Akten der Vorinstanz und des AFMB D._
seien von Amtes wegen beizuziehen. Die aufschiebende Wirkung der Be-
schwerde sei wiederherzustellen. Die Vorinstanz und das AFMB
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D._ seien anzuweisen, auf Vollzugshandlungen betreffend die
Wegweisung für die Dauer des Verfahrens zu verzichten. Auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses sei zu verzichten. Dem Beschwerdeführer sei
die unentgeltliche Prozessführung mit dem unterzeichneten Rechtsvertre-
ter als unentgeltlichen Prozessbeistand für das Verfahren vor dem Bundes-
verwaltungsgericht zu gewähren.
P.
Mit superprovisorischer Massnahme vom 13. November 2020 setzte der
Instruktionsrichter den Vollzug der Wegweisung einstweilen aus.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-
den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Da Wiedererwägungsent-
scheide gemäss Lehre und Praxis grundsätzlich wie die ursprüngliche Ver-
fügung auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden kön-
nen, ist das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden
Beschwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der
Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur
Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 6
AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens) sowie die
unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausländer-
rechts richtet sich die Kognition nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
2.2 Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wurde vorliegend ver-
zichtet (Art. 111a Abs. 1 AsylG).
3.
3.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist der Vor-
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instanz innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes
schriftlich und begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfah-
ren nach den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG
(Art. 111b Abs. 1 AsylG).
3.2 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä-
gungsgesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an
eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage
(vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.).
3.3 Die Vorinstanz ist auf das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerde-
führers eingetreten. Das Bundesverwaltungsgericht hat folglich zu prüfen,
ob die Vorinstanz in zutreffender Weise das Bestehen von Wiedererwä-
gungsgründen verneint und an ihrer ursprünglichen Verfügung vom 13. No-
vember 2013 festgehalten hat, wobei praxisgemäss der sich präsentie-
rende Sachverhalt im Urteilszeitpunkt massgebend ist.
4.
Der Antrag, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren,
ist mit vorliegendem Urteil gegenstandslos geworden.
5.
5.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, eine Rückschiebung
verstosse nur gegen Art. 3 EMRK, wenn im Falle einer Rückkehr ein "real
risk" für eine drohende menschenrechtswidrige Behandlung nach Art. 3
EMRK bestehe. Dies treffe vorliegend nicht zu. Weder die allgemeine Lage
in Pakistan noch individuelle Gründe liessen auf eine konkrete Gefahr bei
einer Rückkehr schliessen. So verfüge der Beschwerdeführer über eine
zehnjährige Schulbildung und mehrjährige Berufserfahrung. Die blosse Be-
hauptung, er verfüge in Pakistan nicht mehr über ein soziales Beziehungs-
netz, ändere nichts an der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Die
formelle Identifikation einer Person sei Voraussetzung dafür, dass die pa-
kistanische Botschaft ein Ersatzreisepapier ausstellen könne und Pakistan
der Rückübernahme zustimme. Beim Vorliegen einer Kopie eines Passes,
einer Identitätskarte oder eines Geburtsscheines könne die Botschaft die
meist in diesen Dokumenten aufgeführte CNIC-Nummer (Computerised
National Identity Card Number, ausgestellt von der NADRA [National Data
Base Registration Authority]) überprüfen und die Gültigkeit der Dokumente
verifizieren. Pakistanische Staatsangehörige könnten sich auch online pa-
kistanische Dokumente beschaffen (https://id.nadra.gov.pk/). Falls es sich
um ältere Dokumente handeln würde, die in den aktuellen Registern nicht
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erfasst seien, oder falls mangels Kooperationsbereitschaft keine Doku-
mente vorliegen würden, unterbreite die Botschaft allfällig vorliegende Un-
terlagen zusammen mit dem Fingerabdruckbogen den zuständigen Mini-
sterien in Islamabad. Diese Ministerien übermittelten der Botschaft Listen
mit Angaben zu verifizierten Fällen, deren Rückübernahme zugesichert sei,
wobei es keine negativen Rückmeldungen gebe. Bei älteren Fällen, die
nachweislich mehrmals von der Botschaft nach Islamabad weitergeleitet
worden seien, sei nach einiger Zeit davon auszugehen, dass sie unter den
bekannten Personalien nicht identifiziert werden könnten. Eine pakistani-
sche Herkunft könne damit jedoch nicht zwangsläufig ausgeschlossen wer-
den. Gemäss den Erfahrungen des SEM sei es seit Mitte 2016 bei entspre-
chender Kooperationsbereitschaft und Mitwirkung möglich, die pakistani-
sche Identität zu belegen, wobei es nicht darum gehe, einen pakistani-
schen Pass vorzuweisen, sondern der Botschaft die benötigten Angaben
zur Verifizierung der Registrierung in Pakistan zu machen. Der Beschwer-
deführer könne sich mit Unterstützung von Familienangehörigen, eines
Rechtsvertreters vor Ort oder online die nötigen Angaben, insbesondere
die CNIC-Nummer, beschaffen. Dies habe er bisher unterlassen. Es könne
vom Beschwerdeführer erwartet werden, dass er selber aktiv bei der Pa-
pierbeschaffung mitwirke und nicht nur die von den Behörden angesetzten
Termine wahrnehme. Schliesslich sei nicht ausgeschlossen, dass er be-
reits anlässlich der Befragung vom 17. Mai 2011 eine falsche Identität an-
gegeben habe, wodurch eine Identifizierung schwierig sei. Die Unmöglich-
keit der Papierbeschaffung müsse jedoch durch Umstände bedingt sein,
die ausserhalb der Einflussmöglichkeiten der zur Mitwirkung verpflichteten,
weggewiesenen Person lägen. Diese Voraussetzung sei vorliegend nicht
erfüllt. Bei einer Mitwirkung des Beschwerdeführers sei der Vollzug der
Wegweisung innerhalb des nächsten Jahres als möglich zu beurteilen.
5.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, die Situation in seinem Herkunftsge-
biet B._, C._, im Grenzgebiet zu Afghanistan stelle sich an-
ders dar als im übrigen Pakistan. Es sei ein Aufmarsch- und Rekrutierungs-
gebiet für verschiedene radikal islamische Terrororganisationen. Es be-
stehe ein erhebliches Risiko (real risk) für ihn, von terroristischen Gruppie-
rungen angesprochen zu werden und deren gewaltsame Reaktionen er-
dulden zu müssen, falls er ihre Forderungen nicht erfülle. Ihm drohe eine
menschenrechtswidrige Behandlung. Wegen seiner zehnjährigen Landes-
abwesenheit verfüge er nicht mehr über ein sozio-familiäres Netzwerk in
Pakistan. Er habe keine Chance auf Reintegration. Eine Rückkehr würde
ihn in eine existenzbedrohende Lage bringen, zumal die COVID 19 Pan-
demie zu einer akuten humanitären Krise in seiner Herkunftsregion geführt
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habe. Er habe ein Schuldiplom, eine Wohnsitzbestätigung, die Identitäts-
karte des Bruders (alles in Kopie) und Fingerabdrücke abgegeben. Seine
Identität müsste daher feststellbar sein. Er habe auf den Identifikationspro-
zess keinen Einfluss; das Malaise liege bei den Verhältnissen seiner Hei-
matregion, der Region der Federally Administered Tribal Areas (FATA). Er
habe während des ganzen Asylverfahrens angegeben, keine Identitätspa-
piere zu besitzen. Dies wäre jedoch Voraussetzung für die Beschaffung
weiterer Identitätspapiere. Gemäss Bericht des UNICEF habe in der Re-
gion der FATA die Rate der Geburtsregistrierungen im Jahr 2018 ein Pro-
zent betragen. Es sei daher naheliegend, dass weder er noch seine Ge-
schwister oder Eltern Geburtsurkunden vorweisen könnten. Da er kein so-
zio-familiäres Beziehungsnetz in Pakistan habe, könne er dort keinen be-
mühen. Zudem könnte er den Rechtsvertreter nicht bezahlen. Um über die
Webseite https://id.nadra.gov.pk/ ein Ausweisdokument zu erhalten, be-
dürfe es einer Identifikationsnummer oder eines offiziellen Dokuments. Er
habe sich über diese Webseite keinen Ausweis ausstellen lassen können.
Der Vorinstanz sei dies offenbar auch nicht gelungen, obwohl sie die Iden-
titätskarte seines Bruders gehabt habe. Er habe seine Fingerabdrücke ab-
gegeben. Offenbar sei kein Vergleichsmaterial gefunden worden. Er sei of-
fensichtlich in keinem System der pakistanischen Behörden registriert und
könne deshalb nicht identifiziert werden. Folglich sei die Ausstellung eines
Ersatzreisepapiers unmöglich, zumal die Vorinstanz selbst erfolglos bei der
pakistanischen Botschaft seine Identifikation verlangt habe. Der Vorwurf
der Verschleierung seiner Identität sei reine Spekulation. Die kantonalen
Behörden seien der Ansicht, er sei seiner Mitwirkungspflicht nachgekom-
men.
6.
6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen
gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweis-
standard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie
sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls we-
nigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
6.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz eine Weiterreise der Ausländerin
http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/24
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oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen. Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlings-
eigenschaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von
Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwend-
bar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allge-
meinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3
BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und
andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). Gemäss der Praxis des Europäi-
schen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-
Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Ge-
fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl.
EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar
2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124–127).
Der Beschwerdeführer bringt vor, seine Heimatregion C._ sei ein
Aufmarsch- und Rekrutierungsgebiet für verschiedene radikal islamische
Terrororganisationen, ohne weiter zu begründen, weshalb ihm dadurch
eine konkrete Gefahr von Folter und unmenschlicher Behandlung drohen
würde. Dies genügt nicht, um einen "real risk“ glaubhaft zu machen. Auch
aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass
dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Pakistan eine menschen-
rechtwidrige Behandlung drohen würde, zumal es ihm nicht gelungen ist,
eine asylrechtlich beachtliche Verfolgung darzulegen. Auch die allgemeine
Menschenrechtssituation in Pakistan lässt den Wegweisungsvollzug nicht
als unzulässig erscheinen.
6.3
6.3.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
6.3.2 In Pakistan herrscht keine landesweite Situation allgemeiner Gewalt,
die zur Annahme führen müsste, jede dorthin zurückkehrende Person sei
mit erheblicher Wahrscheinlichkeit konkret gefährdet. Der Wegweisungs-
vollzug ist daher generell zumutbar. Die Sicherheitslage in der Heimatre-
gion des Beschwerdeführers – C._ – ist zwar als kritisch zu be-
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Seite 11
zeichnen, nach Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts ist der Weg-
weisungsvollzug dorthin aber dennoch zumutbar (vgl. Urteile des BVGer
D-3723/2020 vom 5. August 2020 E. 3.3.2; D-2003/2017 vom 24. August
2017 S. 5 f.), zumal eine Verbesserung der Sicherheitssituation zu be-
obachten ist (vgl. FATA Research Center [FRC], Khyber Pakhtunkhwa Tri-
bal Districs Annual Security Report 2019, < http://frc.org.pk/wp-content/up-
loads/2020/01/1.-Final-Security-Report-former-FATA-2019.pdf >, abgeru-
fen am 20.11.2020).
6.3.3 Das Bundesverwaltungsgericht befand im Urteil E-7016/2013 vom
12. Februar 2014 den Wegweisungsvollzug für zumutbar und führte zur
Begründung aus, der Beschwerdeführer verfüge über eine zehnjährige
Schulbildung und habe während mehrerer Jahre selbständig gearbeitet,
weshalb es ihm ohne weiteres möglich sein dürfte, wieder eine wirtschaft-
liche Existenz in Pakistan aufzubauen. Das Vorliegen eines sozialen Be-
ziehungsnetzes war für das Bundesverwaltungsgericht nicht Vorausset-
zung für die Zumutbarkeit. An dieser Einschätzung hat sich nichts geän-
dert, zumal der Beschwerdeführer nach wie vor gesund ist. Hinzu kommt,
dass an seinem Vorbringen, er habe den Kontakt zu seinem gehbehinder-
ten Bruder in Pakistan verloren und verfüge dort somit über kein soziales
Beziehungsnetz mehr, erhebliche Zweifel bestehen. Die Vorinstanz befand
in ihrer Verfügung vom 13. November 2013 den Angriff der 45 Taliban auf
sein Haus, bei dem sein Vater und sein Bruder gestorben sein sollen, für
unglaubhaft. Das Bundesverwaltungsgericht stütze diese Einschätzung im
rechtskräftigen Urteil E-7016/2013. Es ist somit davon auszugehen, dass
der Angriff der Taliban nicht stattgefunden hat. Folglich dürften der Vater
und der Bruder nach wie vor am Leben sein. Des Weiteren erscheint es
nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer keinerlei Verwandte vä-
terlicherseits und mütterlicherseits haben soll. Vielmehr ist davon auszu-
gehen, dass er in Pakistan über ein familiäres, soziales Beziehungsnetz
verfügt, das ihn bei der Wiedereingliederung unterstützen könnte.
Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvollzug
nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt voraus,
dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, sondern
voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf Mo-
nate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären Hin-
dernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entscheidun-
gen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e). Bei der Corona-Pandemie handelt es
sich – wenn überhaupt – um ein bloss temporäres Vollzugshindernis, wel-
chem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden
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Seite 12
Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situa-
tion im Heimatland angepasst wird. Der Vollzug erweist sich deshalb auch
in individueller Hinsicht als zumutbar.
6.4
6.4.1 Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertre-
tung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedoku-
mente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Weg-
weisung grundsätzlich als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
6.4.2 Eine Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs liegt nur bei objekti-
ven Hindernissen vor; es muss klar erkennbar sein, dass der Vollzug der
Wegweisung aus technischen oder rechtlichen Gründen auf nicht abseh-
bare Zeit unmöglich sein wird, wobei die Ursachen ausserhalb des Ein-
flussbereichs der betroffenen Person liegen müssen (vgl. Art. 83 Abs. 7
Bst. c AIG; BGE 138 I 246 E. 2.3). Gemäss BVGE 2008/34 E. 12 auferlegt
sich die Beschwerdeinstanz angesichts der Tatsache, dass die für den
Wegweisungsvollzug zuständigen Behörden mit Fragen der technischen
Abwicklung einer Ausschaffung besser vertraut sind, eine gewisse Zurück-
haltung bei der Prüfung der Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. So ist
praxisgemäss eine vorläufige Aufnahme wegen Unmöglichkeit des Weg-
weisungsvollzugs erst dann anzuordnen, wenn die Ausschaffung einer
ausreisepflichtigen Person, die selbst nicht freiwillig ausreisen kann, wäh-
rend eines Jahres unmöglich geblieben ist und sie dies auf eine Zeitdauer
von mindestens einem Jahr weiterhin sein dürfte.
6.4.3 Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, er habe seine Mitwirkungs-
pflicht erfüllt, indem er die Fingerabdrücke abgegeben, Dokumente einge-
reicht, das Antragsformular unterschrieben und freiwillig sieben Mal bei der
pakistanischen Botschaft vorgesprochen habe. Es sei daher nicht sein Ver-
schulden, dass er durch die pakistanischen Behörden nicht habe identifi-
ziert werden können. Nach Erhalt des negativen Asylentscheides erklärte
er anlässlich des Gesprächs zur Beschaffung von Identitäts- oder Reise-
papieren vom 2. Dezember 2013 er sei nicht bereit, die Schweiz zu verlas-
sen. Er habe nichts unternommen, um sich Ersatzreisepapiere zu beschaf-
fen; insbesondere habe er deswegen keinen Kontakt zur pakistanischen
Botschaft aufgenommen. Am 23. Juli 2014 wurde der Beschwerdeführer in
Ausschaffungshaft genommen und am 8. August 2014 der pakistanischen
Botschaft polizeilich zugeführt. Bei der Befragung zur Identität weigerte er
sich, das Antragsformular für das Ersatzreisepapier auszufüllen. Anlässlich
der Haftbesuche lehnte er eine freiwillige Rückkehr nach Pakistan ab. Erst
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nach einer Verlängerung der Ausschaffungshaft war er am 22. Oktober
2014 bereit, das besagte Formular zu unterschreiben. Bereits am 16. Feb-
ruar 2015 reichte er ein erstes Wiedererwägungsgesuch mit dem Antrag
auf vorläufige Aufnahme ein. Am 10. Mai 2017 stellte er ein Härtefallge-
such. Das Interesse des Beschwerdeführers an einer Rückkehr nach Pa-
kistan scheint folglich gering zu sein. Vor diesem Hintergrund ist auch seine
angebliche Mitwirkung beim Identifikationsprozess zu beurteilen. Die Fin-
gerabdrücke wurden dem Beschwerdeführer routinemässig abgenommen.
Die Dokumente (Schuldiplom, Wohnsitzbestätigung, Kopie der Identitäts-
karte seines Bruders) reichte er bereits zu Beginn des Asylverfahrens ein.
Seine Mitwirkung nach Erhalt des negativen Asylentscheides bestand in
dem von den Behörden veranlassten, unfreiwilligen Ausreisegespräch auf
der pakistanischen Botschaft und der unter Druck geleisteten Unterschrift
auf dem Antragsformular für das Ersatzreisepapier. Die Vorinstanz teilte
seiner ehemaligen Rechtsvertreterin mit, ein erneutes Vorsprechen des
Beschwerdeführers auf der pakistanischen Botschaft ohne weitere Anga-
ben seinerseits sei für den Identifikationsprozess durch die pakistanischen
Behörden nicht von Nutzen. Sein siebenmaliges Vorsprechen bei der pa-
kistanischen Botschaft ohne weitere Informationen zu seiner Identität
preiszugeben, war daher von Anfang an für seine Identifikation ungeeignet,
was ihm bewusst gewesen sein dürfte. Eine Erfüllung der Mitwirkungs-
pflicht kann darin nicht erblickt werden. Hinzu kommt, dass – wie in Erwä-
gung E. 6.3.3. ausgeführt – davon auszugehen ist, dass der Beschwerde-
führer in Pakistan über Familienmitglieder verfügen dürfte, über welche
seine Identifikation durch die pakistanischen Behörden möglich sein sollte.
Insgesamt ist die bisherige Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs der
fehlenden Mitwirkung des Beschwerdeführers geschuldet. Es gibt keinen
Hinweis auf eine objektive Unmöglichkeit. Der Wegweisungsvollzug ist da-
her als möglich einzustufen.
6.5 Das SEM hat den Wegweisungsvollzug aufgrund des Gesagten zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da seine Rechtsbegehren je-
doch nicht von vornherein als aussichtslos betrachtet werden können und
seine Bedürftigkeit aufgrund der Akten ausgewiesen ist, ist das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1
VwVG gutzuheissen. Es sind somit keine Verfahrenskosten zu erheben.
8.2 Die Beschwerdeinstanz, ihr Vorsitzender oder der Instruktionsrichter
bestellt der Partei einen Anwalt, wenn es zur Wahrung ihrer Rechte not-
wendig ist (Art. 65 Abs. 2 VwVG). Der Rechtsvertreter des Beschwerdefüh-
rers äusserte sich im Wiedererwägungsgesuch vom 8. April 2020 und in
der Beschwerde vom 8. Juni 2020 (Verfahren E-2966/2020) ausführlich zur
Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs.
Die vorliegende Beschwerde ist nahezu identisch mit der Beschwerde vom
8. Juni 2020. Der Beizug eines Anwalts zur Wahrung seiner Rechte war
daher nicht notwendig, zumal es sich beim Wiedererwägungsgesuchs um
ein ausserordentliches Rechtsmittel handelt, bei welchem die Notwendig-
keit nur mit Zurückhaltung bejaht wird. Das Gesuch um Beiordnung eines
amtlichen Rechtsbeistandes nach Art. 65 Abs. 2 VwVG ist abzuweisen.
9.
Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 13. November 2020 verfügte Voll-
zugsstopp dahin.
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