Decision ID: 268aa776-0840-5fa7-9527-34605193811b
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970, und gelernte technische Zeichnerin, ist Mutter eines 1994 geborenen Sohnes. Seit 1996 ist sie geschieden (
Urk.
7/76). Sie war ab Februar 2002 bei der
Y._
in einem Teilzeitpensum im Se
kre
tariat tätig (
Urk.
7/106/17). Nach Erhalt der Kündigung des Arbeitsver
hält
nisses durch die Arbeitgeberin per Ende März 2004 erlitt sie am 26. Januar 2004 einen Autounfall, bei dem ein Wagen von hinten in ihr vor einem ge
schlos
se
nen Bahnübergang stehendes Auto fuhr. Es wurden eine
Halswirbel
säu
len
dis
tor
sion
und eine Distorsion/Kontusion des recht
en Handgelenkes diag
nos
tiziert
(
Urk.
7/84/118). Der Unfallversicherer des damaligen Betriebes, die Schwei
zeri
sche Unfallversicherungsanstalt (Suva), erbrachte die gesetzlichen Leistungen für die ab dem Unfalltag attestierte Arbeitsunfähigkeit bis Ende März 200
7.
1.2
Am 2
6.
Mai 2005 hatte sich die Versicherte bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet (
Urk.
7/74). Die IV-Stelle hatte den
Arbeit
geber
bericht
vom
8.
Juli 2005 (
Urk.
7/81) eingeholt und diverse me
di
zi
nische Akten beigezogen, darunter die Akten der S
uva
(
Urk.
7/84/1-161). Sie hatte Kenntnis von einem Arbeitseingliederungsversuch genommen, den die Suva ab Mai 2005 organisiert hatte. In dessen Folge war der Versicherten eine Anstellung in einem Pensum von 20 bis 30
%
angeboten worden (
Urk.
7/94/49). Am 1
3.
Mai 2008 war das MEDAS-Gutachten des
Z._
ein
gegangen, das die IV-Stelle in Auftrag gegeben hatte (
Urk.
7/106). Dieses liess die IV-Stelle auch der Suva zukommen. In der Folge beschied die Suva der Versicherten im
Einspracheentscheid
vom 1
8.
Juni 2008, dass diese an keinen unfallkausalen Folgen mehr leide, und sie stellte die Taggeldleistungen per 3
1.
März 2007 ein. Das gegen diesen Entscheid angerufene
Sozialversiche
rungs
gericht
des Kantons Zürich wies im Urteil vom 2
3.
Februar 2010 (Verfah
ren Nr.
UV.2008.00231) die Sache an die Suva zur ergänzenden Abklärung der medizinischen Sachlage zurück (
Urk.
7/142).
Die IV-Stellte erliess am 1
5.
August 2008 einen Vorbescheid, in welchem sie das Vorliegen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens und deshalb jegliche Leistungspflicht verneinte (
Urk.
7/111). Nach Einwand der Versicherten und Einreichung des Gutachtens von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
B._
, vom
3.
Mai 2009 (
Urk.
7/124), sowie des neu
rologischen Gutachtens von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Neurologie,
D._
, vom 1
5.
Juni 2009 (
Urk.
7/124), untersuchte
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, die Versi
cher
te am 2
5.
Januar 2010 erneut, nachdem er diese bereits anlässlich der Be
gut
achtung im
Z._
gesehen hatte (Gutachten vom
1.
Februar 2010;
Urk.
7/140). Vom 2
0.
Januar bis
8.
April und vom 1
7.
April bis
3.
Mai 2011 be
gab sich die Versicherte in die stationäre Pflege der psychiatrischen Privatklinik
F._
(
Urk.
7/160/3).
Die
Suva veranlasste am 1
3.
Mai 2011 im Nachgang zum Urteil des Sozialversicherungsgerichts beim
G._
ein polydisziplinäres MEDAS-Gutachten. Die IV-Stelle schloss sich diesem Auftrag mit eigenen Fragen an. Am 3
1.
Januar 2013 erging das Gutachten (
Urk.
3/5). Mit Verfügung vom 1
4.
Mai 2013 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren erneut mit dem Hinweis auf das Nichtvorhandensein eines invalidisierenden Gesundheitsschadens ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess die Versicherte am 1
2.
Juni 2013 Beschwerde erheben und die Zusprechung einer ganzen Invalidenrente beantragen; eventualiter liess sie die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zum Neuentscheid verlangen (
Urk.
1). Die IV-Stelle beantragte in der Beschwerdeantwort vom 1
5.
August 2013 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7 ATSG in der bis Ende 2007 gültig gewesenen
, hier anwendbaren
Fassung).
1.2
Im Zusammenhang mit Schmerzleiden
hat
das Bundesgericht in BGE 127 V 294 E. 4c und 5a
erwogen
, dass eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität ist. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu erfolgende Beurteilung, ob und inwiefern der versi
cher
ten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offenstehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar ist. Damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann, sind von der soziokulturel
len Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbststän
digte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfä
higkeit unabdingbar.
Bezüglich der unter die Kategorie der psychischen Leiden fallenden
somatofor
men
Schmerzstörungen entschied das Bundesgericht in BGE 130 V 352 E. 2.2.2 und 2.2.3, dass im Rahmen der sozialversicherungsrechtlichen Leistungsprüfung Schmerzangaben durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig feststellbare Befunde hinreichend erklärbar sein müssen, andernfalls sich eine rechtsgleiche Beurteilung der Rentenansprüche nicht gewährleisten lässt. Solche Leiden ver
mögen in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG führende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu bewirken. Die - nur in Ausnahmefällen anzunehmende - Unzumutbarkeit einer willentlichen Leidensüberwindung und eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess setzt voraus: das Vorliegen einer mitwirkenden, psychisch ausgewiesenen
Komorbi
dität
von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer oder aber das Vorhandensein anderer qualifizierter, mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllter Kriterien wie chronische körperliche Begleiterkrankungen und mehr
jähriger Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerfristige Remission, ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Be
langen des Lebens, ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer
inner
seelischer
Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden
Kon
fliktbewältigung
(primärer Krankheitsgewinn) oder schliesslich unbefriedigende Behandlungsergebnisse trotz konsequent durchgeführter
Behandlungsbemühun
gen
(auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte Re
habilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der versicherten Person.
Diese Rechtsprechung wendet das Bundesgericht analog auch auf diejenigen Fälle an, bei denen eine Distorsion der Halswirbelsäule ohne organisch nach
weisbare Funktionsausfälle festgestellt wurde und deren Folgen in eine
chroni
fizierte
Schmerzproblematik münden (BGE 136 V 279).
1.3
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entschei
dend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begrün
det sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Dem Entscheid der Beschwerdegegnerin, dass keine invalidisierende
Gesund
heits
störung
vorhanden ist, die zu einer Rente berechtigen würde (
Urk.
2), liegt das e
rwähnte MEDAS-Gutachten des G._
zu Grunde. Die Beschwerdeführerin war anlässlich eines stationären Aufenthalts während des Zeitraums vom 1
2.
bis 1
6.
November 2012 im
G._
internistisch, orthopädisch, neurologisch, psychiatrisch und neuropsychologisch abgeklärt worden. In einer
konsensualen
Beratung kamen dabei die Gutachter im Gutachten vom 3
1.
Januar 2013 zu den relevanten Diagnosen einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung, einer rezidivierenden depressiven Störu
ng (gegenwärtig remittiert)
und einem Ver
dacht auf eine hyperkinetische Störung (differentialdiagnostisch:
Persönlich
keitsakzentuierung
) (
Urk.
3/5 S.
76).
Die Gutachter beschrieben hinsichtlich des Zustandes, die Versicherte
klage
über konstant vorhandene belastungsabhängige verstärkte Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in beide Schultern und den Hinterkopf. Intermittierend werde eine Schmerzausstrahlung in die Innenseite des linken Armes bis zum kleinen Finger angegeben mit einer Taubheit ebenda
.
In der Untersuchung bewege sich die Versicherte jedoch frei. Ein Hartspann der paravertebralen Muskulatur sei nicht objektivierbar, festzustellen sei eine leichte muskuläre
Dysbalance
und es
wür
den
vor allem zahlreiche
Druckdolenzen
angegeben. Eine MRI-Untersuchung der HWS nach dem Unfall habe
leichtgradige
degenerative Veränderungen im Sinne von
Chondrosen
der
cervikalen
Bandscheiben mit einer leichten
Protru
sion
bei C5/6 ergeben. Weitere aktuelle konventionelle Bilder zeigten
eine leichte
Fehlhaltung im Seitenbild, jedoch keine über das Altersentsprechende hinausgehenden Veränderungen. Klinisch würden sich auch keine Anhalts
punkte für das Vorliegen eines
radikulären
Reiz- oder sensiblen
Ausfallsyn
droms
als Erklärung für die im linken Arm angegebene Ausstrahlung bzw.
Ge
fühlsstörung
ergeben. Nachdem eine Untersuchung elektrodiagnostischer Natur
keine Schädigung ergeben habe, müsse die Gefühlsstörung letztlich als ursäch
lich unklar beurteilt werden.
Es liege somit deskriptiv aus somatischer Sicht ein Schmerzsyndrom im Nacken-/Schulterbereich vor. Es bestehe eine Diskrepanz zwischen den angege
benen Beschwerden und deren Auswirkungen im Alltag und bei der Arbeit zu den fehlenden objektivierbaren Befunden. Auffallend sei auch der Verlauf der Schmerzsymptomatik über einen Zeitraum von vielen Jahren ohne relevante Besserung, gerade auch mit Blick auf die Tatsache, dass das Geschwindi
g
keits-Delta-V so gering gewesen sei, dass die festgestellten Befunde und Beschwerden eher nicht mit dem Unfall erklärbar gewesen seien. Diese Diskrepanz sei im Rahmen einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung zu interpretieren.
Psychiatrischerseits
bestünden prätraumatisch erhebliche psychosoziale
Belas
tungsfaktoren
und Konflikte.
Die Gutachter erwähnten sodann Inkonsistenzen. Die Versicherte sei trotz der geltend gemachten Schmerzen in der Lage, mit Fahrzeug und Wohnwagen in die Ferien zu reisen, mithin übe sie durchaus auch anspruchsvolle Aktivitäten aus. Sodann bestünden entgegen ihrer Darstellung durchaus auch intensivere soziale Aktivitäten mit einer Freundin, und die Versicherte könne gemäss ihrer Darstellung sich an den Besuchen des Sohnes erfreuen, sie habe auch Freude an Kontakten mit den Eltern und der Freundin. Auch anlässlich der psychiatrischen Untersuchung habe keine relevante depressive Störung bestanden. Es sei davon auszugehen, dass diese remittiert sei (
Urk.
3/5 S. 80 f.).
Zu den Auswirkungen der Diagnosen der rezidivierenden depressiven Störung (gegenwärtig remittiert) sowie des Verdachts auf eine hyperkinetische Störung (differentialdiagnostisch: Persönlichkeitsakzentuierung) äusserten die Gutachter die Ansicht, dass eine Reduktion des Rendements von 10
%
vorliege. Sowohl die angestammte als auch eine angepasste Tätigkeit, bei der die Versicherte nicht unter einem zu grossen Zeit- und Leistungsdruck stehe, seien der Versi
cherten zumutbar. Das Ausmass der
somatoformen
Schmerzstörung erachteten sie als minimal, sie verwiesen dabei auch auf die dargestellten Inkonsistenzen (
Urk.
3/5 S. 88 ff.).
2.2
Die Beschwerdeführerin lässt gegen das Gutachten zusammengefasst vorbrin
gen, es seien ihr im Laufe der 10 Jahre seit dem Unfall nie Aggravations- oder
Inkonsistenzvorwürfe
gemacht worden. Vielmehr sei es aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich gewesen, die Ende Dezember 2005 vorgesehene Steige
rung des Arbeitsverhältnisses bis auf 60
%
vorzunehmen (
Urk.
1 S. 4 f.). Auch die gegenwärtig innehabende Anstellung als Sitzwache könne sie nicht über ein Pensum von 10 bis 20
%
steigern, ohne dass die Schmerzen regelmässig
exazerbierten
. Sodann sei sie mit der Mutter abwechselnd fahrend mit dem Auto in die Ferien gefahren, der Wohnwagen sei fest stationiert im Schwarz
wald und werde nicht verschoben. Sie dementiert sodann psychosoziale
Belas
tungsfaktoren
, die gemäss Gutachter zu den Beschwerden geführt haben sollten (
Urk.
1 S. 7). Die seitens der Gutachter attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit im angestammten Berufsfeld sei nicht nachvollziehbar, nachdem sie während über 9 Jahren die Arbeitsfähigkeit trotz finanzieller Not nicht habe steigern können. Sie widerspreche auch den Einschätzungen sämtlicher anderer Ärzte, trotz identischer Diagnosen. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin verfüge sie nicht über die persönlichen Ressourcen, um wieder auf dem ersten Arbeits
markt tätig zu sein (
Urk.
1 S. 10).
3.
3.1
Die von den Gutachtern gestellte Diagnose für die geklagten Schmerzen im Nacken-/Schulterbereich einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung über
zeugt.
Sie wurde nach eingehender Untersuchung, sorgfältiger Erhebung der Anamnese, unter Berücksichtigung sämtlicher relevanter
Vorakten
und über
zeugend begründet gestellt. Denn k
einer der Ärzte vermochte bildgebend eine objektivierbare Ursache für die vielschichtigen Schmerzen zu finden. Die kurz nach dem Unfall vorgenommenen auch neurologischen Untersuchungen brachten keine pathologischen objektivierbaren Befunde hervor, so dass der Neurologe
Dr.
H._
bereits wenige Monate nach dem Unfall von einem prolongierten
zervikozephalen
Schmerzsyndrom sprach (
Urk.
7/165/161, 7/165/179). Ebenso stufte der neurologische Gutachter des
G._
Dr.
I._
die objektivierbaren Befunde an der Halswirbelsäule, nämlich die degenerativen Veränderungen in der Form von
Chondrosen
der
cervikalen
Bandscheiben, als
leichtgradig
ein und wies darauf hin, dass auch die von der Versicherten ge
klagte Gefühlsstörung im linken Arm als ursächlich unklar beurteilt werden müsse, ebenso wie der von ihr geklagte Schwindel. Er schloss eine neurologi
sche Pathologie aus (
Urk.
3/5 S. 51 f.). Der orthopädische Gutachter
Dr.
J._
taxierte die Befunde bei seiner Untersuchung an der
Halswirbel
säule
als
leichtgradig
, es bestehe nur eine leichte asymmetrische
Bewegungs
einschrän
kung
ohne eigentliche Blockade bei muskulärer
Dysbalance
, und er
wähnte ebenfalls, dass in keiner Phase strukturelle traumatische Veränderungen in den bildgebenden Untersuchungen festgestellt werden konnten (
Urk.
3/5 S.
42).
Die psychiatrische Diagnose der anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung wird auch seitens der Beschwerdeführerin nicht in Frage gestellt (
Urk.
1 S. 6). Vielmehr geht auch sie davon aus, dass die von ihr geklagten Schmerzen nicht
mit somatisch nachweisbaren Befunden erklärt werden können. Der psychiatri
sche Gutachter
Dr.
K._
begründete diese psychiatrische Krankheitsdiagnose (ICD-10 F45.4) denn auch damit, dass bei der Beschwerdeführerin genügend emotionale und psychosoziale Momente vorlägen, die für diese Diagnose spre
chen würden, und er erwähnte dabei die Tatsachen, dass die Versicherte bis zum Unfall beruflich nur noch in diversen ausbildungsfernen Gelegenheitsarbeiten tätig gewesen war, dann vom Unfall im Kündigungszeitpunkt getroffen wurde, zudem damals mit ihrem verhaltensauffälligen
Sohn
, der in einem Heim unter
gebracht war, konfrontiert war und zudem in einer Beziehung zu einem Mann stand, die durch Aussenbeziehungen des Mannes belastet war (
Urk.
3/5 S. 67). Dem Einwand der Versicherten, dass sie vor dem Unfall unter viel grösseren psychosozialen Problemen gelitten habe, ohne dass eine Arbeitsunfähigkeit re
sultiert habe, weshalb sie die Bedeutung psychosozialer Belastungen für die Arbeitsunfähig
keit ausschliesst, ist entgegen
zuhalten, dass es nicht ungewöhn
lich ist, dass psychosoziale Herausforderungen unter üblichen Umständen gemeistert werden können, dass sie jedoch beim Zusammentreffen mit einem Krisenmoment, wie ein Unfall darstellen kann,
exazerbieren
und in relevanter Weise in den Vordergrund treten, wie dies offenbar bei der Beschwerdeführerin der Fall war. Denn der psychiatrische Gutachter erwähnte, dass der Unfall die Versicherte, die sich in einem labilen Gleichgewicht befunden habe, aus der Bahn geworfen habe (
Urk.
3/5 S. 68). Demgegenüber vermochte der psychiatri
sche Gutachter des
Z._
Dr.
E._
im Gutachten vom 1
3.
Mai 2008 wie auch im Gutachten vom
1.
Februar 2010 (
Urk.
7/140) keine psychische Patholo
gie zu erkennen, weshalb er keine Diagnosen stellte (
Urk.
7/106/38). Dies über
zeugt aber nicht, wie die Gutachter des
G._
zu Recht festgestellt haben. Denn zum einen klagte die Versicherte über Beschwerden, die objektiv nicht nach
vollziehbar waren, bei gleichzeitig vorliegenden erheblichen emotionalen Kon
flikten und psychosozialen Problemen. Sodann stand die Beschwerdeführerin unter psychopharmakologischer Medikation und in psychiatrischer Therapie (
Urk.
7/106/33), Umstände, die der damalige Gutachter überhaupt nicht wür
digte.
Dr.
K._
vom
G._
hingegen nahm diesen Verlauf der psychischen Befindlichkeit in seinem Gutachten auf, vermochte gleichzeitig zu vermelden, dass die Befunde remittiert seien; deshalb
diagnostizierte
er
eine
rezidivierende depressive Störung
,
gegenwärtig
remittiert
(
Urk.
3/5 S. 76).
Bei der Beschwerdeführerin mündete somit die anfänglich diagnostizierte Distor
sion der Halswirbelsäule (
Urk.
7/165/160) in eine
chronifizierte
Schmerz
problematik
, wie dies das Bundesgericht auch in anderen Fällen mehrfach fest
gestellt hat (BGE 136 V 279 E. 3.2.2). Es ist auch vorliegend
deshalb
zu prüfen, ob die bei der Beschwerdeführerin diagnostizierte Schmerzverarbeitu
ngsstörung
invalidisierend ist, unabhängig davon, ob andere Ärzte
bei gleicher Diagnose
jeweils eine Arbeitsunfähigkeit attestiert hatten (Urteile des Bundesgerichts 9C_850/2013 vom 1
2.
Juni 2014 E. 3.2, 8C_195/2008 vom 1
6.
Dezember 2008 E. 6).
Dabei gilt es zu prüfen, ob ausnahmsweise die Kriterien gegeben sind, die für eine Unüberwindbarkeit dieses Krankheitsbildes sprechen (
sog. Foerster-Kriterien;
vgl. oben E. 1.2).
3.2
Im Zeitpunkt der Begutachtung der Versicherten durch das
G._
vermochte der psychiatrische Gutachter keine psychische
Komorbidität
festzustellen. Die Be
schwerdeführerin zeigte sich zwar in ernster Stimmung, sie zeigte jedoch einen sich entwickelnden Antrieb und beim Berühren entsprechender Themen konnte sie emotional gut auftauen und die Stimmung war modulationsfähig, auch zeigte die Versicherte keine auffälligen
mnestischen
Funktionen (
Urk.
3/5 S. 59). Der Gutachter sprach deshalb in Anbetracht der Vorgeschichte der Beschwer
deführerin von einer rezidivierenden depressiven Störung, die allerdings im Zeitpunkt der Begutachtung remittiert war (ICD-10 F33.4;
Urk.
3/5 S. 60). Anlässlich der Hospitalisierung in der Klinik
L._
am 2
9.
März 2005 wurden neben einem
zephalo
-zervikalen Schmerzsyndrom, einer
Somatisie
rungsstörung
auch depressive Stimmungsschwankungen ärztlich festgestellt, es konnte jedoch bereits während des Aufenthalts eine Verbesserung der Situation erreicht werden (
Urk.
7/165/51). Auch die Ärzte der
M._
hielten im Bericht vom
3.
März 2007 eine depressive Störung fest (
Urk.
7/165/413). Die Versicherte befand sich sodann vom
5.
Januar bis
3.
April 2009 in einem teilstationären Aufenthalt in der psychiatrischen Tagesklinik des
N._
, wo die Ärzte damals von einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F33.1) ausgingen und verschiedene psychosoziale Belastungsfaktoren erwähnten (
Urk.
7/119). Ebenfalls von einer mittelgradigen depressiven Episode gingen die Ärzte der Privatklinik
F._
während des Auf
enthalts der Versicherten dort während der Zeiträume vom 2
0.
Januar bis
8.
April 2011 und vom 1
7.
April bis
3.
Mai 2011 aus (
Urk.
7/160/3), wohin sich die Versicherte begeben hatte, nachdem ihre langjährige Partnerschaft zerbro
chen war (
Urk.
7/160/4), ebenso wie der von der Versicherten aufgesuchte psy
chiatrische Privatgutachter
Dr.
med.
A._
im Gutachten vom
3.
Mai 2009 (
Urk.
7/124/15 ff.). Mittelgradige depressive Episoden stellen nach der Recht
sprechung des Bundesgerichts keine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depressionen im Sinne eines verselbständigten Gesundheitsschadens dar, die es der betroffenen Person verunmöglichten, die Folgen der Schmerzstörung zu überwinden (Urteile des Bundesgerichts
9C_736/2011
vom
7.
Februar 2012 E. 4.2.2.1, 9C_803/2008 vom 2
9.
Mai 2009 E. 5.3.2 mit Hinweisen; SVR 2011 IV Nr. 57 S. 171, 8C_958/2010 E. 6.2.2.2). Gerade der Verlauf bei der
Beschwerdeführerin zeigt die schwankenden Perio
den auf, indem die depressiven Episoden fluktuierend und nicht anhaltend gleichbleibend waren. Auch die weitere gestellte psychiatrische
Vedachtsdiag
nose
einer hyperkinetischen Störung (ICD-10 F.90.1) stellt keine relevante selb
ständige
Komorbidiät
dar, zumal diese Diagnose vor allem rückblickend für vergangene Zeiträume gestellt wurde und der psychiatrische Gutachter nur noch von geringfügigen Residualbeschwerden sprach (
Urk.
3/5 S. 67). Gesamthaft ist zu folge
r
n, dass bei der Versicherten keine psychisch ausgewiesene
Komorbidi
tät
von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer vorhanden war oder ist, die die
somatoforme
Schmerzstörung als unüberwindbar erscheinen liesse.
Auch das Kriterium der chronischen körperlichen Begleiterkrankung ist nicht erfüllt. Denn die Beschwerdeführerin leidet an keiner objektivierbaren chroni
schen somatischen Erkrankung, wobei
als solche nicht gerade
jenes Leiden gel
ten kann, welches die Beschwerden aufrechterhält (Urteil des Bundesgerichts 9C_709/2009 vom 1
4.
Dezember 2009 E. 4.1.4).
Hinsichtlich ihres sozialen Lebens ist anzuführen, dass die Beschwerdeführerin kurz vor dem Unfall eine neue Lebensgemeinschaft mit einem Mann eingegan
gen war, die während der Dauer der Rekonvaleszenz vom Unfall und bis 2010 dauerte. Die Versicherte pflegte daneben auch Kontakt zu den Kindern dieses Mannes, sie hatte und hat noch immer Kontakt und Unterstützung durch eine langjährige Freundin (
Urk.
3/8) und
ihre Eltern und
pflegt
auch Kontakt zu ihrem Sohn (
Urk.
3/5 S. 30, 55). Auch nach dem Beziehungsabbruch zu diesem Lebenspartner aufgrund von dessen Aussenbeziehungen blieben die übrigen Kontakte bestehen (
Urk.
3/6 S. 61). Auch wenn die Versicherte, wie sie darlegte, einige ihrer früheren Hobbies wie Skifahren, Motorradfahren, Wandern und Werken nicht mehr ausübt (
Urk.
3/5 S. 30), kann nicht gesagt werden, dass ein Rückzug der Versicherten in allen Belangen des Lebens besteht. Weiterhin ver
mag sie die erwähnten Beziehungen zu pflegen, auch in die Ferien zu fahren, und sie hat ein kleines Pensum in einer
O._
-Organisation als Sitzwache inne (
Urk.
3/5 S. 31). Diese in verschiedenen Bereichen nach Aussen tretenden Ver
haltensweisen sind entscheidender als die von Bekannten beschriebenen Verän
derungen der Beschw
erdeführerin in den einzelnen Be
ziehungen, die zudem auch unterschiedlich wahrgenommen wurden. So spricht eine der Kolleginnen von Wesensveränderungen der Beschwerdeführerin seit dem Unfall, während die andere die Beziehung selber als unverändert schildert (
Urk.
3/8, 3/10
)
.
Das Vorliegen des
Kriterium
s
eines therapeutisch nicht mehr angehbaren
inner
seelischen
Verlaufs einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden
Konfliktbewältigung
(
primärer Krankheitsgewinn
)
wurde von
Dr.
K._
mit dem Hinweis auf den zwar chronischen, mehrjährigen, jedoch nicht immer gleich bleibenden, sondern unter Zuhilfenahme einer psychiatrischen Behand
lung fluktuierenden Verlauf
ausdrücklich verneint
(
Urk.
3/5 S. 69). Dem ist zu
zustimmen. Der Gutachter hielt dafür, dass bei gezeigter Motivation durch die Versicherte eine integrativ-psychiatrische Behandlung empfehlenswert wäre, um mit diesen medizinischen Massnahmen zu einer Verbesserung der Arbeitsfähig
keit zu gelangen (
Urk.
3/5 S. 95). Indem die Versicherte zuletzt
nurmehr
in hausärztlicher Therapie stand, kann nicht gesagt werden, dass sie die therapeu
tischen Möglichkeiten ausgeschöpft hat.
Im Lauf der Zeit nach dem Unfall hatte sich die Beschwerdeführerin in verschie
dene Therapien begeben. Dabei waren deren Ergebnisse teilweise vielverspre
chend. So verlief der stationäre Aufenthalt vom 2
9.
März bis 1
3.
Mai 2005 in der Klinik
L._
durchaus erfreulich, indem die Ärzte festhielten, der
Chronifizierungsprozess
habe durch Perspektivenverlagerung und Aktivierung aufgehalten werden können
,
und empfahlen, dass die Versicherte sowohl die Psychotherapie als auch das körperliche Eigentraining (wie beispielsweise Nor
dic Walking, Ergometer) fortsetzen solle (
Urk.
7/165/53). In der Folge gelang der berufliche Wiedereinstieg nicht wie gewünscht. Denn einem Arbeitsversuch in der Administration einer Schreinerei ab 2
2.
Juni bis
1.
Dezember 2005 folgte ab
1.
Dezember 2005 eine Anstellung als Büroangestellte in einem Pensum von zwischen 20
und
30
%
(
Urk.
3/6). Ab 1
3.
September 2006 wurde
die Versicherte
von ihrem Hausarzt wieder zu 100
%
arbeitsunfähig geschrieben (vgl. Urteil des Sozialversicherungsgerichts im Verfahren UV.2008.00231 vom 2
3.
Februar 2010 S. 6). In der daraufhin aufgesuc
hten
M._
wurde eine passive Schmerzbewältigungsstrategie (Entspannungstrainings) notiert (
Urk.
7/165/413), erneut wurde unter anderem eine aktive Therapieform für die Bewältigung der Schmerzen empfohlen. Nach Erhalt der Kündigung im Dezember 2007 (
Urk.
3/7) erfolgte kein Arbeitsversuch durch die Versicherte mehr, obwohl anlässlich der Untersuchung in der
M._
im Frühjahr 2008 (
Urk.
7/165/311) und auch
im
Z._
im Jahr 2008 keine erheblichen Befunde
erhoben
worden waren (
Urk.
7/106). Erst ab März 2011 übernahm sie wieder ein kleines Pensum als Seniorenbetreuerin (
Urk.
7/166/13). Die Ärzte des
G._
wiesen in ihrem Gut
achten auf die Diskrepanz zwischen den von der Versicherten angegebenen Schmerzen, den fehlenden objektivierbaren Befunden und den von der Ver
si
cher
ten geltend gemachten Auswirkungen im beruflichen und sozialen Alltag
hin (
Urk.
3/5 S.
79), die in der Tat nicht einleuchten.
Bei dieser Sachlage kann nicht davon gesprochen werden, dass
unbefriedigende Ergebnisse
vorliegen
von konsequent durchgeführten Behandlungen (auch mit unterschiedlichem thera
peu
tischem Ansatz) und gescheiterte
n
Rehabilitationsmassnahmen
, obwohl sich die Versicherte motiviert gezeigt und
Eigenanstrengung
en vorgenommen hat
(BGE 132 V 65 E. 4.2.2
;
130 V 352 E. 2.2.3
).
3.3
Mangels Vorliegens der Foerster
Kriterien
ist somit auch gesamthaft davon aus
zugehen, dass die
somatoforme
Schmerzstörung überwindbar ist und daher nicht als invalidisierend im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG gelten kann. Die Beschwerdegegnerin hat einen Anspruch auf eine In
validenrente zu Recht ver
neint.
Die Beschwerde ist
demzufolge
abzuweisen.
4.
Das Verfahren ist kostenpflichtig (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG), ausgangsgemäss sind
die Kosten
im Betrag von
Fr.
700.
--
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.