Decision ID: a5bd2652-8524-5a8d-9f05-c014706eb3ba
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ bezog seit August 2012 Ergänzungsleistungen zu seiner IV-Rente (act. G
3.1/49). Am 28. April 2016 liess der Versicherte Rechnungen betreffend den
Kostenanteil an das Begleitete Wohnen von Oktober 2015 bis März 2016 sowie eine
Rechnung vom 23. April 2016 für eine neue Brille einreichen (act. G 3.2/7). Mit einer
Verfügung vom 13. Mai 2016 bejahte die EL-Durchführungsstelle die Übernahme der
angegebenen Kosten für die interne Begleitung im Rahmen der Krankheits- und
Behinderungskosten. Die Kosten für die Brille könnten hingegen nicht übernommen
werden, da es sich dabei nicht um ein im Bereich der Ergänzungsleistungen
anerkanntes Hilfsmittel handle (act. G 3.2/4). Daraufhin wandte sich der Versicherte am
15. Juni 2016 an das Versicherungsgericht St. Gallen und liess sinngemäss erklären, er
sei auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Seine Krankenversicherung übernehme
die für eine Brille anfallenden Kosten nur alle drei Jahre im Umfang von Fr. 200.--.
Deshalb habe sich das Gericht für die Änderung der einschlägigen
Verordnungsbestimmungen dahingehend einzusetzen, dass neu ein Teil der Kosten für
eine Brille durch die SVA gedeckt werde. Ausserdem führte der Versicherte aus, für das
Kampfsporttraining, welches ihn psychisch positiv beeinflusse und welches er deshalb
fortsetzen wolle, fielen monatlich Fr. 100.-- zuzüglich die Kosten für die Fahrten mit
dem ÖV an, welche wohl von seinen Eltern übernommen werden müssten. Im Übrigen
benötige er bald keine Nicotinell-Pflaster zur "Raucherentwöhnung" mehr (act. G
3.3/21 S. 1 f.). Das Versicherungsgericht überwies dieses Schreiben am 22. Juni 2016
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an die EL-Durchführungsstelle, damit diese es als Einsprache gegen die Verfügung
vom 13. Mai 2016 prüfe (act. G 3.3/19, 21 S. 3).
A.b Mit einem Einspracheentscheid vom 3. August 2016 wies die EL-
Durchführungsstelle die Einsprache des Versicherten ab. Zur Begründung führte sie
aus, die Krankheits- und Behinderungskosten würden im Rahmen der
Ergänzungsleistungen nur für bestimmte Hilfsmittel übernommen. Brillen seien in der
einschlägigen Verordnungsbestimmung nicht aufgeführt, weshalb die angefochtene
Verfügung rechtmässig gewesen sei. Weiter erklärte die EL-Durchführungsstelle, es
stehe dem Versicherten frei, ein Gesuch um Kostenübernahme der Brille bei der IV-
Stelle zu stellen. Auch Pro Infirmis und Pro Senectute übernähmen unter bestimmten
Voraussetzungen die Kosten für Brillen (act. G 3.3/4).
B.
B.a Dagegen liess der Versicherte (nachfolgend Beschwerdeführer) am 17. August
2016 Beschwerde erheben und sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheides
vom 3. August 2016 beantragen. Zur Begründung liess der Beschwerdeführer
ausführen, er wolle die Änderung der einschlägigen Verordnungsnorm, die dazu führe,
dass die Kosten für die Brille nicht durch die EL übernommen würden, anstossen.
Diese Norm entspreche nämlich nicht mehr den im 21. Jahrhundert vorherrschenden
sozialen Grundsätzen. Vielmehr müsse der Teilbetrag, der durch die Krankenkassen
nicht übernommen werde, über die Ergänzungsleistungen gedeckt sein. Dies würde
verhindern, dass die Gesuchsteller auf "Betteltour" gehen müssten und sich somit
positiv auf die Lebensqualität und diePsyche der Betroffenen auswirken. Bei Pro
Infirmis und Pro Senectute werde er aus diesen Gründen kein Gesuch einreichen (act.
G 1).
B.b In einer Beschwerdeantwort vom 25. August 2016 beantragte die EL-
Durchführungsstelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) die Abweisung der
Beschwerde und verwies zur Begründung auf ihre Erwägungen im
Einspracheentscheid (act. G 3).

Erwägungen
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1.
1.1 Gemäss Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (SR 830.1; ATSG) kann gegen Verfügungen innerhalb von 30
Tagen bei der verfügenden Stelle eine Einsprache erhoben werden. Der
Beschwerdeführer hat am 15. Juni 2016 ein "Gesuch an das Versicherungsgericht,
dass die IV/EL auch finanzielle Unterstützung in Sachen Brille und
Gesundheitsförderungs-Schule übernimmt", einreichen lassen. Zunächst stellt sich die
Frage, ob dieses "Gesuch" überhaupt als eine Einsprache gegen die Verfügung vom
13. Mai 2016 hat interpretiert werden können. Mit dieser Verfügung hatte die
Beschwerdegegnerin u.a. gestützt auf Art. 14 Abs. 1 lit. f des Bundesgesetzes über
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (SR
831.30; ELG) i.V.m. Art. 15 Abs. 1 der Verordnung über die Vergütung von Krankheits-
und Behinderungskosten bei den Ergänzungsleistungen (sGS 351.53; VKB) die
Kostenübernahme für eine Brille verneint. Art. 52 Abs. 1 ATSG stellt in formeller
Hinsicht keinerlei Anforderungen an eine Einsprache. Allerdings muss für die Annahme
einer Einsprache immerhin der Wille erkennbar sein, die erlassene Verfügung nicht zu
akzeptieren (UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Auflage 2015, Art. 52, Rz 28 ff.). Der
Beschwerdeführer hat in seinem Schreiben vom 15. Juni 2016 erklären lassen, der
Verordnungsartikel, auf den sich die Beschwerdegegnerin bei der Begründung ihres
ablehnenden Entscheid gestützt habe, also der Art. 15 VKB, sei für ihn nicht
verständlich (EL-act. 21). Um diese Aussage in Bezug auf den Einsprachewillen
interpretieren zu können, ist das als Beschwerde bezeichnete Schreiben des
Beschwerdeführers vom 17. August 2016 zu beachten. In diesem hat er nämlich
ausführen lassen, es gehe ihm nicht darum, den Entscheid der Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, sondern darum, dass die Rechtsgrundlage, auf welche sich der
Entscheid der Beschwerdegegnerin, die Kostenzusprache für eine Brille zu verweigern,
stütze, unter der Berücksichtigung der heutigen sozialen Einstellung nicht mehr haltbar
sei (act. G 1). Dem Beschwerdeführer ist somit offenbar bewusst gewesen, dass die
Verfügung der Beschwerdegegnerin unter der Berücksichtigung des Wortlauts des Art.
15 VKB korrekt gewesen ist. Allerdings ist er der Ansicht gewesen, dass dieser
Wortlaut nicht mehr mit den heutigen sozialen Standards vereinbar (vgl. die Anmerkung
des Beschwerdeführers im Schreiben vom 17. August 2016, die Bestimmung stamme
"wahrscheinlich noch aus dem 19. Jahrhundert") und somit nicht mehr gesetzmässig
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sei, weshalb er, würde diese Norm zeitgemäss interpretiert werden, einen Anspruch auf
die Übernahme der Kosten für eine Brille im Rahmen der Krankheits- und
Behinderungskosten hätte. Weil der Beschwerdeführer offenbar der Meinung gewesen
ist, eine solche Modifikation des Wortlauts müsse durch das Gericht und nicht durch
die verfügende Instanz selbst vorgenommen werden, hat er sich mit seinem Schreiben
vom 15. Juni 2016 direkt an das Versicherungsgericht St. Gallen gewandt. Das
Vorgehen des Beschwerdeführers bringt also unabhängig von seinem tatsächlichen
Gedankengang zum Ausdruck, dass er mit dem Resultat der Verfügung vom 13. Mai
2016, nämlich dass die Kosten für die Brille nicht übernommen würden, nicht zufrieden
gewesen ist und dass er im Ergebnis über eine Neuinterpretation des Art. 15 VKB eine
Änderung des Verfügungsinhaltes mit Bezug auf die Übernahme der Kosten für die
Brille hat erreichen wollen. Deshalb hat die Beschwerdegegnerin, obwohl sich der
Beschwerdeführer an die falsche Instanz gewandt hat und sein Einsprachewillen nicht
auf den ersten Blick erkennbar gewesen ist, das Schreiben des Beschwerdeführers
vom 15. Mai 2016 zu Recht als Einsprache behandelt (vgl. act. G 3.3/4).
1.2 Das Versicherungsgericht St. Gallen hat das "Gesuch" des Beschwerdeführers
vom 15. Juni 2016 denn auch in Erfüllung des Art. 30 ATSG am 22. Juni 2016 als
mögliche Einsprache gegen die Verfügung vom 31. März 2016 an die
Beschwerdegegnerin weitergeleitet (act. G 3.3/21 S. 3). Diese hat am 3. August 2016
einen entsprechenden Einspracheentscheid erlassen (EL-act. 4). Bei fristgebundenen
Eingaben, die nicht formgerecht oder bei einer unzuständigen Stelle eingereicht
werden, ist für die Fristwahrung gemäss Art. 29 Abs. 3 ATSG der Zeitpunkt
massgebend, in dem sie der Post übergeben werden. Das "Gesuch" des
Beschwerdeführers trägt einen Poststempel vom 15. Juni 2016 und es ist am 16. Juni
2016 beim Versicherungsgericht St. Gallen eingegangen (act. G 3.3/21). Die
angefochtene Verfügung ist am 13. Mai 2016 erlassen worden. Der 13. Mai 2016 ist ein
Freitag gewesen. Die Verfügung ist weder per Einschreiben noch mit A+ Post
verschickt worden, weshalb die Beschwerdegegnerin nicht nachweisen kann, dass der
Beschwerdeführer die Verfügung bereits am Samstag, den 14. Mai 2016, erhalten hat.
Weil weder feststeht, dass die Verfügung am Tag der Ausstellung verschickt worden
ist, noch dass der Beschwerdeführer sie vor Montag, dem 16. Mai 2016 erhalten hat,
ist davon auszugehen, dass er mit seiner Eingabe vom 15. Juni 2016 die 30-tägige
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Einsprachefrist gewahrt hat. Die Beschwerdegegnerin ist daher zu Recht auf die am 15.
Juni 2016 erhobene Einsprache eingetreten.
2.
2.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 13. Mai 2016 hat die Beschwerdegegnerin
das Gesuch um eine Kostenübernahme in Bezug auf die interne Betreuung bewilligt
und in Bezug auf die Brillenrechnung vom 23. April 2016 gestützt auf Art. 14 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (SR 831.30; ELG) i.V.m. Art. 15 der Verordnung über die
Vergütung von Krankheits- und Behinderungskosten bei den Ergänzungsleistungen
(sGS 351.53; VKB) abgewiesen (act. G 3.2/4, 7 S. 2). Die Zusprache der
Kostenübernahme für die interne Betreuung ist durch den Beschwerdeführer nicht
angefochten worden, weshalb dieser Teil der Verfügung in formelle Rechtskraft
erwachsen und somit nicht Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens ist. In seiner
Einsprache hat der Beschwerdeführer die Abänderung der für die Abweisung der
Übernahme der Kosten für seine Brille einschlägigen Verordnungsnorm beantragt.
Ausserdem hat er Ausführungen zu den mit dem Besuch des Kampfsporttraining
verbundenen Kosten sowie zu den Kosten der Nicotinell-Pflaster gemacht (act. G
3.3/21). Weil sich die Verfügung vom 13. Mai 2016 nicht zur Vergütungsfähigkeit
derartiger Kosten als Krankheits- und Behinderungskosten geäussert hat, kann nur die
Frage der Vergütungsfähigkeit der Kosten der Brille Gegenstand des angefochtenen
Einspracheentscheides gewesen sein. Die Beschwerdegegnerin hat sich im
angefochtenen Einspracheentscheid denn auch nur diesbezüglich geäussert. Da der
Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens nicht weiter sein kann als der
Gegenstand des Einspracheverfahrens, kann die Frage nach der Vergütungsfähigkeit
der Kosten für das Kampfsporttraining und für die Nicotinell-Pflaster vom Gericht nicht
beantwortet werden. Zu beurteilen ist einzig, ob die Beschwerdegegnerin das Gesuch
um die Übernahme der Kosten für eine Brille im Rahmen der Krankheits- und
Behinderungskosten zu Recht mit Verweis auf Art. 15 VKB abgewiesen hat.
2.2 Gemäss Art. 14 Abs. 1 ELG vergüten die Kantone den Bezügerinnen und Bezügern
einer jährlichen Ergänzungsleistung ausgewiesene, im laufenden Jahr entstandene
Kosten u.a. für Hilfsmittel. Gemäss Abs. 2 dieser Norm bezeichnen die Kantone die
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Kosten, die nach Abs. 1 vergütet werden können. Dieser Aufgabe ist der St. Gallische
Verordnungsgeber nachgekommen, indem er in Art. 15 VKB die Hilfsmittel
abschliessend aufgezählt hat, für die im Rahmen der Ergänzungsleistungen die Kosten
übernommen werden. Brillen finden sich, wie die Beschwerdegegnerin zu Recht
festgestellt hat, in dieser Norm nicht. Die herrschende Rechtsprechung geht davon
aus, dass der Wortlaut von Art. 15 VKB bezüglich die Nichterwähnung von Brillen und
Kontaktlinsen korrekt ist (vgl. z.B. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 19. Februar 2009, EL 2008/53). Der Beschwerdeführer hat dagegen
sinngemäss einwenden lassen, dass eine den heutigen gesellschaftlichen und sozialen
Standards entsprechende, objektiv-geltungszeitliche teleologische Interpretation des
Art. 15 VKB von dessen aktuellen Wortlaut abweichen müsse. Sie müsse nämlich zum
Ergebnis führen, dass der Wortlaut des Art. 15 VKB eine echte Lücke enthalte, die
dadurch gefüllt werden müsse, dass auch die Kosten für Brillen (und Kontaktlinsen) im
Rahmen der Krankheits- und Behinderungskosten zu übernehmen seien. Für die
Hilfsmitteleigenschaft dieser Sehhilfen spricht, dass sie für Menschen mit einer
Sehschwäche im Alltag in der Tat unverzichtbar sind. Allerdings tragen so viele
Menschen eine Brille (oder Kontaktlinsen), dass vielmehr davon auszugehen ist, dass
die Kosten für solche Sehhilfen bereits im Rahmen der Pauschale für den allgemeinen
Lebensbedarf (vgl. Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 ELG) Berücksichtigung gefunden haben.
Ausserdem hat der Gesetzgeber dem kantonalen Verordnungsgeber in Art. 14 Abs. 2
ELG zur Bestimmung der Kosten, die im Rahmen der Krankheits- und
Behinderungskosten vergütet werden können, einen grossen Ermessensspielraum
zugestanden. Dass der kantonale Verordnungsgeber diesen Ermessensspielraum
teilweise zu Lasten der Versicherten genutzt hat, indem er beispielsweise auf die
Nennung der Kosten für Brillen und Kontaktlinsen explizit verzichtet hat, kann ihm
deshalb nicht vorgeworfen werden. Somit besteht kein Anlass, den Wortlaut Art. 15
VKB im Sinne der Ausführungen des Beschwerdeführers als lückenhaft und damit als
ausfüllungsbedürftig zu interpretieren. Für eine Übernahme der Kosten der neuen Brille
des Beschwerdeführers als Krankheits- und Behinderungskosten besteht deshalb
keine Rechtsgrundlage. Der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin erweist
sich als rechtmässig.
3.
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Somit ist die Beschwerde abzuweisen, soweit auf sie eingetreten werden kann.
Gemäss Art. 61 lit. a ATSG sind keine Gerichtskosten zu erheben.