Decision ID: bc8357ef-7945-4c30-a120-51435d86cabd
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
M
it Verfügung vom 4.
November 1998
sprach die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
X._
, geboren 1964,
rückwirkend ab 1. November 1996
eine ganze Rente
zu (Urk.
6
/15).
Die Überprüfung des Invaliditätsgrades ergab gemäss Mitteilungen vom
9.
November 2000, vom
20. Ja
nu
ar 2003, vom 23. März 2006 und vom 5. Mai 2008 jeweils keine rentenbeeinflussende Änderung, so dass der Rentenanspruch jedes Mal bestätigt wurde (Urk.
6/45,
Urk.
6
/56, Urk.
6
/68, Urk.
6
/83).
Anlässlich der im Mai 2011 eingeleiteten Rentenrevision (Urk.
6
/92) holte die IV-Stelle
unter anderem
ein psychiatrisches Gutachten
ein
, welches am 7. Mai 2012 erstattet wurde (Urk.
6
/106). Am 21. November 2012
auferlegte die IV-Stelle dem Versicherten eine Schadenminderungspflicht betreffend Teilnahme an Eingliederungsmassnahmen
(Urk.
6
/116)
. In der Folge nahm der Versicher
t
e an einer
Integrationspotentialabklärung (IPAK)
im
Y._
,
teil, worüber am
10. Juni 2013 Bericht erstattet wurde (Urk.
6
/139).
M
it Verfügung vom 25. September 2013 (Urk.
6
/150
)
hob die IV-Stelle
die Verfügung vom 4. November 1998 und die Mit
teilung vom 9. November 2000 wiedererwägungsweise auf und stellte die Rente auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats ein.
Mit Urteil vom 2
1.
Mai 2014 im Verfahren Nr. IV.2013.00977
hob das
hiesige G
ericht di
e Verfügung der IV-Stelle vom 2
5.
September 2013
(
Urk.
6/150
) auf und wies die Sache
zur Prüfung der Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit und
zur
Gewährung
von
allfälligen
Eingliederungsmassnahmen und anschliessendem erneu
ten Entscheid über den Rentenanspruch
an
die IV-Stelle zurück (
Urk.
6/
156
E. 7.5,
Dispositiv
Ziff.
1).
1.2
Die IV-Stelle veranlasste in der Folge
eine Potentiala
b
klärung durch die
Z._,
über welche am 1
7.
Oktober 2014 Bericht erstattet wurde (
Urk.
6/190). Am 2
3.
Oktober 2014 teilte die IV-Stelle dem Versicherten den Abschluss der D
ienstleistungen im Bereich der b
eruflichen Eingliederung mit (
Urk.
6/192).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/198,
Urk.
6/199,
Urk.
6/203) hob die IV-Stelle
mit Verfügung vom 1
7.
März 2015
die Verfügung vom
4.
November 1998 und die Mitteilung vom
9.
November 2000 wiedererwägungsweise auf und stellte die Rente auf Ende des der Zustellung folgenden Monats ein (
Urk.
6/206 =
Urk.
2).
2.
Der
Versicherte erhob am 2
9.
April 2015
Beschwerde gegen die Verfügung vom
1
7.
März 2015
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm
weiterhin die bisherige ganze Invaliden
rente auszurichten (
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
1.
Mai 2015
(
Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
8.
Juni 2015 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
17 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des
Sozialversiche
rungsrechts
(ATSG) sind laufende Renten fü
r die Zukunft zu erhöhen, herabzu
setzen oder aufzuheben, wenn sich der Inval
iditätsgrad in einer für den An
spruch erheblichen Weise ändert. Anlass
zur Rentenrevision gibt jede wesentli
che Ä
n
derung in den tatsächlichen Verhältnisse
n, die geeignet ist, den Invali
ditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu
beeinflussen. Ob eine solche Änderung einge
treten ist, beurteilt sich durch Vergleich de
s Sachverhaltes, wie er im Zeit
punkt der ursprünglichen Rentenv
erfügung bestanden hat, mit demje
ni
g
en zur Zeit der streitigen Revi
sionsverfügung (BGE 105 V 29).
Fehlen
die
in
Art.
17 ATSG genannten V
oraussetzungen, so kann die
Ren
ten
ver
fü
gung
lediglich nach den für die Wiedererwägung rechtskrä
ftiger
Ver
wal
tungs
verfügungen
geltenden Regeln abgeändert werden. Danach ist die Ver
wal
tung befugt, auf eine formell rechtskräf
tige Verfügung, welche nicht Gegenstand mate
rieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn sich diese als zweifellos unrichtig erwei
st und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeu
tung ist (
Art.
53
Abs.
2 ATSG).
Sie ist verpflichtet, darauf zu
rückzukommen, wenn neue Tatsachen oder
neue Beweismittel entdeckt wer
den, die geeignet sind, zu einer andern rechtlichen Beurteilung zu führen (BGE 110 V 176 E. 2a, 292 E. 1 mit Hinweisen). Das Ger
icht kann eine zu Unrecht ergangene Revisionsver
fügung gegebenenfalls mit der substituierten B
egrün
dung schützen, dass die ur
sprüngliche Rentenverfügung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist
(BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinwei
sen; vgl. auch BGE 128 V 272 E. 5b/
bb
; Urteil des Bundesgerichts 9C_562/2008 vom
3.
November 2008 E. 2.2 mit Hinweis).
1.2
Bei der Beurteilung, ob eine Wiedererwägung w
egen zweifelloser Unrichtigkeit zulässig sei, ist vom Rechtszust
and auszugehen
, wie er im Zeitpunkt des
Verfü
gungserlasses
be
standen hat, woz
u auch die seinerzeitige Rechtspraxis ge
hört;
eine Praxisänderung vermag aber kaum je die frühere Praxis
als zweifellos unrichtig erscheinen zu las
sen (BGE 125 V 383 E. 3 S. 389).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit, der
sehr eingeschränkte Integrationswille des Beschwerdeführers habe die
Reintegrati
o
nsfähigkeit
erheblich reduziert
,
und die
berufliche Eingliederung sei daher mit Mitteilung vom 2
3.
Oktober 2014 abgeschlossen worden (S. 3 oben).
Der
Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers
habe sich
nicht verändert
.
Sein
sehr eingeschränkte
r
Integrationswille
habe keine Auswirkungen auf die medi
zinisch-theoretische Restarbeitsfähigkeit
(S. 3 Mitte)
.
Die aktuellen medizinischen Akten bestätigten keine weiteren somatischen Beschwerden mit Auswirkun
g auf die Arbeitsfähigkeit (S. 3 unten f.
).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer
in seiner Beschwerde (
Urk.
1)
geltend,
das rechtliche Gehör sei verletzt worden, indem es die Beschwerdegegnerin trotz Kenntnis
seiner Vertretung
durch Rechtsanwalt Wiesendanger
unterlassen
habe
, diesem ihre nach dem Urteil ergangenen Mitteilungen und Entscheide zukom
men zu lassen. Da die Mitteilungen und Entscheide in Verletzung von
Art.
37
Abs.
1 und
Abs.
3 ATSG
ergangen seien, könn
t
en di
ese keine Verbindlichkeit haben
(S. 8
f
f
.
Ziff.
3
lit
. a
-d
).
Weiter hätten die Abklärungen bei der
Z._
bestätigt, dass es ihm aktuell nicht möglich und zumutbar sei
, seine theoretisch vorhandene
Arbeitsfähigkeit auch tatsächlich zu verwerten
(S. 10
lit
. d)
.
Schon die Abklärung im
Y._
im Juni 2013 habe ergeben, dass eine erfolgreiche und nachhaltige Integration kaum wahrscheinlich sei.
Die Aufhebung der Invalidenrente sei somit nicht rechtens (
S. 11
lit
. d).
Dem Bericht des Hausarzte
s
vom
6.
November 2014 sei zu entnehmen, dass neben den psychischen Beschwerden eine „persistierende
Visusverminderung
bei parazentraler Hornhautnarbe“ und „ch
ronische Spannungskopfschmerzen“
bestünden
. Die Veränderung der Seh-Art
und die
Visusminderung
führten
bei jeglicher Anstre
ngung zu heftigen Kopfschmerzen. E
r sei schon aus diesen Grün
den kaum mehr in der Lage, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen
(S. 12
lit
. f.)
.
Die ursprüngliche
Rentenzusprache
sei aus rein psychiatrischen Gründen erfolgt. Da schon aus rein psychiatrischer Sicht eine 1
00%ige Arbeitsunfähig
keit bejaht
worden sei, sei die Augenverletzung nicht näher untersucht und
berücksichtig
t
worden. Im
Gutachten vom Mai 2012
sei ihm lediglich aus
psy
chi
atri
scher Sicht eine vollständige Arbeitsfähigkeit attestiert
worden
(S. 13 ff.
Ziff.
4
lit
. a-b).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Einstellung der Rentenleistungen mit Verfü
gung vom 1
7.
März 2015 (
Urk.
2) rechtens ist
oder ob weiterhin ein Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente besteht.
Vorab zu prüfen ist, ob das rechtliche Gehör verletzt wurde.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer
machte eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend, indem die Beschwerdegegnerin trotz angezeigtem Vertretungsverhältnis
fälsch
licherweise
Mitteilungen und Entscheide direkt an ihn gesendet habe (vorste
hend E. 2.2).
Dies wurde so von der Beschwerdegegnerin auch anerkannt
(vor
stehend E. 2.1).
3.2
Eine Partei kann sich, wenn sie nicht persönlich zu handeln hat, jederzeit ver
tre
ten oder, soweit die Dringlichkeit einer Untersuchung es nicht ausschliesst, verbeiständen lassen (
Art.
37
Abs.
1 ATSG). Im Sozialversicherungsrecht gilt der in
Art.
37
Abs.
3 ATSG ausdrücklich verankerte Grundsatz, dass der Versiche
rungsträger seine Mitteilungen an den Vertreter einer Partei zu richten hat, solange diese ihre Vollmacht nicht widerrufen hat. Dieser Grundsatz dient im Interesse der Rechtssicherheit dazu, allfällige Zweifel darüber zum Vornherein zu beseitigen, ob die Mitteilungen an die Partei selber oder an ihre Vertretung zu erfolgen haben, sowie um klarzustellen, welches die für einen Fristenlauf massgebenden Mitteilungen sein sollen.
Aus der mangelhaften Eröffnung einer Verfügung darf der betroffenen Person gemäss
Art.
49
Abs.
3 letzter Satz ATSG kein Nachteil erwachsen.
Nach der Rechtsprechung ist nicht jede mangelhafte Eröffnung schlechthin nich
tig. Aus dem
Grundsatz, dass den Parteien aus mangelhafter Eröffnung keine Nachteile erwachsen dürfen, folgt vielmehr, dass dem beabsichtigten Rechtsschutz schon dann Genüge getan wird, wenn eine objektiv mangelhafte Eröffnung trotz ihres Mangels ihren Zweck erreicht.
Das bedeutet nichts ande
res, als dass nach den konkreten Umständen des Einzelfalls zu prüfen ist,
ob die betroffene Partei durch den gerügten Eröffnungsmangel tatsächlich irregeführt und dadurch benachteiligt worden ist
. Richtschnur für die Beurteilung dieser Frage ist der auch in diesem prozessualen Bereich geltende
Grundsatz von Treu und Glauben
, an welchem die Berufung auf Formmängel in jedem Fall ihre Grenze findet (Urteil des Bundesgerichts 9C_791/2010 vom 1
0.
November 2010 E. 2.2, mit Hinweisen).
3
.3
Der Umstand, dass die Beschwerdegegnerin die nach dem Urteil vom Mai 2014 (
Urk.
6/156) ergangenen Mitteilungen betreffend die Eingliederungsabklärungen direkt dem Beschwerdeführer zustellte,
stellt unbestritten eine Verletzung
eines Verfahrensgrundsatzes
dar, gilt doch der in
Art.
37
Abs.
3 ATSG ausdrücklich verankerte Grundsatz, dass der Versicherungsträger seine Mitteilungen an den Vertreter einer Partei zu richten hat, solange diese ihre Vollmacht nicht wider
rufen hat
(vorstehend E. 3.2)
.
Hingegen legte der Beschwerdeführer
nicht dar
, welche Nachteile ihm aus der fehlerhaften Zustellung der Mitteilungen vom
1
0.
September 2014 (
Urk.
6/179)
und vom
2
3.
Oktober 2014 (
Urk.
6/
192
)
entstanden sein sollen
.
Insbesondere
wurde nicht geltend gemacht,
dass der Abschluss der Dienstleis
tungen im Bereich der
b
eruflichen Eingliederung mit Mi
tteilung vom 2
3.
Okto
ber 2014 (
Urk.
6/192) nicht rechtens gewesen
wäre
und
stattdessen
weitere Abklärungsmassnahmen gewünscht würden.
Ein
e Nichtigkeit der direkt dem Beschwerdeführer eröffneten Mitteilungen ist demnach zu verneinen.
Soweit durch die Verletzung des Verfahrensgrundsatzes von
Art.
37
Abs.
3 ATSG das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt wurde, ist grund
sätzlich von einer - nicht besonders schwerwiegenden - Verletzung auszugehen, die ausnahmsweise als geheilt gelten kann, da der Beschwerdeführer die Mög
lichkeit hat, sich vor dem hiesigen Gericht zu äussern, das sowohl den Sachver
halt wie die Rechtslage frei überprüfen kann. Von einer Rückweisung der Sache an die IV-Stelle wäre selbst bei Annahme einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs abzusehen, da die Rückweisung zu einem formalisti
schen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse des Beschwerdeführers an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 133 I 201 E. 2.2 S. 204).
4.
4.1
Streitig und zu prüfen ist sodann, ob die ursprüngliche
Leistungszusprache
zwei
fellos unrichtig gewesen und damit ihre wiedererwägungsweise Aufhebung zulässig ist.
Dazu hat das hiesige Gericht im unangefochten in Rechtskraft erwachsenen Urteil vom 2
1.
Mai 2014 (
Urk.
6/156 S.
5.
E. 3 und 4) Folgendes festgehalten:
4.2
Der am
4.
November 1998 rückwirkend ab November 1996 verfügten
Renten
zusprache
(
Urk.
6/15) lagen folgende medizinische Berichte zu Grunde:
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine
Innere
Medizin, stellte in seinem Bericht vom 2
6.
Juni 1997 (
Urk.
6/3) folgende Diagnosen (
Ziff.
3):
mittel- bis
schwergradige
depressive Reaktion nach traumatischer
Cor
neaperforation
durch Berufsunfall am 2
8.
November 1995
Fremdkörperextraktion am 2
8.
November 1995, konsekutive
Kataraktex
traktio
und Implantation einer
Hinterkammerlinse
am
1.
Dezember 1995
persistierende
Visusverminderung
bei parazentraler Hornhautnarbe
Dr.
A._
führte aus, der Beschwerdeführer sei in seinem bisherigen Beruf als Bauarbeiter seit dem 2
8.
November 1995 bis möglicherweise dauernd arbeits
unfähig (
Ziff.
1.5). Sämtliche medizinische Massnahmen zur Verbesse
rung der Arbeitsfähigkeit seien bisher fehlgeschlagen. Auch in einem anderen Beruf dürften die Beschwerden genau gleich sein (
Ziff.
1.6).
Dr.
A._
führte aus, der Beschwerdeführer habe im Anschluss an den Arbeits
unfall eine depressive Verstimmung entwickelt und leide an ausgespro
chenen Kopfschmerzen. Soweit er dies beurteilen könne, scheine der Beschwer
deführer tatsächlich zu leiden, und die Arbeit könne er nicht aufnehmen, da dann sofort noch viel stärkere Kopfschmerzen aufträten. Die Prognose sei mit grösster Vorsicht zu stellen und die Gefahr, dass der Beschwerdeführer dauernd arbeitsunfähig werde, sei gross (
Ziff.
4.1). Ergänzend führte
Dr.
A._
aus, eine berufliche Umstellung sei wahrscheinlich nicht sinnvoll. Mittelfristig könne vielleicht eine geschützte Werkstätte Linderung bringen. Es sollte sich dabei um eine psychisch wenig belastende Tätigkeit handeln (S. 3).
4.3
Die Ärzte des Sozialpsychiatrischen Dienstes der Klinik
B._
, stellten in ihrem Bericht vom
1.
Juli 1997 (
Urk.
6/5 =
Urk.
6/31/78-79) folgende Diagnosen (
Ziff.
3):
längere mittel- bis
schwergradige
depressive Reaktion nach Berufsunfall mit traumatischer
Corneaperforation
November 1995 (ICD-10 F43.21)
posttraumatisches Spannungskopfweh mit Übergang in Migräne ohne Aura
Die Ärzte führten aus, seit dem Arbeitsunfall vom 2
8.
November 1995 betrage die Arbeitsfähigkeit beim Beschwerdeführer 0
%
. Er befinde sich seit Ende November 1996 in ihrer ambulanten psychiatrischen Behandlung. Seit April 1997 sei ein Rehabilitationsprogramm (ambulante Ergotherapie/Physiotherapie) aufgebaut worden, dessen Verlauf auf längere Sicht eine vorsichtig positive Prognose bezüglich eines Wiedereinstiegs in der bisherigen Erwerbstätigkeit stellen lasse. Eventuell sei auch ein Wiederbeginn im ursprünglich gelernten Beruf als Radio-TV-Techniker zu prüfen. Berufliche Massnahmen seien ab Herbst 1997 als sinnvoll zu betrachten (
Ziff.
1.1). Die Beschreibung einer
behin
derungsangepassten
Tätigkeit sei angesichts der langsamen Rückbildung des Beschwerdebildes noch nicht möglich (
Ziff.
1.6). Aktuell bestehe eine
leichtgra
dig
depressive Grundstimmung bei erhaltener affektiver Ansprechbarkeit. Es seien keine Suizidalität oder Fremdgefährdung vorhanden. Der Antrieb sei gebessert. Er leide an leichten Durchschlafstörungen und habe
mehrmals täglich Spannungskopf
schmerzen mit einzelnen schmerzfreien Tagen (
Ziff.
4.3).
4.4
Dr.
med.
C._
, Oberarzt, und
Dr.
med.
D._
, Leiten
der Arzt, Psychosomatische Abteilung der Rehaklinik
E._
, diagnostizierten in ihrem Bericht vom 1
0.
März 1998 (
Urk.
6/8 =
Urk.
6/31/49-51 =
Urk.
6/101/26-28) eine mittelgradige depressive Störung mit somatischen Symptomen, ICD-10 F32.11 (S. 1).
Die Ärzte führten aus, während der Phase ihres Behandlungsversuches habe sich das Bild einer allenfalls mittelgradigen depressiven Verstimmung mit Schwer
punkt auf einer unveränderbaren Schmerzsymptomatik gezeigt, die im Anschluss an eine traumatische
Bulbusperforation
des linken Auges 1995 auf
ge
treten sei. Hinweise auf vorbestehende psychische Auffälligkeiten hätten sich nicht entdecken lassen.
Es müsse leider festgestellt werden, dass auch ein stationärer, interdisziplinärer Behandlungsansatz zu keiner Verbesserung geführt habe, wobei allerdings aus terminlichen Gründen eine Teilnahme an der Mal- und Musiktherapie nicht möglich gewesen sei (S. 3).
4.5
Die Ärzte des Ärztlichen Dienstes der Rehaklinik
E._
stellten in ihrem nach Aufenthalt des Beschwerdeführers vom 1
1.
Februar bis 1
1.
März 1998 erstellten
Aus
trittsbericht
vom 1
7.
März 1998 (
Urk.
6/7 =
Urk.
6/31/52-57 =
Urk.
6/101/7-12 =
Urk.
3/9) folgende Diagnosen (S. 1):
Unfall vom 2
8.
November 1995, traumatische
corneale
Bulbusperfora
tion
links, traumatisches Katarakt
2
8.
November 1995 Fremdkörperextraktion links
1.
Dezember 1995 Kataraktoperatio
n mit Implantation einer
Hinter
kam
merlinse
links bei traumatischem Katarakt
2
4.
Juni 1996 YAG-
Capsulotomie
bei
Fibrose
der hinteren Kapsel
Visusminderung
links, parazentrale Hornhautnarbe
längere, mittel- bis
schwergradige
depressive Reaktion
chronischer posttraumatischer Spannungskopfschmerz mit Übergang in Migräne
Die Ärzte der Rehaklinik
E._
führten aus, auch bei ihnen habe eine mittel
gradige depressive Störung mit Schmerzproblematik, aufgetreten im Anschluss an die traumatische
Bulbusperforation
, im Vordergrund gestanden. Die Symp
to
matik habe sich keinerlei Therapie zugängl
ich gezeigt, und eine
Weich
teil
prob
lematik
des Nacken- oder Schulterbereiches als mögliche
Kopfschmerzur
sache
bestehe nicht. Der Beschwerdeführer weise eine geringe psychophysische Belastbarkeit und eine Lärmempfindlichkeit auf (S. 2 unten).
Der Beschwerdeführer habe nach Absetzen der Medikation keine Veränderung des Zustandsbildes gezeigt. Er sei in den physikalischen Therapien bemüht und kooperativ gewesen, habe aber durchwegs einen leidenden und introvertierten Eindruck gemacht. Die Belastungssteigerung sei aufgrund verstärkter Kopf
schmerzen und Schwindelerscheinungen nicht möglich gewesen.
In der berufsorientierten Ergotherapie, wo der
Beschwerdeführer mit einer
Holz
arbeit
beschäftigt gewesen sei, hätten für ihn die Kopfschmerzen, die
Sehmin
derung
und die Lärmempfindlichkeit im Vordergrund gestanden. Er habe Angst vor Maschinen gehabt und alles mit der Hand ausgesägt, wobei er sich manuell als recht geschickt gezeigt habe. Auch hier
habe er einen
bedrückt-
dysphori
schen
Eindruck gemacht und keinen Kontakt zu Mitpatienten aufgenommen. Er habe zuletzt immerhin eineinhalb Stunden durchgehalten und seine Holzarbeit fertigstellen können (S. 2 Mitte).
Der Beschwerdeführer sei in seinem Beruf nicht arbeitsfähig, weshalb ein
Fall
abschluss
und eine IV-Anmeldung empfohlen werde (S. 2 unten). Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Die hausärztliche Weiterbetreuung sei wei
terzuführen. Physiotherapie oder ambulante Ergotherapie seien nicht vorgese
hen. Die Motivation des Beschwerdeführers vorausgesetzt, erfolge eine ambu
lan
te psychiatrische Weiterbetreuung im
B._
(S. 3 oben).
Bei Austritt habe der Beschwerdeführer angegeben, dass ihm der Aufenthalt keinerlei Besserung gebracht habe. Er habe nach wie vor jeden Tag Kopf
schmerzen, Nackenschmerzen wie Feuer und Schwindel. So könne er nicht arbeiten. Er wolle gesund werden, sei jedoch ratlos wie. Am besten hätten ihm die Kälteanwendungen geholfen und das einfache Wandern. Am Schlimmsten seien hier die Wassertherapie und die Ergotherapie wegen des Lärms gewesen. Sein ganzes Denken sei vom Schmerz beherrscht (S. 6).
4.6
Die Ärzte des Sozialpsychiatrischen Dienstes der Klinik
B._
, führten in ihrem Bericht vom 2
1.
April 1998 (
Urk.
6/10 =
Urk.
6/31/61-62) bei gleich gebliebenen Diagnosen (S. 1
Ziff.
2) aus, es fänden regelmässig zweiwöchentliche stützende Gespräche und eine medikamentöse antidepressive Behandlung statt. Seit dem 2
8.
November 1995 bestehe in der angestammten Tätigkeit als gelernter Radio-TV-Techniker und angelernter Maurer eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(S. 2
Ziff.
4-5). Zum aktuellen Zeit
punkt erscheine eine berufliche Abklärung nicht sinnvoll. Der Beschwerdeführer sei derzeit nicht in der Lage, v
ier Stunden konzentriert an all
fälligen Kursen und an praktischen Übungen teilzunehmen (S. 1
Ziff.
1). Er komme regelmässig zu Ge
sprächen, wobei ver
sucht werde, die Auseinanderset
zung mit dem Unfall und die Bearbeitung von Zukunftsperspektiven zu för
dern, was nur in begrenz
tem Rah
men, auch wegen bestehender Sprachprobleme,
möglich sei (S. 1
Ziff.
3). Thera
pieversuche mit verschiedenen Antidepress
iva sowie
neuroleptisch
mit
Risper
dal
seien nicht
sehr erfolgreich. Der Beschwerdeführer leide schnell unter Neben
wirkungen und setze die
Medikamentation
oft ohne Rücksprache selbst ab. Er klage vor all
em über chronische Kopf- und Na
ckenschmerze
n, leide unter Schlaf
störungen
und sei sehr lärm- und lichtempfindlich. Versuche einer Wieder
eingliederung durch den Besuch der ambulanten Ergotherapie, als erster Schritt einer Tagesstrukturierung, seien nur begren
zt nützlich gewesen, und die Behand
lung sei eigenständig vom Beschwerdeführ
er beendet worden. Vom
1.
Febru
ar bis 1
1.
März 19
98 sei er in der Rehaklinik
E._
hospitalisiert gewesen, wo
bei auch dieser s
tationäre, interdisziplinäre Be
han
dlungsansatz zu keiner Verbesse
rung geführt habe. Der Beschwerdeführer stehe
nun seither wie
der in ihrer ambu
lanten
Betreuung, wobei weiterhin ver
sucht we
rde, das deut
lich depressive Zu
stand
sbild mit Hilfe von medikamentö
ser Behandlung zu ver
bessern (S. 2
Ziff.
3).
5.
5.1
Die Mitteilung vom
9.
November 2000 (
Urk.
6/45) basierte auf folgenden - zum Teil vom Unfallversicherer beigezogenen - Unterlagen:
Die Ärzte der Augenklinik des
F._
stellten in ihrem Bericht vom
6.
September 1996 (
Urk.
6/31/115-116 =
Urk.
6/101/55-56
) fol
gen
de Diagnosen (S. 1):
ophthalmologischer Status (OS):
Pseudophaki
e
bei Status nach kornealer
Bulbusperforation
mit intra
okularem
Fremdkörper und
Cataracta
trau
ma
tica
bei
Status nach Fremdkörper-Extraktion und Kataraktoperation
Status nach YAG-
Kapsulotomie
bei
Fibrose
der hinteren Kapsel
parazentrale Hornhautnarbe
chronische Kopfschmerzen mit Schmerzmittelabusus
Die Ärzte führten aus, es seien ergänzende U
ntersuchungen zwecks exakter Re
fraktion und Beurteilung des
Binokularsehens
durchgeführt worden. Am lin
ken Auge sei trotz optimaler Refraktion nur eine kleine Verbesserung zu erzie
len gewesen. Die beschriebene parazentrale Hornhautnarbe sei sicher
zur Zeit
für den reduzierten
Visus
verantwortlich (S. 1 unten). Die Laser-
Kapsulotomie
,
wel
che am 2
4.
Juni 1996 durchgeführt worden sei
, habe nicht zu der erhoffen
Visus
verbesserung
geführt. In den
orthoptische
n
Untersuchungen habe sich deut
lich herausgestellt, dass sogar ohne Brillenkorrektur e
ine volle
Binokularität
und
Ste
reopsis
vorhanden sei. Zusammenf
assend könne man sagen, dass be
züg
lich der ausgeprägten Kopfschmerzsymptomatik keine
okuläre
Ursache zu fin
den sei. Aus ophthalmologischer Sicht sei der Beschwerdeführer deshalb als Bauarbeiter zu 100
%
arbeitsfähig zu betrachten (S. 2).
5.2
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Opht
halmologie, führte in seinem Be
richt vom 2
5.
September 1998 zu
Handen
des Unfallversicherers (
Urk.
6/31/29-30) aus, dem Bericht der Augenklinik vom 1
1.
September 1997 (vgl.
Urk.
6/31/73) sei zu entnehmen, dass das vom Unfall nicht verletzte rechte Auge normal sei und einen vollen
Visus
habe. Das linke, verletzte Auge habe einen verminderten
Visus
, welcher korrigiert 0,4 betrage. Im Weiteren bestehe eine normale
Binokularität
. Das Gesichtsfeld sei ebenfalls beidseits praktisch normal (S. 1
Ziff.
2). Der Beschwerdeführer habe vor dem Unfall als angelernter Mauerer gearbeitet. Für die Ausführung dieser T
ätigkeit sei die vorhandene Seh
schärfe genügend. Da der Beschwerdeführer mit dem rechten Auge normal sehe, bestehe in der Praxis ein gutes Sehen. Eb
enfalls habe er noch ein Stereo
sehen, welches eingeschränkt sei. Es sei jedoch s
icher ausreichend für die Tätig
keit als Maurer. Im Weiteren müsse beurteilt werden
, ob der Beschwerdeführer
Gefahren
situa
tion
erkennen könne. Dafür sei
vorliegend das Gesichtsfeld verantwort
lich. Da dieses normal sei, bestehe diesbezügl
ich keine Einschränkung. Der Be
schwer
deführer dürfe also ohne Einschränkungen Gerüste besteigen und auch sch
were Baumaschinen bedienen (S.
1
Ziff.
3). Aus diesen Gründen be
stehe aus ophthal
mologischer Sicht praktisch eine n
ormale Arbeitsfähigkeit im ange
stammten Beruf als angelernter Maurer.
Diese Tätigkeit sei aus ophthalmologi
scher Sicht ganztags zumutbar (S. 2
Ziff.
4).
5.3
Dr.
A._
(vorstehend E. 4.2)
führte in seinem Bericht vom 2
3.
Dezember 1999 (
Urk.
6/30) aus, der Beschwerdeführer sei seit dem 2
8.
November 1995 zu 100
%
arbeitsunfähig als Bauarbeiter. Der Gesundheitszustand sei stationär (
Ziff.
1.2-5). Soweit er dies beurteilen könne, brächten weiter
e aktive Behand
lungen kei
nen Nutzen mehr. Deshalb habe er die mediz
inische Behandlung möglichst mini
miert. Der Beschwerdeführer wünsche zweimonatliche
Konsul
tationsintervalle
, welche er ziemlich exakt einhalte. In kurzen
Gesprächen werde jeweils festge
stellt, dass sich nichts geändert habe, und dann gebe
er dem Beschwerdeführer Schmerz
mittel. Glücklicherweise sei der Verbrauch nicht übermässig.
Dr.
A._
führte aus, er glaube nicht m
ehr, dass eine nennenswerte Verbesse
rung des Zustandes erwartet werden könne. Entsprechend erwarte er auch keine Fähigkeit zur Erwerbstätigkeit, womit
sich berufliche Massnahmen erüb
rigten (
Ziff.
4.1).
5.4
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte in seinem Gutachten vom
8.
Juni 2000 (
Urk.
6/36) als Diagnose eine mittelgradige depressive Episode, ICD-10 F32.1 (S. 5 Mitte).
Dr.
H._
führte aus, beim Versicherten hätten
sich die Symptome einer Depres
sion (depressive Stimmung, Verlust von Freu
de und Interesse, erhöhte Ermüd
bar
keit, Appetitverlust, Rückgang der Libido,
pessimistische Zukunftsperspekti
ve) fest
stellen lassen. Diese Symptome stünden in direktem Zusammenhang mit den subjektiv so intensiven Schmerzen, für welc
he es allerdings weder eine so
m
atische noch eine psychiatrische Erklärung gebe (S. 4 unten). Anscheinend seien Depression und Schmerzen gleichzeitig nach dem
Unfall aufgetreten und unter
hielten sich gegenseitig. Dass längerda
uernde Schmerzen sekundär zu
Deprimier
theit
führten, sei nicht ungewöhnlich. Der Verlust an Lebensqualität trage sicherlich auch zur Stimmungsabsenkung bei.
Da eine depressive Reaktion (ICD-10 F43.21) nach ICD nicht länger als zwei Jahre daure, sei eine mittelgradige depressive
Episode zu diagnostizieren. Na
türlich falle die Diskrepanz zwischen den somatischen Bef
unden sowie den da
von zu erwarten
den Beschwerden und den v
om Beschwerdeführer erlebten Be
schwerden auf, und man denke schnell an eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). Die ICD fordere jedoch, dass der Schmerz mit emotionalen Konflikten oder psychosozialen
Problemen auftrete, die schwer
wie
gend genug sein sollten, um als entscheiden
de ursächliche Einflüsse zu gel
ten. Die Lebensgeschichte des Beschwerdeführers und seine Lebenssituation zur Zeit des Unfalles h
ätten je
doch keine schlüssigen Hinweise dafür geboten (S. 5 oben).
Dr.
H._
führte aus, die Arbeitsfähigkeit werde
in erster Linie vom
Schmerzsyn
drom
beeinflusst. Gäbe es dieses nicht, so s
ei anzunehmen, dass sich
die de
pressive Verstimmung zurückbilden würde. Aktue
ll sei die Arbeitsfähigkeit auf
grund der erwähnten Symptomatik zu etwa 5
0
%
beeinträchtigt. So könne ge
mäss ICD-10 ein Patient mit einer mittelgradi
gen Depression nur unter e
r
heb
li
chen Schwierigkeiten soziale, häusliche und berufliche Aktivitäten fortsetzen.
Die Beeinträchtigung durch das Schmerzsyndrom sei schwerer zu beurteilen, da der Schmerz eine subjektive Erlebnisgrösse sei,
die zudem situativ variiere. Er
fahrungsgemäss könne vom Schmerz abgelenkt werden, unter anderem durch Arbeit und das Fehlen einer solchen könne dazu führen, dass man sich so sehr von seinen Schmerzen gefangen lasse, dass sich das Leben darum zentriere.
Dr.
H._
führte aus, Letzteres sei mit dem Be
schwerdeführer passiert. Die zumut
bare Willensanspannung, die für die Überwindung der Schmerzen geleistet wer
den müsse, sei beim Beschwerdeführer allerdings als gering einzuschätzen. Nach fünf Jahren 100%iger Arbeitsunfähigkeit und
frustraner
Therapieversuche scheine die Invalidisierung fixiert zu sein (S. 5 Mitte).
6.
6.1
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkei
t - als Schranke für ein
wiederer
wä
gungsweises
Zurückkommen auf e
ine formell rechtskräftige
Leistungszuspre
chung
- ist rechtsprechungsgemäs
s so zu handhaben, dass die Wiedererwä
gung nicht zum Instrument einer voraussetzungslosen Neuprüfung
von Dauerleistun
gen
wird, zumal es nicht dem Sinn der
Wiedererwägung entspricht, laufende An
sprüche zufolge nachträglicher bess
erer Einsicht der Durchführungsorgane jeder
zeit einer Neubeurteilung zuführen zu
können (Urteil des Bundege
richts I 276/04 vom 2
8.
Juli 2005 E. 5.1).
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn eine
Leistungszusprache
aufgrund falsch oder unz
utreffend verstandener
Rechtsre
geln
erfolgt ist oder wenn massgebende Besti
mmungen nicht oder unrichtig ange
wandt wurden. Anders verhält es sich, wenn
der Wiedererwägungsgrund im Be
reich materieller Anspruchsvoraussetzungen
liegt, deren Beurteilung not
wendiger
weise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvoraussetzu
ngen (
Invaliditätsbe
messung
, Ar
beitsunfähigkeitsschätzung, Beweiswürdigung, Zu
mutbarkeitsfra
gen) vor dem Hinter
grund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rec
htskräf
tigen Leistungszusprechung darboten, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Zweifellos ist d
ie Unrichtigkeit, wenn kein vernünfti
ger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war.
Es ist nur ein einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigke
it der Verfügung - denk
bar (Ur
teil 9C_837/2010 vom 3
0.
August 2011 E. 2.5.1).
Zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung kann (auch) bei unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts gegeben sein. Darunter fällt insbesondere eine unvollstä
ndige Sachverhaltsabklärung auf
grund einer klaren Verletzung des Untersu
chungsgrundsatzes. Eine auf kei
ner nachvollziehbaren ärztlichen Einschätzung
der massgeblichen Arbeitsfähig
keit beruhende Invaliditätsbemessung ist nich
t rechtskonform und die entspre
chende Verfügung zweifellos unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinne (Urteil 9C_1014/2008 vom 1
4.
April 2009 E. 3.2.2).
Entscheidend ist nicht, ob die frühere
Leistungszusprache
unt
er Berücksich
ti
gung sämtlicher Teilaspekte richtig und angemessen war, sondern ob sie mit Blick auf die damalige Sach- und Rechtslage insgesamt als vertretbar erscheint (Urteil 9C_575/2007 vom 1
8.
Oktober 2007 E. 3.3).
6.2
Im Weiteren ist daher zu prüfen, ob die Annahm
e der vollständigen Arbeitsun
fä
hig
keit und die daraus folgende
Zu
sprache
einer ganzen Rente im November 1998 rückwirkend per November 1996 (
Urk.
6
/15) und die nachfolgende Bestä
tigung des Anspruches auf eine ganze Invalidenrente mit Mitteilung vom
9.
November 2000 (
Urk.
6/45) als zweifellos unrichtig einzustufen sind.
Die Beschwerdegegnerin betrachtete die
Rentenzusprache
insbesondere vor dem Hintergrund der damaligen Rechtsprechung zu
r reaktiven Depression als zwei
fel
los unrichtig und verwies auch auf das psychiatrischen Gutachten von
Dr.
I._
vom Mai 2012, wonach beim Beschwerdeführer
kein invalidi
sieren
der Gesundheitsschaden vorliege und nie vorgelegen habe.
6.3
Den Berichten der behandelnden Psychiater des Sozialpsychiatrischen Dienstes der Klinik
B._
(vorstehend E. 4.3 und E. 4.6)
und auch den Berichten der Reha
klinik
E._
(vorstehend E. 4.4 und 4.5) w
aren vorwiegend subjektive Anga
ben des Beschwerdeführers zu entnehmen. Aus keine
m der Berichte ging in nachvoll
ziehbarer Weise hervor, inwiefern die festgestellten Befunde - soweit überhaupt welche festgestellt wurden und nicht lediglich
auf subjektive Schmerzen verwie
sen wurde - eine vollständi
ge Arbeitsunfähigkeit hätten be
wir
ken sollen. Auch der Hausarzt
Dr.
A._
stützte sich sowoh
l in seiner Einschätzung der Ar
beitsfähigkeit vom Juni 1997 (vorstehend E. 4.2) als auch in den folgend
en Be
richten (vorstehend E. 5.3
) lediglich auf die subjek
tiven Anga
ben des Beschwerdeführers ab. In ihrem Bericht v
om Juli 1997 (vor
stehend E.
4.3
) spra
chen die Ärzte des Sozialpsychiatrischen Dienstes der Klinik
B._
denn auch bloss vom Vorliegen einer
leichtgradig
depressiven Grund
stimmung, stellten aber dennoch die Diagnose
einer mittel- bis sogar
schwer
gradigen
depres
siven Reaktion nach Berufsunfall, was so nicht nachvollziehbar ist und keine 100%ige Arbeitsunfähigkeit zu begründen vermag.
Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausführte, wurde schon in der damaligen Rechtsprechung betreffend reaktive Depressionen festgehalten, dass diese in der Regel nicht die für die Entstehung des Rentenanspruchs erforderliche Dauer, und Intensität in der Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erreichten, dies auf Grund der medizinischen Erfahrungstatsache, dass sie im Allgemeinen relativ rasch wieder abklängen (vgl. BGE 127 V 294 vom
5.
Oktober 2001 E. 4a und E.
4b zur Praxis betreffend reaktive Depressionen).
Die SUVA wies in ihrer Verfügung vom
5.
Oktober 1998 (
Urk.
6/14 =
Urk.
6/31/18-20) betreffend Integritätsentschädigung darauf hin, dass dem B
e
schwerdeführer die angestammte Tätigkeit als angelernter Maurer weiterhin ganztags zumutbar sei. So hätten bereits am
6.
September 1996 die verantwort
li
chen Ärzte der Augenklinik des
F._
(vorstehend E. 5.1) den Beschwerdeführer als zu 100
%
arbeitsfähig betrachtet (S. 2 oben). Diese schlossen im Übrigen eine
okuläre
Ursache für die Kopfschmerzsymptoma
tik aus. Auch
Dr.
G._
bestätig
te im September 1998 (vorstehend E. 5.2) aus oph
thalmologischer Sicht eine prak
tisch normale Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf als angelernter Maurer.
Die von den behandelnden Ärzten angenommene volle Arbeitsunfähigkeit weckte denn auch - allerdings erst nachträgl
ich im Rahmen des ersten
Revisi
onsver
fahrens
- bei
Dr.
med.
J._
von der IV-Stelle erhebliche, aufgru
nd der verfügba
ren Akten nicht auszuräumende Zweif
el an deren Richtigkeit und ver
an
lassten ihn, eine psychiatrische Begutachtun
g bei
Dr.
H._
in Auftrag zu geben (Akten
notiz vom 1
4.
Februar 2000;
Urk.
6/33).
Auch das psychiatrische Gutachten von
Dr.
H._
vom Juni 2000 (vorstehend E.
5.4) genügte aber den praxisgemässen Anforderu
ngen (vorstehend E. 1.3) nicht.
Abgesehen davon, dass er seiner Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit nicht nur die diagnostizierte mittelgradige depressive Episode zu Grunde legte, sondern auch ein nicht unter den Diagnosen genanntes
Schmerzsyndrom mit einbezog, be
gründete er auch seine Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit von 50
%
nicht näher; das heisst er legte nicht dar, welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer aus welchen Gründen und in welchem Umfang nicht zumutbar gewesen sein sollten und für welche Tätigkeiten nach wie vo
r Arbeitsfähigkeit bestand. Ins
besondere führte er auch nicht weiter aus, warum dem Beschwerdeführer bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibend
e Leistungsfähigkeit zu verwer
ten, nicht eine Arbeitstätigkeit in einem
höheren als einem 50%-Pensum zu
mutbar gewesen sein sollte, zumal das Mass des
Forderbaren
dabe
i weitgehend objektiv zu bestim
men war (BGE 102 V 165). Gestützt auf das Gutachten von
Dr.
H._
stand somit nicht fest, dass im mass
gebenden Zeitpunkt des Abschlus
ses des Revisionsver
fahrens ein psychisches Leiden mit Krankheits
wert im Sinne von
Art.
4 IVG an
zunehmen war. Aber selbst wenn auf das Gutachten von
Dr.
H._
und auf seine Einschätzung der Arbeit
sfähigkeit hätte abgestellt wer
den können, ist auf jeden Fall die Bestätigung eines Anspruchs auf eine ganze Invalidenrente (bei einem unverändertem Invaliditätsgrad von 100
%
) mi
t Blick auf die von
Dr.
H._
im
merhin attestierte 50%ige Arbeitsfähigkeit als zweifellos unrichtig einzustufen. Bezeichnenderweise w
ar die IV-Stelle im
Vorbescheid
verfahren
noch von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und einem entsprechenden Invaliditätsgrad ausgegangen (
Urk.
6/39).
6.4
Die Zusprechung einer ganzen Rente im Jahre 1998 wie auch deren Bestätigung im Jahr 2000 erfolgten damit nicht nur in off
enkundiger Verletzung des im So
zialversicherungsrecht allgemein geltenden Untersuchungsgrundsatzes im Sinne mangelhafter Sachverhaltsabklärung (vgl. BGE 11
5 V 314 E. 4a/cc), son
dern – zu
mindest was die Bestätigung des Rentenanspru
chs betrifft - auch in unrichti
ger Anwendung der für die konkrete Invalidität
sbemessung einschlägi
gen Rechts
regeln; namentlich bewegte sich die damalige Bej
ahung einer vollen In
validität nicht mehr im Bereich vertretbarer Ermessensausübung (welche die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit ausscheiden liesse). Die Zusprechung einer ganzen Rente gemäss ursprünglicher Verfügung vo
m
4.
November 1998 und deren Be
st
ä
tigung mit Mitteilung vom
9.
No
vember 2000 sind damit als zwei
fellos un
richtig einzustufen. Da deren Berichtigung angesichts des geldwerten Charakters der Leistung von erheblicher Bedeu
tung ist, war die Verwaltung unter dem Blick
winkel der Wiedererwägung befugt, darauf zurückzukommen.
6.5
An dieser im Urteil des hiesigen Gerichts vom 2
1.
Mai 2014 ge
troffen
en Ein
schätzung ist weiterhin festzuhalten
, zumal der Beschwerdeführer nichts vor
brachte, was zu einer anderen Beurteilung führen könnte
.
7.
7.1
Sind die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung
erfüllt, müssen die
An
spruchs
berechtigung
und allenfalls der Umf
ang des Anspruchs pro
futuro
ge
prüft werden. Wie bei einer materiellen Revision nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG ist auf der Grundlage eines richtig und vollständig fes
tgestellten Sachverhalts der Inva
liditätsgrad zu ermitteln (Urteile des Bundesgerichts 9C_960/2008 vom
6.
März 2009 E. 1.2 mit Hinweisen und 9C_837/2010 vom 3
0.
August 2011 E.
3.1).
7.2
Im Rahmen des im Mai 2011 eingeleiteten Rentenrevis
ionsverfahrens (vgl.
Urk.
6/92)
gingen folgende medizinische Berichte ein:
Dr.
A._
(vorstehend E. 4.2)
führte in seinem Bericht vom 1
3.
Juli 2011 (
Urk.
6/95) aus, der Beschwerdeführer sei seit dem 1
1.
Oktober 1993 bei ihm in Behandlung und die letzte Kontrolle sei am
7.
Juni 2011 er
folgt (
Ziff.
1.2). Der Beschwerde
führer gebe an, durch die Veränderung der
Seh-Art (Cornea-Narbe,
Hinterkammer
linse
) und
Visusverminderung
derart g
estört zu sein, dass es bei jegli
cher (psychischer) Anstrengung, wie sie be
i der Arbeit vorkomme, zu hefti
gen Kopfschmerzen komme. Die Schmerzen b
estünden aber, wie aus dem
Medi
k
a
mentenkonsum
zu schliessen sei, auch in
Ruhe. Der Zustand des Beschwer
de
führers werde sich kaum noch bessern (
Ziff.
1.4
). In der zuletzt ausgeübten Tä
tigkeit bestehe seit dem 2
8.
November 2011 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Die heftigen Kopfschmerzen, die bei der Arbeit aufträten, verhinderten eine weitere Arbeit. Der Beschwerdeführer werde wohl kaum mehr fähig sein, eine Erwerbsarbeit auszuführen (
Ziff.
1.6-7).
Dr.
A._
führte betreffend die Emp
fehlung für die zukünftige Therapie aus, es sei
möglichst keine Aufruhr zu ver
ursachen und konsequent so weiterzug
ehen, um eine Eskalation zu ver
mei
den (
Ziff.
1.5). Der Beschwerdeführer sei
der
Meinung, er könne keinesfalls Erwerbsarbeit ausführen, auch nicht seit Mai 200
8.
Ob dem so sei, auch in eine
r ange
passten Tätigkeit, müsste getestet werden, wobei bekannt sei, dass solches fast immer zum Scheitern verurteilt sei, wenn der Patient der Meinung sei, es sei zum Scheitern verurteilt (
Ziff.
1.11).
7.3
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte in seinem Gutachten vom
7.
Mai 2012 (
Urk.
6/106) als Diag
nose eine chroni
sche Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Fakto
ren (ICD-10 F45.41), bei Unfall am 2
8.
November 1995 (S. 10
Ziff.
4).
Der Beschwerdeführer erfülle die diagnostischen
Kriterien einer anhaltenden
so
matoformen
Schmerzstörung nicht ausreichend. Es sei stattdessen von einer chronischen Schmerzstörung mit somatisc
hen und psychischen Faktoren ge
mäss ICD-10 F45.41 auszugehen. Diese werde auch i
n den Akten bereits früh im Ver
lauf beschrieben (S. 13 unten).
Die Ausprägung der Störung sei beim Beschwe
rdeführer im Vergleich zu ähnli
chen Störungsbildern als objektiv leicht einzustufen (beispielsweise Mitarbeit im Haushalt, Teilnahme am sozialen Leben, Ge
burt eines Kindes 1999). Die geklag
ten Defizite verblieben im rein Subjektiven.
Diese Einschätzung sei aus psy
chiat
ris
cher-psychotherapeutischer Sicht unter Beac
htung der vorliegenden Akten unver
ändert ab 1995 anzunehmen (S. 14 Mitte).
Der Beschwerdeführer und die Akten hätt
en zudem depressive Symptome ge
nannt. Die diesbezüglichen Postulate seien in den Akten meist nur qualitativ knapp nachvollziehbar. Dabei werde weit übe
rwiegend auf die subjektiven An
gaben des Beschwerdeführers und nicht auf tatsächlich objektivierbare Defi
zite abgestellt. Die depressiven Symptome seien konsequent als Folge oder Teil des genannten Schmerzsyndroms eingeordnet worden.
Anlässlich der aktuellen Untersuchung besteh
e eine deutliche Diskrepanz zwi
schen der subjektiven Wahrnehmung und den
objektivierbaren depressiven Be
funden. Die ICD-10 Kriterien einer eigenständig
en depressiven Episode seien ak
tuell und bis dato aufgrund der Akten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht erfüllt gewesen (S. 14 Mitte).
So habe der Schweregrad nicht das notwendige A
usmass erreicht. Beim Beschwer
deführer hätten weder zum Zeitpunkt der aktuellen Untersuchung noch in der Vergangenheit Symptome in ausreiche
nder Schwere bzw. in ausrei
chen
der Länge bestanden, um eine lang dauernde depressive Episode zumindest leichten Grades diagnostizieren zu können. Die
dysthyme
Verstimmung erkläre sich voll
ständig als Folge respektive als T
eil des Schmerzsyndroms und psy
cho
sozialer Fak
toren wie unter anderem finanzielle Sorgen, Schulden, minimale schulische-berufliche Bildung und Erwerbslosigkeit und begründe alleine nicht ausreichend eine eigenständige depressive Episode gemäss ICD-10 (S. 15 oben).
An dieser Stelle sei - wegen der vom Beschwerdeführer genannten körperlichen Missempfindungen - ausdrücklich darauf hin
gewiesen, dass gemäss ICD-10 un
ter einem „somatischen Syndrom“ gerade nicht körperliche, psychosomati
sche oder ähnliche Befindlichkeitsstörungen gemein
t seien, sondern:
Interessen
ver
lust
oder Verlust der Freude, Früherwachen, M
orgentief, deutliche psychomo
torische Hemmung
en, Agitiertheit, Appetit
verlust, Gewichtsverlust und
Libidoverlust
. Das Vor
liegen eines tatsächlichen „somatischen Syndroms“ im Sinne der ICD-10 könnte allenfalls eine besondere Schwere eines depressiven Syndroms belegen, da damit gemeinte Symptome dem theoretischen
Konstrukt einer ehemals „Melan
cholie“ oder „endogenen Depression“ genannte
n Störung zugeordnet würden. Da
bei würden jedoch möglichst alle oder zumindest viele und oder einzelne aussergewöhnlich schwer
e Symptome gefordert, um die zu
sätzliche Diagnose eines „somatischen Syndr
oms“ stellen zu können. Beim Be
schwerdeführer sei kein „somatisches Syndr
om“ im genannten Sinne zu erken
nen (S. 15 Mitte).
Die chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) führe beim Beschwerdeführer aufgrund der vor allem subjektiv erlebten und kaum objektivierbaren Defizite aus rein medizinischer Sicht nicht zu einer Minderung der Arbeitsfähigkeit. Diese Einschätzung betreffe sowohl die angestammte wie auch eine körperlich angep
asste Tätigkeit und
Haushaltsar
bei
ten
. Eine
Willensanstrenung
zur Über
windung der Defizite sei dem Beschwer
de
führer aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht zumutbar und tatsäch
lich möglich, was auch aus den Angaben zur Mitarbeit
im Haushalt, zur Pflege der so
zialen Kontakte, zur Reiseaktivität und z
ur Geburt eines Kindes 1999 hervor
gehe (S. 1
8. Ziff.
6).
Zum zeitlichen Ablauf führte
Dr.
I._
aus, ei
ne wesentliche Veränderung (Ver
besserung/Verschlechterung) des Gesundheitszustandes des Beschwerde-
füh
rers
im Vergleich zum Beginn der Störung im Jahr 1995, zum Gutachten vom
8.
Juni 2000 von
Dr.
H._
und zum Gesundheitszustand gemäss Akten, insbesondere im Jahr 2008, könne aus rein psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht aufgrund der Akten und der aktuellen Untersuchungsergebnisse vom Februar 2012 nicht mit überwiegender Wa
hrscheinlichkeit angenommen wer
den. Es handle sich heute um einen im We
sentlichen unveränderten Gesund
heitszustand, dessen Au
s
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit anders beurteilt würden (S. 18
Ziff.
7, S. 26 f.
Ziff.
13-14).
Dr.
I._
führte weiter aus, aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht seien berufliche Massnahmen oder Integrationsmassnahmen zumutbar und könnten auch den therapeutischen Prozess positiv beeinflussen. Jedoch würden diese zum jetzigen Zeitpunkt auf einen nicht motivierten B
eschwerdeführer treffen. Die ge
nannten vielfältigen psychosozialen Faktoren w
irkten deutlich gegen eine Moti
vation zur beruflichen Reintegration und zur zumutbaren Überwindung des
dysthymen
Syndroms bei körperlichen Missempfindungen (S.
19
Ziff.
9, S. 26
Ziff.
11).
Die ängstlich-depressiven/
dysthymen
Verstimm
ungszustände seien nicht von er
heblicher Schwere, Intensität und Ausprägung. Sie erklärten sich vollständig durch das chronische Schmerzsyndrom, die körperlichen Missempfindungen und die psychosozialen Faktoren (S. 28 oben). Der Beschwerdeführer nehme, wenn auch subjektiv eingeschränkt, regelmässig am
sozialen Leben teil. Ein therapeu
tisch nicht mehr angehbarer innerseel
ischer Verlauf einer
Konfliktbe
wältigung
könne aus fachärztlicher Sicht nicht vermutet
werden, nachdem keine entsprech
ende angemessene fachärztliche Behandlung nach 1
998 doku
mentiert sei (S. 28 unten).
8.
8.1
Im Urteil vom 2
1.
Mai 2014 (
Urk.
6/156 S. 156 E. 7.1) kam das hiesige Gericht zum Schluss, gestützt auf das die praxisgemässen Anforder
ungen an eine beweiskräftige me
dizinische Beurteilungsgrundlage (vgl. vorstehend E. 1.3) erfüllende Gutachten von
Dr.
I._
vom
7.
Mai 2012 stehe fest, dass dem Beschwerdeführer aus rein medizinischer Sicht die Ausübung der angesta
mmten beziehungsweise einer kör
perlich angepassten Tätigkeit im Umfang eines
Voll
zeitpensums
zumutbar sei (
Urk.
6/106 S. 18 oben).
Auch daran ist -
selbst
unter Berücksichtigung des Berichts von
Dr.
A._
vom 1
6.
November 2014 (
Urk.
6/194), in dem die bereits bekannten, angeblich seit dem 2
8.
November 1995 bestehenden Diagnosen aufgeführt werden - wei
terhin festzuhalten.
8.2
Soweit der Beschwerdeführer
unter Hinweis auf
seines Erachtens
bislang unbe
rücksichtigt gebliebene
somatische Beschwerden einen verschlechterten Gesund
heitszustand geltend
macht
e
und insbesondere ausführt
e
, s
eine
Augen
verletzung
und deren Auswirkungen
seien
sowohl
im Rahmen der erstmaligen
Rentenzusprache
mit Verfügung vom
4.
November 1998 (
Urk.
6/15) als auch im Rahmen der im Jahr 2011 durchgeführten Rentenrevision unberücksichti
gt geblieben (vorstehend E. 2.2), ist darauf hinzuweisen,
dass sich betreffen
d
die
durch
den Arbeitsunfall vom 2
8.
November 1995
erlittene
Augenverletzung (vgl. Unfallmeldung;
Urk.
6/31/143)
schon
aus
dem Bericht der Augenklinik des
F._
vom 2
6.
März 1996
entnehmen lässt, dass dem Beschwerdeführer
bereits ab
dem
1
3.
März 1996 wieder eine 100%ige Arbeits
fähigkeit als Maurer attestiert worden ist
(
vgl.
Urk.
6/31/133-134
).
Auch
Dr.
med.
K._
,
Facharzt für Ophthalmologie
, führte in seinem Bericht vom 2
9.
März 1996 (
Urk.
6/31/129) aus, er könne die vom Beschwerde
führer geltend gemachten Schmerzen nicht aufgrund der Untersuchung objekti
vieren.
Die Ärzte der Augenklinik des
F._
hielten sodann in ihrem Bericht vom
6.
September 1996 nach durchgeführten Untersuchungen fest, dass sogar ohne Brillenkorrektur eine volle
Binokularität
und
Stereopsis
vorhanden und bezüg
lich der ausgeprägten Kopfschmerzproblematik keine
okuläre
Ursache zu finden sei, weshalb der Beschwerdeführer als Bauarbeiter zu 100
%
arbeitsfähig sei
(
vorstehend E. 5.1
).
Zusammenfassend
führte
Dr.
med.
G._
, Facharzt f
ür Ophthalmologie, in seinem zu
Handen
des Unfall
versicherers verfass
t
en Bericht
vom 2
5.
September 1998 aus, dass
aus ophthalmologischer Sich
t
praktisch eine nor
male Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als angelernter Maurer
bestehe
und diese Tätigkeit
ganztags zumutbar
sei
(
vorstehend E. 5.2
).
Die SUVA ging sodann in ihrer Verfügung vom
5.
Oktober 1998 (
Urk.
6/14/2-4) davon aus, dass es dem Beschwerdeführer gemäss ärztlicher Beurteilung vom September 1998 zumutbar sei, die angestammte Tätigkeit als angelernter Mau
rer wieder ganztag
s auszuführen
. Nach ärztlicher Beurteilung lägen zum
Verfü
gungszeitpunkt
k
eine organisch bedingten Folgen
des Unfalls mehr vor, welche die Erwerbsfähigkeit messbar verminderten (
Urk.
6/14/2-4
S. 2).
Den sich zu den
vom Beschwerdeführer
geklagten
somatischen Beschwerden äussernden fachärztlichen Berichten ist demnach keine Arbeitsunfähigkeit zu entnehmen.
Auffallend ist auch, dass
der Beschwerdeführer seit Abschluss der Behandlung am
F._
betreffend seine durch die Augenverletzung erlebten Beschwerden kei
nen Facharzt mehr aufsuchte und durch den langjährig behandelnden Hausarzt
Dr.
A._
auch
keine entsprechende Überweisung stattfand.
A
nlässlich der im Mai 2011 eingeleiteten Rentenrevision (
Urk.
6/92) gingen keine
(fachärztli
chen) medizinischen Berichte ein, welche auf eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aus somatischen Gründen hätten schliessen lassen
,
weswegen die Beschwerdegegnerin lediglich eine psychiatrische Begutachtung
bei
Dr.
I._
veranlasste, welcher in der Folge keine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit feststellen konnte und unter anderem auf die Diskrepanz zwischen der subjektiven Wahrnehmung und den objektivierbaren depressiven Befunden hinwies (vgl.
Urk.
6/106 S. 14 Mitte).
8
.3
Der
Bericht von
Dr.
A._
vom
November 2014 (
vgl. E. 8.1
)
entspricht
abge
sehen von k
leinen Ergänzungen wortwörtlich
seinem Bericht vom 1
3.
Juli 2011 (
Urk.
6/95
/5-8
)
, welcher
bereits bei Urteilsfällung
im
Mai 2014 vorlag
(
Urk.
6/156 E. 6.2)
,
und auf welchen
bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
nicht abgestellt wurde.
So erschöpften sich die Angaben von
Dr.
A._
denn auch in der Wiedergabe des subjektiven Schmerzempfindens des Beschwerde
führers.
Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht
ausführte
,
gab
Dr.
A._
in somatischer Hinsicht lediglich die bereits im Bericht der Rehaklinik
E._
vom März 1998 (vgl.
Urk.
6/7 S. 1) festgehaltenen Folge- und
Funktionsdiag
nosen
wieder, welche, wie den damaligen fachärztlichen Berichten
des
F._
zu ent
nehmen
ist
, als ohne Auswirkungen für die Arbeitsfähigkeit befunden wur
den
(vgl. vorstehend E. 5.2)
.
8
.
4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers
seit
Erlass des
Urteil
s des hiesigen Gerichts
vom 2
1.
Mai 2014 (
Urk.
6/156) nicht verändert hat und
weiterhin davon ausgegangen wer
den kann, dass ihm seine angestammte wie auch jede angepasste Tätigkeit im Umfang eines Vollzeitpensums zumutbar ist.
9
.
9
.1
Mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 2
1.
Mai 2014 wurde
festgehalten, dass beim
Beschwerdeführer aufgrund der langjährigen Abwesenheit vom Arbeits
markt
und des langen Rentenbezugs
nicht von einer direkten Umsetzbark
eit der medizinisch-theoretisch
vorhandenen Leistungsfähigkeit ausgegangen werden k
önne, weswegen
ihm
die sich nach den konkreten Umständen als unerlässlich herausstellenden Eingliederungsmassnahmen zu gewähren seien.
Die Beschwerdegegnerin veranlasste in Umsetzung des Urteils vom 2
1.
Mai 2014 (
Urk.
6/
156
) eine vom 2
2.
September bis 1
7.
Oktober 2014 dauernde
Poten
tialabklärung
des Besc
hwerdeführers bei der
Z._
.
Die Fachpersonen der
Z._
hielten in ihrem Abschlussbericht vom 1
7.
Oktober 2014 (
Urk.
6/190) fest, es bestehe aktuell
kein Eingliederungspotential
in den ersten Arbeitsmarkt. Sämtliche Faktoren (Fähigkeiten, Selbstbild, Rollenbild, Interes
sen, Gewohnheiten, Umfeld) wirkten sich hinderlich für eine berufliche Rein
tegration aus (S. 4
Ziff.
4).
Die Fallverantwortliche bei
Z._
führte im Folgegespräch mit der
Beschwer
degegnerin
am 1
7.
Oktober 2014 aus
, es seien keine weiterführenden Einglie
derungsmassnahmen zu empfehlen. Der Beschwerdeführer sei, insbesondere auch aufgrund faktisch komplett fehlender Deutschkenntnisse
,
stark überfordert gewesen. Das Thema Schmerzen, insbesondere Kopfschmerzen
,
habe im Vorder
grund gestanden. Der Kunde habe einen passiven Eindruck mit wenig Eigenini
tiative auch hinsichtlich
der Verständigung hinterlassen.
Er habe
sie
darüber
informiert, dass er auch zu Hause im privaten Umfeld von jeglichen Tätigkeiten entbunden sei und absolut gar nichts mehr mache. Seine physische Konstitution widerspreche dem allerdings, was jedoch im Rahmen der Abklärun
g nicht beurteilbar gewesen sei
(
Urk.
6/193/3)
.
9.2
Zu bemerken ist, dass aus der Potentialabklärung
bei der
Z._
- wie auch schon
aus der
IPAK-Abklärung
am
Y._
-
klar hervor
geht
, dass der sub
jektive Wille des Versicherten
,
sich wieder ins Erwerbsleben einzu
gliedern, offen
sichtlich fehlt. So hielten die Fachpersonen vom
Y._
nach durchge
führten Integrationspotentialabklärungen in ihrem Bericht vom 1
0.
Juni 2013 zusammenfassend fest, dass die Reintegrationsfähigkeit durch den einge
schränk
ten Integrationswillen geschmälert
werde
(vgl.
Urk.
6/139
Ziff.
5.2
3
)
.
Auch den übrigen vorliegenden Akten lässt sich kein subjektives Interesse des Beschwerdeführers
an en
tsprechenden Massnahmen entnehmen
.
So lehnte er, nachdem
ihm
anlässlich des Eingliederungsgespräches vom 1
7.
Oktober 2012
Eingliederungsmassnahmen angeboten wurden, diese am 1
3.
November 2012 ab
(vgl.
Urk.
6/140)
. In der Folge auferlegte ihm die Beschwerdegegnerin am 2
1.
November 2012 eine Schadenminderungspflicht und machte ihn auf seine allgemeine Mitwirkungspflicht aufmerksam (vgl.
Urk.
6/116).
Auch machte der Beschwerdeführer weder während den gewährten
Eingliede
rungs
abklärungen
noch beschwerdeweise ein Interesse oder einen Willen an der Fortsetzung
beziehungsweise
Wiederaufnahme der Eingliederungsmassnahmen geltend.
Medizinische Gründe für dieses Verhalten liegen angesichts
der vollen Arbeitsfähigkeit
nicht vor.
Insgesamt ist demnach mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem nach
haltig fehlenden Eingliederungswillen auszugehen, zumal gegenteilige Anzei
chen fehlen
und
sowohl die Abklärung
am
Y._
als auch jene bei de
r
Z._
stark geprägt waren durch
mangelnde Motivation
, passives Verhalten
und mangelndes Interesse
des Beschwerdeführers
.
Damit ist aber die subjektive
Ein
gliederungsfähigkeit
, die Eingliederungsbereitschaft, die grundsätzlich Voraus
setzung für Eingliederungsmassnahmen darstellt
,
nicht als gegeben zu betrach
ten
(Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG,
3.
Aufl., S.
185).
Die lange Phase der Nichterwerbstätigkeit, geringe Deutschkenntnisse sowie ein tiefes kognitives Leistungsniveau oder der Umstand, dass er auch im Haushalt von sämtlichen Verpflichtungen entbunden ist, sind allesamt invaliditätsfremde Gründe und an dieser Stelle unbeachtlich. Zudem ging der Beschwerdeführer auch mit geringen Deutschkenntnissen
während rund zehn Jahren von 1985 bis 1995 der Tätigkeit als Maurer nach (vgl.
Urk.
6/170).
9
.
3
Zusammenfassend war d
ie Beschwerdegegnerin unter den gegebenen Umstän
den nicht länger verpflichtet, Eingliederungsmassnahmen zu gewähren oder zu prüfen, weshalb der Abschluss der Dienstleistungen im Bereich der Beruflichen Eingliederung mit Mitteilung vom 2
3.
Oktober 2014 (
Urk.
6/192) rechtens war.
Damit erweist sich auch die mittels der angefochtenen Verfügung vom 1
7.
März 2015 vorgenommene Rentenstellung als rechtens.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde
.
10
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.