Decision ID: 3edae3b5-00dc-4905-8c60-bbe3c7868ba6
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend Versicherte oder Beschwerdeführerin), stammt aus B._
(IV-act. 3, 4 S. 1 und IV-act. 102). Die Versicherte begann im August 2003 die
berufliche Ausbildung zur Kauffrau Profil E bei der Gemeindeverwaltung C._. Im
Januar 2005 brach sie die Ausbildung gesundheitsbedingt aufgrund einer akuten
psychischen Erkrankung ab (IV-act. 1 S. 4, IV-act. 4 S. 3 und G 1.3). Am 2. Juli 2005
wurde die Versicherte in die Klinik D._ eingewiesen. Die Ärzte diagnostizierten eine
paranoide Psychose (ICD-10: F20.0). Der Klinikaufenthalt dauerte bis 17. August 2005
(IV-act. 17).
A.b Im Dezember 2006 meldete sich die Versicherte wegen der seit September 2004
bestehenden psychischen Leiden zum Bezug von IV-Leistungen an. Sie beantragte
(Leistungen der) Berufsberatung und bat um Hilfe bei der Suche nach einer neuen
Lehrstelle und um Finanzierung einer Handelsmittelschule (IV-act. 1 insb. S. 6 f.). Im
Arztbericht vom 29. Januar 2007 diagnostizierten die Ärzte der Fachstelle für
Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
paranoide Schizophrenie (ICD-10: F20.0). Die Versicherte leide unter erschwerter
Stressverarbeitung, Auffassungs- und Konzentrationsschwierigkeiten. Die Ärzte
empfahlen eine Wiedereingliederung durch eine Erstausbildung (IV-act. 12). Am 10. Mai
2007 nahm der Regionale Ärztliche Dienst Ostschweiz (RAD) Stellung. Er hielt fest,
dass der Ausbildungsabbruch gesundheitsbedingt erfolgt sei. Aus medizinischer Sicht
sei die Versicherte bei der Wiedereingliederung auf grosse Unterstützung angewiesen.
Sie brauche insbesondere Coaching und Begleitung sowie fachkundige Aufsicht
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während der Ausbildung, um eine ähnliche Eskalation wie bei der abgebrochen
Ausbildung auf der Gemeindekanzlei zu vermeiden (IV-act. 18).
A.c Mit Schreiben vom 9. August 2007 bewilligte die IV-Stelle die Ausbildung zur
Kauffrau an der privaten Handelsschule E._ ab August 2007 bis Juli 2010. Zur
Ausbildung gehörten drei Semester Vollzeitunterricht, zwei Semester Praktikum und ein
Semester Vollzeithandelsschule (IV-act. 25). Die Versicherte startete die Ausbildung im
Sommer 2007. Die Zwischenprüfung nach den ersten beiden Schulsemestern bestand
sie und erhielt infolgedessen am 30. Juni 2008 das private Bürofachdiplom des
Verbandes Schweizerischer Handelsschulen (VSH; IV-act. 29 f. und 103). Im dritten
Semester häuften sich die Absenzen. Trotzdem schloss sie das dritte Semester mit
genügenden bis guten Noten ab (IV-act. 31 bis 35 und 40). Gemäss dem Bericht des
Eingliederungsverantwortlichen vom 11. Februar 2009 standen die Absenzen der
Versicherten in Zusammenhang mit der Absetzung der Medikation (Neuroleptika; IV-
act. 39). Das am 9. Februar 2009 gestartete, zur Ausbildung gehörende einjährige
Praktikum (geschützter Praktikumsplatz bei der F._) musste am 12. Juni 2009
abgebrochen werden, da die Versicherte viele unentschuldigte Absenzen hatte und
schliesslich vom Arbeitsplatz fernblieb (IV-act. 50, 52). Bereits während des Praktikums
war die Versicherte in ambulanter Behandlung im Psychiatrie-Zentrum G._. Ab
18. Juli 2009 bis 3. August 2009 war sie in der Psychiatrischen Klinik D._ und
anschliessend bis 10. August 2009 in der Psychiatrischen Klinik H._ hospitalisiert (IV-
act. 64 und 76 S. 5).
A.d Mit Schreiben vom 21. September 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass als Folge des Praktikumsabbruchs die Kostengutsprache vom 30. März 2009 für
das Praktikum bei der F._ per 12. Juni 2009 aufgehoben werde und keine Taggelder
mehr ausbezahlt würden. Betreffend einer Rente wurde eine separate Verfügung in
Aussicht gestellt (IV-act. 59).
A.e Vom 6. bis 12. Januar 2010 war die Versicherte erneut in der Psychiatrischen
Klinik H._ hospitalisiert (IV-act. 76 S. 1 bis 3). Vom 13. Januar bis Oktober 2010 war
die Versicherte im Psychiatrie-Zentrum G._ in ambulanter Behandlung (IV-act. 71).
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A.f Im Bericht vom 19. März 2010 erklärte der RAD, dass der Abbruch des
Praktikums gesundheitsbedingt erfolgt sei. Es bestehe kein Eingliederungspotential
weder als kaufmännische Angestellte noch in einer anderen adaptierten Tätigkeit. Es
liege eine volle Arbeitsunfähigkeit vor. Eine Besserung sei auch mittelfristig nicht zu
erwarten (IV-act. 66).
A.g In den Jahren 2010 und 2011 vermittelte das Regionale
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) der Versicherten verschiedene Arbeitsstellen. Sie
arbeitete u.a. als Praktikantin in einem Brockenhaus in I._ (11. Mai 2010 bis
31. Oktober 2010) und als Praktikantin „Betreuerin Jugendliche“ im J._ (Januar 2011
bis Oktober 2011; 80%-Pensum). Die Praktiken mussten jeweils wegen des
gesundheitsbedingten Verhaltens der Versicherten vorzeitig abgebrochen werden (IV-
act. 90 bis 92 und 105 S. 13 und 16 und Fremdakten RAV: Protokoll vom 26. Oktober
2010).
A.h Ab 3. August 2012 bis 14. September 2012 war die Versicherte in stationärer
Behandlung in der Psychiatrischen Klinik in H._. Im Austrittsbericht vom 10. Oktober
2012 wurde die Diagnose paranoide Schizophrenie (ICD-10: F20.0) gestellt (IV-act. 105
S. 8).
A.i Am 3. Oktober 2012 begutachtete Dr. med. K._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, im Auftrag der IV-
Stelle die Versicherte (IV-act. 105). Der Gutachter erklärte, dass die grundlegenden
Voraussetzungen für eine erste berufliche Ausbildung bei der Versicherten gegeben
seien (IV-act. 105 S. 18, 20 und 23). Er empfahl eine Tätigkeit im Bürobereich oder im
kaufmännischen Bereich (IV-act. 105 S. 20).
A.j Mit Vorbescheid vom 17. April 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass vorgesehen sei, das Leistungsbegehren abzuweisen (IV-act. 111). Zur
Begründung wurde angeführt, dass die Versicherte die erstmalige berufliche
Ausbildung mit dem Bürofachdiplom VSH erfolgreich beendet habe und sie daher
gemäss Salärempfehlung 2013 des Kaufmännischen Verbandes der Schweiz ohne
Behinderung ein Einkommen von Fr. 64'930.-- erzielen könnte. Gemäss den
medizinischen Abklärungen sei sie in der angestammten Tätigkeit als kaufmännische
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Angestellte sowie in adaptierten Tätigkeiten auf dem ersten freien Arbeitsmarkt zu 65%
arbeitsfähig. Das zumutbar erzielbare Einkommen betrage Fr. 42'204.--. Da der
resultierende Invaliditätsgrad von 35% unter dem minimal erforderlichen
Invaliditätsgrad von 40% liege, bestehe kein Rentenanspruch.
A.k Mit Schreiben vom 23. Mai 2013 erhob die Procap St. Gallen-Appenzell,
St. Gallen, im Namen der Versicherten Einwand gegen den Vorbescheid vom 17. April
2013 (act. G 1.3). Beantragt wurde, den Vorbescheid aufzuheben und der Versicherten
berufliche Massnahmen zuzusprechen. Die Rentenfrage sei erst nach Durchführung
von weiteren beruflichen Massnahmen zu prüfen. Ab dem Zeitpunkt des Gutachtens
sei von einer 30 bis 40%igen und zuvor von mindestens einer 50%igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
A.l Mit Verfügung vom 27. Mai 2013 wies die IV-Stelle das Begehren um eine
Invalidenrente ab (IV-act. 119). Die Begründung entspricht grundsätzlich derjenigen des
Vorbescheids vom 17. April 2013. Angeführt wurde, dass der Anspruch auf berufliche
Massnahmen geprüft werde und die Versicherte diesbezüglich zu einem späteren
Zeitpunkt eine entsprechende Mitteilung erhalten werde.
B.
B.a Die Versicherte liess am 27. Juni 2013 durch die Procap Beschwerde erheben
(act. G 1). Am 21. August 2013 reichte Rechtsanwältin lic. iur. Christine Kessi, Procap
Schweiz, Olten, innert gewährter Nachfrist die Beschwerdeergänzung ein (act. G 4).
Folgende Rechtsbegehren wurden gestellt: 1. Die Verfügung vom 27. Mai 2013 sei
aufzuheben und die Rentenfrage sei erst nach Durchführung von beruflichen
Massnahmen zu prüfen; 2. Es sei der Beschwerdeführerin für die Gerichtskosten die
unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und sie sei von der Pflicht zur Leistung
eines Kostenvorschusses zu befreien; 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
zulasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung wurde insbesondere angeführt,
dass die eingeleiteten beruflichen Massnahmen noch nicht abgeschlossen seien. Es sei
deshalb voreilig, bereits jetzt, vor Abschluss der eingeleiteten beruflichen
Massnahmen, über die Rentenfrage zu entscheiden. Deshalb sei die rentenabweisende
Verfügung vom 27. Mai 2013 aufzuheben und mit einem neuen Entscheid bis nach
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Durchführung der beruflichen Massnahmen zuzuwarten. Im Weiteren wird vorgebracht,
dass beim Valideneinkommen von einem höheren Einkommen auszugehen sei, da die
Beschwerdeführerin als Gesunde sicherlich die Lehre als Kauffrau abgeschlossen
hätte. Zudem sei das Invalideneinkommen zu hoch angesetzt, denn es berücksichtige
die gesundheitsbedingte, unvollständige Ausbildung der Beschwerdeführerin und ihre
Schwierigkeiten am Arbeitsplatz unzureichend.
B.b Gemäss dem mit der Beschwerdeergänzung eingereichten Arztbericht vom
5. August 2013 von Dr. med. L._, Oberarzt, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, Leiter Ambulatorium, und Dr. med. M._, Assistenzärztin, befindet
sich die Beschwerdeführerin seit 18. Juli 2012 in medikamentengestützter integrierter
psychiatrischer Behandlung im Ambulatorium des Psychiatrischen Zentrums N._.
Diagnostiziert wurde eine paranoide Schizophrenie (ICD-10: F20.0). Für den Monat Juli
2013 wurde eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (act. G 4.2).
B.c In der Beschwerdeantwort vom 27. September 2013 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 6). Sie erklärte, dass die
Rentenfrage zu Recht geprüft worden sei, denn die Beschwerdeführerin verfüge mit
dem Bürofachdiplom VSH über eine verwertbare Ausbildung auf dem ersten
Arbeitsmarkt, weshalb keine weiteren beruflichen Massnahmen erforderlich seien.
B.d Mit Entscheid vom 16. Oktober 2013 wurde die unentgeltliche Rechtspflege
gewährt (act. G 7).
B.e In der Replik vom 5. November 2013 hielt die Beschwerdeführerin an den
gestellten Rechtsbegehren fest (act. G 9).
B.f In der Duplik vom 8. November 2013 hielt die Beschwerdegegnerin an ihren
Anträgen fest. Zurzeit werde als einzige Eingliederungsmassnahme noch die
Arbeitsvermittlung geprüft (act. G 11).

Erwägungen
1.
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Gegenstand der angefochtenen Verfügung vom 27. Mai 2013 ist der Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung. Die IV-Stelle verneinte
den Rentenanspruch, weil der ermittelte Invaliditätsgrad geringer als 40% sei (IV-
act. 119). Die Beschwerdeführerin dagegen vertritt die Ansicht, dass der
Invaliditätsgrad mindestens 40% betrage und vor Erlass der Rentenverfügung der
Anspruch auf berufliche Massnahmen hätte geprüft werden müssen (act. G 4 und G 9).
Strittig und deshalb zu prüfen ist, ob die Verfügung über den Rentenanspruch vom
27. Mai 2013 rechtmässig war.
2.
2.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) Versicherte, die: a. ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können; b. während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG, SR 830.1) gewesen sind; und
c. nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind.
2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Beeinträchtigungen der
psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche
Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit
Art. 8 ATSG bewirken. Festzustellen ist deshalb, ob und in welchem Umfang die
Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der
psychischen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt
also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden
kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person
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sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 2. November
2015, 8C_349/2015, E. 3.1; BGE 135 V 201 E. 7.1.1).
2.3 Die massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs. 2 IVG).
3.
Zunächst ist zu prüfen, ob der medizinische Sachverhalt ausreichend geklärt ist.
3.1 Zur Beurteilung der Auswirkungen einer Krankheit ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE
125 V 256 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen
Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen
umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der
untersuchten Person auseinander setzt, in Kenntnis der und gegebenenfalls in
Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung
der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die
Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass
die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann und ob der Experte
oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die
Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich
macht (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a; 122 V 157 E. 1c).
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3.2 Folgende ärztlichen Berichte und Gutachten sind von Relevanz
3.2.1 Bericht des RAD vom 10. Mai 2007 (IV-act. 18). Festgehalten wurde, dass der
Abbruch der Lehre zur Kauffrau (EFZ) gesundheitsbedingt erfolgt sei. Der RAD ging von
der Eingliederungsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus, wies jedoch auf den grossen
Unterstützungsbedarf bei der Eingliederung hin.
3.2.2 Bericht der psychiatrischen Klinik H._ vom 15. Januar 2010 (IV-act. 76). Die
Ärzte diagnostizierten eine paranoide Schizophrenie (ICD-10: F20.0) und eine emotional
instabile Persönlichkeit (ICD-10: F60.3).
3.2.3 Bericht des RAD vom 19. März 2010 (IV-act. 66). Festgehalten wurde, dass der
Abbruch der beruflichen Massnahme im Juni 2009 – entgegen der bisherigen Annahme
der IV-Stelle – gesundheitsbedingt erfolgt sei. Bei der Beschwerdeführerin bestehe
weder als kaufmännische Angestellte noch in einer anderen adaptierten Tätigkeit
Eingliederungspotential.
3.2.4 Gutachten von Dr. K._ vom 26. Oktober 2012 (IV-act. 105). Der Facharzt
begutachtete am 3. Oktober 2012 die Beschwerdeführerin. Er setzte sich ausführlich
mit der Aktenlage auseinander, führte eine Anamnese durch und kam aufgrund seiner
erhobenen Befunde – im Gegensatz zu den vorbehandelnden Ärzten, welche von einer
paranoiden Schizophrenie (ICD-10: F20.0) ausgingen – zu den Verdachtsdiagnosen
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und emotional-instabilen Zügen
(ICD-10: F61) und bei schizoaffektive Störung (ICD-10: F25), Status nach
schizomanischen und auch psychotischen Episoden und mit aktuell leichter
schizodepressiver Episode (IV-act. 105 S. 19). Der Gutachter erklärte, dass eine
abschliessende diagnostische Einschätzung bei den doch wechselhaften und
vielgestalteten Befunden der recht jungen Versicherten in den letzten Jahren und bei
auch immer wieder längeren Phasen von relativ unauffälliger Psychopathologie noch
nicht möglich sei (IV-act. 105 S. 17 und 19). Die Arbeitsunfähigkeit schätzte er aus
psychiatrischer Sicht in der angestammten sowie in einer adaptierten Tätigkeit auf 30%
bis 40% ein, mit Gültigkeit spätestens ab Oktober 2012. Bezüglich der Zeit vor Oktober
2012 hielt er fest, dass es Zeiten mit höherer Arbeitsunfähigkeit gegeben habe (IV-act.
105 S. 20). Der Gutachter erachtete die grundlegenden Voraussetzungen für eine erste
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berufliche Ausbildung als gegeben und nannte die notwendigen Rahmenbedingungen
wie reduziertes Arbeitspensum, psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung,
neuroleptische Medikation, klare Zielvereinbarungen, weiterer Aufbau von Strategien
zur Stressbewältigung und zur Drogenabstinenz und Übungen zur Verbesserung der
sozialen Kompetenzen (IV-act. 105 S. 18 bis 23). Das Gutachten ist insgesamt als
gerichtsverwertbar einzustufen, denn der Facharzt hat sich eingehend mit der
gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt und seine
Befunde, Diagnosen und Einschätzungen zur Arbeits- und Eingliederungsfähigkeit sind
nachvollziehbar und schlüssig.
3.2.5 Arztbericht des Psychiatrischen Zentrums N._ vom 5. August 2013 (act. G 4.2).
Die Ärzte Dr. L._ und Dr. M._ diagnostizierten eine paranoide Schizophrenie
(ICD-10: F20.0) und attestierten eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit für den Monat Juli
2013 (IV-act. G 4.2).
3.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der medizinische Sachverhalt
ausreichend geklärt ist. Bei der Beschwerdeführerin besteht eine krankheitsbedingte
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, wobei offen bleiben kann, ob es sich um eine
paranoide Schizophrenie oder eine kombinierte Persönlichkeitsstörung in Verbindung
mit einer schizoaffektiven Störung handelt. Ab 1. Oktober 2012 ist gestützt auf das
Gutachten von Dr. K._ von einer grundsätzlichen Eingliederungsfähigkeit und –
entsprechend der IV-Verfügung vom 27. Mai 2013 – von einer 65%igen Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin auszugehen, zumal diese Arbeitsfähigkeitseinschätzung dem
Mittelwert der vom Gutachter Dr. K._ angegebenen Arbeitsfähigkeitsspannweite von
60% bis 70% entspricht.
4.
Da Leistungen der Invalidenversicherung grundsätzlich einen minimalen Invaliditätsgrad
(bzw. eine minimale Erwerbseinbusse) voraussetzen und der Invaliditätsgrad vorliegend
umstritten ist (vgl. act. G 1, G 4 und G 9), ist dieser zu prüfen.
4.1 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
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Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(sog. Valideneinkommen; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. April 2015,
8C_612/2014, E. 4.2).
4.2 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte (vgl. Urteil
des Bundesgerichts vom 28. April 2015, 8C_612/2014, E. 4.2.2.1).
4.2.1 In der Regel wird am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es der empirischen
Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden
fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erstellt sein (BGE 129 V 222 E. 4.3.1 mit Hinweisen). Da die Invaliditätsbemessung der
voraussichtlich bleibenden oder längere Zeit dauernden Erwerbsfähigkeit zu
entsprechen hat (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG), ist auch die berufliche Weiterentwicklung mit
zu berücksichtigen, welche die versicherte Person normalerweise vollzogen hätte; dazu
ist allerdings erforderlich, dass konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ohne
gesundheitliche Beeinträchtigung ein beruflicher Aufstieg und ein entsprechend
höheres Einkommen tatsächlich realisiert worden wären. Die Absicht, beruflich
weiterzukommen, muss bereits durch konkrete Schritte wie Kursbesuche, Aufnahme
eines Studiums, Ablegung von Prüfungen usw. kundgetan worden sein (vgl. BGE
96 V 29; Urteil des Bundesgerichts vom 12. September 2009, 8C_550/2009 E. 4.1). Bei
in jungen Jahren erkrankten oder verunfallten Versicherten, die im Zeitpunkt des
versicherten Ereignisses am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn standen, entzieht sich
die hypothetische Tatsache einer Jahre später im Gesundheitsfall ausgeübten
bestimmten Tätigkeit naturgemäss einem strikten Beweis. Deshalb dürfen in derartigen
Konstellationen die Anforderungen an den massgebenden Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht überspannt werden (Urteil des Bundesgerichts
vom 28. April 2015, 8C_612/2014, E. 4.2.2.1; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 9. April 2003, B 55/02).
https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=date_desc&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22Eingliederung+vor+Rente%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-V-222%3Ade&number_of_ranks=0#page222 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=date_desc&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22Eingliederung+vor+Rente%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F96-V-29%3Ade&number_of_ranks=0#page29 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=date_desc&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22Eingliederung+vor+Rente%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F96-V-29%3Ade&number_of_ranks=0#page29
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4.2.2 Die Beschwerdeführerin befand sich im Zeitpunkt des erstmaligen Auftretens der
Krankheit im Herbst 2004 in Ausbildung. Die dreijährige Lehre zur Kauffrau mit Profil E
(erweiterte Grundausbildung) und mit Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) hatte
sie im August 2003 begonnen. Im Januar 2005 musste sie die Ausbildung
krankheitsbedingt abbrechen (vgl. IV-act. 18). Kann eine versicherte Person wegen
Invalidität die begonnene berufliche Ausbildung nicht abschliessen, so entspricht das
Erwerbseinkommen, das sie als Nichtinvalide erzielen könnte, dem durchschnittlichen
Einkommen einer Erwerbstätigen im Beruf, für den die Ausbildung begonnen wurde
(vgl. Art. 26 Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV, SR 831.201]).
Da bis zum Zeitpunkt des Auftretens der Krankheit die Berufsschulzeugnisse
durchwegs gut waren, muss davon ausgegangen werden, dass die
Beschwerdeführerin die Lehre zur Kauffrau (EFZ) ohne die aufgetretene Krankheit im
August 2006 erfolgreich abgeschlossen hätte. Folglich ist beim Validenlohn vom
Verdienst auszugehen, den die Beschwerdeführerin mit der dreijährigen Ausbildung zur
Kauffrau (EFZ) auf dem ersten Arbeitsmarkt hätte erzielen können.
4.2.3 Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 27. Mai
2013 gestützt auf die Empfehlungen des Kaufmännischen Verbandes der Schweiz des
Jahres 2013 von einem Validenlohn von Fr. 64'930.-- aus (IV-act. 119).
4.2.4 Gemäss Bundesgericht soll beim Fehlen eines konkreten Lohnes der Validenlohn
grundsätzlich nicht anhand der unverbindlichen Empfehlungen des Kaufmännischen
Verbandes der Schweiz, sondern aufgrund der (auf tatsächlich erzielten Gehältern
beruhenden) Tabellenlöhne (LSE) bestimmen werden. Lediglich in
Ausnahmesituationen sollen die Salärempfehlungen des Kaufmännischen Verbandes
berücksichtigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juli 2013, 9C_795/2012,
E. 2.2.2).
4.2.5 Vorliegend handelt es sich insofern um eine Ausnahmesituation, da nur mit
detaillierteren Lohndaten die Löhne von unterschiedlichen Berufsausbildungen oder
unterschiedlich langer Berufserfahrung mit ausreichender Genauigkeit und
Zuverlässigkeit ermittelt und miteinander verglichen werden können.
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4.2.6 Die Salärempfehlungen des Kaufmännischen Verbandes der Schweiz
unterscheiden zwischen den verschiedenen kaufmännischen Berufsausbildungen.
Nachteilig ist jedoch, dass die angegebenen Löhne lediglich Empfehlungen sind und
folglich nicht mit den im Arbeitsmarkt bezahlten Löhnen übereinstimmen müssen. Da
es sich um Empfehlungen handelt, wird – korrekterweise – auch nicht unterschieden
zwischen Löhnen von Frauen und Männern. Ausserdem wird nicht differenziert nach
der Länge der Berufserfahrung.
4.2.7 Der Lohnrechner „Salarium“ des Bundesamtes für Statistik (BfS;
«www.lohnrechner.
bfs.admin.ch») gestattet dagegen detaillierte Analysen ohne die vorgenannten
Nachteile. Der Lohnrechner des BfS beruht denn auch auf den Daten der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2012, welche rund 700'000
Lohnangaben von Angestellten aus der Privatwirtschaft enthält. Angewendet auf den
vorliegenden Sachverhalt ergibt die Analyse mit dem Lohnrechner des BfS, dass eine
Frau mit abgeschlossener Berufsausbildung als Kauffrau (EFZ) und sechsjähriger
Berufserfahrung in der Privatwirtschaft in Brachen mit durchschnittlicher Entlöhnung im
Jahr 2013 rund Fr. 59‘050.-- verdiente (folgende Auswahlwerte liegen diesem Ergebnis
zugrunde: Berufsgruppe: „Allgemeine Büro- und Sekretariatskräfte“; Stellung im
Betrieb: „ohne Kaderfunktion“; Wochenstunden: „41.7“; Ausbildung: „abgeschlossene
Berufsausbildung“; Alter: „27“; Dienstjahre: „6“; Region: „Ostschweiz“; Branche:
Variante 1 „Sonstige überwiegend persönliche Dienstleistungen“, Variante 2
„Herstellung von sonstigen Waren“, Variante 3 „Sozialwesen“, Variante 4
„Grosshandel“, Variante 5 „Sonstige freiberufliche, wissenschaftliche und technische
Tätigkeiten“; Unternehmensgösse: „50 und mehr Beschäftigte“; „13. Monatslohn“;
Sonderzahlungen: „Nein“; Anpassung der Löhne an den Nominallohnindex des Jahres
2013 für Frauen [102.0 : 102.6]). Die Lohndifferenz von rund Fr. 5‘880.-- zu dem von
der IV-Stelle festgelegten Validenlohn von Fr. 64‘930.-- ist insbesondere dadurch
bedingt, dass es sich bei den Lohnangaben des Kaufmännischen Verbandes um
Empfehlungen handelt und in der Privatwirtschaft Frauen durchschnittlich weniger
verdienen als Männer. Da der mit dem Lohnrechner des BfS ermittelte Validenlohn die
Lohnsituation auf dem Arbeitsmarkt präziser abbildet, wird nachfolgend auf einen
Validenlohn von Fr. 59‘050.-- abgestellt.
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4.3 Beim Invalideneinkommen ging die Beschwerdegegnerin davon aus, dass der
erzielbare Lohn nach Abschluss des einjährigen Grundkurses und Erhalt des
verbandsinternen Bürofachdiploms VSH demjenigen nach Abschluss der dreijährigen
Ausbildung zur Kauffrau (EFZ) entspreche. Diese Annahme ist im Folgenden zu
überprüfen.
4.3.1 Das Bürofachdiplom VSH ist ein verbandinternes Diplom, welches bereits nach
einjähriger Ausbildung und bestandener Prüfung erteilt wird. Das Bürofachdiplom VSH
bescheinigt grundlegende kaufmännische Kenntnisse und war vorliegend nur ein
Etappenziel in der dreijährigen Ausbildung zur Kauffrau EFZ. Einzustufen ist das
Bürofachdiplom VSH auf dem untersten Niveau kaufmännischer Grundausbildungen.
Eine bessere Qualifikation wird bereits schon erreicht mit der zweijährigen Ausbildung
zur Büroassistentin oder zum Büroassistenten EBZ (eidgenössisches Berufsattest).
Niveaumässig darüber liegt die dreijährige Ausbildung zur Kauffrau oder zum
Kaufmann EFZ (eidgenössisches Fähigkeitszeugnis), wobei unterschieden werden kann
zwischen dem Profil B (Basis-Grundausbildung) und dem Profil E (erweiterte
Grundausbildung; vgl. Bildungsplan Kauffrau/Kaufmann EFZ, genehmigt durch das
Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) am 26. September 2009, S. 4 f.,
abrufbar unter: «http://handelsschulverband.vsh-asec.ch/download/
BiPla_BOG_2012.pdf»).
4.3.2 Das Bürofachdiplom (VSH) ist folglich nicht gleichwertig mit dem
Berufsabschluss als Kauffrau Profil E (EFZ). Selbst der Kaufmännische Verband der
Schweiz, auf dessen Salärempfehlungen sich die Beschwerdegegnerin abstützt,
unterscheidet u.a. zwischen der Funktionsstufe C „Lohnband Kauffrau/Kaufmann/
Handelsschuldiplom“ (beinhaltend insb. Personen mit abgeschlossener Ausbildung als
Kauffrau oder Kaufmann EFZ) und der Funktionsstufe B „Lohnband Büroassistentin/
Büroassistent“ (beinhaltend insb. Personen mit abgeschlossener zweijähriger
Ausbildung als Büroassistentin oder Büroassistent; vgl. Salärempfehlungen 2014,
Verdienen Sie genug?, KV Schweiz, Zürich, S. 16 ff.; abrufbar unter:
«www.kvschweiz.ch»).
4.3.3 Die Beschwerdeführerin verfügt lediglich über das verbandsinterne, nach
einjähriger Ausbildung erlangte Bürofachdiplom VSH. Folglich hätte die
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Beschwerdegegnerin bei der Bestimmung des Invalidenlohns gestützt auf die
Salärempfehlungen des Kaufmännischen Verbandes nicht von den Tabellenlöhnen der
Funktionsstufe C, sondern höchstens von den Tabellenlöhnen der Funktionsstufe B
ausgehen dürfen, denn das Qualifikationsniveau der Beschwerdeführerin liegt unter
demjenigen der Büroassistentin. Da auch bei entsprechender Korrektur die weiteren
zuvor genannten Mängel blieben (vgl. Erwägung 4.2.6), wird nachfolgend der
Invalidenlohn – auch um die Vergleichbarkeit mit dem Validenlohn zu gewährleisten –
mit Hilfe des Lohnrechners des BfS ermittelt.
4.3.4 Angewendet auf den vorliegenden Sachverhalt ergibt die Analyse mit dem
Lohnrechner des BfS, dass die Beschwerdeführerin wegen der geringeren
Ausbildungsqualifikation und der rund fünf Jahre kürzeren Berufserfahrung bei einem
100%-Pensum im Vergleich zum zuvor ermittelten Valideneinkommen rund Fr. 7‘220.--
pro Jahr weniger verdienen würde (folgende Anpassungen wurden gegenüber der
Bestimmung des Validenlohn vorgenommen: Ausbildung: „unternehmensinterne
Ausbildung“, Dienstjahre: „1“).
4.3.5 Im Weiteren ist zu berücksichtigen, dass wegen der Verhaltensauffälligkeiten und
der notwendigen intensiven Betreuung der Beschwerdeführerin kaum eine
Arbeitgeberin oder ein Arbeitgeber bereit wäre, ihr den Medianlohn zu bezahlen.
Angemessen und realistisch erscheint, anstelle vom Medianlohn vom Lohn des 1.
Quartils auszugehen (bei diesem Trennwert liegen 25 % der Löhne darunter und 75%
darüber). Vorliegend ist der Lohn des 1. Quartil rund Fr. 5‘440.-- geringer als der
Medianlohn. Folglich könnte die Beschwerdeführerin bei einem 100%igen
Arbeitspensum jährlich rund Fr. 46‘390.-- verdienen (Fr. 59‘050.-- - Fr. 7‘220.-- -
Fr. 5‘440.--).
4.3.6 Zu berücksichtigen bleibt noch, dass die Beschwerdeführerin nur eingeschränkt
arbeitsfähig ist. Wie in Erwägung 3.3 dargelegt, ist von einer 65%igen Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin ab 1. Oktober 2012 auszugehen. Ein zusätzlicher
Leidensabzug kommt vorliegend nicht (mehr) in Betracht, denn den Reduktionsgründen
wurde bereits mit der Anwendung des Lohns des 1. Quartils ausreichend Rechnung
getragen. Das erzielbare Invalideneinkommen beträgt folglich Fr. 30‘154.--
(Fr. 46‘390.-- x 0.65).
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4.4
4.4.1 Für die Zeit ab 1. Oktober 2012 beträgt der Invaliditätsgrad folglich 49%
([Fr. 59‘050.-- - Fr. 30‘154.--] / Fr. 59‘050.--).
4.4.2 Im Zeitraum ab 12. Juni 2009 bis 30. September 2012 war die
Beschwerdeführerin mehrmals in stationärer psychotherapeutischer Behandlung.
Inwieweit die Arbeitsfähigkeit vor und nach den stationären Klinikaufenthalten
eingeschränkt war und ob die Beschwerdeführerin in dieser Zeitspanne
eingliederungsfähig war, bedarf weiterer Abklärungen durch die IV-Stelle.
4.5 Der Vollständigkeit halber wird kurz auf die Ermittlung des IV-Grades auf der
Basis der Tabellenlöhne der Lohnstrukturerhebung (LSE) 2012 eingegangen. Beim
Validenlohn müsste aufgrund der abgeschlossenen dreijährigen Lehre zur Kauffrau
Profil E (EFZ) zumindest vom Kompetenzniveau 2 (praktische Tätigkeiten wie Verkauf/
Pflege/Datenverarbeitung und Administration/Bedienen von Maschinen) ausgegangen
werden. Bei der Bestimmung des Invalidenlohns ist dagegen aufgrund einer fehlenden
umfassenden kaufmännischen Grundausbildung (es liegt lediglich ein
verbandsinternes, nach einjähriger Ausbildung erteiltes Diplom vor, längere praktische
Erfahrung fehlt) vom Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkeiten körperlicher oder
handwerklicher Art) auszugehen. Gemäss den Tabellenlöhnen der LSE 2012 (TA1, Total
Wirtschaftszweige, Frauen) beträgt der monatliche Lohn beim Kompetenzniveau 1:
Fr. 4‘112.-- und beim Kompetenzniveau 2: Fr. 4‘646.--. Da vorliegend lediglich das
Verhältnis der Einkommen interessiert, kann auf Anpassungen (Jahresgehalt,
Arbeitsstunden, Lohnindex, usw.) verzichtet werden. Der Invaliditätsgrad bei einer
Arbeitsfähigkeit von 65% und einem angenommenen Tabellenlohnabzug von 20%
beträgt für die Zeit ab 1. Oktober 2012 54% ([Fr. 4‘646.-- - (Fr. 4‘112.-- x 0.65 x 0.8)] /
Fr. 4‘646.--). Diese Methode zur Bestimmung des Invaliditätsgrades ist im vorliegenden
Fall insbesondere bedingt durch die geringeren Differenzierungsmöglichkeiten weniger
präzise und aussagekräftig als die Bestimmung des Invaliditätsgrades gestützt auf die
Ergebnisse des Lohnrechners des BfS. Im vorliegenden Fall ist deshalb im Sinne einer
Ausnahme auf den IV-Grad abzustellen, welcher auf den mit dem Lohnrechner des BfS
ermittelten Vergleichseinkommen beruht.
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4.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass im Zeitraum ab 1. Oktober 2012 ein
Invaliditätsgrad von 49% vorliegt. Hinsichtlich der Situation ab 12. Juni 2009 bis
30. September 2012 bedarf es weiterer Abklärungen durch die IV-Stelle.
5.
Nachfolgend ist zu klären, ob über den Rentenanspruch zu früh entschieden wurde.
5.1 Die Beschwerdeführerin macht diesbezüglich geltend, dass vor Erlass der
Rentenverfügung zuerst über die beruflichen Massnahmen hätte entschieden werden
müssen (act. G 1, G 4 und G 9). Die Beschwerdegegnerin bestreitet, dass dies
erforderlich sei. Während sie in der angefochtenen Verfügung noch in Aussicht stellte,
dass sie zu einem späteren Zeitpunkt über die beruflichen Massnahmen entscheiden
werde (vgl. IV-act. 119), verneinte sie in der Beschwerdeantwort und der Duplik den
Bedarf weiterer beruflicher Massnahmen (act. G 6 S. 3 und G 11).
5.2 Eine Rente setzt gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG voraus, dass die
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederhergestellt,
erhalten oder verbessert werden kann. Die Invalidenversicherung bezweckt denn auch
die Eingliederung resp. Wiedereingliederung von Personen, die wegen
Geburtsgebrechen, Krankheits- oder Unfallfolgen behindert sind. Es gilt diesbezüglich
der Grundsatz „Eingliederung vor Rente“ (BGE 135 V 201 E. 7.2.2). Eine Rentenzahlung
erfolgt deshalb erst, wenn eine Ein- oder Wiedereingliederung ins Erwerbsleben nicht
möglich ist bzw. die Zusprechung einer Rente fällt erst in Betracht, wenn eine
genügende, d.h. rentenausschliessende Eingliederung inklusive Selbsteingliederung
nicht möglich ist (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 1a IVG; Urteile des Bundesgerichts
vom 5. Juni 2012, 9C_108/2012, E. 2.2.1, und vom 6. Dezember 2010, 9C_99/2010,
E. 3.1 mit Hinweisen). Ausserdem entsteht gemäss Art. 29 Abs. 2 IVG ein
Rentenanspruch grundsätzlich solange nicht, als die versicherte Person ein Taggeld
nach Art. 22 IVG beanspruchen kann (bspw. während der Durchführung von
Eingliederungsmassnahmen oder während der Wartezeit auf eine erstmalige berufliche
Ausbildung oder eine Umschulung). Der Grundsatz „Eingliederung vor Rente“ darf
jedoch nicht dahingehend verstanden werden, dass ein Rentenanspruch immer
ausgeschlossen wäre, wenn irgendwann einmal später noch
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Eingliederungsmassnahmen durchgeführt werden könnten. So kann ein
Rentenanspruch auch dann entstehen, wenn die versicherte Person (noch) nicht
eingliederungsfähig ist, jedoch zu einem späteren Zeitpunkt – bei einer Verbesserung
des Zustandes – Eingliederungsmassnahmen doch noch aktuell werden könnten (vgl.
Silvia Bucher, Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, Bern 2011, Rz. 33 und
1041).
5.3 Nach Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte
Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und
geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b).
5.4 Die Beschwerdeführerin hätte ohne gesundheitsbedingten Lehrabbruch mit
grosser Wahrscheinlichkeit die Abschlussprüfungen bestanden und damit das
Eidgenössische Fähigkeitszeugnis als Kauffrau Profil E erhalten. Dieses
Ausbildungsniveau liegt deutlich über demjenigen, welches mit dem verbandsinternen
Bürofachdiplom VSH erreicht wird (vgl. Erwägung 4.3.1). Diese Differenz widerspiegelt
sich denn auch in den in der Privatwirtschaft bezahlten Gehältern (vgl. Erwägung 4.3.2
bis 4.3.4). Hinzu kommt, dass
vorliegend die Lohndifferenz mit steigender Berufserfahrung zunimmt, d.h. die Löhne
von besser qualifizierten Mitarbeitenden steigen überdurchschnittlich an. Ausserdem
erhöht ein Ausbildungsabschluss mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis die
berufliche Flexibilität und eröffnet zugleich bessere Entwicklungsmöglichkeiten. Die
Beschwerdeführerin hat – soweit aus den Akten ersichtlich – bisher keine der
abgebrochenen Lehre entsprechend gleichwertige Berufsausbildung erfolgreich
abschliessen können.
5.5 Die IV-Stelle hat folglich zu prüfen, welche Eingliederungsmassnahmen
notwendig und geeignet sind, um die Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin im
Sinne von Art. 8 Abs. 1 IVG soweit zu verbessern, so dass möglichst ein vergleichbares
Niveau mit demjenigen einer Kauffrau Profil E (EFZ) erreicht werden kann. Im
Vordergrund stehen insbesondere berufliche Massnahmen in Form einer erstmaligen
beruflichen Ausbildung (vgl. Art. 16 IVG i.V.m. Art. 6 Abs. 2 IVV.
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5.6 Zum Eingliederungsanspruch ist anzumerken, dass die Beschwerdegegnerin
den grundsätzlichen Anspruch der Beschwerdeführerin auf berufliche Massnahmen mit
Schreiben vom 9. August 2007 bereits einmal gutgeheissen hatte. Damals hatte sie die
Kostengutsprache für die dreijährige Ausbildung zur Kauffrau (EFZ) an der privaten
Handelsschule E._ erteilt (IV-act. 25). Mit der Mitteilung vom 21. September 2009 (IV-
act. 59) regelte die IV-Stelle (nur) die unmittelbaren Folgen des Abbruchs des zur
Ausbildung gehörenden Praktikums, wofür sie am 30. März 2009 die Kostengutsprache
erteilt hatte (vgl. IV-act. 46). Gemäss Aktenlage muss davon ausgegangen werden,
dass die IV-Stelle am 21. September 2009 nicht wusste, dass die Beschwerdeführerin
das Praktikum aus gesundheitlichen Gründen abbrach und danach in der
Psychiatrischen Klinik D._ und anschliessend in der Psychiatrischen Klinik H._
hospitalisiert war. Die Beschwerdeführerin hat folglich – auch gestützt auf Mittteilung
vom 9. August 2007 – zumindest einen Anspruch darauf, dass bei wiedererlangter
Eingliederungsfähigkeit Eingliederungsmassnahmen und dabei insbesondere berufliche
Massnahmen erneut geprüft werden.
5.7
5.7.1 Für die Zeit ab 1. Oktober 2012 ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin
einerseits grundsätzlich eingliederungsfähig ist und andererseits ohne
Eingliederungsmassnahmen nicht in der Lage wäre, ein rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen. Deshalb ist vor der Rentenprüfung der Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen insbesondere der Anspruch auf eine berufliche
Erstausbildung zu prüfen.
5.7.2 Der Entscheid der Beschwerdegegnerin über die Rentenleistungen erweist sich
daher als verfrüht. Die Sache ist deshalb an die Beschwerdegegnerin zur Abklärung
geeigneter Eingliederungsmassnahmen (insbesondere einer geeigneten beruflichen
Erstausbildung) zurückzuweisen. Nach abgeschlossenen Eingliederungsbemühungen
wird die Beschwerdegegnerin erneut über den – allenfalls rückwirkend befristeten –
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu befinden haben.
6.
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6.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist in Gutheissung der Beschwerde die
angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung und neuen
Verfügung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen.
6.3 Die am 16. Oktober 2013 (act. G 7) bewilligte unentgeltliche Rechtspflege wird
damit gegenstandslos.
6.4 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS 951.1)). Die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Honorarnote verzichtet. Der
Bedeutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint eine
Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer).