Decision ID: 1e0f67f5-a730-5bfd-ade9-44903095d2bb
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ absolvierte in der Zeit vom 1. September 2005 bis 30. August 2009 sowie
vom 22. Februar 2011 bis zum 31. Juli 2014 eine von der Invalidenversicherung
unterstützte Umschulung, da sie auf Grund einer progredienten, an Taubheit
grenzenden Schwerhörigkeit ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben konnte. Am
31. März 2015 ersuchte die Versicherte um Prüfung des Rentenanspruchs. Im Auftrag
der IV-Stelle wurde die Versicherte am 27. März 2018 bidisziplinär (psychiatrisch und
otorhinolaryngologisch) in der medexperts ag begutachtet. Als Diagnosen mit Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten die Experten: eine hochgradige, an Taubheit
grenzende Schallempfindungsschwerhörigkeit beidseits (mit Status nach Cochlea-
Implantation rechts am 29. Juli 2011 und mit Status nach Ersatz des Sound-Prozessors
Ende 2017; konventionell hörgeräteversorgt links); einen persistierenden Rauschtinnitus
rechts und eine chronische Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Stimmung,
gemischt (ICD-10: F43.21). In der bisherigen Tätigkeit bestehe aus bidisziplinärer Sicht
eine Arbeitsfähigkeit von 40% bezogen auf ein Pensum von 100% und zwar ab ca.
6 Monate nach der Cochleaimplantation im Juli 2011. Die jetzige Arbeitsstelle sei als
angepasst anzusehen. Sobald jedoch das Studium beendet sei (Masterstudium), sei
aus heutiger Sicht eine leichte Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 50% möglich, da
dort allenfalls Ressourcen frei würden. Die Gesamt-Arbeitsunfähigkeit von 60% sei
einerseits durch Auswirkungen der Schwerhörigkeit und des Tinnitus bedingt,
andererseits durch Angst und depressive Symptome, die bei Stresssituationen
auftreten könnten. Sie bewirkten eine Abnahme der Konzentrationsfähigkeit. Die
Versicherte benötige vermehrte Pausen und längere Erholungsphasen (Gutachten vom
16. Mai 2018). Die IV-Stelle hielt diese Arbeitsfähigkeitsbeurteilung nicht für schlüssig
und ordnete mit Zwischenverfügung vom 18. September 2018 eine polydisziplinäre
A.a.
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Begutachtung mit den Fachdisziplinen Allgemeine/Innere Medizin, Dermatologie
(Allergologie), Neuropsychologie, Orthopädie, Otorhinolaryngologie und Psychiatrie an.
Die dagegen von der Versicherten erhobene Beschwerde vom 12. Oktober 2018 wies
das Versicherungsgericht mit Entscheid vom 28. Februar 2019, IV 2018/341, ab. Dabei
hielt das Versicherungsgericht fest, mit der Durchführung der neuropsychologischen
Abklärung werde die IV-Stelle eine Person zu beauftragen haben, die über die
Ausbildung Fachpsychologe/Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP verfüge
(siehe zum Ganzen IV-act. 802, insbesondere E. 1.2.4).
Der von der IV-Stelle in der Verteilplattform SuisseMED@P eingegebene Auftrag
für ein polydisziplinäres (allgemeinmedizinisches/internistisches, dermatologisches,
neuropsychologisches, orthopädisches, otorhinolaryngologisches und psychiatrisches)
Gutachten wurde der MediCore AG, Bad Ragaz, zugeteilt (IV-act. 805-2; zum Auftrag
an die MediCore AG vom 30. April 2019 siehe IV-act. 807). Am 19. Mai 2019 erlitt die
Versicherte eine OSG-Luxationsfraktur rechts mit Fraktur des lateralen Malleolus
rechts, eine Fraktur des Volkmann Dreiecks, einen knöchernen Ausriss des
Ligamentum deltoideum. Zur Behandlung dieses unfallbedingten
Gesundheitsschadens war sie vom 19. bis 29. Mai 2019 im Stadtspital Z._
hospitalisiert (siehe den provisorischen Austrittsbericht vom 27. Mai 2019, IV-act. 812).
Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 13. Juni 2019 mit, wegen der Unfallfolgen
müsse der Gutachtensauftrag storniert werden. Zunächst sei der Heilungsverlauf
abzuwarten (IV-act. 817). Der Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Hand- und
Unfallchirurgie des Stadtspitals Z._ berichtete am 21. August 2019, knapp 3 Monate
nach der Hospitalisation sei die Versicherte weitgehend schmerzfrei. Lediglich bei
längerem Stehen und Gehen spüre sie noch ein Druckgefühl. Bis zum 31. August 2019
bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Ab dem 1. September 2019 werde eine
20%ige Arbeitsunfähigkeit mit Neubeurteilung in der letzten Septemberwoche 2019
bescheinigt. Er denke, dass sich mit dem Wiedererlangen der Arbeitsfähigkeit eine
Anmeldung für eine IV-Rente erübrige (IV-act. 832-2). Nach einer Rücksprache des
Sachbearbeiters beim RAD-Arzt med. pract. B._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, vom 2. September 2019 (IV-act. 833), teilte die IV-Stelle der
Versicherten am 4. September 2019 mit, sie werde die Kosten für eine polydisziplinäre
(allgemeinmedizinische/internistische, dermatologische, neuropsychologische,
A.b.
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orthopädische, otorhinolaryngologische und psychiatrische) Begutachtung
übernehmen (IV-act. 835). Gleichzeitig gab sie der Versicherten den Fragekatalog
bekannt (IV-act. 834). Diese äusserte sich am 16. September 2019 zur vorgesehenen
Begutachtung und stellte Zusatzfragen (IV-act. 836).
SuisseMED@P teilte den polydisziplinären Gutachtensauftrag der D._ zu
(nachfolgend: D._; IV-act. 837; zum Auftrag vom 24. September 2019 siehe IV-
act. 840). Prof. Dr. med. C._, Medizinische Leitung der D._, fragte die IV-Stelle im
Schreiben vom 3. Oktober 2019 an, «ob sich die SVA St. Gallen die Forderungen der
Rechtsvertreterin zu eigen macht, namentlich: Muss auch aus Sicht der SVA St. Gallen
die Untersuchung von der Fachdisziplin ORL geführt, in einem Grossraumbüro unter
Lärmbedingungen erfolgen und von einem Schriftdolmetscher begleitet werden?
Welche Begründungen sind hierfür hinreichend belegt?». Des Weiteren führte Prof.
C._ aus, die medizinisch wesentlichste und verlässlichste Untersuchung zur
Objektivierung einer Hörstörung und deren Abgrenzung von psychogenen oder
aggravierten Hörstörungsangaben sei zudem eine Ableitung akustisch evozierter
Potenziale, was neurologisch durchzuführen sei (IV-act. 842). Hierzu nahm der RAD-
Arzt med. pract. B._ am 9. Oktober 2019 Stellung. Aus seiner Sicht liege es im
Ermessen der Gutachterstelle, die federführende Disziplin festzulegen und die Frage zu
beantworten, ob für den gesamten Verlauf der Begutachtung die Anwesenheit einer
Schriftdolmetscherin notwendig sei. Bezüglich der Objektivierung der Hörstörung
schliesse er sich der Meinung von Prof. C._ an. Daher müsse die polydisziplinäre
Begutachtung noch um die Disziplin der Neurologie erweitert werden. Angaben zu
einer Hörstörung seien ansonsten immer subjektiv. Es sei in keiner Weise
objektivierbar, ob die Versicherte unter den von ihr geforderten Bedingungen
(Grossraumbüro, Umgebungslärm) ihr tatsächliches Hörvermögen abrufe. Somit habe
eine Testung des Hörvermögens unter den von der Versicherten geforderten
Bedingungen aus medizinischer Sicht keine zusätzliche Aussagekraft (IV-act. 843).
A.c.
Mit Zwischenverfügung vom 24. Oktober 2019 ordnete die IV-Stelle an: «Wie wir
bereits in der Mitteilung vom 04.09.2019 ausgeführt haben, wird der Zeitpunkt der
Abklärung mit Ihnen direkt vereinbart. Ob der Einsatz eines Schriftendolmetschers
nötig ist, wird im Rahmen des sachgerechten Ermessens von der Gutachterstelle
festgelegt. Die führende Disziplin ist im Rahmen des Ermessens durch die
A.d.
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B.
Gutachterstelle festzulegen. Es wird zusätzlich die Disziplin Neurologie in den
Gutachtenauftrag aufgenommen. Die Untersuchungen können in den Räumlichkeiten
der Gutachter stattfinden. Eine Simulation von einem Grossraumbüro ist nicht
vorzunehmen. Die Arbeitsfähigkeit wird, wie in IV-Sachverhaltsabklärungen üblich,
medizinisch-theoretisch festgelegt». Die von der Versicherten eingereichten
Zusatzfragen seien bereits in den Fragekatalog übernommen worden. Zwischenzeitlich
sei über die Verteilplattform SuisseMED@P bereits auch die Gutachterstelle zugelost
worden, weshalb diese mit einer Kopie dieser Verfügung bedient werde (IV-act. 847).
Gegen die Zwischenverfügung vom 24. Oktober 2019 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 25. November 2019 (Datum Postaufgabe). Die Beschwerdeführerin
beantragt darin deren Aufhebung und die Rückweisung der Sache an die
Beschwerdegegnerin zur erneuten Gutachtensvergabe. Eventualiter sei der
neurologische Gutachtensauftrag aufzuheben; unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Sie rügt, die Beschwerdegegnerin begründe die Anordnung einer zusätzlichen
neurologischen Begutachtung mit keinem Wort. Die Behauptung, die beklagten
Beschwerden seien allesamt subjektiv, sei angesichts der messbaren und
objektivierten Einschränkungen des Gehörschadens schlicht unhaltbar. Vielmehr liege
auf der Hand, dass die Beschwerdegegnerin gezielt dafür sorge, dass auch wirklich
Prof. C._ die Begutachtung federführend in den Händen halte. Dieser habe sich bis
dato vor allem durch Anmassungen ausgezeichnet. Der die D._ alleinbeherrschende
Chefarzt sei nicht in der Lage, die ihm gesetzlich auferlegte Unabhängigkeit zu wahren.
Des Weiteren verfüge die D._ nicht über fachlich und versicherungsmedizinisch
genügend ausgewiesene neuropsychologische Sachverständige (act. G 1).
B.a.
In der Beschwerdeantwort vom 30. Dezember 2019 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.
Die Gutachtensvergabe sei vorliegend nach dem Zufallsprinzip und somit korrekt
erfolgt. Die Einwände gegen Prof. C._ seien im Übrigen nicht zu hören, weil in der
Zwischenverfügung bisher einzig die Gutachterstelle (D._) festgelegt worden sei,
indessen die einzelnen Gutachter noch nicht bestimmt worden seien. Im Übrigen habe
sich das Bundesgericht bereits im Urteil vom 30. März 2017, 9C_19/2017, ausführlich
B.b.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Rechtmässigkeit
des von der Beschwerdegegnerin in der Zwischenverfügung angeordneten
polydisziplinären Gutachtensauftrags an die D._.
mit Prof. C._ auseinandergesetzt und die damaligen gegen ihn gerichteten Einwände
entkräftet. Prof. C._ begründe ausserdem den Bedarf an fachneurologischen
Abklärungen nachvollziehbar (act. G 3).
Bei der Anordnung eines Gutachtens handelt es sich um eine Zwischenverfügung
(Art. 55 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG] in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren [VwVG; SR 172.021]). Eine solche
kann unter anderem dann angefochten werden, wenn ein nicht wieder gutzumachender
Nachteil droht (Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. April
2010, B 2009/197, E. 2.5; vgl. auch BGE 138 V 275 E. 1.2.1). Für die Beurteilung des
nicht wieder gutzumachenden Nachteils im Kontext des sozialversicherungsrechtlichen
Abklärungsverfahrens mit seinen spezifischen Gegebenheiten ist zu beachten, dass
das medizinische Administrativgutachten in der Regel die wichtigste medizinische
Entscheidgrundlage im Beschwerdeverfahren bildet. Die Mitwirkungsrechte der
versicherten Personen müssen daher bereits vor der Begutachtung durchgesetzt
werden können, bevor präjudizierende Effekte eintreten. Mit Blick auf das begrenzte
Überprüfungsvermögen der rechtsanwendenden Behörden genügt es daher nicht, die
Mitwirkungsrechte erst nachträglich, bei der Beweiswürdigung im Verwaltungs- und
Beschwerdeverfahren, einzuräumen (vgl. BGE 138 V 276 E. 1.2.2). Des Weiteren darf
auch nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Anordnung medizinischer
Untersuchungen an einer Person «zweifellos» einen Eingriff in das Grundrecht der
persönlichen Freiheit (Art. 10 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft [BV; SR 101]) darstellt (BGE 136 V 126 E. 4.2.2.1 mit Hinweisen).
Als solcher muss die Anordnung einer Begutachtung die Voraussetzungen von Art. 36
BV erfüllen, was im Bestreitungsfall gerichtlich überprüfbar sein muss. Auf die
Beschwerde ist daher einzutreten, was von den Parteien - abgesehen von den gegen
Prof. C._ gerichteten Einwänden (siehe hierzu nachstehende E. 1.2) - auch nicht
bestritten wird.
1.1.
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2.
Bezüglich der rechtlichen Rahmenbedingungen für ein im Verwaltungsverfahren
einzuholendes medizinisches Gutachten kann auf die Erwägungen des Entscheids des
Versicherungsgerichts vom 28. Februar 2019, IV 2018/312, IV 2018/341, E. 1.1.1 f.
verwiesen werden (IV-act. 802-6 f.).
Im Übrigen ist der Sichtweise der Beschwerdegegnerin nicht zu folgen, dass auf
die Einwände gegen Prof. C._ nicht eingetreten werden könne, da erst die D._ als
Gutachterstelle nicht jedoch einzelne von ihr beschäftigte Personen in der
angefochtenen Zwischenverfügung bestimmt worden seien (act. G 3, III. Rz 3). Denn
vorliegend ist entscheidend, dass einerseits Prof. C._ Chefarzt der von ihm
(mit-)beherrschten D._ ist und die von der D._ erstellten Gutachten in der Regel
von ihm zumindest visiert werden. Andererseits hat er sich - wie aus seinem Schreiben
vom 3. Oktober 2019 hervorgeht (IV-act. 842) - bereits in einer nicht unwesentlichen
Weise mit dem Fall der Beschwerdeführerin befasst (siehe nachstehende E. 3). Allein
schon aufgrund dieser Involvierung als Chefarzt der angeordneten Gutachterstelle,
seiner Einlassung als neurologischer Experte und weil allfällige personenbezogene
Einwände möglichst frühzeitig geltend zu machen sind (siehe zur Rechtsprechung,
dass die Verletzung von Ausstandsgründen zu rügen sind, sobald von solchen
Kenntnis genommen wird, etwa das Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juni 2009,
9C_199/2009, E. 4.2 mit Hinweisen), ist nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren personenbezogene Einwände gegen
Prof. C._ vorbringt. Dies gilt vorliegend erst recht, nachdem die Beschwerdegegnerin
im Verwaltungsverfahren in diesem Zusammenhang den Gehörsanspruch der
Beschwerdeführerin verletzte (siehe nachstehende E. 2.1.3 f.). Die Frage, ob die von
der Beschwerdeführerin vorgebrachte Befangenheitsrüge inhaltlich zutreffend ist, kann
vorliegend indessen offenbleiben, da die angefochtene Zwischenverfügung aus
anderen Gründen aufzuheben ist.
1.2.
Die Beschwerdeführerin rügt, dass die Beschwerdegegnerin mit der
angefochtenen Gutachtensanordnung u.a. den in Art. 29 Abs. 2 BV normierten
Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt habe (act. G 1, Rz 35).
2.1.
Der Anspruch auf rechtliches Gehör, wie er sich auch aus Art. 42 erster Satz
ATSG ergibt, beinhaltet u.a. das Recht einer Partei, sich vor Erlass der Verfügung zu
den von der Verwaltung beabsichtigten Anordnungen zu äussern (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Auflage, Zürich 2020, Rz 9 zu Art. 42). Die Parteien müssen nicht
2.1.1.
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angehört werden vor Verfügungen, die durch Einsprache anfechtbar sind (Art. 42
zweiter Satz ATSG). Die vorliegende Zwischenverfügung ist nicht mittels Einsprache,
sondern direkt mit Beschwerde beim Versicherungsgericht anfechtbar, womit das
rechtliche Gehör vor dem Verfügungserlass gewährt werden muss.
Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderseits stellt es ein
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, der in
die Rechtsstellung der betroffenen Person eingreift. Dazu gehört insbesondere das
Recht, sich vorgängig zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht
in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und sich
zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, die Entscheidung zu
beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit
alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren
Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann. Wie weit dieses Recht geht, lässt sich
nicht in allgemeiner Weise, sondern nur unter Würdigung der konkreten Umstände
sagen (Urteil des Bundesgerichts vom 26. November 2018, 9C_595/2018, E. 4.1 mit
Hinweis auf BGE 144 I 17 E. 5.3).
2.1.2.
Die Beschwerdeführerin wurde über die Beauftragung der D._ erstmals in der
angefochtenen Zwischenverfügung orientiert und konnte sich deshalb zu dieser
Gutachterstelle nicht vorgängig äussern. Die unmittelbare Anordnung der Durchführung
der Begutachtung durch die D._ stellt eine erhebliche Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör dar. So sieht denn auch das vom BSV verfasste «SuisseMED@P:
Handbuch für Gutachter und IV-Stellen», Anhang V des Kreisschreibens über das Ver
fahren in der Invalidenversicherung (KSVI; Stand: 1. Januar 2018) vor, dass u.a die via
SuisseMED@P bestimmte Gutachterstelle der versicherten Person bekannt zu geben
ist (Nummer 8 des Handbuchs). Demgegenüber hat die Beschwerdegegnerin
vorliegend ohne das rechtliche Gehör zu gewähren direkt die Gutachterstelle
verbindlich in der angefochtenen Zwischenverfügung angeordnet (IV-act. 847 und act.
G 3, III. Rz 3). Damit wurde der Beschwerdeführerin die Möglichkeit genommen,
berechtigte Einwände gegen die Gutachterstelle im Verwaltungsverfahren vorzubringen
und überprüfen zu lassen. Darunter fallen etwa Vorbringen, dass die Gutachterstelle
bzw. deren Leitung die vom BSV geforderten Kriterien für die Durchführung von
polydisziplinären medizinischen Gutachten zur Beurteilung von Leistungsansprüchen in
der IV, Anhang 1 zu den jeweiligen Vereinbarungen zwischen dem BSV und der
Gutachterstelle nicht (mehr) erfüllen würden oder dass die Gutachterstelle bereits
vorbefasst wäre (etwa aufgrund einer bereits im früheren Verwaltungsverfahren
abgegebenen Expertise; für einen Anwendungsfall siehe den Entscheid des
2.1.3.
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Versicherungsgerichts vom 8. April 2019, IV 2018/285). Als zu beachtendes Kriterium
wird denn auch in der erwähnten Vereinbarung u.a. die «Unabhängigkeit der
Gutachterstellen» genannt (Ziff. 2 des Anhangs 1), wie sie von der Beschwerdeführerin
bezüglich der D._ in Frage gestellt wird. Die Gehörsrüge der Beschwerdeführerin
erweist sich folglich als begründet.
Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin erstmals in der angefochtenen
Zwischenverfügung über den Bedarf einer neurologischen Begutachtung und die
Einlassung von Prof. C._ vom 3. Oktober 2019 informiert wurde. Dabei fällt
vorliegend ins Gewicht, dass im gesamten bisherigen Verfahren, insbesondere auch im
Beschwerdeverfahren IV 2018/312, IV 2018/341, bis zur Äusserung von Prof. C._
kein Bedarf an einer neurologischen Begutachtung des Gehörschadens erkennbar war.
Vor diesem Hintergrund hätte erst recht Anlass bestanden, dass der
Beschwerdeführerin vor Erlass der angefochtenen Zwischenverfügung bzw. vor der für
sie unerwarteten verfügungsweisen Anordnung einer neurologischen Teilbegutachtung
sowohl bezüglich des Schreibens von Prof. C._ vom 3. Oktober 2019 (IV-act. 842) als
auch der neu beabsichtigten Anordnung einer neurologischen Begutachtung das
rechtliche Gehör gewährt worden wäre. Dabei ist in Erinnerung zu rufen, dass jede
(Teil-)Begutachtung bzw. deren Anordnung einen Grundrechtseingriff darstellt (siehe
vorstehende E. 1.1). Damit dieser rechtmässig ist, muss insbesondere das Erfordernis
der Verhältnismässigkeit einer (weiteren) Begutachtung erfüllt sein (Art. 36 Abs. 3 BV).
Die Überprüfung der Zulässigkeit dieses Grundrechtseingriffs muss der betroffenen
Person im Rahmen eines fairen Verfahrens und damit namentlich in Nachachtung von
Art. 29 Abs. 2 BV sowohl im Administrativ- als auch Gerichtsverfahren offenstehen
(zum Anspruch auf ein faires Verfahren bei Grundrechtseingriffen siehe auch Art. 6
Abs. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK;
SR 0.101]).
2.1.4.
Bei der vorliegend zu beurteilenden Gutachtensanordnung ist ferner zu
beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin die vom Versicherungsgericht formulierte
Verpflichtung, sie habe mit der Durchführung der neuropsychologischen Abklärung
eine Person zu beauftragen, die über die Ausbildung Fachpsychologe/Fachpsychologin
für Neuropsychologie FSP verfügt (Entscheid vom 28. Februar 2019, IV 2018/312,
IV 2018/341, E. 1.2.4, IV-act. 802-10), bislang offenbar ignorierte. Jedenfalls sind
entsprechende Bemühungen der Beschwerdegegnerin weder vor noch nach der
Auftragszulosung ersichtlich.
2.1.5.
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3.
Bezüglich der von der Beschwerdeführerin bestrittenen Notwendigkeit einer
zusätzlichen neurologischen Begutachtung (act. G 1, Rz 23) ist von Bedeutung, dass
bis zum Schreiben von Prof. C._ vom 3. Oktober 2019 kein Hinweis auf einen
neurologischen Abklärungsbedarf des Gehörschadens aus den Akten hervorgeht.
Dessen Schreiben enthält ausserdem keine Begründung für einen neurologischen
Abklärungsbedarf, sondern lediglich die mit der bisherigen Aktenlage nicht zu
vereinbarende sowie nicht näher belegte Behauptung, «die hier medizinisch
wesentlichste und verlässlichste Untersuchung zur Objektivierung einer Hörstörung
und deren Abgrenzung von psychogenen oder aggravierten Hörstörungsangaben ist
zudem eine Ableitung akustisch evozierter Potenziale, was neurologisch durchzuführen
ist» (IV-act. 842). Ob die Äusserung von Prof. C._ vor allem in dieser Absolutheit
zutreffend ist, insbesondere, dass mit umfassenden otorhinolaryngologischen
Abklärungen für sich allein keine objektive Beurteilung des Hörschadens bzw. der
allenfalls dadurch bedingten Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit möglich sein soll,
leuchtet auf einen ersten Blick nicht ein. Die primär lediglich die Aussage von
Prof. C._ wiederholende Stellungnahme des RAD-Arztes med. pract. van Briel vom
9. Oktober 2019 (IV-act. 843), der weder über eine neurologische noch eine
otorhinolaryngologische Ausbildung verfügt, vermag diesbezüglich nichts Klärendes
beizutragen. Zumindest ergeben sich aus dem Weiterbildungsprogramm des
Schweizerischen Instituts für ärztliche Weiter- und Fortbildung SIWF/ISFM für den
Facharzt für Neurologie vom 1. Juli 2016 (letzte Revision: 23. März 2018) keine
Anhaltspunkte, welche die von Prof. C._ behauptete Vorrangstellung des
neurologischen Sachverstands bei der objektiven Beurteilung von Gehörschäden
stützen würden. Bezüglich des Bedarfs einer zusätzlichen neurologischen Beurteilung
des Gehörschadens erweist sich der Sachverhalt jedenfalls als noch nicht spruchreif.
Es erscheint vorliegend angemessen, die umstrittene Frage der Notwendigkeit einer
zusätzlichen neurologischen Beurteilung des Gehörschadens durch die neu mit der
Teilbegutachtung zu beauftragende otorhinolaryngologische Fachperson beantworten
zu lassen.
Angesichts der dargestellten schweren Verfahrensmängel ist die angefochtene
Beauftragung der D._ aufzuheben und die Sache zur neuen Gutachtensvergabe über
die SuisseMED@P - unter Ausschluss der bereits vorbefassten D._ (siehe
vorstehende E. 2.1.4 und nachstehende E. 3) - an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
2.1.6.
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4.