Decision ID: b4a9e408-c664-467d-84f7-6a9f68c582dc
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1966 sowie gelernter
Landschafts
gärtner
,
litt als
Kind
an
tonisch-klonischem
Stottern sowie
an einem leichten infantilen
psycho
organischen
Syndrom (
POS
)
, weswegen ihm ab 1975
durch die damalige
Invali
denversicherungs
-Kommission des Kantons Zürich
verschiedene
Leistungen der Invalidenversicherung
zug
e
sprochen wurden
(
u.a.
Psychotherapie, EEG, Sprach
heilbehandlung, ärztliche ambulante Kontrollen
;
Urk.
11/1-2)
.
1.2
Am
8.
März
20
02
meldete sich
X._
unter
Hinweis auf starke Schmerzen im Bereich
des
Becken
s
und
am
Rücken sowie psychische Beschwer
den
erstmals
bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV
Stelle
,
zum
Bezug von IV-Leistungen
für Erwachsene
an (Urk.
11/4
). Nach getätigten
erwerblichen
und medizinischen
Abklärungen
vernei
nte die IV-
Stelle
mit Verfü
gung vom
9.
Mai 2003
gestützt auf einen ermittelten IV-Grad von 7 %
einen
Anspruch auf IV-Leistungen
(Rente, berufliche Massnahmen;
Urk.
11/23)
. Auf eine
am 22.
Mai 2002
dagegen erhobene Einsprache
(Urk.
11/25)
trat
sie
mangels fristgerechter Verbesserung der
Einsprache
mit Entscheid vom
9.
Juni 2003
nicht ein (Urk.
11/30
).
1.3
X._
übte in der Folge verschiedene Erwerbstätigkeiten aus
(
u.a.
für die Sozialen Dienste des Bezirks
Y._
sowie
im Rahmen von beruflichen Eingliederungsmassnahmen
); zeitweise bezog er Taggelder der Arbeitslosen
ver
sicherung (vgl.
Urk.
11/51).
Seit Juni
2011
war er
als
Friedhofsmitarbeiter
bei der Stadt
Z._
tätig
, als
er
i
m
Juli 2016 durch seine Arbeitgeberin
bei der IV
Stelle
zur Früherfassung angemeldet
wurde
(Urk.
11/39
).
Nach durchgeführten
Abklärungen
,
welche ergab
en
, dass eine Anmeldung bei der Invaliden
versiche
rung an
ge
zeigt
sei
(
vgl.
mit dem Versicherten geführtes
Gespräch vom 20.
Sep
tember 2016;
Urk.
11/43)
,
und nachdem das Arbeits
ver
hältnis bei der Stadt
Z._
am 27.
September 2016
seitens der Arbeitgeberin
per 31.
Dezember
2016 aufgelöst worden war (Urk.
11/53
/8-9
),
meldete
sich
X._
am 1. Oktober 2016
unter Hinweis auf
Gicht an den Füssen, Händ
en und Gelenken, Rheuma, defekte Lendenwirbel
,
Hepatitis
C sowie
auf
seit
einem Arbeitsunfall im
Juli 2015 bestehende Arbeitsunfä
h
igkeiten
erneut
zu
m
Leistungsbezug
an (Urk.
11/46).
Die IV-Stelle führte
mit dem Versicherten
eine
Eingliederungsberatung
durch
(Urk.
11/59
und Urk.
1
1
/6
3
), schloss
ihre
Ein
gliederungsbemühungen jedoch am 29. November 2016 wieder ab
(Urk. 11/64
)
.
Nach
durchgeführtem
Vorbesch
eidverfahren
(
Urk.
11/75 ff.)
erliess sie am 12
.
Juli 2017
eine Verfügung,
in welcher sie einen
Anspruch auf Leistungen der Invali
denversicherung
verneinte.
S
ie begründete
die Verfügung
im Wesentlichen
damit,
da
ss
der Versicherte
seiner Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen sei (
seine Arztrech
n
ungen nicht bezahlt habe
). D
a
deshalb
kein Arztb
ericht ausgest
e
llt werden könne
,
seien
keine Abklärungen möglich
, weshalb diese eingestellt wür
den
(
Urk.
11/76).
1.4
Am 8.
Dezember 2017 meldete sich
X._
er
n
e
ut
bei der
Inva
l
idenversicherung zum Leistungsbezug an
(
Ur
k.
11/81)
und reichte nach Auffor
derung der IV-Stelle, eine wesentliche Veränderung der tatsächlichen Verh
ält
nisse glaubhaf
t zu machen (Urk.
11/83)
,
einen Bericht
des
b
e
h
andelnden
Psychiaters
der
Psychiatrischen Univers
i
tät
sklinik
A._
ein (Urk. 11/92).
Mit
Mitteilung vom 14.
Mai 2018
hi
elt die IV-Stelle
fest, dass
aufgrund der psychischen und phy
s
is
chen Beschwerden keine Eingliederung
smassnahmen möglich seien (Urk.
11/97)
.
N
ach Einholung von weit
eren ärztlichen Berichten (Urk.
11/101
, Urk.
11/111
)
veranlasste
sie
eine polydisziplinäre Begut
achtung
des Versicherten
, mit welcher die MEDAS
B._
,
C._
GmbH
,
beauftragt wurde (Urk.
11/118
;
Expertise
vom
20.
Februar 2020;
U
rk.
11/150
). Gestützt
auf die so getätigten Abklärungen
verneinte die IV-
Stelle nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(Urk.
11/154
, Urk.
11/160,
Urk.
11/165) mit
Verfügung vom
9.
April
2021
abermals
ein
en
Anspruch auf
eine Invalidenrente
(
Urk.
11/170
=
Urk.
2
).
2.
Dagegen erhob
X._
hierorts mit Eingabe vom 1
1.
Mai 2021
(Urk. 1)
Beschwerde mit den Anträgen, es sei die Verfügung der Beschwerde
gegneri
n vom 9.
April 2021 aufzuheben (1.), es sei
ihm
späte
stens ab dem 1.
Juni 2018 der Anspruch auf eine angemessene Invalidenrente zuzu
sprechen (2.), eventualiter sei
ihm
der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen (insbesondere berufliche Massnahmen) zuzu
sprechen (
3.), es sei ihm
die unent
geltliche Prozess
führung zu bewilligen und es sei der Unterzeichner als
unentgeltlicher Rechtsbei
stand
des Beschwerdeführers zu bestellen (4.), alles unter Kosten- und Entschädi
gungsfolgen zzgl.
MWSt
zulasten der Beschwerde
gegnerin (5.;
Urk.
1 S
.
2).
Die IV-Stelle stellte mit Vernehmlassung vom 2
3.
August 2021 Antrag auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
5.
August 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
tur
ierten Beweisverfahren nach BGE
141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderu
ng der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E.
4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere D
epressionen
);
seit
BGE 145 V 215 gilt dies auch für Abhängigkeitserkrankungen.
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderer
seits
–
er
lauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E
. 6; vgl.
BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgerich
t wie folgt systematisiert (BGE
141 V 281 E.
4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad»
(E.
4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung»
(E.
4.3.1)
-
Ausprägung der
diagnoserelevanten Befunde (E.
4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliede
rungserfolg oder -resistenz (E.
4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E.
4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnost
ik, persönliche Res
sourcen, E.
4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext»
(E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Ge
sichtspunkte des Verhaltens, E.
4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen verg
leich
baren Lebensbereichen (E.
4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck (E.
4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezo
gene Aspekt der Konsistenz (BGE
141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E.
7.4).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invalidi
tätsgrades eingetreten ist (BGE
117 V 198 E. 3a mit Hinweis
; Urteil des Bundesgerichts I 659/04 vom 9. Februar 2005 E. 1.1
).
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung
ist von Amtes wegen zu prüfen
, ob seit der ersten Rentenverfügung zwischenzeitlich eine erneute materielle Prüfung des Rentenanspruchs stattgefunden hat. War dies nicht der Fall, so ist auf die Entwicklung der Verhältnisse seit der ersten Ablehnungsverfügung abzustellen; wie im Revisionsverfahren bleiben allfällige, vorangehende
Nichteintretens
ver
fügungen
aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summarischen Begründungsaufwandes der Verwaltung unbeachtlich. Erfolgte dagegen nach einer ersten Leistungsverweigerung eine erneute materielle Prüfung des geltend gemachten Rentenanspruchs und wurde dieser nach rechtskonformer Sachver
halts
abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
ver
gleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Aus
wirkungen des Gesundheitszustands) abermals rechtskräftig verneint, muss sich die leistungsansprechende Person dieses Ergebnis – vorbehältlich der Recht
spre
chung zur Wiedererwägung oder prozessualen Revision (vgl. BGE 127 V 466 E.
2c mit Hinweisen) – bei einer weiteren Neuanmeldung entgege
nhalten lassen (BGE
130 V 71 E.
3.2.3
; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.3 f.
).
1.5
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete
die angefochtene Verfügung
im Wesentli
chen damit, dass dem
Beschwerdeführer
gemäss den
getätigten
Abklärung
en
die
angestammte
Tätigkeit als Landsc
haftsgärtner nicht mehr zuzumuten
sei. Eine leidensangepasste Tätigkeit sei ihm jedoch
im Umfang von
80
%
zumutbar
. Der Einkommensvergleich e
rgebe einen Invaliditätsgrad von
24
%, weshalb kein
Rentenanspruch resultiere (Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer lässt dagegen
zur Hauptsache geltend machen, dass
auf das
C._
-
Gutachten nicht
abgestellt werden könne
, da insbesondere das psychiatrische Teilgutachten aus verschiedenen
Gründen nicht beweiswertig sei. A
ufgrund seiner zahlreichen Gebrechen
sei er
nicht mehr erwerbsfähig, weshalb
ein
Anspruch auf eine
angemessene
Rente
gegeben sei
. Da der IV-Grad selbst nach Auffassung der Beschwerdegegnerin über 20
% liege, habe
er
(eventualiter) Anspruc
h auf Eingliederungsmassnahmen
(
Urk.
1).
2.3
Streitig und zu prüfen ist
im vorliegenden Verfahren, ob die Verwaltung
,
nach
dem sich
der
Beschwerdeführer am
8.
Dezember 2017
erneut zum Leistungsbezug angemeldet hat
te
,
einen
Rentenanspruch zu Recht verneinte
. Zu prüfen ist
daher
analog einem
Revisionsfall, ob sich der Gesundheitszustand
und die Erwerbsfä
higkeit
des Beschwerdeführers
seit der
anspruchsverneinenden Verfügung vom
9.
Mai 2003 – der Verfügung vom
12.
Juli 2017
(
Urk.
11/76)
lag keine materielle Abklärung des Rentenanspruchs zugrunde (vgl.
E. 1.4
hiervor
) -
bis
zur
vor
liegend
angefochtenen Verfügung vom
9.
April 2021
in einem
Ausmass
ver
schlechtert
haben
,
dass nun Anspruch auf eine Rente besteht.
Berufliche Massnahmen bilden demgegenüber
nicht Gegenstand der ange
fochte
nen Verfügung
und
können entsprechend auch nicht Gegenstand des vor
liege
n
den Beschwerdeverfahrens sein.
Soweit der Beschwerdeführer daher im Übrigen die Gewährung von beruflichen Massnahmen beantragt, ist
auf diesen Antrag nicht einzutreten (vgl. zum Ganzen BGE 144 I 11 E. 4.3, 131 V 164 E. 2.1, 125 V 413 E. 1).
3.
Der Verfügung vom
9.
Mai 2003 lag
im Wesentlichen
der Bericht von
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Innere Medizin, vom 20. Juni 2002 zugrunde
(Urk.
11/10; vgl. Feststellungsblatt für den Beschluss,
Urk.
11/21 S. 3 f.)
. Darin hatte
Dr.
D._
die folgenden Diagnosen gestellt: Drogenabhängigkeit (Methadonprogramm), chronisch rezidivierendes
Thorako
- und
Lumbovertebral
syndrom
bei fixierter
Kyphoskoliose
der BWS und
thorako
-lumbalem Übergang sowie Depression.
Dr.
D._
gab im Wesentlichen an, im bisherigen Beruf sei der Versicherte zu 50 % arbeitsunfähig (S. 1). In behinderungsangepasster Tätigkeit bestehe eventuell ganztags eine Arbeits
fähigkeit (
Urk.
11/10; vgl. auch Kurzbericht vom
1
3.
November 2002 Urk. 11/1
7
).
4.
Im Nachgang zur
Neuanmeldung
vom
8.
Dezember 2017
fanden zur Hauptsache die folgenden ärztlichen Berichte Eingang in die Akten
:
4.1
Dr.
med.
E._
, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie FMH
,
Oberarzt
am
Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen
an der
Psychiatrischen Universitätsklinik A._
,
wo der
Beschwerde
führer
seit Dezember 2017
in Behandlung
stand/steht
, stellte in seinem Bericht
vom 9. April 2018
an die IV-Stelle
die folgenden
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
11/92 S. 5):
Psychiatrisch:
-
F61: Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
negativistischen
, para
noiden,
schizotypischen
, antisoz
i
alen und ggf. depressiven Anteilen (EM in der Jugend, ED 02/2018
, SKID-II 02/18
)
-
F43.1 Pos
t
t
r
aumatische Belastungsstörung (ED 12/17)
-
F
33.1 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (EM seit der Kindheit, ED durch
Dr.
D
._
2002, BDI am 2.3.2018 26 Punkte), DD: depressive Persönlichkeitsstörung
-
F90.0 ADHS (EM und ED in der Kindheit, aktuelle Symptomlast gemäss ADHS
-
SB: schwere Überaktivität und Impulsivität, mittelgradige Auf
merksamkeitsstörung)
-
Verdacht auf
F40.0
Agoraphobie
-
F
40.2 Nadelphobie
Somatisch:
-
Polyarthralgien mit Hauptbefall in den Bereichen Hände und Füsse
-
DD:
Gich
t
arthropathie
, Polyarthritis
-
Chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
MRI LWS 2013: Deutliche degenerative Veränderung
-
Chronisch venöse Insuffizienz
-
Chronische Hepatitis C, Genotyp 4, mit Zeichen einer Hepatopathie ED 2017 sowie ViD3-Mangel
Als ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit benannte er wie folgt:
-
F11.2 Psychische und Verhaltensstörung durch Opioide: Abhäng
ig
keits
syndrom, substi
t
uiert
-
F12.1 Psychische und Verhaltensstörung durch
Cannabi
n
oide
: Abhängig
keits
syndrom
-
F10.1
Psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol: Abhängigkeits
syndrom
Dr.
E._
führte
zur Arbeitsfähigkeit
aus psychiatrischer Sicht
im Wesentli
chen aus, es
bestünden Verhaltensauffälligkeiten, die eine Arbeit im Team stark erschwerten und zu ständigen Konflikten
mit Mitarbeitern
führten. Zusätzlich bestünden rezidivierende depressive Krisen mit reduziertem Antrieb und stark gereiztem Affekt, die wiederum zu Absenzen führten. Auch werde das Funktions
niveau durch intrusive Erinnerungen und Symptome der
Trauma
folgestörung
zusätzlich reduziert
(S. 6)
.
Seit dem
1.
Januar 2018 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in jeder Tätigkeit (S. 2).
Eine Besserung des psychischen Gesamtzustandes könne möglicherweise durch konsequente Psycho- und Pharmakotherapie erreicht werden, wobei aufgrund der Schwere der bestehenden Symptomatik und des bisher chronischen Verlaufs Erfolge allenfalls
in lang
fristiger Perspektive zu erwarten seien
(S. 5)
. Für die Wiedereingliederung sehe er keine grossen C
hancen, da
der Patient den Lehrberuf wegen der psychischen und physischen Beschwerden nicht mehr ausüben könne und durch seine psychische Beeinträchtigung Schwierigkeiten habe
,
sich in
ein neues Gebiet einzuarbeiten. A
usserdem
sei für den Patienten auch schwierig
,
mit anderen M
enschen zu
arbeiten und Anweisungen entgegenzunehmen
,
was eine U
m
schulung zusätzlich erschwere bis verunmögliche
(
S. 8
).
4.2
Hausarzt
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, diagnos
ti
zierte in seinem Formularbericht vom 1
8.
Juli 2018
an die IV-Stelle
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
Gichtarthropathie
sowie eine (gut
achterlich zu klärende) psychiatrische Diagnose
.
Er gab an, der Eingliederung stünden Schmerzen
(Schmerzen in verschiedenen Gelenken wegen chronischer Harnsäureablagerung)
und die p
sychiatrische Diagnose entgegen. W
ichtig erscheine eine psychiatrische
Abklärung
.
Manuelle belastende Tätigkeiten werde der Versicherte nicht zu 100 % und nicht kontinuierlich ausüben können.
Realistisch sei eine Eingliederung von 50
% in einer leichten Tätigkeit
(Urk.
11/101).
4.3
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH und Oberärztin
Somatik
am Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen an der
Psychiatrischen Universitätsklinik A._
,
stellte in ihrem Formularbericht vom
4.
Januar 2019 an die IV-Stelle die folgenden Diagnosen
(
Urk.
11/111 S. 4)
:
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
Chronisch rezidivierende
Oligoarthritis
, ED vor Jahren
-
A.e
. Gichtarthritis bei persistierender Hyperurikämie
-
Chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsynd
r
om, ED unklar
-
St. n. chronischer Hepatitis, GT 4, ED 2017
-
Mit Zeichen der Hepatopathie
-
SVR 08/18 nach
Maviret
-
F
32
.1
Mitte
l
gradige depressive Episode, ED unklar
-
F61 Kombinierte Persönlichkeitsstörung ED 2018
-
F43.1 Posttraumatische Belastungsstörung ED 2018
-
F10.1 Psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol: Schädlicher Gebrauch
-
Vd
. a.
auf Zwangsstörung DD im Ra
hmen der Persönlichkeitsstörung
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
F11.2 Psychische und Verhaltensstörung durch Opioide: Abhängigkeits
syndrom, substituiert mit Methadon
-
F12.1 Psychische und Verhaltensstörung durch
Cannabi
n
oide
: Schädli
cher Gebrauch
-
Chronisch venöse Insuffizienz, ED unklar
-
ViD3
-
Mangel ED 09/2017
Dr.
H._
führte im Wesentlichen aus, b
eim Versicherten bestünden Antriebsmin
derung und Zwänge sowie soziale Ängste, die
ihn
am
Verlassen der Wohnung hinderten
,
wodurch eine regelmässige Erwerbstätigkeit deutlich erschwert sei. Die unter Belastung auftretenden Rückenschmerzen hinderten den Patienten am Tragen von Lasten, die witterungsbedingte Verschlimmerung der Gelenksbe
schwerden beschränke die Möglichkeit der Arbeit im Freien auf Perioden mit trocken-warmem Klima. Die interaktionellen Probleme (Impulsivität, Aggressivi
tät, Abwertung des Gegenübers) schränkten die Teamfähigkeit deutlich ein
(S. 5)
.
Zur Arbeitsfähigke
it
gab sie an, seit
dem
1.
J
an
uar
20
18 bestehe
i
n der bisherigen Tätigkeit eine 100
%
ige Arbeitsunfähigkeit
. A
uch aktuell bestehe aufgrund physi
scher und psychischer Krankheit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Eine angepasste Tätigkeit sei 0-2
S
tunden pro
T
ag zumutbar
(
Urk.
11/111).
4.4
Mit Schreiben vom 2
4.
Januar 2020 an die IV-Stelle hielt
Dr.
H._
fest, seit dem Jahreswechsel
sei es
zu einer Verschlechterung des psychischen Zustandes ein
hergehend mit sozialem Rückzug, vermehrten Ängsten und Antriebsstörungen gekommen (
Urk.
11/148).
4.5
4.5.1
Zwischen August und Oktober 2019 wurde der Beschwerdeführer
im Auftrag der IV-Stelle
durch die
C._
GmbH
polydisziplinär (psychiatrisch, allgemein-inter
nistisch, rheumatologisch und neurologisch) abgeklärt (
Urk.
11/150). In ihrer interdisziplinären Beurteilung
vom 20.
Februar 2020
nannten die beteiligten Gut
achter die folgenden
relevanten
Diagnosen (
Urk.
11/150 S.
7)
:
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psych
o
troper Substanzen, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwachten Ersatzdrogenprogramm (kontrollierte Abhängigkeit,
Beikonsum
) F19.22
-
Sonstiger
c
hronischer Schmerz R52.2
-
Chronisch rezidivierende
Oligoarthritis
, sehr wahrscheinlich einer Arthritis
urica
Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Hepatitis C ED ca
.
1995? 2017? Kurativ behandelt 08/2018
-
Grosszehengrundgelenksarthrose rechts mehr als links
-
Bekannte
Leukopenie
und
Thrombopenie
-
Status nach chronischer Hepatitis C
-
Degenerative LWS-
Veränderungen mit chronischer
Thorako
-Lumbalgie bei deutlicher
Kyphoseskoliose
(thorakal linkskonvex) ohne signifikanten klinischen Hinweis für
radikuläre
Reiz- oder Defizitsymptomatik (kein segmentspezifisches sensibles oder motorisches Defizit, Reflexe symmetrisch lebhaft,
Lasègue
negativ)
-
Aufmerksamkeitsdefizit-Störung mit Hyperaktivität seit der Kindheit (F90.0)
,
anamnestisch Hinweis für Teilleistungsstörungen (Lese-/Recht
schreibeschwäche, Dyskalkulie)
-
Probleme in Bezug auf die Lebensbewältigung Z73
-
Recurrent
brief
depressive
order
F38.10
4.5.2
I
n seinen
Teilgutachten
(S. 21 ff.)
führte der
fallführende
psychiatrische
Experte
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
im Wesentlichen aus, der Versicherte gebe
zum jetzigen Leiden
an, an Sch
merzen in den Knien, am Rücken zu
leiden
, Gegenstände würden ihm aus der Hand fallen. Die F
üsse seien so empfindlich, dass er immer Strümpfe tragen müsse. Auch habe er Nierenschmerzen. Jedoch gehe es ihm insgesamt besser als vor einem Jahr, er sei froh
,
dass er vom Methadon losgekommen sei. Er hab
e aber noch immer nächt
liche Alb
träume. Die Ursachen seiner aktuellen Beschwerden lägen in der Kind
heit, diese sei für ihn eine schlimme Zeit gewesen. Als er Heroin und Kokain genommen habe, sei dies wie eine Befreiung für ihn gewesen, aber nur bis zu einem Zeitraum von etwa drei Jahren, danach seien alle Beschwerden wiederge
kommen; er habe immer mehr Drogen gebraucht und so habe sich seine Befind
lichkeit
verschlechtert
.
Sein Umfeld, insbesondere sein Vater
,
hätten schlecht reagiert, es habe schlussendlich seine ganze Familie belastet. Mit 20 sei er von zuhause ausgezogen.
Er habe mehrere trockene Entzüge gemacht, diese seien auch erfolgreich gewesen
,
bis es mit der Arbeit und den Schmerzen wieder schwieriger geworden sei
(S. 25 f.)
.
Weiter führte
Dr.
I._
aus, d
er Versicherte gebe an, er versuche momentan täg
lich seine Sachen zu erledigen
,
so gut es gehe. Er erwache noch immer um 5:45 Uhr, brauche keinen Wecker, er habe noch den gleichen Rhythmus
von seiner früh
eren Arbeit beibehalten. Er sei bestrebt, einen normalen Tagesablauf zu haben. Nach draussen gehe er nicht gerne, unter den Leuten
fühle er sich nicht wohl
. Er fü
hle sich beobachtet
, wisse aber nicht warum, habe Angst, wisse aber nicht wovor. Wenn er Leuten auf dem Bürgersteig ausweichen müsse, bekomme er Panik. Früher habe er mit den Arbeitskollegen manchmal ein Feierabendbier getrunken, dazu wär
e er heute nicht mehr imst
ande. Die Angst sei früher nie so stark ausgeprägt gewesen wie heute. Zuhause müsse alles am richtigen Ort liegen, schon als Kind sei er so genau gewesen, alles habe seinen P
latz
haben müssen. Er habe nicht gerne Besuch, in seiner Wohnung fühle er sich besser, wenn er allein sei. Der Versicherte hoffe, in der Zukunft eine Besserung zu erfahren und die Ängste zu verlieren
(S. 26)
.
Nach Erhebung der objektiven
Untersuchungsbefunde
(S. 31 f
.
) gab
Dr.
I._
in seiner Beurt
e
ilung (S.
35
f
.
) an, der Lebensstil des Versicherten erscheine eher introvertiert (Objektwah
r
nehmung, Kommunikation und Zuwendung). Erfahrungen mit negativen Objektbildern in der Kindheit
(aggressiver fordernder Vater, schulische Schwierigkeiten bei
AHDS, Ablehnung durch gleichalt
rige Mit
schüler und Lehrer)
hät
t
en zu Bindungsunsicherheiten
geführt. Affektive Schwingungsfähigkeit, Selbstreflexion und Interesse an inneren Prozessen seien in der Kindheit/Jugend nur unzureichend gefördert worden und die soziale Per
spektivenübernahme nicht hinreichend eingeübt
(S. 36)
.
Beim Versicherten sei eine verminderte positive Ei
n
stellung zum Selbst und rationale
n
Selbst erkennbar, auch liege eine reduzierte Fähigkeit zum Spannungsauf
bau und –
a
bbau
vor; bei negativen Ereign
issen mit Enttäuschung und Frus
tra
tionen bestehe eine erhöhte Vulnerabilität mit der Folge von Rückzug
,
Vermei
dung und Tendenz zu Somat
i
sierung. Bereits in der Kindhei
t habe er zum Einzel
gängertum
geneigt. Durch den f
rüh
en
Drogenkonsum sei es zu zusätzl
i
c
hen Rückzugstendenzen gekommen und
zur
Vermeidung von gesellschaftlichen Aktivi
täten, diese
würden
als mit
Unsicherheiten und Ängsten verbunden beschrieben (gedeut
et als soziale Ängste und
agor
aphobes
Vermeidungsver
halten).
Schwierige Situationen würden durch den Suchtmittelmissbrauch zusätz
lich negativ dynamisiert, woraus ein geringerer Handlungsspielraum bei Stress, affektive Veränderungen und somatische Beschwerden resultier
t
e
n
.
Beim Ver
si
cherten lägen seit der Kindheit und Jugend zum
Teil tiefverwurzelte, überdau
er
nde und unangepasste Verhaltens- und Erlebensweisen vor, die zu dysfunktionalen Reaktionen auf vielfältige
persönliche und soziale Lebenslagen führen könnten, welche der Versicherte durch Suchtmittelkonsum abzumildern versuche; dies
e
hätten von ihm zum Teil über Jahre kompensiert werden können. Beim Versicherten lägen Ich-Komplex D
efizite vor
, wobei auch die schützenden Abwehrmechanismen nicht suffizient erschienen. Insgesamt sei bei ih
m
von einer kombinierten Persönlichkeitsstörung auszugehen und es seien
narzisstische, selbst
unsichere,
anankastische
und
dependente
Persönlichkeitszüge auszu
machen
(S. 36)
.
Weiter
gab
Dr.
I._
an, die Diagnose ADHS mit anamnestischen Hinweisen für Teilleistungsstörungen sei plausibel und aus der Vorgeschichte nachvollziehbar. Diese könnte auch ein Teil der P
ersönlich
keitsaspekte erklären, jedoch auch an der Sucht beteiligt sein
(S. 36)
. Weiter
müssten
in Bezug auf die geklagten psychischen Beschwerden
der
Affektivität und des A
ntrie
bs
zusätzliche
opioid
abhängige
psychische Auswirkungen berücksichtigt werden, welche sich als Interesselosigkeit, Rückzugstendenzen und mangelnde Empfindlichkeit gegen
über äusseren Reizen äuss
er
t
e
n
. Sowohl die beschriebenen Gesundheits
s
törungen (Persönlichkeitsstörung, ADHS und Sucht) als auch der dauerhafte Konsum von Opio
id
en und Cannabis wirkten sich auf die persönlichen R
essourcen des Versi
cherten nega
t
i
v nachhaltig
(gemein
t
wohl: nachhaltig negativ)
aus (S. 37)
.
Unter dem Titel «Beurteilung des bisherigen Verlaufs von Behandlungen, Re
h
abilitati
o
n, Eingliederungsmassnahmen etc., Diskussion von Heilungs
chancen» führte
Dr.
I._
unter anderem aus,
die gegenwärtige Therapie mit Substitutionsbehandlung sei als lege
artis
anzusehen. A
ktu
ell wünschenswert sei eine langfristige psychother
a
peutische Behandlung
mit dem Ziel
,
psychosoziale Fertigkeiten zu üben (S. 37)
.
Des W
eiteren sei die Suche nach geeigneten Arbeits
bereichen wichtig, in denen die Persönlichkeitszüge nicht stören und eher vor
teilhaft sein könnten.
A
us rein psychi
a
trischer Sicht bestehe gegenwärtig trotz einer polyvalenten Abhängigkeit eine Integrationsmöglichkeit in einem Umfang von 50
%
(Leistung 50
%, volle Präsenz) angestammt, vorzugsweise aber in einer angepassten Tätigkeit (S. 38).
Zur Arbeitsfähigkeit gab
Dr.
I._
an, in der bisherigen Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit
von
50
% (ganztägig bei einer Leistun
g von 50
%), diese liege seit dem
1.
Januar
2018 vor. In einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähig
k
eit von 80
% (ganztä
g
ige Präsenz bei Leistungsfähigkeit von 80
%),
wobei folgendes
Tätigkeitsprofil
zu berücksichtigen sei
: Kein Zeitdruck, keine Tätigkeit in grösseren Arbeitsgruppen und häufig wechselndem Publikums
ver
kehr, wohlwollende und fördernde Arbeitsatmosphäre (
S
. 40)
.
4.5.3
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH,
führte
im inter
nistischen Teilgutachten
(S. 46 ff.) im Wesentlichen
aus,
weder spontan noch in der Systemanamnese würden relevante Beschwerden aus dem allgemein-int
er
nistischen Gebiet geschildert;
aus internistischer Sicht bestünden keine Funktion
s
s
törungen, die Ressourcen seien nicht beeinträ
chtig
t. Eine Hepatitis
C
sei zwar
neu
d
iagnos
ti
ziert,
habe jedoch keinen Einfluss auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Sie könne als erfolgreich kurativ behandelt und eliminiert be
trachtet werden, dies mit am 9.
Ju
l
i 2019 nicht nachweisbarer RNA. Die Venenerkrankung
(chronisch venöse Insuffizienz, vgl. S. 55)
wie auch die Gicht seien für die Arbeits- und Leistungsfähigkeit nicht relevant. Aus allgemein-inter
nistischer Sicht bestehe für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Aushilfe Friedhof eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 100
%, dies gelte auch für eine Ver
weistätigkeit (S. 55 f.)
.
4.5.4
Im rheumatologischen Teilgutachten (S. 58 ff.) führte die Gutachterin
Dr.
med.
K._
, Fachärztin
für Allg
e
meine Innere Medizin sowie Rheumatologie
,
im
We
s
e
ntlichen aus,
bezüglich der rheumatologischen Situation bestehe schon seit vielen Jahren eine immer wiederkehrende Schmerzsymptomatik, initial wohl bereits im Jahr 2002 mit Rückenbeschwerden im Rahmen der beruflichen Tätig
keit als Landschaftsgärtner. Im Weiteren sei es im Jahr 2016 zu
zusätzlich auf
tretenden
Gelenksbeschwerden gekommen
,
so dass
rheumatologischerseits
Gichtarthritis vermutet worden sei
. A
ufgrund persistierender Beschwerden sei im Jahr 2018
eine
Oligoarthritis
am ehesten im Rahmen einer Gichtarthritis vermutet worden und
eine Therapieeinleitung mit Allopurinol zur Senkung der Harnsäure erfolgt, hierdurch scheine die Beschwerdesymptoma
tik etwas abgemildert zu sein (S. 67
). Zum Zeitpunkt
der aktuellen Vorstellung zeige sich trotz der erheblichen Schmerzanga
b
e des Versicherten
zumindest keine objektivierbare entzündliche Aktivität
; die Schmerzsymptomatik könne internistisch-rheumatologisch nicht erklärt werden.
Gichtanfälle
seien auch weiterhin
denkbar, sofern die Harnsäure nicht dauerhaft in den niedrig normalen Bereich reguliert werden könne, wobei
diesfalls
vermutlich eher von kurzen vorübergehenden Arbeitsunfähigkeiten aus
zugehen sei
(S.
68)
. Zur A
rbeitsfähigke
it hielt
Dr.
K._
fest
, im H
inblick auf die aktuel
le Situation, in welcher
sich
der Versich
e
rte präsentier
t
e, sei eine schwere körperliche Tätigkeit
nicht denkbar. In einer leidensangepassten Tätig
keit (leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten ohne vermehrte Beanspruchung an die Feinmotorik der Hände und ohne Aussetzung von Nässe, Kälte und Zugluft und ohne rückenbelastende Tätigkeiten) bestehe eine 100
%
ige A
rbei
t
s
fähig
k
eit (S. 68 f.).
4.5.5
Der neurologische Experte
Dr.
med.
L._
, Facharzt für
Neurologie FMH,
hielt in seinem Teilgutachten
(S.
70 ff
.
)
im We
sentlichen
fest,
bezüg
lich der Füsse werde eine g
e
wisse
M
issempfindlichkeit
beschrieben. Im klinischen Befund sei der Reflexstatus sehr lebhaft, es sei
en
eine allgemeine erhöhte Anspannung und Schreckhaftigkeit
,
fast schon leicht
hyperekplektische
Reaktion erkennbar. Es sei
en
aber auch eine leicht sockenförmige Hypästhesie und
Dysalgesie
abgrenz
bar, zu einer
akrodistal
symmetrischen leichten Polyneuropathie passend. Auch in der Neurographie hätten sich leichte Nervenfunktionsstörungen an den unter
suchten Beinnerven bestätigt. Der leichte
Polyneuropathiebefund
dürfte am ehesten im Kontext des früher auch langjährigen Alkoholkonsums zu erklären sein. Die eher schreckhafte angespannte, leicht
hyper
e
k
plektische
Reaktion lasse aber insgesamt auch auf eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit und Reizempfind
lichkeit schliessen, im Sinne der wahrscheinlich Opioid-induzierten Hyperalgesie, möglicherweise aber auch persönlichkeitsbedingt bei gewissen ängstlichen Tendenzen. Es sei somit gut vorstellbar, dass schon in der Vergangenheit im Rahmen der chronischen Opioid-Gabe auch im Rahmen der Substitution diese Übersensibil
i
t
ät generiert worden sei. Somit erkläre sich auch eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit gegenüber den fokal im Rückenbereich statisch beding
ten
,
nachvollziehbaren Schmerzen
(S.
84
)
.
Zur A
rbeits
fähigkeit
hielt
Dr.
L._
fest
, die Gartenbautätigkeit sei aufgrund des Rückenleidens und der Kniebeschwerden nicht geeignet.
Eine
Tätigkeit
an
einer adaptierten
Arbeitsstelle wäre hingegen ganztägig mi
t
verminderter Leistungsfähigkeit
zumutbar
(Reduktion um 20
% info
lge erhöhten Pausenbe
darfs und s
chmerzbedingte
r
Einschrän
kungen; S. 85
)
. Vermieden werden sollten häufige Überkopfarbeiten
sowie
sehr hohe Anforderungen an
die manuelle Geschicklichkeit
. A
ufgrund der leichten Polyneuropathie
sollten
Arbeiten auf Leitern und Gerüsten nur mit konsequenten Sicherungsarbeiten
erfolgen;
T
äti
g
keiten mit erhöhter Anforderung an das Gleichgeweicht könnten mit erhöhter Sturzgefahr verbunden sein. Aufgrund der noch im Erwachsenenalter bestehen
den ADHS
-
Symptomatik seien Arbeiten mit Mon
o
tonie und Daueraufmerksam
keit nicht geeignet
(S.
85
)
.
4.5.6
I
n ihrer in
terdiszi
p
l
inären
B
e
u
rteilung hielt
en die
Gutachter z
ur Arbeitsfähigkeit
fest,
die
Gartenbautätigkeit sei nicht geeignet (Rückenleiden, Knieleiden)
, in der bisherigen Tätigkeit bestehe daher keine Arbeitsfähigkeit mehr (0
%),
dies gelte seit dem Unfallereignis 2016. Die Tätigkeit in einer adaptierten Arbeitsstelle
sei
hingegen
ganztägig mit verminderter Leistungsfähigkeit
zumutbar
(Reduktion
von
20
%). Die Einschränkungen würden sich sowohl aus
somatischer
Sicht als auch aus psychiatrischer Sicht ergeben. Die retrospektive Bewertung der Arbeits
fähigkeit (leidensangepasst) gelte seit 201
6.
Die Interaktion der Diagnosen sei berücksichtigt, eine Addition ergebe sich nicht (S. 10).
4.6
Dr.
E._
führte in seiner Stellungnahme
vom
9.
Juni 2020
(
Urk.
11/160)
aus
, die Einschätzung des
psychiatrischen
Gutachters unterscheide sich erheblic
h von derjenigen der
Psychiatrischen Universitätsklinik A._
.
En
tscheidende Diagnosen
würden
gänzlich fehlen oder deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht ausreichend dargest
ellt.
Namentlich werde die
im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit
relevanteste S
törung,
die kombi
nierte Persönlichkeitsstörung
,
zwar inhaltlich bestätigt, jedoch weder bei d
en Diagnosen aufgeführt noch hinsichtlich ihrer Relevanz für die Arbeits
fähigkeit
ausreichend gewürdigt. Jedoch seien es genau diese Verhaltensweisen
,
die zu Ein
schränkungen
geführt hätten oder
führten. Der Versicherte fühle sich
beispiels
weise konstant benachteiligt, gemobbt oder sogar bedroht, so dass er andauend zum Beispiel
mit
Mitpatienten, Therapeuten des Ambulatoriums oder A
ngestell
ten sozialer
Institutionen (so wie früher Vorgesetzten und Mitarbeitern) in Konflikt gerate. Zusätzlich könne er aufkommende Gefühle von Wut kaum beherrschen und sei daher häufig in verbale und früher physische Konflikte ver
wickelt gewesen. Im Behandlungssetting klage,
schrei
e und fluche der Versicherte häufig über Stunden hinweg und sei damit kaum einer regulären psychothera
peutischen
Behandlung zugänglich. Auch ausserhalb des Zentrums sei er in stän
dige Auseinandersetzungen mit dem Sozialamt
,
Bekannten
,
Arbeitskollegen etc
.
verwickelt; so müsse er zum Beispiel für Erledigungen auf Ämtern regelmässig von Therapeuten begleitet werden, um etwaige Konflikte aufzufangen oder zu schlichten. Gerate er subjektiv oder auch tatsächlich in eine Opferrolle (wenn sich etwa aufgrund seines auffälligen Verhaltens die Dynamik in einer Gruppe gegen ihn wende)
,
so bemitleide er sich, fühle sich nicht ernstgenommen oder eben im Nachteil. Wenn es nicht zu einer Auseinander
setzung komme, so ziehe
er sich in eine passive Verweigerungs
haltung zurück; dies sei eine
r
der Gründe für die vielen Absenzen am Arbeitsplatz gewesen
. Gleichzeitig habe er äusserst rigide und idealisierte Vorstellungen bezüglich des ihm zustehenden Arbeitsplatzes und der Mitarbeiter, die kaum unter realen Arbeitsmarktbedingungen
vorfindbar
seien
(S.
1 -2)
.
Weiter führte
Dr.
E._
an, vom Gutachter würden u
.
a
.
eine F30.10 und
eine
Z73 aufgeführt, ohne dies ausreichend herzuleiten oder zu
begründen. An ver
schiedenen Stellen werde ein ADHS diskutiert, ohne dieses als arbeitsrelevante Erkrankung au
fzuführen. Zu der von ihnen (
Psychiatrische
Universitätsklinik A._
)
diagnos
ti
zierten Angst
st
ö
r
ung oder PTBS würden keine Aussagen gemacht
, weshalb das Gutachten hinsichtlich ADHS inkonsistent und hinsichtlich Angststörung und PTBS unvollständig sei. So leide der Versicherte auch an einer Angst
st
örung
(Agoraphobie mit Panik
störung) mit einer Vielzahl Angst-assoziierter Symptome, die in Menschen
mengen und an öffentlichen Plätzen auftrete und zu einem relevanten Vermei
dungsverhalten führe. Es bestünden massive Einschränkungen im Alltag,
insofern der Versicherte das Haus nicht immer verlassen könne und regelmässig Termine
n
icht wahrnehme, zu externen Terminen oder gar Ei
nkäufen begleitet werden müsse
und insbesondere in Krankenhäusern schwere Panikattacken erleide, wegen derer langgeplante und aufwändige Untersuchungen
,
aber auch banale Eingriffe
,
häufig abgesagt werden müssten. Bahnhöfe würden gemieden, Kauf
häuser
könnten unbegleitet nicht besucht werden und auch Konzerte könne er trotz grosser Freude an der Musik nicht b
e
suchen. U
nter Exposit
i
onsther
ap
ie sei es gelungen
,
eine gewisse Selbs
tä
ndigkeit (eigenständige Benutzung des ÖV in Randzeiten) zu erreichen, jedoch keine
darüber hinausgehende
Besserung der Alltagsfähigkeit
(S. 3)
.
Weiter leide der Versicherte – neben einer Abhängigkeits
e
rk
ra
n
k
ung – an einer posttraumatischen
Belastungss
törung
(PTBS)
, beim Versicherten
bestehe
eine relevante Traumatisierung u
.
a
.
durch massive Gewalt in Kindheit und Jugend durch den a
lkoh
o
labhä
n
g
igen Vater und weitere einschneidende Le
benser
eignisse
.
D
iesbezüglich bestünden Wiedererleben in Form von Flashbacks und Intrusionen, daneben Vermeidungsverhalten und ausgeprägte psychovegetative Über
er
regung. Ebenfalls sei
en
ein einfaches Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (A
DHS) sowie eine rezidivierende d
epressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F323.1)
,
zu diagnost
i
zieren, wobei eine Abgrenzung zur Persönlichkeits
störung und der
Traumafolgestörung
schwierig sei
(S. 3 f.)
.
4.7
In ihrer Stellungnahme vom 1
1.
Februar
2021 hielt RAD-
Ärztin
Dr.
med.
M._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
unter
Bezug
nahme auf das Schreiben der
Psychiatrischen Universitätsklinik A._
vom
9.
Juni 2020
bilanzierend
fest, dass keine neuen unberücksichtigten medizinischen Fakten oder Tatsachen vorgebracht worden seien, weshalb weiterh
in auf das MEDAS-
Gutachten abgestellt werden könne (
Urk.
11/166
S. 3 ff.
).
5.
5
.1
Die Beschwerd
e
gegnerin stützte
die angefochtene Verfügung massgeblich
auf
die Schlussfolgerungen im
C._
-Gutachten
vom
20. Februar 2020
ab
, i
n deren Lichte
vorliegend
unstrittig
ist
,
dass - schon allein aus somatischen Gründen -
als Landschaftsgärtner
kein
e Arbeitsfähigkeit mehr besteht.
Uneins sind die
Parteien
hingegen bezüglich
der A
rbeitsfähigke
i
t
in einer angepassten T
ätig
kei
t
, wobei insbesondere
der Beweiswert der psychiatrischen Expertise im Streite liegt.
5
.2
5.2.1
Im
psychiatrischen Teilgutachten wird als
(Haupt-)
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine psychische und Verhaltensstörung durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen, gegenwärtig Teilnahme a
n einem ärztlich überwachten Er
satzdrogenprogramm (kontro
llierte Abhängigkeit,
Beikonsum
;
F19.22
)
,
genannt;
ebenso wird
ein sonstiger chroni
scher Schmerz
(
R52.2
)
diagnostiziert
(
Urk.
11/150
S. 35)
.
Jedoch hatte
der
psychiatrische Experte
in seinen Ausführungen
– in Übereinstimmung mit den behandelnden Ärzten -
auch
auf
die Diagnose
einer
kombi
n
ierten
Persönlich
keits
s
t
ö
r
ung
geschlossen
(S. 35 und
S.
36),
w
eshalb
für den Rechtsanwender
nicht
schlüssig
nachzuvollzi
ehen
ist
,
weshalb
er
die Persönlichkeitsstörung weder in
die
Diagnoseliste
aufgenommen
noch
deren Auswirkungen auf die
Arbeits
fähig
keit diskutiert
hat
. Damit
wird im Gutachten
jedoch
nicht beantwortet
,
inwieweit
sich
die auch vom psychiatrischen E
xperten fest
gestellte
Persönlic
hkeitsstörung
über die
A
bhän
g
ig
keits
e
rkran
k
ung
hinaus
auf die Arbei
t
sfähigkeit auswirkt.
J
edoch
hätte zu entsprechenden Ausführungen
umso mehr Anlass bestanden,
als
nicht
nur
die
B
ericht
e
von
Dr.
E._
vom
9.
April 2018
und von
Dr.
H._
vom
4.
J
anuar 2019
erhebliche
verhaltensbedingt
e
arbeitsbezogene Schwierig
keiten
aufzeigte
n
(Urk.
11/92
und Urk.
11/111
)
,
sondern die Akten
damit über
einstimmend
auch
im Übrigen
H
inweise
darauf enthiel
ten
,
dass
sich
in der Per
sönlichkeit
des Beschwerdeführers
liegende Aspekte
möglicherweis
e
negativ
auf die
Erwerbsfähigkeit
auswirken
.
So
zeichnet sich
die
Erwerbsbiographie
des Beschwerdeführers
durch
relativ
häufige
Stellenwechsel
aus
(vgl. etwa IK-Auszug Urk.
11/51
; vgl. auch Angabe des Beschwerdeführers im Teilgutachten Neurolo
gie;
Urk.
11/150 S. 83
)
und ist etwa
auch
dem
Kündigungsschreiben
der
Stadt
Z._
vom
2
7.
September 2016
zu entnehmen, dass
es aufgrund «ausseror
dentlicher Vorfälle» und nach diversen Gesprächen
, anlässlich welcher der B
eschwerdeführer sich
sehr
penibel kontrolliert und unfair behandelt
gefühlt habe
,
zur Kün
digung gekommen sei
(
Urk.
11/53
/8-9
)
. S
oweit
der psychiatrische Experte
wiederholt auf erhebliche
motivationale
(gemeint wohl: nicht krankheits
wertige) Gründe für die arbeitsbezogenen «Kooperationsprobleme»
(z.B. Nicht
erscheinen zur Arbeit)
verweist
(vgl. etwa Urk.
11/150 S. 34 und S. 38), legt er
daher auch
nicht
genügend
nachvollziehbar
dar
,
dass
oder
inwieweit
das
entspre
chende
Verhalten
angesichts der auch von ihm beschriebenen
kombinierten
Per
sönlichkeitsstörung
mit Vulnerabilität und Rückzugs-
sowie
Vermeidungsverhal
ten bzw. mit unangepassten Verhaltensweisen
und dysfunktionalen Reaktionen
(
Urk.
11/150 S. 36)
nicht in der Störung selber begründet liegt (vgl. so denn auch die Ausführungen von
Dr.
E._
vom
9.
Juni 2020 betr. das störungsbedingte Verweigerungsverhalten, welches häufig Ursache für die Absenzen gewesen sei;
Urk.
11/160 S. 2-3)
.
Indem der
psychiatrische Experte
die
Auswirkungen der
auch
von ihm
bestätigten
kombinierten
Persönlichkeitsstörung
ni
c
ht
näher
beleuch
tete
,
setzte er sich
aber
auch nicht hinreichend mit den
vom Beschwerdeführer geschilderten
zunehmenden
Ängsten
auseinander,
welche
er (der Experte)
eben
falls
im Rahmen der Persönlichkeitsstörung
sah
(
Urk.
11/150 S.
35
oben
)
.
Jedoch ergeben
die A
kten
a
uch
insofern
Hinweise
a
u
f
jedenfalls
alltags
relevante
sozial- und/oder agoraphobische
(Angst-)Problematik
en
(
vgl.
neben den
Schreiben
von
Dr.
H._
vom
4.
Januar 2019
[
Urk.
11/111
S. 3]
und von
Dr.
E._
vom
9.
Juni 2020
[
Urk.
11/160]
etwa auch
Urk.
11/119
[
betr.
Probleme beim Benutzen
von
öffentlichen Verkehrsmitteln
]
oder
Urk.
11/14
0
-146 [betr. Probleme beim Wahrnehmen von Terminen]
)
,
weshalb auch insofern
nähere
Ausführungen
unerlässlich
gewesen wären
,
ob und gegebenenfalls
inwieweit sich
diese
auf
die Arbeitsfähigkeit
auswirken
.
Entge
gen den Ausführungen in der RAD-
Stellungnahme vom 1
1.
Februar 2021 (vgl.
Urk.
11/166 S. 3)
ist
daher
insgesamt
nicht
rechtsgenüglich
erstellt
,
ob
bzw
. inwiefern
die Arbeitsfähigkeit durch die
auch von
Gutachter
Dr.
I._
diagnostizierte
Persönlichkeitsstörung (zusätzlich) beeinträchtigt wird.
Dies gilt umso mehr, als der psychiatrische Experte selber ausgeführt hatte, dass
sich
die Persönlichkeitsstörung (zusammen mit der diagnostizierten Suchtproblematik und
dem
ADHS) jedenfalls auf die persönlichen Ressourcen nachhaltig negativ auswirkt (
Urk.
11/150 S. 37).
5.2.2
N
icht
ohne W
eiteres
nachvollzogen werden können
aber auch
die Angaben
zur Arbeitsfähig
k
eit
.
Denn wenn
der psychiatrische Experte
zunächst
festhielt,
trotz der polyvalenten Abhängigkeit bestehe
beim
Beschwerdeführer
eine I
ntegrations
möglich
k
e
i
t
von 50
%
(Leistung 50 %/volle Präsenz)
angestammt, vorzugsweise in einer angepassten Tä
t
igkeit
(Urk.
11/150
S. 38
)
,
kann
mangels begründender Ausführungen
nicht ohne W
eiteres nachvollzogen werden, weshalb
er (
d
er
Experte
)
in der Folge
in einer angepassten Tätigkeit
von einer
Arbeitsfähigkeit von
80
%
ausgeht
(Urk.
11/150
S.
40
)
.
Dies gilt umso mehr, als
er
in
der
ange
stammten
Tätigkeit als Landschaftsgärtner (zuletzt
als
Friedhofsgärtner)
aus psychiatrischer Sicht
lediglich
eine
50%
ige
Arbeitsfähigke
it
attestiert
und diese Tätigkeit mangels vom Experten dagegen aufgezeigter Aspekte
jedenfalls aus Sicht des
medizinischen Laien
bereits leidensangepasst erscheint
(psychiatrisches
Anforderungsprofil:
kein Zeitdruck, keine Tätigkeit in grösseren Arbeitsgruppen und häufig wechselndem Publikumsverkehr, wohlwollende Arbeitsatmosphäre).
Vorliegend wäre eine
nachvollziehbare
Begründung der
so attest
ierten
Arbeits
fähigkeit
von 80
%
in angepasster Tätigkeit
schliesslich
um
so
unerlä
ssl
ic
h
er
gewesen, als diese
Beurteilung
erheblich von de
n
Einschätzung
en
der behandeln
den Fachä
rzte abweicht
, gemäss welchen
selbst
in einer angepassten Tätigkeit keine (
Dr.
E._
; vgl.
Urk. 11/92
) bzw. eine solche von
nur
0-2
Stunden pro Tag (
Dr.
H._
; vgl.
Urk.
11/111
) besteht.
5.2.3
Mit Blick auf die Rechtsprechung nach BGE 143 V 418 muss e
in psychiatrisches Gutachten
dem Rechtsanwender eine Beurteilung des Nachweises einer funktio
nellen Leistungseinschränkung erlauben. Gefordert sind vorab Angaben zur Schwere des Leidens und zu dessen Folgen für die Leistungsfähigkeit, die nach
Massgabe
der in BGE 141 V 281 definierten Standardindikatoren (vgl. vorste
hende E.
1.3
) abzuhandeln beziehungsweise dementsprechend auch formal zu strukturieren sind
; dabei
ist
vorliegend an die im Februar 2021 erstattete Exper
tise h
insichtlich der für die Beweistauglichkeit vorausgesetzten formalen Gliede
rung sowie die Begründungsdichte gerade auch mit
Blick
auf die Plausibilität der Folge
n
abschätzung
höhere Anforderungen zu stellen
als
an ursprünglich
nach altem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_681/2020 vom 23. Juli 2021 E. 5.2.2).
Z
u den
massgeblichen
Standard
i
ndikatoren
äussert
sich
die psychiatrische
(Teil-)
Expertise
weder
strukturiert noch
ausreichend
; auch
im
Rahmen der interdis
ziplinären Gesamtbeurteilung (
Urk.
11/150
S. 8
f
.
)
werden
keine vollständigen Angaben dazu gemacht.
So
fehlen
etwa die
geforderten
Ausführungen
zum Komplex
«
Gesundheitsschädigung
»
weitgehend (
namentlich
bezüglich Ausprä
gung der diagnoserelevanten Befunde
[Schweregrad]
oder Komorbidität [Wech
selwirkungen])
.
Be
im b
eweisrechtlich entscheidenden verhaltensbezogenen Aspekt
der
«
Konsistenz
»
wird
zwar
auf
Verdeutlichungstendenzen sowie moti
va
tionale
Faktoren
verwiesen
;
zu
den
massgebenden
Beweisthemen
(
gleichmässige
E
inschränk
ung des Aktivitäts
n
iveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen, behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck; vgl.
E.
1.3 hiervor)
werden hingegen
kaum Angaben gemacht
(vgl.
Urk.
11/150 S. 9 und
S.
38
)
.
D
aher und da damit
auch nicht ersichtlich ist, dass
die funktionellen Auswirkungen medizinisch
insgesamt
anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt
worden sind
,
wird
auch
den norm
ativen Vorgaben
nicht genügend
Rechnung
ge
tragen
(vgl. zum Ganzen BGE 144 V 50 E. 4.3
)
.
5.2.4
Anzumerken ist schliesslich, dass die psychiatrische Begutachtung im
August 2019
stattfand und dass
Dr.
H._
der IV-Stelle
am
2
4.
Januar 2020
mitteilte
,
dass es
seit dem Jahreswechsel
(2019/2020)
zu einer Verschlechterung des psychischen Zustandes einhergehend mit sozialem Rückzug, vermehrten Ängsten und Antriebsstörungen gekommen
sei
(
Urk.
11/148
).
Diesem Hinweis ging
die IV
Stelle nicht weiter nach
. Es
stellt sich
daher
auch
die Frage, ob
die
psychiatr
i
sche
Expertise, welche auf
der
Begutachtung vom 20.
August 2019
beruht
(vgl.
U
rk.
11/150 S
.
3), überhaupt
für den gesamten hier massgeblichen Zeitraum bis zum Erlass der
vorliegend angefochtenen
Verfügung
vom
9.
April 2021
Gültig
keit beanspruchen kann.
5.3
Aus dem Gesagten folgt, dass das psychiatrische Teilgutachten
– wie vom Beschwerdeführer zu Recht geltend gemacht
–
in entscheidenden Punkten
die erforderliche Schlüssigke
i
t und Nachvollzieh
b
arkeit nicht aufweist
und
somit
den A
nforderung
e
n
an
eine beweis
k
r
äftige Expertise ni
c
ht
genügt
. Es kann daher darauf un
d im Ergebnis auch auf das
C._
-
G
utachten nicht abgestellt werden.
6
.
6
.1
Wie sich aus dem Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI) ergibt, obliegt es dem
RAD
, nach Eingang eines polydisziplinären Gutach
tens zu prüfen, ob dies
es den Quali
tätsanforderungen entspricht. Dabei hat er
unter anderem
zu untersuchen
,
ob die Leitlinien zur versicherungs
medizinischen Begutachtung der Fachgesellschaften eingehalten wurden,
die medizinischen Angaben und Ausführungen zu den Themen der Standardindikatoren
gemäss
BGE 141 V 281 fallbezogen ausreichend sind
und er hat eine Bewertung der Nachvollziehbarkeit des G
utachtens anhand der versiche
rungs
medizinischen Argumentationskette
(Fragestellung, Informationsbe
schaffu
ng, Informations
bewertung, Beantwortung der Fragestellung) vorzunehmen. Deutliche Brüche in der Argumentationskette erfordern Erläuterungs- oder Ergänzungsfragen bei der Gutachtensstelle. De
r RAD hält in einer kurzen Stel
lungnahme das Ergebnis seiner versicherungsmedizinischen Prüfung fest. Er erklä
rt bzw. ergänzt kleinere Lücken in der Arg
umentationsfolge mit seinem versiche
rungsmedizinischen Wissen (
Rz
. 2080 ff. KSVI in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung bzw.
Rz
. 3134 ff. KSVI in der ab 1. Januar 2022 gültigen Fassung).
6
.2
Vorliegend wurde
das
C._
-
Gutachten
nach Eingang
bei der IV-Stelle
zun
ächst
durch
RAD-
Arzt
Dr.
N
._
, Facharzt für
O
rthopädische Chirurgie
und Trauma
tologie,
geprüft (
Urk.
11/153 S. 6)
; nach Eingang
der Stellungnahme der
Psychiatrischen Universitätsklinik A._
vom
9.
Juni 2020
wurde
die Expertise
auch
der RAD-
Psychiaterin
Dr.
M._
vorgelegt.
Allerdings beschränkte sich
Dr.
M._
darauf, zur Eingabe der
Psychiatrischen Universitätsklinik A._
Stellung zu nehmen,
wobei sie
trotz
aufgezeigter
erheblicher Ungereimthei
ten
bei der
Gutachtensstelle
keine Rückfrage nahm
. Soweit
ersichtlich
prüfte sie die Expertise
im Übrigen
nicht; a
ndern
falls hätte
ihr
auffallen müssen, dass
die Expertise –
neben
den von der
Psychiatrischen Universitätsklinik A._
beanstandeten
,
von ihr
jedoch
als nachvoll
ziehbar beurteilten Aspekten
–
(auch)
hinsichtlich der
Arbeitsfähigkeitsangaben
nicht schlüssig ist
und
bezüglich Standardindikatoren
die
normativen Vorgaben
nicht erfüllt
(Urk.
11/166)
.
Hat jedoch die Verwaltung
vorliegend
trotz
an sich
offensichtlicher
Unzuläng
l
ichkeiten
auf das Gutachten abgestellt,
steht
die Recht
sprechung gemäss BGE
137 V 210 einer Rückweisung an die Beschwerdegegnerin nicht entgegen.
So ändert
BGE 137 V 210 nichts an der gesetzlichen
Ordnung, wonach der Beweis über sozialversic
herungsrechtliche Ansprüche pri
m
är auf der Stufe des Admi
nistrativverfahrens (vgl. Art. 43 f. ATSG) und nicht im gerichtlichen Prozess geführt wird (vgl. BGE 137 V 210 E. 2.2.2 und 4.2). Wie das Bundesgericht fest
gestellt hat, litte die Rechtsstaatlichkeit der Versicherungs
durch
führung empfind
lich und wäre von einem Substanzverlust be
droht, wenn die Verwaltung von V
ornherein darauf bauen könnte, dass ihre Arbeit ohnehin in jedem verfügungs
weise abgeschlossenen Sozialversicherungsfall auf Beschwerde hin gleichsam gerichtlicher Nachbesserung unterläge (BGE 137 V 210 E. 4.2).
6
.
3
Nach dem Gesagten ist die Sache
in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 9. April 2021
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, da
mit sie ein schlüssiges
und den Vorgaben von
BGE 141 V 281 genügendes
psychiatrisches Gutachten einholt. Hernach hat sie,
allenfalls
nach Vornahme weiterer sich als notwendig herausstellenden Abklärungen, über den Leistungsanspruch
des Be
schwerdefü
h
r
ers
neu zu entscheiden.
Dabei wird sie mit Blick auf die Persön
lichkeitsstruktur des Beschwerdeführers gegebenenfalls auch die Verwertbarkeit der
(
allfälligen
)
Restarbeitsfähigkeit einer näheren Prüfung zu unterziehen haben
.
Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen
, soweit auf diese einzutreten ist
.
7.
7
.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 2) erweist sich dadurch als gegenstandslos.
7
.2
Ausgangsgemäss ist dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung zuzuspre
chen, welche
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsa
che, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens
zu
bemessen
ist
(§ 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
Vorliegend ist die Prozessentschädigung
nach Ein
sicht in die
Kostennote vom
6.
September 2021
(Urk. 14)
auf F
r.
1'953.25 festzu
setzen
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung
(Urk. 1 S.
2) erweist sich damit eben
falls als gegenstandslos.
Das Gericht
erkennt
:
1.
Die Beschwerde wird, soweit auf diese eingetreten wird, in dem Sinn
e
gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
9.
April 2021 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kanton Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese im Sinne der Erwägungen verfahre und hernach über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu entscheide.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3
.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
ei
ne Prozessent
schädigung von Fr. 1'953.25
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Tobias
Figi
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5
.