Decision ID: 6dd6adb8-0f06-5b97-8297-fad575c564b9
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin ersuchte am 2. März 2020 im Bundesasylzentrum
(BAZ) B._ in der Schweiz um Asyl. Am 6. März 2020 mandatierte
sie die ihr zugewiesene rubrizierte Rechtsvertretung zu ihrer Vertretung im
Asylverfahren im BAZ. Am 9. März 2020 fand die Personalienaufnahme
(PA) und am 11. März 2020 das persönliche Dublin-Gespräch statt. Ein am
9. März 2020 durchgeführter Abgleich mit der europäischen Fingerab-
druckdatenbank (Eurodac) ergab, dass sie bereits am 29. April 2011 in
Malta ein Asylgesuch gestellt hatte.
Anlässlich des Dublin-Gesprächs machte sie unter anderem geltend, ihr
Asylantrag sei in Malta abgelehnt worden. Sie habe bloss ein Dokument
für ihre Weiterreise erhalten. In Malta habe sie gearbeitet und in C._
in einer von den Behörden zur Verfügung gestellten Unterkunft gelebt. Zu
Beginn habe sie gearbeitet und sei für ihren Lebensunterhalt aufgekom-
men, aber nachdem sie Schmerzen gehabt und die Arbeit gestoppt habe,
sei ihr von den maltesischen Behörden mündlich mitgeteilt worden, dass
sie ihren Lebensunterhalt nicht finanzieren würden und die Unterkunft in
diesem Jahr verlassen müsse. Sie habe ein aussichtsloses Leben in Malta
geführt und sei isoliert gewesen. Die Menschen in Malta seien gegenüber
dunkelhäutigen Menschen unfreundlich und Malta sei zu klein. Dies habe
dazu geführt, dass sie frustriert und gesundheitlich angeschlagen sei. Die
Situation in Malta habe zu einer Nervenkrankheit geführt. Vor etwa ein bis
zwei Monaten habe sie Malta mit ihren Dokumenten verlassen und sei
nach Paris geflogen. Von Frankreich sei sie ohne Dokumente in die
Schweiz gereist. Sie habe auch Frauenprobleme. Sie habe Probleme mit
ihrem Arm sowie dem Unterleib.
B.
Am 17. März 2020 ersuchte das SEM die maltesischen Behörden gestützt
auf die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren
zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem
Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten
Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-
VO) um Rückübernahme der Beschwerdeführerin. Gemäss der tags darauf
erfolgten Antwort der maltesischen Behörden sei der Beschwerdeführerin
bereits Schutz gewährt worden, weshalb die Dublin-III-VO nicht anwendbar
sei.
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Seite 3
C.
Gestützt darauf ersuchte das SEM am 19. März 2020 die maltesischen Be-
hörden um Rückübernahme der Beschwerdeführerin sowie weitere Infor-
mationen bezüglich ihres Schutzstatus. In ihrer Antwort vom 29. April 2020
stimmten die maltesischen Behörden einer Rückübernahme der Be-
schwerdeführerin zu und führten aus, dass ihr in Malta subsidiärer Schutz
gewährt worden sei.
D.
Mit Schreiben vom 4. Mai 2020 orientierte das SEM die Beschwerdeführe-
rin über das Resultat der Eurodac-Abklärung. Gleichzeitig orientierte es sie
über die Absicht, auf das Asylgesuch in Anwendung von Art. 31a Abs. 1
Bst. a AsylG (SR 142.31; Rückkehrmöglichkeit in einen sicheren Drittstaat)
nicht einzutreten und sie nach Malta wegzuweisen.
E.
Mit Stellungnahme vom 5. Mai 2020 nahm die Beschwerdeführerin das ihr
hierzu gewährte rechtliche Gehör in Anspruch.
Darin machte sie geltend, dass sie ihre Arbeit aufgrund medizinischer Be-
schwerden nicht habe fortsetzen können und ohne zusätzliche Hilfe den
Alltag nicht bewältigen könne. Die dafür notwendige Hilfe und Unterstüt-
zung, vor allem in finanzieller Hinsicht, würden die maltesischen Behörden
verweigern.
In gesundheitlicher Hinsicht machte sie geltend, angeschlagen zu sein. Sie
habe Probleme mit dem Unterleib aufgrund einer Vergewaltigung in ihrer
Heimat und leide an einer Nervenkrankheit. Dieses Vorbringen sei vom
SEM nicht weiter untersucht worden. Indem das SEM den medizinischen
Sachverhalt im Hinblick auf die Wegweisung nicht weiter abgeklärt habe,
habe es seine Untersuchungspflicht verletzt.
F.
Am 11. Mai 2020 übermittelte das SEM der Beschwerdeführerin seinen
Entwurf des angekündigten Nichteintretensentscheids nach Art. 31a Abs. 1
Bst. a AsylG mit Wegweisung nach Malta zur Stellungnahme.
In ihrer Stellungnahme vom 12. Mai 2020 machte die Beschwerdeführerin
geltend, dass der Zugang zu medizinischer Versorgung für Personen mit
subsidiärem Schutz – im Gegensatz zu anerkannten Flüchtlingen – auf die
Grundversorgung beschränkt sei. Spezialisierte Therapien für Opfer von
Menschenhandel oder Personen mit einem Trauma seien nicht verfügbar.
E-2613/2020
Seite 4
Es bestehe das Risiko der Obdachlosigkeit, da nicht genügend erschwing-
licher Wohnraum für Personen mit subsidiärem Schutz vorhanden sei.
Wenn die Person die Möglichkeit erhalte, sich in einem offenen Zentrum
zu registrieren, so erhalte sie wöchentlich rund 33 Euro. Dies reiche kaum
zum Leben, geschweige denn für eine über die Grundversorgung hinaus-
gehende medizinische Behandlung. Eine vertiefte Abklärung des SEM be-
treffend die Zumutbarkeit der Wegweisung sei unerlässlich.
G.
Mit Verfügung vom 12. Mai 2020 (eröffnet am 14. Mai 2020) trat das SEM
in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch der
Beschwerdeführerin nicht ein, unter gleichzeitiger Anordnung der Wegwei-
sung und des Wegweisungsvollzuges nach Malta. Gleichzeitig wurden ihr
die editionspflichtigen Akten ausgehändigt. Auf die Begründung wird – so-
weit wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
H.
Mit Beschwerde vom 20. Mai 2020 an das Bundesverwaltungsgericht be-
antragte die Beschwerdeführerin die Aufhebung der angefochtenen Verfü-
gung unter Anweisung an die Vorinstanz, auf das Asylgesuch einzutreten.
Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuwei-
sen. In prozessualer Hinsicht beantragte sie die Gewährung der unentgelt-
lichen Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 VwVG inklusive Kostenvorschuss-
verzicht.
Die Beschwerdeführerin reichte einen Arztbericht vom (...) Mai 2020 mit
dazugehöriger E-Mail Korrespondenz sowie eine Rechercheantwort der
Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 14. Mai 2020 ins Recht.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 22. Mai 2020 stellte der Instruktionsrichter
fest, die Beschwerdeführerin könne den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten.
J.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
22. Mai 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 und 4 AsylG).
E-2613/2020
Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). Bezüglich der Frage der Wegweisung und des
Wegweisungsvollzugs hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorge-
nommen, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle
Kognition zukommt.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
E-2613/2020
Seite 6
4.
4.1. Die Beschwerdeführerin rügt in formeller Hinsicht, die Vorinstanz habe
den Untersuchungsgrundsatz verletzt beziehungsweise den Sachverhalt
unrichtig oder unvollständig festgestellt, indem sie ihren Gesundheitszu-
stand unvollständig abgeklärt und ihr Vorbringen der Vergewaltigung in der
Entscheidfindung nicht berücksichtigt habe. Diese verfahrensrechtliche
Rüge ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet wäre, eine Kassation
der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
4.1.1. Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersu-
chungsgrundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach
die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung
des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren not-
wendigen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände
abzuklären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen hat
(BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.). Die Behörde ist dabei jedoch nicht ver-
pflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschungen
anzustellen. Zusätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann vorzuneh-
men, wenn sie aufgrund der Aktenlage als angezeigt erscheinen (vgl. dazu
AUER/BINDER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundes-
gesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Rz. 16 zu
Art. 12).
4.1.2. Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung dargelegt, auf-
grund welcher Überlegungen sie zum Schluss gekommen ist, dass die Vo-
raussetzungen für einen Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1
Bst. a AsylG erfüllt sind und der Wegweisungsvollzug als zulässig, zumut-
bar und möglich zu erachten ist. Sie hat sich namentlich auch mit den gel-
tend gemachten gesundheitlichen Beeinträchtigungen, insbesondere auch
den Ausführungen der Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme zum
Entscheidentwurf hinsichtlich ihrer im Heimatland erlittenen Vergewalti-
gung, hinreichend auseinandergesetzt. Diesbezüglich führte das SEM an,
dass eine Rückfrage bei Medic-Help ergeben habe, dass, abgesehen von
einer migrationsmedizinischen Abklärung vom (...) März 2020, in welcher
sie Schmerzen am Arm und Regelschmerzen erwähnt habe, keine weite-
ren medizinischen Zeugnisse vorhanden seien. Am (...) Mai 2020 habe
Medic-Help zudem darauf hingewiesen, dass sie während ihrer Zeit im BAZ
weder einen Arzt besucht habe noch eine medizinische Behandlung vor-
gesehen gewesen sei. Weder sie noch ihre Rechtsvertretung habe medi-
zinische Zeugnisse zu den Akten gereicht. Für den mehrwöchigen Aufent-
halt im BAZ sei kein akuter medizinischer Notfall aktenkundig. Aufgrund
http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/10
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Seite 7
der vorhandenen medizinischen Unterlagen und in Berücksichtigung der
von ihr geschilderten gesundheitlichen Beeinträchtigungen könne zuver-
lässig festgestellt werden, dass die hohe Schwelle für eine drohende Ver-
letzung von Art. 3 EMRK nicht überschritten werde. Es könne ausgeschlos-
sen werden, dass eine medizinische Notlage bestehe und sich ihr Gesund-
heitszustand bei einer Rückkehr nach Malta drastisch verschlechtern
würde. Das SEM erachte deshalb den rechtserheblichen Sachverhalt als
erstellt und verzichte auf weitere medizinische Abklärungen (vgl. angefoch-
tene Verfügung E. III, Ziff. 2).
Diese Einschätzung ist vorliegend nicht zu beanstanden. Den Akten sind
keine Hinweise auf eine allenfalls vollzugshindernde medizinische Beein-
trächtigung zu entnehmen, welche zusätzliche Abklärungen erforderlich
gemacht hätte. Betreffend die behauptungsweise im Heimatland der Be-
schwerdeführerin erlittenen Vergewaltigung ist dieser Vorfall zunächst in
zeitlicher Hinsicht näher einzuordnen. Eigenen Angaben zufolge ist die Be-
schwerdeführerin bereits im Jahr 2011 aus ihrem Heimatland ausgereist
(vgl. vorinstanzliche Akte [...]-11/8 [nachfolgend Akte 11], Ziff. 5.01). Die –
zeitlich nirgends genau eingeordnete – Vergewaltigung in ihrem Heimat-
land liegt somit bereits circa ein Jahrzehnt zurück. Sofern dieses bereits
viele Jahre zurückliegende Ereignis effektiv zu Folgeproblemen geführt ha-
ben sollte, wäre zu erwarten, dass die Beschwerdeführerin hierfür bereits
in den vergangenen Jahren in ärztlicher Behandlung war und entspre-
chende Zeugnisse hätte einreichen können. Entsprechendes liegt indes
nicht vor. Auch in der Schweiz hatte sie keine entsprechenden Behandlun-
gen aufgenommen oder anbegehrt. Die Beschwerdeführerin begab sich
erst am (...) Mai 2020 erstmals in eine medizinische Abklärung, wobei eine
(...) diagnostiziert wurde, welche gegenwärtig medikamentös behandelt
wird (vgl. Akte 39 sowie nachfolgend E. 8.1.1.). Insbesondere gab sie an-
lässlich der migrationsmedizinischen Abklärung vom (...) März 2020 aus-
ser Schmerzen am Arm und Regelschmerzen keine weiteren gesundheitli-
chen Beeinträchtigungen an. Es wurde gar festgehalten, dass sie gut
schlafe und ihr allgemeiner Eindruck ihres Gesundheitszustands «sehr
gut» sei (vgl. Akte 29). Wie das SEM zu Recht festhielt, wurden während
des gesamten vorinstanzlichen Verfahrens weder Arztberichte eingereicht,
noch Arzttermine anberaumt. Diesbezüglich erkundigte sich das SEM vor
Erlass des Asylentscheids bei Medic-Help. Da es der Beschwerdeführerin
ohne weiteres möglich gewesen wäre, sich im BAZ in ärztlicher Behand-
lung zu begeben oder zumindest um einen Arzttermin zu bitten, kann dem
SEM nicht zum Vorwurf gemacht werden, es habe keine umfassenden me-
dizinischen Abklärungen von Amtes wegen vorgenommen. Das Vorgehen
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Seite 8
der Vorinstanz ist insgesamt nicht zu beanstanden. Es ist keine unrichtige
oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts zu erkennen.
4.2. Zusammenfassend erweist sich die formelle Rüge als unbegründet,
weshalb dem Rückweisungsantrag zwecks vollständiger Abklärung und
Neubeurteilung nicht stattzugeben ist.
5.
5.1. Zur Begründung seines Nichteintretensentscheids hielt das SEM fest,
der Bundesrat habe Malta als sicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a
Abs. 2 Bst. b AsylG bezeichnet. Gemäss Abklärungen habe die Beschwer-
deführerin dort subsidiären Schutz erhalten. Das Land habe am 29. April
2020 ihrer Rücknahme zugestimmt.
5.2. Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG tritt das SEM in der Regel auf ein
Asylgesuch nicht ein, wenn die Asylsuchende in einen sicheren Drittstaat
nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren kann, in welchem sie sich
vorher aufgehalten hat.
5.3. Malta wurde durch den Bundesrat am 14. Dezember 2007 als sicherer
Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG bezeichnet. Die Be-
schwerdeführerin hat sich vor der Einreise in die Schweiz unbestrittener-
massen in Malta aufgehalten und dort ein Asylverfahren durchlaufen, es
wurde ihr subsidiärer Schutz gewährt und sie hat auch eine entsprechende
Aufenthaltsbewilligung erhalten. Die maltesischen Behörden haben ihrer
Rückkehr zugestimmt (vgl. Bst. C).
5.4. Malta ist unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention, FK;
SR 0.142.30) und bietet grundsätzlich Gewähr für die korrekte Durchfüh-
rung von Asylverfahren. Die Aussage der Beschwerdeführerin anlässlich
des Dublin-Gesprächs, wonach ihr Asylantrag in Malta abgelehnt worden
sei und sie lediglich ein Dokument für ihre Weiterreise erhalten habe, ist
unzutreffend. Ihr wurde subsidiärer Schutz gewährt. So hat sie denn auch
nicht behauptet, ihr würde in Malta die Rückschiebung in ihren Heimatstaat
unter Verletzung des Refoulement-Verbots drohen. Ferner enthält die Be-
schwerde keine diesbezüglichen Einwände, so dass das SEM in Anwen-
dung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG zu Recht auf das Asylgesuch der
Beschwerdeführerin nicht eingetreten ist (vgl. auch das Urteil des BVGer
E-2617/2016 vom 28. März 2017 E. 3).
E-2613/2020
Seite 9
6.
6.1. Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Regel
die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berück-
sichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG).
6.2. Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dies wird in der
Beschwerde nicht bestritten.
6.3. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.
7.1. Hinsichtlich des Vollzugs der Wegweisung hielt die Vorinstanz fest,
Malta habe die Richtlinie 2011/95/EU (nachfolgend Qualifikationsrichtlinie)
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Seite 10
umgesetzt, womit ihr notfalls auch einklagbare Ansprüche in Bezug auf So-
zialleistungen, Wohnraum, Ausbildung und medizinische Versorgung zu-
stünden. Sie sei gehalten, die ihr zustehenden Leistungen bei den malte-
sischen Behörden geltend zu machen. Ihr stehe überdies offen, ihre
Rechte gegenüber den maltesischen Behörden auf dem Rechtsweg gel-
tend zu machen. Zudem könne sie sich neben bestehenden staatlichen
Strukturen an private und internationale Organisationen in Malta wenden.
Es lägen keine Hinweise für die Annahme vor, dass ihr bei einer Rückkehr
nach Malta eine unmenschliche oder erniedrigende Behandlung im Sinne
von Art. 3 EMRK respektive eine Notlage oder Verelendung drohe. Im Üb-
rigen stelle ein Vollzug ihrer Wegweisung nach Malta keine Verletzung der
völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz dar.
Da sie in Malta subsidiären Schutz erhalten habe, würden ihr alle Rechte
aus der Flüchtlingskonvention zustehen. Dazu gehöre etwa die Gleichbe-
handlung mit maltesischen Bürgerinnen und Bürgern, etwa bei Zugang zu
den Gerichten, in Sachen Erwerbstätigkeit und Bildung oder bezüglich Für-
sorge und sozialer Sicherheit. Es lägen keine Hinweise vor, wonach sich
Malta nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten würde.
Weiter könne Malta gemäss Qualifikationsrichtlinie angemessene medizi-
nische Versorgungsleistungen erbringen und der Zugang zu notwendiger
medizinischer Behandlung sei gewährleistet. Ihre geltend gemachten ge-
sundheitlichen Probleme seien offensichtlich nicht von solcher Schwere,
als dass eine zwangsweise Rückführung ein Verstoss gegen Art. 3 EMRK
darstellen würde. Ausserdem sei der Vollzug der Wegweisung auch unter
Berücksichtigung der gegenwärtigen Situation rund um das Corona-Virus
technisch möglich und praktisch durchführbar.
7.2. In ihrer Rechtsmitteleingabe machte die Beschwerdeführerin zunächst
geltend, dass dem Rückübernahmeersuchen nicht zu entnehmen sei, ob
die Vorinstanz den maltesischen Behörden relevante Informationen bezüg-
lich ihrer Verletzlichkeit angegeben habe. Diesbezüglich brauche es auf-
grund ihrer Verletzlichkeit zwingend individuelle Garantien der maltesi-
schen Behörden, unter anderem zur Unterbringung und der gesundheitli-
chen Versorgung. Angesichts der Anzeichen einer traumatischen Belas-
tung und neurologischer Beschwerden reiche es nicht aus, zu prüfen, ob
grundsätzlich freier Zugang zu den medizinischen Einrichtungen in Malta
bestünden. Es müsse auch untersucht werden, ob sie dort eine adäquate,
effiziente und menschengerechte Behandlung erhalten werde. Der Zugang
zu einer adäquaten Unterkunft sei für Personen mit subsidiärem Schutz in
E-2613/2020
Seite 11
Malta in den letzten Jahren noch schwieriger geworden. Gemäss einem
jüngsten Bericht habe dies zu steigenden Zahlen von obdachlosen Perso-
nen geführt. Es gebe zwar spezifisch auf verletzliche Personen ausgerich-
tete Unterbringungszentren, deren Kapazität sei aber äusserst limitiert. Die
Chance, einen Platz zu erhalten, sei klein. Sozialhilfe für Personen mit sub-
sidiärem Schutz sei auf ein Minimum beschränkt und die Beschäftigungs-
möglichkeiten seien limitiert. Die Sozialhilfeleistungen, welche den Be-
günstigten des subsidiären Schutzes gewährt würden, könnten auf die
Kernleistungen der Sozialfürsorge beschränkt werden, ohne dass sie Zu-
gang zu vielen Beschäftigungsleistungen, einschliesslich Arbeitsversiche-
rung und Rente hätten. Die finanzielle Unterstützung für arbeitslose Perso-
nen mit subsidiärem Schutzstatus betrage rund 130 Euro monatlich. Diese
werde aber in der Regel nur ausbezahlt, wenn die Person in einem offenen
Zentrum registriert sei, wo sie sich drei Mal pro Woche melden müsse. An-
ders als bei anerkannten Flüchtlingen sei der Zugang zur medizinischen
Versorgung für Personen mit subsidiärem Schutzstatus auf die Grundver-
sorgung beschränkt. Spezielle Therapien für Opfer von Menschenhandel
oder Personen mit einem Trauma seien nicht verfügbar.
Die Regelvermutung, wonach Malta seinen völkerrechtlichen Verpflichtun-
gen uneingeschränkt nachkomme, könne nicht aufrechterhalten werden.
Ohne ausdrückliche und individuelle Garantie einer entsprechenden Un-
terbringung und Behandlung stelle eine Rücküberstellung nach Malta eine
Verletzung von Art. 3 EMRK dar. Es sei deshalb auf ihr Asylgesuch einzu-
treten.
8.
Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten die Vermu-
tung, dass diese ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen einhalten. Gestützt
auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Wegwei-
sung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist. Es obliegt
der betroffenen Person, diese beiden Legalvermutungen umzustossen.
Dass dies gelingen könnte, hätte sie ernsthafte Anhaltpunkte dafür vorzu-
bringen, dass die Behörden des in Frage stehenden Staates im konkreten
Einzelfall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz ge-
währen oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen aussetzen wür-
den respektive dass sie im in Frage stehenden Staat aufgrund von indivi-
duellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in
eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. statt vieler das Urteil des
BVGer E-2617/2016 vom 28. März 2017 E. 4). Das Vorliegen eines Voll-
zugshindernisses unter dem Aspekt der Zulässigkeit bei Personen, denen
E-2613/2020
Seite 12
ein Schutzstatus verliehen wurde, wird vom Bundesverwaltungsgericht
praxisgemäss nur unter sehr strengen Voraussetzungen bejaht. Das Ge-
richt geht grundsätzlich davon aus, dass Malta als Signatarstaat der
EMRK, der FoK und der FK sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Ja-
nuar 1967 (SR 0.142.301) seinen entsprechenden völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nachkommt (vgl. hierzu statt vieler die Urteile des BVGer F-
869/2020 vom 24. Februar 2020 E. 5.2 und E-4887/2016 vom 26. August
2016). Personen mit Schutzstatus sind maltesischen Bürgerinnen und Bür-
gern gleichgestellt in Bezug auf Fürsorge, den Zugang zu Gerichten und
den öffentlichen Schulunterricht respektive gleichgestellt mit anderen Aus-
ländern und Ausländerinnen beispielsweise in Bezug auf Erwerbstätigkeit
oder die Gewährung einer Unterkunft (vgl. Art. 16-24 FK). Unterstützungs-
leistungen und weitere Rechte können direkt bei den zuständigen Behör-
den eingefordert werden, falls notwendig auf dem Rechtsweg. Nicht zuletzt
können Schutzberechtigte sich auch auf die Garantien in der Qualifikati-
onsrichtlinie berufen, insbesondere die Regeln betreffend den Zugang von
Personen mit Schutzstatus zu Beschäftigung (Art. 26), zu Bildung (Art. 27),
zu Sozialhilfeleistungen (Art. 29), zu Wohnraum (Art. 32) und zu medizini-
scher Versorgung (Art. 30).
8.1. Aufgrund der Akten liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die Be-
schwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Malta dort einer nach Art. 3
EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt
wäre.
8.1.1. Hinsichtlich der gesundheitlichen Aspekte ist festzustellen, dass die
Beschwerdeführerin gemäss Arztbericht vom (...) Mai 2020 lediglich an ei-
ner (...) leide (vgl. Akte 39). Auch aus dem neusten Arztbericht vom
(...) Mai 2020 ergeben sich keine Hinweise auf eine veränderte Diagnose.
Betreffend die in der Beschwerdeeingabe in Aussicht gestellte neurologi-
sche Abklärung wurden bis zum Erlass des vorliegenden Urteils keine Un-
terlagen zu den Akten gereicht. Es besteht jedoch in antizipierter Beweis-
würdigung – unter Berücksichtigung der bisherigen ärztlichen Abklärungen
und des Umstands, dass die Beschwerdeführerin betreffend ihrer neurolo-
gischen Belange sich bereits in Malta in Behandlung befunden habe (vgl.
Beschwerdeeingabe S. 5 sowie Beschwerdebeilage Nr. 3) – kein Grund zu
der Annahme, eine entsprechende neurologische Untersuchung könnte
eine Diagnose zu Tage fördern, welche die sehr hohe Schwelle erreichen
könnte, dass eine vollzugshindernde medizinische Beeinträchtigung vor-
läge. Hinsichtlich der geltend gemachten viele Jahre zurückliegenden Ver-
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Seite 13
gewaltigung im Heimatland und deren allfällige Folgen ist auf die entspre-
chenden obigen Ausführungen in E. 4.1.2 zu verweisen. Aus den Akten er-
geben sich demnach keine konkreten Hinweise auf eine allfällige Trauma-
tisierung der Beschwerdeführerin. Es handelt sich bei ihr somit gerade
nicht um eine schwerkranke Person, bei der die ernsthafte Gefahr besteht,
dass sie bei einer Rückschaffung nach Malta einer schwerwiegenden, ra-
piden und irreversiblen Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes,
verbunden mit übermässigem Leiden oder einer bedeutenden Verkürzung
der Lebenserwartung, ausgesetzt wäre. Diesbezüglich ist wie bereits er-
wähnt festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin denn auch selber ange-
geben hat, in Malta wegen neurologischen Ausfällen bereits in ärztlicher
Behandlung gewesen zu sein. Die ihr in Malta verschriebenen Antidepres-
siva brauche sie nun aktuell wieder (vgl. Beschwerdeeingabe S. 5 sowie
Beschwerdebeilage Nr. 3). Auch habe sie zuletzt in Malta zwar einen Arzt-
termin bekommen, aber sehr lange warten müssen. Sie habe Malta verlas-
sen, noch bevor sie den Termin wahrgenommen habe (vgl. Akte 13). Hie-
raus geht hervor, dass sie in Malta also sehr wohl Zugang zu medizinischer
Versorgung erhalten hat. Dass sie Malta noch vor ihrem Arzttermin verlas-
sen hat, kann nicht den maltesischen Behörden angelastet werden. Die
medizinische Versorgung in Malta ist somit gewährleistet. Weder ihre Vor-
bringen noch die im vorinstanzlichen- und Beschwerdeverfahren einge-
reichten Arztberichte lassen darauf schliessen, dass die geltend gemach-
ten gesundheitlichen Probleme so gravierend wären, als dass eine adä-
quate Behandelbarkeit im EU-Staat Malta nicht gegeben wäre.
8.1.2. Im Weiteren bestehen keine Hinweise darauf, Malta würde der Be-
schwerdeführerin dauerhaft die ihr gemäss der Qualifikationsrichtlinie zu-
stehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten und sie einer exis-
tenziellen Notlage aussetzen. Gemäss ihren Angaben habe sie in Malta in
einer von den Behörden zur Verfügung gestellten Unterkunft gelebt. Ihr sei
nach dem Verlust ihrer Arbeitsstelle von den Behörden jedoch rein münd-
lich mitgeteilt worden, dass sie diese Unterkunft «in diesem Jahr» verlas-
sen müsse (vgl. Akte 13). Zum einen ist vorab festzuhalten, dass die ent-
sprechenden Angaben durch keinerlei Belege untermauert werden konn-
ten und somit als unbelegte Parteibehauptungen zu qualifizieren sind. Zum
anderen ist mit aller Deutlichkeit festzuhalten, dass die Beschwerdeführe-
rin in Malta bereits rund acht Jahre lang in einer ihr zur Verfügung gestellten
Unterkunft gelebt hat. Sie hatte somit bereits jahrelang sehr wohl Zugang
zu einer gesicherten Unterkunft. Aus den Akten geht nicht hervor, aus wel-
chen Gründen genau und wann genau sie diese Unterkunft nun angeblich
hätte verlassen müssen respektive wie dies hätte von statten gehen sollen.
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Ferner kann – selbst bei Wahrunterstellung der Sachbehauptung, dass sie
diese Unterkunft inskünftig hätte verlassen müssen – nicht in einem Um-
kehrschluss geschlossen werden, ihr wäre in der Folge dann überhaupt
keine Unterkunft mehr zur Verfügung gestellt worden und es hätte ihr damit
eine Obdachlosigkeit gedroht. Es darf inskünftig von ihr erwartet werden,
sich bei Unterstützungsbedarf (erneut) an die maltesischen Behörden zu
wenden und die erforderliche und ihr gemäss den erwähnten gesetzlichen
Grundlagen zustehende Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzufor-
dern. Es ergeben sich aus den Akten keine Hinweise, die maltesischen Be-
hörden würden ihren diesbezüglich relevanten völkerrechtlichen Verpflich-
tungen keine Folge leisten. An dieser Einschätzung vermag auch das ins
Recht gereichte Antwortformular der SFH nichts zu ändern.
8.2. Nach dem Ausgeführten erweist sich der Wegweisungsvollzug als zu-
lässig und zumutbar. Es besteht kein Anlass zur Einholung individueller
Garantien betreffend adäquater Unterbringung und medizinischer Betreu-
ung.
8.3.
8.3.1. Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich nach Art. 83 Abs. 2 AIG
möglich, da die maltesischen Behörden einer Rückübernahme der Be-
schwerdeführerin ausdrücklich zugestimmt haben, sie dort über subsidiä-
ren Schutz verfügt und den Akten keine Hinweise auf eine Reiseunfähigkeit
zu entnehmen sind. Ihrer gesundheitlichen Situation kann bei der Ausge-
staltung der Vollzugsmodalitäten – wie vom SEM im angefochtenen Ent-
scheid bereits in Aussicht gestellt – angemessen Rechnung getragen wer-
den (vgl. auch Akte 28).
8.3.2. Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie dem Wegweisungs-
vollzug nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt
voraus, dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist,
sondern voraussichtlich eine gewisse Dauer bestehen bleibt. Ist dies nicht
der Fall, so ist dem temporären Hindernis bei den Vollzugsmodalitäten
Rechnung zu tragen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize-
rischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e).
Bei der Corona-Pandemie handelt es sich – wenn überhaupt – um ein bloss
temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im Rahmen der Vollzugsmo-
dalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem
etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Herkunftsland angepasst
wird.
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9.
Zusammenfassend hat das SEM den Vollzug der Wegweisung nach Malta
zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung
der vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Angesichts der aus den vorstehenden Erwägungen hervorgehenden Aus-
sichtslosigkeit der Beschwerde ist das Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen. Jenes um
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit dem vorliegend
instruktionslos ergehenden, verfahrensabschliessenden Urteil in der Sa-
che hinfällig.
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