Decision ID: bcc321cf-3a42-402f-8789-f10c2223bacf
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Der 1966 geborene Beschwerdeführer war zuletzt als Strassenbauer tätig,
ehe er sich 10. Juli 2017 wegen diverser Beschwerden bei der Beschwer-
degegnerin zum Bezug von Leistungen (berufliche Integration, Rente) der
Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) anmeldete. Die Beschwerde-
gegnerin klärte daraufhin die gesundheitliche sowie erwerbliche Situation
ab. Schliesslich wies sie das Leistungsbegehren betreffend Invalidenrente
gestützt auf ein von der Krankentaggeldversicherung eingeholtes psychiat-
risches Gutachten nach Rücksprache mit ihrem internen Regionalen Ärzt-
lichen Dienst (RAD) mit Verfügung vom 13. Juli 2018 ab. Eine dagegen
gerichtete Beschwerde hiess das Versicherungsgericht mit Urteil
VBE.2018.545 vom 25. März 2019 teilweise gut, hob die Verfügung auf und
wies die Sache zur weiteren Abklärung und zur anschliessenden Neuver-
fügung an die Beschwerdegegnerin zurück.
1.2.
Die Beschwerdegegnerin holte in der Folge weitere medizinische Unterla-
gen ein und liess den Beschwerdeführer anschliessend durch die
ZVMB GmbH, Bern, polydisziplinär begutachten. Das Gutachten wurde am
12. Mai 2021 erstattet. Gestützt darauf stellte die Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer mit Vorbescheid vom 1. Juni 2021 die Abweisung
des Leistungsbegehrens betreffend Invalidenrente in Aussicht. Nachdem
der Beschwerdeführer Einwände erhoben und die Beschwerdegegnerin
Rücksprache mit dem RAD genommen hatte, stellte sie den Gutachtern am
30. Juli 2021 Ergänzungsfragen, welche diese mit zwei Schreiben je vom
23. März 2022 beantworteten. Die Beschwerdegegnerin hielt daraufhin
neuerlich Rücksprache mit dem RAD, ehe sie schliesslich mit Verfügung
vom 20. April 2022 wie vorbeschieden entschied.
2.
2.1.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 25. Mai 2022 frist-
gerecht Beschwerde und stellte folgende Anträge:
"1. In Gutheissung der Beschwerde sei die Verfügung der IV-Stelle Aargau vom 20. April 2022 aufzuheben und dem Beschwerdeführer eine ganze Rente ab 1. Dezember 2017 auszurichten.
2. Eventualiter sei ein gerichtliches Gutachten zur Klärung der Diagnostik  Kopfschmerzen und deren Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers anzuordnen.
- 3 -
3. Subeventualiter sei die Verfügung der IV-Stelle Aargau vom 20. April 2022 aufzuheben und die IV-Stelle anzuweisen, den rechtserheblichen  abzuklären.
4. Dem Beschwerdeführer sei die ungeteilte unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und es sei die unterzeichnende Anwältin als unentgeltliche Rechtsvertreterin einzusetzen.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (inkl. MwSt)."
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 16. Juni 2022 beantragte die Beschwerdegegne-
rin die Abweisung der Beschwerde.
2.3.
Mit instruktionsrichterlicher Verfügung 20. Juni 2022 wurde die berufliche
Vorsorgeeinrichtung des Beschwerdeführers zum Verfahren beigeladen
und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt. Diese liess sich innert
Frist nicht vernehmen.
2.4.
Mit Verfügung vom 22. Juni 2022 bewilligte die Instruktionsrichterin dem
Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege und ernannte
lic. iur. Alexandra Meichssner, Rechtsanwältin, Frick, zu dessen unentgelt-
licher Vertreterin.

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
In ihrer Verfügung vom 20. April 2022 geht die Beschwerdegegnerin ge-
stützt auf das von ihr eingeholte polydisziplinäre ZVMB-Gutachten vom
12. Mai 2021 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 105) sowie die ergänzenden
gutachterlichen Stellungnahmen vom 23. März 2022 (VB 117 f.) im We-
sentlichen davon aus, der Beschwerdeführer sei sowohl in der angestamm-
ten als auch in jeder anderen Tätigkeit voll arbeitsfähig. Es bestehe daher
kein Anspruch auf eine Invalidenrente (VB 121). Der Beschwerdeführer
macht demgegenüber zusammengefasst geltend, auf das von der Be-
schwerdegegnerin eingeholte Gutachten könne in neurologischer Hinsicht
nicht abgestellt werden. Bei richtiger Betrachtungsweise sei von einer vol-
len Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten auszugehen, weshalb er
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe.
- 4 -
Damit ist streitig und nachfolgend zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin
einen Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente mit Verfü-
gung vom 20. April 2022 zu Recht verneint hat.
2.
2.1.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei-
ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztli-
chen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel-
che Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können
(BGE 132 V 93 E. 4 S. 99 f. mit Hinweisen).
2.2.
Der Versicherungsträger und das Gericht (vgl. Art. 61 lit. c in fine ATSG)
haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisre-
geln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwer-
deverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entschei-
den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des
streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These
abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; vgl. auch BGE 132 V 393 E. 2.1
S. 396). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entschei-
dend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un-
tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurtei-
lung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232 und 125 V 351 E. 3a S. 352). Ausschlagge-
bend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines
Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag ge-
gebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a
S. 352 und 122 V 157 E. 1c S. 160 f.). Dennoch hat es die Rechtsprechung
mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in
Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richt-
linien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b S. 352).
2.3.
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-
ten Gutachten externer Spezialärzte, welche auf Grund eingehender
- 5 -
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-
richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-
nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-
nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-
tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470 und 125 V 351 E. 3b/bb
S. 353). Den Gutachten kommt somit bei Abklärungen im Leistungsbereich
der Sozialversicherung überragende Bedeutung zu (UELI KIESER, Kom-
mentar zum Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche-
rungsrechts, 4. Aufl. 2020, N. 13 zu Art. 44 ATSG; vgl. auch BGE 132 V 93
E. 5.2.8 S. 105).
3.
3.1.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrer Verfügung vom 20. April 2022
in medizinischer Hinsicht auf das von ihr eingeholte polydisziplinäre ZVMB-
Gutachten vom 12. Mai 2021. Dieses vereint eine internistische Beurteilung
durch Dr. med. C., Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin sowie für
Rheumatologie, eine neurologische Beurteilung durch Dr. med. D.,
Facharzt für Neurologie, eine psychiatrische Beurteilung durch Dr. med. E.,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie eine
neuropsychologische Beurteilung durch MSc F., Fachpsychologin für
Neuropsychologie. Es wurden keine Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit erhoben (vgl. VB 105.1, S. 6). Die Gutachter hielten zu-
sammenfassend fest, der Beschwerdeführer sei aus gesamtmedizinischer
Sicht für sämtliche Tätigkeiten voll arbeitsfähig. Diese Beurteilung gelte seit
mindestens einem halben Jahr (ab der neurologischen Untersuchung vom
10. Juni 2020 gerechneten; vgl. VB 105.1, S. 2). Retrospektiv seien einzig
aus neurologischer Sicht kurzfristige und nicht dauerhafte Einschränkun-
gen der Arbeitsfähigkeit anzunehmen, die jedoch aufgrund der Inkonsisten-
zen nicht hinreichend valide abgrenzbar seien (VB 105.1, S. 8). An dieser
Beurteilung hielten die Gutachter aus neurologisch-neuropsychologischer
Sicht mit ergänzenden Stellungnahmen vom 23. März 2022 eine neuropsy-
chologische Beurteilung des Kantonsspitals G. vom 8. April 2020 (VB 110,
S. 2 ff.) betreffend fest (VB 117 f.).
3.2.
Der Beschwerdeführer wurde zur Erstellung des ZVMB-Gutachtens vom
12. Mai 2021 fachärztlich umfassend und in Kenntnis sowie unter Würdi-
gung der Vorakten (vgl. VB 105.1, S. 10 ff., VB 105.2, S. 3 und S. 9,
VB 105.3, S. 3 ff. und S. 15, VB 105.4, S. 9 ff., sowie VB 105.5, S. 3 f. und
S. 9 ff.) und unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden unter-
sucht. Es wurde eine eigene Laboruntersuchung durchgeführt (vgl.
VB 105.2, S. 8 und S. 11 f., VB 105.3, S. 11). Die Gutachter beurteilten die
medizinischen Zusammenhänge sowie die medizinische Situation ein-
leuchtend und gelangten zu einer nachvollziehbar begründeten Schlussfol-
gerung. Dem Gutachten kommt damit grundsätzlich Beweiswert im Sinne
- 6 -
vorstehender Kriterien (vgl. vorne E. 2.2. und E. 2.3.) zu. Es ist denn auch
mit Ausnahme der neurologisch-neuropsychologischen Beurteilung zu
Recht unumstritten.
3.3.
3.3.1.
Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, das ZVMB-Gutachten
vom 12. Mai 2021 berücksichtige die Beurteilung seiner behandelnden
Ärzte und Psychologen ungenügend und bilde seinen neurologischen Ge-
sundheitszustand daher unzureichend ab. Dem kann nicht gefolgt werden.
So enthält insbesondere der neurologische Teil des Gutachtens umfang-
reiche anamnestische Erhebungen (vgl. VB 105.3, S. 5 ff.) und es erfolgte
im Rahmen der neurologischen Begutachtung eine ausführliche Befunder-
hebung (vgl. VB 105.3, S. 9 ff.), welche sämtliche geklagten Beschwerden
vollständig umfasst. Dies gilt auch für den neuropsychologischen Teil des
Gutachtens (vgl. VB 105.5, S. 4 ff.). Alle Befunde wurden ferner vom neu-
rologischen Gutachter in nachvollziehbarer Weise diagnostisch verortet
(vgl. VB 105.3, S. 13 ff.). Dieser zeigte sodann überzeugend auf, dass auf-
grund der objektiven klinischen Befunde keine Einschränkung der Arbeits-
fähigkeit besteht. Dabei berücksichtigte er insbesondere auch, dass bei der
neuropsychologischen Untersuchung eine negative Leistungsverzerrung
objektiviert wurde (vgl. VB 105.3, S. 12, und den neuropsychologischen
Teil des Gutachtens in VB 105.5, S. 8 und S. 10 f.), was vom Beschwerde-
führer nicht in Abrede gestellt wird und ferner auch vom neurologischen
Gutachter als mit seinen eigenen klinischen Erhebungen vereinbar beurteilt
wurde (vgl. VB 105.3, S. 15).
3.3.2.
Dem neurologischen Gutachter lagen weiter zahlreiche Berichte behan-
delnder Neurologen und Neuropsychologen des Beschwerdeführers vor
(vgl. insb. VB 105.3, S. 3 ff.). Deren Beurteilungen waren dem Gutachter
damit hinreichend bekannt und wurden bei dessen eigener Einschätzung
berücksichtigt (VB 105.3, S. 13 ff.; vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_145/2022 vom 5. August 2022 E. 5.2, 8C_616/2017 vom 14. Dezem-
ber 2017 E. 6.2.2 und 8C_209/2017 vom 14. Juli 2017 E. 4.2.2). Dabei
zeigte er aufgrund der vom Beschwerdeführer beschriebenen Schmerz-
charakteristik und –lokalität sowie der Beschwerdebesserung nach Gabe
von Lithium in einem anderen Zusammenhang plausibel und überzeugend
auf, dass die vom Beschwerdeführer geklagten Kopfschmerzen diagnos-
tisch nicht einer Trigeminusneuralgie, sondern einem episodischen Clus-
terkopfschmerz entsprächen. Dass er dabei ergänzend die Vermutung äus-
serte, die bisherige Diagnostik könnte auf sprachliche Verständigungs-
schwierigkeiten zurückzuführen sein, vermag seine Ausführungen mangels
Relevanz ebenso wenig in Zweifel zu ziehen, wie die vom Beschwerdefüh-
rer geltend gemachten abweichenden fachärztlichen Meinungen der be-
handelnden Ärzte hinsichtlich der Indikation eines operativen Vorgehens
- 7 -
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_600/2018 vom 7. Januar 2019 E. 4.2
mit Hinweisen). Ähnliches gilt für die neuropsychologische gutachterliche
Beurteilung, in welcher unter Berücksichtigung früherer neuropsychologi-
scher Einschätzungen (vgl. VB 105.5, S. 3 f. und S. 11) sowie gestützt auf
eine mittels erstmals im Rahmen der Begutachtung vorgenommener Vali-
dierung objektivierte negative Leistungsverzerrung (vgl. VB 105.5, S. 8 und
S. 10 f.) einleuchtend begründet keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
erhoben werden konnte. Die neurologisch-neuropsychologische diagnosti-
sche Schlussfolgerung im ZVMB-Gutachten ist damit nicht zu beanstan-
den, zumal keine im Gutachten unerkannte oder ungewürdigte Aspekte er-
sichtlich sind (vgl. statt vieler SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43, I 514/06 E. 2.1.1,
und Urteil des Bundesgerichts 9C_425/2019 vom 10. September 2019
E. 3.4 mit Hinweisen). Der vom Beschwerdeführer angeführte neuropsy-
chologische Untersuchungsbericht des Kantonsspitals G. vom 8. April
2020 (VB 110, S. 2 ff.) ist schliesslich ebenfalls nicht geeignet, ein
Abweichen vom ZVMB-Gutachten zu begründen, denn dieser basiert nicht
auf einer fachärztlichen, sondern lediglich auf einer neuropsychologischen
Beurteilung (vgl. dazu statt vieler BGE 119 V 335 E. 2b/bb S. 341 und
Urteile des Bundesgerichts 8C_127/2022 vom 8. Juli 2022 E. 5.3 sowie
8C_136/2021 vom 7. April 2022 E. 6.1.5). Die Beurteilung des
Gesundheitszustands ist indes Aufgabe des Mediziners (vgl. statt vieler
BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195 f.). Zudem wurde keine objektive Validierung
der Testergebnisse vorgenommen, worauf Dr. med. D. und MSc F. in ihren
jeweiligen ergänzenden Stellungnahmen vom 23. März 2022 (VB 117 f.) zu
Recht hinweisen. Schliesslich geben auch weder die eigenen laienhaften
medizinischen Würdigungen des Beschwerdeführers (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_806/2021 vom 5. Juli 2022 E. 5.2.3, 8C_794/2017 vom
27. März 2018 E. 4.2.2 und 9C_283/2017 vom 29. August 2017 E. 4.1.2)
noch die Untersuchungsdauer von 165 Minuten (VB 105.3, S. 1 vgl. hierzu
statt vieler 8C_127/2022 vom 8. Juli 2022 E. 5.2.2) Anlass, das ZVMB-
Gutachten vom 12. Mai 2021 in Zweifel zu ziehen.
3.3.3.
Der neurologische Gutachter Dr. med. D. hielt bezüglich der Ar-
beitsfähigkeit des Beschwerdeführers fest, mindestens seit der Verbesse-
rung der Kopfschmerzen und auch aktuell sei keine quantitative oder qua-
litative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit objektivierbar. Retrospektiv "darf
aber auch theoretisch-medizinisch [...] in Frage gestellt werden, wie häufig
und wie ausgeprägt die Einschränkungen durch die Kopfschmerzen wa-
ren". Dies sei jedoch angesichts der neuropsychologisch objektivierten ne-
gativen Leistungsverzerrung nicht mehr "hinreichend valide festzulegen",
zumal die behandelnden Ärzte überdies auch "von nicht zutreffenden Diag-
nosen" ausgegangen seien. Es sei daher anzunehmen, dass die Arbeitsfä-
higkeit nur während der üblicherweise maximal vier Stunden dauernden
Schmerzattacken eingeschränkt gewesen, "in den Intervallen aber [...] ge-
geben" sei. Eine durchgängige dauerhafte Arbeitsunfähigkeit sei daher
- 8 -
nicht begründbar (vgl. VB 105.3, S. 16). Auch dies ist entgegen der Ansicht
des Beschwerdeführers einleuchtend, zumal es in den Akten gerade an
objektiv validierten echtzeitlichen Angaben bezüglich der Kopfschmerzen
fehlt, was vom Beschwerdeführer auch nicht in Frage gestellt wird. Dass
der neurologische Gutachter im Widerspruch zu seiner Arbeitsfähig-
keitseinschätzung die vom Kantonsspital G. attestierte fehlende
Fahreignung als zutreffend bezeichnet habe, wie der Beschwerdeführer
vorbringt, trifft schliesslich nicht zu. Dieser hielt lediglich fest, dass "die
Einschätzung der nicht mehr gegebenen Fahreignung richtig" sei, wenn
"davon ausgegangen [wird], dass die Befunde valide" seien (VB 105.3,
S. 12), was er nach dem Dargelegten indes zu Recht gerade nicht als
erstellt ansieht.
3.4.
Dem ZVMB-Gutachten vom 12. Mai 2021 kommt nach dem Dargelegten
uneingeschränkt Beweiswert zu. Es ist daher vom darin beschriebenen Ge-
sundheitszustand sowie der darin attestierten Arbeitsfähigkeit auszugehen.
Bei einer vollen Arbeitsfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten besteht kein An-
spruch auf eine Invalidenrente (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG). Die Verfügung
der Beschwerdegegnerin vom 20. April 2022 erweist sich folglich als recht-
mässig.
4.
4.1.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2.
Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende
Verfahren betragen diese Fr. 800.00 und sind gemäss dem Verfahrensaus-
gang dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Da diesem die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt wurde, sind die Kosten einstweilen lediglich vorzu-
merken.
4.3.
Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61
lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-
alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf
Parteientschädigung zu. Der unentgeltlichen Rechtsvertreterin wird das an-
gemessene Honorar nach Eintritt der Rechtskraft des versicherungsge-
richtlichen Urteils aus der Obergerichtskasse zu vergüten sein (Art. 122
Abs. 1 lit. a ZPO i.V.m. § 34 Abs. 3 VRPG).
- 9 -
4.4.
Es wird ausdrücklich auf Art. 123 ZPO verwiesen, wonach eine Partei, der
die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung der vor-
gemerkten Gerichtskosten sowie der der Rechtsvertreterin ausgerichteten
Entschädigung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.