Decision ID: 54e6208d-779c-558c-b594-a8bc485bb40c
Year: 2010
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass A._ und B._ (nachfolgend: Beschwerdeführende) mit ihrem damals einzigen Kind C._ – ethnische Roma aus G._, Kosovo – am 25. März 2002 erstmals in der Schweiz um Asyl nachsuchten,
dass das BFM diese ersten Asylgesuche mit Verfügung vom 9. Mai 2005 ablehnte und die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug anordnete,
dass die damalige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) die gegen diese Verfügung gerichtete Beschwerde mit Urteil vom 11. Juli 2005 abwies,
dass die Beschwerdeführenden seit dem 5. September 2005  Aufenthalts waren, sie eigenen Angaben zufolge nach  ihres ersten Asylverfahrens illegal nach Serbien gelangten und sich bis Dezember 2009 in H._ aufhielten, bevor sie – gemeinsam mit C._ sowie ihren zwischenzeitlich geborenen Kindern D._, E._ und F._ mithilfe eines Schleppers in einem Kleinbus über unbekannte Transitländer am 16. Dezember 2009 erneut in die Schweiz gelangten, wo sie  um Asyl nachsuchten,
dass sie anlässlich der Kurzbefragungen vom 21. Dezember 2009 im Empfangs- und Verfahrenszentrum I._ und der direkten Anhörungen vom 18. Januar 2010 zur Begründung ihrer Asylgesuche im Wesentlichen geltend machten, sie hätten ab 2005 in H._ gelebt, wo sie in Baracken gewohnt und ihren Lebensunterhalt mit dem (...) bestritten hätten, die Baracken jedoch im Jahr 2009 zerstört worden seien,
dass sie Probleme mit Serben, Jugendlichen und Drogensüchtigen gehabt hätten, welche sie als Albaner und Zigeuner beschimpft hätten,
dass die Beschwerdeführerin von Serben einmal unsittlich berührt (pag. 109) respektive mehrmals vergewaltigt (pag. 41) worden sei und sie mangels Aufenthaltsstatus keine Möglichkeit gehabt habe, die  um Schutz zu ersuchen,
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dass sie Serbien vor diesem Hintergrund am 12. Dezember 2009  hätten,
dass sie aus Angst vor den Albanern und weil sie dort keine  hätten nicht in den Kosovo hätten zurückkehren wollen,
dass es mit Verfügung vom 20. Januar 2010 auf die zweiten  in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht eintrat und erneut die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug anordnete,
dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte, das am 25. März 2002 eingeleitete Asylverfahren sei seit dem 11. Juli 2009 (recte: 2005) rechtskräftig abgeschlossen, zudem ergäben sich keine Hinweise dafür, dass seither Ereignisse eingetreten seien, welche  seien, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen oder die für die Gewährung vorübergehenden Schutzes relevant seien,
dass bezweifelt werden müsse, dass die Beschwerdeführenden  in H._ gewesen seien, zumal das Vorbringen, wonach sie Fr. 5000.– bezahlt hätten, um illegal nach Serbien zu gelangen, statt mit der Rückkehrhilfe in den Kosovo zurückzukehren, keinen Sinn ergäbe und auch der Reiseweg nach Serbien und zurück von beiden Beschwerdeführenden unglaubhaft geschildert worden sei,
dass demzufolge auch der Wahrheitsgehalt der geschilderten Probleme mit den Serben bezweifelt werden müsse, was jedoch  unbeachtlich sei, als die allfälligen Behelligungen sich ausserhalb ihres Heimatlandes abgespielt hätten,
dass auf die Ausführungen des ersten Asylverfahrens verwiesen werden könne, da die Beschwerdeführenden sich seither nicht im Kosovo aufgehalten hätten,
dass der Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich sei,
dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 27. Januar 2010 (Poststempel) gegen diesen Entscheid beim  Beschwerde erhoben und dabei beantragten, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sache sei zur materiellen Prüfung an die Vorinstanz zurückzuweisen,
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dass sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht um unentgeltliche  gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchten,
dass die vorinstanzlichen Akten am 28. Januar 2010 beim  eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden  Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),
dass die Beschwerdeführenden durch die angefochtene Verfügung besonders berührt sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren  beziehungsweise Änderung haben und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG),
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32-35 AsylG), die Beurteilungskompetenz der  grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,
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dass sich demnach die Beschwerdeinstanz – sofern sie den  als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen  Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl.  und Mitteilungen der Schweizerischen  [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),
dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs  prüft, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt,
dass über offensichtlich unbegründete beziehungsweise offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit  eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten  entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen  verzichtet wurde,
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, die gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG getroffen wurden, die  der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage  ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht  ist,
dass die angefochtene Verfügung bei Begründetheit der Beschwerde aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz  ist (vgl. EMARK 2004 Nr. 24 E. 2.1. S. 240 f.),
dass gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG auf ein Asylgesuch nicht  wird, wenn Asylsuchende in der Schweiz bereits ein  erfolglos durchlaufen haben oder während des hängigen  in den Heimat- oder Herkunftsstaat zurückgekehrt sind,  es gebe Hinweise, dass in der Zwischenzeit Ereignisse  sind, die geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft zu  oder die für die Gewährung vorübergehenden Schutzes relevant sind,
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dass vorab festzustellen ist, dass das in Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG statuierte formelle Erfordernis in Form der ersten Tatbestandsvariante des in der Schweiz erfolglos durchlaufenen Asylverfahrens als  zu betrachten ist,
dass zu prüfen bleibt, ob Hinweise auf zwischenzeitlich eingetretene Ereignisse vorliegen, die zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft geeignet oder die für die Gewährung vorübergehenden Schutzes  sind,
dass die Beschwerdeführenden sich eigenen Angaben zufolge seit dem rechtskräftigen Abschluss des ersten Asylverfahrens überhaupt nicht im Kosovo aufgehalten haben und die geltend gemachte  – ungeachtet deren vom BFM zu Recht in Frage gestellten Glaubhaftigkeit – asylrechtlich unbeachtlich ist, da sie sich bei  ausserhalb ihres Heimatlandes abgespielt hätte,
dass damit klarerweise keine Hinweise auf zwischenzeitlich  Ereignisse vorliegen, die geeignet sind, die  zu begründen, oder die für die Gewährung  Schutzes relevant sind,
dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG zu Recht auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht  ist,
dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kanton keine  erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. EMARK 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde,
dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den  Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern regelt, wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht  oder nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]),
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dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG),
dass keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land  werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]),
dass der Vollzug der Wegweisung vorliegend in Beachtung dieser massgeblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, da es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine  erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des  Non-Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet und keine Anhaltspunkte für eine  Behandlung im Sinne von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und  (EMRK, SR 0.101) ersichtlich sind, die den  in Kosovo droht,
dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als  erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),
dass das BFM im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung ausführte, die Wahrscheinlichkeit einer konkreten Gefährdung alleine aufgrund der Ethnie könne für albanischsprachige Roma – mit Ausnahme einiger Dörfer respektive Gemeinden – ausgeschlossen werden,
dass eine Schwester des Beschwerdeführers in Kosovo lebe und die Beschwerdeführerin krass widersprüchliche Angaben zum Verbleib ihrer Eltern gemacht habe, sodass bezweifelt werden müsse, dass keine Verwandten der Beschwerdeführenden in Kosovo lebten,
dass sie überdies viele Verwandte im Ausland hätten, die sie finanziell unterstützen würden und die Aufwendung von Fr. 9000.– für zwei
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Reisen innerhalb von fünf Jahren dem Vorbringen, die  lebten in ärmlichen Verhältnissen, zuwiderliefe,
dass das Bundesverwaltungsgericht in BVGE 2007/10 festgestellt hat, dass der Vollzug der Wegweisung von albanischsprachigen Roma nach Kosovo in der Regel zumutbar ist, sofern aufgrund einer Einzelfallabklärung (insbesondere durch Vor-Ort-Untersuchungen) feststeht, dass bestimmte Reintegrationskriterien – wie berufliche Ausbildung, Gesundheitszustand, Alter, ausreichende wirtschaftliche Lebensgrundlage und Beziehungsnetz in Kosovo – erfüllt sind,
dass ein Abstellen auf einzelne Reintegrationskriterien (wirtschaftliche Lebensgrundlage, Beziehungsnetz im Kosovo) mit der vorgenannten, ungleich differenzierteren Rechtsprechung nicht vereinbar ist,
dass überdies die vorinstanzliche Argumentation hinsichtlich der  Kriterien auf unbelegten Mutmassungen fusst und  die pauschale Darstellung, wonach bekannt sei, dass Roma stets auf die Unterstützung ihrer Clans zurückgreifen könnten, nicht zu rechtfertigen ist,
dass das BFM in seiner Verfügung vom 20. Januar 2010 davon , dass die Beschwerdeführenden der Ethnie der Roma angehören, womit eine Einzelfallabklärung zur Feststellung des Sachverhalts  unabdingbar gewesen wäre,
dass sich nach dem Gesagten die Zumutbarkeit des Vollzuges der Wegweisung als nicht genügend abgeklärt erweist,
dass demnach die Ziffern 3 und 4 der Verfügung vom 20. Januar 2010 aufzuheben und die Sache mit der Anweisung, eine  vorzunehmen, an die Vorinstanz zurückzuweisen sind,
dass zusammengefasst das BFM zu Recht auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten ist und deren Wegweisung verfügt hat, weshalb die vorinstanzliche Verfügung bezüglich der  1 und 2 zu bestätigen ist, soweit den Vollzug betreffend die Verfügung indessen aufzuheben und die Beschwerde insoweit gutzuheissen ist,
dass mit Ergehen des vorliegenden Urteils der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden ist,
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dass bei diesem Ausgang des Verfahrens den Beschwerdeführenden als teilweise unterliegende Partei reduzierte Verfahrenskosten  wären (vgl. Art. 63 Abs. 1 und Abs. 5 VwVG), das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG jedoch gutzuheissen ist, zumal von der Bedürftigkeit der  auszugehen ist und die Begehren nicht als  zu bezeichnen waren, weshalb keine Verfahrenskosten  sind,
dass den Beschwerdeführenden angesichts des teilweisen Obsiegens im Beschwerdeverfahren eine Parteientschädigung für ihnen  notwendige Vertretungskosten zuzusprechen wäre (vgl. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]),
dass den nicht vertretenen Beschwerdeführenden im  jedoch offensichtlich keine notwendigen Kosten erwachsen sind und daher kein Anspruch auf Ausrichtung einer  besteht.
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