Decision ID: 4402ed1e-2f1e-4e57-a087-373103e50bf3
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1999 geborene
X._
wurde
durch ihre Eltern am
1.
Mai 2009 (
Urk.
8/
1)
wegen einer Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung
erstmals bei der Eid
genössischen Invalidenversicherung angemeldet
. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach der Versicherten medizinische Massnahmen für das Geburtsgebrechens Ziffer 404 zu (
Urk.
8/11, 8/24); insbesondere über
nahm sie die Kosten der ambulanten Psychotherapie (
Urk.
8/12, 8/20, 8/25, 8/54, 8/110). Am 7. Juni 2016 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für medizinische Massnahmen für das Geburtsgebrechen Ziffer 279 (Zöliakie;
Urk.
8/66).
Am
6.
April 2016
erfolgte
die Anmeldung für die berufliche Eingliederung
(Urk.
8/59).
Im Rahmen der eingeleiteten Abklärungen absolvierte die Versicherte kurze Praktika in der Stiftung
Z._
(vgl. die Auswertungen der Schnupperauf
enthalte vom 2
8.
Februar 2017 und vom 13. April 2017,
Urk.
8/75 und
Urk.
8/80) und eine berufliche Abklärung im Bereich Hauswirtschaft in der Genossenschaft
A._
vom 1
5.
August bis 1
4.
November 2017 (
Urk.
8/85, 8/94). Im Anschluss sprach ihr die IV-Stelle bis zum 3
1.
Juli 2018 eine Ausbildung
InsosPra
Haus
wirtschaft zu (vgl.
Urk.
8/97). Da nach Abschluss der bewilligten Ausbildungszeit die Voraussetzungen für eine Fortsetzung nicht gegeben waren, schloss die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen ab und hielt fest, sofern sich die Verhältnisse änderten, könne ein neues Gesuch eingereicht werden. Voraussetzung dafür sei der Nachweis einer mindestens halbjährigen, konstanten Tagesstruktur (Mittei
lung vom 2
9.
August 2018,
Urk.
8/118). Im Rahmen der nachfolgenden Renten
prüfung holte die IV-Stelle bei der behandelnden Psychologin lic. phil.
B._
den Verlaufsbericht vom 15. September 2018 ein, und verneinte nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom
8.
Januar 2019 einen weiteren Leis
tungsanspruch (
Urk.
8/123).
1.2
Mit Schreiben vom 5.
Februar 2019 (
Urk.
8/
130) beantragte die Versicherte erneut die Prüfung von IV-Leistungen.
Mit Vorbescheid vom 8.
März 2019 (
Urk.
8/
133) und schliesslich mit
Verfügung vom
2.
Mai 2019 (Urk.
8/
135) trat die IV-Stelle nicht auf
die Neuanmeldung
ein.
Am 13.
November 2019 (
Urk.
8/137) meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an. Mit Schreiben vom 1
9.
November 2019 (
Urk.
8/138) fordert
e die IV-Stelle die Versicherte
auf, Beweismittel zur Glaubhaftmachung einer wesentlichen Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse seit Erlass der letzten Verfügung einzureichen
.
Nach mehreren Fristverl
ängerungen (
Urk.
8/144 und
Urk.
8/146) rei
chte die Versicherte einen B
ericht (
Urk.
8/147) ein.
Nach
Durch
führung
des
Vorbescheidverfahrens
(Urk. 8/
149) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
2.
Juni 2020 (
Urk.
2) einen Leistungsanspruch.
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
3.
Juli 2020 (
Urk.
1) un
ter Beilage eines weiteren B
erichts (
Urk.
3/5)
Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom
2.
Juni 2020 sei aufzuheben und auf das Leistungsbegehren
sei
einzutreten (S. 2). In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung.
Die IV-Stelle schloss am
1.
September 2020 (
Urk.
7) auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
2.
September 2020 (
Urk.
9) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen
und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
1.3.1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2 lit. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (lit. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (lit.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe; lit. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (lit. d).
1.3.2
Nach Art. 16 Abs. 1 IVG haben Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten der versicherten Person entspricht. Als erstmalige berufliche Ausbildung gilt gemäss Art. 5 Abs. 1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
die berufliche Grundbildung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBG) sowie, nach Abschluss der Volks- oder Sonderschule,
der Besuch einer Mittel-, Fach- oder Hochschule und die berufliche Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte.
Als invalid im Sinne von
Art.
16 IVG gilt, wer aus gesundheitlichen Gründen bei einer seinen Fähigkeiten entsprechenden Ausbildung erhebliche Mehrkosten auf sich nehmen muss. Bezüglich psychischer Beeinträchtigungen sind die von der Rechtsprechung zum invalidisierenden geistigen oder psychischen Gesundheits
schaden (
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
7 und 8
Abs.
1 ATSG) entwickelten Grundsätze auch im Bereich des
Art.
16 IVG massgeblich; dabei ist jedoch nicht die Erwerbstätigkeit, sondern der beabsichtigte Ausbildungsgang mit seinen spezifischen Anforderungen Bezugspunkt (BGE 114 V 29 E. 1b in fine mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts I 159/05 vom 16. März 2006 E. 3.2.2). So
dann ist es unerheblich, ob die versicherte Person bei Erlass der Verwaltungsverfügung an einem invalidisierenden Gesundheitsschaden leidet. Denn es kommt im Rahmen von
Art.
4
Abs.
1 IVG (in Verbindung mit
Art.
7 und 8
Abs.
1 ATSG), von seinem ausdrücklichen Wortlaut wie von der Systematik der Invalidenversicherung als final konzipierte Erwerbsausfallversicherung (AHI 1999 S. 79) her, nicht auf die Gleichzeitigkeit (
Kontemporalität
), sondern auf die Kausalität von Gesundheitsschaden und Erwerbsunfähigkeit an (BGE 126 V 461 E. 2 in fine, AHI 2003 S. 158 E. 2).
1.
4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
5
1.5.1
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5.2
Gesetz und Verordnung enthalten keine Vorschriften über die
materiellrechtliche
Revision von Eingliederungsleistungen wegen einer seit ihrer Zusprechung ein
getretenen Veränderung der Verhältnisse. Ebenso wenig ist geregelt, unter welchen Voraussetzungen im Falle einer vorangegangenen Verweigerung von Eingliederungsleistungen ein neues Gesuch entgegenzunehmen und zu prüfen ist. In BGE 105 V 173 hat das Bundesgericht entschieden, dass Eingliederungsleistungen gleich wie Renten und
Hilflosenentschädigungen
zu behandeln sind und dass demzufolge Art. 17 ATSG sowie die dazugehörigen Verordnungsbestimmungen in analoger Weise auch auf die Revision von Eingliederungsleistungen angewendet werden müssen. Art. 87 Abs. 3 IVV betrifft – trotz seiner Stellung im Abschnitt E «Die Revision der Rente und der Hilflosenentschädigung» – zwar nicht die eigentliche
materiellrechtliche
Revision laufender Leistungen, sondern einen anderen Sachverhalt, nämlich die Neuprüfung nach vorangegangener Leistungsverweigerung. Es rechtfertigt sich aber, die vorerwähnte Rechtsprechung auch auf Art. 87 Abs. 3 IVV
auszudehnen und diese Bestimmung ebenfalls in analoger Weise auf Eingliederungsleistungen anzuwenden.
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene
leistungsabweisende
Verfügung vom
2.
Juni 2020 (
Urk.
2) damit, dass mit Mitteilung vom 2
9.
August 2018 die beruflichen Massnahmen abgeschlossen worden seien und empfohlen worden sei, eine regelmässige Tagesstruktur aufzubauen.
Die Abklärungen hätten ergeben, dass keine neuen Erkenntnisse vorliegen würden und weiterhin keine Tagesstruktur ersichtlich sei. Die medizinisch genannten Diagnosen seien behandelbar und könnten deshalb nicht berücksichtigt werden. Bezüglich Zöliakie würden bisher keine Befunde vorliegen.
2.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen ein (
Urk.
1),
dass bereits die erste Verfügung vom
8.
Januar 2019
offensichtlich unrichtig gewesen sei und den medizinischen Akten widersprochen habe. Die Verfügung müsse in Wiedererwägung gezogen werden (S. 5 f.). Sollte die Beschwerdegegnerin dazu nicht bereit sein, sei zu klären, ob sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert habe. In diesem Fall sei davon auszugehen, dass sie zum Zeitpunkt der letzten IV-Abklärung voll arbeitsfähig gewesen sei. Aktuell könne sie im geschützten Rahmen lediglich noch vier bis fünf Stunden täglich arbeiten. Eine Arbeitsfähig
keit liege
somit
nicht vor. Sie leide an einem weiter verschlechterten Gesund
heitszustand und sei dringend auf die Unterstützung der IV-Stelle angewiesen
(S.
6)
.
Ihr sei zudem im Rahmen einer Schadenminderungspflicht nie eine Tages
struktur auferlegt worden (S. 7).
2.3
Strittig und zu prüfen ist eine relevante Veränderung des Gesundheitszustands
oder der Eingliederungsfähigkeit
der Beschwerdeführerin bis zum Erlass der ange
fochtenen Verfügung vom
2.
Juni 2020 (
Urk.
2). Vergleichsbasis im vorliegenden Neuanmeldeverfahren bildet die rechtskräftige unangefochtene Verfügung vom
8.
Januar 2019 (
Urk.
8/123), welche a
uf einer materiellen Prüfung der Leistungsansprüche
beruhte.
3.
3.1
Die leistungsabweisende Verfügung vom
8.
Januar 2019 fusste auf
folgenden Unterlagen
.
3.2
Gemäss dem Schlussbericht der Genossenschaft
A._
vom 1
3.
Juli 2018 über die Ausbildung vom
1.
November 2017 bis 1
3.
Juli 2018 bemühte die Beschwerdeführerin sich im Rahmen der absolvierten Ausbildung die Vorgaben einzuhalten; trotzdem sei ihr dies nur teilweise gelungen. Einen Arbeitstag durch
zuhalten sei für sie immer noch eine grosse Herausforderung. Sie benötige immer wieder Pausen. Sie habe viele Fehltage, melde sich zu spät oder gar nicht ab oder erscheine vor externen Terminen, welche zum Beispiel am späten Vormittag oder Nachmittag stattfänden, nicht zur Arbeit. Die intrinsische Motivation, sich mit einer Ausbildung auseinanderzusetzen und auf einen Abschluss hinzuarbeiten, fehle. Sie sei immer mal wieder froh, eine Tagesstruktur und Personen zu haben, die sich um sie bemühten. Zudem fühle sie sich wohl mit Jugendlichen, die sich auf sie einliessen. Dies alles reiche aber nicht, um sie gezielt auszubilden und in ihrem Beruf weiterzubringen. Es sei wohl sinnvoll, dass die Beschwerdeführerin noch Zeit bekomme, sich persönlich zu entwickeln, aber nicht innerhalb eines Ausbildungssettings. Bezogen auf den
1.
Arbeitsmarkt könne sie an guten Tagen bei enger Eins-zu-eins-Begleitung eine Leistungsfähigkeit von 60
%
erreichen. An schlechten Tagen erbringe sie bis zu 20
%
. Eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt sei nicht möglich (
Urk.
8/116 S. 3).
Im Rahmen des Abschlussgesprächs mit der Berufsberatung der IV-Stelle sei die Versicherte darauf hingewiesen worden, dass ein Zusatzgesuch für berufliche Massnahmen gestellt werden könne. Voraussetzung sei der Nachweis einer mindestens halbjährigen konstanten Struktur. Die Berufsberaterin hielt fest, dass sie davon ausgehe, dass eine regelmässige Präsenz im Rahmen einer Ausbildung ohne begleitetes Wohnen nicht erreicht werden könne. Die Beschwerdeführerin habe dieses Angebot während der Ausbildung in der Genossenschaft
A._
abgelehnt (
Urk.
8/117 S. 2).
3.
3
Die behandelnde Psychologin
B._
hielt in ihrem Bericht vom 1
5.
September 2018 (Urk. 8/119/1-3) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 1):
-
ICD-10: F90.0,
Hyperkinetische Störung
-
ICD-10: F43.23,
Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen wie Angst, Depression, Sorgen Anspannung und Ärger
-
ICD-10: F44.82,
Vorübergehende dissoziative Störungen in der Kindheit und Jugend (nur noch selten vorkommend)
Zudem führte sie aus, die Beschwerdeführerin habe weiterhin Schwankungen in Bezug auf ihre psychische Befindlichkeit. Dies wirke sich auch auf ihren körper
lichen Zustand aus. Sie sei immer wieder sehr müde, was auch mit der Zöliakie in Verbindung stehen könne. Immer wieder leide sie unter Ängsten, dass sie gravierend krank sein könnte. Kürzlich habe sie eine kleine Operation im Unter
leib gehabt, was
bei
ihr grosse Ängste verursacht habe. Trotz allen Schwierigkeiten habe sie im vergangenen Jahr mehrheitlich die vorgeschriebene Arbeitszeit eingehalten (S. 1).
Zur Arbeitsfähigkeit gab sie an, die Beschwerde
führerin könne
in der bisherigen Tätigkeit im
A._
ein Arbeitspensum von 100
%
bewältigen.
Im Rahmen einer angepassten Tätigkeit sei
e
ine Begleitung beispielsweise durch
Impulsis
jedoch
wünschenswert.
Die Pro
gnose sei sehr gut, da die Beschwerdeführerin in Bezug auf ihren psychischen Zustand und ihre Motivation im Verlauf des letzten Jahres sehr gute Fortschritte gemacht habe (S. 2). Früher als der Vater noch bei der Familie gewohnt habe, habe er sich gegen
über der Beschwerdeführerin sehr entwertend
verhalten
und extrem Druck ausgeübt. Dies habe in ihr und ihrer jüngeren Schwester starken Widerstand verursacht. Dieser Zustand habe sich aber sehr verbessert und der Vater habe kaum noch einen negativen Einfluss auf die Beschwerdeführerin. Die Erinnerungen an die sehr schwierige Zeit seien allerdings noch nicht vergessen. Unter anderem
daran
werde in der Psychotherapie
gearbeitet (S. 3).
3.
4
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom regionalen ärztlichen Dienst der IV-Stelle (RAD)
hielt in seiner Stellungnahme vom
5.
Oktober 2018 (
Urk.
8/120/5) fest, die gestellten Diagnosen («POS», Hyperkinetische Störung ICD-10: F90.0) könnten aufgrund der Aktenlage nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als vorliegend nachvollzogen
werden. Es würden sich in erster
Linie Verhaltensauffälligkeiten zeigen, die wohl überwiegend psychosozial verursacht seien, wie die Konflikte mit dem Vater, der nun ausgezogen sei. Der aktuelle Bericht der behandelnden Psychologin attestiere keine Arbeitsunfähigkeit mehr. Es empfehle sich ein abwartendes Vorgehen.
4.
4.1
Im vorliegend zur Beurteilung steh
enden Neuanmeldeverfahren fand
im Wes
entlichen der folgende Bericht Eingang in die Akten
:
4.2
Lic. phil.
B._
gab in ihrem Bericht vom
7.
Januar 2020 (
Urk.
8/147) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an (S. 1):
-
ICD-10: F90.0,
Hyperkinetische Störung (ADHS abgeklärt von Herrn Dr.
D._
)
-
ICD-10: F41.1,
Generalisierte Angststörung
-
ICD-10: Z61.3,
Ereignisse in der Kindheit, die den Verlust des Selbstwert
gefühls zur Folge haben
-
Zöliakie
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie
eine
Endometriose
im
3.
Stadium seit August 201
8.
Zudem führte sie aus, die Beschwerdeführerin wohne zusammen mit ihrer Mutter, ihrer 17-jährigen Schwester und ihrem 11-jährigen Bruder zu Hause. Ihr Vater wohne mit einer
anderen
Frau und zwei minderjährigen Kindern, wobei heute ein positiver Kontakt zu ihm bestehe. Die Beschwerdeführerin bewerbe sich seit November 2018 auf verschiedene Stellen, habe aber keinen Erfolg. Ihr Lebenslauf weise grosse Lücken auf und ihr Schulabschluss liege vier Jahre zurück.
Aufgrund des Aufmerksamkeitsdefizits
schaffe
sie
es nicht alleine zu lernen, um Vergessenes aufzufrischen. Ihre Bemühungen würden ins Leere laufen, weil sie ohne professionelle Unterstützung in ihrer momentanen Situation und psychischen Verfassung keine Lehrstelle und auch kein Praktikum finde (S. 2). Als Symptome nannte
Psychologin
B._
diffuse Ängste wie alleine unterwegs
zu
sein
oder
alleine
zu
wohnen,
die
Angst vor Krankheiten,
Sorgen und
Ängste
keine Stelle zu
finden und ein Leben lang ohne Geld zu sein. Zudem zeige sie eine psychische Instabilität und eine durch
die
ADHS bedingte Reifeverzögerung.
Auf
grund von Gesprächen, Tests und Fragebogen seien die Diagnosen gerechtfertigt. Zur Prognose führte sie aus, diese sei positiv, wenn die Beschwerdeführerin eine Unterstützung erhalte, mit der sie allmählich in eine geregelte Berufstätigkeit ein
steigen könne. Grundsätzlich habe sie sehr viel guten Willen dies auch selbst zu tun. Leider würden diese Anstrengungen bisher aber scheitern, weil die Beschwerdeführerin ohne Hilfe den Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes nicht zu genügen vermöge
(S. 2).
Die Beschwerdeführerin sei sehr stark von ihrer Umgebung abhängig, das heisst mit den Menschen, mit denen sie bei der Arbeit zu tun habe. Sie brauche eine enge Begleitung und Rückmeldungen, weil sie mit dem Realitätsbezug, der Selbsteinschätzung, der Eigenständigkeit und der psychischen Stabilität Mühe habe.
Wenn sie keine Begleitung habe, gerate sie rasch in Überforderungssituationen
(S. 3)
.
Das Ausmass der Leistungsfähigkeit hänge sehr davon ab, ob die Beschwerdeführerin in einer Tätigkeit verständnisvoll begleitet werden könne, damit sie
an innerer und äusserer Sicherheit gewinne.
In der jetzigen Lage habe sie
ohne Unterstützung keine Chance
eine Beschäftigung und schon gar nicht
eine Lehrstelle im ersten Arbeitsmarkt zu erhalten, weil sie den Anforderungen physisch und psychisch nicht genügen könne. Vor allem auch infolge des psychischen Reiferückstandes - durch das AHDS bestimmt und zum Teil auch durch Teilleistungsschwächen - sei sie in ihrer geistigen und auch psychischen Entwicklung in mancher Hinsicht weit hinter Gleichaltrigen zurück. Die Beschwerdeführerin sei darum bemüht, dies bewusst nachzuholen. Ohne praktische Übungsmöglichkeiten mit konkreten Rückmeldungen sei dies aber sehr schwierig, wenn nicht unmöglich
(S. 3). Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei ihr momentan im Umfang von 4-5 Stunden pro Tag (nachmittags) in einem geschützten Betrieb im Sinne ei
nes Arbeitstrainings möglich. Die
Stundenzahl könne nach Möglichkeit gesteigert werden (S.
4
).
4.3
Nach Verfügungserlass reichte die Beschwerdeführerin einen weiteren Bericht von
Psychologin
B._
vom 2
4.
Juni 2020 (
Urk.
3/5) ein. Darin führte diese aus, es sei zu Missverständnisse
n
aufgrund ihrer Arztberichte gekommen.
Die Beschwerdeführerin sei im ersten Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig
(S. 1)
.
Im zweiten Arbeitsmarkt könne sie zu 100
%
arbeiten. Ein geschützter Rahmen und gute Betreuung seien für das Gelingen einer Ausbildung unabdingbar. Sie sei bis heute sehr darauf angewiesen, dass man sie akzeptiere und unterstütze, nur dann könne sie ihr Potential entwickeln. Sobald sie sich in Frage gestellt fühle, kriege sie Angst
,
ziehe sich zurück
und sei
überfordert. Nur in einem geschützten Rahmen könne sie den immer noch vorhandenen Entwicklungsrückstand aufholen und selbstständig werden
(S. 2).
5.
5.1
Aufgrund de
r
im Neuanmeldungsverfahren au
fgelegten medizinischen Berichte
bestehen gewisse Anhaltspunkte, dass sich
die tatsächlichen Verhältnisse, insbesondere
der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der letztmaligen
Leistungsabweisung
vom
8.
Januar 2019 (E. 2.3)
relevant
verändert haben könnten.
5.2
Hinsichtlich des Einwands der Beschwerdeführerin, die Verfügung vom
8.
Januar 2019 sei zweifellos unrichtig und müss
t
e in Wiedererwägung gezogen werden,
ist
vorerst anzumerken, dass kein geri
chtlich durchsetzbarer Anspruch
auf Wieder
erwägung besteht (BGE 133 V 50 E.
4.1.3). Sodann ist anzumerken,
dass die Beschwerdegegnerin zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen auf den
B
ericht von
Psychologin
B._
vom 15. September 2018
(vgl. E. 3.
3
hiervor)
abstellte
.
Darin gab
die behandelnde Psychologin an, die Beschwerde
führerin könne
bezogen auf die bisherige Tätigkeit
ein Arbeitspensum vo
n
100
%
bewältigen. Eine Begleitung
in leidensangepasster Tätigkeit
bezeichnete sie dabei
lediglich
als wünschenswert. Anderweitige Ausführungen in Bezug auf den ersten oder zweiten Arbeitsmarkt sowie allfällige
Beschränkungen
der attestierten 100%igen Arbeitsfähigkeit können dem Bericht nicht entnommen werden.
5.3
Die IV-Stelle stützte die
aktuelle
angefochtene Verfügung
vom
2.
Juni 2020 (
Urk.
2)
im Wesentlichen
auf den Bericht
der Psychologin
B._
vom
7.
Januar 2020 (vgl. E. 4.2 hiervor) sowie eine IFB-Besp
rechung vom 1
1.
März 2020 (Urk.
8/148/3).
Anlässlich dieser Besprechung
hielten die teilnehmenden Personen fest, aus medizinischer Sicht hätten sich keine neuen Erkenntnisse ergeben. Es sei weiterhin keine Tagesstruktur ersichtlich und die genannten Diagnosen seien nicht belegt und behandelbar. Bezüglich Zöliakie würden keine Befunde vorliegen. Eine
ausführliche, fachärztlich psychiatrische
RAD-Stellungnahme oder weitere Abklärungen haben
im Rahmen der Neuanmeldung
jedoch
nicht stattgefunden. Der nicht näher kommentierte Hinweis, die Diagno
sen seien nicht belegt und zudem behandelbar, vermag eine
weiterhin
bestehende
vollständige Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar zu begründen und lässt die aktuell
möglicherweise
bestehenden gesundheitlichen Problematiken ausser Acht. Überdies ist
aus der äusserst knappen Besprechungsnotiz
nicht ersichtlich, auf welche konkreten Diagnosen sich diese undifferenzierte Einschätzung bezieht
und inwiefern etwaige funktionelle Auswirkungen der Diagnosen berücksichtigt wurden
.
Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem eingereichten
B
ericht und der darin beschriebenen Verschlechterung d
es Gesundheitszustands hat
nicht stattgefunden.
Die Beschwerdeführerin beruft sich in psychiatrischer Hinsicht
einzig
auf
die
Bericht
e
ihrer behandelnden Psychotherapeutin
B._
vom 7.
Januar 2020
(vgl. E. 4.2 hiervor) und 2
4.
Juni 2020 (vgl. E. 4.3 hiervor)
. Darin
diagnostizierte
diese unter anderem eine hyperkinetische Störung sowie eine generalisierte Angststörung und attestierte
der Beschwerdeführerin
eine ca. 50%ige Arbeitsunfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit.
Insbe
sondere legte sie die Entwicklung der Beschwerdeführerin dar und beschrieb die
sich negativ auswirkenden Faktoren.
Diesbezüglich ist jedoch anzumerken, dass
lic. phil.
B._
nicht über eine fach
ärztliche Qualifikation verfügt und
ihre Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus versicherungsmedizinischer Sicht grundsätzlich nicht verwertbar
ist
(vgl. dazu Urteile 8C_584/2018 vom 13. November 2018 E. 4.1.1.2
und BGE 140 V 193 E.
3.2
).
Es ist allerdings
zu berücksichtigen, dass die
Dres
.
m
ed.
E._
und
F._
den Bericht mitunter
zeichnet und somit die medizinisch-inhaltliche Richtigkeit des Berichts bestätigt
haben
.
Bei den genannten Ärzten handelt es sich jedoch ebenfalls nicht um Fach
ärzte für Psychiatrie und Psychotherapie. Die Frage, ob dies etwas an der Ve
rwertbarkeit des Berichts ändert
, kann indessen offengelassen werden. Selbst wenn
die
Bericht
e
für die Einschätzung der Leistungsfähigkeit berücksichtigt werden könnte
n
, würde dies am Ergebnis nicht ändern. Es ist insbesondere der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass Hausärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu G
unsten ihrer Patienten aussagen
. Dies gilt grundsätzlich nicht nur für Hausärzte (vgl. BGE 135
V 465 E. 4.5 S. 470; 125 V 351 E. 3a/cc S. 353), sondern auch für spezialärztlich behandelnde
Medizinalpersonen
s
owie behandelnde Therapiekräfte
, wie dies bei der behandelnden Psychologin
B._
der Fall ist (vgl. Urteil 8C_69
5/2019 vom 18. Dezember 2019 E.
4.3
mit Hinweisen
).
Nach dem Gesagten ist eine Verschlechterung
des Gesundheitszustands
zwar nicht auszuschliessen,
jedoch mit Blick auf die eingeholten Berichte der behandelnden Psychologin auch nicht erwiesen. Insbesondere stehen verschiedene Diagnosen mit möglicher Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit im Raum, ohne dass diese entsprechend fachärztlich gestellt bzw. die Arbeitsfähig
keit fac
härztlich beurteilt worden wäre
n
. Damit kann für eine abschliessende Beurteilung de
r Leistungsansprüche
nicht auf die vorliegenden
Unterlagen abge
stellt werden; vielmehr wäre die Verwaltung - nachdem sie auf das Gesuch ein
getreten war - bei der gegebenen Aktenlage verpflichtet gewesen, den Sachver
halt in Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes umfassend abzuklären.
5.4
Für eine
rechtsgenügliche
Einschätzung des verbleibenden Leistungsvermögens erscheinen damit weitere Abklärungen
des Gesundheitszustandes
unumgänglich
.
Die
zuständigen
Fachpersonen werden sich dabei in Auseinandersetzung auch mit den Vorakten nicht nur zur
Eingliederungsfähigkeit und zur
Arbeitsfähigkeit und deren Verlauf seit der letzten leistungsverneinenden Verfügung zu äussern sondern – für den Fall, dass eine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auch fachärztlich gestellt werden sollte - auch zu den seit BGE 143 V 418 für alle psychischen Erkrankungen massgebenden Standardindikatoren Stellung zu neh
men haben, damit die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in Einklang mit der gel
tenden Rechtslage vorgenommen werden könnte (vgl. zum strukturierten Beweis
verfahren vgl. BGE 143 V 418 und BGE 141 V 281).
In Bezug auf den Anspruch auf erstmalige berufliche Ausbildung wird dabei zu prüfen sein, ob die Beschwerdeführerin wegen allfälliger
bestanderer oder bestehender
psychischer Leiden bei Absolvierung eines geeigneten Ausbildungsganges beeinträchtigt ist (vgl. E. 1.3.2). In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen und
die Sache ist für weitere Abklärungen und
zu neuem Entscheid über den Anspruch auf berufliche Massnahmen und gegebenenfalls eine Rente an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- festzulegen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Bei diesem Verfahrensausgang
erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung als gegenstandslos.