Decision ID: 788466e2-e2f2-42bf-b58d-335429188565
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1963,
ist deutscher Staatsangehöriger und
lebt seit länge
rem
in der Schweiz. Z
unächst
liess er sich
im Kan
ton Bern
nieder
. Mit Verfü
gung
vom 10.
April 2006 befreite das Amt für Sozialversicherung und
Stif
tungs
auf
sicht
des Kantons Bern
X._
von der Versicherungspflicht ge
mäss
dem
Bun
desgesetz über die Krankenversicherung (KVG;
Urk.
6/7/
9; vgl. auch
Urk.
6/7/11 f.).
Im Jahr 2012
zog
X._
in
die
Stadt Y._
. Die
Städtischen Ge
sund
heits
dienste
machte
n
ihn mit Schreiben vom 2
4.
April 2012 auf die Ver
siche
rungspflicht nach KVG aufmerksam und ersuchte
n
ihn
um Mitteilung
, wel
cher
schweizerischen Krankenkasse er beigetreten sei,
respektive
um
die
Stel
lung eines
Gesuches zur Befreiung von der Versicherungspflicht (Urk. 6/7/2).
Nach zwei
wei
teren gleichlautenden Aufforderungen (Urk. 6/7/3-4) erliessen die Städti
schen
Gesundheitsdienste am 1
8.
Juli 2012 eine Verfügung, mit welcher sie
X._
der
Assura
Kranken- &
Unfallversicherung
(nachfolgend:
As
sura
)
zuwies
en
(Urk. 6/1). Gegen diese Verfügung erhob
X._
am 1
7.
August 2012 Ein
sprache (Urk. 6/3/1).
Bereits z
uvor, am 2
7.
Juli 2012, hatte
X._
ein Gesuch um Befreiung
von der Versicherungspflicht gestellt
(Urk. 6/2/1-2).
Am
6.
August 2012 teilten die Städtischen Gesundheitsdienste
X._
mit, da er das
Befreiungsge
such
erst nach Erlass der Verfügung vom 1
8.
Juli 2012 gestellt habe, bleibe es bis
zum Entscheid der Gesundheitsdirekti
on des Kantons Zürich über das
Be
freiungs
g
esuch
bei der verfügten Zuweisung (Urk. 6/2/2).
Mit Verfügung vom 3
0.
November 2012
wies
die Gesundheitsdirektion des Kantons
Zürich
das Gesuch um Befreiung von der Versicherungspflicht ab
(Urk. 6/11/2). Dagegen erhob
X._
am
2
8.
Dezember 2012
Einsprache
(Urk. 6/11/1)
. Diese wies die Gesundheitsdirektion mi
t Einspracheentscheid vom 1
9.
November 2013
ab (Urk. 2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom
1
9.
November 2013 erhob
X._
am
6.
Ja
nuar 2014 Beschwerde mit dem R
echtsbegehren, es sei die Verfügung der
Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich vom 3
0.
November 2013 aufzuheben und er sei von der Krankenversicherungspflicht in der Schweiz zu befreien (Urk. 1)
.
In der Beschwerdeantwort vom
3.
Februar 2014 beantragte die
Ge
sund
heitsdirektion
des Kantons Zürich die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5). Mit
Eingabe vom 2
8.
Februar 2014 äusserte sich der Beschwerdeführer erneut zur Sache
(Urk. 8). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 2
0.
März 2014 auf eine weitere Stellungnahme (Urk. 10).
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Der Beschwerdeführer
ist deutsche
r
Staatsangehörige
r und lebt
seit
etlichen Jahren
in der Schweiz. Es liegt somit
ein Sachverhalt vor, der
in persönlicher Hin
sicht
vom Personenfreizügigkeitsabkommen (Abkommen vom 2
1.
Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäi
schen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügig
keit [FZA]) erfasst ist.
Anhang II des FZA erklärt ausserdem die
Verord
nung (E
G)
Nr. 883/2004 vom 2
9.
April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozi
alen Sicherheit (VO 883/2004) und die
Verordnung (EG) Nr. 987/2009
vom 1
6.
Septem
ber 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durchführung der VO 883/2004
(
VO 987/2009
) als anwendbar.
In sachlicher Hinsicht s
ind das FZA und die VO 883/2004 ebenfalls anwendbar, da Leistungen bei Krankheit im Sinne von
Art.
3 Abs. 1
li
t
. a der Verordnung
zur Diskussion stehen.
Damit ist nach den Regeln in
Art.
11 ff. VO 883/2004 das anwendbare Landes
recht festzulegen. Nach dem Grundsatz in
Art.
11 Abs. 1 VO 883/2004 unterlie
gen Personen, für welche die Verordnung gilt, den Rechtsvorschriften nur eines Mitgliedstaats. Nach
Art.
11 Abs. 3
lit
. a VO 883/2004 sind dies für Personen, die in einem Mitgliedstaat eine Beschäftigung oder eine selbständige Erwerbs
tätigkeit ausüben, die Rechtsvorschriften dieses Mitgliedstaates
.
Der Beschwerdeführer übt in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit aus, weswegen
er im Sinne der genannten Bestimmungen, weswegen die schweizerischen Rechts
vorschriften zur Anwendung gelangen.
2.
2.1
Art. 3 Abs. 1
KVG
schreibt vor, dass sich jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz innert drei Monaten nach der
Wohnsitznahme
oder der Geburt in der Schweiz für Krankenpflege versichern oder von ihrem gesetzlichen Vertreter be
ziehungsweise ihrer gesetzlichen Vertreterin versichern lassen muss. Der Wohn
sitz bestimmt sich nach Art. 23-26 des Zivilgesetzbuches (ZGB; Art. 13 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
[ATSG] und Art. 3 Abs. 1 KVG).
Gestützt auf die Ermächtigung in Art. 3 Abs. 2 KVG hat der Bundesrat in Art. 2 Abs. 2-8 der Verordnung über die Kran
ken
ver
sicherung (KVV) für verschiedene Personenkategorien die Möglichkeit ge
schaffen,
auf Gesuch hin vom
Versiche
rungsobligatorium
befreit zu werden.
2.2
Unter den Parteien ist nicht strittig, dass der Beschwerdeführer mit seinem Zu
zug in die Schweiz hier Wohnsitz im Sinne von
Art.
23 Abs. 1 ZGB begründete. Deshalb ist seine grundsätzliche Versicherungspflicht nach
Art.
3 Abs. 1 KVG nicht in Frage gestellt. Zur Diskussion steht nur die Befreiung davon in Anwen
dung der Regelung in
Art.
2 Abs. 8 KVV.
Die Beschwerdegegnerin gelangte dies
bezüglich zum Schluss,
aus den Angaben über die ausländische Versiche
rung des Beschwerdeführers ergebe sich, dass kein Versicherungsschutz in Be
zug auf Massnahmen der medizinischen Rehabilitation bestehe. Die für
Pflege
leistungen
vergüteten Beträge seien geringer als diejenigen der Versicherungen nach KVG. Durch die genannten Beschränkungen entstünden dem Beschwer
deführer deut
liche
Versicherungslü
cken.
Hinzu komme, dass er bei seiner Versi
cherung nicht in den Genuss eines Tarifschutzes komme. Die Risikodeckung sei mit anderen Worten nicht gleichwertig. Daran ändere nichts, dass die beste
hende
Versi
che
rungsdeckung
in gewissen Bereichen (Ansparung von
Alterska
pital
sowie Zahn
behandlungen) über diejenige der Grundversicherung nach KVG hinausgehe. Ob und zu welchen Konditionen der Beschwerdeführer hier
zulande eine Zusatzver
sicherung abschliessen könne
, müsse
nicht beantwortet werden,
da es bereits an der Voraussetzung des über die Leistungen des KVG hinaus gehenden Versiche
rungsschutzes mang
le
(Urk. 2 S. 4 f.
lit
. d).
2.3
Der Beschwerdeführer macht geltend,
die Zuweisung zur
Assura
sei ohne vorhe
rige Anhörung erfolgt, was eine unzulässige Verletzung des rechtlichen Gehörs darstelle (Urk. 1 S. 3
Ziff.
2).
Seit der Befreiung von der Versicherungspflicht
durch die zuständige Behörde im Kanton Bern hätten sich die Verhält
nisse bei ihm
nicht verändert. E
s sei nicht nachvollziehbar, weswegen die Voraussetzun
gen
für eine Befreiung im Kanton Zürich nun anders beurteilt würden (Urk. 1 S. 4
Ziff.
3)
.
Seine deutsche Versicherung biete ihm einen vollwertigen Schutz. Die Verweigerung der Befreiung von der Versicherungspflicht hätte zur Folge, dass er den bestehenden vollwertigen Ver
sicherungsschutz gegen eine im V
ergleich
dazu minderwertige schweizerische Grundversicherung eintauschen müsste. Auf
grund seines Alters und seiner bestehenden gesundheitlichen Beschwerden könnte
er in der Schweiz keine Zusatzversicherung mehr abschliessen (Urk
. 1 S. 4
Ziff.
3 und S. 7 Ziff.
10).
3.
3.1
Gestützt auf
Art.
3
Abs.
2 KVG in Verbindung mit
Art.
2
Abs.
8 KVV sind
Per
sonen
a
uf Gesuch hin von der Versicherungspflicht ausgenommen, für welche eine Unterstellung unter die schweizerische Versicherung eine klare Ver
schlech
terung des bisherigen Versicherungsschutzes oder der bisherigen
Kos
tendeckung
zur Folge hätte und die sich auf Grund ihres Alters und/oder ihres Gesund
heitszustandes nicht oder nur zu kaum tragbaren Bedingungen im bis
herigen Umfang zusatzversichern könnten. Dem Gesuch ist eine schriftliche Be
stätigung der zuständigen ausländischen Stelle mit allen erforderlichen Anga
ben beizu
legen. Die betreffende Person kann die Befreiung oder einen Verzicht auf die Befreiung ohne besonderen Grund nicht widerrufen.
3.2
Art.
2
Abs.
8 KVV schützt nicht allgemein Personen, für die der Wechsel zum schweizerischen System einen teureren und/oder weniger guten Versicherungs
schutz bedeutet, die sich aber immerhin - wenn auch möglicherweise nicht im bisherigen Umfang, aber doch insoweit im bisherigen Umfang, als diesen Um
fang garantierende Versicherungen in der Schweiz überhaupt angeboten werden
- über das gesetzliche Minimum (obligatorische Krankenpflegeversicherung) hin
aus zusatzversichern können (privatrechtliche Versicherung nach dem Bun
des
gesetz über den Versi
cherungsvertrag [
VVG
];
vgl.
Art.
12
Abs.
2 und 3 KVG). Sie kann nur von denjenigen Personen mit Erfolg angerufen werden, die sich - im Rahmen des in der Schweiz nutzbaren Versicherungsangebots - nur deshalb nicht oder nur zu kaum tragbaren Bedingungen im bisherigen Umfang zusatz
versichern können, weil sie wegen ihres Alters und/oder ihres Gesundheitszu
standes entsprechende Zusatzversicherungen entweder überhaupt nicht oder nur zu kaum tragbaren Bedingungen abschliessen können.
Art.
2
Abs.
8 KVV soll mit anderen Worten nicht den Nachteil verhindern, den eine Person dadurch er
leidet, dass das schweizerische System den Versicherungsschutz, den sie bis
her unter dem ausländischen System genoss, überhaupt nicht oder nicht zu gleich günstigen Bedingungen vorsieht. Er soll vielmehr den Nachteil vermei
den, der daraus resultiert, dass eine Person bis zum Erreichen ihres bisherigen auslän
di
schen Versicherungsniveaus von in der Schweiz tatsächlich vorhande
nen Ange
boten wegen ihres Alters und/oder Gesundheitszustandes nicht oder nur zu kaum
tragbaren Bedingungen Gebrauch machen kann (BGE 132 V 310 E. 8.5.6).
4.
4.1
Zur Frage
,
ob eine schweizerische Krankenv
ersicherung gegenüber der beste
hen
den
deutschen
eine
klare Verschlechterung bewirke
, hielt die
Beschwerde
geg
nerin
im Einspracheentscheid fest, aus den vom
deutschen
Versicherer (LVM
Krankenversicherungs-AG
; nachfolgend LVM) eingereichten Unterlagen (
For
mu
lar H,
ergänzendes Schreiben vom
6.
November 2012
und
ein Auszug aus den
All
gemeine
n
Versicherungsbedingungen [AVB]
betreffend Änderungen per
1.
Janu
ar 2013
;
Urk
- 6/11/6-7)
gehe hervor, dass in Bezug auf ärztlich durch
geführte oder angeordnete Rehabilitation
en
kein Versicherungsschutz bestehe. Ferner sei aus den AVB ersichtlich, dass Leistungen
im Pflegefall je nach
Pfle
gestufe
auf einen bestimmten geringen Maximalbetrag pro Monat beschränkt seien. Die entsprechenden Beträge, die die Versicherung in der Schweiz gestützt auf
Art.
25a KVG zu erbringen habe, seien deutlich höher.
Hinzu komme, dass
die deutsche Versicherung auch keinen Tarifschutz biete.
Dadurch entstünden dem
Beschwerdeführer beachtliche Versicherungslücken. Von einem weit bes
se
ren Versicherungsschutz könne nicht gesprochen werden.
Nichts daran än
dere, dass die deutsche Versicherung in gewissen
Bereichen über die
Grundver
siche
rung
in der Schweiz hinausgehende Leistungen biete, beispielsweise Zahn
behand
lungen oder die Ansparung von Alterskapital (Urk. 2 S. 4
lit
. d).
4.2
Im Formular H, auf dem
der jeweilige Gesetzestext
der
Art.
25
bis 31
KVG
im Wortlaut
aufgeführt ist
,
bescheinigte die LVM
,
der Beschwerdeführer verfüge
über eine private Krankheitskosten- und Pflegeversicherung, die während des Auf
enthalts in der Schweiz die dort entstehenden Kosten für die Leistungen ge
m
äss
Art.
25 bis
Art.
31 KVG erstatte (Urk. 6/11/6 S.
1). Die Bestäti
gung enthält
ferner
den Hinweis
,
dass die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer und die Chefarztbehandlung abgedeckt seien,
und dass die Bestätigung
nur in Ver
bindung mit dem Schreiben vom
6.
November 2012
gelte
(Urk. 6/11/6 S. 2).
Im Schreiben vom 6. November 2012 vermerkte die LVM z
u den Leistungen gemäss
Art.
25
Abs.
2
lit
. a KVG (
ärztliche
Untersuchung und Behandlung am
bulant, stationär oder in einem Pflegeheim, Pfl
egeleistungen in einem Spital)
, der Versicherungsschutz in der Pflichtversicherung bestehe nach
§
21 des
Sozi
algesetzbuches
(SGB) XI für Personen mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Auf
enthalt im Inland. Ebenso bestehe eine Versicherungspflicht für Personen, die von
ihrem Arbeitgeber ins Ausland entsandt würden und weiterhin der deut
schen Sozialversicherung unterlägen. Der Versicherungsschutz erstrecke sich gemäss
§
1
Abs.
13 MB/PPV 96 auf Pflege in der Bundesrepublik Deutschland
. Darüber
hinaus könnten Pflegegeldleistungen
bei Aufenthalt in Ländern des E
uropäi
sche
n Wirtschaftsraumes
(EWR)
erbracht werden, sofern die
Pflegebe
dürftigkeit
durch
von der
LVM
beauftragte Unternehmen festgestellt respektive bestätigt werde (
Urk. 6/11/7 S. 1).
Aus diesen Angaben
der LVM im Schr
e
i
ben vom
6.
November 2012 ist zu schliessen, dass Pflegeleistungen im Rahmen einer stationären Spitalbehandlung (
Art.
25
Abs.
2
lit
. a KVG), die nicht
in
der Bundesrepublik Deutschland
und nicht
in einem Land des Europäischen Wirtschaftsraumes erbracht werden, nicht ohne Weiteres
versichert sind
, sondern
nur
,
sofern die Pflegebedürftigkeit zuvor von
der
LVM oder einem von ihr beauftragten Unternehmen festgestellt worden ist.
Anderes gilt
nur für vom Arbeitgeber entsandte Personen. Zu diesen zählt der Beschwerdeführer indessen nicht (vgl. Urk. 6/12/9).
Im Übrigen
aber
bestehen gemäss
Versicherungsschein vom 1
5.
November 2012 (gültig ab
1.
Januar 2013)
für ambulante und sta
tionäre
L
eistungen keine Be
schränkungen
die Leistungserbringung
in Deutschland und in der Schweiz
. Bei den ambulanten Leistungen werden die Kosten für die Heilbehandlung unter Abzug einer Selbstbeteiligung von 1‘050.-- Euro pro Kalenderjahr
übernommen
.
I
m stationären Bereich werden die Aufwendungen für Heilbehandlungen (Regel- und Wahlleistungen) erstattet, wobei
die
Unterbringung im Ein- oder Zwei
bett
zimmer
möglich ist
(
Urk.
6/11
/4 S. 1).
Nach KVG versichert ist der Spitalaufenthalt entsprechend dem Sta
ndard der allgemeinen Abteilung
.
Damit wird weder ein örtlich abgegrenzter Spitalbereich
noch
eine bestimmte Bettenzahl pro Zimmer vorgegeben, sondern der Begriff umschreibt den Umfang der Vergütungspflicht im Falle einer stationären Be
hand
lung und die Qualität der Behandlung und Pflege. Für welche Art der Un
ter
bringung im Einzelfall Kostenvergütung zu leisten ist, bestimmt sich nach
Art.
32 KVG, das heisst danach, was konkret als zweckmässig erscheint. Ist aus medizinischen Gründen der Aufenthalt in einem Ein- oder Zweibettzimmer er
forderlich, entspricht dies dem Standard der allgemeinen Abteilung (vgl.
Eugs
ter
,
Bundesgesetz über die Krankenversicherung [KVG], Zürich 2010, Art. 25
Rz
54). Die Behandlung in einem Ein- oder Zweibettzimmer ist somit auch im Rahmen der Grundversicherung nach KVG
möglich
.
Abgesehen von der
Kostenerstattung
für medizinische Leistungen in der Schweiz
,
für die der Beschwerdeführer
einen Prämienzuschlag zu entri
chten hat (vgl.
Urk.
6/11/4), ist über die
Kostenerstattung für im
übrigen
Ausland
(
das heisst ausserhalb Deutschlands und ausserhalb der Schweiz)
erbrachte Leistun
gen i
m Versicherungsschein
der LVM
nicht
s erwähnt.
Nach KVG sind
medizi
nisch not
wendige
Auslandbehandlungen
generell und ohne entsprechende
Prä
mienzu
schlä
ge
abgedeckt (
Art.
34
Abs.
2
KVG).
4.3
Im Zusammenhang mit den in
Art.
25a KVG vorgesehenen Leistungen (
Pflege
leistunge
n
ambulant oder im Pflegeheim)
führte
die LVM
im Schreiben vom
6.
November 2012 aus
,
Pflegeleistungen seien im Rahmen der AVB für die pri
va
te Pflegeversicherung erstat
tungsfähig (Urk. 6/11/7 S. 2).
Im ab
1.
Januar 2013 gültigen Versicherungsschein ist u
nter der Rubrik „
Pflege
pflicht
“ vermerkt „Tarif PVN/H, Erstattung gemäss AVB/PV bei
Pflegebedürf
t
igkeit
. Der Beitrag
wird aufgrund
§
8
Abs.
5 der AVB/PV auf dem jeweiligen
Höchstbetrag zur sozialen Pflegeversicherung (West) begrenzt“ (Urk. 6/11/4 S. 2).
Klar ist
damit
, dass der Beschwerdeführer
ab
2013 bei der LVM über einen grund
sätzlichen Anspruch auf die Vergütung von Pflegeleistungen verfügt
e
. 2006 war dies noch nicht der Fall. Damals hielt die LVM ausd
rücklich fest, es bestehe keine
Pflege
pflicht
versicherung (Urk. 6/12/8 S. 1).
Da
mit
Urk.
6/11/8 lediglich ein Auszug aus den AVB betreffend Änderungen
per
1.
Januar 2013 vor
liegt, die vollständige Ausgabe der einschlägigen AVB aber
fehlt, kann der im Ve
rsicherungsschein unter Hinweis
auf die AVB er
wähnte Anspruch bei Pflegeleistungen nicht quantifiziert werden. Ein direkter Vergleich mit
durch das
KVG
gewährleisteten
Vergütungen für Pflegeleistungen (vgl.
Art.
7a KLV) ist daher nicht möglich.
Der Beschwerdeführer
indessen hielt fest
, die bei der LVM versicherten Pflegelei
s
tungen entsprächen ungefähr denje
nigen nach KVG (
Urk.
1 S. 6 f.
Ziff.
8) und geht damit
auch selber
nicht davon aus, die Unterstellung unter die schweizerische Versicherungspflicht führe in diesem Punkt zu einer Verschlechterung.
4.4
Zur medizinischen Rehabilitation und zu den medizinischen Badekuren
ver
merkte die LVM
im Schreiben vom
6.
November 2012
,
solche
Leistungen seien nicht versichert (Urk. 6/11/7 S. 1 f.).
Dem war auch im Jahr 2006 bereits so (vgl.
Urk.
6).
Demgegenüber besteht in der schweizerische
n Grundversicherung gemäss Art.
25
Abs.
2
lit
. c KVG ein uneingeschränkter Kostenvergütungsanspruch bei der me
dizinische Rehabilitation und gemäss Art. 25
Abs.
2
lit
. d KVG haben die Ver
sicherten Anspruch auf Beiträge für Badekuren.
In diesen Punkten ergibt die Unterstellung unter die schweizerische Versiche
rung
eine
Besserstellung
für den Beschwerdeführer, auch wenn dieser behaup
tet, es sei nicht absehbar, dass er je auf Rehabilitationsmassnahmen angewiesen sei
(Urk. 1 S. 5
Ziff.
5). Diese Frage ist nicht auf Grund der aktuellen Gegeben
hei
ten,
sondern abstrakt zu beantworten.
Das Risiko, in Zukunft auf Massnah
men der Rehabilitation angewiesen zu sein, kann ebenso wenig ausgeschlossen werden wie das Risiko zu erkranken oder zu verunfallen.
4.5
Die Kosten für Zahnbehandlungen werden
von der deutschen Versiche
rung
gemäss
dem ab
1.
Januar 2013 gültigen
Versicherungsschein der LVM voll
stä
n
dig, diejenigen für Zahnersatz- sowie für Zahn- und
Kieferregulierun
gen
teil
weise erstattet (Urk. 6/11/4 S. 1).
Nach
dem
KVG besteht demgegenüber
nicht
generell Anspruch auf
eine
Kostenerstattung bei zahnärztlicher Behandlung
. Voraussetzung ist gemäss Art.
31 KVG, dass die zahnärztliche B
ehandlung we
gen einer schweren, nicht vermeidbaren Erkrankung des Kausystems, wegen oder
zur Behandlung einer schweren Allgemeinerkrankung oder ihrer Folgen nötig ist (
Art.
31
Abs.
1
lit
. a-c KVG).
Für weitergehende Leistungen bedarf es in der Schweiz einer entsprechenden Zusatzversicherung nach VVG. Bezüglich
Zahn
arzt
behandlung
führt
die Versicherung
bei der LVM zu
eine
r
Besserstellung im Vergleich zur Krankenpflegeversicherung nach KVG.
4.6
Die Gesamtbetrachtung ergibt,
dass der Versicherungsschutz bei der LVM
be
züglich
zahnärztliche
r
Behandlung
über denjenigen
der obligatorischen Grun
d
versicherung nach KVG
hinaus geht
(vgl. vorstehende E.
4.5).
Bei der ärztlichen Behandlung (ambulant oder im Spital) und den
Pflegeleistun
gen
(a
mbulant oder im Pflegeheim) ist
von einem
vergleichbaren
Versiche
rungs
schutz
auszugehen
. Allerdings deckt
die Grundversicherung nach
KVG medizi
nisch nötige Behandlungen im Ausland
in jedem Fall
ab, währendem der Ver
sicherungsschein der LVM dazu keine Angaben enthält, abgesehen von der explizit genannten Behandlung in der Schweiz
(vgl.
vorstehende E. 4.2-3)
.
In Bezug auf die Rehabilitationsbehandlung bringt die Unterstellung unter die schweizerische Versicherungspflicht eine klare Verbesserung. Leistungen dieser Art werden von der Versicherung bei der LVM nicht
vergütet
(vgl. vorstehende E. 4.4).
Vorteile und Nachteile halten sich aus objektiver Sicht ungefähr die Waage.
Von einer klaren Schlechterstellung im Falle der Unterstellung unter die schwei
zerische Versicherungspflicht kann insgesamt nicht gesprochen werden.
Liegt keine klare Schlechterstellung vor, unterbleibt die Härtefallprüfung im
Hinblick
auf den
Abschluss allfälliger Zusatzversicherungen. Die
Beschwerde
gegnerin
hat den Befreiungsgrund gemäss
Art.
2
Abs.
8 KVV zu R
echt verneint. Weitere
Be
freiungsgründe
wurden weder angerufen noch sind solche ersichtlich.
Die Befreiung von der Versicherungspflicht durch den Kanton Bern im Jahr 2006
(vgl.
Urk.
6/11/9) stand einer erneuten Beurteilung nach erfolgtem Umzug in den Kanton Zürich im Übrigen nicht entgegen. Die Einhaltung der Versiche
rungs
pflicht obliegt den Kantonen (
Art.
6
Abs.
1 KVG). Diese regeln auch das Verfahren. Das kantonalzürcherische Einführungsgesetz zum Krankenversiche
rungsgesetz (EG KVG) betraut mit der Kontrolle des Kassenbeitritts respektive
der Zuweisung zu einer Kasse die Gemeinden (
§
5 EG KVG) und für die Prüfung von Befreiungsgründen ist die Direktion zuständig (§ 6 EG KVG). Im Rahmen des jeweiligen Zuständigkeitsbereichs hat die zuständige Behörde zur Gewähr
leistung der Durchführung der Krankenversicherungspflicht somit tätig zu wer
den. Dies gilt umso mehr, als seit dem Entscheid des Kantons Bern bereits etli
che Jahre vergangen waren.
5.
Vorliegend
nicht massgebend
ist, welche weite
rgehende
n
Leistungen (
über die Behandlun
g und die Pflege bei Krankheit
und gegebenenfalls
bei Unfall hinaus
gehende Leistungen
)
der Beschwerdeführer bei der LVM versichert hat.
Im Ver
sicherungsschein erwähnt sind
zusätzlich
eine Krankentaggeldversicherung
,
eine Krankenhaustaggeldversicherung
und eine Vorsorgeversicherung (Urk. 6/11/4
S. 2; vgl. auch
Urk.
1 S. 4
Ziff.
4).
Kranken
- oder auch Spital
taggelder können im Rahmen der freiwilligen
Tag
geldversicherung
(
Art.
67 ff. KVG
)
oder über eine dem VVG unterstehende se
pa
rate Versicherung
abgedeckt
werden. Ob der Beschwerdeführer aufgrund sei
nes Alters (bei Erlass des angefochtenen
Einspracheentscheid
s
war er 50 Jahre alt) oder aufgrund seines Gesundheitszustandes nicht oder nur zu kaum trag
baren Bedingungen
Zusatzversicherungen
hätte
abschliessen
können
(Härtefall),
muss
vorliegend, da es an einer klaren Verschlechterung des bisherigen Versi
che
rungs
schutzes mangelt, nicht näher geprüft werden (vgl. vorstehende E. 4.6).
Versicherungen mit Vorsorgecharakter
gehören nicht mehr zum Bereich der sozialen Krankenversicherung und
den
damit zusammenhängenden
Zusatzver
sicherungen
.
Die Vorsorgeversicherung
bei der
LVM ist demnach bei
der
Beur
teilung der Frage der Verschlechterung im Sinne von
Art.
2
Abs.
7 IVV nicht zu berücksichtigen.
Vorliegend zu beachten ist
aber
,
dass der Beschwerdeführer be
reits einmal bei einer schweizerischen Krankenkasse versichert
war
(
Urk.
6/12/9 S. 1) und damals
das Versicherungsverhältnis mit
der LVM, das seit 1994 be
steht
,
als Anwartschaftsversicherung ohne aktiven Versicherungsschutz geführt wurde (
Urk.
6/12/7).
Mit einer klaren Schlechterstellung muss somit selbst in diesem Punkt nicht
gerechnet werden.
6.
Nebst den Einwänden zur Sache rügt der Beschwerdeführer auch eine Verlet
zung des rechtlichen Gehörs durch die Verwaltung, weil diese ihn vor der Zu
weisu
ng zur
Assura
nicht angehört habe (Urk. 1 S. 3
Ziff.
2).
Aktenkundig sind drei
schriftlich
e
Kontaktnahmen
(Urk. 6/7/2-4)
. Das dritte
Schreiben
enthält den expliziten Hinweis
, dass ohne Gegenbericht die Zuweisung zur
Assura
Kranken-
& Unfallversicherung erfolgen werde (Urk. 6/7/4). Die Zustellung der erwähnten Schreiben bestreitet der Beschwerdeführer
indessen
(vgl.
Urk.
8 S. 1 f.).
Grund
sätzlich gilt, dass
im Falle der behördlichen Zuweisung im Sinne von
Art.
6
Abs.
2 KVG kein besonderes Verfahren zur Anhörung vorgesehen
ist
. Das Mahn-
und
Bedenkzeitverfahren
im Sinne von
Art.
43
Abs.
3 ATSG betrifft den Fall, dass versicherte Personen, die Leistungen beanspruchen, ihrer Auskunfts- oder Mitwirkungspflicht in unentschuldbarer Weise nicht nachkommen.
Auf die Beanstandung des Beschwerdeführers ist indessen
aus formellen Grün
den
nicht weiter einzugehen. Zuweisende Behörde war nicht die
Beschwerde
gegnerin
, sondern
waren
die Städtischen Gesundheitsdienste
von
Y._
mit Ver
fü
gung vom 1
8.
Juli 2012 (Urk. 6/7/5).
Gegen diese erhob der Beschwerde
führer am 1
7.
August 2012 Einsprache (Urk. 6/3/1).
Das
Einspracheverfahren
ist
nach wie vor pendent. Über diese Einsprache
kann erst
entschieden
werden, wenn
vorfrageweise rechtskräftig über
die
Befreiung von der Versicherungs
pflicht ent
schieden ist
.
Die
Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs ist nach dem Gesag
ten
nicht
begründet
.
Diese ist daher
, wie bereits erkannt wurde,
abzuweisen.