Decision ID: 1c435c89-ffee-5256-944b-c64b056443f7
Year: 2017
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. A.1
Nachdem der am XX.XX.1959 geborenen und seit dem 6. April 2010 in der Passagierkon-
trolle am Flughafen in Kloten tätigen A_ am 27. Mai 2013 eine Totalendoprothese (TEP)
der rechten Hüfte eingesetzt worden war (BB-act. M23, Ziff. 4.1), brach sich die Versicherte
gemäss Unfallmeldung der Kantonspolizei Zürich vom 3. Juli 2013 (BB-act. A1) am 30. Juni
2013 zu Hause bei einem Sturz im Schlafzimmer den rechten Oberschenkel, wobei sie we-
gen der Hüft-Operation schon seit dem 30. April 2013 krankgeschrieben war. Gemäss Be-
richt des Spitals Bülach vom 4. Juli 2013 (BB-act. M3) erfolgten am Vortag eine offene
Reposition, eine Cerclage und eine Plattenosteosynthese an der rechten Hüfte (vgl. auch
den Austrittsbericht vom 15. Juli 2013 [BB-act. M4] über den stationären Aufenthalt vom 1.
bis 16. Juli 2013, den Bericht vom 26. Juli 2013 [BB-act. M5] über die Metallentfernung am
rechten Femur und Einsetzung einer Langschaftprothese, den Bericht der Zürcher Höhen-
klinik Davos vom 6. August 2013 [BB-act. M8] über eine stationäre Rehabilitation vom 16.
bis 21. Juli 2013 und den Bericht des Spitals Bülach vom 12. August 2013 [BB-act. M9]
über einen Aufenthalt vom 22. Juli bis 13. August 2013).
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A.2
Gemäss Gutachten von Orthopäde FMH und Vertrauensarzt der Pensionskasse des
Staatspersonals des Kantons Zürich BVK Dr. C_, Zug, vom 23. April 2014 (BB-act. M23)
sei die Versicherte in der bisherigen Tätigkeit am Flughafen zu 100% arbeitsunfähig.
A.3
Chirurge FMH Dr. D_ vom Schadendienst der B_ AG meinte mit Stellungnahme vom
28. Mai 2014 (BB-act. M25), unfallbedingt bestünden noch muskuläre Probleme am rechten
Bein mit einer Verhärtung und Verkürzung der Oberschenkelmuskeln sowie eine Bewe-
gungseinschränkung von Hüft- und Kniegelenk rechts. Wegen ausgedehnten Vernarbun-
gen am Oberschenkel sowie in und um das Kniegelenk rechts seien die Schmerzen gut
nachvollziehbar. Allerdings bestünden diese gemäss Dr. C_ überwiegend in der linken
Leiste wegen einer dortigen Coxarthrose, seien also wie die geplante Operation nicht un-
fallbedingt. Die Einnahme von Opiaten (MST und Tramal) während bald einem Jahr sei
problematisch.
A.4
Gemäss Bericht des Spitals Bülach vom 19. Juni 2014 (BB-act. M26/1) wurde eine TEP an
der linken Hüfte eingesetzt. Mit Verlaufsbericht vom 9. Juli 2014 (BB-act. M27) meinte All-
gemeinmedizinerin FMH Dr. E_, Oberweningen, unfallbedingt betrage die Arbeitsunfä-
higkeit in der bisherigen Tätigkeit bis Ende Juni 100% und danach nur noch 50%. Nach der
Implantation einer TEP an der linken Hüfte bestehe derzeit aber krankheitsbedingt eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit. Mit Verlaufsbericht vom 30. Juli 2014 (BB-act. M28) be-
zeichnete Physiotherapeut F_, Dielsdorf, den Schmerzverlauf in der rechten Leiste ohne
erklärbare Ursache als schwankend.
A.5
Nachdem Dr. D_ die Implantation einer TEP an der linken Hüfte mit Stellungnahme vom
10. September 2014 (BB-act. M29) als arthrosebedingt bezeichnet hatte, meinte Dr. E_
mit Verlaufsbericht vom 7. Oktober 2014 (BB-act. M31), dass das Gehen an Stöcken und
die Mehrbelastung des rechten Beines wahrscheinlich Mitursache der Beschwerden an der
linken Hüfte seien (s. auch die Verlaufsberichte dieser Ärztin vom 12. Dezember 2014 [BB-
act. M32] und vom 29. April 2015 [BB-act. M33]). Dem hielt Dr. D_ mit Stellungnahme
vom 20. Mai 2015 (BB-act. M34) entgegen, die Verlaufsberichte von Dr. E_ seien teilwei-
se widersprüchlich. Nach zwei sehr grossen Eingriffen an der rechten Hüfte innert eines
Monats müsse mit einer Nachbehandlung mittels Physiotherapie und Schmerzmedikation
von zwei Jahren gerechnet werden, bei einem wellenförmigem Verlauf mit
einem Trend nach oben. Vorliegend wirke sich das Übergewicht der Patientin erschwerend
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aus. Auch wenn eine deutliche Besserung noch als möglich erscheine, sei die bisherige Tä-
tigkeit wohl nicht mehr zumutbar. Betreffend die glutealen, in beide Oberschenkel ausstrah-
lenden Schmerzen sei eine Abklärung der Wirbelsäule angezeigt. In einer vor allem sitzen-
den Tätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit mit Pausen 75%.
A.6
Gemäss Gutachten von Orthopäde Dr. G_ vom Medizinischen Zentrum Römerhof vom
21. Mai 2015 (BB-act. M35/1) zuhanden der BVK habe Orthopäde Dr. H_ am 15. Mai
2013 die Diagnose einer Coxarthrose rechts mit Indikation für eine TEP gestellt. Die Ar-
beitsfähigkeit werde u.a. durch eine retropatellare und mediale Gonarthrose links beein-
flusst und betrage in der bisherigen Tätigkeit Null, in einer rein sitzenden dagegen 100%.
Die Physiotherapie sei fortzuführen und eine Gewichtsreduktion anzustreben. Die bisherige
Menge an Schmerzmitteln sei nicht unbedingt notwendig. In der Folge teilte die BVK der
Versicherten mit Schreiben vom 27. Mai 2015 (BB-act. M35) mit, gemäss Dr. G_ bestehe
Anspruch auf eine Vollrente der BVK.
A.7
Mit Stellungnahme vom 8. Juli 2015 (BB-act. M36) meinte Dr. D_, die glutealen und in
die Oberschenkel ausstrahlenden Schmerzen seien nicht mehr Unfallfolge und rechtfertig-
ten die massive Schmerzmedikation kaum. Das Problem der Angewöhnung und Abhängig-
keit v.a. beim Medikament MST, dessen Entwöhnung über eine Dauer von etwa acht Mo-
naten mit 10 mg pro Monat weniger sehr wichtig sei, sei unfallbedingt. Ein unfallbedingter
Integritätsschaden liege aber nicht vor. Daraufhin teilte die B_ AG der Versicherten mit
Schreiben vom 26. August 2015 (BB-act. A88) mit, man übernehme noch die Kosten für die
Entwöhnung des Schmerzmittels MST bis Ende April 2016, stelle die restlichen Leis-tungen
aber auf Ende August 2015 ein, da eine rein sitzende Tätigkeit z.B. in einem Büro, bei der
Bildschirmüberwachung oder an einem Fliessband vollständig zumutbar sei.
A.8
Mit Schreiben vom 10. September 2015 (BB-act. A90) nahm die Versicherte dazu Stellung,
unter Beilage eines Berichts des Spitals Bülach vom 2. September 2015 (BB-act. M40), wo-
rin ihr weiterhin eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde, da seit ca. zwei Wochen
Kniebeschwerden links mit Schwellungstendenz bestünden und an der rechten Hüfte eine
Schwächeproblematik mit Auswirkung auf die TEP in der linken Hüfte. Zum Kraftaufbau sei
die Physiotherapie weiterzuführen, da ein Nutzen erkennbar sei (vgl. auch den ebenfalls
beigelegten Bericht von Physiotherapeut F_ vom 8. September 2015 [BB-act. M39], wo-
nach die rechte Hüfte in den letzten beiden Jahren stetig stärker belastbar gewesen sei,
jetzt aber nur noch sehr langsame Fortschritte erzielt werden könnten). Mit Schreiben vom
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23. September 2015 (BB-act. M42) wandte sich auch Dr. E_ gegen die Leistungseinstel-
lung der B_ AG, da nur noch unfallbedingte Probleme am rechten Hüftgelenk vorlägen.
A.9
In einer weiteren Stellungahme vom 7. Oktober 2015 (BB-act. M41) wiederholte Dr. D_
seine Auffassung einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer sitzenden Tätigkeit, ansons-
ten unfallfremde Faktoren verantwortlich wären. Weil aus dem Bericht F_ eine gewisse
Resignation hervorgehe und gemäss Dr. G_ kein gezieltes Heimprogramm betrieben
werde, erscheine die Weiterführung der Therapie als nicht sinnvoll. Dass die Schmerzen
nach Angaben der Versicherten anscheinend nicht therapierbar seien, deute auf eine allen-
falls stationär anzugehende Schmerzmittel-Abhängigkeit hin.
B. B.1
Mit Verfügung vom 19. Oktober 2015 (BB-act. A96) stellte die B_ AG die Leistungen auf
Ende Oktober 2015 ein, da weitere Therapien, auch ein an sich empfehlenswertes Heim-
programm, keine wesentliche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mehr hätten. Für den
sinnvollen Schmerzmittel-Entzug, mit dem die Versicherte allerdings einverstanden sein
müsse, würde man hingegen Kostengutsprache leisten.
B.2
Dagegen liess die Versicherte am 5. November und 10. Dezember 2015 Einsprache erhe-
ben (BB-act. A100 und A106). Mit Schreiben vom 23. November 2015 (BB-act. A106-2) teil-
te Allgemeinmediziner Dr. J_, Walzenhausen, RA AA_ mit, dass durch die von ihm bei
der Patientin angewendete Manualtherapie und myofasziale Behandlung eine schnelle
Besserung der sekundären Folgebeschwerden nach Fraktur und Refraktur des rechten
Femurs eingetreten sei. Mit Schreiben vom 30. November 2015 (BB-act. A106-3) fasste Dr.
E_ den Verlauf der Beschwerden zusammen und meinte, dass die Probleme an der
überlasteten linken Hüfte gebessert seien, rechts aber weiterhin eine verminderte Beweg-
lichkeit und Belastbarkeit mit nur zögerlicher Besserung bestehe. Eine Rückkehr in die bis-
herige Tätigkeit sei nicht möglich, eine wechselbelastende Tätigkeit jedoch schon bei einem
Einstieg in einem kleinen Pensum ab November 2015 mit allmählicher Steigerung.
B.3
Nach einer Stellungnahme des die B_ AG beratenden Chirurgen FMH Dr. K_ vom 4.
Oktober 2016 (BB-act. M43), wonach bereits zum Unfallzeitpunkt eine beginnende Coxarth-
rose links bestanden habe und mangels häufigerer Coxarthrosen auf der anderen Seite
selbst bei einseitig amputierten Patienten eine Unfallkausalität mit praktischer Sicherheit
Seite 6
auszuschliessen sei, wies die B_ AG die Einsprache mit Entscheid vom 7. Oktober 2016
(BB-act. A111) ab, wobei auf die Begründung in den Erwägungen eingegangen wird.
B.4
Mit Schreiben vom 26. Oktober 2016 (BB-act. M45) machte daraufhin Dr. J_ gegenüber
RA AA_ geltend, an der linken Hüfte habe eine TEP nicht wegen des Unfalls, sondern
wegen einer Coxarthrose eingesetzt werden müssen. Das nach dieser Operation und er-
neuten Eingriffen aufgetretene chronische Schmerzsyndrom sei bisher nur ungenügend
behandelt worden. Die von ihm durchgeführte myofasziale Behandlung, nach der auch die
zufolge jahrelanger Dekonditionierung nötige Physiotherapie besser wirke, habe sehr
schnell angeschlagen und der Versicherten eine wesentlich freiere Bewegung sowie eine
Verringerung der Opiatdosis ermöglicht. Jedenfalls sei Ende Oktober 2015 der Endzustand
noch nicht erreicht gewesen, da erst danach eine sukzessive Reduktion der Opiate von 60
mg MST auf 20 mg erfolgt sei. Auch in Zukunft dürfe mit einem immer noch etwas besseren
Zustand gerechnet werden. Trotzdem sei es wahrscheinlich, dass die rechte Hüfte trotz
korrekter Lage der TEP wegen wiederholten Traumata noch jahrelang schmerzhaft sei, so-
dass eine vollständige berufliche Reintegration als nicht mehr möglich erscheine.
C. C.1
Gegen den Einspracheentscheid liess die Versicherte mit Schreiben vom 9. Novem-
ber 2016 Beschwerde mit den eingangs wiedergegebenen Anträgen erheben. Auf die Vor-
bringen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen näher eingegangen.
C.2
Am 24. Januar 2017 erstattete Dr. K_ der B_ AG eine weitere Stellungnahme (BB-
act. M46), wonach gemäss einer Szintigraphie des Stadtspitals Triemli vom 4. April 2014
u.a. eine ausgeprägte Coxarthrose links bestanden habe. Eindeutig überlastungsbedingte
Coxarthrosen seien äusserst selten und meist konstitutionell bedingt. Selbst nach Entlas-
tung des verletzten Beins durch eine Stockhilfe während Monaten oder Jahren mit vermehr-
ter einseitiger Belastung des anderen Beins träten dort nicht häufiger Coxarthrosen, auf, da
die Schonung des einen Beines meistens nicht zu einer Überlastung des anderen Beines,
sondern ebenfalls zu dessen Schonung führe, da die körperlichen Aktivitäten stark reduziert
würden. Selbst wenn man aber eine Überlastung links wegen Problemen rechts annähme,
würde es bis zur Manifestation einer Coxarthrose links Jahre dauern.
C.3
Seite 7
Mit Beschwerdeantwort vom 16. Februar 2017 beantragte die Unfallversicherung die Ab-
weisung der Beschwerde.
C.4
Der Obergerichtspräsident gewährte der Beschwerdeführerin für das vorliegende Verfahren
am 7. März 2017 die unentgeltliche Rechtspflege bzw. -verbeiständung in der Person von
RA AA_.
C.5
Mit Replik vom 30. März 2017 beantragte der Beschwerdeführer diese Rechtswohltat auch
für das Einspracheverfahren.
C.6
Nachdem die B_ AG mit Schreiben vom 6. April 2017 auf eine eigentliche Duplik verzich-
tet hatte, reichte RA AA_ am 15. Mai 2017 eine Kostennote für das Einspracheverfahren
über Fr. 3'731.85 (Fr. 3'322.50 [13.29h à Fr. 250.-] + Fr. 132.90 Barauslagen [4% Pauscha-
le von Fr. 3'322.50] + Fr. 276.45 Mehrwertsteuer [8% von Fr. 3'455.40) und für das vorlie-
gende Beschwerdeverfahren über Fr. 5'579.50 (Fr. 4'967.50 [19.87h à Fr. 250.-] + Baraus-
lagen 198.70 [4% von Fr. 4'967.50] + Fr. 413.30 Mehrwertsteuer [8% von Fr. 5'166.20]) ein.
C.7
Nach der Zustellung des Urteilsdispositivs vom 29. August 2017 beantragten die Be-
schwerdeführerin mit Schreiben vom 4. September 2017 und die B_ AG mit Schreiben
vom 19. September 2017 dessen Begründung.

Erwägungen
1. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt, dass
diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der Form- und
Fristerfordernisse erfüllt sind. Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2. Am 1. Januar 2017 sind die Änderungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
vom 20. März 1981 (UVG; SR 832.20) gemäss Bundesgesetz vom 25. September 2015
(AS 2016 4375) in Kraft getreten. Bei der Prüfung eines allenfalls schon vorher entstande-
nen Leistungsanspruchs sind die allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln heranzuzie-
hen, wonach in zeitlicher Hinsicht diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei der
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Verwirklichung des zu Rechtsfolgen führenden Sachverhalts galten. Demzufolge ist die vor-
liegend zu beurteilende Beschwerde für die Zeit bis Ende 2016 aufgrund der bisherigen
und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen zu prüfen (BGE 130 V 445 E. 1; Urteile
des Bundesgerichts 8C_491/2008 vom 9. März 2009 E. 2.1, 9C_582/2016 vom 16. Janu-
ar 2017 E. 5.1). Dies fällt materiellrechtlich indessen nicht ins Gewicht, weil die erwähnte
UVG-Revision keine im vorliegenden Zusammenhang relevanten Änderungen gegenüber
der bis Ende 2016 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat, sodass die zur altrechtlichen
Regelung ergangene Rechtsprechung weiterhin massgebend ist.
3. Nach Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG; SR 830.1) gilt als Unfall die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Wirkung
eines äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der kör-
perlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Nach Art. 10 Abs. 1 UVG
hat eine Versicherte Anspruch auf zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen, ab dem
dritten Tag nach dem Unfall zufolge voller oder teilweiser Arbeitsunfähigkeit auf Taggelder
(Art. 16 UVG) und - sofern von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte
Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs-
massnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind - bei mindestens 10%iger In-
validität auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung (Art. 18 und 19 UVG; s. auch
BGE 140 V 130 E 2.2, wonach mit dem Fallabschluss die vorübergehenden Leistungen in
Form von Heilbehandlung und Taggeld dahinfallen und der Rentenanspruch zu prüfen ist).
Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie überdies Anspruch auf eine
angemessene Integritätsentschädigung. Diese wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder,
falls kein Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt
(Art. 24 UVG), wobei sich die Höhe der Integritätsentschädigung grundsätzlich nach der
Schwere der Beeinträchtigung richtet. Die Pflegeleistungen und Kostenvergütungen sowie
die Taggelder und Hilflosenentschädigungen werden nicht gekürzt, wenn die Gesundheits-
schädigung nur teilweise Folge eines Unfalles ist (Art. 36 Abs. 1 UVG). Hingegen werden
die Invalidenrenten, Integritätsentschädigungen und die Hinterlassenenrenten angemessen
gekürzt, wenn die Gesundheitsschädigung nur teilweise Folge eines Unfalles ist; Gesund-
heitsschädigungen vor dem Unfall, die zu keiner Verminderung der Erwerbsfähigkeit ge-
führt haben, werden dabei nicht berücksichtigt (Art. 36 Abs. 2 UVG).
4. 4.1
Die Leistungspflicht der Unfallversicherung gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem
Unfallereignis und den gesundheitlichen Beschwerden ein natürlicher Kausalzusammen-
hang besteht. Ursachen in diesem Sinn sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein die
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Beschwerden nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur glei-
chen Zeit eingetreten gedacht werden können. Dementsprechend ist für die Bejahung des
natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder
unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Er-
eignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Unversehrtheit
der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit anderen Worten nicht weggedacht
werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129
V 177 E. 3.1, 142 V 435 E. 1). Bei organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen spielt die
Adäquanz im Sozialversicherungsrecht als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natür-
lichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 127
V 102 E. 5b/bb, 134 V 109 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_17/2017 vom 4. April 2017
E. 2.1).
4.2
Die Leistungspflicht der Unfallversicherung hört erst auf, wenn der Unfall nicht mehr die
natürliche Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also der Letztere nur noch
und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder
der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat
(Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen
Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt
hätte (Status quo sine), erreicht ist (Urteile des Bundesgerichts 8C_847/2008 vom 29. Ja-
nuar 2009 E. 2, 8C_766/2016 vom 25. April 2017 E. 2.2).
Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahin-
fallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheits-
schadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der über-
wiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänz-
lich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um
eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Fra-
ge, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei
der versicherten Person, sondern bei der Unfallversicherung (Urteile des Bundesgerichts
8C_354/2007 vom 4. August 2008 E. 2.2, 8C_653/2013 vom 10. Februar 2014 E. 4.2,
8C_854/2016 vom 21. April 2017 E. 2.3). Der Beweis des Wegfalls des Kausalzusammen-
hangs muss nicht durch den Nachweis unfallfremder Ursachen erbracht werden. Ebenso-
wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein
Gesundheitsschaden mehr vorliege oder die versicherte Person nun bei voller Gesundheit
sei. Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre
Seite 10
kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind (Urteil des Bundesgerichts
8C_570/2014 vom 9. März 2015 E. 6.2).
4.3
Bei der Beurteilung der Kausalität eines Unfalls für behauptete gesundheitliche Beschwer-
den bzw. einer dadurch allfällig bewirkten Arbeitsunfähigkeit stützt sich die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) zunächst auf Unterlagen, welche von ärztlichen und gege-
benenfalls auch anderen medizinischen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind (Urteile
des Bundesgerichts 9C_922/2013 vom 19. Mai 2014 E. 3.2.1, 9C_644/2015 vom
3. Mai 2016 E. 3.2). Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig-
keiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte
eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person
noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4, 140 V 193 E. 3.2).
Hinsichtlich Beweiswert eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Be-
schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in
der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation ein-
leuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 134 V 231
E. 5.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_337/2015 vom 16. November 2015 E. 2.3). Den im
Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Berichten von externen Spezialärzten ist
bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
dagegen sprechen. In Bezug auf Berichte von Hausärzten bzw. behandelnden Ärzten darf
und soll der Richter der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hin-
blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer
Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3, 135 V 465 E. 4.5; Urteile des Bundesgerichts
8C_641/2013 vom 23. Dezember 2013 E. 5.4, 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E. 2.2.2),
was auch mit der unterschiedlichen Natur von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag zu-
sammenhängen mag (Urteile des Bundesgerichts 8C_107/2013 vom 23. April 2013 E. 3,
8C_454/2016 vom 19. Dezember 2016 E. 4.2). Was schliesslich die Beweiskraft versiche-
rungsinterner Berichte anbelangt, so lässt ein Anstellungsverhältnis zum Versicherungs-
träger alleine nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen. Soll ein
Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden,
so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur ge-
ringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen
Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 122 V 157 E. 1d,
125 V 351 E. 3b/ee, 135 V 465 E. 4.4, 142 V 58 E. 5.1, 142 V 551 E. 8.3.1.1).
Seite 11
5. 5.1
Hinsichtlich der Kausalität machte die B_ AG im Einspracheentscheid geltend, der Be-
richt Dr. E_ vom 30. November 2014 stehe im Widerspruch zu ihren früheren Berichten,
und die Argumentation mit dem lateinischen Grundsatz "post hoc ergo propter hoc", was
übersetzt "danach, also deshalb" heisst, sei nicht zulässig. Gemäss Stellungnahmen
Dr. K_ vom 4. Oktober 2016 und Dr. D_ stehe die Coxarthrose links in keinem natürli-
chen Kausalzusammenhang mit dem Unfall, was auch aus den radiologischen Abklärungen
vom 1. Juli und vom 4. November 2013 hervorgehe.
5.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin in der Beschwerde entgegnen, dass nicht ein Rückfall zu
prüfen sei, sondern die Frage, ob der Status quo sine oder ante eingetreten sei. Zwar sei
das rechte Hüftgelenk schon vor dem Unfall eingesetzt worden, doch sei das linke zuvor
unauffällig gewesen, was gemäss den Dres. E_ und C_ auch aus der radiologischen
Abklärung vom 26. April 2013 hervorgehe. Dr. K_ wiederum, der die Beschwerdeführerin
nie persönlich untersucht habe, habe gestützt auf radiologische Abklärungen vom 1. Juli
und vom 4. November 2013 von einer Coxarthrose links gesprochen, Dr. H_ nach ent-
sprechenden Abklärungen vom 26. April, 15. und 27. Mai sowie vom 11. Juni 2013 aber nur
von einer Coxarthrose rechts. Gemäss Austrittsbericht des Spitals Bülach vom 15. Juli
2013 seien ausser der rechten Hüfte alle Gelenke frei und schmerzlos beweglich gewesen.
Dr. E_ habe nicht widersprüchliche Angaben gemacht, sondern in den früheren Berich-
ten nur gemeint, dass die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit als krankheits- oder unfallbe-
dingt schwer falle, erstere aber mit 100% und zweitere mit 80% beziffert. Auch Dr. J_
habe die Coxarthrose links wiederholt auf den Unfall und die durch diesen bewirkte einsei-
tige Belastung zurückgeführt, weshalb die B_ AG den Wegfall der Kausalität beweisen
müsse. Da sie sich im Einspracheentscheid nur mit der Coxarthrose links, nicht aber mit
der rechten Hüfte befasst habe, sei dieser ungenügend begründet.
5.3
In der Beschwerdeantwort machte die Unfallversicherung geltend, ihr obliege nur bezüglich
der rechtsseitigen Hüftbeschwerden eine Beweislast, weil sie nur hier eine Leistungspflicht
anerkannt und Leistungen erbracht habe. Die Kausalität der Beschwerden an der linken
Hüfte müsse hingegen die Versicherte nachweisen. Dr. E_ habe die linksseitigen Hüftbe-
schwerden nach wiederholten Untersuchungen anfangs als krankheitsbedingt gesehen und
betreffend Arbeitsunfähigkeit unterschieden zwischen krankheits- und unfallbedingt;
eine gegenteilige Behauptung habe sie erst am 30. November 2015 und damit nach der
Leistungsablehnung bzw. -einstellung der B_ AG aufgestellt. Dr. J_ habe die beidseiti-
Seite 12
gen Beschwerden gemäss Stellungnahme vom 26. Oktober 2016 nicht auf den Unfall und
die TEP rechts zurückgeführt, sondern vielmehr festgehalten, dass die TEP links mit den
Problemen an der rechten Hüfte nichts zu tun habe, sondern wegen der Coxarthrose links
erfolgt sei, weshalb sich unfallbedingte Beschwerden rechts höchstens insofern auf die lin-
ke Hüfte auswirkten, als durch das Hinken rechts die linke Seite massiv überbelastet wor-
den sei. Coxarthrosen seien jedoch stellungs- oder oft auch erblich bedingt.
5.4
Dagegen wendete die Beschwerdeführerin in der Replik ein, Dr. E_ habe schon in frühe-
ren Berichten auf eine Mitverursachung der linksseitigen Hüftbeschwerden durch eine
Mehrbelastung hingewiesen. Ihre Angabe in der Stellungnahme vom 23. September 2015,
dass schon vor dem Unfall eine beidseitige Coxarthrose bestanden habe, sei dagegen
falsch, ebenso jene Dr. K_ vom 4. Oktober 2016, dass schon zum Unfallzeitpunkt eine
deutliche Sklerosierung der Gelenkpfanne und weitere degenerative Anzeichen links vorge-
legen und dessen Behauptung vom 24. Januar 2017, dass die Dres. J_ und E_ die
Sklerose und den verschmälerten Gelenkspalt an der linken Hüfte übersehen hätten. Vor-
liegend sei von sich gegenseitig beeinflussenden Beschwerden auszugehen, sodass zu-
mindest von einer Teilkausalität auszugehen sei.
6. 6.1
Zunächst ist zu klären, welche von der Versicherten berichteten gesundheitlichen Be-
schwerden vom Fallabschluss überhaupt betroffen sind. In der Beschwerde ist die Rede
von anhaltenden Problemen in beiden Hüftgelenken. Während Physiotherapeut F_ am
30. Juli 2014 noch von schwankenden Schmerzen in der rechten Leiste ohne erklärbare
Ursache gesprochen hatte, war bei Versicherungsarzt Dr. D_ am 8. Juli 2015 von glutea-
len sowie in beide Oberschenkel ausstrahlenden Schmerzen und bei der behandelnden
Ärztin Dr. E_ am 30. November 2015 zusätzlich von einer allgemeinen Dekonditionierung
der Muskelkraft und des Kreislaufs die Rede. Mithin ist im Wesentlichen von nicht
näher bezeichneten beidseitigen Hüftbeschwerden auszugehen.
6.2
Vorab ist ferner festzuhalten, dass für den Fall einer Verneinung der Kausalität des Unfalls
für die anhaltenden gesundheitlichen Beschwerden der Versicherten die Frage, ob durch
eine Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesund-
heitszustandes hätte erreicht werden können bzw. ob der Fallabschluss verfrüht erfolgte,
nicht mehr zu prüfen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_636/2016 vom 16. November 2016
E. 6).
Seite 13
6.3
Alsdann stellt sich die Frage, wer was zu beweisen hat. Zweifellos muss die Unfallversiche-
rung den Wegfall des Kausalzusammenhangs bezüglich der rechten Hüfte nachweisen,
nachdem sie für die dortigen Beschwerden unbestrittenermassen Leistungen erbracht hat.
Sie versuchte, diesen Nachweis in Verfügung und Einspracheentscheid indirekt über den
Hinweis, dass weitere Therapien nicht mehr zu einer wesentlichen Verbesserung führen
könnten, zu erbringen, worauf später (Ziff. 7 f. hiernach) einzugehen sein wird.
Betreffend linker Hüfte muss hingegen die Beschwerdeführerin nachweisen, dass die dorti-
gen Beschwerden unfallbedingt sind. Orthopäde Dr. C_ wies gegenüber der BVK schon
am 23. April 2014, also weniger als ein Jahr nach dem fraglichen Unfall vom 30. Juni 2013
mit Verletzung der rechten, mit einer TEP voroperierten Hüfte darauf hin, dass beidseitig,
vor allem aber links, Leistenschmerzen bestünden, weshalb auch dort eine TEP nötig sei.
Dr. D_ bezog sich am 28. Mai und am 10. September 2014 darauf und sprach von einer
krankheitsbedingten Coxarthrose links bzw. am 8. Juli und 7. Oktober 2015 davon, dass die
(nunmehr wieder) beidseitigen Hüftbeschwerden nicht mehr unfallbedingt seien. Dr. E_
hatte die linksseitigen Hüftbeschwerden mit Bericht vom 9. Juli 2014 noch als krankheits-
bedingt erachtet, um aber - entgegen der Darstellung der Beschwerdegegnerin - bereits am
7. Oktober 2014 und nicht erst am 30. November 2015 darauf zurückzukommen und die
Mehrbelastung des unfallgeschädigten rechten Beines als Mitursache für die linksseitigen
Hüftbeschwerden zu bezeichnen, woran sie auch am 3. Juni 2015 und insbesondere am
23. September 2015 sowie am 30. November 2015 festhielt. Auch der behandelnde Arzt
Dr. J_, zu dem die Versicherte von Dr. E_ nach ihrem Umzug von Niederweningen
nach Walzenhausen gewechselt hatte, meinte am 23. November 2015, dass es sich bei
den anhaltenden Beschwerden (an beiden Hüften) um eine Folge des Unfalls handle, da
bisher keine angemessene Behandlung von dessen "sekundären Dysfunktionen" stattge-
funden habe. Demgegenüber meinte er am 26. Oktober 2016, dass die TEP links nicht mit
dem Unfall nichts zu tun habe, sondern wegen der dortigen Coxarthrose nötig geworden
sei. Dr. K_ wiederum hielt an der bereits am 4. Oktober 2016 vertretenen Auffassung
fest, dass die Coxarthrose links nicht in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum Un-
fall stehe, mit Stellungnahme vom 24. Januar 2017, die erst nach Erhebung der vorliegend
zu beurteilenden Beschwerde abgegeben wurde, sich aber zur Kausalitätsfrage ausspricht
und deshalb ohne weiteres berücksichtigt werden kann (vgl. zur zeitlichen Ausdehnung des
Streitgegenstandes BGE 130 V 138 E. 2.1; Urteile des Bundesgerichts 8C_300/2010 vom
23. Juli 2010 E. 4.1 und 8C_674/2014 vom 5. Mai 2015 E. 4.1). Dem scheint aber der vom
Orthopädiezentrum Zürich vor dem Unfall am 15. Mai 2013 (BB-act. M2) erstattete Bericht
über eine Röntgen-abklärung beider Hüften entgegenzustehen, wo (nur) von einer fortge-
schrittenen Cox-arthrose rechts die Rede war. Auch im Bericht des Spitals Bülach vom 5.
Seite 14
November 2013 (BB-act. M15) über eine Röntgenabklärung beider Hüften wurde links kein
pathologischer Befund erwähnt. Hingegen stellte Gutachter Dr. C_ bereits im Röntgen
vom 15. April 2014 eine deutliche und progrediente konzentrische Coxarthrose links mit zu
ca. 80% aufgebrauchtem Gelenksknorpel fest (BB-act. M23, S. 7), welcher Befund auch im
Rahmen einer Szintigraphie am Stadtspital Triemli gemäss Bericht vom 4. April 2014 (BB-
act. M24) erhoben wurde. Angesichts dieser sehr widersprüchlichen medizinischen Anga-
ben erscheint eine schlüssige Beantwortung der Frage, ob die linksseitigen Hüftbeschwer-
den nun unfallbedingt sind oder nicht, als praktisch unmöglich. Da die Beweislast hierfür
wie erwähnt aber der Beschwerdeführerin obliegt, dürfte ihr das Misslingen des mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit zu erbringenden Nachweises zum Nachteil gereichen, was
allerdings nichts an der unbestrittenen unfallbedingten Kausalität der rechtsseitigen Hüftbe-
schwerden ändert.
7. 7.1
An dieser Stelle ist nunmehr auf den Vorwurf der Beschwerdeführerin eines verfrühten
Fallabschlusses einzugehen. Diesbezüglich ist im Einspracheentscheid nachzulesen, nach
Angaben des Spitals Bülach vom 13. Dezember 2013 (BB-act. M19) sei die Behandlung bis
auf die Jahreskontrolle im Juli 2014 abgeschlossen. Gemäss Dr. C_ befinde sich die
Versicherte zwar noch in der Rehabilitationsphase, doch stünden derzeit starke Beschwer-
den zufolge einer Cox-arthrose links im Vordergrund. Ein gemäss Szintigraphie bestehen-
der Verdacht auf eine Lockerung der femoralen Komponente im Hüftschaft rechts finde kli-
nisch kein Korrelat. Am 28. Mai 2014 habe Dr. D_ eine deutliche Verbesserung mittels
Therapie noch für möglich gehalten, am 7. Oktober 2015 in Anbetracht einer rein unfallbe-
zogenen vollen Arbeitsfähigkeit in einer sitzenden Tätigkeit jedoch nicht mehr. Die Dres.
L_, D_ und G_ teilten die Auffassung der Unfallversicherung, dass Ende Oktober
2015 der Endzustand erreicht worden sei, zumal damals adaptiert eine volle Arbeitsfähig-
keit vorgelegen habe und die behandelnden Ärzte nur über geringfügige Verbesserungen
berichtet hätten, wobei sie nicht zwischen unfallbedingten und unfallfremden Faktoren un-
terschieden hätten.
7.2
Dagegen brachte die Versicherte in der Beschwerde vor, dass der gesundheitliche Zustand
gemäss den Dres. E_ und J_ durch weitere medizinische Massnahmen, insbesondere
durch Physiotherapie, sehr wohl verbesserbar sei. Ausserdem stütze sich der Einsprache-
entscheid auf Dr. D_, der jedoch eine reine Aktenbeurteilung abgegeben habe.
7.3
Seite 15
Die Unfallversicherung entgegnete in der Beschwerdeantwort, dass die behandelnden
Ärzte betreffend Fallabschluss zu Unrecht auch die unfallfremden Beschwerden an der lin-
ken Hüfte berücksichtigt hätten. Abgesehen davon sei eine Beurteilung in aller Regel prog-
nostisch und nicht retrospektiv abzugeben, weshalb die Angaben der Beschwerdeführerin
hinsichtlich Verbesserungen nach dem Fallabschluss bedeutungslos seien. Ebenfalls nicht
relevant sei, dass während längerer Zeit keine aktiven Therapien möglich gewesen seien,
da schon damals eine volle Arbeitsfähigkeit bestanden habe. Im Übrigen habe man den
Fallabschluss auf die gesamten Akten abgestützt.
8. 8.1
Wie bereits angetönt (Ziff. 3 hiervor), ist ein Fallabschluss dann nicht verfrüht, wenn noch
mit einer namhaften Verbesserung des Gesundheitszustandes gerechnet werden darf. Da-
bei bedeutet der Begriff "namhaft", dass die durch weitere Heilbehandlungen zu erwartende
Besserung ins Gewicht fallen muss und unbedeutende Verbesserungen nicht genügen,
wobei sich diese in erster Linie auf die Arbeitsfähigkeit beziehen (BGE 134 V 109 E. 4.3;
Urteil des Bundesgerichts 8C_786/2016 vom 4. April 2017 E. 2.2). Auch wenn also die Be-
findlichkeit einer Versicherten durch die Fortsetzung der medizinischen Behandlung noch
als verbesserbar erscheint, nicht aber die Arbeitsfähigkeit, ist der Fall in aller Regel abzu-
schliessen (vgl. Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die Un-
fallversicherung, 4. Auflage 2012, S. 144). Zu berücksichtigen ist dabei nur der unfallbe-
dingte, nicht aber der krankheitsbedingte Gesundheitszustand (Urteil des Bundesgerichts
8C_892/2015 vom 29. April 2016 E. 4.1).
8.2
Vorliegend war der Heilungsverlauf schwankend. Gemäss Beurteilung Dr. D_ vom
20. Mai 2015 ist ein wellenförmiger Verlauf nach wiederholten grossen Eingriffen, wie sie im
Fall der Beschwerdeführerin zweifellos stattfanden, mit einer Nachbehandlungsdauer von
(etwa) zwei Jahren üblich, in der Regel allerdings mit einem Trend nach oben. Obwohl ein
solcher vorliegend nicht ohne weiteres auszumachen ist und er sich den schwankenden
Schmerzverlauf in der rechten Leiste nicht erklären konnte, empfahl Physiotherapeut F_
am 30. Juli 2014 weitere Therapie zur Schmerzlinderung und zur Verbesserung der Musku-
latur. Auch Gutachter Dr. G_ empfahl am 21. Mai 2015 weiterhin Physiotherapie zur
Kräftigung der Oberschenkelmuskulatur beidseits inklusive Dehnübungen, besonders aber
links zur Aufdehnung der Quadrizepsmuskulatur und Vergrösserung des retropatellaren
Raumes. Gleichzeitig bezeichnete er - wie zuvor schon Dr. D_ am 20. Mai 2015 - das
Übergewicht der Versicherten als Problem bzw. eine Gewichtsreduktion hinsichtlich der
Gesundung oder mindestens einer Linderung der Beschwerden als vorteilhaft. Überdies
sah er - wie Dr. D_ schon am 28. Mai 2014 - einen Überkonsum von Schmerzmitteln.
Seite 16
Letzterer riet am 8. Juli 2015 zu einer Entwöhnung vom Opiat MST, was innert acht Mona-
ten als erreichbar erscheine. Dass die Unfallversicherung mit Schreiben vom 26. August
2015 nur die Kosten für die Schmerzmittel-Entwöhnung bis Ende April 2016 übernehmen
wollte, ab Ende August 2015 aber keine weiteren Pflegeleistungen und Kostenvergütungen
(und damit auch Taggelder), ist vor diesem Hintergrund kaum nachvollziehbar.
8.3
Als Reaktion auf dieses Ansinnen meinte denn auch das Spital Bülach, wo die Versicherte
am 3. und am 25. Juli 2013 sowie am 19. Juni 2014 operiert worden war, am 2. Septem-
ber 2015, eine Weiterführung der Physiotherapie zum Kraftaufbau wäre sinnvoll und ein
anhaltender Nutzen erkennbar; diese Empfehlung wird dadurch untermauert, dass das Spi-
tal die Arbeitsunfähigkeit (in jeglicher Tätigkeit) auf 100% bezifferte, da eine sitzende Tätig-
keit noch nicht während längerer Zeit möglich sei und immer wieder ein Wechsel zwischen
Sitzen und Stehen bzw. Gehen nötig sei. Auch die Angaben von Physiotherapeut F_
vom 8. September 2015, dass eine aktive Therapie zur Steigerung von Kraft und Belast-
barkeit richtig wäre, diese aber immer wieder durch starke Schmerzen beeinträchtigt werde,
zeigt weiteren therapeutischen Handlungsbedarf im Sinne einer nachhaltigen und substan-
ziellen Gewichtsreduktion sowie einer adäquaten Behandlung von im Rahmen einer aktivie-
renden (Physio-)Therapie allfällig auftretenden Schmerzen auf. Der von Versicherungsme-
diziner Dr. D_ am 7. Oktober 2015 und in der Folge von der Unfallversicherung in Verfü-
gung und Einspracheentscheid vertretenen Auffassung, weitere Therapien könnten keine
bedeutenden Verbesserungen mehr bringen, kann deshalb nicht gefolgt werden. Dies ins-
besondere auch nicht mit Blick auf die Schreiben des behandelnden Arztes Dr. J_ vom
23. November 2015 und vom 26. Oktober 2016, wonach durch seine Manualtherapie und
myofasziale Behandlung eine schnelle Besserung der Beschwerden eingetreten sei, die
wiederum die Wirksamkeit der Physio- und wohl auch anderer Therapien erhöhe. Unter
diesen Umständen darf - bei erwartbarer Kooperation der Versicherten - mit einer vollstän-
digen Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit gerechnet werden, zumal auch
Hausärztin Dr. E_ am 30. November 2015 meinte, eine adaptierte Tätigkeit sei ohne wei-
teres vorstellbar. In Aufhebung des Einspracheentscheides und der diesem zugrundelie-
genden Verfügung ist die Angelegenheit deshalb an die B_ AG zu weiteren therapeuti-
schen Bemühungen und zur Neuentscheidung nach deren Abschluss zurückzuweisen.
9. 9.1
Die Beschwerdeführerin ersuchte erstmals in der Replik um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren. Diesbezüglich ist zunächst festzuhalten,
dass für ein abgeschlossenes Verfahren keine unentgeltliche Rechtspflege mehr bewilligt
Seite 17
werden kann (Stefan Meichssner, Das Grundrecht auf unentgeltliche Rechtspflege, Ba-
sel 2008, S. 172; Bernhard Waldmann, in: Bernhard Waldmann, Eva Maria Belser, Astrid
Epiney [Hrsg. ], Basler Kommentar Bundesverfassung, Basel 2015, Art. 29 N 73 f.).
9.2
Abgesehen davon setzt die Bejahung der unentgeltlichen anwaltlichen Verbeiständung im
sozialversicherungsrechtlichen Verwaltungsverfahren kumulativ nicht nur voraus, dass
diese sachlich geboten, das Rechtsbegehren nicht aussichtslos und die Partei bedürftig ist
(Art. 37 Abs. 4 ATSG; BGE 132 V 200 E. 4.1), sondern ist die Notwendigkeit der anwaltli-
chen Vertretung in diesem Verfahren nur ausnahmsweise dann zu bejahen, wenn sich
schwierige Fragen rechtlicher oder tatsächlicher Natur stellen. Zu berücksichtigen sind da-
bei die konkreten Umstände des Einzelfalls, Eigenheiten der anwendbaren Verfahrensvor-
schriften sowie weitere Besonderheiten des jeweiligen Verfahrens. Neben der Komplexität
der Rechtsfragen und der Unübersichtlichkeit fallen auch bei der versicherten Person lie-
gende Gründe in Betracht, etwa ihre Fähigkeit, sich im Verfahren zurechtzufinden.
Schliesslich muss eine gehörige Interessenwahrung durch Verbandsvertreter, Fürsorgestel-
len oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen ausser Betracht fallen (Ur-
teil des Bundesgerichts 9C_29/2017 vom 6. April 2017 E. 1). Vorliegend wurde vom Vertre-
ter der Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht bzw. näher begründet, inwiefern sich im
Einspracheverfahren die Annahme eines Ausnahmefalls aufgedrängt haben bzw. weshalb
nicht die Vertretung durch die erwähnten Dritten in Frage gekommen sein sollte. In diesem
Punkt ist die Beschwerde mithin abzuweisen.
10. 10.1
In unfallversicherungsrechtlichen Verfahren sind - unabhängig vom Verfahrensausgang -
keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG i.V.m. Art. 1 UVG).
10.2
Der teilweise obsiegenden Beschwerdeführerin ist eine Parteientschädigung von pauschal
Fr. 3'500.-- (inklusiv Barauslagen und Mehrwertsteuer) zulasten der Unfallversicherung zu-
zusprechen (Art. 61 lit. g ATSG i.V.m. Art. 1 UVG), wobei die Rückweisung der Sache an
die Unfallversicherung mit noch offenem Ausgang für die Frage der Auferlegung der Ge-
richtskosten wie auch der Parteientschädigung praxisgemäss als volles Obsiegen gilt, und
dies unabhängig davon, ob sie überhaupt beantragt, oder ob das entsprechende Begehren
im Haupt- oder Eventualantrag gestellt wurde (BGE 132 V 215 E. 6.1; Urteil des Bundesge-
richts 8C_715/2016 vom 6. März 2017 E. 6). Nicht abgestellt kann demgegenüber auf die
von RA AA_ für das vorliegende Beschwerdeverfahren eingereichte Kostennote über
Fr. 5'579.50, die auf einem als überhöht erscheinenden Aufwand von 19.87 Stunden be-
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ruht, nachdem schon für das Einspracheverfahren im Rahmen einer Kostennote über
Fr. 3'731.85 ein Aufwand von 13.29 Stunden geltend gemacht worden war.