Decision ID: eb89a396-cb01-514c-96ce-5343fadfcc15
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 25. Februar 2015 im damaligen
Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._ um Asyl nach. Dort
wurde er am 4. März 2015 vom SEM zu seiner Person, seinem Reiseweg
und summarisch zu seinen Gründen für die Ausreise aus dem Heimatland
befragt (Befragung zur Person [BzP]). Am 15. September 2015 wurde er
einlässlich angehört.
A.b Dabei machte er im Wesentlichen Folgendes geltend: Er sei sri-lanki-
scher Staatsangehöriger tamilischer Ethnie und hinduistischen Glaubens.
Seit Geburt habe er – mit Ausnahme des Jahres 2009, als sich die Familie
in einem Camp in C._ aufgehalten habe – in D._ Distrikt
Kilinochchi, gelebt. Bis zum Jahr 2000 sei sein Vater bei den LTTE (Tamil
Tigers of Tamil Eelam) gewesen, damals habe dieser den Fuss gebrochen
respektive gemäss seiner Mutter sei dem Vater durch die Armee das Bein
gebrochen worden. Er selber sei nie bei den LTTE gewesen. Bis zur 10.
Klasse habe er die Schule besucht, aber die Examen nicht machen kön-
nen. Von der Schule aus sei ein Verein namens E._ errichtet wor-
den mit dem Ziel, vom Krieg geschädigten Menschen zu helfen. Er sei dort
beigetreten und habe verschiedene Leistungen erbracht. Mit zwei Kollegen
seines Vaters, den Brüdern B. und A., die ebenfalls bei den LTTE gewesen
seien, habe er an verschiedenen Protesten teilgenommen, beispielsweise
für den Abzug des Militärs aus F._ oder für die Abklärung der Hin-
tergründe eines Mordes. Nach diesen Protesten sei er im Mai respektive
Juli 2012 festgenommen und während 13 Tagen festgehalten, befragt und
geschlagen worden. Der (...) habe sich für ihn eingesetzt, wonach er frei-
gelassen worden sei. Danach habe er mit einem Mitglied der TNA (Tamil
National Alliance) zwecks Propaganda Meetings veranstaltet. Ausserdem
habe er sich zusammen mit weiteren Personen anlässlich des Besuchs
von Navaneetha "Navi" Pillai (United Nations High Commissioner for Hu-
man Rights: Anmerkung des Gerichts) nach Colombo begeben, wo eine
Anzeige wegen Kriegsverbrechen und Verstössen gegen Menschenrechte
übergeben worden sei. Als er aus Colombo zurückgekehrt sei, sei er im Juli
respektive September 2013 vom CID (Criminal Investigation Departement)
festgenommen worden. Während 24 Tagen sei er geschlagen und gequält
worden. Danach habe man ihn im August 2013 respektive im April 2014
über ein TNA-Mitglied befragt, aber wieder gehen gelassen. Nachdem sein
Freund I. mitgenommen und unter Vorhaltens eines Fotos über ihn (den
Beschwerdeführer) sowie B. und A. befragt worden sei, habe er sich auf
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Anraten seiner Mutter versteckt und sei nach zwei Monaten – im August
2014 – mit Hilfe eines Schleppers ausgereist.
A.c Bei Einreichung seines Asylgesuchs gab der Beschwerdeführer seine
Identitätskarte (Original) sowie eine Kopie seines Geburtsscheins ab. An-
lässlich der Anhörung reichte er zudem ein Schreiben des Parlamentsmit-
glieds G._ zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 24. August 2015 (recte: 2017) – eröffnet am 31. August
2017 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlings-
eigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus
der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an.
C.
Am 2. Oktober 2017 liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsver-
treter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die Verfügung
vom 24. August 2017 erheben. Er beantragte, es sei ihm unverzüglich das
Spruchgremium mitzuteilen und dessen zufällige Auswahl zu bestätigen,
es sei ihm vollständige Einsicht in die gesamten Akten des SEM, insbeson-
dere in die Aktenstücke A10 (Begleitnotiz-Poolanhörung), und in sämtliche
nicht öffentlich zugänglichen Quellen des Lagebildes des SEM vom 16. Au-
gust 2016 zu gewähren und ihm anschliessend eine angemessene Frist
zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen, es sei die Ver-
fügung des SEM vom 24. August 2017 wegen Verletzung des Willkürver-
botes aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, even-
tuell sei die angefochtene Verfügung wegen Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör aufzuheben und die Sache sei an die Vorinstanz zurück-
zuweisen, eventuell sei die Verfügung wegen der Verletzung der Begrün-
dungspflicht aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventuell
sei die Verfügung aufzuheben und die Sache zur Feststellung des vollstän-
digen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurtei-
lung an das SEM zurückzuweisen, eventuell sei die Verfügung aufzuheben
und seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren,
eventuell sei die Verfügung betreffend die Dispositivziffern 4 und 5 aufzu-
heben und die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs festzustellen.
Der Beschwerde lagen diverse Unterlagen (unter anderem Stellungnahme
Advokaturbüro Püntener vom 30. Juli 2016 zum Lagebild des SEM vom
5. Juli 2016; Stellungnahme Advokaturbüro Püntener vom 18. Oktober
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2016 zum Lagebild des SEM vom 16. August 2016 und ein Bericht des
Rechtsvertreters zur allgemeinen Lage in Sri Lanka, Stand 12. Oktober
2017 inkl. einer CD mit Quellen) bei.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 16. Oktober 2017 stellte die Instruktionsrich-
terin fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten dürfe. Dem Beschwerdeführer wurde der Spruchkörper
mitgeteilt, der Antrag betreffend Bestätigung der zufälligen Auswahl des
Spruchgremiums wurde im Sinne einer Verweisung auf die betreffenden
Bestimmungen des Geschäftsreglements vom 17. April 2008 für das Bun-
desverwaltungsgericht (VGR, SR 173.320.1) behandelt und ihm Frist bis
zum 31. Oktober 2017 angesetzt, um einen Kostenvorschuss in der Höhe
von Fr. 1500.— zu leisten.
E.
Mit Eingabe vom 31. Oktober 2017 reichte der Beschwerdeführer vier Bil-
der von Narben an verschiedenen Körperteilen ([...]) zu den Akten. Glei-
chentags wurde der verlangte Kostenvorschuss geleistet.
F.
Die Instruktionsrichterin wies die Anträge um Gewährung der Akteneinsicht
sowie um Offenlegung sämtlicher nicht öffentlich zugänglicher Quellen des
Lagebildes des SEM vom 16. August 2016 einschliesslich Ansetzung einer
Frist zur Beschwerdeergänzung mit Verfügung vom 9. November 2017 ab.
Gleichzeitig wurde das SEM zur Einreichung einer Vernehmlassung einge-
laden.
G.
Das SEM liess sich am 23. November 2017 zur Beschwerde vernehmen.
H.
Mit Eingabe vom 5. Dezember 2017 erneuerte der Beschwerdeführer sei-
nen Antrag auf Offenlegung der Quellen des Lagebildes des SEM, ebenso
den Antrag auf Gewährung der vollständigen Akteneinsicht und Ansetzung
einer Frist zur Beschwerdeergänzung.
I.
Mit als "Update Länderinformationen und neuer Länderbericht vom 23. Ja-
nuar 2020" betitelter Eingabe vom 19. März 2020 machte der Beschwer-
deführer Ausführungen zur menschenrechtlichen und politischen Situation
in Sri Lanka und reichte eine CD mit diversen Beilagen, darunter einen vom
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Rechtsvertreter verfassten Länderinformationsbericht, Stand 23. Januar
2020, inklusive Anhang (Quellen), zu den Akten.
J.
Mit Verfügung vom 17. Februar 2021 wurde dem Beschwerdeführer Gele-
genheit gegeben, sich bis zum 4. März 2021 zur vorinstanzlichen Vernehm-
lassung zu äussern. Davon machte der Beschwerdeführer mit Eingabe
vom 4. März 2021 unter Einreichung weiterer Beweismittel zu seinem exil-
politischen Engagement Gebrauch.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG (SR
142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
2.
2.1 Der Antrag auf Bestätigung der zufälligen Auswahl des Spruchkörpers
wurde mit Zwischenverfügung vom 12. Dezember 2017 behandelt.
2.2 Der Spruchkörper geht aus dem Rubrum des vorliegenden Urteils her-
vor.
2.3 Mit seiner Eingabe vom 5. Dezember 2017 erneuerte der Beschwerde-
führer seine Anträge auf Offenlegung der Quellen des Lagebildes des SEM
sowie auf vollständige Akteneinsicht und Fristansetzung zur Beschwerde-
ergänzung.
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2.3.1 Der Antrag auf Offenlegung der Quellen des Lagebildes des SEM ist
unter Hinweis auf die Ausführungen in der Instruktionsverfügung vom
9. November 2017 (erneut) abzuweisen. Die Ausführungen in der Eingabe
des Beschwerdeführers vom 5. Dezember 2017 und der Umstand, dass er
die Rechtsauffassung des Bundesverwaltungsgerichts nicht teilt, vermö-
gen daran nichts zu ändern.
2.3.2 Ebenfalls bereits mit der genannten Instruktionsverfügung wurde
dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass im internen Aktenstück A10 festge-
halten werde, die Anhörung des Beschwerdeführers könne durch eine Mit-
arbeiterin oder einen Mitarbeiter des Befragungspools des SEM durchge-
führte werden. Inwiefern dieser Feststellung Beweischarakter zukommen
könnte, wie der Beschwerdeführer meint, ist nicht ansatzweise ersichtlich.
Auch dieser (erneute) Verfahrensantrag ist somit abzuweisen.
3.
3.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.2 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen (Missachtung
des Willkürverbots, Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör inklu-
sive Verletzung der Begründungspflicht, unvollständige und unrichtige Ab-
klärung des rechtserheblichen Sachverhalts) erhoben. Diese sind vorab zu
beurteilen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanz-
lichen Verfügung zu bewirken.
3.3 Unter dem Titel der Verletzung des Willkürverbotes macht der Be-
schwerdeführer geltend, das SEM habe im angefochtenen Entscheid die
vom Bundesverwaltungsgericht in seinem Referenzurteil E-1866/2015 de-
finierten Risikofaktoren völlig ignoriert, obschon es an diese Rechtspre-
chung gebunden sei. Die verantwortlichen SEM-Angestellten müssten per-
sönlich sanktioniert werden, da die Missachtung der Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts eine ausserordentlich schwere Rechtsverlet-
zung darstelle.
Gemäss Lehre und Praxis liegt Willkür nur dann vor, wenn ein Entscheid
offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Wider-
spruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass
verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwider-
läuft (vgl. JÖRG PAUL MÜLLER/MARKUS SCHÄFER, Grundrechte in der
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Schweiz, 4. Aufl., Bern 2008, S.11; ULRICH HÄFELI/WALTER HALLER/HELEN
KELLER/DANIELA THURNHEER, Schweizerisches Bundesstaatsrecht,
10. Aufl., Zürich 2020, N 812 f.; BGE 133 I 149 E. 3.1, mit weiteren Hinwei-
sen). Im vorliegenden Fall ist nicht ersichtlich, inwiefern eine Missachtung
des Willkürverbotes vorliegen sollte. Vielmehr ist festzustellen, dass das
SEM in der angefochtenen Verfügung in nachvollziehbarer und genügend
differenzierter Weise dargelegt hat, weshalb die gemäss Rechtsprechung
des Bundesverwaltungsgerichts definierten Risikofaktoren nicht erfüllt
seien (vgl. angefochtene Verfügung S. 5 f.). Die Rüge der Verletzung des
Willkürverbots und die damit zusammenhängende Kritik ist daher als un-
begründet zu qualifizieren.
3.4
3.4.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss
so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht.
Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un-
richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
3.4.2 Als Mangel der BzP und damit Verletzung des Gehörsanspruches
rügt der Beschwerdeführer, das SEM habe zur Beurteilung der Glaubhaf-
tigkeit Aussagen aus der BzP herangezogen, obschon er seine Asylvor-
bringen dort nicht vollständig habe darlegen können.
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Wie bereits aus der Bezeichnung "Befragung zur Person" hervorgeht,
diente diese in erster Linie der Erhebung der Personalien einer asylsuchen-
den Person. Eine Befragung zu den Asylgründen fand unter bisherigem
Recht, wenn überhaupt, regelmässig nur summarisch statt, so auch im vor-
liegenden Fall. Wie die entsprechenden Angaben des Beschwerdeführers
zu den Asylgründen bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit zu gewichten
sind, stellt keine Frage des Anspruches auf rechtliches Gehör dar, sondern
ist vielmehr eine Frage der Beweiswürdigung. Die Rüge der Verletzung des
Anspruches auf rechtliches Gehör erweist sich als unbegründet.
3.4.3 Weiter beanstandet der Beschwerdeführer die Übersetzung im Rah-
men der Anhörung und beantragt, im Falle einer Rückweisung habe das
SEM offenzulegen, welchem Auswahlverfahren die anlässlich der Anhö-
rung tätige Übersetzerin unterzogen worden sei und wie sich ihre sprachli-
chen Kompetenzen beziehungsweise Schulung darstelle. Den Protokollen
sind jedoch insgesamt keine nennenswerten Hinweise dafür zu entneh-
men, dass die Dolmetscherin nicht in der Lage gewesen wäre, die Fragen
und Antworten zu übersetzen; sie lassen auch keine Zweifel an deren Qua-
lifikation zu. Die in der Beschwerde (S. 17) aufgeführten Beispiele vermö-
gen keine ungenügende Übersetzungsleistung zu belegen, zumal der Be-
schwerdeführer zu Beginn der Anhörung bestätigt hatte, die Dolmetscherin
zu verstehen (SEM-Akten A13 S. 1), er am Ende ebenso bestätigte, dass
ihm das Protokoll Satz für Satz vorgelesen und in eine ihm verständliche
Sprache übersetzt worden sowie vollständig sei und seinen freien Äusse-
rungen entspreche. Auch die anwesende Hilfswerksvertretung vermerkte
keine mangelhaften Deutschkenntnisse der Übersetzerin (SEM-Akten A13
letzte Seite [Unterschriftenblatt der Hilfswerkvertretung]). Der Einwand des
Beschwerdeführers erweist sich als nicht stichhaltig. Auf den Antrag für den
Fall einer diesbezüglichen Rückweisung ist bei dieser Sachlage nicht wei-
ter einzugehen.
3.4.4 Der Beschwerdeführer monierte sodann eine Verletzung seines An-
spruches auf rechtliches Gehör, da das SEM ihn trotz des grossen zeitli-
chen Abstandes zwischen der Anhörung und dem Entscheid nicht noch-
mals angehört habe.
Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör ergeben sich keine zeitlichen Vor-
gaben für die Vorinstanz (vgl. etwa Urteile des BVGer D-4285/2017 vom
6. Juli 2020 E. 3.3 und E-4282/2018 vom 4. März 2020 E. 4.3.4). Ebenso
wenig hat die Vorinstanz den Sachverhalt unvollständig festgestellt. Entge-
gen der Darstellung in der Beschwerde ist nicht ersichtlich, inwiefern für
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Seite 9
den Beschwerdeführer der ausdrückliche Hinweis anlässlich der Anhörung,
er sei verpflichtet, das Staatsekretariat auch während des gesamten wei-
teren Asylverfahrens über allfällige Ereignisse (z.B. Vorkommnisse in Sri
Lanka, politische Tätigkeit in der Schweiz) zu informieren (vgl. SEM-Akten
A13 S. 2), nicht verständlich gewesen wäre. Beim Inhalt des in der Be-
schwerde zitierten Rechtsgutachtens handelt es sich lediglich um Empfeh-
lungen an das SEM, aus welchen keine Ansprüche abgeleitet werden kön-
nen.
3.4.5 Des Weiteren bemängelt der Beschwerdeführer, dass nicht die glei-
che Person die Anhörung durchgeführt und den Entscheid verfasst habe.
Es trifft zu, dass zwei verschiedene Personen mit der Leitung der Anhörung
und dem Verfassen des angefochtenen Entscheides befasst waren. Dass
dem Beschwerdeführer dadurch im vorliegenden Fall ein Nachteil erwach-
sen wäre, ist aber nicht ersichtlich. Es mag wünschenswert sein, dass die-
jenige Person, welche die Verfügung erlässt, sich anlässlich der Anhörung
einen persönlichen Eindruck von der asylsuchenden Person machen
konnte, zwingend ist dies indessen nicht. Grundlage für die Beurteilung der
Aussagen bildet das Protokoll, dass alle wesentlichen Aspekte der Anhö-
rung (mithin auch Nonverbales) zu enthalten hat. Dass dies vorliegend
nicht der Fall wäre, macht der Beschwerdeführer nicht geltend und ergibt
sich auch nicht aus den Akten. In Bezug auf die Empfehlungen von Prof.
Dr. Walter Kälin kann auf die vorstehenden Ausführungen verwiesen wer-
den. Anlass zur Vornahme von Weiterungen (vgl. Beschwerde S. 21) be-
steht nicht.
3.5 Mit seinen Ausführungen unter dem Titel "Verletzung der Begründungs-
pflicht" (vgl. Beschwerde Ziff. 5.3 S. 21 bis 24) macht der Beschwerdefüh-
rer keine entsprechende Rüge geltend, vielmehr bemängelt er die vorin-
stanzliche Beweiswürdigung. Einen formellen Mangel vermag er damit
nicht darzulegen.
3.6 Gerügt wird in der Beschwerde überdies, der rechtserhebliche Sach-
verhalt sei unrichtig und unvollständig abgeklärt worden. Dabei wird im We-
sentlichen auf die unzutreffende Einschätzung der länderspezifischen
Lage in Sri Lanka durch das SEM (und das BVGer) hingewiesen, auf das
zwischenzeitlich ergangene Urteil des High Court C._ vom Juli
2017 sowie auf die zu erwartende Vorsprache auf dem sri-lankischen Ge-
neralkonsulat und die Ereignisse bei den Rückschaffungen vom 16. No-
vember 2016 sowie im Jahr 2017.
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Die Vorinstanz hat die individuellen Asylgründe genügend abgeklärt. Sie
hat nicht verkannt, dass der Vater des Beschwerdeführers für die LTTE
gearbeitet habe. Soweit der Beschwerdeführer neue Sachverhalte vor-
bringt, ist auf E. 3.3.3 zu verweisen. Wovon die Vorinstanz keine Kenntnis
hat, kann sie auch nicht abklären. Ob die neuen Vorbringen Anlass zu wei-
teren Abklärungen geben, wird nachfolgend zu prüfen sein. Sodann ist fest-
zuhalten, dass allein der Umstand, dass die Vorinstanz in ihrer Länderpra-
xis zu Sri Lanka einer anderen Linie folgt als vom Beschwerdeführer ver-
treten, und sie aus sachlichen Gründen zu einer anderen Würdigung der
Vorbringen (inkl. Risikoanalyse) gelangt als vom Beschwerdeführer ver-
langt, stellt keine ungenügende Sachverhaltsfeststellung dar. Hinsichtlich
der Vorsprache auf dem Generalkonsulat kann zudem auf die diesbezügli-
che Rechtsprechung (vgl. BVGE 2017 VI/6 E. 4.3.3) verwiesen werden.
Hinsichtlich des Vorbringens, das Lagebild des SEM vom 16. August 2016
erweise sich als unrichtig, indem es sich in wesentlichen Teilen auf nicht
existierende oder nicht offengelegte Quellen stütze, kann dieser Argumen-
tation – wie vom BVGer in mehreren Urteil festgestellt (vgl. etwa Urteile
des BVGer D-4794/2017 vom 24. August 2021 E. 4.6, E-5504/2019 vom
25. Februar 2021 E. 4.2.4, D-7345/2017 vom 14. Dezember 2020 E. 4.3,
D-6394/2017 vom 27. November 2017 E. 4.1 – offensichtlich nicht gefolgt
werden. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer die Schlussfolgerungen
des Lagebildes als unzutreffend erachtet, begründet für sich keinen formel-
len Mangel.
3.7 Die formellen Rügen erweisen sich demzufolge als unbegründet, wes-
halb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfügung aus formel-
len Gründen aufzuheben und die Sache an das SEM zurückzuweisen.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer stellt für den Fall einer materiellen Beurteilung
seiner Beschwerde durch das Bundesverwaltungsgericht folgende Beweis-
anträge:
 Er sei erneut anzuhören, und zwar durch diejenige Person, welche mit der
Sache betraut sei, und unter Beizug einer qualifizierten Übersetzungsper-
son [1]
 Das SEM habe gegenüber dem BVGer und dem Beschwerdeführer offen-
zulegen, welchem Auswahlverfahren die Übersetzerin in der Anhörung
unterzogen worden sei und wie sich ihre sprachlichen Kompetenzen bzw.
Schulung darstellten [2]
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Seite 11
 Es seien die zur Anhörung intern angelegten Akten beizuziehen, aus wel-
che sich ergeben müsse, welchen persönlichen Eindruck die für die An-
hörung verantwortliche Person hinsichtlich der Glaubhaftigkeit der Vor-
bringen des Beschwerdeführers gehabt habe [3]
 Es sei eine angemessene Frist zur Dokumentation der exilpolitischen Tä-
tigkeiten des Beschwerdeführers in der Schweiz anzusetzen [4]
 Im Falle von Zweifeln am Beweiswert des Schreibens des TNA-Politikers
H._ wäre dieser durch die Schweizer Botschaft in Colombo als
Zeuge zu befragen [5]
 Im Falle von Zweifeln am Beweiswert der Folternarben des Beschwerde-
führers wäre ihm eine angemessene Frist zur Dokumentation dieser Nar-
ben anzusetzen; zudem wäre von Amtes wegen eine ärztliche Abklärung
zur Entstehung dieser Narben in die Wege zu leiten [6]
4.2 Hinsichtlich der Beweisanträge 1, 2 und 3 kann auf die vorstehenden
Erwägungen verwiesen werden. Eine Fristansetzung zur Einreichung einer
Dokumentation seiner exilpolitischen Aktivitäten (Beweisantrag 4) erübrigt
sich schon angesichts der ihn treffenden Mitwirkungspflicht, im Übrigen
hatte er seit Beschwerdeerhebung zweifellos genügend Zeit, eine solche
einzureichen, was er im Rahmen der Replik auch getan hat. Abzuweisen
im Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung ist der Antrag auf Zeugen-
befragung von H._ (Beweisantrag 5), da nicht ersichtlich ist, inwie-
fern dieser andere Aussagen machen könnte als diejenigen, die bereits in
schriftlicher Form vorliegen. Zu prüfen wird sodann nachfolgend sein, in-
wiefern allfällige Narben des Beschwerdeführers im Rahmen der Würdi-
gung seiner Aussagen von Relevanz sind.
4.3 In der Eingabe vom 19. März 2020 wird schliesslich der Antrag gestellt,
es sei abzuklären, ob der Name des Beschwerdeführers auf dem Mobilte-
lefon der entführten Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft in Co-
lombo zu finden sei. Diesbezüglich kann dem Beschwerdeführer mitgeteilt
werden, dass sich gemäss Auskunft der Botschaft keine Daten über sich in
der Schweiz aufhaltende, asylsuchende Personen aus Sri Lanka auf dem
beschlagnahmten Mobiltelefon der vom Sicherheitsvorfall betroffenen lo-
kalen Angestellten der Schweizer Botschaft befanden und auch anderwei-
tig keine Informationen in Bezug auf die erwähnten Personen an Dritte ge-
langten.
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Seite 12
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen
Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier
verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2012/5 E. 2.2).
6.
6.1 Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Vorbringen des Beschwerdeführers würden teilweise den Anforderungen
an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG und teilweise denjenigen an
die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten.
6.1.1 Als nicht glaubhaft erachtete die Vorinstanz die Ausführungen des
Beschwerdeführers zu den in Sri Lanka erlittenen Verfolgungshandlungen
durch die sri-lankischen Behörden. Die Ausführungen zum politischen En-
gagement wiesen in zentralen Punkten Widersprüche auf, so beispiels-
weise zur Frage, ob er Mitglied bei der TNA-Partei oder nur deren Hilfsper-
son gewesen sei. Er habe sodann weder deren Gründungsdatum noch de-
ren Sitzanzahl im Parlament nennen können. Sein geringes Wissen er-
staune angesichts seines Vorbringens, er sei zumindest eine Hilfsperson
gewesen, habe deren Aktionen aktiv unterstützt und sich jahrelang gemein-
sam mit zwei Freunden seines Vaters, welche damals gute Positionen in
der TNA-Partei innegehabt hätten, politisch engagiert. Weiter hielt das
SEM fest, die Aussagen zu seinen konkreten politischen Handlungen, etwa
dem Einreichen eines Schreibens bei einer Menschenrechtsorganisation,
seien oberflächlich, vage und unkonkret ausgefallen. So erstaune, dass er,
obschon er gemäss seiner letzten Aussage das Schreiben nicht selber ein-
gereicht, sondern nur beim Auto gewartet habe, in den Fokus der Behörden
geraten und mehr als drei Wochen in Haft gewesen sein solle. Auch habe
er hinsichtlich der aus der politischen Aktivität resultierenden Verfolgung
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Seite 13
widersprüchliche Aussagen gemacht (beispielsweise unterschiedliche zeit-
liche und örtliche Angaben in Bezug auf die beiden Festnahmen sowie den
Ort der Haft). Auf die Widersprüche angesprochen habe er keine plausible
Erklärung abgeben können. Die Aussagen zur Verfolgung seien sodann
platt, oberflächlich und stereotyp ausgefallen. Das eingereichte Schreiben
des Parlamentsmitglieds (...) sei nicht geeignet, die Verfolgung zu belegen,
da ihm kein Beweiswert zukomme. Zuletzt sei festzuhalten, dass auch die
Aussagen bezüglich des ausreiseauslösenden Ereignisses widersprüch-
lich ausgefallen seien, so habe er unter anderem unterschiedliche Anga-
ben zum Zeitpunkt des letzten Kontaktes mit den sri-lankischen Behörden
gemacht.
6.1.2 Des Weiteren kam das SEM zum Schluss, es bestehe kein begrün-
deter Anlass zur Annahme, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zu-
kunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde. Die
Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie und die Landesabwesenheit reiche
gemäss geltender Praxis nicht aus, um von Verfolgungsmassnahmen bei
der Rückkehr auszugehen. Auch eine Befragung bei der Rückkehr sowie
eine allfällige Eröffnung eines Strafverfahrens zufolge illegaler Ausreise
stellten keine asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen dar. Dasselbe gelte
für allfällige Kontrollmassnahmen am Herkunftsort. Gemäss Aussagen des
Beschwerdeführers habe nur sein Vater engeren Kontakt mit den LTTE ge-
habt, allerdings nur bis zu seinem Unfall im Jahr 2000. Da der Beschwer-
deführer für den Zeitraum bis zu seiner Ausreise keine asylrelevanten Ver-
folgungsmassnahmen habe glaubhaft machen können, hätten allfällige im
Zeitpunkt der Ausreise bestehende Risikofaktoren kein Verfolgungsinte-
resse der sri-lankischen Behörden auszulösen vermocht. Aufgrund der Ak-
tenlage sei nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nunmehr in den
Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden
sollte. Er erfülle kein Risikoprofil, das ihn in den Augen der sri-lankischen
Sicherheitsbehörden als Person erscheinen lasse, die bestrebt sei, den ta-
milischen Separatismus wiederaufleben zu lassen. Die Fragen, ob er tat-
sächlich an Demonstrationen gegen die Präsenz der sri-lankischen Armee
im Norden Sri Lankas teilgenommen habe und wohltätig für Tamilen in Sri
Lanka aktiv gewesen sei, könnten offengelassen werden.
6.2
6.2.1 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Rechtsmittelschrift zu-
nächst, dass SEM habe bei der Glaubhaftigkeitsprüfung verkannt, dass er
objektive Beweise für seine Verfolgungsvorbringen habe, nämlich seine
D-5610/2017
Seite 14
Körpernarben sowie das Schreiben des Parlamentariers S.S. Angesichts
des Urteils des Gerichts in C._ sei sodann auch der Nachweis für
die Unrichtigkeit des Lagebildes des SEM erbracht.
6.2.2 Dem Vorhalt des SEM, er habe seine politischen Aktivitäten nur in
allgemeiner Weise vorgebracht, hielt der Beschwerdeführer entgegen, er
habe anlässlich der Anhörung erklärt, wen er mit dem Ausdruck "wir" ge-
meint habe. Er habe weiter konkretisiert, dass er mit B. und A. zur Men-
schenrechtsorganisation gegangen sei, er seitens der Partei den Auftrag
gehabt habe, das Schreiben zu übergeben, B. und A. dies schliesslich ge-
macht hätten. Überdies habe er zu Protokoll gegeben, dass sein gesamtes
politisches Engagement zu seiner zweiten Verhaftung geführt habe. Es
habe sich um eine absolut logische Darlegung und eine schrittweise Kon-
kretisierung der Geschehnisse und Herleitung der resultierenden Verfol-
gung gehandelt. Auch in Bezug auf die zweite Inhaftierung verkenne das
SEM durch seinen Verweis auf die genannte Protokollstelle, dass er sich
im Rahmen seiner Anhörung bereits früher zur entsprechenden Inhaftie-
rung habe äussern können. Er habe den Raum, in welchem er festgehalten
worden sei, sehr detailliert beschrieben und die entsprechenden Befragun-
gen in direkter Rede wiedergegeben. Es handle sich um ausführliche Schil-
derungen mit sogenannten Realkennzeichen. Die vom SEM erwähnten
vermeintlichen Widersprüche seien in erster Linie darauf zurückzuführen,
dass er sich in der BzP nicht ausführlich habe äussern können. Bei den
aufgeführten Widersprüchen (unterschiedliche Nennung von Daten) ver-
kenne das SEM, dass zwischen der Anhörung und den Ereignissen teil-
weise mehrere Jahre vergangen seien. Nicht zuletzt seien mehrere der an-
geblichen Unstimmigkeiten auf eine fast bösartige Spitzfindigkeit des ver-
antwortlichen Sachbearbeiters zurückzuführen. So habe er jederzeit gel-
tend gemacht, lediglich Unterstützungstätigkeiten zugunsten der TNA ge-
tätigt zu haben, insbesondere habe er anlässlich der BzP auf die Frage
"Sind Sie Mitglied einer politischen Partei oder Organisation?" geantwortet,
"Ja, ich unterstütze die TNA-Partei". Dass er nicht über ein grosses Wissen
zur TNA verfüge, sei logischerweise wiederum darauf zurückzuführen,
dass er diese zwar bei konkreten Aktionen unterstützt habe, aber eben nie
Mitglied der Partei geworden sei. Die vom SEM ausgemachten Widersprü-
che seien auf eine unsorgfältige und nicht ernsthafte Auseinandersetzung
zurückzuführen. Hinzu komme, dass er in Sri Lanka anhaltend gesucht
werde, und von seiner Mutter sowie vom Bruder seit der Flucht des Be-
schwerdeführers jede Spur fehle. Es sei unklar, ob sie sich versteckt hielten
D-5610/2017
Seite 15
oder von den sri-lankischen Behörden entführt worden seien. Richtiger-
weise hätte die Vorinstanz von einer glaubhaft gemachten Vorverfolgung
seiner Person ausgehen müssen.
6.2.3 Weiter brachte der Beschwerdeführer unter anderem unter Hinweis
auf das Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 vor, er erfülle zahlreiche der vom Bundesverwaltungsgericht
definierten Risikofaktoren. Er stamme angesichts der LTTE-Vergangenheit
des Vaters aus einer LTTE-Familie und habe Kontakt zu zwei ehemaligen
LTTE-Mitgliedern gehabt, welche sich für die TNA beziehungsweise gegen
die sri-lankische Regierung eingesetzt hätten. Als enger Vertrauter dieser
beiden Personen sei er in den Fokus der sri-lankischen Sicherheitskräfte
geraten und zwei Mal für mehrere Wochen inhaftiert worden. Unter diesen
Voraussetzungen sei gesichert, dass er auf einer Stop- oder Watch-List
aufgeführt sei. Mit der Flucht ins Ausland und dem mehrjährigen Aufenthalt
in einem tamilischen Diasporazentrum habe er sich weiter verdächtigt ge-
macht, Wiederaufbaubestrebungen der LTTE getätigt zu haben. Hinzu kä-
men die exilpolitischen Aktivitäten und die zwangsweise Rückschaffung mit
temporären Reisedokumenten. Diese Konstellation würde zu einer nähe-
ren Überprüfung seiner Person führen, wobei die zahlreichen weiteren Ri-
sikofaktoren zutage treten würden, wie etwa seine zahlreichen Folternar-
ben. Er würde entweder direkt am Flughafen oder aber zu einem späteren
Zeitpunkt verhaftet, dies mit asylrelevanten Folgen, weshalb er als Flücht-
ling anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren sei.
6.3 Die Vorinstanz führt in ihrer Vernehmlassung zur Frage der exilpoliti-
schen Betätigung aus, der Beschwerdeführer bringe eine solche nur in all-
gemeiner Weise vor. Er schildere nicht konkret, welche Veranstaltungen er
besucht habe oder wie er sich dabei genau exponiert haben wolle.
6.4 In seiner Replik verwies der Beschwerdeführer zum einen auf die ver-
änderte Situation in Sri Lanka, zum anderen führte er diverse exilpolitische
Aktivitäten auf. Des Weiteren nennt er mit der Verhaftung eines Ehepaares
in Sri Lanka im Dezember 2020 ein Ereignis, welches dokumentiere, dass
die sri-lankischen Behörden auch von einer akuten Gefahr der Wiederbe-
lebung der LTTE durch Tamilen in der Schweiz ausgingen. In seinen Fall
seien sämtliche vom Bundesverwaltungsgericht definierten Risikofaktoren
erfüllt.
D-5610/2017
Seite 16
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers im
Ergebnis zu Recht abgelehnt hat. Im Wesentlichen kann auf die Erwägun-
gen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Die Ausführungen
auf Beschwerdeebene sind nicht geeignet, zu einer anderen Beurteilung
zu gelangen.
7.2 Anzumerken ist zunächst, dass die Vorinstanz das eingereichte Schrei-
ben eines Parlamentsmitgliedes zu Recht nicht als objektiven Beweis für
die Vorverfolgung qualifiziert hat. Auch die Narben des Beschwerdeführers
vermögen keinen objektiven Beweis darzustellen, da diese auch in ande-
rem Zusammenhang als behauptet entstanden sein können. Eine ärztliche
Bestätigung, dass die Narben von Folterungen stammen können, würde zu
keinem anderen Ergebnis führen, weshalb keine Veranlassung für entspre-
chende Abklärungen besteht, unabhängig davon, dass der Beschwerde-
führer solche ohnehin selber hätte vornehmen lassen können. Der in der
Beschwerdeschrift geäusserten Kritik zur Frage einer Mitgliedschaft des
Beschwerdeführers bei der TNA ist insofern beizupflichten, als sich aus der
protokollierten Antwort des Beschwerdeführers anlässlich der BzP nicht
schlüssig ergibt, ob er sich tatsächlich als Mitglied oder (nur) als Unterstüt-
zer bezeichnete ("F: Sind Sie Mitglied einer politischen Partei oder Organi-
sation? A: Ja, ich unterstütze die TNA-Partei."). Von bösartiger Spitzfindig-
keit kann angesichts der unklaren Antwort allerdings keine Rede sein. Im
Übrigen ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass die Angaben des Beschwer-
deführers zu seiner politischen Betätigung oberflächlich und vage ausge-
fallen sind. Angesichts der geschilderten untergeordneten Betätigungen ist
denn auch nicht ersichtlich, welche Erkenntnisse die Behörden vom Be-
schwerdeführer hätten erhältlich machen wollen. Die in der angefochtenen
Verfügung erwähnten Unstimmigkeiten in Bezug auf die Übergabe des
Schreibens in Colombo erweisen sich ebenfalls als zutreffend. Beizupflich-
ten ist der Vorinstanz auch darin, dass allein der Umstand, dass der Be-
schwerdeführer mit weiteren Parteimitgliedern nach Colombo gefahren
sein will, wo diese das Schreiben übergeben hätten, kaum dazu hätte füh-
ren können, dass er deshalb in den Fokus der sri-lankischen Behörden ge-
raten und in der Folge für mehr als drei Wochen in Haft gehalten worden
wäre. Aus dem Angaben des Beschwerdeführers ergibt sich sodann auch
nicht, dass sich B. und A., die höhere Positionen bei der TNA bekleidet
haben sollen und Kollegen des Vaters des Beschwerdeführers gewesen
seien, zugunsten des Beschwerdeführers eingesetzt hätten, was zu erwar-
ten gewesen wäre.
D-5610/2017
Seite 17
Ebenso als zutreffend erweisen sich Erwägungen des SEM zu den vom
Beschwerdeführer geschilderten, angeblich erlittenen Verfolgungshand-
lungen. Hinzu kommt, dass er sich auch hinsichtlich der Häufigkeit der an-
lässlich der zweiten Inhaftierung erlebten Befragungen und Misshandlun-
gen innerhalb der Anhörung widersprach (vgl. SEM-Akten A13 Antwort zu
F102 S. 12 und Antwort zu F118 S. 13).
Hinsichtlich des ausreiseauslösenden Ereignisses (der Freund I. sei nach
dem Beschwerdeführer gefragt worden) ist den vorinstanzlichen Ausfüh-
rungen hinzuzufügen, dass aus objektivierter Sicht keine konkrete Verfol-
gungsgefahr glaubhaft gemacht wurde. Gemäss Aussage des Beschwer-
deführers hätten ihm die Behörden im April 2014 einige Fotos gezeigt, ei-
nige Zeit später seien sie zu seinem Freund I. gegangen und hätten diesem
unter anderem auch ein Foto des Beschwerdeführers vorgelegt. Hätten die
Behörden tatsächlich ein Verfolgungsinteresse am Beschwerdeführer ge-
habt, ist nicht ersichtlich, weshalb sie ihn nicht bereits im April 2014 hätten
festnehmen können. Im Übrigen geht aus den Ausführungen des Be-
schwerdeführers in keiner Hinsicht hervor, dass und welche brisanten Er-
kenntnisse I. den Behörden über den Beschwerdeführer hätte liefern kön-
nen.
7.3 Es bleibt zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer trotz fehlender Vorver-
folgung bei einer Rückkehr nach Sri Lanka wegen des Bestehens eines
Risikoprofils aus anderen Gründen ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3
AsylG drohen würden.
7.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Ge-
fahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Zur Be-
urteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in
Form von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risiko-
faktoren identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder
vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der "Stop List" und die
Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als
stark risikobegründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid
dargelegten Umständen bereits für sich allein genommen zur Bejahung ei-
ner begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Fehlen
ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und
eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach risiko-
D-5610/2017
Seite 18
begründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weitrei-
chenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene Gruppe tatsächlich
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von
Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen Behörden
bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen und
so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die dargelegten
Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren Na-
men in der am Flughafen in Colombo abrufbaren Stop-List vermerkt seien
und der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungsweise einen
Strafregistereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder ver-
muteten Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte für sri-
lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch betätigt
hätten (vgl. a.a.O. E. 8).
7.3.2 An dieser Einschätzung vermag auch die aktuelle – zwar als volatil
zu bezeichnende – Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Am 16. November
2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsidenten Sri Lankas ge-
wählt. Kurz nach der Wahl ernannte dieser seinen Bruder Mahinda zum
Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in
die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Raja-
paksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche
Regierungsabteilungen oder -institutionen, und Beobachter und ethnische
oder religiöse Minderheiten befürchten insbesondere mehr Repression und
die vermehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -akti-
visten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regierungs-
kritischen Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regie-
rungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 21. November 2019). Am
5. August 2020 fanden Parlamentswahlen statt mit dem Resultat, dass der
Rajapaksa-Clan seine Macht in Sri Lanka ausweiten konnte (vgl. Sri Lanka:
Rajapaksa-Clan weitet seine Macht weiter aus [nzz.ch] vom 7. August
2020). Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri
Lanka bewusst, beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berück-
sichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kennt-
nisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungs-
lage auszugehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausge-
setzt sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren. Dennoch gibt
es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein-
zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen
D-5610/2017
Seite 19
zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Fol-
gen besteht.
7.3.3 Der Beschwerdeführer konnte nicht glaubhaft darlegen, bis zu seiner
Ausreise ernsthaften Nachteilen seitens der heimatlichen Behörden aus-
gesetzt gewesen zu sein. Ebenso wenig ergibt sich aus den Akten – ent-
gegen der Darlegung des Beschwerdeführers in der Replik vom 4. März
2021 – ein Risikoprofil, welches die Annahme einer künftigen Verfolgung
rechtfertigen würde. Die LTTE-Vergangenheit des Vaters liegt bereits mehr
als 20 Jahre zurück. Was die angebliche LTTE-Vergangenheit von B. und
A. anbelangt, ist nicht ersichtlich, weshalb deren Vergangenheit zwar zu
einer Verfolgungsgefahr für den Beschwerdeführer, aber nicht zur ihrer ei-
genen Verfolgung führen würde. Die vom Beschwerdeführer auf Beschwer-
deebene dokumentierten Narben vermögen weder für sich allein noch bei
einer Gesamtbetrachtung zu einem im erwähnten Referenzurteil darge-
stellten Risikoprofil zu führen.
Im Rahmen der Anhörung machte der Beschwerdeführer geltend, er habe
einmal an den Heldentagsfeierlichkeiten teilgenommen und dabei Flaggen
gehalten (vgl. SEM-Akten A13 F 133 und 134). In der Beschwerdeschrift
legte er dar, er engagiere sich regelmässig exilpolitisch, indem er insbe-
sondere regelmässig am sogenannten Heroes Day der LTTE vom 27. No-
vember teilnehme. Diesbezügliche Belege wurden nicht eingereicht. In der
Replik listet der Beschwerdeführer sodann mehrere Aktivitäten auf, wobei
er drei Veranstaltungsteilnahmen mit je einem Foto beziehungsweise ei-
nem Video belegen will. Entgegen der Darstellung in der Replik gelingt es
dem Beschwerdeführer indessen weder mit der Auflistung noch den dazu
eingereichten Beweismitteln, ein äusserst exponiertes und intensives exil-
politisches Engagement glaubhaft zu machen. Keinem der Beweismittel
lässt eine besondere Exponiertheit der abgebildeten Personen entnehmen,
überdies sind weder auf den Fotos noch dem Video einzelne Personen –
wenn überhaupt – gut erkennbar. Ebenso wenig lässt das im Video ersicht-
liche Winterwetter zwingend darauf schliessen, nur der harte Kern der sri-
lankischen, exilpolitisch engagierten Diaspora habe daran teilgenommen.
Anhaltspunkte dafür, dass die Aktivitäten des Beschwerdeführers über ein
niederschwelliges Engagement hinausgehen würden, liegen nicht vor.
Schliesslich ist anzumerken, dass es sich beim Vorbringen, die Mutter und
der Bruder des Beschwerdeführers seien kurz nach seiner Ausreise ver-
schwunden, um eine reine Parteibehauptung handelt. Suchbemühungen
seitens des Beschwerdeführers oder von Personen im Heimatland wurden
keine belegt.
D-5610/2017
Seite 20
Insgesamt bestehen keine konkreten Hinweise für ein aktuell bestehendes
Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden. Dies auch nicht
in Anbetracht der tamilischen Ethnie, der mehrjährigen Landesabwesen-
heit, der Asylgesuchstellung in der Schweiz, des Fehlens eines Reisepas-
ses und der Narben. Weiter sind Angehörige der tamilischen Ethnie bei ei-
ner Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Ge-
fahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt (vgl. Referenzurteil E-
1866/2015 E. 8.3). Dass der Beschwerdeführer in einer Stop List aufge-
führt sein soll, erscheint aufgrund des Gesagten höchst unwahrscheinlich.
Unter Würdigung aller Umstände ist nicht mit hinreichender Wahrschein-
lichkeit anzunehmen, dass er von der sri-lankischen Regierung verdächtigt
wird, bestrebt zu sein, den tamilischen Separatismus wieder aufleben zu
lassen, und so eine Gefahr für den sri-lankischen Einheitsstaat darzustel-
len. Die Ausführungen, dass der Beschwerdeführer als Angehöriger der Ri-
sikogruppe von Personen, die aus der Schweiz – einem tamilischen
Diasporazentrum – nach längerer Zeit zurückkehrten, verfolgt würde, geht
daher fehl.
Dies gilt auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Lage in Sri
Lanka. Mangels persönlichen Bezugs ist auch aufgrund der vom Be-
schwerdeführer angeführten politischen Ereignisse in Sri Lanka im Herbst
2018 sowie der Präsidentschaftswahl im November 2019 und des Aus-
gangs der Parlamentswahlen im August 2020 keine begründete Furcht vor
zukünftiger Verfolgung des Beschwerdeführers und eine etwaige Verschär-
fung der Gefährdungssituation zu bejahen. Eine auf seine Person bezo-
gene konkrete Gefährdung vermag der Beschwerdeführer mit seinen Aus-
führungen zur allgemeinen Situation in Sri Lanka und den dazu eingereich-
ten Dokumenten, Länderinformationen und Quellenverweisen nicht darzu-
legen. Es besteht kein konkreter Grund zur Annahme, die politischen Ent-
wicklungen in Sri Lanka könnten sich zum heutigen Zeitpunkt auf den Be-
schwerdeführer auswirken. Objektive Nachfluchtgründe, bei denen eine
Gefährdung entstanden ist aufgrund von äusseren, nach der Ausreise ein-
getretenen Umständen, auf die der Betreffende keinen Einfluss nehmen
konnte (vgl. BVGE 2010/44 E. 3.5 m.w.H.), liegen vorliegend nicht vor.
Schliesslich lässt sich auch aus dem allfälligen Einsatz temporärer Reise-
papiere keine relevante Gefährdung ableiten. Selbst wenn der Beschwer-
deführer ohne Reisepass respektive mit temporären Reisedokumenten
nach Sri Lanka zurückkehren müsste, würde dies zwar allenfalls bei der
Wiedereinreise zu einem "Background-Check" führen. Es muss damit ge-
rechnet werden, dass er nach dem Verbleib seiner Reisepapiere und zum
D-5610/2017
Seite 21
Grund seiner Ausreise befragt und überprüft wird. Dabei kann nicht ausge-
schlossen werden, dass er wegen des fehlenden Reisepasses gebüsst
wird, wobei ein entsprechendes Vorgehen der sri-lankischen Behörden
aber keine flüchtlingsrechtliche Relevanz entfaltet (vgl. Referenzurteil
E-1866/2015 E. 8.4.4).
7.4 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Das SEM hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
9.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
D-5610/2017
Seite 22
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.2.2 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement schützt nur
Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
9.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Dies ist dem Beschwerdeführer nicht gelungen. Auch die all-
gemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungs-
vollzug nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil des BVGer
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 sowie statt vieler Urteile des BVGer
D- 6855/2019 vom 20. Mai 2021 E. 8.3, D-5671/2018 vom 4. Dezember
2020 E. 7.2.3, D-4591/2017 vom 5. November 2020 E. 7.2.3, D-2130/2017
vom 14. Oktober 2020 E. 9.2.3 und E-6769/2019 vom 1. Oktober 2020
E. 8.3). Es ergeben sich aus den Akten auch keine konkreten Hinweise
darauf, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die
über einen sogenannten "Background Check" (Befragung und Überprü-
fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass
er persönlich gefährdet wäre. Daran vermögen der Regierungswechsel im
November 2019 und die seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts zu än-
dern.
D-5610/2017
Seite 23
9.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Das Bundesverwal-
tungsgericht geht weiterhin davon aus, dass der Wegweisungsvollzug in
die Nord- und Ostprovinz zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuel-
len Zumutbarkeitskriterien bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil
E-1866/2015 E. 13.2). Auch der Wegweisungsvollzug ins "Vanni-Gebiet"
gilt als zumutbar (vgl. Urteil des BVGer D-3619/2016 vom 16. Oktober
2017 E. 9.5). Diese Einschätzung bleibt auch nach den aktuellen Entwick-
lungen in Sri Lanka (vgl. dazu im Einzelnen etwa Urteil des BVGer
D-7353/2017 vom 24. Juni 2020 E. 11.3.1) und insbesondere auch nach
den Parlamentswahlen vom 5. August 2020 weiterhin zutreffend (vgl. statt
vieler Urteil des BVGer D-5671/2018 vom 4. Dezember 2020 E. 7.3.1).
9.3.2 Vorliegend sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Es kann diesbezüglich zunächst auf
die zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen
werden. Diesen hält der Beschwerdeführer weder in der Beschwerdeschrift
noch in den weiteren Eingaben an das Bundesverwaltungsgericht Stich-
haltiges entgegen. Es liegen damit keine Gründe für die Annahme vor, er
würde bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in eine existenzielle Notlage ge-
raten, die als konkrete Gefährdung zu werten wäre.
9.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
9.4 Des Weiteren obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). Schliesslich steht auch die Corona-
D-5610/2017
Seite 24
Pandemie dem Vollzug nicht entgegen. Es handelt sich dabei, wenn über-
haupt, um ein temporäres Vollzugshindernis, dem im Rahmen der Voll-
zugsmodalitäten Rechnung zu tragen ist.
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.6 Anzumerken bleibt der Vollständigkeit halber, dass es dem erwerbstä-
tigen Beschwerdeführer unbenommen ist, bei den zuständigen kantonalen
Behörden um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zu ersuchen.
10.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt
richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit dies-
bezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die aufgrund des überdurch-
schnittlichen Umfangs der Beschwerdeeingabe praxisgemäss auf
Fr. 1'500.– festzusetzenden Kosten (Art. 1–3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzu-
erlegen (Art. 63 Abs. 1 und 3 VwVG), wobei der am 31. Oktober 2017 ge-
leistete Kostenvorschuss zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwen-
den ist.
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 25