Decision ID: 1db496bb-641c-491e-a929-a2b7417a0287
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Schändung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 1. Abteilung - Einzelgericht, vom 10. Januar 2017 (GG160221)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 12.Oktober 2016
(Urk. D1/23) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz (Urk. 51 S. 42 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB
− der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 10 Monaten Freiheitsstrafe.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
4. Die mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 27. August 2015 (Geschäftsnummer
DG150132-L) angeordnete Probezeit von 2 Jahren wird um 1 Jahr verlängert.
5. Es wird die Abnahme einer DNA-Probe und die Erstellung eines DNA-Profils an-
geordnet.
6. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin aus dem
eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 3'000.– zuzüglich 5 % Zins
ab 31. August 2015 als Genugtuung zu bezahlen.
8. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2100.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 670.00 Kosten Kantonspolizei
Fr. 7700.00 amtliche Verteidigung
9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt, jedoch
erlassen.
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10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen;
vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
11. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. X._, wird mit
Fr. 7'700.– inkl. MWSt aus der Gerichtskasse entschädigt.
12. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin für das gesamte Verfahren
eine Prozessentschädigung von Fr. 7'000.– inkl. MWSt zu bezahlen.
13. (Mitteilungen)
14. (Rechtsmittel)
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 53 S. 1 f. i.V.m. Urk. 71 S. 1)
1. Es seien die Ziffern 1 bezüglich Schändung, 2, 3, 5, 6, 7, 9 und 12 des erst-
instanzlichen Urteils vom 10. Januar 2017 aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Schändung im Sinne Art. 191 StGB
freizusprechen.
3. Der Beschuldigte sei hinsichtlich der groben Verletzung der Verkehrsregeln
im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG mit 15 Tagessätzen à Fr. 30.00 unbedingt
zu bestrafen.
4. Die Zivilansprüche der Privatklägerin seien abzuweisen, soweit darauf ein-
getreten wird.
5. Es sei dem Beschuldigten eine angemessene Genugtuung zuzusprechen.
6. Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 9. Juni
2017 sei abzuweisen.
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7. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8% MwSt.) des erst- sowie
zweitinstanzlichen Verfahrens seien ausgangsgemäss zu regeln.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 73 S. 1)
1. Das erstinstanzliche Urteil vom 10. Januar 2017 sei im Schuldpunkt zu be-
stätigen.
2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten zu bestrafen.
3. Die Freiheitsstrafe sei zu vollziehen.
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschuldigten.
c) Der Privatklägerschaft B._:
(Urk. 74 S. 1)
1. Die Berufung des Beschuldigten und Berufungsklägers A._ sei abzu-
weisen.
2. Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft sei gutzuheissen.
3. Im Übrigen sei das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 10. Januar 2017
zu bestätigen.
4. Der Berufungskläger sei zu verurteilen, der Privatklägerin für das zweit-
instanzliche Verfahren eine angemessene Prozessentschädigung gemäss
ausgewiesener Honorarnote zu bezahlen.
5. Unter o/e-Kostenfolge.
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung von unnötigen Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 51 S. 5 f.;
Art. 82 Abs. 4 StPO).
1.2. Mit Urteil der I. Abteilung des Bezirksgerichts Zürich, Einzelgericht, vom
10. Januar 2017 wurde der Beschuldigte A._ im Sinne des eingangs wieder-
gegebenen Urteilsdispositivs schuldig gesprochen und bestraft. Gegen dieses Ur-
teil liess er innert Frist mit Schreiben vom 16. Januar 2017 Berufung anmelden
(Urk. 48). Das begründete Urteil wurde dem Verteidiger der Beschuldigten in der
Folge am 15. Mai 2017 zugestellt (Urk. 50/2), woraufhin dieser mit Eingabe vom
2. Juni 2017 fristgerecht die Berufungserklärung beim hiesigen Gericht einreichte
(Urk. 53).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 7. Juni 2017 wurde der Privatklägerin sowie
der Anklagebehörde Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben oder be-
gründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 55). Während die
Anklagebehörde mit Eingabe vom 9. Juni 2017 fristgerecht Anschlussberufung
erhob (Urk. 57), liess die Privatklägerin mit Eingabe vom 14. Juni 2017 mitteilen,
dass sie auf die Erhebung einer Anschlussberufung verzichte und auch kein
Nichteintreten auf die Berufung beantrage (Urk. 61).
1.4. Beweisanträge wurden im Rahmen des Vorverfahrens keine gestellt.
1.5. Am 11. Dezember 2017 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher
der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers Rechtsanwalt lic. iur.
X._ sowie der Staatsanwalt Dr. iur. Thomas Brändli und die Vertreterin der
Privatklägerin erschienen sind (Prot. II S. 5).
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2. Umfang der Berufung
2.1. In ihrer Berufungserklärung vom 2. Juni 2017 sowie anlässlich der Be-
rufungsverhandlung vom 11. Dezember 2017 beantragte die Verteidigung des
Beschuldigten einen Freispruch vom Vorwurf der Schändung sowie eine ent-
sprechende Neuregelung der Nebenfolgen (Urk. 55; Urk. 71 S. 1).
2.2. Die Anklagebehörde beschränkte ihre Anschlussberufung auf die Be-
messung der Strafe und den Vollzug (Urk. 57 und Urk. 73).
2.3. Dementsprechend sind Dispositiv Ziff. 1 al. 2 (Schuldspruch wegen grober
Verletzung der Verkehrsregeln), Ziff. 8 (Kostenfestsetzung), Ziff. 10 (einstweilige
Übernahme der Kosten für die amtlichen Verteidigung auf die Staatskasse) und
Ziff. 11 (Honorarfestsetzung für die amtliche Verteidigung) des vorinstanzlichen
Urteils nicht angefochten und damit in Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels
Beschluss festzustellen ist (Art. 404 Abs. 1 StPO).
2.4. Im übrigen Umfang steht das vorinstanzliche Urteil zwecks Überprüfung
zur Disposition.
II. Sachverhalt
3. Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, er habe am 31. August
2015 zwischen 6.00 Uhr und 6.15 Uhr morgens während einer Taxifahrt vom Res-
taurant C._ in Zürich-D._ bis zur E._-Strasse ... in der Nähe des
...platzes der Privatklägerin, welche als Fahrgast in erheblich alkoholisiertem und
schläfrigem Zustand auf dem Beifahrersitz gesessen sei, unvermittelt mit der
rechten Hand in die Hose bzw. in den Slip gefasst. Dabei habe er – mit der Hand-
fläche zur Vagina – seine Hand im Schambereich der Privatklägerin ca. drei- bis
viermal auf und ab bewegt (Urk. D1/23 S. 2).
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4. Ausgangslage
4.1. Der Beschuldigte stellte den ihm zur Last gelegten Vorwurf stets vehement
in Abrede. Nach seinen Darstellungen sei es zwischen ihm und der Privatklägerin
anlässlich der fraglichen Taxifahrt zu einer tätlichen Auseinandersetzung gekom-
men, weil die Privatklägerin ihre Füsse auf das Armaturenbrett gelegt habe. Sei-
ner Aufforderung, die Füsse herunter zu nehmen, sei sie nicht nachgekommen,
weshalb er ihre Füsse mit Gewalt in den Fussraum des Autos gedrückt habe. Da-
raufhin habe ihn die Privatklägerin angeschrien und tätlich angegriffen. Sie habe
ihn gebissen, ihm an die Genitalien gefasst und zudem diverse Beschädigungen
am Taxi verursacht (Urk. D1/1 S. 5 f., Urk. D1/2 S. 5 f., Urk. D1/5/1 und Prot. I.
S. 10 ff.).
4.2. Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, gestützt auf die konsistenten und
detailreichen Aussagen der Privatklägerin, welche mit genügend vielfältigen
Realkennzeichen versehen seien, sei anzunehmen, dass die Privatklägerin das
Geschilderte selber erlebt habe. Es sei schwer vorstellbar, dass ihre Aussagen
derart stimmig und authentisch ausgefallen wären, wenn es sich nicht um die
Schilderung von Erlebtem handeln würde. Die Aussagen des Beschuldigten seien
hingegen wenig stimmig, zu stereotyp und würden zu wenig Realkennzeichen
aufweisen, um als glaubhaft erachtet werden zu können. Dementsprechend er-
achtete sie den Sachverhalt gestützt auf die Aussagen der Privatklägerin sowie
am Rande durch diejenigen der Zeugen F._ und G._ sowie die DNA-
Spuren und Schäden am Taxi als erstellt (Urk. 51 S. 25 f.).
4.3. Die Verteidigung wendet demgegenüber ein, die Vorinstanz stütze sich
hauptsächlich auf die Aussagen der Privatklägerin. Es handle sich vorliegend um
ein Vieraugendelikt. Erschwerend komme hinzu, dass die Privatklägerin zum Tat-
zeitpunkt schläfrig, betrunken und bekifft gewesen sei. Die Schläfrigkeit in Kombi-
nation mit Alkohol- und Drogenkonsum solle zeitweise gar zur Widerstands-
unfähigkeit der Privatklägerin geführt haben. Dementsprechend sei davon auszu-
gehen, dass die Wahrnehmungsfähigkeit der Privatklägerin in jener Nacht stark
eingeschränkt gewesen sei. So habe auch der diensthabende Polizist auf dem
Polizeiposten ... die Privatklägerin kurz nach dem Vorfall nicht als einver-
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nahmefähig eingestuft und diese nach Hause geschickt. Es stelle sich die Frage,
inwieweit eine betroffene Person zum Zeitpunkt ihrer Widerstandsunfähigkeit in-
folge Schläfrigkeit, Drogen- und Alkoholkonsum überhaupt noch wahrnehmungs-
fähig sei. In vergleichbaren Fällen sei es lediglich zu Verurteilungen gekommen,
wenn ein objektives Beweismittel oder ein Geständnis vorhanden gewesen sei,
was vorliegend jedoch fehle. Die Erinnerungen der Privatklägerin seien bruch-
stückhaft. Sie habe in den Einvernahmen nicht selten eingestehen müssen, sich
nicht erinnern zu können, was sie regelmässig zu Tränen gerührt habe. Zwar
schildere die Privatklägerin ihre Version, wonach ihr der Beschuldigte unvermittelt
zwischen die Beine gegriffen habe, immer gleich. Jedoch würden die Einzelheiten
jeweils äusserst widersprüchlich ausfallen. So sei nicht nachvollziehbar, dass die
Privatklägerin die feinen Berührungen ihrer Vagina mitbekommen habe, nicht
aber, wie der Beschuldigte seine Hand zwischen ihre enge und hochgeschnittene
Hose und den Bauch geschoben habe. Auch erscheine der behauptete Übergriff
auf dem Beifahrersitz als nicht praktikabel. Ausserdem habe die Privatklägerin
das Taxi nicht freiwillig verlassen, sondern habe vom Beschuldigten gewaltsam
herausgezerrt werden müssen, was eine erstaunliche Reaktion sei, wenn sie zu-
vor im Taxi etwas Schlimmes erlebt habe. Gegen ihre Glaubwürdigkeit spreche
schliesslich auch, dass sie mit der Anzeige mehr als zwei Monate zugewartet ha-
be. Demgegenüber seien auch in den Aussagen des Beschuldigten weder Wider-
sprüche noch Lügensignale ersichtlich. Wenn er sich nach drei Monaten nicht
mehr an alle Details erinnern könne, dürfe ihm das nicht zur Lasten gelegt wer-
den. Zusammenfassend sei der Beschuldigte in dubio pro reo freizusprechen, weil
erhebliche Zweifel bestehen würden, ob der behauptete Übergriff tatsächlich
stattgefunden habe (Urk. 71 S. 2 ff.).
5. Beweiswürdigung
5.1. Nachdem der Anklagesachverhalt damit seitens des Beschuldigten be-
stritten wird, sind die vorhandenen Beweismittel einer kritischen Würdigung zu un-
terziehen. In Bezug auf die Grundsätze der Beweiswürdigung kann vorab auf die
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 51 S. 19 f.;
Art. 82 Abs. 4 StPO). Auch welche Beweismittel vorliegend zur Erstellung des
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Sachverhaltes herangezogen werden können, hat die Vorinstanz korrekt und voll-
ständig zusammengefasst (Urk. 51 S. 7 f.). Es sind dies neben den Aussagen der
Privatklägerin und des Beschuldigten diverse Zeugenaussagen, Wahrnehmungs-
berichte und Sachbeweismittel wie etwa eine Fotodokumentation und ein Kurz-
bericht des Forensischen Instituts Zürich. Hinzu kommen schliesslich die Auf-
zeichnungen der Anrufe, welche bei der Einsatzzentrale der Stadtpolizei Zürich
(Urk. D1/12/2) respektive der Taxileitzentrale (Urk. 3) eingingen, und das ARV-
Kontrollmittel aus dem Taxi des Beschuldigten (Urk. D1/3/2).
5.2. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Privatklägerin (Urk. 51 S. 8 ff.), des
Beschuldigten (Urk. 51 S. 4 ff.) sowie diejenigen der Zeugen G._ (Urk. 51
S. 17), F._ (Urk. 51 S. 7 f.) und H._ (Urk. 51 S. 18 f.) sehr detailliert und
sorgfältig wiedergegeben. Auf die betreffenden Erwägungen kann uneinge-
schränkt verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4). Eine neuerliche Darstellung der ver-
schiedenen Depositionen kann angesichts dieser gründlichen – und nota bene
auch allseits unbestritten geblieben – Zusammenfassungen im angefochtenen
Entscheid unterbleiben.
5.3. Im Rahmen seiner Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung gab
der Beschuldigte sodann zur Sache zusammengefasst zu Protokoll, er habe die
Privatklägerin das erste Mal gesehen, als er ca. um 6 Uhr bei der C._ ange-
kommen sei. Er sei aggressiv gewesen, weil sie ihre Beine auf dem Armaturen-
brett aufgelagert habe, und habe diese weggedrückt. Nachdem er ihre Beine
weggedrückt habe, habe sie ca. eine Minute gewartet und dann damit begonnen,
ihn anzugreifen. Als er angehalten habe, sei sie auf seinen Sitz gesprungen und
habe mit dem Taxi wegfahren wollen. Er habe sie schnell hinausgeworfen, aber
sie habe die Taxilampe zerstört und das Taxi zerkratzt. Er habe der Privatklägerin
nicht gesagt, sie müsse nichts für die Fahrt bezahlen, wenn sie nicht zur Polizei
gehe, weil er ja selber zur Polizei gegangen sei. Dazu befragt, weshalb seine
DNA im Slip der Privatklägerin gefunden worden sei, führte er aus, er könne sich
das nicht erklären. Er habe ihre Unterschenkel berührt, als er ihre Beine wegge-
drückt habe. Vielleicht habe er die Privatklägerin auch am Gesäss gezogen, als er
sie aus dem Taxi befördert habe. Ausserdem habe er ihre Hände weggeschoben,
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weil sie ihn angegriffen habe, weshalb sie die DNA auch hätte verschleppen kön-
nen. Schliesslich erklärte er auf die Frage, weshalb er in deutscher Sprache eine
Notiz über den Vorfall erstellt habe, er habe diese wegen seinem Chef auf
Deutsch erstellt, weil dieser habe wissen wollen, was genau passiert sei und nicht
gut albanisch verstehe. Weil er sein Telefon verloren habe, habe ihm sein Chef
die Notiz zurückgeschickt, als er die Vorladung erhalten habe. Er habe dann ein
paar Fehler korrigiert (Urk. 70 S. 5 ff.).
5.4. Vorab ist in Bezug auf die Kritik der Verteidigung, die Vorinstanz äussere
sich nicht zur Glaubwürdigkeit der Parteien (Urk. 71 S. 11), festzuhalten, dass der
allgemeinen Glaubwürdigkeit einer einvernommenen Person im Sinne einer dau-
erhaften personalen Eigenschaft kaum mehr relevante Bedeutung zukommt.
Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit
ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen (BGE 133 I 33 E. 4.3, Urteil des
Bundesgerichts 6B_692/2011 vom 9. Februar 2012 E. 1.4, je mit Hinweisen). Vor-
liegend ist daher festzuhalten, dass die allgemeine Glaubwürdigkeit des Beschul-
digten und der Privatklägerin auf der gleichen Stufe anzusiedeln ist, weshalb im
Folgenden die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen zum Tatvorwurf zu analy-
sieren ist.
5.5. Wenn die Vorinstanz im Rahmen ihrer Beweiswürdigung stark zusammen-
gefasst zum Schluss kommt, die Privatklägerin habe sowohl gegenüber der Poli-
zei als auch bei der Staatsanwaltschaft glaubhafte, in sich stimmige, ausführliche
und zusammenhängende Antworten gegeben, so ist ihr darin vollumfänglich zu-
zustimmen. Demgegenüber weist die Verteidigung aber zu Recht darauf hin, dass
auch die Aussagen des Beschuldigten stimmig, zusammenhängend und damit
ebenfalls glaubhaft erscheinen. Insbesondere schilderte der Beschuldigte seine
Version der Geschehnisse im Kerngeschehen konstant. Demnach habe die Pri-
vatklägerin ihm schon vor dem Einsteigen ins Taxi an den Hintern gefasst. Nach
dem Einsteigen ins Taxi habe sie ihre Füsse auf das Armaturenbrett gelegt und er
habe sie – ein bisschen aggressiv – aufgefordert, diese runterzunehmen, weil er
Wert auf die Sauberkeit seines Taxis lege. Nach seiner Vermutung, anders könne
er sich die Reaktion der Privatklägerin nicht erklären, sei diese deshalb so ag-
https://swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/a6899c67-8aaf-402d-a495-78edd676c7f8?citationId=6412fdd5-3108-4daa-af46-43b0b925fe33&source=document-link&SP=14|edzksh https://swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/2863cdba-f197-491d-9c4b-6decf759dd38?citationId=65560aad-a2fe-40c8-90b1-7cb29d2f0f16&source=document-link&SP=14|edzksh
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gressiv geworden und habe ihn angegriffen, weil er nach wiederholter vergeb-
licher mündlicher Aufforderung ihre Beine mit Gewalt vom Armaturenbrett nach
unten in den Fussraum gedrückt habe (Urk. D1/5/1 S. 2 ff.; Urk. D1/5/4 S. 2 ff.;
Prot. I S. 10 f.; Urk. 70 S. 5 ff.).
5.5.1. Die Depositionen der Privatklägerin überzeugen einerseits durch ihre Kon-
stanz und andererseits dadurch, dass die durch sie geschilderten äusserlichen
und innerlichen Abläufe nahtlos zu- und ineinander passen. Derart umfassend
geschilderte und homogene Wiedergaben von Tatabläufen sind ein starkes Indiz
dafür, dass durch die aussagende Person – in casu durch die Privatklägerin – tat-
sächlich Erlebtes geschildert wird. Solch vielschichtige und in sich stimmigen
Schilderungen von äusseren Abläufen und inneren – sowohl psychischen wie
emotionalen – Vorgängen sind generell schwer zu erfinden und noch schwieriger
ist es, solche erfundenen Geschichten bei späteren Gelegenheiten erneut wider-
spruchsfrei zu reproduzieren. Ebenfalls spricht für die Glaubhaftigkeit ihrer Dar-
stellungen, dass sie ihre eigene Rolle in keiner Art und Weise zu beschönigen
versucht. Sie deklariert offen, dass sie an jenem Abend betrunken war und unter
dem Einfluss von Cannabis stand. Freimütig räumte sie denn auch ein, dass sie
nach dem durch sie geschilderten Übergriff wie wild auf den Beschuldigten einge-
schlagen, diesen angeschrien und auch gebissen habe. Die Vorinstanz hat sich
mit den Aussagen der Privatklägerin gesamthaft sehr ausführlich und auch durch-
aus kritisch auseinandergesetzt, weshalb darauf in globo verwiesen werden kann
(Urk. 51 S. 20 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Mithin verbleiben keine Zweifel daran,
dass die Privatklägerin glaubt, den Übergriff erlebt zu haben, so wie sie ihn schil-
dert. Hierfür spricht auch, dass sie erst drei Monate nach dem Vorfall Anzeige bei
der Polizei erstattete. Nichtsdestotrotz verbleiben aber gewisse Zweifel, ob sich
der Übergriff in der Tat so ereignet hatte, wie die Privatklägerin dies schildert. So
ergibt sich aus den Aussagen der Privatklägerin nämlich auch, dass diese auf-
grund ihres Zustandes nicht genau wahrgenommen hat, was an jenem frühen
Morgen geschehen ist. Anlässlich der ersten Einvernahme vom 10. November
2015 sagte die Privatklägerin aus, der Übergriff habe stattgefunden, als das Taxi
noch gefahren sei (Urk. D1/6/1 S. 2). Sie habe bemerkt, dass etwas komisch sei,
als er seine Hand habe wegnehmen müssen, um zu schalten (Urk. D1/6/1 S. 3).
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Auch führte die Privatklägerin aus, der Polizist habe ihr die Version des Taxi-
fahrers erklärt, wonach sie ihre Füsse hinauf gehalten habe und der Taxifahrer
danach versucht habe, sie zu kontrollieren. Sie habe keine Ahnung davon. Auf die
Frage, ob sie ihre Füsse auf das Armaturenbrett gelegt habe, antwortete sie
"nein, ich kann mich nicht daran erinnern. Ich weiss, wie ich gesessen bin". Sie
sei bequem auf dem Sitz gesessen und habe ihre Beine nicht geschlossen gehabt
(Urk. D1/6/1 S. 3). Der Beschuldigte habe zuerst "so gemacht", es sei für sie ge-
wesen, als ob er etwas am Boden suchen würde. Sie habe da nichts gemacht.
Sie habe gedacht, vielleicht suche er seine Zigaretten oder so. Dies habe er zu-
erst gemacht, dann habe er ihr in die Hosen gegriffen (Urk. D1/6/1 S. 3). In der
zweiten Einvernahme vom 30. November 2015 führte sie auf die Frage, nach wie
vielen Fahrtminuten der Taxifahrer begonnen habe, sie zu berühren, aus, auf dem
Weg, der von der C._ nach unten führe, gebe es keine Ampeln und nichts.
Da habe er bereits angefangen (Urk. D1/6/2 S. 3). Auf die Frage, wie die Spuren
an das Armaturenbrett gekommen seien, erklärte die Privatklägerin, diese seien
entstanden, als sie ihn angegriffen habe. Damit konfrontiert, dass der Beschuldig-
te sage, sie habe ihre Schuhe auf das Armaturenbrett gelegt, erklärte die Privat-
klägerin, sie wisse es nicht. Sie denke, die Spuren würden vom Gerangel kom-
men (Urk. D1/6/2 S. 3). Zum Übergriff befragt führte die Privatklägerin aus, sie sei
an den Stuhl gelehnt und habe die Augen vermutlich geschlossen. Sie glaube, sie
sei kurz vor dem Einschlafen gewesen. Dann habe sie seine Hand erst wieder auf
dem Schalthebel gesehen. Sie glaube, alles sei ganz am Anfang geschehen, als
sie ins Auto eingestiegen sei. Erst nachdem sie eine Stück gefahren seien, habe
sie es bemerkt, das sei fast schon beim ...platz gewesen (Urk. D1/6/2 S. 5). Sie
denke, er habe die Hand aus ihrer Hose genommen, um zu schalten. Damit kon-
frontiert, dass das Fahrzeug ein Automatikgetriebe habe, erklärte die Privatkläge-
rin, es habe aber einen Schalthebel gehabt. Sie frage sich, ob er das Auto ge-
stoppt habe (Urk. D1/6/2 S. 5). Im Nachgang an die Einvernahme sandte die Pri-
vatklägerin der Polizistin der Stadtpolizei Zürich, welche die Einvernahme durch-
geführt hatte, am 4. Dezember 2015 ein E-Mail in französischer Sprache, weil ihr
noch einige Details in den Sinn gekommen seien: Nach dem Einsteigen habe sie
noch vage das Fahrziel angeben können, dann habe sie sich gefühlt, als ob sie
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gleich einschlafen würde. Noch davor habe der Fahrer plötzlich etwas eher Selt-
sames gemacht. Er habe die Hand zwischen ihre Beine gelegt, um den Sitz nach
hinten zu schieben – nicht um etwas aufzunehmen, wie sie es das erste Mal ge-
sagt habe. Dann habe sie eine Lücke und dann habe sie gemerkt, dass seine
Hand in ihrer Hose gewesen sei. Sie sei irgendwie nicht wirklich da gewesen und
habe nicht wirklich verstanden, was vorgegangen sei. Es sei wie ein seltsamer
Traum gewesen. Dann habe er seine Hand rausgenommen und das Auto gestar-
tet. Es müsse sich alles beim Halt vor dem Restaurant abgespielt haben. Da oder
später habe sie gemerkt, was gerade passiert sei und sei sehr wütend geworden
(Urk. D1/3/1).
5.5.2. Der Beschuldigte sagte demgegenüber konstant aus, die Privatklägerin ha-
be ihre Beine auf dem Armaturenbrett hochgelagert. Er habe sie gebeten, diese
herunterzunehmen und diese schliesslich "aggressiv" heruntergedrückt, weil sie
nicht auf seine Aufforderung reagiert habe. Danach sei die Privatklägerin auf ihn
losgegangen, weshalb er bei einem Ausweichplatz angehalten und diese aus dem
Taxi befördert habe. Daraufhin habe die Privatklägerin versucht, die Taxilampe
vom Dach zu ziehen (Urk. D1/5/1 S. 3, S. 7; Urk. D1/5/4 S. 2; Prot. I S. 10 f.;
Urk. 70 S. 6 ff.). Diese Version erzählte der Beschuldigte bereits dem Polizeibe-
amten I._ unmittelbar nach dem Vorfall (vgl. Urk. D1/8 S. 2). Schliesslich hielt
der Beschuldigte unmittelbar nach dem Vorfall seine Sicht der Dinge im Chat-
Verlauf seines WhatsApp Accounts schriftlich fest, wobei diese Ausführungen
wiederum mit seinen Aussagen übereinstimmen. Weshalb er sich hierfür einer
Sprache bediente, welche er mehr schlecht als recht beherrschte, erklärte er an-
lässlich der Berufungsverhandlung damit, dass sein Chef schlecht albanisch ver-
stehe und habe wissen wollen, was geschehen sei. Weil er sein Natel zwischen-
zeitlich verloren habe, habe ihm sein Chef den Text wieder zurückgeschickt, als
er die Vorladung erhalten habe. Er habe dann aus seinem Wissen ein paar Fehler
korrigiert (Urk. 70 S. 12). In der Tat sandte der Beschuldigte diese Notiz am
31. August 2015 an seinen Chef H._ (vgl. Urk. D1/13/2 S. 3) und dieser
sandte diese am 12. Dezember 2015 wieder zurück (Urk. D1/13/3). Die Konstanz
seiner Aussagen ist durchaus als Indiz für deren Glaubhaftigkeit zu werten. Hinzu
kommt, dass der Beschuldigte selber unmittelbar nach dem Vorfall zur Polizei
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ging (vgl. Urk. D1/8), wobei unteranderem auch eine Fotografie vom Innenraum
des Taxis aufgenommen wurden (Urk. D1/10 S. 3). Darauf sind auf dem Armatu-
renbrett sowie auf dem Teppich Schmutzspuren zu erkennen. Mithin wird die Dar-
stellung des Beschuldigten durch diese Fotoaufnahme untermauert. Gleichzeitig
ist festzuhalten, dass seine Schilderung eine gewisse Originalität aufweist, was
dafür spricht, dass der Beschuldigte dies tatsächlich so erlebte. Auch in den Aus-
sagen des Beschuldigten finden sich aber gewisse Widersprüche. So führte er
beispielsweise aus, die Privatklägerin habe ihm im Verlaufe der Eskalation zwei
bis drei Mal während der Fahrt an seine Genitalien gegriffen, woraufhin er fest
geschrien habe, weil er Schmerzen gehabt habe. Bereits im nächsten Satz gab er
dann jedoch zu Protokoll, die Privatklägerin habe nicht viel Kraft gehabt, da sie
betrunken gewesen sei (Urk. D1/5/1 S. 3). In der selben Einvernahme gab er et-
was später an, die Privatklägerin habe dreimal nacheinander versucht an seine
Genitalien zu greifen. Sie habe jedoch nicht soviel Kraft gehabt, da sie betrunken
gewesen sei. Er habe so etwas noch nie erlebt. Er habe grauenhafte Schmerzen
gehabt. Daraufhin angesprochen, wie es denn möglich sei, dass er solche
Schmerzen gehabt habe, wenn die Privatklägerin nach seiner eigenen Darstel-
lung doch bloss versucht habe, ihm an die Genitalien zu fassen, gab er nun ab-
weichend zu Protokoll, sie habe dreimal versucht und ihn dann an den Genitalien
gezogen (Urk. D1/5/1 S. 6). Ebenfalls widersprüchlich äusserte sich der Beschul-
digte zum Verkehrsaufkommen während der Fahrt. Während er einerseits zu Pro-
tokoll gab, um 06.00 Uhr seien die Strassen frei gewesen und er habe relativ
schnell fahren können (Urk. D1/5/1 S. 6), gab er anlässlich der Berufungsver-
handlung an, die Strecke nach dem ...tunnel sei viel befahren gewesen (Urk. 70
S. 7). Auf diesen Widerspruch angesprochen antwortete er ausweichend, es habe
viele Autos gehabt, aber man habe frei durchfahren können (Urk. 70 S. 11 f.).
Selbst wenn die Depositionen des Beschuldigten einige Auffälligkeiten aufweisen,
sind diese indes nicht geeignet, seine Sachdarstellung generell als unglaubhaft
erscheinen zu lassen.
5.6. Nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" darf sich der Strafrichter nicht von
der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überzeugt er-
klären, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt
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so verwirklicht hat. Eine Verletzung dieses Grundsatzes liegt vor, wenn der Straf-
richter an der Schuld des Beschuldigten hätte zweifeln müssen, wobei bloss abs-
trakte und theoretische Zweifel nicht massgebend sind, weil solche immer möglich
sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um er-
hebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich
nach der objektiven Sachlage aufdrängen (statt vieler: BGE 120 Ia 31 E. 2.c). Wie
vorstehend ausgeführt, machen sowohl die Privatklägerin als auch der Beschul-
digte gleichwertig glaubhafte Aussagen. Die Privatklägerin kann sich nicht erin-
nern, ob sie ihre Füsse aufs Armaturenbrett gelegt hatte (Urk. D1/6/1 S. 3), ob-
wohl die Spuren am Armaturenbrett dies indizieren. Zwar würde das nicht aus-
schliessen, dass der Übergriff wie geschildert stattgefunden hatte, allerdings ist
auch nicht auszuschliessen, dass die Privatklägerin das Herunterdrücken der
Beine falsch interpretierte, zumal sie nach eigenen Angaben den Übergriff erst
realisiert habe, als der Beschuldigte seine Hand weggenommen habe, um zu
schalten. Mithin kann sich die Privatklägerin nicht erinnern, wie der Beschuldigte
ihr in die eng anliegenden und hochgeschnittenen sowie geschlossenen Hosen
griff, obwohl er dabei aufgrund ihrer aufrecht sitzenden Position zweifellos seine
Hand entlang ihrem Bauch zu ihrem Schritt hätte zwängen müssen. Allein ge-
stützt auf die Aussagen der Beteiligten verbleiben folglich nicht bloss abstrakte
und theoretische Zweifel, ob dieser Übergriff wie geschildert stattgefunden hat.
5.6.1. Vorliegend handelt es sich um ein Vier-Augen-Delikt, bei welchem Aussage
gegen Aussage steht. Zwar liegen noch die Aussagen der Zeugen H._,
G._ und F._ vor, welche jedoch sämtliche beim Vorfall im Taxi nicht an-
wesend waren und deshalb zu den Geschehnissen im Taxi und damit zum eigent-
lichen Anklagevorwurf keine Angaben aus erster Hand machen können.
5.6.2. Die Aussagen des Zeugen H._ vermögen zur Sachverhaltserstellung
wenig bis gar nichts beizutragen, vermochte er doch lediglich zu reproduzieren,
was er vom Beschuldigten im Nachhinein erfahren hatte.
5.6.3. Wenn die Vorinstanz weiter erwog, die Aussagen der Zeugin G._ und
des Zeugen F._ würden die Version der Privatklägerin stützen, so ist ihr da-
rin vollumfänglich zuzustimmen. Zwar waren auch diese beiden Zeugen beim ei-
- 16 -
gentlichen Vorfall nicht zu gegen und konnten entsprechend auch keine Angaben
aus erster Hand zum eigentlichen Anklagevorwurf sagen. Beide erlebten aber die
Privatklägerin unmittelbar nach dem Vorfall und waren daher in der Lage, deren
Verhalten und ihre Verfassung zu schildern. Vollkommen zu recht weist der Vor-
derrichter darauf hin, dass eine Inszenierung der ganzen Ereignisse durch die
Privatklägerin ihr sehr viel Geistesgegenwart und Selbstkontrolle abverlangt hätte
und sie in ihrem unbestrittenermassen schlaftrunkenen, alkoholisierten und bekiff-
ten Zustand wohl kaum in der Lage gewesen wäre, zunächst den ihr völlig unbe-
kannten Zeugen F._ mit einer spontan erfundenen Lügengeschichte früh-
morgens auf der Strasse dazu zu bringen, sie zur Polizei zu fahren und später zu
Hause der Mitbewohnerin und Zeugin G._ detailliert und stimmig zu erzäh-
len, was sich im Taxi genau abgespielt hatte. Nach übereinstimmender Darstel-
lung beider Zeugen was die Privatklägerin aufgewühlt und sehr emotional. Zudem
machte sie zumindest teilweise auch einen verwirrten Eindruck. Wie zuvor darge-
legt, bestehen auch keine Zweifel daran, dass die Privatklägerin der Überzeugung
ist, den geschilderten Übergriff erlebt zu haben. Entsprechend ist auch ihre Reak-
tion durchaus nachvollziehbar. Allerdings bestehen gewisse Zweifel darüber, ob
sich der Übergriff tatsächlich so ereignet hatte, oder die Privatklägerin in ihrem
Zustand den stattgefundenen Körperkontakt beim Herunterdrücken der Beine
falsch interpretiert hatte. Hierzu können die Zeugen nichts beitragen.
5.6.4. Die Sachbeschädigungen im und am Fahrzeug des Beschuldigten sind un-
bestritten. Sie wurden ebenso wie die Bisswunde, welche die Privatklägerin dem
Beschuldigten im Rahmen der Auseinandersetzung unbestrittenermassen verab-
reichte, fotografisch dokumentiert ( Urk. D1/10, Urk. D1/13/6). Zur Erstellung des
strittigen Sachverhaltes kann diesen Fotografien nichts wesentliches Entnommen
werden. Das Vorhandensein der dokumentierten Spuren passt sowohl zur Schil-
derung der Privatklägerin wie auch zu jener des Beschuldigten.
5.6.5. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass auf der Innenseite des Slips der
Privatklägerin im Bereich etwas oberhalb des Schrittes DNA-Spuren gefunden
wurden, welche eindeutig dem Beschuldigten zugeordnet werden konnten. Der
DNA-Bericht stellt zwar kein Gutachten im Sinne von Art. 182 ff. StPO dar, die be-
- 17 -
treffenden wissenschaftlichen Erkenntnisse wurde jedoch vom Beschuldigten
nicht in Abrede gestellt. So erklärte er anlässlich der Hauptverhandlung vor Be-
zirksgericht ausdrücklich, auf die Einholung eines förmliche Gutachtens zu ver-
zichten. Er nehme zur Kenntnis, dass seine DNA im Slip der Privatklägerin gefun-
den worden sei (Prot. I. S. 24). Auch diesbezüglich lässt sich selbstredend nicht
mit 100%-iger Sicherheit ausschliessen, dass DNA-Spuren des Beschuldigten
auch auf andere als durch die Privatklägerin geschilderte Art und Weise in deren
Slip hätten transportiert werden können. Immerhin hatten der Beschuldigte und
die Privatklägerin im Rahmen ihrer Auseinandersetzung unbestrittenermassen
Körperkontakt. Somit ist nicht auszuschliessen, dass sich die DNA des Beschul-
digten an den Händen der Privatklägerin befand. Die Verteidigung brachte dies-
bezüglich im erstinstanzlichen Verfahren vor, die Polizistin J._ habe in ihrem
Wahrnehmungsbericht vermerkt, die Privatklägerin habe sich auf dem Polizeipos-
ten mehrfach selbst in die Hosen gegriffen. Vor dem Hintergrund, dass die Partei-
en nur gerade kurz zuvor eine handgreifliche Auseinandersetzung gehabt hätten,
stehe die durchaus realistische Möglichkeit im Raum, dass die Privatklägerin die
DNA des Beschuldigten dadurch in ihre Unterhose verschleppt habe (Urk. 42
S. 12). Tatsächlich hat die Polizeibeamtin J._ eine entsprechende Feststel-
lung gemacht und wörtlich in ihrem Bericht erwähnt: "Während der Befragung griff
B._ mit ihrer Hand mehrmals in die Hose, um mir zu zeigen, was der Ta-
xilenker bei ihr machte. Ich konnte mich nicht mehr daran erinnern, mit welcher
Hand sie in ihre Hose griff. Ich konnte nicht sehen, ob sie mit der Hand lediglich in
ihre Hose oder sogar in ihre Unterhose griff" (Urk. D1/9 S. 2). Aufgrund dieser
Feststellung ist der Verteidigung beizupflichten, wenn sie ausführt, es sei denk-
bar, dass auf diese Weise die DNA des Beschuldigten in ihre Unterhose gelangt
sei. Überdies kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass die Privatklägerin die
DNA des Beschuldigten bim Ausziehen des Slips zu dessen Sicherstellung ver-
schleppte, insbesondere da die Polizeibeamtin J._ gemäss ihrem Wahrneh-
mungsbericht nicht sagen konnte, wie die Privatklägerin die Unterhosen ausgezo-
gen hatte oder wo sie diese angefasst hatte (vgl. Urk. D1/9 S. 2). Mithin ist nicht
auszuschliessen, dass die DNA des Beschuldigten durch die Privatklägerin ver-
- 18 -
schleppt wurde, zumal die DNA-Spuren auch nicht im Schrittbereich selber fest-
gestellt werden konnten.
5.7. Gesamthaft betrachtet könnte man angesichts der gleichermassen originel-
len wie in sich stimmigen und im Kern doch überwiegend konstanten Aussagen
der Privatklägerin versucht sein, daraus zu schliessen, dass es praktisch undenk-
bar sei, eine solche "Geschichte" zu erfinden. Eine derartige Schlussfolgerung
würde jedoch der vorliegenden Sachlage in verschiedener Hinsicht nicht gerecht:
Einerseits kann aufgrund des gesamten Aussageverhaltens der Privatklägerin
schlicht ausgeschlossen werden, dass diese den Beschuldigten bewusst falsch
eines deliktischen Verhaltens bezichtigte respektive bezichtigen wollte. Anderer-
seits kann aber – wie bereits dargetan – nicht ausgeschlossen werden, dass die
initiale Wahrnehmung der Privatklägerin auf einer Fehlinterpretation betreffend die
unbestrittenermassen stattgefundene Berührung durch den Beschuldigten basiert.
Geht man nun im Sinne einer Hypothese davon aus, dass die Privatklägerin in ih-
rem – aufgrund des massiven Alkoholkonsums und der körperlichen Übermüdung
– deutlich reduzierten, schlaftrunkenem Zustand das Herunterdrücken ihrer Beine
durch den Beschuldigten fälschlicherweise als sexuellen Übergriffe auffasste, so
liesse sich damit nicht nur ihr zeitlich verzögertes und überraschend rabiates Vor-
gehen gegen den Beschuldigten, sondern auch ihre nachträglich überzeugenden
und glaubhaften Schilderungen erklären. Wer subjektiv aufgrund eines Irrtums der
festen Überzeugung ist, es sei ihm etwas Unrechtes widerfahren, der kann ge-
nauso wie jener, dem das Unrecht tatsächlich widerfahren ist, glaubhafte und
überzeugende Depositionen zu Protokoll gegeben. Nachdem vorliegend einer-
seits eine solche Fehlinterpretation durch die Privatklägerin nicht ausgeschlossen
werden kann und andererseits die Schilderungen des Beschuldigten ebenfalls als
in hohem Masse glaubhaft erscheinen, zumal diese durch die festgestellten
Schmutzspuren auf dem Armaturenbrett des Taxis untermauert werden, verblei-
ben gesamthaft betrachtet mehr als nur theoretische Zweifel mit Bezug auf die
Geschehnisse, welche sich während der fraglichen Taxifahrt zugetragen haben.
Daran vermögen auch die festgestellten DNA-Mischspuren im Slip der Privat-
klägerin nichts zu ändern, denn auch diesbezüglich kann nicht zweifelsfrei ausge-
schlossen werden, dass sie unbeabsichtigt durch die Privatklägerin selbst an den
- 19 -
Fundort im Slip verschleppt wurden. Bestehen, wie dies vorliegend der Fall ist,
unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der
angeklagten Tat, so muss das Gericht von der für die beschuldigten Person güns-
tigeren Sachlage ausgehen (Art. 10 Abs. 3 StPO). Der Beschuldigte ist daher in
Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" vom Vorwurf der Schändung im
Sinne von Art. 191 StGB freizusprechen.
5.8. Eine Minderheit des Gerichts hat gemäss § 124 GOG ihre abweichende
Meinung betreffend den Schuldpunkt ins Protokoll aufnehmen lassen (Prot. II
S. 12; Begründung in Urk. 77; diesem Urteil beigeheftet).
III. Sanktion
6. Strafzumessung
6.1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von
10 Monaten (Urk. 51 S. 29 ff.).
6.2. Die Anklagebehörde erhob mit Eingabe vom 9. Juni 2017 bekanntlich An-
schlussberufung und beantragte eine Bestrafung des Beschuldigten mit einer
Freiheitsstrafe von 12 Monaten (Urk. 57 S. 2). In Bezug auf die grobe Verkehrs-
regelverletzung führte sie aus, der Vorinstanz sei nicht zu folgen, wenn sie diese
lediglich marginal straferhöhend berücksichtigt habe. Der Beschuldigte habe mit
direktem Vorsatz gehandelt und sich in keiner Art und Weise um die signalisierte
Höchstgeschwindigkeit geschert, einzig um sich einen Auftrag eines Taxifahr-
gastes zu sichern (Urk. 73 S. 2).
6.3. Die Verteidigung stellte sich dagegen auf den Standpunkt, für die Ge-
schwindigkeitsübertretung sei mit Verweis auf die vorinstanzliche Begründung
sowie die zwischenzeitlich dargelegten aktuellen finanziellen Verhältnisse eine
Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu Fr. 30.– angemessen (Urk. 71 S. 13).
6.4. Die Vorinstanz hat die die theoretischen Grundlagen der Strafzumessung
zutreffend wiedergegeben, worauf zu verweisen ist (Urk. 51 S. 29 f.,
https://swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/315c575f-b12a-4355-a1ad-3474409d0494/6f7866e3-1920-4c15-825d-3e7e2fed0239?source=document-link&SP=6|1x5cec
- 20 -
Abs. 4 StPO). Der Strafrahmen für eine grobe Verletzung der Verkehrsregeln be-
trägt Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren (Art. 90 Abs. 2 SVG).
6.5. Tatkomponente
6.5.1. In objektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass das Verschulden des Beschul-
digten innerhalb der groben Verkehrsregelverletzungen leicht wiegt, zumal die
Geschwindigkeitsüberschreitung um 26 km/h nur knapp über dem Grenzwert von
25 km/h liegt, der (im objektiven Bereich) die einfache von der groben Verkehrs-
regelverletzung abgrenzt. Ausserdem geschah die Tat an einem Sonntag um
6.17 Uhr und somit früh morgens (Urk. D2/1 S. 1), weshalb erfahrungsgemäss
kein grosses Verkehrsaufkommen herrschte. Daher ist die Einsatzstrafe auf
10 Tagessätze Geldstrafe anzusetzen.
6.5.2. In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte direkt
vorsätzlich handelte, weil er sich einen Auftrag eines Fahrgastes in ... sichern
wollte. Diese direkt vorsätzliche Tatbegehung wirkt sich leicht erschwerend auf
die objektive Tatschwere aus, weshalb die Einsatzstrafe auf 12 Tagessätze zu er-
höhen ist.
6.6. Täterkomponente
6.6.1. Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Be-
schuldigten bis zur erstinstanzlichen Hauptverhandlung korrekt wiedergegeben,
weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk. 51 S. 32 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Im
Berufungsverfahren führte der Beschuldigte diesbezüglich aus, die Beziehung
zwischen ihm und seiner Frau sowie zu seinen beiden Kindern sei sehr gut. Eines
seiner Kinder habe in diesem Jahr eine kaufmännische Lehre begonnen, das an-
dere besuche noch die Schule. Er sei nur kurzzeitig arbeitslos gewesen, als er
den Führerausweis für drei Monate habe abgeben müssen. Danach habe er bei
der selben Stelle wieder begonnen zu arbeiten. Er verdiene ca. Fr. 4'000.– im
Monat. Wenn er mehr Spesen erhalte, verdiene er Fr. 4'000.– netto. Manchmal
erhalte er einen 13. Monatslohn. Seine Ehefrau arbeite derzeit nicht. Mit Ausnah-
me der Schulden beim Obergericht aufgrund seines vorherigen Verfahrens habe
https://swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/315c575f-b12a-4355-a1ad-3474409d0494/6f7866e3-1920-4c15-825d-3e7e2fed0239?source=document-link&SP=6|1x5cec
- 21 -
er keine Schulden (Urk. 70 S. 1 ff.). Mithin liegen keine neuen, für die Strafzu-
messung relevante Umstände vor.
6.6.2. Demgegenüber ist der Beschuldigte vorbestraft, wenn auch nicht einschlä-
gig (Urk. 52), und beging die Geschwindigkeitsübertretung während laufender
Probezeit, was sich zweifellos straferhöhend auswirkt. Zwar ist der Beschuldigte
geständig, jedoch ist er auf der Radaraufnahme bestens erkennbar
(vgl. Urk. D2/3/3), weshalb ein Abstreiten der Lenkereigenschaft im Vorherein
sinnlos gewesen wäre. Weil das Geständnis folglich zu keiner wesentlichen Er-
leichterung der Strafuntersuchung führte, ist dieses – wenn überhaupt – nur mi-
nim strafmindernd zu berücksichtigen ist. Insgesamt erscheint eine Geldstrafe von
15 Tagessätzen dem Verschulden sowie den persönlichen Verhältnissen des Be-
schuldigten angemessen.
6.7. Höhe des Tagessatzes
6.7.1. Das Gericht bestimmt die Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen
und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich
nach Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Un-
terstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum (Art. 34 Abs. 2 StGB).
Ausgangspunkt bildet das Einkommen, das dem Täter durchschnittlich an einem
Tag zufliesst, wobei die Quelle der Einkünfte nicht relevant ist. Massgebend ist
die tatsächliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Zum Einkommen zählen Ein-
künfte aus selbständiger und unselbständiger Arbeit, Einkünfte aus einem Ge-
werbebetrieb, aus der Land- und Forstwirtschaft und aus dem Vermögen (Miet-
und Pachtzinsen, Kapitalzinsen, Dividenden usw.), ferner privat- und öffentlich-
rechtliche Unterhalts- und Unterstützungsbeiträge, Renten, Sozialversicherungs-
und Sozialhilfeleistungen sowie Naturaleinkünfte. Was gesetzlich geschuldet ist
oder dem Täter wirtschaftlich nicht zufliesst, ist abzuziehen, so die laufenden
Steuern, die Beiträge an die obligatorische Kranken- und Unfallversicherung, so-
wie die notwendigen Berufsauslagen bzw. bei Selbständigerwerbenden die bran-
chenüblichen Geschäftsunkosten (BGE 134 IV 60 E. 6.1 mit weiteren Hinweisen).
- 22 -
6.7.2. Der Beschuldigte verfügt über ein monatliches Einkommen von Fr. 4'000.–
netto (Urk. 70 S. 2 f.), welchem monatliche Ausgaben für die Krankenkassen in
der Höhe von Fr. 620.– sowie Steuern von Fr. 146.– gegenüberstehen (Urk. 58
und 60/2). Ferner ist zu berücksichtigen, dass er gegenüber seiner Familie unter-
stützungspflichtig ist. Mithin scheint es den finanziellen Verhältnissen des Be-
schuldigten angemessen, die Höhe des Tagesatzes auf Fr. 80.– festzusetzen.
6.8. Der Beschuldigte ist folglich mit einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu
Fr. 80.– zu bestrafen.
7. Vollzug
7.1. Die Vorinstanz kam zusammengefasst zum Schluss, dem Beschuldigten
könne insgesamt keine günstige Prognose mehr gestellt werden, weshalb die
ausgesprochene Strafe zu vollziehen sei. Immerhin sei zu erwarten, dass der
Vollzug der Sanktion eine nachhaltige Warnwirkung auf den Beschuldigten habe,
sodass auf den Widerruf des bedingten Strafvollzugs der mit Urteil des Bezirks-
gerichts Zürich vom 27. August 2015 ausgesprochen Strafe verzichtet werden
könne (Urk. 51 S. 35 f.).
7.2. Die Anklagebehörde beantragte im Rahmen ihrer Anschlussberufung den
Vollzug der auszufällenden Strafe (Urk. 73 S. 2) und auch die Verteidigung aner-
kennt, dass die Strafe unbedingt auszusprechen ist (Urk. 71 S. 13).
7.3. Gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geld-
strafe oder Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei
Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint,
um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten.
Der bedingte Strafvollzug wird in diesem Fall nur dann nicht gewährt, wenn dem
Beschuldigten eine ungünstige Prognose hinsichtlich seiner Bewährungsaus-
sichten gestellt werden muss. Wurde der Beschuldigte innerhalb der letzten fünf
Jahre vor der Tat zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von min-
destens sechs Monaten oder zu einer Geldstrafe von mindestens 180 Tages-
sätzen verurteilt, so ist der Aufschub nur zulässig, wenn besonders günstige Um-
- 23 -
stände vorliegen (Art. 42 Abs. 2 StGB). Die Fünfjahresfrist beginnt mit der Eröff-
nung des erstinstanzlichen Urteils zu laufen, andernfalls Verurteilte, die ein
Rechtsmittel ergreifen, grundlos benachteiligt würden (BSK StGB I-SCHNEIDER/
GARRÉ, Art. 42 N 95).
7.4. Die Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Strafvollzugs sind
in objektiver Hinsicht erfüllt, da eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen auszuspre-
chen ist. Allerdings wurde der Beschuldigte mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich
vom 27. August 2015 wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2
lit. a BetmG zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt, wobei der Vollzug
der Freiheitsstrafe unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren aufge-
schoben wurde (Urk. D1/21/7). Mithin müssen in subjektiver Hinsicht besonders
günstige Umstände vorliegen, damit dem Beschuldigten der bedingte Strafvollzug
vorliegend gewährte werden könnte. Solche sind indes nicht gegeben. Der Be-
schuldigte beging die Geschwindigkeitsübertretung am 12. Juni 2016 und somit
während laufender Probezeit. Er liess sich mithin weder von der erstandenen Un-
tersuchungshaft noch von der bedingt ausgefällten Freiheitsstrafe nachhaltig be-
eindrucken und delinquierte während der Probezeit erneut. Unter spezialpräven-
tiven Gesichtspunkten erscheint daher die Ausfällung einer unbedingten Geld-
strafe unumgänglich, weshalb der Vollzug der Geldstrafe nicht aufzuschieben ist.
IV. Widerruf
Die Vorinstanz kam zusammengefasst zum Schluss, vom Widerruf der mit Urteil
des Bezirksgerichts Zürich vom 27. August 2015 bedingt ausgesprochenen Strafe
könne abgesehen werden, weil davon auszugehen sei, dass der Vollzug der vor-
liegend auszufällenden Freiheitsstrafe von 10 Monaten eine ausreichende Warn-
wirkung entfalten werde, welche den Beschuldigten inskünftig von der Begehung
weiterer Straftaten abhalten werde (Urk. 51 S. 35 ff.). Diese Regelung im vor-
instanzlichen Urteil wurde weder von der Anklagebehörde (Urk. 73) noch vom Be-
schuldigten (Urk. 71 S. 13) beanstandet. Ein Widerruf fällt im Berufungsverfahren
somit bereits aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) aus-
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ser Betracht, weshalb die Probezeit in Anwendung von Art. 46 Abs. 2 StGB um
ein Jahr zu verlängern ist, zumal der Beschuldigte die grobe Verletzung der Ver-
kehrsregeln während der Probezeit beging, selbst wenn heute bloss noch eine
Geldstrafe von 15 Tagessätzen auszusprechen ist.
V. DNA-Profil
Aufgrund des Freispruchs des Beschuldigten vom Vorwurf der Schändung ist von
der Anordnung einer DNA-Probe und der Erstellung eines DNA-Profils abzuse-
hen.
VI. Zivilforderungen
Wie bereits vor Vorinstanz (Urk. 43 S. 1) beantragte die Verteidigung auch im Be-
rufungsverfahren die Abweisung der Zivilforderungen der Privatklägerin (Urk. 71
S. 1 und S. 15). Das Gericht hat über die anhängig gemachte Zivilforderung zu
entscheiden, wenn es die beschuldigte Person freispricht und der Sachverhalt
spruchreif ist (Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO). Nachdem der Beschuldigte heute vom
Vorwurf der Schändung freizusprechen ist, weil sich der Sachverhalt nicht erstel-
len lässt, ist auch das Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der Privat-
klägerin abzuweisen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
8. Kosten
8.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf
Fr. 3'000.– festzusetzen.
8.2. Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten die Kosten der Untersuchung und
des gerichtlichen Verfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidi-
gung, zwar auferlegt, jedoch anschliessend erlassen (Urk. 51 S. 40 f.). Nachdem
der Beschuldigte heute vom Vorwurf der Schändung freizusprechen ist, sind die
entsprechenden Kosten auf die Gerichtskasse zu nehmen. Aufgrund der Verur-
teilung wegen der groben Verletzung der Verkehrsregeln wären dem Beschuldig-
- 25 -
ten jedoch die damit verbundenen Kosten der Untersuchung und des erstinstanz-
lichen Verfahrens theoretisch aufzuerlegen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Aufgrund des
Verbotes der reformatio in peius können dem Beschuldigten allerdings im Beru-
fungsverfahren nicht mehr Kosten auferlegt werden als vor Vorinstanz, zumal die
Anklagebehörde die Kostenauflage der Vorinstanz nicht explizit angefochten hat
(Urk. 73 S. 1). Dementsprechend sind sämtliche Kosten der Untersuchung und
des erstinstanzlichen Verfahrens, inklusive der Kosten der amtlichen Verteidi-
gung, auf die Gerichtskasse zu nehmen.
8.3. Im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte ob-
siegt im Berufungsverfahren vollumfänglich, während die Anklagebehörde mit ih-
rer Berufung unterliegt. Damit sind auch die Kosten des Berufungsverfahrens,
einschliesslich der Kosten der amtlichen Verteidigung, auf die Gerichtskasse zu
nehmen.
9. Entschädigung
9.1. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. X._,
reichte mit Eingabe vom 8. Dezember 2017 die Honorarnote für seine Aufwen-
dungen im Berufungsverfahren ein (Urk. 72). Die geltend gemachten Aufwendun-
gen von 18.5 Stunden sowie die Auslagen für die Baraufwendungen sind ausge-
wiesen und angemessen. Der amtliche Verteidiger ist somit für das Berufungsver-
fahren entsprechend seiner Honorarnote mit Fr. 4'494.55 (inkl. 8 % MwSt.) aus
der Gerichtskasse zu entschädigen.
9.2. Ausgangsgemäss ist der Privatklägerin schliesslich keine Entschädigung
für das Verfahren zuzusprechen (Art. 433 Abs. 1 StPO e contrario).
10. Genugtuung
10.1. Der Beschuldigte beantragt die Zusprechung einer angemessenen Genug-
tuung (Urk. 71 S. 1). Der Beschuldigte und seine Familie hätten unter der Unter-
suchung erheblich gelitten, weil der Vorwurf, als Sexualtäter im Verdacht zu ste-
hen, das Verhältnis des Beschuldigten zu seiner Ehefrau belastet habe (Urk. 43
- 26 -
S. 15). Auch hätten sie nach dem erstinstanzlichen Urteil und unter der darauf-
folgenden Negativpresse stark gelitten, zumal aufgrund der Fotografie des Be-
schuldigten von hinten in dessen Umfeld und auch an seinem Arbeitsplatz schnell
klar gewesen sei, wer der Fehlbare gewesen sei (Urk. 71 S. 15).
10.2. Wird die beschuldigte Person freigesprochen, so hat sie gemäss Art. 429
Abs. 1 lit. c StPO Anspruch auf Genugtuung für besonders schwere Verletzungen
ihrer persönlichen Verhältnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug. Wie sich be-
reits aus dem Wortlaut dieser Bestimmung ergibt, ist eine Genugtuung nur bei
ausgeprägten Formen der Persönlichkeitsverletzungen geschuldet. Hauptbeispiel
einer solchen Verletzung ist der im Gesetz ausdrücklich erwähnte Freiheits-
entzug. Neben der ungerechtfertigten Haft können auch die publik gewordene
Hausdurchsuchung, eine sehr lange Verfahrensdauer oder eine breite Darlegung
in den Medien die notwendige Intensität der Verletzung erreichen (BSK StPO-
Wehrenberg/Frank, Art. 429 N 27). Demgegenüber genügt die mit jedem Strafver-
fahren in grösserem oder kleinerem Ausmass verbundene psychische Belastung,
Demütigung und Blossstellung gegen aussen in der Regel nicht für die
Zusprechung einer Genugtuung (Schmid, Handbuch StPO, 2. Aufl., Zürich/
St. Gallen 2013, N 1816). In anderen Fällen als dem des ungerechtfertigten Frei-
heitsentzugs hat die betroffene Person die Schwere der Verletzung glaubhaft zu
machen (BSK StPO-Wehrenberg/Frank, Art. 429 N 27c).
10.3. Der Beschuldigte begründet nicht weiter, inwiefern er durch das vorliegen-
de Verfahren besonders schwer in seiner Persönlichkeit verletzt worden sein soll
bzw. das Verfahren mit einer überdurchschnittlichen psychischen Belastung ver-
bunden gewesen wäre. Wie vorstehend erwähnt, führt jedes Strafverfahren zu ei-
ner gewissen psychischen Belastung, Demütigung sowie Blossstellung, ohne
dass dies die Zusprechung einer Genugtuung rechtfertigen würde. Immerhin hat
der Beschuldigte – glücklicherweise – weder seinen Arbeitsplatz verloren oder
diesbezüglich andere Einschränkungen erlitten noch hatte dieser Vorfall familiäre
Konsequenzen für ihn. Mithin sind keine Gründe ersichtlich, welche die Zu-
sprechung einer Genugtuung aus der Gerichtskasse rechtfertigen würden.
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