Decision ID: e15d2f8f-8b13-4c2a-8e8e-abfaab47d083
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ leidet an einer angeborenen Muskelerkrankung (progressive
Muskeldystrophie; vgl. insb. IV-act. 12 ff., vgl. insb. auch IV-act. 166). Von 200_ bis
200_ absolvierte der Versicherte eine kaufmännische Ausbildung im B-Profil (vgl. IV-
act. 61, 139, 148). Im Jahr 201_ erlangte er zudem die Berufsmaturität (vgl. IV-act. 238,
335-6 ff.). Seit dem Jahr 201_ ist er als _. in eigener Einzelfirma tätig (vgl. u.a. IV-act.
327-22). Die IV-Stelle gewährte dem Versicherten im Verlauf verschiedene
Kostengutsprachen (vgl. u.a. IV-act. 48, 55, 80, 90, 100, 142 f., 152, 210, 218, 231,
249, 353, 367 f.). Ein erstes Rentengesuch des Versicherten wies sie am 4. November
2013 ab (vgl. zum Ganzen IV-act. 168, 259 ff.; vgl. auch den Entscheid des
Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen vom 18. Oktober 2012, IV 2010/485, IV-
act. 232). Im Januar 2016 beantragte der Versicherte ein Elektrobett (IV-act. 267 ff.).
Das SAHB Hilfsmittelzentrum hielt in seiner fachtechnischen Beurteilung vom 1.
Februar 2016 fest, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten verschlechtert
habe und dass er für das Bett einen elektrisch höhenverstellbaren Einlegerahmen als
Aufsteh- und Transferhilfe auf den Rollstuhl benötige (IV-act. 274). Im März 2016
erteilte die IV-Stelle eine Kostengutsprache in der Höhe des Maximalbetrags von Fr.
2'500.00 gemäss Ziff. 14.03 der Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die
Invalidenversicherung (Hilfsmittelverordnung; HVI) an den elektrisch höhenverstellbaren
Einlegerahmen "Belluno" (IV-act. 279).
A.a.
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Am 12. November 2016 sprach die IV-Stelle dem Versicherten eine Entschädigung
wegen einer Hilflosigkeit mittleren Grades ab dem 1. April 2016 zu (IV-act. 312, 317).
Am 10. Juli 2017 verfügte sie zudem die Zusprache einer ganzen Invalidenrente ab
dem 1. September 2016 (IV-act. 344 ff.).
A.b.
Im Juni 2020 beantragte der Versicherte eine Neuversorgung mit einem Elektro-
Rollstuhl (vgl. IV-act. 374 ff.). Im Rahmen der fachtechnischen Beurteilung vom 20.
August 2020 hielt das SAHB Hilfsmittelzentrum fest, dass die volle Kostenübernahme
für den Elektrorollstuhl durch die IV-Stelle empfohlen werde. Zudem sei die Versorgung
mit einem mobilen Transferlift aus dem IV-Depot in Abklärung. Die Spitex benötige
einen solchen für den Transfer vom Bett in den Rollstuhl und zurück (IV-act. 380). Am
2. September 2020 berichtete das SAHB der IV-Stelle, dass das Pflegebett aus dem
Jahre 2016 für den Transfer vom Bett in den Rollstuhl und zurück nicht mehr genügend
sei. Zur Lagerung benötige er das Pflegebett weiterhin, jedoch nicht mehr als
Transferhilfsmittel. Das SHAB empfahl die Verfügung eines Transferlifts aus dem IV-
Depot und die kostenlose Überlassung des Pflegebettes zum weiteren Gebrauch (IV-
act. 383).
A.c.
Am 4. September 2020 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass er leihweise
einen Transferlift (Invacare Birdie Evo Compact 150) gemäss Ziff. 14.02 HVI erhalte.
Wenn der Krankenheber auch dazu benötigt werde, ins Bett zu gehen und aufzustehen,
bestehe kein zusätzlicher Anspruch auf ein Elektrobett. Die Abklärungen hätten
ergeben, dass der höhenverstellbare Einlegerahmen Belluno aus dem Jahr 2016 zum
weiteren Gebrauch kostenlos überlassen werden könne. Künftige Reparatur- und
Unterhaltskosten gingen allerdings nicht mehr zu Lasten der IV-Stelle (IV-act. 385).
A.d.
Am 16. September 2020 verlangte der Versicherte den Erlass einer beschwerde
fähigen Verfügung betreffend die Kostengutsprache für den Transferlift (IV-act. 390).
Am 27. Oktober 2020 erliess die IV-Stelle einen Vorbescheid (IV-act. 391), gegen den
der Versicherte am 25. November 2020 Einwand erhob. Er machte im Wesentlichen
geltend, dass er sowohl einen Transferlift als auch ein Pflegebett benötige, "ob dies der
IV passe oder nicht". Den Transferlift/Patientenheber benötige er vor allem, um vom
Bett in den danebenstehenden Rollstuhl aus einer etwa 20-30cm höheren Position als
die des Rollstuhls transferieren zu können. Erfolge der Transfer in umgekehrter
A.e.
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Reihenfolge vom Rollstuhl in das Bett, nütze ihm ein nur elektrisch verstellbares Bett
ohne Transferlift nichts, da die vordere Sitzkante des Rollstuhls leicht unter dem
Maximum der verstellbaren Tiefe der Bettkante zu stehen komme. Er müsse über das
von einer Pflegefachkraft festgehaltene Rutschbrett gleiten, was einen immensen
Kraftaufwand voraussetze. Zudem gefährde der abendliche Transfer mit einem
Rutschbrett die Sicherheit, weil das Risiko bestehe, dass er vom Brett herunterrutsche,
da seine Beine keine Gegenkraft bilden könnten und er sich auch nirgends festhalten
könne, da die Kraft fehle. Das Pflegebett beziehungsweise der Einlegerahmen habe mit
Blick auf die Kardiomyopathie den Nutzen, dass der Beinwinkel und das Kopfteil so
verstellt werden könnten, dass die Durchblutung gefördert werde. Durch das elektrisch
verstellbare Pflegebett bzw. den Einlegerahmen könne er selbständig das Kopfteil
elektrisch zum Schlafen in eine Liegeposition verstellen. Der Patientenheber/Transferlift
werde nicht nur benötigt, um auf das Sofa vor dem Fernseher zu gelangen, sondern
auch für einen Rollstuhlwechsel, für Handgriffe am Rollstuhl und für einen Sitzwechsel
auf einen Stuhl am Esstisch. Zudem verwies der Versicherte auf das UNO-
Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung (BRK) und machte
geltend, dass Ziff. 2157 des Kreisschreibens über die Abgabe von Hilfsmitteln durch
die Invalidenversicherung (KHMI) gegen die BRK verstosse (IV-act. 392).
Am 14. Dezember 2020 verfügte die IV-Stelle die Kostengutsprache für den
Transferlift nach Ziff. 14.02 HVI gemäss dem Vorbescheid. Einen zusätzlichen
Anspruch auf ein Elektrobett wies sie mit Verweis auf Rz 2157 KHMI ab. Den elektrisch
höhenverstellbaren Einlegerahmen Belluno aus dem Jahr 2016 überliess sie dem
Versicherten zum weiteren Gebrauch kostenlos. Zu den Einwänden des Versicherten
nahm die IV-Stelle wie folgt Stellung: Elektrobetten würden gemäss Ziff. 14.03 HVI zur
Verwendung im privaten Wohnbereich übernommen für Versicherte, die darauf
angewiesen seien, um zu Bett zu gehen und aufzustehen. Der Zweck des Elektrobettes
bestehe einzig darin, in das und aus dem Bett zu gelangen. Mit der zugesprochenen
Transferhilfe werde dieser Zweck erfüllt. Aus diesem Grund könne nicht zusätzlich ein
Elektrobett übernommen werden (Doppelversorgung). Die Transferhilfe diene ebenfalls
dem Transfer vom Bett in den danebenstehenden Rollstuhl sowie dem Transfer in
umgekehrter Reihenfolge. Das Elektropflegebett sei für den Ein- und Ausstieg und
damit für den Transfer nicht mehr ausreichend. Wie der Versicherte selbst erwähnt
A.f.
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B.
habe, diene das Pflegebett aus medizinischen Aspekten dazu, die Beinwinkel und das
Kopfteil so zu verstellen, dass die Durchblutung gefördert werden könne. Dieser
Nutzen werde in keiner Weise angezweifelt. Allerdings müsse das Elektrobett aus
versicherungsmedizinischer Sicht gemäss Ziff. 14.03 HVI dem zu Bett Gehen und dem
Aufstehen dienen. Dies werde jedoch wie oben bereits festgehalten mit der
Transferhilfe gewährleistet. Die rein medizinischen Aspekte fänden keine Anwendung.
Schliesslich sei darauf hinzuweisen, dass die Invalidenversicherung auch im Bereich
der Hilfsmittel keine umfassende Versicherung sei, die sämtliche durch die Invalidität
verursachten Kosten abdecke (IV-act. 393).
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 28. Januar 2021 Beschwerde. Er
beantragte, "die Rechtssache sei an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen mit der
Bitte, eine Verfügung zu erlassen, die mit der Gewährung eines Transferlifts aus IV-
Depot-Beständen nicht die gleichzeitige Zusprache eines Pflegebettes ausschliesse".
Darüber hinaus sei das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) anzuweisen, die Rz
2157 KHMI anzupassen oder zu entfernen, so dass die Abgabe eines Patientenhebers
nicht die Abgabe eines Pflegebettes bzw. eines Einlegerahmens in ein bestehendes
Bett ausschliesse. Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen das bereits im
Verwaltungsverfahren Dargelegte geltend. Er führte insbesondere an, dass der von der
Pflegefachkraft mit einem Rutschbrett bewerkstelligte Transfer vom Rollstuhl ins Bett
und umgekehrt wegen der fortschreitenden Muskeldystrophie immer schlechter
ausgeführt werden könne. Auf das Pflegebett bzw. den Einlegerahmen könne er jedoch
ebenfalls nicht verzichten, da er sich kaum mehr bewegen könne und nur mit so einem
Bett die Schlafposition wenigstens beim Hinlegen mithilfe Dritter bestimmen könne. Mit
dem Bett bzw. Rahmen könne die Durchblutung gefördert werden und es seien
nächtliche Blasenentleerungen möglich. Deshalb sei ihm in jedem Fall nicht nur ein
Transferlift zu bewilligen, sondern ebenfalls solle der bestehende Einlegerahmen im
Eigentum der IV verbleiben, damit die damit einhergehenden Kosten zu Lasten der IV
und nicht zu seinen Lasten gingen. Die Verfügung widerspreche der Art. 8 der
Bundesverfassung (BV), wonach Menschen mit Behinderung gleichzustellen seien, und
Art. 23. Abs. 1 des UNO-Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit
B.a.
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Behinderungen (BRK). Müsse er für beide Hilfsmittel aufkommen, würde ihm nur der
Weg in ein Pflegeheim bleiben, was zudem Art. 19 lit. a BRK widerspreche (act. G 1).
Am 17. März 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen das bereits in der Verfügung
Dargelegte an, nämlich dass die in Rz 2157 KHMI aufgestellte Regelung im Rahmen
der Gleichbehandlung zwingend anzuwenden sei und dass kein Anspruch der
versicherten Person auf eine im Einzelfall bestmögliche Versorgung bestehe. Der
Zweck des Elektrobettes bestehe einzig darin, in das und aus dem Bett zu gelangen.
Mit der Transferhilfe werde dieser Zweck ebenfalls erfüllt. Würde sowohl der Transferlift
als auch das Bett zugesprochen werden, würde eine Doppelversorgung für den
Transfer in das bzw. aus dem Bett vorliegen. Der Beschwerdeführer habe selbst
vorgebracht, dass der Transfer mit dem Einlegerahmen allein nicht mehr bewerkstelligt
werden könne und dass der Einlegerahmen für den Ein- und Ausstieg und damit für
den Transfer nicht mehr ausreichend sei. Damit sei der Anspruch auf einen Krankheber
gemäss Ziff. 14.02 des Anhangs zum HVI ausgewiesen. Gemäss den Ausführungen
des Beschwerdeführers werde der Einlegerahmen mittlerweile auch nicht mehr für den
Transport, sondern für Positionslagerungen im Bett und zu Therapiezwecken benötigt.
Damit diene er aktuell als Behandlungsgerät und erfülle den vom Gesetz genannten
Zweck gemäss Rz 1006 KHMI nicht mehr. Die Beschwerdegegnerin hielt weiter fest,
dass die angefochtene Verfügung weder gegen Art. 8 BV noch gegen die BRK
verstosse, da sie lediglich eine Doppelversorgung verhindere, die die
Invalidenversicherung zu finanzieren hätte. Zudem habe die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer in Anwendung von Art. 21 Abs. 4 IVG den Einlegerahmen trotz des
Wegfalls der Anspruchsvoraussetzungen zur weiteren Verwendung überlassen (act. G
4).
B.b.
Mit Replik vom 10. Mai 2021 ergänzte der Beschwerdeführer seine Anträge
dahingehend, als er zusätzlich beantragte, das BSV sei anzuweisen, die Rz 1006 KHMI
so anzupassen, dass ein Hilfsmittel wie ein Pflegebett oder ein Einlegerahmen auch
nach der Abgabe eines Transferlifts den Hilfsmittelbegriff noch vollumfänglich erfülle,
weil auch die Körperhygiene im bestehenden Einlegerahmen durch eine reine Dritthilfe
ausgeführt werde. Zudem beantragte der Beschwerdeführer, der zuständige Bundesrat
bzw. das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) sei gebeten, die HVI soweit
B.c.
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Erwägungen
1.
anzupassen, dass Art. 2 Abs. 4 HVI das Wort "wirtschaftlich" nicht mehr enthalte, weil
dieses über die Begrifflichkeit im IVG hinausgehe. Der Beschwerdeführer verwies auf
Rz 2158 KHMI und machte geltend, der Einlegerahmen werde durch betreuende Dritte
auch zur Durchführung der Körperhygiene verwendet. Der Einlegerahmen diene zudem
sehr wohl der Herstellung des Kontakts mit der Umwelt, da er sonst keine
telefonischen Notrufe absetzen könne. Schliesslich wiederholte der Beschwerdeführer,
dass auch medizinische Gründe für einen Einlegerahmen sprächen, und er machte
erneut einen Verstoss gegen die BRK und das Diskriminierungsverbot der BV geltend
(act. G 6). Der Beschwerdeführer reichte einen Bericht seines Hausarztes vom 29. April
2021 ein, in welchem dieser festgehalten hatte, dass der Beschwerdeführer ohne das
Pflegebett und den Lift auf Pflege angewiesen sei und wie ein Kind zu festgelegten
Zeiten zu Bett gebracht und aus dem Bett geholt werden müsse (act. G 6.1).
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 27. Mai 2021 auf eine Duplik (act. G 8).B.d.
Am 20. Juli 2021 ersuchte das Versicherungsgericht das BSV um Auskunft
hinsichtlich der Bedeutung der Streichung des Satzteils "wenn sie darauf angewiesen
sind, um zu Bett zu gehen und aufzustehen" von Ziff. 14.03 HVI in der seit 2017
geltenden Fassung (act. G 12). Am 22. Juli 2021 nahm das BSV dahingehend Stellung,
dass es sich bei dem seit dem 1. Januar 2017 fehlenden Satzteil "[...], die darauf
angewiesen sind, um zu Bett zu gehen und aufzustehen" um ein gesetzgeberisches
Versehen handle. Es sei nie die Absicht gewesen, den Text von Ziff. 14.03 HVI in
diesem Sinne zu ändern. Der Fehler werde in der nächsten Fassung der HVI korrigiert
und der Satzteil wieder integriert (act. G 13).
B.e.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 14. Dezember 2020 hat die Be
schwerdegegnerin über einen Hilfsmittelanspruch des Beschwerdeführers entschieden
(IV-act. 393). Der Zweck dieses Beschwerdeverfahrens beschränkt sich auf die
Überprüfung der Rechtmässigkeit der angefochtenen Verfügung. Das bedeutet, dass
das Gericht nur den Anspruch des Beschwerdeführers auf das Hilfsmittel überprüfen
kann, über das verfügt worden ist. Auf die Anträge des Beschwerdeführers in der
Beschwerde (Ziff. 3 der Anträge) sowie in der Replik (Ziff. 3-5 der Anträge), laut denen
1.1.
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2.
das BSV, der Bundesrat und/oder das EDI anzuweisen sei, einzelne Bestimmungen der
Hilfsmittelverordnung und Ziffern der HVI und des KHMI anzupassen oder zu streichen,
kann demnach nicht eingetreten werden.
Der Beschwerdeführer hat wiederholt einen Verstoss gegen das
Diskriminierungsverbot bzw. das Behindertengleichstellungsrecht gerügt. Entgegen
seiner Auffassung ist die Hilfsmittelabgabe durch die IV jedoch nicht dazu da,
staatliches und/oder internationales Behindertengleichstellungsrecht in vollem Umfang
umzusetzen und eine umfassende Gleichstellung von Behinderten und
Nichtbehinderten herbeizuführen. Die Sachleistungen und damit auch die Hilfsmittel
der Invalidenversicherung unterliegen dem Grundsatz der angemessenen Deckung des
Existenzbedarfs (vgl. auch explizit Art. 112 Abs. 2 lit. b BV für die Rentenleistungen).
Dies ergibt sich daraus, dass der Leistungsanspruch einerseits auf die in der Liste im
Anhang zur HVI aufgeführten Hilfsmittel und andererseits auf Hilfsmittel in einfacher
und zweckmässiger Ausführung beschränkt ist. Entsprechend bildet die IV-
Hilfsmittelversorgung nur die unterste Stufe einer durch staatliches oder internationales
Recht vorgesehenen Behindertengleichstellung. Daraus folgt, dass weder die Art noch
der Umfang oder die Qualität der Hilfsmittel der IV direkt dem
Behindertengleichstellungsrecht entnommen werden kann. Vielmehr hat die
Überprüfung der angefochtenen Verfügung und damit des angewendeten IV-Rechts –
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers – ausschliesslich anhand der
massgebenden Normen des IVG und des entsprechenden Verordnungsrechts zu
erfolgen.
1.2.
Gemäss Art. 21 Abs. 2 IVG hat eine versicherte Person, die infolge ihrer Invalidität
für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die
Selbstsorge kostspieliger Geräte bedarf, ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit
Anspruch auf solche Hilfsmittel. Art. 21 Abs. 2 IVG enthält eine eigenständige, von Art.
8 des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsrechts (ATSG) losgelöste Definition
von Invalidität. Sie besteht in einer durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung bewirkten
Einschränkung bei der Wahrnehmung von drei essentiellen Bereichen der
Lebensführung, nämlich der Mobilität, der Kommunikation mit anderen Menschen und
der Selbstsorge. Kann eine versicherte Person eine Einschränkung durch ein
bestimmtes Hilfsmittel überwinden, so liegt die für dieses Hilfsmittel spezifische
Invalidität vor. Der Bundesrat hat die Pflicht, eine Liste der Hilfsmittel aufzustellen, an
das zuständige Departement delegiert (Art. 14 Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung; IVV). Dieses ist seiner Aufgabe mit dem Erlass der HVI,
2.1.
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3.
insbesondere durch die eigentliche Hilfsmittelliste im Anhang zu dieser Verordnung,
nachgekommen.
Die Hilfsmittelversorgung unterliegt den allgemeinen Anspruchsvoraussetzungen
gemäss Art. 8 IVG, nämlich der Geeignetheit, der Erforderlichkeit, und der
Eingliederungswirksamkeit. Die Invalidenversicherung ist auch im Bereich der
Hilfsmittel keine umfassende Versicherung, die sämtliche durch die Invalidität
verursachten Kosten abdecken will. Das Gesetz will die Eingliederung lediglich soweit
sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist und zudem der
voraussichtliche Erfolg der Eingliederungsmassnahme in einem vernünftigen Verhältnis
zu ihren Kosten steht (vgl. auch BGE 134 I 105 E. 3 mit Hinweisen). Leistungen, die im
Anhang zur HVI aufgeführt sind, werden also nicht ohne Weiteres, sondern nur soweit
erforderlich und lediglich in einfacher und zweckmässiger Ausführung erbracht (Art. 21
Abs. 2 IVG; Art. 2 Abs. 4 HVI). Nach der Rechtsprechung bezieht sich die
Notwendigkeit des Hilfsmittels auf die konkrete Situation, in welcher die versicherte
Person lebt (vgl. BGE 135 I 161 E. 5). Die hilfsmittelspezifische Invalidität wird definiert
durch den Bedarf an technischen Vorkehren, der aus einem behinderungsbedingten
Ausfall einer oder mehrerer Körperfunktionen resultiert. Mit einem Hilfsmittel soll also
der Verlust eines Körperteils oder der Ausfall einer Körperfunktion kompensiert werden.
2.2.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 14. Dezember 2020 hat die
Beschwerdegegnerin einerseits die Kostenübernahme für einen Transferlift gemäss Ziff.
14.02 HVI erteilt und andererseits einen weiteren Anspruch des Beschwerdeführers auf
die Versorgung mit dem im Jahre 2016 zugesprochenen Elektrobett/Einlegerahmen
verneint. Bei dieser "Ablehnung" hat es sich verfahrensrechtlich um eine Revision (Art.
17 Abs. 2 ATSG) der Verfügung vom 2. März 2016 gehandelt, mit der das Elektrobett
zugesprochen worden war (IV-act. 279). Die Beschwerdegegnerin hatte mit jener
Verfügung anstelle der gesetzlich an sich vorgesehenen leihweisen Hilfsmittelabgabe
einen Kostenbeitrag von Fr. 2'500.-- an das Elektrobett geleistet. Sie hatte dem
Beschwerdeführer gleichzeitig auf unbestimmte Dauer die Übernahme allfälliger
Reparaturkosten zugesprochen. Die angefochtene Verfügung vom 14. Dezember 2020
beinhaltet somit zwei Entscheidgegenstände, die gesondert anfechtbar sind, nämlich
einerseits die Zusprache des Transferlifts und andererseits die Revision betreffend die
Übernahme allfälliger Kosten für die Reparatur des Elektrobetts. Der Beschwerdeführer
hat lediglich Letzteres angefochten, in dem er beantragt hat, dass "der bestehende
Einlegerahmen im Eigentum der IV verbleibe, damit die damit einhergehenden Kosten
zu Lasten der IV und nicht zu seinen Lasten gingen". Die Zusprache des Transferlifts
3.1.
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hat er nicht angefochten. Die Verfügung vom 14. Dezember 2020 betreffend die
Abgabe des Transferlifts ist somit unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Zu prüfen
ist also nur, ob der Beschwerdeführer weiterhin einen Anspruch auf die Vergütung der
Kosten allfälliger Reparaturen am Elektrobett hat.
Der Beschwerdeführer ist durch seine fortschreitende Muskelerkrankung in seiner
Fortbewegung stark eingeschränkt. So ist er beispielsweise innerhalb und ausserhalb
der Wohnung auf einen Rollstuhl angewiesen (vgl. u.a. IV-act. 389). Darüber hinaus ist
er auch für den Transfer vom Rollstuhl ins Bett und umgekehrt auf ein Hilfsmittel
angewiesen. Aus diesem Grund hatte ihm die Beschwerdegegnerin im Jahr 2016 eine
Kostengutsprache für ein Elektrobett (bzw. einen Einlegerahmen) als Aufsteh- und
Transferhilfe gemäss Ziff. 14.03 HVI erteilt (IV-act. 279). Gemäss dieser
Verordnungsbestimmung haben Versicherte zur Verwendung im privaten Wohnbereich
Anspruch auf ein Elektrobett, wenn sie darauf angewiesen sind, um zu Bett zu gehen
und aufzustehen (Rz 1/17 des KHMI, vgl. zum Verordnungstext die nachstehenden
Erwägungen).
3.2.
Im September 2020 ist das SAHB zum Schluss gekommen, dass das Elektrobett
für den Transfer vom Bett in den Rollstuhl und zurück nicht mehr genüge. Der
Beschwerdeführer selbst hat sowohl im Verwaltungs- als auch im vorliegenden
Beschwerdeverfahren wiederholt ausgeführt, dass er den Transfer vom Bett in den
Rollstuhl und umgekehrt mit dem Elektrobett allein wegen des Fortschreitens der
Muskelerkrankung nicht mehr bewerkstelligen könne. Zudem gefährde der von einer
Pflegefachkraft mit einem Rutschbrett bewerkstelligte Transfer vom Rollstuhl ins
(Elektro-)Bett und umgekehrt die Sicherheit aller Beteiligten. Dementsprechend ist das
im Jahre 2016 zugesprochene Elektrobett als Hilfsmittel nicht mehr geeignet gewesen
und die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer zu Recht einen Transferlift
(Krankenheber) gemäss Ziff. 14.02 HVI zugesprochen (siehe vorstehende Erwägung
3.1). Mit der Abgabe des Transferlifts hat die Beschwerdegegnerin gleichzeitig die
weitere Versorgung mit einem Elektrobett aufgehoben. Sie hat dies damit begründet,
dass es sonst zu einer unzulässigen Doppelversorgung käme. Sie hat sich dabei auf
Ziff. 14.02 und 14.03 der Liste im Anhang zur HVI sowie auf die entsprechenden
Randziffern 2156 ff. des KHMI gestützt. Der Beschwerdeführer hat das in seinem
Besitz stehende Elektrobett zwar behalten können. Der Anspruch auf Übernahme
künftiger Reparatur- und Unterhaltskosten durch die IV ist aber verneint worden.
3.3.
Der Transferlift bzw. Krankenheber wird gemäss Ziff. 14.02 HVI zur Verwendung im
privaten Wohnbereich abgegeben. Er kann auch abgegeben werden, wenn die
versicherte Person nur unwesentlich zur eigenen Körperhygiene beitragen kann und
3.4.
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wenn er der betreuenden Drittpersonen dient (Rz 2156 KHMI), was im Falle des
Beschwerdeführers zutrifft. Wenn der abgegebene Transferlift allerdings auch benötigt
wird, um ins Bett zu gehen und aufzustehen, hat die hilfsmittelbedürftige Person keinen
zusätzlichen Anspruch auf ein Elektrobett (Rz 2157 KHMI). Der Transferlift kann somit
als Hilfsmittel der Selbstsorge mehreren Zwecken dienen; er ist einerseits Transfer-/
Aufstehhilfe und andererseits ein Hilfsmittel bei der Körperhygiene zur Unterstützung
der betreuenden Person. Der Beschwerdeführer hat nun in seinen Ausführungen
wiederholt angemerkt, dass er das Elektrobett (bzw. den Einlegerahmen) nicht nur als
Transferhilfe benötige. Es sei für ihn als Hilfsmittel nicht nur aus medizinischer Sicht
unerlässlich, sondern er benötige es auch, um seine Ruheposition zu verändern,
nächtliche Blasenentleerungen durchzuführen und andere Freiheiten geniessen zu
können. Das Argument des Beschwerdeführers, dass er das Bett aufgrund seiner
gesundheitlichen Einschränkungen in verschiedenen Bereichen benötige, ist zwar an
sich nachvollziehbar, jedoch im Rahmen der IV-rechtlichen Hilfsmittelabgabe im
vorliegenden Fall nicht relevant. Wie von der Beschwerdegegnerin richtig angeführt
haben nur diejenigen Versicherten einen Anspruch auf ein Elektrobett, "die darauf
angewiesen sind, um zu Bett zu gehen und aufzustehen". Damit deckt das Elektrobett
als Hilfsmittel nur einen Teilgehalt der Selbstsorge ab, nämlich die Transferhilfe in das
und aus dem Bett ("um zu Bett zu gehen und aufzustehen"); der einzige Zweck des
Hilfsmittels Elektrobett ist also der Transfer in das und aus dem Bett bzw. das
Aufstehen/Abliegen. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass in der Ziff. 14.03 der
Liste im Anhang zur HVI mit Stand 1. Januar 2017 und – aktuell - 1. Juli 2020 der
entscheidende Satzteil "Versicherte, die darauf angewiesen sind, um zu Bett zu gehen
und aufzustehen" nicht mehr vorhanden ist. Hierbei handelt es sich gemäss der
Auskunft des BSV vom 22. Juli 2021 um ein gesetzgeberisches Versehen, das mit der
neusten Fassung korrigiert werden wird. Der Wortlaut der Ziff. 14.03 der Liste im
Anhang zur HVI weist also eine ausfüllungsbedürftige Lücke auf, die durch den
obgenannten Satzteil zu füllen ist. Da die Gesetzmässigkeit dieser Lückenfüllung im
Verordnungsrecht angesichts der generellen Beschränkung des Leistungsanspruchs
auf eine Versorgung mit einfachen und zweckmässigen Hilfsmitteln gegeben ist, hat die
Beschwerdegegnerin zu Recht die Versorgung des Beschwerdeführers mit einem
Elektrobett und damit natürlich auch die akzessorische Übernahme der
Reparaturkosten des (vom Beschwerdeführer weiter benützten) Elektrobetts
revisionsweise eingestellt.
Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass das Elektrobett zwar (auch)
zu Therapiezwecken bzw. generell aus medizinischen Gründen benötigt wird und damit
als Behandlungsgerät dient. Die medizinische Behandlung bzw. Therapie wird aber
3.5.
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4.
Die Beschwerde gegen die Verfügung vom 14. Dezember 2020 ist somit abzuweisen.
4.1. Auf das Begehren betreffend die Änderungen bzw. Streichung von Artikeln der
Hilfsmittelverordnung und Ziffern des KHMI und der HVI kann im Sinne der
Erwägungen nicht eingetreten werden.
4.2. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Der unterliegende Beschwerdeführer hat die Gerichtsgebühr von Fr.
600.-- zu tragen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird ihm daran
angerechnet. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend besteht kein Anspruch auf
eine Parteientschädigung. Im Übrigen wäre das entsprechende Begehren selbst bei
einer Gutheissung der Beschwerde abzuweisen, da der Beschwerdeführer nicht
anwaltlich vertreten ist und da er durch seinen persönlichen Aufwand für das
Beschwerdeverfahren keinen nennenswerten ökonomischen Nachteil erlitten hat.