Decision ID: 5ec43f53-1152-49c3-96b7-78d02ff134e6
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1966 geborene
X._
war
zuletzt
ab
1.
Juli 1991 als Maler bei der
Y._
AG angestellt. Am 18. August 2008 meldete er sich unter Hinweis auf einen Arbeitsunfall mit Meniskusriss am rech
t
en Kniegelenk und Beschwerden an der Bandscheibe bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
(
Urk.
7/
3).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche
Abklärungen und liess den Versicherten insbesondere durch die
Z._
orthopädisch-
psychiatrisch begutachten (Expertise vom 23. April 2010,
Urk.
7/
56). Mit
Verfü
gungen vom 11. Mai und 27. Juli 2011 sprach sie ihm bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine vom 1. April bis 31. Dezem
ber 2008 befristete ganze Rente und im Anschluss daran ausgehend von einem Invaliditätsgrad von zunächst 58 % und ab 1. April 2010 von 51 % eine halbe Rente der
Invalidenversicherung zu (
Urk.
7/
81-84).
1.2
Der Versicherte bezieht wegen Unfallrestfolgen am rechten Knie seit dem 1. Januar 2010 eine Invalidenrente der Suva auf der Basis einer Erwerbsunfähig
keit von 17 % (vgl. Einspracheentscheid vom 10. Februar
2011,
Urk.
7/
80, und
Urteil
des hiesigen Gerichts vom 30.
März 2013,
Prozess Nr. UV.2013.
00010
).
1.3
Anlässlich einer im Januar 2013 eingeleiteten Rentenrevision wies der Versicherte auf eine am 22.
Oktober 2012 bei einer Teilzeitbeschäftigung erlittene Ver
letzung des linken Knies hin (
Urk.
7/
86/5). Die IV-Stelle tätigte erneut medizinische und erwerbliche Abklärungen und zog die
Akten der Suva
bei. Zudem veranlasste
sie ein polydisziplinäres Gutachten (allgemeininternistisch, orthopädisch, psy
chiat
risch, neurologisch) bei der
A._
(Expertise vom 17. Februar 2014,
Urk.
7/
106). Mit Verfügung vom 15. Oktober 2015 (
Urk.
7/
131) sprach sie
dem Versicherten
von 1. Januar bis 30. September
2013 eine ganze Rente und von 1. Oktober 2013 bis zum Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats - mithin bis Ende November 2015 - eine halbe Rente der Invalidenversicherung zu. Die vom Versicherten da
gegen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 25. April 2017 in dem Sinne gut, dass es die Sache an die IV-Stelle zurückwies, damit diese nach der Vor
nahme weiterer Abklärungen über seinen Leistungsanspruch ab 1. Dezember 2015 neu
verfüge (
Urk.
7/
145, Prozess Nr. IV.2015.01181).
1.4
Die IV-Stelle liess den Versicherten daraufhin
durch die
B._
, MEDAS,
polydisziplinär (allgemein
in
ternistisch, orthopädisch, psychiatrisch) begutachten (Expertise vom 1
7.
Januar 2018;
Urk.
7/
175
). Nach
durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
7/
182 und
Urk.
7/
185) hob sie die Rente mit
Verfügung vom 17. Oktober 2018 rückwirkend per Ende November 2015 auf (Urk.
7/187
).
1.5
Dagegen erhob der Versicherte am 16. November 2018 Beschwerde (Urk.
7/190/3-11
)
, welche vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 2
0.
August 2019 (Prozess-Nr. IV.2018.01009,
Urk.
7/194) teilweise gutgeheissen wurde. Das Gericht stellte fest,
dass
der Versicherte
von
1.
Dezember 2015 bis 2
8.
Februar 201
8
An
spruch auf eine Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung hat
und wies die Beschwerde im Übrigen ab. Die vom
Versicherten
dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesgericht mit Urteil 8C_672/201
9 vom 12. Februar 2020 ab (Urk.
7/200).
1.6
Am 2
0.
März 2020 meldete sich der Versicherte erneut zum L
eistungsbezug an (
Urk.
7/207).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
7/211 und Urk. 7/218
)
trat die IV-Stelle auf das neue
Leistungsbegehren mit Verfügung vom
2
2.
Juni 2020
(Urk. 2)
nicht ein
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
1
2.
August 2020
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei
das Verfahren zur Ergänzung des Sachverhalts, Durchführung eines Gutachtens und neuer Ent
scheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. A
m
9.
September 2020
(Urk.
6
) beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen, was dem Beschwerde
führer mi
t Verfügung vom 1
1.
September 2020
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
8
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmel
dung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invalidi
tätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in ana
loger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117
V
198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Verän
derung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zu
nächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegrün
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Mit Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 IVV soll verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Leistungsverweige
rung immer wieder mit
gleich lautenden
und nicht näher begründeten, das heisst keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE
109 V 108 E. 2a, 264 E. 3). Hingegen kann diese
Eintretensvorschrift
nicht da
hingehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Ände
rung gerade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechtskräftigen Leistungsabweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Person zumindest die Änderung eines Sach
verhalts aus dem gesamten für die Rentenberechtigung erheblichen Tatsachen
spektrum glaubwür
dig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungs
begehren einzutreten und es in tatsächlicher (wie selbstver
ständlich auch in rechtlicher) Hinsicht allseitig zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3a und E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.
5
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tatsa
chen
änderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) er
stellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheb
lichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2 mit Hinweisen). Erheblich ist eine Sachverhaltsän
derung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Inva
lidenrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom 5. Juni 2013 E. 2.3 mit Hinweisen auf 8C_1009/2010 vom 7. April 2011 E. 2.2 und 9C_838/2011 vom 28. Februar 2012 E. 3.3.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom
2
2.
Juni 2020
(Urk. 2) damit, dass
die vorgelegten Berichte keine dauerhafte Veränderung des Gesundheitszustandes begründen würden. Weitere Abklärungen würden nicht getätigt. Die Therapieoptionen seien nicht ausgeschöpft. Dem Beschwerdeführer sei eine angepasste Tätigkeit in einem Pensum von 100
%
zumutbar, womit er ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen könne. Auf das neue Leistungs
begehren werde deshalb nicht eingetreten.
2.2
Der
Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
er leide seit über zehn Jahren an zahlreichen gesundheitlichen Problemen. Aufgrund seiner Knieprobleme erhalte er eine kleine Rente der Unfallversicherung. Die gros
sen psychischen Probleme hätten zeitweise
ebenfalls
zu einer Rente der Invali
denversicherung geführt. All diese Probleme seien nicht verschwunden, vielmehr seien in der Zwischenzeit neue hinzugekommen. So hätten die Bandscheiben
probleme so stark zugenommen, dass sie neue, zusätzliche Schmerzen verursa
chen würden. Aufgrund dieser neuen Schmerzen seien ihm nicht einmal mehr die 50
%
möglich, die er noch vor zwei Jahren habe leisten können (S. 1). Aus den eingereichten Berichten und den neuen Röntgenbildern zeige sich, dass nicht mehr die gleiche Situation wie noch vor eineinhalb Jahren vorliege. Die Beschwerdegegnerin habe eine genauere Überprüfu
ng deshalb zu Unrecht abge
lehnt (S. 2).
3
.
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf die Neu
anmeldung vom
2
0.
März 2020
eingetreten ist, weil es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine rentenrelevante Veränderung glaubhaft zu machen.
Ver
gleichs
zeitpunkt für eine für die Neuanmeldung relevante Veränderung des Gesund
heitszustands bildet die Verfügung vom 17. Oktober 2018 (Urk. 7/187), gestützt auf welche das hiesige Gericht dem Beschwerdeführer eine vom 1. Dezember 2015 bis 2
8.
Februar 2018 befristete Dreiviertelsrente zusprach (Urk. 7/194, bestätigt mit Urteil des Bundesgerichts 8C_672/2019 vom 12. Feb
ruar 2020,
Urk.
7/200).
4
.
Der Verfügung vom 1
7.
Oktober 2018 lag unter anderem folgende
Expertise
zugrunde:
Med. prakt.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Dr. med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, und PD Dr. med.
E._
, Facharzt für ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappara
tes, von der
B._
stellten in ihrem Gutachten vom 17. Januar 2018 (Urk. 7/175) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 48):
-
Panikstörung
-
Albträume
-
Schlafstörung
-
Schuhtechnisch kompensierter Beinlängenunterschied mit
Varisierung
der rechten Beinachse nach unklarer Operation in der Kindheit in der Türkei (ca. 1985)
-
postoperativ persistierende Meniskusschäden rechts (2007), links (2012)
-
HWS-Degeneration mit Radikulopathie C6/7 links (2007)
-
LWS-Degeneration mit
Bandscheibenprotrusionen
L3/4 und L4/5 seit 2013
Zudem hielten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 48):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode
-
chronische Ulzeration oberflächlich im Hautnarbenbereich linker Unterschen
kel nach unklarer Operation in der Kindheit in der Türkei (ca. 1985)
-
Status nach Dermatose/Urtikaria unklarer Natur (2010) laut Angaben des Beschwerdeführers
Dazu führten sie aus, aus orthopädischer Sicht beständen dauerhafte Verände
rungen am rechten Knie bei mehrfach operierter
Meniskopathie
/sekundärer medialer Gonarthrose sowie (wahrscheinlich auch als Folge einer im Kindesalter erfolgten Beinverkürzung rechts) bei rechtsseitiger
Varisierung
(O-Bein-Bildung) der Beinachse, was sich auf die Beweglichkeit und Belastbarkeit des Kniege
lenks/der Beinachse und damit auf die Arbeitsfähigkeit als Maler (Einschränkung beim Treppensteigen, bei Arbeiten auf Gerüsten) auswirke. Dasselbe gelte in funk
tionell gleichem Ausmass für die Auswirkungen der degenerativen Veränderun
gen an der Halswirbelsäule (Einschränkung bei Überkopfarbeiten). Aus psychiat
rischer Sicht bestehe in erster Linie eine Panikstörung, verbunden mit Albträumen und Schlafstörung, die ihrerseits eine rezidivierende depressive Störung dann auslösen könne, wenn ein normales Arbeitspensum gefordert würde. Der moti
vierte Beschwerdeführer habe eine an seine Einschränkungen qualitativ ange
passte Arbeitsstelle in einem frei gestaltbaren halbtägigen Pensum gefunden und sich so selbst teilweise eingegliedert (S. 49).
In der Konsensbeurteilung hielten die Gutachter fest, der Beschwerdeführer sei in der angestammten Tätigkeit aus vorwiegend orthopädischen Gründen seit dem Gutachten der
A._
(14. [richtig: 17.] Februar 2014) nicht mehr arbeitsfähig. In einer angepassten Tätigkeit bestehe aus orthopädischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit (S. 50 Ziff. 3.2). Aus psychiatrischer Sicht sei er in retrospektiver Beurteilung - aufgrund der Atteste der behandelnden Ärzte - von 14. Februar 2014 bis 1. August 2017 auch in einer angepassten Tätigkeit nicht arbeitsfähig gewesen. Vom 2. August bis 28. November 2017 habe in einer angepassten Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen bestanden. Seither sei er in einer angepassten Tätigkeit aus psychischen Gründen noch zu 30 % eingeschränkt (S. 50). Die gebesserte depressive Störung sei vor allem der erneuten - am 4. April 2016 zu 50 % aufgenommenen (S. 39) - Berufstätigkeit geschuldet, da sich der Beschwerdeführer erheblich über seinen Beruf motiviere und Zufriedenheit erlange (S. 34 und S. 46).
Das Profil einer leidensangepassten Arbeit sei eine überwiegend sitzende, höchs
tens körperlich mittelschwere Tätigkeit mit leichter Wechselbelastung, gelegent
lichem Stehen und Gehen, Tragen und Heben bis Lendenhöhe bis 15-25 kg, ohne überwiegendes Heben und Tragen über Brusthöhe, gelegentlichem Arbeiten (bis 10 % der Arbeitszeit) mit Besteigen von Hockern, tieferen Leitern, Treppen und Trittstufen, ohne Schicht- und Nachtdienste, mit regelmässigen Pausen und ohne Zeitdruck, ohne Verantwortung, ohne Anforderungen an die Umstellungs- und Durchhaltefähigkeit, ohne Arbeiten an laufenden Maschinen, auf höheren Leitern, Hebebühnen oder Gerüsten (S. 34 und S. 47).
5.
Mit seiner Neuanmeldung reichte der Beschwerdeführer unter anderem folgende Berichte ein:
5.1
Das Institut
F._
beurteilte das MRI HWS nativ vom 1
5.
Januar 2019 (
Urk.
7/206/
2-3
)
verglichen mit der Voruntersuchung vom
3.
Dezember 2015
wie folgt:
-
diskret progrediente Osteochondrose und insbesondere
Uncovertebralarthrose
C5-7 mit Kompression der Wurzel C7 beidseits und C6 links sowie Bedrängung der Wurzel C6 rechts
-
keine Myelopathie, keine signifikante Spinalkanalstenose
-
leichte
Spondylarthrose
C3/4 und C7/TH1 beidseits
5.2
Das Institut
G._
hielt zur Beurteilung des MRI LWS und
ISG
/
Sacrum
nativ vom 1
9.
Februar 2020 (
Urk.
7/206/1) Folgendes fest:
-
m
ultisegmentale degenerative Veränderung der unteren LWS bei
lumbosakra
ler
Übergangsanomalie mit
Hemisakralisation
von L5 links mit
Nearthros
-Bil
dung
-
im Segment L4/5 linksseitige Osteochondrose
Modic
Typ I, breitbasige
Dis
kusprotrus
i
on
mit links mediolateraler Extrusion nach kaudal
, k
o
n
sekutivmäs
sige
rezessale
Stenose links sowie begi
nnende rechts, e
ine Irritation der Ner
venwurzel L5
rezessal
links denkbar
-
im Segment L5/
S1 breitbasige
,
mediolateral
rechtsbetonte
Diskusprotrusion
mit geringer
rezessaler
Einengung rechts
-
im Segment L3/4 breitbasige
Diskusprotrusion
mit beginnenden
rezessalen
Einengungen sowie geringen
foraminalen
Stenosen beidseits
-
verglichen mit der Voruntersuchung vom 1
5.
Januar 2019 leicht progre
d
ientes Ausmass der Diskusextrusion L4/5, im Übrigen stationäre Verhältnisse
5.3
Dr.
med.
H._
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) führte in ihrer Stellung
nahme vom
2.
April 2020 (
Urk.
209/3) aus,
aus versicherungsmedizinischer Sicht würden die vorgelegten Berichte kein
e
dauerhafte Veränderung des Gesundheits
zustandes
begründen
, die die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit unter adä
quater Therapie (Therapieoptionen noch nicht ausgeschö
p
ft) vermindern könnte.
Die Veränderungen würden bilddiagnostisch und nicht funktionell vom Behand
ler begründet.
5.
4
Dr.
med.
I._
,
Facharzt für Neurochirurgie FMH
, des
Zentrums J._
, stellte in seinem Bericht vom
7.
Mai 2020 (
Urk.
7/213/1-2) folgende Diagnosen:
-
Lumbago
-
Segmentdegeneration L4/5 mit leicht kaudal sequestrierter Diskushernie median linksbetont
-
lumbosakrale
Übergangsstörung mit
Hemisakralisation
L5 links
-
Cervikalgien
bei Spondylose C5/6 und C6/7
Dazu hielt er fest, der Vorbescheid der Beschwerdegegnerin trage den Verände
rungen nicht genügend Rechnung. Die Bandscheibenproblematik sei länger bekannt, der Befund habe relevant zugenommen und die Schmerzsituation in den letzten Monaten erklärt. Die Annahme einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auch in angepasster Tätigkeit erscheine illusorisch und werde dem Beschwerdeführer nicht gerecht. Er arbeite unverändert
zu
50
%
als Maler und wolle diese Stelle nicht verlieren. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit werde nicht als sinnvolle Option erachtet, dies gefährde die Restarbeitsfähigkeit eher.
6.
6.1
D
er Beschwerdeführer
litt bereits im Vergleichszeitpunkt an Rückenschmerzen
, aufgrund welcher er
lediglich noch in einer den Beschwerden angepassten Tätig
keit zu 100
%
arbeitsfähig ist. Die Gutachter von der
B._
interpretierten die Rückenbeschwerden als
eine
HWS-Degeneration mit Radikulo
pathie C6/7 links
sowie eine
LWS-Degeneration mit
Bandscheibenprotrusionen
L3/4 und L4/5
(E. 4
hievor
).
6.2
Im Unterschied dazu haben g
emäss d
en im vorliegenden Verfahren vorgelegten
MRI
die diskret progrediente
n
Osteochondrose und
Uncovertebralarthrose
neu
zu einer Kompression der Wurzel C7 rechts und einer Bedrängung der Wurzel C6 rechts
geführt,
im Segment L5/S1 hat sich eine breitbasige,
mediolateral
rechts
betonte
Diskusprotrusion
mit geringer
rezessaler
Einengung rechts entwickelt und
die
Bandscheibenprotrusion
L4/5 ist progredient
und inzwischen eine Irritation der Nervenwurzel L5
rezessal
links denkbar
(E.
5
.1 und
5
.2
hievor
).
6.3
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrem
Nichteintretensentscheid
auf die Ausführungen von
Dr.
H._
vom RAD
(vgl. E. 5.3
hievor
)
, gemäss welcher die Therapieoptionen noch nicht ausgeschöpft seien. Ob die geltend gemachten Beschwerden therapierbar sind, ist jedoch in Bezug auf die Frage, ob der Beschwerdeführer eine Veränderung des Gesundheitszustandes glaubhaft machen
konnte, nicht relevant
. V
ielmehr impliziert dies gerade einen veränderten Zustand, welcher sich unter adäquater Therapie allenfalls wieder verbessern könnte
.
D
ie Behandelbarkeit einer Störung für sich allein betrachtet
,
sagt jedoch
nichts über deren invalidisierenden Charakter
aus (vgl. BGE 143 V 408 E. 4.2.1,
127 V 294 E. 4c), weshalb
aus
noch offene
n
Therapieoptionen nicht
auf einen unveränderten
Gesundheitszustand
geschlossen werden kann
.
Worin
eine
adä
quate Therapie
bestehen könnte,
wurde von
Dr.
H._
zudem
nicht ausgeführt. Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass
immerhin
aufgrund der erheblichen Beschwerden
am 2
4.
April 2019 und
15.
Januar 2020 eine Facetteninfiltration L4/5 beidseits sowie am
8.
April 2020 eine
periradikuläre
Infiltration L5 links durchgeführt
wurden
(
Urk.
3/2,
Urk.
7/206/6-7 und
Urk.
7/213/3-4
), ohne dass dies zu einer
merklichen
Verbesserung
der Situation geführt hätte.
Gemäss dem
behandelnde
n
Dr.
I._
h
at
der Befund der Bandscheibenproble
matik relevant zugenommen und erklär
t
die Schmerzsituation in den letzten Monaten. Die Annahme einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auch in angepasster Tätigkeit erachtete er als illusorisch (E. 5.4
hievor
). Dazu nahm
die Beschwerde
gegnerin keine Stellung und der Vermerk auf dem Feststellungsblatt vom 2
2.
Juni 2020 «Tel. RAD, H._
vom 14.05.2020
, D
ie am 12.05.2020 eingereichten Arzt
berichte weisen keine Veränderung der
gesundheitlichen Situation aus» (
Urk.
7/220/1)
kann
nicht als
rechtsgenügliche
Stellungnahme
des RAD
angese
hen werden
, zumal eine formlos eingeholte und in einer Aktennotiz festgehaltene telefonische Auskunft nur insoweit ein zulässiges und taugliches Beweismittel darstellt, als damit blosse Nebenpunkte, namentlich Indizien oder Hilfstatsachen, festgestellt werden
(BGE 117 V 282 E. 4c)
, was vorliegend nicht der Fall ist.
6.4
Mit Blick auf die vorgelegten Arztberichte sowie insbesondere die Ausführungen des behandelnden
Dr.
I._
bestehen zumindest gewisse Anhaltspunkte für eine mögliche rele
vante Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerde
führers, was zur Glaubhaftmachung einer Veränderung ausreicht. Die Beschwer
degegnerin ist somit am
2
2.
Juni 2020 zu Unrecht nicht a
uf
das neue Leistungs
begehren einge
treten, weshalb die Beschwerde
gutzuheissen
und die Sache zur materiellen Beurteilung an
sie
zurückzuweisen ist.
7.
7.1
Die Kosten des Verfahrens (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) sind auf Fr.
6
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Dem Beschwerdeführer ist keine Prozessentschädigung zuzusprechen, da sein Arbeitsaufwand und seine Umtriebe im vorliegenden Verfahren nicht den Rah
men dessen überschritten, was der Einzelne zumutbarerweise nebenbei zur Besorgung seiner persönlichen Angelegenheiten auf sich zu nehmen hat.