Decision ID: deb960ea-1c8b-42f4-95f8-5f65ab5743a5
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1976 geborene
X._
arbeitete seit dem 1. Januar 2016 als Werkstatt
mitarbeiter respektive Hilfsarbeiter der Blechumformung bei der
Y._
(Ur
k. 7/1
, Urk. 7/
44,
Urk.
7/46 S. 1
)
und war bei der Suva obligato
risch gegen die Folgen von Unfällen versichert
. Gemäss Schadenmeldung vom 1
4.
Juni 2016 zerschnitt es ihm
am 2. Juni 2016 bei der Arbeit mit einer Maschine
den
Ringfinger der linken Hand
(
Urk.
7/1).
Die Erstbehandlung erfolgte durch die Sanität, welche ihn umgehend dem
Z._
, Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie
,
zuwies. Dort wurde ein Quetschtrauma
des Ringfingers der
adominanten
linken Hand diagnostiziert mit
kompletter Durc
h
trennung von Sehnen, Muskeln, Knochen und Nervenbündeln (Urk. 7/3
S. 1
).
Gleichentags wurde eine erste Operation vorgenommen (
Urk.
7/3 S. 2,
Urk.
7/4) und dem
Versicherten
wurde eine Arbeitsunfähigkeit attestiert
(Urk. 7/2).
Die Suva erbrachte die gesetzlichen Versicherungsleistungen (vgl.
Urk.
7/6).
Per 3
1.
Oktober 2016 wurde das Arbeitsverhältnis seitens der Arbeitgeberin beendet (
Urk.
7/48).
Bereits a
m 17. Oktober 2016
hatte
sich
der Versicherte
unter Hinweis auf seinen Unfall sowie auf die folgenden Operationen bei der Eidgenössischen Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an
gemeldet
(Urk. 7/
55
).
1.2
Die Suva liess den Versicherten am 27./2
8.
August 2018 am
A._
mittels einer funktionsorientierten medizinischen Abklärung (FOMA) testen (
Urk.
7/275).
Am 15. Oktober 2018 stellte
sie
die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen per 1. November 2018 ein und stellte die Prüfung der Rentenfrage nach Abschluss der
beruflichen Ein
gliederungsmass
nahmen durch die Invalidenversicherung in Aussicht (Urk. 7/
29
0
).
Am
5.
November 2018 gab der Kreisarzt
Dr.
med. B._
, Facharzt für Radiologie,
Abteilung Versicherungsmedizin,
seine Beurteilung des Integritäts
schadens ab (Urk. 7/307).
Gestützt darauf sprach die Suva dem Versicherten mit gleichentags erlassener Verfügung eine auf einer Integritätseinbusse von 6
%
basierende Integritätsentschädigung zu (Urk. 7/309).
Die dagegen vom Versicher
ten am
5.
Dezember 2018
erhobene Einsprache (Urk.
7/338
) wies die Suva mit
Einspracheentscheid
vom
28. Mai
2019 ab (Urk.
7/353 = Urk. 2)
.
Betreffend seinen Anspruch auf Umschulung durch die Invalidenversicherung fällte das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil
im Verfahren
IV.2019.00099
vom 17. September 2019 einen Rückweisungsentscheid.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
der Suva
vom
2
8. M
ai
2019 erhob der Versicherte mit Eingabe vom
2
8.
Juni
2019 Beschwerde und beantragte, dieser sei aufzu
he
ben und es
sei ihm eine Integritätsentschädigung von mindestens 20
%
zuzu
spre
chen
(Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort
vom
28. August
2019 auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
6
), was de
m Beschwer
deführer mit Gerichts
verfügung vom
3
0.
August
2019 mitgeteilt wurde
(
Urk.
8)
.
Auf die Ausführungen der Parteien und die
eingereicht
en Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schä
digung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie An
spruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1
des
Bun
desgesetz
es über die Unfallversicherung; UVG
). Die Integrität
sentschä
digung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird ent
sprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36
der
Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV)
Gebrauch gemacht. Abs. 1 bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dau
ernd
gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in glei
chem Umfang besteht; er ist erheblich, wenn die körperliche, geistige oder psy
chische Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beein
trächtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integritätsent
schädi
gung die Richtlinien des Anhangs
3.
Fallen mehrere körperliche, geistige oder psychische Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträchtigung fest
ge
setzt. Die Gesamtentschädigung darf den Höchstbetrag des versicherten Jahres
verdienstes nicht übersteigen und bereits nach dem Gesetz bezogene Ent
schädi
gungen werden prozentual angerechnet (Abs. 3). Voraussehbare Verschlimme
rungen
des Integritätsschadens werden angemessen berücksichtigt. Revisionen sind nur im Ausnahmefall möglich, wenn die Verschlimmerung von grosser Trag
weite ist und nicht voraussehbar war (Abs. 4).
1.2
Im Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der Inte
gritätsschäden aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten, nicht ab
schliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) häufig vorkommende und typische Schäden prozentual gewichtet. Für die darin genannten Integri
tätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Pro
zentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (Ziff. 1 Abs. 2). Integritäts
schäden, die gemäss der Skala 5 % nicht erreichen, geben keinen Anspruch auf Entschädigung (Ziff. 1 Abs. 3). Die völlige Gebrauchsunfähigkeit eines Organs wird dem Verlust gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und teilweiser Gebrauchs
unfähigkeit wird der Integritätsschaden entsprechend geringer, wobei die Ent
schädigung jedoch ganz entfällt, wenn der Integritätsschaden weniger als 5 % des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes ergäbe (Ziff. 2).
Die Medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der
bundesrät
lichen
Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog. Fein
raster) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für das Gericht nicht verbindlich, umso weniger als Ziff. 1 Abs. 1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, der in der Skala angegebene Prozentsatz des Integritätsschadens gelte im Regelfall, welcher im Einzelfall Abweichungen nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicher
ten gewährleistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
1.3
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befan
genheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versi
che
rungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versiche
rungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
führte im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 28. Mai
2019 aus, laut der kreisärztlichen Beurteilung könne die beim Beschwer
deführer unfallbedingt vorliegende Einschränkung der Funktion des linken Ring
fingers, welche auch zu einer gewissen Funktionseinschränkung der gesamten linken Hand führe, entweder mit dem Verlust des Ringfingers oder mit einem 12%igen Verlust der Funktion einer gesamten oberen Extremität verglichen werden. Die
s
entspreche in beiden Fällen einem Integritätsschaden von 6
%
(
Urk.
2 S. 3). Der Kreisarzt habe sich bei seiner Begründung unter anderem auf den Bericht
der
A._
vom 17. September 2018 gestützt. Die beantragte Integritäts
entschädigung von 20
%
erscheine im Vergleich zum Verlust einer Hand, welcher mit 40
%
entschädigt werde, weder gerecht noch verhältnismässig. Im Übrigen hätten sich am 1
7.
Dezember 2018
sonographisch
und konventionell-radiolo
gisch unauffällige Verhältnisse am Mittel- und
am
Kleinfinger links ergeben. Eine Verschlimmerung des Integritätsschadens könne nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit prognostiziert werden
, weshalb eine solche nicht zu berücksich
tigen sei
(
Urk.
2 S. 4).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte hiergegen in seiner Beschwerde vom 2
8.
Juni 2019 vor,
die Begründung im
Einspracheentscheid
sei so rudimentär ausgefallen, dass eine Verletzung seines rechtlichen Gehörs vorliege (
Urk.
1 S. 3
Rz
5).
Des Weite
ren machte er geltend, infolge des Unfallereignisses vom
2.
Juni 2016 sowie der fünf folgenden Operationen sei die linke Hand sowohl auf der Aussen- als auch ganz besonders auf der Innenseite von mehreren Narben überzogen. Nicht nur der Ringfinger sei geschädigt, sondern die Gebrauchsfähigkeit auch der anderen Langfinger, vor allem aber auch jene der gesamten Hand, seien stark beein
trächtigt (
Urk.
1 S. 3-4
Rz
1-2).
Die Funktionstauglichkeit des linken Ringfingers sei nicht nur eingeschränkt, sondern nicht mehr vorhanden, nachdem sich dieser Finger aktiv nicht mehr beugen lasse. Zusätzlich müsse die Einschränkung der gesamten linken Hand entschädigt werden. Weshalb die ihm zustehende Integri
tätsentschädigung laut dem nicht auf Handchirurgie spezialisierten Kreisarzt mit dem Verlust eines Ringfingers gleichzusetzen sei, habe der Kreisarzt vor diesem
Hintergrund nicht
nachvollziehbar begründet (Urk.
1 S. 5).
Nicht nur die Flexi
ons
fähigkeit aller Finger sei eingeschränkt, sondern auch die feinmotorische Global
funktion der Hand. Ein Faustschluss sei nur sehr eingeschränkt möglich und wenn
,
dann n
ur mit einer Kraft von circa 30
% im Vergleich zur rechten Hand.
Der Mittelfinger weise ein Extensionsdefizit von rund 5
%
auf. Beim Halten von Gegenständen in zylindrischer Form sei die Kraft stark reduziert.
Da die ganze Hand von der Schädigung betroffen sei, sei fraglich, weshalb der Kreisarzt finde,
diese Schädigung sei mit einer 12%igen Schädigung der ganzen oberen Extre
mität zu vergleichen
. Diese Beurteilung sei
offenbar
ergebnisorientiert erfolgt
(
Urk.
1 S. 6)
.
Hinzu kämen Schmerzen. Der Kreisarzt verkenne, dass es nicht darauf ankomme, ob sich die vorhandene
n
und fachärztlich festgestellten Beschwerden bildgeben
d
darstellen l
ie
ssen (
Urk.
1 S. 7).
Des Weiteren sei er
– der Beschwerdeführer -
beim Greifen eingeschränkt. Die Einschränkungen seiner gesamten Hand entsprächen einem 50%igen Verlust der gesamten Hand (
Urk.
1 S. 8)
, mithin einem Integritätsschaden von 20
%
. Dies sei auch angesichts dessen gerechtfertigt,
dass
sich die Beschwerden auf die übrigen Langfinger ausdehnten und eine Revision der Integritätsentschädigungsbemessung nur ausnahmsweise möglich sei
(
Urk.
1 S. 9).
3.
3.1
Vorab ist der Einwand des Beschwerdeführers zu prüfen, der angefochtene Ent
scheid sei bereits aus formellen Gründen - wegen einer Verletzung des rechtlichen Gehörs respektive unzureichender Begründung - aufzuheben (
Urk.
1 S. 3
Rz
5).
3.2
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Darstel
lung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Gemäss
Art.
52
Abs.
2 Satz 2 ATSG werden
Einspracheentscheide
begründet. Die Begründung eines Ent
scheides muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechts
mittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen
Behauptung und jedem r
echtlichen Ein
wand auseinander
setzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Ge
sichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
3.3
Aus dem angefochtenen
Einspracheentscheid
geht hervor, dass die Beschwer
degegnerin sich auf die kreisärztliche Beurteilung vom
5.
November 2018 stützte und dass dieser wiederum der
A._
-Bericht vom 17. September 2018 zugrunde lag. Sodann wurde festgehalten, dass die beantragte Integritätsentschädigung von 20
%
im Vergleich zum Verlust einer Hand unangemessen hoch wäre. Im Übrigen
wurde auf die Ergebnisse der bildgebenden Untersuchungen hingewiesen (
Urk.
2 S. 3-4).
Damit legte
die Beschwerdegegnerin
die für den Entscheid wesentlichen Gesichts
punkte dar, auf welche sie sich beschränken durfte.
Dem Beschwerdeführer
war es möglich, auf der Grundlage
des angefochtenen Entscheids sein Anliegen im
Beschwerdeverfah
ren sachgerecht vorzutragen, was
er
denn auch tat. Folglich geht
dieser Einwand
des Beschwerdeführers
fehl.
4.
4.1
Dem Bericht des
C._
vom
3
0.
Mai 2018
(Urk. 7/228 = Urk. 3/5)
sind als Hauptdiagnosen ein Flexionsdefizit und eine Dysästhesie des
adominanten
linken Ringfingers, ein schmerzhaftes
Bowstringphänomen
des Beugesehnen
apparats desselben Fingers sowie eine fixierte Flexionsstellung des Endglieds des linken Ringfingers zu entnehmen (Urk. 7/228 S. 2-3).
Unter den Befunden gaben die berichtenden Ärzte an, die Hand könne flach auf den Tisch gelegt werden. Das
distale
Interphalangealgelenk
(DIP) könne bis fast 0 Grad gestreckt werden, die Handgelenksextension gelinge nun schmerzarm und die Narbe in der
palma
manus
sei noch
dysästhetisch
/hyperästhetisch. Es bestehe eine Einschränkung der Flexionsfähigkeit aller Finger, wobei
sich
dies
e
tendenziell
ver
bessert habe. Ein Faustschluss gelinge zwar, aber lediglich mit circa 30
%
der Kraft im Vergleich zur Gegenseite. Ferner sei die feinmotorische Globalfunktion eingeschränkt (Urk. 7/228 S. 3).
In ihrer Beurteilung führten die Ärzte aus, zwei Monate nach der letzten Operation zeige sich ein befriedigendes Resultat. Eine Wiedererlangung der Funktion, welche eine manuell intensive Tätigkeit erfordern würde, sei kaum mehr im Bereich des Möglichen anzusiedeln, weshalb
sie
den Wunsch
des Beschwerdeführers
nach einer Umschulung unterstütz
t
e
n
(Urk. 7/228 S. 3).
4.2
Im Rahmen der a
m 2
7.
und 2
8.
August 2018
vollzogenen
funktionsorientierte
n
medizinische
n
Abklärung
im
A._
wurde als
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Funktionsverminderung des
Digitus
(
Dig
.)
IV und der Hand links genannt
(Urk. 7/
275
S. 1
).
Dem Bericht
vom 1
7.
September 2018
ist zu ent
nehmen, a
nlässlich der Abklärung habe der Beschwerdeführer über nur minimste Schmerzen in Ruhe bei Nichtbelas
tung des
Digitus
IV links sowie der linken Hand geklagt. Am meisten schmerze ihn das Anstossen mit der Fingerkuppe. Zudem bestehe eine deutliche Kälte
empfindlichkeit
. Mit einer Transportschiene (Kopp
lung des Ringfingers an den Mittel
finger) könne er den Finger nun beugen. Bei diversen Greifbewegungen und
Tätig
keiten sei er eingeschränkt, wobei auch die übrigen Langfinger von der Einschränkung betroffen seien
(Urk. 7/275 S. 2-3).
Die beurteilenden Fachpersonen führten aus, d
er Ringfinger links sei aktiv
nicht beugbar, obwohl im
proximale
n
Interphalangealgelenk
(
PIP
)
und
im
DIP
passiv eine
Beugbarkeit
vorhanden sei. Im
Metacarpophalangealgelenk
(MCP) sei der Finger aktiv beugbar. Es bestehe eine Dysästhesie im Bereich des ganzen
Dig
. IV und bei längerer Belastung auch im Bereich der Narben in der Hand mit Aus
strahlung in den Unterarm (anamnestisch). Infolge des Mindergebrauchs der lin
ken Hand bestehe eine Unterarmumfangsverminderung links gegenüber rechts, welche mit der Angabe eines Mindereinsatzes der linken Hand korreliere
.
Bei der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) habe der Beschwer
deführer eine gute Leistungsbereitschaft und eine gute Konsistenz gezeigt. Bei den Hebe- und Tragebelastungen sei ersichtlich gewesen, dass der Beschwerde
führer bis zu einem Gewicht von circa fünf Kilogramm
(kg)
den üblichen Hand
griff (in etwa analog zu einer gesunden Person) habe anwenden können. Die höheren Gewichtsbelastungen habe er mit einem angepassten Griff bewältigen müssen. Dabei habe der Beschwerdeführer
darauf geachtet, dass der MCP-B
ereich des
Dig
. IV nicht belastet worden sei. Auch bei Überkopfarbeiten habe er den Griff angepasst
. Bei diesen angepassten Griffführungen sei bis zu den in der EFL-Tabelle aufgelisteten Gewichten (vgl.
Urk.
7/275 S. 20
sowie
S. 14
)
eine im Wes
entlichen noch sichere Ausführung von Tätigkeiten zumutbar gewesen. Darüber hinaus respektive mit höherer Gewichtsbelastung sei
en
die Ausführungen als nicht mehr sicher und
als
klar nicht mehr als ergonomisch zumutbar zu erachten
. Die Handkraf
t und
die
Handkoordination sei
en
link
s gegenüber rechts (medizinisch plausibel nachvol
l
ziehbar) geringer. Der
Pincegriff
(Griffkraft zwi
schen D
a
u
m
en und Zeigefinger) sei in etwa seitengleich gewesen, der Daumen-Ringfingergriff (medizinisch nachvollziehbar) rechts bei 11 und links bei lediglich 4 Kilopond (kp)
. Bei der Handkoordination sei ersichtlich gewesen, dass der Be
schwerdeführer im Wesentlichen lediglich
Dig
. I-III links einsetze und
Dig
. IV und V nicht benutzt habe. Zum Teil sei
Dig
. IV wegen der schlechten
Flektierbarkeit
etwas im Weg gewesen. Ungünstig seien daher feinmotorische Arbeiten, welche nicht allein mit
Dig
. I-III erledigt werden können
. Das arbeitsbezogene relevante Problem bestehe in einer verminderten Belastungstoleranz der linken Hand, ins
besondere des Ringfingers, in Kombination mit einer Funktionsstörung und damit auch eingeschränkter Koordination und Kraft
(Urk. 7/275 S. 3).
Insbesondere in der Handfläche beim Grundgelenk des Ringfingers bestehe im Verlauf der Beugesehne eine starke Empfindlichkeit. In dieser Region meide der Beschwerdeführer Berührungen, vor allem aber auch Druck, wie er je nach Griff
möglichkeiten beim Heben und Tragen vorkomme. Sichere, kraftvolle Griffe seien mit der linken Hand sehr reduziert erz
ielbar. D
a kein kompletter Faustschluss möglich sei
(vgl. auch
Urk.
7/275 S. 20)
, bestehe die Gefahr des Abrutschens. Der realisierbare Kraftaufwand mit der linken Hand sei stark von der Griffmöglichkeit abhängig (Urk. 7/275 S. 13).
4.
3
In seiner medizinischen Beurteilung vom
5.
November 2019 (
Urk.
7/307 = Urk. 3/7
) schätzte
Kreisarzt
Dr.
B._
den Integritätsschaden auf 6
%
.
Er führte aus, der Beschwerdeführer
weise eine stark ausgeprägte Fu
nktio
ns
einschränkung des Ringfingers der linken Hand auf, wobei die genaue Beschreibung der Funktions
einschränkung dem
A._
-Bericht vom 1
7.
September 2018 zu entnehmen sei. Die unfallbedingt vorliegende Einschränkung der Funktion des linken Ringfingers, die auch zu einer gewissen Funktionseinschränkung der gesamten linken Hand führe, könne entweder mit dem Verlust des Ringfingers oder mit einem 12%igen Verlust der Funktion einer gesamten oberen Extremität verglichen werden. Dies entspreche in beiden Fällen einem Integritätsschaden von 6
%
(Urk. 7/307 S. 1).
4.4
Die Ärzte des
C._
berichtete
n
am
4.
Dezember 2018
(
Urk.
7/338 S. 11-13
=
Urk.
3/6)
,
der Beschwerdeführer zeige - wie erwartet - nach
der
letzte
n
Operation keine aktive Flexion im Ringfinger. Der Finger befinde sich jetzt in einer exten
dierten Pos
i
tion, wa
s
angenehmer sei.
Hingegen habe
d
er
Beschwerdeführer
nun zunehmend
Schmerzen im Bereich der angrenzenden Finger, insbesondere des linken Mittelfingers und Kleinfingers, dort insbesondere in den PIP-Gelenken. Bei Flexion verspüre der Beschwerdeführer über diesen MCP- und PIP-Gelenken dor
sal
seitig einen ziehenden Schmerz. Des Weiteren berichte er über eine bekannte Hypästh
e
sie im Bereich des
R
ingfingers radialseitig mit auch einschiessenden Schmerzen beim Tragen schwerer Gegenstände, ausgehend von der Narbe
palm
arseitig
.
Die Extension der Langfinger sei aktiv nahezu vollständig möglich, es bestehe lediglich ein Extensionsdefizit von rund 5 Grad auf Höhe des MCP-Gelenks
Dig
. III und IV sowie im DIP-Gelenk
Dig
. IV. Beim Faustschluss könnten die
Dig
. II, III und V die
Hohlhand
vollständig berühren.
Dig
. IV zeige eine aktive Flexion im MCP-Gelenk von 90 Grad, keine aktive Flexion im PIP-
sowie im
DIP-Gelenk, passiv
eine
Flexion
von 65 Grad
im PIP-Gelenk und
eine von
55 Grad im DIP-Gelenk. Der Fingerspitzen-Hohlhand-Abstand passiv betrage 15 Millimeter. Das Halten von Gegenständen in zylindrischen Formen unterschiedlicher Grösse sei möglich, jedoch mit verminderter Kraft (Urk. 7/338 S. 12).
4.
5
Im Bericht des
C._
vom
8.
Januar 2019
wurde festgehalten,
sowohl
sono
gra
phisch
als auch konventionell radiologisch hätten sich am 1
7.
Dezember 2018 keine Gelen
ksa
ffektionen des Mittelfingers links gezeigt. Konventionell radiolo
gisch hätten auch
unauffällige Verhältnisse
des Kleinfingers der linken Hand vorgelegen
(Urk. 7/346
S. 2).
5.
5.1
Der angefochtene Entscheid basiert auf der versicherungsinternen Einschätzung von
Dr.
B._
vom
5.
November 2018
(vgl. Urk. 2 S.
3
f.). Dieser hatte
nament
lich vom
A._
-Bericht vom 1
7.
September 2018
Kenntnis
, auf welchen er verwies
.
In Einklang damit hielt er fest, es liege eine stark ausgeprägte Funktions
ein
schränkung des Ringfingers der linken Hand vor, welche auch zu einer ge
wissen Funktionseinschränkung der gesamten linken Hand führe (Urk. 7/307 S. 1).
5.2
Der Ringfinger des Beschwerdeführers befindet sich gemäss dem Bericht des
C._
vom
4.
Dezember 2018 in extendierter Stellung (E. 4.4 vorstehend).
Bei der Prüfung
der Handkoordination
benützte
d
er
Beschwerdeführer
anlässlich der FOMA
lediglich die Finger I-III
.
Sodann sind ihm laut den Fachpersonen der
A._
nur mit diesen Fingern feinmotorische Arbeiten möglich
. Der
Ringfinger
war teil
weise wegen seiner schlechten
Flektierbarkeit
sogar
etwas im Weg
(E. 4.2 vor
stehend).
Insgesamt scheint
daher
der Ringfinger der linken Hand nicht mehr von
grossem
Nutzen zu sein, weshalb das Ausgehen von einer völligen Gebrauchsun
fähigkeit des Ringfingers, welche mit dem Verlust des Fingers gleichzusetzen ist (vgl. E. 1.2 vorstehend), plausibel
sein könnte
.
Hinzu kommt indes, dass namentlich im
A._
-Bericht vom 17. September 2018 Funktionseinschränkungen auch der linken Hand als Gesamtes beschrieben wurden.
Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt wurde nicht nur eine Funktionsverminderung des
linken Ringfingers
, sondern auch der linken Hand.
Weiter
wurde ausgeführt, b
ei diversen Greifbewegungen und Tätig
keiten sei
d
er
Beschwerdeführer
eingeschränkt, wobei auch die übrigen Lang
finger von der Einschränkung betroffen seien.
Die Handkraft und die Handkoor
dination seien link
s gegenüber rechts
medizinisch plausibel nachvoll
ziehbar
geringer
.
Anlässlich der EFL bestanden
beim Greifen, Heben und Tragen mit der gesamten Hand ab einem gewissen Gewicht der
zu han
dhab
enden
Gegenstände Einschränkungen
.
Auch in der Beurteilung des arbeitsbezogenen relevanten Problems wurde nicht nur auf den Ringfinger, sondern auch auf die gesamte linke Hand Bezug genommen (
vgl.
vorstehend
e
E.
4.2
sowie namentlich
Urk.
7/275 S. 14 und S. 20
).
Diese Beobachtungen durch die Fachpersonen der
A._
korrelieren mit dem vorangegangenen Bericht des
C._
, wo angegeben wurde, der
Faustschluss
sei
nur mit stark verminderter Kraft
möglich und die
feinmotorische Globalfunktion der Hand
sei eingeschränkt (E. 4.1 vorstehend).
Ebenso zeigte sich bei der Unter
suchung durch das
C._
vom
3.
Dezember 2018 weiterhin eine verminderte Kraft beim
Halten von Gegenständen in zylindrischen Formen unterschiedlicher Grösse
(Urk. 7/338 S. 12 respektive vorstehende E.
4
.4).
Nicht nachvollziehbar begründet
erscheint v
or diesem Hintergrund die kreisärzt
liche Beurteilung, wonach
die Funktionseinschränkungen gesamthaft mit dem
Verlust respektive
einer völligen Gebrauchsunfähigkeit des Ringfingers
verglichen
werden könnten. Denn es ist nicht ersichtlich, wozu der in extendierter Position befindliche und beim An
stoss
en
(insbesondere
mit der Fingerkuppe
) schmerzhafte (Urk. 7/275 S. 9) Ringfinger noch zu gebrauchen wäre.
Bei einem Verlust des Ringfingers besteht keine Schmerzhaftigkeit des Fingers mehr, was vorliegend beim Anstossen des Fingers, mithin beim Gebrauch der Hand, vorkommt.
Wenn der Ringfinger aber völlig gebrauchsunfähig ist, ist zu bemängeln,
dass
d
er
Kreisarzt
nicht
zu den Auswirkungen der
Funktionseinschränkungen der gesam
ten Hand
auf
das Ausmass
des Integritätsschadens Stellung genommen
hat
.
F
alls der Kreisarzt davon ausging, der Ringfinger se
i nicht völlig gebrauchsunfähig, weswegen
ein Teil der
genannten
6
%
auf
die Einschränkungen an der Gesamt
hand
entf
allen
, wurde dies nicht schlüssig dargelegt.
Gleich verhält es sich,
falls
der Kreisarzt stillschweigend davon ausging, dass mit einer völligen Gebrauchs
unfähigkeit eines Ringfingers immer Funktionseinschränkungen der Gesamthand
einhergehen und diese daher dadurch
- in den 6
%
-
abgegolten sind
; denn es
fehlt in der kreisärztlichen Beurteilung eine diesbezügliche Diskussion.
Die Gleichsetzung mit einem 12%igen Verlust der Funktion einer gesamten oberen Extremität (
Urk.
7/307 S. 1) leuchtet ebenfalls nicht ohne Weiteres auf den Prozentpunkt genau ein und wurde nicht näher erläutert.
5.3
Nach dem Gesagten vermag die kreisärztliche Beurteilung den strengen Anforde
rungen an die Beweiswürdigung (vgl. E. 1.3 vorstehend) nicht zu genügen.
Viel
mehr bestehen aufgrund der mangelhaften Begründungsdichte
in Kombination mit der
Betroffenheit nicht nur des Ringfingers, sondern auch
der Funktions
fähigkeit der gesamten linken Hand
,
zumindest geringe Zweifel an der Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit der
rein verwaltungsinternen medizinischen Ansicht
von
Dr.
B._
.
Mithin
erweist sich die Festlegung des Integritätsschadens auf 6
%
bei der aktuellen Aktenlage
als nicht überzeugend.
Ob
Dr.
B._
als
Facharzt für Radiologie
respektive ohne Spezialisierung auf dem Gebiet der
Handchirurg
ie fachlich kompetent wäre, die Höhe des Integritäts
schadens zu bemessen, was der Beschwerdeführer sinngemäss in Frage stellt
(vgl
.
Urk.
1 S.
5
Rz
4
),
kann daher
offen bleiben
.
5.4
Eine abschliessende Festlegung der
Integritätsentschädigung lassen
auch
die
übrigen vorlie
genden medi
zinischen Akten nicht zu
.
Eine anwaltliche Beurtei
lung, wie sie in der Beschwerdeschrift erfolgte (
Urk.
1 S.
9
), ist nicht geeignet, eine ärztliche zu ersetzen.
Die Beschwerdegegnerin wird
daher
, nachdem sie bisher nur
eine verwaltungs
interne Meinung
beigezogen hat, nach
Beizug
einer externen fachärztlichen Abklärung
handchirurgischer Richtung
über die
Höhe der
Integritätsen
schädi
gung
neu
zu entscheiden haben
.
Die Beschwerde ist demzufolge in dem Sinne gutzuheissen, dass
der angefochtene
Einspracheent
scheid
vom
2
8.
Mai
2019 auf
zuheben und die Beschwerdegegne
rin zu verpflichten ist, nach ergänzenden Abklärungen im Sinne der Erwägungen über die
Höhe der Integritätsentschädigung
zu befinden.
6.
Nach Art. 61
lit
. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht;
GSVGer
).
Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze ist die dem Beschwerdeführer
zustehende Prozessentschädi
gung ermessensweise auf Fr.
1
'
80
0.-- (ink
lusive Barauslagen und Mehrwert
steuer) festzusetzen und aus
gangs
gemäss der unterliegenden Beschwerdegeg
ne
rin aufzuerlegen.