Decision ID: e067b57e-d89a-5d88-be4d-806b8a0463d2
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegner,
betreffend
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St.Galler Gerichte
Kurzarbeitsentschädigung (Voranmeldeverfahren)
Sachverhalt:
A.
Mit Voranmeldung vom 13. bzw. 14. Januar 2009 beantragte die S._ AG, für die
Betriebsabteilung "Verpackungs- und Baubereich" Kurzarbeit im Umfang von 30 % für
den Zeitraum vom 19. Januar 2009 bis 30. April 2009 (act. G 5.1/5-9). Mit Verfügung
vom 11. Februar 2009 erhob das Amt für Arbeit St. Gallen gegen die Auszahlung von
Kurzarbeitsentschädigung teilweise Einspruch. Es verfügte, dass die Kantonale
Arbeitslosenkasse St. Gallen in der Zeit vom 23. Januar 2009 bis 30. April 2009
Kurzarbeitsentschädigung ausrichten könne, sofern die übrigen
Anspruchsvoraussetzungen erfüllt seien. Eine Auszahlung von
Kurzarbeitsentschädigung ab dem 19. Januar 2009 sei nicht möglich, weil ein
Arbeitgeber, der beabsichtige, für seine Arbeitnehmer Kurzarbeitsentschädigung
geltend zu machen, dies der kantonalen Amtsstelle mindestens zehn Tage vor Beginn
der Kurzarbeit schriftlich melden müsse (act. G 5.1/3).
B.
Gegen diese Verfügung erhob die S._ AG am 5. März 2009 Einsprache und
beantragte, die Kurzarbeit sei ab 19. Januar 2009 zu bewilligen. Sie machte geltend,
zwar seien die Umsätze schon im November/Dezember 2008 stark eingebrochen. Es
habe jedoch die Hoffnung bestanden, dass wie in den Vorjahren noch grössere Abrufe
für Anfang Jahr eingehen würden. Dem sei leider nicht so gewesen und die
Kundendispositionen seien zum Erliegen gekommen. Am 6. Januar 2009 seien
telefonisch beim Amt für Arbeit die Unterlagen angefordert worden. Diese seien am 9.
Januar 2009 eingetroffen. Anschliessend sei die Zustimmung zur Kurzarbeit eingeholt
und das Gesuch am 13. Januar 2009 eingereicht worden. Am 19. Januar 2009 sei die
Kurzarbeit intern veranlasst worden, in der festen Überzeugung, im Rahmen des
vorgegebenen Timings zu liegen. Dabei habe grösste Dringlichkeit geherrscht, da fix
georderte Abrufe per Ende Dezember von Seiten der massgebenden Kunden per sofort
gestoppt oder massiv reduziert worden seien. Die ganze Entwicklung sei schlagartig,
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nicht voraussehbar und in einer Dimension eingetreten, wie man sie bei den im Verlauf
der letzten Jahrzehnte festgestellten Konjunkturzyklen nicht habe ausmachen können
(act. G 5.1/2).
C.
Mit Einspracheentscheid vom 31. März 2009 wies das Amt für Arbeit die Einsprache
ab. Zur Begründung führte es aus, die Frist von zehn Tagen für die Voranmeldung der
Kurzarbeit ab dem 19. Januar 2009 sei mit der Einreichung des Antragsformulars mit
Poststempel vom 14. Januar 2009 eindeutig verpasst worden. Da die S._ AG auch
keinen rechtserheblichen entschuldbaren Grund für die verspätete Meldung der
Kurzarbeit vorbringe, könne die verpasste Frist nicht wiederhergestellt werden (act.
G 5.1/1).
D.
Mit Eingabe vom 28. April 2009 erhob die S._ AG Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 31. März 2009 an das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen und erneuert sinngemäss ihr Rechtsbegehren. Sie macht geltend, im Dezember
2008 seien die Umsätze immer mehr eingebrochen. Man sei jedoch noch davon
ausgegangen, dass es sich um normale Konjunkturschwankungen handle. Ab Mitte
Dezember und in den ersten Tagen im Januar seien jedoch von grossen Kunden von
einem Tag auf den anderen Lieferungen abgesagt bzw. zurückgestellt oder die
Stückzahlen massiv reduziert worden. Aufgrund der bereits vollen Lager hätten die
Produktionsanlagen sofort abgestellt werden müssen. Durch die abrupte und nicht
voraussehbare Disposition der Kunden sei die Vorlaufzeit für ein Gesuch innert zehn
Tagen nicht mehr gegeben gewesen. Sie sei kurzfristig zu dringendem Handeln
gezwungen gewesen, weshalb die Frist zur Voranmeldung ausnahmsweise drei Tage
betrage (act. G 1). Mit Beschwerdeantwort vom 20. Mai 2009 beantragt der
Beschwerdegegner unter Verweisung auf den Einspracheentscheid vom 31. März 2009
die Abweisung der Beschwerde (act. G 5). Die Beschwerdeführerin hat die ihr
eingeräumte Frist zur Einsicht in die vom Beschwerdegegner eingereichten Akten und
zur Stellungnahme ungenützt verstreichen lassen (act. G 6 und 7).

Erwägungen:
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1.
1.1 Gemäss Art. 36 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) muss ein
Arbeitgeber, der beabsichtigt, für seine Arbeitnehmer Kurzarbeitsentschädigung
geltend zu machen, dies der kantonalen Amtsstelle mindestens zehn Tage vor Beginn
der Kurzarbeit schriftlich melden. Zweck der Zehntagesfrist des Art. 36 Abs. 1 AVIG ist
es, der kantonalen Amtsstelle genügend Zeit einzuräumen um zu prüfen, ob die
Notwendigkeit der Kurzarbeit begründet und die Anspruchsvoraussetzungen glaubhaft
gemacht sind (BGE 110 V 334 E. 3c; BGE 114 V 123 E. 3b). Bei der Voranmeldefrist
von Art. 36 Abs. 1 AVIG handelt es sich um eine Verwirkungsfrist. Die Regelung in
Art. 58 Abs. 4 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung (AVIV; SR 837.02), wonach bei verspäteter Anmeldung der
Kurzarbeit durch den Arbeitgeber ohne entschuldbaren Grund der Arbeitsausfall erst
anrechenbar ist, wenn die für die Meldung vorgeschriebene Frist abgelaufen ist, ist
deshalb gesetzeskonform (BGE 110 V 334).
1.2 Der Bundesrat wird in Art. 36 Abs. 1 AVIG ermächtigt, für Ausnahmefälle kürzere
Anmeldefristen vorzusehen. Gestützt auf diese Ermächtigung bestimmt Art. 58 Abs. 1
AVIV, dass die Anmeldefrist für Kurzarbeit ausnahmsweise drei Tage beträgt, wenn der
Arbeitgeber nachweist, dass die Kurzarbeit wegen plötzlich eintretender Umstände, die
nicht voraussehbar waren, eingeführt werden muss. In systematischer Hinsicht ist zu
beachten, dass es sich bei Art. 58 Abs. 1 AVIV um eine Ausnahme zum Grundsatz der
Voranmeldefrist von zehn Tagen nach Art. 36 Abs. 1 AVIG handelt. Die Dreitagesfrist
des Art. 58 Abs. 1 AVIV kann deshalb nur anwendbar sein, wenn plötzlich eingetretene,
nicht voraussehbare Umstände die Einführung der Kurzarbeit innerhalb von weniger als
zehn Tagen erforderlich machen, so dass die ordentliche Frist nicht mehr eingehalten
werden kann. Dies kann beispielsweise der Fall sein beim Eintritt eines
Elementarschadenereignisses oder wegen Annullierung eines Grossauftrages (vgl.
Kreisschreiben über die Kurzarbeitsentschädigung [KS KAE], Rz G 6). Zweck von
Art. 58 Abs. 1 AVIV kann nur sein, in dringlichen Fällen die Einführung der Kurzarbeit
bereits vor Ablauf der Zehntagesfrist zu ermöglichen. Daraus ergibt sich, dass die
Ausnahmeregelung von Art. 58 Abs. 1 AVIV dann nicht anwendbar ist, wenn die
Notwendigkeit der Einführung von Kurzarbeit zu einem Zeitpunkt erkennbar war, in
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dem die Zehntagesfrist nach Art. 36 Abs. 1 AVIG noch hätte eingehalten werden
können.
2.
2.1 Im vorliegenden Fall ist unstrittig, dass die Beschwerdeführerin die Zehntagesfrist
gemäss Art. 36 Abs. 1 AVIG nicht eingehalten hat. Es fragt sich lediglich, ob im
vorliegenden Fall ausnahmsweise die Dreitagesfrist von Art. 58 Abs. 1 AVIV
heranzuziehen ist. Diese Frage wurde vom Beschwerdegegner im angefochtenen
Einspracheentscheid nicht geprüft. Dieser hat die Abweisung der Einsprache vielmehr
einzig damit begründet, die Beschwerdeführerin bringe keinen rechtserheblichen
entschuldbaren Grund für die Verspätung vor, weshalb die verpasste Frist nicht
wiederhergestellt werden könne (vgl. Art. 41 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Ist die Dreitagesfrist
gemäss Art. 58 Abs. 1 AVIV anwendbar, stellt sich die Frage nach einer
Wiederherstellung der Frist gar nicht, weil die Frist in diesem Fall eingehalten worden
wäre.
2.2 Aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin im Einspracheverfahren ergibt
sich, dass sie an sich bereits in der Woche 45 des Jahres 2008 Kurzarbeit hätte
einführen müssen. Es sei jedoch mit grossem Aufwand die ganzen Monate November/
Dezember 2008 weiter gearbeitet worden, da man auch aus psychologischen Gründen
Kurzarbeit nicht vor Weihnachten habe beantragen wollen. Finanzielle Erwägungen
seien nicht in Betracht gezogen worden, da die Hoffnung bestanden habe, dass wie in
den Vorjahren auf Ende Jahr noch grössere Abrufe für Anfang Jahr eingehen würden.
Dem sei leider nicht so gewesen und die Kundendispositionen seien zum Erliegen
gekommen (act. G 5.1/2). In der Beschwerdeschrift führt die Beschwerdeführerin aus,
dass "ab Mitte Dezember 2008 und in den ersten Tagen im Januar 2009" von grossen
Kunden von einem Tag auf den anderen Lieferungen abgesagt und zurückgestellt oder
die Stückzahlen massiv reduziert worden seien (act. G 1). Damit fehlt es vorliegend an
den Erfordernissen der Plötzlichkeit und Unvorhersehbarkeit gemäss Art. 58 Abs. 1
AVIV. So fand der Bestellungsrückgang nach eigenen Angaben der
Beschwerdeführerin während eines längeren Zeitraums, jedenfalls ab Mitte Dezember
2008 statt; es kann daher nicht von einem plötzlichen Einbruch im Sinn der
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Verordnungsbestimmung gesprochen werden. Dass die Beschwerdeführerin nach
eigenen Angaben im Einspracheverfahren an sich schon in der Woche 45 2008 die
Notwendigkeit für die Einführung von Kurzarbeit erkannt hat, jedoch ohne Rücksicht
auf finanzielle Verluste weitergearbeitet hat, in der Hoffnung, es würden bis Ende Jahr
noch weitere Aufträge eingehen, zeigt auch, dass der Auftragseinbruch nicht
unvorhersehbar war. Wenn sich Hoffnungen, es würden auf Ende Jahr noch grössere
Abrufe eingehen, nicht verwirklichen, kann nicht vom Eintritt einer unvorhersehbaren
Situation gesprochen werden. Somit ist die Ausnahmeregelung von Art. 58 Abs. 1 AVIV
nicht anwendbar und der Beschwerdegegner hat zu Recht die Zehntagesfrist des
Art. 36 Abs. 1 AVIG zur Anwendung gebracht.
3.
Es bleibt zu prüfen, ob ein entschuldbarer Grund im Sinne von Art. 58 Abs. 4 AVIV für
die verspätete Anmeldung vorlag. Beim Absehen von der Verwirkungsfolge wegen
Vorliegens eines entschuldbaren Grundes handelt es sich um einen Anwendungsfall
der ausnahmsweisen Wiederherstellung einer Verwirkungsfrist (vgl. BGE 114 V 123).
Gemäss Art. 41 Abs. 1 ATSG kann eine Verwirkungsfrist ausnahmsweise
wiederhergestellt werden, wenn die gesuchstellende Person oder ihre Vertretung
unverschuldeterweise abgehalten wurde, binnen Frist zu handeln. In diesem Fall wird
die Frist wiederhergestellt, wenn innert zehn Tagen nach Wegfall des Hindernisses
darum ersucht wird. Blosse Rechtsunkenntnis stellt jedoch keinen entschuldbaren
Grund dar (KS KAE, Rz G8). Die Beschwerdeführerin nennt keinen Grund, weshalb es
ihr nicht möglich gewesen wäre, die Kurzarbeit ab dem 19. Januar 2009 rechtzeitig
voranzumelden. Da die Beschwerdeführerin somit keinen entschuldbaren Grund für die
verspätete Anmeldung der Kurzarbeit vorzubringen vermag, hat die
Beschwerdegegnerin zu Recht eine Wiederherstellung der Frist abgelehnt.
4.
Aus den vorangehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG