Decision ID: d083045c-017e-4a8d-90b7-0b7bed0be127
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ und B._ sind seit 2017 Eigentümer der Parzelle Nr. 0000_, Grundbuch X._.
Nach dem gültigen Zonenplan der Politischen Gemeinde X._ (vom Baudepartement
genehmigt am 22. Oktober 1998) ist das Grundstück der Wohnzone W2b zugewiesen.
Entlang der Nordgrenze, d.h. teils auf Parzelle Nr. 0000_, teils auf Parzelle Nr. 0001_,
verläuft der R._-weg, welcher nach dem geltenden Gemeindestrassenplan (vom
Baudepartement am 7. Juni 1993 genehmigt) auf den ersten rund 17 m ab dem
nordwestlichen Grenzpunkt der Parzelle Nr. 0000_ als Gemeindestrasse dritter Klasse
und anschliessend bis zur Parzelle Nr. 0002_ als Gemeindeweg erster Klasse
eingeteilt ist. Am 2. Januar 1962 bewilligte der Gemeinderat X._ den Bau des
Einfamilienhauses Assek.-Nr. 0003_, am 20. Mai 1975 die Erstellung eines
Schwimmbades mit Stützmauer, am 7. Oktober 1985 den Einbau einer Garage und am
2. Oktober 1989 den Einbau von zusätzlichen Fenstern, einer neuen Eingangstüre und
einer Dachlukarne auf Parzelle Nr. 0000_. Am 15. Mai 2017 bewilligte er ein
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Baugesuch von A._ und B._ vom 22./23. März 2017 für die Sanierung des
bestehenden Einfamilienhauses auf Parzelle Nr. 0000_ (act. 10.5/1-17, 52,
www.geoportal.ch).
B.
Auf die entsprechende Aufforderung der Baukommission X._ vom 15. März 2018 hin
reichten A._ und B._ am 22./23./26. März 2018 ein nachträgliches Baugesuch für die
Sanierung der Terrasse und des Pools ein. Am 6. April 2018 verfügte die
Baukommission X._ die Einstellung der rechtswidrigen Bauarbeiten auf Parzelle
Nr. 0000_. Am 27. und 28. März 2018, 12. und 20. April 2018, 18., 23. und
29. Mai 2018 sowie 6. und 26. Juni 2018 reichten A._ und B._ weitere Unterlagen
nach. Mit Entscheid vom 20. August 2018 verweigerte der Gemeinderat X._, offenbar
gestützt auf informelle Augenscheine der Baukommission oder der Bauverwaltung X._
vom 23. März 2018, 23. April 2018 und 1. Mai 2018 sowie auf eine Stellungnahme des
im Jahr 2017 für A._ und B._ tätigen Architekten vom 14. Mai 2018, die nachträgliche
Baubewilligung und ordnete die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands an.
Nachdem der Gemeinderat X._ diesen Entscheid am 10. September 2018 widerrufen
hatte, schrieb das Baudepartement einen dagegen erhobenen Rekurs am
18. September 2018 zufolge Gegenstandslosigkeit ab (act. 10.5/19, 22-25, 27-29, 31,
35-39, 41, 45, 49, 52-54,58, 61-64).
C.
Nach der öffentlichen Auflage des nachträglichen Baugesuchs von A._ und B._ vom
18. bis 31. Oktober 2018 verweigerte der Gemeinderat X._ mit Entscheid vom
5. November 2018 die nachträgliche Baubewilligung (Dispositiv-Ziffer III/1) und
verpflichtete A._ und B._ unter Androhung der Ersatzvornahme (III/5) sowie unter
Strafdrohung (III/4), innert sechs Monaten seit Eröffnung des Entscheids (Ziff. III/3) die
Terrasse mindestens im Grenzabstandsbereich inklusive Stützen auf der Betonmauer
entlang der Grundstücksgrenze (Ziff. III/2a und b) sowie den Pavillon auf der Terrasse
(III/2c) zurückzubauen und die Sichtschutzmauer um 1.41 m zu kürzen bzw. in der
Höhe auf maximal 1.20 m herabzusetzen (III/2d). Zudem auferlegte er ihnen amtliche
Kosten in der Höhe von CHF 5'313 (III/6, act. 10.5/65-68). Dagegen rekurrierten A._
und B._ am 19. November 2018 an das Baudepartement. Am 10. Dezember 2018 und
8. April 2019 reichten sie weitere Unterlagen nach. Am 26. März 2019 führte das
Baudepartement einen Augenschein durch (act. 10/1, 3,12 f.). Mit Entscheid vom
21. April 2020 (act. 2) hiess das Baudepartement den Rekurs teilweise gut (Dispositiv-
Ziffer 1a), hob Dispositiv-Ziffern III/2 bis 6 des Entscheids des Gemeinderates X._ vom

5. November 2018 auf und wies die Angelegenheit im Sinne der Erwägungen, d.h. zur
Neubeurteilung der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands und zur
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Neubemessung der Gebühren (E. 10.2 und 11.2), zu neuer Entscheidung an die
Politische Gemeinde X._ zurück (Dispositiv-Ziffer 1b). Die amtlichen Kosten in der
Höhe von insgesamt CHF 3'500 auferlegte es je zur Hälfte A._ und B._ sowie der
Politischen Gemeinde X._; auf die Erhebung des Kostenanteils der Politischen
Gemeinde X._ verzichtete es (Dispositiv-Ziff. 2a und c). Zudem verpflichtete es die
Politische Gemeinde X._, A._ und B._ ausseramtlich mit CHF 1'625, zuzüglich
Mehrwertsteuer, zu entschädigen (Dispositiv-Ziff. 3).
D.
Gegen den Entscheid des Baudepartements (Vorinstanz) vom 21. April 2020 erhoben
A._ und B._ (Beschwerdeführer) durch ihren Rechtsvertreter am 4. Mai 2020
Beschwerde beim Verwaltungsgericht (act. 1). Am 10. Juni 2020 ergänzten sie ihre
Beschwerde mit einer Begründung und dem Rechtsbegehren, es seien Dispositiv-
Ziffern 1a, 1b, 2a, 2c und 3 des angefochtenen Entscheids unter Kosten- und
Entschädigungsfolge aufzuheben. Ihnen sei die nachträgliche Baubewilligung für die
Sanierung der Terrasse und des Pools zu erteilen und die Baubewilligungsgebühr auf
CHF 1'000 festzusetzen. Eventualiter sei die Politische Gemeinde X._
(Beschwerdegegnerin) anzuweisen, ihnen die nachträgliche Baubewilligung zu erteilen
und die amtliche Gebühr auf CHF 1'000 festzusetzen. Subeventualiter sei von jeder
Anordnung der Wiederherstellung eines früheren Zustands abzusehen.
Subsubeventualiter sei die Angelegenheit zur Ergänzung und zu neuer Entscheidung an
die Vorinstanz zurückzuweisen (act. 6). Mit Vernehmlassung vom 6. Juli 2020 schloss
die Vorinstanz auf Abweisung der Beschwerde (act. 9). Mit Stellungnahme vom
31. August 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin, es sei die Beschwerde unter
Kosten- und Entschädigungsfolge abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei (act. 12).
Mit Replik vom 15. September 2020 bestätigten die Beschwerdeführer ihre Anträge
und Ausführungen (act. 14). Am 1. Oktober 2020 duplizierte die Beschwerdegegnerin
unter Festhalten an ihren Anträgen. Gleichzeitig reichte sie einen Auszug aus dem
Gemeindestrassenplan nach (act. 16 f.). Am 12. Oktober 2020 liessen sich die
Beschwerdeführer (act. 19) und am 30. Oktober 2020 die Beschwerdegegnerin
abschliessend vernehmen (act. 21).
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
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1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeeingabe
vom 4. Mai 2020 (act. 1) erfolgte rechtzeitig und erfüllt zusammen mit der Ergänzung
vom 10. Juni 2020 (act. 6) formell und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Die Beschwerdeführer
sind zur Erhebung des Rechtsmittels befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45
Abs. 1 VRP). Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin (act. 12 Ziff. II/2 und 6,
act. 16) gilt dies auch, soweit sie sich im Hauptantrag (Aufhebung von Dispositiv-Ziff. 1
des angefochtenen Entscheids) und im Subeventualantrag gegen jede Anordnung der
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands zur Wehr setzen, obgleich die
Vorinstanz die Angelegenheit unter diesem Gesichtspunkt an die Beschwerdeführerin
im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung zurückgewiesen hat. Wie sich aus
Erwägung 10.2 des angefochtenen Entscheids (act. 2, S. 14) ersehen lässt, zielt die
diesbezügliche Rückweisung der Vorinstanz nicht auf die Aufhebung der von der
Beschwerdegegnerin verfügten Massnahmen, sondern verbindlich auf deren teilweisen
Verschärfung ab ("[...] ausser Acht gelassen, dass diese den Strassen- und
Wegabstand einzuhalten haben. [...] fälschlicherweise auf das Ausmass der
vorbestehenden Holzwand bzw. die Bestandesgarantie abgestellt [...]"). Die
Beschwerdegegnerin ist an diese Rechtsauffassung der Vorinstanz gebunden und der
Rückweisungsentscheid insoweit als Endentscheid zu betrachten. Falls die
Rückweisung unbesehen davon als Zwischenentscheid zu qualifizieren wäre, drohte
den Beschwerdeführern dadurch aus demselben Grund ein nicht
wiedergutzumachender Nachteil. Falls sich die Anordnung der Wiederherstellung von
vornherein als unverhältnismässig erweisen würde oder sich die Beschwerdeführer, wie
von ihnen geltend gemacht, auf den Vertrauensschutz berufen könnten, hätte es im
Übrigen mit der entsprechenden (teilweisen) Gutheissung der Beschwerde bzw.
teilweisen Aufhebung und Anpassung des angefochtenen Entscheids sein Bewenden.
Eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin würde sich diesfalls erübrigen. Es kann
deshalb auch nicht gesagt werden, durch die Anfechtung der Rückweisung könnte das
Verfahren innerkantonal stark in die Länge gezogen werden (vgl. dazu VerwGE
B 2019/280 vom 19. März 2020 E. 3.2 und VerwGE B 2007/103 vom 19. August 2008
E. 1.2.2 f. je mit Hinweisen; T. Kamber, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über
die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 21 ff. zu
Art. 56 VRP). Auf die Beschwerde ist somit grundsätzlich einzutreten.
Nicht einzutreten ist auf die Beschwerde, soweit die Beschwerdeführer im Hauptantrag
und in den Eventualanträgen verlangen, dass Dispositiv-Ziffer 1 des angefochtenen
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Entscheids auch hinsichtlich der Rückweisung zur Neubemessung der amtlichen
Kosten aufzuheben sei resp. die amtlichen Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens auf
CHF 1'000 festzusetzen seien. Wie sich aus Erwägung 11.2 f. des angefochtenen
Entscheids (act. 2, S. 14 f.) ergibt, auf welche die Vorinstanz in Dispositiv-Ziffer 1b
hingewiesen hat, läuft die angeordnete Rückweisung zur Neubemessung der amtlichen
Kosten zwar auf eine Reduktion der den Beschwerdeführern von der
Beschwerdegegnerin auferlegten CHF 5'313 hinaus, wobei für die Überwälzung von
Rechtsberatungskosten der Beschwerdegegnerin auf die Beschwerdeführer gemäss
der verbindlichen Weisung der Vorinstanz kein Raum besteht. Davon abgesehen hat
die Vorinstanz die Sache jedoch mit noch offenem Ausgang zur Neubemessung der
amtlichen Kosten an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. Folglich liegt
diesbezüglich weder ein Endentscheid vor noch drohte den Beschwerdeführern
deswegen ein nicht wiedergutzumachender Nachteil. Im Übrigen haben die
Beschwerdeführer ihre diesbezüglichen Anträge – anders als in der Rekursergänzung
vom 10. Dezember 2018 (act. 10/3, S. 17 Ziff. 12) – nicht begründet.
2.
Vorab sind sich die Parteien darin einig, dass auf das strittige Bauvorhaben – der
erstinstanzliche Entscheid der Beschwerdegegnerin erging am 5. November 2018
(Beilage zu act. 10/1) – das am 1. Oktober 2017 (nGS 2017-049) in Kraft getretene
Planungs- und Baugesetz (sGS 731.1, PBG), soweit der kommunalen
Rahmennutzungsplan nicht entsprechend revidiert worden ist, mit Ausnahme der
unmittelbar anwendbaren Bestimmungen nicht direkt anwendbar ist und das bis
30. September 2017 gültig gewesene Gesetz über die Raumplanung und das
öffentliche Baurecht (Baugesetz; nGS 32-47, BauG, in der Fassung vom
1. Januar 2015) heranzuziehen ist (vgl. dazu Art. 173 PBG und E. 2 des angefochtenen
Entscheids, act. 2, S. 5, siehe dazu auch VerwGE B 2019/140 vom 22. April 2020 E. 2
mit Hinweisen und J. Frei, in: Bereuter/derselbe/Ritter [Hrsg.], Kommentar zum
Planungs- und Baugesetz des Kantons St. Gallen, Basel 2020, N 11 ff. zu Art. 173 PBG
sowie N 10 ff. zu Art. 175 PBG).
3.
Die Beschwerdeführer stellen die Beweisanträge (act. 6, S. 2-5, 10-12, 14, 18 Ziff. 1d,
1f, 3b, 4b, 5e, 6d), C._ und D._, E._, F._, G._ und H._, J._ und K._ seien als
Zeugen zu befragen; es seien Expertisen zu den Aussenmassen der ersetzten
Terrassenfläche, zur Höhe der Sitzplatzflächen, zur Funktion der Pergola, zur Höhe der
Wiederherstellungskosten sowie zur Verschlechterung des Erscheinungsbildes ihrer
Gartengestaltung durch die von der Beschwerdegegnerin verlangte Wiederherstellung
des rechtmässigen Zustands einzuholen; es sei ein Augenschein durchzuführen. Auf
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die beantragten Beweisvorkehren kann in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet
werden. Die entscheidrelevanten tatsächlichen Verhältnisse ergeben sich mit
hinreichender Klarheit aus den dem Gericht vorliegenden Verfahrensakten und dem
Geoportal (www.geoportal.ch, vgl. zu den nicht beweisbedürftigen notorischen
Tatsachen etwa BGer 1C_582/2018 vom 23. Dezember 2019 E. 2.3 mit Hinweisen,
insbesondere auf BGE 143 IV 380 E. 1.2, in: Pra 2018 Nr. 61). Es ist daher nicht
ersichtlich, was die beantragten Beweisvorkehren an zusätzlichem Erkenntnisgewinn
bringen würden (vgl. dazu BGer 1C_13/2018 vom 13. März 2019 E. 3 mit Hinweisen
sowie B. Märkli, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], a.a.O., N 28 ff. zu Art. 12-13 VRP).
4.
Die Beschwerdeführer rügen zunächst eine Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches
Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft;
SR 101, BV) durch die Vorinstanz (act. 6, S. 8 f. Ziff. 2e, act. 19 Ziff. 1).
Grundsätzlich besteht kein Anspruch darauf, zur rechtlichen Würdigung oder zur
juristischen Begründung des Entscheids angehört zu werden. Das rechtliche Gehör ist
der dadurch beschwerten Partei dann zu gewähren, wenn eine Behörde ihren
Entscheid mit einer Rechtsnorm oder einem Rechtsgrund zu begründen beabsichtigt,
die im bisherigen Verfahren nicht herangezogen wurden, auf die sich die beteiligten
Parteien nicht berufen haben und mit deren Erhebung im konkreten Fall sie nicht
rechnen konnten. Ausserdem ist das rechtliche Gehör dann zu gewähren, wenn mit
einer Motivsubstitution Tatsachen neu rechtliche Bedeutung erlangen, zu denen sich
die Parteien nicht äussern konnten oder nicht zu äussern brauchten, weil mit ihrer
Rechtserheblichkeit nicht zu rechnen war (vgl. BGer 5A_109/2018 vom 20. April 2018
E. 4.1 mit Hinweisen). Im vorliegenden Fall stand im nachträglichen erstinstanzlichen
Baubewilligungsverfahren vor der Beschwerdegegnerin von Beginn weg die
Beantwortung der Frage im Mittelpunkt, ob die Sichtschutzwand, die Terrasse und der
Pavillon die massgeblichen Abstandsvorschriften einhalten. Da der R._-weg entlang
der nördlichen Grenze des Grundstücks Nr. 0000_ verläuft, mussten die
Beschwerdeführer auch damit rechnen, dass die Behörden die Einhaltung des
massgeblichen Strassenabstands untersuchen. Die Beschwerdeführer hatten
genügend Gelegenheit, sich auch dazu zu äussern (vgl. dazu insbesondere deren
Eingabe vom 26. Juni 2018, act. 10.5/58). Daran ändert nichts, dass die Vorinstanz im
Rahmen ihrer Rechtsanwendung von Amtes wegen (Art. 58 Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 21 Abs. 1 VRP) in Bezug auf die Terrasse, anders als die Beschwerdegegnerin, die
Einhaltung des Strassen- und nicht des Grenzabstands prüfte (vgl. dazu auch act. 9
Ziff. II/2). Bezüglich der Einsicht in den Gemeindestrassenplan ist festzuhalten (vgl. zum
Einsichtsrecht auch Art. 16 VRP, Wiederkehr/Plüss, Praxis des öffentlichen
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Verfahrensrechts, Bern 2020, N 280, BGE 132 V 387 E. 3.1 und 6.2 sowie
BGer 2C_ 505/2019 vom 13. September 2019 E. 4.1.1 je mit Hinweisen), dass dieser im
Geoportal (www.geoportal.ch), welchem ein offizieller Anstrich anhaftet, leicht
zugänglich (vgl. zu nicht beweisbedürftigen notorischen Tatsachen Hinweise unter E. 3
hiervor) ist und die Beschwerdeführer die Darstellung der Beschwerdegegnerin in deren
Eingabe vom 30. Oktober 2020 (act. 21) mit der Einreichung der diesbezüglichen Akten
(act. 7/12) bestätigt haben, wonach ihnen ein Ausschnitt des Gemeindestrassenplans
bereits am 1. Mai 2020, d.h. vor Einreichung der Beschwerde am 4. Mai 2020 (act. 1),
zugestellt worden sei. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt so oder anders
nicht vor.
5.
Die Beschwerdeführer stellen sich weiter auf den Standpunkt, bei der Pergola handle
es sich um eine Anlage. Deswegen halte sie den massgeblichen Grenzabstand ein
(act. 6, S. 11 f. Ziff. 4a, b, d, e).
Der für den Umfang der bewilligungspflichtigen Objekte massgebende Begriff der
"Bauten und Anlagen" (vgl. dazu A. Ruch, in: Aemisegger/Moor/derselbe/
Tschannen [Hrsg.], Praxiskommentar RPG: Baubewilligung, Rechtsschutz und
Verfahren, Zürich 2020, N 32 zu Art. 22 RPG, sowie BGE 139 II 134 E. 5.2 f. mit
Hinweisen, siehe dazu auch Art. 7 Abs. 7 des Bundesgesetzes über den Umweltschutz,
Umweltschutzgesetz; SR 814.01, USG) wird weder in Art. 22 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz; SR 700, RPG) noch in
der Raumplanungsverordnung (SR 700.1, RPV) umschrieben (vgl. dazu B. Waldmann,
Bauen ohne Baubewilligung? Von klaren und den Zweifelsfällen, in: BR 2017, S. 31 ff.,
S. 40). Auch wird darin nicht zwischen diesen Begriffen unterschieden (vgl. dazu
C. Bernet, in: Bereuter/derselbe/Ritter [Hrsg.], a.a.O., N 24 zu Art. 73-89 PBG, mit
Hinweis auf Stalder/Tschikry, in: Griffel/Liniger/ Rausch/Thurnherr [Hrsg.],
Fachhandbuch öffentliches Baurecht, Zürich 2016, Rz. 2.89). Auch das BauG enthält
keine Definition dieser Begriffe (vgl. dazu B. Heer, St. Gallisches Bau- und
Planungsrecht, Bern 2003, N 356). Hingegen definiert das PBG in dessen unmittelbar
anwendbarem Art. 73 (vgl. dazu Anhang zum Kreisschreiben des Baudepartements
"übergangsrechtliche Bestimmungen im Planungs- und Baugesetz vom 8. März 2017,
www.sg.ch) in Anlehnung an Ziff. 2.1 Anhang 1 der Interkantonalen Vereinbarung über
die Harmonisierung der Baubegriffe (IVHB), welcher der Kanton St. Gallen allerdings
nicht beigetreten ist, den Begriff "Gebäude", der gemeinhin mit dem Begriff "Baute"
gleichgesetzt wird (vgl. C. Bernet, in: Bereuter/derselbe/Ritter [Hrsg.], a.a.O., N 26 zu
5.1.
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6.
Die Beschwerdeführer vertreten zudem die Auffassung (act. 6, S. 13-15 Ziff. 5), für die
gesamte neue Gestaltung der Gartenanlage sei eine Ausnahmebewilligung zu
gewähren.
Art. 73-89 PBG). Danach sind Gebäude ortsfeste Bauten, die zum Schutz von
Menschen, Tieren oder Sachen eine feste Überdachung und in der Regel weitere
Abschlüsse aufweisen.
Wie sich aus Bild 13 f. zum Augenschein vom 26. März 2019 (act. 10/12) ergibt, hat die
Vorinstanz in Erwägung 6.2 des angefochtenen Entscheids (act. 2, S. 10) zutreffend
ausgeführt, dass der ohne Bewilligung erstellte Pavillon (Pergola) aus vier massiven,
fest auf der Holzterrasse verankerten Pfosten besteht, deren obere Enden mittels
Balken verbunden sind. Zudem befindet sich auf der südwestlichen Seite gegenüber
dem Pool eine Schiebetüre aus Glas, womit die komplette Seite geschlossen werden
kann. Der Pavillon ist mit Aluminiumlamellen überdacht. Bei dieser Sachlage durfte die
Vorinstanz von einem Gebäude im Sinne von Art. 73 PBG und damit von einer
"(Neben)Baute" ausgehen, ohne Recht zu verletzen, selbst wenn der Pavillon lediglich
einem vorübergehenden, von der Witterung und der Tageszeit abhängigen Aufenthalt
dient und gemäss den Beschwerdeführern schon bei leichtem Regen Wasser durch die
offenen Lamellen dringen kann und die Glasschiebetüre keinem stärkeren Wind, Regen
oder Schnee standhält. Es handelt sich dabei klarerweise nicht um eine Anlage (vgl.
zum Begriff Stalder/Tschikry, in: Griffel/Liniger/ Rausch/Thurnherr [Hrsg.], a.a.O.,
Rz. 2.89). Dies umso mehr, als der Pavillon selbst die maximal zulässige Grundfläche
von 10 m sowie die höchstens zulässige Gesamthöhe von 2.50 m für unbeheizte
Kleinbauten nach Art. 136 Abs. 2 Ingress und lit. a PBG überschreitet (vgl. dazu
Gartenplan vom 26. Juni 2018 und Schnitt B-B vom 22. März 2018, act. 10.5/65) und
nicht von einem "ungedeckten" Gartensitzplatz im Sinne von Art. 136 Abs. 2 Ingress
und lit. b PBG gesprochen werden kann. Als Baute resp. Gebäude hat die Pergola
allseitig den in der Wohnzone W2b massgebenden Grenzabstand nach (Art. 10
Abs. 2 des Baureglements der Politischen Gemeinden X._, L._, M._, N._ und O._,
vom Baudepartement am 19. Januar 2007 genehmigt; BauR, in Verbindung mit)
Art. 8 BauR einzuhalten.
5.2.
2
Laut dem nach wie vor anwendbaren Art. 56 Abs. 1 und Abs. 2 Satz 1 BauG in
Verbindung mit Art. 8 BauR (vgl. E. 2 hiervor) gilt in Bezug auf Gebäude in der
Wohnzone W2b ein kleiner Grenzabstand von 4.5 m und ein grosser Grenzabstand von
6.1.
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7.0 m. An- und Nebenbauten dürfen mit einem verminderten Grenzabstand von 3.0 m
erstellt werden. Nach Art. 101 Abs. 1 und Art. 104 Ingress und lit. a und d des
Strassengesetzes (sGS 732.1, StrG) e contrario in Verbindung mit Art. 10
Abs. 1 Satz 1 BauR (vgl. dazu auch Art. 102 Abs. 1 Ingress und lit. b StrG) haben
Bauten und Anlagen gegenüber Gemeindestrassen einen Abstand von 3.0 m und
gegenüber Gemeindewegen einen solchen von 2.0 m sowie Einfriedungen von 0.45 m
bis 1.20 m Höhe einen solchen von 0.09 m, über 1.20 m Höhe zusätzlich die Mehrhöhe,
einzuhalten (vgl. zur Messweise Art. 107 Abs. 1 und 2 StrG). Stützmauern und
Böschungen entlang von Fahrbahnen öffentlicher Gemeindestrassen haben einen
Abstand von 0.3 m einzuhalten (Art. 10 Abs. 3 BauR). Entlang klassierter Strassen
gehen Strassenabstandsvorschriften anderen Abständen vor (Art. 10 Abs. 1
Satz 2 BauR, vgl. dazu GVP 1977 Nr. 55). Bei klassierten Wegen geht der
Grenzabstand dem "Wegabstand", d.h. dem Strassenabstand (vgl. hierzu Art. 1
Abs. 2 StrG), vor (Art. 10 Abs. 2 Satz 1 BauR). Im Hinblick auf die Vereinbarkeit der
Regelung von Art. 10 Abs. 2 Satz 1 BauR mit dem höherrangigen StrG ist für den
vorliegenden Fall festzuhalten, dass der Grenzabstand nur gegenüber Gebäuden oder
Bauten, d.h. nur gegenüber dem Pavillon einzuhalten ist und der mindestens rund
1.00 m breite R._-weg im Bereich des Pavillons vollständig innerhalb des
Baugrundstücks Nr. 0000_ verläuft. Durch die Anwendung der
Grenzabstandsvorschriften wird daher in Bezug auf den Pavillon kein grösserer
Abstand verlangt, als wenn der gegenüber Gemeindewegen geltende privilegierte
Abstand von 2.0 m dem Grenzabstand vorginge. Damit erübrigt sich vorliegend auch
eine eingehende Prüfung der Vereinbarkeit von Art. 10 Abs. 2 Satz 1 BauR mit dem
StrG (vgl. dazu D. Gmür, in: G. German [Hrsg.], Kurzkommentar zum st. gallischen
Strassengesetz, St. Gallen 1989, N 1 ff. zu Art. 104 StrG, und Fritzsche/Bösch/Wipf/
Kunz, Zürcher Planungs- und Baurecht, Band 2, 6. Aufl. 2019, S. 1050 f.).
Wie sich den von den Beschwerdeführern nachträglich eingereichten Plänen (Schnitt
B-B, Gartenplan und übersichtsplan + Schnitte) vom 22. März 2018, 26. Juni 2018 bzw.
21. Februar 2018 (act. 10.5/65 f.) entnehmen lässt, hat die Vorinstanz in Erwägung 5.2,
6.3 und 7 des angefochtenen Entscheids (act. 2, S. 9-11) zutreffend ausgeführt, dass
die über 1.20 m hohe Sichtschutzmauer an der nordwestlichen Grenze von Grundstück
Nr. 0000_ als Anlage keinen Abstand gegenüber dem R._-weg einhält und damit
gegen den für Einfriedungen massgeblichen Strassenabstand von mindestens 0.09 m
(zuzüglich Mehrhöhe) verstösst; der Pavillon den für Nebenbauten massgebenden
Grenzabstand von 3.0 m gegenüber den Grundstücken Nrn. 0004_ und 0005_
unterschreitet (vgl. dazu auch act. 10.5/68); und die Terrasse den für Anlagen
vorgeschriebenen Strassenabstand gegenüber dem R._-weg von 2.0 m verletzt.
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Insoweit erweist sich das nachträgliche Baugesuch der Beschwerdeführer als nicht
bewilligungsfähig (vgl. dazu Art. 146 PBG und Dispositiv-Ziff. III/1 des Beschlusses der
Beschwerdegegnerin vom 5. November 2018, Beilage zu act. 10/1). Hingegen ist nicht
ersichtlich, inwiefern die Vergrösserung der Terrasse (vgl. dazu Gartenplan vom
26. Juni 2018, act. 10.5/65) als Anlage entlang der Grenze zur Parzelle Nr. 0005_ mit
Blick auf die Abstandsvorschriften nicht bewilligungsfähig wäre.
Nach Art. 23 RPG in Verbindung mit Art. 108 Abs. 1 PBG kann die Baubehörde im
Einzelfall mit Erteilung einer Ausnahmebewilligung von Vorschriften dieses Erlasses
oder des Baureglements abweichen, wenn besondere Verhältnisse vorliegen oder die
Durchsetzung der Vorschrift unzweckmässig und unbillig wäre. Die
Ausnahmebewilligung ist zulässig, wenn sie nicht gegen den Sinn und Zweck der
Vorschrift verstösst; keine überwiegenden öffentlichen Interessen verletzt; die
Nachbarschaft nicht unzumutbar beeinträchtigt (Abs. 2). Ausnahmen von
Strassenabstandsvorschriften kann die zuständige Behörde unter anderem bewilligen,
wenn weder die Verkehrssicherheit noch die Strasse beeinträchtigt werden (Art. 108
Abs. 2 Ingress und lit. a StrG). Beide Ausnahmenbewilligungen sind nur zurückhaltend
und einzig bei Vorliegen besonderer Verhältnisse zu gewähren, wenn auch nicht
zwingend eine eigentliche Ausnahmesituation erforderlich ist. In genereller Weise sind
besondere Verhältnisse beispielsweise – neben der Eigenart des Bauwerks, der
Architektur oder der Zweckbestimmung des Gebäudes – insbesondere in der
Topografie, Form oder Lage des Baugrundstücks oder der besseren Wahrung
öffentlicher Interessen begründet (vgl. M. E. Looser, in: Bereuter/derselbe/Ritter [Hrsg.],
a.a.O., N 1, 6 f. und 21 zu Art. 108 PBG, siehe demgegenüber zu der sogenannten
Spezialermächtigung BGer 1C_169/2017 vom 30. Juni 2017 E. 4.4 mit Hinweisen).
Vorweg ist nicht erkennbar und wird von den Beschwerdeführern auch nicht weiter
dargetan, dass ein eigentlicher Härtefall – "unzweckmässig und unbillig" – vorliegen
würde. Weiter ist den Beschwerdeführern zwar zuzugestehen, dass nicht ersichtlich ist,
inwiefern eine Abweichung von den massgeblichen Strassenabständen zugunsten der
Sichtschutzmauer und der Terrasse die Verkehrssicherheit auf dem R._-weg oder
diesen Weg selbst beeinträchtigen sollte. Auch ist nicht davon auszugehen, dass eine
Ausnahme vom vorgeschriebenen Grenzabstand zugunsten des Pavillons gegen den
Sinn und Zweck von Art. 56 Abs. 1 und Abs. 2 Satz 1 BauG in Verbindung mit
Art. 8 BauR verstösst, die Nachbarschaft dadurch unzumutbar beeinträchtigt würde
oder dadurch überwiegende öffentlichen Interessen verletzt würden. Sodann mag die
heutige Erscheinung der Gartengestaltung gemäss den Beschwerdeführern
6.2.
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7.
Die Beschwerdeführer halten ferner dafür, sowohl die Terrasse inkl. Pergola/Pavillon als
auch der Sichtschutzzaun, welche bereits vor bzw. seit 1989 in der heutigen Form
bestanden hätten, seien aufgrund der Bestandesgarantie nachträglich zu bewilligen,
zumal die Neugestaltung dieser Anlagen die Rechtswidrigkeit eher reduziere (act. 6,
S. 7-11 Ziff. 2 f., 4c, act. 14, S. 2 f. Ziff. 1b, 2).
architektonisch und gestalterisch als besonders positiv und gelungen erscheinen. Wie
die Vorinstanz in Erwägung 9.2 des angefochtenen Entscheids (act. 2, S. 12) indessen
mit Recht ausgeführt hat, führen diese Umstände alleine aber noch nicht zur Annahme,
dass besondere Verhältnisse vorliegen würden, da das Grundstück Nr. 0000_ auch
unter Einhaltung der Vorschriften über die Regelbauweise überbaut werden könnte.
Überdies fallen rein fiskalische Interessen bzw. wirtschaftliche Gründe, solange keine
existenzbedrohende Lage gegeben ist, nicht unter den Begriff der besonderen
Verhältnisse und lassen sich fast immer anführen (vgl. dazu M. E. Looser, in: Bereuter/
derselbe/Ritter [Hrsg.], a.a.O., N 8 zu Art. 108 PBG). Für die Sichtschutzmauer, die
Terrasse und den Pavillon kann somit keine Ausnahmebewilligung gewährt werden. Da
keine besonderen Verhältnisse vorliegen (Rechtsfrage), war die Vorinstanz auch nicht
verpflichtet, die Sache zur Prüfung der weiteren Voraussetzungen an die
Beschwerdegegnerin zurückweisen, welche es unterlassen hatte, über die Erteilung
einer Ausnahmebewilligung zu befinden.
Aus der Eigentumsgarantie (Art. 26 Abs. 1 BV) und dem Grundsatz des
Vertrauensschutzes (Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 BV) leitet sich die baurechtliche
Bestandes- bzw. Besitzstandsgarantie ab. Diese gewährleistet, dass nach früherem
Recht erstellte Bauten oder gemäss früherem Recht zulässige Nutzungen unter neuem
Recht fortbestehen dürfen (vgl. BGer 1C_336/2019 vom 3. Juni 2020 E. 6 mit
Hinweisen und K. Willi, Die Besitzstandsgarantie für vorschriftswidrige Bauten und
Anlagen innerhalb der Bauzonen, Zürich 2003, S. 34 ff.). Die Kantone sind befugt, den
Besitzstand darüber hinaus in einer weitergehenden Weise zu garantieren. So können
sie – unter dem Vorbehalt überwiegender raumplanerischer Interessen – auch die
Erneuerung, Umnutzung, Erweiterung oder gar den vollständigen Wiederaufbau einer
alten Baute gestatten (vgl. VerwGE B 2013/257 vom 28. April 2015 E. 3 mit Hinweis auf
BGer 1P.418/2002 vom 16. Dezember 2002 E. 3.1.1 mit Hinweis auf BGE 113 Ia 119
E. 2a, in: BR online 2015 Nr. 457). Der Kanton St. Gallen hat von dieser Möglichkeit mit
Erlass von (Art. 105 StrG in Verbindung mit) Art. 109 PBG Gebrauch gemacht. Danach
sind Bestand und Erneuerung von formell rechtmässig erstellten Bauten und Anlagen
7.1.
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innerhalb der Bauzone (vgl. dazu M. E. Looser, in: Bereuter/derselbe/Ritter [Hrsg.],
a.a.O., N 6 f. zu Art. 109 PBG), die den geltenden Vorschriften oder Plänen
widersprechen, gewährleistet (Abs. 1). Umbauten, Zweckänderungen und
Erweiterungen sind zulässig, soweit dadurch die Rechtswidrigkeit weder vermehrt noch
wesentlich verstärkt wird (Abs. 2 Satz 1).
Bei gegebener Aktenlage ist zunächst mit der Vorinstanz (vgl. E. 4.2 des angefochtenen
Entscheids, act. 2, S. 8) davon auszugehen, dass eine Terrasse und die Badehütte
zwar seit 1989 vorbestanden haben mögen, aber nie formell rechtskräftig bewilligt
worden sind. Damit können sich die Beschwerdeführer in Bezug auf die von ihnen
eigenmächtig ohne Bewilligung erstellte Terrasse mitsamt Pavillon nicht auf die über
die verfassungsmässig garantierte Besitzstandsgarantie – welche nur den Bestand von
rechtmässigen Bauten und Anlagen umfasst – hinausgehende kantonalrechtliche
Bestandesgarantie berufen. Dies gilt insbesondere, soweit die Beschwerdeführer
daraus einen Anspruch auf Wiederaufbau der vorbestehenden Badehütte in Form des
Pavillons ableiten wollen. Soweit die Beschwerdeführer ihre Argumentation in diesem
Zusammenhang darauf aufbauen, dass die Vorinstanz die Entwicklung der
baureglementarischen Bestimmungen seit 1975 bei ihrer Beurteilung ausser Acht
gelassen habe, stossen ihre Vorbringen ins Leere, da sie die vorliegend nicht
entscheidwesentliche Frage nach der materiellen Rechtswidrigkeit vorbestandener
Bauten und Anlagen beschlagen.
Im Weiteren ist im Grundrissplan vom 20. September 1961 (act. 10.5/3) im Bereich der
heutigen Sichtschutzmauer zwar eine blaue Linie eingezeichnet. Entgegen der
Darstellung der Beschwerdeführer (act. 6 Ziff. 1a) ist aber weder im Grundriss- und
Schnittplan noch im Fassadenplan je vom November 1961 (act. 10.5/3) eine
Abgrenzung, d.h. etwa eine Stützmauer, enthalten. Den Plänen Nrn. 848-3 und 848-4 je
vom 28. April 1975 (act. 10.5/6), insbesondere den Schnitten A'-A' und B'-B', lässt
sich, soweit hier von Interesse, ferner entnehmen, dass Bestandteil des damaligen vom
Rat der Beschwerdegegnerin am 20. Mai 1975 im Sinne von Art. 87 Abs. 1 BauG – das
BauG war vom damaligen Regierungsrat auf den 1. August 1972 in Kraft gesetzt
worden (nGS 8, 175) – formell rechtskräftig bewilligten Baugesuchs (act. 10.5/4 f.)
zumindest zwischen den Schnittpunkten A' und B' ein 1.0 m hoher Hag entlang des
R._-weges auf der Nordwestseite des Grundstücks Nr. 0000_ bildete. Allerdings
bleibt unklar, wie dieser ausgestaltet war. Erst das am 15. Mai 2017 formell
rechtskräftig bewilligte Baugesuch für die Sanierung des Einfamilienhauses auf Parzelle
Nr. 0000_ (act. 10.5/14 f.) umfasste auch den Neubau einer an den R._-weg
7.2.
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8.
Sodann bringen die Beschwerdeführer vor (act. 6, S. 4 f., 15-18 Ziff. 1f und 1g, 6,
act. 14, S. 3 Ziff. 3), die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands sei von
vornherein unverhältnismässig. Sie hätten gestützt auf Treu und Glauben von der
Rechtsbeständigkeit der Gartengestaltung ausgehen dürfen.
angrenzenden (Stütz-)Mauer. Gemäss den Grundrissplänen UG und EG, dem Schnitt
B-B und der Ansicht Ost, alle vom 20. März 2017 (act. 10.5./16), wurde die neue Mauer
ab Höhe Entree des Gebäudes Assek.-Nr. 0003_ auf einer Länge von rund 27.30 m
entlang des R._-weges, einer Höhe von bis zu 1.85 m und einer Tiefe von rund 0.20 m
formell rechtskräftig bewilligt. Hingegen konnten der Baubewilligung vom 15. Mai 2017
die Revisionspläne vom 11. Juni 2018 (act. 10.5/17) und damit auch die im
Revisionsplan Grundriss UG eingezeichnete, rund 0.65 m tiefe Wand aus Cortenstahl
mitsamt zwei Trögen noch nicht zugrunde liegen. Von der Bewilligung vom
15. Mai 2017 für den Neubau einer an den R._-weg angrenzenden Mauer haben die
Beschwerdeführer indessen innert Frist (vgl. zur Geltungsdauer der Baubewilligung den
direkt anwendbaren Art. 148 PBG) keinen Gebrauch gemacht, sondern anstelle dieser
Mauer ohne Bewilligung die strittige Wand aus Cortenstahl erstellt (vgl. dazu Schnitt B-
B, Gartenplan und übersichtsplan + Schnitte vom 22. März 2018, 26. Juni 2018 bzw.
21. Februar 2018 (act. 10.5/65 f.). Wie die Vorinstanz in Erwägung 4.2 des
angefochtenen Entscheids (act. 2, S. 8) demzufolge zutreffend festgehalten hat,
können sich die Beschwerdeführer auch diesbezüglich mangels formell rechtmässig
erstellter Anlagen nicht auf die Bestandesgarantie berufen.
Wird durch die Errichtung von Bauten und Anlagen ohne Bewilligung oder auf andere
Weise ein unrechtmässiger Zustand geschaffen, wird – in der Regel nach Durchführung
eines nachträglichen Baubewilligungsverfahrens (vgl. zum Verzicht auf ein
nachträgliches Baubewilligungsverfahren VerwGE B 2016/21; B 2016/22 vom
26. September 2018 E. 9.3 mit Hinweisen, bestätigt mit BGer 1C_572/2018;
1C_574/2018 vom 31. Oktober 2019) – die Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands verfügt (Art. 159 Abs. 1 Ingress und lit. d PBG). Die für den unrechtmässigen
Zustand verantwortlichen Personen wirken im Wiederherstellungsverfahren mit. Wird
innert angesetzter Frist kein Vorschlag für die Wiederherstellung vorgelegt, legt die
politische Gemeinde die Wiederherstellungsmassnahme im Rahmen des
pflichtgemässen Ermessens fest (Art. 159 Abs. 2 PBG). Ein Wiederherstellungsbefehl
erweist sich dann als unverhältnismässig, wenn die Abweichung vom Gesetz gering ist
und die berührten öffentlichen Rechtsgüter den Schaden, welcher der Eigentümerin
8.1.
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durch die Wiederherstellung entstünde, nicht zu rechtfertigen vermögen. Auf den
Grundsatz der Verhältnismässigkeit kann sich auch eine Bauherrin berufen, die nicht
gutgläubig gehandelt hat. Sie muss aber in Kauf nehmen, dass die Behörden aus
grundsätzlichen Erwägungen, namentlich zum Schutz der Rechtsgleichheit und der
baulichen Ordnung, dem Interesse an der Wiederherstellung des gesetzmässigen
Zustands erhöhtes Gewicht beimessen und die der Bauherrin allenfalls erwachsenden
Nachteile nicht oder nur in verringertem Masse berücksichtigen (BGer 1C_489/2015
vom E. 3.2 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 132 II 21 E. 6.4). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung verwirkt der Anspruch der Behörden auf
Herstellung des rechtmässigen Zustands innerhalb der Bauzonen im Interesse der
Rechtssicherheit grundsätzlich nach 30 Jahren. Die Frist wurde in Anlehnung an die
ausserordentliche Ersitzung von Grundeigentum gemäss Art. 662 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB) festgelegt. In diesem Sinne setzt die "Ersitzung" eine
während 30 Jahren unangefochtene Nutzung des Grundeigentums voraus (vgl.
BGer 1C_535/2012 vom 9. September 2013 E. 4.1.1 mit Hinweisen auf BGE 136 II 359
E. 8; BGE 107 Ia 121 E. 1b, in: BR online 2015 Nr. 114, BR 2015, S. 99, siehe
demgegenüber für Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzonen Medienmitteilung
des Bundesgerichts vom 28. April 2021 zum Urteil BGer 1C_469/2019; 1C_486/2019
vom 28. April 2021, www.bger.ch).
Nach dem in Art. 9 BV verankerten Grundsatz von Treu und Glauben kann eine
unrichtige Auskunft, welche eine Behörde dem Bürger erteilt, unter gewissen
Umständen Rechtswirkungen entfalten. Er kann dazu führen, dass ein Rechtsverhältnis
abweichend vom objektiven Recht zu regeln ist. Voraussetzung dafür ist unter
anderem, dass die Amtsstelle, welche die Auskunft gegeben hat, dafür zuständig war
oder der Bürger sie aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte; der
Bürger die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne Weiteres hat erkennen können; und
das Interesse an der richtigen Durchsetzung des objektiven Rechts dasjenige am
Vertrauensschutz nicht überwiegt (vgl. VerwGE B 2017/75 vom 26. Februar 2019 E. 6.1
und VerwGE B 2020/10 vom 14. September 2020 E. 6.3 je mit Hinweisen).
Nicht umstritten ist vorab, dass die Beschwerdeführer die Terrasse, den Pavillon und
die Sichtschutzmauer ohne Bewilligung erst nach dem 15. Mai 2017 (Baubewilligung
für Sanierung Einfamilienhaus auf Parzelle Nr. 0000_) neu erstellt haben. Folglich
können sie sich hinsichtlich dieser neuen Gartenanlage von vornherein nicht auf die
Verwirkungsfrist für den Anspruch der Behörden auf Herstellung des rechtmässigen
Zustands berufen. Ebensowenig hilft ihnen diesbezüglich eine "deutlich" kürzere
8.2.
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Verwirkungsfrist (vgl. act. 14, S. 3 Ziff. 3) weiter. Schliesslich forderte die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführer bereits am 15. März 2018 (act. 10.5/19)
auf, ein nachträgliches Baugesuch einzureichen, und verfügte am 6. April 2018 die
Einstellung der rechtswidrigen Bauarbeiten auf Parzelle Nr. 0000_ (act. 10.5/35). Auch
ordnete sie bereits am 20. August 2018 und 5. November 2018
Wiederherstellungsmassnahmen an (act. 10.5/61 und 68). Weiter können die
Abstandsabweichungen zumindest angesichts der Höhe des Pavillons von 2.96 m und
der Sichtschutzmauer von 2.09 m bis 2.59 m (act. 10.5/65 f.) und der Lage der Mauer
direkt am R._-weg nicht als geringfügig bzw. unbedeutend qualifiziert werden (vgl.
hierzu VerwGE B 2006/42-44 vom 14. September 2006 E. 3b/aa; BGer 1C_126/2013
vom 29. November 2013 E. 5.2.1 und 5.5; C. Mäder, Das Baubewilligungsverfahren,
Zürich 1991, Rz. 619 FN 13). Hinzu kommt, dass B._ als Mitglied des
Verwaltungsrates der Q._ AG, welche das Führen eines Architektur- und
Bauingenieurbüros bezweckt (www.zefix.ch), eigenen Angaben auf der Webseite der
Q._ AG und der P._ AG zufolge unter seiner Verantwortung bereits mehr als
1500 Wohnungen und Häuser errichtet hat (https:// ...) und somit über Fachwissen
verfügt. Falls die Darstellung der Beschwerdeführer zutreffen sollte, wonach ihnen Z._
sel., der ehemaliger Bausekretär der Beschwerdegegnerin, die mündliche Auskunft
erteilt haben soll, dass die von ihnen eigenmächtig erstellte Terrasse mitsamt Pavillon
und Sichtschutzmauer nicht der Baubewilligungspflicht unterstehe, wären sie aufgrund
des Fachwissens von B._, welches sich auch seine Ehefrau anrechnen lassen muss
(vgl. BGer 1C_205/2015 vom 29. Oktober 2015 E. 5.5 mit Hinweis auf BGE 111 Ib 213
E. 6a), nach Treu und Glauben gehalten gewesen, sich bei dem für den Vollzug
zuständigen Rat der Beschwerdegegnerin (vgl. dazu Art. 2 Abs. 1 BauR) vor der
Ausführung dieser Bauten und Anlagen darüber zu erkundigen, ob er die Auffassung
des Bausekretärs teile. Da sie dies jedoch unterlassen haben, kann ihnen baurechtlich
kein guter Glaube attestiert werden. Ohne weitere Abklärungen bei der zuständigen
Behörde durften sie nicht annehmen, die Gartenanlage sei nicht
baubewilligungspflichtig. Bereits aus diesem Grund scheitert auch ihre Berufung auf
Treu und Glauben (vgl. dazu auch BGer 1C_740/2013 vom 6. Mai 2015 E. 11.2 mit
Hinweis auf BGE 137 II 182 E. 3.6.2). Aufgrund des fehlenden guten Glaubens sind
auch die von den Beschwerdeführern ins Feld geführten Wiederherstellungskosten nur
in geringfügigem Mass zu berücksichtigen. Es rechtfertigt sich deshalb grundsätzlich
nicht, die finanziellen Interessen der Beschwerdeführer am Bestand der illegalen
Bauten und Anlagen bzw. am Verzicht auf die Wiederherstellung höher zu gewichten
als das öffentliche Interesse an der Durchsetzung der Bauvorschriften und der
Rechtsgleichheit (vgl. dazu auch Votum des Gemeindepräsidenten anlässlich des
Rekursaugenscheins vom 26. März 2019, act. 10/12, S. 3 lit. B/3, und act. 10/14, S. 2
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9.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 3'500 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12, GKV). Sie ist mit dem von den
Beschwerdeführern geleisteten Kostenvorschuss von CHF 3'500 zu verrechnen. Der
Verlegung der amtlichen Kosten entsprechend kann den Beschwerdeführern für das
Beschwerdeverfahren keine ausseramtliche Entschädigung zugesprochen werden
(Art. 98 Abs. 1 und 2 sowie Art. 98 VRP). Der Beschwerdegegnerin steht kein
Kostenersatz zu (vgl. VerwGE B 2019/146 vom 13. August 2020 E. 13.3 mit Hinweisen).
Der Kostenspruch der Vorinstanz bleibt unverändert, auch wenn die Zusprechung einer
halben ausseramtlichen Entschädigung durch die Vorinstanz der ständigen Praxis des
Verwaltungsgerichts (vgl. dazu etwa VerwGE B 2019/273 vom 9. August 2020 E. 4.2
mit Hinweisen) und dem Gesetzestext (Art. 98 VRP) widerspricht und obwohl die
Vorinstanz die Mehrwertsteuer ohne Stellen eines Antrags zugesprochen hat
(Art. 29 der Honorarordnung; sGS 963.75, HonO).