Decision ID: 31aec6de-fc2c-5498-a0b3-099929c80a9e
Year: 2022
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 10. März 2017 (verbessert am 19.4.2017) stellten R._, U._, S._ und T._, alle beteiligt an der Miteigentümergemeinschaft Parzelle Saanen Gbbl. Nr. 1_, bei der Einwohnergemeinde (EG) Saanen ein Baugesuch für den Abbruch des Einfamilienhauses Nr. 2_ und den Neubau von zwei Einfamilienhäusern mit Einstellhalle, Hallenbad und Nebenräumen im Untergeschoss (Häuser A und B) sowie für den Neubau eines Mehrfamilienhauses mit drei Wohnungen (Haus C) auf ihrem Grundstück. Mit Ausnahme der vorgesehenen Zweitwohnung im Dachgeschoss von Haus C sollen die Wohnungen bzw. Einfamilienhäuser als Erstwohnungen genutzt werden. Die Parzelle Nr. 1_ liegt teils in der Wohnzone W3a und teils in der Landwirtschaftszone, wobei die Gebäude im Baugebiet erstellt werden sollen. Gegen das Vorhaben erhoben nebst weiteren der Verein A._, B._, C._, D._, E._, F._, G._, H._, I._, J._, K._, L._, die M._ AG, N._, O._, P._ und Q._ am 31. Mai 2017 gemeinsam Einsprache. Am 16. Februar 2018 erteilte die EG Saanen die Baubewilligung und wies die Einsprachen ab (Gesamtentscheid).
B.
Dagegen erhoben die genannten Einsprecherinnen und Einsprecher (vorne Bst. A) am 20. März 2018 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und  des Kantons Bern (BVE; heute: Bau- und Verkehrsdirektion [BVD]). Diese führte ein Beweisverfahren durch und entschied am 20. Dezember 2019 Folgendes:
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17.02.2022, Nr. 100.2020.34U, Seite 4
«1. Der Plan ‹Umgebung› 1:200, gestempelt vom Rechtsamt der BVE am 17. August 2018, wird als verbindlich erklärt.
Die Auflage in Ziffer VI/3 (Sichtbermen) des Gesamtentscheids der Gemeinde Saanen vom 16. Februar 2018 wird wie folgt angepasst:
Die Sichtbermen sind gemäss dem am 8. August 2018 revidierten Plan ‹Sichtbermen› 1:500, gestempelt vom Rechtsamt der BVE am 17. August 2018, freizuhalten und deren Freihaltung auf der Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. 3_ ist vor Baubeginn (Schnurgerüstabnahme) im Grundbuch dienstbarkeitlich sicherzustellen.
Im Übrigen wird der Gesamtentscheid der Gemeinde Saanen vom 16. Februar 2018 bestätigt und die Beschwerde abgewiesen.
2. [Verfahrenskosten]
3. [Parteikosten]»
C.
Gegen diesen Entscheid haben der Verein A._ und Mitbeteiligte (vorne Bst. A) am 24. Januar 2020 Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben. Sie beantragen, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Streitsache zur Vervollständigung des Sachverhalts und zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen; eventuell sei die Baubewilligung zu verweigern (Bauabschlag) und die Vorinstanz anzuweisen, die Verfahrens- und Parteikosten neu zu verlegen.
Die Miteigentümerinnen und Miteigentümer der Parzelle Nr. 1_ (vorne Bst. A) – an der Stelle des verstorbenen U._ führen V._, W._, X._, Y._ und Z._ (Erbengemeinschaft) das Verfahren weiter – beantragen mit Beschwerdeantwort vom 3. März 2020, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Die EG Saanen verweist mit Stellungnahme vom 27. Februar 2020 auf die Baugesuchsakten, die Baubewilligung sowie ihre Eingaben im vorinstanzlichen Verfahren. Mit Vernehmlassung vom 6. Februar 2020 beantragt die BVD ebenfalls Beschwerdeabweisung.
Der Instruktionsrichter hat mit Verfügungen vom 11. Februar und 10. Juni 2021 bei den Miteigentümerinnen und Miteigentümern, der EG Saanen, beim Amt für Gemeinden und Raumordnung des Kantons Bern (AGR) und beim Tiefbauamt des Kantons Bern (TBA), Oberingenieurkreis I, ergänzende
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Stellungnahmen und Amts- bzw. Fachberichte eingeholt. Die Parteien haben sich dazu geäussert und an ihren Begehren festgehalten. Der Verein A._ und Mitbeteiligte (vorne Bst. A) haben mit ihren Schlussbemerkungen mitgeteilt, dass P._ am ... August 2021 verstorben sei. Die EG Saanen und die BVD haben sich nicht mehr vernehmen lassen.

Erwägungen:
1. Eintreten und Kognition
1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) zuständig. Zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist befugt, wer am  Verfahren teilgenommen hat, durch den angefochtenen  besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung hat (Art. 79 Abs. 1 VRPG; vgl. auch Art. 40 Abs. 5 i.V.m. Abs. 2 des Baugesetzes vom 9. Juni 1985 [BauG; BSG 721.0]).  ist sodann jede andere Person, Organisation oder Behörde, die durch Gesetz oder Dekret dazu ermächtigt ist (Art. 79 Abs. 2 VRPG). Das gilt unter anderem für private Organisationen, wenn sie eine juristische  sind und rein ideelle Zwecke verfolgen (Art. 35a Abs. 1 BauG). Sie  Rügen erheben in Rechtsbereichen, die seit mindestens zehn Jahren Gegenstand ihres statutarischen Zwecks bilden (Art. 35c Abs. 3 BauG).
1.2 Der Beschwerdeführer 1 hat am vorinstanzlichen Verfahren . Er ist als Verein im Sinn von Art. 60 ff. des Schweizerischen  (ZGB; SR 210) eine juristische Person und verfolgt seit über zehn Jahren in den gleichen Rechtsbereichen rein ideelle Zwecke: Das  AA._ in Gstaad soll im aktuellen Zustand erhalten werden; insbesondere wendet sich der Verein gegen Bauprojekte, welche das Gebiet und die Landschaft der AA._ verunstalten oder zu einer zu
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intensiven Entwicklung führen können (Art. 1 Abs. 1 und Art. 2 Abs. 1 der Statuts des Vereins «A._» vom 29.9.2000, Akten BVD 5A pag. 19 Beschwerdebeilage [BB] 2a). Damit nimmt er Anliegen der  im weitesten Sinn (inkl. Umweltschutzgesetzgebung) wahr, wozu namentlich auch die Raumplanung gehört (vgl. Zaugg/Ludwig,  zum bernischen BauG, Band I, 5. Aufl. 2020, Art.35-35c N. 24 und 24b letztes Lemma mit Hinweisen). Die gegenteiligen Vorbringen der  1 (Beschwerdeantwort Rz. 10), die bereits vor der BVD Thema waren, ändern an der Beschwerdeberechtigung nichts. Auf die vorinstanzlichen Erwägungen kann verwiesen werden (angefochtener  E. 1d). Der Beschwerdeführer 1 ist somit zur Beschwerde befugt (Art. 79 Abs. 2 i.V.m. Art. 35a Abs. 1 BauG).
1.3 Die Beschwerdeführenden 2-17 haben am vorinstanzlichen  teilgenommen. Die Beschwerdeführenden 7, 9 und 16 (im Verfahren vor der BVD 9, 12 und 19) sind zudem aufgrund der Nähe ihrer Parzellen zum Baugrundstück als Nachbarn durch den angefochtenen Entscheid  berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung und Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG), was unbestritten ist (angefochtener Entscheid E. 1e; Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerschaft 1 Rz. 11). Der Beschwerdeführer 16 ist allerdings am ... August 2021  (BB 23 [act. 26A]; vorne Bst. C). Der Rechtsvertreter hat zwar mitgeteilt, sein Mandant habe als Erbinnen und Erben die Ehefrau und die beiden  hinterlassen (vgl. Eingaben vom 10.12.2021 und 28.12.2021, Vollmacht vom 26.11.2021, act. 32, 33 und 33A2). Laut Grundbuch ist ihnen das  an der Parzelle Saanen Gbbl. Nr. 4_ aber noch nicht übertragen worden. Ob sie Rechtsnachfolgerinnen und -nachfolger des Beschwerdeführers 16 sind, kann ebenso offenbleiben wie die Beschwerdebefugnis der Beschwerdeführenden 2-6, 8, 10-15 und 17, deren Parzellen in einiger Distanz vom Baugrundstück liegen, machen die Beschwerdeführenden doch gemeinsam Rechte geltend (vgl. dazu Michel Daum bzw. Michael Pflüger, in Herzog/Daum [Hrsg.], Kommentar zum bernischen VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 20a N. 40 bzw. Art. 79 N. 2 i.V.m. Art. 65 N. 3).
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1.4 Die Bestimmungen über Form und Frist sind eingehalten (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG). Auf die Beschwerde ist mit den genannten  (E. 1.3 hiervor) einzutreten.
1.5 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG). Es auferlegt sich  insoweit eine gewisse Zurückhaltung, als die Beurteilung von der  der örtlichen Verhältnisse abhängt oder besondere Sach- oder  erforderlich sind, über die es nicht gleichermassen verfügt wie die Verwaltungsbehörden mit ihren Fachleuten und -stellen (statt vieler BVR 2016 S. 507 E. 1.4; Ruth Herzog, in Herzog/Daum [Hrsg.], Kommentar zum bernischen VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 80 N. 38).
2. Übersicht zum Verfahrensthema und Beweisanträge