Decision ID: c2772cc9-8604-4c7c-8aae-ab80d996c88f
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
R._ und S._ Eigentümer des in der Wohnzone W2b gelegenen und mit einem
Einfamilienhaus (EFH) sowie einem Nebengebäude überbauten Grundstücks Nr.
0000_, Grundbuch X._, beantragten mit Baugesuch vom 7. April 2019 die
Bewilligung für eine Sitzplatzüberdachung auf der Südostseite des EFH sowie für die
Umgebungsgestaltung auf dem Grundstück. Innert der Auflagefrist erhoben A._ und
B._ öffentlich-rechtliche und privatrechtliche Einsprache gegen dieses Bauvorhaben
mit der Begründung, dass daraus eine Grenzabstandsverletzung und eine übermässige
Einwirkung auf ihr Grundstück Nr. 0001_, Grundbuch X._, resultiere. Mit Beschluss
vom 12. August 2019 wies die Baukommission X._ die öffentlich-rechtliche
Einsprache von A._ und B._ ab, trat auf die privatrechtliche Immissionseinsprache
(Art. 684 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210, ZGB) mangels Begründung
nicht ein und erteilte die Baubewilligung unter Bedingungen und Auflagen. Zur
Begründung hielt sie unter anderem fest, dass es sich beim überdachten Sitzplatz um
eine unbewohnte Nebenbaute handle, welche den Grenzabstand einhalte (act. G 9.1/4
Beilage 7). Gegen diesen Beschluss erhob Rechtsanwalt lic. iur. Urs Pfister, St. Gallen,
für A._ und B._ am 2. September 2019 Rekurs beim Baudepartement, welchen er mit
Eingabe vom 4. Oktober 2019 ergänzte (Rekurs 1; act. G 9.2/1 und 5).
A.a.
In der Folge teilte die Baukommission X._ am 25. November 2019 mit, dass am
22. November 2019 von R._ und S._ ein Korrekturgesuch bezüglich Vordach der
Nebenbaute eingereicht worden sei (act. G 9.2/8). Gegen das Korrekturgesuch erhob
Rechtsanwalt Pfister für A._ und B._ am 22. Dezember 2019 ebenfalls öffentlich-
rechtliche und privatrechtliche Einsprache, welche die Baukommission X._ mit
Beschluss vom 17. Februar 2020 abwies und die Projektänderung bewilligte (act. G
9.2/12). Gegen diesen Beschluss erhob Rechtsanwalt Pfister für A._ und B._ am
5. März 2020 Rekurs beim Baudepartement, welchen er mit Eingabe vom 21. März
2020 ergänzte (Rekurs 2; act. G 9.1/1 und 4). Mit Entscheid vom 9. Juni 2020 (act. G 2)
wies das Baudepartement den Rekurs 1 ab, soweit er (durch die Einreichung des
Korrekturgesuchs) nicht gegenstandslos geworden war (Ziffer 1). A._ und B._ wurde
im Rekurs 1 eine Entscheidgebühr von CHF 1'200 und R._ und S._ (als Verursacher
der teilweisen Gegenstandslosigkeit des Rekurses 1) eine solche von CHF 600
auferlegt (Ziffer 2). A._ und B._ wurden für den Rekurs 1 ausseramtlich mit CHF 2'860
A.b.
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B.
entschädigt (Ziffer 3). Der Rekurs 2 wurde abgewiesen (Ziffer 4), A._ und B._ wurde
eine Entscheidgebühr von CHF 1'800 auferlegt (Ziffer 5) und ihr Begehren um
Entschädigung der ausseramtlichen Kosten abgewiesen (Ziffer 6).
Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt Pfister für A._ und B._ mit Eingabe vom
24. Juni 2020 Beschwerde (act. G 1). In der Beschwerdeergänzung vom 31. August
2020 (act. G 5) stellte der Rechtsvertreter folgende Rechtsbegehren: Ziffer 1 des
Rekursentscheids sei wegen Verletzung von öffentlich-rechtlichen Vorschriften sowie
wegen Verletzung von Art. 684 ZGB aufzuheben. Das Baugesuch sei abzuweisen,
soweit dieses eine Sitzplatzüberdachung mit einem Vordach von bis zu ca. 4.5 m
beinhaltet. Eventualiter sei die Angelegenheit an die Vorinstanz bzw. die
Beschwerdebeteiligte zur nochmaligen Prüfung zurückzuweisen (Ziffer 1 und 2). Ziffer 4
des Rekursentscheids sei wegen Verletzung öffentlich-rechtlicher Vorschriften sowie
wegen Verletzung von Art. 684 ZGB aufzuheben, soweit damit der Rekurs abgewiesen
und der erste Nachtrag zur Baubewilligung für die Sitzplatzüberdachung bestätigt
worden sei. Der erste Nachtrag zum Baugesuch sei abzuweisen, soweit dieser eine
Sitzplatzüberdachung mit einem Vordach von bis zu ca. 4.5 m beinhalte. Eventualiter
sei die Angelegenheit an die Vorinstanz bzw. die Beschwerdebeteiligte zur
nochmaligen Prüfung zurückzuweisen (Ziffer 3 und 4).
B.a.
In der Vernehmlassung vom 15. September 2020 beantragte die Vorinstanz Abweisung
der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf den angefochtenen Entscheid und
äusserte sich ergänzend zur Beschwerde (act. G 8). Die Beschwerdebeteiligte
beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 2. Oktober 2020 Abweisung der Beschwerde,
soweit darauf eingetreten werden könne. Zur Begründung verwies sie auf ihre
Einspracheentscheide vom 12. August 2019 und 17. Februar 2020 und äusserte sich zu
den Vorbringen in der Beschwerde (act. G 11). Rechtsanwältin lic. iur. Liliane Kobler,
St. Gallen, stellte für die Beschwerdegegner in der Beschwerdeantwort vom
10. November 2020 den Antrag, die Beschwerde sei vollumfänglich abzuweisen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich Mehrwertsteuer) zu Lasten der
Beschwerdeführer (act. G 18).
B.b.
Mit Eingabe vom 9. Dezember 2020 bestätigte Rechtsanwalt Pfister seine Anträge und
Ausführungen (act. G 22). Die Beschwerdebeteiligte verzichtete auf eine weitere
B.c.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführer
sind als Eigentümer der Liegenschaft Nr. 0001_ und Empfänger des angefochtenen
Entscheids ohne weiteres zur Ergreifung des Rechtsmittels befugt (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 24. Juni
2020 (act. G 1) erfolgte rechtzeitig und erfüllt in Verbindung mit der
Beschwerdeergänzung vom 31. August 2020 (act. G 5) die formellen und inhaltlichen
Voraussetzungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten. Nicht einzutreten ist auf die
Beschwerde, soweit damit die Abweisung des Baugesuchs beantragt wird
(Devolutiveffekt, vgl. BGer 1C_560/2017 vom 17. Dezember 2018 E. 1.2 mit Hinweis
auf BGE 134 II 142 E. 1.4).
Die erstinstanzlichen Beschlüsse der Beschwerdebeteiligten datieren vom 12. August
2019 und 17. Februar 2020 und ergingen nach Inkrafttreten des Planungs- und
Baugesetzes (sGS 731.1, PBG) am 1. Oktober 2017. Auf das strittige Bauvorhaben ist
somit das PBG grundsätzlich anwendbar, soweit dessen Bestimmungen im
vorliegenden Zusammenhang überhaupt zum Tragen kommen.
2.
Stellungnahme (act. G 25). Die Rechtsvertreterin der Beschwerdegegner hielt in ihrer
Eingabe vom 19. Januar 2021 an ihrem in der Beschwerdeantwort geäusserten
Standpunkt fest (act. G 28).
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden
Verfahrens wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.
B.d.
bis
Nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK (SR 0.101) hat jede Person ein Recht darauf, dass über
Streitigkeiten betreffend ihre zivilrechtlichen Ansprüche und Verpflichtungen von einem
unabhängigen und unparteiischen, auf Gesetz beruhenden Gericht in einem fairen
Verfahren öffentlich und innerhalb angemessener Frist verhandelt wird. Die
normgerechte Erstellung von Bauten und Anlagen auf dem Nachbargrundstück und
2.1.
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daraus gegebenenfalls resultierende übermässige Einwirkungen auf ihr Grundstück
(Art. 684 ZGB) betreffen einen zivilrechtlichen Anspruch der Beschwerdeführer im Sinn
der erwähnten Norm. Der konventionsrechtliche Anspruch auf eine öffentliche
Verhandlung ist grundsätzlich vor der ersten Instanz zu gewähren. Wenn eine untere
Instanz eine öffentliche Verhandlung durchgeführt hat, ist dem Anspruch in aller Regel
genüge getan, und die Rechtsmittelinstanz kann darauf verzichten, namentlich wenn
sie ohne eigene Beweismassnahmen aufgrund der Akten entscheidet (BGer
5D_141/2014 vom 22. Januar 2015, E. 5.1 mit Hinweisen). Mit Bezug auf den Antrag
einer persönlichen Anhörung durch das Gericht (act. G 5 S. 6) ist festzuhalten, dass
sich die Beschwerdeführer in ihren schriftlichen Eingaben umfassend äussern konnten,
weshalb dieser Antrag abzulehnen ist. Sie beantragen indes auch eine öffentliche
mündliche Verhandlung im vorstehend erwähnten Sinn (act. G 5 S. 6). Aufgrund der
Gegebenheiten (keine Durchführung einer öffentlich mündlichen Verhandlung bzw.
eines Augenscheins im vorinstanzlichen Verfahren; act. G 2 S. 7) fiele die Durchführung
einer solchen grundsätzlich in Betracht (vgl. A. Fedi in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.],
Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N
3 zu Art. 55 VRP). Jedoch wurde von den Beschwerdeführern nicht konkret begründet,
inwiefern durch die geplante Sitzplatzüberdachung privatrechtliche Interessen verletzt
werden bzw. daraus übermässige Einwirkungen auf ihr Grundstück resultieren sollten
(vgl. dazu nachstehende E. 3.3.2). Auch ist nicht erkennbar, inwiefern eine öffentliche
mündliche Verhandlung geeignet sein sollte, zu zusätzlichen Erkenntnissen für die
Beantwortung der streitigen Fragen zu führen. Der Antrag ist deshalb abzulehnen.
Inwiefern beim angefochtenen Entscheid von Sachverhaltsmängeln auszugehen ist,
bleibt nachstehend zu klären. Der von den Beschwerdeführern beantragte Beizug der
Akten, welche dem VerwGE B 2013/134 vom 11. November 2014 zugrunde lagen (act.
G 5 S. 4), kann indes unterbleiben, da die Feststellungen in jenem Entscheid für die
Erledigung des vorliegenden Verfahren nicht benötigt werden bzw. nicht einschlägig
sind.
Einsprachen nach Art. 684 ZGB werden im öffentlich-rechtlichen
Baubewilligungsverfahren materiell beurteilt (vgl. Art. 154 Abs. 2 und 157 Abs. 2 PBG).
In den Entscheiden vom 12. August 2019 und 17. Februar 2020 wies die
Beschwerdebeteiligte die Einsprachen der Beschwerdeführer nach Art. 684 ZGB (vgl.
Art. 154 PBG) in einer gesonderten Dispositivziffer ab bzw. trat darauf nicht ein. Die
Beschwerdeführer rügen, die Vorinstanz habe über den Rekurs nach Art. 684 ZGB
nicht entschieden. Der vorinstanzliche Rekursentscheid sei insofern unvollständig, als
2.2.
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mit Blick auf die unterschiedlichen Rechtsmittelwege ein öffentlich-rechtlicher und ein
privatrechtlicher Rekursentscheid hätte ergehen oder die beiden Verfahren zumindest
in separaten Dispositivziffern hätten entschieden werden müssen. Sie verweisen auf
einen Entscheid der Vorinstanz (Nr. 18/2020) vom 12. März 2020 und beantragen
Aufhebung des angefochtenen Rekursentscheids aus diesem Grund (act. G 5 S. 7 f.).
Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts bedarf es im Rekursentscheid im Dispositiv
keiner Aufteilung in einen privatrechtlichen und einen öffentlich-rechtlichen Teil (vgl.
VerwGE 2017/243 vom 22. August 2019 E. 4.1), wobei in den Erwägungen die
öffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen Einwände separat zu behandeln sind. Eine
Aufteilung im Dispositiv ist auch deshalb nicht erforderlich, weil die Rechtsmittelinstanz
(Verwaltungsgericht) für die Beurteilung beider Teile zuständig ist. Vorliegend wurde der
Rekurs nach Art. 684 ZGB im Rekursentscheid materiell abgehandelt (vgl. act. G 2 S.
14 f.). Aus dem Umstand, dass er nicht in einer separaten Dispositivziffer entschieden
(abgewiesen bzw. nicht eingetreten) wurde, resultiert praxisgemäss kein formeller
Mangel, aufgrund dessen der Rekursentscheid aufzuheben wäre.
2.3.
Nach Art. 25 Abs. 1 VRP sind Verfügungen den Betroffenen zu eröffnen. Zu den
Betroffenen gehören auch Dritte, deren eigene schutzwürdige Interessen durch die
Verfügung berührt werden (T. Tschumi, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.] a.a.O., N. 22
zu Art. 24-26 VRP). Vorliegend wurden die bewilligten Gesuchunterlagen samt
genehmigten Plänen anlässlich des Versands des Entscheids vom 12. August 2019
zwar der Bauherrschaft (Beschwerdegegner), nicht aber den Beschwerdeführern
zugestellt. Die genehmigten Pläne und der genehmigte Formularsatz lagen indes
öffentlich auf und konnten von den Beschwerdeführern eingesehen werden. Im
angefochtenen Entscheid vermerkte die Vorinstanz in diesem Zusammenhang zu
Recht, dass die Beschwerdeführer - neben der Zustellung des Einspracheentscheids -
keinen Anspruch auf Zustellung/Eröffnung der Pläne und des Formularsatzes haben
(act. G 2 S. 9). Diesbezüglich liegt unbestritten keine unvollständige Entscheideröffnung
bzw. Gehörsverletzung vor.
2.3.1.
bis
Im vorliegenden Verfahren machen die Beschwerdeführer zusätzlich geltend, aus den
Beschlüssen vom 12. August 2019 (act. G 9.1/4 Beilage 7) und 17. Februar 2020 (act.
G 9.2/12) gehe nicht hervor, in welcher Zusammensetzung die Baukommission über
2.3.2.
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die beiden Baugesuche befunden habe. Ohne Nennung der anwesenden und
stimmenden Mitglieder einer Entscheidbehörde sei ein Beschluss nichtig.
Entsprechend sei die ganze Angelegenheit an die Beschwerdebeteiligte zur
nochmaligen Prüfung zurückzuweisen (act. G 5 S. 8 f.).
Gemäss Art. 103 Abs. 1 lit. b und d des Gemeindegesetzes (sGS 151.2; GG) muss das
Gemeinderatsprotokoll den Namen des Vorsitzenden, der abwesenden Mitglieder
sowie des Protokollführers und der sich im Ausstand befindenden Mitglieder enthalten.
Die Zusammensetzung der Baukommission der Beschwerdebeteiligten (Präsident,
Sekretär, drei Mitglieder) lässt sich der Webseite der Beschwerdebeteiligten
(www. ... .ch) entnehmen (act. G 6/4). Aus den erwähnten Beschlüssen ist ersichtlich,
dass der Beschwerdegegner für die beiden ihn betreffenden Baugesuche/Einsprachen
in den Ausstand trat. Unter diesen Umständen lag die personelle Zusammensetzung
der Baukommission für die beiden Beschlüsse klar zu Tage. Eine zusätzliche Nennung
der anwesenden Mitglieder im Beschluss war nicht erforderlich, zumal dies auch in Art.
103 Abs. 1 lit. b und d GG nicht verlangt wird.
2.4.
Nach Art. 21 der Verordnung zum Planungs- und Baugesetz (sGS 731.11; PBV) ist für
das Baugesuch das entsprechende Formular des Baudepartements zu verwenden. Das
unterzeichnete Gesuch muss die für die Beurteilung notwendigen Unterlagen wie
Situationsplan, Grundriss, Ansichten, Schnitte und Kanalisationspläne enthalten (Art. 21
Abs. 1 PBV). Die Bewilligungsbehörden sind berechtigt, weitere für die Beurteilung
erforderliche Unterlagen einzufordern (Art. 21 Abs. 2 PBV). Unvollständige Gesuche
werden zur Ergänzung oder Verbesserung zurückgewiesen (Art. 21 Abs. 3 Satz 1 PBV).
Nach Art. 39 Abs. 1 des Baureglements der Gemeinde X._ vom 29. Juli 2015 (BauR)
hat das Baugesuch unter anderem zu enthalten: Eine Beschreibung des Bauvorhabens,
soweit die beabsichtigte Ausführung aus den Plänen nicht ersichtlich ist (lit. a), eine
Grundbuchplankopie mit Unterschrift des Nachführungsgeometers, mit eingetragenen
Massen des Baukörpers, der Strassen-, Grenz- und Gebäudeabstände (lit. c), Schnitt-
und Fassadenpläne im Massstab 1:100 oder 1:50 mit Angabe der Höhen, des
gewachsenen und gestalteten Terrains sowie des Niveaupunktes (lit. d) und eine
Terrain- und Umgebungsgestaltung im Massstab 1:100 oder 1:200 (lit. i). Sodann sind
nach Art. 39 Abs. 4 BauR bauliche Veränderungen durch Farben zu kennzeichnen. Für
bestehende Bauteile gilt die schwarze, für abzubrechende die gelbe und für neue die
rote Farbe.
2.4.1.
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Die Beschwerdeführer bestätigen ihren bereits im Rekursverfahren vorgetragenen
Einwand, dass zum Projektänderungsgesuch kein Baugesuchsformular G1 vorliege.
Die Erteilung einer Baubewilligung für Veränderungen, für welche kein
Baugesuchsformular eingereicht worden sei, verstosse gegen Art. 21 PBV und Art. 39
BauR. Im Weiteren datiere der von der Beschwerdebeteiligten am 17. Februar 2020
eingereichte Grundbuchplan vom 13. Oktober 2012. Auf dem Planausschnitt sei das
Einfamilienhaus der Beschwerdeführer nicht einmal eingetragen. Im Weiteren verstosse
die Baubewilligungserteilung für Veränderungen, für welche ein Grundbuchplan mit
Unterschrift des Nachführungsgeometers vorliege und auf welchem die
vorgeschriebenen, nachvollziehbaren Vermassungen fehlen würden, gegen Art. 21 PBV
und Art. 39 BauR. Sodann gebe es einen "Baueingabeplan Projektänderung".
Allerdings datiere dieser Plan vom 9. Oktober 2012. Zudem gehe aus dem Plan nicht
hervor, inwiefern eine Projektänderung vorliege. Schliesslich sei nicht erkennbar,
inwiefern Teile des Baugesuchs wegfallen würden (gelbe Farbe; Art. 39 Abs. 4 BauR)
und durch welche neuen Bauteile (rote Farbe) ersetzt würden (act. G 5 S. 11-14).
Die Vorinstanz hatte im angefochtenen Entscheid festgehalten, mit Baugesuchformular
vom 7. April 2019 hätten die Beschwerdegegner einen Situationsplan 1:200,
Ansichtspläne 1:100 der Südostfassade, Nordostfassade und Südwestfassade sowie
einen Umgebungsplan 1:200 eingereicht. Für das Korrekturgesuch sei auf die
Einreichung eines erneuten Baugesuchformulars verzichtet und ein neuer
Situationsplan 1:500 sowie angepasste Umgebungs- und Ansichtspläne erstellt
worden. Mit diesen Unterlagen sei eine Überprüfung der baupolizeilichen Regeln ohne
Weiteres möglich gewesen. Da die Projektänderung im Vergleich zum ursprünglichen
Projekt von untergeordneter Art gewesen sei, habe auf das nochmalige Ausfüllen des
offiziellen Formulars verzichtet werden können, zumal dies einem formalistischen
Leerlauf gleichgekommen wäre. Ebenso sei nicht zu beanstanden, dass der in Rekurs 2
eingereichte Grundbuch- bzw. Situationsplan von 2012 stamme und das EFH der
Beschwerdeführer darauf nicht eingezeichnet sei, zumal die Grenzen seither nicht
verändert worden seien und mit dem ursprünglichen Baugesuch ein aktueller
Situationsplan eingereicht worden sei. Weiter gehe aus den Plänen hervor, dass die
geplante Vorrichtung im Abstand von 3 m zur Grenze erstellt werde. Sowohl für das
Baugesuch als auch das Korrekturgesuch lägen die Fassadenpläne vor. Die Pläne
würden für die Beurteilung der Einhaltung der baupolizeilichen Vorschriften ausreichen.
Die baureglementarischen Vorgaben stellten Ordnungsvorschriften dar, welche gerade
für kleine und untergeordnete Bauvorhaben eingeschränkt werden könnten. Nicht
2.4.2.
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nachvollziehbar sei der Einwand, die Projektänderung gehe nicht aus den Unterlagen
hervor bzw. es sei unklar, worin diese bestehe. Die Änderung gemäss Korrekturgesuch
sei in den entsprechenden Plänen zwar farblich nicht klar erkennbar. Allerdings sei die
Einreichung des Korrekturgesuchs nach Rücksprache der Vorinstanz mit dem Vertreter
der Beschwerdeführer (Schreiben vom 29. November 2019) erfolgt, und dieser sei
sodann von der Beschwerdebeteiligten laufend über Umfang und Gegenstand der
Projektänderung informiert worden (Schreiben der Beschwerdebeteiligten vom
22. Januar 2020). Vor diesem Hintergrund sei der Einwand der Beschwerdeführer
unbegründet (act. G 2 S. 10 f.).
Die Vorinstanz setzte sich mit den formellen Beanstandungen des Korrekturgesuchs
durch die Beschwerdeführer eingehend und überzeugend auseinander. Wesentlich ist,
dass anhand der Pläne die Beurteilung der Einhaltung der baupolizeilichen Vorschriften
hinsichtlich der Sitzplatzüberdachung und der geringfügigen Anpassung der
Überdachung gemäss Korrekturgesuch möglich war. Sodann ist von Bedeutung, dass
die Beschwerdebeteiligte nach Art. 39 Abs. 6 BauR für kleine und zugleich
unbedeutende Bauvorhaben – und um ein solches handelt es sich bei dem in Frage
stehenden Korrekturgesuch - die einzureichenden Unterlagen beschränken kann. Dass
die Beschwerdebeteiligte letzteres im Fall des Korrekturgesuchs so gehandhabt hat,
stellt keine Rechtsverletzung bzw. keine unzulässige Ermessensausübung dar und lässt
sich dementsprechend auch nicht mit Erfolg beanstanden. Ein Anlass für das
Verwaltungsgericht, hier korrigierend einzugreifen und den vorinstanzlichen Entscheid
aus formellen Gründen aufzuheben, ist demnach nicht ersichtlich.
2.5.
Art. 7 Abs. 1 VRP bestimmt, dass Behördenmitglieder sowie öffentliche Angestellte und
amtlich bestellte Sachverständige von sich aus in den Ausstand zu treten haben, wenn
sie oder eine ihnen nahestehende Person an der Angelegenheit persönlich beteiligt
sind (lit. a), wenn sie Vertreter, Beauftragte, Angestellte oder Organe einer an der
Angelegenheit beteiligten Person sind oder in der Sache Auftrag erteilt haben (lit. b)
oder wenn sie "aus anderen Gründen" befangen erscheinen (lit. c). Es genügt, dass das
betroffene Mitglied befangen sein könnte oder befangen erscheint. Ein ausschliesslich
persönliches Empfinden einer Partei reicht dafür jedoch nicht aus. Vernünftige Gründe
müssen das Misstrauen in die Unabhängigkeit und Unparteilichkeit objektiv
rechtfertigen. Im Weiteren ist von Befangenheit auszugehen, wenn Personen im Sinn
von Art. 7 Abs. 1 VRP bei einer Anordnung einer Vorinstanz mitgewirkt haben (Art. 7
2.5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/19
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Abs. 1 lit. b VRP; vgl. dazu C. Reiter, in: Rizvi/Schindler/Cavelti a.a.O., N. 20-23 zu
Art. 7-7 VRP mit Hinweisen; VerwGE B 2020/59 vom 19. Januar 2021 E. 2.2).
Die Garantie einer durch Gesetz geschaffenen, zuständigen, unabhängigen und
unparteiischen Rechtsmittelinstanz ergibt sich aus Art. 30 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1
EMRK und Art. 14 Abs. 1 UNO-Pakt II; für Verwaltungsbehörden ergibt sie sich
demgegenüber aus Art. 29 Abs. 1 BV. Nach Art. 29 Abs. 1 BV hat jede Person auch in
Verfahren vor Verwaltungsinstanzen Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung.
Es gilt das Gebot des fairen Verfahrens (BGE 139 I 124 E.4.2.1 mit Hinweis auf BGE
133 I 4 E. 5.3.1). Die Grundsätze der richterlichen Unabhängigkeit können indes nicht
unbesehen auf nichtrichterliche Behörden bzw. auf Art. 29 Abs. 1 BV übertragen
werden (BGE 127 I 198 E. 2b mit Hinweisen). Verwaltungsbehörden sind nicht nur zur
neutralen Rechtsanwendung berufen, sie haben auch öffentliche Aufgaben zu erfüllen.
Von daher können sie nicht im eigentlichen Sinn als unparteilich bezeichnet werden
(vgl. Kölz/Häner/Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des
Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 432 mit Hinweisen). Im verwaltungsinternen Verfahren bejaht
das Bundesgericht eine diesbezügliche Ausstandspflicht in der Regel nur dann, wenn
das betreffende Behördenmitglied oder der Beamte ein persönliches Interesse an dem
zu behandelnden Geschäft hat. Im Zusammenhang mit Vorabklärungen bei
Verwaltungsbehörden, für die bei komplexen Sach- und Rechtsfragen ein Bedürfnis
bestehen kann, dürfen die Äusserungen der Behörde aber nicht den Eindruck
erwecken, diese habe sich bereits ihre Meinung in Bezug auf ein konkretes Vorhaben
gebildet. Äusserungen dürfen nicht einer abschliessenden Beurteilung gleichkommen
(BGer 1C_150/2009 vom 8. September 2009, in: ZBl 2011 S. 478 ff. E. 3.5.2). In jedem
Fall ist eine Beurteilung aller konkreten Umstände nötig. Massgebend sind sowohl die
behördliche Organisation als auch die Funktionen, welche die Betreffenden
wahrzunehmen haben, sowie ihre Stellung im konkreten Verfahren (Kölz/Häner/
Bertschi, a.a.O., Rz. 431 mit Hinweisen). Eine Ausstandspflicht besteht nach der
verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung in Fällen wie dem vorliegenden nur dann,
wenn die Person selbst Partei des Verfahrens ist oder ein persönliches Interesse am
Verfahrensgegenstand hat und insoweit in "eigener Sache" entscheidet. Bei Wahrung
öffentlicher Interessen besteht grundsätzlich keine Ausstandspflicht (VerwGE B
2020/16 vom 29. Juli 2020 E. 2.3 mit Hinweisen; BGer 1P.96/2007 vom 26. März 2008
E. 5.4).
bis
bis
Die Beschwerdeführer bestätigen ihren im vorinstanzlichen Verfahren vertretenen
2.5.2.
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Standpunkt, dass eine Befangenheit der Mitglieder der kommunalen Baukommission
vorliege, indem die Baukommission nicht über ein Baugesuch eines
Baukommissionsmitgliedes entscheiden dürfe. In einem solchen Sonderfall genüge es
nicht, dass "nur" das einzelne Kommissionsmitglied (der Beschwerdegegner) in den
Ausstand trete. Die weiteren drei Kommissionsmitglieder könnten nicht unbefangen
über das Baugesuch des in den Ausstand getretenen Kommissionsmitglieds
entscheiden. Der Sekretär der Baukommission habe bei Eingang des Baugesuchs
ungenügende und widersprüchliche Unterlagen zugelassen. Die gesetzlich
vorgeschriebene Eingangsprüfung habe er nicht vorgenommen. Sodann habe er
gestützt auf die ungenügenden Unterlagen den Bauentscheid vorbereitet (act. G 5 S.
9-11). Die Vorinstanz hatte im angefochtenen Entscheid festgehalten, die Mitglieder der
Baukommission der Beschwerdebeteiligten würden keine persönlichen, sondern
ausschliesslich öffentliche Interessen wahrnehmen. Auch wenn es zutreffe, dass die
Baukommission bzw. Bauverwaltung beim ersten Baugesuch die privatrechtliche
Einsprache übersehen und danach das in den Grenzabstand ragende Vordach bewilligt
habe, könne daraus kein Anschein der Befangenheit abgeleitet werden, zumal formelle
Versehen erfahrungsgemäss vorkommen würden und eine materielle Beurteilung mit
einer gewissen Unsicherheit verbunden sei. Von einer Bevorzugung der
Beschwerdegegner könne keine Rede sein, zumal die geplante Sitzplatzüberdachung
mit Korrekturgesuch bewilligt werden könne. Nicht ersichtlich sei, inwiefern
ungenügende Pläne bewilligt worden sein sollten. Im Übrigen seien die
Beschwerdegegner nicht verpflichtet gewesen, sich im Rekursverfahren zu äussern.
Eine Anerkennung der Anträge der Beschwerdeführer könne daraus nicht abgeleitet
werden. Es lägen keine objektiven Gründe für eine Befangenheit von Mitgliedern der
Baukommission vor (act. G 2 S. 11-13).
Die vorinstanzlichen Darlegungen stehen im Einklang mit der vorstehend in E. 2.5.1
geschilderten Lehre und Rechtsprechung und sind nachvollziehbar begründet. Ein
persönliches Interesse von Mitgliedern der Baukommission der Beschwerdebeteiligten
am Verfahrensgegenstand ist weder behauptet noch rechtsgenüglich aus den Akten
ersichtlich. Es lässt sich auch nicht beanstanden, dass die Vorinstanz aus dem
Umstand, wonach im ersten Rekursverfahren die privatrechtliche Einsprache
übersehen worden war, keinen Ausstandsgrund ableitete. Selbst wenn es zuträfe, dass
bei Eingang des Baugesuchs eine Eingangsprüfung unzureichend vorgenommen und
der erste Bauentscheid gestützt auf unzureichende Unterlagen gefällt worden wäre,
liesse sich aus solchen materiellen Gegebenheiten allein noch kein Ausstandsgrund
ableiten.
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3.
Gemäss Art. 23 Abs. 1 BauR gelten Bauten mit höchstens 3 m Gebäude- und 5 m
Firsthöhe sowie 50 m Gebäudegrundfläche als Anbauten im Sinne des Reglementes,
wenn sie ein Bauteil des Hauptgebäudes sind; Bauten, die baulich mit dem
Hauptgebäude nicht verbunden sind, gelten demgegenüber als Nebenbauten. Für
unbewohnte An- und Nebenbauten genügt ein verminderter Grenzabstand von 3 m
(Art. 23 Abs. 2 lit. b BauR). Als Vorbauten wiederum gelten freitragende Bauteile wie
Erker, Balkone und Vordächer. Feingliedrige, dreiseitig offene Konstruktionen dürfen
auch abgestützt werden. Vorbauten dürfen nicht mehr als 2 m über die
Gebäudefassade und höchstens auf einem Drittel der Fassadenlänge mit maximal
1,5 m über den baugesetzlichen Gewässer- und Waldabstand, über die
Strassenbaulinie oder in den Grenzabstand hineinragen (Art. 24 Abs. 1 BauR).
Nach Art. 684 Abs. 1 ZGB ist jedermann verpflichtet, bei der Ausübung seines
Eigentums sich aller übermässigen Einwirkungen auf das Eigentum der Nachbarn zu
enthalten. Verboten sind insbesondere alle schädlichen und nach Lage und
Beschaffenheit der Grundstücke oder nach Ortsgebrauch nicht gerechtfertigten
Einwirkungen (Art. 684 Abs. 2 ZGB). Wenn das nach Lage, Beschaffenheit und
Ortsgebrauch gerechtfertigte und zu duldende Mass von Einschränkungen zu ermitteln
ist (Art. 684 Abs. 2 ZGB), können beim privatrechtlichen Immissionsschutz öffentlich-
rechtliche Vorschriften eine Rolle spielen (Bau- und Zonenvorschriften, Normen
betreffend Lärmschutz, Luftreinhaltung, Strahlung und Erschütterung). Die allgemeinen
Gebote der widerspruchsfreien und koordinierten Anwendung der Rechtsordnung
verlangen den sachgerechten Einbezug von und die möglichst weitgehende
Rücksichtnahme auf Normen anderer Rechtsgebiete zum gleichen Gegenstand. In
diesem Sinn haben die rechtsanwendenden Behörden auf eine Harmonisierung des
Immissionsschutzes hinzuwirken (VerwGE B 2011/137 vom 20. März 2012 E. 5 mit
Hinweis; www.gerichte.sg.ch). Wird das Vorliegen einer übermässigen Einwirkung im
Sinne von Art. 684 ZGB mit dem Argument verneint, das Bauvorhaben entspreche den
massgebenden öffentlich-rechtlichen Normen, und handelt es sich dabei um
Vorschriften, die im Rahmen einer detaillierten, den Zielen und Planungsgrundsätzen
des Raumplanungsrechts entsprechenden Bau- und Zonenordnung erlassen worden
sind, bedeutet dies in aller Regel keine Vereitelung von (zivilem) Bundesrecht (BGE 138
III 49 E. 4.4.2. mit Hinweis auf BGE 132 III 49 E. 2.2 und 129 III 161 [Die Praxis 7/2012
S. 515 f. E. 4.4.2.]).
3.1.
2
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3.2.
Materiell streitig ist vorliegend, ob die Sitzplatzüberdachung den Vorschriften des BauR
entspricht und ob aus der Nutzung der Sitzplatzüberdachung übermässige
Immissionen im Sinn von Art. 684 ZGB resultieren. Ohne diesbezüglich relevante
Einwände blieb demgegenüber die ebenfalls geplante Terrainanpassung sowie die
Umgebungsgestaltung.
Die Vorinstanz ging im Rekursentscheid beim vorliegend zu beurteilenden Projekt vom
Vorliegen einer Anbaute aus und legte dar, als unbewohnt würden solche Bauten
gelten, wenn ihre Nutzung nur einen vorübergehenden Aufenthalt von Menschen
erlaube. Dagegen würden Anbauten dann als bewohnt gelten, wenn sie Menschen
einen dauernden Aufenthalt ermöglichen würden. Ein unbeheizter, auf zwei Seiten
offener und überdachter Sitzplatz ermögliche keinen länger dauernden Aufenthalt. Der
Aufenthalt sei, von der Jahreszeit und der Witterung abhängig, zeitlich nur begrenzt
möglich. Auch wenn aufgrund der Überdachung damit zu rechnen sei, dass sich die
Beschwerdegegner künftig vermehrt auf dem Sitzplatz aufhalten würden, könne der
mehrheitlich offene und unbeheizte Aussenplatz nicht als bewohnte Anbaute
angesehen werden, zumal ein ungedeckter Sitzplatz mit vergleichbaren Auswirkungen
als Anlage gar bis an die Grenze reichen dürfe. Es sei dementsprechend von einer
unbewohnten Anbaute im Sinn von Art. 23 Abs. 2 lit. b BauR auszugehen, welche
gemäss den vermassten Situationsplänen den Grenzabstand von 3 m einhalte. Sodann
sei darauf hinzuweisen, dass es sich bei der fraglichen Überdachung auch nach
Ansicht der Beschwerdeführer um einen Teil einer Anbaute nach Art. 23 BauR handle,
weshalb das Dach nicht noch zusätzlich als Vorbaute im Sinn von Art. 24 BauR
angesehen werden könne. Die Frage des Vordachs habe sich in Rekurs 1 gestellt, weil
sich ein Teil der Dachkonstruktion im privilegierten Grenzabstand nach Art. 24 Abs. 1
BauR befunden habe. Aufgrund des Korrekturgesuchs sei dieser Teil allerdings nicht
mehr Gegenstand des Rekursverfahrens, weshalb eine Verletzung von Art. 24 BauR
nicht ersichtlich sei (act. G 2 S. 13 f.). Hinsichtlich der gerügten Verletzung von Art. 684
ZGB hielt die Vorinstanz fest, dem Bauvorhaben stünden keine öffentlich-rechtlichen
Vorschriften entgegen. Bei der Sitzplatznutzung handle es sich zudem um eine in
Wohnquartieren übliche Nutzung. Übermässige Einwirkungen entstünden beim
Aufenthalt von Personen und beim Grillieren üblicherweise nicht, zumal diese
Nutzungen auch näher an der Grenze erlaubt seien. Hinzu komme, dass zwischen dem
Sitzplatz und dem Wohnhaus der Beschwerdeführer auch noch ein Gemeindeweg
3.2.1.
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3. Klasse (Y._) sowie der asphaltierte Zugangsbereich zum Grundstück der
Beschwerdeführer verlaufe. Dadurch liege der geplante Sitzplatz rund 20 m von der
Südfassade mit Loggia der Beschwerdeführer entfernt. Die Beschwerdeführer brächten
darüber hinaus nichts vor, woraus auf übermässige Immissionen durch das
Bauvorhaben zu schliessen wäre (act. 2 S. 14).
Die Beschwerdeführer vertreten, wie bereits im Rekursverfahren, die Sichtweise, dass
der überdachte Sitzplatz der Wohnnutzung zuzurechnen sei. Die Grenzabstände sollten
für die Nachbarn einen gewissen Immissionsschutz sicherstellen. Räume, die von
Menschen oft genutzt würden, hätten einen Grenzabstand von 4 m einzuhalten. Wenn
Räume kaum oder selten genutzt würden, könne der Grenzabstand auf 3 m
herabgesetzt werden. In den Sommermonaten könne der überdachte Sitzplatz auch
ohne Heizung bis 23 Uhr genutzt werden, selbst wenn es regne. In dem von der
Beschwerdebeteiligten am 17. Februar 2020 offenbar bewilligten Baueingabeplan
1:200 sei der Grenzabstand nicht vermasst; er betrage ungefähr 2 m. Gemäss dem von
der Beschwerdebeteiligten genehmigten Situationsplan vom 13. Oktober 2012 (1:500)
solle das Vordach 4 bis 4.5 m über die Hauptfassade des Gebäudes hinausragen. Das
Vordach für die Sitzplatzüberdachung halte Art. 24 Abs. 1 BauR offenkundig nicht ein.
Art. 24 Abs. 1 BauR enthalte eine generelle Beschränkung der zulässigen Ausladung
des Vordachs. Die Sitzplatzüberdachung sei keine Anbaute, sondern eine blosse
"Überdachung" bzw. ein Vordach, welches maximal 2 m über die Hauptfassade
hinausragen dürfe. Sodann müssten sich die Beschwerdeführer im Sinn von Art. 684
ZGB nur jene Auswirkungen wie Lärm, Strahlung oder ideelle Immissionen
entgegenhalten lassen, die aufgrund einer Überbauung der Nachbargrundstücke
entstehe, welche die öffentlich-rechtlichen Regelbauvorschriften einhalte. Der acht
Jahre alte Situationsplan sei völlig überholt. Es fehle eine nachvollziehbare
Vermassung. Wenn nicht klar sei, was bewilligt worden sei, sei eine Beurteilung des
Bauvorhabens mit Art. 684 ZGB gar nicht durchführbar. Das Bauvorhaben halte
sodann auch Art. 9 BauR (Grenzabstand Wohnzone W2b) und Art. 24 BauR nicht ein.
Wenn aber eine öffentlich-rechtliche Vorschrift nicht eingehalten sei, liege auch eine
Verletzung des Schutzes der Beschwerdeführer vor übermässigen Einwirkungen nach
Art. 684 ZGB vor. Übermässig seien die Immissionen deshalb, weil letztere kleiner
wären, wenn der vorgeschriebene Grenzabstand eingehalten wäre bzw. das Vordach
nur eine zulässige Breite von 2 m aufweisen würde. Sodann habe die Vorinstanz den
Beschwerdeführern zwei Drittel der amtlichen Kosten auferlegt, obwohl sie im Rekurs 1
(betreffend den Entscheid der Beschwerdebeteiligten vom 12. August 2019) obsiegt
3.2.2.
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hätten, wenn darüber entschieden worden wäre. Dies sei willkürlich. Die Kosten für den
Rekurs 1 seien den Beschwerdegegnern aufzuerlegen. Anstelle einer Projektänderung
hätten die Beschwerdegegner einfach auch ein vollständig revidiertes Baugesuch
einreichen können. Das von ihnen gewählte komplizierte Vorgehen habe bei den
Beschwerdeführern zu unnötigen finanziellen Mehraufwendungen geführt, welche ihnen
nicht ersetzt worden seien. Zumindest sei jedoch zu verlangen, dass die
Beschwerdegegner die vollen amtlichen Kosten für den Rekus 1 zu tragen hätten, dies
weil sie es in der Hand gehabt hätten, dass kein Rekursentscheid betreffend den
Beschluss vom 12. August 2019 hätte gefällt werden müssen. Im Übrigen stehe die
Verteilung der amtlichen Kosten für das Rekursverfahren 1 auch nicht im Einklang mit
der Verlegung der ausseramtlichen Entschädigung, welche auf einem vollen Obsiegen
basiere (act. G 5 S. 15-21).
3.3.
Vorweg ist festzuhalten, dass aus den Projektplänen zum Korrekturgesuch (act. G
9.2/8) die Änderungen, die Masse der Sitzplatzüberdachung und der Grenzabstand
ersichtlich sind. Als Vorbauten gelten die in den Luftraum hinausragenden
Gebäudeteile (Erker, Balkone, Vordächer, Treppen usw.). Bei Anbauten handelt es sich
um an das Hauptgebäude angebaute, untergeordnete Bauten (B. Heer, St. Gallisches
Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 687 f.). Bei der projektierten
Sitzplatzüberdachung, welche eine Grundfläche von ca. 30 m , eine Gebäudehöhe von
2.9 m und eine Firsthöhe von 3.92 m aufweist (act. G 9.2/8), ist entgegen der
Auffassung der Beschwerdeführer (act. G 5 S. 17, G 22 S. 4) und mit der Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid (act. G 2 E. 8.2) von einer Anbaute im Sinn von Art. 23 Abs. 1
BauR und nicht von einer Vorbaute im Sinn von Art. 24 BauR auszugehen. Im
ursprünglichen Baugesuch - von der Beschwerdebeteiligten bewilligt am 12. August
2019 - ragte die Überdachung (Vordach) zwar in den privilegierten Grenzabstand nach
Art. 24 Abs. 1 BauR; dies ist jedoch im Korrekturgesuch (mit gekürztem
Dachvorsprung, so dass der Überdachungsrand zu Grundstück Nr. 0001_ nunmehr
mindestens einen Grenzabstand von 3 m aufweist) nicht mehr der Fall, weshalb Art. 24
BauR nicht (mehr) tangiert ist bzw. nicht (mehr) verletzt sein kann. Die diesbezüglich
von den Beschwerdeführern gerügte Gegebenheit wurde mithin im Korrekturgesuch
behoben. Die Verfügung vom 17. Februar 2020 vermerkt dabei explizit, dass die
vorerwähnten Projektpläne die Pläne zur Baubewilligung vom 12. August 2019 nur
bezüglich der Projektänderung (Kürzung Dachvorsprung) ersetzen (act. G 9.2/12 S. 3).
3.3.1.
2
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Sodann ist mit den Vorinstanzen festzuhalten, dass die auf zwei Seiten offene,
unbeheizte Sitzplatzüberdachung augenscheinlich nicht dauernd bewohnbar ist,
sondern lediglich einem vorübergehenden, von der Witterung und der Tageszeit
abhängigen Aufenthalt dient. Sie stellt damit eine unbewohnte Anbaute im Sinn von Art.
23 Abs. 2 lit. b BauR dar. Im Weiteren ist bei der Abgrenzung zwischen zulässiger und
unzulässiger (d.h. übermässiger) Immission bzw. der Klärung der Frage, ob die
Nutzung des überdachten Sitzplatzes für das Grundstück der Beschwerdeführer
übermässige Immissionen im Sinn von Art. 684 ZGB zur Folge hat, die Intensität der
daraus resultierenden Einwirkungen massgebend. Die Intensität wiederum beurteilt
sich nach objektiven Kriterien, wobei der Massstab des Empfindens eines
Durchschnittsmenschen in der gleichen Situation zugrunde zu legen ist (vgl. VerwGE B
2017/17 vom 28. Juni 2018 E. 3.3.1 m.H.). Die Beschwerdeführer begründen die
Verletzung von Art. 684 ZGB im Wesentlichen mit Hinweis auf den geringen
Grenzabstand von 3 m und verlangen die Einhaltung eines Grenzabstandes von 4 m,
da die Anbaute bewohnbar sei (vgl. act. G 5 S. 18 f.). Allein hieraus lässt sich indes eine
(übermässige) Einwirkung auf ihr Grundstück durch die Sitzplatznutzung nicht
begründen, zumal das Bauvorhaben wie dargelegt die öffentlich-rechtlichen
Vorschriften einhält. Übermässige Einwirkungen sind auch aus den weiteren
Umständen nicht erkennbar. Damit ist der Schluss der Vorinstanz, wonach keine
übermässigen Immissionen im Sinn von Art. 684 ZGB vorliegen, indem die Anlage die
baurechtlichen Vorschriften erfüllt und das allgemein hinzunehmende Mass an
allfälligem Unbehagen aufgrund der Nutzung des überdachten Sitzplatzes auf der
Nachbarliegenschaft nicht überschritten wird, nicht zu beanstanden.
Was das von den Beschwerdeführern als kompliziert beanstandete (act. G 5 S. 20)
Vorgehen der Behebung von allfälligen Baurechtswidrigkeiten anhand eines
Korrekturgesuchs betrifft, ist anzumerken, dass es sich dabei um ein von der
Rechtsprechung anerkanntes Vorgehen handelt, welches die verfahrensökonomische
Korrektur von Mängeln im ursprünglichen Gesuch während eines laufenden Verfahrens
ermöglicht (vgl. statt vieler VerwGE B 2014/48 vom 28. Juli 2015 E. 2.2.1). Der
angefochtene Entscheid berücksichtigte die Tatsache, dass der Rekurs 1 (vgl. act. G
9.2/1 und 5) in Teilpunkten berechtigterweise erhoben worden war, mit der anteiligen
Auferlegung von zwei Dritteln der amtlichen Kosten und der Zusprechung einer
(ungekürzten) ausseramtlichen Entschädigung an die Beschwerdeführer. Für das
Verwaltungsgericht besteht insofern Anlass, die von den Beschwerdeführern als
willkürlich gerügte Auferlegung von zwei Dritteln der amtlichen Kosten abzuändern, als
3.3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/19
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4.
die Beschwerdeführer für das Rekursverfahren 1 zufolge (vollen) Obsiegens zu Recht
eine ungekürzte ausseramtliche Entschädigung erhielten und ihnen daher
konsequenterweise auch keine amtlichen Kosten für dasselbe Verfahren hätten
auferlegt werden dürfen. Dispositivziffer 2a und 2b des vorinstanzlichen Entscheids ist
daher insofern abzuändern, als die Beschwerdegegner in Rekurs 1 die volle
Entscheidgebühr von CHF 1'800 zu bezahlen haben. Den Beschwerdeführern ist der
für den Rekurs 1 geleistete Kostenvorschuss dementsprechend vollumfänglich
zurückzuerstatten
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde in dem Sinn teilweise
gutzuheissen, als die Dispositivziffern 2a und 2b des Rekursentscheids vom 9. Juni
2020 aufzuheben und die amtlichen Kosten für den Rekurs 1 von CHF 1'800 den
Beschwerdegegnern aufzuerlegen sind. Den Beschwerdeführern ist der für den
Rekurs 1 geleistete Kostenvorschuss von CHF 1'800 zurückzuerstatten. Im Übrigen ist
die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Eine Entscheidgebühr für
das Beschwerdeverfahren von CHF 3'750 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Dem Verfahrensausgang entsprechend sind
die amtlichen Kosten des Verfahrens zu vier Fünfteln (CHF 3'000) von den
Beschwerdeführern und zu einem Fünftel (CHF 750) von der Vorinstanz zu bezahlen
(Art. 95 Abs. 1 VRP). Der Anteil der Beschwerdeführer ist mit dem von ihnen geleisteten
Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen. Auf die Erhebung des von der
Vorinstanz geschuldeten Anteils wird verzichtet (Art. 95 Abs. 3 VRP).
4.1.
Die Vorinstanz und die Beschwerdebeteiligte haben keinen Anspruch auf
ausseramtliche Entschädigung (Art. 98 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 98 VRP;
Linder, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], a.a.O., N. 20 zu Art. 98 VRP); beide stellten
auch keinen Antrag. Zufolge ihres lediglich geringfügigen (nicht mehrheitlichen)
Obsiegens haben die Beschwerdeführer keinen Anspruch auf ausseramtliche
Entschädigung. Demgegenüber sind die obsiegenden Beschwerdegegner für das
Beschwerdeverfahren ausseramtlich zu entschädigen. Das Verwaltungsgericht spricht
bei Fehlen einer Kostennote praxisgemäss Pauschalentschädigungen nach Ermessen
gemäss Art. 6, 19 und Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung zu (sGS 963.75, HonO).
Mit Blick auf vergleichbare Verfahren und unter Berücksichtigung der konkreten
Verhältnisse ist vorliegend eine Entschädigung der Beschwerdegegner für das
Beschwerdeverfahren mit CHF 3‘500 zuzüglich 4% Barauslagen (= CHF 140),
4.2.
bis
bis
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