Decision ID: a7878460-1c2d-45d5-addf-0fc4a26b3b7f
Year: 2016
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

rechtserheblichen Sachverhaltes, eine rechtsungleiche Behandlung
gegenüber Nachbarn in O.1._ und eine unrichtige Rechtsanwendung
geltend.
9. Mit prozessleitender Verfügung vom 22. Mai 2015 erkannte der
Instruktionsrichter antragsgemäss der Beschwerde die aufschiebende
Wirkung zu.
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10. Die Gemeinde O.1._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin) beantragte
in ihrer Vernehmlassung vom 18. Juni 2015 die Abweisung der
Beschwerde. Begründend führte sie aus, dass die Beschwerdeführerin
zum Unterland nach wie vor die klar stärkeren Beziehungen als zu
O.1._ unterhalte. Sie wohne und arbeite seit vielen Jahren dort und
auch ihre beiden Söhne, ihr Lebenspartner und mehrere enge Freunde
wohnten in der Nähe ihres Arbeitsortes. In O.1._ habe sie zwar ihre
ersten Lebensjahre verbracht und kenne auch noch viele Einheimische,
dies könne sie jedoch unter Berücksichtigung der Gesamtumstände nicht
dazu berechtigen, in ihrer Freizeit eine nutzungspflichtige Erstwohnung zu
bewohnen. Im Hinblick auf die neue Zweitwohnungsgesetzgebung sei es
wichtig, Umgehungen zu verhindern und darum sei bei der Bestimmung
des Wohnsitzes eine strenge Praxis anzuwenden.
11. Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Replik vom 27. August 2015
geltend, dass sie diverse weitere Vorkehrungen getroffen habe, um ihren
Lebensmittelpunkt noch stärker nach O.1._ zu verlegen. Die
Teilzeitstelle in O.8._ bekleide sie nur, da sie keine vergleichbare
Stelle im Kanton Graubünden gefunden habe. Die Wohnung sei aus
Praktikabilitätsgründen gemietet und in der Regel nur von Montagabend
bis Donnerstagmorgen bewohnt. Bei ihrem Lebenspartner halte sie sich
nachweislich nur selten auf und ihren Sohn würde sie in dessen Wohnung
nur sporadisch besuchen. Basierend auf den zusätzlich eingereichten
Aufzeichnungen sei ersichtlich, dass sie sich regelmässig von
Donnerstagabend bis Montagmorgen in O.1._ aufhalte und auch die
gemeinsamen Aktivitäten mit ihrem Lebenspartner fast ausschliesslich
dort stattfänden. Es wurden zudem zwei Editionsbegehren an die
Beschwerdegegnerin gestellt (Nicht in Kraft getretener Verfügungsentwurf
vom Februar 2015 und Mietvertrag).
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12. In ihrer Duplik vom 7. Oktober 2015 hält die Beschwerdegegnerin an
ihren Anträgen fest. Zudem sei der massgebliche Sachverhalt derjenige
zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung. Allenfalls sei das
Verfahren an die erstinstanzlich zuständige Verwaltungsbehörde
zurückzuweisen. Zusätzlich zeigte sie auf, dass durchaus mehrere
interessante Stellen als medizinische Praxisassistentin (MPA) in
zumutbarer Distanz zu O.1._ ausgeschrieben seien.
Auf die weiteren Vorbringen und Argumente der Parteien wird, soweit
erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. a) Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist die
Feststellungsverfügung der Beschwerdegegnerin vom 30. März, mitgeteilt
am 7. April 2015. Darin stellte der Gemeindevorstand fest, dass sich der
Wohnsitz von A._ nach wie vor in O.6._, jedenfalls aber nicht in
O.1._ befinde und die Voraussetzungen für eine Wohnsitznahme zur
Zeit nicht erfüllt seien. Zudem werde ihr die Nutzung der Wohnung
untersagt und eine Busse von Fr. 2'000.-- ausgesprochen. Das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ist aufgrund von Art. 49
Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100) zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde sachlich und
örtlich zuständig. Als Adressat der angefochtenen Verfügung ist die
Beschwerdeführerin gemäss Art. 50 VRG zweifelsohne zur
Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde vom 7. Mai 2015 ist folglich einzutreten.
b) Gemäss Art. 51 Abs. 3 VRG sind im Beschwerdeverfahren neue
Tatsachenbehauptungen und Beweisanträge zulässig. Da die Vorinstanz
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kein Gericht war, muss auch das Verwaltungsgericht auf die tatsächlichen
Verhältnisse im Zeitpunkt des eigenen Entscheids abstellen (Urteil des
Verwaltungsgerichts Zürich VB.2011.00066 vom 29 Juni 2011 E.3.1 und
DONATSCH, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons
Zürich, 3. Aufl., Zürich 2014, N. 4-6 zu §20a und N. 8 zu § 52).
2. a) Strittig und nachfolgend zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu
Recht den Wohnsitz der Beschwerdeführerin in O.1._ verneint hat.
b) Gemäss der in Art. 24 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) garantierten Niederlassungsfreiheit hat
jeder Schweizer Bürger das Recht, sich an jedem Ort der Schweiz im
Sinne der Wohnsitznahme niederzulassen, wobei auch der bloss
vorübergehende Aufenthalt gewährleistet ist. Gemäss Art. 3 lit. a des
Bundesgesetzes über die Harmonisierung der Einwohnerregister und
anderer amtlicher Personenregister (RHG; SR 431.02) und Art. 3 lit. a des
kantonalen Gesetzes über die Einwohnerregister (ERG; BR. 171.200) ist
die Niederlassungsgemeinde die Gemeinde, in der sich eine Person in
der Absicht dauernden Verbleibens aufhält, um dort den Mittelpunkt ihres
Lebens zu begründen, welcher für Dritte erkennbar sein muss. Gemäss
Art. 12 ERG befindet sich der Wohnsitz in der Niederlassungsgemeinde
(Hauptwohnsitz, Niederlassung), wobei eine Person neben der
Niederlassungsgemeinde eine oder mehrere Aufenthaltsgemeinden
haben kann (Nebenwohnsitz, Aufenthalt). Wer sich in einer Gemeinde
zwecks Niederlassung anmeldet, hat sich bei der Gemeinde anzumelden
(Art. 13 Abs. 1 ERG) und den Heimatschein zu hinterlegen (Art. 17 Abs. 1
ERG). Wer aus einer Gemeinde wegzieht, hat sich bei der betreffenden
Gemeinde abzumelden (Art. 13 Abs. 3 ERG) und Anspruch auf Erstattung
der hinterlegten Schriften (Art. 17 Abs. 3 ERG). Die Beschwerdegegnerin
hat durch die Verpflichtung der Beschwerdeführerin, ihre
nutzungspflichtige Erstwohnung gegen angemessenes Entgelt
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Ortsansässigen zur Verfügung zu stellen, Art. 45 BV dann verletzt, wenn
die Beschwerdeführerin sich mit der Absicht dauernden Verbleibens in
O.1._ aufhält und nicht bereits in O.6._ resp. O.8._
Wohnsitz begründet hat. Da sich der verwaltungsrechtliche
Wohnsitzbegriff (Niederlassung) mit dem zivilrechtlichen Begriff des
Wohnsitzes deckt (vgl. PVG 1989 Nr. 3 E.1), ist im Folgenden also zu
prüfen, wo sich der zivilrechtliche Wohnsitz der Beschwerdeführerin
befindet.
c) Der zivilrechtliche Wohnsitz befindet sich gemäss Art. 23 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB; SR 210) in der Regel an dem
Ort, an dem sich die betreffende Person mit der Absicht dauernden
Verbleibens aufhält (Abs. 1), wobei niemand an mehreren Orten
gleichzeitig seinen Wohnsitz haben kann (Abs. 2). Gemäss Art. 24 Abs. 1
ZGB bleibt der einmal begründete Wohnsitz einer Person bis zum Erwerb
eines neuen Wohnsitzes bestehen. Ist ein früher begründeter Wohnsitz
nicht nachweisbar oder ist ein im Ausland begründeter Wohnsitz
aufgeben und in der Schweiz kein neuer begründet worden, so gilt der
Aufenthalt als Wohnsitz (Art. 24 Abs. 2 ZGB). Der Aufenthalt bildet das
erste Wohnsitzbegriffselement gemäss Art. 23 ZGB. Aufenthalt im
Rechtssinne ist gegeben, wenn eine Person am betreffenden Ort
bewohnbare Räume benutzt (vgl. BGE 96 I 145 E.4c; RIEMER,
Personenrecht des ZGB, Studienbuch und Bundesgerichtspraxis, 2. Aufl.,
Bern 2002, § 10 Rz. 183). Mit dem zweiten Begriffselement des
Wohnsitzes – der Absicht des dauernden Verbleibens – sollen bloss
vorübergehende Aufenthaltsorte (wie z.B. der Ferienort) als Wohnsitz
ausgeschlossen werden. "Dauernd" bedeutet in diesem Zusammenhang
"bis auf weiteres" und nicht "für immer" oder "lebenslänglich". Die Absicht,
einen Ort später wieder zu verlassen, schliesst die Wohnsitzbegründung
nicht aus (vgl. BRÜCKNER, Das Personenrecht des ZGB, Zürich 2000,
Rz. 328). Eine Person hat dort ihren Wohnsitz, wo sich faktisch der
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Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen befindet. Dieser Mittelpunkt bestimmt
sich nach der Gesamtheit der objektiven, äusseren Umstände, aus denen
sich diese Interessen erkennen lassen und nicht nach den bloss erklärten
Wünschen der Person. Der Wohnsitz – sei es der zivilrechtliche oder der
steuerrechtliche – ist nicht frei wählbar. Eine bloss affektive Bevorzugung
des einen oder anderen Ortes fällt nicht ins Gewicht (vgl. BGE 132 I 29
E.4.1, 125 I 54 E.2, 123 I 289 E.2a und b). Bei der Bestimmung des
Wohnsitzes ist u.a. der regelmässige Gebrauch von Räumlichkeiten zur
Verbringung des Privatlebens entscheidend. Weiter kann die Hinterlegung
der Ausweisschriften, die Bezahlung der Steuern und die Ausübung der
politischen Rechte als Indiz bei der Prüfung der Frage, wo eine Person
ihren Lebensmittelpunkt hat, neben anderen Umständen in Betracht
gezogen werden. Hält sich eine Person abwechslungsweise an mehreren
Orten auf, ist darauf abzustellen, zu welchem Ort sie gesamthaft die
stärkeren, engeren, intensiveren und überwiegenderen Beziehungen
pflegt und unterhält (vgl. BGE 132 I 29 E.4.2, 125 I 54 E.2a, 123 I 289
E.2b; PVG 1999 Nr. 33, 1996 Nr. 2, 1993 Nr. 54, 1991 Nr. 57, 1990
Nr. 4). Bei Personen mit Familie gilt als Lebensmittelpunkt i.d.R. der
Aufenthaltsort der Familie (Ehepartner mit oder ohne Kinder) und nicht
der Arbeitsort, sofern diese nicht in einer leitenden Stellung tätig sind. Bei
Personen ohne Familie wird für die Ermittlung des Lebensmittelpunktes
eher auf die beruflichen und gesellschaftlichen Beziehungen abgestellt.
Bei unselbständig erwerbenden Personen ist das gewöhnlich der Ort, wo
sie für längere oder unbestimmte Zeit Aufenthalt nehmen, um von dort
aus der täglichen Arbeit nachzugehen, ist doch der Zweck des
Lebensunterhalts dauernder Natur. Bei Personen ohne intensive Kontakte
zu nahen Familienangehörigen sind kaum Ausnahmen vom
Lebensmittelpunkt am Arbeitsort anzunehmen (vgl. zum Ganzen: BGE
132 I 29 E.4.2, 125 I 54 E.2b und 3a, 123 I 289 E.2a und b, 101 Ia 557
E.4a, 97 II 1 E.3 und 4; Urteil des Bundesgerichts vom 20. September
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1997, in: Praxis 87 [1998] Nr. 4 E.2c; RIEMER, a.a.O., § 10 Rz. 184 ff.;
BRÜCKNER, a.a.O., Rz. 321 ff.).
3. a) Im Folgenden ist auf die einzelnen objektiven, äusseren Umstände
einzugehen, aus denen sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen der
Beschwerdeführerin erkennen lässt. Insbesondere ist die Rüge der
Beschwerdeführerin abzuhandeln, dass es die Beschwerdegegnerin
unterlassen habe, die Kriterien für den Lebensmittelpunkt in der
Gemeinde selbst abzuklären. Die von der Beschwerdeführerin
angebotenen Beweise (insb. Tagesliste) seien gar nicht oder nur
oberflächlich gewürdigt worden und es hätten keine zusätzlichen
Abklärungen stattgefunden, ob und wie die Beschwerdeführerin in
O.1._ lebe. Weder Geschäfte, Nachbarn oder die Wohnung selbst
seien herangezogen worden. Vielmehr habe sich die
Beschwerdegegnerin darauf beschränkt, bei den Einwohner5,5diensten in
O.6._ in Erfahrung zu bringen, dass der Sohn der
Beschwerdeführerin noch in der alten 4.5-Zimmer Wohnung wohne und
daraus abgeleitet, dass das Zimmer in O.7._ nur pro forma
angemietet worden sei.
b) In Frage stehen zwei mögliche Wohnsitze der Beschwerdeführerin,
nämlich O.1._ oder O.8._,. Ab Oktober 2014 machte die
Beschwerdeführerin geltend, sie habe ihren Lebensmittelpunkt in
O.1._ und meldete sich dort an. Zudem wurden Tageslisten über
ihren Aufenthaltsort eingereicht, welche folgendes Bild zeigen: Im Monat
Oktober 2014 hielt sich die Beschwerdeführerin an 15 Tagen in
O.1._ und an 11 Tagen in O.7._ auf. Im November war das
Verhältnis 8 Tage (O.1._) zu 3 Tagen (O.6._), im Dezember 19
(O.1._) zu 5 (O.6._) Tagen. Im Januar 2015 war sie 22 Tage in
O.1._ und 7 Tage in 0.6._. Im Februar war sie 25 Tage in
O.1._ und 3 in O.6._. Im März war das Verhältnis 19
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(O.1._) zu 9 (O.6._) Tagen und im April 19 (O.1._) zu 10
(O.6._) Tagen. Mit Antritt einer Stelle als MPA im Pensum zu 70 %
ab dem 4. Mai 2015 und dem Bezug eines Zimmers in O.8._ zur
Miete (Fr. 500.-- Mietzins gem. beschwerdeführerischen Akten [Bf-act.]
14) macht die Beschwerdeführerin den Wochenaufenthalter Status
geltend. Die Tagesliste zeigt daraufhin folgende Situation. Im Mai
verbrachte sie 18 Tage in O.1._ und 13 Tage in O.8._, im Juni
11 Tage in O.1._, 16 Tage in O.8._ und einen Tag in
O.6._. Im Juli 14 Tage in O.1._, 10 Tage in O.8._ und
einen Tag in O.6._ und im August 2015 9 Tage in O.1._ und 12
Tage in O.8._. Aus den eingelegten Akten lässt sich ableiten, dass
die Beschwerdeführerin an ihrem Arbeitsort nur über eine äusserst
bescheiden möblierte 1-Zimmer Wohnung verfügt, erst kürzlich dorthin
gezogen ist und von Donnerstag bis Montag (3-4 Tage) nach O.1._
fährt. Aus den Tageslisten der Beschwerdeführerin geht hervor, dass mit
der Kündigung der alten Arbeitsstelle der durch die Trennung von ihrem
Ehemann und der Volljährigkeit ihrer Söhne initiierte Prozess der
Loslösung vom bestehenden Umfeld beschleunigt wurde, indem die
Beschwerdeführerin in der Zeit in welcher sie keiner Arbeit nachging
überwiegend in O.1._ aufhielt. Auch mit Beginn der neuen Stelle
(70 %) in O.8._, ist es der Beschwerdeführerin aufgrund ihres
reduzierten Arbeitspensums durchaus möglich ihre Zeit überwiegend in
O.1._ zu verbringen. Aus den Tageslisten ist zudem ersichtlich, dass
sich die Beschwerdeführerin an mehreren Orten im Unterland aufhielt
(O.6._, O.8._).
c) Bei abweichenden Arbeits- und Freizeitorten kommt bei der Bestimmung
des Lebensmittelpunktes den familiären Beziehungen grosses Gewicht
zu. Dabei sind in erster Linie die Beziehungen zu Ehegatten und Kindern
ausschlaggebend. Im vorliegenden Fall ist die Beschwerdeführerin
geschieden. Der Sohn der Beschwerdeführerin wohnt in der Nähe von
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O.8._, nämlich in einer geräumigen Wohnung in O.6._, welche
vormals die Beschwerdeführerin bewohnt hat. Zudem wohnt der
Lebenspartner in 0.6._, was für den Lebensmittelpunkt der
Beschwerdeführerin im Unterland spricht. Weiter interessieren bei den
familiären Beziehungen auch die Verbindungen zu den Eltern und
Geschwistern. Über Familienangehörige der Beschwerdeführerin
insbesondere in O.1._ oder andernorts im Kanton Graubünden ist
nichts bekannt. Die familiären Beziehungen sprechen zwar eher für einen
Lebensmittelpunkt im Unterland. Es können aber vorliegend aus diesen
Kontakten für die Bestimmung des Lebensmittelpunktes der
Beschwerdeführerin keine eindeutigen Schlüsse gezogen werden.
d) Hinsichtlich ihrer Verbindungen zum Arbeitsort führt die
Beschwerdeführerin aus, sie hätte keine leitende Stellung inne, die
wirtschaftliche oder gesellschaftliche Verpflichtungen am Arbeitsort zur
Folge hätten. Weiter würden sie im Kanton X._ keine Kontakte
pflegen und gehöre auch keinem Verein an. Wie bereits in Erwägung 2c)
erläutert, liegt der Lebensmittelpunkt bei Personen, die in der Nähe des
Arbeitsortes eine Wohnung mieten und am Freizeitort keine familiären
Beziehungen pflegen i.d.R. an dem Ort, wo sie für längere oder
unbestimmte Zeit Aufenthalt nehmen, um von dort aus der täglichen
Arbeit nachzugehen. Aufgrund der täglichen Arbeit und des Verweilens
während der Woche entsteht eine starke Bindung zu diesem Ort. Dies gilt
vorliegend nur beschränkt, da die Beschwerdeführerin in einem
unbefristeten, jedoch erst kurz andauernden Arbeitsverhältnis steht. In
Bezug auf ihr Verhältnis zum Freizeitort macht die Beschwerdeführerin
geltend, sie verbringe in O.1._ ihre Wochenenden vom
Donnerstagabend bis Montagmorgen sowie die Ferien. Die Aufenthalte
der Beschwerdeführerin in O.1._ umfassen folglich die arbeitsfreie
Zeit, welche ungefähr den gleichen Zeitraum des Jahrs umfasst. Den
überwiegenden Teil der Woche verbringt die Beschwerdeführerin in
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O.8._, wobei es keine Rolle spielt, ob sie bereits am Sonntagabend
oder erst am Montagmorgen dorthin zurückkehrt (Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden U 13 70 vom 4. November
2014 E.5). Aus den eingereichten Unterlagen der Beschwerdeführerin ist
jedoch zu vermuten (vgl. Tageslisten und Quittungen), dass wohl der
Grossteil ihrer alltäglichen Besorgungen weiterhin im Unterland erledigt
wird (vgl. BGE 125 I 54 E.3b; Urteil des Bundesgericht vom
20. September 1997, in: Praxis 87 [1998] Nr. 4 E.2d). Die starken
Verbindungen der Beschwerdeführerin sowohl zu Arbeitsort und
Freizeitort vermögen kein eindeutiges Bild zur Bestimmung des
Lebensmittelpunktes zu zeichnen.
e) Zu ihren persönlichen und gesellschaftlichen Beziehungen in O.1._
führt die Beschwerdeführerin aus, sie sei in O.1._ aufgewachsen,
wodurch sehr viele persönliche Beziehungen und Kontakte aufgebaut
worden seien. Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihr Freundeskreis
befände sich in O.1._ (vgl. den Unterschriftenbogen der persönlichen
Freunde in Bf-act. 23). Sie kann zwar nachweisen, dass sie sich
regelmässig in O.1._ und der Umgebung aufhält und dass sie dort
auch Freunde und Bekannte gefunden hat. Die Kontakte beschränken
sich allerdings auf Freunde und Bekannte und umfassen keine engen
Familienmitglieder. Es ist durch die Beschwerdegegnerin zu prüfen, ob
die persönlichen Verbindungen und die Teilnahme am gesellschaftlichen
Leben in O.1._ nicht über Beziehungen hinaus gehen, wie sie an
einem Ort gepflegt werden, an dem regelmässig die Ferien und die
Wochenenden verbracht werden. Um diese Würdigung zu stützen, bleibt
es der Vorinstanz vorbehalten, Stromrechnungen am Wohnsitz in
O.1._ einzufordern und allenfalls auch die Beziehungsdauer resp.
die Wohnsituation des Lebenspartners zu erfragen. Zudem ist die starke
persönliche Verbindung zu O.1._ oder der Umgebung in die
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Beurteilung miteinzubeziehen, da die Beschwerdeführerin in O.1._
aufgewachsen und zur Schule gegangen ist.
f) Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, sie habe bis heute erfolglos
versucht, ähnliche Arbeitsstellen in der Umgebung von O.1._ zu
finden (vgl. diverse Bewerbungsabsagen in Bf-act. 28 ff.). Dies belege
ihren Wunsch, auch den Arbeitsort in den Kanton Graubünden zu
verlegen. Daraus kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten
ableiten. Denn gemäss Praxis sagen Bemühungen, eine Arbeitsstelle im
Kanton Graubünden zu finden, nichts über den jetzigen effektiven
Lebensmittelpunkt aus (vgl. dazu auch BGE 125 I 54 E.3b; Urteil des
Bundesgericht vom 20. September 1997, in: Praxis 87 [1998] Nr. 4 E.2d,
Urteil des Bundesgerichts 2C_178/2011 vom 2. November 2011 E.3.4,
VGU 13 70 E. 5g). Zudem hat die Beschwerdegegnerin aufgezeigt, dass
entsprechende Stellen als MPA in Savognin, Maienfeld, Chur und Ilanz
ausgeschrieben seien. Da sich keine dieser Stellen in unmittelbarer Nähe
von O.1._ befinden, kann diese Tatsache jedoch nicht zu Ungunsten
der Beschwerdeführerin ausgelegt werden.
g) Die Beschwerdeführerin macht des Weiteren geltend, dass der Entscheid
der Beschwerdegegnerin das Gleichheitsgebot von Art. 8 Abs. 1 BV
verletze. Es sei nach Kenntnis der Beschwerdeführerin noch nie
vorgekommen, dass einem Einwohner mit auswärtigem
Wochenaufenthalt von der Beschwerdegegnerin der Wegzug an seinen
Arbeitsort nahegelegt worden sei, zudem sei es einem Nachbarn aus dem
Unterland möglich gewesen seinen Wohnsitz ohne Probleme in
O.1._ zu begründen. Die äusserst restriktive Haltung der Gemeinde
sei somit problematisch im Hinblick auf Art. 8 BV.
Diese Rüge und die Editionsbegehren sind abzuweisen, da nicht
genügend substantiiert dargelegt werden konnte, dass der Nachbar sich
in derselben Situation wie die Beschwerdeführerin befand (gem.
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Beschwerdegegnerin ist der Nachbar nicht Wochenaufenthalter mit einer
Wohnung im Unterland) und die Beschwerdeführerin lässt im
vorliegenden Fall unberücksichtigt, dass es noch gar nicht klar ist, ob die
Beschwerdeführerin eine Einwohnerin von O.1._ ist. Es liegt somit
kein Verstoss gegen Art. 8 BV vor.
h) Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin sowohl
zu mehreren Orten im Unterland in der Nähe ihrer Arbeitsorte als auch zu
ihrem Freizeitaufenthaltsort in O.1._ verschiedene Verbindungen hat.
Die Kontakte und Verbindungen zu O.1._ sind nicht unbedeutend
und darum sind die Rügen der Beschwerdeführerin betreffend willkürliche
Feststellung des Sachverhaltes und unrichtige Rechtsanwendung
gutzuheissen. Beruhend auf dem Umstand, dass seit dem Erlass der
umstrittenen Verfügung bereits 15 Monate (Mai 2015 - August 2016)
verstrichen sind, die Tageslisten erst der Beschwerde beigelegt wurden
und eine Gewichtung der Indizien aus der Gemeinde O.1._ durch die
Beschwerdegegnerin vernachlässigt wurde, ist vorliegend eine teilweise
Gutheissung der Beschwerde und Rückweisung der Angelegenheit zur
ergänzenden Sachverhaltsermittlung (Strom- und Telefonrechnungen,
Zeitschriftenabonnemente, Beziehungsdauer und Wohnsituation von
Beschwerdeführerin mit Lebenspartner) und neuem Entscheid (unter
Berücksichtigung der vorgängigen Erkenntnisse) angebracht. Damit wird
einem Antrag der Beschwerdegegnerin stattgegeben, welchen sie in der
Duplik eventualiter beantragt hat.
4. Der Verstoss gegen die Verfügung vom 16. Juli 2013 und gegen Art. 40d
BauG ist unbestritten. Die Androhung der Busse in der Verfügung vom
26. August 2013 und dem Schreiben vom 28. August 2014 erfolgte über
einen langen Zeitraum, ist jedoch nicht zu beanstanden. Die Bussenhöhe
wurde durch die Beschwerdeführerin bestritten. Mit Fr. 2'000.-- liegt die
Busse im unteren Bereich des Strafrahmens und ist aufgrund der
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ermittelten Steuerdaten und den daraus ersichtlichen Einkommens- und
Vermögensverhältnissen zu bestätigen.
5. Die Beschwerde wird demnach teilweise gutgeheissen und die Sache zur
Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Gemeinde
zurückgewiesen. Die Verfahrenskosten sind sodann zu 1/3 der
Beschwerdeführerin und zu 2/3 der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Ebenso wird die Beschwerdegegnerin verpflichtet, der
Beschwerdeführerin die durch den Rechtsstreit verursachten notwendigen
Kosten anteilsmässig zu ersetzen (Art. 78 Abs. 1 VRG). Bei der
Festsetzung dieser Entschädigung ist jedoch nicht auf die Honorarnote
des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin vom 16. Oktober 2015
abzustellen, da diese den üblichen Rahmen überschreitet. Gestützt auf
Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (HV; BR 310.250) setzt das
Verwaltungsgericht die Parteientschädigung deshalb nach Ermessen fest.
Unter Berücksichtigung der Komplexität des Verfahrens und in Anbetracht
der Tatsache, dass es bereits ein Vorverfahren gab, wird die
Parteientschädigung auf pauschal Fr. 6'000.-- (inkl. MWST) festgelegt.
Die durch den Rechtsstreit zu ersetzenden notwendigen Kosten zulasten
der Beschwerdegegnerin betragen somit Fr. 4'000.--. In diesem Umfang
hat die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin demnach
aussergerichtlich zu entschädigen. Aufgrund der Tatsache, dass die
Beschwerdegegnerin lediglich in ihrem amtlichen Wirkungskreis teilweise
obsiegt hat, ist ihr keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 78
Abs. 2 VRG).