Decision ID: f1abca8c-e6ac-5c4a-937a-2ee0e82d5235
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Die thailändischen Staatsangehörigen P._, geboren 1972 (nachfolgend: Gesuchstellerin 1), und R._, geboren 1979 (nachfolgend: Gesuchstellerin 2), beantragten am 26. August 2008 bei der Schweizerischen Botschaft in Bangkok je ein Visum für einen dreimonatigen Besuchsaufenthalt bei J._ und H._ (im Folgenden: Gastgeber bzw. Beschwerdeführer) in X._ (SG). Die Schweizer Vertretung weigerte sich, die Visa in eigener Kompetenz auszustellen, und leitete die Gesuche zur Prüfung und zum Entscheid an die Vorinstanz weiter.
B. Zum Antrag begrüsst, holte das Ausländeramt des Kantons St. Gallen bei den Gastgebern ergänzende Auskünfte ein und leitete sie an die Vorinstanz weiter. Letztere lehnte es in einer Verfügung vom 15.  2008 ab, die beantragten Visa zu erteilen. Dies im Wesentlichen mit der Begründung, die anstandslose und fristgerechte  nach einem Besuchsaufenthalt könne nicht als gesichert betrachtet werden. Die Gesuchstellerinnen lebten in einer Region, aus der als Folge der dort herrschenden wirtschaftlichen und soziokulturellen  ein anhaltend starker Zuwanderungsdruck festzustellen sei. Unter Bezugnahme auf die persönlichen Verhältnisse der  hält die Vorinstanz in der Verfügung fest, die beantragte dreimonatige Abwesenheit lasse sich mit den geltend gemachten  Verpflichtungen kaum vereinbaren.
C. Mit Beschwerde vom 22. Oktober 2008 beantragen die Gastgeber beim Bundesverwaltungsgericht implizit die Aufhebung der  Verfügung und die Erteilung der Besuchsvisa. Zur Begründung bringen sie sinngemäss vor, die Vorinstanz gehe zu Unrecht davon aus, dass die Wiederausreise der Gesuchstellerinnen nach einem  nicht gesichert wäre. Es gehe hier einzig um einen Besuch, und die Gesuchstellerinnen hätten keinerlei Absicht, ihre  auf Dauer zu verlassen. Dort lebten ihre Familien und es gehe  gut. Demgegenüber hätten sie hier ohne Sprachkenntnis und  keine Perspektive.
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D. Die Vorinstanz hält in ihrer Vernehmlassung vom 6. Januar 2009 an der angefochtenen Verfügung fest und schliesst auf Abweisung der Beschwerde. Die Erfahrung zeige, dass selbst mangelnde  oder fehlende Berufsausbildung nicht vor einer Emigration abhalten könnten. Im Falle der Gesuchstellerinnen beständen  weder soziale noch berufliche Verpflichtungen, die Garantie für eine Wiederausreise geben könnten.
E. Die Beschwerdeführer machten von dem ihnen eingeräumten Recht auf Replik keinen Gebrauch.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden  Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welche von einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügungen des BFM, mit denen die Erteilung eines  zu Besuchszwecken verweigert wird. In dieser Materie urteilt das Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 des  vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Sofern das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt, richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem VwVG (Art. 37 VGG).
1.3 Die Beschwerdeführer sind gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur  berechtigt. Auf die frist- und formgerechte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
2. Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des  Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt
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werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist  Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht  und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Rechts- und Sachlage zum Zeitpunkt seines  (vgl. E. 1.2 des in BGE 129 II 215 teilweise publizierten  2A.451/2002 vom 28. März 2003).
3. Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher  handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl.  zum Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 133 I 185 E. 2.3 S. 189).
4. 4.1 Ausländerinnen und Ausländer benötigen zur Einreise in die Schweiz bzw. den Schengenraum für einen Aufenthalt von höchstens drei Monaten gültige Reisedokumente, die zum Grenzübertritt , und ein Visum, sofern dieses erforderlich ist (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die  und Ausländer [AuG, SR 142.20], Art. 2 Abs. 1 der  vom 22. Oktober 2008 über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 vom 13.04.2006, S. 1-32]).
4.2 Im Weiteren müssen sie den Zweck und die Umstände ihres  Aufenthalts belegen und hierfür über ausreichende  Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK, Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG); sie dürfen zudem nicht im Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats darstellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK, Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG). Namentlich
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müssen Ausländerinnen und Ausländer für die gesicherte  Gewähr bieten, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt  ist (Art. 5 Abs. 2 AuG, vgl. dazu Urteile des  C-1509/2008 vom 13. Februar 2009 E. 5.2 und E. 5.3 sowie C-3013/2008 vom 14. Februar 2009 E. 5.2 und E. 5.3). Hinsichtlich der in Frage kommenden Belege zur Glaubhaftmachung des  verweist Art. 5 Abs. 2 SGK auf den Anhang I. Art. 5 Abs. 3 SGK sowie Art. 2 Abs. 2 und Art. 7–11 VEV regeln ausführlich das Einreiseerfordernis der ausreichenden finanziellen Mittel.
5. Gemäss Anhang I zur Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März 2001 (ABl. L 81 vom 21.03.2001, S. 1–7) unterliegen die  der Visumspflicht.
6. Verfahren, die am 12. Dezember 2008 (Datum der Inkraftsetzung des Abkommens vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Europäischen Union und der Europäischen Gemeinschaft über die Assoziierung dieses Staates bei der , Anwendung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands [SAA, SR 0.360.268.1]) hängig sind, werden nach neuem Recht fortgeführt (Art. 57 VEV).
7. 7.1 Zur Prüfung des Kriteriums der gesicherten Wiederausreise muss ein zukünftiges Verhalten beurteilt werden. Dazu lassen sich in der  keine Feststellungen, sondern lediglich Prognosen treffen. Dabei sind sämtliche Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen.
7.2 Anhaltspunkte zur Beurteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise können sich aus der allgemeinen Situation im  der Besucherin oder des Besuchers ergeben.  von Bürgerinnen und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit  oder wirtschaftlich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen können darauf hindeuten, dass die persönliche Interessenlage in  Fällen nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten  in Einklang steht.
7.3 Zwar zeigte die wirtschaftliche Situation Thailands in den letzten Jahren ein robustes Wachstum. Die internationale Finanzkrise hat seit dem letzten Quartal 2008 jedoch auch auf die Wirtschaft Thailands
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deutlich spürbare Auswirkungen. Hauptursache der Krise ist die  der thailändischen Wirtschaft bzw. das Wegbrechen wichtiger Absatzmärkte (USA, Japan, EU, China). Überlagert wurde der Ende vergangenen Jahres einsetzende Abwärtstrend durch die  Konfrontation zwischen der damaligen Regierung und  Demonstranten, die Ende November 2008 in der  der internationalen Flughäfen Bangkoks gipfelte und zu einem massiven Einbruch im Tourismus führte. Die Regierung Abhisit hat auf den wirtschaftlichen Rückgang relativ rasch reagiert und bereits am 13. Januar 2009 die erste Staffel eines umfangreichen  mit einem Volumen von umgerechnet rund 1,5 Mrd. Euro . Dennoch ist unübersehbar, dass der Abwärtstrend bis auf Weiteres anhalten wird. Angesichts der schwer einschätzbaren  Risiken, insbesondere der Entwicklung der thailändischen Exportmärkte, bleiben die Prognosen für das Jahr 2009 vorsichtig und gehen von einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts zwischen 0 und 2% aus. Eine Rezession wird nicht ausgeschlossen. Der Einbruch im Exportsektor dürfte 2009 zu einem Anstieg der Arbeitslosenquote – sie lag Ende 2008 nach offiziellen Angaben bei 1,4% – auf 3,4 bis 4%  (Quelle: Länder- und Reiseinformationen auf der Webseite des deutschen Auswärtigen Amtes: www.auswaertiges-amt.de, Länder, Reisen und Sicherheit > Thailand > Wirtschaft, Stand: Mai 2009,  im Oktober 2009).
Entsprechend hoch ist der Anteil vor allem jüngerer Menschen, die versuchen ins Ausland zu gelangen, um dort unter günstigeren  eine wirtschaftliche Existenz aufbauen zu können. Der  zur Emigration kann erfahrungsgemäss dort noch gefördert werden, wo sich bereits Verwandte oder Freunde im Ausland aufhalten und entsprechend ein soziales Beziehungsnetz besteht. Im Falle der Schweiz führt dies angesichts der restriktiven Zulassungsregelung nicht selten zur Umgehung ausländerrechtlicher Bestimmungen. Dabei wird oftmals versucht, den Aufenthalt zu verlängern oder –  durch Ausbildung oder Heirat – auf eine andere  Grundlage zu stellen.
7.4 Bei der Risikoanalyse sind allerdings nicht nur solch allgemeine Umstände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer  Person im Heimatland beispielsweise eine besondere , gesellschaftliche oder familiäre Verantwortung, kann dieser
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Umstand durchaus die Prognose für eine anstandslose  begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine besonderen Verpflichtungen haben, das Risiko für ein  nicht regelkonformes Verhalten (nach bewilligter Einreise zu einem Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt werden.
8. 8.1 Die beiden Gesuchstellerinnen, die untereinander offenbar nicht verwandt sind, werden von den Beschwerdeführern als „gute Bekannte aus dem engsten Familienkreis“ bezeichnet. Bei der Gesuchstellerin 1 handelt es sich um eine 37-jährige, unverheiratete und kinderlose Frau. Die Gesuchstellerin 2 ist 30 Jahre alt und ebenfalls ledig.  Feststellung der Schweizer Vertretung in Bangkok hat sie einen inzwischen siebenjährigen Sohn. Weitere Anhaltspunkte zu den  und familiären Verhältnissen der Gesuchstellerinnen  sich nicht aus den Akten. Bei der Gesuchstellerin 1 sind daher  diesbezüglichen Verantwortlichkeiten erkennbar, welche die  einer fristgerechten und anstandslosen Wiederausreise  könnten. Demgegenüber hat die Gesuchstellerin 2 als Mutter  schulpflichtigen Kindes zwar durchaus gewisse familiäre  im Heimatland. Daraus kann aber nicht schon auf eine  Gewähr für die Wiederausreise nach einem Besuchsaufenthalt in der Schweiz geschlossen werden. Denn immerhin beabsichtigt auch die Gesuchstellerin 2, sich ohne besonderen Grund für ganze drei  ins Ausland zu begeben; sie würde ihr Kind in dieser Zeit Dritten zur Betreuung überlassen. Die Existenz eigener Kinder ist denn auch erfahrungsgemäss für sich allein nicht geeignet, die Prognose einer fristgerechten und anstandslosen Wiederausreise zu begünstigen.  Bedeutung kommt hier den wirtschaftlichen Verhältnissen zu, in denen sich die Betroffenen befinden. Denn die Absicht einer  ist häufig gerade mit der Hoffnung verbunden, zurückbleibende Familienangehörige aus dem Ausland besser unterstützen und  später nachziehen zu können. Im familiären Bereich sind somit auch bei der Gesuchstellerin 2 keine zwingenden  erkennbar, welche sie ernsthaft davon abhalten könnten, den Entschluss für eine Emigration zu fällen.
8.2 Was ihre wirtschaftliche Situation betrifft, so sind zwar offenbar beide Gesuchstellerinnen erwerbstätig. Die Gesuchstellerin 1 arbeitet als Verkäuferin in einem „noodle shop“ (gemäss einer Begleitnotiz der Schweizer Vertretung in Bangkok) im Police Hospital in Bangkok. Seit
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wann sie dort arbeitet und welchen Lohn sie erzielt, ist nicht bekannt. Die Gesuchstellerin 2 arbeitet seit März 2008 als Angestellte in einem Design-Studio in Bangkok und verdient monatlich 10'000 Baht ( CHF 307), dies gemäss einer im Gesuchsverfahren edierten Arbeitgeberbestätigung. Weitergehende Informationen über die  Verhältnisse der Gesuchstellerinnen fehlen. Aufgrund der spärlichen Erkenntnisse kann daher kein Bild über die wirtschaftlichen Lebensumstände gewonnen werden. Kommt hinzu, dass beide  einen dreimonatigen Besuchsaufenthalt beantragt . Eine solche Dauer liegt weit über dem landesüblichen  und liesse sich wahrscheinlich nur durch Gewährung  Urlaubs oder aber durch eine Aufgabe des Arbeitsplatzes . Im Falle der Gesuchstellerin 2 erstaunt die gewünschte  umso mehr, als sie im Zeitpunkt des Visumsantrags gerade erst fünfeinhalb Monate bei ihrem Arbeitgeber angestellt war. Der  Arbeitgeberbestätigung kann zudem nicht entnommen , dass das Arbeitsverhältnis nach einer mehrmonatigen  weitergeführt würde. Obwohl von der Vorinstanz sowohl in der  Verfügung wie auch in der Vernehmlassung thematisiert, gingen die Beschwerdeführer auf diese Umstände nicht ein. Alles in  sind bei beiden Gesuchstellerinnen keine Verhältnisse zu , die verlässlich von einer Emigration abzuhalten vermöchten.
8.3 Die Vorinstanz durfte vor dem allgemeinen und persönlichen  demnach davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise der  nach einem Besuchsaufenthalt besteht.
9. Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
10. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens werden die  Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1, 2 und 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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