Decision ID: fe59cca1-64f5-4ca0-8059-3b86c226fb29
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966, meldete sich am
4.
Februar 2002 bei der Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, wegen
Schulter
schmerzen
und Schmerzen im Nacken- und Kopfbereich zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/2). Dies
e
sprach ihm nach Abklärung der erwerblichen und medizinischen Verhältnisse mit Verfügung vom 15. November 2002
(
Urk.
8/25)
, ausgehend von einem
Invalidi
tätsgrad
von 100
%
(
Urk.
8/17),
ab dem
1.
Februar 20
02 eine ganze Invaliden
rente zu
.
In der Folge
wurde der Rentenanspruch wieder
holt von Amtes wegen überprüft und anschliessend bestätigt, da sich keine
renten
relevanten
Ände
-
run
gen
ergeben hätten
, letztmals am 22. Februar 2008
(vgl.
Urk.
8
/26-
30 und
8
/3
4
-40)
.
Im
März 2013
leitete die IV-Stelle
erneut von Amtes wegen ein Revisions
-
verfah
ren ein und sandte
dem
Versicherten den Fragebogen zur Revi
sion der Invalidenrente zu
, den er am 2
6.
März 2013 zusammen mit einem Bericht von
Dr.
med.
Y._
, Fachärztin FMH für Allgemeine Medizin, vom selben Tag retournierte
(vgl. Urk.
8
/
78
). Die IV-Stelle
gab darauf ein
bidis
ziplinäres
Gutachten betreffend die Fachbereiche
Rheumatologie und Psychiatrie
in Auftrag
(
Urk.
8/80 und 8/81)
,
das am 2
1.
Dezember 2013 und 2. Januar 2014 von
Dr.
med. und
Dr.
sc. nat. ETH
Z._
, Fachärztin FMH für Innere Medizin und Rheumatologie, und
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Psy
chiatrie und Psychotherapie, erstattet wurde (
Urk.
8/85 und 8/88).
Gestützt darauf hob die IV-Stelle nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(vgl.
Urk.
8/91-99) die Rente mit Verfügung vom 1
8.
Juli 2014 auf Ende des
der
Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf (Urk. 8/101).
Die dagegen erhobene Beschwerde (
Urk.
8/105/3-7)
hiess das
Sozialversicherungs
gericht
mit Urteil IV.2014.00896 vom 2
3.
Juli 2015 in dem Sinne gut, dass es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache an die IV-Stelle zurückwies, damit diese nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen über den Rentenanspruch ab September 2014 neu verfüge (Urk. 8/124
/11
). Namentlich
wurde eine Ergänzung des
psychiatrischen Teilg
utachten
s
von
Dr.
A._
verlangt
,
um
insbesondere
Aufschluss darüber zu
erhalten
, ob
Dr.
A._
keine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4)
mehr diagnostizierte, weil er auch in diesem Punkt von einer Besserung des psychisch
en Gesundheitszustandes ausging
oder weil er die ursprünglich gestellte Diagnose einer
somatoformen
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) als unzutreffend erachtete (
Urk.
8/124/9).
Mit Eingabe vom 2
5.
Januar 2016 (
Urk.
8/129) liess der Versicherte bei der IV-Stelle einen Austrittsbericht der
RehaClinic
B._
vom
6.
Januar 2016
betreffend einen stationären Aufenthalt vom 1
0.
bis zum 3
0.
Dezember 2015 einreichen (
Urk.
8/128).
Die IV-Stelle teilte dem Versicherten mit Schreiben vom 2
3.
März 2016 mit, dass sie
die Kosten für
eine psychiatrische
Verlaufsbegut
achtung
durch
Dr.
A._
übernehme, stellte ihm den Fragenkatalog zu und forderte ihn dazu auf, innert Frist allfällige Zusatzfra
gen einzureichen
(Urk.
8
/
13
1-13
3
).
Er liess mit Schreiben vom 3
1.
März 2016 mitteilen, dass er nach der erstmaligen Begutachtung durch
Dr.
A._
psychisch völlig
dekom
pensiert
habe, und um Erstreckung der angesetzten Frist ersuchen (
Urk.
8/134). Die IV-Stelle gewährte die beantragte Fristerstreckung
(
Urk.
8/135).
Am
6.
Mai 2016
beantragte
die Rechtsvertreterin des Versicherten
die Durchführung der psychiatrischen Verlaufsbegutachtung durch
Dr.
med.
C._
,
Dr.
med.
D._
oder
Dr.
med.
E._
anstatt durch
Dr.
A._
. Über
dies ersuchte
sie
um
Erwähnung
des letzten Revisionsdatums (22. Februar 2008) im Fragekatalog (
Urk.
8/137).
Mit ihren Anträgen reichte sie auch
ein Schreiben des Medizinisch
en Zentrums
F._
vom 4.
April 2016
ein
(
Urk.
8/136). Die IV-Stelle tätigte darauf Abklärungen beim Kriseninterventionszentrum der
G._
und nahm einen
Bericht desselben vom 14.
April 2014 zu den Akten (vgl.
Urk.
8/139-141).
Mit Verfügung
vom
24
.
Mai
2016
hielt die IV-Stelle an der
psychiatrischen
Ver
laufsbegutachtung
durch
Dr.
A._
fest
und wies darauf hin, dem Antrag auf Ergänzung des Fragenkatalogs habe sie stattgegeben
(Urk. 2 = 8
/1
42
).
2.
Gegen die Verfügung vom
24. Mai 2016
liess
der
Versicherte
, vertreten durch Rechtsanwältin Petra Kern,
Inclusion
Handicap,
mit Eingabe vom
2
1.
Juni
2016 (Urk. 1) Beschwerde erheben
mit dem Antrag,
die angefochtene Verfügung sei aufzuhe
ben und
die Beschwerd
e
gegnerin
sei
anzuweisen,
Dr.
C._
,
Dr.
D._
oder
Dr.
E._
anstatt
Dr.
A._
mit der psychiatrischen Begutachtung zu beauftragen;
unter
Kosten- und
Entschädigungsfolge
zu
lasten der
Beschwer
de
gegnerin
(Urk. 1 S. 2).
Ferner wurde um Gewährung der unentgeltlichen
Pro
zessführung
ersucht (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle schloss am
27
.
Juli
2016 auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 7
).
Mit Verfügung vom 17.
August 2016 wurde auf das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung nicht eingetreten und dem Beschwerdeführer Frist zur Replik angesetzt (
Urk.
12). Am 2
6.
August 2016 verzichtete die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers auf das Einreichen einer Replik und reichte ihre Honorarnote ein (
Urk.
13 und 14). Vom Verzicht auf Replik wurde der Beschwerdegegnerin
mit Verfügung vom
2
9.
August 2016
Kenntnis
gegeben
(
Urk.
15
).
Auf die Ausführungen der Parteien in den
Rechtsschriften
wird, soweit erforder
lich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) hat in seinem Kreisschreiben
über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI) festgehalten, wie bei der
Auftragsvergabe für eine Begutachtung vorzugehen ist. Da neue Verfah
rens
vor
schriften – vorbehältlich anders lautender Übergangsbestimmung
en – gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung mit dem Tag des Inkrafttretens so
fort und
in vollem Umfang anwendbar sind (vgl. BGE 132 V 368 E. 2.1) und die einzeln
en
Verfahrensschritte im Hinblick auf die hier in Frage stehende (Ver
laufs-)Begut
ach
tung zwischen dem
23
.
März
2016
(vgl. Urk.
8
/13
3
) und dem
24
.
Mai
2016 (vgl. Urk. 2) erfolgten, ist das KSVI in der ab dem 1.
Januar
2016 geltenden Fassung massgebend.
1.2
Bei einer Zwischenverfügung betreffend die Anordnung einer
monodiszipli
nären
(Verlaufs-)Begutachtung hat das Gericht vorab zu prüfen, ob das im KSVI be
schriebene Verfahren für die Auftragsvergabe von
mono- oder
bidisziplinären
Gutachten korrekt durchgeführt worden ist, was sich ohne Weiteres aus den Akten ergeben muss. Stellt das Gericht fest, dass das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist, weil noch nicht alle vorgesehenen Verfahrensschritte vollzo
gen sind, so liegt keine an
fechtbare Verfügung vor mit der Folge, dass auf die Beschwerde nicht einzutre
ten ist.
Wurde das Verfahren vollständig durchgeführt, prüft das Gericht, ob mit der an
gefochtenen Verfügung sämtliche noch offenen Punkte geregelt beziehungs
weise sämtliche Einwendungen, denen nicht vollumfänglich stattgegeben wurde,
behandelt werden, was sich aus der Verfügung selbst ergeben muss. Trifft dies zu, prüft das Gericht die Verfügung materiell auf Vollständigkeit und Korrekt
heit und bestätigt sie oder hebt sie auf, was zur Abweisung oder Gu
t
heissung der Beschwerde führt
.
1.3
Dem Beschwerdeführer
wurde durch die IV-Stelle mit Schreiben vom
2
3.
März 2016
mitgeteilt, dass eine
psychiatrische
Verlaufsbegutachtung
durch
Dr.
A._
angeordnet werde, gleichzeitig
wurde ihm
der Fragenkatalog zuge
stellt und die Möglichkeit eingerä
umt, Zu
satzfragen zu stellen (Urk.
7/133 und 7/131-132
; KSVI, Stand
1
. Januar 201
6,
Rz
2083 ff.
).
Gemäss
bundesgerichtli
cher
Rechtsprechung ist konsensorientiert vorzugehen, wenn ein zulässiger Einwand erhoben wurde. Ein solcher kann formeller (fallbezogenes formelles Ablehnungsbegehren) oder materieller (fachbezogener) Natur sein (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 9C_560/2013 vom
6.
September 2013 E. 2.3 mit Hin
weis auf das Urteil 9C_207/2012 E. 1.2.3 in Verbindung mit E. 5.2.2.3 [teilweise publiziert als BGE 139 V 349]; vgl. auch
KSVI, Stand
1.
Januar 2016
,
Rz
2084).
Gegen die Begutachtung durch
Dr.
A._
wurde
einzig
vorgebracht, der Versi
cherte habe sich nach dessen erster psychiatrische
n
Untersuchung, welche am 2
0.
November 2013 durchgeführt
worden war
(
Urk.
8/88/1), aufgrund akuter Suizidalität für fünf Tage in stationäre psychiatrische Behandlung des
G._
begeben müssen. Während des serbisch-kroatischen Krieges sei der Versicherte drei Mal im Kriegsgebiet unterwegs gewesen. Die
damals erlebten
traumatischen Bilder tauchten heute noch regelmässig in
flashbacks
wieder
auf. Der Ver
sicherte bringe
Dr.
A._
mit den serbischen Kriegsverbrechen in Verbindung
, weshalb die Untersuchung durch denselben für ihn stark
retraumatisierend
gewesen sei
.
Eine erneute
Begegnung
mit
Dr.
A._
und eine erneute psy
chiatrische Untersuchung und Begutachtung durch
ihn
würden
den Versicherten erneut
stark
retraumatisieren
und
erneut
eine suizidale Krise
auslösen
.
Überdies
seien die Ängste, die
Dr.
A._
beim Versicherten auslöse, so stark, dass eine fachlich korrekte Begutachtung unmöglich sein dürfte (
Urk.
8/137/2; vgl. auch
Urk. 8/136).
Mit diesen
Ausführungen
wurde
kein
zulässiger Einwand
im Sinne der Rechtsprechung
erhoben
,
weshalb
die IV-Stelle auf einen Einigungsversuch verzichten
durfte
.
Sie
führte das Verfahren somit vollständig und korrekt durch. In der Zwischenverfügung vom
2
3.
März 2016
wurde
der noch strittige Punkt bezüglich der Person des Gutachters geregelt
(vgl. Urk. 2). Damit ist die an
ge
fochtene Verfügung materiell zu prüfen.
2.
2.1
Zu Recht wurde die
Anordnung einer psychiatrischen
Verlaufsbegutachtung
nicht
in Frage gestellt
, lag dieselbe doch im Ermessen der Beschwerdegegnerin (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.1.1 und das Urteil des Bundesgerichts 8C_615/2008 vom 1
5.
September 2008 E. 4.2 mit Hinweisen)
. Strittig und zu prüfen ist einzig, ob es korrekt war,
Dr.
A._
mit dieser Aufgabe zu betrauen.
2.2
Formelle Ablehnungsgründe, das heisst solche, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit des Sachverständigen zu erwecken
(vgl.
BGE 132 V 93 E. 7.1 und
das Urteil des Bundesgerichts 9C_560/2013 vom
6.
September 2013 E. 2.1 mit Hinweis)
, wurde
n
weder von Seiten des Beschwerdeführers geltend gemacht
(
Urk.
1 und 8/137)
noch sind solche aus den Akten ersichtlich.
Ebenso
wenig bestehen
Y._
an der Fachkompetenz von
Dr.
A._
.
Unter diesen Umständen ist
es
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin
ihn
erneut mit der Begutachtung des Beschwerdeführers betraut hat.
Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
2.3
Zu den von Seiten des Beschwerdeführers geäusserten Bedenken bezüglich der anstehenden Begutachtung durch
Dr.
A._
ist dennoch
festzuhalten
, dass die
ser als ärztlicher Sachverständiger zu prüfen haben wird, ob die gutachterliche Abklärung medizinisch verantwortbar ist. Ebenso ist von
Dr.
A._
zu erwarten, dass er bei der Abklärung eine allfällige Verschlechterung des Gesundheits
zu
stands – in Form einer
Retraumatisierung
– erkennt und entsprechend reagiert (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 9C_922/2015 vom 24. Dezember 2015 E. 2 mit Hinweisen). Aufgrund der von der Beschwerdegegnerin getätigten Abklärungen steht
zudem
fest, dass der Beschwerdeführer
nicht – wie
anfänglich
behauptet (vgl.
Urk.
8/134/1, 8/136 und 8/137/2) –
nach der Untersuchung durch
Dr.
A._
am 2
0.
November 2013
(Urk.
7/88/1), sondern erst
vom
1
0.
April
bis zum 14.
April 2014 im
G._
hospitalisiert war. Der Grund dafür war das Auftre
ten von Suizidgedanken infolge der Ankündigung der Revision seiner Invali
den
rente (
Urk.
8/140; vgl. auch Urk. 8/139 und 8/141).
3
.
Im vorliegenden Verfahren geht es nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen, weshalb das Verfahren kostenlos ist (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung).