Decision ID: 60395aae-ef8f-412d-83ca-c1bedb24470d
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1960 geborene
X._
schloss keine Berufsausbildung ab und war seit dem 1. Dezember 2013 i
m Hauswirtschafts- und Reinigungsbereich
in Altershe
ime
n der
A._
AG
tätig, zuletzt
zu 60 % im Altersheim
B._
und zu 20 % im Altersheim
C._
(Urk. 8/1
2/14
)
.
A
b dem 19. Juni 2015
wurde sie arbeitsunfähig geschrieben (
Urk.
8/12/2, 8/12/10)
.
Am 20. Juli 2015 kündigte das Altersheim
C._
die 20%ige Anstellung mit der Versicherten per
Ende August 2015 (Urk. 8/15/6
). Am 31. August 2015 meldete
die behandelnde Psychiaterin Dr.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
und Oberärztin des Ambulatoriums
E._
der Integrierten Psy
chiatrie
F._
die Versicherte u
nter Hinweis auf
eine schwere psychi
sche Erkrankung und somatische Beschwerden bei der Invalidenversicherung zur Früherfassung an (Urk. 8/5).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
führte daraufhin am 11. September 2015 ein Früherfassungsgespräch durch (Urk. 8/6).
Am 17. September 2015 löste auch das Altersheim
B._
das 60%ige Arbeitsverhältnis mit der Versicherten per Ende November 2015 auf (Urk. 8/16/7). Am 28. September 2015 meldete sich die Versicherte bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/7).
Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen. Sie holte einen IK-Auszug (Urk. 8/11) ein, liess Arbeitgeberfragebögen ausfüllen (Urk. 8/15, Urk. 8/16), besorgte verschiedene Arztberichte (Urk. 8/20, Urk. 8/29), unter ande
rem
solche der
behandelnden Psychiater
in
der
F._
(Urk. 8/17, Urk. 8/30), und zog die Akten der Krankentagg
eldversicherung
Visana
Ser
vices
AG (Urk. 8/12, Urk. 8/27)
bei
.
A
m 12. März 2016 teilte sie der Versicherten mit
,
dass nach den bisherigen Abklärungen aufgrund des aktuellen Gesundheits
zustandes keine beruflichen Massnahmen möglich seien (Urk. 8/32). In
der
Folge
holte die IV-Stelle weitere Arztberichte (Urk. 8/34, Urk. 8/35) und weitere Akten der
Visana
Services AG ein (Urk. 8/37). Sie liess die Versicherte bei der Begut
achtungsstelle
G._
bidisziplinär
psychiatrisch und orthopädisch begutachten. Die Gutachten wurden am 25. November 2016 erstattet (Urk. 8/46). Am 19. Dezember 2016 stellte
die
IV-Stelle auf Empfehlung
des
Regionale
n
Ärztliche
n
Dienst
es
(RAD)
dem begutach
tenden Psychiater Rückfragen, welche dieser am 15. Januar 2017 beantwortete (Urk. 8/50).
Die IV-Stelle liess den RAD
zum
G._
-Gutachten und den beantwor
teten Rückfragen des psychiatrischen Gutachters
Stellung nehmen (Urk. 8/52/7-8).
Gestützt auf ihre Abklärungen, insbesondere das
bidisziplinäre
G._
-Gutachten (Urk. 8/46) und die Stellungnahmen des RAD (Urk. 8/52/7-8), stellte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 16. Februar 2017 (Urk. 8/53) die Vernei
nung des Anspruchs auf eine Invalidenrente in Aussicht.
Dagegen liess die Ver
sicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Michael Grimmer, am 24. April 2017 Ein
wand (Urk. 8/59) erheben
und später einen
im Einwand
erwähnten Arztbericht der
F._
vom 30. März 2017 (Urk. 8/63) nachreichen
.
Die IV-Stelle
unter
breitete
den
Fall erneut dem
RAD (Urk.
8
/68/2).
Mit Verfügung vom 17. Juli 2017 (Urk. 2 = Urk. 8/71)
verneinte die IV-Stelle den Anspruch auf
eine
Invalidenrente wie angekündigt.
2.
Hiergegen
liess X._
am 14. September 2017 Beschwerde führen mit den Rechtsbegehren, die Verfügung
der IV-Stelle
vom 17. Juli 2017 sei aufzuhe
ben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen zu erbringen, wobei ihr insbe
sondere ab Juni 2016 eine unbefristete, ganze Invalidenrente zuzusprechen sei. Eventualiter sei ein polydiszipl
i
näres Gerichtsgutachten in den Fachbereichen Orthopädie, Neurologie und Psychiatrie einzuholen und im Sinne des gestellten Hauptbegehrens zu entscheiden.
Subeventualiter
sei die Sache zur weiteren Sach
verhaltsabklärung sowie zur Einholung eines neuen polydiszipli
nären G
utachtens im Sinne des gestellten Eventualantrages an die IV-Stelle zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Zusammen mit der Beschwerde liess die Versicherte Berichte der
F._
vom 19. Juli (Urk. 3/4 = Urk. 8/75) und 11. September 2017 (Urk. 3/5) sowie ein Schreiben an die IV-Stelle vom 16. August 2017 (Urk. 3/3 = Urk. 8/74) ein
reichen, mit dem sie diese erfolglos um die wiederwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 17. Juli 2017 gebeten hatte (vgl. Urk. 8/77).
Mit Beschwerdeant
wort vom 30. Oktober 2017 (Urk. 7) schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde
. Mit Replik vom 19. Januar 2018 (Urk. 12) liess die Versicherte die beschwerdeweise gestellten Anträge
erneuern
und einen weiteren Bericht der
F._
vom 16. November 2017 (Urk. 13) einreichen. Mit Eingabe vom 26. Feb
ruar 2018 verzichtete die IV-Stelle auf eine Duplik (Urk. 16
), was der Versicherten am 27. Februar 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 17).
Am
9.
November 2018 liess die Versicherte einen Arztbericht der Chirurgie
H._
vom
9.
November 2018 einreichen (
Urk.
18, 19).
Auf
die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
B
eeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinwe
isen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychoso
ma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tat
säch
liche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person in einem struk
turierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funk
tionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281).
Mit
BGE 143 V 4
18
hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweis
ver
fahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krank
heitsbild allenfalls gewisser Anpas
sungen hinsicht
lich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklä
run
gen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztli
chen Fest
stellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechts
er
heblichen Indika
toren auf Arbeitsun
fähigkeit schliessen lassen (E. 7).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
verneinte
in der angefochtenen Verfügung
den Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf eine Rente mit der Begründung
,
dass
gestützt auf
das
bidisziplinäre
psychiatrische-orthopädische
G._
-Gutachten vom 25. November 2016 (Urk. 8/46) und die
RAD-Stellungnahme vom 1. Februar 2017 (Urk. 8/52/8)
aus
psychiatrischer
,
orthopädischer
und
neurologischer
Sicht kein Gesundheitsschaden bestehe, welcher die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen oder einer angepassten Tätigkeit einschränke.
Unter Bezugnahme auf einen im
Vorbescheidverfahren
eingereichten Arztbericht der
F._
vom 30. März 2017 (Urk. 8/63) führte die Beschwerdegegnerin aus, dass
durch die darin neu beschriebene mittelgradige bis schwere depressive Störung
von keiner Ver
schlechterung des Gesundheitszustands
auszugehen sei
, weil das psychiatrische Gutachten diese Diagnose bereits widerlegt habe und darauf abgestellt werde
(Urk. 2).
Die Beschwerdeführerin lässt demgegenüber im Wesentlichen geltend machen, dass
weder auf das psychiatrisch-orthopädische
G._
-Gutachten noch auf
die fachfremde Beurteilung
des neurologischen Gesundheitszustandes durch den
RAD-
Chirurgen abgestellt werden könne
. Demgegenüber
könne
de
m
von den Fachärzten des
F._
seit August 2015 beschriebenen
Gesundheitsv
erlauf Glauben
geschenkt werden
. Es könne auf deren Beurteilung, wonach sie
(die Beschwerde
führerin)
sowohl in angestammter wie auch in angepasster Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig sei, abgest
ell
t werden. Ihr sei
daher
nach Ablauf des Wartejahres ab Juni 2016 eine ganze
Rente
zuzusprechen. Sofern das angerufene Gericht wider Erwarten nicht auf die Beurteilung der
F._
abstütze, sei zur Klärung des medizinischen Sachverhalts ein polydisziplinäres
(orthopädisches, neurologisches und psychiatrisches)
Gutachten
einzuholen (Urk. 1).
2.2
In der Beschwerdeantwort vom 30. Oktober 2017 (Urk. 7)
hielt
die Beschwerde
gegnerin
daran fest
, dass kein invalidisierender Gesundheitsschaden bestehe.
Hinsichtlich des psychischen Leidens
sei
es
überwiegend wahrscheinlich, dass
dieses
nach wie vor durch diverse psychosoziale Faktoren aufrechterhalten werde. Selbst wenn sich jedoch die psychischen Leiden unterdessen verselbständigt hät
ten, sei die im Bericht der
F._
vom 19. Juli 2017 diagnostizierte schwere depres
sive Episode nach ICD-10 F32.2 anhand der erhobenen
Befunde nicht nachvoll
ziehbar, weshalb
nicht von einer schweren Depression, sondern nach wie vor von der im psychiatrischen Gutachten vom 25. November 2016 festgestellten mittel
gradigen depressiven Episode auszugehen
sei
, die gegenwärtig remittiert (ICD-10 F32.4)
sei
. Eine solche mittelgradige Störung des depressiven Formenkreises sei rechtsprechungsgemäss erst dann invalidisierend, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sei. Dies sei hier nicht der Fall, da noch nie ein stationärer psy
chiatrischer Klinikaufenthalt stattgefunden habe. Das psychische Leiden sei ent
sprechend nicht invalidisierend.
Auch im orthopädischen Gutachten vom 25. November 2016 sei keine Diagnose gestellt worden, welche eine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit gezeitigt hätte. Eine neurologische Begutachtung
sei nicht erforderlich, da
Dr.
I._
auch Facharzt für Neurologie sei, er eine neuropsychologische (recte: neurophysiologische) Beurteilung abgegeben habe und der RAD gestützt auf die neurologischen Befunde keine Arbeitsunfähigkeit habe attestieren können.
Mit Replik vom 19. Januar 2018 (Urk. 12) liess die Beschwerdeführerin
zu
den psychosozialen Faktoren
ausführen
, dass solche ihre psychischen Beschwerden nicht beeinflussen würden. Sie leide an einer verselbständigten psychischen Erkrankung. Ferner sei entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin gestützt auf die Berichte der
F._
vom 30. März (Urk. 8/63) und 19. Juli 2017 (Urk. 3/4)
eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes dokumentiert, indem
neu
eine schwere Depression festgehalten werde. Dies bestätige auch der Bericht der
F._
vom 16. November 2017 (Urk. 13). Weiter sei die von der Beschwerde
gegnerin angerufene bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach mittelgradige depressive Störungen lediglich bei Therapieresistenz invalidisierend seien, zwischenzeitlich überholt.
Letztlich
sei
Dr.
I._
zwar Facharzt für Neu
rologie, eine neurologische Beurteilung habe ab
er dennoch nicht stattgefunden.
Im Sinne der Eventualbegründung sei
ausserdem
darauf hinzuweisen, dass sich das psychiatrische Gutachten nicht zu den Standardindikatoren äussere. Sofern das Gericht den Sachverhalt wider Erwarten für spruchreif halte, müsse im Sinne der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen
in
einem ergebnisoffenen, strukturierten Beweisver
fahren zu prüfen seien, ohnehin ein neues Gutachten erstellt werden.
3.
3.1
Der Hausarzt Dr.
J._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, schrieb die Beschwerdeführern ab dem 19. Juni 2015 zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 8/12/5-10). Ab dem 21. August 2015 befand sie sich in ambulanter psychi
atrischer Therapie bei der Psychiaterin
Dr.
D._
im Ambulatorium der
F._
(Urk. 8/12/3). Diese nannte
in ihrem Bericht vo
m 5. Oktober 2015 als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode mit rezidivierenden Panikattacken (ICD-10 F32.1, Urk. 8/17). Die Beschwerdeführerin sei in der Arbeitsfähigkeit aktuell stark eingeschränkt. Die bisherige Tätigkeit als Reinigungshilfe und in der Hauswirtschaft sei ihr aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar (Urk. 8/17/3). In Zukunft sei eine Wie
deraufnahme der beruflichen Tätigkeit möglich, der Zeitpunkt dazu sei aber noch offen
.
D
er Wiedereinstieg müsse schrittweise erfolgen (Urk. 8/17/4).
3.2
Am 27. Oktober 2015 diagnos
tizierte
n
die Ärzte des
Spital
s
K._
ein K
arpal
tunnelsyndrom (CTS), das rechts stärker als links sei, und ein
Sulcus
-
ulnaris
-Syn
drom
(SUS) links („
snapping
ulnaris
”). Zudem hielt
en
sie
fest, dass beide Diag
nosen neurologisch durch
einen
Bericht von Dr
.
L._
, Fachärztin für Neu
rologie,
vom 2. September 2015
bestätigt worden seien
. Nebendiagnostisch wur
den psychosoziale Probleme und somatoforme Beschwerden wegen der Stellen
kündigung festgestellt. Ausserdem leide
die Versicherte
unter Hypertonie,
Dysli
pidämie
, Adipositas und Nikotinkonsum cave
Chronic
Obstructive
Pulmonary
Disease
(COPD) bzw. einer chronisch obstruktiven Lungenkrankheit (Urk. 8/29/12).
Am 4
. Dezember 2015
wurden im gleichen Spital eine offene
l
inke
Dekompression des
Sulcus
ulnaris
mit Nerven-
Vorverlagerung
und
eine
endoskopische
K
arpaltunneldekompression
ebenfalls vorgenommen
(Urk. 8/29/10-11).
Am 5. Januar 2016 erklärte der Oberarzt des Spital
s
K._
, Dr.
M._
, Facharzt für Chirurgie und Handchirurgie sowie Oberarzt für Handchirurgie, die Beschwerdeführerin habe sich problemlos von der Operation erholt. Sie habe über klassische linksseitige
Ulnaris
-Ausfallsymptome wie Schwäche in der Hand, eine leichte Krallenposition vom
Digitus
manus
IV (Ring
finger) und V (kleiner Finger) geklagt. Die Karpaltunnelsyndrom(CTS)-Beschwerden der
rechten Hand seien nach wie
vor
gegeben
(Urk. 8/29/8). Im Ver
laufsbericht vom 17. Februar 2016 hielt
Dr.
M._
fest, dass die Schmerz- bzw. die Parästhesie-Beschwerden auf der linken Seite praktisch verschwunden seien. Ein Taubheitsgefühl und die zu erwartende „Kraftlosigkeit” der linken Hand seien aber wie erwartet noch vorhanden und würden als störend empfunden. Es werde nun die rechtsseitige CTS-Operation geplant (Urk. 8/29/6-7). Am 26. Februar 2016 wurde über die am Vortag erfolgte endoskopische Spaltung des
Retinaculum
flexorum
rechts berichtet. Bis zur Nachkontrolle in vier Wochen sei die Beschwer
deführerin zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 8/34/10).
3.
3
Im Bericht vom 11. Dezember 2015 (Urk. 8/27/7-9)
hielt
die behand
elnde Psychi
aterin Dr.
D._
an der
im Bericht vom 5. Oktober 2015 (vgl. Urk. 8/17) gestellte
n
Diagnose
fest
. Die Beschwerdeführerin leide seit der Kündigung im Juni 2015 an einem mittelgradigen depressiven Syndrom im Sinne einer Kränkungsdepression (Urk. 8/27/9).
Auch
am 1. März 2016
bestätigte diese Ärztin
die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode mit rezidivierenden Panikattacken (ICD-10 F32.1). Ab Mai 2016 sei ein Tage
s
klinikaufenthalt in der
F._
geplant, von dem eine Besserung erhofft werde. Die Arbeitsfähigkeit könne durch medizinische Massnahmen ver
bessert werden
. Die Motivation der Beschwerdeführerin zur Aufnahme einer Arbeit sei bei
einer Motivationsskala von 1 = gering bis 10 = sehr hoch bei 4 festzusetzen
(Urk. 8/30).
3.
4
Im Bericht des Spitals
K._
vom 23.
März 2016 (Urk. 8/34/8-9) bestätigte Dr.
M._
die bisherigen Diagnosen mit neurologisch bestätigter CTS und SUS sowie den Status nach zwei Operationen, zum einen der
linksseitigen Beschwer
den
(SUS, CTS)
am 4. Dezember 2015
(vgl. Urk. 8/29/10-11)
und zum anderen des rechten CTS am 25. Februar 2016
(Urk. 8/34/10)
.
Aktuell habe sie auch eine
teilregrediente
Sehnenscheidenentzündung am rechten (dominanten) Handgelenk und im A1-Ringbandareal des
Digitus
manus
I (Daumen). Von der rechten CTS-Dekompression vor etwa vier Wochen habe sich die Beschwerdeführerin sehr gut erholt und erfreulicher Weise von einem kompletten Rückgang ihrer diesbezüg
lichen Symptome berichtet. Allerdings habe sie
von
Schmerzen und eine
r
Schwel
lung an den beiden oben genannten Stellen an der rechten Hand (Daumen und
radiopalmares
Handgelenk)
erzählt
. Die postoperative Erholung laufe auf der rechten Seite etwas mühsamer (Schmerzen, Schwellung) als auf der Gegenseite. Aktuell habe sie auch Probleme mit den Füssen und sei wegen diesen auch in Behandlung (Urk. 8/34/8-9). Am 11. Mai 2016 erklärte Dr.
M._
, dass sich die Schmerzen durch die Sehnenscheidenentzündung auf der rechten Seite leicht ver
bessert hätten. Links hingegen seien die Parästhesien beim bekannten und vor etwa fünf Monate versorgten SUS unverändert (Urk. 8/34/6-7). Am 19. Juli 2016 berichtete
Dr.
M._
von einer leichten Verbesserung der Probleme sowohl auf der rechten als auch auf der linken Seite. Bei der Inspektion habe sich auf der rechten Seite im FCR-Areal am Handgelenk immer noch eine prall-elastische Schwellung im Sinne eines Beugesehnenscheidenganglions gezeigt. Das
Digitus
manus
I A1-Ringband sei nach wie vor
druckdolent
, aber zeige immer noch kein Schnapp-Phänomen. Auf der linken Seite würden sich wie erwartet die klassi
schen Stigmata einer
Ulnaris
-Insuffizienz zeigen. Die Kraft sei natürlich deutlich vermindert. Ansonsten sei aber der Faustschluss auf der linken Seite gut und flüssig möglich (Urk. 8/34/4-5).
3.
5
In den Berichten vom 25. August (Urk. 8/37/2-4) und vom 13. September 2016 (Urk. 8/35) listete die behandelnde Psychiaterin Dr.
D._
nach wie vor die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode mit rezidivierenden Panikat
tacken auf (ICD-10 F32.1). In beiden Berichten sprach sie von einem unveränder
ten Gesundheitszustand (vgl. Urk. 8/35/2, vgl. Urk. 8/37/2). Im Bericht vom 25. August 2016 wurde die tagesklinische Behandlung erwähnt, die halbtags
vom
20. Mai
bis zum 15. Juli 2016
in der
F._
stattgefunden habe (Urk. 8/37/3
, vgl. Urk. 13 S. 1)
.
Dr.
D._
meinte,
dass aufgrund der persistierenden depressiven Symptomatik seit circa einem Jahr und dem Nichtansprechen auf die
Psycho
pharmako
- und Psychotherapie von einer ernsten Prognose auszugehen sei (Urk. 8/37/4). Im Bericht vom 13. September 2016 erklärte sie, dass die tageskli
nische Behandlung trotz regelmässiger Teilnahme der Beschwerdeführerin keine Verbesserung der depressiven Symptomatik gebracht
habe (Urk. 8/35/2). Die Beschwerdeführerin sei aktuell weder in der bisherigen noch in einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig. Die Arbeitsfähigkeit könne durch weitere medizinische Massnahmen wahrscheinlich nicht mehr verbessert werden. Die Beschwerdefüh
rerin leide stark unter ihren somatischen Erkrankungen, die zu Schmerzen an verschiedenen Körperteilen und in den Händen zusätzlich zu starker Muskel
schwäche führen würden (Urk. 8/35).
3.
6
3.
6
.1
Im psychiatrischen Fachgutachten vom 25. November 2016 (Urk. 8/46/6-56) hielt Dr.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie, keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest.
Unbedeutend für die
Arbeitsfähigkeit
nannte er
eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21), eine mittelgradige, gegenwärtig remittierte depressive Episode (ICD-10 F32.4),
chronifizierte
Probleme in der Beziehung zum Ehepartner (ICD-10 Z60.3), sonstige näher bezeichnete Probleme in der primären Bezugsgruppe (ICD-10 Z63.8), Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung (Sprachschwierigkeiten, ICD-10 Z60.3), Probleme in Verbindung mit Ausbildung und Beruf (kein erlernter Beruf, ICD-10 Z55) und Probleme in Verbindung mit Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56, Urk. 8/46/54).
Die Beschwerdeführerin
berichtet, sie habe
vor eineinhalb Jahren
die Stelle ver
loren
. Sie habe Probleme in den Händen
gehabt
,
sei trotz Schmerzen arbeiten gegangen und habe sich nicht operieren lassen. Sie habe sich für den Arbeitgeber aufgeopfert. Dennoch sei ihr gekündigt worden.
Durch diese Kündigung habe sie sich schwer gekränkt gefühlt. Etwa zur gleichen Zeit seien Pr
obleme mit dem ältesten Sohn und
seiner russischen Frau aufgetreten, die zu schweren Zerwürf
nissen in der Familie geführt hätten (Urk. 8/46/38-39).
Ihr Mann sei vor 15 Jah
ren wegen einer Herzoperation und einer Depression berentet worden. Die Ehe sei chronisch belastet. Man spreche nicht
mehr
miteinander. Die Eheschwierigkeiten bestünden bereits
seit
längere
r
Zeit (Urk. 8/46/36).
In der Untersuchung sei die Stimmungssituation der Beschwerdeführerin gedrückt gewesen. Die Schwingungsfähigkeit sei eingeschränkt gewesen. Die Freudfähig
keit
und die Interessen der Beschwerdeführerin seien reduziert gewesen. Es sei ein sozialer Rückzug angegeben worden. Im Antrieb habe eine leichte Störung bestanden. Psychomotorisch sei die Beschwerdeführerin angespannt und unruhig gewesen. Das Selbstwerterleben sei deutlich reduziert gewesen. Sie habe ausge
prägte Krankheitsgefühle durch die Kündigung und die multiplen psychosozialen Probleme aufgewiesen. Subjektiv sei über Energielosigkeit und Müdigkeit geklagt worden (Urk. 8/46/43). Im Rahmen der Beurteilung meinte
Dr.
I._
, die Beschwerdeführerin
sei
in der Untersuchung
mässig kooperativ gewesen
,
sie habe teilweise
Auskünfte verweigert. Es hätten in der Exploration zahlreiche Hinweise auf
invaliditäts
fremde Belastungsfaktoren aufgedeckt werden können. So bestehe eine zerrüttete Ehe. Mit dem älteren Sohn habe es ein Zerwürfnis gegeben, so dass kein Kontakt mehr bestehe. Diese Belastungsfaktoren seien im zeitlichen Kontext mit dem Auftreten der psychopathologischen Symptome erschienen. Zusammenfassend sei daher der Eindruck entstanden, dass für die Psychopatho
logie überwiegend psychosoziale Hintergründe
eine Rolle gespielt hätten. Die Krankheitsentstehung sei in Reaktion auf die Kündigung und weitere psycho
soziale Belastungsfaktoren erfolgt. Damit könne primär eine neurotische Fehlver
arbeitung angenommen werden. Die behandelnde Psychiaterin spreche ebenso von einer Kränkung. Im Weiteren habe sich die Beschwerdeführerin sozial seit der Kündigung zwar etwas zurückgezogen. Sie habe jedoch noch eine befriedi
gende soziale Teilhabe. Es müsse gemutmasst werden, dass krankheitsunterhal
tende Faktoren aus anhaltenden psychosozialen und emotionalen Belastungsfak
toren stammen würden, die aus gutachterlicher Sicht das Bild letztlich dominieren würden (Urk. 8/46/49-50).
Zum Gesundheitszusta
nd wurde festgehalten, dass bei
der
Untersuch
ung
unreife-narzisstische Kränkungssymptome mit trotzähnlichem Vermeidungsver
halten dominiert hätten, die für das Vorliegen einer Anpassungsstörung mit län
gerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) sprechen würden. Diese sei zeitweilig – insbesondere zu Beginn des psychiatrischen Störungsbildes
-
derart schwer gewesen, dass die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode gemäss ICD-10 F32.1 nachvollziehbar sei. Das aktuelle Störungsbild drohe in eine Ver
bitterungsstörung abzugleiten.
Diese
könne nach aussergewöhnlichen, jedoch lebensüblichen Belastungen (Kündigung, Partnerschaftsprobleme, zwischen
menschliche Konflikte, Verlusterlebnisse) entstehen, wenn diese als ungerecht, kränkend oder herabwürdigend erlebt würden. Im Vordergrund des Beschwerde
bildes stehe ein andauernder Verbitterungsaffekt, verbunden mit Gefühlen von Hilfslosigkeit,
Vorwürflichkeit
gegen sich und andere, aggressive Phantasien gegen sich selbst und andere
,
bis hin zu Gedanken an Suizid und auch erweiterten Suizid. Hinzu würden typischerweise Antriebsblockaden und innere Unruhe, somatoforme Störungen, Schlafstörungen und sozialer Rückzug kommen. Plätze und Personen, die mit dem traumatischen Ereignis assoziiert seien, würden ver
mieden, was vordergründig wie eine Phobie erscheinen könne. Die Grundstim
mung sei
dysphorisch
gedrückt (Urk. 8/46/50-51).
Zur Arbeitsfähigkeit hielt der begutachtende Psychiater fest,
dass
aus versiche
rungsmedizinisch-psychiatrischer Sicht von keinem invalidisierenden Gesund
heitsschad
en auszugehen sei. Es würden invaliditäts
fremde Belastungsfaktoren dominieren. Bei einer ergebnisoffenen Prüfung der Standardindikatoren komme er zu einem negativen Ergebnis. Es sei davon auszugehen, dass es der Beschwer
deführerin zumutbar sei, das Kränkungserleben nach der Kündigung zu überwin
den (Urk. 8/46/53). Es hätten zu keinem Zeitpunkt
handicapierende
Fähigkeits
störungen bestanden, die eine mittel- und langfristige Arbeitsunfähigkeit in zuletzt ausgeübter oder einer adaptierten Tätigkeit begründen könnten (Urk. 8/46/55).
3.
6
.2
Im orthopädischen
G
utachten vom 25. November 2016 (U
rk. 8/46/57-105) stellte Dr. N._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie & Traumatologie des Bewegungsapparates, für Or
thopädie und für Unfallchirurgie
im Fachbereich Orthopädie, keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
So erwähnte er nur
einen
Hallux
valgus
rechts (ICD-10 M20.1) und einen erworbe
nen Senk-Sprei
zfuss beidseits (ICD-10 M21.68)
.
Die Beschwerdeführerin habe über eine konstant vorhandene, jedoch belastungs
abhängig verstärkte Schmerzsymptomatik im Bereic
h ihrer rechten Hand sowie eine anhaltende
Kribbelparästhesie mit Kraftminderung im Bereich der linken Hand berichtet. Wörtlich habe sie angegeben, dass sie im Bereich des linken Ring- und Kleinfingers seit Jahren ein anhaltendes Ameisenlaufen habe. Sie habe im Bereich der linken Hand weniger Kraft. Die Schmerzen seien im Bereich der linken Hand mittlerweile geringer. Die ehemalige Gefühlsstörung im Bereich des
rechten
Daumens und des Zeigefingers sei nicht mehr da, jedoch habe sie hier immer noch Schmerzen,
insbesondere
wenn sie versuche kraftvoll zuzugreifen. Auf
grund der Beschwerden in der rechten Hand mache es ihr Mühe, z.B. einen Lappen auszuwringen oder z.B. eine Dose mit der rechten Hand zu öffnen. Hierzu habe sie immer noch zu wenig Kraft (Urk. 8/46/65). Weiter erklärte sie im Rahmen der Schmerzanamnese, dass sie unter vermehrter körperlicher Belastung einen drückenden, unangenehmen Schmerz
verspüre. Im Bereich der rechten
Thenar
- und
Hypothenarregion
verspüre sie unter Druck
die meisten Beschwerden.
Im Übrigen habe sie einen
konstant vorhandenen Ruheschmerz
. Bei Betätigung der rechten Hand nehme der Schmerz jeweils zu. Im Vergleich
zur Zeit
vor der im Februar 2016 durchgeführten Karpalkanalspaltung seien die Beschwerden jedoch insgesamt gesehen besser (Urk. 8/46/66-67). Zur Linderung der Beschwerden würde sie jeweils ergotherapeutische Übungen machen sowie gelegentlich
Dafalgan
einnehmen, was deutlich helfe (Urk. 8/46/66-67). Auf eine etwaige neu
rologische Begleitsymptomatik angesprochen, habe die Beschwerdeführerin von den im Bereich der linken Hand anhaltenden Kribbelparästhesie
n
des Ring- und Kleinfingers berichtet, wobei die ehemalige Kribbelparästhesie im Innervations
gebiet des
Nervus
Medianus
seit der im Dezember 2015 erfolgten Karpal
kanalspaltung insgesamt deutlich besser geworden sei. Störend sei für sie jedoch die anhaltende Kraftminderung im Bereich der linken Hand (Urk. 8/46/67).
Dr.
N._
gab in Würdigung der
Vorakten
an, dass er mit den von Dr.
M._
vom Spital
K._
genannten Befunden und der hieraus abgeleiteten Operations
indikation uneingeschränkt einiggehe. Die erwähnte Sehnenscheidenentzün
dung im Bereich des rechten
Musculus
flexor
carpi
radialis
sowie die Tendova
ginitis
stenosans
(Schnappfinger) im Bereich des A1-Ringbandes des rechten Daumens könne zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr nachgewiesen werden (Urk. 8/46/101).
Zur Arbeitsfähigkeit meinte der begutachtende Orthopäde, dass aus orthopädisch-versicherungsmedizinischer Sicht seit der Antragstellung und anhaltend zu kei
nem Zeitpunkt gesicherte orthopädisch-chirurgische Störungsbilder mit
handi
capierten
Auswirkungen vorgelegen hätten, welch die mittel- und langfristige Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in zuletzt ausgeübter Tätigkeit sowie einer allfällig adaptierten Tätigkeit um mehr als 20 % eingeschränkt hätten (Urk. 8/46/103).
3.
6
.3
Unter dem Tite
l „fachfremde Diagnosen” listete der orthopädische
Gutachter
Dr.
N._
unter Berücksichtigung der neurophysiologischen Untersuchung
von
Dr.
I._
einerseits Residuen eines chronischen linksseitigen
Sulcus
-
ulnaris
-Syndroms (ICD-10: G56.2) mit Parästhesie und Minderung der Ober
flächensensibilität im Bereich des linken Ring- und Kleinfingers und mit n
europhysiologisch nachgewiesenem anhaltendem
Leitungsblock im Ellenbogen
be
reich mit Normalisierung der distalen Nervenleitgeschwindigkeit (NLG)
,
ohne Hinweis auf eine
Wallersche
Degeneration
auf
.
Andererseits erwähnte
er
Residuen d
er im Februar 2016 erfolgten rechtsseitigen endoskopischen Karpalkanalspal
tung mit noch diskreter Minderung der
Thenarmuskulatur
und belastungsabhän
giger Schmerzsympto
matik (ICD-10 G56.1, Urk. 8/46/98
).
Dr.
I._
stellte nach einer neurophysiologischen Untersuchung ein beidseits
mässiggradig
ausgebildetes sensomotorisches K
arpaltunnelsyndrom mit Rechtsseitenbetonung fest. Im Vergleich zum Vorbericht der Neurologin Dr.
L._
vom 2. September 2015 sei eine deutliche Besserung der distalen motorischen Latenz (DML)
festzustellen
. Bei einem Status nach
der
Operation
vom 4. Dezember 2015
finde sich linksseitig ein
verplumtes
Potential des
Nervus
ulnaris
links bei normwertigen Nervenleitungsgeschwindigkeiten (NLG) als Zeichen der moto
rischen Erholung der Nervenfasern distal. Bei nicht
evozierbarer
F-Welle links sei weiterhin ein Leitungsblock im Ulcus
sulnaris
(Ellenbogenbereich) vorhanden. Rechtsseitig bestehe eine sensibel verzögerte Nervenleitungsgeschwindigkeit (NLG), welche links nicht
evozierbar
sei. Zusammenfassend bestehe ein rechtsbe
tontes, im Verlauf nach endoskopischer Dekompression vom 4. Dezember 2015
regredientes
sensomotorisches, noch leicht bis
mässiggradig
ausgebildetes CTS. Weiter sei ein Status nach
Ulnarisverlagerungs
-OP links vom 30. Oktober
(recte: 4. Dezember, Urk. 8/29/10-13, Urk. 8/46/16-17)
2015 festzustellen. Dort gebe es weiterhin einen Leitungsblock im Ellbogenbereich. Rechtsseitig sei
ein leichtgra
diges sensibles
Sulcus
-
sulnaris
-Syndrom
vorhanden (Urk. 8/46/97).
Der Orthopäde Dr.
N._
bemerkte, dass die Befunde auf neurologischem Fach
gebiet keinen Eingang in die Bewertung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit auf orthopädisch-chirurgischem Fachgebiet gefunden
hätten
. Es handle sich hierbei um rein neurologische Einschränkungen, welche hinsichtlich ihrer versicherungs
medizinischen Konsequenz von einem Facharzt für Neurologie beurteilt werden müssten (Urk. 8/46/99).
In einer
bidisziplinären
Zusammenfassung hielten die Gutachter
der IV-Stelle
hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit fest, dass letztlich weder somatisch noch psychi
atrisch Störungsbilder mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestehen
wür
den
(Urk. 8/46/5).
3.
7
In der Stellungnahme vom 16. Dezember 2016 (Urk. 8/52/7) erachtete der RAD-Arzt, Dr.
O._
, Facharzt für Chirurgie, das
bidisziplinäre
G._
-Gutachten für schlüssig und nachvollziehbar. Er liess jedoch dem begutachten Psychiater Dr.
I._
, der auch
Facharzt für Neurologie
ist
, die Rückfrage stellen, welche Auswirkungen die aufgeführten neurologischen Diagnosen auf die Arbeitsfähigkeit in bisheriger und angepasster Tätigkeit hätten (Urk. 8/52/7-8).
Am 15. Januar 2017
stellte
Dr.
I._
klar
, dass lediglich eine orthopä
disch-psychiatrische Begutachtung stattgefunden habe
. Die Neurophysiologie im Gutachten zeige auf, dass die Beschwerden der Beschwerdeführerin den Auftrag zur
bidisziplinären
orthopädisch-psychiatrischen Abklärung überschreiten wür
den. Z
ur Arbeitsfähigkeit auf neurologischem Fachgebiet
könne
nach der Durch
führung eines neurologischen Fachgutachtens Stellung genommen werden (Urk. 8/50).
Der RAD-Chirurg Dr.
O._
führte am 1. Februar 2017 aus,
nach
nochmaligem genauen Studium des orthopädischen Teils des
bidisziplinären
Gutachtens könne festgestellt werden, dass die aufgeführten neurologischen Gesundheitsschäden
regredient
seien (Urk. 8/52/8). Dies ergebe sich aus der Zusammenfassung der neurophysiologischen Untersuchung
durch
Dr.
I._
, in welcher stehe, dass
rechtsbetont ein
regredientes
sensomotorisches, noch leicht bis
mässiggradig
ausgebildetes CTS bestehe (vgl. Urk. 8/46/97). Ausserdem sei bei der orthopä
dischen Funktionsprüfung der Hände keinerlei Einschränkung in der Beweglich
keit oder Greif-/Haltefunktion der Hände ermittelt worden, was sich aus den orthopädisch-gutachterlichen Untersuchungsbefunden bezüglich der Handfunk
tionen und der Fingermobilität ergebe (vgl. Urk. 8/46/85-87). Damit könne fest
gehalten werden, dass die neurologischen Diagnosen, die im orthopädisch-psychiatrischen Gutachten als fachfremd bezeichnet, jedoch indirekt begutachtet worden seien, keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit in bisheriger und ange
passter Tätigkeit haben würden. Damit erübrige sich ein zusätzliches neurologi
sches Gutachten. An der abschliessenden RAD-Stellungnahme vom 16. Dezember 2016 (vgl. Urk. 8/52/7) könne folglich festgehalten werden (Urk. 8/52/8).
3.8
I
m
Verlaufsbericht vom
30. März 2017 diagnostizierte die behandelnde Psychia
terin eine mittelgradige bis schwere depressive Episode mit episodischen Panikattacken (ICD-10 F32.1-2). Die Beschwerdeführerin leide seit Sommer 2015 an einer chroni
sch verlaufenden Depression. Der
chronische Verlauf
müsse
vor dem Hintergrund einer sehr einfach strukturierten Persönlichkeit
gesehen werden
, die nur sehr begrenzt fähig sei zur Selbstreflektion und zur Konfliktlösung,
wes
halb
die Versicherte
zum Externalisieren neige. Aufgrund ihres Gesundheits
zu
standes sei sie aktuell mindestens zu 80 % arbeitsunfähig. Das gelte sowohl für die bisherige als auch eine angepasste Tätigkeit (Urk. 8/63).
Der RAD-
Chirurge
Dr.
O._
erklärte am 16. Mai 2017
dazu
, dass
der begutach
tende Psychiater
Dr.
I._
die Diagnosen der behandelnden Psychiaterin Dr
.
D._
aus ihrem Bericht vom 30. März 2017
in seinem Gutachten widerlegt habe. Es sei an
seiner Stellungnahme
vom 16. Dezember 2016
(vgl. Urk. 8/52/7)
festzuhalten (vgl. Urk. 8/68/2)
3.9
I
n den
Bericht
en
, die nach Erlass der Verfügung erstellt wurden,
vom 19. Juli (Urk. 3/4 = Urk. 8/75)
, 11. September (Urk. 3/5)
und 16. November 2017 (Urk. 13)
listete
die behandelnde Psychiaterin
nunmehr lediglich noch
eine schwere depressive Symptomatik
auf
. Trotz bald zweijährigem Behandlungszeitraum (ambulant und tagesklinisch) müsse festgehalten werden, dass die initial relativ günstige Prognose sich nicht bestätigt habe und
nunmehr sogar
die Kriterien einer schweren depressiven Episode (ICD-10 F32.2) erfüllt seien.
Die Erkrankung habe sich
verschlechtert
(Urk. 3/5 S. 2).
Für eine stationäre psychotherapeutische Behandlung erfülle die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer
einfachen
Persönlich
keit leider nicht über die Voraussetzungen (Urk. 8/75/2).
Die
Erkrankung
sei daher
als therapieresistent
anzusehen.
Ausserdem habe zum Berichtszeitpunkt am 11. September 2017 weiterhin eine volle Arbeitsunfähigkeit für Tätigkeiten im regulären Arbeitsmarkt gegolten (Urk. 3/5 S. 2). Nach den Angaben der Beschwerdeführerin habe sich auch die psychosoziale Belastungssituation deut
lich entspannt (Urk. 13 S. 2).
4.
4.1
Die Auffassung des RAD-
Chirurgen
,
dass die neurologischen Diagnosen zwar im orthopädisch-psychiatrischen Gutachten als fachfremd beurteilt, jedoch
rechts
genügend
begutachtet worden seien und dass diese keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit in bisheriger und angepasster Tätigkeit haben würden
(vgl. Urk. 8/52/8)
, lässt sich mit der gegenwärtigen Aktenlage nicht be
stätigen
.
Zwar
äusserte sich der begutachtende Psychiater
Dr.
I._
, der auch Neurologe ist, zur Diagnostik,
indem er in der neurophysiologischen Unter
suchung ein rechtsbetontes
regredientes
sensomotorisches leicht- bis
mässig
gradig
ausgebildetes CTS und eine
n
linksseitigen Leitungsblock im Ellbogen
ber
eich nach einem
Uln
ar
is
verlagerungs
-OP auflistete (vgl. Urk. 8/46/97). Er beurteilte aber nicht
allfällige Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit, weil nach seinen Angaben dazu die Durchführung eines neurologischen Fachgutachtens notwen
dig
wäre
(Urk. 8/50/2).
Auch der begutachtende Orthopäde
bot
keine Hilfestellung zur Beurteilung eines allfälligen
Einflusses des neurologischen Gesundheitszu
stands auf die Arbeitsfähigkeit
, da er als Facharzt für Erkran
kungen des Stütz- und Bewegungsapparates nicht fachärztlich neurologische Gesundheitsschäden beurteilt. Dies betont
e
er auch, indem er in seinem orthopädis
chen Gutachten
festhielt
, die
rein neurologischen Einschränkungen müssten im Sinne einer ver
sicherungsmedizinischen Konsequenz von einem Facharzt für Neurologie beur
teilt werden (vgl. Urk. 8/49/99). Das Gleiche gilt für die Angaben der behandeln
den Ärzte, denn auch sie
gaben nicht hinreichend Auskunft über allfällige Ein
schränkungen der Arbeitsfähigkeit aus neurolo
gischen Gründe
n. So sind zum einen keine
Berichte der behandelnden Neurologin Dr.
L._
(
vgl. Urk. 8/29/12) aktenkundig,
denen Anhaltspunkte zur Arbeits
fähigkeit entnommen werden könnten. Zum anderen kann auch den Berichten des
operierenden
Handchirurge
n
des Spitals
K._
,
Dr.
M._
,
nichts
zur
Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit
in neu
rologischer Hinsicht
im Verfügungs
zeitpunkt
entnommen werden (vgl. Urk. 8/34/4-5, Urk. 8/34/6-7, Urk. 8/34/8-9).
4.2
Die
Beschwerdeführerin
liess
in ihrem Einwand vom 24.
April 2017
behaupten
,
der operierende
Handchirurge
Dr.
M._
habe telefonisch bestätigt, dass sie auf
grund ihrer Handbeschwerden nach wie vor arbeitsunfähig sei (vgl. Urk. 8/59/3)
, ohne dies jedoch zu belegen
.
Es
kann
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
aus neurologischen Gründen
gestützt auf die gegebene Aktenlage
aber nicht
aus
geschlossen werden.
So hielt der behandelnde
Handchirurge
Dr.
M._
i
m Bericht des Spitals
K._
vom 19. Juli 2016
(vgl. Urk. 8/34/4-5)
bezüglich der linken Hand
Einschränkungen fest, indem er von einer
Ulnaris
-Insuffizienz und einer deutlich verminderten Kraft berichtete (vgl. Urk. 8/34/4-5). Das
gilt auch gestützt
auf die Ausführungen von
Dr.
I._
in seiner neurophysiologischen Untersuchung, weil er darin schr
ie
b,
dass links weiterhin ein Leitungsblock im Ulcus
sulnaris
(Ellenbogenbereich) vorhanden sei (vgl. Urk. 8/46/97).
Weiter lässt der Umstand, dass
der
begutachtende
Orthopäde
keine Einschränkungen der Beweglichkeit und der Greif- und Haltefunktionen der Hände festh
ielt (vgl. Urk. 8/46/87),
entgegen der Auffassung des RAD-Arztes (vgl. Urk. 8/52/8)
noch nicht den Schluss auf keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus neurolo
gischen Gründen zu
. Dies,
weil die
neurologisch bedingte
Kraftminderung
und Schmerzhaftigkeit
, welche
durch
die
Beschwerdeführerin
im orthopädischen Gut
achten
(vgl. Urk. 8/46/65, Urk. 8/46/67)
erwähnt
sind
und objektiv
vom operie
renden Handchirurgen Dr.
M._
am 19
.
Juli 2016 festgehalten wurde
n
(vgl. Urk. 8/34/5),
die Möglichkeit
eine
r Beeinträchtigung
der Leistungsfähigkeit der
zeit nicht ausschliessen lässt
,
zumal die Versicherte manuell belastend im
Haus
wirtschafts
- und Reinigungsbereich
tätig war
.
Vor diesem Hintergrund erscheint die neurologische Gesundheitssituation und deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit als ungenügend abgeklärt
, und es drängt sich eine erneute somatische Begutachtung der Versicherten auf, welche sich auch nicht durch den neuen Behandlungsbericht der Chirurgie
H._
vom
9.
November 2018 ersetzen lässt, worin von einer Vielzahl von neuen Befunden gesprochen wird (
Urk.
19)
.
5.
5.1
Bei der Beurteilung der psychischen Gesundheitssituation stehen sich die behan
delnde Oberärztin der
F._
Dr.
D._
und der Gutachter der Invalidenversicherung
Dr.
I._
mit ihren Ansichten diametral gegenüber. Während
Dr.
D._
bei der selbständigen Krankheitsdiagnose einer mittelgradigen bis neuerdings gar
schwergradigen
depressiven Episode (ICD-10 F. 32.1, F32.2) eine hochgradige Arbeitsunfähigke
it festgelegt hat, erachtet
Dr.
I._
eine Anpassungs
störung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21) als gegeben, die er als nicht invalidisierend einstuft.
5.2
Bei der Diagnose einer Anpassungsstörung nach ICD-10 F43.21 handelt es sich um Zustände von subjektivem Leiden und emotionaler Beeinträchtigung, die die sozialen Funktionen und Leistungen behindern und während des Anpassungs
prozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung, nach einem belasten
den Lebensereignis auftreten. Bei der von
Dr.
I._
gewählten Zusatz
diagnose (.21) ist charakteristisch, dass dabei ein leichter depressiver Zustand als Reaktion auf eine länger anhaltende Belastungssituation besteht, der aber nicht länger als zwei Jahre dauert. Dabei sind die Anzeichen einer depressiven Stim
mung, Angst, Besorgnis vorhanden, ohne dass aber die Symptome so schwer genug oder so markant sind, dass eine spezifische Diagnose gerechtfertigt ist (Horst
Dilling
/Werner
Mombour
/Martin H. Schmidt [Hrsg.],
Internationale
Klas
sifikation psychischer Störung, ICD-10, Kapitel V (F), 10. Auflage 2015, S. 209 ff.). Die Diagnose hängt ab von einer sorgfältigen Bewertung zwischen (1) Art, Inhalt und Schwere der Symptome, (2) Anamnese und Persönlichkeit und (3) belastendem Ereignis, Situation oder Lebenskrise (a.a.O., S. 210).
Für die wie von
Dr.
D._
gestellte Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode wird verlangt, dass eine gedrückte Stimmung, Interessenver
lust/Freudlosigkeit, Verminderung des Antriebs/erhöhte Ermüdbarkeit vorliegen und zusätzlich mindestens drei der Symptome Konzentrations- und Aufmerksam
keitsverminderung,
vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, pessimistische Zukunftsperspektiven, Suizidgedanken, Schlafstörungen, verminderter Appetit während mindestens zwei Wochen gegeben sind. Einige Symptome müssen dabei ausgeprägt sein oder es muss ein besonders weites Spektrum von Symptomen vorhanden sein (a.a.O., S. 173).
Bei der Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) und den verschiedenen depressiven Episoden (ICD-10 F32) handelt es sich um Ausschlussdiagnosen (a.a.O., S. 172).
5.3
Für die Klärung der unterschiedlichen Diagnosestellung und die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ist also - wie sich dem ICD-10 Fachwerk entnehmen lässt - das subjektiv geklagte und vor allem objektiv ermittelte Ausmass der (depressiven) Symptome zunächst entscheidend. Nicht so sehr massgebend ist hingegen die Frage nach der Ursache bzw. der Hintergründe der Depression, welche im Falle der Anpassungsstörung im Sinne eines belastenden Lebensereignisses gegeben sein muss, aber auch im Falle einer Depression vorliegen kann. Entgegen der Ansicht von
Dr.
I._
(
Urk.
8/46/53) ist sodann nach der geänderten Rechtsprechung des Bundesgerichts mit den Diagnosen Anpassungsstörung und depressive Episoden noch nichts über deren invalidisierende Wirkung gesagt, diese stellen erst den Ausgangspunkt für die entscheidende Frage der sich daraus ergebenden funktionellen Einschränkungen dar, die mittels des strukturierten Beweisverfahrens zu erheben sind (BGE 143 V 418).
5.4
Bei der Erhebung der Beschwerden durch
Dr.
I._
fällt auf, dass dieser sehr oberflächlich und vage geblieben ist. Er führte einzig aus, die Versicherte fühle sich seit der Kündigung nicht gut, habe Probleme in den Händen und im rechten Fuss (
Urk.
8/46/38). Worüber sie klagte und was sie unter dieser Aussage verstand, geht aus dem Gutachten nicht direkt hervor. Auch geht kein Versuch des Gutachters hervor, hier konkreter nachzufragen und die Auswirkungen des von ihr geklagten Zustandes im Alltag zu ermitteln. Bei den «objektiven Grund
lagen», die der Gutachter nach seiner Darstellung gemäss den AMPD-Richtlinien ermittelt habe (
Urk.
8/46/42), beschreibt der Gutachter dann durchaus Symptome einer Depression (gedrückte Stimmung, eingeschränkte Stimmungsfähigkeit und Freudfähigkeit, Interessenlosigkeit, sozialer Rückzug, im Antrieb leichte Störung, psychomotorische Unruhe, deutlich reduzierter Selbstwert, geklagte Energielosig
keit und Müdigkeit) und er berichtet von Schlafstörungen. Ohne sich in der Folge aber mit dem entscheidenden Ausmass dieser erhobenen Symptome auseinander
zusetzen und deren Auswirkungen auf den Alltag der Versicherten darzustellen, schloss er auf eine Anpassungsstörung, der er auch – wie gezeigt wurde (oben
Erw
. 5.3) - gleichzeitig zu Unrecht eine Relevanz für eine
Invalidität absprach (
Urk.
8/46/53). Für den Gutachter standen dabei die Gründe im Zentrum, die hin
ter diesen psychischen Reaktionen steckten, nämlich die Kündigung, die dadurch erlebte Kränkung der Versicherten und die vom Gutachter vermuteten weiteren Belastungsfaktoren wie belastetes Verhältnis zum Sohn und eine zerrüttete Ehe. Indem der Gutachter jedoch direkt auf die Diagnose der Anpassungsstörung schloss, ohne sich hinreichend und differenziert mit dem Ausschluss eines eben
falls in Frage kommenden eigenständigen depressiven Störungsbildes zu befas
sen, wie die Situation von der behandelnden Psychiaterin eingeschätzt wird und wie dies gemäss ICD-10 verlangt wird, ist die Diagnose nicht überzeugend. Dies gilt umso mehr, als der Gutachter selber der von der behandelnden Psychiaterin gestellten Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode zu Beginn des Geschehens folgte (
Urk.
8/46/48).
Der Gutachter berichtete von einer mässigen Kooperation der Versicherten bei der Begutachtung, als er sie zur Psychodynamik ihrer Störung habe befragen wollen, weshalb sie ihre Schwierigkeiten innerseelisch nicht überwinden könne (
Urk.
8/46/39). Unter dem Titel «Konsistenz» erwähnte er dies noch einmal (
Urk.
8/46/49).
Dr.
D._
betonte mehrfach, dass es sich bei der Versicherten, die in Italien nur fünf Jahre in die Grundschule gegangen war und keine Berufsaus
bildung hat, um eine sehr einfache Persönlichkeit mit sehr reduzierter
Introspek
tions
- und
Reflektionsfähigkeit
handle (
Urk.
8/75), so dass nicht auszuschliessen ist, dass sie mit den erwähnten Fragestellungen des Gutachters eher überfordert, als dass sie renitent war. Die behandelnde Ärztin sprach ihrerseits von einer kooperativen Patientin.
5.5
Das psychiatrische Gutachten weist relevante Mängel bei der Diagnose und den Ermittlungen der subjektiven und objektiven Befunde auf und ist daher in der Darstellung der Zusammenhänge nicht überzeugend. Sodann wurde es auch nicht in Nachachtung der neuen Rechtsprechung des Bundesgerichts erstellt (BGE 141 V 418, 143 V 418). In Anbetracht dessen, dass die Versicherte in somatischer Hinsicht zusätzlich begutachtet werden muss, ist auch eine neue psychiatrische Begutachtung durchzuführen, die unter Berücksichtigung der somatischen Resul
tate der Frage nach der Diagnose und den funktionellen Auswirkungen auf die verschiedenen Lebensbereiche und den Erwerbsbereich im Sinne der Recht
sprechung nachzugehen hat.
Die Sache ist somit zur Begutachtung in neurologischer und psychiatrischer Hin
sicht zurückzuweisen. Der neurologische Fachgutachter hat sodann zu entschei
den, ob es noch einer ergänzenden (rheumatologischen oder orthopädischen) Fachrichtung bedarf. Die Beschwerde ist in diesem Sinn teilweise gutzuheissen.
6
.
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Sie sind auf Fr. 700.-- anzusetzen. Da die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zu weiterer Abklärung und neuem Entscheid nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsiegen gilt (vgl. ZAK 1987 S. 268 f. E. 5 mit Hinweisen), sind sie
ausgangsgemäss
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Die Prozessentschädigung nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht is
t ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festzusetzen. Diese ist
unter Berücksich
tigung des Stundenansatzes für freiberufliche Anw
älte (Fr. 220.-- exklusive Mehr
wertsteuer), der Bedeutung der Streitsach
e und der Schwierigkeit des Pro
zesses auf Fr. 2
‘
3
00.--
(inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen
.