Decision ID: 54e1b7cf-bcae-5c35-b906-231afe73505a
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Tanja Strauch-Frei, Kriessernstrasse 40,
9450 Altstätten SG,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ war bei der B._ AG tätig und dadurch bei der Suva unfallversichert, als am
30. Juli 1999 das Auto, in welchem er als Beifahrer sass, von der Strasse abkam,
gegen einen Leitpfosten und eine Werbetafel fuhr und schliesslich mit einer
Betonfassade kollidierte. Dabei wurde er schwer verletzt. Die Erstbehandlung und
operative Versorgung erfolgte im Kantonsspital St. Gallen, wo eine distale Femurfraktur
links, eine Tibiaplateau- und Pilon tibiale Fraktur links, eine Lisfranc-Luxationsfraktur
und intraartikuläre Basisfraktur Metatarsale I links sowie eine Kompressionfraktur der
Brustwirbelkörper (BWK) 8 und 9 festgestellt wurden (UV-act. 1-7). Am 18. Januar 2000
erfolgte am Kantonsspital die Osteosynthesematerialentfernung am linken Fuss (UV-
act. 19) und am 11. Oktober 2000 die Metallentfernung an Tibia und Femur.
Gleichzeitig wurde eine Valgisations-Innenrotationsfehlstellung am linken Femur
behoben (UV-act. 28, 29, 30). Nachdem der Versicherte seine Arbeit als Schweisser
wieder vollumfänglich aufgenommen hatte und weitere Abklärungen durchgeführt
worden waren, eröffnete ihm die Suva mit Verfügung vom 9. Dezember 2002, dass er
gestützt auf eine unfallbedingte Integritätseinbusse von 15% Anspruch auf
Integritätsentschädigung habe (UV-act. 48).
A.b Am 27. April 2005 wurde im Spital D._ die Metallentfernung am linken Femur
durchgeführt (UV-act. 56). Am 25. Juli 2005 nahm der Versicherte die Arbeit erneut
wieder vollständig auf. Am 7. März 2006 wurde die ärztliche Behandlung
abgeschlossen (UV-act. 62, 63). Am 8. Dezember 2009 meldete die Arbeitgeberin einen
Rückfall bzw. eine Spätfolge zum Unfall vom 30. Juli 1999 (UV-act. 67). Nach
Durchführung von Behandlungen gab der Hausarzt Dr. med. C._, Innere Medizin und
Onkologie FMH, am 20. September 2010 unter anderem bekannt, dass zeitweise noch
belastungsabhängige Schmerzen im linken Bein bestehen würden, eine Therapie
jedoch nicht durchgeführt werde (UV-act. 75). Mit Verfügung vom 14. Juni 2011 stellte
die Suva die Versicherungsleistungen auf den 20. Juni 2011 ein mit der Begründung,
dass keine behandlungsbedürftige Unfallfolgen mehr vorliegen würden und bezüglich
der psychischen Beschwerden die adäquate Unfallkausalität zu verneinen sei (UV-act.
82). Die gegen diese Verfügung von Rechtsanwältin lic. iur T. Strauch-Frei, Altstätten,
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für den Versicherten erhobene Einsprache (UV-act. 89) wies die Suva mit
Einspracheentscheid vom 18. Oktober 2011 ab (UV-act. 92).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob Rechtsanwältin Strauch-Frei für den
Versicherten am 18. November 2011 Beschwerde und ergänzte diese mit Eingabe vom
9. Januar 2012. Sie stellte die Anträge, der Entscheid und die Verfügung vom 14. Juni
2011 seien aufzuheben und dem Versicherten seien für sämtliche Folgen des Unfalls
vom 30. Juli 1999 die gesetzlichen Versicherungsleistungen zu erbringen. Eventualiter
sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Zur Begründung legte die Rechtsvertreterin unter anderem dar, die
Beschwerdegegnerin habe den Beweis zu erbringen, dass die organischen
Beschwerden nicht mehr auf den Unfall von 1999 zurückzuführen seien. Diesen Beweis
habe sie bisher nicht erbracht. Es treffe nicht zu, dass keine behandlungsbedürftigen
Unfallfolgen mehr vorlägen. Vielmehr werde der Beschwerdeführer aktuell wegen seiner
Krebserkrankung behandelt, so dass die Behandlung der Knieschmerzen momentan
keine Priorität geniesse. Ferner sei die Beschwerdegegnerin auch für die psychischen
Beschwerden leistungspflichtig. Beim Unfall von 1999 habe es sich um einen schweren
Fall der mittleren Gruppe gehandelt. Das Unfallereignis sei als besonders eindrücklich
einzustufen. Es seien mehrere Adäquanzkriterien in ausgeprägter Weise erfüllt. Die
Beschwerdegegnerin habe zusätzliche medizinische Abklärungen und ein
psychiatrisches Gutachten in Auftrag zu geben (act. G 1, 3).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 1. Februar 2012 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des angefochtenen
Entscheids. Zur Begründung verwies sie auf die Ausführungen im angefochtenen
Entscheid und führte unter anderem aus, die somatischen Unfallfolgen seien im
Zeitpunkt der Leistungseinstellung gar nicht behandlungsbedürftig gewesen. Seit 20.
September 2010 sei keine Therapie mehr erfolgt (UV-act. 75). Dementsprechend habe
Dr. C._ auch bestätigt, dass das Leiden im linken Bein stabil sei (act. G 3.2). Der
Beschwerdeführer sei nach der Rückfallmeldung vom Dezember 2009 nie unfallbedingt
arbeitsunfähig gewesen. Mangels unfallbedingter Behandlungsbedürftigkeit und
Arbeitsunfähigkeit bestehe kein Anspruch auf vorübergehende Versicherungsleistungen
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(Heilkosten, Taggeld). Die natürliche Unfallkausalität der psychischen Beschwerden
lasse sich nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erstellen, nachdem zwischen dem Unfall vom 30. Juli 1999 und den
Ende 2010 aufgetretenen psychischen Störungen mehr als ein Jahrzehnt liege. Dies
gelte umso mehr, als unfallfremde psychische Belastungsfaktoren aktenkundig seien.
Ferner fehle es bezüglich der psychischen Störungen auch an der adäquaten
Unfallkausalität. Es habe sich um ein mittelschweres Ereignis im mittleren Bereich
gehandelt. Kein einziges der in diesem Zusammenhang massgebenden Kriterien sei
erfüllt.
B.c Mit Replik vom 16. April 2012 bestätigte die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers ihre Anträge und Ausführungen. Zusätzlich hielt sie fest, es gehe
vorliegend nicht nur um die Ausrichtung von Heilungskosten, sondern auch um die
Anpassung der Integritätsentschädigung infolge der fortgeschrittenen Arthrosen. Aus
dem Umstand, dass im Zeitpunkt der Leistungseinstellung und auch derzeit die
Behandlung der Krebserkrankung sowie der stationären Therapie Vorrang habe, dürfe
nicht geschlossen werden, die Behandlung der posttraumatischen
Retropatellararthrosen sei abgeschlossen (act. G 11). Am 15. Mai 2012 zog die
Rechtsvertreterin das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung zurück (act. G 15). Die
Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 16).

Erwägungen:
1.
Zu prüfen ist vorliegend, ob die Beschwerdegegnerin die für die Folgen des Unfalls
vom 30. Juli 1999 erbrachten Versicherungsleistungen zu Recht auf den 20. Juni 2011
einstellte oder nicht. Zu klären ist dabei, ob nach dem 20. Juni 2011 unfallbedingte
physische und psychische Beschwerden vorlagen und ob diese eine ärztliche
Behandlung erforderten und/oder eine Arbeitsunfähigkeit bewirkten. Die
Beschwerdegegnerin legte die rechtlichen Voraussetzungen des Bestehens eines
adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen Unfall und physischen und psychischen
Gesundheitsproblemen sowie die Beweisanforderungen im angefochtenen Entscheid
(E. 1, 2 und 4) zutreffend dar; hierauf ist zu verweisen. Nicht Gegenstand des
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angefochtenen Entscheids bildete die von der Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers in der Replik angesprochene Anpassung der
Integritätsentschädigung. Hierauf kann dementsprechend auch im vorliegenden
Beschwerdeverfahren nicht eingetreten werden.
2.
2.1 Die Ärzte des Kantonsspitals vermerkten im Bericht vom 13. September 1999
unter anderem, im Zusammenhang mit der Arbeitsstelle und den privaten Umständen
des Beschwerdeführers sei eine psychiatrische Betreuung erfolgt; dies auch in Hinsicht
auf die kürzlich erfolgte Alkoholentziehungskur des Patienten. Am 1. September 1999
habe man ihn bei insgesamt reizlosen Wundverhältnissen nach Hause entlassen
können (UV-act. 7). Am 14. März und 11. Juli 2000 bestätigten die Ärzte eine
Arbeitsfähigkeit von weiterhin 50% (UV-act. 23) sowie ab 10. Oktober 2000
operationsbedingt (Metallentfernung, Behebung der Valgisations-
Innenrotationsfehlstellung am linken Femur) eine volle Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 28,
29). Am 1. März 2001 nahm der Beschwerdeführer seine Arbeit wieder zu 100% auf.
Anlässlich einer Kontrolluntersuchung im Kantonsspital vom 26. Oktober 2001 erklärte
er sich als sehr zufrieden mit dem Behandlungsresultat (UV-act. 32-34, 39). Nachdem
die Arbeitgeberin am 5. September 2002 telefonisch bekannt gegeben hatte, dass der
Beschwerdeführer seit Anfang August 2002 aus psychischen Gründen im Spital sei
(UV-act. 42), teilte sie am 25. November 2002 mit, dass er seit 14. Oktober 2002 wieder
100% arbeite (UV-act. 43). Die ärztliche Abschlussuntersuchung durch Kreisarzt Dr.
med. E._, Spezialarzt FMH für Orthopädische Chirurgie, ergab gemäss Bericht vom
3. Dezember 2002 unter anderem, dass im Vordergrund des Beschwerdebilds das linke
OSG mit eher progredienten Belastungsschmerzen stehe. Zur Zeit könne dem
Patienten keine effiziente Therapie angeboten werden; nicht auszuschliessen sei, dass
zu einem späteren Zeitpunkt eine Arthrodese durchgeführt werden müsse. Nicht im
Vordergrund stünden im Moment die Beschwerden von Seiten der Veränderungen im
Bereich der Lisfranc-Gelenkkette; bei progredienten Beschwerden könne eine
Versorgung dieser Gelenkkette durch eine Versteifung nicht ausgeschlossen werden.
Hinsichtlich des linken Knies bestehe zur Zeit kein therapeutischer Handlungsbedarf;
hingegen werde die Entfernung der Gabelplatte am Femur links empfohlen. Von Seiten
der geringfügigen Wirbelfrakturen bestünden nur gelegentlich Beschwerden. Im
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Bereich der LWS fänden sich keine posttraumatischen Veränderungen, hingegen
Veränderungen leichter degenerativer Art. Insgesamt sei der Zustand in Anbetracht der
multiplen Verletzungen als recht gut zu bezeichnen. Der Patient sei mit dem Resultat
zufrieden. Er sei voll arbeitsfähig (UV-act. 44). Für die Arthrosen am linken OSG und
Fuss schätzte der Kreisarzt den Integritätsschaden auf 15%, wobei er für den Fall einer
möglichen Progredienz der Arthrosen und Durchführung von Arthrodesen die
Notwendigkeit einer Neuevaluation der Integritätsentschädigung in Aussicht stellte (UV-
act. 45).
2.2 Am 27. April 2005 wurde im Spital D._ die Metallentfernung am linken Femur
durchgeführt, weil die Osteotomie am Femur zwar konsolidiert war, das Implantat
(Gabelplatte) jedoch stark störte (UV-act. 56). Nach Durchführung von Physiotherapien
und erneuter vollständiger Wiederaufnahme der Arbeit am 25. Juli 2005 wurde die
Behandlung am 7. März 2006 abgeschlossen (UV-act. 62, 63). In der Folge waren
gemäss Bericht von Dr. med. C._ vom 21. Dezember 2009 im März 2009 Schmerzen
im linken Knie aufgetreten. Radiologisch zeigte sich eine moderate Chondropathie des
lateralen femoro-tibialen Kompartiments und eine fortgeschrittene Chondropathie des
femoro-patellären Gelenks bzw. eine beginnende Femoro-Patellar-Arthrose bei im
Übrigen regelrechtem Kernspintomogramm und ossär stabil konsolidierter
Trümmerfraktur. Dr. C._ verordnete Schuheinlagen. Eine Arbeitsunfähigkeit lag nicht
vor. Der Behandlungsabschluss erfolgte am 21. Dezember 2009 (UV-act. 70 mit
Beilagen). Anlässlich einer Konsultation bei Dr. C._ vom 22. März 2010 klagte der
Beschwerdeführer über OSG-Schmerzen links, worauf - bei weiterhin
uneingeschränkter Arbeitsfähigkeit - eine medikamentöse und physiotherapeutische
Behandlung erfolgte. Am 20. September 2010 teilte Dr. C._ mit, dass zeitweise
immer noch belastungsabhängige Schmerzen bestünden. Eine Therapie werde aktuell
nicht durchgeführt (UV-act. 74, 75). Am 12. Mai 2011 gab Dr. med. F._, Klinik G._,
bekannt, dass sich der Beschwerdeführer vom 11. Oktober bis 3. November 2010 in
stationärer psychiatrischer Behandlung befunden habe. Es sei zu vermuten, dass der
Unfall vom 30. Juli 1999 bei der gegenwärtigen Symptomatik eine Rolle spiele, wobei
der kausale Zusammenhang als gering gewichtet worden sei. Nachdem der Unfall über
10 Jahre zurückliege, könne die Kausalität klinisch - wenn überhaupt - nur schwer
beurteilt werden. Dies sei im Rahmen eines gutachterlichen Auftrags möglich (UV-act.
78).
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3.
3.1 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers entfällt erst, wenn das Dahinfallen jeder
kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist. Da es sich
dabei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als
bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang
gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV
2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2 mit Hinweisen). Dabei muss nicht etwa der Beweis für
unfallfremde Ursachen erbracht werden. Welche Ursachen ein nach wie vor geklagtes
Leiden hat, ist unerheblich. Denn es ist nicht so, dass der Unfallversicherer bei einmal
bejahter Unfallkausalität so lange haftet, als er unfallfremde Ursachen nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachzuweisen vermag. Entscheidend ist allein, ob
unfallbedingte Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren
haben, also dahin gefallen sind (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329 E. 3b). Ebenso wenig
geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein
Gesundheitsschaden mehr vorliegt oder dass die versicherte Person nun bei voller
Gesundheit sei (Urteile des EVG vom 18. Dezember 2003, U 258/02, vom 25. Oktober
2002, U 143/02, und vom 31. August 2001, U 285/00).
3.2 Nach Lage der Akten und den Vorbringen des Beschwerdeführers selbst fehlte es
sowohl am 20. Juni 2011 (Einstellungsdatum) als auch im Zeitpunkt des angefochtenen
Entscheids (18. Oktober 2011) an behandlungsbedürftigen somatischen Folgen des
Unfalls vom 30. Juli 1999 und es lag somatisch unfallbedingt auch keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor (Berichte Dr. C._ vom 20. September 2010
und 30. März 2011; UV-act. 75 und act. G 3.2). Wenn der Beschwerdeführer
einwenden lässt, er werde aktuell wegen seiner Krebserkrankung behandelt, weshalb
die Behandlung der Knieschmerzen keine Priorität geniesse, wobei Dr. C._ am 20.
September 2010 (UV-act. 75) eine unbestimmte Dauer der Behandlung und Arzttermine
in ca. halbjährlichen Abständen bestätigt habe (act. G 1 S. 3f), ist festzuhalten, dass der
Arzt im erwähnten Bericht explizit die Durchführung einer Therapie verneinte und eine
volle Arbeitsfähigkeit bescheinigte (UV-act. 75). Eine zwischenzeitliche gesundheitliche
Veränderung mit erneuter (aktueller) Behandlungsbedürftigkeit von Unfallfolgen lässt
sich insbesondere auch dem Bericht von Dr. C._ vom 30. März 2011 nicht
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entnehmen. Vielmehr bestätigte der Arzt dort hinsichtlich des Leidens im linken Bein
eine stabile Situation (act. G 3.2) und damit auch keine Veränderung hinsichtlich der
von ihm zuvor immer wieder bestätigten, aus Unfallgründen uneingeschränkten
Arbeitsfähigkeit. Die von Dr. C._ erwähnte Karzinombehandlung hat offensichtlich
eine Krankheitsursache und die von ihm erwähnte 50%ige Arbeitsunfähigkeit ist - bei
stabilen Verhältnissen am linken Bein - auf unfallfremde Gegebenheiten (internistische
Probleme) zurückzuführen (act. G 3.2). Zeitweise belastungsabhängige Schmerzen
hatte Dr. C._ denn auch - bei uneingeschränkter Arbeitsfähigkeit - bereits am 20.
September 2010 festgehalten (UV-act. 75). Eine erneute Anfrage bei Dr. C._
betreffend allfällige unfallbedingte Behandlungen und Arbeitsunfähigkeiten im Zeitraum
bis Oktober 2011 (Datum angefochtener Entscheid), wie sie vom Beschwerdeführer
beantragt wird, würde in Anbetracht der geschilderten Umstände aller Voraussicht
nach nicht weitere Erkenntnisse bringen. Unbestritten ist im Übrigen, dass ein
unfallbedingter (stabiler) Dauerschaden (vgl. act. 3.2) vorliegt, ansonsten keine
Integritätsentschädigung hätte zugesprochen werden können. In diesem Verfahren sind
lediglich die Verhältnisse bis zum Datum des angefochtenen Entscheids (18. Oktober
2011) zu prüfen. Dabei bleibt selbstredend das Rückfallmelderecht für spätere
Verschlechterungen bzw. eine erneute Behandlungsbedürftigkeit, wie sie von Suva-Arzt
Dr. med. H._ bereits im Bericht vom 17. Juni 2004 in Betracht gezogen worden war
(act. G 3.4. S. 2), sowie für - hier wie erwähnt mangels entsprechendem
Anfechtungsgegenstand nicht zu prüfende (E. 1) - Anpassungen der
Integritätsentschädigung infolge fortgeschrittener Arthrosen (act. G 11 S. 3f) gewahrt.
4.
4.1 Die Frage, ob es sich bei den aus den Akten (UV-act. 7 und 84; act. G 3.5, 3.6)
ersichtlichen psychischen Beschwerden bzw. Suchtproblemen um eine natürliche
(Teil-) Folge des versicherten Unfalls handelt, lässt sich nicht mit der erforderlichen
überwiegenden Wahrscheinlichkeit beantworten. Eine abschliessende Klärung des
natürlichen Zusammenhangs erübrigt sich jedoch, wenn es - was nachstehend (E. 4.2)
zu prüfen sein wird - an der Adäquanz des Kausalzusammenhangs fehlt (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 17. August 2009, 8C_746/2008, E. 5).
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4.2 Beim Ereignis vom 30. Juli 1999 - das Fahrzeug, in welchem der
Beschwerdeführer als Beifahrer sass, geriet in einer Linkskurve über den rechten
Strassenrand hinaus, prallte gegen zwei Kunststoffleitpfosten, hob bei einer
Unebenheit ab, durchschlug mit der Front eine Werbetafel und kollidierte
anschliessend frontal mit einer Betonfassade - ist in Anbetracht der Unfallumstände
(UV-act. 85) und der bisherigen Kasuistik von einem mittelschweren Unfall auszugehen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 24. August 2007, U 497/06, E. 4.2 mit Hinweis auf
Urteile des EVG vom 1. Mai 2006, U 370/05, vom 17. Mai 2001, U 434/00, E. 7b, wobei
die Kollisionsgeschwindigkeit dort nur 50 km/h betrug). Als schwererer Unfall im
mittleren Bereich wurde ein Ereignis betrachtet, bei dem eine Frontalkollision mit
anschliessenden weiteren Kollisionen von Drittfahrzeugen erfolgte, wobei sich die
Mutter der Versicherten Rippenfrakturen zuzog, der Vater im Rahmen einer
Nachfolgeoperation verstarb und die Versicherte selbst Schürfwunden mit Glassplittern
im Gesicht und am Thorax, vom Sicherheitsgurt verursachte Prellungen der linken
Schulter, Schürfwunden und eine Kontusion am linken Unterschenkel, eine Distorsion
des linken oberen Sprunggelenks sowie einen Unfallschock erlitt. Ebenfalls den
schwereren Unfällen im mittleren Bereich zugeordnet wurde ein Unfall, bei welchem der
vom Versicherten gesteuerte Personenwagen mit einer Geschwindigkeit von rund 80
km/h in einem Tunnel auf die Gegenfahrbahn geriet und mit drei entgegenkommenden
Fahrzeugen zusammenstiess, der Versicherte mittelschwer verletzt, eine Person getötet
und drei weitere leicht bis schwer verletzt wurden (Urteil des EVG vom 15. November
2004, U 334/03 mit Hinweisen). Beim hier zur Diskussion stehenden Unfall vom 30. Juli
1999, bei welchem die drei Auto-Insassen erheblich verletzt wurden (UV-act. 85 S. 3),
waren die Gegebenheiten mit Mehrfachkollisionen zwar recht spektakulär. Angesichts
der vorangehend geschilderten Vergleichs-Sachverhalte rechtfertigen die Umstände in
ihrer Gesamtheit jedoch keine Zuordnung zu den schwereren Unfällen im mittleren
Bereich (vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 24. August 2007, U 497/06, und
vom 14. März 2011, 8C_996/2010, E. 7.1, 7.2). Für eine Bejahung der adäquaten
Unfallkausalität müssten daher mindestens drei Adäquanz-Kriterien erfüllt sein (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 29. Januar 2010, 8C_897/2009, E. 4.5).
4.3
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4.3.1 Eine besondere Eindrücklichkeit oder dramatische Begleitumstände sind nicht
belegt, zumal das objektive Unfallgeschehen massgebend ist (vgl. die Kasuistik zu
diesem Kriterium in Rumo-Jungo, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialver
sicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. A., S. 58-64, sowie
Urteile des EVG vom 23. November 2004, U 109/04, E. 2.3 und vom 2. März 2005, U
309/03, E. 5.1). Die für die Zeit nach dem Unfall bestehende Erinnerungslücke (UV-act.
85 S. 10) weist zudem darauf hin, dass der Beschwerdeführer das Unfallgeschehen
nicht nachhaltig wahrgenommen haben dürfte (vgl. Urteil des EVG vom 15. November
2004, U 334/03, E. 3.2).
4.3.2 Der Beschwerdeführer erlitt anlässlich des Unfalls erhebliche Verletzungen,
welche in den Jahren 1999, 2000 und 2005 Operationen erforderlich machten und
einen bleibenden Körperschaden (UV-act. 45) zurückliessen (vgl. dazu Urteile des
Bundesgerichts vom 17. August 2007, 8C_101/2007, E. 5.2 und 5.3, und vom 21.
Dezember 2007, U 558/06, E. 4.2.2). In der Gesamtschau kann jedoch nicht als erstellt
gelten, dass die Verletzungen für sich allein geeignet waren, psychische Beschwerden
auszulösen. Dies umso weniger, als nach Lage der Akten solche Beschwerden erst
mehrere Jahre nach dem Unfall explizit in Zusammenhang mit diesem Ereignis
gebracht wurden (act. G 3.5; UV-act. 84). Im Bericht vom 13. September 1999 hatten
die Ärzte des Kantonsspitals zwar eine psychiatrische Betreuung erwähnt, dies jedoch
im Zusammenhang mit privaten Umständen, der Arbeitsstelle und der kürzlich erfolgten
Alkoholentziehungskur des Beschwerdeführers (UV-act. 7). Am 5. September 2002
teilte die Arbeitgeberin sodann mit, dass der Beschwerdeführer aus psychischen
Gründen im Spital sei (UV-act. 42). Dazu liegen keine weiteren Unterlagen vor. Fest
steht jedoch, dass der Beschwerdeführer danach ab 14. Oktober 2002 wieder voll
gearbeitet hatte (UV-act. 43). Das erwähnte Kriterium kann somit nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit als erfüllt betrachtet werden.
4.3.3 Hinsichtlich der Länge der Behandlungsdauer ist festzuhalten, dass die ärztliche
Behandlung gut zwei Jahre nach dem Unfall vom 30. Juli 1999 vorerst abgeschlossen
war (UV-act. 39, 44). In der Folge wurde im April 2005 eine weitere Operation
durchgeführt und die ärztliche Behandlung am 7. März 2006 erneut abgeschlossen
(UV-act. 56, 62, 63). Hinsichtlich der daraufhin im März 2009 aufgetretenen Schmerzen
im linken Knie lag keine Arbeitsunfähigkeit vor. Der Behandlungsabschluss erfolgte am
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21. Dezember 2009 (UV-act. 70 mit Beilagen). Anlässlich einer Konsultation bei
Dr. C._ vom 22. März 2010 klagte der Beschwerdeführer über OSG-Schmerzen links,
worauf - bei weiterhin uneingeschränkter Arbeitsfähigkeit - eine medikamentöse und
physiotherapeutische Behandlung erfolgte. Am 20. September 2010 teilte Dr. C._
mit, dass zeitweise immer noch belastungsabhängige Schmerzen bestünden. Eine
Therapie werde aber aktuell nicht durchgeführt (UV-act. 74, 75). Vom 11. Oktober bis
3. November 2010 befand sich der Beschwerdeführer in stationärer (nicht somatischer)
Behandlung (UV-act. 78). Wenn die vorerwähnten Behandlungszeiträume addiert
werden, kann eine ungewöhnlich lange Behandlungsdauer nicht in Abrede gestellt bzw.
muss das Kriterium bejaht werden. Allerdings kann mit Blick auf die erforderlichen
orthopädischen Therapiemassnahmen nicht gesagt werden, diesem Kriterium komme
ein besonderes oder ausschlaggebendes Gewicht zu. Ein schwieriger Heilverlauf und
erhebliche Komplikationen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2010,
8C_321/2010, E. 5.2.3) sind zu verneinen, zumal die vorgenommenen Operationen und
Behandlungen für die somatischen Unfallfolgen sich nicht in einem unüblichen Rahmen
bewegten.
4.3.4 Anlässlich der ärztlichen Abschlussuntersuchung vom Dezember 2002 wurden
nur gelegentliche belastungsabhängige Schmerzen bestätigt, wobei der
Beschwerdeführer mit dem Resultat zufrieden und voll arbeitsfähig sei (UV-act. 44 S.
4). Der operative Eingriff vom April 2005 war - nach einem mehrjährigen
beschwerdearmen bzw. -freien Intervall ohne dokumentierte ärztliche Behandlungen -
unter anderem nötig geworden, weil das Implantat (Gabelplatte) stark störte.
Dauerschmerzen lassen sich den Akten jedenfalls bis März 2009 (UV-act. 74) nicht
entnehmen, und auch danach lagen soweit ersichtlich ausschliesslich zeitweise
auftretende, belastungsabhängige Beschwerden vor (vgl. UV-act. 75 Ziff. 2). Hierbei ist
auch zu beachten, dass der Beschwerdeführer ab März 2001 im Arbeitsprozess im
Wesentlichen uneingeschränkt bestehen konnte, was gegen das Vorliegen von
Dauerschmerzen spricht. Damit lässt sich das erwähnte Kriterium gestützt auf die
Aktenlage nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bejahen. Von einer ärztlichen
Fehlbehandlung ist ebenfalls nicht auszugehen.
4.3.5 Nach dem Unfall war der Beschwerdeführer im bisherigen Beruf als Schweisser
ab 1. Februar 2000 zu 50% (UV-act. 21, 23, 27) und ab 1. März 2001 wieder voll
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arbeitsfähig und -tätig (UV-act. 32-34). Dies blieb er bis zur Operation im April 2005
(UV-act. 56), wobei er danach die Arbeit am 25. Juli 2005 wieder uneingeschränkt
aufnahm und diese Tätigkeit auch nach dem Auftreten von Beschwerden im linken Knie
im März 2009 weiterhin vollumfänglich ausübte (UV-act. 62, 70 Beilagen, 74, 75). Damit
kann eine lang dauernde (somatisch begründete) Arbeitsunfähigkeit im Sinn der
Rechtsprechung (vgl. zusammenfassende Darstellung im Urteil des EVG vom 30.
August 2001, U 56/00, E. 3d) nicht als nachgewiesen gelten. Wenn somit bezüglich des
streitigen mittelschweren Unfalls höchstens ein Adäquanzkriterium zu bejahen ist, lässt
es sich nicht beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin die adäquate Unfallkausalität
der psychischen Beschwerden verneinte.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 18. Oktober 2011 abzuweisen, soweit darauf einzutreten
ist. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 11.01.2013 Art. 6 UVG. Unfallkausalität von somatischen und psychischen Gesundheitsbeschwerden. Leistungseinstellung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. Januar 2013, UV 2011/94).
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2021-09-19T13:19:44+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen