Decision ID: 72ebe881-9ef0-43ed-98bf-1d37c7a471b2
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_999
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: 

betreffend Verletzung des Berufsgeheimnisses etc.
Privatkläger
C.
vertreten durch D.
- 2 -
Anklage:
Die Anklage der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 16. September 2015 (act. 10/3) ist diesem Urteil beigeheftet.
An der Hauptverhandlung anwesende Parteien: (Prot. S. 5)
Der Beschuldigte in Begleitung seines erbetenen Verteidigers B. sowie der Privatkläger C. in Begleitung seines Rechtsvertreters D.
Anträge der Anklagebehörde: (act. 10/3 S. 8)
"- Schuldigsprechung von A. im Sinne der Anklageschrift;
- Bestrafung mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 140.00 (entsprechend Fr. 16'800.00) sowie einer Busse von Fr. 4'200.00;
- Gewährung des bedingten Vollzuges der Geldstrafe unter An- setzung einer Probezeit von 2 Jahren;
- Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe von 42 Tagen bei  Nichtbezahlung der Busse;
- Entscheid über die Rückgabe der einzig als Beweismittel  Gegenstände;
- Entscheid über die Zivilansprüche der Privatklägerschaft;
- Kostenauflage (Kosten, inkl. Gebühr für das Vorverfahren von Fr. 1'500.00)."
Anträge des Privatklägers: (act. 15 S. 2; sinngemäss)
- Der Beschuldigte sei anklagegemäss schuldig zu sprechen.
- Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Kläger Schadenersatz und eine Genugtuung im Betrag von CHF 12'126.50 zuzügl. 5% Zins seit wann rechtens zu bezahlen.
- Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des  (zuzüglich 8% MWST).
- 3 -
Anträge der Verteidigung: (act. 18 S. 1; sinngemäss)
- Der Beschuldigte sei freizusprechen, soweit auf die Anklage  werden kann.
- Auf allfällige Zivilforderungen sei nicht einzutreten, eventualiter seien sie auf den Zivilweg zu verweisen.
- Die beschlagnahmten Dokumente seien herauszugeben.
- Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der .

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich (nachfol-
gend: Staatsanwaltschaft) vom 16. September 2015 ging am hiesigen Gericht am
23. September 2015 ein (act. 10/3). Mit Verfügung vom 9. Oktober 2015 wurden
die Parteien zur Hauptverhandlung vom 18. November 2015 vorgeladen. Gleich-
zeitig wurde ihnen eine Frist zur Stellung und Begründung von Beweisanträgen
eingeräumt (act. 11). In der Folge gingen keine Beweisanträge ein.
2. Zur Hauptverhandlung erschienen der Beschuldigte mit seinem erbetenen
Verteidiger B. sowie der Privatkläger mit seinem Rechtsvertreter D. (Prot. S. 5).
Im Anschluss an die Verhandlung wurde das Urteil mündlich eröffnet, begründet
und den Erschienenen schriftlich im Dispositiv übergeben (act. 20).
II. Prozessuales
1. Privatklägerschaft
Als Privatklägerschaft gilt die geschädigte Person, die ausdrücklich erklärt, sich
am Strafverfahren als Straf- und/oder Zivilklägerin zu beteiligen (Art. 118
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Abs. 1 StPO). Der Geschädigte C. (nachfolgend: Privatkläger) erklärte am
21. Februar 2014 mit Formular, sich am Strafverfahren als Straf- und Zivilkläger
zu beteiligen und konstituierte sich somit gehörig als Privatkläger (vgl. act. 7/5).
2. Strafantrag
2.1. Das Vorliegen eines gültigen Strafantrags stellt eine Prozessvorausset-
zung für die Bestrafung der Verletzung des Berufsgeheimnisses (Art. 321 Ziff. 1
StGB) sowie der Verletzung der beruflichen Schweigepflicht (Art. 35 Abs. 1 i.V.m.
Art. 3 lit. c Ziff. 2, Art. 4, Art. 10a Abs. 1 lit. c, Art. 12 Abs. 2 lit. b und c und Art. 13
Abs. 1 DSG) dar und ist somit von Amtes wegen zu prüfen (Art. 30 ff. StGB). Der
Strafantrag ist bei den Strafverfolgungsbehörden innert drei Monaten schriftlich
einzureichen oder mündlich zu Protokoll zu geben (Art. 304 Abs. 1 StPO). Die
Dreimonatsfrist für die Stellung des Antrags beginnt in dem Zeitpunkt, in welchem
dem Geschädigten die Tat und der Täter bekannt sind (Art. 31 StGB; Riedo in:
Niggli/ Wiprächtiger, BSK Strafrecht I, 3. Auflage, Basel 2013, N6 zu Art. 31
StGB). Dazu ist erforderlich, dass der Sachverhalt, der verfolgt werden soll, zwei-
felsfrei umschrieben wird. Hingegen ist es nicht Sache der antragsstellenden Per-
son, den Sachverhalt rechtlich zu qualifizieren. Die rechtliche Würdigung obliegt
der Strafbehörde (vgl. BGE 131 IV 97, E.3.3; BGE 115 IV 1, E.2a; BGE 85 IV 73,
E.2; Christof Riedo, Der Strafantrag, Diss. 2004, S. 400 f.; vgl. auch derselbe in
BSK Strafrecht I, 2. Auflage, Basel 2007, N40 zu Art. 30 StGB).
2.2. Beim Anklagevorwurf der Nötigung gemäss Anklagesachverhalt 1.2. han-
delt es sich um ein Offizialdelikt, weshalb die strafbare Handlung von Amtes we-
gen verfolgt wird (Art. 181 i.V.m. Art. 30 Abs. 1 StGB e contrario).
2.3. Was den Vorwurf der Verletzung des Berufsgeheimnisses gemäss Ankla-
gesachverhalt 1.3. betrifft, ist den Akten zu entnehmen, dass der Privatkläger von
der Übermittlung der vertrauensärztlichen Beurteilung durch den Beschuldigten
an die E. AG spätestens mit der Zustellung des Schreibens von Rechtsanwalt F.
vom 18. September 2013 (act. 16/8), in welchem die E. AG dem Privatkläger die
fristlose Kündigung androhte, informiert wurde. Die Frist zur Stellung eines Straf-
antrags begann folglich mit diesem Datum zu laufen. Indem der Privatkläger mit
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Schreiben vom 18. Oktober 2013 bei der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
"Strafanzeige und Strafantrag" gegen den Beschuldigten erhob (act. 1/1), wurde
die Antragsfrist eingehalten (Art. 31 StGB i.V.m. Art. 304 Abs. 1 StPO).
2.4.1. Bezüglich des Vorwurfs der Verletzung der beruflichen Schweigepflicht
und der Verletzung des Berufsgeheimnisses gemäss Anklagesachverhalt 1.2. ist
festzuhalten, dass der Beschuldigte anlässlich der Konfrontationseinvernahme
vom 4. Dezember 2014, an welcher neben dem Privatkläger auch dessen
Rechtsvertreter anwesend war (act. 3/1 S. 1), erstmals erwähnte, dass er sein
Diktat über die vertrauensärztliche Untersuchung des Privatklägers an ein exter-
nes Schreibbüro zur Niederschrift übermittelt habe (act. 3/1 S. 12). Ab diesem
Zeitpunkt musste dem Privatkläger folglich bewusst gewesen sein, dass der Be-
schuldigte persönliche Daten über ihn einem externen Schreibbüro bekannt ge-
geben hatte, weshalb die Frist zur Stellung eines entsprechenden Strafantrags mit
diesem Datum zu laufen begann.
2.4.2. Der Rechtsvertreter des Privatklägers machte zur Strafantragsfrist betref-
fend die vorgenannten Anklagesachverhalte geltend, dass am 4. Dezember 2014
in Bezug auf das externe Schreibbüro vieles noch unklar gewesen sei bzw. keine
fundierten Sachverhaltskenntnisse vorhanden gewesen seien. So sei der Be-
schuldigte im damaligen Zeitpunkt noch davon ausgegangen, dass er für die frag-
liche Schreibarbeit die G. GmbH als externes Schreibbüro beigezogen habe. Erst
anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 28. April 2015 habe er
dann ausgesagt, dass er sein Diktat an H. weitergegeben habe. Folglich habe erst
in diesem Zeitpunkt der Privatkläger Kenntnis von diesem Sachverhalt erhalten.
Im Übrigen handle es sich bei der Datenweitergabe an H. um einen anderen
Sachverhalt, als bei der zunächst vom Beschuldigten angegebenen Datenweiter-
gabe an die G. GmbH. Es sei nämlich möglich gewesen, dass der Beschuldigte
mit der G. GmbH eine datenschutzrechtlich saubere Vereinbarung geschlossen
hätte. Indem mit Schreiben vom 19. Juni 2015 Strafantrag gestellt wurde, sei die
Antragsfrist von drei Monaten eingehalten worden (Prot. S. 8).
2.4.3. Entgegen dem Rechtsvertreter des Privatklägers ist es vorliegend aber
unbeachtlich, dass der Beschuldigte zunächst angab, die G. GmbH sei das mit
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der Niederschrift beauftragte externe Schreibbüro gewesen, und er erst anlässlich
der Einvernahme vom 28. April 2015 seine frühere Aussage dahingehend korri-
gierte, dass es sich beim externen Schreibbüro doch nicht um die G. GmbH son-
dern um H. gehandelt habe (act. 3/2 S. 5). Aus den Aussagen des Beschuldigten
anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 4. Dezember 2015 geht der für
den Beginn der Antragsfrist massgebliche Sachverhalt, mithin dass der Beschul-
digte das Diktat der vertrauensärztlichen Untersuchung zur Niederschrift an ein
externes Schreibbüro weitergeleitet hat, eindeutig hervor. Somit waren bereits in
diesem Zeitpunkt sowohl der Täter als auch die massgebende Tathandlung be-
kannt. Ob nun die Niederschrift des Diktats von der G. GmbH oder H. ausgeführt
wurde, spielt dabei keine Rolle, da die mutmasslich strafbare Tathandlung, wel-
che zur Anzeige gebracht werden muss, nämlich das unbefugte Weitergeben von
geschützten persönlichen Daten an eine Drittperson, in beiden Fällen dieselbe ist.
Ob der Beschuldigte allenfalls mit der G. GmbH eine Datenschutzvereinbarung
schloss, wie dies der Rechtsvertreter des Privatklägers vorbrachte, ist dabei un-
erheblich, denn selbst wenn eine solche Vereinbarung geschlossen worden wäre,
führt die Weitergabe der Daten an H. nicht zu einem neuen Sachverhalt, sodass
eine neue Antragsfrist ausgelöst würde. Das Vorliegen einer Datenschutzverein-
barung zwischen einem Arzt und einem Dritten stellt für sich alleine noch keine
Erlaubnis für eine Datenweitergabe dar. Eine erlaubte Datenbearbeitung muss
entweder durch die konkrete Einwilligung der betroffenen Person oder aufgrund
einer besonderen Beziehung zwischen dem Arzt und dem Dritten (bspw. Hilfsper-
sonenverhältnis) legitimiert sein. Die Beantwortung der Rechtsfrage, ob ein sol-
cher Rechtfertigungsgrund vorliegt, obliegt der Strafverfolgungsbehörde und ist
deshalb gerade keine Voraussetzung für das Stellen eines Strafantrags (vgl. vor-
stehend Ziffer II.2.1.).
2.4.4. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Antragsfrist für die
Verletzung der beruflichen Schweigepflicht und der Verletzung des Berufsge-
heimnisses gemäss Anklagesachverhalt 1.2. vorliegend am 4. Dezember 2014 zu
laufen begann, als dem Privatkläger Täter und Tathandlung bekannt waren. In-
dem der diesbezügliche Strafantrag des Privatklägers erst mit Schreiben vom
19. Juni 2015 erfolgte, ist vorliegend kein fristgerecht gestellter Strafantrag gege-
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ben, womit es an einer Prozessvoraussetzung fehlt (Art. 329 Abs. 1 lit. b StPO).
Das Verfahren betreffend die Verletzung der beruflichen Schweigepflicht und der
Verletzung des Berufsgeheimnisses gemäss Anklagesachverhalt 1.2. ist daher
einzustellen (Art. 329 Abs. 4 und 5 StPO).
2.5.1. In Ergänzung zu den vorstehenden Ausführungen betreffend die Verlet-
zung der beruflichen Schweigepflicht und der Verletzung des Berufsgeheimnisses
gemäss Anklagesachverhalt 1.2. ist anzumerken, dass eine Verurteilung des Be-
schuldigten in dieser Hinsicht selbst bei rechtzeitig gestellten Strafanträgen nicht
möglich wäre.
2.5.2. Die Berufsgeheimnisverletzung im Sinne von Art. 321 Abs. 1 Ziff. 1 StGB
erfüllt in objektiver Hinsicht unter anderem ein Arzt, der ein Geheimnis offenbart,
das ihm infolge seines Berufes anvertraut worden ist, oder das er in dessen Aus-
übung wahrgenommen hat. Als Geheimnis gilt jede Tatsache, die nur einem be-
schränkten Personenkreis bekannt ist und an deren Geheimhaltung für den Ge-
heimnisherrn ein berechtigtes Interesse besteht. Das Geheimnis gilt als offenbart,
wenn der Geheimnisträger es einer dazu nicht ermächtigten Drittperson zur
Kenntnis bringt oder dieser die Kenntnisnahme ermöglicht (Oberholzer in: BSK
Strafrecht II, 3. Auflage, Basel 2013, N14 ff. zu Art. 321 StGB).
Den zur Geheimhaltung verpflichteten Berufsangehörigen gleichgestellt sind ihre
Hilfspersonen. Sie unterliegen der gleichen Schweigepflicht wie die Berufsange-
hörigen, sofern sie unter deren Aufsicht oder Anleitung tätig werden (Uttinger in:
Landolt/ Bischofberger et al., Pflegerecht 2015, "Inwieweit bestimmen Patienten
noch über ihre Daten?", S. 7). Hilfsperson ist in diesem Sinn, wer bei der Berufs-
tätigkeit eines der genannten (Haupt-) Geheimnisträgers in der Weise mitwirkt,
dass er grundsätzlich von den dabei wahrgenommenen Tatsachen ebenfalls
Kenntnis erhält. Der Kreis der Hilfspersonen ist praktisch unbegrenzt. Entschei-
dend ist dabei nicht ihre Stellung; vielmehr genügt es, wenn sie den Geheimnis-
träger in irgendeiner Funktion bei der Erfüllung seiner Aufgabe unterstützen und
dabei Kenntnis von Geheimnissen der betreuten Person erhalten (Oberholzer,
a.a.O., N10 zu Art. 321 StGB). Ein Arbeitsverhältnis der Hilfsperson zum primären
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Berufsgeheimnisträger wird nicht vorausgesetzt (Niggli/ Maeder in: BSK DSG,
3. Auflage, Basel 2014, N12 zu Art. 35 DSG).
2.5.3. Zur Bewältigung der alltäglichen administrativen und einfachen medizini-
schen Arbeiten wird zur Führung einer Arztpraxis in der Regel wenigstens ein
Arztgehilfe bzw. eine Arztgehilfin, mithin ein Sekretariatsmitarbeiter bzw. eine
Sekretariatsmitarbeiterin, benötigt. Diese Personen arbeiten mit dem Arzt, als
primärem Berufsgeheimnisträger, Hand in Hand zusammen und erhalten daher
zwingend Kenntnis von geheimen Tatsachen. Damit sind Arztgehilfen bzw. Sekre-
tariatsmitarbeiter einer Arztpraxis ohne Weiteres als Hilfspersonen im Sinne von
Art. 321 StGB Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu qualifizieren, womit sie ebenfalls von der
entsprechenden Geheimhaltungspflicht erfasst werden. Dies bedeutet somit, dass
innerhalb des Verhältnisses zwischen dem primären Geheimnisträger und der
Hilfsperson geschützte Daten ungehindert fliessen dürfen, ohne dass dabei eine
Verletzung von Art. 321 Ziff. 1 Abs. 1 StGB anzunehmen ist.
2.5.4. Da der Beschuldigte zum vorliegend interessierenden Zeitpunkt über eine
Einzelpraxis ohne eigene Angestellte verfügte, liess er längere (Arzt-) Berichte
von "externen Drittpersonen", mithin von sogenannten "Schreibbüros", verfassen.
Der Beschuldigte arbeitete gemäss eigenen Angaben teilweise mit mehreren
Schreibbüros gleichzeitig zusammen, wobei ihm das medizinische Schreibbüro
H., welchem er das Diktat betreffend den Privatkläger übermittelt hat, von einer
ehemaligen Sekretärin "sehr empfohlen" worden sei und er seit Herbst 2011 mit
diesem zusammenarbeite. Frau I. von H. schreibe ausschliesslich medizinische
Berichte und kenne auch die entsprechenden Fachbegriffe (vgl. act. 14 S. 9 ff.).
Aus der Homepage des Schreibbüros H. geht zudem hervor, dass Frau I. ausge-
bildete Arzthelferin ist und als Arztsekretärin sowie als Sachbearbeiterin bei einer
Krankenkasse gearbeitet hat (vgl. ...).
2.5.5. In Anbetracht der vorstehenden Ausführungen kann festgehalten werden,
dass es sich beim Schreibbüro von Frau I. faktisch um ein ausgelagertes Sekreta-
riat des Beschuldigten handelte. Diejenigen Schreibarbeiten, welche er nicht
selbst erledigen konnte oder wollte, übertrug er u.a. Frau I. von H., womit Letztere
typische Sekretariatsarbeiten einer Arztpraxis zu erledigen hatte. Ein solches ex-
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ternes Sekretariat stellt für eine kleine Einzelpraxis denn auch keine ausserge-
wöhnliche Lösung dar, da aufgrund der Möglichkeit der gezielten Auftragsertei-
lung Personal- und Infrastrukturkosten gespart werden können. Überdies ist es
auch in anderen Berufsgattungen üblich, je nach Grösse und Organisationsart ei-
nes Unternehmens, auf die Führung eines eigenen Sekretariats zu verzichten und
die entsprechenden Arbeiten entweder selbst zu erledigen oder eben an externe
Drittpersonen auszulagern. Abgesehen davon, dass sich das Schreibbüro H. nicht
in den Räumlichkeiten der Arztpraxis des Beschuldigten befand, erledigte es doch
dieselben Aufgaben wie ein internes Sekretariat, womit im vorliegend zu beurtei-
lenden Fall keine Gründe ersichtlich sind, die eine Ungleichbehandlung dieser
beiden möglichen Organisationsformen rechtfertigen würden. Das Schreibbüro H.
hat damit vorliegend ebenfalls als Hilfsperson im Sinne von Art. 321 Ziff. 1 Abs. 1
StGB zu gelten. Daran ändert vorliegend auch der Umstand, dass Frau I. vom
Schreibbüro H. ihre Arbeiten nicht in der Schweiz, sondern in Deutschland aus-
übt, nichts. Indem also der Beschuldigte Frau I von H. die Audiodatei mit dem Dik-
tat über das Gespräch mit dem Privatkläger zur Niederschrift übermittelte, verlies-
sen die geschützten Daten folglich nie die "Geheimnissphäre" des Beschuldigten.
Es würde damit vorliegend an der tatbestandsmässigen Handlung des "Offenba-
rens" fehlen, womit der objektive Tatbestand von Art. 321 Ziff. 1 Abs. 1 StGB nicht
erfüllt und der Beschuldigte vom Anklagevorwurf der Verletzung des Berufsge-
heimnisses freizusprechen wäre.
2.5.6. Bezüglich der Verletzung der beruflichen Schweigepflicht im Sinne des
Datenschutzgesetzes verhielte es sich gleich wie bei der Verletzung des Berufs-
geheimnisses. Auch hier würde es aufgrund der Hilfspersonenqualität des
Schreibbüros H. am objektiven Tatbestandsmerkmal des "Bekanntgebens" im
Sinne von Art. 35 Abs. 1 DSG fehlen (vgl. Niggli/ Maeder, a.a.O., N12 zu Art. 35
DSG), weshalb der Beschuldigte auch von diesem Anklagevorwurf freizusprechen
wäre.
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III. Sachverhalt
1. Anklagesachverhalt 1.2.
1.1. Was den Anklagesachverhalt der Nötigung betrifft, so anerkannte der Be-
schuldigte grundsätzlich, dass er dem Privatkläger am 9. September 2013 in sei-
ner Praxis vor der Durchführung der vertrauensärztlichen Untersuchung zwei
Formulare, eines zur Erhebung der Personalien (act. 1/8/1) und ein weiteres zur
Ermächtigung des Einholens von Auskünften bzw. zur Entbindung vom Berufsge-
heimnis (act. 1/8/2), vorgelegt hatte (vgl. act. 3/1 S. 15, act. 3/3 S. 2 und 5, act. 14
S. 5). Darüber aber, wie das Unterzeichnen dieser Erklärung im Detail vonstatten
gegangen sein soll, äusserte sich der Beschuldigte teilweise in Bestreitung des
ihm in der Anklage vorgeworfenen Tatvorgehens.
1.2. Da, wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, das dem Beschuldigten ge-
mäss Anklagesachverhalt vorgeworfene Verhalten den Tatbestand der Nötigung
nicht erfüllt und er somit von diesem Vorwurf freizusprechen ist, kann vorliegend
die Erstellung des Anklagesachverhalts offen gelassen und stattdessen auf die
nachstehenden Ausführungen in Ziffer IV.1. ff. verwiesen werden.
2. Anklagesachverhalt 1.3.
2.1. Bezüglich des Anklagevorwurfs der Verletzung des Berufsgeheimnisses,
namentlich der unberechtigten Übermittlung der vertrauensärztlichen Beurteilung
an die E. AG, anerkannte der Beschuldigte ausdrücklich, die gestützt auf die ver-
trauensärztliche Untersuchung vom 9. September 2013 erstellte Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit vom 10. September 2013 (act. 1/8/3) der E. AG zugestellt zu ha-
ben (act. 3/1 S. 13, act. 14 S. 11). Er bestritt hingegen, dass er nicht berechtigt
gewesen sei, der E. AG seinen vertrauensärztlichen Bericht zuzustellen.
2.2. Da es sich bei der Frage, ob der Beschuldigte die genannte Arbeitsfähig-
keitsbeurteilung berechtigterweise der E. AG zukommen gelassen hat, um eine
Frage der rechtlichen Würdigung handelt und der Beschuldigte den Anklagesach-
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verhalt im übrigen anerkannt hat, ist dieser betreffend die Verletzung des Berufs-
geheimnisses (Anklagesachverhalt 1.3.) als rechtsgenügend erstellt zu erachten.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Nötigung
1.1. Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, er habe vom Privatkläger ver-
langt, eine "Datenschutzerklärung" (inkl. Angaben über Personalien, Beruf, Kran-
kenkasse und Arbeitgeber) betreffend Einwilligung zur Datenaufbewahrung und
Datenweiterleitung für das Inkasso (Drittverrechnungsstelle, Inkassobüro) und ei-
ne "Ermächtigung zur Einholung der Auskünfte und Entbindung vom ärztlichen
Berufsgeheimnis" zu unterzeichnen, welche unter anderem die Erlaubnis enthielt,
Drittpersonen (Arbeitgeber etc.) gegenüber ärztliche Zeugnisse zu verfassen.
Weiter habe der Beschuldigte dem Privatkläger gesagt, dass ohne Unterzeich-
nung dieser Formulare die vertrauensärztliche Untersuchung nicht stattfinden
würde (act. 10/3 S. 3 f.). Die Staatsanwaltschaft würdigt dieses Verhalten als Nö-
tigung im Sinne von Art. 181 StGB.
1.2. In objektiver Hinsicht erfordert die Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB,
dass der Täter jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder
anderer Beschränkung seiner Handlungsfreiheit dazu bestimmt, etwas zu tun, zu
unterlassen oder zu dulden. Vorliegend kommt lediglich die Tatvariante der An-
drohung ernstlicher Nachteile in Frage. Bei der Androhung ernstlicher Nachteile
stellt der Täter dem Opfer die Zufügung eines Übels in Aussicht, dessen Eintritt er
als von seinem Willen abhängig erscheinen lässt (BGE 120 IV 17 E. 2a). Dabei ist
es unerheblich, ob der Täter seine Drohung tatsächlich realisieren will, sofern die
Drohung als ernst gemeint erscheinen soll (BGE 105 IV 120 E. 2a; Trechsel/ Fin-
gerhuth in: Trechsel/ Pieth, StGB PK, 2. Auflage, Zürich/ St. Gallen 2013, N4 zu
Art. 181 StGB). Dem Opfer muss der angedrohte Nachteil von solcher Schwere
erscheinen, dass es seinen entgegenstehenden Willen demjenigen der Täter-
schaft beugt. Die Drohung muss demnach auf das Opfer motivierend im Sinne der
Täterschaft wirken (Delnon/ Rüdy in: Niggli/ Wiprächtiger, BSK Strafrecht II,
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3. Auflage, Basel 2013, N36 zu Art. 181 StGB). Die Nachteile gelten als ernstlich,
wenn ihre Androhung nach einem objektiven Massstab geeignet ist, auch eine
besonnene Person in der Lage des Betroffenen gefügig zu machen und auf diese
Weise seine freie Willensbildung und -betätigung zu beschränken (BGE 120 IV 17
E.2a/aa).
Da Art. 181 StGB auch Verhaltensweisen umfasst, welche zulässig sind, indiziert
die Tatbestandsmässigkeit der Nötigung im Gegensatz zu den meisten anderen
Straftatbeständen nicht zwangsläufig auch deren Rechtswidrigkeit. Vielmehr be-
darf diese einer positiven Begründung. Lässt sich der Betroffene den Willen des
Anderen aufzwingen, ist damit die Frage nach der Abgrenzung zwischen der tat-
bestandsmässigen Androhung ernstlicher Nachteile und einer straflosen Druck-
ausübung noch nicht beantwortet. Diese richtet sich danach, ob der Druck des
Täters beim Opfer gezielt zu einer unzulässigen Freiheitsbeschränkung geführt
hat (Delnon/ Rüdy, a.a.O., N36 zu Art. 181 StGB). Unrechtmässig ist eine Nöti-
gung erst dann, wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt ist oder wenn das Mit-
tel zum erstrebten Zweck nicht im richtigen Verhältnis steht oder wenn die Ver-
knüpfung zwischen einem an sich zulässigen Mittel und einem erlaubten Zweck
rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig ist (BGE 120 IV 17, E. 2a/bb; Trechsel/
Fingerhuth, a.a.O., N10 zu Art. 181 StGB).
1.3. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz im Sinn von Art. 12 Abs. 2 StGB erfor-
derlich, der sich auf die Beeinflussung und das abgenötigte Verhalten beziehen
muss.
1.4. Vorliegend wurde der Beschuldigte, nachdem ihm sein damaliger Arbeit-
geber, die E. AG, das Arbeitsverhältnis kündigte und in der Folge der Konflikt zwi-
schen ihm und dem Verwaltungsrat der E. AG eskalierte, wegen Krankheit zu
100% arbeitsunfähig geschrieben. Daraufhin zog die E. AG den Beschuldigten als
Vertrauensarzt bei und beauftragte diesen, die Arbeitsfähigkeit des Privatklägers
abzuklären, worauf der Privatkläger denn auch am 3. September 2013 zur Unter-
suchung beim Beschuldigten erschien. Zu Beginn der Untersuchung händigte der
Beschuldigte dem Privatkläger ein Formular zur Erhebung von Personendaten
aus, worauf sich auch eine Datenschutzerklärung befand. Dieses Formular diente
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gemäss eigener Aufschrift unter anderem dazu, den Patienten darüber zu infor-
mieren, dass die technische Infrastruktur der Praxis durch eine Partnerfirma pro-
fessionell unterhalten werde und dass der Schutz und die Sicherheit der Patien-
tendaten optimal gewährleistet sei. Weiter wurde der Beschuldigte aufgrund die-
ses Formulars dazu ermächtigt, die für das Inkasso notwendigen Daten an die
entsprechenden Drittverrechnungsstellen weiterzuleiten (vgl. act. 1/8/1).
Das zweite Formular, welches der Beschuldigte dem Privatkläger zu Beginn der
genannten Untersuchung zur Unterschrift aushändigte, ermächtigte den Beschul-
digten die für die Behandlung/Abklärung notwendigen Informationen bei anderen
Ärzten, Spitälern und Behörden Auskünfte einzuholen und Akten anzufordern.
Zudem ermächtigte es den Beschuldigten, zuhanden von Kostenträgern (Kran-
kenversicherung etc.) sowie Drittpersonen (Arbeitgeber etc.) ärztliche Zeugnisse
zu verfassen (vgl. act. 1/8/2).
Mit diesen beiden Formularen wurden im Wesentlichen Personen- und Kontaktda-
ten sowie Angaben zur Krankenversicherung oder dem überweisenden Arzt erho-
ben, sowie durch die Unterschrift des Patienten die Möglichkeit zur Verarbeitung
dieser Daten im Zusammenhang mit der gewünschten ärztlichen Tätigkeit ge-
schaffen. Die mit den Formularen erhobenen Daten sowie die zugestandene Da-
tenverarbeitung durch den Beschuldigten erscheinen vorliegend weder unzweck-
mässig noch aussergewöhnlich. Vielmehr können diese beiden Dokumente als
grundsätzlich typische Formulare qualifiziert werden, welche einer Person vor ei-
ner erstmaligen ärztlichen Untersuchung bei einem neuen Arzt zur Unterzeich-
nung vorgelegt werden, damit dieser seine Arbeit ausführen kann. Dass es sich
beim Privatkläger nicht um einen eigentlichen Patienten, sondern um einen Explo-
randen gehandelt hat (die Auftragserteilung zur ärztlichen Untersuchung erging
durch den Arbeitgeber und nicht den Privatkläger selbst), erscheint in diesem Zu-
sammenhang denn auch nicht bedeutsam, da sich die vom Arzt ausgeführte Tä-
tigkeit gegenüber einem Patienten oder Exploranden im vorliegenden Fall nicht
unterscheidet.
Inwiefern nun der Privatkläger durch das Unterzeichnen der vorgenannten Formu-
lare im Sinne von Art. 181 StGB genötigt wurde, lässt sich vorliegend nicht fest-
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stellen. Einerseits stellt, wie bereits vorstehend ausgeführt, das Unterzeichnen
solcher Formulare bei einer ersten Konsultation eines Arztes grundsätzlich keine
ungewöhnliche Tätigkeit dar. Andererseits hätte der Privatkläger auch grundsätz-
lich die Möglichkeit gehabt, das Formular entweder nicht zu unterschreiben oder
gewisse Passagen durchzustreichen, wenn er diese nicht hätte ausfüllen wollen.
Es erscheint zwar nachvollziehbar, dass der Privatkläger zum Zeitpunkt der ver-
trauensärztlichen Untersuchung unter psychischem Druck stand, da von dieser
Untersuchung für ihn gewisse finanzielle Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis mit
der E. AG auf dem Spiel standen. Diese gesamte Drucksituation, insbesondere
dass er diese beiden Formulare unterzeichnen und sich vertrauensärztlich begut-
achten lassen musste, ging aber nicht vom Beschuldigten aus, sondern stand im
Zusammenhang mit der Arbeitsunfähigkeit des Privatklägers auf Grund der Kon-
fliktsituation mit dessen Arbeitgeber und den damit verbundenen finanziellen Kon-
sequenzen, die schliesslich vom Ausgang der vertrauensärztlichen Untersuchung
abhingen. Der Beschuldigte händigte dem Privatkläger diese Formulare nicht mit
dem Zweck aus, ihn zur Unterschrift derselben zu nötigen, um damit ein unerlaub-
tes Ziel zu verfolgen. Vielmehr bezweckte er damit, seine Arbeit wie gewohnt,
standesgemäss und rechtlich abgesichert auszuführen (vgl. act. 14 S. 8 f.).
Selbst wenn man von der Sachverhaltsdarstellung des Privatklägers ausgehen
würde, wonach der Beschuldigte dem Privatkläger gesagt habe, dass er ihn ohne
Unterzeichnung der beiden Formulare nicht ärztlich untersuche, würde dies man-
gels Rechtswidrigkeit nicht zu einer Bejahung des Tatbestands der Nötigung füh-
ren. Der Beschuldigte wurde vom Arbeitgeber des Privatklägers damit beauftragt,
die Arbeitsfähigkeit von Letzterem ärztlich zu überprüfen. Da es sich beim Privat-
kläger nicht um einen dem Beschuldigten bereits bekannten Patienten bzw. Ex-
ploranden handelte, erscheint es nachvollziehbar, dass der Beschuldigte dessen
Personalien und Krankenkasseninformationen mit dem ersten Formular
(act. 1/8/1) erheben wollte (vgl. auch act. 14 S. 7). Weiter musste der Beschuldig-
te auch die Möglichkeit haben, die aus dem Gespräch mit dem Privatkläger ge-
wonnenen medizinischen Erkenntnisse im Rahmen eines ärztlichen Zeugnisses
oder Berichts dem damaligen Arbeitgeber des Privatklägers mitzuteilen, was er
ohne die konkrete Zustimmung des Privatklägers nicht hätte tun können. Der Sinn
- 15 -
und Zweck einer vertrauensärztlichen Untersuchung liegt ja aber gerade darin,
dass der Arbeitgeber über das Untersuchungsergebnis informiert wird. Ohne eine
Unterschrift des Privatklägers hätte sich damit auch eine Untersuchung desselben
erübrigt. Insofern würde auch in dieser Sachverhaltskonstellation weder ein uner-
laubtes Mittel, noch ein unerlaubter Zweck bzw. eine unzulässige Verknüpfung
dieser beiden Elemente vorliegen, womit es am Tatbestandsmerkmal der uner-
laubten Freiheitsbeschränkung fehlen würde.
Schliesslich ist noch darauf hinzuweisen, dass die Erfüllung des Tatbestands der
Nötigung, selbst bei einer Bejahung des Vorliegens der objektiven Tatbestands-
merkmale sowie einer positiv begründeten Rechtswidrigkeit, auch am subjektiven
Erfordernis des Vorsatzes des Beschuldigten scheitern würde. Das Aushändigen
der beiden Formulare zur Unterschrift zielte vorliegend in keiner Weise darauf ab,
den Privatkläger zu einem bestimmten Verhalten, namentlich zur Unterschrift, zu
zwingen, sondern diente lediglich dazu, die nötigen Rahmenbedingungen für eine
Untersuchung arte legis zu schaffen sowie die Weitergabe des ärztlichen Zeug-
nisses an den Arbeitgeber des Privatklägers in Bezug auf den Datenschutz und
das Berufsgeheimnis abzusichern. Der erforderliche Vorsatz wäre damit nicht ge-
geben.
1.5. Aufgrund der vorstehenden Ausführungen ist zusammenfassend festzu-
halten, dass der Tatbestand der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB vorliegend
vom Beschuldigten nicht erfüllt wurde und er damit von diesem Anklagevorwurf
freizusprechen ist.
2. Verletzung des Berufsgeheimnisses (Anklagesachverhalt 1.3.)
2.1.1. Die Staatsanwaltschaft würdigt das Übermitteln der vertrauensärztlichen
Beurteilung betreffend den Privatkläger an dessen damalige Arbeitgeberin als
Verletzung des Berufsgeheimnisses im Sinne von Art. 321 Abs. 1 Ziff. 1 StGB.
Der Subsumtion der Staatsanwaltschaft, wonach der objektive Tatbestand vorlie-
gend durch den Beschuldigten erfüllt wurde, ist zuzustimmen. Indem er dem Ar-
beitgeber des Privatklägers eine Letzteren betreffende vertrauensärztliche Beur-
- 16 -
teilung (act. 1/8/3) zusandte, offenbarte er geheime Informationen, welche ihm im
Rahmen der Ausübung seines Berufes vom Privatkläger zugetragen wurden.
2.1.2. Gemäss Art. 321 Ziff. 2 StGB ist ein Täter im Sinne von Art. 321 Ziff. 1
StGB nicht strafbar, wenn er das Geheimnis u.a. auf Grund einer Einwilligung der
berechtigten Person erteilten schriftlichen Bewilligung offenbart hat.
Vorliegend hat der Privatkläger ein ihm vom Beschuldigten ausgehändigtes For-
mular mit der Überschrift "Ermächtigung zur Einholung der Auskünfte und Entbin-
dung vom ärztlichen Berufsgeheimnis" unterzeichnet und den Beschuldigten ge-
mäss Wortlaut dazu "ermächtigt, [...] zuhanden von [...] Drittpersonen (Arbeitge-
ber etc.) ärztliche Zeugnisse zu verfassen" (vgl. act. 1/8/2). Aufgrund dieser Ein-
willigung des Privatklägers war der Beschuldigte grundsätzlich berechtigt, dessen
damaliger Arbeitgeberin einen Bericht über die vertrauensärztliche Untersuchung
betreffend die Arbeitsfähigkeit zukommen zu lassen.
2.1.3 Umstritten ist vorliegend aber, auf welchen Dateninhalt sich die Einwilli-
gung des Privatklägers konkret bezogen hat. Es gilt folglich zu klären, welche In-
formationen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit eines Arbeitnehmers für einen
Arbeitgeber überhaupt von Relevanz sind bzw. wie umfangreich die von einem
Vertrauensarzt an einen Arbeitgeber übermittelten Informationen über einen Ar-
beitnehmer sein dürfen.
2.2.1. Eine gesetzliche Regelung, welche eindeutig festhält, welche Informatio-
nen ein vertrauensärztlicher Bericht zuhanden eines Arbeitgebers enthalten darf,
besteht bis anhin nicht, weshalb es eine solche aus bereits bestehenden Bestim-
mungen herzuleiten gilt.
2.2.2. Aus der Standesordnung der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und
Ärzte (nachfolgend: Standesordnung FMH), welcher der Beschuldigte zweifelsfrei
unterliegt (vgl. hierzu das Ärzteverzeichnis der FMH unter www.doctorfmh.ch),
lässt sich entnehmen, dass beratende Ärzte und Ärztinnen von Versicherern und
anderen Auftraggebern sowie arbeitsmedizinisch tätige Ärzte und Ärztinnen sich
des Interessenskonflikts bewusst sind, welcher zwischen der untersuchten Person
- 17 -
einerseits und dem Auftraggeber (Versicherer, Arbeitgeber etc.) andererseits ent-
stehen kann. Bei der Weiterleitung von Informationen haben sich Arzt und Ärztin
zu bemühen, die Interessen beider Parteien angemessen zu berücksichtigen
(Art. 33 Standesordnung FMH).
2.2.3. Weiter kann dem Praxisleitfaden der Schweizerischen Akademie der Me-
dizinischen Wissenschaften und der Verbindung der Schweizerischen Ärztinnen
und Ärzte FMH (nachfolgend: Praxisleitfaden SAMW/FMH) entnommen werden,
dass ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis festzuhalten hat, seit wann die Arbeitsunfä-
higkeit besteht, wie lange sie dauern wird und ob die Arbeitsunfähigkeit vollstän-
dig oder teilweise ist. Arbeitsunfähigkeitszeugnisse an den Arbeitgeber enthalten
demgemäss auch keine Diagnose, wohl aber die Angabe, ob die Behandlung we-
gen Krankheit oder Unfall erfolgte (vgl. "Rechtliche Grundlagen im medizinischen
Alltag - Ein Leitfaden für die Praxis", 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Ba-
sel 2013, Seite 109.)
2.2.4. Aus Art. 328b OR geht hervor, dass der Arbeitgeber Daten über den Ar-
beitnehmer nur bearbeiten darf, soweit sie dessen Eignung für das Arbeitsver-
hältnis betreffen oder zur Durchführung des Arbeitsvertrages erforderlich sind.
Wohl in Anlehnung an den Praxisleitfaden der SAMW/FMH wird in der Literatur
auch die überwiegende Meinung vertreten, dass dazu abschliessend die Tatsa-
che, die Dauer und der Grad der Arbeitsunfähigkeit sowie die Antwort auf die Fra-
ge, ob es sich um eine Krankheit oder einen Unfall handelt, gehören (Streiff/von
Kaenel, Arbeitsvertrag, 7. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2012, N12 zu Art. 324a/b
OR; Müller in: AJP/PJA 2010, Arztzeugnisse in arbeitsrechtlichen Streitigkeiten,
S. 171.)
2.2.5. Aus den Bestimmungen der Standesregeln FMH, dem Obligationenrecht
sowie dem Praxisleitfaden SAMW/FMH ergibt sich, dass ein (Vertrauens-) Arzt
einem Arbeitgeber nicht uneingeschränkt sämtliche vom Arbeitnehmer erhaltenen
Informationen weiterleiten darf. Vielmehr ist er aufgrund der Umstände des kon-
kreten Einzelfalls gehalten, die Art und den Umfang der Informationen entspre-
chend anzupassen bzw. einzuschränken. Der Arbeitgeber ist über die Arbeitsfä-
higkeit des Arbeitnehmers umfassend aufzuklären, wobei aber nur diejenigen In-
- 18 -
formationen weiterzuleiten sind, welche effektiv für die Durchführung des Arbeits-
verhältnisses von Belang sind. Im Gegensatz zu einem Gutachten zuhanden ei-
ner Versicherung oder eines Gerichts beschränkt sich ein vertrauensärztlicher Be-
richt zuhanden eines Arbeitgebers im Wesentlichen auf das Vorliegen, den Grad
und die Dauer der Arbeitsunfähigkeit, auf die Angabe, ob es sich um eine Krank-
heit oder einen Unfall handelt, sowie auf weitere mit der Arbeitsunfähigkeit ver-
bundene, für den Arbeitgeber relevante Informationen, wie bspw. wenn eine be-
stehende Arbeitsunfähigkeit nur bestimmte Arten von Arbeitstätigkeiten umfasst
oder diese nur unter bestimmten gesundheitlichen Zusatzauflagen ausgeführt
werden können.
2.3. Vorliegend wurde der Beschuldigte von der Arbeitgeberin des Privatklä-
gers damit beauftragt, dessen Arbeitsfähigkeit im Rahmen einer vertrauensärztli-
chen Untersuchung abzuklären. Im insgesamt sieben Seiten umfassenden Bericht
des Beschuldigten schilderte dieser zunächst die aktuellen Beschwerden des Pri-
vatklägers und erläuterte ausführlich dessen einige Jahre andauernde Kranken-
geschichte (Anamnese). Der Beschuldigte gab darin auch den Konflikt zwischen
dem Privatkläger und dessen Arbeitgeberin ausführlich und detailreich wieder.
Weiter sprach er sich detailliert über die aktuelle Lebenssituation des Privatklä-
gers aus und erwähnte unter anderem auch, dass die Ehefrau des Privatklägers
einen Hochschulabschluss in exakten Wissenschaften habe. Der Beschuldigte
umschrieb das Eheleben des Privatklägers, machte Ausführungen zu dessen fi-
nanziellen Verhältnissen und legte dessen biographische Vorgeschichte dar. In
diesem Zusammenhang wurde nicht nur die schulische Laufbahn des Privatklä-
gers wiedergegeben, sondern auch Ausführungen zu den familiären Verhältnis-
sen gemacht, namentlich welche beruflichen Tätigkeiten dessen Eltern und Ge-
schwister ausüb(t)en und wie sich das emotionale Klima innerhalb der Familie ge-
staltete. Auch der aktuelle Tagesablauf des Privatklägers wurde im Einzelnen ge-
schildert.
Im anschliessenden Teil mit der Überschrift "Untersuchung" wurde zunächst das
Verhalten des Privatklägers anlässlich der vertrauensärztlichen Untersuchung be-
schrieben, worauf unter dem Titel "Psychopathologischer Befund" sämtliche Prü-
- 19 -
fungskriterien betreffend möglicher störungsrelevanter Faktoren bspw. (Ich-
Störungen, Wahn, Zwänge, Anorexie, Suizidalität etc.) und deren (Nicht-) Beste-
hen wiedergegeben wurden. Im nächsten Teil schliesslich diagnostizierte der Be-
schuldigte beim Privatkläger eine Anpassungsstörung (F43.2) ohne Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit. Abschliessend begründete der Beschuldigte seine Diagnose
mit einer ausführlichen Beurteilung der diagnostizierten Anpassungsstörung (vgl.
zum Ganzen act. 1/8/3).
2.4. Zum vertrauensärztlichen Bericht des Beschuldigten ist zu bemerken,
dass dieser zwar aus fachlicher Sicht nicht zu beanstanden ist, jedoch im Lichte
der vorgenannten Bestimmungen von Art. 33 der Standesordnung FMH, Art. 328b
OR sowie dem Praxisleitfaden SAMW/FMH eindeutig zu umfassend ist. Der De-
tailgrad des vom Beschuldigten verfassten Berichts entspricht in etwa dem, was
ein Gericht oder auch eine Versicherung zur Bearbeitung eines Falls benötigt. Ein
Arbeitgeber benötigt von einem Vertrauensarzt dagegen lediglich die Information,
ob eine Arbeitsunfähigkeit vorliegt, in welchem Grad diese besteht, wie lange die-
se andauern wird sowie inwiefern die allfällige gesundheitliche Einschränkung ei-
nen konkreten Einfluss auf die Arbeitstätigkeit des Arbeitnehmers hat (vgl. hierzu
vorstehend Ziffer IV.2.2. ff.). Das komplett ungefilterte Wiedergeben der Anamne-
se, der gesamten Untersuchungsergebnisse (Verhaltensbeobachtung und psy-
chopathologischer Befund) sowie der Diagnose, wie es der Beschuldigte vorlie-
gend getan hat, ist als objektive Verletzung des Berufsgeheimnisses im Sinne von
Art. 321 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu werten, für die keine Einwilligung vorliegt und da-
mit kein Rechtfertigungsgrund im Sinne von Art. 321 Ziff. 2 StGB gegeben ist.
Für den Arbeitgeber ist es denn auch nicht von Bedeutung, aufgrund welcher ein-
zelner medizinischer Parameter der Vertrauensarzt zu seiner Einschätzung be-
treffend die Arbeitsfähigkeit gelangt, zumal ein durchschnittlicher Arbeitgeber wohl
auch nicht in der Lage sein dürfte, die Implikation einzelner diagnostischer Merk-
male zu verstehen.
Selbst wenn davon ausgegangen würde, dass ein Arbeitgeber "Anspruch" auf ei-
ne die Arbeitsunfähigkeit begründende Diagnose und die zur Herleitung nötigen
medizinischen Informationen hätte, so würde der vertrauensärztliche Bericht des
- 20 -
Beschuldigten dennoch eine ungerechtfertigte Verletzung des Berufsgeheimnis-
ses darstellen. Neben den medizinisch-diagnostischen Informationen enthält der
Bericht des Beschuldigten nämlich auch eine Vielzahl an persönlichen Informatio-
nen über den Privatkläger, welche zwar für das Stellen einer Diagnose von Be-
deutung sein können, für den Arbeitgeber aber zur Beurteilung der Arbeitsfähig-
keit bzw. zur Durchführung des Arbeitsverhältnisses wiederum keinerlei Relevanz
aufweisen. So werden im vertrauensärztlichen Bericht, wie bereits erwähnt, die
aktuelle Lebenssituation des Privatklägers (inkl. Grund für Kinderlosigkeit des Pri-
vatklägers, Beschreibung des Ehelebens, Erörterung der finanziellen Situation
des Privatklägers), seine biographische Vorgeschichte (u.a. Erwähnen des emoti-
onalen Klimas im Elternhaus, Beschreibung der beruflichen Ausbildung und Tä-
tigkeiten weiterer Familienmitglieder) sowie sein genauer Tagesablauf wiederge-
geben. Schliesslich werden im Bericht des Beschuldigten noch die Äusserungen
des Privatklägers im Rahmen des Untersuchungsgesprächs in faktisch protokolla-
rischer Form vollumfänglich und ungefiltert wiedergegeben; so auch die persönli-
che Meinung des Privatklägers zu seiner damaligen Arbeitgeberin, was dem so-
wieso bereits stark vorbelasteten Verhältnis zwischen dem Privatkläger und sei-
ner Arbeitgeberin nicht zuträglich sein konnte, wobei der Beschuldigte aufgrund
des Gesprächs mit dem Privatkläger ja gerade von dieser Problematik wusste,
beim Verfassen des Berichts darauf aber offensichtlich keine Rücksicht nahm und
damit gegen Art. 33 Standesregeln FMH verstiess.
2.5. Aufgrund der vorstehenden Ausführungen ist abschliessend festzuhalten,
dass der Beschuldigte vorliegend mit der Zusendung seines viel zu umfangrei-
chen vertrauensärztlichen Berichts an den Arbeitgeber des Privatklägers in objek-
tiver Hinsicht das Berufsgeheimnis im Sinne von Art. 321 Ziff. 1 Abs. 1 StGB ver-
letzt hat. Ein Rechtfertigungsgrund im Sinne von Art. 321 Ziff. 2 StGB ist nicht als
gegeben zu erachten. Mit dem Unterschreiben der beiden Formulare (act. 1/8/1
und insbesondere 1/8/2) willigte der Privatkläger zwar ein, dass seiner Arbeitge-
berin ein ärztliches Zeugnis betreffend die Beurteilung seiner Arbeitsfähigkeit zu-
gesandt werde. Der Privatkläger konnte und musste jedoch nicht damit rechnen,
dass der Beschuldigte nicht nur die effektiv für die konkrete Beurteilung der Ar-
beitsfähigkeit relevanten Informationen weiterleiten, sondern gleich auch sämtli-
- 21 -
che restlichen erhobenen persönlichen und medizinischen Daten in toto seiner
Arbeitgeberin zukommen lassen würde, zumal Letztere diese Informationen zur
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Privatklägers gar nicht benötigte.
2.6. In subjektiver Hinsicht verlangt Art. 321 Ziff. 1 Abs. 1 StGB ein vorsätzli-
ches Handeln, wobei auch Eventualvorsatz genügt (Flachsmann in: OFK-StGB,
19. Auflage, Zürich 2013, N12 zu Art. 321 StGB). Unabhängig davon, ob der Be-
schuldigte zum ersten Mal ein ärztliches Gutachten zuhanden eines Arbeitgebers
verfasst hat oder nicht (vgl. act. 14 S. 6 ff.), mussten ihm als erfahrenem Arzt mit
langjähriger Berufserfahrung und als Mitglied der FMH die Standesregeln (na-
mentlich Art. 33 Standesordnung FMH) und der Praxisleitfaden derselben bekannt
gewesen sein. Entsprechend musste ihm klar gewesen sein, welche Informatio-
nen in einem vertrauensärztlichen Bericht zuhanden eines Arbeitgebers enthalten
sein dürfen. Zudem beinhaltet der fragliche Bericht derart viele persönliche und
sensible Informationen über den Privatkläger und dessen familiäres Umfelds so-
wie vertrauliche Ausführungen des Privatklägers über den Konflikt mit seiner da-
maligen Arbeitgeberin, dass es für den Beschuldigten hätte offensichtlich und au-
genfällig sein müssen, dass er nicht berechtigt war, sämtliche dieser Angaben der
Auftraggeberin, mithin der Arbeitgeberin des Privatklägers, weiterzugegeben. In
dem er dennoch den umfangreichen Bericht der Arbeitgeberin des Privatklägers
zustellte, ist wenigstens eventualvorsätzliches Handeln des Beschuldigten als ge-
geben zu erachten. Die vom Beschuldigten angeführte Begründung, er habe für
den ärztlichen Bericht denselben Preis wie für ein vollwertiges Gutachten verlangt
und sei deshalb von einem entsprechend grossen Umfang ausgegangen, erweist
sich als untauglich, da dies insbesondere bedeuten würde, dass gesetzlich ge-
schützte persönliche Daten eines Arbeitnehmers von einem Arbeitgeber gegen
Leistung eines entsprechend hohen Entgelts einfach erkauft werden könnten. Wie
vorstehend ausgeführt, stehen einem Arbeitgeber, selbst wenn er Auftraggeber
einer vertrauensärztlichen Untersuchung ist, nicht sämtliche Erkenntnisse aus ei-
ner solchen Untersuchung zu, sondern nur diejenigen Informationen, die für das
jeweilige Arbeitsverhältnis massgeblich sind. Entsprechend kann zwar die Höhe
des Entgelts gegebenenfalls für eine umfassendere Abklärung bzw. Untersu-
- 22 -
chung sprechen, in keinem Fall aber dafür, dass dem Arbeitgeber mehr Informati-
onen zustehen würden.
3. Fazit
Der Beschuldigte erfüllte vorliegend mit seinem Verhalten betreffend den Ankla-
gesachverhalt 1.3. den Tatbestand der Verletzung des Berufsgeheimnisses im
Sinne von Art. 321 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, wofür er schuldig zu sprechen ist. Vom
Anklagevorwurf der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB ist der Beschuldigte da-
gegen freizusprechen.
V. Strafzumessung
1. Strafrahmen
Bei der Strafzumessung ist zunächst der abstrakte Strafrahmen zu bestimmen.
Der Tatbestand der Verletzung des Berufsgeheimnisses wird mit Freiheitsstrafe
bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe von höchstens 360 Tagessätzen à maxi-
mal Fr. 3'000.– pro Tagessatz bestraft (Art. 321 Ziff. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 34 Abs. 1
und 2 StGB). Strafschärfungs- bzw. Strafmilderungsgründe sind vorliegend keine
ersichtlich.
2. Strafzumessung
2.1.1. Innerhalb des konkreten Strafrahmens bemisst das Gericht die Strafe
nach dem Verschulden des Täters. Es berücksichtigt dabei das Vorleben und die
persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters
(Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung
oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Han-
delns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie
weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die
Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Für die Zumes-
sung der Strafe ist zwischen der Tat- und der Täterkomponente zu unterscheiden.
- 23 -
2.1.2. Bei der Tatkomponente ist als Ausgangspunkt die objektive Schwere des
Delikts festzulegen und zu bewerten. Dabei ist anhand des Ausmasses des Er-
folgs sowie aufgrund der Art und Weise des Vorgehens zu beurteilen, wie stark
das strafrechtlich geschützte Rechtsgut beeinträchtigt worden ist. Ebenfalls von
Bedeutung sind die kriminelle Energie, der Tatbeitrag bei der Tatausführung
durch mehrere Täter sowie ein allfälliger Versuch. Hinsichtlich des subjektiven
Verschuldens sind insbesondere das Motiv, die Beweggründe, die Willensrichtung
sowie das Mass an Entscheidungsfreiheit des Täters zu beurteilen.
2.1.3. Die Täterkomponente umfasst die persönlichen Verhältnisse, das Vorle-
ben, insbesondere frühere Strafen oder Wohlverhalten, und das Verhalten nach
der Tat und im Strafverfahren, insbesondere gezeigte Reue und Einsicht, oder ein
abgelegtes Geständnis (vgl. zum Ganzen Hug, in: Donatsch/Flachsmann/Hug/
Weder, StGB Kommentar, Zürich 2013, N 5 ff. zu Art. 47 StGB).
2.2. Tatkomponente
2.2.1. Zum objektiven Tatverschulden des Beschuldigten ist festzuhalten, dass
er in Verletzung von Art. 33 Standesregeln FMH sowie des Praxisleitfadens
SAMW/FMH mit seinem vertrauensärztlichen Bericht Informationen an die dama-
lige Arbeitgeberin des Privatklägers weitergeleitet hat, welche er dieser im konkre-
ten Umfang nicht hätte mitteilen dürfen. Neben zu ausführlichen medizinischen
Daten gab der Beschuldigte auch persönliche Informationen über den Privatkläger
Preis, welche durchaus dazu in der Lage waren, den bestehenden Konflikt zwi-
schen dem Privatkläger und dessen Arbeitgeberin weiter zu befeuern. Insgesamt
ist das objektive Verschulden, unter Berücksichtigung aller möglichen unter den
Tatbestand von Art. 321 Ziff. 1 Abs. 1 StGB fallenden Delikte, als sehr leicht bis
leicht zu qualifizieren.
2.2.2. Zum subjektiven Tatverschulden ist zu erwähnen, dass der Beschuldigte
nicht direkt-, sondern eventualvorsätzlich handelte. Es war nicht des Beschuldig-
ten selbsterklärtes Ziel, eine Berufsgeheimnisverletzung zum Nachteil des Privat-
klägers zu begehen. Der Beschuldigte wurde lediglich auf Basis eines Auftrags
beruflich tätig, wobei er aber beim Verfassen seines vertrauensärztlichen Berichts
- 24 -
die Standesregeln der FMH und die Empfehlungen des Praxisleitfadens SAMW/
FMH ausser Acht gelassen hat, obwohl ihm all diese Regeln hätten bekannt sein
müssen. Zudem hätte ihm bereits aufgrund der gegebenen Umstände, mithin der
konkreten Sachlage betreffend den Konflikt zwischen dem Privatkläger und des-
sen Arbeitgeber, als offensichtlich ins Auge springen müssen, dass der Inhalt der
fraglichen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Privatklägers, die er dessen Ar-
beitgeber übergab, zu detailliert und umfangreich war, weshalb eine Weitergabe
all dieser Informationen hätte unterbleiben müssen. Auch das subjektive Ver-
schulden ist vorliegend als sehr leicht bis leicht zu qualifizieren.
2.3. Angesichts der vorstehenden Ausführungen ist das Tatverschulden des
Beschuldigten betreffend die Verletzung des Berufsgeheimnisses als sehr leicht
bis leicht zu qualifizieren und eine hypothetische Einsatzstrafe von 60 Tagessät-
zen Geldstrafe als angemessen zu betrachten.
3. Täterkomponente
3.1.1. Was die persönlichen Verhältnisse und das Vorleben des Beschuldigten
anbelangt ist festzuhalten, dass der Beschuldigte am 7. Oktober 1974 in X., gebo-
ren wurde, wo er auch aufwuchs und bis zum Jahr 1988 die allgemeine Schule
besuchte. Anschliessend studierte er in X. Medizin und machte ein Aufbaustudi-
um im Fachbereich Psychiatrie. Im Jahre 1998 wanderte er nach Y. aus, führte
dort sein Studium fort und absolvierte das dritte Staatsexamen. Nach einem Prak-
tikum in Y. kam er in die Schweiz, wo er sich vom Assistent zum Oberarzt hoch-
arbeitete. Von 2009 bis Juli 2014 arbeitete er in Zürich beim Z.. Seither ist er
selbständiger Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Der Beschuldigte ist
verheiratet und Vater zweier Kinder.
Zu seinen finanziellen Verhältnissen ist sodann bekannt, dass er ein monatliches
Nettoeinkommen von Fr. 15'000.– bis Fr. 20'000.– erwirtschaftet. Die monatlichen
Wohnkosten betragen Fr. 3'500.–. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte Kredit-
schulden mit monatlichen Zahlungen von Fr. 4'000.– abbezahlt. Zusätzlich be-
zahlt er noch monatliche Leasinggebühren in unbekannter Höhe (vgl. zum Gan-
zen act. 3/3 S. 15 und act. 14 S. 2 f.).
- 25 -
3.1.2. Nach dem Gesagten lassen sich aus den persönlichen Verhältnissen des
Beschuldigten keine strafzumessungsrelevanten Faktoren ableiten. Weiter ist
festzuhalten, dass der Beschuldigte keine Vorstrafen aufweist (act. 8/6). Auch das
Nachtatverhalten des Beschuldigten ist vorliegend neutral zu werten, womit die
hypothetische Einsatzstrafe in der ursprünglich festgesetzten Höhe von 60 Ta-
gessätzen Geldstrafe zu belassen ist.
4. Tagessatzhöhe
Angesichts der Einkommensverhältnisse des Beschuldigten, seiner Lebenshal-
tungskosten und der von ihm geleisteten monatlichen Schuldzahlungen (vgl. vor-
stehend Ziffer V.3.1.1.) erscheint es angemessen, einen Tagessatz in der Höhe
von Fr. 160.– festzulegen.
5. Fazit
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es vorliegend dem Verschulden des Be-
schuldigten angemessen erscheint, eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu
Fr. 160.– auszusprechen.
VI. Vollzug
1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Ar-
beit oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens
zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig er-
scheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen ab-
zuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Materiell ist demnach das Fehlen einer ungünsti-
gen Prognose vorausgesetzt. Das heisst in Anlehnung an die herrschende Praxis,
dass auf das Fehlen von Anhaltspunkten für eine Wiederholungsgefahr abgestellt
wird. Die günstige Prognose wird also vermutet. Bei der Beurteilung der Frage, ob
die für die Gewährung des bedingten Strafvollzuges erforderliche Voraussetzung
des Fehlens einer ungünstigen Prognose vorliegt, ist eine Gesamtwürdigung aller
Umstände vorzunehmen, wobei insbesondere Vorleben, Leumund, Charakter-
merkmale und Tatumstände einzubeziehen sind.
- 26 -
2. Aufgrund der vorliegenden Strafhöhe von 60 Tagessätzen Geldstrafe wä-
ren die objektiven Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Vollzugs
erfüllt. Es stellt sich somit die Frage, ob für den Beschuldigten auch die materiel-
len Voraussetzungen bejaht werden können.
3. Der Beschuldigte wurde innerhalb der letzten 5 Jahre vor der heute zu
beurteilenden Delinquenz nicht gemäss Art. 42 Abs. 2 StGB zu einer bedingten
oder unbedingten Freiheitsstrafe von mindestens 6 Monaten oder zu einer Geld-
strafe von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt. Daher ist zu prüfen, ob das
Fehlen einer ungünstigen Prognose bejaht werden kann und eine unbedingte
Strafe nicht notwendig erscheint, um den Beschuldigten von der Begehung weite-
rer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten.
4. Es ist zunächst festzuhalten, dass es sich beim Beschuldigten um einen
Ersttäter handelt. Weiter ist vorliegend davon auszugehen, dass das durchlaufene
Strafverfahren sowie die Verurteilung wegen Verletzung des Berufsgeheimnisses
dem Beschuldigten die Tragweite seines Verhaltens aufgezeigt haben. Unter die-
sen Umständen kann vom Fehlen einer ungünstigen Prognose ausgegangen
werden. Der Vollzug der Geldstrafe ist demgemäss unter Ansetzung einer Probe-
zeit von zwei Jahren aufzuschieben (Art. 44 Abs. 1 StGB).
VII. Beschlagnahmungen
1. Gemäss Art. 263 Abs. 1 StPO können Gegenstände und Vermögenswerte,
die als Beweismittel oder zur Sicherstellung von Verfahrenskosten, Geldstrafen,
Bussen und Entschädigungen gebraucht werden oder zur Einziehung in Frage
kommen, in Beschlag genommen oder auf andere Weise der Verfügung ihres In-
habers entzogen werden. Über beschlagnahmte Gegenstände und Vermögens-
werte wird bei Abschluss des Verfahrens entschieden (Art. 267 Abs. 3 StPO).
2. Das im Rahmen der Hausdurchsuchung der Praxisräume des Beschuldigten
gefundene (act. 5/3), mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom
31. März 2014 (act. 5/9) beschlagnahmte und bei den Verfahrensakten unter
- 27 -
act. 5/10 lagernde Patientendossier ist dem Beschuldigten nach Eintritt der
Rechtskraft des vorliegenden Entscheids auf erstes Verlangen hin herauszuge-
ben. Sollte der Beschuldigte das Patientendossier nicht innerhalb von sechs Mo-
naten seit Rechtskraft dieses Entscheids zurückverlangen, ist dieses der Lager-
behörde zur gutscheinenden Verwendung freigegeben.
3. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II vom 16. Dezember 2014 be-
schlagnahmte und bei den Verfahrensakten unter act. 4/1/1 lagernde Original der
vertrauensärztlichen Beurteilung des Privatklägers ist bei den Verfahrensakten zu
belassen.
VIII. Zivilansprüche
1. Die geschädigte Person kann zivilrechtliche Ansprüche aus der Straftat
entweder selbständig auf dem Weg des Zivilprozesses oder adhäsionsweise
durch schriftliches oder mündliches Begehren an das für den Entscheid über die
Anklage zuständige Strafgericht geltend machen (Art. 119 StPO in Verbindung mit
Art. 122 Abs. 1 StPO). Über die Zivilansprüche ist grundsätzlich ein Entscheid zu
treffen (Art. 126 Abs. 1 StPO), wobei eine zu wenig hinreichend begründete oder
bezifferte Zivilklage auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen werden kann
(Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO). Schliesslich kann ein Zivilanspruch auch dem Grund-
satz nach entschieden werden und im Übrigen auf den Zivilweg verweisen, wenn
eine vollständige Beurteilung des Zivilanspruchs sich als unverhältnismässig auf-
wendig erweisen würde (Art. 126 Abs. 3 StPO).
2. Anlässlich der Hauptverhandlung stellte der Privatkläger den Antrag, der
Beschuldigte sei zu verpflichten, ihm Schadenersatz und Genugtuung in der Ge-
samthöhe von Fr. 12'126.50 zuzüglich 5% Zins "seit wann rechtens" zu bezahlen.
Der vorgenannte Betrag setze sich aus einer Genugtuungsforderung in der Höhe
von Fr. 10'000.– sowie einem Schadenersatzanspruch von Fr. 2'126.50 zusam-
men. Der geltend gemachte Schadenersatz setze sich wiederum aus Fr. 512.95
für die ärztliche Behandlung, in die sich der Privatkläger aufgrund der Persönlich-
keitsverletzung durch den Beschuldigten notfallmässig habe begeben müssen,
- 28 -
sowie der Kosten aus dem Beizug eines Anwalts in der Höhe von Fr. 1'613.55 zu-
sammen (act. 15 S. 2 und 10). Zur Begründung des Genugtuungsanspruches
machte der Rechtsvertreter des Privatklägers im Wesentlichen geltend, die Per-
sönlichkeitsverletzung durch den Beschuldigten wiege schwer, insbesondere
auch weil der Beschuldigte seine Vertrauensstellung als Arzt missbraucht habe.
Aufgrund der Belastung durch die Persönlichkeitsverletzung sei der Privatkläger
bis zum 1. August 2014, also während mehr als einem Jahr, arbeitsunfähig ge-
blieben. Die damalige Arbeitgeberin des Privatklägers habe sodann gestützt auf
den vertrauensärztlichen Bericht des Beschuldigten die Lohnfortzahlungen an den
Privatkläger per 4. Oktober 2013 eingestellt, weswegen Letzterer von der Arbeits-
losenkasse lediglich 260 statt 400 Taggelder erhalten habe. Der Kläger habe zu-
dem bis heute nicht mehr in das Erwerbsleben zurückgefunden und sei mittlerwei-
le ausgesteuert (vgl. act. 15 S. 7 ff.).
3. Der Verteidiger des Beschuldigten beantragte dagegen anlässlich der
Hauptverhandlung, es seien die Zivilforderungen des Privatklägers auf den Zivil-
weg zu verweisen. Das hiesige Gericht habe keine Kenntnis vom aktuell laufen-
den arbeitsrechtlichen Verfahren zwischen dem Privatkläger und seiner damali-
gen Arbeitgeberin und den dort geltend gemachten Schadenersatz- und Genug-
tuungsforderungen. Weiter stelle der vorliegende Streit lediglich ein Nebengleis
des Konflikts zwischen dem Privatkläger und der E. AG dar. Die geltend gemach-
ten Zivilforderungen hätten ihren Ursprung im Konflikt mit der Arbeitgeberin und
nicht im Handeln des Beschuldigten. Das Handeln des Beschuldigten sei damit
nicht kausal für die geltend gemachte Schadenersatzforderung. Im Übrigen er-
scheine die Genugtuungsforderung von Fr. 10'000.– übersetzt, zumal die "Haupt-
verletzung" der Persönlichkeit des Privatklägers vom Arbeitgeber hervorgerufen
worden sei (act. 18 S. 17 und Prot. S. 9 ff.).
4. Vorliegend ist zu den Zivilforderungen des Privatklägers festzuhalten,
dass am hiesigen Gericht ein Forderungsprozess des Privatklägers gegen seine
ehemalige Arbeitgeberin pendent ist. Ohne Kenntnis des Ausgangs dieses Ver-
fahrens und der darin geltend gemachten Ansprüchen ist es vorliegend nicht mög-
lich, über die Zivilansprüche des Privatklägers zu entscheiden. Es ist davon aus-
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zugehen, dass sich der Privatkläger mit seiner damaligen Arbeitgeberin bereits in
einem Konflikt befunden hatte, bevor er überhaupt erst mit dem Beschuldigten in
Kontakt trat. Aus diesem Grund kann vorliegend auch nicht gesagt werden, in
welchem Verhältnis eine vom Privatkläger erlittene immaterielle Unbill auf das
Verhalten der ehemaligen Arbeitgeberin oder auf dasjenige des Beschuldigten
aufzuteilen wäre. Entsprechend sind die Zivilforderungen des Privatklägers auf
den Weg des Zivilprozesses zu verweisen.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1.1. Die beschuldigte Person hat gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO die Verfah-
renskosten zu tragen, wenn sie verurteilt wird. In analoger Anwendung von
Art. 428 Abs. 1 StPO auf das erstinstanzliche Verfahren hat die Kostentragung bei
einem partiellen Freispruch grundsätzlich im Umfang des Obsiegens oder Unter-
liegens zu erfolgen (vgl. Riklin, OFK-StPO, 2. überarbeitete Auflage, Zürich 2014,
N24 zu Art. 426 StPO).
1.2. Vorliegend wurde der Beschuldigte einerseits wegen Verletzung des Be-
rufsgeheimnisses (Anklagesachverhalt 1.3.) verurteilt, andererseits aber vom
Vorwurf der Nötigung freigesprochen. Auf die Anklagevorwürfe betreffend Verlet-
zung des Berufsgeheimnisses sowie die Verletzung der beruflichen Schweige-
pflicht (beides Anklagesachverhalt 1.2.) wurde nicht eingetreten.
1.3. Bei der Verletzung des Berufsgeheimnisses (Anklagesachverhalt 1.3.)
handelt es sich um den Hauptvorwurf, welcher das vorliegende Strafverfahren im
eigentlichen Sinne erst ins Rollen brachte. Die im vorliegenden Verfahren durch-
geführten Untersuchungshandlungen wären in massgeblichem Umfang auch
dann erforderlich und angezeigt gewesen, wenn die übrigen Delikte, von welchen
der Beschuldigte freigesprochen bzw. das Verfahren diesbezüglich eingestellt
wird, nicht im Raum gestanden wären. Entsprechend rechtfertigt es sich vorlie-
gend, die Verfahrenskosten insgesamt zur Hälfte dem Beschuldigten aufzuerle-
gen und zur Hälfte auf die Staatskasse zu nehmen.
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2.1. Gemäss Art. 429 Abs. 1 StPO ist dem Freigesprochenen eine Entschädi-
gung aus der Staatskasse für die ihm aus dem Verfahren erwachsenen Kosten
und Umtriebe zuzusprechen. Er hat einen Anspruch auf Schadenersatz im Sinne
eines Ausgleichs des im Zusammenhang mit dem Strafverfahren kausal verur-
sachten materiellen Schadens. Dazu gehört eine Entschädigung für Aufwendun-
gen für die angemessene Ausübung der Verfahrensrechte (Art. 429 Abs. 1 lit. a
StPO) sowie für wirtschaftliche Einbussen, die dem Freigesprochenen aus seiner
notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden ist (Art. 429 Abs. 1 lit. b).
Jedoch kann die Strafbehörde unter anderem die Entschädigung dann herabsetz-
ten, wenn der Beschuldigte rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfah-
rens bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat (Art. 430 Abs. 1 lit. a
StPO). Diese Bestimmung bezieht sich auf das prozessuale Verschulden und kor-
respondiert mit Art. 426 Abs. 2 StPO (Riklin, a.a.O., N 1 zu Art. 430 Abs. 1 StPO).
2.2. Die Verteidigerkosten sind nach Massgabe der Verordnung über die An-
waltsgebühren (AnwGebV) zu entschädigen. Dieser zufolge bemisst sich die Ge-
bühr für das Vorverfahren nach dem notwenigen Zeitaufwand der Vertretung, wo-
bei ein Stundenansatz von Fr. 150.– bis Fr. 350.– zugestanden wird (§ 16 Abs. 1
AnwGebV i.V.m. § 3 AnwGebV). Demgegenüber wird das Hauptverfahren vor den
Einzelgerichten mit einer fixen Gebühr von Fr. 600.– bis Fr. 8'000.– entschädigt
(§ 17 Abs. 1 lit. a AnwGebV). Die Bemühungen des Verteidigers müssen im Um-
fang aber den Verhältnissen entsprechen, das heisst sachbezogen und ange-
messen sein und mithin in einem vernünftigen Verhältnis zur Schwierigkeit des
Falles bzw. zur Wichtigkeit der Sache stehen. Unnötige und übersetzte Kosten
sind nicht zu entschädigen. Den erbetenen Anwalt trifft in diesem Sinne ein Scha-
densminderungsgebot (BSK StPO-Wehrenberg/Bernhard, N15 zu Art. 429, mit
weiteren Hinweisen).
2.3. Die Verteidigung des Beschuldigten machte für das Vor- und Hauptver-
fahren einen Aufwand von 48.50 Stunden zu Fr. 250.– sowie Spesen von
Fr. 614.–, total Fr. 13'758.10 inklusive Mehrwertsteuer, geltend, wobei der Auf-
wand für die Teilnahme an der Hauptverhandlung nicht einberechnet wurde
(act. 19; vgl. act. 18 S. 17). Unter Berücksichtigung des zeitlichen Aufwands für
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die Teilnahme an der Hauptverhandlung, samt Urteilseröffnung und Urteilsbe-
gründung, von rund 7 Stunden erscheint für die anwaltliche Verteidigung für den
gesamten Prozesses, mithin für das gesamte Vor- und Hauptverfahren, ein-
schliesslich Spesen und Mehrwertsteuer, eine Entschädigung von insgesamt
Fr. 15'800.– angemessen. Davon sind dem Beschuldigten, analog zur hälftigen
Kostentragung, Fr. 7'900.– zuzusprechen (Art. 430 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 426
Abs. 2 StPO).
3.1. Die Privatklägerschaft hat gegenüber dem Beschuldigten Anspruch auf
angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren, wenn
sie obsiegt oder der Beschuldigte nach Art. 426 Abs. 2 StPO kostenpflichtig wird
(Art. 433 Abs. 1 lit. a und b StPO). Sie hat ihre Entschädigungsforderung bei der
Strafbehörde zu beantragen, zu beziffern und zu belegen. Kommt sie dieser
Pflicht nicht nach, so tritt die Strafbehörde auf den Antrag nicht ein (Art. 433
Abs. 2 StPO).
3.2. Der Rechtsvertreter des Privatklägers beantragte anlässlich der Haupt-
verhandlung vom 18. November 2015, allerdings unter dem Titel "Schadener-
satz", dass dem Privatkläger für die bisherige anwaltliche Verbeiständung
Fr. 1'613.55 zu entschädigen seien (act. 15 S. 2 und S. 10). Hierzu reichte er die
Honorarnote seines "Vorgängers" Rechtsanwalt W. ins Recht (act. 17). Der
Rechtsvertreter des Privatklägers beantragte sodann, wohl für seine eigenen an-
waltlichen Bemühungen, eine weitere Prozessentschädigung (Verurteilung des
Beschuldigten unter Kosten- und Entschädigungsfolge; vgl. act. 15 S. 2), ohne
diese aber zu beziffern und zu belegen.
3.3. Unter Berücksichtigung der geltend gemachten Aufwendungen des bishe-
rigen Vertreters des Privatklägers, Rechtsanwalt W., und der Teilnahme des neu-
en Rechtsvertreters des Privatklägers anlässlich der Hauptverhandlung, sowie
angesichts dessen, dass der Beschuldigte lediglich im Hauptpunkt verurteilt wur-
de und der Privatkläger in keinem der Zivilpunkte obsiegt hat, rechtfertigt sich vor-
liegend, den Beschuldigten zu verpflichten, dem Privatkläger für das gesamte vor-
liegende Verfahren eine reduzierte Prozessentschädigung von pauschal
Fr. 1'500.– (inkl. MwSt und Barauslagen) zu bezahlen.
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