Decision ID: 46daf3ed-3521-58b9-8647-2a7d5fc050b7
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Eheleute M. und V. A. sind türkische Staatsangehörige. Sie kamen 1973 bzw.
1978 in die Schweiz und wohnten zunächst im Kanton Tessin. Dort wurden 1979 die
Tochter B. und 1981 bzw. 1983 die Söhne C. und D. geboren. 1986 zog die Familie
nach Z. 1987 wurde die Tochter E. und 1991 der Sohn F. geboren.
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1994 stellte M. A. ein Einbürgerungsgesuch. In dieses waren die Ehefrau und die
Kinder einbezogen. Am 20. Juli 1998 zogen M. und V. A. das Gesuch zurück. Für B., C.
und D. A. wurde in der Folge erneut ein Einbürgerungsgesuch gestellt. Die
Bürgerschaft lehnte dieses am 5. März 1999 ab. Dagegen erhoben die Gesuchsteller
Kassationsbeschwerde. Das Departement des Innern trat darauf mit Entscheid vom 30.
Juli 1999 wegen Fristversäumnis und fehlender Legitimation nicht ein, hob aber die
angefochtenen Beschlüsse wegen Fehlens einer eidgenössischen
Einbürgerungsbewilligung aufsichtsrechtlich auf.
Am 23. Juni 2003 stellte M. A. erneut ein Einbürgerungsgesuch. In dieses waren die
Ehefrau V. und die Tochter E. sowie der Sohn F. einbezogen. Nach verschiedenen
Abklärungen beurteilte der Einbürgerungsrat das Gesuch positiv und stellte an der
Bürgerversammlung der Politischen Gemeinde Z. vom 26. März 2007 der Bürgerschaft
den Antrag, dem Gesuch zuzustimmen. Die Bürgerschaft lehnte das
Einbürgerungsgesuch ab, nachdem an der Bürgerversammlung bekannt geworden
war, dass gegen die Eheleute A. eine Strafuntersuchung wegen Drohung geführt
worden war.
B./ Gegen den Beschluss der Bürgerschaft erhoben M., V., E. und F. A. mit Eingabe
ihres Vertreters vom 10. April 2007 Kassationsbeschwerde, die vom Departement des
Innern mit Entscheid vom 6. August 2007 abgewiesen wurde. Das Departement erwog,
gegen den Gesuchsteller und seine Ehefrau sei bis kurz vor der Bürgerversammlung
infolge eines familiären Konflikts ein Strafverfahren hängig gewesen. Gestützt auf diese
Tatsache habe die Bürgerschaft den Beschwerdeführern die Eignung zur Einbürgerung
absprechen dürfen. Dem Anspruch auf rechtliches Gehör sei damit Genüge getan, und
der ablehnende Einbürgerungsentscheid sei rechtmässig.
C./ Mit Eingabe ihres Vertreters vom 21. August 2007 erhoben M., V., E. und F. A.
Beschwerde beim Verwaltungsgericht. In der Beschwerdeergänzung vom 10.
September 2007 stellten sie den Antrag, der Entscheid des Departements des Innern
vom 6. August 2007 sei aufzuheben und der Abstimmungsentscheid der Bürgerschaft
Z. vom 26. März 2007 sei mangels Begründung und somit wegen Rechtsverletzung für
ungültig zu erklären bzw. aufzuheben und zur neuerlichen Abstimmungsvorlage
zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
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Die Vorinstanz und die Beschwerdegegnerin beantragten in ihren Vernehmlassungen
vom 1. Oktober bzw. 11. Oktober 2007 die Abweisung der Beschwerde. Die
Beschwerdeführer erhielten Gelegenheit, sich zu diesen Vernehmlassungen zu äussern.
Sie nahmen mit Eingabe ihres Vertreters vom 31. Oktober 2007 Stellung und hielten an
ihrem Antrag fest.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids sowie auf die von den
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge gemachten Ausführungen wird,
soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen näher eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführer sind zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 21. August 2007 und
deren Ergänzung vom 10. September 2007 wurden rechtzeitig eingereicht und
genügen formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist
daher grundsätzlich einzutreten.
1.1. Die Beschwerdeführer äussern sich ausführlich zu den in den Jahren 1994 und
1998 gestellten Einbürgerungsgesuchen. Diese sind nicht Gegenstand des
angefochtenen Entscheids der Vorinstanz. Daher ist auf die entsprechenden
Vorbringen der Beschwerdeführer nicht weiter einzutreten. Soweit jene Gesuche die
Beschwerdeführer betrafen, sind sie zufolge Rückzugs gegenstandslos. Die Gesuche,
welche Gegenstand des Departementsentscheids vom 30. Juli 1999 waren, betrafen
nicht die Beschwerdeführer.
1.2. Soweit die Beschwerdeführer eine schleppende Durchführung des
Einbürgerungsverfahrens beanstanden, kann ebenfalls nicht darauf eingetreten werden.
Die Beschwerdeführer hatten die Möglichkeit, eine solche Rüge vor dem Entscheid der
Bürgerversammlung vorzubringen. Nachdem ein Sachentscheid ergangen ist, sind sie
nicht mehr legitimiert, eine Rechtsverzögerung zu rügen (vgl. R. Hotz, St. Galler
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Kommentar zur Bundesverfassung, N 20 zu Art. 29 BV). Auch in diesem Punkt ist somit
auf die Vorbringen in der Beschwerde nicht näher einzugehen.
1.3. Weiter machen die Beschwerdeführer geltend, der Einbürgerungsbeschluss vom
26. März 2007 sei ihnen nicht rechtskonform eröffnet worden. Diese Rüge hatten sie
bereits in der Kassationsbeschwerde an das Departement des Innern vorgebracht.
Dieses hielt ausdrücklich fest, der Beschluss vom 26. März 2007 sei den
Beschwerdeführern nicht in Form einer Verfügung eröffnet worden, und wies den
Gemeinderat Z. darauf hin, dass er für die rechtskonforme Eröffnung der
Einbürgerungsbeschlüsse besorgt sein müsse. Die Beschwerdeführer hatten aber
Kenntnis vom Entscheid, und das Departement trat auf ihre Kassationsbeschwerde ein.
Den Beschwerdeführern erwuchs somit aus der mangelhaften Eröffnung kein Nachteil.
Der Eröffnungsfehler wurde somit im Verfahren vor dem Departement geheilt.
1.4. Streitgegenstand ist nach dem Gesagten einzig die Frage, ob der ablehnende
Einbürgerungsentscheid vom 26. März 2007 rechtmässig ist bzw. die Vorinstanz die
Kassationsbeschwerde zu Recht abgewiesen hat.
2. Einbürgerungsentscheide galten bis 2003 als politische Entscheide bzw. als
Souveränitätsakte, analog dem Erlass von Gesetzen oder von Begnadigungen (vgl. Yvo
Hangartner, Neupositionierung des Einbürgerungsrechts, in: AJP 2004, S. 7; BGE 129 I
235 E. 3.1 und 3.3 mit Hinweisen auf die frühere Lehre und Rechtsprechung).
Dementsprechend stand gegenüber ablehnenden Einbürgerungsentscheiden kein
Rechtsmittel offen. Aufgrund der neuen Rechtsprechung des Bundesgerichts sind
Einbürgerungsentscheide aber als Verwaltungsakte bzw. als Verfügungen zu
betrachten (BGE 129 I 238 E. 3.3). Das Bundesgericht erkannte
Einbürgerungsgesuchstellern einen Anspruch auf rechtliches Gehör und auf
Begründung des Entscheids zu und hielt fest, Einbürgerungsentscheide unterlägen
dem Willkürverbot und dem Diskriminierungsverbot gemäss Art. 8 Abs. 2 und Art. 9 der
Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt BV).
2.1. Nach der gesetzlichen Ordnung besteht, abgesehen von hier nicht
interessierenden Sonderfällen, kein Rechtsanspruch auf Einbürgerung. Nach Art. 104
Abs. 1 der Kantonsverfassung (sGS 111.1, abgekürzt KV) entscheiden die
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Stimmberechtigten der Politischen Gemeinde über die Erteilung des
Gemeindebürgerrechts. Dies bedeutet, dass entweder das Gemeindeparlament, wo ein
solches besteht, oder die Stimmberechtigten an der Bürgerversammlung über
Einbürgerungsgesuche entscheiden.
Aufgrund der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hat der Kantonsrat ein neues
Bürgerrechtsgesetz verabschiedet (vgl. ABl 2004, S. 2213 ff.). Dieses wurde aber in der
Volksabstimmung vom 24. November 2004 abgelehnt. In der Folge hat die Regierung
eine befristete Verordnung (sGS 121.12) erlassen, welche das bestehende kantonale
Bürgerrechtsgesetz (sGS 121.1, abgekürzt BüG) den Vorgaben der Kantonsverfassung
und der Rechtsprechung des Bundesgerichts anpasst (vgl. GVP 2005 Nr. 1; VerwGE B
2007/35 vom 9. Mai 2007, publiziert in: www.gerichte.sg.ch).
2.2. Einbürgerungsentscheide stehen in einem Spannungsverhältnis verschiedener sich
zum Teil tangierender und widersprechender Rechtsnormen und Rechtsgrundsätze.
Einerseits ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wie erwähnt der
Einbürgerungsentscheid als Verwaltungsakt bzw. als Verfügung zu qualifizieren, wobei
in formeller Hinsicht das rechtliche Gehör und die Begründungspflicht und materiell das
Diskriminierungs- und das Willkürverbot zur Anwendung kommen. Dem gegenüber
stehen die verfassungsrechtlichen Grundsätze, dass der Entscheid über
Einbürgerungen in einem direktdemokratischen Verfahren getroffen wird, dass kein
Anspruch auf Einbürgerung besteht und dass sich die Stimmenden auf die
grundrechtlich gewährte Garantie der politischen Rechte und die freie Willensbildung
(Art. 34 BV) berufen können (vgl. GVP 2005 Nr. 1; VerwGE B 2007/35 vom 9. Mai 2007,
publ. in: www.gerichte.sg.ch).
2.4. Ablehnende Einbürgerungsentscheide unterliegen gemäss der Rechtsprechung
der Begründungspflicht. Es besteht keine feste Praxis, wie der aus Art. 29 Abs. 2 BV
fliessenden Begründungspflicht, inbesondere bei Einbürgerungsbeschlüssen der
Gemeindeversammlung, nachzukommen ist (BGE 131 I 18 E. 3.1 mit Hinweis auf BGE
130 I 140 ff.). Problematisch sind vor allem diejenigen
Gemeindeversammlungsbeschlüsse, die von der Empfehlung des Gemeinderats oder
einer vorberatenden Kommission abweichen (vgl. BGE 131 Ia 18 E. 3.1). Werden an der
Gemeindeversammlung selbst Gründe für die Ablehnung einer konkreten Einbürgerung
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genannt und wird darüber unmittelbar im Anschluss an die Diskussion abgestimmt, so
kann angenommen werden, dass die ablehnenden Gründe von der Mehrheit der
Abstimmenden mitgetragen werden. In der Regel wird damit ein ablehnender
Gemeindeversammlungsbeschluss hinreichend begründet werden können, so dass der
abgelehnte Bewerber weiss, weshalb sein Gesuch abgewiesen wurde, und der
Entscheid gegebenenfalls in einem Rechtsmittelverfahren überprüft werden kann (BGE
132 I 196 ff. E. 3.1; BGE 130 I 154 mit Hinweis auf Thürer/Frei, Einbürgerungen im
Spannungsfeld zwischen direkter Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, in: ZSR 2004 I S.
225 f., und Hangartner, a.a.O., S. 3 ff., insbesondere S. 16 f.). Die Begründungspflicht
soll im Sinne einer Selbstkontrolle zur Rationalisierung der Entscheidfindung beitragen
und verhindern, dass sich die Behörde von unsachlichen Erwägungen leiten lässt. Der
Abgewiesene soll wissen, aus welchen Gründen sein Gesuch abgewiesen worden ist;
die Begründung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid
sachgerecht anfechten kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die
Ueberlegungen genannt sein, die dem Entscheid zugrunde liegen. Eine sachgerechte
Ueberprüfung von Ermessensentscheiden ist nur möglich, wenn die zuständige Instanz
die Gründe für ihren Entscheid darlegt (BGE 129 I 232 E. 3.2. und 3.3).
2.5. An der Bürgerversammlung vom 26. März 2007 stellte der Einbürgerungsrat den
Antrag, den Gesuchstellern das Bürgerrecht zu erteilen. Hierauf äusserte ein Mitglied
der Bürgerschaft, er habe gehört, dass noch ein Strafverfahren im Gange sei. Diese
Aeusserung war als Frage gestellt. Der Versammlungsleiter anwortete, es handle sich
um ein Delikt innerhalb der Familie. Das Verfahren sei vom Untersuchungsrichter
eingestellt worden, da die Anzeige zurückgezogen worden sei. In der Folge wurde der
Antrag des Einbürgerungsrates mit 36 Ja- zu 70 Nein-Stimmen abgelehnt.
2.5.1. Der Umstand, dass ein Strafverfahren hängig gewesen war, welches ein Delikt
innerhalb der Familie betraf, war im vorliegenden Fall ausschlaggebend für die
Ablehnung des Einbürgerungsantrags. Nach der Bestätigung des Versammlungsleiters
wurde die Diskussion nicht fortgesetzt. Insbesondere wurden auch nach dem
Beschluss keine weiteren Gründe genannt, welche für die Ablehnung des Gesuchs
ausschlaggebend waren. Dies war namentlich deshalb bemerkenswert, weil an der
Versammlung die übrigen elf Gesuche gutgeheissen wurden. Ob die Begründung
zutreffend ist oder nicht, spielt im Rahmen der Erfüllung der Begründungspflicht keine
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entscheidende Rolle. Ausschlaggebend ist vielmehr, dass die Begründung erkennen
lässt, weshalb die Bürgerschaft dem Antrag des Einbürgerungsrates nicht gefolgt ist
und das Gesuch abgewiesen hat. In der anschliessenden Diskussion über den
Rückkommensantrag wurde bestätigt, dass es sich um ein Antragsdelikt gehandelt
habe, wobei der Antrag zurückgezogen worden sei. Der Versammlungsleiter wollte aus
Gründen des Persönlichkeitsschutzes keine Details ausführen. Entgegen den
Vorbringen in der Beschwerde ist darin eine hinreichende Begründung des
ablehnenden Entscheides zu erblicken. Ob derjenige, der die Frage nach dem
Strafverfahren aufwarf, oder ob die übrigen Stimmbürger genaue Kenntnis von den
näheren Umständen hatten, ist nicht entscheidend. Der Versammlungsleiter hatte sich
entschlossen, aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes auf weitere Detailangaben zu
verzichten. Dies war nachvollziehbar und durchaus im Interesse der Beschwerdeführer,
nachdem die Strafanzeige darauf zurückzuführen ist, dass die Eheleute A. mit der
Partnerwahl ihrer ältesten Tochter nicht einverstanden waren. Dem Versammlungsleiter
kann in diesem Zusammenhang kein willkürliches Handeln vorgeworfen werden.
Entscheidend ist, dass die Information bestätigt wurde, und sie wird auch in der
Beschwerde nicht bestritten. Es besteht kein Zweifel, dass die Tatsache, dass gegen
die Eheleute A. eine Strafuntersuchung wegen Drohung innerhalb der Familie geführt
wurde, für die Ablehnung des Gesuchs kausal war. Dies anerkennen denn auch die
Beschwerdeführer selbst, wenn sie davon ausgehen, durch die Aeusserung des
Versammlungsleiters dürfte die Meinung der Stimmberechtigten beeinflusst worden
sein. Von einer fehlenden Begründung des Einbürgerungsentscheids kann daher nicht
gesprochen werden. Ob in den nachträglich geäusserten Voten noch zusätzliche
Begründungselemente ersichtlich sind, ist nicht massgebend. Auch ist nicht ersichtlich,
inwiefern die früheren Gesuche eine Rolle spielten. Entsprechende Voten wurden
jedenfalls nicht geäussert.
2.5.2. Zu prüfen bleibt im folgenden, ob die Begründung der Bürgerschaft sachlich
haltbar ist. Die Vorinstanz erwog, ein Strafverfahren sei als Tatsache geeignet, um den
Gesuchstellern die Eignung zur Einbürgerung abzusprechen. Die Beschwerdeführer
seien mit der Rechtsordnung in Konflikt geraten. Zwar sei das Strafverfahren kurz vor
der Bürgerversammlung eingestellt worden. Dies sei auf den Rückzug des Strafantrags
zurückzuführen. Dem Strafverfahren sei ein innerfamiliärer Konflikt zugrunde gelegen,
der offenbar nicht ohne Beizug der Polizei habe gelöst werden können. Diese
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Ueberlegungen als Ablehnungsgrund heranzuziehen möge streng erscheinen, doch
verfüge die Bürgerschaft bei der Einbürgerung über einen erheblichen
Handlungsspielraum. Unter diesen Umständen sei die Berücksichtigung des
Strafverfahrens nicht zu beanstanden. Dieses sei ein zulässiger Grund, die
Gesuchsteller als nicht zur Einbürgerung geeignet zu betrachten.
In der Beschwerde wird dagegen eingewendet, die Tatsache allein, dass ein
Strafverfahren hängig gewesen sei, bedeute noch keineswegs, dass auch eine
strafbare Handlung vorliege. Bis zu einem rechtskräftigen Abschluss des
Strafverfahrens gelte der Angeschuldigte grundsätzlich als unschuldig, und
dementsprechend könne den Beschwerdeführern daraus auch keine fehlende Eignung
zur Last gelegt werden. Es habe sich so verhalten, dass die älteste Tochter der
christlichen Eheleute A. ohne jegliches Wissen der gesamten Familie im Dezember
2006 einen Mann moslemischen Glaubens geheiratet habe. Es sei sicher mehr als
verständlich, dass die Eltern über diese heimliche Eheschliessung der Tochter auf
Anhieb keine Begeisterung hätten zeigen können. Die Eltern hätten von der
Eheschliessung anfang Februar 2007 rein zufällig erfahren. Bei einem Spaziergang
seien sie ihrer Tochter begegnet, welche ihnen dabei ihren Ehemann vorgestellt habe.
Dass sie sich dabei massiv vor den Kopf gestossen fühlten, dürfte auf der Hand liegen.
Sie seien verunsichert gewesen, ob ihre Tochter aus freiem Willen geheiratet habe. In
diesem Zusammenhang hätten sie mehrmals das Gespräch mit der Tochter gesucht.
Deren Ehemann habe sich hierauf jedoch belästigt und gekränkt gefühlt, dass er nicht
einfach als Schwiegersohn akzeptiert werde. Die Tochter habe dann auch die
Strafanzeige ausschliesslich auf Drängen ihres Ehemannes erstattet und deshalb auch
wieder zurückgezogen. Von Drohungen und dergleichen könne nicht die Rede sein,
weshalb das Strafverfahren ohnehin eingestellt worden wäre.
Ob sich die Eheleute A. strafbar machten oder nicht, spielt keine ausschlaggebende
Rolle. Fest steht, dass die Tochter gegen ihre Eltern Strafklage wegen Drohung erhob.
Die Partnerwahl der Tochter führte offenbar dazu, dass die Mutter und ein Bruder zwei
Wochen nach der Hochzeit bei der Tochter bzw. Schwester intervenierten und
verlangten, sie solle nach Hause zu ihren Eltern zurückkehren, und dass die Tocher und
deren Ehemann hierauf Strafklage gegen die Eltern bzw. Schwiegereltern erhoben. Das
Verhalten der Eltern zeugt von einer Haltung gegenüber der erwachsenen Tochter, die
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im Widerspruch zu deren persönlichkeitsbezogenen Rechten steht. Wenn die
Bürgerschaft aufgrund solcher Umstände und Verhaltensweisen ein
Einbürgerungsgesuch abweist, kann ihr kein rechtswidriges oder gar willkürliches
Handeln vorgehalten werden.
2.6. Weiter wird in der Beschwerde geltend gemacht, der Beschluss sei mit Bezug auf
die Kinder E. und F. willkürlich. Diese seien von den Gegebenheiten im Zusammenhang
mit dem Strafverfahren nicht betroffen. Dagegen wendet die Vorinstanz ein, die
Beschwerdeführer hätten sich gemeinsam einbürgern lassen wollen. Dies stehe mit der
geltenden Praxis und der Förderung der Familieneinheit im Einklang und sei zulässig.
Werde eine solche Vorlage abgelehnt, seien davon sämtliche Personen betroffen. Die
Begründungspflicht der Stimmbürgerschaft gehe nicht so weit, dass sie gegenüber
allen in einer Einbürgerungsvorlage erfassten Personen einzeln die Ablehnung
begründen müsste. Es genüge, wenn sie dies in rechtsgenüglicher Form gegenüber
einer der betroffenen Personen tue. Wenn diesem Verfahren ausgewichen werden
wolle, bestehe die Möglichkeit, ein separates Einbürgerungsverfahren anzubegehren.
Die Kantonsverfassung und das BüG sowie die Einbürgerungsverordnung enthalten
keine spezifischen Vorschriften zur gemeinsamen Einbürgerung von Eltern und
Kindern. Es entspricht der Praxis, Einbürgerungsgesuche von Eheleuten und Familien
in einer einzigen Vorlage und damit als einheitliches Gesuch zu behandeln.
Im vorliegenden Fall hat ausschliesslich M. A. ein Einbürgerungsgesuch gestellt. Die
Ehefrau sowie die Kinder E. und F. wurden als Personen, die in das Gesuch
einbezogen sind, aufgeführt. Somit gilt ausschliesslich M. A. als Gesuchsteller. Ob die
Einbürgerungsvoraussetzungen bei Ehegatten individuell zu prüfen sind (vgl. BGE 131 I
18), ist - wie nachstehend dargelegt - im vorliegenden Fall nicht entscheidend. Die
Kinder waren jedenfalls in das Gesuch von M. A. einbezogen.
Der Einbürgerungsrat machte nach Bekanntwerden des Strafverfahrens M. und E. A.
am 22. März 2007 den Vorschlag, für die Kinder das besondere
Einbürgerungsverfahren durchzuführen. Die Betroffenen stimmten einem solchen
Vorgehen nicht zu, sondern hielten fest, sie würden bis zur Bürgerversammlung
versuchen, einen Rückzug der Strafklage zu erwirken. Der Einwand der
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Beschwerdeführer, dies sei unzutreffend, ist nicht nachvollziehbar. Der Sekretär der
Einbürgerungskommission hielt in einer Aktennotiz fest, was er anlässlich der
Besprechung am 22. März 2007 M. und E. A. sowie deren Bruder C. eröffnete. Es
besteht kein Anlass, an der Richtigkeit der Darstellung der Beschwerdegegnerin zu
zweifeln. Der Einbürgerungsrat versuchte also, den Kindern die Möglichkeit zu
eröffnen, dass ihr Einbürgerungsgesuch unbelastet von demjenigen der Eltern
behandelt werden konnte. Die Betroffenen verzichteten somit auf ein selbständiges
Einbürgerungsgesuch der Kinder, obwohl sie nach Art. 106 KV und Art. 8ter BüG die
Möglichkeit dazu gehabt hätten. Da auf eine individuelle Prüfung der Gesuche der
Kinder verzichtet wurde, war keine gesonderte Begründung für die Ablehnung des
Gesuchs mit Bezug auf die einzelnen Personen erforderlich (vgl. BGE 131 I 18 E. 3.4).
2.7. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerde als unbegründet abzuweisen
ist, soweit darauf eingetreten werden kann.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zulasten der Beschwerdeführer (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen. Die Beschwerdeführer sind
unterlegen (Art. 98bis VRP), und die Beschwerdegegnerin hat keinen Anspruch auf
Kostenersatz (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 176).