Decision ID: 238bdda5-e1b5-4a85-8f7c-2654b4c1c60d
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Vedat Erduran, advokatur collegius,
Zürcherstrasse 1, Postfach 54, 7320 Sargans,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rentenrevision (Einstellung) und Rückforderung (Invalidenrente)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 10. März 2005 unter Hinweis auf seit eineinhalb Jahren
bestehende starke psychische Störungen, hauptsächlich Depressionen, zum Bezug
von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1).
A.b Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen holte in der Folge Arztberichte bei Dr. med.
B._, Spezialarzt für Innere Medizin FMH, vom 25. April 2005 (IV-act. 16/1-4) und beim
Psychiatrischen Zentrum C._ vom 8. Juli 2005 (IV-act. 20/1-6) ein. Sodann
veranlasste sie ein Gutachten beim Psychiatrischen Zentrum D._. Im Gutachten vom
2. Februar 2006 diagnostizierten die Gutachter mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine seit April 2002 bestehende mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10:
F32.1) mit Suizidalität, eine seit der Jugend manifestierte Impulskontrollstörung
(ICD-10: F63.8) oder, differenzialdiagnostisch, eine seit der Jugend manifestierte
emotional instabile Persönlichkeitsstörung, impulsiven Typus (ICD-10: F60.30), ein
Status nach zwei vorsätzlichen Selbstbeschädigungen durch Strangulierung (ICD-10:
X70) im Frühjahr 2005 und eine nichtorganische Insomnie (ICD-10: F51.0). Als
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie ein
Kokainabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent (ICD-10: F14.20), einen
schädlichen Gebrauch von Alkohol (ICD-10: F10.2) sowie eine Tabakabhängigkeit,
ständiger Konsum (ICD-10: F17.25). Aufgrund einer ausgeprägten und anhaltenden
schweren Beeinträchtigung auf der psychisch-geistigen und sozialen Ebene ergebe
sich beim Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in jeder Tätigkeit seit April
2002 (IV-act. 25).
A.c Gestützt darauf sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügungen vom
11. April 2006 eine ganze Invalidenrente mit Wirkung ab 1. März 2004 zu (IV-act. 32).
Auf ein Wiedererwägungsgesuch betreffend Rentenbeginn vom 3. Januar 2007 (IV-act.
38) trat sie gemäss Mitteilung vom 10. Januar 2007 nicht ein (IV-act. 39).
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B.
B.a Mit Schreiben vom 11. Februar 2009 setzte die Staatsanwaltschaft des Kantons
St. Gallen die IV-Stelle in Kenntnis davon, dass sie gegen den Versicherten eine
Strafuntersuchung wegen schwerer Betäubungsmittelverbrechen führe und den
begründeten Verdacht auf Versicherungsbetrug im Zusammenhang mit der erlangten
Invalidenrente habe (IV-act. 43).
B.b Im Auftrag der Staatsanwaltschaft erstellten die Psychiatrischen Dienste E._,
Klinik F._, am 5. Mai 2009 ein forensisches Gutachten. Der Gutachter Dr. med. G._,
leitender Arzt Forensischer Dienst, hielt darin u.a. fest, dass die früher gestellten
Diagnosen weder für den Zeitpunkt der Hospitalisation in der Psychiatrischen Klinik
H._ noch für die Zeit der Ausfällung des IV-Rentenentscheides im April 2006 noch
danach je erfüllt gewesen seien (IV-act. 51/67).
B.c Mit Verfügung vom 26. Juni 2009 sistierte die IV-Stelle die Invalidenrente des Ver
sicherten ab 1. Juli 2009 infolge des vorzeitig angetretenen Strafvollzugs (IV-act. 56).
Überdies teilte sie am 1. September 2009 dem Versicherten mit, dass sie nach Einsicht
in die Strafakten und nach allfälligen weiteren Abklärungen die ursprüngliche
Rentenverfügung nochmals zu überprüfen gedenke (IV-act. 64).
B.d Mit Verfügung vom 13. November 2009 hob die Staatsanwaltschaft des Kantons
St. Gallen das Strafverfahren gegen den Versicherten betreffend Betrug zum Nachteil
der Invalidenversicherung auf, weil es am strafrechtlich relevanten
Tatbestandsmerkmal der Arglist fehle (IV-act. 88/6-11).
B.e Am 7. Januar 2010 wurde der Versicherte aus dem vorzeitigen Strafvollzug ent
lassen (IV-act. 71). Seit 11. Januar 2010 liess er sich durch Frau I._, Dipl.
Psychologin, Psychiatrie-Dienste J._, ambulant behandeln. Sie bescheinigte ihm - in
Berichten vom 15. Februar und 21. Juni 2010 zuhanden seines Rechtsvertreters - eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit im Zusammenhang mit einer mittelgradigen depressiven
Episode (IV-act. 74 und 76). Mit Schreiben vom 3. Juni 2010 ersuchte der
Rechtsvertreter bei der IV-Stelle um Wiederausrichtung der sistierten Rente und
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kündigte an, der Versicherte werde voraussichtlich am 17. Juni 2010 den Rest seiner
Freiheitstrafe antreten und ca. ein Jahr im Strafvollzug sein (IV-act. 73).
B.f Mit Urteil vom 17. Februar 2010 erklärte das Kreisgericht K._ den Versicherten
für schuldig des Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz, des Vergehens
gegen das Betäubungsmittelgesetz und des versuchten Inumlaufsetzens falschen
Geldes und verurteilte ihn teilweise im Zusatz zu weiteren Urteilen zu einer
Freiheitsstrafe von drei Jahren (IV-act. 77).
C.
C.a Mit Vorbescheid vom 9. Juli 2010 stellte die IV-Stelle im Rahmen einer
prozessualen Revision die Aufhebung der Verfügung vom 11. April 2006, die
Einstellung der Invalidenrente sowie die Rückforderung der zu Unrecht bezogenen
Leistungen in Aussicht (IV-act. 82). Mit Einwand vom 20. August/23. September 2010
nahm der Versicherte, anwaltlich vertreten, zum Vorbescheid Stellung und wies darin
unter anderem auf die Aufhebungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom
13. November 2009 und auf einen Brief des im Strafverfahren betreffend
Betäubungsmitteldelikten Mitbeschuldigten L._ vom 30. August 2010 hin (IV-act. 83
und 88). In diesem Brief zuhanden der IV-Stelle widerrief der Mitbeschuldigte einige
gegen den Versicherten im Strafverfahren abgegebene Aussagen, welche den für das
IV-Verfahren relevanten Sachverhalt betreffen (IV-act. 86).
C.b Mit Verfügung vom 30. September 2010 entschied die IV-Stelle gemäss
Vorbescheid. Aus den Akten im Strafverfahren gehe hervor, dass der Versicherte der
Invalidenversicherung die Tatsache der Fortsetzung erwerblicher Aktivitäten im Jahr
2004 als Kellner und danach Geschäftsführer des Restaurants M._ sowie von Anfang
2006 bis Anfang 2008 als Beteiligter in einer selbständigen Tätigkeit mit dem N._
Imbiss verschwiegen habe. Zudem habe er während der IV-Abklärungen einen
ausgedehnten Handel mit illegalen Betäubungsmitteln betrieben. Die forensische
psychiatrische Begutachtung ergebe, dass bei ihm - mit Ausnahme der
vorübergehenden, durch den Kokainkonsum direkt indizierten Verhaltensstörungen -
kein relevantes psychisches Leiden bestehe bzw. bestanden habe. Es sei anzunehmen,
dass er bewusst durch unvollständige Auskünfte und durch Vorspielen von
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Krankheitssymptomen eine Rente unrechtmässig erwirkt habe. Zum Einwand führte die
IV-Stelle aus, es sei nicht einzusehen, dass der Gutachter aufgrund der
Aufgabenstellung im Rahmen des Strafverfahrens voreingenommen gewesen und
durch die als falsch abgestempelten Aussagen des Mitbeschuldigten L._ beeinflusst
worden sei. Der Widerruf dieser Aussagen gegenüber der IV-Stelle erscheine
unglaubwürdig und sei als Gefälligkeitsbestätigung zu betrachten. Aus der
Aufhebungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 13. November 2009 könne der
Versicherte nichts zu seinen Gunsten ableiten, weil die strafrechtlich relevante Frage
der Arglist im IV-Verfahren ohne Bedeutung sei. Die Feststellung, dass der Versicherte
im Restaurant M._ 2004 gearbeitet habe, stütze sich auf die eigenen Aussagen des
Versicherten im Strafverfahren (IV-act. 89).
D.
D.a Gegen die Verfügung vom 30. September 2010 richtet sich die vom Rechtsanwalt
B. Motor, Sargans, im Namen des Versicherten eingereichte Beschwerde vom 3.
November 2010 unter Beilage von bereits aktenkundigen Unterlagen und mit dem
Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer
weiterhin eine ganze IV-Rente auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenheit zwecks
Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen bei einem IV-unabhängigen,
ausgewiesenen Facharzt der Psychiatrie an die Beschwerdegegnerin als Vorinstanz
zurückzuweisen. Dem Beschwerdeführer sei für das vorliegende Beschwerdeverfahren
(IV 2010/432) die unentgeltliche Rechtspflege sowie die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung zu gewähren. Die durch die Beschwerdegegnerin für das
Beschwerdeverfahren entzogene aufschiebende Wirkung sei aufzuheben bzw. die
aufschiebende Wirkung sei wiederherzustellen; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Zur Begründung verweist der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers auf die Argumente im Einwand vom 23. September 2010 und führt
im Wesentlichen aus, der Sachverhalt habe sich seit der Rentenzusprache in der
Verfügung vom 21. April 2006 nicht verändert. Das Gutachten vom 5. Mai 2009 stelle
nur eine Neubeurteilung des medizinischen Gesundheitszustandes dar. Im Übrigen sei
es nicht mehr aktuell, da zwischen Gutachten und Vorbescheid 14 Monate liegen
würden. Der Gutachter sei ausserdem aufgrund des Auftrages der Staatsanwaltschaft
voreingenommen gewesen und durch die Falschaussage eines Zeugen beeinflusst
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worden. Dazu komme, dass die Staatsanwaltschaft den Beschwerdeführer wegen IV-
Betrugs nicht angeklagt habe. Eine zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Ver
fügung liege nicht vor. Dass der Beschwerdeführer im Jahr 2004 im Restaurant M._
nicht gearbeitet habe, könne mit seiner Einvernahme, der Abnahme einer
Zeugenaussage des Inhabers und Geschäftsführers des Lokals sowie dem Beizug der
Abrechnungsformulare bei der GastroSocial bzw. bei der Sozialversicherungsanstalt
des Kantons St. Gallen nachgewiesen werden. Dass der Beschwerdeführer am N._
Imbiss-Geschäft ab 2006 nicht beteiligt gewesen sei, ergebe sich aus dem Brief des
Mitbeschuldigten L._ vom 30. August 2010 und könne durch Einvernahmen des
Beschwerdeführers und dessen Bruders bestätigt werden. Im Umstand, dass der
Beschwerdeführer während der gesamten Abklärungen der Verwaltung in Drogen
geschäfte verwickelt gewesen sei, sei für das vorliegende Verfahren nichts Relevantes
zu sehen. Der Beschwerdeführer wehre sich gegen die Unterstellung ein Simulant zu
sein und beantrage daher, subsidiär, eine Begutachtung durch einen ausgewiesenen
Psychologen (act. G 1/IV 2010/432).
D.b Die Beschwerdegegnerin reichte am 15. Dezember 2010 die Beschwerdeantwort
ein mit dem Antrag, die Beschwerde sei abzuweisen. Es sei der Beschwerde die
aufschiebende Wirkung zu entziehen, nachdem die diesbezügliche Ziff. 4 des
Dispositivs im Vorbescheid wegen eines redaktionellen Fehlers nicht in die Verfügung
übernommen worden sei. Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, das
Gutachten vom 5. Mai 2009 beurteile nicht die Frage des aktuellen
Gesundheitszustandes, sondern ob der medizinische Sachverhalt, wie er der
Verfügung vom 21. April 2006 zugrunde liege, richtig festgestellt worden sei. Durch den
Einblick in die Strafakten seien die legalen, bei der IV ungemeldeten Erwerbstätigkeiten
des Beschwerdeführers und kriminelle Aktivitäten bekannt geworden, die sich nicht mit
dem behaupteten Gesundheitsschaden vereinbaren liessen. Die Argumente zur
materiellen Revision stünden hier nicht zur Diskussion. Die Voraussetzungen für eine
Wiedererwägung kämen nur subsidiär in Betracht, wenn das Gericht keine prozessuale
Revision zuliesse, und seien jedenfalls erfüllt. Der Nachweis, dass die Aussagen des
Mitbeschuldigten L._ falsch seien, sei nicht erbracht. Und selbst wenn dies
nachgewiesen wäre, hätte dies keinen Einfluss auf die Beweiskraft des Gutachtens,
stelle der Gutachter doch nicht auf den Inhalt dieser Aussagen, sondern auf eigene
Erkenntnisse ab. Umgekehrt hätten aber die Belastungen des Mitbeschuldigten durch
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die Laboruntersuchungen anlässlich der Begutachtung betreffend
Medikamenteneinnahme an Überzeugungskraft gewonnen. Es sei nicht ersichtlich,
weshalb die Aussagen des Beschwerdeführers vor dem Untersuchungsrichter
betreffend Arbeit im Restaurant M._ nicht zutreffend gewesen seien. Der Beizug von
Kassenakten oder die Einvernahme des Arbeitgebers seien wenig zweckmässig, da
fehlende oder falsche Lohnabrechnungen nicht zu belegen vermöchten, dass keine
Arbeit geleistet worden sei, und sich der Arbeitgeber selbst nicht belasten würde (act.
G 3/ IV 2010/432).
D.c Mit Präsidialverfügung vom 22. Dezember 2010 wurde der Beschwerde vom
3. November 2010 die aufschiebende Wirkung entzogen bzw. deren Entzug bestätigt
(act. G 4/IV 2010/432).
D.d Dem in der Beschwerdeschrift enthaltenen Gesuch um Bewilligung der unentgelt
lichen Prozessführung wurde am 23. Dezember 2010 von der Verfahrensleitung des
Versicherungsgerichts entsprochen (act. G 5/IV 2010/432).
D.e Mit Schreiben vom 1. Februar 2011 reicht der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers, Rechtsanwalt B. Motor, eine Honorarnote in der Höhe von Fr. 4
́338.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) ein (act. G 7.1/IV 2010/432).
D.f Gestützt auf die Einstellungsverfügung vom 30. September 2010 fordert die
Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 26. Januar 2011 die zu Unrecht bezogenen
Renten in der Höhe von Fr. 313 ́783.-- zurück. Ein Erlass der Rückerstattung sei
deshalb nicht möglich, weil eine Verletzung der Meldepflicht vorliege und somit der
gute Glaube fehle (IV-act. 98).
D.g Am 28. Februar 2011 erhebt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers,
Rechtsanwalt B. Motor, Beschwerde gegen die Verfügung vom 26. Januar 2011 und
beantragt deren Aufhebung. Eventualiter sei der Vollzug der angefochtenen Verfügung
für so lange zu sistieren bis die ursprüngliche Verfügung der Beschwerdegegnerin
betreffend prozessuale Revision rechtskräftig werde. Dem Beschwerdeführer sei für
das vorliegende Beschwerdeverfahren (IV 2011/90) die unentgeltliche Rechtspflege
sowie die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren; unter Kosten- und
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Entschädigungsfolge. Der Rechtsvertreter hält fest, dass erstens die
Beschwerdegegnerin vor dem definitiven Entscheid, ob der Beschwerdeführer die IV-
Leistungen seit dem 1. März 2004 zu Unrecht bezogen habe, eine Rückforderung nicht
hätte verfügen dürfen. Zweitens sei die Rückforderung teilweise für verjährte
Ansprüche verfügt worden (act. G 1; IV 2011/90).
D.h Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers macht im Verfahren IV 2010/432 mit
Replik vom 23. Februar 2011 unter anderem geltend, dass sich das fragliche Gutachten
vor allem zum aktuellen Zustand des Beschwerdeführers äussere. Fraglich sei, wie ein
psychologisches Gutachten überhaupt zum Gesundheitszustand einer Person in der
Vergangenheit Stellung nehmen könne. Zur Frage einer legalen Erwerbstätigkeit des
Beschwerdeführers während des IV-Verfahrens stünden nur sich widersprechende
Behauptungen der Parteien gegenüber. Eine psychisch kranke Person könne sich sehr
wohl im Betäubungsmittelhandel betätigen. Die rechtlichen Ausführungen zur
materiellen bzw. prozessualen Revision seien nicht massgebend. Vielmehr von
Bedeutung sei, dass sich aus dem fraglichen Gutachten kein erheblicher Sachverhalt
ergebe, der als neue Tatsache zu beurteilen wäre. Von einer zweifellosen Unrichtigkeit
der Rentenverfügung könne nicht die Rede sein, weil der Beschwerdeführer von
verschiedenen Fachärzten untersucht worden sei. Die Plausibilität des Widerrufes von
L._ könne nur geprüft werden, wenn er direkt über sein Motiv für die Falschbelastung
im Strafverfahren befragt werde. Es fehle an Sachlichkeit der Argumentation der
Beschwerdegegnerin, soweit sie in einem persönlichen Angriff den Bürokollegen des
Rechtsvertreters des Beschwerdeführers als möglichen Verfasser des Widerrufes
nenne. Weshalb die beantragte Beweisabnahme bezüglich Arbeit im Restaurant M._
nicht zielführend sein solle, sei nicht nachvollziehbar. Der Vorwurf der unzulässigen
Zeugenbeeinflussung entbehre jeder Grundlage (act. G 11/ IV 2010/432).
D.i Mit Eingabe vom 25. März 2011 gibt die Beschwerdegegnerin eine
Beschwerdeantwort im Verfahren IV 2011/90 ab und verzichtet auf eine Duplik im
Verfahren IV 2010/432. Sie beantragt die Vereinigung beider Verfahren sowie die
Abweisung der Beschwerden. Zum Verfahren IV 2011/90 bringt sie vor, die Berufung
auf die teilweise Verjährung der Rückforderung gehe ins Leere. Mit Verfügung vom
11. April 2006 habe die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine
Invalidenrente zugesprochen. In der Folge seien die entsprechenden Zahlungen
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ausgelöst worden. Die Fünfjahresfrist habe erst zu diesem Zeitpunkt zu laufen
begonnen. Die Verjährung sei daher noch nicht eingetreten (act. G 13/IV 2010/432; act.
G 3/IV 2011/90).
D.j Der Beschwerdeführer hat im Verfahren IV 2011/90 die Frist zur Erreichung einer
allfälligen Replik ungenutzt verstreichen lassen. Mit Schreiben vom 14. Juni 2011 teilte
das Versicherungsgericht den Parteien mit, dass die Beschwerden vom 3. November
2010 (IV 2010/432) und 28. Februar 2011 (IV 2011/90) zu einem Verfahren vereinigt
werden (act. G 15/ IV 2010/432 und act. 5/IV 2011/90).
E.
E.a Gemäss beim Versicherungsgericht am 21. Juni 2011 eingereichter Vollmacht vom
8. Juni 2011 beauftragt der Beschwerdeführer neu Rechtsanwalt V. Erduran mit der
Wahrung seiner Interessen (act. G 16/ IV 2010/432 und act. 6/IV 2011/90). Auf
Rückfrage der Verfahrensleitung vom 14. November 2012 teilt der unentgeltlich
bestellte Rechtsbeistand am 21. November 2012 mit, dass er seine Tätigkeit als
selbständiger Anwalt aufgegeben und im Einverständnis des Beschwerdeführers das
Mandat Rechtsanwalt V. Erduran übergeben habe. Er habe gleichzeitig die noch offene
Honorarforderung an ihn abgetreten, weshalb eine allfällige Entschädigung für die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung an Rechtsanwalt Erduran überwiesen werden soll
(act. G 20).
E.b Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reicht nachträglich am 4. Januar 2012
einen Arztbericht des med. pract. O._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 30. Dezember 2011 ein (act. G 17/ IV 2010/432).
F.
Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften und den Inhalt der

übrigen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.
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Am 1. Januar 2008 ist die 5. IV-Revision in Kraft getreten. Die Beschwerdegegnerin
erliess die angefochtenen Verfügungen am 30. September 2010 und am 26. Januar
2011 bzw. unter der Geltung des Rechts dieser Revision. Zu beurteilen ist der
Sachverhalt, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses dieser Verfügungen entwickelt
hat. Dieser Sachverhalt reicht in eine Zeit vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision zurück,
weil die Beschwerdegegnerin eine mit Wirkung ab 1. März 2004 rechtsgestaltende
Verfügung vom 11. April 2006 aufhob. Da sich die Definition der Invalidität und die
damit zusammenhängenden Begriffe mit dieser Revision nicht geändert haben, werden
diesbezüglich in diesem Urteil die seit dem 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wiedergegeben.
2.
Streitgegenstände in den Beschwerdeverfahren IV 2010/432 und IV 2011/90 bilden die
Aufhebung zugesprochener Renten und die gestützt darauf geltend gemachte
Rückforderung der zu Unrecht erbrachten Leistungen. Da die Streitgegenstände eng
zusammenhängen und sich dieselben Parteien gegenüberstehen, rechtfertigt es sich,
beide Verfahren zu vereinigen.
3.
Mit der angefochtenen Verfügung 30. September 2010 hat die Beschwerdegegnerin die
ursprüngliche, eine ganze Rente zusprechende Verfügung vom 11. April 2006, welche
in formelle Rechtskraft erwachsen war, revisionsweise aufgehoben, die Ausrichtung der
Rente eingestellt und eine Rückforderung in Aussicht gestellt. Deshalb ist zunächst zu
prüfen, ob sie auf die rechtskräftige Verfügung zurückkommen durfte. Auf eine formell
rechtskräftige, leistungsverweigernde Verfügung kann unter nachfolgend dargestellten
Umständen zurückgekommen werden.
3.1 Erstens kann der Versicherungsträger gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG einen
Entscheid in Wiedererwägung ziehen, wenn dieser sich als zweifellos unrichtig erweist
und seine Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Die anfängliche zweifellose
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Unrichtigkeit kann sich auf die Feststellung des Sachverhalts oder auf die
Rechtsanwendung beziehen (Miriam Lendfers, Möglichkeiten und Grenzen der
Korrektur von Dauerleistungen mittels prozessualer Revision, in: Ueli Kieser/Miriam
Lendfers [Hrsg.]: Sozialversicherungstagung 2011, S. 183 mit Hinweis auf BGE 127 V
14). Zweifellos unrichtig ist ein Entscheid, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich
ist, dass er unrichtig ist; es ist ein einziger Schluss - eben derjenige auf eine
Unrichtigkeit - möglich (Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S E.
vom 16. August 2005, U 127/05; vgl. BGE 125 V 393; Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2.
A. 2009, N 31 zu Art. 53 ATSG). Zweitens muss ein Entscheid in prozessuale Revision
gezogen werden, wenn er von Anfang an auf einer fehlerhaften tatsächlichen
Grundlage beruht. Dies ist der Fall, wenn nachträglich entscheidende neue Tatsachen
entdeckt oder Beweismittel aufgefunden werden, deren Beibringung zuvor nicht
möglich war (Art. 53 Abs. 1 ATSG; BGE 112 V 371 E. 2a). Nachträgliche Veränderungen
des massgeblichen Sachverhalts führen dagegen lediglich zu einer Anpassung der
Dauerleistungen gemäss Art. 17 ATSG (Miriam Lendfers, a.a.O. S. 184).
3.2 Grundlage der ursprünglichen, rentenzusprechenden Verfügung vom 11. April
2006 hatte in medizinischer Hinsicht das (Erst-)Gutachten des Psychiatrischen
Zentrums D._ vom 2. Februar 2006 gebildet, das dem Beschwerdeführer eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit auch in adaptierten Tätigkeiten attestierte (IV-act. 25). Dr.
G._, Psychiatrische Dienste E._, vertritt demgegenüber im Gutachten vom 5. Mai
2009 die Auffassung, dass die früher gestellten Diagnosen von Anfang an nicht erfüllt
waren (IV-act. 51/67). Dazu führt der forensische Psychiater an, dass die im
Erstgutachten separat gestellten Diagnosen der vorsätzlichen Selbstbeschädigungen
durch Strangulierung (ICD-10: X70) und nichtorganische Insomnie (ICD-10: F51.0) aus
seiner Sicht keinen Sinn machen würden. Der Beschwerdeführer habe wegen der
Suizidversuche keine bleibenden Schädigungen erlitten. Die Schlafstörungen seien als
typische Störung der dort ebenfalls diagnostizierten Depression anzusehen. Gegen die
diagnostizierte Impulskontrollstörung (ICD-10: F63.8) spreche, dass sich die
Tätlichkeiten gegenüber seiner Ehefrau weitgehend auf die Zeit des diese Diagnose
ausschliessenden Kokainkonsums beschränkten und die unkontrollierbaren Impulse
sich vornehmlich auf den familiären Rahmen und kaum auf andere Lebensbereiche
bezogen hätten. Dass der Beschwerdeführer den Impulsen, sich auf bestimmte Art zu
verhalten, nicht widerstehen könne, ergebe sich weder aus den Vorakten noch aus der
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aktuellen Anamnese. Auch die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung (CD-10: F60.30)
lasse sich weder aus heutiger Sicht noch rückblickend rechtfertigen. Das Erstgutachten
habe einzig auf die Angaben des Beschwerdeführers abgestellt, seinen damaligen
Kokainkonsum vermutlich zu wenig ernst genommen, die Angaben über seine Taten im
Bereich der häuslichen Gewalt und seine schwierige Kindheit als Opfer von
Aggressionen verallgemeinernd überbewertet, demgegenüber seine gute
Anpassungsleistung bei der Übersiedlung in der Schweiz bis hin zum Versuch, sich zu
verselbständigen, nicht ausreichend gewürdigt und seine Tätigkeit im Bereich der
Drogenkriminalität, weil damals unbekannt, nicht berücksichtigen können. Schliesslich
sei die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode aufgrund der Erkenntnisse
der Strafakten infrage zu stellen. Bereits als Ausschlussvorbehalt einer depressiven
Episode gelte, dass diese nicht auf den Missbrauch psychotroper Substanzen
zurückzuführen sei. Der vorgebrachte Antriebs- und Interessenmangel entfalle insoweit,
als der Beschwerdeführer sich regelmässig mit Kollegen im Ausgang getroffen, in
einem Club verkehrt, immer wieder sein Interesse an politischen und sportlichen
Aktivitäten bekundet, sich nächtens in einem Table Dancing aufgehalten und eine
Reihe von Autofahrten unternommen habe sowie bis drei/vier Uhr nachts im Ausgang
gewesen sei. Der Verlust des Selbstvertrauens oder des Selbstwertgefühls sowie
unbegründete Selbstvorwürfe oder unangemessene Schuldgefühle seien, abgesehen
von normalpsychischen Reaktionen wegen Nichterfüllung der traditionellen Männerrolle
in der Familie, ebenso wenig vorzufinden wie eine psychomotorische Agitiertheit oder
Hemmung oder eine Veränderung des Appetites mit entsprechender
Gewichtsveränderung. Das Verhalten des Beschwerdeführers zeuge gemäss dem
dokumentierten Verlauf in der Klinik von Energie, Freude, nach wie vor bestehendem
Ehrgeiz und einer ausreichenden Konzentrationsleistung (IV-act. 51/55-59).
3.3 Einschätzungen der Arbeitsunfähigkeit, Beweiswürdigungen und
Zumutbarkeitsfragen können in der Regel nicht offensichtlich unrichtig sein. Denn es
handelt sich dabei um Beurteilungen, welche notwendigerweise Ermessenszüge
aufweisen. Erscheint die Beurteilung vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage,
wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darbot, als
vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus
(Bundesgerichtsentscheid i/S G. vom 10. Februar 2010, 9C_845/09). Erst aufgrund der
Erkenntnisse aus dem Strafverfahren und des Gutachtens von Dr. G._ vom 5. Mai
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2009 ist die Beschwerdegegnerin zum Schluss gekommen, dass die Beurteilung vom
2. Februar 2006 auf fehlerhafter Grundlage beruhe. Es handelt sich dabei weder um
eine offensichtliche Unrichtigkeit der ersten Begutachtung noch um eine Veränderung
des Sachverhalts noch um eine reine Neubeurteilung eines gleichgebliebenen
Sachverhalts. Vielmehr stellt sich die Frage, ob die neu gewonnenen Einsichten eine
prozessuale Revision im Sinn von Art. 53 Abs. 1 ATSG rechtfertigen.
4.
Zunächst ist somit zu prüfen, ob mit dem (neuen) Gutachten der Psychiatrischen
Dienste E._ vom 5. Mai 2009 überwiegend wahrscheinlich ist, dass die medizinische
Grundlage der zugesprochenen Invalidenrente, namentlich das Gutachten des
Psychiatrischen Zentrums D._ vom 2. Februar 2006, fehlerhaft gewesen war.
4.1 Das Gutachten der Psychiatrischen Dienste E._ vom 5. Mai 2009 enthält eine
Zusammenstellung bzw. eine detaillierte Auswertung der Straf- und der medizinischen
Akten (IV-act. 51/2-21, 38-45), eine ausführliche Darstellung der Vorgeschichte
(Familien-, biographische, Sozial-, Suchtstoff-, medizinische sowie Deliktanamnese; IV-
act. 51/21-38) und die Erhebung eigener Untersuchungsbefunde
(psychopathologischer Status, körperliche Untersuchung, Urinproben,
testpsychologische Untersuchung; IV-act. 51/45-51). Es folgen die zusammenfassende
Beurteilung, namentlich eine Auseinandersetzung mit den früher gestellten Diagnosen,
eine Darstellung der Deliktdynamik, eine Einschätzung der Schuldfähigkeit und eine
Rückfallprognose (IV-act. 51/51-67) sowie die Beantwortung der Fragen der
Staatsanwaltschaft (IV-act. 51/67-70). Das Gutachten berücksichtigt somit den früher
gewürdigten medizinischen Sachverhalt, die Angaben des Beschwerdeführers sowie
die Erkenntnisse des Strafverfahrens und beruht auf eigener Erkenntnis. Es gibt damit
hinreichend Auskunft über die streitigen Belange.
4.2 Auch wenn das neue Gutachten im Rahmen einer Strafuntersuchung in Auftrag
gegeben wurde, befasst es sich auch mit den sozialversicherungsrechtlich
massgebenden Gesichtspunkten. Es leuchtet in der Darstellung der Gründe ein, warum
die (in den Vorakten) gestellten Diagnosen, die Grundlage für die Gewährung einer
Invalidenrente waren, für den Zeitpunkt des Erlasses der Rentenverfügung nicht erfüllt
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gewesen sein konnten (vgl. obenstehend Erwägung 3.2). So seien die früher gestellten
Diagnosen auf Unkenntnis relevanter Umstände, die erst aufgrund des Strafverfahrens
ans Licht gekommen sind, oder auf Übersehen von Tatsachen, die bereits aktenkundig
waren, zurückzuführen (IV-act. 51/55-59). Es sei jedenfalls kaum anzunehmen, dass die
vorbefassten Ärzte im Wissen um den aktuellen Aktenstand und die sich daraus
ergebenden Verhaltensweisen des Beschwerdeführers wieder zu denselben Diagnosen
gelangt wären (IV-act. 51/67f.). Im Erstgutachten fehle sodann nicht nur eine Blut- und
Urinprobe zur Bestätigung der Kokainabstinenz, sondern man habe auch auf eine
Bestimmung des Medikamentenspiegels verzichtet. Der als normalintelligent
anzusehende Beschwerdeführer habe die sich aus der vorschnellen diagnostischen
Festlegung (der damals zuständigen Mediziner) ergebenden Möglichkeiten wohl
erkannt. Einerseits habe er Symptome, von welchen er gedacht habe, dass sie den
Diagnosen entsprechen würden, vermehrt angegeben. Andererseits habe er aber auch
keine Anstalten gemacht, grundsätzlich positive Dinge zu berichten. So habe er seine
als depressiv interpretierten Symptome etwas vermehrt in den Vordergrund gestellt
und die vermeintlichen Impulskontrollstörungen ebenfalls etwas betont. Letztere hätten
schliesslich die behandelnden und begutachtenden Mediziner als feststehend
interpretiert, ohne dass Differenzialdiagnosen, vor allem beim Vorliegen eines
Kokainmissbrauchs bzw. einer Abhängigkeit, überhaupt diskutiert worden seien. Die
Feststellungen, dass der Beschwerdeführer trotz geklagter Depression, wie die
durchgeführte Haaranalyse zeige, seine Medikamente nicht eingenommen und sich
nach eigenen Angaben vor allem seit Anfang 2008 herzlich um seine Familie
gekümmert habe, weiterhin in dem von ihm gegründeten Club aktiv gewesen sowie in
Drogengeschäfte verwickelt sei, würden auf eine bewusste Täuschung hinweisen. Die
Mediziner schienen die Symptomatik nicht hinterfragt zu haben. Der Fall zeige
beispielhaft die Schwierigkeiten der Gutachtenserstellung im Allgemeinen, wenn es nur
wenig fremdanamnestische Quellen gebe und man weitgehend auf die Angaben der
untersuchten Person angewiesen sei. Das Verhalten des Beschwerdeführers könne als
(versicherungsrechtlich nicht relevanter) Krankheitsgewinn angesehen werden. Der
ursprüngliche ehrgeizige Plan, sich selbständig zu machen, eine Familie aufzubauen
und zu ernähren, sei vermutlich nicht zuletzt wegen des heimlich betriebenen
Kokainkonsums und der damit verbundenen Schuldgefühle nicht aufgegangen. Mit der
Zusprache einer Invalidenrente habe der Beschwerdeführer sein Gesicht und seine
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Rolle als Familienoberhaupt wahren können, was verständlicherweise auch zu einer
Abnahme der Vorwürfe seitens der Ehefrau und damit zu einer Verbesserung des
häuslichen Klimas geführt habe. Hinzu komme die "mit der Zeit immer grösser
werdende Schwierigkeit der Wiedereingliederung nach einer langen Dauer ausserhalb
des Arbeitsprozesses" (IV-act. 51/63-65).
4.3 Der forensische Gutachter hat seine Denkschritte einsichtig und verständlich dar
gelegt und die Abweichungen von früheren Einschätzungen hinreichend kommentiert
und ausreichend begründet. Mithin ist das Gutachten vom 5. Mai 2009 schlüssig. An
dessen Beweiskraft vermögen die Beanstandungen des Rechtvertreters des
Beschwerdeführers nichts zu ändern. Entgegen seiner Auffassung ist nicht von Belang,
dass das Gutachten etwa 17 Monate vor Erlass der angefochtenen Verfügung vom 30.
September 2010 erstellt worden war. Auf die Aktualität der Begutachtung kommt es
nicht an, wenn sich der Sachverhalt unbestritten nicht verändert hat und im Rahmen
der prozessualen Revision in erster Linie die Verhältnisse vor April 2006 zu prüfen sind.
Der Einwand, der Gutachter sei aufgrund der Auftragserteilung durch die
Staatsanwaltschaft der Sache voreingenommen nachgegangen, wird nicht näher
ausgeführt. Die Strafbehörden haben denn auch die belastenden und entlastenden
Umstände mit gleicher Sorgfalt zu untersuchen (Art. 6 Abs. 2 der Schweizerischen
Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]). Es kann dem gestellten Fragenkatalog nicht
entnommen werden, dass dieser Grundsatz vorliegend nicht beachtet worden wäre.
Die Tatsache, dass das Erstgutachten vom 2. Februar 2006 und das Gutachten vom
5. Mai 2009 zu anderen Beurteilungen gekommen sind, gibt keinen Anlass zu
Beweisweiterungen. Dem neuen Gutachten ist offensichtlich Vorrang einzuräumen, weil
es auf fremdanamnestische Umstände zurückgreift, welche den Erstgutachtern
unbekannt waren, und die geeignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen
(vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 676/05 vom 13. März 2006 E
2.4 mit Hinweisen). Es ist mit dem neuen Gutachten nachgewiesen, dass die frühere
Einschätzung auf dem Boden einer fehlerhaften Grundlage ausgefallen ist. Die
Beschwerdegegnerin hat demnach zu Recht auf das Gutachten vom 5. Mai 2009
abgestellt. Mit diesem setzt sich der nachträglich eingereichte Arztbericht vom
30. Dezember 2011 nicht auseinander, weshalb daraus beweisrechtlich keine
Erkenntnisse zu gewinnen sind.
5.
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Des Weiteren ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin davon ausgehen durfte, dass
der Beschwerdeführer seit 2004 erwerblichen Tätigkeiten nachgegangen war, welche
mit der der Rentenzusprache zugrunde liegenden, vollständigen Arbeitsunfähigkeit
nicht zu vereinbaren sind.
5.1 Mit Strafbescheid vom 15. August 2006 verurteilte das Untersuchungsamt P._
den Beschwerdeführer wegen mehrfacher Hehlerei zu einer Gefängnisstrafe von fünf
Wochen (vgl. Vorakten Untersuchungsamt P._). Mit Urteil vom 13. November 2007
verurteilte das Landesgericht Feldkirch den Beschwerdeführer wegen Handel mit
Betäubungsmitteln während der Zeitspanne von Ende 2004 bis Ende 2006. Der Vollzug
der im Zusatz zum Strafbescheid verhängten zweijährigen Freiheitstrafe wurde mit
Beschluss vom 10. Januar 2008 zugunsten einer ambulanten Massnahme
aufgeschoben (IV-act. 77/4; vgl. IV-act. 88/6). Bereits anderthalb Monate nach diesem
Beschluss setzte er seine Betäubungsmittelgeschäfte fort. In diesem Zusammenhang
stellte das Kreisgericht K._ mit Urteil vom 17. Februar 2010 eine Delikttätigkeit im
Zeitraum von 2005 bis November 2007 und in der Zeit zwischen 10. Januar 2008 bis
zur Verhaftung am 16. September 2008 fest. Es sprach gegen den Beschwerdeführer
teilweise im Zusatz zum Urteil vom 13. November 2007 und Strafbescheid vom
15. August 2006 eine Freiheitsstrafe von drei Jahren aus (IV-act. 77/28, 39). Diese
Urteile sind rechtskräftig geworden. Damit ist eine kontinuierliche Deliktstätigkeit in
einer langen Zeitspanne nachgewiesen. Von einer nicht IV-relevanten Tätigkeit kann
nicht die Rede sein, hat der Beschwerdeführer damit doch eine grosse
Leistungsfähigkeit gezeigt.
5.2 Auf die Frage des kantonalen Untersuchungsrichters in der Einvernahme vom
26. November 2004 (S. 8) zu seiner Person gab der Beschwerdeführer an, dass er als
Kellner und Geschäftsführer im Restaurant M._ arbeite (vgl. Vorakten Kantonales
Untersuchungsamt ST.2008.4331). In der Einvernahme vom 14. Mai 2009 bestritt er
zwar anfänglich, dass er in diesem Restaurant gearbeitet habe, und gab stattdessen
an, er habe lediglich seinen Kollegen Q._ bei Abwesenheiten vertreten. Auf den
Hinweis, dass auch eine Drittperson am 25. November 2004 ausgesagt habe, der
Beschwerdeführer habe als Kellner im Restaurant M._ gearbeitet und er selber habe
das damals vor dem Untersuchungsrichter auch angegeben, erklärte der
Beschwerdeführer, dass er jedenfalls "gesetzlich" nicht angemeldet gewesen sei
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(Vorakten Kantonales Untersuchungsamt ST.2008.4331, Einvernahme 14.5.2009 S. 14).
Weshalb Zweifel an der ersten Aussage angebracht wären, begründet der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit keinem Wort. Nachdem der
Beschwerdeführer selber erklärt, er sei "gesetzlich" nicht angemeldet gewesen,
erübrigen sich dazu auch weitere Beweisabnahmen. Schliesslich wäre eine allfällige
Aussage des Inhabers des Lokals mit grösster Zurückhaltung zu würdigen, hat dieser
doch alles Interesse daran, keine Schwarzarbeit anzugeben. Mithin sind die
Beweisanträge abzuweisen bzw. ist in antizipierender Beweiswürdigung davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2004 tatsächlich gearbeitet hat, wie
er es in der Einvernahme am 26. November 2004 selber angegeben hatte.
5.3 Aus der Einvernahme des Mitbeschuldigten L._ beim Kantonalen
Untersuchungsamt vom 27. Februar 2009 geht hervor, dass der Beschwerdeführer mit
ihm den N._ Imbiss zwischen Anfang 2006 bis Anfang 2008 betrieben habe.
Anfänglich habe der Beschwerdeführer beabsichtigt, das Lokal selber zu betreiben.
Danach habe er sich entschieden, es gemeinsam zu führen. Da er als krank gemeldet
gewesen sei und auf eine IV-Rente gewartet habe, habe er die Sachen über den
Namen seines Bruders laufen lassen. Nachdem er dann die IV-Rente bekommen habe,
sei er nur noch inoffiziell im Geschäft tätig gewesen. Er habe Lebensmittel eingekauft,
den Behördenverkehr erledigt und gelegentlich das Lokal betreut (vgl. Vorakten
Kantonales Untersuchungsamt ST.2008.4331, Einvernahme 27.2.2009 S. 11). In
seinem Brief zuhanden der Beschwerdegegnerin vom 30. August 2010 erklärte L._
dann aber, er habe bei der Einvernahme vom 27. Februar 2009 aus Eifersucht und auf
Drängen des Untersuchungsrichters hin den Beschwerdeführer belasten wollen.
Dessen Inhalt sei aber unzutreffend (IV-act. 86). Der nachträgliche Widerruf von L._
erscheint unglaubwürdig. So ist nicht nachzuvollziehen, dass und weshalb die
gemachten Aussagen über die "offiziellen und inoffiziellen" Tätigkeiten im Lokal in
einem Strafverfahren wegen Betäubungsmitteldelikten für den Beschwerdeführer
belastend gewesen sein sollten. Zudem wurden im Rahmen einer Hausdurchsuchung
ein blauer Bundesordner mit "Bau- resp. Umnutzungsgesuchunterlagen" sowie dem
schriftlichen Behördenverkehr mit der Gemeindeverwaltung und dem
Strassenkreisinspektorat in Bezug auf den N._ Imbiss beim Beschwerdeführer
gefunden (vgl. Vorakten Kant. Untersuchungsamt ST.2008.4331, Einvernahme vom
14. Mai 2009, S. 4). Im Mietvertrag des Lokals waren der Name und die Mobilnummer
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des Beschwerdeführers angegeben, obwohl dessen Bruder als Mieter aufgeführt war.
Dieser sei aber schon seit 10 Jahren zu 100% in einer Firma beschäftigt (vgl.
Einvernahme vom 14. Mai 2009, S. 4f.). Auch damit werden die ursprünglichen
Aussagen des Mitbeschuldigten erhärtet, wonach dieser Bruder lediglich als
Strohmann fungiert habe. Der nachträgliche Widerruf vom 30. August 2010 vermag
daher den Beweiswert der Aussagen vor der Strafverfolgungsbehörde nicht zu
entkräften. Aus den beantragten Befragungen des Beschwerdeführers und dessen
Bruders können keine neuen Erkenntnisse gewonnen werden. Darauf ist in
antizipierender Beweiswürdigung zu verzichten.
5.4 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer zweifellos eine Energie und
Arbeitsfähigkeit an den Tag gelegt, welche mit den im Erstgutachten festgestellten
Einschränkungen nicht übereinstimmen. Die Beschwerdegegnerin hat mithin zu Recht
im Rahmen einer prozessualen Revision die Verfügung vom 11. April 2006 aufgehoben.
Dem kann die Aufhebungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 13. November 2009
nicht entgegengehalten werden. Der IV-relevante Sachverhalt ist nachgewiesen,
unabhängig davon, dass das Tatbestandsmerkmal der Arglist für eine strafrechtliche
Verurteilung wegen Betrugs als nicht gegeben erachtet wurde.
6.
Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 30. September
2010 richtigerweise die leistungszusprechende Verfügung vom 11. April 2006 in einer
prozessualen Revision aufgehoben. Damit entfiel die rechtliche Grundlage für die
Zusprache einer ganzen Rente ab 1. März 2004 bzw. wurde diese zu einer
unrechtmässigen Leistung (vgl. BGE 122 V 138), die gemäss Art. 25 Abs. 1 erster Satz
ATSG zurückzuerstatten ist. Dass der Beschwerdeführer die Leistungen in gutem
Glauben bezogen hat (vgl. Abs. 1 zweiter Satz ATSG), wird in der Beschwerde gegen
die Rückerstattungsverfügung vom 26. Januar 2011 nicht vorgebracht. Eine solche
Annahme wird auch durch die Tatsache widerlegt, dass er Umstände verschwiegen
hat, in deren Kenntnis die Verwaltung einen Rentenanspruch verneint bzw. die
Ausrichtung von zugesprochenen Leistungen eingestellt hätte. Dem Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers kann nicht gefolgt werden, soweit er geltend macht, dass über
die Rückforderung erst dann verfügt werden könne, wenn die Einstellungsverfügung
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rechtskräftig sei. Dies würde oft dazu führen, dass der Anspruch auf Rückerstattung,
weil verjährt, nicht mehr durchsetzbar wäre, wenn der Betroffene den Rechtsweg
gegen den Rückforderungstitel eingeschlagen hat. Im Übrigen ist der
Beschwerdegegnerin beizupflichten, dass vorliegend keine Verjährung eingetreten ist.
Denn die Leistungen sind erst nach der Zusprache der Rente mit Verfügung vom
11. April 2006 ausgerichtet worden. Die Rückerstattungsverfügung vom 26. Januar
2011 ist damit noch innerhalb der fünfjährigen Verjährungsfrist gemäss Art. 25 Abs. 2
erster Satz ATSG erfolgt. Auch die einjährige Frist gemäss dieser Bestimmung wurde
gewahrt. Denn erst aufgrund des Strafurteils vom 17. Februar 2010 das ihr am 28. Juli
2010 weitergeleitet wurde (IV-act. 77), hatte die Beschwerdegegnerin Kenntnis aller in
sozialversicherungsrechtlicher Hinsicht erheblichen Umstände um den
Rückforderungszuspruch beurteilen zu können (vgl. Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts I 273/02 vom 27. Dezember 2002, E. 4.2).
7.
7.1 Gestützt auf die obigen Erwägungen sind die Beschwerden vom 3. November
2010 (IV 2010/432) und 28. Februar 2011 (IV 2011/90) abzuweisen.
7.2 Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Rechtspflege am 23. Dezember
2010 im Rahmen des Beschwerdeverfahrens IV 2010/432 bewilligt (act. G 5). Die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege umfasst auch das Beschwerdeverfahren
betreffend Rückforderung (IV 2011/90), hängt dieses doch praktisch zwangsläufig mit
dem Rentenverfahren zusammen. Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse dem
Beschwerdeführer es gestatten, kann er jedoch zur Nachzahlung der Gerichtskosten,
der Auslagen für die Vertretung und der vom Staat entschädigten Parteikosten
verpflichtet werden (Art. 288 Abs. 1 ZPO/SG i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG i.V.m. Art.
404 ZPO/CH).
7.3 Das Beschwerdeverfahren betreffend Invalidenrente ist kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von
Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheiten als
angemessen. Dem unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der
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Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der
Bezahlung zu befreien.
7.4 Der Staat ist zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die
Kosten der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers aufzukommen. Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Der als unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellte Rechtsvertreter hat
am 1. Februar 2011 eine Kostennote aus unentgeltlicher Verbeiständung (d.h. nach
Abzug 1/5 gemäss Art. 31 Abs. 3 HonO) in der Höhe von Fr. 4'388.-- eingereicht (act. G
7.1). Angesichts des bescheidenen, zusätzlichen Aufwandes im Zusammenhang mit
der Beschwerde vom 28. Februar 2011 (IV 2011/90) sind nach Ermessen dazu
Fr. 500.-- (80 %; Art. 31 Abs. 3 HonO) hinzuzurechnen. Somit entsteht dem Staat für
die unentgeltliche Rechtsverbeiständung in beiden Verfahren ein Aufwand von
Fr. 5'138.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer). Wie der unentgeltliche
Rechtsvertreter mit Schreiben vom 21. November 2012 belegt, hat er seinen Anspruch
an Rechtsanwalt Erduran abgetreten. Die Entschädigung ist damit erfüllungshalber
diesem auszuzahlen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP