Decision ID: b859da65-31dd-4511-a7f8-3acce56b30aa
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 09.06.2011 Art. 28a Abs. 3 IVG. Gemischte Methode der Invaliditätsbemessung: Die Schadenminderungspflicht der Familienangehörigen bildet in Art und Umfang ebenso Gegenstand der Sachverhaltsabklärung wie alle anderen Umstände der Invalidität im Haushalt und ist deshalb sorgfältig zu untersuchen und zu quantifizieren (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. Juni 2011, IV 2009/115).
Entscheid Versicherungsgericht: 09.06.2011
Vizepräsident Joachim Huber, Versicherungsrichterin Lisbeth Mattle Frei und
Versicherungsrichter Martin Rutishauser; Gerichtsschreiber Ralph Jöhl
Entscheid vom 9. Juni 2011
in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Niedermann, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich am 23. November 2007 zum Bezug von Rentenleistungen an (IV-
act. 3). Die B._, gab der IV-Stelle am 18. Dezember 2007 an, sie habe die Versicherte
vom 22. März 2002 bis 31. Januar 2007 beschäftigt. Die wöchentliche Arbeitszeit habe
ca. 4 Std. betragen. Der Stundenlohn würde aktuell (inklusive Ferienentschädigung) Fr.
23.83 betragen. Die Versicherte habe Schrauben eingeräumt (IV-act. 13). Dr. med.
C._ vom Tumorzentrum berichtete der IV-Stelle am 14. Dezember 2007, die
Versicherte leide an einem prämenopausalen Mammakarzinom rechts. Aktuell
persistierten ein Lymphödem des rechten Arms und ein Schulter-/Armsyndrom. Die
Versicherte müsse rechts regelmässig einen Kompressionsstrumpf mit
Kompressionshandschuh tragen. Sie habe Schmerzen im Schulter-/Nackenbereich.
Die Schulter sei anstrengungsabhängig deutlich in der Beweglichkeit eingeschränkt.
Die Versicherte ermüde rasch. Die Arbeit als Raumpflegerin sei nicht mehr zumutbar.
Angepasst wäre eine Erwerbstätigkeit, bei der die Versicherte den rechten Arm weniger
einsetzen müsste. Bei einem St. n. einer recht intensiven Chemotherapie sei die
Versicherte noch recht schnell erschöpfbar, so dass sie nur zu 50% arbeitsfähig sei (IV-
act. 14). Die D._ teilte am 25. Februar 2008 mit, sie habe die Versicherte als
Raumpflegerin beschäftigt. Die wöchentliche Arbeitszeit habe ca. 8 Std. betragen. Die
Versicherte habe einen Stundenlohn von Fr. 28.- erhalten (IV-act. 24). Dr. med. E._
von der Rheumatologie im Silberturm berichtete am 27. Februar 2008, die Versicherte
leide an einer chronischen Zervikobrachialgie rechts bei St. n. Mammakarzinom-
Operation mit Axillaausräumung 2/07 (residuelle myofasziale Problematik i.S. eines
zervikovertebralen, intermittierend zervikospondylogenen Syndroms rechts,
unspezifische PHS bei leichter Kapselschrumpfung [sonographisch intakte
Rotatorenmanschette und Bizepssehne], abgeklungener Reizzustand des AC-Gelenks
rechts nach Lokalinfiltration 3.1.08) und an einem bekannten sekundären Lymphödem
vorderarmbetont rechts seit der Axillaausräumung 2/07. Seit der Mammakarzinom-
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Operation bestehe wegen des persistierenden Lymphödems eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit. Die Versicherte gebe an, dass sie von der kleinsten Belastung eine
Zunahme der Schwellung und Schmerzen im Vorderarm mit ziehenden Beschwerden
bis zum Schulter-/Nackenbereich verspüre. Dr. E._ führte weiter aus, die
Nackenschmerzen hätten unter laufender Physiotherapie gebessert. Aufgrund des
kurzen Verlaufs bestehe der Eindruck, dass die Nackenverspannungen und die
schulterbetonten Beschwerden im Hintergrund stünden und dass das hartnäckige
sekundäre Lymphödem vorderarmbetont das Hauptproblem sei. Eine angiologische
Überprüfung wäre sinnvoll (IV-act. 26). Dr. med. F._ vom RAD hielt am 5. März 2008
fest, die Versicherte sei als Putzfrau dauerhaft seit dem 01/2007 zu 100%
arbeitsunfähig. Im Detailhandel bestehe je nach Schwere seit 02/2008 eine
Arbeitsfähigkeit von 50%. Die Arbeitsfähigkeit sei steigerbar je nach dem weiteren
Verlauf, wobei die Prognose offen sei. Eine adaptierte Tätigkeit wäre körperlich leicht
und würde keine Überkopfarbeit beinhalten (IV-act. 27).
B.
Bei der Vorbereitung einer Haushaltabklärung gab die Versicherte am 31. März 2008
u.a. die Zeiten an, die sie für die einzelnen Komponenten der Haushaltarbeit benötigen
würde, wenn sie nicht in ihrer Gesundheit beeinträchtigt wäre. Für die Betreuung des
Kindes gab sie dabei 120 Min. an. Bei der Beschreibung der effektiv bestehenden
Haushaltsbesorgung antwortete sie auf die Frage, welche Tätigkeiten sie bei der
Betreuung des Kindes nicht mehr ausführen könne, mit einem Querstrich. Im übrigen
gab sie bei vielen anderen Tätigkeiten an, sie sei auf Hilfe angewiesen. Auf die Frage,
wer diese Hilfe leiste, nannte sie den Ehemann, die Schwester, die Spitex, die Mutter,
die Freundinnen, die Verwandten, die Tante und den Schwager (IV-act. 30). Die
Abklärung im Haushalt erfolgte am 24. April 2008. Die Abklärungsperson der IV-Stelle
hielt in ihrem Bericht vom 22. Mai 2008 fest, die Versicherte müsse sich vermehrt
ausruhen und die Hausarbeit in Etappen erledigen. Nach dem Mittagessen müsse sie
sich vor Erschöpfung erst hinlegen, bevor sie dann die Küche aufräumen könne. Einmal
wöchentlich komme die Spitex für 90 Min. und erledige den "Grundputz". Auf die
Frage, ob sie heute ohne die Behinderung eine Erwerbstätigkeit ausüben würde, habe
die Versicherte angegeben, sie habe bis zum Eintritt der Krankheit zu 25%
ausserhäuslich gearbeitet. Sie habe bereits damals geplant, auf 50% aufzustocken.
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Beim bisherigen Arbeitgeber wäre eine Erhöhung des Beschäftigungsgrads möglich
gewesen. Die Tochter leide an einer zystischen Fibrose, habe aber 2007 ein gutes Jahr
gehabt. Sie, die Versicherte, habe deshalb die Chance nutzen und ab August 2007 zu
50% arbeiten wollen. Die Abklärungsperson berichtete weiter, bei der Haushaltführung
(2,22%) habe die Versicherte keine Einschränkung angegeben, so dass die anteilige
Invalidität 0% betrage. Bei der Ernährung (42,88%) habe die Versicherte ausgeführt, sie
koche mehrheitlich noch selbst, wobei sie teilweise die Hilfe des Ehemannes benötige
(umrühren etc.). Auch beim Heben der schweren Pfannen und beim Anrichten benötige
sie die Hilfe des Ehemannes. Hier setzte die Abklärungsperson folgenden Vermerk:
Schadenminderungspflicht. Sie führte in ihrem Bericht weiter aus, der Ehemann und
die Spitex nähmen den Boden auf und erledigten die gründliche Reinigung der Küche.
Auch bei der kleinen Küchenreinigung benötige die Versicherte teilweise die Hilfe des
Ehemannes. Sie suche die Küche mittags wegen ihrer Behinderung jeweils 30 Min.
früher auf und sie benötige für die Aufräumarbeiten 30 Min. mehr. Die
Abklärungsperson vermerkte dazu, der zeitliche Mehraufwand werde dadurch
kompensiert, dass die schwere Arbeit bei der Wohnungspflege durch den Ehemann
und durch die Spitex erledigt werde. Sie schätzte die Einschränkung der Versicherten
bei der Ernährung auf 10%, was einen anteiligen Invaliditätsgrad von 4,28% ergab. In
welchem Ausmass dabei die Schadenminderungspflicht in der Form der Mithilfe des
Ehemannes und allenfalls der Spitex Berücksichtigung gefunden hatte, wurde von der
Abklärungsperson nicht angegeben. Bei der Wohnungspflege (8,94%) ging die
Abklärungsperson von einer Einschränkung von 80% aus, was eine anteilige Invalidität
von 7,15% ausmachte. Warum die Einschränkung so hoch war, obwohl die Spitex und
der Ehemann die schwere Hausarbeit (insbesondere Staubsaugen, Boden aufnehmen)
erledigten und die Fenster von den Verwandten geputzt wurden, erläuterte die
Abklärungsperson nicht. Beim Einkauf und den weiteren Besorgungen (7,32%) nahm
die Abklärungsperson eine Einschränkung von 50% an, obwohl die Versicherte nur bei
den Grosseinkäufen einen Bedarf nach Hilfe angegeben hatte und obwohl diese Hilfe
schadenmindernd durch den Ehemann erbracht wurde. Die Abklärungsperson erklärte
diesen Widerspruch nicht. Die anteilige Invalidität beim Einkaufen und den übrigen
Besorgungen belief sich somit auf 3,66%. Bei der Wäsche und der Kleiderpflege
(7,54%) nahm die Versicherte die Hilfe des Ehemannes, der Tante, der Schwester und
weiterer Verwandter in Anspruch. Trotzdem wurde von einer Einschränkung von 60%
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ausgegangen. Der Abklärungsbericht enthielt keine Erläuterung zum Ausmass der
Schadenminderung bzw. zur Höhe der Einschränkung. Die anteilige Invalidität machte
4,52% aus. Bei der Betreuung des Kindes (26,61%) nahm die Abklärungsperson keine
Einschränkungen an, obwohl diese Aufgabe einen zeitlichen Aufwand von 5 Std.
bewirkte. Auch hier fehlte eine Erläuterung zur Schadenminderungspflicht. Es
resultierte keine anteilige Invalidität. Für die übrigen Aufgaben im Haushalt (stricken,
Kleider flicken, Gartenbeet besorgen, Katze betreuen, insgesamt 4,49%) nahm die
Abklärungsperson eine vollständige Arbeitsunfähigkeit der Versicherten an. Gleichzeitig
hielt sie aber fest, die Blumen würden von der Tochter gegossen, das Gartenbeet vom
Schwager besorgt und die Katze vom Ehemann und der Tochter betreut. Die anteilige
Invalidität belief sich somit auf 4,49%. Insgesamt wies der Bericht über die
Haushaltabklärung einen Invaliditätsgrad von 24,10% aus. Davon war aufgrund des
Haushaltanteils von 50% die Hälfte zu berücksichtigen. Die Abklärungsperson hielt
abschliessend u.a. fest, die Versicherte habe angegeben, sie wäre der 50%igen
Erwerbstätigkeit vorwiegend morgens nachgegangen, da die Tochter dann in der
Schule gewesen wäre (IV-act. 34).
C.
Für den ebenfalls 50% ausmachenden Erwerbsanteil nahm die IV-Stelle folgenden
Einkommensvergleich vor: Valideneinkommen gemäss dem Fragebogen für
Arbeitgeber vom 25. Februar 2008 Fr. 27'636.-, Invalideneinkommen Fr. 25'440.- (50%
des durchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohns gemäss der Lohnstrukturerhebung 2008
des Bundesamtes für Statistik, Tabelle TA1, von Fr. 50'880.-), Einbusse Fr. 22'996.-
bzw. 17,15%. Davon war die Hälfte, also Fr. 8,57% anzurechnen (IV-act. 32).
Zusammen mit dem Invaliditätsgrad im Haushalt von 12,05% (50% von 24,10%)
resultierte ein Gesamtinvaliditätsgrad von 21% (IV-act. 33). Mit einem Vorbescheid vom
26. Mai 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass bei einem Invaliditätsgrad
von 20,62% kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (IV-act. 36). Die Versicherte
liess am 28. August 2008 insbesondere einwenden, Dr. G._ habe am 27. Februar
2008 eine Abklärung des sekundären Lymphödems empfohlen. Seither habe sich die
ungünstige Prognose betreffend das sekundäre Lymphödem bestätigt, der
Gesundheitszustand habe sich also verschlechtert. Sie sei heute nicht mehr in der
Lage, beidhändig zu arbeiten. Die dominante rechte Hand sei bestenfalls noch als
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Halte- bzw. Zudienhand einsetzbar. Damit werde die Beurteilung des RAD
(leidensadaptiert 50%) fraglich. Eine Tätigkeit im Detailhandel scheide ohne Zweifel
aus, da dort beide Hände benötigt würden. Sie beantrage deshalb die Durchführung
der Abklärung betreffend das sekundäre Lymphödem sowie die Einholung eines
Verlaufsberichts von Dr. C._. Der Abklärungsbericht Haushalt sei mit etlichen
gravierenden Fehlern behaftet. Die Betreuung der Tochter, die 5 Std. täglich ausmache,
sei mit 26,61% gewichtet worden. Begründet worden sei das damit, dass dem
zusätzlichen Aufwand bereits durch die Hilflosenentschädigung und durch den
Intensivpflegezuschlag Rechnung getragen sei. Diese Begründung sei nicht
nachvollziehbar, denn es handle sich um zwei verschiedene, nichtkongruente
Leistungsansprüche, die zudem verschiedenen Ansprechern zuständen. Die Rente und
die Hilflosenentschädigung seien kumulativ auszurichten. Die im Abklärungsbericht
erfolgte Anrechnung der Hilflosenentschädigung und des Intensivpflegezuschlags führe
zu einer Diskriminierung von invaliden Teilzeiterwerbstätigen gegenüber invaliden
Vollerwerbstätigen. In einer vergleichbaren Situation müsste sich eine als
vollerwerbstätig eingestufte Invalide die Hilflosenentschädigung nicht anrechnen
lassen. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Hilflosenentschädigung dergestalt
angerechnet werden müsse, dass keine Einschränkung bei der Pflege und Betreuung
des Kindes mehr bestehe. Der gleiche Denkfehler trete auf, wenn die von der Spitex
geleisteten Reinigungsarbeiten derart angerechnet würden, dass eine entsprechend
verminderte Einschränkung in der Leistungsfähigkeit im Haushalt resultiere. Diese
Argumentation sei nur im Rahmen der Schadenminderungspflicht der
Familienmitglieder allenfalls nachvollziehbar. Die von der Spitex erbrachte Leistung
müsse jedoch bezahlt werden und sei deshalb mit einer Erwerbseinbusse verbunden,
was bekanntlich einen direkten Einfluss auf den Invaliditätsgrad habe. Der
Haushaltabklärungsbericht müsse in diesem Sinn und aufgrund allfälliger zusätzlicher
Abklärungen korrigiert werden (IV-act. 42).
D.
Dr. F._ vom RAD hielt dazu am 2. September 2008 fest, ein Verlaufsbericht zur
Erhellung der aktuellen medizinischen Situation sei bei der schwerwiegenden Diagnose
mit noch offener Prognose der richtige Weg. Es sollte ein Verlaufsbericht eingeholt
werden. Eine Abklärung des Lymphödems würde keine neuen Erkenntnisse bringen,
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die IV-rechtlich relevant wären. Eine Diagnostik würde nur Sinn machen, wenn
therapeutische Optionen folgen könnten. Das sei hier aber nicht der Fall, da neben den
bereits angewendeten keine anderweitigen Therapiemassnahmen zur Verfügung
stünden (IV-act. 43). Dr. med. C._ vom Tumor- und Brustzentrum St. Gallen
berichtete der IV-Stelle am 7. Oktober 2008, die Diagnose sei unverändert. Das
Hauptproblem sei der rechts ödematöse Arm. Bei Anstrengung habe die Versicherte
Schmerzen im Schulter-/Nackenbereich in den Arm ausstrahlend. Hinzu komme eine
Schwellung. Die Versicherte sei auf das dauernde Tragen eines Kompressionsstrumpfs
mit Handschuh angewiesen. Die Arbeitsfähigkeit werde hauptsächlich durch die
fehlende, insbesondere längere, Einsetzbarkeit des rechten Arms eingeschränkt. Das
betreffe nicht nur Überschulterarbeiten, sondern auch Arbeiten unter Herzhöhe, da der
Arm schneller und stärker anschwelle. Trotz intensiver Physiotherapie inklusive
Lymphdrainage sei der Verlauf unverändert. Bei Arbeitsversuchen habe es die
Versicherte nach einem etwa einstündigen Einsatz nicht mehr ausgehalten, da es zu
Schmerzen im Nacken-/Schulter-/Armbereich und zu einem Anschwellen des rechten
Arms gekommen sei. Ausserdem bestünden nach einer intensiven Chemotherapie
immer noch eine allgemeine, schnelle Ermüdbarkeit und eine eingeschränkte
Konzentrationsfähigkeit. Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar. In einer
adaptierten Tätigkeit sollte die Versicherte den rechten Arm nicht brauchen müssen. In
einer solchen Tätigkeit wäre die Leistungspflicht nicht vermindert (IV-act. 45). Dr. F._
vom RAD hielt dazu am 18. November 2008 fest, die behandelnde Onkologin habe
einen aktuell stationären Zustand bescheinigt. Deshalb könne er seine Beurteilung vom
2. September 2008 bestätigen. In einer adaptierten Verweistätigkeit sei eine 50%ige
Leistungsfähigkeit gegeben. Die Versicherte sei funktionell als prinzipiell einarmig
einzusetzen. Der rechte Arm sollte einzig mit Zudienfunktionen betraut werden (IV-act.
46).
E.
Mit einer Verfügung vom 24. Februar 2009 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
der Versicherten ab. Zur Begründung führte sie aus, aufgrund des Einwands zum
Vorbescheid seien weitere medizinische Abklärungen erfolgt. Dabei sei ein stationärer
Verlauf attestiert worden. Deshalb sei an der Arbeitsfähigkeit von 50% festzuhalten.
Beim Einkommensvergleich sei die Beschränkung in der Einsatzfähigkeit der rechten
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Hand mit einem Leidensabzug von 10% von den "LSE-Tabellenlöhnen" Rechnung
getragen worden. Gemäss dem Bericht über die Haushaltabklärung erbringe die
Versicherte alle Arbeiten im Zusammenhang mit der Betreuung der Tochter. Weil keine
Beschränkung bei der Kinderbetreuung nachgewiesen sei, bestehe keine
Einschränkung. Die Reinigungsarbeiten, die von der Spitex ausgeführt würden, könnten
ebensogut im Rahmen der Schadenminderungspflicht vom Ehemann ausgeführt
werden. Deshalb sei die Anrechnung der Spitexleistungen im Sinne der
Schadenminderungspflicht korrekt. Der Aufwand für den Haushalt (inklusive 5 Std.
Kinderbetreuung) von knapp 11 Std. stelle eine ausserhäusliche Tätigkeit im Umfang
von 50% in Frage. Die Qualifikation auf 50% Erwerb und 50% Haushalt werde aber
entgegenkommenderweise beibehalten (IV-act. 47).
F.
Cornelia Schilling-Pfluger liess am 30. März 2009 Beschwerde erheben und
beantragen, die Verfügung vom 24. Februar 2009 sei aufzuheben und es sei ihr eine
Invalidenrente entsprechend einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zur weiteren medizinischen Abklärung und
zur anschliessenden Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In
einer summarischen Begründung führte ihr Rechtsvertreter aus, bei der Beurteilung des
Invaliditätsgrades seien allfällige Wechselwirkungen zwischen dem Aufgaben- und dem
Erwerbsbereich unberücksichtigt geblieben. Der zusätzliche Pflege- und
Betreuungsaufwand für die an einer zystischen Fibrose leidende Tochter betrage 5 Std.
täglich. Aufgrund dieser grossen Beanspruchung im Haushalt hätten die
Beschwerdegegnerin und insbesondere die Ärzte bei der Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit ein entsprechend reduziertes Leistungsvermögen im erwerblichen
Bereich berücksichtigen müssen. Deshalb sei der Sachverhalt unvollständig abgeklärt
(act.G1). In der Beschwerdeergänzung vom 31. August 2009 liess die
Beschwerdeführerin geltend machen, die Angaben von Dr. C._ seien offensichtlich
ungeeignet. Dr. C._ könne sich zwar prinzipiell eine Teilzeittätigkeit ohne den Einsatz
des rechten Arms vorstellen, sei sich aber recht unsicher und verweise zur weiteren
Abklärung an einen Berufsberater. Aus dem Bericht vom 14. Dezember 2007
(Tagesarbeitszeit höchstens 4 Std.) werde nicht klar, ob sich die Beurteilung auf den
ganzen Tag beziehe und auch die häusliche Arbeit mit einbeziehe. Im Verlaufsbericht
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vom 7. Oktober 2008 sei zwar noch von einer Teilzeittätigkeit die Rede gewesen, aber
es seien keine Angaben zum zeitlichen Umfang mehr gemacht worden. Angesichts
dieser dürftigen Berichte von Dr. C._ lasse sich die Arbeitsfähigkeit nicht zuverlässig
beurteilen. Gänzlich unberücksichtigt geblieben seien in diesen Berichten die
Auswirkungen des häuslichen Tätigkeitsbereichs auf den erwerblichen Bereich und
umgekehrt. Die hohe Belastung im Haushalt habe offensichtlich Auswirkungen auf den
erwerblichen Bereich. Die Ärzte hätten die Wechselwirkungen schlicht nicht
berücksichtigt. Zudem sei die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. F._ nicht
schlüssig. Die medizinische Grundlage der Invaliditätsbemessung sei unvollständig und
damit unzuverlässig, womit die angefochtene Verfügung haltlos sei. Auch der
"Abklärungsbericht Haushalt" sei mit erheblichen Mängeln behaftet. Eine
Einschränkung von 10% im Bereich Ernährung sei nicht nachvollziehbar, da ja eine
funktionelle Einhändigkeit bestehe. Die Schadenminderungspflicht des Ehemannes
werde überschätzt. Dessen Arbeitszeit dauere nämlich von 08:00 Uhr bis 18:30 Uhr
bzw. 19:00 Uhr. Er verbringe die Mittagspause zwar zuhause, aber aufgrund des
langen Arbeitsweges habe er nur Zeit, um zu essen. Deshalb könne er beim Kochen
nicht mithelfen. Wenn er abends nach Hause komme, müsse er als erstes die Tochter
ins Bett bringen und die Therapie überwachen. Ausserdem müsse er immer wieder
einmal Schichtarbeit leisten. Wegen Rückenproblemen seien ihm schwerere
Haushaltarbeiten nur eingeschränkt möglich. Die Anrechnung von Spitexleistungen als
schadenmindernd sei unzulässig, da diese Leistungen bezahlt werden müssten. Die
Spitexleistungen müssten deshalb von den unentgeltlichen Leistungen der
Familienangehörigen unterschieden werden, d.h. sie dürften nicht schadenmindernd
berücksichtigt werden. Der Bereich Kinderbetreuung sei ebenfalls nicht
nachvollziehbar, denn bei einem Betreuungsbedarf des Kindes von 5 Std. täglich sei
die Beschwerdegegnerin von einem Aufwand von lediglich 26,61% ausgegangen.
Gemäss dem Abklärungsbericht betreffend die Hilflosigkeit müsse die Tochter am
Morgen rund eine Stunde betreut werden (Bereitstellen der Medikamente zum
Inhalieren, Überwachung der verschiedenen Therapien und Übungen, Abnehmen der
PEG-Sonde etc.). Am Abend werde die Tochter rund 2,5 Std. über die PEG-Sonde
ernährt. Während 1,5 Std. laufe dasselbe Prozedere wie am Morgen ab. Am
Mittwochnachmittag müsse die Tochter zur Physiotherapie ins Kinderspital begleitet
werden. In der Apotheke müssten immer grössere Mengen von Medikamenten besorgt
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und Altglas entsorgt werden. Bei all diesen Tätigkeiten sei die Beschwerdeführerin
mehr oder weniger eingeschränkt, weil sie nur einen Arm zur Verfügung habe. Für die
Betreuung der Tochter am Morgen und am Nachmittag stehe der Ehemann nicht zur
Verfügung. Das Argument, der Mehraufwand für die Kinderbetreuung werde mit der
Hilflosenentschädigung und dem Intensivpflegezuschlag berücksichtigt, sei nicht
haltbar, weil diese Leistungen kumulativ zur Rente ausgerichtet würden. Zudem sei die
Tochter und nicht die Beschwerdeführerin anspruchsberechtigt. Angesichts der
Komplexität des Sachverhalts und zur Klärung der Wechselwirkungen sei eine MEDAS-
Abklärung notwendig (act. G9).
G.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 28. Oktober 2009 die Abweisung der
Beschwerde. Sie führte aus, Dr. C._ habe im ersten Bericht eine Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit von 50% und im zweiten Bericht eine Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit von 100% angegeben. Das sei widersprüchlich. Deshalb sei
auf die Einschätzung des RAD abzustellen, d.h. es sei von einer Arbeitsfähigkeit von
50% und einer funktionellen Einarmigkeit auszugehen. Damit erübrige sich eine weitere
medizinische Abklärung. Die Beschwerdeführerin wäre noch in einem Teilpensum von
20% erwerbstätig. Weil sie ihre Restarbeitsfähigkeit von 50% nicht ausschöpfe, könne
zum vornherein keine Wechselwirkung berücksichtigt werden. Die
Beschwerdegegnerin stellte einen neuen Einkommensvergleich an, bei dem ein
Invaliditätsgrad von 10% resultierte. Davon waren aufgrund der hypothetischen
50%igen Erwerbstätigkeit 5% anzurechnen. Die Beschwerdegegnerin führte weiter
aus, die Arbeitsunfähigkeit im Bereich Ernährung sei mit 10% tatsächlich zu tief
angesetzt. Angemessen seien 50%. Im Bereich Kinderbetreuung könne aufgrund der
Schadenminderungspflicht des Ehegatten und der zunehmenden Selbständigkeit des
Kindes ermessensweise von einer Einschränkung von 25% ausgegangen werden.
Damit resultiere eine Arbeitsunfähigkeit von 47,64%, anrechenbar also 24%. Das
ergebe zusammen mit der anteiligen Invalidität im Erwerbsbereich von 5% einen
Gesamtinvaliditätsgrad von 29%. Es bestehe also kein Anspruch auf eine Rente (act.
G13).
H.
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Die Beschwerdeführerin liess am 19. November 2009 einwenden, die Angaben von
Dr. C._ seien die Grundlage der Arbeitsfähigkeitsschätzung durch den RAD. Aus
einem auch von der Beschwerdegegnerin als widersprüchlich und mangelhaft
anerkannten medizinischen Sachverhalt lasse sich kein schlüssiges Ergebnis
gewinnen. Zudem seien die früheren Stellungnahmen des RAD selbst widersprüchlich.
Im übrigen seien die Wechselwirkungen zwischen Haushalt und Erwerb von den Ärzten
ignoriert worden. Die Betreuung und Pflege der Tochter führe zu einer
überdurchschnittlich hohen Belastung im Haushalt. Demnach bestünden konkreten
Anhaltspunkte für ein reduziertes Leistungsvermögen im erwerblichen Bereich. Die
Beurteilung der Wechselwirkungen setze eine klare Fragestellung an den Arzt voraus.
Das sei bisher nicht geschehen. Die Arbeitsfähigkeit im Erwerb betrage nur 20%.
Demnach sei das reduzierte Leistungsvermögen im Erwerb aufgrund der hohen
Beanspruchung im häuslichen Aufgabenbereich offenkundig. Der Wechselwirkung sei
mit einem Abzug von 15 ungewichteten Prozentpunkten Rechnung zu tragen.
Ausgehend von einem Stundenlohn von Fr. 28.- könnte bei einem Beschäftigungsgrad
von 50% ein Einkommen von Fr. 30'540.- erzielt werden. Dem stehe bei einem
Leidensabzug von 10% und einem Abzug von 15% wegen der Wechselwirkungen ein
zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 19'231.- gegenüber. Das ergebe einen
Invaliditätsgrad von 37,4% bzw. gewichtet von 18,7%. Gehe man von dem von der
Beschwerdegegnerin zugestandenen gewichteten Invaliditätsgrad im Haushalt von
24% aus, resultiere ein Gesamtinvaliditätsgrad von 43%, was einen Anspruch auf eine
Viertelsrente ergebe. Sollte dem Beschwerdeantrag nicht entsprochen werden, sei eine
MEDAS-Untersuchung vorzunehmen, die Aufschluss über die Arbeitsunfähigkeit im
Erwerb und im Haushalt sowie über die Wechselwirkungen gebe (act. G16).
I.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 24. November 2009 auf eine Duplik (act. G18).

Erwägungen:
1.
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Mit einem Vorbescheid vom 26. Mai 2008 hat die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin die Abweisung des Leistungsbegehrens angekündigt. Die
Beschwerdeführerin hat in ihrer Stellungnahme vom 28. August 2008 u.a. weitere
medizinische Abklärungen verlangt. Die Beschwerdegegnerin hat in der Folge
tatsächlich weitere medizinische Akten eingeholt. Ohne diesen Umstand der
Beschwerdeführerin vorab zur Kenntnis zu bringen, hat die Beschwerdegegnerin am
24. Februar 2009 die angefochtene Abweisungsverfügung erlassen. Ob die
Beschwerdegegnerin vor dem Erlass dieser Verfügung gestützt auf Art. 57a Abs. 1 IVG
einen neuen Vorbescheid hätte erlassen müssen, weil der erste Vorbescheid sein Ziel
nicht erreicht hatte, oder ob es ausgereicht hätte, der Beschwerdeführerin gestützt auf
Art. 42 ATSG in anderer Form Kenntnis von den nachträglich produzierten
medizinischen Akten zu geben, ihr die Einsicht in diese Akten zu ermöglichen und ihr
schliesslich die Gelegenheit zu geben, dazu Stellung zu nehmen, kann offen bleiben.
Die angefochtene Verfügung vom 24. Februar 2009 ist zwar – entweder als Folge der
Missachtung von Art. 57a Abs. 1 IVG oder als Folge der Missachtung des Art. 42 ATSG
– rechtswidrig, aber diese Rechtswidrigkeit kann praxisgemäss "geheilt", d.h. als für
die gerichtliche Beurteilung als irrelevant qualifiziert werden. Nach der Rechtsprechung
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen findet diese Heilungsmöglichkeit ihre
Rechtfertigung im Zweck des Verfahrensrechts. Das Verfahrensrecht dient der
korrekten Durchsetzung des materiellen Rechts im Einzelfall. Kann dieses Ziel im
Beschwerdeverfahren erreicht werden, obwohl eine Verfahrensrechtsverletzung auf der
Stufe des Verfügungserlasses vorliegt, muss es möglich sein, diese
Verfahrensrechtsverletzung zu ignorieren, um so das Beschwerdeverfahren zu
beschleunigen. Dabei ist aber zu beachten, dass der Grundsatz der
Verfahrensbeschleunigung (Art. 61 lit. a ATSG) ausschliesslich den Interessen der
Beschwerde führenden versicherten Person und nicht auch den Interessen der
Verwaltung oder des Gerichts dient. Die beiden widerstreitenden Interessen, zwischen
denen abzuwägen ist (Rechtmässigkeitsprinzip – Verfahrensbeschleunigung), können
demnach vom Gericht nicht gegeneinander abgewogen werden, d.h. das Gericht kann
eine versicherte Person nicht zur Wahrnehmung des Anspruchs auf rechtliches Gehör
zwingen, indem es die Verfügung entgegen dem Willen der versicherten Person nicht
materiell beurteilt, sondern aufhebt und die Sache zur - gar nicht gewollten - korrekten
Gehörsgewährung an die Verwaltung zurückweist. Umgekehrt ist es dem Gericht aber
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auch verwehrt, entgegen dem Willen der versicherten Person die Gehörsverletzung zu
heilen und die Verfügung materiell zu beurteilen, denn es gibt keinen
Beschleunigungsanspruch zugunsten des Gerichts, der gegen den Willen der
versicherten Person, nach einer gerichtlichen Rückweisung an einem formell korrekten
Verwaltungsverfahren teilnehmen zu können, ins Feld geführt werden könnte. Allein die
versicherte Person hat zu entscheiden, welchem ihrer beiden schutzwürdigen
Interessen sie den Vorzug geben will (vgl. die Urteile des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 19. Januar 2011, IV 2008/511, und vom 21. Januar 2011, IV
2009/130). Die Beschwerdeführerin hat nur die materielle Beurteilung ihres
Rentenbegehrens beantragt. Weder in der Beschwerdeschrift noch in der
Beschwerdeergänzung oder der Replik hat sie die Verletzung ihres Anspruchs auf
rechtliches Gehör in der Form eines korrekten Vorbescheides gerügt. Unter diesen
Umständen muss davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin
zugunsten einer beförderlichen Beurteilung ihres Rentenbegehrens auf eine
Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur Durchführung eines dem Anspruch auf
rechtliches Gehör gerecht werdenden Verwaltungsverfahrens verzichtet hat. Das von
der Beschwerdeführerin bevorzugte Interesse an einer Beschleunigung der
Entscheidfindung erlaubt es deshalb, die Verletzung der Verfahrensnorm zu "heilen"
und direkt die Rentenberechtigung zu prüfen.
2.
Gemäss Art. 8 Abs. 1 i.V.m. Art. 16 ATSG ist die rentenrelevante Invalidität (Art. 28a
Abs. 1 IVG) durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Bei versicherten Personen,
die vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen sind
und denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, gelten als invalid, wenn
eine Unmöglichkeit vorliegt, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 8
Abs. 3 ATSG i.V.m. Art. 5 Abs. 1 IVG). Für die Bemessung der Invalidität wird in
Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Ausmass sie unfähig sind,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG). Als Aufgabenbereich der
im Haushalt tätigen Personen gilt u.a. die übliche Tätigkeit im Haushalt und die
Erziehung der Kinder (Art. 27 IVV). Bei teilerwerbstätigen versicherten Personen ist die
Invalidität für den Erwerbsteil durch einen Einkommensvergleich nach Art. 16 ATSG
festzulegen. Für den Aufgabenbereich ist ein Betätigungsvergleich gemäss Art. 28a
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Abs. 2 IVG notwendig. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbsfähigkeit und der
Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad ist in
beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG). Diese Vorgehensweise zur
Ermittlung des Invaliditätsgrades der teils erwerblich, teils im Haushalt tätigen
Personen wird in der Praxis als gemischte Methode bezeichnet (vgl. Rechtsprechung
des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Invalidenversicherung, bearbeitet von Ulrich Meyer, 2.A., S. 336 ff.).
2.1
Welche der drei Methoden der Invaliditätsbemessung, der reine Einkommensvergleich,
der reine Betätigungsvergleich im Aufgabenbereich oder die gemischte Methode, im
Einzelfall zur Anwendung gelangen muss, hängt davon ab, in welchem Ausmass die
versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden erwerbstätig bzw. im
Aufgabenbereich tätig wäre. Die Beschwerdeführerin hat gemäss dem
Abklärungsbericht vom 22. Mai 2008 angegeben, sie wäre ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung, also bei hypothetisch vollumfänglich erhaltener
Gesundheit, zu 50% erwerbstätig, obwohl sie bis zum Eintritt des
Gesundheitsschadens nur zu 25% erwerbstätig gewesen sei. Sie hat das damit
begründet, dass ihre an zystischer Fibrose leidende Tochter ein gutes Jahr 2007
gehabt habe. Die Beschwerdegegnerin hat diese Angaben der Beschwerdeführerin
zunächst akzeptiert und ist von einer Erwerbsquote im hypothetischen Gesundheitsfall
von 50% ausgegangen. Das lässt sich wohl damit erklären, dass die
Beschwerdeführerin im "Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/
Haushalt" am 31. März 2008 nur einen Betreuungsaufwand für die kranke Tochter von
120 Min. pro Tag angegeben hatte. Nach den Angaben im Abklärungsbericht
betreffend die Hilflosigkeit der Tochter von 25. Januar 2008 soll es sich aber um einen
täglichen Betreuungsaufwand von 5 Std. gehandelt haben. Unmittelbar vor dem Erlass
der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin dann erkannt, dass bei
einem Betreuungsaufwand für die Tochter von 5 Std. täglich und einem erheblichen
weiteren Aufwand für die übrigen Haushaltarbeiten, insgesamt also ca. 11 Std. täglich,
eine Erwerbstätigkeit von 4,2 Std. täglich nicht zumutbar sein kann. Obwohl damit die
für den hypothetischen "Gesundheitsfall" von der Beschwerdeführerin angegebene
Erwerbsquote von 50% wenig überzeugend war (und von der Beschwerdegegnerin
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selbst in der angefochtenen Verfügung als fraglich bezeichnet worden ist), ist die
Beschwerdegegnerin in der Folge "entgegenkommenderweise" doch davon
ausgegangen, dass diese Qualifikation richtig sei. Bei der Abklärung des
hypothetischen Sachverhalts im "Gesundheitsfall", der entscheidend ist für die Wahl
der Bemessungsmethode und gegebenenfalls für die Beantwortung der Frage, in
welchem Verhältnis Erwerb und Haushaltarbeit bei der gemischten Methode stehen
(was einen erheblichen Einfluss auf den konkreten Invaliditätsgrad haben kann), gibt es
keinen Ermessensspielraum, insbesondere wenn dieser wie im vorliegenden Fall nur
darauf zurückzuführen ist, dass die Sachverhaltsabklärung nicht konsequent zu Ende
geführt worden ist. Die Beschwerdegegnerin hätte die Beschwerdeführerin nämlich auf
den Widerspruch in bezug auf den Betreuungsaufwand (2 Std. oder 5 Std. täglich) und
auf die daraus allenfalls resultierende, unzumutbare tägliche Belastung von mehr als 15
Std. (11 Std. Betreuung und Haushalt, 4,2 Std. hypothetische Erwerbstätigkeit)
hinweisen müssen. Sie hätte dann die Frage nach der Erwerbsquote im hypothetischen
Gesundheitsfall nochmals stellen müssen. Dies ist unterblieben, so dass sich der
massgebende Sachverhalt bereits in bezug auf die Frage nach der Erwerbsquote im
hypothetischen "Gesundheitsfall" als unzureichend abgeklärt erweist. Die Sache ist
deshalb zur Ermittlung der wahrscheinlichsten Erwerbsquote im hypothetischen
Gesundheitsfall an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
2.2
Sowohl der Einkommensvergleich als auch der Betätigungsvergleich im Haushalt
setzen eine überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung, hier bezogen auf eine
behinderungsadaptierte Erwerbstätigkeit, dort idealerweise bezogen auf den konkreten
Haushalt, allenfalls auch nur bezogen auf einen Standardhaushalt, voraus. Beim
Einkommensvergleich dient die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Bemessung des
zumutbaren Invalideneinkommens, beim Betätigungsvergleich der Verifizierung der
Selbstangaben der versicherten Person. Solange sich die Beschwerdegegnerin nämlich
darauf beschränkt, die Haushaltabklärung nur in der Form einer reinen Befragung
auszuführen, solange sie also darauf verzichtet, die Ausführung der einzelnen Arbeiten
zu beobachten, um die Selbstangaben zur Leistungsfähigkeit zu prüfen, wie es das
Wesen des Beweismittels "Augenschein" eigentlich verlangen würde, muss an die
Selbstangaben der versicherten Person ein objektiver Massstab angelegt werden
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können und dieser Massstab kann nur die Arbeitsfähigkeitsschätzung bezogen auf den
Haushalt sein. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung bezogen auf eine der körperlichen
Behinderung angepasste Erwerbstätigkeit ist dazu in aller Regel nicht geeignet, da es
sich bei der Haushaltarbeit in vielen Teilen nicht um eine angepasste Tätigkeit handelt.
Das ist im vorliegenden Fall offensichtlich, denn der Haushalt der Beschwerdeführerin
ist sicherlich nicht darauf ausgerichtet, von einer funktionell einarmigen Person, die
zudem schnell ermüdet, besorgt zu werden. Dr. C._ hat am 14. Dezember 2007 für
die bisherige Erwerbstätigkeit als Raumpflegerin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
angegeben. Für eine adaptierte Tätigkeit mit weniger Einsatz des rechten Arms hat sie
die Arbeitsfähigkeit mit 50% beziffert. Sie hat dies mit der schnellen Ermüdbarkeit der
Beschwerdeführerin als Folge der recht intensiven Chemotherapie begründet. Dr. C._
hat ausserdem auf eine bevorstehende rheumatologische Abklärung hingewiesen. Die
Rheumatologin Dr. G._ hat am 27. Februar 2008 nur festgehalten, sie habe in der
Vergangenheit "keine Arbeitsunfähigkeiten ausgestellt". Am 7. Oktober 2008, also etwa
zehn Monate nach der ersten Arbeitsfähigkeitsschätzung, hat Dr. C._ bezogen auf
eine adaptierte Tätigkeit widersprüchliche Angaben zur Arbeitsfähigkeit gemacht. Sie
hat ausgeführt, nach der intensiven Chemotherapie bestehe immer noch eine
allgemeine, schnellere Ermüdbarkeit und eine eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit.
In einer adaptierten Tätigkeit, bei der die Beschwerdeführerin den rechten Arm nicht
brauchen müsse, bestehe eigentlich keine Einschränkung in der Leistungsfähigkeit. Auf
die Frage nach der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer adaptierten
Tätigkeit hat Dr. C._ dann aber doch nur eine Teilzeitarbeit bei voller
Leistungsfähigkeit angegeben, ohne aber das Ausmass der zumutbaren Teilzeitarbeit
zu beziffern. Die Ausführungen des RAD sind nicht geeignet, Klarheit über die
Arbeitsfähigkeit zu schaffen, da sie sich weder auf eine eigene Untersuchung der
Beschwerdeführerin noch auf die Kenntnis der für die Beschwerdeführerin durch die
behandelnden Ärzte geführten Krankengeschichten stützen. Bei der Einschätzung des
RAD handelt es sich also nur um eine mögliche Interpretation der widersprüchlichen
Angaben von Dr. C._, die aber nicht zu überzeugen vermag. Die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in einer der Behinderung angepassten Tätigkeit und bei der
Besorgung des eigenen Haushalts steht demnach noch nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest. Die Sache ist deshalb zur weiteren Abklärung
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in bezug auf die Arbeitsfähigkeit in den beiden massgebenden Betätigungsfeldern an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
2.3
2.3.1
Die Haushaltabklärung hat am 24. April 2008 stattgefunden. Zu diesem Zeitpunkt litt
die Beschwerdeführerin offenbar immer noch in einem erheblichen Ausmass an der
starken Ermüdbarkeit als Folge der Chemotherapie. Sie hat der Abklärungsperson
nämlich angegeben, sie müsse sich vermehrt ausruhen und die Hausarbeit in Etappen
erledigen. Ob dies nach dem weiteren Abklingen der Folgen der Chemotherapie gegen
Ende des Jahres 2008 immer noch der Fall gewesen ist, lässt sich den Akten nicht
entnehmen. Damit steht nicht fest, ob die im April 2008 ermittelte Invalidität im
Haushalt ein halbes Jahr später noch bestanden hat. Der Abklärungsbericht vom 22.
Mai 2008 weist aber noch weitere inhaltliche Mängel auf. So fehlt jede
Auseinandersetzung mit den konkreten Nachteilen der funktionellen Einarmigkeit bei
den einzelnen Haushaltarbeiten. Hätte die Abklärungsperson nicht nur die Aussagen
der Beschwerdeführerin zu den Einschränkungen im Haushalt protokolliert, sondern die
Ausführung der einzelnen Arbeiten (wie es zu einem Augenschein gehört) beobachtet,
so wäre die funktionelle Einarmigkeit thematisiert und in bezug auf die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin im eigenen Haushalt auch nachvollziehbar bewertet worden.
Die protokollierten Selbstangaben erwecken den Eindruck, dass die
Beschwerdeführerin bemüht gewesen sei, ihren Tagesablauf im Haushalt so zu
schildern, wie er ihrer Meinung nach bei vollem persönlichen Einsatz aussehen müsste,
m.a.W. es besteht der Verdacht, dass die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsfähigkeit im
eigenen Haushalt nicht objektiv, sondern zu optimistisch geschildert hat und dass die
effektive Umsetzung des Geschilderten zu einer unzumutbaren Belastung führen
würde. Wenn die Beschwerdeführerin sich direkt während der Ausübung der einzelnen
Tätigkeiten zu ihrer entsprechenden Leistungsfähigkeit geäussert hätte, wäre sie wohl
eher bereit und in der Lage gewesen, die konkreten Nachteile aus der funktionellen
Einarmigkeit in ihrer Art und ihrem Ausmass anzugeben. Das Ergebnis der Abklärung
wäre so weit überzeugender ausgefallen. Selbst wenn man einer Abklärung im
konkreten Haushalt (entgegen dem Wesen des Beweismittels Augenschein) in der
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Form einer Protokollierung der Selbsteinschätzung der versicherten Person
grundsätzlich einen ausreichenden Beweiswert beimessen will, kann das jedenfalls
nicht für den vorliegenden Fall gelten. Die Abklärung hätte nämlich viel konkreter und
detaillierter der besonderen Natur der Behinderung, also der funktionellen Einarmigkeit,
Rechnung tragen müssen. Da der Haushaltabklärungsbericht vom 22. Mai 2008 somit
keinen ausreichenden Beweiswert für die Invalidität der Beschwerdeführerin im
Betätigungsbereich Haushalt entfaltet, wird die Beschwerdegegnerin die
behinderungsbedingte Einschränkung bei der Besorgung des Haushalt - nach dem
Abschluss der ergänzenden medizinischen Abklärung - weiter abzuklären haben.
2.3.2
Bei dieser nochmaligen Abklärung wird die Beschwerdegegnerin ein weiteres grosses
Manko des Abklärungsberichts vom 22. Mai 2008 beheben müssen. Sie wird sich
nämlich nochmals mit der Schadenminderungspflicht in der Form der Mithilfe von
Familienangehörigen befassen müssen. In den Ausführungen zu den einzelnen
Tätigkeiten hat die Abklärungsperson immer wieder einmal die
Schadenminderungspflicht dem Grundsatz nach erwähnt, wobei sie sich meist auf
diejenige des Ehemannes bezogen hat. Sie hat die Schadenminderungspflicht aber
nicht konsequent umgesetzt. So scheint sie beispielsweise bei der Ernährung in einem
erheblichen Umfang die Mithilfe des Ehemannes berücksichtigt zu haben, aber bei der
Wohnungspflege dürfte sie keine Mithilfe angerechnet haben. Ob dieser Verdacht
zutrifft und was gegebenenfalls die Begründung für diese abweichende Behandlung
der Schadenminderungspflicht ist, hat die Abklärungsperson im Bericht vom 22. Mai
2008 nicht angegeben. Wie die völlig abweichende Bewertung der Arbeitsfähigkeit
durch die Beschwerdegegnerin im Lauf des Beschwerdeverfahrens zeigt, misst selbst
die Beschwerdegegnerin dem Abklärungsbericht in bezug auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen keinen Beweiswert zu. Die Schadenminderungspflicht
durch Familienangehörige bildet ebenfalls Gegenstand der Pflicht der
Beschwerdegegnerin, den massgebenden Sachverhalt mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu erheben. Es steht also nicht im freien Ermessen
der Abklärungsperson, ob sie die (meist hypothetische) Mitarbeit eines
Familienangehörigen schadenmindernd berücksichtigen will oder nicht. Ebensowenig
steht es in ihrem freien Ermessen, das Ausmass dieser Mithilfe festzulegen. Ein solches
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freies Ermessen wäre nämlich nur dazu da, der Beschwerdegegnerin einen
zusätzlichen Abklärungsaufwand zu ersparen bzw. die Untersuchungspflicht zu
umgehen. Bei der Ermittlung der Schadenminderungspflicht und ihrer Bedeutung für
die Invalidität der im Haushalt tätigen versicherten Person ist zunächst zu klären,
welche Personen überhaupt als Helfer herangezogen werden können und müssen.
Dazu reicht es nicht aus, die versicherte Person zu fragen, wer ihr denn gelegentlich
helfe. Vielmehr ist bei jedem Familienmitglied zu prüfen, ob es objektiv überhaupt in der
Lage ist, regelmässig in einem relevanten Umfang zu helfen. Im vorliegenden Fall hätte
die Abklärungsperson also die Arbeitszeiten des Ehemannes ermitteln müssen, wobei
sie wahrscheinlich festgestellt hätte, dass eine Mithilfe bei der Ernährung aus
Zeitmangel weder am Mittag noch am Abend in Frage gekommen wäre. Die
Mittagspause wäre nämlich, zumindest nach den Angaben der Beschwerdeführerin im
Lauf des Beschwerdeverfahrens zu urteilen, zu kurz gewesen und abends wäre der
Ehemann mit der Betreuung der kranken Tochter beschäftigt gewesen. Die Abklärung
hätte sich aber auch auf die Leistungsfähigkeit des Ehemannes beziehen müssen,
wobei die Abklärungsperson dann auf die Rückenbeschwerden und damit auf eine
Unfähigkeit des Ehemannes, in beliebigem Umfang belastende Arbeiten auszuführen,
gestossen wäre. Und schliesslich hätte die Abklärungsperson auch noch der Frage
nachgehen müssen, ob es dem Ehemann zusätzlich zu seiner vollzeitlichen
Erwerbstätigkeit und zusätzlich zu der zeitintensiven Betreuung der kranken Tochter
überhaupt zumutbar sein kann, bei der Erledigung der Haushaltarbeiten in einem
relevanten Ausmass mitzuhelfen. Dass der Ehemann das effektiv tut, bedeutet nicht per
se, dass es ihm auch zumutbar ist. Ohne eine genaue Kenntnis der ohne
Haushaltarbeit bereits bestehenden Belastung und der (gesundheitlichen, zeitlichen
usw.) Belastbarkeit des potentiell schadenmindernden Familienmitglieds ist eine
ausreichend genaue Bezifferung der Schadenminderung und damit der Invalidität einer
versicherten Person gar nicht möglich. Die Hilfe im Haushalt, die von einer
Spitexorganisation erbracht wird, kann nicht als schadenmindernd berücksichtigt
werden, denn sie muss von der versicherten Person "eingekauft" werden. Zwar sind
auch andere schadenmindernde Massnahmen wie beispielsweise die Anschaffung
eines Tumblers, wenn die versicherte Person die Wäsche nicht mehr aufhängen kann,
als zumutbar zu qualifizieren, obwohl sie einen finanziellen Aufwand verursachen. Aber
dieser Aufwand erschöpft sich in den Anschaffungs- und den (geringen)
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Betriebskosten, während die Kosten der Spitex bei jedem Einsatz in erheblicher Höhe
anfallen. Dieser finanzielle Aufwand kann entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin nicht in den Einkommensvergleich zur Ermittlung der Invalidität im
erwerblichen Bereich überwälzt werden, weil es sich nicht um Unkosten handelt, die
zur Erzielung eines Erwerbseinkommens notwendig sind. Die Spitexleistungen sind
deshalb nicht als schadenmindernd zu berücksichtigen. Die schadenmindernde
Wirkung muss auf die Mithilfe jener Familienmitglieder beschränkt werden, die mit der
versicherten Person im gleichen Haushalt leben und deshalb durch moralischen Druck
dazu gebracht werden können, im Haushalt mitzuarbeiten und die Arbeitsunfähigkeit
der versicherten Person so zu kompensieren, dass die Invalidität so gering wie möglich
gehalten wird. Ob bestimmte Arbeiten im Haushalt, genauer bei der Betreuung der
chronisch kranken Tochter bereits durch eine Hilflosenentschädigung und/oder durch
einen Intensivpflegezuschlag abgegolten werden, ist in bezug auf die
Invaliditätsbemessung im Haushalt nicht relevant. Massgebend ist nur die
behinderungsbedingte Arbeitsunfähigkeit im Haushalt, denn der Invaliditätsbegriff hat
nicht gleichzeitig auch noch die Aufgabe, die Koordination zwischen der Invalidenrente
und der Hilflosenentschädigung/dem Intensivpflegezuschlag zu regeln. Auch in bezug
auf die Schadenminderungspflicht wird die Beschwerdegegnerin also weitere
Abklärungen vorzunehmen haben.
2.4
Beim Einkommensvergleich zur Ermittlung der anteiligen Invalidität im erwerblichen
Bereich wird sich die Frage nach einer allfälligen Wechselwirkung stellen. Dabei wird
die Beschwerdegegnerin zu berücksichtigen haben, dass aufgrund der belastenden
Situation im Haushalt (chronisch krankes betreuungsbedürftiges Kind) keine
Vermeidbarkeit der Wechselwirkung wird unterstellt werden können (vgl. BGE 134 V 9
ff. Erw. 7.3.1 a.E.). Die Beschwerdegegnerin wird anhand der Ergebnisse der
nachzuholenden Sachverhaltsabklärung die Frage zu beantworten haben, ob die
Beschwerdeführerin die verbleibende Erwerbstätigkeit im erwerblichen Tätigkeitsgebiet
voll ausnütze, d.h. ob der Erwerbsanteil der Arbeitsfähigkeit im Erwerbsbereich
entspreche oder diese übersteige (vgl. BGE 134 V 9 ff. Erw. 7.3.3). Die Auswirkung der
Belastung im Haushalt auf die (hypothetische) Erwerbstätigkeit wird zu berücksichtigen
sein, da im Haushalt aufgrund der Belastung durch die sehr aufwendige Betreuung des
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chronisch kranken Kindes eine überdurchschnittliche und unausweichliche
Beanspruchung besteht (vgl. BGE 134 V 9 ff. Erw. 7.3.4 a.A.). Deshalb muss von einem
offenkundigen und ein normales Mass überschreitenden Einfluss der Haushaltarbeit auf
die (hypothetische) Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin ausgegangen werden.
Dieser Einfluss ist aufgrund des hohen Betreuungsaufwandes von 5 Std. täglich so
gross, dass sich die Berücksichtigung des Abzugsmaximums von 15% rechtfertigt
(BGE 134 V 9 ff. Erw. 7.3.6), falls die übrigen Voraussetzungen der Anwendung dieser
Praxis erfüllt sind. Bei der Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens wird
deshalb nach dem Abzug der Arbeitsunfähigkeit und nach dem zusätzlichen Abzug
aufgrund von Konkurrenznachteilen (sog. Leidensabzug) allenfalls auch noch ein
Wechselwirkungsabzug von 15% vorzunehmen sein.
3.
Im Sinn der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen
und die angefochtene Verfügung ist aufzuheben. Die Sache ist zur weiteren Abklärung
und zur anschliessenden neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. In bezug auf den Anspruch auf eine Parteientschädigung ist bei einer
Rückweisung zur weiteren Abklärung praxisgemäss (vgl. etwa ZAK 1987 S. 266 Erw.
5a) von einem vollumfänglichen Obsiegen auszugehen. Die Beschwerdeführerin hat
also einen Anspruch auf eine ungekürzte Parteientschädigung. Ihr Rechtsvertreter hat
eine Honorarnote über Fr. 5'613.30 eingereicht. Er hat diese Forderung damit
begründet, dass er die IV-Akten der Tochter der Beschwerdeführerin studieren und
eine Stellungnahme zuhanden der Beschwerdeführerin habe abgeben müssen.
Tatsächlich hat er für die Beschwerdeführerin die Beschwerde, die
Beschwerdeergänzung und die Replik erstellt. Darin kann offenkundig kein
überdurchschnittlicher Aufwand erblickt werden. Die Frage nach dem Ausmass der für
die Tochter der Beschwerdeführerin zu erbringenden Betreuungsleistungen hat nicht
das Studium der gesamten IV-Akten, sondern nur das Studium des (von der
Beschwerdegegnerin zur Verfügung gestellten) Abklärungsberichts betreffend
Hilflosenentschädigung und Intensivpflegezuschlag erfordert. Auch darin kann kein
nennenswerter Aufwand erblickt werden. Es muss deshalb davon ausgegangen
werden, dass sich der zu entschädigende Aufwand des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin in einem normalen Rahmen bewegt hat. Die Honorarforderung
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über Fr. 5613.30 erweist sich somit als übersetzt. Der Beschwerdeführerin ist eine
Parteientschädigung zum Normalansatz (Fr. 3500.- inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zuzusprechen. Das Beschwerdeverfahren in IV-Sachen ist
kostenpflichtig. Der Normalansatz für die Gerichtsgebühr beläuft sich auf Fr. 600.-.
Dieser Betrag erweist sich als angemessen (Art. 69 Abs. 1 IVG). Die
Beschwerdegegnerin wird eine entsprechende Gerichtsgebühr zu entrichten haben.
Das Gericht wird der Beschwerdeführerin den in gleicher Höhe geleisteten
Kostenvorschuss zurückerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP