Decision ID: a78c72fc-d27b-5880-a4bc-57f0b8f63ce5
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ litt an einer hemiplegischen Migräne rechts mit einer Aphasie, an einer
komplex-partiellen Epilepsie, an einer Lernbehinderung sowie an einer
Gerinnungsstörung (vgl. IV-act. 66) und bezog deshalb von Geburt an verschiedene
medizinische Massnahmen von der Invalidenversicherung. Im April 2001 hielt ein
Berufsberater der IV-Stelle fest (IV-act. 82), die verschiedenen Schwierigkeiten des
Versicherten hätten sich zwar in den vergangenen Jahren wesentlich vermindert,
bestünden aber noch immer in einem Umfang, der eine erstmalige berufliche
Ausbildung in der freien Wirtschaft verunmögliche. Der Versicherte sei deshalb
gezwungen, seine Ausbildung in einem geschützten Rahmen zu absolvieren. Eine in
der Folge begonnene erstmalige berufliche Ausbildung zum Metallbearbeiter musste
vorzeitig abgebrochen werden (IV-act. 91). Im April 2002 wurde dem Versicherten eine
erstmalige berufliche Ausbildung zum Holzbearbeiter in einem anderen Betrieb
zugesprochen (IV-act. 93). Im Juni 2004 konnte er die Anlehre zum Holzbearbeiter
erfolgreich abschliessen (IV-act. 119).
A.a.
Da der Ausbildungsbetrieb eine Tätigkeit des Versicherten in der freien Wirtschaft
als unrealistisch erachtet hatte und da es dem Versicherten denn auch nicht gelungen
war, in der freien Wirtschaft Fuss zu fassen, empfahl der IV-Berufsberater im Dezember
2004 eine dreimonatige berufliche Abklärung (IV-act. 121). Der mit der beruflichen
Abklärung beauftragte Betrieb hielt in seinem Bericht vom 20. April 2005 fest (IV-act.
140), dem Versicherten sei es im Bereich der Montagearbeiten wegen
zwischenmenschlicher Probleme nicht gelungen, die Arbeiten fachlich richtig
auszuführen. Im Bereich der maschinellen Holzbearbeitung seien vermehrte kleine
A.b.
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Flüchtigkeitsfehler aufgefallen. Allgemein sei der Versicherte sehr schnell von sehr
vielen Sachen überaus begeistert gewesen. Er habe jeweils rasch alles nur Mögliche
darüber erfahren wollen, sich damit aber total überfordert. Er habe Schwierigkeiten
gezeigt, sich an gewisse Anstands- und Arbeitsregelungen zu halten. Seine
Arbeitsweise habe stark variiert. Ihm gezeigte Arbeitsschritte habe er einfach von sich
aus abgeändert. Der Versicherte habe grosse Mühe gezeigt, sich an Regeln und
Vorgaben zu halten. Er habe sein Können überschätzt. Für ihn sei alles machbar
gewesen und er habe geglaubt, dass er jede Arbeit ausführen könne. Sein Arbeitsplatz
sei jeweils sehr chaotisch gewesen. Nur unter dauernder Begleitung habe er sich über
eine längere Zeit konzentrieren können. Sein grösstes Handicap sei gewesen, dass er
sich nur mit einem grossen Aufwand in ein System habe einbinden lassen. Er habe sich
oft in einer endlosen Diskussion verloren, die für ihn und für die anderen Beteiligten
frustran verlaufen sei. Der Versicherte sei auf einen Arbeitsplatz in einem geschützten
Rahmen angewiesen. Der angemessene Lohn für seine Arbeitsleistung betrage 800
Franken pro Monat. Die IV-Stelle verglich diesen Betrag mit dem im Art. 26 IVV vorge
sehenen Valideneinkommen für eine frühinvalide Person, was einen Invaliditätsgrad von
80 Prozent ergab (IV-act. 151). Mit einer Verfügung vom 10. November 2005 sprach die
IV-Stelle dem Versicherten rückwirkend ab dem 1. August 2004 eine ganze Rente bei
einem Invaliditätsgrad von 80 Prozent zu (IV-act. 160).
In den Jahren zwischen 2006 und 2012 war der Versicherte zeitweise als
Hilfsarbeiter tätig (vgl. IV-act. 199 und 214 f.). Im Rahmen eines im Dezember 2011
eingeleiteten Rentenüberprüfungsverfahrens (vgl. IV-act. 216 f.) gab ein
Temporärstellenvermittlungsunternehmen im März 2012 an (IV-act. 223), der
Versicherte werde seit September 2011 als Schreinerpraktiker eingesetzt. Der
Stundenlohn betrage 29 Franken. Im Mai 2012 gingen der IV-Stelle die monatlichen
Lohnabrechnungen zu (IV-act. 233). Eine Sachbearbeiterin notierte, gemäss diesen
Lohnabrechnungen habe der Versicherte in den Monaten Dezember 2011 bis und mit
April 2012 durchschnittlich 4’644.50 Franken pro Monat verdient (IV-act. 235). Mit
einem Vorbescheid vom 19. Juni 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass
sie die Aufhebung der laufenden Rente vorsehe, weil neu ein nicht mehr
rentenbegründender Invaliditätsgrad von lediglich noch 20 Prozent vorliege (IV-
act. 238). Am 24. Juli 2012 teilte der Versicherte der IV-Stelle telefonisch mit, dass er
A.c.
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seine Arbeitsstelle aus wirtschaftlichen Gründen verloren habe (IV-act. 239). Mit einer
den Vorbescheid vom 19. Juni 2012 „ersetzenden“ Mitteilung vom 31. Juli 2012 gab
die IV-Stelle dem Versicherten bekannt, dass er weiterhin einen Anspruch auf die
bisherige ganze Rente habe (IV-act. 243).
Bei einer Vorsprache auf der AHV/IV-Zweigstelle im Februar 2014 erweckte der
Versicherte offenbar den Eindruck, er sei wieder erwerbstätig (vgl. IV-act. 256), weshalb
die IV-Stelle von Amtes wegen ein Rentenrevisionsverfahren eröffnete (IV-act. 257). Am
11. März 2014 wurde der Versicherte von einem Sachbearbeiter der IV-Stelle befragt
(IV-act. 262). Er gab an, sein Gesundheitszustand sei eigentlich immer unverändert
geblieben. Er habe versucht, sich weiterzubilden; er habe eine CAD-Ausbildung mit
einem Zertifikat abgeschlossen. Zudem habe er sich Arbeitsstellen gesucht und Geld
verdient. Dabei habe sich gezeigt, dass er repetitive Arbeiten speditiv, andere Arbeiten
aber nicht ohne Flüchtigkeitsfehler und nur mit einer gewissen Verlangsamung
verrichten könne. Seit September 2013 sei er wieder erwerbstätig. Auch im Juli und
August 2013 habe er für sechs Wochen arbeiten können. Er würde sich gerne aus der
Abhängigkeit von der Invalidenversicherung lösen, etwas Eigenes aufbauen und die
Invalidenversicherung beraten, wie man Versicherte in den Institutionen besser
motivieren und in den Erwerbsprozess eingliedern könne. Am 10. April 2014 berichtete
Dr. med. B._ (IV-act. 271), der Versicherte könne auf Dauer nicht in der freien
Wirtschaft erwerbstätig sein, da er aufgrund seiner Gesundheitsbeeinträchtigung im
Umgang zu kompliziert sei. Ein Arbeitgeber müsste eine psychotherapeutische
Begleitung erhalten, um den Versicherten über eine längere Zeit erfolgreich
beschäftigen zu können. Im geschützten Rahmen sei der Versicherte aber als Schreiner
uneingeschränkt arbeitsfähig. Am 24. April 2014 berichtete der Psychiater Dr. med.
C._ (IV-act. 276), der Gesundheitszustand des Versicherten sei stationär. Offenbar
habe der an sich äusserst arbeitswillige Versicherte in den vergangenen Jahren an allen
Arbeitsstellen Mühe gehabt, weil er langsam gearbeitet und Schwierigkeiten mit dem
Erlernen von Neuem gehabt habe und immer wieder in Autoritätskonflikte mit den
Vorgesetzten verwickelt gewesen sei. Er neige zur Selbstüberschätzung, er habe
eigene Ansichten über die Organisation, den Sinn und den Zweck seiner Arbeit und er
sei vom Charakter her zwanghaft veranlagt. Deshalb habe er nur bei speziell
wohlwollenden, verständnisvollen und äusserst toleranten Vorgesetzten jeweils
A.d.
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vorübergehend einer Beschäftigung nachgehen können. Eine langdauernde
Festanstellung sei ausgeschlossen. Eine Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle
notierte am 23. Februar 2015 (IV-act. 307), das Hauptproblem des Versicherten
bestehe in einer Diskrepanz zwischen der tatsächlichen Leistungsfähigkeit und einer
offensichtlichen Selbstüberschätzung. Ein Arbeitgeber habe angegeben, dass der Lohn
des Versicherten angesichts der Verlangsamung, der notwendigen Anleitung und
Überwachung sowie der mangelnden Teamfähigkeit nicht mehr als 2’000 Franken
(gemeint wohl: pro Monat) betragen könne. Diese Einschätzung erscheine als
realistisch. Am 21. April 2015 fand eine Besprechung zwischen dem Versicherten,
einem Vertreter der IV-Stelle und einem Vertreter der EL-Durchführungsstelle statt (vgl.
IV-act. 315). Der Vertreter der IV-Stelle wies den Versicherten darauf hin, dass man eine
angemessene Lösung zum Umgang mit den schwankenden Erwerbseinkommen finden
wolle. Durchschnittlich habe der Lohn in den vergangenen Jahren etwa 35’000 Franken
pro Jahr betragen. Im Vergleich zum Valideneinkommen gemäss dem Art. 26 Abs. 1
IVV resultiere ein Invaliditätsgrad von über 50 Prozent. Wenn man die bisherige ganze
auf eine halbe Rente herabsetze, habe man die tatsächlich erzielten Einkommen im
bisherigen Rahmen angemessen berücksichtigt. Der Versicherte werde zugleich von
der Pflicht befreit, jede Veränderung seiner Einkommensverhältnisse zu melden; er
müsste sich erst wieder melden, wenn er über mindestens zwölf Monate hinweg ein
jährliches Bruttoeinkommen von mindestens 45’000 Franken erzielt hätte. Der
Versicherte stellte sich auf den Standpunkt (IV-act. 316), dass die tatsächlich
erhaltenen Löhne tiefer gewesen seien. Er erachte eine Dreiviertelsrente als
angemessen. Das „System“ bestrafe ihn für seinen Einsatz in den vergangenen Jahren.
Gestützt auf Lohnausweise und Lohnabrechnungen, die der Versicherte in der Folge
eingereicht hatte (IV-act. 320 ff.), errechnete ein Mitarbeiter der IV-Stelle im Juni 2015
(IV-act. 323) für die Zeit zwischen April 2011 und November 2014 einen
durchschnittlichen „theoretischen“ Jahreslohn von 26’685 Franken. Er hielt fest, in der
Zeit zwischen Juli 2011 und August 2012 habe der Versicherte 55’503 Franken
verdient, was einem „klar rentenausschliessenden“ Jahreslohn von 51’029 Franken
entspreche. Die übrigen tiefen Jahreseinkommen fänden ihren Grund darin, dass der
Versicherte nur auf Abruf gearbeitet und folglich immer wieder zeitweise arbeitslos
gewesen sei. Die Lohnbasis sei aber so hoch gewesen, dass der Versicherte bei einer
Vollbeschäftigung einen Jahreslohn von über 50’000 Franken hätte erzielen können. In
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St.Galler Gerichte
erster Linie sei also nicht die Leistungsfähigkeit des Versicherten limitierend, sondern
vielmehr das Risiko, dass dieser arbeitslos werde. Dieses Risiko sei aber nicht so hoch,
dass davon ausgegangen werden müsste, der Versicherte könne nur noch in einem
geschützten Rahmen arbeiten. Insgesamt sei es folglich gerechtfertigt, von einem
durchschnittlichen Invalideneinkommen von 35’000 Franken auszugehen und die
laufende Rente auf eine halbe Rente herabzusetzen. Mit einem Vorbescheid vom 9.
Juni 2015 informierte die IV-Stelle den Versicherten über die geplante
Rentenherabsetzung (IV-act. 325). Am 12. Juni 2015 teilte der Versicherte telefonisch
mit (IV-act. 326), dass er mit der vorgesehenen Verfügung nicht einverstanden sei. Er
werde schriftlich Einwände gegen den Vorbescheid erheben. Bei der IV-Stelle ging
dann allerdings keine entsprechende Eingabe ein. Mit einer Verfügung vom 4. August
2015 setzte sie die laufende Rente mit Wirkung ab dem 1. Oktober 2015 auf eine halbe
Rente herab (IV-act. 329).
Am 14. März 2016 beantragte der Versicherte eine Rentenerhöhung (IV-act. 333).
Er machte geltend, der Grad seiner krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit habe sich
erhöht. Seine letzte längerfristige Anstellung bis etwa September 2012 sei ein
Glücksfall gewesen, der sich nicht wiederholt habe. Zwischenzeitlich habe er teilweise
temporär und teilweise für Bekannte, die seine Arbeitskraft eigentlich gar nicht benötigt
hätten, arbeiten können. Ihm fehle nun aber die Kraft dafür. Die IV-Stelle forderte den
Versicherten am 1. April 2016 auf, eine relevante Sachverhaltsveränderung seit dem 4.
August 2015 glaubhaft zu machen (IV-act. 334). Sie drohte ihm an, dass sie andernfalls
nicht auf sein Revisionsgesuch eintreten werde. Der Versicherte wandte am 6. April
2016 ein, er könne die Aufforderung der IV-Stelle nicht nachvollziehen. Die relevanten
Fakten seien ihr doch bestens bekannt. Er habe schon im Zuge der
Rentenherabsetzung klargestellt, dass er die ständige Arbeitssuche auf Dauer nicht
vertragen werde. Nun sei eingetreten, was er damals bereits befürchtet und der IV-
Stelle aufgezeigt habe. Am 19. Juni 2016 berichtete Dr. C._ (IV-act. 341), der
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich seit dem Jahr 2014 verschlechtert.
Neu sei eine organische Persönlichkeitsstörung zu diagnostizieren. Diese zeige sich in
einem ausgeprägten Misstrauen und in einer hartnäckigen, für Aussenstehende nicht
nachvollziehbaren Eigenlogik des Versicherten. Er beschäftige sich intensiv mit den
Ungerechtigkeiten im Bereich der Invalidenversicherung und mit falschen politischen
A.e.
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B.
Entscheidungen bei der letzten IVG-Revision. Er sei der Meinung, dass er geniale
Lösungen hätte, um die „IV-Misere“ zu beheben, wenn man ihm nur genügend Einfluss
geben würde. Das erinnere an Grössenideen. Zudem zeige sich eine auffällige
Veränderung der Sprachproduktion und des Redeflusses. Der Versicherte spreche sehr
umständlich, zeige ein zähflüssiges Denken und habe eine hartnäckige Art, Themen zu
diskutieren. Am 22. August 2016 notierte Dr. med. D._ vom IV-internen regionalen
ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 344), die Auswirkungen der organischen
Persönlichkeitsänderung seien gemäss den Ausführungen von Dr. C._ mittlerweile
ausgeprägter. Darin sei eine Veränderung des Gesundheitszustandes des Versicherten
zu erblicken. Aus medizinisch-theoretischer Sicht sei der Versicherte nicht arbeitsfähig.
Mit einem Vorbescheid vom 6. Oktober 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit, dass sie vorsehe, nicht auf sein Revisionsgesuch einzutreten (IV-act. 347). Zur
Begründung führte sie an, die von Dr. C._ beschriebenen Veränderungen des
Gesundheitszustandes seien nicht so ausgeprägt, dass sie die in der Verfügung vom 4.
August 2015 berücksichtigten Schwankungen übersteigen würden. Der Umstand, dass
sich der Versicherte kürzlich um einen Sitz im Stadtparlament beworben habe (vgl. IV-
act. 345), zeige, dass er sich immer noch einiges zutraue. Eine relevante
Sachverhaltsveränderung sei folglich nicht glaubhaft gemacht. Dagegen wandte der
Versicherte am 12. Oktober 2016 ein (IV-act. 348), er habe die Rentenherabsetzung
damals akzeptiert, weil er in jenem Zeitpunkt nur habe vermuten können, dass die
Erzielung eines Durchschnittseinkommens von 35’000 Franken pro Jahr illusorisch sei.
Jetzt habe sich aber gezeigt, dass er richtig vermutet habe, weshalb er sich jetzt gegen
die Rentenherabsetzung wehren könne und wolle. Seine bisherigen Anstellungen seien
stets durch ein überdurchschnittliches Entgegenkommen der Arbeitgeber zustande
gekommen; auch die (knapp verpasste) Wahl zum Stadtparlamentarier wäre ohne eine
erhebliche Unterstützung des Umfelds nicht denkbar gewesen. Mit einer Verfügung
vom 21. November 2016 trat die IV-Stelle nicht auf das Revisionsgesuch ein (IV-act.
350).
A.f.
Am 9. Januar 2017 liess der nun anwaltlich vertretene Versicherte (nachfolgend:
der Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 21. November 2016
B.a.
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Erwägungen
1.
Bei der angefochtenen Verfügung vom 21. November 2016 handelt es sich um eine
Nichteintretensverfügung: Ihr Dispositiv hat sich auf den Entscheid beschränkt, das
Revisionsbegehren des Beschwerdeführers nicht materiell zu behandeln. Weil dieses
Beschwerdeverfahren darauf abzielt, die angefochtene Verfügung auf ihre
Rechtmässigkeit zu überprüfen, kann das Gericht nur der Frage nachgehen, ob es
rechtmässig gewesen ist, nicht auf jenes Revisionsbegehren einzutreten. Würde das
Versicherungsgericht in diesem Beschwerdeverfahren den Rentenanspruch des
Beschwerdeführers materiell prüfen respektive diesem – wie von ihm beantragt – eine
höhere Rente zusprechen, würde es den Gegenstand des Beschwerdeverfahrens in
einer unzulässigen Weise ausdehnen. Auf den Hauptantrag des Beschwerdeführers
erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung und die Zusprache einer vollen (recte: ganzen) Rente sowie eventualiter die
Rückweisung der Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zur
materiellen Behandlung des Revisionsbegehrens. Zur Begründung führte er an, die
Beschwerdegegnerin als medizinischer Laie hätte sich nicht ohne nachvollziehbare und
zwingende Gründe über die Einschätzung des RAD-Arztes Dr. D._ hinwegsetzen
dürfen. Ihre Vorgehensweise sei geradezu willkürlich. Mit dem Bericht von Dr. C._
und der Aktenwürdigung von Dr. D._ sei die erforderliche relevante
Sachverhaltsveränderung glaubhaft gemacht gewesen, weshalb die
Beschwerdegegnerin auf das Revisionsgesuch hätte eintreten müssen.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 1. März 2017 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Sie hielt fest, dass der Beschwerdeführer „vorübergehend
erwerbslos ist und dass er an der Revisionsverfügung keine Freude gefunden hat“,
liege „nicht ausserhalb der Erwartungen“. Eine Wiedererwägung der
Revisionsverfügung komme nicht in Frage. Eine relevante Sachverhaltsveränderung sei
nicht glaubhaft gemacht.
B.b.
Der Beschwerdeführer liess am 6. April 2017 an seinen Anträgen festhalten (act.
G 6). Die Beschwerdegegnerin hielt am 8. Mai 2017 ebenfalls an ihrem Antrag fest (act.
G 8).
B.c.
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kann folglich nicht eingetreten werden. Zu prüfen ist nur, ob die Beschwerdegegnerin
zu Recht nicht auf das Revisionsbegehren eingetreten ist. Das entspricht dem
Eventualantrag des Beschwerdeführers, auf den folglich einzutreten ist.
2.
Laut dem Art. 87 Abs. 2 IVV wird nur dann auf ein Revisionsgesuch eingetreten,
wenn darin glaubhaft gemacht worden ist, dass sich der Invaliditätsgrad in einer für
den Rentenanspruch erheblichen Weise geändert hat. Diese Verordnungsbestimmung
zielt – wie die „verwandte“, sich auf sogenannte Neuanmeldungen beziehende
Regelung des Art. 87 Abs. 3 IVV – darauf ab, die IV-Stellen vor jenem Aufwand zu
schützen, mit dem diese konfrontiert wären, wenn Versicherte repetitiv
Revisionsbegehren einreichen könnten, die von den IV-Stellen jedes Mal wieder
umfassend materiell geprüft werden müssten. Der Art. 87 Abs. 2 IVV dient also allein
der Verfahrensökonomie, bei der es sich anerkanntermassen um kein besonders
schützenswertes öffentliches Interesse handelt. Das ist problematisch, weil die
Anwendung des Art. 87 Abs. 2 IVV eine Durchbrechung des – elementar wichtigen –
jederzeitigen Anspruchs auf eine materielle Prüfung eines Revisionsbegehrens zur
Folge hat. Dennoch kann der Art. 87 Abs. 2 IVV gerade noch als gesetzmässig
qualifiziert werden, denn die Sachverhaltsabklärung zur Prüfung eines
Rentenrevisionsgesuchs erweist sich oft als sehr aufwendig, weshalb diesbezüglich ein
gewisser „Schutzbedarf“ der IV-Stellen vor repetitiven Revisionsbegehren anerkannt
werden kann. Insofern trägt der Art. 87 Abs. 2 IVV also offenkundig einem wesentlichen
verfahrensökonomischen Interesse Rechnung, ohne dafür den Grundsatz des
jederzeitigen Anspruchs auf eine materielle Prüfung eines Revisionsbegehrens in einem
unverhältnismässig hohen Mass einzuschränken. Er dürfte also gerade noch vom
Vollzugsverordnungsauftrag im Art. 86 Abs. 2 Satz 1 IVG abgedeckt sein. Die
Anwendung des Art. 87 Abs. 2 IVV führt auch nicht zu einer rechtsungleichen
Behandlung der Versicherten, denn die Eintretenshürde stützt sich auf einen sachlichen
Grund, nämlich auf die Vermeidung eines unnötigen Verfahrensaufwandes bei
repetitiven Revisionsbegehren (vgl. zum Ganzen etwa den Entscheid IV 2016/376 des
St. Galler Versicherungsgerichtes vom 19. März 2019, E. 2, mit Hinweisen).
2.1.
Die Beantwortung der Frage, ob eine wesentliche Sachverhaltsveränderung
glaubhaft gemacht worden ist, setzt einen Vergleich zwischen dem aktuellen
Sachverhalt (der allerdings noch nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit ermittelt, sondern nur glaubhaft gemacht sein muss) und jenem
Sachverhalt respektive jener Sachverhaltsannahme voraus, der beziehungsweise die
der Verfügung vom 4. August 2015 zugrunde gelegt worden ist. Bei jener Verfügung
2.2.
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scheint es sich um eine gewöhnliche Rentenherabsetzungsverfügung im Sinne des Art.
17 Abs. 1 ATSG zu handeln. Dieser Eindruck täuscht aber, denn obwohl die
Beschwerdegegnerin die damals laufende Rente nicht ex tunc, sondern ex nunc et pro
futuro herabgesetzt hat (was an sich typisch für eine Revision im Sinne des Art. 17 Abs.
1 ATSG gewesen wäre), lässt sich diese Herabsetzung nicht mit einer
Sachverhaltsveränderung erklären, die nach der ursprünglichen Rentenzusprache vom
10. November 2005 eingetreten wäre. Den Grund für die Rentenherabsetzung hat
vielmehr eine neue Definition der Invalidenkarriere gebildet: War die
Beschwerdegegnerin bei der ursprünglichen Rentenzusprache noch davon
ausgegangen, dass der Beschwerdeführer nur in einem geschützten Rahmen
erwerbstätig sein könne, hat sie in ihrer Verfügung vom 4. August 2015 unterstellt, dass
der Beschwerdeführer noch nie auf einen geschützten Rahmen angewiesen gewesen
sei und dass er auf dem freien Arbeitsmarkt schon immer ein Erwerbseinkommen von
durchschnittlich 35’000 Franken hätte erzielen können. Damit hat die
Beschwerdegegnerin die Invalidenkarriere des Beschwerdeführers korrigiert, was
bedeutet, dass sie die ursprüngliche rentenzusprechende Verfügung vom 10.
November 2005 als falsch qualifiziert haben muss. Da die „Auswechslung“ der
Invalidenkarriere nicht auf eine nachträgliche Sachverhaltsveränderung, sondern darauf
zurückzuführen gewesen ist, dass die Beschwerdegegnerin ihre ursprüngliche
Annahme, der Beschwerdeführer sei nur in einem geschützten Rahmen arbeitsfähig,
als falsch qualifiziert hat, liegt im Ergebnis eine Wiedererwägung im Sinne des Art. 53
Abs. 2 ATSG der Rentenverfügung vom 10. November 2005 vor. Der Umstand, dass
die Beschwerdegegnerin die Wirkung der neuen Verfügung auf die Zukunft beschränkt
hat, ändert daran nichts, denn die Rechtsnatur der Verfügung ergibt sich nicht aus
deren Wirkungszeitpunkt, sondern aus dem Wirkungsmechanismus des zur
Anwendung gebrachten Korrekturinstrumentes. Aus den Akten ergibt sich nun aber,
dass die Annahme der Beschwerdegegnerin, der Beschwerdeführer könne auf dem
freien Arbeitsmarkt ein durchschnittliches Einkommen von 35’000 Franken erzielen,
unzutreffend gewesen ist. Bereits im Rahmen der beruflichen
Eingliederungsmassnahmen hatte sich nämlich deutlich gezeigt, dass der
Beschwerdeführer ausserhalb eines geschützten Rahmens jeden Arbeitsplatz schon
nach kurzer Zeit wieder verlieren würde. Die Arbeitsbemühungen des
Beschwerdeführers in den Jahren 2006–2012 haben diese Tatsache untermauert, denn
der Beschwerdeführer hat zwar (ganz im Einklang mit den Akten der beruflichen
Eingliederung) jeweils rasch wieder eine Arbeitsstelle gefunden, diese aber auch bald
wieder verloren. Der Beschwerdeführer hat also nur solange ein Erwerbseinkommen
erzielen können, als er immer wieder neue Arbeitgeber gefunden hat, die jeweils erst
nach einigen Wochen bemerkt haben, dass seine Arbeitsleistung klar ungenügend
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gewesen ist und dass er zudem seine Arbeitskollegen so belastet hat, dass auch deren
Produktivität erheblich darunter gelitten hat. Mit ihrer Annahme, der Beschwerdeführer
könne durchschnittlich 35’000 Franken pro Jahr verdienen, hat die
Beschwerdegegnerin also – wohl unbewusst – unterstellt, dass es dem
Beschwerdeführer zumutbar sei, sich immer wieder neu um Arbeitsstellen zu
bewerben, die er dann immer schon nach kurzer Zeit wieder verlieren muss. Ein
solches Verhalten ist aber offensichtlich unzumutbar, weil damit vom
Beschwerdeführer verlangt wird, seine eigenen Grenzen zu ignorieren, nur um dann
immer wieder mit seinen Einschränkungen konfrontiert zu werden, das heisst die Stelle
bald wieder zu verlieren. Zudem kann ein solches Verhalten längerfristig keinen Erfolg
haben, denn erstens wird der Beschwerdeführer je länger je mehr in Erklärungsnot
geraten, weil er seinen Lebenslauf mit immer zahlreicheren, sehr kurzen
Arbeitsverhältnissen wird füllen müssen, und zweitens wird der Beschwerdeführer
irgendwann mit so vielen Arbeitgebern in Kontakt getreten sein, dass es keinen
Arbeitgeber mehr gibt, dem er erfolgreich einen guten Arbeitnehmer wird „vormachen“
können. Schliesslich kann das Erwerbseinkommen, das der Beschwerdeführer auf
diese Weise möglicherweise real erzielen könnte, kein Ausdruck seiner
Erwerbsfähigkeit sein, denn er kann ja jeweils nur deshalb für kurze Zeit ein
Erwerbseinkommen erzielen, weil der neue Arbeitgeber sich vorübergehend in einem
Irrtum bezüglich der effektiven Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers befindet. Die
Verfügung vom 4. August 2015 beruht also ganz offensichtlich nicht auf dem realen
Sachverhalt, sondern auf einer erheblich vom realen Sachverhalt abweichenden
Sachverhaltsfiktion. Sie ist aber formell rechtskräftig und damit verbindlich geworden.
Für die Beantwortung der Frage, ob eine wesentliche Sachverhaltsveränderung seit
dem 4. August 2015 glaubhaft gemacht ist, muss folglich geprüft werden, ob sich nach
dem 4. August 2015 an den Tatsachen etwas geändert hat, auf denen die von der
Beschwerdegegnerin aufgestellte Fiktion der Fähigkeit des Beschwerdeführers, auf
dem freien Arbeitsmarkt ein durchschnittliches Erwerbseinkommen von 35’000 Franken
erzielen zu können, beruhte, sodass diese „veraltete“ Fiktion durch eine „aktuelle“
Fiktion ersetzt werden müsste. Den Ausgangspunkt für den revisionsspezifischen
Sachverhaltsvergleich bildet also nicht etwa der reale Sachverhalt am 4. August 2015,
sondern die Sachverhaltsfiktion, die der Verfügung vom 4. August 2015 zugrunde
gelegt worden ist. Das wirkt sich stark zum Nachteil des Beschwerdeführers aus, denn
die in der Verfügung vom 4. August 2015 enthaltene Fiktion, dass er auf dem
allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt nach einer kurzen Arbeitslosigkeit immer
wieder eine neue Stelle finden könne, ist so weit gefasst, dass sie von
Sachverhaltsveränderungen, wie etwa einer Verschlechterung des
Gesundheitszustandes, weitgehend unberührt bleibt. Nur eine
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Sachverhaltsveränderung, die so stark ausgeprägt ist, dass sie die Fiktion „zum
Einsturz bringen“ kann, ist geeignet, eine Rentenrevision herbei zu führen. Dadurch ist
der Beschwerdeführer gegenüber allen anderen Rentenbezüger schlechter gestellt
worden, denn nach der Praxis des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen ist
die Eintretensvoraussetzung des Art. 87 Abs. 2 IVV schon dann erfüllt, wenn eine
geringfügige, aber trotzdem arbeitsfähigkeitsrelevante Veränderung des
Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht ist. Vorliegend wäre mit dem Hinweis von
Dr. C._ im Bericht vom 19. Juni 2016, dass sich die Sprachproduktion und der
Redefluss des Beschwerdeführers in einer auffälligen Weise verändert hätten, an sich
eine relevante Sachverhaltsveränderung seit dem 4. August 2015 ohne Weiteres
glaubhaft gemacht, wie auch der RAD-Arzt Dr. D._ festgehalten hat. Diese
Sachverhaltsveränderung hat allerdings keinen relevanten Einfluss auf die Fiktion, dass
der Beschwerdeführer auf dem freien Arbeitsmarkt durchschnittlich ein
Erwerbseinkommen von 35’000 Franken erzielen könne, denn die Sprachproduktion
und der Redefluss sind nicht so auffällig, dass man annehmen müsste, der
Beschwerdeführer würde nun Bewerbungsgespräche nicht mehr erfolgreich meistern
können. Folglich ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine wesentliche
Sachverhalts- beziehungsweise Fiktionsveränderung glaubhaft zu machen. Jedoch ist
das allein auf den Umstand zurückzuführen, dass die Verfügung vom 4. August 2015 in
tatsächlicher Hinsicht nicht auf dem damaligen effektiven Sachverhalt, sondern auf der
erwähnten Fiktion beruht.
Im Sinne eines obiter dictum ist darauf hinzuweisen, dass ein
Rentenrevisionsverfahren – zumindest gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung – nicht nur eine Anpassung der Rente an nachträgliche
Sachverhaltsveränderungen, sondern auch die Korrektur von früher von der IV-Stelle
oder einem Gericht begangenen Fehlern – ex nunc et pro futuro – beinhaltet: „Im
Rahmen einer materiellen Revision nach Art. 17 ATSG prüft die Verwaltung den
Rentenanspruch in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht allseitig, das heisst nicht nur
mit Bezug auf jenes Sachverhaltssegment, in welchem eine Änderung in Frage steht
(...) Dementsprechend ist das Sozialversicherungsgericht befugt (und verpflichtet), bei
Bedarf Teilaspekte des Rechtsverhältnisses von Amtes wegen aufzugreifen, selbst
wenn diese bereits in der früheren rechtskräftigen Verfügung beurteilt wurden“ (Urteil
des Bundesgerichtes 9C_273/2014 vom 16. Juni 2014, E. 3.1.2, mit zahlreichen
Hinweisen). Diese Rechtsprechung kann nur als gesetzwidrig qualifiziert werden, weil
sie dazu führt, dass der Gegenstand eines Revisionsverfahrens – entgegen dem klaren
Wortlaut, dem offenkundigen verfahrensrechtlichen Systemzusammenhang und dem
völlig eindeutigen Sinn und Zweck des Art. 17 Abs. 1 ATSG – in einer unzulässigen
2.3.
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Weise ausgedehnt und um die Pflicht ergänzt wird, von den Sozialversicherungsträgern
oder den Gerichten ursprünglich begangene Fehler mit Wirkung ex nunc zu korrigieren,
ohne dass die strengen Voraussetzungen des Art. 53 Abs. 2 ATSG erfüllt sein müssten.
Abgesehen von der keine Grundlage im Gesetz findenden Behauptung, dass die
Revision eine ex nunc et pro futuro in allen Punkten rechtmässige Leistungsausrichtung
sicherstellen wolle, hat das Bundesgericht bis heute keine Begründung für seine hinter
dieser Rechtsauffassung stehende Praxisänderung geliefert. Mit der Argumentation des
Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen hat es sich nicht auseinandergesetzt;
das entsprechende „Schrifttum“ hat es ignoriert (vgl. das Urteil des Bundesgerichtes
8C_668/2016 vom 5. Dezember 2016, insb. E. 5.2.3, und den Entscheid IV 2016/304
des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 16. April 2019, E. 3.3). Trotzdem ist
erfahrungsgemäss davon auszugehen, dass sich die bundesgerichtliche
Rechtsprechung zum Inhalt des Revisionsverfahrens in absehbarer Zeit nicht ändern
wird; das Bundesgericht würde diese Rechtsprechung folglich auch auf den
vorliegenden Fall anwenden. Wenn also hier ein Rentenrevisionsverfahren eröffnet und
das Revisionsbegehren des Beschwerdeführers materiell geprüft worden wäre, dann
hätte das Bundesgericht die Rente ex nunc et pro futuro nicht nur an eine
möglicherweise eingetretene Sachverhaltsveränderung seit dem 4. August 2015
angepasst, sondern auch allfällige Fehler korrigiert, an denen die Verfügung vom 4.
August 2015 von Beginn weg gelitten hatte. Beispielsweise hätte das Bundesgericht
also wohl das Abstellen auf eine Sachverhaltsfiktion statt auf den effektiven
Sachverhalt als rechtswidrig qualifiziert und den Invaliditätsgrad für die Zukunft
ausgehend vom realen Sachverhalt ermittelt. Das wirft eine Frage auf, mit der sich das
Bundesgericht soweit ersichtlich bislang noch nicht befasst hat: Wie lässt sich die
Rechtsprechung, wonach sich im Revisionsverfahren alle – früheren – Fehler korrigieren
lassen, mit dem Art. 87 Abs. 2 IVV vereinbaren, laut dem auf ein Revisionsbegehren nur
eingetreten werden kann, wenn eine relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft
gemacht worden ist? Denn soweit es in einem Revisionsverfahren um die Korrektur von
ursprünglich begangenen Fehlern – also nicht um eine echte, sondern um eine
„wiedererwägende“ Revision – geht, ist es offensichtlich irrelevant, ob zwischenzeitlich
eine Sachverhaltsveränderung eingetreten ist. Man könnte zwar einwenden, dass man
bloss den Wortlaut des Art. 87 Abs. 2 IVV ausdehnen müsse, sodass nicht nur die
Glaubhaftmachung einer Sachverhaltsveränderung, sondern auch die
Glaubhaftmachung eines ursprünglich begangenen Fehlers betreffend den Sachverhalt
ein Eintreten auf ein Revisionsgesuch zur Folge habe. Aber eine formell rechtskräftige
Verfügung kann nicht nur an einem Fehler auf der Sachverhaltsebene, sondern auch an
einem Fehler bei der Rechtsanwendung leiden; die („echte“) Wiedererwägung gemäss
dem Art. 53 Abs. 2 ATSG lässt deshalb die Korrektur von Sachverhalts- und
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3.
Da der Beschwerdeführer unterliegt, ist er verpflichtet, die Gerichtskosten von 600
Franken zu bezahlen. Diese Kosten sind durch den von ihm geleisteten
Rechtsanwendungsfehlern zu. Ein Rechtsanwendungsfehler kann aber nicht im Sinne
des Art. 87 Abs. 2 IVV glaubhaft gemacht werden, weil sich diese
Verordnungsbestimmung ihrem klaren Wortlaut gemäss nur auf den Sachverhalt
bezieht. Die Eintretenshürde des Art. 87 Abs. 2 IVV erweist sich deshalb in Bezug auf
die „wiedererwägende“ Revision (die Korrektur von ursprünglich begangenen Fehlern,
ohne dass die strengen Voraussetzungen des Art. 53 Abs. 2 ATSG erfüllt sein müssten)
als sachfremd beziehungsweise als sinnlos. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung
zwingt folglich dazu, das Eintreten auf ein auf eine solche wiedererwägende Revision
abzielendes „Revisionsgesuch“ ohne jede Hürde zuzulassen. Das Begehren des
Beschwerdeführers, auf das die Beschwerdegegnerin nicht eingetreten ist, hat zwar auf
eine echte und nicht auf eine wiedererwägende Revision abgezielt, aber es könnte
auch das Begehren beinhaltet haben, allfällige früher begangene Fehler zu korrigieren.
Folglich hätte die Beschwerdegegnerin in konsequenter Anwendung der
Bundesgerichtspraxis voraussetzungslos auf das Begehren eintreten und prüfen
müssen, ob der von ihr am 4. August 2015 begangene Fehler mit Wirkung ex nunc
korrigiert werden müsse. Diese materielle Prüfung hätte aller Voraussicht nach wohl
ergeben, dass der Beschwerdeführer (weiterhin) nicht in der Lage gewesen ist, auf dem
freien Arbeitsmarkt erwerbstätig zu sein. Folglich hätte die Beschwerdeführerin den
Invaliditätsgrad mit Wirkung ex nunc wohl wieder ausgehend von einem
Invalideneinkommen berechnen müssen, das der Beschwerdeführer überwiegend
wahrscheinlich in einem geschützten Rahmen hätte erzielen können. Das
Bundesgericht würde die angefochtene Verfügung deshalb wohl aufheben und die
Beschwerdegegnerin anweisen, auf das Begehren des Beschwerdeführers einzutreten.
Das Versicherungsgericht sieht sich mit Blick auf den Art. 190 BV aber ausserstande,
die gesetzwidrige Praxis des Bundesgerichtes anzuwenden. Deshalb kann es die
angefochtene Nichteintretensverfügung nur bestätigen.
Da es sich bei den obigen Ausführungen nur um ein obiter dictum handelt, muss
die angefochtene Verfügung im Ergebnis als rechtmässig qualifiziert werden. Die
vorstehenden Ausführungen sollen es dem Beschwerdeführer aber erlauben, die
gesamte Problematik zu überblicken und folglich in umfassender Kenntnis aller in
Frage kommenden Argumente zu prüfen, ob er den vorliegenden Entscheid mit einer
Beschwerde beim Bundesgericht anfechten will.
2.4.
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Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt. Der unterliegende Beschwerdeführer hat
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.