Decision ID: dead4617-1e2f-48c8-adfe-bf9fed35d820
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die
1964
geborene
X._
bezieht
seit
1. Oktober 2009 eine
Dreiviertels
rente
der Invalidenversicherung (Urk. 8/61). Im Februar 2014 leitete die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, eine Rentenrevision ein (Urk. 8/71). Sie holte aktuelle medizinische
Auskünfte beim
behandelnden Psy
chiater im Medizinischen Zentrum
Z._
ein und beauftragte Dr. med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, mit einer psychiatri
schen Abklärung (Gutachten vom 27. November 2014, Urk. 8/81
/1-16
)
.
Gestützt darauf teilte sie der Versicherten mit Vorbescheid vom 6. Januar 2015 die be
absichtigte Renteneinstellung mit
(Urk.
8/82
)
.
D
ie Versicherte
liess sich
am 21
.
Januar und 27. März 2015
dazu vernehmen (Urk. 8/83
, Urk. 8/91
)
.
Am 5. Mai 2015 äusserte sich der Gutachter zu den erhobenen Einwendungen (Urk. 8/93).
Daraufhin setzte die IV-Stelle der Versicherten am 24. Juni 2015 eine zwanzigtägige Frist zur Stellungnahme an (Urk. 8/95), erliess aber bereits am 21. Juli 2015 eine renteneinstellende Verfügung (Urk. 8/97). Nach Interven
tion der damaligen Rechtsvertreterin der Versicherten (Urk. 8/98) hob
die IV-Stelle
am 28. Juli 2015 ihre Verfügung wiedererwägungsweise auf (Urk. 8/99). Am 14. August 2015 ging die Stellungnahme der
Versicherte
n
ein
(Urk. 8/101)
, welcher
ein Schreiben der behandelnden Fach
personen
des Medizinischen Zentrums
Z._
vom 20. Juli 2015 bei
lag
(Urk. 8/100). Auch
hiezu
holte die IV-Stelle
eine Stellungnahme des
Dr.
A._
(
vom 10. Oktober 2015
)
ein (Urk. 8/109) und
stellte m
it Verfügung vom 17. November 2015 die Rente ein (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 4. Januar 2016 Beschwerde mit dem
Rechtsbe
gehren
um Gewährung einer ganzen Invalidenrente, eventualiter um genauere Abklärung des medizinischen Sachverhaltes. Daneben ersuchte sie um Gewäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 5. Februar 2016 schloss die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), worüber die Beschwerdeführerin am 9. Februar 2016 orientiert wurde (Urk. 9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art. 57a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels Vorbescheid mit (Satz 1). Der Sinn und Zweck
des
Vorbescheidverfahrens besteht darin, eine unkomplizierte Diskussion
des
Sach
verhalts zu ermöglichen und dadurch die Akzeptanz
des
Entscheids bei den Versicherten zu verbessern (BGE 134 V 106 E. 2.7). Ob die IV-Stelle, wenn sie auf Einwand der versicherten Person gegen den Vorbescheid hin weitere Ab
klärungen vornimmt, nochmals ein
Vorbescheidverfahren
durchzuführen hat, hängt von den Umständen
des
Einzelfalles ab, unter anderem von der inhaltli
chen Bedeutung der Sachverhaltsvervollständigung (Urteil
des
Bun
des
gerichts 9C_606/2014 vom 9. Dezember 2014, E.
2.1).
Nach der Rechtsprechung kann eine – nicht besonders schwerwiegende – Ver
letzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die be
troffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
). Von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leer
lauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderli
chen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis).
1.2
I
m
Schreiben vom 7. Oktober 2015 (Urk. 8/109) nahm Dr.
A._
Stellung
zu der von den behandelnden Fach
personen
des Medizinischen Zentrums
Z._
am 20. Juni 2015 (Urk. 8/100) erhobenen Kritik an seinem psychiat
rischen Gutachten.
In der Folge
übernahm d
ie Beschwerdegegnerin
weite Teile
von Dr.
A._
s Schreiben
zur Begründung der renteneinstellenden Verfü
gung
vom 17. November 2015 (Urk. 2 S. 3). Zu diesen Ausführungen
des Gut
achters
konnte sich die Beschwerdeführerin im Rahmen des
Vorbescheidver
fahrens
nicht
äussern
, wurde ihr
doch
vorgängig weder Dr.
A._
s Schreiben zur Stellungnahme zugestellt noch dessen Inhalt im Rahmen eines neues Vor
bescheids eröffnet. Dadurch hat die Beschwerdegegnerin
das rechtliche Gehör der Beschwerdeführerin verletzt
.
Im Zusammenhang mit der Beschwerdeerhebung
konnte sich die
rechtskundig vertretene
Beschwerdeführerin
allerdings
umfassend zu sämtlichen Akten und insbesondere zu Dr.
A._
s Argumenten
äussern
. A
uf die Rüge des
Verfah
rensmangels
und auf einen Rückweisungsantrag
verzichtete sie
. Unter diesen Umständen darf
die Heilung d
er Gehörsverletzung angenommen
und
auf eine Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur
(formell)
korrekten Gewährung des rechtlichen Gehörs verzichtet werden
(vgl. vorerwähntes
Bundesgerichtsur
teil
9C_606/2014 vom
9.
Dezember 2014 E. 2.3 in
fine
)
.
2.
2.1
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2
.
2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3).
Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung
und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
2.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalidenein
kom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der
Ein
kom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ein
ander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.4
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind
,
wird für diesen Teil die Inva
li
dität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
benbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der An
teil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad ent
sprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
2
.
5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
2.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet
und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3
.
Die Beschwerdegegnerin begründet die Renteneinstellung gestützt auf d
as
Gut
achten von Dr.
A._
vom 27. November 2014
im Wesentlichen
damit, dass die Beschwerdeführerin aufgrund einer wesentlichen Verbesserung ihres Ge
sundheitszustandes einer Tätigkeit zu einem Pensum von 80 % nachgehen könnte
. Damit verneinte sie eine Erwerbseinbusse in dem mit 70 % gewichteten Erwerbsbereich. Auch in
dem mit 30 % gewichteten
Haushaltsbereich verneinte sie eine Einschränkung, weil sich die Beschwerdeführerin die Arbeit frei eintei
len
könne (Urk. 2 S. 2)
.
Demgegenüber
bestreitet
die Beschwerdeführerin eine Besserung ihres Gesund
heitszustandes und bemängelt sowohl das Gutachten von Dr.
A._
als auch die Anwendung der gemischten Methode (Urk. 1 S. 6 ff.).
4.
4
.1
Die
Rentenzusprache
vom 19. Mai 2011 beruhte auf einer Qualifikation der Be
schwerdeführerin als zu 30 % im Beruf und zu 70 % im Haushalt Tätige (Urk. 7/59, Urk. 7/61).
I
m Rahmen der rentenaufhebenden Verfügung vom
17. November 2015 beliess die Beschwerdegegnerin die bisherige Qualifikation (Urk. 2 S. 2). Die Beschwer
deführerin
wendet dagegen ein, im Gesundheitsfall
wäre sie
voll erwerbstätig, um nach Scheidung und Auszug der Kinder
für ihren Lebensunterhalt
aufkom
men
zu können (Urk. 1 S. 8 f.).
4
.2
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Be
einträchtigung bestünde. Ent
scheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbs
tätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch, das heisst ohne
Gesund
heitsscha
den
, aber bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig wäre (Art. 27
bis
IVV).
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben. Dabei sind die kon
krete Situation und die Vorbringen der versicherten Person nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Für die hypothetische Annahme ei
ner im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Er
werbs
tätigkeit ist der im
Sozial
versi
cherungsrecht
übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erfor
derlich (
BGE 137 V 334
E. 3.2,
130 V 393
E. 3.3,
125 V 146
E. 2c, je mit Hin
weisen).
Bei der Bestimmung der im konkreten Fall anwendbaren
Invaliditätsbe
messungs
methode
und damit der Beantwortung der entscheiden
den Statusfrage handelt es sich um eine hypothetische Beurteilung, die auch hypothetische
Wil
lens
entschei
dungen
der versicherten Person berücksichtigen muss. Dies gilt auch für die Frage, in welchem
Ausmass
die versicherte Person ohne gesund
heitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre. Diese inneren Tatsa
chen sind in
dessen einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in aller Re
gel aus
äusseren
Indizien erschlossen werden (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 9C_287/2013 vom 8. November 2013 E.
3.5
und
8C_511/2013 vom 30. Dezember 2013, je
mit Hinweisen).
4
.3
Vorliegend ist bei der Beurteilung der Statusfrage zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin vor Eintritt des Gesundheitsschadens
einen Vier-Personen-Haushalt zu betreuen hatte (vgl. Abklärungsbericht vom 21. Januar 2011, Urk. 8/49 S. 3)
.
Inzwischen ist
s
ie geschieden und die beiden
nunmehr erwach
senen
Söhne wohnen nicht mehr bei ihr. Auch hat sich ihre
finanzielle Lage
verschlechtert
;
entsprechend
wird
sie
nun von den Sozialen Diensten der Stadt Zürich unterstützt
. Es darf angenommen werden, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall ihr Pensum erhöht hätte, nicht zuletzt um
für ihre Lebens
haltungskosten selbständig aufkommen zu können.
Unter
den gegebenen
Um
ständen erscheint es überwiegend wahrscheinlich, dass
sie
hypothetisch im
Ge
sundheitsfall
zu 100 % erwerbstätig wäre, weshalb die Invaliditätsbemessung nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs zu erfolgen hat.
5
.
5
.1
Referenzzeitpunkt
für die Prüfung einer
allfälligen
anspruchsrelevanten Ände
rung bildet die Verfügung vom 19. Mai 2011
(Urk. 8/59)
. Die
Rentenzusprache
beruht
e
auf den Annahmen einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
im
Erwerbsbe
reich
sowie
einer Einschränkung im Haushaltsbereich von 42.5 %. Dabei stützte sich die Beschwerdegegnerin auf d
as
Gutachten von med.
pract
.
B._
,
Fach
ärztin
für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 26. Juli 2010 (
Urk.
8/50 S. 4 f.). Darin wurden folgende Diagnosen gestellt (Urk. 8/43 S. 7):
Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Rezid
i
vierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somati
schem
Syndrom (ICD-
10
F33.11)
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Soziale Faktoren:
-
Se
l
bstschädigung als
parasuizidale Handlung (ICD-10
Z91.5)
-
Probleme in Verbindung mit Berufstätigke
it und Arbeitslosigkeit (ICD-10
Z56)
-
Probleme in Verbindung mit Wohnbedingungen
und ökonomischen Verhältnis
sen (ICD-10
Z59)
-
Probleme in der Beziehung zum Ehepartner (ICD-10 Z63.0)
-
Sonstige belastende Lebensumstände (ICD-10 Z63.7)
Zum damaligen Psychostatus führte die Gutachterin aus, der formale Gedanken
gang sei verlangsamt, gehemmt und eingeengt auf den Verlust der Kinder und die Aussenbeziehung des Ehemannes. Die Explorandin nehme praktisch keinen Blickkontakt auf, wirke zwischendurch wie weggetreten, mit wechselnd miss
trauischem und erstarrtem Blick und nahezu aufgehobener Mimik und Gestik. Fragen müssten mehrmals wiederholt werden. Trotz Übersetzerin erscheine es so, als ob sie den Inhalt nicht verstehe. Der Gedankengang erschein
e
gesperrt. Die Gedanken würden nicht zu Ende geführt. Der Gesprächsleitfaden reisse im
mer wieder ab. Wegen der erschwerten Auffassung, der mangelnden Konzen
tration und der Vergesslichkeit könne die Arbeitsanamnese nicht ordentlich er
hoben werden. Auch über die Herkunftsfamilie könne die Explorandin keine genauen Angaben machen. Es bestehe ein Schuldwahn. Die Explorandin fühle sich schuldig an der Situation ihrer kranken, drogenabhängigen Söhne und am Fremdgehen ihres Ehemannes. Sie meine, eine schlechte Mutter und eine schlechte Ehefrau zu sein. Sie
berichte über Stimmenhören;
Stimmen die ihr sagten, dass man kommen wolle, um sie zu erwürgen. Sie sei psychomotorisch unruhig und wippe während des gesamten Gespräches leicht mit dem Oberkör
per nach vorn und hinten. Zwischendurch reibe sie ihre Knie (S. 6).
Weiter stellte die Gutachterin selbstschädigendes Verhalten fest. An beiden Hand
gelenksinnenseiten zeigten sich mehrere frische rote Striemen. Auf Nach
fragen habe die Explorandin erzählt, dass sie sich am Vortag mit einem Messer geritzt habe, als sie sich wieder einmal nicht als gute Mutter, als gute Frau ge
fühlt habe. Es bestehe eine deutlich gedrückte Stimmungslage mit Verlust von Selbstwert und Selbstsicherheit. Die Explorandin schluchze und weine fast während der gesamten Exploration. Sie wirke innerlich unruhig und aufge
wühlt. Die Schwingungs- und Kontaktfähigkeit erscheine aufgehoben.
D
ie Ex
plorandin sei antriebsarm beziehungsweise antriebsgehemmt und
liege
nahezu den ganzen Tag im Bett
. Sie könne sich nur schwer zu etwas durch
ringen. Auch bestehe ein sozialer Rückzug. Kontakte bestünden nur noch mit wenigen Fami
lienmitgliedern.
Es würden häufige suizidale Gedanken angegeben. Der Ge
danke, die Kinder retten zu wollen und zu können, erhalte sie am Leben. Aus
Angst, als geschiedene Frau von der Familie verstossen zu werden, lasse sie sich nicht scheiden (S. 6).
Mit Bezug auf die Prognose ging med.
pract
.
B._
davon aus, dass die therapeu
tischen Möglichkeiten trotz einer gewissen Chronizität mit Fortbeste
hen der Belastungsfaktoren noch nicht ganz ausgereizt seien. Therapeutisch k
omme
noch eine stationäre psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung in Frage, die so noch nicht stattgefunden habe. Eine Tagesstrukturierung, eine Ressourcenaktivierung und
ein
Milieuwechsel sowie das Erlernen von
Coping
-Strategien würden bei der Behandlung der depressiven Symptomatik eine wich
tige Rolle spielen.
Auch
könne im Rahmen der stationären Behandlung eine ge
nauere psychopharmakologische Neueinstellung durchgeführt werden. Wahr
scheinlich sei die Explorandin aktuell unterdosiert. Nach einer solchen Be
handlung sollte die Explorandin wieder fähig sein, ihren Alltag zu gestalten und das relativ geringe Arbeitspensum von 28 % im Reinigungsdienst wieder aufzu
nehmen
(S. 9)
.
5
.2
5
.2
.1
Im Rahmen der im Februar 2012 eingeleiteten Ren
tenrevision holte die
Beschwer
degegnerin
zunächst Auskünfte des behandelnden
Psychiaters
vo
m Medizinischen Zentrum
Z._
ein
. Im Bericht vom 2. Juni 2014 (Urk. 8/75)
stellte dieser folgende Diagnosen
:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1) bei
St.n
. schwerer Episode mit psychotischen Symptomen
F33.3
in Folge der Erkrankung zunehmende Vereinsamung und Verwahrlosung (vom Ehemann verlassen und beide Söhne
d
rogenabhängig)
-
St.n
. 2 Suizidversuchen 2008 (ICD-10 X61)
-
Asthma bronchiale, Adipositas
Laut Bericht ist die Beschwerdeführerin äusserlich ungepflegt und nervös. In der emotionellen Kontaktaufnahme sei
s
ie abwartend
bis verlangsamt. Oft erfolge eine externalisierte Schuldzuweisung. Die Beschwerdeführerin sei im
S
pontan
verhalten
passiv. Die Stimmung sei deutlich depressiv-resigniert und affektiv oft unkontrolliert mit Weinen. Im Gesprächsverlauf sei d
ie Beschwerdeführerin
af
fektlabil
aber verbal mitteilungsaktiv. Sie schildere ihr Symptomerleben und
v
erhalten in Zusammenhang mit den psychosozialen Belastungen. Kogni
tiv sei sie in Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit und Gedächtnis deutlich verlangsamt. Das Denken sei formal beweglich
,
aber inhaltlich selten problemzentriert. Der affektive Rapport sei herstellbar. Aktuell bestünden To
deswünsche
,
aber keine akute Suizidalität.
5
.2.2
Vom 15. September bis 2. Oktober 2014 war die Beschwerdeführerin in der Psy
chiatrischen
D._
hospitalisiert. Im
Austrittsbericht
vom 5. November 2014
(Urk. 8/81/17-20)
wurden folgende Diagnosen genannt:
-
F33.3
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psy
chotischen Symptomen (Verfolgungserleben)
-
J45.9
Asthma bronchiale, nicht näher bezeichnet
Die Klinikärzte gaben sodann an,
d
ie Beschwerdeführerin habe nur sporadisch am Therapieprogramm der Station teilgenommen. Sie habe jedoch in gutem Kontakt mit türkisch-sprechenden Mitpatienten gestanden und sei dabei schwingungsfähig und humorvoll gewesen. Sie habe die
ihr empfohlene Teil
nahme
an einer ambulanten Ergotherapie beziehungsweise an einem Programm der „
E._
“ abgelehnt. Auch habe sie am Austrittstag die Installation einer psychosozialen Spitex kurzfristig abgesagt.
D
ie Symptomatik sei am ehesten durch eine psychosoziale Belastungssituation mit einer depressiven und ängstlichen Reaktion erklärbar. Für eine langfristige Symptomremission wäre ein systemischer Ansatz mit familientherapeutischen Interventionen sinnvoll
,
mit Fokus auf das Verh
ältnis der Patientin zu ihren Sö
hnen.
5
.2.3
Dr.
A._
stellte im Gutachten vom 27. November 2014 (Urk. 8/81
/1-16
) folgende Diagnosen:
Mit anhaltender Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
F45.4
-
Anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
F33.0
-
Rezidivierende depressive Störung,
ggw
.
leichtgradige
Episode
Ohne anhaltende Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Z63
-
St.n
. Eheproblemen, Schwierigkeiten mit drogenabhängigen Söhnen
Z60.3
-
Mässige kulturelle Integration
Weiter führte der Gutachter aus, die Versicherte empfinde bis heute Ängste vor den Söhnen, da sie von diesen immer wieder bedroht werde. So sollten sie ihr Sachen entwendet
und ihren Goldschmuck verkauft haben. Weil sie unter Schuldgefühlen leide, wage sie es nicht, den Söhnen ein Hausverbot zu erteilen.
Bis
im
Frühjahr 2010 seien die Eheprobleme virulent gewesen. Damals sei es zur Trennung gekommen. Der Ehemann sei unterdessen in die
F._
zurückge
kehrt
, was zu einer Entspannung bei der Versicherten geführt habe. Die un
günstigen familiären Verhältnisse hätten sich also gebessert. Leider gelte dies nicht hinsichtlich der Söhne, die weiterhin drogenabhängig seien und ihre Mutter belasteten. Die Beschwerdeführerin lebe allein in ihrer 4-Zimmer-Woh
nung, wo sie gemäss ihren Angaben die Haushaltsarbeiten wieder einigermas
sen selber erledigen könne. 2010 sei bei der Begutachtung durch med.
pract
.
B._
festgestellt worden, dass die Versicherte ein selbstschädigendes Verhal
ten gezeigt habe. Zudem sei sie antriebsarm gewesen und
habe
nahezu den gan
zen Tag im
Bett
gelegen. Damals soll es auch zu Stimmenhören gekommen sein. In dieser Hinsicht seien heute keine Befunde mehr vorhanden.
Frische Verlet
zungen an den Armen seien nicht nachweisbar. Auch gebe die Versicherte an, keine Stimmen zu
h
öhren
. Die Tagesgestaltung sei besser geworden (S. 9).
Die geschilderte Verbesserung zusammen mit den aktuellen Befunden liesse den Schluss z
u
, dass die depressive Episode derzeit
nur
leichtgradig
ausgeprägt sei: Die Versicherte sei nur leicht verstimmt und könne sich mehrmals
stimmungs
mässig
auffangen.
Allerdings bereite ihr das Erzählen über ihre Söhne Mühe. Die Konzentration sei einigermassen ordentlich. Die Beschwerdeführerin äussere keine unbegründeten Ängste. Auch verneine sie ein Stimmenhören. Bei der ak
tuellen Laboranalyse
habe
sich
gezeigt
, dass der Spiegel von
Seroquel
und
Zyprexa
weit unter den Referenzwe
rten l
iege
. Der Spiegel von
Cymb
alta
sei auch zu tief (S. 9).
Währendem
sich also die psychische
“
Komorbidität
“
verbessert habe, habe sich in den letzten Jahren eine psychosomatische Überlagerung der körperlichen Probleme eingestellt beziehungsweise verstärkt. Die Versicherte leide oft an Herzschmerzen
;
s
ie befürchte, einen Herzinfarkt zu erleiden. Auch sonst beklage
sie Schmerzen von oft brennendem Charakter im ganzen Körper sowie ein Ameisenlaufen in den Extremitäten
. Es seien ungünstige krankheitsfremde Faktoren in erheblichem Ausmass vorhanden
.
So sei die
Versicherte seit Jahren nicht mehr arbeitstätig
,
sie lebe allein
und
es bestünden erhebliche Probleme mit ihren Söhnen; sie sei zwar Schweizer Bürgerin geworden, jedoch sei ihre Integration nur mässig
und
die Sprachkenntnisse seien ungenügend (S. 9 f.).
Bei der Diskussion über eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch die anhal
tende
somatoforme
Schmerzstörung
zog
Dr.
A._
die Kriterien der damaligen
Überwindbarkeits
rechtsprechung
her
an und stellte fest, dass zwar mehrere der verlangten Kriterien zuträfen, dies jedoch nicht in einem derartigen Ausmass, dass die Arbeitsfähigkeit zu mehr als 20 % eingeschränkt
wäre
. Zu dieser Beurteilung führe insbesondere die Tatsache, dass keine
schwergradige
eigenständige psychische Komorbidität nachweisbar sei (S. 10 f.).
Hinsichtlich der
Beurteilung des behandelnden Psychiaters
vom
Medizinischen Zentrum
Z._
führte der Gutachter aus, dass die Diagnose einer mittel
gradigen depressiven Episode seit ein bis zwei Jahren nicht mehr gelte. Vermut
lich
bestehe beim
Arzt Unkenntnis
über die
ungenügende medikamentöse Com
pliance seiner Patientin. D
essen
angeführte vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit könne nicht nachvollzogen werden (S. 13).
Mit Bezug auf die Mitarbeit der Beschwerdeführerin im
Rahmen des
bisherigen psychiatrischen Therapieprozess
es
gab er an, die Versicherte habe anlässlich der Hospitalisation im Herbst 2014 nur sporadisch am Therapieprogramm der Sta
tion teilgenommen. Sie
habe
zudem am 3. November 2014 eine ungenügende medikamentöse Compliance
gezeigt
(S. 13).
Abschliessend
ging
der Gutachter
davon aus
,
dass
die bisher ausgeübte
Hilfsar
beit
als angepasst beurteilt werden
könne
. Die Beschwerdeführerin sei vermut
lich bis 2012 zu 60
%
arbeitsunfähig geblieben. Seither habe sich eine Verbes
serung der Arbeitsfähigkeit auf 80 % eingestellt. Im Haushalt sei
sie
nicht ein
geschränkt. Sie könne hier die Arbeit frei einteilen, was ihr entgegenkomme.
Die Ressourcen seien subjektiv deutlich eingeschränkt. Dies
aber
könne
aus
psy
chiatrisch
er Sicht
nicht nachvollzogen werden.
Z
udem müsse darauf hingewie
sen werden, dass die Versicherte
dekonditioniert
sei. Dieser Zustand sei über
windbar, da er nicht durch eine psychische Komorbidität herbeigeführt werde
(S. 14 f.).
5
.2.4
Nachdem die
behandelnden Fach
personen
des Medizinischen Zentrums
Z._
am 18. März 2015 zu Dr.
A._
s Gutachten Stellung
genommen
(Urk.
8/90) und Dr.
A._
am 5. Mai 2015 darauf geantwortet hatte (Urk. 8/93), äusserten sich die ersteren erneut dazu
.
Ihrem Schreiben vom 20. Juli 2015 (Urk. 8/100) lässt sich entnehmen, dass der Serumspiegel der ver
schriebenen Medikamente bereits 2008 laborchemisch unter dem Referenzwert lag. Sie wiesen darauf hin, dass die Beschwerdeführerin behaupte, die Medika
mente regelmässig einzunehmen. In der psychiatrischen Universitätsklinik sei bei Abgabe der Medikamente durch die Pflege auch keine Verbesserung einge
treten, weshalb von einer ungenügenden Aufnahme der Medikation im Blut auszugehen sei.
Die Patientin sei durch die vorhandenen massiven Ängste teil
weise vollständig verwirrt und verängstigt. Eine Konzentration auf einen län
geren Gesprächsinhalt sei kaum möglich. Es träten immer wieder Perseveratio
nen betreffend Schuldgefühle gegenüber ihren Söhnen auf. Während einer ein
stündigen
n
europsychologischen Testdiagnostik hätten sich eindeutige kogni
tive Beeinträchtigungen gezeigt. Die Beschwerdeführerin habe sowohl eine un
terdurchschnittliche Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung als auch unterdurchschnittliche Leistungen des Arbeits- und Frischgedächtnisses
gezeigt
.
5
.2.5
Dr.
A._
entgegnete am 7. Oktober 2015 (Urk. 8/109), anlässlich der gut
achterlichen Untersuchung weder anamnestisch noch befundmässig Hinweise für eine Konzentrationsstörung vorgefunden zu haben. Die zu Beginn des
Un
tersuchungsgesprächs
festgestellte leichte Ablenkbarkeit habe sich bald gelegt und sei auf die anfängliche Aufregung zurückzuführen gewesen. Ebenso sei im ausführlichen Austrittsbericht der Psychiatrischen
D._
vom 5. November 2015 keine diesbezügliche Symptomatik beschrieben worden. Bei der Beschwerdeführerin seien auch keine Unfälle mit Schädelverletzung oder
h
irnorganische Krankheiten bekannt, weshalb die Durchführung eines
neuro
(
psycho
)logischen Test
s
nicht indiziert gewesen sei (S. 2 f.).
6
.
6
.1
Das psychiatrische
Gutachten
des
Dr.
A._
vom
27. November 2014
(E.
5
.2.3
)
entspricht den praxisgemässen Anforderun
gen an den Beweiswert
ei
ner Expertise
. So ist
es
für die streitigen Belange umfassend, beantwortet es doch die Frage nach den gesundheitlichen Beeinträchtigungen und der Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin. Es beruht
a
uf
einer eingehenden psychiatri
schen Untersuchung
und berücksichtigt die geklagten Beschwerden.
Der Gut
achter schilderte
ausführlich die von der Beschwerdeführerin erwähnten Leid
en und Einschränkungen und setzte
sich detailliert damit
sowie mit dem psychoso
zialen Kontext
auseinander. Die Expertise wurde in Kenntnis der
Vorakten
, ins
besondere des Gutachtens von med.
pract
.
B._
vom 26. Juli 2010 (E.
6
.1),
abge
geben und sie leuchtet in der Da
rlegung der medizinischen Zusam
men
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati
on ein. In diesem Sinne erschei
nen die Schlussfolgerungen
von Dr.
A._
als begründet.
Der Gutachter würdigte
namentlich die
von der Beschwerdeführerin geschilderte aktuelle Symptomatik, welche im Vergleich zu
de
r
von
med.
pract
.
B._
noch
beschriebenen
Situation
bei mittelschwerer Episode
auf eine Besserung des de
pressiven Leidens hinweist
(keine frischen Zeichen für selbstschädigendes Ver
halten, aktivere Tagesgestaltung
bei gebessertem
Antrieb
, kein Stimmenhören; Urk. 8/81/1-16 S. 9)
.
Selbst die Beschwerdeführerin bezeichnete ihr
en
Gesund
heitszustand als verbessert (Urk. 8/81
/1-16
S.
5
).
Weiter sind seit der ersten Be
gutachtung relevante Veränderungen in den Lebensumständen der Beschwer
deführerin eingetreten
, welche gemäss der Einschätzung von med.
pract
.
B._
zu einer Verbesserung der depressiven Symptomatik führen soll
t
en (Urk. 8/43 S. 9)
.
So brachten d
ie Trennung vom Ehemann und der Auszug der beiden Söhne eine gewisse Entspannung
.
Ausserdem
ist
die Beschwerdeführerin
wie
bereits erwähnt
nun in der Lage,
ihren Alltag
deutlich
besser
zu strukturieren. Aus
diesem Blickwinkel ist
Dr.
A._
s
Schluss
folgerung
eine
r
gebesserten
beziehungsweise nur noch
leichtgradige
n
Symptomatik
nachvollziehbar
(zum Umstand, dass leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auf
treten rezidivierend oder episodisch, in der Regel
invalidenversicherungsrecht
lich
zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen, vgl. etwa
Bundesge
richtsurteil
8C_813/2016 vom 1
0.
März 2017 E. 4 mit Hinweisen)
.
6
.2
6.2.1
6.2.1.1
Bezüglich der
von Dr.
A._
(
unter Hinweis auf die von der Beschwerdefüh
rerin angegebenen Herz- sowie brennenden Schmerzen im ganzen Körper
)
di
agnostizierten anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung ist Folgendes fest
zuhalten:
Mit
BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung zu den Voraus
setzungen, unter denen anhaltende
somatoforme
Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden eine Invalidität zu bewirken vermögen, grundlegend überdacht und teilweise geändert (BGE 141 V 574 E. 3.4). Es er
folgte damit nicht eine Änderung der Voraussetzungen für den
Leistungsan
spruch
, sondern die Schaffung neuer Standardindikatoren für dessen Beurtei
lung und eines strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahrens (BGE 141 V 281 E. 3.6 und E. 6; BGE 141 V 585 E. 5.3). Unverändert ist auch in Zukunft dem klaren Willen des Gesetzgebers
gemäss
Art. 7 Abs. 2 ATSG Rechnung zu tragen, wonach im Zuge der objektivierten Betrachtungsweise von der grund
sätzlichen „Validität“ der die materielle Beweislast tragenden versicherten Per
son auszugehen ist (BGE 141 V 281 E. 3.7.2 unter Hinweis auf BGE 139 V 547 E. 8.1; BGE 141 V 585 E. 5.3).
Zwar hatten die Ärztinnen und Ärzte bereits vor der Praxisänderung
gemäss
BGE 141 V 281 ihre Stellungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wich
tig, in welchen Funktionen die versicherte Person eingeschränkt ist (BGE 140 V 193 E. 3.2; BGE 139 V 547 E. 9.2.1). Die diesbezüglichen Anforderungen hat das Bundesgericht aber nunmehr in BGE 141 V 281 konkretisiert. Aus den me
dizinischen Unterlagen muss genauer als bisher ersichtlich sein, welche funktio
nellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und
in der Folge
Invaliditätsbemessung haben somit stärker als bis anhin die entsprechenden Auswirkungen der
diagnoserele
vanten
Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein,
inwiefern sich aus den funktionellen Ausfällen bei objektivierter
Zumutbar
keitsbeurteilung
anhand der Standardindikatoren eine Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit ergibt. Wo dies nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dar
getan werden kann, trägt weiterhin die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen. Eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung und ver
gleichbare Leiden können somit eine Invalidität begründen, sofern funktionelle Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen
Anspruchs
grundlage
im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit zumindest überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem
an
spruchserheblichen
Ausmass
nachgewiesen sind (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 574 E. 4.2).
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden
somato
formen
Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosomati
schen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bun
desgericht wie folgt systematisiert hat
(
BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung
leistungshindern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
6.2.1.2
Gutachten
, die wie hier nach altem Verfahrensstandard eingeholt wurden, ver
lieren
entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin
(Urk. 1 S. 6)
nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und der erhobenen Rügen entscheidend, ob ein
abschliessendes
Abstellen auf die vorhandenen
Beweis
grundlagen
vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8). Es ist eine frei
überprüfbare Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die Feststellungen in ei
nem medizinischen
Gutachten
anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit
schliessen
lassen (BGE 141 V 281 E. 7).
6.2.2
6.2.2.1
Unter dem Komplex Gesundheitsschädigung muss zunächst die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde erörtert werden. Bei diesem Indikator geht es da
rum, die konkreten Erscheinungsformen der diagnostizierten
Gesundheitsschä
digung
festzustellen, d.h. Schwere und
Ausmass
des Krankheitsgeschehens
(vgl. Michael E. Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in:
Jusletter
vom 1
1.
Juli 2016, S. 23 f. mit Hinweisen
).
Der Gutachter
Dr.
A._
legte
nachvollziehbar dar, dass
aufgrund der geklag
ten körperlichen
Bes
chwerden
in Zusammenhang mit den deutlich ausge
prägten psychosozialen Belastungsfaktoren
eine psychische Überlagerung ange
nommen werden m
uss
. Unter Hinweis
darauf
,
dass die Schmerzen den
Hauptfo
kus
der Interessen der Beschwerdeführerin bildeten, schloss
er
auf eine anhal
tende
somatoforme
Schmerzstörung. Nach
ihren
Angaben
glaubt die Beschwer
deführerin, wegen ihrer körperlichen Krankheiten nicht wieder arbeiten zu kön
nen (Urk. 8/81
/1-16
S. 6)
. Dies steht im Gegensatz zum Fehlen einer
relevanten
somatischen Erkrankung
und
eines schweren psychischen Leidens. Bei dieser Aktenlage ist ein erheblicher funktioneller Schweregrad des Leidens zu vernei
nen.
6.2.2.2
Eine psychiatrische Komorbidität liegt nicht vor. Insbesondere stellt die Diag
nose einer nunmehr leichten depressiven Episode rechtspr
echungsgemäss keine solche dar
(vgl. etwa Bundesgerichtsurteil 8C_489/2016 vom 2
9.
November 2016 E. 6
.
5; Michael E. Meier, a.a.O., S. 27)
.
6.2.
2.
3
Beim Komplex
soziale
r
Kontext ist
zwar ein gewisser
Rückzug von sozialen Akti
vitäten auszumachen
. Dieser ist jedoch
eher
auf
die familiären Umstände und die
fehlende Erwerbstätigkeit
als auf
eine
Krankheit
zurückzuführen
.
So
lebt die Beschwerdeführer
in
n
ach der Trennung vom Ehemann und dem Auszug der nunmehr erwachsenen Söhne
allein
. Doch bemüht sie sich, ihren Tag regel
mässig zu gestalten. Sie geht täglich aus dem Haus
und
unternimmt Spazier
gänge in eine
n
nahegelegenen Wald
.
Oft trifft sie ihre Schwester und isst mit ihr zu Mittag. Manchmal trifft sie auch eine Freundin.
Sie erledigt ihre Einkäufe selbständig und kann die Haushalt
sarbeiten
weitgehend
selber ausführen
;
f
ür schwere Arbeiten beansprucht sie dagegen manchmal Hilfe
.
Regelmässig
macht
sie Ferien
;
sie
reist mit dem Flugzeug
in ihre frühere Heimat
und hält sich do
rt jeweils drei Wochen lang auf
(Urk. 8/
81
/1-16
S.
5
f.
).
6.2.
2.
4
Bezüglich der Kategorie Konsistenz
ist
darauf hinzuweisen, dass die vom Gutach
ter Dr.
A._
veranlasste Laboruntersuchung
einen unter dem
Refe
renzbereich
liegenden Spiegel der der Beschwerdeführerin abgegebenen Medi
kamente ergab (Urk. 8/81 S. 8).
Der vom Gutachter gezogene Schluss auf eine ungenügende medikamentöse Compliance ist nachvollziehbar
,
zumal die Be
schwerdeführerin
b
ei Eintritt in die Psychiatrische
D._
am 15.
September 2014 an
gab
, ihre Tabletten unregelmässig einzunehmen (Urk. 8/81/17-20 S. 2). Vor diesem Hintergrund
erscheint
die
von der Beschwer
deführerin
geltend gemachte
ungenügende Aufnahme der Medikation im Blut (Urk. 1 S. 8 f.)
als eher unwahrscheinlich, womit die Beschwerdegegnerin zu Recht auf entsprechende
Abklärungen
verzichtet
e
.
Darüber hinaus weist auch das Verhalten der Beschwerdeführerin während der Hospitalisation in der Psy
chiatrischen
D._
nicht
auf einen
erheblichen
Leidensdruck hin.
Wenngleich
sie sich infolge einer Verschlechterung ihres Zustandes
(
nach Bedrohung
durch
eine
n
ihrer
Söhne
)
im Sommer 2014 hospitalisieren
liess
, nahm sie
– die sich im Kontakt mit Mitpatienten offenbar als durchaus
schwin
gungsfähig
und humorvoll erwies -
nur sporadisch am Therapieprogramm teil und lehnte sowohl eine ambulante Ergotherapie als auch die Installation einer psychosozialen Spitex nach
der
Entlassung ab
(Urk. 8/81/17-20 S. 3; E. 5.2.2
hievor
)
. Daraus sowie aus den übrigen
Akten ergibt sich somit
das
Bild einer
in passiver Erwartungshaltung verharrenden
Frau
,
die
kein Interesse an einer Wie
dereingliederung in die Erwerbstätigkeit hat und bisher auch keine Anstalten in diese Richtung selbständig unternommen hat.
6.2.
2.
5
Zusammenfassend
kann im privaten Bereich
zwar
von einer gewissen Einschrän
kung des Aktivitätsniveaus ausge
gangen werden
, wenngleich hier nicht zuletzt die fehlende Erwerbstätigkeit und die eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten eine Rolle spielen dürften. Auch ist
mit der
jahrelange
n
Behand
lung
im Medizinischen Zentrum
Z._
ein gewisser Leidensdruck durch
aus ausgewiesen. Jedoch lässt sich in einer Gesamtwürdigung nicht auf eine versicherungsrechtlich relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund
der anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung
schliessen
.
6
.3
Rechtsprechungsgemäss sind psychosoziale Belastungsfaktoren als
invaliditäts
fremd
zu fassen und deshalb auszuklammern (
vgl.
BGE
140 V 193; 130 V 352 E. 2.2.5;
127 V 294 E. 5a). Damit
vermögen
die sich aus den Akten ergebenden belastenden Lebensumstände (
insbesondere die
kulturell bedingten Schamge
fühle wegen der
Fremdbeziehung des Ex-Ehemanns
,
die
Drogenabhängigkeit der Söhne
und die mässige Integration bei ungenügenden Sprachkenntnissen
)
keine medizinisch-theoretische
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin
zu begründen
.
6
.4
6.4.1
Nach der Rechtsprechung ist es in sämtlichen Fällen gesundheitlicher Beeinträchti
gungen keineswegs allein Sache der mit dem konkreten Einzelfall (gutachtlich) befassten Arztpersonen, selber
abschliessend
und für die
rechtsan
wendende
Stelle (Verwaltung, Gericht) verbindlich zu entscheiden, ob das medi
zinisch festgestellte Leiden zu einer (andauernden oder vorübergehenden) Ar
beitsunfähigkeit (bestimmter Höhe und Ausprägung) führt. Aufgrund dieser tatsächlichen und rechtlichen Gegebenheiten hat die Rechtsprechung seit jeher die Aufgaben von Rechtsanwender und Arztperson im Rahmen der Invaliditäts
bemessung wie folgt verteilt: Sache des (begutachtenden) Mediziners ist es ers
tens, den Gesundheitszustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, d.h. mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht kompetent sind. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen ge
sundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der
Arztper
son
hingegen keine
abschliessende
Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, d.h. sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet.
Schliesslich
sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage für die juristische Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können. Nötigenfalls sind, in Ergänzung der medizinischen Unterlagen, für die Ermittlung des erwerblich nutzbaren Leistungsvermögens die Fachpersonen der beruflichen Integration und Berufsberatung einzuschalten (BGE 140 V 193 E. 3.1 und 3.2).
6
.4.2
Der Gutachter Dr.
A._
schätzt
e
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführe
rin aus medizinischer Sicht auf 80 %. Aus
invalidenversicherungsrechtlicher Sicht lässt sich
eine relevante dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit weder mit der
inzwischen
nunmehr
milden depre
ssiven Symptomatik noch mit der anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung noch mit den körperlichen Lei
den
begründen.
Angesichts dieser Umstände
kann
invalidenversicherungsrecht
lich
nicht
mehr
von einer
relevanten
Arbeitsunfähigkeit
ausgegangen werden, weshalb die
verfügte
Rentenaufhebung nicht zu beanstanden ist.
7.
7
.1
Vorliegend sind bei der Beschwerdeführerin die Voraussetzungen zur Bewilli
gung der
unentgeltliche
n
Prozessführung
gemäss
§ 16 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversic
herungsgericht (GSVGer) erfüllt, weshalb ihrem Gesuch vom 4. Januar 2016 zu entsprechen ist.
7
.2
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.
festzulegen und
ausgangsgemäss
von der Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen a
uf die Gerichts
kasse zu nehmen.