Decision ID: 5e70a783-e946-5df0-a7ff-51967eef6f95
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich erstmals im Juli 1995 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
für eine Umschulung an (IV-act. 1). Als erlernten Beruf gab er Automonteur an
(Abschlussprüfung zum Automechaniker nicht abgelegt, s. IV-act. 35). Wegen einer
ausgeprägten Osteochondrosis dissecans am medialen Femurkondylus beidseits
übernahm die IV-Stelle die Kosten für eine Umschulung zum Technischen Kaufmann
mit eidgenössischem Fachausweis (Verfügung vom 9. Juli 1996, IV-act. 11). Die
Ausbildung dauerte vom 12. August 1996 bis 15. August 1998. Der Versicherte erwarb
das schulinterne Diplom; an der Eidgenössischen Fachprüfung scheiterte er (IV-act.
29).
A.b Im Mai 2011 meldete sich der Versicherte zur Früherfassung bei der IV-Stelle an
(IV-act. 33). Er gab an, seit Januar 2010 wegen einer schweren Lungenoperation und
einer Depression zu 50 bis 100 % arbeitsunfähig zu sein. Von September 2007 bis
September 2010 sei er zu 100 % als Bauarbeiter tätig gewesen. Dr. med. B._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hatte dem Versicherten in einem
beigelegten Zeugnis vom 29. April 2011 für den Zeitraum Januar 2010 bis Dezember
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2010 eine volle und ab Januar 2011 bis auf weiteres eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit
attestiert (IV-act. 34-19). Am 20. Mai 2011 fand ein Früherfassungsgespräch statt (IV-
act. 37). Der Versicherte erklärte, dass er wegen Atemproblemen nicht mehr auf dem
Bau tätig sein könne. Derzeit nehme er weder Medikamente noch Suchtmittel zu sich.
Die Eingliederungsberaterin notierte, dass der Versicherte sehr nervös und fahrig
gewirkt habe. Am 24. Mai 2011 forderte die IV-Stelle den Versicherten auf, das
ausgefüllte Anmeldeformular bis am 10. Juni 2011 einzureichen (IV-act. 38). Das
Anmeldeformular ging am 14. Juni 2011 bei der IV-Stelle ein (IV-39). Der Anmeldung
lag ein Zeugnis von Dr. B._ vom 31. Mai 2011 bei, wonach der Versicherte vom 1.
Juni bis 30. Juni 2011 voll arbeitsunfähig sei (IV-act. 40).
A.c Die ehemalige Arbeitgeberin des Versicherten, die C._ AG, berichtete der IV-
Stelle am 26. Juni 2011 (IV-act. 45), dass sie den Versicherten vom 28. August 2006 bis
31. August 2009 zu 100 % als Bauarbeiter beschäftigt habe. Von einem
Gesundheitsschaden sei ihr nichts bekannt. Der Jahreslohn habe ab dem 1. Januar
2009 Fr. 59‘059.-- betragen. Den Beilagen war zu entnehmen, dass dem Versicherten
wegen eines massiven Alkoholproblems gekündigt worden war (häufige Absenzen und
unbefriedigende Arbeitsleistung infolge Alkoholabhängigkeit, IV-act. 45-5).
A.d Dr. B._ gab in seinem Bericht zuhanden der IV-Stelle vom 22. Juli 2011 die
folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an (IV-act. 54):
• Mittelgradig depressives Zustandsbild bei rezidivierenden Episoden (F33.11, seit
Erwachsenenalter)
• schwere kombinierte Persönlichkeitsstörung mit starken abhängigen und
selbstunsicheren Zügen (F61.0, seit Erwachsenenalter)
• Alkoholabhängigkeitssyndrom (F10.25, seit ca. 2000)
• Störungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper
Substanzen (F19.20, abstinent seit 2010).
Dr. B._ berichtete von einem seit dem 14. Lebensjahr stetig steigenden
Alkoholkonsum. Zwischen 1992 und 2000 habe der Versicherte Heroin konsumiert
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(nasal). Zwischen 2000 und Juli 2010 habe er sich in einem Methadonprogramm
befunden. Ein 2006 erfolgter Entzug sei gescheitert. Für die Tätigkeit als Kaufmann sei
der Versicherte seit dem 1. Januar 2010 voll arbeitsunfähig. Die schwere
Persönlichkeitsstörung und die immer wiederkehrenden depressiven Episoden
verstärkten die negativen Symptome wie Angst vor dem Versagen,
kontaktvermeidendes Verhalten mit grossen Konzentrationsproblemen usw. Der
Versicherte sei unsicher und nicht belastbar. Seit 2010 sei ihm auch eine adaptierte
Tätigkeit nicht mehr zumutbar. Eventuell sei ein Arbeitsversuch in einem geschützten
Rahmen möglich. Das Spital D._ nannte in seinem Bericht vom 17. Juli 2011 die
folgenden Diagnosen (IV-act. 56):
• Chronischer Alkoholabusus, Zustand nach rezidivierenden Pankreatitiden
(Bauchspeicheldrüsenentzündungen)
• Polytoxikomanie (Mehrfachabhängigkeit; Alkohol, Nikotin, Heroin, Methadon),
Zustand nach Heroinentzug
• Spannungspneumothorax rechts, geplante thoraxchirurgische Intervention
• Hepatitis C.
Zur Arbeitsfähigkeit wollte die zuständige Ärztin keine Stellung nehmen.
A.e Am 27. Oktober 2011 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass aufgrund
seines Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich seien (IV-act. 68).
A.f Dr. B._ berichtete der IV-Stelle am 24. November 2011 über einen stationären
Gesundheitszustand (IV-act. 71). Seit Ende Oktober 2011 bestehe eine
Alkoholabstinenz. Der Versicherte sei weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig.
A.g Am 14. und 16. Mai 2012 wurde der Versicherte durch die Medas Ostschweiz
polydisziplinär (internistisch, rheumatologisch und psychiatrisch) begutachtet
(Gutachten vom 15. November 2012, IV-act. 81). Die Diagnosen mit Einschränkung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit lauteten (vollständige Liste siehe IV-act. 81-22):
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• rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode im
Sinne einer teilremittierten mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10: F33.0)
• kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, emotional instabilen und
selbstunsicher-vermeidenden Zügen (F61)
• chronisches Schmerzsyndrom ventrolateraler Thorax rechts und costosternal 6.
Rippe rechts
- Dekortikation, Wedge-Resektion apikal und zweifache Bülau-Drainage 28.05.2010
wegen Spannungspneumothorax mit Pleuraempyem rechts (Streptococcus
constellatus)
- rezidivierende Pankreatitiden, am ehesten aethyltoxischer Genese.
Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gaben die
Gutachter u.a. an (vollständige Liste siehe IV-act. 81-22 f.):
• Störungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper
Substanzen, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent (F19.20)
- Nikotinabusus, kumuliert 25 packyears
- Heroin- und Kokainabusus 1992-1996
- Heroinentzug in E._ 2006 und in F._ 2006, aktenanamnestisch in F._ 2008
(keine diesbezüglichen Akten vorliegend)
- Methadonprogramm 1996 bis ca. 2010
- Ecstasy- und Marihuanakonsum bis 1992
- häufiger Konsum von Schlaf- und Schmerzmitteln
- unregelmässiger Opiatkonsum.
• Störungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent (F10.20).
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Der Versicherte gab anlässlich der Begutachtung an, mit 21 Jahren mit dem
Heroinkonsum begonnen zu haben. Ab dem 24. Altersjahr sei er im
Methadonprogramm gewesen. Nebenbei habe er aber immer wieder Heroin
konsumiert. Nach der Lungenoperation Ende 2010 habe er mit dem Heroin wieder
aufgehört. Vor ca. sechs Monaten habe er einen einmaligen Rückfall gehabt. Methadon
habe er bis ins Frühjahr 2011 eingenommen. Seither nehme er keine Drogen mehr.
Nach dem Absetzen der Drogen vor etwa einem Jahr sei es zu einer deutlichen
Zunahme des Alkoholkonsums gekommen; er habe täglich mindestens vier Liter Bier
getrunken. Seit dem 7. April 2012 sei er alkoholabstinent. Die Gutachter erklärten,
anlässlich der Begutachtung hätten die seit dem thoraxchirurgischen Eingriff im Mai
2010 anhaltenden Schmerzen im Bereich des ventrolateralen distalen Thorax rechts
subjektiv im Vordergrund gestanden. Die vom Versicherten geschilderten Beschwerden
hätten bezüglich der Lokalisation weitgehend mit den aktenanamnestischen Angaben
und den klinischen/bildgebenden Befunden korreliert. Aus somatischer Sicht sei eine
Arbeitsunfähigkeit für schwere und überwiegend mittelschwere Tätigkeiten
nachvollziehbar. Mangels eines adäquaten objektivierbaren Korrelats der
Thoraxwandschmerzen rechts lasse sich aus somatischer Sicht keine
Arbeitsunfähigkeit in der Tätigkeit als Technischer Kaufmann sowie in anderen
körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten begründen. Dem Versicherten sei
es in den letzten Jahren offenbar gelungen, den Drogenkonsum sukzessive zu
reduzieren. Gleichzeitig habe sich jedoch der Alkoholkonsum erhöht. Aus
psychiatrischer Sicht hätten Zukunftsängste, vor allem bezüglich der somatischen
Erkrankung sowie betreffend die beruflichen Perspektiven, im Vordergrund gestanden.
Der psychiatrische Gutachter Dr. med. G._ schätzte die Schwere der depressiven
Störung im Unterschied zum behandelnden Psychiater als gegenwärtig leicht ein. Das
im Sommer 2011 aktenanamnestisch noch bestehende mittelgradige Zustandsbild
habe sich zwischenzeitlich deutlich gebessert. Eine antidepressive Medikation sei
offenbar nie erforderlich gewesen. Nach den Angaben des Versicherten sei von einer
sekundären Suchterkrankung auszugehen. Spätestens im Jugendalter oder der
Adoleszenz hätten sich akzentuierte Persönlichkeitszüge manifestiert; über die
längerfristigen emotionalen Belastungen in der Kindheit und der Jugendzeit habe der
Versicherte aktuell aber nicht näher sprechen wollen. Der Versicherte verfüge über
verschiedene gute Ressourcen: Er sei in der Lage, den Haushalt alleine zu bewältigen.
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Er pflege verschiedene positive Aktivitäten wie zum Beispiel Kochen. Er unternehme
täglich Spaziergänge und treffe sich mit Kollegen. Er möchte sich auch einen neuen
Freundeskreis aufbauen mit Kollegen, die keine Suchtprobleme hätten. Aufgrund von
leichten Einschränkungen der Konzentrationsfähigkeit und der Ausdauer, einer leichten
Verminderung der Stress- und Frustrationstoleranz und leichten Einschränkungen der
sozialen Kompetenzen bestehe derzeit allenfalls noch eine leichte Einschränkung der
Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Aktuell sei aus psychiatrischer Sicht von einer ca. 30
%igen Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten mit voraussichtlich weiterer deutlicher
Besserung im Verlauf der Eingliederungsmassnahmen auszugehen. Da der Versicherte
inzwischen drogen- und alkoholabstinent sei, erscheine zum aktuellen
Untersuchungszeitpunkt als weitere Massnahme neben der ambulanten
psychiatrischen Behandlung insbesondere die Anbindung an eine Suchtberatungsstelle
und dortige zusätzliche Therapieangebote als erforderlich. Der psychiatrische
Gutachter empfahl eine stufenweise Wiedereingliederung. Wegen der inzwischen
entstandenen Dekonditionierung bestünden zunächst noch eine verminderte
Leistungsfähigkeit und ein vermehrter Pausenbedarf. Aus polydisziplinärer Sicht
schätzten die Gutachter die Arbeitsunfähigkeit des Versicherten in der Tätigkeit als
Technischer Kaufmann und in anderen körperlich leichten Tätigkeiten auf 30 %.
A.h RAD-Psychiater Dr. med. H._ notierte am 4. Februar 2013, dass das
psychiatrische Teilgutachten aufklärungsbedürftige Widersprüche aufweise (IV-act. 82).
Auf Rückfrage hin erklärte der psychiatrische Gutachter Dr. G._ am 21. Februar 2013
(IV-act. 87), dass den Gutachtern bei einem leicht erhöhten GGT und einem leicht
erhöhten CDT die zusätzliche Bestimmung des EthG zur diagnostischen Klärung des
Alkoholkonsums nicht zwingend erforderlich erschienen sei. Bezüglich der fehlenden
neurologischen Befunderhebung verwies er auf das Hauptgutachten. Hinsichtlich der
Umstände des Einstiegs in den Suchtmittelkonsum erklärte der psychiatrische
Gutachter, dass der Versicherte in seiner Kindheit eine Broken-home-Situation bei
häufigen partnerschaftlichen Streitigkeiten der Eltern erlebt habe, die schliesslich zur
Trennung und Scheidung der Eltern geführt habe. Der Versicherte sei das
"rebellierende Kind" gewesen, das sich gegen die schwierigen Lebensumstände für die
Heranwachsenden in seiner Herkunftsfamilie aufgelehnt und bis heute viele
Schwierigkeiten im Leben entwickelt habe. Beim Versicherten hätten sich die im
Gutachten beschriebenen primären psychischen Störungen entwickelt. Die Diagnose
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einer kombinierten Persönlichkeitsstörung ergebe sich aus dem Gesamtbefund, den
biographischen Angaben des Versicherten und den erhobenen objektiven Befunden.
Der Versicherte habe bisher in den beiden grossen Herausforderungen in der
Persönlichkeitsentwicklung in der Adoleszenz ("Lieben" und "Arbeiten") keine Stabilität
erreichen können. Dies sei ein starker diagnostischer Hinweis für das Vorliegen einer
Persönlichkeitsstörung. Abschliessend hielt der psychiatrische Gutachter fest, dass er
die Dekonditionierung nicht als bestehende psychische Einschränkung bzw. als
Begründung für die eingeschränkte Leistungsfähigkeit, sondern als Hinweis für die
berufliche Eingliederung erwähnt habe.
A.i Die Eingliederungsverantwortliche notierte am 4. Juli 2013, dass eine aktive
Arbeitsvermittlung nicht möglich sei, weil sich der Versicherte zu 100 % arbeitsunfähig
fühle (IV-act. 105-3).
A.j Dr. B._ berichtete der IV-Stelle am 11. September 2013 (IV-act. 109), dass sich
der Gesundheitszustand des Versicherten verschlechtert habe. Der Versicherte leide an
einer schweren depressiven Episode (F32.2) und an einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung (F61.0). Die Situation würde durch somatische Leiden
(Fussfraktur) noch verschlechtert. Der Versicherte sei andauernd voll arbeitsunfähig.
Der Verlauf sei sehr labil; der Versicherte sei depressiv, unberechenbar und impulsiv. Er
sei derart gestört in seiner Wahrnehmung, dass er nicht in ein System integriert werden
könne. Auch sei er Drittpersonen nicht zumutbar. Einmal pro Monat finde eine
Konsultation beim Psychotherapeuten I._ statt; alle drei Monate erfolge eine
Konsultation bei ihm selbst (Dr. B._). RAD-Arzt Dr. H._ erklärte am 18. September
2013 (IV-act. 111), dass der Bericht von Dr. B._ weder eine Beschwerdedarstellung
noch eine nachvollziehbare Beschreibung der Psychopathologie enthalte. Aus diesem
Bericht ergäben sich keine neuen medizinischen Fakten, die den Gutachtern der
Medas Ostschweiz nicht bekannt gewesen wären. Hinzugekommen sei lediglich eine
Fussfraktur, die jedoch nur eine vorübergehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
begründe. Zur Problematik des Suchtverhaltens habe Dr. B._ überhaupt keine
Stellung genommen, sodass davon ausgegangen werden müsse, dass dieser Komplex
therapeutisch nicht fokussiert werde. Es sei an der Beurteilung durch die Medas
Ostschweiz festzuhalten.
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A.k Am 9. Oktober 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass das
Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen abgewiesen werde, weil es trotz der
Bemühungen und der Unterstützung nicht gelungen sei, ihn in den Arbeitsmarkt zu
integrieren (IV-act. 113).
A.l Mit Vorbescheid vom 6. November 2013 (IV-act. 116) kündigte die IV-Stelle dem
Versicherten bei einem IV-Grad von 27 % die Abweisung des Rentengesuchs an. Zur
Begründung führte sie aus, dass der Versicherte den zuletzt ausgeübten Beruf als
Bauarbeiter aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben könne. In einer
körperlich leichteren Erwerbsmöglichkeit bestehe hingegen eine zumutbare
Arbeitsfähigkeit von 70 %. Das Valideneinkommen setzte sie auf Fr. 59‘059.-- (Lohn
2009 gem. C._ AG) und das Invalideneinkommen auf Fr. 43‘243.-- fest (70 % des
Durchschnittsverdiensts eines Hilfsarbeiters im Jahr 2011 gemäss der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik [LSE]). Dagegen liess der
Versicherte am 6. Dezember 2013 einwenden (IV-act. 117), dass seine psychische
Labilität sowie seine aktuellen körperlichen Beschwerden nicht berücksichtigt worden
seien. Er versuche seit Jahren, die Suchtproblematik in den Griff zu bekommen, was
ihm letztlich unter enormen Anstrengungen gelungen sei. In den letzten drei Jahren sei
er durch die körperlichen Einschränkungen geschwächt gewesen; die psychischen
Probleme hätten ihn zusätzlich handicapiert. Im September 2013 habe er sich den
rechten Fuss gebrochen, was ihm sehr grosse Nervenschmerzen bereite. Er fühle sich
physisch und psychisch nicht in der Lage, in seinem jetzigen Zustand zu arbeiten. Das
Gutachten der Medas Ostschweiz werde seiner aktuellen Situation nicht gerecht.
A.m Dr. B._ und I._ berichteten der IV-Stelle am 4. Februar 2014 (IV-act. 119), dass
sich der Gesundheitszustand des Versicherten erneut verschlechtert habe. Der
Versicherte sei vom 30. Dezember 2013 bis 25. Januar 2014 wegen eines chirurgischen
Eingriffs an der Lunge hospitalisiert gewesen. Aus psychiatrischer Sicht sei der
Versicherte weiterhin voll arbeitsunfähig. Am 27. Februar 2014 teilte der Versicherte der
IV-Stelle mündlich mit, dass der Fussbruch mittlerweile ausgeheilt sei (IV-act. 121). Die
Klinik für Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) berichtete der IV-Stelle am 15.
April 2014 (IV-act. 123), dass der Versicherte an einem chronischen Pleuraempyem
links mit massiver Verwachsung von Oberlappen und Unterlappen leide. Am 13. Januar
2014 sei eine Thorakotomie links mit Dekortikation erfolgt. Wegen der erheblichen
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Nebendiagnosen sei es von chirurgischer Seite her nicht sinnvoll, zur Arbeitsfähigkeit
Stellung zu nehmen. Der Klinikarzt empfahl eine Arbeitsbelastungstestung. Die Klinik
für Gastroenterologie/Hepatologie des KSSG teilte der IV-Stelle am 8. Juli 2014 mit (IV-
act. 127-2), dass die gastroenterologische und hepatologische Erkrankung des
Versicherten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. RAD-Arzt Dr. H._ notierte
am 7. August 2014 (IV-act. 128), dass die Fussfraktur ausgeheilt und das
Thoraxempyem operativ beseitigt worden sei. Seit der Begutachtung durch die Medas
Ostschweiz seien somit lediglich passagere Verschlechterungen des
Gesundheitszustandes eingetreten; ob auf Dauer (pneumologisch), müsse noch geklärt
werden.
A.n Med. pract. J._, Facharzt für Allgemeine Medizin und Pneumologie, berichtete
der IV-Stelle im Oktober 2014 (IV-act. 136), dass der Versicherte wegen der
Polytoxikomanie (zurzeit nur Nikotinabusus) in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei.
Dr. J._ schätzte die Arbeitsfähigkeit in einer Tätigkeit mit leichter Belastung auf 4-6
Stunden pro Tag. Schwere Arbeiten seien dem Versicherten wegen der
eingeschränkten Lungenfunktion nicht mehr zumutbar. Im Beiblatt zum Arztbericht gab
Dr. J._ an, dass der Versicherte in der bisherigen Tätigkeit maximal 4 Stunden pro
Tag arbeitsfähig sei und zusätzlich eine verminderte Leistungsfähigkeit von 35-50 %
bestehe. In einer adaptierten Tätigkeit sei der Versicherte 4-6 Stunden pro Tag
arbeitsfähig und es bestehe eine um 30-50 % verminderte Leistungsfähigkeit.
A.o RAD-Arzt Dr. H._ notierte am 6. November 2014 (IV-act. 138), dass es sich beim
Pleuraempyem mit operativer Sanierung um eine vorübergehende Verschlechterung
des Gesundheitszustandes gehandelt habe. Aus den von Dr. J._ übermittelten
Messdaten der Bodyplethysmographie ergebe sich kein Hinweis auf eine
Ventilationsstörung, sodass dem Versicherten körperlich leichte bis allenfalls
vorübergehend mittelschwere Tätigkeiten zumutbar seien. Dr. J._ habe die von ihm
angegebene zeitliche und leistungsmässige Einschränkung nicht begründet. Eine
psychiatrische Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit der Begutachtung sei
nicht nachgewiesen. Somit bleibe es bei der bisherigen gutachterlichen Beurteilung,
wonach der Versicherte in einer körperlich und psychisch adaptierten Tätigkeit zu 70 %
arbeitsfähig sei.
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A.p Mit Verfügung vom 13. November 2014 (IV-act. 139) wies die IV-Stelle das
Rentengesuch bei einem IV-Grad von 27 % aus den im Vorbescheid genannten
Gründen ab. Bezüglich des Einwandes wiederholte sie insbesondere die
Stellungnahme des RAD vom 6. November 2014.
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer)
am 2. Dezember 2014 Beschwerde (act. G 1). Er machte geltend, dass seine Lungen
nicht saniert, sondern herausgenommen worden seien. Es handle sich also nicht um
einen vorübergehenden Gesundheitsschaden. Er leide immer noch unter Schmerzen
und Atembeschwerden. In Stresssituationen und bei Aufregung bekomme er Atemnot.
Weil er seit den Lungenoperationen auf Sozialhilfe angewiesen sei, sei er auch
psychisch angeschlagen. Bis auf weiteres sei er zu 100 % arbeitsunfähig. Dr. B._
hatte dem Beschwerdeführer am 22. September 2014 auch auf längere Sicht eine 100
%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (act. G 1.2). Am 5. Januar 2015 stellte der
Beschwerdeführer ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (act. G 3).
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 23. Februar 2015
die Abweisung der Beschwerde (act. G 5). Sie erklärte die RAD-Stellungnahmen vom
18. September 2013, 7. August 2014 und 6. November 2014 zum integrierenden
Bestandteil der Beschwerdeantwort. Ergänzend wies sie darauf hin, dass es sich beim
mit der Beschwerde eingereichten Attest von Dr. B._ um eine blosse
Arbeitsunfähigkeitsbestätigung ohne weitere Ausführungen oder Erläuterungen handle.
Hinzu komme, dass der Beschwerdeführer hauptsächlich Probleme wegen seines
Lungenleidens geltend mache, die vom Psychiater attestierte volle Arbeitsunfähigkeit
jedoch nur für die psychiatrische Seite gelte. Nachdem der Psychiater dem
Beschwerdeführer bereits seit Jahren ununterbrochen eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit attestiere, könne daraus keine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes abgeleitet werden.
B.c Am 24. Februar 2015 bewilligte das Gericht das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) für das Verfahren vor dem
Versicherungsgericht (act. G 6).
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B.d Der Beschwerdeführer verzichtete auf eine Replik (vgl. act. G 7 f.).
B.e Am 12. Februar 2016 reichte der Beschwerdeführer diverse medizinische
Unterlagen ein (act. G 9). Dr. med. K._, Facharzt für Pneumologie, hatte in seinem
Bericht vom 10. August 2015 angegeben, dass die Abklärung der recht
uncharakteristischen Atem- und Allgemeinbeschwerden keine Hinweise auf eine
relevante bronchiale/pulmonale Problematik ergeben habe. Eine beginnende COPD sei
bei erhöhtem Residualvolumen denkbar. Rein spirometrisch fände sich eher ein
restriktives Muster, welches wohl auf den Status nach Dekortikation bds. wegen
Pleuraempyem zurückgeführt werden müsse. Aus pneumologischer Sicht gebe es
ausser einem Rauchstopp keinen Therapievorschlag. Die Arbeitsfähigkeit aus isoliert
pneumologischer Optik betrage für alle zumutbaren Arbeiten, intermittierend auch für
körperlich schwere, 100 %. Das Zentrum für Schlafmedizin hatte im Bericht vom 26.
Januar 2016 als Diagnosen u.a. ein mittelschweres gemischtes Schlafapnoesyndrom
(ED 14.01.2016), unklare Atembeschwerden (am ehesten im Rahmen einer
Hyperventilation), eine dislozierte Rippenfraktur lateral VII links (ED 06.11.2015) und
eine neue runde Transparenzminderung von 11 mm in Projektion auf den 9.
Interkostalraum dorsal links (ED 11/15) angegeben. Der Beschwerdeführer habe das
CPAP-Gerät am 22. Januar 2016 ohne Angabe von störenden Gründen
zurückgegeben. Bei der für den 3. Februar 2016 geplanten Verlaufskontrolle der
pulmonalen Konsolidation bei Status nach Rippenfraktur werde dies erneut thematisiert
werden.
B.f Die Beschwerdegegnerin forderte das Gericht am 22. Februar 2016 auf, den
Bericht über die Verlaufskontrolle im KSSG vom 3. Februar 2013 einzuholen (act. G 11).
Am 6. April 2016 reichte der Beschwerdeführer zwei Berichte der Klinik für
Pneumologie und Schlafmedizin des KSSG ein (act. G 14). Er merkte an, dass er das
CPAP-Gerät wegen Schlafproblemen zurückgegeben habe. Am 3. Februar 2016 hatte
die Klinik für Pneumologie und Schlafmedizin berichtet, dass der Beschwerdeführer auf
seinen Wunsch hin nicht klinisch beurteilt worden sei. Die Lungenfunktion habe sich
allerdings deutlich verbessert (Therapie aktuell nicht bekannt). Die radiologischen
Veränderungen würden als stabil beurteilt. Im Bericht vom 5. Februar 2016 hatte
dieselbe Klinik angegeben, dass sich nach der erneuten Beurteilung der Röntgenbilder
im seitlichen Röntgenbild eine neue Transparenzminderung, die im CT von 2014 noch
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nicht nachweisbar gewesen sei, gezeigt habe. Zur weiteren Diagnostik werde ein CT
Thorax empfohlen.
B.g Die Beschwerdegegnerin führte am 25. April 2016 aus (act. G 16), dass Dr. K._
am 10. August 2015 aus pneumologischer Sicht eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit,
intermittierend auch für körperlich schwere Arbeiten, bestätigt habe. Die Klinik für
Pneumologie und Schlafmedizin habe am 3. Februar 2016 berichtet, dass sich die
Lungenfunktion deutlich verbessert habe und die radiologischen Veränderungen als
stabil beurteilt würden. An den Anträgen sowie den Ausführungen in der
Beschwerdeantwort werde daher festgehalten.
B.h Am 23. November 2016 reichte der Beschwerdeführer einen Bericht von Dr. B._
ein (act. G 20). Dieser hatte der Beschwerdegegnerin am 4. November 2016 berichtet,
dass sich das Zustandsbild des Beschwerdeführers seit 2014 massiv verschlechtert
habe. Der Beschwerdeführer leide an einer schweren depressiven Phase bei
rezidivierenden depressiven Phasen, an einer schweren kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen, abhängigen und narzisstischen
Anteilen und an einer Angststörung (F41.2). Der Verlauf seit 2014 sei sehr labil. Der
Auslöser der Verschlechterung des psychischen Zustandsbildes sei die
Verschlechterung des körperlichen Zustandes gewesen (Atembeschwerden, erneut
Pankreatitiden). Obwohl dem Beschwerdeführer bewusst sei, dass die Pankreatitiden
aethylisch bedingt seien, könne er seinen regelmässigen Alkoholkonsum nicht
sistieren. Bei seiner Vorgeschichte könne jede neue Pankreatitis tödlich sein. Der
Beschwerdeführer sei aus psychiatrischer Sicht voll arbeitsunfähig.
B.i Die Beschwerdegegnerin erklärte am 15. Dezember 2016 (act. G 22), dass sie an
ihren Anträgen festhalte. Dr. B._ attestiere dem Beschwerdeführer bereits seit
langem eine volle Arbeitsunfähigkeit. Das Schreiben von Dr. B._ werde als
Wiederanmeldung entgegengenommen.

Erwägungen
1.
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1.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 13. November 2014 hat die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers bei einem IV-Grad
von 27 % verneint. Strittig ist somit, ob der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine
Invalidenrente hat.
1.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
2.
2.1 Um das Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststehen.
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2.2 In medizinischer Hinsicht liegen insbesondere die Berichte des behandelnden
Psychiaters Dr. B._ vom 22. Juli 2011, vom 24. November 2011, vom 11. September
2013, vom 4. Februar 2014 und vom 4. November 2016 sowie das polydisziplinäre
Gutachten der Medas Ostschweiz vom 15. November 2012 im Recht.
2.3 Aus somatischer Sicht ist der Beschwerdeführer durch die Medas Ostschweiz
internistisch und rheumatologisch abgeklärt worden. Dr. med. L._, Facharzt für
Innere Medizin/Rheumatologie, hat erklärt, dass die geltend gemachten Schmerzen im
Bereich des ventrolateralen distalen Thorax bezüglich der Lokalisation weitgehend mit
den aktenanamnestischen Angaben und den klinischen/bildgebenden Befunden
korreliert hätten. Aus diesem Grund hat er dem Beschwerdeführer für körperlich
schwere und überwiegend mittelschwere Tätigkeiten eine volle Arbeitsunfähigkeit
attestiert. Offenbar hat sich der somatische Gutachter die geltend gemachten
Beschwerden aber nicht in ihrem gesamten Ausmass erklären können; die Tätigkeit als
Technischer Kaufmann sowie andere körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten
hat er nämlich mit der Begründung, dass ein adäquates objektivierbares Korrelat für die
Thoraxwandschmerzen rechts fehle, aus somatischer Sicht als zumutbar angesehen.
Zwar ist die Einschätzung des somatischen Gutachters aufgrund der von ihm
erhobenen Befunde plausibel. Aufgrund der Akten stellt sich allerdings die Frage, ob
neben einer internistischen und rheumatologischen Untersuchung auch eine
neurologische Untersuchung angezeigt gewesen wäre. RAD-Psychiater Dr. H._ hat
nämlich am 4. Februar 2013 notiert, dass eine detaillierte neurologische
Befunderhebung (Oberflächen- und Tiefensensibilität an den unteren Extremitäten)
respektive eine Abklärung, ob der Beschwerdeführer an einer alkoholtoxischen
Neuropathie leide, fehle (IV-act. 82). Der psychiatrische Gutachter der Medas
Ostschweiz ist in seiner Stellungnahme vom 21. Februar 2013 nicht auf diese Kritik
eingegangen, sondern hat auf den somatischen Teil des Gutachtens verwiesen. Auch
die vom RAD-Psychiater geforderte Stellungnahme zu dem in der somatischen
Untersuchung aufgefallenen Tremor ist unbeantwortet geblieben. Die Frage nach
allfälligen Entzugserscheinungen erscheint jedoch berechtigt, da der Beschwerdeführer
bei der somatischen Begutachtung fahrig gewirkt hatte und dem Gutachter ein
feinschlägiger Ruhetremor aufgefallen war (IV-act. 81-11). Obwohl die Antworten des
psychiatrischen Gutachters der Medas Ostschweiz auf die Rückfragen nicht
befriedigend gewesen sind, hat der RAD bzw. die Beschwerdegegnerin auf eine
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weitere Rückfrage (insbesondere an den somatischen Hauptgutachter) verzichtet.
Hinzu kommt, dass seit der Begutachtung durch die Medas Ostschweiz weitere
somatische Leiden hinzugekommen und fachärztlich abgeklärt worden sind.
Insbesondere ist der Beschwerdeführer im Januar 2014 erneut an der Lunge operiert
worden. Unter Berücksichtigung aller Umstände bestehen gewisse Zweifel daran, dass
der physische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers durch die Gutachter der
Medas Ostschweiz rechtsgenüglich abgeklärt worden ist.
2.4 Der psychiatrischer Gutachter Dr. G._ hat als Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode im
Sinne einer teilremittierten mittelgradigen depressiven Episode, und eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, emotional instabilen und selbstunsicheren
vermeidenden Zügen, genannt. Die Arbeitsunfähigkeit hat er für jegliche Tätigkeit
wegen einer verminderten Leistungsfähigkeit auf 30 % geschätzt. Als die
Arbeitsfähigkeit einschränkende Faktoren hat er leichte Einschränkungen der
Konzentrationsfähigkeit und der Ausdauer, eine leichte Verminderung der Stress- und
Frustrationstoleranz und leichte Einschränkungen der sozialen Kompetenzen
angegeben. Der Gutachter ist davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer im
Begutachtungszeitpunkt suchtmittelabstinent gewesen ist. Er hat den Zustand als
stabil eingeschätzt, ansonsten hätte er keine Arbeitsfähigkeitsschätzung (auch für die
Zukunft) abgeben können. Unter der Voraussetzung, dass der Beschwerdeführer
keinen Alkohol und/oder andere Drogen konsumiert, ist die Einschätzung des
psychiatrischen Gutachters, dass die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
aufgrund der aufgezählten funktionellen Einschränkungen in einem Vollpensum im
Begutachtungszeitpunkt um 30 % vermindert ist, durchaus plausibel. Allerdings hat der
Beschwerdeführer im Begutachtungszeitpunkt gemäss seinen eigenen Angaben erst
seit rund einem Monat alkoholabstinent gelebt (wobei der RAD-Psychiater diese
Angaben aufgrund des aufgefallenen Tremors offenbar in Frage gestellt hat); der
Beschwerdeführer hat nämlich erst am 7. April 2012 mit dem Alkoholkonsum
aufgehört, und die Begutachtung ist bereits am 14. und 16. Mai 2012 erfolgt. Auslöser
der (vorübergehenden) Alkoholabstinenz ist offenbar der Spitalaufenthalt vom 16. bis
23. April 2012 wegen einer milden Pankreatitis gewesen (s. Bericht des KSSG vom 25.
April 2012, act. G 9). Dieser Hospitalisation waren offenbar ein Opiatabusus mit
Morphin und ein selbständiger Alkoholentzug vorausgegangen. Aus den seit der
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Begutachtung aufgelaufenen Akten ist denn auch ersichtlich, dass die Alkoholabstinenz
nur vorübergehend gewesen ist: Aus dem Bericht der Klinik für Chirurgie des KSSG
vom 28. Januar 2014 (act. G 9) geht beispielsweise hervor, dass der Beschwerdeführer
täglich ca. 45 g Alkohol (3-4 Biere) konsumiert. Der behandelnde Psychiater Dr. B._
hat in seinem Bericht vom 4. November 2016 bestätigt, dass weiterhin ein
regelmässiger Alkoholkonsum stattfindet (act. G 20). Ausserdem findet weiterhin ein
Opiatabusus statt (siehe z.B. Bericht des Spitals M._ vom 26. Juli 2015 über eine
Notfallkonsultation wegen Schnupfens von Oxycodon, act. G 9). Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung begründen Alkoholismus wie auch Drogensucht
und Medikamentenabhängigkeit für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes.
Eine Suchtkrankheit wird invalidenversicherungsrechtlich erst relevant, wenn sie eine
Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher, geistiger oder
psychischer Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn die Suchtkrankheit selber
Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschadens ist, dem
Krankheitswert zukommt (sog. sekundäre Suchterkrankung; vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 10. April 2013, 9C_701/2012 E. 2 mit Hinweisen). Der
psychiatrische Gutachter Dr. G._ ist von einer sekundären Suchterkrankung
ausgegangen. RAD-Psychiater Dr. H._ hat eher einen primären Suchtmechanismus
vermutet (IV-act. 83-1). Würde der überzeugenden Einschätzung des psychiatrischen
Gutachters gefolgt, wonach der Beschwerdeführer an einer sekundären
Suchterkrankung leidet, müssten die Suchterkrankungen als Folge der depressiven
Erkrankung und der kombinierten Persönlichkeitsstörung bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung berücksichtigt werden. Da der psychiatrische Gutachter
angenommen hat, dass der Beschwerdeführer suchtmittelabstinent und dass dieser
Zustand stabil sei, kann nicht auf dessen Arbeitsfähigkeitsschätzung abgestellt werden.
Es muss nämlich davon ausgegangen werden, dass der Suchtmittelkonsum des
Beschwerdeführers einen Einfluss auf dessen Arbeitsfähigkeit hat. Hinzu kommt, dass
Dr. B._ am 11. September 2013, also nach der Begutachtung durch die Medas
Ostschweiz, aber noch vor Verfügungserlass, über eine Verschlechterung der
depressiven Symptomatik (schwere depressive Episode) berichtet hat. Er hat erstmals
ausgeführt, dass der Beschwerdeführer unberechenbar, impulsiv und derart gestört in
seiner Wahrnehmung sei, dass er nicht in ein System integriert werden könne. Der
Bericht von Dr. B._ vom 11. September 2013 weist somit auf eine Verschlechterung
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des psychischen Gesundheitszustandes vor Verfügungserlass hin. Obwohl Dr. B._
eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht hat,
kann auch auf seine Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht abgestellt werden. Seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung ist nämlich, worauf RAD-Arzt Dr. H._ am 18. September
2013 hingewiesen hat, zu wenig begründet. Zudem hat er widersprüchliche An¬gaben
zur Arbeitsfähigkeit gemacht: Während er zunächst für den Zeitraum Januar 2011 bis
Ende Mai 2011 noch von einer 50 %igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen ist, hat er dem
Beschwerdeführer später rückwirkend ab Januar 2010 eine volle Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt, obwohl der Beschwerdeführer erst ab dem 5. April 2011 in seiner
Behandlung gestanden hat (IV-act. 54-1). Insgesamt erweist sich eine erneute
psychiatrische Begutachtung daher als zwingend notwendig. Angesichts der in
Erwägung 2.3 geäusserten Zweifel daran, dass die somatischen Gutachter den
physischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in seiner ganzen Breite
erfasst haben, ist eine polydisziplinäre Begutachtung angezeigt.
3.
3.1 Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin oder das Gericht die
Neubegutachtung in Auftrag geben muss, d.h. ob die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen oder ob ein Gerichtsgutachten zu veranlassen
ist. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung soll ein kantonales
Versicherungsgericht in der Regel dann ein Gerichtsgutachten einholen, wenn es im
Rahmen der Beweiswürdigung zum Schluss kommt, ein bereits erhobener
medizinischer Sachverhalt müsse (insgesamt oder in wesentlichen Teilen) noch
gutachtlich geklärt werden oder eine Administrativexpertise sei in einem
rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig. Eine Rückweisung an die IV-Stelle soll
hingegen möglich bleiben, wenn es darum geht, zu einer bisher vollständig ungeklärten
Frage ein Gutachten einzuholen. Ebenso steht es dem Versicherungsgericht frei, eine
Sache zurückzuweisen, wenn allein eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von
gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 11.
Dezember 2014, 8C_633/2014 E. 3.2; BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4). Im vorliegenden Fall
liegt ein nicht beweiskräftiges polydisziplinäres (internistisches, rheumatologisches und
psychiatrisches) Gutachten im Recht. Ein Gerichtsgutachten fällt bereits deshalb
ausser Betracht, weil im Rahmen der polydisziplinären Begutachtung allenfalls auch
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eine Untersuchung durch einen neurologischen Facharzt notwendig sein wird; eine
solche ist bei der Begutachtung durch die Medas Ostschweiz nicht erfolgt. Die
bundesgerichtliche Rechtsprechung vermag aber auch sonst nicht zu überzeugen: Die
IV-Stellen sind gestützt auf Art. 43 Abs. 1 ATSG verpflichtet, die notwendigen
Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen. Sie haben somit u.a. den medizinischen
Sachverhalt soweit abzuklären, dass die Arbeitsunfähigkeit der versicherten Person mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht. Die
Beschwerdegegnerin hat die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers nur
ungenügend abgeklärt. Würde das Versicherungsgericht nun ein Gerichtsgutachten in
Auftrag geben, würde es die der Beschwerdegegnerin obliegende Aufgabe der
Sachverhaltsermittlung "übernehmen". Dies wäre gesetzwidrig, da der Gesetzgeber
diese Aufgabe, d.h. die rechtsgenügliche Ermittlung des Sachverhalts, der
Beschwerdegegnerin zugewiesen hat. Eine solche Rechtsverletzung kann durch die
vom Bundesgericht angeführten Vorteile von Gerichtsgutachten, die namentlich in einer
Straffung des Gesamtverfahrens und in einer Beschleunigung der Rechtsgewährung
bestehen sollen (siehe BGE 137 V 210 E. 4.4.1.2), nicht "geheilt" werden. Zu beachten
ist auch, dass einer versicherten Person durch die Einholung eines Gerichtsgutachtens
die Möglichkeit genommen wird, den Rentenentscheid von zwei Instanzen überprüfen
zu lassen. Dies ist insbesondere auch deshalb problematisch, weil das Bundesgericht,
die einzige verbleibende Instanz, nur über eine eingeschränkte Kognition verfügt, d.h.
es kann den vom kantonalen Versicherungsgericht festgestellten Sachverhalt nur
eingeschränkt überprüfen (siehe Art. 97 des Bundesgerichtsgesetzes, SR 173.110). Die
Einholung eines Gerichtsgutachtens ist deshalb nur in jenen Fällen angezeigt, in denen
die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt zwar rechtsgenüglich abgeklärt hat, für die
rechtliche Würdigung aber trotzdem die Einholung eines weiteren Gutachtens
notwendig ist, namentlich weil zwei (oder mehr) überzeugende, sich jedoch
widersprechende Arbeitsfähigkeitsschätzungen im Recht liegen. Die polydisziplinäre
Neubegutachtung ist demnach durch die Beschwerdegegnerin in Auftrag zu geben. Die
Fachdisziplinen sind durch die Beschwerdegegnerin in Absprache mit dem RAD und/
oder mit der Gutachterstelle zu bestimmen.
3.2 Im Sinne eines obiter dictum ist abschliessend noch auf den von der
Beschwerdegegnerin vorgenommenen Einkommensvergleich einzugehen. Die
Beschwerdegegnerin hat als Validenkarriere die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
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Bauarbeiter angesehen. Sie hat dabei unberücksichtigt gelassen, dass der
Beschwerdeführer eine vierjährige Ausbildung zum Automechaniker (ohne Abschluss)
und die Ausbildung zum Technischen Kaufmann (schulinternes Diplom; kein
eidgenössischer Fachausweis) absolviert hat. Ob es sich bei der Validenkarriere um die
Tätigkeit als Automonteur/Automechaniker oder um die Tätigkeit als Technischer
Kaufmann handelt, hängt vom Einkommenspotential dieser beiden Berufe ab. Die
Beschwerdegegnerin wird sich damit nach der erneuten Begutachtung noch befassen
müssen. Als Invalidenkarriere hat die Beschwerdegegnerin die Tätigkeit als Hilfsarbeiter
betrachtet. Allerdings haben die Gutachter der Medas Ostschweiz erklärt, dass es sich
bei der Tätigkeit als Technischer Kaufmann um eine adaptierte Tätigkeit handle. Sollte
dies die erneute Begutachtung bestätigen, wäre zu prüfen, ob es sich bei der
Invalidenkarriere um die Tätigkeit als Technischer Kaufmann handelt. Da der
Beschwerdeführer zuletzt im Jahr 2001 im kaufmännischen Bereich tätig gewesen ist
(IV-act. 41), wären diesfalls eventuell Wiedereinschulungsmassnahmen i.S.v. Art. 17
Abs. 2 IVG notwendig.
3.3 Demnach ist die angefochtene Verfügung in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde gestützt auf Art. 43 Abs. 1 ATSG aufzuheben und die Sache ist zur
erneuten polydisziplinären Begutachtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Die Gutachter werden dabei zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit rückwirkend ab Januar
2010 (geltend gemachter Eintritt der Arbeitsunfähigkeit) Stellung nehmen müssen.
4.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
Verwaltung als volles Obsiegen des Beschwerdeführers zu werten (BGE 132 V 215 E.
6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.