Decision ID: 568d9529-8004-5b2e-a5f0-64d27f94869f
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1968, absolvierte die obligatorischen Schulen und war hernach als ungelernte Kraft in verschiedenen Branchen tätig (vgl. Urk. 8/97/2, Urk. 8/115). In den Jahren zwischen 1990 und 2005 war sie dreimal verheiratet und in den Jahren 2000 und 2009 war sie Mutter einer Tochter und eines Soh
nes geworden (vgl. Urk. 8/29, Urk. 8/84, Urk. 8/85/1 f., Urk. 8/86/3-6, Urk. 8/90, Urk. 8/95). Am 31. August 2010 beantragte die Versicherte bei der Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, die Zusprechung einer Invali
denrente (Urk. 8/85). Die IV-Stelle holte einen Auszug aus dem Individuellen Konto (IK-Auszug; Urk. 8/89) sowie den Bericht des Y._, Rheumaklinik und Institut für Physikalische Medizin, vom 30. September 2010 ein (Urk. 8/93/5-8) und führte bei der Versicherten eine Haushaltabklärung durch (Bericht vom 15. Juni 2011; Urk. 8/97). Mit Vorbescheid vom 15. Juni 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht und überdies die Verneinung des Anspruchs auf Eingliederungsmass
nahmen (Urk. 8/100).
Dagegen erhob die Versicherte Einwände (Urk. 8/106, Urk. 8/116). In der Folge nahm die IV-Stelle aktuelle IK-Auszüge (Urk. 8/139-140, Urk. 8/166) und wei
tere Arztberichte zu den Akten (Urk. 8/118, Urk. 8/121, Urk. 8/148, Urk. 8/151). Ferner ordnete die IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung an (Urk. 8/154, Urk. 8/164). Das Gutachten der Z._ lag am 1. Juli 2013 vor (Urk. 8/168). Nach weiteren Haushaltabklärungen vom 10. Oktober 2013 und 13. Januar 2014 (vgl. Berichte vom 17. Oktober 2013 resp. 13. Januar und Bericht 11. Februar 2014: Urk. 8/179, Urk. 8/180, Urk. 8/182) erliess die IV-Stelle am 29. Juli 2014 einen weiteren Vorbescheid, mit dem sie die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht stellte (Urk. 8/201). Dagegen erhob die Ver
sicherte am 15. September und am 2. Oktober 2014 Einwände (Urk. 8/211, Urk. 8/219). Am 7. Oktober 2015 verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne (Urk. 8/228 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 7. Oktober 2015 erhob die Versicherte am 3. November 2015 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, es sei ihr die ihr zustehende gesetzliche Rente zuzusprechen (Urk. 1). In der Beschwerdeantwort vom 1. Dezember 2015 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Am 2. Mai 2016 hiess das Gericht das Gesuch der Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters gut (Urk. 12) und am 10. Mai führte es die von der Beschwerdeführerin beantragte Hauptverhandlung durch (vgl. Urk. 10, Urk. 15, Prot. S. 4 f.). Am 6. Juni 2016 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf weitere Ausführungen zur Sache (Urk. 18).
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit beziehungsweise - bei Versicherten, die vor der Beeinträchtigung ihrer Gesundheit nicht erwerbstätig waren - die Unmög
lichkeit, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG).
Versicherte
, die vor der Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit nicht erwerbstätig waren, gelten als invalid, wenn eine Unmöglichkeit vorliegt, sich im bisherig
en Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 8 Abs. 3 ATSG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen.
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig und daneben im Aufgabenbereich tätig sind, wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. Danach wird darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfä
hig sind, sich i
m Aufgabenbereich zu betätigen (
gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.3
Das Recht angehört zu werden (vgl. Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung; BV), ist formeller Natur. Nach der Rechtsprechung kann eine Ver
letzung des recht
lichen Gehörs als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/aa). Von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rück
weisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzöge
rungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu ver
einbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung, auf welche sie in der Beschwerdeantwort verweist (vgl. Urk. 7), zusammengefasst fest, gemäss dem MEDAS-Gutachten bestehe seit Mitte Juni 2011 eine die Arbeitsfähigkeit beeinflussende gesundheitliche Störung. Beeinträchtigt seien die Ausdauer, der Antrieb, die Flexibilität sowie die Kontakt- und Konzentrationsfähigkeit. Die Beeinträchtigungen bestünden im Zusammenhang mit einer diagnostizierten Angststörung, einem Ganzkörperschmerzsyndrom und einer leichten Depres
sion. Diese Leiden seien nicht nachvollziehbar. Die erhobenen Befunde erklärten die Diagnosen nicht. Teilweise seien die Leiden dem Formenkreis der unklaren Beschwerdebilder zuzuordnen (ätiologisch-pathogenetisch unklare syndromale Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage). Objektivierbare anatomische Befunde lägen nicht vor, die aus versicherungsmedizinischer Sicht eine dauerhafte Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zur Folge hätten. Es lägen keine Anhaltspunkte für eine schwere Funktionsbeeinträchtigung vor. Im Rah
men der Bestimmungen der Statusfrage seien mehrere Haushaltabklärungen durchgeführt worden. Die Haushaltabklärung habe gezeigt, dass die Beschwer
deführerin auch Besorgungen ausser Haus erledige (Begleitung des Sohnes in den Kindergarten, Einkäufe im Quartierladen) und Administratives zu Hause selbständig erledige. Sie weise damit ein unauffälliges Aktivitätspotential auf, weswegen in dieser Hinsicht die Beurteilung der MEDAS-Gutachter zu relati
vieren sei. Der Beschwerdeführerin sei es mithin zumutbar, durch eigene
Wil
lensanstrengung die gesundheitlichen Beeinträchtigungen in genügendem Um
fang zu überwinden. Es bestehe kein relevanter Gesundheitsschaden (Urk. 2 S. 2 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin macht geltend, auf die im Vorbescheidverfahren erhobe
nen und insbesondere auf die im Zusammenhang mit den Haushaltab
klärungen geltend gemachten Mängel sei die Beschwerdegegnerin nicht respek
tive nicht in ausreichendem Umfang eingegangen. Mithin liege eine Gehörsver
letzung vor (Urk. 1/1 S. 6 ff. Rz 15-22). In formeller Hinsicht zu beanstanden sei sodann eine Verletzung der Abklärungspflicht, des Rechtsgleichheitsgebotes und des Willkürverbots sowie eine Missachtung des Anspruchs auf gerechte Behandlung (Urk. 1/1 S. 10 ff. Rz 24-29). Die erlittene zweifache Vergewalti
gung am Arbeitsplatz stelle eine beachtliche Traumatisierung dar. Danach sei es ihr aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich gewesen, auf Dauer eine Erwerbstätigkeit auszuüben. Das sei im Rahmen der Abklärung ebenfalls unge
nügend berücksichtigt worden (Urk. 1/1 S. 4 f. Rz 10 f.). Sie (die Beschwerde
führerin) könnte wieder 50 % ausser Haus arbeiten. Indessen sei sie durch das lange Verfahren entmutigt und habe effektiv keine Suchbemühungen unter
nommen. Sie fürchte sich davor, in einer Erwerbstätigkeit erschöpft zu sein, da bereits der Haushalt und die Kinderbetreuung zu Ermüdung führten. Auch die starke Schwerhörigkeit trage zur allgemeinen Ermüdung bei. Selbst mit tech
nischen Hilfsmitteln könne die Schwerhörigkeit nicht adäquat angegangen wer
den. Ferner führten auch die ständigen Schmerzen zu chronischer Müdigkeit (Urk. 15 S. 13 f. Rz 30 f., Prot. S. 4). Laut Gutachten der MEDAS bestehe im Beruf eine Einschränkung von 50 % und im Haushalt eine solche von 30 %. Dieses Ergebnis müsse die Beschwerdegegnerin gelten lassen. Eine Bezugnahme auf die Kausalität sei im Bereich der Invalidenversicherung nicht relevant (Urk. 15 S. 12 f. Rz 27-29). Die klaren Feststellungen der MEDAS-Gutachter könnten nicht durch medizinische Laien der IV-Verwaltung widerlegt werden (Urk. 15 S. 16 f. Rz 38, Prot. S. 4). Bei einer Erwerbsunfähigkeit im Niedriglohn
bereich entspreche die Arbeitsunfähigkeit dem Grad der Erwerbseinbusse. Bei einer Erwerbstätigkeit von 50 % und einer Arbeitsfähigkeit von 50 % bestehe ein Invaliditätsgrad von 25 % im Erwerbsbereich. Im Haushaltbereich bestehe eine Einschränkung von 30 %. Bezogen auf den Haushaltbereich, der wie der Erwerbsbereich 50 % betrage, ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 15 %. Insge
samt resultiere ein Invaliditätsgrad von 40 % (Urk. 15 S. 17 Rz 40-41, Prot.
S. 5).
3.
3.1
Nach Erlass des ersten Vorbescheides vom 15. Juni 2011 (Urk. 8/100) erhob die Beschwerdeführerin am 1. Juli 2011 (Urk. 8/106) und am 22. August 2011 (Urk. 8/116) Einwände; ebenso nach Erlass des zweiten Vorbescheides vom 29. Juli 2014 (Urk. 8/201) am 15. September 2014 (Urk. 8/211). Die Einwände nahm die Beschwerdegegnerin im Vorbescheidverfahren zur Kenntnis und setzte sich in den Feststellungsblättern zum Beschluss (vgl. Urk. 8/200/1, Urk. 8/227/1), im Vorbescheid vom 29. Juli 2014 (Urk. 8/201) und in der ange
fochtenen Verfügung (Urk. 2 S. 3)
konkret mit verschiedenen der vorgebrachten Aspekte auseinander. Der Vorwurf, die Beschwerdegegnerin sei auf die erhobe
nen Einwände nicht eingegangen, trifft somit nicht zu. Vielmehr hatte die Beschwerdeführerin Gelegenheit zur Äusserung im Sinne des diesbezüglichen Teilgehaltes des Gehörsanspruchs (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Zürich 2015, Art. 42 Rz 21) und die Beschwerdegegnerin nahm die erhobenen Rügen zur Kenntnis respektive nahm auf diese beim Verfügungserlass auch Bezug.
3.2
Die Rüge, zu den Einwänden sei inhaltlich nicht ausreichend Stellung genom
men worden, betrifft den Aspekt der Begründung des Entscheides (Kieser, a.a.O., Art. 42 Rz. 31). Die Begründung eines Entscheides muss wenigstens kurz die Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde leiten lässt und auf welche sich diese stützt. Der Zweck der Begründungspflicht liegt darin, dass die ver
sicherte Person die Verfügung sachgerecht anfechten kann. Ungenügend ist der bloss pauschale Hinweis, die erhobenen Einwände seien zur Kenntnis genom
men worden (Kieser, a.a.O., Art. 49 Rz 56). Auch wenn die Beschwerdegegnerin nicht auf jeden von der Beschwerdeführerin im Vorbescheidverfahren ange
sprochenen Aspekt formell Bezug genommen hat, ist eine Verletzung der Begründungspflicht nicht gegeben. Aus der angefochtenen Verfügung ergibt sich hinreichend, auf welche Überlegungen sich die Beschwerdegegnerin beim Verfügungserlass stützte. Eine sachgerechte Anfechtung war gestützt darauf möglich. Eine Missachtung des Anspruchs auf rechtliches Gehör liegt damit nicht vor.
4.
4.1
Die Ärzte der Z._ begutachteten die Beschwerdeführerin gestützt auf die Vorakten und die Anamnese (Urk. 8/168/1 ff. Ziff. 1.1und 1.2), allgemein-internistisch, psychiatrisch, ohrenärztlich und rheumatologisch (Urk. 8/168/16 ff. Ziff. 2; vgl. auch Urk. 8/168/28 ff.) und diagnostizierten im Gutachten vom 1. Juli 2013 (mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit) eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1), ein Ganzkörperschmerzsyndrom im Sinne einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), eine rezidivierende depres
sive Störung, gegenwärtig leichte Episode und ohne somatisches Syndrom
(ICD-10 F33.10) sowie eine an Taubheit grenzende Innerohrschwerhörigkeit. Als Diagnosen ohne wesentliche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie spezifische (isolierte) Phobien (Höhenangst; ICD-10 F40.2) und eine Nikotin-
ab
hängigkeit mit gegenwärtigem Substanzgebrauch (ICD-10 F17.25; Urk. 8/168/23 Ziff. 4.1 f.).
4.2
Zu den gestellten Diagnosen führten die Gutachter aus, die gesundheitliche Situa
tion der Beschwerdeführerin werde durch drei Problemkreise geprägt: Ihre als Kleinkind erworbene Schwerhörigkeit, eine psychische Problematik als Folge von wiederholten Misshandlungen sowie chronische Schmerzen des Bewe
gungsapparates (Urk. 8/168/19). Die progrediente Gehörproblematik der Beschwerdeführerin gehe auf die Kindheit zurück. Diese habe sie sich in der Kindheit als Folge einer Infektionserkrankung zugezogen. Inzwischen liege eine an Taubheit grenzende Innerohrschwerhörigkeit vor. Im Tieftonbereich bestehe eine minimale Resthörigkeit. Das Hörgerät und die Fähigkeit, von den Lippen zu lesen, erlaube mit der Beschwerdeführerin in ruhiger Umgebung eine Kommu
nikation. Aus ohrenärztlicher Sicht bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. Zu berücksichtigen sei indessen, dass am Arbeitsplatz keine besonderen Anforde
rungen an die Kommunikation bestünden. Die Beschwerdeführerin sei in der Lage, Anordnungen entgegen zu nehmen, Kommunikation dürfe aber nicht Teil der Arbeit sein. Mit einer beidseitigen Hörgeräteversorgung lasse sich unter Umständen eine Verbesserung des Hörvermögens realisieren. Auch ein Cochlea-Implantat sei zu diskutieren (Urk. 8/168/50, Urk. 8/168/22).
4.3
Rheumatologisch aufgefallen sei das bezüglich Ausdehnung und Intensität zunehmende Schmerzsyndrom. Bei aktuell ubiquitärer Schmerzangabe der Beschwerdeführerin sei der rheumatologische Status unauffällig geblieben. Hauptsächlich fänden sich somatisch nicht erklärbare Druckdolenzen im Bereich der Weichteile. Eigentliche rheumatologische Befunde im Sinne von entzünd
lichen Veränderungen seien nicht feststellbar. Namentlich die Laborunter
suchungen hätten keinen entsprechenden Nachweis erbracht. Eine entzündlich-rheumatische Erkrankung und insbesondere eine Kollagenose könne mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Das Beschwerdebild sei in erster Linie im Sinne einer primären Fibromyalgie zu erklären, möglicher
weise auch im Zusammenhang mit einer somatoformen Schmerzstörung. Bei fehlenden organischen Befunden lasse sich aus rheumatologischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit begründen (Urk. 8/168/22).
4.4
Zur psychiatrischen Untersuchung lässt sich dem MEDAS-Gutachten entneh
men, die Beschwerdeführerin habe bereits in der Kindheit seelischen und wahr
scheinlich auch körperlichen Missbrauch erlitten. Dies habe zu einem erhöhten Risiko für spätere psychiatrische Erkrankungen geführt. Im Jahr 1996 sei die Beschwerdeführerin Opfer von sexueller Gewalt am Arbeitsplatz geworden. Ein Trauma dieser Art sei ohne weiteres geeignet, eine posttraumatische Belas
tungsstörung auszulösen. Zusätzlich sei eine Angstsymptomatik festzustellen gewesen, die einer generalisierten Angststörung zuzuordnen sei. Ferner ergäben sich Hinweise auf spezifische phobische Störungen, die allerdings in ihrer Bedeutung nicht im Vordergrund stünden. In der Vergangenheit sei sodann eine rezidivierende depressive Störung mittelschweren bis schweren Ausmasses diagnostiziert worden. Die diagnostischen Kriterien für eine leichte Depression seien bei der aktuellen Begutachtung klinisch erfüllt gewesen. Mithin liege eine teilweise Remission vor. Subjektiv von grosser Bedeutung seien chronische Schmerzen im Bereich des gesamten Körpers. Aufgrund der somatischen Befunde liessen sich diese Beschwerden nicht erklären. Hingegen seien aus psy
chiatrischer Sicht die Kriterien zur Stellung der Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung erfüllt. Durch das Zusammenwirken von Angst
störung, posttraumatischer Belastungsstörung, Depression und Schmerzstörung seien die Ausdauer der Beschwerdeführerin, ihr Selbstvertrauen, ihre kognitiven Fähigkeiten, ihr Arbeitstempo, ihre Kontakt- und Verkehrsfähigkeit, ihr Antrieb, die Flexibilität, das Selbstvertrauen und die Konzentrationsfähigkeit beein
trächtigt. Als Folge der psychischen Störungen sei ihr derzeit eine Präsenzzeit von lediglich 5 Stunden pro Tag (60 %) zumutbar. Ihre Leistungsfähigkeit dabei sei um etwa 25 % eingeschränkt. Zusammengefasst könne aus psychiatrischer Sicht von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % ausgegangen werden. Dies betreffe die bisherigen als auch alternative berufliche Tätigkeiten. Im Haushalt sei von einer Einschränkung von rund 30 % auszugehen (Urk. 8/168/21 f.).
4.5
Zusammenfassend kamen die Gutachter zum Schluss, die Arbeitsfähigkeit in den zuletzt ausgeübten Tätigkeiten im Hausdienst eines Spitals oder in der Tex
tilreinigung werde ausschliesslich durch die psychische Problematik beeinträch
tigt. Massgebend sei das anlässlich der psychiatrischen Begutachtung festge
stellte Leistungsbild. Die attestierte Arbeitsfähigkeit von 50 % beziehe sich sowohl auf die bisherigen als auch auf alternative passende Tätigkeiten. Bei der Wahl eines Arbeitsplatzes müsse darauf geachtet werden, dass die Beschwerde
führerin nicht mit Männern zusammen arbeiten müsse, und dass keine Anfor
derungen an die Kommunikation bestünden. Anweisungen könnten durchaus mitgeteilt werden, jedoch dürfe Kommunikation nicht Teil der Arbeit sein. Eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung sei dringend indiziert und eine ergänzende spezifische Traumatherapie sei sinnvoll. Psychopharmaka seien auf
grund einer Gewichtszunahme in der Vergangenheit abgesetzt worden. Ange
sichts der derzeit leichten Ausprägung der Depression, und weil sich die Beschwerdeführerin als Folge der Gewichtszunahme dagegen wehre, sei dies zur Zeit vertretbar (Urk. 8/168/23f. Ziff. 5).
5.
5.1
Aufgabe der Arztperson ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen, die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Bei der Fol
genabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt ihr hingegen keine ab
schliessende Beurteilungskompe
tenz zu
. Die ä
rztlichen Angaben
sind
eine wichtige Grundlage für die juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der
versicherten
Person noch zugemutet werden können
(BGE 140 V 193 E. 3.2 mit Hinweisen)
.
5.2
Die Beschwerdegegnerin stellte das MEDAS-Gutachten in der angefochtenen Verfügung prinzipiell nicht in Frage, schloss allerdings aus verschiedenen Gründen darauf, dass kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege. Sie hielt fest, organische Leiden mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit lägen nicht vor. Dies ist unbestritten. Bezüglich der diagnosti
zierten psychischen Leiden, denen die Gutachter eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zumassen, vertritt die Beschwerdegegnerin den Standpunkt, diese seien vormals dem Formenkreis der ätiologisch-pathogenetisch unklaren syndromalen Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage zuzu
ordnen. Aufgrund der erhobenen Befunde sei im Übrigen die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht nachvollziehbar. Auch das Vorlie
gen einer generalisierten Angststörung sei nicht nachvollziehbar. Die erhobenen Befunde erklärten die Diagnose nicht. Es liege somit kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor (Urk. 2 S. 3 f.).
5.3
Die Schlussfolgerung der Beschwerdegegnerin ist im Lichte der Rechtsprechung zu würdigen, dass psychische Störungen aus rechtlicher Sicht nur dann als
invalidisierend gelten, wenn sie
ein
schwer
es
Ausmass
aufweisen
und therapeu
tisch sämt
liche in Frage kommenden Optionen ausgeschöpft worden sind
(
BGE 141 V
281
E. 4.3.1.2; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezem
ber 2015 E. 5 und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
7.2.1)
.
Der psychiatrische Konsiliargutachter Dr. med. A._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt fest, die Angststörung sei bei der Beschwerdeführerin zwar ausgeprägt, jedoch sei sie mit einer entsprechenden Unterstützung überwindbar (Urk. 8/168/35 Ziff. 6.1.2). Die prognostisch attes
tierte Überwindbarkeit betrifft den Aspekt der Therapieresistenz als Faktor für eine mögliche Invalidisierung. Im Rahmen der Konsensbesprechung gelangten die Gutachter auch bezüglich der übrigen Leiden zum Schluss, eine weitere psy
chiatrische und psychotherapeutische Behandlung sei weiterhin nötig, und sinnvoll sei auch eine spezifische Traumatherapie. Sodann wiesen sie auf die sistierte Behandlung mit Psychopharmaka hin. Diese sei auf Wunsch der Beschwerdeführerin (Gewichtszunahme) erfolgt und derzeit aufgrund der Teil-
remission des depressiven Leidens vertretbar (Urk. 8/168/24, Urk. 8/168/38 f.). Es zeigt sich einerseits, dass nach wie vor Behandlungs
optionen bestehen und andererseits die Behandlung bereits einen Erfolg zeitigte. Dieser erlaubte es, die medikamentöse antidepressive Behandlung vorläufig zu sistieren.
Zu erinnern ist sodann an die bundesgerichtliche
Praxis, wonach leichte bis höchstens mittelschwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis in der Regel therapierbar sind und
keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden dar
stellen
(Urteil des Bund
esgerichtes 8C_753/2016 vom 15. Mai 2017
).
Die depressive Störung war im Zeitpunkt der Begutachtung nurmehr leicht ausge
prägt.
5.4
5.4.1
G
emäss der mit
BGE 130 V 352
begründeten und seither stetig weiter entwickel
ten Rechtsprechung vermochten eine fachärztlich (psychiatrisch) diag
nostizierte somatoforme Schmerzstörung und vergleichbare psychosomatische Leiden (
BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3
) in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG führende Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Vielmehr bestand die Vermutung, dass solche Beschwerdebilder oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar seien und nur bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und kon
stant behindern, den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar mach
ten, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt (zur Entstehungsgeschichte dieser Praxis:
BGE 135 V 201
E.
7.1.2;
Urteil des Bundesgerichtes 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 2.1
).
Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien (so genannte „Foerster-Kriterien“, vgl. BGE 130 V 352, BGE 131 V 39 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3.2.3).
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht die Überwindbarkeitsvermutung aufge
geben und das bisherige Regel-/Ausnahme-Modell durch einen struktu
rierten normativen Prüfungsraster ersetzt. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfaktoren wie den vor
handenen Ressourcen Rechnung getragen wird (BGE 141 V 574 E. 4.2 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2 mit Hinweisen). Gemäss BGE 142 V 342 ist die Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 auch auf eine posttraumatische Belastungsstörung anwendbar
.
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden somato
formen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosomati
schen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bun
desgericht wie folgt systematisiert hat
(
BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivit
ätenniveaus in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanam
nestisch ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Ko
nsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4).
5.4.2
Als relevante Komorbiditäten zur somatoformen Schmerzstörung und zur
post
traumatischen Belastungsstörung
fallen die depressive Störung, die Angst
störung und die Schwerhörigkeit in Betracht. Letztere lässt die Ausübung einer angepassten Tätigkeit ohne Einschränkung zu. Die entsprechenden Ausführun
gen im Gutachten sind nachvollziehbar (Urk. 8/168/22, Urk. 8/168/43). Eine relevante Komorbidität liegt diesbezüglich nicht vor.
Bezüglich depressiver Störung ist dem Gutachten zu entnehmen, dass sich diese bei leichter oder mittelgradiger Ausprägung nur hinsichtlich hochqualifizierter Tätigkeiten in erheblicherem Umfang auf die Leistungsfähigkeit auszuwirken vermag. Ebenso hat eine Angststörung nur in Ausnahmefällen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/168/35). Auch unter diesem Blickwinkel kann nicht von erheblichen Komorbiditäten gesprochen werden.
5.4.3
Typische Merkmale einer
posttraumatischen Belastungsstörung
gemäss der von Dr. A._ verwendeten internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) sind das wiederholte Erleben des auslösenden Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen oder Träumen, vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit, Gleichgül
tigkeit gegenüber anderen Menschen und Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber. Sodann versucht die betroffene Person Aktivitäten oder Situationen zu meiden, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen können (Dilling/Mombour/Schmidt, Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 9. Aufl., Bern 2014, S. 207).
Dr. A._ erwähnte, namentlich unvorhergesehene Situationen, bei
spielsweise wenn jemand von hinten schnell auf die Beschwerdeführerin zukomme, könnten Nachhallerinnerungen und Alarmierungsreaktionen auslö
sen (Urk. 8/268/36). Wiederholtes Traumaerleben ohne von aussen an die Beschwerdeführerin herantretende Auslöseereignisse, wurden im Gutachten nicht hervorgehoben. Ebenso verhält es sich mit der Erwähnung eines andau
ernden Gefühls von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit, mit der Gleich
gültigkeit gegenüber anderen Menschen und der Teilnahmslosigkeit der Umge
bung gegenüber. Stattdessen stellte Dr. A._ in Bezug auf die Leis
tungsfähigkeit Konzentrationsstörungen, Blockaden, eine Schreckhaftigkeit
und Ablenkbarkeit fest (Urk. 8/168/35). An anderer Stelle erwähnte Dr. A._ auch Ängste und ein Vermeidungsverhalten in bestimmten Situationen (Urk. 8/168/34). Dies alles deutet auf eine im Begutachtungszeit
punkt nicht respektive nicht mehr schwere Ausprägung der diagnoserelevanten Symptome hin.
5.4.4
Typisches Merkmal einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung ist ein andauernder, schwerer und quälender Schmerz, der durch einen physiolo
gischen Prozess oder eine körperliche Störung nicht vollständig erklärt werden kann. Der Schmerz tritt in Verbindung mit emotionalen Konflikten oder psy
chosozialen Problemen auf. Diese sollten schwerwiegend genug sein, um als entscheidende ursächliche Einflüsse zu gelten. Die Folge ist gewöhnlich eine beträchtliche persönliche oder medizinische Betreuung oder Zuwendung (Dilling/Mombour/Schmidt, a.a.O., S. 233).
Dr. A._ hielt fest, die Schmerzen seien unabhängig vom zeitlichen Verlauf der depressiven Symptomatik, so dass die Diagnose zulässig sei. Emoti
onale Konflikte und psychosoziale Belastungen seien gegeben. Sodann habe die Beschwerdeführerin wenig Zugang zu ihrem Inneren und zu ihren Gefühlen, so dass von einer Alexithymie gesprochen werden könne, die typisch für Somati
sierungsstörungen sei (Urk. 8/168/35). Vor dem Hintergrund der Schmerz-
schil
derung der Beschwerdeführerin, die über andauernd vorhandene Schmerzen berichtete (Urk. 8/168/29, Urk. 8/168/45 ff.), ist die Beurteilung von Dr. A._ nachvollziehbar. Auf einer Skala von 0 bis 10 bewertete die Beschwerdeführerin die Intensität der Schmerzen mit 7 (Urk. 8/168/46). Betref
fend somatoforme Schmerzstörung sind die diagnoserelevanten Befunde somit nicht nur leicht ausgeprägt.
5.4.5
Im Rahmen der psychiatrischen Exploration gab die Beschwerdeführerin an, sie habe vor kurzem zusammen mit ihren Kindern zwei Wochen Ferien in der Türkei verbracht. Man habe die Grosseltern - die Eltern des Vaters der Kinder - besucht. Der Vater der Kinder habe die Reise bezahlt. Zu diesem habe sie einen guten Kontakt, auch zu dessen Schwester. Telefonate führe sie aufgrund ihrer Schwerhörigkeit keine und auch Freundinnen habe sie keine (Urk. 8/168/28 Ziff. 1). Aufgrund dieser Schilderung ist von einem relativen sozialen Rückzug auszugehen. Erwerbliche Ressourcen erachtete Dr. A._ hingegen als gegeben. Er hielt fest, aus klinischer Sicht sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin über Ressourcen verfüge, um eine an ihre Einschränkungen angepasste Tätigkeit auszuüben, wenn sie eine solche finde. Gegeben seien fol
gende Ressourcen: Die im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung festge
stellten Sprachkenntnisse seien für die Ausübung der meisten der für sie in Frage kommenden Tätigkeiten ausreichend. Ferner sei die Beschwerdeführerin leistungsorientiert und sie erfahre von ihrem Ex-Mann und dessen Familie Unterstützung (Urk. 8/168/36).
5.4.6
Im Zusammenhang mit dem Aspekt der Konsistenz fällt die unterschiedliche Einschränkung des Aktivitätsniveaus im beruflichen Bereich einerseits und im privaten andererseits auf. Die Ausübung einer Erwerbstätigkeit erachtet die Beschwerdeführerin für ausgeschlossen (Urk. 8/168/14 Ziff. 1.2.5), hingegen vermag sie im privaten Bereich ein gewisses Leistungs- und Aktivitätsniveau aufrecht zu erhalten (Urk. 8/168/12 f. Ziff. 1.2.2). Therapeutische Optionen nimmt die Beschwerdeführerin regelmässig wahr, zusätzliche und bisher noch nicht genutzte therapeutische Optionen sind allerdings gegeben. Ferner müssen auch die medikamentösen Behandlungsoptionen als intakt bezeichnet werden (Urk. 8/168/24 Ziff. 5.3).
5.5
Bezüglich der Diagnosen einer somatoformen Schmerzstörung und einer post-
trau
matischen Belastungsstörung ergibt die Prüfung der praxisgemässen Standardindikatoren, dass die Beurteilung der Beschwerdegegnerin, der Beschwerdeführerin sei es zumutbar, die beeinträchtigenden Folgen der beste
henden Leiden zu überwinden (Urk. 2 S. 2), gerechtfertigt gewesen ist. Die noch ungenutzten Therapieoptionen und das vorhandene Ressourcenpotential einer
seits und die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde sowie der Komorbi
ditäten andererseits liessen diesen Schluss im Zeitpunkt des Verfügungserlasses zu. Da aus rechtlicher Sicht auch die Angststörung und die depressive Störung keine Invalidität zu begründen vermögen, ist eine Erwerbsunfähigkeit zu ver
neinen. Mit anderen Worten ist bezogen auf den Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung
ein invalidisierender Gesundheitsschaden zu vernei
nen. Die Schwerhörigkeit hat die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit nicht an einer Erwerbstätigkeit gehindert. Auch der Umstand, dass sie nicht mit Männern zusammen arbeiten kann, vermag keine Erwerbsunfähigkeit zu begründen. Dies hat zur Folge, dass bezogen auf den Erwerbsbereich ein Leis
tungsanspruch zu verneinen ist. Gleiches gilt für den Aufgabenbereich. Ist ein invalidisierender Gesundheitsschaden zu verneinen, ist auf die im Zusammen
hang mit der Statusfrage und der Haushaltabklärungen strittigen Aspekte nicht näher einzugehen.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin mit der ange
fochtenen Verfügung vom 7. Oktober 2015 zu Recht den Anspruch auf eine Invalidenrente verneint und das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin abgewiesen hat. Dies hat die Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde zur Folge.
6.
6.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversiche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61 lit. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr.
1'000.-- festge
setzt. Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von
Fr. 800
.-- als ange
messen. Ausgangsgemäss sind die Kosten
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge gewährter unentgeltlicher Prozessführung aber einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6.2
Nach Einsicht in die
abschliessende
Honorarnote vom
9. Mai 2016 (Urk. 16)
ist
Rechtsanwalt lic. iur. Jürg Gasche, Zürich,
für seine Bemühungen als unentgelt
licher
Rechtsvertreter
in vorliegendem Verfahren unter Berücksichtigung eines praxisgemässen Stunden
ansatzes von Fr. 220.-- mit Fr. 3‘271
.-- aus der Gerichtskasse zu entschädigen (Auslagen und Mehrwertsteuer inbegriffen).