Decision ID: f0a76232-5e81-4b2e-8ed6-bbebeea44e07
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Raub etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 1. Abteilung, vom 18. September 2018 (DG170341)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 19. Dezember 2017
(Urk. 30) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- des Raubes mit Mitführen einer anderen gefährlichen Waffe im Sinne von
Art. 140 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 140 Ziff. 2 StGB sowie
- des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 WG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 32 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und
mit heute 20 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 23 Monaten aufgescho-
ben und die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (9 Monate, abzüg-
lich 20 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind) wird die Freiheits-
strafe vollzogen.
4. Die Tatort-Fotografien (Asservat-Nr. A010'609'877, A010'610'147), die Ver-
gleichs-WSA (Asservat-Nr. A010'609'902, A010'609'913, A'010'610'001), die
DNA-Spur-Wattetupfer (Asservat-Nr. A010'609'957, A010'618'834,
A010'618'845) sowie das Mikrospuren-Klebbandasservat (Asservat-
Nr. A010'609'979), lagernd beim Forensischen Institut Zürich, sind nach
Rechtskraft des Entscheides zu vernichten.
5. Die sichergestellten Gegenstände, namentlich
- ein Paar Turnschuhe "Nike Free", schwarz, Grösse 41 (Asservat-Nr. A010'613'602),
- eine Arbeitshose "Marsum" grau, Grösse 40 (Asservat-Nr. A010'613'771),
- ein Poloshirt "Azzurro" hellblau, Aufdruck "Stevi Facility" (Asservat-Nr. A010'613'782)
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lagernd beim Forensischen Institut Zürich, sind dem Beschuldigten gestützt
auf Art. 267 Abs. 3 StPO auf erstes Verlangen herauszugeben.
6. Die aus dem Fahrzeug (Kontrollschild-Nr. ZH ...) sichergestellten Gegenstän-
de, namentlich
- ein T-Shirt "edc" schwarz, Grösse L (Asservat-Nr. A010'614'127), - eine Wärmejacke grau/braun (Asservat-Nr. A010'615'608), - eine Arbeitsjacke "Caterpillar" schwarz, Grösse M (Asservat-Nr.
A010'615'620), - eine Jacke "55.DSL", Grösse unbekannt (Asservat-Nr. A010'615'642), - eine Arbeitsjacke mit Innenjacke "Atrium" blau, Grösse M (Asservat-Nr.
A010'615'664), - ein Paar Arbeitshandschuhe "Gebol" Wet Grip 200 schwarz, 10/XL (As-
servat-Nr. A010'615'686), - ein Handschuh "Cafeteria PKS" weiss, Grösse unbekannt (Asservat-Nr.
A010'615'697)
lagernd beim Forensischen Institut Zürich, sind dem Beschuldigten gestützt
auf Art. 267 Abs. 3 StPO auf erstes Verlangen herauszugeben.
7. Der Beschuldigte wird in solidarischer Haftung mit B._ (DG170340) und
C._ (GG170276) verpflichtet, der Privatklägerin 1 (D._ Filiale ...[Ort],
vertreten durch Herrn E._) Schadenersatz von Fr. 21'230.90 zu bezah-
len. Im Mehrumfang wird die Privatklägerin 1 mit ihrem Schadenersatzbegeh-
ren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
8. Es wird davon Vormerk genommen, dass gemäss Dispositivziffer 7 des Ur-
teils vom 18. September 2018 des Bezirksgerichts Zürich im Verfahren
DG170340 gegen den Mitbeschuldigten B._ der Privatklägerin 1
Fr. 16'986.80 herausgegeben werden, und dass sich in diesem Umfang die
Schadenersatzpflicht des Beschuldigten gemäss Ziffer 7 vorstehend reduziert.
9. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 2'500.–. Über die weiteren Kosten
(Barauslagen usw.) wird die Gerichtskasse Rechnung stellen.
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10. Rechtsanwalt Dr. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Ver-
teidiger des Beschuldigten mit Fr. 10'928.35 (inkl. Barauslagen und 8 bzw.
7.7 % MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenom-
men diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten aufer-
legt.
12. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 62 S. 1 f.)
Hauptanträge
1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf des Raubes (Dossier Nr. 1) freizu-
sprechen.
2. Der Beschuldigte sei mit einer angemessenen Geldstrafe zu bestrafen.
Diese Strafe sei aufzuschieben, unter Ansetzung einer Probezeit von
3 Jahren.
3. Allfällige Zivilforderungen der Privatklägerschaft seien abzuweisen;
eventualiter seien sie auf den Zivilweg zu verweisen, soweit darauf ein-
zutreten ist.
4. Dem Beschuldigten sei für die erlittene Haft von 20 Tagen eine Genug-
tuung von CHF 4'000 zuzusprechen.
5. Die Verfahrenskosten seien im Umfang von 5 Prozent dem Beschuldig-
ten aufzuerlegen, im Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen.
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Eventualanträge
1. Der Beschuldigte sei anklagegemäss schuldig zu sprechen.
2. Er sei mit einer Freiheitsstrafe von maximal 24 Monaten zu bestrafen.
Diese Strafe sei aufzuschieben, unter Ansetzung einer Probezeit von
3 Jahren.
3. Allfällige Zivilforderungen der Privatklägerschaft seien abzuweisen,
eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen, soweit darauf einzutreten
ist.
4. Die Verfahrenskosten seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 57, schriftlich, sinngemäss)
1. Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
2. Verzicht auf Anschlussberufung
3. Gesuch um Dispensation von der Teilnahme an der Berufungsverhand-
lung
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Erwägungen:
I. Gegenstand des Berufungsverfahrens
Mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 1. Abteilung, vom 18. September 2018
wurde der Beschuldigte des Raubes mit Mitführen einer anderen gefährlichen
Waffe im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 StGB sowie des Ver-
gehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 WG schuldig ge-
sprochen und mit einer Freiheitsstrafe von 32 Monaten bestraft, welche im Um-
fang von 23 Monaten bedingt aufgeschoben wurde, unter Ansetzung einer Probe-
zeit von 4 Jahren, und deren Vollzug im Umfang von 9 Monaten angeordnet wur-
de. Ferner wurde über die Vernichtung, die Verwendung der beschlagnahmten
Gegenstände sowie die Zivilforderungen der Privatklägerin 1 entschieden. Die
Kosten des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens wurden dem Be-
schuldigten auferlegt (Urk. 52).
Gegen das Urteil liess der Beschuldigte mit Eingabe vom 26. September 2018
Berufung anmelden (Urk. 46) und mit Eingabe vom 24. Dezember 2018 fristge-
recht die Berufungserklärung einreichen (Urk. 54). Er beantragt einen Freispruch
betreffend den Vorwurf des Raubes (Dossier 1), das Ausfällen einer angemesse-
nen Geldstrafe, welche unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren aufzu-
schieben sei, die Abweisung allfälliger Zivilforderungen der Privatklägerschaft,
eventualiter seien sie auf den Zivilweg zu verweisen, soweit darauf einzutreten
sei, die Zusprechung einer Genugtuung in der Höhe von Fr. 4'000.– für 20 Tage
erlittene Haft sowie die Auferlegung der Verfahrenskosten im Umfang von 5 Pro-
zent, im Übrigen seien sie auf die Staatskasse zu nehmen (Urk. 62 S. 1). Sollte
diesen Hauptanträgen nicht entsprochen werden, beantragt der Beschuldigte die
anklagegemässe Schuldigsprechung, die Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von
maximal 24 Monaten, welche unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren auf-
zuschieben sei, die Abweisung allfälliger Zivilforderungen der Privatklägerschaft,
eventualiter seien sie auf den Zivilweg zu verweisen, soweit darauf einzutreten
sei, sowie die Auferlegung der Verfahrenskosten (Urk. 62 S. 2).
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Innert der mit Präsidialverfügung vom 21. Januar 2019 angesetzten Frist teilte die
Staatsanwaltschaft ihren Verzicht auf Anschlussberufung mit, beantragte die Be-
stätigung des vorinstanzlichen Urteils, und stellte ein Gesuch um Dispensation
von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung (Urk. 55; Urk. 57). Die Privat-
kläger liessen sich nicht vernehmen.
Vorab ist davon Vormerk zu nehmen, dass das vorinstanzliche Urteil bezüglich
der Dispositivziffern 1, 2. Spiegelstrich (Schuldspruch betreffend Vergehen gegen
das Waffengesetz), 4-6 (Entscheid über sichergestellte Gegenstände), 9 (Kosten-
festsetzung) sowie 10 (Entschädigung amtliche Verteidigung) unangefochten ge-
blieben und damit in Rechtskraft erwachsen ist, was mittels Beschluss festzustel-
len ist. Die weiteren Punkte sind angefochten und bilden Gegenstand des Beru-
fungsverfahrens.
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Infolge rechtskräftiger Erledigung des übrigen Anklagevorwurfes (vorstehend,
Erw. I.) verbleibt einzig der nachfolgende Vorwurf Gegenstand des Berufungsver-
fahrens.
Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 19. Dezember 2017 zusam-
mengefasst vorgeworfen, er habe sich am 20. Juli 2017, um ca. 05.45 Uhr, in sei-
nem Geschäftswagen zusammen mit B._ und C._ zur D._ Filiale
...[Ort], ...[Adresse] begeben, wo C._ auf dem Fahrersitz sitzend die Situati-
on um den D._ und dabei insbesondere das Warentor beobachtet habe,
während sich der Beschuldigte und B._ im Laderaum des Lieferwagens ver-
mummt und Handschuhe angezogen hätten. Der Beschuldigte habe sich mit ei-
nem Pfefferspray und einem Schlagring bewaffnet, B._ mit einem Schmetter-
lingsmesser. Als der Privatkläger 2, F._, Filialleiter dieser D._-Filiale,
das Warentor geöffnet habe, um einen Palettrolli auf die Rampe zu stossen, habe
C._ dies mitgeteilt, worauf der Beschuldigte und B._ aus dem Lieferwa-
gen gesprungen und durch das offene Warentor in das Warenlager gestürmt sei-
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en. Im Warenlager angekommen habe der Beschuldigte dem Privatkläger 2 un-
mittelbar Pfefferspray in das linke Auge gesprüht und ihm danach mit der rechten
Hand, an welcher er den Schlagring getragen habe, zwei Faustschläge gegen das
linke Auge bzw. die linke Wange versetzt, worauf der Privatkläger 2 ihn gegen
das Bein zu treten versucht habe und anschliessend zu Boden gestürzt sei. Da-
raufhin habe der Beschuldigte diesen aufgefordert, liegen zu bleiben, und sei
während den weiteren Geschehnissen stets neben diesem stehen geblieben.
Durch die beiden Schläge mit dem Schlagring habe der Privatkläger 2 am linken
Auge einen Augenhöhlenbruch mit Einblutung in die Augenhöhle, den Augapfel
und die linke Oberkiefernebenhöhle sowie eine Prellung des linken Augapfels er-
litten. Als Folge dieser Verletzungen habe dieser bis mindestens am 8. August
2017 täglich unter Kopfschmerzen sowie Doppelbildern beim Auf- und Abblicken
nach links gelitten, und dieser habe sich durch den Sturz zu Boden eine Prellung
der linken Hand zugezogen (Urk. 30 S. 2 f.).
Aufgrund des Schreis und des Hilferufs des Privatklägers 2 sei die Verkäuferin
G._ (nachfolgend: Geschädigte) herbeigeeilt und B._, welcher während
der Einwirkung auf den Privatkläger 2 ca. 2 Meter hinter dem Beschuldigten ge-
standen sei, habe aus einer Distanz von ca. 5 Metern die Klinge des Schmetter-
lingsmessers auf Hüfthöhe gegen die Geschädigte gerichtet, welche dadurch
massiv verängstigt worden und mit B._ zum nahe liegenden Büro gegangen
sei, in welchem B._ der Geschädigten befohlen habe, den Tresor zu öffnen,
was diese getan habe. B._ habe dann aus dem oberen nicht weiter ver-
schlossenen Fach das sich dort befindliche Notengeld entnommen und dieses in
seinen mitgeführten Rucksack gepackt. Danach habe er die Geschädigte mit den
Worten "alles alles" aufgefordert, auch die sich im Tresor befindlichen Kassen-
schubladen zu öffnen, worauf diese zwei Kassenschubladen geöffnet habe,
B._ das Notengeld aus den beiden Kassen entnommen und in den Rucksack
gesteckt und die Geschädigte auch noch das Münzgeld der beiden Kassen in die-
sen Rucksack geleert habe. B._ und der Beschuldigte hätten sich dann mit
dem erbeuteten Bargeld in der Höhe von insgesamt Fr. 21'230.90 eilend zurück
zum Lieferwagen begeben und in den Laderaum gekauert, während C._ den
Lieferwagen bis zum H._-areal gelenkt habe, wo B._ mit dem Rucksack
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und dem sich darin befindlichen Geld sowie mit den Tatwaffen davongerannt sei.
Der Beschuldigte habe sich umgezogen, die Kleider in eine Sporttasche gepackt
und diese über einen Zaun ins H._-areal geworfen und sei dann zusammen
mit C._ im Lieferwagen zu seinem Arbeitsort gefahren. Zwischen dem Be-
schuldigten und B._ sei vereinbart gewesen, dass sie die Beute nachfolgend
halbieren würden und der Beschuldigte C._ einen Teil seines Anteils abge-
ben würde (Urk. 30 S. 3 f.).
2. Sachverhaltserstellung
Der Beschuldigte hat diesen Sachverhalt im Vorverfahren und vor Vorinstanz
stets anerkannt (Urk. 3/4 S. 4 ff.; Urk. 3/7 S. 2 f.; Urk. 3/11 S. 13-15; Prot. I S. 20)
und dies auch im Berufungsverfahren bestätigt (Prot. II S. 14). Mit dem Beschul-
digten stellt auch die Verteidigung den eingeklagten Sachverhalt als solchen nicht
in Abrede. Sie moniert einzig, dass sich der Anklagesachverhalt nicht unter den
schweren Tatvorwurf des qualifizierten Raubes subsumieren lasse (Urk. 42;
Urk. 62 S. 2; vgl. nachfolgend, Erw. III.2.). Das Geständnis des Beschuldigten
deckt sich sodann mit dem Untersuchungsergebnis, weshalb der Anklagesach-
verhalt erstellt ist.
III. Rechtliche Würdigung
1. Vorbemerkung
Die Vorinstanz würdigte die in Mittäterschaft mit B._ und C._ begange-
ne und vorliegend noch zu beurteilende Tat des Beschuldigten als Raub mit Mit-
führen einer anderen gefährlichen Waffe im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 in Verbin-
dung mit Ziff. 2 StGB (Urk. 52 S. 7 ff. und S. 26).
2. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch vom Vorwurf des qualifizierten Rau-
bes. Die Verteidigung bringt zur Begründung vor, der Mittäter B._ habe die
Geschädigte gezwungen, den Code zur Öffnung des Tresors einzugeben. Da er
und der Beschuldigte diesen Code nicht gekannt hätten, wären sie ohne das Zu-
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tun der Geschädigten gar nicht an das Geld im Tresor gekommen. Diese Sach-
verhaltskonstellation erfülle jedoch den Tatbestand der qualifizierten bzw. räuberi-
schen Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 3 StGB,
zumal dieser Tatbestand immer dann erfüllt sei, wenn der Täter auf die Mitwir-
kung des Opfers angewiesen sei. Beuge sich also das Opfer, welches im Gegen-
satz zum Täter über die Zahlenkombination des Codes verfüge, nicht, so erlange
der Täter – und dies eben anders als beim Raub – den Vermögensvorteil nicht.
Der Beschuldigte und B._ seien darauf angewiesen gewesen, dass die Ge-
schädigte den geheimen Tresorcode eingebe, ansonsten sie nie an das Geld da-
rin gelangt wären. Damit liege aber eben kein Raub, sondern bloss eine Erpres-
sung vor, was tatbestandlich etwas völlig anderes sei. Da dem Beschuldigten in
der gesamten Strafuntersuchung nie eine Erpressung vorgeworfen worden sei
und auch in der Anklage der Tatvorwurf und die spezifischen Tatbestandselemen-
te der Erpressung fehlen würden, könne es auf dieser Grundlage nicht zu einer
Verurteilung kommen, ansonsten eine schwere Verletzung des Anklageprinzips
vorliegen würde. Folglich sei der Beschuldigte vom Vorwurf des qualifizierten
Raubes freizusprechen (Urk. 42 S. 3 f.; Urk. 62 S. 3 ff.).
3. Würdigung
Die Ausführungen der Vorinstanz betreffend die Mittäterschaft, die Tatbestands-
merkmale des qualifizierten Raubes (Art. 140 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2
StGB) und die Abgrenzungskriterien zur räuberischen Erpressung (Art. 156 Ziff. 1
in Verbindung mit Ziff. 3 StGB) sind zutreffend. Es kann darauf verwiesen werden
(Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 52 S. 7 ff.). Vertiefend ist allerdings festzuhalten, dass
in der Literatur die Erpressung vom Raub unterschiedlich abgegrenzt wird. Eine
Auffassung stellt darauf ab, ob der Täter auf die aktive Mitwirkung des Gewahr-
samsinhabers angewiesen ist, um die in Aussicht genommene Beute zu erlangen,
wie dies etwa bei einer Nummernkombination zur Öffnung eines Tresors oder bei
der Ausstellung eines Checks der Fall ist. Es wird allerdings zu Recht darauf hin-
gewiesen, dass damit der Begriff der Vermögensdisposition ausgedehnt wird, weil
das Öffnen des Tresors nicht unbedingt eine unmittelbare Schädigung des Eigen-
tümers zur Folge hat, da das im Tresor befindliche Geld anschliessend noch her-
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ausgenommen werden und in den Gewahrsam des Täters gelangen muss, was
dieser auch selber bewerkstelligen kann. Entsprechend lasse sich das erzwunge-
ne Öffnen des Tresors als Nötigung charakterisieren und das nachfolgende Weg-
nehmen des Geldes als Raub, sofern der Zwang weiterhin aufrechterhalten werde
(REHBERG/SCHMID/DONATSCH, Strafrecht III, 8. Aufl., Zürich 2002, S. 243 f.). Eine
andere Meinung hält allein für massgebend, ob dem Opfer hinsichtlich der Ver-
mögensverschiebung ein Mindestmass an Wahlfreiheit bleibt oder nicht. Werde
das Opfer vor die Wahl zwischen blossem Vermögensverlust oder Verlust auch
des Lebens gestellt, bestehe hinsichtlich des Vermögensnachteils keine Wahlfrei-
heit mehr, weshalb dann Raub anzunehmen sei, obschon der Betroffene äusser-
lich betrachtet die Sache herausgebe. In den Fällen, in denen der Täter den Be-
troffenen mit vorgehaltener Waffe zwinge, einen Safe zu öffnen, verschaffe er sich
durch die Nötigung zunächst lediglich die Zugriffsmöglichkeit auf das fremde
Vermögen. Halte der Täter den Zwang auch während der eigentlichen Vermö-
gensverschiebung aufrecht, indem er das Opfer fessle oder weiter mit der Waffe
bedrohe, sei Raub anzunehmen (STRATENWERTH/JENNY/BOMMER, Schweizeri-
sches Strafrecht BT I, 7. Auflage, Bern 2010, § 17 N 7). Auch WEISSENBERGER
und TRECHSEL/CRAMERI vertreten die Auffassung, dass Raub anzunehmen ist,
wenn der Täter das Opfer mit Gewalt zwingt, die Kombination zu einem Safe
preiszugeben, und den Zwang während der Vermögensverschiebung aufrechter-
hält (WEISSENBERGER, in: NIGGLI/WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar Strafrecht II,
4. Aufl., Basel 2019, N 27 und N 52 zu Art. 156; TRECHSEL/CRAMERI, in: TRECH-
SEL/PIETH, Schweizerisches Strafgesetzbuch Praxiskommentar, 3. Aufl., Zürich/
St. Gallen 2018, N 18 zu Art. 156). Muss das Opfer die Vermögensdisposition
selber vornehmen und nicht nur als Werkzeug des Täters, dann tritt Raub hinter
die räuberische Erpressung zurück (DONATSCH, in: DONATSCH ET AL., StGB Kom-
mentar, 20. Aufl., Zürich 2018, N 15 zu Art. 156).
Der Beschuldigte stürmte zusammen mit B._ bewaffnet in die D._ Filia-
le, als der Privatkläger 2 das Warentor öffnete. Bevor dieser reagieren konnte,
sprühte ihm der Beschuldigte unvermittelt Pfefferspray ins Gesicht und verpasste
ihm anschliessend zwei wuchtige Faustschläge – verstärkt durch einen Schlag-
ring – gegen das linke Auge bzw. die linke Wange. Währenddessen stand
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B._ mit einem Schmetterlingsmesser in der Hand 2 Meter hinter dem Be-
schuldigten. Die Gewaltanwendung des Beschuldigten hatte zur Folge, dass der
Privatkläger 2 verletzt und blutend zu Boden ging. Gemäss Bericht des Stadtspit-
als ...[Ort] vom 31. August 2017 erlitt dieser eine Orbitabodenfraktur des linken
Auges mit Einblutungen in die Augenhöhle, den Augapfel sowie die linke Oberkie-
fernebenhöhle, eine Prellung des Augapfels und eine Prellung der linken Hand
(Urk. 9/8). Für die Geschädigte, welche aufgrund seines Hilferufes herbeigeeilt
war, war sofort erkennbar, dass dieser verletzt auf dem Boden lag, zumal ihr das
Blut am Boden auf Höhe seines Kopfes nicht entgangen war. So bestätigte sie,
dass der Privatkläger 2 am Boden gelegen sei und geblutet habe, als sie hinzu-
gekommen sei. Sie habe das Blut am Boden gesehen. Am Boden auf Höhe sei-
nes Kopfes sei ein ca. handgrosser Blutfleck gewesen. Sie habe dann zwei
schwarze Gestalten gesehen. Der eine habe ein Messer in der Hand gehabt ca.
Hüfthöhe mit der Klinge nach vorne. Dieser sei dann auf sie zu gekommen und
habe sie dezent Richtung Büro gewiesen. Von da an habe sie einfach funktioniert.
Im Büro habe er ihr gesagt, sie solle den Tresor aufmachen. Er habe einfach ge-
sagt, sie müsse ihn öffnen, was sie sofort getan habe. Er habe dann alles ausge-
räumt und in einen schwarzen Rucksack gefüllt (Urk. 4/3 S. 1 f.; Urk. 4/4 S. 4 f.).
Während B._ mit der Geschädigten ins Büro ging und den Tresor ausräumte,
blieb der mit einem Pfefferspray und Schlagring bewaffnete Beschuldigte bewa-
chend neben dem am Boden liegenden und blutenden Privatkläger 2 stehen, was
auch der Geschädigten nicht entgangen war, welche anlässlich ihrer Einvernah-
men ausführte, sie habe bezüglich des Beschuldigten wahrgenommen, dass die-
ser beim Privatkläger 2 geblieben sei (Urk. 4/3 S. 4, Antw. auf Frage 32; Urk. 4/4
S. 10, Antw. auf Frage 56).
Auch der Privatkläger 2 gab anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
zu Protokoll, dass der Beschuldigte immer neben ihm gestanden sei, während der
andere ins Büro gegangen sei (Urk. 4/2 S. 9, Antw. auf Frage 57). Dabei hielt der
Beschuldigte weiterhin sowohl den Pfefferspray als auch den Schlagring sichtbar
in seinen Händen. Der Privatkläger 2 bestätigte, dass der Beschuldigte "beide
Waffen" beim Verlassen des Lagers noch in den Händen gehalten habe (Urk. 4/1
S. 3, Antw. auf Frage 23). Somit wusste nicht nur der Privatkläger 2 aufgrund sei-
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ner Verletzungen und angesichts des Umstandes, dass er vom bewaffneten Be-
schuldigten bewacht wurde, welcher nicht davor zurückgeschreckt war, vorgängig
bereits Gewalt gegen ihn anzuwenden, dass er widerstandsunfähig und damit
nicht in der Lage sein würde, der Geschädigten zu helfen. Auch der Geschädigten
musste im Zeitpunkt, als sie den Tresor öffnete, angesichts der Verletzungen des
Privatklägers 2 und des Blutes neben ihm bewusst gewesen sein, dass sich die-
ser dem bewaffneten Beschuldigten nicht mehr widersetzen würde und sie nicht
mit seiner Hilfe rechnen konnte. In diesem Moment konnte sie insbesondere auch
nicht wissen, ob der Beschuldigte allenfalls erneut auf den Privatkläger 2 ein-
schlagen oder weitere Gewalt gegen diesen ausüben würde, wenn sie sich der
Aufforderung von B._ widersetzen und den Tresor nicht öffnen würde. Dass
zumindest der Beschuldigte keine Hemmungen hatte, Gewalt gegen den Privat-
kläger 2 anzuwenden, hatte dieser mit seinem Verhalten bereits deutlich gezeigt.
Aufgrund des gewalttätigen Verhaltens des Beschuldigten war für die Geschädig-
te und den Privatkläger 2 zudem nicht auszuschliessen, dass nicht auch B._
gewalttätig werden und allenfalls das Schmetterlingsmesser gegen sie einsetzen
könnte. Der Privatkläger 2 wusste somit nicht, ob B._ die Geschädigte nicht
auch verletzen würde, wenn er sich weiter wehren und Widerstand gegen den
Beschuldigten leisten würde. Selbst die Geschädigte konnte sich nicht sicher sein,
dass B._ das Messer nicht doch noch gegen sie einsetzen würde oder allen-
falls sogar der Beschuldigte ihr gegenüber gewalttätig geworden wäre, wenn sie
sich nicht kooperativ verhalten hätte, zumal es bereits zu Gewalthandlungen ge-
kommen und eine diesbezüglich allenfalls anfänglich bestehende Hemmschwelle
überschritten war.
Folglich wurde der Zwang während B._ den Tresor ausräumte und damit
während der Vermögensverschiebung nicht nur gegenüber dem verletzten Privat-
kläger 2 aufrechterhalten, welcher währenddessen vom bewaffneten Beschuldig-
ten bewacht wurde und damit widerstandsunfähig war, sondern auch gegenüber
der Geschädigten. Diese führte aus, dass sie das Messer von B._ ungefähr
auf Hüfthöhe mit der Klinge in ihre Richtung gesehen habe, bevor sie mit diesem
ins Büro gegangen sei (Urk. 4/4 S. 7). Indem B._ das Schmetterlingsmesser
mit der Klinge nach vorne aus einer Distanz von ca. 5 Metern auf Hüfthöhe gegen
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die Geschädigte richtete, war die Situation für sie als gegenwärtige Gefahr für
Leib und Leben wahrnehmbar. In Folge dieser Drohung führte B._ sie zum
Tresor, wo dieser sie nicht nur aufforderte, den Tresor zu öffnen, sondern mit den
Worten "alles alles" auch das Öffnen der darin enthaltenen Kassenschubladen
erwartete, was diese auch tat. Die Geschädigte führte zwar aus, dass sie das
Messer später zu keinem Zeitpunkt mehr gesehen habe (Urk. 4/4 S. 7), aufgrund
der Bedrohungssituation sowie angesichts ihres Angstzustandes und gestützt auf
die Aussage des Privatklägers 2, wonach B._ das Messer nach dem Überfall
immer noch in der Hand gehalten habe (Urk. 4/1 S. 3, Antw. auf Frage 21), er-
scheint allerdings naheliegender, dass sie dieses später nur nicht mehr wahrge-
nommen hat. Die Geschädigte war mit dem Öffnen des Tresors und der Kassen-
schubladen beschäftigt und leerte das Münzgeld der Kassen in den Rucksack von
B._, sodass sie abgelenkt war und sich allenfalls auch aus diesem Grund
nicht mehr auf das Messer geachtet hat, insbesondere da die ganze Situation
sehr schnell wieder vorbei gewesen ist. Die Geschädigte gab diesbezüglich zu
Protokoll, dass sie einfach funktioniert habe (Urk. 4/4 S. 4). Sie habe aber "mega
Angst, wirklich mega mega Angst" gehabt (Urk. 4/4 S. 5). Es sei alles "zack" ge-
gangen und der Spuk sei vorbei gewesen (Urk. 4/3 S. 4). Sie nehme an, man ha-
be ihr das Messer zeigen wollen. Auf jeden Fall habe es so viel Angst ausgelöst,
dass gar keine Bedrohung nötig gewesen sei (Urk. 4/4 S. 8).
Selbst B._ räumte ein, das Messer mit ins Büro zum Tresor genommen zu
haben. Anlässlich der Hafteinvernahme führte er dazu aus, dass er vielleicht mit
dem Messer Richtung Büro gezeigt habe oder mit der Hand (Urk. 3/9 S. 11, Antw.
auf Frage 51). Es könne sein, dass er das Messer gegen die Mitarbeiterin gerich-
tet habe, aber nie in Augenhöhe. Es könne sein, dass er unten damit herumge-
fuchtelt habe (Urk. 3/9 S. 11, Antw. auf Frage 52). Er sei vorne beim Safe gewe-
sen und habe das Messer fallen gelassen. Er habe noch gemerkt, dass das Mes-
ser auf dem Boden gewesen sei, habe "oh wow" gedacht, und es wieder genom-
men (Urk. 3/9 S. 10, Antw. auf Frage 49). Die Version von B._, wonach ihm
das Messer heruntergefallen sei, ist jedoch als reine Schutzbehauptung zu wer-
ten, zumal der Geschädigten wohl eher aufgefallen wäre, wenn er das Messer
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tatsächlich zu Boden fallen gelassen hätte, insbesondere da dies kaum geräusch-
los erfolgt wäre.
Entsprechend wurde der Zwang während dem Ausräumen des Tresors und damit
während der Vermögensverschiebung auch gegenüber der Geschädigten auf-
rechterhalten, welche das Messer zumindest anfänglich bewusst wahrgenommen
und welches B._ gemäss eigenen Ausführungen ebenfalls mit ins Büro ge-
nommen hat. Damit wussten sowohl der Privatkläger 2 als auch die Geschädigte,
dass sich der jeweils andere in einer Bedrohungssituation befand, was den
Zwang auf beide zusätzlich verstärkt hat. Aufgrund des mitgeführten Schmetter-
lingsmessers, des Schlagrings und des Pfeffersprays, wobei der Beschuldigte den
Pfefferspray und den Schlagring gegen den Privatkläger 2 auch eingesetzt hat,
war die Bedrohungssituation sowohl für diesen als auch die Geschädigte deutlich
wahrnehmbar, und die Geschädigte wurde so sehr in Angst versetzt, dass ein
weiteres Drohen mit Worten oder Gesten gar nicht mehr nötig gewesen ist, um sie
zur Kooperation und Öffnung des Tresors zu bewegen.
Wie die Verteidigung zwar zutreffend ausführte (vgl. vorstehend, Erw. III.2.), wa-
ren der Beschuldigte und B._ auf den Tresorcode angewiesen, welchen die
Geschädigte eingeben musste, allerdings wurde durch die Mitwirkung der Ge-
schädigten lediglich der Tresor geöffnet und sie hat B._ damit einzig die Zu-
griffsmöglichkeit auf das fremde Vermögen verschaffen. Dieser packte anschlies-
send selber das Notengeld in seinen Rucksack, während er die Geschädigte mit
den Worten "alles alles" aufforderte, die sich im Tresor befindlichen Kassenschub-
laden zu öffnen. Auch das darin enthaltene Notengeld steckte B._ selber in
seinen Rucksack, während die Geschädigte auch noch das Münzgeld der beiden
Kassen in diesen leerte. Die Geschädigte handelte damit überwiegend als Werk-
zeug von B._, indem sie auf seinen Befehl hin den Tresor und die Kassen-
schubladen öffnete, welcher anschliessend aber das darin befindliche Notengeld
selber herausnahm und in einen Rucksack packte. Dieses Vorgehen von B._
und der Ablauf der Geschehnisse wird vom Beschuldigten auch nicht bestritten,
zumal er den Anklagesachverhalt vollständig anerkannt hat (vorstehend,
Erw. II.2.).
- 16 -
Durch das Aufrechterhalten des Zwanges gegenüber dem Privatkläger 2 und der
Geschädigten während der Vermögensverschiebung ist nach der überzeugenden
von der herrschenden Lehre vertretenen Auffassung von einem Raub auszuge-
hen.
4. Fazit
Die rechtliche Würdigung der Tat als Raub erweist sich damit in Übereinstimmung
mit der Vorinstanz und entgegen der Auffassung der Verteidigung ohne Weiteres
als zutreffend. Folglich ist der Beschuldigte ferner des qualifizierten Raubes (mit
Mitführen einer anderen gefährlichen Waffe) im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 in Ver-
bindung mit Ziff. 2 StGB schuldig zu sprechen.
IV. Strafzumessung
1. Vorbemerkung
Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 32 Mona-
ten, wobei deren Vollzug im Umfang von 23 Monaten aufgeschoben und der zu
vollziehende Teil auf 9 Monate abzüglich 20 Tage erstandener Haft festgelegt
wurde, unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren (Urk. 52 S. 26). Da einzig
der Beschuldigte Berufung gegen das vorinstanzliche Urteil erhoben hat, fällt auf-
grund des Verschlechterungsverbotes eine strengere Bestrafung von vornherein
ausser Betracht (Verbot der reformatio in peius; Art. 391 Abs. 2 StPO).
2. Allgemeine Grundsätze
Die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumessung wurden im vorinstanz-
lichen Urteil zutreffend wiedergegeben und der massgebliche Strafrahmen für den
qualifizierten Raub gemäss Art. 140 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 StGB korrekt
mit Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bis zu 20 Jahren und für das Ver-
gehen gegen das Waffengesetz nach Art. 33 Abs. 1 lit. a WG korrekt mit Frei-
heitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe abgesteckt (Urk. 52 S. 15 ff.). Dies
braucht nicht wiederholt zu werden. Die Vorinstanz ist auch zu Recht vom qualifi-
zierten Raub als schwerstes Delikt ausgegangen. Es ist daher zunächst die hypo-
- 17 -
thetische Einsatzstrafe für das schwerste Delikt zu bestimmen und diese hernach
in Anwendung des Asperationsprinzips (Art. 49 Abs. 1 StGB) für das weitere De-
likt angemessen zu erhöhen.
Bei der Wahl der Sanktionsart sind die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sank-
tion, ihre Auswirkung auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventi-
ve Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97 E. 4.2). Ist eine Gesamtstrafe
auszufällen, sind die Voraussetzungen für eine kurze unbedingte Freiheitsstrafe
gemäss Art. 41 StGB unbeachtlich, solange die Gesamtstrafe mindestens sechs
Monate beträgt (Urteil des Bundesgerichtes 6B_808/2017 vom 16. Oktober 2017
E. 2.1.3).
Der Beschuldigte ist wegen der vorliegend zu beurteilenden Delikte zu bestrafen,
welche er trotz mehrfachen und wegen des Vergehens gegen das Waffengesetz
auch einschlägigen Vorstrafen, mit Verurteilungen zu bedingten Geldstrafen, be-
züglich den jüngsten Vorstrafen aus den Jahren 2016 und 2017 auch zu unbe-
dingten Geldstrafen teilweise verbunden mit einer Busse, begangen hat (Urk. 61;
nachfolgend, Erw. IV.4.2.). Die kumulative Bemessung und Ausfällung einer sepa-
raten Geldstrafe für ein weiteres einzelnes Delikt (Vergehen gegen das Waffen-
gesetz; vgl. BGE 138 IV 120 E. 5.2 und BGE 137 IV 57 E. 4.3.1), fällt vor diesem
Hintergrund insbesondere unter dem Aspekt der präventiven Effizienz der Strafe
und der Dauer und Intensität der zu beurteilenden Straftaten ausser Betracht.
Vielmehr ist auch für die Widerhandlung gegen das Waffengesetz eine Freiheits-
strafe und für alle Delikte gemeinsam eine Gesamtfreiheitsstrafe auszufällen, wie
dies bereits die Vorinstanz ohne nähere Begründung getan hat.
Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe liegen keine vor und es sind keine
ausserordentlichen Umstände gegeben, die ein Verlassen des ordentlichen Straf-
rahmens als angezeigt erscheinen liessen.
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3. Tatkomponente
3.1. Qualifizierter Raub
Bei der objektiven Tatschwere ist zu gewichten, dass der Beschuldigte bei der
Tatausführung massive Gewalt gegenüber dem Privatkläger 2 angewendet hat.
So sprühte er diesem nicht nur unvermittelt Pfefferspray ins Gesicht, sondern ver-
setzte ihm zusätzlich zwei mit einem Schlagring verstärkte Faustschläge gegen
das linke Auge bzw. die linke Wange. Diese beiden Schläge hatten nicht nur zur
Folge, dass der Privatkläger 2 am linken Auge einen Augenhöhlenbruch mit Ein-
blutungen in die Augenhöhle, den Augapfel und die linke Oberkiefernebenhöhle
sowie eine Prellung des linken Augapfels erlitt, sondern er zog sich durch seinen
Sturz auch eine Prellung der linken Hand zu. Gemäss Bericht des Stadtspitals
...[Ort] vom 31. August 2017 führten die Verletzungen nicht nur zu einer optischen
Entstellung des Privatklägers 2, sondern sie hatten auch einen temporären Ausfall
des linken Auges zur Folge, da dieses nicht geöffnet werden konnte, weshalb ei-
ne Arbeits- und Fahruntauglichkeit bestand, und langfristige Folgen konnten noch
nicht vollständig ausgeschlossen werden (Urk. 9/8). Der Privatkläger 2 gab bei
seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 8. August 2017 zudem an, un-
ter täglichen Kopfschmerzen zu leiden und Doppelbilder zu sehen, wenn er nach
oben oder unten schaue (Urk. 4/2 S. 9 f.). Der Überfall hatte auch psychische
Auswirkungen auf die Geschädigte, welche von B._ mit einem Schmetter-
lingsmesser bedroht und damit in Angst versetzt wurde, was sich der Beschuldig-
te aufgrund der Mittäterschaft auch zurechnen lassen muss. Indem sowohl
B._ als auch der Beschuldigte gleichzeitig bewaffnet in die D._ Filiale
stürmten, waren sie dem durch diesen Überfall völlig überraschten Privatkläger 2
auch zahlenmässig überlegen. Trotzdem setzte der Beschuldigte den Pfefferspray
ohne zu zögern unvermittelt gegen den Privatkläger 2 ein und brachte diesen mit-
tels zwei Faustschlägen, verstärkt durch einen Schlagring, verletzt zu Boden, was
von einer hohen kriminellen Energie des Beschuldigten zeugt. Zudem zeugen die
Vorbereitungshandlungen, insbesondere das Bereithalten eines Fluchtfahrzeu-
ges, das Mitnehmen von Maskierungen, Handschuhen, eines Pfeffersprays, eines
Schlagrings sowie eines Schmetterlingsmessers sowie das strukturierte und ziel-
- 19 -
gerichtete Vorgehen des Beschuldigten und von B._ von einem gut durch-
dachten Vorgehen. Dabei wählten der Beschuldigte, B._ und C._ mit
der D._ Filiale auch ein Tatobjekt, bei welchem eine nicht unbeachtliche Beu-
te (Deliktsbetrag in der Höhe von Fr. 21'230.90; Urk. 3/11 S. 10 f.) zu holen war
und keine strengen Sicherheitsvorkehrungen überwunden werden mussten. Die
objektive Tatschwere ist als erheblich zu qualifizieren.
Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der Beschul-
digte aus finanziellen Beweggründen und damit aus egoistischen und habgierigen
Motiven gehandelt hat. So bestätigt er anlässlich seiner polizeilichen Einvernah-
me, dass er in der Krise gewesen sei, da er eine grössere Rechnung in der Höhe
von Fr. 2'000.– und Steuern habe bezahlen müssen (Urk. 3/4 S. 7, Antw. auf Fra-
ge 76) und gab vor Vorinstanz zu Protokoll, dass er aus Geldnot gehandelt habe
(Prot. I S. 20 f.). Der Beschuldigte verdiente im Tatzeitpunkt monatlich netto
Fr. 4'900.–, war alleinstehend und kinderlos (vgl. Urk. 3/13 S. 2 f.), womit er sei-
nen Lebensunterhalt durchaus hätte bestreiten können. Zwar machte er geltend,
damals Kreditschulden in der Höhe von Fr. 14'000.– gehabt zu haben, diese
konnte er aber in monatlichen Raten abbezahlen (Urk. 3/4 S. 10). In einer drama-
tischen finanziellen Notlage steckte der Beschuldigte somit zweifellos nicht. Das
Tatvorgehen erfolgte fraglos direktvorsätzlich und die Gewaltanwendung gegen-
über dem Privatkläger 2 zeigt seine Brutalität, zumal die Widerstandsfähigkeit des
Privatklägers 2 durch den Einsatz des Pfeffersprays bereits eingeschränkt war.
Die Wucht der Faustschläge wurde durch den Einsatz des Schlagrings deutlich
verstärkt, sodass es einzig dem glücklichen Zufall zu verdanken ist, dass der Pri-
vatkläger 2 nicht noch schwerwiegendere Verletzungen im Gesicht oder am Kopf
erlitten hat. Zugunsten des Beschuldigten ist allerdings davon auszugehen, dass
er diese beiden wuchtigen Schläge ins Gesicht des Privatklägers 2 nicht von
vornherein geplant hat, sondern es wohl aus der Situation heraus dazu gekom-
men ist, weil der Privatkläger 2 als Reaktion auf den Überfall zu schreien und sich
zu wehren begann, indem er versuchte, nach dem Beschuldigten zu treten. So
führte der Beschuldigte vor Vorinstanz auf die Frage, wie es zu dieser massiven
Gewaltausübung gekommen sei, aus, er habe nicht mit einer Reaktion des Privat-
klägers 2 gerechnet. Er sei damit total überfordert gewesen. Er habe fliehen wol-
- 20 -
len, da er gewusst habe, dass das Geschrei sehr viel Aufmerksamkeit auf sich
gezogen habe. Er habe dann einfach eine "Kurzschlussreaktion" gehabt (Prot. I
S. 22). Die Berücksichtigung der subjektiven Schwere der Tat führt damit zu ei-
nem insgesamt nicht mehr leichten Tatverschulden. Die Vorinstanz erachtet dafür
eine hypothetische Einsatzstrafe von 35 Monaten Freiheitsstrafe als angemessen.
Dem kann beigepflichtet werden.
3.2. Vergehen gegen das Waffengesetz
Was die objektive Tatschwere des Vergehens gegen das Waffengesetz anbe-
langt, ist verschuldensmindernd zu gewichten, dass es sich beim Schlagring nicht
um eine unmittelbar lebensbedrohende Waffe handelte. Dennoch hat der Be-
schuldigte damit auf den Privatkläger 2 eingeschlagen und ihm willentlich nicht
unerhebliche Verletzungen an dessen linkem Auge zugefügt, was das Gefahren-
potential dieser Waffe manifestiert. Der Einsatz dieses Schlagrings erfolgte ledig-
lich während der Dauer des Raubes und diente der Verübung desselben. Insge-
samt erweist sich das Verschulden bei diesem Delikt als vergleichsweise leicht.
Dem leichten Verschulden bezüglich des Vergehens gegen das Waffengesetz ist
im Rahmen der Asperation mit einer Erhöhung der hypothetischen Einsatzstrafe
auf 36 Monate Freiheitsstrafe Rechnung zu tragen.
4. Täterkomponente
4.1. Persönliche Verhältnisse
Der Beschuldigte ist zusammen mit seiner jüngeren Schwester bei seinen Eltern
in I._ aufgewachsen. Er absolvierte die Sek B und anschliessend eine Lehre
als Koch. Danach arbeitete er 2 Jahre als Koch, bevor er als Hauswart im Ge-
schäft seines Vaters zu arbeiten begann. Dort erzielte er ein monatliches Netto-
einkommen in der Höhe von Fr. 5'900.–. Nebenbei arbeitete er am Samstag-
abend als Koch im "J._", sodass er zusätzlich Fr. 600.– verdiente. Er hat
verschiedene Buchhaltungskurse besucht und sich weitergebildet, um in ein paar
Jahren das Geschäft seines Vaters übernehmen zu können (Urk. 3/13 S. 3 f.;
Prot. I S. 16 ff.). Unterdessen arbeitet er nicht mehr im Geschäft seines Vaters,
- 21 -
sondern als Koch im K._-Club "J._" in L._ und verdient monatlich
netto Fr. 4'200.–. Ob er später einmal das Geschäft seines Vaters übernehmen
werde, sei noch nicht klar. Er hat seit etwa vier Monaten eine Freundin und wohnt
zusammen mit seinem Cousin in einer Wohnung in L._. Für diese Wohnung
bezahlt er monatlich Fr. 900.– und die Krankenkassenprämie hat er auf Fr. 320.–
reduziert. Er hat kein Vermögen und mehrere tausend Franken Schulden; Fr.
4'000.– aus noch nicht bezahlten Rechnungen sowie etwa Fr. 7'000.– aus noch
nicht bezahlten Geldstrafen, welche er aber in monatlichen Raten abbezahle
(Prot. II S. 8 ff.). Den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten sind keine
strafzumessungsrelevanten Faktoren zu entnehmen.
4.2. Vorleben und Nachtatverhalten
Der Beschuldigte ist bereits mehrfach und wegen des Vergehens gegen das Waf-
fengesetz einschlägig vorbestraft. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat vom 2. März 2015 wurde er wegen Entwendung eines Motorfahrzeugs
zum Gebrauch und Führens eines Motorfahrzeugs trotz Verweigerung, Entzug
oder Aberkennung des Ausweises zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tages-
sätzen zu Fr. 30.– bei einer Probezeit von 2 Jahren sowie einer Busse in der Hö-
he von Fr. 300.– verurteilt. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
vom 19. Februar 2016 wurde er erneut wegen Entwendung eines Motorfahrzeugs
zum Gebrauch, mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs trotz Verweigerung,
Entzug oder Aberkennung des Ausweises sowie fahrlässiger Verletzung der Ver-
kehrsregeln zu einer unbedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– und
einer Busse in der Höhe von Fr. 100.– verurteilt. Zudem wurde die mit Strafbefehl
vom 2. März 2015 bedingt ausgesprochene Geldstrafe widerrufen. Mit Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 8. März 2017 wurde er wegen Be-
schäftigung von Ausländerinnen und Ausländern ohne Bewilligung und Verge-
hens gegen das Waffengesetz zu einer unbedingten Geldstrafe von 70 Tagessät-
zen zu Fr. 120.– verurteilt. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland
vom 28. Februar 2019 wurde er erneut wegen Führens eines Motorfahrzeugs
trotz Verweigerung, Entzug oder Aberkennung des erforderlichen Ausweises so-
wie wegen der missbräuchlichen Verwendung von Ausweisen und/oder Kontroll-
- 22 -
schildern und der Übertretung des BG über die Betäubungsmittel zu einer unbe-
dingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu Fr. 90.– verurteilt (Urk. 61; Urk. 60).
Seine Vorstrafen und seine erneute Delinquenz nach der erstinstanzlichen Verur-
teilung in diesem Strafverfahren sind straferhöhend zu berücksichtigen.
Der Beschuldigte legte bereits anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme ein
Geständnis ab (Urk. 3/4 S. 4), verhielt sich während des gesamten Strafverfah-
rens kooperativ und bekundete gegenüber dem Privatkläger 2 und der Geschä-
digten mehrfach aufrichtige Reue (Urk. 3/7 S. 8 und S. 9; Urk. 3/10 S. 9; Urk. 3/11
S. 6; Urk. 4/4 S. 11; Prot. I S. 22; Prot. II S. 20), was deutlich strafmindernd zu be-
rücksichtigen ist.
5. Fazit
Die von der Vorinstanz auf 32 Monate festgesetzte Freiheitsstrafe trägt allen
Strafzumessungsfaktoren in angemessener Weise Rechnung und ist zu bestäti-
gen. Der Beschuldigte ist daher mit einer Freiheitsstrafe von 32 Monaten zu be-
strafen, unter Anrechnung der bereits erstandenen Untersuchungshaft von 20 Ta-
gen (Art. 51 StGB; Urk. 17/1; Urk. 17/7).
V. Strafvollzug
Eine vollständig bedingte Strafe kommt aufgrund der auszusprechenden Frei-
heitsstrafe von 32 Monaten von Gesetzes wegen nicht in Frage (Art. 42 Abs. 1
StGB). Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen für die Gewährung des teilbe-
dingten Strafvollzugs und die Kriterien für die Bemessung des zu vollziehenden
und des aufzuschiebenden Teils zutreffend dargelegt (Urk. 52 S. 21 f.). Dies
braucht nicht wiederholt zu werden.
Der Beschuldigte ist zwar bereits mehrfach, wegen des Vergehens gegen das
Waffengesetz auch einschlägig, vorbestraft und delinquierte nach der erstinstanz-
lichen Verurteilung in diesem Strafverfahren erneut (vgl. vorstehend, Erw. IV.4.2.),
ihm ist aber zugutezuhalten, dass er sich seit der Tat um bessere finanzielle Ver-
hältnisse bemüht hat, indem er mehr arbeitet, einen günstigeren Lebensstil pflegt
und seine Schulden abbezahlt hat (Prot. I S. 16 ff.; vgl. vorstehend, Erw. IV.4.2.).
- 23 -
Zudem zeigt er sich einsichtig bezüglich des von ihm begangenen Unrechts und
reuig. Auch in Anbetracht seines noch jungen Alters ist davon auszugehen, dass
ihn die 20 Tage erstandene Untersuchungshaft und insbesondere die Warnwir-
kung der noch zu vollziehenden Strafe sowie die drohende Vollstreckung des auf-
geschobenen Vollzugs der Reststrafe die volle Tragweite seines Fehlverhaltens
aufzeigen und ihn von der Begehung weiterer Straftaten abhalten werden. Den-
noch ist dem Umstand, dass sein Verschulden nicht mehr als leicht anzusehen
ist, angemessen Rechnung zu tragen. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz be-
steht in Bezug auf den Beschuldigten gerade noch eine genügende Aussicht auf
Bewährung, sodass es sich – insbesondere auch unter Berücksichtigung seiner
beruflichen Situation – rechtfertigt, den vollziehbaren Teil der Freiheitsstrafe auf
9 Monate festzusetzen.
Aufgrund der mehrfachen, teils einschlägigen Vorstrafen und insbesondere unter
Berücksichtigung der erneuten Delinquenz nach der erstinstanzlichen Verurtei-
lung in diesem Strafverfahren rechtfertigt es sich, für den aufzuschiebenden Teil
der Freiheitsstrafe eine Probezeit von 4 Jahren festzusetzen.
Die Freiheitsstrafe ist daher im Umfang von 9 Monaten (abzüglich 20 Tage er-
standener Haft) zu vollziehen. Im Übrigen ist der Vollzug der Freiheitsstrafe auf-
zuschieben unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren.
VI. Zivilforderung
Im angefochtenen Urteil wurde der Beschuldigte in solidarischer Haftung mit
B._ und C._ verpflichtet, der Privatklägerin 1 Schadenersatz in der Hö-
he von Fr. 21'230.90 zu bezahlen unter Anrechnung des gemäss Dispositivziffer 7
des Urteils vom 18. September 2018 des Bezirksgerichtes Zürich im Verfahren
DG170340 gegen B._ an die Privatklägerin 1 herausgegebenen Betrages in
der Höhe von Fr. 16'986.80. Im Mehrumfang wurde die Privatklägerin 1 mit ihrem
Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen (Urk. 52
S. 22 ff. und S. 27 f.). Der Beschuldigte liess in seiner Berufungserklärung einzig
die Aufhebung der solidarischen Haftung beantragen (Urk. 54 S. 2). Anlässlich
der Berufungsverhandlung beantragte die Verteidigung die Abweisung allfälliger
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Zivilforderungen der Privatklägerschaft, eventualiter seien diese auf den Zivilweg
zu verweisen, soweit darauf einzutreten sei, ohne diesen Antrag weiter zu be-
gründen (Urk. 62). Die Privatklägerin 1 hat kein Rechtsmittel ergriffen.
Die allgemeinen Voraussetzungen und gesetzlichen Grundlagen für die Beurtei-
lung der Schadenersatzforderung wurden durch die Vorinstanz korrekt wiederge-
geben und es wurde zutreffend festgehalten, dass sich die Privatklägerin 1 vertre-
ten durch Herrn E._ als Privatklägerin konstituiert hat und ein Schadener-
satzbegehren in der Höhe von Fr. 25'230.90 gestellt wurde (Urk. 52 S. 22;
Urk. 11/9). Diese Erwägungen brauchen nicht wiederholt zu werden.
Der Beschuldigte handelte widerrechtlich, indem er gegen Art. 140 Ziff. 1 in Ver-
bindung mit Ziff. 2 StGB verstiess, und der von ihm in Mittäterschaft mit B._
und C._ verübte Raub ist kausal für den erlittenen Schaden der Privatkläge-
rin 1, welcher sich gemäss erstelltem und unbestrittenem Sachverhalt auf Fr.
21'230.90 (Umsatz- und Stockgeld) beläuft. Der Beschuldigte handelte willentlich
und mit der Absicht, diesen Schaden hervorzurufen, sodass das Verschulden zu
bejahen ist. Folglich ist die solidarische Haftung des Beschuldigten für die Scha-
denersatzforderung der Privatklägerin 1 in der Höhe von Fr. 21'230.90 zu bestäti-
gen.
Die übrige Schadenersatzforderung der Privatklägerin 1 in der Höhe von
Fr. 4'000.– wurde nicht hinreichend begründet und es liegen dazu auch keine Un-
terlagen vor, weshalb die Privatklägerin 1 damit auf den Zivilweg zu verweisen ist
(Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO).
Der Beschuldigte ist somit in solidarischer Haftung mit B._ und C._ zu
verpflichten, der Privatklägerin 1 (D._ Filiale ...[Ort], vertreten durch Herrn
E._) Schadenersatz in der Höhe von Fr. 21'230.90 zu bezahlen. Im Mehrbe-
trag ihres Schadenersatzbegehrens ist die Privatklägerin 1 auf den Weg des Zivil-
prozesses zu verweisen. Es ist davon Vormerk zu nehmen, dass gemäss Disposi-
tivziffer 7 des Urteils vom 18. September 2018 des Bezirksgerichtes Zürich im
Verfahren DG170340 gegen B._ der Privatklägerin 1 Fr. 16'986.80 heraus-
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gegeben werden, sodass sich in diesem Umfang die Schadenersatzpflicht redu-
ziert und die solidarische Haftung über den Restbetrag bestehen bleibt.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenauflage (Dispositivziffern 11 und
12) zu bestätigen.
Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Berufung vollumfänglich, weshalb ihm die
Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Vertei-
digung, vollumfänglich aufzuerlegen sind. Die Kosten der amtlichen Verteidigung
für das Berufungsverfahren in der Höhe von Fr. 4'900.– (Urk. 63) sind auf die Ge-
richtskasse zu nehmen unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht des Beschuldig-
ten (Art. 426 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 135 Abs. 4 StPO).