Decision ID: ac523b69-a31a-40cc-9a3b-a3b01fc3e586
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 2
3.
Juli 1951, ersuchte am 2
8.
Oktober 2013
bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse,
(nach
folgend nur Ausgleichskasse)
um Auszug seines Indiv
iduellen Kontos, IK (
Urk.
11/1).
Der vollständige Auszug wurde
ihm zusammen mit einer Belehrung über das Berichtigungsverfahren sowie einem Merkblatt am 1
0.
Februar 2014 zugestellt (
Urk.
11/4).
1.2
Am 1
7.
März 2014 (Eingangsdatum) meldete sich
X._
zu
m vorzeitigen Bezug einer Altersrente ab August 2014
an
(
Urk.
11/5-11). Mit Ver
fügung vom 1
4.
Juli 2014 sprach ihm die Ausgleichskasse gestützt auf eine Bei
tragszeit von 40.09 Beitragsjahre
n
, d
i
e
Rentenskala 42 sowie ein durchschnitt
liches
Jahreseinkommen aus 40.02 Beitragsjahren eine infolge Vorbezugs ge
kürzte ordentliche Altersrente von monatlich
Fr.
1'513.--
mit Wirkung ab
1.
August 2014
zu (
Urk.
11/20
). Mit Eintritt des ordentlichen AHV-Alters sprach die Ausgleichskasse auch die akzessorischen Kinderrenten
zu
(Verfügung vom
6.
Juli 2016,
Urk.
11/35). Aufgrund des am 2
4.
Februar 2017 rechtskräftig gewor
denen Scheidungsurteils (
Urk.
11/46) und des dadurch notwendig gewordenen Splittings (
Urk.
11/46,
Urk.
11/51) sowie eines IK-Nachtrags (
Urk.
11/61) veran
lasste die Ausgleichskasse eine Neuberechnung der Altersrente (
Urk.
11/60). Hier
bei stellte sie fest, dass dem Versicherten für das Beitragsjahr 2001, für welches
im IK
infolge einer Stornierung
keine Beitragszahlungen
eingetragen sind,
fälsch
licherweise sogenannte b
eitragsfreie Ehe
monate
angerechnet worden waren
, obwohl die damalige Ehefrau wie auch der Versicherte damals keinen Wohnsitz in der Schweiz hatten (vgl.
Urk.
11/24/13 und
Urk.
11/69,
Urk.
11/73)
. Mit V
er
fügungen vom 1
5.
März 2018
setzte
die Ausgleichskasse daher die Alters- und Kinderrenten rückwirkend ab
1.
August 2014 bzw.
1.
August 2016 gestützt auf eine Beitragszeit von 39.06 und d
i
e Rentenskala 41 sowie ein massgebendes durchschnittliches Jahreseinkommen von
Fr.
46'530.-- (Stand 2018) neu fest. Mit Verfügungen gleichen Datums erhob sie eine Rückforderung gegenüber dem Ver
sicherten von
Fr.
4'272.-- (
Urk.
11/76-91,
Urk.
11/96),
wobei irrtümlich keine V
er
rechnung mit einem Nachzahlungsbetrag über
Fr.
3'504.--
erfolgte (
Urk.
11/100). Nachdem der Versicherte anfänglich mit einer monatlichen Verrechnung über
Fr.
80.-- mit der laufenden Rente einverstanden war (womit
sich
d
i
e Rückfor
de
rung
i
m Juni auf
Fr.
4'192.-- verringerte), ersuchte er mit Eingabe vom 2
5.
Juni 2018 um Erlass der Rückforderung (
Urk.
11/114).
1.3
Die Neuberechnung
der
Rentenbetreffnisse
und damit zusammenhängend die Rückforderung begründete die Ausgleichskasse damit, dass für die ursprüngliche Rentenberechn
u
n
g fälschlicherweise eine freiwillige Versicherungszeit für das ganze Jahr 2001 mitberücksichtigt worden sei, obwohl der Versicherte im Jahr 2001 «keine freiwillige Versicherung einbezahlt habe»
und das Einkommen im Indi
viduellen Konto daher storniert worden sei. In der Folge entwickelte sich ein E-Mail-Verkehr zwischen dem Versicherten und der Ausgleichskasse bzw. der Schweizerischen Ausgleichskasse (SAK) über die Umstände seines Ausschlusses aus der freiwilligen Versicherung
ab Januar 2001, welcher er seit 1997
angehört
hatte, insbesondere zur Berechtigung und Grundlage der von der SAK erlassenen Ausschlussverfügung vom
8.
Januar 200
4.
Mit E-Mail vom 1
9.
Juli 2018 teilte der Versicherte der
SAK
mit, dass er vom Ausschluss aus der
freiwilligen
Ver
sicherung
wie auch der offenen Beitragsrechnungen
keine
Kenntnis gehabt habe
(
Urk.
8/2)
. Mit Schreiben vom
2
5.
Juli 2018 erklärte
die
SAK
dem Versicherten
, dass
gemäss
der in
der Ausschlussverfügung vom 8.
Januar 2004
enthaltenen Rechtsmittelbelehrung eine
«
eventuelle
»
Einsprache erhoben werden könne (
Urk.
3/2).
Am 1
3.
August 2018 erh
ob der Versicherte bei der SAK
Einsprache gegen
die
se
Ausschlussverfügung
, die er gemäss eigenen Angaben nie erhalten habe
(
Urk.
11/137/14-18). Mit Entscheid vom 2
6.
März 2019 trat die SAK auf die
Einsprache
des
Versicherten
nicht ein. Sie begründete dies damit, dass der
Ver
sicherte
fehlende Beitragsjahre geltend mache. Für seine Einsprache sei daher
die
Ausgleichskasse
in Zürich
zuständig,
die
zuletzt die Altersrente ab dem
1.
April 2018
neu berechnet
habe. Die Einsprache sei
zuständigkeitshalber an
die
se
Aus
gleichskasse
weiterzuleiten (
Urk.
11/137/4-6).
In der Rechtsmittelbelehrung wird das Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen als zuständige Rechtsmittelinstanz genannt.
1.4
Mit Entscheid vom 2
1.
Oktober 2019 trat die Ausgleichskasse auf die Einsprache des Versicherten vom 1
3.
August
2
018 gegen die Verfügungen vom 1
5.
März 2018 betreffend Altersrente und Rückforderung nicht ein
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 1
7.
November 2019 Beschwerde (
Urk.
1; vgl. auch Beschwerdeverbesserung vom
2.
Dezember 2019,
Urk.
7) und beantragte sinn
gemäss, es sei auf seine Einsprache einzutreten
und
die
Altersrent
e unter Berücksichtigung der
freiwilligen
Versicherungszeit
der Jahre 2000 bis 2002
neu
zu berechnen
.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Besc
hwerdean
twort vom 24.
Januar 202
0 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10), was dem Beschwerde
führer am 2
8.
Januar 2020 angezeigt wurde (
Urk.
12).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitgegenstand im System der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege ist das
Rechtsverhältnis, welches – im Rahmen des durch die Verfügung beziehungs
w
eise den
Einspracheentscheid
bestimmten Anfechtungsgegenstandes – den auf
grund der Beschwerdebegehren effektiv angefochtenen Verfügungsgegenstand bildet. Nach dieser Begriffsumschreibung sind Anfechtungsgegenstand und Streit
gegen
stand identisch, wenn die Verwaltungsverfügung beziehungsweise der
Einspra
che
entscheid
insgesamt angefochten wird (BGE 125 V 413).
Richtet sich die Beschwerde gegen einen
Nichteintretensentscheid
, hat das Ge
richt, ungeachtet der Vorbringen der
beschwerdeführenden
Partei, zu prüfen und darüber zu entscheiden, ob die Verwaltung zu Recht nicht auf das Leistungs-
oder Feststellungsbegehren eingetreten ist. Der richterliche Entscheid in der Sa
che (Sachentscheid) hat in dieser besonderen verfahrensmässigen Situation den for
mellen Gesichtspunkt des Nichteintretens durch die untere Instanz zum Gegen
stand. Dagegen hat sich das Gericht mit den materiellen Anträgen nicht zu be
fassen (BGE 121 V 157 E. 2b, 116 V 265 E. 2a, SVR 1997, UV Nr. 66 S. 225 E. 1a).
1.2
Gegen Verfügungen kann innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Ein
sprache erhoben werden; davon ausgenommen sind prozess- und verfahrens
leitende Verfügungen (Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des So
zialversicherungsrechts, ATSG).
Gemäss
Art. 38
Abs.
1 in Verbindung mit
Art. 52 Abs. 1 ATSG
beginnt die Einsprachefrist
am Tag nach ihr
er Mitteilung zu laufen
.
Ist der letzte Tag der Frist ein Samstag, ein Sonntag oder ein vom Bundesrecht oder vom kantonalen Recht anerkannter Feiertag, so endet sie am nächstfolgenden Werktag (
Art.
38 Abs. 3 Satz 1 ATSG).
Gesetzliche oder behörd
liche Fristen, die nach Tagen oder Monaten bestimmt sind, stehen
während fol
gender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten T
ag nach Ostern,
vom 15. Juli bis und mit dem 15. August und vom 18. Dezember bi
s und mit dem 2. Januar (
Art.
38
Abs.
4 ATSG).
1.
3
Nach Art. 39 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 52 Abs. 1 ATSG ist die
30-tägige
Frist zur Einsprache gewahrt, wenn die Einsprache spätestens am letzten Tag der Frist
dem
Versicherungsträger eingereicht oder zu dessen
Handen
der Schweize
rischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Ver
tretung überge
ben wird.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen
Nichteintretensentscheid
damit, dass die Einsprache des Beschwerdeführers verspätet erfolgt sei (
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, dass
sich seine Einsprache auf das Schreiben der SAK vom 2
5.
Juli 2018 bezogen habe. Es sei ihm nicht klar, weshalb nun die
Beschwerdegegnerin
zuständig sein solle.
Als er am 2
3.
Juni 2003 in die
Schweiz
zurückgekehrt sei
, habe er
sich
umgehend
ange
meldet.
Zudem habe er die
Beschwerdegegnerin
aufgesucht, um
abzuklären, ob
offene Rechnungen vorhanden seien. Niemand habe ihm m
itgeteilt, dass
Beiträge ausstehend seien und vor allem nicht, dass er von der Kasse ausgeschlossen worden sei.
Im Entscheid
der SAK vom
2
6.
März 2019 seien Beilagen aufgeführt
worden
,
die
er nie erhalten habe
.
Dies deshalb, weil die Dokumente statt
nach Tasmanien (Australien) fälschlicherweise nach Norfolk Ile gesandt worden
seien
.
Die betreffenden
Rechnungen,
Mahnungen,
die Androhung des
Ausschluss
es
und die Ausschlussverfügung
seien ihm nicht zugestellt worden
(
Urk.
1
und
Urk.
7
).
3.
3.
1
Die
Beschwerde
richtet sich formal
gegen den vorinstanzlichen
Nichtein
tretens
entscheid
vom 2
1.
Oktober 201
9.
Das Sozialversicherungsgericht hat daher einzig
zu prüfen, ob die
Beschwerdegegnerin
zu Recht mangels R
echtzeitigkeit nicht auf die
Einsprache des Besch
werdeführers vom 1
3.
August 2018
(
Urk.
11/137/14-18)
eingetreten ist.
Mit dem in der
Beschwerde
sinngemäss
gestellten
materiellen Antrag, wonach die Altersrente neu zu berechnen sei
(
Urk.
7)
,
kann sich das Ge
richt nicht befassen.
3.2
Die Verfügungen der Beschwerdegegnerin vom
1
5.
März 2018 (
Urk.
11/76-91
) wurden
ausweislich der Akten
uneingeschrieben
versandt.
Ein postalischer Zu
stell
nachweis existiert demnach nicht.
Dass dem Beschwerdeführer die
se
Verfü
gungen
z
eitnah nach deren Erstellung zugestellt wurden, wird von diesem nicht
bestritten (
Urk.
1
und
Urk.
7
).
Gestützt
auf die
Aktennotiz zum Telefongespräch
zwischen den Parteien vom 2
5.
Mai 2018,
anlässlich dessen der Beschwerde
führer
auf die
verfügte
Rückforderung Be
zug nahm (
Urk.
11/100), kann
sodann
als erstellt gelten,
dass er
die
Verfügungen vom 1
5.
März 2018 spätestens
zu jenem Zeitpunkt erhalten hat.
Die 30-tägige Einsprachefrist begann daher
spätes
tens
am
Tag nach dem Telefongespräch
vom 2
5.
Mai 2018, das
heisst
am
2
6.
Mai 2018
,
zu
laufen und endete
am
Montag, 2
5.
Juni 2018.
3.3
Die vom Beschwerdeführer
am
1
3.
August 2018
erhobene Einsprache
gegen die Verfügungen vom 1
5.
März 2018
(Urk.
11/137/14-18)
war demzufolge
verspätet.
4.
Der angefochtene Entscheid
vom 2
1.
Oktober 2019
(
Urk.
2)
erweist sich somit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
In diesem Zusammenhang sei jedoch ergänzt, dass der
Nichteintretensentscheid
der SAK vom
2
6.
März 2019 (
Urk.
11/137/4-6
)
insoweit nicht überzeugt, al
s der B
eschwerdeführer effektiv, wenn auch verspätet (vgl. Sachverhalt 1.1),
eine Berichtigung seines IK-Auszuges 2001/02 bzw. eine Umkehr seines Ausschlusses aus der freiwilligen Versicherung per Januar 2001 beantragt hatte. Es wäre ihm
jedoch freigestanden, gegen diesen
Nichteintretensentscheid
der SAK vom 2
6.
März
2019 Beschwerde zu führen
.