Decision ID: 802f8533-4156-4da9-81b5-94db80bf98c7
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ausweisung / Rechtsschutz in klaren Fällen
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes im summarischen Verfahren des Bezirksgerichtes Meilen vom 25. August 2016 (ER160025)
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Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2)
" 1. Es sei der Gesuchsgegner anzuweisen, die gemietete 4 1/2 - Zimmer Wohnung im 1. OG rechts, den Keller und den  im UG sowie die Einstellplätze 15 und 28 in der , In der C._ ..., D._, unverzüglich zu räumen und dem Gesuchsteller ordnungsgemäss zu übergeben;
2. es sei das zuständige Gemeindeammannamt Küsnacht- i.S.v. Art. 343 Abs. 1 lit. d und e ZPO i.V.m. § 147 Abs. 1 lit. b GOG anzuweisen, das Urteil auf Verlangen des Gesuchstellers zu vollstrecken.
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des ."
Urteil des Einzelgerichts des Bezirksgerichts Meilen vom 25. August 2016:
(act. 10 = act. 14 = act. 16)
1. Der Gesuchsgegner wird unter Androhung von Zwangsvollstreckung im  verpflichtet, die 4 1/2-Zimmer-Wohnung, In der C._ ... in D._, mit sämtlichen im Rechtsbegehren genannten  sowie Einstellplätzen bis spätestens 23. September 2016, 12:00 Uhr , zu räumen und dem Gesuchsteller ordnungsgemäss gereinigt mit allen dazugehörenden Schlüsseln zu übergeben.
2. Das Gemeindeammannamt Küsnacht-Zollikon-Zumikon wird angewiesen, diese Verpflichtung nach Eintritt der Rechtskraft und Ablauf der Auszugsfrist auf erstes Verlangen des Gesuchstellers zu vollstrecken. Die Kosten für die Vollstreckung sind vom Gesuchsteller vorzuschiessen, sind ihm aber vom Gesuchsgegner zu ersetzen. Diese Anweisung verfällt 6 Monate nach Eintritt der Rechtskraft des  Urteils.
[3.-6. Kosten- und Entschädigungsfolgen]
[7.-8. Mitteilungen, Rechtsmittel]
Berufungsanträge des Gesuchsgegners und Berufungsklägers: (act. 15)
" 1. Das Urteil in der vorliegenden Form sei aufzuheben 2. Die gerichtliche Bestellung eines Rechtsbeistandes zur Wahrung
meiner Rechte, nachdem die Gegenpartei anwaltlich vertreten ist 3. Die Befreiung von den Gerichtskosten"
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Erwägungen:
1.
1.1. Der Gesuchsgegner und Berufungskläger ist Mieter der 4 1⁄2-Zimmer-
wohnung im 1. Obergeschoss an der Adresse In der C._ ... in D._ ZH
(act. 3/2). Der Vermieter, Gesuchsteller und Berufungsbeklagte stellte am 22. Juli
2016 beim Einzelgericht des Bezirksgerichtes Meilen (Vorinstanz) ein Auswei-
sungsbegehren gegen den Mieter. Er stützte dieses auf die mit amtlich genehmig-
tem Formular vom 26. Mai 2016 erfolgte Kündigung des Mietverhältnisses per
30. Juni 2016, welche nach Androhung der ausserordentlichen Kündigung wegen
Zahlungsverzugs im Sinne von Art. 257d OR erfolgt war (act. 3/3; act. 3/5).
1.2. Mit Urteil vom 25. August 2016 hiess die Vorinstanz das Ausweisungsbe-
gehren des Vermieters gut und befahl dem Mieter, das oben genannte Mietobjekt
bis am 23. September 2016 zu räumen und dem Vermieter ordnungsgemäss zu
übergeben (act. 10 = act. 14 = act. 16).
1.3. Gegen diesen Entscheid erhob der Mieter mit Eingabe vom 11. September
2016 fristgerecht Berufung bei der II. Zivilkammer des Obergerichts (act. 15).
1.4. Die Akten des vorinstanzlichen Verfahrens wurden beigezogen (act. 1-12).
Das Verfahren erweist sich als spruchreif.
2.
2.1. Mit der Berufung können die unrichtige Rechtsanwendung und die unrichtige
Feststellung des Sachverhaltes geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Be-
rufung ist innerhalb der zehntägigen Rechtsmittelfrist zu erheben (Art. 314 ZPO).
Dabei sind konkrete Anträge zu stellen und zu begründen. Die Berufung führende
Partei hat sich hierbei mit der Begründung des vorinstanzlichen Entscheides aus-
einander zu setzen und anzugeben, an welchen Mängeln der angefochtene Ent-
scheid ihrer Ansicht nach leidet (vgl. im Einzelnen ZK ZPO-REETZ/THEILER,
3. Aufl. 2016, Art. 311 N 33 ff.). An die Rechtsmitteleingaben von Laien werden al-
lerdings nur minimale Anforderungen gestellt. Als Antrag genügt eine Formulie-
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rung, aus der sich mit gutem Willen herauslesen lässt, wie das Obergericht ent-
scheiden soll. Zur Begründung muss wenigstens rudimentär dargelegt werden, an
welchen Mängeln der angefochtene Entscheid nach Auffassung der Partei leidet.
Sind auch diese Voraussetzungen nicht gegeben, wird auf das Rechtsmittel nicht
eingetreten (vgl. OGer ZH PF130050 vom 25. Oktober 2013, E. II./2.1; vgl. auch
BK ZPO-STERCHI, Art. 321 N 18 und 22).
Der Mieter beantragt in der Hauptsache die Aufhebung des angefochtenen Ent-
scheids. Zur Begründung führt er aus, auf die Argumente in seiner Stellungnahme
vom 13. August 2016 werde im Urteil überhaupt nicht eingegangen (vgl. act. 15).
Damit sind die genannten Anforderungen an die Rechtsmitteleingabe – wenn
auch nur knapp – erfüllt. Auf die Berufung ist daher einzutreten.
2.2. Der Mieter verlangt im Berufungsverfahren die gerichtliche Bestellung eines
Rechtsbeistandes, da auch die Gegenpartei anwaltlich vertreten sei (act. 15). Das
Gericht bestellt einer Partei einen Rechtsvertreter, wenn sie offensichtlich nicht
imstande ist, den Prozess selbst zu führen (Art. 69 Abs. 1 ZPO). Diese Voraus-
setzung ist vorliegend nicht erfüllt, nachdem der Mieter bereits im vorinstanzlichen
Verfahren offenkundig in der Lage war, seine Sache selbst zu vertreten
(vgl. act. 9). Auch legt der Mieter nicht dar, weshalb es ihm nicht möglich gewe-
sen sein sollte, selbst rechtzeitig einen Anwalt zu mandatieren, der ihn vor Ober-
gericht vertritt. Die Berufung ist innert der Rechtsmittelfrist von zehn Tagen ab-
schliessend begründet einzureichen. Eine Erstreckung dieser Frist oder eine
Nachfrist zur Ergänzung der Rechtsmitteleingabe ist ausgeschlossen (Art. 144
Abs. 1 ZPO). Nachdem die Berufungsfrist bereits abgelaufen ist, erwiese sich der
Beizug eines Rechtsvertreters im jetzigen Zeitpunkt auch nicht mehr als hilfreich
bzw. sinnvoll.
Soweit der Mieter mit seinem Antrag allenfalls die Bestellung eines unentgeltli-
chen Rechtsbeistandes im Sinne von Art. 117 ff. ZPO wünschte, gölte ebenfalls
das vorhin Dargelegte. Weiter wäre auf folgendes hinzuweisen: Ein Anspruch auf
unentgeltliche Rechtspflege besteht, wenn die gesuchstellende Partei nicht über
die erforderlichen Mittel verfügt (Art. 117 lit. a ZPO) und ihr Begehren nicht aus-
sichtslos erscheint (Art. 117 lit. b ZPO). Die unentgeltliche Rechtspflege umfasst
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die gerichtliche Bestellung eines Rechtsbeistandes, wenn dies zur Wahrung der
Rechte der Partei notwendig ist, insbesondere wenn die Gegenpartei anwaltlich
vertreten ist (Art. 118 lit. c ZPO). Wie die nachstehenden Ausführungen zeigen, ist
die Voraussetzung von Art. 117 lit. b ZPO vorliegend nicht erfüllt. Eine Prüfung
der weiteren Voraussetzungen erübrigt sich damit.
Der Antrag des Mieters auf Bestellung eines Rechtsvertreters für das Berufungs-
verfahren ist nach dem Gesagten abzuweisen.
2.3. In der Sache erwog die Vorinstanz, gemäss den vom Vermieter eingereich-
ten Unterlagen habe der Mieter den Mietzins für die Monate Februar bis April
2016 nicht rechtzeitig geleistet. Mit Schreiben vom 19. April 2016 habe der Ver-
mieter dem Mieter unter ausdrücklicher Androhung der Kündigung eine 30-tägige
Zahlungsfrist zur Begleichung der ausstehenden Mietzinse angesetzt. Nachdem
der Mieter diese Ausstände nicht beglichen habe, sei am 26. Mai 2016 mittels
kantonal genehmigtem Formular per 30. Juni 2016 die Kündigung ausgesprochen
worden. Da der Sachverhalt unbestritten und die Rechtslage klar sei, sei das
Ausweisungsbegehren gutzuheissen und dem Mieter zu befehlen, das Mietobjekt
zu verlassen (act. 14 E. 3.3.-3.5.).
Der Mieter beanstandet wie erwähnt, seine Stellungnahme vom 13. August 2016
werde im vorinstanzlichen Urteil überhaupt nicht gewürdigt (act. 15). Er macht
damit die Verletzung seines rechtlichen Gehörs geltend. Aus dem Anspruch auf
rechtliches Gehör folgt unter anderem die grundsätzliche Pflicht des Gerichts,
seinen Entscheid zu begründen (Art. 29 Abs. 2 BV sowie Art. 53 ZPO und
Art. 238 lit. g ZPO). Die Urteilsbegründung muss so abgefasst sein, dass sich der
Betroffene über die Tragweite des Entscheids und über allfällige Anfechtungs-
möglichkeiten ein Bild machen und den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht
anfechten kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen ge-
nannt werden, von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die sich der
Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist hingegen, dass sich der Entscheid mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt (vgl. statt vieler ZK ZPO-SUTTER-SOMM/CHEVALIER, Art. 53
N 13 f. mit Hinweis auf BGE 133 III 439 und BGE 134 I 83).
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Diesen Anforderungen wird das angefochtene Urteil gerecht, indem es nachvoll-
ziehbar aufzeigt, aus welchen Gründen die Vorinstanz zu ihrem Entscheid kam. In
den Erwägungen wird auch auf die Vorbringen des Mieters in seiner Stellung-
nahme vom 13. August 2016 hingewiesen (act. 14 E. 2.2.). Darin berief sich der
Mieter auf einen finanziellen Engpass im Februar 2016 sowie auf nicht geltend
gemachte Gegenforderungen gegenüber dem Vermieter und bat um eine ausser-
gerichtliche Lösung (vgl. act. 9). Für den Entscheid über das Ausweisungsbegeh-
ren des Vermieters im Verfahren nach Art. 257 ZPO ist einzig entscheidend, ob
sich der Mieter gestützt auf einen bestehenden Mietvertrag zu Recht im Mietob-
jekt aufhält oder ob er nach einer gültigen Kündigung ohne einen Rechtsgrund im
Mietobjekt verblieben ist. Die Vorbringen des Mieters betreffen seine persönliche
Situation und sind für den Ausweisungsentscheid nicht wesentlich bzw. erheblich.
Dass die Vorinstanz darauf nicht näher einging, ist deshalb nicht zu beanstanden.
Der Mieter legt in seiner Berufung denn auch nicht dar, inwieweit von ihm vorge-
brachte entscheidwesentliche Argumente nicht berücksichtigt worden wären. Die
Berufung ist demnach abzuweisen.
3.
3.1. Ausgangsgemäss wird der Mieter für das Berufungsverfahren kostenpflichtig
(Art. 106 Abs. 1 ZPO). Grundlage der Gebührenfestsetzung bilden der Streitwert
bzw. das tatsächliche Streitinteresse, der Zeitaufwand des Gerichts und die
Schwierigkeit des Falls (§ 2 Abs. 1 GebV OG). Die Entscheidgebühr ist in Anwen-
dung von § 4, § 8 Abs. 1 sowie § 12 Abs. 1 und 2 GebV OG auf Fr. 300.– festzu-
setzen. Damit wird insbesondere dem geringen Zeitaufwand im Rechtsmittelver-
fahren Rechnung getragen.
3.2. Parteientschädigungen sind keine zuzusprechen: Dem Mieter nicht, weil er
unterliegt, und dem Vermieter nicht, weil er sich im Rechtsmittelverfahren nicht
äussern musste.
3.3. Der Mieter beantragt im Berufungsverfahren die Befreiung von den Ge-
richtskosten, ohne dies näher zu begründen (act. 15). Wie bereits vorstehend
ausgeführt (E. 2.2.) sind die Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltli-
- 7 -
chen Rechtspflege nach Art. 117 ZPO vorliegend nicht gegeben. Das Gesuch ist
deshalb abzuweisen.