Decision ID: 0c5c4162-fc40-558c-813f-f29d50c57766
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 19. Dezember 2019 in der Schweiz um
Asyl nach. Am 30. Dezember 2019 bevollmächtigte er die ihm zugewiesene
Rechtsvertretung. Die Personalienaufnahme fand am 3. Januar 2020 statt,
anlässlich welcher er seinen Pass und seine Identitätskarte, jeweils im Ori-
ginal, zu den Akten gab. Am gleichen Tag reichte er einen medizinischen
Bericht "Zuweisung zur medizinischen Abklärung (F2)" vom 3. Januar 2020
bei der Vorinstanz ein.
B.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruckdatenbank (Zentralein-
heit Eurodac) ergab, dass der Beschwerdeführer am 30. Januar 2017 in
Griechenland ein Asylgesuch eingereicht hat und ihm dort am 24. April
2018 internationaler Schutz gewährt wurde. Ferner stellte er am 28. August
2019 ein Asylgesuch in B._.
C.
Dem Beschwerdeführer wurde am 6. Januar 2020 das rechtliche Gehör zu
einer möglichen Überstellung in einen anderen Dublin-Staat gewährt (per-
sönliches Gespräch gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle-
gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der
für die Prüfung eines von einem Drittstaatangehörigen oder Staatenlosen
in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz; nach-
folgend Dublin-Gespräch).
Anlässlich des Dublin-Gesprächs gab der Beschwerdeführer an, er habe
aufgrund eines in seinem Heimatland erlittenen Traumas psychische Prob-
leme. Die Umstände in Griechenland seien nicht gut gewesen und sein
Trauma habe sich erneut manifestiert. Hier in der Schweiz habe er zwei
Arzttermine in Aussicht.
D.
Am 21. Januar 2020 reichte der Beschwerdeführer einen weiteren ärztli-
chen Bericht "Zuweisung zur medizinischen Abklärung (F2)" vom 17. Ja-
nuar 2020 zu den Akten.
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E.
Die Vorinstanz ersuchte die griechischen Behörden mit Schreiben vom
28. Februar 2020 gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäi-
schen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemein-
same Normen und Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal
aufhältiger Drittstaatsangehöriger (nachfolgend: Rückführungsrichtlinie)
und das bilaterale Abkommen zwischen dem Schweizerischen Bundesrat
und der Regierung der Hellenischen Republik über die Rückübernahme
von Personen mit irregulärem Aufenthalt vom 28. August 2006
(SR 0.142.113.000; nachfolgend: "bilaterales Rücknahmeabkommen") um
Wiederaufnahme des Beschwerdeführers.
F.
Mit Mitteilung vom 6. März 2020 stimmten die griechischen Behörden dem
Wiederaufnahmeersuchen der Vorinstanz zu.
G.
Am 28. April 2020 räumte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer Gelegen-
heit ein, zum voraussichtlichen Nichteintreten auf sein Asylgesuch gestützt
auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG sowie zur geplanten Wegweisung nach
Griechenland als sicherer Drittstaat Stellung zu nehmen.
H.
Der Beschwerdeführer gab am 28. April 2020 einen ärztlichen Bericht der
C._ vom 31. Januar 2020 zu den Akten.
I.
In seiner Stellungnahme vom 5. Mai 2020 zum geplanten Nichteintreten
auf sein Asylgesuch und zur Wegweisung nach Griechenland erklärte der
Beschwerdeführer, er wolle auf keinen Fall nach Griechenland zurückkeh-
ren. Die zur Verfügung gestellten Unterkünfte seien überbelegt gewesen
und er habe keine Privatsphäre gehabt. Zudem habe er im Herbst 2019 die
letzte ihm zugewiesene Wohnung verlassen und nach erfolgloser Woh-
nungssuche auf der Strasse leben müssen. Ab diesem Zeitpunkt habe er
auch keine Fürsorgeleistungen mehr erhalten und sei auf die Unterstüt-
zung von karitativen Organisationen angewiesen gewesen. Sodann habe
er in seinem Heimatland Krieg und Folter erlebt. Er habe in Griechenland
in den Jahren 2017 und 2018 wöchentlich psychologische Unterstützungs-
gespräche bei den D._ in Anspruch genommen. Aus Kapazitäts-
gründen habe er jedoch nicht weiterbehandelt werden können und von
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staatlichen Einrichtungen habe er keine psychologische Betreuung erhal-
ten. Sein Gesundheitszustand habe sich in der Folge verschlechtert. Ohne
Sicherheit und Aussicht auf Zugang zu den notwendigen Leistungen habe
er sich gezwungen gesehen, in die Schweiz zu flüchten. Wie aus den ein-
gereichten ärztlichen Berichten hervorgehe, sei er auf spezialisierte medi-
zinische Versorgung für Folteropfer angewiesen, welche in Griechenland
nicht gewährleistet sei. Mit einer Überstellung würde die Schweiz gegen
ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen verstossen, nicht zuletzt auch auf-
grund der internationalen Berichterstattung zu den Missständen im griechi-
schen Flüchtlingswesen.
J.
Am 11. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz einen
weiteren medizinischen Bericht "Zuweisung zur medizinischen Abklärung
(F2)" vom 5. Februar 2020 zu den Akten.
K.
Am 14. Mai 2020 räumte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer Gelegen-
heit ein, zum Entscheidentwurf vom 6. Mai 2020 Stellung zu nehmen.
L.
Im Wesentlichen führte der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme
vom 15. Mai 2020 zum Entscheidentwurf aus, faktisch seien die von der
Vorinstanz aufgeführten Ansprüche, welche das Unionsrecht Schutzbe-
rechtigten einräume, in Griechenland unmöglich zu realisieren beziehungs-
weise einzufordern. Sodann sei bereits dargelegt worden, dass Griechen-
land den Ansprüchen aus seiner Eigenschaft als Folteropfer voraussicht-
lich ebenfalls nicht gerecht werde.
M.
Mit Verfügung vom 18. Mai 2020 trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch
des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz an und forderte ihn auf, die Schweiz innert angesetzter Frist zu
verlassen, ansonsten er in Haft genommen und unter Zwang nach Grie-
chenland zurückgeführt werde. Gleichzeitig beauftragte die Vorinstanz den
zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung und händigte dem
Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis
aus.
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N.
Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 26. Mai 2020 Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt, die Verfügung der Vor-
instanz sei im Wegweisungspunkt aufzuheben und er sei in der Schweiz
vorläufig aufzunehmen. Eventualiter sei die Sache zur vollständigen Sach-
verhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, individuelle Garantien be-
treffend die adäquate Unterbringung und den benötigten Zugang zu fach-
ärztlicher Behandlung von den griechischen Behörden einzuholen. Ferner
sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und von der Erhe-
bung eines Kostenvorschusses sei abzusehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der Be-
schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legiti-
miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die vorliegende Beschwerde richtet sich ausschliesslich gegen den Vollzug
der Wegweisung. Ziffer 1 des Dispositivs der Verfügung vom 18. Mai 2020
(Nichteintreten auf Asylgesuch) ist mangels Anfechtung in Rechtskraft er-
wachsen.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG.
4.
Zum Vollzug der Wegweisung führt die Vorinstanz in der angefochtenen
Verfügung aus, aufgrund seines anerkannten Flüchtlingstatus geniesse der
Beschwerdeführer in Griechenland grundsätzlich den gleichen Zugang zu
Sozialleistungen, Wohnraum, Bildung, Beschäftigung und medizinischer
Versorgung sowie Justiz wie die griechischen Staatsbürger. Sodann wür-
den die einschlägigen unionsrechtlichen Bestimmungen die europäischen
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Mitgliedstaaten explizit dazu verpflichten, anerkannten Flüchtlingen, wel-
che Opfer von Folter oder sonstiger schwerer Formen psychischer, physi-
scher oder sexueller Gewalt wurden, die erforderliche Behandlung zukom-
men zu lassen. Es könne davon ausgegangen werden, der Zugang zu spe-
zialisierter Behandlung sei sichergestellt. Im Falle der Verletzung dieser
Pflichten durch Griechenland stehe ihm der Rechtsweg bis zum Europäi-
schen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) offen. Es bestehe keine
Gefahr, dass er bei einer Rückschaffung nach Griechenland einer ernst-
haften Verschlechterung seines Gesundheitszustandes, verbunden mit
übermässigem Leiden oder einer bedeutenden Verkürzung seiner Lebens-
erwartung, ausgesetzt sei. Zudem könne seinem Gesundheitszustand bei
der Organisation der Überstellung Rechnung getragen werden, indem
Griechenland vor der Überstellung über die notwendige medizinische Be-
handlung informiert werde. Neben den staatlichen Institutionen könne er
sich auch an private und internationale Organisationen wenden. Die gel-
tend gemachten schwierigen sozioökonomischen Lebensbedingungen
vermöchten die Zulässigkeit und die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zuges nach Griechenland nicht zu widerlegen. Angesichts dieser Aus-
gangslage bestehe kein Anlass, seinen Forderungen auf Einholung indivi-
dueller Garantien nachzukommen. Die vom Beschwerdeführer geltend ge-
machten Probleme im Zusammenhang mit Unterkünften, Zugang zu Sozi-
alleistungen und medizinischer Versorgung seien nicht substantiiert aus-
gefallen. Die von ihm ins Recht gelegten Berichte hätten keinen Bezug zu
seiner persönlichen Situation. Insgesamt könne er nicht darlegen, dass
Griechenland seinen völker- und unionsrechtlichen Verpflichtungen nicht
nachkommen würde. Zudem handle es sich um einen Rechtsstaat mit ei-
nem funktionierendem Justiz- und Polizeiapparat. Der Vollzug der Wegwei-
sung erweise sich insgesamt als zulässig und zumutbar. Schliesslich ver-
möchten vorübergehende durch das Corona-Virus bedingte Einschränkun-
gen des Flug- und Einreiseverkehrs keine Unmöglichkeit des Wegwei-
sungsvollzuges zu begründen.
5.
In der Rechtsmitteleingabe bringt der Beschwerdeführer im Wesentlichen
vor, nachdem er in Griechenland am 24. April 2018 Asyl erhalten habe, sei
ihm ein monatlicher Geldbetrag im Wert von € 150.– sowie eine Unterkunft
zur Verfügung gestellt worden. Letztere habe er nach zirka einem Jahr zu-
gunsten einer syrischen Familie freigeben müssen. Die neuzugewiesene
Unterkunft habe sich in einem verlassenen, sanierungsbedürftigen Haus
befunden, wo ihm kein eigenes Zimmer zur Verfügung gestanden und er
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im Wohnzimmer habe übernachten müssen. Infolge Überbelegung, man-
gelnder Privatsphäre sowie ständigem hohen Lärmpegel habe sich sein
psychischer Zustand zunehmend verschlechtert und er habe nicht mehr
schlafen können. Die Sozialbehörden hätten nichts für ihn tun können. Des
Weiteren sei seine Teilzeitarbeitsstelle in einem (...) nicht angemessen und
phasenweise überhaupt nicht bezahlt worden. Andere Arbeit habe er nicht
finden können und es seien keine Integrationsprogramme angeboten wor-
den. Ab Oktober 2019 habe er keine Sozialhilfe mehr erhalten und im No-
vember 2019 seine Unterkunft abermals verlassen müssen. Aufgrund sei-
ner Herkunft und seines Flüchtlingsstatus seien sämtliche Bemühungen –
auch über Vermittler – eine Unterkunft zu finden, fehlgeschlagen. Die zahl-
reichen vor Ort tätigen Nichtregierungsorganisationen hätten ebenfalls
nicht weiterhelfen können und er sei schliesslich obdachlos auf der Strasse
gelandet. Die seit 2017 von den D._ zur Verfügung gestellten wö-
chentlichen psychologischen Unterstützungsgespräche seien aus Kapazi-
tätsgründen bereits im August 2018 eingestellt worden. Eine spezialisierte
oder staatliche Therapie für Folteropfer habe er nie erhalten. Nachdem er
im Rahmen der (...) eingeladen worden sei, über die Situation von Folter-
opfern in Griechenland zu sprechen, habe sich sei Gesundheitszustand
mangels Obdach und Unterstützung zunehmend verschlechtert. In Anbe-
tracht seiner Situation in Griechenland habe er sich gezwungen gesehen,
im Dezember 2019 in die Schweiz weiterzureisen.
Sodann macht er geltend, zahlreichen Quellen und Berichten könne ent-
nommen werden, dass der Zugang zur griechischen Gesundheitsversor-
gung eingeschränkt sei. Gründe dafür seien insbesondere Personalman-
gel, Ausstattungsdefizite sowie Gehalts- und Rentenkürzungen. Gemäss
Expertenberichten stünden in Griechenland gegenwärtig keine Strukturen
des öffentlichen Gesundheitswesens zur Verfügung, die darauf speziali-
siert wären, Folterüberlebende zu identifizieren oder sie in ihrem Rehabili-
tationsprozess zu unterstützen. Die Nichtregierungsorganisationen könn-
ten diese Versorgungslücke nicht nachhaltig füllen und die Wartezeit für
einen ersten Behandlungstermin betrage mehrere Monate. Das Nichtge-
währleisten von medizinischer Versorgung von Folteropfern verstosse ge-
gen das Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmensch-
liche oder erniedrigende Behandlung und Strafe vom 10. Dezember 1984
(FoK [SR 0.105], nachfolgend: Folterkonvention). Sodann hätten aner-
kannte Schutzberechtigte angesichts der Wirtschaftskrise keinen Zugang
zu Arbeit oder zu Sozialleistungen, erhielten keinerlei Unterstützung bei der
Suche nach einer Wohnung und müssten gleich nach ihrer Anerkennung
die Flüchtlingsunterkünfte verlassen, weshalb ihnen die Obdachlosigkeit
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drohe. Auch werde der Zugang zu entsprechenden Leistungen durch über-
höhte formelle Anforderungen illusorisch gemacht. Zudem habe Griechen-
land seine Asylpolitik in jüngster Zeit erneut verschärft, wovon auch die An-
kündigung des Migrationsministers, sämtliche finanzielle Unterstützung für
anerkannte Flüchtlinge komplett einzustellen, zeuge. Auch die Rechtspre-
chung des Bundesverwaltungsgerichts anerkenne, dass die Situation als
problematisch einzustufen sei. Sodann sei angesichts der grassierenden
Pandemie und deren wirtschaftlichen Auswirkungen für das Land umso
mehr in Frage gestellt, ob sich Griechenland an seine Pflichten gegenüber
Schutzberechtigten halten werde. In Anbetracht der allgemeinen Situation
und seiner besonderen Verletzlichkeit müsse davon ausgegangen werden,
er werde bei einer Wegweisung nach Griechenland in eine existenzielle
Notlage geraten. Die Wegweisung sei mithin als unzulässig beziehungs-
weise unzumutbar zu qualifizieren.
Zu den Eventualanträgen führt der Beschwerdeführer aus, die Vorinstanz
habe seiner Eigenschaft als Folteropfer zu wenig Rechnung getragen. In
Abweichung zu den geltenden Vorgaben habe die Vorinstanz seine Vulne-
rabilität im Rückübernahmeantrag an Griechenland nicht erwähnt. Zudem
seien im Falle der Wegweisung Zusicherungen bezüglich adäquater und
spezialisierter medizinischer Behandlung für Folteropfer sowie angemes-
sener Unterbringung bei den griechischen Behörden einzuholen.
6.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die
Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG).
7.
7.1 Gemäss Art. 83 Abs. 1 AIG (SR 142.20) i.V.m. Art. 44 AsylG regelt die
Behörde das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmun-
gen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern, wenn der Vollzug der
Wegweisung nicht zulässig, zumutbar oder möglich ist.
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Vorliegend ist einzig der Vollzug nach Griechenland einer Prüfung zu un-
terziehen, nicht aber ein solcher in den Heimat- oder Herkunftsstaat des
Beschwerdeführers.
7.2 Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des
Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur
Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder
ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder
in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu
werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK,
SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 der Folterkonvention und
der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher
oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
Der Vollzug der Wegweisung kann nach Art. 83 Abs. 4 AIG für Auslände-
rinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Her-
kunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner
Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
7.3 Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG hat der Bundesrat Griechenland als
Staat bezeichnet, in welchen die Rückkehr in der Regel zumutbar ist (vgl.
Anhang 2 der Verordnung über den Vollzug der Weg- und Ausweisung so-
wie der Landesverweisung von ausländischen Personen [VVWAL,
SR 142.281]). Es obliegt der betroffenen Person, diese Legalvermutung
umzustossen (vgl. zuletzt das Urteil des BVGer E-2613/2020 vom 28. Mai
2020 E.8)
Die Vorinstanz hat bereits zutreffend auf die Verpflichtungen Griechenlands
gegenüber Schutzberechtigten bezüglich Unterbringung, medizinischer
Versorgung, Sozialhilfe und Erwerbstätigkeit hingewiesen, welche sich ins-
besondere aus der Qualifikationsrichtlinie (Richtlinie 2011/95/EU des Eu-
ropäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2011 über Nor-
men für die Anerkennung von Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen
als Personen mit Anspruch auf internationalen Schutz, für einen einheitli-
chen Status für Flüchtlinge oder für Personen mit Anrecht auf subsidiären
Schutz und für den Inhalt des zu gewährenden Schutzes) sowie aus der
Flüchtlingskonvention ergeben.
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Was die vom Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe erneut vorge-
brachten Schwierigkeiten betreffend Zugang zu Unterkünften, Sozialleis-
tungen und zum Arbeitsmarkt anbelangt, anerkennt das Gericht, dass die
Situation in Griechenland teilweise problematisch ist. Dennoch geht das
Gericht nicht davon aus, die bekannten Unzulänglichkeiten würden in einer
Weise auftreten, welche darauf schliessen liesse, Griechenland sei grund-
sätzlich nicht gewillt oder nicht fähig, Schutzberechtigten die ihnen zu-
stehenden Rechte und Ansprüche zu gewähren beziehungsweise dass
diese bei Bedarf nicht auf dem Rechtsweg durchgesetzt werden könnten
(vgl. Urteil des BVGer D-2160/2020 vom 6. Mai 2020 E. 7.2 m.w.H.). Der
Bundesrat ist – auch in Anbetracht der gegenwärtigen Asylpolitik Griechen-
lands – auf seine diesbezügliche Einschätzung, welche periodisch zu über-
prüfen ist (vgl. Art. 83 Abs. 5bis AIG), denn bisher auch nicht zurückgekom-
men.
Zu den gesundheitlichen Vorbringen des Beschwerdeführers ist festzuhal-
ten, dass dieser gemäss dem aktuellsten medizinischen Bericht vom
5. Februar 2020 an einer (...) sowie (...) leidet. Ferner wurde die Notwen-
digkeit von (...) festgestellt. Sodann geht aus den Akten hervor, dass er im
Zusammenhang mit dem Covid-19-Virus zu den Risikogruppen gehört. Die
oben erwähnte Qualifikationsrichtlinie gewährt auch den Zugang zum grie-
chischen Gesundheitssystem und die medizinische Versorgung in Grie-
chenland ist gewährleistet (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer E-1755/2020
vom 7. April 2020 E. 7.4). Die Vorinstanz hat bereits darauf hingewiesen,
dass die Qualifikationsrichtlinie in Art. 30 Abs. 2 auch Anspruch auf Zugang
zu Behandlung psychischer Probleme gewährt und die Mitgliedstaaten ver-
pflichtet, den besonderen Bedürfnissen von Folteropfern Rechnung zu tra-
gen. Ferner ist bei der Bezeichnung von Staaten durch den Bundesrat, in
welche eine Rückkehr zumutbar ist (vgl. das bereits zu Art. 83 Abs. 5 AsylG
Ausgeführte), insbesondere dem Vorhandensein der notwendigen medizi-
nischen Grundversorgung Rechnung zu tragen (vgl. Art. 18 Abs. 1 Bst. b
VVWAL). Schliesslich handelt es sich bei Griechenland um einen Rechts-
staat, welcher über einen funktionierenden Polizei- und Justizapparat ver-
fügt (vgl. Urteil des BVGer D-2160/2020 vom 6. Mai 2020 E. 7.3.4, m.w.H.)
und welchen der Beschwerdeführer in Anspruch nehmen kann, falls er der
Ansicht ist, der griechische Staat komme seinen Verpflichtungen nicht
nach.
Bei dieser Ausgangslage ist ferner nicht davon auszugehen, der Be-
schwerdeführer habe ernsthaft zu befürchten, Griechenland würde seine
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aus der Folterkonvention fliessenden Rechte nicht beachten. Der Vollstän-
digkeit halber ist festzuhalten, dass Griechenland Signatarstaat dieser
Konvention ist.
Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz in ihren Erwä-
gungen bereits festhielt, dass dem gesundheitlichen Zustand des Be-
schwerdeführers bei der Organisation der Überstellung dadurch Rechnung
getragen werden könne, indem Griechenland vor der Überstellung über die
notwendige medizinische Behandlung informierte werde. Die in der
Rechtsmitteleingabe geäusserten Bedenken betreffend angemessener In-
formation über den Gesundheitszustand erweisen sich als unbegründet.
Ein weitergehender Austausch oder das Einholen von individuellen Garan-
tien scheint nicht als angezeigt.
Die Vorbringen gegen den Wegweisungsvollzug erweisen sich nach dem
Ausgeführten sowohl unter dem Aspekt der Zulässigkeit als auch der Zu-
mutbarkeit als unbegründet.
7.4 Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich nach Art. 83 Abs. 2 AIG
möglich, da die griechischen Behörden einer Rückübernahme des Be-
schwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben, er dort aufgrund seiner
anerkannten Flüchtlingseigenschaft über eine Aufenthaltsbewilligung ver-
fügt und den Akten keine Hinweise auf eine Reiseunfähigkeit zu entneh-
men sind.
7.5 Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvoll-
zug nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt – um ein
temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitä-
ten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa
der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation in Griechenland angepasst wird
(vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs-
kommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e sowie das Urteil des BVGer
D-4796/2019 vom 27. April 2020 E. 8.9 m.w.H.).
7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
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Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Der Beschwerdeführer stellt in seiner Rechtsmitteleingabe das Gesuch
um unentgeltliche Prozessführung, inklusive Verzicht auf Erhebung eines
Kostenvorschusses.
9.2 Die Beschwerdeinstanz befreit eine Partei, welche nicht über die erfor-
derlichen Mittel verfügt, auf Antrag von den Verfahrenskosten, sofern ihr
Begehren nicht als aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
Da die Rechtsbegehren des Beschwerdeführers nicht als von vornherein
aussichtslos zu bezeichnen sind und aufgrund seiner gegenwärtigen Situ-
ation von seiner Bedürftigkeit auszugehen ist (vgl. unter anderem Art. 43
Abs. 1 AsylG), ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung gutzuheissen und auf die Auferlegung der Verfahrenskosten zu
verzichten.
Mit vorliegendem Urteil ist der Antrag auf Verzicht auf Erhebung eines Kos-
tenvorschusses gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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