Decision ID: 87b8053e-085f-53b5-ac1f-457b87236dff
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis der Kategorie B am 16. Dezember 1986 in Österreich.
Am 23. Dezember 2015 lenkte er einen Personenwagen in angetrunkenem Zustand mit
einer minimalen Blutalkoholkonzentration (BAK) von 0,55 Gewichtspromille, weshalb er
mit Verfügung des Strassenverkehrsamts St. Gallen vom 9. März 2016 verwarnt wurde.
Mit Verfügung vom 4. Oktober 2019 wurde er erneut verwarnt, nachdem er am
29. August 2019 einen Personenwagen mit einer Atemalkoholkonzentration von
0,37 mg/l (was einer BAK von 0,74 Gewichtspromille entspricht) gelenkt hatte.
B.- Am 6. Februar 2020 um 1.10 Uhr war X mit einem Personenwagen auf der
Autobahn A1 zwischen Rheineck und St. Margrethen unterwegs, als er aufgrund seiner
Fahrweise einer Patrouille der Kantonspolizei St. Gallen auffiel. Diese lotste ihn auf den
Rastplatz Ruderbach-Süd, wo sie ihn kontrollierte. Im Auftrag des Pikettstaatsanwalts
wurde eine Urin- und Blutprobe abgenommen. Deren Auswertung im Institut für
Rechtsmedizin (IRM) am Kantonsspital St. Gallen ergab für den Ereigniszeitpunkt eine
BAK von mindestens 0,87 und höchstens 1,21 Gewichtspromille. Die Polizei nahm X
den Führerausweis am 6. Februar 2020 auf der Stelle ab.
Am 10. März 2020 stellte das Strassenverkehrsamt X die Anordnung einer
verkehrsmedizinischen und -psychologischen Untersuchung in Aussicht und gab ihm
Gelegenheit zur Stellungnahme. Gleichzeitig verbot es ihm das Führen von
Motorfahrzeugen vorsorglich ab sofort. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
19. April 2020 liess sich X zum vorgesehenen Untersuch vernehmen. Die vorsorgliche
Führeraus-weisaberkennung wurde innert Frist nicht angefochten.
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C.- Mit Verfügung vom 23. April 2020 ordnete das Strassenverkehrsamt eine
verkehrsmedizinische und -psychologische Untersuchung beim IRM St. Gallen an.
Dagegen erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 5. Mai 2020 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK) mit dem Antrag, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben, von einer verkehrsmedizinischen und -
psychologischen Begutachtung sei abzusehen und der vorsorglich aberkannte
(ausländische) Führerausweis sei mit sofortiger Wirkung wieder auszuhändigen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen. Mit Vernehmlassung vom 3. Juni 2020 beantragte
das Strassenverkehrsamt die Abweisung des Rekurses. Dazu nahm der
Rechtsvertreter vom X mit Eingabe vom 18. Juni 2020 Stellung und reichte gleichzeitig
eine Honorarnote ein.
Auf die Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Der
Rekurs vom 5. Mai 2020 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- a) Der Rekurrent rügt in formeller Hinsicht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs,
weil ihm die Vorinstanz nicht unterbreitet habe, wann, wo und mit welcher BAK er die
zwei vorgängigen Trunkenheitsfahrten begangen haben soll, wie sie auf den
Durchschnittsgehalt von 1,04 Gewichtspromille gekommen sei und welche Bedeutung
dies haben soll.
b) Damit das rechtliche Gehör wahrgenommen werden kann und damit im Hinblick auf
die Entscheidfindung eine wirksame Beteiligung gewährleistet ist, ist eine
entsprechende Orientierung der Betroffenen erforderlich. Aus Art. 29 Abs. 2 BV ergibt
sich allgemein die Offenlegungspflicht. Sie umfasst eine Information über einen zu
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treffenden Entscheid oder eine zu erlassende Verfügung und das Verfahren sowie über
den Beizug von Unterlagen, Beweismittel oder Gutachten (Steinmann, in: Ehrenzeller/
Schindler/Schweizer/Vallender, Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler
Kommentar, 3. Aufl. 2014, Art. 29 N 45).
c) Die Vorinstanz führte im Schreiben vom 10. März 2020 zur Gewährung des
rechtlichen Gehörs zwar nicht aus, wann, wo und mit welcher BAK die beiden ersten
Trunkenheitsfahrten stattgefunden hatten. Der Rekurrent war aber wegen beiden
Trunkenheitsfahrten vom Strassenverkehrsamt verwarnt worden. In den jeweiligen
Verfügungen (vom 9. März 2016 und 4. Oktober 2019) führte das Strassenverkehrsamt
aus, wann, wo und mit welcher BAK der Rekurrent ein Motorfahrzeug gelenkt hatte.
Diese beiden Verfügungen erhielt der Rekurrent mit eingeschriebener Post. Die
Umstände der beiden erwähnten Trunkenheitsfahrten waren ihm somit bekannt. Dass
die Vorinstanz diese nicht mehr detailliert ausführte, stellt deshalb keine Verletzung des
rechtlichen Gehörs dar. Zudem befanden sich die beiden Verfügungen in den Akten,
die dem Rechtsvertreter des Rekurrenten am 30. März 2020 ausgehändigt wurden (vgl.
act. 9/39). Ebenso wurde dem Rechtsvertreter mit den Akten das forensisch-
toxikologische Gutachten des IRM St. Gallen vom 14. Februar 2020 zugestellt. Darin
wurde für den Ereigniszeitpunkt am 6. Februar 2020 eine BAK von mindestens 0,87
und höchstens 1,21 Gewichtspromille berechnet. Aus diesen beiden Werten ergibt sich
der von der Vorinstanz erwähnte Durchschnittgehalt von 1,04 Gewichtspromille ohne
Weiteres, weshalb dazu keine weiteren Ausführungen notwendig waren. Nach der
Rechtsprechung ist im Strafverfahren wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand auf
die minimale BAK abzustellen. Denn in diesem Verfahren gilt zugunsten des
Beschuldigten die Unschuldsvermutung (Art. 31 Abs. 1 BV [SR 101], Art. 6 Ziff. 1 EMRK
[SR 0.101]). Nicht anders ist es bei einem Warnungsentzug, weil dieser eine
schuldhafte Verkehrsregelverletzung voraussetzt und deshalb den Charakter einer
Strafe hat. Beim Sicherungsentzug gilt demgegenüber die Unschuldsvermutung nicht
(Urteil des Bundesgerichts 1C_37/2020 vom 24. Juni 2020 E. 4.1 mit Hinweis auf BGE
140 II 334 E. 6); denn dieser erfolgt nicht wegen eines schuldhaften Verhaltens,
sondern im Interesse der Verkehrssicherheit. Gleich verhält es sich bei der Anordnung
von Massnahmen zur Abklärung der Fahreignung, weshalb es zulässig ist, in solchen
Verfahren nicht auf den Minimalwert der BAK, sondern auf den Mittelwert abzustellen
(BGer 1C_809/2013 vom 13. Juni 2014 E. 6, 6A.106/2001 vom 26. November 2001
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E. 3c/bb, 6S.412/2004 vom 16. Dezember 2005 E. 2.9). Damit steht fest, dass der
Rekurrent zum dritten Mal ein Motorfahrzeug in angetrunkenem Zustand lenkte.
Insgesamt lässt sich in der Vorgehensweise der Vorinstanz keine Verletzung des
rechtlichen Gehörs ausmachen.
3.- In materieller Hinsicht ist im Rekurs umstritten, ob die Vorinstanz zu Recht an der
Fahreignung des Rekurrenten zweifelte und eine verkehrsmedizinische und -
psychologische Untersuchung anordnete.
a) Die Vorinstanz hält in der angefochtenen Verfügung fest, dass angesichts der
Tatsache, dass der Rekurrent zum dritten Mal ein Motorfahrzeug in angetrunkenem
Zustand gelenkt habe, begründete Zweifel an seiner Fahreignung bestünden. Trotz
zwei Verwarnungen habe er erneut in alkoholisiertem Zustand ein Motorfahrzeug
gelenkt. Die Auswertung der Blutprobe habe auf den Ereigniszeitpunkt
zurückgerechnet eine minimale BAK von 0,87 Gewichtspromille beziehungsweise eine
maximale BAK von 1,21 Gewichtspromille ergeben. Unter diesen Umständen sei eine
verkehrsmedizinische und -psychologische Untersuchung erforderlich.
b) Der Rekurrent macht demgegenüber geltend, die Tatsache, dass er am
23. Dezember 2015 mit einer BAK von 0,55 Gewichtspromille, am 29. August 2019 mit
einer Atemalkoholkonzentration von mindestens 0,37 mg/l und am 6. Februar 2020 mit
einer BAK von mindestens 0,87 Gewichtspromille ein Fahrzeug gelenkt habe, begründe
keine Zweifel an der Fahreignung. Der gesetzliche Verdachtsgrund fehlender
Fahreignung (BAK von 1,6 Gewichtspromille oder mehr beziehungsweise
Atemalkoholkonzentration von 0,8 mg/l Atemluft oder mehr) sei nicht erfüllt. Auch
gemäss Leitfaden liege kein Verdachtsgrund fehlender Fahreignung vor. Die Anordnung
der Vorinstanz zur verkehrsmedizinischen und -psychologischen Begutachtung sei
deshalb unverhältnismässig.
4.- a) Motorfahrzeugführer müssen nach Art. 14 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes
(SR 741.01, abgekürzt: SVG) über Fahreignung und Fahrkompetenz verfügen.
Fahreignung setzt unter anderem voraus, dass der Lenker frei von einer Sucht ist, die
das sichere Führen von Motorfahrzeugen beeinträchtigt (Art. 14 Abs. 2 lit. c SVG).
Ausweise und Bewilligungen sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die
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gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16
Abs. 1 SVG). Art. 16d SVG regelt den Führerausweisentzug wegen fehlender
Fahreignung. Danach wird einer Person der Führerausweis unter anderem auch auf
unbestimmte Zeit entzogen, wenn sie an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung
ausschliesst (Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG), wie beispielsweise Alkohol-, Betäubungs- und
Arzneimittelabhängigkeit (vgl. Botschaft zur Änderung des Strassenverkehrsgesetzes
vom 31. März 1999, in: BBl 1999 S. 4462 ff., S. 4491). Die Rechtsprechung bejaht eine
Trunksucht, wenn die betroffene Person regelmässig so viel Alkohol konsumiert, dass
ihre Fahrfähigkeit vermindert wird und sie diese Neigung zum übermässigen
Alkoholgenuss durch den eigenen Willen nicht zu überwinden oder zu kontrollieren
vermag. Auf eine fehlende Fahreignung darf geschlossen werden, wenn die Person
nicht mehr in der Lage ist, Alkoholkonsum und Strassenverkehr ausreichend zu
trennen, oder wenn die naheliegende Gefahr besteht, dass sie im akuten
Rauschzustand am motorisierten Strassenverkehr teilnimmt. Der Suchtbegriff des
Verkehrsrechts deckt sich somit nicht mit dem medizinischen Begriff der
Alkoholabhängigkeit. Auch bloss suchtgefährdete Personen, bei denen aber jedenfalls
ein Alkoholmissbrauch vorliegt, können demnach vom Führen eines Motorfahrzeugs
ferngehalten werden (vgl. BGer 1C_140/2007 vom 7. Januar 2008 E. 2.1; BGE 129 II 82
E. 4.1; Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2015,
Art. 16d N 28). Von Bedeutung sind die Konsumgewohnheiten der Person, ihre
Vorgeschichte, ihr bisheriges Verhalten im Strassenverkehr und ihre Persönlichkeit (vgl.
BGer 1C_513/2015 vom 18. Februar 2016 E. 3.2).
b) Da der Sicherungsentzug tief in den Persönlichkeitsbereich des Betroffenen eingreift,
sind in jedem Fall und von Amtes wegen die persönlichen Verhältnisse des Betroffenen
genau abzuklären. Das Ausmass der notwendigen behördlichen Nachforschungen,
namentlich die Frage, ob ein medizinisches Gutachten eingeholt werden soll, richtet
sich nach den Umständen des Einzelfalls und liegt im pflichtgemässen Ermessen der
Entzugsbehörde (Weissenberger, a.a.O., Art. 16d N 3). Gemäss Art. 15d Abs. 1 SVG
wird eine Person einer Fahreignungsuntersuchung unterzogen, wenn Zweifel an ihrer
Fahreignung bestehen. Absatz 1 von Art. 15d SVG nennt in lit. a bis e beispielhaft die
fünf wichtigsten Fälle, die Zweifel an der Fahreignung begründen und deren Abklärung
in der Regel obligatorisch machen. Es handelt sich dabei um Fahren in angetrunkenem
Zustand mit einer BAK von 1,6 Gewichtspromille oder mehr oder mit einer
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Atemalkoholkonzentration von 0,8 mg Alkohol oder mehr pro Liter Atemluft (lit. a),
Fahren unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln oder Mitführen von
Betäubungsmitteln, die die Fahrfähigkeit stark beeinträchtigen oder ein hohes
Abhängigkeitspotenzial aufweisen (lit. b), Verkehrsregelverletzungen, die auf
Rücksichtslosigkeit schliessen lassen (lit. c), sowie die Meldung einer kantonalen IV-
Stelle nach Art. 66c des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (lit. d) oder
eines Arztes, dass eine Krankheit vorliege, die das sichere Führen von
Motorfahrzeugen ausschliesst (lit. e). Die Liste in Art. 15d Abs. 1 SVG ist nicht
abschliessend (BGer 1C_445/2012 vom 26. April 2013 E. 3.2; BBl 2010 S. 8500).
Sofern kein Sondertatbestand nach Art. 15d Abs. 1 lit. a bis e SVG vorliegt, kann eine
Fahreignungsuntersuchung auch gestützt auf die Generalklausel in Abs. 1 angeordnet
werden.
Eine verkehrsmedizinische Untersuchung dient unter anderem der Abklärung, ob die
medizinischen Mindestanforderungen gemäss Art. 7 Abs. 1 der Verordnung über die
Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt:
VZV) und dem zugehörigen Anhang 1 erfüllt sind. Die Anordnung einer solchen im
Hinblick auf die Prüfung eines allfälligen Sicherungsentzugs setzt konkrete
Anhaltspunkte voraus, dass der Inhaber des Führerausweises mehr als jede andere
Person der Gefahr ausgesetzt ist, sich in einem Zustand ans Steuer eines Fahrzeugs zu
setzen, der das sichere Führen nicht mehr gewährleistet (BGE 127 II 122 E. 3c, 124 II
559 E. 3d, je mit Hinweisen). Ein verkehrsmedizinisches und -psychologisches
Gutachten drängt sich immer dann auf, wenn die konkreten Umstände hinreichend
verdichtete Hinweise darauf liefern, dass die betroffene Person von einer die
Fahrfähigkeit beeinträchtigenden Substanz abhängig sein könnte (BGer 1C_282/2007
vom 13. Februar 2008 E. 2.3).
c) Nach dem von der Expertengruppe Verkehrssicherheit herausgegebenen Leitfaden
für die Administrativ-, Justiz- und Polizeibehörden vom 26. April 2000 ist bei Personen,
die während der letzten zehn Jahre vor der aktuellen Trunkenheitsfahrt bereits zweimal
in angetrunkenem Zustand gefahren sind, die Fahreignung abzuklären, da der
begründete Verdacht besteht, dass sie Trinken und Fahren nicht trennen können, auch
wenn die BAK nicht massiv über dem Grenzwert liegt (Ziff. II/1). Dieser Leitfaden ist für
die Verwaltungs- und Gerichtsbehörden nicht verbindlich und insbesondere aufgrund
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von Gesetzesänderungen teilweise nicht mehr aktuell. Gleichwohl kann er in
bestimmten Bereichen immer noch Hinweise auf allfällige Verhaltensweisen, die im
Hinblick auf die Fahreignungsprüfung dienlich sein können, geben (vgl. BGer
1C_140/2007 vom 7. Januar 2008 E. 2.4 und 6A.38/2003 vom 12. August 2003 E. 4).
Zwar trifft zu, dass es im Zeitpunkt der Veröffentlichung des Leitfadens die
Unterscheidung zwischen Angetrunkenheit (0,5 bis 0,79 Gewichtspromille BAK oder
0,25 bis 0,395 mg/l Atemalkoholkonzentration; Art. 1 der Verordnung der
Bundesversammlung vom 15. Juni 2012 über Alkoholgrenzwerte im Strassenverkehr,
SR 741.13, im Folgenden Alkoholgrenzwerteverordnung) und qualifizierten
Alkoholkonzentrationen (0,8 Gewichtspromille oder mehr BAK bzw. 0,4 mg/l oder mehr
Atemalkoholkonzentration; Art. 2 Alkoholgrenzwerteverordnung) nicht gab. Die
entsprechende Verordnung trat erst am 1. Januar 2005 in Kraft. Auch nach der neueren
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine Fahreignungsabklärung unter anderem
dann angezeigt, wenn eine Person innerhalb von zehn Jahren drei Mal in
angetrunkenem Zustand ein Motorfahrzeug gelenkt hat. Trunkenheitsfahrten ohne
qualifizierte Alkoholkonzentration werden genauso mitgezählt (BGer 1C_508/2016 vom
18. April 2017 E. 2.2 und 3.2; Weissenberger, a.a.O., Art. 15d N 26 und 59). Die
Verschärfung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen hat auch zu einer Senkung
der Schwelle zur Anordnung einer Fahreignungsbegutachtung geführt.
5.- a) Der Rekurrent lenkte in den vergangenen rund fünf Jahren dreimal einen
Personenwagen unter Alkoholeinfluss, nämlich am 23. Dezember 2015 mit einer BAK
von mindestens 0,55 Gewichtspromille, am 29. August 2019 mit einer BAK von
0,74 Gewichtspromille (umgerechneter Atemluftwert) und am 6. Februar 2020 mit einer
BAK von 1,04 Gewichtspromille (Mittelwert). Die Voraussetzungen für eine Abklärung
der Fahreignung sind damit erfüllt.
Werden Personen wiederholt mit einer BAK kontrolliert, die die Grenze von
1,6 Gewichtspromille deutlich unterschreitet, sind unter anderem die zeitlichen
Abstände sowie die Angetrunkenheitsgrade in die Würdigung einzubeziehen. Dabei
fallen kurze zeitliche Abstände etwas stärker ins Gewicht als die Höhe der BAK
(Weissenberger, a.a.O., Art. 15d N 25 f.). Die drei Trunkenheitsfahrten ereigneten sich
während einer wesentlich kürzeren Dauer als zehn Jahre. Zwischen der zweiten und
dritten Trunkenheitsfahrt liegt zudem lediglich rund ein halbes Jahr. Ferner fällt vom
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ersten bis zum dritten Vorfall hinsichtlich der Alkoholisierungsgrade eine Steigerung auf
(0,55, 0,74 und 1,04 Gewichtspromille), was ebenfalls ungünstig erscheint. Zu
berücksichtigen ist aber nicht nur die Anzahl Verfehlungen in einem gewissen Zeitraum
oder deren Schwere. Von erheblicher Bedeutung ist auch, wie sich frühere
Administrativmassnahmen auf das Verhalten des Betroffenen ausgewirkt haben.
Offensichtlich vermochten die ersten beiden Vorfälle den Rekurrenten nicht davon
abzuhalten, sich erneut in alkoholisiertem Zustand ans Lenkrad zu setzen. Dieses
Verhalten wirft ernsthaft die Frage auf, ob der Rekurrent in der Lage ist, Fahren und
Trinken zu trennen. Damit ist auch abzuklären, ob er Mühe mit dem Einhalten von
Regeln hat. Dies herauszufinden, wird die Aufgabe der verkehrspsychologischen
Untersuchung sein.
b) Zusammenfassend liegen mit der neuerlichen Trunkenheitsfahrt konkrete
Anhaltspunkte vor, wonach der Rekurrent nicht in der Lage ist, sich
verkehrsregelkonform zu verhalten, insbesondere den Alkoholkonsum vom Führen
eines Motorfahrzeugs zu trennen. Es bestehen verdichtete Hinweise darauf, dass er
mehr als jede andere Person der Gefahr ausgesetzt ist, sich in einem Zustand an das
Steuer eines Fahrzeugs zu setzen, der das sichere Führen nicht mehr gewährleistet.
Damit ist die Generalklausel von Art. 15d Abs. 1 SVG erfüllt. Da Alkohol eine der
Hauptursachen für schwere Unfälle im Strassenverkehr darstellt, ist der mit der
Abklärung verbundene Eingriff gegenüber dem Fahrzeuglenker verhältnismässig. Die
Vorinstanz ordnete somit zu Recht eine verkehrsmedizinische und -psychologische
Untersuchung an. Daran ändern auch die teils schwer verständlichen fiktiven
Annahmen im Rekurs (S. 8 f.) nichts, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist. Der
Rekurs ist abzuweisen.
6.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist damit zu verrechnen.
Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP).