Decision ID: e82dc860-bf6e-44a5-b169-c9e1a01cb241
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorie G seit 1981. Da er am 20. Mai 2009
ohne Alkohol- bzw. Medikamenteneinfluss in Schlangenlinien fuhr, eröffnete das
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen ein
Administrativmassnahmeverfahren. Eine daraufhin am 22. Juni 2009 durchgeführte
amtsärztliche Untersuchung ergab keine Hinweise auf eine fehlende Fahreignung.
Bereits am 13. Juni 2009 kollidierte X wegen ungenügenden Abstands zum rechten
Strassenrand mit zwei Betonpfeiler und einem Metallzaun. Mit Strafverfügung des
Bezirksamts A vom 22. Juli 2009 wurde er wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeuges
mit einer Busse von Fr. 500.-- bestraft. Aufgrund dieses Ereignisses verfügte das
Strassenverkehrsamt nach bestandener Kontrollfahrt am 23. November 2009 einen
Führerausweisentzug für einen Monat; die Massnahme wurde vom 22. Dezember 2009
bis 21. Januar 2010 vollzogen.
B.- Am Samstag, 28. April 2012, um 10.45 Uhr, meldete ein Fahrzeuglenker der
Notrufzentrale der Kantonspolizei St. Gallen, dass im Bereich B ein Suzuki mit den
Kontrollschildern SG 000'000 durch Schlangenlinien-Fahrt auffalle und der Lenker
vermutlich betrunken sei. Eine Patrouille der Kantonspolizei St. Gallen traf das fragliche
Fahrzeug auf dem erwähnten Strassenabschnitt nicht mehr an, der verfolgende
Fahrzeuglenker gab jedoch an, der Betroffene habe beim Altersheim C parkiert. Dort
konnte X als Fahrzeughalter angetroffen werden. Ein durchgeführter Atemlufttest verlief
negativ.
C.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen eröffnete am
21. Mai 2012 gegenüber X ein Verfahren zur Abklärung der Fahreignung und kündigte
eine vertrauensärztliche Untersuchung an. Die am 20. Juni 2012 angeordnete
spezialärztliche Untersuchung wurde am 12. Juli 2012 vom Amtsarzt Dr.med. M, D,
durchgeführt. Im Gutachten vom 7. August 2012 wird festgestellt, das Sehvermögen
mit dem linken, bereits operierten Auge reiche nicht aus, da X auf dem rechten Auge
durch eine Trübung der Linse im Prinzip nichts sehen könne. Des Weiteren habe er
eine Rot-Grün-Schwäche und kein Stereosehen. Zudem sei die diabetische Erkrankung
nicht optimal eingestellt und es stehe eine Einstellung auf Insulin an. Schliesslich liege
eine Adipositas vor, welche bei einer stressfreien Autofahrt zu einer Sauerstoff-
Unterversorgung und damit zu einem Aufmerksamkeits-Defizit führen könne. Die
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Fahreignung könne deshalb – auch nach der Operation des rechten Auges – nicht
befürwortet werden. Am 9. August 2012 wurde X das rechtliche Gehör gewährt.
D.- Mit Verfügung vom 12. September 2012 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis wegen mangelnder Fahreignung aus medizinischen Gründen auf
unbestimmte Zeit. Für die Aufhebung des Entzugs wurde die Befürwortung der
Fahreignung aus medizinischer Sicht verlangt. Einem allfälligen Rekurs wurde die
aufschiebende Wirkung entzogen.
E.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe vom 18. September 2012 Rekurs beim
Strassenverkehrsamt, welches die Eingabe am 19. September 2012
zuständigkeitshalber an die Verwaltungsrekurskommission weiterleitete. X beantragte
sinngemäss, von einem Führerausweisentzug abzusehen. Die Vorinstanz verzichtete
am 2. Oktober 2012 auf eine Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen in der Rekursbegründung wird, soweit erforderlich, in den

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 18. September 2012 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekursverfahren ist umstritten, ob die Vorinstanz dem Rekurrenten den
Führerausweis gestützt auf das vertrauensärztliche Zeugnis vom 7. August 2012 zu
Recht wegen mangelnder Fahreignung aus medizinischen Gründen auf unbestimmte
Zeit entzogen hat.
bis
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a) Bestehen Zweifel an der körperlichen oder psychischen Fahreignung eines
Fahrzeugführers, sind medizinische, psychologische oder psychiatrische Abklärungen
vorzunehmen (Art. 11b Abs. 1 lit. a und b der Verordnung über die Zulassung von
Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr, SR 741.51, abgekürzt: VZV). Wird
dabei festgestellt, dass die gesetzlichen Voraussetzungen für die Erteilung nicht oder
nicht mehr bestehen, muss der Führerausweis entzogen werden (Art. 16 Abs. 1 des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). In diesen Fällen dient der
Entzug des Ausweises der Sicherung des Verkehrs vor ungeeigneten Fahrzeugführern
(Sicherungsentzug). Es soll die zu befürchtende Gefährdung der Verkehrssicherheit
durch einen ungeeigneten Fahrzeugführer in der Zukunft verhindert werden; es geht
nicht darum, den Betroffenen wegen einer begangenen Verkehrsregelverletzung zu
bestrafen. Der Entzug setzt keine schuldhafte Widerhandlung im Strassenverkehr
voraus (BGE 1C_74/2011 vom 17. Mai 2011, E. 2.2).
Wegen fehlender Fahreignung wird einer Person der Führerausweis entzogen, wenn
ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nicht oder nicht mehr ausreicht, ein
Motorfahrzeug sicher zu führen (Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG). Grundsätzlich müssen die
medizinischen Mindestanforderungen – bezogen auf die jeweilige Fahrkategorie –
gemäss Anhang 1 VZV erfüllt sein (Art. 25 Abs. 3 lit. a SVG, Art. 7 Abs. 1 VZV). Die
Fahreignung ausschliessende Gründe sind unter anderem ein eingeschränktes Seh-
und Hörvermögen, Störungen des Gleichgewichts, Bewegungsbehinderungen, Herz-
und Gefässkrankheiten, Zuckerkrankheit, Hirn- und Rückenmarksstörungen, Lungen-
und Bronchialerkrankungen (R. Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen
Strassenverkehrsrechts, Band I, 2. Aufl. 2002, Rz. 323).
Der Entzug wird grundsätzlich auf unbestimmte Dauer ausgesprochen (Art. 16d Abs. 1
Ingress SVG). Der auf unbestimmte Zeit entzogene Führerausweis kann bedingt und
unter Auflagen wiedererteilt werden, wenn eine allfällige gesetzliche oder verfügte
Sperrfrist abgelaufen ist, und die betroffene Person die Behebung des Mangels
nachweist, der die Fahreignung ausgeschlossen hat (Art. 17 Abs. 3 SVG). Da ein
Sicherungsentzug stark in den Persönlichkeitsbereich eingreift, ist eine genaue
Abklärung der persönlichen Verhältnisse des Betroffenen in jedem Fall und von Amtes
wegen vorzunehmen. Das Ausmass der notwendigen behördlichen Nachforschungen
richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls und liegt im pflichtgemässen
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Ermessen der Entzugsbehörde (vgl. BGE 129 II 82 E. 2.2). Die Beweismittel unterliegen
der freien richterlichen Beweiswürdigung (Art. 21 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 58
Abs. 1 VRP).
b) Die Vorinstanz stützt die angefochtene Verfügung auf das vertrauensärztliche
Zeugnis vom 7. August 2012, welches dem Rekurrenten die Eignung zum Führen von
Motorfahrzeugen zurzeit abspricht.
aa) Der Rekurrent ist 163 cm gross und 115 kg schwer; dies ergibt einen
Körpermassindex (BMI) von 44,5. Der Vertrauensarzt stellte eine kognitiv leichte und
eine körperliche Einschränkung fest. Die Demenz-Detektion (DemTect) legte den
Verdacht einer beginnenden Demenz nahe. Der Visus des rechten Auges lag bei 0,1
und derjenige des linken Auges bei 0,7. Das rechte Auge war zudem getrübt und die
linke Pupille nach einem Glaukom asymmetrisch. Die Pupillenreaktion war seitengleich,
es lagen keine Motilitätsstörungen vor und das Gesichtsfeld betrug beidseitig mehr als
130 Grad. Das stereotaktische Sehen war aufgehoben und es lag eine Rot-Grün-
Schwäche vor. Bis auf einen hypersonoren Klopfschall, eine sehr adipöse Bauchdecke
und eine kleine Nabelhernie war der internistische und orthopädische Status unauffällig
(act. 10/12).
bb) Das vertrauensärztliche Zeugnis vom 7. August 2012 kommt zum Schluss, dass
beim Rekurrenten eine Adipositas (sog. Fettleibigkeit) mit einer Sauerstoff-
Unterversorgung vorliege, die im Dezember 2011 eine Intubation erforderlich gemacht
habe. Aufgrund seines Übergewichts verfüge er – vor allem auch in Ruhesituationen –
nicht über eine ausreichende Atmung. Ausserdem habe er ein Glaukom mit
Linsentrübung beider Augen, wobei das linke Auge bereits operiert worden sei. Da er
auf dem rechten Auge praktisch nichts sehe, reiche das Sehvermögen mit dem linken
Auge nicht aus. Ausserdem habe er eine Rot-Grün-Schwäche und kein Stereosehen.
Schliesslich sei die diabetische Erkrankung (Diabetes mellius Typ 2) nicht optimal
eingestellt und es stehe eine Einstellung auf Insulin an. Insgesamt könne auch nach
einer Operation des zweiten Auges die Fahreignung wegen der anderen
Einschränkungen nicht befürwortet werden. Vor einer erneuten Beurteilung müsse das
zweite Auge operiert werden, das Sehvermögen sich verbessert haben, das Gewicht
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deutlich (mindestens 15 kg) reduziert, der Diabetes besser eingestellt und die fragliche
Demenz von einem Facharzt abgeklärt werden (act. 10/12 ff.).
cc) Der Rekurrent macht geltend, das Augenlicht sei operiert worden, sodass er wieder
zu 100% sehen könne. Sein Augenarzt Dr.med. L bestätigte mit Schreiben vom
18. September 2012, die Sehschärfe des Rekurrenten betrage nach einer beidseitigen
Kataraktoperation 0,9 und die Gesichtsfeldaussengrenzen seien regelrecht. Er erfülle
aus augenärztlicher Sicht daher die gesetzlichen Mindestanforderungen für das Führen
eines Fahrzeugs der Gruppe 3 ohne Brille (act. 3).
c) aa) Die Sehleistung muss so gross sein, dass ein Fahrzeuglenker auch bei
schlechten Sichtverhältnissen (trüber Tag, Dämmerung, nachts oder bei starker
Blendung) rechtzeitig eine verkehrsrelevante Situation erfassen und entsprechend
reagieren kann. Die für die Orientierung im Strassenverkehr benötigten Informationen
werden zu 90% mit dem Auge aufgenommen. Ein Fahrer mit verminderter Sehschärfe
erkennt Hindernisse oder Gefahren später als ein Normalsichtiger. Relevant für die
Orientierung im Strassenverkehr sind nicht nur einzelne Leistungen wie zum Beispiel
die Sehschärfe, sondern das Zusammenspiel des gesamten Sehorgans in den
Basisfunktionen Sehschärfe (Fernvisus), Gesichtsfeld, Dämmerungssehen und
Blendeempfindlichkeit, räumliches Sehen (Stereosehen) sowie Augenstellung und -
motilität (M. Schneebeli, Sehvermögen und Fahreignung, in: Handbuch der
verkehrsmedizinischen Begutachtung, Bern 2005, S. 57).
Der graue Star oder die Katarakt ist die Trübung der Augenlinse. Da es sich dabei um
einen schleichend fortschreitenden Prozess handelt, fühlt sich der Betroffene häufig
erst in einem späten Stadium beeinträchtigt. Beim Entstehen des grauen Stars verdickt
sich die Augenlinse und wird trüb. Licht kann sie nur schwer durchdringen, und man
sieht verschwommen. Die Umwelt erscheint unscharf und matt, verschleiert und
verzerrt. Kontraste verlieren an Schärfe und Farben an Leuchtkraft. Die Katarakt führt
zu Visusminderung und häufig zu einer reduzierten Dämmerungssehschärfe und
erhöhter Blendeempfindlichkeit, besonders bei nächtlichem Autofahren. Ausserdem
kann es zu Gesichtsfeldeinschränkungen, Diplopie (Doppelsehen) oder Störungen des
Farbsehens kommen. Die Operation ist die einzige Möglichkeit der Therapie. Etwa 90%
der Operierten erreichen nach der Operation Sehleistungen zwischen 50-100%
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(Visus 0,5-1,0; P. Vivell, in: Madea/Musshoff/Berghaus [Hrsg.], Verkehrsmedizin, 2. Aufl.
2012, S. 231 ff.).
Beim Glaukom oder grünen Star handelt es sich um eine Gruppe von Erkrankungen,
die zu einer Schädigung des Gesichtsfeldes führt. Da Zellen des Zentralnervensystems
geschädigt werden, ist eine Wiederherstellung beeinträchtigter Areale nicht möglich.
Die Gesichtsfeldausfälle bleiben dem Betroffenen lange verborgen, da das Gehirn
Defekte mit mehr oder weniger sinnvollen Bildelementen ergänzt. Entscheidend für die
Fahreignung sind das zentrale Gesichtsfeld im 30-Bereich sowie die peripheren
Gesichtsfeldbereiche im horizontalen Meridian (Vivell, a.a.O., S. 239 f.).
Intaktes Stereosehen hilft dem Fahrzeuglenker bei der Abschätzung von Entfernungen
im Nahbereich um das Fahrzeug bis ca. 30-50 m Abstand. Bei fehlendem Stereosehen
ist eine rasche und exakte Abstandsschätzung im Nahbereich nicht immer möglich.
Beim Einparken, Rückwärtsfahren und bei engen Durchfahrten ist besondere Vorsicht
geboten (Vivell, a.a.O., S. 244, 249). Die Einschätzung von Objekten in mehr als 200 m
Entfernung erfolgt über die Wahrnehmung sekundärer Tiefenphänomene wie
perspektivische Verkürzung, Verteilung von Licht und Schatten, Objektanordnung
sowie scheinbare Grösse. Da das räumliche Sehen daher nur in der Nähe von
Bedeutung ist, bestehen keine Mindestanforderungen an das Stereosehen für die 3.
medizinische Gruppe (Schneebli, a.a.O., S. 62 f.).
Farbe liefert dem Fahrer wertvolle Zusatzinformationen in vielen Verkehrssituationen.
Farbe hat Signalwirkung und verbessert unter geeigneten Umständen die
Erkennbarkeit von relevanten Objekten im Verkehrsgeschehen erheblich. Wichtig ist vor
allem die gute Erkennbarkeit von roten Signallichtern, z.B. von Positions- und
Bremsleuchten vorausfahrender Fahrzeuge unter schlechten Sichtverhältnissen.
Relevant für den Strassenverkehr ist daher eine Einschränkung der Farbwahrnehmung
im Rotbereich (Vivell, a.a.O., S. 244).
bb) Diabetiker sind in der Regel nur für die Fahrzeuge der 3. medizinischen Gruppe
fahrgeeignet. Es muss eine stabile Blutzuckereinstellung ohne schwere Hypoglykämien
(Unterzuckerung) und ohne wesentliche Hyperglykämien (überhöhter Blutzucker)
bestehen. Bei einer Unterzuckerung wird die Fahrfähigkeit aufgrund einer plötzlich und
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oft unvorhersehbaren Bewusstseinsbeeinträchtigung innert sehr kurzer Zeit massiv
gestört oder gänzlich aufgehoben, sodass sich bei einem solchen Ereignis eine
erhebliche Verkehrsgefährdung ergibt. Personen mit stark überhöhtem Blutzucker
zeigen oftmals Symptome wie Schwäche, Übelkeit, Verlangsamung, gestörte
Wahrnehmung und Schläfrigkeit, welche die Fahrfähigkeit ebenfalls deutlich
beeinträchtigen. Zuckerkranke Fahrzeuglenker, die unter einer Therapie mit Insulin
stehen oder blutzuckersenkende und damit potentiell eine Hypoglykämie auslösende
Tabletten (Sulfonylharnstoffe, Glinide) einnehmen, müssen in der Lage sein, eine
Unterzuckerung während des Fahrens zuverlässig zu vermeiden. Dazu gehört die
strikte Einhaltung bestimmter Verhaltensregeln, wie sie im Merkblatt für Fahrzeuglenker
mit Diabetes mellitus festgehalten sind (vgl. R. Seeger, Diabetes Mellitus und
Fahreignung, in: Handbuch der verkehrsmedizinischen Begutachtung, Bern 2005, S. 67
f. und S. 148).
cc) Bei der Adipositas (Fettleibigkeit) handelt es sich um eine Ernährungs- und
Stoffwechselkrankheit mit starkem Übergewicht, die durch eine über das normale Mass
hinausgehende Vermehrung des Körperfettes mit krankhaften Auswirkungen
gekennzeichnet ist. Adipositas erhöht das Risiko für arterielle Hypertonie
(Bluthochdruck), Diabetes mellitus Typ 2 (Altersdiabetes, Zuckerkrankheit), Reflux,
Herzinfarkte, Arteriosklerose, Schlaganfälle, Brustkrebs, Arthrose, degenerative
Wirbelsäulenerkrankungen, Gallenblasenerkrankungen, Gicht und das Obstruktive
Schlafapnoe-Syndrom. Ab einem BMI von 30 ist das Krankheitsrisiko deutlich erhöht.
Adipositas ist darüber hinaus auch ein Risikofaktor für eine Verminderung der
kognitiven Leistungsfähigkeit und für Demenzerkrankungen (M. Lenz et. al., Morbidität
und Mortalität bei Übergewicht und Adipositas im Erwachsenenalter, in: Deutsches
Ärzteblatt, Jg. 106, Heft 40, http://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=66141; vgl. auch
W. de Gruyter, Psychrembel Klinisches Wörterbuch, 259. Auflage, S. 22).
d) Der Rekurrent liess im August dieses Jahres sein zweites Auge operieren. Die
Sehschärfe beträgt mittlerweile beidseits 0,9 (act. 3). Er erfüllt damit die medizinische
Mindestanforderung gemäss Anhang 1 VZV, wonach der Visus des einen Auges
minimal 0,6 und der des anderen Auges minimal 0,1 betragen muss. Weiter haben die
Glaukome noch keine relevanten Gesichtsfeldausfälle nach sich gezogen. Alleine
deswegen dürfte die Fahreignung somit nicht verneint werden.
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Von Bedeutung ist vorliegend jedoch das Zusammenspiel der verschiedenen
medizinischen Beeinträchtigungen, unter welchen der Rekurrent leidet. Eine fehlende
Fahreignung kann sich aus Umständen ergeben, die einzeln die Fahreignung nicht
ausschliessen, aber in Verbindung miteinander zu deren Ausschluss führen (BGE 6A.
5/2004 vom 17. Mai 2005, E. 3.3). Obwohl die Sehschärfe mittlerweile wieder
hergestellt worden ist, besteht weiterhin eine Schwäche der Farbwahrnehmung im
Rotbereich und ein fehlendes Stereosehen, welches für sich genommen keine
Ungeeignetheit zu begründen vermag. Hinzu kommt eine schlecht eingestellte
Diabetes-Erkrankung, wobei eine Umstellung auf Insulin geplant ist. Die Umstellung auf
Insulin führt beim Typ-2-Diabetes dabei häufig zu einer Erhöhung des
Körpergewichtes, was wiederum zu einer höheren Insulinresistenz führen kann (vgl.
http://de.wikipedia.org/wiki/Insulintherapie). Schliesslich ist der Rekurrent mit einem
BMI über 40 krankhaft übergewichtig, weshalb er bereits im Ruhezustand an Atemnot
leidet und dadurch eine Sauerstoffunterversorgung und ein Aufmerksamkeitsdefizit
vorliegen. Er zeigte dabei bereits mehrfach im Strassenverkehr die aus seinen
Erkrankungen resultierenden Symptome. Am 31. Mai 2009 lenkte er sein Fahrzeug in
Schlangenlinien, obwohl er weder unter Alkohol- noch unter Drogeneinfluss stand. Bei
der Kontrolle hinterliess er einen sehr geschwächten Eindruck und er atmete schwer
(act. 10/51). Am 13. Mai 2009 verursachte er sodann eine Kollision mit einer Mauer. Auf
einen unmittelbar nach dem Unfall anwesenden Augenzeuge machte der Rekurrent
einen verwirrten Eindruck und er ging von einem Aussetzer beim Fahren aus, da der
Unfall nicht anders erklärbar sei (act. 10/34). Schliesslich fuhr er am 28. April 2012
erneut in Schlangenlinien, weshalb er einem anderen Verkehrsteilnehmer aufgefallen
war. Dabei bemerkte der Rekurrent seine Schlangenlinienfahrt selbst nicht, obwohl er
mehrfach auf die Gegenfahrbahn geraten war. Der bei den Polizisten erweckte
Eindruck liess bei ihnen sodann die Frage der Fahrtauglichkeit aufkommen (act. 10/3
f.).
Alle diese Faktoren führen dazu, dass der Rekurrent im Strassenverkehr ein massives
Risiko darstellt, weshalb die Fahreignung im jetzigen Zeitpunkt nicht befürwortet
werden kann.
e) Zusammengefasst ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht auf das
vertrauensärztliche Zeugnis vom 7. August 2012 abgestellt, die Fahreignung des
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Rekurrenten gestützt auf Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG verneint und den Führerausweis auf
unbestimmte Zeit entzogen hat. Der mit dem Sicherungsentzug verbundene Eingriff in
die Persönlichkeitssphäre des Rekurrenten ist angesichts der auf dem Spiel stehenden
öffentlichen Interessen der Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer erforderlich und
angemessen und liegt nicht zuletzt auch in seinem eigenen, wohlverstandenen
Interesse (vgl. BGE 6A.15/2000 vom 28. Juni 2000, E. 4). Es gibt keine mildere
Massnahme, um ihn als Motorfahrzeugführer vom Strassenverkehr fernzuhalten.
Solange der Rekurrent an krankhaftem Übergewicht leidet, der Blutzuckerspiegel nicht
stabil eingestellt und er sich der mangelnden Fahreignung nicht bewusst ist, kann ihm
der Führerausweis auch nicht unter Auflagen wiedererteilt werden. Die angefochtene
Verfügung erweist sich damit als recht- und verhältnismässig.
3.- Mit dem Sicherungsentzug soll sichergestellt werden, dass der Rekurrent zum
Schutz der Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer vom Strassenverkehr
ferngehalten wird. Dieser Zweck wäre gefährdet, wenn er während eines
Beschwerdeverfahrens als Motorfahrzeugführer zum Strassenverkehr zugelassen
würde. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene
aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 VRP).
4.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'500.-- erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'500.-- ist zu verrechnen.