Decision ID: 39183792-fc9e-4e0c-bb4b-7d5d3c44006c
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 11. Februar 1998 wegen Schmerzen, starkem Druckgefühl
und Schwäche in den Beinen zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Im Auftrag
der IV-Stelle wurde der Versicherte vom 5. bis 9. Juli 1999 im ZMB Zentrum für
Medizinische Begutachtung polydisziplinär (internistisch, neurologisch,
rheumatologisch und psychiatrisch) untersucht. Die ZMB-Gutachter diagnostizierten
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine Konversionsstörung mit Anteil einer
dissoziativen Bewegungsstörung und einer dissoziativen Sensibilitäts- und
Empfindungsstörung. Für die vom Versicherten geklagten Beschwerden habe sich
keine organische Ursache finden lassen. Insgesamt müsse davon ausgegangen
werden, dass der Versicherte durch seine Konversionsstörung eine gewisse
Einschränkung „zeigt“. Jedoch sei eine Restarbeitsfähigkeit von 60% in jeglicher
körperlich nicht allzu anstrengender Tätigkeit realisierbar (ZMB-Gutachten vom 24.
August 1999, IV-act. 46).
A.b Die IV-Stelle sprach dem Versicherten mit Wirkung ab 1. April 1998 eine halbe
Rente zu (Verfügungen vom 8./10. Dezember 1999, IV-act. 64 und 66). Im Rahmen
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mehrerer von Amtes wegen eingeleiteten Revisionsverfahren bestätigte sie den
Anspruch des Versicherten auf eine halbe Rente (Mitteilung vom 12. Februar 2001, IV-
act. 80; gestützt auf eine inzwischen aufgenommene teilzeitliche Erwerbstätigkeit
wurde das Invalideneinkommen ohne Auswirkung auf den Rentenanspruch erhöht, IV-
act. 78 f.; Mitteilung vom 2. März 2004, IV-act. 87; Mitteilung vom 8. Januar 2008, IV-
act. 103).
A.c Im Rahmen einer neuerlichen von Amtes wegen eingeleiteten Revision gab der
Versicherte am 21. Januar 2013 an, sein Gesundheitszustand sei gleich geblieben (IV-
act. 104), was der behandelnde Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, im
Verlaufsbericht vom 7. Februar 2013 bestätigte (IV-act. 107). RAD-Arzt Dr. med. C._,
Facharzt FMH u.a. für Innere Medizin, vertrat die Ansicht, der Versicherte leide an
einem pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebild ohne
nachweisbare Grundlage. Bei der Bewertung der medizinischen Aspekte der Foerster-
Kriterien könne festgehalten werden, dass zum Zeitpunkt der ZMB-Begutachtung keine
weiteren, belastenden medizinischen Faktoren hätten benannt werden können, welche
die Arbeitsfähigkeit einschränkten (Stellungnahme vom 5. April 2013, IV-act. 110). Nach
durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 25. April 2013, IV-act. 114;
Einwand vom 23. Mai 2013, IV-act. 116; ergänzende Eingabe des Versicherten vom 27.
Juni 2013 samt verschiedenen ärztlichen Berichten, IV-act. 121) hob die IV-Stelle den
Rentenanspruch auf den 1. Oktober 2013 auf (Verfügung vom 28. August 2013, IV-act.
123). Die dagegen erhobene Beschwerde des Versicherten vom 30. September 2013
(IV-act. 129-2 ff.) hiess das Versicherungsgericht mit Entscheid vom 9. April 2014, IV
2013/492, teilweise gut. Es hob die angefochtene Verfügung auf und wies die Sache

zur weiteren Abklärung im Sinn der Erwägungen an die IV-Stelle zurück (IV-act. 145).
A.d Dr. B._ bestätigte im Verlaufsbericht vom 24. August 2014, dass der
Gesundheitszustand des Versicherten weiterhin stationär sei (IV-act. 154). Im Auftrag
der IV-Stelle wurde der Versicherte am 16. und 17. Dezember 2014 in der ABI
Aerztliches Begutachtungs-Institut GmbH polydisziplinär (allgemein-internistisch,
psychiatrisch, orthopädisch und neurologisch) begutachtet. Die ABI-Experten stellten
weder aus somatischer noch psychiatrischer Sicht eine Diagnose mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit. Sie bescheinigten dem Versicherten für jede körperlich leichte bis
mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit eine uneingeschränkte Arbeits- und
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Leistungsfähigkeit. Aufgrund der Prüfung der Foerster-Kriterien, zu denen die ZMB-
Gutachter keine Stellung genommen hätten, könne eine Arbeitsunfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht nicht mehr begründet werden (ABI-Gutachten vom 27. Januar
2015, IV-act. 166). RAD-Arzt Dr. C._ gelangte zur Auffassung, das ABI-Gutachten
erfülle die geltenden Qualitätsrichtlinien, weshalb darauf abgestellt werden könne
(Stellungnahme vom 16. Februar 2015, IV-act. 167).
A.e Mit Vorbescheid vom 8. April 2015 stellte die IV-Stelle dem Versicherten gestützt
auf lit. a der Schlussbestimmungen der Änderung des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung vom 18. März 2011 die Aufhebung des Rentenanspruchs in
Aussicht (IV-act. 170). Dagegen erhob der Versicherte am 18. Mai 2015 Einwand (IV-
act. 172). Am 28. Mai 2015 verfügte die IV-Stelle die Aufhebung des Rentenanspruchs
auf den 1. Juli 2015. Einer allfälligen Beschwerde entzog sie die aufschiebende
Wirkung (IV-act. 174).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 28. Mai 2015 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 23. Juni 2015. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter Kosten- und
Entschädigungsfolge deren Aufhebung und es sei die Beschwerdegegnerin zu
verpflichten, ihm weiterhin eine halbe IV-Rente auszurichten. Zur Begründung führt er
im Wesentlichen aus, das ABI-Gutachten sei nicht beweiskräftig und die
Voraussetzungen für eine Revision im Sinn von lit. a der Schlussbestimmungen der
Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 18. März 2011
seien nicht erfüllt. Insbesondere seien zwischen der ursprünglichen Rentenzusprache
und der Einleitung des Revisionsverfahrens mehr als 15 Jahre vergangen (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 28. August
2015 die Abweisung der Beschwerde. Sie bringt vor, das ABI-Gutachten sei
beweiskräftig. Die geklagten Leiden des Beschwerdeführers seien nicht invalidisierend,
insbesondere auch unter dem Blickwinkel der neuen Rechtsprechung gemäss BGE
141 V 281 nicht. In Gesamtbetrachtung der vorhandenen Ressourcen und Belastungen
sei es nachvollziehbar, dass nur geringe funktionelle Auswirkungen auf die
Leistungsfähigkeit bestünden, die keine Auswirkung auf die bisherige Tätigkeit hätten.
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Es sei vorliegend nicht von einem invalidisierenden Gesundheitsschaden auszugehen
und die Voraussetzungen für eine Aufhebung des Rentenanspruchs gemäss
Schlussbestimmungen der Änderung des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung vom 18. März 2011 seien erfüllt (act. G 4).
B.c In der Replik vom 29. September 2015 stellt der Beschwerdeführer den
Eventualantrag, die Sache sei zur Einholung eines neuen polydisziplinären Gutachtens
bei einer bisher nicht involvierten externen Gutachterstelle, die den Fragenkatalog
gemäss IV-Rundschreiben Nr. 339 vom 9. September 2015 vollständig beantworte, an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Der Beschwerdeführer macht geltend, der
Sachverhalt sei nicht spruchreif abgeklärt, da bislang keine schlüssige Beurteilung der
gemäss BGE 141 V 281 massgebenden Indikatoren erfolgt sei (act. G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 8).
Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Rechtmässigkeit
der per 1. Juli 2015 gestützt auf lit. a Schlussbestimmungen der Änderung des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) vom 18. März 2011
(nachfolgend: lit. a der Schlussbestimmungen) angeordneten Aufhebung des
Rentenanspruchs. Zu den massgebenden rechtlichen Grundlagen kann auf den
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 9. April 2014, IV 2013/492, verwiesen
werden (IV-act. 145).
2.
Das Versicherungsgericht hat bereits im Entscheid vom 9. April 2014, IV 2013/492,
dargelegt, dass die ursprüngliche Rentenzusprache einzig aufgrund einer
Konversionsstörung mit Anteil einer dissoziativen Bewegungsstörung und einer
dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörung erfolgte. Dieses Leiden stellt ein
pathogenetisch-ätiologisch unklares syndromales Beschwerdebild ohne nachweisbare
organische Grundlage im Sinn von lit. a der Schlussbestimmungen dar (IV-act. 145-4).
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Dies wird vom Beschwerdeführer nicht substanziiert in Frage gestellt. Hingegen vertritt
er die Auffassung, dass er im Zeitpunkt der Einleitung der Überprüfung die Rente
bereits mehr als 15 Jahre bezogen habe (act. G 1, Rz 8).
2.1 lit. a Abs. 4 der Schlussbestimmungen legt fest, dass Abs. 1 der
Schlussbestimmungen keine Anwendung auf Personen findet, die im Zeitpunkt des
Inkrafttretens dieser Änderung das 55. Altersjahr zurückgelegt haben oder im
Zeitpunkt, in dem die Überprüfung eingeleitet wird, seit mehr als 15 Jahren eine Rente
der Invalidenversicherung beziehen. Der "Zeitpunkt, in dem die Überprüfung eingeleitet
wird", wird nicht anhand des Moments bestimmt, in dem die versicherte Person
erstmals schriftlich Kenntnis von der gestützt auf lit. a Abs. 1 der
Schlussbestimmungen ins Auge gefassten Rentenaufhebung erhielt. Vielmehr richtet
sich der Zeitpunkt der mit Blick auf lit. a Abs. 4 der Schlussbestimmungen
fristwahrenden Einleitung der Rentenüberprüfung nach dem mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachgewiesenen tatsächlichen Beginn des Verfahrens. Liegt dieser
Zeitpunkt vor dem 1. Januar 2012 (Inkrafttreten von lit. a der Schlussbestimmungen),
bildet der 1. Januar 2012 den fiktiven Anknüpfungspunkt für die Ermittlung der
massgebenden Rentenbezugsdauer (BGE 140 V 21 E. 5.3.5). Bei einem nach den
Schlussbestimmungen eingeleiteten Revisionsverfahren sind betreffend den Nachweis
der Eröffnung des Überprüfungsverfahrens keine einschränkenderen Voraussetzungen
abzuleiten als hinsichtlich des Revisionsverfahrens nach Art. 17 Abs. 1 ATSG (Urteil
des Bundesgerichts vom 9. Mai 2016, 8C_82/2016, E. 3.1 mit Hinweisen).
2.2 Das Versicherungsgericht hat im Entscheid vom 9. April 2014, IV 2013/492,
ausgeführt, dass die Einleitung der Rentenüberprüfung im Sinn der
Schlussbestimmungen spätestens mit der internen Anfrage an den RAD vom 15. März
2013 (IV-act. 110-2) und damit - wenn auch hinsichtlich des am 1. April 1998
entstandenen Rentenanspruchs knapp - vor Ablauf einer 15-jährigen
Rentenbezugsdauer erfolgte (IV-act. 145-5). Daran ist festzuhalten. Ergänzend ist zu
bemerken, dass der zuständige Sachbearbeiter die Anfrage an den RAD ausdrücklich
mit Blick auf die Prüfung eines syndromalen Leidens („SL aufgrund Diagnose
dissoziative Bewegungsstörung“, IV-act. 110-2) tätigte. Es ist offenkundig, dass der
zuständige Sachbearbeiter damit Abklärungen im Rahmen der Überprüfung gemäss
der Schlussbestimmungen aufgenommen hatte. Folglich gilt die Überprüfung im Sinn
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von Abs. 4 der Schlussbestimmungen als am 15. März 2013 eingeleitet (vgl. BGE 140 V
21 E. 5.3.5, Urteile des Bundesgerichts vom 9. Mai 2016, 8C_82/2016, E. 3.2 und vom
20. November 2014, 8C_576/2014, E. 4.3.2 f.). Das von Amtes wegen mit dem Versand
des Fragebogens begonnene Rentenrevisionsverfahren umfasste ab 15. März 2013
auch eine Rentenüberprüfung gemäss lit. a der Schlussbestimmungen (siehe auch die
Angabe des zuständigen Sachbearbeiters, „bisher wurde der Fall im Rahmen einer
ordentlichen RR behandelt“, IV-act. 110-2). Aus den Ausführungen des
Beschwerdeführers oder der von ihm zitierten Rechtsprechung (BGE 140 V 15) ergibt
sich nichts, was eine andere Betrachtungsweise nahe legen würde.
3.
Zwischen den Parteien ist ausserdem umstritten, ob der Sachverhalt in medizinischer
Sicht nunmehr spruchreif abgeklärt ist. Die Beschwerdegegnerin stützt die
Rentenaufhebung auf das polydisziplinäre ABI-Gutachten vom 27. Januar 2015 (siehe
hierzu IV-act. 166). Der Beschwerdeführer hält dieses nicht für beweiskräftig.
3.1 Das Versicherungsgericht wies die Sache mit Entscheid vom 9. April 2014, IV
2013/492, zur Vornahme einer polydisziplinären Begutachtung an die
Beschwerdegegnerin zurück, damit der medizinische Sachverhalt mit Fokus auf die
Fragestellung, welche die 6. IV-Revision mit sich bringt, rechtsgenüglich abgeklärt wird
(IV-act. 145-6). Der Beschwerdeführer bemängelt, das ABI-Gutachten sei vor der
Praxisänderung gemäss BGE 141 V 281 (Entscheid vom 3. Juni 2015) ergangen und
die darin formulierten Standardindikatoren decke es nicht ab (act. G 6, Rz 9 ff.).
3.1.1 In Nachachtung des Entscheids des Versicherungsgerichts vom 9. April 2014,
IV 2013/492, und der damaligen bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Umgang
mit somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren Beschwerdebildern (BGE
130 V 352) holte die Beschwerdegegnerin das Gutachten bei der ABI ein (siehe
insbesondere die vom RAD gestellte Zusatzfrage, IV-act. 156-8). Seither hat sich
allerdings die Praxis des Bundesgerichts zu den pathogenetisch-ätiologisch unklaren
syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage erheblich
geändert. Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht die von ihm geschaffene
Überwindbarkeitsvermutung und den sich an den Foersterkriterien orientierenden
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Prüfungsraster aufgegeben. Das bisherige Regel/Ausnahme-Modell wurde durch ein
„strukturiertes“ Beweisverfahren ersetzt. Nach der neuen Rechtsprechung hat die
Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Störungen den Aspekt der funktionellen
Auswirkungen zu berücksichtigen, was sich schon in den diagnostischen
Anforderungen niederschlagen muss. Massgebend seien in Schweregrad und
Konsistenz der funktionellen Auswirkungen eingeteilte Standardindikatoren. Die
Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrads sei nur zulässig, wenn die
funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen
Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und
widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen
seien (BGE 141 V 307 f. E. 6; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. September 2015,
8C_421/2015, E. 5.2).
3.1.2 Medizinische Gutachten, die noch nach alter Praxis des Bundesgerichts
eingeholt wurden, verlieren nicht per se ihren Beweiswert. Es ist im Einzelfall zu prüfen,
ob das betreffende Gutachten, gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen
Berichten, eine schlüssige Beurteilung im Licht der massgeblichen Indikatoren erlauben
oder nicht, wobei je nach Abklärungstiefe und -dichte eine punktuelle Ergänzung
genügen kann. Somit führt ein nach alter Praxis des Bundesgerichts erstattetes
Gutachten nicht zwangsläufig zu einer neuen Begutachtung oder anderen
abklärungsrechtlichen Weiterungen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 18. Mai 2017,
8C_842/2017, E. 5.2.1 mit Hinweisen).
3.1.3 Bei der Würdigung des psychiatrischen Teils des ABI-Gutachtens fällt ins
Gewicht, dass der Experte zwar zu den Foerster-Kriterien Bezug nimmt, sich jedoch
nicht allein auf die Vermutung der Arbeitsfähigkeit bzw. der Überwindbarkeit des
Leidens stützt. Vielmehr nimmt er im Rahmen einer - wenn sich auch an den Foerster-
Kriterien orientierenden - umfassenden Beurteilung Stellung zu den Ressourcen und
Defiziten des Beschwerdeführers. Gestützt darauf - und nicht auf der Grundlage der
früher vom Bundesgericht aufgestellten Überwindbarkeitsvermutung - nimmt er eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung vor. So schloss der psychiatrische ABI-Gutachter
nachvollziehbar eine psychische Komorbidität aus und gab die unbestritten gebliebene
Aussage des Beschwerdeführers wieder, dass er sich - nebst der diagnostizierten
dissoziativen Störungen - sonst nicht psychisch krank fühle. Damit ist der Hinweis des
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psychiatrischen ABI-Gutachters zu vereinbaren, dass bislang weder eine psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung noch eine psychopharmakologische Medikation
bestanden habe. Eine schwere chronische somatische Erkrankung besteht sodann
nicht. Des Weiteren beschrieb der psychiatrische ABI-Gutachter eine starke
Krankheitsüberzeugung (siehe zum Ganzen IV-act. 166-11 f.). Bei der
Ressourcenprüfung berücksichtigte er die Aktivitäten (Reisen, Kontakte zu Kollegen)
und den ausführlich erhobenen Tagesablauf des Beschwerdeführers (IV-act. 166-10; zu
der geleisteten Unterstützung im Haushalt sowie die gelegentlichen Einkäufe siehe IV-
act. 166-13 unten; zur täglichen bis zu zweistündigen Beschäftigung am Computer u.a.
für Bildbearbeitungen siehe IV-act. 166-14). Ergänzend kann auf die Stellungnahme
von RAD-Arzt Dr. C._ verwiesen werden, der bei der Beurteilung des
Funktionsniveaus u.a. auf die vom Beschwerdeführer absolvierten Autofahrten (siehe
dessen Angaben in IV-act. 166-13 unten) hinwies (IV-act. 167-2).
3.1.4 Es bestehen damit keine Mängel an der Ressourcenprüfung durch die ABI-
Experten, weshalb deren Beurteilung auch nach der neuen Rechtsprechung verwertbar
bleibt und auf deren Ergebnisse abzustellen ist. Der Beschwerdeführer legt denn auch
nicht substanziiert dar, welche ressourcenrelevanten Aspekte die ABI-Gutachter ausser
Acht gelassen hätten. Vielmehr beschränkt sich der Beschwerdeführer im Wesentlichen
gerade darauf, ressourcenrelevante Aspekte anders als die ABI-Gutachter zu würdigen
(act. G 6, Rz 12). Diesbezüglich gilt es zu beachten, dass eine psychiatrische
Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet
der begutachtenden psychiatrischen Fachperson daher praktisch immer einen
gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische
Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte oder die
Expertin - wie vorliegend der psychiatrische ABI-Gutachter - lege artis vorgegangen ist
(Urteil des Bundesgerichts vom 5. März 2009, 8C_694/2008, E. 5.1.1).
3.2 In somatischer Hinsicht rügt der Beschwerdeführer, der orthopädische ABI-
Gutachter habe die chronisch ziehenden Beschwerden an den unteren Extremitäten
insbesondere auf multiple muskuläre Verkürzungen im Becken- und Beinbereich
beidseits zurückgeführt. Damit seien die im Vordergrund stehenden ziehenden
Beschwerden an den Beinen somatisch objektiv erklärbar. Diese Diagnose sei im ABI-
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Gutachten zu Unrecht nicht als Einschränkung der Arbeitsfähigkeit anerkannt worden
(act. G 1, Rz 6).
3.2.1 Der orthopädische ABI-Gutachter erhob ausführlich die Befunde. Gestützt
darauf gelangte er zusammenfassend zur Auffassung, dass sich die vom
Beschwerdeführer beklagten Beschwerden durch die klinischen und radiologischen
Befunde keinesfalls vollständig begründen liessen. Nachvollziehbar sei ein gewisser
Leidensdruck bei multiplen Verkürzungen im Becken- und Beinbereich beider Seiten,
keinesfalls aber die unabhängig von Position und Aktivität auftretende Symptomatik,
sodass von einer erheblichen nicht-organischen Beschwerdekomponente
ausgegangen werden könne (IV-act. 166-17). Damit brachte der orthopädische ABI-
Gutachter plausibel zum Ausdruck, dass belastungsabhängige Beschwerden auf die
festgestellten Verkürzungen (teilweise) zurückgeführt werden könnten, „keinesfalls
aber“ belastungsunabhängige Dauerschmerzen. Daher leuchtet es ein, dass bei einer
leidensangepassten Tätigkeit - wie vom orthopädischen ABI-Gutachter umschrieben
(IV-act. 166-17) - keine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultiert.
3.2.2 Zu beachten gilt es ausserdem, dass bereits im Schlussbericht der BEFAS
Appisberg vom 9. Februar 1999 - wie später vom orthopädischen ABI-Gutachter (IV-
act. 166-16) beschrieben - eine beidseits verkürzte ischiocrurale Muskulatur aufgeführt
wird, ohne dass diesem Befund im Schlussbericht oder späteren medizinischen
Beurteilungen eine erkennbare Bedeutung für die Arbeitsfähigkeit zugemessen wurde
(IV-act. 22-4 unten).
3.3 Zusammenfassend bestehen keine Mängel, die Zweifel am Beweiswert des
sämtliche Anforderungen an beweiskräftige Expertisen erfüllenden ABI-Gutachtens
vom 27. Januar 2015 entstehen lassen. Gestützt auf die gutachterliche Beurteilung ist
deshalb davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer für eine leidensangepasste
Tätigkeit über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit verfügt.
4.
Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
resultiert selbst dann kein rentenbegründender Invaliditätsgrad mehr, wenn zugunsten
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des Beschwerdeführers zur Bestimmung des Invalideneinkommens auf den LSE-
Hilfsarbeiterlohn für das Jahr 2012 von Fr. 65‘177.-- abgestellt und - wenn überhaupt -
höchstens ein 10%iger Tabellenlohnabzug gewährt würde. Dadurch würde ein
Invalideneinkommen von mindestens Fr. 58‘659.-- resultieren. Das von der
Beschwerdegegnerin für das Jahr 2012 von Fr. 90‘093.-- (IV-act. 168) ermittelte
Valideneinkommen blieb unbestritten und es ergeben sich aus den Akten auch keine
Zweifel an dessen Bemessung. Gestützt auf diese Grundlagen ergeben sich eine
Erwerbseinbusse von höchstens Fr. 31‘434.-- (Fr. 90‘093.-- - Fr. 58‘659.--) und ein
nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von höchstens aufgerundet 35% (Fr.
31‘434.-- / Fr. 90‘093.--). Damit kann offen bleiben, ob der von der
Beschwerdegegnerin durchgeführte Prozentvergleich (IV-act. 168) korrekt ist.
5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- ist ihm daran anzurechnen. Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.