Decision ID: 7f432bd6-4d55-45cb-b47c-700db6a424a4
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der
im Jahre 1963 geborene
X._
war seit dem
1.
November 2009 bei der
Y._
AG als Baumaschinenmechaniker
angestellt und als solcher bei der Schwei
zerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von
Betriebs- und Nichtbetriebsunfällen versichert.
Am 1
5.
März 2010 erlitt der Ver
sicherte durch einen Hydraulikölstrahl ein Injektionstrauma an der rechten do
mi
nanten Hand (Urk. 6/1), welches am 1
6.
März 2010 operativ be
handelt wer
den
musste (
Urk.
6/3). Am 2
0.
März 2010 konnte der Versicherte in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden (
Urk.
6/9).
Mangels an
derslautender Hinweise ging die SUVA im Juli 2010 von einer vollständigen Genesung aus und schloss den Schadenfall ab (
Urk.
6/11).
Mit E-Mail vom 2
5.
April 2012 teilte der Versicherte mit, dass die seit dem Un
fall bestehenden Beschwerden an der rechten Hand seit kurzem wieder schlim
mer
geworden seien (
Urk.
6/12). Am
5.
Juni 2012 fand an der Klinik für Plasti
sche
Chirurgie und Handchirurgie des
S
pitals
Z._
eine entsprech
ende Abklärung statt (
Urk.
6/27). Mit Schreiben vom 1
2.
Juni 2012 verneinte die SUVA einen Kausalzusammenhang zwischen den aktuellen Be
schwerden und dem Unfallereignis vom 1
5.
März 2010 (formlose Eröffnung,
Urk.
6/29)
und damit ihre Leistungspflicht
und hielt an dieser Einschätzung mit Verfügung vom 2
0.
Juni 2012 sowie mit
Einspracheentscheid
vom
5.
Oktober 2012 fest (
Urk.
6/32,
Urk.
6/47 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der
Versicherte am
5.
November 2012 Beschwerde und bean
trag
te
sinngemäss
, es sei
die Kausalität zwischen den aktuell bestehenden Be
schwer
den und dem Unfallereignis vom 1
5.
März 2010
beziehungsweise
die Leistungspflicht des Unfallversicherers
zu bejahen (
Urk.
1
).
Mit Beschwerdeantwort vom 4
. Januar 2013 liess die Beschwerdegegnerin Ab
weisung der Bes
chwerde beantragen (Urk. 5
), was dem
Beschwerdeführer mit Schrei
ben vom
9.
Januar 2013 mitgeteilt wurde (Urk. 7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
6
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
werden -
soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Be
rufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1). Der
Bun
desrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind
, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Ausserdem erbringt die Versi
che
rung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbe
hand
lung zugefügt werden (
Abs.
3).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit,
Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusamm
enhang besteht. Ursachen im S
in
ne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vor
handensein der eingetretene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der
gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht wer
den kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des na
türli
chen
Kau
salzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die al
leinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
di
gen
de Ereignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
perliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit an
dern
Wor
ten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene gesund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung
ein natürlicher Kausalzusammenhang be
steht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Be
schwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm ob
liegenden Beweis
würdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse
Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsan
spruches nicht (BGE 129 V 177 E.
3.1, 119 V 335 E.
1, 118 V 286 E.
1b, je mit Hinwei
sen).
1.3
Die Versicherungsleistungen werden auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt (
Art.
11
der Verordnung über die Unfallversicherung;
UVV). Bei einem Rückfall
handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krank
heit
, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Ar
beits
unfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar ge
heiltes
Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psychische Ver
ände
rung
en
bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen kön
nen (BGE 118 V 293 E. 2c mit Hinweisen).
1.4
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu
prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des stritti
gen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizi
ni
schen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Ex
perten b
e
gründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 f. E
. 1c, je mit Hinwei
sen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete den angefochtenen
Einspracheentscheid
im Wesentlichen damit, dass an beiden Händen
des Versicherten
keinerlei Unfall
fol
gen mehr beste
hen würden. Die aktuell geklagten Beschwerden seien nicht als
unfallkausal zu qualifizieren. Selbst wenn man die Kausalität bejahen würde,
wäre
in der angestammten Tätigkeit von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszu
gehen.
Weiter seien die Voraussetzungen für die Ausrichtung einer Integritätsentschädigung nicht gegeben, so dass die Verneinung der Leistungspflicht ins
ge
samt zu Recht erfolgt sei (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, dass es für ihn
ausser Frage stehe, dass er seit dem Arbeitsunfall Probleme mit seiner rech
ten Hand habe, welche eine Tätigkeit als Baumaschinenmechaniker unerträglich machen würden (
Urk.
1).
3.
3.1
PD
Dr.
med.
A._
, Oberarzt an der Klinik für Plastische Chirurgie und
Handchirurgie des
Spitals Z._
, diagnostizierte in seinem Bericht vom
5.
Juni 2012 ei
nen
Status nach Hochdruck-Injektionsverletzung
Hohlhand
rechts (dominant) vom 1
5.
März 201
0.
Der
Versicherte
habe berichtet, dass er 2010 seinen Job als Maschinenmechaniker verloren habe, da er die rechte Hand nicht voll habe ein
setzen können. Danach sei er zeitweise zu 100
%
im Rahmen von Gelegenheitsjobs
als
M
achinenmechaniker
tätig gewesen, wobei er die Arbeit immer wieder verloren habe.
Der Patient
habe anschaulich berichtet, dass er beim Ein
satz von Pressluftbohrern starke Schmer
zen in der
Hohlhand
gehabt habe
;
zwar habe
er die Arbeit gut verrich
te
n können
,
sei
aber viel zu langsam
gewesen
.
Der Befund zeige eine ausgeprägte symmetrische
Beschwielung
beider Hände sowie eine eutrophe, reife Narbe in der
Hohlhand
, ohne jegliche Verklebung mit der Unterlage oder Hyperästhesie. Es seien keine
Tinel
-Z
eichen auslösbar, der
Faustschluss sei vollständig und die Steckfunktion ebenfalls seitengleich. Die
Kraf
t sei vollständig und seitengleich (das heisse bei Rechtsdominanz rechts also eher
leichtgradig
eingeschränkt oder eben schmerzbed
ingt nicht voll ein
setzbar).
Es würden keine Hinweise auf einen Infekt oder eine
Trophikstörung
bestehen. In
der
Hohlhand
bestehe bei festem Druck eine diffuse
Dolenz
.
Die vom
Versicherten
geschilderten Beschwerden würden sehr gut zum post
trau
matischen Zustandsbild nach Hochdruckinjektionstrauma passen. Da der Patient
handtherapeutisch optimal für ein Heimprogramm instruiert worden sei, könnten
sie ihm chirurgisch, therapeutisch und medikamentös zur Beschwerdelinderung
nichts anbieten. Da er bei leichter Belastung be
schwerdefrei
und bei diesem pos
t
traumatischen Zustandsbild die Schwierigkeit,
s
tundenlang einen Pressluft
ham
me
r zu bedienen
absolut
nachvollziehbar
sei,
habe man ihm
die Aufnahme einer leich
teren Tätigkeit empfohlen (
Urk.
6/27).
3.2
Kreisarzt Prof.
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Orthopädie und Unfallchirurgie, hielt in seiner Stellungnahme vom 1
2.
Juni 2012 fest, dass gestützt auf die kli
nische Zustandsbeschreibung gemäss dem Bericht des
Spitals Z._
nicht von Unfallfol
gen
ausgegangen werden könne. Die Zumutbarkeit auf dem allgemeinen Ar
beitsmarkt umfasse leichte bis mittelschwere
Tätigkeiten ohne relevante quali
ta
tive Einschränkungen (
Urk.
6/28).
In seiner Stellungnahme vom
6.
September 2012 hielt Prof.
B._
fest, dass der Zumutbarkeitsbeurteilung des
Spitals Z._
zuzustimmen und in einer leichten bis mit
telschweren körperlichen Tätigkeit von einer ganztägigen Arbeitsfähigkeit aus
zugehen sei (
Urk.
6/44).
Der ergänzenden Stellungnahme vom 2
5.
September 2012 ist weiter zu entneh
men, dass
aufgrund des Berichts des
Spitals Z._
vom
5.
Juni 2012 festzuhalten sei, dass keinerlei Unfallfolgen an beiden
Händen
mehr
bestehen würden. Die ge
klag
ten Beschwerden seien aktuell nicht mehr als unfallkausal zu qualifizieren. Die
Vor
aussetzungen für eine Integritätsentschädigung seien vorliegend nicht erfüllt.
Aus kreisärztlicher Sicht könne aktuell für die Tätigkeit als Baumaschinenmecha
niker eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert werden (
Urk.
8/46).
3.3
Auch wenn sich
Dr.
A._
nicht ausdrücklich zur Frage der Kausalität der ak
tuell bestehenden Beschwerden äussert, legen seine Ausführungen im Bericht vom
5.
Juni 2012 doch den Schluss nahe, dass er von einer kausalen Beschwerdeverursachung ausg
ing
. Auch wenn Ausführungen im Rahmen einer Sprech
stunde nicht das Gewicht einer abschliessenden versicherungsrechtlichen Beur
teilung zukommen kann, stellt die Einsc
hätzung von
Dr.
A._
doch e
in
ge
wisses
In
diz für
das Vorliegen einer
Kausalität dar.
Die diesbezüglichen Ausfüh
rungen von
Prof.
B._
vermögen die Einschätzung von
Dr.
A._
dabei
nicht
abschliessend
zu ent
kräften. So verweist
Prof
.
B._
ohne Vornahme einer eigenen
Untersuchung auf die klinische Zustandsbeschreibung des
Spitals Z._
und hält fest, das
s aktuell keine Unfallfolgen mehr vorliegen würden. Dabei geht er auf die Be
urteilung von
Dr.
A._
nicht ein, so dass in der Schlussfolgerung wohl von zwei unter
schiedlichen Beur
teilungen der vorliegend unbestrittenen Klinik aus
zugehen ist.
Auch hinsichtlich der verbl
ie
benen Arbeitsfähigkeit ergeben die vorliegenden Akten kein schlüssiges Bild.
Dr.
A._
empfiehlt die Aufnahme einer leich
te
ren Tätigkeit, was keine abschliessende Einschätzung der medi
zinisch-theore
tischen Restleistungsfähigkeit darstellt.
Pro
f.
B._
geht in seinen ersten b
eiden Stellungnahme
n
von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit aus, während er zuletzt
offenbar
auch in der ange
stammten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit für zumutbar hält.
Diese Folge
rung
aber
wäre nur dann schlüssig, wenn die angestammte Tätigkeit als lediglich
mittelschwer qualifiziert würde. Aufgrund der Ausführungen im Bericht des
Spitals Z._
vom
5.
Juni 2012 erscheint dies
indes
eher nicht zuzutreffen. Weiter geht Prof.
B._
auch in dieser Hinsicht nicht auf die Ausführungen von
Dr.
A._
ein, welcher die angestammte Tätigkeit
– aus
unfall
Gründen -
wohl nicht mehr für zumutbar hält.
Insgesamt erscheint der medizinische Sachverhalt ungenügend abgeklärt. Die
Sache ist dementsprechend an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen, zur An
ord
nung eines Gutachtens, welches sich insbesondere zur
Frage der
Kausalität
der geltend gemachten Restbeschwerden sowie zur verbl
ie
benen Ar
beitsfähig
keit
in der angestammten wie auch
in
ein
er angepassten Tätigkeit äus
sern soll
. In
diesem Sinne ist die Beschwerde in
Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids
gutzuheissen.