Decision ID: b3ca2f45-5535-5f1d-bbcc-20d1a65c33d7
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer ersuchte am (...) um Asyl in der Schweiz. Am
2. Mai 2018 fand die Befragung zur Person (BzP) statt und am 19. Juni
2018 wurde er vom SEM einlässlich zu seinen Asylgründen angehört.
A.b Im Wesentlichen machte der aus B._ (C._-Distrikt;
(Nennung Provinz)) stammende Beschwerdeführer tamilischer Ethnie gel-
tend, die Behörden hätten die Bewohner seines Dorfes immer wieder schi-
kaniert, beispielsweise seien junge Leute vom Criminal Investigation De-
partment (CID) entführt worden. Die Special Task Force (STF) habe am
(...) seinen engen Freund D._ erschossen, weil dieser sich angeb-
lich einer Kontrolle der Polizei habe entziehen wollen respektive weil dieser
verbotenerweise dabei gewesen sei, Erde aus dem Wald zu schaffen. In
der Folge sei es zwischen den Einwohnern seines Dorfes und der Polizei
immer wieder zu Auseinandersetzungen gekommen, bei welchen auch
Reifen angezündet und Polizisten geschlagen worden seien. Etwa (Nen-
nung Dauer) nach der Beerdigung von D._ beziehungsweise am
(...) hätten Angehörige der STF begonnen, Jugendliche festzunehmen. Am
(...), (...) und (...) sei er von Angehörigen der Polizei respektive des CID
sowie der STF bei ihm zuhause gesucht worden. Dies weil er auf Facebook
Fotos seines getöteten Freundes D._ und ihm veröffentlicht habe.
Das erste Mal habe er die Sicherheitskräfte kommen sehen, worauf er hin-
ten aus dem Haus geflüchtet sei. Beamte des STF hätten seiner Mutter
Videos einer Protestkundgebung gezeigt, die sich gegen die Polizei gerich-
tet habe und an welcher er beteiligt gewesen sei. Anlässlich der zweiten
Vorsprache seien sowohl er als auch sein (Nennung Verwandter) nicht zu-
gegen gewesen. Sodann habe er am (...) auf dem Heimweg vom Haus
seiner (Nennung Verwandte) nahe des Elternhauses Freunde getroffen,
die ihm erzählt hätten, von Angehörigen der STF und der Polizei verfolgt
worden zu sein. Kurz darauf sei er auf seinem Motorrad von einem weissen
Lieferwagen und zwei Motorrädern verfolgt worden. An einer Kreuzung
habe er beschleunigt und sei geradeaus gefahren. Dabei sei er von einer
von rechts kommenden Rikscha erfasst worden und zu Boden gestürzt.
Daraufhin sei er zu Fuss weitergeflüchtet und habe sein Motorrad zurück-
gelassen, welches die Beamten an sich genommen hätten. Am (...) sei sein
Dorf von den Sicherheitskräften umkreist worden und die Beamten hätten
alle männlichen Bewohner zwischen 15 und 45 Jahren verhaftet. Alarmiert
von seiner Mutter habe er danach – wie auch sein (Nennung Verwandter)
– das Haus verlassen. Es sei ihm und weiteren Dorfbewohnern gelungen,
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zu Fuss durch einen Wald zu flüchten. Er sei zu einer ausserhalb des Dor-
fes gelegenen Bushaltestelle, die etwa (Nennung Distanz) vom Wald ent-
fernt gewesen sei, gelangt. Von dort sei er mit dem Bus nach E._
gelangt, wo er sich während (Nennung Dauer) bei seinem (Nennung Ver-
wandter) versteckt habe. Anschliessend sei er während (Nennung Dauer)
bei seinem (Nennung Verwandter) in F._ untergetaucht. Seit dem
erwähnten (...) habe seine Familie keinerlei Kenntnis mehr über den wei-
teren Verbleib seines (Nennung Verwandter). Am (...) sei er mit seinem ei-
genen Reisepass über den Flughafen von G._ aus Sri Lanka aus-
gereist.
Zum Beleg seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer (Aufzählung
Beweismittel) zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 26. April 2019 stellte das SEM fest, der Beschwerde-
führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab,
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an.
C.
Der Beschwerdeführer erhob gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom
29. Mai 2019 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte,
es sei der Entscheid des SEM aufzuheben und ihm in der Schweiz Asyl zu
gewähren. Eventuell seien die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der ange-
fochtenen Verfügung aufzuheben und die vorläufige Aufnahme in der
Schweiz zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es
sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, es sei auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ihm sein Rechtsver-
treter als amtlicher Rechtsbeistand beizuordnen. Ferner sei ihm eine Nach-
frist von 30 Tagen zum Nachreichen weiterer Beweismittel einzureichen.
Der Beschwerde beigelegt waren (Nennung Beweismittel). Ferner stellte
der Beschwerdeführer die Einreichung einer Fürsorgebestätigung in Aus-
sicht.
D.
Mit Eingabe vom 6. Juni 2019 reichte der Beschwerdeführer eine Fürsor-
gebestätigung vom 5. Juni 2019 nach.
E.
Die Instruktionsrichterin wies mit Zwischenverfügung vom 13. Juni 2019
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den Antrag auf Ansetzung einer Nachfrist für die Unterbreitung von Beweis-
mitteln ab, hiess die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung und der amtlichen Rechtsverbeiständung gut, verzichtete auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses und ordnete dem Beschwerdeführer
einen amtlichen Rechtsbeistand in der Person seines Rechtsvertreters bei.
Sodann lud sie die Vorinstanz ein, bis zum 28. Juni 2019 eine Vernehmlas-
sung einzureichen.
F.
Mit Eingabe vom 14. Juni 2019 legte der Beschwerdeführer weitere Be-
weismittel (Aufzählung Beweismittel) ins Recht.
G.
Nach erstreckter Frist hielt das SEM in seiner Vernehmlassung vom 11. Juli
2019 – unter Angabe diverser ergänzender Bemerkungen – an seinen Er-
wägungen im angefochtenen Entscheid vollumfänglich fest.
H.
Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 31. Juli 2019, welcher
zusätzliche Beweismittel (Nennung Beweismittel) beilagen.
I.
Mit Eingaben vom 15. Januar 2020 (Nennung Beweismittel) und vom
7. August 2020 (Nennung Beweismittel) reichte der Beschwerdeführer wei-
tere Unterlagen zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft
getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde ist
frist- und formgerecht eingereicht worden.
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1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und
aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 In der Beschwerdeschrift wird eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
gerügt. Diese formelle Rüge ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet
sein könnte, eine Kassation der angefochtenen Verfügung zu bewirken.
3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass
eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein-
greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Er-
lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise
beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan-
trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent-
weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch
auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse,
die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren
Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1;
BVGE 2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen).
Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form- und fristgerechten
Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit-
frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so ab-
gefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachge-
recht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen nen-
nen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren
Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen
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Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor-
bringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes we-
gen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufgelis-
teten Beweismittel. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersu-
chungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG).
Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
3.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, das SEM habe sich mit der von
ihm eingereichten Dokumentation der Ereignisse, die zu seiner Flucht ge-
führt hätten, nicht auseinandergesetzt. Die Zeitungsartikel seien nicht ge-
würdigt, vermutlich nicht einmal durchgelesen worden, was eine Verlet-
zung des rechtlichen Gehörs darstelle. Der angefochtenen Verfügung ist
zu entnehmen, dass sich die Vorinstanz zu Beginn ihrer Erwägungen
durchaus mit den ins Recht gelegten Beweismitteln auseinandersetzte und
diesbezüglich zum Schluss kam, die vorgelegten Unterlagen würden nicht
darauf schliessen lassen, dass der Beschwerdeführer einer konkreten Be-
drohung ausgesetzt sei. Sie seien daher nicht geeignet, die geltend ge-
machte Suche durch das CID und die STF nach seiner Person glaubhaft
zu machen (vgl. act. A16/8, S. 3, Ziff. 1).
Im Weiteren vermengt der Beschwerdeführer mit der Rüge, seine Beweis-
mittel seien vom SEM nicht gewürdigt worden, die sich aus dem Untersu-
chungsgrundsatz ergebende Frage der Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sache, welche
die materielle Entscheidung über die vorgebrachten Asylgründe betrifft. Al-
leine der Umstand, dass die Vorinstanz in ihrer Länderpraxis zu Sri Lanka
einer anderen Linie als der vom Beschwerdeführer vertretenen folgt und
deshalb auch zu einer anderen Würdigung der Vorbringen respektive der
eingereichten Beweismittel gelangt als von ihm gewünscht, spricht nicht für
eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung. Eine Verletzung des rechtli-
chen Gehörs liegt demnach nicht vor.
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4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungs-
gericht hat. Die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in
verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Da-
rauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verwei-
sen).
5.
5.1 Das SEM kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vor-
bringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Glaub-
haftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand.
Die vorgelegten Beweismittel liessen nicht den Schluss zu, dass der Be-
schwerdeführer einer konkreten Bedrohung ausgesetzt wäre. Der von
(Nennung Person) verfasste Brief beschränke sich auf die allgemeine Fest-
stellung, dass es nach der Tötung eines jungen Mannes durch die Polizei
im Dorf zu Unruhen gekommen sei und die jungen Dorfbewohner Angst
bekommen hätten, Belästigungen und Verhaftungen durch die Ordnungs-
kräfte zum Opfer zu fallen. Das Schreiben nehme nicht konkret Bezug auf
eine gegen den Beschwerdeführer gezielt gerichtete Verfolgung durch das
CID oder die STF und vermöge daher eine Gefährdung seiner Freiheit oder
seines Lebens nicht glaubhaft zu machen. Ausserdem enthalte der Brief
formale und inhaltliche Mängel. Sodann würden die vorgelegten Zeitungs-
artikel über Spannungen zwischen den Dorfbewohnern und der Polizei be-
richten, jedoch die Behauptung des Beschwerdeführers, er werde vom CID
oder von der STF gesucht, nicht untermauern. Die auf dem (Nennung Be-
weismittel) befindlichen Fotos würden keine gegen ihn gerichtete Verfol-
gung belegen, zumal sich jedermann solche Fotos – auf welchen (Nennung
Inhalt der Fotos) zu sehen seien – beschaffen könne. Dasselbe gelte auch
für die Audio-Videos der Nachrichten der lokalen Tageschauen.
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Im Weiteren sei der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen, seine
Freundschaft mit D._, dessen Tötung die Ursache der gegen ihn
gerichteten Verfolgung gewesen sei, glaubhaft zu machen. Zwar habe er
behauptet, dass er mit D._ auf Facebook befreundet gewesen sei
und dass er die Fotos, auf denen sie zusammen abgebildet gewesen seien,
aus Angst gelöscht habe, nachdem er von der STF gesucht worden sei. Er
habe jedoch weder in der BzP noch in der Anhörung wenigstens ein Foto
als Beweismittel vorgelegt, das ihn mit D._ zusammen gezeigt
hätte. Ausserdem habe er sich zum Grund der Tötung von D._
durch die Polizei widersprüchlich geäussert. Die knappen Aussagen in der
BzP in diesem Punkt würden nahelegen, dass er den Grund, weshalb
D._ umgebracht worden sei, damals gar nicht gekannt habe res-
pektive erst in der Anhörung gewusst haben wolle, was weitere ernsthafte
Zweifel am Bestand der behaupteten Freundschaft aufkommen lasse. Hin-
sichtlich des Schicksals des (Nennung Verwandter) seien die vom Be-
schwerdeführer genannten Umstände der Flucht und dem darauffolgenden
Untertauchen derart vage und unpräzise, dass sie als unglaubhaft zu wer-
ten seien. Angesichts seiner grossen Sorge um die im Heimatstaat zurück-
gebliebene Familie sei es äusserst bemerkenswert, dass er das Verschwin-
den seines (Nennung Verwandter) in der BzP gar nicht erwähnt, sondern
erst in der Anhörung vorgebracht habe. Auf Vorhalt habe er angeführt, man
habe ihn gebeten sich kurz zu fassen und darauf hingewiesen, dass er in
der Anhörung Gelegenheit erhalte, über seine Asylgründe zu sprechen.
Diese Erklärung überzeuge angesichts der grossen Bedeutung dieses Er-
eignisses nicht. Hinzu komme, dass die Schilderung des Ablaufs der Flucht
von ihm und seinem (Nennung Verwandter) anlässlich des Round-ups vom
(...) lückenhaft, unlogisch und fragwürdig ausgefallen sei. Der Umstand,
dass er in keiner Weise dargelegt habe, wie, wann, wo und weshalb er sich
beim Verlassen des Hauses von seinem (Nennung Verwandter) getrennt
habe, gebe Anlass zu erheblichen Zweifeln an der Glaubhaftigkeit dieses
Vorbringens. Die Ausführungen zur Art und Weise seiner Flucht (...) seien
in hohem Masse realitätsfremd. So sei zunächst unbegreiflich, wie es ihm
gelungen sein sollte, den Sicherheitskräften, welche im Zeitpunkt seiner
Flucht das Dorf bereits umzingelt gehabt hätten, zu entkommen. Ferner sei
nicht glaubhaft, dass es seiner Mutter ohne Weiteres gelungen sei, zu ihm
ins Versteck zu gelangen, dies während einer Polizeioperation, in deren
Rahmen Massenverhaftungen stattgefunden hätten. Der Einwand, Frauen
hätten während dieser Operation keine Probleme gehabt, sei unlogisch
und daher unbehelflich. Auch sei nicht glaubhaft, dass er ohne jegliche Hin-
dernisse den Bus hätte nehmen können, um sich vom Dorf zu entfernen.
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So sei es unsinnig, dass die Beamten der STF, die laut Aussagen des Be-
schwerdeführers den Auftrag gehabt hätten, alle Männer zwischen 15 und
45 Jahren festzunehmen, das Dorf umzingelt hätten, ohne dabei eine Be-
wachung der fluchtstrategischen Stellen sicherzustellen. Überdies scheine
es ziemlich inkohärent, dass er keine Kenntnis vom Verkauf des Hauses
durch seine Mutter und den Umständen desselben gehabt habe, zumal
dies trotz der Abwesenheit seines (Nennung Verwandter) möglich gewesen
sei. Es handle sich dabei um eine Tatsache mit grosser Tragweite und ei-
nem beträchtlichen Einfluss auf die übrigen Mitglieder der Familie.
Schliesslich habe er sich zu seiner Anwesenheit anlässlich des Round-ups
vom (...) widersprüchlich geäussert.
5.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in seiner Rechtsmitteleingabe, er
habe seine Ausführungen mit Zeitungsartikeln belegen können. Das SEM
weise lediglich darauf hin, dass er in den besagten Artikeln nicht persönlich
genannt werde. Dabei werde übersehen, dass diese Dokumente den Hin-
tergrund der geschilderten Verfolgung beleuchteten. Es sei nicht nachvoll-
ziehbar, weshalb sich das SEM mit dieser Dokumentation der Ereignisse
nicht auseinandersetze. Insbesondere übergehe es den Umstand, dass
laut einem Bericht fünf festgenommene Personen gefoltert worden seien.
Folter sei ein schwerer Nachteil im Sinne von Art. 3 AsylG und der Folter-
konvention. Die Konfrontation seiner Aussagen mit den dokumentierten lo-
kalen Ereignissen hätte es ermöglicht, das Ausmass der Angst und der
Verfolgung nachzuvollziehen. Die von seinen Verwandten und von weite-
ren privaten Dritten ausgestellten Bestätigungen würden die geschilderte
Verfolgungssituation sowohl zeitlich als auch örtlich bestätigen. Bei Zwei-
feln an den darin enthaltenen Aussagen sei das Gericht aufgefordert, diese
zu überprüfen. Insbesondere diejenigen, wonach sein (Nennung Verwand-
ter) seit dem Jahre (...) Mitglied der H._ gewesen und seit dem (...)
verschwunden sei sowie diejenige, gemäss welcher sein (Nennung Ver-
wandter) an seiner Stelle festgenommen und (Nennung Dauer) festgehal-
ten worden sei. Ferner sei es logisch, dass er die ihn belastenden Face-
Book-Einträge gelöscht habe. Er werde versuchen, den Zusammenhang
zum getöteten D._ anhand allenfalls noch auffindbarer Internetbil-
der aufzuzeigen. In den Ausführungen seiner BzP seien keine Widersprü-
che erkennbar, welche die Glaubhaftigkeit seiner Angaben in Frage stellen
könnten. Zum Vorhalt unwahrscheinlicher Aussagen betreffend seine
Flucht beim Round-up sei festzuhalten, dass sich die Vorinstanz weder mit
den Örtlichkeiten noch mit dem Zeitablauf auseinandergesetzt habe. Aus
der eingereichten Karte ergebe sich, dass er sich – rechtzeitig gewarnt –
in den östlich der Siedlung gelegenen Wald ausserhalb des umzingelten
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Gebietes habe begeben können. Da nach 10:00 Uhr die Operation beendet
gewesen und das grosse Aufgebot an Sicherheitskräften abgezogen wor-
den sei, sei es seiner Mutter danach gelungen, ihm seine Sachen zu brin-
gen und den ebenfalls ausserhalb des umzingelten Gebietes gelegenen
Bus zu nehmen. Möglicherweise habe die Polizei nur Strassen, nicht aber
Buslinien überwacht. Der Hausverkauf sei ferner kein zentrales Beweis-
thema. Aus den nachgereichten Briefen ergebe sich jedoch, dass seine
Mutter den Ort verlassen habe. Sodann lasse sich aus dem Umstand, dass
er bislang keine originalen Identitätsdokumente abgegeben habe, nicht auf
die Unglaubhaftigkeit seiner Aussagen schliessen. Er habe nach einer ge-
zielten Suche durch diverse Sicherheitskräfte sein Heimatdorf verlassen.
Die Nähe zu dem aus politischen Gründen erschossenen D._,
seine Zuordnung zu den Protestierenden gegen die Sicherheitskräfte im
(...) (als Hauptursache) und die vormalige Kämpfertätigkeit seines (Nen-
nung Verwandter) innerhalb der H._ seien die Gründe für seine Ge-
fährdung. Als Sohn eines ehemaligen, verschwundenen H._-Mit-
glieds sowie aufgrund seiner exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz er-
fülle er verschiedene Risikofaktoren.
5.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM fest, der Beschwerdeführer
habe die behauptete Freundschaft zu D._ auch mit der Beschwerde
in keiner Weise glaubhaft gemacht. Es sei nicht dasselbe, ob Fotos vom
Facebook-Profil oder die Fotos vom Handy gelöscht würden. Da er in der
Anhörung ein Foto der Leiche seines angeblichen, von der Polizei umge-
brachten Freundes aus seinem Handy gezeigt habe, erscheine es un-
glaubhaft, dass er andererseits nicht wenigstens ein Foto besitze, auf dem
er mit dem Verstorbenen zu dessen Lebzeiten zusammen zu sehen sei.
Ausserdem seien seine Aussagen – entgegen der in der Beschwerde ver-
tretenen Ansicht – nicht deshalb für unglaubhaft erachtet worden, weil er
keine Originalausweise vorgelegt habe. Die in der Verfügung aufgezählten
Punkte für die Unglaubhaftigkeit seiner Ausführungen würden ausschliess-
lich seine Erzählung und nicht seine Identität betreffen, die nicht bezweifelt
worden sei. In der Beschwerde (S. 8) werde als Hauptgrund seiner Verfol-
gung die Teilnahme an der Veranstaltung von (...) genannt. Demgegenüber
habe er seine Probleme mit der Polizei, dem CID und der STF stets seiner
angeblichen Freundschaft mit D._ zugeschrieben. Es überzeuge
nicht, dass er dieses Vorbringen erstmals im Beschwerdeverfahren geltend
mache, ohne irgendwelche Einzelheiten zu schildern. Was die angebliche
(...) Inhaftierung des (Nennung Verwandter) betreffe, habe er in der BzP im
Widerspruch dazu erklärt, der betreffende (Nennung Verwandter) sei am
(...) verhaftet und bis heute nicht freigelassen worden. Auch im Brief dieses
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(Nennung Verwandter) (Beilage 26a), führe dieser aus, während (Nennung
Dauer) in Haft gewesen zu sein. Folglich sei der (Nennung Verwandter)
lange vor der BzP freigelassen worden. Die neu eingereichten Bestäti-
gungsschreiben seien als blosse Parteivorbringen zu betrachten. Sie ent-
hielten keine konkreten Elemente, welche den Schluss zuliessen, er sei
persönlich von der Polizei, dem CID und von der STF gesucht worden.
Tatsächlich beschränke sich ein Teil der Briefe (Beilagen 19, 21, 22, 25a)
auf eine stereotype und allgemein gehaltene Beschreibung des anschei-
nend willkürlichen Verhaltens der Polizei. Was dagegen die Briefe einiger
Angehöriger des Beschwerdeführers angehe (Beilagen 23a, 24a, 26a, 28a,
29a, 31a), würden diese zwar ausführen, dass die Polizei, das CID und die
STF sich auf der Suche nach ihm zu deren Häusern begeben hätten. Der
Inhalt derselben sei aber äusserst vage, unbestimmt und ohne Einzelhei-
ten, weshalb ihnen keine rechtserhebliche Beweiskraft zukomme. Hinsicht-
lich der Beilagen 17 und 30a sei anzuführen, dass der Beschwerdeführer
nie behauptet habe, wegen der angeblichen Zugehörigkeit des (Nennung
Verwandter) zu den H._ von der Polizei, vom CID und von der STF
gesucht zu werden, sondern er habe als Grund seiner behördlichen Prob-
leme stets seine angebliche Freundschaft mit D._ angegeben.
Folglich vermöchten weder (Nennung Beweismittel) (Beilagen 6 und 30a)
noch (Nennung Beweismittel), auf dem nach seiner Aussage sein (Nen-
nung Verwandter) zu sehen sei, die geltend gemachte Suche der erwähn-
ten Behörden nach ihm glaubhaft zu machen. Ferner enthalte die Beilage
5 eine Google-Maps-Karte, auf der das Dorf I._, die Bushaltestelle,
zu welcher er gegangen sei, um seinen angeblichen Verfolgern zu entkom-
men, und die Stelle des Waldes, wo er sich anlässlich des Round-ups vom
(...) versteckt habe, abgebildet seien. Diesbezüglich ergebe sich ein Wider-
spruch zwischen seinen Aussagen bezüglich der Distanz von seinem Ver-
steck zur Bushaltestelle. Gemäss Anhörung sei er von seinem Versteck im
Wald (Nennung Distanz) gelaufen, um zur Bushaltestelle zu gelangen. Aus
der besagten Karte ergebe sich allerdings eine Distanz von fast zwei Kilo-
metern bis zur Bushaltestelle. Da der Beschwerdeführer die Entfernung,
die er zurückgelegt habe, um zur Bushaltestelle zu gelangen, von sich aus
angegeben habe, seien die Ausführungen zur Flucht angesichts dieser Un-
gereimtheiten insgesamt als unglaubhaft zu qualifizieren. Bei der Beilage
18 handle es sich um ein Foto aus einem Video, worauf angeblich der Be-
schwerdeführer anlässlich einer Veranstaltung in J._ im Jahr (...)
abgebildet sei. Abgesehen davon, dass die Umstände dieser Veranstal-
tung, wie Datum, Dauer, Gründe und Ziele in der Beschwerde nicht im Min-
desten erklärt würden, sei es angesichts der schlechten Qualität des Bildes
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objektiv nicht möglich, ihn darauf zu erkennen. Das Foto sei derart un-
scharf, dass sich dabei um irgendeinen Mann mit schwarzem Haar und
dunkler Hautfarbe handeln könnte. Daher sei das Foto zum Beweis exilpo-
litischer Tätigkeiten nicht beweisrelevant. Schliesslich vermöge auch die
Arbeitgeberbestätigung die angeführte Suche nicht zu belegen.
5.4 In seiner Replik hielt der Beschwerdeführer fest, die eingereichten Zei-
tungsberichte würden ein klares Bild von der damaligen Gefährdungslage
zeigen, wobei es unwichtig sei, dass man ihn nicht namentlich erwähnt
habe. Entscheidend sei vielmehr, dass er mit den damals festgenommenen
Personen in Verbindung und der erschossenen Person nahe gestanden
sei. Da er aus Vorsicht alle Bilder seines Freundes vor der Flucht vernichtet
und von seinem Handy gelöscht habe, sei er wegen dieser begreiflichen
Schutzmassnahme nicht in der Lage gewesen, die Freundschaft zum Er-
schossenen mit Bildern zu dokumentieren. Soweit Zweifel des SEM damit
begründet würden, die Identitätskarte sei noch nicht eingereicht worden,
reiche er diese nach. Zur Bedeutung der Demonstration vom (...) sei auf
die Zeitungsberichte und die nachträglich eingereichten Beweismittel hin-
zuweisen. Die der Flucht vorausgehende politische Phase sei in den Be-
fragungen nicht hinreichend ausgeleuchtet worden. Die Fragen seien auf
die Ereignisse des Round-up fokussiert gewesen. Die auslösende Ursache
desselben seien aber die Demonstrationen gewesen. Zur Festnahme des
(Nennung Verwandter) s sei auf dessen Schreiben (Beilage 11) zu verwei-
sen. Anlässlich der BzP habe er noch nicht gewusst, dass der (Nennung
Verwandter) bereits freigekommen sei. Die neuen Beweismittel habe die
Vorinstanz nicht durch Rückfragen bei den Autoren der Schreiben über-
prüft, was nachzuholen sei, falls Zweifel an den Dokumenten bestehen soll-
ten. Sodann verkenne die Vorinstanz die Realität, wenn sie aus schlechten
Distanzschätzungen Widersprüche herleiten wolle. Er habe einen Plan aus
der Heimat erhalten, welcher die Bushaltestelle und sein Wohnhaus besser
lokalisiere als die erstellte Skizze auf Google Maps. Wenn Distanzen bei
den Befragungen nicht gut wiedergegeben würden, sei dies verständlich,
da viele Leute ungeübt seien beim Schätzen von Strecken. Ferner möge
seine Teilnahme an der Demonstration in J._ keinen Nachflucht-
grund darstellen, sei aber bei der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
zu berücksichtigen.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu
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Recht abgelehnt hat. Im Wesentlichen kann auf die Erwägungen in der an-
gefochtenen Verfügung verwiesen werden. Die Ausführungen auf Be-
schwerdeebene sind nicht geeignet, zu einer anderen Beurteilung zu ge-
langen.
6.2 Vorweg ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer seine Heimat ei-
genen Angaben zufolge legal mit seinem eigenen Reisepass – den er sich
bereits im (Nennung Zeitpunkt), mithin ein (...) Jahr oder mehr vor seiner
Ausreise, habe ausstellen lassen (vgl. act. A5/11, S. 5, Ziff. 4.02; A13/19,
F28) – via den streng kontrollierten Flughafen G._ verlassen hat,
was gegen ein staatliches Verfolgungsinteresse an seiner Person spricht.
So führte er in der Anhörung an, er sei mit seinem auf seinen Namen aus-
gestellten Pass von G._ normal ausgereist, wobei er diesen Pass
bei der Ausreisekontrolle vorgewiesen habe (vgl. act. A13/19, F31 f.).
6.3 Das SEM hat sodann mit zutreffender Begründung in zu bestätigender
Weise dargelegt, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelingt, die geltend
gemachten Vorkommnisse (Suche durch Angehörige des CID und der
STF), welche nach seiner Ansicht eine flüchtlingsrelevante Verfolgungssi-
tuation darstellten, glaubhaft zu machen.
Der Einwand des Beschwerdeführers, dass die eingereichten Dokumente
ein klares Bild von der damaligen Gefährdungslage zeigen würden und es
dabei unwichtig sei, dass er darin nicht namentlich erwähnt werde, zumal
seine Verbindung zu den damals festgenommenen Personen und dem er-
schossenen D._ der entscheidende Faktor darstelle, vermag nicht
zu überzeugen. So genügt es nicht, auf Vorkommnisse am Herkunftsort
(Ausschreitungen nach der Tötung eines Mannes und als Folge davon Ver-
haftungen etlicher männlicher Dorfbewohner durch die Sicherheitskräfte
sowie Folterungen einiger Festgenommener durch die Polizei) zu verwei-
sen und diese – wie vorliegend – zu dokumentieren, ohne dass ein persön-
licher Bezug zu diesen Geschehnissen nachvollziehbar und plausibel dar-
gelegt wird. Insbesondere vermag der Beschwerdeführer weder eine Ver-
bindung zu dem getöteten D._ aufzuzeigen noch zu anderen Per-
sonen, welche seinen Angaben in der Beschwerdeschrift zufolge damals
festgenommen worden seien. Tatsächlich reichte er hinsichtlich der Person
D._ keinerlei Beweismittel ein, welche aufzeigen würden, dass er
diesen gekannt hätte oder näher befreundet gewesen wäre. An dieser
Schlussfolgerung vermag der Hinweis, er habe aus Sicherheitsgründen
alle Fotos des Freundes vor der Flucht vernichtet, nichts zu ändern. So-
dann wird aus der angesichts der unbestimmt gehaltenen Entgegnung in
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der Rechtsmitteleingabe nicht ersichtlich, mit welchen "Leuten, die damals
festgenommen worden seien" (vgl. Replik, S. 1) er in Verbindung gestan-
den haben will. Sollten damit Jugendliche aus seinem Dorf gemeint sein,
die im Rahmen der Razzia der Sicherheitskräfte verhaftet wurden, lässt
sich aus deren Festnahme jedenfalls noch nicht herleiten, er sei deswegen
konkret im Visier der Sicherheitskräfte gestanden. Er führte diesbezüglich
denn auch selber anlässlich der BzP aus, die Behörden hätten nicht nur
ihn gewollt, sondern alle jungen Leute mitgenommen, da sich diese nach
dem Tod von D._ deliktisch verhalten hätten (vgl. act. A5/11, S. 7).
Wie die Vorinstanz zu Recht und mit zutreffender Begründung erkannte,
lassen sich aus den Schreiben privater Dritter – soweit es sich nicht um
Verwandte handelt – sowie den entsprechenden Audio-Videos von lokalen
Nachrichtensendungen keine konkreten Hinweise auf eine Verfolgung sei-
ner Person entnehmen, zumal sich diese Unterlagen auf die allgemeine
Darstellung der Ereignisse beschränken. Soweit es sich bei den Schreiben
um solche von Angehörigen handelt (Beilagen 23a, 24a, 26a, 28a, 29a,
31a), welche seinen Ausführungen zufolge die von ihm geschilderte Verfol-
gungssituation sowohl zeitlich als auch örtlich bestätigten, kann diesen
zum Beleg der geltend gemachten Verfolgung ebenso keine relevante Be-
weiskraft beigemessen werden. Aufgrund deren allgemeinen Inhalts, der
teilweise im Widerspruch zu den Ausführungen des Beschwerdeführers
steht oder keine zeitliche Chronologie enthält, stellen sich diese Doku-
mente als blosse Gefälligkeitsschreiben dar. So wird beispielsweise in der
Beilage 23a, welche von (Nennung Person) ausgestellt worden sei – des-
sen Name vom Beschwerdeführer in der Anhörung als K._ bezeich-
net wurde (vgl. act. A13/19, F35) – davon berichtet, dass Angehörige des
CID, der Polizei und des STF auf der Suche nach dem Beschwerdeführer
im Haus des Ausstellers des Schreibens erschienen seien, worauf der Be-
schwerdeführer über den rückwärtigen Teil des Hauses die Flucht ergriffen
habe. Einen solchen Vorfall hat der Beschwerdeführer jedoch im Rahmen
der BzP oder der Anhörung nie erwähnt (vgl. act. A5/11, S. 6, A13/19, F35
und F80). Ausserdem ist aus dem erwähnten Schreiben kein Hinweis auf
eine Verwandtschaft zum Beschwerdeführer ersichtlich. Sodann ist der
Beilage 24a – gemäss welcher er auf der Flucht während (Nennung Dauer)
ab (Nennung Zeitpunkt) bei seiner (Nennung Verwandte) gelebt habe – zu
entnehmen, dass deren Ehemann verhaftet worden sei und die Behörden
gedroht hätten, diesem Leid zuzufügen, sollten sie den Beschwerdeführer
nicht innert drei Tagen aushändigen. Infolge dieser Lebensgefahr sei der
(Nennung Verwandter) danach ebenfalls aus Sri Lanka ausgereist. Anläss-
lich der Anhörung wiederum, wo der Beschwerdeführer einlässlich zu den
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Seite 15
Problemen dieses (Nennung Verwandter) befragt wurde, wurde die Vorge-
hensweise der Behörden gänzlich anders geschildert (vgl. act. A13/19,
F119 ff.). Hinsichtlich der Festnahme des (Nennung Verwandter) (Beilagen
11 und 26a) ist zu bemerken, dass darin eine (Nennung Dauer) Haft des-
selben aufgeführt ist. Demgegenüber hielt der Beschwerdeführer in der
BzP vom 2. Mai 2018 mit Bestimmtheit fest, der (Nennung Verwandter) sei
am (...) festgenommen und bis heute nicht freigelassen worden (vgl. act.
A5/11, S. 6, letzter Absatz). Der Einwand, er habe anlässlich der BzP noch
nicht gewusst, dass der (Nennung Verwandter) bereits freigekommen sei,
vermag nicht zu überzeugen. Hätte er tatsächlich keine Kenntnis davon
gehabt, hätte seine diesbezügliche Aussage anders lauten müssen respek-
tive wäre zu erwarten gewesen, dass er allfällige Zweifel entsprechend
äussert. Im Weiteren ist der Vorinstanz beizupflichten, dass der Beschwer-
deführer bezüglich der als Beilagen 6, 17 und 30a eingereichten Unterla-
gen nie geltend machte, wegen der angeblichen Zugehörigkeit des (Nen-
nung Verwandter) zu den H._ von den Sicherheitskräften gesucht
zu werden, sondern er gab als Grund die angebliche Freundschaft mit
D._ an. Zudem erstaunt, dass im Schreiben der Mutter (Beilagen 6
und 30a) bei der Beschreibung des Round-ups vom (...) der Umstand, dass
sie ihren Mann und ihren Sohn beziehungsweise den Beschwerdeführer
früh geweckt und über die behördliche Operation informiert habe, keinerlei
Erwähnung findet. Im Übrigen sind die Angaben zum Zeitpunkt, wann die
Sicherheitskräfte das Dorf umzingelt hätten, unstimmig. Gemäss Bestäti-
gung der Mutter sei dies ab 05:00 Uhr morgens gewesen, der Beschwer-
deführer gab hingegeben an, dies sei um 06:00 Uhr beziehungsweise um
06:30 Uhr geschehen (vgl. act. A13/19, F80 und F111). Auch diese Doku-
mente erweisen sich demnach zum Beleg einer flüchtlingsrechtlich rele-
vanten Suche nach seiner Person als nicht beweiskräftig. Zu den Vorbe-
halten, wonach sich aus der eingereichten Beilage 5 ein Widerspruch zwi-
schen seinen Aussagen bezüglich der Distanz von seinem Versteck zur
Bushaltestelle ergebe, wendet der Beschwerdeführer ein, auf dem nach-
gereichten Plan werde die Bushaltestelle und sein Wohnhaus besser loka-
lisiert. Da viele Leute ungeübt seien beim Schätzen von Strecken, könnten
sich ohne Weiteres Differenzen ergeben. Dieser Einwand ist als nicht stich-
haltig zu erachten. Zum einen ist die auf dem nachgereichten Plan einge-
zeichnete Bushaltestelle nicht an der gleichen Strassenkreuzung vermerkt,
wie dies aus dem Ausschnitt aus Google Maps ersichtlich ist. Diesbezüg-
lich zeigen sich abweichende Angaben zum tatsächlichen Ort der in Frage
stehenden Haltestelle. Ausserdem ergibt sich – wie die Vorinstanz zu Recht
erkannte – aus dem Kartenausschnitt aus Google Maps eine wesentlich
längere Distanz zwischen dem Versteck im Wald und der Haltestelle. Auch
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wenn diese nach Einschätzung des Gerichts nicht annähernd zwei Kilome-
ter beträgt, dürfte sie immer noch mindestens doppelt so weit entfernt lie-
gen, wie dies der Beschwerdeführer angegeben hat. Da er in dieser Ge-
gend aufgewachsen ist und somit mit der Umgebung sehr vertraut sein
dürfte, und er die angeführte Entfernung von sich aus angegeben hat, kann
er sich nicht darauf berufen, seine Angaben beruhten auf einer falschen
Distanzschätzung. Der Beschwerdeführer vermag daher auch aus den ein-
gereichten Karten für die Umstände der geltend gemachten Flucht nichts
zu seinen Gunsten abzuleiten.
Weder die bei der Vorinstanz noch die auf Beschwerdeebene ins Recht
gelegten Unterlagen vermögen daher eine behördliche Verfolgung plausi-
bel zu dokumentieren. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, das SEM
habe die neuen Beweismittel nicht durch Rückfragen bei den Autoren der
Schreiben überprüft, was nachzuholen sei, falls Zweifel an diesen Doku-
menten bestehen sollten, ist zu entgegnen, dass das SEM keine Zweifel
an den Dokumenten als solchen äusserte, jedoch deren Relevanz für den
Nachweis der vorgebrachten Verfolgung verneinte. Es besteht daher vor-
liegend keine Veranlassung für eine entsprechende Überprüfung.
6.4 Soweit der Beschwerdeführer betreffend den Vorhalt unwahrscheinli-
cher Aussagen betreffend seine Flucht beim Round-up darauf hinweist, die
Vorinstanz habe sich weder mit den Örtlichkeiten noch mit dem Zeitablauf
auseinandergesetzt, vermag er nicht zu überzeugen. Nachdem sich –
folgte man den Ausführungen seiner Mutter in deren Bestätigung (Beilagen
6 und 30a) – die Sicherheitskräfte bereits um fünf Uhr in der Früh um das
Dorf postiert haben sollen, hätte er sich eben gerade nicht rechtzeitig, wie
er dies auf Beschwerdeebene vorbringt, in den östlich der Siedlung gele-
genen Wald begeben können, zumal er erst eine respektive eineinhalb
Stunden später von seiner Mutter gewarnt worden sei (vgl. act. A13/19,
F80 und F111). Zudem habe er sich in Begleitung von vielen weiteren jun-
gen Männern befunden, weshalb es umso weniger plausibel erscheint,
dass all diese Leute von den für solche Einsätze ausgebildeten Sicher-
heitskräften nicht bemerkt worden wären. Der weitere Einwand, nach 10:00
Uhr sei die Operation beendet gewesen und das grosse Aufgebot an Si-
cherheitskräften abgezogen worden, weshalb ihm seine Mutter in der Folge
seine Sachen habe in den Wald bringen und er den ebenfalls ausserhalb
des umzingelten Gebietes gelegenen Bus nehmen können, muss unter
diesen Umständen als blosse Schutzbehauptung gewertet werden. Dies
auch deshalb, weil der Beschwerdeführer gemäss dieser Argumentation
drei bis vier Stunden im nahegelegenen Wald verbracht hätte, bevor ihm
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Seite 17
seine Mutter seine Sachen hätte bringen können. In der Anhörung führte
er jedoch an, seine Mutter habe deshalb keine Probleme mit den Sicher-
heitskräften gehabt, weil sie eine Frau sei und man nur die Männer festge-
nommen habe (vgl. act. A13/19, F116). Dieses Vorbringen lässt den
Schluss zu, dass die Operation demnach noch im Gange gewesen sei, als
er angeblich seine Effekten von der Mutter erhalten hatte. Weiter ist seine
Vermutung, wonach die Polizei möglicherweise nur Strassen, nicht aber
Buslinien überwacht habe, als in erheblichem Masse realitätsfern zu wer-
ten. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Angehörigen der STF ent-
sprechende Massnahmen zur Vereitelung von Fluchtversuchen mit Fahr-
zeugen getroffen haben. Sodann hat das SEM in zutreffender Weise auf
die erheblichen Ungereimtheiten im Sachverhaltsvortrag hinsichtlich des
Verschwindens seines (Nennung Verwandter) hingewiesen, denen er auf
Beschwerdeebene nichts Substanzielles entgegenzusetzen vermag. Das
entsprechende Vorbringen ist deshalb ebenfalls als unglaubhaft zu erach-
ten.
6.5 An dieser Einschätzung vermögen die mit der Eingabe vom 15. Januar
2020 eingereichten Dokumente (Nennung Beweismittel) nichts zu ändern.
Die im (Nennung Beweismittel) vermerkten Angaben basieren einerseits
allesamt auf den Schilderungen der Mutter des Beschwerdeführers und
enthalten andererseits im Wesentlichen allgemeine Angaben zum Round-
up vom (...) und den Zusatz, dass die Polizei sich bei der Mutter in bedroh-
licher Weise nach dem Beschwerdeführer erkundigt habe. Aus den er-
wähnten Dokumenten wird auch bei Wahrunterstellung nicht ersichtlich,
dass die Sicherheitskräfte den Beschwerdeführer allenfalls aus anderen
Gründen als denjenigen, die Ausschreitungen zu beenden und mögliche
Schuldige zu ermitteln, gesucht haben könnten.
6.6 Gesamthaft ist daher für den Zeitpunkt der Ausreise nicht von einer
asylrelevanten Vorverfolgung des Beschwerdeführers auszugehen, wel-
che die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG begründen und zur
Asylgewährung führen könnte.
7.
7.1 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, es hätten mittlerweile Si-
cherheitskräfte nach einer mit Schusswaffen durchgeführten Attacke auf
Polizeikräfte im (Nennung Zeitpunkt) zuhause nach ihm gesucht. Zudem
sei er der Sohn eines ehemaligen H._-Mitglieds und betätige sich
in der Schweiz exilpolitisch, womit er Risikofaktoren erfülle. Es bleibt dem-
nach zu prüfen, ob er deswegen bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit
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beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3
AsylG zu befürchten hat, weshalb seine Flüchtlingseigenschaft festzustel-
len wäre.
7.2 Im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 hat das Bundesver-
waltungsgericht eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden
nach Sri Lanka vorgenommen und festgestellt, dass aus Europa respektive
der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer
ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien
(vgl. E-1866/2015 E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung
des Risikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Ver-
haftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei
handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeint-
lichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den H._, um
Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen und um Vorlie-
gen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicher-
weise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbin-
dung zu den H._ (sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. E-
1866/2015 E. 8.4.1 – 8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und
überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erfor-
derlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangs-
weise nach Sri Lanka zurückgeführt werden oder die über die Internatio-
nale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie
Personen mit gut sichtbaren Narben (sog. schwach risikobegründende
Faktoren, vgl. E-1866/2015 E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Ein-
zelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asyl-
rechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei
zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrer eine begründete
Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen
seitens der sri-lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt
seien, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. E-
1866/2015 E. 8.5.1). Diese Rechtsprechung ist auch in Anbetracht der ak-
tuellen Ereignisse in Sri Lanka weiterhin ausschlaggebend.
Das Gericht kommt unter Berücksichtigung der aufgeführten Risikofakto-
ren zum Schluss, dass kein Grund zur Annahme einer begründeten Furcht
des Beschwerdeführers vor Verfolgung besteht. Es kann zwar nicht ausge-
schlossen werden, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka bei der Wie-
dereinreise einer Befragung und Überprüfung durch die Grenzbehörden
unterzogen wird. Ein solches Vorgehen kann aber nicht als asylrelevante
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Seite 19
Verfolgung gewertet werden, und für ein darüberhinausgehendes Verfol-
gungsinteresse der sri-lankischen Behörden sind keine massgeblichen
Hinweise ersichtlich. Der Beschwerdeführer erfüllt aufgrund seiner Ver-
wandtschaft zu einem ehemaligen Mitglied der H._ ((Nennung Ver-
wandter)) zwar einen stark risikobegründenden Faktor im Sinne des vor-
genannten Referenzurteils. Diese Tatsache für sich lässt aber noch nicht
den Schluss zu, dass er zu jener Gruppe zu zählen ist, die bei einer Rück-
kehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft ernst-
hafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Wie vorste-
hend dargelegt, hat der Beschwerdeführer nicht glaubhaft dargelegt, im
Zeitpunkt der legalen Ausreise flüchtlingsrechtlich relevant gefährdet ge-
wesen zu sein. Er lebte nach Kriegsende noch (Nennung Dauer) Sri Lanka,
mithin hätten die sri-lankischen Behörden bei einem allfälligen Verfol-
gungsinteresse ausreichend Zeit gehabt, um seiner habhaft zu werden.
Der Beschwerdeführer war im Übrigen im Zeitpunkt des Kriegsendes erst
(...) Jahre alt. Aus seinen Ausführungen geht auch nicht hervor, dass er
persönlich irgendwelche Verbindungen zu den H._ gehabt hätte
oder wegen seines (Nennung Verwandter) Befragungen oder anderen Be-
helligungen ausgesetzt gewesen wäre. Dies sowie die legale Ausreise mit
dem eigenen Reisepass lassen denn auch nicht den Schluss zu, dass die
sri-lankischen Behörden dem Beschwerdeführer effektiv ein Interesse am
Wiederaufflammen des tamilischen Separatismus unterstellen. Vielmehr
zeigt dieser Umstand auf, dass die Behörden den Beschwerdeführer nicht
ernsthaft verdächtigten, in massgeblicher Weise für die H._ aktiv
gewesen zu sein oder Kontakt zu Kaderleuten der Organisation gehabt zu
haben. Sodann ist die angeführte exilpolitische Tätigkeit des Beschwerde-
führers, namentlich die Teilnahme an Kundgebungen in J._, ohne
besondere Funktion (Beilage 18), in jeder Hinsicht als niederschwellig und
als flüchtlingsrechtlich unbeachtlich einzustufen. Darüber hinaus hat er
keine weiteren exilpolitischen Aktivitäten geltend gemacht. Es besteht vor
diesem Hintergrund kein Grund zur Annahme, dass der Beschwerdeführer
auf der „Watch“- oder der „Stop“-Liste eingetragen ist. Auch die geltend
gemachte behördliche Suche im (...) im Nachgang zu einem Angriff auf sri-
lankische Polizeikräfte durch Verwendung einer Schusswaffen-Falle ver-
mag zu keiner anderen Erkenntnis zu führen. In dem mit Eingabe vom
7. August 2020 ins Recht gelegten (Nennung Beweismittel) (Beilage 42 f.)
wird über Ermittlungen der Polizei und des CID als Folge einer gegen die
Polizei gerichteten Attacke durch eine Schusswaffen-Falle und einer in die-
sem Zusammenhang stehenden Suche der Sicherheitskräfte nach dem
Beschwerdeführer und dessen (Nennung Verwandter) berichtet. Selbst
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Seite 20
wenn sich effektiv eine solche Suche zugetragen haben sollte – die dies-
bezüglich ins Recht gelegten Fotos (Beilage 44) vermögen nicht aufzuzei-
gen, wo, warum und bei wem Angehörige der Sicherheitskräfte erschienen
sind – wären die entsprechenden Ermittlungshandlungen als rechtsstaat-
lich legitim zu erachten, dienen sie doch der Aufrechterhaltung von Ruhe
und Ordnung respektive der Aufklärung kriminellen Unrechts. Überdies
wird aus dem Zeitstempel auf den Fotos ersichtlich, dass diese am (...)
gemacht wurden. Die Mutter des Beschwerdeführers schreibt hingegen im
erwähnten Schreiben, die Polizeikräfte seien am (...) bei ihnen erschienen.
Insgesamt ist aufgrund der Aktenlage nicht anzunehmen, dass dem Be-
schwerdeführer persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernst-
hafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden, wobei die Erfül-
lung von Risikofaktoren nicht per se ernsthafte Nachteile im Sinne von
Art. 3 AsylG zur Folge haben (vgl. a.a.O. E. 8.5.1 Satz 1).
7.3 Dies gilt auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Lage in
Sri Lanka. Die Präsidentschaftswahlen von November 2019 und daran an-
knüpfende Ereignisse vermögen diese Einschätzung nicht in Frage zu stel-
len (vgl. dazu im Einzelnen: Urteil des BVGer E-1156/2020 vom 20. März
2020 E. 6.2). Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der politischen Verän-
derungen in der Heimat des Beschwerdeführers bewusst. Es beobachtet
die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Ent-
scheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer
möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszugehen, der Perso-
nen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise
bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. E-1866/2015; Human Rights Watch
[HRW], Sri Lanka: Families of "Disappeard" Threatened, 16.02.2020). Den-
noch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit
dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv ei-
ner Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im
Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Perso-
nen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren
Folgen besteht. Für den Beschwerdeführer ist das nicht der Fall.
An der Lageeinschätzung des erwähnten Referenzurteils ist weiterhin fest-
zuhalten. Objektive Nachfluchtgründe, bei denen eine Gefährdung entstan-
den ist aufgrund von äusseren, nach der Ausreise eingetretenen Umstän-
den, auf die der Betreffende keinen Einfluss nehmen konnte (vgl. BVGE
2010/44 E. 3.5 m.w.H.), liegen hier nicht vor. Es sind auch sonst keine An-
haltspunkte ersichtlich, dass der Beschwerdeführer im aktuellen politi-
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Seite 21
schen Kontext in Sri Lanka in den Fokus der sri-lankischen Behörden ge-
raten ist und mit asylrelevanter Verfolgung zu rechnen hat, weshalb er
keine Verfolgung oder begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im
Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder glaubhaft zu machen vermag.
7.4 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die
Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Die Vor-
instanz hat sein Asylgesuch zu Recht abgewiesen.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungs-
vollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts
der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigen-
schaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich
ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24
E. 10.2 m.w.H.).
9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
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Seite 22
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.2.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender
Begründung erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin-
dernisse erkennbar sind. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch
die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungs-
vollzug als unzulässig erscheinen (vgl. E-1866/2015 E. 12.2 f.). An der La-
geeinschätzung in E-1866/2015 ist weiterhin festzuhalten. Auch der Euro-
päische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat wiederholt festge-
stellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen
drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschät-
zung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J.
gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Weder aus
den Vorbringen des Beschwerdeführers noch in anderweitiger Hinsicht er-
geben sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er im Falle einer Ausschaf-
fung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer gemäss
der EMRK oder der FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt
wäre. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Präsident-
schaftswahlen von November 2019 und des diplomatischen Konflikts zwi-
schen der Schweizer Botschaft und den sri-lankischen Behörden.
Der Vollzug der Wegweisung ist somit sowohl im Sinne der flüchtlings- als
auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.3
9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.2 Das SEM hat sich mit der Frage der Zumutbarkeit des Vollzugs der
Wegweisung des aus B._ im C._-Distrikt stammenden Be-
schwerdeführers befasst und die Zumutbarkeit bejaht. Diese Erwägungen
D-2638/2019
Seite 23
sind zu bestätigen. Der Beschwerdeführer setzt diesen Feststellungen
nichts Substanzielles entgegen. Er verfügt in seiner Herkunftsregion über
Familienangehörige, mit denen er in Kontakt steht und die ihn bei der Rein-
tegration unterstützen können, sowie über weitere Verwandte (vgl. act.
A5/11, S. 4 f.; A13/19, S. 5 f.). Somit verfügt er an seinem Herkunftsort über
ein familiäres Beziehungsnetz, eine gesicherte Wohnsituation und ange-
sichts seiner bisherigen Berufserfahrungen auch Erwerbsmöglichkeiten.
Es ist demnach davon auszugehen, dass sich der grundsätzlich gesunde
Beschwerdeführer in seiner Heimat beruflich wieder integrieren und auf ein
tragfähiges Beziehungsnetz zurückgreifen kann, welches ihn nach einer
Rückkehr im Bedarfsfall unterstützen kann.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit
Zwischenverfügung vom 13. Juni 2019 das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen, weshalb auf die Erhebung
von Verfahrenskosten zu verzichten ist.
11.2 Mit derselben Verfügung wurde ausserdem das Gesuch um amtliche
Verbeiständung gutgeheissen (aArt. 110a Abs. 1 AsylG) und dem Be-
schwerdeführer sein Rechtsvertreter als Rechtsbeistand bestellt. Demnach
ist diesem ein amtliches Honorar für seine notwendigen Aufwendungen im
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Seite 24
Beschwerdeverfahren auszurichten. Mit Eingabe vom 7. August 2020
reichte der Rechtsvertreter eine Kostennote ein, welche einen Aufwand
von 10.75 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 200.– und Auslagen
(inklusive Übersetzer) von Fr. 227.70 ausweist. Der Gesamtaufwand, in-
klusive Mehrwertsteuer, beläuft sich auf Fr. 2548.45. Der in Rechnung ge-
stellte Zeitaufwand erscheint im Vergleich mit ähnlich gelagerten Fällen
und in Anbetracht des Umfangs der eingereichten Beschwerdeschrift als
überhöht, zumal in der Rechtsmitteleingabe über drei Seiten hinweg der
Inhalt beigelegter Beweismittel wiederholt wird. Der Aufwand ist deswegen
auf neun Stunden zu reduzieren. In Berücksichtigung der massgeblichen
Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) ist der Gesamtaufwand auf ge-
rundet Fr. 2184.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne
von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzusetzen.
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D-2638/2019
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