Decision ID: 1f3d3a7b-8996-444a-a895-8193f4bc4069
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marco Cottinelli, Oberer Graben 14, Postfach 138,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 16. April 2007 unter Hinweis auf einen Herzinfarkt, eine
Rückenoperation (Halswirbel) sowie einen Schlaganfall zum Bezug einer Rente bei der
IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1-1 ff.).
A.b Im Auftrag der IV-Stelle erstattete der die Versicherte seit Februar 2003 be
handelnde Arzt Dr. med. B._, Facharzt für allgemeine Medizin, die Berichte vom 21.
und 28. Mai 2007 (IV-act. 10-1 ff.). Dr. B._ diagnostizierte mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine Cephalea bei Status nach vorderer Spondylodese C5/6 vom
6. Februar 2006, eine mediale laterale Diskushernie C3/4, eine diskrete Protrusion
C4/5, eine kleine Diskushernie C5/6 medialis lateral mit Kompression C7, eine diskrete
Protrusion C6/7, einen Status nach vorderer Spondylodese sowie einen
Knorpelschaden medialer Femurcondylus rechtes Knie (IV-act. 10-1) und attestierte
seit 7. Mai 2006 eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit (IV-act 10-3).
A.c Am 25. Mai 2007 (IV-act. 11-2 ff.) reichte die Firma C._ der IV-Stelle einen
Arbeitgeberbericht ein (IV-act. 11-2 ff.). Darin wird ausgeführt, dass die Versicherte seit
1. Juni 1995 (seit 1. Dezember 2002 auf Stundenlohnbasis) als Mitarbeiterin Verkauf
Food im Unternehmen tätig sei. Die Versicherte verdiene seit 1. Januar 2007 pro
Stunde Fr. 19.80 plus Zuschläge (IV-act. 11-3).
A.d Im Auftrag der IV-Stelle erstattete der die Versicherte vom November 2005 bis
Mai 2007 behandelnde Arzt Prof. Dr. med. D._, Facharzt FMH Neurochirurgie, am
5. Juli 2007 einen Bericht (IV-act. 14-1 ff.). Er diagnostizierte mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine seit ca. vier Jahren bestehende Cervikobrachialgie beidseits und
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führte aus, dass sich die gesundheitliche Störung bei der Versicherten "subjektiv sehr"
auf die bisherige Tätigkeit auswirke (IV-act. 14-3).
A.e Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Medizinische Abklärungsstelle (MEDAS)
Zentralschweiz am 18. Juni 2008 ein polydisziplinäres Gutachten mit ambulanter
Untersuchung am 19., 20. und 21. Februar 2008 (IV-act. 30-1 ff.). Die Gutachter
diagnostizierten mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit chronische
Zervikobrachialgien links sowie eine Prägonarthrose rechts mit Knorpelschädigungen
II-III und attestierten eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit in behinderungsangepasster
Tätigkeit; die angestammte Tätigkeit als Fischverkäuferin sei seit 10. Januar 2008 nicht
mehr zumutbar (IV-act. 30-12 f.).
A.f Der Regionale Ärztliche Dienst der Invalidenversicherung (RAD) Ostschweiz hielt
am 25. Juli 2008 in einer internen Stellungnahme fest, das MEDAS-Gutachten sei um
fassend, schlüssig, nachvollziehbar und in sich widerspruchsfrei. Der darin getroffenen
Beurteilung könne uneingeschränkt gefolgert werden. Die Begutachtung sei korrekt
durchgeführt worden. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe aus polydisziplinärer Sicht
eine Arbeitsfähigkeit von 100 % ab 6. Februar 2006 (IV-act. 35-1 f.).
A.g Am 24. November 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass ihr bei der
Stellensuche durch die Stellenvermittlung der IV Beratung und Unterstützung gewährt
werde (IV-act. 52-1 f.). Am 5. März 2010 informierte die IV-Stelle die Versicherte dar
über, dass sie die Kosten für die berufliche Abklärung der Eingliederungs- und Arbeits
fähigkeit bei der Firma E._ in der Zeit vom 1. März 2010 bis 31. Mai 2010 übernehme
(IV-act. 72-1 f.).
A.h Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die die Versicherte seit Februar 2010 be
handelnde Ärztin Dr. med. F._, Fachärztin Allgemeine Medizin FMH, am 21. Mai 2010
einen Bericht (IV-act. 79-1 ff.). Sie attestierte mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit diffuse
Gelenk-/Weichteilbeschwerden unsicherer Ätiologie seit März 2010 sowie
rezidivierende Spannungskopfschmerzen und Myogelosebeschwerden im Nacken bei
Status nach Spondylodese C5/6 2006 und attestierte eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit
seit dem 20. April 2010 (IV-act. 79-1).
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A.i Gemäss Ausführungen der Eingliederungsverantwortlichen im Verlaufsprotokoll
nach Grundsatzentscheid vom 3. Juli 2010 (IV-act. 83-1 ff.) habe die Versicherte ihren
Arbeitsversuch im Rahmen der beruflichen Abklärung aus gesundheitlichen Gründen
per 20. April 2010 abgebrochen. Der Fall werde daher abgeschlossen; es erfolge die
Rentenprüfung (IV-act. 83-9).
A.j Am 24. August 2010 traf bei der IV-Stelle der Bericht von Dr. med. G._,
Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie FMH, vom 29. Juni 2010 an die
Hausärztin ein. Dr. G._ diagnostizierte ein generalisiertes Ganzkörper-Schmerz
syndrom, resp. Fibromyalgie, einen Senk-Spreizfuss beidseits, eine diskret beginnende
mediale Gonarthrose rechts, ein chronisches Cervikovertebral-Syndrom bei Status
nach Spondylodese C5/6 mit Knochenspan sowie eine Depression, bekannt seit 1998,
und attestierte aus rheumatologischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit (IV-act. 88-1 ff.).
A.k Mit Vorbescheiden vom 7. September 2010 stellte die IV-Stelle sowohl den Ab
schluss der Arbeitsvermittlung als auch, bei einem Invaliditätsgrad von 0 %, die Ab
weisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 95-1 f., 97-1 f.).
A.l Gegen den Vorbescheid betreffend Invalidenrente liess die Versicherte am
12. Oktober 2010 Einwand erheben (IV-act. 98-1 ff.). Sie beantragte eine ganze
Invalidenrente für sich sowie eine Rente für ihre Tochter Ivana; eventualiter sei ihr eine
halbe Invalidenrente sowie die entsprechende Rente für ihre Tochter zuzusprechen;
subeventualiter sei sie erneut und umfassend ärztlich zu begutachten. In der Beilage
liess die Versicherte der IV-Stelle u.a. den Arztbericht von Dr. med. H._, Fachärztin
Psychiatrie/Psychotherapie, vom 12. Oktober 2010 (IV-act. 98-12 f.) sowie das
ausgefüllte Formular betreffend die Haushaltführung vom 20. September 2010 (IV-act.
98-14 ff.) zukommen. Dr. H._, bei welcher die Versicherte seit dem 5. Mai 2008 in
Behandlung steht, diagnostizierte in ihrem Bericht eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.11), eine anhaltende somato
forme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), Störungen im Zusammenhang mit der
Menopause und dem Klimakterium (ICD-10 N95.1), eine arterielle Hypertonie sowie
eine Refluxsymptomatik. Sie attestierte aus psychiatrischer Sicht für eine leichte,
angepasste Tätigkeit eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit; als Hausfrau sei die Versicherte
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aus psychiatrischer Sicht 100 % arbeitsfähig mit einer 30 %igen
"Leistungsfähigkeit" (IV-act. 98-13).
A.m Nach Einholen einer Stellungnahme des RAD (IV-act. 100) schloss die IV-Stelle
mit Verfügung vom 26. Oktober 2010 die Arbeitsvermittlung ab (IV-act. 101-1 f.) und
wies mit Verfügung gleichen Datums das Rentengesuch der Versicherten ab (IV-act.
102-1 ff.). Als Begründung zum abgewiesenen Rentengesuch wurde angeführt, dass
sich der Gesundheitszustand der Versicherten seit der Begutachtung in der MEDAS
Zentralschweiz 2008 weder in somatischer noch in psychischer Hinsicht objektivierbar
und anhaltend arbeitsfähigkeits-relevant verändert habe. Aufgrund der Qualifikation als
Erwerbstätige sei die Haushalttätigkeit bei der Bemessung des Invaliditätsgrades nicht
zu berücksichtigen. In adaptierter Tätigkeit bestehe eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit.
B.
B.a Gegen die rentenabweisende Verfügung vom 26. Oktober 2010 richtet sich die
am 26. November 2010 erhobene Beschwerde. Darin wird beantragt, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben und es sei der Beschwerdeführerin eine ganze
Invalidenrente sowie ihrer Tochter eine Invalidenrente in gesetzlich bestimmter Höhe
zuzusprechen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und der
Beschwerdeführerin eine halbe Invalidenrente sowie ihrer Tochter eine Invalidenrente in
gesetzlich bestimmter Höhe zuzusprechen. Zur Begründung wird im Wesentlichen
ausgeführt, nachdem das Attest des Hausarztes Dr. B._ vom 5. Mai 2008 der
Beschwerdeführerin während mehreren Jahren eine durchschnittliche
Arbeitsunfähigkeit von 75 % attestiert habe, habe sie bereits gestützt darauf Anspruch
auf eine "volle" Invalidenrente. Zudem habe die Psychiaterin Dr. H._ aufgrund der
gestellten Diagnosen aus rein psychiatrischer Sicht für eine leichte angepasste
Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von nur noch 50 % attestiert. Daher erweise sich die
angefochtene Verfügung als falsch. Im Weiteren sei nicht nachvollziehbar, wie die
Beschwerdeführerin mit den ihr ärztlich attestierten somatischen und psychischen
Einschränkungen ein Invalideneinkommen von Fr. 51'368.-- erzielen solle, mehr als sie
als gesunde Person verdient habe. Selbst wenn man davon ausgehen wolle, dass die
Beschwerdeführerin noch arbeitsfähig sei, könne sie ein jährliches Invalideneinkommen
von höchstens Fr. 33'200.-- erzielen. Dieses wäre im Hinblick auf die erheblichen
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gesundheitlichen Beeinträchtigungen um 25 % zu reduzieren, was einem jährlichen
Invalideneinkommen von 24'900.-- entspreche und zum Anspruch auf eine zumindest
halbe IV-Rente führe. Zu berücksichtigen gelte es sodann, dass die
Beschwerdeführerin auch in der Haushaltführung erheblich beeinträchtigt sei. Da sich
der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit dem MEDAS-Gutachten 2008 in
den letzten zwei Jahren nochmals massiv verschlechtert habe, habe sie auch aus
diesem Grund Anspruch auf eine zumindest halbe IV-Rente. Zudem stelle auch die
Hausärztin Dr. F._ eine weitere Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit
Februar 2010 fest. Sie attestiere der Beschwerdeführerin aus rein somatischer Sicht
eine Teilarbeitsfähigkeit von lediglich 50 % Bei der Stellungnahme des RAD vom
26. Oktober 2010, auf welche sich die angefochtene Verfügung massgeblich abstütze,
handle es sich lediglich um eine Wiederholung des Berichts von Dr. G._ vom 29. Juni
2010, welcher weder begründet noch "gut nachvollziehbar" sei. Auch wenn sich Dr.
G._ dahingehend äussere, dass aus rheumatologischer Sicht keine
Arbeitsunfähigkeit bestehe, bedeute dies nicht, dass die Beschwerdeführerin zu 100 %
arbeitsfähig sei. Bei den Diagnosen von Dr. H._ handle es sich entgegen den
Ausführungen des RAD um eigene Untersuchungsbefunde und damit objektiv
feststellbare Gesichtspunkte, welche im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung
durch die MEDAS 2008 unerkannt geblieben seien und klarerweise zur abweichenden
Beurteilung einer Einschränkung der Beschwerdeführerin in ihrer Arbeitsfähigkeit von
mindestens 50 % führten (act. G 1). Der Beschwerde werden unter anderem das
ärztliche Zeugnis von Dr. F._ vom 24. November 2010 (act. G 1.1.6) sowie der
Bericht von Dr. H._ vom 23. November 2010 (act. G 1.1.7) beigelegt.
B.b Der RAD hält in einer internen Stellungnahme vom 16. Dezember 2010 zu den im
Beschwerdeverfahren eingereichten neuen ärztlichen Berichten fest, dass Dr. F._ ihre
Ansicht einer Teilarbeitsfähigkeit von 50 % nicht mit entsprechenden objektivierbaren
Untersuchungsbefunden belege, und die durch Dr. H._ diagnostizierte mittelgradige
depressive Störung im Rahmen der chronischen Schmerzproblematik zu sehen sei (IV-
act. 113-1 f.).
B.c Mit Beschwerdeantwort vom 13. Januar 2011 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie aus, dass das Gutachten
den Anforderungen der Rechtsprechung entspreche. Grundsätzlich gelte, dass ein
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behandelnder Arzt beweisrechtlich nicht als Sachverständiger, sondern als
Auskunftsperson auftreten müsse. Der Bericht und die neuen Untersuchungen von Dr.
G._ deckten sich mit dem MEDAS-Gutachten. Aus rheumatologischer Sicht ergäbe
sich demnach keine Änderung des Gesundheitszustandes seit der Begutachtung.
Dr. H._ habe die Diagnosen anhaltende somatoforme Schmerzstörung und
rezidivierende Depression gestellt. Angesichts der diagnostizierten depressiven
Episode liege keine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare
andauernde Depression im Sinne eines verselbständigten Gesundheitsschadens vor,
welcher unabhängig von der somatoformen Schmerzstörung als erhebliche psychische
Komorbidität ausnahmsweise auf die Unzumutbarkeit einer willentlichen
Schmerzüberwindung schliessen lasse. Die Einschätzung von Dr. H._ vermöge daher
keinen Zweifel an der Richtigkeit der Angaben im Gutachten zu wecken. Gestützt auf
das MEDAS-Gutachten sei von einer 100 %igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit auszugehen. Bei der 100 %igen Arbeitsfähigkeit entstehe selbst mit
Angleichung des Invaliden- an das Valideneinkommen und bei Vornahme des
maximalen Abzugs von 25 % kein rentenbegründender IV-Grad (act. G 4).
B.d Am 28. Januar 2011 lässt die Beschwerdeführerin Replik erstatten. Sie führt im
Wesentlichen aus, die Beschwerdegegnerin habe es unterlassen, dem medizinischen
Urteil der Fachärztin Dr. H._ die angemessene Bedeutung beizumessen. Sollten
weitere fachmedizinische Abklärungen zur Beurteilung, ob bei der Beschwerdeführerin
eine psychische Störung von Krankheitswert vorliege, notwendig sein, werde hiermit –
in Ergänzung zum Antrag im Beschwerdeschreiben vom 26. November 2010 – um um
fassende ärztliche Begutachtung ersucht (act. G 7).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 10. Februar 2011 auf eine Duplik (act.
G 9).

Erwägungen:
1.
1.1 Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die voraus
sichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
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verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits
markt (Art. 7 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenver
sicherung (IVG; SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrund von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
1.2 Der Versicherungsträger prüft nach Art. 43 Abs. 1 ATSG die Begehren, nimmt die
notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte
ein. Wie die Verwaltung hat im Beschwerdefall auch das Versicherungsgericht die
Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Alle Beweismittel sind unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach ist zu entscheiden, ob die verfügbaren Unter
lagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Hin
sichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben
worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Be
urteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.
Zu klären ist vorweg die Frage, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
2.1 Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Beurteilung der zumutbaren Arbeits
leistung der Beschwerdeführerin auf das MEDAS-Gutachten vom 18. Juni 2008 (IV-
act. 30-1 ff.). Das polydisziplinäre Gutachten umfasste je ein psychiatrisches (IV-act.
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33-1 ff.), neurologisches (IV-act. 32-1 ff.) und rheumatologisches (IV-act. 31-1 ff.) Teil
gutachten. Als Hauptdiagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden chronische
Zervikobrachialgien links bei einem Status nach ventraler Spondylodese C5/6 nach
Cloward und Diskektomie am 6. Februar 2006, bei einer Diskushernie C5/6 medio-
links-lateral und deutlich linksbetonter Osteophytenbildung auf Höhe C5/6 sowie einer
Diskusprotrusion C3/4, C4/5, C6/7, ohne Reiz- und Ausfallssymptome, sowie eine
Prägonarthrose rechts mit Knorpelschädigungen II-III genannt. Als Diagnosen ohne
wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, aber mit Krankheitswert wurden
Kopfschmerzen vom Spannungstypus, arterielle Hypertonie, Übergewicht sowie ein
anamnestischer Status nach vaskulärem zerebralem Ereignis genannt. In einer
behinderungsangepassten Tätigkeit mit nur selten bis teilweise stehender
Arbeitsposition, fehlendem Heben schwerer Gewichte über 10-15 kg sowie ohne
Kopfhaltung über längere Zeit in ausgesprochen vornübergeneigter Position sei eine
100 %ige Arbeitsfähigkeit gegeben (IV-act. 30-12 f.).
2.2 Die Beschwerdeführerin hält in der Hauptsache dagegen, dass seit der Begut
achtung durch die MEDAS Zentralschweiz eine Verschlechterung des somatischen und
psychischen Gesundheitszustandes stattgefunden habe (act. G 1).
3.
3.1 Bei der Würdigung der medizinischen Situation fällt zunächst ins Gewicht, dass
im psychiatrischen Teilgutachten der MEDAS vom 7. März 2008 (IV-act. 33-1 ff.) keine
Diagnosen mit relevanter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt wurden. Nur
unter Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte der psychiatrische
Gutachter unter Hinweis auf das Verschwinden oder den Tod eines
Familienangehörigen mit nachhaltiger Prägung der Versicherten ICD-10: Z 63.4. Der
Gutachter Dr. med. I._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, führte
unter "subjektiven Angaben der Versicherten" aus, dass sie nach dem Tod ihres
Sohnes (im Oktober 1998) anfänglich Antidepressiva vom Hausarzt erhalten habe (IV-
act. 33-3). Unter "Arbeitsunfähigkeit" kam er schliesslich zum Schluss, dass aus
psychiatrischer Sicht weder bei der angestammten Berufstätigkeit, noch in verwandten
Gebieten, noch in Verweistätigkeiten eine relevante Einschränkung bestehe (IV-act.
33-3 f.). Im Bericht vom 12. Oktober 2010 (IV-act. 98-12 f.) nannte die Psychiaterin Dr.
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H._, bei der die Beschwerdeführerin seit dem 5. Mai 2008 in Behandlung steht
(mithin erst nach der Begutachtung), sodann als Diagnosen an erster Stelle eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, und erst an
zweiter Stelle eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Sie hielt unter Hinweis
auf ausführliche anamnestische Angaben fest, dass sich als Folgen einer familiären
Belastungssituation bei der Beschwerdeführerin Resignation und Depressivität sowie
Überforderung nach der Operation 2006 zunehmend verschlechtert hätten, so dass die
Beschwerdeführerin ihre Arbeit zuerst vom 6. Mai 2006 bis 9. Januar 2008 auf 50 %
reduziert und seit dem 10. Januar 2008 vollkommen aufgegeben habe. Aufgrund eines
tragischen Verlusterlebnisses und dementsprechenden inneren Konflikten sowie der
äusserst schwierigen Beziehung zu ihrem an Kehlkopfkrebs leidenden und
alkoholkranken Mann habe die Beschwerdeführerin eine chronische Schmerzstörung
entwickelt (IV-act. 98-12 f.). Im Bericht vom 23. November 2010 (act. G 1.1.7) hält
Dr. H._ fest, dass es sich bei der Beschwerdeführerin um eine Patientin mit mehreren
Traumatisierungen in der Lebensgeschichte (begonnen mit der Trennung vom
alkoholabhängigen, gewalttätigen Vater im Alter von einem Jahr) handle. Die erste
depressive Episode habe die Beschwerdeführerin 1998 nach dem Tod ihres Sohnes
entwickelt. Durch die unklare Tatsache, ob sich der Sohn nach einem Streit zu Hause
wegen Liebeskummer suizidiert habe oder ob er von jemandem wegen dieser
Beziehung von einer Brücke gestossen worden sei, sei die Patientin innerlich zerrissen
und geplagt. Nach diesem Ereignis sei es zu massiven Auseinandersetzungen mit dem
Ehemann gekommen. Das Paar habe die Aussage der Polizei, dass es sich um einen
Selbstmord handle, nicht akzeptieren wollen. Der Ehemann der Beschwerdeführerin sei
immer gewalttätig gewesen, habe diese und die Kinder misshandelt, habe
insbesondere nach dem Tod des Sohnes die ganze Aggression auf die jüngere Tochter
gerichtet. Die Beschwerdeführerin habe das Kind schützen und ihm ein normales
Leben ermöglichen wollen, was zu massiven Konflikten zwischen den Eheleuten
geführt habe. Der Ehegatte sei 2001 an Kehlkopfkrebs erkrankt, weshalb es zu einer
erneuten depressiven Epidode gekommen sei. 2004 sei es noch einmal zu einer
Verschlechterung der depressiven Symptomatik gekommen, nachdem der Ehemann
die Tochter aus der Wohnung "geschmissen" habe. Die Beschwerdeführerin habe
schon damals massive Nacken- und Kopfschmerzen sowie Verspannungen im
Schulterbereich gespürt und sei wegen dieser Problematik operativ behandelt worden.
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Die Beschwerdeführerin habe sich nach der Wirbelsäulenoperation entschieden, noch
ein Kind zur Welt zu bringen. Sie sei von ihrem Ehemann in bereits fortgeschrittener
Schwangerschaft geschlagen worden, habe sich jedoch über diese
Partnerschaftsproblematik nirgendwo äussern können. In der Psychotherapie habe sie
auch sehr viel Zeit gebraucht, bis es zur Etablierung des therapeutischen Bündnisses
gekommen sei. Die Beschwerdeführerin habe in der Therapie nicht offen über die
Partnerschaftsproblematik reden können, da ihr Ehemann sie anfänglich ständig in die
Sprechstunde begleitet habe. Nach einem Paargespräch, zu dem der Ehemann in
alkoholisiertem Zustand (mindestens recht alkoholisiert) gekommen sei, habe diese
massive Problematik nur bestätigt werden können. Während der Therapie ab
November 2010 sei die Beschwerdeführerin ermutigt worden, sich von ihrem Partner
scheiden zu lassen. Nach der Trennung sei es zu einer leichten Besserung der
depressiven Symptomatik gekommen. Die Schmerzproblematik sei unverändert
geblieben. Nachdem ein Arbeitsversuch bei der J._ aufgrund der starken Schmerzen
der Beschwerdeführerin erfolglos verlaufen sei, habe sich die depressive Symptomatik
zusätzlich verschlechtert. Die Beschwerdeführerin habe in ihrem Leben gelernt, mit
Traumatisierungen und Verlusten leben zu müssen, und wirke emotional leer und
distanziert (act. G 1.1.7, S. 1 f.). Dr. I._ führte im psychiatrischen Teilgutachten vom
7. März 2008 (IV-act. 33-1 ff.) hingegen noch aus, er habe im Rahmen seiner
Untersuchung keine Elemente finden können, die eine Diagnose aus der Gruppe der
somatoformen Leiden stützen würden. Die Belastungen seien transparent, einfühlbar,
die Persönlichkeit sei trotzdem sehr lebendig und emotional zugänglich geblieben, und
es werde der Freiraum, der neben den Schmerzen bleibe, voll genutzt. Somit könne er
aus psychiatrischer Sicht nur eine Z-Diagnose stellen, die keine relevante
Arbeitsunfähigkeit begründe. Aus psychiatrischer Sicht könne man der
Beschwerdeführerin höchstens zugestehen, dass sie durch das Schicksal etwas
abgelenkt, etwas langsamer, etwas erholungsbedürftiger geworden sei, was aber
höchstens 10 oder 20 % Leistungseinschränkung bedeute (IV-act. 33-4). Dem psychi
atrischen Teilgutachten lassen sich keine Ausführungen bezüglich einer proble
matischen Paarbeziehung sowie Gewaltanwendung des Ehemannes gegenüber Frau
und Kinder entnehmen. Sodann gesteht Dr. I._ der Beschwerdeführerin eine trotz
Schicksalsschlägen eher gefestigte Persönlichkeit zu, wogegen in den Berichten von
Dr. H._ von mehreren Traumatisierungen mit psychischen Folgeerkrankungen die
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Rede ist. Vor dem Hintergrund der Ausführungen bzw. Diagnosestellungen von
Dr. H._ entstehen Zweifel, ob der Gutachter Dr. I._ die Persönlichkeit der
Beschwerdeführerin in ihrer ganzen Tragweite ausreichend erfassen und beurteilen
konnte, nachdem er offenbar von der persönlichen Situation der Beschwerdeführerin
keine umfassende Kenntnis erhielt. Möglich ist auch, dass sich die Situation seit der
Begutachtung (bis Verfügungserlass am 26. Oktober 2010) verändert hat. Jedenfalls
lässt sich auf dieser unsicheren Grundlage nicht beurteilen, ob und wieweit die Be
schwerdeführerin in psychiatrischer Hinsicht in einer leidensangepassten Tätigkeit ein
geschränkt war.
3.2 In somatischer Hinsicht diagnostizierte die Hausärztin Dr. F._ im Verlaufsbericht
vom 1. Juni 2010 unter anderem diffuse Gelenk-/Weichteilbeschwerden unsicherer
Ätiologie seit März 2010 und attestierte eine seit 20. April 2010 bestehende 100 %ige
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 79-1). Im ärztlichen Zeugnis vom 24. November 2010 führte
Dr. F._ zudem aus, dass sich der Zustand der Beschwerdeführerin seit Februar 2010
verschlechtert habe. Nach Ansicht von Dr. F._ persistiere deshalb eine
Teilarbeitsfähigkeit von 50 % (act. G 1.1.6). Demgegenüber hielt die Rheumatologin
Dr. G._ in ihrem Bericht vom 29. Juni 2010 (IV-act. 88-2 ff.) fest, dass diffuse
Weichteildolenzen im Vordergrund stehen würden. Diese hätten sich zwar seit dem
Arbeitsversuch im Februar 2010 verstärkt. Dabei ging die Rheumatologin offenbar
davon aus, dass dies eine sekundäre Folge der Depression sei und mit dem Auslassen
der Antidepressiva-Medikation im April 2010 zusammenhänge. Jedenfalls erachtete die
Fachärztin die Beschwerdeführerin aus rein rheumatologischer Sicht für als
uneingeschränkt arbeitsfähig. Diese Beurteilung deckt sich mit der rheumatologischen
Beurteilung im MEDAS-Gutachten, so dass von daher keine ergänzende Abklärung
erforderlich erscheint.
3.3 Zusammenfassend kann gestützt auf die medizinische Aktenlage in
psychiatrischer Hinsicht nicht abschliessend beurteilt werden, ob und in welchem
Umfang die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer leidensangepassten
Tätigkeit eingeschränkt ist. Die Sache ist deshalb - wie von der Beschwerdeführerin in
der Replik beantragt (act. G 7/Ziff. 1) - an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen,
damit sie eine ergänzende psychiatrische Begutachtung (einschliesslich Verlauf) durch
eine bislang nicht involvierte Gutachterperson einhole. Danach wird die
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Beschwerdegegnerin erneut über die Anspruchsberechtigung der Beschwerdeführerin
zu befinden haben.
4.
4.1 Gemäss den obenstehenden Erwägungen ist die angefochtene Verfügung aufzu
heben und die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Die Sache ist an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen, damit diese im Sinn der Erwägungen eine ergänzende (Ver
laufs-)Begutachtung in psychiatrischer Hinsicht vornehme und anschliessend über den
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin erneut verfüge.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss
als volles Obsiegen (BGE 132 V 235 E. 6). Die unterliegende Beschwerdegegnerin
hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der von der
Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr
zurückzuerstatten.
4.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei ins
besondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen ist
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung und dem
Aufwand der Streitsache angemessen erscheint eine Parteientschädigung von
pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht