Decision ID: 9b60cbd4-0fdc-5aab-982e-b4a2cfc62bba
Year: 2021
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_002
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A. A. (nachfolgend auch: Beschwerdeführer) ist seit Oktober 2011 als Wochenaufenthalter in
D. (AR) angemeldet. Im Jahr 2019 schickte ihm die kantonale Steuerverwaltung Appenzell
Ausserrhoden (nachfolgend: Vorinstanz) einen Fragebogen betreffend Wohnsitz zu, der
vom Beschwerdeführer anfangs Oktober 2019 ausgefüllt retourniert wurde (KStV.AR.act.
2). Der Beschwerdeführer erklärte im Fragebogen, er habe in D. (AR) eine 3-Zimmer-Woh-
nung gemietet, in welcher er alleine lebe. In E. (GR) sei er Wohneigentümer eines Einfami-
lienhauses mit mehr als 4,5 Zimmern. Dort lebe er mit seinen Eltern. An seinen Wohnort in
Graubünden kehre er mehr als 4x pro Monat per Auto zurück. Sein Aufenthaltszweck in D.
(AR) sei einzig die Arbeit als Postbote, welche er im 80-100%-Pensum ausübe. In D. (AR)
habe er keine Mitgliedschaft in einem Verein und er gedenke, sich „nur solange wie nötig“
in D. (AR) aufzuhalten.
B. Am 20. Dezember 2019 erliess die Vorinstanz eine Feststellungsverfügung betreffend
Wohnsitz des Beschwerdeführers und hielt darin fest, die Voraussetzungen für die Aner-
kennung eines Wochenaufenthaltes in D. (AR) seien nicht erfüllt. Der Beschwerdeführer
habe den steuerrechtlichen Wohnsitz im Kanton Appenzell Ausserrhoden, Gemeinde D.
(AR), und sei dementsprechend ab Steuerjahr 2019 (Stichtag 31. Dezember 2019) in D.
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(AR) steuerpflichtig. Er werde ins Register der steuerpflichtigen Personen aufgenommen
und erhalte nach Rechtskraft dieser Verfügung einen Fragebogen der Steuerfaktoren. Der
Beschwerdeführer wurde zudem darauf hingewiesen, dass es einzig um die Festlegung
des steuerrechtlichen Wohnsitzes gehe. Da der zivilrechtliche Wohnsitz grundsätzlich nicht
betroffen sei, sei es dem Beschwerdeführer freigestellt, seine Papiere weiterhin am bisheri-
gen Ort zu belassen (KStV.AR.act. 3).
C. Am 20. Januar 2020 liess der Beschwerdeführer, vertreten durch die G., bei der Vorinstanz
eine Einsprache gegen diese Wohnsitzverfügung einreichen (KStV.AR.
act. 4). Bereits im Jahr 2014 sei der Beschwerdeführer mit dem gleichen Entscheid betref-
fend Feststellung des steuerrechtlichen Wohnsitzes konfrontiert worden. Die persönliche
Situation habe sich seither nicht verändert. Es habe seinen guten Grund, dass der Be-
schwerdeführer in D. (AR) als Wochenaufenthalter angemeldet sei. Da er in St. Gallen ar-
beite und jeden Tag von St. Gallen nach D. (AR) pendle, habe er weder in St. Gallen noch
in D. (AR) Zeit, berufliche oder soziale Kontakte aufzubauen. Der Mittelpunkt seiner Le-
bensbeziehungen sei nicht in D. (AR), sondern in F. (GR) in der Gemeinde C. (GR). Im Ein-
familienhaus des Beschwerdeführers wohnten gegenwärtig seine Eltern, er beanspruche
dort aber ebenfalls ein eigenes Zimmer. Er fahre jedes Wochenende nach F. (GR), um dort
seine Kontakte mit Eltern, Verwandtschaft und Freunden zu pflegen. Zusammen mit sei-
nem Bruder besitze er ausserdem in F. (GR) eine Maiensässhütte, wo er sich im Winter wie
auch im Sommer sehr viel zur Erholung aufhalte. In D. (AR) respektive St. Gallen halte er
sich nur zu Arbeitszwecken auf, sein Lebensmittelpunkt befinde sich in F. (GR), wo er sich
auch aktiv in Vereinen betätige.
Im Einspracheentscheid vom 2. April 2020 (KStV.AR.act. 5) prüfte die Vorinstanz die vom
Beschwerdeführer vorgetragenen Argumente eingehend, wies seine Einsprache aber
schliesslich namentlich unter Verweis auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts ab.
D. Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vom Beschwerdeführer (weiterhin ver-
treten durch die G.) beim Obergericht eingereichte Beschwerde vom 1. Mai 2020 mit dem
eingangs erwähnten Antrag. Mit Vernehmlassung vom 27. Mai 2020 beantragte die Steuer-
verwaltung Appenzell Ausserrhoden Abweisung der Beschwerde unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen. Das zum Verfahren beigeladene Steueramt der Gemeinde F. (GR) ver-
zichtete auf eine Teilnahme am Verfahren. Nachdem der Beschwerdeführer weder die
Durchführung einer mündlichen Verhandlung verlangte noch eine Replik einreichte, wurde
der Schriftenwechsel abgeschlossen. Weil aufgrund der Corona-Pandemie der ordentliche
Sitzungsbetrieb im Obergericht seit Frühling 2020 bis zum aktuellen Zeitpunkt mit lediglich
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kurzer Unterbrechung über die Sommermonate weitgehend aufgehoben werden musste,
wurde über die spruchreife Beschwerde schliesslich mittels Zirkular-Urteil entschieden.
E. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den Akten sowie die Vorbringen der Partei-
en in den Rechtsschriften wird, soweit entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägung-
en näher eingegangen.

Erwägungen
1. Formelles
1.1 Einspracheentscheide der Vorinstanz können innert 30 Tagen nach Eröffnung schriftlich mit
Beschwerde beim Obergericht angefochten werden (Art. 188 Abs. 1 Steuergesetz [StG,
bGS 621.11] i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. a Justizgesetz [JG, bGS 145.31]). Der Entscheid über
Steuerstreitsachen fällt unabhängig vom Streitwert in die Zuständigkeit der Abteilungen des
Obergerichts (Art. 29 Abs. 1 lit. a JG e contrario). Das Gesamtgericht hat Beschwerden in
Steuerstreitsachen der 2. Abteilung zur Beurteilung zugewiesen (so publiziert im aktuellen
Staatskalender des Kantons Appenzell Ausserrhoden [https://staatskalender.ar.ch/
organizations/pdf], Ziff. 2.6.1.2), weshalb diese zur Behandlung der Beschwerde zuständig
ist.
1.2 Die für den Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren handelnde G. wurde vom Be-
schwerdeführer gemäss Vollmacht vom 22. Februar 2020 (act. 2.1) schriftlich zur Vertre-
tung seiner Interessen in Steuersachen bevollmächtigt. Da in steuerrechtlichen Verfahren
kein Anwaltsmonopol für die Vertretung vor Obergericht besteht (Art. 3 Abs. 1 lit. d Anwalts-
gesetz [bGS 145.52] i.V.m. Art. 54 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [SR 210, ZGB];
ferner auch Art. 117 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer [DBG, SR
642.11]), ist diese Vertretungsvollmacht im vorliegenden Verfahren gültig. Als direkt vom
angefochtenen Einspracheentscheid Betroffenem kommt dem Beschwerdeführer nach Art.
59 i.V.m. Art. 32 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS
143.1) ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen
Einspracheentscheids zu. Da die Beschwerde frist- und formgerecht eingegangen ist und
der beim Beschwerdeführer angeforderte Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet wurde, ist
auf die Beschwerde einzutreten.
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1.3 Gestützt auf Art. 2 der Verordnung über COVID-19-Massnahmen: Gerichte (bGS 113.2)
kann das Obergericht zur Bewältigung der aktuell ausserordentlichen Lage in allen Fällen
auf dem Zirkularweg entscheiden, wenn das Gesetz keine Verhandlung vorschreibt. Ent-
scheide, die auf dem Zirkularweg gefällt werden, bedürfen der Einstimmigkeit (Art. 52 Abs.
2 JG). Da vorliegend keine Durchführung einer Verhandlung vorgeschrieben ist und die
Parteien auf die Durchführung einer solchen verzichteten, hat das Obergericht den vorlie-
genden Entscheid im Zirkularverfahren gefällt.
2. Materielles
2.1 Streitig und zu prüfen ist der steuerrechtliche Wohnsitz von A. ab dem Steuerjahr 2019.
a. Natürliche Personen sind im Kanton aufgrund persönlicher Zugehörigkeit steuerpflichtig,
wenn sie ihren steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt dort haben (Art. 4 Abs. 1 StG).
Der steuerrechtliche Wohnsitz (vgl. dazu auch Art. 3 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden [StHG, SR 642.14]) be-
steht wie auch der zivilrechtliche (Art. 23 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches
[ZGB, SR 210]) grundsätzlich an dem Ort, wo die steuerpflichtige natürliche Person sich in
der Absicht dauernden Verbleibens aufhält (Art. 4 Abs. 2 StG) und den sie sich zum Mittel-
punkt ihrer Lebensinteressen gemacht hat (BGE 138 V 23 E. 3.1.1). Der Begriff des Wohn-
sitzes setzt sich damit aus einem objektiven äusseren - dem Aufenthalt - und einem sub-
jektiven inneren Merkmal - der Absicht dauernden Verbleibens - zusammen (vgl. in diesem
Zusammenhang auch BGE 143 II 233 E. 2.5.1).
b. Die in Art. 4 StG vorgesehene Regelung zum steuerrechtlichen Wohnsitz ist entsprechend
der Regelung in Art. 3 Abs. 1 und 2 StHG bzw. Art. 3 Abs. 1 bis 3 des Bundesgesetzes
über die direkte Bundessteuer (DBG, SR 642.11) formuliert und stellt sich somit im Anwen-
dungsbereich der direkten Bundessteuer und der harmonisierten Steuern von Kantonen
und Gemeinden in gleicher Weise. Als detaillierte Regelung belässt das StHG dem kanto-
nalen Gesetzgeber hier keinen Gestaltungsspielraum und die Bestimmung im StHG käme
gemäss Art. 72 Abs. 2 StHG direkt zur Anwendung, falls ihr - was allerdings beim kantona-
len Steuergesetz von Appenzell Ausserrhoden nicht der Fall ist - das kantonale Recht wi-
dersprechen sollte (vgl. zum Ganzen auch Urteile des Bundesgerichts 2C_170/2019 vom
19. September 2019 E. 5.1.1 und 2C_480/2019 vom 12. Februar 2020 E. 2.1; je m.w.H.).
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c. Der steuerrechtliche Wohnsitz ist insofern nicht frei wählbar, als es auf den gefühlsmässi-
gen Lebensmittelpunkt nicht ankommt (BGE 138 II 300 E. 3.2). Zur Bestimmung des steu-
errechtlichen Lebensmittelpunktes sind vielmehr die äusserlich wahrnehmbaren familiären,
beruflichen, wirtschaftlichen und weiteren rechtserheblichen Lebensumstände zu ermitteln,
abzuwägen und daraufhin zu prüfen, ob sie den Schluss zulassen, es liege die Absicht des
dauernden Aufenthalts vor. Auch ein von vornherein bloss vorübergehender Aufenthalt ver-
mag einen steuerrechtlichen Wohnsitz zu begründen, sofern er auf eine bestimmte Dauer
angelegt ist und der Lebensmittelpunkt tatsächlich dorthin verlegt wird. Als Mindestdauer
wird üblicherweise ein Jahr vorausgesetzt (BGE 143 II 233 E. 2.5.2).
2.2 Das Bundesgericht hat in seiner Rechtsprechung zu diesen Grundsätzen typische Fallkon-
stellationen entwickelt (vgl. dazu die Übersicht im Urteil des Bundesgerichts 2C_762/2019
vom 18. November 2019 E. 3.2). Diese Rechtsprechung ist im Interesse der Steuerharmo-
nisierung zwischen den Kantonen auch im konkreten Fall mitzuberücksichtigen, wenn es
darum geht, die umstrittene Frage nach dem steuerrechtlichen Wohnsitz des Beschwerde-
führers zu klären.
2.3 Der Beschwerdeführer ist unverheiratet und geht einer unselbständigen Erwerbstätigkeit als
Postbote nach (KStV.AR.act. 2). In solchen Konstellationen wird gemäss ständiger Recht-
sprechung davon ausgegangen, dass die Beziehung der betreffenden Person zum Arbeits-
ort (wobei es sich beim Arbeitsort in diesem Zusammenhang nicht zwingend um den Ort
handeln muss, wo der Arbeitsplatz liegt, sondern um denjenigen Ort, wo die betroffene Per-
son regelmässig übernachtet, um von dort aus zur Arbeit zu gehen, hier also D. (AR), vgl.
dazu Urteil des Bundesgerichts 2C_546/2017 vom 16. Juli 2018 E. 2.3 m.w.H.) gegenüber
dem Familienort in den Vordergrund tritt, sobald die Person das dreissigste Altersjahr über-
schritten hat und / oder sich seit mehr als fünf Jahren ununterbrochen am selben auswärti-
gen Ort aufhält (sog. „30/5“-Praxis, vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 2C_762/2019 vom
18. November 2019 E. 3.2.3 und 3.3.1). Beim Beschwerdeführer sind gleich beide Voraus-
setzungen der „30/5“ Praxis erfüllt: Er ist am 13. Januar 1969 geboren und damit (deutlich)
älter als 30 Jahre und bereits seit 2011 - d.h. fast doppelt so lange wie die 5 Jahre, die ge-
mäss dieser Praxis gefordert werden - als Wochenaufenthalter in D. (AR) angemeldet. Im
konkreten Fall begründet dies daher gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesge-
richts die natürliche Vermutung, der Lebensmittelpunkt des Beschwerdeführers befinde sich
am Ort seines langjährigen Wochenaufenthalts, also in D. (AR).
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2.4 Im öffentlichen Recht greift der in Art. 8 Zivilgesetzbuch (ZGB, SR) vorgesehene Grund-
satz, wonach derjenige die Beweislast für eine Tatsache trägt, der aus ihr Rechte ableitet,
analog. Entsprechend gilt auch im Steuerrecht als allgemeine Beweislastregel, dass die
Steuerbehörde jene Tatsachen, welche eine Steuerschuld begründen oder erhöhen und die
steuerpflichtige Person jene Tatsachen, welche die Steuerschuld aufheben oder mindern
zu beweisen hat (sog. Normentheorie, vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_247/2020 vom
18. Juni 2020 E. 4.3.3 m.w.H.).
a. Der Beschwerdeführer war bisher nicht in Appenzell Ausserrhoden steuerpflichtig. Der von
der Vorinstanz ab der Steuerperiode 2019 angenommene steuerrechtliche Wohnsitz im
Kanton stellt eine steuerbegründende Tatsache dar, welche grundsätzlich von ihr zu bewei-
sen ist, ohne dass den Beschwerdeführer dabei eine (gesetzliche) Mitwirkungspflicht be-
züglich Feststellung des massgeblichen Sachverhalts treffen würde, solange seine Steuer-
pflicht noch gar nicht rechtskräftig feststeht.
b. Jedoch führt die im konkreten Fall zur Anwendung gelangende Vermutung des Wohnsitzes
in D. (AR) (vgl. E. 2.3 vorstehend) dazu, dass es im Bestreitungsfall am Beschwerdeführer
ist, diese Vermutung zu entkräften und schlüssig darzulegen, dass sich der steuerrechtliche
Wohnsitz nicht in D. (AR), sondern wie er stattdessen geltend macht, in der Gemeinde C.
(GR) befinde. Dafür genügen reine Behauptungen nicht, sondern diese sind auch genü-
gend zu substanziieren (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 2C_480/2019 vom 12. Februar
2020 E. 2.3.4).
c. Die Vermutung des steuerrechtlichen Wohnsitzes am Arbeits- bzw. Wochenaufenthaltsort
wird namentlich dadurch entkräftet, wenn belegt werden kann, dass mindestens einmal pro
Woche eine Rückkehr an den Ort der Familie, mit welcher die Person besonders eng ver-
bunden ist, stattfindet und wo sie zudem andere persönliche und gesellschaftliche Bezieh-
ungen pflegt. Gelingt der Nachweis solcher familiärer, privater und gesellschaftlicher Bezie-
hungen zum Familienort, hat wiederum der Kanton des Arbeits- oder Wochenaufenthalts-
orts nachzuweisen, dass die in Frage stehende Person die gewichtigeren wirtschaftlichen
und gegebenenfalls persönlichen und gesellschaftlichen Beziehungen zu diesem Ort unter-
hält (Urteile des Bundesgerichts 2C_762/2019 vom 18. November 2019 E. 3.2.4;
2C_296/2018 vom 6. Juni 2018 E. 2.2.3).
2.5 Der unverheiratete Beschwerdeführer machte keine expliziten Angaben dazu, ob er in einer
festen Partnerschaft steht oder nicht. Auf dem Fragebogen betreffend Wohnsitz erklärte er
aber ausdrücklich, dass in der vom ihm gemieteten Wohnung in D. (AR) keine weiteren
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Personen wohnen. Letzteres ist für die Beurteilung des steuerrechtlichen Wohnsitzes
durchaus bedeutsam: Würde der Beschwerdeführer nämlich in seiner Wohnung in D. (AR)
nicht allein, sondern in einer Lebensgemeinschaft leben, so würde dies klar für einen steu-
errechtlichen Wohnsitz in D. (AR) sprechen, und zwar unabhängig davon, ob der Be-
schwerdeführer seine Wochenenden und freien Tage (häufig) bei seinen Eltern verbringt
(Urteile des Bundesgerichts 2C_762/2019 vom 18. November 2019 E. 3.2.5; 2C_296/2018
vom 6. Juni 2018 E. 2.2.2; 2C_73/2018 vom 3. Juni 2019 E. 3.2; 2C_1045/2016 vom 3. Au-
gust 2017 E. 3.4). Bei Lebensgemeinschaften werden nämlich auch dann, wenn die Partner
Beziehungen zu mehreren Orten haben, die persönlichen und familiären Kontakte zum
gemeinsamen Wohnort der Lebensgemeinschaft generell als stärker erachtet als diejenigen
zu anderen Orten (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2C_473/2018 vom 10. März 2019 E.
5.3.1). Im Fall des Beschwerdeführers ist eine feste Partnerschaft weder mit Bezug zu D.
(AR) noch zu F. (GR) behauptet geschweige denn nachgewiesen, so dass im konkreten
Fall aus den dargelegten Grundsätzen nichts für die Beurteilung der sich hier stellenden
Fragen abzuleiten ist (bzw. lediglich, dass offenbar im konkreten Fall keine partnerschaftli-
che Wohngemeinschaft vorhanden ist, welche für einen steuerlichen Wohnsitz am einen
oder anderen Ort sprechen würde).
2.6 Bei einer unverheirateten Person mit Beziehungen zu mehreren Orten, die an keinem Ort
eine auf Dauer ausgerichteten Partnerschaft pflegt, gelten als engste Familie in der Regel
die Eltern und Geschwister. Gemäss Angaben des Beschwerdeführers entspricht auch sein
Familienort seinem gemeinsamen Wohnsitz mit den Eltern in C. (GR). Unter diesen Um-
ständen bedarf es allerdings zusätzlicher klarer Nachweise, die für die Annahme eines Le-
bensmittelpunktes am Familienort sprechen, da die Bindung zur elterlichen Familie gemein-
hin lockerer ausfällt als jene unter Lebenspartnern. Nach der Rechtsprechung ist in solchen
Konstellationen daher entscheidend, ob weitere als nur familiäre Beziehungen bestehen,
die den Lebensmittelpunkt begründen. Auch wenn unverheiratete Steuerpflichtige allwöch-
entlich zu den Eltern oder Geschwistern zurückkehren, überwiegen in vielen Fällen den-
noch die Beziehungen zum Arbeitsort (bzw. Wochenaufenthaltsort, von dem aus der Arbeit
nachgegangen wird). Für eine überwiegende Beziehung zum Arbeitsort spricht namentlich,
wenn am Arbeitsort eine eigene Wohnung eingerichtet wurde. Besonderes Gewicht haben
zudem auch die Dauer des Arbeitsverhältnisses und das Alter des Steuerpflichtigen (Urteil
2P.206/2004 vom 28. April 2005 E. 2.2). Da bei der Bestimmung des steuerrechtlichen
Wohnsitzes die wirtschaftlichen Gegebenheiten generell ein grösseres Gewicht haben als
bei der Bestimmung des zivilrechtlichen Wohnsitzes (vgl. dazu BGE 121 I 14 E. 4a), führt
eine Gesamtbetrachtung gerade bei alleinstehenden Personen, die einer Vollzeiterwerbs-
tätigkeit nachgehen, häufig dazu, das Steuerdomizil am Arbeitsort festzulegen.
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2.7
a. Aus den vorinstanzlichen Akten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer nunmehr seit bald
10 Jahren in derselben Dreizimmer-Wohnung in D. (AR) wohnt. Im Vergleich zum gemein-
sam mit den Eltern bewohnten Haus in C. (GR), wo er gemäss eigenen Angaben ein eige-
nes Schlafzimmer (wohl sein ehemaliges Kinderzimmer) zur Verfügung hat und die übrigen
Räume im Haus gemeinsam mit seinen Eltern benützt, steht ihm daher in D. (AR) deutlich
mehr Raum zur alleinigen Verfügung. Die Wohnung in D. (AR) ist aufgrund der gemäss
Mietvertrag vorhandenen Wohninfrastruktur (vgl. KStV.AR.act. 2: 3 Zimmer, Küche, Bad,
separates WC, Abstellraum, Kelleranteil, Waschküche und Trockenraum zur Mitbenützung)
ohne weiteres für ein dauerndes Verbleiben geeignet (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts
2C_303/2020 vom 6. Juli 2020 E. 5.2).
b. Der Beschwerdeführer wohnt zudem inzwischen bereits fast 10 Jahre in D. (AR) - insoweit
ist auch sein gegenüber der Vorinstanz vorgebrachter Einwand, seit 2014, als die Wohn-
sitzfrage bereits geprüft worden sei, habe sich nichts verändert, nicht stichhaltig: Im seither
weiteren Zeitablauf hat sich nämlich gerade gezeigt, dass er sich offensichtlich nicht nur
vorübergehend in D. (AR) aufhielt bzw. aufhält. Der Beschwerdeführer stellt auch gar nicht
in Abrede, dass er künftig weiterhin in D. (AR) zu wohnen gedenke - nach seinen Angaben
zwar „nur solange wie nötig“ (KStV.AR.act. 2, Fragebogen betreffend Wohnsitz), was aller-
dings angesichts seiner ungekündigten Stelle als Postbote wohl so verstehen ist, dass er
seine Wohnung jedenfalls so lange zu behalten gedenkt, als er seine derzeitige Stelle inne-
hat. Nachdem es sich dabei um ein unbefristetes, bereits langjährig bestehendes Arbeits-
verhältnis handelt und der Beschwerdeführer weder geltend macht noch belegt, dass sich
diesbezüglich in naher Zukunft etwas ändert, ist im konkreten Fall unter Würdigung der Ge-
samtumstände mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass sein Aufenthalt in D. (AR), von
wo aus er arbeitet, grundsätzlich auf Dauer angelegt ist. Der Beschwerdeführer ist zudem
gemäss Angaben der Arbeitgeberin überall im Gebiet St. Gallen Appenzell einsetzbar, aber
insbesondere auch als „Ablöser für D. (AR) angedacht“ (KStV.AR.act. 2, Arbeitsbestäti-
gung), was ebenfalls für eine besonders enge Beziehung zu D. (AR) spricht.
c. Insoweit der Beschwerdeführer gegenüber der Vorinstanz behauptet, er habe wegen des
täglichen Pendelns von D. (AR) nach St. Gallen gar keine Zeit, berufliche oder soziale Kon-
takte aufzubauen (vgl. KStV.AR.act. 4, S. 1 unten), überzeugt dies deshalb nicht, weil für
den Weg von D. (AR) nach St. Gallen und zurück jedenfalls nicht so viel Zeit benötigt wird,
als dass dadurch jegliches Sozialleben nebst der Arbeit faktisch verunmöglicht würde. Auch
wenn der Beschwerdeführer angibt, nicht am Vereinsleben in St. Gallen oder D. (AR) teilzu-
nehmen, erscheint es nach der allgemeinen Lebenserfahrung eher unwahrscheinlich, dass
er, nachdem er schon bald ein Jahrzehnt in D. (AR) wohnt, dort bzw. im Raum St. Gallen /
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Appenzell über keinerlei sozialen Kontakte (wobei diese auch ausserhalb eines Vereins
gelebt werden können) verfügen soll.
d. Es ist grundsätzlich unbestritten, dass der Beschwerdeführer rein zeitlich gesehen den
überwiegenden Teil der Woche, nämlich die gesamte Zeit während seiner Arbeit im Voll-
zeitpensum, in D. (AR) verbringt. Daraus ist zu schliessen, dass der Beschwerdeführer die
öffentliche Infrastruktur und die Leistungen des Gemeinwesens in D. (AR) umfangmässig
entsprechend mehr beansprucht als dies in C. (GR) der Fall ist. Wieviel von seiner Freizeit
er sich im Einfamilienhaus in E. / C. (GR) aufhält, bleibt letztlich unklar, nachdem der Be-
schwerdeführer selber angibt, dass er ganzjährig auch „viel Zeit“ in seiner Maiensässhütte
verbringe (vgl. KStV.AR.act. 4, S. 2 oben; Beschwerde, S. 3). Da sich sowohl das Einfami-
lienhaus als auch das Maiensäss in der Gemeinde C. (GR) befinden (vgl. act. 2.5), bleibt
der Anknüpfungspunkt bezüglich Gemeinde zwar unverändert. Hält sich der Beschwerde-
führer allerdings häufig gar nicht zusammen mit seinen Eltern im Einfamilienhaus auf, son-
dern stattdessen im Maiensäss, spricht dies dafür, dass die konkret vorhandene familiäre
Bindung grundsätzlich weniger stark zu gewichten ist als bei anderen Konstellationen, wo
eine steuerpflichtige Person zwar unter der Woche arbeitsbedingt auswärts wohnt, am
Wochenende und den Freitagen aber die Zeit uneingeschränkt gemeinsam mit der Familie
am Familienort verbringt. Angesichts des Alters des Beschwerdeführers und der Tatsache,
dass es sich in seinem Fall auch nicht um eine familiäre Verbindung im Sinn einer Partner-
schaft (allenfalls mit Kindern), sondern um die Beziehung zu den Eltern handelt, ist darin
denn auch nichts Ungewöhnliches zu erblicken.
e. Der Beschwerdeführer beruft sich allerdings auf Bestätigungen verschiedener Vereine, wel-
che seine besondere persönliche Verbundenheit zu F.-C. (GR) belegen würden. In den Ak-
ten findet sich eine Bestätigung des Samaritervereins F.-C. (GR) vom 15. November 2019,
gemäss welcher der Beschwerdeführer aktives Vereinsmitglied sei und regelmässig an
Vereinsaktivitäten teilnehme. Dasselbe bestätigten auch der Wanderverein und der Fuss-
ballclub F. (GR) (vgl. act. 2.4), offenbar ist der Beschwerdeführer ausserdem Mitglied im
Skiclub (vgl. act. 2.4; die Bestätigung wurde mit den vorinstanzlichen Unterlagen nicht
eingereicht). Daraus ist zu schliessen, dass der Beschwerdeführer zwar offenbar Mitglied in
verschiedenen Vereinen in F. (GR) ist, allerdings ist weder aus den Darlegungen des Be-
schwerdeführers gegenüber der Vorinstanz oder in der Beschwerdeschrift noch aus diesen
Bestätigungsschreiben konkret ersichtlich, an welchen Vereinsaktivitäten und vor allem, in
welchem Ausmass der Beschwerdeführer tatsächlich an Vereinsaktivitäten regelmässig
teilnimmt. Auch wenn es in den vorgelegten Bestätigungen der Vereine heisst, der Be-
schwerdeführer sei „aktives Mitglied“ im jeweiligen Verein, fehlen jegliche genauere An-
gaben dazu, welche Aktivitäten der Beschwerdeführer wann ausübt(e). Selbst wenn der
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Beschwerdeführer regelmässig die arbeitsfreien Tage in C. (GR) verbringen sollte, wie er
geltend macht, so wäre ihm eine Teilnahme an Vereinsaktivitäten unter der Woche jeden-
falls zum Vornherein nicht ohne weiteres möglich, nachdem er ein Vollzeitpensum als Post-
bote innehat und seiner Arbeit von D. (AR) aus nachgeht. Wie die Nachfrage der Vorin-
stanz beim Wanderverein ergeben hat, finden etwa die rund 10 Wanderungen für die Ak-
tivmitglieder des Vereins jeweils unter Woche am Donnerstag statt (KStV.AR.act. 7). Der
Beschwerdeführer hat weder behauptet noch nachgewiesen, dass er regelmässig donners-
tags frei habe und sich dann nach F. (GR) begebe und an solchen Wanderungen teilnehme
(gegenüber der Vorinstanz gab er an, „jedes Wochenende“ nach F. (GR) zu fahren, vgl.
KStV.AR.act. 4, S. 2 oben). Bei einer Gesamtwürdigung genügen die bestätigten Aktivmit-
gliedschaften in den Vereinen für sich alleine nicht, um daraus eine stärkere Beziehung zu
F. (GR) als zu D. (AR) abzuleiten. Es wäre Sache des Beschwerdeführers, konkret aufzu-
zeigen, inwiefern er sich in den Vereinen tatsächlich persönlich engagiert und lokale soziale
Kontakte pflegt. Diese substanziierte Darlegung fehlt.
2.8 Der steuerrechtliche Wohnsitz bestimmt sich nach der Gesamtheit der objektiven, äusseren
Umstände, aus denen sich die Lebensinteressen erkennen lassen. Dabei kann gemeinhin
kein klarer Beweis geführt werden, sondern es ist aufgrund von Indizien eine Gewichtung
vorzunehmen. Hierzu ist eine sorgfältige Berücksichtigung und Abwägung sämtlicher Be-
rufs-, Familien- und Lebensumstände im konkreten Einzelfall notwendig, wobei es, wie be-
reits erwähnt, auf die gefühlsmässige Bevorzugung eines Ortes gerade nicht ankommt (Ur-
teile des Bundesgerichts 2C_911/2018 vom 17. März 2020 E. 4.1 und 2C_473/2018 vom
10. März 2019 E. 4.1). Eine bloss affektive Bevorzugung eines Orts fällt also dabei nicht ins
Gewicht (Urteil des Bundesgerichts 2C_170/2019 vom 19. September 2019 E. 5.1.2
m.w.H.). Insgesamt ist im konkreten Fall des Beschwerdeführers unstreitig davon auszuge-
hen, dass er zwar weiterhin Beziehungen zum Familienort in C. (GR) unterhält, es ist je-
doch nicht hinreichend nachgewiesen, dass diese Beziehungen den konkreten Bezug zu D.
(AR) aufzuwiegen vermögen. Der Beschwerdeführer fühlt sich zwar gefühlsmässig unver-
ändert C. (GR) verbunden, wohnt aber bereits rund ein Jahrzehnt arbeitshalber unter der
Woche in D. (AR). Bei nicht an einem anderen Ort in einer Partnerschaft lebenden, unselb-
ständig erwerbenden Personen wird im Regelfall angenommen, dass sie dort die stärkeren
Beziehungen unterhalten, wo sie für längere oder unbestimmte Zeit Aufenthalt nehmen, um
von dort aus der täglichen Arbeit nachzugehen, ist doch der Zweck des Lebensunterhalts
dauernder Natur. Eine Abwägung der vorliegenden Indizien im konkreten Fall ergibt, dass
dies auch im Fall des Beschwerdeführers zutreffend erscheint, jedenfalls, nachdem der Be-
schwerdeführer nicht konkret und substanziiert nachgewiesen hat, welche tatsächlich ge-
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lebten Verbindungen in C. (GR) bestehen. Dementsprechend ist die vorinstanzliche Ver-
fügung betreffend steuerrechtlichem Wohnsitz zu bestätigen.
3. Kosten und Entschädigung
3.1 Im Rechtsmittelverfahren ist gebühren- und kostenpflichtig, wer ganz oder teilweise unter-
liegt oder auf dessen Rechtsmittel nicht eingetreten wird (Art. 53 Abs. 1 i.V.m. Art. 19 Abs.
3 VRPG).
Die 2. Abteilung des Obergerichts hat über die vorliegende Sache als Verwaltungsgericht
entschieden. Vor Verwaltungsgericht betragen die Verfahrenskosten gemäss Art. 4a des
Gesetzes über die Gebühren in Verwaltungssachen (bGS 233.2) grundsätzlich bis zu Fr.
5‘000.--. Innerhalb des Gebührenrahmens sind die Gebühren nach dem Zeit- und Arbeits-
aufwand, der Bedeutung des Geschäfts sowie nach dem Interesse und der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit der Gebührenpflichtigen zu bemessen (Art. 20 VRPG).
Im konkreten Fall stellten sich keine besonders schwierigen Rechtsfragen und der Akten-
umfang war gering, was zu einem im Vergleich zu anderen Steuerfällen eher unterdurch-
schnittlichen Zeit- und Arbeitsaufwand beim Gericht führte. Die Bedeutung der Streitsache
für den Beschwerdeführer dürfte dessen ungeachtet erheblich sein. Gemäss ständiger Pra-
xis der 2. Abteilung des Obergerichts wird in vergleichbaren Fällen üblicherweise eine Ge-
bühr von Fr. 800.-- erhoben, was auch im vorliegenden Fall angemessen erscheint. Da die-
se vom unterliegenden Beschwerdeführer zu tragen ist, kann sie mit dem von ihm bereits
geleisteten Kostenvorschuss verrechnet werden.
3.2 Eine Entschädigung ist dem Beschwerdeführer beim vorliegenden Verfahrensausgang
nicht zuzusprechen (Art. 53 Abs. 3 VRPG e contrario).
3.3. Der Vorinstanz werden unabhängig vom Verfahrensausgang keine Kosten auferlegt
(Art. 53 Abs. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 VRPG) und keine Entschädigungen zugesprochen
(Art. 53 Abs. 3 i.V.m. Art. 24 Abs. 3 lit. a VRPG).
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