Decision ID: 5b266dc0-9034-5899-b0a4-c576e07a546d
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin, syrische Staatsangehörige arabischer Ethnie,
reiste am 11. Juni 2016 in die Schweiz ein und suchte gleichentags im
Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._ um Asyl nach. Am
16. Juni 2016 wurde sie summarisch zur Person (Befragung zur Person;
BzP) befragt, die Anhörung zu den Asylgründen fand am 23. Februar 2018
statt.
Zur Begründung ihres Asylgesuchs brachte sie im Wesentlichen vor, aus
C._ zu stammen und dort die Schule besucht zu haben. Ihr Univer-
sitätsstudium habe sie im Jahre 1995 in D._ abgeschlossen und
danach als (...) in ihrer eigenen Praxis in E._ gearbeitet. Sie sei
verheiratet gewesen und habe drei Kinder. Ihr damaliger Ehemann sei (...),
habe an der Universität F._ gelehrt und später ebenfalls seine ei-
gene Praxis in E._ geführt. Sie und ihr damaliger Ehemann hätten
nicht dieselbe politische Meinung. Er sei Palästinenser und unterstütze das
syrische Regime, sie sei hingegen regimekritisch eingestellt. Eines Tages
habe sie vernommen, wie ihr damaliger Ehemann einem Kollegen erzählt
habe, dass er zwei seiner Studenten, die oppositionell eingestellt gewesen
seien, an den syrischen Geheimdienst verraten habe. Daraufhin sei es zum
Streit mit ihm gekommen, wobei er sie geschlagen und ihre Nase gebro-
chen habe. In der Folge habe sie die Scheidung von ihm verlangt, welche
im Jahre 2011 erfolgt sei. Sie habe ihrem Ehemann das Haus überlassen
und fortan in ihrer Praxis gewohnt. Die beiden Söhne seien dem Recht
entsprechend beim Vater geblieben, die Tochter habe mit ihr gelebt. Im
Februar 2013 sei die Praxis ihres geschiedenen Mannes zerstört worden,
woraufhin er sie gebeten habe, bei ihr arbeiten zu dürfen, was sie verwei-
gert habe. Ihr geschiedener Mann habe sie daraufhin bedroht und diese
Drohung auch in Bezug auf ihre beiden Brüder ausgeweitet. Nur kurze Zeit
später sei die Farm ihrer Brüder durch Bombardierungen zerstört worden,
woraufhin diese das Land verlassen hätten. Sie vermute, dass ihr geschie-
dener Mann für diese Bombardierung verantwortlich sei, da er mächtig sei.
Am 1. März 2013 sei sie ebenfalls in Richtung Libanon und später in die
Türkei geflohen. Bis im Juni 2016 habe sie in der Türkei gelebt, sei im Be-
sitz einer türkischen Aufenthaltsbewilligung gewesen und habe als (...) ar-
beiten können. Im August 2014 sei ihr geschiedener Mann in die Türkei
gekommen und habe die gemeinsame Tochter gegen ihren Willen zurück
nach Syrien mitgenommen; diese Entführung habe sie den türkischen Be-
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hörden angezeigt. Eines Tages habe sie in Istanbul über einen ihrer Pati-
enten einen ehemaligen syrischen Geheimdienstmitarbeiter kennenge-
lernt, der ihr erzählt habe, dass ihr geschiedener Mann sie in Syrien wegen
Kindesentführung angezeigt habe – obschon sich die Tochter bei ihm be-
finde – sowie wegen Zusammenarbeit mit der türkischen Regierung und
oppositioneller Tätigkeit gegen das syrische Regime. Sie habe daher um
ihr Leben gefürchtet, auch weil sie sich beobachtet gefühlt habe. Überdies
habe es Probleme mit der Erneuerung ihrer Aufenthaltsbewilligung gege-
ben, weswegen sie die Türkei im Juni 2016 verlassen habe.
Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichte sie (im Original) ihren Pass,
ihre Identitätskarte, zwei türkische Arbeitsbewilligungen, eine Karte der
(...)-Vereinigung Syriens, ein medizinisches Attest sowie eine Geburtsur-
kunde ihrer Tochter ein. Jeweils in Kopie reichte sie zudem die Scheidungs-
unterlagen, eine Scheidungsbestätigung mit türkischer Übersetzung, eine
Bewilligung zur Ausübung eines (...) Berufs in Syrien, ihr (...)diplom, den
Pass ihrer Tochter, die Identitätskarte ihres geschiedenen Mannes, das Fa-
milienbüchlein, eine Arbeitsbewilligung des syrischen (...)ministeriums,
drei Fotos von sich, eine Anzeige betreffend die Entführung ihrer Tochter
bei den türkischen Behörden, einen Auszug aus dem türkischen Strafregis-
ter sowie einen Artikel der «Voix d’Exils» zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 8. Januar 2019 – eröffnet am 10. Januar 2019 – stellte
die Vorinstanz fest, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigen-
schaft nicht erfüllt, lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung
aus der Schweiz an. Wegen Unzumutbarkeit wurde der Beschwerdeführe-
rin die vorläufige Aufnahme in der Schweiz gewährt.
C.
Die Verfügung der Vorinstanz focht die Beschwerdeführerin, handelnd
durch den rubrizierten Rechtsvertreter, mit Eingabe vom 11. Februar 2019
beim Bundesverwaltungsgericht an. Sie ersuchte in formeller Hinsicht zu-
nächst um vollumfängliche Einsicht in die Akten A5/1, A7/1 und A8/4 und
um Gewährung des rechtlichen Gehörs zu den betreffenden Akten. Nach
Gewährung der Akteneinsicht und eventualiter des rechtlichen Gehörs sei
ihr eine angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung
einzuräumen. Sie beantragte des Weiteren die Aufhebung der angefochte-
nen Verfügung und die Rückweisung der Sache zur vollständigen Abklä-
rung des rechtserheblichen Sachverhalts und Neubeurteilung an die Vor-
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instanz. Eventualiter sei die Verfügung des SEM aufzuheben, ihre Flücht-
lingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu gewähren. Eventualiter sei
die Verfügung aufzuheben und sie als Flüchtling anzuerkennen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses.
Mit der Beschwerde wurden zwei Screenshots zweier Videos sowie Bilder
der Tochter der Beschwerdeführerin, aufgenommen in Istanbul im Jahr
2013, Screenshots von Videos der Beschwerdeführerin im Fernsehen in
Istanbul, ein Artikel der Beschwerdeführerin für «Voix d’Exils» vom 22. Mai.
2017, eine Übersetzung der Bestätigung des Rechtsverzichts, Bilder des
Onkels und der Cousins der Beschwerdeführerin, Screenshots zweier Vi-
deos der Beschwerdeführerin in C._ 2011 sowie ein Ausdruck be-
treffend mehrere Facebook-Profile der Beschwerdeführerin eingereicht.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 15. Februar 2019 hiess die Instruktionsrichte-
rin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut
und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Die Vorin-
stanz wurde zudem angewiesen, die Akte A5/1 korrekt in das vorinstanzli-
che Dossier aufzunehmen und der Beschwerdeführerin Einsicht zu gewäh-
ren. Der Beschwerdeführerin wurde eine Frist zur Einreichung einer Be-
schwerdeergänzung nach entsprechender Einsicht eingeräumt. Das Ge-
such um Einsicht in die Akten A7/1 und A8/4 oder allenfalls Gewährung des
rechtlichen Gehörs wurde hingegen abgewiesen.
E.
Mit Schreiben vom 20. Februar 2019 informierte das SEM die Beschwer-
deführerin, dass die Akte A5/1 aufgrund eines Paginierungsfehlers nicht
existiere und der Akte A15 (Anm.: Beweismittelcouvert) entspreche, des-
sen Inhalt der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 24. Januar 2019 be-
reits zugestellt worden sei.
F.
Mit Eingabe vom 12. März 2019 machte die Beschwerdeführerin geltend,
sie habe bis heute keine Einsicht in die Akte A5/1 erhalten. Die Behauptung
des SEM, diese Akte existiere nicht, sei nicht überprüfbar, zumal das Bun-
desverwaltungsgericht mit seiner Verfügung vom 15. Februar 2019 offen-
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sichtlich zu einem anderen Schluss gekommen sei und das SEM ausdrück-
lich angewiesen habe, Einsicht in dieses Dokument zu gewähren. Des Wei-
teren reichte die Beschwerdeführerin zwei Fotos zu den Akten, welche sie
an einer Demonstration vor dem UNO-Gebäude in G._ zeigen.
G.
Mit Eingabe vom 11. Juli 2019 reichte die Beschwerdeführerin zwei Kopien
befristeter Arbeitsverträge sowie eine Kopie ihres Schweizerischen Führe-
rausweises zu den Akten.
H.
Ein bei der Vorinstanz am 17. Juni 2020 eingereichtes Gesuch um Kan-
tonswechsel wurde mit Verfügung vom 28. August 2020 abgewiesen.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 27. August 2020 wurde die Vorinstanz zur Ein-
reichung einer Vernehmlassung eingeladen. Diese nahm mit Vernehmlas-
sung am 10. September 2020 zu den Beschwerdebegehren Stellung und
beantragte die Abweisung der Beschwerde.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 16. September 2020 wurde die Beschwerde-
führerin zur Einreichung einer Replik eingeladen, welche mit Eingabe vom
29. September 2020 Eingang fand.
K.
Mit Zwischenverfügung vom 30. Juni 2021 wurde die Beschwerdeführerin
unter Verweis auf den von ihr im Verfahren eingereichten Arbeitsvertrag
aufgefordert, zur Frage ihrer Bedürftigkeit Stellung zu nehmen, dies unter
Bezugnahme auf die ihr für das Beschwerdeverfahren gewährte unentgelt-
liche Prozessführung.
L.
Mit Eingabe vom 5. Juli 2021 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie
aufgrund ihrer Erwerbstätigkeit nicht mehr bedürftig sei.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Das SEM hat in seiner Verfügung vom 8. Januar 2019 die vorläufige Auf-
nahme der Beschwerdeführerin zufolge Unzumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs angeordnet. Damit beschränkt sich das vorliegende Be-
schwerdeverfahren auf die Fragen, ob die Beschwerdeführerin die Flücht-
lingseigenschaft erfüllt und ihr Asyl zu gewähren ist, sowie auf die Frage
der Wegweisung.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
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4.
4.1 In der Beschwerdeschrift werden verschiedene formelle Rügen erho-
ben. Diese sind vorab zu prüfen, da sie angesichts der formellen Natur des
Anspruchs auf rechtliches Gehör allenfalls geeignet sein könnten, eine
Kassation der angefochtenen Verfügung zu bewirken.
4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass
eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein-
greift. Dazu gehört insbesondere das Recht der Betroffenen, sich vor Er-
lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise
beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan-
trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent-
weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch
auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse,
die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren
Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1;
BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.).
Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form- und fristgerechten
Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit-
frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so ab-
gefasst sein, dass die betroffene Person den Entscheid gegebenenfalls
sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegun-
gen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie
ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit
allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
4.3 Die Beschwerdeführerin rügt, ihr Anspruch auf rechtliches Gehör sei
verletzt worden, weil sie keine Einsicht in die Akte 5/1 erhalten habe. Statt-
dessen habe die Vorinstanz mit Schreiben vom 20. Februar 2019 mitgeteilt,
ihr sei bei der Paginierung der Akten ein Fehler unterlaufen. Die Akte 5/1
existiere nicht und entspreche der Akte 15 (Anm.: Beweismittelcouvert),
welche ihr zur Einsichtnahme am 24. Januar 2019 zugestellt worden sei.
Der Beschwerdeführerin sei es aber nicht möglich zu überprüfen, ob die
Behauptung des SEM, die Akte existiere nicht, wirklich zutreffe. Ausserdem
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sei das Bundesverwaltungsgericht, indem es das SEM zur Einsicht in die
Akte 5/1 aufgefordert habe, offensichtlich zu einem anderen Schluss ge-
kommen.
Dem ist zunächst zu entgegnen, dass auch das Bundesverwaltungsgericht
keine Kenntnis von einer Akte 5/1 hat, weil die Instruktionsrichterin zum
Zeitpunkt der Instruktion noch in Unkenntnis der vom SEM geschilderten
Umstände war. Die Erläuterung des SEM ist plausibel und es ist davon
auszugehen, dass der Vorinstanz bei der Paginierung ein Fehler unterlau-
fen ist und die genannte Akte nicht existiert. Die Rüge der Beschwerdefüh-
rerin hat daher insofern ihre Berechtigung, als das SEM seiner Aktenfüh-
rungs- und Paginierungspflicht nur ungenügend nachgekommen ist. Eine
Aufhebung der Verfügung und Rückweisung an die Vorinstanz rechtfertigt
sich diesbezüglich jedoch von vornherein nicht.
4.4 Soweit die Beschwerdeführerin in der Beschwerde die Verletzung des
Akteneinsichtsrechts in Bezug auf die Akten A7/1 und A8/4 rügt, ist auf die
Zwischenverfügung vom 15. Februar 2019 zu verweisen, in welcher fest-
gestellt wurde, dass die Vorinstanz diese Aktenstücke zu Recht nicht ediert
hat und die Beschwerdeführerin kein schützenswertes Interesse an deren
Offenlegung darzulegen vermochte, weshalb der Antrag auf Einsicht in
diese Akten oder die allfällige Gewährung des rechtlichen Gehörs dazu ab-
gewiesen wurde.
4.5 Ebenfalls bereits mit Zwischenverfügung vom 15. Februar 2019 wies
das Gericht die Rüge, die Beweismittel seien von der Vorinstanz nicht num-
meriert worden, ab.
4.6 Des Weiteren beanstandet die Beschwerdeführerin, das SEM habe
zentrale Vorbringen und wesentliche Sachverhaltselemente, wie beispiels-
weise ihre Demonstrationsteilnahmen in C._ ab dem Jahre 2011
oder den Umstand, dass sie sich aus politischen Gründen habe scheiden
lassen, in der angefochtenen Verfügung nicht erwähnt. Das SEM habe zu-
dem ihre späteren politisch-humanitären Aktivitäten in Syrien und der Tür-
kei, ihre Verfolgungssituation in der Türkei durch ihren geschiedenen Ehe-
mann sowie ihre gesundheitlichen Probleme, welche die Durchführung der
Anhörung massiv beeinträchtigt hätten, weder erwähnt noch gewürdigt und
damit seine Abklärungspflicht verletzt. Das SEM habe in der Verfügung
eine Vermischung der Argumente betreffend die Asylrelevanz und die
Glaubhaftmachung vorgenommen und dabei im Textbaustein der Asylrele-
vanz ausgeführt, sie habe keine detaillierten Ausführungen gemacht. Ihre
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Schilderungen, insbesondere auch an der BzP, seien aber äusserst detail-
liert gewesen und würden offensichtlich die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbrin-
gen aufzeigen.
Diesbezüglich ist darauf zu verweisen, dass sich die Vorinstanz nicht mit
allen Aussagen der Beschwerdeführerin einzeln auseinandersetzen muss,
sondern sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken darf. Aus
der angefochtenen Verfügung geht hervor, dass sich die Vorinstanz mit
dem zentralen Vorbringen der Beschwerdeführerin befasst hat und eine
sachgerechte Anfechtung ohne weiteres möglich gewesen ist, was sich
ebenfalls an der einlässlichen Beschwerdeschrift zeigt. Der blosse Um-
stand, dass die Beschwerdeführerin die Auffassung des SEM hinsichtlich
der materiellen Beurteilung des Vorbringens nicht teilt, ist keine Verletzung
der Begründungs- oder Abklärungspflicht.
In Bezug auf den geltend gemachten schlechten Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin an der Anhörung ist festzustellen, dass sie zu Proto-
koll gegeben hat, an (...) zu leiden und müde zu sein (act. A14/23 Q74).
Aus dem weiteren Verlauf der Anhörung lässt sich indessen nicht schlies-
sen, dass die Beschwerdeführerin in einem Zustand war, der ihr Vermögen,
die ihr gestellten Fragen zu verstehen und sie frei und umfassend zu be-
antworten, in relevanter Weise eingeschränkt haben könnte. Die Antworten
der Beschwerdeführerin lassen zu keinem Zeitpunkt den Eindruck entste-
hen, sie sei aufgrund der (...)- und (...)schmerzen nicht mehr in der Lage
gewesen, der Anhörung zu folgen. Auch die bei der Anhörung anwesende
Hilfswerkvertreterin brachte keinerlei entsprechende Bemerkungen oder
Einwände an.
Schliesslich ist die strukturierte Vorgehensweise des SEM im Asylent-
scheid bezüglich Abhandlung der einzelnen Asylvorbringen nicht zu bean-
standen.
4.7 Die Beschwerdeführerin rügt weiter, dass das SEM seit Einreichung
des Asylgesuchs am 11. Juni 2016 bis zur Anhörung am 23. Februar 2018
eineinhalb Jahre ungenutzt habe verstreichen lassen, was eine schwerwie-
gende Verletzung der Abklärungspflicht darstelle. Des Weiteren hätte die
BzP anders strukturiert werden müssen, da sie in Ziffer 2.04 nicht, wie vor-
gesehen, über ihre Auslandaufenthalte berichtet, sondern eingehend zu ih-
ren Asylgründen Stellung genommen habe. Schliesslich habe die Anhö-
rung zu lang, insgesamt acht Stunden und zehn Minuten, gedauert.
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Hierzu ist festzuhalten, dass die gesamte Anhörungsdauer, anders als in
der Beschwerde ausgeführt, fünf Stunden und 15 Minuten dauerte und drei
Pausen von insgesamt einer Stunde und 15 Minuten integriert waren. Die
Rückübersetzung dauerte zusätzlich rund eineinhalb Stunden. Die Anhö-
rungsdauer erscheint mithin nicht unangemessen lang. Zudem sind weder
aus dem Protokoll selbst noch aus dem Bestätigungsblatt der beobachten-
den Hilfswerksvertretung kognitive Beeinträchtigungen bei der Beschwer-
deführerin oder der Dolmetscherin feststellbar.
Was die Rüge der über eineinhalbjährigen Zeitspanne zwischen Asylge-
such und Anhörung anbelangt, kann selbst darin keine Verfahrensverlet-
zung festgestellt werden. Eine zeitnahe Anhörung zum Asylgesuch ist
grundsätzlich wünschenswert, jedoch ergibt sich diesbezüglich keine ge-
setzliche Verpflichtung der Vorinstanz. Zudem konkretisiert die Beschwer-
deführerin die sie behauptungsgemäss belastende Unfairness nicht. Ent-
sprechendes hat sie auch im vorinstanzlichen Verfahren nicht zum Aus-
druck gebracht. Das Protokoll der betreffenden Anhörung ist somit verwert-
bar und die formelle Rüge ist abzuweisen.
Soweit geltend gemacht wird, dass die Beschwerdeführerin an der BzP zu
ihren Asylgründen befragt worden sei, ist festzustellen, dass sie sich tat-
sächlich eingehend und ohne vom Sachbearbeiter unterbrochen worden
zu sein, zu ihren Asylgründen geäussert hatte, obwohl sie lediglich nach
ihren Aufenthaltsorten gefragt wurde. Ein Nachteil hieraus ist jedoch nicht
ersichtlich und wurde auch nicht substantiiert.
4.8 Nach dem Gesagten erweisen sich die prozessualen Rügen der Be-
schwerdeführerin insgesamt als unbegründet. Es besteht keine Veranlas-
sung, die Verfügung des SEM aufzuheben und die Sache zur Abklärung
und Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sach-
verhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das
entsprechende Begehren ist abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
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des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von
bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr
die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-
gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu
werden drohen. Begründete Furcht vor künftiger Verfolgung im Sinne von
Art. 3 AsylG hat demnach, wer gute – das heisst von Dritten nachvollzieh-
bare – Gründe (objektives Element) für seine Furcht (subjektives Element)
vorweist, mit gewisser Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft das
Opfer von Verfolgung zu werden (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; 2011/50
E. 3.1.1; 2011/51 E. 6, je m.w.H.). Die erlittene Verfolgung beziehungs-
weise die begründete Furcht vor künftiger Verfolgung muss zudem sachlich
und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Herkunftsstaat und grundsätz-
lich auch im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein. Massgeblich
für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt
des Entscheides, wobei erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise
bestehende begründete Furcht vor Verfolgung – im Sinne einer Regelver-
mutung – auf eine andauernde Gefährdung hinweist. Veränderungen der
Situation zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu
Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57
E. 2; 2009/51 E. 4.2.5; 2007/31 E. 5.2 f., je m.w.H.).
5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
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Seite 12
5.4 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-
schaffen worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe gel-
tend (vgl. Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die
Flüchtlingseigenschaft im Sinn von Art. 3 AsylG, führen aber gemäss
Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls (Art. 2 AsylG). Stattdessen wer-
den Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder
glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl.
BVGE 2009/29 E. 5.1 und E. 7.1 sowie 2009/28 E. 7.4.3, beide mit weite-
ren Hinweisen).
6.
6.1 Die Vorinstanz führte aus, dass es sich bei der vorgebrachten Verfol-
gungssituation um eine private, von Dritten ausgehende handle. Die Be-
schwerdeführerin habe aber die syrischen Behörden diesbezüglich nie um
Hilfe ersucht, obschon sie nie Probleme mit denselben gehabt habe und
die Scheidung von ihrem damaligen Ehemann vor Gericht habe durchset-
zen können. Es würden keine Hinweise dafür vorliegen, dass der syrische
Staat nicht gewillt gewesen wäre, ihr entsprechenden Schutz zu bieten,
zumal sie die Hilfe ihres Bruders, der als (...) tätig sei, in Anspruch hätte
nehmen können. Soweit die Beschwerdeführerin befürchte, bei einer Rück-
kehr nach Syrien wegen der Anschuldigung ihres geschiedenen Mannes,
die gemeinsame Tochter entführt zu haben und oppositionspolitisch tätig
gewesen zu sein, verhaftet zu werden, sei festzuhalten, dass es sich hier-
bei um eine subjektive Furcht der Beschwerdeführerin vor zukünftiger Ver-
folgung handle, die lediglich auf den Informationen beruhe, die sie von ei-
nem ehemaligen Geheimdienstmitarbeitenden erhalten habe. Eine objektiv
begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung sei aber nicht ersichtlich.
Ausserdem seien ihre Schilderungen hinsichtlich der falschen Anschuldi-
gungen durch diese Person, die von ihrem geschiedenen Mann bezahlt
worden sei, wenig substanziiert und nicht überzeugend ausgefallen. Des
Weiteren sei es erstaunlich, dass ihr geschiedener Mann sie beim syri-
schen Regime beschuldigt haben solle, sie dies aber erst im Jahre 2016,
mithin drei Jahre nach ihrer Ausreise, erfahren habe. Ihm wäre es ferner
bereits früher möglich gewesen, viel direkter Einfluss auf sie zu nehmen,
als sie noch in Istanbul gelebt habe. Ausserdem habe sie den Heimatstaat
problemlos legal mit ihrem eigenen Pass verlassen können. Sie habe auch
keine Dokumente einreichen können, die auf ein Gerichtsverfahren in Sy-
rien hindeuten würden. Insgesamt seien die Anforderungen an die Flücht-
lingseigenschaft nicht erfüllt. Schliesslich seien die Lebensbedingungen
und Probleme der Beschwerdeführerin in der Türkei, welche ausserhalb
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/29
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Seite 13
des Heimatstaates stattgefunden hätten, nicht asylrelevant. Dass ihr ge-
schiedener Mann die gemeinsame Tochter entführt haben solle, falle im
Übrigen in die Kompetenz der heimatlichen Justizbehörden.
6.2 Dem hielt die Beschwerdeführerin in der Beschwerde entgegen, dass
die Scheidung aus politischen Gründen erfolgt sei, ihre seit Jahrzehnten
aktive turkmenische Familie in C._ ab dem Jahr 2011 an Demonst-
rationen teilgenommen und sie in der Folge begonnen habe, Personen zu
unterstützen, die politisch aktiv gewesen seien oder hätten flüchten müs-
sen. Mithin würden ihre politischen Tätigkeiten ein zentrales Vorbringen
darstellen. Sowohl in der Türkei, wo sie als (...) für syrische Flüchtlinge
bekannt geworden sei, als auch in der Schweiz sei sie politisch aktiv und
habe unter anderem an Demonstrationen teilgenommen, wie dies die ein-
gereichten Beweismittel belegen würden. Ausserdem habe sie sich bereits
vor der syrischen Revolution humanitär betätigt und zusammen mit ande-
ren Frauen eine Gruppe gegründet, welche ein Waisenhaus sowie ein
«(...)» unterstützt habe. Des Weiteren habe sie ihr geschiedener Mann in
ihrer Praxis aufgesucht und sie aufgefordert, ihm diese zur Verfügung zu
stellen, wobei er sich mutmasslich in die Praxis habe einbringen wollen,
um sie auszuspionieren. Ihr geschiedener Mann sei sehr einflussreich und
mächtig und verfüge über viele Kontakte, weswegen sie die Drohung, die
er gegen sie und ihre Brüder ausgesprochen habe, ernst nehme. Sie habe
sogar in der Türkei vor ihm fliehen müssen. Ihr geschiedener Mann, der für
das syrische Regime gearbeitet und dieses unterstützt habe, habe sie als
aktive Regimegegnerin denunziert und ein regimefeindliches Profil von ihr
erstellt, weswegen sie bei einer Rückkehr nach Syrien erneut gezielt asyl-
relevant verfolgt werden würde. Es sei ausserdem offensichtlich, dass sie
sich als politisch aktive Person nicht an die syrischen Behörden zur Schutz-
gewährung habe wenden können, wie von der Vorinstanz angenommen.
Dass ihr Bruder Anwalt sei und ihr hätte behilflich sein können, ändere
nichts daran, zumal auch er aus der turkmenischen, regimekritischen Fa-
milie stamme. Sie habe ihre Verfolgungssituation äusserst detailliert und
widerspruchsfrei geschildert, so dass die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen,
namentlich die Begegnung mit dem ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter
und die Denunziation durch ihren geschiedenen Mann, zu bejahen sei, un-
geachtet des Fehlens allfälliger Beweismittel. Selbst ihre Kinder hätten sie
zur Vorsicht vor ihrem geschiedenen Mann gemahnt. Soweit das SEM fer-
ner ausgeführt habe, das Verhalten ihres geschiedenen Mannes sei unlo-
gisch, könne dieses nicht als Unglaubhaftigkeitsargument angeführt wer-
den. Sie sei im Jahre 2013 innert weniger Tage ausgereist, was ebenfalls
auf eine Verfolgungssituation hindeute. Sie sei ausserdem nicht legal aus
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Syrien ausgereist, sondern habe nur dank der Hilfe eines ehemaligen (...),
der Chauffeur sei und auf der Strecke zwischen E._ und Beirut ge-
arbeitet habe, die Grenze überqueren können.
7.
7.1 Wie sich aus den nachstehenden Erwägungen ergibt, hat die
Vorinstanz zu Recht festgestellt, dass die Vorbringen der Beschwerdefüh-
rerin im Ergebnis den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft ge-
mäss Art. 3 und 7 AsylG nicht zu genügen vermögen.
7.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sich sowohl in Syrien als auch
in der Türkei politisch engagiert zu haben und bereits deswegen im Fokus
der syrischen Behörden zu stehen. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass
sich die Beschwerdeführerin in ihrem Heimatstaat vorwiegend sozial enga-
giert hat, indem sie vor Ausbruch des Bürgerkrieges zusammen mit ande-
ren Frauen beispielsweise regelmässig ein (...) respektive (...) besucht und
unterstützt und während des syrischen Bürgerkriegs Hilfsgüter und Geld
an Bedürftige in C._ verteilt hat beziehungsweise über ihren Bruder
hat verteilen lassen (act. A14/23 Q22 S. 4 f.). Ihren sozialen und wohltäti-
gen Hilfsaktivitäten kann keine besondere politische oder gar regimekriti-
sche Haltung entnommen werden. Die Beschwerdeführerin macht auch
nicht geltend, dass sie deshalb bis zu ihrer Ausreise in den Fokus der syri-
schen Behörden geraten ist. Dies gilt im Übrigen ebenfalls für ihr Vorbrin-
gen, sie habe sich in der Heimat drei- bis viermal an eine Demonstration
begeben und in ihrer Praxis Hilfsmittel für verletzte Demonstrationsteilneh-
mer zur Verfügung gestellt. Auch diesbezüglich ist sie offenbar nicht in den
Fokus der Sicherheitsbehörden geraten. Vielmehr gab sie an, mit den hei-
matlichen Behörden keine Probleme gehabt zu haben (act. A14/23 Q43).
7.3 Soweit nunmehr auf Beschwerdeebene vorgebracht wird, die Be-
schwerdeführerin stamme aus einer turkmenischen, regimekritischen Fa-
milie, die in C._ an Demonstrationen teilgenommen habe, ist fest-
zustellen, dass sie diese Vorbringen nicht weiter konkretisiert hat. Die von
der Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren geschilderten Um-
stände des Todes ihrer Eltern in C._ sind tragisch. Es scheint sich
dabei aber um Umstände zu handeln, die im Zusammenhang mit der un-
berechenbaren Bürgerkriegssituation stehen und ihre Eltern daher Opfer
zufälliger Tötungshandlungen wurden. Gezielte Verfolgungshandlungen
aufgrund der turkmenischen Abstammung wurden nicht geltend gemacht.
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7.4 Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, ihr geschiedener Mann habe
nach der Zerstörung seiner eigenen Praxis in ihrer Praxis praktizieren wol-
len, sie habe dies abgelehnt, woraufhin er sie bedroht und die Grundstücke
ihrer Brüder bombardiert habe (act. A14/23 Q41), scheint konstruiert. Ins-
besondere konnte die Beschwerdeführerin nicht schlüssig darlegen, wie es
ihrem geschiedenen Ehemann gelungen sein soll, innerhalb kürzester Zeit
einen Angriff auf das Grundstück ihrer Brüder zu lancieren. Der pauschale
Verweis, ihr geschiedener Mann sei sehr einflussreich, überzeugt diesbe-
züglich nicht. Soweit sie weiter vorbringt, nach ihrer Ausreise aus dem Hei-
matstaat in der Türkei politisch aktiv, insbesondere bei syrischen Flüchtlin-
gen bekannt gewesen zu sein und Patienten jedwelcher politischen Gesin-
nung behandelt zu haben, ergibt sich aus diesem Vorbringen kein konkre-
ter Hinweis darauf, dass sie in den Fokus der syrischen Behörden geraten
ist.
7.5 Grundsätzlich sind für die Beurteilung eines Asylgesuchs Verfolgungs-
massnahmen unwesentlich, die eine asylsuchende Person ausserhalb des
Staates, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, erlitten hat. Soweit sich
die Vorbringen der Beschwerdeführerin auf den Zeitraum nach Verlassen
ihres Heimatstaates beziehen, sind diese einzig dann für die Begründung
der Flüchtlingseigenschaft relevant, wenn diese in Syrien zu einer relevan-
ten Verfolgungssituation führen. Die Vorinstanz hat in der angefochtenen
Verfügung eine Verfolgungssituation in Syrien jedoch zutreffend verneint.
7.6 Die Beschwerdeführerin macht sodann geltend, während ihres Aufent-
halts in der Türkei in arabisch-sprachigen TV-Sendungen aufgetreten zu
sein. Diesbezüglich hält sie aber selbst fest, sich dabei nicht gegen das
syrische Regime geäussert zu haben (act. A14/23 Q62 f.). Hinsichtlich der
TV-Sendungen ist ausserdem festzustellen, dass sich die als Beweismittel
eingereichten Screenshots auf mehrere Ausstrahlungen eines ägyptischen
Fernsehsenders aus Istanbul beziehen, bei welchen die Beschwerdefüh-
rerin als Gast auftrat und (...) Auskünfte gab. In ihrer Funktion als (...)
sprach sie dabei Themen wie (...) und (...) an. Dass sie sich im Rahmen
dieser TV-Sendungen in irgendeiner Weise regimekritisch geäussert hat
und damit in den Fokus der syrischen Behörden geraten ist, ist hingegen
nicht ersichtlich. Auch auf Beschwerdeebene vermag die Beschwerdefüh-
rerin nicht darzulegen, inwiefern der Inhalt der TV-Sendungen sie gegen-
über den syrischen Behörden als Regimekritikerin erkennbar gemacht ha-
ben sollte.
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7.7 Insgesamt ist nicht davon auszugehen, dass die Tätigkeiten der Be-
schwerdeführerin in Syrien und in der Türkei den syrischen Behörden be-
kannt geworden sein könnten, oder der Tätigkeit generell eine Intensität
und Exponiertheit zukam, die behördliches Interesse hätte vermuten las-
sen.
7.8 Des Weiteren ist festzustellen, dass die (nach-)ehelichen Probleme der
Beschwerdeführerin mit ihrem geschiedenen Mann vorliegend zwar grund-
sätzlich nicht in Abrede gestellt werden. Den Akten ist aber auch zu ent-
nehmen, dass sich die Beschwerdeführerin auf eigenen Wunsch hin hat
scheiden lassen können und das Sorgerecht für ihre Tochter erlangt hat,
sie mithin ihre Rechte gegenüber ihrem geschiedenen Mann zumindest
teilweise hat durchsetzen können. In Bezug auf die geltend gemachte Ent-
führung ihrer Tochter aus Istanbul durch ihren geschiedenen Mann im
Jahre 2015 ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass sich die Be-
schwerdeführerin an die heimatlichen Strafverfolgungsbehörden wenden
kann, allenfalls mithilfe ihres Bruders, der als (...) tätig ist. Den geschilder-
ten Problemen betreffend die Tochter ist zudem von vornherein kein asyl-
relevantes Motiv zu entnehmen.
7.9 Des Weiteren ist der Vorinstanz dahingehend zuzustimmen, dass die
Ausführungen der Beschwerdeführerin in Bezug auf die angeblich durch
ihren geschiedenen Mann erfolgte Denunziation vage und teils unplausibel
ausgefallen sind. Die Beschwerdeführerin bringt zwar vor, ihr geschiedener
Mann sei mächtig, habe viele Kontakte und sei Mitglied der Organisation
Ahmad Jibril. Sie vermochte aber weder näher auszuführen, welche Funk-
tion er bei der Organisation innehaben noch über welche einflussreichen
Kontakte er verfügen soll (act. A14/23 Q30 ff.). Ihre diesbezüglichen Aus-
führungen verlieren sich in allgemeinen Informationen zur Organisation
Ahmad Jibril (act. A14/23 Q30). Ausserdem gelingt es ihr nicht, schlüssig
aufzuzeigen, inwiefern ihr geschiedener Mann auch politisch Einfluss ge-
habt haben soll. Das Vorbringen, er sei von vielen Personen besucht und
um Hilfe gebeten worden (act. A14/23 Q31), erklärt seinen angeblich en-
gen Kontakt zum syrischen Regime nicht. Ebenso das Vorbringen, er habe
sie an das syrische Regime wegen Kindsentführung und Unterstützung der
türkischen Regierung im Krieg gegen Syrien verraten, erscheint nach dem
Gesagten unplausibel.
Zudem scheint das Vorbringen zum Aufeinandertreffen Anfang 2016 mit ei-
nem ihr unbekannten Mann, bei welchem es sich um einen ehemaligen
syrischen Geheimdienstmitarbeiter handeln soll, auch nach Ansicht des
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Gerichts konstruiert. Ihre Vorbringen, der ehemalige Geheimdienstmitar-
beiter habe über sie und ihren Fall im Detail Bescheid gewusst, der syri-
sche Geheimdienst habe ihrem geschiedenen Mann gegen Bezahlung ge-
holfen, einen Fall gegen sie zu konstruieren, und der ehemalige Geheim-
dienstmitarbeiter habe sein Gewissen beruhigen wollen und ihr deshalb
davon erzählt (act. A14/23 Q52 ff.), mutet realitätsfremd an und ist nicht
nachvollziehbar. Entsprechend kann auch das Vorbringen, dieser ihr unbe-
kannte Mann habe ihr von einem Urteil gegen sie wegen Kindesentführung
erzählt, welches in Syrien in ihrer Abwesenheit ergangen sei, was ihre beim
Vater lebenden Kinder ihr gegenüber bestätigt hätten, nicht geglaubt wer-
den. Wie bereits vom SEM beanstandet, vermochte die Beschwerdeführe-
rin keine entsprechenden Beweise für dieses gegen sie ergangene Urteil
einzureichen.
7.10 Auf Beschwerdeebene wird ausserdem eine exilpolitische Tätigkeit
der Beschwerdeführerin in der Schweiz geltend gemacht und zwei Fotos
von ihr an einer Demonstration in G._ eingereicht. Dieses Vorbrin-
gen ist aber nicht geeignet, zu einer anderen Einschätzung als der getroffe-
nen im Hinblick auf das Risikoprofil zu führen, zumal die Fotos undatiert
sind, offensichtlich keine politische Demonstration zeigen und das angeb-
liche politische Engagement der Beschwerdeführerin in der Schweiz auch
sonst nicht weiter substanziiert wird. Weder die geltend gemachte Teil-
nahme an einer Demonstration noch die (im Übrigen nicht belegten) Face-
book-Profile der Beschwerdeführerin lassen auf ein exilpolitisches Enga-
gement schliessen, das sie als ernsthafte Regimekritikerin erkennen lässt.
7.11 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Vor-
bringen nicht geeignet sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrechtlich rele-
vante Verfolgung respektive eine entsprechende Verfolgungsfurcht zu be-
gründen. Die Vorinstanz hat deshalb zur Recht die Flüchtlingseigenschaft
verneint und das Asylgesuch der Beschwerdeführerin abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG).
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8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet
(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.3 Im vorliegenden Fall ist im Übrigen anzumerken, dass sich aus den
angestellten Erwägungen nicht der Schluss ergibt, die Beschwerdeführerin
sei zum heutigen Zeitpunkt angesichts der jüngsten Entwicklungen der Si-
tuation in Syrien in ihrem Heimatstaat nicht gefährdet. Indessen ist eine
solche Gefährdungslage im Falle der Beschwerdeführerin ausschliesslich
auf die allgemeine in Syrien herrschende Bürgerkriegssituation zurückzu-
führen, welche durch die Vorinstanz mit Verfügung vom 8. Januar 2019
gestützt auf Art. 83 Abs. 4 des Ausländer- und Integrationsgesetzes (AIG,
SR 142.20) im Rahmen der Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs berücksichtigt wurde.
8.4 Nach konstanter Praxis sind die Bedingungen für einen Verzicht auf
den Vollzug der Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Un-
möglichkeit) alternativer Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der
Wegweisungsvollzug als undurchführbar zu betrachten und die weitere An-
wesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen der vorläufigen Auf-
nahme zu regeln (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2; BVGE 2009/51 E. 5.4).
Nachdem die Vorinstanz gestützt auf Art. 83 Abs. 4 AIG zufolge Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme angeordnet hat
erübrigen sich weitere Ausführungen in diesem Zusammenhang.
9.
9.1 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt hat (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist
abzuweisen.
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde-
führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Verfügung vom 15. Feb-
ruar 2019 wurde zwar das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ge-
mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen, dies aber unter dem Vorbehalt
einer nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse. Die Be-
schwerdeführerin ist zwischenzeitlich in der Schweiz erwerbstätig und hat
mit Eingabe vom 5. Juli 2021 erklärt, nicht mehr bedürftig im Sinne von
Art. 65 Abs. 1 VwVG zu sein. Die gewährte unentgeltliche Prozessführung
ist daher wiedererwägungsweise aufzuheben.
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