Decision ID: ab6b2495-80a4-4bdb-b3c4-227536de7fbc
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis für die Fahrzeugkategorien B, D1, BE und D1E seit
dem 3. Dezember 1993. Für die Fahrzeugkategorie A1 ist er seit dem 8. Dezember
1993 fahrberechtigt. Nach einer leichten Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften (Geschwindigkeitsüberschreitung vom 1. August 2007)
wurde er mit Verfügung vom 13. November 2007 verwarnt. Sodann wurde ihm der
Führerausweis wegen einer mittelschweren und einer leichten Widerhandlung gegen
die Strassenverkehrsvorschriften (wiederum Geschwindigkeitsüberschreitungen) mit
Verfügungen vom 14. Januar 2008 und 2. Mai 2008 jeweils für die Dauer eines Monats
entzogen.
B.- Am 24. März 2014 überschritt X in Wängi auf der Autobahn A1 die zulässige
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h um 31 km/h (nach Abzug der Messtoleranz). Das
Strassenverkehrsamt stufte die Geschwindigkeitsüberschreitung als mittelschwere
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften ein und entzog ihm den Führer
ausweis mit Verfügung vom 11. November 2014 für die Dauer eines Monats. Am 6.
Dezember 2014, um 14.50 Uhr, überschritt X in Gais auf der Appenzellerstrasse in
Fahrtrichtung Gais-Dorf die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 19 km/h
(nach Abzug der Messtoleranz). Sodann lenkte er am 16. Januar 2015, um 22.26 Uhr,
einen Personenwagen in St. Gallen auf der Appenzellerstrasse in Richtung
Zürcherstrasse. Als die vor ihm fahrende Lenkerin nach rechts in die Zürcherstrasse
abbiegen wollte, hielt sie ihr Fahrzeug eigenen Aussagen zufolge vor dem Rotlicht an. X
bemerkte dies zu spät und prallte trotz eingeleiteten Bremsmanövers in das Heck des
vor ihm stehenden Fahrzeugs.
Aufgrund dieser Vorfälle eröffnete das Strassenverkehrsamt am 10. Juni 2015 ein
Verfahren zur Abklärung der Fahreignung. Nachdem es X das rechtliche Gehör gewährt
hatte, ordnete es mit Zwischenverfügung vom 26. Juni 2015 eine
verkehrspsychologische Untersuchung an.
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C.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 14. Juli
2015 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die
Zwischenverfügung des Strassenverkehrsamts vom 26. Juni 2015 sei aufzuheben und
es sei die aufschiebende Wirkung des Rekurses festzustellen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Die Vorinstanz verzichtete am 26. August 2015 auf eine
Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten zur Begründung seines Antrags wird, soweit

erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 14. Juli 2015 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent beantragt, es sei die aufschiebende Wirkung des Rekurses
festzustellen. Dem Rekurs kommt von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu; es
sei denn, die Vorinstanz entzieht einem allfälligen Rekurs die aufschiebende Wirkung,
was vorliegend jedoch nicht geschehen ist. Der beantragten Feststellung bedarf es
deshalb nicht. Im Übrigen erweist sich nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
als bundesrechtswidrig, eine verfügte Fahreignungsuntersuchung zu vollziehen, noch
bevor das Gericht deren Rechtmässigkeit geprüft hat (Urteil des Bundesgerichts [BGer]
1C_35/2014 vom 28. März 2014 E. 5.2).
3.- Im Rekursverfahren ist umstritten, ob die Vorinstanz zu Recht an der Fahreignung
des Rekurrenten zweifelte und mit Zwischenverfügung vom 26. Juni 2015 gestützt auf
Art. 15d Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) in
Verbindung mit Art. 11b Abs. 1 lit. b der Verordnung über die Zulassung von Personen
bis
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und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt: VZV) eine
verkehrspsychologische Untersuchung anordnete.
a) Die Vorinstanz hält in der angefochtenen Verfügung fest, dass aufgrund der
Tatsache, dass der Rekurrent innerhalb von zwei Jahren drei
Verkehrsregelverletzungen begangen habe, welche zu einer Massnahme führten bzw.
führen würden, Zweifel an seiner Fahreignung bestünden. Deshalb sei mittels einer
verkehrspsychologischen Untersuchung abzuklären, ob er die Anforderungen zum
Führen von Motorfahrzeugen erfülle.
b) Im Rekurs wird hauptsächlich vorgebracht, es sei davon auszugehen, dass die
Vorinstanz die Anordnung der verkehrspsychologischen Untersuchung auf Art. 15d
Abs. 1 lit. c SVG stütze. Danach sei Voraussetzung für eine obligatorische
Untersuchung der Fahreignung eine rücksichtslose Verkehrsregelverletzung. Eine
rücksichtslose Verhaltensweise im Strassenverkehr habe der Rekurrent aber zu keiner
Zeit an den Tag gelegt. Weiter gebe es keinerlei Hinweise darauf, dass der Rekurrent
die im Leitfaden genannten minimalen charakterlichen Eigenschaften nicht erfüllen
würde. Die Vorinstanz stütze sich darauf, dass der Rekurrent in den letzten beiden
Jahren drei Verkehrsregelverletzungen begangen habe, die zu einer Massnahme
führten. Es habe aber nur die Verkehrsregelverletzung vom 24. März 2014 eine
Massnahme zur Folge gehabt. Die Verkehrsregelverletzungen vom 6. Dezember 2014
und 16. Januar 2015 hätten bis anhin zu keiner Massnahme geführt. Die Situation des
Rekurrenten entspreche nicht den Vorstellungen der Expertengruppe, wie sie in Ziff.
6.2. des Leidfadens zum Ausdruck komme, weil der Rekurrent die zweite und dritte
Verkehrsregelverletzung nicht nach dem Vollzug der früheren Administrativmassnahme
begangen habe. Die Administrativmassnahme habe ihre Wirkung noch nicht erzielen
können. Zudem sei dem Rekurrenten noch nie eine schwere Verkehrsregelverletzung
vorgeworfen worden. Damit würden keine ausreichenden Anhaltspunkte dafür
vorliegen, an der charakterlichen Eignung des Rekurrenten zum Führen von
Motorfahrzeugen zu zweifeln.
4.- a) Eine Grundvoraussetzung für die Erteilung des Führerausweises ist neben der
Fahrkompetenz die Fahreignung (Art. 14 Abs. 1 SVG). Dieser Begriff umschreibt die
körperlichen und geistigen Voraussetzungen, um ein Fahrzeug im Strassenverkehr
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sicher lenken zu können. Die Fahreignung muss grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE
133 II 384 E. 3.1). Gemäss Art. 14 Abs. 2 SVG verfügt über Fahreignung, wer das
Mindestalter erreicht hat (lit. a), die erforderliche körperliche und psychische
Leistungsfähigkeit zum sicheren Führen von Motorfahrzeugen hat (lit. b), frei von einer
Sucht ist, die das sichere Führen von Motorfahrzeugen beeinträchtigt (lit. c), und wer
nach seinem bisherigen Verhalten Gewähr bietet, als Motorfahrzeugführer die
Vorschriften zu beachten und auf die Mitmenschen Rücksicht zu nehmen (lit. d).
Der Führerausweis ist zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die gesetzlichen
Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16 Abs. 1 SVG).
Nicht geeignet, ein Fahrzeug zu führen, ist namentlich, wer nicht oder nicht mehr über
die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit verfügt, um ein Motorfahrzeug sicher zu
führen (Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG), wer an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung
ausschliesst (lit. b), oder wer aufgrund seines bisherigen Verhaltens nicht Gewähr
bietet, dass er künftig beim Führen eines Motorfahrzeugs die Vorschriften beachten
und auf die Mitmenschen Rücksicht nehmen wird (lit. c). Ein Sicherungsentzug aus
charakterlichen Gründen setzt eine schlechte Prognose über das Verhalten als
Motorfahrzeugführer voraus. Die Behörden müssen gestützt darauf den Ausweis
verweigern oder entziehen, wenn hinreichend begründete Anhaltspunkte dafür
vorliegen, dass der Fahrzeugführer vorsätzlich oder aufgrund seines Unvermögens
rücksichtslos fahren wird. Die Frage ist anhand der Vorkommnisse – unter anderem Art,
Schwere, Zahl und Häufigkeit der begangenen Verkehrsdelikte – und der persönlichen
Umstände zu beurteilen (Philippe Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl.
2015, Art. 16d N 42). Weil ein Sicherungsentzug tief in den Persönlichkeitsbereich des
Betroffenen eingreift, sind in jedem Fall und von Amtes wegen die persönlichen
Verhältnisse des Betroffenen genau abzuklären. Das Ausmass der notwendigen
behördlichen Nachforschungen, namentlich die Frage, ob ein verkehrspsychologisches
Gutachten eingeholt werden soll, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls und
liegt im pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde (Weissenberger, a.a.O.,
Art. 16d N 3).
b) Gemäss Art. 15d Abs. 1 SVG wird eine Person einer Fahreignungsuntersuchung
unterzogen, wenn Zweifel an ihrer Fahreignung bestehen. Abs. 1 von Art. 15d SVG
nennt in den lit. a bis e beispielhaft die fünf wichtigsten Fälle bzw. Fallgruppen, die
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Zweifel an der Fahreignung begründen und deren Abklärung in der Regel obligatorisch
machen. Es handelt sich dabei um die Abhängigkeit von Alkohol und
Betäubungsmitteln (lit. a und b), Verkehrsregelverletzungen, die auf Rücksichtslosigkeit
schliessen lassen (lit. c), die Meldung einer IV-Stelle (lit. d) oder die Meldung eines
Arztes, dass eine Krankheit vorliegt, die das sichere Führen von Motorfahrzeugen
ausschliesst (lit. e). Die Liste in Art. 15d Abs. 1 SVG ist nicht abschliessend (BGer
1C_445/2012 vom 26. April 2013 E. 3.2; BBl 2010 S. 8500). Sofern kein
Sondertatbestand nach Art. 15d Abs. 1 lit. a bis e SVG vorliegt, kann eine
Fahreignungsuntersuchung auch gestützt auf die Generalklausel in Abs. 1 angeordnet
werden. Die Behörden dürfen somit auch eine Fahreignungsabklärung anordnen, wenn
kein Anlass nach lit. a bis e vorliegt. Die Gründe für die Abklärung der Fahreignung
können deshalb sehr vielfältig sein (Weissenberger, a.a.O., Art. 15d N 4 ff.).
c) Die Vorinstanz stützte sich in der angefochtenen Verfügung auf Ziff. 6.2 des
Leitfadens "Verdachtsgründe fehlender Fahreignung; Massnahmen; Wiederherstellung
der Fahreignung" der Expertengruppe Verkehrssicherheit vom 26. April 2000 (Jurius,
Verdachtsgründe fehlender Fahreignung – Ein Leitfaden für die Administrativ-, Justiz-
und Polizeibehörden, in: Jusletter 11. September 2000, nachfolgend: Leitfaden). In Ziff.
6 des Leitfadens wird zu den charakterlichen Defiziten festgehalten, dass
Fahrzeuglenker über eine Reihe minimaler charakterlicher Eigenschaften verfügen
müssten, so Risikobewusstsein, Tendenz zu Vermeidung hoher Risiken, geringe
Impulsivität, geringe Aggressionsneigung, reife Konfliktverarbeitung, Stressresistenz,
soziales Verantwortungsbewusstsein, soziale Anpassungsbereitschaft, Flexibilität im
Denken und psychische Ausgeglichenheit. Aufgrund dieser Anforderungen begründen
gemäss Leitfaden das vorsätzliche Herbeiführen einer schweren konkreten
Verkehrsgefährdung (Ziff. 6.1), drei polizeilich registrierte Unfälle oder Verletzungen der
Verkehrsregeln, die zu einer Administrativmassnahme führen, innert rund zwei Jahren
(Ziff. 6.2), strafbare Handlungen, die auf Rücksichtslosigkeit schliessen lassen
(Ziff. 6.3), oder Aggressivität/Verlust der Selbstkontrolle (Ziff. 6.4) einen Verdacht auf
mangelnde Fahreignung von Fahrzeuglenkern wegen verkehrsrelevanter charakterlicher
Defizite.
Der Leitfaden ist als Richtlinie für die Verwaltungs- und Gerichtsbehörden nicht
verbindlich. Er kann aber Hinweise auf allfällige Verhaltensweisen geben, die im
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Hinblick auf die Fahreignungsprüfung dienlich sein können (BGer 1C_146/2010 vom
10. August 2010 E. 3.2.2). Der Leitfaden stammt aus dem Jahr 2000. Damals kannte
das SVG das sogenannte Kaskadensystem (stufenweise Verlängerung des
Führerausweisentzugs bei Wiederholungstätern) noch nicht. Dieses wurde mit der
Revision des SVG am 1. Januar 2005 in Kraft gesetzt. Mit dem Kaskadensystem
werden Personen, die wiederholt verkehrsgefährdende Widerhandlungen begehen,
härter sanktioniert, um die Verkehrssicherheit auf der Strasse zu verbessern.
Namentlich gelten für jeden Wiederholungsfall stufenweise verschärfte
Mindestmassnahmen. Die Abstufung geht von der aktuellen Widerhandlung aus
(schwer, mittelschwer, leicht) und hängt von der Anzahl und Schwere früherer
Widerhandlungen ab (vgl. Art. 16b Abs. 2 lit. a bis f und Art. 16c Abs. 2 lit. a bis e SVG;
Botschaft zur Änderung des Strassenverkehrsgesetzes vom 31. März 1999, in: BBl
1999 S. 4467 und 4474). Auf Wiederholungsfälle reagiert der Gesetzgeber demnach mit
schärferen Sanktionen und sieht dafür längere Warnungsentzüge vor. Dies bedeutet,
dass die Fahreignung in diesen Fällen nicht in Frage gestellt wird. Zu relativieren ist
deshalb, dass drei polizeilich registrierte Unfälle oder Verkehrsregelverletzungen, die zu
einer Administrativmassnahme führen, den Verdacht auf eine fehlende Fahreignung
hervorrufen. Ziff. 6.2 des Leitfadens stimmt demnach mit der aktuellen Rechtslage
nicht mehr überein, weshalb sie in die Entscheidfindung nicht mehr einzubeziehen ist.
Unabhängig davon, wie viele Verkehrsregelverletzungen begangen worden sind, muss
der Führerausweis in der Vergangenheit zudem grundsätzlich entzogen worden sein.
Denn für die Legalprognose ist von erheblicher Bedeutung, ob und inwiefern eine
vollzogene Massnahme erzieherisch wirkte. Wurden mehrere
Verkehrsregelverletzungen begangen, fehlt es aber an einem Führerausweisentzug, ist
zwar denkbar, dass trotzdem ernsthafte Bedenken an der Fahreignung bestehen
können; dies setzt allerdings Verfehlungen von einer gewissen Schwere voraus. Denn
selbst ein Raserdelikt gemäss Art. 90 Abs. 3 und 4 SVG (vorsätzliche Verletzung
elementarer Verkehrsregeln und dadurch geschaffenes Risiko eines Unfalls mit
Schwerverletzten oder Todesopfern, namentlich durch besonders krasse Missachtung
der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, waghalsiges Überholen oder Teilnahme an
einem nicht bewilligten Rennen mit Motorfahrzeugen) kann, muss aber nicht ernsthafte
Bedenken an der Fahreignung des fehlbaren Motorfahrzeuglenkers hervorrufen. Auch
hierfür sieht der Gesetzgeber einen Warnungsentzug (mindestens zwei Jahre; Art. 16c
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Abs. 2 lit. a SVG) und nicht zwingend eine Abklärung der Fahreignung vor (VRKE
IV-2015/15 vom 28. Mai 2015 E. 2e, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). In der
verkehrspsychologischen Lehre wird schliesslich die Auffassung vertreten, wenn drei
Warnungsentzüge ihr Ziel nicht erreicht hätten, weise dies darauf hin, dass auch ein
weiterer Warnungsentzug den Lenker nicht von weiteren Delikten abhalten werde (vgl.
Bächli-Biétry, Indikation von Fahreignungsbegutachtungen aus
verkehrspsychologischer Sicht, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2009, St.
Gallen 2009, S. 48 f.).
d) Der Rekurrent erlangte den Führerausweis für die Fahrzeugkategorien B, D1, BE und
D1E am 3. Dezember 1993, für die Fahrzeugkategorie A1 am 8. Dezember 1993.
Soweit aus den Akten ersichtlich, wurde er erstmals am 1. August 2007 im
Strassenverkehr auffällig. Damals überschritt er die zulässige Höchstgeschwindigkeit
von 50 km/h um 18 km/h. Die Vorinstanz stufte die Geschwindigkeitsüberschreitung als
leichte Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften ein und verwarnte den
Rekurrenten mit Verfügung vom 13. November 2007. Sodann überschritt er am
31. Oktober 2007 die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 22 km/h. Dies
qualifizierte die Vorinstanz als mittelschwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften und entzog dem Rekurrenten mit Verfügung vom
14. Januar 2008 den Führerausweis für die Dauer eines Monats. Der Vollzug des
Führerausweisentzugs dauerte vom 12. März bis 11. April 2008. Am 20. Februar 2008
hatte der Rekurrent abermals eine Geschwindigkeitsüberschreitung begangen. Er
überschritt die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h um 29 km/h, was als
leichte Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften qualifiziert wurde. Mit
Verfügung vom 2. Mai 2008 wurde ihm deswegen der Führerausweis für die Dauer
eines Monats entzogen. Der Vollzug des Führerausweisentzugs dauerte vom 2. Juni bis
1. Juli 2008.
Am 24. März 2014 überschritt der Rekurrent die zulässige Höchstgeschwindigkeit von
80 km/h um 31 km/h. Dies stufte die Vorinstanz als mittelschwere Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften ein und entzog dem Rekurrenten den
Führerausweis mit Verfügung vom 11. November 2014 für die Dauer eines Monats. Der
Führerausweisentzug wurde vom 2. Februar bis 1. März 2015 vollzogen. Am 6.
Dezember 2014 hatte der Rekurrent eine weitere Geschwindigkeitsüberschreitung
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begangen. Er überschritt die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 19 km/
h. Sodann hatte er am 16. Januar 2015 eine Auffahrkollision verursacht. Er fuhr in
St. Gallen auf der Appenzellerstrasse in das Heck eines vor ihm stehenden Fahrzeugs,
welches nach rechts in die Zürcherstrasse abbiegen wollte und vor einer Ampel
stillstand. Die Lenkerin dieses Fahrzeugs klagte nach dem Unfall über
Nackenschmerzen. Der Rekurrent selber wurde nicht verletzt. Es entstand an beiden
Fahrzeugen Sachschaden. Das Untersuchungsamt St. Gallen verurteilte den
Rekurrenten deswegen mit Strafbefehl vom 16. März 2015 zu einer Busse von
Fr. 300.–. Aufgrund dieser Vorfälle eröffnete die Vorinstanz am 10. Juni 2015 ein
Verfahren zur Abklärung der Fahreignung.
e) Die Anzahl Verfehlungen in einem gewissen Zeitraum kann einen Anfangsverdacht
für fehlende Fahreignung begründen. Dies allein genügt jedoch nicht. Für die Prognose
ist von erheblicher Bedeutung, wie sich frühere Massnahmen oder laufende
Administrativmassnahmeverfahren auf das Verhalten der betroffenen Person im
Strassenverkehr ausgewirkt haben. Zu prüfen ist insbesondere, wie sich der
Fahrzeuglenker nach einem Führerausweisentzug im Strassenverkehr verhält und ob
die Massnahme eine erzieherische Wirkung hatte. Die beiden
Geschwindigkeitsüberschreitungen vom 31. Oktober 2007 und 20. Februar 2008
führten je zu einem Führerausweisentzug von einem Monat. Vollzogen wurden die
Führerausweisentzüge vom 12. März bis 11. April 2008 und vom 2. Juni bis 1. Juli
2008. Diese Warnungsentzüge liegen demnach beinahe acht Jahre zurück. Immerhin
fiel der Rekurrent nach diesen Warnungsentzügen bis am 24. März 2014 nicht mehr im
Strassenverkehr auf. Die beiden Warnungsentzüge scheinen eine gewisse Wirkung
erzielt zu haben. Aufgrund der Geschwindigkeitsüberschreitung vom 24. März 2014
entzog die Vorinstanz dem Rekurrenten den Führerausweis mit Verfügung vom 11.
November 2014 erneut für die Dauer eines Monats. Noch bevor der
Führerausweisentzug vollzogen wurde, beging der Rekurrent am 6. Dezember 2014
eine weitere Geschwindigkeitsüberschreitung und verursachte er am 16. Januar 2015
einen Auffahrunfall. Der am 11. November 2014 verfügte Führerausweisentzug wurde
erst vom 2. Februar bis 1. März 2015 vollzogen, mithin erst nach den beiden weiteren
Verkehrsregelverletzungen vom 6. Dezember 2014 und 16. Januar 2015. Bei diesen
beiden Vorfällen wusste der Rekurrent aufgrund der Verfügung vom 11. November
2014 zwar bereits, dass ihm der Führerausweis für die Dauer eines Monats entzogen
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wird, der Warnungsentzug selber konnte aber noch nicht erzieherisch wirken. Es kann
deshalb nicht gesagt werden, der Führerausweisentzug aufgrund der
Geschwindigkeitsüberschreitung vom 24. März 2014 habe den Rekurrenten nicht vor
weiteren Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften abhalten können.
Dem Rekurrenten kann unter diesen Umständen keine ungünstige Legalprognose
gestellt werden. Hinzu kommt, dass es sich bei den jeweiligen Verkehrsdelikten des
Rekurrenten nicht um schwere konkrete Verkehrsgefährdungen handelte. Insgesamt
liegen damit keine ernsthaften Zweifel an der Fahreignung des Rekurrenten vor, die die
Anordnung einer verkehrspsychologischen Untersuchung rechtfertigen würden. Es ist
davon auszugehen, dass der aufgrund der Vorfälle vom 6. Dezember 2014 und 16.
Januar 2015 auszusprechende Warnungsentzug, bei dem das erwähnte
Kaskadensystem zur Anwendung gelangen und der getrübte automobilistische
Leumund des Rekurrenten zu berücksichtigen sein wird, erzieherisch auf den
Rekurrenten wirken wird.
f) Somit ergibt sich, dass die verkehrspsychologische Untersuchung des Rekurrenten
zu Unrecht angeordnet wurde. Der Rekurs ist folglich gutzuheissen und die
angefochtene Zwischenverfügung vom 26. Juni 2015 aufzuheben. Bei diesem Ausgang
des Verfahrens erübrigt sich die Prüfung einer allfälligen Verletzung des rechtlichen
Gehörs durch die Vorinstanz.
5.- a) Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Staat
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1‘200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1‘200.– ist dem Rekurrenten zurückzuerstatten.
b) Zufolge Obsiegens hat der Rekurrent Anspruch auf volle Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP und Art. 98 VRP), soweit diese aufgrund der
Rechts- und Sachlage als notwendig und angemessen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP).
Im Rekursverfahren war der Beizug eines Rechtsbeistandes geboten. Der
Rechtsvertreter reichte keine Kostennote ein, weshalb die Entschädigung für die
Anwaltskosten ermessensweise festzulegen ist. Im Verfahren vor der
Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar als Pauschale ausgerichtet; der
Rahmen liegt zwischen Fr. 1'000.– und Fr. 12'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der
bis ter
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Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75; abgekürzt:
HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das Grundhonorar nach den besonderen
Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des
Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten, bemessen (Art. 19 HonO).
Im Vordergrund stand die Frage, ob die Anordnung einer verkehrspsychologischen
Untersuchung mit Zwischenverfügung vom 26. Juni 2015 zulässig war. Angesichts des
eher geringen Aktenumfangs sowie des eingeschränkten Prozessthemas erscheint ein
Honorar von Fr. 1'500.– als angemessen. Hinzuzuzählen sind die Barauslagen von
Fr. 60.– und die Mehrwertsteuer von Fr. 124.80, so dass die zu entschädigenden
Anwaltskosten insgesamt Fr. 1‘684.80 betragen (Art. 22 Abs. 1 lit. c, Art. 28 Abs. 1
und Art. 29 HonO); entschädigungspflichtig ist der Staat (Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt).