Decision ID: fc34f311-51ba-417b-9a9e-70a5eaa229e4
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Vergewaltigung etc.
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 19. Januar 2016 (DG140030)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, Zweigstelle
Flughafen, Büro D-3, vom 17. März 2014 (Urk. 15) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird freigesprochen.
2. Die Zivilklage der Privatklägerschaft wird auf den Zivilweg verwiesen.
3. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 2'000.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 2'550.– Kosten Kantonspolizei Zürich
Fr. 13'758.01 amtl. Verteidigungskosten, abzgl. geleistete Akontozahlung vom 18. November 2014 von Fr. 10'910.15, somit verbleibend Fr. 2'847.86
Fr. 10'500.– Kosten unentgeltliche Vertretung der Privatklägerschaft (inkl. MwSt.)
Fr. 31'350.– Gutachten / Expertisen
Fr. 1'056.– Auslagen Untersuchung
4. Die Kosten, inklusive derjenigen der amtlichen Verteidigung und der
unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, werden definitiv auf die
Staatskasse genommen.
5. Dem Beschuldigten wird weder eine Umtriebsentschädigung noch eine Ge-
nugtuung zugesprochen.
6. (Mitteilungssatz)
7. (Rechtsmittel)
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Beschluss der Vorinstanz:
1. Die mit Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts vom 18. Juni 2013
(Prozess-Nr. GH130105-C) angeordnete Ersatzmassnahme (Rayon- und
Kontaktverbot) wird per sofort aufgehoben.
2. (Mitteilungssatz)
3. (Rechtsmittel)
Berufungsanträge:
a) Der Vertreterin der Privatklägerschaft:
(Urk. 91 S. 2)
1. Dispositivziffer 1 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und der
Beschuldigte sei der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs.1 StGB
schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen.
Eventualiter:
Der Beschuldigte sei der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189
Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen.
2.1. Dispositivziffer 2 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und der
Beschuldigte sei dem Grundsatz nach zu verpflichten, der Privatkläge-
rin A._ für den bereits entstandenen wie auch allfälligen zukünfti-
gen Schaden, der im Zusammenhang mit dem eingeklagten Ereignis
vom 19. Februar 2013 steht, Schadenersatz zu leisten.
2.2. Dispositivziffer 2 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und der
Beschuldigte sei zu verpflichten der Privatklägerin A._ eine Ge-
nugtuung von Fr. 30'000.–, zuzüglich 5% Zins seit dem 19. Februar
2013, zu bezahlen.
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3. Die Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertreterin für das Berufungsver-
fahren seien (beiliegende Honorarnote) auf die Gerichtskasse zu neh-
men.
b) Der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
(Urk. 93)
Kein Antrag.
c) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten
(Prot. II S. 18 f.)
1. Das Urteil des Bezirksgerichtes Bülach vom 19. Januar 2016 sei voll-
umfänglich zu bestätigen und der Beschuldigte sei demnach von
Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Die Kosten der Untersuchung, der gerichtlichen Verfahren sowie der
amtlichen Verteidigung seien ausgangsgemäss auf die Staatskasse zu
nehmen.
_

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte / Prozessuales
1. Gegen das eingangs wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichtes Bülach,
II. Abteilung, vom 19. Januar 2016 (DG140030), liess die Privatklägerin mit Ein-
gabe vom 21. Januar 2016 (Urk. 62) innert Frist Berufung anmelden. Am 22. Ja-
nuar 2016 folgte die Berufungsanmeldung der Staatsanwaltschaft Win-
terthur/Unterland (hernach Staatsanwaltschaft) (Urk. 65). Das vollständig begrün-
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dete Urteil (Urk. 72) wurde von der Staatsanwaltschaft am 1. April 2016 und von
der Privatklägerin am 5. April 2016 entgegengenommen (Urk. 70). Mit Eingabe
vom 14. April 2016 zog die Staatsanwaltschaft ihre Berufung zurück (Urk. 74).
Davon ist Vormerk zu nehmen. Am 20. April 2016 (Datum Poststempel) reichte
die Vertreterin der Privatklägerin die Berufungserklärung fristgerecht ein (Urk. 75).
Mit Präsidialverfügung vom 12. Mai 2016 wurde der Staatsanwaltschaft sowie
dem Beschuldigten unter Hinweis auf die Berufungserklärung der Privatklägerin
Frist zur Erhebung einer Anschlussberufung bzw. zum Antrag auf Nichteintreten
auf die Berufung angesetzt (Urk. 77). Mit Eingabe vom 18. Mai 2016 verzichtete
die Staatsanwaltschaft auf Anschlussberufung (Urk. 79). Der Beschuldigte liess
sich nicht vernehmen. Mit Eingabe vom 20. Mai 2016 stellte die Vertreterin der
Privatklägerin den Antrag, eine allfällige erneute Einvernahme der Privatklägerin
sei durch eine Person des gleichen Geschlechts durchzuführen (Urk. 80 S. 2). Am
29. August 2016 wurde dem Leitenden Staatsanwalt mitgeteilt, dass seinem Dis-
pensationsgesuch bezüglich Berufungsverhandlung nicht entsprochen werde
(Urk. 84). Am 5. September 2016 wurden die Parteien zur heutigen Berufungs-
verhandlung vorgeladen (Urk. 85).
2. Mit Eingabe vom 9. September 2016 (Urk. 86) beantragte die Vertreterin der
Privatklägerin, die Staatsanwaltschaft sei anzuhalten, die Anklageschrift vom
17. März 2014 hinsichtlich des Tatbestandes von Art. 189 Abs. 1 StGB durch eine
Eventualanklage zu ergänzen. Sie begründete dies damit, dass sich nach dem
vorinstanzlichen Freispruch des Beschuldigten von den Anklagevorwürfen der
Vergewaltigung und Schändung die Frage stellen, ob der Beschuldigte allenfalls
den Tatbestand der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB erfüllt
haben könnte, indem er von hinten anal in die Geschädigte eingedrungen sei
(Urk. 86 S. 2). Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung erklärte die Vertre-
terin der Privatklägerin diesbezüglich, der Sachverhalt gemäss Anklageschrift sei
auch für den Auffangtatbestand der sexuellen Nötigung genügend umschrieben,
weshalb eine Ergänzung der Anklageschrift nicht notwendig erscheine (Urk. 91
S. 3).
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Gemäss Art. 333 Abs. 1 StPO kann das Gericht der Staatsanwaltschaft die Gele-
genheit geben, die Anklage abzuändern, wenn seiner Auffassung nach der Sach-
verhalt gemäss Anklageschrift einen anderen Straftatbestand als den eingeklag-
ten erfüllen könnte, die Anklageschrift aber den gesetzlichen Anforderungen nicht
entspricht. Dabei muss ein öffentliches Interesse an der Ahndung des Deliktes
vorhanden sein und müssen die Verteidigungsmöglichkeiten gemäss Art. 333
Abs. 4 StPO gewahrt sein. Eine solche Rückweisung der Anklage ist im Beru-
fungsverfahren bis zur Urteilsberatung möglich (Art. 379 StPO).
Vorliegend wird bereits im Anklagesachverhalt festgehalten, der Beschuldigte sei
am 19. Februar 2013 von hinten anal in die Privatklägerin eingedrungen und habe
einige Stossbewegungen vollführt. Nachdem die Privatklägerin gesagt habe, es
tue ihr weh und er solle damit aufhören, habe er aufgehört (Urk. 15 S. 3). Wie die
Vertreterin der Privatklägerin zutreffend ausführte (Urk. 91 S. 3), ist der Sachver-
halt, den sie ihrem Antrag zugrunde legte, demnach bereits in der Anklageschrift
umschrieben. Art. 344 StPO erlaubt es dem Gericht, eine andere rechtliche Wür-
digung des Anklagesachverhaltes ohne Rückweisung der Anklageschrift vorzu-
nehmen. Von einer Rückweisung zwecks Ergänzung der Anklage ist daher abzu-
sehen.
3. Beweisanträge wurden keine gestellt. Das Verfahren erweist sich als spruch-
reif.
4. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im
Umfang der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht er-
fassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (vgl. BSK StPO-Eugster, Art. 402 N 1 f.).
Die Privatklägerin lässt Dispositivziffern 1 (Freispruch) und 2 (Zivilforderung) an-
fechten. Damit erwächst das vorinstanzliche Urteil in Bezug auf Dispositivziffern 3
(Kostenaufstellung) und 5 (Entschädigung) sowie den gleichentags ergangenen
Beschluss (Aufhebung Rayon- und Kontaktverbot) in Rechtskraft, was vorab mit
Beschluss festzustellen ist.
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5. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung liessen die Parteien die ein-
gangs erwähnten Anträge stellen.
II. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, er habe die Privatklägerin am
19. Februar 2013 bei sich zuhause in C._ in sein Schlafzimmer geführt und
sie dort ausgezogen, ehe er vorerst anal in sie eingedrungen sei. Anschliessend
habe er den vaginalen Geschlechtsverkehr bis zum Samenerguss vollzogen,
obschon die Privatklägerin ihm gesagt habe, er solle aufhören, und erfolglos ver-
sucht habe, ihn von ihr wegzustossen. Er habe ihr dabei auch den Mund zugehal-
ten, um sie am Schreien zu hindern. Dies wurde von der Staatsanwaltschaft als
Vergewaltigung, eventualiter als Schändung angesehen (Urk. 15).
2. Der Beschuldigte bestritt sowohl in der Untersuchung als auch vor
Vorinstanz konstant, dass es zu sexuellen Handlungen mit der Privatklägerin ge-
kommen sei (Urk. 4/5 S. 4 f., Urk. 4/6 S. 2 ff. und Urk. 4/8 S. 4; Prot. I S. 11). Heu-
te führte er aus, die Privatklägerin sei nie in seiner Wohnung gewesen und sie
habe mit ihm "sexuelle Sachen machen" wollen und ein Kind gewollt, was er aber
abgelehnt habe (Prot. II S. 12-16).
3. Wie die Vorinstanz korrekt festhielt, liegen als Beweismittel für die Erstellung
des eingeklagten Sachverhalts nur die Aussagen der Privatklägerin, deren Ein-
vernahmen elektronisch aufgezeichnet wurden (Urk. 4/3 und Urk. 4/9), und des
Beschuldigten (Urk. 4/5, Urk. 4/7, Urk. 4/8 und Urk. 4/11) sowie Fotoaufnahmen
der Wohnung des Beschuldigten (Urk. 8/4) vor. Weitere Beweise wie Spuren sind
nicht vorhanden und Drittpersonen (Urk. 4/12 und Urk. 4/13) konnten nur zu den
Umständen der Anzeigeerstattung Aussagen machen, nicht jedoch zum Tatge-
schehen.
4. Da die Privatklägerin an einer Sehschwäche leidet und erhebliche kognitive
Defizite aufweist, wurde von der Vorinstanz sowohl ein psychiatrisches Gutachten
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wie auch ein Glaubhaftigkeitsgutachten eingeholt (Urk. 46 und 49). Während das
psychiatrische Gutachten vom 30. April 2015 von keiner Partei beanstandet wur-
de, machte die Verteidigung im erstinstanzlichen Verfahren geltend, das Glaub-
haftigkeitsgutachten sei wegen Befangenheit der Gutachterin nicht zu berücksich-
tigen (Urk. 60 S. 3). Sie begründete dies damit, dass die Gutachterin auch die
Aussagen des Beschuldigten bewertet habe, obschon dies vom Gutachtensauf-
trag nicht gedeckt gewesen sei (Urk. 60 S. 2 f.). Diesbezüglich kann auf die über-
zeugenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 72 S. 7), in de-
nen klar festgehalten wird, dass sich diese "Bewertung" nur auf offenkundig wi-
dersprüchliche Aussagen des Beschuldigten in der Einvernahme vom 16. Oktober
2013 (Urk. 4/7) bezieht und dies bei der eigentlichen Befunderhebung und der
Wertung des Gutachtens keine Rolle spielte. Der Einwand der Befangenheit er-
weist sich damit als unbegründet.
5. Bei der Bewertung von Aussagen ist zwischen der Glaubwürdigkeit einer
Person und der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu unterscheiden. Die allgemeine
Glaubwürdigkeit einer Person ergibt sich nebst ihrer prozessualen Stellung auch
aus ihrem wirtschaftlichen Interesse am Ausgang des Verfahrens sowie aus de-
ren persönlichen Beziehungen und Bindungen zu den übrigen Prozessbeteiligten.
Das Interesse des Beschuldigten, sein Verhalten in einem günstigen Licht darzu-
stellen, ist angesichts der ihm vorgeworfenen Tat sowohl legitim als auch offen-
sichtlich. Hinzu kommt, dass er als verheirateter Mann in einem konservativen
und religiös geprägten Milieu drastische soziale Konsequenzen befürchtete (vgl.
Urk. 4/8 S. 4 f.). Auch die Privatklägerin erwartete solche Folgen (vgl. Urk. 4/3
DVD I 02:08:00). Dies ist bei der Beurteilung ihrer Aussagen zu berücksichtigen.
6. Weitaus gewichtiger für die Wahrheitsfindung als die allgemeine Glaubwür-
digkeit ist der materielle Gehalt und damit die Glaubhaftigkeit der konkreten Aus-
sage, welche durch methodische Analyse ihres Inhalts darauf überprüft wird, ob
die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Er-
leben entspringen (BGE 133 I 33 E. 4.3 mit Hinweisen, Urteil des Bundesgerichts
6B_692/2011 vom 9. Februar 2012 E. 1.4, je mit Hinweisen). Hier ist insbesonde-
re zu prüfen, ob die Aussagen in den wesentlichen Punkten widerspruchsfrei, in
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ihrem Kerngehalt stimmig und schlüssig sind sowie ob sie (soweit objektiv mög-
lich) anhand erstellter Sachverhalte korrekt verifizierbar sind. Zu achten ist auf
Strukturbrüche innerhalb einer Aussage, auf Über- oder Untertreibungen, auch
auf Widersprüche, vor allem aber auf das Vorhandensein einer hinreichenden
Zahl von Realitätskriterien und das Fehlen von Lügensignalen (vgl. Rolf Bender,
Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, in SJZ 81 [1985]
S. 53 ff.; Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, Glaubwürdig-
keits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 4. Auflage, München 2014, N 313 ff.
und N 370 ff.).
7. Der Beschuldigte sagte konstant aus, er kenne die Privatklägerin nur, da sie
wie sein Sohn in der D._ in C._ gearbeitet habe und mit diesem eine
Beziehung gehabt habe (Urk. 4/5 S. 2, Urk. 4/7 S. 3 f. und Urk. 4/8 S. 2; Prot. I
S. 10 und Prot. II S. 12). Sie sei nie in seiner Wohnung gewesen, während er
auch anwesend gewesen sei (Urk. 4/5 S. 6 und Urk. 4/7 S. 3; Prot. I S. 13 und
Prot. II S. 12). Zu sexuellen Kontakten sei es nie gekommen; er habe sie nur ge-
troffen, als er seinem Sohn jeweils das Essen in die Werkstatt gebracht habe
(Urk. 4/5 S. 4 f., Urk. 4/6 S. 2 ff. und Urk. 4/8 S. 4; Prot. I S. 11). Sie habe ihm, an
einem anderen Tag als dem des eingeklagten Vorfalles, gesagt, sie liebe ihn und
wolle ein Kind von ihm (Prot. I S. 14 f. und Prot. II S. 13). Sie habe ihm zudem am
Tag vor der Anzeige gedroht, er werde sehen, was passiere (Prot. I S. 16). Die
Privatklägerin habe ferner seinem Sohn zuhanden von ihm nach der Einleitung
der Strafuntersuchung einen handgeschriebenen Brief übergeben, den er an sei-
nen Anwalt weitergereicht habe. Das Schreiben bestätige, dass sie Sex mit ihm
haben wollte (Urk. 4/11 S. 4; Prot. I S. 11 f. und Prot. II S. 14 f.). Er schildert das
Verhältnis zwischen ihm und der Privatklägerin als ein einseitiges Interesse ihrer-
seits, das schliesslich in ihrer Abneigung resultiert habe, als er nicht darauf einge-
gangen sei.
Die Aussagen des Beschuldigten weisen auffällige Widersprüche und andere Un-
stimmigkeiten auf. So führte er am 16. Oktober 2013 gegenüber der Staatsan-
waltschaft aus, die Privatklägerin sei am fraglichen Tag bei ihm in der Wohnung
gewesen und habe bei ihm Bratwürste gegessen (Urk. 4/8 S. 2 f.). Diese Aussage
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widerrief er allerdings nach einem Gespräch mit seinem Verteidiger während ei-
nes Unterbruchs der Einvernahme wieder (Urk. 4/8 S. 3 f.). Ebenso offenbarte er
ein klar ausweichendes Aussageverhalten, als er mit dem Umstand konfrontiert
wurde, dass die Privatklägerin seine Wohnung beschreiben konnte, obschon sie
angeblich nie dort gewesen sei (Urk. 4/8 S. 5; Prot. I S. 14 und 20). Die Glaubhaf-
tigkeit seiner Aussagen wird zudem dadurch beeinträchtigt, dass er Details wie
den Umstand, dass die Privatklägerin ihm nachgelaufen und gebeten habe, mit
ihm zu essen, worauf er ihr Geld gegeben habe, erst in einer späteren Einver-
nahme erstmals erwähnte (Urk. 4/8 S. 2 f.). Ferner wurde der gemäss seinen
Aussagen angeblich seinem Verteidiger übergebene Brief der Privatklägerin von
diesem mit keinem Wort erwähnt – auch nicht, als die Vorinstanz es dem Anwalt
überliess, diesen vorzulegen (Prot. I S. 21) – und findet sich bis heute nicht in den
Akten. Heute brachte der Beschuldigte nunmehr vor, den Brief einer Arbeitskolle-
gin der Privatklägerin respektive deren Eltern zurückgegeben zu haben (Prot. II
S. 15). Wie bereits die Vorinstanz erwog, wirken auch die Schilderungen des Be-
schuldigten, die Privatklägerin habe ihm gedroht, wenig überzeugend, bleiben sie
doch vage und können auch nur schwer mit den durch Zeugenaussagen belegten
Umständen der Anzeigeerstattung in Übereinstimmung gebracht werden (vgl.
Urk. 72 S. 11 f.). Insgesamt betrachtet erweisen sich die Aussagen des Beschul-
digten demnach als unglaubhaft.
8. Die Privatklägerin schilderte in beiden Einvernahmen, dass sie am fraglichen
Tag beim Beschuldigten zu Mittag gegessen habe. Aufgrund einer obszönen Be-
merkung über Spargeln sei ihr aber der Appetit vergangen (Urk. 4/3 DVD I,
00:37:25 und Urk. 4/9 DVD II 00:13:30). Er habe sich anschliessend bis auf seine
Unterhose ausgezogen, da er "heiss gehabt" habe. Sie habe damals nicht ge-
wusst, was das bedeute (Urk. 4/9 DVD II 00:08:20). Als er ihr nach dem Essen,
als beide auf der Couch sassen, an die Brüste fasste, habe sie das in Ordnung
gefunden, mehr aber nicht (Urk. 4/3 DVD I 01:06:30 und Urk. 4/9 DVD II
00:44:45). Der Beschuldigte habe sie dann ins Schlafzimmer geführt (Urk. 4/3
DVD I 01:07:25). Er habe "Chumm" gesagt, und sie dann langsam ganz ausge-
zogen (Urk. 4/3 DVD I 00:28:10). Sie habe nicht gewusst, was sie machen sollte
(Urk. 4/3 DVD I 01:08:45). Er habe sie ausgezogen, bis auf die Leggings. Diese
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habe sie auf seine Aufforderung ausgezogen, aber sie habe nicht gewusst, wa-
rum (Urk. 4/3 DVD I 01:11:15). Sie habe ihm nur bei den Socken geholfen
(Urk. 4/3 DVD I 01:13:15). Als er ihr gesagt habe, dass er mit ihr ins Bett wolle,
habe sie weinen wollen, aber es sich nicht getraut (Urk. 4/9 DVD II 00:35:20). Sie
habe dreimal abgelehnt, seinen Penis mit dem Mund zu berühren. Sie habe ihm
gesagt, er könne sie nicht dazu zwingen (Urk. 4/3 DVD I 01:45:20). Er habe ihr
dann gesagt, sie solle sich auf den Bauch legen, und sie dann umgestossen
(Urk. 4/3 DVD I 01:14:40 und Urk. 4/9 DVD II 00:52:00). Sie sei auf dem Bauch
gelegen und er sei von hinten anal in sie eingedrungen. Das habe ihr weh getan,
und als sie das gesagt habe, habe er aufgehört und sie umgedreht, und sei dann
von vorne in sie eingedrungen. Das habe auch weh getan (Urk. 4/3 DVD I
01:28:50). Sie habe sich wehren wollen, habe aber keine Kraft gehabt (Urk. 4/9
DVD II 00:40:00). Sie habe sich auch nicht getraut, ihn auf den Rücken zu schla-
gen. Sie habe nicht sagen können, er solle aufhören, und er habe ihren Tritt nicht
gespürt (Urk. 4/9 DVD II 00:42:00). Sie habe sich anschliessend wieder angezo-
gen, mit seiner Hilfe, und ein komisches Gefühl gehabt, weshalb sie nur einen
halben Kaffee getrunken habe (Urk. 4/3 DVD I 01:27:00). Sie hätte um 12.15 Uhr
wieder zurück an ihrem Arbeitsplatz sein sollen, habe aber den Weg zurück "ver-
loren" (Urk. 4/3 DVD I 00:24:40). Einer Arbeitskollegin von ihr sei gleich aufgefal-
len, dass etwas nicht gestimmt habe, und sie habe die Privatklägerin im Gang ge-
holt (Urk. 4/3 DVD I 00:26:35).
9. Die Privatklägerin schildert den Ablauf des Vorfalles in beiden Einvernah-
men weitestgehend übereinstimmend und mit zahlreichen Details. So konnte sie
die Wohnung des Beschuldigten gut beschreiben (Urk. 4/3 DVD I 01:02:00 und
Urk. 4/9 DVD II 00:30:00). Ebenso schilderte sie ihre Gefühle und (Abwehr-)
Reaktionen während des Vorfalles überzeugend und eindrücklich detailliert. So
führte sie flüsternd aus, dass der Beschuldigte ihr 10 Franken gegeben habe, was
sie für ihr Natel verwendet habe. Er habe gesagt, sie sei seine Freundin und er
dürfe ihr das geben. Ihre Eltern dürften das nicht erfahren (Urk. 4/3 DVD I
01:34:10 und Urk. 4/9 DVD II 00:50:00). Auch ihre Reaktion auf eine obszöne
Bemerkung über Spargeln während des Essens (Urk. 4/3 DVD I, 00:37:25 und
Urk. 4/9 DVD II 00:13:30) wird sehr plausibel geschildert. Dabei sind bezüglich
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des Vorfalles keine Übertreibungstendenzen auszumachen. Die Privatklägerin
entlastete den Beschuldigten vielmehr, indem sie präzisierte, dass sie mit dem
Schmusen einverstanden gewesen sei (Urk. 4/3 DVD I 01:06:30 und Urk. 4/9
DVD II 00:44:45), dass der Beschuldigte sie nie bedroht habe (Urk. 4/3 DVD I
01:36:20), dass ihr während des Sex schwindlig geworden, sie aber nicht be-
wusstlos gewesen sei (Urk. 4/9 DVD II 00:25:00), und dass der Beschuldigte auch
kein Klebeband verwendet habe; das habe ihr Vater wohl falsch verstanden
(Urk. 4/3 DVD I 01:38:30). Ihre Schilderung erweist sich daher insgesamt als
überzeugend und stimmig. Kleinere Unsicherheiten wie z.B. bei der Antwort auf
die Frage, ob sie die Ehefrau des Beschuldigten gesehen oder gehört habe
(Urk. 4/3 DVD I 00:33:30 und 01:48:30), vermögen daran nichts zu ändern. Eben-
so wenig führen die zugegebenermassen falschen Behauptungen der Privatkläge-
rin gegenüber ihrer Familie, der Beschuldigte habe ihr den Mund zugeklebt, sie
mit Gewalt ausgezogen und sie bedroht, zu relevanten Zweifeln an den Aussa-
gen, die sie gegenüber den Strafverfolgungsbehörden gemacht hatte. Die fal-
schen Behauptungen sind ohne Weiteres durch ihre familiäre Situation zu erklä-
ren und wurden von ihr ohnehin nie gegenüber den Behörden vorgebracht (vgl.
Urk. 49 S. 51).
10. Auch die beiden eingeholten Gutachten lassen keine Zweifel an den Aussa-
gen der Privatklägerin aufkommen. Zwar ist gemäss dem psychiatrischen Gutach-
ten von einer leichten geistigen Behinderung (ICD-10 F70.0) auszugehen, aber
die Aussagetüchtigkeit wird als gegeben erachtet (Urk. 46 S. 23-30).
Das Glaubhaftigkeitsgutachten kommt angesichts der detaillierten Aussagen auch
unter Berücksichtigung der diagnostizierten leicht- bis mittelgradigen Intelligenz-
minderung und der Epilepsieerkrankung der Privatklägerin nach sorgfältiger Eva-
luation anhand mehrerer Hypothesen zum Schluss, es würden keine ausreichen-
den Anhaltspunkte für eine bewusste falsche Bezichtigung des Beschuldigten, für
eine Beeinflussung durch Dritte oder für ein Fantasieprodukt der Privatklägerin
vorliegen (Urk. 46 S. 50 ff.).
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Diese Folgerung wird schliesslich durch die Umstände der Anzeigeerstattung un-
termauert, die die Vorinstanz detailliert aufgeführt hat. Auf die entsprechenden
Erwägungen (Urk. 72 S. 11 f.) kann vollumfänglich verwiesen werden.
11. Dementsprechend ist rechtsgenügend erstellt, dass es am 19. Februar 2013
in der Wohnung des Beschuldigten zunächst zu analem und anschliessend vagi-
nalem Sexualverkehr bis zum Samenerguss des Beschuldigten zwischen diesem
und der Privatklägerin kam.
12. Zu prüfen bleibt sodann, ob der Geschlechtsverkehr gegen den Willen der
Privatklägerin erfolgte und ob dies dem Beschuldigten bewusst war. Diesbezüg-
lich kann einzig auf die Aussagen der Privatklägerin abgestellt werden, da der
Beschuldigte weiterhin jegliche sexuellen Kontakte bestreitet.
Die Aussagen der Privatklägerin zu diesem Punkt weisen einige Widersprüche
und Unstimmigkeiten auf. So führte sie aus, sie habe vorher gewusst, dass man
schmusen würde, aber sie habe nicht mehr gewollt, vielleicht gar nichts (Urk. 4/3
DVD I 00:39:00). Sie sagte dann aber auch, sie habe gedacht, sie würden Sex mit
Gefühl und mit einem Kondom haben (Urk. 4/3 DVD I 01:30:00). Sie wäre mit
dem Sex einverstanden gewesen, wenn der Beschuldigte gefühlvoller gewesen
wäre (Urk. 4/3 DVD I 01:19:57). Sie half sodann dem Beschuldigen, sie auszuzie-
hen (Urk. 4/3 DVD I 01:11:15 und 01:13:15). Ihre Aussage, sie habe nicht ge-
wusst, warum man sich ausziehe, überzeugt nicht, führte sie doch selbst aus, sie
habe schon einmal Sex gehabt, aber "zwischen den Brüsten, nicht da unten" und
sie sei "füdliblutt" gewesen (Urk. 4/3 DVD I 01:11:45). Damals sei zudem ein
Kondom benutzt worden (Urk. 4/3 DVD I 01:17:00). Die Privatklägerin sagte
mehrfach aus, sie habe weder Oral-, noch Anal- oder Vaginalverkehr gewollt, und
schilderte ihre Reaktionen auf entsprechende Handlungen des Beschuldigten
durchaus überzeugend. So lehnte sie es dreimal ab, den Penis des Beschuldigten
mit dem Mund zu berühren, und sagte ihm, er solle mit dem Analverkehr aufhö-
ren, da es ihr wehtue. Ebenso führte sie aus, dass ihr der Vaginalverkehr
Schmerzen bereitete (Urk. 4/9 DVD II 00:35:20, Urk. 4/3 DVD I 01:45:20, Urk. 4/9
DVD II 00:52:00, Urk. 4/3 DVD I 01:28:50, Urk. 4/9 DVD II 00:40:00 und Urk. 4/9
DVD II 00:42:00). Aufgrund ihrer bereits ausgeführten durchaus ambivalenten
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Aussagen verbleiben aber gewisse Zweifel, ob die Privatklägerin den Ge-
schlechtsverkehr generell ablehnte, oder aber grundsätzlich mit Sex einverstan-
den war, ihn sich jedoch anders vorgestellt hatte.
Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Privatklägerin mit dem vaginalen Ge-
schlechtsverkehr nicht einverstanden war, ist aber unklar, ob dies dem Beschul-
digten bewusst war oder sein musste. So zwang er die Privatklägerin nicht zum
Oralverkehr, nachdem sie das abgelehnt hatte (Urk. 4/3 DVD I 01:45:20). Weiter
drang er zwar überraschend anal in die Privatklägerin ein, liess jedoch sofort da-
von ab, als sie ihm sagte, er solle aufhören (Urk. 4/3 DVD I 01:28:50). Während
sie mit Bezug auf den Oral- und Analverkehr folglich ihre Weigerung klar zum
Ausdruck bringen konnte, was vom Beschuldigten sodann respektiert wurde, sind
ihre Aussagen bezüglich ihres Widerstandes gegen den vaginalen Sexualverkehr
unklar und widersprüchlich. So sagte sie zwar einmal aus, sie habe "Nein" gesagt,
was er nicht akzeptiert habe (Urk. 4/9 DVD I, 00:52:00). Ebenso führte sie aber
aus, sie habe nicht sagen können, er solle aufhören (Urk. 4/9 DVD II 00:42:00).
Im gleichen Sinne gab sie zu Protokoll, sie habe sich zwar wehren wollen, habe
aber keine Kraft gehabt, und es sei ihr schwindlig gewesen (Urk. 4/9 DVD II
00:40:00). Sie habe sich auch nicht getraut, ihn so auf den Rücken zu schlagen,
dass er es spürte, da sie gefürchtet habe, dass er dann noch fester werde und sie
sich gar nicht mehr wehren könne. Er habe ihren Tritt wohl nicht gespürt (Urk. 4/9
DVD II 00:42:00). Auch ihre Aussagen, dass sie gefühlvolleren Sex erwartet habe,
dass es eigentlich schön gewesen wäre, wenn es nicht so fest gewesen wäre
(Urk. 4/3 DVD I 01:46:00), sie damit wohl einverstanden gewesen wäre, und dass
sie der Ansicht sei, er habe sie verletzt, da sie vom Sex drei Wochen später eine
Blasenentzündung bekommen habe (Urk. 4/3 DVD I 02:06:00), hinterlassen einen
zwiespältigen Eindruck über die tatsächliche Befindlichkeit der Privatklägerin und
die genügend klare und erkennbare Manifestation ihres Willens gegen Aussen.
Die Ausführungen der Vertreterin der Privatklägerin, wonach der Beschuldigte
den verbalen Widerstand der Privatklägerin gegen Oralsex nur deshalb respek-
tiert habe, da sie gesagt habe, sie müsse sonst kotzen, während er ihren Wider-
stand gegen die weiteren sexuellen Handlungen bewusst ignoriert habe (Urk. 91
S. 9 f.), überzeugen nicht, da er ja erwiesenermassen vom Analverkehr abgelas-
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sen hatte, nachdem ihm die Privatklägerin ihren diesbezüglichen Unwillen kund-
getan hatte.
13. Das Glaubhaftigkeitsgutachten kommt angesichts der Umstände, dass die
Privatklägerin einerseits unterschiedliche Angaben zur Frage gemacht habe, ob
sie mit dem Geschlechtsverkehr einverstanden gewesen sei, wie auch anderer-
seits unterschiedliche Angaben zur Fragestellung gemacht habe, wann sie reali-
siert habe, dass der Beschuldigte mit ihr den Geschlechtsverkehr vollziehen wol-
len habe, insbesondere unter Berücksichtigung des tiefen IQs der Privatklägerin
von 50 zum Schluss, dass die entsprechenden Angaben der Privatklägerin deut-
lich zeigen würden, dass sie nicht in der Lage gewesen sei, die Situation einzu-
ordnen und zu überblicken (Urk. 49 S. 53 u. 55).
Dem widerspricht allerdings das psychiatrische Gutachten, in welchem die Fähig-
keit der Privatklägerin, Widerstand gegen von ihr nicht gewollte sexuelle Hand-
lungen zu formulieren, durch ihre intellektuelle Minderbegabung als nicht beein-
trächtigt beschrieben wird (Urk. 46 insb. S. 26-30).
Da die Privatklägerin in casu durchaus in der Lage war, ihren Willen gegen den
Vollzug des Oral- bzw. Analverkehrs gegen Aussen zu manifestieren, ist davon
auszugehen, dass ihre Urteilsfähigkeit im besagten Zeitpunkt ungeachtet des tie-
fen IQs insbesondere auch in Bezug auf sexuelle Handlungen gegeben war. Eine
dem entgegenstehende Auffassung vermag sich vor diesem Hintergrund jeden-
falls nicht zu Ungunsten des Beschuldigten auszuwirken, konnte von ihm doch
nicht erwartet werden, eine allfällige Urteilsunfähigkeit zu erkennen, in welcher
Frage sich auch zwei Gutachter nicht einig waren.
14. Es verbleiben gestützt auf die gemachten Erwägungen erhebliche und un-
überwindliche Zweifel daran, dass die Privatklägerin ihren Willen, auch keinen va-
ginalen Geschlechtsverkehr haben zu wollen, ausreichend klar und rechtzeitig
zum Ausdruck gebracht hat. In Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo ist
daher davon auszugehen, dass es dem Beschuldigten nicht bewusst war, dass
die Privatklägerin mit dem vaginalen Geschlechtsverkehr nicht einverstanden war.
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III. Rechtliche Würdigung
1. Einer Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB macht sich schuldig,
wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, na-
mentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck
setzt oder zum Widerstand unfähig macht, wobei Eventualvorsatz ausreicht.
Da gemäss erstelltem Sachverhalt davon auszugehen ist, dass dem Beschuldig-
ten nicht bewusst war, dass die Privatklägerin den vaginalen Geschlechtsverkehr
nicht wollte, mangelt es am Vorsatz des Beschuldigten. Er ist daher von diesem
Vorwurf freizusprechen.
2. Einer sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB macht sich schuldig,
wer eine Person zur Duldung einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexu-
ellen Handlung nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie un-
ter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht.
Vorliegend ist rechtsgenügend erstellt, dass der Beschuldigte von hinten anal in
die Privatklägerin eingedrungen ist, davon aber sofort abgelassen hat, als sie ihm
sagte, es tue ihr weh. Des Weiteren steht aufgrund der Aussagen der Privatkläge-
rin fest, dass sie für gewisse sexuelle Handlungen offen war, andere hingegen ab-
lehnte, und dem Beschuldigten auch half, sie auszuziehen. Ferner ist offensicht-
lich, dass der Beschuldigte die Privatklägerin zu Sex drängte. Es lässt sich aber
nicht erstellen, dass er ihr gegenüber Zwang ausgeübt hätte, namentlich nicht mit
Bezug auf den – allerdings überraschend erfolgten – Analverkehr. Die Privatklä-
gerin sagte klar aus, der Beschuldigte habe sie nicht bedroht und sofort mit dem
Analverkehr aufgehört, als sie ihn dazu aufforderte. Mangels entsprechenden
Aussagen kann auch nicht davon ausgegangen werden, der Beschuldigte habe
vor seinem analen Eindringen gewusst, dass die Privatklägerin dies ablehnte. Der
abgebrochene Analverkehr erfüllt daher weder den objektiven noch den subjekti-
ven Tatbestand der sexuellen Nötigung.
3. Einer Schändung gemäss Art. 191 StGB macht sich schuldig, wer eine ur-
teilsunfähige oder eine zum Widerstand unfähige Person in Kenntnis ihres Zu-
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standes zum Beischlaf, zu einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen
Handlung missbraucht.
Zwar kommt das Glaubhaftigkeitsgutachten zum Schluss, die Privatklägerin habe
die Komplexität der Situation und damit des Geschlechtsverkehrs nicht erfassen
können und sei damit überfordert gewesen (Urk. 49 S. 53 und S. 56). Das psychi-
atrische Gutachten hingegen, das explizit zur Beantwortung dieser Frage einge-
holt wurde, hält fest, dass die Privatklägerin grundsätzlich urteilsfähig und in der
Lage sei, ihren freien Willen zu bilden, vernunftgemäss zu handeln und Verhal-
tensimpulse adäquat zu bilden und umzusetzen, namentlich auch mit Bezug auf
sexuelle Handlungen (Urk. 46 S. 26 f.). Dass die Privatklägerin sexuelle Handlun-
gen einordnen konnte, zeigt sich auch in ihren Ausführungen über vorgängige se-
xuelle Kontakte und ihren Ausführungen, dass sie nicht mehr schwanger werden
könne, da ihre Eierstöcke entfernt worden seien, was der Beschuldigte aber nicht
gewusst habe, als er ohne Kondom Sex mit ihr gehabt habe (Urk. 4/3 DVD I
01:17:00). In ihren Aussagen differenzierte sie auch klar zwischen verschiedenen
sexuellen Praktiken und legte ihre jeweiligen Präferenzen wie auch ihren Wider-
stand gegen Oral- und Analsex deutlich dar. Dies belegt, dass sie mit dieser Fra-
ge nicht überfordert war. Es ist daher auf das schlüssige psychiatrische Gutach-
ten abzustellen und zu Gunsten des Beschuldigten davon auszugehen, dass bei
der Privatklägerin keine Urteilsunfähigkeit oder Widerstandsunfähigkeit im Sinne
von Art. 191 StGB vorliegt bzw. vorlag (vgl. Urk. 46 S. 29 f.). Der Beschuldigte ist
folglich vom eventualiter eingeklagten Vorwurf der Schändung freizusprechen.
IV. Zivilansprüche
1. Nach Art. 126 StPO entscheidet das Gericht bei einem Freispruch über die an-
hängig gemachte Zivilklage, wenn der Sachverhalt spruchreif ist. Andernfalls wird
die Zivilklage auf den Zivilweg verwiesen.
2. Die Privatklägerin beantragt, der Beschuldigte sei dem Grundsatz nach zu ver-
pflichten, ihr für den bereits entstandenen wie auch allfälligen zukünftigen Scha-
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den, der im Zusammenhang mit dem eingeklagten Ereignis vom 19. Februar 2013
steht, Schadenersatz zu leisten. Ferner sei er zu verpflichten, ihr eine Genugtu-
ung von Fr. 30'000.–, zuzüglich 5% Zins seit dem 19. Februar 2013 und eine an-
gemessene Prozessentschädigung für die unentgeltliche Rechtsbeiständin zu be-
zahlen (Urk. 26 S. 1).
3. Wie bereits ausgeführt wurde, ist der Anklagesachverhalt nicht erstellt. Die ge-
nauen Umstände, unter denen es zum Geschlechtsverkehr kam, bleiben unklar.
Weder bezüglich des geltend gemachten Schadensersatzes noch bezüglich der
Genugtuung ist der Prozess daher spruchreif. Demnach ist die Zivilklage auf den
Weg des Zivilprozesses zu verweisen. Über die Entschädigung für die unentgeltli-
che Verbeiständung der Privatklägerin ist im Rahmen der Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen zu entscheiden.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Staatsanwaltschaft zog
ihre Berufung zurück und die Privatklägerin unterliegt mit ihren Anträgen auf
Schuldigsprechung des Beschuldigten und auf Bezahlung von Schadenersatz und
Genugtuung an sie vollumfänglich. Der eigentlich kostenpflichtigen Privatklägerin
wurde jedoch wegen ihren bescheidenen finanziellen Verhältnissen mit Verfügung
der Oberstaatsanwaltschaft vom 28. August 2013 die unentgeltliche Rechtspflege
gewährt und ihr eine unentgeltliche Rechtsbeiständin bestellt (Urk. 9/2). Demnach
rechtfertigt es sich, die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfah-
rens beider Instanzen, inklusive der Entschädigung für die amtliche Verteidigung
im Berufungsverfahren, welche auf Fr. 2'700.– (inkl. 8% MWST) festzusetzen ist,
und derjenigen für die unentgeltliche Verbeiständung der Privatklägerin im Beru-
fungsverfahren, welche auf Fr. 4'750.– (inkl. 8% MWST) zu veranschlagen ist, de-
finitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 136 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 422 Abs.
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1 und Abs. 2 lit. a StPO). Mangels erheblicher Umtriebe ist dem Beschuldigten
keine (zusätzliche) Entschädigung zuzusprechen.