Decision ID: 8a8842f3-f44a-4906-8635-d949dac0e9f5
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
Angriff etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 8. Abteilung, vom 29. Juni 2017 (DG160226)
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Anklage:
Die Anklage der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 20. Juli 2016 ist diesem
Urteil beigeheftet (Urk. 1/1000209).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 32 S. 113 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB;
− der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit 14 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis
und mit heute 155 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe von
20 Tagessätzen zu Fr. 20.–, welche als Zusatzstrafe zu der mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft des Kantons Zug vom 24. November 2016 ausgefällten Geld-
strafe ausgefällt wird.
3. Der Vollzug der Freiheits- sowie der Geldstrafe wird aufgeschoben und die
Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt.
4. Folgende, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 30. Januar
2014 beschlagnahmten und beim Forensischen Institut Zürich bzw. bei der Kasse
der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat lagernden Gegenstände werden als Be-
weismittel bei den Akten belassen:
− Lederhut, schwarz (Asservat-Nr. A005'986'323); − Trinkglas/Trinkgefäss (Asservat-Nr. A005'986'221); − Schirm, Griff und Stiel (Asservat-Nr. A005'986'232); − Schirm, defekter oberer Teil (Asservat-Nr. A005'986'243); − Bierflasche "Schützengraben" (Asservat-Nr. A005'986'254); − CD/Videodatensicherung (Asservat-Nr. A006'044'184).
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5. Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Schadener-
satz von Fr. 113.55 zu bezahlen, unter solidarischer Haftung mit weiteren Mittätern.
6. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte A._ gegenüber dem Privatkläger
B._ im Übrigen aus dem eingeklagten Ereignis gemäss Dossier 1 dem
Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist, unter solidarischer Haftung mit weite-
ren Mittätern. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzan-
spruchs wird der Privatkläger B._ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
7. Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Fr. 4'000.–
zuzüglich 5% Zins ab 24. Juni 2013 als Genugtuung zu bezahlen, unter
solidarischer Haftung mit weiteren Mittätern. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren des Privatklägers B._ abgewiesen.
8. Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, dem Privatkläger C._ Schadener-
satz von Fr. 848.– sowie Fr. 847.80, je zuzüglich 5% Zins ab 1. November 2013, zu
bezahlen, unter solidarischer Haftung mit weiteren Mittätern. Im Mehrbetrag wird
das Schadenersatzbegehren des Privatklägers C._ abgewiesen.
9. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte A._ gegenüber dem Privatkläger
C._ im Übrigen aus dem eingeklagten Ereignis gemäss Dossier 1 dem
Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist, unter solidarischer Haftung mit weite-
ren Mittätern. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzan-
spruchs wird der Privatkläger C._ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
10. Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, dem Privatkläger C._ Fr. 9'000.–
zuzüglich 5% Zins ab 24. Juni 2013 als Genugtuung zu bezahlen, unter
solidarischer Haftung mit weiteren Mittätern. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungs-
begehren des Privatklägers C._ abgewiesen.
11. Der amtliche Verteidiger Fürsprecher X._ wird mit Fr. 10'952.50 (inkl. Mehr-
wertsteuer und Barauslagen) aus der Gerichtskasse entschädigt.
12. Die Höhe der Entschädigung der unentgeltlichen Vertretung der Privatkläger
B._ und C._ wird mit separatem Beschluss festgelegt.
13. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf
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Fr. 2'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 4'000.– Gebühr Untersuchung,
Fr. 2'289.55 Gutachten/Expertisen etc.,
Fr. 8'565.70 amtliche Verteidigung Untersuchung,
Fr. 2'386.80 amtliche Verteidigung,
Fr. 1'410.75 Vertreter Geschädigte/Privatkläger.
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
14. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Pri-
vatklägerschaft, werden dem Beschuldigten A._ auferlegt. Die Kosten der un-
entgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft werden definitiv auf die Gerichtskas-
se genommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die
Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO.
15. (Mitteilungen)
16. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten A._:
(Urk. 55 S. 2 f.)
1. Freispruch
Der Berufungskläger sei von den Vorwürfen des Angriffs im Sinne von
Art. 134 StGB und der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1
StGB freizusprechen.
2. Eventualantrag
Im Falle eines Schuldspruchs wegen Teilnahme an einem Angriff im
Sinne von Art. 134 StGB sei der Berufungskläger mit einer bedingten
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Freiheitsstrafe von höchstens 8 Monaten, unter Anrechnung der bereits
erstandenen Haft (155 Tage) und Ansetzung einer Probezeit von
2 Jahren zu bestrafen.
Im Falle eines Schuldspruchs wegen Beschimpfung im Sinne von
Art. 177 Abs. 1 StGB sei der Berufungskläger mit einer bedingten Zu-
satzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug
vom 24. November 2016 von 5 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 10.00 zu
bestrafen.
3. Schadenersatz / Genugtuung
Bei einem Freispruch wegen Teilnahme an einem Angriff im Sinne von
Art. 134 StGB seien sämtliche von der Privatklägerschaft geltend ge-
machten Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen abzuweisen.
Für den Fall eines Schuldspruchs wegen Teilnahme an einem Angriff
im Sinne von Art. 134 StGB seien sämtliche Schadenersatzforderun-
gen der Privatklägerschaft auf den Zivilweg zu verweisen und der Beru-
fungskläger zu folgenden Genugtuungszahlungen unter solidarischer
Haftung mit den Mittätern zu verpflichten:
- B._: Fr. 2'000.00
- C._: Fr. 4'000.00
4. Kosten etc.
Die Verfahrenskosten der ersten Instanz, resp. der Berufungsinstanz
seien ausgangsgemäss zu verlegen. Die Kosten der amtlichen Vertei-
digung seien in jedem Fall vollumfänglich auf die Staatskasse zu neh-
men.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich, Urk. 38)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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c) Der Vertretung des Privatklägers C._:
(Prot. II S. 27 f.)
1. Die Berufung sei abzuweisen.
2. Das erstinstanzliche Urteil sei zu bestätigen.
3. Der Berufungskläger habe dem Privatkläger für die Bemühungen
seiner Rechtsvertreterin eine Parteientschädigung zu bezahlen, alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum erstinstanzlichen Urteil vom 29. Juni 2017
kann auf die entsprechenden Ausführungen dort verwiesen werden (Urk. 32
S. 6 f.).
1.2. Nach durchgeführter Hauptverhandlung am 19. und 23. Juni 2017 (Prot. I
S. 7 ff. und 12 ff.) und interner Beratung am 28. und 29. Juni 2017 (Prot. I S. 38
ff.) eröffnete die Vorinstanz ihren eingangs im Dispositiv wieder gegebenen Ent-
scheid mündlich und verurteilte den Beschuldigten wegen Angriffs und Beschimp-
fung, wofür sie ihn mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten sowie mit
einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 20.– bestrafte, letztere als Zusatz-
strafe zu der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug vom
24. November 2016 ausgefällten Geldstrafe, unter Ansetzung einer Probezeit von
3 Jahren (Urk. 24). Innert Frist (Art. 399 Abs. 1 StPO) meldete die Verteidigung
des Beschuldigten am 10. Juli 2017 Berufung an (Urk. 28). Weitere Berufungen
wurden weder von der Staatsanwaltschaft noch von der Privatklägerschaft ange-
meldet, weshalb diesen mit Schreiben vom 18. Juli 2017 die Berufungsanmeldung
des Beschuldigten mitgeteilt wurde (Urk. 30/1-3).
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1.3. Nach Zustellung des begründeten Urteils an den Beschuldigten am
20. Februar 2018 (Urk. 31/2) reichte sein Verteidiger innert gesetzlicher Frist
(Art. 399 Abs. 2 StPO) am 21. Februar 2018 die Berufungserklärung ein (Urk. 33).
1.4. Mit Präsidialverfügung vom 3. April 2018 wurde der Staatsanwaltschaft und
den Privatklägern die Berufungserklärung zugestellt und Frist angesetzt, um An-
schlussberufung zu erheben oder um begründet ein Nichteintreten auf die Beru-
fung zu beantragen (Urk. 36). Mit Schreiben vom 16. April 2018 teilte die Staats-
anwaltschaft Verzicht auf Anschlussberufung mit und beantragte Bestätigung des
vorinstanzlichen Urteils (Urk. 38). Mit Schreiben vom 17. April 2018 teilte die Ver-
treterin des Privatklägers C._ einerseits Verzicht auf Anschlussberufung mit
(Urk. 40) und stellte für diesen ein Begehren um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes (Urk. 42). Am 25. April
2018 teilte der Vertreter des Privatklägers B._ ebenfalls Verzicht auf An-
schlussberufung mit (Urk. 45).
1.5. Mit Präsidialverfügung vom 30. April 2018 wurden die diversen Eingaben
den übrigen Parteien zugestellt und festgehalten, dass die Bestellung eines un-
entgeltlichen Rechtsbeistandes grundsätzlich auch für das Berufungsverfahren
gelte, weshalb die Vertreterin des Privatklägers C._, Rechtsanwältin Dr. iur.
Y1._, nicht ausdrücklich erneut zu bestellen sei (Urk. 47).
2. Umfang der Berufung
2.1. Der Beschuldigte liess mit der Berufungserklärung folgende Anträge er-
heben (Urk. 33 S. 2):
"1. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass der Beschuldigte das  des Bezirksgerichtes Zürich vom 29. Juni 2017 (DG160226-L) vollumfänglich anficht.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8% MwSt.)."
2.2. Demnach und aufgrund der Ausführungen in der Berufungserklärung sind im
Berufungsverfahren nicht angefochten, was von den an der Berufungsverhand-
lung anwesenden Parteien auch einstimmig bestätigt wurde (Prot. II S. 14):
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- die vorinstanzliche Regelung betreffend die beschlagnahmten Gegenstände
(Urteilsdispositiv-Ziff. 4.)
- die Entschädigungen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen
Rechtsvertreterin (Urteilsdispositiv-Ziffern 11. und 12.)
- die vorinstanzliche Kostenfestsetzung (Urteilsdispositiv-Ziff. 13.)
Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab Vormerk zu nehmen
(Art. 404 StPO).
3. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte in Beglei-
tung seines amtlichen Verteidigers, Fürsprecher X._, Rechtsanwalt lic. iur.
Z1._ namens und in Vertretung des Mitbeschuldigten D._, der Mitbe-
schuldigte E._ in Begleitung seiner amtlichen Verteidigerin, Rechtsanwältin
lic. iur. Z2._, Staatsanwalt lic. iur. U. Krättli als Vertreter der Anklagebehörde,
der Privatkläger B._ in Begleitung seines Vertreters, Rechtsanwalt lic. iur.
Y2._, sowie Rechtsanwältin Dr. iur. Y1._ namens und in Vertretung des
Privatklägers C._ (Prot. II S. 4). Vorfragen waren keine zu entscheiden und
es wurden – abgesehen von der Einvernahme des Beschuldigten (Urk. 54) – den
Beschuldigten betreffend auch keine Beweisanträge gestellt (Prot. II S. 9 ff. und
14). Das Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 29
ff.).
4. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Er-
wähnung findet. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die
urteilende Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander-
setzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141
IV 249 E. 1.3.1,mit Hinweisen). Die Berufungsinstanz kann sich somit auf die für
ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken.
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II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
A. Dossier 1
1. Ausgangslage
1.1. Politischer Hintergrund
Bekanntlich ist die eritreische Bevölkerung – vereinfacht dargestellt – in zwei poli-
tische Lager geteilt. In Eritrea gilt ein sogenanntes Einparteiensystem, es ist nur
eine politische Partei offiziell zugelassen. Oppositionsparteien gelten als illegal
und sie dürfen bei Wahlen nicht antreten. Der Beschuldigte und die Mitbe-
schuldigten sind Gegner der amtierenden Regierung in Eritrea (Urk. 18 S. 12;
Urk. 1/052004 S. 4 ff.). Er und die Mitbeschuldigten D._ und E._ nah-
men teils regelmässig an politischen Veranstaltungen in der Schweiz und in
Deutschland teil (Urk. 1/007001 S. 5; Urk. 1/056007 S. 6 f.; Urk. 1/052004 S. 6
Frage 57; Urk. 1/057005 S. 5 f.; Urk. 55 S. 5).
Inwiefern der Privatkläger B._ Anhänger der Regierungspartei und des eritre-
ischen Präsidenten ist, wie es der Mitbeschuldigte D._ diesem offenbar vor-
geworfen hat (Urk. 1/007002 S. 1 f. Frage 5; Urk. 1/010001 S. 5 Frage 28;
Urk. 1/010002 S. 3 Frage 18), ist nicht erstellt und mit der Vertreterin des Privat-
klägers C._ vorliegend auch nicht relevant (Prot. I S. 20), da dieser mut-
massliche politische Hintergrund die dem Beschuldigten und den Mitbeschuldig-
ten vorgeworfenen Taten in keiner Weise zu rechtfertigen vermögen.
1.2. Beweismittel und deren Verwertbarkeit
1.2.1. Die Vorinstanz hat zutreffend und abschliessend festgehalten, welche
Einvernahmen von welchen Personen auch zulasten des Beschuldigten verwert-
bar sind, dass auf die in den Akten liegenden Arztberichte und Fotografien der er-
littenen Verletzungen abgestellt werden kann sowie dass auf das von F._ am
24. Juni 2013 mit ihrem Smartphone erstellte Video mangels Relevanz nicht wei-
ter einzugehen ist (Urk. 32 S. 12 ff.). Zwecks Vermeidung von Wiederholungen
kann auf diese vorinstanzlichen Ausführungen vollumfänglich verwiesen werden,
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zumal auch keine der Parteien dagegen opponierte oder Gegenteiliges vorge-
bracht hat.
1.2.2. Festzuhalten ist deshalb zusammenfassend, dass die Aussagen der
Mitbeschuldigten G._ und H._ sowie die Aussagen der lediglich polizei-
lich befragten I._, J._, F._, K._ und L._ mangels Wah-
rung des Teilnahmerechts des Beschuldigten bzw. mangels Konfrontation mit de-
ren Aussagen nicht zu seinem Nachteil verwendet werden dürfen.
1.3. Glaubwürdigkeit der involvierten Personen
1.3.1. Die Vorinstanz hat sich in ihrem Urteil ausführlich und zutreffend zur
allgemeinen Glaubwürdigkeit der verschiedenen einvernommenen Personen ge-
äussert und sinngemäss festgehalten, dass bei all den einvernommenen Perso-
nen gewisse Zweifel und Vorbehalte angebracht bzw. bei der Würdigung ihrer
Aussagen gewisse Vorsicht geboten ist, da sie entweder als (Mit-)Beschuldigte
oder Privatkläger ein eigenes Interesse am Ausgang des gerichtlichen Verfahrens
haben oder es sich dabei um Kollegen der Privatkläger handelt (Urk. 32 S. 15 ff.).
Darauf kann vollumfänglich verwiesen werden, zumal auch dies von keiner Partei
beanstandet wurde.
1.3.2. Zutreffend konkludiert die Vorinstanz dann auch, dass nicht die pro-
zessuale Stellung der Beschuldigten bzw. der Privatkläger, der Zeugen sowie der
weiteren befragten Personen, sondern der materielle Gehalt ihrer Aussagen in
erster Linie massgebend ist (Urk. 32 S. 18). Denn nach herrschender Praxis darf
nicht einfach auf die Persönlichkeit oder die allgemeine Glaubwürdigkeit der aus-
sagenden Person abgestellt werden, sondern es ist vor allem die Glaubhaftigkeit
ihrer konkreten, sachverhaltsrelevanten Aussagen zu berücksichtigen. Diese sind
einer Analyse und einer kritischen Würdigung zu unterziehen (vgl. hierzu ausführ-
lich Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellung vor Gericht, Glaubwürdigkeits-
und Beweislehre, Vernehmungslehre, 3. Aufl., München 2007, S. 68 ff. und S. 84
ff. und Bender, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen,
SJZ 81 [1985], S. 53 ff.). Auf die Glaubhaftigkeit und die entsprechende Wür-
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digung der Aussagen der diversen involvierten Personen wird nachfolgend ge-
nauer einzugehen sein.
2. Beweiswürdigung
2.1. Vorinstanzliches Beweisergebnis
2.1.1. Die Vorinstanz ist nach ausführlicher und akribischer Prüfung und
Würdigung sämtlicher relevanten Aussagen des Privatklägers B._ (Urk. 32
S. 21-33), des Privatklägers C._ (Urk. 32 S. 33-40) und des Beschuldigten
(Urk. 32 S. 40-49), der Zeugen M._, N._, O._, P._ und
Q._ (Urk. 32 S. 49-61), der zumindest nicht zulasten des Beschuldigten aus-
fallenden Aussagen der Mitbeschuldigten R._, S._ und E._, des
Mitbeschuldigten D._ und der nicht zu seinen Lasten verwertbaren Aussagen
der Mitbeschuldigten G._ und H._ (Urk. 32 S. 61-66) sowie der lediglich
polizeilich befragten J._, F._, I._, K._ und L._ (Urk. 32
S. 66-68) zum Schluss gekommen, dass die Aussagen der Privatkläger B._
und C._ glaubhaft seien und das Aussageverhalten des Beschuldigten dem-
gegenüber nicht zu überzeugen vermöge.
2.1.2. Die Vorinstanz erachtete deshalb den folgenden Sachverhalt als
rechtsgenügend erstellt (Urk. 32 S. 69-73):
Am 24. Juni 2013 sei es im Restaurant ... zu einem tätlichen Übergriff gekommen,
an welchem namentlich der Beschuldigte und die Mitbeschuldigten R._,
D._, E._ und G._ beteiligt gewesen seien. Der Vorfall habe dabei
damit begonnen, dass der Mitbeschuldigte D._ den Privatkläger B._ im
Restaurant ... auf seine politische Haltung zur eritreischen Regierung angespro-
chen, worauf dieser den Mitbeschuldigten D._ vors Lokal geführt habe. Im
Eingangsbereich sei der Mitbeschuldigte D._ sodann tätlich gegen den Pri-
vatkläger B._ vor gegangen, wobei offen bleiben müsse, ob er ihm einen
Stoss mit den Händen gegen die Brust oder einen Kopfstoss gegen den Stirn-
bereich versetzt habe. Vor dem Lokal sei der Privatkläger B._ alsdann von
einer Gruppe von Männern körperlich mit Händen und Füssen angegriffen wor-
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den. Nachdem der Privatkläger B._ nicht mehr ins Restaurant zurückgekehrt
sei, hätten mehrere Gäste das Lokal verlassen wollen, was ihnen jedoch nicht ge-
lungen sei, da der Beschuldigte im Eingang gestanden, ihnen den Weg versperrt
und sie zurück ins Restaurant gestossen habe. Als der Privatkläger B._ da-
raufhin ins Lokal habe zurückkehren wollen, habe ihm der Beschuldigte einen
Fusstritt bzw. -kick gegen die Stirn versetzt. Der Privatkläger B._ sei in der
Folge zurück ins Restaurant gerannt, wobei ihm die Angreifer jedoch gefolgt sei-
en. Dort habe ihn der Mitbeschuldigte R._ am Kragen gepackt. Zudem habe
er den Privatkläger B._ – ein Messer in der Hand haltend – aufgefordert, sich
hinzusetzen. Dieser Aufforderung sei der Privatkläger B._ indes nicht nach
gekommen, sondern sei zurück gewichen, worauf ihm der Mitbeschuldigte
R._ mit dem Messer in der Hand gefolgt sei und dabei leichte Schwingbe-
wegungen gemacht habe.
Währenddessen hätten die weiteren Angreifer im Inneren des Lokals mit ver-
schiedenen Gegenständen, so insbesondere mit Flaschen und Gläsern, auf die
Gäste eingeschlagen. Unter den Personen, welche mit Stühlen, Flaschen und
Gläsern geworfen hätten, hätten sich dabei insbesondere der Beschuldigte und
die Mitbeschuldigten D._ und E._ befunden. Der Mitbeschuldigte
E._ habe den Privatkläger C._ dabei mit einer (Wodka) Flasche im Ge-
sicht getroffen, wodurch mehrere seiner Zähne ausgefallen bzw. beschädigt wor-
den seien, er aus dem Mund geblutet habe und seine Lippe habe genäht werden
müssen. Der Beschuldigte habe zudem einen Stuhl hoch gehoben, welchen er
habe herumwerfen bzw. womit er habe auf Gäste einschlagen wollen. Insbeson-
dere habe er diesen gegen die Zeugin O._ werfen bzw. sie damit schlagen
wollen. Überdies habe der Beschuldigte einem der Gäste mindestens eine Ohr-
feige verpasst. Der Mitbeschuldigte S._ habe sich im Verlauf des Gesche-
hens seinerseits irgendwann beim Eingang des Lokals aufgehalten. Der Vorfall
habe schliesslich damit geendet, dass der Mitbeschuldigte G._ den Mitbe-
schuldigten R._ aufgefordert habe zu verschwinden, worauf alle Angreifer
das Restaurant verlassen hätten und davon gerannt seien.
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Aufgrund der Unterlagen der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie des
Universitätsspitals Zürich sowie den Ausführungen des Privatklägers B._
könne als gegeben erachtet werden, dass dieser sich im Rahmen der tätlichen
Auseinandersetzung am 24. Juni 2013 eine Schaft-Schrägfraktur des Fingerknö-
chelchens des rechten Mittelfingers zugezogen habe. Ebenso könne davon aus-
gegangen werden, dass er die in der Anklageschrift aufgeführten Prellungen an
der Stirn im Zuge des eingeklagten Vorfalles erlitten habe. Was den Privatkläger
C._ anbelange, müsse aufgrund der vorstehenden Ausführungen alsdann als
erwiesen gelten, dass seine Gebissverletzungen bzw. -beeinträchtigungen sowie
die Rissquetschwunde an seiner Unter- und Oberlippe ebenfalls von den Ereig-
nissen vom 24. Juni 2013, nämlich vom Wurf einer Falsche in sein Gesicht, her-
rühren würden.
2.1.3. Nicht erstellen lasse sich gemäss Ausführungen der Vorinstanz hinge-
gen, dass der Mitbeschuldigte D._ zu K._ gerannt sei, sie verfolgt und
eingeholt habe, sie an den Haaren gerissen sowie ihr einmal gegen den Nacken
und mindestens zweimal ins Gesicht geschlagen habe. Auch dass der Mitbe-
schuldigte D._, nachdem er sich im Anschluss an den tätlichen Übergriff auf
den Privatkläger B._ zurück ins Lokal begeben habe, mit einer Art Eisen-
stange bewaffnet gewesen sein soll, lasse sich nicht rechtsgenügend nachweisen
(Urk. 32 S. 68 f.).
2.1.4. Nach der Vorinstanz sei bezüglich den Beschuldigten somit erstellt,
dass er in jener Phase der tätlichen Auseinandersetzung, als mehrere Personen
vor dem Restaurant ... auf den Privatkläger B._ eingeschlagen hätten, am
Eingang des Restaurants gestanden sei, den Gästen, welche das Restaurant hät-
ten verlassen wollen, den Weg versperrt und sie ins Restaurant zurück gestossen
habe. Erwiesen sei sodann, dass der Beschuldigte dem Privatkläger B._ ei-
nen Fusstritt bzw. -kick gegen die Stirn versetzt habe, als dieser in der Folge ins
Lokal habe zurückkehren wollen, und einem der Gäste mindestens eine Ohrfeige
verpasst habe. Als gegeben sei zudem zu erachten, dass der Beschuldigte im In-
nern des Lokals einen Stuhl hochgehoben habe, welchen er gegen die Zeugin
O._ habe werfen bzw. mit welchem er diese habe schlagen wollen, wovon er
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nach einer verbalen Intervention durch die Zeugin Q._ jedoch abgelassen
habe (Urk. 32 S. 73 f.).
2.2. Würdigung
2.2.1. Die Vorinstanz hat sich zudem einlässlich mit den Einwänden und Ar-
gumenten der Verteidigung auseinander gesetzt, weshalb grundsätzlich auf die
zutreffenden Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden kann. An-
lässlich der Berufungsverhandlung hat sich die Verteidigung sehr kurz gehalten
und sich auf die Darstellung beschränkt, die vorinstanzliche Schlussfolgerung sei
unhaltbar, da die Aussagen der Zeugen, auf welche sich die Vorinstanz verlasse,
offensichtlich und gerichtsnotorisch abgesprochen und nicht glaubhaft seien
(Urk. 55 S. 5). Woraus die Verteidigung diese offensichtlichen und gar gerichts-
notorischen Absprachen ableiten will, behält sie, abgesehen vom Hinweis auf die
politischen Gründe, aber für sich. Die Vorinstanz hat jedoch richtig erkannt, dass
der Beschuldigte selber eingestanden hat, sich im Eingangsbereich des Restau-
rants aufgehalten zu haben. Die entsprechende Zeugenaussage von N._ be-
stätigt somit letztlich nur, was der Beschuldigte bereits selber deponierte. Dass
andere Zeugen ihn nicht als einer derjenigen, welche die Tür blockiert haben,
identifizieren konnten, macht die Aussagen des Beschuldigten und der Zeugin
N._ damit weder unglaubhaft noch widersprüchlich. Wie die Vorinstanz zu-
treffend ausgeführt hat, handelte es sich um ein tumultartiges, dynamisches Ge-
schehen, wobei es ohne Weiteres möglich war, dass sich der Beschuldigte und
weitere Personen bei der Blockierung des Eingangs abgewechselt oder sich in ei-
nem bestimmten Zeitpunkt weitere Personen zu ihm und dem Mitbeschuldigten
G._ gesellt haben (Urk. 32 S. 53).
2.2.2. Weiter hat die Vorinstanz auch zutreffend festgehalten, der Umstand,
dass der Privatkläger B._ durch den Kick des Beschuldigten an seine Stirn
nicht K.O. gegangen oder zumindest hingefallen ist – so die Ansicht der Verteidi-
gung (Urk. 18 S. 7 oben), – schliesst den inkriminierten Fusstritt nicht aus. Nicht
jeder Fusstritt gegen die Stirn führt per se zur Bewusstlosigkeit oder zumindest
zum Verlust der Balance. Zumal, wie die Vorinstanz ebenfalls richtig bemerkt hat,
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dem Beschuldigten in der Anklage nicht vorgeworfen wird, einen Tritt mit voller
Wucht ausgeführt zu haben (Urk. 32 S. 48).
2.3. Es ist deshalb mit der Vorinstanz der von ihr umschriebene Sachverhalt
(Urk. 32 S. 73 f.) als erstellt zu erachten.
3. Rechtliche Würdigung
3.1. Die Vorinstanz ist der Anklage gefolgt und hat den Beschuldigten hinsichtlich
Dossier 1 des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB schuldig gesprochen (Urk. 32
S. 74 ff.).
3.2. Die Verteidigung hat vor Vorinstanz geltend gemacht, es könne beim Be-
schuldigten nicht von einer Beteiligung an einem Angriff gesprochen werden, da
ihm höchstens der Vorwurf einer Ohrfeige – als Reaktion auf eine Beleidigung –
gemacht werden könne. Allein aus der physischen Präsenz lasse sich keine für
den Tatbestand des Angriffs hinreichende Beteiligung ableiten (Urk. 18 S. 8). Die-
se Ausführungen sind jedoch bereits durch den erstellten Sachverhalt widerlegt.
Auch hat die Vorinstanz zutreffend ausgeführt, dass entgegen der Ansicht der
Verteidigung eben nicht jeder der Anwesenden im Rahmen der Auseinander-
setzungen seinen eigenen kleinen Schauplatz innehatte (a.a.O.). Beim Beschul-
digten handelte es sich um einen Kollegen der Mitbeschuldigten, die teilweise
schon zuvor gemeinsam unterwegs waren und sich in der Folge alle zur selben
Zeit im Restaurant ... einfanden, wo sie in irgend einer Form tätlich auf die Gäste
des Lokals einwirkten. Mit der Vorinstanz mag zwar sein, dass ein gemeinsamer
gewaltsamer Übergriff nicht zum vornhinein geplant und abgesprochen war. Es ist
jedoch mit der Vorinstanz auch als lebensfremd zu bezeichnen, dass jeder der
Beschuldigten zufällig gleichzeitig im Restaurant ... in eine unabhängige tätliche
Auseinandersetzung verwickelt gewesen sein soll (Urk. 32 S. 74). Der ganze An-
griff mag zwar vom Mitbeschuldigten D._ initiiert worden sein, hernach er-
folgte aber ein regelrechter Überfall sämtlicher Mitbeschuldigten und mutmasslich
noch weiterer Personen auf das Restaurant ... und dessen Gäste, wobei in die-
sem hektischen und sehr dynamischen Geschehen ein jeder Mitbeschuldigte sei-
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nen eigenen Beitrag zum gesamten Angriff geleistet hat, je nach dem, welche
Möglichkeiten und Gegenstände sich ihm gerade boten.
3.3. Der vorinstanzliche Schuldspruch wegen Angriffs im Sinne von Art. 134
StGB ist deshalb zu bestätigen.
B. Dossier 9
1. Ausgangslage
1.1. Dem Beschuldigten wird in Dossier 9 der Anklage vorgeworfen, sich am
4. August 2015 anlässlich einer Kontrolle durch die Zugbegleiterinnen T._
und U._ im Zug zwischen Brugg und Aarau sehr aggressiv verhalten zu ha-
ben, wobei er die Geschädigte T._ als "Rassistin" bezeichnet habe
(Urk. 1/1000209 S. 5 f.).
1.2. Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, ist der Beschuldigte hinsicht-
lich dieses Sachverhaltes vollumfänglich geständig, so auch im Berufungsverfah-
ren (Urk. 55 S. 5 ff.), weshalb der eingeklagte Sachverhalt mit der Vorinstanz als
erstellt erachtet werden kann (Urk. 32 S. 76).
1.3. Der Beschuldigte vertritt vielmehr die Auffassung, die Äusserung "Rassistin"
erfülle im vorliegenden Kontext den Tatbestand der Beschimpfung nicht bzw. er-
scheine nicht strafwürdig (Urk. 33 S. 4; Urk. 55 S. 5 ff.).
2. Rechtliche Würdigung
2.1. Der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB macht sich schuldig,
wer jemanden in anderer Weise als durch Verleumdung bzw. üble Nachrede
durch Wort, Schrift, Bild, Gebärde oder Tätlichkeiten in seiner Ehre angreift.
2.2. Die Vorinstanz hat sich theoretisch und auch konkret mit der rechtlichen
Würdigung des eingeklagten Sachverhaltes auseinander gesetzt, weshalb zur
Vermeidung von Wiederholungen darauf verwiesen werden kann (Urk. 32 S. 77
f.). Zutreffend kam sie zum Schluss, dass sowohl in objektiver als auch in subjek-
tiver Hinsicht alle Merkmale für das Vorliegen einer Beschimpfung gegeben sind.
- 17 -
Die Kritik der Verteidigung am vorinstanzlichen Schuldspruch erschöpft sich denn
auch in einer Wiederholung der bereits im Hauptverfahren vorgebrachten Argu-
mentation. Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, darf der von der Ver-
teidigung vorgebrachte Einwand, der Begriff "Rassist" verdiene heutzutage auf-
grund des inflationären Gebrauchs keinen rechtlichen Schutz mehr, nicht dazu
führen, dass deren Verwendung von vornherein als nicht ehrenrührig oder herab-
setzend gelten darf. Dass der Begriff "Rassist" heutzutage tatsächlich inflationär
gebraucht wird, ist denn auch lediglich eine Behauptung der Verteidigung, die in
der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Stütze findet. Gerade in Zeiten einer
verstärkten Sensibilisierung zum Thema Rassismus aber auch der vermehrten
und dezidierten Anprangerung desselben, wie es durch teils weltweite Beweg-
ungen getan wird (vgl. Black Lives Matter), und des nach wie vor vorhandenen
tatsächlichen Rassismus, ist es in keinster Weise angezeigt, die Bedeutung die-
ses Wortes rein aufgrund der Häufigkeit dessen Verwendung zu bagatellisieren.
Da ein rassistisches Verhalten einen eigenen Straftatbestand erfüllen kann
(Art. 261bis StGB), ist der Vorwurf, ein "Rassist" zu sein, durchaus als ehrenrührig
anzusehen. Entgegen der impliziten Auffassung der Verteidigung hat der inflatio-
näre Gebrauch dieses Begriffes, sofern dies denn tatsächlich zutrifft, nicht zu ei-
ner Verharmlosung der damit einher gehenden Botschaft geführt (vgl. auch den
entsprechenden Schuldspruch im Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich
SB180059 vom 13. Juli 2018 S. 15 ff.).
2.3. Der vorinstanzliche Schuldspruch wegen Beschimpfung im Sinne von
Art. 177 Abs. 1 StGB ist deshalb zu bestätigen.
III. Sanktion
1. Anwendbares Recht
Am 19. Juni 2015 beschloss die Bundesversammlung diverse Änderungen des
Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches (AS 2016 1249 ff.), welche gemäss Mit-
- 18 -
teilung des Bundesrates vom 29. März 2016 auf den 1. Januar 2018 in Kraft ge-
setzt wurden. Die dadurch erfolgte Revision des Sanktionenrechts hat vorliegend
auf die Sanktionsandrohungen der eingeklagten Straftatbestände und die damit
einher gehende Möglichkeit der Ausfällung einer Geldstrafe Auswirkung.
Da die mit der Revision vorgenommenen Änderungen primär den Anwendungs-
bereich der Geldstrafe betreffen bzw. einschränken (Wegfall des teilbedingten
Vollzugs, Verkürzung der maximalen Anzahl Tagessätze auf 180, Festlegung ei-
ner Tagessatzuntergrenze) bzw. die Wiedereinführung der kurzen Freiheitsstrafen
(bis sechs Monate) mit sich bringen, kann das neue Recht gegenüber dem bis-
herigen Recht grundsätzlich kaum als milder qualifiziert werden (vgl. Art. 2 Abs. 2
StGB). Im vorliegenden Fall, wie nachfolgend noch zu zeigen sein wird, ist jedoch
eine Freiheitsstrafe, welche weit über der Grenze einer allenfalls noch möglichen
Geldstrafe liegt, und andererseits eine Geldstrafe auszusprechen, die bereits aus
prozessualen Gründen (Verschlechterungsverbot) nicht höher als die vorinstanz-
lich ausgefällten 20 Tagessätze ausfallen kann, weshalb der Beschuldigte von
dieser Gesetzesrevision nicht betroffen ist. Deshalb ist das alte Recht anzuwen-
den.
2. Ausgangslage
Die Staatsanwaltschaft beantragte im Hauptverfahren eine Bestrafung des Be-
schuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten und einer Geldstrafe von
30 Tagessätzen zu Fr. 30.–, beides bedingt unter Ansetzung einer Probezeit von
3 Jahren (Urk. 1/1000209 S. 7; Urk. 13 S. 7). Die Verteidigung war im Haupt-
verfahren im Eventualantrag der Ansicht, der Beschuldigte sei mit einer an-
gemessenen bedingten Geldstrafe für den Angriff zu bestrafen, hinsichtlich der
Beschimpfung sei aufgrund der geringfügigen Schuld und Tatfolgen im Sinne von
Art. 52 StGB von einer Strafe abzusehen (Urk. 18 S. 3 und S. 10 ff.). Die Vor-
instanz hat eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten sowie eine Geldstrafe
von 20 Tagessätzen zu Fr. 20.– ausgesprochen, letztere als Zusatzstrafe zu der
mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug vom 24. November 2016
ausgefällten Geldstrafe, unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren (Urk. 32
S. 113 Ziff. 2. und 3.). Im Berufungsverfahren bringt die Verteidigung vor, der Be-
- 19 -
schuldigte sei eventualiter wegen Teilnahme am Angriff mit einer bedingten Frei-
heitsstrafe von höchstens 8 Monaten, unter Ansetzung einer Probezeit von
2 Jahren, und einer Geldstrafe von 5 Tagessätzen zu Fr. 10.– als Zusatzstrafe
zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug vom 24. November
2016 zu bestrafen (Urk. 55 S. 2).
3. Strafzumessung
3.1. Die Vorinstanz hat vorab den anwendbaren Strafrahmen des Angriffs im
Sinne von Art. 134 StGB als schwerste vom Beschuldigten begangene Straftat
korrekt bemessen und die theoretischen Grundsätze der richterlichen Strafzu-
messung angeführt, worauf zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen wird
(Urk. 32 S. 78-81).
Zutreffend hat die Vorinstanz auch bemerkt, dass die heute zu beurteilenden Ta-
ten vor der Verurteilung des Beschuldigten mit Strafbefehl vom 24. November
2016 liegen, wonach er wegen Führens eines Motorfahrzeuges ohne erforder-
lichen Führerausweis, Führens eines Motorfahrzeuges trotz Verweigerung, Ent-
zugs oder Aberkennung des Ausweises sowie Übertretung des Nationalstrassen-
abgabengesetzes zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 40 Tagessätzen
zu Fr. 30.– sowie zu einer Busse von Fr. 700.– bestraft wurde (Urk. 32 S. 78 f.).
Der Vorinstanz noch nicht bekannt waren die weiteren Bestrafungen des Be-
schuldigten am 7. Dezember 2017 durch die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
wegen Diebstahls zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.–,
unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren, und am 15. Februar 2018 durch
das Bezirksgericht Dietikon wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und
Beamte zu einer unbedingten Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu Fr. 30.– als Zu-
satzstrafe zum Urteil vom 7. Dezember 2017 der Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat. Hinsichtlich der Bestrafung vom 24. November 2016 wurde der Beschul-
digte mit Urteil der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 7. Dezember 2017
verwarnt, mit Urteil des Bezirksgericht Dietikon vom 15. Februar 2018 wurde die
Probezeit um ein Jahr verlängert (Urk. 35). Diese Umstände ändern jedoch nichts
daran, dass mit der Vorinstanz eine Zusatzstrafe zur Verurteilung vom
- 20 -
24. November 2016 auszufällen ist, zumindest im Zusammenhang mit der heute
auszufällenden (zwingenden) Geldstrafe.
Die Vorinstanz vertrat die Ansicht, es sei aus Präventionsüberlegungen für den
Angriff eine Freiheitsstrafe auszufällen, und hat mutmasslich allein deshalb die
Anwendbarkeit von Art. 49 Abs. 1 StGB ausgeschlossen (Urk. 32 S. 80 f.). Dies
mag, wie nachfolgend in Bestätigung der vorinstanzlichen Strafen ersichtlich wird,
im Resultat zwar zutreffen, die Anwendbarkeit von Art. 49 Abs. 1 StGB bestimmt
sich jedoch nicht nach allgemeinen und eher theoretischen Überlegungen, son-
dern anhand der sogenannten konkreten Methode, mithin erst nach konkreter
Prüfung des Strafmasses und insbesondere der Strafart eines jeden Deliktes
(vgl. statt vieler BGE 144 IV 217, E.2.2). Die mit Art. 49 Abs. 1 StGB einher ge-
hende Asperation ist folglich, wie die Vorinstanz richtig festgestellt hat (Urk. 32
S. 81), nur im Zusammenhang mit der auszufällenden Zusatzstrafe zu berück-
sichtigen.
3.2. Dossier 1
3.2.1. Hinsichtlich Dossier 1 hat die Vorinstanz ausgeführt, der Beschuldigte
habe sich aktiv an einem heftigen Angriff mit einer Vielzahl von Tätern beteiligt.
Die durch diesen Angriff geschaffene abstrakte Gefahr habe insbesondere in den
erheblichen Verletzungen einerseits des Privatklägers C._, welcher mehrere
Zähne verloren und auch sonst massive Gebissschäden davon getragen habe,
was eine längere Behandlungszeit und Gebissrekonstruktionen erforderlich ge-
macht habe, sowie andererseits des Privatklägers B._, welcher einen Bruch
des rechten Mittelfingers, resultiert, wenngleich die Schwere der Verletzungen bei
der Strafzumessung für das Strafmass nicht relevant sein könnten. Daneben sei
es zu beachtlichen Sachschäden gekommen. Der Angriff sei bewusst vom Mitbe-
schuldigten D._ provoziert worden, ohne dass die Gruppe der angegriffenen
Personen hierzu irgend einen Anlass geliefert hätte. Die Angreifer hätten auch
nicht davor zurück geschreckt Gegenstände wie Stühle, Gläser, Flaschen und so-
gar ein Messer einzusetzen. Es sei deshalb von einem hohen deliktischen Willen
sowie einer erheblichen kriminellen Energie seitens der Angreifer auszugehen.
Der Beschuldigte selber habe sich dabei in mannigfacher Weise am Angriff betei-
- 21 -
ligt, indem er zum einen von seinen Akrobatikkünsten Gebrauch gemacht und
dem Privatkläger B._ einen Fusstritt bzw. -kick gegen die Stirn versetzt habe.
Zum anderen habe er die Zeugin O._ mit einem Stuhl bedroht und einem
weiteren Gast zumindest eine Ohrfeige versetzt. Hinzu komme, dass er die Gäste
während einer gewissen Zeit am Verlassen des Lokals gehindert habe, indem er
sie in die Räumlichkeiten zurück gestossen habe. Der Beschuldigte habe somit
keinesfalls eine untergeordnete Rolle eingenommen, sei aber immerhin nicht der
Initiator oder einer der Hauptprotagonisten der tätlichen Auseinandersetzung ge-
wesen. Auch habe er von sich aus wieder davon abgesehen, die Zeugin O._
mit dem hochgehobenen Stuhl zu schlagen, nachdem ihm die Zeugin Q._
gesagt habe, man schlage keine Frauen. Zudem würde der Tatbestand des An-
griffs im Sinne von Art. 134 StGB Verletzungsfolgen umfassen, welche bis zum
Tod eines Angegriffenen oder eines Dritten reichen könnten, weshalb durchaus
noch wesentlich massivere Vorgehensweisen denkbar seien. Die Vorinstanz wer-
tete schliesslich das objektive Verschulden des Beschuldigten als nicht mehr
leicht (Urk. 32 S. 82 f.).
In subjektiver Hinsicht attestierte die Vorinstanz dem Beschuldigten ebenfalls ein
nicht mehr leichtes Verschulden. Er habe direktvorsätzlich gehandelt, habe er sich
doch der im Gang befindlichen tätlichen Auseinandersetzung wissentlich und wil-
lentlich angeschlossen, auch wenn der Angriff möglicherweise nicht im Voraus
geplant gewesen sei. Der Angriff sei zwar offensichtlich politisch motoviert ge-
wesen und es möge sein, dass die Abneigung des Beschuldigten gegenüber der
eritreischen Regierung berechtigt sei, keinesfalls würde dies jedoch ein derart
gewalttätiges Vorgehen gegen die Privatkläger sowie die übrigen, friedlich bei-
sammen sitzenden Gäste des Restaurants ... rechtfertigen. Vielmehr wäre seine
Beteiligung am tätlichen Übergriff ohne Weiteres vermeidbar gewesen. Dasselbe
gelte für das Vorbringen des Beschuldigten, wonach sie als "Agame" beleidigt
worden seien, würde doch auch dies keine Entschuldigung für einen solch ge-
waltsamen Übergriff auf eine Vielzahl von Personen darstellen. Bei einer rückge-
rechneten Blutalkoholkonzentration von maximal 1.07 Promille sei entgegen der
Ansicht der Verteidigung auch noch nicht von einer verminderten Schuldfähigkeit
auszugehen (Urk. 32 S. 83 f.).
- 22 -
Gemessen an der objektiven und subjektiven Tatschwere erachtete die Vor-
instanz eine Einsatzstrafe von 16 Monaten als dem Verschulden des Beschuldig-
ten angemessen (Urk. 32 S. 84).
3.2.2. Diese vorinstanzliche Begründung und Wertung des Tatverschuldens
kann ohne Weiterungen übernommen werden, da sie zutreffend, nachvollziehbar
und in der daraus resultierenden Einsatzstrafe angemessen erscheint. Im Beru-
fungsverfahren wendet die Verteidigung dagegen eventualiter ein, das Verschul-
den sei als leicht zu werten, da der Beschuldigte eine klar untergeordnete Rolle
eingenommen habe und auch kein direkter Vorsatz erkennbar sei. Der Beschul-
digte sei ohne Absicht in die Schlägerei gerutscht und habe sich am Schluss einer
Teilnahme nicht mehr entziehen können (Urk. 55 S. 7 f.). Diese Argumente ver-
mögen jedoch an der zutreffenden vorinstanzlichen Strafzumessung nichts zu än-
dern, da sie lediglich den Tatbeitrag des Beschuldigten entgegen dem erstellten
Sachverhalt beschönigen..
3.2.3. Unter dem Titel Täterkomponente hat die Vorinstanz den Werdegang
und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten korrekt zusammengefasst
und wiedergegeben, worauf verwiesen werden kann (Urk. 32 S. 84 f.). Im Beru-
fungsverfahren führt der Beschuldigte ergänzend und aktualisierend aus, dass
sein Asylgesuch gutgeheissen worden sei und er nun im Besitze der Aufenthalts-
bewilligung B sei. Mit der Frau in Eritrea sei es zu Ende gegangen und er habe
hier in der Schweiz erneut eine eritreische Frau geheiratet, mit der er zwei Kinder
habe. Sie und die Kinder würden zur Zeit noch im Kanton ... wohnen, er warte nun
noch auf Antwort, damit sie zu ihm nach Zürich ziehen könnten. Er lebe von der
Sozialhilfe und erhalte monatlich Fr. 500.–. Er arbeite nun mit Velos, flicke diese,
nehme sie auseinander und bereite sie für den Versand vor, unter anderem auch
nach Afrika (Urk. 54 S. 2 ff.). Auch unter Miteinbezug der neuesten Entwicklungen
in den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ergeben sich keinerlei straf-
zumessungsrelevanten Erkenntnisse. Sie wirken sich vielmehr strafzumessungs-
neutral aus. Mit der Vorinstanz ist entgegen der Auffassung der Verteidigung
(Urk. 18 S. 12) klar festzuhalten, dass der Umstand, wonach der Beschuldigte an
den erschwerten Lebensumständen nicht selber Schuld sei, weder eine Strafmin-
- 23 -
derung noch eine – wie es die Verteidigung gar proklamiert – Strafmilderung zu-
lässt. Entgegen der Verteidigung (Urk. 18 S. 13) stellt mit der Vorinstanz das Alter
des Beschuldigten sicherlich kein derart jugendliches Alter dar, dass von einer
besonderen Strafempfindlichkeit auszugehen wäre (Urk. 32 S. 86). Ebenso wenig
ist die Vorstrafenlosigkeit des Beschuldigten zum Tatzeitpunkt ein Strafminde-
rungsgrund, wie es die Verteidigung geltend macht (Urk. 18 S. 13), sondern ist mit
der Vorinstanz anhand höchstrichterlicher Praxis als strafzumessungsneutral zu
gewichten (BGE 136 IV 1 E. 2.6.4). Zutreffend attestierte die Vorinstanz dem Be-
schuldigten gewisse Eingeständnisse, welche sie aber ebenso zutreffend unter
Berücksichtigung der fehlenden Einsicht und Reue des Beschuldigten nur leicht
strafmindernd gewichtete (Urk. 32 S. 86). Zudem gewährte die Vorinstanz eine
zusätzliche Strafreduktion in "minimaler" Höhe aufgrund einer zutreffend festge-
stellten, wenn auch nicht krassen Verletzung des Beschleunigungsgebots im Lau-
fe der Untersuchung (Urk. 32 S. 86 f.). Dies ist ohne Weiterungen zu überneh-
men, jedenfalls drängt sich eine weiter gehende Strafreduktion nicht auf, insbe-
sondere in Anbetracht der auch seit dem vorinstanzlichen Urteil andauernden De-
linquenz des Beschuldigten (vgl. Urk. 35), was nicht auf ein positives Nachtatver-
halten bzw. einen positiven Gesinnungswandel des Beschuldigten schliessen
lässt.
Die von der Vorinstanz vorgenommene Reduktion der Einsatzstrafe aufgrund der
Täterkomponente um 2 Monate auf 14 Monate Freiheitsstrafe erscheint unter die-
sen Umständen sogar eher milde. Aufgrund des Verbots der reformatio in peius
(Art. 391 Abs. 2 StPO) und des Umstandes, dass keine Gründe ersichtlich sind,
das vorinstanzlich festgelegte Strafmass zu reduzieren, ist die Freiheitsstrafe von
14 Monaten für den Angriff nach Dossier 1 folglich zu bestätigen.
3.3. Dossier 9
3.3.1. Die Vorinstanz hat sich in ihrem Urteil zutreffend zur Vorgehensweise
und Strafzumessung bei einer Zusatzstrafe – zum Ersturteil gemäss Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug vom 24. November 2016 – und zum
massgeblichen Strafrahmen geäussert, weshalb darauf verwiesen werden kann
(Urk. 32 S. 87 f.). Hinsichtlich des Tatverschuldens führte die Vorinstanz aus, bei
- 24 -
der Bezeichnung "Rassistin" handle es sich entgegen der Ansicht der Vertei-
digung um eine relativ massive Beschimpfung, welche einzig darauf abgezielt ha-
be, die Geschädigte Zugbegleiterin bei der Ausübung ihrer amtlichen Funktion
herabzusetzen, ohne dass irgendwelche Anhaltspunkte dafür vorgelegen hätten,
dass der Beschuldigte wegen seiner Hautfarbe anders behandelt worden wäre als
die übrigen Fahrgäste. Andererseits sei die Beschimpfung jedoch allgemein ge-
halten gewesen und nicht auf eine bestimmte persönliche Eigenschaft der Ge-
schädigten gerichtet. Das Tatverschulden gewichtete die Vorinstanz mit noch
leicht bis nicht mehr leicht (Urk. 32 S. 88).
In subjektiver Hinsicht attestierte die Vorinstanz dem Beschuldigten rein egoisti-
sche Motive, indem er davon habe ablenken wollen, dass er über keinen gültigen
Fahrschein verfügt habe. Er möge sich dabei zwar in einer Stresssituation be-
funden haben, in welcher er sich zu unüberlegten Äusserungen habe hinreissen
lassen, was jedoch keinesfalls eine solche Herabsetzung der Geschädigten recht-
fertige, welche lediglich ihrer Arbeit nach gegangen sei. In diese Stresssituation
habe sich der Beschuldigte indes selbst gebracht, indem er kein gültiges Zugbillett
gelöst habe. Auch das subjektive Verschulden gewichtete die Vorinstanz deshalb
mit noch leicht bis nicht mehr leicht (Urk. 32 S. 88).
Hinsichtlich der Täterkomponente verwies die Vorinstanz grundsätzlich und zu-
treffend auf die Ausführungen, die sie im Zusammenhang mit Dossier 1 festgehal-
ten hat, führte aber ergänzend und ebenfalls zutreffend an, dass der Beschuldigte
die Beschimpfung während des laufenden Strafverfahrens bezüglich des Angriffs
gemäss Dossier 1 verübt habe, was zumindest leicht straferhöhend zu berück-
sichtigen ist. Zudem attestierte die Vorinstanz dem Beschuldigten unter diesem
Titel ein vollumfängliches Geständnis (Urk. 32 S. 89).
3.3.2. Diese Ausführungen sind zutreffend und können ohne Weiterungen
übernommen werden. Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 55 S. 8)
ist eben nicht von einer geringfügigen Beschimpfung auszugehen, welche "mehr
oder weniger als unerheblich" zu qualifizieren ist. Die schliesslich von der Vor-
instanz festgelegte Strafhöhe von 20 Tagen und Tagessatzhöhe von Fr. 20.–, als
Zusatzstrafe zur mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug vom
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24. November 2016 ausgefällten Geldstrafe, erscheint in einer Gesamtbe-
trachtung angemessen und ist zu bestätigen.
3.4. In Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils ist der Beschuldigte deshalb mit
einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten sowie mit einer Geldstrafe von 20 Tages-
sätzen zu Fr. 20.–, welche als Zusatzstrafe zur mit Strafbefehl der Staatsan-
waltschaft des Kantons Zug vom 24. November 2016 ausgefällten Geldstrafe
auszufällen ist, zu bestrafen. Die bereits erstandenen 155 Tage Haft sind ihm
selbstredend gestützt auf Art. 51 StGB an die Strafe anzurechnen.
4. Vollzug
Die Vorinstanz gewährte dem Beschuldigten den bedingten Strafvollzug und setz-
te die Probezeit auf drei Jahre fest (Urk. 32 S. 90 ff.). Auch diese Regelung ist
ohne weiteres und mit Blick auf das zuvor erwähnte Verschlechterungsverbot und
den Bedenken hinsichtlich seiner Legalprognose zu übernehmen.
IV. Zivilansprüche
1. Die Vorinstanz hat sich in ihrem Urteil ausführlich, akribisch und zutreffend mit den diversen Zivilansprüchen der Privatkläger auseinander gesetzt (Urk. 32
S. 92-112). Da sich weitere Ausführungen dazu in Wiederholungen erschöpfen
würden, ist vollumfänglich auf die vorinstanzlichen Ausführungen zu verweisen
und das nachvollziehbar begründete Ermessen der Vorinstanz zu bestätigen. Die
teils pauschalen Vorbringen der Verteidigung – "es geht ihm [dem Privatkläger 2]
heute nicht schlechter als vor dem (vermeintlichen) Angriff" (Urk. 18 S. 17) – ver-
mögen die vorinstanzliche Begründung nicht zu kippen und die quantitativen Ein-
wände (Urk. 18 S. 16 f.) zum Schadenersatzbegehren des Privatklägers C._
wurden von der Vorinstanz allesamt bereits ausführlich abgehandelt (Urk. 32
S. 104 ff.).
Die vorinstanzlich festgelegten Genugtuungssummen sind schlüssig begründet,
im vertretbaren Ermessen und entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 55
S. 9) nicht zu hoch.
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2. Folglich ist der Beschuldigte zu folgenden Schadenersatz- und Genug-
tuungszahlungen zu verpflichten:
Privatkläger B._:
- Schadenersatz von Fr. 113.55, unter solidarischer Haftung mit weiteren Mit-
tätern
- zudem ist festzustellen, dass der Beschuldigte im Übrigen aus dem ein-
geklagten Ereignis gemäss Dossier 1 dem Grundsatze nach schadener-
satzpflichtig ist, unter solidarischer Haftung mit weiteren Mittätern, wobei der
Privatkläger B._ zur genauen Feststellung des Umfangs auf den Weg
des Zivilprozesses zu verweisen ist
- Genugtuung von Fr. 4'000.– zuzüglich 5% Zins ab 24. Juni 2013, unter soli-
darischer Haftung mit weiteren Mittätern; Abweisung im Mehrbetrag
Privatkläger C._
- Schadenersatz von Fr. 848.– und Fr. 847.80, je zuzüglich 5% Zins ab
1. November 2013, unter solidarischer Haftung mit weiteren Mittätern; Ab-
weisung im Mehrbetrag
- zudem ist festzustellen, dass der Beschuldigte im Übrigen aus dem ein-
geklagten Ereignis gemäss Dossier 1 dem Grundsatze nach schadener-
satzpflichtig ist, unter solidarischer Haftung mit weiteren Mittätern, wobei der
Privatkläger C._ zur genauen Feststellung des Umfangs auf den Weg
des Zivilprozesses zu verweisen ist
- Genugtuung von Fr. 9'000.– zuzüglich 5% Zins seit 24. Juni 2013, unter
solidarischer Haftung mit weiteren Mittätern; Abweisung im Mehrbetrag
V. Kosten- und Entschädigungsfolge
1. Ausgangsgemäss ist die erstinstanzliche Kostenauflage (Dispositiv-
Ziffer 14.) zu bestätigen (Art. 426 StPO).
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2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 4'000.– festzu-
setzen.
3. Im Berufungsverfahren unterliegt der Beschuldigte mit seinen Hauptanträ-
gen vollumfänglich. Die Kosten des Berufungsverfahrens, exklusive derjenigen
der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretungen der Privatkläger,
sind deshalb dem Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Kosten
der amtlichen Verteidigung sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, un-
ter Vorbehalt einer Rückforderung nach Art. 135 Abs. 4 StPO. Der dem Beschul-
digten anteilsmässig aufzuerlegende Teil der Kosten der unentgeltlichen Ver-
tretungen der Privatkläger ist angesichts der finanziellen Verhältnisse des Be-
schuldigten definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 4 StPO).