Decision ID: f4fe11d4-261c-4a6d-836b-e7440418fc1d
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Robert Baumann,
Waisenhausstrasse 17,Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a A._ meldete sich am 3. Juli 2003 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1).
Die B._ AG teilte der IV-Stelle am 28. Juli 2003 mit (IV-act. 8), sie beschäftige den
Versicherten seit dem 29. Januar 2001 als angehenden Bodenleger. Er würde aktuell
Fr. 4750.-- (x13) verdienen. Arbeitsversuche im April 2003 seien gescheitert. Dr. med.
C._, Allgemeine Medizin FMH, berichtete der IV-Stelle am 1. August 2003 (IV-act. 9-1
ff.), der Versicherte sei am 1. Juli 2002 rückwärts auf der Treppe gestürzt. Die
Diagnosen lauteten: Sturz mit Kontusion der LWS, lumbospondylogenes Syndrom und
intermittierend lumboradikuläres Syndrom rechts bei kleiner mediolateraler
Diskushernie L3/4 rechts und Depression mit somatischen Symptomen. Dr. C._ gab
weiter an, der Versicherte sei in seinem Beruf seit dem Unfall zu 100% arbeitsunfähig.
Für eine leichte, den Rücken nicht belastende Arbeit sei er aber durchaus voll
arbeitsfähig. Er benötige Hilfe bei der berufllichen Wiedereingliederung, denn das
depressive Verhalten und die starre Mimik bewirkten, dass man ihm wenig zutraue.
Gemäss dem beigelegten Austrittsbericht der Rehaklinik D._ vom 25. März 2003 litt
der Versicherte auch an einer Anpassungsstörung, Angst und depressive Störung
gemischt (IV-act. 9-15). Dr. med. E._, Neurochirurgie FMH, hielt am 12. Januar 2004
gegenüber der IV-Stelle fest (IV-act. 25), der Versicherte habe chronische,
therapieresistente Lumbalgien und Lumboischialgien rechts. Die konservativen
Massnahmen hätten keine Besserung gebracht. Wegen der anhaltenden Schmerzen
hätten sich bestimmte psychische Komponenten entwickelt. Der Versicherte könne
nicht länger als 15 bis 20 Min. in der gleichen Position (stehend, sitzend, liegend,
laufend) verharren. In einer körperlich leichten Tätigkeit sei er zu 100% arbeitsfähig,
wenn er alle zwei Stunden zehn Minuten Pause machen könne. Die IV-Stelle ordnete
eine Begutachtung an (IV-act. 32). Dr. med. F._, Spezialarzt FMH Innere Medizin und
Spezialarzt FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, speziell
Rheumaerkrankungen, berichtete in seinem Gutachten vom 24. August 2005 (IV-act.
65), der Versicherte habe über andauernde untere Rücken- und rechtsseitige
Beinschmerzen sowie darüber geklagt, dass er oftmals im Bein kein Gefühl mehr habe.
Dr. F._ führte in seiner Beurteilung aus, er habe eine unspezifische
Wirbelsäulenhaltungs- und Gehstörung sowie eine klinisch nicht relevante
Bandscheibendegeneration L3/4 und L4/5 festgestellt. Klinisch dominierten ganz die
Folgen einer dysfunktionellen Schmerzverarbeitung. Die demonstrierten
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Funktionseinbussen seitens der Wirbelsäule und der Gehfähigkeit seien aktuell das
Resultat eines im Lauf der Zeit durch Konditionierung erlernten, die unphysiologischen
Haltungs- und Bewegungsmuster stabilisierenden Schmerzverhaltens. Die
Arbeitsunfähigkeit werde ausschliesslich durch den psychischen Gesundheitszustand
bestimmt. Dr. med. G._, Spezialärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte in ihrem Gutachten vom 22. Dezember 2005 (IV-act. 66) aus, es liege eine
mittelgradige bis schwere depressive Episode vor. Der Versicherte sei deshalb zu
mindestens 50%, aufgrund der stärkeren Ausprägung und der Chronifizierung eher zu
80% arbeitsunfähig. Bis zum Unfall sei er gesund gewesen. Seither hätten sich seine
Art und sein Verhalten stark verändert. Der psychische Befund sei in den Arztberichten
seit 2003 immer identisch beschrieben worden. Er habe den aktuell erhobenen
Befunden entsprochen. Vorherrschend seien mittelgradig bis schwer depressive
Symptome. Über die Entstehung der Depression könne nur spekuliert werden. Sie
habe sich rasch entwickelt. Dadurch sei der bekannte Teufelskreis mit einer
gegenseitigen negativen Beeinflussung von Schmerz und Depression entstanden. Der
psychische Gesundheitsschaden sei aber behandelbar. Am erfolgversprechendsten sei
eine stationäre psychiatrische Behandlung mit anschliessender Rehabilitation in einer
geschützten Werkstätte. Gemäss der interdisziplinären Stellungnahme von Dr. F._
und Dr. G._ bestand eine Arbeitsunfähigkeit von 80%. Die Gutachter empfahlen eine
erneute psychiatrische Begutachtung nach Ablauf eines Jahres.
A.b Die IV-Stelle forderte den Versicherten auf, sich im Rahmen seiner
Schadenminderungspflicht weiter psychiatrisch behandeln zu lassen (IV-act. 68). Der
Versicherte erklärte sich am 20. Februar 2006 dazu bereit (IV-act. 74). Dr. med. H._,
Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 23. Juni 2006 (IV-act. 77), der
psychische Gesundheitszustand des Versicherten habe sich leicht gebessert. Nun liege
eine mittelgradige depressive Episode vor. Der Versicherte könne eine leichte,
wechselbelastende Arbeit an vier Stunden täglich ausführen. Dabei sei seine
Leistungsfähigkeit um 30% vermindert. Am 1. September 2006 gab Dr. H._ an (IV-
act. 82), der Versicherte sei deutlich weniger depressiv (leichtgradige depressive
Episode), er könne an drei bis vier Stunden einer körperlich angepassten
Erwerbstätigkeit nachgehen. Dr. E._ gab am 13. Dezember 2006 an (IV-act. 88), aus
neurochirurgischer Sicht sei es dem Versicherten nicht mehr zumutbar, einer
mittelschweren bis leichten Arbeit nachzugehen. Die IV-Stelle ordnete erneut eine
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Begutachtung an (IV-act. 89). Der zuständige RAD-Arzt wies am 4. Januar 2007 darauf
hin (IV-act. 93), dass Dr. E._ nur drei Schmerzmittel und ein Muskelrelaxans, aber
kein Antidepressivum angegeben habe. Am 2. Oktober 2007 hielt Dr. E._ gegenüber
dem RAV fest (IV-act. 108-2), der Versicherte sei ab Oktober 2007 zu 50% und ab
November 2007 zu 100% arbeitsfähig, wenn es sich um eine adaptierte Tätigkeit
handle und alle zwei Stunden eine viertelstündige Pause eingelegt werden könne. Dr.
med. I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, allg. beeideter gerichtlicher
Sachverständiger, Arzt für psychotherapeutische Medizin, Psychosomatik und
psychosoziale Medizin, hielt in seinem psychiatrischen Teilgutachten vom 16.
November 2007 fest (IV-act. 116-10 ff.), es liege eine leichtgradige bis mittelgradige
depressive Episode vor. Neben depressiven Verstimmungszuständen bestünden auch
Affektstörungen, leichte psychomotorische Störungen, Antriebsstörungen und ein
vermindertes Interesse, obwohl der Versicherte scheinbar motiviert sei. Hinzu kämen
somatische Symptome, die insbesondere bei verstärkten depressiven Verstimmungen
oder exogenen Belastungen verstärkt dargestellt würden. Eine Erwerbstätigkeit sei
ganztags zumutbar, wobei die Leistungsfähigkeit aber um etwa 30% eingeschränkt sei.
Ab September 2006 sei gestützt auf das Gutachten von Dr. G._ von einer mindestens
50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Adaptiert sei eine geistig leichte Tätigkeit, die
keiner erhöhten Flexibilität bedürfe und bei der kein Zeitdruck und keine psychische
Belastung aufträten. Eine weitere Besserung sei trotz regelmässiger psychiatrischer
Behandlung mit antidepressiver Therapie nicht mehr zu erwarten. Dr. med. J._,
Spezialarzt für orthopädische Chirurgie FMH, Sportmedizin (SGSM), hielt in seinem
Gutachten vom 20. November 2007 fest (IV-act. 116-1 ff.), die lumbalen Schmerzen
und die abnormen Untersuchungsbefunde der LWS könnten bei normalen
radiologischem Befund nicht objektiviert werden. Insbesondere könnten das Ausmass
der Beschwerden, die Ausstrahlungen der Schmerzen in den rechten Fuss und die
Dysästhesien der Zehen nicht nachvollzogen werden. Körperlich leichte Tätigkeiten, die
nicht mit regelmässig inklinierten, reklinierten oder rotierten Körperhaltungen oder dem
Heben und Tragen von Lasten über 15 bis 20 kg verbunden seien, könnten dem
Versicherten vollumfänglich zugemutet werden. Die Gesamtbeurteilung durch Dr. I._
und Dr. J._ ergab eine Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von 70%. Dr.
med. K._ vom RAD hielt dazu am 17. Januar 2008 fest (IV-act. 118), in einer
adaptierten Tätigkeit sehe die Arbeitsfähigkeit im Verlauf wie folgt aus: 100% vom 30.
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Juli 2003 bis 22. Dezember 2005, 20% vom 22. Dezember 2005 bis August 2006 und
70% ab September 2006.
A.c Die Eingliederungsberaterin der IV-Stelle hielt am 2. Juni 2008 fest (IV-act. 132),
der Versicherte mache ein Praktikum als Chauffeur auf einem Kleintransporter. Am
21. November 2008 notierte sie, es liege ein mündlicher Arbeitsvertrag vor
(Stundenlohn Fr. 20.--). Damit sei der Versicherte eingegliedert, so dass sie den Fall
abschliesse. Mit einem Vorbescheid vom 28. Januar 2009 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass sie beabsichtige, das Rentengesuch abzuweisen (IV-act. 139).
Nach Ablauf des Wartejahrs habe wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestanden,
weshalb kein Rentenanspruch habe entstehen können. Ab September 2006 sei eine
adaptierte Tätigkeit zu 70% zumutbar gewesen. Damit hätte der Versicherte gemäss
der Lohnstrukturerhebung 2008 Fr. 42'184.-- verdienen können. Bei einem
Valideneinkommen von Fr. 66'724.-- (effektives Einkommen 2002 zuzüglich seitherige
Entwicklung des Nominallohns) resultiere eine Erwerbseinbusse von Fr. 24'540.-- bzw.
37%. Der Versicherte liess am 27. Februar 2009 einwenden (IV-act. 144), in Bezug auf
die körperlichen Leiden sei auf die Angaben von Dr. E._ abzustellen. Weshalb sich
der psychische Zustand so stark verbessert haben sollte, sei nicht nachvollziehbar. Zur
Aktenergänzung seien Berichte der behandelnden Ärzte einzuholen. Das
Valideneinkommen sei nach oben anzupassen, das Invalideneinkommen nach unten zu
korrigieren (zusätzlicher Abzug von 25%). Dr. E._ hatte in Beantwortung der ihm vom
Rechtsvertreter des Versicherten in einem UV-Einspracheverfahren gestellten Fragen
am 30. Januar 2007 angegeben (IV-act. 97-1 und 145-18 ff.), aus neurologischer Sicht
sei der Versicherte für eine mittelschwere bis leichte Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig.
Man könne nur auf eine spontane naturgemässe Heilung hoffen. Die Diskushernien auf
der Höhe L3/4 rechts und L 4/5 links seien kleiner geworden. Dr. med. L._, Innere
Medizin FMH, führte am 20. März 2009 in Beantwortung der Fragen des
Rechtsvertreters des Versicherten aus (IV-act. 145-13 ff.), er habe folgende Diagnosen
erhoben: Rezidivierende depressive Episoden, aktuell mittelgradig, posttraumatisches
lumbovertebrales Syndrom mit sensibler und fraglicher intermittierend motorischer
Reizsymptomatik rechts, posttraumatische Belastungsreaktion nach Autounfall am 29.
Januar 2009. Er gab weiter an, vom 29. Januar bis 17. März 2009 sei der Versicherte
aus psychischen Gründen zu 100% arbeitsunfähig gewesen. Zu Anfang der
Behandlung im Jahr 2007 sei keine eindeutige motorische Ausfallsymptomatik zu
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erkennen gewesen. Der Versicherte gebe eine Hypoästhesie an der 3. und 4. Zehe an,
was für ein sensibles Reizsyndrom spreche. Die intermittierende Beinschwäche sei in
der Diagnose von Dr. J._ nicht berücksichtigt. Sowohl aus somatischen als auch aus
psychiatrischen Gründen habe im Zeitpunkt der Untersuchung durch Dr. J._
(November 2007) eine Arbeitsunfähigkeit von 40-50% bestanden.
A.d Dr. H._ gab dem Rechtsvertreter des Versicherte am20. März 2009 an (IV-act.
145-10 ff.), aktuell sei der Versicherte wieder stärker depressiv. Bei der Untersuchung
durch Dr. I._ sei er bereits zu 50% arbeitsunfähig gewesen. Die tiefere
Arbeitsunfähigkeitsschätzung von Dr. I._ beruhe auf unpräzisen Informationen des
Versicherten, der zu einer unbewussten Dissimulation neige. Seit dem 29. Januar 2009
bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Der Rechtsvertreter des Versicherten
verlangte am 30. März 2009 die Zusprache einer ganzen Invalidenrente (IV-act. 145-1
ff.). Dr. L._ berichtete der IV-Stelle am 10. Juni 2009 (IV-act. 148), der Versicherte
leide an einem zervikozephalen (bds.) und lumboischialgiformen Schmerzsyndrom
rechts, an einer posttraumatischen Belastungsreaktion nach Autounfall am 29. Januar
2009, an einer mittelgradigen depressiven Störung mit somatischen Symptomen und
an einer psychasthenischen Persönlichkeit. Vom 31. Januar bis 17. März 2009 sei er
unfallbedingt zu 100% arbeitsunfähig gewesen. Seither bestehe eine
krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit von 50%. Obwohl im Muskelzentrum des
Kantonsspitals St. Gallen kein sicherer Anhalt für eine Wurzelkompression der
Radikulopathie gefunden worden sei, seien die intermittierend auftretenden
sensomotorischen Reizbeschwerden rechts wahrscheinlich. Dr. H._ gab der IV-Stelle
am 22. August 2009 an (IV-act. 151), der Versicherte leide an einer mittelgradigen
depressiven Episode mit somatischen Symptomen und an einer psychasthenischen
Persönlichkeit. Er sei zu 40% arbeitsunfähig.
A.e Die IV-Stelle beauftragte die ABI Begutachtungsinstitut GmbH in Basel mit einer
polydisziplinären Begutachtung (IV-act. 155). Im Gutachten vom 11. Februar 2010 (IV-
act. 159) führte die psychiatrische Sachverständige aus, eine psychisch spezifische
Vorgeschichte lasse sich aus den Angaben des Versicherten nicht ableiten. Dieser
habe auf Empfehlung der Rehaklinik D._ eine Behandlung bei Dr. H._ begonnen. Er
sei mit diversen Antidepressiva behandelt worden. Erfragbar gewesen seien
wiederholte Unsicherheits- und Ängstlichkeitsgefühle bei Zukunftssorgen und
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gezwungener Trennung von Ehefrau und Kind. Die Faktoren einer krankheitsbedingten
Depression hingegen seien nicht erfragbar gewesen. Es hätten sich auch keine
Hinweise für eine Persönlichkeitsstörung oder für eine dissoziative Störung gezeigt. Der
psychiatrische Befund habe sich bis auf eine ausgeprägte Reserviertheit und eine leicht
zu verspürende Unsicherheit regelrecht gezeigt. Eine krankheitsbedingte Störung habe
nicht diagnostiziert werden können. Der Medikamentenspiegel habe für Maprotilin
unter der Nachweisgrenze gelegen, derjenige für Venlafaxin sei deutlich erniedrigt
gewesen. Die Compliance sei deshalb zweifelhaft. Bei fehlenden nachweisbaren
psychopathologischen Funktionseinschränkungen bestehe eine Arbeitsfähigkeit von
100%. Die von Dr. H._ für die Zeit ab 29. Januar 2009 angegebene volle
Arbeitsunfähigkeit könne gutachterlich nicht objektiviert werden. In den früheren
Berichten von Dr. H._ seien keine validen pathologischen Befundmerkmale zu finden
gewesen. Die Angaben des Versicherten bei der aktuellen Exploration hätten auch für
die Vergangenheit keine typischen störungsspezifischen Symptome einer Depression
erkennen lassen. Nur Dr. G._ habe am 22. Dezember 2005 eine entsprechende
Psychopathologie dargestellt. Seither müsse von einer deutlichen Besserung
ausgegangen werden. Die sozialmedizinische Beurteilung laute daher zum jetzigen
Zeitpunkt anders als zum Zeitpunkt der Begutachtung (22. Dezember 2005). Auch das
Gutachten von Dr. I._ spreche für eine deutliche Besserung seit dem Vorgutachten.
Für die Zeit ab der aktuellen Begutachtung müsse von einer Remission ausgegangen
werden. Der orthopädische Gutachter der ABI GmbH berichtete, die vom Versicherten
angegebenen Beschwerden hätten anlässlich der Untersuchung nur zu einem geringen
Teil begründet werden können. Es sei plausibel, dass die bestehenden, leichten
degenerativen Veränderungen an der lumbalen Wirbelsäule eine etwas verminderte
Belastbarkeit nach sich zögen, was bei einer körperlich schweren Tätigkeit zu einer
entsprechenden Schmerzexazerbation führen könne. Für körperlich leichte bis
mittelschwere Tätigkeiten in wechselnder Position mit einer Heb- und Traglimite von 20
kg bestehe eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Dr. E._ habe einen über das
Normale hinausgehenden Pausenbedarf angegeben. Dafür sei kein objektivierbarer
Grund zu finden. Unklar bleibe auch, weshalb Dr. E._ dann doch eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit auch für körperlich leichte Tätigkeiten attestiert habe. Der
orthopädische Gutachter stellte folgende Diagnosen: Chronisches lumbovertebrales
Schmerzsyndrom ohne akute radikuläre Symptomatik (leichtgradige Diskusalterationen
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der unteren LWS, klinisch und MR-tomographisch ohne Nervenkompression) sowie -
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - Medikamenten-Malcompliance und V. a.
inadäquate Schmerzverarbeitung und Symptomausweitung. Die beiden
Sachverständigen führten abschliessend aus, ab Juli 2002 könne von einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ausgegangen werden.
Ab dem selben Zeitpunkt sei dem Versicherten eine adaptierte Tätigkeit vollumfänglich
zumutbar gewesen. Aus psychiatrischer Sicht seien retrospektive Beurteilungen mit
einer gewissen Unsicherheit behaftet, da der Verlauf naturgemäss schwankend sei.
Den Unterlagen lasse sich nicht entnehmen, dass jemals über längere Zeit ein
wesentlich anderes psychisches Zustandsbild vorgelegen hätte, als es sich aktuell
präsentiere. Zwar sei wiederholt eine etwas stärkere Ausprägung der entsprechenden
Störung beschrieben worden, doch hätten entsprechende Behandlungen immer wieder
eine deutliche Besserung gebracht. Somit habe wohl nie eine anhaltende höhergradige
Depression bestanden. Der Versicherte selbst gehe für eine körperlich angepasste
Tätigkeit wie beispielsweise die aktuell ausgeübte Tätigkeit von einer höheren
Arbeitsunfähigkeit aus, ohne diese aber exakt zu quantifizieren. Für körperlich leichte
bis mittelschwere adaptierte Tätigkeiten bestehe eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von
100%.
A.f Dr. L._ führte in einem Arztzeugnis vom 27. April 2010 aus (IV-act. 166), der
Versicherte sei am 22. August 2009 Zeuge eines nächtlichen Autobahnunfalls gewesen.
Die dadurch bewirkte psychische Störung habe im November 2009 wieder gebessert.
Für die Zeit vom 22. August bis Mitte November 2009 habe eine Arbeitsunfähigkeit von
100% bestanden. Aktuell sei eine Arbeitsfähigkeit von 40% zumutbar. Dr. H._ hielt
am 28. April 2009 fest (IV-act. 167), er habe den Versicherten immer teilweise
arbeitsfähig geschrieben. Einzig und allein nach dem Unfallereignis sei der Versicherte
zu 100% arbeitsunfähig gewesen, weil eine posttraumatische Belastungsstörung be
standen habe. Der Versicherte habe diese Reaktion relativ schnell überwinden können.
Es verwundere, dass das psychiatrische Gutachten die Störungen des Versicherten
bagatellisiere, ja für die Vergangenheit sogar in Frage stelle. Man bekomme den
Eindruck, dass die Gutachterin weder ihm, dem Therapeuten, noch den beiden
Vorgutachtern die Fähigkeit zugestehe, eine depressive Symptomologie zu erkennen
und zu beurteilen. Vermutlich habe der Versicherte so gesprochen, wie es bei einer
fehlenden Einsicht in die Krankheit oder sogar bei einer angstbedingten
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Dissimulationstendenz zu erwarten sei. Der Versicherte habe bei der Untersuchung ein
auffälliges Verhalten gezeigt. Er leide an einer Persönlichkeitsstörung, die für die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit relevant sei. Deshalb sei die Feststellung einer vollen
Arbeitsfähigkeit nicht haltbar. Dr. H._ blieb abschliessend dabei, dass der Versicherte
zu ca. 60% arbeitsunfähig sei. Der Rechtsvertreter des Versicherten führte am 7. Mai
2010 aus (IV-act. 165), dem ABI-Gutachten könne keine Bedeutung beigemessen
werden. Entweder werde gestützt auf die Feststellungen von Dr. H._ und der
früheren Gutachter eine Rente zugesprochen oder es sei eine Oberexpertise zu
erstellen. Nicht nachvollziehbar sei, weshalb keine neurochirurgische und keine
neurologische Abklärung durchgeführt worden sei. Dr. med. M._ und Dr. med. N._
vom RAD hielten am 20. Mai 2010 fest (IV-act. 168), wenn Dr. H._ eine fehlende
Einsicht seines Patienten in die psychische Krankheit vermute, so sei verwunderlich,
dass dieser sich fünf Jahre lang habe behandeln lassen. Dr. H._ habe seinem
jüngsten Schreiben weder eine depressionsbegründende Psychopathologie beigelegt
noch habe er begründet, in welchen funktionellen Ebenen eine die Arbeitsfähigkeit
tangierende Einschränkung gegeben sei. Dies gelte noch viel mehr für die sensible
psychasthenische Persönlichkeit. Diagnosen allein begründeten noch keine
Arbeitsunfähigkeit. Die Behauptung von Dr. H._, die psychiatrische Gutachterin habe
eine depressive Störung auch für die Vergangenheit verneint, sei unzutreffend.
Insgesamt seien seine Ausführungen nicht geeignet, das psychiatrische Gutachten
auch in den sozialmedizinischen Schlussfolgerungen in Zweifel zu ziehen. Dr. L._
habe seine Arbeitsfähigkeitsschätzung (40%) durchgehend mit IV-fremden Argumenten
begründet. Der orthopädische Gutachter des ABI habe sich mit den neurochirurgischen
Einschätzungen von Dr. E._ auseinandergesetzt. Die orthopädische Abklärung sei,
wie die gesamte Begutachtung, lege artis erfolgt. Im übrigen habe Dr. L._ die
orthopädischen Abklärungen selbst als zutreffend erachtet. Die IV-Stelle verglich ein
Valideneinkommen von Fr. 66'724.-- mit einem Invalideneinkommen von Fr. 42'184.--
(Arbeitsfähigkeit gemäss dem Gutachten F._/I._ 70%) und ermittelte so einen
Invaliditätsgrad von 37%. Gestützt auf die Angaben im ABI-Gutachten (Arbeitsfähigkeit
100%) ging die IV-Stelle in einem zweiten Einkommensvergleich von einem
Valideneinkommen von wiederum Fr. 66'724.-- und einem Invalideneinkommen von Fr.
59'979.-- aus, was einen Invaliditätsgrad von 10% ergab. Mit einer Verfügung vom 26.
Mai 2010 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des Versicherten ab (IV-act. 170).
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B.
B.a Der Versicherte liess am 24. Juni 2010 Beschwerde erheben und sinngemäss die
Zusprache einer ganzen Invalidenrente, eventualiter die Rückweisung der Sache zur
weiteren Abklärung des Sachverhalts beantragen (act. G 1). Sein Rechtsvertreter führte
zur Begründung insbesondere aus, Dr. G._ habe im Gutachten vom 22. Dezember
2005 eine Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen von 50% bis eher 80%
angegeben. Dr. I._ habe die Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen im
Gutachten vom 16. November 2007 mit 30-40% beziffert. Dr. H._ habe ab
Behandlungsbeginn am 5. Januar 2005 eine Arbeitsunfähigkeit von durchschnittlich
50% festgestellt. Da er als behandelnder Arzt den Beschwerdeführer über längere Zeit
habe beobachten können, müsse seine Einschätzung überzeugender sein als diejenige
der Gutachterin des ABI, die auf eine Momentaufnahme habe abstellen müssen. Die
Gutachterin des ABI habe ihre abweichende Arbeitsfähigkeitsschätzung für die
Vergangenheit nicht überzeugend begründet. Sie habe zu sehr auf die Angaben des
Beschwerdeführers abgestellt. Ausserdem hätte ein Dolmetscher beigezogen werden
müssen. Für die Zeit ab 2002/3 bis Ende 2005 sei gestützt auf die Angaben von
Dr. G._ von einer Arbeitsunfähigkeit von 50%, dann für einige Monate von einer
solchen von 80% und anschliessend wieder von 50% auszugehen. Dr. L._ sei von
einer solchen von 40-50% ausgegangen. Der orthopädische Gutachter des ABI habe
auf eine veraltete (6. Sept. 2006) Bildgebung abgestützt. Es sei nicht nachzuvollziehen,
weshalb die Gutachter des ABI auf eine neurologische und eine neurochirurgische
Abklärung verzichtet hätten. Bei der Bemessung des Invalideneinkommens hätte ein
zusätzlicher Abzug im maximalen Umfang von 25% erfolgen müssen.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 31. August 2010 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Sie machte geltend, die angefochtene Verfügung beruhe auf
der Annahme, dass der Beschwerdeführer nach dem Ablauf des Wartejahrs im Juli
2003 für eine adaptierte Tätigkeit zuerst zu 100% und dann zu 70% arbeitsfähig
gewesen sei und dass seit der Begutachtung im Januar 2010 wieder eine
Arbeitsfähigkeit von 100% bestehe. Den Einschätzungen aller somatischen Gutachter
sei gemeinsam, dass die erhobenen Befunde die geklagte Schmerzsymptomatik nicht
zu erklären vermöchten. Angesichts des unauffälligen neurologischen Status sei keine
vertiefte neurologische Abklärung erforderlich gewesen. Deshalb habe auch auf die
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Erstellung neuer Röntgenaufnahmen verzichtet werden können. Aus somatischer Sicht
sei der Beschwerdeführer für eine adaptierte Tätigkeit ab Juli 2003 durchgehend zu
100% arbeitsfähig gewesen. Bei der Exploration durch Dr. G._ im Dezember 2005 sei
er möglicherweise tatsächlich in einem erheblichen Ausmass depressiv gewesen. Dr.
G._ habe den Zustand aber als verbesserungsfähig qualifiziert. Da der innerseelische
Verlauf also noch angehbar und damit noch nicht gefestigt gewesen sei, habe kein
invalidisierender Gesundheitsschaden vorgelegen, zumal die Depression nicht
losgelöst von der Schmerzverarbeitungsstörung habe betrachtet werden können und
durch psychosoziale Faktoren mitbestimmt gewesen sei. Das gelte auch für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. I._. Die psychiatrische Gutachterin des ABI habe
die Deutschkenntnisse des Beschwerdeführers als ausreichend betrachtet, was nicht
anzuzweifeln sei. Bei der Bemessung des Invalideneinkommens sei kein zusätzlicher
Abzug gerechtfertigt, da nicht anzunehmen sei, dass der vollzeitlich einsetzbare
Beschwerdeführer "unausweichlich" eine Lohneinbusse erleiden würde.
B.c Der Beschwerdeführer liess am 24. Dezember 2010 insbesondere einwenden (act.
G 12), die psychiatrische Begutachtung von Dr. G._ sei vom RAD empfohlen worden.
Anschliessend sei er aufgefordert worden, sich behandeln zu lassen. Damit
habe die Beschwerdegegnerin zum Ausdruck gebracht, dass erhebliche psychische
Beschwerden vorhanden gewesen seien. Bei der psychiatrischen Exploration durch die
Gutachterin des ABI wäre ein Dolmetscher unabdingbar gewesen. Er werde am
1. Januar 2011 eine Vollzeitstelle antreten.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 3. Januar 2011 auf eine Duplik (act. G
14).

Erwägungen:
1.
Anspruch auf eine Invalidenrente hat, wer zu mindestens 40% invalid ist (Art. 28 Abs. 2
IVG). Gemäss Art. 16 ATSG ist zur Bemessung des Invaliditätsgrades das Einkommen,
das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung
der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
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ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum Erwerbseinkommen, das sie
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
1.1 Der Beschwerdeführer ist am 1. Juli 2002 verunfallt. Dr. C._ hat zwar ein im Mai
2000 akutes Lumbovertebralsyndrom erwähnt (vgl. IV-act. 9-2), aber diese
Gesundheitsbeeinträchtigung hat keine dauernde Arbeitsunfähigkeit bewirkt, wie die
Aufzeichnungen der B._ AG zeigen (vgl. IV-act. 8). Das sogenannte Wartejahr (Art. 28
Abs. 1 lit. b IVG) hat somit frühestens mit dem Unfall zu laufen begonnen, so dass es
frühestens am 30. Juni 2003 erfüllt gewesen sein kann. Zur Diskussion steht deshalb
ein allfälliger Rentenanspruch ab 1. Juli 2003. Dr. C._ hat im Juli 2003 im
Rückenleiden des Beschwerdeführers zwar die Ursache für eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit für die B._ AG, aber keine Ursache für
eine Arbeitsunfähigkeit in einer der Behinderung bestmöglich angepassten, adaptierten
Erwerbstätigkeit gesehen. Auch der Neurochirurg Dr. E._ hat am 12. Januar 2004
noch eine annähernd vollständig erhaltene Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Erwerbstätigkeit angegeben, falls der Beschwerdeführer alle zwei Stunden eine
zehnminütige Pause einlegen könne (vgl. IV-act. 25). Während Dr. C._ und Dr. E._
für die frühere Tätigkeit eine hohe Arbeitsunfähigkeit angegeben haben, hat Dr. F._
am 24. August 2005 für jegliche Art von Erwerbstätigkeit, also auch für die früher
ausgeübte Arbeit, eine Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers verneint, da das bei
der Untersuchung präsentierte Verhalten überwiegend auf einem durch Konditionierung
erlernten, die unphysiologischen Haltungs- und Bewegungsmuster stabilisierenden
Schmerzverhalten beruhe (vgl. IV-act. 65-10 f.). Wenn diese Einschätzung von Dr. F._
richtig wäre, hätte der Beschwerdeführer das Wartejahr gar nie erfüllt. Mit dieser
Auffassung steht Dr. F._ nicht allein da, denn auch Dr. J._ hat für körperlich
belastende Arbeiten nur eine Arbeitsunfähigkeit von 10% angegeben (vgl. IV-act.
116-6). Der orthopädische Gutachter der ABI GmbH hingegen hat schwere Tätigkeiten,
die mit häufigen Zwangshaltungen des Rumpfes verbunden seien, als nicht mehr
zumutbar bezeichnet (vgl. IV-act. 159-25), obwohl er hat einräumen müssen, dass
Personen mit identischen strukturellen Alterationen ohne Leistungseinbusse einer
körperlich sehr schweren Tätigkeit nachgingen. Erfahrungsgemäss lösen
Beeinträchtigungen von der Art und Stärke, wie sie beim Beschwerdeführer vorliegen,
nicht bei allen Betroffenen im gleichen Ausmass Schmerzen aus. Aufgrund der vom
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Beschwerdeführer geschilderten Schmerzen und den Behandlungen, die in den
Monaten nach dem Unfall durchgeführt worden sind, ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer als Folge der
Schmerzen, die bei einer weiteren Ausübung der früheren Erwerbstätigkeit aufgetreten
wären, tatsächlich objektiv in einem hohen Mass arbeitsunfähig gewesen ist. Dass er
sich später daran gewöhnt hat, sich in der Angst vor dem erneuten Auftreten von
Schmerzen unphysiologisch zu bewegen und entsprechende Körperhaltungen
einzunehmen, lässt entgegen der Auffassung insbesondere von Dr. F._ nicht darauf
schliessen, dass der Beschwerdeführer auch in den ersten zwölf Monaten nach dem
Unfall nie objektiv arbeitsunfähig gewesen sei. Vielmehr ist davon auszugehen, dass
die frühere Erwerbstätigkeit mindestens bis zum Auftreten einer relevanten,
psychiatrisch begründeten Arbeitsunfähigkeit bereits aus somatischer Sicht nicht mehr
zumutbar gewesen ist. Das Wartejahr hat also am 30. Juni 2003 als erfüllt zu gelten.
1.2 Zu prüfen bleibt, ob ab dem 1. Juli 2003 bezogen auf eine adaptierte
Erwerbstätigkeit eine durch die körperliche Beeinträchtigung ausgelöste
Arbeitsunfähigkeit bestanden hat. Dr. C._, Dr. F._ und zunächst auch Dr. E._
haben übereinstimmend angegeben, dass der Beschwerdeführer in einer adaptierten
Tätigkeit nicht arbeitsunfähig gewesen sei. Dr. F._ hat diese Auffassung damit
begründet, dass das Krankheitsbild klinisch ganz durch die Folgen der dysfunktionalen
Schmerzverarbeitung dominiert werde (vgl. IV-act. 65-10), so dass eine allfällige
Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ausschliesslich psychisch begründet
sein könne. Dr. E._ hat in späteren Berichten die Auffassung vertreten, dass der
Beschwerdeführer aus neurochirurgischer Sicht auch für eine adaptierte
Erwerbstätigkeit zu 100% arbeitsunfähig sei (vgl. IV-act. 92, 97-1 f.), obwohl sich die
gestellte Grunddiagnose nicht geändert hatte. Hinzugekommen war nur eine Reihe
frustran verlaufener Versuche, die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden
medikamentös zu bekämpfen. Das lässt darauf schliessen, dass Dr. E._ die
geklagten Beschwerden als ausschliesslich somatisch bedingt qualifiziert hat. Die
angegebene vollständige Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Erwerbstätigkeit beruht
also nur auf den Schmerzangaben des Beschwerdeführers. Die Berichte von Dr. E._
enthalten keinen Hinweis darauf, dass die Möglichkeit einer dysfunktionalen
Schmerzverarbeitung in Betracht gezogen worden wäre und zu entsprechenden
Abklärungen Anlass gegeben hätten, obschon die Berichte anderer Ärzte deutlich
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darauf hingewiesen hatten, dass die Beschwerdeschilderungen nicht oder nur teilweise
durch die objektiv bestehende somatische Situation zu erklären waren. Den späteren
Arbeitsfähigkeitsschätzungen von Dr. E._ kann deshalb kein Beweiswert
beigemessen werden. Dr. J._ hat im November 2007 festgehalten, dass die lumbalen
Schmerzen und die abnormen Untersuchungsbefunde der LWS weder radiologisch
noch klinisch objektiviert werden könnten (vgl. IV-act. 116-5). Er hat also im Ergebnis
die Auffassungen von Dr. C._ und Dr. F._ bestätigt und bezogen auf die
somatische Gesundheitssituation eine volle Arbeitsfähigkeit für eine adaptierte
Erwerbstätigkeit angegeben. Dr. L._ hat zwar eine sensible und allenfalls auch
motorische Reizsymptomatik rechts beschrieben (vgl. IV-act. 145-16 f.), aber er hat für
eine entsprechend adaptierte Erwerbstätigkeit (sitzend mit wendig Bewegungsan
forderungen) aus rein somatischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit festgestellt. Er hat die
angegebene Arbeitsunfähigkeit ausschliesslich auf die psychische Beeinträchtigung
des Beschwerdeführers abgestützt (vgl. auch IV-act. 148-2 f.). Das Muskelzentrum des
Kantonsspitals St. Gallen hat dann in der Folge eine motorische Reizsymptomatik
verneint (vgl. IV-act. 148-5). Der orthopädische Sachverständige der ABI GmbH hat die
Einschätzung seiner beiden Vorgutachter weitgehend bestätigt. Er hat weder in der
MR-Tomographie der LWS vom September 2006 noch in den Ergebnissen seiner
klinischen Untersuchung eine Ursache für die vom Beschwerdeführer geklagten
Beschwerden finden können. Er hat auf die Erstellung neuer Aufnahmen verzichtet, weil
die im Bild vom September 2006 sichtbare Situation sehr gut mit dem von ihm
erhobenen klinischen Befund übereingestimmt hat, so dass er von einem seit 2006
unveränderten Zustand hat ausgehen können. Entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers ist es nicht notwendig, neue Bilder zu erstellen, nur weil seit der
letzten bildgebenden Abklärung einige Zeit verstrichen ist. Vielmehr muss es Indizien
dafür geben, dass sich etwas verändert haben und dass diese Veränderung auf einem
neuen Bild erkennbar sein könnte. Im Vorgehen des orthopädischen Sachverständigen
kann also entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers kein Fehler bei der
Begutachtung erblickt werden. Der orthopädische Sachverständige der ABI GmbH ist
zudem in der Lage gewesen, die notwendigen neurologischen Abklärungen selbst
vorzunehmen. Der Beizug eines neurologischen oder neurochirurgischen
Sachverständigen wäre nur nötig gewesen, wenn die entsprechenden Abklärungen des
orthopädischen Sachverständigen einen Hinweis auf einen spezifisch neurologischen
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Defekt geliefert hätten. Das ist aber nicht der Fall gewesen. An der Qualität der
Begutachtung für den somatischen Teil der Gesundheitsbeeinträchtigung kann
demnach nichts ausgesetzt werden. Die entsprechende Arbeitsfähigkeitsschätzung
überzeugt, zumal sie mit den Vorgutachten von Dr. F._ und Dr. J._ übereinstimmt.
Somit ist der Beschwerdeführer in somatischer Hinsicht bei der Ausübung einer
adaptierten Erwerbstätigkeit nicht in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt.
1.3
1.3.1 In psychiatrischer Hinsicht ist die Beschwerdegegnerin davon
ausgegangen, dass der Beschwerdeführer unmittelbar nach dem Ablauf des
Wartejahrs zu 100% arbeitsfähig gewesen sei. Sie dürfte sich dabei auf den Bericht
von Dr. C._ vom 1. August 2003 (vgl. IV-act. 9) abgestützt haben, laut dem der
Beschwerdeführer zwar an einer Depression mit somatischen Symptomen gelitten
hatte, aber trotzdem voll arbeitsfähig gewesen war. Zu diesem Zeitpunkt hat sich der
Beschwerdeführer noch nicht in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung
befunden. Er hat Dr. H._ erstmals am 5. Januar 2005 aufgesucht. Dr. C._ hat den
Beschwerdeführer bis dahin offenbar selbst behandelt, indem er Psychopharmaka
verschrieben hat. Weil die Beschwerdegegnerin offenbar nichts von der Behandlung
durch Dr. H._ gewusst hat, hat sie keinen Bericht dieses Arztes eingeholt. Die erste
fachärztliche Stellungnahme zum psychischen Gesundheitszustand und damit zur
Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht stammt deshalb von der Gutachterin Dr.
G._. Sie datiert vom 22. Dezember 2005 (vgl. IV-act. 66), d.h. sie ist zweieinhalb
Jahre nach dem Ablauf des Wartejahrs erstellt worden. Obwohl Dr. G._ von der seit
beinahe einem Jahr andauernden Behandlung durch Dr. H._ gewusst hat, hat sie
weder die Beschwerdegegnerin veranlasst, einen Arztbericht anzufordern, noch hat sie
sich selbst mit Dr. H._ in Verbindung gesetzt. Sie hat sich bei ihrer Beurteilung
ausschliesslich auf ihre eigene Exploration abgestützt. Die dabei festgestellten
Symptome sind offenbar so deutlich gewesen, dass Dr. G._ festgehalten hat,
ausgehend von der klinisch ins Auge springenden depressiven Symptomatik erscheine
die Diagnose einer mittelgradigen bis schweren depressiven Episode als passend (vgl.
IV-act. 66-4). Sie hat diese Symptomatik allerdings nur kurz dargestellt, indem sie
angegeben hat, der Beschwerdeführer habe mit leiser, verhaltener Stimme gesprochen,
er habe unsicher und scheu gewirkt, er habe im Gespräch keine Eigeninitiative gezeigt
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und er habe auf Fragen nur knapp geantwortet, ohne Kontakt mit der Untersucherin
aufzunehmen. Auch gegenüber seiner (übersetzenden) Cousine habe er gehemmt
gewirkt. Auffallend sei gewesen, dass der Beschwerdeführer kaum Angaben zu seinem
Befinden oder zu seinen Gedanken dazu habe machen können. Er habe deutlich
leidend gewirkt, ohne das übermässig darzustellen oder zu aggravieren. Das subjektive
Befinden, die subjektiven Angaben das Verhalten und die objektiv fassbaren Eindrücke
hätten ein kongruentes Bild ergeben. Affektiv habe der Beschwerdeführer leblos und
wenig schwingungsfähig gewirkt. Mimik und Gestik seien ausdruckslos und monoton
gewesen (vgl. IV-act. 66-3). Bei dieser Beschreibung der Symptomatik ist die von Dr.
G._ angegebene Schwere der depressiven Episode nicht derart offensichtlich.
Trotzdem ist auf die Einschätzung von Dr. G._ abzustellen, denn sie ist eine
erfahrene Gutachterin und massgebend ist ihre Einschätzung und nicht die Wiedergabe
der bei der Exploration erhobenen Symptome. Die fehlende Rückfrage bei Dr. H._ ist
nicht relevant, da dieser die Einschätzung bestätigt hätte, wie spätere Arztberichte
belegen (vgl. IV-act. 77).
1.3.2 Dr. G._ hat entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht nur
für die Zeit ab der Begutachtung eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50% bzw.
80% angegeben. Sie ist vielmehr davon ausgegangen, dass sich die Depression nach
dem Unfall rasch entwickelt habe. Der psychische Befund sei in den Arztberichten seit
2003 immer identisch beschrieben worden und er entspreche dem aktuell erhobenen
Befund. Diese Äusserung kann nur so verstanden werden, dass Dr. G._ ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzung für die Zeit ab 2003 und nicht nur für die Zeit ab der
Begutachtung angegeben hat. Sie hat sich allerdings nicht mit der abweichenden
Auffassung von Dr. C._ auseinandergesetzt, obwohl ihr dessen Bericht nachweislich
vorgelegen hat. Das kann nur so interpretiert werden, dass sie seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht geteilt hat. Da es sich bei der Einschätzung der
Schwere einer Depression um eine notorisch schwierige Aufgabe handelt, ist es
durchaus möglich, dass Dr. C._ mangels entsprechender fachärztlicher Kenntnisse
und Erfahrungen zu optimistisch vorgegangen ist. Obwohl Dr. G._ die ebenfalls
notorisch schwierige Aufgabe gehabt hat, die gesundheitliche Situation des
Beschwerdeführers in der Vergangenheit einzuschätzen, ist doch davon auszugehen,
dass ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung die überzeugendere ist. Sie hat angegeben, der
Beschwerdeführer sei mindestens zu 50%, eher aber aufgrund der stärkeren
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Ausprägung und Chronifizierung zu 80% arbeitsunfähig. Bei derartigen
Bandbreitenangaben ist praxisgemäss (vgl. etwa das Bundesgerichtsurteil vom 21.
April. 2005, I 822/04) vom Mittelwert auszugehen. Sollte auf die Einschätzung von Dr.
G._ als überwiegend wahrscheinlich richtig abgestellt werden können, müsste das
zumutbare Invalideneinkommen also mit Wirkung ab 1. Juli 2003 ausgehend von einem
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 65% ermittelt werden.
1.3.3 Dr. H._ hat am 23. Juni 2006 (vgl. IV-act. 77) angegeben, der
Beschwerdeführer könne vier Stunden täglich arbeiten, wobei seine Leistung zusätzlich
um 30% eingeschränkt sei. Der Gesundheitszustand habe sich leicht gebessert. Diese
Einschätzung stimmt weitgehend mit derjenigen von Dr. G._ überein. Dr. I._ ist in
seinem Gutachten vom November 2007 (vgl. IV-act. 116-17 ff.) von einem
Arbeitsunfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers von nur noch 30% ausgegangen.
Seine Schilderung der Symptome ist noch knapper ausgefallen als bei Dr. G._. Er hat
angegeben, der Beschwerdeführer habe in der Stimmungslage leicht bedrückt, affektiv
etwas vermindert mit schwingend, bei Ablenkung aufgehellt, psychomotorisch und im
Antrieb leicht verunsichert gewirkt. Er habe ausserdem einen etwas klagsamen,
daneben aber motivierten Eindruck gemacht. Auch hier gilt wie beim Gutachten von
Dr. G._, dass sich die Schwere der Depression nicht aus der Symptomschilderung,
sondern aus der Einschätzung durch den erfahrenen Gutachter ergibt. Dr. H._ hat am
20. März 2009 (vgl. IV-act. 145-10 ff.) Kritik am Gutachten von Dr. I._ geübt. Er hat
geltend gemacht, Dr. I._ habe sich auf die in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit
optimistischen Arztberichte aus dem Jahr 2006 abgestützt. Effektiv sei der psychische
Zustand damals aber nicht stabil gewesen. Gestützt darauf sei Dr. I._ zu einer zu
hohen Arbeitsfähigkeit gelangt. Effektiv sei der Beschwerdeführer nur zu 50%
arbeitsfähig. Es ist davon auszugehen, dass sich Dr. I._ in erster Linie auf das
Ergebnis seiner Exploration und nur zur Verifizierung auf die Arztberichte von Dr. H._
abgestellt hat. Als erfahrener Facharzt und Gutachter ist Dr. I._ sicherlich in der Lage
gewesen, eine allfällige "Leugnung" der psychischen Probleme durch den
Beschwerdeführer zu durchschauen und deshalb auch allzu optimistische
Selbstangaben nach ihrem objektiven Wert in die Beurteilung einzubeziehen. Die Kritik
von Dr. H._ erweist sich deshalb als nicht stichhaltig.
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1.3.4 Die psychiatrische Sachverständige der ABI GmbH ist zu einem völlig
anderen Ergebnis als alle vor ihr mit dem Fall des Beschwerdeführers befassten Ärzte
gelangt. Sie hat das Vorliegen einer krankheitswertigen Depression verneint (vgl. IV-act.
159-19 ff.). Begründet hat sie dies damit, dass der psychische Befund bis auf eine
ausgeprägte Reserviertheit und eine leicht zu verspürende Unsicherheit des
Beschwerdeführers regelrecht gewesen sei. Sie hat die jüngsten Angaben von Dr.
H._ als unrichtig bezeichnet, weil in dessen zahlreichen früheren Berichten keine
validen pathologischen Befundmerkmale aufgeführt worden seien, weil objektivierbare
psychopathologische Einschränkungen fehlten und weil sich auch den aktuellen
Angaben des Beschwerdeführers anlässlich der Untersuchung keine typischen
störungsspezifischen Symptome hätten entnehmen lassen (vgl. IV-act. 159-20). Das
erste Argument dürfte nicht stichhaltig sein, weil dies auch auf eine verkürzte
Berichterstattung zurückzuführen sein könnte. Das schadet aber nicht, da das Fehlen
psychopathologischer Einschränkungen bzw. störungsspezifischer Symptome die
Diagnose einer arbeitsfähigkeitsrelevanten Depression ausschliesst. Es ist also davon
auszugehen, dass Dr. H._ in der Vergangenheit zwar die Entwicklung der
Arbeitsunfähigkeit grundsätzlich korrekt wiedergegeben hat, aber nicht hat einräumen
wollen, dass diese Besserung so weit fortgeschritten sei, dass keine Arbeitsunfähigkeit
mehr vorliege. Die psychiatrische Sachverständige der ABI GmbH hat die
Einschätzungen von Dr. G._ und Dr. I._ akzeptiert. Sie hat ausgeführt, dass Dr.
G._ eine ihrer Arbeitsfähigkeitsschätzung entsprechende Pathologie dargestellt habe.
Es müsse deshalb davon ausgegangen werden, dass sich der psychische
Gesundheitszustand nach der Abklärung durch Dr. G._ verbessert habe. Dr. I._
habe nämlich nur noch eine depressive Restsymptomatik beschrieben und dem
Beschwerdeführer dementsprechend auch nur noch eine leichte
Leistungsverminderung zuerkannt. Auch nach der zweiten Begutachtung müsse sich
der psychische Gesundheitszustand noch weiter verbessert haben, da sich aktuell
keine krankheitswertige psychische Störung mehr diagnostizieren lasse. Dr. H._ hat
sich am 28. April 2009 dagegen verwahrt, dass er nicht in der Lage sein solle, eine
depressive Symptomatologie als solche zu erkennen und zu beurteilen (vgl. IV-act.
167). Zwar weichen die Auffassungen von Dr. H._ und der Sachverständigen der ABI
GmbH voneinander ab, aber sie stimmen immerhin darin überein, dass es zu einer
erheblichen Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands gekommen sei. In
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allen drei psychiatrischen Gutachten finden sich nur sehr kurze Auflistungen der
erhobenen depressionstypischen Symptome. Die entsprechenden Passagen enthalten
keine klaren Indizien für eine fortschreitende Verbesserung des psychischen
Gesundheitszustands. Dieses Manko in der Beweisführung wird durch die Feststellung
von Dr. H._ ausgeglichen, dass sich durch seine Behandlung eine Besserung
ergeben habe. Bei den Einschätzungen in den drei Gutachten handelt es sich um die
Angaben erfahrener Sachverständiger, denen eine hohe Überzeugungskraft
beizumessen ist. Bei der Würdigung der Überzeugungskraft der Einschätzung von Dr.
H._ ist der Erfahrung Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte insbesondere
aufgrund ihrer auftragsrechtlichen und persönlichen Beziehung zu ihren Patienten dazu
neigen, deren Angaben und damit im Ergebnis deren Selbsteinschätzung der
Arbeitsfähigkeit als objektiv zu betrachten und zu übernehmen. Das führt oft dazu, dass
die Schwere der Krankheit und damit die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
überschätzt werden und dass das zum Arbeitsfähigkeitsbegriff gehörende Element der
zumutbaren Willensanstrengung (im Sinn einer IV-spezifischen
Schadenminderungspflicht) ausgeblendet wird. Es ist davon auszugehen, dass dies
auch für die jüngsten, von den Angaben der psychiatrischen Sachverständigen der ABI
GmbH abweichenden Arbeitsfähigkeitsschätzungen von Dr. H._ gilt. Daran vermag
erfahrungsgemäss auch dessen frühere, langjährige Gutachtertätigkeit nichts zu
ändern. Wenn Dr. H._ also am 28. April 2009 angegeben hat, der Beschwerdeführer
sei weiterhin zu 60% arbeitsunfähig, so vermag das weder zu überzeugen noch die
Überzeugungskraft der Arbeitsfähigkeitsschätzung der psychiatrischen
Sachverständigen der ABI GmbH zu erschüttern. Im übrigen hat der Beschwerdeführer
durch die Aufnahme einer adaptierten Erwerbstätigkeit und durch seine Bestrebungen,
bei seinem Arbeitgeber eine Erhöhung des Beschäftigungsgrads zu erreichen, belegt,
dass es ihm erheblich besser geht. Dafür spricht insbesondere auch die kürzlich
erfolgte Arbeitsaufnahme mit einem Beschäftigungsgrad von 100%. Entgegen der
Auffassung von Dr. H._ ist somit gestützt auf das Gutachten des ABI davon
auszugehen, dass ab dem Untersuchungstag (18. Januar 2010) auch keine psychisch
bedingte Arbeitsunfähigkeit mehr bestanden hat. Wenn die Exploration mangels
ausreichender Deutschkenntnisse des Beschwerdeführers tatsächlich nicht möglich
gewesen wäre, so hätte die erfahrene Sachverständige reagiert und eine Übersetzung
organisiert. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass bei der Ermittlung des
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zumutbaren Invalideneinkommens ab 1. Juli 2003 von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von
35%, ab September 2006 von 70% und ab Februar 2010 von 100% (jeweils in einer
adaptierten Tätigkeit) auszugehen ist.
1.3.5 Die Beschwerdegegnerin ist in ihrer Beschwerdeantwort davon
ausgegangen, dass eine depressive Episode unabhängig von ihrer Schwere kein
invalidisierender Gesundheitsschaden sein könne, solange der innerseelische Verlauf
noch angehbar und noch nicht verfestigt sei. Diese Argumentation beruht auf einer
Fehlinterpretation der ursprünglich zur Arbeitsfähigkeit bei somatoformen
Schmerzstörungen entwickelten bundesgerichtlichen Rechtsprechung. Diese
Rechtsprechung beruht auf der Überlegung, dass eine gesundheitliche Störung mit
Krankheitswert dann nicht invalidisierend sein könne, wenn es der betroffenen Person
trotz des Leidens durch eine zumutbare Willensanstrengung möglich sei, zu arbeiten
(vgl. Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, bearbeitet von U. Meyer, 2. A., S. 24).
Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin kann die Schwere einer
depressiven Episode also nicht irrelevant sein für die Frage nach einer allfälligen
Arbeitsunfähigkeit, denn eine schwere depressive Episode und regelmässig wohl auch
eine mittelgradige depressive Episode hindern die betroffene Person daran, durch eine
zumutbare Willensanstrengung die Folgen der Krankheit zu ignorieren und zu 100%
bzw. überhaupt einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Das muss auch dann gelten,
wenn die Depression therapierbar ist, d.h. wenn längerfristig mit einer Verringerung der
Schwere der Depression zu rechnen ist. Bei einer leichten depressiven Episode dürfte
wohl regelmässig bei einer zumutbaren Willensanstrengung zumindest eine
Teilarbeitsfähigkeit bestehen. Das Kriterium eines verfestigten, therapeutisch nicht
mehr angehbaren seelischen Verlaufs (vgl. U. Meyer, a.a.O., S. 26) kann also nur dann
zur Anwendung kommen, wenn die diagnostizierte Krankheit so leichtgradig ist, dass
eine natürliche Vermutung für eine willensmässige Überwindbarkeit besteht. Diese
Vermutung gilt u.a. dann als widerlegt, wenn ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr
angehbarer innerseelischer Verlauf anzunehmen ist, denn dies schliesst eine
Willensanstrengung aus. Die depressive Episode, an welcher der Beschwerdeführer
leidet, ist also nicht per se ungeeignet, eine invalidisierende Arbeitsunfähigkeit
entstehen zu lassen. Dass die Sachverständigen der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung bzw. dem Kriterium der zumutbaren Willensanstrengung Rechnung
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getragen haben ergibt sich daraus, dass sie trotz der erheblichen Schwere der
Depression und trotz der Überzeugung des Beschwerdeführers, anfangs vollständig
und im Verlauf dann noch zu mindestens 50% arbeitsunfähig zu sein, immer eine
zumutbare (Teil-) Arbeitsfähigkeit angenommen haben. Es ist davon auszugehen, dass
die Sachverständigen der ihnen zweifellos bekannten bundesgerichtlichen
Rechtsprechung zum Arbeitsfähigkeitsbegriff korrekt Rechnung getragen haben. Die
angegebenen Arbeitsfähigkeitsgrade beruhen deshalb auf einer in jeder Hinsicht
korrekten Bemessungsgrundlage.
1.4 Die B._ AG hat einen Lohn des Beschwerdeführers im Jahr 2003 von Fr.
4750.-- (x13) angegeben (vgl. IV-act. 8). Das ergibt ein Valideneinkommen von Fr.
61'750.--. Da der Beschwerdeführer damals noch keiner Erwerbstätigkeit
nachgegangen ist, muss das zumutbare Invalideneinkommen praxisgemäss anhand
des Durchschnittslohns (Zentralwert) gemäss der vom Bundesamt für Statistik
herausgegebenen Lohnstrukturerhebung 2002 ermittelt werden, wobei eine
Nominallohnanpassung bis 2003 zu erfolgen hat. Gemäss der Tabelle TA1 im Anhang
zur Lohnstrukturerhebung 2002 hat der durchschnittliche Hilfsarbeiterlohn Fr. 4557.--
betragen, umgerechnet von 40 Wochenstunden auf den schweizerischen Durchschnitt
von 41,7 Wochenstunden Fr. 4750.67 bzw. Fr. 57'008.-- und anhand der Tabelle T1.93
der ebenfalls vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnentwicklung 2005
umgerechnet auf den Nominallohn 2003 Fr. 57'826.--. Bei einem Beschäftigungsgrad
von 35% ergibt das ein Einkommen von Fr. 20'239.--. Da der Beschwerdeführer als
Hilfsarbeiter bei einem Beschäftigungsgrad von 35% im Vergleich zu gesunden, zu
100% beschäftigten Hilfsarbeitern einen erheblichen zusätzlichen Lohnnachteil in Kauf
zu nehmen hätte, ist ein zusätzlicher Abzug von mindestens 15% vorzunehmen. Damit
resultiert ein zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 17'201.--. Das entspricht einem
Invaliditätsgrad von 72%. Der Beschwerdeführer hat also gestützt auf Art. 28 Abs. 2
IVG sowie die Übergangsregelung zur Abänderung der Gesetzesbestimmungen
betreffend den Rentenbeginn (vgl. das IV-Rundschreiben Nr. 300 vom 15. Juli 2011 des
Bundesamtes für Sozialversicherungen) ab 1. Juli 2003 einen Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente. Der Arbeitsfähigkeitsgrad ist per 1. September 2006 auf 70%
angestiegen. Dieser Veränderung ist in analoger Anwendung der Revisionsnormen
Rechnung zu tragen. Beim Einkommensvergleich ist auf die Einkommen des Jahres
2006 abzustellen. Im Baugewerbe ist der Nominallohn von 112,3% im Jahr 2003 auf
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115,2% im Jahr 2006 angestiegen (vgl. die Lohnentwicklung 2006, Tabelle T1.93). Im
Jahr 2006 hätte der Beschwerdeführer also Fr 63'345.-- verdient, wenn er nicht krank
geworden wäre. Dieser Betrag ist als Valideneinkommen in den Einkommensvergleich
einzusetzen. Der Durchschnittslohn (Zentralwert) der Hilfsarbeiter hat 2006 Fr. 4732.--
betragen, umgerechnet auf den schweizerischen Durchschnitt von 41,7
Wochenstunden Fr. 4933.11 bzw. Fr. 59'197.--. Bei einem Beschäftigungsgrad von
70% resultiert ein Einkommen von Fr. 41'438.--. Der Beschwerdeführer hätte nach wie
vor im Vergleich mit gesunden, zu 100% beschäftigten Hilfsarbeitern einen erheblichen
Nachteil in Kauf nehmen müssen, so dass es sich rechtfertigt, immer noch einen
zusätzlichen Abzug von 15% vorzunehmen. Das zumutbare Invalideneinkommen
beträgt somit Fr. 35'222.--. Die Erwerbseinbusse von Fr. 28'123.-- entspricht einem
Invaliditätsgrad von 44%. Ab 1. Dezember 2006 (Art. 88a Abs. 2 IVV per analogiam) hat
der Beschwerdeführer demnach nur noch einen Anspruch auf eine Viertelsrente. Seit
dem 1. Februar 2010 ist der Beschwerdeführer in einer adaptierten Erwerbstätigkeit zu
100% arbeitsfähig. Unabhängig davon, ob zur Bemessung des zumutbaren
Invalideneinkommens auf den effektiven Verdienst des Beschwerdeführers
(umgerechnet auf einen Beschäftigungsgrad von 100%) oder auf den
Durchschnittslohn der Hilfsarbeiter abgestellt wird, resultiert offensichtlich ein
Invaliditätsgrad von weit unter 40%. Der Anspruch auf die Viertelsrente endet deshalb
per 30. April 2010 (Art. 88a Abs. 2 IVV per analogiam).
2.
Entsprechend den vorstehenden Ausführungen ist dem Beschwerdeführer für die Zeit
vom 1. Juli 2003 bis 30. November 2006 eine ganze Invalidenrente und für die Zeit vom
1. Dezember 2006 bis 30. April 2010 eine Viertelsrente zuzusprechen. Ab 1. Mai 2010
besteht kein Rentenanspruch mehr. Dieser Verfahrensausgang ist im Hinblick auf die
Verteilung der Verfahrenskosten als vollumfängliches Obsiegen zu werten, weshalb ein
Anspruch auf eine Parteientschädigung besteht. Diese bemisst sich nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g
ATSG). Unter Berücksichtigung dieser beiden Kriterien erscheint eine
Parteientschädigung von Fr. 3500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen. Das Beschwerdeverfahren in IV-Sachen ist kostenpflichtig. Die
Gerichtsgebühr richtet sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dieser bis
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rechtfertigt eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--. Sowohl die Parteientschädigung als
auch die Gerichtsgebühr sind durch die unterliegende Beschwerdegegnerin zu
bezahlen. Dementsprechend ist der vom Beschwerdeführer geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückzuzahlen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP