Decision ID: 36716e80-7850-5800-9070-e5296ec6f18e
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
I.
A.
Der Beschwerdeführer reichte am 7. März 2018 im Empfangs- und
Verfahrenszentrum B._ erstmals ein Asylgesuch ein. Am 16. März
2018 fand seine summarische Befragung zur Person (BzP) statt. Mit Ver-
fügung vom 26. März 2018 trat das SEM gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein
und ordnete seine Überstellung in den zuständigen Dublin-Staat (Deutsch-
land) an. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
II.
B.
B.a Am 15. Januar 2020 stimmte die Vorinstanz einem Übernahme-
ersuchen der niederländischen Behörden zu und am 29. Oktober 2020
wurde der Beschwerdeführer in die Schweiz überstellt.
B.b Mit schriftlicher Eingabe vom 9. November 2020 an das SEM stellte
der Beschwerdeführer ein neues Asylgesuch.
B.c Mit Verfügung vom 7. Januar 2021 verfügte die Vorinstanz gestützt auf
Art. 35a AsylG die Wiederaufnahme des Asylverfahrens des Beschwerde-
führers in der Schweiz.
B.d Mit Verfügung vom 12. Januar 2021 forderte das SEM den Beschwer-
deführer zur Einreichung eines Zeugnisses des behandelnden Arztes auf.
Am 28. Januar 2021 ging beim SEM ein ärztlicher Bericht von Dr. med.
C._, B._, vom 26. Januar 2021 ein.
B.e Am 22. Juni 2021 wurde eine Anhörung des Beschwerdeführers zu
seinen Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG durchgeführt.
C.
C.a Der Beschwerdeführer brachte in der BzP zur Begründung seines Asyl-
gesuchs vor, er habe Probleme mit der Familie seiner mit ihm religiös ver-
heirateten Ehefrau gehabt. Seine Angehörigen seien ebenfalls gegen diese
Heirat gewesen. Darüber hinaus habe er keine Probleme gehabt, auch
nicht mit Terroristen.
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C.b Im Rahmen der Anhörung gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, er
sei Anfang des Jahrs 2014 von mehreren Personen entführt worden. Diese
hätten ihn für den Jihad rekrutieren wollen, ihn aber nach seiner Bitte um
eine Bedenkzeit wieder freigelassen. Etwa einen Monat später hätten die-
selben Personen ihn erneut mitgenommen und ihn aufgefordert, mit ihnen
in die Berge zu gehen. Er sei von ihnen beschimpft und von einem der
Männer mit einem Messer in der (...)gegend verletzt worden. Schliesslich
hätten sie ihn aber wiederum gehen lassen. Er habe sich zur Ausreise ent-
schlossen, um weiteren Konflikten mit diesen Personen zu entgehen. Er
sei noch im selben Jahr (2014) auf dem Luftweg nach Istanbul und von dort
via Griechenland und die sogenannte Balkanroute über Österreich,
Deutschland, Holland und Belgien in die Schweiz gereist. Nach seiner Aus-
reise habe er erfahren, dass seine Verfolger ihn im Jahr 2017 bei seiner
Familie gesucht hätten, worauf sein Vater an einem Herzinfarkt verstorben
sei.
D.
Mit Verfügung vom 17. August 2021 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab
und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
E.
Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 2. September 2021 er-
hob der Beschwerdeführer Beschwerde gegen die gegen die Verfügung
der Vorinstanz und beantragte, dieser Entscheid sei vollumfänglich aufzu-
heben und es sei ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und in der
Schweiz Asyl zu gewähren; eventualiter sei die Unzulässigkeit, Unzumut-
barkeit und Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihm
als Folge davon die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrecht-
licher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung, um Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes sowie um
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
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von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.5 Die Begründung des Rechtsmittels wirkt abschliessend; der Sachver-
halt ist vollständig festgestellt und das Dispositiv der Verfügung vom
17. August 2021 ist vollständig angefochten worden. Es kann demnach vor
Ablauf der Beschwerdefrist über das Rechtsmittel entschieden werden
(vgl. bereits Entscheidungen und Mitteilungen der vormaligen Schweizeri-
schem Asylrekurskommission [EMARK], 1997 Nr. 13 Erw. 1).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
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4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz stellte sich zur Begründung ihrer Verfügung im Asyl-
punkt auf den Standpunkt, die Asylvorbringen des Beschwerdeführers
seien als unglaubhaft zu erachten und vermöchten den Anforderungen an
Art. 7 AsylG nicht standzuhalten. Er habe widersprüchliche Aussagen zu
seinen Asylgründen gemacht. Anlässlich der BzP habe er angegeben, sein
Heimatland wegen eines Konflikts mit Familienangehörigen verlassen zu
haben; Probleme mit Terroristen habe er explizit verneint. Im Rahmen der
Anhörung habe er diese familiären Probleme nicht erwähnt, dafür aber vor-
gebracht, zweimal von einer Gruppe von Islamisten entführt worden zu
sein. Im Weiteren seien seine Ausführungen zu den geltend gemachten
Entführungen auch auf Nachfrage hin äusserst vage, oberflächlich und er-
lebnisarm ausgefallen. Schliesslich würden diese Vorbringen auch in mehr-
facher Hinsicht als unlogisch erscheinen. Der Beschwerdeführer habe
nicht nachvollziehbar zu erklären vermocht, weshalb die Gruppe von
Islamisten gerade ihn hätte rekrutieren wollen und wieso er weder zur Po-
lizei gegangen noch seinem privaten Umfeld von den Entführungen erzählt
habe. Er habe zudem den Namen und die Ideologie der angeblichen
Gruppe nicht angeben können und es erstaune, dass seine Verfolger seine
Familie erst drei Jahre nach seiner Ausreise aufgesucht haben sollen.
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5.2 Der Beschwerdeführer verwies zur Begründung seiner Beschwerde im
Wesentlichen auf die in der Anhörung vorgebrachten Probleme mit einer
Gruppe von Männern, die ihn für den Jihad hätten rekrutieren wollen;
er brachte vor, er befürchte, im Falle einer Rückkehr weitere gewaltsame
Übergriffe durch diese Personen. Er könne keinen Schutz durch die alge-
rische Polizei erwarten, da diese sich "nicht in solche Angelegenheiten ein-
mische".
5.3 Nach Durchsicht der Akten gelangt das Gericht zum Schluss, dass die
Vorinstanz die Asylvorbringen des Beschwerdeführers zu Recht und mit
zutreffender Begründung als unglaubhaft qualifiziert hat. Namentlich ist
diesen schon durch seine diametral voneinander abweichenden Ausfüh-
rungen zur Begründung seines Asylgesuchs in den beiden Befragungen
die glaubhafte Grundlage entzogen. Überdies ist die Einschätzung der Vor-
instanz zu bestätigen, wonach seine Schilderungen betreffend die behaup-
teten Übergriffe durch Islamisten vage, unsubstanziiert und unrealistisch
sind. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann im Übrigen auf die Erwä-
gungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Die Aus-
führungen in der Beschwerdeschrift, in welcher inhaltlich nicht auf die
Erwägungen des SEM betreffend die Unglaubhaftigkeit der Aussagen ein-
gegangen wurde, sind nicht geeignet, die erwähnten gravierenden Unstim-
migkeiten zu erklären; das Gleiche gilt für seine Aussage im Rahmen der
Anhörung, er habe bei der BzP nicht alle Asylgründe offengelegt, weil ihm
gesagt worden sei, dass die Schweiz für sein Asylbegehren nicht zuständig
sei (vgl. Protokoll Anhörung Akten SEM A31 F78 f.).
5.4 Das SEM hat nach dem Gesagten zu Recht die Flüchtlingseigenschaft
des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgewiesen.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
7.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.3
7.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
7.3.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.3.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
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7.3.4 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes
für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht
als unzulässig erscheinen.
7.3.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
7.4
7.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.4.2 Unter Berücksichtigung der allgemeinen heutigen Sicherheitslage in
Algerien sind keine Hinweise dafür ersichtlich, dass der Beschwerdeführer
bei einer Rückkehr in sein Heimatland in konkreter Weise gefährdet wäre.
Eine Situation allgemeiner Gewalt beziehungsweise kriegerischer oder
bürgerkriegsähnlicher Verhältnisse liegt in Algerien nicht vor.
7.4.3 Die geltend gemachten und durch einen Arztbericht dokumentierten
gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers erscheinen nicht
derart gravierend, dass im Falle der Rückkehr in den Heimatstaat eine
drastische und lebensbedrohende Verschlechterung seines Gesundheits-
zustandes zu erwarten ist. Zudem kann davon ausgegangen werden, dass
eine adäquate medizinische Behandlung in Algerien verfügbar ist.
7.4.4 Auch die in der Beschwerde vorgebrachte Entwurzelung des Be-
schwerdeführers durch den mehrjährigen Auslandaufenthalt stellt klarer-
weise kein Wegweisungsvollzugshindernis dar. Angesichts der Unglaub-
haftigkeit seiner Asylgründe ist auch der behauptete Abbruch des Kontakts
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mit der Familie unglaubhaft. Es kann von einem weiterhin bestehenden
familiären Beziehungsnetz in Algerien ausgegangen werden. Überdies hat
der Beschwerdeführer den grössten Teil seines bisherigen Lebens in sei-
nem Heimatstaat verbracht und verfügt über berufliche Erfahrung.
7.4.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
7.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerdebe-
gehren des Beschwerdeführers schon bei Einreichung des Rechtsmittels
als aussichtslos zu gelten hatten. Damit ist – ungeachtet der Frage seiner
prozessualen Bedürftigkeit – eine der kumulativ zu erfüllenden Vorausset-
zungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Verbei-
ständung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG und aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG
nicht erfüllt. Die entsprechenden Gesuche sind demnach abzuweisen.
Das Gesuch um Verzicht auf die Kostenvorschusserhebung ist mit dem
vorliegenden Entscheid gegenstandslos geworden.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.−
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
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