Decision ID: ad5f6a03-ffcf-4614-8c72-023af8f7ddd7
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Concordia Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung, Bundesplatz 15,
Postfach, 6002 Luzern,
Beschwerdeführerin,
und
H._,
Beigeladene,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Hilfsmittel für H._
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1988 geborene H._ wurde am 27./30. Oktober 1991 wegen des
Geburtsgebrechens Ziff. 387 GgV Anhang zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung für Minderjährige angemeldet. Die IV sprach verschiedene
Leistungen, darunter medizinische Massnahmen bei diesem und dem
Geburtsgebrechen Ziff. 390 zu. 1999 wurden im Rahmen der Verfügung vom 20. Mai
1997 (act. 98) Unterschenkelorthesen als Behandlungsgeräte abgegeben (vgl.
act. 122 f., 126), im Jahr 2002 (act. 181) erneut, im Jahr 2003 Kniefixationsorthesen
(act. 208) und im Jahr 2004 Oberschenkelorthesen (act. 260). Die medizinischen
Massnahmen wurden gemäss der Verfügung vom 27. März 2006 (act. 287) auf den
31. August 2008 (Zurücklegung des 20. Altersjahrs) befristet.
A.b Mit einem Kostenvoranschlag vom 21. Januar 2009 (act. 381) wurde eine
Kostenübernahme für weitere Unterschenkelorthesen beantragt.
A.c Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen teilte der
Lieferantin am 30. Januar 2009 mit, eine Abgabe der Orthesen als Behandlungsgerät
wie bis anhin komme, da die Versicherte das 20. Altersjahr erreicht habe, nicht mehr in
Frage. Es sei ein Bericht des behandelnden Arztes einzuholen und eine
Kostenübernahme als Hilfsmittel zu prüfen.
A.d Die Lieferantin reichte eine ärztliche Verordnung von Dr. med. A._, Kinderarzt
FMH, ein. - Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung hielt am
4. März 2009 dafür, eine Fortführung der Versorgung als Behandlungsgerät könnte
nachvollzogen werden, für die Abgabe als Hilfsmittel fehlten aber die medizinischen
Angaben, insbesondere zur (unterstützten) Steh- oder Gehfähigkeit.
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A.e Dr. A._ erklärte im Arztbericht vom 1. April 2009 (Eingangsdatum; act. 388), die
Unterschenkelorthese diene der verbesserten Stabilisierung im Stehbrett, das Stehbrett
seinerseits der Kontrakturprophylaxe und Osteoporosevorbeugung. Es liege eine
Mehrfachbehinderung mit Hirnanlagestörung mit CP (rechtsbetonte Tetraparese),
Epilepsie und zentraler Sehbehinderung vor. Die Versicherte sei vollständig auf fremde
Hilfe angewiesen. Es bestünden in den Kniegelenken beidseits Kontrakturen von 30°,
ausserdem ein erhöhter Tonus bei bekannter Spastizität und instabile Fussgelenke,
und die Dorsalextension sei beidseits knapp 0°.
A.f Mit Vorbescheid vom 8. April 2009 (act. 389 f.) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Mutter der Versicherten in Aussicht, das
Gesuch der Versicherten um Übernahme der Kosten der Orthesen als Hilfsmittel
abzuweisen, da die Voraussetzungen nicht erfüllt seien.
A.g Die Concordia Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung AG teilte am
17. April 2009 mit, sie sei mit der vorgesehenen Ablehnung nicht einverstanden. - Eine
ergänzende Stellungnahme - wie angekündigt - wurde nicht abgegeben.
A.h Mit Verfügung vom 28. Mai 2009 (act. 393) wies die Sozialversicherungsanstalt/
IV-Stelle das Gesuch ab.
B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von der Concordia Schweizerische Kranken-
und Unfallversicherung AG am 29. Juni 2009 erhobene Beschwerde. Die
Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und
Kostenübernahme für die Unterschenkelorthesen. In der Hilfsmittelliste werde die
Beinorthese explizit erwähnt. Dass die Versicherte auf die Versorgung mit Orthesen
angewiesen sei, dürfte unbestritten sein. Ohne die Orthesen wäre nach ärztlichen
Angaben die Stabilisierung im Stehbrett nicht mehr gewährleistet. Könnte die
Versicherte aber das Stehbrett nicht mehr benutzen, führte das zu Kontrakturen und
Osteoporose sowie zum Verlust der Stehfähigkeit. In einem Entscheid vom 6. Mai 2009
habe das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen für einen analogen Sachverhalt
festgehalten, es sei nicht der Wille des Gesetzgebers gewesen, ein Hilfsmittel nur dann
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zu vergüten, wenn die versicherte Person damit in den drei Bereichen Fortbewegung,
Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt und Selbstsorge selbständig werde. Man
habe vielmehr auch Schwerstinvalide explizit nicht grundsätzlich vom
Hilfsmittelanspruch ausnehmen wollen. Es habe zu genügen, wenn durch das
Hilfsmittel eine gewisse Erhöhung der Selbständigkeit erreicht werde. Die Orthesen
beeinflussten die Selbständigkeit der Versicherten insofern positiv, als sie damit samt
dem Stehbrett selbst stehen könne, womit pflegerische Massnahmen wesentlich
erleichtert würden. Durch die Ermöglichung des Stehens werde auch die
Fortbewegung positiv beeinflusst, beispielsweise wenn sich die Versicherte vom Bett in
den Rollstuhl begebe. Fortbewegung wie Selbstsorge würden durch die Orthesen
begünstigt und das gelte auch für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt.
C.
Am 2. Juli 2009 wurde die Versicherte beigeladen.
D.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 10./12. November 2009 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Der Gesetzgeber habe an die
Abgabe der Hilfsmittel finale Kriterien geknüpft. Aus den in der Beschwerde
vorgetragenen Argumenten ergebe sich allenfalls ein mittelbarer Zusammenhang mit
dem Zweck der Fortbewegung und der Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt.
Auch mit den Orthesen sei sie aber nicht in der Lage, sich (selbständig) fortzubewegen
oder mit der Umwelt Kontakt aufzunehmen. Die Orthesen hätten ausschliesslich
prophylaktisch und damit medizinisch-therapeutisch eine Bedeutung. Nach dem
Gesetzeswortlaut bestehe daher keine Leistungspflicht der IV. Der kantonale
Gerichtsentscheid, auf den sich die Beschwerdeführerin berufe, sei vom Bundesgericht
korrigiert worden.
E.
Die Versicherte hat von der ihr mit Schreiben vom 17. Dezember 2009 eingeräumten
Möglichkeit zur Stellungnahme keinen Gebrauch gemacht.

Erwägungen:
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1.
Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin die Übernahme der
Kosten für eine Versorgung der Versicherten mit Unterschenkelorthesen abgelehnt.
Dass eine Kostengutsprache für die Orthesen als Behandlungsgeräte im
Zusammenhang mit den medizinischen Massnahmen zur Behandlung der
Geburtsgebrechen bei der Versicherten nicht mehr in Betracht fällt, weil sie das
20. Altersjahr vollendet hat, ist unbestritten. Strittig ist der Anspruch auf Hilfsmittel.
2.
2.1 Nach Art. 21 Abs. 1 Satz 1 IVG hat die versicherte Person im Rahmen einer vom
Bundesrat aufzustellenden Liste Anspruch auf jene Hilfsmittel, derer sie für die
Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit in ihrem Aufgabenbereich, für die
Schulung, die Ausbildung oder zum Zweck der funktionellen Angewöhnung bedarf.
Nach Art. 21 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person, die infolge ihrer Invalidität für die
Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die
Selbstsorge kostspieliger Geräte bedarf, im Rahmen einer vom Bundesrat
aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit Anspruch auf solche
Hilfsmittel. Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) hat entsprechend die
Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) mit
anhangsweise aufgeführter Hilfsmittelliste erlassen. Gemäss Ziff. 2.01 HVI Anhang
werden Beinorthesen gemäss Tarifvertrag mit dem Schweizerischen Verband der
Orthopädie-Techniker vergütet. - Die Hilfsmittelversorgung unterliegt den allgemeinen
Anspruchsvoraussetzungen gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG (Erforderlichkeit, Geeignetheit,
Eingliederungswirksamkeit; SVR 1999 IV Nr. 27 S. 84 E. 3c; vgl. BGE 122 V 214 E. 2c).
2.2 Die Hilfsmittelversorgung muss notwendig sein. Diese Notwendigkeit ergibt sich
nach der Rechtsprechung nicht schon aus der Invalidität einer versicherten Person.
Wesentlich ist, dass das Hilfsmittel zur Erreichung eines der im Gesetz umschriebenen
Zwecke (Fortbewegung, Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt, Selbstsorge)
erforderlich ist. Diese Voraussetzung ist dann erfüllt, wenn der invaliden Person nicht
zugemutet werden kann, ohne den beanspruchten Gegenstand sich fortzubewegen,
mit der Umwelt in Kontakt zu bleiben oder für sich zu sorgen, und wenn sie zudem
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willens und fähig ist, mit Hilfe des beanspruchten Gegenstandes einen dieser Zwecke
zu erreichen (ZAK 1983, 447; vgl. ZAK 1980, 227; EVGE 1968, 208). Bei Gegenständen,
die ihrer Natur nach sowohl den Charakter eines Hilfsmittels als auch denjenigen eines
Behandlungsgeräts oder eines anderen Behelfs aufweisen können, ist gemäss Rz 1006
des vom Bundesamt für Sozialversicherungen herausgegebenen Kreisschreibens über
die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (KHMI) zu beachten, dass
das Gerät den vom Gesetz genannten Zweck (Fortbewegung, Herstellung des Kontakts
mit der Umwelt, Selbstsorge) unmittelbar erfüllt.
3.
3.1 Den ärztlichen Angaben lässt sich entnehmen, dass die beantragten Unterschen
kelorthesen der Versicherten zu einer verbesserten Stabilisierung im Stehbrett
verhelfen. Die Verwendung des Stehbretts wiederum ist erforderlich, um Kontrakturen
und der Osteoporose vorbeugen zu können. Die orthetische Versorgung der instabilen
Fussgelenke ist demnach medizinisch durchaus erforderlich. Sie dient der Behandlung
und Vorbeugung einer Zunahme des Leidens der Versicherten, vermag aber nicht,
einen der gesetzlich statuierten Zwecke der (selbständigen) Fortbewegung, des
Kontaktes mit der Umwelt oder der Selbstsorge zu erreichen. Denn wie dem
Fragebogen zur Hilflosenentschädigung (act. 299) zu entnehmen ist, ist die Versicherte
seit Dezember 1998 nicht mehr in der Lage, selber zu stehen. Bei der Fortbewegung
bedarf sie wie in den übrigen Belangen vollständig der Hilfe Dritter. Das geht auch aus
den ärztlichen Angaben hervor. Der Versicherten steht denn auch eine Entschädigung
für schwere Hilflosigkeit zu. Für die Pflege sind offenbar ein Pflegebett und ein
Bettenlift erforderlich. Die Versicherte ist auf einen Rollstuhl angewiesen.
3.2 Dass mit den Orthesen das Stehen im Stehbrett erleichtert (oder erst ermöglicht)
wird, genügt für einen Anspruch auf Übernahme als Hilfsmittel unter diesen Umständen
ebenso wenig wie es ein allfälliger positiver Einfluss auf die Möglichkeiten der
Versicherten zum Mithelfen beim Transfer vom Bett in den Rollstuhl tun könnte. Dass
die Versicherte mit den streitigen Orthesen fähig wäre, einen der gesetzlichen Zwecke
zu erreichen, ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts unabdingbare
Leistungsvoraussetzung. Eine zur Vermeidung eines Ausschlusses Schwerstinvalider
vom Anspruch statuierte Ausdehnung des Anspruchs auf Sachverhalte, da mit dem
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Hilfsmittel eine gewisse Erhöhung der Selbständigkeit erreicht wird, wie sie das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit dem Entscheid i/S G. vom 6. Mai
2009 (IV 2008/389) vorgesehen hatte, lehnt die bundesgerichtliche Rechtsprechung ab
(vgl. Bundesgerichtsentscheid in gleicher Sache vom 23. Oktober 2009, 8C_531/2009).
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Als
unterliegende Partei hat die Beschwerdeführerin die Gerichtskosten zu bezahlen (vgl.
Art. 95 Abs. 1 VRP). Diese sind ermessensweise auf Fr. 600.-- zu veranschlagen. Mit
dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist die geschuldete Gerichtsgebühr
getilgt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG