Decision ID: 15a4edd2-54f3-52db-9852-1db5f105a164
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 29. Oktober 2021 im Bundesasyl-
zentrum (BAZ) der Region B._ um Asyl nach. Nach der Personali-
enaufnahme (PA) vom 4. November 2021 wurde am 9. November 2021 ein
Dublin-Gespräch durchgeführt. Am 13. Januar 2022 wurde er zu den Asyl-
gründen angehört und am 1. Februar 2022 fand eine ergänzende Anhö-
rung statt.
Der Beschwerdeführer brachte im Wesentlichen vor, er sei irakischer
Staatsangehöriger kurdischer Ethnie und stamme aus C._ in der
Provinz D._ in der Autonomen Region Kurdistan (ARK), wo er bis
zu seiner Ausreise gelebt habe. Nach dem (...) Schuljahr habe er bis Ende
(...) 2021 als Hilfsarbeiter oder auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der
Familie im Dorf E._ gearbeitet. Im (...) 2021 sei er illegal über
F._ nach G._ gereist, wo er sich während rund (...) Monate
aufgehalten habe. Von G._ sei er in einem Lastwagen versteckt
durch ihm unbekannte Länder in (...) Tagen in die Schweiz gelangt. Er
habe den Irak verlassen, weil er vom der Geheimdienst Asayesch der ARK
unter Druck gesetzt worden sei, mit diesem zusammenzuarbeiten. Der Ge-
heimdienst habe von ihm Informationen über die Standorte der kurdischen
Arbeiterpartei (PKK; Partiya Karkerên Kurdistanê) verlangt. Sein Vater sei
von der regierenden (...) ([...]) im Jahr (...) beschuldigt worden, die PKK
unterstützt zu haben, und deshalb zu (...) Jahren Gefängnis verurteilt wor-
den. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis habe sich sein Vater den
Peschmerga angeschlossen und sei im Jahr (...) im Kampf gegen den so-
genannten islamischen Staat (IS) ums Leben gekommen. Er, der Be-
schwerdeführer, sei seit dem Jahr 2019 (...) bis (...) Mal vom Asayesch
vorgeladen worden und bis ungefähr (...) 2020 habe man ihn immer ge-
fragt, was er im Dorf mache und wen er dort treffe. Später habe der
Asayesch von ihm verlangt, als Spitzel zu arbeiten. Er sei zuletzt im (...)
2020 beziehungsweise im (...) 2021 beim Asayesch gewesen. Am (...)
2021 sei er von seiner Familie angerufen worden, welche ihm erzählt habe,
dass der Asayesch sich nach ihm erkundigt habe. Da es keine Garantie
gebe, dass er nicht durch den Asayesch verhaftet werden würde, sei er
ungefähr (...) Tage später ausgereist.
A.b Am 7. Februar 2022 händigte das SEM der Rechtsvertretung des Be-
schwerdeführers den Entscheidentwurf zur Stellungnahme aus. Diese da-
tiert vom selben Tag und ging am 8. Februar 2022 beim SEM ein.
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B.
Mit Verfügung vom 9. Februar 2022 (Eröffnung gleichentags) verneinte die
Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein
Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete
den Wegweisungsvollzug an.
C.
Am 14. Februar 2022 legte die dem Beschwerdeführer von Amtes wegen
zugewiesene Rechtsvertretung ihr Mandat nieder.
D.
Gegen den Entscheid vom 9. Februar 2022 erhob der Beschwerdeführer
durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 11. März 2022 Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der vor-
instanzlichen Verfügung sowie die Gewährung von Asyl. Subeventualiter
sei die Angelegenheit zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung sowie
zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses. Zudem sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
E.
Mit Schreiben vom 14. März 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.
F.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
14. März 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – end-
gültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 der Verordnung vom 1. April 2020 über Mass-
nahmen im Asylbereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus [Covid-
19-Verordnung Asyl, SR 142.318]; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1
VwVG). Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Er-
wägungen – einzutreten.
1.3 Auf den Antrag des Beschwerdeführers, der Beschwerde sei die auf-
schiebende Wirkung zu erteilen, ist mangels Rechtsschutzinteresses nicht
einzutreten, da der Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wir-
kung zukommt und die Vorinstanz diese nicht entzogen hat (Art. 42 AsylG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf
Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde zudem auf die Durchführung eines Schriften-
wechsels verzichtet.
4.
Vorab ist festzustellen, dass aufgrund der Aktenlage keine Veranlassung
besteht, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben.
Der Beschwerdeführer macht zwar eine unvollständige beziehungsweise
unrichtige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts geltend. Mit
seinem pauschalen Vorbringen, dass er seine Verfolgung nachgewiesen
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habe, vermag er aber seine Rüge nicht zu begründen. Das Subeventual-
begehren um Rückweisung der Sache an das SEM ist daher abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Die Vorinstanz begründet ihren ablehnenden Asylentscheid damit, dem
Vorbringen des Beschwerdeführers, er hätte vom Geheimdienst als Agent
oder Spitzel angeworben werden sollen, komme keine Asylrelevanz zu. Er
habe bislang keine ernsthaften Nachteile erdulden müssen beziehungs-
weise geltend gemacht. Seine Annahme, dass er eines Tages verhaftet
werden würde, genüge noch nicht, um eine begründete Furcht vor zukünf-
tiger, flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung darzulegen. Hinzu komme,
dass die Asylvorbringen widersprüchlich und nicht nachvollziehbar seien.
So habe der Beschwerdeführer in der Anhörung angegeben, zuletzt im (...)
2021 vom Asayesch befragt worden zu sein, demgegenüber in der ergän-
zenden Anhörung behauptet, dass dies im (...) 2020 geschehen sei. Aus-
serdem habe er keine plausible Erklärung dafür zu geben vermocht, dass
der Asayesch gerade ihn und nicht seine Brüder oder die anderen Bewoh-
ner des Heimatdorfes in Verbindung mit der PKK gebracht habe. Nament-
lich sei nicht nachvollziehbar, weshalb er aufgrund seines Vaters Informa-
tionen über die PKK hätte haben sollen, die von einer solchen Wichtigkeit
hätten sein sollen, dass sie den Asayesch dazu veranlasst hätten, ihn zu
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verfolgen. Zum Zeitpunkt des Todes seines Vaters sei der Beschwerdefüh-
rer gerade mal (...) Jahre alt und jener sei vorher angeblich noch (...) Jahre
im Gefängnis gewesen. Es stelle sich weiter die Frage, warum der Geheim-
dienst mit einem jungen Mann ohne politisches Profil derart grossen Auf-
wand betrieben und ihn überhaupt anzuwerben versucht haben sollte,
wenn allen bekannt gewesen sei, dass die PKK sich in seinem und in den
umliegenden Dörfern aufgehalten habe und er mit ihr praktisch nicht zu tun
gehabt hätte. Ausserdem scheine die Zahl der angeblichen Vorladungen
übertrieben und realitätsfremd. Überdies sei die Behauptung, dass sein Va-
ter angeblich wegen Beziehungen zur PKK (...) Jahre lang im Gefängnis
gewesen sein solle und sich gleich nach der Freilassung den Peschmerga
für den Kampf gegen den IS angeschlossen habe, nicht nachvollziehbar.
Er habe zudem nicht zu belegen vermocht, dass sein Vater wegen Unter-
stützung der PKK verurteilt worden sei, und dazu lediglich gesagt, dass er
die Dokumente nicht habe finden können. Gemäss seinen Angaben lebten
seine Brüder in der Heimat und einer von ihnen sei sogar bei den Pe-
schmerga. Dies wiederum bedeute, dass er oder seine Familie kaum Prob-
leme mit der regierenden KDP gehabt haben könnten, auch wenn sein Va-
ter irgendwann der PKK nahegestanden sein sollte. Vor diesem Hinter-
grund seien seine Asylvorbringen als konstruiert und somit als unglaubhaft
zu bewerten. Schliesslich sei seine Schilderung der Reise vom Irak bis in
die Schweiz unglaubhaft. Diese Angaben untermauerten die Unglaubhaf-
tigkeit seiner Asylvorbringen. In den Dossiers seiner zwei in der Schweiz
lebenden Schwestern hätten keine Hinweise darauf gefunden werden kön-
nen, dass seine Ausreise mit deren Asylgründen in Zusammenhang stehen
könnte. Er selbst habe Derartiges auch nicht geltend gemacht.
6.2 In der Beschwerdeschrift wird pauschal an der Glaubhaftigkeit und
Asylrelevanz der bisherigen Vorbringen festgehalten. Zudem sei eine
Schwester des Beschwerdeführers mit einem Kurden aus der F._
verheiratet. Ihr Ehemann sei ebenfalls Sympathisant der PKK. Dieser habe
sich vorher im Flüchtlingslager (...) im Irak aufgehalten. Durch Flüchtlinge
aus diesem Lager habe auch der Beschwerdeführer die PKK kennenge-
lernt und diese unterstützt.
6.3 Nach Durchsicht der Akten ist festzustellen, dass die Vorinstanz zum
zutreffenden Schluss gelangt ist, die Vorbringen des Beschwerdeführers
hielten weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss
Art. 3 AsylG noch denjenigen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7
AsylG stand. Es kann deshalb vorab im Wesentlichen auf die entsprechen-
den Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl.
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E. 6.1), selbst wenn der Schilderung des Reisewegs vorliegend kein we-
sentliches Gewicht beizumessen ist.
6.4 Sodann ist die erstmals auf Beschwerdeebene geltend gemachte ei-
gene Unterstützung der PKK durch den Beschwerdeführer nachgescho-
ben. Deshalb erscheint eine allfällige diesbezügliche Furcht des Beschwer-
deführers vor Verfolgung in keiner Weise begründet.
6.5 Soweit in der Beschwerde in pauschaler Weise ausgeführt wird, der
Beschwerdeführer bemühe sich, aus dem Irak Beweise für die von ihm gel-
tend gemachte Verfolgung zu beschaffen und einzureichen, ist darauf nicht
weiter einzugehen und kann auf die Ansetzung einer diesbezüglichen Frist
verzichtet werden, zumal bereits in seiner Stellungnahme vom 7. Februar
2022 zum Urteilsentwurf sinngemäss identische Ausführungen enthalten
sind (vgl. SEM-act. [...]-27/2). Er hätte mithin zur Einreichung von Beweis-
dokumenten genügend Zeit zur Verfügung gehabt, und legt auch nicht kon-
kret dar, um welche Art von Beweisen es sich handeln solle.
6.6 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat daher sein Asylgesuch zu Recht
abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der
Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen
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Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AlG [SR 142.20]). Gemäss
Art. 83 Abs. 4 AlG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer un-
zumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Si-
tuationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer
Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festge-
stellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AlG – die vorläufige Aufnahme
zu gewähren. Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Auslän-
derin oder der Ausländer weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat
noch in einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann
(Art. 83 Abs. 2 AlG).
Beim Geltendmachen von Hindernissen beim Wegweisungsvollzug gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in der
ARK lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als un-
zulässig erscheinen (vgl. bereits BVGE 2008/4 sowie u.a. Urteil des BVGer
E-5608/2018 vom 19. Dezember 2019 E. 7.2.4). Der Vollzug der Wegwei-
sung ist demnach zulässig.
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8.3
8.3.1 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts herrscht
in den vier kurdischen Provinzen des Iraks, D._, Erbil, Suleimaniya
und Halabja, keine Situation allgemeiner Gewalt und die politische Lage ist
nicht dermassen angespannt, dass eine Rückführung dorthin als generell
unzumutbar betrachtet werden müsste. Die Anordnung des Wegweisungs-
vollzugs in diese Region setzt jedoch voraus, dass die betroffene Person
ursprünglich aus der Region stammt oder längere Zeit dort gelebt hat und
damit über ein soziales Netz (Familie, Verwandtschaft oder Bekannten-
kreis) oder über Beziehungen zu den herrschenden Parteien verfügt
(BVGE 2008/5 E. 7.5.8; bestätigt im Urteil des BVGer E-3737/2015 vom
14. Dezember 2015 E. 7.4.5 [als Referenzurteil publiziert]; vgl. auch Urteil
BVGer E-5412/2017 vom 30. April 2020 E. 7.3.2 m.w.H.).
8.3.2 Der Beschwerdeführer stammt aus C._, wo er während sei-
nes gesamten Lebens bis zu seiner Ausreise gewohnt hat. Gemäss seinen
Aussagen sind auch (...) und die meisten seiner (...) dort wohnhaft. Die
Familie besitzt einen landwirtschaftlichen Betrieb. Es kann demnach davon
ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer in seinem Herkunftsort
über ein tragfähiges Beziehungsnetz verfügt. Er ist jung, gesund und ver-
fügt über mehrjährige Arbeitserfahrung als (...) und (...). Demnach dürfte
er in der Lage sein, auch künftig für sich zu sorgen, nötigenfalls mit Unter-
stützung von im Heimatstaat wohnhaften Verwandten oder seiner beiden
in der Schweiz lebenden Schwestern, (...) in H._ oder (...) im
I._.
8.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
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Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten ist.
10.
10.1 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
(Art. 63 Abs. 4 VwVG) ist mit vorliegendem Direktentscheid gegenstands-
los geworden.
10.2 Die Beschwerdebegehren erwiesen sich nach dem Gesagten als aus-
sichtslos, weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung – ungeachtet der im Übrigen nicht nachgewiesenen Bedürf-
tigkeit – abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
10.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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