Decision ID: 33b3f8e4-7e99-5dc1-91c4-effa86e1fe1b
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reiste am (...) Oktober 2020 in die Schweiz ein und
ersuchte gleichentags um Asyl. Ein Abgleich mit der europäischen Finger-
abdruck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass er am (...) 2014 in Bulgarien
und am (...) 2015 in Deutschland um Asyl ersucht hatte. In Deutschland
habe er über eine Duldung bis zum (...) 2020 verfügt. Am 14. Oktober 2020
fand die Personalienaufnahme statt (PA; Sem-Akten 1077457-10/11) und
am 20. Oktober 2020 erfolgte das persönliche Gespräch nach Art. 5 der
Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-
stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist (Neufassung) (ABl. L 180/31
vom 29.6.2013; nachfolgend: Dublin-III-VO; SEM-Akten 1077457-13/5, in
der Folge A13/5).
B.
Anlässlich des Dublin-Gesprächs führte der Beschwerdeführer aus, er sei
unter anderem wegen seiner Schwester in die Schweiz gekommen; diese
habe ihm gesagt, er könne in der Schweiz Unterstützung erhalten, was sich
bestätigt habe. Er habe in Deutschland sechs Jahre lang versucht Asyl zu
erhalten, auch mit Hilfe von Anwälten; auch habe er gearbeitet. Am (...)
2020 habe er aber den Entscheid erhalten, Deutschland bis zum (...) 2020
verlassen zu müssen, dies wegen des Dublinverfahrens, weil er zuerst in
Bulgarien gewesen sei. Eine Überstellung nach Deutschland lehne er ab,
er habe dort kein Asyl erhalten und sich wie in einem Gefängnis gefühlt.
Bei seiner Ankunft in Bulgarien sei er geschlagen und dazu gezwungen
worden, seine Fingerabdrücke abzugeben, überdies hätten die bulgari-
schen Behörden sein Handy und sein Geld entwendet. Ausserdem hätten
sie ihn während einer Woche inhaftiert, wonach er in ein Camp gebracht
worden beziehungsweise ausgereist sei. Unterstützung habe er keine er-
halten. Er hätte aufgrund der durch die Schläge erlittenen Verletzungen
eine medizinische Versorgung benötigt, aber aufgrund der Weiterreise
keine erhalten. Deshalb wolle er auch nicht dorthin zurück. Zu seinem Ge-
sundheitszustand führte er aus, im Allgemeinen gehe es ihm gut, psychisch
aber nicht.
E-6592/2020
Seite 3
C.
Am 22. Oktober 2020 ersuchte die Vorinstanz die deutschen Behörden ge-
stützt auf die Dublin-III-VO um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers.
Diese lehnten am 27. Oktober 2020 mit der Begründung ab, Bulgarien
habe am (...) 2014 dem Beschwerdeführer den Flüchtlingsstatus zuer-
kannt.
D.
In der Folge ersuchte die Vorinstanz am 27. Oktober 2020 die bulgarischen
Behörden gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Par-
laments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Nor-
men und Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhälti-
ger Drittstaatsangehöriger sowie das Abkommen vom 21. November 2008
zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Repub-
lik Bulgarien über die Rückübernahme von Personen mit unbefugtem Auf-
enthalt (SR 0.142.112.149) um Rückübernahme des Beschwerdeführers.
Am 29. Oktober 2020 stimmten die bulgarischen Behörden zu und bestä-
tigten, dass dem Beschwerdeführer in Bulgarien der Flüchtlingsstatus zu-
erkannt worden sei.
E.
Mit Schreiben vom 27. Oktober 2020 führte der Beschwerdeführer aus, es
gehe ihm psychisch nach wie vor nicht gut, weshalb er am 2. November
2020 einen Termin bei einem Psychiater vereinbart habe.
Ausserdem reichte er diverse Dokumente aus dem Heimatstaat Syrien und
aus seinem Asylverfahren aus Deutschland zu den Akten, darunter einen
Arztbericht vom 22. April 2015 eines Psychiaters aus Deutschland (in Ko-
pie). Letzterem ist zu entnehmen, dass die Flucht, der Krieg und die Erfah-
rungen in Bulgarien zum psychischen Leiden des Beschwerdeführers bei-
getragen hätten. Mit dem Abbruch der dringend notwendigen psychothera-
peutischen Behandlung würde eine erhebliche Verschlechterung seines
Zustands mit akuter Suizidalität einhergehen. Er sei nicht reisefähig, zu-
dem würde eine Rückführung nach Bulgarien zu einer Retraumatisierung
führen.
F.
Am 3. November 2020 teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer mit,
Abklärungen hätten ergeben, dass er am (...) 2014 in Bulgarien um Asyl
E-6592/2020
Seite 4
nachgesucht habe und dort als Flüchtling anerkannt worden sei. Die Dub-
lin-III-VO sei deshalb nicht anwendbar und sie beabsichtige, gestützt auf
Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf sein Asylgesuch nicht einzutreten und ihn
nach Bulgarien wegzuweisen. Dazu und zu den allenfalls widersprüchli-
chen Angaben des Beschwerdeführers zu seiner Aufenthaltsdauer in Bul-
garien werde ihm das rechtliche Gehör gewährt.
G.
Nach erstreckter Frist nahm der Beschwerdeführer mit Schreiben vom
11. November 2020 Stellung zur Wegweisung nach Bulgarien. Er habe sich
vor rund sechs Jahren nur für eine sehr kurze Zeitspanne dort aufgehalten
und sei mehrmals von der Polizei geschlagen, beraubt und misshandelt
worden. Obschon er aufgrund der zugefügten Verletzungen medizinische
Unterstützung benötigt hätte, habe er keine erhalten. Auch sonst sei er
nicht unterstützt worden. Zudem habe er in Bulgarien gar nie einen Asyl-
antrag stellen wollen, sondern sei dazu gezwungen worden. Aufgrund des
Erlebten habe er grosse Angst nach Bulgarien zurückkehren zu müssen.
Seine Gesundheit sei gefährdet, da es ihm psychisch sehr schlecht gehe.
Er leide unter (...). Er beantrage daher psychologische Unterstützung. Der
medizinische Sachverhalt sei noch nicht hinreichend abgeklärt worden. Er-
gänzend verwies er auf seine Angaben anlässlich des Dublin-Gesprächs.
Zu den ihm vorgehaltenen Widersprüchen betreffend Aufenthaltsdauer in
Bulgarien hielt er fest, im Vergleich zur Aufenthaltsdauer in Deutschland
sei jene in Bulgarien als kurz zu erachten, ausserdem liege sie bereits
lange zurück. Ferner führe das SEM nicht aus, worin der Widerspruch
liege, weshalb auch nicht Stellung bezogen werden könne.
Abschliessend beantragte er, es sei aus humanitären Gründen gemäss
Art. 17 Dublin-III-VO auf sein Asylgesuch einzutreten.
Dem Schreiben legte er eine Kopie des Ausländerausweises seiner in der
Schweiz lebenden Schwester sowie eine Kopie des medizinischen Daten-
blattes des BAZ vom 3. Oktober (recte 3. November) 2020 bei (Anmerkung
Gericht: der falsche Datumseintrag wurde zu Handen der SEM- Akten kor-
rigiert).
H.
Nachdem die Vorinstanz am 18. Dezember 2020 dem Beschwerdeführer
den Entscheidentwurf zur Stellungnahme unterbreitet hatte, antwortete
dieser mit Schreiben vom 21. Dezember 2020.
E-6592/2020
Seite 5
Er betonte, dass eine Rückkehr nach Bulgarien für ihn menschlich und ge-
sundheitlich nicht ertragbar wäre. Er befinde sich noch immer wöchentlich
in psychologischer Behandlung, die aufgrund seiner Erlebnisse in Bulga-
rien erforderlich sei. Seit nunmehr sieben Jahren kämpfe er darum, nicht
nach Bulgarien zurückkehren zu müssen, und er habe seine Familie in all
diesen Jahren nicht mehr gesehen. Er sei vor der Gewalt in Syrien geflohen
und in Bulgarien habe er dann auch keinen menschenwürdigen Umgang
erfahren. Er sei dort wie ein Krimineller behandelt worden.
Er gab auch an, er habe in Bulgarien kein ordentliches Asylverfahren
durchlaufen. Ihm sei nicht einmal bewusst gewesen, dass er als Flüchtling
anerkannt worden sei, da er nie ein persönliches Interview gehabt habe.
Er sei unter menschenunwürdiger Gewalteinwirkung (Elektrostösse) ge-
zwungen worden, seine Fingerabdrücke abzugeben. Später habe man ihn
ohne Dolmetscher genötigt, einige Papiere zu unterzeichnen. Dann seien
ihm, wieder ohne Dolmetscher, andere Papiere ausgehändigt worden und
er sei in ein anderes Camp gebracht worden. Da er nicht gewusst habe,
um was es sich bei diesen Papieren handle, habe er sie weggeworfen. In
der Folgezeit sei ihm keine Hilfestellung gewährt worden. Es sei ihm auch
nicht möglich gewesen, sich selbst um Unterkunft und finanzielle Unterstüt-
zung zu kümmern, da er von den Behörden nicht über seine Möglichkeiten
aufgeklärt worden sei. Allein die Erwähnung Bulgariens würde ihn in Stress
und Angst versetzen. Er leide ausserdem unter einem (...), das sich auch
nach sieben Jahren Behandlung kaum gebessert habe. Sollte er zur Aus-
reise nach Bulgarien aufgefordert werden, würde er sich umbringen.
Er ersuchte die Vorinstanz erneut darum, gemäss Art. 17 Dublin-III-VO aus
humanitären Gründen auf sein Asylgesuch einzutreten.
I.
Mit Verfügung vom 22. Dezember 2020 – gleichentags eröffnet – trat die
Vorinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte
seine Wegweisung aus der Schweiz und hielt ihn an, die Schweiz am Tag
nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen, ansonsten er in
Haft genommen und unter Zwang nach Bulgarien zurückgeführt werden
könne. Sodann beauftragte sie den zuständigen Kanton mit dem Vollzug
der Wegweisung und händigte dem Beschwerdeführer die editionspflichti-
gen Akten aus.
Sie begründet ihren Entscheid damit, dass Bulgarien vom Bundesrat als
sicherer Drittstaat im Sinne der massgeblichen Bestimmung bezeichnet
E-6592/2020
Seite 6
worden und der Beschwerdeführer dort als Flüchtling anerkannt sei. Des
Weiteren habe Bulgarien sich bereit erklärt, ihn zurückzunehmen. Aus der
Anwesenheit seiner Schwester in der Schweiz vermöge er kein Zuständig-
keitskriterium abzuleiten, da Geschwister nicht zur Kernfamilie gehörten
und nur besondere Abhängigkeitsverhältnisse durch den Grundsatz der
Einheit der Familie geschützt seien. Weiter vermöchten die Aussagen, wo-
nach er in Bulgarien gezwungen worden sei, seine Fingerabdrücke abzu-
geben an der Tatsache, dass er in Bulgarien über einen Flüchtlingsstatus
und somit auch über eine Aufenthaltsberechtigung verfüge, nichts zu än-
dern. Bulgarien habe sich gestützt auf die einschlägige Richtlinie ausdrück-
lich einverstanden erklärt, ihn wiederaufzunehmen. Unabhängig davon,
dass er unterschiedliche Angaben zur Zeitdauer seines Aufenthaltes in Bul-
garien gemacht habe, spreche angesichts seines Flüchtlingsstatus auch
die geltend gemachte kurze Aufenthaltsdauer dort nicht gegen die Recht-
mässigkeit einer Rückübernahme.
Zur Stellungnahme zum Entscheidentwurf erwägt das SEM, diese wieder-
hole im Wesentlichen die bekannten Tatsachen. Teilweise würden auch
neue erwähnt, wie die andauernde psychologische Behandlung und die
Ansicht, in Bulgarien kein ordentliches Asylverfahren durchlaufen zu ha-
ben. Dabei seien aber keine Tatsachen oder Beweismittel vorgelegt wor-
den, welche eine Änderung des Standpunktes des SEM rechtfertigen
könnten. Gemäss Art. 25 Abs. 2 VwVG sei einem Begehren um Feststel-
lung der Flüchtlingseigenschaft in der Schweiz nur dann zu entsprechen,
wenn die Person ein schutzwürdiges Interesse nachweise. Dieser Nach-
weis könne nicht gelingen, wenn bereits ein Drittstaat die Flüchtlingseigen-
schaft festgestellt und Schutz vor Verfolgung gewährt habe. Der Beschwer-
deführer könne nach Bulgarien zurückkehren, ohne eine Rückschiebung in
Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips zu befürchten, weshalb auf das
Asylgesuch nicht einzutreten sei.
Hinsichtlich allfälliger Wegweisungsvollzugshindernisse führt das SEM
aus, weder die in Bulgarien herrschende Situation noch andere Gründe
würden gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung in diesen Staat sprechen.
Hinsichtlich der Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach er bei der
Einreise nach Bulgarien von der Polizei misshandelt worden sei, sei grund-
sätzlich festzuhalten, dass Bulgarien ein Rechtsstaat sei, welcher über eine
funktionierende Polizeibehörde verfüge, die sowohl als schutzwillig wie
auch als schutzfähig gelte. Sollte er sich durch die bulgarischen Behörden
ungerecht oder rechtswidrig behandelt fühlen oder sich vor Übergriffen
durch Private fürchten, könne er sich an die zuständigen Stellen wenden.
E-6592/2020
Seite 7
Es bestünden keine genügend konkreten Hinweise dafür, dass der Be-
schwerdeführer während seines dortigen Aufenthalts nicht Zugang zu ei-
nem rechtsstaatlichen Verfahren gehabt habe. Es müsse davon ausgegan-
gen werden, dass Bulgarien seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen
nachkomme. Es gelinge dem Beschwerdeführer – in Berücksichtigung der
massgeblichen bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung – nicht,
diese Vermutung umzustossen.
Hinsichtlich des medizinischen Sachverhalts sei festzuhalten, dass Bulga-
rien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfüge und ver-
pflichtet sei, die erforderliche medizinische Versorgung, welche zumindest
die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krank-
heiten und schweren psychischen Störungen umfasse, zu gewährleisten.
Es würden keine konkreten Hinweise vorliegen, wonach Bulgarien dem Be-
schwerdeführer eine medizinische Behandlung zukünftig verweigern
würde. Asylsuchende und anerkannte Flüchtlinge hätten in Bulgarien den-
selben Anspruch auf medizinische Versorgung wie bulgarische Staatsan-
gehörige und die Kosten für die Krankenversicherung würden durch den
Staat gedeckt. Für seine psychischen Leiden habe er in der Schweiz di-
verse medizinische Hilfe in Anspruch nehmen und sich mehrfach zu sei-
nem Gesundheitszustand äussern können. Der medizinische Sachverhalt
könne somit als abgeklärt gelten, was in der Stellungnahme vom 21. De-
zember 2020 auch nicht mehr angezweifelt worden sei. Für das weitere
Verfahren sei einzig die Reisefähigkeit ausschlaggebend; es bestünden
keine Anzeichen, dass diese nicht gegeben sei. Eine Reiseunfähigkeit sei
zwar im Jahr 2015 durch einen Psychiater in Zusammenhang mit einer su-
izidalen Tendenz angesprochen worden. Der entsprechende Bericht liege
jedoch fünf Jahre zurück. Auch wenn nachvollziehbar sei, dass sich suizi-
dale Gedanken bemerkbar machen könnten, müsse die Berufung darauf
im vorliegenden Fall aber als Versuch gedeutet werden, die Behörden ent-
gegen den rechtlichen Tatsachen zum Einlenken zu zwingen. Jedenfalls
spreche das Vorbringen ohne weitere Belege nicht unmittelbar für eine Rei-
seunfähigkeit. Diese werde kurz vor der Überstellung erneut geprüft. Zu-
dem trage das SEM dem aktuellen Gesundheitszustand des Beschwerde-
führers bei der Organisation der Überstellung nach Bulgarien Rechnung,
indem es die bulgarischen Behörden über den Gesundheitszustand und
die notwendige medizinische Behandlung informiere. In diesem Zusam-
menhang werde auch die Covid-19-Problematik berücksichtigt.
E-6592/2020
Seite 8
Schliesslich sei der Vollzug der Wegweisung, wiederum auch in Berück-
sichtigung der aktuellen Pandemie-Situation, als technisch möglich zu be-
zeichnen, zumal Bulgarien der Übernahme zugestimmt habe.
J.
Mit Eingabe vom 30. Dezember 2020 erhob der Beschwerdeführer gegen
diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er bean-
tragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz an-
zuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten. Eventualiter sei die Sache zur
rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vo-
rinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs festzustellen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht er-
sucht er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Zur Begründung seines Rückweisungsantrags führt er aus, die Vorinstanz
habe den medizinischen Sachverhalt ungenügend abgeklärt. Ausserdem
habe sie seine Einwände nicht gewürdigt und deshalb die Begründungs-
pflicht verletzt. Er habe bereits im Rahmen des Dublin-Gesprächs erwähnt,
dass es ihm psychisch nicht gut gehe. Im Laufe des Verfahrens habe er
die Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen beantragt. Er habe sich
in die Schweiz begeben, weil sich seine Schwester hier befinde und er sich
durch sie Unterstützung bei der Bewältigung seiner gesundheitlichen Prob-
leme erhoffe. Trotzdem habe es die Vorinstanz unterlassen, weitere Nach-
forschungen und Abklärungen zu tätigen oder die Auswirkung der Anwe-
senheit seiner Schwester auf seinen Gesundheitszustanden zu berück-
sichtigen Umstand.
Er moniert weiter, er vermöge sehr wohl die Vermutung, Bulgarien halte
seine völkerrechtlichen Verpflichtungen ein und ein Vollzug der Wegwei-
sung dorthin sei zumutbar, umzustossen. Er habe von gravierenden Vor-
fällen berichtet, welche sich dort zugetragen hätten, wie dass er mehrmals
von der Polizei geschlagen, beraubt und misshandelt worden sei. Er habe
weder medizinische noch sonstige Unterstützung erhalten. Aufgrund des
Erlebten habe er grosse Angst nach Bulgarien zurückkehren zu müssen,
was insbesondere in Anbetracht seiner gesundheitlichen Probleme zu be-
rücksichtigen sei. Es sei offensichtlich, dass er – sollte er bei einer Rück-
kehr nach Bulgarien erneut keine medizinische Betreuung oder sonstige
Unterstützung erhalten – umgehend in eine existenzielle Notlage geraten
würde. Eine pauschale Rückübernahme ohne ausdrückliche und individu-
elle Garantie einer entsprechenden Unterbringung und Behandlung sei in
E-6592/2020
Seite 9
seinem Fall nicht ausreichend, weshalb entweder weitere Abklärungen
durch die Vorinstanz vorgenommen werden müssten oder auf sein Asylge-
such einzutreten sei.
K.
Mit Verfügung vom 4. Januar 2021 bestätigte die Instruktionsrichterin den
Eingang der Beschwerde und hielt fest, der Beschwerdeführer könne den
Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die
Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-
prüfen (Art. 31a Abs. 1-3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Be-
schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz
zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (BVGE 2012/4 E. 2.2
m.w.H.).
3.2 Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem
Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt.
4.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
E-6592/2020
Seite 10
Richters (Art. 111 Bst. e AsylG). Auf die Durchführung eines Schriftenwech-
sels kann verzichtet und der Entscheid summarisch begründet werden (Art.
111a Abs. 1 und 2 AsylG).
5.
5.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu
beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der
vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer wirft der
Vorinstanz eine Verletzung der Pflicht zur vollständigen und richtigen Ab-
klärung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie der Begründungspflicht
vor.
5.2 Die Aktenlage im Zeitpunkt des Ergehens der angefochtenen Verfü-
gung stellte – auch hinsichtlich des Gesundheitszustandes des Beschwer-
deführers – eine hinreichende Beurteilungsgrundlage dar. Dem Beschwer-
deführer wäre es, auch in Anbetracht der Dauer des vorinstanzlichen Ver-
fahrens, offen gestanden, im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht gemäss
Art. 8 AsylG weitere medizinische Unterlagen, etwa zu den geltend ge-
machten wöchentlichen Behandlungen, einzureichen. Bezeichnender-
weise hat er auch für all die Jahre, in denen er sich in Deutschland aufge-
halten hatte, nur ein einziges ärztliches Zeugnis – aus dem Jahr 2015 – zu
den Akten gereicht. Weder diesem noch sonst sind den Akten Hinweise auf
eine Erkrankung des Beschwerdeführers von einem Ausmass zu entneh-
men, das zur Annahme führen könnte, in seinem Falle gälten die Legalver-
mutungen hinsichtlich allfälliger Wegweisungsvollzugshindernisse (vgl.
dazu nachfolgend E. 8.2) nicht. Die Vorinstanz war nicht verpflichtet, wei-
tere konkrete Sachverhaltsabklärungen zu treffen. Bezeichnenderweise
wird auch auf Beschwerdestufe nicht konkret vorgebracht, welche Abklä-
rungen sich noch aufgedrängt hätten, respektive werden noch immer keine
Berichte zu den geltend gemachten wöchentlichen Behandlungen nachge-
reicht oder angekündigt. Es ist auch nicht ersichtlich, inwiefern es am SEM
gelegen hätte, die Auswirkung der Anwesenheit der Schwester des Be-
schwerdeführers auf seinen Gesundheitszustand abzuklären. Folglich liegt
keine Verletzung der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts vor.
5.3 Sodann würdigte die Vorinstanz sämtliche wesentlichen Vorbringen
und Einwände des Beschwerdeführers (aus dem Dublin-Gespräch, dem
rechtlichen Gehör vom 11. November 2020 und der Stellungnahme zum
Entscheidentwurf vom 21. Dezember 2020). Es hat in einer Gesamtwürdi-
gung nachvollziehbar aufgezeigt, von welchen Überlegungen es sich hat
E-6592/2020
Seite 11
leiten lassen. Dass das SEM seiner Begründungspflicht hinreichend nach-
gekommen ist, ergibt sich schliesslich daraus, dass der Beschwerdeführer
offensichtlich in der Lage war, diese sachgerecht anzufechten.
5.4 Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vo-
rinstanz zurückzuweisen. Das diesbezügliche Rechtsbegehren ist abzu-
weisen.
6.
6.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein-
getreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b
AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, in welchem
sie sich vorher aufgehalten hat.
6.2 Die Vorinstanz stellt in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest,
dass es sich bei Bulgarien, als Mitglied der Europäischen Union (EU), um
einen verfolgungssicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b
AsylG handelt (vgl. Beschluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007).
Den vorinstanzlichen Akten ist sodann zu entnehmen, dass der Beschwer-
deführer in Bulgarien als Flüchtling anerkannt wurde und die bulgarischen
Behörden seiner Rückübernahme ausdrücklich zustimmten (vgl. Prozess-
geschichte, Bst. D).
6.3 Der Beschwerdeführer bestreitet nicht grundsätzlich, dass er in Bulga-
rien als Flüchtling anerkannt wurde. Hinsichtlich des Asylverfahren in Bul-
garien macht er zwar in der Stellungnahme zum Entscheidentwurf geltend,
nie angehört worden zu sein und Papiere unterschrieben und erhalten zu
haben, ohne dass er einen Dolmetscher gehabt habe. Damit vermag er
aber nicht die Vermutung, in Bulgarien sei er im Sinne des Refoulement-
Verbots vor Rückschiebung nach Syrien geschützt, umzustossen, zumal er
gleichzeitig angibt, er habe nie die Absicht gehabt in Bulgarien zu bleiben,
und sei so bald als möglich weitergereist. Fakt ist, dass Bulgarien als si-
cherer Drittstaat dem Beschwerdeführer einen Status als Flüchtling ge-
währt hat. Die Beschwerde enthält die entsprechenden Einwände sodann
nicht mehr, und die Vorinstanz ist zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs.
1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetre-
ten.
7.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
E-6592/2020
Seite 12
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf die Erteilung einer solchen
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung
wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet.
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
8.2 Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche
Verpflichtungen der Schweiz (insbesondere Art. 33 Abs. 1 des Abkommens
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25 Abs. 3
BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und
andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 und 4 EMRK) einer Weiterreise der Aus-
länderin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Dritt-
staat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann
der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie
im aufnehmenden Staat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg,
allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten – wie Bul-
garien einer ist – die Vermutung, dass diese ihre völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen, darunter im Wesentlichen das Refoulement-Verbot und
grundlegende menschenrechtliche Garantien, einhalten (vgl. FANNY
MATTHEY, in: Cesla Amarelle/Minh Son Nguyen, Code annoté de droit des
migrations, Bern 2015, Art. 6a AsylG N 12 S. 68). Gestützt auf Art. 83 Abs.
5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Wegweisung in einen EU-
oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist. Es obliegt der betroffenen Per-
son, diese beiden Legalvermutungen umzustossen. Dazu hat sie ernst-
hafte Anhaltspunkte dafür vorzubringen, dass die Behörden des in Frage
stehenden Staates im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht
den notwendigen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen Le-
bensumständen aussetzen würden, respektive dass sie im in Frage ste-
henden Staat aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftli-
cher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde
(vgl. Urteil des BVGer E-2617/2016 vom 28. März 2017 E. 4.8).
E-6592/2020
Seite 13
8.3
8.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht anerkennt, dass die Situation in Bul-
garien teilweise problematisch ist. Dennoch geht es, wie bereits erwähnt,
davon aus, dass Schutzberechtigte dort Schutz vor Rückschiebung im
Sinne von Art. 33 Abs. 1 FK finden sowie, dass Bulgarien als Signatarstaat
der EMRK, der FoK sowie der KRK seinen entsprechenden völkerrechtli-
chen Verpflichtungen grundsätzlich nachkommt. Namentlich ist festzuhal-
ten, dass Bulgarien an die Richtlinie 2011/95/EU (Richtlinie des Europäi-
schen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2011 über Normen
für die Anerkennung von Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen als
Personen mit Anspruch auf internationalen Schutz, für einen einheitlichen
Status für Flüchtlinge oder für Personen mit Anrecht auf subsidiären Schutz
und für den Inhalt des zu gewährenden Schutzes) gebunden ist. Im Kapitel
VII werden die den Flüchtlingen und Personen mit subsidiärem Schutzsta-
tus zu gewährenden Rechte geregelt (Art. 26 [Zugang zu Beschäftigung],
Art. 27 [Bildung], Art. 29 Abs. 2 [Sozial- und Nothilfe] und Art. 30 Abs. 2
[medizinische Versorgung]).
8.3.2 Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Beschwerdeführer bei seiner
Einreise nach Bulgarien im Jahr 2014 Übergriffe erleben musste. Auch
wenn verständlich ist, dass es dem Beschwerdeführer deshalb schwerfällt,
nach Bulgarien zurückzukehren, ist aber – entgegen den Beschwerdevor-
bringen – nicht davon auszugehen, dass er bei einer heutigen Rückkehr
dorthin, als Person mit anerkanntem Schutzstatus, einer unmenschlichen
oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt
wäre oder er in eine existenzielle Notlage geraten würde. Er hat zudem
keine hinreichend konkreten Hinweise für eine drohende existenzielle Not-
lage vorgebracht, welche die Regelvermutung der Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs nach Bulgarien umstossen könnten. Er gab lediglich
pauschal an, ihm sei keine Unterstützung angeboten worden, wobei er sich
hinsichtlich der Unterbringung bereits während des Dublin-Gesprächs vom
20. Oktober 2020 widersprochen hatte. So legte er zunächst dar, nach dem
Gefängnisaufenthalt in ein Camp gebracht worden zu sein, um kurze Zeit
später zu erklären, nie in einem Camp gewesen zu sein (vgl. A13/5). In
seiner Stellungnahme zum Entscheidentwurf spricht er dann wiederum da-
von, in ein Camp gebracht worden zu sein (vgl. 36/2). Im Übrigen macht er
geltend, wie ein Krimineller behandelt worden zu sein, ohne weitergehende
Ausführungen dazu zu machen. Hinsichtlich der medizinischen Versorgung
machte er im Übrigen selbst geltend, eine solche nicht erhalten zu haben,
weil er direkt ausgereist sei (vgl. A13/5). Er hat überdies weder im erstin-
stanzlichen Verfahren noch im Beschwerdeverfahren dargelegt, welche
E-6592/2020
Seite 14
konkreten Schritte er nach Anerkennung seines Schutzstatus im Zusam-
menhang mit den geltend gemachten vorenthaltenen Ansprüchen eingelei-
tet hätte, sondern ist, wie er selbst geltend macht, möglichst umgehend
weitergereist. Es wird, wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, an
ihm sein, gegebenenfalls die ihm zustehenden Unterstützungsleistungen
und weiteren Rechte direkt bei den zuständigen Behörden einzufordern,
falls notwendig auf dem Rechtsweg.
8.3.3 Was die geltend gemachten gesundheitlichen Beeinträchtigungen im
speziellen betrifft, ist festzuhalten, dass eine zwangsweise Wegweisung
von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur ganz ausnahmsweise
einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Die geltend gemachten psy-
chischen Probleme des Beschwerdeführers stellen sich nicht als so
schwerwiegend dar, dass eine Gefahr der Verletzung von Art. 3 EMRK be-
steht (zu den Anforderungen vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die
damalige Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
[EGMR] sowie zur neueren Praxis des EGMR das Urteil Paposhvili gegen
Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193
m.H.). Der einzige beigebrachte Arztbericht liegt bald sechs Jahre zurück.
Das medizinischen Datenblatt des BAZ befasst sich vorab mit einer Anam-
nese und Symptomen; es wird daraus keine notwendige Behandlung er-
sichtlich (vgl. A34/1). Einen weiteren Bericht eines Facharztes respektive
Psychologen hat er bis heute nicht eingereicht, obwohl dies in Anbetracht
der regelmässigen psychologischen Betreuung offensichtlich möglich und
zumutbar gewesen wäre. Hinsichtlich der geltend gemachten Selbstge-
fährdung bei einer zwangsweisen Überstellung kann auf die Erwägungen
des SEM verwiesen werden, wonach es dem Gesundheitszustand des Be-
schwerdeführers bei der Überstellung – entsprechend der diesbezüglichen
Rechtsprechung des EGMR – mit geeigneten Massnahmen Rechnung tra-
gen wird erhindern (vgl. den Unzulässigkeitsentscheid des EGMR vom
7. Oktober 2004 i.S. D. und andere gegen Deutschland 33743/03, ange-
führt in EMARK 2005 Nr. 23 E. 5.1 [S. 212]). Es ist schliesslich davon aus-
zugehen, dass der Beschwerdeführer auch nach seiner Überstellung in
Bulgarien Zugang zu der allenfalls notwendigen Behandlung haben wird.
Wie vom SEM ausgeführt, wird es die bulgarischen Behörden – auch in
Berücksichtigung der Covid-19 Problematik – über die besonderen Bedürf-
nisse des Beschwerdeführers informieren.
Schliesslich ist verständlich, dass der Beschwerdeführer aufgrund der An-
wesenheit seiner Schwester in der Schweiz bleiben möchte, auch aufgrund
seiner geltend gemachten gesundheitlichen Beeinträchtigung. Von einer
E-6592/2020
Seite 15
Abhängigkeitsbeziehung zwischen den erwachsenen Geschwistern, wel-
che im Sinne der massgeblichen Rechtsprechung des EGMR und des Bun-
desgerichtes unter den Schutz von Art. 8 EMRK fallen würde, ist aber auf-
grund der Akten offensichtlich nicht auszugehen.
8.3.4 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen,
die Vermutung, dass Bulgarien seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen
nachkommt und die Wegweisung in diesen EU-Mitgliedstaat zulässig und
zumutbar ist, umzustossen.
8.4 Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich in Übereinstimmung mit
der Vorinstanz als möglich zu erachten (vgl. Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 112 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 49 VwVG). Die
Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der vorstehenden Erwägun-
gen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtslos zu gelten haben. Da-
mit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht gegeben,
weshalb das Gesuch ungeachtet der geltend gemachten Mittellosigkeit ab-
zuweisen ist.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Das Gesuch um Erlass des Kostenvorschusses ist mit vor-
liegendem Urteil gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
E-6592/2020
Seite 16