Decision ID: ec410fce-f24e-5a62-bcbe-24f814f564c4
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die aus Eritrea stammende Beschwerdeführerin (geb. [...]) reiste am
22. Juni 2014 in die Schweiz ein, wo sie tags darauf um Asyl ersuchte. Mit
Verfügung vom 26. Juni 2015 stellte das Bundesamt für Migration (BFM,
heute: Staatssekretariat für Migration) fest, die Beschwerdeführerin erfülle
die Flüchtlingseigenschaft, lehnte ihr Asylgesuch aber ab und ordnete die
Wegweisung aus der Schweiz an. Mit gleichem Entscheid wurde sie wegen
Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen.
B.
B.a Bereits am 1. Dezember 2015 ersuchte die Beschwerdeführerin bei
der Vorinstanz ein erstes Mal um Familiennachzug für ihre damals in Erit-
rea bei ihren Geschwistern lebende Tochter B._ (geb. [...]). Das Ge-
such wurde am 13. Januar 2016 als durch Rückzug gegenstandslos ge-
worden abgeschrieben. Ein zweites, am 22. Dezember 2015 bei der Mig-
rationsbehörde der Stadt Bern eingereichtes Familiennachzugsgesuch
wies die Vorinstanz am 13. April 2016 ab. Diese Verfügung blieb unange-
fochten (vgl. Akten der Vorinstanz [SEM act.] B1 – B7). Ein weiteres Schrei-
ben vom 6. September 2016, worin die Beschwerdeführerin wiederum um
Nachzug der Tochter bat, legte das SEM am 9. September 2016 ohne wei-
tere Folge zu den Akten.
B.b Am 19. Februar 2017 kam in der Schweiz die zweite Tochter C._
auf die Welt. Sie wurde am 8. September 2017 in die Flüchtlingseigen-
schaft der Beschwerdeführerin einbezogen.
B.c Mit Schreiben vom 7. November 2017 teilte die Beschwerdeführerin
der Vorinstanz mit, dass B._ sich mittlerweile im Sudan aufhalte,
aber an grossen gesundheitlichen Problemen leide. Deshalb werde sie ihre
ältere Tochter dort Ende 2017 für drei Wochen besuchen. Parallel dazu
bemühte sie sich um Erteilung eines Visums aus humanitären Gründen.
B.d Am 5. Februar 2018 liess die Beschwerdeführerin gegenüber dem
SEM verlauten, dass B._ im Sudan nach wie vor in schwierigen
Verhältnissen lebe und bat darum, das Familiennachzugsgesuch sobald
wie möglich zu bearbeiten. Die Vorinstanz wies am 12. Februar 2018 in der
Folge auf die Dreijahresfrist von Art. 85 Abs. 7 des Ausländergesetzes
(AuG, seit 1. Januar 2019: Ausländer- und Integrationsgesetz [AIG, SR
142.20]) hin, weswegen noch keine Prüfung des Gesuches erfolgen könne.
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Seite 3
C.
C.a Nach Ablauf der Dreijahresfrist gelangte die Beschwerdeführerin mit
Eingabe vom 9. Juli 2018 an die Einwohnerdienste, Migration und Frem-
denpolizei (EMF) der Stadt Bern, gab bekannt, dass das Visumgesuch zu
Gunsten von B._ abgelehnt worden sei und bat erneut um Prüfung
des Gesuches um Familiennachzug. Auf entsprechende Aufforderung hin
machte sie hierzu am 6. August 2018 ergänzende Angaben und reichte die
Kopie eines die ältere Tochter betreffenden «Certificate of birth» ein (SEM
act. C1).
C.b Am 16. August 2018 übermittelten die EMF der Stadt Bern die Unter-
lagen an das SEM und hielten u.a. fest, dass die Gesuchstellerin und ihre
hierzulande geborene Tochter C._ vollumfänglich von der Sozial-
hilfe unterstützt würden (SEM act. C2).
C.c Mit Schreiben vom 16. November 2018 teilte die Vorinstanz der Be-
schwerdeführerin mit, sie beabsichtige, das Familiennachzugsgesuch ab-
zulehnen, da die in Art. 85 Abs. 7 AuG genannte Voraussetzung der Unab-
hängigkeit von der Sozialhilfe nicht erfüllt sei und gewährte ihr das rechtli-
che Gehör (SEM act. C5).
C.d Vom Äusserungsrecht machte die Betroffene am 26. November 2018
Gebrauch (SEM act. C6).
D.
Mit Verfügung vom 20. Dezember 2018 wies die Vorinstanz das Gesuch
um Familiennachzug ab und bewilligte der älteren Tochter der Beschwer-
deführerin die Einreise in die Schweiz nicht (SEM act. C7).
E.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 14. Januar 2019 beantragt die Beschwerde-
führerin die Aufhebung der angefochtenen Verfügung (BVGer act. 1).
Am 8. Februar 2019 ersuchte sie nachträglich um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtsverbeiständung und Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses (BVGer act. 4).
F.
Mit Zwischenverfügung vom 19. Februar 2019 wies das Bundesverwal-
tungsgericht das Begehren um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mangels Belegs der Bedürftigkeit
ab (BVGer act. 5).
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Seite 4
Nach Eingang des ausgefüllten Formulars «Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege» und einer aktuellen Sozialhilfebestätigung (BVGer act. 6)
wurde dem Begehren um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung
am 5. März 2019 nachträglich stattgegeben und auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses verzichtet. Zugleich wurde der Beschwerdeführerin die
Möglichkeit eingeräumt, binnen 30 Tagen eine Anwältin oder einen Anwalt
zu bezeichnen, andernfalls der Antrag auf amtliche Verbeiständung als hin-
fällig betrachtet werde (BVGer act. 7).
G.
Mit Mandatsanzeige vom 14. März 2019 ersuchte Rechtsanwalt Oliver Lü-
cke unter Vorlage einer entsprechenden Vollmacht um Einsetzung als amt-
licher Rechtsbeistand (BVGer act. 8).
H.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 20. März 2019 auf
Abweisung der Beschwerde (BVGer act. 10).
I.
Mit verfahrensleitender Anordnung vom 28. März 2019 setzte das Bundes-
verwaltungsgericht Rechtsanwalt Oliver Lücke als amtlichen Anwalt ein,
entsprach seinem Gesuch um Akteneinsicht und gewährte ihm das Replik-
recht (BVGer act. 11).
J.
Replikweise hält die Beschwerdeführerin am 29. April 2019 am eingereich-
ten Rechtsmittel und dessen Begründung fest (BVGer act. 16).
K.
Mit Schreiben vom 5. August 2020 orientierte der frühere Parteivertreter
das Bundesverwaltungsgericht darüber, dass er seine Tätigkeit als Rechts-
anwalt in der Schweiz beendige und künftige Zustellungen direkt an die
Klientschaft zu erfolgen hätten. Gleichzeitig reichte er eine Honorarnote ein
(BVGer act. 18 und 19).
L.
Auf den weiteren Akteninhalt – einschliesslich der beigezogenen Akten des
Migrationsdienstes des Kantons Bern und der EMF der Stadt Bern – wird,
soweit rechtserheblich, in den Erwägungen eingegangen.
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Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter
Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen
Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer der in Art. 33 VGG auf-
geführten Behörden erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügungen
des SEM betreffend Familienzusammenführung im Sinn von Art. 85 Abs. 7
AuG. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl.
Art. 37 VGG).
1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde
legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. 3 BGG).
2.
Am 1. Januar 2019 hat das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und
Ausländer vom 16. Dezember 2005 eine Teilrevision und Namensände-
rung erfahren (Änderung des AuG vom 16. Dezember 2016, AS 2018
3171). Parallel dazu sind entsprechende Anpassungen der Verordnung
über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE [SR 142.201],
AS 2018 3173) in Kraft getreten. Eine gesetzliche Übergangsregelung
fehlt, weshalb aufgrund allgemeiner Grundsätze über das anwendbare
Recht entschieden werden muss. Mangels vorherrschenden öffentlichen
Interesses an einer unmittelbaren Anwendung der neuen Bestimmungen
ist vorliegend das AuG in seiner bis zum 31. Dezember 2018 geltenden
Fassung massgebend. Dasselbe gilt für die VZAE, die ebenfalls in der bis
dahin geltenden Version zitiert wird (vgl. Urteil des BVGer F-3709/2017
vom 14. Januar 2019 E. 2.4 m.H.).
3.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes sowie – falls nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
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(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht
von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün-
dung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus
anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen.
Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent-
scheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2).
4.
Gemäss Art. 85 Abs. 7 AuG (in der bis zum 31. Dezember 2018 gültigen
Version; AS 2007 5437) können Ehegatten und ledige Kinder unter 18 Jah-
ren von in der Schweiz vorläufig aufgenommenen Personen und vorläufig
aufgenommenen Flüchtlingen frühestens drei Jahre nach Anordnung der
vorläufigen Aufnahme nachgezogen und in diese eingeschlossen werden.
Voraussetzung dafür ist, dass sie zusammenwohnen (Bst. a), dass eine
bedarfsgerechte Wohnung vorhanden ist (Bst. b) und dass die Familie
nicht auf Sozialhilfe angewiesen ist (Bst. c). Diese Bestimmung wird in ma-
terieller Hinsicht in Art. 74 VZAE konkretisiert. Gemäss dessen Abs. 3 ist
ein Familiennachzugsgesuch innerhalb von fünf Jahren zu stellen, sobald
die zeitlichen Voraussetzungen gemäss Art. 85 Abs. 7 AuG erfüllt sind;
geht es um den Nachzug von Kindern im Alter von über zwölf Jahren, muss
das Gesuch innerhalb von zwölf Monaten nach diesem Zeitpunkt einge-
reicht werden. Ein nachträglicher Familiennachzug ist nur aus wichtigen
familiären Gründen möglich (Art. 74 Abs. 4 VZAE). Der besonderen Situa-
tion vorläufig aufgenommener Flüchtlinge ist beim Entscheid über das Fa-
miliennachzugsgesuch Rechnung zu tragen (Art. 74 Abs. 5 VZAE).
5.
5.1 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, das Erfor-
dernis der Sozialhilfeunabhängigkeit sei vorliegend nicht erfüllt. Wohl
scheine die Beschwerdeführerin bemüht, sich in der Schweiz beruflich zu
integrieren, bislang habe sie auf dem hiesigen Arbeitsmarkt aber nicht Fuss
zu fassen vermocht und sie beziehe nach wie vor vollumfänglich Sozial-
hilfe. Der Nachzug der Tochter B._ würde zudem zu einer Erhöhung
der Sozialhilfebeiträge führen. Aufgrund der Akten könne nicht angenom-
men werden, dass die Beschwerdeführerin in naher Zukunft ein genügen-
des Einkommen für den Unterhalt dreier Personen erzielen werde. Auch
unter dem Blickwinkel von Art. 8 EMRK könne der Familiennachzug nicht
bewilligt werden. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund subjektiver Nach-
fluchtgründe als Flüchtling anerkannt worden. Somit habe sie bei ihrer
Flucht nicht davon ausgehen können, künftig mit der Familie in der Schweiz
zu leben. Die knapp siebzehn Jahre alte, bald volljährige Tochter wohne
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Seite 7
den Angaben der Mutter zufolge im Sudan zwar nicht mehr fix bei einer
Familie, finde aber stets Unterschlupf bei unterschiedlichen Familien. Da
sie sich folglich weder in Gefahr befinde noch gänzlich auf sich allein ge-
stellt sei, lägen keine aussergewöhnlichen Umstände vor.
5.2 Die Beschwerdeführerin erklärte in ihrer knappen Rechtsmitteleingabe
vom 14. Januar 2019, die Tochter B._ sei in den Sudan geflohen und
habe dort bei entfernten Verwandten Unterschlupf gefunden. Nun irre sie
von Ort zu Ort und habe kein festes Domizil. Gleichzeitig seien im Sudan
vor drei Wochen schwere Unruhen aufgeflackert, die zusehends eskalier-
ten. Unter diesen Umständen sei ihre 17-jährige Tochter an Leib und Seele
gefährdet und ein baldiger Nachzug in die Schweiz tue Not.
Der zeitweilig mandatierte Rechtsvertreter ergänzte in der Replik vom
29. April 2019, der Norm von Art. 85 Abs. 7 AuG sei in jedem Fall durch
eine verfassungs- und völkerrechtskonforme Auslegung der gesetzlichen
Nachzugskriterien gerecht zu werden. Zwischen der Beschwerdeführerin
und ihrer unmündigen Tochter bestehe unbestrittenermassen ein Familien-
leben im Sinne von Art. 8 EMRK. In Anwendung der hierzu ergangenen
Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte
(EGMR) sei bei der Prüfung des Familiennachzugsgesuches das Kindes-
wohl als das ausschlaggebende Kriterium zu gewichten. Insbesondere
gelte es vorliegend zu berücksichtigen, dass die Tochter derzeit alleine und
ohne einen Elternteil lebe. Dies sei nicht im Sinne des Kindeswohls. Das
Kindesinteresse sei zu keiner Zeit in Erwägung gezogen worden, vielmehr
habe die Vorinstanz in rechtsfehlerhafter Weise allein auf die Sozialhilfe-
abhängigkeit seiner Mandantin abgestellt.
6.
6.1 Vorliegend ist unbestritten, dass die zeitlichen Voraussetzungen von
Art. 85 Abs. 7 AuG und Art. 74 Abs. 3 VZAE für den Familiennachzug erfüllt
sind. Die Beschwerdeführerin beabsichtigt sodann, mit der älteren Tochter
zusammenzuwohnen (Art. 85 Abs. 7 Bst. a AuG) und auch eine bedarfsge-
rechte Wohnung (Art. 85 Abs. 7 Bst. b AuG) ist vorhanden (siehe SEM
act. C2). Zu prüfen bleibt demnach, wie es sich mit dem Erfordernis der
Sozialhilfeunabhängigkeit verhält (Art. 85 Abs. 7 Bst. c AuG).
6.2 Sozialhilfeunabhängigkeit wird in der Praxis grundsätzlich dann ange-
nommen, wenn die Eigenmittel das Niveau erreichen, ab dem gemäss
Richtlinie der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) kein So-
zialhilfeanspruch resultiert. Bei der Beurteilung der Sozialhilfeabhängigkeit
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Seite 8
nach Art. 85 Abs. 7 AuG sind die statusspezifischen Umstände von Flücht-
lingen mit zu berücksichtigen (vgl. Art. 74 Abs. 5 VZAE). Im Hinblick auf
das öffentliche Interesse kann es sich rechtfertigen, den Nachzug eines
Familienangehörigen eines (vorläufig aufgenommenen) Flüchtlings zu ver-
weigern, wenn damit die Gefahr einer fortgesetzten und erheblichen Für-
sorgeabhängigkeit einhergeht. Dabei ist von den aktuellen Verhältnissen
des hier anwesenheitsberechtigten Familienangehörigen sowie den wahr-
scheinlichen finanziellen Entwicklungen unter Berücksichtigung der finan-
ziellen Möglichkeiten aller Familienmitglieder auf längere Sicht auszuge-
hen. Bei der prospektiven Einschätzung der künftigen Fürsorgeabhängig-
keit sind die spezifische flüchtlingsrechtliche Situation und die bisherigen
Bemühungen des anerkannten Flüchtlings, sich zu integrieren, zu berück-
sichtigen. Unternimmt dieser alles ihm Zumutbare, um auf dem Arbeits-
markt so weit Fuss zu fassen, dass er seinen eigenen Unterhalt und den-
jenigen seiner Familie möglichst autonom bestreiten kann, so muss dies
genügen, um das Familienleben in der Schweiz zuzulassen, selbst wenn
er bisher auf dem Arbeitsmarkt nur teilweise Fuss gefasst hat. Gelingt es
ihm nicht, innerhalb der für den Familiennachzug geltenden Fristen eine
Situation zu schaffen, die es ihm erlaubt, die entsprechende Vorausset-
zung von Art. 85 Abs. 7 Bst. c AuG zu erfüllen und hat er diesen Umstand
nicht zu verantworten, so muss diese genügen, sofern sich der Fehlbetrag
in vertretbarer Höhe hält und in absehbarer Zeit vermutlich ausgeglichen
werden kann (vgl. BVGE 2017 VII/4 E. 5.2 m.H.).
6.3 Die Beschwerdeführerin gelangte im Sommer 2014 als Asylsuchende
in die Schweiz. Gemäss Übermittlung der EMF der Stadt Bern vom 16. Au-
gust 2018 ist sie nicht erwerbstätig. Dementsprechend werden sie und die
2017 in der Schweiz geborene Tochter C._ von der Wohngemeinde
vollumfänglich sozialhilferechtlich unterstützt (SEM act. C2). Die Be-
schwerdeführerin ist während ihres gesamten bisherigen Aufenthalts hier-
zulande nie einer Erwerbstätigkeit nachgegangen, eigenen Angaben zu-
folge war sie dazu nicht in der Lage, da sie die Sprache nicht besser be-
herrsche. Momentan besuche sie aber Sprachkurse und bemühe sich um
eine möglichst rasche Integration (vgl. Gesuch vom 6. August 2018, unter
SEM act. C1]). Einer Bestätigung der Caritas vom 25. Februar 2019 lässt
sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin, basierend auf den SKOS-
Richtlinien, monatlich Fr. 3'570.90 an Unterstützung erhält (siehe Beilagen
zu BVGer act. 6). Seither haben sich die Verhältnisse nicht geändert. Ge-
stützt auf die Aktenlage war sie demnach bislang stets von der Sozialhilfe
abhängig und sie wird es einstweilen bleiben.
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6.4 Nebst der aktuellen Situation gilt es die voraussichtlich künftige Ent-
wicklung der Sozialhilfeabhängigkeit miteinzubeziehen. Dass die Be-
schwerdeführerin bemüht scheint, sich sprachlich und beruflich zu integrie-
ren, wird nicht in Abrede gestellt. Vor dem beschriebenen Hintergrund
(siehe E. 6.3 hiervor) bestehen allerdings keine realistischen Aussichten,
dass sie ihre finanzielle Lage verbessert. Im Gegenteil würde sich die Si-
tuation bei einem Nachzug der zweiten Tochter noch zuspitzen. Die blosse
Hoffnung auf ein rein hypothetisches Einkommen genügt bei der vorliegen-
den Beurteilung jedenfalls nicht. Damit ist im Falle eines Familiennachzugs
von einer fortgesetzten und erheblichen Sozialhilfeabhängigkeit auszuge-
hen (vgl. BGE 139 I 330 E. 3.2 und 4.1 m.H.).
6.5 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass eine der kumulativ zu
erfüllenden Voraussetzungen von Art. 85 Abs. 7 AuG nicht erfüllt ist.
7.
Zu prüfen bleibt, ob sich die Einhaltung des fraglichen Nachzugskriteriums
mit dem Anspruch auf Schutz des Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK
vereinbaren lässt.
7.1 Art. 8 Ziff. 1 EMRK garantiert den Schutz des Familienlebens, welches
in erster Linie die Kernfamilie, das heisst die Gemeinschaft der Ehegatten
mit ihren minderjährigen Kindern, umfasst. Die Garantie kann verletzt sein,
wenn einer ausländischen Person, deren Familienangehörige in der
Schweiz weilen, die Anwesenheit untersagt und damit das Familienleben
vereitelt wird. Das in Art. 8 EMRK geschützte Recht ist berührt, wenn eine
nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer gefestigt an-
wesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt wird, ohne dass es dieser
möglich beziehungsweise zumutbar wäre, ihr Familienleben andernorts zu
pflegen (BGE 144 I 1 E. 6.1). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
können sich auch Personen auf Art. 8 EMRK berufen, die kein gefestigtes
Aufenthaltsrecht haben, deren Anwesenheit in der Schweiz jedoch faktisch
als Realität hingenommen wird beziehungsweise aus objektiven Gründen
hingenommen werden muss (vgl. Urteil des BGer 2C_360/2016 vom
31. Januar 2017 E. 5.2 m.H.; BVGE 2017 VII/4 E. 6.2 m.H.). Bei anerkann-
ten Flüchtlingen, denen die vorläufige Aufnahme gewährt wurde, ist in der
Regel von einem faktischen Aufenthaltsrecht auszugehen (vgl. BVGE 2017
VII/4 E. 6.3 m.H.).
7.2 Aufgrund ihrer Anerkennung als vorläufig aufgenommener Flüchtling
sowie angesichts der Tatsache, dass mit einer Aufhebung dieses Status in
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Seite 10
absehbarer Zukunft nicht zu rechnen ist, kann im Falle der Beschwerde-
führerin ein faktisches Aufenthaltsrecht angenommen werden.
7.3 Die EMRK verschafft keinen absoluten Anspruch auf Einreise und Auf-
enthalt. Ebenso wenig verschafft sie ein Recht darauf, den für das Fami-
lienleben am geeignetsten erscheinenden Ort zu wählen, oder auf die Er-
teilung eines bestimmten Aufenthaltstitels. Vielmehr erweist sich eine auf-
enthaltsbeendende oder aufenthaltsverweigernde, im Schutz- und Anwen-
dungsbereich von Art. 8 EMRK liegende Massnahme als zulässig, wenn
sie gesetzlich vorgesehen ist, einem legitimen Zweck im Sinn von Art. 8
Ziff. 2 EMRK entspricht und zu dessen Realisierung in einer demokrati-
schen Gesellschaft „notwendig“ erscheint (vgl. BGE 143 I 21 E. 5.1 m.H.).
7.4 In Fällen, die sowohl das Familienleben als auch die Immigration be-
treffen, hängt der Umfang der Pflicht, ausländische Familienmitglieder auf
dem Staatsgebiet zu dulden oder ihren Aufenthalt zu ermöglichen, jeweils
von den Umständen des Einzelfalls ab. Es wird eine Gesamtbetrachtung
verlangt, bei welcher der Grad der konkreten Beeinträchtigung des Fami-
lienlebens, der Umstand, ob und wieweit dieses in zumutbarer Weise im
Heimatstaat oder allenfalls in einem Drittstaat gelebt werden kann sowie
die Natur der Bindungen zum und im Aufenthaltsstaat ins Gewicht fallen.
Von wesentlicher Bedeutung ist zudem, ob Gründe der Migrationsregulie-
rung (z.B. illegaler Aufenthalt), andere Motive zum Schutz der öffentlichen
Ordnung (z.B. Kriminalität) oder solche des wirtschaftlichen Wohlergehens
des Landes (z.B. Sozialhilfeabhängigkeit) der Bewilligung entgegenstehen.
Von besonderem Gewicht erscheint schliesslich, ob die betroffenen Perso-
nen aufgrund ihres migrationsrechtlichen Status vernünftigerweise davon
ausgehen durften, ihr Familienleben künftig im Konventionsstaat pflegen
zu können. Ist dies nicht der Fall, bedarf es besonderer beziehungsweise
aussergewöhnlicher Umstände, damit Art. 8 EMRK den einzelnen Staat
verpflichten kann, die Anwesenheit von Familienangehörigen zu dulden.
Soweit Kinder betroffen sind, ist dem Kindeswohl im Sinne einer Leitma-
xime eine gewichtige Bedeutung zuzumessen, wobei wiederum die einzel-
fallspezifischen Umstände, namentlich das Alter, die Situation im Heimat-
staat und die Abhängigkeit von den Eltern, massgeblich sind (vgl. Art. 3
Abs. 1 und Art. 8 Abs. 1 der UNO-Kinderrechtskonvention vom 20. Novem-
ber 1989 [KRK, SR 0.107]). Der Umstand allein, dass das Kind in einem
Staat eine bessere Ausgangslage hat, reicht selbstredend nicht (vgl. BGE
139 I 330 E. 2.2 f.; die in BVGE 2017 VII/4 nicht publizierte E. 7.1 des Ur-
teils F-2043/2015 vom 26. Juli 2017, insb. zur Rechtsprechung des Euro-
päischen Gerichtshofs für Menschenrechte; Urteil des BGer
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Seite 11
2C_1062/2018 vom 27. Mai 2019 E. 2.4 unter Bezugnahme auf das
EGMR-Urteil El Ghatet gegen Schweiz vom 8. November 2016 [Nr.
56971/10]).
7.5 Die gesetzliche Grundlage für die Verweigerung des Familiennachzugs
aufgrund der Sozialhilfeabhängigkeit findet sich in Art. 85 Abs. 7 AuG. Die-
ses Kriterium wird, wie eben erwähnt, als legitimer Zweck im Sinne von
Art. 8 Ziff. 2 EMRK angesehen und kann deshalb unter dem Blickwinkel
des wirtschaftlichen Wohlergehens eines Staates dem Familiennachzug
entgegenstehen (BGE 139 I 330 E. 3.2 m.H.). Wie in E. 6.3 und 6.4 darge-
legt, ist nach einer allfälligen Einreise der älteren Tochter der Beschwerde-
führerin mit einer nochmaligen Erhöhung der Sozialhilfebezüge zu rech-
nen, welche aller Voraussicht nach auf unbestimmte Zeit andauern wird.
Hieraus ergibt sich ein erhebliches öffentliches Interesse an der Verweige-
rung des beantragten Familiennachzugs.
7.6 Dem öffentlichen Interesse ist das private Interesse der Beschwerde-
führerin, die familiäre Beziehung zur älteren Tochter in der Schweiz leben
zu können, gegenüber zu stellen.
7.6.1 Es ist zunächst davon auszugehen, dass es den Betroffenen nicht
ohne weiteres möglich wäre, die familiären Beziehungen im Ausland zu le-
ben. Aufgrund der Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin kommt
das Herkunftsland Eritrea nicht in Frage (vgl. etwa Urteile des BVGer
F-5088/2016 vom 13. Juni 2019 E. 7.6.1 oder F-611/2017 vom 22. Februar
2019 E. 8.6.1). Aber auch im Sudan, wo sich die ältere Tochter zurzeit auf-
hält, dürfte sich das Familienleben schwierig gestalten (siehe dazu wiede-
rum BVGE 2017 VII/4 E. 6.6).
7.6.2 Relativiert wird das private Interesse jedoch durch den Umstand,
dass die Beschwerdeführerin ihr Heimatland im Dezember 2013 illegal ver-
liess. Erst durch die illegale Ausreise, die angesichts des rechtskräftig ab-
gewiesenen Asylgesuchs als freiwillig erfolgt gilt, schuf sie subjektive
Nachfluchtgründe (vgl. Asylentscheid vom 26. Juni 2015, unter SEM
act. [nicht paginiertes Aktenstück]). Mit der Entscheidung zur Ausreise
nahm sie unweigerlich eine langfristige Trennung von der Familie, konkret
der älteren Tochter (ihr Ehemann, von dem sie inzwischen geschieden ist,
soll sich damals bereits im Ausland befunden haben), in Kauf. Insbeson-
dere bei Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe verstösst es nicht gegen
Art. 8 Ziff. 1 EMRK, eine Einreise von gewissen Bedingungen abhängig zu
machen (vgl. Urteil des BVGer F-7893/2016 vom 16. Juli 2018 E. 7.4 m.H.).
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Seite 12
Anzumerken wäre an dieser Stelle, dass die Beschwerdeführerin mit der
Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausdrücklich darüber informiert
wurde, ab wann und unter welchen Voraussetzungen einem allfälligen Fa-
miliennachzug stattgegeben würde. Auch von daher erweist sich die Ein-
haltung des Erfordernisses der Sozialhilfeunabhängigkeit nicht als unver-
hältnismässig.
7.6.3 Eigenen Angaben zufolge hat die Beschwerdeführerin die ältere
Tochter, bevor sie ihr Heimatland im Dezember 2013 verliess, in die Obhut
der Schwester gegeben. In der Folge sei die Tochter in den Sudan geflo-
hen, dort entführt und gegen Zahlung eines Lösegeldes wieder freigelas-
sen worden. Anschliessend habe sie bei der Familie eines entfernten Ver-
wandten und später bei einem Kollegen dieses Verwandten gewohnt. Letz-
terer habe sie aber nicht lange behalten können. Seither irre sie von Fami-
lie zu Familie (vgl. Stellungnahme vom 6. August 2018 [SEM act. C1], Aus-
übung des rechtlichen Gehörs vom 26. November 2018 [SEM act. C6] so-
wie BVGer act. 1). Näheres ist hierzu nicht bekannt. Ungeachtet der unbe-
legt gebliebenen Beeinträchtigungen darf indes angenommen werden,
dass die Tochter jeweils bei unterschiedlichen Familien Unterschlupf findet
und nicht gänzlich auf sich alleine gestellt ist. Zur Gestaltung der Bezie-
hungen zur nachzuziehenden Person äussert sich die Beschwerdeführerin
derweil nicht. Mit Blick auf die heutige Verbreitung moderner Kommunika-
tionsmittel gibt es allerdings Möglichkeiten, die persönliche Situation mil-
dernde Kontakte zu pflegen. Aus Art. 8 EMRK vermag sie mithin nichts zu
ihren Gunsten abzuleiten.
7.6.4 Zu prüfen bleibt, ob aufgrund einer anderen Bestimmung von besag-
ter Nachzugsvoraussetzung abgesehen werden kann. Im Vordergrund
steht in diesem Zusammenhang die KRK, Das Bundesgericht misst dem
Kindeswohl im Sinne einer Leitmaxime und bei der Interessenabwägung
nach Art. 8 Abs. 2 EMRK eine gewichtige Bedeutung zu. Ein gerichtlich
durchsetzbarer Anspruch auf Familienzusammenführung lässt sich aus
dieser spezifischen Bestimmung jedoch nicht ableiten (vgl. BGE 140 I 145
E. 3.2, BGE 139 I 315 E. 2.4 oder BGE 126 II 377 E. 5d; ferner zum Gan-
zen vor allem auch E. 7.4 hiervor). Im Übrigen hat die Schweiz gerade im
Hinblick auf die Gesetzgebung über die Familienzusammenführung einen
Vorbehalt zu Art. 10 Abs. 1 KRK angebracht (siehe dazu BGE 124 II 361
E. 3b m.H.). Aufgrund des unter E. 7.6.2 und 7.6.3 Gesagten sowie ange-
sichts der bis auf weiteres drohenden Gefahr einer fortgesetzten erhebli-
chen Sozialhilfeabhängigkeit besteht im vorliegend zu beurteilenden Ein-
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Seite 13
zelfall nach wie vor ein gewichtiges öffentliches Interesse an der Verwei-
gerung des Familiennachzugs. Die geltend gemachten privaten Interessen
vermögen im Rahmen einer Gesamtwürdigung nicht dagegen aufzukom-
men.
7.7 Soweit auf Beschwerdeebene – wiewohl in sehr allgemeiner Weise –
auch eine Gefährdung der sich im Ausland befindenden Person geltend
gemacht wird, sind solche Gründe nicht im Rahmen dieses Rechtsmittel-
verfahrens einer Würdigung zu unterziehen (vgl. F-5088/2019 E. 7.7 m.H.).
Das SEM hat die Beschwerdeführerin am 12. Februar 2018 auf die Alter-
native aufmerksam gemacht, im Falle einer unmittelbaren, ernsthaften und
konkreten Gefährdung der Tochter ein humanitäres Visum beantragen zu
können (SEM act. C1). Ein anschliessend gestellter Antrag wurde gemäss
dem zentralen Visa-Informationssystem (CS-VIS) am 15. März 2018 aller-
dings abgelehnt. Mit Blick auf die in der Rechtsmitteleingabe vom 14. Ja-
nuar 2019 angesprochenen Unruhen im Sudan wäre der Vollständigkeit
halber anzumerken, dass sich die Sicherheitslage im Land inzwischen sta-
bilisiert hat. Der langjährige Herrscher Omar Hassan Ahmad al Baschir
wurde im Gefolge der erwähnten Proteste abgesetzt. Seit dem 8. Septem-
ber 2019 ist eine zivil geführte Übergangsregierung, bestehend aus Militär-
angehörigen und Vertretern des Oppositionsbündnisses, im Amt (Quellen:
www.eda.admin.ch > Reisehinweise & Vertretungen > Sudan > Reisehin-
weise, Stand: März 2020; Deutsches Auswärtiges Amt: www.auswaertiges-
amt.de > Aussen- und Europapolitik > Länderinformationen > Sudan > In-
nenpolitik, Stand: 29. August 2019; Webseiten besucht im Oktober 2020;
«AMNESTY», Juni 2020, S. 23).
7.8 Aufgrund obiger Erwägungen erweist sich die Verweigerung des Fami-
liennachzugs gestützt auf Art. 85 Abs. 7 AuG sowie unter Berücksichtigung
von Art. 8 EMRK und KRK als rechtmässig.
8.
Die vorinstanzliche Verfügung ist demnach zu Recht ergangen. Es gelingt
der Beschwerdeführerin nicht darzutun, inwiefern sie Bundesrecht verletzt,
den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt
oder unangemessen ist (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist folglich abzu-
weisen.
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Seite 14
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Ihrem Ge-
such um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG
wurde aber mit Zwischenverfügung vom 5. März 2019 stattgegeben
(BVGer act. 7), weshalb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind.
9.2 Da das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung gemäss Art. 65
Abs. 2 VwVG mit gleicher Zwischenverfügung ebenfalls gutgeheissen
wurde und Rechtsanwalt Oliver Lücke mit verfahrensleitender Anordnung
vom 28. März 2019 danach als amtlicher Anwalt eingesetzt wurde (BVGer
act. 11), sind die Kosten der Rechtsvertretung von der erkennenden Be-
hörde zu übernehmen und dem früheren Parteivertreter gemäss Art. 9 ff.
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ein Hono-
rar zulasten der Gerichtskasse auszurichten. Der ehemalige Rechtsvertre-
ter wies in seiner Honorarnote vom 14. Mai 2019 Aufwendungen in der
Höhe von Fr. 1'270.65 aus (BVGer act. 18). Das Gericht erachtet den in
Rechnung gestellten notwendigen Aufwand als überhöht, zumal er erst
nach Einreichung der Beschwerde von der Beschwerdeführerin mandatiert
worden ist und er – nach gewährter Akteneinsicht – lediglich im Rahmen
einer eineinhalbseitigen Replik zum Verfahren materiell Stellung genom-
men hat. In Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren
(vgl. Art. 9 – 13 VGKE) ist das Honorar daher insgesamt auf Fr. 500.– (inkl.
Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c
VGKE) festzusetzen. Diesen Betrag hat die Beschwerdeführerin dem Bun-
desverwaltungsgericht zurückzuerstatten, sollte sie später zu hinreichen-
den Mitteln gelangen (vgl. Art. 65 Abs. 4 VwVG).
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