Decision ID: 1866c8cc-47cf-4f05-a5b2-d0a9e7c2f3e2
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
Vergewaltigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom
29. April 2015 (DG140337)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat ist diesem Urteil bei-
geheftet (Urk. 132).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 175)
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB; − der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1
StGB; − der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB;
− der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB; − der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 30 Monaten Freiheitsstrafe, wovon
90 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 20 Monaten aufge-
schoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (10 Monate,
abzüglich 90 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind) wird die
Freiheitsstrafe vollzogen.
4. Die Privatklägerin B._ AG wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin C._ Fr. 8'000.– zu-
züglich 5 % Zins ab 3. August 2009 als Genugtuung zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
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6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'000.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. 150.– Zeugenentschädigungen
Fr. 1'907.20 Auslagen Untersuchung
Fr. 2'152.70 amtliche Verteidigung DG120037 (bereits ausbez.)
Fr. 6'149.15 amtliche Verteidigung DG120075 (bereits ausbez.)
Fr. 21'734.10 amtliche Verteidigung
Fr. 15'327.55 unentgeltl. Rechtsb. Privatkl. DG120075 (bereits ausbez.)
Fr. 12'764.20 unentgeltliche Rechtsbeiständin Privatklägerin
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, der unentgeltlichen Rechts-
beiständin der Privatklägerin C._ sowie der Zeugenentschädigungen im
Umfang von Fr. 150.–, werden dem Beschuldigten auferlegt.
8. Die bereits ausbezahlten Kosten für die amtliche Verteidigung im Verfahren
DG120037 im Umfang von Fr. 2'152.70, der amtlichen Verteidigung im Ver-
fahren DG120075 im Umfang von Fr. 6'149.15 sowie der unentgeltlichen
Rechtsbeiständin der Privatklägerin C._ im Verfahren DG120075 im
Umfang von Fr. 15'327.55 werden auf die Gerichtskasse genommen. Ein
Nachforderungsrecht gegenüber dem Beschuldigten für diese Kosten be-
steht nicht.
9. Der amtliche Verteidiger wird für das Verfahren mit Fr. 21'734.10
(inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt. Diese Kosten werden auf
die Gerichtskasse genommen. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
10. Die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin C._ wird für das
Hauptverfahren mit Fr. 12'764.20 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse ent-
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schädigt. Diese Kosten werden auf die Gerichtskasse genommen. Vorbehal-
ten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
11. (Mitteilungen)
12. (Rechtsmittel)
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 206):
1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 29. April 2015 (DG140337)
vollumfänglich aufzuheben.
2. Es sei der Beschuldigte A._ von Schuld und Strafe freizusprechen, un-
ter entsprechender Regelung der Kosten und Entschädigungsfolgen.
3. Es sei meinem Klienten nach richterlichem Ermessen eine angemessene
Genugtuung für die rund drei Monate dauernde Untersuchungshaft zuzu-
sprechen.
4. Es sei meinem Klienten zur Kompensation seines durch die Untersuchungs-
haft entgangenen Arbeitsverdienstes eine Entschädigung nach richterlichem
Ermessen zuzusprechen.
5. Auf die Schadenersatz- und Genugtuungsforderung der Privatklägerin sei
nicht einzutreten.
6. Sämtliche durch das Strafverfahren verursachten Kosten seien auf die
Gerichtskasse zu nehmen.
7. Ebenso die Kosten der amtlichen Verteidigung.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 207):
1. Bestätigung des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 29. April 2015, mit
Ausnahme des Strafpunktes.
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2. Bestrafung des Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten
(Dispositiv Ziffer 2).
3. Vollzug der Freiheitsstrafe (Dispositiv Ziffer 3).
c) Der Privatklägerschaft:
Keine Anträge.

Erwägungen:
I.Verfahrensgang um Umfang der Berufung
1. Verfahrensgang
1.1. Dem hier zur Überprüfung vorliegenden Urteil der 3. Abteilung des Be-
zirksgerichtes Zürich vom 29. April 2015 (Urk. 175) war ein Urteil der 4. Abteilung
des Bezirksgerichtes Zürich vom 23. Juli 2012 vorangegangen, das mit Beschluss
der I. Strafkammer des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 15. April 2013
aufgehoben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen worden
war (Urk. 84: DG120075 und Urk. 97: SB130026). Zur ausführlichen Prozess-
geschichte bis zum Erlass des in diesem Verfahren angefochtenen Entscheides
kann im Übrigen vollumfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden (vgl. Urk. 175 S. 4 f.).
1.2. Mit Urteil vom 29. April 2015 sprach die 3. Abteilung des Bezirksgerichtes
Zürich den Beschuldigten der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB,
der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB, der mehr-
fachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB, der Nötigung im Sinne von
Art. 181 StGB und der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB
schuldig (Dispositiv-Ziffer 1, Urk. 175 S. 60) und bestrafte ihn – unter Anrechnung
von 90 Tagen Untersuchungshaft – mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von
30 Monaten (Dispositiv-Ziffern 2 und 3, Urk. 175 S. 60). Die Probezeit für den be-
dingten Teil der Freiheitsstrafe von 20 Monaten setzte die Vorinstanz auf 2 Jahre
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fest (vgl. Dispositiv-Ziffer 3, Urk. 175 S. 60). Weiter regelte die Vorinstanz die
Zivilforderungen, indem sie das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin
B._ AG (nachfolgend Privatklägerin 1) auf den Weg des Zivilprozesses ver-
wies (vgl. Dispositiv-Ziffer 4, Urk. 175 S. 60) und der Beschuldigte zu einer Ge-
nugtuungszahlung an die Privatklägerin C._ (nachfolgend Privatklägerin 2)
von Fr. 8'000.-- zuzüglich 5% Zins ab 3. August 2009 verpflichtete und im Mehr-
betrag deren Genugtuungsbegehren abwies (vgl. Dispositiv-Ziffer 5, Urk. 175
S. 61). Schliesslich setzte die Vorinstanz die Verfahrenskosten fest (Dispositiv-
Ziffer 6, Urk. 175 S. 61) und regelte die Kostenauflage sowie die Entschädigun-
gen für den amtlichen Verteidiger und die unentgeltliche Rechtsbeiständin der
Privatklägerin 2 (Dispositiv-Ziffern 7 bis 10, Urk. 175 S. 61 f.).
1.3. Gegen diesen Entscheid liess der Beschuldigte mit Eingabe vom 30. April
2015 fristgerecht Berufung anmelden (vgl. Urk. 160). Mit Berufungserklärung vom
25. August 2015 stellte die Verteidigung folgende Berufungsanträge (vgl. Urk. 176
S. 1 f.):
1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 29. April 2015 (DG140337-L/U) vollumfänglich aufzuheben.
2. Es sei der Beschuldigte vollumfänglich freizusprechen. 3. Unter entsprechender Regelung der Kosten und Entschädigungs-
folgen.
1.4. Während die Privatklägerin 2 mit Eingabe vom 7. September 2015 aus-
drücklich auf eine Anschlussberufung verzichtete (vgl. Urk. 181 S. 2), liess sich
die Privatklägerin 1 nicht vernehmen.
1.5. Die Staatsanwaltschaft erklärte am 8. September 2015 Anschlussberufung
(vgl. Urk. 183), welche sie auf Aufforderung (vgl. Urk. 186) mit Eingabe vom
8. Oktober 2015 wie folgt verdeutlichte und welche Anträge sie auch anlässlich
der Berufungsverhandlung stellte (vgl. Urk. 188 S. 1 f., Urk. 207):
a) Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 29. April 2015 wird nur zum
Teil angefochten.
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b) Die Berufung wird beschränkt auf:
- Die Bemessung der Strafe (Dispositiv Ziffer 2)
- Vollzug der Freiheitsstrafe (Dispositiv Ziffer 3)
c) Es wird beantragt:
- Bestrafung des Beschuldigten mit 36 Monaten Freiheitsstrafe
- Vollzug der Freiheitsstrafe
d) Beweisanträge werden keine gestellt.
1.6. Die Berufungsverhandlung fand am 18. Mai 2016 statt (Prot. II S. 8 ff.). In
Konkretisierung seiner Anträge in der Berufungserklärung beantragte der Ver-
teidiger, dem Beschuldigten sei eine angemessene Genugtuung für zu Unrecht
erlittene Untersuchungshaft zuzusprechen und weiter sei dem Beschuldigten eine
Entschädigung zur Kompensation seines infolge der Haft ausgefallenen Arbeits-
verdienstes zuzusprechen. Auf die Schadenersatz- und Genugtuungsforderung
der Privatklägerin sei nicht einzutreten (Urk. 206).
II. Prozessuales
1. Umfang der Berufung
1.1. Der Beschuldigte verlangt einen vollständigen Freispruch. Die Staats-
anwaltschaft die Überprüfung der Dispositiv-Ziffern 2 und 3. Dazu hat sich an der
Berufungsverhandlung ergeben, dass der Beschuldigte den Verweis des Scha-
denersatzbegehrens der Privatklägerin 1 auf den Zivilweg (Ziffer 4), die Kosten-
festsetzung (Ziffer 6), die bereits ausbezahlten Kosten für die amtliche Verteidi-
gung und die unentgeltliche Rechtsvertretung in den Verfahren DG120037 und
DG120075 (Ziffer 8) sowie die Entschädigung des amtlichen Verteidigers und der
unentgeltlichen Rechtsbeiständin für das vorinstanzliche Verfahren (Ziffer 9 und
10 jeweils erster Satz) nicht anficht.
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1.2. Bei dieser Ausgangslage sind die Dispositiv-Ziffern 1 bis 3, 5, 7, 9 (zweiter
Satz) und 10 (zweiter Satz) angefochten und im Berufungsverfahren zu über-
prüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO). Demgegenüber sind die Dispositiv-Ziffern 4, 6, 8
sowie 9 (erster Satz) und 10 (erster Satz) nicht angefochten und somit in Rechts-
kraft erwachsen, was vorab festzustellen ist (Art. 402 i.V.m. Art. 437 StPO).
2. Verschlechterungsverbot
2.1. Korrekt wies die Vorinstanz darauf hin, dass die Rechtsmittelinstanz Ent-
scheide grundsätzlich nicht zum Nachteil der beschuldigten Person abändern
darf, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten ergriffen worden ist (Art. 391
Abs. 2 StPO), was auch mit Bezug auf die Privatklägerschaft gilt (vgl. Art. 391
Abs. 3 StPO). Dieser Verschlechterungsverbot gilt bei einer Rückweisung auch
für die Vorinstanz (Lieber in Donatsch/Hansjakob/Lieber, StPO Kommentar,
2. Aufl., Zürich, Basel, Genf 2014, N 8 zu Art. 391 StPO mit Hinweisen).
2.2. Da nur der Beschuldigte das Urteil vom 23. Juli 2012 an das Obergericht
weitergezogen hatte (act. 71), war das Verschlechterungsverbot zu beachten, wo-
rauf auch die Vorinstanz zutreffend hinwies (vgl. Urk. 175 S. 8).
2.3. Gegen das hier zur Diskussion stehende Urteil vom 29. April 2015, mithin
im jetzigen Berufungsverfahren, erhob nun die Staatsanwaltschaft Anschluss-
berufung (vgl. Urk. 183), womit sie – wie oben erläutert – die Bestrafung des Be-
schuldigten mit einer unbedingten 36 monatigen Freiheitsstrafe verlangte
(vgl. Urk. 188, Urk. 207). Mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 23. Juli 2012,
welches mit Beschluss der I. Strafkammer vom 15. April 2013 aufgehoben wurde,
war der Beschuldigte zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten be-
straft worden, wobei der unbedingte Teil auf 15 Monate festgesetzt worden war
(vgl. Urk. 84). Aufgrund des zu beachtenden Verschlechterungsverbots kommt
eine Bestrafung des Beschuldigten mit einer 30 Monate übersteigenden und in
vollem Umfange unbedingten Freiheitsstrafe nicht in Frage. Mit Bezug auf die
Vollzugsfrage gilt indessen zu berücksichtigen, dass die mit Urteil vom 29. April
2015 ausgesprochene Freiheitsstrafe von 30 Monaten lediglich im Umfange von
10 Monaten unbedingt verhängt wurde (vgl. Urk. 175 S. 60), während im ur-
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sprünglichen erstinstanzlichen Urteil der unbedingte Teil auf 15 Monate festge-
setzt worden war. Damit erweisen sich die Anträge der staatsanwaltschaftlichen
Anschlussberufung lediglich im Zusammenhang mit der Vollzugsfrage und auch
hier nur zum Teil als zulässig.
3. Verletzung des Anklageprinzips
3.1. Die Vorinstanz hat sich in ihrem Entscheid zur Rüge der Verteidigung be-
treffend die Verletzung des Anklageprinzips geäussert und hat die Rüge zu Recht
verworfen (vgl. Urk. 175 S. 11 f.). Auf die zutreffenden Ausführungen der Vor-
instanz, welche auch nach dem erneuten Vorbringen der Rüge durch die Verteidi-
gung an der Berufungsverhandlung keiner Ergänzung bedürfen, kann vorliegend
vollumfänglich verwiesen werden. Eine Verletzung des Anklageprinzips liegt
demnach nicht vor.
4. Beweisanträge
4.1. Vor Vorinstanz hatte die Verteidigung diverse Beweisanträge gestellt, de-
nen allesamt nicht Folge geleistet wurde (vgl. Urk. 175 S. 8 ff.).
4.1.1. Die Verteidigung beantragte, es sei der für das Gutachten zur körperlichen
Untersuchung der Privatklägerin zuständige Rechtsmediziner als Experte vor Ge-
richt zu laden, um das Gutachten zu erklären und zu verdeutlichen bzw. zu er-
gänzen (vgl. Urk. 158 S. 4 Ziff. 7). Korrekt erwog die Vorinstanz dazu (vgl.
Urk. 175 S. 8 f.), dass das Gutachten zur körperlichen Untersuchung der Privat-
klägerin am 8. November 2009 durch Dr. med. D._ und Dr. med. E._
vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich erstellt wurde (Urk. 19/6) und
dass angesichts der inzwischen verstrichenen Zeit nicht anzunehmen ist, dass die
Gutachter sich noch an den Fall zu erinnern vermögen. Weiter wies die Vo-
rinstanz auf die bei den Akten liegende Fotodokumentation hin (Urk. 53), welche
im Zusammenspiel mit diesen Gutachten genügend Aufschluss über die diversen
Verletzungen der Privatklägerin gibt und insbesondere auch die unterschiedlichen
Verfärbungen ihrer Hämatome dokumentiert. Unter Hinweis darauf, dass es eine
Frage der richterlichen Beweiswürdigung ist, die dokumentierten Verletzungen
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bestimmten Sachverhalten zuzuordnen, erwog die Vorinstanz sodann, dass eine
Ergänzung bzw. Präzisierung des Gutachtens zum heutigen Zeitpunkt keine neu-
en Erkenntnisse mehr liefern könnte, so dass auch die zu untersuchenden Tatsa-
chen nicht besser erstellt werden könnten. Zuzustimmen ist sodann der weiteren
Argumentation der Vorinstanz, selbst die Feststellung einer allfälligen körperlichen
Prädisposition der Privatklägerin zur Bildung von Hämatomen würde zur Erstel-
lung des bestrittenen Anklagesachverhaltes nichts beitragen, weil sich menschli-
ches Gewebe mit dem Alter in seiner Struktur verändern kann. Schliesslich – so
die Vorinstanz zutreffend – gilt es auch zu beachten, dass der Beschuldigte selber
einräumte, die Privatklägerin gestossen und bei ihr womöglich Hämatome verur-
sacht zu haben (Prot. I S. 21). Bei diesem Stand der Dinge lehnte die Vorinstanz
den von der Verteidigung gestellten Beweisantrag zu Recht ab.
4.1.2. Die Verteidigung hatte vor Vorinstanz sodann beantragt, es sei der Ersteller
der chemisch-toxikologischen Gutachten (vgl. Urk. 18/5 und 19/5) vor Gericht zu
laden und zu den Auswirkungen des erstellten Kokain- und Alkoholkonsums in
der Tatnacht sowie zu den Auswirkungen einer langanhaltenden Kokainabhän-
gigkeit zu befragen (vgl. Urk. 158 S. 4 Ziff. 8). Mit zutreffender Begründung wies
die Vorinstanz auch diesen Beweisantrag ab (vgl. Urk. 175 S. 9 f.). Auf die
vorinstanzlichen Erwägungen kann zur Vermeidung von Wiederholungen vorab
verwiesen werden. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vorliegend eine
langanhaltende Kokainabhängigkeit der Privatklägerin 2 nicht erstellt ist, sondern
dass sie im hier zur Diskussion stehenden Zeitraum regelmässige Kokainkonsu-
mentin war. Weiter konnte angesichts der Tatsache, dass die Blut- und Urin-
proben für die chemisch-toxikologischen Gutachten über dreissig Stunden nach
dem Ereignis erfolgten, mengenmässig weder der Kokainkonsum des Beschuldig-
ten, noch derjenige der Privatklägerin zum Tatzeitpunkt präzise eruiert werden,
weswegen nicht ersichtlich ist, inwiefern sich ein Gutachter vorliegend über die
konkreten Auswirkungen des vor mehreren Jahren erfolgten Konsums einer nicht
näher bestimmbaren Menge Kokain äussern könnte. Zu den möglichen allgemei-
nen Auswirkungen von Kokain äusserten sich die Gutachter (vgl. Urk. 18/5 S. 3
und Urk. 19/5 S. 3) bereits, so dass diesbezüglich keine Weiterungen erforderlich
sind.
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4.1.3. Zu den von der Verteidigung beantragten Abklärungen zur Bestückung der
Minibar bzw. der erfolgten Konsumationen (vgl. Urk. 158 S. 4 f., Ziff.9) hielt die
Vorinstanz zutreffend fest, dass eine Abrechnung der konsumierten Getränke bei
den Akten liegt (vgl. Urk. ND1 4/1) und dass im Übrigen die Notwendigkeit von
Weiterungen zur Sachverhaltserstellung nicht ersichtlich ist (vgl. Vorinstanz
Urk. 175 S. 10). Dass im Übrigen von einer polizeilichen Rekonstruktion des Fla-
schenwurfvorganges bzw. des Abschlagens eines Flaschenteils am Lavabo keine
für den vorliegenden Fall aussagekräftigen Resultate zu erwarten sind, hat bereits
die Vorinstanz zutreffend ausgeführt (vgl. Urk. 175 S. 10), weswegen die erfolgte
Abweisung des diesbezüglich gestellten Beweisantrages nicht zu beanstanden
ist.
4.1.4. Die Verteidigung wiederholte vor Vorinstanz den Antrag auf Einholung ei-
nes psychiatrischen bzw. aussagepsychologischen Gutachtens über die Privat-
klägerin (vgl. Urk. 158 S. 48 und Prot. I S. 44 f.). Es ist vorerst die Aufgabe des
Gerichts, die Aussagen und das Verhalten der befragten Personen einschliesslich
der Privatklägerin 2 zu würdigen (so auch Vorinstanz in Urk. 175 S. 11). Der Bei-
zug eines medizinisch oder psychologisch gebildeten Fachmannes kann jedoch
zulässig oder geboten sein, wenn sich der Richter zufolge aussergewöhnlicher
Verhältnisse nicht in der Lage befindet, die Glaubwürdigkeit einer Person oder
Glaubhaftigkeit einer Aussage zu beurteilen (vgl. Entscheid des Bundesgerichts
6B_795/2009 vom 13.11.2009, Erw. 3). Die Vorinstanz wies vorliegend darauf hin,
dass keine konkreten Hinweise darauf bestehen, dass die Privatklägerin zum
Zeitpunkt der Tat an einer psychischen Erkrankung oder Wahrnehmungsstörung
gelitten hätte und dass es weder zum damaligen Zeitpunkt noch anlässlich der
Hauptverhandlung vom 27. April 2015 Anzeichen eines psychotischen Zustandes
gab (vgl. Urk. 175 S. 10 f.). Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass solche Anzei-
chen aus den drei auf Video aufgenommenen Befragungen der Privatklägerin
vom 23. Juli 2012 = Video Urk. 72, vom 16. Juni 2014 = Video Urk. 111 und vom
27. April 2015 = Video Urk. 162) nicht ersichtlich sind. Indessen stand die Privat-
klägerin 2 im Tatzeitpunkt unter dem Einfluss von Drogen (Kokain und evtl. Alko-
hol), was – betrachtet man ihr durch mehrere Zeugen dokumentiertes ausser-
gewöhnliches Verhalten – ihre Wahrnehmungsfähigkeit beeinflusst haben kann.
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Weiter erwog die Vorinstanz, dass sich ein nach solch langer Zeit nach dem Vor-
fall zu erstellendes Gutachten über den damaligen Zustand der Privatklägerin 2
und deren Wahrnehmungsfähigkeit nicht verbindlich äussern könnte. Diese Fest-
stellung der Vorinstanz war ebenfalls korrekt, insbesondere auch deshalb, weil
verlässliche Angaben über die Menge des konsumierten Kokains (und evtl. Alko-
hols) nicht vorhanden sind.
4.2. An der Berufungsverhandlung verzichtete die Verteidigung auf das Stellen
von Beweisanträgen.
5. Verwertbarkeit der Einvernahmen
5.1. Die Vorinstanz hat sich in extenso zur Frage der Verwertbarkeit der vor-
handenen Einvernahmen zutreffend geäussert. Darauf kann vollumfänglich ver-
wiesen werden (vgl. Urk. 175 S. 5 ff.).
III. Sachverhalt
1. Ausgangslage
1.1. Der Beschuldigte und die Privatklägerin 2 verbrachten die Nacht vom 2. auf
den 3. August 2009 im Hotelzimmer Nr. ... des Hotels F._ in Oerlikon, wo die
Übergriffe des Beschuldigten auf die Privatklägerin 2 und die Sachbeschädigung
des Lavabos durch den Beschuldigten zum Nachteil der Privatklägerin 1 gemäss
Anklageschrift erfolgt sein sollen. Unbestritten ist, dass am frühen Morgen des 3.
August 2009 die Polizeibeamten G._ und H._ der Regionalwache Oerli-
kon zum Hotel F._ ausrücken mussten, weil ein Streit – wie sich später her-
ausstellte zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin 2 – im Gange war
und sich mehrere Hotelgäste dadurch gestört fühlten. Die genannten Polizeibe-
amten unterhielten sich noch vor Ort mit dem Beschuldigten und der Privatkläge-
rin 2. Nachdem der Beschuldigte zusammen mit dem Polizeibeamten H._ die
Kleider der Privatklägerin 2, die aus dem Hotelzimmerfenster hinausgeworfen
worden waren und im Innenhof des Hotels lagen, geholt hatte, verliess die Privat-
klägerin 2, welche gegenüber der Polizeibeamtin G._ zuvor angegeben hat-
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te, vom Beschuldigten geschlagen worden zu sein, sich indessen zum genauen
Geschehen nicht weiter äussern wollte und es auch ablehnte, einen Strafantrag
gegen den Beschuldigten zu stellen (vgl. Urk. 13/1 S. 3), das Hotel. Der Beschul-
digte verliess in der Folge nach Entgegennahme der Hotelrechnung ebenfalls das
Hotel, wobei er die Polizeibeamten, die bei ihm zuvor ein Säcklein mit Kokain-
rückständen gefunden hatten, zum Polizeiposten zwecks Erstellung eines Abhö-
rungsprotokolls begleitete.
1.2. Am Montag 3. August 2009, um 11.00 Uhr, kontaktierte die Schwester der
Privatklägerin 2 den Detektivposten Oerlikon und schilderte, was der Privat-
klägerin 2 in der Nacht zuvor zugestossen (gemeint Übergriffe des Beschuldigten)
sei. Nachdem weder der Privatklägerin 2 noch ihrer Schwester eine sofortige Vor-
sprache beim Polizeiposten Aussersihl möglich war, wandte sich die Schwester
der Privatklägerin 2 am Dienstagmorgen, 4. August 2009, um 09.00 Uhr erneut te-
lefonisch an den Polizeiposten, um einen Termin für den Nachmittag zu verein-
baren, weil es ihnen (der Privatklägerin 2 und ihr) „am Morgen nicht gehe“
(vgl. Urk. 1 S. 4). Am 4. August 2009, um 13.00 Uhr sprach die Privatklägerin 2 in
Begleitung ihrer Schwester beim Polizeiposten Aussersihl vor und erstattete die
diesem Verfahren zugrundeliegende Anzeige (vgl. Urk. 1 S. 4), die gleichentags
(um 19.15 Uhr) zur Verhaftung des Beschuldigten (vgl. Urk. 3) und später zur vor-
liegenden Anklage führte.
2. Anklagevorwurf
2.1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, in der Nacht vom 2. auf den
3. August 2009 zwischen ca. 05.00 und 08.00 Uhr in einem Hotelzimmer im Hotel
F._ in Zürich mehrfach mit Wissen und Willen gegen den Wille der Privat-
klägerin 2 den vaginalen Geschlechtsverkehr vollzogen zu haben und dabei ihre
Äusserungen, sie wolle dies nicht, missachtet und ihren Widerstand teilweise
durch Drohungen, er werde sie umbringen, teilweise durch Schläge mit der Hand
oder mit einer Flasche gebrochen zu haben (vgl. Anklage Ziffer A).
2.2. Weiter wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe mit Wissen und Wil-
len gegen den Willen der Privatklägerin 2 dieser einen Flaschenhals vaginal ein-
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geführt und ihr seinen Penis in den Mund gepresst. Er habe versucht, mit seinem
Penis anal bei ihr einzudringen, was aber nicht gelungen sei, sodass der Be-
schuldigte von diesem Vorhaben abgelassen habe. Er habe dabei die Äusserun-
gen, sie wolle dies nicht, mit Wissen und Willen missachtet und habe die Privat-
klägerin eingeschüchtert, teilweise durch Drohungen, er werde sie umbringen,
teilweise durch Schläge mit der Hand oder mit einer Flasche (Anklage Ziffer B).
2.3. Unter Anklage Ziffer C wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe un-
abhängig von den unter Ziffer A und B geschilderten sexuellen Handlungen mit
Wissen und Willen mehrfach gegenüber der Privatklägerin geäussert, er werde
sie in dieser Nacht umbringen und sie beide würden nicht lebend aus diesem Ho-
telzimmer hinausgegen. Er habe zudem eine Glasscherbe einer zerbrochenen
Flasche in die Hand genommen und geäussert, er werde ihr das Gesicht auf-
schlitzen, damit kein anderer Mann sie mehr ansehen werde, was die Privatkläge-
rin 2 ernst genommen und sich in Angst und Schrecken versetzt gefühlt habe.
2.4. Ausserdem habe der Beschuldigte mit Wissen und Willen gegenüber der
Privatklägerin 2 erklärt, sie habe ihn vor ein paar Tagen vergeblich drei Stunden
warten lassen und nun werde er sie in diesem Hotelzimmer festhalten und drei
Stunden mit ihr machen, was er wolle. Er habe sie trotz wiederholten Bitten, sie
gehen zu lassen, mit Wissen und Willen nicht aus dem Hotelzimmer gehen las-
sen, sondern habe sie gewaltsam zurückgehalten, sie dabei an den Haaren ge-
rissen, ihr Schläge mit der Hand, mit der Faust oder mit einer Flasche verpasst
und sie durch die genannten drohenden Äusserungen eingeschüchtert (Anklage
Ziffer D).
2.5. Schliesslich habe der Beschuldigte eine Flasche gegen das Lavabo des
Hotelzimmers geschlagen und das Lavabo dadurch beschädigt, wobei er durch
sein Verhalten eine Beschädigung des Lavabos mindestens in Kauf genommen
habe (Anklage Ziffer E).
2.6. Aufgrund dieses Sachverhaltes habe sich der Beschuldigte der mehr-
fachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, der mehrfachen sexu-
ellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB, der mehrfachen Drohung im
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Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB, der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB sowie
der Sachbeschädigung nach Art. 144 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.
3. Vorinstanzliches Urteil
3.1. Die Vorinstanz schickte ihrer Beweiswürdigung zutreffend voraus, dass
sich die Darstellungen der Privatklägerin 2 und des Beschuldigten in zahlreichen
Punkten decken. So hätten beide übereinstimmend ausgesagt, dass sie sich ein
bis zwei Monate vor dem Vorfall kennengelernt hätten und dass man am
2. August 2009 ins Hotel F._ Oerlikon gegangen sei, um wie gewohnt Kokain
zu konsumieren und Sex zu haben. Im Hotelzimmer hätten sie beide Kokain ge-
nommen und es habe ungeschützter vaginaler und oraler Geschlechtsverkehr
stattgefunden. Es sei zwischen ihnen aber auch zu einem Streit gekommen, in
dessen Verlauf das Lavabo im Zimmer durch den Wurf einer Flasche beschädigt
worden sei und die Privatklägerin 2 mindestens ein Hämatom davongetragen ha-
be. Ebenso habe der Beschuldigte das Natel der Privatklägerin 2 weggeworfen,
wodurch dieses beschädigt worden sei, und sie überdies als Schlampe be-
zeichnet. Die Privatklägerin 2 sei nackt in den Gang hinausgegangen und habe
herumgeschrien, woraufhin ein Hotelangestellter gekommen sei (so Vorinstanz in
Urk. 175 S. 14 f.).
3.2. Die Vorinstanz setzte sich in ihrem Entscheid im Einzelnen mit den in der
Untersuchung erhobenen Aussagen diverser Personen und den weiteren
Beweismitteln auseinander (vgl. Urk. 175 S. 14 ff.). Besondere Aufmerksamkeit
widmete sie dabei den Aussagen der Privatklägerin 2 und jenen des Beschuldig-
ten. Sie gelangte zusammenfassend zum Schluss (vgl. Urk. 175 S. 46), dass die
Sachverhaltsdarstellungen beider Beteiligten durchaus Fragen aufwerfen. Den
Aussagen des Beschuldigten mangle es in weiten Teilen an Glaubhaftigkeit. Auch
die Ausführungen der Privatklägerin 2 und deren zeitweise sonderbares Verhalten
liessen Zweifel aufkommen, ob sich die Ereignisse in jener Nacht tatsächlich so
zugetragen hätten, wie sie es behaupte. Diese Zweifel seien zwar nicht wegzu-
denken, sie seien allerdings auch nicht unüberwindbar. Gerade im Zusammen-
spiel mit den weiteren Beweismitteln und Feststellungen, so der Zustand des Ho-
telzimmers nach der fraglichen Nacht, das beschädigte Lavabo, das wegge-
- 16 -
worfene Natel und die Kleider draussen im Hof, die ein aggressives Verhalten des
Beschuldigten bezeugten, sowie nicht auch zuletzt aufgrund der frischen Hautun-
terblutungen der Privatklägerin 2, würden ihre Aussagen insgesamt überzeugen
und erschienen sie plausibler als die Darstellung des Beschuldigten.
3.3. Damit erachtete die Vorinstanz den eingeklagten Sachverhalt vollumfäng-
lich als erstellt, was zum Schuldspruch des Beschuldigten wegen Vergewaltigung
im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, mehrfacher sexueller Nötigung im Sinne von
Art. 189 Abs. 1 StGB, mehrfacher Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB,
Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB sowie Sachbeschädigung im Sinne von
Art. 144 Abs. 1 StGB führte.
4. Standpunkt des Beschuldigten
4.1. Der Beschuldigte anerkannte in der Untersuchung und an der Haupt-
verhandlung vom 27. April 2015, sich in der Nacht vom 2. auf den 3. August 2009
zusammen mit der Privatklägerin 2 in einem Zimmer im Hotel F._ Oerlikon
aufgehalten zu haben, wobei es zu vaginalem, oralem und womöglich auch (ver-
suchtem) analen Geschlechtsverkehr kam. Ebenso anerkannte der Beschuldigte,
die Privatklägerin 2 im Rahmen einer verbalen Auseinandersetzung ein- oder
zweimal gestossen zu haben (so die zutreffende Zusammenfassung der Vor-
instanz unter Hinweis auf diverse Urkunden, vgl. Urk. 175 S. 13). Demgegenüber
bestritt der Beschuldigte – abgesehen des Stosses – jegliche Gewaltanwendung,
Drohung und jegliches nötigende Verhalten gegenüber der Privatklägerin 2
(vgl. Zusammenfassung der Vorinstanz unter Hinweis auf diverse Urkunden,
vgl. Urk. 175 S. 13). Weiter stellte der Beschuldigte in Abrede, selber das Lavabo
durch den Wurf einer Flasche beschädigt zu haben (vgl. Prot. I S. 22). Im Beru-
fungsverfahren bestätigte der Beschuldigte seine bisherigen Angaben zum
Geschehensablauf (Urk. 205 S. 4 ff.).
4.2. Vorbringen der Verteidigung
4.2.1. In Ergänzung zu den Angaben des Beschuldigten brachte die Verteidigung
im Berufungsverfahren gegen das vorinstanzliche Urteil zusammengefasst vor,
der Beschuldigte habe sich in der fraglichen Nacht mit der Privatklägerin wie
- 17 -
schon so oft, zu einer Nacht mit Drogen und Sex und Alkohol getroffen. Nachdem
man sich einvernehmlich durch irgendwelche Spielarten durchgespielt gehabt ha-
be, sei der Beschuldigte müde gewesen und habe schlafen wollen. Die Privatklä-
gerin habe weiter Kokain konsumiert und sei umtriebig, laut und aggressiv gewor-
den. Irgendwann in den Morgenstunden sei die Situation eskaliert, der Beschul-
digte habe das Mobile der Privatklägerin zu Boden geschmissen, wobei es kaputt
gegangen sei. Nachdem die Privatklägerin in ihrem Rauschzustand dekom-
pensiert und dauernd herumgeschrien habe, habe der Beschuldigte ihre Kleider
gepackt und aus dem Fenster geworfen. Er habe seine Ruhe haben wollen. Die
Privatklägerin sei noch lauter und ungehaltener geworden und habe auf dem Kor-
ridor des Hotels herumgeschrien und habe wieder eingelassen werden wollen.
Der Beschuldigte sei nicht der Aggressor gewesen. Der Versuch, die Privat-
klägerin, welche keine Ruhe habe geben wollen, aus dem Hotelzimmer auszu-
schliessen, sei misslungen. Die Privatklägerin habe Rachegedanken gehabt. Dies
wegen der Erniedrigung, dem Verlust des Handys und vor allem dem Verlust der
Kundennummern und Adressen, die auf der SIM-Karte gespeichert gewesen
seien (Urk. 206 S. 10 f.).
4.2.2. Unter Verweis auf das Plädoyer vor Vorinstanz wies der Verteidiger zudem
auf die nachfolgenden Gegebenheiten hin: Die Privatklägerin habe sowohl hin-
sichtlich des Ausmasses als auch der Qualität ihrer Verletzungen masslos über-
trieben und gelogen. Darin zeige sich das Bestreben der Privatklägerin, dem Be-
schuldigten schaden zu wollen. Die Feststellung der Vorinstanz, die Schilderung
der Gewaltanwendung wirke nicht übertrieben, sei in krasser Weise aktenwidrig,
zumal die von der Privatklägerin beschriebene Gewaltanwendung mit den Verlet-
zungsbildern nicht in Übereinstimmung zu bringen sei. Mit der Angabe, der
Beschuldigte habe mit einer zerbrochenen Flasche ihren Kopf und das Gesicht
malträtiert, habe die Privatklägerin ihre Glaubwürdigkeit vollends verspielt. Ein
grosser Teil der Hämatome, welche bei der Privatklägerin diagnostiziert worden
seien, liessen sich nicht oder zumindest nicht zweifelsfrei der fraglichen Nacht zu-
ordnen. Dagegen sei das Aussageverhalten des Beschuldigten kohärent, in den
verschiedenen Aussagen konstant, in sich stimmig und erscheine durchaus le-
bensnah (Urk. 206 S. 13-16 u. S. 38-43.).
- 18 -
4.2.3. Am vorinstanzlichen Urteil rügte der Verteidiger weiter, die Würdigung der
Aussagen der Privatklägerin und des Beschuldigten erfolge auf lediglich je zwei
Seiten. Damit zeige schon eine quantitative Betrachtung des Urteils auf, dass kei-
ne ernsthafte Aussagenanalyse stattgefunden haben könne. Die Aussagen der
Privatklägerin seien zum Vornherein als glaubhaft taxiert worden, ohne den
Einbezug anderer Beweisergebnisse. Die Feststellung der Glaubhaftigkeit der
Aussagen der Privatklägerin sei demzufolge nicht das Produkt einer Gesamt-
würdigung der Beweismittel. Nachdem es sich im vorliegenden Fall um ein Vier-
augendelikt handle, vermöchten die einvernommenen Familienangehörigen der
Privatklägerin nichts zur Erhellung des eigentlichen Sachverhalts beizutragen.
Aus den Schilderungen der Polizeibeamten und des Hotelangestellten gehe je-
doch immerhin hervor, dass die Privatklägerin völlig durchgedreht gewesen sei.
Sie beschrieben die Privatklägerin als sehr aufgebracht, hysterisch, schreiend und
aggressiv. Die Privatklägerin habe auch immer gelacht und sich zudem gegen-
über den Beamten abweisend und verbal aggressiv verhalten. Anzeichen von
Angst vor dem Beschuldigten habe bei der Privatklägerin niemand bemerkt. Auch
von Vergewaltigung und Ähnlichem sei nicht die Rede gewesen. Die Privat-
klägerin habe aggressiv und laut Einlass in das Zimmer verlangt, was gegen die
Tatsache spreche, dass sie unmittelbar zuvor Opfer einer Vergewaltigung gewor-
den sei. Im vorinstanzlichen Urteil werde durchaus eingeräumt, dass die Privat-
klägerin nicht in der Lage gewesen sei, eine konstante, kohärente und in sich
stimmige Schilderung des Verlaufs der Nacht und der behaupteten Misshand-
lungen abzugeben. Nicht diskutiert worden sei in diesem Zusammenhang jedoch,
dass die Aussagen bzw. die Wahrnehmungen der Privatklägerin durch die Turbu-
lenz des Alkohol- und Kokainexzesses getrübt bzw. verfälscht gewesen sein
könnten. Ungeachtet dessen komme die Vorinstanz zum Schluss, dass die Aus-
sagen der Privatklägerin zu überzeugen vermöchten. Die Vorinstanz ziehe denn
auch den falschen Schluss, soweit sie festhalte, die Aussagen der Privatklägerin
in Bezug auf die wesentlichen Punkte und das Kerngeschehen seien konstant
geblieben. Diese Feststellung stehe in krassem Widerspruch zu den tatsächlichen
Gegebenheiten. Die Vorinstanz erläutere denn auch nicht, was sie unter den we-
sentlichen Punkten und dem Kerngeschehen verstehe. Die Konstanz hätte von
- 19 -
der Vorinstanz jedenfalls belegt werden müssen. Weiter seien die Ausführungen
der Vorinstanz zur Detaillierung der Aussagen mangelhaft begründet. Die
Vorinstanz hätte sich mit den einzelnen Tatvorwürfen und dem entsprechenden
jeweiligen Kerngeschehen auseinandersetzen müssen. Faktisch erscheine der
vom Beschuldigten geschilderte Geschehensverlauf der Schilderung der Privat-
klägerin hinsichtlich Plausibilität und Konsistenz überlegen; zumindest nicht be-
trächtlich weniger nachvollziehbar. Diese Konstellation müsse zwingend zu einem
Freispruch führen. Die Vorinstanz habe diesbezüglich etwas nicht richtig ver-
standen. Wenn zwei denkbare und mögliche Ablaufvarianten von ähnlichen Quali-
täten, Widersprüchen und überzeugenden Momenten vorlägen, sei immer ein
Freispruch am Platz. Stattdessen habe die Vorinstanz eine Abwägung der beiden
Darstellungen vorgenommen und sei irriger Weise zum Schluss gelangt, dass die
Angaben der Privatklägerin glaubhafter seien (Urk. 206 S. 18 ff.).
5. Grundsätze der Beweiswürdigung
5.1. Angesichts der Bestreitungen des Beschuldigten ist zu prüfen, ob der
(bestrittene) Sachverhalt aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht
vorgebrachten Argumente, namentlich der Darstellungen der beiden unmittelbar
Beteiligten sowie ergänzend der Aussagen der weiteren Zeugen und der weiteren
Beweismittel rechtsgenügend erstellt werden kann.
5.2. Bereits die Vorinstanz hat kurz aufgezeigt, welches die Grundsätze der
freien richterlichen Beweiswürdigung sind (Urk. 175 S. 14). Diese Grundsätze
sind hier ausführlich zu wiederholen.
5.2.1. Gemäss dem in Art. 8 und 32 Abs. 1 BV sowie Art. 6 Ziff. 2 EMRK ver-
ankerten Grundsatz "in dubio pro reo" (im Zweifel für den Beschuldigten) ist bis
zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, dass der wegen einer
strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist (BGE 127 I 40, 120 Ia 31, E. 2b;
BGE 6S.363/2006 vom 28. Dezember 2006, E. 4; Pra 2002 Nr. 2 S. 4 f. und
Nr. 180 S. 957 f.). Als Beweislastregel bedeutet die Maxime, dass es Sache der
Anklagebehörde ist, die Schuld des Beschuldigten zu beweisen, und nicht dieser
seine Unschuld nachweisen muss (Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 4. Aufl.,
- 20 -
Zürich 2004, N 599; BGE 127 I 40). Der Grundsatz "in dubio pro reo" ist verletzt,
wenn der Strafrichter einen Beschuldigten (einzig) mit der Begründung verurteilt,
er habe seine Unschuld nicht nachgewiesen (BGE 127 I 38, E. 2a mit Hinweis).
Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht
von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhaltes über-
zeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu un-
terdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat
(BGE 6P.155/2006 und 6S.363/2006 vom 28. Dezember 2006, E. 4.1). In diesem
Fall ist der Beschuldigte freizusprechen (statt vieler: Corboz, "in dubio pro reo", in
ZBJV 1993 S. 419 f.). Die Überzeugung des Richters muss auf einem verstandes-
gemäss einleuchtenden Schluss beruhen und für den unbefangenen Beobachter
nachvollziehbar sein (Hauser / Schweri / Hartmann, Schweizerisches Straf-
prozessrecht, 6. Aufl., Basel, 2005, Rz 11 S. 247). Soweit ein direkter Beweis
nicht möglich ist, ist der Nachweis der Tat mit Indizien zu führen, wobei die
Gesamtheit der einzelnen Indizien, deren "Mosaik" zu würdigen ist (Arzt, In dubio
contra, in Zeitschrift für Strafrecht 115, S. 197; Pra 2002 Nr. 180 S. 962 f.,
Ziff. 3.4.).
5.2.2. Ein Schuldspruch darf demnach nur dann erfolgen, wenn die Schuld des
Beschuldigten mit hinreichender Sicherheit erwiesen ist, das heisst Beweise dafür
vorliegen, dass der Beschuldigte mit seinem Verhalten objektiv und subjektiv den
ihm zur Last gelegten Straftatbestand verwirklicht hat. Dabei kann nicht verlangt
werden, dass die Tatschuld gleichsam mathematisch sicher und unter allen As-
pekten unwiderlegbar feststehe (Niklaus Schmid, a.a.O., N 288). Es liegt in der
Natur der Sache, dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicher-
heit in der Beweisführung erreicht werden kann; daher muss es genügen, wenn
vernünftige Zweifel an der Schuld des Beschuldigte ausgeschlossen werden kön-
nen, der Richter subjektiv mit Gewissheit von der Schuld des Beschuldigten über-
zeugt ist (Kassationsgerichtsentscheid vom 26. Juni 2003 Nr. 2002/387S, E. 2.2.1
samt Hinweisen). Hingegen darf ein Schuldspruch nie auf blosser Wahrschein-
lichkeit beruhen. Aufgabe des Richters ist es, seinem Gewissen verpflichtet in ob-
jektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von einem
bestimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an dessen
- 21 -
Richtigkeit zu überwinden vermag (BGE 124 IV 88, 120 Ia 31 E. 2c). Bloss abs-
trakte oder theoretische Zweifel dürfen dabei nicht massgebend sein, weil solche
immer möglich sind (Hauser / Schweri / Hartmann, a.a.O., Rz 12 S. 247).
5.2.3. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind
diese frei zu würdigen (Art. 10 Abs. 2 StPO). Es ist anhand sämtlicher Umstände,
die sich aus den Akten und den Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche
Sachdarstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt
der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben er-
folgen. Bei der Würdigung von Aussagen darf nicht einfach auf die Persönlichkeit
oder allgemeine Glaubwürdigkeit von Aussagenden abgestellt werden. Mass-
gebend ist vielmehr die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten
Aussagen. Diese sind einer kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das
Vorhandensein von so genannten Realitätskriterien grosses Gewicht zu legen ist
(R. Bender, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, in
SJZ 81 [1985] S. 53 ff.; Bender / Nack / Treuer, Tatsachenfeststellungen vor
Gericht, Band I, Glaubwürdigkeits- und Beweislehre, 3. Aufl., München 2007,
S. 68 ff.).
Beim Abwägen von Aussagen ist zwischen der Glaubwürdigkeit einer Person und
der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu unterscheiden. Die Glaubwürdigkeit liefert
die Grundlage dafür, ob einer Person getraut werden kann. Sie ergibt sich aus der
prozessualen Stellung einer Person sowie aus ihren persönlichen Beziehungen
und Bindungen zu den übrigen Prozessbeteiligten. Die in erster Linie wichtige
Glaubhaftigkeit der Aussagen ist massgebend für die Beantwortung der Frage, ob
sich der Sachverhalt im Wesentlichen so ereignet hat, wie er im Prozess ein-
geklagt ist.
5.2.4. In Fällen der sogenannten "Vier-Augen-Delikte", wo sich also Täter und Op-
fer alleine gegenüber stehen und wo keine weiteren Zeugen vorhanden sind,
kann nicht gesagt werden, dass das Fakt der Androhung von Straffolgen resp. der
Ermahnung zur wahrheitsgemässen Aussage dem Opfer generell zu erhöhter
Glaubwürdigkeit verhilft. Das Opfer wird als Zeugin bzw. Auskunftsperson einver-
nommen, und die Strafandrohung zur wahrheitsgemässen Aussage bzw. der
- 22 -
Hinweis auf die möglichen Straffolgen einer falschen Anschuldigung, einer Irrefüh-
rung der Rechtspflege und einer Begünstigung erfolgt aufgrund dieser prozessua-
len Stellung der Geschädigten. Eine andere Beurteilung würde dazu führen, dem
Opfer generell eine erhöhte Glaubwürdigkeit zuzusprechen, und dies widersprä-
che allen strafprozessualen Grundsätzen. Entscheidend ist, worauf oben bereits
hingewiesen worden ist, auch in diesem Fall die Glaubhaftigkeit der konkreten
Aussagen der Beteiligten.
6. Zu den vorhandenen Beweismittel
6.1. Die Vorinstanz hat die vorhandenen Beweismittel im Einzelnen aufgezählt
(vgl. Urk. 175 S. 14) und sich – wie oben dargetan – korrekt zu deren Verwert-
barkeit geäussert (vgl. Urk. 175 S. 5 ff.).
6.2. In ihrem Entschied hat die Vorinstanz weiter die Aussagen der Privatklä-
gerin 2, die insgesamt fünf Mal einvernommen wurde (vgl. Urk. 5, Urk. 11/1, 66 =
Video Urk. 72; Urk. 110 = Video Urk. 111; Prot. II S. 8 ff. = Video Urk. 162), ihrer
Schwester I._ (vgl. Urk. 12/1, Urk. 12/2 und Urk. 113), des Vaters der Privat-
klägerin 2 J._ (Urk. 17/1 und Urk. 114), des Hotelangestellten K._ (Urk.
15/1 und Urk. 120), der involvierten Polizeibeamten G._ (Urk. 13/1 und Urk.
116), H._ (Urk. 14/1 und Urk. 117), L._ (Urk. 115), M._ (Urk. 119,
vgl. auch Wahrnehmungsbericht Urk. 4) und N._ (Urk. 118) sowie die Aus-
sagen des Beschuldigten (Urk. 6, Urk. 7-10 [wobei letztere lediglich zugunsten
des Beschuldigten verwertbar sind], Urk. 56, Urk. 121 und Urk. 122 sowie Prot. I
S. 13 ff.) korrekt zusammengefasst, worauf hier zur Vermeidung unnötiger Wie-
derholungen vorweg verwiesen werden kann.
6.3. Auch die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz hinsichtlich Glaubwür-
digkeit der Befragten sind hier nicht zu wiederholen (vgl. Urk. 175 S. 21 f. betref-
fend die Privatklägerin 2, Urk. 175 S. 25 betreffend I._; Urk. 175 S. 28 betr.
K._; Urk. 175 S 33 betreffend die involvierten Polizeibeamten und Urk. 175
S. 38 f. betreffend den Beschuldigten), einerseits weil darin die Interessen der Be-
fragten am Verfahren sowie deren Beziehungen zueinander korrekt festgehalten
- 23 -
wurden und andererseits, weil es bei der Würdigung von Aussagen primär auf de-
ren inneren Gehalt ankommt.
6.4. Ergänzend ist hier darauf hinzuweisen, dass zum eigentlichen Tatvorwurf,
nebst den Aussagen des Beschuldigten, lediglich diejenigen der Privatklägerin 2
als einzige direkt Beteiligte von Belang sind.
6.5. Die Privatklägerin 2 hatte ihrer Schwester I._ über das ihr Widerfahre-
ne berichtet. Inhalt der Aussagen von I._ bildete somit letztlich nur die Wie-
dergabe der Darstellungen der Privatklägerin 2 ihr gegenüber und nicht etwa die
Wiedergabe von selbst Erlebtem. In prozessualer Hinsicht handelt es sich damit
um einen sogenannten Beweis vom Hörensagen bzw. um ein mittelbares Zeug-
nis. Zwar ist grundsätzlich unerheblich, ob ein Zeuge die fraglichen Beobachtun-
gen selbst gemacht hat oder aber nur über entsprechende Mitteilungen anderer
Personen Aussagen machen kann, weshalb der Beweis vom Hörensagen nicht a
priori ausgeschlossen ist (vgl. Schmid, Strafprozessrecht, 4. Auflage,
Zürich 2004, N 632). Hier stehen die Aussagen der Privatklägerin 2, mithin der di-
rekten Tatzeugin, d.h. das sachverhaltsnächste bzw. bestmögliche Beweismittel
zur Verfügung, weshalb in erster Linie diese Aussagen einer Würdigung zu unter-
ziehen sind und letztlich ausschlaggebend sein werden. In diesem Sinne ist fest-
zuhalten, dass dem mittelbaren Zeugnis der Schwester der Privatklägerin 2, zu-
mal dieses ausschliesslich auf der Darstellung der Privatklägerin 2 ihr gegenüber
basiert, eindeutig ein geringerer Beweiswert zukommt.
7. Zu den einzelnen Beweismitteln
7.1. Die Privatklägerin 2 wurde im Rahmen der Untersuchung und der beiden
erstinstanzlichen Verfahren insgesamt fünf Mal einvernommen. Über die drei letz-
ten Befragungen liegen Videoaufnahmen vor (vgl. Urk. 72, Urk. 110 und
Urk. 162). Die Vorinstanz hat die Aussagen der Privatklägerin 2 in ihrem Ent-
scheid zutreffend zusammengefasst. Darauf kann hier verwiesen werden.
7.2. Im Rahmen der Würdigung der Aussagen der Privatklägerin 2 hielt die Vor-
instanz fest (vgl. Urk. 175 S. 22 f.), diese seien zeitweise wirr und sprunghaft und
- 24 -
wiesen Lücken in der Chronologie auf, die nicht geklärt werden könnten. Den ge-
nauen Ablauf der Ereignisse habe sie nicht wiederzugeben vermocht. Es bleibe
daher letztlich auch unklar, wann sie womit wohin geschlagen worden sei. Die
Privatklägerin 2 – so die Vorinstanz weiter – habe zumindest diesbezüglich nicht
konstant ausgesagt, wobei dies möglicherweise auf den Kokainkonsum oder eine
allfällige Traumatisierung zurückgeführt werden könne. Zudem enthielten ihre
Angaben durchaus auch Widersprüche und Ungereimtheiten. So wolle sie sich
gemäss Aussagen vom 4. August 2009 nach dem ersten Schlag und der Ent-
schuldigung des Beschuldigten während zwei Stunden bis zum Läuten ihres
Natels schlafen gelegt haben (Hinweis auf Urk. 5 S. 2). Laut Angaben vom
17. September 2009 sollen sie und der Beschuldigte jedoch nach der Diskussion
miteinander Kokain genommen haben, worauf sie nicht mehr über diese Ge-
schichte gesprochen hätten und später ihr Natel geläutet habe (Hinweis auf
Urk. 11/1 S. 8). Die Vorinstanz spekulierte, dass die Privatklägerin 2 – entgegen
ihrer Aussagen – nach dem Konsum von Kokain nicht ohne Weiteres in der Lage
gewesen wäre, zwei Stunden zu schlafen (vgl. Urk. 175 S. 22 unter Hinweis auf
Urk. 19/5), weswegen ihre entsprechenden Aussagen etwas zweifelhaft blieben.
Als ungeklärt stufte die Vorinstanz sodann ein, ob der Streit mit dem Beschuldig-
ten bereits vor dem Bezug des Hotelzimmers begonnen hatte oder erst danach.
Offen bleibe zudem, wie viele Tage vor dem Vorfall sie den Beschuldigten ver-
setzt hatte (zwei Tage, einen Tag). Als klar unglaubhaft stufte die Vorinstanz die
Behauptung der Privatklägerin 2 ein, wonach sie mit einer kaputten Flasche ge-
schlagen worden sei (Hinweis auf Urk. 11/1 S. 8), zumal dies zwingend Spuren
am Körper hinterlassen hätte, welche indes nicht feststellbar gewesen seien
(vgl. Hinweis auf Urk. 19/6). Aus denselben Gründen sei auch fraglich, ob sie vom
Beschuldigten mit einer (unbeschädigten) Flasche ins Gesicht geschlagen worden
sei (Hinweis auf Urk. 11/1 S. 8), zumal auch im Gesicht keinerlei Spuren fest-
gestellt worden seien.
Ungeachtet dessen hielt die Vorinstanz dafür (vgl. Urk. 175 S. 23), dass die Aus-
sagen der Privatklägerin 2 mit Bezug auf die wesentlichen Punkte und das Kern-
geschehen konstant geblieben seien. So etwa hinsichtlich des Grundes für den
anfänglichen Streit (sie habe den Beschuldigten versetzt), den Ort des ersten
- 25 -
Schlages (ins Gesicht), den Grund für die weitere Eskalation des Streites (sie ha-
be Anrufe erhalten, zuerst von ihrer Schwester, dann von einem Mann, woraufhin
der Beschuldigte das Telefon ins WC geworfen habe), die Drohungen des Be-
schuldigten, das Ausziehen der Kleider durch ihn, die sexuellen Handlungen auf
dem Bett ohne Kondom (vaginal, oral, anal, mit Flasche). Weiter taxierte die Vor-
instanz die Ausführungen der Privatklägerin 2 als detailreich und realistisch
(Schilderungen des Oralverkehrs und seiner Umstände). Schliesslich hielt die
Vorinstanz dafür, die Privatklägerin 2 habe den Beschuldigten weder über Gebühr
beschuldigt, noch ihn einseitig schlecht dargestellt (vgl. Urk. 175 S. 23). Weiter
bewertete die Vorinstanz die Tatsache, dass die Privatklägerin zu Beginn der Un-
tersuchung detaillierter Auskunft habe geben können als fünf Jahre später, nicht
weiter als erstaunlich, jedenfalls nicht als ein Zeichen mangelnder Glaubhaftigkeit
(vgl. Urk. 175 S. 23). Im Ergebnis stellte die Vorinstanz fest, dass die Sachver-
haltsdarstellung der Privatklägerin trotz gewisser Unklarheiten grundsätzlich zu
überzeugen vermöge (vgl. Urk. 175 S. 23).
7.3. Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass die Privatklägerin 2 die sexuellen
Übergriffe des Beschuldigten, was die einzelnen Handlungen betrifft, die an ihr
verübt wurden, in sämtlichen Einvernahmen wiedergab bzw. auf entsprechende
Hinweise ihre früheren Aussagen bestätigte. Dass die Privatklägerin die Ereignis-
se jener Nacht als äussert schlimm empfand bzw. wahrnahm, lässt sich im Übri-
gen auch daraus schliessen, dass sie während den Einvernahmen wiederholt
weinen musste und auch Jahre später starke Emotionen zeigte (vgl. insbesondere
die auf Video aufgezeichneten Einvernahmen Urk. 72, Urk. 111 und Urk. 162). Es
trifft sodann zu, dass nicht zu erwarten war, dass die Privatklägerin 2 in fünf ver-
schiedenen und Jahre auseinander liegenden Einvernahmen mit demselben De-
tailreichtum über die Ereignisse Auskunft hätte geben können. Indessen ist aber
auch zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte weder die mehrfachen Wiederho-
lungen der Einvernahmen noch die in diesem Verfahren dadurch eingetretenen
Verzögerungen zu verantworten hat.
7.4. Auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ihre letzte Einvernahme
im April 2015, mithin beinahe 6 Jahre nach dem Vorfall, stattfand, irritiert der Um-
- 26 -
stand, dass die Privatklägerin zu den verschiedenen Phasen der Ereignisse jener
Nacht in wichtigen Punkten grosse Erinnerungslücken geltend machen musste.
Denn dies wirft einerseits die Frage nach der Gedächtnisleistung der Privatkläge-
rin auf und stellt andererseits die Frage in den Raum, ob dadurch auch die Schil-
derungen des Kerngeschehens tangiert sind.
7.4.1. In ihrer letzten Einvernahme, welche im April 2015 stattfand, mithin beinahe
6 Jahre nach dem Vorfall, wies sie darauf hin, dass sie als Erstes nach der An-
kunft im Zimmer des Hotels Streit mit dem Beschuldigten hatte, dass sie indessen
den Ablauf des Geschehens "nicht mehr so genau" wisse (Prot. I S. 30). So wuss-
te sie nicht mehr, wann (Nachmittag oder erst am Abend) sie sich an jenem Tag
mit dem Beschuldigten getroffen hatte (Prot. I S. 29). Sie wusste nicht mehr, wer
an jenem Abend das Kokain dabei hatte (Prot. I S.- 31). Ebenso wenig wusste sie,
wann sie an jenem Abend das Kokain konsumierte (vgl. Prot. I S. 31). Insbeson-
dere konnte sie nicht mehr sagen, ob sie vor dem Schlag des Beschuldigten, der
"ziemlich zu Beginn" erfolgte, das Kokain konsumierte (Prot. I S. 31). Sie be-
richtete darüber, dass sie dem Beschuldigten nach dem Schlag mitteilte, dass sie
gehen wolle und fügte bei, sie sei dann ins Bett gelegen und habe gedacht, dass
wenn sie schlafen gehe, sie am Morgen wieder heraus könne (Prot. I S. 30). Erst
auf konkrete Frage nach der Reaktion des Beschuldigten auf ihre Mitteilung, das
Zimmer verlassen zu wollen, schilderte sie die Auseinandersetzung mit dem Be-
schuldigten, der sie "die ganze Zeit" von der Türe habe wegreissen wollen und ihr
gedroht habe (Prot. I S. 30), wobei sie dann relativierte, sie sei sich nicht mehr si-
cher, ob sie nach dem Schlag habe gehen wollen und der Beschuldigte sie zu-
rückgehalten habe (Prot. I S. 32). Wenig später konnte sie bestätigen, dass sie
zur Türe gehen wollte und ihn auch aufforderte, sie gehen zu lassen, worauf er
sie zurückgezogen und aufs Bett "herumgeworfen" habe und als "Nächstes" Sex
gewollt habe (Prot. I S. 32). Sie wusste nicht mehr, ob sie und der Beschuldigte
beim erzwungenen Geschlechtsverkehr nackt waren (Prot. I S. 33). Ebenso wenig
wusste sie, wie es dazu kam, dass sie nackt war (vgl. Prot. I S. 39). Sie schilderte,
der Beschuldigte habe sie (bei den sexuellen Handlungen, die vaginal, anal [Ver-
such] und oral stattfanden, wobei sie nicht mehr genau wusste, wie es ablief)
"überallhin" und fest geschlagen, wo und wie, wisse sie nicht mehr genau (Prot. I
- 27 -
S. 33 f.), bzw. dies sei auch mit einer leeren Flasche geschehen, auf den Körper,
die Arme und Beine sowie mit der Hand (vgl. Prot. I S 40) auch ins Gesicht. Sie
hielt dafür, an jenem Abend keinen Alkohol getrunken, indessen Kokain, vermut-
lich ca. 2 Linien (Prot. I S. 39), konsumiert zu haben (Prot. I S. 38 f.). Auf Ergän-
zungsfrage ihrer Vertreterin bestätigte die Privatklägerin 2, der Beschuldigte sei
auch mit einer Flasche in ihre Vagina eingedrungen (Prot. I S. 39). Diese kurze
Zusammenfassung der Aussagen der Privatklägerin 2 in ihrer letzten Einvernah-
me zeigt, dass sie zum genauen Ablauf des Geschehens in jenem Hotelzimmer
mit Bezug auf diverse Begebenheiten keine genauen Angaben mehr zu machen
im Stande war. Freilich fand diese Einvernahme etliche Jahre nach dem Vorfall
statt, so dass nicht unbedingt verwunderlich bzw. teilweise erklärbar ist, dass die
Erinnerungen verblasst waren, indessen geben diese Aussagen keinen Anlass
zur erneuten Befragung der Privatklägerin 2, zumal daraus keine weiteren Klä-
rungen zu erwarten sind.
7.4.2. Bemerkenswert ist immerhin, dass die Privatklägerin 2 in der zitierten letz-
ten Einvernahme Aussagen zur ersten Phase des Geschehens nach dem Bezug
des Hotelzimmers machen konnte. In ihrer erster Einvernahme schilderte die Pri-
vatklägerin 2, nach dem anfänglichen Disput mit dem Beschuldigten, der unmit-
telbar nach der Ankunft im Hotelzimmer entbrannt war, weil sie ihn zwei Tage zu-
vor drei Stunden hatte warten lassen, beschlossen zu haben, die Nacht im besag-
ten Zimmer trotzdem zu verbringen, weil sich der Beschuldigte für den ihr zuvor
verabreichten Schlag ins Gesicht entschuldigt hatte. Nach ihrer Darstellung ging
sie daraufhin ins Bett und schlief, wobei sie zwei Stunden später einen Anruf ihrer
Schwester erhalten habe (vgl. Urk. 5 S. 2). Ähnlich fiel die Schilderung der Privat-
klägerin 2 in der Einvernahme vom Juni 2014 aus (Urk. 110 S. 9) und insbeson-
dere in jener letzten Einvernahme vom April 2015 (Prot. I S. 30 und insbesondere
S. 32), in welcher sie ebenfalls erwähnte, sich ins Bett gelegt zu haben, wobei die
Schlafphase von zwei Stunden – wie in den übrigen Einvernahmen – unerwähnt
blieb. Diese Schilderungen könnten darauf schliessen lassen, dass die Privat-
klägerin 2 nach dem ersten Disput in der Absicht, die Nacht im Hotel zu verbrin-
gen, sich tatsächlich schlafen legte, wobei immer noch unklar bliebe, ob sie sich
zu diesem Zweck entkleidete, was wiederum erklären könnte, dass sie heute nicht
- 28 -
mehr weiss, wie es dazu kam, dass sie beim späteren sexuellen Übergriff des
Beschuldigten nackt war.
7.5. Wie oben ausgeführt, wies bereits die Vorinstanz auf Unstimmigkeiten und
Widersprüche in den Aussagen der Privatklägerin 2 zu verschiedenen Themen
hin (vgl. oben bzw. in Urk. 175 S. 22). Mit der Verteidigung ist der Auffassung der
Vorinstanz zu widersprechen, wonach die Schilderungen der Privatklägerin 2 zu
den Gewaltanwendungen des Beschuldigten nicht übertrieben wirkten (vgl.
Urk. 175 S. 23), denn die geschilderten Gewaltanwendungen stehen nicht im Ein-
klang mit dem Ergebnis der – allerdings beinahe zwei Tage später – durch-
geführten körperlichen Untersuchung der Privatklägerin 2.
7.5.1. In den ersten zwei Einvernahmen (vgl. Urk. 5 und 11/1) schilderte die Pri-
vatklägerin 2 massive Gewaltanwendungen des Beschuldigten ihr gegenüber. Sie
erwähnte dabei namentlich mit Wucht ausgeführte und wiederholte Schläge des
Beschuldigten mit der offenen Hand und mit der Faust ins Gesicht sowie überall
hin, an die Beine, an die Arme sowie Schläge mit einer Flasche (vgl. Urk. 5 S. 2:
"... hat er einfach ausgeholt und mir ins Gesicht geschlagen", "er kam dann ins Bad und schlug
mich mit der Faust ins Gesicht. Ich fiel dann leicht nach hinten"; Urk. 5 S. 3: "Er schlug mich ... die ganze Zeit." " Wenn ich mich wegdrehen wollte, schlug er mich immer wieder mit der Fla-
sche."; sowie Urk. 11/1 S. 9: "Er schlug mich voll mit seiner Faust in mein Gesicht." "Wie und wohin schlug er Sie? Zunächst ins Gesicht mit der offenen Hand und mit der Faust. Einmal oder
mehrmals? Mehrmals. Viele Male", Urk. 11/1 S. 10: ".. schlug mich noch mit der Flasche mega fest".; „ Ja, auch mit der zerbrochenen Flasche.“; "...er schlug mich die ganze Zeit ins Gesicht mit
der Hand und mit der [ganzen, leeren] Flasche."; Urk. 11/1 S. 10: „ ... er versuchte mit mir Sex zu haben und schlug mich dabei mit der Flasche überall hin, an die Beine, an die Arme, ins Ge-
sicht.“; "...er hat mich eben wie gesagt, die ganze Zeit geschlagen, mit der Flasche"; Urk. 11/1
S. 12: "..nahm er eine Flasche und schlug mich mit der Flasche ins Gesicht, an die Brüste, an die Arme." " Er nahm dann eine Flasche und schlug mich wieder..."; " ...Nahm er eine Flasche und
warf mir diese Flasche voll an den Kopf."; Urk. 11/1 S. 13: "Dann kam er noch mit der Flasche
zu mir und schlug mich überall hin"; Urk. 11/1 S. 14: "... ich sagte ihr [der Polizistin] er habe
mich drei Stunden lang geschlagen."), ... worauf er eine Bierflasche nach mir warf."). Auch in
den späteren Einvernahmen wiederholte sie, mit der Faust ins Gesicht und sonst
(mit einer Flasche) geschlagen worden zu sein (vgl. Urk. 66 S. 7, Urk. 110 S. 8, 9
- 29 -
und11) auf den Körper, die Arme und Beine (vgl. Prot. I S. 30, 33, 34), wobei er
fest geschlagen habe (vgl. Prot. I S. 34).
7.5.2. Die Privatklägerin wurde am 4. August 2009 am Institut für Rechtsmedizin
körperlich untersucht (vgl. Urk. 19/6). Dem entsprechenden Gutachten vom
8. November 2009 (Urk. 19/6) ist zu entnehmen, dass am Kopf/Hals der Privat-
klägerin 2 keine Verletzungen abgrenzbar waren (Urk. 19/6 S. 2). Demgegenüber
wurden bei ihr am Brustkorb links, am rechten Oberarm und am linken Bein fri-
sche Hautunterblutungen sowie eine Hautabschürfung am rechten Unterarm ge-
funden. Diese Hautveränderungen seien die Folge stumpfer Gewalt und könnten
im Rahmen des geltend gemachten Ereignisses entstanden sein. Daneben hätten
sich an ihrem Körper Hautunterblutungen gefunden, die aus rechtsmedizinischer
Sicht wenige bis mehrere Tage alt gewesen seien und nicht mit dem fraglichen
Ereignis hätten in Einklang gebracht werden können. Bei der vaginalen und ana-
len Untersuchung hätten sich keine Verletzungen gezeigt, wobei dies jedoch nicht
in Widerspruch zu einem ungewollten vaginalen bzw. analen Geschlechtsverkehr
stehen würde (Urk. 19/6 S. 3).
7.5.3. Die im Gutachten zur körperlichen Untersuchung beschriebenen Hautun-
terblutungen sind in den durch den kriminaltechnischen Einsatzdienst des Foren-
sischen Instituts Zürich am 4. August 2009 erstellten Fotoaufnahmen der Privat-
klägerin 2 festgehalten (vgl. Urk. 53) und dort gut sichtbar. Freilich erlauben diese
verschiedenfarbigen Verletzungsbilder aufgrund der Fotodokumentation keine
zeitliche Zuordnung ihrer Entstehung, so dass letztlich die Schlussfolgerungen im
Gutachten des IRM massgebend sind (vgl. Urk. 19/6).
7.5.4. Die Vorinstanz erwog zu diesem Problemkomplex, die Behauptung der Pri-
vatklägerin, sie sei mit einer kaputten Flasche geschlagen worden (vgl. Urk. 175
S. 22 unter Hinweis auf Urk. 11/1 S. 8), erscheine als klar unglaubhaft, zumal dies
zwingend Spuren am Körper hinterlassen hätte, die hier aber nicht feststellbar
gewesen seien (vgl. Urk. 19/6). Weiter führte die Vorinstanz aus, es bleibe so-
dann unklar, weshalb die Privatklägerin insbesondere im Gesicht keinerlei
Verletzungen oder zumindest Spuren der Gewalt aufgewiesen habe, da sie
Faustschläge und Ohrfeigen ins Gesicht geltend gemacht habe (vgl. Urk. 175 S.
- 30 -
43 f. unter Hinweis auf Urk. 5 S. 2; Urk. 11/1 S. 9 f.; Prot. I S. 40). Schliesslich
spekulierte die Vorinstanz, es sei nichtsdestotrotz nicht auszuschliessen, dass die
Privatklägerin 2 – allenfalls verstärkt durch den Kokainkonsum – das Ausmass
der erlittenen Schläge subjektiv stärker wahrgenommen habe, als sie in der Tat
gewesen seien, bzw. habe sie möglicherweise auch etwas übertrieben (vgl.
Urk. 175 S. 43 f.).
7.5.5. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Gewaltdarstellungen der Privatkläge-
rin 2 keine Stütze in den Feststellungen im Gutachten des IRM nach der erfolgten
körperlichen Untersuchung finden. Auffallend ist vor allem, dass keinerlei Spuren
körperlicher Gewalt am Kopf oder im Gesicht der Privatklägerin 2 festgestellt wer-
den konnten, obwohl sie mehrfach über kräftige Faustschläge und Schläge mit
der offenen Hand ins Gesicht berichtete (so auch die Vorinstanz in Urk. 175
S. 43). Die Rechtsvertreterin der Privatklägerin 2 versuchte den Widerspruch da-
hingehend zu erklären, als dass die Privatklägerin 2 während der Schläge das
Gesicht mit den Armen geschützt habe (Prot. II S. 12). Diese Darstellung deckt
sich indessen nicht mit den Angaben der Privatklägerin 2, welche von direkten
Schlägen mit der Hand und der Faust in ihr Gesicht berichtete (vgl. vorne
Ziff. 7.5.1.). Auch aus den geschilderten weiteren heftigen und zahlreichen mit ei-
ner Flasche ausgeführten Schläge an Beinen und Armen, lässt sich das vom IRM
festgestellte relativ unauffällige Verletzungsbild nicht erklären. Dazu kommt, dass
auch die vor Ort unmittelbar nach dem Geschehen ausgerückte Polizeibeamtin
G._ zwar Rötungen, indessen keine gröberen Verletzungen an den Beinen
der Privatklägerin 2 feststellen konnte (vgl. Urk. 13/1 S. 3) oder sonst über Verlet-
zungen zu berichten wusste. Es trifft zwar zu, dass – wie dies dem Gutachten
auch entnommen werden kann (Urk. 19/6) – ein (erzwungener) vaginaler bzw.
versuchter analer Geschlechtsverkehr nicht zwingend Verletzungen oder körperli-
che Spuren hinterlassen muss. Dies ändert indessen nichts daran, dass gestützt
auf die Schilderungen der Privatklägerin ein objektiv gravierenderes Verletzungs-
bild zu erwarten gewesen wäre, was letztlich nicht der Fall war.
- 31 -
7.6. Nebst den oben erwähnten und von der Vorinstanz zutreffend aufgeführten
(vgl. Urk. 175 S. 22), fallen auch weitere Unstimmigkeiten in den Aussagen der
Privatklägerin 2 bzw. Besonderheiten aufgrund ihres Verhaltens auf.
7.6.1. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass I._, die Schwester
der Privatklägerin 2, zwar weitgehend die Darstellung der Privatklägerin 2 bestä-
tigte. Sie ist indessen eine Zeugin vom Hörensagen und konnte daher zum ei-
gentlichen Tatgeschehen nur das Wiedergeben, was sie nicht selber erlebt hatte,
sondern lediglich von der Privatklägerin 2 erzählt erhielt. Dazu kommt, dass die
Privatklägerin 2 die Darstellung ihrer Schwester, der Beschuldigte habe sie (die
Privatklägerin 2) schon früher, mithin vor dem hier zu beurteilenden Vorfall, ge-
schlagen, in Abrede stellte (vgl. Urk. 110 S. 14), was die Aussagen dieser Zeugin
über das von der Privatklägerin 2 Berichtete zusätzlich relativiert.
7.6.2. Die Privatklägerin 2 erstattete erst am 4. August 2009 Anzeige. Zwar ist mit
der Vorinstanz festzuhalten, dass sich aus einer späteren Strafanzeige nichts her-
leiten lässt, zumal die Privatklägerin lediglich einen Tag damit zuwartete (vgl. Vor-
instanz Urk. 175 S. 34).
7.6.2.1. Bemerkenswert an dieser verspäteten Anzeige ist dennoch, dass die Pri-
vatklägerin 2, als sie den Polizeibeamten G._ und H._ an jenem Morgen
noch im Hotelzimmer begegnete, zugegebenermassen nicht erwähnte, unmittel-
bar zuvor Opfer diverser sexueller Übergriffe gewesen, sondern lediglich erklärte,
vom Beschuldigten geschlagen worden zu sein. Die Privatklägerin 2 zeigte der
Polizeibeamtin G._ zwar Rötungen am Bein (vgl. Urk. 13/1 S. 3), wollte in-
dessen – wie die Polizeibeamtin als Zeugin bestätigte (vgl. Urk. 13/1 S. 3 und Urk.
116) – keine Auskunft geben. Weiter lehnte es die Privatklägerin 2 ab, gegen den
Beschuldigten deswegen Strafantrag zu stellen (vgl. Urk. 13/1 S. 3). Sie verliess,
nachdem sie wieder im Besitze der Kleider war, das Hotel.
7.6.2.2. Die Privatklägerin 2 wurde verschiedentlich nach dem Grund für die (ver-
spätete) Anzeige gefragt. Sie gab wiederholt an, dass sie ursprünglich keine An-
zeige habe erstatten wollen, dass der Beschuldigte sie aber nicht in Ruhe gelas-
sen habe, sie bereits am Mittag des nächsten Tages aufgesucht habe, ihr später
- 32 -
SMS geschrieben und sie und ihre Kollegin mehrmals anzurufen versucht habe
(vgl. Urk. 11/1 S. 4). Weiter sei sie vom Beschuldigten am Abend in einer Bar kon-
taktiert worden. Dort habe er sich ihr gegenüber für das Geschehene entschuldigt,
worauf sie ihn aufgefordert habe, sie in Ruhe zu lassen, ansonsten sie zur Polizei
gehe (vgl. Urk. 11/1 S. 4). Auch danach habe der Beschuldigte ihr SMS gesandt
und ihrer Kollegin telefoniert, so dass sie, nach Rücksprache mit ihrer Schwester,
welcher sie die Geschichte schon zuvor telefonisch mitgeteilt gehabt habe, doch
Anzeige erstattet habe (vgl. Urk. 11/1 S. 4 f.; zum Ganzen vgl. auch Urk. 110
S. 5 ff. und Urk. 66 S. 5 f.).
7.6.2.3. Grundsätzlich ist die Erklärung der Privatklägerin für das Zuwarten und
zum Beweggrund der Anzeige nachvollziehbar. Fest steht auch, dass die Privat-
klägerin 2 während ihrer Einvernahme vor der Polizei anlässlich der Anzeige-
erstattung eine SMS-Nachricht des Beschuldigten erhielt (vgl. Urk. 5 S. 11). Dem
Polizeirapport ist indessen zu entnehmen, dass die Schwester der Privatklägerin
2 bereits am 3. August um 11.00 Uhr, also wenige Stunden nachdem die Privat-
klägerin 2 das Hotel verlassen hatte, bei der Polizei schilderte, was in jener Nacht
passiert war und die Anzeigeerstattung in Aussicht gestellt hatte (vgl. Urk. 1 S. 4),
was gewisse Zweifel am zeitlichen Ablauf zwischen Entschluss zur Anzeigeerstat-
tung und den vorgebrachten "Belästigungen" durch den Beschuldigten (Vorspra-
che bei der Privatklägerin am Mittag desselben Tages, Treffen des Beschuldigten
in der Bar am gleichen Abend) aufkommen lässt. Bedauerlicherweise wurde das
Telefon der Privatklägerin 2 nicht ausgewertet, so dass heute die von ihr be-
haupteten Anrufe und der Inhalt der SMS des Beschuldigten nicht mehr verifiziert
werden können.
7.6.3. Aufhorchen lässt das Verhalten der Privatklägerin 2 dahingehend, als sie,
nackt im Gang, Einlass in das Hotelzimmer verlangte. Der Hotelangestellte
K._, der u.a. aufgrund von Lärmbelästigungsklagen anderer Hotelgäste im
4. Stock Nachschau hielt, fand die Privatklägerin nackt, ziemlich aufgebracht und
"hässig" am Herumschreien. Er schilderte, die Privatklägerin habe dabei mit der
Hand an die Zimmertüre geschlagen und ziemlich laut geschrien "mach auf", „gib
mir die Kleider" (vgl. Urk. 15/1 S. 3). Nachdem die Privatklägerin 2 schilderte,
- 33 -
dass es ihr unter dem Vorwand, duschen zu wollen, gelungen war, das Hotelzim-
mer zu verlassen, was ihr vorher vom Beschuldigten – nach ihrer Darstellung –
verwehrt worden war, ist es nicht nachvollziehbar, dass sie – selbst unter Berück-
sichtigung der Tatsache, dass sie unbekleidet war – nach sozusagen "gelungener
Flucht" wieder ins Zimmer, wo sich der Beschuldigte aufhielt, zurückgehen wollte.
Darauf machte auch der Verteidiger in seiner Berufungsbegründung aufmerksam
(vgl. vorne Ziff. 4.2.3.).
7.7. Zu guter Letzt wirft das Verhalten der Privatklägerin 2 nach der Tat im
Hotelzimmer und bei der Anzeigeerstattung diverse Fragen auf, die im Folgenden
näher zu erläutern sind.
7.7.1. Vorauszuschicken ist, dass die Privatklägerin 2 – so wie der Beschuldigte –
in jener Nacht Kokain konsumierte. Weiter steht fest, dass verschiedene alkohol-
haltige Getränke aus der Minibar konsumiert wurden (vgl. ND 1 Urk. 4/1: 2 Biere à
33 cl, 1 Whisky Johnnie Walker à 5 cl, 1 Wodka à 5 cl und 1 Gin Gordon's à 5 cl),
wobei hier die Darstellungen der Beteiligten zum Alkoholkonsum stark diver-
gieren. Zur Menge des Kokainkonsums erklärte die Privatklägerin 2, man habe
2,5 Gramm je zur Hälfte konsumiert (vgl. Urk. 5 S. 7), bzw. sie habe ca. zwei
Linien konsumiert bzw. sie habe davon weniger konsumiert als der Beschuldigte
(Prot. I S. 38-39).
7.7.2. Den beiden chemisch-toxikologischen Gutachten vom 3. September 2009
betreffend den Beschuldigten (vgl. Urk. 18/5) und die Privatklägerin (vgl.
Urk. 19/5) ist zu entnehmen, dass deren immunochemische Vortests auf Kokain
bzw. Kokain-Metaboliten im Urin stark positiv ausfielen. Ob im Ereigniszeitraum
eine Kokain-Wirkung vorlag, war indessen nicht mehr eruierbar, da die Blut- und
Urinentnahme mehr als 30 Stunden nach dem Konsum erfolgte. Auch die chemi-
sche Untersuchung des peripheren Blutes ergab sowohl bei der Privatklägerin 2
als auch beim Beschuldigten 0.00 Gewichtspromille Trinkalkohol (vgl. Urk. 19/5
S. 2 und 18/5 S. 2), wobei bei beiden eine Alkoholisierung im Zeitraum des Ereig-
nisses nicht ausgeschlossen werden konnte. In den erwähnten Gutachten wird
festgehalten, dass Kokain grundsätzlich folgende Wirkungen hat: psychische und
motorische Erregung, Enthemmung, Euphorie, erhöhte Risikobereitschaft, An-
- 34 -
triebssteigerung, Aggressionen, Verfolgungswahn, Stimmungs- und Wahrneh-
mungsveränderungen - insbesondere ein psychisches Tief ("Down"), verbunden
mit Erschöpfung und Reizbarkeit beim Nachlassen der Wirkung (Vgl. Urk. 19/5
und 18/5 beide S. 3).
7.7.3. Der psychische Zustand der Privatklägerin 2 unmittelbar nach den dem Be-
schuldigten vorgeworfenen sexuellen Übergriffen ist durch diverse Zeugen doku-
mentiert. Der Hotelangestellte K._ berichtete, die Privatklägerin 2 habe nackt
im Flur gestanden und herumgeschrien. Sie habe an die Zimmertür geschlagen
und vom Beschuldigten verlangt, dass er die Zimmertür aufmache und ihr die
Kleider gebe. Die Privatklägerin 2 habe immer noch geschrien, als er von seinem
Gang zur Rezeption wieder zurückgekehrt sei. Sie habe immer wieder das Glei-
che wiederholt, nämlich, der Beschuldigte habe sie geschlagen, er habe Drogen
genommen, Flaschen kaputt gemacht und gerufen, der Beschuldigte solle aufhö-
ren zu lachen, wobei sie zwischendurch selber habe schmunzeln müssen. Weiter
habe die Privatklägerin 2 dem Beschuldigten eine – nicht speziell feste – Ohrfeige
gegeben (vgl. Urk. 15/1 S. 2 ff.). Seiner Meinung nach habe die Privatklägerin 2
keine Angst vor dem Beschuldigten gehabt. Die herbeigerufene Polizeibeamtin
G._ fand die Privatklägerin 2 im Zimmer, wo ein riesiges Chaos geherrscht
habe, auf dem Bett sitzend vor. Nach Darstellung dieser Zeugin habe die Privat-
klägerin 2 gelacht und herumgeschrien (Urk. 13/1 S. 2 ff.), sie sei völlig aufge-
bracht und hysterisch gewesen. Die Zeugin deponierte, nicht den Eindruck gehabt
zu haben, dass die Privatklägerin Angst vor dem Beschuldigten gehabt hätte, zu-
mal sie ihn auch angeschrien und gegen ihn gestichelt habe. Die Privatklägerin 2
habe Gefühlsschwankungen gehabt. Die Zeugin G._ berichtete weiter, auf
den Drogenkonsum zurückgeführt zu haben, dass die Privatklägerin 2 sich nicht
wie ein erwachsener Mensch habe benehmen können (vgl. Urk. 13/1 S. 7 vgl.
zum Ganzen auch Urk. 116 S. 3 ff.). Der weitere an jenem frühen Morgen ausge-
rückte Polizeibeamte H._ führte aus, die Privatklägerin 2 sei bei seinem Ein-
treffen im Bett unter einer Decke gewesen, der Beschuldigte habe im Raum ge-
standen. Der Beschuldigte sei sehr ruhig und kooperativ, die Privatklägerin 2 hin-
gegen aufgedreht und sehr laut gewesen. Sie habe immer wieder geschwankt
zwischen aufgebracht sein, aggressiv sein und lachen. Auch dieser Zeuge sagte,
- 35 -
nicht den Eindruck gehabt zu haben, dass die Privatklägerin Angst vor dem Be-
schuldigten gehabt habe (vgl. Urk. 14/1 S. 2 ff, Urk. 117 S. 5).
7.7.4. Aber nicht nur die oben aufgeführten Zeugen, sondern auch die mit der
Anzeigeerstattung der Privatklägerin 2 und mit der Verhaftung des Beschuldigten
befassten Polizeibeamten äusserten sich zum sonderbaren Verhalten der Privat-
klägerin.
7.7.4.1. Die Polizeibeamtin L._ hatte am 4. August 2009 die Strafanzeige der
Privatklägerin 2 entgegen genommen und die erste Befragung der Privatklägerin
(Urk. 5) durchgeführt. Das Verhalten der Privatklägerin 2 veranlasste sie zu fol-
genden Bemerkungen im Polizeirapport: "C._ zeigte sich während der Ein-
vernahme nachdenklich und dann wieder inadäquat fröhlich. Während der Befra-
gung und ihren mündlichen Ausführungen lächelte die Geschädigte immer wieder.
Eine chronologische Befragung mit der Geschädigten war kaum bis gar nicht
möglich. Die Geschädigte schien nichts zu hinterfragen betreffend Leben und
Aussagen von A._ und gab sich sehr naiv." (vgl. Urk. 1 S. 5). Als Zeugin be-
fragt (vgl. Urk. 115), bestätigte sie ihre Bemerkungen im Polizeirapport. Sie präzi-
sierte, die Privatklägerin habe ein sehr starkes Wechselspiel der Gefühle gezeigt.
Sie habe manchmal nicht nachvollziehbar fröhlich gewirkt oder genauer gesagt
ein Lachen gezeigt. Die Zeugin wiederholte, sie habe das Verhalten der Privatklä-
gerin 2 inadäquat gefunden, eine ernsthafte Angst der Privatklägerin 2 vom Be-
schuldigten habe sie anlässlich der Einvernahme nicht gespürt; sie habe ihre
Schilderungen eher nicht für glaubhaft gehalten (vgl. Urk. 115 S. 5).
7.7.4.2. Die Polizeibeamtin M._, die im Zusammenhang mit der Verhaftung
des Beschuldigten mit der Privatklägerin 2 am 4. August 2009 in Kontakt trat, ver-
fasste zuhanden der Staatsanwaltschaft einen Wahrnehmungsbericht (Urk. 4). In
diesem schilderte sie die Umstände im Vorfeld sowie anlässlich der Verhaftung.
Dabei gab sie an, die Privatklägerin sei in diesem Zusammenhang nach dem
möglichen Aufenthaltsort des Beschuldigten befragt worden. Im Verlaufe dieser
Diskussion habe die Privatklägerin ständig gegrinst und sich schlussendlich dazu
bereit erklärt, den Beschuldigten per SMS zu kontaktieren und ihn zu einem Tref-
fen zu bewegen, damit er festgenommen werden könne. Dies sei letztlich jedoch
- 36 -
nicht nötig gewesen, da man den Beschuldigten an dessen Arbeitsort habe ver-
haften können (Urk. 4 S. 2). Die Polizeibeamtin wurde am 16. Oktober 2014 auch
noch als Zeugin einvernommen (Urk. 119). Gemäss ihren Aussagen habe sich die
Privatklägerin damals nicht durchringen können, den Beschuldigten anzurufen
und ihn zum vorgesehenen Treffpunkt zu bestellen. Sie sei nicht wirklich koopera-
tiv gewesen. Das Verhalten der Privatklägerin habe sie etwas befremdet. Sie ha-
be den Eindruck gehabt, dass ihr gar nicht so viel daran gelegen habe, dass der
Beschuldigte verhaftet würde. Sie habe Zweifel am Sachverhalt gehabt, weil die
Privatklägerin die ganze Zeit "blöde gegrinst" habe. Sie habe nicht den Eindruck
gehabt, die Privatklägerin hätte Angst vor dem Beschuldigten gehabt (Urk. 119
S. 4 f.).
7.7.5. Die oben wiedergegebenen Schilderungen der Polizeibeamten zum Verhal-
ten der Privatklägerin 2 sowohl anlässlich der Begegnung im Hotelzimmer als
auch anlässlich der Anzeigeerstattung sind aussergewöhnlich. Für alle involvier-
ten Polizeibeamten war das Verhalten der Privatklägerin 2 jedenfalls nicht situa-
tionsadäquat. Mit Bezug auf die Wertungen der Zeuginnen L._ und M._,
die Zweifel am Sachverhalt, mithin an der Glaubhaftigkeit der Darstellung der Pri-
vatklägerin2 äusserten, ist festzuhalten, dass die Würdigung der Aussagen nicht
Sache der Zeugen, sondern des Gerichts ist. Indessen ist der Vorinstanz zuzu-
stimmen, dass gerade Polizeibeamte regelmässig mit Ausnahmesituationen wie
der Vorliegenden konfrontiert werden und dass sie daher nicht zuletzt auch über
einen entsprechenden Erfahrungsschatz verfügen, der es ihnen erlaubt, Reaktio-
nen und Verhaltensweisen zu interpretieren (vgl. Vorinstanz in Urk. 175 S. 45).
Insofern sind diese Wertungen nicht einfach bedeutungslos.
7.7.6. Die Vorinstanz hielt dafür, für das "ambivalente" Verhalten der Privat-
klägerin 2 liessen sich durchaus Erklärungen finden und zählte solche auch auf
(vgl. Urk. 175 S. 45). Die Erklärungsversuche vermögen das aussergewöhnliche
Benehmen der Privatklägerin nicht auszuräumen und sind letztlich Spekulation.
Nachdem die ausgerückten Polizeibeamten die Privatklägerin 2 im Hotelzimmer
im Bett angetroffen hatten, wobei sich der Beschuldigte zum selben Zeitpunkt
ebenfalls im Zimmer aufhielt, sie ihm mithin entgegen der Vorinstanz sehr wohl
- 37 -
noch ausgeliefert war, ist die Frage, ob die Privatklägerin 2 Angst vor dem Be-
schuldigten hatte oder nicht, doch von Belang. Gegen Angstgefühle der Privatklä-
gerin vor dem Beschuldigten spricht zudem die schon oben erwähnte Beobach-
tung des Hotelangestellten K._ (Schlagen gegen die Zimmertür und bitten
um Einlass, nachdem die Flucht aus dem Zimmer erst gelungen war). Die von der
Vorinstanz zitierte Erklärung der Privatklägerin 2, sie habe in Anwesenheit der
Polizei herumgeschrien, weil sie vorher nichts habe machen können, weil sie so
lange machtlos gewesen sei, überzeugt ebenso wenig. Denn fest steht, dass die
Privatklägerin 2 bereits lange vor Erscheinen der Polizei im Flur herumgeschrien
hatte, weswegen es eher nachvollziehbar gewesen wäre, dass sie nach der An-
kunft der Polizeibeamten damit aufgehört hätte. Damit bleibt die Frage nach wie
vor offen, ob ihr Verhalten nicht hauptsächlich eine Auswirkung ihres Kokainkon-
sums war. Schliesslich vermutete auch die Vorinstanz, dass – nebst einer durch
den Vorfall möglicherweise ausgelösten Traumatisierung – die fehlende Konstanz
in den Ausführungen der Privatklägerin 2 möglicherweise auf den Kokainkonsum
zurückzuführen ist (vgl. Urk. 175 S. 22).
7.7.7. In diese Richtung äusserte sich auch die Verteidigung vor Vorinstanz. Sie
machte geltend, es gebe deutliche Hinweise für eine offenkundige Psychose der
Privatklägerin 2, zumal ihr Verhalten zeitweise ein psychotisches Mass erlangt
habe, was auch die Polizeibeamten befremdet hätte (vgl. Urk. 158 S. 45 ff und
Prot. I S. 44 f.). Auch im Berufungsverfahren wies der Verteidiger auf eine mög-
liche Trübung der Aussagen der Privatklägerin 2 infolge eines Alkohol- und Koka-
inexzesses hin (Urk. 206 S. 32, vgl. vorne Ziff. 4.2.3.). Es wurde oben dargetan,
welche Wirkungen der Konsum von Kokain entfalten kann (vgl. Urk. 18/5 S. 3).
Demnach sind psychische und motorische Erregung, Enthemmung, Euphorie, er-
höhte Risikobereitschaft, Antriebssteigerung, Aggressionen, Verfolgungswahn,
Stimmungs- und Wahrnehmungsveränderungen - insbesondere ein psychisches
Tief ("Down"), verbunden mit Erschöpfung und Reizbarkeit beim Nachlassen der
Wirkung möglich. Welche Wirkung der Kokainkonsum bei der Privatklägerin 2 ent-
faltete, ist heute – zumal nicht einmal die Menge des konsumierten Stoffs bekannt
ist – nicht mehr verlässlich abzuklären (vgl. oben zu den Beweisanträgen).
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7.8. Zusammenfassend ist festzustellen, dass insbesondere die Darstellungen
der Privatklägerin 2 über die ihr gegenüber verübten Gewaltanwendungen nicht
mit den vom IRM festgestellten Verletzungsbildern in Einklang gebracht werden
können. Weiter offenbarte das Verhalten der Privatklägerin 2 nach den Beobach-
tungen von verschiedenen unabhängigen Zeugen an jenem Tag und bei der An-
zeigeerstattung aussergewöhnliche Verhaltensauffälligkeiten, so dass zusammen
mit den dargelegten Qualitätsdefiziten in ihren Aussagen ein Abstellen auf diese
– in Beachtung des Grundsatzes im Zweifel zugunsten des Beschuldigten – als
nicht opportun erscheinen muss. Dies bedeutet indessen nicht, dass die Privat-
klägerin 2 den Beschuldigten – wie dieser insinuiert – wissentlich ein ihr nicht wi-
derfahrenes Unrecht zur Anzeige brachte, denn dafür sind den Akten keinerlei
Anhaltspunkte zu finden. Letztlich muss damit aber auch offen bleiben, was in
jener Nacht tatsächlich passierte. Dies führt zum vollumfänglichen Freispruch,
wobei es sich bei diesem Stand der Dinge erübrigt, auf die weiteren Beweismittel
einzugehen.
IV. Zivilansprüche
Genugtuungsforderung der Privatklägerin 2
Nachdem vorliegend der Beschuldigte freizusprechen, der Sachverhalt indessen
nicht spruchreif ist, ist auf das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin 2 nicht
einzutreten (Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO).
V.Kosten und Entschädigungsfolge
1. Allgemeines
Die Auflage der Kosten und die Zusprechung einer Entschädigung im Rechtsmit-
telverfahren erfolgen in der Regel im Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen
der Verfahrensbeteiligten (Art. 428 Abs. 1 StPO). Im Berufungsverfahren unter-
liegt die Staatsanwaltschaft mit ihrem Antrag auf Verschärfung des erstinstanzli-
chen Urteils. Demgegenüber obsiegt der Beschuldigte mit seinen Anträgen voll-
umfänglich. Die Privatklägerschaft hat das erstinstanzliche Urteil nicht angefoch-
- 39 -
ten und im Berufungsverfahren auf das Stellen von Anträgen verzichtet, weshalb
sie keine Kostenpflicht treffen kann.
2. Kosten
Angesichts des Ausgangs des Prozesses besteht kein Raum für eine Kostenauf-
lage an den Beschuldigten. Damit sind die Kosten der Untersuchung und der ge-
richtlichen Verfahren in beiden Instanzen, einschliesslich derjenigen der amtlichen
Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin 2, auf
die Gerichtskasse zu nehmen.
3. Schadenersatz
3.1. Die Verteidigung beantragte, es sei dem Beschuldigten zur Kompensation
seines Arbeitsverdienstes eine Entschädigung nach richterlichem Ermessen zu-
zusprechen, wobei sich pro Monat eine Entschädigung von Fr. 3'000.-- und damit
insgesamt ein Betrag von Fr. 9'000.-- als Schadenersatz rechtfertige (Urk. 206
S. 2, S. 88 f.).
3.2. Nach Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO steht dem Beschuldigten ein Anspruch auf
Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen zu, die ihm aus seiner notwendigen
Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind.
3.3. Der Beschuldigte machte in der Untersuchung geltend, zur Tatzeit einen
monatlichen Verdienst von Fr. 4'000.-- erzielt zu haben. Angesichts der durch die
Haft eingesparten Auslagen (so z.B. Miete und Verpflegung) erscheint eine Ent-
schädigung von monatlich Fr. 3'000.-- für wirtschaftliche Einbussen während der
Haft als angemessen, weshalb ihm ausgehend von einer knapp dreimonatigen
Haft der Betrag von Fr. 9'000.-- zuzusprechen ist.
4. Genugtuung
4.1. Gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO ist einem Beschuldigten dann eine
Genugtuung auszurichten, wenn er in dem gegen ihn geführten Strafverfahren
besonders schwer in seinen persönlichen Verhältnissen verletzt wurde. Dass ein
Freiheitsentzug einen besonders schweren Eingriff in die persönlichen Ver-
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hältnisse darstellt und einen Genugtuungsanspruch des Betroffenen auslöst, geht
explizit aus der genannten Gesetzesvorschrift hervor.
4.2. Die Festlegung der Höhe der Genugtuung beruht auf richterlichem Ermes-
sen. Bei dessen Ausübung ist den Besonderheiten des Einzelfalls Rechnung zu
tragen. Zu berücksichtigen sind alle Umstände, auch die Schwere des vorge-
worfenen Delikts sowie die Auswirkungen der Haft auf die persönliche Situation
des Verhafteten und die Belastung durch das Verfahren.
4.3. Mit den erhobenen Vorwürfen wurde gegen den Beschuldigten ein
schwerwiegender Tatverdacht erhoben. Konkret stand aufgrund der Anträge der
Staatsanwaltschaft eine dreijährige Freiheitsstrafe zur Debatte, womit sich der
Beschuldigte mit einschneidenden Konsequenzen bedroht sah. Der Beschuldigte
verbrachte vom 4. August 2009 bis zum 2. November 2009, mithin 90 Tage, in
Haft. Der Beschuldigte machte geltend, nach der Haftentlassung im November
2009 psychisch krank geworden zu sein, welche Erkrankung er als Folge des vor-
liegenden Strafverfahrens bezeichnet (vgl. Bericht Dr. med. O._, Urk. 155).
Für die Haftdauer von 90 Tagen rechtfertigt es sich somit, entsprechend dem An-
trag der Verteidigung (Urk. 206 S. 88), dem Beschuldigten eine Genugtuung von
Fr. 9'000.-- aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
5. Entschädigung amtliche Verteidigung im Berufungsverfahren
Der amtliche Verteidiger reichte mit Eingabe vom 11. Mai 2016 die Honorarnote
für seine Aufwendungen im Berufungsverfahren bis und mit 8. Mai 2016 ein
(Urk. 201). An der Berufungsverhandlung gab der Verteidiger seine aktualisierten
Aufwendungen unter Einrechnung des geschätzten Aufwands für die Berufungs-
verhandlung bekannt (vgl. Urk. 204). Die geltend gemachten Aufwendungen sind
ausgewiesen, wobei eine Reduktion des Zeitaufwands für die Berufungsverhand-
lung vorzunehmen ist. Der amtliche Verteidiger ist damit für das Berufungs-
verfahren mit Fr. 13'500.-- (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
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6. Entschädigung unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin 2
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin 2 bezifferte ihren Aufwand
mit Honorarnote vom 13. Mai 2016 (Urk. 203) auf Fr. 941.85 (inkl. MwSt.). Die
geltend gemachten Aufwendungen sind ausgewiesen, so dass die unentgeltliche
Rechtsvertreterin für das Berufungsverfahren, unter Hinzurechnung der Aufwen-
dungen für die Berufungsverhandlung und die Urteilsbesprechung mit der Privat-
klägerin, mit Fr. 2'400.-- (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist.