Decision ID: 8192dfb8-d0f7-4d1a-bff8-bbb3917b3c22
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._, geboren 1995, meldete sich am 10. April 2013 im Alter von knapp
18 Jahren erstmals wegen psychischer Probleme bei der IV-Stelle des
Kantons Graubünden zum Bezug von Leistungen an. Ihr behandelnder
Psychiater hatte im November 2012 eine Schizophrenie diagnostiziert und
es hatten zwei stationäre Behandlungen durch die P._
stattgefunden. Mit Verfügung vom 11. Dezember 2013 trat die IV-Stelle
auf das Leistungsbegehren aufgrund fehlender Mitwirkung nicht ein.
Dieser Entscheid blieb unangefochten.
2. Am 5. August 2014 meldete sich A._ erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an. In der Folge fanden Eingliederungsmassnahmen statt. Von
März 2015 bis Juli 2015 absolvierte A._ ein Arbeitstraining bei der
B._ und am 1. August 2015 begann sie dort eine Lehre als
Blumenbindemitarbeiterin. Diese Lehre brach sie nach dem ersten Jahr
wegen einer Schwangerschaft ab, was den Abschluss der beruflichen
Massnahme zur Folge hatte. Am 3. Dezember 2016 kam ihre Tochter zur
Welt. Vom 18. Dezember 2016 bis zum 27. Januar 2017 wurde sie zum
dritten Mal stationär von den P._ behandelt.
3. Im Frühjahr 2017 wurde die berufliche Massnahme wiederaufgenommen
und am 10. November 2017 fand eine erste Haushaltabklärung statt.
A._ wurde von der IV-Stelle durch Berufsberatung sowie durch ein
Bewerbungs- und Jobcoaching unterstützt und machte von November
2017 bis Juli 2018 ein Arbeitstraining bei der G._ GmbH. Am 1.
August 2018 konnte sie bei dieser Firma eine Ausbildung zur
Detailhandelsassistentin Fachrichtung Garten EBA beginnen. Nach rund
neun Monaten wurde der Lehrvertrag am 6. Mai 2019 aufgelöst und mit
Verfügung vom 15. Juli 2019 wurde die berufliche Massnahme
abgebrochen.
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4. Im Frühjahr 2017 heiratete A._ den Vater ihrer Tochter in seinem
Heimatland L._, nachdem er im Herbst 2016 kurz vor der Geburt des
gemeinsamen Kindes aus der Schweiz ausgewiesen worden war. Im
Herbst 2018 konnte der Ehemann wieder in die Schweiz einreisen und die
Familie bezog eine gemeinsame Wohnung.
5. Im Auftrag der IV-Stelle wurde A._ vom Psychiater Dr. med. C._
von den Kliniken D._ untersucht. Mit Gutachten vom 12. Februar
2020 diagnostizierte er eine Hebephrene Schizophrenie mit aktuell
oligosymptomatischem Verlauf. Weitere Eingliederungsmassnahmen hielt
er nicht für erfolgversprechend und die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen
und in einer adaptierten einfachen Hilfstätigkeit schätzte er auf 50 %,
verteilt auf 6.5 Stunden pro Arbeitstag. Das Gutachten umfasste ein
neuropsychologisches Teilgutachten, in welchem A._ ein kognitives
Leistungspotential im Bereich einer Lernbehinderung mit leichten
neuropsychologischen Funktionsdefiziten attestiert wurde.
6. Mit Vorbescheid vom 17. März 2020 sah die IV-Stelle eine Ablehnung des
Rentenbegehrens vor. Auf Einwand von A._ veranlasste sie eine
zweite Haushaltabklärung. Diese fand am 20. August 2020 statt und ergab
eine Einschränkung von 4.25 %. Mit Vorbescheid vom 16. September
2020 sah die IV-Stelle erneut die Ablehnung des Rentenbegehrens vor.
Am 26. Oktober 2020 erhob A._ hiergegen Einwand.
7. Mit Verfügung vom 4. Dezember 2020 wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren ab. Der Invaliditätsgrad liege bei 27.6 %. Im Bereich
Erwerb liege er bei 51 % (Valideneinkommen CHF 56'597.00,
Invalideneinkommen CHF 27'808.00), im Bereich Haushalt bei 4.25 %. Bei
einer Gewichtung von je 50 % ergebe sich für den Bereich Erwerb ein
Teilinvaliditätsgrad von 25.5 %, für den Bereich Haushalt ein solcher von
2.1 %. Es sei davon auszugehen, dass A._ im Gesundheitsfall zu 50
% erwerbstätig wäre. Bei der Abklärung durch den Gutachter Dr. med.
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C._ habe sie gesagt, sie könne sich keine höhere Erwerbstätigkeit als
50 % ausserhause vorstellen. Diese Aussage sei als "Aussage der ersten
Stunde" glaubwürdiger als die spätere Aussage bei der Haushaltabklärung
am 20. August 2020, wonach sie als Gesunde zu 80 % erwerbstätig wäre.
Dies umso mehr, als sie nun seit November 2020 ein zweites Kind habe.
8. Gegen diese Verfügung erhob A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) am 18. Januar 2021 Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Sie beantragte die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprache einer Rente.
In formeller Hinsicht beantragte sie die Durchführung eines zweiten
Schriftenwechsels und die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, sie
wäre im Gesundheitsfall zu 80 % erwerbstätig und für das
Valideneinkommen sei auf den Tabellenwert für Geburts- und Frühinvalide
abzustellen, da sie aus gesundheitlichen Gründen keinen Berufsabschluss
habe erzielen können. Sie stellte auch die gutachterlich festgestellte
Arbeitsfähigkeit und damit das Invalideneinkommen in Frage.
9. Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte in ihrer
Vernehmlassung vom 9. Februar 2021 die Abweisung der Beschwerde.
Die Beschwerdeführerin habe erst in Kenntnis der Folgen und nach
Beratung durch die H._ Graubünden angegeben, dass sie im
Gesundheitsfall zu 80 % erwerbstätig wäre. Da dränge sich der Verdacht
auf, dass Überlegungen versicherungsrechtlicher Natur diesen
Sinneswandel bewirkt hätten. Die Beschwerdegegnerin legte eine
Checkliste der H._ Graubünden zur Vorbereitung auf eine
Haushaltabklärung bei, welche eine Empfehlung zur Angabe einer 80 bis
100%igen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall enthielt. Weiter machte die
Beschwerdegegnerin geltend, vorliegend würden die Umstände – Familie
mit zwei kleinen Kindern – klar für eine reduzierte Erwerbstätigkeit
sprechen. Dem Valideneinkommen als Frühinvalide stimmte die
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Beschwerdegegnerin zu und bezüglich Invalideneinkommen führte sie
aus, es seien keine Anhaltspunkte ersichtlich, welche das psychiatrische
Gutachten erschüttern und damit die Arbeitsfähigkeit bzw. das
Invalideneinkommen in Frage stellen würden.
10. Mit Replik vom 24. März 2021 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen fest. Sie machte geltend, ihr Gesundheitsschaden sei nicht erst
am 23. Mai 2014 mit der dritten Hospitalisation eingetreten, sondern
spätestens mit dem ersten Klinikeintritt am 31. März 2012. Bei der
gutachterlich attestierten Arbeitsfähigkeit sei zu berücksichtigen, dass sie
ein höheres zeitliches Pensum einsetzen müsse, im Rahmen eines
50%igen zeitlichen Pensums könne sie nur eine Leistung von 31 %
erbringen. Die Beschwerdeführerin beanstandete sodann das Ergebnis
der Haushaltabklärung. Gesamthaft ergebe sich im Haushalt eine
Einschränkung von 20.5 %. Im Gesundheitsfall wäre sie gezwungen, ein
mindestens 80%iges Arbeitspensum zu haben, da die Erwerbssituation
des Ehemannes nicht stabil sei und sein Einkommen für die Familie nicht
ausreiche. Das Valideneinkommen als Frühbehinderte sei auf Basis 2020
auf CHF 83'500.00 festzulegen. Auch das Invalideneinkommen sei zu
korrigieren, ihr stünden nur noch Tätigkeiten am untersten Spektrum der
Hilfstätigkeiten offen. Der LSE Wert sei um mindestens 15 % zu
reduzieren, so dass das Invalideneinkommen bei maximal CHF 47'274.00
liege. So resultiere bei einem Erwerbsanteil von 80 % ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 70 %, bei einem Erwerbsanteil
von 50 % ein solcher von 51.5 %.
11. Die Beschwerdegegnerin hielt mit Duplik vom 6. April 2021 an ihren
Anträgen fest. Sie erwiderte, der Gesundheitsschaden habe erst mit dem
Klinikeintritt am 23. Mai 2014 eine relevante Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit gehabt. Es sei nicht zu beanstanden, dass sie bei der
Ermittlung des Invalideneinkommens von einer 50%igen
Leistungsfähigkeit ausgegangen sei. Zum Ergebnis der
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Haushaltabklärung gab sie an, die Abklärungsexpertin habe
nachvollziehbar festgehalten, dass die tatsächlich von den
Familienangehörigen geleisteten Hilfen nicht oder nur teilweise
angerechnet werden könnten.
Auf die weiteren Ausführungen in der angefochtenen Verfügung und in
den Rechtsschriften sowie auf die im Recht liegenden Beweismittel wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Die im vorliegenden Fall angefochtene Verfügung der IV-Stelle
des Kantons Graubünden (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 4.
Dezember 2020 stellt demnach ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein
Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
(nachfolgend: Verwaltungsgericht) dar. Die sachliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts als Versicherungsgericht ergibt sich aus Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 49
Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100). Die Beschwerdeführerin ist als formelle und materielle
Adressatin von der angefochtenen Verfügung berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung (Art. 59
ATSG), weshalb sie zur Beschwerde legitimiert ist. Auf die zudem frist-
und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG)
ist somit einzutreten.
2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht verneint hat. Uneinig
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sind sich die Parteien in der Frage des Zeitpunkts eines allfälligen
Rentenbeginns (siehe nachfolgend Erwägung 3 ff.). Umstritten ist auch
das Invalideneinkommen beziehungsweise die Gewichtung der
Tätigkeitsbereiche Erwerb und Haushalt (siehe unten Erwägungen 4 ff.
und 6 ff.). Zu prüfen ist weiter die Arbeitsfähigkeit (siehe unten Erwägung
5), die Einschränkung im Tätigkeitsbereich Haushalt/Familie (siehe unten
Erwägung 9 ff.) und das Valideneinkommen (siehe unten Erwägung 7 ff.).
Einig sind sich die Parteien darin, dass das Gutachten von Dr. med.
C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 12.
Februar 2020 (IV-act. 175) eine taugliche Grundlage für die Festlegung
der Arbeitsfähigkeit und der leidensangepassten Tätigkeiten darstellt. Für
die Beantwortung der streitigen Fragen ist der Sachverhalt zu
berücksichtigen, der sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung am
4. Dezember 2020 verwirklicht hat und anwendbar sind in zeitlicher
Hinsicht diejenigen materiellen Rechtssätze, die bei der Erfüllung des zu
Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 143 V 409
E.2.1 und 132 V 215 E.3.1.1; Urteile des Bundesgerichts 8C_43/2021 vom
27. April 2021 E.2.1 und 9C_663/2018 vom 12. Februar 2019 E.4).
Massgeblich ist der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 144 V 427 E.3.2).
3. Geklärt wird zuerst die Frage des Beginns eines allfälligen
Rentenanspruchs. Die Beschwerdegegnerin ist der Ansicht, ein Anspruch
könne frühestens ein Jahr nach dem Beginn der stationären Behandlung
durch die P._ am 23. Mai 2014 entstanden sein. Die
Beschwerdeführerin hält dafür, dass spätestens mit dem ersten
Klinikeintritt am 31. März 2012 von einem relevanten
Krankheitsgeschehen auszugehen sei.
3.1. Gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG hat eine Versicherte erst Anspruch auf
eine Rente, nachdem sie während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig
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gewesen ist. Ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit liegt vor,
wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden
Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29ter der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Als Arbeitsunfähigkeit gilt dabei
die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im
bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Art.
6 ATSG).
3.2. Hätte das Wartejahr, wie die Beschwerdeführerin geltend macht, mit dem
erstmaligen Klinikeintritt am 31. März 2012 begonnen, so wäre es
unterbrochen worden. Vom 1. August 2012 bis zum 21. November 2012
hatte die Beschwerdeführerin eine Lehrstelle als Detailhandelsfachfrau
EFZ bei E._ in einem vollen Arbeitspensum inne (IV-act. 2 S. 1 und
12). Sie war also fast vier Monate lang voll arbeitsfähig, mithin deutlich
länger als die für einen Unterbruch erforderlichen 30 Tage. Der Sichtweise
der Beschwerdeführerin kann deshalb nicht gefolgt werden. Aber auch die
Sichtweise der Beschwerdegegnerin trifft nicht zu. Stattdessen fällt der
Beginn des Wartejahres auf den 21. November 2012, aus den
nachfolgend dargelegten Gründen.
3.3. Am 21. November 2012 begab sich die Beschwerdeführerin in die
Behandlung von Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, welcher eine paranoide Schizophrenie
diagnostizierte (ICD-10 F20.0) und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis
auf Weiteres attestierte (IV-act. 13 S. 2 ff.). In der Folge wurde die
Beschwerdeführerin vom 18. Januar 2013 bis zum 25. Januar 2013
stationär durch die P._ behandelt (IV-act. 13 S. 8 ff.), danach
besuchte sie die Tagesklinik. Ihr Zustand besserte sich vorübergehend, so
dass Dr. med. F._ für die Zeit ab dem 22. April 2013 eine 75%ige
Arbeitsunfähigkeit attestierte (IV-act. 21 S. 3). Ab dem 9. Mai 2013
schätzte er die Arbeitsunfähigkeit wieder mit 100 % bis auf Weiteres ein
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(IV-act. 20). Die Beschwerdeführerin brach ihre Lehre ab und war in der
Folge nicht erwerbstätig und weder für ihre Eltern noch für die
Beschwerdegegnerin erreichbar (IV-act. 22 und 25). Die psychiatrische
Behandlung erfuhr Unterbrüche, da die Beschwerdeführerin nach der
Umschreibung ihres Psychiaters "teilweise vermisst" war (IV-act. 37 S. 2).
Dieser Zustand dauerte an, bis am 23. Mai 2014 eine weitere
Hospitalisation bei den P._ nötig wurde. Ab dem 21. November
2012 war die Beschwerdeführerin demnach ohne wesentlichen
Unterbruch zu 100 oder 75 % arbeitsunfähig. Am 21. November 2013 war
das Wartejahr deshalb erfüllt.
3.4. Der Beginn eines allfälligen Rentenanspruchs hängt indessen nicht nur
vom Wartejahr ab, sondern steht auch in Zusammenhang mit dem
Zeitpunkt der Anmeldung bei der IV. Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht
der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach der
Anmeldung zum Bezug von Leistungen bei der zuständigen IV-Stelle. Die
Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der
Rentenanspruch entsteht (Art. 29 Abs. 3 IVG). Vorliegend meldete sich die
Beschwerdeführerin erstmals am 10. April 2013 zum Bezug von
Leistungen der IV an (IV-act. 5). Diese Anmeldung ist vorliegend nicht
relevant, da die Beschwerdegegnerin mit rechtskräftiger Verfügung vom
11. Dezember 2013 mangels Mitwirkung nicht auf das Leistungsbegehren
eintrat (IV-act. 28). Abzustellen ist auf die zweite Anmeldung vom 5.
August 2014 (IV-act. 30). Die Beschwerdeführerin kann demnach unter
Berücksichtigung der sechsmonatigen Frist frühestens ab dem 1. Februar
2015 Anspruch auf Auszahlung einer Rente haben.
3.5. Gemäss Art. 29 Abs. 2 IVG entsteht der Anspruch auf eine Rente nicht,
solange die versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG
beanspruchen kann. Dies steht in Zusammenhang damit, dass in der IV
der Grundsatz "Eingliederung vor Rente" gilt. Die
Eingliederungsmassnahmen gehen den Renten grundsätzlich vor. Ein
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Rentenanspruch besteht in der Regel so lange nicht, als von
Eingliederungsmassnahmen eine rentenbeeinflussende Änderung
erwartet werden kann (Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG, Kreisschreiben über die
Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH] Rz. 1045).
Im vorliegenden Fall wurden der Beschwerdeführerin im Zeitraum von
März 2015 bis Juli 2019 Eingliederungsmassnahmen und Taggelder
gewährt. So erteilte die Beschwerdegegnerin zu Beginn Kostengutsprache
für ein Arbeitstraining vom 16. März 2015 bis zum 31. Juli 2015 (IV-act.
48) und sprach der Beschwerdeführerin für die Zeit des Arbeitstrainings
Taggelder zu (IV-act. 51). Danach erfolgte die Kostengutsprache für die
erstmalige berufliche Ausbildung als Blumenbindemitarbeiterin bei der
B._ ab dem 1. August 2015 (IV-act. 60) mit entsprechendem Taggeld
(IV-act. 60, 61, 66). Als die Beschwerdeführerin die Ausbildung nach dem
ersten Lehrjahr wegen Schwangerschaft abbrach, wurde die berufliche
Massnahme per 31. Juli 2016 beendet (IV-act. 82). Vier Monate nach der
Geburt der Tochter gewährte die Beschwerdegegnerin Berufsberatung
(IV-act. 90) und erteilte Kostengutsprache für ein halbjähriges
Bewerbungscoaching ab dem 27. April 2017 (IV-act. 93). Diese
Bemühungen führten zu einem Arbeitsversuch bei der G._ GmbH
vom 1. November 2017 bis zum 31. Juli 2018. Die Beschwerdegegnerin
verfügte Kostengutsprache für den Arbeitsversuch (IV-act. 103, 117) und
gewährte Taggelder (IV-act. 104, 109, 118). Anschliessend an den
Arbeitsversuch konnte die Beschwerdeführerin bei der G._ GmbH
eine Lehre als Detailhandelsassistentin Fachrichtung Garten EBA ab dem
1. August 2018 absolvieren. Die Beschwerdegegnerin übernahm die
Kosten für die erstmalige berufliche Ausbildung und ein Job Coaching (IV-
act. 128) und gewährte Taggelder (IV-act. 129, 136). Nachdem die
Beschwerdeführerin die Lehre am 6. Mai 2019 abgebrochen hatte,
verfügte die Beschwerdegegnerin am 15. Juli 2019 den Abschluss der
beruflichen Massnahme (IV-act. 164). Bis zum 15. Juli 2019 konnte der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin demnach infolge von
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Eingliederungsmassnahmen und Taggeldleistungen nicht entstehen.
Termin für einen allfälligen Rentenbeginn ist demnach der 1. Juli 2019.
4. Geprüft wird nun, ob die Beschwerdegegnerin das Invalideneinkommen
korrekt bemessen hat, beziehungsweise ob bei der Anwendung der
gemischten Methode die Bereiche Erwerb und Haushalt richtig gewichtet
wurden. Die rechtlichen Grundlagen dafür präsentieren sich wie folgt.
4.1. Als Invalidität gilt die durch einen körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder
Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit oder Unmöglichkeit, sich im
bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 4 IVG i.V.m. Art. 8 ATSG).
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente, ab
50 % auf eine halbe Rente, ab 60 % auf eine Dreiviertelsrente und ab 70
% auf eine ganze Rente. Bei erwerbstätigen Personen erfolgt die
Bemessung der Invalidität aufgrund eines Einkommensvergleichs (Art.
28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG). Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitslage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Bei
Nichterwerbstätigen wird darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig
sind, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2
IVG). Diese Methode wird Betätigungsvergleich oder spezifische Methode
genannt. Als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Versicherten gilt
dabei die übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Pflege und Betreuung
von Angehörigen (Art. 27 IVV). Bei Teilerwerbstätigen schliesslich kommt
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die gemischte Methode zur Anwendung, eine Kombination von
Einkommens- und Betätigungsvergleich (Art. 28a Abs. 3 IVG).
4.2. Die Statusfrage, mithin die Frage, ob eine Versicherte bei der
Invaliditätsbemessung als Erwerbstätige, Teilerwerbstätige oder als
Nichterwerbstätige einzustufen ist, ergibt sich aus der Annahme, was die
Versicherte bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine
gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist nicht,
welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im
Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum
sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Dabei sind die persönlichen,
familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige
Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die
beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen
Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen (BGE 141 V 15 E.3.1, 133
V 504 E.3.3, 125 V 146 E.2c; Urteil des Bundesgerichts 8C_526/2020 vom
31. Oktober 2020 E.3.2). Die Beantwortung der Statusfrage erfordert
zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch hypothetische
Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat.
Derlei ist einer direkten Beweisführung wesensgemäss nicht zugänglich
und muss in aller Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (Urteil
des Bundesgerichts 8C_526/2020 vom 31. Oktober 2020 E.3.3).
4.3. Im vorliegenden Fall sind sich die Parteien darin einig, dass das
Invalideneinkommen nach der gemischten Methode zu bestimmen ist.
Uneinig sind sie sich bei der Gewichtung der beiden Bereiche. Die
Beschwerdegegnerin geht davon aus, dass die Beschwerdeführerin im
Gesundheitsfall zu 50 % erwerbstätig und zu 50 % im Haushalt tätig wäre.
Die Beschwerdeführerin ist hingegen der Meinung, es sei von einer
80%igen Erwerbstätigkeit und von einer 20%igen Tätigkeit im Haushalt
auszugehen.
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4.3.1. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Statusfrage sind die
Lebensumstände der versicherten Person vor dem Auftreten der
invalidisierenden Krankheit. Die Beschwerdeführerin wurde 1995
geboren, besuchte die Primar- und Realschule in I._ und absolvierte
ein 10. Schuljahr in J._. Die Lehre als Detailhandelsfachfrau EFZ bei
E._ musste sie im Alter von 17 Jahren abbrechen, als im November
2012 die Schizophrenie erstmals auftrat.
4.3.2. Relevant für die Statusfrage sind auch die Lebensumstände vom Eintritt
der Invalidität bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung am 4.
Dezember 2020. In den Jahren 2013 und 2014 dominierte die Krankheit
das Leben der Beschwerdeführerin, sie wurde zweimal stationär durch die
P._ behandelt und besuchte die Tagesklinik in K._.
Nachdem sich ihr Zustand stabilisiert hatte, begann sie am 16. März 2015
im Rahmen einer Eingliederungsmassnahme ein Arbeitstraining bei der
B._. Am 1. August 2015 konnte sie am selben Ort eine Ausbildung
zur Blumenbindemitarbeiterin beginnen. Diese Ausbildung brach sie nach
einem Jahr am 31. Juli 2016 wegen einer Schwangerschaft ab. Im
Dezember 2016 kam ihre Tochter zur Welt. Zum Stillen setzte sie
eigenmächtig die im Zusammenhang mit der Schizophrenie
verschriebenen Medikamente ab, was dazu führte, dass sie vom 18.
Dezember 2016 bis zum 27. Januar 2017 zum vierten Mal stationär von
den P._ behandelt werden musste. Im Frühjahr 2017 heiratete die
Beschwerdeführerin den Vater ihrer Tochter in seinem Heimatland
L._, nachdem er im Herbst 2016 kurz vor der Geburt des
gemeinsamen Kindes aus der Schweiz ausgewiesen worden war. Als ihre
Tochter rund ein Jahr alt war, absolvierte die Beschwerdeführerin
unterstützt von der IV und von ihren Eltern von November 2017 bis Juli
2018 einen Arbeitsversuch bei der G._ GmbH und begann dort am 1.
August 2018 die Ausbildung zur Detailhandelsassistentin Fachrichtung
Garten EBA. Im Herbst 2018 konnte ihr Ehemann in die Schweiz einreisen
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und die Familie bezog eine eigene Wohnung, nachdem die
Beschwerdeführerin zuvor mit ihrer Tochter bei ihren Eltern gewohnt hatte.
Am 6. Mai 2019 brach die Beschwerdeführerin ihre Ausbildung ab. Von
September bis November 2019 arbeitete sie im Verkauf für die M._
AG (IV-act. 190 S. 14), in der Folge war sie nicht mehr berufstätig. Im
November 2020 kam ihr zweites Kind zur Welt.
4.3.3. Relevant für die Statusfrage sind auch die finanziellen Verhältnisse. Die
Beschwerdeführerin ist verheiratet mit einem Mann, der aus dem L._
stammt. Aus den Akten geht nicht hervor, ob er über eine Ausbildung
verfügt. Fest steht, dass er in den rund zwei Jahren seit seiner Einreise in
die Schweiz keine stabile und gut bezahlte Stelle gefunden hatte, sondern
in verschiedenen Jobs als Hilfskraft tätig gewesen war. Im Gesuch um
unentgeltliche Prozessführung gibt die Beschwerdeführerin für ihren Mann
ein Erwerbseinkommen zwischen CHF 0.00 und CHF 4'000.00 an. Aus
den eingereichten Unterlagen ist ersichtlich, dass der Ehemann im Jahr
2019 nur ein Einkommen von CHF 2'095.00 erzielte
(Veranlagungsverfügung Direkte Bundessteuer 2019). Im Jahr 2020
verdiente er von Januar bis März bei der N._ AG gemäss
Lohnausweis CHF 7'260.00 netto. Von April bis Oktober 2020 war er bei
der O._ GmbH angestellt und verdiente dort gemäss Lohnausweis
CHF 24'129.00 netto. Über ein namhaftes Vermögen verfügen die
Beschwerdeführerin und ihr Mann nicht, wie sie in glaubhafter Weise im
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung angibt.
4.3.4. Von Bedeutung für die Statusfrage ist weiter die Aussage der betroffenen
Person. Erklärt diese in glaubhafter Weise, wie sie sich ihr Leben ohne die
gesundheitlichen Einschränkungen einrichten würde, ist von dieser
Aussage nicht ohne Weiteres abzuweichen. Widersprechen sich die
Aussagen, so wird in der Regel den sogenannten spontanen "Aussagen
der ersten Stunde" ein grösseres Gewicht beigemessen als den späteren,
im Wissen um die rechtlichen Konsequenzen getätigten Aussagen (BGE
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143 V 168 E.5.2.2, Urteil des Bundesgerichts 8C_395/2020 vom 28.
September 2020 E.3). Vorliegend gab die Beschwerdeführerin anlässlich
der Haushaltabklärung vom 20. August 2020 an, ohne den
Gesundheitsschaden wäre sie zu 80 % als Blumenbindemitarbeiterin tätig,
weil dies aus finanziellen Gründen notwendig wäre (IV-act. 191). Entgegen
der Ansicht der Beschwerdegegnerin steht diese Aussagen nicht im
Widerspruch zur Aussage gegenüber dem Gutachter Dr. med. C._
am 20. Dezember 2019. Damals hatte die Beschwerdeführerin erklärt, die
nächsten Jahre werde sie sich um die Erziehung ihrer Tochter kümmern.
Sie sei froh, dass der Mann nun eine feste Arbeit habe (...). Gerne würde
sie ein wenig arbeiten gehen, zum Beispiel 50 %, doch nur sofern während
dieser Zeit gut für die Tochter gesorgt werde (IV-act. 175 S. 23 f.). Anders
als die Aussage anlässlich der Haushaltabklärung beschreibt die Aussage
bei der Begutachtung nicht die hypothetische Situation im Gesundheitsfall,
sondern die Zukunftsvorstellung aus der Perspektive der tatsächlichen
damaligen Situation. Die Formulierung im Gutachten lässt keinen Zweifel
daran, dass die Beschwerdeführerin von der tatsächlichen Situation
sprach. Die Aussage findet sich im Kapitel "Aktuelle Beschwerden" und
wird vom Gutachter eingeleitet mit "an Zukunftsvorstellungen meinte die
Explorandin". Entsprechend gab die Beschwerdeführerin denn auch bei
der Haushaltabklärung an, sie habe die Frage des Gutachters so
verstanden, wieviel sie mit ihrer jetzigen gesundheitlichen Situation
arbeiten würde, und nicht bei Gesundheit (IV-act. 193 S. 10). Die
Beschwerdegegnerin hat deshalb zu Unrecht auf die Aussage über das
50%-Pensum bei der Begutachtung abgestellt. Diese Aussage erlaubt
keinen Schluss auf das Arbeitspensum im Gesundheitsfall. Anlässlich der
ersten Haushaltabklärung am 10. November 2017 blieb die Frage der
Erwerbstätigkeit im hypothetischen Gesundheitsfall ungeklärt. Im Bericht
wurde damals festgehalten, es sei im Moment unklar, in welchem Mass
die Beschwerdeführerin nebst der Betreuung der Tochter bei Gesundheit
arbeiten würde (IV-act. 108 S. 8).
- 16 -
4.3.5. Die Beschwerdegegnerin wirft der Beschwerdeführerin in der
Vernehmlassung vor, die Angabe eines 80%-Pensums anlässlich der
Haushaltabklärung entspreche nicht ihrer eigenen Anschauung, sondern
sei die Folge davon, dass die H._ Graubünden die Versicherten
pauschal und unabhängig von ihrer persönlichen Situation auffordere, eine
Arbeitstätigkeit von mindestens 80 % anzugeben. Zum Beweis reichte die
Beschwerdegegnerin die "Checkliste/Vorbereitung auf eine
Haushaltabklärung" der H._ Graubünden ein, welche folgende
Passage enthält:
"Formular Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit: (...) Ich empfehle: 80 oder
100% reinzuschreiben und eine Tätigkeit/Beruf, den sie sich vorstellen kann, wenn sie
gesund wäre, das Kind könne sie einer Tagesmutter/Krippe geben, weil sie ja gut
verdienen würde (hypothetisch). Es gibt keine Beweise für diese Aussagen, weil sie rein
hypothetisch sind! (...) Die Aussage, wenn ich gesund bin würde ich bei den Kindern
zuhause sein (freiwillig), kann die Gefährdung/Streichung der Rente bedeuten! Dies
muss man sich bewusst sein!"
Die Beschwerdeführerin widerspricht diesem Vorwurf in ihrer Replik nicht,
so dass davon ausgegangen werden kann, dass die Beschwerdeführerin
von der H._ tatsächlich in dieser unsachgemässen Weise beraten
wurde. Der Aussage der Beschwerdeführerin anlässlich der
Haushaltabklärung, sie wäre im Gesundheitsfall zu 80% erwerbstätig, ist
deshalb kein Beweiswert beizumessen.
4.3.6. In welchem Umfang die Beschwerdeführerin im hypothetischen
Gesundheitsfall erwerbstätig wäre, muss somit aus den gesamten
Umständen gefolgert werden. Wäre die Beschwerdeführerin gesund, so
hätte sie ihre Ausbildung als Detailhandelsfachfrau bei E._ mit einem
Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis abschliessen können. Sie hätte mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ein feste Stelle gefunden und in ihrem
Beruf einen höheren Lohn erzielt als ihr Ehemann. Allem Anschein nach
verfügt der Ehemann nicht über eine in der Schweiz verwertbare
Berufsausbildung, arbeitete er bisher doch zu sehr tiefen Löhnen und nie
- 17 -
in einer dauerhaften Vollzeitstelle. Wäre die Beschwerdeführerin gesund,
so hätte es sich deshalb aus finanziellen Gründen aufgedrängt, dass sie
mit einem Pensum von mindestens 80 % in ihrem erlernten Beruf
gearbeitet hätte und dass ihr Ehemann hauptsächlich die Betreuung der
Kinder und den Haushalt übernommen hätte. Dass die
Beschwerdeführerin sich im Gesundheitsfall auf dieses Familienmodell
eingelassen hätte, darf angenommen werden. Dies insbesondere deshalb,
weil die Beschwerdeführerin sogar unter der Beeinträchtigung durch ihre
Krankheit einen Wiedereinstieg ins Erwerbsleben gesucht hat. Rund ein
Jahr nach der Geburt ihrer Tochter begann sie einen Arbeitsversuch und
absolvierte danach ein erstes Lehrjahr als Detailhandelsassistentin
Fachrichtung Garten EBA. Weil ihr Mann damals noch in seinem
Heimatland L._ lebte und nicht in die Schweiz einreisen konnte,
übernahm die Mutter der Beschwerdeführerin die Betreuung ihrer Enkelin.
Die Beschwerdeführerin begann den Arbeitsversuch in einem 50%-
Pensum und steigerte sich auf ein 100%-Pensum. Während der Lehre von
August 2018 bis Mai 2019 arbeitete sie in einem 80%-Pensum. Aus dem
Verlaufsprotokoll der IV-Berufsberatung geht hervor, dass die
Beschwerdeführerin sich in dieser Situation wohl fühlte und ihre Tochter
während der Arbeitszeit ihrer Mutter zur Betreuung überlassen konnte (IV-
act. 125 S. 1). Die Beschwerdeführerin zeigte also trotz ihrer Krankheit
und trotz ihrer Mutterschaft ein klares Interesse an einer Berufsausbildung
und fühlte sich als berufstätige Mutter wohl. Daraus darf geschlossen
werden, dass sie im Gesundheitsfall umso mehr an einer Berufstätigkeit
interessiert gewesen wäre und ebenfalls kein Problem damit gehabt hätte,
die Kinderbetreuung nicht immer selber übernehmen zu können. Dass im
November 2020 eine zweite Tochter hinzukam, ändert daran entgegen der
Ansicht der Beschwerdegegnerin nichts.
4.3.7. Die Beschwerdegegnerin stützt sich auf die Angaben des Bundesamtes
für Statistik zur Erwerbsquote nach Familiensituation
- 18 -
(https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/bevoelkerung/familien/
erwerbs-haus-familienarbeit.html, zuletzt besucht am 1. Juni 2021).
Danach kommt in der Schweiz bei Paarhaushalten mit Kindern das Modell
mit vollzeiterwerbstätigem Vater und teilzeiterwerbstätiger Mutter am
häufigsten vor. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin stützt die
Statistik ihre Sichtweise nicht. Wie gezeigt, könnte die Beschwerdeführerin
im Gesundheitsfall einen höheren Lohn erzielen als ihr Ehemann, und ihr
Einkommen wäre verlässlicher, da sie bessere Chancen auf eine
langfristige Festanstellung hätte. Dass die Beschwerdeführerin und ihr
Mann sogar im Krankheitsfall eine Arbeitstätigkeit der Beschwerdeführerin
in einem hohen Pensum in Betracht zogen, geht aus dem Bericht zur
ersten Haushaltabklärung vom 10. November 2017 hervor. Dort wurde
angegeben, mit der bevorstehenden Einreise des Ehemannes sei die
Situation offen. Es sei unklar, wer nach der Einreise des Ehemannes
arbeiten gehe (IV-act. 108 S. 8). Die Konstellation bei der
Beschwerdeführerin weicht somit ab von derjenigen der Mehrheit der
Paare in der Schweiz, bei welchen der Vater aufgrund der nach wie vor
bestehenden Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen einen
höheren Lohn erzielen kann als die Mutter.
4.3.8. Die Beschwerdegegnerin geht zu Unrecht davon aus, dass sich die
Beschwerdeführerin nach dem Abbruch der Lehre beim G._ am 6.
Mai 2019 nicht mehr ernsthaft um eine Arbeitstätigkeit bemüht habe.
Vielmehr arrangierte die Beschwerdeführerin selbständig eine Anstellung
bei der M._ AG ab dem 24. September 2019 (IV-act. 190 S. 14).
Gegenüber dem Gutachter Dr. med. C._ erwähnte sie zudem eine
Tätigkeit als Security-Mitarbeiterin auf einer Baustelle (IV-act. 175 S. 38).
Diese beiden Arbeitsversuche sind zwar allem Anschein nach gescheitert,
sie bekräftigen aber die Annahme, dass die Beschwerdeführerin im
Gesundheitsfall mit einem hohen Pensum erwerbstätig wäre.
- 19 -
4.3.9. Somit kann festgehalten werden, dass die Beschwerdegegnerin die
Bereiche Erwerb und Haushalt zu Unrecht mit je 50 % gewichtet hat.
Angesichts der gesamten Umstände ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall zu 80 % erwerbstätig gewesen
wäre, so dass sich für den Bereich Erwerb eine Gewichtung von 80 %
ergibt, für den Bereich Haushalt eine solche von 20 %.
5. Als Invalideneinkommen definiert Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte. Für die Bemessung des
Invalideneinkommens ist die Frage entscheidend, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person in welchem Umfang noch
zugemutet werden können, beziehungsweise wie gross die
Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit ist. Zur
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sind Verwaltung und Gerichte auf
Angaben ärztlicher Experten angewiesen. Aufgabe des Arztes
beziehungsweise des Psychiaters ist es, den Gesundheitszustand der
versicherten Person zu beurteilen und Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten diese arbeitsunfähig ist (BGE
125 V 261 E.4). Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit können sich die
IV-Stellen und die Sozialversicherungsgerichte auf den Regionalen
Ärztlichen Dienst (RAD, Art. 59 Abs. 2bis IVG), auf die Berichte der
behandelnden Ärztinnen und Ärzte oder auf externe medizinische
Sachverständige stützen (Art. 59 Abs. 3 IVG). Arztberichte unterliegen wie
sämtliche Beweismittel in sozialversicherungsrechtlichen Verfahren der
freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Der Beweiswert der
ärztlichen Stellungnahmen hängt deshalb nach der Rechtsprechung
davon ab, ob sie für die streitigen Belange umfassend sind, auf allseitigen
Untersuchungen beruhen, die geklagten Beschwerden berücksichtigen, in
- 20 -
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben wurden, in der Beurteilung
der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation
einleuchten und in den daraus gezogenen Schlussfolgerungen zu
überzeugen vermögen (BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a). Richtlinien
für die Beweiswürdigung in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer
Berichte und Gutachten sind indessen mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung vereinbar. So ist rechtsprechungsgemäss den im
Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von
versicherungsexternen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen
Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
sprechen (BGE 137 V 210 E.1.3.4, 125 V 353 E.3b/bb). Im vorliegenden
Fall stützte sich die Beschwerdegegnerin auf Empfehlung des RAD
vollumfänglich auf das Gutachten von Dr. med. C._ vom 12. Februar
2020 (Case Report, IV-act. 206 S. 13). Dies ist nicht zu beanstanden. Dem
Gutachten von Dr. med. C._ ist vor dem Hintergrund der dargelegten
Beweiswürdigungsregeln volle Beweiskraft beizumessen. Die
Beschwerdeführerin bringt denn auch nichts vor, was gegen dieses
Gutachten sprechen würde. Zwar hatte sie in der Beschwerdeschrift ohne
Kenntnis der Akten die von Dr. med. C._ festgelegte Arbeitsfähigkeit
noch pauschal kritisiert, in der Replik verzichtete sie aber auf Kritik und
stellte selber ohne Vorbehalte auf das Gutachten ab.
6. Geprüft wird nun, ob die Beschwerdegegnerin die von Dr. med. C._
festgestellte Arbeitsfähigkeit bei der Ermittlung des Invalideneinkommens
in korrekter Weise umgesetzt und das Invalideneinkommen korrekt
ermittelt hat.
6.1. Gemäss Dr. med. C._ liegt die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin bei 50 % in einer sehr einfachen, vorwiegend
- 21 -
repetitiven Tätigkeit unter Anleitung, zu realisieren über einen Zeitraum
von 6.5 Stunden pro Arbeitstag (IV-act. 175 S. 37). Zum Zeitpunkt des
Beginns äusserte sich Dr. med. C._ in seinem Gutachten vom 12.
Februar 2020 nicht. Der RAD gab indessen an, die von Dr. med. C._
festgestellte Arbeitsunfähigkeit bestehe "seit Jahren" (IV-act. 206 S. 13).
Für die vorliegend relevante Zeit seit dem möglichen Beginn des
Rentenanspruchs am 1. Juli 2019 kann somit auf die von Dr. med.
C._ festgelegte Arbeitsfähigkeit abgestellt werden. Für die Zukunft
gab Dr. med. C._ an, es bleibe abzuwarten, ob die
Beschwerdeführerin diese 50%ige Leistungsvorgabe auch langfristig zu
erfüllen vermöge (IV-act. 175 S. 36). Bei dieser Einschätzung schwingt
eine gewisse Unsicherheit mit, diese liegt aber im Rahmen des Üblichen
bei prognostischen Einschätzungen. Es kann deshalb auch für die Zeit
nach der Erstellung des Gutachtens am 12. Februar 2020 bis auf Weiteres
auf die Einschätzung von Dr. med. C._ abgestellt werden.
6.2. Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Beschwerdegegnerin habe
nicht berücksichtigt, dass sie ein höheres zeitliches Pensum einsetzen
müsse, um einen gewissen Prozentsatz an Leistung zu erreichen. Im
Rahmen eines zeitlichen Pensums von 50 % könne sie nur eine Leistung
von 31 % erbringen, so dass nur von einer Arbeitsfähigkeit von 31 %
auszugehen sei. Dem kann nicht gefolgt werden. Dr. med. C._
beschreibt unmissverständlich, dass er die Beschwerdeführerin für fähig
erachtet, eine Leistung von 50 % zu erbringen, wenn ihr dafür ein
erweiterter Zeitrahmen von 6.5 Stunden pro Arbeitstag zur Verfügung
steht. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin reduziert sich ihre
Arbeitsfähigkeit durch den erhöhten Zeitbedarf nicht. Eine solche erhöhte
Präsenz ist ihr nach der Rechtsprechung im Rahmen ihrer
Schadenminderungspflicht zumutbar (Urteil des Bundesgerichts
8C_119/2007 vom 10. März 2008 E.5.2). Im Zusammenhang mit der
Arbeitsfähigkeit ist die angefochtene Verfügung somit nicht zu
- 22 -
beanstanden. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die
Beschwerdegegnerin den erhöhten Zeitbedarf zu Recht auch nicht im
Rahmen eines allfälligen Leidensabzuges berücksichtigt hat. Nach der
Rechtsprechung rechtfertigt der Umstand, dass eine versicherte Person
krankheitsbedingt nicht die Leistung erbringen kann, welche eine Gesunde
Person in der entsprechenden Präsenzzeit erbringen könnte, keinen
Abzug, der über die Berücksichtigung der eingeschränkten
Leistungsfähigkeit und damit des Rendements hinausgeht (Urteile des
Bundesgerichts 8C_705/2018 vom 16. Mai 2019 E.4.3 und 8C_793/2017
vom 8. Mai 2018 E. 7.3). Der Beschwerdeführerin kann deshalb nicht darin
gefolgt werden, dass ihr ein Leidensabzug von 15 % zu gewähren sei.
6.3. Die Beschwerdegegnerin hat für die Ermittlung des Invalideneinkommens
der Beschwerdeführerin zu Recht auf die Lohnstrukturerhebung (LSE) des
Bundesamtes für Statistik abgestellt, weil die Beschwerdeführerin ihre
Restarbeitsfähigkeit seit dem Abbruch der beruflichen Massnahme im Juli
2019 nicht über längere Zeit verwertete und kein Einkommen erzielte, auf
welches abgestellt werden könnte. Zu beanstanden ist aber, dass die
Beschwerdeführerin auf die LSE 2016 abstellte, obwohl zum Zeitpunkt des
Erlasses der angefochtenen Verfügung am 4. Dezember 2020 bereits die
LSE 2018 vorlag. Dies ist zu korrigieren. Gestützt auf die LSE 2018
errechnet sich das Invalideneinkommen der Beschwerdeführerin wie folgt.
Gemäss Tabelle TA1 im Anhang der LSE 2018 beläuft sich der
durchschnittliche monatliche Bruttolohn für Frauen im privaten Sektor im
Durchschnitt aller Wirtschaftszweige für Tätigkeiten im Kompetenzniveau
1, das heisst für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art,
auf CHF 4'371.00. Aufgerechnet auf die durchschnittliche Arbeitszeit von
41.7 Wochenstunden und unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung (2018 0.5 %, 2019 0.9 %) ergibt sich für das
Vergleichsjahr 2020 ein durchschnittlicher jährlicher Bruttolohn von CHF
55'449.20 (CHF 4'371.00 : 40 x 41.7 x 1.005 x 1.009 x 12). Bei der für die
- 23 -
Beschwerdeführerin festgestellten Arbeitsfähigkeit von 50 % ergibt sich
somit ein Invalideneinkommen von CHF 27'724.60. Es besteht damit eine
geringfügige Abweichung gegenüber dem von der Beschwerdegegnerin
ermittelten Invalideneinkommen von CHF 27'808.00.
7. Geprüft wird nun, ob die Beschwerdegegnerin das Valideneinkommen für
das Vergleichsjahr 2020 zu Recht auf CHF 56'597.00 festgelegt hat. Die
Beschwerdeführerin ist der Ansicht, das Valideneinkommen liege bei
CHF 83'500.00.
7.1. Art. 26 IVV enthält eine Spezialregelung für die Bemessung des
Valideneinkommens bei Versicherten ohne Ausbildung. Art. 26 Abs. 1 IVV
bezieht sich auf Versicherte, die wegen der Invalidität keine zureichenden
beruflichen Kenntnisse erwerben konnten, und sieht als
Valideneinkommen einen nach Alter abgestuften Prozentsatz des
Medianwertes gemäss LSE vor. Art. 26 Abs. 2 IVV bezieht sich auf
Versicherte, welche eine begonnene Ausbildung nicht abschliessen
konnten. In diesem Fall entspricht das Valideneinkommen dem
durchschnittlichen Einkommen eines Erwerbstätigen im Beruf, für den die
Ausbildung begonnen wurde.
7.2. Unbestritten ist, dass das Valideneinkommen nach den Regeln für
Frühinvalide festzulegen ist, weil die Beschwerdeführerin wegen ihrem
psychischen Leiden keinen Ausbildungsabschluss erlangen konnte. Dies
geht denn auch aus dem Gutachten von Dr. med. C._ hervor, wo
ausgeführt wird: "Wenn man vor allem das umfangreiche Aktendossier
berücksichtigt (...), so hat der bisherige Verlauf gezeigt, dass auch wenn
sich alle Beteiligten maximal bemühen bis auf weiteres eine Anlehre,
geschweige denn eine Lehre ausser Reichweite der kognitiven und
emotionalen Möglichkeiten der Explorandin liegen" (IV-act. 175 S. 35).
- 24 -
7.3. Streitig ist, ob vorliegend auf Art. 26 Abs. 1 IVV oder auf Art. 26 Abs. 2 IVV
abzustellen ist. Die Beschwerdeführerin verlangt ein Abstellen auf Art. 26
Abs. 1 IVV und macht geltend, sie sei bereits mit einem psychischen
Leiden mit Krankheitswert in die Berufsbildung eingestiegen. Dem kann
nicht gefolgt werden. Wie bereits erwähnt begann die Beschwerdeführerin
am 1. August 2012 eine Lehre als Detailhandelsfachfrau EFZ bei E._
in einem Vollpensum (IV-act. 12, vgl. oben Erwägung 3.2). Die
invalidisierende Schizophrenie trat erst während dieser Lehre im
November 2012 auf (IV-act. 13 S. 2 ff.). Zwar war die Beschwerdeführerin
bereits vor Beginn der Lehre vom 31. März 2012 bis zum 2. April 2012 bei
den P._ hospitalisiert gewesen. Dieser kurze stationäre
Aufenthalt hatte aber nicht in Zusammenhang mit einer ernsthaften
psychischen Erkrankung gestanden, sondern war die Folge einer
Eskalation aufgrund von Problemen in der Schule und mit den Eltern
gewesen. Die damals 17-jährige Beschwerdeführerin war gegen den
Willen ihrer Eltern eine Beziehung mit einem Mann mit Flüchtlingsstatus
eingegangen und von der Schule verwiesen worden, weil sie gegen die
Hausordnung verstossen hatte. Bei einem Besuch zu Hause war sie
ausgerastet, hatte randaliert und ihre Eltern verbal und tätlich angegriffen.
Die Eltern hatten die Polizei alarmiert und in der Folge war es im Rahmen
eines fürsorgerischen Freiheitsentzugs zur Einweisung ins Spital und im
Anschluss in die psychiatrische Klinik gekommen. Dort war eine
Anpassungsstörung diagnostiziert worden und bereits nach drei Tagen
war die Beschwerdeführerin in psychisch stabilem Zustand und ohne
Medikation entlassen worden (Bericht P._, IV-act. 13 S. 2 f.). Die
Beschwerdeführerin hatte somit ihre Lehre gesund angetreten und die
invalidisierende psychische Krankheit war erst im Laufe der Ausbildung
aufgetreten.
7.4. Die Beschwerdegegnerin hat demnach das Valideneinkommen zu Recht
gestützt auf Art. 26 Abs. 2 IVV nach dem durchschnittlichen Einkommen
- 25 -
einer Detailhandelsfachfrau bemessen. Sie hat sich dabei aber zu Unrecht
auf die LSE 2016 gestützt. Wie bereits erwähnt ist vorliegend auf die LSE
2018 abzustellen (vgl. vorne Erwägung 6.3). Ausgehend vom Wert für
Frauen im Detailhandel auf dem Kompetenzniveau 2 der Tabelle TA1 der
LSE 2018 ergibt sich somit ein Valideneinkommen von CHF 57'225.20
(CHF 4'511.00 : 40 x 41.7 x 1.005 x 1.009 x 12).
8. Bei einem Invalideneinkommen von CHF 27'724.60 und einem
Valideneinkommen von CHF 57'225.20 ergibt sich eine Erwerbseinbusse
von CHF 29'500.60, mithin einen Teilinvaliditätsgrad für den
Erwerbsbereich von 51.5 %.
9. Zu überprüfen ist nun der Teilinvaliditätsgrad im Bereich Haushalt. Die
Beschwerdegegnerin legte diesen gestützt auf den Bericht zur
Haushaltabklärung vom 20. August 2020 auf 4.25 % fest (IV-act. 193 S.
9), nach der Ansicht der Beschwerdeführerin liegt er bei 20.5 %.
9.1. Bei der Einschätzung der Einschränkungen im Haushalt ist nach der
Rechtsprechung die Schadenminderungspflicht zu berücksichtigen.
Danach ist auszugehen vom Grundsatz, dass einer
Leistungsansprecherin im Rahmen der Schadenminderungspflicht
Massnahmen zuzumuten sind, die ein vernünftiger Mensch in der gleichen
Lage ergreifen würde, wenn er keinerlei Entschädigung zu erwarten hätte.
Für die im Haushalt tätigen Versicherten bedeutet dies, dass sie
Verhaltensweisen zu entwickeln haben, welche die Auswirkungen der
Behinderung im hauswirtschaftlichen Bereich reduzieren und ihnen eine
möglichst vollständige und unabhängige Erledigung der Haushaltarbeiten
ermöglichen. Kann die versicherte Person wegen ihrer Behinderung
gewisse Haushaltarbeiten nur noch mühsam und mit viel höherem
Zeitaufwand erledigen, so muss sie in erster Linie ihre Arbeit einteilen und
in üblichem Umfang die Mithilfe von Familienangehörigen in Anspruch
nehmen. Ein invaliditätsbedingter Ausfall darf bei im Haushalt tätigen
- 26 -
Personen nur insoweit angenommen werden, als die Aufgaben, welche
nicht mehr erfüllt werden können, durch Drittpersonen gegen Entlöhnung
oder durch Angehörige verrichtet werden, denen dadurch
nachgewiesenermassen eine Erwerbseinbusse oder doch eine
unverhältnismässige Belastung entsteht. Die im Rahmen der
Invaliditätsbemessung bei einer Hausfrau zu berücksichtigende Mithilfe
von Familienangehörigen geht daher weiter als die ohne
Gesundheitsschädigung üblicherweise zu erwartende Unterstützung.
Geht es um die Mitarbeit von Familienangehörigen, ist danach zu fragen,
wie sich eine vernünftige Familiengemeinschaft einrichten würde, wenn
keine Versicherungsleistungen zu erwarten wären. Die Tatsache, dass
sich die in Art. 159 Abs. 2 und 3 ZGB zwischen den Ehegatten und in Art.
272 ZGB zwischen Eltern und Kindern statuierten Beistandspflichten nicht
unmittelbar durchsetzen lassen, sondern nur freiwillig erfüllt werden
können, ändert an der Schadenminderungspflicht der im Haushalt
beschäftigten Versicherten nichts. Denn wie auch im Erwerbsbereich
darauf abzustellen ist, ob die verbleibende Erwerbsfähigkeit auf einem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt grundsätzlich verwertbar ist, unabhängig
davon, ob eine solche Anstellung rechtlich durchsetzbar ist, ist auch in
Bezug auf den Haushaltbereich davon auszugehen, was in der sozialen
Realität üblich und zumutbar ist, unabhängig davon, ob eine Mithilfe
rechtlich durchsetzbar ist (zum Ganzen BGE 133 V 504 E.4.2 mit
Hinweisen).
9.2. Nach der Rechtsprechung gelten für den Beweiswert einer
Haushaltabklärung die rechtlichen Voraussetzungen für medizinische
Gutachten analog (BGE 128 V 93 E.4, vgl. oben Erwägung 5). Die
Abklärung muss demnach in der Beurteilung der Situation einleuchten und
in den daraus gezogenen Schlussfolgerungen zu überzeugen vermögen.
Zudem muss sie in Kenntnis der wesentlichen Vorakten erfolgen. Dabei
ist insbesondere die ärztliche Einschätzung der Leistungsfähigkeit von der
- 27 -
Abklärungsperson zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts
9C_90/2010 vom 22. April 2010 E.4.1.1.2). Liegt eine psychische
Erkrankung vor, so ist den ärztlichen Stellungnahmen mehr Gewicht
einzuräumen, weil es der Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt
möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit
verbundenen Einschränkungen zu erkennen (Urteil des Bundesgerichts
9C_631/2009 vom 2. Dezember 2009 E.5.1.2). Im vorliegenden Fall stand
der Abklärungsperson mit dem Gutachten von Dr. med. C._ vom 12.
Februar 2020 eine aktuelle und überzeugende Einschätzung der
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin zur Verfügung. Zwar kannte
die Abklärungsperson das Gutachten von Dr. med. C._ und erwähnte
es entsprechend in ihrem Bericht (IV-act. 193 S. 2). Wie nachstehend im
Detail aufgezeigt wird, berücksichtigte die Abklärungsperson die von Dr.
med. C._ festgestellten Einschränkungen bei der Beurteilung der
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einzelnen Bereichen aber
nicht in genügendem Ausmass.
9.3. Gemäss der ICD-10, dem allgemein anerkannten internationalen
Klassifikationssystem für Krankheiten und Gesundheitsprobleme
(einsehbar auf www.icd-code.de), sind die schizophrenen Störungen im
Allgemeinen durch grundlegende und charakteristische Störungen von
Denken und Wahrnehmung sowie inadäquate oder verflachte Affekte
gekennzeichnet. Die Bewusstseinsklarheit und intellektuellen Fähigkeiten
sind in der Regel nicht beeinträchtigt, obwohl sich im Laufe der Zeit
gewisse kognitive Defizite entwickeln können (ICD-10 F20.-). Die
Hebephrene Schizophrenie der Beschwerdeführerin ist eine Form der
Schizophrenie, bei der die affektiven Veränderungen im Vordergrund
stehen, Wahnvorstellungen und Halluzinationen flüchtig und
bruchstückhaft auftreten, das Verhalten verantwortungslos und
unvorhersehbar ist und Manierismen häufig sind. Die Stimmung ist flach
und unangemessen. Das Denken ist desorganisiert, die Sprache
- 28 -
zerfahren. Der Kranke neigt dazu, sich sozial zu isolieren. Wegen der
schnellen Entwicklung der Minussymptomatik, besonders von
Affektverflachung und Antriebsverlust, ist die Prognose zumeist schlecht
(F20.1). Dr. med. C._ führte dazu aus, die Fähigkeiten der
Beschwerdeführerin seien bescheiden, was auch dem
neuropsychologischen Leistungsprofil zu entnehmen sei. Dass häufig ein
Motivationsmangel gegeben gewesen oder zumindest vermutet worden
sei, könne mit nachvollziehbarer Frustration erklärt werden, vor allem
jedoch im Sinne des sogenannten minussymptomatischen
Krankheitskomplexes einer Schizophrenie (IV-act. 175 S. 35). Aus dem
Abklärungsbericht Haushalt geht hervor, dass die krankheitsbedingte
Antriebslosigkeit und Unorganisiertheit die Beschwerdeführerin in fast
allen Tätigkeitsbereichen beeinträchtigt und dass sie viel Unterstützung
von ihren Angehörigen braucht (vgl. IV-act. 193). Nachfolgend werden die
einzelnen Tätigkeitsbereiche im Detail überprüft.
9.4. Den Bereich "Ernährung" hat die Abklärungsperson mit 20 % gewichtet
und keine relevante Einschränkung festgestellt (IV-act. 193 S. 8). Dies ist
nicht zu beanstanden. Die Beschwerdeführerin kocht die Mahlzeiten
selbständig und räumt die Küche in der Regel selber auf. Einmal pro
Woche reinigt der Ehemann die Küche gründlich und ab und zu erledigt er
den Abwasch. Diese Mithilfe ist im Rahmen der Schadenminderungspflicht
zumutbar.
9.5. Den Bereich "Wohnungs- und Hauspflege, Haustierhaltung" gewichtete
die Abklärungsperson bei einem vorgegebenen Rahmen von 0 bis 40 %
mit 30 % (IV-act. 193 S. 8). Diese Gewichtung erscheint unangemessen.
Die Beschwerdeführerin und ihre Familie führen einen sehr einfachen
Haushalt. Sie sind eine kleine Familie von damals drei, heute vier
Personen, und wohnen in einer 4.5-Zimmer-Wohnung mit Balkon in einem
Mehrfamilienhaus. Sie haben keinen Garten, keine Haustiere und bloss
eine einzige Pflanze. Der Beschwerdeführerin kann darin gefolgt werden,
- 29 -
dass in dieser Situation eine Gewichtung von 20 % angemessen ist. Die
Einschränkung im Bereich Wohnungspflege wurde im Abklärungsbericht
auf 10 % festgelegt (IV-act. 193 S. 8). Dies wird der Situation nicht gerecht.
Allem Anschein nach wirkt sich die Krankheit der Beschwerdeführerin in
diesem Bereich besonders stark aus. Es gelingt ihr nicht, die Arbeiten
selber zu machen, sie beginnt jeweils ohne System mit einer Arbeit, kann
sie aber nicht zu Ende führen. Deshalb übernimmt der Ehemann die
Arbeiten weitgehend. Er reinigt die Böden ein bis zwei Mal pro Woche,
reinigt Küche und Bad regelmässig gründlich, bezieht die Betten, reinigt
die Fenster, pflegt die Pflanze und entsorgt den Abfall. Diese intensive
Mithilfe des Ehemannes geht um 20 % über die im Rahmen der
Schadenminderungspflicht gebotene und zumutbare Mithilfe hinaus.
9.6. Im Bereich "Einkauf, weitere Besorgungen" wurde keine Einschränkung
festgestellt (IV-act. 193 S. 8). Dies erscheint korrekt und wird von der
Beschwerdeführerin auch nicht beanstandet. Auch die Gewichtung dieses
Bereichs mit 10 % erscheint angemessen.
9.7. Der Bereich "Wäsche und Kleiderpflege" wurde mit 15 % gewichtet (IV-
act. 193 S. 9). Die Beschwerdeführerin verlangt eine Korrektur auf 10 %.
Dem ist zu vor dem Hintergrund des vorgegebenen Rahmens von 0 bis
20 % zu folgen, ist doch die Familie klein, die Arbeitssituation bequem
(Waschmaschine und Tumbler in der Wohnung [IV-act. 193 S. 7]) und
bestehen bezüglich der Garderobe keine besonderen Anforderungen.
Eine Einschränkung wurde im Bereich "Wäsche und Kleiderpflege" nicht
festgelegt, dies erscheint korrekt.
9.8. Der Bereich "Pflege und Betreuung von Kindern und/oder Angehörigen"
wurde mit 25 % gewichtet (IV-act. 193 S. 9). Dies ist angesichts der
geänderten Gewichtungen in den bereits genannten Bereichen auf 40 %
zu korrigieren, was denn auch angemessen erscheint. Zum Zeitpunkt der
Haushaltabklärung hatte die Beschwerdeführerin ein Kleinkind im Alter
- 30 -
von gut dreieinhalb Jahren zu betreuen, zum Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügung war die ältere Tochter vier Jahre alt und das
jüngere Kind gerade erst zur Welt gekommen. Der Beschwerdeführerin
kann darin gefolgt werden, dass die Betreuung ihrer beiden kleinen Kinder
absolut im Vordergrund steht und einen grossen Anteil ihrer gesamten
Tätigkeit ausmacht. Die Einschränkung in diesem Bereich wurde auf 5 %
festgelegt (IV-act. 193 S. 9). Dies ist, wie die Beschwerdeführerin zu Recht
geltend macht, nach oben zu korrigieren. Zwar beschrieb die
Beschwerdeführerin bei der Haushaltabklärung, dass sie bei der
Betreuung ihrer Tochter nie Blockaden oder Überforderung erlebe. In der
Zeit, in welcher die Beschwerdeführerin die Betreuung selber übernimmt,
besteht demnach keine relevante Einschränkung. Auch dass der
Ehemann bei der Betreuung der Kinder mitwirkt, dass er insbesondere an
den Wochenenden die Beschwerdeführerin massgeblich entlastet, wurde
zu Recht nicht als Einschränkung der Beschwerdeführerin gewertet. Zu
berücksichtigen ist aber, dass neben dem Ehemann auch die Mutter der
Beschwerdeführerin mithilft. Zum Zeitpunkt der Haushaltabklärung im
August 2020 nahm sie ihre Enkelin zweimal pro Woche am Abend zu sich
nach Hause und betreute sie über Nacht und am Folgetag (IV-act. 193 S.
9). Damit übernahm die Mutter unter der Woche zwei Fünftel der
Betreuungsarbeit, während die Beschwerdeführerin selber drei Fünftel zu
leisten vermochte. Die Mithilfe der Mutter geht damit deutlich weiter, als
dies im Rahmen der Schadenminderungspflicht geboten erscheint. Dies
umso mehr, da seit November 2020 neben der rund vierjährigen
Erstgeborenen auch noch das zweite Kind zu betreuen ist. Es erscheint
deshalb angemessen, die Einschränkung der Beschwerdeführerin im
Bereich Kinderbetreuung auf 20 % festzulegen.
9.9. Die Einschränkung der Beschwerdeführerin im Haushalt und bei der
Kinderbetreuung errechnet sich somit wie folgt:
Gewichtung Einschränkung Behinderung
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Ernährung 20 % 0 % 0 %
Wohnungspflege 20 % 20 % 4 %
Einkauf 10 % 0 % 0 %
Wäsche 10 % 0 % 0 %
Kinder 40 % 20 % 8 %
Total 12 %
10. Es sind nun alle Faktoren für die Festlegung des Invaliditätsgrades geklärt.
Anzuwenden ist die gemischte Methode, wobei der Bereich Erwerb mit
80 % zu gewichten ist, der Bereich Haushalt mit 20 %. Der Teil-
Invaliditätsgrad im Bereich Erwerb liegt bei 51.5 %, derjenige im Bereich
Haushalt bei 12 %. Der Invaliditätsgrad errechnet sich somit wie folgt.
Gewichtung Einschränkung Behinderung
Erwerb 80 % 51.5 % 41.2 %
Haushalt 20 % 12% 2.4 %
Total 43.6 %
11. Bei einem Invaliditätsgrad von 43.6 % hat die Beschwerdeführerin gemäss
Art. 28 Abs. 2 IVG Anspruch auf eine Viertelsrente. Diese Rente ist ihr für
die Zeit ab dem 1. Juli 2019 auszurichten. Die angefochtene Verfügung ist
somit rechtswidrig und aufzuheben.
12. Gemäss Art. 61 lit. fbis ATSG in Verbindung mit Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die
Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF
200.00 bis 1'000.00 festgelegt. Vorliegend hat die unterliegende
Beschwerdegegnerin Kosten von CHF 700.00 zu übernehmen.
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13. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende
Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen. Vorliegend macht die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin mit Abrechnung vom 14. April 2021 einen
Zeitaufwand von 10 Stunden und Barauslagen von CHF 20.00 geltend.
Dies erscheint angemessen. Einen konkreten Stundenansatz macht die
Rechtsvertreterin nicht geltend. Anzuwenden ist ein reduzierter Ansatz
von CHF 160.00. Dies entsprechend der Praxis des Verwaltungsgerichts,
wonach Anwältinnen und Anwälten, die innerhalb einer Hilfsorganisation
tätig sind, nicht der volle Anwaltstarif entschädigt wird, weil ihre
Arbeitssituation von derjenigen der selbständigen Anwälte abweicht und
ihnen strukturbedingte Einsparungen möglich sind (PVG 2010 Nr. 31).
Inklusive MWST ergibt sich somit eine aussergerichtliche Entschädigung
von CHF 1'744.70.
14. Das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung
und Rechtsverbeiständung ist bei diesem Ausgang des Verfahrens
gegenstandslos geworden.