Decision ID: b2462c0b-bd24-5f88-9df6-6a970485afa6
Year: 2018
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_002
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A. Übersicht
Mit Schreiben vom 20. Januar 2017 informierte die Beschwerdeführerin die
Steuerbehörde, dass sie von ihrem Lebenspartner (D_) aufgrund der Trennung eine
Schenkung erhalten habe. Die erste Teilzahlung im Betrag von Fr. 100‘000.-- sei am
30. März 2016 erfolgt. Den Restbetrag von Fr. 970‘000.-- habe sie am 1. Juli 2017
erhalten. Ferner habe ihr D_ ein Auto im Wert von Fr. 20‘000.-- geschenkt (act. 11/1).
Das Erbschaftsamt C_ stellte ihr daraufhin am 6. Februar 2017 die Schenkungssteuer
zum Tarif von 32% für „übrige Empfänger“ in Rechnung, unter Abzug eines einmaligen
Freibetrages von Fr. 5‘000.--. Die Beschwerdeführerin macht nun geltend, dass
richtigerweise der Steuertarif für nichtverheiratete Lebenspartner von 12 % anzuwenden
sowie ein Freibetrag von Fr. 10‘000.-- zu berücksichtigen gewesen wäre.
B. Prozessverlauf
Die Beschwerdeführerin erhob gegen die Steuerforderungen am 27. Februar 2017
Einsprache beim Erbschaftsamt C_ (act. 9/4). Die Einsprache wurde mit Entscheid vom
18. April 2017 abgewiesen (act. 9/6). Am 3. Mai 2017 wurde der Entscheid „sistiert“
(act. 9/7) und am 31. Juli 2017 erneut mit negativem Bescheid eröffnet (act. 9/8). Mit
Beschwerde vom 31. August 2017 focht die Beschwerdeführerin diesen neuen Entscheid
beim Obergericht an (act. 1). Der angeforderte Kostenvorschuss von Fr. 1‘500.-- wurde
fristgerecht bezahlt (act. 4). Mit Schreiben vom 6. September 2017 forderte das
Obergericht die Vorinstanz sowie die Steuerverwaltung Appenzell Ausserrhoden zur
Vernehmlassung auf (act. 5). Beide Vernehmlassungen erfolgten am 30. Oktober 2017
(act. 8; act. 10). Am 13. Dezember 2017 reichte die Beschwerdeführerin ihre Replik ein
(act. 14). Die Duplik der Steuerverwaltung Appenzell Ausserrhoden datiert vom
22. Dezember 2017 (act. 16). Die Vorinstanz verzichtete auf eine weitere Stellungnahme.
Am 14. August 2018 fällte das Obergericht seinen Entscheid (act. 18). Innert Frist
verlangte die Beschwerdeführerin die Entscheidbegründung (act. 19), weshalb diese
nunmehr auszufertigen ist.
Seite 4

Erwägungen
1. Formelles
Das Obergericht prüft von Amtes wegen, ob die prozessualen Voraussetzungen gegeben
sind und auf die Beschwerde eingetreten werden kann. Vorweg ist darauf hinzuweisen,
dass die Vorinstanz berechtigt war, den (ersten) Einspracheentscheid vom 18. April 2017
zu widerrufen. Auf unangefochtene formelle Verfügungen darf die Verwaltung nämlich
während der Rechtsmittelfrist zurückkommen, ohne dass die nach Eintritt der Rechtskraft
erforderlichen Voraussetzungen der Wiedererwägung oder der prozessualen Revision
erfüllt sein müssen (BGE 129 V 110 E. 1.2.1 S. 111). Anfechtungsobjekt ist deshalb der
(zweite) Einspracheentscheid vom 31. Juli 2017. Als Teilungsbehörde der Gemeinde
kommt dem Erbschaftsamt C_ in Sachen Erbschafts- und Schenkungssteuern die
Funktion als Veranlagungsbehörde zu (Art. 182 Abs. 1 des Steuergesetzes [StG,
bGS 621.11]). Dessen Einspracheentscheid kann beim Obergericht angefochten werden
(Art. 188 Abs. 1 StG), wobei unabhängig vom Streitwert die Abteilung über die
Beschwerde entscheidet (Art. 29 Abs. 1 lit. a Justizgesetz [bGS 145.31]). Die Beschwerde
ist innerhalb von 30 Tagen einzureichen (Art. 55 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRPG, bGS 143.1]; Art. 188 Abs. 1 StG). Zu beachten ist, dass
im Rechtsmittelverfahren in Steuersachen Gerichtsferien keine Geltung beanspruchen
(Art. 188 Abs. 5 StG). Die Beschwerdeaufgabe vom 31. August 2017 erfolgte innert Frist.
Als Verfügungsadressatin ist die Beschwerdeführerin ohne weiteres in schutzwürdigen
Interessen berührt und damit zur Beschwerde legitimiert (Art. 59 Abs. 1 i.V.m. 32 Abs. 1
VRPG). Sämtliche Prozessvoraussetzungen sind erfüllt, weshalb auf die Beschwerde
einzutreten ist. Hinzuweisen ist darauf, dass auch die kantonale Steuerverwaltung
beigeladen wurde, weil diese die angefochtene Steuerveranlagung vor Eröffnung
genehmigt hat (Art. 185 Abs. 1 StG).
2. Materielles
2.1. Steuertarif und Steuerabzug betreffend Geldsch enkung
2.1.1. Standpunkt der Beschwerdeführerin
Die Beschwerdeführerin legt dar, dass sie im Jahre 2001 D_ kennen gelernt habe. Im
Juli 2006 sei sie in dessen Liegenschaft in C_ eingezogen. Dort hätten sie mehrere
Jahre zusammen gelebt, wobei D_ die gesamten Lebenshaltungskosten der Parteien
bestritten habe. Er habe dann einen schweren Schlaganfall erlitten, der zu einer
Seite 5
Wesensveränderung geführt habe und sei schliesslich zum Schluss gekommen, dass
man nicht mehr zusammenpasse und sich trennen solle. Am 9. Januar 2016 hätten sie
die Vereinbarung „Auflösung gemeinsamer Haushalt“ abgeschlossen. Gemäss dieser
habe sich D_ verpflichtet, der Beschwerdeführerin innert Monatsfrist, also bis
spätestens am 9. Februar 2016, den Betrag von Fr. 1‘070‘000.-- zu bezahlen, um ihr die
Lebensumstellung und künftige Vorsorge zu erleichtern. In Abweichung der vertraglichen
Vereinbarung sei die erste Teilzahlung im Betrag von Fr. 100‘000.-- jedoch erst am 22.
März 2016 erfolgt. Den restlichen Betrag von Fr. 970‘000.-- habe ihr D_ am 1. Juli 2016
überwiesen. Die gemeinsame Wohnung habe sie am 20. Juni 2016 Richtung Ermatingen
verlassen. Am 6. Februar 2017 habe ihr die Gemeinde C_ zwei
Schenkungssteuerrechnungen zugestellt, denen fälschlicherweise ein Steuertarif von 32%
für „übrige Personen“ zugrunde gelegt worden sei. Richtigerweise hätte mit dem
privilegierten Steuertarif für nicht verheiratete Lebenspartner von 12% gerechnet werden
müssen (Art. 147 Abs. 1 lit. a StG). Sodann wäre ein Steuerabzug von Fr. 10‘000.-- (statt
Fr. 5‘000.--) zuzulassen gewesen (Art. 146 Abs. 1 lit. a StG). Grund der Zuwendung sei
die langjährige Lebenspartnerschaft und nicht die Trennung gewesen. D_ habe der
Beschwerdeführerin zur Würdigung ihrer langjährigen Verdienste nämlich eine finanzielle
Absicherung für das Alter zukommen lassen wollen. Das Schenkungsversprechen sei am
9. Januar 2016, also noch während der gemeinsamen Lebenspartnerschaft, abgegeben
worden. Als Vollzugszeitpunkt der Schenkung sei der letzte mögliche Tag der
vertraglichen Zahlungsfrist, also der 9. Februar 2016, zu betrachten. Unerheblich sei
deshalb, dass die zweite Teilzahlung effektiv erst am 1. Juli 2016, also nach Beendigung
der Lebenspartnerschaft, geleistet worden sei. Da sowohl Schenkungsversprechen als
auch Schenkungsvollzug noch während der Lebenspartnerschaft erfolgt seien, sei der
Steuertarif klarerweise zu reduzieren und der Steuerfreibetrag zu erhöhen.
2.1.2. Standpunkt der Vorinstanz und der kantonalen Steuerverwaltung
Die Vorinstanz bestreitet nicht, dass zwischen der Beschwerdeführerin und D_ eine
Lebenspartnerschaft im Sinne von Art. 147 Abs. 2 StG bestanden hat. Diese sei jedoch
mit Unterzeichnung der Vereinbarung „Auflösung gemeinsamer Haushalt“ am 9. Januar
2016 aufgelöst worden. Weil der Vollzug der Schenkung, welcher für die Bestimmung des
Steuertarifs massgebend sei (Art. 54 der Steuerverordnung [StV, bGS 61.111]), erst
später erfolgt sei, sei der Steuertarif für „übrige Empfänger“ von 32% anzuwenden
gewesen. Auch der gewährte Steuerabzug von Fr. 5‘000.-- sei aus diesem Grund nicht zu
beanstanden (Art. 146 Abs. 1 lit. b StG). Würde man der Ansicht der Beschwerdeführerin
folgen, dass die Lebensgemeinschaft erst mit Auflösung des gemeinsamen Haushaltes
per 20. Juni 2016 geendet habe, wäre zumindest die zweite Zahlung von Fr. 970‘000.--,
Seite 6
welche am 30. Juni 2016 überwiesen worden sei, mit einem Steuertarif von 32% zu
besteuern.
2.1.3. Würdigung
Der Schenkungssteuer unterliegen Zuwendungen unter Lebenden, mit denen die
empfangende Person aus dem Vermögen einer anderen Person ohne entsprechende
Gegenleistung bereichert wird (Art. 136 Abs. 1 StG). Zu den steuerbaren Zuwendungen
gehören insbesondere Schenkungen (Art. 136 Abs. 2 StGB). Ausgenommen sind einzig
Gelegenheitsgeschenke, soweit sie den Betrag von Fr. 2‘000.-- nicht übersteigen (Art. 139
Abs. 1 StG). Die Geldschenkung von D_ an die Beschwerdeführerin im Betrag von
insgesamt Fr. 1‘070‘000.-- stellt kein Gelegenheitsgeschenk dar und unterliegt deshalb
der Schenkungssteuer. Die Steuerhoheit steht jenem Kanton zu, in welchem die
schenkende Person im Zeitpunkt der Zuwendung Wohnsitz hatte (Art. 140 Abs. 1 lit. b
StG). D_ hat Wohnsitz in C_ (act. 11/1), weshalb die Steuerhoheit des Kantons
Appenzell Ausserrhoden gegeben ist. Steuersubjekt der Schenkungssteuer ist die
Beschwerdeführerin als beschenkte Person (Art. 141 Abs. 1 StG).
Erfolgt die Schenkung zugunsten des nicht verheirateten Lebenspartners, beträgt der
Steuertarif 12%. Werden Geschwister, Stiefeltern, Schwiegereltern, Schwiegersohn,
Schwiegertochter oder Grosseltern begünstigt, ist der Steuertarif auf 22% festzusetzen.
Schenkungen zugunsten übriger Empfänger sind mit einem Tarif von 32% zu besteuern
(Art. 147 Abs. 2 StGB). Strittig ist, ob die Schenkung nach dem Tarif für nichtverheiratete
Lebenspartner oder für übrige Empfänger zu besteuern ist. Die Besteuerung zum
privilegierten Tarif von 12% setzt das Bestehen einer Lebenspartnerschaft voraus. Der
Begriff „Lebenspartner“ wird im kantonalen Steuergesetz nur in Bezug auf die
Erbschaftssteuer definiert. So hält Art. 147 Abs. 2 StG fest, dass als Lebenspartner
diejenige Person gilt, die während fünf oder mehr Jahren vor dem Tod der verstorbenen
Person mit dieser in ununterbrochener Hausgemeinschaft gelebt hat, sofern die
verstorbene Person zu deren Unterhalt wesentlich beigetragen hat oder
Gemeinschaftlichkeit der Mittel bestand. Diese Bestimmung kann analog ohne weiteres
auch auf die Schenkungssteuer angewendet werden. Es ist unbestritten, dass die
Beschwerdeführerin während fünf oder mehr Jahren ununterbrochen mit dem
Schenkenden in einer Hausgemeinschaft gelebt hat und dass letzterer für den Unterhalt
der Beschenkten aufgekommen ist, bzw. Gemeinschaftlichkeit der Mittel bestand. Eine
Lebenspartnerschaft lag damit vor. Umstritten ist hingegen, ob die Lebenspartnerschaft
mit Unterzeichnung der Vereinbarung „Auflösung gemeinsamer Haushalt“ am 9. Januar
2016 oder erst mit dem effektiven Wegzug der Beschwerdeführerin geendet hat. Der
Seite 7
Gesetzgeber hat für die Umschreibung der Lebenspartnerschaft an die Kriterien
„gemeinsamer Haushalt“ und „Gemeinschaftlichkeit der Mittel“ angeknüpft. Das
Erfordernis einer „intakten Partnerschaft“ wird im Gesetz dagegen nicht erwähnt. Dies
erklärt sich damit, dass die Steuerbehörde im Allgemeinen unmöglich eruieren kann, ob
eine „seelische Verbundenheit“ besteht bzw. wann diese geendet hat. Die
Lebenspartnerschaft ist deshalb erst als beendet zu betrachten, wenn die gesetzlichen
umschriebenen Voraussetzungen nicht mehr erfüllt sind. Dass die Trennung bereits am 9.
Januar 2016 beschlossene Sache war, ist unerheblich, weil der gemeinsame Haushalt
und die Gemeinschaftlichkeit der Mittel offenbar auch danach noch eine gewisse Zeit
fortbestanden. Dass der gemeinsame Haushalt noch fortgesetzt wurde, folgt aus Ziff. 6
der Vereinbarung vom 9. Januar 2016, mit welcher sich die Beschwerdeführerin
verpflichtete, die Wohnung in C_ bis zum 1. März 2016 zu verlassen, sollte die
Wohnung in Ermatingen zu diesem Zeitpunkt bereits bezugsbereit sein (act. 2/6). Dies
war dann offenbar nicht der Fall, erfolgte der Auszug der Beschwerdeführerin doch erst
am 20. Juni 2016, was sich dem E-Mail der Gemeinde Ermatingen an die kantonale
Steuerverwaltung Appenzell Ausserrhoden entnehmen lässt (act. 11/7). Mit der
Aufhebung des gemeinsamen Haushalts am 20. Juni 2016 endete die
Lebenspartnerschaft.
Zu klären ist, ob die Schenkung vor oder nach Beendigung der Lebenspartnerschaft
erfolgte, bzw. welcher Zeitpunkt für die Bestimmung des anwendbaren Steuertarifs und
des Freibetrags massgebend ist. Die Schenkungssteuer ist eine sog. Rechtsverkehrs-
oder Rechtsübertragungssteuer. Besteuert wird die Übertragung oder der Übergang von
Rechten an Vermögen, genauer gesagt der tatsächliche Anfall bei der empfangenden
Person. Der Errichtungsakt, also das Schenkungsversprechen, löst die Steuer noch nicht
aus, sondern erst der Vermögensübergang, der auf Grund einer solchen Verpflichtung
erfolgt (IMTHURN, in: Klöti-Weber / Siegrist / Weber [Hrsg.], Kommentar zum Aargauer
Steuergesetz, 4. Aufl. 2015, § 142 N 18). Aus diesem Grunde hält Art. 142 Abs. 1
lit. c StG bzw. Art. 54 Abs. 1 StV fest, dass der Steueranspruch bei Schenkungen erst mit
dem Vollzug entsteht. Unter Vollzug ist der tatsächliche Vermögensübergang und nicht
ein davon abweichender vertraglicher Zahlungstermin zu verstehen. Dies folgt aus der
Natur der Schenkungssteuer als Rechtsverkehrssteuer. Der Zeitpunkt des
Vermögensübergangs, mit welchem der Steueranspruch entsteht, entscheidet über den
anwendbaren Steuertarif (IMTHURN, a.a.O., § 147 N 2). Unerheblich ist deshalb, dass die
Schenkung nach Vertrag bis zum 9. Februar 2016 hätte ausgerichtet werden müssen.
Wie die Beschwerdeführerin ausführt, erfolgte die erste Teilzahlung im Betrag von
Fr. 100‘000.-- am 30. März 2016 (act. 11/1). Zu diesem Zeitpunkt war die
Lebensgemeinschaft noch nicht beendet, weshalb der Steuertarif auf 12% festzusetzen ist
Seite 8
(Art. 147 Abs. 1 lit. a StG). Zu berücksichtigen ist ferner der Freibetrag im Umfang von
Fr. 10‘000.-- (Art. 146 Abs. 1 lit. a StG). Die restliche Zahlung im Betrag von Fr. 970‘000.--
erfolgte am 1. Juli 2016 (act. 11/1). In diesem Zeitpunkt war die Lebenspartnerschaft
beendet, sodass der Steuertarif für „übrige Empfänger“ nach Art. 147 Abs. 1 lit. c StG von
32% anzuwenden ist. Da ein Freibetrag zwischen den gleichen Personen nur einmal
gewährt werden kann (Art. 146 Abs. 2 StG), ist ein weiterer Steuerabzug nicht
zuzulassen.
2.2. Steuertarif und Steuerabzug betreffend Schenku ng des Fahrzeugs
2.2.1. Standpunkt der Beschwerdeführerin
Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sie mit dem Fahrzeug „Subaru Forrester“
bereits seit 2013 fahre und das Eigentum daran folglich bereits im Jahre 2013 an sie
übergegangen sei. Zu diesem Zeitpunkt habe unbestritten noch eine Lebensgemeinschaft
bestanden, weshalb der Steuertarif für Lebenspartner von 12% anzuwenden sei.
2.2.2. Standpunkt des Erbschaftsamtes C_ und der kantonalen Steuerverwaltung
Dass das Eigentum am Fahrzeug bereits im Jahre 2013 an die Beschwerdeführerin
übergegangen sei, treffe nicht zu. So sei in der Vereinbarung vom 9. Januar 2016 noch
festgehalten worden, dass sich dieses im Eigentum von Herrn D_ befinde.
Entsprechend habe D_ erklärt, dass das Fahrzeug Mitte 2016, worunter der 30. Juni
2016 zu verstehen sei, auf die Beschwerdeführerin überschrieben worden sei. Der
Vollzug der Schenkung sei mithin nach Auflösung der Lebenspartnerschaft erfolgt,
weshalb der angewendete Steuertarif von 32% nicht zu beanstanden sei.
2.2.3. Würdigung
In Ziff. 2 und 3 der Vereinbarung vom 9. Januar 2016 wurde ausdrücklich festgehalten,
dass sich das Fahrzeug „Subaru Forrester“ mit einem Occasionswert von Fr. 20‘000.-- im
Eigentum von D_ befinde (act. 2/6). Die Behauptung der Beschwerdeführerin, das
Eigentum am Fahrzeug sei bereits im Jahre 2013 an sie übergegangen, ist damit
widerlegt. Der Rechtsübergang soll nach Auskunft von D_ Mitte 2016 erfolgt sein (act.
11/8). Die Beschwerdeführerin selber nennt in ihrem Schreiben vom 20. Januar 2017 das
Datum vom 1. Juli 2016 (act. 11/1). Hinweise, an diesem Datum zu zweifeln, bestehen
nicht. Es ist folglich davon auszugehen, dass das Eigentum am Auto am 1. Juli 2016
übertragen worden ist. Der Rechtsübergang erfolgte somit nach Beendigung der
Seite 9
Lebenspartnerschaft (siehe Ziff. 2.1.3), weshalb der Steuertarif auf 32% festzusetzen ist
(Art. 147 Abs. 1 lit. c StG). Der Freibetrag nach Art. 146 Abs. 1 StG wurde bereits bei der
ersten Teilzahlung vom 30. März 2016 berücksichtigt und kann deshalb nicht erneut
gewährt werden (Art. 146 Abs. 2 StG).
2.3. Vertrauensschutz
2.3.1. Standpunkt der Beschwerdeführerin
Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sich D_ beim kantonalen Steueramt
Appenzell Ausserrhoden telefonisch nach den Steuerfolgen der von ihm geplanten
Vermögensübertragung erkundigt habe. Nach Schilderung der Situation habe man ihm
die Auskunft erteilt, dass eine relevante Lebenspartnerschaft vorliege. Ferner habe man
ihm gesagt, dass für die Festlegung des Steuertarifs nicht entscheidend sei, wann das
Geld fliesse, solange zwischen Trennung und Zahlung kein allzu langer Zeitraum liege.
Auch sei er darüber informiert worden, dass in seinem Falle der Steuertarif auf 12%
festzusetzen wäre. Im Vertrauen auf diese Auskunft habe D_ die Banküberweisung erst
nach dem vertraglich vereinbarten Vollzugstermin (spätestens 9. Februar 2016)
vorgenommen. Er sei deshalb in seinem Vertrauen zu schützen. Dass eine mündliche
Auskunft in vorgenanntem Sinne erfolgt sei, könne D_ jederzeit bezeugen. Dies lasse
sich auch aus der Schenkungssumme ableiten, welche auf einer Bedarfsrechnung
beruhe, der ein Steuersatz von 12% zu Grunde gelegt worden sei.
2.3.2. Standpunkt des Erbschaftsamtes C_ und der kantonalen Steuerverwaltung
Die kantonale Steuerverwaltung bestreitet, dass ein Telefonat mit D_ erfolgt sei. Die
Angestellten könnten sich daran nicht erinnern. Ohnehin seien telefonische Auskünfte
unverbindlich, denn bei einem mündlich geschilderten Sachverhalt könnten schnell
Missverständnisse entstehen oder Teile des Sachverhalts unpräzise erläutert werden.
Verbindliche Zusicherungen gebe die kantonale Steuerverwaltung deshalb nur auf
schriftliche Anfrage hin ab. Weil steuermindernde Tatsachen vom Steuerpflichtigen zu
beweisen seien, habe die Beschwerdeführerin die Rechtsfolgen der Beweislosigkeit zu
tragen.
2.3.3. Würdigung
Der in Art. 9 der Bundesverfassung (BV, SR 101) verankerte Grundsatz von Treu und
Glauben verleiht einer Person Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens in eine
Seite 10
unrichtige Auskunft einer Behörde, wenn die Auskunft vorbehaltlos erteilt wurde, sich auf
eine konkrete, den Bürger berührende Angelegenheit bezog, die Amtsstelle, welche die
Auskunft erteilte hierfür zuständig war oder vom Bürger aus zureichenden Gründen als
zuständig betrachten werden durfte, der Bürger die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne
Weiteres erkennen konnte, er im Vertrauen hierauf Dispositionen getroffen hat, die nicht
ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können, sich die Rechtslage seit der
Auskunftserteilung nicht geändert hat und das Interesse an der richtigen Durchsetzung
des objektiven Rechts dasjenige des Vertrauensschutzes nicht überwiegt (BGE 137 II 182
E. 3.6.1 S. 193). Im Abgaberecht ist der Vertrauensschutz als Folge der Bedeutung des
Legalitätsprinzips praxisgemäss nur mit Zurückhaltung zu gewähren. Eine vom Gesetz
abweichende Behandlung eines Steuerpflichtigen kann nur in Betracht fallen, wenn die
Voraussetzungen des Vertrauensschutzes klar und eindeutig erfüllt sind (Urteil des
Bundesgerichts 2C_947/2010 vom 5. Mai 2011 E. 3.1). Die unbelegte Behauptung einer
mündlichen Zusicherung oder Auskunft genügt nicht, um einen Anspruch aus
Vertrauensschutz zu begründen und ist zum Beweis von vornherein kaum geeignet
(Urteile des Bundesgerichts 8C_108/2017 vom 16. August 2017 E. 5.3.1; 8F_6/2013 vom
25. Juni 2013 E. 2). Wer sich auf eine mündliche Auskunft oder Zusicherung berufen will,
hat sich diese deshalb grundsätzlich von der Verwaltung schriftlich bestätigen zu lassen
(Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-568/2009 vom 17. Juli 2010 E. 2.3).
Die Beschwerdeführerin erblickt die schutzwürdige Vertrauensgrundlage in einem
Telefonat, das zwischen ihrem damaligen Lebenspartner und der kantonalen
Steuerverwaltung stattgefunden haben soll. Dieses Telefonat wird von der kantonalen
Steuerverwaltung bestritten, bzw. die Mitarbeiter können sich an dieses nicht mehr
erinnern. Eine schriftliche Bestätigung der behaupteten Auskunft hat sich die
Beschwerdeführerin bzw. D_ nicht geben lassen. Als Beweis in Frage kommt einzig die
Einvernahme von D_ als Zeuge. Da dieser mit seiner Schenkung die
Beschwerdeführerin (und nicht das Gemeinwesen) begünstigen wollte und er am
Ausgang des Verfahrens somit ein Interesse hat, könnte seinem Zeugnis kaum mehr
Bedeutung beigemessen werden als der Aussage der kantonalen Steuerverwaltung,
welche das Telefonat bestreitet. Zu beachten ist weiter, dass der Vertrauensschutz nur
greift, wenn die Auskunft gestützt auf eine richtige und vollständige
Sachverhaltsdarstellung erteilt wurde (Urteil des Bundesgerichts 9C_1033/2009 vom 30.
April 2010 E. 3.1). Hätte tatsächlich ein Telefonat stattgefunden, wäre es
unwahrscheinlich, dass sich D_ nach gut zwei Jahren noch exakt daran erinnern
würde, ob er sämtliche relevanten Sachumstände gegenüber der kantonalen
Steuerverwaltung dargelegt hat. Davon abgesehen ist der Zeugenbeweis in Steuersachen
überhaupt nicht zulässig (Art. 158 Abs. 2 StG). Auch mit der Behauptung, dass die
Seite 11
Schenkungssumme auf einer Bedarfsrechnung beruhe, welcher ein Steuersatz von 12%
zu Grunde gelegt worden sei, ist der Beweis, dass eine Auskunft im behaupteten Sinne
erteilt worden ist, nicht erbracht. Aus dem Gesagten folgt, dass keine Rede davon sein
kann, dass die Voraussetzungen des Vertrauensschutzes klar und eindeutig erfüllt sind,
wie dies im Abgaberecht erforderlich ist. Mangels einer bewiesenen Vertrauensgrundlage
kann sich die Beschwerdeführerin folglich nicht auf den Vertrauensschutz berufen.
2.4. Fazit
Die Schenkung vom 30. März 2016 im Betrag von Fr. 100‘000.-- ist, nach Abzug eines
Freibetrages von Fr. 10‘000.--, zum Steuersatz für nichtverheiratete Lebenspartner von
12% zu besteuern (Art. 147 Abs. 1 lit. a StG). Die Schenkung vom 1. Juli 2016 im Betrag
von Fr. 990‘000.-- (Geldschenkung von Fr. 970‘000.-- + Schenkung Fahrzeug im Wert von
Fr. 20‘000.--) ist zum Steuersatz für übrige Empfänger von 32% zu besteuern
(Art 147 Abs. 1 lit c). Ein weiterer Freibetrag ist nicht zu gewähren (Art. 146 Abs. 2 StG).
Mangels einer nachgewiesenen Vertrauensgrundlage ist die Beschwerdeführerin in ihrem
Vertrauen nicht zu schützen.
2.5. Kosten
2.5.1. Kostenverteilung
Im Rechtsmittelverfahren ist gebühren- und kostenpflichtig, wer ganz oder teilweise
unterliegt oder auf dessen Rechtsmittel nicht eingetreten wird (Art. 53 i.V.m. Art. 19 Abs. 3
und Art. 24 Abs. 2 Abs. 2 VRPG). Hat keine Partei vollständig obsiegt, so werden die
Prozesskosten nach dem Ausgang des Verfahrens verteilt. Bei Streitigkeiten mit einem
Streitwert beurteilt sich der Grad des Obsiegens in der Regel nach dem Verhältnis
zwischen dem im Rechtsbegehren gestellten Antrag und dem schliesslich zuge-
sprochenen Ergebnis. Der Streitwert entspricht vorliegend der Steuerersparnis im Falle
der Gutheissung der Beschwerde. Bei der Reduktion des Steuertarifs von 32 auf 12% und
unter Berücksichtigung eines zusätzlichen Freibetrags von Fr. 5‘000.-- beträgt diese
Fr. 217‘600.-- (Fr. 1‘085‘000 x 0.32% - Fr. 1‘080‘000 x 0.12%). Die Beschwerdeführerin ist
mit ihrer Rüge in Bezug auf die Schenkung vom 30. März 2016 durchgedrungen. Die
Schenkungssteuer reduziert sich dadurch von Fr. 30‘400.-- (95‘000.-- x 0.32) auf
Fr. 10‘800.-- (Fr. 90‘000.-- x 0.12), also um Fr. 19‘600.--. Im Übrigen ist die
Beschwerdeführerin unterlegen. Die Beschwerdeführerin hat damit zu gut 1/11 obsiegt.
Die Kosten sind ihr folglich zu 10/11 aufzuerlegen.
Seite 12
2.5.2. Gerichtsgebühr
Das Obergericht erhebt für seine Urteile in Verwaltungssachen Gebühren bis Fr. 5'000.--
(Art. 4a Abs. 1 des Gesetzes über die Gebühren in Verwaltungssachen [GGV,
bGS 233.2]). Gemäss Art. 20 VRPG sind innerhalb des Gebührenrahmens die Gebühren
nach dem Zeit- und Arbeitsaufwand, der Bedeutung des Geschäfts sowie nach dem
Interesse und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Gebührenpflichtigen zu
bemessen. In Berücksichtigung dieser Umstände erscheint vorliegend eine
Gerichtsgebühr von Fr. 3‘500.-- angemessen. Die Gerichtsgebühr wird der
Beschwerdeführerin zu 10/11, also zu Fr. 3‘182.-- (gerundet) auferlegt. Davon abzuziehen
ist der geleistete Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 1‘500.--. Die Beschwerdeführerin hat
dem Kanton folglich noch Fr. 1‘682.-- zu erstatten. Im Übrigen werden die Kosten auf die
Staatskasse genommen (Art. 53 Abs. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 VRPG).
2.5.3. Parteientschädigung
Gemäss Art. 53 Abs. 3 VRPG hat die obsiegende Partei in der Regel Anspruch auf eine
Entschädigung für die notwenigen Kosten und Auslagen. In Verwaltungssachen beträgt
das Honorar pauschal grundsätzlich Fr. 1‘000.-- bis Fr. 10‘000.-- (Art. 16 Abs. 1
Anwaltstarif [bGS 145.53]). Innerhalb des Rahmens der Pauschale ist das Honorar unter
Berücksichtigung von Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles
sowie den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten festzusetzen (Art. 17
Anwaltstarif). Vorliegend erscheint ein Honorar von Fr. 2‘500.-- angemessen. Zusätzlich
zu berücksichtigen sind die Barauslagen sowie die Mehrwertsteuer (Art. 3 Anwaltstarif).
Die Barauslagen werden mangels Bezifferung praxisgemäss mit 4%, vorliegend also mit
Fr. 100.-- (2‘500.-- x 0.04), veranschlagt. Die Entschädigung für die Mehrwertsteuer wird
auf Fr. 208.-- (Fr. 2‘600.-- x 0.08) festgesetzt. Die Parteientschädigung beläuft sich damit
insgesamt auf Fr. 2‘808.--. Da die Beschwerdeführerin zu 1/11 obsiegt, hat ihr die
Vorinstanz eine Parteientschädigung von Fr. 255.25 zu bezahlen (Fr. 2‘808.-- : 11). Der
zu 10/11 obsiegenden Vorinstanz ist keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 53
Abs. 1 i.V.m. Art. 24 Abs. 3 lit. a VRPG).
Seite 13