Decision ID: f59f24cd-083e-4947-83f1-1c27f872bdd9
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren1961
,
war vom 1. November 2014 bis 30. September 2015
bei
der A._ AG,
als
System Engineer
tätig
, wobei der letzte Arbeitstag am 7. Mai 2015
war (
vgl. Urk. 7/5/6-7, Urk. 7/7 Ziff. 5.4
). Unter Hinweis auf
Erschöpfung und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10 F33.3),
meldete sich der Versicherte am
1. September 2015 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/7 Ziff. 6.2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
gewährte dem Versicherten Frühinterventionsmassnahmen in Form eines Ausbildungs
kurses «reception@hotelleriesuisse» vom 5. Oktober bis 15. November 2015 (vgl. Urk. 7/14) respektive vom 15. November bis 31. Dezember 2015 (vgl. Urk. 7/22)
sowie Kostenübernahme für eine Laufbahnberatung (vgl. Urk. 7/21). Weiter wurden
die Kosten für eine wirtschaftsnahe Integration mit Support am Arbeits
platz durch die Genossenschaft B._ vom 1. März bis 31. April 2016 über
nommen (vgl. Urk. 7/30), woraufhin dort vom 1. November 2016 bis 31. Januar 2017 ein Arbeitsversuch erfolgte (Urk. 7/36). Nachdem der Versicherte eine von 1. Februar bis Ende April 2017 befristete Stelle in einem Pensum von 50 % bei der Genossenschaft B._ antreten konnte (vgl. Urk. 7/44), schloss die IV-Stelle die Eingliederungsmassnahmen per 31. Januar 2017 ab (Urk. 7/42).
Zur Klärung der medizinischen Situation holte die IV-Stelle beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD), namentlich bei C._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, und bei Dr. D._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, ein allgemeinmedizinisch/internistisches sowie ein psychiatrisches Gutachten ein, welche jeweils am 11. August 2017 erstattet wurden (Urk. 7/52-53).
Nach durchgeführt
em Vorbescheidverfahren (Urk. 7/59; Urk. 7/64) verneinte
di
e IV-Stelle mit Verfügung vom 17. April 2018 einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 7/68
=
Urk.
2)
2.
Der Versicherte erhob am 17. Mai 2018
Beschwerde gegen die Verfügung vom
17. April 2018
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
en
ihm
die gesetzlichen Leistungen aus dem Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG) zu erbringen, insbesondere seien ihm weitere berufliche Massnahmen zu gewähren, und mit Wirkung ab 1. Mai 2016 sei eine Rente auszurichten
(Urk. 1/1 S. 2
).
Die IV-Stelle beant
ragte mit Beschwerdeantwort vom 26. Juni 2018
(
Urk. 6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer
am 11. Juli 2018 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzel
fall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
to
ren,
die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
-
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE
141
V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1).
Die Anerkennung eines rentenbe
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl.
BGE 144 V 50 E. 4.3
).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in
Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbs
ein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüber
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenen
falls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (Urk. 2) damit, dass der Beschwerdeführer von September 2015 bis Januar 2017 mit beruflichen Massnahmen unterstützt worden sei. Er habe gegenüber dem Eingliederungsberater geäussert, dass der Anspruch auf eine Rente geprüft werden solle. Weitere beruf
liche Massnahmen erübrigten sich. Aus medizinischer Sicht führten die gestellten Diagnosen nicht zu einer dauerhaften und erheblichen Einschränkung der Arbeits
fähigkeit. Tätigkeiten im Informationsbereich sollten jedoch vermieden
werden, da dort grenzenlos gearbeitet werde und dies zu einer erneuten depressi
ven
Episode führen könne (S. 1 f.). Da der Beschwerdeführer während den Einglie
derungsmassnahmen von März 2016 bis Januar 2017 ein Taggeld beansprucht habe, wäre ein allfälliger Rentenanspruch gemäss Art. 29. Abs. 2 IVG frühestens ab Februar 2017 entstanden. Bei dem Bericht der behandelnden Ärzte vom 17. Mai 2018 handle es sich lediglich um eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhaltes (Urk. 6 S. 1 f.).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (Urk. 1/1) geltend,
die langjährige und schwerwiegende depressive Grunderkrankung gehe gemäss Beurteilung aller involvierten Ärzte mit ein
er generellen Leistungseinbusse
ein
her
. Alle involvierten Ärzte, inklusive RAD-Ärztin Dr. D._,
gingen davon aus, dass bei erneuter beruflicher Belastung analog der angestammten Tätigkeit
,
weitere akute depressive Zustän
de (Episoden) zu erwarten seien, weshalb für die bisherige Tätigkeit
eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert worden
sei. Eine ange
passte Tätigkeit werde lediglich im Umfang von 50 % für zumutbar gehalten
(S. 7 ff. Ziff. III). Zudem sei er bei der Wiedereingliederung zu unterstützen (S. 10
f.
Ziff. IV)
.
Bei einem Valideneinkommen ausgehend vom Lohn als SAP-Basis-Engineer und einem anhand der Rezeptions-Tätigkeit bei der Genossenschaft B._ bei einem Pensum von 50 % erzielten Verdienstes errechneten Invalideneinkommen resultiere ab Mai 2016 ein Invaliditätsgrad von 77 % und damit ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente (S. 11 f. Ziff. V).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der Invalidenversicherung.
3.
3.1
Dr. E._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie
,
nannte in ihrem undatierten,
am 2
6.
Oktober 2015
bei der Beschwerdegegnerin einge
gan
gen Bericht
(
Urk.
7/19/1-5)
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode, Erstmani
festation 200
5. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte Dr. E._ eine Gicht sowie eine arterielle Hypertonie. Es bestehe eine Leistungs
einbusse durch die
Antriebsstörung
und kognitive Einbussen (Ziff. 1.1)
.
Der Beschwerdeführer sei seit dem 7. Mai 2015 bei ihr in Behandlung, und die letzte Kontrolle sei am 20. Oktober 2015 erfolgt (Ziff. 1.2). In der zuletzt aus
geübten Tätigkeit als Informatiker bestehe seit dem 7. Mai 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Es bestehe eine verminderte Stresstoleranz, eine rasche Ermü
dung, eine fehlende Konzentrationsfähigkeit und ein reduziertes Durchhaltever
mögen. Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar. Die Frage nach einer behinderungsangepassten Tätigkeit könne erst nach voran
gegangenen Berufsfindungs- und Belastungserprobungsmassnahmen beantwortet
werden (Ziff. 1.6-7, Ziff. 3). Die medizinischen Massnahmen seien ausgeschöpft. Entscheidende Veränderungen seien nur über berufliche Rehabilitationsmass
nahmen zu erzielen. Bei Findung eines geeigneten Berufsprofils könne mit einer Erhaltung der Arbeitsfähigkeit auf einem veränderten Niveau gerechnet werden (Ziff. 1.8).
3.2
Dr. F._
,
Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin,
stellte in seinem Bericht vom
1
4.
Dezember 2015 (
Urk.
7/26/1-7)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
rezidivierende depressive Störung mit schwerer Episode (ICD-10 F33.3), bestehend von Mai bis September 2015
-
Erschöpfung
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte Dr. F._ eine seit etwa 2014 bestehende Arthritis urica sowie eine arterielle Hypertonie, essentiell seit etwa 2005 (Ziff. 1.1).
Dr. F._ führte aus, der Beschwerdeführer sei seit dem 13. November 2014 bei ihm in Behandlung, und die letzte Kontrolle sei am 11. August 2015 erfolgt (Ziff. 1.2). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Informatiker bestehe seit dem 19. Juni 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, aktuell bis 31. Dezember 2015 (Ziff. 1.6
). Die angestammte Tätigkeit sei allenfalls noch zu 50
%
möglich, dies sei aber auch nicht im Interesse des Versicherten. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei ab Januar 2016 im Umfang von 20
%
mit gradueller Steigerung der Arbeitsfähigkeit ohne Schichtarbeit möglich (
Ziff.
1.7).
3.3
G._, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, und Dr. H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
, stellten in ihrem undatierten, am 20.
Januar
2017
bei der Beschwerdegegnerin eingegangenem Bericht
(Urk. 7/41) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.2):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), Erstmanifestation im Jahr 2000 nach Scheidung von der Ehefrau
-
Burnout
Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich verbessert (Ziff. 1.1). Die Fachpersonen führten aus, der Beschwerdeführer befinde sich seit dem 9. November 2015
einmal wöchentlich bei der unterzeichnenden Psychologin in Behandlung, und die letzte Kontrolle sei am 10. Januar 2017 erfolgt (Ziff. 3.1). Die bisherige Tätigkeit sei etwa zwei bis drei Stunden und eine angepasste Tätig
keit im Umfang von vier bis fünf Stunden pro Tag möglich (Ziff. 2.1).
Es bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit von 50
% (Ziff. 2.2).
Die Fachpersonen führten aus, eineinhalb Jahre nach einem schweren Rückfall der rezidivierenden depressiven Störung erscheine der Genesungsprozess beim Beschwerdeführer als stagniert. Nach wie vor persistierten eine limitierende Antriebsminderung, Müdigkeit, eine erhöhte Erschöpfbarkeit, Konzentrations
schwie
rig
keiten und ein erhöhtes Schlafbedürfnis, was eine volle Arbeitsfähigkeit als prognostisch eher unwahrscheinlich erscheinen lasse (Ziff. 3.3).
3.4
Am 11. August 2017 erstattete C._, RAD, das von der Beschwer
degegnerin veranlasste allgemeinmedizinisch/internistische Gutachten (Urk. 7/52).
C._ konnte nach Untersuchung des Beschwerdeführers am 7. August 2017 keine Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
stellen. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine Gicht-Arthropathie, einen Hypertonus und eine asymptomatische Leistenhernie links mehr als rechts (Ziff. 8)
.
C._ führte aus, aus allgemeinmedizinisch-internistischer Sicht sei der Beschwerdeführer voll leistungsfähig. Ein Gesundheitsschaden, welcher die Arbeitsfähigkeit in der bisher ausgeübten Tätigkeit einschränken würde, habe nicht gefunden werden können (Ziff. 10).
3.5
Dr. D._, RAD, erstattete am 11. August 2017 das von der Beschwerdegegnerin veranlasste psychiatrische Gutachten (Urk. 7/53). Dr. D._ nannte nach Unter
suchung des Beschwerdeführers am 7. August 2017 als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remit
tiert (ICD-10 F33.4) bei Persönlichkeitsakzentuierung mit vermeidenden und narzisstischen Zügen (Ziff. 10). Dr. D._ führte aus, i
n Bezug auf die bisherige Tätigkeit als Informatiker bestünden mittelgradige Einschränkungen in der Fähig
keit zur Planung und Strukturierung, der Flexibilität und
der
Umstellungs
-
sowie
Durchhaltefähigkeit.
Es bestünden leichtgradige Einschränkungen in der Kon
takt
fähigkeit zu Dritten und in der Selbstbehauptungsfähigkeit sowie in der Fähig
keit zu ausserberuflichen Aktivitäten.
Das Belastungsprofil bestehe in einer strukturierten Tätigkeit mit definiertem Beginn und Ende, in einem kleinen Team mit wohlwollendem Vorgesetzten, wie zum Beispiel als Mitarbeiter des Betriebsteams der Genossenschaft B._.
In der bisherigen Tätigkeit bestehe seit dem 7. Mai 2015 eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit. Auch in einer angepassten Tätigkeit habe vom 7. Mai 2015 bis Januar 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Seit dem 1. Februar 2017 bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Eine Steigerung auf 80 % bis 100 % sollte nach Eingewöhnung möglich sein. Um die Arbeitsfähigkeit zu erhalten und sogar zu erhöhen, seien berufliche Massnahmen dringend emp
fohlen.
Dr. D._ führte aus, es liege aktuell
keine depressive Symptomatik mehr vor. Es
bestünden jedoch verschiedenen Ängste, wie Versagensängste oder auch die A
ngst davor, nicht geliebt zu werden,
was dazu fü
hre, dass der Beschwerdeführer
die Tendenz habe, sich zu verausgaben. Es falle ihm schwer, eigene Grenzen zu setzen
. Um (unbewusst) einem neuen Zusammenbruch vorzubeugen, würden Ver
meidungsstrategien angewendet. Aus diesem Grund sollte der Versicherte nicht mehr in der angestammten Tätigkeit arbeiten, da gerade im Informationsbereich grenzenlos gearbeitet werden könne, und es so sehr bald zu einer erneuten depressiven Episode kommen könne. Bei einer Tätigkeit mit angegebenem Belastungsprofil und langsamem Aufbau des Arbeitspensums sei die Gefahr eines Einbruchs eher gering (Ziff. 11).
Zum psychopathologischen Befund führte Dr. D._ aus, während der gesamten Untersuchungszeit hätten Aufmerksamkeit und Konzentration aufrechterhalten werden können. Die Gedächtnisleistung des Beschwerdeführers sowie die Auf
fassungsgabe seien im Gespräch unauffällig gewesen. Es hätten keine formalen Denkstörungen bestanden. Im Affekt sei der Versicherte euthym, und die Schwingungsfähigkeit sei uneingeschränkt gewesen. Ebenso seien Antrieb und Psychomotorik während der Untersuchung unauffällig gewesen (Ziff. 8). Bei der Prüfung der Parameter der funktionellen Leistungsfähigkeit in Anlehnung an den Mini-ICF habe der Versicherte angegeben, es bestünden aufgrund der schnellen Erschöpfbarkeit und des Antriebs- sowie Motivationsmangels eine mittelgradige Einschränkung bei der Planung und Strukturierung von Aufgaben sowie bei der Durchhaltefähigkeit. Weiter seien aufgrund der akzentuierten Persönlichkeitszüge die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit mittelgradig eingeschränkt. Wegen der schnellen Erschöpfbarkeit bestünden auch leichtgradige Einschränkungen in der Fähigkeit zu ausserberuflichen Tätigkeiten (Ziff. 10).
3.6
G._
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, und
Dr.
I._
,
Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie,
stellten in ihrem
Bericht vom 1
7.
Mai 2018 (
Urk.
3/3)
folgende Diagnosen (S. 1 Ziff. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, aktuell teilremittiert, das heisse gegen
wärtig noch einer leicht bis maximal mittelgradigen depressiven Episode entsprechend, Differenzialdiagnose atypische Depression (ICD-10 F32.8)
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge (selbstunsicher-vermeidend, narzisstisch
)
Die Fachpersonen führten aus, der Beschwerdeführer befinde sich seit dem 18. Mai
2015 in ihrer Gruppenpraxis in psychotherapeutischer Behandlung, zunächst bei Dr. E._ und seit dem 9. November 2018 bei der unterzeichnenden Psychologin (S. 1 Mitte).
In der bisherigen Tätigkeit bestehe seit dem
7.
Mai 2015 eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit. In einer angepassten Tätigkeit bestehe seit dem
1.
Februar 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
.
Eine Steigerung sollte nach Eingewöhnung möglich sein. Begründet werde die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mit den persistie
renden psychischen Beschwerden (verminderter Antrieb, reduzierte Vitalgefühle und Müdigkeit, erhöhte Erschöpfbarkeit, gesteigertes Schlafbedürfnis, kognitiv-mnestische Einschränkungen), ferner aber auch in der Persönlichkeitsakzen
tuie
rung des Patienten mit einer Tendenz sich zu verausgaben (S. 6 Ziff. 5.3). Unab
hängig davon, wie die
anhaltenden Beschwerden des Patienten diagnostisch ein
geordnet würden, bestehe Konsens darüber, dass mittelgradige Einschränkungen in Bezug auf die bisherige Tätigkeit als Informatiker bestünden (S. 5
Ziff.
5.2).
Bei der Wiederaufnahme der angestammten Tätigkeit sei eine erhebliche Gesund
heitsverschlechterung mit voller Arbeitsunfähigkeit zu erwarten (S. 6 oben). Das Belastungsprofil werde in Übereinstimmung mit der Einschätzung von Dr. D._ festgelegt. Weiter sei ein wenig stressintensives Arbeitsumfeld zu empfehlen, und eine Tätigkeit mit andauernd hohen Anforderungen an die Konzentration sei zu vermeiden.
Die Stimmung des Patienten wirke im Gespräch tatsächlich nicht depressiv herabgemindert
. Er beurteile diese im Rahmen des Selbstbeurteilungs
fragebogens BDI-II jedoch als «ständig traurig». Wie sehr dies tatsächlich zutreffe oder nicht, sei schwierig zu beantworten, vor allem, weil der Beschwerdeführer auf Anfrage
im Gespräch hierbei widersprüchliche Angaben
mache (S. 4 unten).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrer angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) in medizinischer Hinsicht
im Wesentlichen
auf die RAD-Gutachten von
C._
sowie von
Dr. D._
vom Aug
ust 2017 (vgl. vorstehend E. 3.4-5
).
Während sich in somatischer Hinsicht anläss
lich der Begutachtung bei
C._
kein Gesundheitsschaden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit objektivieren liess, was so mit der übrigen Aktenlage übereinstimmt
(vgl. vor
stehend E. 3.2
) und auch nicht bestritten wurde (vgl. vorstehend E. 2.2), verneinte die Beschwerdegegnerin abweichend von der psychiatrischen Einschätzung von
Dr. D._
das Vorliegen eines aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht rele
van
ten Gesundheitsschadens, weshalb auch keine Indikatorenprüfung
(vgl. vor
stehend E. 1.3)
vorgenommen wurde (vgl. vorstehend E. 2.1,
Urk.
7/67 S. 2 Mitte).
4.2
Vorab ist festzuhalten, dass das psychiatrische Gutachten von
Dr. D._
die Anfor
derungen an eine beweiskräftige E
xpertise (vgl. vorstehend E. 1.6
) nicht erfüllt. Der Beschwerdegegnerin ist dahingehend zu folgen, dass rein von de
r
von
Dr. D._ gestellten
Diagnose einer
gegenwärtig remittierten
rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F33.4) bei Persönlichkeitsakzentuierung mit vermei
denden und narzisstischen Zügen, aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht keine relevanten Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ausgewiesen
sind
, zumal auch akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1) als Z-Diagnose nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheitsschadens fallen (Urteil des Bundes
gerichtes 9C_894/2015 vom 25. April 2016 E. 5.1).
Zudem dürfte die
von Dr. D._ lediglich rudimentär festgestellte
Persönlichkeits
akzentuierung
, welche abgesehen davon bis zu diesem Zeitpunkt von keinem der übrigen behandelnden Ärzte festgestellt wurde (vgl. vorstehend E. 3.1 und E. 3.3),
schon
bestanden haben
,
als
der der Beschwerdeführer noch in der angestammten Tätigkeit vollerwerbstätig war, ohne dass sie sich
nachweislich negativ ausge
wirkt hätte
. Weiter erscheinen die von
Dr. D._
genannten Einschränkungen des Beschwerdeführers in der angestammten Tätigkeit als Informatiker bei weitgeh
end unauffälligem psychopathologischen Befund nicht nachvollziehbar. Insbe
so
n
dere stellte Dr. D._
ein
en unauffälligen
Antrieb
fest und berichtete weiter über eine unauffällige
Aufmerksamkeit
s-
, Konzentration
s- und
Gedächtnis
leis
tung
sowie über eine unauffällige Auffassungsgabe
. Weshalb dann allein gestützt auf die
subjektiven
Angaben des Beschwerdeführers, unter Verweis auf schnelle Erschöpfbarkeit sowie
Antriebs- und Motivationsmangel
schlussendlich
bis zu mittelgradige Einschränkungen angenommen wurden, erscheint nicht plausibel.
Auch kann die
zuletzt ausgeübte
Tätigkeit des Beschwerdeführers als System Engineer nicht einfach mit sämtlichen Tätigkeiten in der Informatikbranche gleichgesetzt werden, handelt es sich dabei doch um einen sehr spezialisierten Bereich mit hohen Anforderungen
, Zeit- und Leistungsdruck, was nicht allen Tätigkeiten im Informatikbereich immanent ist
.
Dass die letzten Arbeitsstellen des Beschwerdeführers als System Engineer mit zuviel Stress für ihn einhergingen, indem er Schicht- und Pikettdienst leisten musste und unter massivem Zeit- und Leistungsdruck stand, diese Tätigkeiten mithin bei
der vorhandenen rezidivierenden
Störung eine erhebliche Rückfall
gefahr in sich bergen, erweist sich als nachvollziehbar. Als nicht nachvollziehbar erweist sich jedoch eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Infor
matikberufen. Jedoch unterblieben
insgesamt genauere Abklärungen
dazu, ob der Beschwerdeführer in einem anderen Informatikbereich mit geregelten Arbeitszeiten und weniger hohen Anforderungen arbeitsfähig wäre, wobei diesbezüglich aufgrund seiner langjährigen spezialisierten Tätigkeit
in einem Bereich
abzu
klä
ren wäre, ob er überhaupt das Wissen und Können
für einen anderen Infor
matikbereich
mitbringen würde
, und welches seine Verdienstaussichten wären
.
Vor diesem Hintergrund und der
grundsätzlichen
Annahme, dass im Rahmen einer angepassten Tätigkeit die verbleibende Restarbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise
vollständig
au
sgeschöpft werden soll, erweist
sich auch
das von Dr. D._
formulierte
Belastungsprofil
für eine angepasste Tätigkeit
als
nicht nachvoll
zieh
bar, da die Formulierung nahe einer Tätigkeit im geschützten Rahmen liegt.
Nicht zu überzeugen vermag weiter die Annahme von Dr. D._, dass selbst in einer angepassten Tätigkeit vom 7. Mai 2015 bis 31. Januar 2017 eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit bestanden haben soll, nahm der Beschwerdeführer doch seit Oktober 2015 aktiv an verschiedenen Eingliederungsmassnahmen teil (vgl. vor
stehend Sachverhalt Ziff. 1). Schlüssige Aussagen zum tatsächlich vorhandenen Leistungsvermögen des Beschwerdeführers in angestammter und in einer ange
passten Tätigkeit lassen sich weiter mangels hinreichender Plausibilität und Diffe
renzierung weder den Berichten der behandelnden Psychologin G._
vom Januar 2017 und vom
Mai 2018 (vgl. vorstehend E. 3.3 und E. 3.6
)
noch den übrigen Akten entnehmen.
4.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der entscheidrelevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
4.4
Vorliegend fehlt es an einer aussagekräftigen medizinischen Grundlage zur Feststellung des tatsächlichen Leistungsvermögens des Beschwerdeführers und
damit
zur Bestimmung des Invaliditätsgrades.
Die Sache ist deshalb in Aufhebung der angefochtenen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in psychiatrischer Hinsicht gutachterlich abklären lässt. Dabei
wird
sich
das Gutachten
insbesondere eingehend zur Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit als Systeem Engineer, in einer Verweistätigkeit in der Infor
matik- sowie in einer anderen Branche und erforderlichenfalls zu den Stand
ard
-
indikatoren zu äussern haben. Danach hat die Beschwerdegegnerin über das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers und über allfällige weitere Eingliede
rungs
massnahmen neu zu entscheiden.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gut
zuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG), auf Fr. 7
00.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerde
gegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Ausgangsgemäss steht dem obsiegenden Beschwerdeführer eine Prozessentschä
digung zu, die gemäss Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34
GSVGer
– ohne Rücksicht auf den Streit
wert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen ist. In Anwendung dieser Kriterien ist die Parteien
tschädigung vorliegend auf Fr. 2’3
00.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und der Beschwer
degegnerin aufzuerlegen.